Ar. 285. flbonnemcntS'Bcdingungen: AboimemenlS- Preis prSnumerando: Viertcljährl. SP0 Ml., mor.atl. 1,10 Mr.. wöchenllick, 28 Pfg. frei ins Heus. Einzelne«ununer 5 Pfg. Sonntags. nummer mit illusiricrler Sonntags- Beilage.Die Neue Well" 10 Pfg. Post- Abonnement: 1.10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitungs- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland L Mark pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien. Dnnemarr, Holland. Italien. Luxemburg. Portugal. Rumiuiien. Schweden und die Schweiz. 26. Jahrg. CrftclDt täglich außer montagt. Vevlinev Volksblatk. vle snlei'tlonz-Leblll»' velriigt für die sechSgespaltenc Uolonel- geile oder deren Raum S0 Pfg., für politische und gewerlschaftliche Vereins- und Bersammlungs-Anzeigcn 30 Pffl. „Kleine Hneeigen". das erste fsett- gedruckte) Wort 20 Psg., jedes weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlaf- flellen-Anjeigeii das erste Wort 10 Pfg.. jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen sür zwei Worte. Inserate sür die nächste Nummer müssen bis S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition IU bis 7 Uhr abends gcössnet. Telegramm. Adresse: „SozialdsmoKrat iUrlln1*. Zentralorgan der rozialdcmokratifchen Partei Deutfcblands. Redaktion: 6 öd. 68, Lindcnstrasse 69 Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Die ilfcrinebureaukratie auf der Anklagebank. Uebet die preußisch-deutsche Burcaukratie ist eine Reihe böser Tnge hereingebrochen. Ihr morsches Pnmkgewand zerreißt bald hier, bald dort, so daß ihr dürres Gebein ab- schreckend durch die Löcher schimmert. Noch sind die Blamagen unvergessen und ungesühnt, die die höchsten Spitzen der Reichs- Verwaltung mitsamt der Diploinatenclique im Auswärtigen Amte im Herbste vorigen Jahres sich zugezogen hatten. Noch klingt uns in den Ohren das jammervolle Gestammel, mit dem die Lenker der Neichsfinanzen unter dem barschen Gebote junkerlichen Uebermuts die Preisgebung ihrer eigenen Finanz Politik zu beschönigen versuchten. Und jetzt ist schon wieder ein neuer Verivaliungsztveig aus die Anklagebank geraten l Der Kieler Werftprozeß hat in den mehrwöchigen Verhandlungen eine derartige Schlamperei des bureau kratüchen Getriebes enthüllt, daß es schwer wird, zu ent scheiden, ob den Diplomaten, den Finanzpolitikern oder den Marinebnreankraten die Palme der Unfähigkeit gebührt. Im Reichstag hat die Abrechnung begonnen. Sie wird morgen sortgesetzt iverdcn, aber damit darf es nicht abgetan sein. Denn auch der Kieler Skandal ist nur ein Teilvorgang in dem ruckiveisen Zusanimenbrnch eines ganzen vermorschten Regiernngssystems. Zu Beginn der Verhandlungen erhielt zunächst der Ab geordnete Dr. Lconhardt das Wort zur Begründung der freisinnigen Interpellation. Auf Grund der Prozeßverhand- lungcn bemühte er sich nachzuweisen, welch' nachteilige Folgen der Assessorismus und der Mangel an kaufmännischer Schulung in der iNarineverlvaltung zur Folge haben müsse... Die bereits bekannt gewordenen Schlampereien ergänzte er durch Mitteilung einer Anzahl von Einzelvorgängen, beeinträchtigte aber seine Darlegungen einigermaßen durch patriotische Be- tonung der Notwendigkeit einer starken Flotte. Schärfer und umfassender gestaltete sich die Kritik des Genossen Legten, der dann zur Begründung der sozial- demokratischen Interpellation das Wort erhielt. Er führte die Verantivortung sür die entlarvten Mißstände über die Nächst- schuldigen weiter empor bis zu den höheren Beaniten ein- schließlich des Marineministers v. T i r p i tz selbst und kündigte an, daß die sozialdemokratische Partei, da leider die Geschäfts- ordnung gegenwärtig noch nicht die Stellung von Anträgen bei Interpellationen ermögliche, bei der Etatsberatung den Antrag auf Einsetzung einer parlamentarischen U n t e r s u ch u n g s k 0 m m i s s i 0 n zur gründlichen Aufdeckung der M i ß st ä n d e in der Marine- Verwaltung stellen werde. Legten machte aber auch kein Hehl daraus, daß auf die Majorität des Reichstages ein gut Teil der Mitschuld an den enthüllten Mißständen entfalle, da die bürgerlichen Parteien� insgesaint der Marine- Verwaltung in freudigem Eifer alle Forderungen zu bewilligen pflegten. Das verleite natürlich die Verwaltung dazu, so recht aus dem Vollen niit den verfügbaren Niesensummen zu wirtschaften. Auch unser Redner brachte einige ergänzende Enthüllungen vor, die um so wert- voller waren, da sie sich auf Mitteilungen von Werftarbeitern stützten, die mit eigenen Augen die Vorgänge beobachtet hatten. So sei einer der schlimmsten Krebsschäden, daß die hureaukratische Venvaltung die Rücklieferung von Material, das im Schiffsbetrieb geliefert, aber nicht verwendet worden sei, nicht wünsche. Sei es doch vorgekommen, daß die An- nähme von zurnckgeliefcrter Oelfarbe von der Verwaltung einfach verweigert sei. Den Arbeitern sei so nichts anderes übrig geblieben, als die beiden Tonnen bei Nacht und Nebel ins Meer zu schütten. Die Mitschuld des MarineministerS an allen solchen Miß- ständen führte Legten insbesondere darauf zurück, daß dieser hochgestellte Herr Beschwerden aus Arbeiterkreisen über Miß- stände gleichfalls kurzerhand über Bord werfe. ES sei doch allgemein bekannt, daß Arbeiter ihre Stellung riskierten, wenn sie direkt über Mißwirtschaft im Betriebe durch ihre Vor- gesetzten Beschwerde führten. Es bleibe ihnen deshalb nichts anderes übrig, als durch Mittelsmänner in solchen Fällen vorstellig zu'werden. Herr v. Tirpitz Pflege aber die Ein- gaben der Metallarbciterorganisation über solche Mißstände schroff zurückzuweisen. Ja. als er selbst in seiner Eigen- schaft als Reichstagsabgeordneter für Kiel im Sep- tember 1908 eine Eingabe über vorhandene Mißstände gemacht habe, hätte der Minister in der nämlichen schroffen Weise es abgekehnt, darauf einzugehen. Welch schwere Schuld er durch solches Verfahren auf sich ge- laden habe, gehe schon daraus hervor, daß ein Teil org a der Enthüllungen der Metallarbeiter- n i sa ti 0 n über Mißstände im Werstbetriebe nachträglich in diesem Prozeß vollauf be- stätigt worden sei. Er habe allerdings nicht die Hoff- rning, daß Herr v. Tirpitz seine Mitschuld eingestehen werde oder auch nur das bureankratische System preisgebe: er werde vielmehr die enthüllten Mißstände als vereinzelte Schönheits- sehler einer im ganzen unübertrefflichen Verwaltung hin- zustellen suchen. Herr v. Tirpitz erfüllte diese Voraussagnng LegienL bis auf das Tüpfelchen über dem i. Zunächst entfesselte er stürmische Heiterkeit auf der Linken, als er unter Anwendung des beliebten Schema 1? der Reichsverwaltung erklärte: Erstens handle es sich doch eigentlich gar nicht um Unter- schleife auf der Werft, da ja die Angeklagten vom Schwur- gericht freigesprochen seien, und zweitens wären auch alle anderen Betriebe außer der Verwaltung des Altmaterials eigentlich aus der Debatte auszuschalten, da in dem Prozeß die Zustände in anderen Betrieben gar nicht zur Verhandlung gestanden hätten. Unter strenger Be- obachtung dieses Schemas hätte dieser bureaukratisierende Admiral es ja überhaupt gar nicht nötig gehabt, sich auf die ganze Erörterung einzulassen, sondern hätte nach bewährten früheren Mustern würdevoll mit seiner Aktenmappe unter dem Arm vom Schauplatz abtreten können. Er war aber doch so gnädig, einige kräftige Worte an den Reichstag zur Verteidigung der„viel verleumdeten Werft in Kiel" zu richten. Wörtlich sagte er:„Viel verleumdete Werft!" Der Herr Admiral v. Tirpitz hat also offenbar von dem Althändler Fränkenthal wenigstens soviel gelernt, daß man mit einem gehörigen Maß von Chuzzpe in dieser täuschungs- bedürftigen Welt am weitesten komnit. Daß da mancherlei Mängel im Marinebetriebe vorhanden seien— nun ja, wer wolle sich darüber wundern! Die kommen eben in jedem größeren Betriebe vor. Aber wo sie zutage getreten sei, habe er stets mit„eiserner Faust" eingegriffen. Den Vorwurf, daß die Marineverwaltung zu sehr aus dem Vollen wirtschafte, suchte er durch die kühne Behauptung zu parieren, daß die Verwaltung ja durch das Etatsgesetz ge- knebelt sei. Er sagte wörtlich:„Geknebelt durch das Eta t s g e s e tz!" ES scheint also diesem bureaukratisierten Admiral der völlige Verzicht auf die Etatisierung der Ausgaben für die Marine in Einzelpositioncn das beste Schutzmittel gegen die Verschleuderung der bewilligten Gelder zu sein. Tie von Herrn Leonhart zitierte Kritik eines Kapitäns a. D. Persius tat der Herr Admiral auf dem Ministersessel ab mit den weg- werfenden Worten:„Man könne ihm nicht zumuten, sich„mit einem Herrn Persius" auf eine Polemik einzulassen. Ganz wie das der verflossene Herr v. Einem„mit einem Herrn Gaedke" zu machen pflegte. Besonders schroff kehrte Herr v. Tirpitz sich aber dagegen, daß er verpflichtet sei, auf Ein gaben von Arbeiterorganisationen überhaupt sich einzulassen. Tie Werftarbeiter hätten nur das Recht, sich durch ihre Ar beiterausschüsse an die Verwaltung zu wenden.„Eingaben der Organiastionen des Herrn Legten" lehne er rundweg ab. Der kühne Seeheld umschiffte indes in dieser Antwort klug die Klippe, daß es sich außer den Eingaben der Organi sationen des Herrn Legten auch um eine Eingabe des Herrn Legien selbst in seiner Eigenschaft als Reichstagsabgeordneter gehandelt hat. Es wird morgen Aufgabe unseres zweiten Redners sein, auch hierüber Herrn Tirpitz die Zunge zu lösen. Nachdem dann der Herr Admiral soweit zu seiner eigenen Zufriedenheit sonnenklar erwiesen hatte, daß bis auf die un- vermeidlichen Schönheitsfehler eigentlich alles in Ordnung sei in seiner Verwaltung, daß mindestens er selbst das Menschenmöglichste getan habe, mit eiserner Faust Ordnung zu schaffen, erging er sich in einer gequälten Lobrede, um zu beweisen, daß um die deutsche Marine es immerhin besser bestellt sei, als in denen fremder Länder. Als diese hals- brecherische Logik auf den Gesichtern der waschechtesten Pa- trioten mir ein ungläubiges oder verlegenes Lächeln hervor- brachte, griff der Admiral zu dem für Reichsminister in Schwulitäten beliebtesten Mittel: er trommelte auf der großen patriotischen Pauke herum. Erregt kreischte er in den Saal hinein, daß die Flotte zum Wohl und Schutze des Vaterlandes geleitet werde und daß er die verallgemeinerten Angriffe auf seine Beamten energisch zurückweise. Dabei schlug er mit den Fingerknöcheln auf, daß die Pultplatte nur so klapperte. Natürlich lösten diese Phrasen automatisch den üblichen Bei- fall rechts aus, doch ließ der hohle Ton des Bravos erkennen, daß es nicht echt war. Die Debatte wurde eröffnet durch den konservativen Redner K r e t h. der in geradezu würdeloser Weise über den Ernst der enthüllten Mißstände durch antisemitische Späßchen und Schimpfereien über„die Verlogenheit einer gewissen Presse" hinwegzutäuschen suchte. Sachlicher und gründlicher waren die Ausführungen des Zentrumsredners Erz- b e r g e r, der sich indes doch sorglich bemühte, dem Bären den Pelz zu waschen, ohne ihn naß zu machen. Er verurteilte allerdings die bureaukratische Lcrwaltungsmethode, sprach aber Herrn Tirpitz persönlich von jeder Mitschuld frei. Im einzelnen bestätigte er Legiens Mitteilungen, daß unver- brauchtes Material nicht zurückgeliefert, sondern ins Wasser geworfen oder verbrannt werde. Seiner Rede war aber deut- lich anzumerken, daß die Zentrumspartei, seitdem sie wieder Dreiviertel-Negierungspartei geworden ist, auch ihren oppositionslüsternsten Rednern Zügel anlegt. Noch weniger Opposition machte der nationalliberale Herr S e m l e r und der freikonservätive Herr v. ETamp. Herr Seniler fand, daß eigentlich die Mängel, die im Kieler Gerichtsver- fahren zutage getreten sind, viel schlimmer seien, als die Mißstände der Werftverwaltung, und Herr v. Gamp entgleiste sehr bald in die Erörterung von Beschwerden, die er als Expedition: 8M. 68» Oindenstrasse 69» Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. i Holzlieferant gegenüber der Eisenbahnverwaltung auf dem , Herzen hat. Herr v. Tirpitz nahm noch einmal das Wort, um seinen Darlegungen einige belanglose Ergänzungen anzu- hängen, wobei der milde und gewinnende Ton, den er gegen- über Herrn Erzberger anschlug, in einen auffälligen Gegen- satz trat zu der Schroffheit seines vorherigen Auftretens gegenüber den Interpellanten. Der neue Staatssekretär des Rcichsiustizamts. Herr L i s c 0, hatte aufmerksam den Verhandliingen gefolgt, er- griff aber nicht das Wort zur Abwehr Semlers auf die Justizverwaltung. Das überließ er Herrn Spahn, der als Oberlandesgerichtspräsident von Kiel sich gedrungen fühlte, den Untersuchungsrichter und die Staatsanwaltschaft im Kieler Prozeß zu verteidigen. Diese Rettungsaktion wird dem Zentrum höheren Orts sicher wohlwollend gebucht werden. Morgen findet die Debatte ihre Fortsetzung. Dann wird die schärfere Opposition in Vertretern der interpellierenden Parteien abermals zum Wort kommen. niemand reizt mich nngeitraft! In Kattowitz sind ein Rektor und fünf Lehrer gemaßregelt worden, weil sie gewagt hatten, bei der Stadtverordnetenwahl sür polnische Kandidaten zu stimmen. Einer größeren Anzahl von Post- und Eisenbahtibeamten soll das gleiche Schicksal noch bevorstehen. Nach Meldungen der Zentrumspresse soll dieser unerhörte Akt des politischen TerroriSmus sich unter interessanten Begleitumständen abgespielt haben. DaS Gleiwitzer ZeiitrumSblatt berichtete darüber: „Fürst Henckel benutzte jedenfalls den Besuch deö Kaisers in Neudcck, um den Monarchen gegen die polnische katholische Be» vollcrnng OberschlesienS loegen der Kaitowipcr Stadtvcrort'ncten- Wahlen scharf zu mache». Er ließ sich zu diesem Ziocck den RegierungSpräsidenteit tommen, und dieser wußte den bc kann teil S p e z i a l i st e 11 für polnische Sachen, den Grenz» koiiimlssar Mädler. in ein Gespräch mit dem Kaiser zu bringen. Wie trefflich Herr Mädler seine Aufgabe gelöst hatte, bewies der Umstand, daß der Kaiser vor den, Diner dem Negiernugs» Präsidenten sein Bild mit der Unterschrift:„Nemo ms impuna lacessit" überreichte.„Niemand reizt mich u 11» gestraft". Diese Worte unter dem kaiserlichen Bilde gaben dem Regierungspräsidenten die vom Fürsten Henckel gewollte Richtschnur und st ä r k t e n sein Rückgrat. Daher die „Maßregelung" der Kaltowitzer Lehrer! Aber daS ist nur der Anfang einer gründlichen AufräumungSarbcit!" „Die„Katto witzer Zeitung" nennt diese Darstellinig eine Talarennachricht, der sie den„wahren Sachverhalt" gegenüber- stellen wolle. Dieser wahre Sachverhalt soll der folgende ge» wesen sein:. „Der Kaiser saß in Neudeck nach dem Diner mit der» schiedenen Herren in zwangloser und angeregter Unter» Haltung beisammen, daruittcr Herr Regierungspräsident V.Schwerin und eine Anzahl Beamte des Fürsten. Bei dieser Gelegenheit verteilte der Kaiser eine Anzahl Photographien, wovon auch eine dem Herrn Regierungspräsidenten zugedacht war. Herr Regierungs- Präsident von Schwerin bat den Kaiser, ihm eine Widmung auf sein Bild zu schreiben, da es dann noch einen höheren Wert besitze. Der Kaiser bemerkte scherzend, diese Anreizung zu neuen Taten dürfe nicht ungestraft bleiben, ging an de» Schreibtisch und schrieb nun„Nsrao rne irnpune lacessit" unter das Bild. DaS war daS furchtbare„Wer» brechen". das in Neudcck an der Zentrumspartei begangen worden ist." Diese Darstellung klingt denn doch gar zu„harmlos". Auch verstehen wir nicht, wie jeniand die Bitte um eine Widmung als „Anreizung' empfinden und deshalb das bekannte und mehr als einmal eigenartig glossierte Motto„Niemand reizt mich ungestraft' wiederholen könnte. Auch bestreitet die„Kattowitzer Zeitung' mit keinem Wort den wichtigsten Umstand der Anwesenheit des GrenzkommissarS Mädler und der Unterredung Wilhelms II. mit ihm. Wie aber auch das Kaiserwort gemeint gewesen sein mag. der Regierungspräsident v. Schwerin glaubte es jedenfalls derart deute» zu löitncn. daß sein terroristisches Vorgehen gegen die polnischen Lehrer und Beamten wegen„pflichtwidrigen, unpatriotischen Ber- halten«' an der ihm wichtigsten Stelle vollen Beifall finden würde I Ein eigenartiges Znsammentreffen übrigens, daß von solcher Maßregelung gerade die Wähler der Partei betroffen wurden, die gemeinsam mit den Konservativen und dem Zentrum die Reichs- inanzreform des Schiiapöblocks hatte zustande bringen helfen. Wen» freilich ein liberales Blatt von den Polen als den„Geprellten' pricht, so verrät daS eine ziemlich oberflächliche Auffassung vom Wesen der polnische» Partei. Die Polen sind agrarisch und reaktionär und sie blieben sich deshalb nur selbst treu, als sie niit dem Schnaps» block gemeinsame Sache machten. So sehr die Polen ihre« prole» tarischen Anhangs wegen gleich dem Zentrum auch manchmal sozial- politische Interessen heucheln, so entschieden werden sie im Ernstfalle doch stets da stehen, wo junkerliche und pfäffische Jiitcrcffen den Auk- chlag geben. Der Nationalismus ist für die Polen nur das Reklamemittel, die Massen für ihre agrarisch-reaktionäre Politik ein» zufangen I Das kann uns natürlich nicht abhalten, die Maßregelung pol- nischer Beamten und Lehrer als brutalen Terrorismusakt zu brandmarken. Die Junker und Pfaffen, die bei den Polen die Führung haben, werden selbst freilich die Maßregelung, die sich gegen ihre„pflichtwidrige, unpatriotische' Haltung richtet, weniger chmerzlich empfinden, wenn nur die Interessen der Junker und des KlerikalismuS gerettet werden! Das bäuerliche llmlagengeiet? angenommen. München, i. Dezember. TS war eine richtige Zmigeugevnrt. Und Geburtshelfer waren zwei liberale Doktoren, Casselmann und Günther. Der dritte Doktor, Professor Quid de. hat auffallenderweise im letzten Stadium des Geburtsaktes seine ärztliche Mitwirkung versagt. Ein richtiger Wechselbalg, dieses mißgestaltete Kind aus der „Mischehe einer katholischen Mehrheit und eine? protestantischen Finanzministers" I Und liberale Doktoren mußten eZ sein, die der Mißgeburt zur Well verhalfcn. Und liberale Abgeordnete waren es, die nach gewaltsam voll- zogener Geburt de» Ministern zu dem 5kinde gratulierten. Sie haben Patenstelle übernommen. * sswei Tage noch tobte der Kampf. Sozialdemokratische Gründlichkeit stellte die Geduld der Negierung und der Mehrheitspartei auf eine harte Probe. Am Freitag füllte das Referat unseres Genossen S e g i tz die ganze Morgeiisitznng auS. I» 2'/z Stunden bot er ein interessantes Bild der Vorgänge der letzten Wochen im Steuer- ausichusse. Die verschiedenen Phasen des sehr schwierigen Kuh- Handels zwischen den bürgerlichen Parteien einerseits und ihnen und der Regierung andererseits sind dem ganzen Lande bekannt gegeben und in den stenographischen Berichten der Nach- Welt überliefert. Das war der Hauptzweck des gründlichen Referats und dieser Zweck ist erreicht. Es wird bei der Agitation vorzügliche Dienste leisten. In der FreilagnackmittagSsitzung sprach Genoffe Dr. V. Haller in mehr als dreistündiger lebhafter und wirkungsvoller Rede über das Kompromiß der bürgerlichen Parteien. Er wies an Beispiele» rechnerisch den direkt antisozialen Charakter des Kompromisses nach. Gegen die ursprüngliche Regierungsvorlage werden die wirtschaftlich Schwachen stärker belastet, die wirtschaftlich Starken dagegen entlastet. Noch einmal charakterisierte der Redner daö ganze Gcsetzeswerk in feiner Wirkimg auf die unteren Volksschichten, insbesondere auf die Ar- beiter, Privatangestellte» und kleinen Beamten. Das Einkommen- sieuergesetz sei wegen des Tarifs und das Umlagengesetz wegen der zu starken Belastung der Berufseinkommen für die Sozialdemokraten unaimehlnbar. Genosse Dr. v. Haller kam ebenfalls auf den ultramontan- liberalen Kuhhandel zu sprechen und griff die Liberalen wegen ihrer Haltung scharf an. ES sei nicht zu begreifen, wie diese Partei dem Zentrum so bereitwillig Handlangerdienste leisten könne, wo die gesamte liberale Presse und eine große Anzahl liberaler Organi- sationen ganz energisch die Ablehnung des Gesetzentwurfes ver- langten. Diese Polemik rief lange Ausführungen der Herren Dr. Quid de, Dr. C a s s e l n, a n n und Held hervor. Sachlich konnten diese Herren so wenig wie später der Finanzminister gegen die Berech- nungen unseres Genossen Dr. v. Haller etwas sagen. Sie suchten um die unangenehmen Tatsachen durch Angriffe auf unsere Partei und unsere Redner herumzukommen. Die Annahme desEnrwurfs erfolgte mit IIS gegen 3» Stimmen. Der„geeinte" Liberalismus war wie gewöhnlich gespalten. Das Gesetz geht jetzt an die Kammer der ReichSräte, aus der eS jeden« falls verschlechtert wieder an die Kammer der Abgeordneten zurück- kommen wird._ poUtifche deberlicht Berlin, de» 6. Dezember 1909 Uebers Ziel hinaus! Wir berichteten kürzlich über einen gegen den Straßburger Professor Dr. Martin Spahn gerichteten Artikel der ehrsamen „Germania", in dem unter Berufung auf eine in der Münchcner Zeitschrift„Hochland" erschienene Kritik des Herrn Spahn junior dieser offen des„Modernismus" bezichtigt wurde. Gegen diesen Artikel legten der ebenfalls darin angeschuldigte Katholische Volksverein und der Katholische Frauenbund sofort Verwahrung ein; die klerikale Prcffe aber schwieg— wahrscheinlich, um sich erst beim hohen Klerus die nötige Erleuchtung zu holen. Erst jetzt wagt die„Köln. Volkszeitung" ihrer Berliner Parteikollegin zu widersprechen. Sic veröffentlicht unter dem Titel„Uebers Ziel hinaus!" einen längeren Artikel, in welchem sie zwar Herrn Martin Spahns Aufsatz für nicht den geschichtlichen Tatsachen entsprechend und einseitig erklärt, die Kritik der„Germania,, aber als über das Ziel hinausschießend bezeichnet. Sie meint: „Verdient also die mit den geschichtlichen Tatsachen nicht übereinstimmende bczw. einseitige Darstellung in dem Spahn- schen Aufsatze eine Zurückweisung, so muß andererseits die Art und Weise, in der Verfasser des Artikels in der„Germania" den Text des Spahnschen Aufsatzes behandelt, entschieden miß- billigt werden, und dies um so mehr, als er gleich zu Beginn sagt:„Wir führen den Dr. Martin Spahn mit seinen eigenen Worten an." Zunächst ist schon der aus Spahns Aufsatz herausgezogene Passus nicht wörtlich wiedergegeben, ohne daß dies irgendwie angedeutet wäre. Auch einzelne Ausdrücke sind geändert; aus dem von Spahn übernommenen Zitat die„Ucbcrmacht des Objektiven" macht der Verfasser des Artikels Uebermaß und bezweifelt im Anschluß daran Spahns Ucbermaß von Liebe zur Kirche. Noch bedenklicher ist es, daß der Verfasser des„Germania"- ariikels von dem Wortlaut der Spahnschen Ansführringen, worin dieser den vollen und ungeschwächten Einfluß der Kirche, ihrer Lehre wie ihrer Praxis, auf die Mitarbeit der Katholiken in allen Gebieten des wissenschaftlichen, literarischen und sozialen Lebens bespricht drei Sätze von wesentlicher Bedeu- tung einfach ausläßt, um aus dem übrigen seine Folge- rungen zu ziehen. Wo Spahn von der Schaffung der Voraus- setzungen für die Erkämpfung eines ebenbürtigen Anteils der Katholiken an den öffentlichen Aemtern, der Ueberwindung ihrer wirtschaftlichen und sozialen Rücksrändigkeit spricht, hebt er aus- drücklich hervor:„Alle waren allmählich siech und müde geworden, alle sollten allmählich wieder aufgerichtet und in Tätigkeit gesetzt werden, ohne daß aber der kirchliche Geist irgendwie versehrt wurde.... Deshalb nahm man eine angestrengte apologetische Aufklärungs- und Verticfungsarbeit zugleich mit der sozialen und wirtschaftlichen Erziehungsarbeit in Angriff." Alle lite- rarisch-künstlerische Tätigkeit soll darauf hinauslaufen:„dem Katholizismus als Weltanschauung seine erobernde Kraft auch auf dem Gebiete der Dichtung uno Kunst wieder zu sichern." Diese für die Gesamtauffassimg Spahns wichtigen Sätze werden in dem Gegenariikel nicht erwähnt; dagegen die von Muth übernommenen Worte, die die in jenen Sätzen bezeichneten Aufgaben und Programme umschreiben sollen(„den Boden zu bereiten und zu erweitern für eine zukunftverheißende Aussaat", — die geistige Sehkraft zu stärken, die seelischen Horizonte zu erweitern usw.) werden durch die Bemerkung:„alles das finden wir in der zweideutigen Phraseologie des Modernismus" stig- matisiert, ei» Vorgehen, dessen Bcdcnklichkeit durch die Folge- rungen, die alSdann in bezug auf Zentrum, Volksverein und Frauenbund gezogen werden, noch vermehrt wird." Danach scheint der fromme Verfasser des in der„Germania" erschienenen Artikels die Spahnschen Ausführungen einfach seinen kritischen Msichten entsprechend„korrigiert", richtiger gefälscht zu haben. Was für unsaubere Manipulationen doch die religiöse Flagge decken mutz! Die Reichstagsersatzwahl i» Eisenach. Die Reichstagsersatzwahl im 2. Weimarschen Wahlkreise Eise- nach-Dermbach findet am Sonnabend, den 2g. Januar, statt. Dieser frühe Termin ist voraussichtlich wegen der Ende Januar erfolgenden Eröffnung des Weimarschen Landtages gewählt. Entrüstete Monarchisten. Wilhelm n. war neulich bei dem Fürsten Henckel v. Donners- marck zu Gast; der Fürst hatte zur Unterhaltung des Kaisers die französische Schauspielerin Granier kommen lassen. Dies war wohl nötig, um nicht hinter dem Fürsten Fiirstenberg