Hr. 281. BbonnementS'Bedingmigcn: SffionnementS- Preis pränumerando l iSiertcliährl. 3�0 ÜRf., monati. 1,10 Tit., wöchrntllch 2B Pfg. frei WS Haus. Einzelne Kummer 5 Pfg. Eonnlags- iiummet mit illuslriertec LönntagS- Äeilage.Die Reue Welt'!0 Pfa. Post. Abonnement: l.IO Marl pro Monat. Einaelragen in die Post.Zciwnas. Preislisle. Unter Kreuzband für Deutschland un» Oeslerreich- Ungarn it Marl, für das übrige Ausland 3 Marl pro Monat. PostadonncmenlS nehmen an: Belgien. Dänemarl, Holland. Italien. Luxemburg. Portugal. ililwlänicn, Schweden und die Schiociz. 36. Jahrg. erfchtiBt tSgllch aafltr MsilUzi. * Vevltnev Volksblatt. Die TnfcrflgnS'Gebülir Beträgt für die sechsgespaltene Kolonel- geile oder deren Raum Sa Pfg., für politische und gewcrlschastliche Vereins- und Verfamnilungs-Anzeigen 30 Pfg. „Uleine Snreig-n". das erste lfett- gedruckte) Wort 20 Pfg., jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlas- stellen-Anzcigcn das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 6 Pfg. Wort- über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate sür die nächste Rummer müssen Iiis S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm- Adresse: „Sezialdtuiolirat Bcrlla**. Zentralorgan der rozialdcmokratf feben Partei Deutfcblands. Redaktion: SÄl. 63» Lindenstrassc 69 Fernsprecher: Amt IT, Nr. 19S3 9er Kampf um die sinainhoheit. Mit der großen Majorität von 350 gegen 75 Stimmen ijat das Oberhaus deni Budget der liberalen Regierung die Zustimniung verweigert. Den„Selbstmord des Ober- Hauses" nennt die liberale Presse diese Entscheidung. '.'Iber man wird gut tun, abzmvarten, ob die Taten diesen starken Worten entsprechen werden. Denn der nüchternen Betrachtung kann cS nicht verborgen bleiben, daß Lords und Regierung in gleicher Weise bemüht waren, das Kampffeld von vornherein so abzustecken, daß der Konflikt keine allzu- große Ausdehnung gewinnen kann, wenn nicht das Volk die Pläne der Hadernden, denen aber doch das Klasseninteresse an der Anfrechterhaltnng der Kapitalsherrschafl gemeinsam bleibt, durch eigenes Vorivärtsdrängcn vereitelt. Die liberale Regierung kämpft nicht für die Abschaffung des Oberhauses, iie fordert nur. daß das Oberhaus nicht überhaupt jede liberale Regierung durch Vereitelung ihrer Reformen unmöglich machen kann.<Äe vermeidet es auch, den Konflikt zur vollen Schärfe zu steigern; kein Pairsschnb zeigt den Lords. daß ihr„Recht" eine lächerliche Einbildung ist, wenn die Rc- gierung einmal ihre Machtbefugnisse rücksichtslos gegen die Erste Kammer ausnutzen will. Llber die liberale Regierung geht noch weiter. Sie erfüllt das Verlangen der Lords und löst das Unterhaus auf, begibt sich also gerade auf den Kampfboden, auf dem die Führer der Lords den Konflikt ausfechrcn wollen. Der Vcrfassungs- konflikt wird so in einen Wahlkampf aufgelöst und die Eni- scheidung der Wahl wird ihn ivohl beendigen, Der Sieg der Liberalen in dem Wahlkampf wird die Wirkung haben, die Lords in Zukunft noch vorsichtiger sein zu lassen, bevor sie sich in Budgetfragen eine Entscheidung anmaßen. Das Bollwerk des Besitzes aber, das das Oberhaus auch dann darstellen wird, lugt selbst ein liberaler Sieg unangetastet, während eine liberale Niederlage das Ansehen des Oberhauses nur aufs neue stärken würde. Man darf sich also durch die liberale Presse, die von Revolution hüben und drüben spricht, nicht täuschen lassen. Äeht es nach den klug gewählten Dispositionen der beiden großen Parteien, so wird der Konflikt mit den Wahlen sein Ende finden. Die Abstimmung der Lords bedeutet gleichzeitig den Schluß der liberalen Legislaturperiode, die nach dem Rücktritt der konservativen Regierung am 4. Dezember 1905 mit den Fanuarivahlen 1906 ihren Anfang genommen hatte. Die letzten Vier Jahre der liberalen Regierung wurden durch einen ununterbrochenen Konflikt zwischen den beiden Kammern und durch ein stilles Ringen zwischen der liberalen und der Arbeiterpartei ausgezeichnet. In dem Konflikte zwischen den beiden Kammern spiegelt sich der Kampf um die Reorganisation des Britischen Reiches. Die Konservativen wollen eine starke Zentralregierung. Be- festigung der Autorität des Staates. Hebung des Wirtschaft- lichen Lebens durch eine Schutzzollpolitik. Stärkung der land- »oirtschastlichen Bevölkerung. Organisierung der Kriegskräfte des Reiches:— Altengland mit seiner robuste» Kraft, rück- sichtslosem Zugreifen und unerschütterlichem Selbstbewußtsein soll im Britischen Reiche verjüngt auferstehen. Der englische Adel war schon seit Jahren nicht so lebendig lvie jetzt. Die iörundstelieril sind nur der Anlaß seines Eintritts in den Kampf. Der Etat ist nur die äußere und unmittelbare Ursache der Krise, die vom Standpunkte der Konservativen eine Reichs- krise ist und deshalb viel mehr bedeutet als Steuern. Ihnen gegenüber stehen die Linksliberalen, die das Vor- handenjein einer Reichskrise nicht anerkennen. Es gebe wohl staatliche und imperiale Probleme. aber keine umfassende Reichsgesahr. Und diese Probleme lassen sich durch Freiheit, durch intensive Arbeit. durch eine bessere Erziehung. durch Anwendung Wissenschaftlicher Grundsätze in allen Zweigen der menschlichen Tätigkeit, durch Gerechtigkeit nach innen und außen>vohl lösen. Nicht mehr Staat und Autorität, sondern mehr individuelle Leistimgeu; weniger Privilegien und Monopole, mehr Gelegenheiten für alle. Es sind zwei politisch-wirffchaftlich-cthische Anschauungen. die in Form von Konservatismus und Liberalismus um die Herrschaft ringen. Wichtiger als dieser Parteikampf, in dem viel Tradition und Ideologie steckt, ist der Kampf zwischen der sozialistischen und individualistischen Weltanschauung, der jenes Ringen tief beeinflußt, wenn nicht gar beherrscht. Seit dem Siege der Arbeiterpartei bei den Wahlen des Januars 1909 ist der Sozialismus ein politischer' Faktor geworden, obwohl die -Arbeiterpartei kein sozialistisches Programm hat und ihre Kandidaten nicht als Sozialisten austreten. Das Entstehen der Arbeiterpartei hat den Gegensatz zwischen Konservativen und Liberalen verschärft und den'Ausbruch des Konflikts zwischen den beiden Kammern beschleunigt. Vor dem Jahre 1906 beschäftigten sich die Konservativen hauptsächlich mit der Neichskrise: nach 1906 begannen sie auch nach Mitteln zu suchen, die sozialistische Gefahr zu bannen, und sie glauben die Mittel gefunden zu haben in derselben Politik, die zur Stärkung deS Reiches 'ühren könnte. Andererseits suchten sie die Macht des Unter- Hauses, die die Macht der Demokratie ist. zu schwächen und pvar durch die Stärkung des Oberhauses, des autoritären Prinzips der britischen Verfassung. Dagegen konnten die Liberalen, sollten sie nicht die Arbeitcrwähler abstoßen, den Sozialisten nicht direkt feindlich entgegentreten, sondern sie suchten das Volk an sich zu ketten durch legislative Leistungen, durch eine intensivere innere Politik, durch Sichcrstellung der Freiheit und der Demokratie. Deshalb ist auch die Session des Unterhauses nicht unfruchtbar gewesen. Nehmen wir vorerst Sozial- und Arbeiter- Politik. Das unter der konservativen Regierung in den Jahren 1897 bis 1901 geschwächte und verstümmelte G c- Werkschaftsrecht wurde durch die Annahme der„Dracko Disputs Act, 1906", nicht nur wiederhergestellt, sondern gegen jeden ernsten Angriff gesichert. Das Gewerkschaftswesen, das in seinen Grundfesten erschüttert ivar, nahm seitdem wieder einen erfreulichen Aufschwung.— Dem Schutze im Lohnkampfe folgte der Schutz in der Fabrik: das Gesetz betreffend Un- fallsentschädigung(W orkrnen's Cornpensation Act, 1906) ist eine erhebliche Ausdehnung des alten Gesetzes und umfaßt etwa acht Millionen arbeitende Personen, einschließlich Ladengehilfcn, Briefträger, Seeleute, Dienstmädchen; es be- trachtet auch gewerbliche Krankheiisfälle als Fabrikuufälle; es beschränkte die Karenzzeit auf eine Woche.— Die Bergleute erhielten den Achtstundentag(ausschließlich der Windungen). Dem Ministerium des Innern wurde eine Abteilung für Bergwerkswesen hinzugefügt, um die Bergwerksinspektion besser durchzuführen.— Den armen Arbeitsinvalidcn wurden Alterspensionen gewährt, ohne daß die Arbeiter Beiträge zahlen müssen.— Die Wafchan st alten der Klöster und der Besserungs- insritute wurden der Fabrikinspektion unterworfen.— Die Zahl der Fabrikinspektoren wurde um 45 Beamte. darunter 9 Frauen, erhöht.— Für Arbeitslose bewilligte die Regierung einen Staatszuschuß von 200 000 Pfund Sterling(fiir den kommenden Winter 300000 Pfd. Sterling). Sie bewilligte Anleihen an die Gemeinden zum Zwecke der Beschäftigung von Arbeitslosen. Sie erwarb 13000 Acres Land sür Aufforstung, um hierbei Arbeitslose zu beschäftigen. — In drei Zweigen der Heimarbeit wurden Aemter zur Festsetzung von M i n d e st l ö h n e'n eingeführt.— Die Post-, Telegraphen- und Telephonbeamten erhielten das Recht, sich gewerkschaftlich zu organisieren. Auf dein Gebiete des Schulwesens wurden die frei- heitlichen Vorlagen der Regierung durch die Konservativen imd die Lords unmöglich gemacht.— Die Gemeinden wurden berechtigt, zum Zwecke der Speisung dürftiger Schulkinder eine Gemeindesteuer von 4 Pfennig pro 20 Mark des steuer- baren Wertes zu erheben.— Aeztliche Untersuchung der Schul- linder wurde eingeführt. Das Small Holdings- Gesetz betreffend Schaffimg von landwirtschaftlichen Kleinpächtern hat eine Bodenreform eingeleitet, die großes leisten könnte, wenn die Grundherren ihr nicht so große Hindernisse in den Weg legten und wenn die Gemeindeverwaltungen energischer wären. Die Iren erhielten eine Novelle zum Boden- reformgesetze vom Jahre 1903, die den Auskauf der irischen Grundbesitzer erleichtert und dem britischen Steuerzahler Lasten auferlegt zugunsten der irischen Bauern. Ebenso wurde 2000 vertriebenen irischen Pächtern die Gelegenheit ge- geben, in ihre Pachtungen wieder einzutreten. Die Buren Transvaals und Oranjefreistaats erhielten freie, demokratische Verfassungen, die sodann zur Einigung Südafrikas fühlten. Auch Indien wurde eine Verfassungsrcfonn gewährt. Die nach Transvaal eingeführten Chinesen wurden bis auf 4000 nach ihrem Vaterlandc zurückgeschickt. Dann kommen eine ganze Reihe kleinerer Gesetze, wie die betreffend Errichtung eines Appellhofes in Strafsachen. Verbesserung der Patentaus Nutzung zugunsten der britischen Industrie, die bessere Verwaltung des Londoner Hafens, Milderung des Impf- zwanges usw. Schließlich wurden beinahe 20 Vorlagen, die fortschritt- liche Zwecke hatten, von den Lords teils verworfen, teils der- stümmelt. An indirekten Steuern wurden in den Jahren 1906, 1907 und 1908 rund 7,7 Millionen Pfund Sterling abgeschafft und 44 Millionen Pfund Sterling an Staats- schulden getilgt. Hinzu kommt das Verdienst der Liberalen. den Fehde- Handschuh der Lords aufgehoben zu haben. Der Suspendierung des Etats durch die Lords wird die Annahme einer Resolution (Remoastrancs) im Unterhause folgen, in der die Liberalen nach dem Muster ihrer Vorfahren die Rechte deS Unterhauses in klarer und entschiedener Weise definieren werden, um dann das Parlament aufzulösen und in den Wahlkampf ein- zutreten.— • Die entickeidende Sitzung. (Telegraphischer Bericht.) Dir Rede EurzonS. SuS der Debatte deS Oberhauses ist noch der Schluß der Rede Lord CurzonS, des früheren VizctonigS von Indien, hervorzuheben. Curzon leugnete, daß die Handlungsweise der Lordö revolutionär sei. Wirklich revolutionär sei das Vorgehen der Regierung, die die alte Verfassung zerbreche, um dem Unter- hause eine überragende Stellung zu verschaffen. ES ist wahrscheinlich. daß die Verfassung auS dem Kampfe verändert hervorgehen wird, und Expedition: 8M. 68, Lindenstraase 69» Fernsprecher: Amt IT, Nr. IS84. ich heiße ein neugestaltetes Oberhaus willkommen, das die Kraft be- sitzt, die ihm jetzt abgesprochen wird, und das seine gegenwärtige Gestalt aus zurzeit unzugänglichen Quellen ergänzt. Ich glaube zu- versichtlich, daß der Ausgang dieses Streites in einem nicht miß- verständlichen vom Lande gegebenen Mandat bestehen wird, worin das Oberhaus für einen wesentlichen Bestandteil der Konstitulion erklärt wird, das Oberhaus, von dem ich hoffe, daß es daim in höherem Grade unabhängig, furchtlos und stark fein wird. Vor der Abstimmung. Je mehr sich die Debatte ihrem Ende näherte, um so größer wurde die Aahl der Peers. Auch die Galerien für die Damen der Lords waren gedrängt voll. Als letzter Redner der Opposition sprach Lord Cawdor. Er kritisierte das Budget in scharfen Worten und sagte, daß das Volk ein Recht hätte, feine Meinung darüber auszusprechen. Solange die Peers damit zufrieden wären, daS Rechte zu tun, brauchten sie sich um die Folge» nicht zu kümmern. Bezüglich des finanziellen Ergebnisses einer Ablehnung des Budgets verweise er auf Lord Lansdowncs Anerbieten, mit der Regierung zusammen zu arbeiten, um ein ChaoS zu vermeiden. Wenn die Regierung es ablehne, sich dieser durchaus leichten Lösung der Schwierigkeiten zu bedienen, so würde die Verantwortung aus ihr haften bleiben. Das Schlußwort der Regierung. Der Staatssekretär für die Kolonien Earl os Creme der- teidigte die Vorschläge des Budgets im allgemeinen und erklärte, daß die den Grundbesitz treffenden Steuern vernünftig und mäßig seien. Die Opposition begehe einen tragischen Fehler. Während der letzten 15 Jahre habe sie sich allmähliche, aber sehr tatsächliche Uebergrifse in die Macht- befugnisse des Unterhauses zuschulden kommen lassen. Trotzdem seien beide Häuser nebeneinander hergegangen, nicht ge- rade um großer Jwieigung zueinander, aber wie Bekannte, die vor- zogen, das Geschäft gemeinsam zu machen. Nach dem heutigen Abend würden sie kaum noch miteinander sprechen. Bezüglich der Zukunft spreche er keine Meinung aus. Die Regierung habe die Krisis nicht willkommen geheißen, sei aber gezwungen, ihr die Stirn zu bieten, weil die Interessen des Landes und des Reiches auf der Aufrechtsrhaltung eines vernünftigen Gleich- gcwichtS zwischen den regierenden Gewalten im Staate beruhten. Wenn das Parlament wieder zusammenträte, würden die Parteien ihre Stellung vielleicht vertauscht haben. Aber ob sie sich nun in der Opposition befinde oder nicht, die gegenwärtige Regierung wurde sich ans Werk machen, um— nötigenfalls durch die Macht einer Parlamentöakte beschützte— Garantien zu erlangen, die jene unterschiedslose Zerstörung der liberalen Gesetzgebung der- hindern würden, der die PeerS heute nacht die Krone aufsetzten. (Beifall bei den Ministeriellen.) Die A b st i in m u n g wurde unter großer Aufregung vorgenommen und dauerte wegen der großen Zahl der Abstimmenden nahezu eine halbe Stunde. Die Verkündung des Ergebnisses wurde von der Opposition mit Beifall begrüßt. Man erwartet, daß Premierminister ASquith morgen nachmittag eine wichtige Mitteilung machen wird. Auf der Straße. L»»d»n, 30. November, 10 Uhr 30 Minuten abends. Uin den gegen das Oberhaus beabsichtigte» Kundgebungen vorzu- beugen, ist das Polizeiaufgebot aus dem ParlameutSplatz verstärkt worden. Die V 0 lks m e n g e schwillt allmählich an, doch hält sie gute Ordnung. Auf dem Berkeley Square und in seiner Umgebung patrouillieren berittene Wachlmaniischaften, denen der Schutz des Hauses von Lord Lansdowne und der W 0 h- iiungen des Adels aufgetragen ist. Ein großes Aufgebot von Schutzleuten ist im ganzen Stadtteil Mayfair verteilt. Hunderte von Mannschaften werden außerdem in Reserve gehalten. London, 30. November, 11 Uhr 30 Min. abends. DiefUmgebimg des Oberhauses wurde nach 10 Uhr abends gänzlich von der Polizei geräumt. Die Menge gab nur ihrer Zufriedenheit mit Lloyd George und ihrer Unzusriedenheit mit Lansdowne durch entsprechende Rufe Ausdruck. London, 1. Dezember. 1 Uhr 43 Min. früh. Die Polizei, die beständig verstärkt worden war. schloß um Mitternacht das Parka- mcnt vollständig ein und drängte die Menge nach Tra- falgar Square. Als das Resultat der Abstimmung bekannt wurde, erfolgten keinerlei Kundgebungen, vielmehr ging die Menge in aller Ruhe auseinander. Prcßstimmeu. London, 1. Dezember.„Selbstmord des Oberhauses" ist heute an der Spitze vieler liberaler Zeitungen zu lesen. Dieses Schlagwort zeigt, wie diese Zeitungen über die Haltung der Lords mit Bezug aus die Ablehnung des Budgets urteilen. Sie erklären, der Staatsstreich sei kurzlebig und ziehe unvermeidlich die Per- g c l t u n g nach sich, die L i b e r a l e n würden die Waffen nicht niederlegen, bis die Suprematie des Unter- Hauses wieder gesichert sei. Die konservativen Blätter betonen in ihrer Besprechung der konstitutionellen Lage die Bedentimg der Abstimmung de-S Oberhauses für England, die darauf hinaus- laufe, daß sie dem Volke die Möglichkeit gebe, eine T a r i f r c f 0 r m vorzunehmen. Sie erachten diese Reform als notwendig für die Sicherheit de? Reiches und für die Zukunft Englands als Großmacht. Die Antwort der Regierung. London, 1. Dezember. Ministerpräsident Asquith wurde heute nachmittag bei Betreten des Unterhauses mit einer begeisterten Huldigung der Liberale« empfangeir. Die Mitglieder der Partei erhoben sich von den Sitzen und begrüßten den Minister mit Hochrufen. Als Asquith sich dann zum Sprechen erhob, brach aufs neue ein minutenlang andauernder Beifallssturm los. Die Erklärung., mit der Wquith seinen Antrag einbrachte, lautete wörtlich: Ich halie nchört, daß die Finanzdill, die von diesem Hause angeuommc» worden ist, in der vergangenen Nacht vom Hanse der Lords in zweiter Lesung abgelehnt wurde. De-Zhalb teile ich Ihnen mit, daß ich bei nächster Gelegenheit, nämlich morgen, folgenden Antrag einbringen werde: Das Aorgchen der Lords, die es ab- geschlagen haben, dem Finanzentwurf für das lanfcnde Fiskaljahr GeschrSkruft zu verleihen, charakterisiert sich als ein Ber- fasfungSbruch und als eine Air maßung von Rechte«, die dem Untcrhanse zustehen. Dieser Erklärung folgte erneuter stürmischer Beifall der Liberalen. Iren und der Arbeiterpartei. Unmittelbar nach dieser Erklärung wurde die Sitzung geschlossen. Die Vcr- t a g u n g deS UiitcrhanscS soll am 3. Dezember stattfinden. • Das LaiideSkulturaesrtz angenommen. London, 1. Dezember. DaS Oberhaus trat heute zusammen, um über das vom Untcrhause wieder zurückgewiesene Landes- kulturgesetz zu beraten. Das Unterhaus hatte die Mehrzahl der vom Oberhaus zu dem Gesetz gemachten Zusätze mit der Begründung abgelehnt, daß sie eine Verletzung der Privilegien des Hauses der Gemeinen bedeuteten. Tie Lords bestanden nicht auf ihren Abändcrungsanträgen, womit das Gesetz ange- n o m m e n i st. Lord Lansdowne führte aber heftige Klage gegen diese Behandlung von feiten des Unterhauses und wandte sich nachdrücklich gegen die Art, in welcher seiner Meinung nach die Minister die Privilegien des Unterhauses benutzten, um dem Oberhause die Möglichkeit zu nehmen, über Dinge zu verhandeln, zu deren Erörterung es bc- fugt sei. Eine in diesem Sinne gehaltene Resolution wurde Mit 41 gegen 21 Stimmen angenommen. Gefchäftsverwlrag. Aus dem Reichstag. 1. Dezember. Wenn die heutigen Vorkommnisse im Reichstag einen Vorgeschmack ab- gebeil von dem, was wir zu erwarten haben im Laufe der Schnapsblockära, dann können wir schöne Dinge erleben an Geschäftsunordnung und Geschäftsverwirrnng. Auf der Tagesordnung stand die Wahl der Präsidenten und Schriftführer. So etwas pflegt sonst glatt und erregungs- los von statten zu gehen. Die ersten beiden Wahlen vollzogen sich auch ohne Anstosi. Der konservative Graf Stolberg lvurde zum Präsidenten und der Zentrumsmann Spahn zum er st en Vizepräsidenten gewählt. Für beide Kandidaten hatte auch die sozialdemokratische Fraktion zu stimmen beschlossen, indem sie sich als Richtschnur dienen ließ, daß die Fraktionen in der Reihenfolge ihrer Stör/e für die Besetzung dieser Posten in Frage kommen müßten. Eigent- lich wäre ja nach diesem Grundsatz das Zentrum für die Be- setzung des Präsidentenpostens in Frage gekommen: da die Zentrumsfraktion mit der konserllativeiT Fraktion, die der Zahl nach an zweiter Stelle steht, freiwillig getauscht hatte, so wurde die Berechtigung dazu voi» der sozialdemo- kratischen Fraktion nicht bestritten. Ter FraktionSstärte gemäß kam für den Posten des zweiten Vizepräsidenten die n a t i o n a l l i b c r a l e Fraktion in Frage. Für Herrn Paaschs stimmten deshalb die nämlichen Fraktionen, die ihre Stimmen für Stolberg und Spahn abgegeben hatten: die freisinnige sowie die nationalliberale Fraktion, die beschlossen hatten, sich am Prä- sidium nicht zu beteiligen, gaben jedoch auch hier weiße Zettel ab. Herr P a a s ch e selbst erklärte darauf, daß er 'im Einverständnis mit einem Beschlüsse seiner Fraktion die Wahl nicht a n n e h rn e. Geschäftsordnungsgemäß hätte nun sofort in die Wahl eines zweiten Vizepräsidenten abermals eingetreten werden müssen. Das paßte aber den Könscroativen und Zentrumsleuten nicht in den Kram, da sie sich noch nicht darüber ge- einigt hatten, wem sie nunmehr ihre Stimme geben würden, de, in offenbar geht es ihnen wider den Strich, den Grundsatz. die Präsidcntenposten nach der Stärke der Fraktionen zu besetzen, auch der nunmehr nach dem Ausscheiden der Libe- raten nächstberechtigten Fraktion— der Sozialdemokratie— gegenüber zur Anwendung zu bringen. Um nun die für Verhandlungen nötige Zeit zu gewinnen, hätte der Mehrheit der Ausweg zu Gebote gestairden, einfach die Vertagung des Hauses bis Donnerstag zu beantragen. Statt dessen beantragte der Führer der Konservativen, Herr v. Normo nn, die Aussetzung der Wahl des zweiten Vizepräsidenten bis auf Freitag, aber die sofortige Vornahnlc der Wahl der Schrift- führ er. Der amtierende Präsident Graf Stvlberg ließ diesen Antrag anstandslos zu. Genosse Singer wies jedoch in ausführlichen Dar- legungen nach, daß das ein gcschäftswidriges Verfahren sei. Herr v. Nor m a n n verstummte zunächst. Dann sprangen indes vom Zentrum Herr Gröber und Graf P r a s ch in a sowie der Konservative Dietrich mit allerhand lenden- lahmen Ausflüchten bei, während der Freisinnige Müller und der Nationallibcrale Bassermann Singers Aus- führungen unterstützten. In der Sache gaben jedoch die Ver- treter der Mehrhsitsparteien nach. Der Präsident trennte zunächst auf eine Anregung Gröbers hin die Abstimmung über Normanns Antrag, indem er zunächst über die A u s- setzung der Wahl des zweiten Vizepräsidenten abstimmen ließ, die denn auch von der Mehrheit angenommen wurde. Dann beantragte die Mehrheit die Vertagung des Hauses. Ihr eigener vorheriger Beschluß, die Wahl bis Freitag auszusetzen, nötigte den Präsidenten dann, den Donnerstag überhaupt ausfallen zu lassen. Somit haben die Herren v. Normann und Compagnie infolge ihrer Un- kcnntnis der Geschäftsordnung dem Reichstag einen vollen Arbeitstag geraubt und sich selbst bis auf die Knochen blamiert. Dsz finde der lchlezivig- holsteinlichen Städteordnung. Der Ausfall der diesjährigen Kommunalwahlen in zahlreichen Städten Schleswig-Holstcins hat dem„liberalen" Bürgertum die Augen geöffnet. Die alte„bewährte" schleswig-holsteinische Städte- crdnung aus dem Jahre 1s6S bewährt sich nicht mehr als Bollwerk gegen die Nichtbesitzenden. In Kiel hat sich das Bürgertum nur durch eine schnöde Wahlgeometrie und eine berüchtigte Bezirks- eintcilung vor dem Ansturm der Sozialdemokratie retten können.