Ur. S77. BbennemfntS'Bedlngungfn: Wonnemenls- Preis pränumerando: «ierteljährl. 3�0 9Rf., monatl. 1,10 TOt, eoöchenllich 28 Pfg, frei ms Haus. llinzelne Plummer 5 Pfg, Sonntags. riummer mit illuilriertcr Sonmags- Beilage.Die Reue Welt' 10 Psg. Post- Äbonnemenl: 1.10 Marl pro Monat. Eingetragen in»ie Post Zeitunas- Preisliste. Unter Nrcujband für Tcutichland und Oesterreich. Ungarn 2 Mark, für das übrige Ausland 0 Marl pro Monat. PostabonncmentS uchmen an: Belgien. Däneniark, Holland. Italien. Luxemburg. Portugal. Rumänien. Schweden und die Schweiz. Ä6. Jahrg. Crtdlclnl ljigil» aadsr llonlag». Verlinev VolKsblatk. vie InleMonz-Ledilftr veträgt für die fcchsgespaltcne Kolonel- zeilc oder deren Raum BO Pfg., für politische und geivcrkschaftliche Berelns- und BersamniluiigS-Wizeigeii M Psg. „Aleine Snielgcn", das erste kjeit- gedruckte) Wort 20 Pfg., jedes weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlaf- slcllcn-Anzcigcn das erste Wort 10 Psg. jedes weitere Wort 5 Psg. Worte über 15 Buchstaben zahlen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis»Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ijt bis 7 Uhr abends gcössuet, Telegramm-Adresse: „Sozialdemokrat Btrlin1*. Zentralorgan der lozialdemokrati fchen parte» Deutfchlands. Redaktion: 881. 68, Lindenstraasc 69. Fernsprecher: Amt IT, Nr. 1983. Halle zurückerobert! Halle i st wieder unser! Der Wahlkreis, der «bereits von 1890 bis 1893 und dann wiederum von 1890 bis 1906 sozialdemokratisch vertreten war, uns aber bei den Hottcntottcnwahlen verloren ging, ist nunmehr zurückerobert worden. Bei der Wahl im Jahre 1907 erhielt zwar der sozial- demokratische Kandidat, Genosse K u n e r t, 1500 Stimmen mehr als im Jahre 1903, allein infolge der Heranziehung der„Partei der NichtWähler" wuchs zugleich die Stimmenzahl des gegnerischen Kandidaten, des freisinnigen Volks- parteilers, um fast 6000 Stimmen über die Zahl der Wähler hinaus, die im Jahre 1903 für die beiden freisinnigen Gegenkandidaten gestimmt hatten. Während Genosse Kunert im Jahre 1903 20 439 Stimmen erhalten hatte, wurden 1907 21 941 Stimmen für ihn abgegeben. Die Zahl der freisinnigen Stimmen wuchs in dem gleichen Zeitraum von 19 388 auf 25 249 Stimmen. Diese Stimmenzahl wurde nur da- durch erreicht, daß man Tausende von Wählern zur Wahlurne herangeschleppt hatte, die sich bei früheren Wahlen der Stimme enthielten. Stieg doch die Wahlbeteiligung von 83,5 Proz. im Jahre 1903 auf 89 Proz. im Jahre 1907. Jetzt hat Kunert, der sozialdemokratische Kandidat, bereits 22 000 Stimmen auf sich vereinigt, während der freisinnige Gegenkandidat Rciniann erst 19 000 Stimmen erhalten hat. Der sozialdemokratische Kandidat hat also bereits zur Stunde, wo wir dies nieder- schreiben, mehr Stimmen erhalten, als im Jahre 1907, während der f r e i f i n n i g e Kandidat nochummehrals 6000 StimmenhinterderStimme nz a h l z u r ii ck- g e b l i e b e n i st, die er bei den H 0 t t e n t 0 t t e n w a h l e n auf sich vereinigte! Die Erbitterung der Wähler über die Steuerausplünderung der Massen und die von dem Frei- sinn bis unmittelbar vor der Entscheidung dabei geleisteten schmachvollen Helfersdienste haben also auch in diesem Wahl- refultat ihren unverkennbarsten Ausdruck gefunden! Der Wahlkanrpf»st von dem Freisinn und dem mit ihm verbündeten reaktionären Klüngel auch diesmal mit dem Aufgebot aller Kräfte geführt worden. Der Freisinn entblödete sich nicht, in Gestalt einer sogenannten liberalen Wählerzeitung all die blödsinnigen und infamen Verleum- düngen gegen die Sozialdemokratie zu wiederholen, die von der Neichsverbandspresse bereits seit Jahren gegen die Sozial- demokratie erhoben und von der sozialdemokratischen Presse mehr als einmal gründlich widerlegt worden sind! Die sozialdemokratischen Widerlegungen wurden in diesen freisinnigen Wahlflug- schristen einfach ignoriert: die Reichsverbandslllgen wurden mit erstaunlicher Dreistigkeit als völlig neue und un- erschütterte Enthüllungen vorgetragen. Daß die Wähler trotz- dem auf diesen frivolen Schwindel nicht hereingefallen sind, beweist die Aussichtslosigkeit des reichsverbändlerischen Lügen- feldzuges. In Halle vereinigten Konservative und Freisinnige ihre Kräfte, um auch diesmal den sozialdemokratischen Kandidaten aus dem Felde zu schlagen. Die Sozialdemokratie ihrerseits führte den Kampf gegen den geeinten bürgerlichen Block mit aller prinzipiellen Schärfe, unter kräftigster Betonung des sozialistischen Endziels. Um so klarer spiegelt der sozial- demokratische Wahlsieg in Halle die Stimmung der Mehrheit der Wähler wider I Auch die skandalöse Stellungnahme des Sc- natcs der Universität Halle gegen die Sozial- demokratie war ein Schlag ins Wasser. Trotz aller studentischen Schlepperdienste ließ sich die Mehrheit der Wähler nicht für den freisinnigen Kandidaten ins Feuer führen! �, Ein späteres W 0 l f f- T e l e g r a m in lautet: Bei der heutigen Reichstagswahl wurden abgegeben für Kunert 25 553 Stimmen, für Reimann sfrs. V-lksp.) 21 208 Stimmen. Es fehlen nur noch einige kleine ländliche Bezirke, so daß die Wahl KuuertS gesichert ist. Nach diesem Resultat hat Genosse Kunert 3612 Stimmen mehr erhalten als im Jahre 1907, während der freisinnige Gegenkandidat bis jetzt 3951 Stimmen weniger erhalte» hat, als der freisinnige Kandidat bei den Hottentottenwahlen. Also auch in Halle ein gewaltiges Anwachsen der sozial- demokratischen Stimmen und ein ebenso starker Rückgang der bürgerlichen Stimmenzahl l Ceutcnot. Aus Schleswig-Holstein wird uns geschrieben: Seit Jahrzehnten bildet die angebliche Leutenot den Gegenstand ständiger Klagen der Agrarier. Wie die vor- nehmen Damen im Kaffeeklatsch über das„Dicnstbotenelend", so jammern Gutsbesitzer und Großbauern über die Leutenot. Ihre beweglichen Klagen entspringen ihrem Schmerz darüber, daß die ländlichen Zustände von vor fünfzig Jahren sich nicht wiederherstellen lassen. Damals waren landwirtschaftliche Arbeitskräfte im Ucbcrfluß vorhanden. Jahrcslöhne von 20— 30 Talern für Knechte und 10— 20 Talern für Mägde waren durchaus keine Seltenheit. Die Landarbeiter mußten froh sein, wenn sie überhaupt nur Unterkimmen fanden. Für sie gab es keinen anderen Ausweg, ihrem Elend zu entfliehen, als auszuwandern. Tatsächlich haben ja auch in früheren Jahrzehnten Tausende von Landarbeitern ihre Heimat ver- lassen, um dem agrarischen Paradies zu entfliehen. Heute liegen die Verhältnisse anders. Heutzutage geht der Zug der überschüssigen Landbevölkerung in die Großstädte und Industriezentren. Die imnier gewaltiger sich ausdehnende Industrie findet in den bedürfnislosen Landarbeitern willige und billige Arbeitskräfte und die Landarbeiter ziehen selbst die schlcchtest entlohnte Fabrikarbeit der Arbeit unter der Fuchtel der Agrarier vor. Der Landarbeiter oder Kleinbauer, der den Segen der Landarbeit sein ganzes Leben lang am eigenen Leibe genugsam erfahren hat, läßt seine Kinder, wenn er es irgend erschwingen kann, ein Handwerk erlernen oder nach der Großstadt in die Fabrik gehen. Und so kehren gerade die besten und intelligentesten Arbeiter dem Lande den Rücken. Tie Wortführer der Agrarier drücken oft ihre heuchle- rische Verwunderung darüber aus, daß die Industriearbeiter sich dem Elend der Arbeitslosigkeit preisgeben: sie brauchten ja einfach nur aufs Land zu gehen, wo Arbeit genug vor- handen sei. Aber wer die Verhältnisse auf dem Lande kennt, wird keinem Arbeiter verdenken, daß er nicht ins Junker- Paradies zurück will. Zwar sind die Löhne gegen früher prozentual nicht unerheblich gestiegen, aber was will das de- sagen! Welcher Landarbeiter hat wohl die Mittel, auch nur an den allerbeschcidcnsten Kulturgenüssen teilzunehmen! Die Landarbeiter, die Staatssteuern bezahlen, also über 900 M. im Jahre verdienen, werden an den Fingern herzuzählen sein. Die große Mehrzahl hat ein weit geringeres Ein- kommen. Das bezieht sich selbstverständlich auf die älteren, verheirateten Arbeiter, die eigene Wohnung haben und von diesem Einkommen ihren und ihrer Familie ganzen Lebens- unterhalt bestreiten müssen. Die Dicnstknechte und-mägdc, die bei ihrer Dienstherrschaft in Kost und Logis sind, ver- dienen an barem Lohn weit weniger. Dicnstknechte mit einem Geldlohn von 500 M. jährlich sind sehr selten: im allgemeinen wird ein Jahrcslohn von 300—400 M. schon als sehr hoch angeschen. Und nun die Wohnungsverhältnisse! Sind die Wohnhäuser der verheirateten Arbeiter schon oft schlechter als die Schweineställe auf den Gütern, so spotten die den Knechten und Mägden zugewiesenen„Wohnzimmer" auf den Gütern und Bauernhöfen oft jeder Beschreibung. Nicht selten muß der Knecht direkt im Stall, nur durch einen Bretterverschlag vom Vieh getrennt, schlafen. Ein Koffer, worin er seine Habseligkeiten aufbewahrt, macht oft das ein- zige Mobiliar aus— kein Tisch, kein Stuhl! Als Waschgefäß dient der Stalleimer. Die Arbeitszeit ist überhaupt nicht gc- regelt. Gearbeitet wird iin Frühjahr, Sommer und Herbst bei der Feldbestellung und Ernte, im Winter bei der Bcsor- gung des ViehS vom frühen Morgen bis zum späten Abend bis an die Grenze der physischen Leistungsfähigkeit. Einen freien Tag gibt es in der Regel nur alle vier Wochen. Die Beköstigung ist vielfach miserabel. Die patriarchalischen Zeiten, wo Dienstherrschaft und Gesinde an eineni Tische aßen, sind vorbei. Jetzt wird auch auf den kleinsten Bauern- Höfen, wo nur ein oder zwei Leute beschäftigt find, für die Dienstboten extra gekocht, und was da manchmal auf den Tisch kommt, davon macht sich der in dieser Beziehung doch auch nicht gerade verwöhnte großstädtische Arbeiter keinen Begriff. Was die Landarbeiter aber am meisten bedrückt, das»st das Ausnahmcrecht, unter dem sie stehen, die mittelalterliche G e s i n d c 0 r d n u n g, die an die Zeit der Leibeigenschaft erinnert: sie, die die Landarbeiter an der Vereinigung zum Zwecke der Erlangung günstigerer Lohn- und Arbeitsbedin- gungen hindert, ihrer persönlichen Freiheit beraubt und der ungerechtesten Behandlung durch ihre Dienstherrschaft wehr- los preisgibt. Es ist daher begreiflich, wenn die Landarbeiter die het- matliche Scholle verlassen und die Fron in Fabriken und Bergwerken immer noch der Sklaverei auf dem Lande vorziehen. Die Herren Agrarier brauchten bloß menschen- würdige Zustände in ihren Betrieben zu schaffen, brauchten bloß die Abschaffung der Gcsindcordnung anzustreben— und sie würden sich über keine Lcntenot mehr zu beklagen brauchen. Aber das wollen sie nicht! Sie wollen die Land- arbeiter in Abbängigkeit erhalten. Lieber locken sie, die sich so gern als Schützer der nationalen Arbeit aufspielen, aus- ländische Arbeiter heran, als daß sie den einheimische» Ar- Expedition: 88l. 68, Lindenetrassc 69, Fernsprecher: Amt IT, Nr. 1981. beitern die bescheidensten Menschenrechte gewähren! Die Landarbeiter haben unter den politischen Parteien keine andere Fürsprecherin und Helferin als die Sozialdemokratie. Der energische, rücksichtslose Kampf für die Abschaffung der Gesindeordnung und für die Hebung der Lebenslage der Land- arbeiter wird der Sozialdemokratie auch die Sympathie des ländlichen Proletariats erwerben! vie Kahl des Stadtverordneten Dr. Iflugdan ungültig. Gestern hat das Oberverwaltungsgericht die vom BezlrkSauS- schuß ausgesprochene Ungültigkeitserklärung des Stadtverordneten Mandats des Reichstags- abgeordneten Dr. Mugdan bestätigt. Am 11. November 1908 wurden in der zweiten Abieiliuig des b. Berliner Kommunalwahlbczirks für den sozialfortschriltlichei: Kandidaten Professor Richert 474, für Dr. Mugdan 472 Stimmen abgegeben. Zwei Stimmen entfielen auf den Berliner Polls- schnllchrer Heidcnrcich, eine Stimme war ungültig, weil keine bestimmt erkennbare Person als gewählt bezeichnet war. ES hätte mithin, da ein Volksschullehrer in der Gemeinde, in der er wohnt, nicht wählbar ist. also nur 946 gültige Stimmen abgegeben waren, Professor Richert als gewählt vom Wahlvorstand prokla- miert werden müssen. Wir haben das nach der Hauptwahl auf Grund des Z 26 Absatz 1 der Städteordnung und der ständigen Judikatur des Obervcrwaltungßgerichts ausführlich dargelegt. Das geschah aber nicht. Vielmehr trat das Ungeheuerliche ein: Der Wahlvorstand proklamierte überhaupt nicht, vielmehr setzte der Magistrat an seiner Stelle Stichwahl an. In der Stichwahl siegte am 3. Dezember Dr. Mugda». Gegen die Wahl wurde von sozialfortschrittlichcr Seite Protest eingelegt. Vergeblich legten im Wahlausschuß S t a d t h ag e n dar, daß beide Gründe zuträfen, vergeblich im Plenum auch Dr. Preuß. Der Wahlausschuß der Stadtverordneten schlug mit 9 gegen 5 Stimmen die Gültigkeit der Wahl vor und die Stadtverordneten- Versammlung erklärte am 4. Februar mit 82 gegen 34 (sozialdemokratische und sozialfortschrittliche) Stimmen die ungül» tige Wahl Mugdans für gültig. Der Bezirksausschuß kassierte am 16. Juni wie unsere Leser sich entsinnen, aus beiden gegen die Rechtmäßig- keit der Wahl geltend gemachten Gründen das Mandat des Stadt- verordneten Dr. Mugdan.« Gegen das Urteil legte die Stadtverordnetenversammlung Berufung ein. In der gestrigen Verhandlung vor dem Over- Verwaltungsgericht wurde sie durch I u st i z r a t Cassel vertreten. Er vertrat den eigenartigen Standpunkt, daß der Magistrat nach der zur Städteordnung erlassenen Novelle ven 1999, die lediglich die Bildung von Wählcrabteilungen(Abstim- mungsbczirke innerhalb der Bezirke) einführte,— der Magistrat das Recht habe, an Stelle des Wahlvorstandcs da? Wahlergebnis festzustellen und die Stichwahl anzuberaumen! Die entgegen- stehenden Bestimmungen der Städtcordnung seien dadurch inwloeit abgeändert. Auch sei der Magistrat im übrigen richtig verfahren. denn es käme bei Ermittelung der absoluten Mehrheit aus die Zahl sämtlicher abstimmenden Wähler an. Rechtsanwalt Markgraff widersprach als Vertreter der Kläger dieser Auffassung und betonte die Rotwendigteit, Mng- dans Wahl wegen der beiden groben Verstöße gegen das klare Gesetz zu kassieren.' Das SÄ erverwaltungsgericht bestätigte mit folgender Begründung das Urteil des Bezirks- ausschusses: Im Vordergrunde steht die Frage, ob der Ma- gistrat berechtigt war, auf Grund des Absatzes 1 des Z 6 der No- vclle über die Bildung der Wählcrabteilungen von 1999 die Funktionen des Wahlvorstandcs zu übernehmen. Diese Frage müßte verneint werden. Der Wahlvorstand ist durch die Bestim- mungen der§§ 24 und 26 der Städtcordnung(in Uebercinstimmung niit den Bestimmungen anderer Koinmunalversassungsgeictzc) so eingerichtet, daß Vertreter des Magistrats und der Stadt- verordnetenversammlung daran teilnehmen jolltcn. Er ist als ein besonderes Organ eingesetzt. Als die Einführung der Bildung der Wählerabteilungen, die die Städteordnung nicht kannte, durch die Novelle von 1999 in den gesetzgebenden Kör- perschaften beschlossen wurde, ist man vor die Notwendigkeit gc« stellt worden, zu fragen, wie es mit dem Wahlvorstand steht. Man ist in der K 0 m m i s s i 0 n und im Plenum davon ausge» gangen, daß an den entsprechenden gesetzlichen Bcstinnuungcn nichts geändert werden sollte. Bei der Interpretation der Bestimmung des§ 6 des Gesetzes von 1999, daß..der Magistrat die für die Feststellung des Gesamtergebnisses der Wahl usw. er- forderlichen Anordnungen zu treffen" hat, ist von diesem Wortlaut und von dieser Willcnsrichtung der Kommission und der gesetzgebenden Faktoren auszugehen. Danach ist der Magistrat nach wie vor nicht berechtigt, sich selb st anStellc deSWahlvorstandS zusetzen. Er hat vielmehr nur Anordnungen über die Be- stclluilg eines besoiiderc» Wahlvorstandes für die Ermittelung dcS Wahlergebnisses zu treffen. Zu bestimmen, wie dieser bestellt wird, ist Sache des Magistrats. Er kann mehrere Wahlvor» st ä n d c zu einem zusammenziehen und vielleicht alle W a h l v 0 r st ä n d e zu einem vereinigen. Er kann auch einen Wahlvorstand damit betrauen. Keinesfalls darf er aber, wie betont werden mag, die Wahlvorsitzenden allein zu jenen Feststellungen zusammenziehen. Denn das würde dem Prinzip widersprechen, daß im Wahlvorstand eine Mischung von Vertretern des Magistrats und Mitgliedern der Stadtverordneten- Versammlung stattfinden solle. Solch Wahlvorstand muß für jede Wahl bestehen; er mutz von Anfang b i s zum Endedcr Wahl vorhanden sein. Dieses Prinzip ist durch die hier geübte Praxis des Berliner Magistrats durchbrochen worden, indem er sich selbst als Wahlvorstand hinstellte. Das ist ein sehr wesent- licher Mangel des WahlverfahrenS, da ein Wahlvorstand bis zum Ende der Wahl nicht be st an den hat. Deshalb mußte, ohne daß der Senat auf andere Fragen einzugehen brauchte, die Vorentscheidung schon auS diesem Grunde bestätigt werden. Denn schon dieser Grund reicht zur Ungültigkeitserklärung der Wahl hin. Die Urteile des Bezirksausschusses und des Oberverwaltung?'- gerichts haben dem Kouimunalfreisinn, und in erster Reihe ihren Kronjuristen, den Stadtverordneten Dr. Ladewig, Sonnenfeld, Mommsen und Cassel klatschende Ohrfeigen erteilt. Und das mit Recht.>_ Die lüarokliO' Matte. Paris, 24. November.(Eig. Ber.) Ist Frankreich auf dem Wege zum kolonialen Abenteuer? Troh aller Beteuerungen der Friedfertigkeit und Loyalität klingt in P i ch o n s gestriger Rede etwas wie eine Fanfare mit, und die Resolution, mit der eine un° geheure Mehrheit— 433 gegen 67 Deputierte— die Debatte beendete, ist Drohung und Freibrief zugleich: Die Kammer vertraut auf die Regierung, dag diese die Interessen und Rechte Frankreichs in Marokko und ebenso die Ausführung der Verträge und Ab» kommen mit der marokkanischen Regierung sichern werde. Was diesen Worten erst den richtigen Akzent gibt, ist aber die vorher- gegangene Ablehnung der Ja u r öS schon Tagesordnung, die von der zeitlichen Begrenzung der Okkupation marokkanischen Gebiets und von der notwendigen Förderung des unabhängigen Regimes in Marokko gesprochen hatte. Wie stehen jetzt die Dinge in Marokko? Jaurös, der als unermüdlicher getreuer Eckhart am Montag eine neue, dringende Warnung voll leidenschaftlicher und sachlich wohlgcgründetcr Bcred samkcit erhoben hat, kennzeichnete die Absichten der Kolonialtreiber folgendermatzcn: Entweder soll der Sultan durch die Lasten der Anleihe und der Kriegsentschädigung außerstande gesetzt werden, die notwendigen Reformen in seinem Lande durchzuführen und seine Autorität zu befestigen, so daß die Anarchie noch zunähme. oder, wenn er sich gegen die Ucbernahme dieser Lasten wehrt, soll das in den Händen Frankreichs befindliche Pfand, der Landstrich von Udschda und die Schauja, der endgültigen Okkupation vcr- fallen. In beiden Fällen wäre die Eroberung Marokkos vorbereitet. Jaurös beleuchtete diesen Kriegsplan mit interessanten Hinweisen auf die Auslassungen von einflußreichen Leuten, wie der ehemalige Generalresidcnt von Tunis, M i l l e t, der schon jetzt nicht nur die definitive Festsetzung in der Schauja, sondern die Durchquerung Marokkos durch eine Eisenbahn bis zum Atlantischen Ozean fordert, was tatsächlich auf die Annexion hinausliefe. Bei der Besprechung des Verhältnisses zu Spanien führte er Herrn Pichon gründlich ab, denn der Minister, der erst in einer Unterbrechung feierlich ver- sichert hatte, eS bestände lein Geheimvertrag mit diesem Staate, mußte sich dann zu dem Zugeständnis bequemen, es beständen aller- dings Abmachungen für den Fall einer veränderten Situation in Marokko, was eben Jaurös' Behauptung von der die Einverleibung boraussetzenden Einteilung Marokkos in eine französische und eine spanische Zone bestätigte. Mit Humor charakterisierte er dann die Konflikte der zwei„nationalen" Syndikate, die einander die Aus- beutung Marokkos streitig machen: der„deutschen" Mannesmann- Gruppe mit ihren zahlreichen französischen Teilnehmern und des „französischen" Syndikats Krupp-Schneider, worin sich„die Financiers beider Völker vereinigen, um sich das Erz zu verschaffen, aus dem sie die zur gegenseitigen Vernichtung bestimmten Geschosse herstellen werden". Weniger schlagend scheint allerdings Jaurös Annahme, daß die einander bekämpfenden Kapitalistengruppen schließlich ihr Interesse darin finden würden, sich zu vereinigen und auch dem Sultan seinen Anteil zu gönnen. Hier tritt unseres Genossen alter Glaube an die„friedliche Durchdringung" wiederum zutage, der am letzten Ende die Verantwortung für eine kriegerische Lösung nur dem militaristischen Klüngel und höchsten? noch der Großfinanz zuschiebt, denen ja allerdings durch einen Appell an die Demokratie beizukommcn wäre. Aber gerade die Verhandlung in der Kammer und die Abstimmung scheinen doch zu bezeugen, daß der Imperialismus nicht nur von einer Oligarchie getragen wird. Auch Pichon legte seinen Standpunkt in der Form einer Alternative dar. Entweder werde der Machsen die„freundschaft- lich" angebotenen Bedingungen der Anleihe von 86 Millionen, der Kriegsentschädigung von 70 Millionen usw. annehmen, und dann sei Frankreich bereit, ihm beim Werke der„Zivilisation" beizu- stehen, im anderen Falle aber werde es selbst, in Casablanca, in der Sckmuja, in den Häfen und an der Grenze die Erfüllung der Verträge und der besonderen Abkommen und die Entschädigung der Opfer der Willkür der marokkanischen Obrigkeiten sichern. Das ist also genau das, was Jaurös gesagt hat— die definitive Okkupa- tion. Die französische Bourgeoisrepublik greift nach ihrem Bosnien. Und darum ist der freudige Aufschrei erfüllter Hoffnung, wo- mit das Hauptorgan der Marokkoclique, der„Teinps", diese Haltung der Regierung und das Abstimmungsergebnis begrüßt, wohl zu begreifen. Ein einziger Schatten fliegt über sein Auge. In England hat man, anscheinend seit dem franziMfch-deutschen Marokkoabkommen, keine große Sympathie mehr für die franzö- fischen Marotkospekulqnten, und die„Times" sind von ihrer alten Antreiberrolle seit einiger Zeit zu der des Warners übergegangen. Der„Temps" hatte sich bisher mit Schweigen oder auch mit Fälschungen hinweggeholfen, nun aber reißt ihm die Geduld und er vermerkt, daß solche Mahnungen jetzt, just im Augenblick, da der Ausnützung des französisch-englischen Vertrags von!964 keine diplomatischen Hindernisse mehr entgegenstünden, in gewissen französischen Kreisen einen geradezu unheilvollen Eindruck hervorrufen müßten. Es sei im Interesse Englands ge- legen, sie zu vermeiden. Solche Töne hat man seit dem Abschluß der„entente corckiale" nicht vernommen. Vielleicht stehen sie im Zusammenhange mit der Hervorhebung des guten Verhältnisse? zu Deutschland in Pichons Rede. Die Rolle des Proletariats aber als Wächter des Friedens wird nicht weniger wichtig werden, wenn die internationalen Kombinationen kapitalistischer Interessen in der Zukunft neue politische Kombinationen hervorrufen sollten. politische deberlickt. Berlin, den 26. November 1969. Intimes aus der Mittelstaudsbetvegung. Der Brcslauer Schornsteinfegerobcrmeister Conrad, der Führer der agrarischen Richtung in der deutschen Mittelstands- Vereinigung, suchte— wie jetzt erst bekannt wird— auf der Delegiertenversammlung in Leipzig seinen hansabiindlerischen Freund Rahardt durch Verlesen eines Briefes zu Falle zu bringen, den dieser am 29. April anläßlich der Oster-Versamm» lung an Conrad geschrieben hat. und der folgende interessante Stelle enthält: „Die Mittel zu der Versammlung haben unsere dummen Gegner aufgebracht, weil sie der Meinung waren, wir würden mit fliegenden Fahnen zu ihnen übergehen. Ich habe z. B. von dem freisinnigen Bankdirektor Werner 500 M. Beitrag erhalten. Die gegenwärtige Verstimmung mit den Konservatiben und dem Bunde ist nur vorübergehend, und bald genug wirst Du er» fahren, daß alles wieder in Butter ist, denn wir brauchen uns ja gegenseitig." Die russische Wirtschaft auf der Kieler Werft. Die„Berl. Neueste Nachr." teilen über die unglaubliche Schleuderwirtschaft auf der Kieler Reichswerft Einzelheiten mit, die es ganz unbegreiflich machen, wie eine solche Wirt schaft so' lange geduldet werden