Ztr.»TS. BbonnemcntS'Bcdingungsn: Abonnements> Preis pränumerando! Picrlcljährl. 3P0 M5., monatl. 1,10 Mb, lvöchcntlich 2S Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags. uuuimer mit Austriertcr Sonntags- Beilage»Die Neue Welt" 10 Pfa. Post- ülbonnement: 1,10 Mar! pro Monat. Eingetragen in die Post-ZeitungS- Preisliste. Unter Kreuzband für Teutschland und Oesterreich> Ungarn L> Marl, für das übrige Ausland 3 Mar! pro Monat. PostabonnemcntS nehmen an: Belgien, Dänemark Holland. Italien, Luxemburg. Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. 36. Jahrg. CrfAriot tfslld) luCtr montags. * Vevlinev Volksblatt. vie snIerNonz-eedUhk telrägt für die sechsgcspaltene Kalonel» geile oder deren Raum 50 Pfg., für politische und gcwerlschaflliche Bcrcins- und Bersammiungs-Anzeigen L0 Psg. „Uleine Hnicigtn", das erste(fett» gedruckte) Wort 20 Pfg., jedes weitete Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf- sicllen-Anzeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über IS Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Numnier müssen bis S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet,„ Telegramm- Ndresse: „Sozialdcniolirat Rsrllo'*. Zentralorgan der rozialdemokratifcben Partei Deutfcblands. Redahtiom 8M. 68, Lindenstrasac 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Dienstag, den BO. November 1909* Expedition: 8M. 68, Lindcnatraaae 69* Fernsprecher: Amt IV Nr. 1984. �» Partcigenofkn! • Der geschäftsführende Ausschuß der preußischen Landes- Kommission beruft den 3. Parteitag der preußischen Sozial- demokratie auf Montag, de« 3. Januar 1910 vormittags 9 Uhr ein. Als vorläufige Tagesordnung ist festgesetzt: 1. Bericht des geschäftsführenden Ausschusses. Berichterstatter: Eugen E r n st. 2. Bericht der sozialdemokratischen Landtagsfraktion. Berichterstatter: Hugo Hei mann. 3. Die Wahlrechtsfrage in Preußen. Berichterstatter: Heinrich Ströbel. 4. Die Verwaltung Preußens. Berichterstatter: Karl Liebknecht. 5. Das Kommnnalprogramm für Preußen.< Berichterstatter: Paul Hirsch. 6. Sonstige Anträge. Für die Verstandlungen sind drei Tage in Aussicht genommen und finden statt im Berliner GcwerkschaftShause, Engclufcr 15. Parteigenossen Preußens! Nehmt möglichst bald Stellung zum preußischen Parteitag durch Wahl von Delegierten und Aussprache über die bevorstehenden Verhandlungen. Die Anträge müssen bis spätestens 6. Dezember 1909 an die Adresse: Eugen Ernst, Berlin SW.* 68, Lindenstraße 69, gelangt sein, wenn sie entsprechend 8 7 des preußischen Organisationsstatuts rechtzeitig veröffentlicht werden sollen. Anträge einzelner Parteigenossen bedürfen der Gegen- zeichnung des Vorstandes der örtlichen bezw. Kreisorganisation, falls sie zur Veröffentlichung und Beratung gelangen sollen. Den Anträgen etwa beigegebene Begründungen werden weder iin„Vorwärts" noch in der den Delegierten zugehenden Vorlage abgedruckt. Die Genossen haben das Recht, ihre Anträge auf dem Parteitag selbst zu begründen oder durch befreundete Genossen begründen zu lassen. Die Anmeldung der Delegierten, Verlang m um Logis ist an die Adresse Leopold Liepmann, Berlin SW. 68, Lindenstraße 69, zu richten. Mit Parteigruß Der Parteivorstand. Der geschäftsführende Ausschuß. Die Vertretung gegen das Volk. Heute tritt der Reichstag zusammen, diese Schöpfung der nationalen Lüge von 1997. Aber selbst jenen bürgerlichen Parteien, denen er bei seiner Geburt eine Hoffnung war, ist dieses Parlament des Stenerraubzuges, in dem der schwarze Schnapsblock seine Herrschaft aufgerichtet hat, zum Ekel und Ueberdruß geworden und es ist nur die Angst vor der Rechenschaftsablegung, das sie alle in dem gemeinsamen Graue.»- vor der Auflösung eint. Die völlige Aendcrung der politischen Situation forderte einen neuen Reichstag, neue Befragung der Wähler. Dem Volkswillen hat freilich dieser Reichstag nie-v-eiprochcn, der nur einer Uebernimpelnng und Uebertölpelung der Wähler sein Dasein verdankt. Aber so lange der Block bestand, mußte diese Strafe für die politische Naivität des deutschen Volkes ertragen werden Durfte man dafür doch hoffen, daß diese Strafe wenigstens den Zweck der Besserung wirklich erreichen werde, und diese Hoffnung hat ja auch nicht getäuscht. Die Erfahrung, wessen die bürgerlichen politischen Parteien von Naumann bis Normann fähig sind, wird nicht vergessen werden. Aber schließlich— für den Block hatte das Wahlglück entschieden, wenn eS auch ein durch alle Mittel der amtlichen Wahlmache, der afrikanischen Prospektreden, der Zieichs- verbandslügcn korrigiertes Glück gewesen war. Aber die u e u e Majorität, die sich zur Erhaltung der Steuerfreiheit der Reichen und der Liebesgabe zusammengefunden hat, kann sich nicht einmal auf die Bestätigung durch den Wahlschwindel berufen. Kein Mensch von politischem Urteil zweifelt daran, daß diese Majorität in jedem künftigen Reichstage un- möglich ist, daß sie selbst in diesem Reichstage nur dadurch möglich geworden war, daß die einfältigen Liberalen ihren gefährlichsten Gegnern, den Konservativen, so viel Mandate zugeschanzt hatten, daß diese mit Zentrum, Polen und der Bruhn-Schack-Partei die Majorität bilden konnten. Die geringsten Zweifel, daß ihre Majorität eine Vergewaltigung des Volkswillens ist, haben die Mitglieder dieser Majorität selbst. Wissen sie doch sehr genau, daß die große Anzahl von Wahlen in Stadt und Land und Reich cbensovicle vernichtende Mißtrauensvoten waren gegen ihre Politik. Nicht das geringste moralische Recht steht auf der Seite dieser Majorität, und als unerträgliche An- m a ß u n g muß es empfunden werden, daß diese Herren sich unterfangen wollen, noch zwei Jahre lang Volksvertreter zu spielen und das Geschick der Nation zu bestimmen, die so deutlich erklärt hat, daß sie nichts von ihnen wissen will. Das Verlangen nach Auflösung dieses Reichs- tags, der zur Vertretung der Junker und Pfaffen gegen das deutsche Volk geworden ist, das ist die einzige Be- grüßung, die diesem Parlament bei seinem Zusainmontritt entgegentönt. Und mögen auch die Herren, die im Besitze wohnen, aber fürwahr nicht ini Recht, sich heute noch taub stellen, je länger diese dringendste Forderung des deutschen Volkes an seinen Reichstag ungehört bleibt, der schließlichcn Rechenschaftsablegung können sie doch nicht entgehen und je später, desto gründlicher wird diese Abrechnung ausfallen. Das Bewußtsein des bevorstehenden Gerichtstages lastet fvie ein Alp auf allen bürgerlichen Parteien und wird zum Glück auch die Gefahr mindern, daß die reaktionäre Majorität ihrem Tatendrang die Zügel schießen läßt. Das Zentrum namentlich muß in Sorge sein, ob den katholischen Arbeitern nicht doch endlich der beständige Verrat an ihren wichtigsten Interessen zuviel geworden ist. Es ist nicht unmöglich, daß die geschickten Zentrnmsdemagogen den Versuch unternehmen möchten, durch einige sozialpolitische Flickarbeit— weiße Salbe— den drohenden Sturm zu beschwören. An Gelegen- heit zu sozialpolitischer Arbeit würde es ja auch wirklich nicht fehlen. Die großen Kapitalmagnaten Rheinland-Westfalens, die vermöge der Monopolisierung der nationalen Bodenschätze die ganze Nation tributpflichtig gemacht haben, schicken sich eben an, die Freizügigkeit ihrer Lohnsklavcn durch Einführung des Zwangsarbeitsnachweises aufzuheben. Die einzige Freiheit, die das Kapital bisher deni Lohnarbeiter gönnen mußte, die Freiheit, seine Arbeitsstätte zu wechseln, soll ihm jetzt geraubt werden. Doch diese Aufhebung der Freizügigkeit ist nicht Endzweck, ist bloß Mittel zum Zweck der Vernichtung der Koalitionsfreiheit und der Zerstörung'dcr Arbeiterorganisationen. Der Zwangsarbeitsnachweis tut jeden Arbeiter, der den Unter nehmern mißliebig wird— und jeder Arbeiter, der für das Interesse seiner Klasse und seiner Organisation eintritt, wird zum Mißliebigen— in Acht und Bann, bedroht ihn mit inonatelanger Arbeitslosigkeit oder mit der Verbannung Gegen dieses Attentat erheben sich alle Arbeiter ohne Unter schied und verlangen vom Reich? Schutz gegen die private Willkür, die sich Hoheitsrechte anmaßt, die kein moderner Staat mehr anzuwenden wagen dürfte. Werden sie diesen Schutz finden? Wird das Zentrum, das heute seinen sehnlichen Wunsch erfüllt sieht und ausschlaggebende Regierungspartei geworden ist, seine Pflicht gegenüber den Arbeitern tun? Und wird es von seinen Verbündeten, den Konservativen, den Protektoren aller Scharfmacher, den schlinunsten Feinden jeder Arbeiterbewegung und aller Arbeiterrechte, die Erlaubnis erhalten, mit der notwendigen Energie für das bedrohte Koalitionsrecht eintreten zu dürfen? Wenn das Zentrum wirklich will, dann kann der Zwangsarbeitsnachwcis verhindert werden, kann in kürzester Zeit die Frage des Reichsarbeitsnachweises gelöst werden. Wird es wollen dürfen? Das Koalitionsrecht bedarf aber deS Schutzes nicht nur gegen die kapitalistischen Scharfmacher, sondern ebenso gegen deren ergebene Sachwalter, die Regierung. Der Skandal von M ausseid hat gezeigt, daß diese Regierung sofort bereit ist, Maschinengewehre aufzufahren, wenn irgend ein Fabrikdespot die Arbeiter zur Verzweiflung treibt. Auch hier sind die Arbeiter in den Streik gezwungen worden, um ihr Staatsbürgerrecht der Koalitionsfreiheit zu wahren. Und die angebliche Vertretung der Staatsbürger, die Regierung, wußte nichts anderes als gegen die Kämpfer für ihr Recht Militär aufzubieten! Wir sind begierig, mit welcher Energie das Zentrum Rechenschaft für dieses unerhörte Vorgehen fordern wird; begierig auch, mit ivelcher Schärfe sich das Zentrum gegen seine konservativen Verbündeten wenden wird, wenn diese das Vorgehen der Regierung preisen werden. Wird es dem Zentrum gestattet sein. Arbeiterinteressen gegen die konservativen Arbeiterfeinde zu vertreten? Eine Reihe anderer sozialpolitischer Ausgaben harren der Erledigung. Da ist zunächst die Einführung der Witwen- und Waisenversicherung. Als der Zollwncher perfekt wurde, da wurde von den Zollwuchcrparteien, vor allem von dem Zentrum, das damit zugestand, daß der neue Zolltarif die schwerste Schädigung der Arbcitcrinteressen bedeutete, die gesetzliche Verpflichtung übernommen, diese Versicherung bis zum 1. Januar 1919 einzuführen. Schon jetzt steht fest, daß dieses feierliche Versprechen schnöde gebrochen wird. Ein eigenes Notgesetz soll dem Reichstage vorgelegt werden, um dem Bruch des Versprechens die nötige gesetzliche Form zu geben und den Aufschub dieser drängenden Reform zu sanktionieren. Wir könnten noch davon sprechen, daß die Erledigung des Arbeitskammergesetzes, die Neugestaltung der Unfall- Verhütung, die Gewerbeordnungsnovells, die Ausdehnung der Sonntagsruhe, die Aufhebung der AuSnahinegcsetzc gegen die Landarbeiter, die Regelung der Heimarbeit, die Ordnung der Rechtsverhältnisse der Techniker und WerAueister dringende Anforderungen an die Arbeit des Reichstags stellen. Aber wir meinen, daß diesem Reichstag vielleicht die Kraft zum Bösen, sicher der Wille zum Guten mangelt. Ueber diesen Reichstag haben die Junker ihre Diktatur auf- gerichtet und das Zentrum hat sich durch das Ver- brechen des Steuerraubes ans Gedeih und Verderb den Junkern verbündet. Da kann gute sozialpolitische Arbeit nicht gedeihen und die Konservativen werden schon dafür sorgen, daß dieser Reichstag keine„positive Arbeit" für die durch Zollwucher und Steuerraub ausgeplünderten Volksmassen leisten wird. Schon hat sich ja auch das Zentrum mit diesem Gedanken vertraut gemacht, schon plädieren seine führenden Organe für eine kurze Session, die nicht durch große Vorlagen überlastet werden soll. Wenn es Gesetze für das Volk gilt, dann wird der schwarze Schnapsblock, der seine Arbeitswilligkeit beim Steuer- ranbzug und der Durchsetzung der Liebesgabe nicht genug rühmen konnte, Plötzlich arbeitsscheu. Die Herren, die sonst so für positive Arbeit schwärmen, treiben jetzt Sabo- tage. Handelt es sich doch auch nur um Interessen der Arbeiter I Wendet man sich von den Parteien der Majorität zu den Parteien der bürgerlichen Opposition, so bedarf es nicht vieler Worte. Die Nationalliberalen und Freisinnigen plagt der Katzenjammer nach dem, ach so kurzen Rausch der Block- Politiker, als sich Herr B a s s e r m a n n als Staatsmann und Herr Wie m er wenigstens als Kutscher des Staats- karrens fühlte. Und die letzten Wahlen haben diesen Katzen- jammer nur gemehrt. Bewiesen sie doch, daß die Massen durchaus nicht geneigt sind, zu vergessen, daß die Liberalen gern bereit waren, die 499 Millionen indirekter Steuern für die Fortsetzung der Blockpolitik zu zahlen und daß nur konservative Raffgier und klerikale Hinterlist, nicht aber liberale Standhaftigkeit die Liberalen aus der Gemeinschaft der Steuerräuber ausgeschlossen hat. Man kann daher den naiionalliberalen Politikern nur dankbar sein, wenn sie in diesen trüben Zeiten ans Er- heiterung der Mitivelt bedacht sind und endlich ein politisches Problem entdeckt haben, das ihrer staatsmännischen Begabung Würdig ist. Wir meinen natürlich die Präsidenten- frage. Der Reichstag muß ein neues Präsidium wählen; das Zentrum ist mit der Wiederwahl des konservativen Grafen Stolberg natürlich einverstanden; aber es erhebt als stärkste Partei Anspruch auf Vertretung im Präsidium und fordert den Sitz des ersten Vizepräsidenten, den bisher die gewichtige Gestalt des nationalliberalen Paasche aus- gefüllt hatte. Da entsteht aber das Problem, ob es erstens der„Würde" der Nationalliberalen entspricht, sich um eine Stufe degradieren zu lassen und sich mit dem zweiten Vize- Präsidenten zufrieden zu geben. Zweitens wird behauptet, daß die Nationalliberalcn im Präsidium nicht vertreten sein dürfen, weil sonst die Herrschaft des Schnapsblocks nicht klar in die Erscheinung ttäte. Wir müssen gestehen, daß wir auf die Lösung dieses Problems verzichten müssen. Wir würden die Nattonalliberalen als Oppositionspartei nicht ernster nehmen, ob sie nun im Präsidium sitzen oder nicht, und der Deutsche Reichstag ist ein viel zu ohnmächtiges Parlament, als daß ein Sitz in seinem Präsidium viel mehr als dekorative Bedeutung hätte. Nur als Ausdruck der größeren oder geringeren Lust, wieder mit Konservativen und Zenttum anzubandeln, wird die Entscheidung der nationalliberalen Fraktion ein gewisses Interesse bieten. Wie wir die Nattonal- liberalen kennen, werden sie froh sein, die dritte Stelle von Gnaden des Schnapsblockes zu erhalten. Die neue Session findet auch sozusagen eine neue Regierung und in der bürgerlichen Preffe wird seit einiger Zeit die Frage erörtert, ob Herr v. Bethmann H 0 l l w e g sein„Programm" entwickeln und was er sagen wird. Daß diese Frage überhaupt austauchen kann, zeigt den ganzen Jammer unserer Vcrfassungszustände, die tatsächliche UnVerantwortlichkeit der Bnreaukratenregierung der Volks- Vertretung gegenüber. Aber selbst wenn der neue Kanzler sprechen sollte, wird er nichts sagen. Was sollte er auch? Die Wahrheit- daß nämlich die Regierung seit ihrer KapitU- lation vor der Stenermehrheit mehr als je der Gefangene der Junker ist, kann und darf er nicht aussprechen. So, bleibt nichts übrig, als die üblichen Versprechungen und Versöhnungsermahnungen, die diesmal wohl mit philosophischer statt mit belletristischer Garnierung serviert werden dürften. Ob diese Mahnungen viel fruchten werden, steht dahin. Die bürgerlichen Parteien möchten zwar am liebsten den alten Streit begraben. Immer lauter ertönen in letzter Zeit die SammlungSrufe, immer einschmeichelnder die VersöhnungS- lockungen. Doch diesmal ist die Erbitterung selbst in den Reihen des bürgerlichen Parteianhanges zu groß, als daß die Führer ganz so könnten, wie sie gerne möchten. Aber wie immer sich die bürgerlichen Parteien verhalten mögen, für die Sozialdemokratie bedeutet die bevorstehende Session die erivünschtc Gelegenheit, tüchtige Aufklärungsarbeit zu leisten. Vielleicht findet sich auch ein Anlaß, die Vorgänge des K a n z l e r w e ch s e l s endlich vor das Forum der Volks- Vertretung zu ziehen und dabei die konservativen und klerikalen Führer, die das Verdienst. Bülow beseitigt zu haben, so gerne verbergen möchten, zu fragen, ob es>v a h r ist, ivas st" in ihrer Presse behaupten ließen, oder ob es eine gemeine Verleumdung war, als sie den früheren Kanzler de- chuldigt hatten, sein Amt mißbraucht und in»en Novembertagen das deutsche Volk bewußt irregeführt zu haben. Die politische Moral der Steucrräuber verdient schon eine genauere Beleuchtung und es wäre interessant festzustelleil, ob diesen patentierten Tugendwächtern und Staatsstützen Politische Ehrabschneiderei als geeignetes und erlaubtes Kampf- mittel gegen einen unbeliebten Reichskanzler gilt. Im übrigen wird die Sozialdemokratie alles daran setzen müssen, um die drängenden sozialpolitischen Fragen auf die Tagesordnung zu bringen und mit aller Kraft dahin tvirken, bei der Beratung der S t r a f g e s e tz n o v e l l e und der Strafprozeßordnung, die nach Januar dem Reichstag vorgelegt werden sollen, den Forderungen nach einem modernen Rechtsverfahren zum Durch bruch zu verhelfen und den reak- tiouären Regierungsvorschlägcn ihre volksfeindliche Spitze ab zubrechen. Sie wird es dem Zentru m nicht ersparen, sich klipp und klar zu entscheiden und den geplanten demago gischen Wahlvorbereitungssch Windel gründlich aufdecken. Sie wird auch im Reichstag die brennendste Frage unserer gesamten inneren Politik stellen, die Frage nach dem gleichen Wahlrecht in Preußen. Vor allein aber wird sie die bevorstehende Etats b e r a t u n g dazu benutzen, um den herrschenden Klassen ein Spiegelbild ihrer Politik vorzuhalten. Eine halbe Milliarde neuer Steuern sind bewilligt, eine halbe Milliarde neuer Schuldon bilden die uächste Ergänzung der glor reichen Finanzpolitik und der nächstjährige Etat weist vor läufig als Defizit nach den Voranschlägen die hübsche Summe von 150 Millionen auf. Offener kann der Bantrott der Finanzpolitik Ivirklich nicht zugegeben werden, deutlicher die Gefahr eines neuen Steuerraubzuges nicht vordemonstricrt werden! Wie denn auch anders I Ist doch diese Finanzwirtschaft die Folge des neudeutschcn Regierungssysteins, die Folge der eitlen Illusion, gleichzeitig zu Wasser und zu Lande die stärkste Kriegsmacht ausrüsten zu können, die Folge einer ziel- und richtungslosen Weltpolitik, der das Prestige ihr ein und alles ist. Die Sozialdemokratie wird nicht verfehlen, der Schulden- rechnung der Herrschenden die Schuldenrechnung des Volkes entgegenzusetzen. Die Begleichung wird das deutsche Volk bei den n. ä ch st e n Wahlen besorgen. KittelitsnÄ und Efanfabund. Wegen der Frage, wie sich die Organisationen des Mittelstandes zum Hansabunde zu stellen haben, sind lebhafte Zwistigkeiten unter den Mitgliedern der mittelstäudischen Organisationen ausgebrochen. ES ist übel vermerkt worden, daß Rahardt, der Vorsitzende der Deutschen Mittelstandsvereinigung und andere Vorstandsmitglieder dieses Verbandes dem Hansabunde beigetreten sind und lebhaft für ein Zusammengehen des Mittelstandes mit dem Hansabunde wirken. Während man in Berlin mit dem Vorhalten Rahardts einverstanden zu sein scheint,»nacht man ihm in der Provinz starke Opposition. Die Opponenten sind der Ansicht, daß der Huizsabund, weil er eine Organisation der Großindustriellen dar- stellt. die Interessen des gewerblichen Mittel- standeS nicht vertreten kann und wird. Rahardt und seine Freunde werden wegen ihrer Beziehungen zum Hansabunde als zur Vertretung des Mittelstandes ungeeignet betrachtet und arg angefeindet. Es ist wegen dieser Streitfrage schon zu hellem Auf- rühr in den Kreisen der Mittelstandsorganisationen gelommen. Die schlesllchen, anhaltischen und thüringischen Ortsgruppen der Deutschen MUtelsimidsvereinigung haben sich verärgert auf die Seite gestellt und der Zentralleitnng in Berlin die Gefolgschaft aufgesagt. Andere, der Deutschen Mittelstandsvereinigung nicht angeschlossene Mittelstandsorganisationen gefallen sich in heftigen Angriffen auf die Leitung der Deutschen Mittclstandsvereinigung. Aus Veranlassung der Sächsischen Mittelstandsvereinigung hat kürzlich in Leipzig eine große Protestkundgebung gegen Rahardt und seine Freunde stattgefunden und es ist ein Ausschuß mit der Gründung einer neuen Mittelstondsorgamsation beauftragt worden. Wegen dieser Borkommnisse wird den Opponenten RahardtS von der„Deutschen Miltelstandszeitung" der Text gelesen. Die Streitfrage uni das BerhälMiS zum Hansavunde bildete den hauptsächlichsten Gegenstand der Erörterungen in der am Soimtag in Berlin abgehaltenen ordentlichen Generalversammlung der Deutschen Mittelstands- Vereinigung. Die Ortsgruppen in Schlesien, Anhalt und Thüringen sind der Gesamtorganisation schon so weit entfreiudet, daß sie keine Dele gierten zur Generalversammlung gesandt hatten. Die grundsätzliche Opposition gegen jede Verbindung mit dem Hansabunde war alio nicht vertreten. Deshalb wurden auch keine Einwendungen gegen ein gewisses freundschaftliches Verhältnis zum Hansobunda erhoben. Nur darüber war man verschiedener Meinung. Ivie sich dieses Per hältnis zu gestalten habe. Trotz dieser Uebereinstimmung in den Grundgedanken wurde Herrn Rahardt und seinen Freunden manches Wort des Tadels ivegen seiner allzugroßen und gar zu schnell bekundete» Freundschaft zum Haiisabunde gesagt. Besonders nahm mqi, es Herrn Rahardt übel, daß er im Auftrags des HausabuudsS Vorträgs gehalten hat. Rahardt rechtfertigte sich gegen diesen Vorwurf, indem er sagte, sn niehreren Ortsgruppe» fei ihm das Wort verweigert worden. Ramend lich habe sei» langjähriger Freund Pauli iy Potsdam hinterrücks gegen ihü gearbeitet. Um in diesen Orten überhaupt reden zu können, habe er im Auftrage des Hansabundes gesprochen. Rahardt fällte auch ein sehr absprechendes Urteil über dse jetzigen Führer der Handwerkerbewegung. Er sagte, hie Führung der Handwerker liege jetzt in den Händen einer„Clique von Sekretären und Syndixs". Bsn dieser Führung müsse das Handwerk he, freit werde», So sehr die Redner in der Generalversammlung auch für eine gewisse Freundschaft mit dem Hansgbunde sprachen, wurde doch die Befürchtung ausgesprochen, die kleinen Handwerker und Gewerbe- treibende» würden daö Vertrauen z»lr MttelstandSorgonisation her- lteren. wenn diese sich mit den Grobkapitalisten im Hausabunde zu eng befreunde. Man fürchtet, unter solchen Umständen würden die wegen der neuen Stmerbelastung ohnehin erregten MsttelstandS- angehörige» die Zahl der Mitläufer der Sozialdeinokrati« vermehren. Um das zu verhindern, niiisss die Mittelstand?- orgonjsation ihre Selbständigkeit wahren. Andererseits verkannte man nicht, daß die Organisatjo» des Mittelstandes für sich allein zn schwach ist, um die wirtschaftlichen Jnteresien deS Mittelstandes in der gewünschten Weise zu vertreten. Da die konservativ-agrarischen Freund« des Mittelstände? bei der ReichSftnanzreform sich als falsche Freunde erwiesen haben, so hofft man, im Hansabund« trotz seines großkapitalistischen Eharakters einen neuen Freund gefunden zu haben. Der Vorstand der Deutschen Mittelstandsvereinigung glaubt den Bersicherungon der Führer deS Hansabundes. daß sie die gemeinsamen Jnteresien von Industrie, Handel und Gewerbe, also auch die Jnteresien des Miltelstandeö vertreten können und werden. Nachstehender Beschluß wurde einstimmig angenommen: „Die unbedingte Selbständigkeit der Deutschen Mittelstands- Vereinigung ist aufrecht zr, erhalten. Ei,, Zusammengehen der Deutscheu Mitielsiandsbereiniglmg»nit dem Hausabunde in den allen Schichten von Handel, Gewerbe und Industrie gemeinsamen Fragen liegt im wohlverstandenen Interesse deS Mittelstandes. Wir haben da? Vertrauen zu unserem Borstande, daß er die richtige»» Maßnahmen treffen wird, im» die Deutsche Mittelstands- Vereinigung zu einer den gesamte» Mittelstand umfafseuden Ber- tretung auszubauen." Von den übrigen Punkten der Tagesordnung interessiert uns noch die Stellung des Mittelstandes zur preußischen Wahlreform. Die sozialdemokratische Wahlrechtsbewegung hat die Kleingewerbe treibenden z» der Erkennwis gebracht, daß sie geschäftliche Nach teile zu befürchten haben,»venu sie sich bei den Wahlen offen als Gegner der Sozialdemokratie zu erkennen geben. In einer vo»n Vorstande eingebrachten Resolution, die gegen eine Stiinme an- genominen wurde. fordert die Versammlung deshalb d a direkte Wahlrecht zum Landtage und die ge Heime A b st i m m u» g bei den Landtags- und G e m e i n d e w a h l e n. Gegenüber den Befürchtnilgen einiger reaktionärer Heißsporne. die in der Niesolntion die Forderung einer für den Mittelstand nicht lviinfchenSwerten Demokratisierung des Wahlrechts erblickten, betonte Rahardt ausdrücklich, daß ja nur die dirckle und geheime Wahl aber nicht das gleiche Wahlrecht gefordert wird Ferner erklärte sich die Versammlung gegen jede Mehrbelastung des gewerblichen Mittelstandes durch die Sozialgesetzgebung, be- sonders gegen die in dem Entwurf der RcichsversichernngSordnung vorgesehene Halbierung der Krankenkassenbeiträge»md Errichtung von Rentenfestsetznngsämterii. Die Lasten der sozialen Gesetzgebung müßten von der Gesamtheit der Steuerzahler getragen ivcrden. Der l|andel$ininliter und der Zentral ardelttnachwe!» des Zechenverbandes. s-t ihrer Erregung über den Beschluß des Zechen berbmideS, für das rheinisch- westfälische Kohlenrevier einen ausschließlich unter Aufsicht und Leitung der Unternehmerschaft stehenden Zentralarbeitsnachweis nach dem Muster des be- kannten Arbeitsnachweises deS Hamburger Arbeitgeberverbandes einzurichten, hatten sich am 19, Oktober die Bergarbeiterorgani sationeu des Ruhrreviers, nänilich der Freie Verband der Berg arbeiter, der Gewerkverein christlicher Bergarbeiter, die Polnische Berufsbereinigung und der Hirsch- Dunckersche Gctverkverein mit einer Eingabe an den Minister für Handel und Gewerbe gewandt, in der sie ihn um seine Vermittelung ersuchten und ihn baten, zugunsten eines paritätischen Arbcitsnachiveises ein zuwirken. In der Eingabe wurde die Befürchtung ausgesprochen, daß die Einrichtung des Zentralarbeitsnachweises schwere Nachteile für die Bergarbeiter sowohl in bezug auf das Recht der Freizügigkeit und das Recht der freien Verfügung über die Arbeitskraft, als auch hinsichtlich des Rechts der Koalition nach sich ziehen würde. Begründet wurden diese Be fürchtungen damit, daß, wenn der Arbeitsnachweis m der beabsichtigten Weise eingerichtet werden sollte, außer den Zechen Verwaltungen auch die Nachweisstellen nach eigenem Ermessen darüber zu befinden haben würden, ob sie die Arbeitsuchenden annehmen wollen oder nicht, daß serner dein Arbeiter der freie Wechsel der Arbeitsstelle erschwert werde, und daß er durch Zuweisung euier anderen Arbeitsstelle gezivungcn werden könne, seine Wohnung zu wechseln. Ferner wurde in der Eingabe ausgesprochen, daß durch den Arbeitsnachweis das den Bergleuten nach§ 83 des Allgemeinen Berggesetzes zu stehende Recht zu einer sofortigen Lösung des Arbeitsverhältnisses illusorisch gemacht werde. Fast sechs Wochen haben die Bergarbeiter auf eine Ant wort gewartet. Jetzt haben sie endlich einen Bescheid erhalten— natürlich, wie nach den guten Beziehungen des Handelsministers zur rheinisch-westfälischen Großindustrie nicht anders zu erwarten war. eine strikte Ablehnung. Nach der„Nordd. Allgcm. Ztg." heißt es in dem mimsterielleu Bescheid: „Da die zuerst durch die Presse bekannt gewordene» Mitteilungen über die beabsichtigten nel»en Bestimmungen mir zu Bedenken ivegen ihrer Tragweite Anlaß boten, bin ich ztim Zwecke der Klarstellung »nit dem gechenverband in Verbindung getreten. Nach den mir gewordenen Erklärungen sollen bei der Einrichtung deS Arbeits Nachweises folgende Borschriklen gelten: k. Die einzelnen Nachweisstellen sollen gehalten sein, jeden» Arbeitsuchenden, der im Besitz der vorgeschriebenen LegitimaiionS- papier« ist, einen Nachweisschei» zn erteilen, sofern für Arbeiter per in Frage koimnenden Art Arbeitsgelegenheit vorhanden»st. L, Sie sollen ferner verpflichtet sein, jedem Arbeitsuchenden einen Nachweisschein für diejenige Arbeitsstelle zu erteilen, auf welcher ex beschäftigt zu werden wünscht, vorausgesetzt, daß aus dieser Arbeitsstelle Arbeitsgelegenheit für Arbeiter der in Frage kommenden Art vorhanden»st; sie dürfen also den Arbeitsuchenden aus keine, ihm nicht genehm« Arbeitsstelle verweisen. 3, Den, Bergarbeiter, der seine Arbeit wechseln will, soll auch noch nach den» Inkrafttreten des Arbeitsuachwetses das Recht und die Möglichkeit erkalte» bleiben, sich schon vor Kündigung seines bisherigen Arbeitsverhältnisses an den ihm zusagenden ArbeikSstelle»»ach Arbeit zu erkundigen. Der Peiriebssührer der von ihm aewähllen Zeche darf dem Aroeiter, schon bevor dieser seine alte Drello gekündigt hat, die«»»nähme zur Arbeit zusagen unter dem Vorbehalt, daß der Arbeiter binnen einer be- stimmten Frist den von der Nachwcisstcge auszustellenden Nach weisschein beibringt. 