-Ar. 283. Abonnements-Bedingungen: ?i'i- jnnemcnlS- Prcis driinunisrando: Sii-'rieljnbrl."M Mk., monatl� I.io Mk.. II dchc-Uiich 2S Psg. frei iiis Haus. tinjeine iüummer 5 Pfg. Eonniag«. iiummer mi! illustrierler EonnInaS- Beilage„Die Neue Welt" lv Pfp. Po!!, »ibonnemeiU: 1,10 Mar! Uro?.Ronat teiiißetvcgen in die Post- HeilungS- Preislisie, Unter Kreuzband für Teutschland und Oeslerreich- Ungarn U Marl, für das übrige Ausland 8 Marl pro Monat. Postabonnements nihme» an: Belgien. Dänemarl, Holland, Italien. Luxemburg. PorNigal, Numünien, Schweden imd die Schweij. 26. Jahrg. CrIWnt tZglich außer Clontagi. * Vevlinev Volksblatt. Die TnlertlonS'GebflBr Beträgt für die fechSgespaltene Kolonel- zolle oder deren Raum so Pig., für politische und gewerlschastliche Vereins- und Persammlungs-Anzeigen 80 Pfg. „Klein« Hnieigen", das erste(fettgedruckte) Wort 20 Pig., jedes weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlaf« flellen-Anzeigen daZ erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zahlen für zwei Worter Inserate für die nächste Nummer müssen Bis S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition tjt bis? Uhr abends geöffnet. Telegramm- Adreffe? ,.S»ÄiI«>iln»Iirat killi»". Zentralorgan der foztaldemokratircben parte» Deutschlands. Redahtion: SM. 68, Lindenstraaa« 69» Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1083. Sonnabend, den 4. Dezember 1909* Expedition: SM. 68, Lindenotraese 69» Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1084. V Helft das Fiasko der Reichsfinanzreform des Schnapsblocks besiegeln! Verweigert Branntweinsteuer und Liebesgabe! Trinkt keinen Schnaps! Sie Schuldemvirtfchaft nach der Rcichsfinanzreform. Eö hat ein gewisses Aufsehen erregt, daß auch der Etat für das Jahr 191u mit einem erheblichen Defizit abschließt, so daß auch für dies Jahr eine Anleihe von 152 Mit- lionen erforderlich ist. Für denjenigen, der da weiß, daß unsere ganze Schuldenlast und Defizitwirtschaft allein aus unseren militärischen Ausgaben resultiert und daß diese Ausgaben immerwährend gewachsen sind, kommt das sreilich keineswegs unerwartet. Sehen wir doch einmal zu, wie viel allein die Ausgaben des Reiches für unseren M i I i- t a r i S m u S betragen. Wenn wir nach dem Etat für 1910 zu den Ausgaben des ordentlichen Etats noch die Ausgaben des außerordentlichen Etats hinzuaddieren, so erhalten wir folgendes Bild: Reichsheer........ 798 Millionen Mar! Marine......... 432, Kiaulschou........ 9„„ ReichOsckuId........ 215„„ Allgemeiner PensionZfondS.. 118 ReichsinvalidenfondS.... 33„„ Kolonialamt....... 24_„ In Summa 1629 Millionen Mark Dabei sind die 21 Millionen für Fortführung der Arbeiten an, Nordostsee-Kanal. die im ganzen über 200 Millionen kosten sollen, noch nicht einmal mitgerechnet. Diesen rund 1639 Millionen Ausgaben für rein militärische Zwecke stehen nun im ganzen 1611 Millionen wirklicher Nettoeinnahmen gegen- über. Diese Einnahmen setzen sich folgendermaßen zusammen: Millionen Mar! Zölle............. 631,9 Tabaksteuer........... 12,9 Zigarettensteuer......... 23,7 Zuckersteuer........... 147,2 Salzsteuer........... 58,0 Essigsäureverbrauchsabgabe..... 0,5 Schaumweinsteuer........ 10,2 Lcuchtmittelsteuer......... 15,0 Zündwarensteuer......... 15,0 Brausteuer........... 111,5 Spielkartenstempel........ 1,8 Wechsolstempel.......... 20,0 Reicbsstcmpelabgaben....... 173,2 Erbschaftssteuer......... 20,2 Statistische Gebühr........ 1.4 Aversen............ 0,1 Reickspost- und Telegraphen- Verwaltung 52.1 Reichsdruckerei.......... 4,6 Reickseisenbahnverwaltuug..... 15,9 Bankwesen........... 16,4 Expedition nach Ostasien...... 10,6 Reichsinvalidenfonds........ 0,3 Aus der Prüfung der Rechnungen... 0.6 AuSgleickungsbeiräge....... 39.4 Matrikularbeiiräge........ 228,5_ In Summa 1611,6*) Wir sehen also, daß die gesamten Reichseinnahmen zusammengenommen noch nicht ausreichen. um allein die Ausgaben für unseren Militarismus zu decken I Da ist es natürlich kein Wunder, � daß zur Deckung der übrigen Ausgaben eine Anleihe von 152 Millionen Mark notwendig war I Daß die Ausgaben für den Militarismiis sich vermindern werden, wird kein Einsichtiger glauben. Die Ausgaben für die Marine werden ja für das Jahr 1911 noch steigen. Daß sie dann aber nicht unter ihre jetzige Höhe herab- sinken werden, obgleich das nach dem Flottengesetz vom Jahre 1900 der Fall sein sollte, dafür werden schon weitere Flottenrüstungen sorgen I Hinzu kommt, daß die Ausgaben für den Reichsinvalidenfonds bisher aus dem Kapital dieses Fonds gedeckt werden konnten. Dies Kapital ist aber aufgebraucht, so daß auch die Beträge für den ReichsinvalidenfondS künftig auf den Etat übernommen werden müssen. Auch die SkiisgabSn für den L a n d in i l i t a r i s m u s werden schwerlich geringer werden. Schon diesmal l)at man ja die Ausgaben rechne- risch so niedrig als möglich angesetzt, damit gegenüber dem Jahre 1909 eine Ersparnis von 27 Millionen herauskam. Die laufenden Ausgaben für unser Heer sind allerdings 15 Millionen höher, als im vorjährigen Etat. Dagegen sind die einmaligen Ausgaben um *) Die E ii d z i s s e r ist genau, während die Einzelzahlen abgerundet sind. 41 Millionen niedriger. Ob aber dies Minus an ein- maligen Aufwendungen mehr sein wird als eine vorüber- gehende Erscheinung, ist sehr die Frage! Irgend eine Neubewasfnung wird auch die einmaligen Ausgaben wieder gewaltig anschwellen lassen. Käme es vollends zu einer Erhöhung der Friedeuspräsenzstärke, so würden sich die diesmaligen Ausgaben erst recht wieder kolossal steigern I So stehen wir also vor der trübseligen Tatsache, daß trotz der neuen Stenern sämtliche Reichseinnahmen nicht einmal ausreichen, auch nur die milllärischen Ausgaben zu decken I Nun sind im Etat für 1910 die neuen Steuern allerdings bei weitem nicht zu dem Ertrage angesetzt worden, den sie nach dem Plane der Reichsfinanzreform abwerfen sollten. Die Regierung ivar der Ansicht, daß die Einnahmen aus den neuen Steuern beträchtlich hinter dem erwarteten Betrage zurückbleiben werden. Sie hat sie demgemäß um zirka 140 Millionen Mark niedriger angesetzt. In der Anlage XVII gibt sie dafür auch ihre Gründe an. Bei der Branntweinsteuer z. B. spricht sie davon, daß voraussichtlich in der nächsten Zeit eine stärkere Zurückhaltung des Verbrauchs eintrete« werde. Auch bei der Brausteuer ist sie der Meinung, daß nur auf eine reine Mehreinnahme von höchstens 75 Millionen statt der erwarteten 100 Millionen zu rechnen sei.„weil für längere Zeit eine Einschränkung des Verbrauchs von Bier eintreten werde". Diese Momente kommen aber sicherlich nicht nur für das Jahr 1910 in Betracht, so daß auch für weitere Jahre mit einer Mindereinnahme aus den neuen Steuerquellen zu rechnen sein wird. Ist das aber der Fall, so steht fest, daß in den nächsten Jahren das Defizit sicherlich nicht geringer sein wird als im Jahre 1910! Es bleibt also bei dem, was wir so oft betont haben: Das Deutsche Reich ist nichts als eine Organisation zur Stärkung unseres Militarismus und Marinismus. Neun Zehntel aller Neichsausgaben sind Ausgaben für Heer, Marine und Kolonien. Entweder direkte Ausgaben oder aber in- direkte, wie die Summen zur Verzinsung der Reichsschuld oder die Ausgaben des allgemeinen Pensionsfonds und des Reichsinvalidenfonds. Wenn also der uferlosen Schuldenwirtschaft endlich ein E n d e gemacht werden, wenn das Defizit verschwinden soll, so müssen un- bedingt Ersparuisie an de« HeereS- und Marineausgaben ge- macht werden! Hier ist der e i n z i g e O r t. wo im Reiche überhaupt gespart werden kann. Aber auch der einzige Ort, wo nach Ansicht der Regierung und unserer herrschenden Klassen nicht gespart werden soll! Bleibt diese Auffassung der Regierung und der bürgerlichen Parteien aber unerschüttert, so bedeutet das nichts anderes als eine Verewigung der Schulden- und Defizitwirtschaft im Reiche. Ja, wenn schon jetzt ein Defizit von mehr als 150 Millionen vorhanden ist, so braucht nur eine neue Heeres- oder Marinevorlage zu kommen, um sogar eine neue RcichSfinanzreform, eine neue SteucrauSplüuderung des Volkes unausbleiblich zu machen! Ifrinzeiiwahl und Witwen- und Walfenvertröitung. Aus dem Reichstage. 3. Dezember. In der zwei- tägigen Frist ist es dem Schnapsblock gelungen, einen Kandi- baten für die ziveite Vizepräsidentenstclle aufzutreiben. Es ist indes nicht Herr Bruhn und nicht Herr Liebermann von Sonnenberg, sondern der Erbprinz von Hohen- lohe-Langenburg, der zeitweilige Regent von Gotha und zeitweilige Kolonialdircktor, der mit etwa 170 Stimmen gciväblt wurde, während für unseren Genossen Singer 48 Stimmen abgegeben wurden. Die Liberalen hatten auch diesmal tveiße Zettel abgegeben. Der Schnaps- block hat durch die Ablehnung Singers gezeigt, daß es ihm gar nicht einfällt, das Anrecht auf einen Sitz im Präsidium auf Grund der Fraktionsstärke auch der Sozialdemokratie gegenüber anzuerkennen. Nur für sich selbst machen diese Gemülsmenschen solche Rechte geltend. Auch, bei der Schriftführerwahl ließ die Mehrheit den Kandidaten der Sozialdemokratie, den Genossen Fischer durch- fallen. Er erhielt jedoch immerhin einige 80 Stimmen, da diesmal außer den Sozialdemokraten noch die Freisinnigen für den sozialdemokratischen Kandidaten stimmten. Bezeichnend für die„Loyalität" der Schnapsblockverbrüderung ist es aber. daß auch der polnische Kandidat Napieralski durchfiel. Das ist der erste Junkerdank für geleistete Hilse in der Schnapsnot. den die Polen eingeheimst haben. Die Verlängerung des HandelSProdiso» riums mit England wurde ohne Debatte genehmigt. Zu recht erregten Auseinandersetzungen kam es dann bei der Beratung des Gesetzentwurfes betreffend die Abänderung des K 15 des Zolltarifgesetzes. Die Vorlage hat den Zweck, die durch jene Bestimmung für den 1. Januar 1910 festgesetzte Einführung der Witwen- und Waisenversicherung bis zum 1. April 1911 zu verschieben. Der Hauptgrund für diese Vertröstung der Witwen und Waisen auf eine spätere Zeit liegt darin, daß die Be- stimmungen des§ 15 sich als ungenügend erwiesen haben für die Ansammlung der erforderlichen Gelder und daß die Regierung und die jeweilige Reichstagsmehrheit bereits im ganzen Verlaufe der verflossenen sieben Jahre nichts getan baben, um die Gelder auf andere Weise zusaminenzubringen. Das gestand natürlich der neue Staatssekretär des Innern, Herr Delbrück, nicht ein. Er suchte das als so eine Art unbewußter Schicksalsfügung hinzustellen und meinte, es sei auch ratsam, erst das im Februar vorzulegende neue Reichs- Versicherungsgesetz abzuwarten. Er fand bedingte Zustimmung bei dem Nationalliberalen J u n g ck, der es fertig brachte, von'den„segensreichen Wirkungen des Zolltarifs" zu reden. sowie unbedingte bei dem Konservativen Herrn v. R t ch t» hosen, deren Partei stets für Verschlechterung aller Reformen ist. Der Freisinnige Dr. M u g d a n polemisierte gegen Herrn Jungck wegen dessen Verherrlichung des Zolltarifs und der» breitete sich dann über die bisher bekannt gewordenen Be- stimmungen der ReichsversicherungSördnung. Genosse Molkenbuhr erklärte, die Vorlage sei für uns unannehmbar, da die Witwen und Waisen ein der- briefteS Recht auf die sofortige Einführung der Witwen- und Walsenversorgung haben. Er ging dann scharf ins Ge- richt mit der Regierung und dem Zentrum, das aus dema- gogischen Nücksichten, uin sich eine Deckung für die Lebens- mittelvertcuerung zu suchen, den ß 15 beim Zolltarif bean- tragt, dann aber obendrein die Bestimmungen derart der- schlechtert habe, daß das finanzielle Ergebnis, wie von unserer Seite damals sofort nachgewiesen wurde, ganz ungenügend werden mußte. Herr T r i m b o r n versuchte, seine Partei gegen die Vorwürfe in Schutz zu nehmen, indem er sich in allerhand karnevalistischen Scherzen erging. Sein Fraktionskollege Becker- Arnsberg machte den Ablenkungsversuch, vec- mittels des abgedroschenen Materials gegen die Sozialdemo- kratie zu Felde zu ziehen. Genosse Ledebour, auf den Trimborn sich berufen hatte als Zeugen für die Trefflichkeit seiner neuen Anklagen, wies aus dem Stenogranwn des Jahres 1902 nach, daß er damals gerade den V e r s ch l e ch- terungs bestrebungen Trimborns entgegengetreten sei, und Genosse Stadthagen wies die Angriffe Beckers zurück. Dann wurde nach einigen weiteren persönlichen Bemerkungen die Debatte vertagt._ Die etatsdebatteim lächMchen Landtage. Dresden, 2. Dezember. Am Mittwoch wurde die Verhandlung fortgesetzt und Donnerstag abend zu Ende geführt, nachdem einer vorherigen Vereinbarung ge- kmätz von jeder der vier Parteien in der Zweiten Kammer drei 'Redner gesprochen hatten. Ein Versuch der Konservativen, die Abmachungen des Seniorenkonvcnts zu durchbrechen und einem vierten Redner von ihnen das Wort zu erzwingen, was zu einer uferlosen Debatte geführt hätte, scheiterte an dem geschlossenen Widerstand der Liberalen und Sozialdemolraten, vor dem schließlich auch der Führer der Konservativen, Opitz, notgedrungen kapitulierte. ES kann nicht unsere Aufgabe sein, den Verlaus der Debatte im einzelnen hier aufzuzeichnen, wir müssen unS darauf beschränken, die interesiantcsten Momente hervorzuheben. Für solche sorgte, freilich auf seine Koste» und wider Willen, der neue M i n i st e r d e S Innern, Graf Vitztum v. Eckstädt. Er holte zu einer Rede aus, in der er zunäckst in Erwiderung auf in der Rede des Genossen Fräßdorf aus- Regierung werde nie sozialdemokratisch Beamte im Staatsdienste dulden, weil die sozialistische Gesinnung mit der Grundlage der Monarchie unvereinbar sei. Daß der Herr sich so als Minister eines Klassen st aateS empfahl, hat gewiß niemand überrascht oder imponiert. Mit seinen folgenden Ausführungen aber brachte eS Graf Vitztum fertig, den stürmischen Protest der Nationalliberalen hervorzurufen. Er ließ sich darüber aus, weshalb die meiste» Staatsbeamten konservativ und nicht liberal seien und führte das darauf zurück, daß die konservative Partei die StaatSautorität besser wahre als die nationalliberale. Da kam er aber bei den National- liberalen schön an; sie fühlten sich anscheinend schon unter die Staatsfeinde geworfen und protestierten laut und eine Stelle führte, die gesinnte lSrm end gegen den Minister, sodast er ganz perplex wurde und einznleiiken versuchte. Dadei ritt er sich nur noch mehr hinein. Indem er weiter über die Stellung der Konservativen uud Liberalen zur Staotsautorität orakelte, kam er zu dem Schluß, daß die nationalliberale Minderwertigkeit(der Minister sagte e-Z aller- ' dings nicht so deutlichs darauf zurückzuführen sei, daß sie immer vom Ab st Takten ausgingen, während sich die Konservativen auf das Konkrete stützten. Diese mit der Unsicherheit eine« Dozenten, der sich zum ersten Male versucht, zum Besten ge- gebene Naivität entfesselte einen kleinen Sturm von Heiterkeit und naiionallibernler Entrüstung, Diese Rede hat ausgereicht, das Berhältnis des Ministers zu den Nationalliberalen arg zu verderben. Die Absicht des Ministers war das aber wohl kau», i er wollte eher den Drehscheibenpolitikern gut zureden und ist dabei nur bös verunglückt. Seine Situation verbesserte er auch nicht als er am Schluß recht deplaciert erklärte, der Staat brauche Beamte, die nicht auf den Beifall der Massen achteten, Die weitere Debatte schleppte sich seicht und breit dahin, sie belebte sich erst wieder, als der Führer der Konservativen. Opitz, eine mit Spitzen gegen die Liberalen gespickte Rede hielt, von denen er höhnend ein Programm für die umwälzende liberale Reform verlangte. Aus einmal aber änderte der reaktionäre Justizrat den Ton völlig und sprach von der Notwendigkeit eines .Zusammenarbeitens zlvischen Konservativen und Nationalliberalen, wozu erstere bereit seien. Daraus sprach die Sehnsucht der Konservativen, mit den Nationalliberale ir zusamuien einen reaktionären Block gegen die Sozialdemokratie zu bilden. Vor- läufig scheinen die Nationallibemlen dazu jedoch noch keine Neigung zu haben, Sie haben zwar noch keinerlei Absichten oficnbart, eine wirklich liberale Politik zu entwickeln, zunächst aber glauben sie osienbar in einer besseren Stellung zu sein, wenn sie sich von den Konservativen fern und selbständig halten, um bald mit diesen, bald mit den Sozialdemokraten eine Mehrheit bilden zu können. Im letzteren Falle lönnen sie ober nur auf ihre Rechnung kominen, so- Weit sie sich wirklich liberal verhallen, Von sozialdeniokranscher Seite kam am zweiten Tage Genosse Fleiß» er zum Wort, der die Freisimngen kennzeichnete und sich dann näher mit dem Etat beschäftigte, wobei er die Beseitigung der Zivilliste, der Prinzen apanagen und der Staatszuschüsse für die Kirchen forderte, waS den F i n a n z m i n i st e r zi, der in erregten, Tone abgegebenen Erklärung veranlaßte, daß die Zivilliste ein Bestandteil der Verfassung sei. Sodann wies der sozialdemo- kratlsche Redner scharf eine früher aufgestellte Behauptung des Ministers v. Bitztum zurück, die Sozialdemokratie wolle mir negieren. Treffend wies unier Redner darauf hin, daß die- jenige», die derartige Urteile abgehen, meist keine Ahnung von der Tätigkeit der Sozialdemokratie haben. Die Sozialdemokratie, so schloß Genosse Fleißner, werde mitarbeiten, sie werde aber dabei nicht aus das Niveau der bürgerlichen Parteien herabsinken. Der letzte Tag der Etatsdebatle brachte im Ansang erregte Szenen, die der stockkonservative F i a n z m i n i ste r Dr. von R U g e r hervorrief. Der alte überaus enipfindliche Herr hatte sich über die tags zuvor von liberalen Rednern am Etat und seine» Sparsamkeitümaßnahmen geübte Kritik geärgert, er wandte sich dagegen und sprach von allgemeinen Phrasen, mit denen bei der Etatsanfstellung nichts anzufangen sei. Darauf folgte ein allgemeiner Tumult. Erregt sprangen die NationaUiberale» hon den Plätzen und protestierten laut durch eine.Flut entrüsteter Zurufe. Die Szene spielte sich nun weiter wie folgt ab: Msiiister .Dr. v. Rchger: Ich bitte den Herrn Präsidenten, mich gegen diese Unterbrechungen in Schutz zu nehmen I(Erneuter Tumult; Zurufe von den Nationalliberalen: Sie haben kein Recht zu solchen ehrverletzenden Aeußerungen! Der Präsident, unschlüssig, schlägt mit dem Hammer auf den Tisch.) Minister Dr. V. R Ü g e r: Ader ich muß doch den Herrn Präsidenten bitten, mich gegen diese Angriffe in Schutz zu nehmen, die Regierung hat einen Anspruch darauf I (Abermalige erregte Zurufe von der Linken und den National- liberalen: Dann darf er nicht sagen Phrasen I DaS muß er zurücknehmen I Zuruf bei den Sozialdentokraten: Das i st unerhört, da bört alles aus!)— Präsident Dr. Vogel, mit dem Hammer aus den Tisch schlagend: Ich bitte doch, den Minister ruhig anzuhören und� setze voraus, daß keine ehrverletzenden Bemerkungen mehr fallen!—(Abg. Hettner: Aber auch nicht vom Ministerlische I)— Minister Dr. v. Rüger: Ich verbitte mir das I(Abg. L a n g h a in m e r: Wir verbitten uns da? auch I Allgemeine Erregung, die sich erst allmählich wieder legt.) Der Minister sprach dann eine kurze Zeit weiter, doch hörte er sehr bald auf. Es schien ihm, wie man in Sachsen sagt, die Spieße weggeblieben zu sein. Der Freisinnige Dr. Roth machte sich be- sonders wider die beinahe LOOV Paragraphen umfassende Geschäfts- anweisung für Gerichtsbeamte wirkungsvoll luftig. Diese ganze An- Weisung schreibt u. a. vor, daß unsittliche Tätowierungen Gefangener mit Heftpflaster überklebt werden sollen. Kaum hatte Dr. Roth ge- endet, so erhob sich der F i n a n z m i n i st e r wieder zu einer neuen Erklärnng, die einer wehmütigen Abbitte verdammt ähnlich sah: Es sei ihm ein Ausdruck entichllipst, der als Beleidigung auf- gefaßt worden sei, er habe damit aber nur sagen wollen, daß mit allgemeinen Ausführungen nichts anzufangen sei, daß man bestimnite Angaben machen müsse usw. Damit beruhigte er die National- liberalen wieder. Einen Vorstoß für die Umsatzsteuer und gegen die Sozial- demokratie unternahm der konseivative Justizrat Dr. Spieß, der Macher der Umsatzsteueranträge. Das gab dem dritten sozialdemokratischen EtatZredner, dem Genosfen Schulze, Ver- anlassung zu einer wirkungsvollen Generalabrechnung mit den Konservativen, denen er ihr langes Sündenregister vorhielt und damit gleichzeitig nachwies, wie einseitig agrariich und arbeiterfeindlich zugleich diese reaktionäre Clique bisher gewirifchaftel habe. Sodann wandte sich Genoffe Schulze den Ministem zu und wies deren Angriffe auf die Sozialdemokratie zurück, indem er gleich- zeitig zeigte, wie die Minister anderer Staaten und bervorragende Gelehrte über die Sozialdemokratie anerkennend geurteilt hatten. Die übrige Debatte brachte noch eine Rede des Kultus- Ministers Dr. Beck, der glaubte Religion und Kircke gegen die Sozialdemokratie verteidigen zu inüslen. Eine Rede des Rationalliberalen Langhammer war polemisch gegen den Ministcrtifch gerichtet. AlSdann wurde der Debatte nach dreitägiger Dauer aus die oben erwähnte Weise ein Ende bereitet. poUtirche Gcberficht. Berlin, de» 3. Dezember 1903 Die Konservativen im Schlepptau der Klerikalen. Wir berichteten kürzlich, daß der konservative Reichstags- abgeordnete Fürst zu Dohna-Schlobitten in einer von ihm in Königsberg gehaltenen Rede unvorsichtigerweise ausgeplaudert bat, das Zentrum habe für sein Zusammengehen mit den Konservativen bei der letzten Reichsfinauzreform die B e- dingung gestellt, die Konservativen müßten jede neue Besteuerung der Erbschafteu ab- lehnen. Daraufhin bestritten einige konservative und klerikale Blätter die Richtigkeit dieser Aeußerung: aber der Vorstand der konservativen Partei hüllte sich in Schweigen. Jetzt endlich kommt die vom Hauptverein der Deutsch- konservativen in Berlin herausgegebenen„Konserv. Korresv." mit einer Art Dementi— aber mit einem, das indirekt die schöne Enthüllung des Fürsten zu Tohna-Schlobitten b e- stätigt. Es lautet nämlich: „Die„Ostprcutzische Zeitung" veröffentlicht die Zuschrift eines ostpreußischen Konservativen, in der im Anschluß an den Bericht über eine Rede� die der Herr ReichstagSabgcordnete Fürst zu Dohna-Schlobitten über feine Tätigkeit im Reichstage ge- halten hat, der Ansicht Ausdruck gegeben wird, daß die Ab» lehnung der Erbschaftssteuer, die das Zentrum zur Bedingung seiner Mitarbeit gemacht habe, die Vorbedingung für das Zu- standekommen der Reichsfinanzreform gewesen sei. Wir haben hierzu folgendes zu erklären: Die Darstellung, das Zentrum habe seine Mitarbeit förmlich von der Ablehnung der Erbanfallsteucr abhängig gemacht, ist, soweit unsere Kenntnis der Verhältnisse reicht, unrichtig. Es war ohnedies bekannt, daß die'Erbschaftssteuer beim Zentrum ebenso auf grundsätzliche Bedenken stieß, wie bei dem größten Teil der konservativen Partei. Hieraus ergab sich ganz von selbst, daß, da eine Ver- ständigung mit anderen Parteien sich als unausführbar er- wiesen hatte, dieser Teil der ursprünglichen Regierungsvorlage ausgeschieden wurde. Einer darauf gerichteten Vereinbarung bedurfte es nach der Natur der Sack>e nicht." Die„Konserv. Korresp." bestreitet also nicht, daß das Zentrum die Ablehnung der Erbschastssteuer zur Bedingung seiner Mitarbeit gemacht Hat; sie erklärt nur. daß. soweit ihre Kenntnis reicht, diese Bedingung nicht„förmlich" gestellt worden sei. Das mag sein; doch ist für die Sache selbst ganz nebensächlich, ob die Zentrumsuntcrhändler ihrer Bedingung eine ganz bestimmte, schriftlich präzisierte Form gegeben haben oder ob die Bedingung nur allgemein im Gespräch gestellt und akzeptiert worden ist. Daß sie aber überhaupt gestellt worden ist, erscheint um so sicherer, als, wie nachträglich bekannt ge- worden ist, auch Graf Schwerin-Löwitz sich schon früher im selben Sinne geäußert hat wie der Fürst zu Dohna-Schlobitten. So heißt es in einen« Bericht des amtlichen„Demminer Tagebl." vom 13. Juli d. I. über eine Rede des Grafen Schwerin: „Diese Voraussetzung(nämlich das Zustandekommen der Finanzreform init der Besteuerung der Erbschaften) fft aber nicht nur nicht eingetreten, sondern im Gegenteil war die Ablehnung der Erbschaftssteuer die ganz unerläßliche Voraussetzung für ein Zustandekommen der Finanzreforw dadurch geworden, daß die Anhänger der Erbschaftssteuer, d. h. die linksstehenden Blockparteien, bei den Verbrauchssteuern