konnte. Denn die vielen Sachverständigen, die jetzt das Wort nehmen, hätten doch schon vor Jahren alle Veranlassung gehabt, die ihnen so gut bekannten Mißstände zu rügenl In den„ B e r l. N e u e st e Nach r." schreibt ein Un> genannter, aber mit den Verhältnissen offenbar sehr Ver trauter: „Ein weiteres Gebiet, dos der größten Beachtung wert ist, ist die Auslegung des Begriffes der Sparsamkeit. Infolge der vorhandene» reichlichen Mittel hält niemand in der Marine es für nötig zu sparen in dem Sinne, wie in der Armee gespart wird. Die Offiziere könnten viel kritischer verfahren bei der Unbrauchbarkeits- e r t l ä r u n g von Jnventarien; es könnte eine größere Rück- fichtnahmeauidieVerwaltiingsintereffen stattfinden bei Dispouierung über nnlitärische Uebungen und Manöver, die eigenen Mittel des Schiffes könnten viel mehr ausgenützt werden, als eS geschieht Das R. M. A. drängt»naufhörlich darauf, aber alle Bemühungen scheitern an dem Einspruch der Befehlshaber, daß der militärische AusbildungSgrad und die Schlagfertigkeit der Flotte pp. durch Ersparuisje in dieser Richtung gemindert würden. So lauge der Seeoffizier nicht gelernt haben wird, die Berechtigung solcher Vorstellungen des Staats- sekretärs anzuerkennen, wird hierin auch kein Wandel eintreten. Wurde früher ein Schiff aus der Liste gestrichen, so wanderte die ganze Schiffskammer mit allem Inventar in die R n m p e l k a m m e r. Wurde eine neue Konstruktion z. B. von Möbeln beschlossen und statt Holz Blech zu ihrer Anfertigung ver- wendet, so wurden alle Holzmöbel als Altmaterial ab- gestoßen. Auf den alten Schiffen vor 30—20 Jahren ivaren die Möbel aus Mahagoniholz— der V e r d i e n st der Althändler daran ist außerordentlich ge- Wesen. Wurde ein Schiff außer Dienst gestellt, so wurde das gesamte Inventar derart gesichtet, daß alle Stücke, die mit einem auch nur geringen Fehler behaftet waren, die z. B. durch langes Lagern unansehnlich geworden, ohne über- Haupt gebraucht zu sein, daß alle Werkzeuge, die in ge- ringen, Matze geschädigt waren, ohne daß ihre Ge brauchsfühigleit gelitten halte, ohne weiteres ausrangiert und durch ganz neue ersetzt wurde». Wiederinstandsetzung oder Verwendung an anderer Stelle kannte man nicht." Uebrigens scheint bereits ein neuer Marineskandal der Enthüllung zu harren. Wie aus Kiel gemeldet wird, wurden bei den Lebensmittellieferungen für die Kriegsschiffe der Torpedoabteilung große Unregel Mäßigkeiten aufgedeckt. Verhaftungen sollen unmittelbar bevorstehen! Die Sprichworterfahrung, daß ein Unglück selten allein kommt, bewährt sich auch diesmal wieder. Nicht nur, daß dem einen Marineskandal auf dem isiiße ein neuer folgt, auch auf dem fiskalischen Sladbecker Bergwerk ist man einem anscheinend weitverzweigten System von Unterschleifen und gröb lichstcn Betrügereien auf die Spur gekommen. Vor einiger Zeit wurde dort eine Viertelmillion gestohlen, von Beamten gestohlen. Und bei der Verfolgung dieses Diebstahls ist man dann einem ganzen Rattenkönig von Unterschlagungen und Urkundenfälschungen auf die Spur gekommen. Auch hier wird ein Massenprozeß gegen Beamte und ein Riescnskandal das Ende sein! Die Unterstützung der Tabakarbeiter. Der Entwurf für die endgültige Ausgestaltung der Bestimmungen über die Unterstützung der durch die neue Tabaksteuer geschädigten Tabakarbeiter liegt jetzt, nach der .Süddeutschen Tabakzeitung", dem Bundesrat zur Beschluß- assung vor. Jetzt ist der Kreis der Unterstützungsberechtigten erweitert. Auch ausländische Arbeiter erhalten ein Recht auf Unterstützung. Ferner sollen als im Tabakgewerbe beschäftigt gewesene Arbeiter auch Werkmeister und iolche Arbeiter gelten, die in einem der Bearbeitung oder Verarbeitiiiig von Tabak gewidmeten Betriebe mit Kisten- machen. Kistcnkleben oder mit ähnlichen mit der Tabak- Verarbeitung oder mit der vcrsandfähigen Herrichtung der Tabak- erzeugnisse unmittelbar zusammenhängenden Hilfsarbeitenin dem erforderlichen Umfange beschäftigt sind. Die Gesuche derartiger Arbeiter uin Unterstützung wurden bekanntlich von den Be- Hörden bisher einfach zurückgewiesen, weil sie keinen Tabak verarbeiteten, also keine„Tabakarbeiter" seien!) Voraussetzung für jede Uiiterstützung ist nach wie vor, daß der Eintritt der Arbeitslosigkeit oder der Verdienstschädigung in die Zeit zwischen dem 15. August 1969 und 14. August 1916 fällt. Für die Monate August bis Oktober waren je 166666 M., ür November und Dezember sind zusammen 666266 M.-zu Unterstützungen ausgeworfen. Eine Erläuterung des Begriffs „Hausgewerbetreibender" enthält der Entwurf nicht. Ebenso lvenig erfährt man. auf wie lange die Unterstützungen gezahlt werden sollen. Einen neuen Beiveis sui. die Euuurseligkeit, mit der die Unter- tützuugsgesuche der Tabalarbeiter erledigt werden, liefert das Haupt- zollamt Würzburg. Bereits am tö. August reichte die Firma Schürer in W ü r z b u r g für ihre Arbeiter UnterstützilugSgesuche bei dem Hauptzollamt ein, da die dort beschäfiigtea Arbeiter mehrere Wochen 4— 5 Tage aussetzen mußten. Als die Arbeiter kürzlich wegen der Unterstützung wieder einmal Nachfrage hielten, erschien ein Zollbeamter und fragte die Arbeiter, ob sie sich während der vier Tage nicht andere Arbeit gesucht hätten. Bis heute erhielte» die Arbeiter noch keinen Pfennig Unterstützung. Präsidentenwahl im badischen Landtage. Karlsruhe, 26. November. tPrivatdepesche deS„Vorwärts".) Bei der heutigen Präsidentenwahl der Zweiten Kammer wurde der Nationalliberale Rohrhur st zum Präsidenten, der Sozialdemokrat Geis zum ersten Vizepräsidenren, der Demotrat Heimburger zum zweiten Vizepräsidenten ge- wählt. Der Zentrums abgeordnete Fehrenbach lehnte die Wahl zum ersten Vizepräsidenten ab. Unter den Sekretären ist die Sozialdemokratie durch den Genosse» Pfeiffle vertreten. »» » Die WahlprüfungSkommissio» hat am Donnerstag die Wahl der Genossen Breitenfels, Pfeiffle und Willi für gültig erklärt, dagegen die Wahl der Genossen Kahn und Meyer be- anstandet und Beweiserhebung beschlossen. «r Zum Borfitzenden der sozialdemckratischen LandtagSfraktion wurde Genosse Geis gewählt. Der verschwundene Reichsinvalidenfoud«. Aus der Kriegskostenentschädigung, die Frankreich an Deutschland zu leisten hatte, sind 561 Millionen Mark alis besonderer Fonds angelegt worden, aus dem die Invalide?.,- Pensionen bezahlt werden sollten. Dieser Fonds hört in, nächsten Jahre auf zu existieren, weil das Geld teilweise zu ganz anderen Zwecken verwendet worden ist. An Invaliden- Pensionen sind zur Zeit noch 33 Millionen Mark im Jahre zu leisten. Diese Summe verringert sich allerdings von Jahr zu Jahr, es bleibt aber vom nächsten Jahre ab nichts anderes übrig, als diese Ausgaben aus den Mitteln des Reiches zu bestreiten. denn man kann selbstverständlich den Invaliden nicht erklären, daß sie künfttg leer ausgehen, well das Reich das für sie bestimmte Geld teilweise zu anderen Dingen ver- wendet hat._ Tie Schulden des Reiches. Die gesamte Reichsschuld betrug am 1. Ottober abgesehen von den im Umlaufe befindlicheu unverzinslichen Schatzanweisungen: an 4 proz. Schuldverschreibungen... 410000000 M. an 3>/zproz. Schuldverschreibungen... 2020 000 000„ an 3 proz. Schuldverschreibungen... 1783 600000„ an 4 proz. Schatzanweisungen.... 340 000 000„ zusammen... 4 553 500 000 M. Mit den 522 Millionen Mark neuer Schulden wird Deutschland somit am Ende dieses Jahres eine zu verzinsende ReichSschuld in Höhe von 5 075 500 000 M. haben. Liberale Angstphilister. Ueber die Philisterei liberaler Spießer macht das„P r o testantenblatt" in seiner Nr. 47 folgende trefflichen Ausführungen: „Ich meine mich zu erinnern, daß vor einigen Monaten die Konservativen und das Zentrum gegen Liberale und Demokraten eine höchst einseitige Steuergesetz- gevung durchgepeitscht hätten. Steuerformen, die geeignet waren, die große Masse des Volkes auf das äußerste zu reizen und zu erbittern. Im ganzen haben wir wohl auf der liberal-demokratischen Seite gestanden und im stillen den Wunsch gehegt, das schwarz-blaue Sreiiergebäude und Bündnis möge reckt bald zlüammenbrechen. Wir haben gewünscht, das Volk möge das Uutzrsprietzliche jener Gesetze fühlen und die richtige Antwort darauf geben.... Nun haben wir in den letzten Monaten eine ganze Reihe von Nachwahlen sowie in Sachsen und Baden wichtige Land- tagswahlen gehabt. Da hat sich nun augenscheinlich eine starke Strömung gegen die Schwarz> Blauen gezeigt, und mancher har an sich selbst erfahren müsien. daß mau nicht ungestraft einseitige Politik treibt. Aber dann kommt ein psychologischer Augenblick. Wenn irgendwo Stichwahlen stattfanden, etwa zwischen einem Konservativen oder einem Z e n t r u m S m a n n und einem Sozialdemokraten, dann ergriff den Bourgeois, oder besser den liberalen Philister eine heillose Aug st. Zwar hatte er acht Tage zuvor auf„Junker und Pfaffen" gar weid- lich gescholten, hatte die Sozialdcmolraten wegen ihrer Kon- sequenz gelobt. Aber wie es nun zur Entscheidung kommen sollte zwischen Schwarzblan und Rot, da gewann plötzlich folgende Erwägung die Oberhand:„Ja. man mag sonst denken, was man wolle: und ich habe nicht die geringste Sympathie mit den Junkern. und Pfaffen s.nichl die geringste!"); aber sie sind doch die staatserhaltenden Paneieu. die soziale Demokratie dagegen predigt den Umsturz." Und dann liest er plötzlick auch in seinen, Leibblatte die Mahnung, alle bürgerlichen Parteien müßten zusammen- halten. Nachdem er durch diese Rückendeckung sich für seine Schwenkung Absolution geholt, geht er hin und wählt in der Stichwahl Herrn Rittergutsbesitzer v. N. auf X-, den Kandidaten der konservativen Partei. Niemand har etwas dagegen, wenn ein Mann konservativer oder ultramontaner Gesinnung auch den Vertreter seiner Farbe wählt. Aber daß der„Bürger", der sich sonst so oft seine r Freiheiten rübmt, in wenigen Wochen vergessen hat, was geschehen ist und was er selbst als heiliges volitisches Bekenntnis ausgesprochen hat, das ist allerdings hoch st verwunderlich. Das Wort.staatserhaltend" scheint ihn wieder betäubt zu haben, wie so oft schon.... So hat der Philister gar oft den deutlichen Ausdruck des Volkswillens abgeschwächt oder gar vereitelt...." Es ist bezeichnend fiir den Niedergang unseres Freisinns. daß ein P a st o r e n b l a t t die Philisterängste liberaler Mannesseelcn derartig brandmarken muß! Zu Straftendemonstrattonen kam es bei den Stadtverordnetenwahlen in S triegau i. Sl?les. Dort sind zahlreiche Arbeiter vom Wahlrecht zu den Stadtverordneten- wählen ausgeschlossen, weil die Berechtigung zur Wahl nur durch Erlegung eines sehr hohen Bürgerrechtsgeldes erkaust werden kann. Die freisinnige Stadwerorduetenmehrheit lehnt: bisher Anträge auf Abschaffung dieser Bestimmung ab. T>ie Arbeiter blieben der Wahl fern und protestierten aber am Wahltage auf den Straßen der Stab, gegen ihre Rechtlosigkeit. Die Poiizei trat den De- monstrauten entgegen; zu ernsteren Zusa»u»enslvße» kam es nicht. Kommunaltvahlen. Bei der GcmeiudcratSwahl in Salzungen wurde e i n Sozialdemokrat trotz des erbärmlichen Zehn- .immenwahlrcchts wiedergewählt. Der Freisinn verlor Amtliche Sitze als Strafe für seine Beteiligung am WahlrechtSraub im Meininger Landtag.# Itzehoe, 26. November.(Privatdepesche des„Vorwärts".) Bei der heutigen Stadtverordneten wähl siegten zwei Sozialdemokraten mit 740 und 736 Stimmen über die Bürgerlichen, die 737 und 726 Stimmen erhielten. Bei der Stadtverordneiculvahl in Köslin brachten«S die Sozialdemokraten auf 266 bis 283 Stimmen und kamen dadurch mit den sämtlichen fünf bürgerlichen Kandidaten in die S r i ck>- wähl. Bei der letzten Wahl wurden nur 72 sozialdcmolratischc Stimmen abgegeben. In Deusen bei Dortmund siegte die Sozialdemvirane in der zweiten Abteilung mrd. gewann dadurch die Mehrheit im Gemeinberat; ebenso siegte sie in E l l i n g h a u s e n in der zweiten Abteilung. « In NiederbonSfeld im Kreise Bochum eroberten unsere Genossen zu zwei Mandaten der dritten Abteilung das zur Wahl stehende der zweiten Abteilung, so daß sie jetzt die Hälfte der Vertreter haben.— In Nie der» Stüter, wo ein Mandat der dritten Abteilung zur Wahl stand, wurde der erste Sozialdemokrat gewählt. Desgleichen in D u r ch- holz. In Radeberg(Sachsen) wurden am Donnerstag 4 Sozial- Demokraten ins Stadtverordnetenkollegium gewählt. Bisher hatten wir dort keine Vertreter. -» < Bei den Gemeinderatswahlen in den r e u ß i s ch e n Orten D- o r n a und WintpischenbernSdorf siegte glatt die sozial- demokratische Kandidatenliste. * Die pfälzischen Gemeindewahlen brachten in ihrem weiterem Verlauf der Sozialdemokratie in Dannstadt 2. in Lem- bergS, in Ebertsheim 2, in Alsenz ö. in Landau 2, in Neustadt 6 und in Altrip 7 Sitze. In Lemberg wurde der Genosse Neumüller und in Altrip der Genosse Hock als Adjunkt gewählt. » Ludwigöhafcn. Bei den dieser Woche stattgefundenen Stadtrats- Wahlen, die zum ersten Male nach dem Proporz vorgenommen wurden, sind nach dem gestern abend bekannt gegebenen amtlichen Resultat folgende Kandidaten gewählt: von den Liberalen 7(4), Zentrums(4), Sozialdemokrate» 13(11), Unabhängige 2(8). Eine agrarische Lüge. Die Wiener„Arbeiter-Zeitung" veröffentlicht eine Zuschrift des österreichischen bürgerlichen Nationalökonomen Dr. Ettinger über das Verhältnis von Lohnsteigerung und Warenpreis. Dr. Ettinger schreibt:„Es sei mir gestaltet, in Ergänzung Ihrer Ausführungen vom 20. d. zu der obigen Frage Sie noch auf folgende Tatsachen aufmerksam zu machen, die ich in meinem Gutachten für den deutschen Juristentag über den ArbeitSnormenvertrag 4, hervorgehoben habe: An der Hand der derzeit vollkommensten Produktions- statistik der Vereinigten Staaten von Nordamerika kann angenommen werden, dafc der Anteil des Arbeits- l o h n e s an dem Gesamtprodukt einer Volkswirtschaft nur ungefähr 30 Prozent im Durchschnitt erreicht. Auf den Zusatzwert von 42,6 Milliarden Franks, welche die Industrie den Roh- Materialien hinzufügt, entfallen nur IS'/z Milliarden an Löhnen und Gehältern. Denn im Gegensatz zu der von Ihnen angeführten Kohlen- Produktion, in welcher der Arbeitslohn einen bedeutenden Teil des Produktenwertes darstellt, bedingt z. B. die Roheisenindustrie ö Proz. des Produklenwertes, die Bekleidungsindustrie nur ungefähr 20 Proz. des Produktenwertes an Lohn. Wen» nun diese Löhne auch um 10—20 Proz. sich steigern, so kann dies im Durchschnitt in der Regel kaum 2—6 Proz. des Produktionspreises ergeben, wobei ja die Lohnsteigerungen nicht auf einmal in allen Industrien Platz greifen und regelmäßig durch Verbesserung der Produktions- tcchnik, zu welcher sie den Anstoß geben, ausgeglichen werden. Im Jahre 1806, das durch die Errungenschaften der Arbeiter in den Vereinigten Staaten ganz besonders hervor- ragt, haben die Lohnerhöhungen in den Vereinigten Staaten nur 300 Millionen Frank, das ist ein Drittel Prozent berge- samten Güterproduktion der vereinigten Staaten, ausgemacht. (Siehe„Die Weltwirtschaft", 2. Jahrgang, 3. Teil, E. v. Halle.) Es ist daher geradezn lächerlich, die derzeitige Steigerung der Getreidepreise bis zu 100 Proz. auf etwas anderes als auf die für die Landwirtschaft durch die hohen Zölle ge- schaffe rre Monopolstellung zurückzuführen." Stadtvcrordnetcnwahlen in Kiel. fltuS Kiel wird uns geschrieben: Am Mittwoch haben in Kiel die Stadtverordnetenwahle» stottm funden; sie haben mit einem Siege des bürgerlichen Mischnmjchrs geendet. Die Bezirkswahl, die sogenannte kleine WablrechtSverschlcchtcrung, die die geschloffene bürgerliche Stadtverordnetenmehrheit bcschloffen hat, nachdem die Dreiklasicnwahl durch die Wachsamkeit und Energie der Sozial- demokratie abgewehrt war, hat v o r e r st ihre Schuldigkeit getan und die rote Flut abgewehrt. Die Bezirlseinteilung ist nämlich so geschickt gemacht, daß der Stadtteil Gaarden, wo die Masse der Werst- arbeitet wohnt und demgemäß auch die meisten sozialdemokratischen Stimmen abgegeben werden— 1908 fielen von in der ganzen Stadt abgegebenen 6660 sozialdemokratischen Stimmen in diesem Stadtteil 1942, und 1809 von insgesamt 7816 sozialdemokratischen Stimmen 2193— eineiv besonderen Wahlbezirk bildet und der übrige Stadtteil in Vier Wahlbezirke geteilt worden ist. Aus diesem Grunde konnten wir nur im Stadtteil Gaarden da« Mandat erringen, wo der Genosse Poller gewählt wurde, während in den andern vier Be- zirken, wo insgesamt sechs Stadtverordnete zu wählen loare», die Bürgerlichen den Sieg davon trugen. Wir haben insgesamt 7816 Stinimen erhalten, 1190 mehr als im Borjahre, die Bürgerlichen 8063, 1400 mehr als im Vorjahre. Nach diesem Gesamtresultat hätten die Bürgerlichen auch den Sieg errungen, wenn die ganze Stadt ein Wahlbezirk gewesen wäre, wie es bisher der Fall war. Man darf auf der anderen Seite aber nicht ver- kennen, daß die BezirkSeiuteilung ihnen die Wahl- und Schlepparbeit wesentlich erleichtert hat. Der vorjährige Wahlsieg der Sozialdemokratie auf der ganzen Linie war nur möglich durch die Lauheit der bürgerlichen Wähler, deren Wahl bei den, 1200 Mark-ZensuS noch heute um 4000 höher ist als die der sozialdemokratischen. Die Furcht, daß die diesjährigen Stadtbcrordnetemvohlcn eine sozialdemokratische Mehrheit bringen könnten, hat die bürgerlichen Kommunalvereine, die sich in dein Bürgervereindausschuß eine Spiye gegeben haben, zu der energischen Anstrengung getrieben, und es ist dem BürgervereinSauSschuß gelungen, durch eine Agitation im Stile des ReichsverbandeS noch 1400 furchtsame Spießer inehr auszutreiben als im vorigen Jahre._ Die Stadtverordnetcnwahlen in Kol« sind mit der vorgestern abgeschlossenen Wahl in der zwoiten Klasse als entschieden zu betrachten, da die noch rückstehende erste Ab- teilung unbestrittener Besitz der Liberalen ist. Das Zentrum behält die Mehrheit im Rathouse, die es den Liberalen bor einigen Jahren in heißem Kampfe abgenommen Hot. ES wurden, nachdem das Zentrum in der dritten Klasse trotz Verdreifachung der sozialdemokratischen Stimmen seine sämtlichen Kan- didatcn durchgebracht hatte, in der zweiten Abteilung vier Zen- trumslcute und ein Liberaler gewählt. Der fünfte Zentrums- kan di bat, der Fabrikbesitzer Maus, fiel durch, weil eine ganze Anzahl katholischer Akademiker gegen ihn stimmte, und zwar deshalb, weil Herr Maus, der Reserveoffizier ist. vor etlichen Jahren bei der Offizicrstvahl gegen drei Bewerber stimmte, weil sie Angehörige einer ducllfcindlichen Bonner Korporation waren. Daß man diesen..christlichen" Duellfrennd trotz der gegen ihn be- stehenden Opposition auf die Zentrumslistc setzte, hat er seinem ver» wandtschaftlichcn Verhältnis zu Herrn Trimborn und ähnlichen Einflüssen zu danken. Mit der Aufstellung dieses Mannes hatjias Kölner Zentrum abermals ein Beispiel seines weiten Gewissens gegeben: Vor zwei Jahren stellte es den Protestanten und Fr est- maurer Meyer mit auf, um evangelische Stimmen zu fangen; vor mehreren Jahren nahm es einen freisinnigen Israeliten zum Zwecke des Judenfangs auf seine Liste, und vvrdem hatte die Kölner Zentrumspartei ebenfalls einen Freimaurer namcnö Langerhans initgewählt, weil dieser eine führende Stellung bei den Haus- und Grundbesitzern einnahm, die damals in der zweiten Abteilung die Wahl entscheiden konnten. Sogar der Kölner W e i h b i s ch o f Dr. Schmitz stimmte damals für diesen Freimaurer. Dabei stellt sich daß Kölner Zentrum stets als die einzige christliche Partei hitt, und besonders bei dieser Wahl hat es die harmlosen Kölner Libe» ralcn immerfort der Feindschaft gegen das Christentum bezichtigt, wie es überhaupt die Religion und den„lieben Gott" durch alle Versammlungssäle und durch die verleumderischen Spalten seiner Presse geschleift hat. Alles, um die Aufmerksamkeit der Einfältigen und Armen im Geiste von seinen Volks-, städte- und Verkehrsfeind- lichen Steuertaten abzulenken. Es gelang dem Zentrum denn auch, mit einer winzigen Mehrheit zu siegen. Frei ist der Bursch! Die Vereinigung der Königsberger freien Studentenschaft wollte sich über die politischen Programme der deutschen Parteien unterrichten lassen und war deshalb mit den örtlichen Führern der einzelnen Parteien in Verbindung getreten, da nur ein berufener Anhänger der Partei über das Programm Vortrag halten sollte. Im Winter 1908/09 hatte die Königsberger Ortsgruppe des Ver» eins für Frauenstimmrecht eine ähnliche Veranstaltung in Szene gesetzt und dabei den Beifall ihrer Mitglieder gefunden. Ueber das Programm der sozialdemokratischen Partei sprach damals unser Genosse Hugo Haase. Die freien Studenten, ebenso wissensdurstig wie die Frauenrechtlerinnen und überzeugt von dem Ausspruche: „Die Wissensckvaft und ihre Lehren sind frei"—„wagten" also, wie gesagt, das gleiche zu tun. Den ersten Vortrag sollte nun der Äeichstagsabgeordnete Ghßling am 24. November halten, aber der „Bursch"' denkt und der„Herr Professor" lenkt. Am Vormittag des Vortragstages wurde diese erste Veranstaltung durch den Pro- rektor der Königsberger Universität, Herrn Professor Handcke, ver- boten. Die sogenannte„Freisinnige Volkspartei", über deren, des» stocktes und zermürbtes Programm der erste Vortrag gehalten werden sollte, ist natürlich über dieses Verbot höchst unglücklich, und das führende Organ dieser Auchpolitiker, die„Hartungscjke Ztg.", bezeichnet das Verbot des Herrn Professors als„verfehlt" und „bedauerlich". Zweifellos ist die Maßnahme des Prorektors, der sicberlich einer höheren Eingebung folgte, darauf zurückzuführen, daß auch über unser Parteiprogramm Vortrag gehalten werden sollte. Ganz kläglich jammert die„Hartungsche Ztg." am Schlüsse ihres Artikels, in dem st� diese„wissensckaftliche Maßnahme" mit- teilte:„Der Prorektor durste zu der Leitung der Freien Stu- dentenschaft, vor allem aber zu dem Takt« unseres nicht zuletzt durch die begeisterte Wahlhilfsarbcit unserer akademischen Jugend gewählten Reichs- und Landtagsabgeordncten Ghßling das Zu- trauen haben, daß auch noch nicht einmal der Versuch in Frage kommen konnte, den Vortrag zur parteipolitischen Propaganda zu benutzen.", Spanien. Die„liberale" Regierung. In einem Artikel der„Hnmanits" weist Genosse Mario Antonio, der in Paris weilende Leiter der Barcclonacr Streik- bewegung»ach, daß die neue Regierung sich von der offen-rcaktionären des Klerikalen Maura so gut wie nicht unterscheidet. Trotz Wieder- einführung der„konstitutionellen Garantien" in Katalonien ist ein ge- mäßigt-republikanisches Blatt in Barcelona, weil es die Wiederaustiahme des Prozesses gegen Ferrer gefordert hatte, von der Militärgewalt unterdrückt worden. Wie unser Parteiorgan„El Socialista" meldet, dauern die Verhaftungen wegen der Ereignisse der„tragischen Woche" noch immer fort. Ja, man hat Leute festgenommen, weil man hofft, von ihnen Aussagen gegen Angeschuldigte zu erhalten. Die Gefangenen, sagt Antonio weiter, läßt man baden, kümmert sich aber nicht darum, ob sie etwas zu essen haben. Man impft sie und sperrt sie dann in Zellen, in denen sie dicht aufeinander sitzen. Alles weil der Ministerpräsident nicht wagt, sich gegen die Diktatur des Säbels, mit dem Kirche und Königtum verbündet sind, aufzu- lehnen. In einer Versammlung im Volkshause in Madrid erklärte Genosse Pablo JglesiaS, man spreche viel von einer Säbel- Verschwörung. Aber die Säbel(der Offiziere) vermöchten nichts ohne die Gewehre(der Maunschaften), und seit einiger Zeit hätten sich die Dinge in Spanien so gestaltet, daß man sich vor einer Verschwörung der Herren nicht zu fürchten brauche. Von dem B ü n d« nis mit den Republikanern erklärte JglesiaS:„Wir werden nicht»ur nach Wahlerfolgen streben. Wir kämpfen bei den Wahlen, weil wir überall zum Kampf bereit sind: namentlich aber auf dem revolutionären Kampffelde, wo es sich um die Herstellung der Republik handelt. Die sozialistische Partei, die noch nie ein Bündnis abgeschlossen hat, geht jetzt Hand in Hand mit den Republikanern, nicht allein den Weg zum Parlament, sondern vor allem den Weg zur Revolution, der die verbrecherische Monarchie und mit ihr die Prätorianerherrschast beseitigen wird. Englanci. Die Straße gegen das Oberhans. London, 26. November.