zurück- zubleiben, der, um den kaiserlichen Gast während der Novemberkrise angemessen zu unterhalten, bekanntlich ein Kabarett— aber nur aus Berlin— hatte kommen lassen. Das Amüsement war in beiden F illen groß. Wir haben ja vor ein paar Tagen an anderer Stelle von der„Conference" erzählt, worin die Schauspielerin ihren Zuhörern von der Liebe erzählte, iind die mit einem vielsagenden:„Gute Nacht! Majestät!" ge- schloffen haben sollte. DaS hat nun eine Anzahl von patriotischen Monarchisten sehr entrüstet. Sie haben einen Brief gc- schrieben, in dem auch sie die Frage stellen: WaS ist die Liebe? Aber als deutsche und monarchische Männer fällt ihre Antwort ganz anders ans, als die der leicht- sinnigen Französin. Zwar schrecken sie vor dem Aeußersten zurück und ihre Abhandlung über die Liebe schließt mit keinem„Gute Nacht, Majestät!" waS in ihrem Munde ja auch keine Verheißung, sondern eine böse Drohung wäre.... Ja, die langweiligen Herren üben wenigstens noch to viel Rücksicht, sich nicht direkt an Wilhelm II. zu wenden, sondern adressieren ihren Brief an den Gast- geber. Aber freilich, der Verdacht läßt sich nicht abweisen, daß diese Adresse nur eine— Deckadresse ist und daß die Herren zwar viel- leickt nichts von Liebe, sicher aber nichts vom Mut vor Königs- thronen wissen. Und nun lese man. was deutsche Liebe ist: „Durchlaucht! Die Lokalpresse durchläuft ein Artikel, in welcbem der Vortrag, den die Pariserin Frau Granier zu Scbloß Neudeck über„Die Liebe" hielt, wiedergegeben wird. Es wird ein Stimmungsbild eniworfen, wie in einem feudalen Schlosse zur Winterszeit inmitten eines Kreises fürstlicher Jäger die Frau mit ihrem„einladendsten" Lächeln ihre Ansicht über die Liebe vorträgt. Herr v. Donnersmarck, Sie haben den vielen Schlägen, die das monarchische Prinzip in den letzten Jahre» erhielt, einen neuen Schlag hinzugefügt, und iverden in gut deutsch fühlenden Männer- und Frauenherzen viel Widerspruch hervorrufen. Was sagt denn Ihr« Frau Gemahlin, und was sagen die Gemahlinnen Ihrer fürstlichen Gäste dazu, daß Sie mit Ihren Herren sich von der Französin die Liebe in solch häßlichen Worten vorführen lassen I Es ist doch ein Glück, daß in den breiten Schichten des deutschen Volkes eine andere Ansicht über die Liebe herrscht; wie häufig ist die innige, tiefe Liebe und Treue der deutschen Frau gelobt und besungen worden, und sie hören der Französin zu, die in schamlosester Weise einzig die Sinnlichkeit der Liebe zu preisen weiß. Wäre es nicht ratsam gewesen, daß bei solch lockeren, losen Reden e r n st d e n k e n d e Männer den Saal verlassen hätten? Also:„Der Mann hat nicht wahrhaft gelebt, so lange er nicht die Süßigkeit einer Stunde deS Triumphes bei einer französischen Frau genossen.... Und beklagenswert ist der, der nicht die Pariser Frau kennt." Wir möchten sagen: ve» klagenswert der, dem nicht seine gemütvolle deutsche Häuslichkeit über alles geht, in der er fein höchstes Glück bei seiner treu- liebenden deutschen Frau findet. ES ist doch ein großes Glück, daß die Mehrzahl der deutschen Männer und Frauen nicht ein „glückliches Vergessen bei den„�mourouses" suchen muß". Wir Wilden find doch bessere Menschen." Bessere Menschen vielleicht, aber sicher schlechtere Musikanten, wird Wilhelm II. denken. Und Wilhelm II. liebt gute Musik. Freilich auch hier nach seinem eigenen Geschmack.... Aber die Herren mögen sich beruhigen. Wozu die Heuchelei. wozu der versteckte Appell an die Kaiserin? Wilhelm II. hat noch genug Zeit für die Regierungsgeschäfte übrig behalten und hat — trotz der Conference— sein Tagewerk pünktlich erledigt. Beweis dessen: sein Interesse für die Abstimmung der Beamten in Kattowitz. Also die Sorge um den Staat berechtigt die Herren nicht, sich ein- zumischen, und private Schnüffelei darf sich Wilhelm II. wohl ver- bitten— von den deutschnationalen Heuchlern sowohl wie von den klerikalen Pharisäern. Denn auch die brave„Germania" ist entrüstet. Sie bekennt, die Mitteilungen zuerst für eine Satire gehalten zu haben, da es ihr„undenkbar schien, ein französisches Frauen- zimmer könne die Frechheit haben, vor dem deutschen Kaiser so frivole Dinge vorzutragen, und ein d e u t s ch e r F ü r st seinen kaiserlichen Gast mit solchen unterhalten könne". Aber, aber l So gern wir der„Germania" auf allen anderen Ge- bieten ihre Unwissenheit glauben wollen, gerade ans diesem wird sie sich das Richtige schon gedacht haben. Die Herren sind doch in diesen und noch ganz anderen Dingen gewiegte Fachmänner. Deshalb war es auch gar nicht nötig, daß Fürst Donners- marck— man weiß nicht, ob zur Beruhigung der entrüsteten Pharisäer oder der angerufenen„Frau Gemahlinnen' ein leibhastiges Dementi losließ, das also lautet: „Madame Granier hat den Monolog CankSroncs sur I'ammu- von Andre Beaunier im Neudecker Schloß vorgetragen, den sie früher gleichfalls vor Ihren Majestäten dem König und der Königin von England vorgetragen hat. Der Wortlaut de« Monologs ist jederzeit aus dem' Original festzustellen und ist selbstredend hier zuvor geprüft worden. Die Mitteilinigen des„Gil Blas" über diesen Vortrag sind von Anfang bis zu Ende erfunden." Das Dementi ist ja sicher interessant. Zwar die Berufting aus König Eduard können wir nicht als vollgültigen Beweis anerkennen. König Eduard liebte einst— sehr gute Musik. Aber um so über- zeugender wirkt die Bersichernng der vorhergegangenen genauen Prüfung. Denn sicherlich war sich Fürst DonnerSmarck der Schwere der Perantlvvrtnng beimißt, die mit der sexuellen Aufklärung selbst erivachsener Monarchen verknüpft ist. Wilhelm II, freilich wird es vielleicht ungern hören, daß er, ohne es zu wissen, ein Opfer der Theaterzensur geworden. Daß man für Reden, die er selbst hält, vorherige Zensur verlangt, weiß er und er hat sich ja seit einiger Zeit der traurigen Notwendigkeit anscheinend gefügt. Aber daß auch, wenn er sich unterhalten will, die böse Zensur sich einmischt, braucht er sich wirklich nicht gefallen zu lassen! Eine agrarische Gröste. Im Herzogtum Braunschweig regieren unbeschränkt die Agrarier. deren Wünschen sich die Regierung nach jeder Richtung hin fügt. Einer dieser Mächtigen ist der Landwirt Schliephake, Landtags- abgeordneter und Abgeordneter der LandeSsynode. Vertrauens« mann des Bundes der Landwirte usw. Dieser„Notleidende" betreibt die Biehzucht im große». Fast alle Geschäftsleute, besonder» die Viehhändler und Fleischenneister, die von Schliephake Vieh kauften, machten nun die eigenartige Beobachtung, daß das Vieh auf anderen Wagen fast immer erheblich leichter war. als auf der eigenen Wage des Herrn Schliephake. auf der den Händlern das Vieh zu- gewogen wurde. So haben Stücke Rindvieh nach einem einstündigen Marsche von Uehrde, wo Schliephake wohnt, nach Schoppen« st e d t um 80 bis 100 Pfund abgenommen. Schweine hatten um 30 bis 40 Pfand weniger Gewicht als Schliephake berechnete, und bei dem Verkauf von Hammeln, der gleich in großer Zahl(über 100) erfolgte, fehlten an jedem Tiere etwa 5 Pfund Gewicht. Die Viehhändler waren über das GelvichtSergebniS nach dem Schlachten der Tiere immer sehr erstaunt, alle Geschäftsleute aber brachten dem angesehenen Verkäufer unbedingtes Vertrauen entgegen. Erst im März dieses Jahres nannte ein Viehhändler Herrn Schliephake in einem Briefe einen Betrüger. Wenn er(Schliephake sich nicht mit ihm, dem Viehhändler, auseinandersetze, werde gegen ihn Anzeige erstattet. Herr Landtagsabgeordneter Schliephake quittierte anderen Tages— mit einem Händedruck und mit der Zahlung von 604 M., wobei er sagte, er tue dies mir mit Rücksicht auf seine kranke Frau. Einem Fleischermeister, dem Schweine um 30 bis 40 Pfund zu hoch berechnet worden waren, zahlte Schliephake 30 M. zurück. Die Gerüchte von den Betrügereien des Agrariers drangen aber doch zu den Behörden und so wurde Anklage wegen Betrugs erhoben. Am letzten Donnerstag und Freitag wurde vor der Straf- kammer zu Brau»schweig gegen Schliephake verhandelt. Eine ganze Anzahl Zeugen sagten höchst ungünstig über Schliephake ans. Das Gericht verurteilte den Angeklagten wegen Betruges und BerrugSversucheS zu sechs Monaten Ge- f ä» g n i s und 3000 Mark Geldstrafe. ES betonte in der UrteilSbegründnng, daß Schliephake lediglich au? gemeiner Habgier gehandelt habe, obgleich er ein schwer reicher Mann sei. Sein Mandat als Abgeordneter der LandeSsvnode hat der Per- urteilte niedergelegt, als die Untersuchung gegen ihn im Gange war. Landtagsabgeordneter ist er heute noch. Konservativer Parteitag. Am Sonnabend, den 11. Dezember, findet in Berlin im Kaiser« saale des WeinhauseS„Rheingold" der Delegiertentag der konservativen Partei statt. Auf der Tagesordnung stehen: Referate über die Haltung der konservativen Fraktion in der Frage der Reichsfinanzreform, erstattet von den RcichstagSabgeordneten Dietrich und Graf Westarp, ein Vor- trag des Oberbürgermeisters Dr. Veuiler-DreSden_ über„Politische Parteien und wirtschaftliche Vereinigungen", ein Referat des ReichslagSabgeordneten Grafen v. Schwerin-Löwitz über die„Wirt- schaftlichen Ausgaben der konservativen Partei" und ein solches des ReichslagSabgeordneten Mallewitz über.Mittelstand und politische Parteien"._ Ein Jubiläum des Brrfaffnngselends. Heute am Montag, feiert das honette Bürgertum Hamburgs sein Verfassungsfest. Am 6. Dezember sind 50 Jahre verflossen, seit Hamburg eine auS„Wahlen" hervorgehende Volksvertretung— „Bürgerschaft" genannt— besitzt. Schon vor mehr als 200 Jahren setzte in Hamburg eine deniokratische Bewegung ein, die an Stelle der Patrizierherrschaft die Anteilnahme deS Volkes an der Regelung seiner Geschicke verlangte. In diesem Kampf wie auch bei den ihm später folgenden Versuchen, eine Anteilnahme der unteren Volks- schichten am Regiment zu erzwingen, behielten jedoch stets die Patrizier die Oberhand. Erst am S. Dezember 1859 kam die Spottgeburt einer„Volks- Vertretung", die Bürgerschaft, zustande, zusammengesetzt aus Per« tretern der Grundeigentümer, der Notabeln und„allgemeinen" Wähler. Letztere mußten für den Erwerb des Bürgerrechts zehn blanke Taler opfern. So regierte der mit monarchischen Befugnissen ausgerüstete Senat, dessen 18 Mitglieder auf Lebenszeit gewählt wurden, bis zum Jahre 1832 drauflos, bis die furchtbare Caolera-' epidemie dieses Jahres die verrotteten Zustände dieses Verwaltungi« systcmS vor den Augen der erschreckten Kulturwell ausdeckte. In der Angst versprach die in ihrer wirtschaftlichen Existenz bc- drohte Gesellschaft eine«Reform des Staatswesens an Haupt und Gliedern". Kaum war der unheimliche asiatische Gast aus Hamburgs Mauern verschwunden, als man jedoch auch schon in den alten Schlendrian zurückvcrfiel und sich den Teufel um die in schlotternder Angst gemachte Verheißung kümmerte. Die Verfassung?- reform von 1896 behielt den Grundeigentümer« und Notabelnwahl- körper bei, denen 80 Abgeordnetensitze zustehen, während das„all« gemeine" Wahlrecht an einen Zensus von 1200 M. geknüpft wurde, und zwar mußten die Hamburger Staatsangehörigen dieses Ein- kommen fünf Jahre hintereinander versteuert haben, um in den Besitz de? Wahlrechts zu gelangen. Als es unter diesem Wahlsystem den Sozialdemokraten gelungen war(1904), zwölf Abgeordnete— von 160— zu wählen, trat im Soinmer 1905 eine aus Mitgliedern der drei alten Bürgerschafts- fraktionen bestehende WahlrechtSverschwörergesellschast zusammen, um in„vertraulichen" Zusamnienkllnften ein Wahlrecht auszuhecken, das der Arbeiterschaft„entsprechend ihrer wirtschaftlichen Bedeutung für das Staatswesen", die ihr.gebührende" Vertretung im Staats- Parlament verleihe. Der Plan der WahlrechlSräubcr erhielt am Abend deS 17. Januar 1906 seine parlamentarische Sanktion. Unter Beibehaltung der 80 Privilegierten(Grundeigentümer und Notable) und Vorbehaltung von 8 Abgeordneten für das Landgebiet, wurden die verbleibenden 72 Sitze unter die allgemeinen Wähler in der Weise verteilt, daß 43 Abgeordnete auf die erste Klasse mit einem Ein- kommen von über 2500 Mark und 24 Abgeordnete aus die.Armenecke" von 1200 bis 2500 Mark Einkominen fielen— gemilden durch den Proporz, damit diese 24 Sitze nicht nach dem Majoritätsprinzip sämtlich von der Sozialdemokratie eingeheimst werden können. Die eine Stadlhälfte hat bereits unter diesem elenden Wahlsystem gewählt, im Januar 1910 wählt die andere Stadthälste. Die Sozialdeinokratie, die bei den letzten Reichstags- tvahlcn zwei Drittel aller abgegebenen stimmen auf ihre Kandidaten vereinigt hat und seit 1890 sämtliche drei ReichstagSmandate Hamburgs rnne hat. wird also mit einem Wahlrecht abgespeist, das ihr unter den allergünstigsteir Umständen(eS müssen dann noch einige Ginndeigcirlümcr- und ersiktassige Mandate erobert werden) 24 bis 25 Sitze zuweist! Eine frechere Verhöhnung der MehrwertSerzenger ist nicht denkbar. Daher hat die sozialdemokratische BürgerschaflSsraklion eS selbstverständlich abgelehnt, an der Festsitzung von Senat und „Volksvertretung" am Montag teilzunehiuen. Vielmehr hat die sozialdemokratische Parteileitung Hamburgs am Abend des Ver- fassungStagcs" 16 große VollSversamiiilimgen einberufen, die gegen daS zur Unterdrückung der Arbeiterklasse ausgeklügelte Wahlsystem deS Hamburger Klassenstaates protestierten. Wahlrechtsdemonstrationen in Hessen. Zu gewaltigen Kundgebungen für das gleiche, direkte LandtagSivahlrecht ohne Kautelen gestalteten sich die Ber- sanimlungen, die am Sonntag im Wahlkreise O f f e n b a ch- Dieb u r g und in Mainz stattfanden. Im elfteren Wahlkreise tagten starkbcsuchte Versammlungen zu O s f e n b a ch. Neu-Isenburg, Sprendlingen und Langen. Die Versammlung in O f f c n b a ch war von mehreren tausend Personen besucht. An sie knüpfte sich eine imposante Stratzendemon st ratio n. Die De- monstranten zogen unter Hochrufen auf das freie Wahlrecht vor das Kreisamt und die Wohnung de« Zentrumsabgeordneten v. Brentano. Polizei war in großer Zahl aufgeboten, verhielt sich aber passiv. Äuch in Mainz schloß sich an die starkbesuchte Ver- sammlung eine wuchtige S t r�a ß e n k u n d g e b u n g. Die Demonstranten durchzogen die Stadt. Auch hier hielt sich die Polizei verständig zurück, so daß es zu keinerlei Störungen kam. Tie Landtagswahlen im Groftherzogtum Sachse». Die Sozialdemokratie von Sachsen-Weimar hat beschlossen, bei den Stichwahlen am 17. Dezember in zwei Wahlkreisen f ü r die Liberalen gegen die Kandidaten der rechtsstehenden Parteien einzutreten. Für einen Wahlkreis, in den» ein Liberaler mit einem Biindler in Stichwahl steht, wurde Stimmenthaltung emp- fohlen, weil schwerwiegende Gründe dagegen sprechen, diesen Liberalen zu unterstützen. Wenn kurz vor Weihnachten die Privilegiertenwahlen der Groß- grundbcsitzcr und Höchstbesteuerten sowie zwischen Weihnachten und Neujahr die Wahlen der Ständevertretungcn. Handelskammer, Hand- wcrkskammer usw. stattgefunden haben, dann wird der wcimarische Landtag immer noch nicht vollzählig sein. Der den Arbeitern als dauernde Vertretung im Gesetz zngejtaudene Abgeordnele, der auS den Arbeiter mitgliederir der ArbertSkanimer zu wählen ist, kann nicht gewählt werden, weil überhaupt noch keine Lrbeilskaminer besteht._ Kommnnalwahlen. Erfolge in Württemberg. In Urach gelang es der Sozialdemokratie, von den vier zur Wahl stehenden Mandaten eins zu erobern.— In Dußlingen waren drei Mandate zu besetzen, von denen der Sozial- demokratie eins zufiel.— In Unterweihenbach gelang es, sämtliche Wahlberechtigte zur Urne zu bringen. Die beiden Kandidaten des sozialdemokratischen Vereins wurden mit 82 und 77 Stimmen gewählt, während die Gegner nur 52 bczw. 51 Stimmen erhielten.— In B eut e ls- b a ch, wo die Arbeiterschaft mit dem freisinnigen Bürgertum zu- sannncnging, waren vier Mandate zu vergeben, von denen eins durch einen organisierten Arbeiter besetzt wurde.— In M e tz i n'g e n waren fünf Sitze erledigt; vier fielen den vereinigten bürgerlichen Parteien zu, eins eroberte die Sozial- demokratie. » Einen schönen Erfolg erzielte die Sozialdemokratie bei der Stadtverordneten wähl in Stollberg im Erz- gebirg e. Sämtliche sechs Kandidaten unserer Liste wurden mit erheblicher Majorität gewählt. Die Wahl- beteiligung war eine rege._ Eine Novelle zum Reichsstempelgesetz beantragt der Borstand des Deutschen StädtetagcS in einer Eingabe an den Bundesrat und Reichstag. Es wird die Bestätigung der Steuerpflicht der ZinSbogen von Renten und Schuldverschreibungen der öffentlich-rechtlichen Verbände verlangt. In der Begründung des Antrages führt der Vorstand aus, es sei Absicht der Reichstags- Mehrheit gewesen, mit dieser Steuer die Besitzer der Schuld- verschreibungen zu treffen. Das Gesetz biet« aber keine Handhabe, die Besitzer zur Erstattung des von den Ausgebern der Bogen aus- gelegten Stempels heranzuziehen. Die Gemeinden seien deshalb gezwungen, die Steuer auf ihren Etat zu nehmen. Zur Deckung de« Strueraufwandes müffen sie neue Einnahmen schaffen, d. h. sie müffen die Kommunalsteuern erhöhen. Und zwar in beträchtlichem Matze; so hätten z. B. im Laufe der nächsten zehn Jahre aufzu- bringen: Berlin...... zirka 850000 SR., München....., 450 000# Dresden....., 330 000, Frankfurt a. M..,« 340000» Dieser Mehraufwand mutz von der Gesamtbürgerschast getragen Verden, trifft also auch die nichtbesitzenden Klassen. Folgen der neuen Tabaksteuer. Der„Südb. Tabakztg."(Unternehmcrorgan) wird aus Ham- bürg geschrieben: „Die Not, in welche ungezählte Tabakarbciter durch das neue Tabaksteuergesetz geraten sind, zeigt sich jetzt auch in gerichtlichen Berhondlungeu, in denen mehrfach Tabakarbeiter wegen Bettelns angeklagt waren. Alle erklärten unbestritten, datz sie durch die Tabaksteuer in große Not geraten seien, keine Beschäftigung finden könnten und schließlich die Mildtätigkeit fremder Personen in An- spruch nehmen mutzten. Das Gericht trug diesem Umstände auch Rechnung, indem es nicht verkannte, datz viele Tabak- arbeiter durch das Tabak st euer-Gc setz unver- schuldet in Not geraten sind. Eine geringe Bestrafung mutzte nach dem Gesetze leider dennoch erfolgen, doch wurde in jedem einzelnen Falle nur auf eine Haftstrafe von drei Tagen erkannt. die durch die erlittene Untersuchungshaft als verbüßt angesehen wurde."_ Die Feigheit der klerikalen Steuermacher. Der ZentrumSobgeordnete H a m e ch e r- Berlin bereist zurzeit feinen Wahlkreis Köln-Land. um die wegen der Swuerlaten des konservativ-klerikalen Blocks erregten Gemüter zu beruhigen. Dieser Tage redete er auch in P o u l h e i in bei Köln. Ein in dem Orte wohnender Arbeiter schrieb an den Vorsitzenden der Zentrums- Partei, ob in der Versammlung freie Diskussion gewährt werde. Darauf erhielt er folgende charakteristische Antwort: Auf Ihre Anfrage diene zur Kenntnisnahme, daß bei der am nächsten Sonntag hier tagenden Versanimlung der Zentrumspartei eine Diskussion nicht slällsiuden wird. Wohl aber wird der rescrierende Abgeordnete, Herr Cornelius Hamich er, auf etwaige Aiiiragen aus der Mitte der Parteiangebörigen, die sich imierhalb der Tagesordnung b-w-goi, bereitwillig Antwort bezw. Aufklärung geben. Hochachtend Wahlausschuß der Zentrui»-part»i in Ponlheim Ostlender, Pfarrer. Wie so oft schon, werden auch hier wieder die Zentrnmswähler von den klerikalen Führern lediglich als Stimmvieh eingeschätzt. frankreick. Ein Schachzug der Klerikalen! Die Vertreibung von der Staatskrippe und der bevorstehende Kampf um die Schule haben die hohe französische Geistlichkeit, die bisher zu den festesten Stützen der„sozialen Ordnung" gehört hat, plötzlich ihr arbeiterfreundliches Herz entdecken laflen. Ganz un- vermutet hat der Bischof Delamaire in Lille, wo ein Streik der Textilarbeiter ausgebrochen ist. die gc l b e O r g a n i sa t i o n veranlaßt, mit der roten Gewerkschaft gemeinsame Sache zu machen. sehr zum Mißvergnügen der Unternehmer, die das Verlangen der Arbeiter, dem Minister Biviani die Bermittclung im Lohnkampf zu übertragen, brüsk abgelehnt haben. Nun kommt gar der Erz- bischof von Paris hinzu. Monseigneur A m e t t e hat an die Geistlichkeit seines EprengelS die Aufforderung gerichtet, den seit einer Reihe von Jahren ergebnislos geführten Kampf der Bäcker- gehilfen UM Abschaffung der Nachtarbeit und Einführung eines wöchentlichen Ruhetages zu unterstützen. Der Sekretär der Bäcker hat darauf den Erzbischof zu einer Versammlung, in der als Re- ferent der Anarchist Sebastian Faure sprechen sollte, eingeladen, natürlich ohne ihn als Gast begrüßen zu können. Datz die so Plötz- lich entdeckte Arbeiterfreundlichkeit der Kirchcnfürstcn gerade kurz vor den Wahlen und zur selben Zeit, da man sich mit der Gründung einer Zcntrumspartei in Frankreich abgibt, ins Leben getreten ist, ist natürlich nur ein peinlicher Zufall, der niemand über die Echt- heit des warmen Ardeiterherzens unter der Bischofssoutane täuschen wird. Tic Arbeiter werden sich auch die Unterstützung in einem Kampfe, in dem die kirchenfcindlichc radikale Demokratie bisher so kläglich versagt hat, gerne gefallen lassen. Ob sie darum nach 75 Jahren Klassenkampf und Aufklärungsarbeit wieder unter den .Krummstab zurückkriechen werden, ist freilich eine andere Frage. Um so mehr aber loerden die bisher kirchcnfreundlichen Unter- nehmer an der Sache Anstoß nehmen. Ein nettes Gespräch mit einem Fabrikanten aus dein Norden erzählt in seiner witzigen Art Genosse S e m b a t in der„Humanitö".„Na, Sie sind jetzt zu- frieden, die Bischöfe auf Ihrer Seite zu haben?"„Witzen Sie, ich pfeife darauf. Ich habe es dem hochwürdigften Herrn Dela- maire deutlich gesagt.„Monseigneur," sagte ich,„in der Kirche sind Sic zu Hause. Da gehorche ich Ihnen. Aber in der Fabrik bin ich zu Haufe. Und da bc fe h l c i ch." Ueber meine Beisteuer wird er sich diesmal wundern. Es ist freilich stark, wenn man immer die Kirche unterstützt hat, den Bischof im Streik als Gegner zu finden."„Sind Sie sicher," fragte ich,„datz dieser Ungehorsam nicht Ihrem Seelenheil schadet? Riskieren Sie dabei nicht, in die Hölle zu kommen?" Er hielt plötzlich an und sah mich an.„Sie machen sich wohl über mich lustig? Sie halten mich wohl für einen Dummkopf?"„Für einen Dummkopf? Weit entfernt. Aber, entschuldigen Sie, ich habe Sie bisher für einen guten Christen ge- halten." Italien. Die Krise. Rom, 4. Dezember.(Eig. Ber.) Giolittis Sturz hat in zweifacher Weife eine schwierige Situation geschaffen. Einmal in rein konstitutioneller Beziehung. Da das Ministerium, wie seiner- zct das Kabinett Saracco, gleichzeitig den Stimmen de» Fortschritts und der Reaktion erlegen ist, so fehlt der Krone eine klare Auwei- sung zur Wahl des Nachfolgers. Die Kanuner hat nicht gesagt, das Ministerium ist mir zu reaktionär oder zu fortschrittlich; dem einen Teile des Parlaments war es das eine, dem anderen das andere. Die andere Schwierigkeit ist wesentlich ernster. Tie Regie- rungSentwürfe sind einer Mehrheit von nur 25 Stimmen erlegen. Die vereinigten Oppositionen haben also keineswegs eine breite Basis. Weiter fand ihre Vereinigung auf einem rein negativen Gebiete statt, das unmöglich die Grundlage für eine Regierung bieten kann. Die Kräfte, mit denen man ein Kabinett stürzt, gc- nngcn lange nicht, um ein neues am Leben zu erhalten. Außerdem ist die heutige Kammer ganz und gar nach dem Ebcnbilde Giolittis geschaffen; sie ist wie ein Kleid, das er sich selbst ganz genau auf die Figur gearbeitet hat. Wer wird es unternehmen, mit dieser Kammer zu regieren? In ihr haben zweifellos die reaktionären Elemente das Uebergewickst über die fortschrittlichen. Wenn sich der König nach links wenden will, so wird er gleichzeitig mit dem Auftrag, das Kabinett zu bilden, die Möglichkeit, eventuell die Kammer aufzulösen, geben müssen. Daß er dies nicht ohne schwere Bedenken tut, ist begreiflich bei einem Parlament, das erst eben auf 0 Monate Existenz zurückblickt. Die Kammer seines Herzen» ist eine Art Nejsusgewand, das Gwlitti seinem Nachfolger hinterläßt. Weiter besteht der Nach- laß aus einer stattlichen Reihe von Schwierigkeiten und Problemen. Da sind die Konventionen für die Handelsmarine, deren Ablaufs- termin bevorsteht, während die neuen von einem neuen Kabinett auf keinen Fall unbesehen übernommen werden können. Da sind die Abgabenreformen, die Giolitti, ohne seine parlamentarische Stellung zu erscksiittern, fünf Jahre lang vernachlässigen konnte. die aber jetzt, nachdem sie einmal dem Lande angeboten wurden, von keinem Ministerium links liegen gelassen werden können. Gio- litti hat geivisscinnatzen einen Wechsel ausgestellt, den seine Nach- folger einlösen müssen, und die Masse des Volkes hat durch den dringenden Druck ihrer Notlage die Verfallzeit dieses Wechsels recht kurz bemessen. Das neue Ministerium. Rom, 6. Dezember.