> In Wandsbek ha! man das strikte Gegenteil getan, und der Sieg des geeinten Bürgertums schmeckt ein wenig bitter. In Uetersen hat man noch rasch den Zensus aus 1350 M. erhöht, um sich die gefährlichen Roten für einige Zeit vom Leibe zu halten. In N e u m ü n st e r. Elmshorn, Itzehoe und einigen kleineren Städten hat das Bürgertum empfindliche Riederlagen erlitten, so daß dem nackten Klasseninteresscn frönenden Bürger- tum in Zukunft gehörig auf die Finger gesehen werden kann. Einer der Mitschöpfer der schleswig-holsteinischen Siädteord- nung, der alte Professor H ä n e l, dürfte an dieser Entwickelung wenig Freude erleben. Aus seinem Werk bröckelt ein Stein nach dem anderen heraus. Als vor einigen Jahren der Kieler Ober- bürgermeister auf dem Städtetag» in Mölln die Meinung aussprach, die Sozialdemokratie würde auch den Höchstzensuswall (der bekanntlich 1500 M. beträgt) überklettern, da schlug man seine Mahnungen in den Wind. Tic Spießbürger fühlten sich so.sicher auf den Rathäusern, daß sie die ganze wirtschaftliche Entwickelung und das Aufsteigen der organisierten Arbeiterschaft geflissentlich übersahen. Seit den Hottentottenwahlcn hielten sie die Sozialdemo- traten für„total niedergeritten". Sie ahnten nicht, daß sich hinter den Niederlagen die Vorboten neuer glorreicher Siege bargen. Die guten Bürger, die sich auf ihren Liberalismus etwas zu- gute taten, scheuten sich nicht, in den Wahlkämpfen zu den vcr- wcrflichstcn Mitteln zu greifen. Das Beamtentum in Schleswig- Holstein erwachte in den letzten Jahren zum politischen Bewußtsein, es sah sich vom Bürgertum geprellt uird aus die Seite geschoben. Es wollte sich nicht mehr als Stimmvieh bei den Kommunalwahl- kämpfen gebrauchen lassen, und weil eZ nicht offen für die Sozial- demokratie eintreten konnte, unterstützte es indirekt durch Wahl- enthaltung unsere siegreich vorwärts marschierende Arme«. Das liberal schillernde Bürgertum in Schleswig-Holstein griff deshalb zum schäbigsten Mittel: es denunzierte die Beamten der V e g ü n st i g u n g der Sozialdcmokratiel Ein führendes liberales Blatt sagte ganz offen, daß. wenn die Beamten nicht Order parieren wollten, dann müßte ihnen„von oben" gesagt werden, welche Pflichten sie gegen Staat und Stadt zu erfüllen hätten. Unter Borantritt ihrer Vorgesetzten wurden die niederen Beamten und Gemeindearbeiter aus Kommando ins Wahllokal' gefijlhrt. Wehe dem. der sich erfrechte, zu Hause zu bleiben! Die schleswig-holsteinische Städteordnung ist nun den Liberalen nichts mehr wert. In verschiedenen Bürgcrvereinen Schleswig- Holsteins ist es offen ausgesprochen worden, daß die Städte- ordnung viel zu liberal sei-- weil— nun weil ein Teil des Bürgertums und die Beamten mit den liberalen Wahrheitsaposteln nicht mehr durch dick und dünn gehen. Auf diese Weise sorgt das Bürgertum für seine Selbstkastrierungl Liberal sein ist recht schön, aber zum Teufel damit, wenn es nichts mehr einbringt. Im vorigen Jahre trat ja der sonst so kluge und weitsichtige Oberbürgermeister von Kiel, Herr Dr. Fuß. den Kanossagang zum Minister v. Moltke an. Er beschwor ihn im innigen Einverständnis mit dem Bürger- tum, doch endlich seine starke.Hand zur Abänderung der schlesmig- holsteinischen Städteordnung zu bieten. Der Minister wollte aber nur dann seinen Einfluß geltend machen, wenn die Kieler mit der Einführung des preußischen DreiklasscnwahlrechtS einverstanden seien. Das ging den tapferen Liberalen damals noch zu weit. In diesem Jahre tönt e» aber aus allen Ecken und Kanten: Weg damit! Mit der alt bewährten schleswig-hol- steinischen Städteordnung sind kein« Geschäfte mehrzumachen l Her mit dem Dreiklassen- oder Pluralwahl- „recht" oder was sonst die rote Bande zur Einflußlosigkeit ver- dämmt. Als sich im vorigen Jahre die schleswig-holsteinischen Bürgervereine ein Stelldichein gaben, nahmen sie eine Resolution des Inhalts an. daß überall dort, wo dem Bürgertum von der Sozialdemokratie Gefahren drob-n, das Bezirkswahlsystem zur Einführung gelangen müsse. Wo das nichts nütze, da müsse eine schlaue Wahlgeometrie das übrige tun. Wie's gerade trefft. Wie heute die Dinge liegen, kann nicht mehr daran gezweifelt werden, daß das Ende der berühmten schleswig-hol- steinischen Städteordnung nahe bevor st cht. Von fast einem Dutzend Rathäusern in Schleswig-Holstein flattert lustig die rote Fahne. Die traurigen Epigonen der alten aufrechten Fort- schrittler a!» H o s s in Kiel, die sich, wo sie sich sicher fühlen, so radikal gebärden, haben an sich und ihren sogenannten Prinzipien die S c lb sie n t ma n n u n g bollzogen. Der Rest ist Schweigen. Aber auf den alten Ruinen wird neues Leben erblühe»! und die Sozialdemokratie die Erbschaft antreten! politische Cieberllcbt. Berlin, den 1. Dezember 1909 Eine Zentrums-EnztMta. Die Vorstände der Reichstags- und der Landtagsfraktion des Zentrums haben sich zur Lösung der größten Frage der politischen Gegenwart bewogen gefühlt, nämlich zur Lösung der Frage. ob das Zentrum eine politische oder eine konfessionelle Partei oder gar eine konfessionell- politische Partei sei. Seit fast vierzig Jahren besteht die Zentrumspartei: dennoch find sich nicht nur die Zentrumswähler, sondern wie die Streitereien im sommer dieses Jahres bewiesen haben, selbst die großen Theoretiker und parlamentarischen Kapazitäten dieser Partei völlig unklar darüber, was eigentlich das Zentrum ist. Um endlich Ordnung in diese Könstision der leitenden ZentrumSgrößen zu bringen, haben sich zu feierlichem Konzil die Vorstände der Reichstags« wie der Landtagsfraktion am 28. November im Fraktionszimmcr des Zentrums im Reichs- tagsgebäude versammelt und auf Grund tiefgründiger Er- wägnngen einstimmig zur Schlichtung der Streitfragen be- schlössen, daß künftighin das Zentrum nur noch als politische, nicht mehr als konfessionelle Partei betrachtet werden dürfe. In dem Beschluß heißt es: „Die Zcutnin, spartet ist grundsätzlich eine politische nicht- konfessionelle Partei; sie steht auf dem Boden der Verfassung des Deutschen Reiches, welche von den Abgeordneten fordert, sich als Vertreter des gesamten deutschen Volkes zu betrachten. Darum erstrebt die Zentrumspartei den Schutz und die volle Gleich- bcrechtigung aller Staatsbürger, deren Interessen sie in steier Rücksicht auf die Wohlfahrt deS Ganzen und auf das Gedeihen aller Klassen zu vertreten sucht... Abgesehen von dem Programm bietet die Tntsache der Zu- gehörigkeit fast aller ihrer Wähler und ihrer Abgeordneten zur katholischen Kirche genügende Bürgschaft dafür, daß die Zentrums- Partei die berechtigten Interessen der deutschen Katholiken auf allen Gebieten deS öffentlichen Lebens nachdrücklichst vertreten wird. Dadurch verliert aber die Zentrumöpartei nicht den Charakter einer rein politischen Partei. Die Zentrumspartei hat die Zugehörigkeit zur Partei niemals von der Angehörigkeit zum katholischen GlaubenöbelcunMiS abhängig gemacht, und die ZeutrumSfraltion des Reichstages hat auch tatsächlich bis heute stets Angehörige eines nichtkatholischen Glaubensbekenntnisses zu ihren Mitgliedern gezählt, welche allen. auch ihren intimsten Verhandlungen beigewohnt haben. Dabei ist eS als selbstverständlich zu betrachten, daß in denjenigen Fragen, f welche das religiöse Gebiet berühren, sich jeder Abc eordnete nach den Grundsätzen seines Glaubensbekenntnisses richtet...." Unterschrieben ist diese hochkomische KonziliewEntscheidung von dem Freiherrn v. Hcrtling und dem Dr. Porsch sowie 26 der hervorragendsten Zcntrumsparlamentarier. darunter auch von Herrn Roeren. So ist die große Frage glücklich gelöst: ob endgültig, das ist allerdings zweifelhaft; denn außerhalb der Zentrums- Partei werden nur sehr wenige Politiker den Beschlutz als richtig anerkennen. Sie werden daran zweifeln, ob die Der- sammelten überhaupt zwischen konfessionell und politisch zu unterscheiden vermochten. Doch das macht nichts. Vielleictzt läßt noch nachträglich das Zentrum durch den Episkopat fest- stellen, was im nichtkonfessionellen Zentrumssinne konfessionell ist. Eine solche nähere Interpretation ist entschieden nötig. Das ultramontane Knlturkampkgeschrei ertönt allemal dann, wenn es dem Zentrum darum zu tun ist, irgendeine seiner Sünden zu verdecken und daS Mißtrauen und den Unwillen seines Gefolges von sich abzulenken. Tann schreit es: Die Religion, die Kirche ist in Gefahr! oder es deutet geheim- niövoll an, daß diese oder jene Maßnahme, über deren Notwendig- keit der katholische Wähler den Kopf schüttelt, geboten war. wen.: nicht ein neuer Kulturkampf heraufbeschworen werden sollte. Ein.'e der das Zentrum recht gut kennt, Johannes Fusangc!. hat vor einigen Jahren diesen Schwindel mal offen angenagelt. Im April 1007 war in der„We st beut scheu Volkszei- t u n g dem Blatte des genannten Zentrumsmannes, zu lesen: „Es sind höchst unerfreuliche Erscheinungen, die der Wahl- kämpf, der sofort nach dem 13. Dezember anhob, gerade in, Zentrumslagcr gezeitigt hat. Zunächst war es v o l l st ä n d i g verfehlt, von einem neuen Kulturkampf zu sprechen. Die Regierung denkt gar nicht an einen solchen. Für das Zentrum als Kampfpartei könnte ja nicht« er- wünschtcr sein, aber die Regierung wird uns diesen Gt fallen nicht erweisen; sie wird sich streng auf dem gesetzlichen Boden halten und nichts tun, was unseren Bischöfen berechtigt: Veranlassung zum klagen geben könnte. Das wissen die leitenden Persönlichkeiten in der Partei auch ganz genau und es macht einen nicht gerade angc- nehmen Eindruck, daß man unsererseits das abgetrieben Kulturkampfrößlcin wieder aus dem Stalle zog und es weidlich tunimclte. Sind wir denn gar so gedankenarm geworden und steht uns das Volk schon so entfremdet gegenüber, daß wir, um es bei der Stange zu halten, zu solchen Mitteln greifen müssen, die weder den Tatsachen entsprechen. noch unserer Wahrhaftigkeit Ehre machen? Das mag ja sein, daß die kleinen Geschenke, die, wie man zu sagen pflegt, die Freundschaft unterhalten, fürs erste fortfallen. was unangenehm ist für diejenigen, die die parlamentarisch: Laufbahn als Sprungbrett für ihre Karriere benutzen möchten, falls solche Personen in der Zentrumsfraktion überhaupt vor- handen sein sollten. Allein, das ist kein Kulturkamps und man sollte sich hüten, dieses häßliche Gespenst immer wieder an die Wand zu malen. Wir müssen auch der Regierung gegenübe: ehrlich sein und keine Behauptungen aufstellen, für welche wir keinen Beweis erbringen können." Johannes Fusangcl kennt seine ultramontanen Pappen- heimcr, er ist unter ihnen aufgewachsen und hat lange genug im Zentrum eine große Rolle gespielt. Er hat cS allerdings büßen müssen, daß er gelegentlich seine eigene Meinung und wenig Re spekt vor den angestammten Parteigrößen hatte. Bei der WaZ 1SV7 hat man ihm von Parteiwegen einen Gegenkandidaten, den jetzigen Abgeordneten Becker, auf die Nase gesetzt, dem er dann weichen mußte, und dann haben eS seine ultramontancn Verleger konkurrenten fertig gebracht, daß seinem Blatt der Charakter als ZcntrumSorgan abgesprochen wurde. Leute mit eigener Meinung und dem Mut der Meinungsäußerung kann man im Zentrum nicht brauchen. Um so mehr Beachtung und Vertrauen verdiene.'. in diesem Falle die Worte des alten Zentrumskämpen Fusangc!. Viereinhalb Milliarden Schulden. Alljährlich geht dem Reichstage eine Denkschrift zu über die Ausführung der seit dem Jahre 1872 erlassenen Anleihegesctz-r Wie sich nun aus der jüngsten Denkschrift ergibt, beziffert sich der Gesamtbetrag der Anleihekredite zurzeit im ganzen auf 4 372 057 138 M. Davon sind bis 1. Oktober 1009 realisiert worden 4 328 767 470 M., so daß noch verfügbar bleiben 44 180 650 M. Das gesamte Schuldkapital betrug danach am 1. Oktober: an 4prozcntigen Schuldverschreibungen 410 Millionen Mark, an 3l4prozcndigen 2020 Millionen Mark, an Zprozentigcn 1783,5 Millionen Mark�und an 4prozentigen Schatzanwcisungen 340 Millionen Miark, oder zusammen 4553,2 Millionen Mark! Wenn's so weiter geht, kann bald der KonkurSverlvalter in Funktion treten. Im Kieler Werstprozes; sprachen am Mittwoch nach dem P l a i d o y e r der S t a a t s- anwaltschaft noch zwei Verteidiger. Abends wurde die Verhandlung dann auf Donnerstag vertagt. Der Angeklagte Siegsried Jacobsohn ist aus der Untersuchung�- Haft entlassen worden._ Folgen des Sparsystems. Am 0. Juli 1903 stürzte die im Bau befindliche Südbrücke in Köln a. Rhein ein. Acht Menschenleben wurden dabei vernichtet. Seit dieser Zeit wird eine Untersuchung geführt, aber die Schuldigen können nicht ermittelt werden. Jetzt werden von fünf Sachverständigen, die sich in hervor- ragenden Stellen befinden--- zum Teil sind eS Professoren an technischen Hochschulen— Gutachten veröffentlicht, die zwar auch nicht die Ursache für das Unglück bezeichnen, immerhin aber erkennen lassen, daß die Hauptschuld das Sparsystem der aussührenden Firma, der Dormunder Union, und der Regierimg trägt. Alle Gutachter stimmen darin überein, daß die ungewöhnliche Bauart der Gerüst- brücke bei dem Einsturz wesentlich mitgewirkt hat. Sie bezeichneii sänitlich die vom Unternehmer gewählte Zusammensetzung der Träge'.- glieder aus vielen einzelnen, meist nur mit Schrauben verbundenen Walzstäben im Vergleich zu den sonst gebräuchlichen Anordnungen als weniger standsicher, aber mit Rücksicht auf den Zweck der ledig'lini als Baugerüst, nicht aber dem öffentlichen Verkehr dienenden Brück: als zulässig. Sie sehen in der Anwendung für diesen Zweck kein strafbares Verschulden. ES wird also festgestellt, daß beim Gerüstbau nicht die notwendig: Sorgfalt beobachtet worden ist. Die Gutachter wollen allerding- kein strafbares Verschulden darin erblicken.— Man wird also in der Annahme nicht fehlgehen, daß die durch das Kapital verschuldete Vernichtung von acht Mcnschenlcbcn ungesühnt bleiben wird. Tie Vertagung der Witwen- und Waisenversicherung. Dem gestern(Dienstag) dem Reichstage zugegangenen Gesetzentwurf, der eine Abändenmg deS§ 15 des Zolltarif- gesetzes vom 25. Dezember 1902 sowie des§ 2 dcS Gesetzes betreffend den Hinterbliebencn-VersichornngSfonds und den Reichsinvalidenfonds vom 8. April 1907 bezweckt, ist folgende Begründung beigegeben: Nach§ 15 des ZolltarifgesetzeZ ist der auf den Kopf der Be« völleruug deS Deutschen Reiches entfallende Ncltozollerlrag aus der Einfuhr von Roggen, Weizen und Spelz, Rindvieh, Schafen usw., insoweit er den nach dem Durchschnitt der Rechnungsjahre 1808— Iöv3 auf den Kopf der Bevölkerung entfallenden Nettozollcrtrag der- selben Waren übersteigt, zur Erleichterung der Witwen- und Waisenversicherung zu verwenden, lieber diese Versicherung ist durch ein besonderes Gesetz Bestimmung zu treffen. Bis zum Inkrafttreten dieses Gesetze» sind die Mehrcrträge für Rechnung des Reiches zu sammeln und verzinslich anzulegen. Tritt das Gesetz bis zum 1. Januar 1310 nicht in Kraft, so sind von da ab die Zinsen der angesammelten Mehrerträge sowie die ein- gehenden Mehrerträge selbst den einzelnen JnvalidenvcrsicherungS- anstalten zum Zwecke der Witwen- und Waisenversorgung zu über- weisen. Eine ReichSversichenmgSordnung, die Vorschläge für die gesetzliche Regelung der Witwen- und Waisenversicherung enthält, ist dem Bundesrat unter dein 31. März d. I. im Entwurf zu- gegangen. Der Enttvurs ist veröffentlicht. Jene Vorschläge bilden einen organischen Bestandteil der ReicheversichernngSordnung und können, soll die Einheitlichkeit in der Reform der VersichcrungS- gcsetzgebung nicht leiden, nur im Rahmen dcS GesamtgesetzeS verabschiedet werden. ES ist nicht möglich gewesen, die vor der Borlage an den Reichstag noch erforderlichen Arbeiten zu einer Zeit zu Ende zu führen, in der noch mit der Verabschiedung des Entwurf» bis zum 1. Januar 1910 gerechnet werden konnte. Es empfiehlt sich daher, um eine eingehende sachliche Turchbergtung zu ermöglichen, auf eine Hinausschicbung des Termins für das Inkrafttreten der Witwen- und Waisenversicherung bedacht zu sein. Denn die im Zolltarifgesetze für den Fall deS NichtzustandekommenS der Winsen- und Waiscnversicherung bis zum 1. Januar 19 10 vorgesehene Ueberweisung und Verwendung der angesammelten Bestände nach Maßgabe von Statuten, welche die Vcrsicherungs- anstalten zu erlassen hätten, wird jetzt als eine annehmbare Lösung der Aufgabe nicht anerkannt werden können. Die Zinsen des bis jetzt angesammelten Aufkommens aus den Zkettozollerträgen, das rund 45 Millionen Mark beträgt, reichen nicht aus, um eine Versorgung der Witwen und Waisen zu gewährleisten. Ob und wann etwa von neuem Mehrerträge ein- gehen werden, ist nicht zu übersehen. Außerdem würde die vorgesehene Ersatzmaßnahme die gesetzgebenden Faktoren des Reiches von der Mitwukimg bei der Regelung der Hinter- bliebenenversichernug ausschließen. ES wird daher vorgeschlagen. den Termin für das Inkrafttreten der Witwen- und Waisen- Versicherung durch eine eutspreckiende Aenderung deS Zolltarifgesetzes bis zum 1. A p r i l 1911 hinauszuschieben. Geschieht dies, so muß auch in dem Gesetze, betreffend den Hinterbliebenen- Versicherungsfonds, der Termin, bis zu dem die aufkommenden Zinsen deS Fonds, wie die Kapitalaufkominen, zinsbar anzulegen find und dem Kapitalbestande hinzuzutreten haben, gleichmäßig hinausgeschoben werden._ Im sächsischen Laudtagc begann am Dienstag die allgemeine Vorberatung de» Etats, wofür vorläufig vier Tage iir Aussicht genaminen worden sind. Zur Beratung steht auch ein sozialdemokratischer Antrag, wo- nach alle Einkommen bis zu 800 M. von der Steuer befreit sein sollen, ohne daß den Wahlberechtigten mit niedrigerem Einkomnien ihr Recht geschmälert wird. Die Verhandlungen setzten ein mit einer ll�stündigen Rede des Finanzministers Dr. Rieger, der ein mit viel zu viel Einzelheiten überladenes Bild von dem sächsischen Haushalts- plan zu geben suchte und dabei das alte Lied von der Notwendig- keit der Sparsamkeit sang. Zum Schluß wandte er sich der Reichs- finanzreform zu. Dabei lamentierte er darüber, daß es auch jetzt noch nicht gelungen sei, niit der Schuldenwirtschafl im Reiche zu brechen, obwohl die ReichLschuld denmäckist 5 Milliarden erreichen würde. Bedauerlich sei es auch, daß das finanzielle Ver- hältnis der Bundesstaaten zum Reiche noch immer nicht geregelt worden sei. Sodann versuchte der Finanzminister die Haltung der sächsischen Regierung zur Reichsfinanzresorm im Bundesrate zu ver- teidigen, die von jeher der Meinung gewesen sei, daß die Genuß- mittel der breiten Massen besteuert werden müßten. Als Besitz- steuer könnte die Reichöeinkoininensteuer und die ReichSvermögenS- steuer nicht in Betracht konimen, dagegen erfordere das Staats« wohl, die Erbschaftssteuer auszubauen, das sage er, obwohl er persönlich ein Gegner dieser Steuer sei, Einkommen und Vermögen seien Stenerquellen der Einzclstaaten und der Gemeinden; wenn das Reich hier einen Eingriff unternehme, würde man Bundes- staaten und Gemeinden den Lebensnerv unterbinden. Der Finanz- minister versuchte auch einen Appell an die jetzt bös verzankten bürgerlichen Parteien, sich wieder zu vertragen und Schulter an Schulter zu kämpfen, natürlich gegen die Sozialdemokratie. Von konservativer Seite sprach sich der Agrarier Hähnel gegen den sozialdemokratischen Antrag ans Beseitigung der untersten Steuerstufe aus, während der Notionalliberale Heltner verschiedene Reformen und eine liberale Handhabung der Geietze sowie Ver- einfachung der Verwaltung forderte. Hierzu verlangte er die Ein- setzung einer Kommission, zu der auch Sozialdemokraten zugezogen werden sollten. Diese Etalrede bestätigte wieder einmal, daß die Nationalliberalen zwar jetzt eine schärfere Tonart lieben, daß man jedoch von liberalen Taten auch jetzl noch nicht viel bemerkt. Es wäre auch töricht, nach der liberalen Elatrede nun auch aus liberale Handlungen der Nationalliberalen zu rechnen. Nach Hettner kam Genosse Fräßdorf an die