(Privatdopeschc des„Vorwärts.) Im Oberhause zieht sich die Debatte träge hin. Selbst die in geistiger Beziehung so genügsamen Lords zeigen ver- mindertes Interesse. Einigeii Eindruck machen nur die Reden jener, die zivar Gegner des Budgets sind, aber den Lords den guten Rat geben, das englische Volk nicht in revolutionäre Bahnen zu lenken. So warnte gestern Lord B a l s o u r wie schon vor ihm Lord Rosebery unter heftigen Schmähungen gegen das„sozialistische" Budget die Lords vor der Annahme der Resolution Lansdowne.� Daß die Warnungen Erfolg haben, ist freilich ausgeschlossen. Die Liberalen führen den Kampf zunächst mit ziemlicher Energie und haben jetzt auch die„Argumente der Straße" sprechen lassen. Sie haben eine„Liga gegen das Oberhaus" gebildet und diese veranstaltete gestern in den Abendstunden in der Nähe von Westminster eine Demonstration, die aller- dings unter dem berüchtigten Londoner Nebel einigermaßen zu leiden hatte. Die Zahl der Teilnehmer läßt sich daher auch nur schwer feststellen, doch überschritt sie lveit die Zehn- tausend. Mitglieder des Oberhauses, die zufällig vorbei- kamen, wurden ausgepfiffen, dagegen den radikalen Ministern Lloyd George und Churchill stürniische Ovationen bereitet. Polizei war massenhaft aufgeboten und ging wiederholt gegen die Manifestanten vor, als diese den Versuch machten, die Kette der um das Parlamentsgcbäude aufgestellten Polizisten zu durchbrechen. Zu ernsten Zwischenfällen kam es jedoch nirgends._ Arbeiterpartei und Liberale. Ueber die Frage der„Dreieckkandidaturen" hat sich H e n d e r s o n, der Vorsitzende der Arbeiterpartei, dahin aus- gesprochen, daß der Wunsch, derartige Kandidaturen zu vermeiden, die durch Zeripliitcrung der fortschrittlichen Stimmen der Reaktion dienten, berechtigt sei. Schwierig aber sei die Entscheidung, wie da? zu machen sei. Die Arbeiterpartei der über zwei Millionen organisierte Ar- beiter angeschloffe» seien, habe schon vielfach ihre Kandidaten auf- gestellt und sei in die Agitation eingeweten. Da könne natürlich von der einfachen Lösung, die ein liberaler Führer vorgeschlagen habe: die Arbeiterpartei solle sich für die nächste Parlamentsperiode mit i{y:er jetzigen Stärke begnügen, nicht die Rede sei». Bei einer Verein- barung müßte jeder Teil etwas nachgeben.' Jedenfalls könne die bestimmte Marschorder, die bisher der Parteileitung erteilt sei. nur von einer außerordentlichen Parteilonferenz ab- geändert werden. Ein Kompromiß. London, 26. November. Zwischen den beiden Häusern deS Parlaments ist bezüglich der irischen Landbill vom 5. November ein Kompromiß zustande gekommen. Die Regierung hat gewisse Zugeständnisse gemacht und das Oberhaus hat in den Punkten, über die bisher keine Einigung erzielt war, schließlich nachgegeben. Kußlaucl. Das Martyrium der politischen Gefangenen. ES vergeht keine einzige Dumasession, ohne daß die sozial» demokratische Fraktion eine oder mehrere Interpellationen über die Greuel in den russischen Gefängnissen in der Duma einbringt. Die Tatsachen, die sie vor der gesamten Kulturwelt enthüllt, bilden natürlich nur einen geringen Bruchteil der entsetzlichen Vorgange, die sich hinter den russischen Kerkermauern abspielen. Die meisten dieser Greuel dringen nicht an die Ocffentlichkeit und die Hilferufe der Gefangenen des Zaren verllingen ungehört in den Marter- kaminern der Gefängnisse. Diesmal brachten unsere Genossen eine Interpellation über die systematischen Morde, die im Rigaer Zentralgefängnis an politischen Gefangenen verübt werden, in der Duma ein. Zu dem unerlräg- lichen Regime, das sich in den letzten Jahren in den russischen Ge- fängnissen eingebürgert und vielfach zu blutigen Zusammenstößen zwischen der Gefängniswache und den Gefangenen geführt hat, ist in einigen Gefängnissen ein neues, furchtbares Mittel der Einwirkung auf die Gefangenen hinzugekommen: die Gefangenen werden von Schildwachen durch das Fenster erschossen. Diese neue Art der Hinrichtung hat namentlich im Rigaer Zentral- gefängnis Anwendung gefunden. Vor zwei Jahren wurde auf diese Weise die politische Gefangene Emma Doßter und in letzter Zeit die politischen Gefangenen Emma Podsin(Milda Ritter) und Eduard Peela getötet. Von den beiden letzteren wurde Podsin am 2S. August und Peela am 27. Oktober d. I. getötet. Außerdem wurden einige Personen durch diese Schüsse verwundet und viele Zelle» zeigen Spuren von Schüssen— zerbrochene Fensterscheiben, Löcher in den Wänden usw. Die letzten zwei Fälle zeigen besonders grell, daß daS Niederschießen der Gefangenen ohne jeglichen Anlaß von den Schildwachen vorgenommen wird. In der Interpellation wird auf Grund der Aussagen der Augenzeugen folgendes festgestellt: Die Gefangene Emma Podsin stand am Fenster einer Zelle deS GefängnislozarrttS, wo sie infolge ihrer Krankheit weilte. Das Fenster war wie gewöhnlich geschlossen. Die Gefangene sprach mit niemandem und machte auch keinerlei Zeichen. Plötzlich krachte, ohne jegliche Warnung seitens der Schildwache, ein Schuß und die Gefangene brach tödlich verwundet zusammen. Nach einigen Stunden starb sie. Der zweite Fall: Der Gefangene Peela stand gegen 7 Uhr morgens unweit vom Fenster und kämmte fein Haar. Das Fenster war geschlossen. Plötzlich krachte ein Schuß und Peela sank mit durchschossenem Kopfe tot zusammen. Ein neben ihm stehender Gefangener wurde an der Schulter verwundet. Die Interpellanten weisen angesichts dieser Tatsachen auf die be- rcchtigte Besorgnis der Gefangenen hin, jeden Augenblick von der meuchelmörderischen Kugel der Schildwache niedergestreckt zu werden. — Bei der Besprechung der Interpellation in der Duma wurde der Dringlichkeitsantrag unserer Genossen abgelehnt und die Jntcr- pellation der Kommiision überwiesen, wo sie, wie alle sozial- demokratischen Interpellationen, voraussichtlich l'/z— 2 Jahre liegen wird. Die dritte Dnma hat wichtigeres zu tun, als das Leben der Gefangenen zu schützen!_ Petroleum-Panama. Einige Günstlinge des Zaren hatten sich wertvolle Kon- Zessionen auf Petroleum selber zu verschaffen gewußt entgegen dem klaren Wortlaut des Gesetzes. In der Duma fand darüber«ine Debatte statt, die namentlich durch die Art interessant wurde, wie der HandelSminister die freche GünstliugSlvirtschaft des Zaren entschuldigte, der Eigentum, daS nicht ihm, sondern dem Staate gehört, an seine Kreaturen verschenkt. Der Telegraph be- richtet: In der Abendsitzung verhandelte die Duma über den Antrag, eine Interpellation an den HandelSminister zu richten wegen der dem Berg- recht und den zurzeit geltenden Pachtregeln zuwiderlaufenden Verpachtungen von Parzellen naphthahaltigen Bodens an den Generalmajor S s e n j a w i n, den Jägermeister M a in o n t o lo. den Oberjägernieister Golenischew- K u t u s o lv- Tolstoi und an die kaukasische Jndustriekompagnie. Der Antrag wurde e i n st i m m i g angenommen. T i m i r j a s e w, der heute zum letztenmal als Handelsminister vor die Duma trat, erklärte, die Interpellation sei besonders ernst, da sie nicht von der Linken, sonder» von den Ottobristen ausgehe. Dabei seien in der Presse Gerüchte über ein Panama wiedergegeben worden sowie Befürchtnngen, der Minister tonnte seinen Posten verlassen, ohne Antwort zu geben. Der Minister behauptete, daß die Regierung nicht gesetzwidrig gehandelt habe. Er wies mit Beziig auf die drei erste» Fälle der Verpachtung auf die kaiserliche Bestätigung hm, in der ausdrücklich gesagt worden sei. die Fälle sollten keine Präzedenzfälle sein. Der Handelsminister fügte hinzu, er habe nur notgedrungen ein Gebiet berührt, daS selbst vom Standpunkte der extremen Anhänger der Volks- Vertretung unantastbar sei, er habe jedoch nicht umhin gekonnt, so zu handeln, denn er müsse die Legenden über Willkür und Begünstigung zerstreue», weil die Welle dieser Legenden leicht höher gehen könnte als»ur über die bescheidene Person des Ministers hinweg. Die Gnade des Monarchen sei in allen Monarchien die strahlendste Prärogative der allerhöchsten Gewalt.„Wenn jemals", sagte der Minister.„die Gnade des Monarchen auch treuen Dienern des Monarchen zuteil geworden ist, glaubt mir, Rußland wird darunter nicht leiden. Die Duma beschloß, die Ausführungen des Ministers sogleich zu besprechen. Da der nächste Redner, der Okiobrist Dinitrjnkow. der als erster die Interpellation unterzeichnet hatte, ans die kaiserlichen Resolutionen einging, unter- brach ihn der Präsident mit der Bitte, diese Fragen nicht zu be- rühren. Den Minister zu unterbrechen, sei er nicht berechtigt gewesen, den Redner zu unierbrechen, sei er verpflichtet. Die Debatte wird am nächsten Mittwoch fortgesetzt werden. fiinilanci. Der neue Geucralgouverueur. Der Blutmensch von Kurland im Jahre 1906, General Böck- mann, hat seine Entlassung als Generalgouvernciir von Finnland. erhalten. Er war den Echtiussc» für Finnland nicht blutgierig geling I Sein Nachfolger ist sein Gehilfe, General Sehn. Der- selbe ist seit B o b r i k o w S Diktatur bekannt. Sehn war des finnischen Henkers rechte Hand. Die Ernennung S e h n s bedeutet den Anbruch eines neuen SchreckenregimeiitS. Srleckenlanä. Die Offiziersdiktatar. Athen, 26. November. Die Lage des Kabinetts gestattet sich wieder kritischer, da die Militärlic�a in dringender Form eine Reinigung des Beamtenkörpers fordert. Die Zeitung„ChronoS" richtete heftige Angriffe gegen den Direktor der hellenischen Altertümer, der das Land vcrlasicn mußte. Da die fremdländischen archäologischen Institute durch das genannte Organ in diese Angelegenheit hineingezogen worden sind, haben die stunden Gesandten einen Protest an die Regierung ge- richtet. GcwcrkfcbaftUchc� Der Zecbenverband bafs eilig! Bochum, 26. November 1909.(Privatdepesche des„Vorwärts".) Der Leiiung des Bcrgarbciterverbandes ging am heutigen Tage von durchaus glaubwürdiger und gutunterrichteter Seite die Mitteilung zu, daß der Zwangsarbeits Nachweis schon am 1. Dezember eingeführt und daß den Belegschaften der dem Zechenverbande angehörenden Zechen dies am 30. November durch Anschlag auf den Gruben bekannt gegeben werden soll. Die Vertreter der vier Bergiirbeitcrorganisationen traten daher am selben Tage zu einer Sitzung zusammen und beschlossen, folgenden Aufruf an die Bergarbeiterschaft in der Tagespresse zu ver- öffentlichen: Aaitung! Ruhrbergleute! Achtung! Von einer in der Regel gut unterrichteten Seite erfahren Wir, daß der Zcchenverband beabsichtigt, den Zwangsarbeits- Nachweis statt am 1. Januar schon am 1. Dezember einzuführen. Schon am 30. November sollen die Anschläge auf den Zechen erfolgen. Bewahrheitet sich die uns geivordene Mitteilung, so wird damit betviesen, daß die Zechenherren die Erregung der Arbeiterschaft durch eine Ueberrunipelung noch besonders zu steigern beabsichtigen. Wir fordern die Kameraden auf, sich durch keinerlei Ü e b e r r u m p e l u n g s m a n ö v c r zu einer wilden Be- wegung hinreißen zu lassen, sondern jeden, der zu einem eigenmächtigen Vorgehen rät. auf die schwierige Lage und auf die Pflicht, gewerkschaftliche Disziplin zu halten, hinzuweisen. Trifft es zu, was uns mitgeteilt ivurde, so ist die Spekulation der Scharsmacher unter den Zecheubesitzern aus einen Streit in einer für die Arbeiter ungünstigen Zeit ohne weiteres bewiesen. Um so mehr ist es unsere Pflicht, die Pflicht aller gewerkschaftlich organisierten Berg- lcute, die organisierten und unorganisierten Kameraden ausdrücklich zu warnen vor Schritten, die gerade jetzt den Arbeiterfeinden sehr er- wünscht sein können. Wir erwarten von allen organi- sierten Kameraden, daß sie sich streng nur an die Be- schlüsse der Organisatio»! halten und allen arbeiterschädigenden Putschversuchen ent- gegentreten. Endlich muß auch die Bergarbeiter- schaft lernen, sich nicht dann in einen Kanipf zu begeben, wenn es den Zecheubesitzern am er- wünschtestcn ist. Der von den Organisativnsleitnngen am 24. d. Mts. gefaßte Beschluß, daß die auf den Arbeitsnachweis bezüglichen Erklärungen und deren Ergebnis abgewartet werden sollen, ehe lueitere Schritte in der Sache unternommen werden, muß nach der einmütigen Uebereinstinnunng der Vor- stände trotz der veränderten Situation aufrecht erhalten und von allen Kameraden strikte befolgt iverden. Kameraden I Wir hoffen, daß Ihr uns alle unterstützt in dieser sehr ernsten Zeit, um mit kühler Ueberlegung die Interessen der Kameraden zu wahren. Die Organisations- Vorstände werden keine Schritte unternehmen ohne Ein- willigung der Mitgliedschaften. Wir erwarten aber auch von den Kameraden, daß sie nur im Einverständnis nüt ihren erwählten Vorständen handeln. Wer in dieser ernsten Zeit disziplinlos handelt, schädigt die Arbeiterinlercssen. Nur durch gemeinsames wohl- überlegtes Handeln können wir die Arbeiterintcressen schützen. Einig müssen wir sein. Geschlossen müssen wir auf- treten, sonst ist die Arbeiterschaft verloren. Achtet alle nur auf die Beschlüsse der Organisationen, wenn Ihr den Zechen- besitzern keinen Gefallen tun wollt. Mit Glückauf! Die Organisationsvorstände. Alle arbeiterfreundlichen Blätter werden um Abdruck ge- beten. »• Gegen Mitternacht verbreitet Wolffs Depeschenbureau folgende Meldung aus Essen: Wie der Zechenverband mitteilt, ist der in dem Aufruf der vier Bergarbeiterorganisationen angegebene Termin für das Inkrafttreten des Arbeitsnachweises zum 1. Dezember nicht richtig. Der Zwangsarbeitsnachweis wird zu dem bereits früher bestimmten späteren Termin eingerichtet werden. Und immer wieder die Lüge von der charakteristischen Neutralität. Der Herr Generalsekretär Stegerwald kommt in einer der letzten Nummern der„Kölnischen Volkszeitung" nochmals auf das Thema christliche Gelverkschaftcn und Partei- Politik zurück. Unter anderem bezieht er sich als Beweis für die Neutralität seiner Gewerkschaften auf den Artikel des „Vorwärts", der in Nummer 263 erschien, und der an der Hand einer ganzen Reihe von Tatsachen nachwies, wie wenig neutral die christlichen Gewerkschaften sind. Stegerwald macht dies nun so, daß er sagt: „Der„Vorwärts" bescheinigt den christlichen Gewerkschaften ihre parteipolitische Neutralität gegenüber den politischen bürger- lichen Parteien dadurch, daß er schreibt:„Die christlichen Gewerk- schaften kämpften bei der letzten Reichstagswahl in Lennep-Mett- mann und Hagen-Schwelm für den �ortschriltsmann. in Bochum für den Kandidaten des Grubenkapirals. in Bielefeld für eine scharfmacherische Exzellenz und in Elberfeld für einen Genossen der Kardorff und Zedlitz." Die Charakteristik der einzelnen Kau- didaten ist zwar übertrieben und sozialistisch gefärbt, im übrigen geht aber daraus hervor, daß im christlichen Gewerkschaftslager gegenüber den parteipolitischen Strömungen die denkbar größte Freiheit und Vielseitigkeit besteht." Mehr kann man wirklich nicht verlangen. Zur Jllnstrie- rung, wie diese denkbar größte und vielseitige Freiheit den Arbeitern, die sie betreiben sollen, plausibel gemacht wird, sei hier ein wichtiger Passus aus dem„Zentralblatt der christ- lichen Gewerkschaften" wiedergegeben, der 1907 in dem Aufruf des Vorstandes zur Reichstagsivahl erschien. „Die christlichen Gewerkschaften sind nach ihrem Programm interkonfessionelle und politisch unparteiische Organisationen. Dieser Charakter unserer Bewegung muß zu allen Zeilen respektiert werden. Daher darf auch beim bevorstehenden Neichslagöwahlkainpf weder die Gewerkichastspresse in den Dienst bestimmter Parteien (die Unterstreichungen sind von uns. D. N.) sich stellen, noch darf in Versa n»m tun gen parteipolitischePropaganda geduldet werden. Die Befolgung dieser Grundsätze hindert jedoch die Mitglieder der»ristlichen' Gewerkschaften nicht, außerhalb ihrxr Verbände energisch ihre Pflichte» als Staatsbürger wahrzunehmen. Nichts wäre verkehrter, als loemi die Arbeiter ihre Tätigkeit bloß auf das wirtschnftliche Gebiet beschränkten. Die Gesetzgebung muß vielmehr bei allen sich bietenden Anlässen zugunsten der unteren V o l k s k l a s s e n beeinflußt werden, denn diese bedürfen der SlaatShilse am dringendsten. Und ein solcher Anlaß ist in hohem Maße die Reichstagsivahl. Wir erwarten daher, daß unsere M i t g l i e der sich außerhalb der Gewerk- schasten in de» bürgerlichen Parteien, denen sie angehören, energisch betätigen und für die Zusammensetzung eines Reichstages Sorge tragen helfen, der im Sinne der Best red ungen der christlichen Gewerkschaften zu wirken ge- w i l I t i st." Einmal ist cs schon eine Spitzfindigkeit, seine Mitglieder dazu aufzufordern, nicht als christliche Gewerkschaftler, s o n- d e r n als Staatsbürger so zu wählen, daß ein Reichstag zu- sammenkommt,„der im Sinne der christlichen Gewerkschaften zu »virken gewillt ist". Soll ein solcher Reichstag dann für die Staatsbürger im Simme der Bestrebungen der christlichen Gewerkschaften Gesetze machen, oder soll er dies für die Leute tun, die in demselben Moment schnell wieder christliche Ge- werkschaftler geworden sind? Aber ein anderes ist bei diesem Ausruf noch wichtiger. Stegerwald gibt ohne weiteres das zu, was der„Vorwärts" von der Politik der christlichen Gewerkschaften bei den letzten Reichstagswahlen festnagelte; er gibt es nicht nur zu. sondern benutzt cs sogar noch, um die politische Freiheit der' christlichen Organisationen hervorzuheben. Glaubt nun Stegerwald wirklich, daß dieser Kandidat des Grubenkapitals in Bochum, dieser Genosse der Kardorff und Zedlitz in Elberfeld tlnd diese scharfmacherische Exzellenz in Bielefeld zu der Politik zu haben sind, wie sie derselbe Generalsekretär S t c g e r>v a l d in dem Aufruf zur Reichstagswahl gefordert hat � Dort heißt cs doch, daß die unteren Volksklassen der Hilfe am Dringendsten bedürftig sind und daß ein Reichstag zusammengeholt werden soll, der gewillt ist, im Sinne der Bestrebungen der chri st lichen Gewerk- schaften zu»virken. Herr Steger ivald, das hört sich nicht nur neutral, sondern sogar sophistisch an! Sicher sind die christlichen Gelverkschaftcn„neutral" gewesen. Ihre Zeitungen und ihre Blätter haben nicht aufgefordert zur Wahl eine? Zentrumsmannes oder eines Konservativen, ihre Stellungnahme vollzog sich auf» breiterer Grundlage: Für die bürgerlichen Parteien gegen die Sozialdemokraten! So lautete die Wahlparole Wählt wen ihr wollt, nur keinen Sozialdemokraten! Ueber der Freudigkeit, im„Vorwärts" Beweise der christlkchen Neutralität gefunden zu haben, vergißt der Herr General sckretär ganz und gar darauf zu autlvorten. ob cs denn stimmt, daß in christlichen Geivcrkschafteu Vorträge über die Finanzrcform durch Zeutrumsleute gehalten werden, daß de- Herrn Sieger»valds eigene Rede in christlicher Ge werkschaftsversaminlung in der Zentrumspresse»vörtlich erscheint und so weiter und so weiter. Dies vergißt man ganz. Das klügste iväre doch wirklich, nicht mehr von der christlichen„Neutralität" zu reden. Es ist ja den Denkenden schon längst bekannt, daß in dieser ganzen christlichen Ge »verkschaftsbelvegung eben ein innerer Zivicspalt zlvischcn religiöser Weltanschauung und proletarischer Klassenlage herrscht. Wegen der erstercn muß man gegen die Sozialdemokratie schimpfen, um der zweiten willen sucht man politische Be- tätigung. Als Arbeiterpartei kann man sie nicht finden, nun so geht man eben zu dem— weltanschauungsvcrwandten Zentrum.___ Berlin und Qmg-ezend. Achtung, Friseurgchilfen! Für Vcrbaudsmitglieder gesperrt: U n g e r, Nteicheiibergcrstr. 88, Fiedler, Treptow, Grätzstr. 62, L o y ck, Adlershof, BiSmarckstr. 13. Verband der Friseurgehilfen. veutkebes Keicb. Aus den Geheimakten eines Zwangsarbeitsnachweises der Unternehmer. Gerade zur rechten Zeit bringt der„Bergknappe", daö Organ des christlichen Bergarbeiterverbandes, sehr interessante Entbüllungen auS den Geheimalten des Arbeitsnachweises der Industriellen in Mannheim«Ludwigshafen. Der„Bergknappe" schreibt dazu u. a.: „Der Arbeitsnachweis ist in ähnlicher Weise geregelt, wie es auch vom Zechenverband im Ruhrgebiet geplant ist. Die dem Arbeitsnachweis angeschlossenen Firmen dürfen Arbeiter nur durch den Arbeitsnachweis beziehen. Aus dem Arbeitsnachweis werden die Arbeiter aufs eingehendste an mehreren Schaltern geprüft. In den Listen des ArbcitSnawlveises ist die Zeichensprache üblich. Durch Zeichen wird alles Mögliche angedeutet. Für die Sünder ist ein»chwarzes Buch angelegt. AuS den verschiedensten Gründen werden die Arbeiter von der Arbeit ausgesperrt. Das Zeichen z. K. bedeutet„zu Keinem", und darf ein mit diesem Zeichen versehener Arbeiter bei keinem eingestellt werden. Ver- schiedcne Formen der Stempel auf der Abkehr zeigten der Nach- weisstelle, waS mit den Leuten passieren sollte." Daraus folgt ein längerer AuSzug aus dem im Nachweis an- gelegten Register, das in geradezu erlchrcckender Deutlichkeit zeigt, wie jeder Arbeiter in Ackt und Bann erklärt wird, der sich irgeiid- wie mißliebig gemacht hat. Wie ein Vlnihnnd ist dieses Maß- regelungsbureau hinter dein Arbeiter her, um ihn zu Tode zu Hetzen. Nur einige wenige von den Stigmas, die den Arbeitern aufgebrannt »vurden. seien hier angeführt: ,Ailarckist",„Hanptheyer und Aufwiegler", „Parteiausschnßmitg'iied",„freches Benehmen",„Beleidigung de« Di- rektors",„lehr tätiger Agitator",„äußerst frech",„frech gegen Meisier", „Rädelsführer im Streik",„christlicher Agitator",„zu hohe Lohn- ansprüche",„wegen Streikpostenstehens",„Kontraktvrnch",„wegen Maifeier" und so in unendlicker Folge. Selbst vor der Kennzeichnung einiger mit körperlichen Fehlern behafteter Arbeiter schreckt diese schamlose Unternehmerbrntalität nicht zurück. So werden Leute ge- kennzeichnet, die einen Leistenbruch, einen Herzfehler haben oder dergleichen I Diese hochintercffanten Enthüllungen lassen das Wirken der Unternehinernachweise in hellstem Lichte erstrahlen. DaS ist so etwas nach dem Gusto unserer Scharfmacherl Deshalb auch ihr Streben allerons, solche Schandbureaus einzurichten. Die Berg- Herren wollen 306000 Bergarbeiter des Ruhrgebiels in dieses Joch spannen, und im Baugewerbe bekunden die Unternehmer nicht minder große Vorliebe für die Errichtung der Unteriiehmer-Zwangs- nachloeise. Findet der Arbeiter gegen diese Brutalität keinen Schutz dein, Gesetzgeber und bei den Behörde», so wird die nächste Zeit schivcre wirischastlichc Kämpfe um den Arbeitsnachweis in Deutsch- laud sehen. Die gewerkschaftlich organisierten Arbeiter werden vor allen Dingen eine solche Tyrannenherrschaft nicht ruhig hinnehmen. Von den Unternehmern wird immer bestritten, daß diese Arbeits- nachweise als MaßregelungSbureaus wirken sollen. Auch die Bergherren bestreiten das. Und auch der Oberbürgermeister Martin in Mannheim hat seinerzeit die Versicherung abgegeben, daß der Arbeitsnachweis in M a n n h e i in- L u d w i g S h a s e n nicht zu irgcndlvelchen imlauteren Zivccken benutzt werden soll. So werden Versprechungen gegenüber den Arbeitern gehalten I Den Feinden der Arbeiterbeivegiing ist eben jedes Mittel recht— auch das ordinärste und korrupteste— zur Bekämpfung der Gewerkschaften. Versammlungen. Ter Holzarbeitcrvcrbnnd hielt am Dienstag eine Generalver- sammlung der Zahlstelle Berlin ab. Der Kassierer Miele er- stattete den Kassenbericht für das 3. Quartal. Er konstatierte, daß sich die Verhältnisse seit dem vorigen Quartal wieder verbessert haben. Die Arbeitslosigkeit hat abgenommen, die Ausgaben füer Arbeitslosenunterstützung sind deshalb zurückgegangen,! währe-sid die Einnahmen an Beiträgen gestiegen sind. Rund 1600 Neuanf- nahmen haben im Laufe des Quartals stattgefunden. Die E«n- nahmen der Lokalkasse betragen 214 661, 3b M., die Ausgaben 114 280,51 M., der Bestand 70 280,84 M...Für Unterstützungen wurden aus der Haupt- und Lokalkasse gezahlt an Arbeitslose 43 064 M., an Kranke 38 102 M., an Streikende und Gemaßrcgelte 16 074 M., sonstige Unterstützungen 4207 M. Glocke erstattete den Geschäftsbericht des Vorstandes. Er machte Mitteilungen über die Zahl der während des letzten Quartals abgehaltenen Versammlungen, der Erteilung von Rechts- schütz an 69 Mitglieder und besprach dann den Stand oec Vertrags- Verhandlungen. Wie bekannt, hat die vorige Generalversammlung beschlossen, den bestehenden Vertrag nicht zu kündigen. Daraus ist er von den Unternehmern gekündigt worden. Zwischen den beiderseitigen Zentralvorständen haben bereits Verhandlungen wegen Erneuerung der gekündigten Verträge stattgefunden, es ist auch eine gewisse Verständigung erzielt»norden, dahingehend, daß die neuen Verträge aus drei Jahre abgeschlossen werden und eine Staffelung der Arbeitszeit nach den verschiedenen Städten vor- gcnön.men werden soll. Die Kollegen, der meisten in Frage kom- wenden Städte haben dem Hauptvorstand ihre Anträge für die neuen Vertrage eingereicht, die der Hauptvorstand auch gebilligt hat. Tic Berliner Mitgliedschaft hat vis jetzt noch keine Anträge einreichen können, weil solche erst durch die Vcrtraucnskörper- schaften und die Generalversammlung beraten und festgesetzt werden müssen. Zu einer Aussprache mit den Unternehmern vor den eigentlichen Verhandlungen ist die Berliner QrtSvcrwaltnng natürlich bereit. Sie wird dabei die Mängel des Vertrages da» legen und die Unternehmer ersuchen, zu sagen, wie sie sich den neuen Vertrag denken. Wenn dann die Unternehmer lveiter ver- handeln wollen, wird ihnen eine Vorlage der Vertragsanträge zu- gehen, nachdem diese von einer Generalversammlung gebilligt worden sind. Die Berliner Ortsverwaltung hat sich bereits mit der Hirsch-Dunckerschen und der christlichen Organisation ve» stälrdigt und die Zusage erhalten, daß sie sich dem Vorgehen deS Deutschen Holzarbciterverbandes in der Tarifbelvcgung anschließen werden. Für einen Vertrag, der auf drei Jahre festgelegt werden soll, werden die Berliner Kollegen natürlich auch eine entsprechende Ausgestaltung beantragen. Einen Kamps lvünschen die Arbeiter nicht. Auch die Unternehmer dürften nach den Erfahrungen des verflossenen Vertragskampfes nicht geneigt sein, schon wieder einen ernsten Konflikt zu veranlassen. Doch mit Sicherheit läßt sich nicht voraussehen, wie sich die Situation gestalten wird. Die Kollegen inüssen deshalb auf alles gefaßt und vorbereitet sein. Ursache zur Mutlosigkeit haben sie nicht. In der Diskussion über die Ausführungen Glockcs fragte ein Redner, ob der Verbandsvorstand, wie cs nach den Aeußcrungcn der Unternehmerpresse scheine, mit dem Vorstand des Arbeitgeber- Verbandes eine gegenseitig« freundschaftliche Kündigung der Ver- träge vereinbart habe.