völlig versagten,«röhrend das Zentrum— ganz gegen seine Gewohnheit sich zur Bewilligung der vollen von der Regierung geforderten bbb Millionen unter der alleinigen Bedingung einer Ablehnung der Erbschaftssteuer bereit fand. Wir Konservativen standen also ganz einfach vor der Wahl, entweder die Finanzreform unter Ablehnung der Erbschaftssteuer mit dem Zentruni zu machen oder sie als ge- scheitert fallen zu lassen." Vielleicht dementiert die„Konserv. Korresp." auch diese Nachricht wieder m derselben b e st ä t i g e n d e n Weise. Aus dem Seniorenkonvent des Reichstages. In der Frtitagsitzung deS Seniorenkonvents beantragte Genosse Singer, die Jnierpellaiionen, der Geschäftsordnung entsprechend, sofort nach ihrer Einbringung auf die Tagesordnung zu setzen; die in den letzten Jahren geübte Praxis, erst nachdem die Regie- rungen in einer Vorbesprechung sich zur Jnterpellationsbeantwortung bereit erklärt oder diese abgelehnt haben, die Interpellation auf die Tagesordnung zu setzen, widerspreche den Interessen des Volkes und der Interpellanten; wolle die Regierung die Interpellation erst später beantworten, so möge ste da« auch vor dem Lande erklären. Der Seniorenkonvent stimmte dem Vorschlag zu. Dem- entsprechend stehen eine Anzahl Interpellationen auf der heutigen Tagesordnung. Beantwortet aber wird vorab keilte werden, vielmehr soll nach Erledigung der Punkte der gestrigen Tagesordnung der Handelsvertrag mitPortugal und die Fernsprechgebührenordnung auf die TageS- ordnnng gesetzt worden. Gegen den Wnnsch deS Präsidenten, die Etatsberatung am Montag zu beginnen, wurde von sozialdemokratischer Seite Hinansschiebung bis zum Donnerstag angeregt; die Zwischen- zeit könne besser zur Verhandlung über die Interpellationen benutzt werden. Es gelangte schließlich ein nationalliberaler Vermittelungs- antrag zur Annahn, e, die Etatsberatungen am Dienstag zu beginnen. Voraussichtlich wird an diesem Tage nur der Reichs- kanzler und der Sckmtzselretär sprechen. Auf eine Anfrage, ob wie früher— alle 14 Tage am Sonn» abend und Montag die Sitzung ausfällt, erwidert der Präsident: er wolle an diesem Gebrauche festhalten. Nur schließt die Geschäfts- läge dies vor Weihnachten aus. Sturmankündigung. Von dem Grade der Erbitterung, der Grollaufspeicherung im Ruhrrevier zeugt ein Artikel des christlichen Führers Effert in der„Germania" vom 3. Dezember. Der Verfasser besckMftigt sich mit dem Zivangsarbcitsnachroeis und mit den Plänen, die das Kohlenmagnatenwm damit verfolgt. Wird hier den Diktatoren nicht von der Regierung ein Halt geboten, dann, so erklärt Ässert. entbrennt ein Kampf, wie ihn Deutschland noch nicht gesehen! Ein Ducken der Knappen unter eine Fuchtel sei ausgeschlossen. Keine Erwägungen könnten den Frieden sichern, wenn die Regierung versage und daß Zentralmahregclungsbureau seine Funktionen aufnehme. Wörtlich schreibt Effert: „Die Augen der gesamten Ruhrbergleute sind jetzt nach Berlin auf den Reichstag gerichtet. Das Zentrum hat eine Interpellation eingebracht, die Sozialdemokraten ebenso! Wie wird die Stimmung beim ssieichstage und der Regierung sein? So lautet die Frage aus aller Munde. Wird der Arbeitsnach» weis eingeführt, so ist der Kampf, wenn auch nicht im Augen» blicke, aber bei günstiger Konjunktur sicher. Durch erhöhte Löhne wird es den Unternehmern diesmal nicht gelingen, die Berg. arbeiter wieder einzuschläfern. Das ist und soll keine Drohung sein, sondern der Kampf, der kommt, ist ei» Probult der Selbst. erhaltung der Bergarbeiter. Kohle und Eisen mag man nach Belieben auf dem Markte herumwerfen, ebenso Börsenpapiere. Die Preise für die Produkte mag man monopolisieren, aber die Bergarbeiter werden niemals sich ruhig als ein solches Objekt behandeln lassen. Wird der Rubikon diesesmal von den Werks- bcsitzern überschritten, so wird— das soll und muß mit Vor- bedacht und kalten Blutes ausgesprochen werden— ein Kampf beginnen, wie ihn Deutschland bisher nicht gesehen hat. Nicht am 1. Januar, wie es vielleicht die Grubenbesitzer«vünschen, sondern meiner persönlichen Ansicht nach, sobald die nächste Hoch. konjunktur sich zeigt. ES wird den Herren diesesmal nicht ge- lingen, durch Erhöhung der Löhne die Bergarbeiter einzuschläfern, und in dem für die Bergarbeiter günstigen Moment« wird und muß zum Angriff übergegangen werden. Der Kampf wird dann von einer Bergarbeiterschaft geführt werden, die sich bewußt ist: es gilt die höchsten Güter, die es gibt: die Ehre und die Frei- heit. Die Bergarbeiterschost ist sich heute schon dieser Traglveite bewußt, sie ist sich aber auch bewußt, daß, falls sie in diesem Kampfe unterliegt, es aus Jahrzehnte um jede persönliche, ge- werkschastliche und politische Freiheit und Unabhängigkeit ge- schehen ist. wenn nicht auf immer. Mag man den Einsatz der Bergarbeiter auch noch so hoch einsckKtzen, er ist gering im Vergleiche zu dem Wertobjekt, um welches dann gekämpft wird. Man wird uns dann wohl entgegen- halten: Jetzt, wo- die gute Konjunktur ist, lvollt Ihr das ganze Wirtschaftsleben zum Stillstand bringen, Handel und Wandel unermeßlichen Schaden zufügen? Das alles muß die Berg- arbeiterschaft kalt lassen, denn es gibt höhere Dinge, als eine vorübergehende Sckiädigung des Wirtschaftslebens. Wird der Rubikon jetzt überschritten, so ist es besser, die Berg- arbeiter gehen bei der nächsten günstigen Konjunktur zum An- griff über, als sie warten, bis infolge der Hochkonjunktur und der rapiden Entwickelung des Bergbaues im Ruhreevier nochmals 100 oder 200 00(1 fremde und undisziplinierte Massen hierher geworfen sind und mit Hilfe des ArbeiWyachweises eine gelbe Organisation in der Lage ist. dem Rade in die Speichen zu fallen." Die Sprache ist zu entschieden, die Kalkulation zu kühl nüchtern, als daß man die Darlegungen als Ausfluß einer Augenblicks- stimmung ansprechen könnte, die angesichts- der entscheidenden Stunde in bängliche Flaumachcrei umschlagen werde. Der Sturm fft angekündigt, werden die Lenker am Staatsruder ihn zu ver- hindern wissen? Wenn nicht, dann mögen sie die Verantwortung tragen I_ Die Landtagswahleu in Sachsen-Weimar. Die Wahlen des 2. Dezember im Goeiheländchen bedeuten für die Sozialdemokratie einen erfreulichen Erfolg. Sie hat einen großen Stimmenzuwachs und schon jetzt ein Mandat mehr im Besitz, als sie im alten Landtag Halle, «oährend sie noch in sieben Stichwahlen steht. Dabei ist zu bedenken, daß das neue Wahlgesetz den Kreis der Wahlberechtigten verringert hat und daß zur Wahlberechtigung außer der Staats- Zugehörigkeit auch der Besitz des Bürgerrechts in einer Gemeinde des Landes erforderlich ist. Die Resultate in den vier der Sozialdemokratie zugefallenen Wahlkreisen sind folgende: In Apolda siegte Geuosse B a u d e r t mit 1244 Summen über den liberalen Koinpromißkandrdaten Schaz, der es auf 47ö Stimmen brachte. Die Sozialdemokratie erzielte über 400 Stimmen Zunahme,' die Gegner haben einen Rückgang von über 100 zu betlagen. Noch glänzender gestaltete sich das Resultat in Jena. Hier siegte Genosse Faber mit 1782 Stimmen über den liberalen Kom- promißkandidaten Dr. Fischer, der es aus 1425 Stimmen brachte. Während die Gegner mit einer Stiinmenzunahme von etwas, über 400 abschlössen, gewann die Sozialdemokratie über 800 Stimmen. Ilmenau, das der Sozialdemokratie durch Mogelei vor drei Jahren verloren ging, wurde mit großer Stiinmenzunahme zurück- erobert. Genosse H a u w e d e wurde mit rund 1000 Stimmen gegen die beiden bürgerlichen Kandidaten gewählt, die es zusammen auf knapp 600 Stimmen brachten. Im Wahlbezirk Ruhla-Marksuhl siegte Genosse Leber mit 864 Stimmen gegen seine beiden Gegenkandidaten, die zusammen aus etivaS über 400 Stimmen kalnen. Bon den sieben Stichwahlen, in denen die Sozialdemokratie steht, sind vier gegen Liberale auSznfechten, eine gegen einen Konservativen und zwei gegen Antisemiten. Unter den letzteren ist der national- libsral-konservätive Aiilisemit L e h m a n n, der Reichstagsabgeordnete für Jena. Der aiitisemitische Kandidat OberlckndeSgerichtsrat Freiherr v. R i ch t h o fen ist glatt unterlegen. Die Sozialdemokratie hat einen schönen Erfolg erfochten; selbst in den reinen agrarischen Landbezirken ist überall eine beachtenswerte Zunahme der sozialdemokratischen Stimmen zu verzeichnen. «• • DaS Gesamtergebnis der Wahlen ist: ES find gewählt: 5 Rechtsstehende(Kompromißkandidaten, Konservative, Bund der Landwirte), 4 Sozialde, nokraten. 3 Liberale, 1 Zentrum. An den zehn Stichwahlen sind beteiligt 6 Rechtsstehende, 7 Liberale, 7 Sozialdemokraten. *•* Im Wahlkampf haben übrigens unsere Genossen die sonder- barsten Erfahrungen über den„liberalen Geist" gemacht, der an- geblich uirter dem Staatsminister Dr. Paulssen schon seit zwei Jahren in die Verwaltung deS Goethe- Ländchens eingezogen sein soll. Unter dem Vorgänger PaulssenS, dem Reaktionär Wurmb, waren Versammlungsverbote und-Auflösungen aus den nichtigsten Gründen an der Tagesordnung— das weimarische Versammlungsrecht gestattete da?. Diese Wurmbsche Tradition hat Herr Dr. Paulssen trotz seines Liberalismus und des neuen Reichs- Vereinsgesetzes, das kein Versammlungsverbot kennt, nicht ansrotten können. Im Eisenacher Oberlande, dem Wahlkreise Triolen- Schocks, erklärte der Bürgermeister von Unterellen, daß er in der Gemeinde keirien Sozialdemokraten sprechen lasse. UebrigenS habe schon der Bürgermeister Stein aus Gerstungcn über die LandtagSwahl gesprochen und das genüge den Wählern I In Unterweid auf der Rhön ersuchte einer unserer Genossen den Bürgermeister, eine Wählerversammlung in der ortsüblichen Weise durch die OrtSschelle bekannt machen zu lassen. Der Bürger- meister nahm den Auftrag an, aber bald darauf erschien der Gemeindcdiener bei unserem Genossen und sagte ihm, daß die Abhaltung sozialdemokratischer Vorsammluygen gar nicht gestattet sei. Auf die Einwendungen uiisereS Ge- nassen legte er ihm dann folgendes Schreiben vor: »Der Großherzogliche Bezirksdirektor Dermbach. Dermbach, den 5. November 1S07. Der Genieindevorstand in Untcriveid wird auf seinen Bericht vom 16. v. M. hierdurch angewiesen, in Zukunft sozialdemokransche Versammlungen überhaupt nicht zu gestatten, vielmehr die Entschließung auszusetzen und unS von der beabsichtigten Ab- Haltung einer solchen Versammlung unter Angabe des Gegen- standes der Tagesordnung und des Redners alsbald Mitteilung zu machen. Vermehren." Der Verfasser dieses Kulturdokuments war bis vor 1'/, Jahren noch B e z i r k s d i r e kt o r(Landrat) des Be- zirks Dermbach! Seit mehr als Iffz Jahren ist mm das Reichsvereinsgesetz in Kraft, zwei Bürgermeister im Goethe- Ländchen haben noch heute leine Ahnung davon! Hat Herr Dr. Paulsjen für die nötige Aufklärung seiner Unterbehörden nicht gesorgt?_ Kommunaltvahlen. Der Sieg in Dresden. Zu unserer gestrigen tclegraphischen Meldung wird uns noch geschrieben: Die Wahl findet hier nach einem umständlichen Berufs- Wahlsystem statt, das die Arbeiter außerordentlich entrechtet. Die beiden neuen Mandate wurden in der Gruppe v(ielbständige Gewerbetreibende) erobert. Der Sieg in dieser Gruppe ist um so erfreulicher, weil die konservativ-antisemitische Clique ihren Sieg für sicher hielt. In dieser Gruppe siegten uujere Kcmdidaten im Jnhre 19l>5, bei den Wahlen 1906 und 19U7 gelang, es der Sozialdemokratie nicht, ihre Kandidaten durch- zubringen. Antzer den Mandarsgewinnen hat die Sozialdemo- kratie eine beträchtliche Srimmenzunahme in einzelnen Gruppen zu verzeichnen. Ihre Stimmen stiege» im ganzen um zirka 2500. Besonders kläglich haben die sogenannten„notio- nalen" Arbeiter abgeschnitten; sie brachten in der Gruppe 33 sArbeiter) ganze 7 4 und 25 Stimme n ans, während die sozialdemokratischenKandidaten1l>236und1t)23v Stimmen ans sich vereinigten. Die ganze Scheußlichkeit des Bcrnsswabl. rechte" offenbart sich darin, daß die Sozialdemo- kratie allein in Gruppe B sL. Altersklasse) über 10000 Stimmen aufbrachte, während die Bürgerlichen in allen fünf Gruppen kaum 9000 Stimmen umfassen. Es fsteht nach den letzten Wahlen fest, daß die Mehrzahl der Dresdener Bürger sozialdemokratisch gesinnt i st. Vergleich man nun aber Stiumienzahl und Mandate, so ergibt sich, daß nach diesem famosen Wnhl„recht" auf die Sozialdemokratie fünf Mandate, aus die Bürgerlichen ober acht Mandate entfallen I! Und das ist angeblich ein.Spiegelbild" der Voltsmeinung! In der Gruppe V gewann die Sozialdemokratie zweihundert S l i»r ni e n. in der Gruppe<3(Beamte) über sechs hundert. Wenn diese Foitschritte so weitergehen, dann wird anck das Berufswahl. recht" keinen genügenden Schutz mehr gegen die Sozialdemokratie bieten. * In Radevormwold(Kreis Remscheid-Lennep-Mettmann) bei der Stadtverordneten« Stichwahl für die 'st 3. Abteilung der Kandidat der Sozialdemokratie mit 90 Stimmen M e h r h e dt gewählt worden, während der Kandidat der ch r i st l i ch e u Arbeiterorganisation unterlag. Es ist das erstemal, daß ein Sozialdemokrat in das dortige Stadt- parlcment einzieht. Die S t a d t v e r o r d n eten w a b len in Flensburg brachten der Sozialdemokratie einen schönen Achtungserfolg. Die sozialdcniokratischcn Stimmen stiegen seit dem Vorjahre von 703 auf 1254. Die vereinigten Bürgerlichen brachten es auf 1620 Stimmen. Das Wahlrecht ist für die Arbeiter äußerst ungünstig. Wer nicht zu einem Einkommen von über 1200 M. veranlagt ist, kann nicht wählen. Es wurden zum ersten Male die Wähler durch Karte benachrichtigt, daß sie in der Wählerliste stehen und an welchem Tage die Wahl stattfindet. Den Arbeitern aber, die seit dem>9. Oktober 1903 verzogen waren, wurde diese Karte nicht in die neue Wohnung gebracht. Diese Machinationen haben aber nicht vermocht, das Anschwellen der sozialdemokratischen Stimmen zu verhindern. » Bei der Stadtverordnetenwahl in Nordenham(Großherzog- tum Oldenburg) wurden vier Sozialdemokraten ge- wählt. Bisher hatten die Sozialdemokraten nur ein Mandat, jetzt fünf. Die Wahlbeteiligung war sehr stark. Das bayerische Umlagegesetz angenomme«. München, 3. Dezember. Die Abgeordnelcnkanmrer bat heute abend 7 Uhr die Abstimmung über das oiclumslrittcne Umlage« gesetz vorgenonunen. Dos Gesetz wurde mit 120 gegen 1ö Stimmen ungeuommen. Kür das Gesetz stimmten geschlossen Zentrum »ojl Fr ei e Vereizrigung, sowie e in Teil der Libe r o l c n'. d a g e g e n stimmen g e sch l o s sd n die E ck�i a? d em o k rocke«, 3 Liberale und-der. sraktibuslose. Ubgeorduete-Dramluiger. Präsident Dr. v. Orterer knüpfte an die Abstimmung Worte der Be- friedigung über das Zustandekommen des Gesetzes. Nunmehr ist die bayerische Steuerreform gesichert. Im Meininger Landtage standen am Donnerstag die Wahl des Präsidiums und die ftominifsionswahlen auf der Tagesordmmg. Die bürger- kiche Presse hat sich schon vor dem Zusammentritt des Landtages den Kops darüber zerbrochen, was unsere Partei für eine Stellung bei diesem Punkte einnehmen werde, obwohl unsere Stellungnahme klar zutage lag. Gemäß der Stärke unserer Fraktion haben loir einen Bizepräsidenten zu beanspruchen, und wir verlangten auch in den Kommissionen eine entsprechende Vertretung. Im vorigen Landtage waren unsere Genossen in keiner Kommission vertreten, da die damalige Landtagsmajorität sich erlaubte, uns Vorschriften machen zu wolle», ivelche Genossen in die einzelnen Kommissionen geivählt werden sollten. Diesmal hatte man sich bereit erklärt, in alle Kommissionen auch Sozialdemokraten zu wählen. Einen Sitz im Präsidium wollte man uns jedoch nur aeivähren, wenn der vor- geschlagene Abg. Genosse Weh der gewisse repräsentative Ver- pslichtunaen übernahm, woraus sich unsere Fraktion nicht einließ. Es mm zu einer scharfen Auseinandersetzung zwischen unseren und den bürgerlichen Abgeordncien Unsere Fraktion erklärte, jede Mitarbeit vcrtueigern zu müssen, so lange nicht Gleichberechti- gung zugestanden würde, schließlich einigte man sich dahin, dem Genossen Wehder keine höfischen Besuche zuzumuten, doch soll er stets dann mit am Hofe vorstellig loerden, wenn es sich um Be- sprechungen von Landesangelegenheiten handelt. Bei der vorgenommenen Wahl wurden Schüler(natl.) als Präsident, Fritze(natl.) und Wehder(Soz.) als Vizepräsi- deuten. Dr. Benz(natl,) und Schülein(Soz.) als Schrift» sührer gewählt. In den Kommissionen ist unsere Fraliion— entsprechend ihrer Stärke— durch je 2 Mitglieder vertreten. Bei der provisorischen Abstimmung in den Ausschüsien und bei den Ansschustwahlen selbst stimmten unsere Parteigenossen gegen die Reformentwürfe der Regierung, die ihnen unzulänglich erscheinen. Heber die Lösung der Krise läßt sich nur schwer ein sicheres Urteil gewinnen: denn das Kabinett erlag einer Majorität, die in einen reaktionären und einen radikalen Teil zerfällt. Doch ist es wahrscheinlich, daß das künftige Kabinett eher eine demokratischere' Färbung aufweisen wird._ Gründung einer Zentrumspartei. Rom, 8. Dezember. Wie„Giornale d'Jtalia" erfährt, haben etwa 20 katholische Deputierte in einer Zusammenkunft, bei der der Deputierte Cornaggia den Vorsitz führte, beschlossen, eine politische Kammergruppe unter dem Titel„Demokrat!- sches Zentru m" zu gründen. Spanien. Republikanisch-sozialistischeS Bündnis. Madrid, 2. Dezember. Das Bündnis zwischen den Re- publ i kaue rn und den Sozialisten für die Ge- in e i n dera t Sw ah l e n, die am 12. Dezember in Spanien stattfinden, ist eine vollendete Toisache. Die beiden verbündeten Parteien rechnen auf einen vollständigen Sieg in solchen Groß- städten, in denen das Arbeiterelement vorherrscht. Die liberale Partei beschloß, allein in die Wahlen zu trete», um gegen die Rechte zu kämpfen. Die Republikaner und Sozialisten haben trotz- dem beschlossen, in einigen Bezirken keine eigenen Kandidaten auf- zustellen und für die Liberalen zu stimmen. Snglanci. Tie Verkassungskrise. An? der Debatte des llnterhauses ist noch die Erwiderung Balfours, des Führers der Opposition, und die Erklärung He Uder so Iis für die Arbeiterpartei hervorzuheben. Balfour sagte, die Regierung hätte ganz gut angemessene Vorsorge für eine gesetzliche Erhebung der Steuern treffen können, aber sie habe es vorgezogen, den Verkehr zu behindern und wolle dem Volke einreden, daß die Lords damit ihm einen Schimpf angetan hätten, daß sie es um seine Meinung befragten. Die Lords hielten sich klar an Buch- staben und Geist der Verfassung. Er hoffe, die Macht der Lords würde selten ausgeübt, niemals aufgegeben und niemals beseitigt werdeü. Die Bemühungen der Regierung, diese zu kürzen, seien ihrer Natur nach kleinlich und äußerst nach. teilig und scksiidlich für das öfsentlilfte Interesse. Mit ihrem Vor- gehen hätten die Lords einen vollkommen klaren und gesunden Instinkt dafür bewiesen, was die Pflicht einer zweiten Kammer sei, sie hätten ihre Pflicht ohne Furcht getan, und das Land werde sie rechtfertigen. Henderson sprach scharf gegen das Weiterbestehen der ersten Kammer. DaS Oberhaus, nicht mehr damit zufrieden, eine lange Reihe von Verstümmelungen und Zerstörungen in der Gesetz- gebung verursacht, das englische Volk betrogen und das Land um die Frücbte der Selbstregierung gebracht zu haben, habe sich nun auch erkühnt, Hand an die Rechte des Unterhauses über die Finanzen zu legen. Der Vorwand, daß erst das Volk befragt werden solle, sei eines der hohlsten und heuchlerischsten Aus- kunftsmittel, die je im politischen Leben Englands vorgekommen '1 seien. Er hoffe., daß die Wähler sich weder an der Rase herum« � pftilzren,' nvkh höstechen"lassen würden. Wenn die Arbeiterpartei chazu Beiträgen köffipe, bei den Wahlen ein lcherwältigendes Votum des Volkes im Sinne der Resolution AsquiM zu erlangen, so würde alle ihre Macht in dieser Richtung aufgewandt werden. Das Parlament wird zunächst, wie schon gemeldet, ver- tagt, nicht ausgelöst, tritt aber vor der für Anfang Januar zu erwartenden Auflösung nicht wieder zusammen. Oefterreick. Verhandlungsfähig. Wien, 3. Dezember. Das Abgeordnetenhaus trat heute. nach Ablehnung oder Zurückziehung aller Dniiglichkeitsan- träge, in die Tagesordnung, die erste Lesung des Budgetprovisoriums, ein. was s" lebhaften Bei- f a l l s k u n d g e b u n g e n Anlaß gab. Damit ist also die Obstruktion fürs erste überwunden, Italien. Die Miuisterkrise. Rom, 2. Dezember. Bei Besprechung der M i n i st e r- kr i s i s heben die Blätter hervor, daß die Neubildung des Kabinetts der Opposition obliege, da durch das Zu- sammengehel' der Oppositionellen die Niederlage des Mini- steriums erfolgt sei. Die Blätter, �sonders„Tribuna" und „Populo Romano", meinen, daß S o nni n o mit der Kabinettsbildung betraut werden dürste. Der König wird sich mit den Präsidenten der Kaimner und des Senats sowie mit anderen Parlamentariern beraten. Tie Stelluug der Sozialdemokratie. Rom, 3. Dezember.(Privattelegramm des„Vorwärts".) Der„Avanti" sagt heute in seinem Kommentar zur Ministerkrise, daß Zwei Wege zur Lösung offenständen. Der eine bedeute die Unterwerfung unter die egoistische Dikta tur des Großtapitals: der andere sei der Weg der Reformpolitik und der Demokratie. Die Thronrede. London,. Z. Dezember. In der Thronrede, mit der heute nachmittag haS englische Parlament geschlossen wurde, heißt es u. a.: Der offizielle Besuch, den der König von Portugal aus Anlaß seiner Thronbesteigung abstattete, hat der Königin und mir große Freude bereitet. Unsere Beziehungen zu den auswärtigen Mächten sind fortgesetzt die freundschaftlichsten. Die Schwierigkeiten, die im Herbst des letzten Jahres im Südwesten Europas auftauchten, sind glücklicherweise zu einer praktischen Lösung geführt worden. Andererseits macht das konstitutionell« Regime im ottomanischen Reiche wellere Fortschritte. Abgesehen von gewissen, van meinen Vertretern im Augenblick der Unterzeichnung gemachten Vor- behalten, konnten die auf der Friedenskonferenz im Haag im Jahre 1907 getroffenen Abmachungen, die, um Gültigkeit zu erlangen. eine spezielle Legalisierung nicht erfordern, gutgeheißen werden. Die Rede berührt dann die Lage in Indien sowie die Konferenz der südafrikanischen Staaten. Hieraus spricht der König den Mit- gliedern des Unterhauses seinen Dank für die Mühe, mit welcher sie sich der Ausstellung des Budgets und der B e- r atu n g der neuen Ausgaben für die nationale Verteidi- gung gewidmet haben. Der König bedauert, daß diese Maß- regel nicht durchgeführt werden konnte. Die Rede wendet sich dann an die Mitglieder des Oberhauses und berührt die Lösung der Agrarfrage in Irland. Konserdative Arbeitervrrtreter. Man schreibt«ns ackg London: Konservative Arbcitervertrcter sind in England nichts NcmeS. In den Flegeljahren des Manchestcrtums, als der Liberalismus die Organisationen der Arbeiter, als gegen das heilige Prinzip der ungehinderten Konkurrenz verstoßend, mit Gewalt nieder- zudrücken versuchte, war es sogar verständlich, wenn sich Arbeiter, die doch sonst wahrlich in dieser Gesellschaft wenig haben, das des Konservierens wert ist. der einzigen anderen, der konservativen Partei zuwandten. Seit der Zeit hat sich jedoch vieles in der englischen Politik geändert; die politische und wirtschaftliche Niiacht der englischen Arbeiterklasse ist gewaltig gestiegen und die Wahl- kämpf« der liberalen und konservativen Partei werden immer mehr zu einem Buhlen um die Gunst der Arbeiterklasse. Augen- blicklich ist cS die konservative Partei, die der Stimmen der Kr- beiterschast am meisten bedarf, um ihren auf die Volksausplmrde- rung durch � Lebcnsmittelzölle gerichteten Tarifreformplan durch- zusetzen. Mit einer Unverfrorenheit, die der Frechheit der preußischen Junkersippe völlig ebenbürtig ist, suchen die englischen Konservativen den Arbeitern einzureden, daß der Schutzzoll die Arbeitslosigkeit aus der Welt schassen und daß die Lebensmittel- zolle die Lebenshaltung um kein Haar verteuern, im Gegenteil sogar eher verbilligen würden. Balfour, der Schutzzöllner wider Willen, klopft sich an die Brust und erklärt feierlichst, daß ex zwar für die Tarifrcform sei, eS aber nie und nimmer zugeben werde, daß die notwendigen Mittel im Preise stiegen. Andere Koryphäen der Tarifreform versichern der Arbeiterschaft, daß ein solch kleiner Gctrcidezoll, wie sie ihn einzuführen gedenken, das Brot unmöglich verteuern" könnte. Das Argument erinnert lebhaft an die jungen Jahre der deutschen Lebensmittelzölle, als man � sich anschickte, das spitze Ende des Keiles einzutreiben. Damals stellte Bismarck die Gctreidezöll« ebenfalls als harmlos hin und meinte, daß an einen. Zoll von drei Mark beileibe nicht zu denken sei. Bei all diesen Arbeitcrfreundlichkeit vorschützenden Argumenten sieht es nun etwas sonderbar aus, daß. in dem Heer der kon- servativen Parlamentsmitglieder kein einziger wirklicher Arbeiter zu finden ist. Dieses Mißverhältnis empfinden auch die Kon- servativen als etlvas Störendes. Der„Standard" ist daher auf den originellen Gedanken gekommen, einen Fonds zu sammeln, mit dessen Hilfe man waschechte Arbeitervertreter, wie sie von der Antisozialistischen Liga großgezogen werden, als kon- servative Kandidaten aufzustellen beabsichtigt. Das Geld, etwa 120 000 M., war leicht gefunden, noch leichter die drei Kandidaten. Nun handelte es sich noch um die Wahlkreise. Hier hieß es, vor- sichtig zu Werke gehen, damit man unter keinen Umständen in Verlegenheit kommen könnte, sollte diesen„Arbeitervertretern" bei dem großen Raubzug auf die Taschen des Volkes dennoch plötzlich das proletarische Gewissen schlagen. Man gab ihnen daher Wahlkreise, wo sie auch nicht einmal eine„Outsiderchance" haben, gewählt zu werden. Den einen will man in einem Wahl- kreise ausstellen, wo seit einer Generation der Liberale so fest im Sattel sitzt, daß es keine andere Partei bis jetzt der Mühe wert gehalten hat, gegen ihn aufzutreten. Ter zweite soll den Kampf gegen den Arbeitervertreter Shackleton in Clitheroe auf- nehmen, der bei der letzten Wahl mit der für englische Verhält- nisse gewaltigen Majorität von über 8000 Stimmen gewählt wurde. Ein dritter Däumling soll ausziehen, um die kaum ge- ringere Majorität der Arbeiterpartei in Leicester zu vernichten. 