Reihe. Er rechnete ichars mit der Regierung und den herrschenden Parteien ab. Wirkungsvoll und treffend wies er nach, daß in Sachsen n i ch l die Regierung, sondern die Sozialdemokratie die Mehrheit des Volkes hinter sich habe: Der Wahlausfall in Sachsen sei eine vernichtendeVer- urieilung der bisher betriebenen Landes- und R e i ch S p o l i t i k. ES sei Zeit. daß das auch einige alte Herren auf den Ministerbänken in Sachsen endlich einsähen und Gesundheitsrücksichten bekämen. DaS Pluralwahlgcsetz unterzog der Redner einer vernichtenden Kritik und be- zeichnete es als ein Aus nahmegesetz gegen die Arbeiterschaft und ein Vicrklaffenwahlrecht schlimmster Art. Dieses Wahl- shstem habe den Wahlaussall gefälscht. Wäre bei den sächsischen Landtagöwahlen nach dem allgemeinen Wahlrecht gewählt worden. säße gewiß eine sozialdemokratische Mehrheit in der Zweiten Kammer. Jetzt weht, so fährt der Redner fort, ein ganz anderer Wind alö nach den Januarwahlen 1907 1 Was damals von Ihrer Seite m die Welt hinausposaunt wurde, war eitel Lug und Trug I Damals hieß cS, der nationale Aufschwung blüht, ja, er hat geblüht, er hat auch Früchte getragen, aber es sind für Sie sehr bittere Früchte gewesen. Da- malö sprach man vom Niederreitenl Wo sind denn jetzt die Niedergerittenen 1 Die Niedergerittenen reiten jetzt Wiederl Wenn wir jetzt ReichStagSwahlen hätten, dann würden Sie nicht zu scharf verurteilt, wenn alle 23 sächsischen Reichstagssitze von Sozialdemokraten eingenommen würden.' Sodann beschäftigte sich der sozialdemokratische Etatredner mit den einzelnen Parteien und hielt ihnen ihr Sündenregister vor, dabei machte er die Liberalen nachdrücklich darauf ausnierlsam, daß sie für wirklich liberale Anträge jetzt eine Mehrheit in der Zwecken Kammer finden würden. Sie sollten jetzt einmal durch die Tat zeigen, daß sie ernstlich etwas wollten. Sodann behandelte Genosse Fräßdorf die Haltimg der sächsischen Regierung im Bundesrate und kam dabei natürlich zu einer scharfen Verurteilung. Er forderte die sächsische Regierung, die oft den Wert der Selbstverwaltung betont habe, auf, für die bedrohte Selb st Verwaltung der Krankenkassen einzutreten. Bei der Behandlung deS ReichSfinanz- elend» betonte er. die Reichsfiuanzschmach müßte schließlich 90 Proz. der Bevölkerung zu Sozialdemokraten machen. Man solle nicht noch einmal mit indirekten Steuern kommen, dann könne man etwas erleben. Schon jetzt habe die Sozialdemokratie die Mehrheit der Bevölkerung für sich. Danach solle sick, die Regierung richten. Unter dem lebhaften Beifall der Sozial- demokraten schloß der Redner seine Ausführungen, die sichtlich auch Eindruck bei den bürgerlichen Parteien und Regicrungs- Vertretern gemacht hatten. Die Verhandlungen wurden dann abgebrochen. Sie dauern noch mehrere Tage fort._ Vom ehrsame» Reichsliigenverband. Recht interessante Schlaglichter auf die interne Verwaltung des Verbandes warf eine Klage, die am Montag vor dem Amtsgericht Ofsenbach a. M. verhandelt wurde. ES klagte im Auftrage des ReichsverbandeS gegen die Sozialdemokratie der frühere Magde- burger Tischlernieisier Robert PeterS, jetzt wohlbestallter ReichSverbaudSagitator der Ortsgruppe Frankfurt a. M., gegen seinen Vorgänger im Amte, den.Redakteur" Bartz um Heraus- gäbe des Kassabuches und verschiedener Akten. Ms Zeuge wurde der frühere Reichstagsabgeordnete Dr. Becker-Sprendlingen vernommen. Herr Dr. Becker ist nämlich nebenbei auch Vertrauens- mann des ReichsverbandeS zur Bekämpfung der Sozialdemokratie für Süddeutschland. Dr. Becker sagte u. a. aus, er habe dem Bartz nicht erlaubt, Papiere de» ReichsverbandeS bei der Entlassung mit- zunehmen. Das Verhältnis deS Beklagten Bartz zu den Angestellten des Reichsverbandes sei derart gewesen, daß er lDr. Becker) es unter seiner Würde gehalten habe, mehr alS notwendig mit Bartz zu reden. Bartz ist nach seinen Aussagen vom 1. Oktober 1907 bis 1. April 1999 auf dem ReichSverbandSburean Frankfurt tätig ge- wesen. Geschnstssührer war ein gewisser Grund gegen 40(X> M. Gehalt und 1009 M. Mietsentschädigung. Grund wurde lvegen Veruntreuungen vom ReichSvcrband Plötz- l i ch entlassen. Nach den Bekundungen dcS Bartz waren und sind die Zustände beim ReichSverband derartig schlimm, daß er die noch in seinem Besitz befindlichen Schrift st ückc nicht eher herausgeben will, als bis er eine„Generalquittung" des Verbandes erhält. Auch will er über den Verband eine Broschüre schreiben! Herr Dr. Becker sagte weiter aus, nach seinen Informationen sei der Reichsverband bereits seit mehreren Monaten»Eingetragener Verein". Das wurde bestritten und der Termin zwecks weckerer Beweiserhebung auf den 29. Dezember vertagt. Eine feine Gesellschaft, diese tugendhaften ReichSverbändler, die eS unternommen haben, das teure Vaterland vor der Unmoral der Sozialdemokratie zu retten._ Ein neuer Answeisungsskandal. Ein als„lästiger Ausländer" aus Berlin ausgewiesener österreichischer Staatsangehöriger war am Dienstag nach Berlin gekommen und hatte als Kläger einen Gerichtstermin wahrgenommen. Nach Fällung des Urteilsspruchs wurde der Mann, der geglaubt hatte, daß in diesem Falle die Ausweisung keine Wirkung habe, v e r h a f t e t l Ein reizendes.,Kultur"bildl Nicht ausgewiesen! DaS.Lichtenberger Tageblatt" teilt mit, daß unsere Meldung von der Ausweisung des Klavierarbeiters I e p s o n nach amtlicher Auskunft nicht zutrifft. DaS ist richtig. Unser Gewährsmann, ein vcrtrauensivürdiger Genosse, ist einer falschen Information zum Opfer gefallen. Wir bedauern das und nehmen demnach unsere Bemerkungen, die wir an die falsche Nachricht knüpften, zurück. Biersteuererhöhung in Baden. Dem badischen Landtag ist ein Gesetzentwurf über Erhöhung der Biersteuer zugegangen. Danach soll die Steuer für 199 Kilo ungebrochenen Malz in einem Steuerjahr betragen bei einem Verbrauch bis zu 259 Doppelzentner 13 M. für die folgenden 1259„ 18, ....'„ 1500.. 20. .„„ 2000. 21. „ alle weiteren Doppelzentner 22. Mehrere Brauereien, die für Rechnung einer Brauercigemein- schaff brauen, gelten als ein Verbraucher. Brauereien, die für eigenen Bedarf brauen oder obcrgärige Biere herüellen. haben 5 Doppclzentner Rtalz frei, im tveiteren werden 199 Kilo mit 4 M. bezahlt. Für Brauereien, die nach dem 1. Januar 1919 eröffnet werden. erhöhl sich der Steuersatz bis 1012 um 25 Proz. DaS Gesetz soll am 1. Januar 1919 in Kraft treten. Die Wirkungen der Zündwarensteuer. In der am Montag in Kassel abgehaltenen Generalversamm- lung der Aktiengesellschaft für Aüudwarensabrikalion Stahl u. Noelke fragte ein Aktionär au. ob die Zündwareuinduslrie durch die Steuer tatsächlich stark getroffen werde, so daß mit einem bcdeuieuden Konsuntrückgang gerechnet ivcrden müßte. Die Verwaltung antwortete, daß die bereit« im Geschäftsbericht erwähnten nach- teiligen Einwirkungen der Steuer noch weit stärker' fühlbar feien, als ursprünglich angenommen wurde. Infolgedessen inußten sowohl in der Kasseler als auch in der Kost- hcimer Fabrik ganz bedeutende Arbeiterentlassungen vorgenommen werden. Eine Besserung der Verhältmffe ist vor der Hand nicht abzusehen._ Kommunalwahlcn. In Falken st ein lSachsen) siegte bei der Stadt- verordnetenwahl der dritten Abteilung die sozial- demokratische Li st e. Zwei Mandate wurden erobert. Die Zahl der.sozialdemokratischen Vertreter stieg von einem auf drei. i» Bei ver GemeinderatSwahl in Witzhelden, einer Landgemeinde im Kreise Solingen, spielte sich am letzten Sonnabend ein bemerkenswerter Vorgang ab. Kurz vor der Wahl fanden sich die Wähler in den Dorfschenken ein, un» zur Kandidatenfrage Stellung zu nehmen. Schließlich einigte man sich auf dreiKändidaten, von denen der eine sich bisher schon offen zur Sozialdemokratie belannte und auch Mitglied der sozialdemokratischen Partei ist. Von der Schenke gingS ins Wahllokal und alle drei Kandi- daten wurden glatt gewählt. Nunmehr erNärten die zwei anderen Neugewählten, sich auch der sozialdemokratischen Partei anschließen zu wollen und vollzogen auch ihren Beitritt, da der zufällig anwesende Parteisekretär für den ReichstagswahllrciS Solingen ihren Wunsch sofort ersüllen konnte. Ein Teil der GemeinderatSwähler hat kein besonders geist- reiches Gesicht gemacht, als sie von der Wendung der Dinge hörten und die Wahrnehmuitg machen mußten, daß sie drei Rote gelvählt hatten. Bei der Bllrgermcisterwahl in Speyer, dem Sitze der pfälzischen Kreisregicrung, wurde der Genosse Graf zum zweiten Adjunkten gewählt. Bei den Stadtberordneten-Stichivahlen in Brie g in Schlesien gelang eS den Sozialdemokraten, ihre drei zur Wahl stehenden Kandidaten gegen die vereinten bürgerlichen Wähler durchzubriugen. Die sozialdemokratische Stimmenzahl stieg im Verhältnis zur Haupt- wähl um 99 Proz. � Am Dienstag erfochten unsere Genossen in Vegesack bei Bremen einen schönen Sieg. Bei der Stadtperordneten- stich wähl wurden 6 S ozialdemolraten mit III bis 193 Stimmen gewühlt. Die Gegner erhielten nur 83 bis 87 Stimmen. Von den 24 Stadtverordiictensitzen hat die Sozialdemokratie jetzt 8 im Besitz; bisher waren es nur 3. frankmeb. Die Zyankalivcrgiftuug. Paris, 1. Dezember. Nach Meldungen aus Verdun hat der Unteroffizier Taraco, gegen den sich der Verdacht richtete, daß er die Schwadron durch Zyankali habe vergiften wolle», das Verbrechen e i n g e st a n d e n. Zwei Soldaten des achten Husaren- regimenlS haben, wie die Blätter melden, trotz des starken Ge- ruches von der vergifteten Suppe gegessen und sind lebensgefährlich erkrankt._ Das Wettrüsten zu Luft. Paris, 1. Dezember. Mehrere Parlamentarier, die sich für den Luftschiffverkehr interessieren, sind an den Kriegsmiliister mit der Erklärung herangetreten, daß der für Militärluftschifse vor- gesehene 5kredit von 599 999 Frank unzureichend sei, um an- gcsichtS des Anwachsens der Zahl von Luftschiffen bei der deutschen Armee Frankreich nicht ins Hintertreffen geraten zu lassen. Kriegs- minister Lc Brun antwortete, er werde einen viel höheren Kredit fordern. Dänemark. Die königliche Bestätigung. Der Kopenhagener Stadtverordnetensitzung am Montag lag die Mitteilung vor, daß der König unterm 24. November die Wahl des MagistratSrateS P. K n u d s e n zum Bürgermeister b e st ä t i g t hat. Unser Parteigenosse hat sein Bürgermeisteramt bereits am 1. De- zember angetreten. Die Wahl hatte am 22. November statt- gefunden; der König hat also mit der Bestätigung dcS neuen sozial- demokratischen BürgernieisterS nicht lange gezögert. In Preußen müssen bekanntlich selbst sogenannte freisinnige Bürgermeister«cht lange aus die„königliche Gnade" der Bestätiguiig warten. Rußland. Eiue neue GefängniSinfamie. Petersburg, 1. Dezember. In Jaroslaw ist die sieben- jährige Tochter einer administrativ verschickten Frau, die, sich mit ihrer Mutter im Gefängnis befindet und dort in einem unbelvachten Augenblick an das Fenster getreten war, durch einen auf sie abgegebenen Schuß seitens deS wachthabenden Soldaten lebensgefährlich verletzt worden. Die Angelegenheit wird von Abgeord- ncten der Linken zum Gegenstand einer Interpellation in der RcichSduma gemacht werden. Das Martyrium der Presse. Vor einigen Tagen hat Paul Tolstoi in der Literarischen Gesellschaft in Petersburg einen höchst interessanten Bericht über die Lage der russischen Presse erstattet. Er wies nach, daß die russischen Preßverhältnisse unter dem sogenannten konstitutio- ncllcn Regim weit schwieriger und ungünstiger geworden sind als früher. Die russische Presse hatte stets unter den ärgsten Ver- folgungen zu leiden, aber während der letzten drei Jahre nahmen diese Verfolgungen nie dagewesene Dimensionen an. Vom 17./39. Oktober 1995 bis Oktober 1998 sind 1289 Fälle registriert worden, wo Redakteure zur gerichtlichen Verantwortung gezogen wurden. Von ihnen wurden verurteilt: 462 zur Festungs- und Gefängnis st rase, 16 zur Zwangsarbeit, 3 zur lebenSläng- lichcn Deportation. Während desselben Zeitraumes wurden in- hibiert 1985 Preßorgane, darunter 8'21 auf administrativem Wege und bloß 264 laut Beschluß deS Gerichtes. Mit besonderer Heftig- keit stürzte sich die Administration während der ersten drei Monate der Existenz der RcichSduma auf die Presse. Während diese? Zeitraumes allein wurden 342 Organe konfisziert, 277 Redakteure wegen Bedrohung der Sicherheit dcS Staates zur Verantwortung gezogen, 92 Organe inhibiert und 69 gänzlich eingestellt. In diesem Jahre ist eine enorme Zunahme der Geldstrafen bemerkbar. Vom 1. Januar bis zum 1. November dieses Jahres wurden insgesamt 155 Geldstrafen auf die Summe von 799 999 Rubel von der Presse erhoben. Neben diesen offiziellen Perfol- gungen macht sich aber, namentlich in der Provinz, eine unge» heuere Beeinflussung der Presse durch die örtlichen Satrapen be- merkbar. Der außerordentliche und verstärkte Schutz verleiht den letzteren eine solche Gewalt über die Presse, daß die Zensurver- hältnisse, die bis 1995 bestanden, im Vergleich mit den jetzigen Verhältnissen oft als Paradies erscheinen. Tatsächlich ist auch in vielen Provinzen die Präventiv-Zensur wieder hergestellt, obgleich sie laut Gesetz aufgehoben wurde und eine Zeitlang, während die Reaktion sich noch nicht so sicher fühlte, nicht funktionierte. jVIontenegi'o. Erschießung militärischer Verschwörer. Wien, 1. Dezember. DaS„Neue Wiener Tagblatt" meldet aus E e t i n j e: DaS wegen deS im September vc r s u ch t e n Militärputsches eingesetzte Kriegsgericht verhängte über den Kapitän Gjinovic und vier andere Rädelsführer die Todesstrafe. Die Verurteilten wurden gestern erschossen. ISicaracjua. Eine Niederlage der Regiernng. New Jork, 1. Dezember. Nach Meldungen aus BlueFieldS in Nicaragua sind die RegierungStruppen von den Aufständischen bei Rama in die Flucht geschlagen worden. Die Regierungstruppen hatten 89 Tote und viele Verwundete, die Revolutionäre 29 Tote. GewerkfcbaftUcbe� Bayern in Oftpreußen. '((5 ine Warnung für Waldarbcite r.)' Trotz unserer Warnung in Sir. 243 des„Vorwärts" find nun doch am 16. v. M. zirka 206 bayerische Waldarbeiter von der Sammelstelle München mit Sonderzug nach Ostpreußen gekommen, um in den vom Nonnenfraß heimgesuchten Forstrevieren am Holz- schlag zu arbeiten. Der ihnen versprochene hohe Verdienst lockte sie hierher. Aber schon nach kaum einer Woche sehen sie sich in ihren Hoffnungen betrogen und möchten am liebsten zurück nach ihrer Heimat. Das Holzfällen und Klcinschlagen geschieht im Akkord. Weil es aber durchweg dünne Stämme sind, kommen beim Aufmessen wenig Fcstmeter heraus. Auch lassen die kurzen Tage eine kaum achtstündige Arbeitszeit zu. Die durchweg sehr tüchtigen, erfahrenen Waldarbeiter bringen es kaum auf einen Tagesverdienst von 3,56 bis 4,66 Mk.; davon gehen für Beköstigung etwa 2,66 M. pro Tag drauf, weil die ohnehin hohen Lebens» mittclprcisc noch durch den Zwischenhandel gesteigert werden. Und nun aber erst die Schlafstellen dieser Leute. Es ist kaum glaublich, wie die königlichen Forstverwaltungen den Ar- beitern so etwas bieten können. Es sind heizbare Holzbarackcn aufgebaut. Aber wie? Zn einem Raum von 12 Meter Länge, 4 Meter Breite und 2 Meter Höhe liegen 46 Mann nebeneinander aus Stroh gebettet und mit einer Wolldecke bedeckt. Von der Decke tropft den Schlafenden das Schnccwasser aus die Lagerstätten. Die Ausdünstungen des frischen, nassen Holzes, von dem die Baracken aufgebaut, verbunden mit den Ausdünstungen der feuchten Kleider der Arbeiter verbreiten eine atcmbeklcmmcnde Atmosphäre. Zwei kleine Fcnsterchen, die etwas Licht spenden, aber nicht geöffnet werden können, sind vorhanden; sonst aber keine Ventilation. Und hier sollen nun 46 Menschen des Nachts über atmen. Das ist der Raum unter dem Dache. Schlimmer ist es aber unten zur ebenen Erde. Hier schlafen wieder 46 Mann. Weil aber ein Teil des Raumes zur Küche, Kantine und für die Speisetische abgeht, sind diese Schlafstätten in zwei Etagen ge» teilt. Unten liegt eine Reihe von 26 Mann und dann, mit nur 63 Zentimeter Abstand darüber, wieder eine Reihe 26 Schlafender. Die Leute müssen eine wunderbar eiserne Natur haben, wenn sie nicht binnen kurzer Zeit von Krankheiten und Ungeziefer heim- gesucht werden. Aber mindestens sechs lange ostpreußische Winter- mouate sollen die Arbeiter unter solchen Zuständen arbeiten, wenn sie nicht auch noch neben den Kosten für die Herreise die Rückreise auL ihrer Tasche bezahlen wollen, ohne kaum mehr als das Essen verdient zu haben. Etwa 15 bayerische Waldarbeiter, die das Ende dieser LeidenSzeit nicht abwarten wollten, sind dieser Tage von ihrer Arbeitsstelle ausgerückt. Wohin weiß man nicht. Andere haben die Hilfe des Vertreters des Land- und Wald- arbeitcrverbandes für Ostpreußen angerufen. Organisiert sind aber bis jetzt nur wenige von diesen Leuten. Die oft- und westpreußischcn Waldarbeiter, die nach den oft- preußischen Wäldern hcrkmnmcn, sind natürlich noch viel weniger seßhaft infolge dieser Zustände. Sie ziehen wie in einem Tauben- schlag aus und ein. Es wäre gut, wenn die Partei- und Gcwerkschaftszeitungen diese Warnung abdrucken möchten. Die geschilderten Zustände befinden sich in der Försterei Kühnbruch bei Kl.-Schönau, Kreis Wehlau. Verlin und Qmgcgend. Noch eine Tarifkündigung in der Holzindustrie. Für die Kutscher und Hilfsarbeiter in den HolzbearbeitungS- betrieben Berlins hatte der Deutsche Transportarbeiierverband im Jahre 1V67 mit dem„Verein der Fräsereibesitzer und verwandter Gewerbe für Berlin und Vororte" einen Lobntarif vereinbart. Der Tarif läuft am 13. Januar 1616 ab. Vor Ablauf der Kündigungs- frist hat zwischen den Parteien über die evemuslle Verlängerung resp. Vertragsänderung ebenfalls eine Aussprache stattgefunden. Ein endgültiges Resultat konnte hierbei jedoch nicht erzielt werden. Vielmehr hat der genannte Arbeirgebcrverei», welcher dem Verband der Holz- industriellen angegliedert ist, am 36. November den Vertrag gekündigt. Die kommenden Verhandlungen werden ergeben, ob für die genannte Arbeiterkategorie wieder ein korporativer Lohntarif zustande kommen wird. Daß die Kutscher wachsam sind, dafür bürgt ihr gutes Or« ganisationsverhältnis. Dieselben sind zu 68 Proz. im Transport- arbeiterverband organisiert. Oeutfebes Reich. Christliche Gewerkschaftler gegen das geheime Wahlrecht. Am Sonntag und Montag fand in der Gemeinde Wesseling bei Bonn(Rheinl.) die Ortskrankenkassenwahl statt. Die„Christ- lichen" trieben nicht nur eine äußerst verlogene Agitation, sondern sie wollten auch durch eine systematische Kontrolle der geheimen Stimmabgabe die Sozialdemokraten aus dem Felde schlagen. Den Kassenmitgliedern wurde ein Brief mit Flugblatt und Stimmzettel zugestellt, der neben der Adresse eine genaue Äontrollnummcr enthielt. Auf dem Kuvert stand in großer Druckschrift; Ehristlich-nationale Arbeiter. Dieser grüne Umschlag ist am Eingansg zum Wahllokal abzugeben. Der einliegende Stimmzettel ist zur Wahl zu benutzen. Trotz dieser schamlosen Außerkraftsetzung der geheime» Stimmabgabe sind die„Christlichnationalen" in dem durch und durch katholischen und halb ländlichen Ort hineingefallen: die Liste der freien Gewerkschaften siegte mit 266 gegen 233„christ- liche" Stimmen. Achtung, Tabakarbeiter! Wegen fortgesetzter Schitanicrungen und Maßregelungen organisierter Arbeiter sowie wegen Lohn- abzögen ist die Firma Aug. B l a s e- Lübbecke(Westfalen) ge- sperrt. Die Firma unterhält mehrere Filialen. Die Holzarbeiter in Neustadt an der Orla haben mit dem Nrheitgeberschutzverband einen Vertrag abgeschlossen, der 5 Be. triebe mit 56 Arbeitern umfaßt. Die Arbeitszeit wird von 66 auf 58 Stunden wöchentlich verkürzt. Neben dem Ausgleich für Ver- kürzuna der Arbeitszeit tritt im Lause der Vertragsperiode eine Lohnerhöhung von 3 Ps. pro Stunde ein. Der Vertrag hat Gültig- keit bis zum 17. Februar 1912. Die Firma August Sittelbach hat den Vertrag nicht anerkannt, deshalb gilt sie auch weiter als gesperrt. Christliche Kampfanfähigkeit. Wie der christliche Gewerkschaftssekrctär Funke in einer Versammlung erklärte, wollen sich die christlichen Gewerkschaften in München an den am 5. Dezember stattfindenden Delegierten. Wahlen zur Ortskrankenkasse nicht beteiligen. Sie geben an, das solle ein Protest dagegen sein, daß die jetzige sozialdemokratische Kasscnverwaltung sich weigere, das Proporzsystcm für die Wer- treterwahlen einzuführen. In Wahrheit aber wollen die christ- lichen Gewerkschaftsführer nicht zeigen, ein wie großer Teil ihrer Mitglieder ihnen davongelaufen ist: außerdem soll es auch an den nötigen Geldmitteln fehlen. Die Christlichen strecken also wegen Kampsunfähigkcit die Waffen. Vor der letzten Wahl haben sich die Herrschasten allen Ernstes eingebildet, die Äassenverwaltung an sich reißen zu können. Dabei haben sie sich aber die Finger gründlich verbrannt.