— Glocke sagte, nach den ihm vom Haupt- vorstand zugegangenen Informationen habe eine solche Verein- barung nicht stattgefunden. Auf einen dahingehenden Vorschlag der Unternehmer sei der Hauptvorstand des Holzarbeitcrverbandes nicht eingegangen. Maß, der über die Differenzen und Streiks berichtete, teilte unter anderem mit: Die Schlichtungskommission wurde im dritten Quartal 76inal angerufen. In 91 Fällen verhandelten die beiden Beauftragten der Kommission, 16mal wurden Sachverständige hinzugezogen. Lei Nichtvertragsmeistcrn fanden in 58 Fällen Diffe» renzcn statt, die 66 Verhandlungen zur Folge hatten. In 24 Be» trieben kam cs zum Streik,»voran 536 Kollegen beteiligt tvarcn. Von diesen Streiks hatten 14 mit 29? Beteiligten Erfolg. 4 Streiks mit 196 Beteiligten endeten mit einem Vergleich, 5 Streiks mit 34 Beteiligten gingen verloren. Die Kontroll- und Agitationskommission hielt 223 geschäftlich� Sichungen und 1617 Werkstattsitzungen ab. an denen sich 2015 Werk- statten mit 28 990 Kollegen beteiligten. 17 214 Kollegen, von denen 14 organisiert waren, haben die Werkstattsitzungen besucht. Güth gab den Bericht vom paritätischen Arbeitsnachweis. 8487 Arbeitsuchende waren eingeschrieben, 6900 Stellen wurden ye- melttt und 5216 besetzt. Die Arbeitslosigkeit hat im Vergleich mit dem 3. Quartal des vorigen Jahres bedeutend abgenommen. Von den vermittelten Arbeitskräften sind 178 in auslvärtige Stellen gegangen. Stuf dem Verbands-Arbeitsnachweis, über den S p ä t h e be- richtete, ließen sich 754 Arbeitsuchende eintragen. 566 Stellen wurden gemeldet, 283 besetzt. Am Schluß des Quartals waren 70 Arbeitslose eingeschrieben. Hierauf»vurden eine Reihe von Anträgen beraten, von denen die folgenden Annahme fanden: Die Bezirke oder Branchen haben spätcste»s 14 Tage nach jeder Generalversammlung Mitglieder- Versammlungen abzuhalten, in denen Bericht über die General- Versammlung zu erstatten ist.— Mitglieder der Verwaltung dürfen nicht als Delogierte zur Generalversammlung gewählt'werden. Die Verhältnisse in den Wagcnfabriken kamen zur Be- sprechung in einer Versammlung, welche die Arbeiter dieser Fa- brikcn ai» Sonntaginorgcn im Gewerkscbaftshause abhielten. Das etnleitendr Referat hatte Schulze vom Sattlerverbcmdc über- nommcn. Er erinnerte daran, daß die Bewegung, die im Früh- jähr 1906 unter den Arbeitern dieser Branche entstand, mit den schlimmstco Mißständen in den Wagenfabriken cttvas aufräumen konnte. Aie Beteiligung von feiten der Arbeiter war damals eine erfreuliche und die Konjunktur, gehoben durch den Auwmobilbau, unterstützts die Bewegung. Forderungen wurden aufgestellt, die sich besonders auf die Einheitlichkeit der Arbeitszeit bezogen. Ein- zclne Firnren erfüllten die Forderungen, bei anderen mußte die Arbeit niedergelegt werden. Der Streik wurde fünf Wochen lang gcftihrt und zeitigte gute Resultate. Als aber die Konjunktur zurückging, hielten die Arbeiter nicht zuscnnmen, und die Verhält- nisse versctHlcchterten sich um so mehr, als die Fabrikanten gelernt hatten, gegenüber den Arbeitern fest zusammenzustehen. Die AkkordpreiM fielen überall, die Löhne gingen zurück, die Arbeiter wurden einem immer stärkeren Druck durch die Unternehmer aus- gesetzt, so daß es jetzt dringend notwendig geworden sei, die allge- meinen Verhältnisse zur öffentlichen Besprechung zu bringen. An den Diskussion beteiligten sich zahlreiche Anlvescnde. Die Mißstände ln den einzelnen Betrieben wurden scharf kritisiert, zu- gleich aber die Arbeiter zum großen Teil selbst dafiir veranwort- Ii» gemacht� weil sie dem Druck von feiten der Unternehmer keinen Widerstand entgegensetzten. Große Abzüge werden vorgenommen, und die Arbeiter machen Ueberstundcn und arbeiten an Sonn- und Feiertqgen: es ist sogar passiert, daß Ucberstunden schlech- t e r bezahlt wurden als die regelmäßige Arbeitszeit. Viel geklagt wurde über die Fabrik von Neuß. Das Kolonnensystcm bringe allerlei Schciden mit steh; vielfach sei ein sehr unsolidarischcs Ver- halten unter den Arbeitern zu bemerken. Wo früher 70—75 Ps. pro Stunde verdient wurden, da sei man jetzt oft mit 40— 45 Pf. zufrieden.— Soll dem Niedergang in den Arbeitsverhältnissen Einhalt gebatei, iverden, dann müssen sich die Arbeiter zu einer energischen Aigitation aufraffen. Die Ueberstunden sollten allgemein veriveigert werden. Tüchtige Vertrauensmänner sollten in alten Betrieben gewählt und bei der Agitationskommission angemeldet werden. Eine Pflicht muß es für jeden Ar» beitcr sein, die A g i t a t i o n s ko in m i s s i o n eifrig zu unterstützen, damit sie in der Lage ist, gelcgcntlich wirksam eingreifen zu können. Die Unorganisierten müssen unter allen Umständen für den Verband gewonnen werden. Wo an Sonn» und Feiertagen gearbeitet wird, da sollte Meldung darüber et» stattet werden, um diesem Umfug zu steuern.— Die Versammlung mar leider nicht so stark besucht, wie man es in Anbetracht der Sachlage hätte erwarten dürfen. Bon den 2500 Arbeitern in den Wagenfabrikcu von Berlin und Umgegend. war nur ein kleiner Teil erschienen. ißerantw. Redakt.: Richard Barth, Berlin. Inseratenteil verantw.: Lt. Glocke, Berlin. Druck U.Verlag: Vorwärts Buchdr.u.BerlagSanstal» Gaul Singer St To., Berlin SW, Hierzu 3 Beilagen u.LnterhaltnngSbl. Nr. 277. 26. Jahrgang. l. KcHu Ks JotiDötls"{ifdiiitr ZIMsM Zonuabend, 27. November IM. vom üemerbegericht. Aus dem Verwaltungsbericht des Magistrats über das Gewerbe» gericht für das Rechnungsjahr 1908 entnehmen wir: Die Höchstzahl der seit dem Bestehen des GewerbegerichtS — 10. April 1893— verhandelten Prozesse wurde im Jahr 1907 mit 14 208 erreicht. Im Jahre 1908 kamen im ganzen nur 14 028 Klagen zur Verhandlung. Der Rückgang um 180 Prozesse wird dem allgemeinen Daniederliegen der Geschäfte, namentlich der geringen Bautätigkeit, zugeschrieben. Für die Wahl der Beisitzer zum Gewerbegericht ist das Vcr- hältniswahlverfahren an Stelle des Mehrheitssystems eingeführt worden. Die seit langer Zeit erstrebte Gleichheit des Wahl- Verfahrens für Gewcrbcgericht und Kaufmannsgericht ist damit erreicht. Von den zum ersten Male am 27. und 29. November 1908 nach den neuen Grundsätzen gewählten Arbcitcrbeisitzern waren 64 von der freien Gewerkschaft, einer vom Allgemeinen Deutschen Mctallarbeitcrverband, drei von den Deutschen Gcwcrkvercinen und zwei von dem christlichnationalcn iroahlausschust aufgestellt. Im Berichtsjahre waren 14 028 Klagen zu erledigen. Von diesen wurden 0992 durch Vergleich, 3460 durch Klagerücknahme oder Ruhenlassen, 1972 durch Versäumnisurteil, 1260 durch kontradiktorisches Urteil erledigt: 460 schwebten noch. 68 Streitigkeiten zwischen Arbeitnehmern desselben Arbeit- tI, gcbers und 29 Klagen von Schiffern, die meist mit ihren Kähnen hier auf der Durchfahrt begriffen waren, lagen vor. 29 Klagen sind ausnahmslos, wenn die Abhaltung des Termins am Tage der Klagcanbringung nicht mehr möglich war, bereits am nächsten Tage, meist durch Vergleich, beendet worden. In den 1164 Prozessen, deren Objekt mehr als 100 M. betrug, ergingen 345 Endurteilc. Hiergegen wurden 81 Borufungen ein. gelegt. Von den Entscheidungen auf die Berufung bestätigten 21 die Vorentscheidung, 13 hoben dieselbe auf, 9 änderten die Vor- cntschcidung ab. Durch Zurücknahme und Vergleich wurden 10 erledigt, unerledigt blieben 23. Die niedrigste Klagcsummc betrug 40 Pf., die höchste 6000 M. Streitgegenstand war u. a. in 8619 Fällen Zahlung von rück- ständigem Lohn, in 6560 Fällen Lohn- oder Entschädigungs- anspräche wegen Entlassung aus der Arbeit vor Ablauf der vcr- tragsmässigcn Zeit und ohne Aufkündigung. In 878 Fällen Her- ausgäbe von Arbeitspapieren. Sachen, Handwerkszeug usw., in 840 Fällen Schadenersatz und in 70 Fällen Rückzahlungen von Kautionen usw. Von Arbeitnehmern wurden 13 820 Klagen angestrengt, dar- unter 3103 ton Frauen und Mädchen, von Arbeitgebern 702.Klagen. Von diesen gelangten 40 zum kontradiktorischen Urteil, hiervon wurden 21 gleich 52,5 Proz. mit dem ganzen geltend gemachten Anspruch oder dem wesentlichsten Teil desselben gewonnen. Von den von Arbeitnehmern angestrengten Prozessen gelangten 1220 zum kontradiktorischen Urteil; hiervon wurden 660 gleich 54,1 Proz. von den Klägern gewonnen, und zwar ebenfalls mit dem ganzen geltend gemachten Anspruch oder dem wesentlichsten Teil desselben. 699 Sitzungen fanden vor dem Einzelrichter statt, zu 502 Sitzungen waren Beisitzer zugezogen. Bon den im Berichtsjahre durch kontradiktorisches Urteil bc- endeten Prozessen wurden rund 3 Proz. in weniger als 1 Woche, 10 Proz. in 1 bis 2 Wochen, 52 Proz. in 2 Wochen bis 1 Monat, 30 Proz. in 1 bis 3 Monaten und 5 Proz. in mehr als 3 Monaten erledigt. Die Erledigung erfolgte wiederum fast durchweg schneller wie im Vorjahre. Wegen Ungebühr vor Gericht wurde in 18 Fällen auf Geld- strafe oder Haft erkannt, wegen unentschuldigten Ausbleibens wurde in einem Falle gegen einen Beisitzer, in 20 Fällen gegen Parteien und Zeugen Geldstrafen verhängt. Im Anmeldezimmcr verkehrten im Berichtsjahre 24 492 Per- soncn, darunter 342 Arbeitgeber. Unter 24 150 Arbeitnehmern befanden sich 17 531 Männer und 6619 Frauen und Mädchen; zu Protokoll wurden 12 279 Klagen gegeben, für den Geschäftstag also rund 41. Die Kasse des Gewerbegerichtes vereinnahmte 2582 Zahlungen einschliesslich 240 M. Strafen mit 5043,75 M., nieder- geschlagen wurden 1410 Posten mit 3406 M. 2407 M. blieben Rest und wurden auf das Rechnungsjahr 1909 übertragen. Kleines feuilleton. Die Bodesche Herrlichkeit. Wir hatten unseren Lesern der- sprachen, ihnen von dem„Inhalt� der Flora zu erzählen, den die Oeffnung der Büste ergab. Unsere Quelle ist der„Times"- Korrespondent, der allein neben den 7—8 Bodeschen Beamte» zu dieser Enthüllung zugelassen wurde. Prof. Röthgen, der Chemiker des Kaiier-Friedrich-Museums, schnitt in dem Rücken der Büste mittels Elektrizität und kieissen Messern ein Stück von 2,/a Ouadrat- zoll aus. Das ausgeschnittene Stück bestand auö einer oberen Schicht von einem halben Zoll Wachs, die auf einer Lage aus einer Mischung von Wachs und Harz ruhte. Mit Draht und Zangen wurde dann der Inhalt des Hohlraumes in der Büste, der fich bis zur Höhe der Brust ausdehnt, herausgeholt. Und was fand man? Klunipen von Ton und Harz und zuguterlctzt grauen Stoff, der sich bei näherer Untersuchung als ein Stück alte Bettdecke erwies. und zwar in einer Grösse von zwei Ouadratfuss swie der „Times"- Korrespondent inzwischen berichtigend mitteilt). Also die „KunstmaSke" des alten Lucas, die fein Sohn verraten hatte, war in aller Form gefunden. Aber auch sonst legte die Büste beredtes Zeugnis ab von ihrer Herkunft aus den Händen von Lucas, der überall Wachs zu sparen suchte. Die Decke der Höblnng besteht auö Gips, in dem das Ende eines hölzernen Stockes steckt, der als Träger von Kopf und Nacken dient. Die äussere Schicht der Büste ist Wachs, das auf Gips ruht swie leonardcSk I>. In der Nähe des rechten Schulterblattes befindet sich etwas, das auf den Röntgenbildern wie eine Gabel aussieht.(Wenn daS nur nicht die Gabel ist, mit der Leonardo zu Mittag zu speisen pflegte. Herr Bode!) Kurzum die Büste enthält(zu den Zeitungsschnitzeln im Sockel) ein wahre« Naritätenkabinctt LucaSscher Provenienz. Alle diese Entdeckungen bedürfen keines Kommentars. So wenig wie die neuesten Vertuschungsversuche der Bodeaner, die mit_ dem Mute Vcrzwerfeltcr in einer Mitleid erregenden Weise argumentieren. Nachdem sie mit den Radium-, Wachs- und Jnhaltsuntersuchungen reingefallen smv und auch ihre Hypothese von den zwei Büsten haben begraben müssen, greifen sie jetzt zu einer Unterschrift unter der früher verleugnete» LucaSphotograpbie und behaupten weiter, Lucas habe eine so holdselige(wie sentimental!) nicht schaffen können. Ans derartige Appelle anS Gefühl haben sich noch immer düpierte Kunst- kenncr berufen. Trocken, aber sarkastisch genug erwidert der„TimeS"- Korrespondent auf diese tiefsinnige Spekulation: aus dem Album der LucaSschen Werke ergebe sich der Eindruck, dass LucaS alles Mögliche gekonnt habe. Der schlimmste Effekt der ganzen Bode-Affäre ist der fich jetzt immer wieder aufdrängende Zweifel an der ganzen Bodeschen Methode: Wie viel Fälschungen(bei der Lucas-Büste liegt ja die Sache noch einfach) mag Herr Bode im Verlass auf sein untrügliches Stilgefühl inS Kaiser- Friedrich- Museum als un st erbliche Kun st werke ein- geführt haben? Man wird gut tun, alle seine früheren Ent- dcckungen mit verdoppeltem Misstrauen ebenso gründlich zu unter- suchen wie die Lucas-Büste. Leider sind Fälschungen, die ja gerade all das vermeiden, wodurch sich Lucas so leicht zu erkennen gab. Unter den 4030 Kostenschuldnern befanden sich 2054 Arbeit- geber und 1366 Arbeitnehmer. Von 2528 Zwangsvollstreckungen waren 45 Proz. von Erfolg. Von den gegen die Arbeitgeber gerichteten Zwangsvollstreckungen waren 53 Proz., gegen die Arbeitnehmer 29 Proz. erfolgreich. Die Ausgaben betrugen einschliesslich Entschädigungen für Versäumnis und Reisekosten, Zeugen und Sachverständigengebühren 29 993 M. Bei Streiks und Lohnbewegungen hat das Gewcrbcgericht in 12 Fällen mit den Beteiligten Verhandlungen gepflogen, ohne dass es zu einer Anrufung des Einigungsamtes gekommen ist. �n allen Fällen wurden Tarife oder Vereinbarungen und Tarif- ändcrungcn zu bereits geschlossenen Tarifverträgen niedergelegt. Von einer Seite als Einigungsamt angerufen wurde das Ge- Werbegericht in 7 Fällen, von beiden Teilen in 12 Fällen. Von den letzteren gelangte ein Fall durch Vergleich zur Erledigung, in 7 Fällen wurden Schiedssprüche gefällt, denen in 5 Fällen beide Parteien sich unterworfen haben. In 4 Fällen kam weder eine Vereinbarung noch ein Schiedsspruch zustande. In einem aus dem vorherigen Berichtsjahre übernommenen Falle hatte der Ausschuss ein Gutachten abzugeben. Auch wurden 4 Anträge eingereicht, von denen 3 erledigt wurden. Die Bc- ratung und Verabschiedung des vierten Antrages zog sich über den 31. März 1999 hin. Ein im Februar 1909 von 36 Beisitzern des GewerbegerichtS unterzeichneter Antrag auf Aendcrung des Gesetzentwurfes, bc- treffend Arbcitskammern, wurde in einer Sitzung vom Ausschutz beraten. Es wurde beschlossen, eine Acnderung des§ 6 des Gesetzes bei den gesetzgebenden Körperschaften zu beantragen. Von Erfahrungen und Wahrnehmungen im Gebiete der ge- werblichen Streitigkeiten seien erwähnt: Es haben sich wieder die Fälle gehäuft, in denen trotz des entsprechenden Hinweises in den Ladungen die Prozessvertretcr ohne Vollmacht erscheinen. Durch Anberaumung eines Publikationstcrmins, in welchem die Vollmacht nachzurcichen, wird oft die Exekution aus dem Urteile unnötigerweise verzögert. In vielen Fällen wird die schriftliche Abfassung des Lehr- Vertrages versäumt, oder der schriftliche Lehrvertrag entspricht nicht den Erfordernissen des§ 126d Gewerbeordnung. Die Folge ist, dass eventuell Schadenersatzklagen wegen vorzeitiger Entlassung des Lehrlings oder wegen Entlaufens des Lehrlings unhaltbar find. Arbeitnehmer übersehen es oft, dass Arbeitsordnungen, wenn sie ordnungsmässig erlassen sind und an geeigneter Stelle aus- hängen, rechtsverbindlich sind und dass es nicht erforderlich ist, dass der Arbeiter auf die Arbeitsordnung beini Engagement hingewiesen wird oder dass er einen Abdruck derselben erhält. Klagen darüber, dass Stellung suchende Arbeitnehmer Kautionsschtvindlern in die Hände gefallen sind, sind an der Tages- ordnung. Dem Publikum kann nicht eindringlich genug geraten iverden, bei Kautionsforderungcn die grösste Vorsicht anzuwenden. Kautionen werden verlangt, als Kaution wird das Geld hin- gegeben, quittiert wird aber von solchen Arbeitgebern in offenbar betrügerischer Absicht nicht über empfangene Kaution, sondern über „geleistete Geschäftseinlage". Die Quittungen werden vom Arbeit- nchmer bedauerlicherweise meist nicht durchgelesen, und erst bei der unausbleiblichen Klage kommt der Betrug ans Licht. Ebenso mutz das Recht suchende Publikum wiederholt darauf hingewiesen werden, dass Klagen und Anträge in den Gerichts- schreibereien des Geircrbe- und Kaufmannsgcrichtes jederzeit kostenfrei entgegengenommen werden. Dass Arbeiter und Arbeite- rinnen von sogenannten Winkelkonsulenten ausgebeutet und dass ihnen für kleine und oft wertlose Schriftsätze unvcrhältnismähig hohe Beträge abverlangt werden, sind Erfahrungen, die oft gemocht werde». Iii Blüte stehen auch immer noch die Auswüchse im Lehrlings- Wesen. Unter hochklingenden Namen wie„Akademie" für diese oder jene Branche usw. werden namentlich weibliche Personen als Lehrlinge verlangt, oder werden Ausbildungskurse angeboten. Gelernt wird meist so gut wie nichts. Es kommt vielfach nur dieser Art von Lehranstalten aus das hohe Lehrgeld und auf ge- wissenloses Ausbeuten von Arbeitskräften an. viel schwerer zu entdecken. Ihnen gegenüber ist die Kennerschaft alles und— nichts. Pariser Theater-SnobiSmuS und Theatcryeschös». Die Rvjane ist eine findige Theaterdirektorin, die ihrem Geschäft die Aufmerksamkeit der müssigen Leute zuzuwenden versteht, die ihre Existenz mit Theater- besuch ausfüllen. Jetzt hat sie gar zivei„Ideen" aus einmal, um diese Welt zu revolutionieren. Sie beabsichtigt erstens, die motz- gebenden Kritiker nicht wie üblich zur Hauptprobe, die in Paris vor geladenem Publikum stattfindet, sondern noch früher zuzulassen, in einem Stadium, wo das neue Stück noch der Verbesserung fähig ist. Die Ausstellungen und Ratschläge der Kritiker sollen aus diese Art nicht auf dem' Papier bleiben, sondern bei der öffentlichen Auf- führung berücksichtigt werden. Ob ein solche» Verfahren gerade zur Verbesserung der Stücke führen wird, ist billig zu bezweifeln. Ge» rechterweise aber müsste dann auch der Autor zur Korrektur der Rezensionen eines Stückes herangezogen werden, für das er nicht mehr ganz verantwortlich wäre. Sofern es sich übrigens bei der Reform um Erlangung einer Bürgschaft für günstige Antiken handeln sollte, so ist die schon hcure vorhandene völlig ausreichend. Die Pariser Thcateraittoren sind nämlich so ziemlich alle Rezensenten und überschütten einander mit Lobsprüchen. Begreiflicher ist die zweite von Frau Röjane verfügte Neuenmg. Mit Ausnahme der Krittler sollen künstig die Besucher der General- probe ihre Plätze bezahlen. Dagegen lässt sich schwer etwas einwenden. Die Generalprobe unterscheidet sich heute von der bei erhöhten Preisen stattfindenden Premiere durch nichts mehr, als dass es für sehr schick gilt, ihr beizuwohnen, � weil das auf irgendwelche „Beziehungen" schliessen lässt. Was wird freilich die Folge der Neuerung fein? Einfach, dass die Theaterleute, Lieferanten, Freunde des Autors usw. z» einer noch früheren Probe zugelassen werden, die dann mit der Zeit gena» dasselbe wird wie die heutige Haupt- probe.— Die Albernheit der Bourgeois, die„überall dabei" sein wollen, haben übrigens die Direktoren der von der Stadt sub- ventionierten Oper im Gailö-Theater mit einem kühnen Einsall ausgenutzt. Da die Karlenbestellungen zur Premiere der Oper ,.Quo Vadis" überaus stark waren, veranstalten sie zwei Erstausführungen: Premiere und Premiere bis! Theater. Neues Theater.„Herbst" von Walter Schmidt- hässler;„Der Unbekannte" von Oskar Bendiener. Herr Schmidthässler, den man aus den Ausführungen des Neuen Theaters als eigenartigen und interessanten Mcnschendarsteller kennen lernte, zeigt als dramatischer Autor in scinenr„Herbst" leider daS Gegenteil dieser Eigenschastcn. DaS Stückchen, in dem der Sensen- mann in Gestalt eines schwarzgekleideten diskreten Herrn einen alten Grasen besucht, den Ahnungslosen von seinen Lebenserinnerungen plaudern lässt, um ihm dann das schwach flackernde Lebenslicht mit leiser Berührung auszulöschen, verrät nur allzu deutlich die An- lehnung an Maeterlinck. Aber statt der erstrebten StinnnungS- Wirkung stellt sich, da die Erfindung de» gewählten Rahmen mit keinerlei Gefühlen und Aenken anregendem Detail auszufüllen vermag, sehr bald die Langeweile ein. Den Erinnerungen des Grafen fehlt iede Spur persönlichen Gepräges, der Einführung des Todes in dieser Maskerade jedes bedeutsame auf tiefere Hintergründe Em der parte!« Parteiliteraknr. Im Verlag der Buchhandlung Vorwärts, Berlin, erschien soeben: Vcrfaffungöwcscn und Bcrfassimgskämpfc in Deutschland. Von Georg Gradnauer. Preis gebunden 3 M. Diese Schrift soll die Staats- und Versassungseinrichtnngen des Deutschen Reiches zur ollgemein verständlichen Darstellung bringen. Die bürgerlichen Bücher über diesen Gegenstand sind durchweg reaktionär gefärbt und sollen der Verherrlichung dessen, was ist, dienen. ES fehlte bisher eine Darstellung des deutschen VerfassungS- Wesens, die den demokratischen Bestrebungen gerecht wird und die Fortcntwickelung der deutschen Staatseinrichtnngen in den Vorder- grnnd rückt. Diese Lücke soll die Schrift des Genossen Dr. Georg Gradnauer anstüllen. Der Verfasser skizziert iin einleitenden Kapitel die VerfassungS- kämpfe seit Beginn des lg. Jahrhunderts bis zum neuen Reich„ohne Einheit und Freiheit". In den folgenden Kapiteln werden die In» stitutionen der jetzigen Reichsverfassung dargestellt und kritisch be» leuchtet, so das Verhältnis zwischen Reich und Bundesstaaten, die Stellung des Kaisers und Reichskanzlers, die Befugnisse des Bundes- rats und des Reichstags, das Verwaltungswesen im Reiche usw. Eiil letztes grösseres Kapitel behandelt die neuen Verfassungßkäinpfe der Gegenwart fdas persönliche Regiment: Massnahmen znr Herbei- führung des parlamentarischen Regimes: Wahlreformen im Reich und in den Bundesstaaten: Parlamentarismns als ein Mittel der Be- freiung der Arbeiterklasse). Die„Bildungsarbeit"(Nr. 3) ist soeben erschienen. Der Inhalt ist: Die politische Organisation. Eine VortragSdisposition.