120 000 M. scheint eine gewaltige Summe, wenn man das er» hoffte negative Resultat in Betracht zieht; dab Unternehmen be» iveist aber, daß der vollkommene Gentleman, der sich den Sport der Arbeiterfreundlichkeit etwas kosten läßt, noch nicht aus- gestorben ist. foißlancl. Gin echtrussischer Exzeß. Petersburg, 3. Dezember. R e i ch s d u m a. Während der Debatte über die Gesetzesvorlage betreffend die Unantastbarkeit der Person erging sich Markow(extreme Rechte) in den heftigsten Schmähungen gegen Kadetten und Nirtitrussen. Die Kadetten verließen s chließlich unter heftigem Widerspruch den Saal. Der Präsident entzog dem Redner nach dem siebenten Ord- n u n g s r u s das Wort. Die Vorlage wurde mit 204 Stimmen der Opposition und der Oktobristen gegen 113 der �Rechten einer neuen Kommission zur Bearbeitung in Monatsfrist überwiesen. Gc�iales. Meldet erlittene Betriebsunfälle sofort an! Der Arbeiter G. in Adlcrshos erlitt am 12. November 1907 im Betriebe der Deutschen Nileswerke in Ober-Tchöneweide dadurch einen Unfall, daß er beim Einstemmen von Löchern in eine Wand von einer Leiter abstürzte upd mit' dem Kreuz auf den Fußboden aufschlug. Direkte Zeugen des Unfalls waren nicht vorhanden. Am Abend bei der Nachhausefahrt klagte G. seinem Freunde R., mit dem er tägliÄ zusammenfuhr, über Schmerzen im Rücken und er- zählte demselben den Vorfall. Noch 4 Tage quälte sich G. zur Arbeit, mußte dieselbe jedoch dann einstellen und sich in ärztliche Behandlung begeben. Er wurde dem Kreiskrankenhause überwiesen und starb doriselbst am 26. November 1907. Tie Nordöstliche Eisen- und Stahlberufsgenossenschaft wies den Anspruch der Witwe ans Hinterbliebmimnte zurück,.weil für die Tatsache des behaupteten Unfalls jeder Beweis fehle und ein ur- sächlicher.Zusammenhang der tödlichen Erkrankung mit einem solchen nicht erwiesen sei. Auf die vom Arbeitersekretariat Berlin beim Schiedsgericht eingelegte Berufung wurde der Bureouchef der Firma darüber vernommen, ob die Frau des G.. als sie einen Mediziuschein verlangte, von einem Unfall etwas gesagt habe. Auf Grund der vermeintlich unklaren Aussage dieses Zeugen und des Zeugen R., mit dem G. immer zusammenfuhr, wurde die Berufung zurückgewiesen. Im Rekursverfahren wurde die Witwe des Verstorbenen sowie nochmals der Zeuge R. eidlich vernommen. 3t. liekundete wie früher, daß er von dem Verstorbene» gleich am Tage des Unfalls von dem- selben Mitteilung erhalten habe; des weiteren, daß G. tagsüber stets über starke Schmerzen.klagte. Da die Aerzte einen ursäch- lichen Zusammenhang des Todes mit einem Unfall für erwiesen erachten, wenn ein Unfall selbst vorliegt, so kam nunmehr das llieichsvcrstchernngeamt auf Grund dieser Aussagen zur An- erkennung des Unfalls.' Der Witwe wurde die Hinterbliebenenrente zugesprochen. � Dieser Fall zeigt abermals, wie notwendig es ist, daß die Ar- bxiter von einem ihnen zugestoßenen Unfall ihren Mitarbeiter» oder sonstigen Personen sofort Kenntnis davon geben, noch besser: jede» Unfall bei der Berufsgenossenschaft anzumelden. Schwere Folgen eines scheinbar unerheblichen Unfalls treten oft erst später auf._ i Die Erkrankung deS Angestellte» vor Antritt der Stellung. In kaufmännischen Kreisen herrscht der weitverbreitete Irr- tum, daß der Ehef lein Gehalt zu zahlen braucht, wenn der Gehilfe wegen Krankheit die Stellung gar nicht antritt. Daß diese Ansicht irrig ist, lehrte ein jüngst ergangenes Urteil der vierten Kammer des Berliner Kaufmannsgerichts. Die Verkäuferin T. war für ein neu etabliertes Geschäft vom Beklagten W. engagiert worden. Da sie vor der Eröffnung des Geschäfts erkrankte, so kam es nicht zum Antritt. Der Beklagte fechtet den Anstellungsvertrag als un- gültig an, da ihn die Klägerin von Anbeginn an nicht erfüllt habe. Letztere führt dagegen aus, der Vertrag sei gültig, sie sei an der Erfüllung nur durch plötzlich eingetretene Krankheit verhindert ge- Wesen. Nur dann könne der Beklagte den Ve.trag Wege»« Irrtums anfechten, wenn sie, die Klägerin, die Stellung schon als kranke Person angenommen hätte.»Sie sei aber bei Abschluß des Per- träges kerngesund gewesen.— DäS KaufmannLgeeicht schloß sich den Ausführungen der Klägerin an und ve-"-'-'!»« ihrem Antrage gemäß die Finna zur Gehaltszahlung. Im Aerger über den verlorenen Prozeß. Der Arbeiter G. war bei der Inhaberin eines Fuhrgeschäftes Frau Knospe gegen 24 M. Wochenlohn beschäftigt. Ueber Kündi- gung ivar nichts vereinbart. G. sollte auf unbestimmte Zeit aus- setzen, womit er einverstanden war. Da aber seine Stellung mit einem anderen Arbeiter besetzt wurde, betrachtete er sich als ent- lassen. Er erhob Anspruch auf eine Entschädigung von 48 M. für die Kündigungsfrist. Da dem aber auf gütlichem Wege nicht ent- sprechen wurde, klagte G. beim Ektverbegericht. Im Termin am 19. November kam es zu einem Vergleich, indem sich die Beklagte verpflichtete, den Kläger vom 22. November bis zum 4. Dezember zu beschäftigen. Kläger fand sich auch am 22. pünktlich zur Arbeit ein und erwartete die Zuweisung der Arbeit. Nach � Stunden kam der Ehemann der Beklagten in den Stall. Als er den Klägeic gewahr wurde, nannte er ihn einen frechen Menschen, der nach dem Gericht gelausen sei, um zu klagen und jetzt wieder arbeiten will. Er forderte schließlich, daß Kläger durch Unterschreiben eines Ne- Verses Kündigungsausschluß anerkennen sollte, und da sich dieser weigerte, entließ er ihn. G. klagte deshalb von neuem. Nachdem das Gericht unter Vorsitz des Magistratsasscssors Dr. Lehmaii» die ! Beklagte dahin belehrt hatte, daß das Verhalten ihres Ehemannes � gegen den geschlossenen Vergleich verstößt und der klägerische An- sprach deshalb berechtigt sei, ging die Beklagte auf den vom Kläger gebotenen Vergleich ein. ihm mit Rücksicht darauf, daß das Arbeits- Verhältnis erst am 4. Dezember zu Ende gehe. 36 M. zu zahlen. GewerkfcbaftUcbe� Eine JMalTciihlage von Streikbreckern fipt die„Fränkische Tagespost" in Nürnberg zu erwarten. Sie hat sich während des erbitterten Kampfes in der Wolsf- schen Zelluloidwarenfabrik der Streikenden energisch ange- uoinmen und die Streikbrecher wiederholt scharf charak- terisiert. Eines dieser nützlichen Elemente mit dem schönen Namen Priester besaß die Stirn, sich dadurch gekränkt zu fühlen, daß die„Tagespost" die Streikbrecher allgemein „Lumpengesindel, lichtscheues, streikbrechendes Gesindel" usw. bezeichnet hatte. Er stellte gegen den Verantwortlichen Re- dakteur der„Tagespost", Genossen Erwin Barth, Beleidi- gungsklage, die jetzt Vor dem Schöffengericht Nürnberg ver- handelt wurde. Der Kläger hatte zwar Erfolg, denn. Genosse Barth wurde zu M M. Geldstrafe verurteilt; aber während der Verhandlung und auch in der Urteilsbegründung machte der Richter kein Hehl daraus, daß er die Verleugnung der einfachsten Solidaritätsgesetze, die bei diesem Streik besonders schwerwiegend war, als eine unanständige Handlungsweise betrachte. Ter Beklagte sei aber in der Form zu weit ge- gangen, da er die verächtliche Handlungsweise der Streik- brecher auch in anderer Form hätte kennzeichnen können. Das Verhalten des Klägers in der Verhandlung läßt darauf schließen, daß er nur als Sturmbock vorgeschickt wurde und daß nunmehr, nachdem er eine Verurteilung erzielt hat, auch die übrigen Streikbrecher, 45 an der Zahl, gegen die „Tagespost" Beleidigungsklage stellen werden. Der Niirn- berger Schöffengerichtssaal wird also demnächst das Schau- spiel eines Strcikbrecherappells bieten. Berichtigung. In unserem Artikel über„Neues au» den amerikanischen Ge- wcrkschgsten", der in der Nummer WO vom 1. Dezember erschien, hat sich ein sinnentstellender Fehler eingeschlichen. Es muß da am Schluß der ersten Spalte heißen:„Die Lithographen machen keinen Unterschied zwischen Einheimischen und Fremden". Wir berichtigen dies, damit niemand irregeführt wird. üerlin unci Qmgegenck. Der Streik der Isolierer. Fn einer außerordentlichen Mitgliederversammlung der Jso. kicrer Berlins, die am Tonnerstag bei Freiheit stattfand, berichtete der Ortsvorsitzende Beckmann über den Stand des Streiks. Ver- änderungen sind nicht eingetreten. Wie von Anfang an, so stehen die Streikenden auch jetzt noch einmütig im Kampfe und zeigen keinerlei Neigung, zurückzuweichen. Die Unternehmer warten offen- bar auf eine Zersplitterung im Lager der Streikenden, aber da können sie lange warten und werden es doch nicht erreichen. Daß sie sich nicht besonders stark fühlen, beweist der Umstand, daß sie die Oeffentlichkeit fortgesetzt über die Ursachen des Kampfes zu täuschen suchen. Die„Arbeitgebcrzeitung", die sich ihre Informa- tionen doch jedenfalls an für sie maßgebender Stelle geholt hat, berichtet in ihrer letzten Nummer über den Kampf im Isolier- gewcrbe: „Die Streikenden verlangen, daß der neue Arbeitsvertrag bereits Ende Oktober 191l> abläuft, während die Unternehmer eine längere Vertragsdauer und als Endtermin den la. Februar wünschen. Die Lage der Unternehmer den Ausständigen gegen- über ist durchaus günstig, da sich dauernd Arbeitswillige melden und sie von ihren Arbeitgebern mit Bezug auf die Durchführung der übernommenen Arbeiten nichb gadrängt werden. Hierzu kommt, daß der Zusammenschluß der Arbeitgeber gegen früher ganz wesentliche Fortschritte gemacht hat und sie.. daher, ihren Gegnern besser gerüstet gegenüberstehen. Es ist mit der Mög- lichkeit zu rechnen, daß, falls eine Einigung nicht bald erzielt wird, die Arbeitgeberorganisation zur Aussperrung von organi- sierten Isolierern schreitet, die sich nicht auf Berlin beschränken, sondern aus weitere Städte ausgedehnt wird." Wie der„Vorwärts" seinerzeit wahrheitsgetreu berichtete— waS auch von der Arbeitgeberorganisation nicht bestritten werden kann— hatten die Arbeitgeber bei den letzten Verhandlungen keine längere, sondern bedingterweise eine kürzere Tarifdauer vor- geschlagen, als den Arbeitnehmern angebracht erschien. Der Vor- schlag der Arbeitgeber ging dahin, daß der Tarifvertrag, falls die noch bevorstehenden Verhandlungen über den Akkordtarif zu keiner Einigung führen sollten, am 15. Februar 1319 kündbar, und dann am 1. April desselben Jahres ablaufen sollte. Würde aber eine Einigung über den Akkordtarif zustandekommen, so wollten sie den Vertrag bis zum 31. Oktober ivlg anerkennen. Tarauf hatten sich die Arbeituehmervertrcter bereit erklärt, den von den Unter- nehmern angebotenen Aikordtaris ohne weiteres anzuerkennen, um so den endgültigen Abschluß des Vertrags möglich zr» machen. Daß die Unternehmer das ablehnten, was sie selbst un- mittelbar vorher als das Ziel ihrer Wünsche hingestellt hatten, und dann mit ihrem bekannten Revers zur Aussperrung griffen, ist die Ursache des Kampfes. Von einer längeren als einjährigen Tarif- dauer ist bei jenen Verhandlungen nickt die Rede gewesen. Was die„Arbeitgcberzeitung" in dieser Hinsicht schreibt, ist also nichts als«in Versuch, die öffentliche Meinung durch eine offenbare Un- Wahrheit irrezuführen' Daß die Lage der Unternehmer„durchaus günstig" sein soll, ist mindestens sehr zu bezweifeln. Mit�den Arbeitswilligen. die sich.dauernd" melden, ist nicht viel Staat zu machen. Wenn man wirklich hier und da einige Leute aus anderen Berufen erwischt, und selbst wenn man sie dann, wie das nicht immer der Fall ist, in der„Isoliererakademie" in der Pappelallee 3 oder 4 Tage lang„ausbildet", so ist damit keineswegs gesagt, daß sie als Isolierer arbeiten können. Die Geduld der Auftraggeber wird ja auch schließlich ein Ende nehmen, um so eher, wenn sie erst einmal recht gewahr werden, was das bißchen Arbeit wert ist, das pon Arbeitswilligen ausgeführt wird, die vom Beruf nichts ver- stehen. Uebrigens halten selbst solche Arbeitswillige nicht bei den Unternehmern aus. Wie in den früheren Streikversammlungen, waren auch am Tonnerstag wieder einige dieser Leute erschienen, die die Arbeit wieder niedergelegt hatten. Daß der Zusammenschluß der Arbeitgeber„gegen früher" Fortschritte gemacht hat, ist ohne weiteres zuzugeben, denn es gab ja eine Zeit, wo sie überhaupt nicht organisiert waren. Nun gibt sich ihre Organisationsleitung große Mühe, die noch außenstehenden Firmen heranzuziehen. Es ist da ein Schreiben versandt worden, das mit den Worten beginnt: „Da Sie ein« Jsolierfirma größeren Stils haben" usw. Dadurch sollen sich offenbar die kleinen Unternehmer, die drei, vier Isolierer beschäftigen, geschmeichelt fühlen. Aber die werden sich die Eache wohl erst einmal reiflich überlegen, haben wenigstens alle Ursache dazu. Das Statut der Unternehmerorganisation bestimmt, daß die Mitgliedschaft immer auf ein volles Jahr gilt und stillschweigend verlängert wird, wenn nicht die Kündigung just am 31. Dezember erfolgt ist. Und weiter bestimmt das Statut, daß die Beschlüffe der Organisation bei 1000 M. K o n v e n t i o n a l st r a s e für jeden Uebertretungsfall gehalten werden müssen. In Streitfällen entscheidet ein Sckiedsgericht, Berufung an die ordent- lichen Gerichte ist ausgeschlossen— durch das Statut. Gleichwohl werden die ordentlichen Gerichte nun wohl einmal zu entscheiden haben, ob eine derartige Bestimmung nicht allzusehr gegen die guten Sitten verstößt oder gar einen Erpressungsversuch bedeutet.— lieber polizeilickeu.Streitbrecherschutz" wurde ein sonderbarer Fall aus Nowawes gemeldet. Tort ist ein Arbeitswilliger aus Magdeburg tätig. Ein Streitender aus Berlin kommt dorthin und sucht ihn in aller Ruhe über seine Pflichten gegenüber der streikenden Kol- legenschaft aufzuklären. Jener erwidert:„Ja, ich reise ab; sonst schlagen sie mir wohl noch die Knochen kaput."—„Nein", sagt der Berantw. Redakt.: Richard Barth, Berlin. Inseratenteil verantw. Streikende,„davor brauchen Sie keine Angst zu haben; Ivir können nur moralisch aus Sie einwirken." Da geht der Arbeitswillige und erzählt auf dem Bau, man hätte gedroht, ihm die Knochen kaput zu schlagen. Der Streikende wird zur Polizeiwache befördert, wo man ihm verbietet— Nowawes je wieder zu betreten! Auf seine Frage, ob das denn eine Ausweisung sein solle, kommt die Antwort:„Nein; aber wir werden Sie einsperren, wenn Sie sich hier wieder blicken lassen." Anderen Tags konnte der Streikende feststellen, loie der Aroeitswillige zur Mittagspause durch einen Gendarm von und zur Arbeitsstätte geleitet wurde. — Was die von der„Arbeitgeberzeitung" in recht bescheidener Form angekündigte Aussperrung anbetrifft, so zeigte die Versammlung deutlich, daß diese schon lange und in größerem Umfange an- gekündigte Maßnahme in keiner Weise geeignet ist. die Streikenden wankelmütig zu machen. Wie verlautet, soll die Aussperrung am 18. Dezember stattfinden, also eine Woche vor Weihnachten, wzu- sagen eine Art Feiertagsaussperrung, die wohl den Unternehmern am leichtesten durchführbar erscheint. So wenig wie in Berlin werden die Herren in den anderen Städten, wo die Isolierer nicht minder stark organisiert sind, Glück damit haben. Nachdem diese verschiedenen Punkte vom Referenten sowie in der Diskussion ausführlich besprochen worden waren, bescklossen die Streikenden einstimmig, wie bisher ruhig weiter auszuharren im Kamps, bis der Sieg errungen und ein annehmbarer Friedens- schluß möglich gemacht ist. Veuhkckes Reich. Die Aussperung im Christmonat. Stettin, 3. Dezember.(Privatdepesche dcS„Vor- wärt s".) Nachdem die Unternehmer in der Stettiner Konfektion den alten Tarif selbst gekündigt hatten, aber aus Grund eines von ihnen angefertigten Entwurfes keine Verschlechterung des Arbeits- Verhältnisses durchsetzen konnten, arbeiten die Schneider seit dem II. Oktober dieses Jahres ohne Tarif. Damit schienen die Unter- nehmer zunächst einverstanden. Heute, nach sieben Wochen, ver- langen sie plötzlich unter Androhung einer Aussperrung den Ab- schluß eines neuen Tarifcs. Die Arbeiter wollten auf diese Tarif- freudigkeit auch eingehen und ließen sich auf Verhandlungen ein. Als sie aber erklärten, die Bügler und Näherinnen ebenfalls in einen zukünftigen Tarif cinzubczichen. war cö mit der Tarif- freudigkeit des Arbeitgcberverbandcs vorbei, da dieser sich darauf auf keinen Fall einlassen wollte. Aber ihm ist es gar nicht um den Abschluß eines neuen Tarifes zu tun, sondern er suchte einen Konflikt mit der Arbeiterschaft unter allen Umständen. Das ging aus einer Aenßerung des Vorsitzenden des Unternchmerverbandes hervor, welcher offen erklärte:„Wir hätten uns auch so nicht ge- einigt." Das ging weiter daraus hervor, daß man die Lohn- kommission auch vielfach zu Verhandlungen bestellte, obwohl man bereits am Montag den AuSfperrungsbeschlutz gesaßt hatte. Und schließlich kann man das auch daraus entnehmen, daß man vorher Arbeit auf Arbeit herausgab. Doch jedenfalls nur, um zur Aus- spcrrung gerüstet zu sein. Ja, noch am Mittwoch und Donners- tag hatte man den Schneidern große Posten Arbeit ins HauS geschickt. Eine Freitag nachmittag abgehaltene Versammlung be- schloß aber, den organisierten Unternehmern alle Arbeit wieder zur Verfügung zu stellen und die Aussperrung so aufzufassen, wie es seinerzeit der Hauptmacher des Unternchmerverbandes wünschte, der da sagte:„Wenn wir sie aussperren, haben wir keine Arbeit für sie." Ter brutale Gewaltstreich, drei Wochen vor Weihnachten die Arbeiter, und unter ihnen die schlechtest entlohnten Heimarbeite- rinnen, brotlos zu machen, wird nur dazu beitragen, die Arbeiter noch fester an ihre Organisation zu schmieden. Zur Darifbewegung im Malergewerbe. In Darmstadt. Frankfurt a. M.. Gießen. Hanau. Höchst a. M., Offen dach und Mainz nahmen die im Verband der Maler, Lackierer usw. organisierten Gehilfen in verhältnismäßig gut besuchten Versammlungen zu dem Er- gebnis der zentralen Tarifverhandlungen Stellung. In allen Versammlungen wurde mit großer Majorttät dem Reichstarifvertragsmuster und den zentralen Verhandlungen über Lohn und Arbeitszeit durch die zentrale Verhandlungskommissio» zugestimmt. Die Versammlungen waren durchweg von gutem Geiste getragen. Klar kam aber durch die Diskussion überall zum Ausdruck, daß man dem endgültigen Abschlüsse des Tarifcs nur dann zustimmen könne, wenik er wesentliche Verbesserungen in der Frage des Lohnes und der Arbeitszeit bringt. Der Streik der Buchbinder in Krefeld wurde nach vier- wöchentlicher Dauer mit teilweisem Erfolg beendet. Tie Wieder- aufnähme der Arbeit erfolgte am Freitag und Sonnabend. Es gelang, die von den Arbeitgebern geplanten Verschlechterungen ab- zuwehren und noch einige Borteile für die Gehilfen herauSzu- schlagen, dagegen konnte die Wiedereinführung der Akkordarbeit nicht verhindert werden._ Gegen den Arbeitsnmsiweis der Unternehmer. In L u d w i g s h a f e n fand eine gewaltige Protestversammkung gegen die Praktiken des Mannheim-Ludwigshafener Industriellen- Arbeitsnachweises statt. Schon eine halbe Stunde vor Beginn der Versammlung wurde der Saal polizeilich abgesperrt. Hunderte mußten wieder umkehren, weil sie keinen Einlaß finden konnten. Nach einem Referat des Genossen Leimpeters wurde eine Resolution angenommen, in der entschieden gegen die schoflen Praktiken des Arbeitsnachweises, der den Arbeitern das Koalitions- recht rauben will, protestiert wird. Das Bureau der Verstimm- lung wurde beauftragt, eine Petition an die Regleruiigen auszu- arbeiten, die eine gesetzliche Regelung der Arbcitsvcrmittelung auf paritätischer Grundlage verlangt. IZuslanck. Ter schivedische Gewerkschaftskongreß hat am Dienstagabend sein Ende erreicht, nachdem er acht Tage gedauert hatte. Aus den Verhandlungen der letzten Tage ,st noch mitzuteilen, daß der Kongreß beschlossen hat. den Reserve- fonds der Landesorganisation von bisher 150 000 Kronqi auf«ine Million zu verstärken. Das hat durch Extra- beitrüge zu geschehen. Zu bestimmen, wann und in welcher Höhe dies- Extrabeitrög- erhoben werden sollen, wurde der Repräsentant- sckaft und dem Landcssckretariat überlassen. Ter Beschluß wurde mit 378 gegen 88 Stimmen gefaßt: die Minorität stimmte für eine Verstärkung des Fonds aus fünf Millionen. Zu weiterem Ausbau der internationalen Ver- b i n d u n g e n gab der Kongreß dem Landessekrctariat den Auf- trag, mit den Gewerkschaftszentraleu der übrigen skandinavischen Länder zu erwägen, ob es nickt möglich und zweckmäßig ist, zwischen den Landeöorganisationcn Skandinaviens feste Gcgenseitigkeits- vertrage zur Unterstützung bei größeren Kämpfen in dem einen oder anderen Lande zu schaffen. Zum Punkte Agitation lag ein Antrag vor, wonach alle gewerkschaftliche Agitation von der Landesorganisation ausgehen und auf ihre Kosten betrieben werden sollte. Es wurde jedoch eine Resolution angenommen, wonach die Landesorganisation, wie eL übrigens bisher schon der Fall war. ihren Beistand gur Agitation, namentlich in den Berufen, wo es besonders notwendig ist, leistet, und zwar teils durch die Tätigkeit eines fest angestellten Vertrauens- mannes, teils durch Zuwendungen an die Verbände, die die Kosten �dcr notwendigen Agitation nicht selbst tragen können. Dem Landes- t Utz. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag.'Vorwärts Buchdr. u. BerlagSanstal sekretariat wurde aufgetragen, der Agitation unter den Arbeite« rinnen besondere Aufmerksamkeit zu widmen. Die Wahlen zum Landessekretariat zeigten, wie übrigens der ganze Verlauf des Kongresses, daß das Vertrauen der Arbeiter- schuft zu den bisherigen Leitern der Landesorganisation in keiner Weise erschüttert ist. Der Vorsitzende He r in a n n L i n d q u i st. der Kassierer Ernst Söderborg und der Sekretär Arvid Thorberg wurden einstimmig wiedergewählt. Die Feinde der Arbeiterbewegung hatten gehofft und erwartet» daß der nun verflossene Kongreß infolge des Großstreiks ein Bild der Zersplitterung und Uneinigkeit der Arbeiterschaft zeigen werde. die sich namentlich in einer heftigen Opposition gegel die leitenden Personen äußern müßten. Alle diese Hoffnungen und Erwartungen der Gegner sind fehlgeschlagen. Das einzige, was ihnen eine gewisse Befriedigung zu gewähren schien, war die in der Donners- tagnummcr des„Vorwärts" erwähnte, Streichung jenes Statuten- satzes. wonach die Landesorganisation für den Anschluß der Ge» Iverkschaftcn an die sozialdemokratische Partei tätig sein sollte. Aber der Kongreß hat ja dann gleich darauf in einer Resolution festgelegt, daß die Einheit von Gcwerkschafts- und Partcibewegung in keiner Weise durch diesen Beschluß berührt wird, wie ja denn auch derselbe Gedanke der Gemeinsamkeit zwischen beiden Zweigen der Arbeiterbewegung noch in einer zweiten Resolution, die von der Tätigkeit der Angestellten der Landesorganisation als Reicks- tagsabgeordnete handelt, zum Ausdruck kam. Der Parteivorsitzeude Hjalmar B r a n t i n g schreibt zu diesen Beschlüssen im„Social- Demokraten": „Dieser Kongreß hat somit einen im allgemeinen recht plato- nischen Statutenparagraphen über das Band zwischen Partei und Gewerkschaften gestrichen. Aber er hat in eben diesem Beschluß— und mit vollem Recht— Veranlassung gefunden, eigentlich viel stärker als bisher das Band der Solidarität zu betonen, das in unserem Lande die selb» ständige Gewerkschaftsbewegung und die Sozialdemokratie mit« einander verknüpft. Alle Versuche, einen Keil zwischen sie zu treiben, mögen sie nun von bürgerlicher oder jungsozialistisckcr Seite ausgehen, sind damit prinzipiell und krästig zurückgewiesen. In seiner Begrüßungsrede zum Kongreß drückte der Reprä- sentant der Partei die Ueberzeugung aus, daß, wie auch die Formen sich gestalten möchten, das geistige Band zwischen den beiden Zweigen der Bewegung-, der gewerkschaftlichen und poli- tischen, das gleiche bleiben werde. Durch seine, praktisch gesehen, einmütige Zustimmung zu den angeführten Resolutionen, hat der Kongreß seinerseits diese Erwartungen bekräftigt. Und so ist nun aus einem Bechlutz, von dem die Feinde hofften. daß er ein Samenkorn der Zersplitterung der Arbeiterbewegung und der Schwächung der Sozialdemokratie in sich berge, ein neuer Beweis für die geistige Einheit der Arbeiterbclvcgung hervorgewachsen." 8o2iales. 75 Mar! für eine Stunde Arbeit. Ein feines Geschäft machte jüngst ein Geschäftsführer der Aschinger-Gcsellschaft, und zwar infolge eines der Firma unter- laufcnen Versehens. Dem Geschäftsführer war zum 30. September ordnungsgemäß gekündigt worden. Am letzten Tage seiner Tätig- keit wurde er nachts um 12 Uhr nicht abgelöst und blieb darum noch etwa eine Stunde über den alten Monat hinaus im Geschäft. Erst am 1. Ottober nachmittags wurden ihm in der Direktion auß sein Verlangen die Papiere ausgehändigt. Die Firma wandte nun vor dem Käufmannsgericht ein, es wäre dem Kläger unbenommen gewesen, pünktlich 12 Uhr mitternachts nach Hause zu gehen. Letzterer meint aber, er konnte unmöglich den Betrieb sich selgst überlassen. Da er bis in den Oktober hinein, wenn auck nur eine Stunde, tätig war, so sei er in ein neues VertragSvcrhältnis ein- getreten.'■ Dg der Borsitzende die Rechtslage immerhin für zweifelhaft ansah, so riet er Heiden Parteien zum Vergleich, der denn auch in Höhe von 75 M. zustande kam. Für eine einstündigc Tätigkeit eine recht annehmbare Entlohnung. ver letzte vllt der Kieler Komödie. Kiel, 3. Dqzvmber.(Privatdepescho des„Vorwärts".) Stach 26 Verhandlungstagen(vom 1. November an) wurde heute abend das Urteil im Werftprozeß gefällt. Die Geschworenen verneinten sämtliche 72 Schuldfragen. worauf das Gericht alle Angeklagten freisprach und der Staatskasse die Kosten auferlegte. Auf der Tribüne hatten sich zahlreiche Verwandte und Bekannte der Ange- klagten eingefunden, die das Urteil mit lebhaftem Beifall begrüßten. Die Angeklagten wurden sofort aus der Haft entlassen. Die Anklage war in ihrem Hauptteil in dem Augenblick zusammengebrochen, als die Staatsanwaltschaft gezwungen war, ihre Beweisanträge für die einzelnen Submissionen bei denen die Unterschlagungen begangen sein sollen, zurück- zuziehen. Es war ihr nicht mehr möglich, nachzuweisen, tvas und wieviel in den einzelnen Fällen unterschlagen sein sollte. Auf diese Mängel in der Anklage bauten die Verteidiger in der Hauptsache ihre Verteidigung auf. zumal der Verteidiger Fraukenthals, Justizrat Wallach- Essen, nach dessen drei- stündigem Plaidoyer schon allgemein die Auffassung herrschte, daß Freisprechung erfolgen müsse. *•* Wir werden das Urteil, das uns kurz vor Redaktionsschluß zu. ging, noch zu„würdigen" haben. Letzte JVachricbten und Dcpcfcbcn. Im Sturm auf der Nordsee. Helgoland, 3. Dezember.(W. T. B.) Das Rettungsboot der Station übernahm heute die Mannschaft des in Seenot befind- lichen Fischcrkutterö„Finkenwärder 187", wurde aber bei der Rück- .fahrt durch den heftigen Sturm auf die Seehundsklippeo zu- getrieben. Der Hafendampfcr rettete das Boot vor dem Zerschellen und brachte die Mannschaft sowie die Besatzungen dreier weiterer Fischerkutter in Sicherheit. Der Wind wehte zeitweise mit Stärke elf(der zwölfteiligcn Skala). Bremerhaven, 3. Dezember.(B. H.) Hier herrscht ein schwerer Orkansturm, der die Schiffe auf allen Strecken in Gefahr bringt Eine Licbestragödie. Magdeburg, 3. Dezember.(W. T. B.) In einem hiesigen Hotel erschoß sich heute nachmittag ein aus Berlin einge- trosscues Liebespaar, das nach vorgefniidcnen Briefen als ein 22jährigcr Elektrotechniker und eine 28jährige Gcschäfts- bamt festgestellt wurde. Die mutmaßlichen Verwandten sind benachrichtigt worden.___ Paul SingerS- Co., Berlin SW. Hierzu i Beilagen u.Unt�rhaltnngSbl. Zolmbeud, 4. Dk�ember 1909. Reichstag 3. Sitzung, Freitag, den 3. Tezcmber 1300, nachmittags 1 U h r. Am Bundc-ratstisch: Mermuth, Dr. Delbrück. Auf der Tagesordnung steht zunächst die Wahl des zweiten Vizepräsidenten. Es werden abgegeben 322 Stimmzettel, davon 98 weiße, also ungültige. Aon den verbleibenden 224 Stimmen haben erhalten der Abg. Ero�n'nz z u Hohenlohe-Langen bürg iRp.) 178, Abg. Ringer11 gestimmt, der es dahin gebracht hat, dah uns ein Teil der Getreide- zölle nichts einbringt, sondern uns sogar Geld kostet Sie paben dafür gestimmt, und deshalb sind Sie mitschuldig aif dem ..Erfolg".(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Sie haben im§ 11 die E i n f u h r s ch e i n e bewilligt, und daher kommt es/ das; die Ausfuhr die Einfuhr übersteigen kann und das Getreide bei uns zwar sehr teuer ist, aber für die Reichskahe nicbts bringt I Vom 1. August 19»8 bis zum 1. Juli 1909 brachte der Roggcnzoll eine Einnahme von 11784 900 M.; die Ausgabe für die Ausf»hrsck,cine aber betrug 38 850 000 M. Ter Roggenzoll kostete also dem deutschen Volke 27 Milli-nen Mark! Für diese Summen bekommen aber keineswegs die Witwen und Waisen billiges Brot, sondern die Brot- und Fleischprcise haben Sic ständig verteuert, Sie haben den Witwen und Waisen teueres Brot geliefert, aber keine Ber- sichrrung gegeben! (Sehr wahrl bei den Sozialdemokraten.) Ann frage man doch einmal, weshalb denn die Regierung die Wilwen- und Waisenversicherung nicht j» Kraft treten'läßt. Tic 42 Millionen Mark j-nd mit den Zinsen doch auf etwa 47 Millionen Mark angewachsen. Rechnen wir mit dem Durchschnitt der drei Fahre von lOOO bis 1908, so haben wir durchschnittlich 15 Mil- lioncn Mehrertrag, und dazu kbnimen 1,0 Millionen an Zinsen von jenen 47 Millionen. Wir haben also 10,0 Millionen, und da könnte man ja anfangen, dies den Wilwen und Waisen auszu- zahlen. Wieviel Witwen und Waisen kommen nun in Frage? In der Kommission sagte Herr Trimborn, dah ein Sechstel der Witwen Teutschlands ans Nnterstützung angewiesen sei; weitere zwei Sechstel bringen sich so kümmerlich durch, dah auch sie die Rente haben sollen. Also: die Hälfte der in Deutschland lebenden Witwen würden als Rentxnemvfänger zu betrachten sein. Die Zahl der Witwen überhaupt beträgt 2 009 000, wozu noch 3 409 000 Kinder kommen, iin ganzen also über 0 Millionen: es wären demnach reichlich 3 Millionen Personen zu unterstützen. Rechneii wir nun 10 Millionen Mar! als vorhanden, so könnten Sie jeder Witwe und Waise eine „JahrcSrente" von 5 M. geben.(Hörtl börtl bei den Sozialdemokraten.) Der Herr Staatssekretär führte aus, man könile die Witwen- und Waisenversicherung nicht auf die unsichere Basis der Mehr- ertrüge an Zöllen stellen. Aber wo wollen Sie denn mehr her- nehmen? Tah das Zenirum seine Zustimmung zu einer Beitrags- erhöhung nicht gibt, hat Herr Trimborn doch 1902 klipp und klar erklärt. Ten Gedanken geben Sie also nur auf! Wenn es gilt, Beiträge zu zahlen, sind die Herren von den Agrarzöllen nicht zu haben.(Lebhaste Zustimmung links.) Derselbe Block, dieselben Herren, welche die Erbschaftssteuer ablehnen, werden auch die Bei- tragszahlüng ablehnen. Woran liegt es denn, dah im Jahre 1882 die landwirtschaftlichen Arbeiter nicht in die Krankenversicherung einbezogen wurden? Tieselben Agrarier der Rechten und des Zen- trums, die es 1882 bei einem Getreidezoll von 1 M. verhinderten, verhinderten es auch bei der Novelle zum Krankenversicherungsgesetz von 1892, nachdem die Getrcidezölle 1885 auf 3 M. und 1887 auf 5 M. gesteigert waren I Sie werden uns doch nicht glauben machen ivollen, dah die Herren im nächsten Jahre weniger habgierig sind, als sie iin vorigen Frühjahr waren.(Heiterkeit! und Sehr gutl links.) Es wird im nächsten Jahre genau dasselbe sein, und wenn der Herr Staatssekretär sagt, cnlf der unsicheren Grundlage des Zollüverschusses könne er eine solide Versicherung nicht aufbauen, so sage ich ihm: Noch viel unsicherer ist'die Grundlage, dah die Mehrheit, die aus Zentrum, und der Rechten besteht, ein Gesetz an- nehmen soll, welches den Agrariern Beiträge für die Arbeiter auf- erlegt.(Sehr wahrl bei den Sozialdemokraten.) Als wir den Antrag Trimborn annahmen, sagte der damalige Abgeordiiete Barth zu mir, es sei Unrecht, dah wir dem Zentrum Gelegenheit geben, vor dem Lande zu protzen, als ob es für die Witwen und Waisen etoas tue. Aber ich sage mir: es ist sehr gut. dah wir damals das Gesetz angenommen haben, und ich glaube sicher, dah man nie- mand einen größeren Gefallen mit der Ablehnung getan hätte als dem Zentrum.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Tann Hütten Sie vor dem Lande gesagt: wir wollten ein Gesetz machen, um jede Witwe und Waise vor Not zu schützen, aber die Sozial- demokraten haben das verhindert. Jetzt haben Sie das Gesetz und der tz 15 muh in seiner ganzen Schönheit in Kraft treten. Bei der Auszahlung mutz dem Volke klar werden, wieviel Sie für die Armen übrig haben. Dem Grohgrundbcsitzer haben Sie die Ein- nahmen jährlich um Hunderttausende erhöht. Was Sie„Aersor- gung der Witwen und Waisen" nennen, das sind jährlich 5 M.! Zahlen Sie diese 5 M. Jahrcsrente aus, etwas über 40 Pf. pro Monat, so ist das die soziale Grohtat des Zentrums!(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Trimborn(Z.): Dah nicht mehr als 42 Millionen cingekontmen sind für die Witwen und Waisen, das ist doch nicht meine schuld! Tic linke Seite des Hauses— das mutz ich auch Herrn Mugdan sagen— hat jede ruhige-Objoktivitäb verloren.(Sehr richtig! rechts und im Zentrun».) Meine Freunde stimmen dein. Entwurf zu,. Die Aufschiebung des Inkrafttristeiis der Witwen- und Wajscnvcrsiche- rung ist bedauerstch,'8der notwendig. Eine Kommisswiisberatung halten wir für überflüssig und für eine Zeitvergeudung des Reichs- tagesl(Bravo I im Zentrum und rechts.) Die Linke scheint über die Lex Trimborn doch avherordentlich erregt zu sein. Ich bin doch ein so harmloser, gutmütiger Mann (Heiterkeit), aber wenn es heiht: Lex Trimborn, dann werde ich mit wütenden Augen angesehen.(Heiterkeit.) Mich lassen diese Angriffe kalt, denn ich sage mir: Wer so erregt ist. fühlt sich im Unrecht. lLachen links.) Meine Freunde haben eifersüchtig dar- über gewacht, datz die Fonds für die Witwen- und Waisenversiche- rnng nicht für andere Zivecke verwandt wurden. Sind doch sogar Eingaben an uns gelangt: dies Geld für die Flotte festzulegen! (Hört! hört! bei den Sozialdeiiibkraten.) Wenn ich es damals im Unllaren gelassen habe, wie die Versicherung im einzelnen gestaltet werden sollte.>o war das sehr vernünftig(Heiterkeit), denn damals war die Sache noch ganz ungeklärt. Die Frage kann auch erst ent- schieden werden, wenn der Entwurf mit dem gesamten Material vorliegt. Bisher ivar es klug und weise, sich vorsichtig zu äußern.(Heiterkeit.) Man hat mir vorgeworfen, datz ich zunächst die Mchrerträge aller Agrarzölle für die Wilwen- und Waisenversicherung ver- wenden wollte und dann einige Zölle fallen ließ. Ich will das durch ein Bild erklären: Das Schiff der Lex Trimborn war be- lastet mit allen möglichen Produkten, es schivankte hin und her, und namentlich die Herren Freisinnigen sahen es stark gefährdet. Es kostete große Mühe, das Schiff zwischen der Scylla rechts und der Eharvbdis links(Heiterkeit) hindurchzusegeln. Da mutzte ich die Gerstensäcke und manches andere in die Flut werfe»(Heiterkeit), und so gelang es mir schließlich, das Schiff durch drei Lesungen glücklich in den Hafen zu bringen. Und jetzt wird „Der siegreiche Koluinbus" von den Schiffskncchten geschmäht!(Große Heiterkeit.) Uebrigens haben ja die Herren von der Sozialdemokratie für die Lex Triin- dorn gcstinimt. Damals ist doch das häßliche Wort von der Witwen- und Waisenverhöhnnng gefallen, und einer von Ihnen hat sich sogar dazu verstiegen, angesichts der Lex Trimborn von einer politischen Hochstapelei zu sprechen; ich weiß nicht wer— Herr Stadthagen könnte es gewesen sein.(Große Heiterkeit.) -Wenn es sich aber wirklich um eine Verhöhnung der Witwen und Waisen und um politische Hochstapelei handelte, so hätten Sie doch nicht für einen solchen Antrag stimmen können.(Sehr richtig! im Zentrum.) Nun macht man sich lustig über die geringen Erträge der Zölle. Gewiß haben Sie jetzt gut reden; aber damals haben Sie selbst verlangt, daß zahlenmäßige Unterlagen für den Antrag geboten wurden. Es ist lächerlich, wenn man nachher auf Grund solcher Zahlenangaben wie ein Verbrecher hingestellt wird.(Lachen links.) Ich gebe im einzelne» gern alles preis, aber die eine Hauptsache bleibt bestehen, datz durch den s 15 des Zolltarifs überhaupt die gesetzliche Grundlage für eine Witwen- und Waisenversichcniiig geschaffen worden ist. Ich berufe niich dabei auf einen klassischen Zeugen. Am 21. November 1902 bat Herr Ledebour erklärt:„Wie die Verhältnisse bei uns liegen, ist die gegenwärtige Gelegenheit wohl die einzige, die sich vielleicht auf Jahre hinaus bieten wird. um überhaupt die Witwen- und Waisenversicherung zu regeln." (Hört! hört! im Zentrum.) ES ist das Verdienst meiner politischen Freunde, diese einzige Gelegenheit beim Schöpfe genommen zu habe».(Bravo! im Zentrum.) Staatssekretär des Innern Dr. Delbrück: Herr Molkenbnhr hat gefragt, was die Regierung getan habe, um die Landesversiche- rungsanstaltcn zu veranlassen, die Witwen- und Waisenversorgung inS Leben zu rufen. Ich habe bereits in meinen einleitenden Worten darauf hingewicsen, datz uns die Gewährung einer lebenS- länglichen Rente nicht angängig erschien, ohne datz eine finanziellc lliitcrlage vorhanden war. Wenn Herr Molkenbuhr und seine Freunde beabsichtigen, die ganze Vorlage abzulehnen, so möchte ich im Interesse der Witwen und Waisen dringend davon abraten. Auf diese Weise würden die Witwen und Waisen einen Anspruch auf 5 M. jährliche Rente erhalten, dessen Rechtskraft zweifelhaft ist. Wenn Sie aber dem Vorschlag der Verbündeten Regierungen folgen, so steht in Aussicht, daß „in nicht allzn langer Zeit" ein Gesetzentwurf verabschiedet wird, der den Witwen und Waisen eine immerhin ansehnliche und durch Rechtsanspruch festgelegte Rente sichert. Herr Trimborn meinte, es sei zu prüfen, ob man dem Gesetz später nicht rückwirkende Kraft bis zum 1. Januar 1910 geben könnte. Diese Frage wird erst gelöst werden können, wenn fest- steht, in welcher Form die Hinterbliebenenversicherung verabschiedet wird. Jedenfalls bin ich gern bereit, auch diese Frage in den Kreis der Beratungen zu ziehen.(Bravo! im Zentrum.) Abg. Linz(Rp.) erklärt das Einverständnis seiner Freunde mit der Vorlage. Abg. Molkenbuhr(Soz.): Herr Trimborn behauptete, datz wir uns gegen den§ 15 er- klärt hätten. Das ist niemals geschehen; wir haben nur immer bekämpft, datz im Z 15 das Zentrum das Versprechen gebrochen hak, das es den Arbeitern gegeben hatte, wonach die Mehrerträge der Agrarzölle für die Witwen- und Waiscnvcrsorgnng verwandt werden sollten.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Hätte das Zentrum an seinem ursprünglichen Standpunkt lohne Witwen- und Waisenversicherung aus den Mchrerträge» der Agrarzölle keinen Zolltarif!) festgehalten, so hätte die Regierung und die Rechte sicher lieber die Witwen- und Waisenversicherung genommen, als den Zolltarif fallen gelassen. Besonders haben wir es kriti- sicrt, datz das Zentrum, auch nachdem eine Reihe Agrärzölle in dem Antrag iveggelaffen waren, sich doch immer noch stellte, als ob die- selben Erträgnisse zu erzielen wären!(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Wir haben schon 1903 im„Handbuch für sozialdeniokratischc Wähler" nachgewiesen, daß Jahre kommen wür- den, wie 1900 und 1903, wo keine Mchrerträge vorhanden sein würden. Das hat das Zentrum seinen Wählern nie gesagt. Nun meint Herr Trimborn, ohne den tz 15 hätten wir die Witwen- und Waisenversicherung nicht bekomincii. Ja, mit dem § 15 haben wir sie doch auch nicht! Das Einzige, �was wir „habe n", ist die Verteuerung von Brot und Fleisch.(Sehr rich- tig! links.) Herr Triniborn hat sich Wohl auch gehütet, zu sagen, wie er sich jetzt die Witwen- und Waisenversicherung denkt. Im Oktober 1902 wollte er zu ihrer Durchführung Beiträge er- heben, im November wiederum wollte er das nicht. Wenn er bei der Meinung vom November verbleibt und nach diesen Grundsätzen die Witwen- und Waisenversicherung einführen will, so könnten wir noch 100 Jahrc� daraus warten.(Lebhafte Zn- stimmung links.) Auch Herr v. Stumin hat früher immer hier die Witwen- und Waisenversicherung hcrvorgehobew und sie stets dann gepriesen, wenn es galt, eine sozialpolitische Vorlage abzulehnen. (Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) So hat er gegen da» Unfallversicherungsgesetz gestimmt, weil man erst eine Witwen- und Waisenversicherung haben müsse. Er selbst aber hat einen Antrag auf Einführung einer Witwen- und Waisenversickpirüng nie gestellt! Ich ivciß nicht, ob er etwa nicht in seiner Partei den notwendigen Anklang damit gefunden hat, aber w i r hätten ihm die 15 Unterschriftc» auch aus der sozialdemotratischcn Partei gern zur Verfügung gestellt.(Heiterkeit links.) Herr v. Stumm ist eben nie über eine rein platonische Liebe zur Witwen-»»d Waisenver- sicherung hinausgekommen, und das Zentrum ebenfalls nicht.(Leb- hafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Dr. Mugdan(srs. Vp.): Herr Trimborn jammert, daß ich die Zeit des Reichstags verschwende mit Erörterungen über die Rcichsversichcrungsordnung. Hätte das Zentrum vorgestern gc- wüßt, wer zweiter Vizepräsident werden sollte, so hätten wir einen vollen Arbeitstag gespart! �(Hehr ggt! bei den Freisinnigen.> Hie NeichsbepsicherüngSordnung»lütztc ich heranziehen, um Si' zu warnen, wieder ein Versprnkwn z« geben, das Sie lücht'-Mftm könqen. Wie Rede des Herrn TriMiorn war— juristisch gesPwMu — eins der schwerste» Verbrechen: es war der reine Vater- mord.(Heiterkeit und Zuruf: Kindermord!) Der ji 15 wäre nie vorgeschlagen worden, wenn Sie(zum Zentrum» nicht unter dcS Arbeitcrbcvölkcrung Rheinland-Westsalcns so viele Wühler gehabk hätten.(Abg. Erzberger: Ganz falsch! Schallende Heiterkeit links.) Uebrigens ist es ganz gut, wenn Herr Trimborn jetzt das hohe Lied der Zölle singt; denn eine reinliche Scheidung ist sehr gut. Aber zugebe» werde ich nie,- datz die Gegner der exorbitant hohen Getreidczölle auch Gegner der Landwirtschaft sind.»Sehr richtig! bei den Freisinnigen.) Der 15 wird kein Ruhmestitel der Zentminspartei sein, sondern ein Beweis, wie schlecht die Sozialpolitik ist, die das Zentrum treibt.(Lebhaftes Bravo! bei den Freisinnigen.) Abg. Beckcr-Arnsberg(Z.): Der(5 15 sollte keineswegs die Ar. beiter an das Zentrum fesseln.(Lachen links.) Daß die Getreide. zölle nicht bloß den Großgrundbesitzern nutzen, sondern auch den Bauer», gibt sogar Karl KautSkq zu und meint, dieser Umstand habe zu dem Mißerfolg der Sozialdemokratie bei den Wahlen 1007 beigetragen.(Widerspruch bei den Sozialdemokraten.) Also schieben Sie uns doch keine falschen Motive unter. Freilich, was Sie uns an einem einzigen Tage unterschieben, das geht auf keine jtuhhant. (Heiterkeit.) Dem Kollegen Brust wurde vorgeworfen, er habe sich bei den Knappschaftsivahlen mit 30 000 M. bestechen lassen. Was Sie an Unterschiebungen leisten, kann gar nicht überboten werden; ich meine natürlich: außerhalb des Hauses.(Heiterkeit.) Herr Mugdan sprach vom Schutze der eriverbßtätigen Frau. Dann hätte er in der Kommission für die Gewcrbeordnungsnovelle mit uns für eine geringere Arbeitszeit der erwerbstätigen Frauen ein- treten sollen I(Sehr richtig I ini Zentrum.) Wenn es auf die Frei- sinliigen angekommen wäre, so hatten wir noch heute keine Sozial- gesetzgebung, und auch die Sozialdemokraten haben die meisten sozialpolitischen Gesetze abgelehnt mit der Begründung, daß sie nicht genug bieteu. Auf Ihren Parteitagen wird ja manches ausgeplaudert; da ist auch von Bebel gesagt worden, daß Sie ein» mal einem sozialpolitischen Gesetz zugestimmt hätten, weil in der Fraktionssitzung zufällig 13 Revisionisten und nur 11 Radikale anwesend waren. Bei uns gibt's so'was nicht; wir majorisieren niemand, sondern stimmen stets nach dem gesunden Menscheiiver- stand.(Große Heiterkeit links. Rufe: Erbschaftssteuer!) Nun, bei der Abstimmung über die Erbschaftssteuer war ja auch der Abgeord- nete Stadthagen nicht anwesend, und auf dem Parteitage erklärte er, er würde dagegen gestiiiimt haben. Wenn Sie glauben, Sie können profitieren, wenn Sie die Leidenschaften der christlichen Arbeiter gegen uns aufstacheln, so irren Sie sich. TaS beweisen auch die letzten Wahlen.(Bravo! im Zentrum.) Abg. Ledebour(Soz.): Auf die Ausführungen des letzten Redner» will ich nicht ein- gehen. Er hat alle möglichen Geschichten aus der letzten politischen Vergangenheit herangezogen, offenbar uiil die Aufmerksamkeit von dem abzulenken, worum es sich bei der jetzigen Debatte eigentlich handelt. �, Ich will nur mit einigen Worten auf den sehr amüsanten Redner Herrn Trimborn antworten, der mich als Gewährs- mann angeführt hat für die außerordentliche sozialpolitische Tugend- haftigkeit des Zentruins. Die Ansührung des Zitats aus meiner Rede ist ein treffender Beweis dafür, mit welcher Unoekümmertheit das Zentrum es versteht, aus gegnerischen Aeußerunge» irgendetwas herauszugraben, was bei irgendeincr Gelegenheit etwa in seinem Interesse verwendet werden könnte. Die Worte, die Herr Trimborn angeführt hat, sind an s ich ganz richtig, sie sind aber entlprlteu in einer Rede, die ich gegen einen Ver schlechterungsan trag Trimborn gehalten Habel Meine Rede beginnt mit den Worten: „Wir halten es durchaus für notwendig, gegen den Verschlecküe- rungSantrag Trimborn nochmals Verivahruug einzulegen." Ich führte dann au», daß der Antrag Trimborn die Mehrerträgtz ans den Zöllen noch um weitere 20 Millionen herabdrücken wolle, und daß wir einen Perbesserungsantrag eingebracht hätten, der die Erträge erhöhe» würde. Ich habe Herrn Trimborn tn der Rede ironisch behandelt, indem ich sagte, daß er mit dem- selben MhSnden Eifer für seinen Aerschlechterungs- a n t r a g eintrete, wie für seinen ursprünglichen Antrag. Im Anschluß daran betonte ich dann, daß wir trotz der Verschlechte- rungsbestrebungen des Herrn Trimbotn f ü r den Antrag stimmen würden, weil dies die einzige Gelegenheit sei, die Witwen, und Waisenversichcrung gesetzlich zu regeln.(Zurufe: sia alsol und Hörtt hört! sm Zentrum.) Wir haben aber gar kein Hehl daraus gemacht, daß wir die Motive. dcS Zentrums, mit dieser Witwen- und Waisenvcrsick�rung den Zolltarif zu beschönigen, auf das schärfste verurteilten, u>ü> haben das auch dadurch bewiesen, daß wir schließlich gegen den ganzen Zolltarif mit der Witwen- und Waisenversicherung stimmten. Wir würden jede Gelegenheit be- nutzen, um eine Witwen- und Waisenversichcrung zu erzielen. Jedenfalls ist es ein Mißbrauch, wenn Herr Trimborn unter Herauszerrung eines einzigen Satzes alles ignoriert, was ich gegen ihn in diese: scharfen Polemik gesagt habe. Im übrigen will ich nur betonen, daß das Zentruni verschiedene Gelegenheiten ver- säumt hat, den Fonds für die Witwen- und Waisenversicherung zu erhöhen, so z. B. die Aufhebung des Identitätsnachweises. Herr Trimborn hat sich im lleberschivang seiner Begeisterung zuerst mit Odysseus und dann mit Columbus verglichen. Mir kam er mehr vor wie Sindbad der Seefahrer, der in orientalisch übertreibender Weise von den Gefahren, die er bestanden hat. die ungeheuerlichsten Dinge erzählt.