(Privattelcgramm des„Vorwärts".) ES gelvimit immer größere Wahrscheinlichkeit, daß S o n- nino die Kabinettsbildung gelingen wird. Sonnino hat bereits Verhandlungen mit den Parteien cingeleitet. Das neue Ministerium würde sich vornehmlich auf die bisherige Majorität mit Einschluß der konstitutionellen Demokraten, aber mit Ausschluß der ä u ß e r st e n Linken, Republikaner und Sozialdemokraten, stützen. Spanien. Fcrrers Unschuld. Paris, 5. Dezember. Frau Soledat de Villafranea. die Freundin Ferrers, erklärte in einem Interview. Beweise für die völlige Unschuld Ferrers zu besitzen. Sie teilte mit, daß sie vorige Woche, Montag, vom Kabinettschef M o r e t empfangen worden sei, der ihr erklärt habe, daß er eine Untersuchung anordnen werde, um festzu- stellen, welches Verfahren während des Prozesses FerrerS ver- folgt worden ist. Er erteilt ferner den Befehl, die Wirkung der Beschlagnahme der Güter Ferrers aufzuheben. Er soll schließlich versprochen haben, den Cortes die Annahme eines Gesetzes zu empfehlen, worin alle Personen, welche während der jüngsten Ereignisse in Barcelona verurteilt worden sind, a m n e st i c r t werden sollen. Rucrvcrufung der Rrscrvistcn. Madrid, 5. Dezember. Das Blatt„A. B. E." bringt auS amtlicher Onelle eine Bestätigung der Nachricht über die Heimbe- r u f u n g der N ese rvisten ans Marokko und bemerkt dazu, daß sich deren Zahl insgesamt auf 13 000 belaufe. Cnglancl. Tie Arbeiterpartei und die Wahlen. London, 4. Dezember.(Eig. Ber.) Die Presse veröffent- licht l te folgende Mitteilung über die Beratungen der Arbeiterfraktion: Der Vorstand der Arbeiterpartei hielt gestern eine weitere Sitzung ab. um die Kandidaten- l i st e und die Taktik bei den konmienden Wahlen zu er- wägen. Die Sitzung währte vier Stunden, worauf mitgeteilt wurde, daß weitere Beratungen an, 17. Dezember in Manchester stattfinden werden. Der Vorstand hat die Kau- didatenliste sorgfältig revidiert zum Zwecke der V e r n, e i- dung von aussichtslosen Wahlkämpfen. Die Partei wird bei den kommenden Wahlen nur solche Kandl- daturen berücksichtigen, die eine Aussicht auf Erfolg haben und gleichzeitig dreieckigen Wahlkämpfen möglichst vorbeugen, bei denen die Anhänger der Lords durchkommen könnten. Bei der Revision der Kandidatenliste wurde die Zurückziehung von 2 t) bis 30 Kau- d i d a t e n empfohlen. Diese Maßregel wird einzig und allein im Interesse der Arbeiterpartei ergriffen. Der Vor- stand hat indes nicht die Macht, die Ausführung dieser Maß- regel den Wahlvereinen vorzuschreiben, da die lokalen Orga- nisationen ziemlich autonom sind. Er kann ihnen mir den Standpunkt der Fraktion nahelegen und ihnen einpfehlen, demgemäß zu handeln. In den nächsten zwei Wochen wird der Vorstand zu diesem Zwecke mit den lokalen Organisationen in Verbindung treten uipd am 17. dieses Monats in Manchester eine Sitzung abhalten, um endgültig über die Kandidatenliste zu beschließen. Der Finanzwirrwarr. London, S. Dezember. Wie„Daily News" melden, haben fast alle Kaufleute, die am Sonnabend Tabak aus dem Zollamt ab- holten, nur die im früheren Budget vorgesehenen Zölle entrichtet. Üngeheurc Mengen Rum sind auf ähnliche Weise ausgeliefert worden. Die Kaufleute schicken sich an, große Quantitäten Tee einzubringen, ohneirgendwelchen Zollzuzahlen. Rußland. Ein tapferer Beschluß. Petersburg, 6. Dezember. Anläßlich der Eidesleistung der 130 Studenten der Militär- medizinischen Akademie, die jetzt die Akademie verlassen, nahmen dieselben folgende Resolution an: Der Jahrgang 1909 der Militär-medizinisckien Akademie protestiert bei Gelegenheit des Eides gegen die Beteiligung von Slerzten bei der V o l l st r c ck u n g von Todesstrafen, da er solche mit der Würde des Arztes und Menschenunver- einbar finde. Diese Resolution wurde gefaßt mit 110 Stimmen, 2 votierten dagegen und 18 enthielten sich einer Stimmabgabe. Lkina. Ein Protest gegen Rußland. Peking, 5. Dezember. Die chinesische Regierung über- mitteltc den auslvärtigen Gesandtschaften ein Rundschreiben, in welchem sie gegen die neuerliche Mitteilung Rußlands bezüglich der Rechte der Städte in der russischen Eisenbahnzone der Mandschurei protestiert und erklärt, das Vorgehen Rußlands fei eine Verletzung des Vertrages von Ports m o u t h und des r» s si s ch- chi nc sis ch c n Uebercinkommens von E Harbin vom 10. Mai, welches die Zuständigkeit der betreffenden Behörden in den Eisenbahnzonen festsetzt. Eue der parteü Zum preußischen Parteitag. Eine Parteiversammlung in Breslau, die sich mit dem preutzischcn Parteilage beschäftigte, nahm folgende Resolution an: „Die Versammlung erwartet vom Parteitage, datz er die Fortführung des Kampfes um ein freies Wahlrecht in Preußen mit verschärften Mitteln beschließt. Insbesondere soll daS Voll aufgerufen lverden, sich für die Erriugung drS Wahl- recht« durch eventuelle Arbeitseinstellung zu rüsten." In Frankfurt a. M. wurden in acht TistriktSverfammlungen die Aufgaben de« Parteitags besprochen. ES wurde beschlossen, dem Parteitag folgenden Antrag zu unterbreiten: „Der Preutzentag wolle beschließen, datz der Wahlrechts- kämpf durch zentrale D c n> o n st r a t i o n er,. die bei gegebenen Momenten durch den Parteivorstand zu organisieren sind, energisch aufgenommen tvird." Eine außerordentliche Generalversammlung deS Sozialdemo- kratifchen Vereins für den ReichStagSwahllreiS Bielefeld» Wiedenbrück nahm am Sonntag Stellung zum preutzischcn Parteitage. Der Kreis entsendet zwei Delegierte. Die Untersuchungshaft gegen Nottcvohm aufgehoben. In der Strafsache gegen Genossen Nottebohm in Dortmund, der wegen Sittlichkciisoerbrechens in Untersuchungshaft genommen wurde, hat der llntersuchuligSrichter dem Angeschuldigten folgenden Beschluß zugestellt: „In der Strafsache gegen den Redakteur Adolf Nottebohm on« Dortmund, zurzeit hier in Untersuchungshaft ivegen Sittlicbkei lsverbrechciiS, tvird auf Antrag des Angeschuldigten der Haftbefehl deS Herrn Untersuchungsrichters bei») königl. Land- gerickt Dortmund vom 0. November 1909 aufgehoben, da ein Tatverdacht bezüglich des Verbrechens gegen§ 176, Absatz 3 Strafgesetzbuches nicht mehr in Frage kommt und be- züglich de» Verbrechens gegen ß 177, Absatz 43 Strafgesetzbuches lein hinreichender dringender Tatverdacht vorliegt, überdies Flucht- verdacht nach dem bisherigen Verhalten des Angeschuldigten nicht begründet ist. Landgericht Dornnund. 2. Straskanmicr. Genosse Nottebohm befindet sich noch nicht ans freiem Fuße, da er zurzeit noch eine Gcsnngnisstrafe abzubüßen hat, die er in seiner Eigenschaft als verantwortlicher Redakteur erhielt. Rechts von dcr bürgerlichen Demokratie! AuS München wird nnS geschrieben: Hier referierte am Donnerstagabend der Demokrat Dr. Breit« scheid vor einer öffentlichen Versammlung der freien Studenten- schaft über„Demokratie, die Zukunft Deutschlands". Nach einem kurzen Rückblick über die Entwickelung der Demokratie ging der Redner zu den politischen Tagesfragen über. Er legte dar, daß bisher einzig und allein die Sozialdemokratie zuverlässig im Kampfe gegen die Reaktion gewesen sei, und daß sich da« wahrhast liberal gesinnte Bürgertum mit dieser verbinidcii müsse, um i» Preußcn-Deutichland freiheitliche Zustände zu schaffen. In der hochinteressanten Diskussion sprach als erster Redner„Genosse" Dr. Artur Schulz. Als die schwersten Fehler, die die bürgerliche Demokratie in der Vergangenheit gemacht habe, bezeichnete er ihr Versagen in der nationalen Frage— die Ab» lehnung von Bismarcks Militärforderungen— und ihre Gegnerschaft gegen den Schutzzoll. In Zukunft würde die Demokratie nicht ans Erfolge rechnen können. wenii sie sich nicht durch Schutzzölle der Bauern annehtne. Nur die Sozialdemokratie und die Bauern vereint vermöchten die Macht der Reaktion zu breche». Von den folgenden Rednern mutzte sich Dr. Sckmlz sagen lassen. daß er mit seiner Auffassung in der Sozialdemokratie allein stünde, datz die große Masse'der kleine» Baliern vom Schutzzoll absolut weiter nichts habe als neue Lasten. Eine geradezu vernichtende Kritik seiner Ideen bra-Me aber das Schlußwort Dr. Breitscheids. Man erlebte hier daS interessante Schauspiel, daß ein Vertreter des Bürgertums in klarer überzeugender Weise die Utovien des Genossen Dr. Schulz bis ins kleinste Detail zerpflückte und nachwies, daß sie boller Widersprüche und Konsegnenzlosigkeit seien. Nach Dr. Schulz habe die Sozialdemokratie in wichtigen Fragen nur Fehler gemacht und iiiiiisc doch daher eigentlich bald vom Erdboden verschwunden sei». Statt dessen beobachtet man ihren fortwährenden Anfschivung, der sich gerade immer nach den Kämpfen gegen die Schutzzollgesetzgebmig am stärksten äutzcrt. Also dürfte die Rechnung von Dr. Schulz tvohk ein Loch haben. Dr. Breitscheid ist der Ueberzenguug, daß man den Militär» rüstungen schleunigst Halt bieten muß. Er erwartet nur vom Frei» Handel und der Abschaffung der Schutzzölle eine weitere günstige Eutwickelling de« gesamten Wirtschaftslebens. Es geht an» dein Bericht nicht hervor, ob Dr. Artur Schulz auch der Sozialdemokratie ihr Verhalten zu den„nationalen Forde- rungen", d. h. ihre Bekämpfung des Militarismus als Fehler an- rechnet. Aber es sollte uns nicht wundern. Ivemvs so wäre. Freilich wäre daS mehr kurios als v«t Bedeutung. Gewcrkfchaftluhe� Clne neue Hufgabe für die Gewerbfcbaften. Genosse Adolf Braun propagiert in der Monatszeitschrift »Der Kampf" ein neues Lohnshstein auf der Grundlage des kor- porativen Arbeitsvertrages. Er weist zunächst darauf hin, datz bei dem früheren Naturallohnsystem, das naturgemäß in der modernen entwickelten Wirtschaft keine Anwendung mehr finden kann, die Arbeiter wenigstens immer vor direkten Nahrungssorgen geschützt ivaren. Die Kosten periodischer Lebensmittelverteuerung infolge von Mißernten, Krieg usw. trug der Unternehmer. Heute, unter der Herrschaft des Geldlohnsystems, fei es der Arbeiter, der nicht nur die aus Naturereignissen, sondern auch die aus der künstlichen Lebensmittelverteuerung resultierenden M>sten zu tragen habe Dadurch würden die Voraussetzungen bei Abschluß von Tarifen oft gegenstandslos. Der festgesetzte Lohn soll eine gewisse Höhe der Lebenshaltung garantieren. Werde während der Dauer des Tarif- Vertrages durch wirtschaftspolitische Maßnahmen plötzlich der Preis wichtiger Lebensmittel hinaufgeschraubt, garantiere der Vertrags- lohnsatz nicht mehr die verausgesetzte Lebenshaltung; die Kaufkraft des Lohnes verändere sich zuungunsten der Arbeiter. Darauf, meint Genosse Braun, müsse und könne bei Abschluß von Tarifen Rück- sich genommen werden. Damit werde den Gewerkschaften eine neue, in den Nahmen ihrer Tätigkeit passende Aufgabe gestellt. Wir lassen nun den Auwr selbst sprechen, indem wir aus seinen Darlegungen die Haupipartien wiedergeben; er schreibt: »Die Gewerkschaften sind infolge ihrer ganzen Eni- Wickelung wesentlich auf den Kampf uni die Verkürzung der Ar- beitszeit und um die Erhöhung des Geldlohnes gerichtet. Sie sind aber nicht imstande, oder sie waren wenigstens bisher nicht imstande, den Arbeitern die Garantie zu schaffen, daß die Er- höhung des Geldlohnes auch zu einer Sicherung einer ver- besserten Lebenshaltung führe. Fast überall ver- mögen wir festzustellen, daß dank der gewerkschaftlichen Aktion die Löhne der Arbeiter, in Mark und Pfennigen, in Franken und Centimes, in Kronen und Hellern ausgedrückt, gestiegen sind; aber vielfach müssen wir mit Schrecken feststellen, daß man für die erhöht« Anzahl von Mark und Franken, Kronen und Hellern weniger Nahrungsmittel gewinnen kann als zu der Zeit, da der Lohn im allgemeinen niedriger war. Gesteigerte Geld« löhne und doch verschlechterte Lebensbedin- g u n g e n, das ist ein bemerkenswertes wirtschaftliches Ergebnis des Vergleiches der wirtschaftlichen Lage der Arbeiter vor wenigen Jahren und jetzt. Immer stärker tritt dieser Vergleich in Er- scheinung. Die erhöhten Löhne bewahren die Arbeiter nicht vor der Notwendigkeit bedeutungsvoller Einschränkung in ihrer Lebenshaltung. Die Gewerkschaften kommen nun zu der Ueber- zeugung, daß alle ihre Bemühungen, einen Ausgleich gegen die Verteuerung der Lebensmittel zu schaffen, auf die Dauer un- wirksam blieben. Die Steigeruirg des Geldlohnes ist nicht so rasch durchzusetzen, wie die Lebensmittelpreise infolge einer rück- sichtslosen Preispolitik der Agrarier anziehen, die ihre erhebliche Förderung in der staatlichen Wirtsckwiftspolitik findet, in der die spezifisch agrarischen hochschutzzöllnerischen Interessen die meisternde Macht sind. So kommt durch diese agrarische Politik in unsere gewerkschaftliche Taktik ein Moment der Unruhe. Er- hebliche Schwierigkeiten ergeben sich für den politischen wie für den gewerkschaftlichen Kampf der Arbeiterklasse, schon um die gegenwärtige Lebenshaltung der Arbeiter zu sichern, um weitere Verschlechterungen hintanzuhalten; das tväre aber doch ein zu kleiner Teil unserer Gegenwartspolitik, da die Hebung der Ar- bciterklasse eine der dringendsten und notwendigsten Aufgaben der sozialistischen Bewegung, nicht zuletzt der Gewerkschaften ist. DaL Weiterbestehen des Geldlohnes ist auf der gegenwärtigen Entwickelungsstufe der Volkswirtschaft und der sozialen Be- Ziehungen unbedingt notwendig. Das von dem Willen der Arbeiter völlig unabhängige Risiko der gesteigerten Preise, das heißt der verminderten Kaufkraft seines Geldlohnes soll künftig von dem Unternehmer getragen werden. So schwer durchführbar dies erscheinen niag, so wenig ist es tatsächlich unmöglich. Es werden notwendig sein: eine Verbesserung der Detailhandelsstatistik für die Gesamtheit; eine intensivere Beschäftigung der Gewerk- schaften mit der Haushaltungsstatistik, schiedsrichterliche Organe zwifchen Unternehmern und Arbeitern— die übrigens in vielen Tarifen schon vorgesehen sind—, um dieses Prinzip nicht bloß zum leitenden Grundsatz beim Abschluß von Tarifverträgen zu machen, sondern um auch seine Anwendung immer mehr zu befestigen und Differenzen zu entrücken. An einem Beispiel wollen wir zeigen, wie wir die Verbindung der Vorteile des Naturallohnsystems mit dem Weiterbestand des Geldlohnes für möglich halten. Für die im Verzehrungssteuer- bezirk Wien liegenden Bezirke würde am 1. Juni 1910 für die Arbeiter eines bestimmten Gewerbes ein Tarifvertrag auf 3 Jahre abgeschlossen. In diesem Tarifvertrag würde der Minimallohn mit 30 Kronen für die Woche festgesetzt werden, der in jedem fol- genden Jahre um 1,20 Kr. zu steigen hätte. Dieser Lohn würde in zwei Teile zerfallen, in einen festen Anteil von 10 Kr. und einen beweglichen Anteil von vorerst 20 Kr. Man würde da von der Voraussetzung ausgehen, daß während der Dauer des Tarifvertrages die Preisschwankungen nur einen Teil der Ge. brauchsgegenstände treffen Iverden, während die Wahrscheinlichkeit erheblicher Preisänderungen für zwei Dritteile des Lebens- bedarfes der Arbeiter angenommen wird. Um aber die Schwierig- leiten künftiger Berechnungen zu erleichtern, wird der Einfachheit lvegen angenommen, daß nur die zur Erhaltung des Arbeiters vor allem notwendigen Artikel: Brot, Fleisch, Milch und Kohle PreiSveränderunaen ausgesetzt seien und daß die Arbeiter zwei Pritteile ihrer Einnahmen für diese vier unentbehrlichen Be- darfsgegenstände verwenden. Man wird dann feststellen, wie viele Kilogramm Brot und Fleisch, wie viele Liter Milch, wie viele Zentner Kohle man für 20 Kr. kaufen kann; man wird gewisse Anteile am Gesamtbcdarf annehmen und das erreichbare Brot- quantum bestimmter Qualität für 8 Kr., das Fleischquantum mit Angabe der in der Haushaltung der Arbeiter üblichen Sorte für b Kr., die Anzahl von Litern Milch für 3 Kr. und der Zentner Kohle für 4 Kr. feststellen. Man wird dann zu der Rechnung kommen, daß der Lohn des Arbeiters beim Tarifvertragsabsckiluß zum mindesten zu betragen habe: 30 Kr.— 10 Kr.+ a Kilogramm Brot+ b Kilogramm Fleisch der bestimmten Sorte-st c Liter Vollmilch+ d Zentner Steinkohle. Nach jedem Viertel- jähr hätte das Schiedsgericht zusammenzutreten und festzustellen, wie viel 10 Kr.-st a Kilogramm Brot usw. in Wien kosten. Da- nach wäre der Geldlohn im kommenden Vierteljahr zu berechnen. so daß stets die gleiche Menge Nahrungsmittel um die Lohnsumme zu kaufen wäre! Nach Ablqnf eines Jahres kann die Lohnsteige- rung von 1,20 Kr. in gleicher Weise auf Geld, Brot, Fleisch, Milch und Kohle verteilt werden. Im ersten Augenblick mag es scheinen, daß dieses System zu kompliziert ist, zu Streitigkeiten Anlaß geben könnte. Die Durchführung würde aber zeigen, daß die Schwierigkeiten weit geringer sind, als sie uns, die wir an das reine Geldlohnsystem gewöhnt sind, erscheinen. Es mag ja, Verwirklichung feines Vorschlages schaffe auf der anderen Seite den' v er n e i nt, die zweite Frage mit allen gegen wenige Stimmen gar nicht hoch genug zu veranschlagenden Vorteil, daß sie aus Hunderttausenden Einzelwirtschaften die Unruhe ausschalte. Er sagt dann weiter: »Gelingt es unserem Vorschlage, die Zustimmung der Ge- werkschaften zu finden, gelingt es den Gewerkschaften, durch- zusetzen, was wir ihnen hier empfehlen, so wird die Stellung unserer Unternehmer in allen wirtschaftspolitischen Fragen eine gründliche Aenderung erfahren. Den Unternchniern fehlt der Antrieb zum Widerstand nicht nur gegen eine Erhöhung der Lebensmittelpreise, sondern auch gegen das indirekte Steuer- system und gegen alle verwandten, den Massenkonsum bestimmen- bejaht.— Die Versanimlung hat sich also gegen durch Verein» barung und Schiedsspruch zustande gekommene Tarifmuster, aber für Fortjetzung der noch ausstehenden Verhandlungen erklärt. Deutsches Kelch. Achtung, Rohrleger! In dem Zweiggeschäft der Firma Thier- g ä r t n e r und V o l tz u. W i t t m e r, G. m. b. H., Breslau, Installation und Heizungsanlagen, sind ernste Differenzen ausgebrochen, welche zur Niederlegung der Arbeit sämtlicher Monteure und Helfer geführt haben. Die Firma ver- bedeutend unter dem micm uuu Dtajtn uue ucuuuiiuicu, aau|ciiiuu um uciuuimcii«.,-j, n, h r; f den Maßregeln des Staates und der agrarischen Vereinigungen, ten o"l e n und -In V-MN SIitnonMirf hin«S m>riiin* in iimfnnnr<>irf!»m Mn«? hi(> A 1 M. at0eII.e" U.nU In dem Augenblick, wo es gelingt, in umfangreichem Maße die Verteuerung der Lebensmittel von der Masse der Arbeiter auf die Unternehmer abzuwälzen, in diesem Augenblick wird die Ab- neigung gegen die direkten Steuern, wird die fanatische Vorliebe für neue indirekte Steuern bei den Unternehmern aushören. Von diesem Augenblick an wird das Unternehmertum das offene und geheime Bündnis mit den Agrariern oder die Duldung der agrarischen Politik aufgeben, das Unternehmertum wird dann erst zu einer klaren Jndustriestaatspolitik getrieben, das Unter- nehmertum wird dann das fördern und unterstützen, was die Ver- treter der Arbeiter zum Zwecke der Entsaltung unserer wirt- schaftlichcn Kraftquellen immer wieder von neuem in den Par- lamenten und in den Gemeindevertretungen gefordert haben. Die Stellung der wirtschaftspolitischen Parteien zueinander würde bei Durchsetzung unserer Methode erhebliche Aenderungen erfahren. Die Unternehmer, die bisher dem agrarischen Ueber- mut keinen Widerstand entgegensetzten, würden notgedrungen der agrarischen Politik im Staate und auf dem Markte Widerstand entgegensetzen, wenn nicht mehr die Arbeiter, sondern sie selbst die Folgen der Preissteigerungen zu tragen hätten. Es ist ein Vorzug der gewerkschaftlichen Politik, daß sie nicht leicht verknöchern kann, daß sie immer wieder durch die Entwickc- lung des Kapitalismus, durch unertvartete wirtschaftliche Kon- stellationen zu neuen Methoden, zur Ueberprüfung der alten ge- zwungen wird. Die allgemeine Lebensmittelverteuerung, die den Erfolg der gewerkschaftlichen Aktion vielfach aufhebt, ihn sonst häufig in Frage stellt, ihn niemals zum vollen Gewinn gedeihen läßt, nötigt zu neuen Kampfmethoden, zwingt zur Ueberpcüfung der alten. Der grenzenlose Egoismus der Agrarier, die Gleich- gültigkeit des Unternehmertums, die schweren Sorgen des Prole- tariats zwingen uns, den Kampf mit neuen Waffen aufzunehmen, zwingen uns, den Kapitalismus, dem wir gegenüberstehen, ver- antwortlich zu machen für die Verschlechterung der Lebenshaltung, für die Verminderung der Ernährungsmöglichkcit der Arbeiter." Berlin und Umgegend. Achtung, Mitglieder des Deutschen Metallarbeiter- Verbandes! Die am 5. d. M. erfolgte Wahl eines weiteren Angestellten für die Kasse ergab folgendes Resultat: Karl Schmidt. Kernmacher, erhielt 4505 Stimmen, Vollmer, Dreher, 3637 Stimmen. Schmidt ist somit gewählt. _ Die Ortsverwaltung. Die Tarifbewegung der Maler. Am Sonntag nahm eine sehr stark besuchte, in der„Neuen Welt" abgehaltene Versammlung der Berliner Mitglieder des Malerverbandes Stellung zu dem Reichstarif, welcher aus den im November unter Leitung der Unparteiischen gepflogenen VerHand- lungen hervorgegangen ist. Der Referent Jakobeit führte nach ein- gehender Besprechung der Verhandlungsergebnisse aus: Er hätte an dem Tarif manches auszusetzen, aber man müsse bedenken, daß in einem für das ganze Reich geltenden Tarif nicht alle Wünsche, welche in den verschiedenen Orten geltend gemacht werden, berück- sichtigt werden können. Eine Entscheidung darüber, ob wegen des Tarifes in den Kampf eingetreten werden solle oder nicht, könne erst getroffen werden, wenn nach Fortsetzung der Verhandlungew die Resultate über Lohnhöhe und Arbeitszeit vorliegen, die ja ört- lich geregelt werden sollen und zurzeit noch völlig unerledigt sind. Wenn die Hamburger Kollegen den Reichstarif abgelehnt haben, so erkläre sich das daraus, daß in Hamburg ein Einheitslohn besteht, während der Reichstarif verschiedene Lohnstufen vorsieht. An den Berliner Verhältnissen werde in dieser Hinsicht durch den Reichs- tarif nichts geändert. Der Referent ersuchte um Annahme des Tarifs und um Autorisierung zur Fortsetzung der Verhandlungen über Lohnhöhe und Arbeitszeit. In der sehr ausgedehnten und lebhaften Diskussion wurde der vorliegende Reichstarif scharf kritisiert. Als sehr bedenklick) Und deshalb unannehmbar wurde die Leistungsklausel erklärt. Der Tarif bestimmt, daß die Arbeiter zu einer entsprechenden Gegen- leistung verpflichtet sind und der Arbeitgeber, wenn die vom Tarif- amt festzusetzende Normalleistung von dem Arbeiter nicht erreicht loerde, einen Lohnabzug bis zur Höhe von 10 Proz. machen kann, daß für Mehrleistungen aber ein entsprechender Zuschlag zu ge- währen ist. Gegen diese Bestimmung wurde eingewandt: DieArbeit- geber würden für eine möglichst hohe Festsetzung der Normalleistung sorgen, dann würden Lohnabzüge wegen Nichterreichung der Normalleistung häufig vorkommen. Andererseits spreche der Tarif keine bindende Verpflichtung zur Entschädigung der über die Norm hinausgehenden Leistung aus. Ein Teil der Arbeiter würde aber, in der Hoffnung, für die Mehrleistung einen höheren Lohn zu bekommen, bestrebt sein, die Normalleistung zu überschreiten. So würde eine Hetzerei bei der Arbeit entstehen, die weder für die Arbeiter noch für die Arbeit von Vorteil wäre.— Der Referent sucht die Bedenken gegen die Lcistungsklausel zu zerstreuen, indem er darauf hinwies, daß eine derartige Klausel in verschiedenen Orten besteht und die daran geknüpften Befürchtungen nicht ein» getroffen seien. Wenn auch die Unternehmer an möglichst hohen Leistungen der Arbeiter ein Interesse haben, so läge es doch nicht in ihrem Interesse, die tarifliche Normalleistung möglichst hoch au- zusehen, da diese ausgesprochenermaßen eine Grundlage bilden solle für die Kalkulation bei Kostenanschlägen. Die für Leipzig zur- zeit geltende Nörmalleistung stelle keine zu hohen Anforderungen an die Leistungsfähigkeit der Arbeiter und bleibe wesentlich zurück hinter dem, was in Berlin schon seit Jahren von den Arbeitern verlangt werde, ohne daß hier eine Leistungsklausel bestand. Bedenken wurden auch erhoben gegen die Bestimmung, welche den Lohn im ersten Jahre nach der Lehrzeit sowie den Lohn für alte, minderleistungsfähige Arbeiter der freien Vereinbarung über- läßt. Ferner wurde der Passus bekämpft, nach dem Meister wie Gesellen, welche gegen die Bestimmungen des Tarifs verstoßen, aus ihrer Organisation auszuschließen sind.— Die Redner, welche sich gegen diese Bestimmung wandten, meinten, es wäre doch zu hart, wenn jemand, der vielleicht ohne Absicht gegen irgend eine neben- sächliche Tarifbestimmung verstoße, mit dem Ausschluß bestraft werden würde.— Es wurde verlangt, daß alle in der Debatte be- der Anfang, wie jedes neue Beginnen, mit mancherlei Schwierig- kämpften Bestimmungen aus dem Tarif entfernt werden müßten, leiten verknüpft sein. Nur kräftige, gut geleitete Organisationen wenn er auf Annahme rechnen solle. Die Opposition richtete sich von Arbeitern und Unternehmern werden für derartige Tarisi Verträge die erforderlichen Voraussetzungen bieten. Ist einmal der Anfang gemacht, so werden sich der Verbreitung dieses Systems nur noch verhältnismäßig geringe Schwierigleiten ent- gegenstelleu." Daß die Unternehmer in seinen Vorschlägen wieder mal eine Gefahv für die Industrie erblicken Wörden, setzt Genosse Braun voraus. Der Haupteinwand dürfte der sein, daß mit Einführung des veränderlichen Lohns die Kalkulationen erschwert würden. Demgegenüber sei daräuf hinzuweisen, daß teilweise viel wichtigere Faktoren als der Lohn heute schon jeder sicheren Berechnung ent- zogen seien. Da komme in Betracht das ununterbrochene Schwanken nicht gegen den Abschluß eines Reichstarifs schlechthin, sondern nur gegen die angefochtenen Bestimmungen des vorliegenden Tarifs. Jakobeit trat in seinem Schlußwort den von den Dis- kussionsrednern erhobenen Einwänden entgegen und ersuchte die Versammlung, ihren Beschluß so zu fassen, daß die Verhandlungen über Lohnhöhe und Arbeitszeit fortgesetzt werden können. Für die Abstimmung wurden zwei Fragen formuliert: 1. Soll der vorliegende Reichstarif angenommen werden? 