4. Wird ein Arbeitsuchender von derjenigen Zeche, der er von der Nachweisstelle zugewiesen ist, nicht angenomine», so soll er auf Verlangen ohne weiteres von der NachweiSstells sofort einen anderen Nachweisschein bckonrnien. ö. Al« Legitimation eineS von einem Verbandswerk kommenden Arbeitsuchenden dient entweder die Bescheinigung der erfolgten Kündigung oder der Nachioeis der sonstigen Lösimg des bisherigen Arbeitsverhältnisse?; als solcher Nachweis gilt besonders der»n jedem einzelnen Falle, also auch in den Fällen des tz 83 Allgemeinen Benmeietzes dem Arbeiter zn erteilende Abkehrichein ltz ebenda). Die Nachweisstelle darf also beim Vorliegen dieser Papiere den Schein nur verweigern, wenn der Arbeite- die an- genommene Stelle nicht angetreten hat oder wenn der Fall des Kontrakibrnche? vorliegt. In Heiden Fällen ist die Versagung des Scheines auf die Dauer von zwei Wochen beschränkt. Besteht Meinungsverschiedenheit, ob diese Voraussetzung vorliegt, so ent- scheidet nicht die örtliche Nachweisstelle, sondern die Hauptstelle, und auf Beschwerde der Vorstand. Nachdem in dieser Weise die Tragweite der von dem Zechen- verbände für de» Arbeitsnachweis vorgesehenen„Bestiimnungen" begrenzt ist. erachte ich die in der Eingabe vom 10. Oktober d. I. ausgedrückten Befürchtungen über die Ziele dieses Arbeitsimchweiscö — Beeinträchtigung des Koalitionsrecht?. des Rechts der Freizügigkeit und des RechlS der freien Verfügung über die Arbeitskraft— im wesentlichen für beseitigt, insbesondere auch die Befürchtung für nicht mehr zutreffend, daß der beabsichtigte Arbeitsnachweis zu einem Lohndruck führen werde.., Fin übrigen enthält die neue Einrichtung nach zwei Richtungen wesentliche Verbesserungen ün Interesse der Bergarbeiter. Die Bc schaffuug von Arbeitern durch Agenten wird zunächst für daS Inland gänzlich beseitigt und dadurch ein im Sinne des Lohndrucks wir- kendes Moment ausgeschaltet. Ferner wird die Frist für die Nicht- annähme nach dem Kontraktbruch, die jetzt 6 Monate beträgt, aus 2 Wochen herabgesetzt... Eine Vermittelung zum Zweck« der Einführung eines paritä- tischen Arbeitsnachweises vorzunehmen, erscheint»nir nach Lage der Sache so lange untunlich, als nicht im Ruhrbezirk die Loraussetzungen für ein vertrauensvolles Zusammenwirlen von Arbeitgebern und Arbeit- nehmern vorliegen. Ohne dies wechselseitige Vertrauen vermag ich»nir auch von einem Zwange zur Errichtung eines solchen Nachweises keine» Erfolg zu versprechen. Aehnlich liegt die Sache hinsichtlich der Tarifverträge, deren zweckmäßiger Ausgestaltun., übrigens gerade bei den eigenartigen Verhältnissen des Ruhrkohlen- bcrgbaues noch besondere Schwierigkeiten entgegenstehen." Der Herr Handelsniinister lehnt also jedes Eingreifen ab. Der Zechenverbaud hat ihm aus seine Anfrage erklärt, daß der geplante Zentralarbeitsnachweis die Rechte der Berg- arbeiter nicht becinirächtigt, und Herrn Shdow genügt diese Erklärung. Die Angolegeilheit wirdj voraussichtlich recht bald im Reichstag zur Sprache kommen. Politische Gcbcrfkbt* Berlin, den 29. November 1909. Vor Tische las mau's anders! Als die deutsche Regierung zu Anfang dieses Jahres den bürgerlichen Parteien die„Finanzreform" schmackhaft machen wollte, da ließ sie allerlei hübsche Zahlen und Summen aus- marschieren, die das Reich aus den neuen Steuern Zn erwarten haben sollte. Die sozialdemokratischen Abgeordneten und Zeitungen haben gleich damals darauf hingewiesen, daß die Regierung mit zu großen Zahlen operiert und daß— von allem anderen abgesehen— schon die unausbleibliche Konsummin- derung die'Aufstellung der Finanzkünstler über den Haufen werfen müsse. Jetzt stellt sich heraus, daß die Regierung in der Tat mit Vergrößerungsgläsern gearbeitet hat. Vergleicht man näm- lich die in den neuesten Etat eingestellten Zahlen bei den Einnahmen aus den neuen Steuern mit den Zahlen, die bei Einbringung der..Finanzreform" amtlich auskalkulicrt waren, so ergibt sich eine Differenz von nich>. weniger als 199 Millionen Mar? zuungunsten jener optimistischen Aufstellung aus der Zeit des Ringens um die„Finanzreform"! Wenn die Regierung den Parteien damals nicht mit Bewußtsein blauen Dunst vorgegaukelt hat, dann ist sie also durch die Macht der Tat- fachen gezwungen worden, in ihren Etat an 290 Millionen weniger hineinzuschreiben, als sie vor einem halben Jahre noch von den neuen Steuern erwartete oder zu erwarten vorgab. Eine kleine tabellarische Aufstellung wird am besten zeigen, w i e bös dig Theorie der Regierung durch die Praxis über den Haufen gerannt worden ist: . In den neuen Etat Die Regierunq er- V t bi Reaieruna wartete eine Erhöhung: � hingestellt: Die Differenz beträgt: von der Vranntweinsteuer 80 Millionen von der Aiersteuer 100 Millionen von der Tabak- zusammen Sll Millionen von der Lcuchtmittelsteuer 20 Millionen von der Zündivarensteuer 2ö Millionen von der Umsatzsteuer 40 Millionen von der Schecküeuer 20 Millionen von der Wecliielsteinpelsteuer S Milltonei» von der Börsen- einschließlich Talousteuer 53 Millionen von der Schanmioeiiisteuer S Millionen 60 Millionen 56 Millionen und Zigarettensteuer. 13 Millionen 15 Millionen 15 Millionen 25.5 Millioen 7,3 Millionen 2 Millionen 20 Millionen 44 Millionen 30 Millionen 5 Millionen 1V Millionen 14,5 Millionen 12,7 Millionen 3 Millionen 27,5 Millionen 26,8 Millionen 0,2 Millionen 4,8 Millionen Kurz und gut: die Differenz beträgt, falls sie sich schließlich nicht als noch größer herausstellen sollte, gegen 200 Millionen Mark. Eine niedliche Pleites Zumal wenn man berücksichtig!, daß dem Reichstage auch noch ein Nachtragsetat von un- gcfähr 34 Millionen für die Verwaltung des Reichsheeres zugehen soll.__ Der sozialdemokratische Pmnpfonds. Alljährlich läuft durch die bürgerliche:! Glätter eine Notiz über die Existenz eines sozialdemokratischen„Pump- fonds". aus dem. wie diese Blätter versichern, die„bevoi- zugten Mitglieder" der sozialdemokratischen Partei auf ihr Ersuchen zinsfreie Darlehen erhalten, die sie nur in den wenigsten Fällen zurückzahlen, so daß das Geld auf Nimmerwiedersehen in die Taschen der Parteiführer verschwinde!. Auch jetzt taucht, neu frisiert, diese Notiz in der anständigen Presse vom Schlage der„Köln. Ztg." und der Ripplerschcn „Tägl. Rundschau" wieder ans, und es ist anzunehmen, daß ie in den nächsten Tagen in Hunderten von kleinen Provinz- blättchen Aufnahme findet mit dem bekannten Zusatz:„So wird das Geld der Arbeiter verschwendet!" Erzählt wird in der Notiz: „Vom 1, August 1808 bis 31. Juli 1800 sind nach �eincr Auf- stellung der„Deutschen Wirtschaft!. Korr." 122 200 M. Darlehen vergeben und 86 271 M, zurückgezahlt worden. ES wurden also 35 837 M. mehr verborgt als zurückgezahlt. Im Jahre 1803 wurden 223 701 M. verborgt und 130 587 M. zurückgezahlt. Im Jahre 1807 wurden 203 083 M. verborgt, 84 830 M. zurückgezahlt. In den drei Jahren seit 1806, als das Wort„Pumpkassc" be- anstandet wurde, hat der PartcisondS 553 898 M. verborgt. tili 800 M. zurückerhalten, mithin 242 169 St., also rund 54 Million mehr verborgt als zurückgezahlt erhalten. In den Jahren 130-1 bis 1808 sind 1 118 348 M. verborgt und 525 261 M.. also noch nicht die Hälfte, zurückgezahlt worden. Nun wissen die Arbeiter wenigstens, warum sie zur sozialdemokratischen Parteikasse steuern müssen." Was es mit diesem Schwindel ans sich hat, haben wir schon wiederholt gesagt. Trotzdem wird immer weitergelogen. Um den VcrleuNtdungcn die Spitze abzubrechen, wollen wir erneut feststellen, daß ein„Pnm Pfands der Sozial- d e rn o k r a t i e" nicht e x i st i c r t; wohl aber besteht eine Zentralkasse der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Sic bat zur Aufgabe, neben der Regelung verschiedener ge- schäftlicher Angelegenheiten auch die erfreulichen Fortschritte, die die Parteipresse seit einer Reihe von Jahren macht, zu beachten und zu unterstützen. In den bestehenden Partei- Druckereien mutz nicht nur der Maschinenbestand verbessert und vermehrt werden, die Zahl der eigenen Betriebe nimmt auch ständig zu. Deshalb ist es notwendig, daß in der Partei eine Institution existiert, die hier helfend eingreift. Die gegebenen Tarlehen sind nun durchaus nicht auf Nimmer-- wiedersehen„verbucht", wie in der betreffenden Notiz Wider- besseres Wissen behauptet wird. Aus den alljährlichen schrift- lichen und mündlichen Berichten des Parteikassierers an den Parteitag geht hervor, daß die Betröge zurückgezahlt werden: auch wenn es nicht mit einem Male geschieht. Wenn in den letzten Jahren die Summe der Darlehen gestiegen ist, so er- klärt sich das einfach daraus, daß die Berbr.eitung und Aus- dehnung der Vartcipresse mächtig gewachsen, daß daher in verschiedenen Orten neue Gebäude, Maschinen usw. ange- schafft werden mußten, und da die Genossen an den betreffen- den Orten nicht die dazu nötigen Mittel hatten, die Zentral- kasse helfend mit Darlehen einspringen mußte. Von einem Verlorensein dieser Sunimen kann nur reden, wer von diesen ganzen Dingen nichts versteht, denn für das Darlehen haftet das Inventar, dessen Wert durchweg den des Darlehens um �lps Mehrfache übersteigt. Wir hoffen, daß in den nächsten Jahren die Darlehen weiter anwachsen, denn dieses Anwachsen beweist, daß unsere Parteipresse sich weiter und weiter ausdehnt. Vom Hansabuud und seinen Geldgebern. Die„Kölnische Volkszeitung" veröffentlicht ein der- trauliches Schriftstück, das vom Generalsekretär Dr. Alexander Tille an die Mitglieder der beiden Verbände der In- dustriellen im Saarrevier verschickt wurde. Es wird darin er- sucht, dem Hansabund mit nennenswerten Beiträgen bei- zutreten, und zugleich mitgeteilt, daß verschiedene Syndikate dem Hansabund 60 000 M., der Stahlwerksverband 50 000 M. überwiesen hätten. Die fünf Saarhütten zahlen außerdem noch jede einen Jahresbeitrag von 1000 M., die beiden in- dustriellen Verbände des Saarreviers je 500 M. Anormal— und 15 Jahre Zuchthaus i Kürzlich wurde vom Kriegsgericht ein Einjähriger frei- gesprochen. obwohl er im Rausche einen Fähnrich er- schössen hatte. Der Einjährige hatte ja die Tat im Dämmer- zustande begangen. Am 29. November wurde von dem Kriegsgericht des 116. Regiments in Gießen der Musketier Kreutz zu IS Jahren ZuchchauS verurteilt, weil er— ebenfalls im DSmmer« zustande— in der Betrunkenheit den Fahnenträger DebuS er» stachen hatte. Der Fall trug sich folgendermaßen zu: Der Angeklagte Kreutz stand vor seiner Entlassung zur Reserve, als er wegen eines Streites mit einem anderen Musketier mit. drei Tagen strengen Arrestes bestraft wurde. Gegen den Unteroffizier Wald- trott. der ihm zu dieser Strafe verholfen hatte, geriet er in heftige Wut, die ihn am 10. September in schwer be- trunkenem Zu stände zu einem Messerattentat verleitete. dem der genannte Jahnenträger zum Opfer fiel. Der Angeklagte war schon um S Uhr angetrunken, weil in der Wirtschaft, in der er einquartiert war. ein Faß aufgelegt war. Er zechte dort mit jungen Burschen zusammen, denen gegenüber er seiner Wut Luft machte. Bon einem dieser Burschen, einem 16jährigen unansehn- lichen Knirps, ließ er sich eine Arbeitsbluse und einen Schlapphut verschaffen. Damit verlleidet, stellte er sich auf die Lauer, um sich an dem Unteroffizier Waldtrott zu rächen. Als ein Unter- offizier vorbeikam, sprang er aus ihn zu und versetzte ihm mit offenem Messer einen Hieb gegen die Brust. Als der Angeklagte sah, daß er sich in der Person geirrt hatte, lief er schleunigst davon, um jedoch wieder zurückzukehren und in der gleichen Weise den Fahnenträger DebuS anzufallen, den er für den Unter- offizier Waldtrott hielt. Debus wurde durch den gegen seine Brust geführten Stoß derart verletzt, daß er schon nach wenigen Stunden eine Leiche war. Als Täter wurde der Angeklagte mit Leichtigkeit entdeckt, da er in seinem besinnungslosen Zustande gar nicht daran gedacht hatte, die Spuren der Tat zu verwischen und sich auch nur der ge- liehenen Kleidungsstücke zu entledigen. Die Zeugenvernehmung ergab, daß Kreutz tatsächlich an- getrunken gewesen war. Sein Hauptmann stellte dem An- geklagten das Zeugnis aus. daß er ein g u t m ü t i g e r. r u h i g e r Mann war. wenn er nicht getrunken hatte, in der An- getrunkenhcit jedoch leicht gewalttätig wurde. Der Vater des Angeklagten schildert seinen Sohn als gut und fleißig. Arrest- strafen habe er sich derartig zu Herzen genommen, daß er einmal einen Selbstmordversuch gemacht hgbe, um nicht eine pierzehntägige Arreststrafe absitzen zu müssen. Der Sachverständige Professor Dr. S p n ne m a n n, Gießen bezeichnete den Angeklagte» als einen jener abnorm v«r- anlagt-,, Menschen, HI« durch de» Genuß von Alkohol besonders leicht zu Gew alttaten gebracht werden. Bei solchen Geisteszuständen würden dann aus Bagatellen tragische Geschichten. Aus einem Angstgefühl begingen diese Leute Taten, die sie nicht der- antworten könnten, wie das ja der Selbstmordversuch des Angeklagten beweise. Der Angeklagte sei eine leicht er- regbare Persönlichkeit. Er habe pathologische Affektzusiändc und auch Tiiinmerzustände. Der Angeklagte habe nach der Meinung des Sachverständen au) einer Erregtheit heraus gehandelt, die sich im allgemeinen gegen Unteroffiziere richtete. Er Hab- in einem akuten Rausch zu st an de gehandelt. Gegen sein volles Bewußtsein spreche, daß er vor allem Volke sich damit brüstete. daß er einem etwas antun wolle, und daß er die Spuren der Tat nicht zu verwischen suchen würde. Dagegen könne dem Angeklagten nicht zugestanden werden, daß sein Zustand ern solcher war, daß er einen Strafausschließungsgrund bilde. Was die Trunkenheit anlange, so kenne ja daS Strafgesetzbuch beim Militär diese als Milde- rungsgrund überhaupt n i ch t.- Einem Zivilrichter wurde er den Rat geben, die S t r a f a r t milder zu wählen, nicht die Strafdauer. Der Angeklagte wurde zur höchsten zulässigen Strafe von IS Jahren verurteilt. Daß er anormal tvar und die Tat offenbar »n einem D ä m m c r u n g s z u st a n d verübt hatte, wurde von den Richtern völlig außer Betracht gelassen. Der Einjährige, der im gleichen Zustand einen Menschen tötete, wurde vom Kriegsgericht freigesprochen— der gewesene Musketier Kreutz erhielt 15 Jahre Zuchthaus! Wieder eine skandalöse Ausweisung. . Der„Kulturstaat" Preußen hat wieder einmal eine große Tat vollbracht. Soeben hat der Klavicrarbeiter I e p s o n zu Lichtenberg die Order erhalten, inner- halb 11 Tagen die preußischen Lande zu verlassen. Jepson hat zirka 38 Jahre in Berlin gewohnt und ist kürzlich nach Lichtenberg übergesiedelt. Er ist gebürtig aus Schweden. Wodurch er sich„lästig" gemacht hat, ist wohl der Polizei selber nicht bekannt. Jepson ist unter seinen Kollegen als ein sehr rechtschaffener und braver Mensch be- kannt. An der Schwelle des 7. Jahrzehnts wird er nun ausgewiesen, wird seine Existenz zerstört! Was aus dem fast lOjährigeu wird, der mehr als ein Menschenalter lang niemals und niemandem Grund gegeben hat. ihn als„lästigen Ausländer" zu betrachten, das ist der Behörde anscheinend ganz gleich! Diese Ausweisungspraxis muß jedem Deutschen. der etwas auf das Ansehen seines Volkes in der Welt gibt, die Röte der Scham ins Gesicht treiben! Wahlrechtsdemonstration in Hessen. Der Protest der hessischen Sozialdemokratie gegen die Weise, wie Regierung und bürgerliche Mehrheit im Landtage.Wahlreform- unter Preisgabe der Rechte der Zweiten Kammer machen wollen, hat am Sonntag in zwei großen Versammlungen im Wahlkreise D a r m st a d t seinen Ausdruck gesunden. Die eine tagte in Darmstadt selbst, die andere in Bischofsheim. In der Residenzstadt schloß sich an die Versammlung eine imposante Straßende in on st ratio». Ein vieltausendköpfiger Dcmonstrationszug bewegte sich durch die Straßen der Stadt, dem Schlosse zu. Vor dem Neuen P n l a i S, in dem gegenwärtig der Großherzog Ern st Ludwig wohnt, wurden brausende Hochrufe auf das freie Wahlrecht ausgebracht. Dann zog die Menge vor das Staatsministerium, wo die Demonstranten gleichfalls das freie Wahlrecht verlangten und den dritten Vers der Marseillaise: .Das freie Wahlrecht ist das Zeichen" sangen. Nach dem Passieren einiger Hauptstraßen löste sich der gewaltige Zug vor dem GewerlschaftShause auf.. Die Polizei verhielt sich musterhast: man sah fast keinen Schutzmann._ Kommunalwahle». Bei den Stadtverordneten wählen in Eisenberg sSachsen-Altenburg) erzielte die Sozialdemokratie einen glänzen- den Sieg. Zwei Genossen wurden mit großer Mehrheit gewählt. Die Gegner, Reichsverein, Liberaler Verein und Haus- besitzerverein, verloren rund so Proz. ihrer bisherigen Stimmen. Die Wahlbeteiligung war eine sehr starke. Bei der Gemeinderatswahl in U n t e r m h a u s j. L.) er- o b e r t e die Sozialdemokratie zwei Mandate. Nur wenige Stimmen fehlten noch, und alle acht sozialdemokratische Kandidaten waren gewählt. In Coswig(Anhalt) hat die Sozialdemokratie, wie wir dieser Tage meldeten, bei der letzten Gemeindewahl die große Mehr- heit im Gemeinderat erlangt. Wie das„Berliner Tageblatt" erfährt, wollen nun die bürgerlichen Vertreter ihre Mandate niederlegen, weil sie im Gemeinderat nichts mehr auszurichten vermögen. In G ö r l i tz ist gegen die Stadtverordneten wählen der dritten Abteilung, in der sämtliche Sozial« demokraten gewählt wurden. Einspruch erhoben worden._ Schiffahrtsabgaben auf den gemeinsame» Strömen in Deutschland. Unter diesem Titel veröffentlicht der„ReichSanzeiger" vom 29. November eine kleine Denkschrift über die Einsührnng von Schiffahrtsabgaben auf dem Rhein, der Weser und der Elbe. Begründet werden die Abgaben damit, daß an den drei Strömen neue große, zum Teil sehr kostspielige Hasen- anlagen gebaut werden müssen. Die Einnahmen aus den Schiffahrtsabaaben sollen lediglich zum Zwecke der Berbesse- rung der Ströme dienen._ Ostelbische Polizeisitten. Die„moderne Errungenschaft" des.liberalen" Vereinegesetzes hat angeblich auch mit der Polizeiwirtschast in Osielbien gründlich aufgeräumt. Wie Bethmann-Hollweg im Reichstage versicherte. sollte das Gesetz nicht schikanös angewendet und die Aus- Übung des verfassungSinäßig garantierten Versammlungsrechtes endlich selbst im preußischen Wildwesten zur Wahrbeil werden. Bei der bald im Reichslage folgenden Abrechnung mit dem ungeniert nach der alten Schablone weiter wurstelnden PolizeidespottsmuS, fand man am RegierungStisch die vorgebrachten Klagen wenig belangreich. Einige.Irrtümer" feien der Polizei bei dem Uebergange in den neuen Rechtszustand zwar passiert, aber zu verzeihen. Nun ist ja leider nur zu seilen möglich, ge- wisse polizeiliche.Schwächen" ganz einwandfrei nachzuweisen. Deshalb erwarb sich die Polizeiverwaltung in Hammer- stein in Wesipreuße» ein besonderes Bardienst, als si» den dokumentarischen Beweis dafür lieferte, wie leicht die ostelbische Polizeipraxis.irrt". Eine öffentliche Versammlung, in der unser Parteisekretär Horn- Stettin am 14- November in Hammerstei» sprechen sollte, wurde gesetzlich bei der Polizei angemeldet und unter ausdrücklicher Berufung auf den§ 5 de) Vereiusgesotzes die Be- scheiniguug der Anmeldung gefordert. Die veicheiingung erfolgte jedoch nicht. Die Hochwohllöblich« schickte vielmehr einfach die An- zeige mit der sicher sehr intm-stanten Anfrage:.WaS für eine Versammlung findet statt?" zurück. Sie wurde ihr sofort durch die Mitteilung, baß eS sich um eine öffentliche Versammlung handele, ergänzt, zurückgesandt. Aber jetzt war die gesetzliche Bescheinigung erst recht nicht zu erlangen. Wieder schick-e die Polizeiverwaltung die Anmeldung und zwar mit folgender höchst wunderdaren.Bersiignng" zurück: Hammersteln. den 13. 11. 1909. 1. Gesehen. 2, Urschriftlich inrück mit den, Erwidern, daß nach Miiteilnng de? Inhabers des w'eiS«Zum Kronprinzen" er derartige Bersommlungen in seinem Lokale nicht stattfinden läßt.. (Unterschrift unlesnluf.) Gleichzeitig erschien am 18. November in der„Hammersteiner Zeitung" ein ebenso geheimnisvolles Inserat ohne Unterschrift mit der Erklärung, daß die Versammlung nicht stattfinden werde, iveil es eine sozialdemokratische sei! Als dann die Genossen zur Versammlung erschienen, verweigerte der Wirt daS Lokal und ließ die Einlaßfordernden trotz der entgegenstehenden Vereinbarung nicht tagen! Zu der darauf nicht mehr auf städtischem Polizeigebiet gehaltenen Mitgliederversammlung des sozialdemolratischen Vereins hatte der zuständige Amtsvorsteher einen Gendarmen mit mit einem schriftlich auf Vorrat ausgefertigten AuflösungSbefehl zur Ueberwachung kommandiert. Zu dieser StaatSretwng kam es aber nicht, weil der unbefugt anwesende Gendann ohne viel Federlesen aus der Versammlung hinauskomplimentiert wurde. Die Bescheinigung für die öffentliche Versammlung haben unsere Genossen vo» der Polizei trotz ihrer gesetzlichen Pflicht noch immer nicht erhalten. Natürlich werden alle gesetzlichen Schritte unter- nommen werden, um die„Irrtümer" der Hammerstei»« Polizei zu korrigieren._ Die Unterstjjtzuug der arbeitslosen Tabakarbeiter. Die Ausführungsbestimmungen für die Entschädigungen an Tabakarbeiter sind vom Bundesrat verabschiedet worden. Wie die „Tägliche Rundschau" meldet, sollen die Unterstützungen nicht nur den Tabakarbeitern, sondern allen Arbeitern, die in verwandten Be- rufen beschäftigt sind, gewährt werden. Darunter fallen»«nirnch auch die Kistenmacher und Kistenkleber. Unterstützungsberechtigt sind alle Arbeiter, die in der Zeit zwischen IS. August 1999 und 14. August 1919 infolge deS neuen Tabaksteuergesetzes entlassen oder geschädigt worden sind. Voraussetzung ist, daß der Gesuchsteller vor dem IS. August 1999 ununterbrochen mehr als 399 Tage be- schäftigt gewesen ist. Bei Beschwerden über die Ablehnung eines Gesuches können die Arbeiter-VertraucnSmänner gehört werden. Der Berechnung der Unterstützung wird der Tagelohn zugrunde gelegt. Die Unterstützung beträgt bei Verdienstschädigung die Differenz. hinter der der Gewinn hinter Dreiviertel deS vorjährigen Arbeits- lohnes zurückbleibt, bei Arbeitslosigkeit Dreiviertel des durchschnittliche» Lohnes, im Falle besonderer Dürftigkeit ausnahmsweise der volle Betrag des früheren Durchschnittslohnes. Die besondere Offiziersehre spielte in einer Verhandlung des Landgerichts Fürth als Berufungsinstanz eine große Rolle. Der Redakteur Erwin Barth von der„Fränkischen T a g e S p o st" in Nürnberg war von dem Artilleriehauptmaun v. Ranke in Erlangen wegen Be- l e i d i g u n g verklagt. Sie wurde in einem Artikel der„TageS- Post" erblickt, in dem das Verhalten des adeligen Offiziers gegen ein armes Dienstmädchen besprochen wurde, v. Ranke hatte das Mädchen engagiert, diese« wollte aber nachträglich vor Dienst- antritt die Abmachung wieder rückgängig machen und glaubte aus dem Verhalten deS Hauptmannes annehmen zu dürfen, daß er damit einverstanden sei. Als daS Mädchen jedoch den Dienst nicht antrat, ging der Herr gegen eS vor. Er ließ es vor daS Sübneami zitieren, wo eS veranlaßt wurde, eine Erklärung zu unterschreiben, daß sie verpflichtet gewesen sei, den Dienst anzutreten oder für den enfftehenden Schaden Ersatz zu leisten. Sie unterichrieb erst dann, als der Sühnebeamte ihr erllärte, der Hauptmann habe gesagt, das solle nur- ein„Schreckschuß" sein. Der Offizier war nicht persönlich beim Termin erschienen, doch ist erwiese», daß er dem Beamten eine derartige Er- klärung abgegeben hat. Als er die Unterschrift in Händen hatte, ging er gegen das Mädchen vor, indem er einen Schüben von 43 Mark nebst 4 Prozent Zinsen gegen das Mädchen ein- klagte. Die Art. wie die Unterschrift erlangt wurde, hatte die„Frank. Tagespost" als gegen die guten Sitten der- stoßend bezeichnet mit der Bemerkung, daß sie die sonstige Handlungsweise des Hauptmanns, der einem armen Dienstmädchen entgegen seinem Verspreche» die armseligen Sparpfennige pfänden ließ, neben die OssizierSehre hänge. Das Schöffengericht Erlangen hatte eine formale Beleidigung angenommen und Barth zu 89 Mark Geld st rase verurteilt, aber in der Begründung bemerkt, am gravierendsten für den Hauptmann seien die Vorgänge bei Erlangung der Unter- schrift deS Mädchens, da er entgegen seinem Ver- sprechen die vollen Auslagen eingeklagt habe. In diesem Punkte sei d e m Beklagten der Wahr- heit s beweis gelungen. Der Hauptmann ergriff gxgen dieses Urteil Berufung mit dem Erfolg, daß da« Landgericht das erstinstanzliche Urteil aushob und auf sechs Wochen Gefängnis erkannte. In der Begründung wird bemerkt, die Strafe rechtfertige sich dadurch, daß es sich um einen Offizier Hand l e, dessen Stellung durch die Angriffe erschüttert werden könnte! Also durch die Angriffe könnte die Stellung deS Offiziers erschüttert werden— nicht durch seine unschöne Handlungsweise gegen das arme Dienstmädchen. Eine saubere Ehreiiauffassnng, Und durch die höhere Bestrafimg deS Redakteurs, der dem Hauptmann den Bruch seines Wortes und a. m. nachgewiesen hat, werden die Fest- stellungen der Beweisausnahme aufgehoben? Auch eine Auffassung. Soll man die Offiziere um diese Ehrenauffassnng beneiden oder dw Richter, die dafür Verständnis haben? Italien. Freigesprochene ArSeitermörder und angeklagte Arbeiter. Rom, LS. November.(Sig. Bcr.) Der löblichen Gewohnheit der italienischen Gerichte entsprechend, sind in der Voruntersuchung vor dem Gericht von Lucerq die Karabinieri freigesprochen worden. die während der letzten Wahlen in Manfredonia auf vier Meter Distanz auf eine demonstrierende Menge geschossen hahe», wobei mehrere verletzt wurden. Die Ar-heiser, die gegen eine un- gerechtfertigte Verhaftung protestierten und dabei nach den Aus- sagen eines Grundbesitzers und früheren Unteroffiziers 39 bis 49 Stein« warfen, sind unter Anklage gestellt worden, Die Un- glücklichen befinden sich setj neun Monaten in Unter» s u ch u n g s b a f t und haben auf alle Fälle schon eine längere Freiheitsstrafe erlitten, als sie im Falle der Verurteilung zum höchsten Strafmaß verbüßen wüßten, Und gegenüber solchen Tat- fachen wagen ez pösr Renschen, pon Klassenjustiz zu spreche»! ßNAlastck. Zur Krise. Lyndon, Z9. November.„Daily Telegraph" berichtet, haß die Auflösung des Parlaments wahrscheinlich am 3. Januar erfolgen werde: die Neuwahlen durften dann am 15, Februar stattfinden. RußUticl. Pom Bersgmmlnngsrrcht, Petersburg, 29. November. In der vergangenen Nacht nahm die Polizei bei der Auflösung einer unangemeldeten Per- s a m m l u n g ettva hundert Verhaftungen vor. Unter den Ver- hafteten befindet sich auch ein Dum«abgeordneter. Die Vergelvaltignng Finnlands. � Petersburg, 29. November. Der finnländisch« Senat erhielt den kaiserlichen Befehl, Maßnahmen zur Aufhebung des finnländischen Äbermilitär- g e r i ch t s zu treffen. Marokko. Beendigung des FeldzugeS. Madrid, 28. November. Infolge der Besetzung deS BergcZ Atlater beschloß der M i n i st« r r a t, unverzüglich eine Kommission vo» Technikern nach Melilla zu entsenden, die für vorläufige Befestigungen der neuen Stellung Sorge tragen soll. Ferner wurde beschlossen, die Truppen in dem Verhältnis und zu der Zeit, wie General Marina cS für richtig befindet, nach der Heimat zu rückzube fördern und, sobald die Truppen wieder in Spanien eingetroffen sind, die Reservisten zu entlassen. 6ewerh fcbaftlicbce. Hrbcttsnacbweire der Clntemcbmcrverbände. Ncichlich spät erscheint jetzt in der neuesten Nummer der „Arbeitgeberzeitung" ein Bericht über die im Oktober ab- gehaltene Arbeitsnachweiskonferenz der Unternehneerverbände. Die Frisur des Berichtes hat gewiß lange Zeit gebraucht. So enthalt er denn auch wenig, was für die Oeffentlichkeit neu oder besonders interessant wäre: besondere scharf- macherische Pointen bleiben sicher Jnternas der Teilnehmer, die durch Ausschluß der Oeffentlichkeit dafür gesorgt hatten, daß profane Ohren keine genaue Kenntnis von den neuesten Plänen der Scharfmacher erhielten. Die Sache hat für uiis nur noch deswegen Interesse, weil die Unternehmerverbäilde gegenwärtig mit besonderem Nachdruck die Errichtung der Zwangsnachweise betreiben und weil die auf dieser Kon- fcrcnz anwesenden 70 Herren, die 80 Unternehmerverbände vertreten, dieser Scharfmacheridee wohlgefällig zustimmten. Für die Uneingeweihten muß noch dem frisierten Bericht der Unternehmernachweis ziemlich harmlos erscheinen, denn die Ausführungen des Herrn Syndikus Roitzsch- Chemnitz klangen in das Hohelied für die Unternehmernachweise aus, die, von fachkundiger Hand geleitet, sich des Vertrauens der Arbeiter erfreuen würden, dessen die paritätischen und ge- wcrkschaftlichen Nachweise ermangeln: hielten sie sich von den Schwächen dieser paritätischen und gewerkschaftlichen Nachweise frei, so würden sie ihnen dauernd ein Uebergewicht bieten. Das sieht nach einer Proklamation einer Art freien Konkurrenz zwischen den genannten Arbeitsnachweisen aus. Wenn es weiter nichts wäre, so könnte die Arbeiterschaft diesem freien Spiel der Kräfte getrosten Mutes entgegen- sehen, denn auf wessen Seite da der Erfolg bliebe, kann keinen Augenblick zweifelhaft erscheinen. Herr Ingenieur Thiel- k o w- Hamburg ging schon ein bißchen stärker ins Geschirr. Er betonte, daß der Arbeitsnachweis der Unternehmer nicht nach einer Schablone arbeite, sondern daß die Arbeitsuchen- den bei ihrer Einstellung nach ihrer Brauchbarkeit und Tüchtigkeit berücksichtigt werden, auch daß die Arbeits- nachweise dazu berufen seien, einen erzieherischen Einfluß auf die Arbeiter auszuüben und sie zu angemessener Leistungsfähigkeit bringen. Wie Figura zeigt! Der Arbeitsnachweis in Mann- hei ni- Ludwigshafen, dessen Geschäftspraktiken wir vor einigen Tagen zeigten, übt wirklich erzieherischen Einfluß auf die Arbeiter aus. Er verfolgt eine Art Erziehungs- Methode gegen den freien Arbeiter, wie sie etwa der Haus- Vater Kolander gegen die ihm anvertrauten Zöglinge geübt hat. Wenn das das Muster sein soll, nach dem die Ar- bciter in ganz Deutschland mit Unternehmcrerziehung be- glückt werden sollen, dann kann die Wirkung dieser Erziehung nicht ausbleiben. Den Herren Scharfniachern wird es ob dieser Wirkung wohl doch noch gehörig in die Bude regnen und sie werden in nachfolgenden Konvcntikeln, unbefriedigt über die Erfüllung ihres neuen Planes, über neue Maß- nahmen zur Niederzwingung der Gewerkschaften beraten mupen. so wie sie es auch jetzt wieder taten, als sie berieten, ob die totale, die prozentuale oder die Ausfperrung nur der organisierten Arbeiter am wirksamsten sei. Ehedem wurde die Abc-Aussperrung und die nach Altersklassen geordnete über den grünen Klee gelobt. Ja. auch unsere Herren Scharfmacher müssen sich dem Zwange der wirtschaftlichen Machtverhältnisse beugen, die ja von den starkgewordenen deutschen Gewerkschaften mitgestaltet werden, so daß die Ueppigkeit dieser Herren nicht gar zu sehr in die Halme sprießen kann. Berlin und Umgegend. Abermals eine gelbe Niederlage. Bei der am Sonntag stattgefnndenen Delegiertenwahl der Orts» krankenkasse für das Schlächtergewerbe entfielen auf die Liste des Zentralverbandes der Fleischer bSS Stimmen, die Gelben brachten es nur auf III. Alle Bemühungen der Innung sowie der übrigen Meistervereine waren vergebens. Der Verband hat gegenüber dem Borjahre 173 Stimmen gewonnen, während die Gelben 64 verloren haben. Die Wahlbeteiligung war eine so starke, wie noch nie zuvor. Noch am Sonntagvormittag glaubten verschiedene schlaue Meister, die bisher die Kassenbeiträge selbst bezahlt hatten, dadurch dem Verband den Todesstoß zu geben, daß sie ihren Ge- sollen das Krankengeld abzogen und erklärten, dafür sollten sie sich beim Zentralverband bedanken, der sei schuld. Pfiffig fügten sie hinzu, heute sei ja doch Gelegenheit, sich dafür zu rächen. Nach diesem Resultat dürste eS der Innung und den Gelben klar sein, daß sie keine Gelegenheit mehr haben werden, die Mißständo, die in der Jnnungsherberge und auf dem Arbeitsnachweis herrschen, auch in der Krankenkasie einzuführen. Auch wird für die Innung die Gelegenheit nicht wieder kommen, die JnnungSbeitxäge von den Kassierern der Kasse einkassieren zu lasten. Steigende Arbeitslosigkeit in der Berliner Brauindustrie. Infolge des Rückganges des Bicrverbrauches in den Fabrik- kantinen ist der Umsatz de« Flaschenbieres seit längerer Zeit erheb- lich gefallen, wodurch namentlich auch die Flaschenkellereiarbeitcr sehr in Mitleidenschaft gezogen wurden. Um Entlassungen in größerer Zahl so lange als möglich zu verhindern, erklärten sich die Flaschen- kellereiarbener solidarisch zum abwechselnden Aussetzen bereit. Gegenwärtig feiern zirka 300 Flaschenlellereiarbeiter tageweise, halbe und auch ganze Wochen. Diese Zahl wird sich in den allernächsten Tagen auf zirka 000 erhöhen und dann noch weiter steigen, da ein- zelne Betriebe mit dem Aussetzen' bisher noch zurückgehalten haben. Achtung, Glasschleifer! Bei der Firma Röder u. Mäher, Hochstr. 