___________ Verantw. Rc5äkt.: Richard Barth, Berlin.' Inseratenteil berantw.: Bustand. Der schwedische Gewerkschaftskotigrest. Im Ivciteren Verlans der Soimabendssitznng bcschäftigie der Kongreß sich mit einem Antrag des TextilarbeircrvcrbandcS zur Ein- führuna einer den verschiedenen Arbeitslöhnen entsprechenden Staffelung der Beiträge sowie Extrnbeiträge zur Landes- organisalion, wonach dann auch die bei Lohnkämpfen zu zahlenden Unterstützungen bemessen werden sollten. Bis jetzt sind die Beiträge und Exlrabeiträge sowie Unterstützungssätze nur für voll- und halb- zahlende Mitglieder(Arbeiterinnen und Lehrlinge) verschieden. Der Kongreß nahm den Antrag nicht an, gab jedoch dem Landes- sekretariat Auftrag, innerbalb der angeschlossenen Verbände zu unter- suchen, ob ein solches Bcitraqssystem zweckmäßig und durchführbar ist, und dann dem nächsten Kongreß eventuell Vorschläge zur Lösung der Frage zu macheu. Die Interessengemeinschaft zwischen politischer und gcwerkschaft- lichcr Arbeiterbewegung kam bisher in Schweden unter anderem in folgendem Sag des Statut» der Laudesorganisation zum Aus- druck: „Aufgabe der Landesorganisation ist es gleichzeitig, dafür zu wirken, daß jeder Fachverein sich der Arbeiterkammune seines Ortes und danül der sozialdemokratischen Arbeiterpartei Schwedens anschließt." Nun ist auch in Schweden schon oft hier und da das Bestreben hervorgetreten, die Gewerkschaflen, wenn nicht in der Tat, so doch formell politisch neutral z» machen. Dem Kongreß lagen zwei An- träge vor, jenen Satz aus dem Statut zu streichen. Das Landes- sekretariat empfahl, die Anträge rundweg abzulehnen. Die Streichung jenes Satzes wurde jedoch vom Kongreß be- schlössen, allerdings nur mit der geringen Mehrheit von 232 gegen 224 Stimmen. Jedoch wurde unmitielbar darauf mit 367 gegen 55 Stimmen folgende Resolution angenommen, in der grund- sätzlich ausgesprochen wird, daß Gewerkschaften und Partei zu- sammengehöreu. „Im Anschluß an den Beschluß des Kongresses, daß im Statut der Landesorganisation kein Punkt mehr vorhanden sein soll, der formell auf das Zusamineuarbeitcn mit einer bestimmien politischen Partei hinweist, erklärt der Kongreß, um allen Miß- deutungsversuchen des Beschlusses vorzubeugen, daß damit nicht in irgend einer Weise irgendwelche Veränderung in der geistigen Einheitlichkeit und der S o l i d a r i- tät der Arbeiterbewegung beabsichtigt wird, die schon von Anfang an die schwedische Ge- werkichaftsbewegung und Sozialdemokratie verbnndcii hat. Der Kongreß betrachtet die sozialdemokratische Arbeiterpartei Schwedens als die natürliche und berufene Trägerin deS politischen Streben» der schwedischen Arbeiterklasse." Es kam dann noch ein Antrag zur Verhandlung, der die Partei- interessen berührte. Er besagre, daß es den besoldeten Funktionären der Landesorganisation verboten >o erden sollte, politische oder kommunale V e r- trauensämter anzunehmen. Es sollte also im Statut festgelegt werden, daß kein Angestellter der Gewerkschastszeulrale Reichstagsabgeordueter, Gemcindevertreter usw. sein dürfe. Der Antrag, von jimgsozialistiicher Seite ausgegangen, wurde teils damit begründet, daß die eigemliche Tätigkeit der Funktionäre unter der Währnehinung solcher Vertranensäinker leide, teils damit, daß die Funktionäre als RcichSlagsabgeordnete usw. die Interessen der be- steheuden Gesellschaft, und somit der Feinde der Arbeiterklasse wahr- nähmen. Der Kongreß lehnte den Antrag ab, und nahm statt dessen mit 423 gegen 76 Stimmen diese Resolution an: „Zwischen der politischen und gewerkschaftlichen Tätigkeit in Schweden hat immer ein intimes Zusammenarbeiten geherrscht, das ohne Zweifel die Stärke der Bewegung ausmacht. Nein unpolitische Gewerkschaftstätigkeit würde zweifellos eine schädliche Verflachung mit sich bringen. Nach dieser Richtung treiben auch keineswegs die Verhältnisse in unserem Lande. Die letzten Jahre haben im Gegenteil gelehrt, daß es von Jahr zu Jahr iminer wichtiger für die Gewerkschaftsbewegung wird, inner- balb ihrer eigenen Reihen ein lebhaftes und wachsames Interesse für die politische Tätigkeit aufrechtzuerhalten, vor allem mit Rück- ficht aus die Gesetzgebung des Landes. Mangelt es in diesem Punkt an Wachsamkeit und Interesse und läßt die Gewerkichaftsbelvegung diese Arbeit gleichgültig liegen, so entsteht die Gefahr, daß die Gewerkschaftstätigkeit mit einem Schlage durch gegen sie gerichtete Gesetze verhindert und vernichtet wird. In nnscreu nordischen Ländern und besonders in Schweden ist die letzten Jahre eine intensive Arbeit zur Schaffung solcher Gesetze betrieben worden, und gerade gegenwärtig ist man einer Verwirklichmig dessen näher als je zuvor. Es ist zweifellos Tat- fache, daß die Interessen der Arbeiter dadurch nur gewinnen, daß sie selbst mittels ihrer Vertreter an den vorbereitenden Arbeiten, die eine derartige Gesetzgebung betreffen, teilnebmen köiinen, und niid ebenso zweifellos wichtig ist es, daß die Bewegung bei der Behandlung und Cutscheiduiig solcher Fragen im Reichstage ihre besonderen Repräsentanlen hat. Die Zeit, die zu solcher Arbeit von den dazu auscrschencn Rcprä'cntanten der Bewegung ver- wandt wird, ist also direkt im Dienste der Bewegung angewandt. Bei der Wichtigkeit, die darin liegt, daß solche Fragen im Reichs- tage sachkundig beleuchtet werden, muß der Kongreß es als äußerst mikliig bezeichnen, den mit der Belvegung am meisten vertrauten Repräsentanten die Teilnahme an der ReichStagSarbeit zu verbieten. Der Kongreß, der nicht findet, daß die ReichStagsarbeit die Ftmktionäre der Bewegung bisher verhindert hat, auch im übrigen ihre Pflicht zu tun, kann aus den kurz angegebenen Gründen de» Anträgen nicht zustimmen."_ Streik der Weichensteller in Minnesota. Die Weichensteller von dreizehn Linien der Northwestern Rail- rood sind, wie aus Minnesota gemeldet wird, in den Ausstand ge- treten.— Infolge des Ausstandcs sind viele Güterzüge ausgefallen, auch die Personenzüge verkehren unregelmäßig. Auf der Duluth Lake Etsenbahn lagen am 1. Dezember alle Güterzüge still. Die Verwaltung der Eisenbahnen beabsichtigt zehntausend Eisenbah narbeiter auszusperren. falls die Weichensteller im Altsstande beharren. Eisenbahn- b e a m t e fallen den Streikenden in den Rücken, indem sie auf den Bahnhöfen in St. Paul Weichenstellerbienste verrichten. parlamentarifebes. Aus unserer Fraktion. Zu unserer gestrigen Mitteilung über die von der sozialdemo- kratische» Fraktion eingebrachten Anträge teilen wir ergänzend noch folgendes mit: Der Gesetzentwurf über Abänderung des Krankcnversicherungs- gesetzeS bezieht sich auf Einführung der geheimen Wahl bei den K n a p p s ch a f t S k a s s e n.— Der Gesetzentwurf über die Erweiterung der Rechte de» Reichstages betrifft die E n t- s ch e i d u n g über den Krieg. Nicht die Einführung des Reichstags wähl recht es, sondern die Einführung des gleichen, geheimen und direkten Wahlrechts! für alle über 26 Jahre alten Reich sangehörigen ohne Unterschied des Geschlechts wird für alle Bundes- staaten verlangt.— Der Gesetzentwurf betreffend die landwirt- schaftlichen Arbeiter bezieht sich auf landwirtschaftliche Arbeiter und oas Gesinde und verlangt Aufhebung aller gegen diese Kreise der Bevölkerung bestehenden Ausnahmegesetze, Einführung der Krankenversicherung und Arbeiterschutzmaßregeln. Nicht ein acht- stündiger Normalarbeitstag, sondern eine achtstündige Hoch st- arbeitszeit ist verlangt. Die Aenderung dcS Lohnbeschlag- nahmegesetzes verlangt: die Grenze, bis zu der das Beschlagnähme- verbot angewendet werden soll, von 1566 auf 2566 Mk. Jahres- arbeitSlohn auszudehnen._ LH. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. VerlagSanstal» EineAenderungdesZolltarifgefetzi'S Ätb Sdjio verlangt, daß 1. der Identitätsnachweis aufgehoben, 2. die Zoll« beseitigt werden sollen, sobald das Getreide einen bestimmten Preisstand übersteigt. Ferner hat die Fraktion einen neuen?lntrag eingebracht, wo- nach die Regierung ersucht werden soll, ein Gesetz vorzulegen, das die Rechte und sozialen Verhältnisse des Thcatcrpersonals regeln soll. Montag oder Dienstag kommender Woche wird die Jntcr- pellation über den Zechenarbeitsnachweis verhandelt. Redner unserer Fraktion sind die Genossen Bömelburg und Hengs- b a ch. Donnerstag nimmt dann die Etatsberatung ihren Anfang. Redner zum Etat sind die Genossen Scheidcmann, Dr. Frank und E m m e l. Weiter sind als Redner bestimmt: für die Novell" zum Strafgesetzbuch Stadthagen und H c i n e, für den Vertrag betr. Dampfschiffverbindung N o s k e. Zu der Interpellation be- treffend die Unterstützung der Tabakarbeiter sprechen Geyer uni» M o l k e n b u h r, zu den Handelsabkommen sprechen Molken- buhr und Südckum._ Jnterpellationssturm. Sieben Fttterpellationen, sämtlich datiert vom 36. November 1666, liegen dem Reichstage bereits vor.(Nrn. 25—31 der Reichstags- Drucksachen.) Nr. 25 ist von den Freisiinngen eingebracht und be» handelt die Kieler Werftaffäre. Die Nrn. 26 und 27 sind Zentrums» antrüge; jener behandelt die Angelegenheit des Zwangsarbeits- Nachweises der Arbeitgeberverbände im Äuhrrevier, dieser die' Pen» sioit-versicherung der Privatbeamten. Die vier Interpellationen 28—31 sind von den Sozial» d e m o k r a t en eingebracht; sie behandeln: die Niihr-Arbeitsnach» weise, die Frage der Uiuerstlitzttita arbeitsloser Tabakarbeiter, die Beiziehung von Militär ins Mansfelder Bergrevier und die Miß- stände aus den ReichSwerfteit. Als achte Interpellation haben die Nationaviberalen unterm 1. Dezember an den Reichskanzler die Anfrage gerichtet: Wann ein Gesetzentwurf über die Pettsions- und Hintervliebeneitversicherung ver Privatbcamten zu erwarten ist. Verlarrnnlungen. Die Generalversammlung des Maurervcrbandcs, Zweigverein Berlin, fand und jetzt die Wahl der Schriftführer vorzunehmen.(Lebhafter Widerspruch links.) Abg. Singer(Soz.)(zur Geschäftsordnung): Ich bedauere, daraus onfmerisam machen zu müssen, daß eine Vertagung der Wahl des zweiten Vizepräsidenten unter Fortsetzung der Verhandlungen nach unserer Geschäftsordnung unzulässig ist. Würde die Wahl des zweiten Vizepräsidenten vertagt werden, wogegen ich nichts ein- zuwenden hätte, so müsile unsere gesamte Tätigkeit vertagt werden. Der Reichstag kann erst verhandeln, wenn das Präsidium konstituiert ist. Der Antrag Normann ist also gcschäftsordimngs- widrig und daher widerspreche ich ihm. Zugleich möchte ich aber auch die Gründe hören, aus denen Herr v. Normann den An- trag gestellt hat, die Wahl des zweiten Vizepräsidenten zu ver- tagen. Abg. Gröber(Z.),(zur Geschäftsordnung): Herr Singer hat be- bauptet, dah es gegen die Geschäftsordnung sei, wenn die Wahl des zweiten Vizepräsidenten ausgesetzt wird. Ich möchte ihn bitten, diese Behauptung zu begründen, zunial früher eine Reihe von Fällen vorgekommen ist, in denen so gehandelt worden ist. Ich glaube, der Abg. Singer ist eS dem hohen Hause schuldig, die Behauptung, dasi der Antrag v. Normann geschäflsordnungswidrig ist, mit Gründen zu belegen. Abg. Singer(Soz.),(zur Geschäftsordnung): Wenn der Abg. Gröber die Gründe, welche ich angeführt habe, nicht verstanden bat, so liegt das a» ihm.(Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Ich habe jedenfalls die Gründe für meine Auffasfung klargelegt und gtaübe, dafz diese Austastung durchaus stichhaltig ist. Im übrigen ivürde ich meinerseits bitten, und zwar mit mehr Recht als Herr Gröber, doch zu begründen, weshalb die Wahl des zweiten Vize- Präsidenten verlagt werden soll. Ich habe auch nicht dagegen Wideispruch erhoben, das; diese Wahl vertagt wird, sondern gegen den Antrag Normann, der verlangt, dasi die Wahl des zweiten Vizepräsidenten vertagt wird, der dann aber die Schriftführer wählen und dann iveiter sachlich verhandeln will I Präsident Graf Stolberg: Gestatten Sie, dasi ich Sie unter- breche. Ich habe den Antrag v. Nonnami nicht so aufgesasit. Der Antrag geht vielmehr blosi dahin, die� Wahl des zweiten Vize- Präsidenten zu vertagen und jetzt die Schriflsührer zu wählen.(Wider- wruch bei den Sozialdemokraten.) Herr v. Normann hat beantragt die Wahl des zweiten Vizepräsidenten bis übermorgen zu vertagen nnd heute die Wahl der Schriftführer vorzunehmen; darüber, was morgen geschehen soll, enthält der Antrag nichts. Kleines feuilleron. Vom Tierkreislicht, jenem bei uns nur sehr selten, in den Tropen aber fast allnächtlich sichtbaren merkwürdigen Lichtkegel, der als matter Schein vom Horizont anfsteigt und durchsichlig die Stern- bilder des Tierkreises überzieht(daher der Name), hat Herr E. A. Fath auf der Licksternwarre lg07 und 1999 phoiographische Spetlral- aufnahmen gemacht. Diese erweisen, dasi das Leuchten des Zodmkal- lichtes durch zurückgeworfenes Sonnenlicht hervorgerufen ist. Arrhenius erklärt die Natur des Tierkreislichtes durch das Einfallen von Sonnenstaub, der durch den Druck der Sonneiilichtslrahlung von der Sonne fortgetrieben wird, in die Erdatmosphäre. Die Beobachtungen von Fath stützen diese Anschauungen in vorzüglicher Weise. Theater. Lessing-Theater:(Gedenkfeier der.Freien Bühne")".Vor Sonnenaufgang" von Ger hart Hauptmann. Aus der Misere unserer heutigen dramalischen Produlnon, die längst wieder in die ausgefahrenen Gleise einer öden, von jeder fruchtbaren Beziehimg zu den Strömungen und Kämpfen der Gegenwart losgelösie» Rontme eingelenkt hat, leitete die Anfführmig von Hauptmanns Erstling, als Gedenkfest der vor zwei Jahrzehnlen gegründeten„Freien Bühne", den Blick aus jene hoffnungsreiche Zeit zurück, da stcü in Sturm und Drang das Koinmen einer neuen, von kühnem Wahrheilsniut getragenen Bühnenkunst an- zukündigen schien. So kurz die„Freie Bühne", deren Gründung wenige Monate später die Konstituierung der Freien Volksbübne folgte, gelebt hat, so bcdeutiame Anregunae» sind von ihr ausgegangeii. Sie hat entscheidend mitgeholfen, Jbseuö tiefgründigen Schöpfungen den Weg auf die Tbeater zu bahnen, hat Hauptmann, das stärkste der jung aufstrebenden Talente, auf den Schild gehoben und den Anstosi zu einer überraschenden EntWickelung intim charakterisierender Schauspielkunst gegeben. Tendenzen, die von ihrem Leiter Brahm in seiner späteren Tätigkeit als Direktor des Deutscben und des Lessingtheaters in erfolgreicher Weise fortgeführt wurden. Seine Ibsen- und Hanplmann-Aufführungcn haben in weitem Umfang richtiiiigweiscnd gewirkt. Mancher von denen, die bei der Aufführung der Freien Bühne im Streite mit der lärmenden Opposition de», neuen Stern be- gristert zujubelien, mag zu der Feier mit der Besorgnis gegangen sein, dasi das Wiedersehen nach so langer Zeit ihm eine Enttäuschnng bereiten werde. Doch Hauptmanns.Soniienautgang", so sehr das Stück die Prägung einer bestimmten Zeit trägt. habe» die Fahre nichts anzuhaben vemiocht. Vom Schlüsse abgesehen, mit dem sich auch damals schon selbst die eiitschiedenslen Bewunderer nicht befreunden konnten, erregt das Ganze durch die cnergische, aucb die kleinsten Einzelziige beherrschende Zielsicherheit der Charakteristik, die farbige Abtöiuuig deS Dialogs, die bühnen- inäsiige Konlrastrierung der Figuren noch inimer Anteilnahme und Bewunderung. Der empörte jugendlich- idealistische Protest wider Abg. Singer(Soz.): Nach meiner Auffassung hat Herr v. Nor- mann beantragt, die Wahl des zweite» Vizepräsidenten bis übermorgen auszusetzen, dann die Schriftführer zu wählen und dann — so habe ich vernommen— in die sachlichen Verhandlungen ein- zutreten.(Rufe rechts: Nein I nein!) Dann hälten Sie ja keinen Grund, die Wahl bis übermorgen auszusetzen, denn Sie können doch nicht glauben, dast die Wahl der Schriftführer den Tag morgen in Anspruch nimmt 1 Ich begreife ja. dasi die Herren etivas konsterniert sind.(Große Heiterkeit links. Widerspruch rechts.) Nach der E e- schäftsordnung werden die Schrififührer nach der Kon- stitnierung des Präsidiums gewählt. Tun Sie doch der Geschäftsordnung nicht Gewalt an. Wenn die Wahl des zweiten Vizepräsidenten jetzt ausgesetzt wird, sind alle Verhandlungen des Reichstags so lange miszuietzen. bis das Präsidium endgüliig kon- stituiert ist. Das geh: aus den ZK 4 und 1l der Geschäftsordnung klar hervor. Ich bleibe also dabei, daß Herr Kollege Gröber eS dem Hause schuldig ist, mitzuteilen, wie die Situation bei den Fällen, auf die er Bezug genommen hat, gelegen hat. Aber es ist auch ganz gleichgültig, denn wenn selbst vor zwölf oder zwanzig Jahre» das Haus einmal verfahren hat, ohne die Geschäfts- ordnung zu berücksichtigen, so ist das Hans nicht verpflichtet, heute in denselben Fehler zu verfallen. Es bleibt also dabei, das; zuerst die Wahl der Präsidenten vorzmiehmen ist und dann erst geschäftsordnungsmäßig die Wahlen der Schriftführer. Im übrigen, meine Herren, Verlagen Sie doch bis morgen, und einigen Sie sich im Lause des Nachmittags I Ich bestreite dein Hanse nicht das Recht, daß es sich in jeden, Augenblick vertagen kann, aber daß es die Wahl des zweiten Vizepräsidenten aussetzt und dann trotzdem die Schrislführer wählt und in die Verbandluiigeii eintritt, ist geschäfts- ordnungswidrig und deshalb muß ich meine» Widerspruch aufrecht erhallen.(Sehr richtig! links.) Abg. Dr. Müller- Meiniiigen(frf. Vp.): Nach der Geschäfts- ordnung ist die Ausfnssmig des Abg. Singer unzweifelhaft richtig. Es ist iin Z 9 von der Wahl der Präsidenten die Rede, und es heißt dann im§ 19:„In einer einzigen Wahlhandlung er- folgt demnächst... die Wahl von acht Schriftführern". Deut- lichcr kann die Geschäftsordnung sich nicht auSiprechen. Es würde gegen die klaren Bestimmungen verstoßen, wenn Sie heute die Schriftführer und übermorgen erst den zweiten Vizepräsideiltcn wählen würden.(Sehr richtig I links.) Abg. Gröber0! Hier waren vorher keine huniicrt Abonnenten. Heber 1800 Leser sind in Halle und Saalkrcis ge» Wonnen»vorden und noch täglich werden auö den kleineren Orten gute Erfolge der Hausagitation gemeldet. Im ManSfelder Revier tverden gegenwärtig von der Partei auch AgitationSversammlungei» abgehalten, in denen die Ge- nossinnen F a h r e n wa l d- Berlin, P o l l e n der. Leipzig ui»d Sp c r lin g- Halle referieren. Namentlich Frauen nehmen in großer Zahl daran teil. Bis jetzt sind in diesen Versaminlungcn. die noch fortgesetzt lverden, 50 0 neue Mitglieder für die Parle» gewonnen!_ Com Fortschritt der Presse. Am 27. November ist das„Volks blatt für Bochum" in ein eigenes neues Heim übergesiedelt. Es gab zu diesem Fest» tage eine besondere, illustrierte Nummer heraus, deren Bilder das stattliche Geschäftshaus, die ZwillingS-NotationS- und eine der Linotype-Setzinafchinen zeigen. Der textliche Inhalt feiert das Erreichte des Unternehmens und erzählt von den zahllosen Opfern und Mühen, die aufgeivendet werden muhten, um das Organ deS Wahlkreises mif seine jetzige Höhe zu bringen. Eine Sonntagsagitation hat dem„Neckar- Echo", unserem Heilbronner Parteiorgan, 300 Abonnenten eingetragen, Jugenäbexvegung. „Arbciter-Jugend." Die Nr. 23 ist soeben erschienen. Sie hat folgenden Inhalt: Lehrjahre.— Was ist Sozialismus? Von Gustav Eckstein.— Der junge Schiller. II. Kindheit und Jugendjahre. Die Aus- gaben unserer Jugend. Von Therese Schlesinger.— Die politischen Parteien. Von J»ilian Borchardt.— Neue Jugendheime.(Illustriert.)— Polizeispitzel und Jugendorganisation.— Alarmierende Justiz usw. Beilage: Bier Tage. Von W. G a r s ch i n.» Zuerst Mama und dann Papa. Erzählung von W. Scharrelmann.— Fritz Katzfnß. Gedicht von Fontane. Srube„Luise" und„lllaiianne". Ein auf Wochen berechneter BetriigSprozeß Echte nneyer und Genossen begann gestern vor dem hiesigen Gericht. Die Anklage betrifft einmal die Zeche„Luise". Hier richtet sich die Anklage gegen den Kaufmann Otio GrnnSfeld, den Kaufmann Romulo Echtermeyer, den Händler Willi Laufer und die Frau Elise Bietz, geb. Nitschkc, die sich»vegen wiederholten vollendeten und versuchten Betruges zu verantworten haben. Im Eckhause Belle-Alliauceplatz 14 und Wilhelmstr. 1 gab eS seit dem Jahre 1900 ein Bankhaus GrunSfeld u. Eo. Eigentümer waren der Angeklagte GrunSfeld und«in über 70 Jahre alter völlig mittelloser Schwiegervater des Echtermel?cr, der sich um das Ge- slyäft gar nicht kümmerte. Echtermcyer selbst figurierte als Pro- kurist in dein Bankgeschäft, welches übrigens seit dem März d. I. in die„Preußische Waren Clearing Centrale Ä. m. b. H."»im- getvandelt worden ist. DaS Bankgeschäft beschäftigte sich mit dein Vertrieb von Wertpapieren, die im offiziellen Börscnverlchr nicht zugekasten sind, mit faule» Gründungen, von denen mehvere ein noch schwebendes ftrafrcchtlick�s Versahren veranlaßt haben, und mit der Emission von Anleihen von Gewerkschaften zweifelhafter Solidität. Die Zeche„Luise" ist ein Gtubenfeld im Fürstentum Schwarzburg-Sondcrshousen, aus dein Farberde gewonnen werden sollte. Der Betried des Bergwerks gestaltete sich absolut unrentabel und wurde schließlich ganz eingestellt. Das Bergtverk wurde aber im Jahre 1902 von einem Bauineister Heii»el in Gemeinschaft mit einein Rentier Löwenfcld»vicder von den Toten erweckt und im Anfang des Jahres 1903 erwarben GrunSfeld und Echtcrmeyer die sämtlichen Kuxe der Zeche„Luise". Obgleich die letztere einen sehr zweifelhaften Wert haben soll, beschloß die Gewerkschaft der Zeche„Luise" im Sommer 1908 die Emission einer Anleihe von lib Millionen Mark. Die Obligationen dieser Anleihe sollen dann von GrunSfeld u. Eo. mit allen Mitteln der Rcklanie und vielen raffinierten Hilfsmitteln, zu»velchen die Herausgabe eines Kurs- zcttels, die Gründung einer„Treuhand-Gesellschaft", die den Anschein erwecken sollte, als handele es sich um ganz solide, unter Kantrolle stehende Papiere, durch Veröffcntlickmng unwahrer«An- ieihebedingungen" usw. gehörten, in das Publikum gebracht worden sein. Die Angeklagten sollen dabei verschiedene bctrügerisck>e An- gaben über den Wert der Obligationen gemacht und GrunSfeld und Ecktermetier allerlei Transattionen mit den Obligatione»» gemacht haben, die als vollendete bezw. versuchte Betrugsfälle angesprochen lverden. Der Angeklagte Laufer soll der Hauptvermittler gewesen sein, die Angeklagte Vicy auch das Geschäft der Unterbringung der Obligationen besorgt haben. Die zweite Gruppe der Anklagepunkte bezieht sich auf di« Grube„Marianne". Wegen vollendeten und versuchten Betruges kommen hierbei in Betracht: der Agent Artur Weif.enbcrg, der Kaufnvann Willi Lauser, der Agent Karl König, der Bankier Otto GrunSfeld, der Prokurist Roinulo Echtermeyer. In dieser Anklagesache handelt es sich um die Grube„Marianne". Die in Gotha niedergelassene Berggewerkschaft„Marianne" lvar von den» Bankgeschäft GrunSfeld u. Co. G. m. b. H. mitge- gründet worden. Zugleich spielten GrunSfeld u. Co. die Rolle der .Dreuhändlerin". Die von der Berggewerkschaft ausgegebenen iVj Proz. Obligationen sollen außerordentlich»nindenvertig ge- ivesen sein, auch waren sie an der Berliner Börse nicht zugelassen. GrunSfeld und Echtermclier als Leiter dcö Bankgeschäftes Grüns- seid u. Co. sollen genau gewußt haben, daß die Papiere so gut wie nichts wert lrareu, trotzdem sollen sie in einer Anzahl von Fällen es verstairden haben, unter Mitwirkung der übrigen Angeklagten die Obligationen als gute und chancenreiche anzudrehen. In einzelnen Fällen wurden von Fabrikanten teuere Äuwmobile ge- lauft und»nit Marianneobligationen bezahlt, die unter ver- schiedenen Variationen als durchaus lvertvoll hingestellt wurden. Die drei ersten Angeklagten, die bei den Verhandlungen wegen Ankaufs der Autoinobile als Mittelspersonen in Tätigkeit traten. sollen sich bezüglich der Bonität der Obligationen auf die Firnia GrunSfeld u. Co. berufen und die beiden letzten Angeklagten sollen, Ivenn es notwendig erschien, auf eine bezügliche telephonische An- ftage die Angaben ihrer Hintermänner bestätigt haben. Vor Verlesung oeS Eröffnungsbeschlusses stellt Rechtsanwalt Dr. Alsberg einen Antsgg auf Ablehnung deS als Sachverständige« geladenen Landrais Hellwig-Gehren. Gegen diesen Sack- verständige»» liege Besorgnis der Befangenheit vor, denn er habe seinerzeit zu dem Angeklagten GrunSfeld sich dahin geäußert:„Jit dies nicht der Echtermeyer aus Kastel? Sorgen Sie dafür, daß Echtermcyer aus der Gewerkschaft herauskommt, der paßt da gar nicht hinein!"