Kr. S78. nbonnemcnts-Bedingungcii: ? iConncmentä- Preis prSnumerando i '.Licrtclinhrl. 3,30 ÜKf., monatl. 1,10 Mr., Itlödiemlüft 28 Pfß. frei ins Haus. (iirtjelne Nummer 5 Pfg. Sonntags- ! muimer mit illustrierter Sonntaas- Belloge.Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- �lbonnement: I.IO Mark pro Monat. Onngetragen in die Poft-Zeitunas- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 3 Marl pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland. Italien, Luxemburg. Portugal, Siumänien, Schweden und die Schweiz. 26* Jahrg. Crtdicint tssiiit außer llloillag«. Vevllnev Volksblatt. Die lnsrrtionZ-Lebllhr belrggt für die fechsgespaltene Kolonel- zeile oder deren Raum 50 Pfg., für politische und gewerlschastliche Pereins- und VersaninilungS-Anzeigen 30 Pfg. „kleine Mnzeigm", das erste ffeit- (lcdtutflc) Wort 20 Pfg., jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellen-Anzeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müsse» bis S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr ubends geöffnet, Telegramm-Adresse: „SMialdcmoKrat Rerlin1*, Zentralorgan der rozialdetnokrati Ichen Partei Deuticblands, ■aa Redaktion: 831. 68, Lindenstraase 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Sonntag, den A8. November 1.�09. Expedition: 8M. 68» �.Indenstraose 69« Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. Menetekel! Ein Menetekel nennt die nationalliberalc„National- Zeitung" das Ergebnis der Rc.chstagsersatzwahl in Halle. Sie erblickt darin ein„schlimmes Vorzeichen" für die Zukunft, für die nächsten Reichstagswahlen. Ungeachtet des Zusammenschlusses der bürgerlichen Parteien habe die Sozialdeinokratie solch glänzenden Sieg errungen, „weil die Erbitterung der Volksmassen stärker wirkte, als die Ueberzeugung von der Notwendigkeit, jeden weiteren Macht- Zuwachs der roten Partei zu verhindern. Die Wahl in Halle geht in ihr er Bedeutung weit über den Wahlkreis hinaus. Nicht 0 r t l i ch e Verhältnisse haben das Wahlergebnis beeinflußt, fondern Stimmungen und Leidenschaften, von denen ganz Deutschland er- füllt ist". Worauf dann das nationalliberale Blatt die bürgerlichen Parteien und die Regierung beschwört, der „drohenden Gefahr vorzubeugen" und„auf eine Besserung der Verhältnisse hinzuarbeiten". Als ob das so leicht wäre! Als ob die skandalöse Schulden- und Defizitwirt- schaft und die empörende Steucrausplünderung der Massen nicht das durchaus logische, unausbleibliche Ergebnis der ganzen Politik unserer Herr- schenden Klassen gewesen wäre! Wenn das nationalliberale Blatt den Wahlsieg in Halle einen„glänzenden Sieg" nennt, so trifft es damit nur den Nagel auf den Kopf. Hat doch nach der letzten amtlichen Meldung der sozialdemokratische Kandidat, Genosse Kunert, 2K020 Stimmen erhalten, während es der freisinnig-bünd- lcrische Gegenkandidat Reimann nur auf 21 549 Stimmen brachte. Tie Sozialdemokratie hat also 4979 Stimmen ge »uonnen, während der bürgerliche Sammelkan d i d a t 3799 Stimmen verloren hat. Es macht deshalb auch einen geradezu kläglichen Eindruck, wenn das führende Organ der Sorte Freisinn, dem Herr Reimann, der Hallesche Durchfallskandidat, angehört, die„Freis. Ztg.", die Schuld für die glänzende Niederlage in Halle dem Zentrum oder den Polen in die Schuhe schieben will. Halluziniert doch das W i e ni e r- B l a t t davon, daß das Zentrum durch die° Proklamierung der Wahlenthaltung wohl an 2999(I) Wähler von der Abstimmung fern gehalten habe und daß auch die Zurückziehung der polnischen Sonder- kandidatur„durchweg den Sozialdemokraten zugute ge- kommen" sei. Demgegenüber braucht nur festgestellt zu iverden, daß das Zentrum im Jahre 1898 ganze 59 und im Jahre 1993 gar nur 46 Stimmen auf sich vereinigte! Das unsinnige Gerede der„Freisinnigen Zeitung" wird auch sonst durch die Wahlziffern ack absurdum geführt. Wenn zum Beispiel die„Freisinnige Zeitung" behauptet, die Wahl Kunerts sei nicht nur durch den Stimmenzuwachs in Halle in Höhe von rund 3999 Stimmen, sondern auch da- durch gesichert worden, daß die Landstädte und Land- gemeinden des Wahlkreises diesmal über 1999 bürgerliche Stimmen weniger aufgebracht hätten als 1997, wobei sie glauben machen will, daß zahlreiche bürgerliche Wähler sich diesmal überhaupt der Stimme enthalten hätten, so werden diese Behauptungen durch die Wahlziffern selbst gründlich widerlegt. Denn Genosse Kunert hat im ganzen 4979 Stimmen mehr erhalten als 1997. In Halle selbst davon 2938 Stimmen, so daß das Land die fehlenden 1141 Stimmen mehr aufbringen mußtet Die 1999 Stimmen, die die„Freisinnige Zeitung" vermißt, sind also für den sozial- demokratischen Kandidaten abgegeben worden! Daß der sozialdemokratische Wahlsieg in Halle nicht etwa dadurch so glänzend wurde, daß ein Teil der Wähler sich überhaupt der Stimme enthielt, sondern daß er dem völligen Umschwung der Stimmung der Wähler zuzuschreiben ist, be- weist ja schon die Tatsache, daß die Wahlbeteiligung diesmal keineswegs geringer war als bei den Hottentottenwahlen. Damals wählten 89 Prozent aller ein- geschriebenen Wähler. Da diesmal nicht weniger, sondern im Gegenteil 379 Stimmen mehr abgegeben worden sind, dürfte die ungewöhnlich starke Wahlbeteiligungsziffer d i e gleiche geblieben sein! Nicht der s ch w e-i g e n d e Protest der Abstimmung sich enthaltender Wähler brachte der Sozialdemokratie den gewaltigen Erfolg, sondern die offene Empörung der Taufende von ehedem bürgerlichen Wählern, die diesmal für den sozialdemokratischen Kandidaten ihre Stimme abgaben! Tic Wirkungen der Schnapsblockpolitik sind eben unvcr- kcnnbar. Das zeigt sich auch, wenn wir uns die Resultate der letzten Reichstagscrsatzwahlen insgesamt vergegen- wärtigen. Bei den Hottentottenwahlen am 25. Januar 1997 wurden in den sechs Wahlkreisen Neustadt-Landau, Schnee- berg-Stolberg, Koblenz, Koburg, Landsberg-Soldin und Halle 171 139 Stimmen abgegeben, wovon auf die Sozial- dcmokratie 69 236 Stimmen entfielen. Bei den Nachwahlen, die in diesen sechs Wahlkreisen in der Zeit vom 29. Juli bis zum 26. November 1999 stattfanden, wurden bei den Haupt- Wahlen 155 647 Stimmen abgegeben, wovon 72 164 auf die sozialdemokratischen Kandidaten entfielen. Die Stimmen der bürgerlichen Parteien gingen also von 119 993 auf 83 483 zurück, während die Stimmen der S 0 z i a l d c m 0- kratie von 69 236 auf 72164 stiegen! Einem Verlust der bürgerlichen Parteien von mehr als 27 999 Stimmen steht also ein Gewinn der Sozialdemokratie von 12 999 Stimmen gegenüber! In der Tat ein Menetekel für die Parteien des Schnaps- blocks wie für die bürgerlichen Parteien überhaupt. Zumal die Wahl in Halle beweist, daß die„rote Flutwelle", von der heute wieder die„Tägl. Rundschau" spricht, nicht im Ab- schwellen, sondern im Anschwellen begriffen ist. Wozu neben der Steuerausplünderung auch die unerhört brutale Scharfmacherpolitik der M a n s f e l d i s ch e n Gruben Herren und das Aufgebot von Truppen und Maschinengewehren zugunsten dieser rücksichtslosen Grubengewaltigen nicht wenig beigetragen haben mag! So ist die Wahl in Halle in der Tat ein Menetekel! Sollten Regierung und Bourgeoisie die Flammenschrift dieser Wellen nicht lesen können oder wollen, um so schlimmer für siei_ Drohende Lage im RuHrbecKen. Aus dem Nuhrrevier schreibt man uns: Werden die Ruhrbergarbeiter in den Streik eintreten oder nicht? Seitdem bekannt geworden ist', daß die Ruhrgruben besitzer für ihre Zechen einen einseitigen zentrali- sierten Arbeitsnachweis absolut zur Durchführung bringen wollen, tritt die Frage des Ausbruches des Streiks immer mehr und mehr in den Vordergrund. Und diese Frage wird von Tag zu Tag brennender. Jeder Tag der Zögerung seitens der Grubenherrcn bringt der Bergarbeiter bcwegung gegen den Arbeitsnachweis nur gründlichere Festigung, fördert ihre Kräfte. Und günstiger gestaltet sich die Situation für die Bergarbeiter, wenn der Reichstag an die Erörterung der Lage herantritt und somit erst recht die öffentliche Meinung auf die Dinge lenkt, wie sie sich im Ruhrbecken entwickeln. Daß dabei die Gruben besitzer gut fahren. ist ausgeschlossen. Das drängt die Grubenbesitzer denn auch zum schnellen Handeln, umsomehr, als ihnen aus den Konjunkturverhält- nissen und aus anderen Gründen heraus ein Streik nur willkommen sein kann. Was die Absichten der Wcrkshcrren aber zunächst durchkreuzt, ist der Einfluß, den die Bergarbeiterorganisationen auf einen sehr großen Teil der Ruhrberglcutc gewonnen haben. Die Disziplin der Bergarbeiter hat sich in den letzten Jahren sehr gehoben. Und schließlich sprechen die Erfahrungen bei früheren Streiks mit. Sicher ist, wenn die Grubenbesitzer hoffen mit ihrer Ucberrunipelung die Bergarbeiter allzu voreilig in einen Putsch, der nur die schlimnisten Folgen zeitigen kann, hineinzutreiben, dann haben sie die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Die Vertreter der Bcrgarbeiterorganisationen haben vor wenigen Tagen beschlossen, über die Frage, ob Streik oder nicht, erst dann endgültig zu beschließen, wenn andere Hilfsmittel versagen und ihnen ein anderer Weg der Abwehr nicht mehr gegeben ist. In erster Linie hoffen die Verbände auf den Reichstag! Die Regierung wird, das steht ja schon fest, in der Frage des Arbeitsnachweises interpelliert werden und zwar bald nach Zusammentritt des Parlaments. Handelt die Regierung klug, dann tvird sie viel dazu beitragen können, um die Wirt- schaftlichcn Störungen, die mit einem Streik verbunden sind und diesen selbst vermeiden zu helfen. Glaubt aber die Re- gicrung,'den Ständpunkt der Grubenbesitzer verteidigen zu müssen oder glaubt die Regierung, nichts tun zu können gegen das Vorhaben der Herrenmenschen, dann ist der Streik unvermeidlich. Wir kennen die Ruhrbergleute und wissen auch, wo ihre Geduld ein Ende hat und wo sich ihr Groll und die Empörung über die Schranken selbst der gcwerkschaft- lichen Disziplin hinwegsetzt. Selbstachtung und Not- wehr lassen die Bergarbeiter vergessen, wie der Streit für sie ausfallen kann.„Was haben wir zu verlieren?"„Sollen wir uns zu Sklaven herabdrücken lassen?"„Die Menschen- würde gebietet uns. daß wir uns wehren!" Das ist so die Stimmung, wie sie zurzeit bei den Bergarbeitern zum Durch- bruch komint. Diese Stimmung wird immer erregter, je mehr sich das Material anhäuft über die»vahren Z w e ck e u n d Ziele, die die Grubcnhcrren mit ihrem Arbeitsnachiveis an- streben. Und es gereicht den Ruhrbergleuten nicht einmal zur Unehre, wenn sie sich nicht zu willenlosen Heloten herab- drücken lassen wollen. So weit aber»vollen es die Gruben- besitzer bringen. Sie haben ja die Macht und was das schlimmste ist, sie haben auch die Sympathien der Behörden und der Regierung im Kampfe gegen die Bergärbeiterschaft! Hiervon aus jüngster Zeit nur einige Beispiele: Wor einigen Wochen loar die„Bergarbeiter-Zeitung" in der Lage mitzuteilen,»vie die Polizeibehörden den Gruben« besitzern beispringen in der Verfolgung„kontraktbrüchiger" ausländischer Arbeiter. Nicht nur, daß solche Arbeiter durch schtvarze Listen verfemt und zur Auswanderung nach anderen deutschen Bergrevieren gezwungen wurden; nein, man schickte ihnen in ihrem neuen Wohnort und Arbeitsstelle den Aus- »veisungsbefehl nach! Und die Ausivcisung erfolgte unter direktem Hiniveis des Kontraktbruchcs auf der früheren Arbeitsstelle!! In diesen Tagen ging der„Bergarbeiter- Zeitung" ein A k t e n st ü ck zu, das uns die n a h c n B e» Ziehungen der Behörden und der Regierung zu den Grubenbesitzern erst recht drastifH zeigt. Dieses Aktenstück lautet: iTÄSv„Herten, den 22. Februar IVOS. Der Herr Minister des Innern hat durch Erlaß vom 4. Dezember 1908 angeordnet, daß die Kontrolle der koiitrakt- brüchig gewordenen ausländischen Arbeiter in Zukunft lediglich auf Grund der im„Zentralpolizeiblatt" zur Veröffentlichung ge- langenden Listen von Personen, nach denen Nachforschungen an- zustellen sind und die aus dem preußischen Staats» gebiet ausgewiesen sind, erfolgt. Die Ortspolizci- vchilrden habe» zu diesem Zwecke Namen und Herkunft der vcrtragsbriichig gewordene» Arbeiter ihres Bezirks der Rc- daktion des preußische»„Zentralpolizciblattrs" in Berlin mitzuteilen. Indem ich von diesem Verfahren er- geben st Mitteilung mache, ersuche ich, vorkommende Kontrakt bruchfälle unverzüglich der diesseitigen Stelle anzuzeigen. gez. von Kleinsorgen." An die Verwaltung der Zeche Ewald, hier. lieber dieses Dokument wird ja der Reichstag gleichfalls ein derbes Wort mit zu sprechen haben. Nur in einem Lande, das absolut als K I a s.s e n st a a t sich betrachten lassen will, sind solche Dinge möglich. Wir lassen das Aktenstück für sich selbst reden. Wir wollen nur feststellen, daß solche Praktiken der Regierung und der Behörden das Vertrauen der Berg» lcute zu der Regierung auf den Gefrierpunkt bringen müssen. Und«vollen wir der Wahrheit die Ehre geben, dann müssen wir konstatieren, daß die Ruhrberglcutc auch wenig Hoffnung haben, daß die Regierung auf die Interpellationen in der Frage des Arbeitsnachweises ciuc die Bergarbeiter befriedigende Antwort geben wird! Die Regierung scheint vollständig unter die Fuchtel der Ministerstürzcr aus dem Palasthotcl geraten zu sein. Dennoch! Die Regierung würde sich bloßstellen, wenn sie das Prinzip auch vor dem Parlament verteidigen wollte, daß eS richtig ist, daß eine Handvoll übermütiger Bergwerkskapitalistcn in Deutschland schalten und walten können, lvie sie»vollen. Wie gesagt, ist die Regierung klug, dann wird sie wenigstens in der Frage des Arbeitsnachweises der öffentlichen Meinung, die den Bergarbeitern heute g ü n st i g gegenübersteht, Rechnung tragen. Wenn nicht, trägt sie mit die Verantwortung für die wirtschaftlichen Koinplikatiouen, die sich aus einem kommenden Bergarbeiterstrcik ergeben müssen. Und die Berg- arbeiter machen dann auch die Regierung mit verantwortlich für den Streik selbst. Viel zu der erbitterten Stinimung trägt bei die äugen- blicklichc Behandlung der Bergarbeiter auf den Ruhrgrubcn. Alles lvird angeivcndct, um die gereizte Stimmung der Berg- arbeiter zu steigern. DaS S t r a f»v e f e n steht zurzeit in höchster Blüte; die H a h e r l ö H n e sind während der Wirt- schaftskrisis um rund 1 Mark pro Schicht gesunken, die Antreibcrei kennt keine Grenze mehr I In den letzten Tagen erlebten wir im Ruhrbecken einen Kohlenversand, wie er nicht cilmial in der glänzendsten Zeit der Hochkonjunktur zu verzeichnen lvar. Alles das hängt mit dem cvent. Ausbruch eines Streiks eng zusammen. Die Grubenbesitzer lvollen ihn um jeden Preis. Und alle Au- zeichen weisen auch zurzeit darauf hin. daß ihm die Berg- arbeiter nicht auS dem Wege gehen können. tzeir Martin Spahn als lilodemift. Die als„Modernismus" bezeichnete rcformkatho- tische Bewegung macht trotz ihrer Schlvächlichkeit dem hohen Klerus bange Sorge, und die von diesem inspirierte Zen- trumsprcssc betrachtet es deshalb immer wieder als eine ihrer Hauptaufgaben, bor den modernistischen Ideen zu warnen und die Modernisten der Konspiration gegen die katholische Kirche zu verdächtigen. Voran gehen in diesem heiligen Kampf die ehrsame„Germania" und ihr völlig unter den Einfluß des Erzbergerschen Geistes geratener Ableger, die Märkische Volkszcitung". Das war nicht immer so. Der Eifer der„Germania" ist verhältnismäßig neuen Datums. Noch vor etwas mehr als zwei Jahren, als im Anschluß an die Scholl-Commer-Affäre unter Leitung des Freiherrn von Hertling Ultd des Universitätsprosessors Schwmng sowie einiger anderer Zcntrumsgrößcn die Müustcrsche Anti-Jndex- bcwegung von sich reden machte, nahm die„Germania" für diese Bewegung Partei und wandte sich gegen die„Corrisp. Romana", die damals die Teilnehmet an der Münsterschen '„Liga" freiuiaurcrischer Ideen verdächtigt hatte. Die schroffe Abfuhr, die sich die„Gerniania" dadurch von der römischen Kurie holte, und der bald darauf folgende Papstcrlasi be- lehrte daS voreilige. Blatt aber bald eines Besseren..Reuig ging es in sich, und seitdem sucht es, um seinen Gesinnungs- wandel zu beweise», eifrig nach jeder sich bietenden Gelegen- heit, gegen den Modernismus wettern zu können. So hat cä auch jetzt wieder eine ansehnliche Portion Modernismus entdeckt— und zwar bei Herrn Dr. Martin Spahn, dem Sohn des Reichstagsabgeordneten Peter Spahn, bekannt- lich wegen der politischen Dienste seines Paters zum Pro- sessor der Geschichte an der Straßburger Universität bcför- dert. Herr Spahn jun., der Geschichtsprosessor hat nämlich im„Hochland" der schon 1907 als Organ des uwder- nistischeu„jiatholischen Kulturbundes" bezeichneten Münchner Revue— eine längere Besprechung eines Mutherscheu Buches veröffentlicht, und in dieser gesagt, die katholische Kirche habe dadurch, daß sie in' sriihereu Jahrhunderten zu möglichst lückenloser Einheit im Glauben, Denken und Fühlen und zur unbedingten Unterwerfung jedes einzelnen unter ihre Lei. tung drängte, die katholische� Literaturbewegung beeinträch- tigt. Wörtlich schrieb Herr Spahn jun.: Was uns heute bewegt, ist ein einziger großer Prozeß des bewußt erstarkten Wiederanschlusses der deutschen Katholiken an das zeitgenössische und nationale Leben, nicht um irgend- eines Kompromisses mit der modernen Kultur willen, wie nicht zu belehrender Uiwerstand eS immer wieder behauptet, sondern um zahlreiche mqttgewordene Kräfte in unseren Katholiken Wieder anzuregen und in Tätigkeit zu bringe». Die Zeit ist gekommen, wieder gut zu machen, was in mehr als drei Jahr- Hunderten a» de» unseren gesündigt worden ist. Drei Jahr. Hunderts waren wir nach der staatlichen Seite hin durch die Zugehörigkeit zu Kleinstaaten gebunden und gehemmt, von denen einer nach dem anderen verkümmerte, nur Bayern sich hielt, ohne doch die Führerschaft zu erlange». Ebensolang hat die Kirche, um die Fehler in ihrem inneren Leben zu überwinden, durch die ihr Bestand in der religiösen Erschütterung des IS. Jahrhunderts über alles Erwarten gefährdet worden war. ihre Gläubigen zu möglichst lückenloser Einheit im Glauben. Denken und Fühlen und zur unbedingten Unterwerfung jedes einzelnen unter ihre Leitung gedrängt. Im Ig. Jahrhundert ist dann dieses Verlange», als der freidenkerische Liberalismus von allen Seiten in das kirchliche Leben einzudringen drohte und sowohl die wissenschaftliche Forschung, wie der Wissenschaft- liche Fortschritt eine kirchenfeindliche Richtung einschlug, vieler- orts überspannt worden." Das ist sicherlich eine sehr milde Fassung; die„Ger- mania" aber ist entsetzt über solckie Mißachtung des scgens- reichen Wirkens der römischen Kurie. Sie fühlt ihre jung- fraulichen Pulse pochen. Erregt wendet sie sich gegen Herrn Spahn jun.: »Aber- diese Ueberspannung— Uebcrmaß dcS Objektiven nennt es Dr. Spahn— erreichte im KathcliziömuS ihre höchste Steigerung, die nach seiner Meinung mehr die Schwäche aller Kulturäutzerungen der katholischen Völker verschuldet, als die äußere Bekämpsung; denn unter ihrem Drucke wurde den in» dividuellen Kräften die ihnen unentgeltliche Bewegungsfreiheit versagt. Nun müssen wir hier gleich bekennen, daß wir uns verwahren gegen die behauptete Notwendigkeit des Wieder- anschlusses der Katholiken an das zeitgenössische und nationale Leben; denn wenn dieser Mangel bestand, fand er sich in an- deren Kreisen nicht weniger, ja weit mehr, als in katholischen. ES ist auch nicht schön. daßeinKatholikimmer- fort in den Gebrauch der Katholikenfeinde verfällt, seine>t GlaubenSbrüdern natio- nalen Sinn abzusprechen. Noch mehr befremdet es uns aber, aus der Feder eines katholischen Schriftstellers unter blendenden Redensarten eine so lieblose Behandlung seiner Kirchs fließen zu sehen.„Drängen",„überspannen". „Heber maß" bezeugen nicht ein Uebermaß von Liebe zu ihr. Noch mehr beanstanden wir aber das Sachliche in diesen Redensarten und fragen den Herrn Dr. Spahn: Hat die Kirche ein Recht, lückenlose Einheit im Glauben, Denken und Fühlen von den Gläubigen zu beanspruchen? Und bekennt sich Herr Dr. Spahn als Katholik nicht auch zu dieser lückenlosen Einheit? Wo hat die Anwendung der Lchrautorität der Kirche die ivissenschaftliche Forschung und wirtschaftlichen Fortschritt behindert? Und wo hat sie die Schwäche aller Kulturäußerungen katholischer Völker verschuldet? Will Herr Dr. Spahn sich dazu hergeben, die oberflächlichen Anschuldigungeti und Behaup- tun gen kirchenfeindlicher Geschichtsschreiber nachzubeten? Müssen wir auch bei ihm seine Wahrhaftig- keit in Beurteilung des katholischen Volke? anrufen? Wie kann aber ein katholischer Schriftsteller ohne Erröten seiner Kirche vorwerfen, unter ihrem Drucke bestehe für die Ka- tholiken nicht mehr die Freiheit, sich dem jkulturfortschritte an. zuschließen? Und wie soll die Kirche schuld sein, daß die Geister aus manchen Gebieten erlahmten, wenn die Teilnahme der Ka- tholiken abgenommen habe und im Wettbetriebe des staatlichen und wirtschaftlichen Betriebes ermattete? Kennt Herr Dr. Spahn nicht die wahren Ursachen?... Das sind ja alles recht schöne Redensarten, wenn nur vor- her nicht so viel von dem Druck der Kirche, von der Uebermacht des Objektiven, von der Ueberspannung der Einheit die Rede wäre. So aber kann man aus ollen diesen Worten nur das eine Bestreben hervorleuchten sehen, di e„Hemmungen zu locker n". welche die Kirche der BewegungSfrei- fieit z u st r e b s a m e r Geister anlegt; sonst haben alle jene Ausführungen keinen Sinn. Wir würden weniger Mißtrauen hege», wenn wir nicht täglich dieses Lied singen hörten:—-„Die Hände weg! Die tirchttchen Personen haben nichts da hinein- zureden". Wir wissen genug und erfahren es täglich, für welche zukunftverheitzende Aussaat der Boden koreitet und erweitert werden soll, die geistige Seh. kraft zu stärken, die seelischen Horizonte zu erweitern, die Sicher- heit des Verstehens zu erhöhen"— alles daS finden wir in der zweideutigen Phrascolsgie des Modernismus. Schließlich wird Herrn Dr. Martin Spahn noch vorge- warfen, daß er sich„die Förderung der von kirch- lich er Autorität ganz freien christlichen Ge» w e r k s ch a f t e n" angelegen sein läßt. Armer Spahn! Modernist, das ist ein furchtbarer Schimpf. Herr Spahn jun. ist gerichtet, und nicht nur er, sondern auch sein Erzeuger, der alte Spahn, der solches Spähnchen in die Welt setzte. hangen uock hangen... Aus Wien wird uns vom 26. November geschrieben: Nach einer mehr als dreiwöchigen Pause hat sich das Ab- geordnetenhans entschlossen, wieder eine Sitzung zu halten und— siehe da. cä ist ganz gut gegangen. Die Aussetzung der Verhandlungen hatte näinlich eine besondere Ursache, die man außerhalb Oesterreichs schwerlich begreifen wird: man befürchtete den Ausbruch der sogenannten lärmenden oder „technischen" Obstruktion, und um den Folgen, die diese nach sich gezogen hätte, nämlich der Schließung der Session, aus dem Wege zu gehen, hielt inou lieber keine Sitzung; wenn keine Sitzung stattfindet— die Logik ist unbestreitbar~, kann sie auch nicht gestört werden. Der Skandal gegen die Regierungsbank sollte ausbrechen als Antwort aus die Sanktionierung der jüngst erwähnten deutschen Schutzgesetze; er Hütte natürlich nicht die Regierung erreicht, nur das Haus selbst getroffen. Aber nach drei Wochen raucht der politische Grimm schon aus, zumal dann, wenn er so gekünstelt ist wie die Ausregung über jene harmlosen Laitdtagsbeschlüssc. Uebrigens wird nian in Oesterreich, das des parlamcn- tarischen Skandals schon so viel erlebt hat, daß nun alles aus diesem durchgeackerten Gebiete um seine Originalität ge- kommen ist, des Spektakels und Geschreis allgemach müde, und was einstmal rechtschafsene Entrüstung sein mochte, wirkt heute nur als Grimasse. Die Sitzungen des