2. Soll die Kommission die zentralen Verhandlungen über Lohnhöhe und Arbeitszeit fortsetzen? Die Versammlung war von etwa 3000 Mitgliedern besucht. Ein Teil derselben enthielt sich der Abstimmung. Die erste Frage motiviert ihr Verhalten da- mit, daß genügend Berliner(!) Rohrleger zu diesen Preisen arbeiten wollen. Es handelt sich in der Hauptsache um eine größere Arbeit in Bad Salzbrunn i. Schl. und ersuchen wir die Kollegen, Ar- beit bei genannter Firma unter allen Umständen zu verweigern. Ortsverwaltung des Deutschen Metallarbeiterverbandes, Breslau. Der Arbeitgcbcrverband für das Schneidcrgewecbe in Wies- baden kündigte den Lohntarif für die Damenschneider per 1. März 1910. Gleichzeitig legte er einen neuen Tarifentwurf vor, der den Minimallohn für Schneider um 6 M., für Hilfsarbeiter um 3 M. kürzt. Hilfsarbeiter und Acndcrungsschneider sollen nur noch 24 M. Wochenlohn erhalten. Es handelt sich um Qualitätsarbeit. Die Arbeiter sind fast ausnahmslos organisiert. Die Arbeiter- Versammlung lehnte das Angebot einmütig ab. tckusland. Die australischen(Gewerkschaften erörtern jetzt sehr ernsthaft die Notwendigkeit der Ablösung der bisherigen aus England und Amerika importierten Fachorganisationsform durch die Industrie- Organisation. Dem nächsten Gewerkschaftskongreß werden eine Reihe solcher Anträge vorliegen. Auch wird die Schaffung eines gemeinsamen Widerstandsfonds verlaugt. Zum Streik der australischen Kohlengräber wird aus Sydney berichtet, daß der Vorsitzende und der Sekretär des Bcrgarbeiterverbandes sowie andere Führer der Ausständigen ver- hastet worden seien unter dem Vorwande, sie hätten eine„Ver- schwörung" angezettelt. Nach einer späteren Meldung wurden sie gegen Stellung einer Kaution wieder auf freien Fuß gesetzt. Sie Lefshren äer Zelluloidindustrie. Beim Streik in der Zelluloidwarenkabrik der Gebrüder Wolf in Nürnberg wurden seinerzeit ganze Wagenladungen Arbeiten im dortige» Zellengefängnis hergestellt. Da muß man fragen: Kcnnen denn die Behörden nicht die Gefahren, denen Zelluloidarbeiter aus- gesetzt sind? Wissen die Behörden nichts von der großen Zahl Brände in Zelluloidbetrieben? von den Verlusten an Menscheuleben? und daß oft nur Rettung unter den schwieligsten Verhältnissen möglich war? Da ist es am Platze, nochmals aus die Unglücksfälle in diesem Gewerbe aufmerksam zu machen. In folgendem mir eine kleine Liste von Bränden, die wir fest- stellen koimten, und die Verlustziffern: Im Jahre 1399 in Leipzig bei Engelmann u. Richter. Verlust eine ganze Familie nnd vier Tote. Im Jahre 1900 Brand in Berlin bei Döbbelin: Teils schwere, teils leichte Ver- letzungen. Im selben Jahre in Berlin bei Brauer u. Zander. 50 Beschäftigte schwebten in Lebensgefahr; die Ausgänge waren durch Flamnien versperrt. Die Rettung wurde durch den Fahrstuhlichacht ermöglicht. Dieser Brand entstand durch Eutsiiildung von Zelluloidstaub an einer elektrischen Glühbirne. Im Jahre 1901 in Berlin bei Döbbelin. Das Fabrikgebäude brannte vollständig ouS. Der Brand brach vor Beginn der Arbeitszeit um 6 Uhr früh ans. Feuerwehrleute wurden durch Stichflaminen verletzt. Im Jahre 1904 in Nürnberg bei der bestreikten Firma Gebrüder Wölf. 47 Drechsler waren beschäftigt; die Rettung gelang nur durchs Fenster. Entzündet hatte sich beim Abstechen von Fahrradheften das Zelluloid» Material, als es auf einen laufenden Zapfen gedrückt wurde. In Berlin, Greifswalder Straße, brannte ein Zelluloid- lager, bei welchem Brand eine Anzahl Hausbewohner verletzt wurden. I m Jahre 1907 in Geispolsheim bei Straß- bürg im Elsaß. Das furchtbare Branduuglück forderte 22 Tote, meist jugendliche Arbeilerinneu und Arbeiter. Im Jahre 1908 in München bei Pensberger fanden hintereinander vier Brände durch Selbstentzüiiduiig statt. 40 Arbeitern war der Ausgang versperrt; durch Hilfe von außen wurde daS Feuer gedämpft. Im Jahre 1903 in Berlin bei Priester, Mickaelkirckistraße. Ein fünfzehnjähriger Knabe tot, eine Reihe Mädchen körperlich geschädigt, davon zwei in KrankenhausbehanMung. Im Jahre 1903 in Eilenburg ein Brand in der Zelluloid- Rohstofffabrik, bei dem drei Tote und zehn Verletzte gezählt wurden. Dann als furchlbarsteS Unglück im Jahre 1908 in Wien bei Gebrüder Sailer. Verlust: siebzehn meist jugend- liche Meiischenlebcii. Zu dieiem Brand schrieb am 11. Juni 1908 das Wiener»Fachblatt der Drechsler", anläßlich der Besichtigung der Brandstelle durch den Minister des Innern, Bienerth:„17 verkohlte, zumeist jugendliche Menschenkinder, lagen vor den Füßeir seiner Exzellenz, dem Minister des Innern, Bienerth. In diesem Aiigenbtick traten dem Minister wehmutsvolle Tränen ans den Auge». Er sprach feierlich zu seiner lebenden Umgebung, daß nun, angesichts der grausamen Todesopfer, tunlichst etwas geschehen müsse, wie es die österreichische Regierung schon versprochen hat." Diese Regierung hat das Wort des Ministers eingelöst; denn nach wenigen Wochen hat sie eine sehr zweckmäßige Verordnung er- lassen. Weitere Brände fanden statt in Dresden, Pforzheim, Naumburg, Crefeld u. a mehr, in den meisten Orten wiederholt. Und fragt man nach den Ursachen, so wurden in Dresden und Leipzig"je ein sechzehn- bis siebzehnjährigcr Bursche ivegen angeblicher Brand- stiflung verurteilt. Auch im Wiener Fall soll ein siebzehnjähriger junger Mann dos Unglück verschuldet haben; derselbe befand sich aber unter den Opfern. So hat die Profitsucht der Unternehmer also eine Reihe Menschenleben auf dem Gewissen. Und da tritt in diesem Kampfe die Regierung aus die Unternehmerieite l Da wird dieses feuergefährliche Material selbst in Strafanstalten zu- gelassen, um mit Hilfe Strafgefangener die Arbeiter niederknüppeln zu helfen. Aufgabe der Arbeiterpresse muß es sein, dieses Vorgehen der Behörden niedriger zu hängen. Die politische wie gewerkschaftliche Presse wird um Abdruck gebeten. Die Zeutralkommission für die Stock- und Kammindustrie Deutschlands. Letzte IMacbricbten und Dcpcfcbcn. Ein Feuerschiff vom Stnrm vertriebe». Bremen, 6. Dezember.(W. T. B.) Der in Nordenham ange- kommene Dampfer der Oldcnburg-Portugiesischen Dampflchifps- reederei„Riga" meldet, daß daö Feuerschiff„Terschelling" gestern morgen um 6 Uhr um Hilfe signalisierte. Das Feuerschiff ist an- scheinend von seiner Station vertrieben und der Leuchtapparat in Unordnung. Die tnrkisch-persische Greuzfrage. Konstantinopcl, 6. Dezember.(W. T. B.) Die Pforte unter- nahm Schritte bei der persischen Regierung wegen des drohenden Zusamnienstosjcs türkischer Truppen mit persischen Irregulären in der strittigen türkisch-pcrfischen Grenzzone. der Rohstoffpreise, die Veränderlichkeit des Zinsfußes usw. Die i wurde mit einer sehr großen Mehrheit der abgegebenen Stimmen Verantw. Redakt.: Richard Barth, Berlin. Inseratenteil �verüntw.: Utz. Glocke, Berlin. Druck«.Berlag:LorwärtSBu«hdr.u.verlag»anftäll PäulSmger& Co., Berlin SW,~§iajtt4 Beilage»»».U«krhalt«»gSS!. Nr. 285. 26. Jahrgang. 1. KcilGe Ses Joriiiittü" fifdiatt KllisdlM zlienskag. 7. Dezeiulier l96A. Keickstag. s. Sitzung. Montag, den 6. Dezember, nachmittags 2 Uh r. ?lm Dundesratstisch: b. Tirpitz. Auf der Tagesordnung stehen zunächst die JnterveUationen Albrecht und Genossen lSoz.) und Dr. Lconhart und Genossen tfreisinnige Parteien) über den Werftbctrieb in Kiel. Die sozialdemokratische Interpellation lautet: „Ist dem Reichskanzler bekannt, dah bei den gerichtlichen Verhandlungen über die Unterschlagungen auf der Reichswerft in Kiel Unregelmäßigkeiten und Mißstände in der Verwaltung der RcichStrcrften festgestellt worden sind, und was gedenkt der Herr Reichskanzler zu tun, um eine geregelte und wirtschaftliche Geschäftsführung in den Betrieben der Rcichswerften herzu- stellen?" Tic freisinnige Interpellation fragt ebenfalls, ob der Reichs- kanzler Maßnahmen treffen will, um Unregelmäßigkeiten und Untcrschleife im Betriebe der Kaiserlichen Werften in Zukunft zu verhindern und eine sparsame Wirtschaft sowie eine nach kaufmännischen Grundsätzen eingerichtete Buchführung und wirk- same Kontrolle im Werftbctrieb zu sichern. Zur Begründung der freisinnigen Interpellation erhält das Wort Mg. Dr. Leonhart(frs. Vp.): Das letztemal wurde der Ma- rineetat bekanntlich dcbattelos erledigt. Inzwischen haben sich in dem Kieler Prozeß schwere Mißstände ergeben. Es sind Unter- schlagungen beim Verkauf von Altmaterial vorgekommen, und wenn auch die Angeklagten freigesprochen sind, so ist doch die Marincverwaltung nicht freigesprochen. (Sehr richtig! links.) Persönlich sind unsere Beamten und Offi- ziere erfreulicherweise intakt aus der Verhandlung hervorgegangen, aber das Verwaltungssystem ist aufs schärfste zu verurteilen; es hat sich als geradezu sinn- und zwecklos herausgestellt. Vor allem ist zu beklagen der ungesunde Einfluß der Bureaukratie auf den wirtschaftlichen Betrieb der Werft. Tie Aufsichtsstellen sind meist ohne Sachkenntnis, aber ihr Einfluß geht doch so weit, daß sogar Borschläge der technischen Behörden nicht ausgeführt werden konnten. Eine Buchführung im kaufmännische» Sinne hat inan auf der Kaiserlichen Werft nicht gekannt.(Hört! hört! links.) Die einzige Kontrolle liegt in den Revisionen, und diese sind meist äußerst mangelhaft. So ist es kein Wunder» daß sich die üblen Zustände beim Verkauf des Altmaterials 20 Jahren hindurch halten konnten. Wie ist es übrigens möglich, daß der Magazindirektor Heinrich bis zum 74. Lebensjahre im Dienst blieb? Man ist doch sonst so leicht bei der Hand mit Pensionierungen! Die Zahl der Beamten ist dabei gerade auf der Kaiserlichen Werst ungeheuer groß, viel größer als auf den englischen Werften. Tie Schuld daran liegt an der vielen unproduktiven Schreibarbeit. Was hat jetzt zu geschehen? Es ist eine Kommission eingesetzt, in der Ver- waltungsbcamte die Mehrheit haben, die also von vornherein nicht geeignet sind, ihrem Vorgesetzten gegenüberzutreten.(Sehr richtig!) Man ruft nach einer tüchtigen kaufmännischen Kraft, aber eine solche wird in einem staatlichen Betriebe so eingeengt, daß sie selbst ebenso schnell ein Burcaukrat wird wie die anderen. Die Krone der Vorschläge der Kommission ist: das Personal noch um einen Assessor zu vermehren!(Heiterkeit.) Die Herren haben in ihrem jetzigen Amtsbereich nichts geleistet, und deshalb soll ihre Zahl vermehrt werden!(Heiterkeit.) Wir leben allerdings in einer Zeit, in der wir begründete Zlussicht auf eine grundlegende Reform nicht haben.(Zuruf bei den Sozialdemokraten: Leider!) Jedenfalls ist zu fordern, daß die technischen Betriebe selbst einkaufen und verkaufen. Notwendig ist eine kauf- männische Buchführung und eine sachgemäße Revision des Rech- »ungswesens. Nicht ein Kaufmann,-über kaufmännischer Geist muß in die Wcrftverwaltung einziehen. Vor allem notlocndig ist auch eine Aenderung des Submissionswcsens, das ganz eng- herzig bureaukratisch gehandhabt wird. Alle Kreise in Deutschland, die es mit der Flotte gut meinen, sind von den Vorgängen in Kiel schmerzlich bewegt und beklagen aufs tiefste, daß so mit dein Gelde der Steuerzahler gewirtschaftet wird. Eine ähnliche Ver- schwendung wie auf der Werft herrscht bei der ganzen Flotte, ich Kleines Feuilleton. Tbeater. � Kleines Theater:„Heuchler", Komödie von Bern- h a r d Shaw. Die vom Uebersctzer Trebitich„Heuchler" getaufte Komödie„WidowcrS HouseS" gelangte unter dem Titel„Die Häuser deS Herru Sartorius" bereits vor ein paar Jahren in der Freien Volksbühne zur Aufführung. Es ist das älteste der Shawschen Lust- spiele. Die Londoner Premiere 1882 war eine Theaterschlackit. Die Sozialisten, erzählt der Verfasser in dem interessanten Vorwort zum Sammelbande seiner„Unerfreulichen Stücke", klaiichten aus prinzipiellen Gründen ivülend Beifall, während das übrige Publikum aus demselben Grunde wie rasend dagegen demonstrierte. Es gab keinen Erfolg, doch einen Auwuhr. „Mein Streben in allen diesen Stücken", heißt es dann weiter,„ging dahin, die dramatische Form zu benutzen, um die Zuschauer zu zwingen, unerfreulichen, nicht durch irgend ein individuelles Ber- schulde» erzeuglen. sondern in der gegebenen gesellschaftlichen Organi- salion selbst begründeten Tatsachen ins Gesicht zu sehen". Frau Warrens, die ihren Reichtum einem schmählichen Gewerbe ver- dankt, verteidigt sich vor ihrer Tochter damit, daß sie im Grunde nach ganz denselben geheiligten Prinzipien des Geld- verdiene»? verfahre, die in der sogenannten respektabel» Gesellschaft gellen. Wenn man gegen Fabrikanten, die wissentlich durch ihre Hungerlöhne Scharen von Mädchen der Proslitnlion in die Arme treiben, nichts einzuwenden habe, so sei c« albern, gegen Leuic, die aus dieser Lage Nüven ziehen, den Bannstrahl siltlichcr Ent- rüstung zu schleudern. Ganz ähnlich, nur unter größerer Wahrimg deS Dekorums, argumenliert Sartorius, der millionenschwere Parvenü, gegenüber dem im Ueberstusse aufgewachsenen, frischweg moralisierenden Trench, seinem angehenden Schiviegeriohne. Der junge Herr, der eine Rente von vierzchiiinusend Mark aus einer ererbten Hypothek bezieht und diese Summe für das von Gott und Rechtswegen iym gebührende Existeiizminimimi erachtet, fühlt sich in, höchste,, Maß chokiert. da er erfährt, was für Höhlen und Fiebeniester Sartorius Häuser sind, mit welch infam brutaler Habgier der Ehremnann ans den Aermsten der Armen den wucherisch herausgeschraubten MictSzinS auspreßt. Sein Geiitlemaiibeivilßlsein revoltiert. Er will, daß seine Braut auf die Mitgift aus einem so erworbenen Vennögen verzichtet. Aber der schöne Elan verpufft auf der Stelle. "als Satorius ihm aitseinandersetzt, jene Hypothek, die Basis des Trenchiche» GeittleinandaseinS fei auf eben die Svelunken eingetragen, die Rente könne in dieser Höhe nur durch die Praktiken solcher Art herausgewirtschaftet werde». Die gleiche schmutzige Quelle speist sie beide. Der rasch Bekehrte muß am Ende noch froh sein, daß die hübsche, indes ebenso zänkische Dame seines Herzens, die ihm ob seiner Zumutung sofort den Laufpaß gab, ihn nunmehr in Gnaden wieder ausnimmt. Die soziale Note deS Ganzen fand wenig Interesse, man de- monstrierte weder für noch ßegen und schien das Stück wie ein gewöhnliches, allein auf Nmuientent abzielendes Lustspiel aufzu- fasten. Herr Ziegel übertrieb für mein Gefühl im Spiel die erinnere nur an die luxuriösen Kniscrzimmcr! Kaufmännischer Geist und Sparsamkeit müsten dort einziehen bis i n d i e hoch st cn Spitzen.(Zustimmung bei den Freisinnigen.) Alle bürgerlichen Parteien sind sich darüber einig, daß wir eine den wachsenden Bedürfnissen einer Großmacht angepaßte Flotte haben nrüsseit, aber wir sind es unseren Wählern schuldig, dafür zu sorgen. daß das Geld der Steuerzahler nicht verschleudert wird. Sparsam- keit ist auch hier eine nationale Tat.(Bravo! links.) Tie Interpellation Albrccht(Soz.) begründet Abg. Legten(Soz.): Ter allgemeinen Kritik des Herrn Vorredners habe ich nicht viel hinzuzufügen. Ich erinnere übrigens daran, daß vor zirka 5 Jahren auf der Werft Wilhelmshaven ein ganz ähnlicher Fall passiert ist wie jetzt in Kiel. Damals wurde ein Magazinaufseher angeklagt, der bei einem Gehalt von 1800 M. es fertig gebracht hatte, sich ein Vermögen von 18 000 M. zu ersparen! Es passiert bei uns in Deutschland ja so manches. Aber eins dürfte doch auch hier nicht möglich sein, daß nämlich die Beamten, unter deren Overaufsicht diese Vorkommniste sich ereignen konnten, ihre Stellung beibehalten. Ich glaube, der Herr Staatssekretär wird genötigt sein, sich da nach Ersatz umzusehen, und da würde ich ihm empfehlen, als Oberwcrftdirektor Herrn Frankcnthal anzn- stellen(Heiterkeit), denn dieser hat gezeigt, daß er über die Vet häktnisse auf der Werft weit besser unterrichtet ist als die bis� herigen Leiter der Werft, und zweifellos würde an ihm auch eine geeignete kaufmännische Kraft gewonnen fein, die sicher auch in der Lage wäre, das nötige technische Personal auszusuchen. Einen Herrn wie den Obcrwerftdirektor, der erklärte, daß es ganz richtig sei, wenn ein Mast für 80 M. verkauft und dann für 1000 M. wicdergckauft wird, würde er allerdings nicht als technischen Beamten anstellen.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Eben- sowenig den Herrn Assessor Frerich, der erklärte, die Kaiserliche Werft sei nicht dazu da, kaufmännisch geleitet zu werden, sondern sie habe dafür zu sorgen, daß die Schlagfertigkeit der Flotte ga- ranticrt wird. Eine solche Aeußcrung charakterisiert die ganze Auffassung, die diese Herren von ihren Pflichten haben; sie beweist aber auch, wie wenig sie in der Lage sind, die ihnen übe-wstefenen Aufgaben zu erfüllen. Wären wir in Deutschland fcho,. so weit, daß man bei Interpellationen Anträge stellen könnte, so wür- den wir schon jetzt beantragen, eine parlamentarische Unter- suchungskommission einzusetzen, die einmal die ganzen Verhältnisse auf der Werft nachprüft, nicht nur die Dinge, die sich bei diesem Prozeß ergeben haben. Bei der zweiten Beratung des Marine- etats werden wir einen solchen Antrag jedenfalls einbringen, denn es handelt sich nicht nur um das, was in diesem Prozeß fest- gestellt ist, sondern um weit größere Mißstände, die dauernd auf der Werft bestehen, von denen wohl die Werftvcrwaltung zum Teil unterrichtet ist, die zu beseitigen sie sich aber bisher als unfähig erwiesen hat. Es ist das auch leicht erklärlich. Keinem Restart werden so freiwillig die Mittel seitens des Reichstags zur Verfügung gestellt wie der Ma- rine. Der Reichstag könnte ebensogut wie die einzelnen Positionen so den ganzen Marineetat als P a u s ch q u a n t u m bewilligen� denn irgendwelche Kontrolle, ob die Mittel, die für die einzelnen Ausgaben vorgesehen sind, dafür verwandt werden, wo die lieber schüffe bleiben, woher Unterbilanzen gedeckt werden, hat der Reichs tag nicht! Wenn für einen großen Kreuzer 26 Millionen Bau kosten und 10 Millionen für Armierungen bewilligt werden, so werden diese Summen natürlich nicht glatt aufgebraucht. Es er geben sich Ueberschüsse, und daher resultiert es dann, daß die ein zelnen Herren Beamten sich aus dem Reichssäckel Anschaffungen leisten können! Ich glaube daher schon heute die Hoffnung aus sprechen zu können, daß der Reichstag, wenn wir mit unserem Antrag später kommen, endlich einmal Ernst macht mit der Prü fung der Verhältnisse. Daß diese Vorkommniste möglich waren, liegt an der ganzen militärischen Organisation der Werftverwal tung. Mir ist mitgeteilt worden, daß es sogar vorkommen konnte, daß Schiffe auf Stapel gelegt wurden, für die der Reichstag die Mittel noch nicht einmal bewilligt hatte. Das ist eben nur möglich aus den Uebcrschnssen, die aus den Pauschquantcn herstammen. Unter der militärischen Organisation, die auf der Werft vorhanden ist, müssen solche Dinge sich abspielen. Die ganze Organisation ist faul, und deshalb müssen auch die Ergebnisse faul sein. Mein Vor- starre Steifheit von Sartorius etwas. Klein- Rhoden wußte mit der feinparodistischen Figur des altklug glatten Salonschwätzers Colone nichts Sonderliche? anzufangen. Gut war Herrn Adalberts von de« Gedankens Blässe unangekränkclter, naiver Trench und Frl. Brandts verzogenes Fräulein Sartorinö. ausgezeichnet Abel in der Rolle des halb verhungerten demütigen MietScinlreiberS, der dann durch eine gcscbickte Schiebung plötzlich zum geschätzten Geschäftsfreund deS fru deren Ctiefö aufsteigt. Den Abschluß des Abends bildete eine lustige Borstellmig von Thomas in der Ueberbrettlzeit schon von Wolzogen aufgeführter„Medaille". Herrn Rotlmanns prächlig urwüchsiger Mctzgermeister Lampl war die Krone der bäuer- lich fidelen Festversammlung. dt. Neue freie Volksbühne(Berliner Theater):„D o k t o'r Eisenbart" von Otto F a l ck e n b e r g. ES lag wohl keine dichterische noch weniger eine zeitliche Nötigung vor, den mittelaller- lichen Charlaran und Ouockialberer ans die Bühne z» bringen. Der Verfasser wollte zwciiellos eine gute Komödie schreiben. Achtungs- werte Ansätze hierzu sind auch vorhanden; mehr freilich nicht. Zwar mochte eö verlockend erscheinen, die auch in DreyerS Komödie„Tal des LebenS" den Angelpmikt bildende Fabel von der Beschaffung eines Thronerben durch eincil Leibgardiste» dem Doktor Eisenbart zu impulieren. Eisenbart ist aber auch glücklich verheiratet. Da er im Rufe steht, sterile Frauen von ihrer Kinderlosigkeit kurieren zu kö>men. so bat er überall mächtigen gulans. Außerdem ver- kaust er Zauberringe, die die geheimnisvolle Kraft be- sitzen sollen. Ehebrüchige zu überführen. In solchem Falle vlatzt nämlich der Stein— ein Stückchen Glas— im Reisen. Aas diesen beiden Motiven holt Falckenberg die Konflikte für die Handlung. Sie bestehen darin, daß Doktor Eisenbart die Kinderkur an der Herzogin nicht machen will, daß er jetzt vom Herzog mit Gewall frstgehalte» wird, sich nun wohl oder übel bereit erklärt, aber zugleich das Honorar(3000 Golddnkaten) verlangt. Serenissimus will blas den driiten Teil zahlen und das Ende dieser AuSeinaiidersctzinig ist, daß Eisenbart eingelocht wird. Ist nach zehn Monaten kein Thronerbe vorhanden, so soll er als Schwindler. Franenschänder usiv. prozessiert und gehangen werden. Nun muß er die Kur a» der Herzogin mit einer Untersuchung vor Zeugen einleiten. Da er aber seinem Weibe treu bleiben will, so zwingt er seinen Famulus. einen jungen Grafen, das übrige bei der Herzogin forlziffetzen. Er selbst wandert ins Gefängnis. Nach zehn Monaten wird für ihn der Galgen aufgerichtet. Er weiß aber schon, daß die Herzogin schwanger geht. Der Henker, sein ehe- maligcr Hanswurst und Ausrufer, vollzieht zwar die Nnfkiiiipsung, jedoch so, daß der Doktor lebendig und munter bleibt. Währenddem verkündet Geschützdonner die Geburt eines Prinzen. Der Herzog eilt herbei, den Doktor zu begnadigen. Nu» springt dieser von der Bahre auf. kriegt seine Dukaten uiid zieht mit seiner Frau vergnügt davon. Die ganze Handlimg gibt dem Verfasser Gelegenheit zur Entfaltung turbulenter Volksszenen usw. Dennoch gibt das nur ein Zivillerding von derben Possen und trivialen Situationen, worunter der Zug zur großen Komödie leidet. Immerhin versteht sich Falcken- bcrg ganz pastabel auf die Mischung wirksamer Effektmittel im grotesken Stil der alten Fastnachtskomödien. Mehr als die geschickte Galvamsienntg eines Leichnams ist'S aber doch nicht. Tie Dar- redncr hat schon darauf hingewiesen, daß eine zu große Zahl von Beamten auf der Werft beschäftigt sei. Ich kann seine Ausführungen noch nach einem Artikel der„Berliner Neuesten Nachrichten" ergänzen. Je 1000 Osfizicre und Beamte kommen auf 8500 Arbeiter» also auf je 8 Arbeiter kommt immer ein Offizier und Beamter, ganz abgesehen von den Vorarbeitern, die hier noch gar nicht mitgerechnet sind. Bei einem solchen Heer von Beamten muß ja eine Mißwirtschaft eingreifen. Dieses Heer von Beamten bildet meiner Meinung nach eine Ge�hr für einen geordneten Betrieb.(Sehr richtig! bei den Sozimoemokraten.) Im Jahre 1905 hat der Ganlcitcr des Deutschen Metallarbeitervcrbandes dem Reichstag eine Denkschrift unterbreitet, in der eingehende Dar, legungen darüber gegeben sind, wie unverhältnismäßig groß die Zahl der Beamten auf der Kieler Werft gegenüber der Zahl der Arbeiter- ist. Ich empfehle Ihnen eine eingehende Nachprüfung dieser Denkschrift, Sie werden dort dargelegt finden, daß unter diesem System andere Ergebnisse, als wie sie vorliegen, gar nicht möglich sind. Es ist in der Denkschrift auch nachgewiesen, daß in bezug auf die Technik beim Schiffsbau große Mängel bei den Beamten vorhanden sind. Es sind dort Tatsachen angeführt, aus denen hervorgeht, daß von einem geordneten Wirtschafisbctrieb auch nach der rein � technischen Seite hin auf der Werft in Kiel nicht die Rede sein kann. Ich will die einzelnen Fälle nicht noch einmal an« führen, da sie ja gedruckt sich in den Reich stagsaktcw befinden. Ich will sie nur noch durch einige Tatsachen ergänzen, um zu zeigen, welche Mißwirtschaft auf den Werften herrscht und daß die bessernde Hand angelegt werden mutz nicht bloß beim Verkauf von Altmaterial, sondern auch an anderen Stellen. Ständig erhalte ich Mitteilungen darüber, wie wenig auch die technischen Beamten den an sie zu stellenden Anforderungen ge- nügen. Die Namen meiner Gewährsmänner kann ich nicht nennen, denn das würde für sie, die Familienväter sind, eine Maßregelung bedeuten. Ich habe den Leuten gesagt: um eine Besserung zu erreichen, müßte auch das Opfer einer Maßregelung ertragen wer« den, vorausgesetzt, daß wir einen Erfolg erzielen. Mein Bedenken ist aber, daß wir durch derartige Ausführungen nicht zur Besserung kommen werden, wenn nicht der Reichstag einmal ernst macht und selbst Hand anlegt, um die Besserung zu erreichen.