23, sind sämtliche organisierten Kollegen wegen Zugehörigkeit zum Verbände am Montag früh entlassen worden. Da die Firma versucht, aus anderen Berufen Arbeiter als Hülfskräfte einzustellen, um dieselben anzulernen, weisen wir daraus hin. daß die Firma nach wie vor gesperrt ist. Die Ortsverwaltung. Dcntfcbes Reick). Die Brmicrciarbcrtcr in Frankfurt a. M. haben beschlossen, den seit 1905 bestehenden Tarifvertrag, der am 1. Avril 1910 ab- läuft, zu kündigen und zu gegebener Zeit neue Fordernngen einzu- reichen. Die Organisation der Arbeiter hat sich während der Tarif- zeit gut. entwickelt, gegen 1200 Mitglieder zählt die Zahlstelle des Branereiarbeiter-VerbandcS. Auch die Brauereiarbeiter in Köln- Mülheim haben der Brauereivcreinigung einen neuen Tarif unter- breitet. Die Brauereiarbeiter in H o f stehen schon länger in Lohn- bewegnng: die Brauereien lehnten auch kürzlich wieder eine Unter- Handlung ab. bis die Belastung durch die in Aussicht stehende Er- höhung der Brausteuer feststehe. Die Stimmung der Brauereiarbeiter gegen diese ablehnende Haltung ist keine angenehme. Klusland. Die Dreher der Waffenfavrik in Budapest(Ungarn) sind nach einem an die Berliner Filiale des Metallarbeiterverbandcs gelangten Telegramm ausgesperrt. Da zu befürchten ist, daß in Deutsch- land Arbeitswillige für die Fabrik gesucht werden, ist Zuzug fern- zuhalten._________ Beräntw. Redakt.: Richard Barth, Berlin. Inseratenteil verantw.: Der schwedische Gewerkschaftskongreß. Nachdem die ersten drei Kongreßtage von den geschäftlichen An- gelegcnheiten und vor allem von dem Bericht sowie der Diskussion über die Tätigkeit der Landesorganisation in Anspruch genommen waren, stand am Donnerstagvormittag zunächst der Kasteuberichl zur Debatte. Bon antiparlamentarisch gesinnten Delegierten wurde Widerspruch dagegen erhoben, daß das Landes sekretariat der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion 3000 Kronen überwiesen hatte, die zur Bearbeitung bestimmter Fragen der Sozialgesetzgebung gebracht wurden, unter anderem zu einer gründliche» Arbeit über die Frage des Normalarbeitstages. Der Kongreß beschloß jedoch mit allen gegen wenige Sriinmen, das Verhalten des Landessekretariats auch in diesem Punkt durchaus gut- zuheißeir, und so wurde dem Landessekretariat sür die gesamte Kastenführung Decharge erteilt. Tann kam die wichtigste Frage des Kongresses, die der Um- gestaltnug der Landesorganisation. zur VerHand- lung. Bekanntlich war und ist die Landesorganisation der schwedischen Gewerkschaften bis jetzt ihrem ganzen Statut nach eine Verteidiguiigsorganisatio!,, die den angeschlossenen Verbänden nur bei großen Verteidignngskämpfen. bei Aussperrungen Unterstützungen gewährt, aber nicht bei Angriffsstreiks. Es handelt sich mm haupt- lächlich darum, sie zu einer A n g r i f f s o r g a n i s a t i o n zu machen. Dieses Bestreben ist nicht etwa erst infolge des Großstrciks zutage getreten, sondern schon lange vorher waren dem Bundes- sekretariat in großer Zahl Resolutionen zugegangen, die eine derartige Umgestaltung verlangten. Dem Kongreß lagen zu diesem Punkt nicht weniger als 43 Anträge und Resolutionen vor Sie gehen teils darauf hinaus, daß die bestehenden Berufsverbände überhaupt beseitigt, die örtlichen Fachvereine sich direkt in der allgemeinen Landesorganisation zusammenschließen solle», teils darauf, daß die Onskartelle für die beste Organisalionsform erklärt werden; teils wird eine Zusammen- legung der Berufe zu großen Jndustrieverbänden vorgeschlagen und eine Ausdehnnuiig der Kompetenz der Landesorganisation bei der Entscheidung über Lohnkämpse. Allgemein ist die Forderung, daß die Landesorganisation auch Angriffsorganisation werden soll. Das Landessekretariat hat alle diese verschiedenen Vorschläge geprüft und legte nun dem Kongreß eine Resolution vor, die in ihren Hauptpunkten besagt, der Kongreß möge dem Landessekretariat� Auftrag erteilen, nach bestimmten Grundsätzen� neue Statuten für die Landesorganisation sowie gleiche und gemeinsame Statuten für die ihr angeschlossenen Verbände und ebenfalls solche für die Ortsabteilungen der Verbände auszuarbeiten. Diese Statutenvorschläge sollen dann zunächst von den einzelnen Verbänden gründlich geprüft werden und schließlich soll der nächste Kongreß der Landesorganisation, der in drei Jahren stattfindet, endgültig über die Umgestaltung der Organisationsforn, beschließen. Als Grundlinien für die neuen Statuten wird vorgeschlagen: Daß die � der Landesorganisation angeschlossenen Verbände teils Fachverbände, einen Beruf oder bestimmte nahe verwandte Berufe umfassend sein können, teils Jndustrieverbände; daß die Landesorganisation die Verantwortung für alle Kämpfe übernehmen soll, die vom Landessekretariat oder der Repräsentant- schaft im Einverständnis mit den Verbandsvorständen gutgeheißen werden; daß ein bestimmter Beitrag von 20 Oere die Woche für vollzahlcnde, von 10 Oere für halbzahlende Mitglieder aus allen Verbänden der Landesorganisation zufließen soll; 16 Oere sollen dem Reservefonds, 3 dem Administrationsfonds und 1 Oere dem Volkshausfonds überwiesen werden; daß die Unterstützung bei Konflikten direkt aus der Kasse der Landesorganis.ation in statutarisch bc- stimmten Sätzen gezahlt wird; daß der Minimalbestand des Reservefonds der Landesorganisation 6 Millionen Kronen bei- tragen soll; daß ein durchweg besoldetes Landessekretariat angestellt wird, bestehend aus 7 Personen, das die Tätigkeit der Landesorgcmi- sation in Uebercinstimmung mit den Kongreßbcschlüffen zu leiten hat; daß die Kündigung von Tarifverträgen, die Eröffnung von Arbeitseinstellungen sowie ihre Beendigung Sache des Landes- sekretariats sein soll; daß eine Repräsentantschaft, bestehend aus je einem Vertreter der angeschlossenen Verbände, wenn das Sekretariat oder ein Verband es verlangt, über Fragen der Tarifkündigung, der Arbeitseinstellung und des Abschlusses von Lohnkämpfen cnt- scheiden, sowie überhaupt in der Zeit zwischen den Kongressen die höchste Behörde der Landesorganisation bilden soll.— Die Verhandlungen über diesen Punkt der Tagesordnuiig, die von dem Vorsitzenden der Landesorganisation Hermann Lindquist eingeleitet wurden, kamen rrst am Sonnabend zum Abschluß. Sie endeten damit, daß ein Komitee eingesetzt wurde, das zusammen mit dem Landessekretariat die Frage untersuchen und dem nächsten Kongreß eventuell Vorschläge machen soll. Als Leitfaden flir die Arbeit des Komitees erklärt der Kongreß, daß die Landesorganisation in der Zukunft nicht lediglich Verteidigungs-, sondern auch AngrisfSorganisation bilden müsse. Des weiteren gab der Kongreß der Landesorganisation den Auftrag, zu untersuchen, ob die Herausgabe eines Wochen- blattes der GewerkschaftZorganifation möglich und zweckmäßig ist. Kommt das Landessekretariat zu einem zustimmenden Be- schluß, so soll eS selbst den Zeitpunkt für das Erscheinen des Blattes bestimmen.— Der Kongreß wird vor Dienstag nicht be- endet sein._ DaS Ende deS GaSarbeiterstreikS. Rom, 25. November.(Eig. Ber.) Nach 22tägiger Dauer ist der Gasarbeiterstreik in Mailand, Genua, Sampierdarena, Alexandria und Modena mit einem Kompromiß beigelegt worden, der den Arbeitern in allen prinzipiellen Fragen den Sieg sichert. Die Gas- gesellschaft hat ihre Forderung, die den Arbeitern das Verzichten auf jeden Streik, politischen wie wirtschaftlichen, auferlegen wollte, fallen lassen müssen. Auch ist die Unteruehmerforderung, die die Entlassungen ganz vom Gutachten der Gesellschaft abhängig machte, aufgegeben worden. Wenn wegen verminderter Arbeitsgelegenheit Entlassungen erfolgen müssen, so dürfen von ihnen nur Arbeiter von weniger als fünf Dicnstjahren betroffen werden, und jeder der Entlassenen kann an die SclüedsgerichtSkommission appellieren. In keinem Falle können Verurteilungen wegen politischer Vergehen Entlassungsgrund sein. Alle Streikenden ohne Ausnahme werden wieder eingestellt, und die Gesellschaft verpflichtet sich, im Lause der nächsten sechs Monate keine Eni- lassungen vorzunehmen.— Wenn die Arbeiterschaft nur mit großen Opfern den Kampf weiter fortsetzte, so war auch die Lage der Unternehmer äußerst kritisch geworden. Am letzten Tage befanden sich drei Viertel von Mailand in völliger Dunkelheit. Das zu industriellen Zwecken verteilte Gas war durch die Verwendung von Benzol bei seiner Her- tellung gefährlich geworden, so daß die Konsumenten zum großen Teil erklärt haben, sie würden eS überhaupt nicht bezahlen. Von 6390 Straßenlaternen waren 2411 gar nicht angesteckt, wo- für je 2 Lire Strafe verhängt wurden; 2642 funktionierten schlecht und wurden mit je 70 Cent. Strafe bedacht. Schließlich wurden 1902 Lire Strafe wegen mangelnder Heizkrast und 634 Lire wegen allzu geringer Pression verhängt. Im ganzen wurden allein in Mailand über 100 000 Lire Strafen erhoben, wozu noch die hohe Ausgabe für die Slreikbrecher, der EinnahmeauSfall und die Einbuße an Material und Maschinen kommen, die durch die minderwertige Arbeit der Streikbrecher entstanden ist. Versammlungen. „Sisyphusarbeit" oder«Echtcrnacher Springprozcssion"? „Ist Gewcrlschaftsarbeit Sisyphusarbeit?" Ueber diese Frage sprach Genosse Eduard Bern st ein am Sonntag in einer zahl- reich besuchten Branchenversammlung der Werkzeugmacher, dir den großen Saal der..Arminhallen" füllte. Der Redner legte zunächst dar, wie die Meinung, die Gewerkschaftsarbeit sei eim: SishphuS« arbeit, eine Arbeit, die ihr Ziel nre erreiche, weil die Lohnhöhe ad« hängig sei von Angebot und Nachfrage, schon in den ersten Zeiten der englischen Gewerkschaftsbewegung bei Sozialpolitikern und Nationalökonomcn auftauchte, die der � Arbeiterschaft� keineswegs feindlich gesinnt waren; wie dieselbe Ansicht bei den Frühsozialisten.. z. B. Robert Owen in England, Fourier und Proudhon in Frank" reich zutage trat und wie selbst Marx um dieselbe Zeit erklärte, daß die Gewerkschaften die sinkende Tendenz der Löhne wohl auf- halten, aber nicht beseitigen könnten, Lassalle 1863 äußerte, daß er die deutsche Arbeiterschaft vor dem Elend der englischen Gewerk- schaften bewahren wollte. Ferner führte der Redner aus den Jahre 1803 und 1804 Aeußerungen von Parteigenossen wie Klara Zetkin, Bebel usw., die eine der englischen entsprechende starke Eni- Wickelung der deutschen Gewerkschaftsbewegung damals nicht für möglich hielten, und zeigte dann, wie sich die deutschen Gewerk- lckxrften seitdem tatsäcblich entwickelt haben, ihre Mitgliederzahl von 250 000 aus über 1800 000 gestiegen ist. In Wirklichkeit seien sie nun stärker als die englischen, denn in England rechne man manche Vereine zu den Trades-Ilnions, die nicht als Kampforganisationeu im Sinne der deutschen Gewerkschaften gelten können.� Wenn man nun zum Beweise dafür, daß die durch die Gewerkschaften erzielten Lohnerhöhungen mit der Verteuerung der Lebenshaltung nicht Schritt hielten, die amerikanischen Verhältnisse heranziehe, sei das ein irreführendes Beispiel, denn in Amerika habe man jetzt fort- dauernd mit einer starken Einwanderung aug Ländern zu rechnen mit wirtschaftlich tiefstchendem Proletariat. Ein weit drauchbarerrs Material gäben die deutschen Gewerkschaften. Ter Redner führte dann die jüngst im„Correspondenzblatt" der deutschen Gewerk- schaften veröffentlichten Berichte über die in den verschiedenen Be- rufen im Laufe der Jahre errungenen Lohnerhöhungen an und erklärte, daß diese mit der Verteuerung der Lebenshaltung min- bestens Schritt gehalten hätten. Die pessimistischen Ansichten über die Gewerkschaftsbewegung seien also nicht gerechtfertigt. Aber die geistig hochstehenden Leute und Parteigenossen, die solche Ansichten hegten, hätten sie keineswegs aus der Luft gegriffen, sondern auf Grund von Tatsachen, verloren gegangenen Gewerkschaftskämpfen jener Zeiten gewonnen. Inzwischen habe man einsehen gelernt. daß Kämpfe, die scheinbar mit Niederlagen enden, doch schließlich nicht als verloren anzusehen seien. Allerdings sei die Macht der Gewerkschaften beschränkt. Sie könnte den Unternehmerprofit nicht aus der Welt schaffen und ebensowenig das Gesetz der Bodenrente. Auf einem Göbiete aber seien die Erfolge der Gewerkschaften un- bestreitbar und dauernd und das betreffe die Verkürzung der Arbeitszeit. Was hier einmal in einem Gewerbe Sitte geworden sei, das sei sehr schwer wieder abzuschaffen. Die Arbeitszeitver- kürzung bedeute aber mehr Freiheit, mehr Bildungsmöglichkeit für die Arbeiter. Dauernd seien auch die Erfolge in der Ausbildung des Arbeiterrechts in dem Sinne, wie es die Gesetzgebung nicht geben könne, dcyz der Arbeiter in den Betrieben als Mensch be- handelt werde. Die Gesetzgebung könne hier nur allgemeine Normen schaffen, den Geist in die Betriebe zu bringen, müsse den Arbeitern selbst überlassen bleiben. Je größer nun die Betriebe werden, je mehr sich das Kapital koaliere, um so größer müssen auch die Lohnkämpfe werden, aber um so mehr werde auch die Ocffcnt- lickkcit an diesen Kämpfen interessiert. Dann spiele die Arbeiter- schaft, um so mehr, wenn politische Macht hinter ihr stehe, eine solche Rolle im öffentlichen Leben, daß die Allgemeinheit sich ein- mischen müsse. Die Lohnkämpfe der Gewerkschaften seien auch da leine Sisyphusarbeit, man könne sie besser mit der Echternachcr Springprozession vergleichen, wo bekanntlich zwei Schritt vorwärts und ein Schritt rückwärts gemacht werde, man also doch vorwärts komme. Nachdem der Redner noch auf die Bedeutung der politiscken Bewegung hingewiesen und namentlich betont hatte, daß die Ar- bciterschaft auch die Beseitigung des Drciklasscnwahlrcchts in Preußen durchsetzen /verde, schloß er seinen inhaltreicheii� Vortrag mit den Worten: Die Gewerkschaftsbewegung ist keine SisYphuS- arbeit, kein Trugbild, sondern eine nützliche und notwendige Kultur, bcwegung. ein mächtiges Glied in der großen Emanzipation�- bewegung unserer Zeit. Der Vortrag fand lebhaften Beifall, hatte jedoch eine Diskussion nicht zur Folge. Es fanden sodirnn Ersatzwahlen zur Agitationskommission der Branche statt; gewählt wurden Paul und S o f f m a n n. Sodann berichtete der Branchenobmann über einige Lohnbewegungen innerhalb der �Branche. Dein Bericht ist zu entnehmen, daß in letzter Zeit teils mit. teils ohne Streik in mehreren Betrieben Lohnerhöhungen erzielt worden sind. Die Bewegungen haben alle mit Erfolg geendet. � i Letzte I�acbncbtcn und vepelcben. AuS der franzSsifchen Drputiertenkammer. Paris. 29. November.(W. T. 83.) Die Deputiertenkammer lehnte einen von der Regierung bekämpften sozialistischen Antrag betreffend Wiedereinsetzung des Lehrers Negre in fein Amt ab. Negre war wegen eines für die Regierung beleidigenden öffcnt» lichen Anschlags seiner Stelle enthoben worden. Zum englische« Budget. London, 20. November.(W. T. B.) Die Debatte über das Finanzgesetz wurde heute von Lord Morley im Oberhaus wieder aufgenommen. Er führte aus: Mit Annahme-der Resolution LanSdowne würden sich die Lords die Kontrolle über die Besteuerung anmaßen solvie die Befugnisse über dfe Auflösung des Unterhauses zu erzwingen. Nach der Resolution müßte stets ein anderes Parlament gewählt werden, wenn das gerade tagende Parlament das Mißgeschick hätte, dem Hause der Lords zu mißsallen. Die Resolution würde die ganze sin an» zielle Maschinerie des Jahr es umstürzen. DaS Oberhaus entferne sich damit von einer nie gebrochenen Tradition und einem feststehenden konstitutionellen Brauch. Die Resolution Lansdowne sei ein Spielercoup. Er(Morley) glaube nicht, daß durch Ablehnung des Budgets das Oberhaus für die Volksrechte eintrete. Er frage, wie die Peers durch Annahme der Resolution dem Sozialismus Einhalt gebieten wollten, und ob, wenn man annehme, daß die sozialistische Flut im gefährlichen(!) Wachsen sei, das Ober- haus weise oder politisch klug handle, einen Stand- Punkt einzunehmen, der es dem Vorwurf aussetzen müsse, als Vorkämpfer der Reichen gegen die Armen einen Druck auf die Verfassung ausüben zu wollen. Es gibt Ministerien in Europa, die ihre eigenen Kämpfe auszusechten haben und mit Interesse und Furcht zugleich die Budget- und konstitutionellen Kämpfe beobachten, in denen wir uns jetzt befinden. England ist sür viele Generationen ein festes und weitleuchtendes Muster für Reformen geiresen. Jede Bcrdnnkclnng unserer fiskalische» oder konstitutionelle» Politik würde für die reaktionären Parteien auf dem Kontinent ein schwerwiegender Gewinn sein. Die Reso» lution Lansdowne und ihre Folgen müßten zu einer Revision der Verfassung führen. Sie würde ein erster Schritt auf einem ge- fährlichen Wege sein und nach der Trennung morgen abend würden Sie sich alle vergegenwärtigen, daß das Signal zu einem sehr er- bittertcn und vielleicht langwicrigen Kampfe gegeben wurde. (Beifall bei den Ministeriellen.) Opfer des Wintersports. Stralsund, 20. November.(B. H.) Auf dem Eise des Knieper. teichcs brachen zwei Knaben von 13 und 11 Jahren ein. Ein junger Mann näherte sich mittels einer Leiter der Unfallstelle, konnte aber nur noch die Leichen bergen. Uh. Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. BerlagSanstalt Maul Singer& Co., Berlin SV/, Hierzu 3 Beilagen u. UnterhaltnngSbl, Nr. 279. 26. Jahrgang. l. Mm des.Armlls" «IKsblM Dieislag, ZS. tomb» 1909. Line höchst überklMge polemih. Unsere Bemerkungen zum AbsSluh der G omp ers- Polemik, worin wir ganz kurz die Gründe darlegten, warum wir die ver- schiedenen Ansichten über GomperS widergaben, hat uns die llir- Made der Redaktion des„Correspondenzblattes" der General» lsmmission zugezogen. ES schreibt: „In dem von Kautsky angebettelten Streit um GomperS und die Civic Federaiion hatte sich völlig unberufen der„Vorwärts" ein- gemischt, indem er die Kauisky-Augriffe fleihig nachdruckte. Unserer Aufforderung, seinen Lesern auch unsere Entgegnungen bur Kenntnis zu bringen, ist er nur teilweise und mit Verstihninelungen unserer Artikel«lachgekommen. Ans unsere letzte Entgegnung läsit er aber eine Nachschrift KautSkyS folgen, damit diesem unter allen Umständen das letzte Wort bleibe. Auf diese Nachschrift ein gl- gehen, lohnt sich wirklich nicht der Mühe,— sie ist nur interessant durch das, waS sie nicht enthält. Dem„VorwärS" wollen wir sedoch noch einige Worte widmen. Als der„Vorwärts" sich in diesen Streit eindrängte, glaubten wir seine Redaktion selbständig genug, um die Debatte ohne fremde Hilfe schlichen zu können. Die Nachschrift Kautskys zeigt uns aber, wer in Wahrheit„VorwärtS"-Redakrion ist. Nachdem uns dieser Kausalzusammenhang klar geworden, sind wir um eine gute Erfahrung reicher. Wir können indes diese Debatte 4 ifchliefeen mit der Genugtuung, daß der eigentliche Zweck des KautSky-KonsortiumS, den nach Europa delegierten Repräsentanten 'der A. F. of L. in den Augen der deutschen Genossen zu ver- dächtigen und dadurch den Anschluß der A. F- of L. an das Internationale Sekretariat zu hintertreiben, kläglich mißlungen ist. So sicher wir uns auf Gompers Zusage, für diesen Anschluß einzutreten, verlassen durften— so sicher durften die amerikanischen Gewerlschaften von uns erwarten, daß wir ihren Delegaten bis zur Beendigung seiner Mission nicht verunglimpfen ließen." Der Vorwurf, wir hätten die Artikel des„Correspondenzblattes verstümmelt, ist zwar schwerwiegend, aber völlig unrichtig. Selbst wenn die aufgeregte Redaktion unS soviel Schlechtigkeit zutraute, sollte sie unsere Vorsicht nicht so niedrig einschätzen. Wir wisien, mit wem wir eö zu tun haben und haben uns sehr gehütet. irgend etwaS Wesentliches auszulasten. Unsere Selbständigkeit zu wahren, muß das„Cor- rcspondenzblatt" schon uns überlassen, wir würden sie erst dann bedroht sehen, wenn über das. wozu wir berufen sind oder nicht, die Redaktion des„Correspondenzblattes" entscheiden würde. Da dies nicht der Fall ist, läßt uns das Diktum, wir hätten uns ganz unberufen in den Streit eingemischt, sehr kühl. Wir denken, daß die Wahrung der Jnteresten unserer jungen mit den größten Schwierigkeiten kämpfenden amerikanischen Bruder- Partei einfach die Erfüllung unserer internationalen Pflichte war. Freilich, dürfen wir uns noch auf unsere Jnter- Nationalität berufen? Das„Kautsky-Konfortium"(wirklich eine nette Ausdrucksweise!) hat ja keine anderen Absichten als den Anschluß der amerikanischen Arbeiter an das Internationale Sekretariat zu hintertreiben, behauptet wenigstens die Redaktion des „Correspondenzblattes". Zwar beweist die ganze Stellungnahme des „Vorwärts" das Gegenteil. Hatten wir doch den Anschluß der ameri- lanisck)en Gewerkschaften mit Freuden begrüßt.„Ueber die Tatsache des Beltriltes zur Internationale wird sicher überall unter den Arbeitern un- geteilte Freude herrschen", schrieben wir wörtlich in Nr. 273. Und daß wir daran die Hoffnung knüpften, daß sich dadurch auch die Beziehungen der Gewerkschaften zur Partei in Amerika und zu den europäischen Organisationen bestem werden, wird doch wohl auch das „Torrespondenzblatt" noch gestatten. Ebenso ist es lächerlich, uns oder Kautsky als Gegner des internationalen Zusammenschlusses des Proletariats hinzustellen. Vielmehr wünschten wir ebenso� sehr wie alle Gewerkschaftler in und außerhalb Deutsch- landS diesen Zusammenschluß, der nur durch die engherzige Ab- sperrungSpolitik der amerikanischen Gewerkschaften erschwert ward. WaS wt'S? Die Redaktion bedurfte eines Arguments und sie nahm das erste, schlechteste. Aber uns gegen solche Vorwürfe, die aus unS wenig verständliche Aufregung zurückzuführen sind, im Ernst zu verwahren, kann uns nicht zugemutet werden. Die Auslassung des„Correspondenzblattes" spricht genügend gegen sich selbst._ !<5 Kleinee fciulUton. Eindrücke einer sehend gewordenen Frau. In einem Londoner Hospital hat eine Frau von 36 Jahren, die seit ihrer Geburt blind gewesen war, infolge einer Operation die Sehkraft erlangt. Sie tourde natürlich sofort von zahlreictien Journalisten bestürmt und gefragt, wie ihr die Welt, die ihr so pILtzlicb erschlossen ist, gefalle. Die Frau erzählte, daß alle Dinge, die von ihr berührt worden waren, als sie nicht sehen konnte. in ihrer Phantasie und in ihrer durch bloß vier Sinne bewirkten Wahr- nehmung eine Gestalt hatte, die durch das wirkliche Er- schauen der Dinge nicht die geringste Aenderung erfahren habe: sie sehe alles, was sie jemals betastet habe, genau so, wie sie es sich vorgestellt habe. Staunen und eine gewisse Vertoirrung und Furcht riefen bei ihr nur die Dinge hervor, die sie niemals berührt hatte: es schien ihr, als ob sie sich unter dem vielen Neuen, daS sich ihr plötzlich darbot, niemals würde zurechtfinde» können. Von den Farbe» machte den größten Eindruck auf sie das Grün, das ihr auch jetzt noch eine gewisse Furcht einflößt. Verwirrt und manchmal geradezu erschreckt wurde sie durch den Anblick solcher Dinge, von denen sie durch häufige Schilderungen und Erzählungen eine gewisse Kenntnis hatte. Sie hatte z. B. niemals ein Pferd berührt, wußte aber ganz genau, was ein Pferd ist und wie es aussieht. Als sie aber zum erstenmal ein solches Tier erblickte, begann sie, obwohl sie auch während ihrer Blindheit sehr oft von Pferden gezogene Wagen benutzt hatte, am ganzen Leibe zu zittern, und dieses pruni- tive Angstgefühl steigerte sich zum Entsetzen, als sie das Pferd laufen sah. Sie konnte zuerst durch nichts, auch nicht durch die Verficherung. oaß da? Pferd ein ganz harmloses Tier sei, beruhigt werden; trotz alledem freut sie sich sehr, daß sie- alles, waS sie bisher nur geahnt hat, jetzt wirklich sehen kann. Die Wrights im Großbetrieb. AuS New Dork wird berichtet: Der erste Schritt zu der Umwandlung, die die Flugmaschine vom Sportinstrument zu einem Verkehrsmittel machen soll, ist getan, die Brüder Wright werden ihre Apparate fortan in größcrem Maßstabe herstellen tosten und jedem Interessenten verkaufen. Mit Hilfe eurer Reihe von Großkapitalisten ist eine Gesellschaft gegründet, die über ein Kapital von zunächst b Millionen verfügt. Eine große Fabrik, in der die Apparate konstruiert werden, ist bereits so gut wie fertiggestellt; sie liegt in Dayton'(Ohio). Die Erfindung tritt jetzt in das Stadium kapitalistischer Ausbeutung. Sie hört auf, eine Sacke zu fein, an der man nur Interesse hat, sie wird ein Mittel, Geld zu machen. Man macht Reklame, man baut Uebungsplätze, man verspricht den Luftfreunden. daS Fliegen sei die leichteste Sache von der Welt. Die PatentFechtc werden mit einer Schärfe wahrgenommen, als ob die Wrights ganz allein Luftmalchinen ersunden hatten. Schon werden auch Schutz- cnerdversaiüiiilling des Kreises ZMdan-Msdaul- Gsthavellaud. In der am Sonntag, den 28. November, in Spandau im Lokale von Kopnick abgehaltenen Kreisgeneralversammlung gedachte der Vorsitzende Genosse Paris, nachdem der Arbeitergesangverein Hoff- nung zwei stimmungsvolle Lieder zum Vortrag gebracht hatte, der verstorbenen Genossen Ziemann-Potsdam, Köhler-Velten und Retz- laff-Spandau. Sodann gab Genosse Paris den Geschäftsbericht. Da die letzte Kreisgeneralversammlung Ende Juli abgehalten 'worden ist, die heutige Generalversammlung aber durch den Preußentag notwendig wurde, so ist die Berichtszeit nur kurz. Die Verteilung der Kalender ist erfolgt, ebenso die Agitation für die Parteipresse; zur letzteren wurden Flugblätter benutzt. Einzelne Ortschaften hatten besondere Flugblattverbreitungen vorgenommen, nanientlich für die Stadtverordnetenwahlen. Die Presse habe wieder einen kleinen Rückgang zu verzeichnen. Die„Fackel" erfüllt sehr gut ihren Zweck. Der Kreisvorstand hat 14 Sitzungen abgehalten. Allgemein wurden im Kreise abgehalten 45 Vorstands- sitzungcn, 41 Wahlvereinsversammlungen und 17 öffentliche Ver- sammlungen. Der Besuch der öffentlichen Versammlungen war allgemein gut. Als Referent wurde vielfach der Genosse Dr. Karl Liebknecht gewünscht, lieber die Organisation sind nicht alle Be- richte eingegangen. Es ist eine kleine Zunahme von Mitgliedern zu verzeichnen. In der Lokalfrage hat sich wesentlich nichts ge- ändert. Bei den Stadtverordnetenwahlen sei in Potsdam und Nauen ein erheblicher Stimmenzuwachs zu verzeichnen, dort stehen je zwei Genossen in Stichwahl. Bei den Wahlen für die Land- gemeinden bleibe noch sehr viel zu tun übrig. Der Referent meint, für die Zukunft müsse die Agitation im verstärkten Maße be- trieben werden, denn die Aussichten seien durchaus nicht trübe, da verschiedene Orte, wie Spandau, Velten und Hennigsdorf sich in aufsteigender Bewegung befinden insofern, als hier eine große Erweiterung der Industrie zu erwarten ist. Es sei dies der letzte Bericht, den der alte Kreisvorstand gebe, und glaube derselbe alles getan zu haben was ihm möglich war. Mit der Aufforderung, den Wahlfonds zu stärken, schloß der Vorsitzende seinen Bericht. Der vom Kassierer erstattete Kassenbericht ergab eine Einnahme inkl. des Bestandes vom letzten Quartal von 3225,13 M. und eine Aus- gäbe von 1420,83 M., so daß ein Bestand von 1804,27 M. verbleibt. Bei der nun einsetzenden Diskussion wurden folgende Anträge mit verhandelt: 1. Die Wahl der Delegierten zu allen Korporationen hat durch Stimmzettel zu erfolgen. 2. Die Delegierten sehen in den Konsumvereinen einen wichtigen Faktor zur Hebung der wirtschaftlichen Interessen der gesamten Arbeiterklasse und verpflichten sich, unter Berücksichti- gung der obwaltenden örtlichen Verhältnisse, tatkräftig für die Genossenschaftsbewegung einzutreten. 3. Der Kreisvorstand wolle statistische Erhebungen zwecks Gründung einer Parteipresse für den Kreis Potsdam-Spandau- Lsthavelland vornehmen. 4. Der Kreisvorstand wolle beschließen, den Zusammenschluß aller im Kreis bestehenden Bildungsausschüsse resp.-Kom- Missionen anzustreben, zwecks gegenseitiger Aussprache und In- formation. Nach längerer Debatte, die sich auch noch nach der Mittags pause fortsetzte, bei welcher von einzelnen Ortschaften, so Falken Hagen-Secgefeld und Spandau, über die erschwerte Zustellung und die hohen Transportkosten des„Vorwärts" geklagt wurde, wurde der Antrag 1 abgelehnt, die Anträge 2— 4 angenommen. Ferner gelangte ein Antrag des Genossen Liebknecht zur Annahme, nach welchem die Kreisversammlung das Ausscheiden des alten Kreis- Vorstandes bedauert und dem Genossen Paris Dank für seine Tätigkeit ausspricht. Zur Verhandlung kamen darauf folgende, von Falkcnhagen-Seegefeld gestellte Anträge: 1. Bei Verlegung des Kreisvorstandcs nach Spandau sind die beiden Beisitzer aus anderen Ortschaften zu wählen. 