Abgeordneten- Hauses verlaufen sehr ruhig— natürlich„ruhig" nach öfter- reichischen Begriffen— und die große Krise bekommt wieder ihr gewöhnliches Aussehen. Das heißt: man verhandelt vorläufig, was man in diesem wunderlichen Parlaiiient so ziemlich das ganze Jahr verhandelt: Dringlichkeitsanträge. Aber diese Dringlich- keitsanträge sind nicht und wollen nicht Obstruktion sein: man kann mit ihnen rasch zu Ende kommen, man kann frei- lich mit ihnen auch in die nackte, unvcrhüllte Obstruktion steuern. Tie Frage ist nun, ob es gelingen wird, die Hinder- nisse, die vor der Tagesordnung stehen, bald wegzuschaffen, oder ob sie noch getürmt werden, so daß die Tagesordnung unerreichbar wird. Denn zur Tagesordnung muß man kommen, da bis Ende des Jahres das Budgetprovisorium (der provisorische Etat für sechs Monate) fertiggestellt sein muß, soll nicht eine außerparlamentarische Ermächtigung, nämlich die mit dein 8 14, eintreten. So viel Schwierig- keiten die augenblickliche Lage auch aufweist: es ist doch zu erwarten, daß für das Budgetprovisorium aus irgend eine Weise Raum geschaffen wird. Denn das Parlament des allgemeinen Wahlrechtes ist. trotz aller Widrigkeiten und so wenig seine Entwickelung auch zu befriedigen vermag, ciil anderes Ding als das zu Tode gehetzte Kurienhalls war. Sein Lebenswille wehrt sich gegen die Arthiebe des Per- fassungsbruches und selbst den skrupellosesten Nationalisten rührt es ans Gewissen, wenn vor das Parlament die Lebensfrage tritt. Ueberdie» ist diesmal die Be- Willigung des Budgetprovisoriums eilte eminente Volkönot- wendigkcit und insbesondere eine wichtige Sache für die Ar- beitcrschast. Die Regierung verlangt nämlich die Ermächti- gung, eine Anleihe von 90 Millionen Kronen zum Zwecke der Investitionen für die Staatsbahnen aufzunehmen, und sie könnte mangels dieser Ermächtigung die Anleihe nicht machen, müßte also, da die Kassen durch die Vorschüsse auf die Attitexiottskosten ausgepumpt sind, und eine Anleihe ohne Gesetz nicht möglich ist, die Investitionen ttnterlassett. Tatsächlich vergibt die Regierung schon heute keine Bestellung und die großen Lokomotivfabriken gehen bereits mit zahl- reichen Entlassttitgen vor. Was es nun angesichts der Wirt- schaftlichen Krise bedeuten würde, wenn in einer einzigen Branche an 100 Millionen Staatsbestellungen ausblieben, kann man sich vorstellen; die Metallarbeiter greifen auch be- reits ein und hielten gestern auf der Wiener Ringstraße eine von vielen Tausende» besuchte Versammlung ab, die einen leidenschaftlichen Verlauf nahm. An der Arbeitsfähigkeit des Abgeordnetenhausos Höngen also auch die stärksten Wirtschaft- lichen Interessen und ihr Gewicht wird sich zum Schluß durch- setzen, lvenngleich es ohne schmerzliche Konvulsionen nicht gehen wird. Aber mit einer gesetzgeberischen Bagatelle, wie es die Er- ledigung des Budgetprovisoriums ist, kann schließlich die Wirksamkeit des Parlaments nicht erschöpft sein und das Problem bleibt weiter, wie und wodurch das Haus auf halt- bare Grundlagen gestellt werden könnte. Denn an sich fehlt der Volksvertretung gar nichts; die Abgeordneten sind als Individuen verständig, arbeitseisrig, und das Haus ist geradezu von Reformeifer beselt. Die unnatürliche Lage, in der das österreichische Abgeordnetenhaus seit einem Jahre steckt, seitdem es sich der berühmten Regierung Vienerth er- freut, besteht im Grunde darin, daß ohne Not der Grundsatz verlassen wurde, der seit einem Jahrzehnt vorwaltend war und nach der Zitsamntcnsetznng Oesterreichs der einzig mög- liche ist: daß nänilich ohne keine Nation, mit allen und für alle� regiert werden müsse. Dabei kommt es eigentlich weniger aus Tatsachen wie auf Stimmungen an, und die Stimmung, die die Regierung Bienerth hervorruft, ist die, daß sie eine Regierung für die Deutscheu. gegen die Tschechen ist. Wir halten beides für falsch und übertrieben; mehr als daS landläufige, hin- und herpendelnde Bcamtcnregieren ist auch dieses angeblich neue System nicht. Aber es ist so, daß die Deutschen in Bienerth ihren Mann, die Tschechen in ihm ihren Feind erblicken, was die Bestrebungen der einen er- klärt, die Regierung Bienerth unversehrt zu erhalten, der anderen, sie zu stürzen oder wenigstens ins Tschechische zu transponieren. Nun können die Deutschen schon deshalb nicht hoffen, die Krippe im Parlament allein mit Beschlag zu belegen, weil sie, ebenso wie im Staate, auch im Parlamente nur eine Minderheit sind, und die Allianz mit den Polen, die den Deutschbiirgerlicheu nun eine knappe, fast nur theore» tische Mehrheit schafft, auf den allerichwächsten Füßen steht. übrigens sich immer mehr verflüchtigt. Freilich ist es auch keilte Kleinigkeit, daß aus der Saat des Hasses dieser natio- nalen Kämpfe plötzlich, wie auf Kommando, eine Koalition entsprießen soll, die Deutsche und Tschechen zum gemein- samen Negieren vereinigt; und es ist um so schwieriger, als die Tschechen, statt die Koalition zu bewirken, indem sie eine allmähliche Annäherung vorbereiten und ermöglichen, die Rekonstruktion des Kabinetts, die Koalitionsregierung, durch die Obstruktion gleichsam erpressen wollen. Aber auch in der Politik ist es schwer, den anderen zur Liebe zu zwingen. Trotzdem muß die nächste Entwickelung die Koalitionsregierung zeitigen, wenn dem Parlamente eine gewisse Stabilität verschafft werden soll; ob dies aber gelingt, steht, bei der Bor- niertheit der Nationalisten im Ungewissen.„Hangen und bangen in schwebender Pein" wird wahrscheinlich noch längere Zeit der Zustand des österreichischen Abgeordnetenhauses sein. �#• • Wie», 27. Roveiuber.(Privcitdepesche des„BorlvärtS".) Die Lage zeigt heut« einen kleinen Schritt zur Besserung. Die großen Parteien haben sich auf einen gemeinsamen Antrag geeinigt, durch de» die DringlichkeitSanträge über die Nationalitäten- frage beendigt wurden. Der Antrag, der gestern vom deutsch- nationalen Abgeordneten Stölzl gestellt und mit großer Mehrheit ' angettotttmeit wurde, fand nur bei de» Tschechischradikalett, die der Obstruktion politisch leben, Widerspruch. Der Antrag laute: .Es wird ein Ausschuß von 52 Mitgliedern gewählt mit dem Austrage, die nationalen Angelegenheiten zu regeln, die hiermit ZI'- sanimenhäiigcnden Gesetzentwürfe und Anträge, die in Zttkunft dein Ausschuß überwiesen werden, zu beraten und dem Hause hierichc r zu berichten." Für den Antrag siimmten auch unsere Genossen, für die Sei u die Zustimmung mit ihrem Interesse an normalen parla- m e ii t a r i s ch e n Verhältnisse« und der Herstellung de Z nationalen Friedens begründete. Dieser Begründting schloß sich auch Abg. Kramarz namens der Tschechen au, von den radikalen Schreiern, die in dem Schluß der Debatte eine» „Bruch der Geschäflsorditung" zu sehen behaupteten, fortwährend unterbrochen. Um 11 Uhr nachts wurde die zwölfstimdige Sitzung endlich geschlossen. Ob sie wirklich eine Ueberwindung der Obstruktion bedeutet, steht vorläufig noch dahin. Die nächste Sitzung findet am Dienstag statt. Sluf der Tagesordituttg steht die e r st e L e su u g des Budget Provisoriums. Gelingt es, diese Lesung zu. absolvieren, so ist damit immerhin schon einiges gewonnen. Freilich können die kritische» Erscheinungen zwischen der ersten und der eni- scheidenden zweiten Lesung immer noch wiederkehren. Immerhin zeigt es sich, daß im Parlament des gleichen Rechts doch mehr Lehenskraft steckt, als die interessierten Pessimisten und die Re- gierung Bienerth zugeben wollen. politische Oeberficbt* Verlin. den 27. November 1909 Und noch eine Nachwahl! Die Wähler des 2. weiinarischen Reichstagswahlkreisos (Eisenach- Dermbach) werden demnächst zur Urne berufeu werden— Herr S ch a ck hat endlich das Reichstagsmaudat, das er doch nie mehr hätte ausüben können, ui�dergelegr. Da er sein Schreiben diesmal nicht wie früher an seine ehemaligen Fraktionsgcnossen, sondern an die richtige Adresse. nämlich an das Bureau des Reichstags gesandt hat. so haben die Herren Lattmann, Liebermann und Raab nicht die Ee- legenheit gehabt, auch dieses Schriftstück in ihren Akten her- schwinden zu lassen wie seine Vorgänger. Die Herren gaben bekanntlich vor, daß Schack wahrscheinlich geistesgestört sei und ein Geistesgestörter könne, so schlössen sie keck, sein Mandat überhaupt nicht niederlegen. Weil es offenbar besser ist, daß deutsche Wähler durch einen Geisteskranken im Par- lament vertreten oder gar nicht vertreten sind, denn daß— die antisemitische Fraktion tu der Nachwahl ein Mandat einbüßt. DaS durchsichtige Manöver der Herren Antisemiten ist nun durch die Handlung des Herrn Schack durchkreuzt worden. Die gcfürchtete Nachwahl läßt sich nicht mehr bis zu einem hypothetischen Zeitpunkte verschieben, wo die Aktien der Anti- seiittten vielleicht tvieder etwas besser stehen könnten. Daß sie jetzt, mit dem Verbrechen der Schnapsblock- Finanzreform und ihrem Verhalten im Falle Schack beladen. das Mandat, das sie�nur mit ganz knapper Mehrheit in der Stichwahl gegen die Sozialdemokratie geivonnen haben, nicht halten kömtett, daS ist den Herren um Liebermann nur allzu klar. Am liebsten möchten sie sich deshalb ganz aus der SchtißUttie zurückziehen. Schon vor längerer Zeit hieß er-. daß in Eisetiach-Dermbach Graf Posadolusky für die„natio- nalen" Parteien kandidieren solle. Aber der Exstaatssekretär lehnte ab und auch von der Kandidatur deL ExministerS v, Berlepsch tourde es bald wieder still. Ob die Antisemiten jetzt versuchen Iverden, sich mit den Nationallibcralen des Wahl- kreises auf eine andere„nationale" KompromiSkaitdidatur zn vittigen? Das„Berliner Tageblatt" rät dem Freisinn, den Wahl- kreis, der von 1881 bis 1887 und von 1890 bis 1898 stets froisinnig vertreten war, wieder zu erobern. Wenn das nur so leicht wäre! Schon 1898 hat die Sozialdemokratie, die in dem Wahlkreis seit 1884 stetig gewachsen ist, den Freisinn überflügelt, tn der Stichwahl unterlag sie den vereinigten Bürgerlichen allerdings. 1903 blieb der Frei sinn sogar hinter den Stationalliberalen zurück; nicht besser ging's ihm 1905, wo Schack zum erstenmal in einer Nachwahl gewählt wurde, und 1907 trat der Freisinn schon gar nicht mehr ans, doch vermochten seine Stimmen nicht einmal die Natiomilliberalen in die Stichwahl zit briitczett, die sowohl 1905 wie 1907 zivischen Antisemiten und Sozialdemo- kraten ausgcfochten wurde. Die Sozialdemokr'atie steht schon seit 1893 unter den im Wahlkreise vertretenen Parteien als die stärkste voran. 1903 mtisterte sie 6018 Stimmen, während ans die Natiotialliberalett 8585, auf den Freisinn 2049, ans das Zentrum 1813 und ans die Antisemiten 2143 Stimmen fielen; in der Stichwahl siegle der Nationalliberale mit 8560 Stimmen gegen 7835 sozialdemokratische. Int Jahre 1905 erzielte der Sozialdemokrat 6799. der Nationalliberale 2782, der Freistttttige 2692, der Zentrums- kandidat 1112, der Antisemit 4019 Stimmen; in der Stick: wähl siegte Schack mit 10235 Stimmen gegen 8621 sozial demokratische. Im Januar 1907 steigerte die Sozialdemo- kratie ihre Stimmen ans 7875, der Antisemit erhielt 6985. der Nationalliberale 6089; in der Stichwahl siegte Schack mit 9834 Stimmen über den Sozialdemokraten, der 9509 erhielt. Den Sozialdemokraten des Wahlkreises winkt ein harter Wahlkampf. Die Bürgerlichen werden, erschreckt durch dir lange Liste sozialdemokratischer Siege, die sich täglich verlängert, alle Minen gegen die Untstnrzpartei springen lassen. Aber nur um so fröhlicheren Mutes werden unsere Genossen mit ihrem erprobten Kandidaten Leber- Jena in die Schlacht ziehen._ Zoll- und Steuereinnahmen des Deutschen Reiches. Die„Nordd. Allgem. Ztg." setzt ihre Mitteiltingen aus dem Reichshaushaltsetat für das Rechnungsjahr 1910/11 fort. Besonders interessant ist der Voranschlag der Eiunahuien aus Zöllen, Steuern und Gebühren. Insgesamt sind diese Einnahmen auf 1 441 6L0 000 M. veranschlagt. Davon entfallen auf Zölle 631900000 M., aus Tabaksteuer 14413 000 M.. Zigarcttensteuer 23 711000 M., Zuckersteuer 147178 000 M., Salzsteuer 58048 000 M.. Branntweinsteuer 180000000 M., Essigsänreverbrauchs- abgäbe 503 940 M.. Schaumtveinsteuer 10210000 M.. Letichtmittelsteuer 15013000 M., Zündwa�nsteuer 15010000 M.. Braustener und llebergangsabgabe von Bier 111500000 M.. Spielkartenstempel 1819200 M-, Wechselstempelsteuer 20000000 M., Reichsstempelabgabeit: A. von Wertpapieren usw. 49 000 000 M.; 13. von Kauf- usw. Geschäften 13 520000 M.; C. von Lotterielosen u) für Staats lotterten 31325öOOM., b) für Privatlotterien 10 850 000 M.: D. von Frachtnrkimden 14 700000 M.; E. von Personen- sahrkarten 18620000 M.; F. von Erlanbniskarten für Kraft- sahrzeuge 1 960 000 M.; 0, von Vergütungen an Mitglieder von AufsichtZraten 8020000 M.; H. von Schecks 7 350000 Mark; J. von Grundstücksübertragungen 25 480000 M.; Erb- schaftLstcuer 31000 000 M.. Statistische Gebühr 1470 960 M. Im ganzen: 1 441 508 000 M.. dazu treten die Abfindungen im .Gesamtbeträge von 111400 M. Tie Stadtverorductenwahle» in Königsberg. die am Donnerstag stattgefunden, haben, wie wir bereits tele- graphisch kurz mitteilten, für die Sozialdemokratie einen erfrenlichen Verlans genommen, während die vereinigten Liberalen eine schwere Niederlage erlitten. Ilm rund 3000 Stimmen stieg die Zahl der sozialdemokratischen Wähler gegen das Jahr UK)7. Damals zählten die sozialdemokratischen Kandidaten insgesamt 2711 Stimmen, dies- inal 0756. Im Jahre 1907 verlor die Sozialdemokratie die letzten vier Mandate, diesmal find sie wieder zurückerobert lvorden. Die Liberalen, die bis zum letzten Augenblick in frecher Weise durch Lügeuartikel in ihren Organen die indisferenlen Wähler gegen die Sozialdemokratie zu Hetzen suchten und die in den zartesten Tonen bei den Stoiiservalive» um Stimmen bettelte», haben in süns Ve- zirken einen Stimmenverlust z» verzeichnen und nur ein Bezirk, dort wo die Arbeiter der„Königlich Preußischen Eisen- bahn Verwaltung"wohnen, holten sie zirka 200 Slimmen mehr für sich heraus als im Jahre 1007, während unsere Stimmen» zahl auch hier von 512 auf 1208 stieg. In diese»,.König- licheu Eisenbahn bezirk" kandidierte ein Kontrolleur der Eisenbahndetriebs-Krankenkassc und die Eisenbahnarbeuer mußten zur Wahl gehe» und„liberal" wählen, während viele sonst zu Hanse geblieben wären. Es ka», niemals vor. daß größere Sck'nren von Eisenbahnarbeitern unter Führung eines Bahnaijistcitten im Wahllokal crsckieiien und hier iiun unter Aussicht der Borgesetzten ihr Wahlrecht ausübten. Anderen Arbeitern der Eisenbahnbetriebs drohte mau Nachteile oder gar Eni- lassung an. falls sie nicht für die Kandidaten der Liberalen eiuircteit würden. Einige Eisenbahner, wahrscheinlich die„Wohlgesinntesten", hatten den ganzen Tag frei bekomm«« und mußten nun an den Wahltischen der Liberalen Schlepperdienste leisten. So mußte» sich viele dieser„Staatsproleten" zähneknirschend in ihr Schicksal ergeben und wider ihre Ueberzengung wählen. In einem Falle wurde der staatliche TcrronSmnö durch einen dieser Zwangwähler passend ge- kennzeichnet. Ein Eisenbahner trat an den Wahllisch heran und nun kam cZ zu folgender Szene: Wahlvorsteher:„Wen wühlen Sie?" Der Wähler:„Wie mir vorgeschrieben ist, wähle ich: Dorsch und Klank!" Ein Mitglied des WahlvorstandeZ:(nachdem sich der Wühler entfernt hat): Der Mann ist wenigstens ehrlich I" Zuruf eines anwesenden Parteigenossen:„So. meine Herren, sieht der„sozialdemokratische WahltcrroriSnmS" aus." Als bei den Liberalen am Abend das Wahlresnltat verkündet wnrde, gab eS nicht viel freudige Gesichter. Das beste leistete wieder der sogenannte Volks fwisiimige ReichStagSabgeordncte für Königsberg, Herr Gyßling: er bezeichnete die Stimmabgabe der Staatsbeamten für die Liberalen als eine nmtige Tat. Wirklich, mehr Heuchelei kann man kaum verzapfen l Komtnunalwahlen. Bei der Stadtverordneten wähl in Biebrich a. Rh. sind fünf Sozialdemokraten gewählt worden mit 714— 725 Stimmen; vor zwei Jahren erhielten die sozialdemokratischen Kandidaten nur 500 Stimmen. Tie Gegner haben 380—432 Stimmen aufgebracht. 1907 waren es noch 000. Die Netter des Handwerks. Wir haben in Deutschland in der Hauptsache zwei Organisationen, die angeblich den Mittelstand umfassen, die deutsche Mittelstands- Vereinigung mit dem hansabundfreundlichen Obermeister Rahardt an der Spitze und den Handlverkerbund, den der frühere Schneider« meister Voigt- Friedenau gegründet hat. Dem Mittelstand wird dadurch nicht geholfen, denn beide Organisationen stehen im Solde reaktionärer Parteien. Voigt-Fricdenau liebt eS, bei Wahlen eigene Kandidaturen deS Bundes der Handwerker aufzustellen, die nach Unter- Handlungen mit den bürgerlichen Parteien wieder zurückgezogen werden. Ob die bürgerlichen Parleien dem Bund der Handwerker die durch die Mübewaliung des Herrn Voigt-Friedenau entstandenen Kosten ersetzen müssen, wissen wir nicht, nur das ist bekannt, daß der Bund der Handwerker finanziell auf die Freigebigkeit des BnndcS der Landwirte angewiesen ist. Die Mittelstandevereinigiing scheint das Geld zu nehmen, wo sie eS eben kriegen kann. Der Obermeister Rahardt hat, wie wir schon meldeten, zugestanden, daß er von einem Freisinnigen 500 M. bekonime» hat, in der Erwartung, daß die Mittelständler zum Freisinn übersckiwenken werden. Rahardt verspottet die Freisinnige» als dumme Gegner, weil.er davon überzeugt ist. daß die Ber- stimmung zwischen der Mittelstandsvereinigung einerseits und den Konservativen wie dem Bunde der Landwirte andererseits eine vor- übergehende ist.„denn wir brauchen uns ja gegen- s e i t i g Zweifellos richtig I Konservative und Landbündler brauchen die Mittelstandsvereinigiing, damit sie bei Wahlen die Handwerker täuscht; diese hinwiederum braucht jene Parteien als Geldgeber. Die„Konservative Korrespondenz" sagt offen: „Die Deutsche Mittelstandsvereinigiing verfügt bekanntlich über leine eigenen Millei, ihre gesamten regulären Einnahmen in diesem Jahre betragen zum Beiipiel 2800 M., eine Summe also, die noch nicht einmal für die alleriiotwendigsten Ausgaben für Gehälter, Miere, Drucksachen, Porto usw. reicht." Die Führer der Miitelständler werden also von anderer Seite bezahlt. Wie sie da? Handwerk reiten, da» ergibt sich aus den Debatten, die in der Plenarsitzung der Berliner Handwerlskammer am Freitag gepflogen worden sind. Hier wurde festgestellt, daß sich der gesamte Borstand zum HandwcrkSkammertag in Königsberg selbst delegiert hat. Die hohen Kosten hat die Kammer bezahlen müssen. Ferner wnrde betont, daß beim Bau deS HandwerkSkaminergcbäudeS allerlei Schiebungen vorgenommen worden sind, um die Arbeiten be- stimmten Leuten zuschlagen zu können. Eilt neiier Oberpräsident für Schlesien. Der schon vor längerer Zeit angekündigte Wechsel im schlesische» Oberpräsidium wird jetzt amtlich bestätigt. Zum Nachfolger des am 1. Januar 1910 in den Nubestand tretenden Oberpräsidente» der Provinz Schlesien, Staatömiiiifters Grafen v. Zedlitz u. Truetzschler ist der herzoglich anhallische StaatSminister und Wirkt. Geheime Rat v. Dallwitz in Dessau ernannt ivorden. Der Oberprästdent ist einer der seinerzeit ivegen ihrer Abstimmung in der Kanalfrage gemäß- regelten Landräte. Wie so manche der„KanaUebellen" hat auch er gute Karriere gemacht._ Eine Zentrumö-Blamage im bayerischen Landtage. München, 27. November. (Privatdepesche deS.Vorwärts".) Das Zentrum versuchte heute bei der Beratung deS Umlage- g e s e tz e S lStenerreform) die Minorität zu vergewaltigen und den Enllvurf in ununterbrochener Sitzung zu er- ledigen. Liberale und Sozialdemokralen protestierten und drohten mit dem Streik. Trotzdem setzte daS Zentrum eine NachmitlagS- sitzung an; in dieser aber fügte eS sich den Protesten und vertagte die kaum eröffnete Sitzung auf Mittwoch. Der Vorfall bedeutet eine gewaltige Blamage für das Zentrum. Die sozialdcmokratis oe Landisassr m a n n mit größter Bestimmtheit und unter Anführung vieler: Details, daß ihr Dienstherr ihr andauernd nach-- gestellt, sie umarmt und unsittlich berührt hedr. Auch mit A c u ß e r u n g e n habe er sie belästigt. Sie blieb bei dieser Aussage auch unerschüttert, als ihr>-er Rel.tor iNigenübergestellt wurde, der unter seinem Eide alles bestritt. Der Zeuge Medizinalrat H a s s e n st e i n(Sorau)'. der das Mädchen untersucht hat. erklärt, daß sie noch Jungfrau: sei. Einige Leumundszeugen stellen der Lehmann eiir günstiges Zeugnis aus. Zeuge Superintendent Petri(Sorau). der von dem Nebenkläger aufgesucht worden, als die Notizen in der„Märkischen Volksstimme" auf ihn gedeutet wurden, hat von dem Rektor ein längeres Expos« mit dessen Verteidigung erhalten. Der Zeuge hat den Eindruck gehabt, daß der Nebenkläger die Wahrheit gesprochen habe, als er sich sehr energisch gegen die er- hobencn Anschuldigungen verwahrte. Die als Zeugin vernommene Frau Rektor Centgraf schildert die Lehmann als wenig zugänglich für Belehrungen. Aus einer eitrigen Wunde am Finger und anderen Erscheinungen habe sie einmal geschlossen, daß das Mädchen an einer häßlichen Krankheit leide. Auch habe das Mädchen bedenkliche Vorgänge erzählt, als ob sie Verkehr mit Männern unterhalte. Zwei Pensionäre des Neben- ilägcrö haben.die Auseinandersetzung zwischen Centgraf und den beiden Angeklagten Lehmann mit angehört; es sei dabei seitens des Angeklagten Lehmann das Verlangen nach 100 M. Schweige- geld gestellt worden.— Einer Gesindevermieterin gegenüber soll die Angeklagte Lehmann geäußert haben, alles was in der Zeitung gestanden habe, sei Klatsch. Sie erklärte dazu in der Ber- Handlung, daß sich daS u n r. auf den erste n Artikel bezogen habe.— Der' Geistliche, der die Angeklagte Lehmann konfirmiert hat. stellt dieser das beste Zeugnis nuSisie sei die Erste in der Schule gewesen und es sei ihm unfaßbar, wie sie so tief hätte sinken können, wie die erhobenen Anschuldigungen es darstellten. Die Verhandlung fand teilweise unter Ausschluß der Oeffent- lichkcit stall. Das Gericht glaubte dem Eide des Rektors mehr als dem Mädchen, das durch die Anklage außerstand gesetzt wurde, seine Angaben zu beschwören. Sämtliche Angellagte ivurden verurteilt. und zwar Wendemuth wegen Beleidigung zu 400 Mark Geldstrafe, Müller wegen des gleiche» Vergehens zu 200 M. Geldstrafe, der Angeklagte Lehmann wegen versuchter Erpressung zu drei Wochen und Klara Lehn,/t»nn wegen öffenttjicher L« r Heu m d u n g ux\i> Bcl/eidi�ung zu einem Monat Gefängnis GewevkrchaftUcbe� 6in neuer Vorftoß der Gelben. (5tr«i? der»orp macher in Stettin mit Altdamm und F�WWWrWUis� endet! doch ist die Mehrzahl der Arbeiter noch nicht lieber eimWte�'■D Zuzug auch weiter ferngehalten werden uru�-?eriM- w�rdsri die Korbmacher gebeten, Cor- e*.. s„ � i s*.. t..... �. beth a, Äaile?» Z iMd'. Äoitz zu meiden, wo die Kämpfe In der Ortskranke nkas,e für das Schlächter- fortdauert g e w e r b e finden heute die Wahlen von 77 Delegierten aus den Reihen der Arbeitnehmer statt. Von der Innung sowie von den Bezirksvereincn der Fleischermeister wird für die Liste der„Gelben", die den Wählern als Liste des Gesellen- ausschusses präsentiert werden soll, eifrig agitiert. Da es ihnen nicht möglich ist, gegen die Kassenverwaltung etwas einzuwenden, so wird versucht, den Gegner persönlich anzu- greifen. Als recht eifrige Wahlagitatoren für die„Gelben" sind besonders die Fleischcrmeister Fuchs, Badstr. IS, und Meißner, Werflstr. 6, tätig. In Moabit sind die „Gelben" von Arbeitgeber zu Arbeitgeber gelaufen, um Delc- gierte für ihre Liste zu bekommen. Selbstredend haben sie bei denselben das größte Entgegenkommen gefunden. Auch in anderen Stadtteilen, speziell im Norden, versuchen die meisten Meister einen sanften Druck auf die Gesellen aus- zuüben. Wir richten daher an alle Genossen, die mit Fleischer gesellen zusammenkommen, die dringende Bitte, dieselben auf die Wahl aufmerksam zu machen. Die Wahl findet bei Feuer stein. Alte Jakobstr. 