— Redeunterricht.— Unternehmerorganisation und Arbeiterbewegimg. Eine VortragSdisposition.— Unser Parteiprogramm. Disposition eines Zylluö von zehn Vorträgen. Sechster Bortrag: Der Kapitalismus auf dem Höhepunkt feiner EntWickelung.— Eine Bibliothek um 100 Kr.— Waudsckimuck.— Eine Bilderlistc.— Berichte auö Wien, Niederösterreich, Oberösterreich, Salzburg und Schlesien.— Bücher» schau.— Mitteilungen des UnterrichtSansschusses.— Der JahrcSprciS des Blattes beträgt 2 Kr. Bestellungen sind an die Verwaltung: Wien VI, Mariahilferstr. 89A zu richten. Im Verlag des Journals„Ov iZocialisrnv Paris XI e, Eue de la Eopuotto 3, erschien: l>a Hoallle Blanche et le Socialisme. Par Vincent Carlier, Deputo des Bouches-du-Ehßne.(Die Weisse Kohle und der Sozialismus. Von Vincent Carlier. Abgeordneter des Departements BoucheS-du-Rhönc. 36 Seiten. Preis 10 Centimes. Erleichterung des Bücherkauss. Die Buchhandlung der Leipziger Buchdruckerci A. G.(Verlag der„Leipziger V o l k S z e i t n n g") gibt bekannt, dass fie. um die Anschaffung von guten Büchern zu erleichtern, Bücher» karten und B ü ch e r ni a r k e n ausgibt. In allen Filialen der Buchhandlung, in allen Bibliotheken der sozialdemokratischen Vereine und der Gewerkschaften, in allen Bureaus und Sekretariaten der Arbeiterorganisationen werden Bücherkarten und Büchermarken zu haben sein. Jede Karte enthält 20 Markcnfeldcr. Es werden aus- gegeben: rote Karten, dazu Marken a 50 Pf.: blaue Karten, dazu Marlen a 20 Pf.; grüne Karten, dazu Marken a 10 Pf. Gegen Rückgabe einer roten Karte, die voll mit 50-Pf.-Marken beklebt ist, werden dem Inhaber für 10 M. Bücher nach feiner Wahl geliefert. Eine vollgeklebte blaue Karte gilt 4 M., eine grüne Karte 2 M. In der Regel werden nur vollgellebte Karten eingetauscht, doch wird in besonderen Fällen auch eine nur teilweise beklebte Karte gegen Bücher im entsprechenden Werte zurückgenommen. Unter allen Um- ständen werden jedoch nur B ü ch e r für die W e r t k a r t e n ge- geben, ein Zurückzahlen von barem Gelde findet nicht statt. Ein eigenes Heim konnte die organisierte Arbeiterschaft Alten- burgö im November in Benutzung nehmen, das Gcwerk- schaftshcim zum Rautenkranz. Der historische Gasthof hinweisende Motw. Die fein nuancierende Wiedergabe durch die Herren Andresen und Stoeckel konnte den mangelnden Gehalt nicht ersetzen. Das Stück Bendlencrs regte an» Anfang durch«tauche prägnant- pikante Wendungen des Dialog» eine gewisse Erwartung. Die verblüffend offenen Geständnisse eines von Meta Jäger mit liebenS- würdig frecher Flottheit gespielten Weltdämchens, die respektlosen Rcflcktionen eines eleganten, im gewöhnlichen Leben dem Falschmiinzerbcrnf obliegenden Liebhabers, schienen auf eine amüsante Satire im besseren franzüstschcn Schwankstil hinzuzielen. Doch bald entpuppte sich das Ganze als eine mit gröbsten Theater- coups hantierende, abstotzend unwahre und geschmacklose Kriminal- dramatik. Der dunkle Ehrenmann deö Autors revanchiert sich für die Liebe einer gefühlvollen Strohwitwe dadurch, dass er— weiss Gott warum— der En, Porten wider ihren Willen einen Tausend- frankschein aufdrängt, der sie in Verdacht bringt, seine Komplizin zu sein. Die Polizei erscheint in der Wohnung der Dame, droht sie und ihren Mann zu verhaften, bis sich nach langem widerwärttgen Lamento zu guterletzt berausstellt, dass die verhängnisvolle Note echt ist. Das temperamentvolle, leidenschaftliche, an natürlichen Akzenten reiche Spiel von Frl. Mma Nenier ließ durch den Kontrast die krasse Unnatur der Rolle, zu der sie in dem Stück verurteilt war, nur noch schärfer hervortreten. dt. Notizen. — K u n st a b e n d e. Einen L o e w e- Abend veranstaltet da» Schiller-Theatrr am Sonntag im Biirgersaal des Berlinischen Rathauses.— Am gleichen Abend findet um 8'/, Uhr im Schiller-Saal, Charlottenburg, ein F o n t a n e- Abend statt. — Kunstchronik. Die WintcranSstellung der Berliner Sezession wird am Sonnabend znr Vorbesichtigung eröffnet. Neben Werken zeichnender und graphischer Küiiste sind zwei Kolossal- werke des Schweizer Malers Hobler ausgestellt, die die Be» steigung eines Berges und den Absturz des Hochtouristen darstellen.--» In der A k a d e m t e der K ü n st e wird in diesem Winter eine Ausstellung von Werken des französischen Rokoko statt- finden, die besonder« die reichen Schätze des preußischen Hofes an Watteaus, Bouchers LaNcretS, FragonardS, ChardinS, Houdon« umfassen wird. Daran schließt sich eine Ausstellung von Werken der zeitgenössischen amerikanische« Kunst(im März und April.) — Friedrich Nietzsches Werke werden zu Neujahr in den Verlag von Alfred Kröncr in Leipzig, des Verlegers der bekannten Volks- und Taschcn-AuSgabcn von Schriften zur Förderung einer freien und wissenschaftlich durchgebildeten Weltanschauung über- gehen. — Die Astronomische Gesellschaft hatte für die beste Bearbeitung und Vorausberechnnng de« Halleyschen Kometen einen Preis ausgeschrieben. Dieser ist den englischen Astronomen Cowell und Crommeli» zugefallen. Sie haben durch ihre Untersuchungen den Halleyschen Kometen bis auf einige Jahr- hunderte vor unsere Zeitrechnung zurück verfolgen können. Wir keimen die Geschichte dieses Gestirns jetzt bereits für einen Zeitraum von mehr denn zweitausend Jahre. zum Rautenkranz ist vom Konsumverein angekauft und ausgebaut worden. Die Gewerkschaften haben vom Konsumverein Räumlich- keiten gemietet und sind so in der Lage, den seit Jahren gehegten Wunsch, für die reisenden Arbeiter bessere Unterkunft zu schaffen, endlich zu erfüllen. Außerdem konnten modern eingerichtete Restaurations- und Gesellschaftsräume geschaffen werden.— Die Verwaltung liegt in Händen einer Genoffenschaft mit beschränkter Haftpflicht. Erfolgreiche Werbearbeit. Im Wahlkreise Hanau-Bocken- heim- Gel nhausen-Orb wurden durch eine rege Agitation im 4. Quartal d. I. rund 500 neue Abonnenten für das P a r t e i o r g a u. die„Frankfurter Volksstimme", sowie 600 Mit- glieder für die Organisation gewonnen. Iiigendbnvegiitig. Gegen die freien Jugendorganisationen. Vor längerer Zeit wurden mehrere Vorstandsmitglieder der Breslauer Jugendorganisation zu Geldstrafen ver- urteilt, weil sie Perionen unter 13 Jahren in ihren Verein, der ein politischer sei. aufgenommen haben. Die Urteile hatten zur Folge. dag der Breslauer Polizeipräsident die Jugendorganisation auflöste, da sie gesetzwidrige Zwecke verfolge. Gegen diesen Streich wurde das Vcrwaltungs- streilverfahren eingeleitet. Der Termin vor dem Bezirksausschutz hat jetzt stattgefunden. Von dem Vertreter der Kläger wurde bestritten, dah in den Versammlungen der Jugendorganisation jemals Politik getrieben worden sei. Der Verein bezwecke aus keinen Fall eine Ein- Wirkung auf politische Angelegenheiten. Zudem habe der Verein seinerzeit, als der Prozetz eingeleitet wurde, beschlossen, auch die wirtschaftlichen Fragen aus seinen Verhandlungen auszuschalten und sich lediglich mit wissenschaftlichen und künstlerischen Fragen zu be- schäfligen. Der Vertreter des Polizeipräfidenten versuchte mit Artikeln aus alten Nummern der„Volkswacht", des„Vorwärts", der„Arbeitenden Jugend" und der„Arbeiter-Jugend" den angeblich politischen Charakter der Jugendvereine nachzuweisen. Auch einige Verse aus dem Jugendliederbuch wurden verlesen. Schließlich soll auch aus dem Berichte des Parteivorstandes an den Parteitag in Leipzig hervorgeben, datz die Jugendorganisationen einen Teil der Partei bilden. Trotzdem der klägerische Rechtsbeistand darauf hinwies, datz die „Arbeiter-Jugend" gar nicht ein Organ der Jugendorganisation, sondern ein selbständiges Unternehmen sei. und der Verein mit dem Liederbuche, das einzelne Mitglieder besitzen, nichts zu tun habe, Wurde d i e Klage abgewiesen. Gegen das Urteil wird Revision angemeldet werden. „Arbeiter-Jugend". Die soeben erschienene Nr. 22 hat u. a. folgenden Inhalt: Die Aufgaben uiiserer Jugend. Von Therese Schlesinger-Eckstein.— Der junge Schiller. I. Die Zeit. (Schluß.)— Wie icti Schreiner wurde.— Der Kampf um den Nordpol.— Die politischen Parteien.— Krankheit und Proletariat. Von S. Drucker.— Der Kampf um die Fortbildungsschule in Oesterreich.— Vom Kriegsschauplatz.— Gegen die Schundliteratur usw. Beilage: Die Fahrt ins Blaue. Von Julius Stinde.— Kleine Geschichten. Von Karl Lüpnitz.— Pitt und Wilm. Von Thea Blistain.— Bücher für die Jugend.— Herr von Ribbeck auf Ribbeck. Von Fontane. Sozialea* Mit der Einführung des staatsbürgerlichen Unterrichts in den höheren Schulen und in den Fortbildungsschulen beschäf- tigen sich einige soeben erlassene allgemeine Anordnungen des sächsischen Kultusministeriums. Die Einführung eines besonderen Unterrichts in Staats- und Bürgerkunde, festgelegt auf bestimmte Stunden, ist zurzeit nicht beabsichtigt. Es soll nur der Versuch ge- macht Werden, die neue Aufgabe im Rahmen der bestehenden Lehr- Pläne zu lösen, so also, wie es in Volksschulen mit modernen Lehr- Plänen bereits seit längerem geschieht. Dabei soll sichs in den höheren Unterrichtsanstalten weniger darum handeln, den Schülern eine Summe abfragbaren Wissens über die staatlichen Einrich- tungen mitzuteilen, als vielmehr darum, in ihnen Verständnis und Empfänglichkeit für das staatliche und wirtschaftliche Leben der Gegenwart zu wecken und sie für die Zukunft fähig zu machen, die Erscheinungen des öffentlichen Lebens zu beobachten und zu wür- digen. Und der Unterricht in der Fortbildungsschule soll im allge- meinen darauf abzielen müssen, den Schülern eine Reihe von sicheren, auch für das bürgerliche Leben brauchbaren Kenntnissen von den staatlichen Einrichtungen, insbesondere von der Verfassung und den Behörden sowie von den Rechten und Pflichten der Staats- bürger zu vermitteln. Hauptaufgabe soll aber auch hier bleiben, Verständnis für das staatliche Leben zu weckdm die Schüler in der Ueberzeugung zu befestigen, datz das Wohlergehen der einzelnen Staatsbürger vom Gedeihen eines geordneten Staatswesens ab- hängig ist und dah das Wohl des Vaterlandes auf der Tüchtigkeit und dem opferbereiten Sinn seiner Bürger beruht. Der Gedanke der staatsbürgerlichen Erziehung, meint die Korrespondenz des Deutschen Lehververeins, ist in den letzten Jahren stark in Auf- nähme gekommen, und die Verordnung der sächsischen Regierung liegt durchaus im Zuge unserer Zeit. Eins hätte freilich auch und vielleicht gerade von ihr besonders betont werden müssen, das näm- lich, datz sich solcher Unterricht, wenn er sich nicht von vornherein um feine Erfolge bei den Schülern und um die Anerkennung in der Oeffentlichkeit bringen will, freihalten mutz von allen nicht in der Sache liegenden Absichten. Er soll aufklären, er soll Einsicht in das Wesen und die Aufgaben unseres modernen Staates entwickeln und so der EntWickelung des Schülers zum Staatsbürger den Boden bereiten; er soll aber nicht versuchen, dieser Entwickelnng bestimmte parteipolitische Bahnen zu weisen, ihr andere nach MSg- lichkeit zu verschließen. Ob aber die zahlreichen Freunde de» staatsbürgerlichen Unterrichts wirklich ausnahmslos an einen Unterricht frei von jeder Tendenz denken? Im Interesse des Friedens, der über jeder Schule, über der höheren so� gut wie über der Volks- und Fortbildungsschule liegen mutz, wäre das aller- ding» dringend zu wünschen._ Mecklenburgische Schulaufsicht. Nach der mecklenburgischen Schulordnung vom Jahre 1834 hat der Lehrer ein Heer von Vorgesetzten. So wird der Lehrer in Redefin b�usiichtigt vom Gestiitsdirektor, Prediger, Super- intendenten und dem 1. und 2.„Schnlaufseher". Dazu kommt natürlich noch die Regierungsinstanz. Der eine dieser„Schulauf- scher" ist ein ehemaliger Militäranwärter. � Er darf dem Lehrer einen Diensturlaub bis zu drei Tagen gewähren und hat sich in dem alljährlichen Bericht an den Superintendenten über pünktliche Abhaltung der Schule, über die Fortschritte in den einzelnen Unter- richtsgegenständen, ja sogar über den Lebenstvandel des Lehrers und dessen Betragen in und außer dem Amte zu verbreiten. Und dam wundert mau sich, wenn die mecklenburgischen Lehrer die Flucht nach den Nachbarstaaten ergreifen. Wie ein konservativer Abgeordneter über Hebammennot denkt! Im Kreise Stolp(Pommern) wurde in der letzten Kreistag?- sitzung vom KrciSausschutz vorgeschlagen, die Bezirkshebammen im Landkreise Stolp etwas besser zu stellen. Bislang erhalten die Hebammen neben der unentgeltlichen Lieferung der erforderlichen In- strumente Gesamtvergütungen in der Riesenböhe von ganzen 20 bis 80 M. j ä h r l i ch. Außerdem werden ihnen für den Fall eintretender Dienstunfähigkeit volle 30—60 M. jährliche Unterstützung zugebilligt. Die Hebammen haben wiederholt über die völlige Unzu- länglichkeit ihres Einkommens geklagt und betont, datz eine Reihe Von Wöchnerinnen unvermögend ist. Da ein Ministerialerlaß vom 16. Oktober 1908 nur dann Staatszuschüsse für Hebammen zuläßt, wenn die Kreise einigermaßen selbst statutarisch für die Hebammen sorgen, schlug der K r e i s a u s s ch u tz vor, den Hebammen, deren Besserstellung im Juteresse der Volksgesundheit und Familienfürsorge dringend erforderlich ist, ein M i n d e st e i n k o m m e n von— jährlich 450 M. zu garantieren, ferner die Altersversorgun g auf 240 M. jährlich hinaufzusetzen, den Hebammen die Gebühren und Auslagen bei unbemittelten Wöchnerinnen zu ersetzen, desgleichen die T a g e g e l d e r für die Teilnahme an den Versammlungen des Hebammenvereins. Auf dem Kreistage wurde von einem Forstmeister Kramer eine Erhöhung des Mindesteinkommens auf 540 M. und des Ruhegehalts auf 300 M. beantragt. Dieser be- scheideue Autrag gelangte, wiewohl auch der Landrat sich ihm sympathisch gegenüberstellte, nicht zur Amiahme. In der Debatte tat sich durch soziale Rückständigkeit der konservative Landtagsabgeordnete v. Böhn hervor. Er wetterte dagegen, daß den Hebammen Tagegelder zuni Besuche der Ver« sammlungen des Hebammenvereins bewilligt würden. Dort würde„nur Unzufriedenheit erregt". Es liege auch kein Grund vor, de» Hebammen die Gebühren und Auslagen bei unbemittelten Wöchnerinnen zu ersetzen, denn—„unbemittelte Wöchnerinnen dürfte es wohl auf den, Lande nicht geben. Dort ist jeder so gestellt, datz er die H e b a m meng eb ü h r e n bezahlen kann". Diesen mit der Wirklichkeit so kratz in Widerspruch stehenden Aus- führungen des konservativen Großgrundbesitzers trat unter anderen auch der Landrat entgegen. Sie hatten aber immerhin den Erfolg, datz lediglich der Antrag des KreiSauSschusseS angenommen, der auf Erhöhung der Sätze gerichtete Antrag aber abgelehnt wurde. Schade, datz der preußische Landtagsabgeordnete v. Böhn keine Tagelöhnerin ist und in die Wochen kommen kann. Vielleicht würde ihm dann klar, wie seine Aeutzerungen den Unwillen eines jeden gerecht Denkenden aufpeitschen müssen. Der Hebammenverein ist ihm ein Dorn im Auge, weil„dort nur Unzufriedenheit erregt wird". Fühlt der Herr nicht, datz seine Aeutzerungen die allerherbste Un- Zufriedenheit erregen müssen? Hus Industrie und Kandel. Agenten des Auslandes. Mit diesem dummdreisten Vorwurf wird nicht selten von den Gegnern die Sozialdemokratie bedacht. Wir haben nicht nötig, zu solchen Vorwürfen ein Wort der Verteidigung zu sagen, sie richten sich von selbst. Momentan spukt dieser Vorwurf wieder, nur datz er diesmal nicht gegen die Sozialdemokratie, sondern gegen eine sehr hohe Stelle sich richtet. Die«Rheinisch-Westfälische Zeitung", das Organ des Großkapitals im rheinisS-westfälischen Industriegebiete, wendet sich mit einer auffallenden Schärfe gegen die für das nächste Jahr in Berlin geplante Ausstellung ameri- kanischer Jndustrieerzeugnisse. In dem Artikel wird bemerkt, man müsse der Großindustrie beipflichten, wenn sie es mit scheelen Augen betrachtet, „datz gar der Bruder unseres Kaisers gleichsam als amerikanischer Agent beitragen hilft, datz im eigenen Lande die Amerikaner gute deutsche Erzeugnisse aus dem Felde schlagen können, und, von Berlin aus gefördert, in eisiigen Wett- bewerb nnt dem deutschen Export in ganz Europa zu treten vermögen." Das Blatt behauptet weiter, in Amerika werde die blödeste Deutschenfresserei getrieben und fährt schließlich fort: „Der deutsche Kaiser wird in der niedrigsten Weise mit in die Erörterung gezogen, unter der Behauptung, daß er in Freundschaft zu B a l l i u„seine hohe Stellung mißbrauche", mn für„seine Schifiahrtslinicn", deren„Hnupttcilhabcr" er sei, dies und jenes für die Ziele der deutsche» Wcltpolitik herauszuschlagen." Schließlich gießt das Unternehmerblatt die ganze Schale seines Zornes über den deutschen Botschafter Grafen Bernstorff aus, in dem man anscheinend den Urheber der Ausstellung erblickt. Das Blatt faucht wütend: „Und unser Botschafter Bernstorff, so redselig, wenn eS gegen seine nationalsühlenden Landslcnte geht, schweigt sich gründlich aus, wo hier von einer viele Tausende umfassenden Vereinigung der amerikanischen Kaufleute die Person des Kaisers aufs unverschäm- teste angegrifien wird." Eine zur Schau getragene Sorge um die Person des Kaisers mutz hier zur Maskierung der den gewöhnlichsten Profitinteressen dienenden Hetze gegen Amerika herhalten. Zur Zeit der November- debatten im Reichstage im Jahre 1908 hat man es gerade der „Rheinisch-Westfälischen Zeitung" am allerlvenigsten anmerken können, datz sie sich sehr um die Person des Kaisers sorge. Starke Steigerung der Eierspeise. Das Herannahen der Weihnachtszeit mit dem wachsenden Be- darf macht sich am Eiermarkt durch ein fortgesetztes kräftiges An- ziehen der Preise bemerkbar. Im September gingen die Preise be- rcits scharf hinauf, um im Oktober mit verdoppelter Intensität zu steigen. Ein Schock kostete im Juli 4,11, im August 4,31, im Sep- tember 4.61 und im Oktober 4,91 M. Im Mai war mit 3,81 M. der niedrigste Preis im laufenden Jahre notiert worden. Damals kostete ein Ei durchschnittlich 0,36 Pf., im Oktober kostete es da- gegen bereits 8,20 Pf. und hat sich im November noch weiter verteuert. Von September auf Oktober ist der Preis für ein Schock in Königsberg i. Pr. um 58 Pf., in Danzig um 76 Pf., in Graudenz um 63 Pf., in Brandenburg a. H. aber gar um 1,02 M. hinaufgegangen. In Frankfurt a. O. stieg der Eierpreis um 62, in Stettin um 64, in Stralsund um 60, in Posen um 62. in Broinberg um 70 Pf. Bon schlesischen Städten weist Breslau eine Preis- teigerung um 40 Pf. auf. In Erfurt ist der Preis um 62 Pf. hinaufgegangen, in Altona um 66 Pf., in Kiel um 63 Pf., in Hildesheim gar um 87 Pf. Osnabrück weist eine Steigerung um 82, Emden eine um 76 Ptz, Münster um 1,02 M. auf. Am schärfsten ist aber der Preis in Paderborn hinaufgeschnellt, wo er um nickt weniger als 1,66 M. stieg. Mit starken Preiszunahmen sind sodann noch zu nennen: Dortwund mit einem Plus von 1,07 M., Kastel mit 70 Pf., Kolberg mit 60 Pf., Essen mit 1,20 M., Neritz mit 86 Pf., Köln mit 1,26 M., Trier mit 75 Pf. und Aachen mit 1 M. Preissteigerung._ Auf Kosten der Arbeiter. Die Kaiserbrauerei hat im letzten Geschästsjadre kein gutes Resultat erzielt. Der Robgewinn aus dem Biergesckäft sank von 483 884 M. im Vorjahre auf 365 247 M. Ein nock ickleckteres Ergebnis hat man verhindert durck starke Lohn- und Gehaltskürzungen. Die Summe für dieses Konto mackte im Vorjahre 132 466 M., im letzten Jabre nur nock 91 664 M. Man merkt: an der schleckten Konjunktur läßt das Kapital die Arbeiter schnell und in sehr großem Ausmaß teilnehmen, bei günstigen Ver- Hältnissen zeigt man sich dagegen einem starren Lohusystcin sehr geneigt._ Kapitalistischer Widersinn. In den letzten Tagen haben Besprechungen zwischen Kali- industriellen stattgefunden, an denen sich, wie verlautet, auch der preußische Fiskus beteiligte. Es wurde davon gesprochen, datz es wünschenswert sei, wenn in Zukunft mit der Erteilung von Konzessionen nicht so schnell verfahren werde, damit sich die Anzahl der in Erstehung begriffenen Werke nicht noch vermehre. Ferner nahm man den schon früher einmal gemachten Vorschlag wieder auf, daß aus einem vom Kalisyndikat geschaffenen Fonds Entschädigungen für abbauwürdige aufgeschlossene, avcr ans Profitintcreffe nicht in Abbau zu nehmende Kalffelder gezahlt werden sollen. Es wäre intereffant zu wiffen, ob der preutzische Staat als Mitglied des Syndikats ebenfalls für die Politik des GrubenlegenS zu haben ist. Patzenhofer. Das abgelaufene Geschäftsjahr erbrachte der Ge-/ sellschaft, nach Abzug von 1047 095,60 M. für Abschreibungen, einm Reingewinn von 947 766 M., der wie folgt verwendet werden soll.: Tantiemen 166 729,75 M., Gratifikationen 46 000 M., Ilnterstütznngs-; sonds 26 000 M., Delkrederekonto 11 668 M.. 11 Prozent Dividendi-: mit 623 700 M., Vortrag 75 768,53 M. Angaben über Malzverdrauich, Produktion, Löhne usw. hat sich die Verwaltung geschenkt. Mau will anscheinend keine Nachprüfung in bezug aus die Behauptung von der Notwendigkeit der ans Anlaß der Brausteuererhöhung durch- gesetzten Preissteigerung gestatten. Preiserhöhung. Der Verein deutscher Tuch- und Wollwareu- fabrikante» erlätzt an seine Mitglieder ein Rundschreiben, in dein darauf hingewiesen wird, datz die Preise des Rohmaterials seit dem vorjährige» Bericht vom 30. November 1908 im Laufe des ganzen Jabres 1909 anhaltend steigende gewesen sind. Es könne nur empfohlen werden, die borstehenden Erwägungen bei den Preis- festsetzungen für die nächste Saison in vollem Umfange zu berück- sichtigen und die Verkaufspreise der Fabrikate dementsprechend weseut- lich zu erhöhen. Baumwollernte. Nack dem Berichte des Zensus-BureauS der Vereinigten Staaten ergab die Entkörnung bis zum 14. November d. I. 8110 000 Balle» handelsiähiger Baumwolle gegen 9 596 809 Ballen im Vorjahre, 7 800 665 Ballen in 1907 und 8 662 242 Ballen in 1906. Der vorhergehende Bericht vom 8. November d. I. gal die bis zum 1. November d. I. entkörnte Baumwolle auf 7 012 000 Ballen an. Die diesjährige Menge kommt demnach dem Durchschnitt der drei voraufgegangenen Jahre bereits ziemlich nahe. Die Spekulanten benutzten die gegen das Vorjahr zurückstehende Ziffer jedoch zu einer autzerordemlich scharfen Preishausse. Dieser arbeiten die Verbraucher durch Produktionseinichränkuug entgegen. Hoffentlich mit Erfolg. Ueber weitere Einschränkung des Verbrauchs von Baumwolle wird aus Manchester gemeldet: Nachdem sich angesichts der starken Treiberei der Baumwollpreise die Matzregel der Verarbeiter amerikanischer Baumwolle, nur bis zum 6. Dezember d. I. die Be- triebe einzuschränken, als ungenügend erwiesen hat, fand auf Ver- anlassung der englischen Spinner-Vereinigung eine Versammlung der Beteiliglen statt, welche sich einmütig dafür erklärte, die Ein- schränkung des Betriebes bis zum Ende des Monats Februar 1910 aufrecht zu erhalten. Amerikanische Ernte. Das statistische Bureau des Ackerbau- Departements hat gelegentlich der letzten Erhebungen über die Ernte der Vereinigten Staaten eine vorläufige Schätzung der Erträge auf- gemacht, die im Vergleich zu den endgültigen Zahlen früherer Jahre folgendes Bild ergibt: Ernteerge bnis: 1909 1903 Tausende Bushels Weizen..... 724 768 863 602 Mais...... 2 767 316 2 668 651 Hafer...... 983 618 807 158 Gerste..... 164 636 166 756 Roggen..... 81066 31851 Buchweizen.... 16 693 15 874 Leinsaat..... 25 767 25 805 Kartoffeln.... 367 473 278 986 Heu(in t).... 