2. Dem Kreisvorstand ist ein bestimmter Zuschuß zu ge- währen pro Jahr als persönliche Entschädigung. Der Antrag 1 wurde abgelehnt, Antrag 2 angenommen mit der Maßnahme, daß die Entschädigung für den neuen Kreisvorsitzenden aus monatlich 30 M. festgesetzt wird. Anschließend hieran fand die Neuwahl des Kreisvorstandes statt. Zur Erläuterung sei be- merkt, daß Genosse Paris-Velten aus Gesundheitsrücksichten das Amt des Vorsitzenden nicht mehr weiter führen kann und daß in Velten zurzeit die geeigneten Kräfte fehlen. Die Wahl hatte folgendes Resultat: 1. Kreisvorsitzender: Emil Schubert-Spandau, 2. Vorsitzender: Wilhelm Pieper-Spandau, 1. Kassierer: E. Stahl- Spandau, 2. Kassierer: Ernst Hornig-Spandau, Schriftführer: Grögerchen-Spandau, Beisitzer: Karl Ganzer-Spandau, Fritz Böhle-Spandau. Zum Kreisrevisor wurde an Stelle des Genossen Hornig der Genosse Paris-Velten gewählt. Der Genosse Dr. Karl Liebknecht hielt sodann einen etwa zweistündigen Vortrag über den preußischen Parteitag. Es gelangte im Anschluß daran folgende Resolution zur Annahme: „In Erwägung, daß die preußische Reaktion die klassenbewußte Arbeiterschaft und ihre Bewegung immer rücksichtsloser und in- famcr belämpft und daß der Einfluß der preußischen Reaktion auf Verwaltung und Gesetzgebung des Deutschen Reiches immer mehr zunimmt; in weiterer Erwägung, daß das elende Dreiklassen- Wahlsystem und der gesamte preußische Scheinkonstitutioualismus eine wichtige Stütze der Machtstellung der preußischen Reaktion bildet, fordert die Kreisgeneralversammlung des Kreises Potsdam- Spandau-Osthavclland, der preußische Parteitag wolle beschließen: Der Wahlrcchtskampf in Preußen zur Eroberung de-" politischen Macht durch das Proletariat, zur Vernichtung der politischen und wirtschaftlichen Macht der preußischen Reaktion, ist mit aller Energie und mit den schärfsten Mitteln aufzunehmen." Zu Delegierten zum preußischen Parteitag wurden gewählt die Genossen Paris-Velten, Stab-Potsdam und Schubert-Spandau; zum Stellvertreter Genosse Ballowski. Als Ort für die nächste Kreisgeneralversammlung wurde Seegefeld im Vorschlag gebracht, jedoch soll die bestimmte Festsetzung des Ortes wegen der mißlichen Lokalverhältnisse in Seegefeld dem neuen Kreisvorstand, an den die Geschäfte zum 1. Januar 1910 übergeben werden, überlassen bleiben. Nach einigen Schlußworten schloß Genosse Paris die Ver- sammlung mit einem Hoch auf die internationale Sozialdemokratie. Der Theaterverein„Spandauer Volksbühne" brachte alsdann noch zwei kleine einaktige Theaterstücke:„Rot und Blau" und„Der entlarvte Spitzel" zur Aufführung und erntete großen BeijaÜ. z ö 1 1 e verlangt, die den europäischen Apparaten den Weg ver« sperren sollen. Die Amerikaner„aller Klassen" sollen dafür aber die Flugmaschine schon zu 30 000 M. geliefert bekommen. Musik. DaS Enldeckergeschick Hugo R i e m a n n s führt der Musik- geschickte immer wieder neue Schätze zu. Jetzt hat er in altem Wust elf Tänze gefunden. Alle» äußeren und inneren Anzeichen nach sind eS die„Mödlinger Tänze", die Beethoven im Jahre 1810 für eine Kapelle von sieben echten WirtShauSmusikanten der„Drei Raben" in der Vorderbrühl bei Mödling komponierl hat. Die Sieben sind zwei Violinen, eine Baßgeige, zwei Klarinetten und zwei Horner; ersatzweise treten gelegentlich zwei Flöten und ein Fagott ein. Neben vier Walzern stehen fünf Menuette und zwei Ländler (Ländler oder Dreher— ein ruhigerer Walzer). Am Sonntag be- kamen wir sie in einer Matinee zu höre» und gewaiineu jedenfalls die Ueberzeugung, daß sie lauteres Gold bedeute»;'in solchen einfachsten Formen alles— Thema wie Klangwirkung—. hoch über der Schablone zu halten, ist jedenfalls Sache eines ersten Musikers. Verwandt sind die Stücke früheren Tänzen Beethovens und dann den„Deutschen Tänzen" F. Schuberts und I. Zellners. Hier ist aber schon daS Klavier an die Stelle des Kleinorchesters getreten. Die vor kurzem angesagte erste Wiener Aufführung der„Mödlinger" sollte eine Uebertragung ins Streickguartett bringen. Da haben wir wieder den Verlust an Jiistrumeme» und an Klangfarben seit der Klassikerzeit: die Vorherrschaft des Klaviers und daneben der Geige läßt musikalische Reichtümer verkümmern: die Wiederaufnahme des Bläieri'pieles sowie des Ensembles anderer Instrumente mit Bläsern ist ein dringender Bedarf unserer Tonkunst. Nock eine Klasstkerneuheit gab's am Sonnlag: ein von Richard B a t t k a herausgegebenes Singquartett von Mozart:„D' Bäurin hat d' Kav verlor'n". Und wir haben die künstlerische Unschuld ver- loren. WaS da ionst noch an„Humor in der Musik" in Gestalt von halb belannlen Singscherzen unserer Klassiker aufgeführt wurde, zeigt ebenso wie die beiden Neuheiten eine SctmffenSweise. die eine zwar äußerst genügsame, aber an Sinn für das Wesenlliche reiche Kultur erkennen läßt. sz. 'mal wieder ein schlichtes Singspiel: unter diesem Zeichen gab e? Sonnlagabend in der V o l k s o p e r eine einaktige Neuheit: „Der Müller von Sanssouci". Die unechte Geschichte von der„historischen Mühle" bei Potsdam, deren Eigentümer dem Eni- eignnngSwillen Friedrich IL getrotzt haben soll, ist hier textlich geist- los, musikalisch zwar nicht au Geist, aber an Melodie und NythmuS einigermaßen reich behandelt worden. Karl Eduard Goepfart Igeb. 1859), ein Weimarer, wohlangeschen als Chordirigent und als Chor- und sonstiger Komponist, läßt seine Tonfolgen in freundlicher Rokokkomanier tänzeln und schmachten, daß man manches Aeußerlichere überhören und am ganzen so viel Freude haben kann, wie sie daS Publikum gehabt hat. Wie mir berichtet wird, lüiis der Partei. Denkmal für Wilhelm Schmidt. Im August des Jahres 1907 war es, als die Frankfurter Arbeiterschaft ihren Fübrer, den langjährigen Reichstagsabgeordneten für Frankfurt a. M. Wilhelm Schmidt, zur letzten Ruhe- statte geleitete. Er wird ihr für immer ein leuchtendes Vorbild mutvollen Kämpfens für ihre Sache sein; nun setzte sie ihm auch ein äußeres Zeichen ibrer Liebe und Verehrung. Am Sonntag wurde auf seiner Grabstätte ein Denlstein entdüllt. Einfach und schlicht, wie Schmidt im Leben war, ist er geHallen: ein großer Taunusblock mit dem Bildnis Schmidts, in Bronze gegossen. Darunter steht: Wilhelm Schmidt 1851—1007. Einfach und schlicht war auch die Enthüllungsfeier. Obwohl leine besonderen Vorbereitungen getroffen worden waren, strömten die Partei- genossen in Scharen herbei, und eine dichte Kette von dankbaren Schülern Schmidts umringten das Grab. Ein alter Freund des Toten, der seit 1875 mit ihm zusammen für unsere Ziele kämpfte, Genosse Emil Fletsch mann, hielt eine Ansprache. Er gab ein kurzes Lebens- bild Schmidts, und hob besonders sein Wirken und seine Verdienste um die Arbeiterbewegung während des Sozialistengesetzes hervor. Dann erklangen nochmals die Sttmmen der Sänger, die die Feier auch eingeleitet hatten:„Ein Sohn des Volkes wollt er sein und bleiben."... Die Sozialdemokratie und daS südslawische Problem. Am 21. und 22. November tagte in L a i b a ch. der Hauptstadt K r a i n s, wie wir schon kurz gemeldet haben, eine Konferenz der südslawischen sozialdemokratischen Parteien und zwar der slowenischen in Oesterreich, der kroa- tischen in Ungarn- Kroatien, der boSnisch-herze- g ottini fchen, die jetzt mitten im Kampfe um die(ruropäi- sierung des neu annektierten Gebietes steht und soeben erst bei den Krankenkassenwahlen in Serojewo und D o l n a- T u z l a große Siege errang. Als Gäste waren anwesend die Ver- treter der deutsch-österreichischen Partei, Genossen Ab- geordneten Adler und Renner, Parteisekretär B r u h a und Chesredakteur S ch m e r a l für die tschechische Partei, Ab- geordneter S c a b a r für die i t a l i e n i s ch'- ö st e r r e i ch i s ch e, Tucovic für die serbische Sozialdemokratie.— Nach den Referaten der Genossen K r i st a n- Laibach und Demetrovic» Agram wurde eine Programmresolution über die s ü d» slawische Frage beschlossen, die folgendes enthält: Der in der Annexion Bosniens, dem bureaukranschen Regime in Oesterreich und der Aufrechterhattung des feudal-oligarchischen Systems in Ungarn sich ausdrückende Zug der östcrreich-ungari» schen Politik ist der Imperialismus. Gegenüber den war das Spielchen bisher nur in Weimar aufgeführt— vor etwa vier Jahren. Auch sonst bewährt sich Direktor M. AlfieriS Unternehmen anscheinend besser, als man in der Erinnerung an frühere Schicksale des Hauies erwarten möchte, und als unser knapper Kritikraum es im einzelnen nachweisen könnte.— Orchester leiser. Regie manch» mal deutlicher uud lebhasier— das wären so einige Nandttitiken. 8., Humor und Satire. Der Fund. „Gestern fand ich— wer beschreibt mein Erstaunen?— Beim Händler Veitelstock eine Wachsbüste, die ich sofort dem Cinquecento zuschrieb und bei näherer Prüfung mit Sicherheit als absolut Mino- dafiesolesk erkannte". „Ich erwarb das herrliche Kunstwerk um die Lächerlichkeit von hunderttausend Mark für unsere Galerie und trug es voll innerlichen Jubels dorthin." „Ja. meine Herren, nun steht sie hier, eine Zierde unserer Sammlung, jede Linie ein Mino da Fiesole I Wie sie nnS hinüberleitet vom ausgehenden Cinquecento in da? anbrechende Secento l Ja. meine Herren, dieses Werk der Wnchsplastik usw. usw.!" Zeitungsnachricht: Der Wawskopf, den unsere Galerie als Mino da Fiesole angekauft hat. gehörte noch vor drei Jahren dem Friseur Fritz Änörke und war von diesem selbst in seinen Mußestunden angefertigt worden. N o ch s a tz: Der Großherzog von Gerolstein tröstete den Galeriedirektor und versickerte, daß er nach wie vor den Kops für einen Mino da Fiesole halte. _(„Simplicissimus".) Notizen. — Kunstchronik. Die Arbeiter- Dilettanten» Kunstausstellung(Potsdamer Str. 4) bleibt bis zum 15. De» zember geöffnet. — Neue Dramen. Während B j ö r n s o n schwerkrank in Paris daniederliegt, wird in Deutschland sein neues Lustspiel „Wenn der junge Wein b l ü h t" erprobt. Das Werk, das Liebesanfcchlungcti alternder Männer mit Humor behandelt, hatte in Dresden und jetzt auch in München starken Erfolg. — Die Millionenerbschast des Pasteurinstitut«. Das Pasteurinstitut in Paris, die Miitteraiistalt aller ähnlichen und gewöhnlich auch gleichbenannten Institute, die jetzt über die ganze Erde verbreitet sind, wird binnen kurzem in den Besitz einer Erb- t'chaft von dem stattlichen Betrag von ungefähr 30 Millionen Frank gelangen. Diese Summe ist der geschätzte Wert des gesamten Ver» mögen« des schon bei seinen Lebzeiten viel genannten Herrn Ostri», der vor etwa einem Jahre verstarb.' absolutistisch bolkerberhetzenden Tendenzen der Herrschenden stell die Demokratie das Programm der nationalen Autonomie auf, die Umgestaltung Oesterrckch-Ungarns in der Richtung, datz innerhalb des einheitlichen Wirtschaftsgebietes ohne Rücksicht aus die historischen Grenzen jeder Nation die volle Selb- ständigkeit, Einheit und Selbstverwaltung in allen nationalen kulturellen Angelegenheiten gewährleistet wird. Programmatisch gefordert wird als letztes Ziel des national- politischen StrebenS die vollkommene nationale Ver- e i n i g u n g aller S ii d s l a w e n ohne Unterschied des Namens, Glaubens, der Schriftzeichen oder dialektischer Sprachverschieden- heiten. Als wichtigstes Mittel zu diesem nur in der Demokratie zu erreichenden nationalpolitischen Endziele wird der Kampf gegen das ungarische Junkerparlament, um die Parlamentarisierung Bosniens und für das allgemeine Wahlrecht zu allen Landtagen Oester- reichs, auch in de in bosnischen bezeichnet. Die Dissereuzicruug des SSdslcnventuMS durch Berührung mit ver- fchiedeneu Völkern und Wirtschaftssphären wird festgestellt, aber erklärt, daß diese Differenzierung»och nicht iveit genug fort- geschritten sei, um den Separatismus der vier südslawischen Völker zu rechtfertigen. Die Sozialdemokratie betrachtet diese Völker erst als Elemente, die ein einheitliches Volk schaffen sollen. Die Konferenz setzte ein permanentes südslawisches Komitee sBnreau) ein, das zunächst atiS je drei Vertretern der kroatischen, bosiiisch-herzegowinischen und österreichisch-südslawischen Sczialdcmo- kratie besteht._ Der Kampf gegen den Alkohol in der schwedischen Sozialdemokratie. Die abstinenten Arbeiter Schwedens forderten schon lange, dast aus dem Annoncenteil der sozialdenr akratischen Presse alle Einpfehlungen alkoholischer Ge- tränke verschwinden sollten. Bislang war es jedoch aus finanziellen Gründen nicht leicht, dieser Forderung überall nachzu- kommen. Auch im Zentralorgan der Partei glaubte man bis vor kurzen, nicht auf die Einnahmen ans den„Nauschgetränkeamioiicen" verzichten zu können. Infolge des Groststreiks hat jedoch„Social- demotratens" Abonnentenzahl, wie die der sozialdemokratischen Presse Scknvedens iin allgemeiucn, dermalen zugenommen, daß bei der verbesserten Finanzlage des Blattes jene Bedenken nicht mehr aus- schlaggebend sein können. Seit Anfang November nimmt„Social- demokraten" keine Alkoholamionce mehr auf. Einzelne solcher Annoncen erscheinen zwar vorläufig noch, well kontraktliche Ver» pflichrnngen ihrer sofortigen Beseitigung entgegenstehen, werden aber ebenfalls verschwinden, sobald die Kontrakte abgelaufen sind. Damit ist dann die Forderung der abstinenten Genossen, daß das Blatt auf allen-Seiten.ganz nüchtern" sein soll, erfüllt. Der Phonograph im Dienste des Sozialismus. Die„ H u m a n i t b", unser Pariser Parteiorgan, gibt be- kaNNt, daß sie mit einer Phonographengesellschäft Agpa ein Ab- kommen getroffen, wonach diese sozialistische und andere Freiheits- lieder auf ihre Platten nehmen wird. Die erste Liste zählt lö solcher Gesänge ans, darunter die Internationale, t. Mai-Marsch U. a. m. Die Phonographen werden von der Agpa- Gesellschaft gegen Teilzahlung abgegeben. Die„Hmnanits" sagl in ihrer An- kiindigung:„Die Sozialisten dürfen kein Propagandamittel un- benützt lassen..,. Der Phonograph wird die sozialistischen Lieder ebensogut ins Volk tragen ivie die anderen. In den sozialistischen Gruppen, an Freuden- und Siegesfesten, bei den Festen der Ge- werkschaften und der Genossenschaften, bei den sonntäglichen Zu- samMenkünsten mit Freunden wird man künftig andere Klänge hören können, als den patriotischen Refrain des Cafokonzerts." Die Lieder sind von Künstlern, die Chöre von Choristen der Oper in die Apparate gesungen worden. Soziales. Borschriftch, über freiwillige Mitglieder einer Ortskrankenkasse. Eine für Krankenkassen und Versicherungsberechtigte sehr wichtige prinzipielle Entscheidung hat das preußische Oberver- waltungsgericht gefällt. Es handelte sich u. a. um die Frage, ob die Kassen im Interesse ihrer Finanzlage die freiwilligen Mitglieder durch Statut auf bestimmte höhere Bersicherungsllasseu beschränken können. Die gemeinsame Ortskranrenkasse zu Wiesbaden glaubt« die Erfahrung gemacht zu haben, daß ihre 20 Proz. der Mitgliedschaft umfassenden freiwilligen Mitglieder, denen die Wahl der Ber- sicherungsklasse freigestellt war, die nicdceen VersicherungsUassen bevorzugten, weil es ihnen zumeist mehr auf freien Arzt und Medizin als aus das Krankengeld ankam. Die Leistungen an diese Mitglieder standen nach Berechnungen der Kasse in einem für die Kasse ungünstigen Mißverhältnis zu den von diesen Mitgliedern entrichteten Beiträgen. Die Kasse änderte deshalb den 8 b ihres Statuts, der die freiwillige Mitgliedschaft betrifft. Es wurde be- stimmt, daß die Klasseneinteilung der gesetzlich zur fteiwüiigcn Mitgliedschaft Bercchtigicn(§ 10 Absatz 3 des Kraukeiwerficherungs- gesetzes) auf Grund ihres nachzuweisenden Gesamteinkommens zu erfolgen hat, jedoch mit der Maßgabe, daß ihnen die Wahl einer höheren als dem Gesamteinkommen entsprechenden Klaffe freisteht. Ferner soll nach der neuen Fassung den statutarisch zur freiwilligen Mitgliedschaft Berechtigten(8 26 Abs. 2 Ziffer 5 des Gesetzes) zwar die Wahl der Mitgliederklasse freistehe, jedoch mit der Einschrän- kung, daß männliche Erwachsene von der 1. bis 5. Klasse, weibliche Erwachsene von der 1. bis 4. Klasse und jugendliche Arbeiter und Lehrlinge von der 1. und 2. Klasse ausgeschlossen sind.(Die erste Klasse ist die niedrigste BeituagSklasse.) Der Bezirksausschuß zu Wiesbaden versagte der Statuten- änderung die Genehmigung und blieb auch in der mündlichen Verhandlung dabei. Die neue Fassung sei gesetzwidrig. Abgesehen von einigen, hier nicht in Betracht kommenden Ausnahmebestimmungen enthalte das Gesetz keine weiteren Ausnahmevorschriften bezüglich der Beitrittsbercchtigten. Daraus folge, daß im übrigen dies«(die freiwilligen Mitglieder) nicht anders behandelt werden dürften, als die Pslichtmitglieder. Wie bei diesen, sei ihre Klassenzuteilung nach Maßgabe ihres Arbeitsverdienstes vorzunehmen und es könne ihnen die Wahl einer anderen, als der dein Arbeitsverdienst entsprechenden Klaffe weder freigestellt noch aufgezwungen werden. Wo ein Arbeitsverdienst nicht vorhanden sei, komme natürlich nur die Zu- teilung zur niedrigsten Klasse in Frage. �' Auf die vom Kassenvorstand eingelegte Revision hob der g. Senat des Oberverwaltungögerichts am Donnerstag die Eut- scheidung aus und genehmigte die Statutenänderung der Kasse als gesetzmäßig. Begründend wurde ausgeführt: Der Senat sei im Gegensatz zum Bezirksausschuß der Ansicht, daß die Kassen bei den- jcnigen, die statutarisch zur freiwilligen Mitgliedschaft berechtigt sind, bezüglich der Zuweisung in die Mitgliederklassen freie Hand haben.— Bei denjenigen, die gesetzlich berechtigt seien, beizutreten, müsse man unterscheiden zwischen denen, die Zwangsmitglreder der Kasse waren und sich nach Aufhören dieses Verhältnisses die frei- willige Mitgliedschaft sicherten und den anderen, die vor ihrem frei- willigen Beitritt nicht Zwangsmitglieder waren. Bei ersteren richtete sich die spätere Klassenzuteilung nach dem bisherigen Ver- hältnis. wo sie Zivangsmitgliedcr waren. Bei den übrigen gesetzlich Berechtigten haben die Kassen aber freie Hand bezüglich der Klassen- zuweisung. Und es sei auch die Berücksichtigung des Gesamteinkommens zulässig. Beitrittsberechtigte ohne Einkommen kämen selbstverständlich in die unterste Kiasse.— Somit sei die Borent- scheidung aufzuheben und die gesetzmäßige Statutenänderung zu genehmige»._ Die Wahle» der Arbeitervertreter für unsere Sozialversicherung. Unter verhältnismäßiger Stille vollziehen sich gegenwärtig zum dritten Male die Wahle» der Vertreter für die unteren Ver- tvaltungsbehörden auf Grund des§ 62 des Jnvalidenversicherungs- gesetzes: der Ausschüsse und Vorstände unserer Versickzerungs- anstalten, der Beisitzer bei den Schiedsgerichten für Arbeitervev» sichsrung, der Vertreter zu den LandeSberffchecungSamtern,. dem ReichsversicheruiigZamt und den Berufsgenossenschaftcn zur Begut- achtung der llnsallverhütungsvorschriften. Die Wichtigkeit der Wahlen für die Arbeiter tritt schon äußerlich dadurch in die Er- scheinung, daß es sich dabei um zirka 7VM Arbeitervertreter für die unteren Verwaltungsbehörden, 3bv derartige Vertreter bei den Ausschüssen und 54 bei den Vorständen der Versicherungsanstalten, 4300 Arbeiterbessitzern bei den Schiedsgerichten, 250 Arbeiterver- tretern bei dem Reichsversicherungsamt und den Landesversiche- rungsämtern und 2200 Vertretern zur Begutachtung der Unfall- verhütungsborfchrifken, also rund 14 200 Personen, handelt. Ein ziemlich umfangreicher Apparat I Die Wahlen der Vertreter für die unteren Vcrtvaltungs- behörden, die in der Hauptsache von den Krankenkassenvorständen vorzunehmen sind, bilden gleichsam döe Urwahlen. Für sie be- stehen in allen Bundesstaaten Wahlordnungen, die meist die Vor- nähme der Wahl für die Zeit vom 1. Oktober bis 15. November vorsehen. Die Wahlen sind daher fast überall erledigt. Soweit sich bis jetzt übersehen läßt, sind sie vielfach nicht so günstig für die Arbeiterschaft ausgefallen wie das letftemal. Das liegt in letzter Linie an den ungünstigen Bestimmungen der Wahlordnungen. Diese räumen erstens für jene Versicherten, die keiner Orts-, Be- triebs- oder Jnnungskrankenkaffe angehören, den Gemeinde- behörden da? Wahlrecht ein, und zweitens bevorzugen sie in ganz auffälliger Weise die kleinen Betriebs- und Jnnungskrankenkassen gegenüber den großen Ortskrankenkassen. So haben nach der prcu- ßischen Wahlordnung jene Wahlkörper, die nicht mehr als 50 Ver- sicherte besitzen, eine Stimme; bei mehr als 50 haben sie zwei, bei mehr als 100, aber nicht mehr als 200, drei Stimmen. Für je loeitere 100 Versicherte kommt eine Stimme hinzu. Im Königreich Sachsen haben Wahlkörper bis 100 Versicherte eine Stimme, bei 100 bis 600 Versicherten zwei, bei 500 bis 1000 drei, bei 1000 bis 2000 vier Stimmen. Für je weitere 1000 Versicherte kommt eine Stimme mehr dazu. Aehnlich sind die Wahlordnungen in den übrigen Bundesstaaten. Es ist danach möglich, daß eine Anzahl kleiner Betriebs- und Jnnungskrantenkassen eine große Orts- krankenkasse mit weit mehr Mitgliedern, als jene Kassen zusammen haben, doch überstimmen kann. Dazu kommt noch, daß die Ge- meindebehörden, da sie ja das Wahlrecht mit besitzen, mitunter selbst Kandidaten vorgeschlagen haben. Mehr als früher sind auch lleberrumpelungen vorgekommen; so haben z. B. auf Veranlassung der Behörden Besprechungen der Kassenvorstände stattgefunden, bei denen man die Ortskrankenkassen ausgeschaltet hat usw. Im Königreich Sachsen verlegte man die Wahlen auf jene Tage, in denen die Wogen der Landtagswahlbewegung am höchsten gingen. Bei den zukünftigen Wahlen, die voraussichtlich unter anderen ge» setzlichen Einrichtungen stattfinden, wird die Arbeiterschaft recht- zeitig daraus bedacht sein müssen, solche Beschränkungen ihreS Wahlrechts zu verhindern.— Die gewählten Vertreter bei den unteren Verwaltungsbehörden haben in der Zeit vom 15. November bis 31. Dezember, nach Bezirken geordnet, zusammenzutreten und die Mitglieder der Ausschüsse der Versicherungsanstalten zu wählen. Tie Ausschüsse der Versicherungsanstalten nehmen sodann die Wahlen der Vorstände, der Begutachter der Unfallvcrhütungsvor- schristen und der Beisitzer bei den Schiedsgerichten für Arbeiter- Versicherung vor. Die Schiedsgerichtsbeisitzcr treten dann wieder, nach Bezirken geordnet, zu Wahlversammlungen zusammen und wählen die Arbeitervertreter für das Reichsversicherungsamt und die Landesversicherungsämter. Sämtliche Wahlen erfolgen auf die Dauer von 5 Jahren.— Die organisierte Arbeiterschaft wird gut daran hin, den nachfolgenden Wahlgängen die größte Aufmerksam- keit zu widmen, um vor Ueberraschungen gesichert zu sei». Unsere Gegner lassen kein Mittel unversucht, uns auch auf diesem Gebiete den Wahlerfolg und somit den Einfluß auf die in Betracht kom- Menden Institute und Körperschaften streitig zu machen. Es ist selbstverständlich� daß bei der Beratung der ReichSver- sicherungsordnung dies komplizierte Wahlverfahren wie bei den früheren Beratungen zu bekämpfen ist. Hus Induftne und Handel. Steigernuff der Zuckerpreise. Für den Monat Okiober standen im Vergleich zum Borjahre die an vier der wichtigsten Marktorte gezahlten Großhandelspreise für Rohzucker und für Raffinade pro Doppelzentner wie folgt Oktober Braunschweig.. Köln..... Magdeburg... Stettin.... Raffinade 1907 1903 1909 Rohzucker 1907 1 803 1909 18.17 19.20 ZI.8S—— 19,78 20,03 23,11 41,10 41,87 44,25 18,23 18,97 21,60 88,17 89,56 42,58 18,80 10,95 22,50 89,50 40,50 43.50 Während im ersten Quartal 1909 die Preise ungefähr auf der Höhe des Vorjahres standen, waren sie im zweiten Vierteljahr sogar niedriger als in der Bergleicdszeit des Jahres 1908. Im dritten Bierteljahr erfolgte dann der Umschwung infolge der Steigerung der Zuckerpieise im August._ Die Preissteuerschranbe. Die Wurstfabrikanten Mitteldeutschlands beschlossen, wie die „Deutsche Fleischer-Zeitung" meldet, einen Aufschlag auf die Preise ihrer Waren»n erheben. Alles„wälzt" ab auf die Konsumenten. Dabei schwafeln die Untcrnehmerblälter fortgesetzt vom sozialen Aufstieg der Arbeiterklasse._ Ergebuisse der Fleischbeschau 1V0S. In einer besonderen Bei- läge zu den„Veröffentlichungen des Kaiserlichen Gesundheilsanites" werde» die vorläufigen Ergebnisse der Schlachtvieh- und Fleisch- »beschau im Jahre 1908 mitgeteilt. Tauglich befunden wurde» in ' Prozent der Schlachtungen: Der Gesundheitszustand des RtnderstapelS war mithin im vorigen Jahre, mit Ausnahme von 1905, am schlechtesten, bei Schafen nicht besonders, bei Schweinen gut. J,ismnten-Berei«ig»»g, Der„Zeitungs-Verlag", das Organ des Vereins der Deutschen (bürgerlichen) ZeitungSverleger. beschäftigt sich in seiner Nummer vom 26. November mit der Jnserenien-Vereinigung, die vor einiger Zeit von Großinserenten gegründet worden ist. Der Berein will die Interessen der Inserenten gegenüber den Zeitungen»nd Annoncen-Expedilionen vertreten. Er beschäftigt sich in einem streng vertraulichen Zirkular, das der„Zeitungs- Verlag" zu veröffentlichen i» der Lage ist, mit den Mißständen im Annoncen- /und Ncklamewesen. Viele Zeitungen geben einzelnen Inserenten Sondervelguustigungen, die andere» nicht ge- währt werden, und machen über die Höhe der Auslage unrichtige Angaben. Die Annoncen-Expedilionen nehmen das Interesse ihrer Auftraggeber nicht in wünschenswerter Weise wahr, indem sie über die von ihnen vertretenen Zeitungen ungenügende oder unvoll- ständige AuStüiifte erteilen. Die Jnserenten-Vereinigüng will diese Mißstände durch den Zllsammenschluß der Inserenten, durch Errichtung ei»er AusktinftSstelle über die Jnsertionsorgane und eventuell durch den Boykott widerspenstiger Zeitungen beseitigen. Auch wird die Errichtung einer eigenen Auuopceu- Expedition erwogen. Man darf ans de« Verlauf des Kampfes zwischen den kapitalmächtigen Großinserenten und der Organisation der bürgerlichen Zeitungsverleger gespannt sein. Tatsächlich bestehen auf dem Gebiete des Jnseratenwesens die gröbsten Mißstände. Daß aber die Jnserenten-Bereinigung, die»IS kapitalistische Organisation ihr Hansttbestreben auf das Herabdrücken der Jnsertionspreise richte», und versuchen wird, die bürgerliche Presse ganz in ihre Gewalt zu, bekommen, diese Mißstände beseitigen wird, ist nicht anzunehmen.■ Die bürgerliche Preßkorruption ist an ihre Ursache, die kapitalistische Wirtschaftsweise, gebunden, erst mit dieser wird sie verschwinden. Trustgcwinn. Der Unwille gegen die amerikanischen Trust-- Magnaten, die durch die Vertrustung der notwendigsten Lebens- bedürsnisse die Existenzmöglichkeit des kleinen Mannes außer- ordentlich verteuert haben, wächst immer mehr. In New Dork hat sich ein„VolkSinstitut" gebildet, das Unlerfttchungen über die Teuerung anstellt. Der Vorsitzende deS Instituts erklärte in einer großen Versammlung, nicht Angebot und Nachfrage regelten den Markt, sondern einzig und allein die Willlnr der Trustmaanaten. Die Armonrgesellicbast, die den größten Teil deS Fleisch- bedarfes der Bevölkerung der Vereinigten Staaten kontrolliere, habe im vergangenen Jahre nach Abzug sämtlicher Steuern, Ausgaben und der Zinsen, die sie für ihre laufenden Verbindlichleiten und ihre Obligationen zu zahlen habe, die horrende Summe von nahezu 80 Millionen Mark verdient. Dies sei eine Verzinsung von 85 Proz. ihres Aktienkapitals. Eine der- artige Verzinsung habe selbstverständlich nur auf Koste» der Kasse des kleiueu Mannes erzielt werde» können. Die Wirtschaftslage in'der Schweiz. Die wirtschaftliche Lage in der Schweiz bei Beginn des Winters zeigt kein einbeilliches Bild. Die bedeutende Stickereiindustrie der Ostschweiz ist gut beschäftigt, die Uhreninduslrie in der Schweiz dagegen nicht, obschon eine leichte Besserung gegenüber dem Tiefsland im letzten Winter eingetreten ist. In der Maichinenindnstrie besteht zum Teil Belriebseinschräntung; so wird in einer großen Fabrik mit dem freien Sonnabendnachmittag nun auch am Vormittag nicht gearbeitet, so daß der Betrieb am ganzen Sonnabend eingestellt ist. Wie bescheiden die im allgemeinen eingetretene wirlichaftlichs Besserung ist, läßt auch die nur kleine Erhöhung der Zoll- einnahmen von 50,83 aus 51,66 Millionen Frank, um 827 767 Fr., in den ersten drei Quartalen 1908 bezw. 1909 erkennen. Die Lage der Arbeiter ist unbefriedigend, namentlich im Hinblick a»r die von den Bauern unter der Führung ihres Selretärs Dr. Bur nach dem schlechten Vorbild des deutschen Bundes der Landwirte fortwährend betriebenen Preissteigerungen, die zuletzt eine Erhöhung des MilchprciseS von 22 auf 24 Cts. pro Liter brachte, was eine neue Plünderung der Konsuinenten durch die unersättlichen Agrarier und Lebensmittelwucherer um Millionen von Franken jährlich bedeutet. Auf dem Arbeitsniarkte kamen im Oktober auf hundert offene Stellen für Männer 128,2 Arbeitsuchende gegen 121,7 im September. Die Winteraussichten sind für die Arbeiter in der Schweiz wenig hoffnungsvoll._ Krise und Arbeitslosigkeit in Oesterreich. Dieser Tage fanden in Wien große Metallarbeitervcrsammlungen statt, die sich unter anderem mit den Arbeiterenllassiingen in der Lokomotivbauindustrie befaßten. Wie in der von 10 000 Metallarbeitern besuchten Wiener Versammlung, die in und vor dem Rathaus tagte, Reichsrats« abgeordneter Genosse Beer mitteilte, hat sich der Arbeilerftand der drei niederösterreichischen Lokomotivfabriken um 1262 Personen vermindert, die Fabriken haben nur mehr aus ganz kurze Zeit Auiiräge. DerAbiatzdcs Eisentartells ist in den ersten 10 Monaten 1009 um 604 703 Meterzentner geringer gewesen als im gleichen Zeitraum 1908. Wenn das so anhält, geht der Elsenkonsum bis Jahresschluß um 7 Proz. zurück. Und dieser Arbeitsinangel bei der furchtbaren Teuerung! In den k. k. Tabakfabriken war der Durchschnittslohn 1800: 346.57 Kr., das pro Kops erzeugte Quantum war 4928 Kr. wert. 1900 waren die VerhältniSzahlen zwiichen Verdienst und Produktionswert 466,71 und 5810 Kr., 1907 aber 613 und 6589 Kr. Der Lohn betrug 1890 14.41 Proz., 1900 12,74 Proz., 1907 10.74 Proz. des ProduktenweneS I Roheisenproduktion: Löhne u-a Beamtengehälter betragen 34 Heller oder 5,15 Proz. der Ge- stehunoSkoslen und 3.0 Proz. von den Verkaufspreisen. Dabei stieg die Arbeitsintensität ganz kolossal, pro Hochofen von 4080 Tonnen in 1879 aus 89 64jj Tonnen in 1908. Ganz ähnliche Verhättniffe ergibt die Statistit deS K o h l e n b e r g b a u e s, wo die Löhne in Prozenten des Melerzentnerpreises von 19.85 Proz. in 1002 auj 13,23 Proz. in 1906 gefallen find, während der Kohlenpreis ganz ungeheuerlich hinausgetrieben wurde und heute schon fast 2 Krone» pro Meterzentner beträgt! Das Parlament erörtert„nattonale" Fragen, und wenn es albeiten wird, werden neue Steuern und neue Rüstungen bewilligt werden! )Zug der frauenbe�egung. »Die HLnSliche Erziehung" lautete das Thema des 3. Eyckus- vortrages, den Genosse Heinrich Schulz am Mittwoch, den 24. No» vember, im„Verein für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse" hielt. Alle