75, von 3—7 Uhr. statt. Die Liste des Zentralverbandes beginnt mit den Kamen Bergmann- Beetz. Zentrallverband der Fleischer. Berlin und Amgegend. Achtung, Hartgummiarbeitepl Der Streik in der Hartgummi- brauche ist beendet. Die Sperre über die Firmen: Pape, Palisadeustr. 49. Fuchs u. Müller, Britzerstr. 7, Matthey. Schlestsche Straße 32, ist hiermit aufgehoben. Deutscher Metallarbeiter-Verband. Ortsverwaltung Berlin. Der Streik bei der Firma I. Elsbach, Görlitzer Straße 52, ist beendet. Von den Streikenden werden vorläufig acht Weber, ein Arbeiter und eine Spulerin wieder eingestellt. Die Weber nehmen die Arbeit unter der Bedingung auf, daß sie mit den im Betrieb befindlichen Streikbrechern Ueberstunden machen. Bei den Verhandlungen ist seitens der Unternehmer von einer Ueber- zeitarbeit nichts gesagt worden. Wenn wir trotz dieser Ver- schwiegenheit die getroffenen Vereinbarungen innehalten, so ge- schieht das aus dem Grunde, weil die meisten seinerzeit wegen ihrer Zugehörigkeit zur Organisation entlassenen Arbeiterinnen und einige am Streib beteiligte Weber schon anderwärts Arbeit gefunden haben und die Uebrigbleibenden bei der augenblicklich bestehenden günstigen Konjunktur gleichfalls sehr schnell unter- gebracht sein werden. Die Unternehmer gaben noch die Erklärung ab, daß sie in Zukunft die Organisation für den ganzen Betrieb anerkennen wollen und daß sie bei einem etwaigen Bedarf an Arbeitskräften sich an den Arbeitsnachweis des Verbandes wenden werden. Im übrigen wurde die Arbeit zu den alten Bedingungen wieder aufgenommen. Die Streikleitung. Das Wohlwollen der„Großen Berliner" ist durch einige Irr- tümer in dem Artikel unserer Donnerstagsnummer in einem noch etwas zu günstigen Lichte gezeigt worden. Durch die Verkürzung der Fahrzeiten erspart die Gesellschaft die Löhne nicht für 199 bis 1ö9, sondern für 599— 539 Angestellte. Die Reserveleute bekommen die Ueberstunden nicht mit 45, sondern mit 39 Pf. bezahlt und erhalten bis zu ihrer Anstellung, das heißt in den ersten zwei bis drei Jahren ihrer Beschäftigung keine Bezahlung an den freien Tagen._ Achtung! Zigarettenarbeiter. Die am 13. und 14. d. M. in den Nrn. 268 und 267 deS„Vorwärts" mitgeteilte Kündigung der in der Zigarettenfabrik „Problem", Alexanderstr. 22, Jnh. S. Rochmann(Hauptmarken „Problem" und„Sokrates") beschäftigten Zigarettenhandarbeiter wurde von der Firma rückgängig gemacht. Der Vertrauensmann der Berliner Zigarettenarbeiter. DeutfcKeo Reich. Zu de» zentralen Tarifverhandlungen im Malergewerbe liegen aus zwei Städten Beschlüsse der Gehilfen über das Reichs- tarifmuster vor: In Dresden stimmte«ine Versammlung mit großer Majorität dem Reichstarife und der generellen Festsetzung des Lohnes und der Arbeitszeit zu. In Hamburg dagegen hat eine Versammlung mit 862 gegen 54 Stimmen das vom Arbeitgeberverband Berlin aufgestellte Rcichstarjfmuster unh mit 773 gegen 191 auch alle Weiterverhand- lungen über einen einheitlichen Lohn und einen Arbeitstarif ab- gelehnt. —>— Lohnbewegungen in der Holzindustrie. In Wilkau wurde in der Stuhlfabrik Krebs die Arbeits- zeit von 62 auf 59 Stunden pro Woche verkürzt. Während bei dieser Firma in früherer Zeit langwierige Kämpfe um die Ver- kürzung der Arbeitszeit geführt werden mußten, gelang es dieses Mö2, das zunächst gesteckte Ziel mit dem nötigen Lohnausgleich ohne Kampf zu erreichen. Die Waggonfabrik in Bautzen gibt sich alle erdenk- 'liche Mühe, Arbeitswillige zum Ersatz für die ausgesperrten Holz- arbeiter heranzuziehen. Der Streikbrechernachweiö.der Firma Auguste Müller, Hamburg-Wandsbeck, hat 4 Agenten unterwegs, die die nötigen Subjekte hcranschaffen sollen. In Berlin und Hamburg bat man denn auch 21 Mann zusammengebracht, doch fjat die Hälfte davon Bautzen bereits wieder verlassen. Den Rest hält die Firma unter strenger Bewachung. Nicht allein, daß die Meister hierzu benutzt werden, sondern die Polizeibehörde hat sogar zwei Polizisten im Betriebe stationiert. Außerdem sind die Arbeitswilligen mit Revolvern ausgerüstet. Die Erregung der— im Einverständnis mit den Holzarbeitern— weiterarbeitenden Metallarbeiter läßt sich denken. Keiner von diesen darf sich— bei Strafe sofortiger Entlassung— dem Räume nähern, in dem die Arbeitswilligen beschäftigt werden. Die ganze Bevölkerung Bautzens steht auf Seite der Ausgesperrten. Das hindert aber die Direktion der Waggonfabrik— die im letzten Jahre 12 Proz. Dividende verteilen konnte— nicht, an den geplanten Lohnabzügen, die die Holzarbeiter nicht akzeptieren können, festzuhalten. Drin- gend ersuchen die Ausgesperrten um Fern- Haltung des Zuzuges von Stellmachern und Holzarbeitern. In Magdeburg konnte erst eine geringe Anzahl Tischler und Maschinenarbeiter seit der Beendigung des Kampfes wieder eingestellt werden, weshalb auch hier Zuzug weiter fernzuhalten ist. Die Aussperrung der Möbelarbeiter in H ö ch st hat nur eine ggringe weitere Ausdehnung angenommen. Die Fabrikanten inserieren in einer ganzen Anzahl bürgerlicher Blätter nach Möbel- schreinern und Maschinenarbeitern, so daß diesen Inseraten be» sondere Aufmerksamkeit zu widmen ist. Die Polizei stellt sich auch bei diesem Kampfe auf Seite der Unternehmer. In Kelkheim, wo die meisten Möbeltischlereien nach.Höchst arbeiten, haben die Holzarbeiter beschlossen, nach Fertigstellung ihrer Akkorde jede weitere Arbeit nach Höchst zu verweigern. Hierdurch dürfte der Kampf auch auf Kelkheim und Umgebung ausgedehnt werden. Die Kämpfe der Tischler in Luckenwalde. S ch w e n n i n. aen(Württemberg), Sommerfeld, Pfarrkirchen, Neu- fta d t a. Orla und Arn» Wälde dauern fort Abgefallener Denunziant. Unter der vielveriprcchenden sensationellen Ueberschrift„Aus dem roten Sumpf" hat ein gewisser Karl Roche ein Broschürchen veröffentlicht. Roche Ü � eine Zeitlang im Bureau deS Bauhilfs- arbeiterverbaudes m Hamburg beschäftigt worden. Er schrieb die Broschüre, die Kc�ruplionen»nb Unregelinäßigkeiten auf dem Berbandsbtireau eiiih'illen will, sichtlich in einem Zustande der Ver- ärgerung. Roche ba! nun seinen Behauptnngen auch noch durch Anzeige bei der Stoatsauwollschaft gegen den Vorstand des Bau- lsilfSarbeiterverbandes wegen Begiiusligmig Nachdruck zu leihen ver- sucht. Wie uns berichtet wird, hat der Staatsanwalt das eröffnete Verfahren gegen den Vorstand e i n g e st e l l t. Husland. Ter schtvedische Gewerkschaftskongreh. Seit Montag vormittag tagt im großen Saale des Volkshauses zu Stockholm der fünfte ordentliche Kongreß der Landesorgani- sation der Gewerkschaften Schwedens, der eigentlich schon Aus- gang August stattfinden sollte, aber infolge des allgemeinen Massen- streiks aufgeschoben werden mutzte. Der Kongreß ist der merk- würdigste und bcdeutungsreichste, den die schwedische Gewerkschafts- bcwegung bisher abgehalten hat. Hat doch die Ilrbeiterschaft des ganzen Landes einen allgemeinen Kampf hinter sich, wie er in seiner langen Dauer, in der Einmütigkeit und Besonnenheit, die ihn auszeichneten, einzig dasteht in der Geschichte der modernen Arbeiterbewegung. Daß das Gerede und Geschreibe der Gegner von der Niederlage und Vernichtung der Arbeiterorganisation durch den Großstreik eitel Trug ist, beweist schon die Zusammensetzung des Kongresses, der nicht weniger als 589 Teilnehmer zählt. Es sind 27 Verbände mit 2263 Ortsabteilungen und 158 433 Mit- gliedern vertreten. Vom Ausland nehmen die Vertreter der Lan- deszentralen Deutschlands. Karl Legten; Dänemarks, Karl E. M a d s e n; Norwegens, O l e O. Linn und Finnlands, . H e i n o n e n, am Kongreß teil. In seiner Begrüßungsrede sprach Lindquist, der Vorsitzende der schwedischen Landes- organisation, besonders der deutschen und der Arbeiterschaft der nordischen Nachbarländer den Dank der Schweden für die tatkräftige Hilfe im Massenstreik aus. Von den auslän- dischen Vertretern wurden Worte der Anerkennung über die organi- satorische Kraft und die Ausdauer der schwedischen Arbeiterschaft gesprochen und die gewaltige Bedeutung der internationalen Soli- daritäl wurde stark hervorgehoben. Der Parteivorsitzende B r a n- t i n g begrüßte den Kongreß im Namen der sozialdemokratischen Partei Schwedens. Den ersten Punkt der Tagesordnung bildet der Bericht über die seit dem vorigen ordentlichen Kongreß verflossenen Jahre 1996 bis 1999. Er liegt den Kongreßteilnehmern gedruckt in einem 299 Seiten-starken Buche vor. Der Vorsitzende Lindquist gab dazu eine kurze Uebersicht über die wichtigsten Ereignisse und die Bedcumng der verflossenen Periode. Die Jahre 1996 und 1997 waren für die Entwickelung der schwedischen Gewerkschaften beson- ders günstig. Große und besonders opferreiche Kämpfe waren nicht zu führen, und die Mitgliederzahl stieg in den beiden Jahren von 86 635 auf 186 226. Man glaubte bald die 299 999 erreicht zu haben. Aber Anfang 1993 kam die Wirtschaftskrise und damit auch bald ein Rückgang in der Organisation. Inzwischen hatten sich die Arbcitgeberorganisationen stark entwickelt und zwangen der Arbeiterschaft schwere Kämpfe auf. Die hohen Extrabeiträge, die den arbeitenden Mitgliedern auferlegt werden mußten, dazu die Krise mit ihrer großen Arbeitslosigkeit führten dazu, daß die Mitgliederzahl im Laufe des Jahres 1998 auf 169 779 zurückging. Die Extrabciträge bei großen Abwehrkämpfen werden durch die Landesorganisationen von allen angeschlossenen Gewerkschaften obligatorisch erhoben. Sie betrugen im Jahre 1999 durchschnittlich pro Mitglied 2 Kronen, 1991: 3,75. 1993: 5.89. 1994: 7.—. 1995, einem großen Aussperrungsjahr, 24 Kronen. 1996 wurden von der Landesorganisation keine Extrabeiträge erhoben. 1997 waren es nur 3 Kronen pro Mitglied, 1993 jedoch 11,59 Kronen. In dem Jahre waren eS namentlich die großen Aussperrungen der bau- gewerblichen Arbeiter sowie der Hafenarbeiter Schwedens, die schwere Opfer erforderten. Die drei großen zentralen Arbeit- geberorganisationen Schwedens drohten alle mit allgemeinen Massenaussperrungen, die sich auf rund 299 999 Arbeiter erstrecken sollten. Aber durch Vermittelung der Regierung gelang es da- mals, diese Generalaussperrung abzuwehren. Die Uebereinkom- men, die in den damals vorliegenden Konflikten getroffen würben, riefen sowohl auf feiten der Arbeitgeber wie der Arbeiter Miß- stimmung hervor. Die Scharfmacher unter den Arbeitgebern glaub- ten, die Zeit zu einem vernichtenden Schlag gegen die Arbeiter- organisation sei gekommen und ihre Führer hätren durch zu große Nachgiebigkeit den günstigen Augenblick ungenutzt verstreichen lassen, und in der Arbeiterschaft trat die Meinung hervor, man hätte den Kampf auf der ganzen Linie aufnehmen, der allge- meinen Massenaussperrung mit einem allgemeinen Massenstreik zuvorkommen sollen, statt allzu magere Vergleiche zu schließen. Beim Landessekretariat der Gewerkschaften gingen viele Protest- schreiben ein. Aber das Landessekretariat war und ist der Mei- nung, daß damals bei den traurigen Wirtschaftsverhältnissen ein solcher allgemeiner Kampf ein Unglück für die Arbeiterschaft ge- Wesen wäre. Es folgten dann im selben Jahre noch der Kommunal- arbeiterstreik in Malmö und die Buchbinderaussperrungen in Stockholm und Eskilstuna, die den Arbeitgebern Veranlassung zu neuen Massenaussperrungsbeschlüssen gaben. Auch die Werk- stättenvereinigung, die Organisation der Metallindustricllen, prä- sentierte den Arbeitern, just zu Weihnacht, einen allgemeinen Aus- sperrungsbeschluß. Doch gelang es hier wie in de» beiden anderen Konflikten nach langen Verhandlungen ebenfalls, die Massenaus- sperrungen abzuwehren. Es ist den Unternehmern trotz aller An- strengungen und trotz der für sie günstigen, für die Arbeiterschaft höchst ungünstigen Wirtschaftslage im Jahre 1993 nicht gelungen, eigentliche Lohnherabfetzungen durchzuführen. Wie das schwedische Unternehmertum dann im Jahre 1999 von neuem auf den Kampf- platz trat, wie sich die Arbeiterschaft genötigt sah, durch den Groß- streik den allgemeinen Kamps auszunehmen, wie dieser opferreichste Kampf, den die Arbeiterschaft eines ganzen Landes bisher geführt hat, verlaufen ist, wie die Arbeitgebervercinigung nun schließlich von ihrer Masscnaussperrungstaktik Abstand nehmen mußte, das ist ja im„Vorwärts", soweit sich die Verhältnisse bis jetzt entwickelt haben, fortlaufend geschildert worden. Im übrigen ist aus dem Bericht hervorzuheben, daß der im Jahre 1996 gefaßte Beschluß, einen Baudarlehnssonds für Volks- Häuser zu bilden, viel Nutzen gebracht hat. Es sind bereits 53 Äolkshausbauten dadurch unterstützt worden und 149 629 Kronen an Darlehen gegeben. Ende 1997 beschloß die Repräsentantschaft der Landesorganisation, ein neues Grundstück für die Zentrale der Gewerkschaftsbewegung zu erwerben, da das Volkshaus in Stockholm zu klein geworden war, um der politischen wie gewerk- schaftlichen Arbeiterschaft die nötigen Räume zu bieten. Es wurde dann das große Eckhaus neben dem Volkshaus in der Barnhusgata angekauft, und dieser Kauf hat sich als sehr vorteilhaft erwiesen. Das Grundstück hätte schon mit 59 999 Kronen Gewinn wieder verkauft werden können. Infolge des Wachstums der Bcwegung und der immer größeren Ansprüche, die an die Tätigkeit de» Landessckrctariats gestellt, werden, mutzten im Laufe der Berichts- Periode zwei weitere besoldete Kräfte angestellt werden, der Ver- trauensmann Tholin, der namentlich als Agitator tätig ist. und der Sekretär Arvid Thorberg. lieber den Bericht und die Tätigkeit der Landesorganisation wurde sehr eingehend und gründlich debattiert. Es war natürlich bor allem der allgemeine Massenstreik und die dabei eingeschlagene Taktik, worüber gesprochen wurde. Darüber, daß den MassenauS« sperrungen mit keinem anderen Mittel als dem Großstreik ent- gegengetrcten werden konnte, waren alle Redner einer Meinung. Verschiedene Meinungen wurden darüber laut, ob die Ausnahme», die bei Proklamierung des Grotzstreiks gemacht wurden, die Aus-- schließung einzelner Arbeitcrgruppen von der sonst allgemeinen Arbeitsniederlegung, notwendig und zweckmäßig waren, und ov die partielle Beendigung des Grotzstreiks am 6. September nicht zu zeitig erfolgte. Uebrigcns erkannte man allgemein an, daß die Leitung mit offenem Blick für das, was die Situation erforderte, immer ihr Bestes zum Gelingen des Kampfes getan hatte. Der Tätigkeitsbericht wurde dann auch ohne Einschränkung vom Kon- grcß gutgeheißen. Sodann wurde der Kassenbericht vorgelegt. Für die Zeit vom 1. Juni 1996 bis zum 1. Juni 1999 beträgt die Bilanzsumme der Einnahmen und Ausgaben 2 644 416,23 Kronen; für die fünf Mo- nate vom 1. Juni 1999 bis 31. Oktober jedoch 3 964 899,36 Krone». Für Unterstützung im und nach dem Großskreik zahlte die Landes- organisation an die Gewerkschaften 1 988 856 Kronen, an die Groß- streiksausschüsse 1267 769 Kronen aus, also zusammen 2 346 616 Kronen. Das ist natürlich bei weitem nicht alles, was an Unter- stützung in diesem Kampf aufgewandt worden ist. Unter anderem haben ja auch die einzelnen Gewerkschaften aus eigenen oder auch durch internationale Verbindungen aufgebrachten Mitteln viel an Unterstützungen ausgezahlt. Die freiwilligen Sammlungen hatten bis zum 31. Oktober in den verschiedenen Ländern folgende Summen(inKronen) eingebracht: Deutschland 1 939 286,71, Dänemark 432 525,71, Norwegen 348 429, Schweden 188 159,94, Amerikas Vereinigte Staaten 197 299,82. Oesterreich-Ungarn 59 963,34, Finnland 39 194,56, Großbritannien 33 778,92, Schweiz 29 934,96, Niederlande 7911,11, Frankreich 5445,19, Belgien 4542,49, Kanada 1289,19, Spanien 786,35, Ruß- land 766,79, Italien 773,99, Bulgarien 711,89, Rhodesia 189,94, Panama 49,99, aus unbekannten Orten 74 Kronen, im ganzen 2 273 345,95 Kronen. Verlaminlungen. Die Gefahren und Arbeitsverhältnisse in der Zelluloibsabrikation wurden am Mittwoch in einer öffentlichen Versammlung der Zelluloid-, Kamm- und Stockarbeiter besprochen. Außer zahl- reichen Arbeitern und Arbeiterinnen waren auch eine Anzahl von Fabrikanten der Zelluloidbranch-e sowie ein Beamter der Gewerbe- inspcktion anwesend. Die Branchenleitung der Arbeiter�hatie vor einiger Zeit ein Flugblatt herausgegeben. In einem Schreiben an den Branchen- obmann hat ein Fabrikant die Angaben des Flugblattes über Löhne, Arbeitsverhältnisse und Feuergefährlichkeit der Betriebe bestritten. Diese Aeutzerung eines Fabrikanten wurde in der Ver- sammlung vom Branchenobmann � i l d e b ra n d t kritisch bc- leuchtet. Der Referent bemerkte zunächst, daß das Koalitionsrecht der Arbeiter in vielen Betrieben nicht gesichert sei. Maßregc- lungen von Vertrauensleuten seien vorgekommen. Wenn der Ver- fasser des Schreibens sage, daß er das Koalitionsrecht der Arbeiter achte, so sei das erfreulich; die meisten Fabrikanten ständen aber nicht auf diesem Standpunkt. Es sei nicht zutreffend, daß die Berliner Zelluloidindustrie die Löhne nicht erhöhen könne, weil sie niit der ausländischen Konkurrenz zu rechnen habe, welche sich auf billige Heimarbeit stütze. Da die Maschinenarbeit eine große Rolle spiele, so könne auch im Auslande Heimarbeit in größerem Um- fange nicht betrieben werden. Der durchschnittliche Wochenlohu eines erwachsenen gelernten Arbeiters der Zelluloidindustrie in Berlin betrage 26,47 M., die weiblichen Arbeitskräfte sowie die jugendlichen und Hilfsarbeiter würden noch weit geringer entlohnt. Das sei für Berliner Verhältnisse nicht ausreichend. Daß die Berliner Industrie höhere Löhne zablen könnte, gehe daran» her- vor, daß ein Fabrikant, der einen Arbeiter wegen Schadenersatz verklagte, angab, er, der Fabrikant, habe an diesem Arbeiter einen Verdienst von 13 M. pro Tag.— Den Hauptpunkt in den Aus- führungen des Referenten bildete die Feuersgefahr, welche mit der Verarbeitung von Zelluloid verbunden ist. Der Redner führte aus den letzten Jahren eine Reihe von Fällen an, wo verheerende Brände in Zelluloidsabriken wüteten, die öfter sogar Menschenleben vernichtet haben. Die Arbeiter verlangen, daß sie durch geeignete Sicherheitsmaßnahmen gegen diese Gefahr geschützt werden. Dia Fabrikanten behaupteten zwar, es würde alle» Mögliche gegen die Feuersgefahr getan, aber von den Arbeitern weiß niemand, was in dieser Hinsicht getan werde oder getan werden solle. Einheit» liche Schutzvorschristen für das ganze Reich gebe es nicht. In ein» zelnen Orten beständen polizeiliche Verordnungen, die sehr ver» schieden seien. Für Berlin gebe es nicht einmal eine Polizei» Verordnung gegen die Feuersgesahr in Zelluloidbetrieben, sondern nur eine polizeiliche Instruktion, welche die Gewerbeaufsichts- bcamten anweist, nach Möglichkeit für die Durchführung gewisser Sicherheitsvorkehrungen zu sorgen. Die Bestimmungen der polizeilichen Instruktion seien den Arbeitern nicht bekannt, sie könnten deshalb nicht auf die Beachtung derselben halten. Eine wirksame Schutzvorschrift bestehe seit einen, Jahre in Oesterreich. Dort werde vorgeschrieben, daß nur solches Zelluloid verarbeitet werden darf, welches eine einstündige Kochprobe aushält, sich also nicht besonders leicht entzündet. Auch seien Vorschriften in der Hinsicht gegeben, daß sich im Falle eines ausbrecbcnden Brandes die Ar- beiter ohne Aufenthalt flüchten können. Was in Oesterreich mög- lich sei, das könne auch in Deutschland durchgeführt werden. Die Arbeiter fordern den Erlaß einer für das ganze Reich geltenden Bundesratsverordnung, welche Bestimmung trifft über die Anlage der Betriebe, gegen die Ueberfüllung der Arbeitsräume, über die Bereitstellung von Feuerlösckgeräten Belehrung der Arbeiter über die Feuergefährlichkeit des Materials, Verbot des Rauchens, der Verwendung von offenem Licht, Entfernung der Späne aus den Arbeitsräumen, Aufbewahrung des Materials und allgemeine hygienische Vorschriften. Die Aufbewahrung und Verarbeitung von Zelluloid in Wohnräumen müsse verboten werden. In der Diskussion sprachen zuerst die Fabrikanten Brahn und L o h s e. Während der erstere hauptsächlich den Aus» führungen des Referenten über Löhne und Arbeitsverhältnisse entgegentrat, beschäftigte sich der letztere mit den Forderungen, welche den Schutz gegen Feuersgefahr betreffen. Herr L o h s e sagte, die Fabrikantenvereinigung, deren Vorsitzender er sei, be» miche sich seit Jahren, einen einheitlichen Schutz gegen die Feuer»» gefahr zu bekommen. Die Fabrikantenvereinigung habe sich des- wegen an die Ministerien gewandt; es sei ihr auch schon der Ent- Wurf einer Verordnung zur Begutachtung zugegangen, sie habe manche Verschärfungen, aber auch manche Abschwächungen des Ent- Wurfs vorgeschlagen. Auch die Fabrikanten seien für reichsgesetz- liche Regelung der Schutzvorschriften. Hierauf nahmen noch mehrere Arbeiter das Wort, die auf Grund eigener Erfahrung Angaben machten über Nichtbeachtung der notwendigen Vorsichtsmaßregeln in den Betrieben.— Auch der Referent hielt, seine Angaben, soweit sie von den Unternehmern bestritten wurden, in vollem Umfange aufrecht und betonte, die Arbeite'- würden mit aller Energie einen wirksamen reichsgesetz- lichen Schutz gegen die Gefahren des Betriebes verlangen, _________ dritter leicht verletzt. Verantw. Rebakt.: Richard Barth, Berlin. Inseratenteil verantw.: rd. Glocke, Berlin. Druck u. Veriag: VvrwärtSBuchdr.».VerlagSanftauMml Zinfler& So., Berlin SW/ Letzte JVacbncbtcn und DcpcFcbcn. Vom Schlachtfeldc der Arbeit. Mülheim, 27. November.(B. tz.) Heute morgen stürzte in Mülheim- Stirum das Innere cincS Neubaues zusammen. Sämtliche an dem Bau beschäftigten Arbeiter wurden verschüttet. Ein Arbeiter ist tot, ein anderer schwer, ein Hierzu 5 Brilagen, Nr. 278. 