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Al'g. Trimborn(Z.): Tie unsichere Art, in der Herr Ledebour diesmal— entgegen seiner sonstigen Gewohnheit— auftrat, ließ schon erkennen, daß die Sache nicht ganz stimmt. Er hat damals ausdrücklich ausgeführt, daß: wenn auch seinen Freunden die Ab- schwächung des An cags an sich nicht gefalle, sie doch dafür stimmen würden. Er sagten„Das alles kann uns nicht hindern, diese einzige Gelegenheit zu benutzen, um überhaupt die Frage der Witwen- und Waisenversicherung zu regeln."(Hört! hörtl im Zentrum. Zuruf des Abgeordneten Ledebour.) Haben Sie doch soviel Respekt vor Ihren eigenen Worten, daß Sie ihre Verlesung ruhig anhören.(Heiterkeit im Zentruin.) Herr Ledebour sagte 'weiter:„Auch der fehlerhafte Gaul ist uns noch gut genug, um ,dcn Wagen der Witwen- und Waisenversicherung auf das rechte Gleis zu bringen." Ich habe also ganz richtig zitiert und hätte nur noch mehr zitieren können. Herr Molkettduhr hat nochmals behauptet, wir hätten bei der ersten Lesung gesagt: kein Zolltarif ohne Witwen- und Waisenver- sicherung. Demgegenüber muß festgestellt werden, daß wir bei der ersten Lesung nur ein allgemeines Programm angekündigt haben, das auch die Witwen- und Waisenversicherung enthielt. Tann erst kam die Ausführung. Und da haben wir»ach unserer wohlbewährten Taktik das Erreichbare genommen und das Un- erreichbare zurückgestellt.(Sehr richtig! im Zentrum.)— Weiter wirft er mir vor, einmal hätte ich gesagt: wir wollen für die Witwen- und Waisenversicherung Beiträge erheben, und einmal wieder: wir wollen keine erheben. Ich habe das der Zukunft überlassen und gesagt: das war klug und weise gehandelt. So un- bescheiden bin ich nicht, Herr Mugda», zu sagen: ich bin klug und weise!(Große Heiterkeit.) Den Geoankcn der Witwen- und Waisenversichcrung zuerst ausgesprochen zu haben, haben wir nie behauptet. Diese Ehre haben wir stets Herrn v. Stumm überlassen. Wir haben aber im z(ö des Zolltarifgesctzcs die parlamentarische Unterlage dafür geschaffen. Daß Herr Mugdan sagte, ich habe niein Kind verleugnet, nehme ich ihm nicht übel, daß er niich aber zum Vatermörder stempelt(Schallende Heiterkeit), das habe ick, wirklich nicht verdient. Herr Mugdan nennt die Sozial- Politik des Zentrums eine schlechte. Run, wenn wir einmal eine Statistik über die Sozialpolitik des Freisinns aufmachen, viel- leicht von der München-Gladbacher Zentralstelle aus, da können Sie was erleben!(Zuruf links: Wcnn's die München-Gladbacher mache», törnien wir wirklich„was erleben"!— Große Heiterkeit.) Hierauf vertagt dg�HanS..d«:'M«t«vlu!ratvKsMgletz,�-, persöntich? Bemerkungen. Abg. Stadlhagen(Si>s-)?Hm Becker hat mir�vorgoworfem ich hätte in der zweiten Lesung der Erbschaftsiteuer gefehlt und nachher I.älte in der zweiten Lesung der Erbschaftssteuer gefehlt und rachhcr verschiedene Erklärungen dafür gegeben. Was Herr Becker gesagt hat, ist u n r i ch t i g. In der Versammlung, auf die er sich bezogen, habe ich mich lediglich dahin ausgesprochen, daß wir selbstverständlich in der zweiten Lesung für das Prinzip der Erbschaftssteuer gewesen sind. Weshalb ich bei der Ab- slimmung gefehlt habe, ist mit keinem Worte erwähnt worden; es war auch überflüssig, denn man wußte ja. da die Abstimmung durch die langen Reden des Zentrums so lniiai�gczogen wurde, daß ich, wie Herr Becker aus dem»Vorwärts" richtig entnommen hat, um eine wichtige Stadtverordnetensitzung wahrnehmen zu können. weggehen mußte.(Große Heiterkeit.) Zur dritten Lesung ist es nicht gekommen; wenn cs dazu gelommeii lvare, hätte ich g ege n dao Gesetz gestimmt, aber nicht gegen das Prinzip der Erb- schaftssteuer, sondern gegen diese Karikatur, wenn sie als Spruith- brett dienen sollte, um Abg.� Ledebour(Soz.i: Herr Trimborn hat unter Zitierung einiger Sätze von mir, die ich selbst schon verlesen hatte, die Be- hauptung aufgestellt, ich hätte IllstL seinen Verschlcchtcrungsantrag verteidigt. Das ist eine der Wahrheit direkt wider st rertende Behauptung. Ich habe damals den Kommissionsantrag gegenüber dem BerschlechterungSantrag Trimborn verteidigt. Zugunsten von Herrn Trimborn kann ich nur annehmen, daß er meine Ausfüh- rungen nicht gehört hat. Ich habe sie vorhin ausdrücklich begonnen mit der Verlesung des eingangs meiner damaligen Rede:..Wir halten es durchaus für notwendig, nochmals gegen die Verschlechte- rung des Antrags Triinborn Verwahrung ciiizulcgijn." Uni) dann habe ich den Kommissionsantrag als das relativ Bessere ber- teidigt. Es ist geradezu ungeheuerlich, wie Herr Trimborn mit der Wahrheit umspringt.(Lebhafte Ohol-Rufe im Zentrum.) Präsident Graf Stolberg: Sie dürfen nicht sagen, daß ein Abgeordneter ungeheuerlich mit der Wahrheit umspringt. Abg. Ledebour:(Soz.): Dann werde ich mich so ausdrücken: daß Herr Trimborn in einer Sindbad des Seefahrers würdigen Weise eine Tatsache darstellt.(Große Heiterkeit.) Abg. Beckcr-Arnsberg(Z.>: Ich habe nicht gesagt, daß der Abg. Stadthagen zwei verschiedene Erklärungen für seine Haltung bei der Erbschaftssteuer gegeben hat, sondern daß von einem Ee- nosscn in der Versammlung erzählt sei, er habe gefehlt, weil er Gegner der Erbschaftssteuer sei. Abg. Trimborn(Z.) betont, er habe behauptet, der Abgeordnete Ledebour habe zwar die damalige Fassung des 8 15 bedauert, aber aufgcfoi dert, dafür zu stimmen, und nach Ausweis der nament- lichen Abstimmung selbst dafür gestimmt. Abg. Stadthagen(Soz.): Ich inuß mich gegen die neue Legende des Abg. Becker wendtn, als hätte ich einmal gesagt, ich sei Gegner der Erbschaftssteuer und ein andermal das Gegenteil behauptet. Ich habe stets nur gesagt, ich sei für die Erbscbafts- steucr, aber ich sei ein Gegner jedes Erchchaftssbeuer ge s e tz es, soweit es als Sprungbrett dienen soll zur Bewilliguiig von 400 Millionen Mark indirekter Steuern. Ich bcdaur«, daß Herr Becker Behaup- tungen aufgestellt hat, deren Unrichtigkeit sofort nachweisbar ist und die er als unrichtig erkennen müßte, lvinn er sich die Mühe gegeben hätte, das Material einzusehen. Abg. Dr. Bcckcr-Arnsbcrg tZ.): Ich bleibe bei dem, was ich gesagt habe. Vielleicht findet sich eine andere Gelegenheit, auf die Sawe näher einzugehen. Abg. Lrdrbonr(Soz.): Herr Trimborn hat von dem abgelenkt, worum es sich handelte. Er hat behauptet, daß ich eine Ver. tcidigungsrede sein«« VcrschlechtcrungsantragcS gehalten hätte. Ich habr durch'mehrfache Zitate bewiesen, daß dies eine absolut un- richtige Behauptung ist. Präsident Graf Stolberg verkündet nunmehr das Resultat der Schriftfiihrerwahl. Danach sind gewählt die Abgg. Rämpau(natl.) mit 277. v. Thune feld(Z.) Mit 272. E n g c l e n(Z.) mit 240, R o g a l l a v. Bieberstein(kons.) mit 243, Dr. K e ck s ch« r(freis. Vgg.) mit 197, P a u l h- Oberbarnim(Rp.) mit 183, v. D a IN m lWirtsch. Vgg.) mit 183, Dr. Hermes(freis. Vp.) mit 170 Stimmen. Außerdem haben erhalten: Napieralski(Pole) 160, Dr. Hagemann (natl.) 110, Fischer(Sozst 80 Stimmen; zersplittert sind 94 Stimmen. 3 Stimmzettel mit mehr als 3 Namen sind ungültig. Nächste Sitzung: Sonnabend 11 Uhr.(Sämtliche Jnter- pellationen, dann Fortsetzung der Besprechung des Gesetz- cntwurfs betr. die Hinausschiebung der Witwen- und Waisen- Versicherung.) Schluß: nach 6 Uhr. Hus der Partei. Eine Reminiszenz. In der Vorrede zur neunten Auflage seines Buches„Die Frau und der Sozialismus" sagte Bebel u. a., daß sich für die zweite Drucklegung der bereits 1879 verbotenen ersten Ans- tage aus Furcht vor Denuiiziationeil durch Jahre kein Drucker und kein Verleger in Deutichland fand. Erst im Jahre 1883 konnte mit der neuen Auflage begonnen werden; damit der Drucker im Falle der Denunziation von dem Verdacht, wissentlich eine verbotene Schrift nachgedruckt zu haben, befreit werde, mußte der Titel gc ändert und daS verdächtige Woct Sozialismus miZ ihm gestrichen werden. In der harmloseii Verkleidung:„Die Frau in der Ver� gangenheit, Gegenivart und Zukunft" erschien das stark vergrößerte zum erstenmal in Kapitel geieille Werk im Verlage der mittlerweile in Zürich-Hottingen gegründeten Vollsbiichhandtung mit der Zeichnung: Zürich. Berlagsmagazin(I. Schabelitz) 1883, Diese Darstelliuig, die jetzt durch die Presse geht, enthält einige Mängel, die wohl ans Vergeßlichkeit entstanden sein mögen und nun- mehr richtig gestellt werden sollen. Im Jahre 1882 trat Bebel an den Unterzeichneten mit der Frage heran, ob er(der Unterzeichnete) eS riskieren wolle, die zweite, wesentlich geänderte und vermehrte Auflage in Deutschland setzen und drucken zu lassen, ebenso die Expedition des Werkes zu über- nehmen. Die Frage ist bejaht und die Herstellung der Auflage in meiner Offizin ausgeführt worden. Sie blieb unverändert bis zur Aufhebung des Sozialistengesetzes. Das Verbot ließ nicht lange auf sich lvarten, cS erfolgte am 2. Modember 1883 seitens deS kgl. Polizeipräsidinins in Berlin Um die Behörde irre zu führen, ivnrde dem Buche ein»euer Titel und Umschlag gegeben, in Farbe, Form und Inhalt der da maligen Berichte der Fabriken-Jnspektoren. Obwohl auch diese Aus- gäbe bereits am 19. Dezember 1883 von der gleichen Behörde ver boten worden ist, fand sie doch in dieser Hülle noch jahrelangen Absatz, selbst in Nußland. Der Inhaber der Firma„BcrlagSmagazin(I. Schabelitz) zu Zürich" hatte seine Zustimmung gegeben, daß seine Verlagsfirma das Buch decken durfte. Mit der Verwaltung der Bnchdruckerei-u Hottiiigen- Zürich hatte ich einen Druckvertrag abgeschlossen in b �ug auf die. technisch? Herstellung des Buches. Es waren also alle Vorsichtsmaßregeln getroffen, um im Falle der Entdeckung der Herstellung in Dentichland einigermaßen geschützt zu sein. Es verging auch eine geraume Zeit, während der das Buch ivenn auch im Geheimen verbreitet werden konnte. Der gefährliche Import war in diesem Falle nicht erforderlich, da die Druckschrift in Deutschland lagerte. Durch eine Denunziation kam die Polizei doch noch dahinter, daß das Buch im„Baleriande" hergestellt worden sei. Doch war an eine Verfolgung nicht mehr zu denken, denn es waren zur Zeit des ersten Eingreisens der Behörde genau sechs Monate und drei Tage ve'rflosscii seit der VolleiidUiig des Druckes; die Verjährung war also bereits eingetreten. "HSrr v/uPuttkafner schien darüber sehr verärgert zu stin, denn er fachte cjnen Gesetzen'.wurf ein, die zu' dsr-tängern. Der Entwurf wurde mit und Herr v. Puttkamer»nißle mit dein„Bericht der Fabrik tnspekloren 1883", der in gelber Decke auf seinem Pult prangte, be trübt abziehen. JCllI, UCllll groxer Waioruyt abgelehnt Stuttgart, 3. Dezember 1909. Heinrich Dietz. Eine„Straftat". Bor dem Schöffengericht zu N e u st a d t bei K o b u r g stand dieser Tage der Genosse Glasbläser Anton Gr ein er unter einer furchibaren Anklage. Er hatte am 22. Oktober, als der Sieg des Sozialdemokraten in der Reichstagsstichwahl bekannt geworden war, aus Freude über den Erfolg seiner Partei die Glocken einer Kirche geläutet. Damit hatte er die bürgerliche Ordnung ge- stört und die zu Hütern des Rechts bestellten Behörden verstehe» in solchen Dingen keinen Spatz. Wohl war 1907 den Ordmmgs- partcilern, Kriegervcreinen usw. anstandslos gestattet, laut singend und lärmend in Scharen durch die Straßen zu ziehen und auch für den 22, Oktober hatten die siegeszuversichttichen Liberalen bereits Fackeln und Musik wie Rede» und Hurrakehlen zur Sieges- feier vorbereitet, aber der„Sünder", der für unsere Partei den Giockeiistrang zog, mußte bestrast werden. Zwei Wochen Ge- f ä n g n i s wegen Hausfriedensbruchs, eine Woche für den„groben II n f u g". Und zwar deswegen, weil— wie der Amtsrichter begründend ausführe— cs sich um die Verherrlichung eines Sieges jener Partei handele, die einen staatsgefähr- licheu Charakter Hit b e und deren Tätigkeit sich gegen Kaiser, Reich und Herzog und Herzog- tum richtete. Habe sich also der Angeklagte in seinem Fanatismus für diese Partei zu solcher Arl begeistern lassen, io müsse das bestraft werden. Durch das Läuten der Glocken sollen einmal die Ncustädter in ihrem religiösen Gefühl verletzt, zum anderen in Schrecken versetzt worden sei», da jederniann geglaubt habe, es sei Feuer ausgebrochen. So der Amtsrichter, der irotzdcin betonte, daß ein Angehöriger einer � anderen Partei solcher Tal wegen auch so bestraft worden wäre. Was ebenso wie die Bchauptunge» des Amtsrichters über die staatsgefäbrliche" Sozialdemokratie beweist, daß dieser Herr nicht nur außerhalb jeder Kenntnis der politischen Dinge zu stehe». sondern auch den größten Teil seiner Amtskollegen nicht zu kennen icheint. Die Gerichle, die eine» NalionaUiberalen oder Kouservativen für einen ähnlichen Ueberschwang.patriotisch freudiger" Gefühle auf drei Wochen ins Gefängnis stecken würden, werden in Deutschland doch wohl kaum zu finden sein l Ein ultramontanes Bcrleumdcrblatt verurteilt! Am 23. August machten einige Genossen und Genossinnen ans dem Dort niu nder Kreise eine Agitarionstour nach dem stock- iiltramontaiien Lüdinghausen. Einer der beteiligten Genossen halte �ein Fahrrad bei sich, das von einer Genossin ei»mal zu Fahrver- suchen benutzt wurde. Hieraus hatte das Dortniunder Zentrums- blart„Tremonia" eine wahre Räubergeschichte gemacht. ES wurde so dargestellt, als sei das Rad einer fremden Dame fort- geiiommeil worden. Eine Berichtigung unserer Genossen an die Redaktion der„Tremonia" wurde zunächst nicht ausgenommen. Später erschien sie mit einer redaktionellen Bemerkung, in der be- hauptet wurde, daß der Beweis für die Angaben des Blattes er- bracht werden könnte. Unsere Genossen klagten darauf. Die Be- Weisaufnahme ergab die Richtigkeit der Darstellung unserer Genossen. Der angeklagte Redakteur S t a hol s ch um dck winde wegen einfacher und verleumderischer Beleidigung zu 70 Mark Geldstrafe verurteilt._ Bon der rmuiinischen Sozialdemokratie. Sofia, 3. Dezember. Der aus Rumänien auSge- Wiesens Sozialistenführer R a k o w s k y ist hier eingetroffen. Er erklärt, daß sich die sozialistiicheii Syndikate in Rinnäiiieii neu organisiere» und da»» eine große Bewegung gegen den Grundbesitz inszenieren werden. Parteiliterakur- Vom„Bibliothekar" ist soeben Nr. 9 erschienen. Sie enthält folgeude Artikel: Eine Schifferbibliothek. Von W, Schiiniiig. Magdeburg.— Organisatorische Arbeit. Von Jhl.— Etwas über Buchbinder.— Eine Revue der Blicherbesprcchungcn. Von Max Zielte, Berlin,— Zur Frage des BihliothckarchivS. Von Hohnheiser, Wig- stadl, Mähren.— ReucS aus dem Schaffstdiischeii Verlage.— Von Bilderbüchern und Büchern mit Bildern. Von W, Sch.— Bücher- befprechmigen.— Bibliothekberichte: Halle, Verlin(Heiinaiiu), Würzburg.— Bibliotheltechnisches: Vormerken auf au-Zgclickeiie Bücher. Von I. Hanauer.— Zweckmäßige Einrichtung der Bücher- ausgäbe in kleinen Orlen von G. Hg.— Lcsesaalbücher. Von Jhl. — Notizen und Sprechsaal. Die reichhaltige Zeitschrift, die in ihrem Inhalt noch stetig ans- gebaut wird, sollte ciiie weit größere Verbreitung finden. Nicht nur alle Bibliolhekverwaltuilgeu. sondern auch alle Biicherliebhab-r und Bücherfreunde sollten darauf abonnieren. Der AbonnementSbetrog ist nur 50 Pf. im Vierteljahr. 1 8Utz*SchneU I 1 kommt man zu �einxsrten, tritsiclimer Straße 7Ä» fflsy im Hause der Hochbahn-Station Prilizen- Straße."tSSS Enipsichlt Riesen SISS W aht durch IcolosiiiI billig, einlcaul: -Inziige von 10, 12, 15, 18. 20 M„ prima, Ersatz für MaS. >VliitciapaIetolsi u. 8, 10, 12, 15, 18, 20, 22M., prima, Ersatz f. Maß. Winterjoppeu von 5, 6, 7, 8, 9, 10, 12 Mark, prima. Uosen von 3, 8, 4, 5, 0, 7, 8, 9, 10 Mark, prima, Abteilung in Monats=Qarderoben. Jeder Käufer erbiin bei Einkauf' eines Kieidungsstüiks Rabatt. 0 0 § Patargeid wird vergütet! niin lZiteMn-!' ftttf 19 v>f,. kein Bitte aus HauZiiunnner zu achten: tllll Ultoblltlltzl tttl. 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Enten stock 2.2s. 2.45, 2.75 Hühner stock I.45, 1.85, 2.25 Viktoria-Erbsen.......... Pfund 13 pt Erbsen«esouit............... pfund 23 pt Linsen............... Pfund 13, 15, 19 pt Bohnen.................. pfund 17, 20 pt Sprott- Bücklinge....... Este 68pt Zitronen.................... Dataend 23pt Kakao......................... Pfund 80 pt Haushaltschokolade.. Pfand 65 pt Kottbuser Damm sowtitvontt »pt pt 8r!s»Käss 58 Ramadour..... 25 Vi Dose Stangenspargel IV............ 1.10 Stangenspargel III............ 1.20 Stangenspargel ll'/,Doie70,1.30 Stangenspargel I'/,Do«e75,1.40 Suppenschoten............... 38pt Junge Schoten.................. 46 pt Gemischtes Gemüse 45°.65pt Spinat................................. 45 pt Kohlrabi............................ 28pt Karotten in Streifen................ 24 Pt Brech- u. Schnittbohnen 28pt Pflaumen mit stein................. 45 pt Mirabellen......................... 65 pt Erdbeeren........................ 85pt Früchte-Melange.............. 98pt Preisseibeeren................. 63pt Kirschen mit stein.................. 65 pt Rotkohl Kopf 9rt Kasseler Rippespeer..... Verkaufsstelle für Abonnementsmarken der Grossen Berliner Strassenbalm und der Allgemeinen Berliner 78 Pfund m V Pf. Omnibus-Aktien-Besellschaft | Eigene MetrlQbBwcrkwttttten im Han»«-. Paletots und Ulster hochmoderne, schönste Ausmusterung vornehme Fassons und neueste Farben. Viele hunderte Exemplare vorzüglichster Paßform 50.00 45.00 40.00 06.00 33.00 IC M 30.00 27.00 24.00 21.00 16.00 13 IB. 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Bierteljahre 1908 58 Gesellschaften mit einem uomi- ucllcn Aktienkapital von 61,58 Millionen Mark neu gegründet, gegenüber 42 mit 85,07 und 51 mit 44,41 Millionen Mark im 1. und 2. Vierteljahre. Von den erwähnten 58 Gesellschaften wurden 23 mit 35.41 Millionen Mark'Aktienkapital unter Einbringung be- stehender Unternehmungen gegründet, für die Sacheinlagen wurden hierbei den Vorbesitzern 27,02 Millionen Mark in?lktien gewährt, Aapitalerhöhungen erfolgten im 3. Vierteljahre bei 81 Gesell- schaften um 91,59 Millionen Mark, während 27 Gesellschaften Äapitalherabsetzungen in Höhe von 20,22 Millionen Mark vor- nahmen. 16 Gesellschaften mit 8,72 Millionen Mark Aktienkapital traten in Liquidation. Gegen 4 Gesellschaften mit 2,43 Millionen Mark Kapital wurde das Konkursverfahren eröffnet. Bicrproduktion. Im Rechnungsjahr 1908 würdest im Gebiete der norddeutschen Brausteuergemeinschaft im ganzen 44,16 Millionen Hektoliter Bier »rzeugt, davon 0,27 Millionen Hektoliter im Grohhcrzogtum Luxem- 4>urg gegenüber 46,36 Millionen Hektoliter bczw. 0,26 Millionen Hektoliter im Jahre 1907, das ist weniger 2,2 Millionen Hektoliter, hiervon treffen 2,1 Millionen Hektoliter auf untergäriges und nur 0,1 Millionen Hektoliter auf obergärigcs Bier. Der Malzvcrbrauch ist gegen das Vorjahr um 489 867 Doppel- zentner zurückgegangen. Auf 1 Hektoliter Bier aller Sorten wurden durchschnittlich verwendet 16.94 Kilogramm Malz gegen 17,20 Kilo- gramm im Vorjahre. Die amtliche Feststellung bestätigt, was wir anläßlich der Debatten über die Abwälzung der Brausteuer wieder- holt betont haben, daß einmal, nicht, wie die Brauereien be- hanpteten, nur 5 Hektoliter Bier auf 100 Kilogramm Malz aus- gestoßen würden, sondern ziemlich erheblich mehr(1903 rund 5,96 Hektoliter im Durchschnitts, und daß weiter das pro Hektoliter Bier erforderliche Quantum Malz sich stetig vermindere. Auch in den nicht zum Braustcuergebiete gehörigen Bundes- staaten hat die Biererzeugung abgenommen. Im Jahre 1908 wurden gebraut in Millionen Hektolitern: in Bayern 18,5(1907: 18,6>. Württemberg 3,5(1907: 3,9), Baden 3,23(1907; 3,29), Elsaß- Lothringen 1,27(1907: 1,45). Der Bierverbrauch, auf den Kopf der Bevölkerung berechnet, ist im Berichtsjahr ebenfalls geringer geworden. Er hat unter Berücksichtigung der Ein- und Ausfuhr betragen: Brausteuergevict 1908: 91,9 Liter(1907: 97.7 Liter). Bayern: 235,0 bezw. 239,7. Württemberg: 153,8 bezlo. 169,1, Elsaß-Lothringen: 91,7 bezw. 97,8, Baden: 149,8 bezw. 158,4 und deutsches Jollgebiet überhaupt: 111,2 bezw, 117,5. Bei Bayern und Baden gelten die Angaben für das Kalender- jähr, bei den übrigen Steuergebieten für das Rechnungsjahr. Konkurostatistit. Nach der vorläufigen Mitteilung des kaiser» lichcn Statistischen Amtes gelangten im 3. Vierteljahr 1909 im Deutschen Reich 2313 neue Konkurse zur Zählung, gegen 2515 im 3. Vierteljahr 1908. Es wurden 505 Anträge auf Konkurseröffnung wegen Massemangels abgewiesen und 1808 Konkursverfahren er- öffnet; von letzteren hatte in 1102 Fällen der Geineinfchnldner die Konkurseröffnung beantragt. Beendet wurden im 3. Vierteljahr 1$$: 2047(3. Vierteljahr 1908: 1907) Konkursverfahren, und zwar I durch Schlußverteilung 1372, durch Zwangsvergleich 475, infolge j allgemeiner Einwilligung 33 und ivegen Maffemangeks 167. In >088 beendeten Konkursverfahren war ein Gläubigcrausschuß bestellt. Tabakcrnte und Tabakstcner. Trotz der Abnahme der Anbaufläche und der Zahl der Pflanzer hat nach der amtlichen Statistik die Tabakernke des Jahres 1903 in ihrem Älättercrtrage die vorjährige lvcit übertroffen, wenn auch die Ergebnisse in den einzelnen beteiligten Dircktivbezirken große Unterschiede zeigen. Den höchsten Durchschnittsertrag hatte Hessen- Nassau mit 30,5 Doppelzentner auf 1 Hektar, den geringsten Schlesien mit 15 Dopp-sizentner auf 1 Hektar. Insgesamt wurden 1908 34 409 Tonnen gecrntct gegen 28 839 Tonnen im Jahre 1907 (1906: 32 075 Tonnen. 1905: 31 860 Tonnen, 1904: 34 381 Tonnen). Der mittlere Preis für 1 Toppclzentner trockener dachreifer Tabak- blättcr(einschließlich der Steuer) betrug für die Ernte 1908: 98,9 Mark gegen 93,70 M. im Jahre 1907 und 87,2 M. im Durchschnitte der Jahre 1899 mit 1908. Die Tabaksteuer hatte im Erntejahre 1903 einen Ertrag von 11 103 Millionen Mark, der Eingangszoll von 78,74 Millionen Mark. Nach Abzug der für ausgeführten Tabak gezahlten Ausfuhr- Vergütungen— 288 222 M. für ausländischen, 110 767 M. für in- ländischcn Tabak— und der Steuernachlässe einerseits und unter Berücksichtigung der Abgabe von Surrogaten— 77 531 M.— andercrsciis ergibt sich als Reinertrag der Tabakangaben die Summe von 89,5 Millionen Mark, das ist 1.41 M. auf den Kopf der Bevölkerung. Der Verbrauch an sabrikationSreifem Rohtabak berechnet sich unter Berücksichtigung der Ein- und Ausfuhr auf 1,72 Kilogramm vro Kopf. Ter vorläufige Nachweis über den Tabakanbau im Jahre 1909 ergibt als Olefanitflächeninhalt der im deutschen Zollgebiete mit Tabak bepflanzten Grundstücke 16191,3 Hektar gegen 14 524,7 Hektar im Jahre 1903._ Hus der frauenbewegung. Ter verdächtige Frauenbund. Run ist den schwarzen SckmapSblockbrüdern sogar schon der Katholische Francnbnnd als antiiiltraniontan verdächtig. Mit Bezug- nähme auf einen Artikel des Professors Dr. Spahn in der Zcilschrift „Hochland" fordert das ZentruinS-Zentralorgan, die„Germania": ..Volksverein wie Frauenbund sind es aber nach dieser Dar- stellung dc§ Herrn Dr. Spahn dem lalholischen Volke in Deutsch- land schuldig, offen auszusprechen, Ivelchen Bestrebungen sie dienen, damit es weiß, von wem eS getäuscht worden. Sie müssen offen erklären, ob sie die Handlanger der Entklcrikalisierung des katholischen Volke? fein wolle», wie Herr Dr. Spahn dies ihnen zu- schreibt bezw. zumutet." Die„Köln. Volksztg." meint, der Katholische Frauenbund habe es nicht nötig, sich gegen die befremdlichen Angriffe zu verteidigen. Er könne auf zahlreiche Beweise bischöflicher Sympathie und An- erkcunung verweisen. Hoffentlich trägt diese Ehrenrettuiiq dem schwarzen Frauenbund wieder da» Wohlwollen der„Germania" ein. Ncdensarten gegen Dienstboten. Junker, Scharfmacher»nd pfäfsische Zufriedenheitsapostck messen Forderungen der Arbeiterschaft gern mit dem Maßstab des historisch gewordenen Unrechts, du» die einzelnen Gruppe» l�drückt, nicht nach dem allgemeinen Kulturzustande. Je liefcr eine Kate» gorie Arbeiter auf der sozialen Leiter steht, um so bescheidener muß sie nach solcher Dialektik sein. In bczug auf die Dienstboten hatte sich auch die„ArbeitSmarktkorrespondenz" solcher hiuterlvülde- rischeu Methode, die Unbescheideuheit erhobener Forderungen nach» zuweisen, angeschlossen. Sic verwarf den von den Hausangestellten vertretenen freien Arbeitsvertrag und leistete sich dabei folgenden nichtssagenden Gemeinplatz: „An sich ist die vertragsmäßige Regelung der Arbeits» bediugungen für die Dienstmädchen ein nicht unberechtigtes Ver- langen. Allerdings darf ein solcher Vertrag nicht Forderungen enthalten, die von der Mehrzahl der Hausfrauen nicht ohne weiteres bewilligt werden können, und nicht außer acht lassen, daß das Dienstmädchen noch immer zur Hausgemeinschaft ge- hört und sie gewisse Rücksichten auf die Hausordnung zu nehmen hat." Das Zcntralorgan des V'"bandcs der Hausangestellten Deutsch- lands bemerkt zu der Auslastung der„A.