bürgerlichen Pädagogen— so begann der Referent seine Ausführungen— verherrlichen noch heute die Familie als einen Hauptsaktor der Erziehung. Für frühere Zeiten, so noch für das Zeitalter Pestalozzis oder des Hallenser Pädagogen Niemeyer war das sehr viel zutreffender als für die Gegenwart. Will man unter unseren heutigen wirtschaftlichen Zuständen noch der häuslichen Er- ziehung einen hohen Wext beimessen, so zeugt das nur von Un. wissenheit oder Selbstbetrug. Denn das häusliche Leben hat sich völlig gewandelt, wie die Familie selbst sich gewandelt hat. lieber- blicken wir noch einmal die geschichtliche Entwickelung, so finden wir unter der Herrschaft des urwüchsigen Kommunismus weder Einzel» ehe noch Einzelfamilie. Die Erziehung der Kinder, die der Ge-, samtheit zugehörten, war damals in ihrer Art eine freie und gute. Mit der Herrschaft der Einehe in späterer Zeit tritt darin eine be» deutende Aenderung ein. So in Griecktenland, wo die Stellung der Ehefrau und Mutter gesellschaftlich eine sehr untergeordnete war und im alten Rom, wo die Geivalt des Familienvaters, wenngleich unter höherer Achtung der Mutter in der Famiii« eine fast grenzen- lose wurde. Die typisch« Zeit des starken häuslichen Einflusses in der Erziehung ist die Epoche des Mittelalters mit seiner Varherr- schaft des Kleinhandwerks. Durch praktische« Beispiel, von Stufe zu Stufe vorschreitend, erlernten die Kinder im Hause vom Vater das Handwerk, den, auch sie sich dann widmeten, wie der Schwerpunkt des ganze» Lebens damals wirklich im Hause lag. Diese Zustände zu erneuern, ist denn auch noch jetzt das Ideal aller Neaktionärr. aber ein unerfüllbares Ideal. Heute scheidet sich die Gesellschaft in allen Kulturländern in zwei scharf getrennte Klassen: in Besitzende und Besitzlose. Durch die Form, welch« die menschliche Prodiiktionsarbeit angenommen hat. geht der Zusammenhalt der Familie, insbesondere im Pro- letariat, mehr und mehr verloren. In der an Zahl stetig an- wachsenden Klasse der gewerblichen und Fabrikarbeiter steht der außerhalb deS Hauses schaffende Vater kaum mehr seine Kinder und steht so ihrem Leben vollständig fern. Aber auch die Mutter ist dem Heim in zahlreichen Fällen entrissen, denn der Kapitaiis- mus zieht auch die Frau in immer steigendem Maße in den Pro- duktionsprozetz hinein. Nach einer 1809 aufgenommenen Enquete zählte man bereits gegen 000 000 gewerblich tätige Frauen, zu denen die in der Landwirtschaft beschäftigten hinzuzurechnen wären, daneben die große Zahl von Frauen, deren Ertverbsarbeit durch die Statistik nicht erfaßbar ist. Allerdings finden wir in der Hausindustrie auch heute noch einen bedeutenden Bruchteil gewcrb» lich arbeitender Proletarier im eigenen Heim tätig; doch liegen für die Heimarbeit die Bedingungen für die Erziehung der Kinder fast noch ungünstiger. Dazu kommt die Unsicherheit der Existenz in der Proletarierfamilic— jeden Augenblick kann der Vater cirbeiislos werden— und die niiserabsen Wohnverhältnisse. Die Kinder selbst werden bereits im zarten Alter der Erziehung entzogen, um durch gewerbliche Mitarbeit aller Art zu dem kargen Verdienst der Eltern beizutragen. Nach der Berufszählung von 1805 waren allein 200 000 Kinder im Hauptberus gewerblich tätig, nach einer ReichSenquet» vo» 1898 aiißerhaw der Fabriken Million. Dazu kommen wiederum die in der Landwirtschaft beschäftigten und auch hier erreichen die Angaben der Statistik niemals roll die Wirklich- keit. Wenn unter der Herrschaft derartiger Zustände noch ein so. genannter liberaler Pädagoge, wie in einer seiner Veröffent- lichungen der bekannte Lehrer Tews, die Behauptung aufstellen kannl eigentliche Not sei auch im Arbeiterhause heute unbekannt, so weiß man nicht mehr, was man zu einer solchen sozialen Auf- fassung sagen soll. Tatsächlich gibt es im Proletariat keine eigent- liche häusliche Erziehung mehr. Zwar ist die Anschauung durchaus falsch, die unsere Gegner mit Vorliebe propagieren, daß die Sozial- demokratie die Familie zu zerstören strebe. Die Arbeiterschaft schützt vielmehr nach Möglichkeit den' Familienzusammenhang durch ihren Kampf für Verkürzung der Arbeitszeit und für sonstige sozial« Verbesserungen. Indessen glauben wir allerdings nicht, daß wir dadurch den durch die EntWickelung bedingten Zerfall der Familie endgültig aufhalten können. Trotzdem müssen die proletarischen Eltern auch gegenwärtig versuchen, für die häusliche Erziehung ihrer Kinder so viel wie irgend möglich zu tun, gehört doch der künftigen Generation die Zukunft, wie ihr h:r weitere Kampf für unsere wirtschaftlichen Forderungen obliegen wird. Was sind nun die Aufgaben der häuslichen Erziehung? Sie müßte bereits mit der Pflege und sorgfältigen Hütung der Eckzwangeren beginnen, von deren Gesundheit die Kraft des Neugeborenen abhängt. Schon dieses Moment zu beachten ist der Proleiarierin leider meist uu° möglich. Sie mutz sogar oft während der Schwangerschaft mehr arbeiten als sonst, um etwas für die kommende Zeit zurückzulegen. Ist das Kind geboren, so ist es von größter Wichtigkeit, daß es die Mutter selbst nährt. Auch daran ist die Arbeiterfrau häufig genug durch ihre Erwerbstätigkeit gehindert. Ebensowenig läßt ihr die außerhäusliche Beschäftigung Zeit zu einer genügenden Körper- pflege des Säuglings. Die Statistik belehrt uns über die tiefe Schädigung des Kindes durch diese Verhältnisse. Der Redner gab hier eine Reihe von Zahlen über die Kindersterblichkeit unter den verschiedenen Bevölkerungsklassen. In bezug auf die seelische Erziehung des heranwachsenden Kindes sollen wir vor allem daran denken, daß es Liebe braucht;. Liebe ist für das Kindesgemüt so notwendig wie die Sonne für seinen Körper. Auch bedarf der Erzieher zur rechten Lösung seiner Aufgabe des Verständnisses für das Wesen des jugendlichen Geistes. Woher soll die Proletarierin, der selbst eine richtige Erziehung mangelt, dieses Verständnis nehmen? Ist sie doch nicht einmal für di« hauswirtschaftlichen Pflichten ordentlich vorgebildet. Glücklicher- weise besitzt das Kind«inen besonderen Lehrmeister, seinen wirk- licheii Schutzengel gegen alle verfehlten Einflüsse in dem kindlichen — Spwl. Das Spiel, das von den wenigsten Eltern in seiner Be- dculung erkannt wird, ist für das Kind eigentlich«ine ernste Arbeit; es gibt ihm Gelegenheit, aus der Anschauung selbst sehr viel und sehr Mannigfaltiges zu lernen. Vom Spiel soll das Kind zur Arbeit und allmählichen Heranbildung der Handfertigkeit übergehen; nach Möglichkeit müßten dabei alle Kinder sich im Freien bekvegen können. Für die späteren Jugendjahre gibt es keine Formeln für die richtige Einwirkung auf das Seelenleben des heranwachsenden Menschen. Eigenes Empfinden und Psychologische Gabe müssen dabei das beste tun. Von größtem Einfluß wird hier das Bei- spiel der Eltern sein. Gerechtigkeit und Geduld sind die Tugenden. dre die Eltern ganz besonders üben sollten, um zu guten Erziehern zu werden. Ihr Ziel muß es stets sein, die eigenen Kinder zu Freunden zu gewinnen. Dem sehr gut besuchten, mit regem Beifall abfgenommenen Vortrag folgte eine lebhafte Diskussion, in der der Referent um Aufklärung über die verschiedensten Einzelfrageu der Erziehung ersucht wurde. In seinem Schlußwort �antwortete Genosse Schulz ausführlich diese Fragen. Versammlungen— Veranstaltungen. Berein für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse. Mittwoch, 1. Dezember, abends 8Vj Uhr. im„Neuen Klubhaus". Kom- Mandantenstraße 12, Vortrag:„Die öffentliche(Schul-) Er» ziehung". Referent: Heinrich Schulz. Billetts für das zweite Konzert(6. Januar) im„Choralion-Saal" sind im Verein und in den Zahlstellen zu haben. WUteruimsiiberflrfi» vom 29. November 1009. moraenS 8 Ilbr. etattonen Wetter WK «ii wSj Ctatbmen »!■£ � Ii« 5 s' g J HÜ 21 Wetter 2 Ii B? J 6 1 7 4 5 — 1 — 1 Savaranda 7585} «tersburg 755 NR Scilla tlberdeu» Parts :5 k «5. Swmcmde 754 NW' 1 Dunst Hamburg>758 WSW 5 Regen sterlir>754SW I 3 Regen ■Jranfl.a®! 75g SV öbedcctt Rüiiche» 764 SW' 4 wolkig Wien 763 WSW 1 bedeckt Wetterprognose für Dienstag, den 3b. November 1909. Ein wenig kiibler. zeitweise aufklarend, vorwiegend trübe mit Niederschlägen und lebhaslen nordwesllichei. Winden. Berliner Wetterbureau. 2 bedeckt—10 1 bedeckt—13 750 WSW 6 Regen 40 730 SSW 1 bettet 3 750 SSW 4 bedeckt 8 I» ♦« Fiüe den I» ball der Jnierate , übernimmt die Nedattion dem Pndliknm gegenüber keinerlei Verantwortung. �Kearer. Dienstag, 30. November. Anfang 7'/, Uhr. Köiisgs. Qperubans. Die lustigen Wciber von Windsor. Königi. ZwaniptelhauS. Der deutsche König. Deutsches. Don CarloS. ttammerspiele. FrilhllngS Erwachen.(Ansang S Uhr.) Nniang 6 Udr ReneS kSnigk. Qprrn.THeater. Uomoo aus ckulist. Lefstng. Vor Sonnenaufgang. Neues Schautvteltians Judith. Neues Operetten. Miß Dudelsack. Berliner. Hohe Politik. Drianou. Buridans Esel. Komische Oper. Toska. Neues. Herbst. Der Unbekannte. Kleines. Hinterm Zaun. Nesideuz. Gleichen. Hebbel. Der Skandal. Schiller«».«Wallner- Theater.) Gespenster. Tch 6.(sliarlottrnburg. Kabale und Lieb«. Ariedrich- Wllbelmftüdt. Schau- spiellinns. Der Bibliothekar. Westen. Die geschiedene Fra». Thalia, Die ewige Lampe. eiiiH'n. Gib mich srel. Bolksoper. Troubadour.(Ansang S-/, Uhr.) Roie. Leben uud leben lasten. Snftspielhans. Der dunkle Punkt. Birt-oooc. Halloh II— Die große Revue. Folie« Eaprice. Sicher ist sicher. Bunter Teil Der Mann meiner Frau.(Ans. 8'/. Uhr.) Np-oo. Spezlaliläten. Wintcrgorleu. Epezialitäten. Casino. Onkel Cohn. Gedr. Herrufet»- Theater. To muß man's machen. EinRettungS- mittel. Karl Haverland- Dhcattr. Epe- zialitäten. WoUioUa. SvezialitSten. Gastspiel. Der Hüttenbesitzer. «ige. gvezuiii täten Noacks Theater. Das Warenhaus- sräuiein.(Ansang 8% Uhr.) spalau. Liebchens Trick? Speziali. täten. Neichs»allcn. Stetiiner Sänger. Mrn-.ia. Taube ,r.I«r«evtv, Abends SUbr: Di« Durchquerung Afrikas im Auto. Steruiourre, Jnvalidenltr. 67— 62. iinjy- ■f. Uhr: Äedcnkvorstellung der �Freien Bübne' zum erstenmal> Nor Sounenanfgang. Soziales Drama i. 5 Akt. v. Gerh. Hauptmann. Mittwoch, 8 Uhr- Tan»ri»d.Narr. öerliner Tveater. Me feillid. Morgen: Hohe Potltik._ Neues Thealer. itt-lffiteiarait. Morgen it. folgende Tage: Herbst. Der Uubekauute. Theater des Westens. 8 Uhr: Die grschtebene Frau. Mitw., sonnab. 4 m Struwwelpeter Sonnla, 9'lt Uhr: Ein Walzertr&urn. Friedricb-Wilbslinstädtisclies Scbauspleihaus. DlenSlag, 30. Novbr., Ansang 8 Uhr: Der Bibliothekar. SÄwant in 4 Akten v.<>\ v. Moser. Mittwoch: Der Bibliolbetar. Donnerstag i FlachSmann als Gr- Steher._• iOSE=THEATE Groß« Frantiurttr Str. 132. Ans.? Uhr Ende geg. ll U. IM uod leben lassen.| v-lksstück in 4 Akt. v. I. H. Gins. Mittwoch: Maria Stuart» 1 Urania. Wissenschaftliches Theater. Abends 8 Uhr: Oberleatnant Oräfz: Meine Darcb- querung Afrikas Im Automobil. Lustsplelhaus. Abends 8 Uhr: Der duukte Punkt. Ke8idsii?-Ibsg!ös Dlreltion: Richard Alexander. Abend» 8 Uhr: (KrvtvZt«!». GroleSle in 3 Akte» von Davis und Lipschütz. Sonnabend, den 4. Dezember, zum «tstlnrnai: Ii» Taubenschlag. Öperpften�Theater. Schisjbauerdamm 25, a. d. Luisenstr. Abends 8 Uhr: Znv nndetuacli. Operette in 8 Akten von Rudolf Nelson. Volks-Oper. 8W, Belle-AMance-Slraße Nr. 7/8. AbendS'/t9 Uhr: Der Troubadour. liCtr.ter Xng! Ansang 8 Uhr. Tohnwabolin, Burleske. Fovnurltia, Boantä espagnole. Di« Phänomene Wynne- Brother». Eine Haremsnacht. _ Morgen Veemlero» fsSST" Frtnz Pin ne.'VQ te Henry Sender. Debüt: Thimpanse Komtil Jams» Lesat. Hetropol-Tbealer Hallo!!! Die grobe Revue! In 8 Bildarn von JuL Freund. Musik v. Paul Linoko. In Szone gesetzt vom Dir. liioh. Schultz. Astanfl 8 Uhr. Rauchen gestatiet Sanssouci, Ä"' Direktion Wilhelm Reimer. Sonntag, Montag und Donnerstag.' tiottmanns r Ulli Tauztränzcheu. StetS neues hochaktuelles Progr. Leg. Sonnt. 5. wochenl. 8 U. Morgen Mittwoch: Theaterabend: Zum erstenmal: Das Warenhaus- xränlein. Bollsstück. i.>a«,abendS8Uhr! Hiß Mobbs. Theater. Schiller-Theater Charloltenburg. Dienstag, abend» 8 Uhr: Kabnle und R iebe. Ein bürgerliches Trauerspiel in 5 W von Friedrich Schiller. Mittwow. abends 8 Ubr: Wallenstein» tager. Die piocolomlal. Donnerstag, abendSSllhr: Wallensteins Tod. Palast-Theater. Direktion: Robert Oilt 4 Karl Plrnau. Burgstraße 24, am Bahnhof Börse. Letzter Tag des kolossalen WoTember-» Programms. Liebeheus Trick m. Dw. Rod. m... Ansang T', Uhr. Entr. 50 Pf. bis 2 M. Morg.: Bollftüudtg neues Progr. Den p. t. größeren Vereinen zur Kenntnis, daß durch Zufall der 1. Weih, nachtsselertag zur Abhaltung einer Matinee srclgewordcn ist. Restektanten wollen sich umgehend melden.— DeS. gleichen«mpichlen wir unser Theater (bis b000 Pers. sass.) zur Abbailung größ. Verlammlungen und Matinees. 'srianon-Theater. Abends 8 Uhr: Kuridans Esel. Reichshalien-Theater. (Stetiiner Sünger Zum Schluß, neu; Der Nachtwächter dvn Zerpcnschleuse!! Studentenbild tt. F. Meysel. Ansang: Wochent. 8 Uhr. Sonntag? 7 Uhr. l-uisoo-Tbootoi. Abend» 8 Uhr: Gib miek frei. Mittwoch: Neueinstudierung: Die! Geicr-Wallh. Schauspiel In 4 Allenz und einem Vorspiel von W. Hillern.' Donnerstag: Heimat. Freitag: Geicr-Wallh. Gastspiel-Tiieater. Heute und folgende Tage 8 Uhr: Der Hiittenbesitzer. Sonntag nachmittag 3'/, Uhr: Kleine Preise. Für Herskrinikr shiie Kcschiiitrdkll. In meinem Hause wird nur Ihr coffelnfreier- „Kaffee Hag' getrunken. Ich bestätige Ihnen gern, daß er ausgezeichnet ist. Er wird auch von Herzkranken, denen ich ihn verordne, ohne Be« schwerden vertragen. Westerland, den 21. Juni 1909. Dr. med. O. Ich war auf Kaffee sehr schwer empfindlich, mein Herz reagierte auf die schwächste Tasse in empfindlichster Weise. Ihren Kaffee vertrage ich ohne die geringste Beschwerde. Ulm. Dr. med. H. Ihr Kaffee ist tatsächlich frei von schädlichen Wirkungen auf Herz und Nervensystem, so daß ich ihn Patienten, die nervös sind oder an Herz- oder Darmkrankheiten leiden, aufs wärmste enipfehlen lverde. Spandau. Or. med. K., prakt. Arzt. '....... iTTTTTTTi Soeben erschien: Die Frau und der Sozialismus von August Bebele 50. Auslage. Verbessert, vermehrt und neu bearbeitet. JubiläutnssAusgrabe mit Umschlagzeichnung von Erleb Schillliig. Preis: Brosch. 2,50 M., geb. 3»- M. Expedition des„Vorwärts" Berlin SW. 68, Lmdcustr. 69(Laden). '' I I N I I I I I I I I I Zirkus Busch. I Dienstag, den 30. November, abende T'/, Uhr präzise; Großer Galu-Abend! Zweroolown Frangois, Kunstreiter.! ■ci llle Clevcland.! BMI Frl Marth.Mohnke, Schulreiterin j Pattj-Frank-Trnppc! j Femer: Herr Ernst Schumann. I neueste Dressuren. 4 Gebr.| Karotis, ungarische ReitküneU 9'/. ühr. Farmerleben.! Vorher das groBe Galaprogramm Alt Tloablt 47/48. Donnerstag, den 2. Dezember: Ans allgemeinen Wunsch! Iss klM sßv Mick Volksstück mit Gesang in 4 Akten von L. Anzengruber. Der Wurzelsepp.. HanS Reltz. w slbslls Wwitz kkeMr l Vleivbergsiveg 19-20, Rnsenth.Ter. 1 j Ans. 8 Uhr. Dir groftartlge Rovember-Spezialltäten. s Im Tunnel: Regimeutskapelle. s Theaterbesuchern freier Stulritt� Gastsp. deS Voigt«Theaier°EnsembleS. Dienstag, den 30 November: Flotte Weiber. Volksstück mit Gesang in vler Nkicv von Treptow. Kassenöffmuig 7 Uhr. Ansang 8 Uhr. vis Ansprüche�/'' und die verwohnteste GeschmacKsricbtung werden befriedigt V/� dureb unsere CIGARETTCN Wie haotn ein anderes Fabrikat sagen sie auch dem empfindüchsten Raucher zu, weil bei ihrer Herstellung in außerordentliches Maße auf Erreichung aller derjenigen charaKteristischen Eigenschaften Bedacht genommen ist, die ausschließlich Merhmale feinster QuaUtSt sind und nur bei allerbesten NarKen gefunden werden. Diese besitzen sie jedoch so vollhommen und in so hohem Grade, daß bierin einer der wichtigsten Gründe für ihre außerordentliche Beliebtheit zu finden ist. Josetti Vera m. o. o. M 10 St 30 Pi tSr- t'~ K.ön igvtad t Kanlao. Holzmarktstraße 72. Täglich: Konzert, Theater- and SpszialltSten- Vorstellung mit Franz Sebanski. Olga l oy, Musik. Komödianten Carmanclll Kurl Werther, EmmyGalsIti, Roohowsky- Duo Gust. Burg Truppe Juhasz (4 Personen, 1 Foperrier) Ulm Prinz Wendelin, GcsangSp. v. Klein. V?. z�o�eks Thester Lrmuieiiiir 16, am Roscnthaler Tor. Zum letzten Male: Das Warkiihausftiiiilrin. Volksstück v. d. Messtngputzer R. Popper. Mittwoch z. letzenmal: 0ie Grill«. Donnerstag zum erstenmal t vor Vellcbenfressar. Casino-Theater Lothringer Straße 37. Täglich 8 Uhr bis Donnerstag, den 2. Dezember: Onkel Cohn. Frettag, den 8. Dezember, zum erstenmal: Der Oberganner. Sonntag 4 Uhr: Familie tillnkert. Folies Caprice. «»fang H'l,«Hr. Sicher ist sicher. Neuer bunter Teil. Oer Mann meinar Iran. I m sin Mariiiplsfi�Ä .3 Uhr. Hunipsli- Bumpstl Sonntag nachraittHs: Gr« Vorstellung zu kleinen Preisen. •'/« Uhr t Ein Kind frei t Dienstag, den 30. November, abends VI, Uhr: GroBeGala- Vorstellung DebHt Debüt des Amerikaners Mstr.\lb!o m. seinen konvcrsiepcnüen Papageien Cokoo und Laura. Wiederanftreten des Dir. Alb. Schumann. Um 9 Uhr Ende 11 Uhr Die grohe Fecrie vle ärei KivAlev oder Das mysteriöse Schlost in der Normandie phantasliiche Fecrie in 5 Akten Im 2. Akt: Aus dem Schlosse des RillerS de la Champagne. Im 3. Akt: de Wildschweinsjagd. Feenhafte SchluOapotheose. Letzter Tag! Anne Dancrey. Bernh. Mörbitz. Lalla Selbini. The great Weiland. Sisters Hamy qwd die übrigen Attraktionen! MMI! stommandanlenstr. 57. T. A. i, 5083. Der größte Hjerrnfeld'Crfolg! „So muß man's machen" Burleske mit Gesang in zwei Akten, Musik von L. Jtai, mit den Autoren Anton und Dona» Herrnseid in den Hauptrollen.— Hierzu: Ein Rettungsmittel Komödie in 1 Akt von Ludwig Huna. Ansang 8 Uhr. Vorverkaus 11—2 Uhr Theaterkasie. Passage-Theater. Abschieds- Vovstellnng j Henry Bender in der toUen Burleske{ Der süße Doktor. Femer: Clnlrc Waldoff J und das großartige t Btovember• Programm!* Morgen Mittwoch, t. Dezember:{ Premiere! Qussy Holl» und die neuen � Spezialitäten. � Passage-Panoptikuni. ReuilmReiehedesKöniisÄp. Geheimnisse der Wassertiefe. Plastische Riesendioramen. Das lebende Skelett. Das anatoni. Riitsel. Bis Traummaleriß. AGA, die schweb. Jungfrau Tambnritza- Brignntos. Pauophon- V ort rüge. Äües ohne Extra-Entree! Hygienische Bedarfsart. Drogerle Zaremba Weinbergsweg 1, dir. a.Rosenthaler Tor. Billigste Bezugsquelle! Versuch s. zur dauernden Kundschaft. Unserem Genosselt Franz Wedemeyer zu seinem am 27. Nov. 1909 statt«! gesundenenSv. Geburtstagesenden[ die besten Glückwünsche Die Genossinnen und Genessen des 310. Bezirks. 2680b I 4i Hygienische gk» Empfahl. viel Aerzte u.Prof. erat, i H. Ongor, Sommiwaronfakrik SarHo NW«. Friedrichstrasae 91/93 Kinnitn- und Kranibiuderci osu Köder! Kleyer.' our Marianutn-Zlruße 2. 7 große Versammlungen Frauen und Mädchen - Männer haben Zutritt====!==== | Danksagung. Für die zahlreiche Beteiligung sowie die reichen Kranzspenden bei der Beerdigung meines Sohnes Dago Sprenger und seiner Braut Liiicie Kay sagen allen Beteiligten, serncr dem Gesangverein der Putzer sür seinen erbebenden Gesang, auch den Arbeitsiollegen und Kolleginnen aneines Sohnes und seiner Braut biermit im Namen der trauernden Hinterbliebenen unseren ticigesühitesten Dank. 33612 Dienstag. Äen 30. November 1909. abends 8 Uhr, in den Lokalen: Mihe, Dennewitzstr. 13. Gewerkschaftshaus, Engelufer 15 (Saal 4). Kellers Feslsäle, Inhaber Freyer, Koppenstr. 29. OhiglO, Schwedter Str. 23/24. Germania-Festsäle, Chausseestr. 1 1 o Kronenbrauerei, Alt-Moabit 47/48 floppe, Rixdorf, Hermannstr. 49. Tagesordnung: Warum haben die erwerbstätigen Frauen und Mädchen kein Wahlrecht zu den Gewerbe-«nd Kaufmannsgerichte»? Referentinnen: Genossinnen Baader, Hoppe, Ihrer, Tietz.Weyl, Wurm und Zietz. Um den Versammlungen ein würdiges Aussehen des Protestes gegen die bestehende Ungerechtigkeit zu geben, ersuchen um recht regen Besuch der Versammlungen Der Ausschuß der Zeutralvorstand des Verbandes Gewerkschastskommissio«. sozialdemokratischer Wahlvereine. Alwin Hörsten, Engeluser 15._ Engen Ernst, Wöhlcristr. 9._ Ii 1: Leihhaus Gelegenheitskäufe verfall. Geld- und Silbersachen, Brillanten etc. MS:" Primus W!" 1 J Speslalgesch&ft f. Uhren M in gröBler Auswahl,* S gut gehend, genau reguliert: @ Kaval.-Remt.-Uhren v. 5 M. Silberne Aemt.-Uhren 7 M. Cfta Goldene 3iemt..Uhren 12 SW. fe.vy Ichlagw-Repert-Uhren 9 M. JgH.-Weck.-Uhren v. 2 M. an Reelle schriftliche Garantie. * E. Möbls, 8 14 Benth- Straße 14 n.CafeAschingeraSpittelmnrkl w GOGGOO«OOOOOOO«GOOOM Verein für f rauen u. Rädchen der Arbeiterklasse. Mittwoch, den 1. Dezember, abends«>/, Uhr. i«„Ifenen Klnblianse", Konimaiidantenstr. 72 1 55/19 Pir öffrntlicht(Schvl-) Ermhnlig. Gäste willkommen. Der Vorstand. Zentralverband der Lederarbeiter� Filiale I Berlin. DonnerStag, den 2. Dezember, abends Pünktlich 8 Uhr» im Lokal des Herrn Schmidt. Prinzenallee 33 1 Goillob Sprenger, :. 92. Tanksagung. Für die Tcilnadme sowie Kranz- spende des ZentralveroandeS der Zimmerer Deutschlands bei Be- crdlgung meines lieben Mannes, deS Zimmerers Otto Seifert spreche ich hiermit meine» herzlichsten Dank aus. 2S9-lb Witwe Ida Seltert. Dr. Simrnei Spezial-Arzt' für Haut- und Harnleiden. Prinzenstr. 41,«'"u, 10— 2, 5—7. Sonntags 10— 12, 2—4. iGelegeniieitskäsife ü Vorjahrig© | Herrenanzüge und PaletGts'i aus feinsten Maßstoffen | früherer Wert 60 Iiis 00 Mark! Jetzt 20 bis 45 Mark. | ZVllie wiederkehrende-TIBI Kaufgelegenheit!! Cavalier-CIub Unter den Linden 61, II. Sonntags geöffnet! Mtglieder-Versammlung. � TageS-Ordnung: 1. Wahl des Vorstandes. 2. Vereinsangelegenheiten. Z. ZZerschiedeneZ. Zahlreiches, als auch pünktliches Erscheinen erwartet 144/17__ Die OrtsverwaUnng. Große Firma vergibt durch Privathand Decken jederArt.Gardinen.'kepplctie, Stores, Fortleren, Bilder und Uhren. Ohne Anzahtung bei Keinen Monatsraten.» Keine Kassierer. Offert. U. W. 100 an.Vorwarts"speditton, Anguftitr. 50. HCdbelgesebaft Qoftsehatk Co. Alvensleben=Straße 6, dioÄdeTpo'ÄieXtf* gegrhndet 1898 gibt an solide Leute ganze Wohnungs-Einrichtungen oder einzelne Möbelstucke gegen monatliche Teilzahlung unter sehr kulanten Bedingungen. Große Auswahl in einfach bürgerlichen und eleganteren Wohnungs-Ausstattungen bei langjähriger Garantie für gute Haltbarkeit. Billigste Preise. Ueberteuerung ausgeschlossen, da an Jedem Stück der Preis in Zahlen deutlich vermerkt ist.— Anzahlung bei besserer Einrichtung von Stube und Küche 60—80 Mark. Monatliche Zahlung 10 Mark. Größere Wohnungs-Einrichtungen nach Uebereinkunft. Sonntags geöffnet. 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Sämtliche Herren Vertreter der Arbeilgeber und der Kajsenmitglieder werden hierzu ergebenst eingeladen. Tagesordnung: 1. Wahl deS Ausschusses für die Prüfung der Jahresrechnung. 2. a) Neuwahl zum Borstande, sechs Personen aus derZahl der Vertreter der Versicherten 38 des Statuts): d) Neu- Wahl zum Borstande, drei Personen aus der Zähl der Vertreter der Ar» beitgeber(§ 38 des Statuts); c) Neuwahl von drei Boistandsmitgliedern (aus Grund des Z 49 des Statuts). 3. Antrag des Vorstandes aus Ab- äi derung der Ii, 12, 13 und 30 des Statuts. 2688b 4. Verschiedenes. Berlin, 29. November 1909. Der Vorstand. I. A.: M. Sluhlmann, Vorsitzender. flhnn Teppiche, Gar- Uiine dlnen, Portieren, Anzahlung BIIde%hP8e�eseli Auf Teilzahlung.' ifDA kngaststr. 50. Nur Karten erbet. L. Malzner, AHÜrBS,,t lZMMMed.W?» des 6. Bert. Rcictisiapalillum Todes- Anzeige. Am 24. November oerstarb unser Mitglied, der Saltler Franz Otto W olliner Sir. 36. Ehre seinem Andenke«! Die Beerdigung findet heut«, Dienstag, den 30. November, mittags l Uhr, von der Leichen- Halle des städtischen FriedyoseS in Friedrichsseide auS statt. Um rege Beteiligung ersucht 232i20 Der Aoritand. Oeufsctier Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes-Anzelgen. Den Kollegen zur Nachricht, daß unier Mitglied, der Wickler Franz Otto gestorben ist. 126/10 Die Beerdigung findet heute Dienstag, den 30. November, nach- mittags 1 Uhr, von der Leichen- Halle des Zentral- Friedhofes in Friedrichsselde aus statt. Ferner starb unser Mitglied, der Schlosser vtto Keüermann. Die Beerdigung findet heute Dienstag, den 30. November, nach- mittags 3 Uhr, von der Lei' Halle des Bartholomäus in Weißensee, Fallbetger auS statt. Ehre ihrem Andenke»! Rege Beteiligung erwartet Die Ortsverwaltung. ltoUl., tlUll.)-» r Leichen- !-Kirchhofs ger Weg, BenMer wo Ortsverwaltung GroS-Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Mitglied, der HUss- arbeiier �uzust ttsusllork am Sonnabend, den 27. d. M.. im Alter von 24 Jahren an Ge- hirnerweichung gestorben ist Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet am Dienstag, den 30. d. M., nachmittags 3 Uhr, von der Leichen- balle des Moabiter Krankenhauses aus nach dem Hestaitstaliskirchhos, Seestraße, statt. 71/13_ Die Verwattung. Zentral-Kranken- n. Sförbekasse der lieiitselien Wagenbauer. Berlin 6. Am Sonnabend, den 27. 8o> vember, verstarb plötzlich unser Mitglied Eduard Kopiske. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Dienstag, den 30. November. nachmittags 3 Ubr, aus dem Städtischen Friedhoj, Müllerftraße Ecke Seestraße statt. Zahlreiche Beteiligung erwartet 256/1 Die Ortsverwaltung. Seziaidemokrat. Kreiswatilierein Nieder-Barnim. Bezirk WeiOensee. Todes-Anzeige. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß miser Mitglied, der Tapezierer Otto Rehfeldt verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute, Dienstag, den 30. November, nachmitlogS 3 Uhr, von der Halle des Gemeindesriedhoses Weitzen- see, Röickestraße, aus statt Um rege Beteiligung ersucht l8/6 Der Borstand. Danksagung. Für die rege Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unseres guten BaterS und meines lieben Sohnes sagen wir allen, insbesondere dem Fuhrherrn RödieSke, den Kollegen des Fuhrhofes, dem Pflanzeroerein „JSgerhcim", demsozialdeinolratische» Wahlverein Nirdors sowie dem Hmn Wolbeck Manalse für die trostreichen Worte unseren herzlichsten Dant Berta Roske nebst Kinder«, Minna RoSke als Mutter. Danksagung. Für die imS bewiesene Teilnahme bei dem Begräbnis meines lieben Mannes, unseres guten BaterS, sagen wir hiermit den Kollegen de» Deutschen HolzarbeiierverbandeS, den Kollegen der Firma C. Bechstein, den Tischlern der Firma Abels u. Co, sowie allen Verwandten. Freunden und Bekannten unseren herzlich üen Dank. 2684b Ann» Arndt«ebft Kinder». <3—.........—"--rg-—- ABBMMBWMaaWBBBMHBBHBMMMBBMHHIglHIBMWWPKäWHii W«WllMBigBWMEr�wiisl«r7aiya�'w.£�-'-£:JaiBBr:aSaianAg»&AED«BmA»fcaBB—-- 7 nvvji Berantwortlicher Redakteur Richard Barth, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Tb. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärt» vuchdrnckerei u. BerlagSanstalt Paul Singer& Co, Verlin SWi Nr. 279. 26. Ichrgang. 2. Kilagk i>ts Jutitiirtü" Iienstag, 30. Noiitltiber 1909. Die Abgtordnkttvlvllhlen im VI. VII. und III. AudtegsmhlbkMe finden am heutigen Dienstag, den SO. November, t» der Zeit von vormittags S Uhr bis nachmittags 7 Uhr statt und zwar in folgenden Lokalen: V. Wahlbezirk im großen Saale der Mnhsschen Fest säle, Manteuffelstr. 95, Hof parterre, VI.„ im großen Saale der Andreas-Festsäle, Andreassir. 21, parterre, VII.„ im großen Saale der Brauerei Patzew hofer, Landsberger Allee 21/26, pari.. XU.„ im großen Saale des Brauerei-Ausschanks Patzenhofer, Turmstr. 25/26. Die Wahlhandlung wird pünktlich um 7 Uhr nachmittags geschlossen, und dürfen nach dieser Zeit Wahlmänner, die ihr Stimmrecht noch nicht ausgeübt haben, zur Abstimmung nicht mehr zugelassen werden, auch dann nicht, wenn sie vor Bev kündung des Schlusses der Wahl schon im Wahllokale an wesend waren. An die Wahlmänner unserer Partei ergeht die Auf' » forderung, am heutigen Dienstag während der festgesetzten ! Zeit von 9 bis 7 Uhr ihren Auftrag auszuführen und ihre Stimmen für die sozialdemokratischen Kandidaten abzugeben. I Partei- Hngelegenbcitcii. Z«r Lokalliste. In Kaulsdors a. Ostbahn veranstaltet an» 4. De zember er. der dortige Schwimmklub.Welle' mit dem Ver- gnügungSverein.N o r d o st"- Berlin in.Hamanns Gesell« s ch a f l s h a u s", Kaulsdorf, Frankfurter Chaussee einen gemein- samen.Theaterabend" mit Tanz. Wir machen jedoch dar- auf aufmerksam, daß der Inhaber obigen Lokals uns erst vor kurzem seine Räume entzogen hat. ES steht uns jetzt in K a u I S- d o r f kein einziger Saal zu Bersammlungszweden zur Verfügung. Wir ersuchen daher alle dortigen Veranstaltungen streng zu meiden und etwa angebotene Billetts entschieden zurückzuweisen. Die Lokalkommisfion. Erster Wahlkreis. Sonntag, den 5. Dezember, abends 6 Uhr. in den Arminhallen, Kommandantenstr. ö8M: Versammlung mit anschließendem geselligen Beisammensein. Eintritt inkl. Garderobe und Tanz 20 Pf. In der Urania ist anläßlich der am Sonntag, den 23. November,' veranstalteten Vorstellung ein Armband gefunden worden. Abzuholen bei Bittner, Feilnerstr. 11. Rixdorf. Morgen Mittwoch, abends 8'/z Uhr, findet in Hoppes Festsälen, Hermannstr. 4v. die außerordentliche Generalversammlung des Wohlvereins statt. Die Tagesordnung ist folgende: 1. Die be- vorstehenden Sladtverordnetenwahlen. Referent Genosse Dr. Silber» stein. 2. Ausstellung der Kandidaten. 3. Vereinsangelegenheiten und Verschiedenes. Mitgliedsbuch legitimiert! Die Bibliothek des Wahlvereins wird nach Fuldastr. 65—56 verlegt. Dieselbe bleibt daher am Donnerstag, den 2. Dezember oeichlofien. Wiedereröffnung Freitag, den 3. Dezember. Die Aus- gäbe der Bücher erfolgt täglich von 7—10 Uhr abends. Außerdem findet Mittwoch und Sonnabend in der Zeit von 4—7 Uhr die AuS- gäbe der Jugendschriften statt. Schöneberg. Heute, Dienstag, den 30. November, abends 8 Uhr findet die Wahlvereinsversammlung in den Neuen Rathaussälen, Meininger Straße 8 statt. Tagesordnung: 1.»Der Aufmarsch der Sozialdemokratie". Referent Genosse R. Küter. 2. Wahl der Dele- gierten zur Kreisgeneralversammlung. 3. Verschiedenes.' Mittwoch, den 1. Dezember, abends 8 Uhr findet in den Neuen Rathaussälen, Meininger Straße 8 der erste Abend des Lichtbilder- Zyklus: Die Entwickelung des Menschen statt. Der Lichtbilder-Zyklus besteht aus sechs Vorträgen. Der Eintrittspreis beträgt für die gesamten Vorträge 60 Psennige. Der Vorstand. Charlottenburg. Wir machen auf die heute abend 8Vs Uhr stattfindende Generalversammlung aufmerksam. Auf der Tagesordnung steht.Der preußische Parteitag" und wichtige Vereinsangelegen- heilen. Der Vorstand. Wilmcrsdorf-Halensce. Heute Dienstag, abends 8'/3 Uhr, findet die monatliche Mitgliederversammlung des Wahlvereins im„Gesell« schaftshaus", WilhelmSaue 112. statt. Tagesordnung: 1. Bortrag des Genossen Dr Herz selb über:»Die Steuerlast des deut'chen Volkes und die auswärtige Politik". 