26. Zllhrgavg. nlim NlülsliM 5si!!ltltg, 38. Noveliiber 1969. Kikhsvcklling der Invalidenrentner. Der prcukische Handelsminister hat unter dem 15. NovemSer 1303 eine Anweisung betreffend das Verfahren vor den unteren Ver- tvaltungsbehvrden erlassen, die dem Rentanspruchsberechligten die Erlangtmg der ihm zustehenden Rente onberordentlich erschwert, ja in taufenden von Fällen unmöglich macht. Der Erlast ist von dem schärfsten Dcisttrauen gegen die Arbeiter diktiert, weist der unteren Verwaltungsbehörde eine llnmenge Nacbscbnüffelungs- und Schreibarbeit zu und belastet die Versicherungsanstalt und die Gemeinde mit austerordentlich hohen Kosten. Wer diese Anweisung und ihre Handhabung kennt,»tust zu der Ueberzeugung gelangen, die reichsgesetzliche Arbeiterversicherung ist nicht der Ar- beiter wegen da, sondern zur Beschäftigung eines Haufens von Beamten. In der Anweisung ist unter anderem vorgeschrieben: „Ist der Rentenbewerber erst in vorgeschrittenem Alter in die Ver- sicherung eingetreten und sind nur verhältuismästig wenig Beiträge entrichtet, so sind die wirtschaftlichen Verhältnisse während der ganzen Versicherung aufzuklären und die Gründe anzugeben, aus denen der Renienbewerber erst so spät in die Versicherung eingetreten ist. Besondere Sorgfalt ist der Ermittelung des Zeitpunkts des Beginns der Erwerbslosigkeit namentlich in den Fällen zuzuwenden, wo sich die Erwerbsfähigkeit infolge von Alterserkcheinungen oder chronischen Kranlheiten allmählich herausgebildet hat. Dabei ist festzustellen, ob der Rentenbewerber in den letzten Jahren der Krankheit hat aussetzen müssen und ob er die Arbeit freiwillig eingestellt oder ob der Arbeitgeber ihn wegen mangelhafter Arbeits- iähigkeit entlassen hat. Arbeitet der Rentenbewerber bei Stellung des Antrage? noch weiter, so sind seine Arbeitvverrichtnngen >u>d die Lohnverhältnisse genau anzugeben." Diese Bestimmungen können nur die Wirkung haben, die'Zubilligung der Rente an einen in der Tat invalide gewordenen Arbeiters im besten Falle zu verschleppen. Die Aniveisung ist, wie auch im Reichstage ausgeführt ivnrde, austerordenllich unzweckmästig, lediglich gegen die Arbeiter gewendet und entbehrt auch der rechtlichen Grundlage. Für heute sei auf die austerordentliche» Nachteile hingewiesen, die die einjährige Praxis dieser ministeriellen Anweisung rücksichtlich des Nachweises der Invalidität gezeitigt hat, wie insbesondere das ärztliche Ver- fahren sich austerordentlich verschlechtert hat. Bis zum Inkrafttreten dieses Erlasses lagen die Verhält,, iffe so, datz der Rentenbewerber bei Begründung seiner Ansprüche das Zeugnis seines Arztes, der ihn während seiner zur Invalidität führenden Krankheit behandelt hatte, einreichte. Dieses Zeugnis bildete naturgemäst eine der Hauptunterlagen für seine Ansprüche. Seit dem 15. November 1308 haben sich die Dinge tvesentlich anders gestaltet. Das Zeugnis des b e- handelnden Arztes fällt jetzt in der Regel fort oder wird nicht als hinreichend erachtet. Der Rentensucher hat vor einem von der Invaliden» versicherungsanstalternanntenV e rtrau enS a rzt zu erscheinen. Dieser untersucht den Antragsteller in der Regel m einer einmaligen Sitzung und entscheidet auf Grund dieser wohl- gemerkt einmaligen Untersuchung über das Wohl und Wehe des RentensucherS. Es ist fast überflüssig, zu erwähnen, dast sich die Versicherungsanstalt zu diesem sogenannten Vertrauensarzt keinen freien, unabhängigen Arzt, sondern dast sie sich dazu den Kreisarzt des betreffenden Bezirkes ausgesucht hat. Es soll ja die ganze Einrichtung, dem Geist der ministeriellen Anweisung ent- sprechend, eine Ren tenrj,, etliche darstellen. Dazu eignet sich am besten ein Arzt, der parieren gelernt hat. Ueberdies suchen die Behörden gerade ihren höheren Beamten alle nur erdenklichen finanziellen Vorteile zu verschaffen, wie es ja in einem Beaniwnstaat nicht anders sein kann. Wie sieht eS jetzt um den Rentenbewerber? Hat er zufällig eine offen sichtbare, deutlich erkennbare Krankheit oder einen in die Augen' springenden körperlichen Defekt, so ist das sein Glück. Denn er bekommt seine Rente, da der Kreis- arzt einen solchen Schaden bei der einmaligen Untersuchung sehen mutz und nicht gut ableugnen kann. Tie Mehrzahl der Rentensucher sind aber unglückliche Leute mit chronischen, langwierigen, oft ganz ver st eckten inneren Leiden und Gebrechen, die sich allmählich in, Laufe ihres arbeitsreichen und sorgenvollen Daseins herausgebildet haben. Es ist ausgeschlossen, dast ein Arzt, der einen solchen Kranken zum ersten Male sieht, nun in einer einmaligen Untersuchung die Krankheit richtig feststellen und mit allen ihren Folgen sowie ihrem schwerwiegenden Emflnst auf die Arbeitslosigkeit sachgemäß be urteilen kann. Es gibt eine Unzahl Krankheiten, die überhaupt nur durch eine Gleims f emUeton* Die Winterausstellung der Sezession wurde am Sonnabend mittag durch eine Vorbesichtigung eröffnet. Sie bietet in den von Walser und Weist sehr intim und ruhig abgestimmten Räumen eine Fülle von Werken„der zeichnenden Künste", Inländisches und Ausländisches, Zeichnungen, Radierungen, Steindrucke, Holzschnitte in schwarzweist und farbig von lebenden und toten Künstlern. Im Mittelsaale sind einige Ansätze zu dekorativer und Monumentalmalerei ausgestellt." zwei RiesenkartonS des Schweizers Hoblers, die nüchtern in der Farbe und ohne die ihn, sonst eigene Art stilisierender Zusammenfassung, Berg- besteigung und Absturz in den Hochalpen darstellen, ferner Akte von W a l d s ch m i d t. Im übrigen sieht man viel GuteS und zum Teil Bekanntes von Hans T h o in a, dem verwandten Frankfurter Aöhle, von dem sehr fleistigen und vielseitigen Kalchreuth, Skizzen von C o r i n t h zu einem(leise parodierten) JndithzykluS. die entzückenden farbigen Bildchen von Liebermann, die volle Bildwirkang haben, SlevoigtS ebenso lebendig bewegte wie malerisch empfundenen Steinzeichnungen zum Lederstrumpf. Käthe Kollwitz bringt die soziale Note, Baluschek gibt Berliner Ausschnitte, Walser stlMinungSvolle Theaterprospekte. Die Franzosen sind sehr gut ver- treten: Mauel nrit Radierungen, die zeigen, ivievicl wir ihm verdanken, Tonlouse-Lautree mit Lithographien aus der Pariser Welt, auch Renoir u. Pnois mit ein paar Blättern. Van Gogh und Münch und ihr Gefolge werden bei den Kunst- Philistern wieder AergerniS erregen. Bildniffe mit mystisch tiefen Augen hat der Malcho-Holländer To orop ausgestellt. Merk- würdig sind die Zeichnungen des Schweden Josephsohn, gesund und kräftig wie immer stellt sich sein Landsmann Zorn bar. Ob sich neue Talente zu den allen gesellt haben, must der Entscheidung einer eingehenderen Kritik vorbehalten bleiben.— r. Ein Meisterwerk altdeutscher Malerei wieder aufgedeckt. Ein glänzendes Kunstwerk der frühgotischen Malerei ist uns durch die' Wiederentdeckung der Wandmalereien geschenkt worden, die einst � die Nikolaikirche zu Stralsund schmückten. Da» imposante, in seinen Formen der Lübecker Marienkirche nachgebildete Innere: dieses schönen Baueö war in der Nachreformationszcil durch eine j einförmige Uebertünchung kalt und unbehaglich geworden. Eine gelegentliche Untersuchung förderte nun das überraschende Ergebnis zutage, dast die Kirche früher ausgemalt worden war und dast die alten Wandmalereien fast völlig unversehrt unter der weißen Tünche saßen. Eine gewissenhafte Restaurierung wurde daraufhin vor- genommen. Sie ist nun in vorzüglicher Weise durchgeführt und übertrifft in ihrem Resultat, wie Dr. H. Vost im„Cicerone" berichtet, die höchsten Erwartungen, die marr gehegt hatte. Die Ausmalung der Kirche stellt in ihrer Gesamtheit ei» hochbedeut- sames Denkmal des gotischen Stils dar, zeigt seine Art, Kirchen- längere, ganz genaue Beobachtung festgestellt werden können/ z. B. langsam entstehende Gewächse im Gehirn, veisteckle Krebsgeschwülste im Magen und Darm, außerdem viele Nervenleiden, Nierenleiden, die an manchen Tagen nicht die geringsten Symptome zeigen und trotzdem den Träger der Krankheit zu einem gebrechlichen, gänzlich arbeitsunfähigen Menschen machen. Jeder pflichttreue Privatarzt würde eS weit von s i ck> weisen, wenn ihin z. B. zugemutet wird, bei einem Menschen durch eine einmalige Untersuchung im Sprechzimmer di Epilepsie festzustellen. Er must dazu eben die Anfälle beobachtet haben. Aber ein beamteter Vertrauensarzt der Landesversicherungsanstalt macht einen Befund in einer einzigen Sitzung. und sein Wissen und Können ist wenigstens für die leitenden Köpfe der Invalidenversicherung schon durch seinen Beaintencharakler unfehlbar. Selbst wenn dieser ärztliche Beamte eine solche Epilepsie sofort feststellen könnte, so würde er immer noch kein richtiges Urteil über die Arbeits- fähigkeit des Betreffenden haben, da er zu diesem Zweck die Heftigkeit und Zahl der Anfälle kennen muß. Bei dem ichweren Leiden deS�GewäckscS im Gehirn ist in der ersten Zeit das Einzige Syinptom Kopfweh, was der beamtete Arzt selbstverständlich in der Regel nicht gelten läßt. Die etwa gleichzeitig vorbandene Energielosigkeit und zu jeder Arbeit unfähig machende GemülSdepression entgeht ihm bei der einmaligen Unter- suchung. Sind die offenbaren Symptome, wie Herzschwäche, krampf- artige Zuckungen, förmliche Benommenheit usw. erst da, dann ist es für die Rente zu spät, dann steht der Tod vor der Tür Bis es aber so weit ist, hat der Bedauernswerte lange Monate voll schwerer Entbehrung hinter sich, denn die wohlverdiente Rente, die ihn und die Seinen wenigstens vor der allerbittersten Not und dem schrecklichen Gespenst de? Hungers schützen sollte, ist ihm ja auf Grund des beamteten Gutachtens abgesprochen. Man wende nicht ein. der Kranke braucht sich ja bei dem ersten Bescheide nicht zu beruhigen, er könne weiter gehen, vor daS Schiedsgericht usw. Gewist ist daS Rechtsinittel gegeben aber dem Unglücklichen ist der letzte Rest von Energie und Mut, den ihm die Krankheit liest, schon durch den Kampf bis dahin ver- lorcn gegangen. Der einzige, der den kranken Rentenbewerber in jedem Falle richtig beurteilen kann, der seine versteckten Leiden und Gebrechen sowohl körperlicher wie geistiger Natur durch die oft mouatelange Beobachtung genau keimt, das ist sein behandelnder Arzt, und diesen hat man wohlweislich ausgeschlossen. Damit ist dem kranken Arbeiter ein natürlicher Anwalt zur Erlangung seiner wohlverdienten Rente genommen, wiewohl die Versicherungsgclder doch fast ganz aus seinen sauer verdienten Groschen bestehen. DaS vom Arbeiter ersparte Geld wird aber zur Besoldung eines höchst überflüssigen HeereS von Beamten verwendet. Am rigorosesten im Sinne des obigen Erlasses sind die Bor- stände der Landesversicherungsanstalt Branden- bürg vorgegangen, auch Pommern und West Preußen. Die Fälle werden immer häufiger, in denen der ablehnende Bescheid dem Rentenberechtigten einige Tage vor seinem Absterben zugeht, das durch die geleugnete Erwerbsunfähigkeit beschleunigt ist. Unpopulärer, unsozialer und ungerechter kann die Invalider;- Versicherung schwerlich gestaltet werden, als dadurch, daß der Kreis- arztbeamte in das Verfahren eingeschoben oder als einziger Ver- trauensarzt erachtet wird. Es mag an dieser Stelle noch besonders betont werden, dast keines der doch dem Geld- erwerb dienenden Privatversicherungen ein derartiges für den Versicherten schikanöses Verfahren für notwendig erachtet. Daß durch den Erlost die Rechtsfindung im Rentenverfahren fast unmöglich geworden ist, ist natürlich deni Minister und seinen Räten durchaus klar. WaS tut das aber? Sind doch durch seinen Erlast für eine Reihe Beamter Einkünfte auf Kosten der Arbeiter- schaft geschaffen. Die in Aussicht genommene ReichsvcrsicherimgSordnung sieht eine neue Beamtcnschar vor, die nach zuverlässiger Rechnung an 100 Millionen Mark im Jahre aus deni hart erivorbencn Gelde der Arbeiter verschlingen wird. Dem.gilt eS entgegenzutreten und Vor- lehrungen zu treffen, die ein unparteiisches von Schikanen und Simulantenschnüffelei freies und schnelles Verfahren bereits für die erste Instanz garantieren. To�ialeSs Moderner Sklavenhandel in Teutschland. Dem Sklavenhandel gleichzustellen ist die sogenannte private Stellenvermittelnug. die in den letzten Jahren sich immer mehr räume zu dekorieren und bereichert überhaupt unsere Vorstellungen von der EntWickelung und Ausbildung des malerischen Stils im 14. Jahrhundert. Ein groher Teil der Fresken steht auf einer hohen künstlerischen Stufe. An den Pfeilern des Mittelschiffs sind große, stehende, männliche Gestalten als abgeschlossene„Bilder" angebracht, und zwar sind die Köpfe in plastischer Ausführung in die Kapitelle eingefügt, während die Verwendung verschieden- farbiger Tuche auf den beiden. Körperhälftcn als Abtrennung dcS M ittcl- von den Seitenschiffen architektonisch wirksam ist. Diese Gestalten erscheinen in streng linearem Stil, während in den Zwickeln, Laibungcn und auf den Kreuzrippen sich eine große Anzahl ornamentaler Motive regt, darunter auch figürliche Dinge, wie Propheten mit Schriftrollen und dergl. Von der malerischen Ausschmückung der Kapellen ist nur ein tleincr Teil erhalten, so eine Christophorusdarstcllung und eine riesige Auferstehung, ferner eine Kreuzigung mit vier Heiligen, die wohl als die feinste künst- lerische Leistung zu gelten hat. Eine Malerei im Ratsstuhl weist bereits deutliche italienische Einflüsse aus, wie sie von der ober- italienischen Malerei ausgingen. Die Aufdeckung der Fresken erschließt uns ein bedeutsames Werk aus der Frühzeit der deutschen Malerei. Die AbstimmunsSmaschine. Ein italienischer Ingenieur Eugenia Boggiano wirbt gegenwärtig um die Möglichkeit, einer von ihm gemachten Erfindung Anerkennung und Ausnutzung zu verschaffen, die er unter dem aus dem Griechischen hergeholten Namen Psephograph einführt. Sie soll dazu dienen, die Abstim- mung in größeren Körperschaften zu erleichtern und zu beschleu- »igen. Der Apparat steht in einer Höhe von etwa einem Meter. Jeder Abstimmende tritt heran, bewaffnet mit einer schweren Scheibe, die er in einen Schlitz auf�der Rückseite des Apparats gleiten läßt. An den verschiedenen Schlitzen sind die Namen der Kandidaten angebracht oder die sonstigen Ziele der Abstimmung, z. B. mit ja oder nein, bezeichnet. Wenn die Scheibe niederfällt, wird selbsttätig und sichtbar auf der Vorderseite ein Vermerk ge- macht. Für die Abgabe jeder Stimme wird die Zeit von nur einer Sekunde benötigt. Da es sich bei den meisten Abstimmun- gen nur um ja oder nein handelt, so würde es zweckmäßig sein, zwei solcher Apparate aufzustellen. Dann würde im Deutschen Reichstag z. B. eine Abstimmung noch nicht vier Minuten in An- spruch nehmen. Eine wegen Unrichtigkeit ungültige Stimmen- abgäbe kann nicht erfolgen, dagxgen ist es freilich nicht ausge- schlössen, daß jemand seine Stimme aus Unachtsamkeit in einen falschen Schlitz steckt. Der italienische Erfinder denkt aber jeden- falls noch an andere Körperschaften, denn er hat sich die Mühe gegeben, ein einfaches Mittel zu ersinnen, damit auch solche Leute, die nicht lesen und schreiben können, seinen Apparat zu benutzen vermögen. Für diesen Fall werden die Abstimmungsscheiben mit der Photographie des Kandidaten, wenn es sich um eine solche Wahl handelt, versehen und die gleichen Photographien werden ausgedehnt hat und bereits in grost-kapitalistischem Stil betrieben wird. In allen Herren Ländern suchen diese großen Stellender- mittelungsinstitnte für Landwirtschaft und Industrie Arbeiter anzuwerben und zwar unter Bedingungen, die den Arbeiter völlig zum Sklaven stempeln. Bon diesen viel gelernt scheint die „Deutsche Feldarbeitcr-Zentrale", Berlin SW., zu haben, die unter dem Protektorat der preußischen Landwirtschaftskammern steht. Der uns vorliegende„Verpflichtungsschein" benannter Zentral- stelle, wonach Ziegeleiarbeiter für Oberschlesien angeworben wor- den sind, zeigt, dast diese ebenso wie bei der Vermittelung von Landarbeitern den Gepflogenheiten der gewöhnlichen Stellender- mittler huldigt und bei ihrer Anwerbung von Arbeitern darauf sieht, die Arbeiter durch unterschreiben des Verpflichtungsscheins möglichst rechtlos zu machen und dann dem Arbeitgeber zur rück- sichtslosestcn Ausbeutung überweist. Anstatt die Arbeiter durch gute Behandlung und auskömm- lichen Lohn für die Dauer der Kampagne an den Betrieb zu fesseln, müssen sich die Arbeiter durch Unterschrift verpflichten, während der ganzen Dauer der Kampagne ihre Arbeitskraft dem Arbeitgeber zur Verfügung zu stellen, andernfalls sie Schaden-- ersatz dem Arbeitgeber zu leisten haben. Außerdem heißt eS im Verpflichtungsschein: Ein jeder Arbeiter versichert völlig gesund und ohne jedcS die Arbeit hindernde Gebrechen(weibliche auch nicht schwanger) zu sein. Die Arbeitszeit ist eine lO�sründige, wofür der horrende Lohn von 2 M. nebst freier Schlafstelle, Licht und Feuerung ge- währt wird. Zur Sicherheit deS Arbeitgebers werden dem Ar- beiter bei der ersten Lohnzahlung 13 M. in Abzug gebracht. Etwaige erhaltene sonstige Vorschüsse zur Bestreitung der Reise- kosten von der Heimat des Arbeiters bis zur Grenze, sowie für Wegzehrung von der Grenze bis zur Arbeitsstelle, verpflichtet sich der Arbeiter ebenfalls bei der ersten Lohnzahlung in Abzug bringen zu lassen. Die Lcgitimationsgebühr ist gleichfalls vom Arbeitsverdienst in Abzug z» bringen. Sollte einer der Unter- zeichneten aus eigener Schuld die bezeichnete Dauer des Arbeits- Verhältnisses nicht aushalten oder durch sein Verhalten die Ent- lassung nötig machen, so hat er die ihm zugewiesene Schlafstelle und„Wohnung" zu räumen, im Weigerungsfälle steht dem Ar- beitgeber das Recht der zwangsweisen Entfernung zu. Der Ar- beiter hat dem Arbeitgeber unbedingten Gehorsam zu leisten. Berechtigt ist der Arbeitgeber, den Arbeiter sofort zu entlassen, wenn er sich u. a. den dienstlichen Anordnungen des Arbeitgebers »der dessen Stellvertreters nicht Folge leistet, sich der Aufwiegelung schuldig macht oder sich zu den verdungenen Arbeiten als unfähig erweist. Die zu„Recht" erfolgte Entlassung steht dem rechtswidrige» Bruch des Arbeitsverhältnisses gleich. Die Gerätschaften, welche die Arbeiter vom Arbeitgeber ge- liefert bekommen, sind sie verpflichtet, sauber und unbeschädigt abzuliefern. Alle durch ordnungswidrige Benutzung entstandenen Beschädigungen dieser Gerätschaften oder verlorene Geräte müssen sie bar bezahlen. Dem Arbeitgeber ficht wegen aller aus diesem Vertrage sowie wegen Schadenersatzansprüchen das Siecht zu, den Lohn und die Sachen der betreffenden Arbeiter einzubehalten. Neben diesen im Verpflichtungsschein vorgesehenen Bedin- gungen hat sich der Arbeiter auch noch den Arbeitsordnungen der Arbeitgeber zu unterwerfen, die in den meisten Fällen die Arbeite: noch vollends rechtlos machen. Die deutsche Feldarbeiter-Zentralstelle beweist also durch die im Verpflichtungsschein niedergelegten Bedingungen, daß es ihre Aufgabe ist, völlig rechtlos gemachte Arbeiter den Arbeitgebern in Landwirtschaft und Industrie zu vermitteln. Sind doch die Ar- beiter, die den Verpflichtungsschein der Feldarbeiter-Zentralstelle unterschrieben haben, dem Arbeitgeber auf Gnade und Ungnade für die Dauer der Kampagne unterworfen. Verweigerter Kadaver- gehorsam, von dem Arbeiter vielleicht nicht beachtete, kleine Ge- brechen, Uebcrschätzung seiner Arbeitskraft gegenüber den aus- beuterischen Anforderungen der Arbeitgeber und der von ihnen angestellten Antreibern, berechtigen nach dem Wortlaut deS Vertrages den Arbeitgeber, ohne Jnnehaltung der Vertragsfrist den dann an den verschiedenen Schlitzen angebracht. Sobald die letzte arbige Lichtbilder nach eigenen Aufnahmen des Autors illustriert. Stimme abgegeben ist, kann das selbsttätig verzeichnete Ergebnis sofort abgelesen werden. Eine Zählung von Stimmzetteln fällt also gänzlich fort. In Italien scheint der Psephograph schon eine gute Aufnahme gefunden zu haben und soll dort im Parlament eingeführt werden. Auch die Behörden einiger der größten Städte Italiens gedenken ihn in Benutzung zu nehmen. Mufik. Kompositionen von Balladendichtungen sind selten und eine Feinschmeckerei für Kenner. Wird eine solche neu aufgeführt, so eilt dazu auch, wer sonst mit Konzertbesuchen spart. Am Freitag gabs eine derartige Novität,„Die Jüdin von Worms' von V. v. WoikowSki-Biedau(geb. 1806), der nach längeren Kunst- und WissenschaftSstudien mit Liedern und zwei Opern hervorgetreten war. Der aus fünf Partien bestehende Text, die tragische Liebe einer Wormser Jüdin zu einem Kaiser Heinrich behandelnd, ist eine typische„Wochen"ballade. Seine Vertonung ist' nicht eben ein Fund von Neuland und hält die Singstimme meist schlicht rezitativisch, geht aber mit dem Orchester in alle Höhen und Tiefen charakteristischer Zeichnung und reich ineinander- gearbeiteter Klangfarbenmalerei. Den Nahmen der Aufführung gab einer der„Symphonischen Musikabende" im Blüthnersaal vom Blüthner-Orchester, dirigiert von I. S t r a n s k y. Das Orchester hat sich im Laufe der paar Jahre seines Bestehens„recht gut herausgemacht" und folgt den Intentionen eines Leiters, der wie gerade Stransky auf Schärfe und Energie ausgeht, mit gutem Willen und Können. Hohe Zeit wars allerdings, daß neben das Philharmonische Or- chester ein zweites trat. Als eine kaum bekannte Episode können wir erzählen, daß schon vor zehn Jahren ein großes Konzerthaus auf dem Platze von Lindenstraße 3 beabsichtigt wurde. Die Pläne wären fertig und von der Behörde genehmigt. Eine musikalisch interessierte Finanzpersönlichkeit war auch zur Stützung bereit und verlangte nur noch die Zustimmung des damals ersten weltberühm- ten Meisters der Geiger. Der aber war von seiner Ueberzeugung, datz ein zweites Orchester dem Philharmonischen eine schädliche Konkurrenz bereiten werde, nicht abzubringen; und so siel die Sache.»r. Notizen. — Vorträge. Im Institut für Meereskunde spricht am Montag Prof. Penck über:„Die Hawaiischen Inseln" (mit Lichlbildeni); am Dienstag Dr. Menke über:„Die Bogel- well des MeereS"(mit Lichtbildern); am Freitag Dr. Dinse über: „Seeraub und Seeräuber in der Geschichte".— Im Wissenschaftlichen Theater der Urania spricht Oberleutnant Grätz am Dienstag. abends 8 Uhr, über seine Durchquerung Afrikas im Automobil in 030 Tagen. Der Bortrag wird durch zahlreiche Arbeiter unter Einbchaltung seineZ Lolincs und sehicr Sachen aufs Stratzenpflaster zu setzen. Dem Arbeiter blieb also nur die Wahl, sich entweder von dem Arbeitgeber willenlos bis auf den letzten Blutstropfen ausbeuten zu lassen oder vollständig mittellos aufs Strahenpflaster gesetzt zu werden. Er wäre also nichts weiter als ein willenloser Sklave seines Arbeitgebers. Leider haben die Mahnungen der Arbeiterorganisationen an die Arbeiter, derartige Vertrüge nicht zu unterschreiben, bisher wenig Beachtung gefunden. Noch finden sich alljährlich unzählige Arbeiter und Arbeiterinnen, die den Lockungen gewissenloser Agen- ten und Stellcnvermittler Gehör schenkend, deren Verträge unbe- sehen und ungelesen unterschreiben. Im Interesse der organi- sicrten Arbeiter aber liegt es, alles daran zu setzen, daß dem Ein- gehen solcher Verträge vorgebeugt wird, durch immerwährende Aufklärungsarbeit innerhalb Deutschlands durch uissere und ausser- halb Deutschlands durch die dort bestehenden gewerkschaftlichen und politischen Bruderorganisationen, nötigenfalls durch Zuwen- dung von Geldmitteln an finanziell schlecht fundierte Organi- sationen. Davon kann auch die Rücksicht nicht zurückhalten, daß der Vertrag selbst in seinen eben skizzierten Vorschriften ungültig ist, weil er in schamlosester Weise das gesetzliche Verbot der Ein- beHaltung des Lohns und die guten Sitten durchbricht. Denn selbst wenn recht haben und vor dem Gericht recht bekommen in Deutsch- land manchmal eins ist, so vergeht unendlich lange Zeit bis zum Gerichtsspruch. Sache der Gewerbeinspektoren wäre es, diese krassen Durchbrechungen deS minimalen Arbeiterschutzes zur straf- rechtlichen Verfolgung zu ziehen. Wenn ein staatlich mit Milli- onen subventioniertes Stellenvermittelungsinstitut wie die Feld- arbeiter-Zentrale so, wie von uns wiederholt dargelegt, vorgeht, dann lässt sich ermessen, wie daS in Aussicht gestellte Stellenver- mittelungsgesetz aussehen mag. Dem Arbeiter den Lohn vor- zuenthalten, ist ein zum Himmel schreiendes Unrecht. Das ge- schieht aber durch die auf Lohneinbehaltung abzielenden Vorschrif- ten des Sklavereivertrages der Feldarbeiter-Zentrale. Haftung der Gesellschafter. Unter dem Titel: Bereinigte amerikanische Zahninftitute ..Sanitas" wurde am L. April dieses Jahres in Berlin eine Gesell- schaft mit beschränkter Haftung gegründet. Als Gesellschafter fun- gierten ein Herr Liesegang, ein Herr Hornig und eine Frau von Härtung. Der einzige Fachmann, ein Herr Wicky» war gleich- zeitig Geschäftsführer. Die Gesellschaft blieb nicht lebensfähig und löste sich nach kurzer Zeit wieder auf. Einige Filialen wurden verkauft, einige aufgegeben; Frau von Härtung erhielt die in der Potsdamer Strasse 71 belegene. Herr Liesegang die in der Uoofstraße 87. Zwei der bei der Gesellschaft für die in der Prinzenstraße LI belegene Filiale beschäftigt gewesenen Reisedamen klagten gestern beim Gewerbegericht gegen den früheren Gesellschafter Liesegang. Sie sind boide am 23. April ohne Einhaltung der KündigungS- frist entlassen worden und forderetn 8,40 M. Entschädigung für 14 Tage bezw. 67 M. für zwei Monate und 7 Tage. Der Beklagte wendete ein, dah er nicht Inhaber des Geschäfts gewesen sei, es hätte die Gesellschaft verklagt werden müssen. Das Gerieht verurteilte den Beklagten, an die eine Klägerin 8.40 M., an die andere 13 M. zu zahlen. Der Mehranspruch der zweiten Klägerin wurde abgewiesen, da ihr als Gewerbegehilfin nur eine Mtägig« Kündigungsfrist zustand. Der Einwand des Beklagten wurde als nicht stichhaltig zurückgewiesen. Die Klage niusste sich, da die Gesellschaft selbst nicht mehr besteht, gegen die Gesellschafter richten, die gegenüber den aus der Zeit ihrer Mit- gliedschaft bei der Gesellschaft herrührenden Forderungen sali- darisch haftbar sind> Mocken-Spielplan der ßerluier Cbeatcf, Königl. Opernbans. Sonnlag: Der schwarze Domino. Montag: Aida. Dienstag: Die lustigen Weiber von Windsor. Mittwoch: Sicgsried. Donnerstag: Don Juan. Freitag: Sinfonie-Matluee. Abends: Sinfonie- Konzert. Sonnabend: Der fliegende Holländer. Sonntag: Mignon. Montag: Rtenzt.