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Der Herr Staatssekretär wird doch jedenfalls nachher bei der Beantwortung der Interpellation sagen: es ist alles in bester Ordnung, und alles, was der Kieler Prozeß gezeigt hat, sind nur kleine Schönheitsfehler.(Große Heiterkeit.) Leider liegen die Dinge nicht so, es sind große Fehler, die in der ganzen Organisation des Systems liegen.(Lebhaftes Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Ich will also einige Beispiele anführen, die zeigen, wie aus der Werst gewirtschaftet wird. Im Jahre 1900 verkaufte der MarinefiSlus ein Grundstück, das mitten im Rayon der Werften lag, für 100 000 M. an zwei Privatleute. Diese konnten es für Bauzwecke nicht ver- wenden, weil es eben im Werftrayon lag. sie hatten es auch nur auf Spekulation gekauft. Und nach drei Jahren sah sich dann der Fiskus auch genötigt, die beiden Grundstücke zurückzu- kaufen, und zwar für 225 000 M.l (Hört, hört! bei den Sozialdemokraten.) Eine solche Dummheit kann ja auch anderen Leuten passieren, aber die Herren von der Marincverwaltung, denen sie passiert, sollten sich nicht so aufs hoho Pferd setzen, wie sie es bisher hier im Reichstag immer getan haben. (Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Nun etwas Allgemeines aus der Verwaltung: Die Zurück» nähme von geliefertem Material erfolgt in den Magazinen nicht. Was einmal ausgeliefert ist für den Bau eines Schiffes oder für einen anderen Zweck, wird als verausgabt gerechnet und nichv wieder zurückgenommen! Ein Burcaukrat kann sich ja natürlich nicht irren. Wohin das führt, dafür einige Beispiele: Zum An- strich eines Schiffes wurde Farbe gebraucht. Das verbrauchte Quantum ist nicht immer das gleiche, sondern der Verbrauch der Farbe richtet sich nach dem Wetter. Bei feuchtem Wetter ist mehr erforderlich als bei trockenem. Nun war ein Schiff bei s o n« nigem Wetter gestrichen, und es waren zwei Fässer Oel- färbe übrig geblieben. Wohin damit? Die Arbeiter trugen sie ins steller bemühten sich redlich um die Vortäuschung eines wirklichen Lebens, was indessen auch nur teillveiie gelang. Artur Bergen gab in der Doppelrolle als HaiiSwurst und Heister neben Albert Heine(Eisenbart) eigentlich die frischeste Leistung. o. k. Residenz-Theater.„Im Taubenschlag", Schwan? von Hennequin und V e b e r. Der von der Berliner Ausgabe des ftanzösisckien Ainüsierthcaters ausgebeutete Scbwank lebt in seinem ganzen Genre von einer Mischung von SitualionSkomik, Blödsinn und verhüllter Erotik. ES genügt bei der neuesten Nummer, die doch nur wieder die älteste ist und so wenig wie ihre Vor- gängeriimen auS dem Leben scböpst, die unterscheidenden Tricks anzugeben. Die„komischen" Personen sind ja doch bekannte Laden- Hüter: die böse Sieben, der etwas dämliche Pantoffelheld, der sich nach Abenteuern sehnt(Trick: er stellt sich schwerhörig), der an- gebende Schwiegersohn, der de» Keuschen mimt, aber von ieinem Verbälinis, einer mannStollcn Korsin, verraten wird usw. DaS bißchen Satire, das die Schüssel salzen soll, bestreitet die angejahrte Verulkung eines ausländischen Königs, dem der amtliche Apparat Liebesabenteuer besorgt. Der zweite Alt bringt wie immer die Erlösung von der Langeweile deS ersten durch die ungezählten Verwechselungen und das tolle Durch» einander. Im Hotel Taubenschlag, einem altbekannten, wenn auch umgetauften Hause der Schwankbranche. geht der große Tohuwabohu vor sich. Der Ehemann kommt zu seinem Abenteuer, da er für den fremden König gehalten lvird, die böse Sieben in den Kohleisteller, und der ungetreue Liebhaber der Korsin wird wieder eingefangen und(o Höhepunkt de§ Kasperletheaters) an einem Slrick angebunden. Aber der Trick, wo bleibt der Trick? Hier ist er: Im Vorraum des Hotels steht ein Amor, dreht man seine Flügel, so erscheinen an der Wand Spiegelbilder, die enthüllen, was sich in den einzelnen LiebeSbondoirS abspielt. Die geprickelten Zuschauer genießen also Annehmlichkeiten, die sonst nur Schlüssel- und Astlöcher gewähren(und sind doch enttäuscht). Die Ausführung erinnerte in manchen Besetzungen ans Hermfeld« Theater, hübsch däinlich war Alexander, rassig Frl. Witt(die Korsin) nild eine wirklich komische Alte Frl. B r a h m S.— r. Humor und Satire. Politische Vereins meier.„Meine Herren, um der Sozialdeinokralie wirksam entgegenarbeiten zu können, ist eö jetzt an der Zeit, noch einige bürgerliche Parteien zu bilden." Der Konservative am Totenbette deS National» liberalen:„Bevor du stirbst, putz mir noch eimnal die Stiefel, niemand kann es so gut wie du." M i l l i o n e n v e r d i e n st. Lese ich da neulich ein Inserat: Millionenverdienst nachgewicsen gegen Einsendung von einer Marl usw.— Mumpitz, denke ich natürlich, riskiere ans Neugierde aber doch die Mark. Was kriege ich da als Antwort?„Machen Sie Geschäfte mit der Kaiserlichen Werft in Kiel." („Simplicissimus.'j Magazin zurück, dort aber nahm man sie nicht, denn das gibtS nicht, die müssen verbraucht sein!„Wir irren uns nicht!" Und so blieb nichts anderes übrig, als die Fäsier nächtlicherweile in den Hafen hinauszufahren und ins Meer zu versenken!(Große Heiter- keil.) Zum Bau einer Schiffskabine wird ein bestimmtes Quantum Holz geliefert. Auch hier richtet sich der Verbrauch danach, ob das Holz ganz fehlerlos ist, und auch nach der Qualifikation des Ar- beiterS. Aber Reste werden nicht zurückgeliefert, und wenn die Revision kommt, werden die wertvolle» Reste einfach unter den Kessel geschoben, wo sie verschwinden.(Große Heiterkeit.) Beim Bau des Kreuzers „Adalbert" waren Arbeiter mit dem Bau von Schotten beschäftigt. Sie war- teten vier bis fünf Tage auf den Baumeister. Als dieser endlich erschien, sagte er: Das Ding ist b Millimeter dick, nicht wahr?— Jawohl, war die Antwort.— Na, da bauen Sie nur ein anderes von vier Millimeter!— Bei demselben Schiff ließ der Bau- meister die Steigeisen am Außenbord anzeichnen, um zu sehen, wie sie sich innen ausnehmen würden! Bei dieser Gelegenheit sah ein Arbeiter die ganz« Zeichnung und fand, daß die Löcher für die Kombüsen einen Meter zu weit nach hinten borgesehen waren!(.Heiterkeit!) Beim Kreuzer „Roon" waren die Bunkertiiren vergessen, cS wurde daher die ganze Arbeit wieder heransgerisfen, und IKOOÜ Kilo Platten und Winkelstahl wnrden einfach ins alte Eisen geworfen!(Hört, hört! bei den Sozialdemokraten.) Das find so Mitteilungen aus Arbeiterkreisen, die uns die technische Qualität der Beamten zeigen. Ich halte es für unzweckmäßig, noch weitere Ausführungen darüber zu machen, obwohl ich noch sehr viel Material habe. Die angeführten Proben mögen genügen. Derartige Dinge, wie sie auch in dem Prozeß festgestellt sind, könnten nicht passieren, wenn nicht der Staats- sekretär es ablehnen würde, von außenstehenden Personen Jnfor- »Nationen entgegcnzunehnien. Die Arbeiter in Kiel beschwerten sich darüber, daß nach einem Befehl des Oberwerftdirektors die Arbeitsverinittelung einem nationalen Arbeiterverein übertragen werden sollte. Sie erklärten, daß das Bureau dieses Vereins geradezu ein M a ß r e g e lu n g s» bureau für die gewerkschaftlich organisierten Arbeiter bedeute; sie bekämen da eine Karte, auf der sie ihren Austritt aus dem Deutschen Metallarbeiterverband bescheinigen mußten!(Hört, hört! bei den Sozialdemokraten.) Ich wandte mich am 22. September 1008 an den Staatssekretär in einer längeren Eingabe. Der Vor- gang ist ja von Bedeutung auch für die Frage, ob mit den Geldern ves Reichs richtig gewirtschaftct wird. ES heißt in der Eingabe: „Wenn die Arbeitsvermittelung dem nationalen Arbeiter- berein verbleiben sollte, so ist eine Verschärfung der ohnehin be- stehenden Differenz zwischen der Mehrheit der auf der kaisec- lichcn Werft in Kiel beschäftigten Arbeiter, die den gewerkschaft- lichen Organisationen angehört, und den Mitgliedern dcS natio- nalen Arbeitervereins und den durch den Arbeitsnachweis dieses Vereins einzustellenden Arbeitern unvermeidlich. Dies kann aber weder im Interesse der Werstverwaltung noch der Reichs- marineverwaltung liegen. Ferner ist zu beachten, daß intelli- gente Arbeiter, die sich infolge der herrschenden Arbeitslosigkeit dem von dem nationalen Arbeiterverein und seinem Arbeits- nachweise ausgeübten Drucke fügen, bei einer Verbesserung der Konjunktur der kaiserlichen Werft wieder den Rücken kehren. Da ober die Schiffsbauanstalt im allgemeinen und der Marine- schiffSbau im besonderen intelligenter Arbeiter bedarf, so muß die gegenwärtige Praxis zu einer qualitativen Herab. Minderung des ArbeiterstandcS der Reichswerften führen. Auch dieser Umstand sollte die Reichsmarineverwaltung veranlassen, dem nationalen Arbeiterverein nicht Vorrechte bei der Besetzung der Arbeitsstellen auf der kaiserlichen Werst einzuräumen. Hierzu kmnnit, daß der Arbeitsvermittler des nationalen Arbeitervereins den sich zur Arbeit Meldenden erklärt hat, sie würden dauernde Beschäftigung auf der Werft erhalten und sie sollten sich, falle sie die Kündigung erhielten, an ihn wenden; er könne ihnen auf das Bestimmteste versichern, daß sie trotz Kündigung die Arbeits- stelle auf der kaiserlichen Werst behalten würden. ES würden somit Arbeitskräfte, die von den Werkführcrn und Vorarbeitern als ungeeignet erachtet werden, auf der Werst verbleiben, nur weil sie dem nationalen Arbeiterverein angehören oder ihre Ar- beitSstelle durch den Arbeitsnachweis dieses Vereins erhalten haben. Das bedeutet eine systematische Herabminderung der Qualität der Arbeiterschaft der kaiserlichen Werft." Mit dieser Verminderung der Qualifikation der Arbeiter wachsen natürlich auch die Ausgaben, und daher handelt es sich hier nicht bloß um eine Angelegenheit der Werften, sonder» auch des Reiches und Reichstages.(Sehr richtig! bei den Sozialdemo- kraten.l Und was tat der Herr Staatssekretär? Er antwortete „Gemäß ß S Ziffer 2 der Arbeitsordnung haben die Ar- beiter Wünsche und Beschwerden allgemeiner Natur durch den zuständigen Arbeiterausschuß zur Kenntnis der vorgesetzten Dienststellen zu bringen.(Lachen bei den Sozialdemokraten.) Ich bedaure deshalb, auf jede hiervon abweichende Art und Weise der Vorbringung solcher Wünsche und Beschwerden grundsätzlich nicht eingehen zu können." (Hört! hört! und Unruhe bei den Sozialdemokraten.) DaS also ist die„Antwort" des Herrn Staatssekretärs. Besser können eS sich die Beamten auf de» Werften ja gar nicht wünschen! Wenn er eine Antwort grundsätzlich ablehnt, woher soll er denn dann über die Mißstände unterrichtet werden? Etwa von den Be- amten? Oder von den Arbeitern, die dann von ihren Vorgesetzten gemaßregelt werden? Wegen dieser grundsätzlichen Stellungnahme ist in erster Linie für das System der Herr Staatssekretär verant- »vortlich! Hätte der Staatssekretär die Beschwerden nicht in dieser brüsken Form abgelehnt, so hätten die Beamten nicht derartig wirtschaften können, wie eS festgestellt ist.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Deshalb ist es dringend notwendig, daß es nicht bei den Interpellationen gelassen wird, sondern daß Sie seiner Zeit unserem Antrage zustimmen. Nur dann wird es möglich sein, daß die Marineverwaltung Einrichtungen einführt. wie man sie von einem modernen Großbetrieb verlangen muß, aber auch nur dann!(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Staatssekretär v. Tirpitz: Was die erste Frage der Interpellationen anbelangt, so schei- den ja die Unterschleife ganz aus, denn daS Gericht hat die An- geklagten freigesprochen.(Schallende Heiterkeit links.) Unregel- Mäßigkeiten dagegen sind vorgekommen, aber nicht auf den kaiserlichen Werften, sondern lediglich auf der kaiserlichen Werft in Kiel und auch nur in dem einzigen Betriebe des Alt- Materials.— Die Schuld an den Unregelmäßigkeiten liegt daran. daß man einem Beamten zu großes Vertrauen in seine Tüchtigkeit und Korrektheit entgegengebracht hat. Dies hat auch veranlaßt, daß die Kieler Werft den Beamten länger behalten hat, als es sonst üblich ist. Auch ist die Kontrolle nicht ausreichend gewesen! Sobald mir seinerzeit die ersten Anzeigen bekannt wurden, daß Unregelmäßigkeiten stattfanden, habe ich mit eiserner Faust eingegriffen und derartige Vorkehrungen getroffen, daß auf der Kieler Werft sobald solche Unregelmäßigkeiten nicht mehr zutage treten werden.(Lachen links.) Was tatsächlich fest- gestellt ist. sind: Mängel bei der Gewichtskontrolle und ungenügende Aufsicht durch die höheren Vorgesetzten, auch kann bei den Ver- kaufSbcdingungen wohl manches verbessert werden. Ich habe nun vor iVi Jahren zunächst ver stärkte Aufsicht angeordnet, ferner: daß die zweite Kontrolle bei Feststellung des Gewichts nicht, wie bisher, vurch jüngere Beamte, sondern durch älteres Personal erfolgt, ferner: daß das Verladen des Altmaterials auf der Werft nur während der Bureauzeit und nur durch Werftpersonal erfolgen darf. Für die Fuhrwerke, die das Alhnaterial transportieren, ist eine verschärfte Kontrolle durch die Werftpolizei an- geordnet, und dann sollen die Angebote bei den Submissionen ver- lesen werden.... In Erwägung habe ich gezogen eine Trennung der Außenmagazine mit einem besonderen Aufsichtsbeamten an der Spitze, der sich dann eine Spezialität daraus machen soll, das Altmaterial aufs höchste auszunutzen! Ich will auch versuchen, die Aussicht dadurch zu verstärken, daß der Verwaltungsdirektor mehr als bisher von dem Bureaubetriebe entlastet werden soll. Das ist alles, was gemacht werden konnte. Gegen direkte Untreue, wenn sie einmal vorkommt,»vird schwerlich ein absoluter Schutz geschaffen werden können. DaS geht auch Privatsirmcn so. Wenn die Rede gewesen ist von einer Wage, die über 80 Jahre alt sein soll, so bemerke ich, daß unsere Flotte noch gar nicht 80 Jahre alt ist. (Heiterkeit.) Was dann die fulminante Schilderung von dem Mast anbelangt, der für 80 M. verkauft und von dem Käufer für 1000 M. wieder verkauft wurde, so vergißt man dabei, daß die Transport- kosten etwa 900 M. betragen hätten und eine Zerlegung des Mastes damals nicht möglich war. Herr Legien hat eine Aussage des Assessors Frerich glossisiziert. (Heiterkeit.) Er hat aber nach dem Zeitungsbericht zitiert, während die Aeußerung nach dem Stenogramm folgender- maßen lautet:„Die Aufgabe der Werft ist nicht der Betrieb eincS bestimmten Fabrikbetriebes oder Gewerbes, sondern die dauernde Instandhaltung der Kriegsschiffe. Es handelt sich oft um sehr eilige Arbeit, an der eventuell Tag und Nacht gearbeitet werden muß, und da kann manchmal nicht ganz so kaufmännisch sparsam zu Werke gegangen werden wie in anderen Betrieben. DaS liegt »n der Natur der Sache. Das schließt natürlich nicht aus, daß wir nach allen Kräften bemüht sind, sparsam und kaufmännisch zu wirtschaften." DieS ist ein klassisches Beispiel dafür, wie solche Aussprüche verstümmelt in die Presse kommen. Dann sprach Herr Legien von P a u s ch q u a n t e n und sagte. diese wären schuld, daß die Beamten sich bereichern könnten. Nun. die Schiffe werden abgerechnet, und dann sind die Summen über- tragbar. Im übrigen muß ich die Insinuation, daß sich die Be- amten auL den überschüssigen Geldern der Schiffsbauten bereichern, zurückweisen.(Bravo! rechts.) DaS Bild, welches der Kieler Pro- zeß gegeben hat. erschein) doch vielfach anders, wenn man daS Stenogramm der Verhandlungen in der Hand hat. Die Ange- klagten, und noch dazu solche Angeklagte, wie sie da waren, hatten natürlich das größte Interesse daran, die allgemeine Aufmerksam- keit auf den Schlendrian in der Werft zu richten, der ihr Vor- gehen ermöglichte. Auf der anderen Seite ist die Werft ja gar nicht zu Worte gekommen. Die Angeklagten waren frei, die Werft konnte nur sprechen, wenn sie gefragt wurde.(Lachen links.) Daß die Ausbildung der Verwaltungsbeamten nicht ausreichend ist, mag bis zu einem gewissen Grade richtig sein. Es wird auch dafür gesorgt werden, daß mehr kaufmännischer Geist in die Verwaltung einzieht. Der bemängelte Assessor soll nicht ausübend sein, son- dern gerade lernen. Daß ein Kaufmann an der Spitze der Werft nicht möglich ist, hat Herr Leonhart selbst gesagt. Die mili- tärischen Rücksichten haben ja doch den ersten Platz, und dann ist die Marineverwaltung auch geknebelt durch das EtatSgeseh.(Un- ruhe links.) Ich kritisiere daS nicht, sondern stelle das nur sest. Die Folge ist icdenfalls, daß wir nicht allein nach kaufmännischen Gesichtspunkten arbeiten können, sondern unS an die Bestim- mungen halten müssen. Die Behauptung von dem zahllosen Beamtenheer ist nicht richtig. Während die Betriebe der Werft seit Durchführung des Flottengesetzes um 180 Proz. gestiegen sind, ist die Zahl der Be- amten nur um 03 Proz. gestiegen. Das Verlangen des Herrn Leonhart, daß die technischen Betriebe selbst einkaufen sollen, ist undurchführbar. Was würde das für eine Zersplitterung des gan- zen Bedarfs geben! Ich möchte die Privatwcrft sehen, die eine so unglaublich unkaufmännische Maßregel vornehmen würde.(Sehr richtig! rechts.) Die weitere Behauptung, daß die Bestände an Kohlen und Oel, die erspart werden, nicht gebucht würden, beweist, wie wenig die beiden Herren Vorredner tatsächlich die Betriebe bei uns kennen.(Hört I hört! rechts.) Fragen Sie einmal die Stadt Danzig oder Kiel oder Sonderburg, ob be» dem großen Landerwerb, den die Marine in den letzten 12 Jahren vornehmen mutzte. un> kaufmännisch vorgegangen ist. Sie werden überall das Gegenteil hören, und hier handelt eS sich um große Summen. Herr Legien hat gesagt, ich nehme keine Beschwerde an. Als m»r die erste Beschwerve über Kiel kam, habe ich sofort mit größter Energie und Rücksichtslosigkeit eingegriffen. Ich bin auch stets der Budgetkommission für alle Anregungen dankbar gewesen. Die Arbeiter aber sind mit ihren Beschwerden auf den Arberterausschuß angewiesen, und deren Beschwerden werden von mir auf das sorgfältigste berücksichtigt. Eine Antwort aber auf Beschwerden der Organisation des Herrn Abg. Legien, die außer» halb der Werft steht, lehne ich ab.(Bravo l rechts.) Im allgemeinen möchte ich noch sagen: Di« Werftbetriebe sind in allen Ländern sehr schmierig, weil sehr viele Interessen dabei kollidieren und die Dinge auch im ständigen Fluß sind. Ich habe die Organisation so übernommen, wie sie mir als Erbe übcrkourmen ist, und ich war mir bei Ausführung des FlottcngesetzeS darüber tlar, daß sie sehr schwerfällig und unökonomisch arbeitet. Ich bin dann sofort an die Reorganisation herangegangen. Zunächst bei den Betrieben, die mit großen Summen zu arbeiten haben. Ich habe die technischen Betriebe, die früher in hohem Dläße abhängig von der Bureaukratie waren, so selbständig wie möglich gemacht und denke auch darin fortzufahren. Ich habe qualifizierte Per- sonen noch Ainerika und England auf die Werften geschickt, um die Verhältnisse genau zu studieren. Ich habe das Unökonomische hin» ausgeschmissen und OekonomischcS an die Stelle gesetzt. Wo nicht sparsam gewirtschaftet wurde, habe ich energisch eingegriffen. Ich habe jedes Jahr persönlich auf allen Werften Sitzungen abgehalten und den Herren immer wieder eingeprägt: wir müssen sparsam wirtschaften, und ich bin dabei von einem sehr tüchtigen und fähigen Personal auf das erfolgreichste unterstützt worden. In der Tat ist der Betrieb immer besser geworden. Das kann ich durch Zahlen beweisen. Bei Beginn des Flottengefehes betrugen die Ausgaben für Jndiensthaltung 13 Millionen, gleich 21.8 Proz. dcS gesamten Etats; der Werftbetrieb kostete 14.4 Millionen, gleich 24,2 Proz. Im Lauf« der Jahre ist es uns dann gelungen, die Kosten für In. diensthaltung aus 43,8 Millionen, gleich 27,5 Proz. zu erhöhen und die Unkosten auf 20,4 Millionen, gleich 13,0 Proz. zu«rmäßi» gen. Dasselbe Ergebnis zeigen die Zahlen über die Kosten pro Tonne des einzelnen Schiffes. Diese sind heruntergegangen von 837 auf 804, auf 888 und auf 720 M.. und bei der vielverleumdeten Werft Kiel von 1128 auf 1084, auf 882. auf 850 M. Dabei sind die Löhne und Materialien ständig im Preise gestiegen. Bedenken Sie auch den gewaltigen Fortschritt, den die Leistungen der Werst auf dem Gebiete des Schiffbaues in den letzten 12 Jahren zu ver- zeichnen haben.(Bravo I rechts.) Es liegt mir durchaus fern, eine Fanfare zu blasen, dos widerstrebt meiner Natur, aber bei der allgemeinen Beunruhigung, die durch den Prozeß im Lande ent- standen ist, hielt ich mich doch für verpflichtet, auf die Leistungs» fähigkeit unserer Kriegsschiffe hinzuweisen. Gegenüber diesen großen Tatsachen, die ich angeführt habe, bedeuten die airgeführten „Bagatellen" nichts! Daß einzelne Fehler und Unebenheiten vorkommen, ist selbstverständlich. Wenn der Staatssekretär in diese Unebenheiten hineinsteigen wollte, könnte er die Nase nicht über Wasser halten und die allgemeine Richtung nicht in der Faust behalte»». Im all- gemeinen glaube ich. den Nachweis geführt zu haben, daß die Angriffe auf die Werftbetriebe nicht zutreffen, sondern daß wir erhebliche Fortschritte gemachtn habe. Ganz un- richtig ist ja auch die Behauptung, daß unsere Marine im allgemeinen miS dem Vollen lebt. Im Gegenteil, ich Hab« vom ersten Augenblick an mir große Mühe gegeben, so sparsam wie mög- lich zu arbeiten, und habe die Zügel von Jahr zu Jahr straffer angezogen. Fragen Sie doch einmal Leute, die wirklich ein Urteil darüber haben, die tverben das bestätigen. Ein erstes englisches Fachblatt brachte vor kurzem eine tabellarische Zusammenstellung über die Jndiensthaltung unserer Flotte und fügte hinzu:„Diese Zahlen sind von mehr als vorübergehendem Interesse, da sie die Sparsamkeit, mit der in Deutschland bei der Jndiensthaltung der Flotte gewirtschaftet wird, in das rechte Licht rücken."— Von ein»r außerdeutschen Flotte, die der unseren ungefähr gleich ist. sind in derselben Zeit 500 Millionen mehr, von einer anderen, etwa ebenso großen, 2000 Millionen mehr ausgegeben, ohne daß die Leistung eine wesentlich größere war. Ich bin fern davon, der Dkarincver- »valtung ein besonderes Verdienst daran zuzuschreiben. Dies kommt dem hohen Hause zu, das uns durch Bewilligung des Flotten- gcsetzcs ein rationelles Vorwärtsgehen ermöglicht hat. Also ich gebe zu, daß Unregelmäßigkeiten vorgekommen sind, muß aber die Ver- allgcmeinerung sowohl im Interesse dcs mir unterstellten Personals als auch im Interesse der Marine und im Interesse des Landes, welches beunruhigt ist, auf das energischste zurückweisen. �(Bravol rechts.) Auf Antrag des Abg. Struve findet eine Besprechung der Interpellation �Äbg. Krcth(kons.): Wenn Namen wie Frankenthal und Jacobsohn in Frage kommen, läßt eine gewisse Presse es an Entstellungen nicht fehlen.(Lachen links), und der Staatssekretär hätte sehr wohl bedenken sollen, ob nicht der Verlogenheit der Presse hätte entgegengetreten werden müssen. Immerhin ist in manche» Punkten der preußische Geist der Sparsamkeit zu vermissen. Tie Freigesprochenen von Kiel sind dock immerhin eine ettvaS„gemischte" Gesellschaft, aber etwas Vergnügliches hat der Prozep, gebracht: die Bereicherung der deutschen Sprache mit den Worten „Balbost" und„Meschores".(Heiterkeit.) Wem» Grüne- reien vorkommen, fehlt im Deutschen der treffende Ausdruck und wir müssen Anleihen bei— anderen Sprachen machen.(Heiter» keit bei den Antisemiten.) Auf Einzelheiten gehe ich nlcht elN, das behalten wir uns für die Budgetkommission vor. Abg. Erzberger(Z.): Würde man dem Staatssekretär folgen, so würde eS von der Kieler Werft heißen: „Dies Kind, kein Engel ist so rein, Laßt's Eurer Schuld empfohlen sein." (Stürmische Heiterkeit.) Ich habe mich versprochen, ich meine natürlich„Huld". Wenn man 78 Proz. von all dem. was vor- gebracht ist, als übertrieben abzieht, bleibt noch genug übrig. In der Verteidigung der Marineverwaltung ist der Staatssekretär zu weit gegangen; nicht nur aus einer Werst, in Kiel, sind Unregel- Mäßigkeiten vorgekommen, sondern auch in Wilhelmshaven und Danzig. Ter Staatssekretär behauptete, bei der Marine werde gespart, ebenso wie bei der Heeresverwaltung! Nun. als Muster von Sparsamkeit hat die Heeresverwaltung bisher Nicht gegolten.