2. Anträge und Wahl der Dele- gietten zur Kreisgeneralversammlung. 4. Verschiedenes. Der Vorstand. Steglitz. Heute abend«'/. Uhr Mitgliederversammlung des Wahlvereiiis bei Schellhase, Ahorrrstraße loa. Tagesordnung: 1.„Religion und N a> u r e r k e». n t n i s". Referent Genoiie KlübS. 2. Diskussion. 3. Anträge zum preußischen Parteitage. 4. Wohl der Delegierten zur Vorstandssitzung und Generalverjamm- lung des Kreises. 5. Sonstige Angelegenheiten. Der Vorstand. Lichtenberg. Heute, 8st, Uhr abends findet im Lokal von Paul Schwarz. Möllendorsstr. 25/26 die Mitgliederversammlung des sozial- demokratischen WablvereinS statt. Tagesordnung: Stellungnahme zum Preußenlag. Das Mitgliedsbuch legitimiert. Boxhagcn-Rummclsburg. Heute Dienstag, abends 8 Uhr, findet im Saale des Casü Bellevue die Mitgliederversammlung des hiesigen Wahlvereins statt. Reichstagsabgeordneter Stücklen wird über unsere politische Lage reserieren. 2. Stellungnahme zum Preußeniag. 3, Verkündigung des Berliner Landtagswahlresultates. 4. Vereinsangelegenheiten. Mitgliedsbuch legitiiniert. Der Vorstand. Trcptow-Baumschuleuweg. Heute DienStag. abends 8>/z Uhr. findet in Treptow in der Radrennbahn eine Mitgliederversammlung beider Ortsteile mit nachstehender Tagesordnung statt: 1. Stellung« nähme zum Preußentage. Anträge dazu. 2. Stellungnahme zur Kreisgencralversammlung. Anträge zu derselben(Antrag aus Trennung des Wahlvereins). Wahl der Delegierten. 3. Vercinsangelegenheiten. 4. Verschiedenes. Der Vorstand. Ober Schöneweide. Heute DienStag. den 30. November, abends 8 Uhr. findet von den Bezirkölokalen aus eine Verbreitung von Handzetteln sowie Flugschristen statt. Der Vorstand. Pankow. Am kommenden Donnerstag, den 2. Dezember, abends 8l/2 Uhr findet im„GesellschastöhauS" von Rozycki. Kreuz- ftraße 3/4, eine große öffentliche Fraucn-Versammlung statt, in der Genossin Frau Luise Z i e tz über„Die Wirkung der neuen Steuern für die Hausfrau" sprechen wird. Genossinnen und Ge- nossen, sorgt dafür, daß diese Versammlung sich durch Massenbesuch zu einer wuchtigen Demonstration gegen den Steuerraubzug des Echnapsblocks gestaltet. Die Bezirksleitung. Potsdam. Die Wahlvereinsversammlung findet be- reitS am Milliooch. den I.Dezember, abends 8Vz Uhr. bei PruschinSky, Kaiser- Wilhelm- Straße, statt. Tagesordnung: 1. Vereinssachen. 2. Bericht über die Kxeisgeneralverjanunlun�. 3/ Die bevorstehenden Stadtverordnetenstichwahlen. Kerlmer I�acdricdten. Bauernfängerei am Schlcsischen Bahnhof._ Durch Zuschriften aus unserem Leserkreise werden wir ackf Vorgänge im Wartesaal 4. Klasse auf dem Schlesischen Bahnhof hingewiesen, die dringend einer Remedur bedürften. Wir haben uns nun von den dortigen Zuständen überzeugt und fanden die Angaben vollinhaltlich bestätigt. Gegen Abend ist der kahle, düstere Raum von Dutzenden armer Familien aus den östlichen Provinzen angefüllt. Der fahle Schein einiger Gaslampen erleuchtet nur spärlich die weite Halle. Den Ein- tretenden einpfängt eine dicke, verdorbene Luft und fremde, ver- lvorrene Laute umschwirren sein Ohr. Den Fußboden bedeckt eine dicke Schicht Straßenkotes, außerdem zieren ihn Stullen- Papier, Obstreste, Zigarrenstummel usw. Zwischen, hinter und auf Bergen von Truhen, Kisten, Koffern und Bündeln haben sich Familien gruppiert. Auch die wenigen Bänke sind besetzt. In den Gängen stehen Männer und Burschen und rauchen aus klobigen Pfeifen einen Tabak, der nicht gerade das beste Aroma verbreitet. Dazwischen krabbeln Kinder in jedem Alter umher, suchen nach Müttern und umgekehrt. Manche der Kleinen sind auf Bündel schmutziger Wäsche und Kleidungsstücke gebettet und wiegen sich im sorglosen Schlaf der Kindheit. Hier säugt eine Mutter, auf einer Truhe kauernd, ihr Kleinstes, nicht weit davon läßt ein Vater seinen Zwei- oder Dreijährigen einen Schlukk Fusel aus der Pulle trinken. Der Knirps scheint daran schon gewöhnt zu sein, denn er verzieht keine Miene dabei. Da öffnet eine Frau einen Kasten und holt ein kleines Brot heraus, das sie sorgsam wägend in sechs Teile schneidet. Sie selbst verzichtet auf jeden Bissen. Eine Gruppe junger Mädchen necken sich mit einem hochgewachsenen Burschen— sie haben das herzerfrischende Lachen in der grausen Monotonie noch nicht verlernt. Die meisten der Anwesenden stieren jedoch teilnahmlos vor sich hin. Einzelne sind vom langen Warten ermüdet und nicken hin und wieder im Halb- schlummer. Dort malt eine Frau in mittleren Jahren mit un- gelenker Hand kraklige Buchstaben auf eine Postkarte, während eine andere, die ein blinkendes Kreuzchen auf der Brust trägt, aus einem dicken Gebetbuch Trost und Hoffnung schöpft. Eine Gruppe hat sich um eine Frau gebildet, die allerhand Kleinkram verkauft, und ein angetrunkener Mann in hohen Schaftstiefeln sucht vergebens, ein altes Messer für einen Groschen anzubringen. „Gefuggert" wird hier überhaupt viel. Was das schlimmste ist, ist die Bauernfängerei, die hier in hohem Maße im Schwange ist. Die armen durchreisenden Polen bieten in ihrer trostlosen Un- wissenheit und Hilflosigkeit ein sehr geeignetes Objekt für jenes Gelichter, das selbst aus der Not und Armut seiner Mitmenschen Kapital zu schlagen weiß. Wie uns versichert wurde, sind hier Diebstähle, Neppereien usw. an der Tagesordnung. Es soll kein Tag vergehen, wo nicht dem einen oder anderen dieser Aermsten seine Barschaft und sonstigen Wertsachen durch irgendeinen Trick abgenommen werden. Eine große Anzahl dieser Hyänen lungert den Tag über in dem Räume umher, um eine günstige Gelegen- heit zu einem kühnen Griff abzupassen. Wir selbst konnten be- obachten, wie solche Burschen im jovialsten Ton und in der Muttersprache der Reisenden sich diesen als„Landsleute" bor- stellten und sich recht schnell anbiederten. Da die„Landsleute" mit allen Verhältnissen vertraut sind, so fällt eS ihnen in der Regel nicht allzu schwer, das naive Landvolk zu übertölpeln. Und Vater Staat arbeitet diesen Tagedieben ja in die Hände, indem er ganze Volksschichten in Unwissenheit und Finsternis aufwachsen läßt, zur Freude unserer Agrarier und Unternehmer, die dieses Menschenmaterial wohl zu schätzen und— auszubeuten wissen. Wenn aber unsere liebe Polizei, statt die Arbeiterjugend in ihrem Bildungsbestreben zu behindern und sozialdemokratische Wahlvereine zu bespitzeln, ein paar polnisch sprechende Beamte nach dem Wartesaal 4. Klasse am Schlesischen Bahnhof senden würde, um die armen Durchreisenden vor Gaunereien zu de- wahren, so würde sie sich ein Verdienst erwerben. UebrigenS eine Frage an die Eisenbahnverwaltung: Wie oft läßt die Verwaltung diese Räume reinigen? „WahlterroriSmus" wurde dem.christlichsozialen" Agitator Graveur Kluge nachgesagt in einer von der Demo- krattschen Vereinigung einberufenen Versammlung, an der er selber als Gast teilnahm. Bei den Stadtverordnetenwahlen dritter Abteilung habe er im 2. W a h l b e z i r k am Tage der Hauptwahl(3. November) im Wahllokal Behren st ratze einen» Wähler, der nicht so gewählt hatte, wie Kluge eS wünschte, in Aussicht gestellt, eS werde nun nichts mehr bei ihm gelauft werden. Zwei in der Versammlung anwesende Personen, die an« gaben, Ohrenzeugen gewesen zu sein, wiederholten das dem Herrn Kl. mS Gesicht hinein. Diese Beschuldigung wurde dann auch von unS Vorwärts" Nr. 275) wiedergegeben, damit sie zur Kenntnis einer größeren Oeffentlichkeit gelangte und so vielleicht Auskläning herbeigeführt würde. In der Versammlung hatte Kl. zunächst versichert, von der ganzen Geschichte nichts zu wissen, schließlich aber erzählte er, eS handle sich un» den K ü st e r Schönfelder von der Dretfaltigkeits- kirche, dem er seine Verwunderung darüber auSgedrüift habe, daß er nicht für den Kandidaten der Konservativen gestimmt hatte. Wir haben nun bisher nicht bemerkt, daß jener Angelegenheit noch von einem anderen Blatt irgendwelche Beachtung geschenkt worden wäre. Wie könnt' sie sonst so tapfer schinälen. die olle ehrliche .Freisinnige Zeitung", wie tapfer init ihr die biedere »Deutsche Tageszeitung" und all daS übrige ZeitungSgeschwister freisinniger und konservativer Couleur, wenn sie der Sozial- demokratie.Wahlterrorismus" vorwerfen zu kölinen meintet». Am Ende genügt diesen sonst so rasch sich sittlich entrüstenden»Antt« terroristen" die von Herrn Kluge gegebene wunderliche Erklärung, daß er dem Küster, als der sich enttchuldigte, es nütze ja doch nichts. geantwortet habe, dann lohne sich'S wohl nicht mehr, zu ihm in die Kirche zu gehen. Wie in der Versammlung die beiden, die sich als Ohre,»zeugen bezeichneten, dabei blieben, in dem von ihnen mitailgehörien Gespräch sei vom Kaufen die ede gewesen, so versichert unS jetzt eine dritte Person, gleich- falls als Ohrenzeuge gehört zu haben, daß Kl dem Wähler auf dem Flur ankündigte, es werde nun nichts mehr bei yjm gekauft werden. Wer nicht annehmen will, daß den Herrn KI. sein Gedächtnis täuscht, der wird vermuten müssen, daß hier drei Personen übereinstimmend sich verhört haben. Zu der be- treffenden Zeit standen auf den, Flur acht Zettelvertciler der vier an der Hauptwahl beteiligten Parteien. Wer von ihnen, der noch daS Gespräch zwischen Kl. und dem weggehenden Wähler mit- angehört hat, könnte uns näheres mitteilen? Und kann uns jemand ägen, wann Küster Schönfelder gewählt hat? Da wir gerade vom WahlterrorismuS bürgerlicher Parteien reden, möchten wir hier noch anf eine andere in dieses Kapitel gehörende Affäre zurückkommen, über die wir schon vor vier Wochen(„Vorwärts" Nr. 256) berichteten. Bei der Land« tagswahl in Berlin XII(Moabit) hatte am Tage der Urwahlcn die freisinnige Partei im Bezirk 1258, zu dem daS Krankenhaus Moabit gehört, die Wahlkontrolle durch einen Krankenhau Sange st eilten, den Aufseher Brauer, ausführen lassen. Auch über diese Ungchörigkeit, die geeignet tvar, manchen der anderen Angestellten des Krankenhauses einzuschüchtern, so daß er vielleicht sich der Wahl enthielt oder gar gegen seine Ueberzeugung wählte, hat die bürgerliche Presse sich völlig ausgeschwicgen. Jetzt hören wir, daß aus den kontrollierenden Aufzeichnungen über die Stimmabgabe im Bezirk 1253 dem Vor- waltun gsdirektor des Krankenhauses eilt Auszug zugestellt worden sei, der ihn informiert, wie sein in der Anstalt wohnendes Personal gestimnlt hat. Nach den uns zugegangenen Mitteilungen müssen wir annehmen. daß der Herr Verwaltungsdirektor Aorchart schon ain Tage der Wahl sich sehr dafür interessiert hat, ob und eventuell für wen die unteren Angestellten ihre Stimme abgaben. Wer hat es verschuldet daß im Bezirk des Krankenhauses Moabit die für die freisinnige Partei gemachten Aufzeichnungen über die Stimmabgabe des Personals dem Verwaltungsdirektor in die Hände kamen? Bis zur Klarstellung wird die freisinnige Partei es sich gefallen lassen niüssen, daß auf ihr der Verdacht haftet, Wähler ihrem Arbeitgeber angezeigt zu haben. Auch der Magistrat sollte es für seine Pflicht halten, Aufklärung zu schaffen. Oder wird man im Magistratskollegiuin ebenso wie in der FreisinnSpresse meinen, das sei— kein„Wahlterrorismus"? MugdanS Nachlaß. Der Stadtverordnete Dr. Mugdan ist durch die Kasflening seiner ungültigen Wahl auch durch das ObervcrwaltungSgericht nicht mehr in der Lage, als Stadtverordneter zu fnngicrci». Seine Parteifreunde und er selbst haben das Gefühl, daß er bei der er- forderlichen Nachwahl gegen den sozialfortschrittlichen Gegenkandidaten mit Eleganz durchfallen würde. Sie wollen deshalb den Geheiinen Sanitätsrat Dr. H e r z b e r g an seiner Stelle als Kandidaten auf- stellen. Von sozialfortschrittlicher Seite ist der als Bakteriologe be- kannte Geheime Medizinalrat Professor Dr. W o l f f als Kandidat nonliniert. Zwei Motoromilibuslimeil der Großen Berliner Motoromnibns- Gesellschaft gehen am 1. Dezember ein. Die Direktion der geirannlen Gesellschaft teilt hierzu init: Mit Rücksicht auf die schleckten Ergeb- nisse, die der Betrieb der Motoromnibuslinien A(Hasenheide- Stettiner Bahnhof) und B(Kreuzberg-Arnimplatz) dauernd zeitigt, und weil auch für die Folge eine Besserung in den Einnahincn in- folge der ungünstigen Linieilführung ausgeschlossen ist, sieht sich die Verwaltung der Großen Berliner Motorvmuibns-Gesellschaft genötigt. den Betrieb auf diesen Linien mit dem 1. Dezember d. I. einzustellen. Dagegen soll der AuSflugSverkehr während der günstigen. Jahreszeit in ausgedehnterem Maße fortgesetzt werden. Eine scharfe Kontrolle über die nach Berlin und den Vororten von außerhalb eingeführten Weihnachtsbäume sowie über die aus- wärtigen Händler üben die Polizeireviere auS. Die Direktion für die direkten Steuern hat sich an die Polizei gewandt init dem Er- suchen, den auswärtigen Händlern(init Weihnachtsbäumen) den Handel erst dam» zu gestatten, wenn sie iin Besitze eines Gelverbc- scheines sind. Die Ausfertigung eines solchen Scheines kann hier beantragt werden. Händler auS Berlin und den Vororten müssen im Besitze eines Ausweises sein, also einer Steueraiiineldebescheiniguitg oder einer Gewerbesteuerquitwng. Bei auswärtigen Händlern genügt eventuell eine Bescheinigung ihrer Geineindebehörde. Wie die Wahl des Hotelbesitzers Lciö gemacht wurde, zeigt ein Zirkular, das Herr Stadtverordneter Feuerstein an Gastwirtsinhaber versandte, und das uns nachträglich zugestellt wird. In diese»n Zirkular schreibt Herr Feuerstein über Herrn Leist »Herr Robert Leis steht als langjähriger Hotelbesitzer und infolge seiner vielfältigen Beziehungen zum Gastwirlsstaitde unserem Berufe sehr nahe. Er kennt die gedrückte Lage desselben aus eigener Anschauung und hat ein warmes Herz für die Gastwirte. Mein Freund LeiS ist in der Stadtverordnetenversammlung Seite a n eite mit mir stets für den Gasi Wirts st and ein- getreten. Falls dagegen die polnischen Freunde des Herrn v. Gerlach mit ihren ungemessenen Forderungen an den Stadtsäckel die Oberhand gewinnen sollten, so sind neue städtische Steuern die unausbleibliche Folge. Eiitkommensteuer, Betriebssteuer, Gewerbesteuer müßten er- höht werden. Die Gastwirte aber wissen am besten, daß sie, die eben erst durch die neuen Rcichssteuern auf das härteste getroffen worden sind, wieder in erster Linie bluten müßten. Es bandelt sich hier lediglich uin einen Kampf zwischen bürger« lichen Parteien; die Sozialdemokratie kommt diesmal nicht in Betracht. Ich bitte Sie deshalb dringend, in ihrem eigenen wohl- verstandenen Interesse, für ineinen Freund LeiS zu stimmen und möglichst frühzeitig zur Wahl zu kommen. Hochachtungsvoll Feuerstein, Stadlverordneter, früher langjähriger Vorsitzender des Vereins Berliner Gastwirte, S., Alte Jalobstr. 75." Sonst reden unsere Freisinnigen immer stolz davon, daß sie da» „Wohl der gesamten Bürgerschaft" vertreten wollen. Natürlich ist diese Redensart eine unfinnige, da die Interessen der verschiedenen Bevölkerungsklassen sehr verschiedene sind. In dein Slichwahlkampfe zwischen Leis und v. Gerlach war Herr LeiS Allcrweltslandidat. Das obige Schreiben des Herrn Feuerstein liefert einen Beitrag hierfür. Die Arbeitslosen bei der Arbeit. Der„Berliner Lokal-Anzeiger" will plötzlich entdeckt haben, daß sein Herz auch für die Arbeitslosen schlägt. Er gibt einer Zuschrift Raum, in der gesagt wird, daß die Nachwehen, welche die Arbeitswilligen(!) durch Erkältung oder der« gleichen von der vorübergehenden Beschäftigung des SchnecfegcnS haben, die Vorteile des vorübergehenden Verdienstes überwiegen. Man müsse nur beobachten, wie das Schuhwerk dieser Armen beschaffen ist, dünn und zerrissen, und damit haben sie dann stundenlang in dem alle? durchdringen- den gefährlichen Schneewasscr zu stehen. Sollte sich da nicht ein Wohltäter finden, der. um diesen ArbeitSfreudigcn uud Arbeits- willigen zu helfen, der Stadt mal einen großen Posten Holzschnhe stiftet, die dann bei der Ausgabe des Handwerkszeugs den Leute» mit ausgehändigt und abends wieder abgegeben werden? Dieser nur kleine Auszug aus den Winterleiden der Arbeitslosen paßt vortrefflich zu dem modernen Toilettenluxus, den der„Lokal- Anzeiger" bis auf die Strumpfbänder seinen Lesern zu servieren ge» wohnt ist. Was oft eine einzige solche Toilette kostet, davon könnten nicht bloß Tausende von Holzschuhen mit Strohcinlage beschafft, sondern auch Tausende von Arbeitslosen gesättigt werden. Den Scherl- bonzcn wird eS natürlich nicht einfallen, gegen dieien unerhörten Luxus, der auf Kosten der Arinut geht, ein einziges strafendes Wort zu sagen. DaS könnte ja seine Leser, zu denen gerade die arbeiter- feindlichsten Klaffen gehören, vor den Kops stoßen. Nicht mit ge« pumpten Holzschuhen ist den Arbeitslosen im Schnee geholfen, sondern mit anständig bezohlter, dauernder Arbeit. SparsamkritsfaiiatiZmus bei der Eisenbahn. Mit der Bitte um Vervssentlichung geht uns folgendes Schreiben zu: Am vergangenen Sonnabend benutzte ich in einem Coupü 4. Klasse den Personenzug, der früh um 7,47 von Görlitz nach Berlin fährt. In Görlitz mar das Coupa schön angenehm durchgewärmt. Nach etwa einstündiger Fahrt— der gug hatte Weitzwasser verlassen— bemerkte ich, daß eS im Coupo außerordentlich kühl wurde. Ich faßte an da-Z HeiznngSrohr, es war kalt. In Spremberg machte ich den Schaffner auf diese Tatsache aufmerksam und der Mann brummelte etwas von„schon wärmer werden". EZ wurde aber im Gegenteil immer kälter in dem Coupö und als der Zug in KoltbuS einfuhr, herrschte in dem Raum eine geradezu eisige Temperatur. Eine nochmalige Beschwerde beim Schaffner war, wie ich bald bemerken konnte, wieder ohne Erfolg. In Vetschau bemerkte ich, daß Schaffnerwcchsel eingetreten war und ich forderte nun den neuen Schaffner energisch auf, für Abhilfe zu sorgen. Ich erhielt zur Antwort, daß eS gleich wärmer werde. Aber erst nach weiterer Fahrt von W Minuten konnte ich mich überzeugen, daß jetzt erst das Ventil aufgedreht wurde und der Dampf in die Rohre zischte. Nachdem ich so gezwungen worden war, zwei Stunden lang in einem völlig ungeheizten Coupä zuzubringen, hatte ich das Vergnügen, die letzte Stunde bis Berlin warm zu sitzen. Wenn ich aber geglaubt hatte, diesen Effekr durch meinen Protest erreicht zu haben, so kannte ich die preußische Bahnverwallung schlecht. Nachträglich nämlich siel mir ein, daß von Weißwasser bis Lubben nur sehr wenig Leute im Coupä waren, mitunter nur zwei. Von Lubben ab aber füllte sich derZWagen zusehends mit nach Berlin strebenden Reisenden. ES war also klar, daß in den Zonen, die weniger Verkehr ausweisen, mit Wärme gespart wird, für den Reisenden in dieser Jahreszeit eine geradezu brutale Methode. Eine Liebestragödie spielte sich am Sonntag früh in einem Hotel in der Jnvalidenstraße ab. Der 25 Jahre alte Nachtpförtner Gustav Gerull, der bei seiner Schwester in der Kastanienallee 89 wohnt, hat seit sechs Monaten ein Verhällnis mit der 19 Jahre alten Tochter Gertrud des Töpfermeisters Ditmer aus der Linien- ftraße 24, die in einer Schürzenfabrik in der Brnnnenstraße arbeitet. Die Eltern des Mädchens waren gegen eine Verbindung. Die D. wollte aber von ihrem Geliebten nicht lassen und lieber mit ihm sterben als ihn aufgeben. Sonnabend abend kehrten die Verliebten um 9 Uhr in der Jnvalidenstraße als Ehepaar Gurellc ein. Sonntag früh um 5 Uhr wurde der Hausdiener durch schweres Röcheln au ihr Zimmer aufmerksam, öffnete und fand beide bewußtlos auf dem Sofa liegen. Sie hatten sich mit Zyankali vergiftet und wurden in bedenklichem Zustande nach der Charitä gebracht. Dort ist G. der Wirkung des Giftes erlege». Acht Tage tot in seiner Wohnung gehangen hat der 5« Jahre alte Maschinenwärter Julius Schade in der Gartenstr.(50. Der Manu litt an Schwermut, seitdem ihm vor einem Jahre seine Frau nach 28 jähriger Ehe gestorben war. Wiederholt äußerte er, daß er auch gern dort sein möchte, wo sich seine Frau befinde. Es kam nun noch hinzu, daß er seit einiger Zeit keine Stellung mehr hatte. Vergeblich suchte er auch außerhalb Berlins neue Beschäftigung. Seil acht Tagen hatte man ihn nicht mehr gesehen. Gestern wollte sein Schwager ihn besuchen, fand aber keinen Einlaß. Er stieg nun von dem gemeinsamen Balkon des FlurnachbarS ein, nachdem er eine Scheibe zertrümmert hatte und fand ihn an der Kammertür hängen. Ein Arzt stellte fest, daß er schon acht Tage tot war. Befremden erregte eS gestern unter Kraftwagcnfiihrern, die auf dem Hofe des Esplanade-Hotels auf Fahrgäste warteten, daß ein Schutzmann erschien und Namen und Adresse eines Chauffeurs notierte, um ihn zur Anzeige zu bringen. Der Schutzmann steht auf dem Standpunkl, daß das Halten von Kraftwagen auf dem Hofe des Efplauade-Hotels unzulässig ist. weil dadurch die Wagen dem öffentlichen Verkehr entzogen würden. Nun besteht aber seit einem Jahre der Zustand, daß nach einer Vereinbarung der Bedaggesellschaft mit der Direktion des Esplanade-Hotels Bedogwagen auf den Hof des Hotels fahren und dort Fahrgäste ausnehmen. Ob und inwieweit die Hoteldirektion hierzu eine polizeiliche Zustimmung eingeholt bat, entzieht sich der Kenntnis der Kraftwagenführer; jedenfalls ist ihnen feit einem Jahr von keinem Polizeibeamlen eine Vorhaltung gemacht worden, obwohl der Polizei diese Einrichtung nicht unbekannt geblieben ist. Es entbehrt nicht eines besonderen Interesses, daß an der Bedaggesellschaft und an dem Eiplanade-Hotel ein und die« selbe Bankfirma beteiligt ist. Fcuerwehriericht. Am Sonntag nachmittag um 4 Uhr kam in der städtischen Gemeindeschule in der Dunckerstr. 03/66 Feuer aus, das den Fußboden, die Balkenlage mit dem Zwischcngebälk ergriff. Der 3. Zug auS der Oderberger Straße laschte die Flammen. BöSwilligerweise wurde der 13. Zug nach der Luisenstr. 53 nachts um 2 Uhr gerufen. Der Täter ist unerkannt entkommen. Decken, Stoffe, Polstermalerialien, Fußboden, Türen usw. wurden in der Kleinen Frankfurter Straße 5 ein Raub'der Flammen, die in einer Tapezierwerkstatt im Keller des HaufeS ausgekommen waren. In der Bülowftr. 61 brannten Fußböden mit Balken und im dritten Stock des zweiten OuergebäuveS in der Christburger Straße 5 Betten, Kleider und Möbel. Ferner liefen Alarme aus der Paulstr. 12, Sparrstr. 18. Bornholmer Straße 2, Unter den Linden und anderen Stellen ein._ Vorort- JVadmcbtern Charlottenlmrg. Zu den Entlassungen in der Charlottenburger Parkvemaltung wird uns noch folgendes berichtet: Dem im letzten Jahre gewählte» ArbeiterauSfchuß war auf eine Eingabe an die Verwaltung zu- gesichert worden, daß. wenn im Winter wegen ArbeitSmangel Hilfs- arbeiter entlasten werden müßten, zuerst nur jüngere unver- heiratete Arbeiter refp. Hilfsgärtner entlassen werden sollten. Demungeachtet wurden am Freitag, den 19. November, fast alle nicht festangestellten Arbeiter und Hilfsgärtner, verheirate te und u n- verheiratete, auf Veranlassung deS Herrn Inspektors Neßler plötzlich entlassen, nur zwei unverheiratete Ausländer, Schweden, waren nicht entlasten worden. Deshalb wurde der Arbeiteransschutz bei dem Dezernenten Herrn Stadtrat Stendel am Sonntag, 21. November, vor- stellig. Derselbe erinnerte ihn an die oben wiedergegebene Zusicherung. Das gab der Herr Stadtrat auch fu und versprach. da ihm ver- sichert wurde, daß noch genug Arbeit vorhanden ist. den Inspektor zu veranlassen, zunächst alle Verheirateten wieder, einzustellen und möglichst auch einen Teil der Unverheirateten. Aber der Inspektor stellte am Dienstag von den 38 Entlassenen nur 8, nämlich 5 Ver- heiratete und 3 Unverheiratete ein. Dem Herrn Stadtrat wurde noch dargelegt, daß der Inspektor nur die ihm nicht genehmen älteren Arbeiter abschieben wolle, und daß diese Art Sparsamkeit nicht im Interesse der Stadt liege. Von den im letzten Jahr neu gepflanzten Straßenbäinnen seien mehrere Hundert wieder eingegangen, weil sie in mangelhaft behandelten Kompost gepflanzt waren und-ans Mangel an Arbeitern nicht genügend gegossen werden konnten. Sehnlich seien aus falsch angebrachter Sparsamkeit des Herrn Inspektors bei der Anstellung von Arbeitern noch andere große Ver- luste entstanden. Auch wären weder in Berlin noch in einem anderen Vorort bis jetzt von den Parkverwaltungen Entlassungen vorgenommen worden. Nur die Tiergartenvcrwallunq habe es auch getan. Die übrigen 30. darunter etwa die Hälfte Verheiratete, die schon mehrere Jahre beschäftigt waren, wurden kurz abgewiesen, weil er nicht mehr Hilfskräfte brauche und die noch vorhandenen Arbeiten von den Festangestellten allein besorgt werden könnten. Auch feien die Mittel der Verwaltung erschöpft; vom Magistrat sei angeordnet, daß bei Anstellung von HilfSarbeilcrn nur mit äußerster Sparsam- keit verfahren werden solle. Hiergegen trat man noch einmal mit einer Vorstellung an Herrn Stadtrat Stendel, aber erfolglos. Wohl war der Herr erstaunt darüber, daß der Herr Inspektor nicht alle Verheirateten wieder angestellt habe; er versprach. deshalb nochmals mit dem Herrn Inspektor zu sprechen. Allerdings fei vom Magistratsdirigenten allen Verwaltungs- zweigen aufs strengste eingcfchärN worden, daß bei Anstellung von Hilfsarbeitern nur mit größler Sparsamkeit verfahren werden solle. So scheut sich die Spitze der reichen Stadt Charlottenburg nicht, Arbeiter bei Beginn des Winters aufs Pflaster zu werfen, um einige Mark Loh» sparen zu können, während sie Millionen für unnötige Prnnkbauten, wie die Charlottenburger Brücke, Denkmäler usw. aus- gibt, um nur der Prunksucht hochgestellter Persönlichkeiten angenehm ins Auge zu fallen. Lichtenberg. Jakob auf der Leiter. Wie nunmehr bekannt wird, ist in der Ausschaltung deS früheren Stadtverordnetenvorsteher-Stellvertreters Fabrikant Hirsch auch eine empfindliche Niederlage des Stadt- verordnetenvorstehers Herrn Plonz vcrfchachlelt. Herr Plonz, bisher der eigentliche Spiritus rector der bürgerlichen Fraktion im Rathaufe, wollte den Herrn Hirsch nicht fallen lassen. Er hatte auch den Erfolg, trotz deS Herrn Schachtels Widerspruch, tirsch als Stadtveror dnetenkandidat proklamiert zu sehen. Herrn chachtels Arm reichte aber über den formalen Rahmen hinaus, und seine politische Moral war kein Hindernis für da« Spielenlassen gewonnenen EinfluffeS. Er arbeitete unter der Hand dem Willen des Herrn Plonz und der offiziellen Stellungnahme deS bürgerlichen Wahlausschusses— dem er übrigens selbst angehörte— eingege», nominierte selbstherrlich eine Kandidatur Plothen. Am Wahltage stellte er sodann zwei Autos in den Dienst seiner Sonder- Politik. Das alles hätte aber wohl noch nicht zum Ziele gesührt, eine„geschickte" Hand griff korrigierend und erfolgreich ein. Den Wählern ging«ine gedruckte Aufforderung des Wahlausschusses zu, die auch die Namen der offiziell aufgestellten Kandidaten enthielt. In dem Verzeichnis war jedoch nachträglich der Name„Hirsch" ausgestrichen und handschriftlich durch„Plothen" ersetzt. Etwas weniger weitherzige Menschen als die Hirschjäger werden in solcher Mache eine Fälschung erblicken. Erfolgspolitiker lassen sich aber von dergleichen morali- scheu Zwirnsfäden nicht aufhalten und Herr Schachtel erfreut sich deS gewouiienen Sieges. Wäre an Stelle des Herrn Hirsch der Herr Plonz als Stadtverordneter ausgelost worden, dann hätte das folg- same Glück den Herrn Schachtel vielleicht noch auf eine höhere Stufe gehoben. Im Büigerverein hat des cmporkletternden Herrn Geschick Be— wunderung hervorgerufen; ailscheinend stehen ihm hier noch be- sonder« Ehrenbezeugungen bevor, d. h. wenn man sie nicht auf höheres Kommando unterläßt. Jugcndausschuß. Heute abend pünktlich 8'/3 Uhr hält Genosse Dllwell im Lokal von Pickenhagen, Scharnweberstr. 