(Anfang 8 Uhr.) Königl. Schauspielhaus. Sonntag: Der deutsche König. Montag: Der eingebildete Kranke. Dienstag: Der deutsche König. Mittwoch: Die Braut von Messina. Donnerstag: Der eingebildete Kranke. Freitag: Der deutsche König. Sonnabend: Wilhelm Tcll. Sonntag: Der deutsche König. Montag: Der eingebildete Kranke. Neues königl. Opern-Dfteater. Sonntag: Cavallsiia rusticana. Bajnzzi.(Ansang 71/» Uhr.) Montag: As you like it. Dienstag: Komeo and Joliet. Mittwoch bis Sonnabend: Geschlossen. Sonntag! Der Evangelimann. Montag: Geschlossen. Deutsches Theater. Sonntag: Don Carlos. Montag: Hamlet. Dienstag: Don Carlos. Mittwoch: Ein Sommernachtsiraum. Donners- tag: Don Carlos. Freitag: Faust. Sonnabend nachmittag: Mit fem Zeppelin zum Mars. Abends: Don CarloS. Sonntag und Montag: Don Carlos. Deutsches Theater.(K a mm ersp i e l e). Sonntag, Montag und Dienstag: Major Barbara. Mittwoch: Der Arzt am Scheidewege. Donnerstag: Major Barbara. Freitag: Der Arzt am Scheidewege. Sonnabend: Major Barbara. Sonntag: Der Arzt am Scheidewege. Monlag: Major Barbara. Lessiiig-Theatcr. Sonntag nachmittags 8 Ubr: Hanneles Himmel- fahrt. Abends und Montag: Tantris der Narr. Dienstag: Bor Sonnen- ausgang. Mittwoch: Tantris der Rarr. Donnerstaa: Bor Sonnenaufgang. Freitag und Sonnabend: Tantris de? Narr. Sonntag nachmittags 3 Uhr: Macbeth. Abends: Hedda Gabler. Montag: Rosenmontag. Berliner Theater. Sonntag bis Freitag: Hohe Politik. Sonnabend nachmittags 3 Uhr: Der Traum ein Leben. Nbends: Hohe Politik. Sonntag nachmittags 3 Uhr: Doktor Eisenbart. Abends und Montag: Hohe Politik. Komische Oper. Sonntag nachmittags 3 Uhr: Der Wildschütz. Abends: Auferstehung. Montag: Hostmanns Erzählungen. Dienstag: Tosca. Milt- woch: Der polnische Jude. Donnerstag: Hofimanns Erzählungen. Freitag: DaS Veilchenscst. Sonnabend: Tiesland. Sonntag nachmittags 3 Uhr: Tiesland AbendS: Das Beilchensest. Montag: Auserstebung. Neues Theater. Täglich: Herbst. Der Unbekannte. NeneS Schanspielhanö. Sonntag: Judith. Montag: DaS Exempel. Dienstag: Judith. Mittwoch nachmittags 3 Uhr: Maria Stuart. Abends: Ihr letzter Briet. Donnerstag und Freitag: Ihr letzter Brief. Sonn- abend nachmittags 3 Uhr: König Zipapek. Abends und Sonntag: Ihr letzter Brief. Montag: DaZ Exempel. Hebbel-Theater. Bis aus weiteres täglich: Der Skandal.(Ansang S Uhr) Kleines Thcater.'Sonutag nachmittag» 3 Uhr: 2X2— S. MendZ: Moral. Montag: Moral. Dienstag: Hinterm Zaun. Mittwoch: Moral. Donnerstag: 2X2— ö. Freitag: Moral. Sonnabend: Heuchler. Hieraus; Die Medaille. Sonntag nachmittags 3 Uhr: 2X2— 5. Abends: Heuchler. Hieraus: Die Medaille. Montag: Moral. Theater deS Westens. Sonntag nachmittags: Ein Walzertraum. Abends: Die geschiedene Frau. Montag und Dienstag: Die geschiedene Frau. Viittwoch nachmittag»: Struwwelpeter. AbendS: Die geschiedene Frau. Donnerstag und Freitag: Die geschiedene Frau. Sonnabend nach- mittags: Struwwelpeter. Abends: Die geschiedene Frau. Sonntag nach- mittags: Die lustige Witwe. AbendS und Montag: Die geschiedene Frau. Schiller-Theater t». Sonntag nachmittags 3 Uhr: Die Welt, in der man sich langweilt. AbendS: Miß Hobbs. Montag: Die erste Geige. Dienstag: Gespenster. Mittwoch und Donnerstag: Mitz Hobbs. Freitag und Sonnabend: Das Käthchen von Heilbronn. Sonntag nachmittags 3 Uhr: Die Welt, in der man sich langweilt. AbendS: Wilhelm Tell. Msntag: Mrg HobbS. Schiller- Theater Eharlottenburg. Sonntag nachmittags 3 Ubr: Macbeth. Abends: Wilhelm Tcll. Montag: WallensteinS Tod. Dienstag: Kabale und Liebe. Mittwoch: Walleiisteins Lager. Die Piccolomini. Dminerstag: WallensteinS Tod. Freitag: Die Ehre. Sonnabend: Der Schwur der Treue. Sonntag nachmittags 3 Uhr: Macbeth. Abends: Miß HobbS. Moniag: Walleusteiiis Lager. Die Piccoloinini. Friedrich- Wilhelmstädtisches Schauspielhaus. Sonntag nach- mittags 3 Uhr: Othello. Abends: Liselott. Montag, Dienstag mid Mittwoch: Der Bibliothekar. Donnerstag: Flachsmann als Erzieher. Freitag: Der Bibliothekar. Sonnabend michmUtags 3 Uhr: Der Nlbe- ungen I. u. II. Teil. Abends: Der Bibliothekar. Sonntag uachmittags 3 Uhr: Othello. Abends und Montag: Der Bibliothekar. Bvlksoper. Soimtag nachmittags Z'f, Uhr: Zar und Zimmer« man». Abends: Der Müller von Sanssouci und Die Reglmenlstochter. Montag: Der Müller von Sanssouci. Marie, die Tochter des Regiments. Dienstag: Der Troubadour. Mittwoch: Rigoletto. Donnerstag: Der Müller von Sanssoucl. Marie, die rochier des RegimenlS. Freitag: Die Hugenotten. Sonnabend: Marie, die Tochter des Regiments. Sonntag nachiiiittags 3>, z Uhr: Der Troubadour. Abends: Die Asrikanerin. Man- tag: Der Freischütz.__ Luiseu-Theater. Sonntag nachmittags 3 Uhr: Die Herren Sohne. Abends und Monlag und Dienstag: Gib mich siei. Mittwoch: Die Geierwally. Donnerstag: Heimat. Freitag bis Montag: Die Geicrwally. Rose-Theater. Sonntag nachmittags 3 Uhr: Die Rechtlosen. Ztbends: Leben und leben laiien. Montag und Dienstag: Leben und leben lassen. Mittwoch: Maria Stuart. Donnerstag: Michael Kohlbaas. Freitag und Sonnabend: Die relegierten Smdenten.«onntag und Montag: Lebe» und leben lassen... � Neucs OPeretteu-TSeater. Sonntag nachmittags 3 Uhr: Der Zlgeunerbaron. Abends und täglich: Mitz Dudelsack.(Ansang 8 Uhr.) Lnftspielhaus. Sonntag nachmittags 3 Uhr: Familie Schimek. Abends: Der dunkle Punkt. Wonlag bis Sonnabend: Der dunkle Punkt. Sonntag nachmittags 3 Uhr: Familie Schimek. Abends und Montag: Der dunkle Punlt. Residenz-Theater. Sonntag nachmittags 3 Uhr: Kümmere Dich um Amelie. Abends: Gretchen. Montag bis Freitag: Gretchcn. Sonnabend bis Monlag: Im Taubenschlag. Thalia-Thraeer. Sonntag nachmittag» 3 Uhr: Sneewittchen. Abend» und Montag mid Dienstag: Dt- ewige Lampe. Mittwoch nachmittags 3 Uhr: Max und Moritz. Abends und Donnerstag und Freitag: Die ewige Lamve." Sonnabend nachmittags 3 Uhr: Sneewittchen. Llbcnds und Sonntag und Montag: Die ewige Lampe. Kasiuo-Thcater. Allabendlich: Onkel Cohn.(Ansang 3 llhr.j Sonn- tag Nick Carler. Npollo-Tbeatcr. Sonntag nachmittags 3'/, Uhr: Spezialitäten. Allabendlich: Eine Haremsnacht. Spezialitäten.(Ansang 8 Uhr.) Wintergarten. Sonntag nachmittags 3'/, Uhr: Spezialitäten. All« abendlich: Spezialitäten.(A»sa»g 8 Uhr.) Pastafte-Tbeater. Sonntag nachmittag» 3 Uhr: Spezialitäten. All» abendlich: Der sähe Doktor. Spezialitäten.(Ansang 8 Uhr.) Walhalla-Theater. Sonntag nachmittags 2 Uhr: SpeziaTititen. Allabendlich: Spezialitäten.(Ansang 8 Uhr.) Palaft-Tbeatcr. Allabendlich: Spezialitäten.(Ansang S Uhr.j Karl Habcrland-Theater. Allabendlich: Spezialitäten. Trtanon-Tsteater. Sonntag nachmittags 3 Uhr: Toralle iL Co. Allabendlich: Buridan« Esel. Gedr. Hrrrnfeld-Tlieater. BIS aus weiteres täglich i So muh maMS machen. Ein RettungSinittel.(Ansang 8 Uhr.) Mctropol- Theater. Allabendlich: Hallohl Die große Revue I (Ansang 8 Uhr.) ReichsbaUcn> Tbeater. Allabendlich- Stettiner Sänger.(Ansang 8 Uhr. Sonntag 7 Uhr.) llranin-Theiuer. Taubcnstrahe 48/49. BIS aus weiteres täglich abends 8 Uhr im Wistenschastlichen Theater: In den Dolomiten. Sternwarte. Jnvalidcnitr. 57— S2. Foltes Caprtcc. Allabendlich: sicher ist sicher. Der Mann meiner Frau.(Anfang 6llt Uhr.) Buggeuhagei» Spezialitätentheater. Humpsti-Bumpsti, ein Milter- nachtstraum. ßriefkaften dci* Redaktion* A. 75. 1. Ja. 2. Wie der Antragsteller es wünscht. 3. Jede Person muß sür sich einen Pag haben. Ein« Verpflichtung, einen Pag sich aus« stellen zu lassen, besteht nicht. Durch den Paß wird nur die Möglichkeit gegeben, Länder, welche den Paßzwang haben, zu besuchen, um sich leichter auszuweisen. 4. Drei Mark. 5. Etwa ein- Woche.— W. 15. Die Kinder sind erbberechtig«. Sie können sie durch das Testament nur aus das Pflichtteil setzen. Sind Sie der Ansicht, daß Sie nachweisen könne», dag das eine Kind unmöglich Ihr Kind sein kann, und wolle» eine dahingehende Fest- stellung, so müssen Sie aus Unehelich keitserklöiung gegen das Kind klagen. So lange eine solche nicht ausgesprochen ist, gilt das Kind als Ihr eheliches. — H. 40. Sie dürfen daS Siegel nicht cntsernen und müssen im Falle deS Umzüge» dem Vormund Mitteilung machen.— Thorn 09. Die Mutter kann gegen den Sohn aus Unterstützung beim Landgericht in Thorn Nagen. — F. S. 100. Die dortige Baupolizeiveroldnung ist uns nicht bekannt, Die Belrosicii« hätte das Verwaltungsstreitversahrcn einleiten müssei:, — ffi. W. Wenn keine Entlassung in der Zwischenzeit stattgesunden hat, nach zutreffender Ansicht ja.— W. M. 102. Ist uns nicht bekannt. W. WERTHEIM Q. m. b. H. 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Die tatsächliche Belebung am Wirtschaftsmarkt war nur gering. Eine merklich günstige Wirkung auf die Arbeitsverhältnisse auszuüben. war sie nicht in der Lage. Die etwas grössere Lebendigkeit am Baumarkt hat dazu durch das früh einsetzende Winterwetter emp. findlichen Abbruch erlitten. Das bringt eine Zunahme der Arbeits- losen. Dabei waren schon im Oktober die Verhältnisse trotz aller schönfärberischen Versuche durchaus unbefriedigend. Die Kranken. lassen verzeichnen eine nur minimale Steigerung der Mitglieder- zahl. Bei 1430 an den.Arbcitsmarkt" berichtenden Krankenkassen stieg die Zahl der versicherungspflichtigen Mitglieder von 2 729 ISO am 1. Oktober auf nur 2 759 066 am 1. November. Das Mehr von rund 30 000 Mitgliedern kann angesichts der regelmässigen Herbstbclcbung und des Bevölkerungszuwachses als Zeichen gün- stiger Konjunkturentwickelung nicht angesprochen werden. Ans eine Verschlechterung am Arbeitsmarkt schon im Oktober lüsst auch die Statistik der Arbeitsnachweise schliessen. Nach den Angaben von 127 Nachweisen kamen aus je 100 osfcnc Stellen im Septem. ber 124,1, im Oktober jedoch 142,9 Arbeitsuchende. Demnach ist der Andrang im Oktober sehr stark gewachsen. Besonders für die weiblichen Erwerbstätigen hatte sich im Oktober die Lage ver- schlechtcrt. Während im September 100 offenen Stellen nur 86,1 Beschäftigung Suchende gegenüberstanden, war der letzteren Zahl im Oktober auf 105.5 pro 100 Vakanzen gestiegen. Männliche Ar- beitsuchende kamen auf je 100 offene Stellen: im September 146,9, im Oktober 162,1. Eine solche EntWickelung steht mit hochkonjunt- turlichcn Sensationsmeldungen in einem krass unharmonischen Ver- hältnis. Auch der Autzenhandel Deutschlands im Oktober zeigt kein günstiges Gepräge. Im Vergleich mit dem Vorjahre ist zwar die Einfuhr von Baumwolle gestiegen(von 27 332 Tonnen auf 34 280 Tonnen), bei den übrigen Rohprodukten für die Textilindustrie resultiert jedoch ein Rückgang des Importes, bei Flachs von 2200 Tonnen auf 1164 Tonnen, bei Hanf von 3952 Tonnen auf 2199 Tonnen, bei Merinowolle von 4247 auf 13.35 Tonnen und bei Kreuzzuchtwolle von 3400 Tonnen auf 2215 Tonnen. Eine Steige- rung erfahren hat die Einfuhr von Jute und �utewcrg und zwar von 11 910 Tonnen auf 18 013 Tonnen. Bemerkenswerter sind jedoch die Verschiebungen bei Kohle und Eisen. Tie Einfuhr von Eisenerz sank z. B. von 819 546 Tonnen auf 524 394 Tonnen. Gleichzeitig stieg die Ausfuhr, die im Oktovcr 1903e 229139 Tonnen betragen hatte, auf 248 697 Tonnen im laufenden Jahre. Die Steinkohlencinfuhr nahm allerdings um rund 2 Millionen Doppelzentner zu. dafür schnellte aber auch die Ausfuhr um 3Vj Mill. Doppclzent. in die Höhe. Die gleichzeitig Einfuhrzunahme von fast 1 Million Doppelzent. Braunkohlen ist ziemlich restlos auf das Konto gesteigerter Ansprüche für Hausbrand zu setzen. Recht ungünstig erscheint Eisen in der AussenhandelSstatistik. Bei einer Zunahme der Rohciscnausfuhr von 22 884 Tonnen auf 52626 Tonnen ist die Einfuhr dieses Rohmaterials von 19 577 Tonnen auf 13 135 Tonnen gesunken. Die Ausfuhr von Halbzeug ist aber auch zurück- gegangen, bei Rohluppen, Rohschienen und biohblöckcn von 54 794 Tonnen auf 36 641 Tonnen, bei fertigen Schienen von 22 549 Tonnen auf 19 976 Tonnen. Im übrigen sind die Veränderungen nur unbedeutend. Berücksichtigt man die inländische Kohlenproduktion, dann wird das Bild auch nicht lichtvoller. Die Steinkohlcnförderung tit im Oktober dieses Jahres mit 12 975 221 Tannen uin 193 521 Tonnen hinter der Förderung im Parallelmonat dcd Vorjahres zurück- geblieben und bei Braunkohlen ergibt uch eine Mindcrfördcrung von 135 859 Tonnen. Demnach ist die Jnlandsversorgunz in diesem Jahre geringer als sie vor einem I th« war. Allgemem betrachtet, kann von einer irgendwie befriedigenden Besserung nicht gesprochen werden. Nun wird die vor einiger Zeit überall sich bemerkbar machende Geldverstcifung. die mittlerweile aber schon wieder etwas abge- schwächt hat, als hemmender Faktor für die industrielle Belebung angesprochen. Gewiss, auf die Unternehmungslust wirkte die sprunghafte Geldvcrteuerung abschreckend; jedoch hätte das nicht in einem bis wieder auf den Nullpunkt zurückführenden Masse gc- schehcn können, wäre der vorausgegangenen stärkeren Nachfrage Ansporn direktes Konsumbcdürfnis gewesen. Die Dis- konterhöhungcn haben in der Hauptsache nur spekulative Ein- dcckungcn hintan gehalten. Wenn aber schon die Geldverteuerung ein so starkes Hindernis für den industriellen Aufschwung sein konnte, dann haben Be- fürchtungcn, dah noch ein schärferer Rückschlag einsetzen könne, leider nur zu viel Berechtigung. Der verarbeitenden Industrie droht nämlich eine Steigerung der Herstellungskosten, die jene aus der Gcldvcrtcucrung weit übertrifft. Bedenklich gärt eS im Ruhr- revier. Schrankenlose, von keiner sozialen Erwägung gemilderte Herrschsucht, das Bestreben, den Knappen das Koalitionsrecht voll- ständig illusorisch zu machen, durch Inbetriebnahme des vielfach besprochenen ZcntralmassrcgelungsburcauS, schämig„Arbeitsnach- weis" genannt, ist die Ursache. Die Bergarbeiter wissen die Absicht der Gründung zu würdigen. Niemand zweifelt daran: Der Ar- beitSnachwcts der Gruben soll die Organisation der Arbeiter, den Bcrgarbcitcrverband, schwächen, seine AktionSkraft unterbinden! In anderer Form zwar wie in Mansfeld, aber eben so skrupellos will man im Ruhrrevier"ersuchen, den Verband als mitbestimmen- den Faktor, und zwar alt den Faktor, der die Jntereff/, Uhr halbe Preise: Der junge Papa. Operette in 1 Alt von E. EySIer. Abends 8 Uhr: Tohuwabohu, Burleske. 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November t Im rnii'ilsehen Klerher, Schauspiel in 4 Alten von Helmin. _ Ansang 8 Uhr. N., Chausseestr. 110. Karl Richter. Honte Sonntag Paul __ fflaniheys lustige Sänger. Anfang 6 Uhr. Eintritt 50 Pf. Nachdem: Zpamilien- Kränzchen. Fm weissen Saale v. 5 Uhr ab: Gr. ikaii.— Morgen: Erstklassiges Famil icn-Kabarett. Ans. 8'/, Uhr. ' Vorzugskarten gelten. Ll�sium Landsberger _ Allee 40-41. Jeaen Sonntag Im Riesensaal: = Or. Ball= Anfang 4'/, Uhr. Entree frei. Markgrafen-Säle 34, Slarkgraren-Damm 34. == An der Stralauer Allee. Jeden Sonntag: Großer«all. Im Restaurant täglich musikalische Unterhaltung. Vorzügliche Küche, ss.Biere u. Weine, Billard u. Kegelba hn. AJhambra Wallner-Thealerslrasse 15. Großer Bali Grosses Orchester. Anfang Sonntags 5 Uhr. A. Xuincltat. Jeden Sonntag: Prachi-Säle Kord- West Wiclefstr. 24. Emdener Str. 4t. Jeden Sonntag: Gr. Miltngstifth. Empschle meine Säle und Vcreinszimmer zu Hochzeiten, Festlichkeiten, Kommersen und Versammlungen. 33431! Carl Schräder. 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Ilaiaaieiwburg, Boxhagcu: A. R o s e n t r a n z, M-Boxhagen 55. bichinargendoi-r: Gustav K a in i n§ k y, Cuuostraße 2. tüchbneberg: Wilhelm B ä u m I e r, Martin Lutherstr. 51, im Laden. Mpnitduu: Koppen,(sagowstr. 9. Tegel, Borsigwalde, Wlttenan, TValdmannsInst, llermsdorf und Belnickendorf- TVost: Paul Kienast, Borsigwalde, piäuschstrajze 10. Veltow: Wilbcim Bonow, Teltow, Zehlendorfer Str. 4 Teiopelhof: Albert Tbiet, Friedrich Withelnistr. 20. Trepiow: Rob. Gramenz. Kieshotzstraße 412. Laven. \\ lluicrsdorf-llalcasce: W i t t n e b e l. Gasteiner Str. 4. Sämtliche Parlelliieratur sowie alle wissenschasillchen Werte werden gcliesert. Annahme von Inseraten für den„Vorwärts�. I 245/1* Bitte ansschncidca. JSSbet-Tabrik 5 Reichenberger Straße S liefert Einrlchtangcn von »00, 800, 400, 500, 600, 800 bis 10 000 Mark. 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Vortrag des Genossen Schriftsteller Julius Kaliski: Die Sntvoickelung der Warenhäuser und die dentsche Wirtschaftspolitih. 2. Diskussion. 3. Branchenangelegenhciten und Aufnahme neuer Mitglieder. In Anbetracht deö hochinteressanten Vortrages, sowie der überaus wichtigen TageS- ordming ist es Pflicht aller in den Kauf- und Warenhäusern beschäftigten Kollegen, in dieser Versammlung zn erscheinen! Kollegen! Agitiert für zahlreichen Besuch! Erscheint in Massen! Bringt Unorganisierte mit! 71/11_ Der Scktionalelter: Fritz W a p p l e r. Orts- Krankenkasse der Schuhmacher. Generas-Versanindnng Sonntag, den 88. November 1000. nachmittags S'/, Uhr, tu de» .Bornssta.LSlen--, Ackerstrafte 0/7: Gr. öffeutl. Uersamminng. Tagesordnung: Groffer Lichtbilder-Bortrag „Im Reiche der schwarzen Diamanten" mit 77 verschiedenen Bildern gehalten von Herrn Otto Roth- Berlin. Versammwng: Grmütiichks KkiskMllltllsttll nnd Tan;. Programm sür den Vorwag am Eingang des Saale» für 20 Pf. erhälilich. 94b* Der Ginbernfcr. I. A.: S. I o s e p h. Tieckstr. 34. r Iriprlrtter-ffirl Bezirksverwaltnng Grosi-Bcrlin. Verbandsfunktionära!» Die am Dienstag, den 7: Dezember, ursprünglich sestgesehte Ber- fammlung sindet der Volksversammlungen wegen am IlUtttvood, den 1. Dvrvnedvr» statt. Wir ersuchen, die» besonder» zu beachten. Mittwoch, dm 1. Dezember, abend« 8'/. Uhr, in den«MustkrrsSlm", ktaiser-WUHelin-Straße iSm: Z. Vnrlsags4hend---«-..n.. Max Grunwald über daS Erfurter Programm; seine grnndsäftlichcu Fordernuge». ES ist EHresisache aller Fiinklianäre, in dieser Versammlung zu er- scheinen. Die in den Hönhen der Kollegen bcsindlichen Einladungen sind als Legitimation mittubrwgeli. � � 71/12 Die Do«erI»IvXti)nK DroO-ll«!'!!». J. A.: Anglist Werner. am Montag, den 80. November, im Lokale Weberstr. 17: I. Abends 8 Uhr- Generalversammlung der volljährige» Kasscnmitglieber. Tagesordnung: Wahl von 33 Ver- tretern pro 1909/10. II. AbendS 8'/, Uhr; Generalversammlung der Vertreter der Arbeitgeber und desgleichen der Kasseimiilglieder. Tagesordnung: Wahl der Vor- standsmstglicdcr und der Ersatz- Vorstandsmitglieder sür die Wahl» Periode 1910/11. m. Abend» 9 Uhr- Gemeinsame Generalversammlung der Vertreter. Tagesordnung: 1. Wahl der Kam- Mission zur Prüsiing der Jahres- rcchnung pro 1909. 2. Statuten- änderung, Erhöhung drS durchschnitt» Ii che» Tagelohnes. 3. Verschiedene Kassenangelegenheiten. Verlin, den 27. November 1909. 296|20__ Ter Vorstand. Sagt sür Bcr-ine und Bersamm- lungen, 300 Perionen, Sonnabende und 1. Feiertag frei. Oranlcn- Salon, Oranienslr. 170.» Mittwoch, Donnerstag, Freitag: »»«II. * Hygienische -------- nfuSBiKsuuM g�Kmpfehl.viel Aente u Prof. grat. ui| Allgemeine Orts-Krankenkaffe zu Berlin. Behufs Wahl von 102 Ber- treter» zur(Äeneralversammluo« pro 1010/11 werden die wahlderech- tigten Kassenmitglieder zum Sonntag, den 3. Dezember er,, vormittags von 9—1 Uhr in den nachstehend bezeichneten Lokalen hiermit ergcbcnst eingeladen. Die Wahl der Vertreter der Kassen« Mitglieder erfolgt in zwei Abteilungen. Zur Abteilung I gehören all« die. jmigen Kasscinnitglieder, welche in Betrieben beschästigt sind, die rechts der Spree liegen, sowie alle der Kasse sreiwillig angehörenden Mitglieder, welche rechts der Spree wohne? Das Wahllolal jür diese Ableiluw bcsindet sich im Englischen Garten, Alexander straße 27c. Zur Abteilung 11 gehören alle diejenigen Kassenmitglieder, welche in Bet> leben beschästigt sind, die links der Spree liegen, sowie alle der Kasse freiwillig angehörenden Mitglieder, weiche links der Spree wohnen. Das Wahllokal sür diese Abteilung de- sindet sich in den Armin-Hallen, Kommandanten- strafte 58/59. Sämtliche Vertreter müssen in beiden Abteilungen gewählt werden. Wahlberechtigt und wäblbar sind männliche und weibliche Kaffenmitglieder, welche groft- jährig und im Best» der bürger- licheu Ehrenrechte sind. Zur Legitimation dient da? Mitgliedsbuch, welches am Ein« gang dos Wahllokals und bei Abgabe eeS SkimmzettelS vorzuzeigen ist. Tic Arvettgrber werden dringend gebeten, dasseld« mit ihrem Firmenstempel z« versehen und den Mitgliedern behufs Teil- »ahme an der Wahl auszuhäu- digen. Die Arbeitgeber wählen in ungeteilter Wablocrsammlung 183 Vertreter. Die Wahl derselbe» sindet statt am Montag, den 6. Dezember 1909, nachm. von 5-7 Uhr, in der Berliner Handels- kammer, Dorotheenstraste 7. Wahlberechtigt sind alle Arbeit» geber, welch« sür die bei ihnen de. schästigten Kasienmitglieder Beiträge auS eigenen Mitteln zu oben ge» nannter Kaste zahlen, stieder Arbeit. geber führt bei der Wahl 1 Stimme. Die Arbeitgeber sind berechtigt, sich bei der Wahl durch ihre Geschäfts. sührer oder Betriebsdeamte vertreten zu lassen, von der Vertretung ist dem Wahsteitcnden vor Ausübung des Wahlrechtes Kenntnis zu gebe». Zu Vertretern können auch GeschästS- sührer oder Betriedsbeamte gewählt werden. 298/18 Als Ausweis bei Abgab« de» Stimmzettels dient die ergangene Einladung oder die letzte Bei- tragsquittung. Für die Form und Leitung der Wahlen sind die Bestimmungen des Staiul»(S 33, Abf. 3— 8) maßgebend. Berlin, den 27. November 1909. Ter Vorstand. W. Pichl, Vorsitzender. llrls- Krankenkasse der Schlossep nnd verwandten Gewerbe. Di« Mitglieder obiger Kass, werden aus Grund des ss 43 de» Kassenstatuts vom LS. Juli 190« ausgesordert, am Montag, den 0. Dezember er., abend» 8 Uhr, im OtewerkschaftS- Haufe(Saal IV), Engelufer IS. Belnif« Wahl von 309 Dele- ?lerten sich einzufinden. Wahl. erechtigt sind nur diejenigen Mit. glieder, welche da« Li. Lebensjahr zurückgelegt haben und im Besitze' der bürgerlichen Ehrenrechte sind. Die Wähler haben sich durch da» Kranken- Legitinialions- und OmtlungSbuch zn legitimieren.— Die Wahl ist eine geheime. Di« Herren Arbeitgeber, welche au» Ihre» eigenen Mitteln ein Drittel zu den Beiwägen der bei ihnen be» schästigten Mitglieder der Ortskrankenkasse d. Schlosser und verwandten Gewerbe zahlen, werden ersucht, am Montag, den 0. Dezember er«. abends 8 Uhr, im GewertichaftS. hause(Saal V), Engeluser 15, behus» Wahl von 149 Tele- girrten zu erscheinen.— AIS Legiti- malion dient die zuletzt gezahlte BeitragSquiltung.•— Dt« Wahl ist ein« geheime. Vor dem Beginn de« Wahlakte» wird Herr San-Rat Dr. Artiold Freudenthal in gemeinschaftlicher Versammlung der Arbeitgeber und Arbeitnehmer einen Vortrag über:»Mundpflege und Verhütung von Mageuertran- tu Ilgen" halten. 296/8 PimkllichcS Erscheinen ist geboten, da der Vortrag um S Uhr beginnt. Der Voculand. Gust. Lubatsch, Vorsitzender. 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November, in der Zeit von vormittags 9 Uhr bis nachmittags 7 Uhr statt und zwar in folgenden Lokalen: V. Wahlbezirk im großen Saale der Muhsschen Fest- säle, Manteuffelstr. 95. Hof parterre, VI.» im großen Saale der AndrcaS-Festsäle, Andreasstr. 