— Landrat Hellwig bestreitet, daß eine Aeutzcrung, die er einmal gelegentlich über Echtermeyer getan, so gelautet habe, wie hier behauptet»verde. Er sei absolut nicht befangen.— Rechtsanwalt Dr. Alsberg beantragt, den Sachverständigen die Frage vorzulegen, ob er die Notizen über der» Prozeß in den Zeitungen Selesen und ob er diese für richtig halte. Taö Gericht lehnt diese wage und ebenso den Ablehnungsantrag ab. Zur Verhandlring sind gegen 50 Zeugen geladen. Die gestrige Verhandlung zog sich bis zum späten Abend mit der Vernehrnung der Angeklagten hin. Bei der Vernehmung des Airgeklagten GrunSfeld bestätigt der Angeklagte auf Befragen des Vorsitzenden, daß die Firma GrunS- feld u. Co. bei der Kolonial-Jndustrie- und Plantagrimesellfchaft »». b. H. beteiligt gewesen sei. Der Vorsitzende verweist darauf. daß»vegen dieser Gesellschaft ein Strafverfahren bei der Staats- anwaltschaft des Landgerichts III schwebe. Diese Gesellschaft in Ostafrika besteht, wie der Angeklagte„annimmt", noch jetzt. Die Firma GrunSfeld u. Co. war„Tre»lhcmder" für diese Gesellschaft und hat Obligationen in Höhe von 700 000 M. ausgeben»vollen. ole, wie behauptet wird, durch hypothekarische Eintragungen auf den afritanischm Grundbesitz gedeckt waren. GrunSfeld behauptet, daß nur 100 000 M. Obligationen ausgegeben worden seien. Ein anderes Unternehnien. an dem die Firma GrunSfeld u. Co. de- teiligt»vor.»vor die Gesellschaft m. v. H.„Sanas". Auch wegen der Anleihen dieses Unternehmens schwebt ein Strafverfahren.— Was die Zeche„Luise"— ein Grube,»feld am nördlichen Ausgang von Groß-Breitenboch im Fürstentum Schwarzburg-SonderShausen — bctmfft, so ist diese Anfang 1908 von Echtermcyer und Grüns- feld gekauft worden. GrunSfeld lvill 50 000 M.„Marianne"- Obligationen und Echtermeyer einen bis heute noch nicht ein- gelösten Wechsel über 32 000 M. als Kaufgeld hingegeben haben. Charakteristisch ist. daß GrunSfeld sich vor Hingabe des Kaufgeldes daS Grubenfeld überhaupt nicht angesehen, sondern, wie er be- hauptet sich auf ein Gutachten eines Ingenieurs Eduard Henniger verlassen hat. Er und Echtermeyer haben je 500 Kuxe erhalten und eine Gewerkschaft begründet: er»vurde erster, Echtermeyer zweiter Lorsitzender. DaS Bergwerk.»velcheS Ocker- und Farberde fördern sollte, war nichr im Betrieb. Schon unter den Vorbesihern hatte Landrat Hellwig in Gehren die Aufforderung ergehen lassen, den Bergwcrksbetrieb in Anariff zu nehmen, und am 2. Juli 1908 erhielten Grilnsfeld und Echtermcyer die Ankündigung des Land- ratS, daß das Verfahren»vegen Entziehung des BcrgiverkS- cigcntums eingeleitet werden würde, da der vorschriftsmäßige Be- trieb binnen der gestellten Frist nicht aufgenommen worden sei. Auf Betreiben GrunSfeldS wurde eine weitere Frist bis zum 1. Oktober 190S gewährt. ES lvurden dann, um den Anschein einer vorläufigen Inbetriebsetzung zu ertvccken, zwei ganz un- erfahrene Arbeiter mit einigen Arbeiten beaustragt, doch täte« diese so gut»vie nichts. Wie oer Borsitzende erwähnt, ist schließlich später das Bergwerkseigentum»virklich entzogen worden. GrunS- feld und Echtermeyer d. h. die Gewerkschaft-Luise", beschlossen dann die Emission einer Anleihe und gründeten die„Berliner Treuhand-Gesellschaft m. b. H." deren Vermögen sich aber mit dem Vermögen der Gelverkschaft und den Privatvermögen der Angeklagten verquickte. Der Angeklagte GrunSfeld behauptet, daß er von der weiteren Entwickelung der Dinge nichts wisse. Er habe sich von Oktober 1908 ab um die Geschäfte nicht mehr bekümmert, sondern sei Reisender für das Geschäft seines Nefscn geworden. Im Sommer 1903 hat die Gewerlsckmft Obligationen im Betrage von VA Millionen ausgegeben. Von diesen Obligationen sind solche von mehreren hunderttausend Mark in die Welt gegangen. Grui»Sfcld behauptet, daß er keine Obligation verkaust habe, und Echtenneyer ihm die Versicherung gegeben habe, daß von den Obligationen kein Pfennig in die eigene Tasche fließe, vielmehr alle Gelder, die aus den Obligationen erzielt würden, zugunsten der Gewerkschaft verioendet würden. Der Angeklagte Echtermeyer gibt an. er sei viel in der Welt herumgekommen. Bon Chile ging er mit seiner Frau und seinem Sohn nach Kassel; er lvill damals cm Vermögen von 40— 50 000 Mark besessen haben. Dies»vor im Jahre 1894. In jwss'el wurde er sehr grosser Bauunternehmer und lvill dabei viel Glück gehabt haben.„Alles, urnS ich anfaßte,»vurde unter meinen Händen zu ltzold!" Er baute viel in der Aue und im Westen, kaufte ein großes Terrain zu sehr billigem Preise, baute viele Häuser und will in dieser Periode eiiva M Million verdient Hoden. Ende 1807 gründete Echtermeyer die Kasseler Jmmobilienbank, trat riesig izroßacti�auf •und sein Glücksstern leuchtete sehr hell. Er verweist mit istolz darauf, daß er 50—60 Häuser und Villen gebaut habe, datz er ein Mittergut besesien und groste Pläne vorhatte. Dazu gehörte bei- spielsiveise der Ankauf eines grosse» Häuserblocks zwischen .Kommandantcnstr. V7/6S, Alte Jakobstrahc und Neue Griinslrassc zur Errichtung eines grosien Warenhauses. Tie Sache zerschlug sich durch den Zusammenbruch der Sanden-Bank. Ein anderes grosses SDiijett in der Neuen Rohstraße bezifferte sich auf Vt, Million. Der Angeklagte schildert nun in großer Beredsamkeit den langsamen Niedergang der Kasseler Jmmobilicngesellschaft, die schließlich in Konkurs geriet, nachdem die städtische Steuerkasse ihn am 7. April 1900 wegen rückständiger Steuern in Höhe von 1100 M. zum Osfen- barungSeid hatte vorführen lassen. Er meint mit lächelnder Miene, daß er, wenn es sich um seine Gläubiger handelte, er noch hätte bezahlen können, aber der Steuerbehörde etwas zu zahlen, habe er nicht für nötig gehalten. Er gebe zu, daß er in diesem Punkte, wie in manchen anderen, manche Dummheit gemacht habe. Als der Krach in Kassel nickst mehr aufzuhalten war, ging Echtermeyer zu- nächst nach Lasel, wo er einige Zeit ein kleines Bankgeschäft be- trieb und Silber exportierte. Er will dabei recht gute Geschäfte gemacht haben, bis der Silberkurs sank und das Geschäft nicht mehr lukrierte. Er ging dann«zu seiner Erholung" nach Monte Carlo und dann nach Barcelona. Inzwischen tvar im SJahre 1901 gegen den flüchtigen Direktor ein Haftbefehl wegen betrügerischen Bänke- rotts und Meineides erlassen worden. Echtermeycr tauchte dann in Barcelona auf, wo er unter dem Namen Enrique Billerbeck y Guzman eine Banco garatizador de Valores gegründet hatte. Aus die Frage des Vorsitzenden, warum er denn den doch auch ganz schön klingenden Namen aligelegt habe, erwidert der Angeklagte lächelnd,..sein Namehabesich schon zu sehrabgenutzt gehabt". Bei dem großen Krach in Kassel sei er natürlich sein Vermögen zum großen Teil los gewesen. Eines Tages sei er nach ■ Marseille gekommen. Als er dort im Cafe saß und seinen Absynty trank, sei plötzlich ein Policeman auf ihn zugetreten, habe ihm eine » Photographie gezeigt und gesagt, daß er der gesuchte Echtermeyer sei. Er bestritt dies sehr energisch und der Policeman holte seinen Lorgesetzten herbei, der sehr liebenswürdig und höslich ihn auf- forderte, mit zur Polizei zu kommen. Er bat den höflichen Mann ebenso höflich, daß er ihn doch noch nach seinem Hotel gehen lassen solle. Hierbei hat er dann Gelegenheit gefunden, sich ohne Ädieu zu empfehlen. Er wurde schließlich in Barcelona verhaftet und nach langwierigen Verhandlungen über die Auslieferung an Deutschland ausgeliefert. Es wurde das Verfahren wegen be- trügerischen Bankerotts und Meineid? gegen rhn eingeleitet und nach langer Untersuchungshaft wurde er vor die Geschworenen ge- stellt, die ihn freisprachcn. Das Reichsgericht hob das Urteil auf und das Schwurgericht hatte sich mit der Sache nochmals zu be- schäftigen. Er wurde wiederum freigesprochen. Später ist er dann wegen Konkursvergehens zu 5 Monaten Gefängnis verurteilt worden; die Strafe wurde ihm aber im Gnadenwege erlasicn, nach- dem er darauf hingewiesen hatte, daß er in der anderen Sache so lange unschuldig in Untersuchungshaft gesessen habe. Er ist dann noch einmal vor Gericht gewesen. Er hatte ein Buch„Der Theater- rüpel" im Verlage von E. Pierson in Dresden erscheinen lassen. das als unzüchtige Schrift von der Staatsanivaltschaft betrachtet wurde. In dem Roman wurden viele Kasseler Persönlichkeiten vor- geführt, und trug derselbe als Titelbild das Porträt einer in Kassel sehr bekannten Tänzerin. Er wurde auf Grund des � 184 Abs. 1 des Strafgesetzbuches zu 400 M. Geldstrafe verurteilt. Lächelnd meint er, daß diese Schriststellerei das Produkt der bösen Einflüsse gewesen sei. die im Gefängnisse auf den Menschen emwirken. Der Angeklagte wird dann vom Vorsitzenden eingehend über seine weitere Tätigkeit vernommen. Er erzählt ivleder mit einer ge- wissen Vonhomie, wie er in Kassel bald wieder festen Boden gefaßt habe. Pon allen Seiten sei man ihm mit offenen Händen entgegen- gekonunen. Geheimer Kommerzienrat Aschrott habe ihm seine Unterstützung zugesagt, und die lleinen Leute, die er bald wieder in dieser seiner zweiten Bauperiode in Kassel beschäftigte, seien wieder zu ihm geströmt und waren froh, daß er wieder da war. Als Generalbevollmächtigter seines SckKviegervaters hat er viele Bau- und Parzellierungsgeschäfte gemacht und unter anderem auch für seine» Schwiegervater mehr als em Rittergut gekauft. Er hat da- neben mehrmals den Offcnbarungseid geleistet. Ter Vorsitzende hält ihm vor, ivaruin er denn nicht mit Hilfe der Geschäfte, die er unter dem Namen seines Schwiegervaters gemacht, seine Schulden abgetragen habe. Der Angeklagte meint, so viel Geld gebe es gar nicht, um die bei dem Krach ausgefallenen Hypotheken zu bezahlen. Er sei froh gewesen, daß er imstande war, die kleinen Leute einiger- maßen zu befriedigen. Heiterkeit erregte die Mitteilung, daß der Angeklagte unter anderem auch ein Rittergut bei Koburg gekauft hatte, mit dem er hineingefallen war. Er erzählt ganz frohgemut. daß er, um eine Hypothek auf dieses Rittergut zu erhalten, eine Chompignonzucht angelegt habe. Die Sache sei auch ganz nett ge- Wesen, der Fehler war nur der, daß keine Champignons dort wuchsen. Nach langer Erörterung der vielen krausen Geschäfte, die der Angeklagte in seiner zweiten Kasseler Bauperiode gemacht, wird die Uebersiedelung nach Berlin und seine Beteiligung an der Firma GrunSfeld u. Co. unter die Lupe genommen. Er behauptet, daß die 75 000 M.. mit welcher die G. m. b. H. begründet worden, zur Hälfte von ihm und zur Hälfte von GrunSfeld in Wirtlichkeit ein- gezahlt worden seien. Er habe als Geschäftsinhaber nicht figurieren können, deshalb ging das Geschäft auf den Namen seines Schwicger- Vaters und des Grunsfeld. Er nahm die Stellung eines Prokuristen ein. Zweck des Geschäfts seien Bau« und Hypothekengeschäfte gewesen. Das Geschäftslokal befand sich zuerst Unter den Linden Ol, dann wurde es nach dem Erdgeschoß deö Hauses Belle-Allianccplatz 14 und Wilhelmstr. 1 verlegt. Dort hatte es einige klein« Kontor- räume innc und das Kontorpersonal des Bankgeschäfts GrunSfeld und Co. bestand einzig aus der Mitangeklagten Frau Bietz. Echter- mei)er behauptet, daß daS Geschüft ganz gut gegangen sei und alle» habe bezahlt werden können, sowohl die Miete für die Räume wie die Geyälter und alle sonstigen Verbindlichkeiten. Die Firma GrunSfeld u. Co. sei heute noch solvent. Die Firma sei seit dem 5. März in die„Preußische Waren Clearing Centrale G. m. b. H." umgrw'andelt worden und bestehe noch Belle-Allianceplatz 14. Die wiederholte Aufforderung des Vorsitzenden, doch ein größeres Ge- schäft zu nennen, aus welchem dies kleine Banftcrgeschäst größere Vorteile gezogen habe, blieb ohne Antwort seitens der beiden ersten Angeklagten. Bücherrevisor Tiirk erklärt hier, daß aus den wenigen Büchern, die überhaupt vorhanden waren, nicht? hervor- gehe.— Auf Vorhalt des Vorsitzenden, wie denn ein so kleines Bankgeschäft mit so geringen Mitteln sich auf Millionen-Unter- nehmungcn einlassen könne, gibt Echirrmeher � zunächst Auskunft über das geplante Plautagengeschäft in Ostafrika. DaS sei kein Schwindelunternehmen, sondern ein sehr reelle? Unternehmen ge- Wesen, das außerordentliche Chancen hatte, lvie Echtermeyer in langatmiger Darlegung zu erläutern suchte. Da diese Plantagen- gesellschafts-Angelegenheit, die in dem Eröfsnungsbeschluß nicht enthalten ist, vom Angeklagten außerordentlich weitschweifig behandelt wird, bittet Rechtsanwalt Dr. Holpert den Vorsitzenden, die Verhandlung doch nicht ins Uferlose auSwachsen, sondern sie auf die beiden Dinge, die der ErösfnungSbeschluß berührt, zu be- schränken, nämlich:„Luise" und„Marianne". Hier würden Dinge in aller Ausführlichkeit behandelt, die die Angeklagten König und Frau Bietz absolut nichts angingen und deren Einzelheiten plötzlich ganz neu aus sie eindrängen. Er würde eventuell genötigt sein, eiircii bezüglichen Antvag schriftlich einzureichen.— Justizrat Wronker und Rechtsanwalt Dr. Alsberg halten es dagegen für notwendig, daß Echtermeyer Gelegenheit gegeben werde, sich über diese Dinge eingehend auszulassen, denn in der Anklage werde daraus Bezug genommen und behauptet, daß auch hier betrügerische Sandlungen vorlägen, was der Angeklagte widerlegen wolle.— Der Angeklagte Echtermeyer behauptet, daß seinerzeit bezüglich des Gebietes der Kolonial-Judustrie- und PlaniaarngeseUschaft«ine sehr gllustige Taxe des vleucrallentnantS Exzellenz v. Lieber vor- gelegen habe. Ta> in dieser Angelegenheit eingeleitet gewesene Strafverfahren sei, wie er behaupte, schon längst eingestellt.— Auch bezüglich der in der Anklage vorübergehend berührten „Sanosin G. m. b. H.", an denen sich die Firma Grunsfeld u. Co. in der Weise beteiligt hatte, daß sie als Treuhändlerin die von dieser Gesellschaft emittierten Obligationen in den Verkehr brachte, erklärt Echtermeyer, daß es sich um ein sehr aussichtsreiches Unter- nehmen handelte. Auf eine Bemerkung des Vorsitzenden erklärt E.:„Wenn ich zu einer guten Sache Geld brauche, habe ich immer Geld. In Kassel habe ich noch viele gute Bankiers an der Hand, die mir gerne Geld geben, wenn es sich um eine ernste Sache handelt. Ich habe noch nie einen Menschen betrogen; wenn Leute Geld verloren haben, so ist das nickst immer zu vermeiden." WaS die„Luise" betrifft, so bekundet Echtermeyer, daß sie die Grube„Luise" von den: in Frankfurt a. M. lebenden Samuel Neumann, der hier in Berlin, Unter den Linden 61, ein Bureau unterhält, übernommen haben. Neumann erklärte: er sei Schuldner der Firma Grunsfeld u. Co. für 50 000 M.„Marianne"- Obligationen, außerdem sei ihm von Echtermeyer ein Wechsel von 39 000 M. des russischen Generals Fürsten Alexander Anatole Lajadinski übergeben worden. Diese Schuld wurde dadurch aus- geglichen, daß dem E. 1000 Kuxe„Luise" übergeben wurden. Diesen Wechsel will Echtermeycr von dem„Generalvertreter" des Fürsten, dem Zahnarzt Marcus in Frankfurt a. M. erhalten haben. Das Bergwerk„Luise" habe er auf Grund des Gutachtens de? Ingenieurs Eduard Henniger für durchaus gut und preiswert halten dürfen. Der Angeklagte wird dann noch ausführlich über die Einzelheiten der Gründung der Gewerkschaft und die Ausgabe der Obligationen der Zeche„Luise." vernommen, wobei er im wesent» lichen ähnliche Angaben macht, wie der Angeklagte Grunsfeld. Die Vernehmungen haben wir ausführlich wiedergegeben, weil sie so nett widerspiegeln, wie in der bürgerlichen Gesellschaft auch aus dem Kolonialrummel Geld gemacht wird. Die Verhandlung wurde auf heute OYs llhr vertagt. Soziales* Einatmung von Gift als Betriebsunfall. Vor kurzem konnten wir darlegen, daß auf Grund eines Gut- achten« des bclannten Professors Dr. Lew in Poranittotin- Vergiftung als Betriebsunfall anerkannt ist. Heute können wir einen weiteren Fall mitteilen, in dem auf Grund eines eingehenden Ober- gutachtenS desselben Gelehrten eine Vergiftung als Be- triebsunfall anerkannt wiirde. Der Arbeiter Albert L. hatte im Betriebe der Chemischen Fabrik. Gesellschaft auf Aktien, vor m. Schering sCharloitcnburgl in der Abteilung der kü n st l i ch e n K a m p f er- s a b r i k a t i o n die Heizung der Kästen zu überwachen, in denen der künstliche Kampfer(Camphilen) in de» flüssigen Zustand über- geführt wird Am 17. Sepieniber 1907, morgens 5 Uhr, wurde L. (er hatte Nachtschicht) auf einem Schmelzkasten, der mit heißem flüssigem Camphilen gefüllt war, liegend, tot aufgefunden. Die augestellten Wiederbelebungsversuche waren erfolglos. Der sofort hinzugerufene Arzt konnte nur noch den Tod feststellen. Die Witwe deö Verstorbenen stellte bei der Berufs- g e n o s s e i» s ch a f t der chemischen Industrie den Antrag auf Hinterbliebenenrente, da ein Betriebsunfall vorliege; sie führte den Tod auf Vergiftung durch die künstlichen Rampferdämpse zurück. Die Berufsgenossenschaft der chemischen In- d u st r i e wies de» Antrag der Witwe indessen nach Anhörung des Medizinalrats Dr. Klein ab. DaS Schiedsgericht urteilte in derselben Weise. CS stützte sich auf ein Gutachten des Sanitätsrats Dr. Hehl. Beide Aerzte verneinten, daß Kampfer einen auf den Organismus schädigenden Einfluß habe. Vom ReichSversicherungSamt wurde ein Oberautachten de« Prof. Dr. Lew in erforderk. Sein eingehendes Gutachten, das in dem in Hannover erscheinenden.Proletarier" wiedergegeben ist. legt in überzeugender, die Verkehrtheit der früheren Gutachten in einer auch für Laien klaren Weise dar, daß die Ursache des Tode« die Einatmung des künstlichen Kampfer- Kampfes war. Die BernfSgenossenschaft überreichte demgegenüber ein Gutachten ihre« technischen AufsichtSbeamten, der den Kampfer für.völlig uu- gefährlich' erklärte. Das ReichSversicherungSamt hielt Lokaltermin unter Zuziehung deS Prof. Dr. Lewin ab und ersuchte um eine Gegcnäußerung zu der Ansicht des technischen AufsichiS- beamten. Pros. Dr. Leivin legte darauf ausführlich die völlige Hinfälligkeit der Ansicht dieses«eamien dar und gelangte in seinem Gutachlen zu folgendem, allgenrein interessierenden Schluß: „Die Chemische Fabrik auf Aktien kannte meiner Uebcrzeugung nach die Gifligkeit des künstlichen Kampfers in großen Mengen: 1. Sie kannte sie aus Experimenten, zu denen s» e das Material geliefert hat und die in der Literatur verzeichnet sind. 2. Sie kannte sie au« den E r f a h run g e n. die sie selbst mit Arbeitern und einem Chemiker gemacht. 3. Sie kannte sie, weil sie. wie aus der Verhandlung am 7. April hervorging, angeord net haben will, daß die Deckel nicht zu Iveit geöffnet werden sollten. 