-K.": „Das heißt also: Wir haben ja viel Verständnis und Mit» gefühl für die Dienstboten— aber, wenn sie Forderungen stellen, die uns unbequem sind, so müssen wir uns dagegen wenden. Wo bleibt denn da das soziale Verständnis? Auf daS Mitgefühl verzichten wir. Noch alle Gesetze, die die Arbeitsbedingungen der Arbeiter regelten, waren den Unternehmern unbequem. Die Begrenzung der Arbeitszeit nennt Herr Calwer einfach uner- süllbar. So haben die Geschäftsinhaber auch gesprochen, als der Achtuhrladcnschluß von den Gehilfen verlangt wurde. lind doch hat der frühere Geschäftsschliiß nicht nur keinem geschadet, sondern im Gegenteil vielen genützt. Im Krankheitsfälle, meint Herr Ealwcr, könnte sich dann die Herrschaft auf denselben Boden stellen wir im Vertrage die Hausangestellten. Verehrter Herr. da kennen Sie die Herrschaften schlecht. Wir wünschten nur, daß sich im Krankheitsfälle der Mädchen die Herrschaften soviel um die Mädchen kümmerten, als dies nach dem Vertrage den Mädchen zusteht. Dann wären viele besser versorgt. Die Ver- Weigerung des Lohnabzüge» für zerbrochenes Geschirr ist nach Herrn Calwer auch nicht berechtigt,„weil die MädclAnv ihre Mißstimmung an dem Geschirr der Hansfrau auslassen!" Mit solchen Redensarten kann man alles bekämpfen. So geht es weiter. Kein gutes Haar bleibt an unterem Vertrage. Was will nun dieser 51ampf heißen? Wollten wir unsere Forderungen so einrichten, daß sie den Herrfchaften gefallen, dann wäre die erste Bedingung: überhaupt nichts fordern! Was in unserem Vertrage steht, ist das geringste, was verlangt werden kann und wir werden alle» aufbieten, es als Notbehelf bis zur gesetzlichen Regelung dieser Frage zur Durchführung zu bringen." Vriefliasten der Kcdalitioii. Tie InrliMche«prechstoude findet Li» den sl raste Z, zweUee H»s, drittle Eingang, Hier TrcVpen, IjSST" F a st r ft u h t wachentilglii» abends von 7� bis 914 Ustr statt. Geöffnet 7 llstr. Sonnabends beginnt bic Sstecchfinnbe um c Uhr. Jeder Anfrage Ist ein vnlstftabe und eine Zahl als Merfzeichen bcizusstgr». Briesli-ste Antwort wird niest, erteil,. vis«nr vcanlwortung im Prieilaste» können 14 Tage vergehe». Eilige präge» trage man in der Sbreiststunde vor. W. T. 28. Ihr Kind wird zur Hälitelvoii Ihnen, zur anderen Hälfte von leinen Kelchwistcni beerbt.—' 2(. D. Die von Ihnen erwähnte Schilderunq ist, soviel imr uns«ntjiniien, hier nicht clilgelmisen.— tt. TO. 19. 1. Auch me im mon keine Vorladung erhält, hnt man die Auktritiscrklärling innerhalb de» 29.«nd 42. Tages nach Eiiigang der schrislliche» Anmeldung zu erklären. 2. In der Regel wird allerdings Tansschein, Konjirmationsschein oder dergleichen verlangt.— TO. Nein. Verband Sozialdemokrat. Wabloereine Groß-Seriins. Diessstogf, den 7. Pezember, abend* K'j- Uhr: General-Vemniunpn der Waldverelne der sechs Eerliner Kreise. Tagesordnung in allen Versammlungen: i. Stellungnahme zum preußischen Parteitage» 2. Diskussion und Anträge. 3. Wahl von Delegierten. 8. Irrels. Dräseis Festsäle9 Neue Friedrichstraße 35. Referent: Laudtagsabgeordneter Paui Hirsch. Ii. Kreis. Bockbrauerei(kleiner Saal), Tempelhofer Berg. Referent: Genosse Klüfl. Weitere Tagesordnungspunkte: 4. Wahl von zwei Alitgliedern zur Preßkommission. 5. Vereinsangelegenheiten und Verschiedeues, III. Kreis. Gewerkschaftshaoas, Engelufer 15. Referent: Schriftsleiler Genosse Max Graanwald. IV. Kreis. ECeMers FestsaSe, Koppenstraße 29. Referent: Landtagsabgeordneter Hermann Bergmann. V. Kreis. ASies Scfiiliisenbausj Linienstraße 5. Referent: Redakteur Genosse Wermuth. ¥1. lOeis. Prachtsäle NorcUWesty Wiclefstraße 24. Referent: Genosse Ledebour. Sonut»?, den 3. Dezeiaber lOOO: T eltow-Beeskow-Storkc w« Charlottenburg. Nachmittags 2 Uhr: Kreis- General- Versammlung im VoikshauSj Charlottenburg, Rosinenstraße 3. Tagos-Ordnung: 1. Der preußische Parteitag. Referent: Genosse Groger, Rixdorf. 2. Diskussion und Anträge. 3. Wahl der Delegierten. 4. Sonstige Anträge. Die Delegierten der einzeloen Orte müssen mit Mandaten verseilen sein. Mitglieder balien als Käste IMl Nieder- Barnim. Mittags 12 Uhr: Kreis- General- Versammlung im Cafe BeKlevue in Rummelsburg, Hauptstraße 2. Tages-Ordnung: 1. Der preußische Parteitag, a) Allgemeines, b) Das neue Kommunalprogramm, c) Wahl der Delegierten. 2. Kreisangelegenheiten. Zur Teilnahme sind verpflichtet: die gewählten Delegierten, die Bezirksleiter und die Vorstandsmitglieder. Das UlltgUedebafh lesfttimtert. X XOtgrlicdcr haben als Gaste Zutvltt.-- r- . iSözialilemokratisBhJtiilTereiB des 18. Berl. To.Ics- Anzeige. Am 2. Dezember verstarb unser Mitglied, der Arbeiter HeinricK Simon Ramlerstr, 34. Ehre seinem Nndenken Z Di« Beerdigung findet am Scmnkag, den ö. Dezember, mittags 11 Uhr, vom Lazarus» Krankenhause, Bernauerstraste, aus, nach dem Frieddoj der Himmelsahrts- gemeinde in Nteder-Zchönhausen statt. 233,1, Um rege Beteiligung ersucht Ter Vorstand. Mckss iMetaliarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes- Anzeige. Den siollegen zur Rachrichl, dnst unser Mitglied, der Metallarbeiter Neinricli Simon am 2. d. M. an Beckengeschmür gestorben ist. 126/ tö Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den S. Dezember, vor- mittags 11 Uhr, von der Leichen- Halle des Lazarus-Krankenhauses. Bernauer Siraste, aus nach dem Himmelsahrts- Kirchbos, Nieder- Lchönhausen-Rordend, statt. Ziege Beteiligung erwartet Die Ortsverwaltung. Am 2. Dezember 1903 verstarb j an sriiher erlittenem Unfall mein ' lieber Mann, unser guter Vater, vchivager und Bruder Pnul Jäschke im Aller von 37 Jahren. Die Beerdigung findet Montag. nachiniuagS 3 Uhr, ani aus 1 dem Gummelsburg er Friedhos, I Liiclstraste, statt. 2735b Die Hinterbliebenen. Verband d. baugewerblichen Deutschlands. Zweigverein Berlin u. Umgegend. (Bezirk Friedrichsteide.) Am 2. Dezember verstarb unser langjähriges Mitglied, der Kollege Pmü Jäschke. Ehre seinen« Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den S. Dezember, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen. halle"des RummelSburger Fried- hoss in der Luckstroste aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Der �'jwcigvereinsvorstand. na Dealscher i MolzarbeUer-Verbsmd Den Mitgliedern zur Nachricht, i dast unser Kollege, der Tischler ! Franz Taterra i am 30. November gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 4. Dezember, nachmittags 2 Uhr, vom Trauer- Hause Ebertystrahe 42 aus nach dem latholischen Kirchhos in WUHelmsberg statt. 93/4 Die Ortsverwaltung. Verband d. Bureauangestellten 1 und der Verwaltungsbeamten der Krankenkassen and Bcrnfsgcnossenschalten Dentschlands. Den Kollegen zur Nachricht, ! daß unser langjährige» Mitglied Genutat i(OrtS-Krankenkasse der Schneider) | am 1. Dezember verstorben ist Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am I Sonntag, den 6. Dezember, nach- i mittags 3'/, Uhr, von der Leichen. I Halle des Dreisaltigkeits-Kirchhoss, I Bergmanustraße, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht ! 292/7 Der Borstand. I. Zt.: Pattloch. .......................... Zentral-Kranken- üiogräbni's- Kasse ilir Frauen u. Mädchen in DButsehlanii. (Eingeschriebeite Hilsskaffe Nr. SS.) Verwaltungsstelle Berlin IV. Den Mitgliedern zur Nachricht, dast das Mitglied, Frau ilagasle Krapkat nach langer, schwerer Kranlheit am 1. Dezember verstorben ist, Die Beerdigung findet heute, Sonnabend, nachmittags 2 Uhr, statt. Um rege Beteiligung ersucht 2722b Der B-rstand. Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, dast meine Geschäststeiihaberin Frau Hedwig Werneke geb. Gregor nach langem, schwerem Lesben am i Mittwoch srüh'Li Uhr saust ent- schlase» ist. Radrennbahn Treptow, den 2. Dezember 1909. Richard Linde. Dl« Beerdigung findet am Sonnabend, nachmittags 3 Uhr, aus dem Gemeinde- Friedhose, Neue Krugallee, stait. Danksagung. Für die mir bei der Becrdil meines lieben ManneS erwiesene Tell' nähme, sowie siir die Geldspende sage ich allen Beteiligten, insbesondere den Kollegen der A. E.-G., Lager I, meinen herzlichsten Dank. 27276 Frau Jnlie Kasche. Danksagung. Für die herzliche Tellnahm« bei der Beerdigimg meines lieben ManneS, unseres lieben Botcrs, Itarl Wurche sagen wir allen Freunden und Be- kannten, besonders allen Kollegen und Kolleginnen der Firma I. Hirschtorn unseren herzlichste» Dank. 3433 Berlin, den 3. Dezember 1909. Witwe Angnate Wurche nebat Kindern. Danksagung. Für die zahlreiche Beteiligung wie auch für die reichen Kräiizspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unseres gute» Vaiers und Großvaters Friedrich Duprös sage ich allen Freunden und Be- kannten, wSbesonder dem Bcerdi- Dank." S422b Witwe Albertlne Dnprfea und Sohn. Urbeiter- Cr® Berufs-KIeldung Aeltestes Sperial-Oeschäfl 3 MklenSamm 3 2. Geschäft: 98 Kottbuser Damm 98 Hdolf Slccker. �Jungbrunnen-Bad. Kur- u. Badeanstalt ersten NangeS. FIsktrisoh.l.Ickt.u.«asserheilanst. KleNiolz. . strals 177/ 178, 3 Minuten vom Bahnhof. Empfiehlt alle Arten Bäder. Lieferant sämllicher Krankenkassen. Inhaber: Heinrich Uoppe� Der Sslamanderstiefel ist in allen seinen Teilen aus besten Rohstoffen angeiertigt. Formen und Auslührung sind mustergültig. Fordern Sit Musterbuch V Einheitspreis.., M. 12.50 Luxus-Aualührung M. 16.50 alamander Sehubges. m b H,. 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Juni 1909... 19 172 Die eingezahlten Mitglicderguthaben betrugen am 30. Juni 1908 75 109.7 t M. Einzahlungen wurden gemacht sür......... 29<>42.66, Bestand am 30. Juni 1909.. 104 152,37 W. Die Hastsumme betnig am 30. Juni 1908 806 630,— M- Dieselbe erhöhte sich im lausenden Jahre um...... 268 530,—„ Mithin belrägt die Haftsumme am 30. Juni 1909 575 160,— M. • Berlin, den 8. Dezember 1909. Der Antslchtsrnt. Der Torstand. Fr. Schulze. 146/3 R. lunger. C. Mücke. IM. Sehnlmeister! dresdener Straße am Kottbuser Tor. Nur eigene Konfektion! Wintcr-Paletols und Ulster, modern gestreifte Eskimo- n. Melten- Qualitäten, la Bearbeitung 60,—, 54,—, 50,—, QCEA 48,50, 45,-, 38,50, 3Ä,50, 73311 _ 30,50, M. Jackett-AnzQge, eleg. Fassons, prima Roßhaar- Verarbeitung 50,—, 45,—, AACn 42,50, 88,50, 34,-, 80.50, 7K.3V «er KA■■*vr 27,60, 4.50 1 beste Ausführung in allen Freislagen. 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Dezember, vorm. 1« Uhr, finden im ganzen Zweigverein Berlin in untenstehenden Lokalen die Mitgliederversammlnngen statt, die sich mit den Delegiertenwahlen zum Berbandstag beschäftigen sollen. Lektion der Maurer. Berlin: II bei Obiglo. Schwedter 140/5» Xoecken I und Straße 23/24. XordoNtcn bei Spaeth, Georgentirchstraße 65. Osten I bei Borgman», AndreaSstraße 21. Osten II m der Germa»i«.Bra«erei. «lldeste» bei Böhm. Naunynftraße 6. «Udon bei Döring, Britzer Straße 32. «Ndn esten bei Habel, Bergmannstraße 5-7. IVesten bei Wiemers, Bülowstraße 58. Nenvlt bei Stark, Waldstraße 8. Oenntendiiexee Vorstadt In den Barusfia- Sölen, Allerstraße 6/7. IVeddlns bei Hoffmann, Palewalker Straß« 3. Charlottenburg im„Bolkshans", Rosinen- strasie 3. Rixdorf bei Wolf, Kirchhofftraße 41. Lichtenberg bei Pickeuhagen, Scharnweber- strasie 6(1. Friedrichsfclde bei Sommerfeld, Miquel- stratze 10. Schöneberg bei Großer, Meininger Straße 8. � Mahlsdors bei Müller, Berliner Chaussee W. 'Adlershof bei Bafchi», Metzer Straße 1. '�riedrichshagen bei Lerche, �riedrichstr. 112. Marieudorf bei Löwenhagen, Chausseestr. 27. Marienfelde bei Bcrger, Berliner Str. 114. Friedenau bei Schönefeld, Rheinstraße 81. Lankwitz bei Schulz, Mühlenstraße 21. Steglitz bei Rohmann, Schloßstraße 117. Gr.-Lichterfelde im„Kaiserhof", Am Kranold- platz 1. Zehlendorf bei Mickley, Potsdamer Str. 25. Wilmersdorf bei Käsler, Lauenburger Struße 21. Weistensoe bei Roßkopf, Königchaussee 33. Tegel bei Kienzler, Schlieperstraße 64. Temvelhof bei Müller, Berliner Straße 41. Pankow bei Clemen, Wollankstraße 122. Reinickendorf bei Anders, Hauptstraße 51. Lektion der Putzer. „Arininhallen", Kommanbantenstr. 58/59(großer Saal)» I. Delegiertenwahl zum Verbandstag. 2. Vortrag des Arbeitersekretärs Genossen Ritter über:„Genossenschaftswesen". 8. Verschiedenes. Lektion der(iips- und Zementbranche. „Gewerkschaftshaas", Engelufer 15(großer Saal). Lektion der Fliesenleger. Arbeitsnachweis: Hol L Amt 3. 1239. Verwaltungsstelle Berlin. Hauptbnreau: lüiaritsetraks 3. Hos lll. Amt 8. 1387. „Gewerksehaftshans", Engelufer 16(Saal 10). Mitgliedsbuch legitimiert, ohne dasselbe kein Zutritt. SBolljäHllge« V-snch«wartet|lft JMlMrt!!lSVl!rj!alld. Verband der Haler, Sackieret, Unsfreieher Melchiorftraße 28, Part. TUfale Berlin. m. Fernsprecher Amt IV Nr. 4787. Sonntag, 5. Dezember, vormittags 10 Uhr, in der Neuen Welt, Hasenheide lOS— 114: W Mitgliederversammlung."W TageS-Ordnungi 1. Der neue Reichstarif. Referent: Kollege Jarobeit. 2. Beschlußfassung über die Annahme desselben und über die wetteren Verhandlungen über Arbeits zeit und Stundenlohne. jPrt>l..rto»s Es gilt nunmehr die Entscheidung zn treffen, ob Ihr dem vorgelegten Reichstarff Eure Zustimmung JrlMlilsi ii i geben wollt! fJAp- Deshalb ist eä Pflicht eines jeden Verbandskollegen, in dieser Versammlung zu erscheinen. Wich Ohne liein ZnO'ltt! Die ÖrtsVerWaltUNg. ,,» Die Kollegen werden ersucht, die lebte Nummer des«Bereins-Anzeigers«, ':nr-iÄöatiitttna! welcher de» Entwurf des Reichstarifs enthlilt— der besseren Information �'_ dalber— mitzubringen._ Buctibinder- Verband. Zahlstelle Berlin. Album-, Kuchbindkrei', Etuis-, Calkuterik-, Koutobulh-, Kurtou- v. Luzuspapier-Arbeitkr u. Arbeitkrivueu! Die Wahlen der Vertreter zur Generalversammlung der Orts- Krankenkasse der Buchbinder und verwandten Gewerbe findet am Sonntag, den 5. Dezember» vorm. von 10�2 Uhr» im Kasfenlokal, Gewerkschaftsbaus, Engelufer t» II, Zimmer 29, statt. Sntgliedsbnch der Ortskrankenkasse legitimiert: Die Mitglieder werden aufgefordert, sich das Mitgliedsbuch der OrtSkrankenlässc vom Arbeitgeber aushändigen zu lassen. Dar Die Versammlung der bei den Mitgliedern der Ber- liner Biichdlnder-Jnnung beschäftigten Buchbinder und Arbeite- rinnen findet am 15. D e z e m b c r 1909, abends SUHr, tu« Saal III deS GewerkfchaftShanseS statt. 2S/2 Auf dem Handzettel ist irrtümlich der 6. Dezember angegeben. Zahlreiche Beteiligung erwartet Die Ortsverwaltung. Kerren-Sloff-Keste zu Herrenanzügen spottbillig, feinste Fabrikate, Kammgarne, Cheviots, neueste Muster von S M. an per Meter, reine Wolle. Wer— Stoff— hat ES ÄS olmeKmikurrinz, IRä'iÄPId. Medaille. Spezialität: Anzug nach Maß, komplett„Napoleon 1." von 30 M. an, reine Wolle, neueste geilreifte Muster: unerrelcht. Paletot„Weltberühmt" nach Maß, von 32 M. au. Eehrockanzug„Pessare" nach Maß, sf. Tuch- Kammgarn»»>e glänzend werdend, Seide ans Klappe, von 48 M. an. Hose„Poris" Nach Maß, haltbarer, gestreister Stravazierfloff, Ledertaschen, von 12 M. an.— Anfertigung eventuell innerhalb 24 Stunden. ZK" Keichhaltiges Tuch- and Backskin- La-jer.' Wl Besichtigung erbeten ohne Kauszwang. Kein Musterversand. MM- Ein Versuch führt zu dauernder Kundschaft: 7K> Siehe auch Adreßbuch Teil 1 und IV. 133/6 Prenzlauer Str. 23 II. (Alexanderplatz.) Gegr. 1892. Si/n-yc UtiUJ Ludwig Engel, �A.B.Koch� Kohlen-Brikettgroßhandlung Gegründet 1803. Haupt-Kontor Bertin 0. 34, Petersburger Straße 1 (gegenüber Warschauer StraBe). Fernspr. Amt 7 Nr. 8040 u. 3096. Lllgkrplähtu.Ntrkaufskrllen I. o. 31. Oftb..GüterbahnHof, Ging. Rüdersdorfer Str. 71, fr. Oftbnhnpark. n. O. 17. Ostb.- Güterbahnhof, Fruchtstr. 13. m. Weißensee, Güterbahnhof, GreifSwalder Straße 89». IV. IV. 113. Beh», strafte»8-34. Ecke Schivelbeiner Straße. V. V. 95. Antonstraße 3V— 41. Ecke Ruheplavstraße. Preise für nur la Karlcen ab Platz von 19 Ztr. an: Prima Halbstetne Ferdinand Ztr. 88 Vi. „ Halbs, eine Akw. Ztr. 95 Ps. „ F-erdinand-Brit. Ztr. 99 Ps. , Anna und Waid- mannSheil Ztr. 97 Pf. . Pfännerschaft Ztr. 99 Pf. , laDinmaur-Salon gesetzlich geschätzt (pr. Ztr.t ,0-l20St.) Ztr. 195 Pf. . Ilse u. Anhalt. Kohlenwerke Ztr. 195 Ps. » la Authrazit-Cadb Ztr. 3,39 Koks. Solz, Steinkohlen usw. zu de» billigsten lagen- u. Konventiens. preisen. Anlieseruiig frei Keller je nach Ounniui» pr. Ztr. 10— IS Ps. mebr.— Bei Originalwaggons und größeren Abschlüssen verlangen Sie meine Spezial-Osserte. Sonntag, den S.Dezember, vormittags 10 Uhr bis nachm. 1 Uhr, findet die Wahl eines Beamten in folgenden Lokalen statt: boeilbl'AUöl'L!, Chausseestr. 64. Brunnen- Theater, Bad.tr. m. Hönischs Restaurant, wicheri.tr. s. Obiglos Festsäle, schwedter str.»3. Karsowskis Restaurant, Bernaner str. s». Schulz' Restaurant, nax.tr. wb. Kronen-Brauerei, Ait-noaMt 47/48. ReiChenberger Hof, Relchenberger Str. 147. Graumanns Festsäle, waiu,yn.tr.«7. Heitmanns Feslsäie, sch5uietn.tr.«. Schmidts Festsäle, MBdeu.tr.«, a. � Wiemers Restaurant, B5iuw.tr.«s. Litflns Festsäle, Memeler Str. 67. 126/16 Bökers Festsäle, weber.tr. 17. Rnmmeisburg, Blumes Restaurant, Boxhagd s«. Rixdorf, Hoppes Festsäle, do. Zibells Restaurant, do. Rückheims Restaurant, Tempelhof,(diliiers Restaurant, Bemucr str. 40/41 Charlottenburg, Volkshaus, Rosincn.tr. s. Köpenick, Ritters Restaurant, Bnhnhof.tr. 4 Steglitz, Clements Restaurant, B5ppei.tr. 7. Alt- Boxhagen Hermsnn.tr. 40. Rlhe.tr. 8. Lahnstr. X. "Jeder Hrbeitcr, jeder Handwerker sollte zur Hrbeit dl. Lederhosa Herkules tragen. s Unerreichte z Leistungsfähigkeit. Allein-Yerkacf. Sehr starkes Leder mit Zwirnkette in Stauen und braunen treifen, auch einfarbig. Am Bund aus einem StUck gearbeitet, wodurch besondere Haltbarkeit bedingt ist. Sehr fest« Kappnähte mit starkem Garn. Schwere Leder-Pilot-Tascheiw Grote Flickerr umsonst Trots dieser vielen und anderer Vorzüge kostet M die Herkules- Hose für gn normale Mannes- Größe« M.SO Berufs- u. Schutzkleidung kvr alle Zweige der Gewerke u. Industrie, Sanitütsdienil usw, BAERSOHN Spezis)-Haus grüßten Maßstäbe. ChaMeeestr. 39-30— Brückenstr. U Gr. Fraokfurterstr. 30 Schöneberg, Hauptstr. ID. ■aapt-H.tntogr gratis a. franko. Ober-Schöneweide, Weißensee, Roßkopfs Festäle, K»uis oh.u..c« Pankow, Rozyckis Restaurant, Kreu..tr. s/4. Spandau, Ruths Restaurant, idndea uier 17. Tegel, Raifes Restaurant, Brnnow.tv. s». GHne Mitgliedsbuch bann uirmund mhleu! � Die Stimmzettel werden am Eingang z» den Wahllokale« verteilt. Wahlletter ist der Kollege Otto Handke, Charttbftr. 3. Montag, den 6. Dezember 19«S, abends 6 Uhr: Versammlung aller in den galvanischen Anstalten beschäftigten Kollegen und Kolleginnen in den Rittersälen, Ritterstr. 75. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Dr. Zadek über:„Krankheits erscheinungen und deren Wirkung in unserem Berns". 2. Dis kufston. 3. VerbandSangelegenhciten. Kollegen und Kolleginnen l Tagtäglich erleben wir, welchen gesundheil lichen Gefahren wir in unserem Beruf ausgesetzt sind. Damit wir aber alle näher von den Gesahren unseres Beruses unterrichtet find, ist et Pflicht aller Kolleginnen und Kollegen, zu erscheinen. Schlosser! Montag, den 6. Dezember, abendS 8 Uhr: Wahl der Delegierten zur Ortskranken- kasse der Schlosser im Gewerkschaftshause, Engelufer IS, großer Saal. Wahlberechtigt ist jede« der OrtSlrankcnkaffe der Schlosser angehörende Mitglied, das bis zum Wahltage däS LI, Lebensjahr vollendet hat und im Besitz der bürgerlichen Ehrenrechte ist. Jeder Wädler hat sein MtglledS- buch der Ortskrankenkasse der Schlosser vom Arbeitgeber sich aushändigen zu lassen und am Eingang vorzuzeigen. Ohne Mitgliedsbuch darf niemand wählen,— Vor der Wahl findet ein Vortrag des Herrn SanitälSratS Dr. Freudenthal über„Mundkrankheiten und Mundpflege" statt, Die Ortavorwaltung. Die solidesto und billigste Bezugsquelle für Glas-Christbaumsehnmek ist unstreitig die GlasblftBergenoBBcngchalt des nelnlnger Oberlande«. sowie Bin enthaltend; Enorm_ billiger Verkauf elegant.Monatsgarderoben früher 59—90 M., jetzt 12-28 M. Deutsches Bekleidungshaus, 1 Große Frankfurterstraße 89. 1 Nur 1 Dreppc, kein Laden. Fahrgeld wird vergütet. je 3 Stück extra große, prachtvo.,.,v«i,»cuncirau, prachtvolle Lampion, Vögel auf Klemmer, Krönleuchter, Qeigen und Gitarren, Tabak«pfeifen mit Stimme, HS"" Weihnach Aepfel, Birnen, Glocken mit Inschrift:„Fröhliche Weihnachten", groBe besponnene Kugeln, femer je 2 brillante Sohneemünner, Lyra, Rosetten, Geldsäcke mit 50 000, Hase mit Ei, 1 Schiff, t Luftballon, 1 Olive, je 6 große Weintrauben, SilberglSckchen, Formkugeln, 10 prachtvolle Reklere, 8 Brillantkugeln, 12 extra groBe Wallnilsee, 24 Eiszapfen, t großer Engel mit beweglichen Glasflügeln, I prachtvolle Baumspitze, 100 Stück 24 mm starke Kranzperlen(auf Wunsch für die Kranzperlen auch jeden gewünschten anderen Artikel zum gleicbenWert), in Summa 214 Stück größere und aufs feinste ausgeführte Brillant- Glassachen sowie ferner 1 Paket Engelshaar, 6 Dtzd. Konfehthalter, 6 Lichthalter auf Klemmer, alles zusammen für 5 M. franko gegen Nachnahme. Doppelkisten 9,40 M. Bei Voreinsendung des Betrages 30, bezw. 40 Pf. billiger."VMI 10 Sortimentskisten in Bahnsendung in kl Bahnfciste 46 M. franko. Für größere Bezüge verlarge man Preisliste. Bestellung bitten wir nur zu richten an GlasbiasergenoBBenBchaft de. Delalnser OborlandcH e. G. m. b. H, in Steinach S D. 3013L* NaehdrT verbot Orts- Krankenkasse der Mechaniker, Optiker und verw. Gewerbe zu Berlin. Sonntag, den IS. Dezember 99, vormittags von 10 bis 2 Uta',: imhne Legitimation kein Zutritt. Zum Zweck der Kandidaten-Aus- tellung zur vorstehenden Wahlver- ammlung findet eine Nersammtung der Arbeitgeber am Dienstag, den 7. Dezember. abendS«>/. Uhr, im Restaurant Zum Schuttheiß", Behrcnstr. 43, statt. Tages-Ordnuna: 1. Ausstellung der Kandidaten. 2. Verschiedenes. Berlin, den 4. Dezember 1909. Der Vorstand. I. A.: Uaz Gutsohe, Vorsitzender. H.Pfau, ®cT Dircksenslraße 20 wischen Bahnhof Alexanderplatz und ßollzeipräsidium.— Amt VII, 43799 Für Damen Frauen-Bedienung.* Lieferant für alle Kraukenkassen. GOOGGGOGGG Eier. Werkmeister, der bereit» in einer Konserven- sabrik gearbeitet hat, wo Eier aus- geschlagen werden, und die Branche t rittiMich versteht, wird zu günstigen iedingnngeit aufgenommen. Zu- chrislen samt Hinzusügitng der bis- herigen Tätigkeit, wofür DiSkretivii zugesichert wird, unter i>. S. an die Expeditton des BlatieS.* Weihnachts-JVämien für unsere Leser. Shakespeares iZmtllche äramatiiche Tii&thb L" drei eleganten Leinenbänden gebunden izirla liv» 2800 Seiten umfassend), liebersetzt von Ä. W. v. Schlegel und L. Tirck. Mit einer biographischen Einleitung von Rudolph Gense. Preis nur 3, TO M. Von den vorjährigen Weihnachts-Prämicn sind noch vorhanden: Klfyiüers Werke 2 Band- illustriert.... 3,30 M« Seines Werke Ä Ä�r.9eß.06: 3,50 W. �sskllinkers Werke 2 Bände illustriert 3,50 W. Freiligraths sämtl. Werke LSV �>00 M. Gerstälkers Werke 2 Bände illustriert 3,50 M. GMparzers sämtl. Werke 3,00 M. Goethes Werke 2 Bände illustriert.. 3,30 M. Ueuters sämtliche Werke ZÄ 3,00 M. Dr. F. W. A. Zimmermann, Das Ueltall. 1 Band M., statt S M. nur 4 M. Die phyllkalischen Kräfte im Ditliste der Gemerbe, der Klink und der Wiffensäiast. i Band ist., stall 12 M. nur 3,50 M. Prof. Dr. K. Kirchner, Das Such vom laugen Leben. 1 Band, statt 6 M. nur 3,40 M. William Morris, Zeichen der Zeit. 1 Band, statt 4,50 M. nur 1,50 M. William Morris, lleues ans Uirgeudland. 1 Band, stall 6.50 M. nur 3 M. Gustav Schalk, Deutsche Keldeusaaea. .1 Band ill., statt 5 M. nur 4 M. Klaftifur. Di« nachstehenden Preise gelten sür Leineneinbände.