21, parterre, VIT.. im großen Saale der Brauerei Patzen- hofer, Landsberger Allee 24/26, pari., XU.„ im großen Saale des Brauerei-Ausschanks Patzenhofer, Turnistr. 25/26. Die Wahlhandlung wird pünktlich um 7 Uhr nachmittags geschloffen, und dürfen nach dieser Zeit Wahlmänner, die ihr Stimmrecht noch nicht ausgeübt haben, zur Abstimmung nicht mehr zugelassen werden, auch dann nicht, wenn sie vor Ber- kündung des Schlusses der Wahl schon im Wahllokale an- wesend waren. An die Wahlmänner unserer Partei ergeht die Ans- forderung, am Dienstag in der festgesetzten Zeit ihren Auf- trag auszuführen und ihre Stimmen für die sozialdemokratischen Kandidaten abzugeben. Partei- Angelegenheiten. Erster Wahlkreis. Heute Sonntag, den 23. d. MtS.: Urania« Vorstellung. Taubeustr. 48/40. Zur«uffibhrung gelaugt:.In de» Dolomiten". Beginn der Verlosung 1 Uhr, Vorstellung 2 Uhr. Einlohkarten a 70 Pf. mit Garderobe find bei den Auullionären, dem Raisterer©Jit iiier, Feilnerstr. 11, und bei Beginn der Ver- losung zu haben. Zweiter Wahlkreis. Heute Sonntag, 2 3. November. abends 6 Uhr. im Saale von Rabe, Fichiestrahe 29: gemütliches Beisammensei». Vortrag des Genossen Dr. Pietzner. Nachdem: Tanz usw. Um recht zahlreichen Besuch bitten Die AbteilungSführcr. Rixdorf. Die anherordentliche Generalversammlung dcS Wahl- Vereins findet am Mittwoch, den 1. Dezember, abends 8>/z Uhr. in Hoppes Festsälen. Hermamistr. 49, statt. Aus der Tagesvrdmmg stehen: 1. Die bevor stehende Stadiverordiictemvahl. Liefere»:: Genosse Dr.©Uber stein. 2. Aufstellung der Kandidaten. 8. V-remsangelcgenheiten. 4. Verschiedeues. Mitgliedsbuch legitimiert. Der Vorstand. Charlottnibnrg. Dienstag, den 30. d. MtS., abends 8'/, Uhr, im großen Sale deS Volkshauses: Generalversammlung. Auf der Tagesordnung steht.Der preußische Parteitag" und wichtige Vereinsaugelegeuheiten. Der Vorstand. SchSncberg. Die Mitgliederversammlung deS Wahlvcreins findet am Dienstag, den 80. d. M.. abends 3 Uhr. in den Neuen Nathans- sälen, Meiningerstr. 8 statt. Tagesordnung: 1. Der Aufmarsch der Sozialdemokratie. Referent: Stadtv. R. K ü t e r. 2. VereinSaugelcgenhciten. 8. Wahl der Delegierten zur Kreis» aeneralversoiumluiig. 4. Verschiedeues. Ter erste Lichlbilderbortrag über die EntWickelung des Ne nicken findet am Mittwoch, den 1. Dezember, abends 8 Uhr in den Neuen RathaussSlen. Meiningerstr. 8 statt. BillettS find in der Spedition, Martin Lulherstr. 51 und bei den BezirkSführern zu haben. Der Vorstand. WilmerSdorf-Haleufee. Am Dienstag, den 80. November, abends gi/. Uhr, findet die monatliche Mitgliederversammlung des Wahl- Vereins im„Gesellschaslshmis.". Wilhelmeaue 112, statt. Tages» ordnung: I.Vortrag des Genosfeii Dr. H e r z f e l d über:„Die Steuerlast des deutschen Volkes und die auswärtige Politik." 2. An- träge und Wahl der Delegierten zur Kreisgeueralversammlung. 8. VereinSangelegenheiten. Der Vorstand. Stegliv. Die nächste WahlvereinSpersammlimg findet am Dienstag, den 30. November, bei Schellhase. Ahorustr. 15 statt. Auf der Tagesordnung steht ein Vortrag des Genossen Kloß über: »Religion und Naturerkenntnis". Der Vorstand. Grosi-Lichterfclde. Die ordentliche Mitgliederversammlung de« Wahlvereins findet am Dienstag, den 30. November, abends 8 Uhr bei W a h r e n d o r f. Bäkestr. 22 statt. Tagesordnung: Der preußische Parteitag. Diskussion. Wahl der Delegierten zur Kreis- Generalversammlung. Bercinsangelegenheiten. Der Vorstand. Schmargendorf. Am DlenStag, den 30. November, abends S'/z Uhr, findet bei PoUscher. Spandauer Stiaße 40, eine Mitglieder» veriammluug des Wahlvereins statt mit wichtiger Tagesordnung.— Heule haben die Genossen die neuen Abonnements- und Mitglieder- aufnahmen einzufamineln. Der Vorstand. Lichtenberg. Am Dienstag, den 30. d. M.. 8»/, Uhr abends. findet im Lokal von Schwarz. Möllendorfstr. 23. eine Mitglieder- Versammlung des Wahlvereins statt. Tagesordmmg: Stellungnahme zuni Preußentag. Das Mitgliedsbuch legitimiert. Der Vorfiand. Rummelsburg. In der Mitgliederversammlung des Wahlverein» am DienStaa, den 30. d. MtS., abends 3 Uhr, im Saale des„Cafö Bellevue" spricht der R-ickstagsobgeordnete S t ü ck l e n über: „Unsere politische Lage". Außerdem steht Stellungnahme zur Kreis- Generalversammlung auf der Tagesordnung. Der Vorstand. Biesdorf. Dienstag, den 30. November: Zahlabend bei Gustav Berlin, Marzahner Straße. Wichtiger Mitteilungen halber ist das Erscheinen aller Genossen notwendig. Der Vorstand. Nieder-Schöiihauscn-Nordend. Am Mittwoch, den 1. Dezember, abends 8>'g Uhr, findet im„Luideiigarteii". Lindenstr. 43. die Mit- aliederversammlung des WahlvercinS statt. Tagesordnung: 1. Vor- trag:„Friedrick Schiller und seine Zeit." Referent: Reichstags- abgeordneter Genosse Eichhorn. 2. Vereinsangelegenhetten. 3. Verschiedenes. Wir ersuchen die Mitglieder, recht zahlreich mit ihren Frauen zu erscheinen.— Für ein gut geheiztes Lokal ist Sorge getragen.— Die Bibliothek des Wahlvereins befindet sich Waldowftr. 23b II. Ausgabe der Bücher jeden Freitag von 8 bis 9 Uhr abends. Die Bezirksleitung. Hermsdorf. Glienicke. Morgen Montag, den 29. November. abends 3l/z Uhr, findet in Heidenreichs„ForsthauS" eine Bolls- Versammlung statt. Tagesordiiuiig: 1.„Der Steuerraubzug auf die Taschen des arbeitenden Volkes." Referentin Frau Beria Lung- wiy-Berliii. 2. Freie Aussprache.— Agitiere jeder für regen Besuch der Versammlung. NewaweS. Mittwoch, den 1. Dezember, abends 8'/? Uhr. findet im Lokal des Herrn Ernst Sckmidt. Wilhclnistr. 41-43 eine Volks- Versammlung für Männer und Frauen statt, in welcher Landtags- abgeordneter Genosse Borgmann über: Die Scharfmacher an der Arbeit sprechen wird. Pflicht eines jeden Genosisn ist cS, für Massenbesuch zu dieser wichtigen Versammlung zu agitieren. Spandau. Die Beerdigung des Genossen Karl Retzlafs st»det nicht, wie gestern im Inseratenteil irrtümlich mitgeteilt wurde. heute nachmittag um 3>/z Uhr. sondern um 3 Uhr vom Trauerhause, Schäfersir. 23. aus statt. Die Genossen werden ersucht, sich zahlreich daran zu beteiligen.__ Der V o r st a n d. Berliner JMacbrlcbten* BangeiiSssische WohnmigSknltur. Wenn ausländische Sozialpolitiker ihre„Eintagsreisen" durch Berlin linternehmen, so versäumen die„bewährten" Bärenführer niemals, ihre fremden Gäste auch in Arbeiter- Wohnungen zu führen. Und ebenso sicher liest man dann in einem der stündlich erscheinenden Scherlschen Blätter die Mit- teilnng, daß der Fremdling„hingerissen" gewesen sei bei der Besichtigung der Kleineleutewohnungen und nicht genug die „schmucken",„gesunden",„verhältnismäßig komfortablen" Heime der Berliner Arbeiterschaft habe rühmen können. Auf Grund dieser Schilderungen könnte man annehmen, die durchreisenden Sozialpolitiker kämen allesämt aus Ostelbien und seien nur an die berühmten Landarbeiter-„Villen" ge- wöhnt. Richtig ist. daß im Vergleich zu jenen Löchern die Wohnungen der Arbeiter in den neueren Mietskasernen imnierhin etivas voraus haben. Begeisterungsausbrüche der- mögen sie jedoch nur bei niehr als bescheidenen Gemütern auszulösen. Die kahlen Btauern, mit den tristen Löchern, Fenster genannt, beleidigen geradezu das ästhetische Empfinden und sind ein Hohn auf architektonische Baukunst. Um in diesen trostlosen Steinkästen, mit dem fauligen, ver- kümmerten Grasrondell im akkurat viereckigen Hofe ein„Garten- haus" zu erblicken, dazu gehört eine„blühende" Phantasie. Bodenwucher und Bauspekulation verhindern, den Arbeitern selbst für hohe Miete eine mehr als gerade den nackten Be- dürfnissen angepaßte Wohnung zu schaffen. Angesichts dieser Umstände macht es Freude, auf ein Werk zu stoßen, das, losgelöst vom Bau- und Speknlationswucher, der kraftvollen Initiative der Rixdorfer Arbeiterschaft entsprungen ist. Die„ I d e a 1- P a s s a g e" ist eine solche Schöpfung. Eine Beschreibung erübrigt sich, denn sie ist in weiten Kreisen der Arbeiterklasse bekannt. Weniger bekannt dürfte sein, daß dem ersten Schritt auch ein zweiter und dritter gefolgt ist. Draußen, abseits von der Kaiser-Friedrich-Straße in Nixdorf, in der B r u s e n d o r f e r Straße, erhebt sich ein stattlicher Bau, der durch seine lange Front, mehr aber noch durch die Eigenart und die architektonische Individualität seiner Fassade den Blick des Vorübergehenden umvillkürlich bannt. 72 Meter weit greift die Flucht des Gebäudes. Frei von protziger Auf- dringlichkeit, in Linien und Formen von ruhigem und schlichtem Geschmack, durch sich selbst wirkend, hebt sich dieser Bau von den klischeemäßigen„Sechsivochenbauten" vorteilhaft ab. Auch hier hat man das so lauge mißachtete und erst in neuerer Zeit wieder anerkannte schlüge Dach zu Ehren ge- bracht. Der ganze Komplex umfaßt vier Grundstücke, von denen in der Fassade zwei um 1,50 Meter zurücktreten, wodurch die langgestreckte Front einen belebenden Zug erhält. Erker. Loggien, Ballone und Veranden, teils mit blauem Schiefer, teils mit grauen Stlberziegeln bekleidet, erhöhen die Eigenart der Fassade noch außerordentlich. Im übrigen ist sie bis zur ersten Etage mit Spritzivurf versehen und gelb abgetönt, während die beiden seitlichen Teile nicht geputzt, sondern mit sogenannten„Eisenklinkern" versehen sind. Bier Läden, darunter eine Bäckerei, befinden sich nach der Straße zu. DaS Vorderhaus birgt 54 Ein- bis Zweizimmerwohnungen, 60 andere liegen nach dem Garten. Älle sind mit reichlichem Zubehör versehen. Zentralheizung und Warmwasserversorgung verleihen ihnen den Hauptreiz. Alle sind mit eigenem Bad bedacht, bis auf fünf, deren Bewohnern jedoch zwei Bade- Vorrichtungen im Dachgeschoß nach Belieben zur Verfügung stehen. Der Kochherd ist überall für Kohlen und Gas kon- struiert. Im ersten Hof leuchten die Mauern in violetter, im zweiten in grauer Farbe. Auch hier wechseln Erker, Loggien, Balkons und Veranden miteinander ab und selbst das Treppen- hauö läuft tu allerliebste Erker aus. Das Dach im grauen Hof ist mit roten, im violetten mit silbergrauen Ziegeln gedeckt, zieht sich teilweise bis zur dritten Etage hinab und bietet dem Auge ein ungemein schönes dekoratives Bild. Wenn man hier das Wort„Hos" gebraucht, so muß man fast um Entschuldigung bitten. Das sind keineswegs„Höfe" im landläufigen und berüchtigten Sinne. Da braucht die liebe Sonne keine krampf- haften Anstrengungen zu machen, um ein paar spärliche Blicke hiuabsenden zu können. Prall können in der schönen Jahres- zeit ihre Strahlen hineinfluten und der mutwillige Wind kann sein neckisches Spiel darin treiben. Hier läßt sich in des Wortes wahrer Bedeutung von„Gartenhäusern" reden und die gärtnerischen Anlagen, nach dem Muster der„Ideal- Passage" hergerichtet, werden im duftenden Blütcnschmuck Herz und Auge der Bewohner erfreuen. Die häßlichen Müllkästen sind in einen besonderen Schacht mit Dunstabzug verbannt. Die Dämmerung kam leise geschlichen, und die Arbeiter klopften ihre Kittel aus, als wir mit einem Gefühl der Be- wunderung und aufrichtiger Freude über Bretter und Steine hinaus auf die Straße balancierten. Drüben, 20 Schritte ent- fernt, wartet schon das dritte Gelände(1476 Quadratmeter) der Bebauung. Schon ist der erste Spatenstich getan. Bald werden sich unter fleißigen Händen Mauern aufrichten und im nächsten März wird das Gebäude im Rohbau voll- endet sein.__ Ein KraiikeiihauS für Liingeukrattke. Die Deputation für die städtische» Krankenanstalten und die öffentliche Gesundheitspflege beriet in ihrer Sitzung vom 27. November das von einer Koiniiiusioii vorberatene veränderte Bauprogromm zu einem Krankenhause für Lungen- und Kehlkopfleidende mit 500 Betten. Das Prograniin wurde genehmigt.— Hoffentlich wird nun etwas Dampf hinter die Ausführung des Projekts gemacht. Im Berliner Lchrerverein gelangte am letzten Freitag eine Resolution zur Annahme, worin die Städtischen Körperschaften um Errichtung v o r s ch u l l o f e r höherer Mädchenschulen ersucht werden. Herr Direktor Fechner hielt dann einen Vortrag über„Die Jugendfürsorge". Von seinen Ausführungen sei das Folgende wiedergegeben: Zahlreiche Familien fuhren ihre Sprößlinge der Schule nicht so zu, daß diese ihrer Pflicht an den Kindern genügen kann. Diese Tatsache bedeutet für die Lehrerschaft die Notwendigkeit, an der Jugendfürsorge tatkräftig Anteil zu nehmen. Ter Redner zeichnete an der Hand der Statistik ein ergreifendes Bild vielgestaltigen sozialen Elends, als dessen Folge diese Notwendigkeit erscheint. Die Jugendfürsorge darf nicht weiterhin in der Hauptsache der privaten Wohltätigkeit überlassen bleiben. Die Gesellschaft hat an dem werdenden Geschlechte ihre Pflicht zu erfüllen. Durch gesetz- liche Maßnahmen und mit ausreichenden Mitteln ist die Jugend- fürsorge planvoller und umfassender zu gestalten. Wie wenig Ver» ständnis für das Wohl der Jugend oft vorhanden ist, beweist der Umstand, daß angesehene Geschiste Berlins bereit sind, ihre jugend- lichen Arbeiter zu entlassen, wenn sie diese wegen der Fortbildungs- schule eine Stunde weniger ausnützen können. Für die Er- ziehungsanstalten fordert der Referent als Leiter erfahrene Päda- gogen; es genügt nicht, daß für Nahrung und Kleidung der Zog- linge einigermaßen gesorgt ist. Im ganzen darf eine vernünftige Jugendfürsorge sich in der Elendenfürsorge nicht erschöpfen; sie muß in erster Linie bestrebt sein, das Gesunde gesund und das Starke stark zu erhalten. In der Debatte wurde unter anderem darauf hingewiesen, daß derselbe Berliner Magistrat, der zur Ahndung der Versäumnisse in der FortbildiingSschule bestellt ist, die in da Berliner Strahen- reinigung beschäftigten-Hunderte von Jiigendlichen von den Wohltaten des Besuchs einer Fortbildungsschule fernzuhalten geruht. Folgende Leitsätze wurden angenommen: 1. Ein großer TÄl unserer Kinder und Jugendlichen— nicht nur der Volksschichten, die unter den tiefgreis-nden wirtschaftlichen Veränderniigen zu leiden haben— ist in leiblicher, geistiger und sittlicher Beziehung schweren Notständen ausgesetzt; der Berliner Lehrerverein hält darum eine umfassende und planmäßig geordnete Jugendfürsorge für eine der dringendsten Aufgaben der Gegen» wart. 2. Der Verein betrachtet die Sorge um Jugendwohlfahrt nicht als Angelegenheit eines einzelnen Standes, sondern als ein Gebot sozialpädagogischer Pflicht des gesamten Volkes, nicht zuletzt der gesetzgebenden und behördlichen Örgane. Er ist aber trotzdem fest ülierzeugt, daß die Lehrerschaft als Stand, dem Erziehen Beruf ist, schon uin der Schule willen besonders rege Mithilfe leisten mutz; in erster Linie sckieint ihm die Lehrerschaft berufen, bei der Durch» führung von Gesetzen und amtlichen Vorschriften zum Schutze der Jugend ihre besonderen Erfahrungen in den Dienst der Jugend- fürsorgr zu stellen. 8. Auf dem Gebiete freiwilliger Fürsorgctätigkeit hält er ge» meinsames Arbeiten mit einem der zentralen Verbände für das allein Zweckmäßige. 4. Der Berliner Lehrervcrein beschließt, den„Jugendfürsorge» verband der Berliner Lehrerschaft" als Sammelpunkt für die Be- strebiingen in Lehrerkretscn und als Bindeglied zwischen der Lehrerschaft und einem zentralen Fürsorgeverbande weiter auS- zubauen und zu benutzen. Das Kuratorium der städtischen Heimstätten beschloß, wie aus dem Rathause berichtet wird, in seiner letzten Sitzung unter anderem, in die für Genesende bestimmten Heimstätten Blanken- bürg, Upstall und Heinersdorf, solange eine größere Anzahl freier Betten vorhanden ist, auch Auswärtige, selbst wenn sie nicht einer Berliner Krankenkasse angehören, auszunehmen. Der Beschluß, der der Genehmigung von Magistrat und Stadtverordneten bedarf. will die Wohltat einer Heimstättenkur weiteren Kreisen zugänglich machen, ohne daß hiesigen Ortsangehörigen dadurch Plätze ent- zogen werden. Gegenwärtig steht in den Heimstätten eine größere Anzahl Betten unbenutzt, da gegen die Winterkuren ein Vor- urteil herrscht, obwohl die Heimstättenkur, wie nicht oft genug er- wähnt werden kann, im Winter mindestens den gleichen, wenn nicht bei den beschränkten Wohnungsverhältnissen der Kranken in vielen Fällen einen größeren Erfolg hat wie die Sommerkur.(Die Ursache, daß in den Heimstätten zahlreiche freie Betten vorhanden sino, ist auch auf den Beschluß der städtischen Körperschaften, die Heraufsetzung der Pflegegeldsätze, mit zurückzuführen. D. Red.) f erner wurde der Etatsentwurf für die Heimstätten fest- t. Hierbei fanden in Ausführung eines bereits früher ge- faßten Beschlusses auch diejenigen Kosten Berücksichtigung, welche durch die Gewährung von Anstaltswäsche und-Bekleidung auch an die Pfleglinge der für Genesende bestimmten Heimstätten Blankenburg, Upstall und Heinersdors nötig werden. Nach dem Etatsentwurf ist ein Zuschuß von 114 500 M. erforderlich. Es kamen dann noch die Vorschläge der Unterkommission über die Beschäftigung der Pfleglinge in den Heim. st ä t t e n zur Beratung. Da anerkannt war, daß die Beschäftigung mit leichten Arbeiten unter Zustimmung des Arztes der Heim- stätte ein Heilmittel bildet und die Wiederaufnahme der Er» werbstätigkeit nach Beendigung der Heimstättenkur erleichtert, be» schloß das Kuratorium nach den Vorschlägen der Unterkommission, mit der Einführung der Beschäftigung für die Pfleglinge zunächst während eines Zeitraumes von sechs Monaten(drei Winter- und drei Sommermonaten) einen Versuch zu machen. Die von der Unterkommission aufgestellten, Grundsätze wurden gleichfalls ge- billigt. Hiernach soll ein Zwang zu einer Arbeitsleistung nicht stattfinden, sondern durch Vorträge und Belehrungen seitens der Hcilstättenärzte moralisch auf die Pfleglinge eingewirkt werden. Ein entsprechender Hinweis, daß eine leichte Beschäftigung den Kurerfolg fördert, wird auch in die an die Pfleglinge aus- zuhändigenden Hausordnungen übernommen werden. Brustkranke werden in der Regel während der ersten vier Wochen mit Arbeiten überhaupt nicht beschäftigt. Für die Beschäftigung kommen hauptsächlich Arbeiten im Freien, also leichte Gartenarbeiten, wie Laubharken, Säubern der Wege im Park, eventuell Anlegung von Wegen in Frage. Für Frauen tritt noch Gemüseputzen und Kartoffelschälen hinzu. Daneben bleiben die bereit» eingeführten E ausarbeiten, Decken und Aufräumen der Tische, Aufmachen der agerstellen, bestehen. Mit Rücksicht darauf, daß es sich in allen Fällen nur um kurze Beschäftigungszeiten der Pfleglinge handelt. und bei weitem nicht alle Pfleglinge geeignet oder beteiligt sind, wurden diese Arbeiten als ausreichend erachtet. Der Fall Roehl ans dem Handwerkskammertag. Der Syndikus der Berliner Handwerkerkammer, Dr. Roehl, ist seit längerer Zeit vom Amte suspendiert, ohne daß den Beteiligten die Gründe angegeben worden sind. ES heißt, daß Dr. Roehl bei der Vergebung von Arbeiten für das neue HandwerkerhauS seine Pflichten verletzt und in einigen anderen Fällen gegen die Interessen der Hand- Werkerkammer verstoßen habe. In der letzten Sitzung der Kammer. die im Landcshause in der Matthäikirchstraße stattfand, wollten die .Mitglieder Aufklärung über die Vorgänge haben. Vor Eintritt in 'die Tagesordnung wurde von 19 Kammermitgliedern ein Drin»» lichkeitsantrag gestellt, der darauf hinausging, die Angelegenheit des SpndikuS Dr. Roehl zur Besprechung zu bringen. Dazu kam es indessen nicht. Der Vorstand berief sich auf die Geschäftsordnung, nach der die Verhandlung dieses Punktes nur möglich sei, wenn kein Widerspruch aus der Versammlung erfolgt. Da eine lieber- einstimmung der Anwesenden nicht zu erzielen war, mußte die Be. sprechung unterbleiben. Der Vorsitzende Bernard betonte dabei, daß die Angelegenheit sich noch nicht für die Ocffentlichkeit eigne. lieber das Disziplinarverfahren gegen Dr. Roehl seien drei Abtei- lungen der Kammer bereits informiert worden, die Sache nehme ihren Fortgang. Später werde man näheres darüber mitteilen können. Eine längere Debatte entstand bei dem Kapitel„Hausbau". Der Vorsitzende Bcrnard führte hierbei aus, daß für de» Bau 2 Millionen Mark geliehen sind und daß noch 300 000 M. zu be- schaffen seien. Die Gesamtkosten des Baues betragen 2 300 000 M. Davon ist für die Baustelle ausgegeben 1 100 000 M., für die BauauS- führung 800 000 M. und für die Bauleitung 27 000 M. Das Mobiliar für die Geschäftssäle, deren das Haus mehrere enthält, kostet nicht weniger wie 150 000 M. Es wird mit einer Ueberschrcitung des. Voranschlags von 75 000 M. gerechnet. In der Debatte kamen die vielfachen Beschwerden der Bauhandwerkrr über die Art der Ber- gebung der Arbeiten für das Handwerkerhaus zur Geltung, Stadtverordneter Berger, Obermeister der Berliner Klempnerinnung, richtete heftige Angriffe gegen den Vorstand der Kammer und gegen die Baukommission, weil sie geduldet hätten, daß die bauausfüh, tenbe Firma Held u. Francks die Bauhailbwerker bei der Vergebung der Arbeiten nicht berücksichtigt habe. Es seien die Grundsätze,' die sonst von der Handwerkskamuer selbst bei den Behörden der- treten werden, hier schnöde verletzt worden. Die Verfügungen des Ministers und deS Obcrpräsidentcn, wonach Handwerksarbciten tun- lich nur an Innungen vergeben werden sollen, wären nicht'befolgt worden. Die Älempnerarbeiten habe z. B. eine Firma erhalten, deren Inhaber sich weigere, die Meisterprüfung zu niachen. Auch Obermeister Rahardt von der Berliner Tischlerinnung bedauerte die Verfehlungen, die bei dem Bau des neuen Hauses vorgekommen sind. Er erklärte, daß nian absichtlich mangelhafte Unterlagen an die sich bewerbenden Handwerker gegeben habe, um den anderen, Außenstehenden, die Arbeiten zuzuschanzen. Die Freude an dem schönen Hause wäre dadurch dem Handwerkerstande sehr getrübt worden. In gleicher Weise richtete Stadtverordneter Rettich, der Leiter der Berliner Malerinnung, scharfe Geschosse gegen den Vor- stand und die Baukommission. Er habe seinerzeit den Antrag durch- gebracht, daß bei den Baukosten 100 000 M. mehr in Ansatz gestellt wurden, um Firmen, die höhere Preise forderten, mitzuberücksich- tigen. Diesem Grundsätze sei nicht entsprochen worden. Die neue Anleihe von 300 000 M., die zur Deckung der Baukosten noch nötig ist. wurde von der Vollversammlung schließlich bewilligt. Das alte Lied. Der Kindesmord im Asyl ist bereits aufgeklärt, die Täterin verhaftet und geständig. Es ist die 21 Jahre alte aus Beidorf in Schleswig-Holstein gebürtige Dienstmagd Erna Hennig, die seit einiger Zeit bei dem Oberinspektor Jäkel im Asyl in Stellung war. Eine Aufschrift auf dem Karton, in dem sich die Kindesleiche befand, führte zur Ermittelung der Mutter. Die Kriminalpolizei stellte fest, daß der Karton aus dem Warenhause von Wertheim in der Rosenthaler Straße stammte. Es ergab sich nun, daß die Frau des Oberinspektors dort vor einem Jahr etwas gekauft und in dem Karton mitgenommen hatte. Dieser stand seitdem im Keller. Ein anderes Mädchen holte ihn kürzlich herauf, um ihn zu verwenden. Weil er aber für den Zweck nicht paßte, kam er wieder nach dem Keller. Zu diesem hatte jetzt nur Erna Hennig Zutritt. Man nahm sie deshalb Freitag abend spät noch ins Gebet. Sie räumte dann auch ein, daß sie am 30. September ge- boren habe, behauptete aber zunächst, daß sich das Kind jn ihrer Heimat in Pflege befinde. Dann aber erzählte sie ihre Leidens- geschichte: Auf einem Gute in Schleswig-Holstein, auf dem sie diente, ließ sie sich mit dem Inspektor ein. Um ihren Fehltritt zu verheimlichen, begab sie sich zur Niederkunft nach Berlin. Hier gab sie das Kind in Pflege zu einer Frau Großmann, die als „Haltefrau" die Erlaubnis zur Annahme von Pflegekindern hat. Zunächst hatte sie es selbst genährt, und es war in der Zeit gut gediehen. Nun war sie aber mit ihren geringen Mitteln am Ende. Der Vater des Kindes war unterdessen nach Amerika gegangen