4. Sie iönnle sie wissen, weil auch der Vorarbeiter angab, daß die Dämpfe»unatigenehm" waren. E« mußte eine Sicherung dafür getroffen werden, daß: a) die Deckel der Sckimelzkasten schlteßen, b) ein zu starke« Dampfzulnssen in die Schmelzkästen verhindert würde, o) eine genügende. stetig wirkende Ventilation in dem Räume vorhanden war. ES mußte ck) eine Belehrung für den die Regulation der Hähne besorgenden Arbeiter gedruckt in dem Räume angebracht werden, und o) der technische AnfsichiSbeamte durfte sich nicht auf die willkürliche Angabe deS BetriebssührcrS verlassen, daß er— obschon Laie— die>e» Spezialbetrieb als für gefahrlos ansehe. Er mußte den nicht schließenden mittleren Schmelzkastendeckel dicht machen lassen, weil meiner wissenschaftlichen Uebezeugmig noch schon diejenigen Mengen Camphilendampfe«, die dem nicht schließenden Kasten entquollen, ausreichten, um einen auf dem Kasten längere Zeit sitzenden Menschen zu vergiften. Mich nimmt es Wunder, daß hier nicht straf- rechtlich eingeschritten wordeu ist. L. ist durch die Auf nah in e übermäßiger Mengen frei den Schmelz kä st en entströmender, an und für sich giftiger Champhilen dämpfe zugrunde ge- gangen." Die Berufsgenossenschaft der chemischen Industrie erkannte nun in ehr den Tod als Betriebsunfall infolge B e r g i f t li n g an. Die Witwe erhält»ach diesem, ohne rühriges Eingreifen der Gewerkschaft, der ihr Mann angehörte, kaum durchführbarem langen Verfahren nun ihre Rente. DieAllgemeinheit interessiert auS diesem Prozeß einmal die Möglichkeit. daß zwei Aerzte absolut falsche Behauptungen über die Todesursache feststellen, ja ohne Toxikologen zu sein, es wagen konnten, ihre toial irrige durch keinerlei Literatur- oder ErfahrungSkenntniS getrübte Ansicht zur Grundlage cineS wichtigen Gutachtens zu mackien. Nicht minder die Unkenntnis deS technischen AufsichtSbeamten und die Fahrlässigkeit der großen Firma. die die zum Schutz von Lebe» und Gesundheit der Arbeiter ersorder- lichen Maßnahmen unterließ. Würde das Reich dazu übergehen, Arbeiterkoiurolleure einzusühren, den Arbeitern bei der Verwaltung der BerufögenosseuschaflSausgaben gleiche Rechte mit der Uiitemehmer- klasse einzuräumen, die Unternehmer für alle fahrlässig verschuldeten Unfälle auch dem Arbeiter gegenüber haftbar zu machen und das System der sogenannten Vertrauensärzte der Schiedsgerichte und BerufSgeiiosscilschaften zu brechen, so würde mancher Prozeß erspart iiiid manchem Verletzten sowie seinen Hinterbliebenen die Eni- schädigiiiig sofort zu teil werden, die ihm heute jahrelang oder völlig infolge deS ungerechten auf Kränkung der Rechte des Arbeiters ab« zielenden Verfahrens in Unfallsachen vorenthalten wird. Aus der sozialistische» Genosseuschaftsbcwegung in Oesterreich. Soeben ist das Jahrbuch des Zentralverbandes österreichischer Konsumvereine für 1909 erschienen. Dem stattlichen Bande ist ein erfreuliches Wachstum der proletarischen Gcnossenschaslsbewegimg, der Konsumeiltenorganisation zu entnehmen. Die sprachlichen Schwierigkeilen, mit denen jede ernste, nicht auf einzelne Böller sich beschränkende Sache in Oesterreich zu kämpfen hat, drücken sich hier darin aus. daß im Zeiilralverband vereinigt sind(nach der GeschästS- sproche eingereiht) 326 deutsche Genossenschaften, 101 tschechische, 29 polnische, 17 italienische, 10 slowenische.— Es mag mit eine Folge dieser erschwerenden Umstände sein, daß nicht weniger als 60 Proz. der Verbandsbeiträge für die Kosten der R e v i s i o n en verbraucht iverden. Die Agitation tritt da natürlich und bedanerlicher- weise zurück, obgleich das Wüten gegen die Arbeiterkoiisunlvereine zlnn eiserne» Bestand der christlichsozialen, nationalen und agrarischen Demagogen gehört.— Nach den 1908 erfolgten Neubeitrilten von 69 Koiisiinivereinen, drei Produktivgenossenschaften und zwei Bau- genossenschasten, denen bloß acht Austritte gegenübelstchen, gehören dem Zcnlralverbande derzeit an: 413 Konsumvereine, 43 Produktiv- und 6 Baugenossenschaften, inSgesaint 467. Sehr interessant sind die Berichte der Landes- bezw. Distrikts- verbände, die alle eine große Steigerung von 1905 auf 1903 er- kennen lassen. Die VergletchSziffern für alle berichtenden Vereine zusammen sind: 1905 1908 Vereine..... 263 361 Mitglieder.... 109000 175000 Umsatz., Kronen 29 700 000 Kronen 68 100 000 Reingewinn» 2 000000, 3 200 000 lieber die wichtige Frage der genossenschaftlichen Disziplin tut der Bericht dar, daß der auf daß ciiizeliie Mit- glied entfallende Umsatz am höchsten<367 Kronen jährlich) bei den tschechischen Vereinen Mährens war, während in Nieder- österressch, wo die Mitgliederzahl 95 000 beträgt, der Jahresumsatz pro Kopf nur 282 Kr., im durch und durch sozialistischen Nord- b ö h m e n gar nur 257 Kr. ist. Der Bruttoertrag am Warengeschäft war durch- schnittlich 14 Proz., in Salzburg stieg er bis 19.5 Proz. Wie der Reingewinn verwendet wird, geht aus folgender Aufstelluiig hervor: Von 1000 Kr. Reingewinn entfallen 824(!) auf die Rück- Vergütung, 20 auf die Verzinsung der Geschäftsanteile, 74 werden dem Reservefonds zugewieien, 2 gemeinnützigen Zwecken gewidmet und 77 anderweitig verwendet. Es bedarf noch vieler Arbeit zur Gewinnung der Massen wie zur Erziehung der Mitglieder. Versammlungen. Den Frauen das Wahlrecht zum Gewerbe- und Kaufmannsgericht. Diese Forderung, welche unsere Partei von jeher vertritt. wurde aufs neue erhoben in sieben Persammlungen für Frauen und Mädchen, ivelche der Aktionsausschuß gemein- sam mit dem Ausschuß der Geiperkschaftskoinmission am Dienstag veranstaltet hatte. Referentinnen waren die Genossinnen Baader. Hoppe, Ihrer, Tietz. Wehl, Wurm und Zieh. Ein kleiner Llbschnitt aus dem großen Kapitel: Rechtlosigkeit des weiblichen Geschlechts war es, den die sachkundigen Rediierinne» ihren ZuHörerinnen vor Augen führten. Handelte es sich doch für diesmal nur um die Darlegung der Gründe, welche dafür sprechen, daß auch den erwerbstätigen Frauen und Mädchen das Wahlrecht zu den Gewerbe- und KaufmannSgerichten erteilt werden mug. Größer und größer wird die schon nach Millionen zählende Schar der Frauen und Mädchen, ivelche durch die wirtschaftliche EntWicke- lung hineingerissen iverden in den harten Kampf ums Kasein. Millionen von Angehörigen des weiblichen Geschlechts sind ge- zwungen, ihren Unterhalt durch Erwerbsarbeit in den verschieden- stcn Berufen zu suchen. In der Ausbeutung der Arbeitskraft kennt der Kavitalismus keinen Unterschied zwischen Mann und Frau. Ganz davon abgesehen, daß schon nach allgemeinen Grund- sähen von Recht und Billigkeit dem weiblichen Geschlecht in öffent- lich-rechtlicher Beziehung die Gleichstellung mit dem männlichen Geschlecht nicht vorenthalten werden dürste, sprechen Wirtschaftlichs Gründe und praktische Erwägungen dafür, daß den erwerbstätigen Frauen das Wahlrecht zu den Gewerbe- und Kaufmannsgerichten erteilt werden mutz. Der Gedanke, aus dem heraus die Gewerbe- und Kaufmannsgerichte eingeführt worden sind, ist der: Die Ab» urtcilung der gelverblichen Rechtsstreitigkeiten soll nicht ausschließ» lich in den Händen tveltfremdcr Juristen liegen, sondern das Laien- elemcnt, Leute, die nutten im Erwerbsleben stehen und deshalb die zur Beurteilung der Streitfälle erforderliche Sachkenntnis und praktische Einsicht besitzen, sollen in der gewerblichen Rechtsprechung den Ausschlag geben. Dieser Grundsatz aber wird auf das schwerste verletzt, wenn man daS weibliche Geschlecht von jeder Beteiligung an den Gewerbe, und Kaufmannsgerichten ausschließt. Gibt es doch eine nicht kleine Zahl von Berufen, in denen vorwiegend, ja fast ausschließlich weibliche Arbeitskräfte beschäftigt werden. Man kann nicht erivarten, daß Männer, mögen sie auch den besten Willen haben, in allen Angelegenheiten dieser Berufszweige so sachkundig sein können, um sich ein zutreffendes Urteil in Streitfällen zu bilden. Sollen Arbeiterinnen und weibliche Angestellte Vertrauen zu der geiverblichen Rechtsprechung haben, dann muß ihnen das Recht gewährt werden, als Wählerinnen auf die Zusammensetzung der Gewerbe- und Kaufmannsgerichte Einfluß zu üben und An- gehörige ihres Geschlechts zu Beisitzerinnen in diese Gerichte zu entsenden. Diese selbstverständliche, von der Sozialdemokratie vcr- treten« Forderung wird von der Regiernng und den bürgerlichen Parteien nicht nur nicht anerkannt, sondern auf das entschiedenste bekämpft. Daß Frauen uniz Mädchen befähigt sind, an der golverb- lichen Rechtsprechung mitzuwirken, können selbst die Gegner des Frauenwahlrechts nicht bestreiten. Trotzdem wird ihnen dies Recht beharrlich verweigert, weil es— wie in der Begründung zum Kauf- mannsgerichtsgesetz gesagt wurde— der erste Schritt zum politischen Wahlrecht der Frauen sein würde. Aus Angst vor der politischen Gleichberechtigung der Frauen wollen also Regierung und bttrger- liche Parteien auch nicht das geringste an dem skandalösen Zustande völliger Rechtlosigkeit des weiblichen Geschlechts geändert wissen. Doch die Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse sind nicht willens. die ihnen aufgezwungene Rechtlosigkeit schweigend zu ertragen. Sie fordern die endliche Gewährung eines Rechts, das dem weiblichen Geschlecht als einem bedeutsamen Faktor im wirtschaftlichen Leben zusteht. Einmütig wurde diese Forderung in allen Persanimlungen erhoben und einstimmig wurde ül'erall die folgende Resolution angenommen: „Die Gewerbe- und Kaufmannsgerichte sollen für die in der Industrie, im Handel und Verkehr tätigen Personen beiderlei Geschlechts insofern nutzbringend wirken, als sie in den aus dem gewerblichen Perhältnis zwischen Arbeitgeber und Arbeit- nehmcr sich entwickelnden Streitfällen eine im besonderen Maße des Vertrauens der Beteiligten versicherte und besonders be- schleunigte Rcchtspslege zu schaffen berufen sind. Durch die gelten- den Gesetzesbestimmungen sind aber die Arbeiterinnen und die weib. lichen Angestellten von dem aktiven und passiven Wahlrecht für diese Körperschaften ausgeschlossen, da das Recht, Beisitzer zu wählen und als solche gewählt zu iverden, nur Personen zusteht, die zum Amte eines Schöffen fähig sind. Durch diese Bestimmungen werden die Frauen auf eine Stufe gestellt mit Verbrechern und geistig nicht Normalen, denn nur diese erachtet man— neben den Frauen— als zum Amte eines Schöffen nicht fähig. Angesichts der Tatsache, daß Millionen von Frauen und Mäd- che» selbständig für ihren Unterhalt sorgen und Steuern für. Staat und Kommune zahlen müsse», bedeutet die Ausschaltung der arbeitenden Frauen und Mädchen von der Anteilnahme an der Tätigkeit für die Gewerbe- und Kaufmannsgerichte eine Wirtschaft. liche Schädigung und außerdem eine schwere Beleidigung für die Frauen. Die Stellung der Frau im Erwerbsleben berechtigt nicht Au der Annahme, da� die weibliche Bevölkerung zur Vertretung ihrer wirtschaftlichen Interessen geistig nicht qualifiziert sei. Letztere Möglichkeit kann auch für die Regierung nicht der(Ärund sein, den Frauen das Wohlrecht zu den Gcioerbe- und Kaufmannsgerichten zu versagen. � War doch dieses Recht für die Arbeiterinnen in dem Gesetzentwurf für die Ärdeitskammern vorgesehen. Die Betätigung der Arbeiterinnen in den Krankenkassen, dem einzigen Zweige der staatlichen Versicherungsorganisation, in dem bisher dem weiblichen Geschlecht oie Anteilnahme an der Verwal- tung zustand, gibt ebenfalls keinen Grund, die Nichtgewährung des Wahlrechts für die Gewerbe- und Kaufmannsgerichte zu recht- fertigen. Was über die Tätigkeit der weiblichen Mitglieder in den Krankenkassen� bisher bekanntgeworden, läßt im Gegenteil die Ge- Währung desselben Rechts auch für andere 5rörperschaften ganz selbstverständlich und geradezu notwendig erscheinen. Die erwerbstätige Bevölkerung in Deutschland protestiert des- halb gegen die bestehenden Gesetzesbestimmungen, die der gesamten erwerbstätigen weiblichen Bevölkerung die Betätigung in den Ge- werbe- und Kausmannsgerichten nicht gestatten und fordert Beseiti- gnng dieser empörenden Ungerechtigkeit, deren Anwendung eine wirtschaftliche Schädigung für die Frauen bedeutet und sie zu Staatsbürgerinnen zweiter Klasse degradiert. Sie fordert die Ge- Währung des aktiven und passiven Wahlrechts zu den Gewerbe- und 5lausmannsgerichteu für alle grotzjährigen erwerbstätigen Per- sonen." Gericbts- Leitung. Falsche Pcrsoncnstaiidsangabe. Wegen intellektueller Urkundenfälschung sind am 9. Juni vom Landgericht III in B e r l i n der Musikschriftsteller Hans M ü n n i ch und die Witwe Hedwig Pindter» verurteilt worden. Sie wollten aus der Landeskirche austreten und erschienen gemeinschaftlich vor Gericht, um dort die erforderlichen Erklärungen abzugeben. Dabei gaben sie sich als Eheleute aus lind Frau Pindter wurde in den» Protokoll als Hedwig Münuich geb. Riiger aufgeführt.— Die Revision der beiden Angeklagten wurde am Dienslag vom Reichsanwalt für begründet erklärt, da das fragliche Protokoll nicht dazu bestimmt sei. zu beurkunden, datz die Frau P. nicht die Ehefrau des M. sei. Er beamragte Frei- sprechung beider Angeklagten. Das Urteil' wird am 4. Januar 1910 verkündet werden. Zum Kampf gegen die Arbeiter-Tnrnvereine. Nachdem der Genosse Stadtverordneter A. Thiele in Halle die Aufsicht über den Turnunterricht des dortigen Turnvereins„Fichte" übernommen hatte, untersagte ihm der Magistrat den Turnunter- richt der jugendlichen Personen zwischen 14 und 17 Jahren, indem er sich auf die Ministerialinstruktion vom 31. Dezember 1839 be« rief, welche zur Ausführung der Kabinettsorder vom 19. Januar 1834 ergangen ist. Die Beschiverden Thielcs wurden zurück- gewiesen. Seine dann erhobene Klage im Verwaltungsstreit- verfahren ist am Dienstag vom Oberverwaltungsgericht als un- zulässig abgewiesen. Bekanntlich ist wegen der Unzulässigkeit des Verwaltungs- stroiiverfahrens von uns zum Ungehorsam gegen sglche An- ordnungen der Regierung aufgefordert und unsere Ansicht, daß die Regierungsverordnung rechtswidrig ist, von der hiesigen Straf- kammer in der Strafsache gegen Äe Genossen Weber und Wildung als zutreffend anerkannt. Termin vor dem Reichs- gericht, an das die Staatsanwalischaft sich gewendet bat. ist noch nicht angesetzt._, Fahrlässiger Meineid? Am Donnerstag wendete sieb das Reichsgericht abermals gegen die ansdehnende Auslegung von Landgerichten bei der Frage, ob ein Zeuge, der nach bestem Gewissen, aber objektiv Falsches bekundet, einen fahrlässigen F a l i ch e i d geleistet habe. Die Kausinaimsfran Haferkamp wurde am 24. Juni vom Landgericht Duisburg zu zehn Monaten Gefängnis verurteilt. Sie lebt mit ihrem Manne in Gütertremumg und betreibt ein Kokonialwarengeschäst. Ihr Mann handelt gelegentlich mit Fahrrädem. Für ihn hat sie mehrfach Bürgschaft geleistet. In einem Prozeß beschwor sie, daß die Unterschrift unter einem Bürgschaftsschein nich-t von ihr herrühre. Sie�kann, heißt es im Urteil, geglaubt haben, daß sie diesen Schein nicht unterschrieben Hobe, aber bei genügender Ueberlegung habe sie sich sagen müssen, daß sie sich irre» könne!— Aus die Revision der Angeklagten hob am Diens- tag das Reichsgericht dos Urteil auf und verwies die Sache an das Landgericht Düsseldorf, weil das aufgehobene Urleil nicht erkennen läßt, welche konkreten Umstände die Angeklagte veranlassen mußten, an der Zuverlässigkeit ihres GedächMisses zu zweifeln._ Kinderfchändnng. Kaiserslautern, 1. Dezember. Tie hiesige Strafkammer verurteilte gestern den büjährigcn Zugführer Jakob Pock von hier wegen zahlreicher Sittlichkeitsoerbrechen zu drei Jahren Zucht- Haus und 19 Jahren Ehrverlust. Hochzcitsseierlichkeiten als öffentliche Lustbarkeiten. Hochzeitsfcierlichkeiten können nach einer älteren, kaum zu- treffenden Entscheidung deS Oberverwaltungsgerichts unter Um- ständen zu öffentlichen Tanzlustbarkeiten werden. Tann nämlich, Ivcnn sie in Wirtschaften stattfinden und nicht nur Verwandte und Bekannte, sondern alle möglichen Leute zugelassen werden, wie das bei manchen ländlichen Hochzeitsfeiern der Fall ist. Tritt die Feier auf diese Weise aus dem Rabmcn einer reinen Familien- fcier heraus, so kami auch eine Heranziehung zur Lustbarkeits- sieuer erfolgen. Weil diese irrige Anschauung nicht beachtet worden war, hob das Oberverwaltnugsgericht jetzt ein Urteil des Bezirksausschusses in Arnsberg auf, das den Bergmann Lessing in Berghofen, der unter großer Beteiligung Hochzeit gefeiert hatte, von der veranlagten Lustbarkeitsstcuer freistellte. Die Sache wurde an den Bezirksausschuß zurückverwiesen. Nach dieser Entscheidung würde ja auch ein Begräbnisschmaus als öffentliche Lustbarkeit angesehen werden können. Für den Jniiait der Inserate »ibernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung. UKearer. Donnerstag, 2. Dezember. Anfang 71/, Uhr. Königl. Opernhaus. Don Juan. Königl. Schauspielhaus. Der eiilgcbtidcic Kraule. Deutsches. Don Carlos. K n m rn e r s p i e l e. Major Barbara.(Anfang 8 Uhr.) Ansang 8 Uhr. Ncnes königl. Opn-i,-Theater. Geschlossen. Neues Schauspielhaus. Ihr letzter Brief. Lessing. Nor Sonnenaufgang. Neues Operetten. Miß Duoelsack. Berliner. Hohe Politik. Triano». Buridans Esel Komische Oper. HoffmannS Er- zähliuigen. Neues. Der Unbekannte. Herbst. Kleines. 2X2-5. Residenz. Grctchen. zöebbel. Der Skandal Schiller«».«ürainier. Theater.) Miß HobbS. Sch n- Gharlottenburg. Wallen- sieins Tod. Friedrich- Wilhelmstädt. Schau- spielhaus. Flachsmann als Er- zieher. Wessen. Die geschiedene Frau. Thalia. Die ewige Lampe. Luisen. Hclinat. Bollsopcr. Die Regimentstochter. (Ansang 8-/, Uhr) Roie Michael KohlhaaS. Lnssspielhans. Der dunkle Punkt. Metronol. Hallohl!— Die große Revue. Folies Caprice. Sicher ist sicher. Bunter Teil Der Mann meiner Frau.(Auf. 81/, Uhr.) AP- no. Spezialitäten. Wintergarten. Spezialitäten. tsasuio. Onkel Cohn. Gedr..Herrnfeld. So muß man's machen. Ein RetiungSmittel. Karl Haverland. Spezialitäten. Walhalla. Svezialilären Gastspiel. Der Hüttenbesitzer. Padugr. Der süge Doklor.«pezla- ltäten Roacks. Der Veiichensresser.(Ansang Sftz Uhr.) Palast. Die neue Herrin. Taft? Spezialitäten.- ReichSvnlUu. Stciliner Sänger. Urania. Ta»vei,s«r.-i>c«dv-lil, Im wissenfchasilliben Theater: Abends 8 Nbr: Die Durchquerung Afrikas im Autoniobil. Im Hörsaale: Abends 8 Uhr: Dr. W. Berndt: Darwins Lehre. III. Steininarre. Jnualidenftr. 67—62. Urania. "Wissenschaftliches Theater. Abends 8 Uhr: Oberl. G r a e t z: Meine Durchquerung Afrikas im Automobil. Hörsaal 8 Uhr: Dr. W. Berndt: Darwins Lehre III. L&isispiefihaus. Abends 8 Uhr: Der dunkle Punkt. Hs«?»>»>» OpviM-tten-l'Konle»'. Schiffbcuierdamm 25, a. d. Luisenstr. Abends 8 Uhr: . Hiß IkuilelHach. Operette in 3 Allen von Rudolf Nelson. Friedrich-Wiiheirnstsdtiscties Schauspielhaus. Donnerstag, 2. Dczembr., Ans. 8 Uhr: Flachsmanu als Erziehkr. Freitag: Der Bibliothekar. «Sonnabend, nachm. 3'/- Uhr: Die Nibelmigeii I. und II. Teck. 8 Uhr: Flachsmaiin als Erzieher._ Volks-Oper. BW, Belle-Alliance-Siraße Nr. 7/8. Abends»/sO Uhr: Marie, dieMter des Regiments. L-eNsine-Theater. 8 Uhr: Bor Sonnenaufgang. Freilag: Tantrts der Narr. Souuabcnd, ÜUHr; Tautris der Rarr. berliner'stiester. Heute 8 Uhr zum 25. Male: Hohe Politik. Morgen: Hohe Politik._ "Neues Theater. Abends 8 Uhr: l- Der Ii. Morgen u. folgende Tage: Herbst. Der Uubekaiinte. lilöAler lies Neslens. Heule, nachm. 4 Uhr: Steuwuielpetcr 8 Uhr: Tie geschiedene Frau. Sonmag 3'/, Uhr: Cin VJalzertraum. Luisen-Theater. Abends 8 Uhr: He 1 matt. Schauspiel in 4 Alien von Sudermann. Freitag: Gib mich srel Sonnabend, 4 Uhr: Große Kinder. Vorst.: Goldhörchcns Himmelfahrt. 3 Uhr: Geier-Wally. Sonntag nachm.: Wilhelm Till. AbendS 8 Uhr: Geier-Wally. Montag: Geier-Wally._ Residenz-Theater Direktion: Richard Alexander. Abends 8 Uhr: Oretchen. Groteske in 3 Alien von Davis und Lipjchütz. Sonnabend, den 4. Dezember, zum ersunmal: Im Taubenschlag. Gastspiej-TliGater. Heute und folgende Tage 8 Uhr: Der Hutteubesitzer. Sonntag nachmittag 3'/, Uhr: _ Kleine Preise._ Metropol-Theater ■lalloü! Die große Revue! In 8 Bildern von JuL Freund. Musik v. Paul Lincko. In Szene gesetzt vom Dir. Bich. Schultz. "Anfang 8 Uhr. Rauchen gestattet. Trianon-Theater. Abends 8 Uhr: Kuridans Esel. iOSE=THEATE| Große Frantinrier Str. 132. Ans. 8 Uhr. Ende 1 1 Uhr. Michael Kohlhags. M Romant. Schauspiel in 4 Akteil, nach Sleist's historisch. Roman v. Schenk. Freitag: Die relegierten Studenten. Palast-Theater. Direktion: Robert Dill& Karl Pirnau. Burgstraße 24, am Bahnhos Börse. 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III O 87,2 Proz., 110 83,6 Proz.