— Dieselben Klassiker tu besserer Zlusstattung und Hawsranzeinband kosten zirka 50 Prozent mehr. Börne...... 3 Bände 6,— M. Brinkmann.... 1 Band 2,— ,. Bürger...... 1„ 2,—„ Byron...... 3 Bände 6,—„ Chamisso..... 1 Band 1,75 Eichendorff.... 2 Bände 3,50„ Goethe... Auswahl 6„ 6,—„ Goethe..... 4 6.—.. Goethe...... 8 Grillparzcr.... 4 Hauff...... 2 Hebbel...... 3 Heine...... 4 Hoffmann..... 4 Ibsen...... 4 H. v. Kleist.... 2 Körner...... 1 Band 1,75 Lenau...... 1„ 2,— Lesfing...... 3 Bände 5,— Ludwig...... 2., 3,50 Mörike...... 2 Reuter...... 4 Rückert...... 3 Schiller...... 4 Shakespeare.... 4 Stifter...... 2 Uhland...... 2 Dostojewski, Der Idiot. Brosch. stall 8 M. uur 3 M.» in Bänden geb. 4 M. Die Wer der Mit."">— Äi'S.!" s"- Kartonniert, statt 2 M. uur 1 M. 14- 6- 3,50 7,50 6.- 8- 6.- 3,50 4- 6,— 6.- 6.- 6.- 4.— 3,50 üelezenlleikksujl!. Carns Sterne, Werden und Dtrgehen. Äg: gcschicht« des Natiirgaiizcn in gcincinvcrstäiidlichcr Darstellimg. Heraus- gegeben von Wilhelm Bölsche. Zwei starte Bände illustriert. Elait 25 M. nur 10 M. Wilhelm Kölsche, Entwickelunasgeschichte der Natur. 2 Bände ill., statt 18 M. nur 10 M. Wilhelm Kölsche, Was ist die Aatnr. 1 Band, stall 8 M. nur 4,50 M. R- Kommeli, Die Dstanzenwelt. 1 Band ill., statt 5 M. nur 3.50 M. Dr. F. W. Panl Lehmann, Länder- n. Nölkerknnde. 2 Bände ill., statt 13 M. nur 10 M. Dr. Franz Linke, Moderne Lnstschistahrt. 1 Band ill., stall 6 M. nur 3,50 M. C. A. Roßmäßler, Der Mensch im Spiegel der Datur. 1 Band, statt 6 M. nur 3,50 M. Reimnnd Schäfer, Kochtouren in den Alpen, Spanien, Dordaftika, Kalifornien und Mmko. 1 Band ill., statt 12 M. uur 4 M. ZU Gkslhtnkkil besonders empfohlen: A. Kekel, Die Lran und der Sonalismus. Jnbiläuiuö Ausgabe(50. Aufl.) Eleg. geb. 3 M. Georg Graönauer, Dersalsungsmeseu und Der- faffungskämpfe in Dentschiond. i Band Z M. Heinrich Cunow, Die reoolntionäre Zeitnugs- literatur Frankreichs wahrend der Jahre 1739/94. 1 Band ill., 7,50 M. Friedrich Engels, Der deutsche Danernkrieg. Herausgegeben von Franz Mehring. Geb. 2 M. Wilhelm Klos, Die deutsche Revolntion von 1848 und 1849. 1 Band ill., 4M. Wilhelm Klos, Sie ftanzöstsche Revolntion von 1789. 1 Band ill., 4 M. Karl Kautsky, Der Ursprung des Ehristeutums. 1 Band, 5,73 M. Franz Mehring, Aus dem Htemrischen Dachlaß von Karl Man, Friedrich Engels».Ferdinand Fassalle. 4 Bände, geb. 20 M. Franz Mehring» Geschichte der deutschen Sozial- demokratie.« Bände, g-b. 20 M. Wilhelm Weitling, Garantien der Harmonie � und Freiheit. Herausgegeben von Franz Mehring. 1 Band, 3 M. Wilhelm Wolff, Gesammelte Schriften. Herausgegeben von Franz Mehring. 1 Band, 2 M. Jürgen Krank, Dlenbrook. i Band. 1.50 m. Knrt Grottewitz, Dnser Wald. Herausgegeben von W i l h e l m B ö I s ch e. 1 Band ill., 3 M. Kurt Grottewitz, Sonntage eines großstädtische» Arbeiters in der Datur. Mit einem Borivort von WilhelmBölsche. 1 Band, 1 M. O. Köhler» Die Munder des Kosmos. 1 Band III., 5 M. K. Langkavel, Der Mensch und seine Rassen. 1 Band ill., 5 M. G. Preezang, Im Strom der Zeit, G-dicht-. 1 Band 2 M. Robert Seidel, Lichtglanbe nnd Jukunstssonne, Gedichte. 1 Band 2,50 M. Erckmann-Chatrian, Fron Cherese. 1 Band ILO M. Stefan Großmann, Herzliche Grüße, 1 Band 2,80 M. Dictor Hugo, 1793. Noma«., Band z seinem Begehr gefragt, bat dringend um schleunigsten Besuch und fügte sogleich hinzu, der Herr Doktor keinie den Fall schon, er. sc, erst am Nachmittag bei dem Kranken gewesen, der Zustand)ei bedrohlich. Die Frau verschwand jetzt, um nachzusehen, ob der Herr Doktor zu Hause sei. Dann erschien sie zum zweiten Male im Fenster und fragte zur nicht geringen Berwunderuiig des Wartenden erst noch, welcher Kasse I. denn angehöre. Als ihr die Lrtskrankentajse der Mechaniker genannt wurde, ging sie wiederum und ließ M. zurück in der festen Meinung, der Herr Doktor selber habe fingen lassen. Um so grösser war seine Uebcrraschung, als die Frau zurückkehrend ihm meldete, der Herr Doktor sei nicht zu Hause. M. lief jetzt zu einem anderen Arzt, der zu Hause toar und mitkam, aber nur noch den Tod feststellen konnte. Als Dr. H. am nächsten Tage von einem Verwandten J.s zur Rede gestellt wurde, gab er die Antivort, er könne doch nicht» dafür, daß er nicht zu Hause gewesen sei. Dagegen lässt sich nun allerdings nichts sagen. M. aber findet es sonderbar, dass die ihn ausfragende Frau in übertriebener Wißbegier erst noch einmal zurückkam und sich er- kündigte, zu welcher Kasse I. gehöre. Wundern müssen wir uns, warum durch solmc Grüudlichteit der Ausfragerei die Wartezeit noch verlängert wurde. Das bleibt eine Ungehörigkeit, auch wenn es etwa zur Hilfe schon zu spät geloesen sein sollte, worüber ja die Fragerin nicht unterrichtet war. So oft von Arbeiterfamilien derartige trübe Erfahrungen uns mitgeteilt wurden, erschien immer wieder ein» uns unbegreiflich. Alle diese Acrztc, deren Personal zunächst den Hilfe. suchenden ausfragt und dann er st nachsieht, ob der Herr Doktor zu Hanse ist. haben sich wohl noch nie- mals klargemacht, dass es ihre Pflicht ist, den bei der Suche nach dem Arzt entitehenden Zeitverlust nicht unnötig noch vergrößern zu lassen. Wenn jeder?lrzt an einer feinem Dienstpersonal leicht erreichwireii Stelle einen schriftlichen Bennert niederlegte, aus dem jeweils ohne Störung des Herrn Doktors ersehen werden kau», ob er zu Hause ist oder nicht, so könnte ciuem Hilfesuchenden cvnctuell sofort geantwortet werden, der Herr Doktor sei nicht zu Hause. Run gibt cs freilich Leute, die da meinen, daß mancher Arzt„zu Hause ist" oder„nicht zu Hause ist-, je nachdem das ausfragende Personal ihm einen Fall zu melden hat, der reichlichen Lohn verspricht oder nicht. Da» wird vorkommen, vielleicht sogar öfter, als wir es glauben möchten. Man kann darüber allerlei Gedanken haben, aber das ist nun mal sozusagen das„gute Reckst- deS Arztes. Ein Arzt ist nicht verpflichtet, zu jeder Zeit jedem Ruf an ein Krankenbett zu folgen, und er hat es lediglich mit seinem Gewisjei» abzumachen, wenn er das nicht tut. Rur ist das ein schlecktcr Trost für eine Arbeiterfamilie, die hilflos an dem Sterbebett ihres Ernährers steht. Der„Borwärts" als Arbeitgeber. Unter dieser Ucbcrschrist bringen bürgerliche Blätter, die aus Reichsverbandsqucllcn schöpfen, wie„Post",„Tägliche Rund- fchau",„Wcser-Zeitung- u. a. eine Notiz über eine Gerichts- Verhandlung in Charlottenburg, nach welcher eine Zeitungsträgerin durch den„BorwärtS-.Verlag unter Anklage gestellt worden sei, weil sie einen geringfügigen Betrag unterschlagen habe. Selbst die in der Familie vorherrscheitde Not, die vom Vertreter des „Vorwärts"-Vcrlages in der Gerichtsverhandlung anerkannt wurde, habe die sonst über jede Untcrnchmerhartherzigkeit wetternde Sozialdemokratie nicht abgehalten, die Frau zur Verurteilung zu bringen. Es wird versucht, aus diesem Vorgang einen Wider- fpruch der Sozialdemolratie in Theorie und Praxis zu kon- struieren. Nach unseren Informationen ist der wahre Sachverhalt jedoch folgender: Zunächst handelt cs sich dabei nicht um den„Vorwärts"- Verlag, sondern um die Wilmersdorfer„Vorwärts"-Spcdition. Tie betreffende Zcitungsträgcrin hat bereits schon einmal, vor zwei Jahren, einkassierte Abonnementsgcldcr unterschlagen. Die Frau wurde seinerzeit ihres Postens enthoben und verpflichtete sich, die unterschlagene Summe in wöchentlichen!)!atcn von 3 M. abzuzahlen. Dieser Verpflichtung ist sie jedoch nicht nach- gekommen. Als die Frau auf das Unrecht ihrer Handlungsweise aufmerksam gemacht wurde, bat sie um Wiederanstellung als AuS- trägerin, damit sie ihre Schuld abtragen könnte. Diesem Wunsche ist entsprochen Worden. Um ihr die Abtragung der Summe zu er- möglichen, wurden ihr kleine Teilbeträge vom Lohn abgezogen. Trotz dieses Entgegenkommens unterschlug die Frau im Juli diese» Jahres wiederum die von ihr einkassierten Gelder. Auch hier wurde der Frau wieder die Möglichkeit gelassen, den Betrag raten- weise zurückzuzahlen. Die Frau tat dies aber nicht. Selbst nach Anzeige bei der Polizeibehörde ist eine nochmalige Zurücknahme vorgenommen, um eine Verurteilung der Frau hintanzuhalten. Aber die Frau hielt cS nicht einmal für notwendig, dem Spediteur eine Benachrichtigung zu geben, dass sie ihren Verpflichtungen nickt nachkommen könne. Auch das mehr denn einmalig erfolgte Hinaus- werfen des Beauftragten der Spedition aus der Wohnung sowie daö brüske Auftreten des Ehemannes der Beklagten machte jede gütliche Regelung der Angelegenheit zur Unmöglichkeit. Au» alledem erhellt, dass alle nur erdenklichen Rücksichten auf die Zeitungsaus'trägerin genommen worden find. Uebcrzeugt sind wir davon, dass in jcdcnt anderen Privatbetriebe nicht der zehnte Teil der Rücksicht genommen worden wäre, als sie im vorliegenden Falle gcübt worden ist._ Ei« schwerer StraftenuusaU ereignete sich Donnerstag vor dem Hause Turnistr. 23. Ein etwa S0jähriger unbekannter Mann wurde vom Motorwagen der Linie 9 niedergerisie» und geriet unter den Scimtzrahmen, ohne jedoch, da der Wagenführer den Zug fast äugen- blicklich zum Stehen brachte, mitgeichleift zu werden. Der Ver- »mgluckte wurde nach dem tfirantenhause in Moabit gebracht, wo et noch immer besinnungslos daniederliegt. Er hat anscheinend schwere inner« Verletzungen erlitten, doch konnte die Art derselben noch nicht fest- gestellt werden. Naubmordversuch auf einen Oberpos, asfistentea. Auf dem Postami 65 in der Schwedenstrasse 5 wurde gestern nachmittag um 4 Uhr 5 Minuten auf den Oberpostassistentcn Robert Ebel ein Schuft abgegeben, um wahrscheinlich die Postkasse zu berauben. Das Postamt wird um 4 Uhr nur von einem Schalterbcamte» t» dient, während die übrigen Beamten zum Teil auf Bestellgängen. zum Teil aber in den Hinteren Räumen, welche über den Hof liegen, beschäftigt sind. 10 Minuten vor 3 Uhr hatte der allein diensttuende Beamte zwei Leute in dem Vorraum, die sich an dem Schreibtisch beschäftigten, beobachtet, die aber ohne ein Anliegen an den Schalterbeamten das Postamt verließen. Die jungen Leute waren aus dem Postamt herausgegangen, hatten die Reine- machefrau Kalaff, welche die Posträume zu reinigen hat und un- mittelbar hinter den Posträumen ihre Wohnung hat, beauftragt, sie solle für den Postassistcnten aus einem benachbarten Lokal Bier holen und gaben der Frau auch Geld dazu. Diese Zeit be- nutzten die beiden Räuber, um in das Postamt zurückzukehren, an den Schalter. heranzutreten und auf den nach ihrem Begehr- fragenden Beamten einen Revolverschuß abzugeben. Tie Kugel drang dem Beamten durch die Uniform, in die Weichteile unter dem Arm. Dieser schloß sofort das Schalterfenster, sprang nach dem Telephon, um die Alarmglocke nach dem Hauptamt zu be- tätigen und den Ueberfall zu melden. Die beiden Räuber er- griffen/ nachdem sie sahen, daß der Schuß fehlgegangen war und Beamte aus den hinteren Räumsn nach dem Schalterraum ge- stürzt kamen, die Flucht und stürmten nach der Christianiastratze hin. Ehe Beamte zür Verfolgung der beiden Räuber heraus- kommen konnten, waren diese in der Dunkelheit verschwunden. Die Kriminalpölizei wurde sofort benachrichtigt, um die Nach- forschungen an Ort und Stelle aufzunehmen. Der Werletzte ist nur dadurch, daß die Uniform sich zusammengeschoben hatte und die Kugel zweimal das dicke Tuch durchschlagen mußte, mit einer leichteren Verletzung davongekommen. Mißstände im Eierhandel. Die Polizei gibt bekannt: ES hat sich herausgestellt, daß im Eierhandel Mißstände herrschen, die geeignet sind, nicht nur den reellen Eierhandel zu beeinträchtigen, sondern auch die Konsumenten zu schädigen. Sie bestehen besonders darin, daß Eier als„frische Trinkeier" feilgehalten und verkauft iverden, die nachweislich alt oder längere Zeit konserviert sind, und daß nicht einwandfreie Eier, namentlich sog. F l e ck e i e r zu NahrungS- und Genußzwecken verkauft und ver- wendet werden. Dem soll nun durch eine polizeiliche Kontrolle in allen Geschäften entgegengetreten werden, in denen Eier zum Verkauf komme». Die hierzii bestimmten Sachkundigen werde» ihr Augen- merk in erster Linie aus die sogenannte»„Fleckeier" richten, die als verdorbene Nahruugsiniltel nicht feilgehalten werden dürfen. Sie sollen aber auw verhindern, daß nicht falte) oder konservierte Eier als„frische Trinkeier" für teures Geld dem Publikum verkauft Iverden, die den schönen Namen„Trinkeier" nicht verdienen. Die Abenteuer eines Geisteskranken riefen gestern auf dem Gesundbrunnen eine Reihe wilder Szenen hervor. Der 26 Jahre alte geisteskranke Schmied Alfred Trettin war gestern morgen aus der Heilanstalt Hohenelse bei Rheinsberg entlassen worden. Er bestieg den Schnellzug Stralsnnd-Berlin und wollte nach seiner Wohnung in Reinickendorf zurückkehren. Als der Zug in den Bahnhof Gesundbrunnen einlief, sprang er noch während der Fahrt aus dem Wegen und lief nach der Bahnsteigsperre, wo er von Bahn- beamten angehalten wurde. Als sich der Zug zur Weiterfahrt nach dem.Stettiner Bahnhof in Bewegung setzte, riß sich Trettin blitz- schnell los, sprang auf den Zug und kletterte auf das Dach eines Schlafwagens. Auf ein Notsignal brachte man den Zug zum Halte», holte Trettin herunter und führte ihn nach der Wache des 99. Polizeireviers. Hier verhielt er sich zunächst ruhig, später stellten sich Schreiträmpfe ein, so daß man den Kreisarzt zur Unter- suchung herbeirief. Bevor dieser eintraf, bekam Trettin in Gegen- wart feiner Ehefrau einen Tobsuchlsanfall und sprang, ehe er ge- hindert werden konnte, durch die Fenster der Balkontür auf den Balkon, kletterte von dort-auf die Straße nkid lief tknter�muteist Geschrei in das im Hause Ramlerstr. � gelegene Kolon ralwaren-- . geschält..von Lorenz, wo er.die Ladeneinrichtung und Waren zu demolieren begann. Mehrere Beamte brachten ihn zur Wache zurück, von wo er nach dem kreisärztlichen Gutachten als gemein- gefährlicher Geisteskranker nach der Irrenanstalt Dalldorf trans- portiert wurde. Vermißt wird seit dem 29. September d. I. der Arbeiter Otto Pätzel, am S. März 1885 zu Soldin geboren, zuletzt Eldenaerstr. 19 bei Fürst wohnhaft geweien. Der Vermißte ist 1,68 Bieter groß, hat dunkelbraunes, nach. links gescheiteltes Haar, Anflug von Schnurrbart und dunkle Augen. Bekleidet war er mit schwarzem steifen Hut, dunkelbraunem Jackettmizug, dunklem Sommerüberzieher, schwarzen Slrümpfen und Schnürschuhen, Normalhemd und Unterhose, gez. O. P. Mitteilungen werden bei der Krimmalpolizei Zimnier 82l oder von jedem Polizeirevier mündlich oder schriftlich zu 4316. IV. 38. 09 entgegen genommen. Vermißt wird ferner seit dem 19. November der 33 Jahre alte August Böhm. Derselbe verließ in geistiger Umnachluiig seine Wohnung. Es wird angenommen, daß derselbe»ach außerhalb ge- gangen ist und dort umherirrt, oder sich ein Leid angetan hat. B. ist 1,72 groß, trägt dunklen Rockanzng und Schnallenschuhe, hat schwarzes Kopfhaar und lleinen schwarzen Schnurrbart. AuSliinft erbitten Gebr. Böhm, Berlin, Lützowstr. 14. Entstehende Kosten werden ersetzt. Zeugeiigesuch. Die beiden Automobildroschlenführer, die am Donnersiag vor dem Hotel Bristol, Unter den Linden, gesehen haben, wie der Zmamnreqstoß zwischen einer Antodroschke und einem Privat- ailto stattgefunden hat, werden gebeten, ihre Adresse bei Wilhelm Grund/ Droschkenautoführer, Wilmersdorf, Brandenburgischestr. 106, abzugeben.• Verkehrswesen. Wie eine amtliche Meldung besagt, ist die tele- graphische Verbindung mit England teilweise wieder hergestellt. Telegramme erleiden jedoch noch erhebliche Verzögerungen. Feuerwehrnachrichten. Am Freitag früh um 7 Uhr kam in der Bastianstr. 20 Feuer aus, das� an der Holzwand eines Zimmers schnell Nahrung fand. In der Webastiaustr. 74 war in einer Sattlerei Feuer ausgekommen. In der letzten Nacht wurde in Schönhauser Allee 9a ein fremder Mann aus einem am Hanse angebrachten Gerüst bemerkt. Da der Fremde sich weigerte, herabzukommen, wurde die Feuerwehr alarnuert. Nun kam der Mann herab und wurde nach der Polizei gebracht, wo er sich einen falschen Namen beilegte. Im Palast-Theaier entstand Domierstag abend während der Vorstellung Kurzschluß, wobei der Diener Behrendt des Zauber- künstlers B. sich die rechte Hand verbraunte. Ferner hatte die Feuer- wehr.in der Ehagsseestraße 13 zu tun, wo Möbel und anderes brannten. In der Bellealliaiicestraße 35 mußte ein Brand gelöscht werden, der durch Entflammen von Fett entstanden war. Ein Schausensterbrand wurde aus der Neanderstraße 12 gemeldet. Außerdem liefen noch Feuermeldnngen aus der Mühlenstr. 42, Freiligrathstr. 3, Leipziger Str. 84, Kochstraße und anderen Stellen ein. Vorort- �admdrten. Charlottenbnrg. Die Generalversammlung de? Wahlvereins am vergangenen Dienstag nahm zunächst ein ausführliches Referat des Genossen Dr. Bruno Aorchardt entgegen, in welchem dieser die einzelnen Punkte der Tagesordnung des kommenden preußischen Parteitages einer näheren Würdigung unterzog. Anträge zum Prcuhentag wurden nicht gestellt. Als Delegierter soll der Äreisgenerawer- sammlung, welche am 5. d. M. stattfindet, der O'cnosic Will vorgeschlagen werden. Zur Keeisgeneralversammlung wuvden de- legiert die Geliossen Reinsch, Will, Tickniami, Habicht, Liedtke und Giese. Nach der Aufnahme von 171 neuen Mitgliedern gab Ge- nosse Reinsch den Kassenbericht vom 3. Quartal. Einer Einnahme von 2461,75 M. steht eine Ausgabe von 601,01 M. gegenüber, so daß nach Abführung des Pflichtbetrages von 1641,16 M. au die Kreiskasse ein Bestand von 219,58 M. verbleibt. Es folgte nun eine kurze Diskusston über die Angelegenheit betr. Uebernabme des Volkshauscs in eigene Regie. Von den Vorschlägen des Volkshaus- ausschusses ist als sehr wesentlich ivohl der letzte Punkt zu betrachten, nach welchem jeder organisierte Genosse monatlich 10 Pf. zahlen soll. Das Geld soll in einen Fonds fließen, der dann zur Dckung eines etwaigen Defizits und zur Abtragung dxr Hvpo- theke» schulden dienen würde. Ter nächste Zahlabend wird den Genossen Gelegenheit geben, diese Angelegenheit zu besprechen.—> Im Heiteren Verlaufe der Versammlung wurden von berschiedenen Seiten über die Art und Weise der Agitation am Orte Klagen vor- gebracht sowie Vorschläge gemacht, die eine Besserung auf diesem Gebiete herbeiführen könnten.— Zum Schluß machte Genosse Gerlach auf die Bücherausstellung aufmerksam, die am Sonntag ini Voltshause eröffnet wird. Rixdorf. Das Bein zerschossen wurde dem Arbeiter K. aus Rixdorf, der mit noch eineni Arbeiter aus Britz auf dem Vritz-Buckower Jagd- geländ« des Kaisers auf Hascnfang ausgegangen war. Am letzten Sonntag lauerten die Jagdaufseher und der berittene Gendarm Faehse aus Britz die verpönten Jäger ab. Nach 7stündigem Warieu gelang es den Aufpassern, der Gesuchten ansichtig zu werden. Wie »un das„R. T." berichtet, sollen K. und sein Kollege auf den ..Halt I"-Ruf die Flucht ergriffen haben. K. sei von dem Gen- barmen eingeholt worden und zwischen beiden habe sich ein Kampf abgespielt, in dessen Verlauf der von K. mit der Waffe bedrohte Gendarm ebenfalls die Waffe ergriffen und seinen Gegner ins Bein geschossen habe. Dem Verwundeten mußte im Kreiskraiiken- haus das zerschossene Bein abgenommen werden. Eine Warenansstellung veranstaltet die Agitationskommission der Konsumgenossenschaft Berlin und Umgegend, 8. Abteilung, Rixdorf, am Sonntag, den 5. d. M.. von 3 Uhr ab in Hoppes Fest- säle, Hernmnnstr. 40. Es werden Waren von der Konkurrenz sowie aus den Verkaufsstellen der Genossenschaft ausgestellt. Die Kom- Mission ersucht daher, daß sich die Bevölkerung recht zahlreich in der Ausstellung einfindet, um zwischen den Waren der Genossen- schaft und denen aus Privatgeschästen Vergleiche anzustellen. Steglitz. Für die Jugendlichen finden jeden Sonntagnachmittag von 5 Uhr an Zusammenkünfte gesellicbaftlicher Art bei Rohmann, Skbloßstr. 117, statt. Die Jugendlichen haben daselbst die beste Gelegenheit, einige srohe Stunden im Kreise gleichgestnnter Gefährten zu verbringe», daher erwartet regen Besuch Der Jugendausschuß. Eine Jugrndschriftenansstellung veranstaltet der hiesige Bildung«- ausschnß vom 12.— 19. Dezember Schloßstr. 102(früherer Laden von F. Hanchurg). Die Arbeiterschaft von Steglitz und Umgegend wird in ihrem eigenen Interesse ersucht, nur dort ihren Bedarf zu decken, da sie dann die sichere Gewähr hat, gute Lektüre für ihre Jugend zu erhalten. Boxhagen- RummelSdurg. In der Mitgliederversaiumlnng des Wahlvereins referierte ReichstagSabgeordneterStücklen über die politische Lage in Deutschland. Redner beleuchtete die verworrene Situation in der sich zurzeit die bürgerlichen Parteien im Reiche befinden. Vor allem geißelte der Referent die Jäimiierlichleit der Freisinnigen während der Be- ralungeu der Frnanzreform sowie ihr jetzige«, schon deritlich erkenn- bare« Nachlaufen der rechtsstehenden Parteien. Am Schluße sprach der Referent die Ueberzeugnng aus, daß die sog. Liberalen bei der nächsten ReickStagswahl mit den übrigen bürgerlichen Parteien Hand in Hand gegen die Sozialdemokratie vorgehen werden. Zu glauben, daß es in Deutichland nochmals Liberale geben könnte, die mit uns .geipetzischoftlich. die Reallion bekämpfen werden, halte er sttt .Utopie. Wicher Beifall lohnte den Redner.—•-•. r Ueber den Preußentag sprach Witzle in kurzen AuSführmigen. Zum veröffenllichten Kommunahlprogramm stellte Redner zwei Ab- änderungsanträge. Nachdem Genosse John dagegen gesprochen, wurde der eine Antrag abgelehnt, der zweite fast einstimmig an- genommen. Als Delegierter zum Preußentag soll Witzle in Borschlag gebracht werden. Weiftensee.' Einen sonderbaren Begriff von der Sozialdemokratie scheint der katholische Pfarrer Herr Waßmann zu haben. Auf einem Familienabend der hiesigen Filiale des Guttempler-Ordens, zu dem auch der Herr Pfarrer geladen war, schimpfte letzterer nämlich weidlich über die Sozialdemokratie, daß diese nicht imstande sei, die Arbeiter dem Alkoholgenuß zü entfremden. Wenn Herr Waß- mann auch nur eine Ahnung von den Bestrebungen der Sozial- demokratie hätte, könnte er sich zu solchen Auslassungen nicht hin- reißen lassen, es sei denn, daß er die Sozialdemokratie mit Absicht verleumden will. Früher, als der Herr Pfarrer noch Neuling in seiner Gemeinde war, besuchte er des öfteren unsere öffentlichen Versammlungen, allerdings inkognito, da hätte er doch eine kleine Ahnung mit nach Hause nehmen können. Indessen dürfte sich für Herrn Waßmänn auch in den katholischen Arbeiterkreisen genügend Gelegenheit bieten, die Propaganda gegen den Schnapsteufel zu be- treiben. Die Sozialdemokratie hat, abgesehen vom Schnapsboykott- beschluß des Leipziger Parteitages, durch ihren Kamps fiir die kulturelle Besserstellung der niederen Volksschichten stets am besten den Kampf gegen die durch unsere elenden Zustände verbreitete Trunksucht aufgenommen. Also, Herr Pfarrer WäßmanN, zuerst Kehraus in Ihren Reihen. Spanvan. Einen schweren Unfall erlitt am Mittwoch am hiesigen Ilm- schlaghafen der 26 Jahre alte Rangierer Paul Kaufmann. Der- selbe glitt beim Ueberschreiten der Gleisanlagen nach dem Tief- iverder-Gebiet aus und kom zu Fall. In demselben Augenblick fuhr ein Kohlenkrckn, der gerade ausgewechselt werden sollte, dem Ran- gierer über beide Beine. Das linke Bein wurde glatt abgefahren, das rechte war so schwer verletzt, daß es im Krankenhaus cmcpu- tiert werden muhte. Ter Verunglückte hat die Operation aber nicht überlebt. Er ist tags darauf im Kmnkenhause gestorben. Eine Schankkonzessionssteuer sowie einje E r höh u ng der Sunde st euer ist zur Deckung deö Mehrbedarfs für den hiesigen tadthaushalt vom Magistrat austlrr der Wertzuwachssteuer in Aussicht genommen. Die Schankkonzessionssteuer ist schon einige Male von der Stadtverordnetenversammlung abgelehnt. Jetzt hat sich die betreffende Kommission aber für diese Steuer ausge- sprachen, von der man annimmt, daß sie 10 000 M. bringen soll. Es scheinen dies die Vorboten zu sein, die Wertzuwachssteuer recht zu beschneiden. Sollte die Stadtverordnetenversammlung der Steuer zustimmen, dann werden die Restaurateure erst einsehen, wohin sie durch ihren Gastwirtsverein gebracht werdeü. der bei allen Wahlen immer Hand in Hand mit dem Reichsverband und ähnlichen bürgerlichen Vereinen gegen die Sozialdemokratie geht. Reinickendorf- West. „Die neuen Steuern und die Stellung der Frauen dazu" war das Thema, das die Genossin Lungwitz in einer gut besuchten öffent- liehen Versammlung behandelte. Am Schlüsse ihres mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Referats forderte die Rednerin die Ver- sammelten auf, mit aller Energie für die Ziele deö Sozialismus zu wirken. In der Diskussion wandte sich Genosse Kuschminde be- sonders an die Frauen, dieselben ersuchend, die Zahlabende rege zu besuchen. Am Schlüsse der imposant verlaufenen Versammlung trug der Gesangverein„Einigkeit II" noch einige stimmungsvolle Lieder vor. Nieder-Schönhanfen. Neber:„Friedrich Schiller und seine Zeit" hielt in der Monats- Versammlung des Wahlvereins der ReichSlagSabgeordnete Genosse Eichhorn einen interessanten, mit reichem Beifall aufgenommenen Vortrag. Nach Erledigung der VereinSangelegenheiten wurde darauf hingewiesen, daß die Kalenderverbreitnng� welche wegen Schneefall unterblieben war, ani Sonntag, den 12. Dezember, von Fröhlichs Restaurant aus statifindet. Der Besuch von etwa 30 Mitglieder!?, niiler denen zahlreiche Genossinnen loaren, zeigte da« zunehmende Interesse derselben am öffentlichen Leben. Die Freie Jugendorgani- iaiion Berlins hält am Sonntag, den 5. Dezember, 4'/» Uhr, bei Radseh Kaiser Wilhelm-Straße 10, eine Versammlung av. Es ioll ein Vortrag über:„Moses und Darwin" gehalten werden. Die Eltern der arbeitenden Jugend werdet» ersucht, letztere aus die Ver- sammlung hinzuweisen._ Gerichts-Zeitung Eidesverweigerung. Während des Termins wegen Körperverletzung gegen den Maurer Andersen lehnte am Donnerstag der als Zeuge geladene Dachdecker, Genosse Hanauer, ab zu schwören, denn derselbe Gott, bei dem er schwören solle, verbiete im zweiten Gebot den Eid. Der doch Gott selbst über den Richtern steht, so müsse er doch Gott rnehr gehorchen, als den Richtern. Nachdem der Richter ver- geblich versucht hatte, H. zu überreden, da es nun einmal des Zeugen Pflicht als Staatsbürger ist, den Eid zu leisten, beantragte der Staatsnnwalt einen Tag Haft wegen Eidesverweigerung. Das Gericht verurteilte Genossen Hanauer wegen Eidesverweigerung, zu 26 M. Geldstrafe eventuell 4 Tage Haft. Außerdem legte es ihm 3 Tage sofort zu verbüßender Haft zwecks Erzwingung des Eides auf. Das Vorgehen des Gerichts, gegen das hoffentlich Beschwerde eingelegt ist, ist entschieden zu mißbilligen. Nach§ 09 Str.