und hatte sie voll- ständig im Stich gelassen. Sie war nun gezwungen, für ihren und des Kindes Unterhalt selbst zu sorgen und wieder einen Dienst anzunehmen. Nur deshalb gab sie das Kind in Pflege. Unter der veränderten Ernährung bekam es bald Brech- durchfall und andere Krankheiten und ging ersichtlich dem Tode entgegen. Der„HaUesrau" war es nun unangenehm, daß das Kind bei ihr sterben könnte. Sie brachte deshalb daS Kind nach dem 51aiser- und Kaiserin-Friedrich-Krankenhause, mutzte es aber von dort bald wieder zurücknehmen, weil ihren Behauptungen nach der Armenarzt erklärte, die Mutter solle das Kind selbst nähren, dann werde es wieder gesund werden. Die Mutter hatte es nun gerade in Pflege gegeben, um überhaupt nur leben zu können. In den Dienst konnte sie es doch unmöglich mitnehmen. Die Pflegemutter aber brachte es ihr kurzerhand nach der Wohnung. ohne daß die Dienstherrschaft davon etwas merkte. Nun saß die Mutter verzweifelt mit dem armen Wurm da. Sie legte das kranke Kind in ihr Bett und sann einige Stunden nach, was sie nun mit ihm beginnen sollen So ward es Abend. Jn der Ver- zweiflung griff dann endlich die Mutter zu einer Schnur, er- drosselte das Kind, holte den Kasten aus dem Keller herauf, legte die eingewickelte Leiche hinein und brachte nun alles nach dem Müllkasten. Nach diesem Geständnis wurde die junge Mutter verhaftet. Es ist das alte Lied. Ein armes Dienstmädchen wird ent- weder vom Sohn der Herrschaft oder von einem Vorgesetzten, wie im vorliegenden Falle, gemißbraucht und geschwängert. Ter Vater entzieht sich den Folgen des intimen Umganges und das arme Mädchen iveiß in seiner Not nicht, was es mit dem kleinen Wurm anfangen soll. In der Verzweiflung wird dann ein solches Mädchen zur Mörderin. Und die bürgerliche Gesellschaft zeigt dann mit Fingern auf die Kindesmörderin. Durch einen elektrischen Strom getStet wurde am Donnerstag- abend um Uhr der 19 Jahre alte Ma'chinenbaner Karl Nutalskyl. Der junge Mann war seit einem Jahre in den Elektri- zitätSwerken in der Brunnenstratze beschäftigt. Am Donnerstag wollte er Arbeitskollegen mit seiner Körperkraft imponieren und versuchte eine im Gange befindliche Maschine zum Stehen zu bringen. Er faßte in das Schwungrad einer Presse von 190 Volt Spannung, um sie anzuhalten, brach aber, von dem Strome getroffen, auf der Stelle zusammen und blieb regungslos liegen. Man brachte ihn nach dem Lazarus-Krankenhaus, wo aber der Arzt nur noch den Tod feststellen konnte._ Polizeigeld für die Jugendagitation. DaS Berliner Polizeipräsidium hat das Geld, das zur Be- spitzelung der Freien Jugendorganisation im Betrage von 28 Mark gezahlt wurde, zur festgesetzten Zeit nicht abgeholt. Es scheint die Behörde demnach damit einverstanden zu sein, daß diese 28 Mark Polizeigeld von der Jugendorganisation zur Abwehr deS ihr aufgezwungenen Polizeikampfes verwendet werden. DaS Geld ist der Kaste der Jugendorganisation überwiesen. So dienen wenigstens einige Mark der Steuerzahler einem vernünftigen Zweck. Daß das Geld an die richtige Adresse abgeliefert ist, beweist folgende Quittung. Durch den Kollegen Lewin ist der Kasse der Freien Jugend- organisation die Summe von 28 Mk. sAchtundzwanzig Mark), die vom Berliner Polizeipräsidium zur Bespitzelung der Jugendorganisation an ihn gezahlt wurde, über- wiesen worden. Berlin, den 27. November 1909. Ernst Wenzel Kassierer der Freien Jugendorganisation Berlin« und Umgegend. Heitere Kunst lautet der Titel eines am heutigen Sonntag im großen Saale des Gcwerkschaftskziuses stattfindenden Kunstabcnds. Veranstalter ist die Ortsgruppe Berlin des Deutschen Arbeiter-Ab- stincntcnbundes. Die künstlerische Leitung liegt in den Händen des Herrn Leo Kesten der g. Ihre Mitwirkung haben zugesagt: Frl. Völkerling(Sopran), Herr Reznik(Bariton), Frau Meyer(Rezitation). Der Eintrittspreis beträgt nur 20 Pf. Ein» trittskarten sind nur bei den Mitgliedern zu haben: W. Pieleke, Louisenstraße 18, E. Geisler, Kuglerstr. 41. Das Theater„Folies Gaprice" in der Linienstvaße brachte am Donnerstag zwei neue Schwanke heraus. Dem einen:„Sicher ist sicher", liegt die tolle Idee zugrunde, daß ein Lebemann sich bei einer Lebensversicherung einkauft und von einem Handelsjuden 10 000 M. bekommt unter der Bedingung, sich nach einem halben Jahre umzubringen, damit der Spekulant die SO 000 M. Versiehe- rungsprämie einstreichen kann. Als die Zeit heran ist, drängt der Handelsmann auf Erfüllung des Versprechens, während der Ver- stcherungsagent alles aufbietet, um das Unheil zu verhindern oder mindestens solange hiMuszuschieben, bis die. Statuten der Ver- sicherung so geändert sind, daß bei Selbstmord keine Prämie gezahlt wird. Dadurch entstehen die drolligsten Situationen, denen ein Ende gemacht wird durch eine reiche Heirat mit der Tochter eines für den so geriebenen Lebemann Sympathie empfindenden Wucherers. Nicht minder blödsinnig ist die zweite einaktige Posse: „Der Mann meiner Fra u". Durch die an dieser Stätte der leichtgeschürzten Muse Herrnfeldschcn Genres und der ergötz- lichen Darstellung der Herren Grünecker, Berisch, Flcischniann und der Damen Wittens, Halmi und Jolly kam das Publikum aus dem Lachen nicht heraus. Zeugen gesucht. Personen, die gesehen haben, wie am Dienstag- abend vor dem Hause Chausicestr. 95 ein Arbeiter unter die Räder eines Wagens der Straßenbahn- Linie 68 geriet, werden gebeten, ihre Adresse an Gustav Hildebrandt, Frankfurter Allee 105. vorn III, einzusenden. Insbesondere werden die Personen gebeten, dies zu tun, die den Verunglückien bis zum Eintreffen eines Schutzmanns und einer Droschke gehalten haben. Der Arbeiter- Säugerbund beabsichtigt, in eine Propaganda im größeren Umfange für den Arbeitergesang einzutreten. Zu diesem Zweck veranstaltet die Leitung des Berliner Arbeiter-Sängerbundes in den nächsten Wochen eine Anzahl Bersanimlungen, und zwar: Montag, den 29. November, S'/a Uhr abends, in den Prachlsälen Nordwest, Wiclefstr. 24; Sonnlag, den 5. Dezember, vorm. 10 Uhr, Swinemünder Str. 42; Montag, den 6. Dezember, 8Va Uhr abends, Königsbank, Große Frankfurter Str. 117; Montag, de» 13. Dezember, 8'/a Uhr abends. Graumamis Säte, Naimyiistr. 27. Jn allen Ver- sammlungen soll Genosse Reichstagsabgeordneter Eichhorn über das Thema„Was will der Deutsche Arbeiter- Sängerbund?" sprechen. ES ist zu wünschen, daß diese Versammlungen recht zahlreich, sowohl von Mitgliedern der Arbeilergesangvereine wie auch von allen an- deren Freunden des VotkSgesanges besucht werden. Brbeiter-Samariter- Kolonne. Montag: 2. Abteilung. Brunnen- straße 154. Vortrag über Knocheubrüche, Verrenkungen, Ver- stauchungen(2. Teil). Daran anschließend praktische Uebungen. Mittwoch: 5. Abteilung; Donnerstag: 3. Abteilung und Freilag: 4. Abteilung. Sonnlag, den 5. Dezember, vormittags 11 Uhr, im Hörsaal deS Pathologischen Museums(Eingang Alexairderufer): Vortrag des Herrn Prof. Dr. Kaiserling über die häufigsten Jnsellioiiskrankheiten und ihre Erreger(mit Projektionen). Rechtzeitiges Erscheinen ist Bedingung. Vorort-]Vacb richten. Eharlottendnrg. Umfangreiche Entlassungen in der Parkvcrwaltung CharlottenburgS haben in diesen Tagen stattgesmiden. Am Freitag, den 19., niußlen zunächst alle nichtständigen Gärtner und Garlenarbeiter aussetzen. Von 9 bis 11 Uhr vormittags hieß es plötzlich in den Revieren: „Alles aussetzen". Verschiedene Frauen von den vcrheiraleten Arbeitern waren schon mit dem Miltagesscn nnterwegs. Es ist dies ein Zustand, wie er in der gewerblichen Gärtnerei nicht üblich ist. Man hatte nun aber wenigstens erwartet, daß man den Gärmern und Garlenarbeiter» den Tag voll bezahlen würde. Aber weil gefehlt. Eine Bezahlung ersolgte nicht, vielmehr wurden am folgenden Sonnabend 38 nichistnndige Gärtner und Gartenarbeiter entlassen. Da Arbeit reichlich vorhanden ist, muß die ganze Sache nur als schikanöse Handlung des leitenden Inspektors der Gartenverwaltung betrachtet werden. Die Entlassenen beauf» tragtcn nun den Arbeiterausschuß in dieser Angelegenheit beim Dezernenten der Parkverwaltung vorstellig zu werde». Das geschah auck; der Dezernent Stadlrat Stendel versprach, daß alle Ver» heirateten und auch ein Teil der Unverheirateten wieder am Dienstag eingestellt werden sollten. Die Einlösung dieses Bei sprechen? scheiterte aber an der Hartnäckigkeit des Garteilinspektors, der alle alten Leute ollmähl' h aus der Park- Verwaltung abschieben will. Von den 33 Entlassenen werden nur acht, darunter siiiif Verheiratete, wieder eingestellt. Unter den noch Arbeitslosen befinden sich Leute, die schon drei bis fünf Jabre und noch länger in der Patkverwaltiing beschäftigt waren. Ein Privat- Unternehmer kann nicht schlimmer handeln wie die wegen ihrer sozialen Fürsorge so gerühmte Stadt Charlottenburg. Die An- gelegenheit hat aber auch einem Teil der Betroffenen die Augen aeöffnet, daß gegen derartige Schikanen einzelner Personen eine starke Berufsorganisatio» helfen kann. Sie hoben sich im Allgemeinen Deutschen Gärmerverei» ausnehmen lassen und erwarten von den noch nicht organisierten Kollegen, daß sie daS gleiche tun werden. Ein schwerer Baunnfall ereignete sich vorgestern aus dem Grundstück Bismarckstr. 106. Der Maurer Friedrich Richter, Koppen- straße 31 wohnhaft, war etwas später aus dem Neubau erschienen, während die übrigen Arbeiter bereits tätig waren. Als R. sich seines UcberziehcrS entledigte, fiel ihm aus der Höhe der dritten Etage ein Ziegelstein auf den Kopf, durchschlug den Hut und ver- letzte den Maurer derartig schwer an der Stirn, daß er blut- überströmt und bewußtlos zusammenbrach. Der Schwerverletzte wurde mittels Kranlemvagens in bedenklichem Zustande nach dem Krankenhause Westend übergeführt. Rixdorf. Morgen Montag abend findet der letzte Vortragsabend über: „Die Grundbegriffe des wissenschaftlichen Sozialismus" in Hoppes Lokal, Hermannstr. 49, statt. Das Thema des Abends lautet:.Unsere Gegenwartsforderungen. Der Z»kimflsstaat." Heute nachmiitag präzise 2l/3 Uhr im Rixdorfer Theater, Berg- straße 147: Theatervorstellung.'Zur Aufführung gelangt:„Kabale und Liebe" von Fr. v. Schiller. Der Bildungsausschuß. Schöneberg. Die Stichwahl im 2. Bezirk endete mit einem Siege deS liberalen Kandidaten. Von 1023 abgegebenen Stimmen erhielt Peterson(Soz.) 496 Stimmen, Marsch(lib. Fraktion) 532 Slimmen. Letzterer ist somit gewählt. Bei der Hauptwahl erhielten wir 424 Stimmen, die Gegner insgesamt 555 Stimmen. Der Bezirk war bisher stets im bürgerlichen Besitz gewesen, daher wurde mit besonderer Anstrengung gearbeitet. So wurden die Postbeamten, die bei der Hauptwahl nicht gewählt haben, für den liberalen Kan- didaten mobil gemacht. Tempelhof. Die letzte Gemeindevertretersitzung beschäftigte sich zunächst mit der Erledigung der Einsprüche gegen den Bebauungsplan für das Genieindegebiet südlich der Ringbahn. Von den übrig gebliebene» 13 Einsprüchen wurden zwei, nämliÄ die deS GcheimratS Lüders (an der Chanssee nach Lankwitz) sowie der Einspruch der Terrain- gcsellschaft„Industrieviertel Tempelhof- Berlin"(im Osten Tempel- hosS) als berechtigt anerlannt. Alle anderen Einsprüche wurden teils an den KreisnuSschuß zurück-, teils ganz abgewiesen.— Hierauf erstattete der Syndikus Wiesuer Bericht über die Verhandlungen niit der Großen Berliner Straßenbahn. Danach ersetzt die Große Berliner die Wagen 96 und 97 durch 70 und 73 und läßt diese bei Fünfzehn- minntenverkehr von Friedrichsfelde resp. Prenzlauer Allee durch Tempelhof nach Martendorf fahren. Die Große Berliner ist auch nicht abgeneigt, die Linie 38(Gesundbrunnen— Kreuzberg) in Linie IV umzutaufen und diese über Tempelhof— Lankwitz— Gr.-Lichterfelde zu verlängern aber Tempelhof müsse dann schon ans seine Rechte nach der Linkstraße verzichten und seine Beschwerde beim Minister zurück äehen. Eine fahrplanmäßige Verbindung Behrenstraße— Tempelhof lehne die Direktion rundweg ab. So sehen die„Ver- besserungen" aus I Während man früher genau wußte, daß man von der Bchrenstraße mitkommen mußte, werden die Tempel- hofer nach Einführung dieser„Verbesserung" nicht nur nach, sondern auch von Berlin schwerer befördert. Die Kommission scheint alle Wünsche der Großen Berliner, aber keinen Wunsch der Gemeinde erfüllt zu haben! Wurde doch selbst in der Sitzung laut, daß diese Verbesserungen nur durch Preisgabe eines bestimmten Rechtes erkauft worden seien. Daß irgend rlwas geändert wird, glauben auch wir nicht, zumal mit Bezug auf die Linien 70 und 73 alles schon festliegt und die Gemeinde« Vertreter nur„Ja" zu sagen brauchen. Syndikus Wiesner versicherte zwar, daß er sich alle Mühe gegeben habe, Verbesserungen zu erreichen, aber etwas zu erringen sei nicht mög- lich, zumal auch das Polizeipräsidium alle Wagen von der Behren- straße wegen Absperrungen usw. ranshaben möchte. Alle wetteren Verhandlungen hätten keinen Zweck und da auch der Gemeinde« Vorsteher drohte, die Verhandlungen abbrechen zu lassen, so wird „in diesem Sinne" weiter verhandelt werden. Nachdem noch die Regelung des Tarifs ant Linie IV erörtert wurde, kamen auch die erzielten„Verbesseruiigeit" mit Bezug aus den Sudring I zur Debatte. Auch hier sind Nachteile vorhanden; der Osten Tempelhofs. der schon so stiefmütterlich versorgt wird, büße noch mehr ein. Die ganze Behandlung in dieser Sache wurde ausgesetzt.— Am Schlüsse der Sitzung nahm die Versammlung Kenntnis von dem Ausschreiben der Aiisschachtungsarbeiten für das Realgymnasium, welche mit etwa 14 000 bezw. 16 000 M. in Voranschlag gebrächt worden sind. Die AgitatioirSkonlmission der Koilsuiiigenossciischaft veranstaltet am beutigen Sonntag von nachiiiiltags 3 Uhr aä im Lokal von Löwenhagen in Mariendorf, Chausseestraße 27, eine Waren« a u s st e l l u n g. Storkow. Eine Stadtverordnetenwahl fand hier am vergangenen Montag statt. Der von unserer Partei aufgestellte Genosse Ä o l b e r g er- hielt 18, der gegnerische Kandidat 127 Stimmen.— Man Halle hier alles mögliche angewendet, um einen Erfolg der Sozialdemokratie z» verhindern. Zunächst hatte der Bürgermeister als Wahltag den Tag der Kontroliveriammluiig auSersehen. Ein Versammlungslokal steht uns seit langer Zeit nicht zur Verfügung. Für den Sonntag vor de» Wahlen war es jedoch gelungen, einen Saal zur Abhaltung einer Versanirnlung zu erhalten. Der Bürgermeister verbot jedoch die Abhaltung der Versammlung am Totensonntag. Daun berief der Bürgermeister zwei Arbeilgeber, bei denen die Mehr- zahl der Siorkower Arbeiter beschäftigt sind, in den Wabl- vorstand; er selbst überiiabm das Amt als Wahlvorsteher. Alles war geschehen, um die rote Flut abzuwenden. Von den Arbeitern beteiligten sich daher nur wenige an der Wahl. Bei der Feststellung des Wahlresultats machte einer unserer Parteigenossen den Bürger« meister darauf aufiiierksam, daß die 127 Stimmen, die für einen B a h n m e i st e r abgegeben wurden, als ungütiige zu betrachten sind, da ei» Babinneister nach den Bestimmungen der Slädteordnung als Stadtverordneter nicht iväb'bar ist. Der Bürge imeister er- widerte jedoch unserem Genossen, daß ihm das gar nichts angehe, deini darüber habe der Wahlvorstand zu bestimmen. Der Babn- meister wurde dann als gewählt proklamiert. Das schönste ist, daß dieser Herr bereits sechs Jabre in der Stadtverordnetenversanmilung ganz unrechimäßigerweise gesessen hat. Gegen die Wahl wird selbst- verständlich Protest eingelegt. Adlershof und Umgegend. Die Verschlechterung der Arbeiterversicherung durch die Reich?» versicherungsordnung war das Tbema, über das Arbeitersekretär Genosse Müller in einer Volksversammlung referierte. Der ein- gehende Vortrag wurde mit regem Interesse verfolgt. Zum Schluß richtete der Versammlungsleiter an die Versammelten die Aus- forderung. rege für die Parle» zu agitieren. Für die jugendlichen Lehrlinge, Arbeiter und Arbeiterinnen von Adlershof, Alt-Glienicke, Bohnsdors und Grünau findet am heutigen Sonnlagnachmittag pünktlich 3 Uhr im Jugendheim in Adlershof, Bismarckstr. 11. eine Versammlung des JngendbildungsvereinS von Adlershof und Umgegend statt. Auf der Tagesordnung steht: Vortrag des Herrn Albert Horlitz über:„Christliche Jünglings- vereiiie" oder„Proletarische Jugendbewegung". Die Mitglieder des JüngltttgSvereinS von Adlershof und deren Leiter sind schriftlich ein- geladen. Kalkberge- Rüdersdorf. Ein tödlicher Betriebsunfall ereignete sich vorgestern in der hiesigen Pvrtland-Zcmemfabrik. Dort war gegen 5 Uhr morgens der 2ljährige Arbeiter Leo Kluge damit beschäftigt, im Silo das von gemahlenem Kalkstein gewonnene Rohmehl abzustoßen. Hierbei glitt er aus und stürzte in eine tiefe Grube, welche mit Kalkmehl gefüllt war und in der er sofort versank. Obwohl die Kollegen des K. den Unfall bemerkt und alsbald Rettungsversuche unter« nahmen, konnte der Verunglückte doch nur als Leiche hervorgezogen werden. Er war bereits in dem Kalkmehl erstickt. Spiptdnu. Der Arbeiterbildungsansschuß hat in seiner letzten Sitzung be« schloffen, bei allen Veranstallimgen den arbeitslosen Ge- werkichastsmitgliedern, sowie deren Frauen und Kindern unter vier« zehn Jahren, freien Eintritt zu gewähren. Diese GraliSkarten können, gegen Vorzeigung des Verbot, dsbncheS, sowie Legitimalions« karte über die Arbeitslosigkeit, beim Kassierer: Alfred Manker, Spandau, Weißenburger Straße 26, Seitenflügel II, in Empfang genommen werden. Vermischtes. Der Absender der Wiener Giftbriefe« Der Absender der Zyankalibriefe ist. wie aus Wien gemeldet wird, in�den Händen der Militärbehörde. Es ist der Oberleutnant Adolf Hofrickiter, zugeteilt dem Generalstabe in Linz. An« zeigen und Sachverständigengutachten wiesen seit Donnerstag immer deutlicher auf eine bestimmte Person. Der üble Ruf des verdächtigen Oberleutnants in kameradschaftlicher Hinsicht, sein krankhafter Ehrgeiz, seine Rücksichtslosigkeit, ferner der Umstand, daß er ein passionierter Amateurphotogroph war, der sich leicht Zyankali verschaffe» konnte, lieferten belastende Momente gegen ihn. Auch die Sachverständigen des Schreibfaches schöpften gegen ihn Verdacht, nachdem sie seine schriftlichen Arbeiten in dem KriegSschnlarchiv mit der Schrift auf den Kuverts der Francisschen Sendungen verglichen hatten. Ein Schriftstück deS verdächtigen Offiziers, das man sich unter der Hand verschafft hatte, schaffte beinahe volle Klarheit. Der verdächtige Offizier ist am kritischen Tage nicht in seiner Garnison in Linz gewesen, sondern war beurlaubt. Der Urlaub lautete nicht»ach Wien. Trotzdem hat er sich, wie Umfragen bei Angehörigen ergeben haben, in der Zeit vom 11. bis 14. November in Wien aufgehallen. Da er in Linz stationiert war, mußte er mit der Westbahn an» kommen und zurückfahren. In der Nähe dieses Bahnhofes liegt aber das Postamt Mittelgasse. Ein Offizier gab übrigens bei der Behörde Schächtelchen ab, die den Zyaukalibehällern sehr ähnlich sehen. Der Offizier sagte aus, daß der Oberleutnant Hofrichter sie ihm vor 14 Tagen geschenkt habe. Vorgestern abend war eine Kommission, bestehend aus Polizeibeamten und Personen der inilitärischen Untersuchungsbehörde, linter Führung des Regierungsrats Stnkart und des Generalobersten Kntschera nach Linz abgereist, wo Oberleutnant Hofrichter seit kurzer Zeit stationiert ist. Schon die ersten an Ort und Stelle gepflogenen Erhebungen stimmten soweit zu den Ergebnissen der Wiener Recherchen, daß der Offizier zu dem militärgerichtlichen Verhör be» fohlen werden konnte. Der Regimentskommandant beaustragte drei Offiziere, den Beschuldigten zum Verhör abzuholen. Er schien voll- ständig ruhig �ind gefaßt zu sein— noch während des Verhöres setzten die Wiener Untersuchungsbeamten die Nachforschungen fort, nahmen eine gründliche Haussuchung vor, recherchierten nach Schreib- Material, das zu dem der Giftbriese paßte, und.förderten neue» belastendes Material zutage. Nach der Rückkehr der Kommission fanden im Wiener SicherheitSburcau Konferenzen statt. Um �2 Uhr nachmittags wurde aus Linz gemeldet, dasi der verhaftete Oberleutnant bereits ein volles Geständnis abgelegt habe. C.» war schwer, ihn zu diesem Geständnis zu bewegen. Selbst als dn Linzer Papierhändler ihm ins Gesicht sagte, daß er die Papier- hülsen von ihm gekauft habe, leugnete er noch. Nach wenigen Minuten war aber soviel unbestreitbares Material beisammen, daß dem Beschuldigten kein Ausweg mehr blieb und er sich zu dem Ge- ständnis bequemen mußte._ Hochwasser. Einer Meldung aus Duderstadt zufolge führen die Eder, Diemel, Leine, Ruhme, Werra, Ilm und obere Saale seit gestem nachmittag Hochwasser. Zum Saßnitzcr Raubmord. Der Deutsche Robert Schmalz, der vor einiger Zeit auf der Insel Fünen unter dem Verdacht verhaftet wurde, an dem Raubmord bei Saßnitz beteiligt gewesen zu sein, ist. einer Meldung auS Svendborg zufolge, an die deutschen Be- Hürden in MenSburg ausgeliefert worden. Dramatischer Selbstmord eines zum Militärdienst Ausgehobenen. Aus Rom wird uns gemeldet: In Castiglione belle Stiviere sBrescia) hat sich vor einigen Tagen ein junger Mann. der eben seinen Ort verließ, um seine Mil'ilärdienstzeir zu absolvieren, in schrecklicher Weise das Leben genomiyen. Der junge Mann, ein gewisser Danesi, Sohn eines reichen Bauern, war in Begleitung seines Vaters und seiner Vettern mit den anderen Ausgehobenen fortgezogen und hatte dieselbe Heiterkeit und Sorglosigkeit bewahrt, wie die anderen jungen Leute. Ganz plötzlich stürzte er auf einen der Pfeiler zu, die die elektrische Starkstromleitung stützen und kletterte daran empor, ehe man ihn verhindern konnte. Oben an- gelangt, rief er seinen vor Entsetzen starren Angehörigen niit lauter Sliinnie AbschiedSworte zu und legte dann den Arm auf die Leitung: der 40 000 Volt starke Strom traf den Unglücklichen und hüllte seinen sich schrecklich zusanunenziehenden Körper in eine rote Wolke ein. Nur niit Mühe gelang es, den Körver, der an der Leitung hangen geblieben war, zu befreien. Der Tod war sofort nach der Berührung der Starkstromleitung eingetreten. Grund der ver- zweiielteii Tat soll der Widerwillen gegen den Militärdienst und der Schmerz, die Familie zu verlassen, gewesen sein. Kaufmännische Kranke»- und Stervekasse von 1885.(E. H. 71.) Neandcistr. 4. Dienstag, den 30. November, abends 9 Uhr, im Restaurant A. Landes, Stralauer Str. 3S/37: Sitzung. Allgemeine Fauiilien-Dterbekassc. Zahltag Ackerstr. 123 bei Wernicke und Mariannenstr. 59 bei Neumann heute Sonntag von 2 bis 6 Uhr._ SÄMHcriinaöüf'erftrfir vom 27. November IVOS, morgens 8 llfir. Etattonen SrournuCe j764 O Hamburg 17669BSS Berlin i 765 W Sranti.aJJl 769 228 Äünchev>771 sW Wien' 767 W S Letter 2 wolkig 3 bedeckt 1 Regen 4 Nebel 1 wölken!'— 9 3 wolkig j 2 »s «.II i? W oo Etationen -Ii d, c L T« Letter iSSt c* wS> tavaranda 765 N eterSburg 756 NW ©ciHo ,761 SSW tlberdeen>754 SSO Paris �767«SO 2 wolkenl—13 1 Schnee— 10 3 wolkig 4 bedeckt 1 wollen! I Wetterprognose für Sonntag, de» A8. November 1009. Zeilweise aufklarend, am Tage ziemlich mild, aber veränderlich mit ge« ringen Niederschlägen und mätzigen südwestlichen Winden. SozialieinokralisElierWaiilvereiD für den Uerliner Ileiclistagswalilkreis Görlitier Viertel. Bezirk Nr. 227. Teil IN. Den Mitgliedern zur Nachricht. daß unser Genosse, der Arbeiter Franz Fellner Reicheuberger Str. 95a «gestorben ist. , Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Dienstag, den 30. November, nachmittags 3 Uhr. von derLeichen- balle des Michael> Kirchbose- in Rixdors, Mariendorser Weg, aus statt, Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Allen Freunde» und Bekannten! die traurige Nachricht, daß mein I lieber Mann, der Tischler »loset l�odcls im Alker von 31 Jahren plötzlich verstorben ist. 2677b Dies zeigt tiefbetrübt an die trauernde Witwe Malbilde Nadda. Die Beerdigung findet am Dienslag, den 30. November, nachm. 