64 166 70 798 Hus der fraucubcwcgunc� Vorläufig gerettet. Petersburg, 26. November. Der Senat hat die vor wenigen Tagen vom Gericht genehmigte Zulasiung eines weiblichen Rechtsanwalts zur Advokatur aufgehoben und erklärt, datz die Zulassung von Frauen zu diesem Berufe im Wege der Gesetzgebung geregelt werden müffe._ Der Bund für Mutterschutz bittet herzlich bei der sich täglich steigernden Not im Winter und den zahlreichen Hilfesuchenden, mild- tätige Menschen um Zusendung von Kleidungsslücken, Wäsche, Lebensmitteln und Geldbeträgen an das Heim und die Auskunfts- stelle des Bundes für Mutterschutz Trautenau-Str. 20. Versammlungen— Veranstaltungen. Hohen-Ncuendorf. Montag, den 29. November, abends'/aL llhr, im „Forsthaus": Oeffentliche Frauenversammlung. Vortrag:„Die Wirkung der neuen Steuern auf die Frauen". Refcrentin: Frau Lungwitz-Berlin._ ßmfhaftcn der Redaktton. Tie lurl Nische SprechNimSe findet Lindenstraße 3,, Wetter Pdf, dritter Eingang, nier Trcvnc», Fahrstuhl*�6 w-chcnt»gtr. Spezialitäten. Noacks Theater. Die Grille.(An- sang 8'/. Uhr.) Nachm. 3 Uhr: Sneewittchen und die sieben Zwerge. Palast. Liebchens Trick? Spcziali- täten. Reichst, allen. Stettiner Sänger. Urania. Tau»>e»i,r>>i>e 4«i4tt. Im wisscnschastiichcn Theater: Nachmittags 4 Uhr: Jerusalem. Abends 8 Uhr: In den Dolomiten. Im Hörsaal: AbeudS 8 Uhr: Dr. Georg Gchlhosf: Die kurz- welligen Strahlen jeiiscitS deS LichlspcllrumS. Ster»»,am. Juvalidenttr. 57—62. kiessins-TUetJter. 8 Uhr: TantriS der Narr. Sonntag, 3 Uhr: Hauneles Himmel- fahrt. 8 Uhr: TantriS der Narr. Montag, 8 Uhr: TnntriS der Narr. berliner l'keater. I�'r: Kolie Politik. Morgen: Hohe Politik._ Neues Theater. Abschiedsvorslell. Suzanne Oespris: La Parisienne. Anfang 8 Uhr. Morgen u. folgende Tage: Herbst. Der Uubekaunte. Idesler äes VestevZ. 8 Uhr: Die geschiedene Frau. Mttw. Sonnab. 4 U.: Struwwelpeter Sonnt. 3-/, U: Ein Walzertraum. I.us'tsplvlksus. Abends S Uhr: Der dunkle Punkt. flisljrivK-WIKgWlttfceltöZ Schauspielhaus. Sonnabend. 27. Nov., nachm. 3'/, Uhr: Aschenbrödel. AbendS 8 Uhr: Flachsmuuu als Ersikher. Sonntag nachm. 3 Uhr: Othello. Abends 8 Uhr: Liselott._ 9ieuea Operpttcn-Theater, Schissbauerdamm 25, a. b. Luisenstr. Abends 8 Uhr: Zllv nu<1elt»uck. Operette in 3 Akren von Rudols Nelson. VolllS'Uper. LV., Bellc-Alliancc-Stratze Nr. 7/8. Bnestcllung sür Schüler aller Berliner Lehranstalten. Nachm. 3'sz Uhr: Der Freischütz. A b- ,1 d s'/,g Uhr: ls» Vravkst». lZgzISWi-IIieslös. Miinchtner Märchrnspiele. Heute und solgende Tage 8 Uhr: Der Zauberkefsel. Tounabend u. Sonntag 3'/, Uhr SßtT kleine Preise."MM «elitllvr- Lodiiiec-Tdeatee l>.(Wallner-Tbeater.) Sonnabend, abends 8 Uhr: ZU« Hobbs. Lustspiel in 4 Aufzügen von Jerome K. Jerome. Deutsch von W. Wolters. Ende 10-/. Uhr. S o n n t a g. n a a ni. 3 U b r: Die Welt, in der man sich langn-eilt. Sonuing, oociids v Uhr: SUL Hobbs. Montag, abends 8 Uhr: _ Hie erste tieige. Theater. Schiller-Theater Charlottenburg. Sonnabend, abends 8 Uhr: �Valleilstelns Tocl. Trauerspiel in fünf Auszügen von Friedrich Schiller. Ende ll Uhr. Sonntag, n a w m. 3 Uhr: lstlacbvtb. Sonntag, avenoS 8 Uhr: �VUlioIia Teil. Montag, abends 8 Uhr: Walleastelns Tod. CASTAN's P AXOPTICTM Friedrichstr. 165(Pschorrpalast). Indische M'ltwenverbrennnng! Täglich 7-/z Uhr abends X Sonntags S Vorstellungen. □ Heitere Künstler- Abende. □ Caruso usw. Grammophon-Vorträge. Margarete Cara, Signor Arturo, Moderne Magie. □ Urania. Wissenschaftliches Theater. Nachmittags 4 Uhr: Jerusalem. Abends 8 Uhr: In den Dolomiten. Hörsaal 8 Uhr: Dr. Georg Gehlhoff: Die kurzwelligen Strahlen jenseits des _ Lichtspektrums. Residenz-Theater Direktion: Richard Alexander. Abends 3 Uhr: Ore teilen. Groteske in 3 Akten von Davis und Lipfchütz. Morgen und folgende Tage: Dieselbe Borstellung. Sonntag, den 28. Nov., nachm. 3 Uhr Kümmere Dich um Amelie. IOSE=TKEATE| Große Frankfurter Str. 132, Ans. 8 Uhr, Ende-/z!> Uhr, lüerelMtedWeiilUlII Lustspiel in 4 Akten von Bcnedix, Nachm. 3 Uhr Schülervorstellung: Maria Stuart, Sonntag nachm. 3 Uhr: Die Reoht- losen. Abends 8 Uhr: heben und leben lassen. Luisen-Theater. 4 Uhr: Groste Kinder-Borstcllung. Sneelvittchen. Abends 8 Uhr: Heimat. Sonntag 3 Uhr: Tie Herren Söhne. 8 Uhr: Gib mich frei. Montag: Gib mich frei. Line Revue der Schönheit, Grazie«■». Humors! Anne Dancrey. Bernh. Mörbitz. Lalla Selbini. Horace Goldin. Sisters Harvey und die übrigen Attraktionen! Morgen; Nachm.-Vorstellung. Anfang 3'/a Uhr. Kleine Preise. Metropol-Theater Hallo!!! Die grolie Revue! In 8 Bildern von Jul. Freund. Musik v. Paul Litioke. In Szene gesetzt vom Dir. Rieh. Schultz. Anfang 8 Uhr. Rauchen gestattet. Sonntag 3 Ubr: Lumpacivagabundus. Ansang 8 Uhr. SV Letzte Woche des kolossale» Programms, u. a.: Tobusvabobn, Burleske, Consuclo Fornarlna, die Phänomene Wynnc Brothers. 10 Uhr: 10 Uhr: Eine Haremsnacht. Groteske in 1 Akt. %* d» dh A dB A dB dh A«b dh db dB A A, Passage-Theater. «= Letzte Tage.= ' Abends 8 Uhr: Das großartige Variete- Programm des neuen großen Variete-Teils, Ferner 10 nene DebUts. Fem er: ! Henry Bender in der tollen Burleske Der süße Doktor. Passage-Panoptikum. Neu MmReiehe des KöDigsAiiua.' Geheimnisse der Wassertiefe. Plastische Riesenriioramen. Da. lebende Skelett. Da* nnatoin. Rätsel. Vis ftaummalenn. AOA, die schweb. Jungfrau Tambnrltza- Brlguntos. Panophon- Vorträge. Alles ohne Extra-Entree! UfflWÖ Kommandantcnstr. 57. S. 21. 4, 5083. Der grSKte lerrnfeld- erfolg! „So muß man's machen" Burleske mit Gesang in zwei Akten, Musik von L. Jtal, mit den Autoren Zlnton und Donat Herrnfeld in den Hauptrollen.— Hierzu: Ein ktettunASmittel Komödie in 1 Akt von Ludwig Huna. 2lnsang 8 Uhr. Vorverkauf 11—2 Uhr Theaterkasse. Folies Caprice. Anfang 81/, Uhr. Sicher ist sicher. Neuer bunter Teil. SerMnme� Cssino-Theatep Lothringer Straße 37. Täglich 8 Uhr bis Donnerstag, den 2. Dezember: vnkvl Gokn. Freitag, den 3. Dezember, zum erstenmal: Der Obergauner. Sonntag 4 Uhr: Familie Klinkert. Alt-Hoablt 47/48. Sonntag, den 28. Novemher: D«g nltf Lltd. Schauspiel in drei Auszügen von Felix Philippi. Sanssouci, Direktion Wilhelm Reimer. Sonntag, Montag und Donucrslag: HoHtnanns llardd. Sänger und Tnnzfräuzcheil. Bcg. Sonnt. 5. wowcni. 3U. Morgen Sonntag: Große Elite-Soiree Neues hochakt. Programm. Z. Schluß: Tanzkränzchen. Sonntag nachmittag: Gr. VorsiegBung zu kleinen Preisen. S'/a Uhr: Ein Kind frei! 1 alhalla- Variete-Theater Woinhergsweg 19-20, Rosenth.Tor. Tlicaterbesuchcrn freier Eintritt. »« 9 Billige Preise i bei BaenSohn Spezial-Haus größten Maßstabes, gegründet 1891 Cbausseestraße 29-30 a ll Brfickensfraße 11 Gr. Frankfurterstr. 20 a Schöneberg, Hauptstr. 10 0 C Men-Stoff-AnzQgs..... 2� iWvxZIMt. IllidüI-tllÄW Iisdsii-Iiiilsii-Hsieii 3'.k SMlsiis leibeiies Ums.. 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Klein Heute Sonnabend besonders billige LEBENSMITTEL soweit der Vorrat reicht: Hirschfleisch und Wildschwein Keule Q r Rücken O r Blatt A C Ragout � r Pfd. O*?) Pfd. 03) Pfd. Pfd. pf' Rehkeulen........... 5.75 bis 6.50 Rehblätter 1.65 bis 2 Mk., Rehrücken 7.50 bis 1 0 Mk. Hasen gestreift........... 3.75 j 4 Mk. Gänse Pfd. 60, 67 pf. Enten 2.40, 2.60 Mastputen............ p�nd 83 pf. Suppenhühner..1.65, 1.85, 2.10 Brathühner..... 1.20, 1.50, 1.75 Fasanen..... Hähne 2.40, Hennen 2.10 Gänsebrust............ pw 1.45 Schinkenspeck......... pw 1.05 Zervelatwurst in Rinddarm,,, Pfund 1.10 Teewurst.............. Pfund 1.15 Plockwursti............ Pfund 1.15 Prima Kalbsleberwurst.. Pfund 1.20 Landleberwurst........ p�d 90 pf. Rotwurst.......... Pfund 50, 70 pf. Delikatess- W ürstchen Dose zu 6 Paar 75 Pf.. Dose zu 12 Paar l.dO Zungen in Dosen........ netto Pfund 2.30 Nur Leipziger und Rosenthaler Strasse: Karpfen lebend Hechte lebend Schl616 lebend Aale lebend... Forellen Pfund 2.75, Pfund 85 und 95 Pf. Pfund 1 Mk. Pfund 1.30 Pfund 1.30 Bachforellen O Pfund O Mk. Schellfische.. Kabeljau_____ Steinbutten. Heilbutten Pfund Schollen____ ,. Pfund 30 bis 40 Pf. .. Pfund 25 und 35 Pf. >. Pfund 1»25 50 Pf. Anschnitt 70 Pf. . Pfund 25 Pf. Tafeläpfel Pfd. 14 pf., M�hmack) p». 18 pf. Brüsseler Treibhaustrauben.. p». 58 pt Feigen Sen 35, Pfd. 65, Datteln Kanon 53 pf. Mandarinen 98 pf. Maronen Pfd. 1 8 pf. Apfelsinen.................... 48 pf. Blumenkohl.......... Kopf 18 u. 20 pf. Schweizer u. Holländerkäse Pfund 78 pc Tilsiter Käse............. p�nd 55 pt Romatour stück 28 pf., Limburger Pfd. 50 pf. Camembert stück 18 pf. Briekäsepfd.58pe Seezungen.... Pfund l.i5undl.50 Rotzungen......... Pfund 45 pt Lachs.. Pfund 85 Pf.. Anschnitt Pfd. 1 Mk. Zander............. Pfund 75 pf. Hummern lebend....... p�d 2.80 RINDFLEISCH Filet Pfd. 95 Pt, S" 1 Roastbeefptd.95pf,,�n0ech.1.20 ScIuQorfleiscliprd.80b.90pf. HAMMELFLEISCH Kenle.... prd. 75 b. 85 pf. Dicke Rippe... Pfd.70pr. Dönnung...... prd. 60 Pf. KALBFLEISCH Keule. Rücken Brost. . Pfd. 1 Mk. bis 1.20 . Pfd. 1 Mk. bis 1,20 . Pfd. 90 Pf. u. 1 Mk. SCHWEINEFLEISCH Schinken..pm. 80bis85pf. Kotelettes prd. 90 pr. u. 1 Mk. KasseLRippespeer 80,90 pr. Neu aufgenommen FEINE KALTE KÜCHE Leipziger Strasse: Eiertönnctien mit Anchovispuree Poctiirte Eier mit Esdragon Getollte Artischocken mit Gemüsesalat Gans auf flämische Art Kalbsnierenbraten in Gelee Rehrücken mit Orangen Chaud-froid von Fasanen Wildschweins-Roulade Portionstüeiser Verkauf Von Hammelkotefettes a la Nelson Garnierter Schweinekopf ilJvxI Z&S/Z 2mz 2m: 2m 2m: illi�illlillilll Reizt Kocht Seleuehtet mit n DAPOL" garantiert reiti amerlteawisehes?etrolemn. DAPOL rußt nicht! DAPOL gibt eine helle Flamme! DAPOL verbrennt geruchlos! ErtaUItlicb in allen Geachäften, wo da« nebenstehende Plakat mit dem Indianerkopt anahängt. DEUTSCH-AMERIKANISCHEPETROLEUM-GESELLSCHAFT Keine Verwechslung mit österreichischem(galizisch) Petroleum. 258/1* IMk SSÄÄS Herren-Qarderoben Ersatz für Maß, x Anfertigung nach MaB« gante, tertige fliaiwM m wm wwa wwm xxxx Tadellose Ausführung, xxxx i Julius fabiau, s:rr ßr. Jrank(ttrter Str. 37" EÄr„. mm Turuistr. 18 Besichtigung meines großen Lagers ohne Kaufzwang gern gestattet. nur I. Etage, kein Laden. 'Verantwortlicher Redakteur Richard Barth. Berlin. Für den gnseratenteil verantw; Th. Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärt»' vuchdruckerei u. Verlageanftalt Paul Singer&«o. Berlin SW. Nr. 277. 26. Jahrgang. 2. KeilU des LiwSrls" Kerlim WlksM Zonnabeud, 27. November l96S. Partei- TZngelegenkeiten. ' Erster Wahlkreis. Sonntag, den 23. d. M.: Uraniavorstellung, Taubenstr. 48/49. Zur Aufführung gelangt:„In den Dolo- mite n". Beginn der Verlosung 1 Uhr, Vorstellung 2 Uhr. Ein- lahkarten a 79 Pf. mit Garderobe bei den Funktionären und dem Kassierer B i t t n e r. Feilncrstr. 11, zu haben. Zweiter Wahlkreis. Sonntag, den 23. November, abends 6 Uhr, im Saale von Rabe, Fichtestrahe 29: gemütliches Beisammensein. Vortrag des Genossen Dr. Pleßner. Nachdem: Tanz usw. Um recht zahlreichen Besuch bitten Die AbtcilungSführer. Treptow-Baumschulenweg. Die Einholung der Abonnements- karten und Aufnahmesckeme erfolgt morgen. Sonntag; gleichzeitig Handzettelverbreitung. Dienstagabend 8'/z Uhr in Treptow in der Radrennbahn gemeinsame Mitgliederversammlung beider Orts- teile. Wicktige TageSordnrmg. Der Vorstand. Rummelsburg. An, Dienstag, den 39. d. M., abends 8 Uhr. findet im Caso Bellevne eine Mitgliederversanunlung des Wahl- Vereins statt. Der Stadtverordnete Karl Leid wird einen Vortrag über:„Fürsorgeerziehung" halten. Rudow. Morgen Sonntag findet die aufgeschobene„Vorwärts"- verbreiliiug statt. Die Genossen treffen sich vollzählig morgens 8 Uhr beim Genossen Borchardt, Bcndastr. 54. Tegel. Morgen Sonntag, den 28. November, nachm.'/„Z Uhr, werden in Julius KlippensteiiiS„Seeichlötzcheu", Spaudaucr Str. 4. Mäichenerzählungen und Kinderlieder vorgetragen. Mitwirkende: Frau Margarete Walkotte, am Klavier Frl. Taube. Die Arbeiterschaft wird ersucht, sich mit ihren Kindern zahlreich einzufinden. Gleichzeitig wird auf die morgen früh 8 Uhr stattfindende Land- agitation aufmerksam gemacht. Abmarsch von Genossen Krause, Berliner Str. 11. Die Bezirksleitung. Pankow. Heute Sonnabend, den 27. November, abends 8 Uhr. begeht der sozialdemokratische Wahlvercin im Saale von Ebersbach<„Zum Kurfürsten"), Berliner Str. 192, sein Winterfest. Ein reichhaltiges Programm(Sinsonie-Konzert, Vorträge tüchtiger Künstler. Tanz usw.) verspricht allen Teilnehmern einen gciuiszccichen Abend. Die Arbeiterschaft Pankows wird ersucht, an diesem Feste teilzunehmen. Billetts sind zu haben in der Parteispedition, Mühlen- straffe 39, bei Larsen, Brehinestr. 47, Ebersbach, Berliner Str. 192, sowie bei den Funktionären. Hermsdors. Montag, den 29. d. M., abends 8Vz Uhr, findet in, „Forsthaus" eine Volksversammlung statt. Genossin Lnngwitz-Berlin referiert über das Thema:„Der Steuerraubzug auf die Taschen des arbeitenden Volkes". Sonntag, den 28., morgens 8 Uhr, werden Handzettel verteilt. Treffpunkt«Forsthaus". Die Bezirksleitung. BcrXmcv JNachnchtm Die Gefahre« der dünneu Eisdecke. Der Frost hat die spätherbstliche Natur überrascht und über die Gewässer eine dünne Eisdecke gespannt. Obwohl nicht allen die Ankuust der Frosttage erwünscht ist, freut sich doch die liebe Jugend und wartet auf den Augenblick, wo sie den Schlittschuh hervorsuchen, ihn vom Rost besreien und ihn wieder in sein Recht treten lassen kann. Tag für Tag eilen jetzt die Kinder zu den spiegelblanken Flächen unserer Gewässer und prüfen die Tragfähigkeit der Eisschicht. Steine und was sonst genügend beschwert werden aus das Eis geschleudert, um zu sehen, ob es auch hält. Und saust dann so ein Probierstein über die trügerische Fläche, dann gilt gewöhnlich für die bewegungsfrohe Jugend die Eisbahn für eröffnet un geachtet der Tücke und Gefahr, die sich bei dem Versuch verbirgt. Erst wird nur ganz„vorsichtig" der Rand der Bäche und Seen betreten und hält er stand, dann wagt sich auch der verwegene Sportsman eu miniaturs in die Viitte der Eis bahn und dann kommt gewöhnlich das Malheur. Plumps! Die Decke ächzt und bricht und ein kleiner Uebermut muß seine Sportssreude, wie es in den letzten Tagen schon ge schehen ist. mit dem knospenden Leben bezahlen. Der Tagest bericht der Zeitungen bringt ja leider eine ununterbrochene Liste von Unglücksfällen, die nur der Voreiligkeit und häufig auch dem Ungehorsam der Kinder zuzuschreiben sind. Mit dem Augenblick der Gefahr erwächst aber für die Größeren und Klügeren, vor allem aber für Eltern und Erzieher die Pflicht der Warnung. Nicht oft genug kann es dem Kinde, das sich die Winterfreuden nicht vergällen lassen möchte, ein geschärst werden, welche Gefahren die dünne Eisschicht, die trügerische, glitzernde Decke dem bringt, der früher als es ihm geboten wird, das Revier des Winters betritt. Neben den direkt mit der Erziehung und Beaufsichtigung der Jugend betrauten Personen übernehmen aber auch alle übrigen Mitmenschen die ernste Pflicht, ein mahnendes Wort zu reden, wenn es gilt, einen Unerfahrenen vor seinem Leichtsinn zurückzuhalten. Nicht als Undank darf man es hin- nehmen, wenn der Kindermund dabei einem Warner eine schnippische Antwort gibt. Das letzte Wort hat ja doch meistens der weniger Kluge und dem Warner bleibt das Be- wußtsein eine ernste Gefahr von einem Knirps abgewendet �und dadurch echte Menschenliebe bewiesen zu haben. Ver- tröstet die Kleinen auf die späteren Tage, wo noch genug der Scklittschuh rasen kann. Noch hat sein Regiment nicht be- gönnen._ Die Tclephonstörmiizen in Berlin sind unS gewordene» Mitteilungen noch nicht behoben. So wird besonders von Teil- »ehmern des Amtes 3 geklagt, dost noch Donnerstag zahlreiche rfh das Amt S angeschlossene Geschäftsleute keine Verbiiidmig bekonimen konnten: speziell auf dem Wedding leiden die Leute sehr erheblich unter der Kalamität. Wunder nehmen mich es allerdings, dich im Weichbilde Berlins es nach acht Tagen nach dem Schneefall»och nicht möglich war, alles in Ordnung zu bringen. Eine ständige Ausstellung für Luftschifflihrt im Reichs-Postmuseum. Staatssekretär Kcaetke hat genehmigt, daß eine ständige Aus- pellung für Luftschiffahrt im Reichs-Postmuseum eingerichtet wird. Diesem Teil der Sammlung soll der vornehmste Platz des ganzen Museums zugewiesen werden. Es ist dies der groffe Lichthof in der Mitte des Baus, der jetzt nur das Standbild Heinrich von Stephans, des gröfften Postmannes aller Zeiten, enthält. Dort ist ausreichend Raum für groffe und kleine Modelle, um die es sich allein handeln kann. Die Ausstellung wird beide Arten von Vor- richtungcn zur Fortbewegung durch die Luft berücksichtigen, Luft- schiffe wie Flugmaschinen. Die neue Abteilung des Museums soll aber nicht etwa eive Sammlung von unfruchtbaren und mehr oder weniger zwecklosen Kuriositäten werden, sondern nur das praktisch Bewährte bringen. Von den'LenkbaUons werden zunächst die drei deutschen Grundformen zur Anschauung gebracht: Zeppelin, Parseval und das Militärlttstschiff. Um einen richtigen Begriff von den Gröbenverhältnissen zu geben, werden alle drei Modelle in demselben Maßstäbe ausgeführt, der 1:29 beträgt. Die Samm- lung von Flugmaschinen wird zunächst den Flieger der Brüder Wright enthalten, der den menschlichen Flug zuerst verwirklicht und die anderen Grundformen hervorgerufen hat. Der Eindecker, die Grundform der Franzosen, wird durch Modelle von den Fliegern Bleriots und der Antoiiiette-Gesellschaft vertreten sein. Erfreulicherweise kann auch gleich eine deutsche llllaschinc in diesen Teil der Sammlung aufgenommen werden: der Flieger von Hans Grade, des bis jetzt einzigen erfolgreichen deutschen Flugtcchnikers, der aber schon Leistungen vollführt hat, die noch keinem Franzofen gelungen beträgt. Sämtliche Modelle, von Luftschiffen wie von Flugmaschinen, werden natürlich mit der gröfften Sorgfalt ausgeführt, wie es der Bedeutung der Sammlung entspricht, in die sie aufgenommen werden. Wie das schon hergestellte Modell eines Wright-Fliegers zeigt, werden die Nachbildungen keine bloffen Schaustücke sein, son- Sern die Handhabung und den Gebrauch der Maschine bis ins einzelne zeigen. Bei dem ersten ausgeführten Modell kann man die Steuerung usw. betätigen. Die Ausführung der kleinen Appa- rate liegt in den Händen des bewährten Feinmechanikers Ferdinand Ernccke in Tempclhof. Auster Modellen ist die Aufnahme von bild- lichen Tarstellungen beabsichtigt. Selbstverständlich wird die Samm- lung mit den Fortschritten der Technik erweitert und ergänzt werden. Eine für die Passanten ungewöhnlich gefährliche Glätte führte vorgestern mehrfach zu Unglücksfällen auf der Straste. Zahlreiche Personen glitten aus und stürzten zu Boden. In einer Reihe von Fällen zogen sich die Verunglückten nicht unerhebliche Verletzungen zu. So erlitt der Reisende Kretzschmar aus Wilmersdorf in der Französischen Straste einen komplizierten Knöchelbruch. Am Hum- boldthain kam die Schülerin Hertha Bcrgner so unglücklich zu Fall, dast sie sich das Gesicht aufschlug. Weitere ähnliche Unfälle ereig- neten sich im Osten und Südosten der Stadt. Dureb den am Nachmittag und Abend erfolgten Schneefall wurden erhebliche Verkehrs- störungen herbeigeführt. Die meisten Fuhrwerke konnten, da Vor- spann nicht vorhanden war, nicht vorwärts belvegt werden und bald stürzte hier, bald dort ein Pferd. 5la!nen die Tiere auf die Strastcn- bahngleise zu liegen, so entstanden im Strastenbahnverkehr natur- gcmäst Stockungen. Stelleuweise sammelten sich dann förmliche Wagenburgen an. Gegen Abend wurden die Störungen immer empfindlicher und dies um so mehr, als gerade in diesen Stunden der.Hauptbetrieb in den Straßen Berlins herrscht. Besonders machte sich der Schneesall für den Omnibusverkehr nachteilig be- merkbar. Sorgen um die Zukunft haben den Arbeiter August Kühn ans Wittstock in den Tod getrieben. Der Mann befand sich seit einiger Zeit in einer hiesigen Augenklinik, aus der er gestern entlassen werden sollte. Auf dem rechten Auge hatte er die Sehkraft verloren. Weil er nun leine Unfallrente erhielt, so glaubte er künftig nicht mehr zurechtzukommen und erhängte sich gestern in der Badcstube der Klinik. Ein Mondring. Hat uns der Mond in der letzten Nacht<29. No- vember) auch um das Schauspiel einer totalen Mondfinsternis ge- bracht, indem er 29 Minuten vor Beginn der Finsternis/„10 Uhr abends, an Sonn- und Festlagen von nachmittags 4 bis abends>/z10 Uhr. Alle Siäinne(Lesesaal, Bibliothek, Vortrags- und Unterhaltungssaal) stehen Jugendlichen im Alter von 14 bis 18 Jahren ohne jedes Entgelt zur Verfügung.— Wiederholt ge- äußerten Wünschen entsprechend ist daS Jugendheim am Sonntag, den 28. d. M., vormittags von 10 bis nachmittags 4 Uhr zur Besichtigung geöffnet. Wilmersdorf. Mit dem Fall Beckmann beschäftigte sich am Mittwochabend die Stadtverordnetenversammlung. Das verhältnismäßig zahlreich er- schienen« Publikum kam insoweit nicht auf seine Rechnung, als der frühere Sladtverordnetenvorsteher entgegen seiner am Dienstag ver- kündeten Absicht nicht in der Stadtverordnetensitzung erschienen war. Allerdings hat seine Boreiligkeit, so darf man es wohl nennen, ihm die Möglichkeit, sich im Ortsparlament zu verteidigen, ab- geschnitten. Denn nach einer weitläufigen juristischen Auseinander- setzung kam die Stadtverordnetenversammlung zu dem Schluß, daß die Zurücknahme einer einmal schriftlich beim Magistrat abgegebenen Mandatsniederlegung unzulässig sei; mit diesem Entscheid hatte Herr Dr. Beckmann aufgehört, Stadtverordneter zu sein. Die Angriffe gegen Beckmgnn gehen aus von einer noch nicht sehr großen Gruppe, die sich um den Stadtverordneten Dr. B ü ch t e m a itzn. den früheren Oberbürgermeister von Görlitz und jetzigen freisinnigen Landtagsabgeordneten, geschart hat. Den Drang, die Stadtverwaltung vor Korruption zu schützen, in allen Ehren i aber man lann nicht behaupten, daß die Angreifer sich besonders mannhaft gezeigt hätten. Hier trat geradezu klassisch ein Stück frei- sinniger Aengstlichkeit und Hinterhaltigkelt zutage. Man war gierig darauf aus, den Gegner unmöglich zu machen, versickerte ihm aber ein über das andere Mal, daß man an seiner Lauterkeit nicht den geringsten Zweifel hege und unendlich bedauere, daß er unter einem schlimmen Verdacht � leiden müsse. Herr Dr. Bücktemann, der in der geheimen Sitzung des Ausschusses für die Stadtratswahl zuerst den Fall Beckmann angeschnitten halte, hielt sich in der öffentlichen Sitzung mehr im Hintergründe, und überließ es seinem Freunde Dr. Schwarz, das Erforderliche zu sagen. Dieser Herr bedauerte lang und breit die Amtsniederlegung des Stadtverordnetenvorstehers und verwahrte sich und'eine Freunde gegen den Verdacht, dessen Angelegenheit in die P r e s s e gebracht zu hoben. Im übrigen gab er aber von der Affäre eine Dar- stellung, die sich durchaus mit den Ausführungen in der„Vossischen Zeitung" deckt. Als bei seinem Eintritt in die Stadtverordneten- Versammlung allerhand über sonderbare Zustände gemunkelt worden sei, wäre er über das Gerede hinweg gegangen; erst als ihm die Gewißheit geworden wäre, daß Dr. Beckmann im Jahre 1901 mit anderen Herren, unter denen sich auch der Stadt- verordnete Zimmermeister P u m p l u n befinde, das S ch u b a r t- sche Dampssägewerk in Friedrichshagen in eine Ge- sellschaft mit beschränkter Hafipflicdt verwandelt habe, sei er auf- merksam geworden. Es stehe fest, daß dies Werk für die G e- meinde Wilmersdorf Arbeiten geliefert habe; allerdings wäre ihm von einer Bevorzugung nichts bekannt. Nach dieser Einschränkung rückte Dr. Schwarz wieder zum Angriff vor; die g u l e Sitte verbiete dennoch, daß der M a g i st r a t bei aller Objektivität, die dieser Körperschaft konzediert werden müsse, sich mit den Teilhabern der Gesellschaft geschäftlich einlasse. Dann überraschte der Redner die Oeffenllichkeit mit der inter- essante» Nachricht, daß dem Staatssekretär deS Innern die Wilmersdorfer Angelegenheit vorgelegt worden sei und daß dieser hohe Beamte an ihr keinen Anstoß genommen habe; eine Anschauung, von der sich die Stadtverordnetenversammlung aber nicht beeinflnssen lassen solle. Nun habe dieser Konzern, wie Herr Schwarz sich