30, einen Vortrag über„Die wirtschaftliche EntWickelung Deutsch. l a n d S". Eintritt frei. Getränke werden nicht ausgeschänkt. Parteigenossen und Genossinnen, ermahnt die Jugend, an unseren Veranstaltungen teilzunehmen. Rixdorf. Bestellungen für Zeitkarten der Großen Berliner Straßenbahn für das Jahr 1910 werden in Rixdorf. bei H. Joseph u. Co.. Berliner Str. 54/55, von heute bis zum 15. Dezember entgegengenommen. Auch findet der Markenverkauf vom 28. des einen bis zum 5. deS anderen Monats statt. Weiftensee. Aus der Gemeindevertretung. Vor Eintritt in die Tages- ordnung wurden zunächst drei Erklärungen erledigt. Der Ge- meindearzt Dr. Dyrenfurth fühlte sich beleidigt durch einen Ar- tikel im„Weißenscer Tageblatt" über die Art seiner Hausbchand- lung der Kranken. An seiner Tür befand sich ein Zettel mit folgender Inschrift:„Bestellungen für Besuche werden nur in der Sprechstuudenzcit gegen Vorzeigung deö AlmosenbuchcS oder Armenscheines entgegengenommen." Hieran schloß sich eine Kritik über das Gemcindearztsystem und ferner über das Liquidieren zu hoher Spesen bei s rttgefundenen Reisen nach der Ferienkolonie Birkholz. Der Gcmeindearzt verteidigte sich damit, daß er den Auftrag habe, nur gegen Vorzeigung der angeführten Legitima- tionen eine Behandlung vorzunehmen, in den Sprechstunden fei er doch am besten zu haben, da er außer mit den Armen auch noch als Schularzt und in der SäuglingSfürsorge zu tun habe. Der be- wußte Zettel sei inzwischen beseitigt. Was die Liquidation in Höhe von 39 M. für eine Reise anbetrifft, so sei darin ein Fahr- acld von 18 M. enthalten, da er für einen schleunigen Fall einen Taxameter nehmen mußte. Er getraue sich sein Gehalt von 5900 M. noch mit Privatpraxis zu verdienen und er würde seinen Posten niederlegen, wenn die Angriffe nicht aufhörten. Der Vorsitzende nahm den Gemeindearzt in Schutz; auch hrelt er das Gemeindearzt- system als anerkennenswert, da bereits mehrere Vororte sich diesem angeschlossen haben und noch anschließen werden. Gemeindevertreter Mewes hatte folgende Beschwerde: In der letzten Sitzung des HauS- und Grundbesitzervereins sei von einer Seite erklärt worden, daß ein Mitglied der Gemeindevertretung bei dem Ankauf des Elektrizitätswerkes verdient habe; er halte es für angebracht, daß die Angelegenheit amtlich untersucht werde. gegen solche Verdächtigungen müsse man den Schutz deS Gemeinde- Vorstandes anrufen. Der Vorsitzende versprach auch hier, die nötigen Schritte einzuleiten. Eine ausgedehnte Debatte schloß sich der Erklärung an, die der Gemeindevorsteher Dr. Wölck bereits in der Finanzkommission zur Erörterung gebracht hatte. Ein Herr Köhler hatte in einem Zeitungsartikel behauptet, die Gemeinde habe beim Verkauf des Niesellandes an den Tiefbauunternehmer AllerS 1— 1% Millionen Mark„verschenkt". Das Nieselland sei zum Preise von 12 899 resp. 13 599 M. pro Morgen verkauft, während fünf Monate früher daS in der Nähe gelegene Rennbahngelände mit Gebäuden usw. für 11 999 M. pro Morgen veräußert worden ist. mithin sei die Köhlersche Behauptung als unverständlich zu bezeichnen. Ueber- Haupt solle der Bürgermeister dem Allers mit Uebertragung von Tiesbauarbeiten sowohl wie auch bei Beschaffung von Geldmitteln behilflich sein. Auch würden der Sohn und Schwiegersohn mit Arbelten behacht; Allers gehe beim Bürgermeister aus und ein und habe zu seinem Dienstzimmer stets den Vortritt. Alle diese Be- hauptungen rügte der Gemeindevorsteher als böse Verleumdungen und berief sich aus die betreffenden Verhandlungen in den Kam- Missionen. Solche Angriffe und Mitteilungen bezweckten, daS An- sehen deS OrteS und setner Verwaltung aufs höchste zu schädigen. Alle Diskussionsredner nahmen obige Angriffe als schwere Beleidi- gungen auf. Genosse Fuhrmann kennzeichnete dieses Gebaren des Köhler als vom Standpunkte der Terrainspekulanten aus, der als gewiegter Geschäftsmann gelten wolle, von einem Gewiegteren anscheinend aber reingelegt worden sei und nun zu seiner Recht- fertigung die Oeffentlichkeit benutzte, um sich reinzuwaschen, was ihm leider bei einem großen Teil der HauS- und Grundbesitzer gelungen sei. Seinen Hausbesitzerkollcgen fehle es an Mut, solchen Angriffen auf frischer Tat entgegenzutreten. Natürlich verwahrten sich die Hausbesitzer dagegen; Herr Könitz, als Vorsitzender deS Hausbesitzervereins, erklärte, die Sache erst genau untersuchen zu wollen, um dann seine Erklärung abzugeben. Nach zweistündiger Debatte kam mau dann im Eiltempo zur Erledigung der Tagesordnung. Eine ganze Reihe Wahlen für die Armenkommission. Einschätzungskommission usw. fanden nach dem Vorschlage des Wahlausschusses ihre Erledigung. Dem kirchlichen HilfSvercin wurden 399 M. als Beihilfe zur Anstellung eines Krankenpflegers und dem Jugendschristcnausschuß des Lehrer- Vereins 59 M. zur Bekämpfung der Schundliteratur bewilligt. Außerdem wurde der Ankauf von 44 Mvrgen Land in Birkholz zum Preise von 459 M. für den Morgen beschlossen. Pankow. Eine nnposante Volksversammlung, in der Genosse Dr. Karl Liebknecht über»Die politische Lage" referierte, tagte am Mittwoch im größten Lokale Pankows. Etwa 1599 Personen lauschten dicht gedrängt im Ebersbachschen Saale dem zweistündigm trefflichen Referate. Insbesondere kennzeichnete der Redner den jetzigen Reichskanzler, den eine seile Presse als Philosophen beweih- räuchere; er zeigte an der Hand von Beispielen, wie gerade dieser jetzige Reichskanzler schon als Regierungspräsident alle Gesetzlosig- keilen mit seinem Namen gedeckt habe. Treffend glossierte Liebknecht den Zuhörern die unerhörte Art. in der Preußen regiert werde, be- sonders an dem Verhalten des Militärs im Mansselder Streikrevier. Bei Erörterung de? Wahlrechtskampfes in Preußen forderte er eine kluge, aber energische Taktik. Stürmische Zustimmung fand der Referent, als er sich entschieden gegen einzelne Genoffen in unseren Reihen wandte, die, eine Verbindung mit dem Bürgertum suchend. unsere prinzipielle Taktik und Stellungnahme durch eine EinlullungS« Politik zu verwischen suchen. Redner forderte in begeisternder Weise zum Schluß zur Mitarbeit, zur Organisation, zum Lesen unserer Presse auf und schloß unter dem minutenlangen Beifall der Ver- sammelten, die sich unter dem Gesänge der Arbeitermarseillaise trennten. Diese Versammlung hatte für die Organisation einen erfreulichen Erfolg. Potsdam. Mit der Frage der Verwendung städtischer Gelder zur Sanierung des Rohde scheu BauunternehmcnS beschäftigte sich die letzte Stadtverordnetensitzung. Rohde hat die ehemals Stiefschen Wiesen der Bebauung erschlossen und darauf jetzt 29 größere Wohnhäuser erbaut; das unbebaute Gelände ist ihm bereits im Vorjahre von der Stadt zum Preise von 859 999 M. abgekauft in der Absicht, dadurch das Unternehmen wieder finanziell zu sichern. Außerdem sind der Firma im Lause der Jahre besondere Vergünstigungen gewährt(Zuschuß zu den Straßenregulierungskosten, Erlaß von Expropriationskosten usw.), alles ohne Erfolg. Der Magistrat beabsichligt nun, mit Hilfe städtischer Gelder eine Sanierung herbei- zuführen und legte der Versammlung zwei Vorschläge vor. Nach dem ersten sollten einer Gesellschaft 299 999 M. aus dem Reserve- fondS deS Elektrizilätöwerkes und des Wasserwerkes zur Verfügung gestellt werden. Mit Zuhilsenahme dieses Kapitals und den Miels- Überschüssen sollten die Schulden gedeckt werden. Bei genauer Rech- nung stellte sich aber heraus, daß die Verwaltungskosten höher waren als die Ueberschüsie. Die Versammlung lehnte den Borschlag ab. Nach dem zweiten Vorschlag sollen fünf Potsdamer Gläubigern aus dem Kapitalvermögen der Stadt 39 999 M. zur Verfügung gestellt werden, davon 89 999 M. zinsfrei und 39 999 M. gegen 4 Prozent Zinsen; für die letzteren sollen die Gesellschafter die persönliche Haftung über- nehmen. Außerdem sollen die Gesellschafter von anderer Seite 59 999 M. aufnehmen. Von diesem Geld« sollen dann die übrigen Gläubiger mit 29 Proz. abgefunden, sowie 39 909 M. vorberechtigte Forderungen beglichen werden und 30999 M. als Betriebsfonds dienen. Don den Mietsüberschüsien sollen die geliehenen Gelder zurückgezahlt und die fünf Gläubiger ihre Forde- rungen innerhalb zehn Jahren voll gezahlt erhalten. Ein großer Teil der Stadtverordneten wollte sich überhaupt mit dieser SanierungSoktion auf Stadtkosten nicht einlassen. Schließlich nahm man mit 18 gegen 15 den Vorschlag an, dem- zufolge den fünf Gläubigern 30 999 M. zu 4'/3 Proz. gegen pcrsön» .liche und solidarische Haftung der Beteiligten und gegen Verpfändung ausgleichender dinglicher Sicherheit geliehen werden sollten und be- stimmte zur Prüfung der Sicherheiten einen Ausschuß.— Bei Be- ginn der Sitzung lam der Oberbürgermeister Vosberg auf die Unter- stellungen und Verdächliguiigen einer„Freien Bürgcrversammlung" anläßlich der Stadtverordnetenwahlen zurück. Er selbst hatte bei der schwierigen Lage der Firma eine Garantie für eine Hypothek von 30999 M. übernommen und der Bürgermeister Rodig hatte für Verwandte zwei abgelöste Hypotheken zu je 5999 M. übernommen. Gegen die Verleumder hat der Magistrat Strafantrag gestellt.— Zur Beschäftigung von Stadtarmen bei der Straßenreinigung wurden 4909 M. zur Verstärkung der jetzt schon verbrauchten Etatsmittcl bewilligt. DaS ist die ganze soziale«rbeitS- losenfürsarge. Nur diejenigen Arbeitslosen, die sonst der Arme»»- pflege anheimfallen, werden im Winter— bei einem unverhältniS>i mäßig niedrigen Lohn von der Sladt beschäftigt. Da ist eS denn auch erklärlich, daß im vorigen Winter fast kein organisierter Arbeiter PoisdamS bei den eingerichteten NotstandSarbeiten der Stadt Be» schäftigung fand.— Diese beiden Vorlagen der einen Stadt- verordnetensitzung zeigen schon de» sozialen Geist einer fast aus« schließlich konservativen Stadtverordnetenversammlung. Die Stichwahlen zur Stadtverordnetenversaminlung zwischen unseren Genossen Staab. Stoof und Lindemann und den Bürgerlichen sind auf Dienstag, den 14., und Mittwoch, den 15. De- zember, anberaumt. In der ersten und zweiten Abteilung sind die vom konservativen Neuen Wahlverein nominierten Kandidaten gc- wählt. Eine Gegenliste brachte eS nur auf 33 Stimmen. In der ersten Abteilung hat man den bisherigen Stadtv. EnderS. der sich durch seine Opposition unbequem gemacht hat, noch am Tage der Wahl fallen lassen und dafür den in der dritten Abteilung zur Stich- wähl stehenden Stadtv. Töpfer gewählt. Siowawes. Geradezu vorsintflutliche Bcrhältniffe in bezug auf Straßen- relnigung, die sich besonders bei dem jetzt herrschenden Schmutz- Wetter in recht unangenehmer Weise fühlbar machen, herrschen noch im Neuendorfer Ortsteil. Neuendorf hatte vor seiner Einver- leibung in Nowawcs kein OrtSstatut über Straßenreiniguna, so daß es jedem Grundbesitzer überlassen war, die Straße vor semein Grundstück zu reinigen oder nicht. Bei der Einverleibung Neuen- dorfs in NowaweS war der Gemeindevorstand letzteren OrteS nun der Meinung, daß daS Nowaweser OrtSstatut über die Straßen- rcinigung auch für den eingemeindeten OrtSteil Geltung habe. Diese Ansicht ist aber nunmehr durch gerichtliche Entscheidung, welche ein Neuendorser Hausbesitzer herbeigeführt hat, als nicht zu Recht bestehend anerkannt worden. Die Wegekommission beantragte deshalb in der letzten Gemeindevertretersitzung einen Nachtrag zum Ortsstatut, wonach auch die Neuendorser Grundbesitzer verpflichtet werden, für die Straßenreinigung in derselben Weise zu sorgen. wie es im Nowaweser Ortstcil üblich ist. Dieser Antrag wurde von mehreren Vertretern, die in Neuendorf Hausbesitzer sind, leb- Haft bekämpft, da ihnen derselbe einesteils zu große Lasten auf- erlege, anderenteils aber auch die Möglichkeit bestehe, daß derselbe keine rechtliche Gültigkeit erlange, sondern ein neueL Ortsstatut geschaffen werden müsse. Von den Sozialdemokraten wandte sich Genosse Gruhl in energischer Weise gegen die fadenscheinigen Ein- wände der Gegner des Antrages; Redner machte den Vorschlag, die Straßenreinigung in Gemeinderegie ausführen zu lassen und die Kosten auf die Hausbesitzer zu verteilen. Die Debatte endete damit, daß der Bürgermeister, jedenfalls nicht zur Freude der Passanten des Neuendorser OrtSteils, den Antrag der Wege- kommission zurückzog. Hoffentlich wird in der nächsten Gemeinde- Vertretersitzung ein neuer Antrag vorgelegt, der in irgendeiner Art die Neuendorser Hausbesitzer zwingt, die Lasten der Straßen- reinigung zu tragen, denn die jetzigen Verhältnisse sind derartige, daß bei Schnee und Glätte die größten Unfälle passieren können. ohne daß man weiß, wer dafür zur Rechenschaft gezogen werden kann.— Da vielfach von den Besitzern landwirtschaftlicher Grund» stücke Reklamationen wegen zu hoher Bewertung derselben eingelegt werden, wurde die Grundwertsteuer-EinschätzungSkommission durch die Herren Bauerngutsbcsitzer KuhnS und Wäschereibesitzer Höhnow verstärkt.— Die durch die Herstellung eines Mosaikfußsteiges in der Grotzbeerenstraße verursachten Kosten im Betrage von 7237 M. werden derart verteilt, daß die Anlieger 59 Proz., d. h. 4,38 M. pro laufenden Meter, zu tragen haben.— Dem Erlaß eines OrtS- statuts über die Verunstaltung von Straßen und Plätzen gab die Vertretung debattelos ihre Zustimmung. Dasselbe verlangt be- sonders die architektonische Ausschmückung von sichtbaren Giebeln und Fassaden und versagt die Genehmigung zur Ausführung von Gebäuden, die dem Charakter des OrtsteilS in unschöner Weise widersprechen: ferner wird bestimmt, daß an der Albrechtstrahe, sowie im Gebiete zwischen der Chaussee nach Klein-Glienicke, Glienicker Weg und der Gemarlungsgrenze Klein-Glienicke nur Gebäude errichtet werden dürfen, welche den Charalter von Land Häusern erhalten. Spandau. Unter Beteiligung von zirka 500 Genossen wurde am Sonntag der Genosse Äarl Retzlaff zur letzten Ruhe geleitet. Am Grabe wurden acht Kränze mit roten Schleifen niedergelegt. Die Grabrede hielt der Genosse Schütte-Berlin. Der Arbeitergesangverein„Hoff- uung" sang am Grabe„Zum Reich der Gräber rief uns die Freundes Pflicht". Die Polizei hatte sich von der Beerdigung ferngehalten. Um so würdiger war das Begräbnis. Ternufcbtes. Oberleutnant Hofrichtcr und die Wiener Giftbriefe. Die Meldung aus Binz am Sonnabend, der Oberleutnant Hos richter habe eingestanden, der Absender der Giftbriefe zu sein, wird durch spätere Mitteilungen nickt bestätigt. Am Sonntag früh ist Hofrichter unter Bedeckung in Wien eingetroffen und dem dortigen Garnisongericht überwiesen worden. Eine Meldung aus Wien besagt: Trotzdem sich das Beweis- Material sowohl bezüglich der Aehnlichleit der Handschrift des Begleit- schreiben» als der Sckächtelchen und Oblaten sowie des Aufenthalts Hofrichlers in Wien immer mehr zu einem Schuldbeweis verdichtet, verblieb Hofrichter nach übereinstimmenden Meldungen bisher bri seinem hattnäckigen Leugnen und es ist immer noch nicht voll- sKndig ausgeschlossen, dag es sich um eine unselige Verkettung von Umständen handelt. Hofrichter, der die Kadettenschule mit aus- gezeichnetem Erfolge absolvierte, galt als ein überaus ehrgeiziger Offizier, und in seiner Charakteristik begegnet man vielfach dem Vorwurf des Strebertums. Während einerseits das synipaihische Wesen und die allgemeine Beliebtheit Hofrichters hervorgehoben werden, wird er andererseits als ein verschlossener, wenig kameradschaftlicher und bei der Mannschaft nicht sehr beliebter Offizier geschildert. Während der letzten Studienzeit auf der Kriegs- schule soll Hofrichter aufgeregtes Wesen und Nervosität gezeigt haben. Im weiteren Verlaufe der Untersuchung ist ernnttelt worden, daß Hofrichter in der ersten Woche des November in Linz ein Schopirographenblatt gekaust hatte von gleichem Format wie die dem Giftpulver beigelegten Prospekte. Die Platte ist aber nicht vorgefunden worden. Hofrichter gibt an, sie verbrannt zu haben, da er sie nicht habe verwenden können. Ein Attentat auf einen französischen General. Aus Paris wird unterm 28. November gemeldet: Aus den General Verand wurde heute von einem Manne in der Rue Castiglione ein Revolveranschlag verübt. Der General erlitt am Kopfe zwei Verwundungen, die für leicht gehalten werden. Der Angreifer wurde verhaftet.— Weiter wird über das Attentat noch gemeldet: Der General, der in großer Uniform war und dem ein Blutstrom über Gesicht und Rücken floß, begab sich, von -wei Personen gestützt, in die dem Restaurant Continental gegen- überliegende Apotheke, wo ihm ein Notverband angelegt wurde. Die Stirnwunde ist nur oberflächlich, dagegen die Nackenwunde schwer, wenn auch nicht lebensgefährlich. Anwesende Polizisten nahmen den Attentäter, der zu fliehen suchte, fest. Mehrere Spaziergänger stürzten sich auf ihn, schlugen mit den Stöcken auf ihn los und riefen:„Ins Wasser mit dem Mörder!" General Verand war bis 1308 Kommandeur der republikanischen Garde in Paris gewesen und vor ungefähr drei Jahren zum Be- fehlshaber des mazedonischen Gendarmeriekorps im Sandschak Serres ernannt worden. Der Urheber des Mordanschlages heißt Robin Endelsi und stammt aus Guelma in Algerien. Er war früher Sekretär des arabischen Bureaus in Bu-Gaada und behauptet, er sei entlassen worden, weil er die von den Offi- zieren begangenen Unregelmäßigkeiten zur Anzeige gebracht habe. An 200 Offiziere hätten Straf- arbeiten von Soldaten der Strafkompagnie ausführen lassen und die dafür von den Eingeborenen bezahlten Beiträge eingesteckt. Man habe ihn ermorden wollen, weil er die Wahrheit gesagt habe. Er habe darüber an den Ministerpräsidenten ein Schreiben ge- richtet, doch sei es unbeantwortet geblieben, uni� so habe er sich selbst zu seinem Recht verhelfen wollen. Der Attentäter trug zwei geladene Revolver und einen langen Dolch bei sich. Seiner Ueberwältigung durch die Polizei setzte er heftigen Widerstand entgegen und wurde dabei verwundet. Der Verreidiger Endelfis erklärte einem Berichterstatter, Endelsi sei lveder Anarchist noch AntiMilitarist, sondern ein verzweifel» ter, wahrscheinlich verrückter Mensch. Endelsi habe sich nach der Entlassung aus dem Dienst an die Liga für Menschen rechte und einen sehr bekannten sozialistischen Deputierten gewandt mit der Bitte, ihm zu einer Entschädigung zu verhelfen, doch t>er- geblich. Ein von ihm im Auftrage Endelsis kürzlich an den Staats- rat eingereichtes Gesuch um Zucrkennung einer Schadenersatz- summe in Höhe von 32 000 Frank sei noch nicht erledigt.— Die Verletzung General Verands ist sehr ernst, aber nicht lebens- gefährlich. Tie eine Kugel des Revolvers ist auf der rechten Seite in den Hals e igedrungen, hat die Wirbelsäule gestreift und ist auf der linken Halsseite wieder hinausgegangen. Zusammenstoß in Ungarn. Auf der ungarischen Station Nagh- lapos fuhr, wie aus Arad gemeldet wird, der Budapester Lastzug 643 in den Lastzug 670 hinein, von dem zwölf Wagen zertrümmert lvurden. Der darin befindliche Viehtransport wurde vernichtet, ein Transportbegleiter wurde getötet, sieben andere Personen wurden schwer verletzt. Im Schacht verunglückt. AuS Bochum wird gemeldet: Auf der Zeche Danneboum fiel bei der Abteufung des neuen Schachtes Hugo auf dem Maurergerüst ein Kübel um, wodurch vier Mann abstürzten. Zwei sind lebensgefährlich und zwei leichter verletzt. Die vulkanischen Ausbrüche auf Teneriffa scheinen jetzt ihrem Ende entgegenzugehen. Wie aus Madrid depeschiert wird, ist auf Teneriffa nur»och ein Krater in Tätigkeit. Die Lava ist zum Stehen gekommen und erkaltet allmählich. Eine Schiffökatastrophe.I Die Azoreninseln sind, wie aus Lissabon berichtet wird, von einem schweren Orkan heimgesucht worden. Ein großes Schiff ist an der Küste der Insel Pico gestrandet: 20 Mann der Besatzung er- tranken. Man befürchtet noch weitere Schiffskatastrophen. Frau Stcinhcil verkauft ihre Memoiren an die SensationSPrefle. Frau Steiuheil ist, wie aus London gemeldet wird, unter dem Namen Dnmond in London eingetroffen und gestern im Holet St. PaneraS abgestiegen. Mehrere Journalisten, hauplsäcklich Vertreter französischer Blätter, versuchten vergeblich, sie zu interviewen. Als hierdurch er- hebliche Unruhen im Hotel hervorgerufen wurden, ersuchte der Direktor Ei« Ballon von Schneemassea niedergedrückt. Einer Meldung aus Kopenhagen zufolge wurde der gestern nachmittag zu einem Wetlfluge mit dem deutscken Ballon„Harburg" dort aufgestiegene dänische Ballon„Danmark" durch starken Schneefall niedergedrückt und fiel am Abend südlich der Insel Hven ins Wasser. Die Insassen, Ingenieur Krebs und Premierleutnant Ramm, suchten im Ballon- ring Zuflucht und konnten sich, da sie von der See gegen die Küste von Hven getrieben wurden, an Land retlen. Der Ballon wurde von den Wellen fortgeführt. Der deutsche Ballon„Harburg", der von Sticker geführt wurde, landete glatt an der Nordspitze der Insel Hven._ Lese- und DiökutierNnb»Moabit«. Mittwoch, 1. Dezember, bei Bachstein, Salzwedeler Straße 16: Schillerseier. Gäste willlommen. Frau Steinheil, das Hotel zu verlassen. Um nicht erkannt zu werden, verließ sie das Hoiel durch einen Seitenausgong; angebr' nach Liverpool weitergercsst. Bor ihrer Abreise von Paris hatte sie einem Journalisten ihre Erlebnisse diktiert und dafür 16 000 Frank erhalten. Die„Daily Mail" hat ihr für ihre Memoiren die Summe von 26 000 Frank geboten. eingegangene DrucKleKriften. Die soeben erschienene Nummer 26 des»Postillon« entbält an Vollbildern und Illustrationen: Die Harsenjule.— Sie hatten gebauet ein statt- licheS Haus.— Die Zirkulation des Kapitals.— Eine neue Gewcrlschast usw. Aus dem Text erwähnen wir: Aus der Reichshauptstadt. II.— Ver- sassllngsjubiläuui der Freien und Hansastadt Hamburg.— Die Werstaffäre. — Wahres Gcschichtchen.— Preußen und Bayern.— Industrielle Schars- macher-Reveillc.— Briefe aus sachten. Der Preis der Nummer ist 10 Pf. Probenummem find jederzeit durch den Verlag Paul Singer in Stuttgart zu beziehen. Wetterleuchte«. Aphorismen von 3. Baer. Oberdorf, SM— Ztzern von Europa. Kurze Geschichten aus finsteren Breiten von Sepp Schlutserer. 2.60 M. L. Joachim, München. l--» Oliai,«»,, v'�i-Ivezirlo. Gedichtbuch von M. Henry. 8 M. Schmidt u. Günther, Leipzig. Stad» und Land. 4. Kinderbuch der Münchener.Jugend". 1,60 M. München. Die Studenten« Roman von W. Wtttmann. 362 Seite». R. Piper U. Co., München. Sonnige Sage. Roman von W. Hegeler. 3 M. E. Fleischel u. Co., Berlin. Linkste. 16. Das eigene Heim und sein Karten. Von Dr. ing. G. E. Bvotz. 6 M. Westdeutsche Bcrlagsgescllschaft, Wiesbaden. Kant- Laicnbrevier. Eine Darstellung der Kantschen Welt- und auung sür den ungelehrten Gebildeten aus Kants Schriften, mündlichen Aeußerungen, zusammengestellt von Dr. F. Groß. LebenSanschai Brtejen und mündlichen Aeußerungen, Geb. 3 M. Reichl u. Co.. Berlin\V. 9. Stunden im All. Naturwissenschaftliche Plaudereien von W. Bölsche. 617 Seiten. 6 M., geb. 6 M.— Freut Euch des Lebens 1 Ein Blütciistnmß deutscher Lyrik von R. PreSber. 3 M. Deutsche Verlagsanstalt, Stuttgart. Weltall und Lebe». Von Dr. I. Sauerland. Geb. 4,60 M. Ber- linec Zentral-Verlag, Berlin. Bülowstr. 66. Kairo- Bagdad- Konstantinopel. Wanderungen und Stimmungen von E. v. Hossmelster, geb. 3 M. Verlag B. G. Teubner, Leipzig. Universal-Bibliothek 6l41— 5148.— Fried mann Bach. Roman von A. E. Brachvogel.— 5144, Mutler und Tochter. Drama von P. Heyse.— 5145. Ein Bombenerfolg und andere Novellen von L. Meieick. — 5146. Drei Satiren des Lucian von P. Lindau.— 6147—6149. Schweizerisches Zivilgesetzbuch von Dr. W. Stuber.— 6150. Nnr eine Diagd. Novelle von L. Malten. Einzelnummer 20 Pf. PH. Reclam, Leipzig. Japanische Lyrik. Eingeleitet und übersetzt von Dr. I. Kurth. l,S0M., gib 2,30 M.— Deutsche Weihnacht. Spiel und Lied aus alter ~cit. Einführung von A. Bonus. 1,80.M., geb. 2,80 M, R. Piper u. Co., imchen. Mehr Bauarbeiterschutz. Protokoll der Bauarbeitcrschutz-Konserenz zu Magdeburg. 32 Seiten. Verlag: E Königstedt, Magdeburg. i Amtlicher Marktbericht der ftädillchen Marktballen-Direktion über den Großhandel in den Zenlral.Marttballen. ivlarktlage: Fleisch: nachgebend. Fisch«: Zujuhr gering, Geschäst ziemlich lebhast, Preise wenig verändert. Butter und Käse: Geschäst ruhig, Preise un- verändert. Gemüse, Obst und Südfrüchte: Zusuhr reichlich, Geichall ruhig, Preise wenig verändert. Ein wertvolles, praktisches Weihnachtsgeschenk! Atlanten für 45,000 M. gratis! Gratis und franko erhält jeder, der unseren Pracht« Globus bestellt, einen wert» vollen, elegant gebundenen kompleiten Haedatlas. Der Preis des Globus Ist dadurch nictit erhöht. Hunderte von freiwilligen Anerkennungen! Garantie für gute Ankunft! Wir liefern unseren Pracht-Globus inklusive kompletten Hand- Atlas zum billigen Preise von SO HaFk gegen monatücbo Zahlungen von Um jeden* Zweifel zu beseitigen, erklären wir uns zur Rücknahme innerhalb 5 Tagen bereit, falls der Globus nicht gefallen sollte. 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(üesnndhraliaeii: F. Trapp. Stettiner str. 10. diehiinhaaser Vorstadt: Karl MarS, Lychcnerftr. 123. Adiershot: Karl Schwarzlose, Hofsmannstr. 9. Alt-GIIenicke: Wilhelm Dürre, Rudowerstr. 83 II. Bannischalenweg: H. Hornig, Marienthalerstr. 13, I. Bernau, Bttntgental, Zepernick, Schünow und Schön- brück: Heinrich B r'o s e, yohefteinslr. 74, Part. Bohnsdorr und Falkcnberg: Alois Laus, Bohnsdorf, Ge> noslcnjchaftshaus.Paradies". vharlottenhurg: Gustav Scharnberg, SescnHeimerstraße 1, Ecke Goethesnaße, Laden. Elchwaide, Zeuthen, niersdorf und Hankels Ablage: Fritz Oldenburg, Eichwalde, Kronprinzenstr. 81. Erkner: Ernst H o s s m a n n, Friedrichshagener Chaussee. Eriedenan- Steglitz-Südende: H. B e r n s e e, Schloßstr. 119, Hos I, in Steglitz. Bestellungen nehmen entgegen in Steglitz: H. M o h r, Duppelstr. 32, und Fr.>S ch e II h a s e, Ahornstr. 15a. Eriedriehshagen: Ernst Wertmann. Friedrichstr. ö7. Orünan: Franz Klein, Bahnhosstr. 6 Hl. Hohen-Venendorf: Wilhelm T e n t s ch« r, Stolperstr. 50 I. dokannisthal: P i e l i ck e, Kaiser-WilHclm-Platz 4. Barishorst: Richard Küter, Rödelstr. 9, H. Iiünigs-W nsterhnnsen: Friedrich Baumann, Bahnhosstr. 13. KUpcnlck: Emil W ißler, Kietzerstr. 6, Laden. Eiciitenherg, Eriedrichsreide, Wilhelnesherg: Otto S e i t i l, Kronprinzenstraße 4, I. JUahlsdorf und Kauisdorf: Hugo Scheibe, Mahlsdors, Valderseestr. 14. Bariendorr: August Leip, Ebausseestr. 295. Hos. Xen-Wcivensee: Kurt Fuhrmann, Sedanftr. 105, parterre. Aieder-Sehüneweide: Max P r i e b t e, Britzerstr. 14 H. Kowawcs: Wilhelm I ap p e. Friedrichstr. 7. Ober-Schiineweide: August H e n j e S, Laufenerstr. 2, I. Eankow-Aiedcrsehünhansei»: Otto Riß mann, Mühlen« straße 30. Beinickendorr-«st, Wllhelmsrnh und Schünholz: P. G u r j ch, Kamckestr. 12, I. Btsdort: M. Heinrich, Neckarftraße 2, im Laden. Bnn>n>eishnrg, Boxhagen:A. Rosenkranz, All-Boxhagen 56. Schmargendorf; Gustav K a m i n S k h, Cunostraße 2. Schüneherg: Wilhelm Bäumler, Martin Luthersrr. 51, im Laden. Spandan: Koppen, Jagowstr. 9. Tegel, Borsigwalde, Wittenau, Waldmannslnst, llcrnisdorf und Itelnlckendorf- West: Paul Kienast, Borsigwalde, Räuschslraße 10. Teltow: Wilhelm B o n o w, Teltow, Zehlendorfer Str. 4. Tempeihof: Albert Thiel, Friedrich Wilhelmslr. 20 Treptow: Rob. Gramenz,.Kiesholzsiraße 4l2, Laden. WUmersdorf-iiaiensee: W t t t u c b e l, Gastemer Str. 4. Sämtliche Parteilileratur sowie alle wissenschastlichen Werke werden geliefert. Banöagist *"!!" DIreksenstraße 20 zwischen Bahnhof Alexandervlatz und Polizeipräsidmm.— Amt VII, 13799 Für Damen Frauen-Bedienung.• Lieferant für alle Kraiikciikaisen. Teppich Spezialhaus W Emil efevre Berlins. Seit 1882 nur Oranienstr. 158 Unterhalte Generalvertreter für Groß-Berlin: Erich Strokorb, Berlin SW., Kreuzbergstr. 30.TeL A. 6, 3718 Annahme von Inseraten für den„N�rwärts�. Bitte anssehneiden. 245/1' �mrlttinmi 3'ß- 3 bis jpiriüJlUCU WM., franz. Kognak. Verschn. 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Der räuberische Ueberfall auf die Juweliersfrau Richter auS der Potsdamer Stratze 35 gelangte gestern vor dem Schwurgericht des Landgerichts II zur Verhandlung. Es handelte sich um die- selben Angeklagten, die sich, wie unseren Lesern erinnerlich, am 12. November wegen verschiedener Einbruchsdiebstähle vor der Strafkammer zu verantworten hatten und zu längeren Gefängnis- bezw. Zuchthausstrafen verurteilt wurden. 5lus der llntersuchungs- hast wurden vorgeführt: der Kaufmann Willi Hohe, der Kaufmann Georg Kiihne, der frühere Leutnant Hubert Kuehnel, der Schlosser Otto Stäche und der Kaufmann Jacques Syz, welcher kürzlich wegen Anstiftung zum Diebstahl zu drei Jahren Zuchthaus und fünf Jahren Ehrverlust verurteilt worden war. Die Anklage lautet auf versuchten schweren Raub, gegen Shz auf Anstiftung zu diesem Verbrechen. Den Vorsitz im Gerichtshöfe führt Landgerichtsdirektor Dr. Seligmann. AblrhnungSantrag. Vor Eintritt in die Verhandlung erhebt sich der Angeklagte Syz und erklärt: er müsse den Vorsitzenden ablehnen. Dieser habe auch die vorige Verhandlung gegen die Angeklagten geleitet und er, der Angeklagte, habe das Gefühl, daß der Vorsitzende nicht ganz unbefangen sei. Hobe, der schon wiederholt Zwischenbemerkungen gemacht und sich etwas auffallend benommen hat, ruft laut da- * i zwischen:„Eine Frechheit ist das!" Der Borsibcndc untersagt ihm , solche Zwischenbemerkungen ernstlich. Zur Erledigung deS Ab- lehnungsantrageS mutz eine längere Pause gemacht werden. In der Zwischenzeit gestikuliert Hohe fortgesetzt lebhaft mit den Händen, wendet sich wiederholt sehr erregt zum Staatsanwalt und zu den Verteidigern und schreit dann, indem er nach der Zuhörer- löge hinaufzeigt:„RauS, raus! Du hast mich zum Verbrecher ge- macht!" Er hat dort oben ein Mädchen entdeckt, die nach seiner Behauptung ihn erst auf die Bahn deS Verbrechens gebracht habe. Nach geraumer Zeit übernimmt Landgerichtsdirektor Liep- mann, als der zur Erledigung des AblehnungsantragcS bestellte Richter, den Vorsitz. Aus seine Frage nach den Gründen des Antrages erklärt der Angeklagte Syz: Er habe vor einigen Tagen da? Urteil in der Strafsache bekommen, in welcher er am 12. No- vembec vor der vierten Strafkammer des Landgericht? II unter Vorsitz des LandgemchtSdirektorS verurteilt worden sei. In dem Urteil befänden sich ganz falsche Angaben, eS seien darin Beschuldi- gungen gegen ihn enthalten, die schon in der Verhandlung am 12. sich als falsch erwiesen haben.— Nach längerer Beratung ver- kündet Landgerichtsdirektor Licpmann: Der AblchnungSantrag wird als unbegründet abgelehnt. Direktor Dr. Seligmann habe sich nicht für befangen erklärt, außerdem begründe die Tatsache feiner Mitwirkung an der Verhandlung vom 12. November nicht seine Befangenheit, eS sei auch nicht glaubhaft gemacht, daß das Urteil, welches durch Mehrheitsbeschluß deS Gerichts gefällt ist, falsche Feststellungen enthalte. Verhandlung über die Besetzung deS Gerichts. � Landgerichtsdirektor Dr. Seligmann übernimmt hierauf wieder den Vorsitz. Der Angeklagte Syz wünscht noch einmal Aufklärung darüber, woher es komme, daß der ordnungsmäßige Vorsitzende für diese Schwurgerichtstagung, Landgerichtsdirektor Jtschert, oder dessen ordentlicher Stellvertreter nicht den Vorsitz führt. Land- gerichtsdirektor Dr. Scligmanu erwidert, daß gesetzliche Hinde- .. wungsgründe sowohl bei dem ordentlichen Vorsitzenden als auch bei dessen Stellvertreter vorliegen und er dazu bestimmt worden sei, den Vorsitz zu führen. Nach welchem Gesichtspunkte diese Be- stimmung seiner Person getroffen sei. darüber lehne er jede weitere Bemerkung ab. Rechtsanwalt Dr. Ludwig Friedmann bittet um die Protokollierung dieser Erklärung des Vorsitzenden, da der An- geklagte Syz daraus Reviswnsgrünoe herleiten könnte. Ist Hohe verhandlungSfähig? Bei den Fragen nach den Personalien erklärt der Angeklagte Hotze, er müsse um Vertagung bitten, er befinde sich infolge der Wegnahme einer Reihe von Papieren in solcher Aufregung, daß er sich nicht ausreichend verteidigen könne. Er müsse sich erst sammeln.— Nach Feststellung der Personalien der einzelnen An- geklagten teilt der Borsitzende den Geschworenen kurz den Inhalt der Anklage mit und weist auf daS gegen die Angeklagten er- gangene Urteil vom 12. November hin. Bei diesem Urteil haben sich nur Kuehnel und Stäche beruhigt.