2 Uhr. von der Leichen Holle des Zentralfriedhoses in Frikdrichsselde aus ilalt.__ Todes-A», zeige. Am Mittwoch, den 24. No- vember verschied plötzlich unser Kollege JosepK Radda Königsberger«tr. 19. Wir verlieren in ihm einen Irenen und aufrichtigen Kollegen. Die Beerdigung findet am Dienstag, den 30. November, nachmittags 1 Uhr, von der Leichenhalle ocs Zentral« Fried- hoses in Friedrichsielde aus statt Die Kollege» der Möbelfabrik von H. u. A. Schultz. Am 26 November verstarb nach kurzem'Krankenlager mein ge- liebler Mann, unser guter Vater, der Schuhmacher Mned WQstliof im 37. Lebensjahie, Dies zeigen tiesbetrübt an Hartha vkuatkoi nebst Kindern. Die Beerdigung finde! Montag l um 2 Uhr von der Leichenhalle des neuen Rixdorser Gemeinde- Friedhoses(Mariendorser Weg> statt. 267sb ZllMlienilllli'alizeti.üiadlvel'öili Itixdorf. Am 26. November verstarb unser Mitglied, der Schuhmacher GolMed Wüstiiot (14. Bezirk). Ehre«einem Andenken! Die Beerdigung findet morgen Montag, nachmittags 2 Übr. von der Halle des neuen Nix- dorser FiiedboseS(Mariendorser Weg) aus statt. Um rege Beletligiing ersucht> l>or VorHtnnd. g Verband der freien Gast- und) Schankwirte Deutschlands. Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege üeinliold Strauß Esmarchstr. 16 plötzlich an Herzschlag verstorben ist Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet am I Montag, den 29. d. Mls., nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- halle der Elisabelh-Gemeinde, Prinzenallee, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 75/12 Die Ortsverwaltinig.! kWMei'eiii hiedei'tafei S. Den Mitgliedern die traurige Nachricht, daß unser treuer Sanges- bruder Gottfried Wüsthor am Freitagnachmittag gestorben ist, Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 29. November, nachmittags S Uhr, von der Leichenhalle des Nixdorjer Ge- meinde-Friedhoss, Mariendorser Weg, aus statt. 2679b Der Vorstand. ßeutsrßer Holzarbeiter-Verband Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Tischler .tasvpk Radda am 24. November gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Dienstag, den 30, November, nach- mittags 2 Uhr, von der Halle des Zenlrallriedhosis in Friedrichs- jelde aus statt. Um rege BeteMgung ersucht 92/13 Oie Ortsverwaltung. Deutselier Transportarlieiter-lferliaiiil. Ortsverwaltung Gro8-6erlln. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Lager- arbeiter Henrmrm Jacob am Freitag, den 26. d, M., im Alter von 23 Jahren an Herz- schlag gestorben ist, Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 29, d, M,, nach mittags 3 Uhr, von bei Lieben walder Strotze 16 aus nach dem städtischen Friedhose, Leest statt. 71/13 Oie Verwaltung ch dem -stratze, g long Herbaad der Fahrikarheiter Deutsehlands. Zahlstelle Berlin. Todes-Anzeige. Am 25. November verstarb unser Mitglied, der Arbeiter Karl Müller. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Sonntag, den 23. November, nachmittags 2>/z Uhr. vom Trauer- Hause, Chariottenstr. 14, aus statt. Die Ortsverwaltung Berlin 64/17 /Bezirk Köpenick)._ ?lln??agungl Für die vielen Beweise herzlicher Z eiln bme bei der Beerdigung unserer lieben Mutter, Groh, und Schwiegermutter, der Friedhossvermalkersrau Witwe Anna Kraose, sagen wir allen iowie dem Herrn Waldeck Manasse für ieine rostreichen Worte unseren herzlichsten Dank. �64gb Familie ölnh». rertmstn vorder Patent- fln-} me/ctitnff�rr/'Se. frenko d/t � ~ Denke nach"'fö. mnJpg. CarfFr. RefcfieU Berti F fn'edr/distr.&+Z 5??� Dr. Simmel Spezial-Arzt fflr Haut- und Harnleiden. Prlnzenstr. 41, 10—2, 5—7. Eoaatags 10— 12, 2—4. Zentral-Verhand der Leder- j arbeiter (Flliale I Berlin). Todes» Anzeige. Am 26. November verstarb unser langjähriges Mitglied, der Weitzgerber Otto Teige im Alter von 34 Jahren. Ehre srinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 29. November, nach- mittags 3 Uhr, von der Halle des neuen PaulZ-KirchhoseS, Plötzensee, aus statt. Um zahlreiches Geleit bittet >44/16 Die Ortsverwaltung. ZeittraikrauilenilaLse! der Tapezierer. Berlin III. Am 26. November verstarb unser I Mitglied Otto Rehfeid. Ehre seinem Ande nken! Die Beerdigung findet am i Dienslag, den 30. November,| nachmittags 3 Uhr, auf dem Ge-> meinbe• /fii.bijoj in Weitzensee, Rölkestratze, statt. Zahlreiche Beteiligung erwartet j Die Ortsverwaltung. 'lllale Berlin.) Am 27. November verstarb nach! kurzem Leiden unser langjähriges> Miiglied 177/16 1 Otts Rehfeld im 35. Lebensjahre. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Dienstag, den SO. November, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle in Weitzensee, Röike- strotze 91, auS statt. Um zahlreiche Beteiligung bittet Die Ortsverwaltnng. Todesanzeigen. Allen Freunden und Bekannten hiermit die traurige Nachricht, datz mein Sohn 3344L Nuxo Sprenger am 23 November insoige von Lungenentzündung im Alter von 20 Jahren verstorben ist. Ihm folgte seine Braut L.ucte Kay freiwillig in den Tod. Die Beerdigung beider findet Sonntag, den 23, November, nachm, 3'/. Ubr, von der Leichen- Halle des Weitzenseer Friedhoses, Rölkestratze. aus statt. Dieses zeigt tiesbetrübt an Ooltiod Bgrenger u. Familie. Weitzensee, Püioriusur. 92, II, Deutscher Metallarbeiter-Verband BenvaltniigSstelle Berlin. Todes-Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, datz unser Mitglied, der Mechaniker Beriiioid Liebowsky am 25. d, M. an Lungenleiden gestorben ist. 126/9 Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet morgen Montag, den 29, November, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des Neuen Kirchhofs in Potsdam auS'statt. Rege Beteiligung erwartet Die OrtsverwaltAng. ffeztmaiiiß Trauer-Magazin Extra- Abteilung I. Geschäft: Berlin W., Mohren- Straße 37a(2. Haus von der Jerusalemer Straße). Geschäft: Berlin NO., Große Frankfurter Str. IIS(2. Haus von der Andrcasstraße). Sehr gr. Auswahl fort, Kleider, Hüte, Handschuhe, Schleier etc. vom einfachsten bis zum hochelegantesten Genre zu äußerst niedrigen Preisen. Sonder-Abtoilung: Hafinnfcrtigung in 10 bis 12 Stunden. 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November TormlUags. .Vor dl« G«\vinne Uber Jio Mark alnd den batretten» dm Nummern in Klammern be!ge(Ugt, (Ohne Gewähr.)(Nscbdruck verboten.) 98 47 355 491 609 734 Sit 83 84 996 1 003 99 403 89 '«10[500] 800 2091 91 i 6 63»«09«67 3919 674 4067 971 431«S 693 86«60 llOOO] 919 5168 938 435[ 9000] 636 83 854 936 76 6099 135 474( 3000) 93« 7165 100 741 806«[500] 130 73 363 406[600] 769 9180 93 1500] 381 916 10162 263 528 71 830 11 040 43 1 9/ 243 318«37 12060 8» 103 33 88 470«31«9 712 IdOO] 63 882 1 3067 296 477 617 60 797 960 77 1 4103 36 361 18 1600] 15103 288 935 37 421[500] 77 181 84 16738»39 1 7100 979 634 900 46[600] 74 1 8006 390 960 7 7 013 99 195 941 19001 1 940 600 800 749 869 91 993 80 2 0338 676 781 863 80 21117 284(500]«9«[3000] 880 «74 22338 515 28«87 760 2 3 095 63 147 636 834«06 83 S« 2101« 221 317 699 2 5 251 820 461[1000] 120 23 26 040 384 390 516 677 144 61 861 59 2 7011 991 93 401 799 301 19 30 933[600] 86[500] 2 8323 310(600) 91 96 667 623 837 2 9109 391[500] 387[600]«09 43 701 3 0317 403 549 77 738 824 933 3 1 078 97 134[800] «29 499 633 600 723 81 72 98 3 2 027 310 16 444[ 9000] 871 716 33277 439 13000] 89 510 751 893 34133 353 337 [3000] 499 357 611 81 3 5397[ 3000] 335 406 1500]«83 830 3 6100 303 37 73 673 189 M8 37000[3000] 119 338 43 50 403 7 i 730 66 870 940 3 8546 057(500] 83 70« 30052 «03 743 93 831 970 40000*500] 283 504 322[120000] 41522[500] 80 729 tsco] 894 43 053 236[500] 728 60[500] 43612 813 78 44304 478 94 609 741 45316 53 530 31 42709(3000] 393 225 329 488 830 40 903[500] 4 7014 123 268 400 41 (500] 582 640 53 763 48229[500] 431 513 616 183 84 818 49 086 825 86 075 5 0289 83 332 424 119 842[500] 5 1 396 603[500] 742 dS 870 983 5 2 031 160 335 410 130[1000] 778 97 5 3 211 «0[500] 340[1000] 615[1000] 876«38«7 54076 486 683 91 629 41 87 709[500] 833[500] 5 5 087 437 583 713 »3 965 55020 361 626 5 7062 93 359 90 084 70! 24 891 5 8 232 70 80 474[3000] 706 5 9 063 81 171 245 531 84 633 623 60 104 01« 833 878[600] 6 1 007 98 157 204 39 610 759 6 2 207 17 41 51 336 52 470 563 CS 63021 67 119 (SOOOl 20 242 208 631 777 900 39 61370 33 646[500] 61 615 65 10 404 055 68 786 75 915 39 62 6 6 305 584 771 84 826 33 53 67187 212[500] 504 11« 913 68307 883 tos 6 9579 064 737 50 813 68 71)100 17 70 817 60 911 7 1 010 221 67[1000] 307 00 5,000] 68 510[600] 40«08 25[5000] 72037 1« 202 24 401 24 93 518 035 978 7 3 377 7 4272 312 467 SO 75038 «6 102 210 616 194 813 7 6311 414 636[500] 848 92 ,77054 99 212 324 33 79 824 705 868[600] 78116[500] 435 504[600] 695[500] 99 740 14 940 70233[600] 441 692 609 818 72 86 80136 219 512 66 95 981 81054 166 071 83« 80[500] ©93 8 2 332 92 591 720 916 8 3032 131 732(90C0] 98!>53 84082 9« 212[500] 381 593 811[3000] 8 5009 137 91 (500] 226 SU[70000] 673 80 704 807 994 8 6083 176 991 8 7020 3 7 62 72 107 57 89 266 721 854 88182 414«03 89272[500] 14 09 422 152 89[1000] SO200 109 853 91149 412 861 901 39«8 90 9 2 520 K 69« 20 53 733 821 9 3006 IIS 28 248[5000] 36«[400] 664[500]«21 54 69 9 1179 276[ 3000] 882 9321«[500] «7 335 406 509 806 9 6071 91 170 9 7 202 760 938 9 7241 12 350 53 463 87 603 60 87 98 780 823 50 71 75 931 0 8013 tl«93 772 74 822 9 9106 473 061 8 1 938 100309 649 713[600] 889 93 966 1 01175 81[600] 15 213 401(1COO) 577 733 07 805[1000] 102053 60 65 04 116 301 83 860 776 901 103150[1000] 347[1000] 53 429 533[500] 639 700 1 0 1027[lOOO] 206 48 475[1000] «37 1 0 5 237 313[1000] 59 99 511 59 600 760 1 0 0514 610 35« 7 920 40 1 0 7 064 233 856 83 407 39 104 31 886 982 1108 283 353 59 714 1 0 0074 406 794 1 1O904 118 30 817 60 12 635 826«19 65 SO 111294 SS5 613 833 112253 736[KDO] 803 69 113014 140 228 [3000] 78 458 00 571 633 720 77»05 1X4598 645 97 11X5111[100-1] 313 86 827 31 116001 131 248 413 11000] 49 513 86[5000] 609 12 67[1000] 809 46 117 127 239 61 81 90[1000] 376 740 118157 496 544«31 110315 ilOOO] 33 45 300 13 492 573«20[3000] 64 611 120033 167 411 562 70 815 121120 800 41 442 073 122251 6« 327 93 520[3000] 636 43 45 1 2 3304 9 04 £16«9 019 800 86 87 88 984 1 21119 24 36 104 017 809 [600] 125166 201 58 70 383 1 2 6 290 99 351 727«85 127110 318 1 2 8630 300 477[300] 313[1000] 53 677 675 1 2 9 312 33 618 57 810 967 13O026[3000] 107 62 453 131240 322 459 543«73 W1 907 51 13 2063 133 539 45 79 83«10 768 82 1 3 3 011 llOOO] 132 201 13'310 45 453 721 84 868 910 29 1 3 4566 16001 74 812 1? 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Ziehung 5, KI. 221. Kgl. Preuss. Lotterie. Ziehung vom 27. November naobmittags. Kur die Gewinno Ober 210 Mark sind den betreffenden Nummern in Klammern beigeliigt. (Ohne Gewähr.)(Nnchdruck verboten.) 70»11 433 74«63 795 1 290[lOOO] 553 97 451 704 2506 767 3142 331 471 73 583 759 4 073 33« 51 60«40 £53 806 54 5 177 270 481[500] 6003 119 615 93 117 7 010 253 51 435 563»00 51 723 39 45 02»34«33 8 083 421 536 891 805 0438 40 591 779 879[500] 88 10214 550 808 11[500]«72 11062 311 49 475«34 47 66 644 99 888 1 200« 264[500] SIS 28 53«21 91 814 13130 412 6« 14120 398 411[3000] 723 69 871 983 1 5039 816 73 422 690 709 27 905[500] 31 49 1 6001 203 37 67 4SI 527 1 7120 20«[»»00] 431«18 82»[500] 18000[500] £9 11» 74 21» 5,»14[ 500] 4»[1000] 497 5X5 21«13 87« 10013»66 4,1«1 576«12 20113 364[500]»9»23«1,«»»»11 2101» 337«14 «7« 5« 71»[Z00O] 2 2 007 33 439[500] 513«29 733 23»»« 411 777 915 39 50[1000] 24002 2 4? 313 24 434 511[500] »II 25000[3000] 91 203 372 434 529 65» 70? 7« 26139 820 462[KÄ»]«10 44 81« 2»[1000] 2 7 053 457«1 833 79 28246 437 3 7 680 892 927(15000] 2 0 099 146 510 905 30144 279 56 1 31196 266 435 513 3 2017 101»39 33052[1600] 39 980 824 43««04 3 4395 327 433 43 74 £84 915 826 35003 187 99 230«9 553«11[3000] 14C( [30000] 938 3 6014 105 45«»39 849 938 37026 113 733 38218 339 426 30154«8 288 517 48 708 56 886 40109 94 226 424 56 885 4 1 060 61 119 539<53 64 925 48 42014 11« 47 280 SO» 434[8000] 90 550[10000] 861[3000] 991 43028 40 8« 229[500] 608 19 30«26 31 925 46»9 74 4 4027 72 100(500) 40 237«8 421[500] 53 609 45097 3« 458«48 46032 3k» 590 788 53 4 7069 157 849 605 8[1000] 78 48181£03 863 85 966 40168 403 565 871 733 68 651 SO037 2(5 459«90 774 5 1 210 668[500] 728 8, 52097 •59[1600] 818 615 42«2[500] 701 910 6 3032 231[5001 87 587 709 5 4115[1000] 400 504 53 699 72 7 5 5154.313 53 599 633 831[560] 5 6027 31 Hl 615 55 97 662 734 5 7021 91 23 1 92 313 78 593«81 703 5 8157[500] 292 406 520 669[600] 83 704 27 809 5 0X23[1000] 48[1000] 260 479 543«29«88 006)3[3000] 78 764 9» 6108» ,76 840 473 627 47 905 11 62088 317 455 78 570 605«39 6 3173 371 09 8.>» 33 [500] 64175 296 321 597«04 33[ 500! 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Für den Inseratenteil verantw.: Tb. Glmfe. Berlin. Druck u. Verlag: VorwärtSBnclidrnckerei u. VerlngSanstalt Paul Singer& Co.. Berlin SWT S--M- 26»» 5. Keililße des Lomskts" Strlilttl WllisdlR S«�W N°°MW.« Sericbts- Leitung. Berführung einer Waise durch einen Pastor. Die Strafsache, in welcher der Pastor a. D. Friedrich Jacobs aus Louisa bei Landsberg a. W. die Hauptrolle spielt, beschäftigte gestern die 2. Strafkammer des Landgerichts I unter Vorsitz des Landgerichtsdirektors Westermann. Aus der Uniersuchungs- hast wurden vorgeführt: das jetzt 18 jährige Dienstmädchen Frieda Bogenhardt, die vor kurzem durch Strafmandat zu 14 Tagen Haft wegen Unzucht bestraft cht, die bisher unbestrafte Masseurin Frau Amanda Maßute und der frühere Pastor Friedrich Jacobs. Die Anklage beschuldigt die Bogenhardt des versuchten BerbrechenS gegen keimendes Leben, die Mahnte der Beihilfe zu diesem Verbrechen und den früheren Pastor Jacobs der Anstiftung der Bogenhardt zu diesem Verbrechen und gleichzeitig der Beihilfe, auherdem der Berführung eines unbescholtenen 15 Jahre alten Mädchens Agnes I.— Die Anklage vertrat Staatsanw.-Nat Bannig, die erste Angeklagte wird vom Referendar Geihel, die zweite vom Rechts- anwalt Dr. Schlesinger, der Angeklagte Jacobs vom Rechtsanw. Dr. Alsberg verteidigt. Als medizinische Sachverständige sind Medizinalrat Dr. Hoffmann und Gerichtsarzt Dr. Marx vor- geladen. Der Angeklagte Jacobs war. als er die ihm zur Last gelegten Straftaten begangen haben soll. Pastor in Louisa und einigen umliegenden' Dorfgemeinden. Er hat erst vom Untersuchungs- gefängnis aus sein Amt niedergelegt. Er ist am Weihnachls- Heiligabend des Jahres 1861 geboren, also bald 48 Jahre alt, perheiratei und Vater dreier Kinder, von denen der älteste Sohn lg Jahre alt sein soll. Seine Frau war kränklich. Zu ihrer Unterstützung hielt sich der Angeklagte Dienstmädchen, die er zu- meist aus Waisen- und Erziehungsanstalten zugewiesen erhielt. Das war auch bei der Angeklagten Bogenhardt der Fall, mit der er in sträflichen Berkehr trat. Der Herr Pastor soll in«rotischer Beziehung überhaupt sehr wenig die Würde des geistlichen Standes gewahrt, Liebesverhältnisse mir verschiedenen jungen Mädchen an- geknüpft und vielfach Exkursionen nach Berlin unternommen haben, wo er auf Liebesabenteuer ausging. Er war einige Zeit aus seiner Gemeinde verschwunden und ist hier am 18. September in der Friedrichstratz« verhaftet worden. Auf Antrag des Staats- anwalts wurde leider die Leffentlichkeit während der ganzen Dauer der Verhandlung ausgeschlossen. Es sind dreizehn Zeugen geladen, darunter auch der Pastor Dr. Niethat aus Kriescht, der wohl über den Leumund des Angeklagten Jacobs Bekundungen machen soll. Durch den AuSschlutz der Ocssentlichkeit wird die aus dem Tatbestand für Kinder und Mädchen sich ergebende dringende Warnung sehr erschwert, den Lockungen von Pastoren und anderen Herrschasten zu folgen. Darunter leidet die öffentliche Sittlich- keit weit mehr, als die öffentliche Blotzstellung der schamlosen Zudringlichkeiten sie gefährden könnte. Die Verhandlung zog sich bis in die späten Nachmittagsstunden hin. Die Beweisaufnahme soll grelle Schlaglichter auf die Moral dieses gewesenen Geistlichen geworfen haben. Staatsanwaltschafts- roi Bannig beantragte gegen das Dienstmädchen Frida Bogenhardt 2 Monate, gegen die Masseurin Maflute, die für ihre Dienst- leistungen 200 M. erhalten hat. g Monate, gegen den Pastor a. D. Jacobs 8 Monate Gefängnis. Referendar Geißler beantragte für die erste Angeklagte, Rechtsanwalt Dr. Schlesinger für die zweite Angeklagte mildere Strafen. Für Jacobs machte Rechtsanwalt Dr. Alsberg geltend, datz dieser von der Anklage der Verführung freizusprechen sei, da er unter Berufung auf eine Anzahl Zeugen nachgennesen habe, datz das betreffende Mädchen nicht mehr un- beschälten gewesen. Auch eine Anstiftung zu dem versuchten Ver- brechen gegen keimendes Leben liege nicht vor; der Entschlutz dazu sei von der Bogenhardt selbständig gefaßt, der Angeklagte habe nur die Mittel zur Bezahlung der Masseuse hergegeben.— Das Gericht verurteilte die noch nicht 18 Jahre alte Bogenhardt zu 2 Wochen Gefängnis, die auf die Untersuchungshaft als verbüßt angerechnet wurden, die Massute zu 9 Monaten Gefängnis unter Anrechnung von 8 Wochen, den Angeklagten Jacobs zu 8 Mjmatcn Gefängnis unter Anrechnung von 2 Monaten Untersuchungshaft. Jacobs wurde nur der Beihilfe zum Verbrechen gegen keimendes Leben für schuldig befunden, von der Anklage der Anstiftung und der Verführung aber freigesprochen. Die Angeklagten wurden aus der Haft entlassen. Nette Zustände, unter den ein Pastor— nicht auch Waisenrat?— ein Kind von 15 Jahren verführt und zur Abtreibung Beihilfe leistet, sich dann aber unter Ausschluß der Oeffentlichkeit darauf beruft, das Kind, mit dem er sittliche Verfehlungen ge- trieben und das soUier Obhut anvertraut war, sei— nicht unbescholten gewesen. Ein aufgeregter Unternehmer. Der Bildhauer Eugen Easpary, Inhaber eines Stuckgeschäfts und. Vorsivender der Untcrnehmerorganisation dieses Berufs, hatte am 20. September eine Auseinandersetzung mit dem damals bei ihm beschäftigten Stukkateur Hermann Schulze. Da es sich um Tarifdifferenzen handelte, nahm auch der Stukkateur Wengels als Vertreter der Arbeiterorganisation an der Besprechung teil. Unter anderem brachte Wengels zwei Fälle von Tarifverlcvnng zur Sprache, die Caspary daurch begangen haben soll, datz er den Stukkateuren keinen Hilfsarbeiter stellte, wie es im Tarif bestimmt ist. Caspary, ein leicht erregbarer Manu, bezeichnete die von Wengels gemachten Angaben als Lügen. Zum Beweise, datz seine Angaben wahr seien, berief sich Wengels auf den anwesenden Schulze als Zeugen. Darauf rief Casparh dem Stukkateur Schulze zu:„Dann sind Sie der Schuft."— Als Schulze versicherte, er habe seiner Organisation nicht Mitteilung gemacht von dem Nicht- Vorhandensein des Hilfsarbeiters, sagte Easpary:„Dann sind Sie also nicht der Schuft." Schulze ist der Meinung, datz er, weil Casparh annahm, er l Schulze) habe seiner Organisation Mitteilung von Tarisverstötzen im Casvaryscfen Geschäft gemacht, auf die schwarze Liste gesetzt worden sei. Um dies festzustellen und den Sachverhalt aufzuklären, hat Schulze wegen der Bezeichnung„Schuft" die Beleidigungsklage gegen Caspary erhoben, die vor dem Schöffengericht Berlin-Mitte verhandelt wurde. Der Beklagte Casparh>vollte zwar von einer schwarzen Liste nichts wissen, doch mutzte er zugeben, datz den Unter. nehmern Mitteilungen über gewisse Arbeiter gemacht wurden. Es bestand also das, was man im allgemeinen als schwarze Liste be- zeichnet. Nach Casparhs Angabe soll die schwarze Liste nicht mehr existieren. Datz er den Kläger einen Schuft genannt, erklärt Caspary so: Jeder,-der über das, was in seinem Geschäft vor- komme, der Arbeiterorganisation Mitteilung mache, sei ein Denunziant, also ein Schuft. Nur das Denunzieren, nicht aber den Klager habe er treffen wollen. Uebrigens, sagt Caspary, habe er die Aeutzerung in Wahrnehmung berechtigter Interessen gemacht. — In seiner schriftlichen Klagebeantwortung zog Caspary alle Register der Stimmungsmache gegen die Arbeiterorganisation. Er behauptete, nur aus Betreiben seiner Organisation habe der Kläger gegen seine Absicht Klage erhoben. Das bestärke die Arbeitgeber- organisation in der Auffassung, datz mit dieser Klage nur einer der Führer der Arbcitgebervercinigung getroffen werden solle und datz ein eventueller Erfolg des Klägers als Siegestrophäe dienen und Arbeitnehmern erneuten Mut bei ihren andauernden Kämpfen gegen die Arbeitgeber einflötzen solle. Demgegenüber betonten der Kläger und sein Verteidiger» Rechtsanwalt Dr. Herzfcld, es sei ihnen nicht um die Bestrafung des Beklagten, sondern um Feststellung des Tatbestandes zu tun. Der Kläger würde die Achtung seiner Kollegen verlieren, wenn er den„Schuft", als den ihn ein Arbeitgeber bezeichnete, auf sich sitzen ließe. Das Gericht billigte dem Beklagten in bezug auf die be- leidigende Aeutzerung nicht den Schutz des§ 103 zu, hielt ihm aber seine Erregung zugute und setzte die Strafe deshalb nur auf 18 M. fest._ Wegen Kindcsaussetzung verhandelte gestern die 1. Strafkammer des Landgerichts II gegen das Dienstmädchen Henriette Lerps. Die Angeklagte wurde bc- schuldigt, ihr erst 14 Tage altes Kind in hilfloser Lage auf einer Wiese ausgesetzt zu haben.— Die Angeklagte war bei einem Land- Wirt SÄulz in Mariendorf als Dienstmädchen beschäftigt ge- Wesen. Am 10. Aprils gab die L. einem Kinder das Leben, als dessen Vater sie den Sohn ihres Dienstherrn bezeichnete. Dieser bestritt ganz entschieden die Vaterschaft. Die Angeklagte, welche inzwischen den Dienst bei Schulz verlassen hatte, war aller Mittel entblößt und wußte mit ihrem Kinde nicht wohin. Nach ihrer Be- Häuptling habe sie deshalb den Entschlutz gefaßt, sich des Kindes zu entledigen und dem Vater die weitere Sorge zu überlassen. Sie habe deshalb das 5lind auf die Treppe dcS Schulzschen Hauses gelegt, wo es ihrer Meinung nach hätte bald gefunden werden müssen. Diese Angabe der Angeklagten wurde jedoch durch das Ergebnis der Beweisaufnahme widerlegt, denn es wurde fest- gestellt, datz die L. das Kind nicht auf der Treppe, sondern auf einer Wiese ausgesetzt hatte, wo es dann auch von einem Werk- meister Glicsch aufgefunden worden war.— Der Staatsanwalt beantragte eine Gefängnisstrafe von 8 Monaten. DaS Gericht erkannte auf die niedrigste gesetzlich zulässige Strafe von 8 Monaten Gefängnis._ Die Verfasserin des„Tagebuches einer Verlorenen", die Schriftstellerin Margarete Böhme, trat gestern als Klägerin gegen den Schriftsteller Mcltsch-Schilbach in einem Privat- beleidigungsprozetz vor dem Schöffengericht Berlin-Mitte auf.— Ter Beklagte hat jenes„Tagebuch einer Verlorenen" dramatisiert. Als das Stück an einem Theater in Halle zur Aufführung ge- langte, soll der Beklagte zu den Kritikern der Hallenser Zeitungen während der Zwischenpause geäußert haben, datz die Verfasserin dem ganzen Milieu, in welchem der Roman spiele, persönlich nicht fernstehe.— Die Verhandlung endete mit der Verurteilung des Beklagten zu 288 Mark Geldstrafe. Der Tod unter dem Auto. Vom Landgericht Dortmund ist am 13. August der Chauffeur August Schlichting wegen fahrlässiger Tötung unter Verletzung einer Berufspflicht zu einem Monat Gefängnis verurteilt worden. Er ist bei einer Antoinobilfabrik angestellt und fuhr am Sonntag, den 8. Juni, ein großes Automobil zur Probe. In der Nähe von Hörde begegnete er vielen Ausflüglern, die heimkehrten. An einer Biegung der Strotze überfuhr er ein achtjähriges Mädchen, das den Tod erlitt, obwohl dessen Vater bemüht war, es zu retten. Der Angeklagte ist zu schnell gefahren.— Seine Revision wurde am Freitag vom Reichsgericht verworfen. 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