(Die Zahlen von Michaelis 1908 waren, wie immer zum Michaelistermin, auf allen Stufen etwas geringer: der allgemeine Durchschnitt war dort 86,3 Proz.). Daß in den letzten Jahren das Ver- setzungSergebnis sich immer mehr gebessert hat, zeigt eine Vergleichung des Ergebnisses von 1909 mit denen von 1908 und 1907. Weiter kann hier nicht zurück- gegangen werden, weil vorher noch keine Angaben über die Versetzungen in den Schuldeputationsberichtcn enthalten waren. Von Ostern 1907 bis Ostern 1909 stieg der Prozent- anteil der Versetzten im allgemeinen Durchschnitt von 85,4 auf 88,3, im einzelnen für die Klassen VIII 0 von 86,9 auf 89,9, .VII O von 87,4 aus 89,3, VI O von 86,3 auf 88.3, V O von 84,2 auf 87,6, IV O von 85,9 auf 88,2, III O von 85,1 auf 87,2, II O von 78,6 auf 83,6. Tiefe Ergebnisse stehen schon jetzt nicht mehr erheblich unter denen der höheren Lehr- anstalten. die ja unter ganz anderen Bedingungen arbeiten können und daher sehr viel bessere Resultate erzielen müßten. Die Besserung der Bersetzungscrgebnisse bewirkte, daß auch dieErreichung der Klasse I immer häu- f i g e r wurde. Im Schuljahr 1908/09(Ostern und Michaelis zusammen) gingen nach Vollendung der Schulpflicht 23 911 Kinder ab, davon äus den Klassen I 10 558, II 6930, III 3847, IV 1705. V 510, VI— VIII 59. aus Nebenklasscn 302. Von je 100 dieser abgehenden Kinder saßen in den Klassen I 43,2, II 29,0, III 16,1. IV 7.1. V 2.1. VI— VIII 0,3, Nebenklassen 1.3. Die Vergleichung mit den Vorjahren ssi hier auch für die Jahre vor 1907 möglich, weil Angaben dieser Art sich bereits früher in den Berichten der Schul- deputation fanden. In den letzten fünf Schuljahren 1904/05 bis 1908/09 saßen von je 100 nach Vollendung der Schul- vflicht abgehenden Kindern in den Klassen I 35,1, 37,1, 40,4, 41,0, 43,3. Für alle anderen Klassen(abgesehen nur von den Nebenklassen) ist dementsprechend der Anteil herunter- gegangen, wenig in den Klassen II, von 30,3 auf 29,0, mehr in den übrigen Klassen, in III von 20,1 auf 16,1, in IV von 9,9 auf 7,1 usw. Für I und II zusammen ist der Anteil gestiegen von 05.4 auf 72.3, für I, II. III ergibt sich eine Steigung von 85,5 aus 88,4. Auch der Bericht faßt I, II, III zusammen(sie bilden die„Oberstufe"), außerdem zieht er die vor Erfüllung der Schulpflicht Dispensierten hinzu und rechnet dann heraus, daß im letzten Jahr 90 vomHundert aus der Oberstufe abgegangen seien. Die Schuldeputation schweigt diesmal darüber, ob dieses Ergebnis ihr günstig erscheint oder nicht. W i r wünschten, daß die Erreichung nicht nur der Oberstufe, sondern vor allem der Klasse I noch erheblich häufiger würde. Wir sind auch der Meinung, daß die nächsteil Jahre hier noch weitere Besserung bringen werden. Kein Freund der Volksschule kann wünschen, daß Berlin das schlcchteBeispicl gibt, daSAchtklassensystem wieder zu beseitigen. Geht der Schuldeputation die Bewährung dieser neuen Orga- nisationsform nicht schnell genug, so möge sie dafür sorgen, daß in den unteren und untersten Klassen die Frequenz noch sehr viel weiter hcrabgedrückt werde, z. B. in den achten 5ilassen aus höchstens 40. Um so zahlreicher würden dann die Kinder ohne Unterbrechung in die oberen Klassen aufrücken, so daß die meisten noch in die ersten Klassen gelangen könnten und auch diese so„voll" würden, wie das für Gemeindeschulen als „normal" gilt. Doch bei einer solchen Maßregel würden die unteren Klassen vennehrt werden müssen und die obersten nicht verniindert werden können, und eben dann würde die Absicht des Stadtfrcisinns vereitelt, dem es vor allein darum zu tun ist, an der Volksschule so viel wie mög- l i ch zu sparen._ Kein nener Dampfhammer in der Kolonie Grunewald. Einen zähen Kampf gegen die Errichtung eines fünften Dampfhammers auf dem Fabrikgelände der köuigl. Eisenbahninspeklion E am Bahnhof Grunewald hat die Gemeinde Gruneloald mit der königl. Eisenbahninspeklion auSgefochten und auch geivoimen. In dieser exklusiven Gemeinde mit idren 5000 Einwolmcrn herrschen die strengsten Baubeschränkimgen und man wacht eifrig darüber, daß der Charakter als Villenorr gewahrt bleibe. Um so mehr erregle es unter den Einwobnern einen Sturm der Entrüstung, als das Vorhaben der Eifenbahninfpektion, besagten Dampfhammer zu er- richten, bekannt wurde. Die Gcwerbeinfpeklion in Groß-Lichterfelde hatte gegen das Projekt Einspruch nicht crbobcn, auch nicht der KreiSbalnneister. Als nun im Jieltower Kreisblatt" der Plan publiziert wurde, legten fünfzehn Grundbesitzer aus Grunewald Protest ein. Sie wiesen auf die„heftigen Erderschütlerungen, auf den lästigen Lärni und auf die gesundheit- lichen Begleitericheinungen hin. die durch die Errichtung des Dampf- bammers bewirkt würden. Ebenso hoben sie den schon erwäbiilen Umstand hervor, daß der Villenort Gruneloald in der Bauklasse E rubriziere.„Da gehöre ein Dampfbammer nicht hin." Auch wurde daran erinnert, datz der prentzische Fiskus Land seinerzeit nur unter der Bedingung verkauft habe, datz„geiverblicve Betriebe in der Kolonie für alle Zeiten auSgeschlosfen fein sollten". Gleich- zeitig wurde der Protest auf die stetige Erweiterung der Eisenbahn- anlagen im Grunewald ausgedehnt und bemerkt, datz die Eisenbahn- Verwaltung, ohne die Genehmigung der Polizei zu besitzen, 3 bis 6 Meter hohe Koblenlager aufhäufe, die unästhetisch wirkten und die Gefahr der Selbstentzündung in sich birgten. Wie rücksichtslos die Eifenbahnverwaltung überhaupt fei, zeige sich schon darin, datz sie täglich 10—12 Wagen Dung aiisstapelii lasse.(Mistgeruch ist aller- Vings ein sehr naturalistisches Parfüm für verwöhnte Raken.) Diesen Einwänden trat die Eiseubnhndirektion entschieden cnt- gegen. Die Errichtung eines Dampfhammers tönnc gesundheitliche Schädigungen nicht hervorrufen, zumal nur eiu Tagesbetrieb von 6—6 Uhr vorgesehen sei. Auch seien schon vier Dampfhämmer vor- Händen. Die Gewcrbeinspektion habe den Fall geprüft und gewisse Beschränkungen erhoben, die der Fiskus auch akzeptiert habe. Die gesamte Anlage als solche besitze die Konzession, darin seien auch die Dampfhämmer inbegriffen. UebrigenS bestände die Werkstätten- anlag« schon länger als die Grunewaldgemeinde, sie habe mit der Eisenbahn nichts' zu tun. Es handele sich nicht um eine größere Aufnahmefähigkeit, sondern man bezwecke nur eine größere Wirt- schaftlichkeit. Der betreffende Dampfhammer stelle einen kleinen Schmiedehammer dar»nd solle zum Schmieden kleinerer Wertzeuge benutzt werden. Die Entfernung betrage 370 Meter, da könne von gesundheitsschädliche» Einflüssen keine Rede sein. Hiergegen wandte sich ein Einwohner, der in der Nähe der An- läge wohnt, indem er unter anderem auch einen Ausspruch des ver- storbcnen Landrats v. Stubenrauch zitierte:„Wir wollen einmal gegen die Entwertung meiner steuerkräftigsten Gemeinde vor- gehen." Die Eisenbahnverwaltung antwortete hierauf wieder und er- klärte, daß Eisenbahn und Werkstätte immer noch verwechselt würden. Es sei nur Tagesbetrieb geplant, auch sollten Luftschicht, Holzunterlage ustv. vorgesehen werde». Der ÄreiSauSschutz entschied sich dahin, daß er die Errichtung nicht genehmigte und stützte sich dabei auf die neue Bau- polizeiverordmmg vom 28. Mai 1907, die besagt, datz es Sache der Baupolizei ist. die Angelegenheit zu prüfen. ES heißt dort: „Die Herstellung von Anlagen, welche starke» Rauch oder Ruß, üble Gerüche oder sckiädliche Ausdünstungen, oder ungewöhnliches Geräusch verursachen, ist im Gebiete der Bauklassen A, B, D und E sowie in denjenigen Gebieten, in welchen die Bauklasse C oder D nach Wahl des Bauenden Anwendung findet, ohne weiteres, in Gc- bieten der Bauklasse C, in denjenigen Gebietsteilen verboten, für welche sie in der Anlage ausdrücklich bestimmt ist." Somit hat die Gemeinde Grunewald gesiegt und die Eisenbahn inspektion kann die Kosten blechen. Das Wertovjckt deS Streitfalles ist auf 10000 M. festgesetzt. Ob man in Arbeitervierteln im Kampfe gegen gefiliidbeitsschädliche Betriebe auch so viel Glück hätte wie die Grunewaldcr?_ Berlin im neuen ReichSetat für 1910. Im neuen Militäretat ist Berlin und Umgegend durch nachfolgende Forderungen vertreten: 1. 705 000 M. zum Ersatzbau der Schietzstände in der Jungfern- Heide bei Berlin. Schlutzrote. Die Schietzstände für das 2., 4. Garde- regiment, das Garde-Füsilierregiment, das Luftschifferbataillon und das 2. Garde-Ulancnregimciit mutzten verlegt werden, da dos bis- herige Gelände der Bebauung erschlossen werden soll. '2. 135 000 M. zum Ersatzbau der Schießstände des Elisabeth- Regiments im Grunewald, die wegen des Baues der Döberitzer Heerstraße verlegt werden müssen. 3. 50 000 M. als 2. Rate zu Erweiterungsbauten auf den, UebungSplatz Döberitz. 4. 82 000 M. zur Verbesserung der Unterkunft in den beiden Barackenlagern ans dem Truppenübungsplatz Jüterbog. 5. 200 000 M. zur Vergrößerung des Truppenübungsplatzes Jüterbog, 3. Rate. 6. 1250 000 M. als v. Rate zum Neubau für die Kaiser- Wilhelm-Akademie. 7. 15 000 M. als 1. Rate zum Neubau eines Dienstgebäudes für die Ober-Militärprüfungskoinnrission in Berlin, 8. 40000 M. als 1. Rate zur Herstellung von Baulichkeiten aus dem WasserübungSplatze des Garde-PionierbataillonS in Berlin. Der neue Postetat enthält folgende Forderungen für Berlin: 1. 64 869 M. zur Erwerbung eines Grundstückes in der Fran- zöfischen Straße in Berlin. 4. Rate. 2. 19 125 M. für Vergrößerung des PostgnmdstückeL Oranienburger Strotze 70/73, 4. Rate. 3. 150 000 M. zur Herstellung eines neuen DieustgebäudeS in der Französischen Straße 9/12, 3. Rate. 4. 150 000 M. zur Vergrößerung deS PostgrundstückcS Köpenicker Straße 132. 5. 104 100 M. zur Erwerbung eines Grundstückes in der In- validcnstraße. 6. 220 000 M. zur Vergrößerung des PostbauplatzeS, Ecke Magazin- und Alexanderstraße, und zur Herstellung eines neuen DienstgebäudeS auf diesem Platze, 2. Rate. 7. 60 000 M. zu»! Erweiterungsbau für das Fernsprechamt 7 (Palisadenstr. 90). 8. 172 775 M. für Erivcrbung eineS Grundstückes in der Schanlhorststraße in Berlin, 2. Rate. 0. 150 000 M. zum Umbau des Fernsprechamts 2(Turmstraße), 2. Rate.-» 10. 150 000 M. zum Umbau des PostzeitungSamteS, 1. Rate. ES sollen aus dem Grundstücke Dessaucr Straße 3 Neubauten er- richtet werden, da die jetzigen Räume nicht mehr ausreichen. 11. 140 000 M. zum Umbau für das Postamt 19(Kanimandanten- straße), 1. Rate, die in benachbarten Grundstücken untergebrachten Teile des AmteS sollen ans dem Grundstücke Kominandantenstr. 7/9 vereint werden. 12. 500 000 M. zur Verlegung deS HaupttelegraphenamtS nach der Oranienburger Straße. 1. Rate. 13. 175 000 M. zum Neubau für das Fernsprechamt 4(Ritter- siratze 6/7), erste Rate, das den modernen Verhältnissen nicht mehr augepatzt ist. 14. 415 430 M. für Erwerbung eines Bauplatzes für ein nencS Dicnstgebäude des TelcgraphenzeugamtcS in Berlin. Ferner werden in den anderen Etats noch folgende Forderungen für Berlin gestellt: 1. 87 084 M. zur Erweiterung des Grundstücks der Reichs- druckerei. lt. Rate. 2. 323 000 M. zum Ankauf der Grundstücke Wilhelmstr. 62 und Mauerslr. 45.46 als Dieustgebäude der Kolonial-Zentralverwaltung. 3. 260 000 M. für Erweiterung der Dieusträume deS Reichs- schatzamtes und zur Errichtung eines neuen Dienstgebäudes auf dem Grundstücke Wilhelmplatz 2, 3. Rate. 4. 630 790 M. zuii: Neubau eines DienstgebäudeS für daS Reichs- Militärgericht, letzte Rate._ „Intelligente" bürgerliche Wahlmänner. Eine Korrespondenz erzählt folgende Geschichte:„Bei den Landtagswahlen am Dienstag war es im liberalen Bureau des zwölften Wahlkreises aufgefallen, datz eine Anzahl Wahlmänner, die ihr Erscheinen mit Bestinimtheit zugesagt hatten, auch am späten Nachmittag nicht zur Stimmabgabe gekommen waren. Es wurden Schlepper nach verschiedenen Richtungen abgeschickt und mehrere der nun recht kräftig bearbeiteten Wahlmänner bcteuerteir hoch und feierlich, daß sie ihrer Wahlpflicht Genüge gc« leistet und Prediger Runze gewählt hätten. Nach lang- wierigen Verhandlungen gelang es zunächst. einen der Wahlmänner nochmals nach dem Wahllokal in der Patzenhoser Brauerei zu begleiten, wo sich nunmehr der Wähler überzeugte, daß er„verkehrt" seine Stimme abgegeben habe. Er erzählte nämlich, mehrere Männer hätten ihn aus seine Frage nach dem Wahllokal in ein Bureau geleitet, welches— in Wirklichkeit das sozialdemokratische Parteibureau war. Wie ermittelt wurde, haben in dieser Weise nicht weniger als vier Wahlmänner ihre in diesem Falle ungültige Stimme in dem sozialdemokratischen Partcibureau abgegeben, wo sie ohne Widerspruch und mit bchoglichem Schmunzeln von den Anwesenden entgegengenommen wurden. Es bedurste seitens der Schlepper hartnäckiger Aiisllärungsarbeit, um die vier sieisinnigen Wahlmänner zu veranlassen, noch ein zweites Mal, und diesmal an der richtigen Stelle, zur Stimmabgabe zu erscheinen." Ob die hier erzählte Geschichte wahr ist, wissen wir im Augen« blick nicht. Ist sie aber richtig, so würde sie für die Intelligenz der bürgerlichen Wahlmänner ein bedenkliches Zeichen bedeuten. Auf den Wahlmäniiermandaten ist bekanntlich deutlich daS Wahllokal verzeichnet. Wenn trotzdem bürgerliche Wahlmänner ihre Stimme in einem Parteibureau abgegeben haben sollten, so müssen sie schon dümmer sein, als es die Polizei erlaubt. Eine Wcrtzuwachs-Stcucrordniing, wie sie nicht sein soll, hat jüngst das OberverwaltungsgericlU beschäftigt, und da das Urteil desselben von allgemeinem Interesse ist, wird es jetzt im„Ministerial- blatt für die innere Verwaltung" veröffentlicht. Wir entnehmen demselben folgendes: F. hotte fein durch E r b g a n g erworbenes Grundstück bald nach Inkrafttreten der WertzuwachS-Sreuerordnung verkauft und sollte nun rund 736 M. Wertzuwachsfteuer cm- richten, entsprechend der Differenz zwischen dem früheren Erwerbs- preise(bezw. der erstmaligen Veranlagung zur Grundsteuer nach dem gemeinen Werte vom Jahre 1906) und dem letzte» VeräutzernngS- preise. Da der Magistrat den Einspruch zurückwies, erhob F. Klage beim BezirkSausschutz. Dieser wie« die Klage ab; das O b e rv er w a ltun g S g e r i ch t gab ihr aber statt und erklärte den Kläger steuerfrei. Die Gründe lasten sich kurz dahin zusmmncnfassen: Nach dem W ortlaut der Srcuerordnung unterliegt jeder nicht unmittelbar aus Grund einer Erbschaft erfolgende Eigentumserwerb an einem Grundstücke der WcrtzuwachSsteuer: die Besteuerung tritt aber in Wirklichkeit nur nach gewissen Bestimmungen ein, nämlich wenn eine Wertsteigerung vorliegt, d. h. der früher vom Verkäufer gezahlte Preis höher ist als der geforderte Preis bezw. der im Jahre 1906 festgesetzte gemeine Wert. Alle diese Voraussetzungen beziehen sich aber nur aus entgeltliche Erwerbungen, und die Be« stimmunge» der Steuerordnung sind gar nicht aus eine» Fall zugeschnitten. in welchem der Erwerb des Grundstücks im Wege de« E r b g a n g e S erfolgt ist:„Es war Sache des lokalen Gesetzgebers, klare und unzweideutige Bestimmungen über die Be- st euer n ng zu geben.... AuS diesen Gründen unterliegt die Vorentscheidung wegen unrichtiger Anwendung der Sie n e r o r d n u n g der Aufhebung und es ergibl sich bei seiner Beurteilung von selbst die Freistellung deS Klägers." Die Kosten wurden dem beklagten Magistrat auferlegt. Diese Entscheidung sollte Veranlassung geben, bei der den Berliner Stadtverordneten vorliegenden Wertzuwach"steuervorlagc Bestimmungen zu treffen, die Mitzdeutungen nicht ausgesetzt sind. Mittclsiaubskranlenhäuser. � Die gemischte Deputation zur Beratung des Antrages der Stadtverordneten Dr. Gclpcke und Genossen wegen Errichtung besonderer Abteilungen für zahlende Kranke in den städtischen Krankenhäusern hat in ihrer Sitzung am 1. Dezember unter Vorsitz des Oberbürgermeisters mit großer Majorität beschlossen. daß es lvünschenswert sei, besondere Stationen für Patienten des Mittelstandes(sogenannte 2. Klasse) in den städtischen Kranken- Häusern einzurichten. Die in den Stationen vorhandenen kleinen Zimmer sollen jedoch ihrem bisherigen Zweck nicht entzogen werden. Es wurde eine Subkommission eingesetzt, welche diese Angelegenheit näher prüfen und an die gemischte Deputation berichten soll. Wir halten die Einrichtung von Stationen für Patienten des Mittelstandes in unseren Krankenhäusern für schädlich und haben uns wiederholt gegen die dahingehenden Bestrebungen gewendet. Wir meinen, daß unsere Krankenhäuier so eingerichter ,cin müssen. daß jeder Aufgenommene so verpflegt und arztlich behandelt wird, daß er möglichst bald wieder hergestellt wird. Eine Ein- richtung, nach der eine gewisse Krasse von Patienten bevorzugt werden soll, kann nur dazu beitragen, die übrigen Patienten zu vernachlässigen und die schon jetzt bestehenden Mißstände in Kranken. Häusern zu verschlimmern._ Gegen daS Schnellfahren der Postwagen. Infolge der Häufung von Unfällen, die in der letzten Zeit durch übermäßig schnellfahrende Postwagen hervorgerufen sind, hat die Oberpostdirektion Berlin eine Verfügung an das Ob-rpostsuhramt erlassen, die das Schnellfahren a»f belebten Straßen grundsätzlich verbietet und nur ein Fahren im Trablempo gestattet. Die sogen. Nachtkarriolcn, die spät abends von den einzelnen Postämtern eilige Sachen nach den Bahnhöfen zu befördern haben, sollen in Zukunft nur noch durch Postautomobile ausgeführt werden. Bisher war noch kein einziger Unfall durch Postautomobile zu beklagen. 3fm Krailkcuhause vergiftet hat sich die 34 Jahre alte Kranken- Pflegerin Elise Eberl aus der Grenadierstrahe 18. Sie war seit nwer Jahren wegen eine» Nierenleidens erwerbSnnsähig und lag seit über Jahressrist im HedwigSlronlenhause. wo sie zweimal operiert wurde. Ans ihrer früheren Tätigkeit besah sie noch einige Sublimat- Pastillen. Auf ihre Bitte brachte ihre Stiefmutter ihr diese Pastillen mit. ohne zu wissen, dah sie giftig waren. Gestern sollte die Kranke nach dem Birchowkrankcnhanie übergeführt werden. Sie fürchtete aber, dah sie auch dort nicht geheilt werden könnte, nahm an, Montagabend hennlich die Pastillen und starb noch im Laufe der Nacht. Ms KautionSschwindler ist ein 50 Jahre alter Kaufmann August Beck auS der Manteuffelstrahe festgenommen worden. Er betrieb ein Inkasso-, Auskunfts- und Detektivinstitut, das nicht gut ging. Er stellte Kassierer. Rechercheure unter dem Vorwande an, dah er ksilialen einrichten wolle und nahm jedem einige hundert Mark ab, uie als Bürgschaft dienen, aber im Geschärt verwendet werden sollten. Dabei spiegelte er den Leuten vor, dah ibr Geld nicht ge- fährdet sein könne, weil er Hausbesitzer sei. In Wirklichkeit gehört ober das Haus seiner Frau und die Leute bekamen weder eine An- stellung noch eine Filiale, sie waren nur ihr Geld los. ES ist fest- gestellt, dah sich Beck auf diese Weise mehrere tausend Mark er- schwindelt hat, seine Schwindeleien sind aber wahrscheinlich»och nicht alle bekannt. Geschädigte, die noch keine Anzeige gemacht haben, können sich bei der Kriminalpolizei im Zimmer 177 melden. Grüße aus der Erziehungsanstalt. Ein ganz raffinierter Schwindler treibt gegenwärtig sein Unwesen. Der schlaue Bursche sucht sich seine Opfer unter den Angehörigen von Fürsorgezöglingen. Er orientiert sich in den Erziehungsanstalten über die verschiedenen Persönlich- leite» und Insassen und sucht dann die Eltern der Zöglinge auf. Er bestellt ihnen Grübe von den Söhnen und im Lause des Gesprächs bittet er um Aushändigung verschiedener Kleidungsstücke, um die die Zöglinge gebeten haben. Während nun die Sachen zusammengesucht werden, führt der Betrüger schnell Diebstähle aus. Er eignet sich Wertsachen an und verschwindet dann mit den gestohlenen Gegen- ständen, nachdem ihn: vorher noch unter Dankesbezeugungen die Kleidungsstücke für den angeblichen Zögling ausgehändigt wurden. Der Deutsche Arbeiter-Sängerbund(Gau Berlin) hielt am Sonntag seine Ausschuhsitzung ab. Por Eintritt in die Tages. ordnung gedachte der Borsitzende in ivarmen Worten des ver- ehrten verstorbenen Bundesdirigenten Richard Blobel. Die Per- sammelten ehrten das Andenken durch Erheben von de,, Plätzen. In den Bund wurde der Verein der Lackierer aufgenommen. Ein Antrag auf Aufnahme des.Freien Männerchors"(Rathenow) lag vor, wurde jedoch auf Grund der in Rathenow gefahten Rc- solution abgelehnt. Zu», Stiftungsfest haben sich die Mitglieder der mitwirkenden Vereine durch ihre Bundeskarten zu legitimieren. Die größte Pünktlichkeit der Sänger ist erforderlich. Der Bund veranstaltet am 1. Weihnachtsfeiertage eine Matinee in der Brauerei Friedrichshain. Das Konzert unter Leitung des Dirigenten Alexander Schirrmann(deS russischen Strauh) findet von 1— 1 Uhr statt. Der Gesangverein„Liberte" wirkt an diesem Tage mit. Auf das Ausschreiben für den Posten zum Bundes- dirigenten sind zirka 60 Bewerbungen eingegangen. Zur Prüfung dieser Bewerbungen ist eine neungliedrige Kommission gewählt. Eine Anfrage, ob der Bund dem Dirigentenverband gegenüber eine Verpflichtung bezüglich der Bewerbungen hat. wird verneint. ES haben vier Sängerversammlungen im Anschluh an das Flug- blatt, welches mit Zustimmung des Aktionsausschusses am letzten ?;ahlabend zur Ausgabe gelangte, stattgefunden, in denen, wie ereits mitgeteilt ist, der ReichstagSabgeordncte Eichhorn über: »Was will der Deutsche Arbeiter-Sängerbund?" referierte. Es waren hierzu Einladungen an Vereine ergangen, die dem Bunde nicht angehören. Die Abrechnung vom Sängerfest ergab: Ein- nähme 5359,17 M.. Ausgabe 3198,15 M., bleibt Ueberschuh 2161,02 M.. nachträglich gingen ein 6,40 M., Gesamtüberschuh 2167,42 Mark. Kupfer macht auf die vom Deutschen Arbeiter Haparanda Petersburg Sctllp «berveeu Parts 4 heiter übedelkl 3 heiter 5 dedeckt 4 bedeckt I Nebel Wetterprognose kür Donnerstag, den 3 Ein wenig kühler, zcitwelse heiter, aber»och Niederschlägen und ziemlich lebhasten füdwestlichen Berlin« »3S B* «.II §? w« Stationen 757 ONO 749 O 749 SB 738 SA Octtet rfgs e-» i* ghawbd.— 14 2 Schnee— 9 5 Regen 1 wolkig 754 SSW 3 bedeckt . Dezember ISOg. veränderlich mit geringen Winden. r Aetterbureau. Lese- und Diskutierklub„Johann Jacobs. Heute abend S's.Uhr bei Bugge, Kastanien- Allee 95/96: Sitzung. Gäste willkommen. Lese- uiid Diskutierklub»Wilhelm Liebknecht-. Heute Donners- tag, abend« 9 Uhr, Sitzung bei K. Eichhorn, Danziger Straße 93. Boitrag. Gäste willkommen. Druischer Arbeiter- Abstin entenbund. Ortsgruppe verlin. Freitagabend 8'/, Uhr im.GewerkschastshauS". Engeluser 15. Bortrag deS Aibeitersekretärs Rudols Wissel über:„Gewrrkschastsbewegung und Mohol- frage". Eintritt 10 Pf. Kei» GetränkeauSschanü. eingegangene Druck Tebriften. Vom»Kampf«, der Monatsschrift der deutsch-österreichischen Ge- nassen, ist Hest 3 des 3. Jahrganges soeben erschiene». Es hat folgenden Indult: Karl Nenner: Bebels„Frau".— Otto Bauer: Die starke Regierung oder die starke Deniokratic.— Franz Tomäsek: National« MiiiderheitS'chuIen als soziale Erscheinung.— Jakob P i st i n e r: Minder- hcitSschulc und Assimilation.— Adolf«raun: LebenSinittelteucrung und GewerlschastSbewegung.— Rudolf Hil ferding: Barzahlung und Bank- trennung.— Gnstav Eckstein: Lamarck.-» Büch erschau: Literatur. Kunst. Tschechische Parteiliteratur. Das bunte Dchtld. Nene Gedichte von O. Winlckh. i0 Seiten.— Im Lande der Torheit. Neue Verse von I. Wertheimer. 94 Seiten. H. Heller, Wien. TauteS töStttiche Komödie. Bearbeitet von P. Pochhammcr. Buchschmuck von F. Siassen, geb. SM B. G. Teubner, Leipzig. Auerbachs Deutscher Kinderkalender 1010. Herausgegeben von G. Bötticher. 160 S. L. Feruan, Leipzig. WaiserttandS-Nachrtchten der Landes anstali für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau. ff+ bedeutet Auch«.— Fall, ff Unlerpegei. ff Eisstand. ff Eis- treiben, ff Eissret. ff Eisgang. Die N o g a t hat jetzt mit Ausnahme eines Kllonieter» durchweg Eis« stand.