ausdrückte, weiter durch die Wabl eines Beteiligten zum Stadtrat verstärkt werden sollen; so sympathisch ihm das erkorene Mitglied, der Stadt- verordnete Hebebrandt auch sei, so könne er unter den vorliegenden Uniständen einen derartigen Vorschlag ebensowenig verantworten, wie er etwa die Wiederwahl des Herr» Dr. Beckmann zum Stadtverordneten für empfehlenswert halten könne. Herr Dr. Büchtemann versicherte mit wenigen Worten gleich- falls, daß es ihm ferngelegen habe, gegen die Person des Dr. Beck- mann vorzugehen; er wolle einzig der Protektionswirt- s ch a s t, die zuin schweren Schaden für die Verwaltung ausarten müsse, ein Ende gemacht wissen. In der weiteren Erörterung brachte der Stadtverordnete Rech- nungsrat K l e t k e zur Sprache, daß fast alle städtischen Zimmerarbeiten dem am Dampfsägewerk beteiligten Stadt- verordneten Plumplun übertragen würden; Herr Plumplun er- widerte hierauf, daß er immer der M i n d e st f o r d e n d e ge- wesen sei und die Stadt somit durch ihn erhebliche Er- sparnisse erzielt habe. Recht iuleressant waren ferner die Aus- sührimgen des Rechnungsrals D r ö s e, der gegen die Büchtemann- Gruppe sprach. In seiner Harmlosigkeit verkündete er, wie in Wilmersdorf Stadträte gebacken werden. Der Be- zirksverein„Nord" habe Anspruch darauf gemacht, daß eines seiner Mitglieder zu dieser Würde komme; diesem Verlangen habe der Wahlausschuß, und zwar gegen den Wunsch des Herrn Dr. Beckmann, durch die Wahl des Stadtverordneten Hebe- brau dl, Rechnung tragen wollen. Weiter kam ans Licht, daß es mit der moralischen Ursache zur Emrüstung in dieser Stadtverordnetenversammlung recht windig bestellt ist. Ein Redner plauderte nämlich aus, daß die Stadtverordneten- Versammlung kurz nach ihrer Konstituierung. abweichend von dem früher am Orte geübten Brauch, ausdrück- lich erklärt hat, daß Stadtverordnete sich an städtischen Lieferungen beteiligen dürfen. Nachdem die beiden feindlichen Parteien sich dann noch allerhand Liebenswürdigkeiten an den Kopf geworfen hatten, wurde beschlossen, die Untersuchung der gegen Dr. Beckmann erhobenen Beschuldigungen einem ans neun Personen bestehenden Ausschuß zu übertrage». Wie auch immer diese Untersuchung ausfallen möge; unsere Parteigenossen haben aus den hier mitgeteilten Verhandlungen von neueni erfabren, wie es in einer s o z i a l i st e n f r e i e n Stadt- verordnetenversammlung zugeht. Sie werden in emsiger Agitations- arbeit die Bevölkerung von der Notwendigkeit überzeugen. duß sie sozialdemokratische Stadtverordnete ins Ortsparlament zu wählen hat. Eine Ausstellung von Jugendschriftrn veranstaltet im Zeichensaale der Gemeiudeschule IV, Koblenzer Straße 22— 24, der Wilmersdorfer Lehrerverein. Die Ausstellung ist geöffnet am 27. November von 5 bis 8 Uhr, am 23. November(Sonnlag) von 3 bis 6 Uhr, am 29. Noveniber von 5 bis 8 Uhr. In der Einladung heißt eS u. a.: „Wir wollen durch diese Ausstellung in Gemeinschaft mit den Be- Hörden unserer Stadt auch an unserem Teile den Kampf gegen die Schundliteratur aufnehmen. Friedenau. Zum Bürgermeister wurde in der letzten Gemcindevertretersitzung der Schöneberger Stadtrat W a l g e r gewählt. Lichtenberg. Lichtenberg. Sonntag, den 28. November, findet im Lokale der Gebr. Arnhold, Frankfurter Chaussee, eine öffentliche AgitationS» Versammlung des Bildungsvereins der arbeitenden Jugend zu Lichtenberg-Fricdrichsfelde statt. Reichstagsabgeordneter Herr Artur Stadlhage» spricht über das Thema:„Ans Vaterland, anS lcure, schließ dich an." Die arbeitenden Jugendlichen und ihre Eltern müssen alle erscheinen. Boxhagen- Rummelsdurg. Ter hiesige Jugcndausschuß veranstaltet morgen Sonntag, den 28. d. Mts., abends von 6 Uhr ab, im Cafe Bellevue, Hauplstr. 2, einen geselligen Abend. Herr Redakteur John wird über den Dichter Adalbert v. C h a m i s s o einen Vortrag hallen. Nach- dem Gesang und deklamatorische Vorträge. Eintritt ist frei. Alle Jugendlichen wie Angehörigen und Parteigenossen sind zu dieser Veranstaltung herzlichst eingeladen. Strausberg. Auf zur Stadtverordneten-Stichwahl! Am Dienstag, den 30. November, findet in Strausberg die Stichwahl für die Stadtverordnetenversammlung statt. Nur ein Dutzend Stimmen haben gefehlt, um schon bei der Hauptwahl dem sozialdemokratischen Kandidaten zum Siege zu verhelfen. Der Gleichgültigkeit und Interesselosigkeit ist es zu danken, daß wir un« der Stichwahl unterziehen müssen. Es ist deshalb Ehrenpflicht eines jeden Arbeiters, der nicht will, daß der alte Schlendrian in unserer' Stadtverwaltung verewigt werde, am 30. November seine Stimmr den sozialdemokratischen Kandidaten zu geben. Die Genossen vorn Groß-Berlin ersuchen wir, soweit dieselben mit Strausbergern zu-t sammenärbeiten, diese zu veranlassen, unbedingt ihr Wahlrecht aus'- zuüben. Auf jede Stimme kommt es an. Tue ein jeder seine Pflicht. dann muß der Sieg unser sein. Nowawes. In der lebten Kartellsitzung verlas der Vorsitzende ein Schreiben der Eisenbahnverwaltung, in welchem mitgeteilt wird, daß ein Frühzug eingelegt ist. Dagegen ist die Einlegung eines Abend» zuges sowie das Oeffnen des zweiten Schalters abgelehnt worden. Letzteres deshalb, weil sonst der Beamte in seiner Ruhe gestört würde. Hieraus erstattete der Vorsitzende des Tabakarbeitcrver- bandes, Zahlstelle Potsdam, Bericht über die Tarifverhandlungen. Er ersuchte, folgende Geschäfte bei Bedarf zu berücksichtigen, da die- selben den Tarif unterschrieben haben: R. Wagner, Wallstraße, O. Göritz. Lindenstraße, E. Fleischer, Grohbeerenstraße, Knnstmann, Priestersiraße. Die Bibliothek bleibt noch eine Woche geschloffen, da die Bibliothekare die Bücher erst zusammenholen müsse«. Vermilektes. Todesfahrt zweier deutscher Luftschiffer. Einem Ballonunglück sind in der Nähe von Fiume zwei deutsche Aeronauten, der Berliner Luftschiffer Dr. Brinkmann und der Architekt F r a n ck e ans Colmar in Posen, die am Montag abend in Schmargendorf mit dem Ballon„Colmar" aufgestiegen waren, zum Opfer gefallen. Uebcr das Unglück wird aus Fiume gemeldet: Eine alle Frau aus der Gemeinde Krasica sammelte gestern im Walde trockenes Laub. Als sie plötzlich auf den Körper eines Mannes stieß, der zwar noch lebte, aber bewußtlos war und im Gesicht und an mehreren Stellen des Körpers schwere Verletzungen aufwies. Die Frau eilte in das Dorf, um Hilfe herbei- zuholen. Als darauf eine Hilfscxpedition an der Unfallstelle an- langte, war der Tod des Mannes bereits eingetreten. Man fand bei ihm Visitenkarten, auf den Namen des Architekten Hugo F r a n ck e lautend. Beim weiteren Herumsnchen bemerkte man auf dem Bergabhange Papierstücke und sonstige Gegen- stände. Man folgte diesen Spuren und fand auf dem Gipfel des Berges in einer 3 Meter tiefen Schlucht einen zweite» Mann mit zerschmettertem Körper und gespaltener Schädcldccke tot ans. 'Aus vorgefundenen Papieren wurde der Tote als der Arzt Dr. Wilhelm Brinkmann aus Charlotlenburg rekognosziert. In seiner Tasche fand man 202 M. in barem Gelde. l'/z Kilometer von dieser Stelle wurde der Korb eines Luftballons vorgefunden, in dem sich Lebensmittel, deutsche Zeitungen, Landkarten usw. befanden. Eine spätere Meldung auS Fiume besagt: Das Ballonunglllck bei Krasica scheint dadurch veranlaßt worden zu sein, daß eine wütende Bora das Luftschiff gegen das Gebirge trieb, wo eS an Felsen und Bäume geschleudert wurde, so daß die Haltetaue rissen. Die Augen Dr. Brinkmanns waren mit einem schwarzen Scidcntuch verbunden. Er scheint sich angesichts der unauswcichbare» Gefahr die Binde um- gelegt zu haben, um den schrecklichen Tod des Gefährten nicht mit ansehen zu müssen. Die Wiener„Neue Freie Presse" meldet über daS Ballon- Unglück aus Fiume: Eine Gendarmeriepatrouille, welche gestern' morgen in der Nähe des Dorfes Krasica streifte, fand mitten in einem Walde einen kolossalen zerrissenen Ballon mit zerschmetterter Gondel. Neben der Gondel lagen zwei Leichen mit gräßlichen Wunden und blutbedeckt. Es handelt sich um die Luftschiffcr Dr. Brink m a u n- Berlin und Architekt Franke aus Posen, die ain Montagabend mit dem 2300 Kubikmeter fassenden Ballon „Kolinar" deS Kolmarer Vereins für Luftschiffahrt in Schmargendorf aufgestiegen sind. Die beiden Herren hatten beabsichtigt, eine große Fahrt zu unternehmen.— Man ver- mutet, daß die Aeronauten den großen Kapellcnberg übersteigen wollten, ober vom WinSv getrieben gegen einen anderen Berg stießen, wobei der Ballon zerrissen wurde. Der Ballon fiel infolgedessen aus beträchtlicher Höhe herab und die Luftschiffer wurden beim Auffalle» auf den Boden getötet. Die Leichen wurden nach dem Friedhof in Krasica übergeführt._ Ein neuer Krater auf Teneriffa. Aus Santa Cruz wird ge» meldet, daß ein neuer Krater sich gestern auf Teneriffa geöffnet habe, der ungeheure Mafien von glühender Asche und Lava in die Lüfte sende. Vierzig Meilen weit werden die Schlacken geschleudert. Die Situation wird immer kritischer. Die Städte Santiago und Tum- maimo sind bereit? von der Lava erreicht und von Vernichtung be» droht. Die Einwohner verlassen in aller Hast die beiden Orte. Auch andere kleine Ortschaften am Westfuße des Pico de Teyde dürften in den nächsten Tagen von den un- anfhalisam vorrückcnoen Lavaströmen bedeckt sein. Auch aus Arguayo laufen Telegramme ein, in denen um schleunige Hilfe gebeten wird. Aus den Kratern deS Pic schießen riesige Flammen. Lautes Grollen, daS fernem Artilleriefeuer gleicht, be- gleiten die Eruptionen. Auch die Erdstöße dauern an. Mannschaften des Roten Kreuzes sind mit der größten Aufopferung in Tammaimo tätig, wo Hunderte schwere Brandwunden durch glühende Schlacken« stücke davongetragen haben. Von Cuia, das noch in unmittelbarer Nähe der Kraterzone liegt, läßt die Regierung in aller Eile eine provisorische Straße nach der Küste herstellen, um den Flüchtlingen Gelegenheit zu geben, sich nach Santa Cruz einzuschiffen. Ein amtliches Telegramm aus Teneriffa vom 26. November besagt, daß die Tätigkeit des Vulkans abnimmt, der in sechs Arme geteilte Lavastrom rückt nur langsam vor. Drei Kinder erstickt. AuS Cochem a. Mosel wird gemeldet: Durch Entzündung eines neben dem Ofen stehenden Kästchens mit Holzabfällcn erstickten gestern drei fünf Monate bis fünf Jahre alte, zu Hause allein gelassene Kinder eines Schreinermeisters. Eiscnblihnkatlistrophe bei Washington. In der Stadt Dar! Spokane im Staate Washington in Nordamerika ereignete sich geftcrn ein schweres Eisenbahnunglück. Der Erpreßzug, der nach Seattle fuhr, und die genannte Station, ohne anzuhalten, passieren wollte, ist durch eine Rangiermaschine, die ihm in die Flanke fuhr, zur Entgleisung gebracht worden. Sechs Wagen der ersten Klaffe fuhren aufeinander, fünf oder sechs Personen waren sofort tot. 50 wurden schwer verletzt. 100 andere Passagiere kamen mit leichteren Verletzungen davon. Die sechs Waggons gerieten in Brand, wodurch die Katastrophe äußerst gefährlich wurde. Nur dank dem raschen Eingreiftn des Bahnhofspersonals und der unverletzt ge- bliebenen Reisenden konnten die Schwerverletzten lebend aus den Trümmern gezogen werden. Eisgang auf der Oder. Nach einer Mitteilung der Odcrstrom- bauverwaltung in Breslau werden die Wehre im oberen Stromlause der Oder am 27. d. M. niedergelegt werden. Damit gilt die Schiff- fuhrt für diesen Teil des Stromgebietes für geschlossen. Unterhalb Breslaus, schon von Maltsch an ist starker Eisgang, so datz die u.-iterwegS befindlichen Schleppzüge in Neusalz. Tschicherzig und Krassen sestlegen mußten._ icc Wiener Giftmörder ermittelt? Blättermeldungen zufolge soll der Absender der Giftbriefe be- reits ermütelt sein. Es soll sich um einen in Galizien garniso- nierenden Oberleutnant polnisckier Nationalität handeln, der bei der Beförderung übergangen wurde und aus Rache gehandelt haben soll. Ein Kamerad des Betreffenden soll bei ihm blaue Schachteln gesehen haben, wie sie bei der Versendung der Gistpillen Verwendung fanden. Der Chef des Sicherheitsbureaus ist gestern nach Galizien abgereist. Ein Raubmord wird aus Köln gemeldet: Ein Chauffeur aus Erfurt, der hier nachts zwei junge Leute kennen lernte und mit ihnen mehrere Wirtschaften besucht hat, wurde von ihnen auf dem Nachhausewege niedergeschlagen und seiner Barschaft im Betrage von 4000 Mark beraubt. Freie Jngendorganisation. Abteilung 7. Sonntag, den 28. Nov., Besuch des Museums sür Meereskunde unter iachverständiger Führung. Trefipunkt N Uhr(pünktlich I) Zorndorserslrahe. Lcke Weidenweg. Sozialdemokratischer Zentralionhlverei» für den Reichstags- wahltrciö Arnswalde- Friedcberg(Gau verein Berlin). Sonntag, den 28. November, nachmittags 3 Uhr, Mitgliederversannntuilg. Frelreliaioir iSemrtiide. Sonntag, den 28. November, vormillugs 9 Uhr, Pappel-Allee 15/17 i Freireligiöse Vorlesung. Vormittags 1t Uhr, Kleine Frankfurter Ew. 6: Vorwag von Frl. Ida Altmann über:»Die Familie im Lichte der EntwickelungSIehre und der Ethil". Herren und Damen find als Gäste sehr willkommen. Eingegangene vruckfcdriften. Geschichte der Malerei von Zt. Muther. 3 Bände. In Leinen 36 M., In Leder 60 M.— K.- Gr elfilein, Leipzig. Moloch Theater. Bühnenroman von F. C. Butz.— Lieder eines ManneS. Von F. C. Butz. Jeder Band 2 M., geb. 3 M. I. u. A. Mayer, Franl urt a. M. Neuland deS Wifleus. Nr. 4. HalbmonatSschrist für Natur und Geistesleben von M H. Baege und E. W. Trojan. Viertels. 1,25 M.— Teichmann u. Co., Leipzig. Leben und Taten Nicolaus II. Von Fürst U... y. 1,50 M. H. Waliber, Berlin W. 30 Chronik der Buchdrucker- Gesellschaft zu Strahburg. Kranken- zuschu>- und Jnvalidenkasse 1783—1908. 32 Seilen. Selbstverlag. Tie Kunst i» Bildern. Bd. I.— Die altdeutsche Malerei. Mit geschivtlicher Eilisührung von Dr. E. Heidrich. M. 4,50, geb. 5,50 M.— Ter Zliigenblick von Sören Kierkegaard. 3 M., geb. 4M. E. DiederichS Verlag, Jena. Durch Glnt und Geheimnis von Hermione von Prcuschcn. 1,80 M.. geb. 2,20 M. Heckne.s Verlag, Wolsenbüttel. Protokoll der Bauarbeitrrschuh- Konferenz für Schlesien und Posen. 20 Ps. Verlag O. Bachmann, Breslau, Maraarctenstr. 17. Himmel und Erde. Hejt 2. Jlluftrierie»a urwissenschastliche Monaiz- schrifl. HcrauSgeg. von der Kcscllschajl Urania, Redallcur Dr. P. Lchwahn. Verlag von B. G. Teubn r in Leipzig. Soziale Kolouisatiou von Axel v. Kaphengst-Kohlow. 1,50 M., geb. 2 M. I. Harrwitz Nachs., Berlin 8V. 48. »mtlicher Marttderich« der städtiichen MarNhalleu-Dtrektton itder den Grotzbandel in den Zenwal-Marktballen. Marktlage: Fleisch: Fulubr genügend, Geichäst stau, Preise unverändert. Wild: Zufuhr knapp, Geichast rege, Preise fast unverändert. Geslügel: Zusubr in Gänsen reichlich, sonst knapp, Geichäst flau, Preise nachgebend. Fische: Zusuhr ziemlich genügend. Geichäst ziemlich lebhast, Preiie ciwas höher. Butter undKäie: Geschäft ruhig, Preise unverändert. G c m ü i e, Obst und Südfrüchte: Zusuhr reichlich, Geschäft anhaltend still, Preise wenig verändert._ WaiieritandS-Nachrickiten der Landes anstatt iür Gewäflerlunde, mitgeteilt vorn Berliner Wetlerbureau. ') 4- bedeutet SuchS.— Soll. K Unierpeael.•) EiSstand. ff EiS« treiben, ff GrundeiSgang.— Aus der N e tz e und Oder Grundeis. ,€€€€€€«»«sSSssss Unsercitt Genossen �_ 4' t Ibelni Kluie und Frau| • S die herzlichsten Glückwüistchc U � zur Hochzeit. s260gb � Ole Genossinnen u. Genossen � o des 86. Bezirks. c: V...........-J Spandau iSßzialdeuiokraiisebJäiiivereiii Den Mitgliedern zur Nachricht, ! daß unser Genosse Karl Refzlaff Ichäfcrstraße 23, am Mittwoch abend 11 Uhr im Alter von 38 Jahren an der Proletarier- lrankheit verstorben ist. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet am Sonntag, den 23. November, nachmittags 3ff, Uhr. vom Trauer- Hause, Schäserstratze 23, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 292/4 Uder Vorstand. Deutscher Metallarbeiter-Verband Berwaltnngsftelle Berlin. Todes- Anzeigen. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Heizer Herrn. Zimmermann am 22. d. M. an Magenleiden gestorben ist. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 28. November, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des Friedhofes der Freireligiösen Genicinde m der Pappel-Allee aus statt. Ferner starb unser Mitglied, der Metallarbeiter 126/7 Kar! Retzlaff am 24. d. M. an Lungenleiden. Die Beerdigung sindet am Sonntag, den 28. November, nachmittag» 3 Uhr, vom Trauerhause in Spandau, Schäsersw. 23 aus statt. Ehre ihrem Andenken: Rege Beteiligung erwartet Die Ortsverwaltung. Denlscimr Holzarbeiter-Verband Den Mitgliedern zur Nachricht, dag unser Kollege, der Klavier- arbeiter l'keocior.AmcU am 24. November gestorben ist. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung sindet am Sonntag, den 28. November, nach. mittags 3 Uhr, von der Halle in neuen ZionS> Kirchhofes aus aalt. Um rege Beteiligung ersucht 92/15 Bio Orlsverwaltung. Zeutralverbaud deutscher Brauerei-Arbeiter. Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, dag am DienSiag, den 23. No> »embcr.imserKollege, derFlaschem Icllcrarbcitcr 43/ 13 Paul Lempka (SchuIthsiB-Brauerei Abteilung I) noch schwerer Krankheit verstorben ist. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung ersolgt am Sonntag, den 28. November, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- halle des Gcorgrn-Friedhojs in Weigensee, Rölckestrage, aus. Rege Beteiligung erwartet Die OrtSverwaltung. Soziiitdemokratischer Wablvemn Köpenick. Am 25. d. MtS. verstarb unser Mitglied, der Arbeiter Karl Müller. Ehre seinem Andenken: Die Beel digung sindet morgen i Sonntag, den 28. d. MtS., nach- 1 mittags 21/i Uhr, vom Trauer- 1 Hause Charlotteustr. 14 aus statt. Ter Borstand. Die Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, dag unser lieber gulcr Vater und Schivieger- Vater, der Tischler 3318L August Jeretzky im Aller von 64 Jahren am 25. November, srüh 3 Uhr, nach schweren Leiden saust entschlasen ist. Die Beerdigimg sindet am Sonn- tag, nachmittags 3 Uhr, von der Lcichcnballe des neuen Thomas- Kirchhofes, Rixdors, Hermann- strage, aus statt. Die trauernden Hinterbliebenen liarl Jeretzky und Frau Max Jeretzky und Frau. Für die anläglich des Hinscheidens meine? lieben Mannes, unseres guten Vaters, des Bauanschlägers Paul Schumann UN» von allen weiten erwiesene Teil- nähme sagen wir unseren innigsten Dank. Witwe vert» Scbumaan nebst Kindern. Keiniekenilorf. Bekanntmachung. Die ordentl. General-Versammlung der OrtslüMjttnkasse hierselbst findet am DicnLtag, den 7. Dezember 1S0ö, abends 8 Uhr, im Jelineckschen Tchüüenhanse, Residenzstrasie 1-2 Hierselbst statt. Tagcs-Ordnung: t. Wahl von Vorstandsmitgliedern: u.)«ine» Arbeitgebers, d) eine» Arbeitnehmers. 2. Wahl von 3 Kaficnrcoisoren. 3. Versügung der kgl. Regierung betr. die Erhöbung der Beiträg«. ' 4. Statutenberatung. 5. Gewährung von TeuerungS- zuIngen an die Kassenbeaniten. 6. Verschiedenes, Die Kafienvcrlreier haben zu ihrer Legitimation die Kassenbücher, sowie die besonders ergehenden Einladungen vorzulegen. Mitgliedern, die nicht zur Kasten- Vertretung gehören, kann der Zuiritt nicht gestattet werden. Etwaige Beschwerden, zu denen die Einsichtnahme der Geschästsbücher erforderlich ist, sind dem Vorstände mindestens drei Tage vorher schrist- lich einzureichen. 296/16 Reinickendori. den 25. Novbr. 1909. »er Vorstaad der Orts-Krankenkasse. B iiiigsten Lesestoff für L««efreunde bieten m Zeit- »chriften, welche ich fiußertt billig abgebe, um schnell zu rüumen. Jahr« gang 1908 u. frühere Jah g Daheim, Gartenlaube, Welt u. Haus, Land ti. Meer, Fliegende VI., Neues Blatt ä 1,95 M.5 Meggendorfer, Lust. VI. ä 2,50 M.j Jugend, Simpliciss,. Buch k A'l® � M*» Lpz. III. Ztg., Univer« «um ä 3,50 M., Alle Jahrg. s nd gut «rhaftm u.voHst. Off gilt nur kürzt r1 A—___ I■___»»,..... Zeit. Conrad Lerd), V.ri.-Buchhdlf- ' I.Sehl. B.L Schweidnitz i. Jeder will seine Einkäufe so günstig u. billig wie möglich machen, seinen Kunden die Vorteile bieten, wie wir es imstande sind. Wir geben bis auf weiteres Winter-Paletots mit 5 H. Anzahlung an. fi Kerren-anzüge mit 5 M. Anzahlung an. Damen-Honfektion schon mit 4 M. Anzahlung an. ?e!zsaehen mit 4 M. Anzahlung an. Wochenrate 1 M. an. S. Gottlieb 6. m. b. H. Rosenthaler Straße 54, 1. Gemeinsame Orts- Krankenkasse sür Nowawes und Ilmgegcud sucht per sofort einen tüchtigen kueesubeamtei». Es werden nur solche Bewerber be- rücksichligt, die mit dem Kiantenkasten- weien und der einschlägigen Gesetz- gcbung vollständig vertraut find. Gehalt nach Ilebcrcinknnst, jedoch nicht unter 1600 M. jährlich. Ferner ist die Stelle eine» Hilfsboten bei obiger Kasse durch einen im Ver- kehr mit dem Publtlum gewaiidten, nüchterne» und zuverlässigeii Manu �li besetzen. Dc> selbe wird nur einige stunde» täglich beschästigt, wofür eine Entschädigung von monatlich 75 M. gewährt wird. Schrislliche Offerten für obige Stcllunge» sind bei dem Vorsitzenden der Kaste, Otto Hofsmaiiu.Noivaives, Turnstr. 28, einzureichen. Persönliche Vorstellung und Ein- sendung von Rückporto und Original- zeugiiissen nicht erwünscht. 296/17 Beamte erhalten Kredit ohne Anzahlung. Allen.Vorwätlsn'-Lesern zur Kennt- ms. daß ich Boxhagen, Wöhlhllsdr. 32, Ecke. Simon. Dachstratze, ein Sarg-lHagozln eröstnet habe u bitte bei vorkommenden Fällen um gütigen Zuipiuch.' _|Joh. Wctlnnd. Dr. Simmel Spczial-Arzt* für Haut- und Harnleiden. Prinzenslr. 41,„'Ä, 10—2, 5— 7. Sonntags 10—12. 2—4. Orts-Krankenkasse der Buchbinder" ÄÄ'" Dclegiertenwahl. Am Sonntag, den 6. Dezember, findet imGewerkschaftSbause, Engeluser 15. im Kassenlokale die Wahl der Vertreter der Kassenmit- glieder zur Gencralversainniluiig statt. Zu wählen sind 304 Vertreter. Die Wahl beginnt um 10 Uhr vor- mittags und wird um 2 Uhr mittags geschlossen. 296/19 Mitgliedsbuch legitimiert. Am Montag, den 6. Dezember, abends von 7 bis 9 Uhr, findet im Restaurant L a« g e. Oraniciistr. 126. die Wahl der Vertreter der Arbeit- acbcr statt. Zu wähle» sind 139 Ver- treter. Wahwerechtigt und wählbar sind gemäg der ßz 48 nnd 49 des Kassen- statuts alle grotzjährigen Mitglieder. Um zahlreiche Beteiligung bittet Dvr Vorstund. Beruh. Jost, Karl GotteSmann, Vorsitzender._ Schristsührer. �A.B.Koch� Wollen Sie warm«, trockene Füsse behalten, so kauten Sie unser« neuen gesetzlich geschützten Korksohlen- stiefei mit Doppelsohlen und eingearbeiteten Korkbrendauiutn. Der Stiele! ist nicht schwerer, wie jeder andere, Sie gehen angenehm und elastisch. 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Verlagsanftalt Paul Singer Lc Co., Berlin LW» Nk.377. 26. Jahrgang. X KeilP des Lowick" Kerliiier Zonuabend. 