-Pr.-O. ist bei Verweigerung der Eidesleistung ohne Grund der Zeuge in Geldstrafe bis zu 300 M. und für den Fall, daß diese nicht bei- getrieben werden können, zu Haft bis zu 0 Wochen zu ver- urteilen. Hiergegen ist Beschwerde zulässig. Neben der Strafe kann zur Erzwingung des Zeugnisses Haft jedoch nicht über die Zeit der Beendigung des Verfahrens in der Instanz, auch nicht über die Zeit von 0 Monaten und bei Uebertretungen nicht über die Zeit von 0 Wochen hinaus erkannt werden. Auch gegen diese Anordnung ist Beschwerde zulässig. Von dieser Befugnis Gebrauch zu machen lag in dem ge- schilderten Fall nicht der geringste Grund vor. Ueberdies sind solche Haftverhängungen nicht sofort vollstreckbar. Unser Bericht- erstatter versichert uns ausdrücklich, es habe sich nicht um eine sofort vollstreckbare Ordnungsstrafe, zu deren Verhängung ja auch kein Grund vorlag, sondern um eine Zjoangsmußregel zur Er- zwingung des Eides gehandelt. Wird einmal von den erwähnten Geloissenszwangsbestimmungen Gebrauch gemacht, so ist dringend zu verlangen, daß in milder Weise die bestehenden Vorschriften zur Anwendung gelangen. Die Eidesverweigerung selbst ist gegenüber der Vorschrift des Gesetzes zwecklos. Der Glaube, daß Gott mehr zu sagen habe als der Richter, wird ebenso wenig wie der Nichtglaube an die Existenz eines Gottes durch Leistung der Eidesformel erschüttert. Unerhörte Schmnyereien in einer Bückerei kamen am Donnerstag vor dem Schöffengericht Köpenick zur Sprache, und zwar in einer Privatbeleidigungsklage, welche Bnckermeister Magdeburg in Friedrichshagen gegen den Redakteur Weidler von der„Bäcker- und Konditorenzeitung", dem Organ des Bäckerverbandes, erhoben hatte. Den Anlaß zur Klage bildete ein dOstfec genannten Zeitung ani 24. April d. I. veröffentliÄt«»Mr- rnel, in welchem widerliche Schmutzereien, die in der Bäckerei-des Klägers Magdeburg herrschen sollen, mitgeteilt waren. Aikßcr dein- Redakteur Weidler u»ir ein Bäckergeselle Kubiba, der das Material zu dem Artikel geliefert hatte, angeklagt. Die Beklagten erboten sich, die im Artikel angegebenen Tatsachen zu beweisen. Zu diesem Zweck wurden zwei Zengen vernommen, die folgende Angaben machten: Eine OOjaHrige Frau, die längere Zeit in dem Hause gewobut bat, wo sich die Bäckerei des Klägers befindet, sagte aus: Ein Wagen, der zum Ausfahren von Backware benutzt wurde, stand in einem offenen Holzschuppen. Hühner und zahlreiche Ratten tummelten sich auf dem Wagen herum»nd verunreinigten ihn. Ratten gab es in dem betreffenden Hause in großer Menge. Wenn Magdeburg den Pkannkuchenkessel mit kochendem Fett zum Ab- kühlen auf den Hof stellte, dann schlüpften, wie die Zeugin öfter gesehen hat, sobald das Fett genügend abgekühlt war, Ratten in den Kessel und taten sich gütlich an dem Inhalt desselben. Vor der Bäckerei auf dem Hofe stand eine leere Schmalztonne, in welche Spülwässer und andere Abfallstoffe geschüttet wurden. Auch Rächt- geschirre sollen gelegentlich ju diese Tonne entleert worden sein. Der Inhalt der Tonne soll furchtbaren Gestank verbreitet haben. In der stinkenden Flüssigkeit habe der Konditor einen Kessel ein- geweicht, der zum Anrühren seiner Teige benutzt worden war. Ein früher bei Magdeburg beschäftigt gewesener Geselle sagte aus: In der Bäckerei habe-es von Ratten und Mäusen gewimmelt. Es sei wiederholt Gift gelegt worden. Die Kadaver der durch das Gift verendeten Tiere seien nicht aus den Löchern entfernt worden und hätten einen entsetzlichen Gestank verbreitet. Das Mehl habe auf einem Boden gelagert, der zum Schutz gegen Straßenstaub mit alten Mehlsäcken ausgeschlagen gewesen sei, welche schon viele Jahre lang diesem Zweck dienten. Hinter diesen Säcken habe sich im Laufe der Zeit soviel Straßenschmutz, auch Ratten- und Mäuse- kot angesammelt, daß sich die Leinewand stark nach unten lvölbte. Bei jeder Erschütterung der Sackleinewand seien größere Mengen des dahinter liegenden Schmutzes auf das Mehl gefqllen, von wo es nur notdürftig habe beseitigt werden tonnen. Wegen Mangel an Zeit und weil kein Mehlsieb vorhanden gewesen sei, sei das Mehl, in dem sich Moden, Küfer und Larven befanden, ungefiebt verarbeitet toorden. Die genannten Beimischungen hätten vor der Verarbeitung des Mehls nur ungenügend entfernt werden können, so daß ei» Teil derselben mit verarbeitet worden sei. Zu dem nicht verschlossenen Mehlboden hätten Katzen und Hunde Eingang gefunden, die dort auf Natten und Mäuse Jagd machten. Manch- mal seien Hunde ertappt worden, wie sie in bekannter Stellung mit erhobenem Hinterbein Mehssäcke besprengten. Leere Mehlsäcke seien oft monatelang nicht ausgestaubt worden. Während sie so auf dem Mehlboden lagerten, seien sie von Ratten und Mäusen als willkommene Stätten zur Aufzucht der Jungen benutzt worden. Von Zeit zu Zeit soll Magdeburg selber diese Säcke ausgestaubt, das herausgestaubte Mehl zusammengefegt und zum Bestreuen der Brotbretrer gegeben haben. Da der Kläger eine Anzahl Gegenzengen zur Stelle gebracht hatte, beantragten die BeTlagten, den Termin zu vertagen, damit auch sie noch weitere Zeugen namhaft machen können. Das Gericht gab diesem Antrage statt und beschloß die Beringung, ehe die Zeugen des Klägers vernommen wurden. Der verheimlichte Lotteriegewian. Vom Landgericht Altona ist an» 14. Juli der Schlosser August Hühne wegen Untreue zu 2 Wochen Gefängnis verurteilt worden. Er hatte mit seinem Arbeitskollegen R. gemeinschaftlich ein Achtel Los der Hamburger Lotterie gespielt und von diesem das Geld zur Bezablung der Lose erhalten. Bei der 7. Ziehung fragte R. den Angeklagten, ob man etwas gewonnen habe. Der Angeklagte ver- neinte und meinte, sie seien nicht einmal mit dem Einsatz heraus« gekommen. Einige Tage später sagte der Angeklagte zu R.: Gestern hättest Tu dabei sein müssen; dann hättest Du mittrinken können. Dadurch wurde R. putzig; er erkundigte sich und erfuhr, daß das klememschaftUch gespielte LoS mit etwa 100 M. herausgekommen war. Tie Revision des Angeklagten wurde vorgestern vom Reichs- gerichtc verworfen. Tos Bollmachtsverhältnis, hieß es in den Gründen, bestand zu recht, wenn auch das Spielen sa der aus- wärtigen Lotterie verboten war. Berechtigte Interessen. Vom Landgericht Neuwied ist am 17. Mai der katholische Pfarrer Eberhard Merkclbach in Kirchen von der Anklage der Bc- leidigung des Ghuniasialdirdktors St. freigesprochen worden, weil er die berechtigten Interessen des Zentrums durch seine Aeuherung habe wahren wollen. In einem Wahlflugblatte waren die cvange- lischen Bauern aufgefordert worden, ihre Stimme nicht mehr dem Zentrum zu geben. Ter Angeklagte hatte dann in einer Protest- Versammlung in bezug auf den genannten Gymnasialdircktor ge- sagt, er habe andere zum Treubruch veranlassen wollen.— Der Beleidigte hatte als Nebenkläger Revision gegen das Urteil ein- , gelegt. Er behauptete, der Angeklagte habe keine berechtigten Jnter- essen mit seiner Acuherung wahrnehmen können. Mindestens sei der Angeklagte nicht berechtigt, verschiedene Bevölkerungstlassen gegeneinander aufzuhetzen. Ter Angeklagte sei den Gymnasiasten gegenüber ein Fremder, nicht einmal ein Bater, habe also kein Interesse gehabt, ihn. den Nebenkläger, aus dem Amte zu drängen. — Ter Reichsanwalt beantragte die Aufhebung des Urteils. Es fei verfehlt, dem Angeklagten als Angehörigen des Zentrums den Schutz des Z 193 zuzubilligen. Als Seelsorger der Kinder habe er Anspruch auf diesen Schutz, aber der Angriff habe sich gegen das Zentrum gerichtet. Daß lein Treubruch vorliege, sei festgestellt.— Tas Reichsgericht hob am Freitag das Urteil auf und verwies die Sache an das Landgericht Wiesbaden. ,*1 Vermischtes. ©roste Störungen im Telegraphenverkehr sind in den gestrigen Morgenstunden eingetreten. So ist von hier aus der gesamte Drahtverkehr nach England, der über das Emdencr Kabel gekettet wird, unterbrochen, und zwar infolge von Beschädigungen der Leitungen, die in England erfolgt sind. Auch die Verbindungen nach Frankreich sind infolge dcS grossen Sturmes, der vorgestern das westeuropäische Gebiet heimsuchte, unbrauchbar geworden; gcstepn vormittag war von Berlin, aus nach Frankreich keine Verbindung zu erzielen. Amtlich wird hierüber berichtet: Berlin, 3. Dezember. Sämtliche Tclegraphenlcitungen zwischen Deutschland und England sind in England gestört. Auch über aus- ländische Leitungen sind keine Telegramme nach England zu bc- fördern. Die Depeschen nach Frankreich, Belgien, Holland und dem Rheinland erleiden noch weiter Verzögerungen. Auf dem Haupttelcgraphenamt liegen noch viele Telegramme, die nicht bc- fördert sind. Nach einer amtlichen Meldung vom Freitag abend ist die telegraphische Verbindung mit England teilweise wieder her- gestellt. Telegramme erleiden jedoch noch erhebliche Verzögerungen. Zum Zechendiebstahl. Wie aus Gladbeck gemeldet wird, sind von dem der Bergwerks- inspektion gestohlenen Gelde gestern nacht weitere 151 000 M. wiedergefunden worden. Vom Gesamtbetrage fehlen nun noch 20 000 M. Die beiden Söhne des Steigers Neuss sind wegen Ver- dachtes der Beihilfe zum Diebstahl gleichfalls verhaftet worden. Hochwasser auf der Weser. AuS Hannoversch-Münden wird gemeldet: Infolge erhedtiltier Regenfälle im Fulda- und Werragebiete innerhalb der letzten 24 Stunden ist die bereits seit Tagen hoch- stehende Weser abermals stark im Steigen. Die Oberweser-Schiff- fahrt ruht deshalb zurzeit. Der Weserpegel zeigte Freitag mittag 2,30 Meter über Null. Erschossen aufgefunden. Aus Dresden wird gemeldet: In Weichig bei Weisser Hirsch wurde ein in den zwanziger Jahren stchenden Liebespaar erschossen aufgefunden. Beide Personen, die nach einem bei der männlichen Leiche vorgefundenen Briefe aus Dresden stammen, waren gut gekleidet Und scheinen den besseren Ständen anzugehören. Es liegt Zweifellos Selbstmord vor. Ein Familiendrama spielte sich in der gestrigen Nacht in Chemnitz im Hause Zictcnstr. 17 ab. Die 45 Jahre alte Ehefrau des dort wohnenden Buchdruckers Vogel ergriff in der 10. Stunde in geistiger Umnachtung ein Beil und brachte ihrer schlafenden 16jährigen Tochter mehrere Sckiläge auf den Kopf bei. Die Tochter rief um Hilfe und erwehrte sich der Angreiferin, ivorauf Hans- beivohner die Polizei I>et!beiholten. � Inzwischen stürzte sich die Irre aus ihrer im dritten Stockwerk gelegenen Wohnung in den Hof hinab, wo sie schwer verletzt und bewusstlos liege» blieb. Mutter und Tochter wurden in das städtische Krankenhaus gebracht. Unter Quarantnue gestellt. Einer Meldung aus Rotterdam zu« folge ist die englische Barl„Lodore*, von den PescadoreS kommend, bei der Einfahrt in den dortigen Hafen unter Ouarautäne gestellt worden, da zwei Manu der Besatzung, die vermutlich an der Pest erkrankt waren, auf der Reise gestorben sind. Die Söhne der„besseren" Gesellschaft. Aus Göttingen wird gemeldet: Bon einem halben Dutzend S t u d e n te n wurde in den Morgenstunden zwischen 4— 5 Uhr eine ältere Hebamme, die von der Ausübung ihres schweren Berufs heimlehrte, in der n u« erhörte ften Weife belästigt. Die Mmeiisöhne versperrten der alten Frau fortwährend den Weg»nd fuchtelten ihr mit den Stöcken vor dem Gesicht herum. Als sie sich ihrer gar nicht mehr zu erwehre» versuchte, entnahm sie ihrer Hebanunentasche ein Fläichchen, das eine ätzende Flüssigkeit enthielt und schüttete den Inhalt dem aufdringlichsten Angreifer ins Gesicht. Erst jetzt hörien die Belästigungen auf. Leider war es nicht möglich, die Persönlichkeit der jugendlichen Unholde zu er« Mitteln. Kaufmännische Kranken- und Tterbekasse von 1885.(®. H 71.) Ncandeistr. 4. Montag, den G. Dezember, abends 81/, Uhr: Aicherordent- lichc Generalversammlung in den Llnninhallen, Kommmidaiitenstr. 58/59. ivreirettgtiXe Gciiietnde. Sonntag, den 5. Dezember, vormittag» 9 Uhi, Pappel-Allee 15/17; Freireligiöse Vorlesung. Vormittags 1t Uhr, Meine Frankfurter Str. 6: Vortrag von Herrn Pros. Dr. A. Htehrke: „Glück und Freude". Damen und Herren sind als Gäste sehr willkommen. Berliner Arbeiter- Schnchklnb. Abt. Wcdding bei Schulz, Max« strafte 13 b. Abt. Lichtenberg bei Ertekt, Psanstr. 74. Abt. Airdors bei Stahemann, Neuterslr. 4G. Abt? Rüdersdorfer Strafte Bei.Böhl. Nüders- dorjer Slr. 25: jeden D i c n s l a g>/z9.— Abt. Moabit bei Pielette, Zwinglistr. 15o. Abt. Schönhauser Allee bei Ketsch, Schönimuser Allee 131a: jeden Donnerstag>/,9.— Abt„Rord-West" bei Lamprecht, Puttitz- strafte IG. Abt. Dronthelmcr Strafte bei Fiitsch. TVontlicimer Strafte 4: jeden Freitag'/,!>. In allen Ablcilungen Sonnabends freier Schach- verkehr. Fnr den Iiilial» der Jnkeraee Tbrrnimmt die Redaktion dem Pudliknin gegenüber keinerlei Berantwortunq. �Keam. Sonnabend, 4. Dezember. Anfang 7'/. Uhr. Königl. Opernhaus. Der fliegende Holländer. Königl. Schauspielhaus. Wilhelm ' Dell. Deutsches. Don Carlo».(Anfang G-/. Uhr.) Kam wer spiele. Major Barbara.(Ansang 8 Uhr.) Kölnische Oper. Tiesland. ' Kleines.' Heuchler. Die Medaille. Anfang 8 Ubr. Ren es königl. Opern-Theater. .Geschlossen. Slenes ZwaufPielhanS. Ihr 'letzter.Brief. Nachm. 3 Uhr: König Zipapek. Lessing. Tanlris der Narr. .Stetrcs Operetten. Mift Dlldessack. Bertiner. Hohe Poütil. -Nachm. S Uhr: Der Traum ein - Leben. Trianon. Buridans Esel. Reneo. Der Unbelannle. Herbst. Nesidenz. Im Taubenschlag. Hebbel. Der Skandal. Schiller«»>Waune-- Tdeoter.) Das Käthchcn von Heilbrom». Echxii, Eliarlotteiivurg. Der Schwur der Treue. Hriedrich- SvilhelmltSdt. Schau- spieihaus. Flachsnmmi als Erzieher. Nachm. Sst- Uhr: Die Nibelungen. Weste». Tie geschiedene Frau. Nachm. 4 Uhr: Struwwelpeter. Thalia. Die ewige Lampe. Nachm. 4 Ubr: Sneewittchen und die sieben Zwerge. Luisen. Die Gcier-Wallh. Nachm. 4 Uhr: GoldhärchenS Himmelfahrt. Bolksover. Die Regimenlslochter. (Anfang 8'/, Uhr» Ro!» Die relegierten Studenten. Nachm. 4 Uhr: Hänsel und Gretel. Luftspielhaus. Der drmkle Punkt. Metronor. Halloh II— Die grofte Revue. Kolies Gaprice. Sicher ist sicher. Bunter Teil. Der Mann meiner Frau.(Ans. S'l, Uhr.) 9(W>iie. Spezialitäten. Wintergarten. Spezialitäten. Cafino. Der Obergauner. Gedr. Herrnfeld. So innft man's machen. Ein RetlungSmiltet. Karl Haverland. Spezialitäten. Walvatla. �oezialilätrii Gastspiel. Der Hüllciibesitzer. Pniutge. Gussi Holl. Ola Ghgi. Evezialiläleu Noatts. BuichlieSl.(Ansang 8'/. Uhr.) Palast. Die neue Herrin. Taft'( Spezialitäten. RrichsaaUe». Stcttiner Sänger. Uraiäa. Jv»ve>>>i>"iie i h»tr, .Nachm. 4 Uhr. Die Insel Rügen. Abend» 8 Uhr: Trauerspiele im Tierlebem' Hörsaal 8 Uhr: Dr. Gehlhoff: Äorpusklllar-Strahlen. Ctetuu urir, I»oatid«»gr. 57— 63. Neues Thealer. Abends 8 Uhr: KM- Der DsWiite. Morgen u. folgende Tage: Herbst. Ter Ilnbekannte. IKeslei' lies Uestenz. Heule nachm. 4Uhr: Struwwelpeter. 8 Uhr: Tie geschiedene Frau. Sonntag�'/, Uhr: Ein Walzertraum. LusispleShaus. Abend» 8 Uhr: Der dunkle Punkt. Operetten-Theater. Schissbauerdamm 25, a. d. Lutscnstr. Abends 8 Ubr: niti OudelsAck. Operette in 3 Akten von Rudolf Nelson. Friedrich-Wilhelnisiadtisciiss Schauspielhaus. Smttwbctid. C Dez.. iiächin. Z'/.UHr: Die Ntbeiungeg i, u. 11. TeH.. Abends 8 lUjfr klachsmauu als Ersither. Sonnlag nachm. 3 Uhr: Othello. Abends 8 Ubr: Der Bibitothelar. > Montag: Der Bibliothekar._ Volks-Oper. SW., Belle-Allianee-Strafte Nr. 7/8. «i b e n d s l/,9 Uhr: Marie, die Tochter des Regiments. Luisen-Theater. 4 Uhr: Grosse Klnder-Borftellnng. GildhSrchkus Himmelfahrt. Abends 8 Uhr: Geier-Wally. Sonntag nachm. 3 Uhr zu kleinen Preisen: Wilhelm Tcll. Abends 3 Uhr: Geier-Wally. Montag: Geier-Wally. Residenz-Theater Direltion: Richard Alexander. Zum ersten Male: Im Tanbenschlng. Schwank üi 3 Alten von Hennequi»- Beber. Morgen und solaende Tage: Tieselbe Porstellung. h i 1 1 er-Tli ea ter. Schiller-Theater Charloltenburg. S an n a b cn.b,' abends 8 Uhr: Oer Schwur der Treue. Lustspiel in 3 Akten a. O. Blumenthal. Ende 19'/, Uhr. Sonntag, na-bm. 3 Uhr: iHacbetli. Schiller-Theater 0.(Wallner-Tbealcr.j Sonnabend, abend» 8 Uhr: Ida« Käthchcn v.Heilbronn Graftes historisches Rilterschauspiel in 5 Alten von Heinrich v. Kielst. Ende 11 Uhr. Sonntag, nachm. 3 Uhr: Vi« Welt, in der man sich langweilt. S o n n> n q. abends 8 Uhr: Wilhelm Teil. Montag abend» 8 Uhr: Ml« Hobbs. Sonntag adendS 8 Uhr: 311« Hobbs. Montag. abendS 8 Ubr: Waiieneteine vager, vie viccoiomini. CASTAN's Pix op Tic i n friedrichstr. 165(PschciTpalaet). Indische Wltwonr erbronnungt Täglich T'/j mir abends X Sonnlagt L Vorstellungen. □ Heitere Künstler- Abende. □ Caruso usw. Grartimoohon- Vorträge. jy Margarete Cara, Signor Arturo, Moderne Mfigie.-HU Urania. /VTlsscnsohafUiches Theater. Nachmitfac's 4 Uhr: Die Insel Killen. Abends 8 Uhr: Tranerspiele üu Tierleben. Hörsaal 8 Uhr: Dr. Gehlhoft: Korpuscuiar-Strahlen. Metropoi-Theater Hallo!:! 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Hamburger Meldung zufolge hat die genaue chemische Unter- suchung der Speisen und Kochgeschirre in der Irrenanstalt Friedrichsberg mit Sicherheit ergeben, daß weder der Reis noch die Bananen, die den Kranken verabfolgt wurden, verdorben waren, dagegen ist festgestellt worden, daß die Kessel Nr. 6 bis Nr. 15 und der Kessel Nr. 2V. in denen am vergangenen Montag die Speisen für die Kranken gekocht wurden, Veränderungen auf- weisen, die möglicherweise von giftigen Substanzen hervorgerufen wurden, die ein Unbekannter den Speisen beimischte.. Ob als Täter ein Geisteskranker oder ein Beamter in Frage kommt, ist noch nicht festgestellt. Wie verlautet, soll sich der Verdacht gegen einen Aufsichtsbeamten richten, der aus gekränktem Ehrgeiz handelte. Feuersbrunst i» Baltimore. Aus New Zlork wird vom gestrigen Tage gemeldet: Ein Stadtteil von Baltimore, der erst am 7. und 8. Februar 1004 von einer furchtbaren Brandkatastrophe heimgesucht wurde, steht in Flammen. Eigenartigerweise ist der Brand in demselben Viertel zum Ausbruch gekommen, in dem sich vor fünf Jahren die Katastrophe abspielte. Es ist das an dem Patapscha-Flusse ge- lcgene Handclsviertcl, die City Baltimores. Trotzdem der größte Teil der Gebäude aus sogenannten feuerfesten Wolkenkratzern, aus Stahl und Zement, besteht, hat das Feuer mit ungeheurer Geschwindigkeit um sich gegriffen. Der größte Teil der Banken, die Zeitungen und Geschäftshäuser brennen. Die ganze Feuerwehr der Stadt sowie der umliegenden Ortschaften sind in Tätigkeit, um der wütenden Elemente Herr zu werden. Bisher spottete jedoch die Macht der Elemente allen Anstrengungen. Die Feuerlöschboote, die auf dein Fluß und den Kanälen in Tätigkeit sind, versuchen das Feuer in der Nähe der Warenspeichcr einzudämmen. Der bisher angerichtete Schaden übersteigt bereits 20 Millionen Mark. Man kann augenblicklich jedoch noch kein Ende absehen. Der große Bahnhof der Baltimorc-and-Ohio- Bahn steht in hellen Flammen, so daß Züge weder aus- noch ein- laufen können. Die Miliz und die Polizei haben einen Kordon um das brennende Stadtviertel gezogen, und niemand, der sich nicht als Besitzer eines der bedrohten Häuser ausweisen kann, erhält Zutritt zu der Brandstätte. Aus New Uork, Philadelphia und Washington ist telegraphisch Hilfe erbeten. 120 eigene C, Spittelmarkt 15(im Tellhaus) C, Rosenthaler Straße 14 W., Potsdamer Straße 50 Fernsprecher; Amt VI, Kr. 16831 W., Schillstr. 10 Fernspr.; Amt VI, 16831 NW., Turmstr.41 Fernspr.: Amt II, 7820 Ecke Oldenburger Straße NW., Wilsnacker Straße 22 NW., Beusselstraße 29 N., Friedrichstraße 127, schräg gegenüber der Oranienburger Straße Filialen, davon in Berlin und N., Mullerstraße 3 N., Reinickendorfer Straße 23, gegenüber der Plantagehstraße N,, Brunnenstraße 37 N., Danziger- Straße 1 O., Andreasstraße 50 0., Frankfurter Allee 125 SO., Oranienstraße 32 zwischen Oranienplatz u. 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Ziehung 5. Kl 221. Kgl. Preuss. Lotterie. Ziehung vom 3. Dezember nzcbnüMzgE. «lux die Gewinne über 140 Mark sind den betretfea den!, umineru in Klammern beigcfilgi. 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Verantwortlicher Redakteur Richard Barth, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Borwärt» Buchdruckerei u. VerlagAinftsttt Paul Singer& Co.. Berlin SW. |«. 283. 26. Jahrg. KeilM des Joninlg" Vermischtes. Ein Schandurteil ist. wie aus Rom gemeldet wird, vor einigen Tagen vor dem dortigen Strafgericht gefällt worden. Angeklagt war ein 2?aiiernmadchen, die ISjährige Magdalena NaScenzi, die in Rom bei reichen Leuten Amme war. Sie fühlte sich in dieser Stellung nicht wohl und konnte das ihr anvertraute Kind nicht liebgewinnen.' so daß sie feine nächtlichen Störungen als Plage empfand. Offenbar nicht normal veranlagt, hat sich die Amme an dem Kinde vergriffen, hat es gekratzt und gebissen, wodurch leichte Hautabschürfungen und Quetschungen bei dem armen Geschöpf entstanden. Als man sie zur Rede stellt, gibt sie an, aus Rache L Dezember 1909. gegen ihren Brotherrn gchHAHszzu haben, der sie hätte ver- gewaltigen wollen. Natiinii��nn sie diese Angabc nicht beweisen, Zda es sich um Tinge Handel!, zu denen man keine Zeugen herbei- zurufen pflegt. Die A innre wurde also wegen Mißhandlung und Verleumdung angeklagt. Tic gab zu, den Säugling zweimal ge- bissen zu haben, eine Roheit, die gewiß zu verurteilen ist. Wegen des VcrgcwaltignngsversucheS blieb sie bei der ursprünglichen Behauptung, der nur die entgegengesetzte ihres Lohnherrn entgegen- steht. Wie lautet nun das Urteil? Dem Antrag des Staats- anwalts entsprechend aus 2�4 Jahr e G e f ä n g n i sl Man fragt sich da nur, was denn der Frau geschehen wäre, wenn sie ihr eigenes Kind mißhandelt hättctv Mit wenigen Wochen lväre sie davon ge- kommen. Weil es sich aber um das Kind reicher Leute handelt, in deren Herzeleid die Richter sich hineindenken können, läßt»ian drakonische Schärfe walten. iS�tteriiuHSliveritNu von, 3. Dezember 1»««, mor.rens» ilür. 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