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Die Ivichiigste Frage ist jetzt: was für die Zukunft geschehe:» koll Da hat der Staatssekretär nur zwei Reformen Versproiben. Erstens soll eine kaustnäiinifche Buchfiihruna eingeführ» werden. Run. dabei kann unter Un, ständen nocd mehr gestohlen werden als bisher. Zweitens soll die BerwaltungSttitigkei« auö den Bureaus m den praktischen Dienst verleg» werde»». Aber gerade das sollte nickt geschehen, denn von einer erweiterten Befugnis der Verwaltungsbeamten be- fürchten die technischen Beamten eine weitere Einengung ihrer Tätigkeit. Auch im RechiilliigShos müssen»vir Techniker haben, sonst können ivir auch dort keine sacbgemäße Kontrolle haben, sonder»» dann bleibt eS bei der gegenwärtigen papiernen Kontrolle. Ferner muß mit der Geheimniskrämerei bei der Marine gebrochen werden. e» muß mehr Oeffentlichkelt herrschen bei der Methode der Au- schaffungen und der Vergebungen in der Marine. Da« deutsche Volk übernimmt die Lasten für die Marine gern(Sehr richtig I»in Zentrum), ober«s kam» verlangen, daß sparsam gewirtschaftet wird. (Bravo I im Zentrum.) Abg. Dr. Semler(natl.): Meine politischen Freunde sind weit davon entfernt, die Vorgänge in Kiel zu generalisieren, aber Iva» der Staatssekretär selbst zugegeben hat, ist schon genug, um die Aufmerksamkeit des Reichstags darauf zu lenken. Ich will gern zugeben, daß die Machenschaften, die trotz de« freisprechenden Urteils in Kiel geschehe», nur dort möglich waren und nicht auch avf den anderen Werften, jedenfalls war eS mir iiitereslant, daß Herr Frankenthal sagte, ii» Wilhelmsbaven habe er keine Geschäfte machen können l An die Stelle des Verwaltungsdirektors in Ki?l gehört ein Mann, der etwas von» Geschäft versteht. Soll daS ein Alteisenhändler sein? Ich fürchte, den können wir nicht bezahlen(Heiterkeit), der kamt anderwärlS mehr verdienen. Auch die Prozeßiiihrung war kein Ruhmesblatt für die deutsche Juristcuwelt. Der Skandal der Prozeßführung ist viel größer als alles, was auf der Werft vorgekommen ist. Der Vorsitzende muß eine Siiypbllsarbeit leisien. die er nicht bewältigen kann ohne genügende Vorbereitung deö Prozesses. Der Staatsanwalt stand aber wie ein Waisenknabe d«. DaS unangenehmste war der Berkehr des Staatsanwalts mit den Polizriorganen! Hat die Mornieverwaltung Geheimpolizisten Prozente versprochen von etwa entdeckten Unterschlagungen? Das würden wir auf keinen Fall billigen könuen.(Bravo I bei den Nationalliberalen.) Abg. Freiherr v. Gamp(Np.): Ich kann nicht zugeben, daß der Prozeß eine schwere moralische Schädigting der Justiz und fcv Werstverwaltung bedeutet. Unser' Beamtentum geht intakt auch aus diesen Verhandlungen hervor. Die Hauptsache ist: Was haben wir aus den Verhandlungen gelernt? In dieser Beziehung gehe ich weiter als der Herr Staatssekretär. Bor allem sind die Bedingungen bei Submissionen ei» Krebsschaden. An- ständige Firmen können sich an solchen Submissionen kaum mehr beieiligen, denn es werden ganz unerfüllbare Bedingungen gestellt. Dann möchte ich fragen: Wer hat eigenllich die Kontrolle über die Werstverwaltung? Meines ErochtenS kann man sie nur der Ober- rechmlngökammer auferlege». Diese muß aber so organisiert werden, daß sie die Kontrolle über große kaufiiiännische Be- »riebe auch wirklich ausüben kann. Dazu genügen nicht die fünfzig oder hundert Jahre alten Institutionen! Nötig ist ferner noch ein?: die Revisionen müssen an Ort und Stelle vorgenoiiimen werden. Empsohlen ist die Einführung kauf- männischcr Grimdsätze. Nun— die Schmiergelder sind bereit» zu einem kaufmännischen Grundsatz geworden!(LebhaiteS Oho! bei den Freisinnigen.) Nicht nur der Staat, sondern auch alle großen industrielle» Etablissements und Bankel» sehen juristische Vorbildung nicht als Hindernis für die Erfüllung einer leilenden Slcllung an. Wir haben keine Vermilaslung, zu fürchten, daß bei de» Werften sich Mißstände hcrauöstellel», die dauernd ihre AlliouSfühigieit hindern. (Bravo I rechts.) Staatssekretär v. Tlrpltz: Herr Erzberger behauptete, baß Materialien einfach über Bord geworfen werden. Ich möchte ihn doch bitte», wenn cr dos Vorkommen eines so ungeheuerlichen Miß- brauch« de» kaiserlichen GuleS behauptet, mir auch durch nähere Bezeichnung die Möglichkeit zu rücksichtslosem Einschreiten zu geben. An der Spitze der Berwnltung— da» möchte ich Herrn Erzberger erwidern— irniß aus jedem Fall ein hoher Seeoffizier stehen, der auf der Höhe des miliiärischcn Urteils steht. Die Frage des Herrn Semler, ob Kriminalbeamten Prozente versprochen find, kann ich mit nein beantworten. Daß unser SubmissionSverfahrcn noch nicht auf der Höhe steht, gebe ich Herr» Gainv zu. Die Verwaltung wendet dieser Frage die größte Aufmerksainkcst zu. Abg. Dr. Spahn(Z.): Herr Seniler hat sich gegen die Prozeß- fiihrimg beim Kieler Prozeß gewendet. Daß die Uiitrrslichung nicht schneller beendet werden konnte, war wesentlich die Schuld des einen Angeklagte», der auf Rat feiue» Anwalts keine Auskünfte gab. Das Preisgeben der Beweiserhebung bei den Submissionen hat man der StaaiSanwaltschaft als eine besondere Niederlage angerechnet. Ich glaube aber, mit Unrecht; die Erwägungen der StaatSanwaltschas: beruhten auf rein sachlichen Motiven.(Zustimmung rechts»rnd im Zentrum.) Hierauf vertagt sich das HauS auf Dienstag 1 Uhr(Fortsetzung der eben abgebrochenen Besprechnng, drille Beratung des Gesetzentwurfs zur Regelung der Handelsbeziehungen mi» England, dritte Bereitung des GefetzeniwurfS zur Aufschiebung der Witwen- und Waisen- Versicherung, Fortsetzung der ersten Beratung des Handelsvertrages mit Portugal, Rechnungssachenj. Schluß'/,7 Uhr. Generalverfammlung des Kreiles teltoW'Beeskovv. Im Charlottenburger„Volkshaus" fand am Sonntag nach- Wittag die Generalversammlung des Wahlvercins für den Kreis Teltow-BeeSkow-Storkow-Charlottcnburg statt. Nachdem Cer.osse Hirsch die Versammlung eröffnet hatte, nahin Genosse G r o g e r- Rixdorf das Wort zu einem Vortrage über den prenhischcn Parteitag. Redner gedachte u. a. der Arbeiten unserer Landtagsfraktion und zollte dem Wirken der Abgeordneten, durch die erst wieder allgemeines Interesse an den Verhandlungen des Landtages wach- gerufen wurde, große Anerkennung. Er erklärte, wie wichtig die Wahl rech tsf rage für uns geworden sei. Daß hierin der Parteitag belebend und befruchtend wirken möge, sei seine größte Aufgabe. Darauf erläuterte er das Kommunalprogramm und kritisierte den vorliegenden Entwurf in-einigen Punkten. Gegen die vollständige llebernahme der Schullasten auf den Staat hatte er Bedenken und bezog sich auch auf. die Resolution des Bremer Parteitags, die nur Staatszuschüsse für die Gemeinden forderte. Er befürchtete einen zu großen Druck des Staates auf die Verwal- tung der Schulen.— Gegen den Vorschlag, daß unsere Vertreter für unbedingte Abschaffung der Gewerbesteuern in den Gemein- den eintreten sollten, wendete sich der Redner ebenfalls und fand eine solche Forderung unzweckmäßig. Im großen und ganzen erkannte er den hohen Wert eines festen Kommunalprogramms durchaus an; es sei sogar die höchste Zeit gewesen, daß die Partei mit einem Entwurf darüber hervortrat. Nach dem sehr beifällig aufgenommenen Vortrage erstattete die Maudatsprüfungskommission Bericht. 102 Delegierte waren anwesend. Nicht vertreten waren Drewitz, Kraußnick, Langewahl, Markgrafpieske und Zernsdorf. Der Zentralvorstand war durch b Genossen, die Preß-, Lokal- und Agitationskommissionen durch je 2, resp. 1 Genossen vertreten.— Einige wegen Formfehler beanstandete Mandate wurden von der Versammlung anerkannt. Die Diskussion über den gehörten Vortrag, die dann eröffnet wurde, drehte sich hauptsächlich um den Entwurf des. KommunalprogrammS. der dem Prcußcntage vorliegen wird. G�ngsse Hirsch trat den Be- denken des Referenten G r o g e r in bezug auf die llebernahme der Kosten für die Schule durch den Staat entgegen, indem er darauf verwies, daß nach dem Entwurf ausdrücklich das Recht der Verwaltung der Schulen durch die Gemeinde in Schutz ge- nommen werden soll. Wenn vom Staate nur Zuschüsse verlangt würden, dann hätten ärmere Gemeinden große Nachteile davon und es käme gerade darauf an. dem.Staate die Verpflichtung aufzuerlegen, für gute Schulen in allen Gemeinden zu sorgen. Genosse Hirsch wandte sich ferner gegen Groger in der Frage der Gewerbesteuern, die Hirsch als sehr ungerechte Steuern bezeichnete, da sie eine doppelte Belastung der Gewerbetreibenden darstellen. Unsere Vertreter in den Kommunen müßten für die Abschaffung dieser Steuern eintreten. Genosse Hoffmann- Nowawes schloß sich mehr den Be- denken Erogers in den beiden angeführten Punkten an und war von der Entgegnung des Genossen Hirsch nicht befriedigt. Er erinnerte an die reichen Gemeinden, die ihre Schullasten alleui zu tragen vermögen, und er konnte auch nicht einsehen, daß die Gewerbesteuer so sehr ungerecht sei. da die Gewerbetreibenden oft den meisten Nutzen von Einrichtungen in einem Orte haben. Genosse Zubeil erklärt, daß wir als Sozialdemokraten unbedingt an den Staat die Forderung richten müssen, daß er für gute Schulen zu sorgen habe und daß er die Lasten dafür allein trage. In den reichen Gemeinden könne man dafür agi» tieren. daß mancherlei für sozialpolitische Zwecke getan werde; man könne da gar nicht in Verlegenheit kommen, wenn es sich um Vorschläge zur Hebung der Lage der arbeitenden Schichten in einer Gemeinde handele. Gegen die Gewerbesteuer wendet sich Zubeil scharf und bezeichnet sie als die ungerechteste Steuer; sie treffe nicht den Besitz, belastet aber aufs schwerste gerade die unteren Stände. Die Abschaffung dieser Steuer müsse überall angestrebt werden. Genosse Milk regt an. daß die Partei in ihrer Agitation in den einzelnen Gemeinden eine besondere Aufmerksamkeit auf die vielen Leute richte, die überhaupt nicht zur Wahl gehen; er verspricht sich manchen Erfolg davon, wenn man diese Leute auf- kläre und agitatorisch bearbeite. Genosse Gruhl spricht sich anerkennend aus über den guten Dienst, den Hirsch der Partei mit dem Kommunal- programmentwurf geleistet habe und erklärt sich für die Leitsätze, wie sie in dem Entwurf niedergelegt sind. In zustimmender Weise bespricht auch Genosse Ulm- Zehlendorf den Entwurf und hebt die Wichtigkeit der �Agitation für gute Schulen hervor. Genosse Habicht- Cl)arlottenburg empfiehlt die Einrichtung von städtischen Arbeitsnachweisen der besonderen Aufmerksamkeit gerade jetzt, wo die Unternehmer sich entschlossen zeigen, in den Arbeitsnachweisen sich Mittel zur Unterdrückung der Arbeiterschaft zu sichern. Genosse BoeSke erklärt, daß der Ausbau des Arbeiter- fchutzeS von der Kommission für daS Kommunalprogramm voll gewürdigt worden sei und dazu gehören auch die städtischen Ar- beitsnachwcise. BoeSke bespricht dann die notwendige Reform deS Wahlrechts; er schildert, wie die Reaktion sich jedem Beginn einer Reform widersetzt und welche Opfer und Kämpfe eS kosten werde, bis Reformen durchgesetzt seien. Genosse K ü t e r- Schöneberg ist mit dem Entwurf für das Kommunalprogramm sehr zufrieden; er weist auf daS Schullehrec- elend in den ländlichen Gemeinden hin und auf die Notwendigkeit. Sozialdemokraten in den Schulräten zu haben, eine bis jetzt noch nicht erfüllte Forderung. Genosse Zubeil bespricht die Wahlrechtsfrage; er meint. daß von dem Stand der Agitation in dieser Beziehung niemand von uns recht befriedigt sei. Nachdrücklicher und gewaltiger müßte zugunsten des Wahlrechts demonstriert werden. Nicht nur am Abend, sondern gerade am Tage, wo viel mehr Aufmerksamkeit erregt wird, sollten die Massen zusammenströmen und ihre Stimme erheben; die Arbeit sollte mal einen halben Tag ruhen. um zu zeigen, wieviel den Arbeitcrmassen an dieser Forderung gelegen ist. Der Redner wendet sich dann noch einmal gegen die Gewerbesteuer und betont, daß man in den Gemeinden in erster Linie für die progressiv steigende Einkommensteuer und für die Mertzuwachssteuer agitieren niüsse. Der Parteitag werde an dem Entwurf nicht viel zu ändern haben, denn der Entwurf er- fülle vollständig seinen Zweck, den Genossen in den Gemeinden auf dem Lande und in den kleinen Städten eine Richtschnur zu geben, um auf festem Boden zu stehen und sich Anerkennung zu verschaffen. Eine solche Richtschnur sei notwendig geworden und die hcer gegebene nur zu begrüßen. Genosse Groger spricht in seinem Schlußwort mit Auer- kennung von dem Kommunalprogramm. So sehr er aber auch prinzipiell mit allem einverstanden sei, so könne er doch nicht übersehen, daß noch ein weiter Weg bis zur Erfüllung unserer Forderungen zu gehen sei und daß viele Zwischenstufen in Frage kommen. In bezug auf die Wahlücchtsfrage hofse auch er. daß der Kampf sich steigern werde. Wichtig sei die Kleinarbeit in Stadt und Land; es gelte, unsere Forderung stets in der öffent- lichen Diskussion zu halten, bis wir Ersolge gewinnen. Einige Anträge waren eingelaufen, die Genosse Hirsch zur Verlesung brachte. Ohne Debatte erklärten sich die Versammelten für den folgen- den Beschluß: „Die Generalversammlung des WahlverelnS Teltow-BeeS- kow unterbreitet dem Preußentag folgenden Antrag: Die Dele- tzkerkenivahlen zum preußischen Parkertag sollen in Zukunft nach demselben Wahlsvstem vorgenommen werden wie die zum beut- schen Parteitage.' Ebenso wurde ein Antrag des Genossen Zubeil ange- nommen, nach welchem Doppelmandate zu den gesetzgebenden Körperschaften soweit wie irgend möglich vermieden werden sollten. Zur Begründung seines Antrages führte Zubeil an, daß jetzt viele Genossen in den verschiedenen Landtagen zurüagehalten würden, und ihre Anwesenheit im Reichstage sei auch notwendig. Gegen doppelte Kandidaturen wende er sich nur in solchen Fällen. wo Aussicht besteht, daß der Kandidat gewählt werden könne. Von Doppelmandaten habe die Partei den Schaden und davor solle sie sich bewahren. Der folgende Antrag wurde nach kurzer Debatte ebenfalls angenommen: „Der preußische Parteitag wolle beschließen, daß unsere Genossen verpflichtet sind, möglichst zu gleicher Zeit in den ein- zelnen Gemeinden eine Agitation zugunsten der Einführung des allgemeinen, gleichen, geheimen und direkten Wahlrechts für Angehörige beiderlei Geschlechts für die Kommunalwahlen zu entfalten." In der Debatte darüber wurde angeführt, daß der Antrag wertvoll sei, weil man mit dieser Taktik die liberalen Parteien in den Kommunalvertretungen herausfordern könne, Stellung zu der Wahlrechtsfrage zu nehmen. Die Generalversammlung nahm darauf die Wahl der Dele- gierten zum Parteitage vor. Die folgenden Genossen wurden gewählt: G r o g e r- Rixdorf, Silber st ein- Rixdorf, Will- Charlottenburg und als Ersatzmann Schenk- Schönebera. Genossin Thiel hielt eine Ansprache an die Versammlung über die Arbeiten der Kinderschutzkommission; sie forderte die Genossen zu reger Mitarbeit und Unterstützung auf. Ueberhanpt wünscht sie mehr Mithilfe unter den Genossen, damit die Agi- tation in den Frauenkreisen zugunsten der Partei mehr als bisher gefördert werde. Auf die Jugendschriften-AuSstellung im„VolkshauS", die bis zum IS. Dezember dauert, wurden die Versammelten besonders aufmerksam gemacht. Nachdem Genosse Hirsch noch einige Fragen in bezug auf die Agitation durch Jugendheime usw. beantwortet hatte, schloß er die Versammlung._ Die Krels-Generalveriammlung von llledcrbarnlm. Am Sonntag hielt zu Rummelsburg Um Cafe Dellevu« der Kreiswahlverein von Niederbarnim feine Generalversammlung ab. Als erster Punkt stand der preußische Parteitag auf der Tagesordnung, sowie als besonderer Teil das neue Kommu» nalprogramm. Zum Preußentag im allgemeinen hielt der Genosse B ü h l e r- Lichtenberg das Referat. Der Redner bedauerte es. daß der Tätigkeitsbericht der Landeskommission noch nicht veröffent- licht sei, und die Anträge zum Preußentag schon bis zum 6. Dezember eingereicht sein sollten. Nachdem der Redner dann kurz auf die Wichtigkeit der verschiedenen Punkte der Tagesordnung hin- gewiesen hatte, ging er ausführlicher auf die Wahlrechtsfrage ein, die ja im Mittelpunkt der Verhandlungen stehen wird. Von der Regierung wie von den bürgerlichen Parteien ist nichts zu erwarten. Im Parlament wird sich der Wahlrechtskampf nicht abspielen, son» den, außerhalb. Die Freisinnigen von heute erklären eS für un- nobel, auf die Straße zu gehen, aber ihre Vorläufer von 48 dachten kveilich anders. ES ist bedauerlich, daß eS auch Genossen gibt, die den Wahlrechtskampf nach einer anderen Richtung drängen wollen. Man warnt vor den großen Gefahren. Alan sollte aber über De» monstrationen auf der Straße weniger reden und viel mehr handeln. Wahlrechtsdemonstrativnen können und werden nicht von einzelnen Personen gemacht, müssen vielmehr aus der großen Masse des Volkes hervorgehen. Der Volksstimmung im Lande sollten die leitenden Genoffen sich nicht entgegenstellen. Die gegenwärtig« Zeit. die Kampfstimmung, die durch die verschiedenen Wahlerfolge ge» fördert wurde, ist außerordentlich günstig für die Wahlrechtsbewe- gung. Bon der Masse müssen die Vertreter auf dem Preußentag gedrängt werden, daß sie uns Mittel an die Hand geben, den Wahl» rechtSkampf mit ganzer Kraft zu führen. Wir» dürfen die Hände nicht in den Schoß legen, es nicht unseren Abgeordneten überlassen, sondern müssen selbst dafür sorgen, daß die große Stunde auch ein großes Geschlecht findet, und daß der Wahlrechtskampf nicht zag- hgft, sondern ganz energisch geführt wird. lieber daS Kommunalpregramm referierte Genosse S o n n e n b u r g» Friedrichshagen unter Hin- weis auf den im„Vorwärts" veröffentlichten Entwurf. In dem Teil der Forderungen, der sich an die Gesetzgebung wendet, nimmt ja ebenfalls das allgemeine, gleiche, direkte und geheime Wahlrecht die wichtigste Stelle ein. Der Redner bemerkte, daß die ganze ge. schichtliche Entwickclung in anderen Ländern die Ueberzeugung gibt. daß eS auch in Preußen möglich ist und sein wird, dem ganzen Volke das Wahlrecht zu errimgen, ebenso wie die Bcsitzvorrechte fallen müssen und werden, und auch das Einkammersystem den Sieg davontragen wird. Der Redner schilderte dann kurz die Be- deutung der übrigen zahlreichen Forderungen des Programms, wobei er auch auf die dazu vorliegenden Anträge einging. Redner empfiehlt den folgenden, von den Mahlsdorfer Genossen gestellten Antrage zur Annahme:„VIII. sSubmissionswesen) Vergebung der Gemeindearbeiten und Lieferungen nur an solche Unternehmer, die sich vertraglich verpflichten, diese in eigenen gewerblichen Be- trieben— unter Ausschluß jeglicher Heimarbeit— anfertigen jsu lassen, die Lohn- und Arbeitsbedingungen der von ihnen befchäf- tigten Arbeiter in Gemeinschaft mit den Arbeiterorganisationen fest- zusetzen und das Koalitionsrecht der Arbeiter zu wahren usw." Der Redner schloß mit dem Wunsche, der Entwurf, möge eine gute Richt- schnür für die Tätigkeit unserer Genossen in den Gemeindever» tretungen werden. Die Diskussion, die zunächst über das Referat deS Genossen Bühler eröffnet wurde, bezog sich fast allein auf die W a h l r e ch t S f r a g e. Genosse Jaxobfohn wies auf die Erörterungen über den Massenstreik zur Erring, mg deS Wahlrechts hin und erinnerte an die Vorgänge im Auslände, namentlich in Schweden, wo nicht nach Zahlung gefragt worden sei. Man solle sich darüber klar werden, daß ein solcher Kampf nicht mit materiellen Mitteln geführt werden kann. In den Organisationen müsse immer wieder darauf hin- gewiesen werden, daß wir ernsten Kämpfen entgegengehen und ge° nötigt sein werden, schwere Opfer zu bringen. K ä m i n g- Mahlsdorf führt aus: Keiner wisse, wie die Dinge sich gestalten würden. So sehr man sich auch für Straßendemonstra- tionen begeistern könne, hätten sie doch keine unmittelbare Wirkung auf die bürgerliche Gesellschaft ausgeübt. Wir müßten uns mit anderen 5bampfesmitteln vertraut machen. Die Frage der Steuer- Verweigerung und der Mietsverweigerung müßten geprüft werden. Er. Redner, wolle diese Dinge keineswegs als sicheres Mittel empfehlen, sondern zunäckst nur zur Erörterung. Vor allem aber müsse die Agitation und Aufklärung der großen VolkSmasien über die Notwendigkeit des WahlrechtskampfcS mehr systematisch und energisch betrieben werden. Mirus-Lichtenberg: Man solle sich nicht täuschen darüber. daß, wenn wir jahrzehntelang die Wahlbeteiligung ablehnten, es nun so schnell gehen werde, das Wahlrecht zu erringen. Die Vor- schlüge KämingS hätten wohl etwas Bestechendes an sich, ob man aber damit zum Ziele kommen könne, sei mindestens zweifelhaft. Wenn die Arbeiterschaft die Steuern verweigere, würden die Behörden sie eben vom Arbeitgeber einziehen. Ob wir zum Generalstreik greifen sollten, sei hier nicht die brennende Frage. Es müsse den leitenden Genossen überlassen bleibeii, ganz still und nüchkerk. zu überlegsn, welche Mittel anwendbar und zweckmäßig feien. Vor allem komme es darauf an. die Massen erst einmal besser in dem Gedanken des Wahlrechtskampfes zusammenzusühren. M a s s a- Tegel hält ebenfalls die Vorschläge Kämings nicht für durchführbar. Auch Straßcndcmonstrationen seien nicht das Mittel, auf die Regierung und die bürgerliche Gesellschaft einzuwirken. DaS einzige Mittel werde oie Verweigerung der Arbeits- kraft sein. Der Preußentag müsse diese Frage ganz besonder? prüfe». Sonnenburg- Friedrichshagen verspricht sich von Straßen» demonstrationen nichts, hält auch den Generalstreik nicht für daS Mittel, das Wahlrecht zu erringen, ebensowenig die Steuerverweige- rung. Wenn aber gesagt werde, wir hätten kein Mittel, so sei das keineswegs zutreffend. Der Redner weist darauf hin, wie viele Arbeiter und ihnen gleichgestellte Leute noch der Organisation des Proletariats fernstehen. Diese gelte es vor allem erst einmal zu gewinnen und aufzuklären. Reichstagsabgeordneter Stadthagen führt aus, es fei irrig. anzunehmen, daß die Sozialdemokratie in Preußen nicht schon früher für das Wahlrecht und die Wahlbeteiligung eingetreten wäre. Habe sie doch schon 18!)l) in Halle aufgefordert, überall da, wo auch nur agitatorische Erfolge zu erzielen seien, an den Wahlen teilzunehmen. Irrtümlich sei es auch, daß eS damals von der Wahl» beteiligung gcheißen hätte: niemals oder überhaupt nichtl Ter Redner teilt nicht die pessimistische Auffassung, daß noch viele Jahre vergehen könnten, bis das Wahlrecht errungen Wierde. Der Klassen- kämpf trete immer klarer hervor. Die herrschenden Klassen könnten in ihrer Agitation, die uns die Massen zuführt, die uns bisher nicht zugänglich waren, nicht erlahmen. Die Verhältnisse spitzen sich immer mehr zu. Daß Strahendemonstrationen nicht ganz wirkungs» los seien, beweise der Umstand, daß in dem Entwurf zum neuen Strafgesetzbuch vorgeschlagen wird, jede Straßendemonstration als Hochverrat zu betrachten. Straßendemonstrationen seien kein schlechtes Mittel. Wohl könne man damit nicht von heut auf morgen das Ziel erreichen, wohl aber dienten sie dazu, die Massen aufzurütteln, und seien so eines der besten Mittel zur Agitation und Organisation. Steuerverweigerung oder Mietsverweigerung hält der Redner nicht für angebracht. Durch das Lohnbeschlagnahmegesctz haben die Behörden da» Mittel in der Hand, die Steuern cinzu- ziehen. Aber anders sei es mit der Frage des Massenstreiks. Der könne natürlich nicht plötzlich begonnen werden. Es komme eben alle» darauf an, die Agitation immer intensiver zu gestalten. Man solle sich aber die Kampfeslust nicht lahmlegen lassen durch den Ge- danken, daß eS noch so sehr lange dauern müsse, bis wir daS Wahlrecht erringen. D ü w e l l> Lichtenberg bemerkt, daß Straßendemonstrationen nicht ganz einflußlos seien, beweise der Umstand, daß bald nach den ersten Demonstrationen und der feierlichen Erklärung Bülows. er werde sich nicht drängen lassen, die Thronrede mit dem Passus von der Fortentwickelung des Wahlrechts kam. Selbst solche Mittel wie die Steuerverweigerung und Mietsverweigerung seien nicht von vornherein abzulehnen. Di« Qualität solcher Mittel werde von der Quantität der Anwendung bestimmt. Wenn eS möglich wäre. die Massen dafür zu begeistern, dürfe man sich auch Erfolge ver- sprechen. Die Hauptsache sei und bleibe die intensive Agitation. Oeser-Nnmmelsburg hebt besonders hervor, daß die Kraft deö Wahlrechtskampfe» von unten kommen muß. Aber auch im Reichstage sollten immer wieder Anträge eingebracht werden, die Einzelstaaten zur Einführung deS durchaus demokratischen Wahl» rechts zu zwingen. N i e t s ch k e- Lichtenberg macht auf die Bedeutung des Ge» nossenschaftsn'csens für einen eventuellen Generalstrei! zur Er» kämpfung des Wahlrechts aufmerksam. Ada in- Borsigwalde betont, daß man in bezug auf di« in» direkten Steuern ein Mittel deS Kampfes durch Sieuerverweige- rung habe, soweit namentlich Schnaps. Zigarren, Bier usw. in Frage kommen. Auch damit könnten wir den Gegnern zeigen, daß wir unter allen Umstanden das Wahlrecht erkämpfen würden. Hierauf erhielt der Referent daS Schlußwort. Er sagte unter anderem, daß es ein gutes Zeichen sei, daß die Wahlrechtsfrage auch hier wieder im Mittelpunkt der Diskussion stand. Die heutige Versammlung sei nicht dazu bestimmt, die Mittel anzugeben, durch die der Wahlrechtskampf geführt werden muß. Die indirekten Er- olge der Straßendemonstrationen hätten bewiesen, daß diese kein chlechtes Mittel seien. Wenn di« große Masse genügend aufgeklärt ei, so werde man nicht lange zaudernd erwägen, sondern eben alle Nittel anwenden, die notwendig und praktisch erscheinen. Nicht am grünen Tisch könne darüber entschieden werden, sondern durch die Masse müsse eS geschehen. In allen Ecken und Kanten müsse man unausgesetzt den Wahlrechtskampf propagieren, und Ivenn die Massen erst genügend aufgeklärt und geschult sind, könne uns eben jedes Mittel recht sein, das zum Ziele führt. Es folgte die Diskussion über das Kommunalprogramm. Sie war nur kurz. Genosse Käming begründete den Mahlsdorfer Antrag, welcher die Ausschließung der Heimarbeit bei Vergebung von Gemeindearbeit verlangt, unter Hinweis auf die großen Schäden der Heimarbeit.