37. November lW9. m BB3B Gerichte-Zeitung. Beleidigung der bewaffneten Macht. Der Rittergutspächter und staatliche Gutsverwalter HanS Hellen- schmidt auS Lagiewnil lPosen) hatte sich wegen Beleidigung der bc- waffneten Macht vor dem Schöffengericht Posen zu berant- Worten. Anr 16. J»ni sah er, wie bei Gelegenheit einer Felddienst- Übung des GrenadierregiinentS Nr. 6 ein Unteroffizier und zwei Mann, um eine„feindliche" Patrouille besser gefangen nehmen zu können, in s-inem Roggenfclde sich zu tun machten, lieber die hier- durch ihm zugefügte Schädigung ergrimmt, rief er den Soldaten „Schweinebande" zu. Das Gericht erkannte auf drei Mark Geld- strafe._ Verführung einer Waise durch einen Pastor. Die schweren sittlichen Verfehlungen des früheren Pastors Jacobs aus Luisa bei Lnndsberg a. W., der Ende September hier in Berlin verhaftet wurde, werden heute, Sonnabend. die zweite Strafkammer des Landgerichts I beschäftigen. Der Pastor wird der Verführung einer löj ährigen Waise be- schuldigt, die bei ihm als Dienstmädchen in Stellung war. Ferner ist er angeklagt, das 16jährige Dienstmädchen B., mit dem er Be- ziehungen angeknüpft hatte, die nicht ohne Folgen blieben, zuin Ver- brechen wider keimendes Leben angestiftet zu haben. Neben Jacobs werden sich noch das Dienstmädchen B, und die Masseuse, die gegen ein vom Pastor erhaltenes Honorar bei dem Verbrechen mitgewirkt hat, auf der Anklagebank befinden. Die beiden letzteren sollen ge- ständig sein, während Jacobs leugnet. Die Bestie im Menschen. Ein empörendes Sittenbild wurde gestern in einer Verhandlung aufgerollt, die unter Vorsitz des Landgerichtsdirektors S p l e t t- ft ö tz e r die siebente Strafkammer des Landgerichts I beschäftigte. Wegen Zuhälterei tvar der wegen Zuhälterei bereits mit neun Monaten Gefängnis und Uebcrweisung an das Arbeitshaus vor- bestrafte Paul Sittel angeklagt. Der Angeklagte war Zuhälter der unverehelichten Lehmann. Beide hausten in der Choriner Straste zusammen, wo die L. eine Stube gemietet hatte. Während Sittel den ganzen Tag im Bette lag und Zigaretten rauchte, mustte die L. dann des Nachts auf der Straste Verdienst suchen. Häufig prügelte er sie auch auf die Strafie hinaus. Zu einer bestimmten Stunde erschien dann der Angeklagte an einer Straßenecke, wo die L. dann eine bestimmte Summe abliefern mußte. Hatte sie diese nicht, so wurde sie mit F a u st s ch l ä g e n und Fußtritten traktiert. Um in das Zimmer der L. zu gelangen, trat er wiederholt die Türfüllung ein. Einmal schlug der Angeklagte mit einem Beil die sämtlichen Möbel in Trümmer. Hausbewohner fanden, als sie hinzueilten, noch einen großen Bretter- und Scherbenhaufen vor. Der Angeklagte war gerade damit beschäftigt, verschiedene zertrümmerte Möbelstücke mit Petroleum zu begießen und im Ofen zu verbrennen. Trotzdem wagte die L. nicht, Anzeige zu erstatten, da sie von dem Zuhälter mit Totschlag bedroht wurde und Vertrauen zu einem sie nicht gefährdenden Eingreifen der Polizei nicht halte. Die Schandtaten dcS Angeklagten kamen erst zur Kenntnis der Behörde, als Sittel eines Nachts die L. bei den Füße» packte und sie mit dem Kopf nach unten auf den Fußboden ausschlug und gegeil die Wand warf. Verniutlich in- folge dieser Behandlung stellte sich bei der L. ein Nervenleiden ein. 1 durch welches sie v o, l l st ä n d i g erblindete und an den Füßen gelähmt lvurde.— Staatsanwalt Kiesel beantragte eine Gefängnis st rafe von drei Jahren. Das Gericht erkannte mit Rücksicht darauf, daß die L. unter der Geißel des Angeklagten zu einem menschlichen Wrack geworden ist. auf ZJahreGefängnis und Ueberweisung an das Arbeitshaus. Ohne die sogenannte Sitienkontrolle der Polizei, die sieht, wen» eine Prostituierte gegen irgend eine kleinliche Ordnungsvorschrift ver- stößt aber nicht die ungeheuren Mißhandlungen der von ihr„Kon- trolliertcn", wäre eine Ausdehnung der Zuhälterei mit der furcht- baren Macht über die armen Prostituierten nicht möglich. Der Zuhälter entwickelt sich als Schutz gegen die Spähereien der Polizei nach Uebertrctungcn von Kontrollvorschriften der Prostituierten. Er macht auf die Gegenwart der nicht- uniformierten Sittenschntzleute aunncrksam. Dieses„Schutz"- bedürfnis und die Empfindung, der Willkür der Polizei völlig ans- geliefert zu sei», ist die Hanptquelle der Zuhälterei! Wer diese bekämpfen will, muß deshalb auch der Polizeikontrollc der Prostituierten entgegentreten und für Aufhebung des K 361 Ziffer 6 eintreten. Neben dieser Hauptquelle des ZuhältcrtumS wirkt für dasselbe der Wahn der Prostituierten, von ihm„geliebt" zu werden. Unzüchtige Schcrzpostkartc». Vom Landgerichte Bremen ist am 6. Juli der Papierhändler Oskar Rudolf Hoppe wegen Fsilhaltens einer unzüchtigen Post- karte zu einer Geldstrafe von 16 M. verurteilt worden. Ein Reisender hatte ihm mehrere Exemplare einer Postkarte verkauft, welche auS der Ferne gesehen den Eindruck erweck«, als ob sie den Kopf eines verlebten Mannes darstelle. In WirNichkeit bestand aber das Bild ans vier nackten Frauengestalten. DaS Landgericht hat die Postkarte für unzüchtig erklärt, da sie eine Anhäufung nackter Frauen in un- natürlichen und unanständigen Stellungen enthält und geeignet ist, das Scham- und Sittlichkeitögefühl in geschlechtlicher Hinsicht gröblich zu verletzen. Der Angeklagte hatte selbst Bedenken gehabt und die Karte aus seinem Schaukasten genommen, ehe ein Polizeibeamter deshalb bei ihm erschien. Er gab dem Beamten die ausgestellt gewesene und zwei andere Exemplare derselben Karte. Das Gericht hat bezüglich aller drei Karten auf Einziehung erkannt.— Der Re- Vision des Angeklagten wurde am Donnerstag voin Reichsgericht mit der Maßgabe verworfen, daß nur die ausgestellt gewesene Karte einzuziehen ist. Mit derartigen Nnditätcnschnüffeleicn ist der Sittlichkeit wenig gedient. Die Postkartendarstellung ist eine grobe Nachahmung mittelalterlicher, ähnlicher, künstlerisch vollendeter Karikaturen, von denen einzelne in dem bekannten trefflichen Werk Eduard Fuchs' über die Geschichte der Karikatur und über die Erotik in der Karikatur reproduziert sind._ Mehr als zwanzig arme Schlafftellenvermieterinnen waren gestern vor dem SitzungSsaale der 4. Strafkammer des Landgerichts I versammelt, da sie Zengllis abzulegen hatten gegen einen S ch l a f st e l l e n d i e b, der im großen gearbeitet hat. Die Stinnnung gegen den auS der Untersuchungshaft vorgesührten Kaufmann Bernhard MarSke ivar eine sehr kriegerische, «vie sich auS den Verlvnnschunge» ergab, die die auf dem Korridor wartenden Zeugen gegen den Angeklagten ausstießen. Er hat den armen Leuten arg mitgespielt. Der Angeklagte, vor dessen Treiben der„Vorwärts" gewarnt hatte, stammt auS einer guten bürgerlichen Familie. Er hat in Schneidemühl feine kaufinännische Ausbildung genossen, dann in mehreren Geschäften als Handlungsgehilfe ganz gute Zeugnisse sich erworben und ist schließlich' nach Berlin gegangen. Hier kam er anßer Stellung»nd war bald gegenüber den. Nichts. Wie er vor Gericht behaupteie, sei er in- direkt durch seine Schwestern auf die schiefe Ebene gekommen, die ihn nun vor den Strafrichter führte. Nach seiner unkontrollierbaren Behaupnmg hätten sicb seine beiden Schwestern, die gleichfalls in Berlin sich ihren Unierhalt verdienen und imnier sehr schick gekleidet gehen, seiner geschämt, da seine Kleidung imnier schäbiger geworden sei. Dies habe er sich sehr zu Herzen gc- noinmen und darüber nachgedacht, wie er zu Mitteln kommen könne, um seinen äußeren Menschen wieder repräscntabcl zu inachen I Da sei er denn darauf verfallen, Schlafstellendiebstähle auszuführen. Als der erste Versuch geglückt war, hat er dann immer aufs neue diese Spezialität betrieben und es haben sich so 32 Fälle aneinandergereiht, die der Anklage ziigrimdc lagen. In den meisten Fällen hat er, gleich nachdem er die Schlafstelle bezogen, Gelegenheit gesiiiiden, Uhren, Schmucksachen und bares Geld ans den Behausungen der Vermieterinnen zu stehlen»nd dann spurlos zu verschwinden. Hin und wieder hat er sich auch eine oder zwei Nächte in der be- treffenden Schlafstelle aufgehalten und seine Schlafgenossen beslohlcn. Die gestohlenen Sachen brachte er schleunigst zum Pfaudleiher. die Pfandscheine will er zerrisicn haben. Mit Rücksicht auf den Schaden, den der Angeklagte vielen Leuten, die sich mühsam durchs Leben zu bringen haben, zugefügt, beantragte der Staatsanwalt 2Vz Jahre Gefängnis. Daö Gericht erkannte auf ein Jahr zwei Monate Gefä n g Ii is und rechnete zwei Monate auf die Untersuchungshaft an. Eingegangene DrueKfelmfren. Bon der„Komiiimialen Praxis-' ist soeben die Nr. 46 erschienen. Sie hat solgcnden Inhalt: Die Bekämpsmig der Sänglingssteiblichkeit in Halle.— Der Staat gegen die städtische Vcrkchrspolitik.— Vom Kämpf gegen die Zlrbeiterturuvcreine.— Entlvurs eines sozialdemokratischen Kom- munalprogrammS.— Finanz- und Steuerwefen; Die Aufhebung der städtischen Lebensmitlelabgabcu.— Zur Gcmcmdcstcueroidnimg in Dresden.— Der HauSbaltplan der Stadt Leipzig für das Jahr 1916.— Zur Reichswertzuwachsstcuer.— Die Kreissmanzen in Bayern.— Die Umsatzsteuerordnung der Stadt Berlin vom 1. April 1964.— Gesundheils« wcicn: Eine wohlangcbrachte Bekanntmachung.— Wobnungömesen: Lebensmittel- und Wobnungsvreife in Groß-Bcrlin.— Zur Regelung der WohnungSvcrhäitnisse im Herzogtum Gotha und Stadt Gotha.— Kom- tnunaie Sozialpolitik: Die Neuregelung der� Beamten- und Lehrcrgchälter und Arbeiierlöhne in Franksurl a. M. Wirlschastspslege: Gemeindliche Brolsabriten.— AuS den Gemeinden: Ans den Berliner Vororten.— AuS Baden.— Rundschau; lieber den Rcligionsmiierricht in den sächsischen Seminaren. Ein demokratisches Kommunalprogramm.— Komnumal- wählen. „In Freie» Stunde»." Die Hefte 46 und 46 bringen die weitere Forlfetzung des Romans von Minna Kautsky:„Stephan vom Grillcnhos". Neu hinzutretende Aboniienlen können den Roman noch von Beginn an nachbeziehen. Preis pro Heft 16 Pf. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen, Postanstalten. Spediteure oder auch direkt durch den Ver- lag Buchhandlung Vorwärts, Berlin. „Ter Zlrbeitömarkt", Nr. 2. Monatsschrift der Zentralstelle für Arbeitsmarktberichte Herausgeber Pros. Dr. I. Jastrow, Berlin. Verlag po» Georg Reimer, Berlin W. 33. Bericht über die Berwaltung»nd den Staud der Gemeinde- angelegenheitri« der Stadt Ciiarlottenburg 1908. Bearbeitet im Statistischen Amt. Kommissionsverlag C. Ulrich u. Co., Charlottcnburg. In HelsingsorS erschien in finnischer Sprache: Tyiiväen- Kalentcri Ivlv lArbciter-Kalcndcr) 192 Seilen.— Siveysoppi, Karl KauiSkyS „E t h i I", überseht von Vöcino Jokinen. Verlag: Thöväcli Sauowalehtt- Osaleyhtiö. 131 S. 1,56 M. enorm unter Preis wegen filial (ül aiislergemiiliiilicli billig I\ LSMLV'AwKeU, MU 3lU5eN Auzverksul nur Orsnisn-Ltrajte 48, Seke Erscheint 2 mal wBchentlich. BezngsqaeUen-Verzeiclmis. Di« hier verzeichneten Firmen empfehlen bei Einkäufen ihre Geschäfte. Credit-Haus Moabit Turmstraße 55, Ecke Waldstraße gewährt jedem bei spielend leichter An- und Abzahlung mehpJShrigen Kredit auf Waren und Möbel. Lubascher,S.: CreditHaus sm Gebr. Weber, Neue Königatr. 58. Spandau, Fots- � damerstr. 23 1. koulsnteste« a. PL Ei8eDlieiiBirJ.ÄmeÄÄ Weber, Herrn., Danzigerstr. 781. Windreich& Co., S.,El8aeser3tr.l7/18, Kleine Anzahlg,, bequ. Abzahlg., MSbel, Uhren, Garderoben usw. Wolter,[arl.Ä�s!" Zulraun&Co. � 8�'-�° best. s. 1887. 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At!htun9' Einsefzer! Act1iung! Sonntag, den S8. November, vormittags 10 Uhr, findet für die westlichen Vororte bei Rnsehhe, Schönebcrg, Meininger Straße 8, eine M in ml im g, statt.— Es ist Pflicht, daß jeder Kollege an der Versammlung teilnimmt. t Die Brancheukommisston. Pa. Schlack- u. Salamiwurst a?». 1.10. Täglich frisch! 129/12 Gänse säÄe Gänse=Artikel,»k: Gänseklein, Gänselebern, Gänsefleisch Thne Keulen. Raucher-Keulen(mit und ohne Knochen) empfiehlt Hermann Leißner, BERLIN c* Klosterstr. 93/95, Ecke Kaiser-Wilhelm-Str. ZtMeMderinMIands. Burea»; Engelufer 15. □ Telephon Amt IV, 4093. Zweigverein Berlin. Sonntag, den 28. November 1909, vormittags 10 Uhr, in der„Neuen Philharmonie", Köpcniiter Straffe 90—97: General»Versammlung aller Zahlitelkn und Sektionen des Geiamtzweigvereins. Tages-Ordnung: 1. Ter nächstjährige Verbandstag unserer Organisation. 2. Ausstellung der Kandidaten zur Delegicrtentvahl. 3. Anträge zum Verbandstag. uo/4* Mitgliedsbuch legitimiert, ohne dasselbe kein Eintritt. Der Zweigvereinsvorstand. XB. Die Delcgiertenwahlen finden am Sonntag, den 5. Dezember, vormittags 10 Uhr. in den Sektionen, Zahlftellen und Bezirken statt und werden die Mitglieder hierauf»och durch An- zeige im„Vorwärts" wie auch durch Handzettel aufmerksam gemacht werden. Wir ersuchen, jetzt schon darauf binweisen zn wolle».— Bei de» lange» Abende», die jetzt den Kollegen durch die Jahreszeit auferlegt sind, liegt es im Interesse des Einzelnen wie der Gefamrarbeiterbewegung. wen» man soviel wie möglich fein Wissen zu bereichern versucht. Wir ersuche» darum die Kollegen, von der Bihllothch des Zweigvereiiis recht rege Gebranch zu machen. D. O. �NlplniarkN billig, 160 Zig. 3 d:s APlrUviirkU 10 franz. Kemnat, Verschn. Mercier, Fl. 3.56, Glühstr. 36— 60 Vf., Schweden. Paket 25 Pf. 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Wir ersuchen Sie, vollzählig und pünktlich zu erscheinen. 126/8 = Mitgliedsbuch legitimiert.= Die Ortsverxvaltnng. i i i i i i i i i i i i iTTT Soeben erschien: Die Frau und der Sozialismus von August Bebel* 50. Auflage. Verbessert, vermehrt und neu bearbeitet. .Jubiläums-AusKsbe mit Umschlagzeichnung von Erich Schilling. Preis: Brvsch. 2,50 M., geb. 3)— M. Expedition des„Vorwärts" Berlin SW. 68, Lindenstr. 69 /Ladens. """ i' i» i irn t7. Zielmng 5. Kl. 221. Kgl. Preuss. Lotterie. Ziehang Tom 86. November Tormiitasa. Nur dio Gewinne über 840 Mark»Ins den betreff en- den Kümmern in Kinmuicrn beigefügt. fOhne Gewfthr.i(Nachdruck verboten.) 86 10! 1023 47 30[5000] 51 536 371 410 01 93[600] 618 0!0 37 2125 232 561 602 61 3110 328 82 537 022 4 2 09 [3000] 4129 432 33 739[1000] 83 5 074 393 554 604 27 940 6107 63 00 297 302 463 503 659 853 958 7014 16[500] 152 433 674[1000] 301 8 203 40 1 563 803 015 27 9 032 226 45 443[500] 623 813 82] 10172 434 11075 98 115«2�424 640[500] 88 795 888 [500] 12241 597 607 795 824 SO 33 63 1 3065 601 851 911 CO 14378[500] 631 736 810 991 15079 113 Sil 467 098 756 1 0193 298 517 54 79 663 95 731 17424 839 67 1 8031 14 219[1000] 304 89 582 840 1 9019 71 207 404[3000] 29 030 57 20084 178 817 616 82 849[500] 90 21196[600] 31» 505 630 39[1000] 787 869 975 2 2134(13 209 306 648 78 710 058 2 3 025 203 886 07[500] 970 2 4015 33 130 4 1 60 08» 725 893 943 25042 62 124 93 245 791[500] 873[500] 26134 239 307[sOO] 410 629 27049 405 536 95 624 766 823 2 8460 509 75(1000) 29117 265 7 8 548 910 04 3O013 110 303 482 628 84 738 838 76[1000] 3 1362 701 0 800 6 3 2 208 316 78 89 533 807[500] 930 72 3 3 037 79 8 4 200 447 553 81«61 766 812 49 34318 771 899 35059 451 831 950 3 6218 353[lOOO] 532[1000] 3 7004 231 306 474 793 3 8014 06 99 184 438 511 39122 55 231 304 537 781 812 63 914 40015 511[300] 069 41229 680[1000] 800 61 035 42016 85 106 404 002 65 767 896 988 76 4 3005 52 160 ilOOO] 44 414 600[3000] 775 45018 75 505 46136 60 [300] 66 235 406 638 71 809 929 4 7278 322 83 532 753 93 903[500] 4 8250 82 451 76 4 9191 550 96 396 618 50350 69 5U1 78 740 855 98 51037 295 803 58» 610 •i 708 5 2 050 169 213 727 921 61 53110 512 49 795 926 54236 300 479 834 910 77 5 5170 253[3000] 584 801 (3000) 45 5 6302 32 36 596 98 5 7007 866 698 787 809 41 086 5 8034 41 119[1000] 301 19 413 88 9 9 5 9030 413 25 llOCO] 512 128 048 60223 30 898[500] 477 578 765 61130 451 62028 11t[1000] 349 95[500] 542 53 066 69 63273 376 734 874 04116 422 85 621 764 8 7 6 5 600 209 94 356[1600] 759 (3 6008 253 803 415 954 6 7063 83 214[3000] 387[500] 64 497 568 0 4 642 082 6 8302 82 480 605[500] 694 703 9[500] 959[3000] 69033 179 271 411[500] 24 87 701 31 77 859 057 76 7 0295 467 811 55 927 7 1 041 321 460 65 59$ 653 77 94 757 816[1000] 72211 53 83 303 75 670 628 64 754 00 ■•8 833 SIS 26 7 3 259[lOOO] 348 65 773[560] 93 7 4002 324[3000] 416 41[3000] 721 014 7 5114 54 233 367 510 22[500] 642[506] 710 72 85 844 7 6052 110 365 021 27 790 OSO[500] 7 7013 277 301 661 723 808 20 01« 79 78154 461 85 835 789 7 9073 101 17[500] 239 328 91 607 728 93 005 80172 292[500] 135[1000] 51[500] 631 737[500] 842 050 52 81073[1000] 140 226 554 Ol 651[3001 878 8 2002 170 680 65 4 71[10000] 96 8 3064 220 892 673[SOOO) 721 50[1000] 856 84113 277[3001 305 23[500] 43 425 43 691 760 87 901[3000] 36 42 80 85334 57 84 09 591 633[3000] 761[500] 86237 56 450 836 910 96 87155[500] SSO[SOOO] 556 6 6 613 98 8 8 424 788 885 8 9 440 83 561 689 906 90099[3900] 217 53 363[3000] 689 821[1000] 23 9121? 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Kl. 221. Kgl. Preuss. Lotterie. Ziehung vom 26. November nnchmitlags, Kur die Gewinne über 24» Mark sind den betreffenden Nummern in Klammern beigefügt, (Ohne Gcwfihr.)(Nachdruck verboten.) 120[1000] 507 379[500] 558 1014 101 267 303[1000] «60 86» 2226 3 206 32»[ 10000] 013 20 816 4008 250 60 686 700 919 5222 481 633 818 959[3000] 81 6030[3000] 168 229 02 349 424 730 944[500] 7013[500] 37 214 378 627 903 8 407 790 894 9301[1000] 416 630 834 1O103 242 307[500] 405[ 500] 37 625 70 11071 [1000] 649 70 61»[SOOO] 58 710 051 73[3000] 74 12123 [500] 287 358 578 994 13183 335 420 518 616 763 830 14138[500] 306 97 418 38 8»[300] 551 70 843 908 1 501» 102 52 319 456 73 828 069 16183 02 444 601 2 GS 637 818 092 17258 331 423 608 18164 230 70 94[ 3000] 378 607[SOOO] 86[3000] 630[lOOO] 85 848 1914» 273 33» 496 603 2O0S9 509 648 775 860 996 2 1 000 IS»[500] 322 81 502 8 63» 66 745 85 903 2 2 035 372 623 73 973[ 500] 23230 [500] 320 616 59 691 703 92 852 060 67 2 4250 489 617 713 88» 90 2 5033 168 239 81 639 58 2 6193 218 33 88 378 613[ 500] 959 2 7292 382[500] 507 48[500] 758[500] 860 902 2 816» 318 629 880 60[500] 800[1000] 29102 3 300 826 962 63 30122 682 741 882 89 945 56 60 31 119 260 778[1000] «96 3 2083 98 294[500] 727 88 923 2 4 48 3 3063[1000] 186 313 15 49» 610 664 819 34015 86 234 426 57 569 601 28 52 712[1000] 35253 63 91 362 655 747[3000] 803 38055 178[1000] 36 238 445 534[500] 686 899 37020 91 124 60 60 69 87 221 516[3000] 937 3 8192 399 75» 808 «17 3 9053 24»[500] 384 458 720 62 40314 419 4 4 75 02 634 62 821 4 1 005 366[500] 616 71? 802[1000] 74 024 59 42109 614 721 70 860 43170 231 894 06 787 4 4 315 49 463 71 609 15 618 42 961 45161 306 37 424 572 909[3000] 19 4 6372 435 589 625 796 4 7452 902[500] 48206 597 007 12 59 4 9085 134 22» 344 676 927 50250 706[500] 805 083 51087 104 32 214 511 68 71 634 756 811 60 72 019 26 5 2 084 132 33 678 652 78 763 046 5 3 30» 636 69 719 826 90«[600] 64031 13» 0? 46» [3000] 86« 5 5000 80 253 573 647 700 5 6011 41 66[500] 183 24» 307 417 756 808 5 7130[1000] 49 80[ 3000] 287 [1000] 325 402 622 704[3000] 98 836 50 68 5 8048 87 [8900] 91 115[500] 792 Sil 951 ,59031 154 423 46 608 19 60047 60 317 79 447 CO 512 672 788[3000] 889 979 6 1 200 612 877 62116 26 60 265 301 625 853 028 6 3112 82 695 697 083 33 69 6 4254 Sil 446 701 41 883 988 65091[1000] 262[500] 75 86 379 428 43 75[500] 530 723 44 80» 54 6 6039 275 6 7309 893 941[lOOO] 73 68150 [3000] 337 431 98 632 50 87 785 887 69036 173 275 436 732 954 70 7O010 73 272 491 823[3000] 71098 293 391 632 758 «8 84» 72038 204 303 32 483[SOOO] 540 632 857 7 3034 44 316 630[1000]»0 82 769 984 7 4374 596 607 77 718 [500] 33[500] 36 63 7 5074 290[500] 404 39 518 53 742 861 76023 443 658 811[3000] 81 966 7 7320 23 559[500] 819 988 7 8 3(18 408 558 786 821 976 79109 313 414 686 94 8 0271 620 790 81193 318 400[3009] 621[500] 843 8 2550 639 1.300) 738 838 987 8 3 338 530 609 822 87 019 73 8 4119 47 203 35 318 515 626 745 812 17 906[ 500] 46 85(03 702 859 922 8 6 261 407 40[500] 530 43 625 823 87458 577[500] 700 76 8 8119 48[600] 90[ 3000] 229 57 685 766 928[500] 89182 316 500 651 65 87 722 822 OO022 311 403 36[3000] 651 707 814 70 91110 261 SOS 84 618 840 66 638 9 2'36 283 361 427 649 8» 94 709 999 93066[500] 121 384 720[lOOO] 40 803 014 94121 351 «59 60 716 9 5096 151 205 15 532[1000] 72 800 96020 813 713 905 9 7 233 305 73 81 495 607 723 9 8099 121 654 738 99039 281[3000] 803 73 957 59 1OO506 773 1 0 1 261«1 701 102064 193 813 629 43 726 903 41 99 1 03055 364 476[ 3000] 762 800 13 [500] 015 1 04201 357 472[1000] 600 654 913 1 0 5003 00 401[1000] 13 525 45 60? 809 25 84 10604a 144 852[1000] 72 501 12 08 628 1 07235[ 500] 71 570 074 (1000) 34 804 1 08944[SOOO] 70 166 212 60 508 617 [300] 793 965 1 09 046 101 349 403 51z 918[ 500] 110139 260 488 728 846 111030 170[500] 74 489 707[3000] 862 928 112208 881 95 613 78 614 67 76 752 64 81 844 037 53 1 13026 660 622 819 981 114372 448 582 845 115203 63 306 78 816 63 89 958 116001 37 52 141 277 423 65 604 750 117369 454 75 691 11316? 967 119021 101 23 30 567 674 700 583[10000] 95 120338[SOOO] 573 1 2 1043 174 202 823 483 513 «64 705 805[600] 34 122O«0 880 585 880 924 43 1 2 3 258 604 86 796[500] 885 1 2 4026[SOOO] 108 213 343 67 88 462 820[1000] 12 5019 121 471 620 1 28 057 87 16? 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Der alte Pfarrer der St. Marpes Kirche, der die Rettungskolonne begleitete, schildert den Augenblicks der Auffindung:„Es war gegen 2 Uhr mittags; ein Wall von Schutt und eingestürzter Steine versperrte uns in der Galerie den Weg. Plötzlich sagte Powell:„Still, Jungens, mir war, als hörte ich etwas." Wir alle lauschten: da hörten wir ein dumpfes Stampfen, das wie durch eine dicke Wand zu uns drang. 1„Mein Gott", sagte Powell,„ich glaube, da ist noch jemand am Leben."„Unmöglich", antworteten die anderen,„kein Mensch kann hier sieben Tage geatmet haben." Wir lauschten wieder, aber es war unverkennbar: da hinter der Schuttmauer irgendwo, da war noch Leben. Unsere Erregung war so groß, daß kein Wort mehr gesprochen wurde. Mit fieberhafter Hast begannen Aexte und Picke . zu arbeiten. Endlich, endlich stieszen wir in dem Sckutt auf eine kleine Oeffnung. Zwei von uns kletterten voran.„Ist da drinnen noch jemand am Leben?" Aus Grabesferne klang die Antwort: „Ja". Mit erneutem Eifer arbeiteten wir weiter. Endlich war das ! Loch geweitet. Im Dunkel sahen wir ein Dutzend Augenpaare i funkeln. Und dann kam eine Stimme:„Die meisten von uns sind i wohlauf, nur ein armer Bursche, ein Franzose, ist schon halb dahin; , er wird sterben, wenn er nicht sofort frische Luft bekommt." Als ' wir endlich zu den Verschütteten eindringen konnten, sahen wir, wie die meisten bei dem Hereinströmen der frischen Luft taumelten. ! Wir sprangen auf sie zu und umarmten sie. Ihre Freude war unbeschreiblich. Wir wollten sie zum Schacht tragen, aber sie be» standen darauf, selbst zu gehen, wenngleich sie durch unsere Laternen geblendet waren. Schließlich deckten wir ihnen Tücher über den Kopf und führten sie zum Schacht." Merkwürdig bleibt, daß den so lang begraben Gewesenen die Zeit anscheinend mit Windes- schnelle verstrich. Sie waren anfangs festen Mutes und scherzten sogar. Einer der Geretteten erzählt:„Als endlich in der Schutt- mauer das Loch sichtbar wurde, war unsere erste Frage:„Ist es Sonntag oder Montag?" Tatsächlich dachten die meisten von uns, es wäre noch Sonntag und wir wären im ganzen nur 24 Stunden in der Mine gewesen...." Als die Geretteten in kleinen Trupps zur Oberfläche gebracht wurden, spielten sich ergreifende Szenen ab. Frauen durchbrachen die Absperrung, drängten die Soldaten zur Seite und sanken in die Arme ihrer totgeglaubten Gatten. VenrnlcKres WttternnqSNderiiitit von, 36. November UM>9. morgens 8 Uhr. Wetter Hnvarnnha 7603k 2 wolkig—19 Petersburg 7543kW! 1«chnce— 10 SctUy(767 SB SS 2 halb b d. 7 .Werbe«, 762 SW Ihalbbd. 0 Paris 769 ONO 1 bedeckt> 2 ank einmal ausrugobsn, rvemi Sie Ihren Bedarf in• Herren- nnd Damen-Konfektion, sowie Möbel jeder Art im ! Möbel-Kredit-Haiis Alexanderplatz-Passage,�e1�erderstr- 30'40 Jffian Knaben'... 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Der U lassen> staal, sagt er, hat Klassenschulcn geschahen, wer Geld hat. kann sich Bildung kansen.— Die zweiie Broschllre ist eine Erläuterung unserer Programm- sorderungen, die wir in bczng aus die Schule erheben und im Interesse des Kultiufortschritts erheben müssen. Grpeditiou des„vorwärts" Sin£*$n�aim) 8 « Ummer noch Fri«. Hamburg! _ Steglitz, 8chloSAtr. 103,* G igt die reellste und billigste Bezugsquelle für I lljcmn' u. Knaben* KonfcHtlOD II sowie Arbeiter-Serujsbleidnng. Joseph Schöneberg Hauptstr. 1 Ecks Grunewald- Straaa«. (Oberbett, Unterbett, S Aifseu) mit doppeNgercinigten neuen Bett» sedern. deslere Betten 15, IS, 24 Vtti Betten 15, 20. 23, 29, 8« Ml. nsiv. B erfand geg. Aachnahu,«. Preis» liite. 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Veit««: Wilhelm Bona Vempelhvf: Albert Tbl Treptaw: Rotz. Grame W UmerMdorf-llalcnse'e: W t ft n e& e 1, Gasteiner Str. 4. Sämtliche Parteiliieratur sowie alle ivissenschasttichen Werke werden gelleserL Annahme von Inseraten ffir den„Uorwärts�. Bitte ausschneiden. 246(1* Verantwortlicher Redakteur Richard Barth, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Tb. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärt» Buchdruckerei u. PertagSanftalt Paul Singer& Co., Berlin SVV.