— Hierauf wird Medizinal- rat Dr. Hoffmanu über die Vernehinungsfähigkeit des Angeklagten Hotze vernommen. Der Sachverständige bekundet, daß vor einigen Tagen eine Durchsuchung der Zelle des H. stattgefunden habe, bei welcher verschiedene Briefe und Aufzeichnungen beschlagnahmt worden seien. Hierbei habe sich herausgestellt, daß Hotze auf ver- botenen Wegen mit seiner Braut korrespondiert habe. Hotze sei deshalb besonders scharf aufs Korn genommen worden. Dies habe bei ihm eine große Erregung herbeigeführt. Augenblicklich weise der Angeklagte einen Pulsschlag von 140 in der Minute auf, fo daß starke Zweifel an der BerhandlungSsähigkeit deS Hotze be- ständen. Der Vorsitzende erläutert den Geschworenen, daß am DonnerS- tag die Zelle des Hotze revidiert worden sei und man dabei Schriftstücke gefunden habe, die aus einen heimlichen Verkehr deS Angeklagten mit seiner Braut hinwiesen. Er selbst, der Vorsitzende, habe veranlaßt, daß von den Schriftstücken, die in der Zelle des Hotze sich befanden und ihm weggenommen wurden, alles was für feine Verteidigung von Wert sein könnte, ihm sofort zurückgegeben werde. DieS sei auch geschehen.— Angeklagter Hohe: Ich habe es erst gestern vormittag bekommen, und bei dem mangelhaften Licht der Zelle habe ich die Sachen nicht wieder zusammenbringen können.— Vors.: Was Ihnen zurückbehalten ist, hat mit dieser Sache gar nichts zu tun. Die Blätter, die für Sie wichtig sein könnten, sind Jhizen sämtlich wieder zugestellt.— Angekl. Hotze: Was nützt mir das? Drei Blätter sind verloren gegangen, wo ich das Datum und das Beweisthema vor Zeugen aufgeschrieben habe. Dadurch ist meine Verteidigung beschränkt. Ich kann vor Er- regung nicht sprechen, ohne diese schriftlichen Unterlagen kann ich nicht reden. Ich brauche Ruhe und Sammlung vor dem Termin, denn für mich steht bei dem Termin viel auf dem Spiel.— Auf nochmaliges Befragen erklärt Medizinalrat Dr. Hoffmann, daß eine Vertagung auf einige Stunden nicht viel nutzen würde und auch eine Unterbrechung bfs Freitag wahrscheinlich wieder das Er- gebnis haben würde, daß der Angeklagte nach kurzer Verhandlung zusammenbräche.— Rechtsanwalt Dr. Werthaner unterstützt den Antrag deS Hotze auf Vertagung. Auf das Strafmaß würde eS doch von Bedeutung sein, ob sich die Behauptung, daß Hotze von Syz verführt worden, bestätige. Bei den zu erwartenden Kontroversen über diesen Standpunkt sei es doch erforderlich, daß Hotze in völlig zweifelssreier geistiger Verfassung sich befinde.— StaatSanwalt- schaftsrat Dr. Pabst ist derselben Ansicht, während Rechtsanwalt Dr. Kantorowicz im Interesse der übrigen Angeklagten, die schon bald ein Jahr in Untersuchungshaft sitzen, eine baldige Verhand- lung dringend befürwortet.— Angekl. Hotze: Ich habe ja auf die anderen auch warten müssen, die sich eine ganze Zeitlang in di" Irrenanstalt haben bringen lassen. DaS Gericht beschließt hierauf nach kurzer Beratung, die Ver- Handlung auf unbestimmte Zeit zu vertagen. 8o2iaUs. Gegen da? Fortbestehen der Betriebskrankenkasse». Bekanntlich hat sich«in sogenannter„Verband der Betriebs- krankenkassen" gebildet, der aber nur ein Verband von Betriebs- krankenkassen-Nnternehmer» ist. Daß sich dieser Unternehmerver- band für den Fortbestand der Betriebskrankenkassen erklärt hat, ist selbstverständlich. Um so wichtiger ist die Stellungnahme der Mit- glieder der Betriebskrankenkassen, der Versicherten, zu der Frage, ob die Betriebskrankentassen weiterbestehen sollen oder nicht. Am 27. November hat nun die Herbstgeneralversanimlung der Textil-BetriebSkrantenkasse in Gera(Reutz) zur Reichsversicherung Stellung genommen. Diese Bctriebskrankenkasse umfaßt etwa Lv Betriebe der Textilindustrie in Gera und hat über 8V00 Mit- glieder. Der Vorsitzende der Kasse, Fabrikbesitzer Lnboldt, der auf der Hauptversammlung deS sogenannten„Verbandes der Betriebs- krankenkassen" in Weimar so offensiv den Unternehmerstandpunkt vertreten hatte, hielt einen ziemlich farblosen Vortrag über die Reichsversicherungsordnung. Stur in den Arzt- und Apothekerfragen nahm er, wie in Weimar, gegen die Bestrebungen der Äerzte und der Apotheker scharf Stellung und erklärte sich als schärfsten Gegner des Leipziger Aerzteverbandes. In der Diskussion sprachen nur Vertreter der Arbeiter, die eS sämtlich scharf rügten, daß der Vorsitzende die Beschickung des 5. Allgemeinen Kongresses der Krankenkassen Deutschlands hinter- trieben hat. Zur Reichsversicherungsordnung vertraten die Redner den Standpunkt, der sich mit dem des 5. Krankenkassenkongresses in Berlin deckt und forderten namentlich die Beseitigung der Betriebs- krankenkassen. Sie brachten folgende Resolution ein: „Die Textil-Betricbskrankenkassc in Gera sRcutz) erklärt: 1. Eine Aenderung der jetzigen Art der Beitragszahlung(% zahlen die Versicherten, K die Unternehmer) und eine Aenderung der jetzigen Vertretungsform für die Versicherten und die Unternehmer in� der Generalversammlung und im Vorstande wird nicht ge- wünscht. Gefordert wird vielmehr, daß die Beitragszahlung und die Vertretung in der Generalversammlung und im Vorstande so bleiben, wie sie jetzt sind und wie sie sich zur Zufriedenheit der Ver- sicherten und der Unternehmer durchaus bewahrt haben. 2. Die Uebertragung des Vorsitzes in der Kasse und im Vor- stände an einen„unparteiischen Vorsitzenden", an einen Beamten, wird nicht gewünscht. Gefordert wird vielmehr, daß der Vorsitzende auch in Zukunft von der Generalversammlung bezw. von den Mitgliedern selbst gc- wählt wird. 3. Di« Generalversammlung spricht sich entschieden dagegen aus, daß die Zersplitterung im Krankenkasfenwesen in Kassen ver» schiedener Art bestehen bleibt, wie es in dem Entwurf einer Reichs- Versicherungsordnung vorgesehen ist. Dies? Zersplitterung bedeutet eine außerordentliche Schädigung der Versicherten, in deren Interesse es liegt, daß die Krankenkassen im weitesten Maße zentralisiert werden. Deshalb fordert dir Generalversammlung der Textil-BetrUbS- krankenkasse in Gera die Beseitigung aller neben den OrtSkrankrn- kassen bestehenden und bestehen sollenden Betriebskrankenkassen, JnnungS», Bau» und Knappschaftskrankenkassen, der Gemeinde- krankenversicherung und der Krciskrankenkassen und die Orgcmi- sation des Krankenkassenwesens in großen, zentralisierten OrtS- krankenkasse» für jede Gemeinde oder jeden Bezirk mit vollem Srlbstverwaltungsrecht für die Versicherten in mindestens dem bis- herigen Gvade. 4. Ueber die Auslegung und die Tragweite der jetzigen§§ 25 deS GewerbeunfallversicherungsgefetzeS und 30 des Unfallversiche- rungsgesetzes für Land- und Forstwirtschaft, insbesondere über die Dauer der Unterstützungspflicht der Krankenkassen in den Fällen von Erwerbsunfähigkeit, die durch Unfälle herbeigeführt werden, ist ge- setzliche Klarheit zu schassen. Grundsätzlich wird aber gefordert, daß die Krankenkassen in Krankheitsfällen, die durch Unfälle verurfacht werden, von der Unterstützungspflicht überhaupt befreit werden und daß die Unfall- Versicherung vom Täge des Unfalles ab einzugreifen. daS Heilver» fahren zu übernehmen und Unterstützung zu leisten hat." Diese Resolution wurde mit den Stimmen sämtlicher Arbeiter- Vertreter gegen die Stimmen sämtlicher Unternchmervertreter, also mit Zweidrittelmehrheit, angenommen. Wir empfehlen sie dem Herrn Staatssekretär des Innern als Material für die Um» arbeitung der Reichsversicherungsordnung. Zur Behandlung auf dem Lande. Am 7. August d. I. beklagte sich der Kutscher Jakob Szhmanski bei seinem Diensthcrrn, dem Gutsbesitzer, Leutnant der Reserve Artur Erdmann aus Sackssenfelde bei Samter, daß er von dem Arbeiter Markwitz verprügelt worden sei. Der Gutsbesitzer begab sich darauf nach dem Stalle und versetzte dem ahnungslos auf einem Futterkasten sitzenden Markwitz zwei heftige Schläge über den Kopf. AIS der Geschlagen« eine Mistforke erfaßte, mit dieser drei Schritt nach rückwärts retirierend seinem Arbeitgeber zurief, ihm drei Schritt vom Leibe zu bleiben, schickte der Gutsbesitzer die anderen Arbeiter aus dem Stelle. Dann knebelte er in Gemein- schaft mit SzymanSki, dem Vogt Picchowiak und dem Wirtschafts- inspektor Boese den Markwitz an Händen und Füßen und bearbeitete den wehrlos am Boden Liegenden in barbarischer Weise mit dem Stocke. Der Gutsbesitzer ließ darauf den halbtot geprügelten Menschen etwa sechs Stunden gefesselt im Stalle liegen und dann um 3 Uhr nachts nach dem PolizeidistriktSamt in Samter schaffen. Von hier mußte der SckMrverletzw zu dem praktischen Arzte Dr. NisinSki gebracht werden, der an beiden Armen, auf dem Rücken. dem Kopfe und den übrigen Körperteilen unzählige Verletzungen konstatierte, an deren Folgen der p. Markwitz drei Wochen bett» lägrrig krank war. Der Gutsbesitzer und seine drei Helfershelfer wurden von der ersten Strafkammer des Landgerichts Posen auS Anlaß dieser empörend rohen Tat wegen gefährlicher Körperverletzung und Frei- heitsberaubung angeklagt. Ter Staatsanwalt beantragte in der am Sonnabend abgehaltenen Verhandlung gegen den Gutsbesitzer ganze— 75 Mk. wegen Körperverletzung und gegen ihn und seine drei Helfershelfer 3 Tage Gefängnis wegen Freiheitsberaubung. Das Gericht erkannte auf 150 Mk. Geldstrafe wegen Körperver- lctzung und auf Freisprechung von dem Vergehen der FreiheitZ- beraubung gegen all- vier Angeklagte. Das heißt in der Tat die Zubilligung einer Prämie für brutale, feige Rohheitsdelikte._ Gmebtö- Zeitung. 8000 ober 50 M.? Eine sehr eigenartige Verwechselung bildete den Ausgangs- Punkt einer Betrugsanklage, die einen bejahrten, bisher unbefcholte- nen Kaufmann vor die zweite Strafkammer des Landgerichts I führte. Die Frau des Angeklagten versorgte eine sehr wohl- habende Frau E. mit Garderobe, die sie für sie anfertigte. Frau E.. eine stattliche Dame in den fünfziger Jahren, hat im Liebes- und Eheleben schon verschiedene Stadien durchgemacht. Sie ist von ihrem ersten Manne geschieden und heiratete vor nicht langer Zeit einen Künstler, der aber auf Grund einiger in der Ver- Handlung unter Ausschluß der Oeffentlichkeit erörterter Vorkomm- nisse schon nach einem Vierteljahr alles in Bewegung fetzte, um von der Frau wieder loszukommen. Die Ehe wurde für nichtig er- klärt. Die Ehefchnfucht der bejahrten Dame war nun aber ein» mal vorhanden und sie war bald wieder die Braut ihres jetzigen Ehemannes, des Rentiers E. Sie trachtete danach, so schnell als möglich mit diesem verbunden zu werden, die Erfüllung dieses Wunsches stieß aber auf Schwierigkeiten. Da fiel es ihr ein, daß die Tochter des jetzigen Angeklagte» ihre Ehe ohne viel Zeitverlust in England bcwerlstelligt habe. Frau E. wandte sich deshalb an den Angeklagten mit der Bitte, ihr die Mittel und. Wege anzu- geben, wie man es bewerkstelligen könne, um in London die Ehe- schließung möglichst schnell zustande zu bringen. Der Angeklagte tat dies. Frau E. fragte, was sie für diesen Liebesdienst schuldig sei, und als der Angellagta meinte, sie solle ihm nur eine Pfeife und etwas Tabak aus London mitbringen, wollte sie nichts davon wissen, sondern erklärte ihm, daß sie ihm einen Scheck in Höhe von 50 M. als Belohnung geben wolle. Sie übergab ihm dann auch ein von ihrem Schreibtisch genommenes Papier, welches der An- geklagte in Empfang nahm und sich entfernte. Frau E. hatte ihm aber irrtümlich einen mit dem Namen des Empfängers noch nicht ausgefüllten Scheck über-- 8000 M. übergeben, der drei Tage später zu einer Hypothekenregulierung dienen sollte. Als der An- geklagte mit seinem Schatz nach Hause kam, war eitel Lust und Freude in seiner Familic. Man pries das gütige Geschick und floß über vor Dankbarkeit gegen die generöse Geberin, die so groß- mutig gewesen, die Aussicht auf baldiges Gelingen ihres HeiratS- planes so hoch zu bewerten. Der Angeklagte ging am nächsten Tage schon auf die Bank, holte sich die 8000 M. und benutzte 2000 Mark zur Begleichung drückender Schulden. In den Becher der Freude wurde aber sehr bald ein bitterer WcrmutLtropfen ge- gössen. Als Frau E. am dritten Tage nach dem Vorfall bei ihrem Rechtsanwalt erschien, um die Hypothekenregulierung vorzunehmen, entdeckte sie zu ihrem Entsetzen ihren Irrtum, denn jetzt sah sie, daß der dem Angeklagten zugedachte Scheck über 50 M. sich in ihren Händen befand, der Scheck über 8000 M. aber fehlte. Sie setzte sich sofort telegraphisch mit der Ehefrau des Angeklagten in Verbindung und verlangte ihr Geld zurück. Die zu Tode erschrockene und auS allen Himmeln gerissene Frau konnte aber nur mitteilen, daß ihr Ehemann nicht zu Hause sei, im übrigen aber von dem Gelde schon 2000 M. verausgabt worden seien, die abzuarbeiten sich die Frau bereit erklärte. Die Angehörigen der Frau E. übergaben die Sache der Staatsanwaltschaft, während das Brautpaar nach London abdampfte, von wo es als Ehepaar heimkehrte. Der An- geklagte hatte auf Rat seines Verteidigers diesem die noch übrig- gebliebenen 6000 M. vorläufig zur Aufbewahrung übergeben. Vor Gericht bestritt er ganz entschieden, daß Frau C. bei der Ueber- reichung des Schecks von 50 M. gesprochen habe. Sie habe ihm viel- mehr daS zusammengefaltete Papier ohne weiteres übergeben, er habe erst auf dem Wege nach Hause zu seiner hellsten Freude ge- sehen, daß es über 8000 M. lautete und mit seiner Familie die hochherzige Gcberin gepriesen. Er blieb auch dabei, daß er wohl habe annehmen können, daß die reiche Dame in der Freude ihres Herzens seinen Dienst so reich honorieren konnte, denn ihm sei be» kannt, daß sie auch bei anderen Gelegenheiten mit vollen Händen gegeben habe. DaS Gericht war aber der Meinung, daß diese Summe doch in zu großem Mißverhältnis zu der Leistung stehe und der Angeklagte wohl verpflichtet gewesen sei, die Frau auf den offenbaren Irrtum aufmerksam zu machen. Mit Rücksicht aber darauf, daß die Verführung sehr groß gewesen und der Perteidiger die 6000 M. im Gerichtösaale an die Frau E. zurückgezahlt hatte, erkannte der Gerichtshof gegen den Angeklagten nur auf eine Geld- strafe in Höhe von 300 M. Juristisch erscheint die Annahme, die Unterlassung des Hinweises auf die Summe sei die Unterdrückung einer wahren Tat- fache, durch die der Angeklagte die Frau geschädigt habe, und damit die Berurteilung recht bedenklich. Anders liegt die Frage, ob die Frau die Rückerstattung wegen Irrtums auf ihrer Seite ver- langen kann._ Mit einem Nachspiel zu den Nirsenunterschlaaungcn des städtischen Bureauassistentcn Fritz HauSwirth hatte sich gestern das Schöffengericht Berlin-Mitte unter Vorsitz des AmtSrickjters Mehner zu beschäftigen. Wegen Begünstigung bezw. Hehlerei war die Ehefrau Berta HauSwirth und deren Schwester, die Frau Anna Spange angeklagt.— Wie seinerzeit mitgeteilt, war der Bureauassistent HauSwirth vom Schwurgericht des Land- gerichts I wegen schwerer Urkundenfälschung und Unterschlagung zu einer Gefängnisstrafe von zwei Jahren verurteilt worden, die er augenblicklich in der Strafanstalt Plötzensee verbüßt. HauSwirth war in der WerkeinziehungZabteiluiig der städtischen Wasserwerke angestellt gewesen und hatte eS verstanden, sich in den Besitz der dort unbeaufsichtigt herumliegenden Quittungsformulare und der Stempel zu setzen. Er fälschte damit verschiedene Quittungen und zog dann Kanalisationsgebühren von recht beträchtlicher Höhe von den Hausbesitzern ein. Auf diese Weise soll sich HauSwirth in verhältnismäßig kurzer Zeit Beträge von zirka 40 000 M., nach anderer Behauptung sogar 70 000 M., angeeignet haben.— Während HauSwirth schon die gegen ihn verhängte Strafe büßte. wurde dem Magistrat mitgeteilt, daß ein großer Teil des ver- untreuten Geldes sich noch im Besitze der Ehefrau H. und auch bei deren Verwandten befinde. Die Kriminalpolizei, welche mit den Nachforschungen beauftragt wurde, stellte fest, daß von dem Geld- auf den Namen der Ehefrau ein Bankkonto in Höhe von 10 000 M. angelegt worden war, daß ferner noch 12 000 M. in Papieren und ferner 2000 M., die H. an ihm bekannte Beamte verliehen hatrc, in Schuldscheinen vorhanden waren. Eine Haussuchung in der Wohnung der Mitangeklagten Spange förderte einen im Kleider- schrank versteckten Blechkasten zutage, der insgesamt 22 000 M. ent- hielt. Dieses Geld wurde beschlagnahmt und der Stadtkasse wieder zugestellt. Die Staatsanwaltschaft erblickte in dem Verhattc.r der Angeklagten eine Begünstigung und erhob die vorliegenoe An- klage.— Vor Gericht behauptete die Angeklagte, daß sie das frag- liche Geld seit Jahren in kleineren und auch größeren Beträgen erhalten und gespart habe. Ihr Ehemann, der viel die stiemi- bahnen besucht habe, habe ihr stets gesagt, daß jenes Geld auS Gewinnen herrühre. Lediglich auS Furcht, daß das Geld für die Gerichtskosten beschlagnahmt werden würde, habe sie eS ihrer Schwester zur Aufbewahrung übergeben. Der StaalSanwnlt hielt die Angeklagten der Begünstigung für überführt und beantragte drei bezw. einen Monat Gefängnis. Das Gericht kam zu einer Freisprechung, da jeder Nachweis dafür fehle, daß die Angeklagten die strafbare Herkunft des Geldes kannte». Eine MeineidSaffäre mit einem im gewissen Sinne romantischen Hintergrund de- schäftigte das Schwurgericht des Landgerichts lll. Angeklagt wegen wissentlichen Meineids war die Frau Helene Salomon. Die An» klage hat folgende Vorgeschichte. Der Ehemann der An- geklagten, der Kaufmann S., war schon einmal verheiratet. Die Ehe war jedoch nicht glücklich, so daß die Eheleute sich schließ- lich trennten. Von beiden Seiten wurde die Ehescheidungsklage eingeleitet. Während dieses Verfahren schwebte, unternahm S eines TageS einen Ausflug nach Tegel. Mitten im Walde er- blickte er eine junge Dame, die im Begriff stand, sich das Leben zu nehmen. S. verhinderte die Lebensmüde, ihr Vorhaben zur Ausführung zu bringen und erfuhr bei dieser Gelegenheit, daß der Schmerz über die Treulosigkeit ihres Geliebten als Motiv der de- absichtigten Tat in Frage kam. Herr S. tröstete die LebenSüber- drüfsige mit dem Erfolge, daß diese schon nach drei Tagen zu ihm als Wirtschafterin zog und nach Verlauf gar nicht langer Zeit seine Ehefrau wurde. Dieses Verhältnis hatte die erste Ehefrau deS S. in Erfahrung gebracht und suchte dies in dem schwebenden EhescheidungSprozetz zu verwerten. Die letzige Angeklagte wurde in diesem Prozeß als Zeugin vernommen und soll unter ihrem Eid« bekundet haben, daß sie sich mit S. vor Scheidung der Ehe niemals geduzt habe oder in nähere Beziehungen zu ihm getreten sei. Diese Angabe soll nach Behauptung der Anklage falsch sein. Es wurde erst Anklage wegen fahrlässigen Falscheides erhoben. Die Strafkammer erklärte sich jedoch für unzuständig und verwies die Sache an das Schwurgericht, da die Angeklagte des wissentlichen Meineids, nach Ansicht der Strafkammer, dringend verdächtig er- schien.— Die Geschworenen verneinten jedoch sämtliche Schuld- fragen. Das Urteil lautete demgemäß auf Freisprechung. Sittlichkcitsverbrechen. Das Dresdener Landgericht verurteilte, wie unS telegraphisch mitgeteilt wird, gestern den verabschiedeten Leutnant der Reserve zur See und Offizier der Hamburg-Amerika-Linie Viktor Wolf- gang Waldemar Schahn aus Krossen wegen eines in Dresden im November v. I. an einem dreizehnjährigen Mädchen begangenen Sittlichkeitsverbrechens zu zwei Jahren Gefängnis und drei Jahren Ehrverlnst._ Verantwortlichkeit des Lehrhcrrn für Fahrlässigkeit der Lehrlinge. Ein Lehrling des Wagenbauers L. in Dortmund schob am I. August ISOö eine Handkarre vor sich her, die mit einem größeren Gestell belastet war. Dabei stieß er den Kaufmann M. in Dort- mund zu Boden, als dieser den Fahrdamm kreuzen wollte. In- folge der dabei erlittenen Verletzungen hatte der Verunglückte gegen L. Schadenersatzansprüche erhoben neben einer Renten- forderung von täglich 5 M. Das Landgericht Dortmund erklärte den Anspruch des Klägers dem Grunde nach für gerechtfertigt. Auf die Berufung des Beklagten erkannte das Qberlandesgericht Hamm im selben Sinne. Es tritt hier der sachlichen Ausführung des Landgerichts bei, daß die Verurteilung deS Beklagten sich auf einen aus§ 823 des Bür- gerlichen Gesetzbuches zu beurteilenden Mangel der Aufsicht über die Tätigkeit des Lehrlings gestützt hatte. Der Beklagte habe, so er- wägt das Berufungsgericht, zwar seinem Lehrling wiederholt ein- geschärft, die Handkarre auf der Straße nicht zu schieben, sondern zu ziehen, damit er den Verkehr der Straße übersehen könne und Zusammenstöße vermieden würden. Das genüge aber nicht. Das Gestell, mit dem die Karre im gegebenen Falle beladen war, habe dem diese schiebenden Lehrling nicht gestattet, darüber hinweg. auch nicht hindurch zu sehen, und der Weg habe ihn über eine stark belebte Straßenkreuzung geführt. Der Beklagte habe gesehen, wie der Lehrling die Karre vom Hofe durch den Torweg auf die Straße schob und habe ein Bedenken ausgedrückt, ob jener auch allein mit dem Transport fertig werden würde. Da sich die Karre, wie die hier gebrauchte, leichter schieben als ziehen läßt, habe der Beklagte sich auch denken müssen, daß der Lehrling die für seine Kräfte schwer beladene Karre nicht ziehen, sondern schieben werde, und daß dies für den Verkehr auf der Straße gefährlich werden könne. Er hätte den Transport einem Erwachsenen übertragen oder dem Lehrling eine zweite Person mitgeben müssen. Daß er dies versäumt, stelle ein Verschulden dar, das ihn nach ZZ 276, 823 des Bürgerlichen Gesetzbuches schadenersatzpflichtig mache. Die vom Beklagten gegen dieses Urteil eingelegte Revision hatte keinen Erfolg und wurde vom 6. Zivilsenat des Reichsgerichts zurückgewiesen._ Schadenersatz für Ehebruch. In neuester Zeit ist dem Reichsgericht die Frage vorgelegt, ob der§ 172 des Strafgesetzbuchs, der den Ehebruch bestraft, als Schutzgesetz im Sinne von Z 823 des Bürgerlichen Gesetzbuchs zu gelten hat und ob demnach die von dem Ehegatten veranlaßte Scheidung als kausale Folge des Ehebruchs zu gelten hat, so daß auch für die aus der Scheidung sich ergebenden Folgen Schaden- ersatz verlangt werden kann. Der Kläger macht hierzu geltend, daß er infolge der Scheidung Unkosten durch die Erziehung seiner Kinder habe, welche Erziehung anderenfalls seine Frau besorgt haben würde. Das Landgericht und Kammergericht zu Berlin er- kannten die Ansprüche des Klägers gegen den Beklagten, der das ehebrecherische Verhältnis mit der Frau des Klägers geführt hatte, als berechtigt an. Das Reichsgericht trat dieser Auffassung nicht bei.� Der VII. Zivilsenat hob vielmehr das angefochtene Urteil des Kammer- gerichts auf und wies den Kläger mit seiner Klage ab. ßHefkaften der Redaktion. Tie luristlsche Eprcchstunde findet Linden st rage 3, zivelter Hui dritter Eingang, vier Trepvcn, jjM?- F a h r st n h l wocheutiiglich abcnvS von IVt bis 9 Vi Uhr statt. Gcsssnet 7 Uhr. Sonnabends beginnt die Sprechstunde um 6 Uhr. Jeder Auslage ist ei» Buchstabe und eine Zahl als Merkzeichen beijnfiigcn. Briefliche Antwort wird nicht ertellt. Bis»nr Beantwortung im Bricslasten könne» 1t Tage vergehen. Eilige Fragen trage man in der Sprechstunde vor. Lubbencr Str. 10. Wohlscile Wandbilder Pflegen auch im Berliner Gewerkschastsbause vor Weihnachten auzgestellt zu werden. Außerdem finden Sie wiche in der Buchhandlung Vorwärts. Fuchs 100. Ihr Freund ist nicht verpflichtet, sich von einem anderen Arzt untersuchen zu lassen, hat aber späterhin den Beweis sür die Erwerbs tragen. Legen Sie beim Oberpräsidenlen Beschwerde ein.— E. L. 8. unsähigkcit zu führen.— Rixdorf 31. S c haben die Kosten nicht Ihre Tochter ist zur Abnahme des Buchs oder zu Zahlungen nicht vcr« pflichtet, weil sie minderjährig ist. Sic mag den Vorjall aber als War« n u n g sür die Zukunst sich dienen lassen:man soll nichts unter» schreiben, bevor man Abschrisl erhalten und über die Tragweite der Unterschrift durch Rücksprache sich vergewissert hat.— Tempelhof 60. Sie müsilen Ihre Forderung in einem Zwilprozcß beim Amtsgericht einklagen. G. R. SK. 1. Nein. 2. Ja.— SP. 13. 1. Nein. 2. Der 181. bis 302. Tag vor der Geburt rechnet als Empsängniszcit.— W. 777. Beide können in einer Klage verllagt werden. Zuständig ist das Amtsgericht Köpenick.— F. L. 100. 1. New, er muß die preußische Staats- Zugehörigkeit erwerben. 2. KewS.— W. S. 19. Nein. Von Löhnen, die für die Woche oder eine» längeren Zeitraum vereinbart sind, dürfen Abzüge sür Feiertage nicht gemacht werden.— W. 100. 1. Das neu« Mielsstempelgesetz sst am 1. Juli w Kraft aelrcten. Seine Haupt- Vorschriften sind im»Vorwärts* vom 1. Juli wiedergegeben. 2. Nein, sür Räume, die sür gewerbliche oder berufliche Zwecke bestimmt sind, bleibt die Hülste des Mielsstempels uner hoben. Sind Wohnungs- und gewerblich« Räume vermietet, so tritt die Ermäßigung nur ein, wenn in dem vom Vermieter zu führenden Stempclvcrzcichnis eine entsprechende Trennung des MictSzinses gemacht ist.— I. K. 18. Ja. sür Wohnungen mit einer JahreSmicle von mehr als 360 bis 400 M. sind 50 Pf. Mielsslempel, bei mehr als 400 bis 500 M. ist 1 M. Mietsstempel zu zahlen.— 9. 1. Sie könnten gegen den Vertäufcr aus Schadenersatz klagen und Swasanlrag wegen Betrugs stellen. 2. Klugen Sie aus Beseitigung der Schäden und Unterlassung lünstiger Schadcnzufügung gegen den Fabrikinhaber. 3. Setzen Sie sich mit Ihrem Vermieter in Verbindung: ein Recht aus Rücktritt steht Ihnen nicht zu.— A. W. 100. Nein. Klagen Sie aus Unterlassung und Schadenersatz.— F. B. 81. Klagen Sie aus Aushebung des Ver» trags und Schadenersatz beim Amtsgericht wegen gesnndheitsgcsährdendcr Beschaffenheit der Wohnung. Reichen Sie ein Attest des Arzies mit der Bitte um Anberaumung eines nahen Termins mit der Klage ein. — O. B. Es lann aus Rechnungslegung geklagt und die eidliche Osicu» barung des Vermögens im Prozcßwege verlangt werden. Die von Ihnen benannten Institute geben Privaten in der Regel keine Auskunst.— Ernst I. Ein Verjähren aus Entziehung der Rente kann eingeleitet werden. Dem Arbeiter steht daS Recht zu, in diesem Verfahren darzulegen, daß verminderte Erwerbssähigkcit nach wie vor vorliegt.— W. S. 12. Wenden Sie sich mit dem Beschluß oder dem Urleil, welches die Fürsorge anordnet, an einen Anwalt. Eine allgemeine Antwort, ob jemand, der sich in einer Fürsorgcanstult befindet, herausgenommen werden kann, ist umnöa- lich. Die Beantwortung hängt von der Eigcnartigkeit des Einzeljalles ao. WasserstandS-Nartirtchten der LandeSaniialt iür Gewässerkunde, mttgeleiU vom Berliner Wetterbureau. Wasserst and M e m- l. Tilllt V r e g e l, Jnitcrburg Deichsel. Thon, Oder, Ratibor , Krossen Frankiurt Wa r t h e, Sckrimm , Landsberg Netze, Bordamm Elbe, Leittneritz , Dresden , Bardo , Magdeburg Wasserstand Saale, Grochlitz Havel, Svandaul , Ratbenow') S p r e«, Voremberg') » BeeSkow Weser, Münden , Minden Rhein, Mapi-nilianSau , Kaub , Köln Neckar, Heilbronn Main. Verlheim Mosel, Trier am! teit 28-11.(27.11. cm ein') 143 70 74T) 82«) 71 — 4 112 357 170 202 72 154 100 +9 -21 +e +4l -9] +6 -4> — 1 -9 -8 -1 +4 0+ bedeutet WuchS.— Fall. 0 Unterveael. rJ EiSstand.«) Eis» treiben.•) Eisgang.•) Eisfrei. 7) Schwaches Treibeis. Aus der Oder bei Schwedt Eisstand. Aus der Nogat war der Eisstand gester» bis Wcrnersdors, 9 fem oberhalb Marienburg, auswärts geichrittcn. .Ofdeief/k ec. r..»rr.' 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November vonnlilage. Kur die Gewinne Oher 210 Mark sind den betreffen. den NuniTucrn in Klamm, ra beigefügt. (Ohne Gewähr.)(Nachdruck verboten.) 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(Ohne Gewähr.)(Nachdruck verboten.) 463 71 508 629 861 78»56 62 Il49 822 2013 17 77 273 391 410(500) 57 512 658 718 9 3 3016 62[500) 12, 218 708 25 872[500] 4091 99 559[1000] 653 95 763[1000] 057 5040 66 130 613[1900] 802[500] 6183 206[500] 91 821[3000] 605 963 7145 603 53 642[3000] 81 876 915 86[500] 70 83 8026 185 539[300] 69 837 9020 121 231 [1000] 82 SSO[600] 409 15 4,1 570 754 IO105 889[1000] 920[500] 11012«3 229 385«98 763 83 994 1 20.13 IIS[1000] 207 394 471 813 87 706 91 13169 223 355 87 453 606 41 761[300] 878 1 4042 110 15 316 506 868 920 46 1 5580 630 1 6099 102 734 348 807[1000] 4! 49 53 70 7« 17182 207[800V] 898 474 60« 13 719[600] 868 0?0 48 IROIZ[500] 14 67 152 626[1000] 83 837 43 92[3000] 10lS2 205 634 715 20031 139 251 327 41 558 620 940 21100 86 884 [500] 91«si 864 85 902[500] 2220» 347 81[500] 464 720 860 910 23070 185 24118 82! 471 608 25.101 17 511 7.11 527[500] 922 62 2 6 220 309 67 58 477 92[1000]»93 «97 725 857»Ol 27287 409 69.1«11 729 910 2 8)91 205 839[SOOO] 515 626 745 852 029 2 9002 34 230 610 786 30182 92 2.15[500] 423 667[500] 953 3 1 311 617 739 3 202.1 62 159 211 517 494 606 751[19000] 925 3 3 008 107 210 75 305 53[500] 99 427[3000] 601 777 81[500] 34179[600] 215 618 632 40 706 825 3 5163[500) 289 •431 519 617 88 911 3 0542 87 3 7 210 85 67 84 480 698 818 3 8010 150 233 429 6M 810 030[1000] 39060[500] 82 (3000) 160 604 7?3 896 905[1900] 40017 265 93[600] 423 609«4 678(3000] 762«27 «3 41071 7« 68[500] 565 844[1090) 911 42181 88 312 402[3090) 594 710 617 94 929 4 3018[500] 57 110 45 854 85 380[500) 835 4 4067 75 192[500) 210 878 4 5110 15 87 711[1000) 809 4 0191 885 401[1000] 896[500] 005 4 7026 36 255 533 6.19 817 064 4 8080 819 462 40181 284 4.19 5d 723[ 3000] 85 818 DCt[50001 5O0I.1 273 538 51 170[600] 231 566 680 99 747 60 918 52245 858 820 5 3101 31 637 625 701 892 6 4037 228 79 96(5001 453 513 818 5 51-15[1000] 40» 603 679 82 79» 811 68 56105 32 200 649 5 7289 369 478 721 5 8203 425 (500) 793 5 9 206 80 331 456 510 689 6O201 358 403 73 622 815 55 981 4» 8t 61063 310 80 497 562 91 618»1 6?183 429 586 703 6 3017 7 4 670 715 17 6 4235[SOOO] 316 409 536(500) 617 25 791[500) 092 6 5324 661«II 28 84 60158 73 267 560[500] 733 [15000] 833 975 6 7412 31 619 781 961[1000] 6S3Z9 47 «8 415 29 36 47 037 6 0255 548 61! 90 70133 771»95 9.18 7 1 001 84 207 389[SOOO) 420 93 837 7 2030 50 III 75 232 07[500] 862 413 6 t 516[500] 658 783 831 7 3 073 219[500] 6.15 953 7 4296 09 303[500] 410 627 681 75076 253 600 54 917 50 7 6002[8000] 211 457 626 31 77581[3000] 675 955 7 8039 355 661 613 991 79481 630 80125 51 61 8 1 021 307[1000] 420 84 770 095 8225» 480£08 704 63 8 3058 237 52 65 613 617 995[1000) 84427 51 631 762 82 940 71[1000] 8 5 026[600] 439 87 «6 615(600) 60 91 731 996[600] 86 14 1 322 414 52« 65 «35 49 9.18 69 8 7160 373 480 902 70 93[1000] 88009 83 703 889 8 9 302( 500) 4C0[500] 87 608 20 9 0079 201 669 797 915 9 1 842 83 913 0 2 115 87 203 119 22 1500] 44 45 61» 91 823 56 978 91 9 3010 327( 60Ol 447 569(8ÖOOO] 729[500]£ 1614 759 871 997 0 3056 60 167 223 73 3(7[500] 492 9 9 978 9 6130 878[1000] 303 5 47? 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