— Der Antrag wurde einstimmig gutgeheißen.— ES lag dann noch ein Antrag aus Rummels» bürg vor. wonach in den Forderungen über die Lohnverhältiiisse der Genieindearbeiter und Angestellten die Lohnskala nach dem Dienst- alter in Wegfall kommen sollte. � Wie John- Rummelsburg, der sich selbst als Gegner des Antrag» bezeichnete, ausführte, war der Antrag damit begründet worden, daß es sozialpolitisch richtiger sei, Leuten, die dieselbe Arbeit leisten, ob sie nun längere oder kürzere Zeit im Dienste der Gemeinde stehen, auch dafür denselben Lohn zu zahlen. Jedoch sei er. Redner, der Meinung, paß, da es- so schwer ist. für jeden Arbeiter von Anfang an einen ordentlichen Lohn fest- zusetzen, man besser und leichter dahin komme, wenn man an der Lohnskala mit den Dienstalterszulagen festhalte.— In demselben Sinne äußerte sich auch der Genosse Sonnenburg in seinem Schlußwort über den Antrag, der denn auch von der Versammlung abgelehnt wurde Zum zweiten Punkt der Tagesordnung, KreiSangelcgenheiten, lag folgendes: Antrag aus Stralau bor: Um eine bessere Wirkung und Durchführung deS Schnaps- bohkotts zu erzielen, beauftragt die heutige Generalversammlung die Kreisleitung, unverzüglich ein Flugblatt herauszugeben. Wessel- Stralau begründete den Antrag. Er habe erwartet, daß vom Kreisvorstand erklärt worden wäre, daß das Flugblatt herausgegeben sei. Es geschähe aber durchaus nicht genug, um den Schstapsboykott wirklich durchzuführen. Dazu kämen die Meinungs» Verschiedenheiten über die Auslegung des Leipziger Beschlusses. Mit der Parole der Mäßigkeit sei nichts anzufangen. Es müsse vielmehr strikte Enthaltung verlangt werden. Von der Erklärung des Partei- vorstände» habe Mehring mit Recht geschrieben, daß sie nicht kalt und nicht warm sei; aber mit Mehrings Artikel in der„Neuen Zeit" stehe eS nicht besser. Man gehe da von der falschen Boraus» setzung aus, daß der Beschluß nur für die Parteilgenossen gelten solle, und daß innerhalb der organisierten Arbeiterschaft so schon sehr wenig Schnaps getrunken werde. Es müsse ein Flugblatt herausgegeben werden, worin klar und deutlich auf die gesundhcit- lichen wie moralischen Schäden des Schnapsgenusses wie auf den eigenilichen Zweck des Boykotts hingewiesen werde. Wir seien es uns selbst wie der ganzen Partei schuldig, mit aller Kraft dafür zu sorgen, daß der Beschluß auch durchgeführt wird. Genosse B ü h l e r erklärte hierzu, daß der Antrag der vorigen Kreiskonferenz über ein Flugblatt zum Schnapsboykott, Groß-Bcrlin überwiesen worden sei, daß aber seiner Meinung nach in Groß» Berlin allzuviel Rücksicht auf die Budiker genommen werde.(Zu. stimmung.) ES sei vom Parteivorstand ein Flugblatt heraus» gegeben, aber dem Kreise nicht zugegangen. Wenn die Versammlung den Antrag annähme, werde das gewiß auf Berlin erzieherisch ein. wirken. Da der Kreis an Eroß-Berliu seine Gelder abliefere, könne man wohl erwarten, daß dafür auch etwas geleistet werden sollte. Wenn jedoch das Fliigblatt dennoch nicht von Groß-Berlin geliefert werde, so solle vom Kreisvorstand dafür gesorgt werden. DÄs Wer- haltniö zwischen dem K�eeiZ und Grotz-Berlin müsse auch üm all- gemeinen einmal erörtert werden. I o a ch i m s t h a l- Ober-Schöneiveide ist ebenfalls der Mei- nung, das; für den Schnapsbonkott bei weitem nicht genug getan werde und bringt einen nicht genügend unterstützten Antrag ein. der unter anderem besagt, daß die Parteigenossen, die Gastwirte oder Geschäftsleute sind, in ihren Lokalen durch Plakate auf den Schnapsboistott aufmerksam machen sollen. ES äußern sich dann noch mehrere andere Redner zu der An- Gelegenheit, durchweg in dem Sinne, daß lange nicht genug ge- schieht, um den Schnapsboistott wirksam durchzuführen. Ter An- trag aus Stralau wurde schließlich einstimmig angenommen. Ein Antrag aus Neucnhagen, wonach den Bezirken vom Kreis aus Material geliefert werden soll, durch das sich befähigte Genossen zu öteferentcn ausbilden können, wurde vom Genossen S t i m m i n g begründet und nach kurzer Diskussion dem Vorstand zur Erwägung überwiesen. Es fand daraus noch eine längere Diskussion über die letzte Agitation für den„Vorwärts" und die Wahlvereine statt, wobei von mehreren Genossen bemerkt wurde, daß das Material den ländlichen Orten zu spät zugegangen sei, und ferner der Wunsch geäußert wurde, daß man entweder ein Flugblatt oder eine voll- seitige Z humner des„Vorwärts" zu solcher Agitation herausgeben sollte. Der Genosse L i e s e g a n g. als Vertreter der Preß- kommission, machte darauf aufmerksam, daß den Bezirken auf vor- hergegangenem Wunsch zu gelegentlicher Agitation für den„Vor- wärts" immer gern die nötigen Nummern zur Verfügung gestellt werden. Als Delegierte zum Preußentag wurden die Genossen Bühler und MutH, sowie die Genossin Mirus gewählt; als Ersatzmann kommt der Genosse K ä in i n g in Betracht. Die Mandatsprüfung hatte ergeben, daß 72 Delegierte von 2Z Bezirken, 23 Bezirkslciter, 12 Borstandsmitglieder und der Abgeord- nete des Kreises anwesend waren. Es fehlten aus Lichtenberg 2 Delegierte, aus Oranienburg, Pankow und Rummelsburg je ein Delegierter, sowie je ein Pezjrksleiter aus Herzfelde und Nieder- Schönhausen. Bus Induftric und Randel. Aus de» Ergebnissen der Berufszählung. Von der Gesanitbevölkerung Preußens, die sich auf 37939 893 Personen stellt, sind im Jahre 1997 als erwerbend tätig ernnttelt IS 782 892, davon sind 15 979 745 Erwerbstätige im Hauptberuf und 812117 bei der Herrschaft lebende Dicustboteu. Danach sind 44,2 Proz. der Gesamtbcvölkeriing erwerbend tätig, 55.8 Proz. nicht erwerbend, und zwar sind 19 139 357 oder 59,4 Proz. Angehörige ohne eigenen Hauptberuf und 2 967 644 oder S.4 Proz. berufslose Selbständige. Im Deutschen Reiche insgesamt sind demgegenüber 45.5 Proz. der Ge- samlbevölkerung erwerbend tätig, 49 Proz. Angehörige und 5,5 Proz. Berufslose. Werden die Erwerbstätigen der Berussabteilungen mit den von ihnen ernährten Angehörigen und den in ihrem Haushalte lebenden Dienstboten als die zu der betreffenden Beruföabteilung .Bcrufszugehvrigcn" zusammengefaßt, so verteilt sich die Gesamt- bevölkerung Preußens in folgender Weife: im Reiche A. Land- u. Forstwirtschaft 19 563 194 oder 28,59 Proz. 23.65 Proz. V. Industrie und Bergbau 16 243 664„ 42,76„ 42,75. C. Handel und Verkehr. 5 995 116„ 13,17„ 13,41„ v. Lohnarbeit wechselnder Art....... 661656, 1,48. 1,28. B. Oeffentlicher Dienst u. freie Berufe..,« 2942 583„ 5,33„ 5,53„ F. Berufslose Selbständige...... 3273760„ 8,62„ 8,38„ Von den Erwerbstätigen im Hauptberuf allein entfallen auf die soziale Stellung: bei A. bei B. bei C. Selbständige... 1337 690 1986 950 590 293 Angestellle.... 71 339 411874 289436 Arbeiter..... 4 447 862 5 190 457 1 170 444 Zusammen Selbständige t h« e 1 Angestellte ohne Heer 182 979. Arbeiter und s 132892 V und i 11272 993 i l (ohne Heer �'_ I UHU|-------| und i Zusammen 1 Kriegsflotte' 647 670 l Kriegsflotte)' 16 591 403 5 876 841 0 088 381 2056173 731 799/ A bis E\ 3 365 732 .. söhne Heer I 052 679 132 892 j und f 647 670 1 Krieas flottes f Für das Reich resultieren diese Zahlen: Selbständige...... 6049135 Angestellte....... 1 588 168 Arbeiter........ 18 538 365 26 176 168 Es entfallen auf je 100 Arbeiter im Reich 8.57 Angestellte und 32,63 Selbständige, in Preußen 8,45 Angestellle und 29,85 Selbständige. In 3 936 124 Fällen haben hanplberuslich ErwerbStälige Neben- berufe ansgeubr, während bei den hanplberuslich Täligen(den Berufslosen. Angehörigen wie auch den bei der Herrschast lebenden häuslichen Dicustboteu) insgesamt S 570 571 Fälle nebenberuflicher Tätigkeit gezählt wurden. Mehr als die Hälfte der gesamten er- mittelten Nebenberufsfälle, nämlich 52,4 Proz. entfallen also auf Personen, die Haupt- und nebenberuflich zugleich tätig sind. Nur in zwei BerufSabteiluiigen ist das anders: an den 5 691 222 in der Land- und Forstwirtlchast ausgeübten Fällen nebenberuflicher Tätig- keit find die nicht hauptbernilich Tätigen mit einer Zahl von 2 923 209 beteiligt, also mit 52,2 Proz., und ferner stellt sich in der Lohnarbeit wechselnder Art die Verhältniszahl sogar höher, auf 65,7 Proz. bei 34 018 von 51787 Fallen(die Ursache dafür liegt hauptsächlich in den Aufwartediensten, die verheiratete Frauen in fremden Haushaltungen leisten). Die 5 691222 NebenbcrnfSfälle in der Land- und Forstwirtschaft betragen nahezu 73 Proz. aller überhaupt festgestellten Nebenberuf- lichen Betätigungen. Fast Dreiviertel aller Nebenberufe werden also in der Land- und Forstwirtschaft betrieben. In 2 399 222 Fällen wird dieser landwirischastlicke Nebenberuf in selbständiger Stellung ausgeübt, in 3 391 999 Fällen unselbständig. Der über- wiegende Anteil der selbständig betriebenen Nebenberufe in der Landwirtschaft entfällt auf die Erwerbstätigen im Hauptberufe, nämlich 2 963 999 gegenüber 236 226 Fällen, die durch haupl- beruflich nicht erwerbstätige Personen erfolgen. Bei den unselb- ständig betriebenen landlvirtschafilichen Nebenberufen beanspruchen die Nichthauptberufstätigen mit 2 689 933 fbon 3.298 Millionen Fällen überhaupt) den Vorrang. Von den Erjoerbstätigen. die nebenberuflich der Landwirtschaft selbständig obliegen, sind 697 493 Haupt- beruflich Selbständige und 1 366 593 im Hauptberuf Unselbständige; an den 614 917 Fällen unselbständiger NebenberufStätigkeit in der Landwirtschaft find 192 383 hauptberuflich Unabhängige beteiligt gegenüber 421 629 Unselbständigen. In dieser Bcrnssabteilung ist das Uebergewicht der hauptberuflich Abhängigen über die im Haupt- berufe Selbständigen in der nebenberuflich' selbständigen Tätigkeit besonders groß, da 99 Proz. aller hauptberuflich Unselbständigen, die in den drei größten Berufsabteiluugcii Landwirtschaft, Industrie und Handel nebenberuflich selbständig tätig sind, der Landwirtschaft zugehören. In diesen drei großen Abteilungen sind: Erwerbstätige in... Fällen in der Landwirtschaft händig"bhängig die im Hauptberuse J stSndtg I-bhängig Selbständige...... Angestellte...... Arbeiter mithelf. Angehörige 1365 419! 1495 174! 374853 595 859 12 564 6 298 4 525! 755 802 497] 609 641] 175 322) 153 254 Hier haben die hauptberuflich Selbständigen wie Unselbständigen das aemeiiisain, daß sie den Rebenberuf überwiegend selbständig ausüben. Von den 3 519 463 Fällen dagegen, in denen Haupt- beruflich NichterwerbStäiige diesen Nebenberufen obliegen, werden nur 392 928 Fälle selbständig, 3 117 535 aber in abhängiger Stellung ausgeübt. Die Weiterführung der Bagdadbahn über Alexandretta, die vom türkischen Parlament verlangt war, hat der türkische Minister- rat genehmigt, und die Arbeiten für den Weiterban von Bulgurlu über den Taurns auf dieser Strecke sind bereits in Anariff ge- nommen worden, da die Verwaltung der Bagdadbahn seit Monattzn alles hierfür vorbereitet hatte. Die neue Streckenführung liegt weiter südlich. Die Bahn führt von Bnlgurln über den Tanrus nach Adana, läuft an dem schmalen Küstensaum, der zur Syrischen Pforte führt, entlang bis Alexandretta(an der nordöstlichen Spitze des Mütelmeeres) und gelvinnt sodann nach allerdings schwierigem und kostspieligem Aufstieg auf den südlichen Amanus über den Lcilanpaß die Hocheben« von Antiochien. Hier führt sie Über Aleppo ohne weitere Bauschwierigkeiten nach dem Euphrat. Die jetzt in Angriff genommene Strecke geht bis El Helif und ist mit der bereits vollendeten 1786 Kilometer lang. Man erwartet, daß die Bahn hier den viel größeren Handelsverkehr, der von Alexan- drctta, der wichtigsten Handelsstadt Nord-Syriens, und Aleppo ausgeht, mitnimmt und die Wirtschaftlichkeit des Unternehmens bedeutend erhöht. Nach dem früheren Projekte waren diese Städte nur durch Zweig- oder Stichbahnen mit der Bagdadbahn verbunden. Jetzt werden die auf der zuerst geplanten nördlichen Route ge- legenen Städte umgangen und müssen daher Zweigbahnen er. halten. Diese erschweren aber den Betrieb nicht so sehr, weil der Verkehr eben nicht so bedeutend ist wie auf der neuen Linie. Ein weiterer Vorteil ist ferner, daß das Baumaterial für die Bahn nicht allein von dem gänzlich ungeschützten und versandeten Hafen von Mersina, sondern auch von anderen Häfen des Mittelmeeres herbeigeschafft werden kann. Tantiemen. In der chemischen Industrie sind die Gewinne immer glänzende gewesen. Die sichtbaren Tantiemen geben davon ein blasses Spiegelbild, Die Zahl der Aufsichtsräte ist hier im all- gemeinen bedeutend geringer als bei den Bankinstituten. Die mit- geteilten Ziffern der Kapitalien enthalten Aktien- und Leihkapital. In der chemischen Industrie ist es allgemein üblich mit Obligationen, also mit Anleihen zu arbeiten. «unichtS- Tanttemen Dividende Kapital räts in Mark in Proz. inMill. Elberielder Farbenfabriken 6 842000 36 61,0 Badische Anilin- und Soda- fabril....... 10 1176 915 22 61,0 A. G. für Antlinfabrik., Treptow...... 7 139 509 18 24,5 Höchster Farbwerke... 9 1 167 428 27 46,0 Oberschlesische Kokswerke u. chemische Fabriken... 12 76 184 11 29,5 Rutgerswerke A. G.... 13 49 163 11 24,9 GrieSheim-Elektron, chemische Fabrik....... 6 401 996 14 19,0 Vcr. Köln-Rottweiler Pulverfabriken...... 19 III 260 12 16,5 Anglo-Continentale Guanowerke....... 6 64 853 7l/z 16,0 Verein deutscher Oelfabriken 8 187 029 8 13,0 Elektrotechnische Werke, G. m. b. H...... 6 72524 10 10,0 Chemische Fabriken zu Leopoldshall..... 7 30990— 11,3 Chemische Fabrik Heyden. 6 20 530 10 10,0 Holzvcrkohlungs-Jnd. A. G. 9 32 098 19 19,9 49 480 A. G. Scheideniantel.. 11 8t 141 12 S,6 54131 Chemische Fabrik Schering ß 21 286 8 7,0 141 927 Chemische Fabrik Milch, 5 119 254 15 6,8 Chemische Fabril vorm. Albert....... 6 511 312 32 10,0 Chemische Fabrik Luckau. 6 54514 12 6,2 .Union", Fabrik chemischer Produkte...... 8 57 803 15 6,3 82 922 Verein chemischer Fabriken 6 281 842 20 5,2 Schulz jun. A. G.... 4 55 695 22 5,1 188 270 Rheinisch-Wesifäl. Spreng- sioff A. G...... 11 30435 11 5,0 VereiniqteGlanzstofffabriken, Elberfeld...... 6 278 327 40 6,0 I. v. Riedel, Berlin.., 4 21896 12 4,3 Saline und Soolbad, Salzungen..... 9 14 819 7 3,4 Statzfurter chemische Fabrik 5 11703 7 3,0 20 747 Konkordia, Leopoldshall. 4 18 256— 2,1 Gerb- und Farbstoffwerke Renner....... 5 73 875 9 4,5 Nirritfabrik Köpenick... 6 35 793— 1,0 Sprengstoff A. G. Cardanft 5 10 526 7iL 1,6 Stahl und Kälte A. G.. 4 27 547 8 1,0 6 106 068 438,3 Teilweise find die Tantiemen für den AuffichtSrat und den Vor- stand, in einigen Fällen auch mit den Gratifikationen für Beamte zusammen ausgewiesen. Für 32 der bekanntesten und großen chemischen Unternehmungen ergibt sich eine s i ch t b a r e Tantiemensumme von 6 106 063Mark. DaS Kapital der in Frage kommenden Gesellschaften beträgt 438,3 Millionen Mark. Die sichtbaren Tantiemen sind hier im Durchschnitt noch höher als bei den Bankinstituten. Ueber eine Million an Tantiemen sind bei den Badischen Anilin- und Sodafabriken und bei den Höchster Farbwerken sichtbar. Die übrigen Unternehmen der chemischen Industrie weisen die Summen nur teil- weise aus. Beachtenswert ist das Verhältnis von Tantieme und Dividende bei den Vereinigten Glanzstofffabriken Elberfeld. Zur Auszahlung von 40 Proz. Dividenden werden 1 009 900 M. gebraucht, für Tantiemen kommen 278 527 Mark in Frage, also über 25 Proz. der Dividende. Dazu kommen noch riesige stille Abschreibungen! BMttenmqSfiberflch««am 6. Dezember 1909. morgen« 8 Udr. LZ Swmnnd» Hambur» rerün •tcanfl.a»l. Nünchen Wie» Bettei 743 SSO 746 OSO 750@0 747®SB 753 SO 75624 2 heiter 3 beiler 2 halb bd, 6 Regen 4 molfenl 1 rooUenli (OK d* »II M« 0 2 — 1 5 _ 2 1 Ii 5' iE i? Caoaianfia 742 S Petersburg 752 SSO Sctlly -lderdee» Pari» 739 W 741 WSW 743 SSW 4 bedeckt 1 bedeckt 4 bedeckt 1 woltenl 4 wolkig � t *9 C* »Ii Wetter» rognofe für DtenStag, den 7. Dezember 1909. Ein wenig wärmer bei lebhaften südlichen Winde» und veränderlicher Bewölkung! geringe Niederschläge. Berliner Wetterboreg». Verbiinck Sozialdemokrat Wahlvereine ßroji-fierlins. Dienstag!, den V. Dezember, abends 8,;2 Uhr: General-Versammluiigeii der Wahlvereine der sechs Berliner Kreise. Tagesordnung in allen Versammlungen: Stellungnahme zum preußischen Parteitage. 2. Diskussion und Anträge. 3. Wahl von Delegierten. 1. I. Kreis. Dräsels Festsäle, Neue Friedrichstraße 35. Referent: Landtagsabgeordneter Paul tiirsch. II. Kreis. Bockbrauerei(kleiner Saal), Tempelhofer Berg. Referent: Genosse Kluß. Weitere Tagesordnungspunkte: 4. Wahl von zwei Mitgliedern zur Preßkommission. 5. Vereinsangelegcnheiten and Verschiedenes. III. Kreis. Gewerkschaftshaus, Engelufer 15. Referent: Schriftsteller Genosse Max Grunwald. IV. Kreis. Kellers Festsälej Koppenstraße 29. Referent: Landtagsabgeordneter Normann Borgmann. V. Kreis. Alies Schützenhaus, Linienstraße 5. Referent: Redakteur Genosse Wermuth. VI. Kreis. Prachtsäle Nord-West, Widefstraße 24. Referent: Genosse Ledebour. Verantwortlicher Redakteur Richard Barth» Berlin. Kür den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. VerlagsanjiaU Paul Singer ch Co.. Berlin SW« Nr. 285. 26. Jahrgang. 2. Mm Ks Jons W Krlim ililteklitt Iiewtag, 7. Jrimtd 1909. Das Kommunalprogramm für die Sozialdemokratie Preußens. II. Der zweite Teil des Programms zählt die Forderungen an die Gemeinden auf, er enthält durchweg Vorschläge, deren Verwirklichung schon unter den geltenden Gemeindever- sassunge...nöglich ist. Obenan stehen natürlich auch hier wieder die Forde- rungen in bezug auf das Wahlrecht. Wir verlangen, dag die Wahlen an einem gesetzlichen Ruhetage vorgenommen werden, daß die Genieinden aus die Befugnis der Erhebung von Bürgerrechtsgeld verzichten, und daß dort, wo ein Zensus- Wahlrecht besteht, der Zensus auf das gesetzliche Mindestmaß herabgesetzt wird. Daß hierin kein Zugeständnis an das Zensuswahlrecht zu erblicken ist, daß wir grundsätzliche Gegner jedes Zensus sind, bedarf keiner besonderen Ans' sührung. das geht ja auch aus dem ersten Teil des Pro� grammS zur Genüge hervor. Die Gegner machen der Sozialdemokratie häufig den Vorwurf, daß sie zwar recht viel fordert, aber nicht den Weg angibt, auf dem die Mittel zur Durchführung der Forde rungen beschafft werden können. Diesen! Vorwurf begegnet das Programm dadurch, daß es ganz bestimnite Richtlinien für die F i n a n z g e b a r u n g der Gemeinden aufstellt. Heber diesen Punkt des Programms wird es, soweit die bis herige Diskussion in der Presse und in Versammlungen einen Schluß gestattet, auch auf dem Parteitage zweifellos zu lebhaften Auseinandersetzungen kommen. So ist der Kom» inission, namentlich von Vertretern ländlicher Gemeinden, ein VoNvurf daraus gemacht, daß sie die Gewerbesteuer mit keinem Wort erwähnt: es wird darauf hingewiesen, daß es Gemeinden gibt, die ohne die Gewerbesteuer dem finanziellen Untergange preisgegeben wären. Mag sein, daß das hier und da zutrifft, aber das ändert nichts an der Tat- fache, daß die Gewerbesteuer eine durch und durch ungerechte Steuer ist, die in krassem Widerspruch zu den allgemeinen Grundsätzen der Sozialdemokratie steht. Von den Verhält- nissen einer einzelnen Gemeinde darf man sich bei der Auf- stellung eines Programms nicht leiten lassen, und den Ge- meinden, die angeblich so sehr aus die Gewerbesteuer ange- wiesen sind, wird ja durch die Vorschläge des Programms Gc- legenheit gegeben, die ihnen durch den Ausfall der Gewerbe- steuer entstehende Schmälerung ihrer Einnahmen doppelt und dreifach auszugleichen. Es sei nur erinnert an die Wert� zuwachssteuer, die eine ergiebige Einnahmequelle bildet, an die Umsatzsteuer beim Verkauf von Grundstücken usw. Was insbesondere die Umsatzsteuer betrifft, so dürfte es bekannt sein, daß die sozialdemokratischen Ver- tretcr in den Gemeinden gerade bezüglich der Bewertung dieser Steuer die wünschenswerte Einheitlichkeit vermissen lassen. Unsere Fraktion im Roten Hause zu Berlin hat sich zum Beispiel gegen die Umsatzsteuer ausgesprochen, während unsere Genossen in Nachbargemeinden sie direkt be- antragt haben. Unseres Erachtens ist das Verhalten der Berliner ein unrichtiges gewesen, und es scheint ja auch, als ob sie das inzwischen eingesehen haben. Die Umsatzsteuer ist im Grunde genommen doch nur eine rohere Form der Wert- zuwachssteuer: wer grundsätzlicher Gegner der Umsatzsteuer ist, der kann nicht gut die Wertzuwachssteucr befürworten, und wenn unsere Berliner Fraktion heute so warm für eine sozial richtig gestaltete Wertzuwachssteuer eintritt, so zeigt sie damit eben, daß sie ihre Ansichten inzwischen revidiert hat. Ein weiterer Einwand, der erhoben wurde, ist der, daß wir auf der einen Seite zwar das Verbot der Erhebung von indirekten Steuern durch die Gemeinden fordern, auf der anderen Seite aber selbst indirekte Steuern, wie Steuern auf den Grundbesitz empfehlen. Ein Widerspruch liegt hier tatsäch- lich nicht vor. Genau so. wie das Erfurter Programm sich für eine Erbschaftssteuer ausspricht, können wir, ohne mit unseren prinzipiellen Anschauungen in Konflikt zu geraten, die Umsatz. steuer und andere Steuern auf den Grundbesitz empfehlen, Steuern, die zwar von den meisten Nationalökonomen als in- direkte Steuern angesehen werden, die sich aber von dem, was der gewöhnliche Sprachgebrauch untdr indirekten Steuern versteht, dadurch unterscheiden, daß sie nicht die Interessen der Allgemeinheit den Interessen der bevorzugten Minderheit opfern, sondern im Gegenteil einer bevorzugten Minderheit einen Teil dessen wieder nehmen, was ihr aus der Arbeit der Allgemeinheit zugeflossen ist. Der nächste Abschnitt des Programms, der sich auf das B i l d u n g s w e s e n bezieht, stellt im wesentlichen nur das zusammen, was sich in den einzelnen Provinzialprogrammen zerstreut vorfindet. Es ist ein umfassendes Bildungspro- gramm, dessen Durchführung zweifellos einen ungeheuren Kulturfortschritt bedeutet. Wenn ein Artikel des„Abstinenten Arbeiter" eine Erweiterung des Programms nach der Rich- tung anregt, daß die„Verbreitung von Aufklärung über die Gefahren des Alkohols in Schulen und Erziehungsanstalten" darin ausgenommen wird, so läßt sich im Prinzip kaum etwas dagegen einwenden, es fragt sich aber doch, ob so spezielle Fragen in ein Programm gehören. Das gilt nebenbei bemerkt für fast alle Forderungen der Abstinenten, die ja direkt die Einfügung eines besonderen Abschnittes„Zur Bekämpfung des Alkoholismus" in das Programm vorschlagen. Wir halten das für überflüssig. Die Durchführung des Pro- gramms wird, wenngleich das nicht besonders betont wird. dem Alkoholismus ganz gewaltigen Abbruch tun. Was das Programm zur Regelung der Wohnungsfrage, zur Besei- tigung des Schlafstellenunwesens, zur Hebung der Wirt- schaftlichen Lage der Arbeiter fordert, das ist von so großem Einfluß auf die Bekämpfung des Alkoholismus, daß es unnötig erscheint, noch ein spezielles Pro- gramm anzuhängen. Unter Umgehung einiger Abschnitte, über die in unseren Reihen Einigkeit besteht und gegen die auch in der Presse Einwendungen nicht erhoben sind, wenden wir uns zu deni Gebiet der Sozialpolitik. Wir finden da die ganz allgemein gehaltene Forderung..Ausbau des den Gemeinden zur ortsstatutarischen Regelung übetragcnen Arbeiterschutzcs". Diese allgemeine Fassung ist absichtlich gewählt. Es wäre ja ein leichtes, all das aufzuzählen, was den Gemeinden in dieser Hinsicht möglich ist, aber wir dürfen nicht vergessen, daß die hierfür in Betracht kommenden Reichs- und Staats- gcsctze einer häufigen Abänderung unterworfen sind und daß ein Programm, das sich hier auf Einzelheiten einläßt, dann! im Anschluß an jede Gesetzesänderung gleichfalls wieder gc- j finanziellen noch andere Vorteile: die ganze befreite Bauern- ändert werden mußte. Deshalb rst es richtiger, man begniigt schaft geriet in völlige wirtschaftliche Abhängigkeit von der uut der allgemein gehaltenen Fassung und überläßt es j Regierung, die sich das Recht anmaßte, die Bauernwirtschaft dem Reserenten beziehungsweise den Diskusslonsrcdncru, zn zu„kontrollieren und zu regeln", die Gemeindecinnahincn sagen, was alles im einzelnen darunter gemeint ist. Es ist unter anderem auch daran Kritik geübt worden, daß das Prograniin von der Forderung sozialer Kom- Missionen Abstand genommen hat. Das ist mit gutem Grunde geschehen. Gewiß hat diese Forderung auf den ersten Blick etwas Bestechendes, aber in der Praxis haben sich solche Kommissionen nicht nur nicht bewährt, iin Gegenteil, sie sind, wie es in einem Artikel der„Magdeburger VolkSstimmc" mit Recht heißt, vielfach zu Begräbniskominissionen geworden. Da ist es richtiger, allgemein keine sozialen Kommissionen zu verlangen, sondern den Genossen in den einzelnen Gemeinden zu überlassen, ob sie dafür eintreten wollen oder nicht. Wenn überall dafür Sorge getragen wird, daß die ganze Gemeinde- tätigkeit sozialen Geist atmet und daß aus allen Kommissionen antisoziale oder unsoziale Elemente ferngehalten werden, dann werden sich besondere soziale Kommissionen als unnötig erweisen. In hohem Maße trägt das Programm dein Gedanken des Gemeindesozialismus