— Äils der Oder bei Schwedt am'30. 3'/,— 4>/, nachmittags Eisgang.— Die Lein« und Innerste haben mittelgroges Hoch- wasser, geringer« Anschwellung die Werra, Fulda, Lahn und Ruhr. ZJ. Ässtuax s. Kl. 221. KgL Preuss. Lotterie. Zlebimg rem 1. Deteraber Tormillagf. ffuf Als Gewinns aber 140 Hark«Ins den belreffea. den Kummetn in Klammern beigefügt. '»Ohne Gewähr.)(Nachdruck rerbotea.) ,»»i 503 JOS 80[1000] 043 7.15 11 883 1S1J 7, 4« Iwo) 87«00 749, 69 891 2090 327[9000] S»0 14[1000] 493 007 730 823 3083 319 81 007 03€40 799«»I 66 4030 134[500] 97 937 1000] 48 488»70 803 43 0» 5191 «30 320 sSOO] 448 1«[3000]«91(500] 99 7«8 810 60C.0 :OJ 94 063 73» 37 853 7075 99«17 914 SlO« 88 263«00 70 704 883 803 37 0(139 50 251 498 709 014 10014 189 915 53»29[500] 07 73(13«9 68[9000] stlO 94« 80 1111» 73 26» 730 978 1 2063 239»93 lOOo] «91«»[1000] 7« 90« 13274 470 88 731 89 1 4091 22» «U*(42 919 1 5082 131 28» 879 731 899 947[000] 93 iöilä 73 39« 475 80€68 1 702« 894 1 8038 10» 047 0t t>3(000] 336 807«51[000] 10919 37 403 71«18[500] 94 20179»21 28[1000] 81« 913 88 2 1 230 83[1000] 971[30001 22108[MO] 91[500] 248 54» 49 95 702 M 61« 701 27[3000] 37 2 3 003 14 20» 99« 78 24097 255 86 310 «5 480 608 738 860 933 2 530» 401 7 0»! 847 26180[1000] 02«4 299[5001 849[1000] 438 067 724 823 904 2 7044 f. 1000] 74 110 l« 17 210 850 449 49 575[500]«27«5 717 2806» 90 101 148 402«31 4» 800 29193 Sil 554[500] 47« 473«93 722 00 08 839 936 30041 97 160 310 80 401 233 3 1 011 373(3dO] 44t t«»70(600} 32199 250 31 498 72« 801 33000»33»8 337 49 670»18 11000] 081 34241 308 621«0«9 80 90« 35036 13« 406«88 038 3 8061 138 268 487»33«58 87« 37014 173 98 201 401 1» 79«39 TSi 883 903 38283 350 fc«84 797»8 3901 i III»23 584 715 36 810 999[ 3000] 40947 171 151 818{600] 46 4 728»4[500] 63 4 1 650 S.2 06 940 82 4 2034 97 245 30« 74 442 60» 827 48»18 -13083 208 808 IT 88 4M 831 60 4403)€3[3000] 105 4 1000] 219 458 5» 80 810 86 9« 99 818 80 45426«58 83« <40071 13» 875 461 93 600 3 61 860 4 7009 91»3 208»53 («2 1500]»89 900 71 48002 203[500] 6 380 450 17 923 43198 409 618 50060 455 61 643 721 878 987 51193«18 52134 f» 833«9« 741 8S4 978 53281 tlOOO] 324 98 479«07 54019 V.l 110 848 409[380] 28 537 95 903 68 5 5084 201 3 45» (-2 675 853»36 56093 3»4 428 75 831 927 44 78 5 7027 IM«17 710«13 19 5909« III 401 71 13000] 575 75« 868 159106 329 85 605«II»79 60049 128 31»»8 413 91 720 895 61764[1000] 836 77 6 2219 89 m«3 630 874 6 4I2I 313 618 6««02 38 4:000] 6 5074 184 200 18 448»38 6 60(9 42« 910( 3000] ■013»87 67395 983 68003<73 750«55 69203[5000] 414 698 733 8« 824 74 917 7007» Iii 110 36 ClOOO] 824 440«21 7 1 064 165 217 «06 771 889 7 2058 843 48 486»68«74 714 830 7 3 202 23 HS 811 44 440 624 97 654 904 4» 74,53 534[600] 49«68 U»63 75004 171»20»«0«8 71»«1 896 021[1000] M •76489 683»91 um] 981 77028 13« 363 432 641 78171 ?»«9« 737 91» 65 7925« 5», 80053[1000] 276[500] 318 tlOOO] 863»38 8Il7» M»[600] 749 8 2097 430 651 58 649 98 i'SOOO) 797 898 tiODJ 023 83183 84071 ,42 92 283 30« 32 88 93»07 661 71000] 926 46[3000] 85717[500] 952 86323 93 943 87161 fXXIj 10 61» 952 8 8060 149 224 12 581 485 680 734 828 12000] 89060 213 374 M 72« 967 »0045 230»71 01002 148 484 795 957 92 v» w«000, 808 Iii 1000,«« n«X» 21- Ziehung 5. Kl. 221. Kgl. Preuss. Lotterie. Ziehung vom 1. Deacmber nachminogs, «ur die Gewinne Uber 240 Mark Und den botreffes. den Nummern in Klammern belgelUgl. [Ohne Gewähr.)(Naebdruck'verbotno.) 19( 45 839 989 IStfl 43 562 889 951 83 2381»48 935 873 9» 093 3132 39 75 89 4(3 83 525 093 712 812 4061 106[3000] 19 65 285 375 663 890 5069 109 29 702 2« 858 02t 60t5 53 413 681 677 809 7025 191 284[1000] 377 85[ 3000](08[3000] 788 869 967[900] 8 IM 81»[500] 93[1000] 153 850[500] ÖC,8 52« 83«73 830 960 1O031 815 23[300] 11108 853 513 709 058 80 1 2114 30 365 726 4 7 98 838 1 3003 7ä 129 98 231 33 80[500] 31» »4 874 908 14(97 39 138 43 352 469[500] 91 68»[500] «89 136 59 15542 98» 16920 591 806[1000] 17251 84 819[500]»i 469 8» 568[ 500] 607 34 1 8001 406 55 52» «77 714 9« 1BOOO 4» 780 20119 161(07 21070 727 987[8009] 22282 658 791 flOOO] 871[500]«7 23109 200 913 2 4557 601 732«3 •2 5008 212 03 333 409«35 2 6057 104 156 80 711 34 2 7(07 ,33 44«5 79« 71 2 8020 1(9 81 9» 205(40 604 43 707 43 49[3000] 291G2 73[8000] 91 317 23[500] 450 525 80» 3O006 78 373 4-1 flOOOO) 95 735 767 631 31144 379 «69 880 8« 32157 79[1000] 204 81 710[8000] 33201 22 44[1000] 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Sektion der Putzer. „Armlnhallen", Kommandantenftr. 58/59(großer Saal): I. Delegiertenwahl zum Verbandstag. 2. Vortrag des Arbeitersekretärs Genossen Ritter über:„Genossenschaftswesen". 3. Verschiedenes. Sektion der Gips- und Zementbranche. „Gewerkscbaftshans", Engelufer 15(großer Saal). Sektion der Fliesenleger. „Gewcrkschuftshans", Engelufer 15(Saal 10). Mitgliedsbuch legitimiert, ohne dasselbe kein Zutritt. Vollzähligen Besuch erwartet Arr Jweigvertinsvorstaud. Verband der Haler, Saekierer, Anstreicher Melchiorstraße 28, part. Filiale Serlitt. USW. Fernsprecher Amt IV Nr. 4787. A 44»Igoite Fisch dampf er. In dieser Woche besonders preiswert: Seezander,\.Rotziingen, Heilbutt. Sonntag, 5. Dezember, vormittags 10 Uhr, in der Nenen Welt, Hasenheide 108— MJ" Mitgliederversammlung. TageL-Ordnung: l. Der neue Reichstarif. Referent: Kollege Jakobeit. 2. Beschlußfassung über die Annahme desselben und über die weiteren Verhandlungen über Arbeits zeit und Stundenlöhne. Van frlachen Fängen unserer Flotte empfehlen wir in 1 eb e n d f ri s c h er Ja. Qualität: p. Pfd. Seezander(Goldbarsch). 25 Pf. 0. KaiiEljau ün änschn. 52 Pf. „ 8eo!aclis im �nschn. 50 Pf. „ Schelsel) im �nschn. 40 Pf. .. Sclielltiscli Iapfd 2 bis 05 Pf. „SeMlsch�i�OSpf. „ Sehelilisehkl"«- Braten 25 Pf. .. knorrlialin-. Braten 25 Pf. „ Seholleniagr. I.s.pfd. 15 Pf. jFattlunßern.... 30 pf. „ Rfltzunp la gr..30 Pf. .. ÄÖSterilliSCll Karbonad.ßO Pf. „Steinbutte bis apfdig.iiOpf. „ fleiütt im Anschn. 65 Pf Preise(fir diese Woche! In allen Verkaufsstellen SV gleiche Preise!"VS Deutsche Dampttischerel-Gesellschatt „Kordsee" Hauptgeschäft i Berlin G., Bahnhot Börse. Telephon HI, 8301 Verkaufsstellen s C., Bahnhof Börse, BogenS-lO. N., Invalidenstr. 131. NO Landsberger Str. 52/53. O., Große Frankfurter Str. 85. O., Madaistraße, Bogen 8— 9, Fruchtstraße gegenüber. S., Priuzenstr. 94. W., Potsdamer Str. 112a. Charlottenbarg: Wilmersdorfer Str. III. 8pandaa: Breitestr. 54. Kteglitx: Sohloßstr. 121. Zehlendorf: bei Herrn Karl Schön. usUmmang Eigene Eisenbahn- KUHIwaggons I F frtHpttptti ES gilt, nunmehr die Entscheidung zn treffen, ob Ihr dem vorgelegten ReichStarls Eure Zustimmung $ivaryui. geben wollt i Deshalb ist es Pflicht eines jeden VerbandSfollegen, in dieser Versammlung zu erschewen."MU Ohne.?IltgHed«h»eb kein Zntrltt! Ortsverwaltung. __ F.�..____ l Die Kollegen werden ersucht, die lehte Nummer deS»Bereins-Anzelgers«. 511111�! welcher de» Entwurf des Nelchötariss enthält— der bessere« Ouformation '> halber— mitzubringen. Heute, Donnerstag, den 2. Dezember, abends SVa Uhr, im Gewerkschaftshanfe, Engelufer IS: 130/12" tsngctufer lo: 130/12» Ä)|| 1K__ Sektionsversammlung der Lackierer, w apeiiamaus Tages-Ordnnna: 1. Bortrag des Genoffen M. Schütte:»Friedrich Schiller und die Arbeiterklasse.' 2. DiSlusston. 3. Ver-iiiSangelegenh-iten. � Die Sektionsleitung. leppilecken Cmil Xücli MI, der selrl wesebtticli hjbeeöii Steuer aul Cigaretten werden JosziV,- * JUMO CiGARETTEN in flftveeäodertör Gflfe de/xestelll, da wir votlea Wert daraus gelegt haben, dieser Marke ihre he» sonderen Vorzüge in jeder Beziehung zu erhalten, JcseUl-ionc-CIsareiteB m.B-o. M. lostck, 20 PL- Berlin S. Seit 1882 nur Oranienstr. 1S8 unterhalt« nirgemk Filialen! Steppdecken in voller BcttgröOe ÄS�hi.zr bord. SB""» 27™ MfMMMUWWWWM Wollatlas Daunendecken 2500bi.l2500 Bunte Normal-.......... Waltetün Wollileck!« 2i>°° Kamelhaardecken.»|.jn0a Spezialität der Firma' (engl.) getigert 3, 8 bis 60 M. Nach auswärts per Nacbnabme. ffeihnachts- Extrallste u. Katalog enorm biiliger Qeschenkartikel (600 Abbild.) gratis u. franko. Verantwortlicher SKebafteur Richard Barth, Berlin. Für den gnseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck n.«erlag: Vorwärts»uchdruckerei u. 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Gleichzeitig erteilte die General- Versammlung die Ermächtigung zur Ausgabe von 4 500000 Obligationen._ Porzcllanfabrik der A. E. G. Auf dem 300 Morgen großen Terrain am Großschiffahrtswege zwischen Spandau und Hennigs- dorf will die Allgenreine Elektriziläts-Gescllschaft eine Porzellan- fabrik und eine Lackfabrik errichten. Der Preis des Geländes pro Morgen beträgt zirka 7500 M. Die Porzellanfabril soll hauptsäch- lich der Anfertigung von Isolatoren dienen. Auf Kosten der Arbeiter. Unter vorstehender Stichmarke brachten wir in unserer Nummer vom 27. November einen Hinweis auf das Sinken des Lohnkontos bei der Kaiscr-Brauerei. Wir hatten die Zahlen einem bürgerlichen Blatte entnommen, da uns der Geschäfts- 4 jbertcht selbst nicht zugegangen war. Run teilt uns die Eefellichaft mit, daß sich der letzte Ausweis aus nur neun Monate bezieht. Das 'konnten wir nicht wissen. Aber auch unter Berücksichtigung dieses Umstandes resultiert doch noch ein Rückgang der Lohnsumme. Nach dem Stande vom Jahre vorher hätte sie für neun Monate rund 100 000 M. betragen müssen, cS sind aber nur 91 054 M. gezahlt worden. Da der uns jetzt zur Verfügung gestellte Bericht keinerlei Angaben darüber enthält. können wir nicht feststellen, ob sich der Rückgang vielleicht aus Personalverminderung erklärt. In ihrem Anschreiben bemerkt die Direkrion, daß bei ihr die Arbeitsverhält- nisse durch Tarife geregelt seien und sie mit den Arbeitern gute Beziehungen unterhalte. Brauerei E. Engelhardt Nachf. Nach dem Geschäftsbericht ist im letzten Jahre ein Reingewinn von 230 523 M. erzielt worden. Daraus werden 40000 M. dem Reservefonds, 14 725 M dem Delkrederekonto, 100000 M. den Aktionären als 10 Proz. Dividende und 28 203 M. dem Vorstand und Auft'ichtsral als Tantieme über- wiesen, 08 500 M. werden auf neue Rechnung vorgetragen. Aus der Lederindustrie. Der Produktionswert der Offen- B a ch-jF ran ffiirter L e d e r w a r e n ind u str i e wird auf Grund privater Erhebungen auf 35 Millionen Mark pro Jahr geschätzt. Wie in allen Industriezweigen sich die Konzentration des Kapitals vollzieht, so auch in der'Lederwarenfabrikation. Der Gesamtwert der von den drei bedeutendsten Fabriken im Frankfurt-Offenbacher Gebiete erzeugten Fabrikate beziffert sich auf zirka 10 Millionen Mark. Der Produktionswert der gesamten Lederwarenindustrie Deutschlands wird auf 55 Millionen Mark zu schätzen sei». Durch unsere famose Zollpolitik ist die Ausfuhr deutscher Lederwaren nach Rußland fast gänzlich eingestellt worden. Trustschwindel. Der amerikanische Zlickertrust nimint fortgesetzt da« öffentliche eresse in Anspruch. Er hat in ftech-genialer Weise den Staat um Riesensummen betrogen. Der Trust führt Robzucker ein, den er in seinen Reinigungsanstalten der Läuterung unterzieht. Der Zoll auf Rohzucker ist verschieden. Je weniger unrein der Rohzucker und je größer demgemäß der Reingebalt an Zucker, desto höher der Zoll. Von jeder ankoinmenden Ladung Zucker werden deshalb im Zollamts Stichproben zur Untersuchung genommen und das Ergebnis der Untersuchung bestimmt den Zoll, der zu zahlen ist. Der Trust hat es verstanden, sich auch hierbei ungerechten Vorteil zu verschaffen. Wie er zunächst den Zollaufseher mit falschen Gewichtsangaben betrogen und �dadurch 5 bis 10 Proz. an jeder Zollrechnung„gespart" hat, betrog er die Zollabschätzer mit falschen Proben und machte dadurch eine zweite nicht geringe Ersparnis. Und dieser Betrug ist seit zwanzig Jahren im Gange und soll der Trust dabei über 20 Millionen Dollar„verdient" haben. Als der Mc Kinleytarif den Trust mit Abschaffung des Zolles auf Rohzucker beglückte, ohne den Schutzzoll auf ge- reinigten Zucker aufzuheben, stellte es sich heraus, daß eine große Anzahl Kongreßinttglieder, Senatoren und Abgeordnete zu eben derselben Zeit in Zuckeraklien spekulierte, deren Preis infolge der wertvollen Zollvergünstigung stark in die Höhe schnellte. Sicher ist, daß ohne ein Heer von Mitwissern, ohne ein planmäßiges Zu- sammenarbeiten hoher und niederer Beamten der Betrug nicht durchführbar war, daß tatsächlich der gesamte New Dorker Zolldienst die ganze lange Zeit hindurch von Korruption förmlich durchseucht gewesen sein muß. Sicher ist ferner, daß auch im Trust die Mit- wifferschaft, wo nicht die Urheberschaft des Schwindels hoch hinauf gereicht haben muß, bis zu den höchsten Spitzen des Trusts. Die wirtschaftliche Entwickelung der Schweiz. Die Schweiz gehört zu den Ländern Europas, die am meisten von der elektriichcn Nutzbarmachung der Wasserkräfte profilieren. Die kürzlich bekannt gewordenen Zahlen über die Fabrikarbeiter der Schweiz im Jahre 1907 lassen eine starke kapitalistische Culwickelung deutlich hervortreten. Es wurden gezählt: Jndustriegruppe Textilindustrie.... Lederindustrie.... Lebens- und Genußmittel Chemische Industrien.. Polygraphische Industrie. Holzbearbeitung.... Maschinen und Metalle. Uhren und Bijoux... Salinen, Erden usw... Arbeiterzahl 1901 . 97193 . 9 273 13 393 7 010 13 781 14 474 45 373 24 858 12 108 im Jahre 1907 111751 11357 .23 024 9 302 10111 21 090 00 584 30 952 10 300 Steigerung Total in%o. 1901 14 553 2 084 5 231 2 340 2330 0 010 21 200 0 094 4132 14,9 22,5 28,4 33,4 10,9 45,7 40,7 24,5 33,9 Total 242 534 307 131 04 597 20,0 ES ergibt sich aus dieser Tabelle, daß die Zahl der Fabrikarbeiter in dem Zeitraum von 1901 bis >907 um 04597 oder u m 20,0 P r o z e n t q e st i e g e n i st. Die Gesamtbcvölkcrung der Schweiz nahm im gleichen Zeitraum zu um rund 195 000 Einwohner oder 5,8 Prozent. Noch charakteristischer aber als die Zunahme der Fabrikarbeiter ist der Rückgang der kleinen landwirtschaftlichen Betriebe. Die Zahl der Rindviehbesitzer in der Schweiz betrug 1300: 217 472, 1900: 214 520 oder um 2952(1,4 Proz.) weniger. Der Rindviehstand stieg dagegen in der gleichen Zeit von 993 291 aus 1 498 144 Stück, also um 504 853 Stück(50,8 Proz.). Durch die Detailziffern wird der Rückgang der Kleinbesitzer bestätigt, wie auS folgender Gegen- Überstellung des Viehbesiyerstandes hervorgeht. Bauer im Neben- beruf 1—2 Stück Besitzer Stück 1800 70 598 115 104 38,5% 12,6% 1906 45 163 70 684 Kleinbauern 3— 4 Stück Besitzer Stück 52 151 177 313 20,3% 19,4% 47 342 104 449 Mittelbauern 5—20 Stüch Besitzer Stück 53 008 370 309 27,0% 40,5% 81735 572400 20,9% 4.7% 22,1% 11,0% 38.2% 38,2% Großbetrieb(über 20 Stück): 1800 1900 .. 10 105 Besitzer 252 000 Stück 8.2%„ 27,5%. .. 40 275„ 090 551„ 18,7%. 40.1%. Man sieht, daß auch die Landwirtschast ein immer mehr auS- gesprochenes kapitalistisches Gepräge erhält. Em der Frauenbewegung. Das Elend der bürgerlichen Frauenbewegung. Neben dem kraftvollen Baum der proletarischen Frauen« bewegung nehmen sich die bürgerlichen„Frauen bewegungen" wie ein kümmerliches Pflänzlein aus. Warum kommt diese Be- wcgung, die doch über finanzielle und gesellschaftliche Hilfsmittel in genügendem Maße verfügt, so mühsam vorwärts? Woran krankt sie? Da gibt es nur eine Antwort: An ihren eigenen Wider- sprächen! An der Verschicdcnartigkeit des in ihr wohnenden sozialen Denkens und Fühlens, am Kastengelst. Alle Anläufe auf jener Seite zerbröckeln in Miniaturvereinchen, Resolutiönchcn, Petitionen usw. Mangel an Erkenntnis der wirtschaftlichen und sozialen Strömungen und Zusammenhänge, Interesselosigkeit, Toilettenfragen und öde Sensationshascherei sind neben dem engherzigen Widerstand der männlichen BourgeoiS-Klassengcnossen der Erscheinung Ursache. Für den letzteren Umstand ist der kürzlich vielfach kommentierte Vorgang in der Universität, wo ein— mutiger Professor seine weiblichen Studentinnen auS dem Hörsaal vertrieben hat und seine männlichen Wissensjünger ihm ihren Beifall in Lärmen und Trampeln bezeugten, kennzeichnend. Der Kastengeist ist so tief in unseren bürgerlichen Kreisen eingewurzelt, daß schon aus diesem Grunde ein innigeres Zusammenarbeiten kaum denkbar ist. Noch tiefer greifend sind jedoch die wirtschastlichtn Faktoren. Die Frau Klempner- oder Bäckermeister hat andere Interessen als die Frau eines Jndustriekönigs oder eines schwerreichen Krautjunkers. Die Damen der Geld- und Geburtsaristokratie können ohne politische Staatsbürgerrcchte auskommen; ihre wohlgefüllte Börse ist ihnen genügend Ersatz. Die Kasteninteressen, zu denen sich noch kleinliche Eifersüchteleien, Oberflächlichkeit und das Zurücktrelenlasien eines großen Zieles hinter engherzige Sonderwünsche gesellen, bilden die nicht zu verstopfende Quelle des Elends der bürgerlichen Frauen« bewegung._ Leseabende. Wilmersdorf. Der nächste Leseabend findet am Freitag, abends 8% Uhr, im Gesellschaftshause, Wilhelmsaue 112, statt. Vortrag der Genossin Dr. Perl. ISozlaliieoiokratiseiiJaiilyereiDl i&ixdorf. Den Parteigenossen zur Nach- richt, daß unser Mitglied, der Tischler LiiHiiz Herrmann (10. Bezirl) verstorben ist. 2ZK/1Z Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Donnerstag, nachmittags 4 Uhr, von der T'afie des neuen Rix- dorser Friedhofes(Martendorscr Weg) aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Vvi' Vorstand. Deutscber Holzarbeiter- Verband I Zahlstelle Rixdorl. Den Mitgliedern zur Ra daß unser Kollege, der Tischler thilins Hermann cm 25. November verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 2. Dezember, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle dcS neuen Rixdorser Friedhoss, Mariendorser Weg, auS statt. 93/2 Die Qrtövcrtvaltung. Mciw Metallarbeiter-Verband! Berwnltnngsstellc Berlin. Todes- Anzeige. Den Kourgen zur Nachricht, daß j unser Mitglied, der Mechaniler Gito Friedrich am 29. v. M. an Lungenschwind- sucht gestorben ist. 126/13 Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet morgen Freitag, den 3. Dezember, nach- mittags 2 Uhr, von der Leichen- Halle dcS Zentral- FriedhoseS in FrtedrichSselde aus statt. Rege Beteiligung erwartet Die Ortövrrwaltuug. Danksagnng. Für die Teilnahme bei der Beerdi- gung unseres lieben, guten BaterS und Schwiegervaters, des Tischlers August Jeretzky sagen hiermit unseren besten Dank. 237 M It. Jeretzky u. Fran. Marni der Haienarbsiter timi verw. Berufsp. Deutseblaods.! - Mitgliedschaft Berlin.= ?lm 29. November verstarb unser Mitglied Hermann vestreich Eeitzensee, Streustr. 3. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Donnerstag, nachmittags 3 Uhr, aus dem Weigenseer Friedhos, Röllestraste, statt. Dies den Mitglieder» zur Nach- richt. 19/16 Der Borstand. vis Simmei Spezial-Arzt* für Haut- und Harnleiden. Prinzenstr, 41, m".z, 10—2, 6—7. Sonntage 10—12, 2—4. Deutscher Holzarbeiter-Verband Den Mitgliedern zur Nachricht.! dag unser Kollege, der Maschinen- arbciter Paul HausadeS am 28. November gestorben ist. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 2. Dezember, nachmittags 4 Uhr, von der Halle des ThomaSkirchhoseö in Rtxdors, Hermmmstraße, aus statt. 93/1_ Die Ortsverwaltung. ET Gets-Krankeickasse der GBrtler. Die Wahl von L18 Delegierten, Vertretern der Kassenmitglieder zur Generalverlammlung sür 1910 und 1911, findet am Sonniag, den 5. d. Mts., im(Scwerkschasts- hause, Engeluser 16, Saal 8, statt Der Wahlakt beginnt um '/,1U Uhr vormittags und endet «in I Uhr mittags. Wähler find. sämlliche grvbjäbrigen Mitglieder. Nur QuittungSbuch legitimiert. Die Wahl von 109 Vertretern der Arbeitgeber zur General- vevfammlunfl für 1910 und 1911 findet am Mittwoch, den 8. d. MtS.. abends 8'/, Uhr, im Saale des Deutschen HofrS, Luckauer Str.>5, statt. 2711b Di« Herren Arbeitgeber, welche für die von ihnen beschäftigten Kassen- Mitglieder Beiträge aus eigenen Mitteln zahlen, werden zu dieser Wahl hierdurch ergebenst eingeladen. Quittung über gezahlte Beiträge legitimiert. Berlin, den 2. Dezember 1909. Der Vorstand. E. Schmidt, Vorsitzender. An diesem Schild sind die Läden erkennbar, in denen SINGER Nähmaschinen verkauft werden. nastergllltig In Konstraktion and AasfHhrang, gleich vorzüglich f Ur Uausgcbraach a. Industrie. Singer Co. Nähmaschinen Act. Oes. 3BERI,IXt. leipziger Straße SS. Läden in den vsrschiedenen Stadtteilen.| ♦ j Sämtliche Crewlime lüf der 26951/ Königl. Preußischen Klassenlotterie werden sofort ausgezahlt durch Karl Gehrla, liotterlcgezchttfte, Dresdener Straße 5, Brnnnenstraße 108, am Kottbueer Tor. nahe InvalidenstraSe. RiieuRiotismüsl Gicht, Gliederreiean, Nerven- Gehmerzen. Hüftweh. Geschwulst etc.| {'ind oft unertrSgllch, daher ge- brauciie man sofort_ "Reicbsi'sTtEleclficuni" j (Echtes Kiefernedel-Weldwolioeli tfn reines unicbevIfcheS Naturprodukt von traftifl durchg, eisen der.»ad�haltiger. fchmerzsttllea» der Wirtung. ssleecde hl. I.— und M 2.-. Tie SBtrtung wird noch erhSht durch den tnneren Sc brauch von»oietiel'e Wschholdtr- Extract..Medlco". siafche 75 Pf. H. 1 50 und M. 190 via n iitbmc aber nur die echten Originalsüllungeu u achte scharf auf Sie iviarke..ivledieo-. ! In den'Ilpotheken u Progerien erhält idi. wo nicht direki v<>i»a \ Reichel, Barlln43,EI«enbahnstr4. eG. Hygienische BMinsaroHel. Neuest. Kaialof 5Q. Empfehl.viel. Aorzte u.Prof. grat. uJg H. Cnger, GtunmiwAienUbra Oerlin MW� Frisdiichsirasaa �1/93 Jedes Wort 10 Pfennig. Das erste Wort(fettgedruckt) 20 Plg. Stellengesuche und Schlafstellen-Aneeigen 5 Pfg.; das erste Wort (fettgedruckt) 10 Pfg. 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