Rechnung. Wenn es die Uebernahme der Milchversorgung, der Bäckereien. Schläch- tereien, Speischäuser auf die Gemeinden verlangt, so wird ja manchem braven Spießbürger angst und bange werden, er wird die nahe bevorstehende Proklamierung des Zukunfts- staaks fürchten, gegen das rote Gespenst zu Felde ziehen u)rd das alte Lied von der Vernichtung des Mittelstandes durch die Sozialdemokratie anstimmen. Wer sich aber einigermaßen mit kommunalpolitischen Fragen befaßt hat, der weiß, daß es sich hierbei um Forderungen handelt, die schon in der heutigen Wirtschaftsordnung durchgeführt werden können und tat- sächlich auch vereinzelt schon durchgeführt sind. Auf das Kapitel„A r m e n- und W a i s e n p f l e g c" einzugehen, erübrigt sich. Was da gefordert wird, entspricht so sehr den in der Partei allgemein geltenden Anschauungen. daß Meinungsverschiedenheiten darüber kaum zutage treten dürften. Ein Eintvand schließlich, der noch geltend gemacht werden könnte, ist der, daß das Programm zu sehr auf größere Städte zugeschnitten ist und den Verhältnissen in ländlichen Gemeinden zu wenig Rechnung trägt. Es läßt sich nicht bestreiten, daß es den ländlichen Gemeinden auch nach Durchführung der im Programm vorgeschlagenen Maßnahmen zur Hebung ihrer Finanzen vielfach an Mitteln fehlen wird, um das Programm in die Tat mnzusetzen. Aber dem wird dadurch Rechnung getragen, daß im letzten Abschnitt die Schaffung von Z w c ck V e r b ä n d e n zur Durchführung gemeinsamer Unternehmungen angeregt wird, für welche die Mittel der einzelnen Gemeinden nicht ausreichen. Ob der Parteitag wesentliche Aenderungen am Pro- gramm vornehmen wird, wissen wir nicht. Verbesserungen wird sich auch die Kommission nicht widersetzen. Aber auch dann, wenn der Entwurf unverändert genehmigt wird, wird den sozialdemokratischen Gemeindevertretern eine wuchtige Waffe in die Hand gegeben fein, die richtig angewandt, der Partei gute Dienste leistet. P. H. Die flzrarreformen in der dritten IReichsduma. „Erst Beruhigung und dann Reformen"— so hat Minister Präsident Stolypiv in der zweiten ReichSduma feine historische Mission kurz formuliert. Drei Aahre betreibt Stolypin die Beruhigungspraktiken mit unermüdlichem Eifer und selbst in Rußland unerhörter Bessialität. Jetzt sollten endlich die Reformen an die Reihe kommen. Das Hauptobjekt der„Beruhigung" waren die industrielle Arbeiterschaft und die Bauernschaft.' Nach den Strafexpedittonen kommt jetzt für sie die„verfassungsmäßige" Reform. Sie soll dem Zweck dienen, diese beiden Klassen auch für die Zukunft schadlos zu machen. Entwürfe zur„Arbciterschutz gesctzgebung" sind schon der Reichsduma vorgelegt, teilweise auch angenommen. Die Arbeiterfrage läßt sich aber ver schieben, da die Arbeitslosigkeit noch mehr„beruhigend" auf die Arbeiterbewegung einwirkt, als alle Straferpcditionen und Gesetze es vermochten. Anders steht es mit der „ B a u e r n f r a g c Selbst eine gute Ernte kann den Bauern, die zu wenig Land besitzen— und das ist die große Masse— nicht viel nützen und jeden Augenblick kann man einen neuen Ausbruch der Baucrnunruhen erwarten. Hier mutz unverzüglich Hilfe geschaffen werden. Und zwar radikale Hilfe auf gesetzgeberischem Wege. Die staatserhaltendcn Elemente der Bauernschaft müssen von den revolutionären getrennt und für die Aufrcchterhaltung der Staatsordnung gewonnen werden. In erster Linie muß die allerseits als Last empfundene und gefährliche Bauerngemeindc aufgelöst werden. Und der dritten Reichsduma muß man zugeben: in dieser Hinsicht arbeitet sie mit ebenso großer Energie wie StolyPinS Regierung selbst. Die Bauerngcmeinde ist nach der Aufhebung der Leib- eigenschaft hauptsächlich aus fiskalischen und polizeipolttischcn Gründen beibehalten worden. Die bäuerlich-ständisch organi- sicrte, durch gegenseitige Bürgschaft ihrer Mitglieder gebundene, den Regierungsbehörden und Polizeibeamten direkt unter- geordnete Gemeinde follte für die regelmäßige Auszahlung der Ablösungssummen und der Staatssteuern haften, und außer- dem für die Aufrechtcrhaltung der Ordnung verantwortlich sein. Die befreiten Bauern sind bekanntlich mit„Grund und Boden versorgt" worden. Für das den Bauern zugewiesene Land mußten die Grundbesitzern sehr teuer abbezahlt werden. Da jedoch die Bauern kein Geld hatten, so trat die Regierung als Vermittlerin auf: sie bezahlte den Grundbesitzern(in Wertpapieren) die ganze Ablösungssumme im Voraus und belegte die Bauern mit einer Art Steuer, die im Laufe von etwa 40 Jahren die Ausgaben der Regierung decken sollten. Zur Einschätzung der Ländereien wurden die Bauern natürlich nicht zugezogen, der Preis wurde von Regienmgskommlssionen unter Mitwirkung der Grundbesitzer selbst festgesetzt. Die Höhe der Ablösungssteucr wurde von der Regierung allein bestimmt. Die Grundbesitzer ebenso wie die Regierung haben bei diesen Operationen ein sehr gutes Geschäft gemacht Erstere haben schlechtes, meistens Ivald- und wasserarmes Land zu hohen Preisen verkauft. Die Regierung hat sich in der Ablösungssteuer eine unkontrollierbare Einnahmequelle gc zu überwachen usw. Die„Befreiung" der Bauern bestand somit in einem Wechsel ihrer Gebieter: die Hörigkeit an Privatpersonen wurde durch die Hörigkeit an den Staat, die Willkür der Grundbesitzer durch die Willkür der Regieruugs- beamten ersetzt. Die Wirtschaft in den Gemeinden wurde nicht gemeinschaftlich, sondern individuell geführt. Nur Wald. Wiese und Wasser wurden gemeinsam benutzt; das Bauland hingegen wurde in Parzellen je nach der Zahl der erwachsenen mann- lichen Familienmitglieder geteilt und jede Familie wirtschaftete selbständig unter Leitung des Familienoberhauptes, des Vaters, des älteren Sohnes, auch der Mutter, wenn sie Witwe ist und minderjährige Söhne hat. ES sind auch Fälle bekannt, wo alleinstehende Töchter die Wirtschaft auf den Faniilienparzcllen führten. Die Gleichberechtigung auch der Frau erklärt sich dadurch, daß auf jeder Parzelle ein bestimmter Teil der Auskaufs- und Staatssteuern haftet. Als die Parzellen noch nicht so Zerstückelt waren und die Gemeinde noch nicht au Uebervölkerung, sondern an Geldmangel zur Deckung der Steuerlasten litt,>var jeder Zahler willkommen, ob Mann oder Frau. Diese Zeiten sind aber schon längst vorbei. Die Witwen- und Waisenparzellen sind schon längst in den Besitz der reicheren Gcmeindenntglieder übergegangen. Das Eindringen deö Geldes, das Wachstum der Bevölkerung und die Verteilung der Parzellen unter die Mitglieder der Familie hat schon in den achtziger Jahren eine völlige Umwälzung der Gemeinde- Verhältnisse hervorgerufen. Schon die Familien der zweiten Generation besaßen nur noch mehr Bruchteile der Parzellen, die ihren Vätern bei der Befreiung zugewiesen wurden. Diese Parzellen sind meistens zu klein, um eine selbständige Wirt- schaft zu führen und so mit Steuern belastet, daß deren Be- sitzer es vorziehen, überhaupt keine selbständige Wirtschaft zu sühren. Für eine kleine Entschädigung oder nur für Ueber- nähme der Steuerlasten geben sie ihre Parzellen den reicheren Gemeindegenosscn, ziehen in die Jndustricgcgcnden, um dort in den Fabriken Arbeit zu suchen, wandern nach Sibirien aus usw. Diejenigen, die nicht auswandern, arbeiten bei den bcnach- bartcn Grundbesitzern und reich gewordenen Gemeinde- initgliedern unter für einen Europäer unglaublichen Lebens- und Arbeitsbedingungen und träumen immer von einer Er- Weiterung ihrer Parzellen. Diese nominellen Parzcllcnbesitzcr und tatsächlichen Knechte und Landproletaricr bilden eben das gefährliche Element, das bald alle seine Hoffnungen auf den „guten Zaren" setzt, bald aber bereit ist, das Land der reichen Nachbarn durch Gewalt sich anzueignen und ge- wifsenhaft zu verteilen. Nicht selten kommt es bei Bauernunruhen vor, daß solche ExpropriationSbcschlüsse offiziell von der Gcmeindcmchrhcit gefaßt und die offizielle Unterschrift des Gemeindevorstehers und das Gemeittdcsiegel tragen. Neben dieser tatsächlich proletarischen Masse entstand all- mählich eine Minderheit, die durch Nebenverdienste, meist Handel oder Wucher, in den Besitz von Geld kamen und durch Pachtung der Witwen-, Waisen- und verlassenen Parzellen sowie durch Pachtung und Ankauf bei den benachbarten Grund- besitzern ihren Grundbesitz vergrößert haben. Von den europäischen Großbauern unterscheiden sich diese nur dadurch, daß sie ihre Gemeindeparzellcn nicht als unbeschränktes Eigentum besitzen und durch gegenseitige Bürgschaft gebunden sind. Für diese Minderheit wäre die Auflösung der Gemeinde nur eine Wohltat. Auch für die Regierung kann die weitere Beibehaltung der Gemeinde keinen Zweck mehr haben. Die Ablösungs- summen, die den Hauptgrund zur Beibehaltung der Gemeinde- organisationen in den sechziger Jahren bildeten, sind schon längst von den Bauerngcmcindcn ausgezahlt worden; un- parteiische Statistiker behaupten sogar, daß die Bauern gegen Mitte der neunziger Jahre bereits das Doppelte bezahlt hatten. Die finanziellen Gründe fallen somit fort. In politischer Hinsicht ist die Aufrechterhaltung der Gemeinde gefährlich, da die verarmten Gemeinde Mitglieder immer bestrebt sind, wenn es anders nicht geht, und einen Zarenukas kann es nicht erweitern. Die finanzielle Zwecklosigkeit und Gefahren sind schon seit mehreren Jahren von den Gemeindegrundbesitz— „anders", das heißt durch gehen— durch Gewalt zu die Politischen der Regierung anerkannt. Schon nach den Baucrnunruhen von 1900/01 hat Plehwe den ersten Schritt zur Auflösung der Bauern- gemeinden getan. Ein solches Gesetz ist im Jahre 1903 veröffentlicht worden, dessen Verwirklichung jedoch durch den japanischen Krieg und die revolutionäre Bewegung von 1901/3 verhindert wurde. An der Fortsetzung der von Plehwe begonnenen Reform arbeitet jetzt Stolypin. Auf die Mitarbcitcrschaft der ersten wie der zweiten Duma konnte Stolypin nicht rechnen, da in beiden eben die verarmte und von cincni zu erweiternden Gemeindegrundbesitz träumende Bauernmasse stark vertreten war, namentlich in der Partei der„Trudowiki". Aber auch die Kadettenpartei, die die Mehrheit in den beiden ersten Dumas besaß, war prinzipiell gegen die Auflösung der Bauerngemeindc. Deshalb ist das erste Gesetz über das „Ausscheiden aus der Bauerngemeindc" nach der Auf- lösung der ersten Duma auf administrativem Wege durch einen einfachen Nkas veröffentlicht worden. Nur nach der ebenfalls auf administrativem Wege durchgeführten Umänderung des ersten Dumawahlgesetzes konnte das Gesetz über das Ausscheiden aus der Gemeinde der„Volksvertretung" zur nachträglichen Bestätigung neben neuen Entwürfen zur Auflösung der Bauerngemeindc vorgelegt werden. In der „reformierten" Volksvertretung gehört die Mehrheit den Großgrundbesitzern: von der Bauernschaft ist hier hauptsächlich die eben charakteristische reichere Minderheit vertreten. Die Großgrundbesitzer sind für die Auflösung der Bauerngemeindc. Denn, wie sich Fürst Peter Trubczkoy. ein Führer des Großgrund- besitzeradels ausdrückt:„Zur Bildung eines stabilen konservativen Elements in, Dorfe ist es notwendig. den Privatbesitz(im Gegensatz zum Parzellenbesitz) zu festigen. Die Förderung des privaten Kleingrundbesitzes ist die Haupt- aufgäbe des Staates, denn die Äleingrundbesitzer würden auch bei uns, wie überall in der ganzen Welt, ein nüchternes. konservatives Element bilden". Aehnlich hat auch Stolypin seine Agrarprojekte in der Duma motiviert. Die Mehrzahl der Baueruvertrcter in der dritten Duma sind ebenfalls für die „Förderung dcS privaten Klcingrnndbesitzes",— freilich schaffen. Für die Regierung hatte die Operation außer aus anderen,„mehr egoistischen" Gründen als die Staats relter Stolypin und Truöezkoh. Das„Gesetz vom 9. Novemdor" ist bereits in der Sommersession von der Duma angenommen, das zweite Gesetz bereits in der ersten Lesung erledigt, jedoch zu unwichtigen Umänderungen und Ergänzungen an eine jkommission überwiesen worden. Sie endgültigen Husfütznings' beitinmungen über die UaterltütZiung geschädigter Cabakarbeiter. DaS Tabaksteuergesetz ist bekanntlich am tS. August d. I. in Kraft getreten, gleichzeitig mit demselben auch der Artikel IIa des Gesetzes über die Unterstützung geschädigter Tabakarbeiter. Die näheren Vorschriften über die Ausführung der in dem Artikel IIa ganz allgemein gefaßten Bestimmungen überließ der Reichstag dem Bundesrat. Dieser erließ zunächst provisorische AuSführungs- bestimmungcn: erst in seiner Sitzung vom 26. November d. I. hat er endgültig über diese entschieden. Auf dem Gebiete moderner Gesetzesmachcrei dürste Wohl kaum ein Fall zu verzeichnen sein, daß eine Exekutivbehörde über 3 Mo- nate nach Inkrafttreten eines Gesetzes zu demselben erst die end- gültigen Ausführungsbcstimmungen erläßt. Wir geben zu, daß die Materie für den Bundesrat völlig neu war; hätte sich das Reichs- schatzamt jedoch von vornherein mit den Männern der Praxis, den Vertretern der Arbeiter, in Verbindung gesetzt, so wäre demselben und den sämtlichen mit der Ausführung der Bestimmungen be- trauten Instanzen unendlich viel Arbeit erspart geblieben; vor allem aber wäre die Regierung nicht für alle Mißgriffe und geradezu unglaublichen Auslegungen des Gesetzes durch die unteren Behörden verantwortlich gemacht worden. Bei den Massen der Arbeiter sitzt heute der Eindruck fest, daß die Regierung bestrebt war, durch Aus- legungskünste den Beschluß des Reichstages möglichst illusorisch zu machen und an den bewilligten 4 Millionen Mark erheblich zu sparen. Ter Reichsregierung ist mit Recht der Vorwurf zu machen, daß sie über drei Monate einen Zustand duldete, der mit dem Ausdruck Anarchie noch zu milde bezeichnet ist; nicht nur, daß die proviso- rischen Bestimmungen von den einzelnen Bundesstaaten völlig Ividersprcchend ausgelegt ivurdcn; selbst in dem Hauptstaat, in Preußen, war von einer einheitlichen Handhabung nicht im ent- serntesten die Rede. Die am 2. Dezember im„Zentralblatt für das Deutsch« Reich" veröffentlichten Ausführungöbestimmungen legen selbstverständlich sämtlichen Oberzolldirektionen diie Verpflichtung auf, die auf Grund der provisorischen Ausführungsbeslimniungen getroffenen Entfchei- düngen einer Revision zu unterziehen. Besonders freudig dürfte wohl keine Oberzolldirektion an diese Arbeit herangehen; nach der bisherigen Praxis dürfte sogar sicher anzunehmen sein, daß, wenn die Arbeiter nicht selbst ihre Rechte geltend machen werden, von einer Anerkennung zu Unrecht abgewiesener Entschädigungs- ansprüche, von einer Nachzahlung zu den zu niedrig bemessenen Unterstützungssätzen in vielen Orten keine Rede sein wird. Die endgültigen Ausführungsbestimmungcn enthalten wesent- liche Verbesserungen gegenüber den provisorischen. Wir gehen wohl nicht fehl, wenn wir diese auf die in der am 25. Oktober statt- gehabten Konferenz im Reichsschatzamte von den Vertretern der organisierten Tabakarbeiter gegebenen Anregungen zurückführen. Bei dem Interesse, das die Tabakarbciter aller Orte an der Sache haben, halten wir es für geboten, auf die wesentlichsten Aenderungen besonders auftncrksam zu machen. Ausländer wurden bisher mehrfach zurückgewiesen, ß I bestimmt ausdrücklich, daß auch Ausländer Unterstützung zu be- anspruchcn haben. Die Gesuche der Werkmeister, Kisten mach er und Hilfsarbeiter wurden seit einer geraumen Zeit überall ab- gelehnt, und zwar, wie die Zollbehörden erklärten, auf Anweisung des Neichsschatzamtcs. Der Schlußsatz des Z 1 lautet jetzt klar und deutlich:„Als Ar- beiter des Tabakgewerbes gelten auch Werkmeister und die Arbeiter, die in«inem der Bearbeitung oder Verarbeitung gewidmeten Be- triebe mit Kistenmachen, Kistenklebcn oder mit ähnlichen, mit der Tabakvcrarbcitung oder mit der versandfähigen Herrichtung der Tabakerzeugnisse unmittelbar zusammenhängenden, für den Betrieb erforderlichen Hilfsarbeiten beschäftigt gewesen sind." Die zu Unrecht zurückgewiesenen Arbeiter werden hoffentlich nicht erst nötig haben, ihre gesetzlichen Ansprüche abermals geltend zu machen, sondern ohne weiteres die ihnen entzogene Unterstützung nachbezahlt erhalten. § 2 verpflichtet die Hausgewerbetreibenden, die Hilfspersonen, die sie beschäftigt haben, namentlich aufzuführen, sowie die an diese gezahlten Lohnbeträge anzugeben, falls von ihnen Unterstützung be- anspracht wird. Durch den§ 3 wird endlich mit der rigorosen Auslegung durch die Zollbehörden aufgeräumt, daß der Gesuchsteller länger als ein Jahr ununterbrochen vor dem 15. August IlHZg im Tabakgewerbe beschäftigt gewesen sein muß. Vielerorts wurden die Ar- beiter zurückgewiesen, wenn sie a u ch nur einen Tag im Vor- jähre beschäftigungslos waren. Am schlimmsten trieb cS die Ober- zolldirektion in Altona. Wer auch nur einen Tag im Vorjahre krank oder arbeitslos war, erhielt keine Unterstützung. Arbeite- rinnen, die wegen Wochenbettes nicht arbeiten konnten, ebenso wer beim Militär gewesen loar, wurde zurückgewiesen. In den letzten Wochen setzte die Oberzolldirektion in Altona ihrer Auslegungskunst die Krone auf, indem sie sämtlichen Zigarrensortiererki, Fertig- machern und Kistenklebern, welche in diesem Jahre kurze Zeit gestreikt hatten, die Unterstützung einfach entzog. „Blinder Eifer schadet nur". Die Altonaer Zollbehörde wird jetzt— nolenS dolens— rückwärts revidieren müssen. Im§ 3 heißt cS jetzt:„Als eine die Unterstützung ausschließende Unterbrechung der Beschäftigung ist nicht anzusehen das Ruhen der Arbeit während der Sonn- und Feiertage, ferner wegen Wochenbetts und vorübergehen- der Erkrankung, wegen Erfüllung der Militärpflicht oder vorüber- gehender unverschuldeter Arbeitslosigkeit. Auch das Ruhen der Ar- l>«it aus anderer Ursache soll nicht als eine Unterbrechung der Be- schäftigung angesehen werden, doch darf in diesem Falle die Zahl der ausgefallenen Arbeitstage in der Rege! nicht mehr als 50 be- tragen." Wir hätten es für richtiger gefunden, der Bundesrat hätte bei den Worten:„Erkrankung und Arbeitslosigkeit" das Wort„vor- übergehend" fehlen lassen; ohne Zweifel wird dies Wort wieder den Auslegungskünsten Tür und Tor öffnen. Ter gesunde Menschenverstand sollte allerdings den Zollbehörden .sagen, Erkrankungen und Arbeitslosigkeit, die beendet sind, waren '„vorübergehend", aber„gesunden Menschenverstand"— sagte ein» mal sehr drastisch ein Zollbeamter einem Vertreter der Arbeiter— „müssen Sie bei uns nicht voraussetzen, für unS gilt nur, was ver- fügt worden ist." Eine völlige Umgestaltung hat auch die bisherige Berechnung?- Methode für die Unterstützungssätze erfahren. Bislang wurde bc- kanntlich der Jahrcsverdienst eines Arbeiters einfach durch 52 ge° teilt und von diesem derart ermittelten Wochcnverdienst% als Unterstützung bezahlt. Wer Wochen- oder monatelang wegen Krank- heit, Arbeitslosigkeit oder sonstiger Ursachen keinen Verdienst er- zielte, wurde durch diese Berechnungsmethode enorm geschädigt. Viele Arbeiter wurden mit geradezu lächerlich geringen Summen abgespeist. Nach den Ausführungsbestimmungen wird die Unter- stützung jetzt nach Tagen berechnet. Für ein Jahr ununterbrochener Arbeit werden 300 Arbeitstage gerechnet; die Zeit, in der die Arbeit wegen Wochenbetts, Erkrankung, Militärpflicht, Arbeitslosigkeit oder wegen sonstiger Ursachen geruht hat, ist bei der Berechnung der Mindestzahl von 300 Arbeitstagen nicht zu berücksichtigen. Daß der Bundesrat nicht von vornherein diese Bestimmung ge- troffen hat, ist gar nicht zu verstehen. Von den sämtlichen Reichs- tagsabgeordneten dürfte wohl kein einziger bei der Schluß- bestimmung von Artikel IIa:„daß die Unterstützung im Falle ein- getretener Arbeitslosigkeit nicht weniger betragen darf als drei- viertel des entgangenen Arbeitsverdienstes", daran gedacht haben, daß es überhaupt möglich sein könnte, daß die Behörden einer solchen Härte,— ja wir möchten sagen Grausamkeit—. fähig sein könnten, den vielen kränklichen, schwächlichen und verkrüppelten Arbeitern, deren Verdienst naturgemäß, wenn sie in Arbeit sind, so wie so ge- ringer ist als der der gesunden Arbeiter, nun auch noch die Zeit ihrer Verdienstlosigkeit bei Festsetzung der Unterstützungssätze mit anzurechnen. Viele arme unglückliche Arbeiter würden bei der ihnen zu- erkannten minimalen Reichsunterstützung einfach verhungert sein, wenn sich nicht die Arbeiterverbände und mildtätige Menschen ihrer angenommen hätten. Tie Erörterung der von der sozialdemo- kretischen Fraktion eingereichten Interpellation wegen der Unter- stützung der Tobakarbeiter dürfte hoffentlich dahin führen, baß der Reichstag ganz energisch verlangt, daß die Behörden schleunigst den durch die rigorosen Auslegungskünste geschädigten Arbeitern die zu »venig ausbezahlte Unterstützung nachzahlen, dainit diese armen Mensche» inindestenS zum Weihnachtsfeste im Besitze der ihnen rechtlich zustehenden Beträge sind. Bedauerlicherweise enthalten auch die endgültigen Bestimmun- gen noch immer keine bestimmte Festsetzung der Frist, in der die Ansprüche der Arbeiter zu prüfen sind; die„beschleunigte Prüfung" haben ein Teil Behörden so verstanden, daß sie die Arbeiter monate- lang auf Bescheid warten ließen. Eine Verbesserung gegenüber dem bisherigen Zustande ist durch den tz 6 geschaffen, nach dem den zurückgewiesenen Gesuchstellern die Gründe für die Ablehnung schriftlich mitzuteilen sind; auch soll ihnen in dem Bescheid die Bc- Hörde genannt werden, bei der sie Beschwerde führen können. Eine Bestimmung, die lediglich im Interesse des FiskuS selbst gelegen ist, ist die im 8 l'-„Verdient ein Arbeiter während der Zeit seiner Arbeitslosigkeit im Tabakgewerbc in einem anderen Berufe mehr, als die Unterstützung betragen würde, so wird dieser Mchrverdienst von einer späteren Unterstützung nicht abgezogen." Obgleich wir eS für selbstverständlich erachten, daß auch ein im Tabakgewerbe selbst bei Schichtwechsel oder Aushilfsarbeiten über den jetzt pro Tag normierten Unterstützungsbetrag erzielter Mehr- verdienst nicht abgezogen werden darf, hätten wir eS doch für rich- tiger gehalten, wenn dies ausdrücklich ausgesprochen worden wäre. da einzelnen Zollbehörden gar nicht deutlich genug gesagt werden kann, was sie zu tun haben. Für äußerst bedenklich halten wir die Bestimmung im Z 5: „daß die Frage, ob die Arbeitslosigkeit infolge des Tabaksteuer- gesetzes eingetreten ist, dann besonders eingehend geprüft werden soll, wenn der Arbeiter aus einem Betriebe entlassen wird, in dem zur Zeit der Entlassung mehr Arbeiter beschäftigt sind als im Durch- schnitt des Vorjahres." Das ist wieder eine kautschukartige Bestinuuung, die der willkürlichen Auslegung einzelner Zollbehörden einen weiten Spielraum läßt. Nun ist allerdings im ß 6 ausgesprochen, daß bei der Prüfung von Beschwerden Vertrauensmärkner aus der Arbeiterschaft gut- achtlich gehört werden k ö n n e n; ein Mitbestimmungsrecht ist den- selben aber nicht eingeräumt. Erfreulich ist, daß im§ 10 den Behörden irrdirekt empfohlen wird, sich„der Mitwirkung etwa vorhandener Arbeiterverbände zu bedienen". Wenn wir auch überzeugt sind, daß die Regierung hier nur aus der Not eine Tugend gemacht hat, denn ohne diese Mit- Wirkung würde in vielen Orten den Behörden eine Kontrolle der Arbeitslosen ganz unmöglich sein, so ist bei der bisherigen ab- lehnenden Haltung der Reichsregierung gegenüber den Arbeiter- verbänden eS doch ohne Zweifel als ein Fortschritt anzuerkennen, wenn die deutsche Reichsregierung in einem offiziellen Aktenstück die„Mitwirkung der Arbeiterverbände" für not- wendig erklärt. Hoffentlich merken sich daS auch die Behörden in den in der Kultur noch etwas zurückgebliebenen Gegenden unseres deutschen Vaterlandes, wo einzelne Behörden sich diese Mitwirkung ausdrück- lich verbeten haben. In Breslau und anderen schlcsischcn Jndustrieorten z. B. erachtet man die den Tabakarbeitern auf Grund eines Reichsgesetzes rechtlich zustehende Unterstützung noch iinmer als eine Art Armen- geld und hält sich sogar berechtigt, Arbeiter zurückzuweisen, wenn man sie nicht„für bedürftig" ansieht. Diesen Gemütsmenschen ist eS jedenfalls zu danken, daß in den Ausführungsbestimmungen bezüglich der öffentlich rechtlichen Wirkung der Unterstützung ge« sagt wird, daß die gewährte Unterstützung, nicht nur, soweit in Reichsgesetzen, sondern auch in Landesgcsetzen. der Verlust öffentlickier Rechte von dem Bezug einer Armenunterstützung abhängig gemacht wird, als Armenunterstützung nicht anzusehen ist. Die Konsequenz der erlassenen Ausführungsbestimmungen ist, daß den geschädigten Tabakarbeitern erhebliche Summen werden nachbezahlt werden müssen. Die Freude der Tabakarbeiter, durch die Ausführungsbestimmungen nun endlich, nach mehr als dreimonat- lichem geduldigen Warten, ihre Rechts in besserer Weise als bisher gewahrt zu sehen, dürfte aber bald in bitteres Leid verwandelt werden, wenn Reichstag und Bundesrat sich nicht bereit erklären würden, für die-in Artikel IIa in Aussicht genommene Unter- stutzungsperiode von zwei Jahren ausreichende Mittel zur Ver- füguny zu stellen. Hoffentlich bewirkt die Interpellation der sozialdemokratischen Fraktion, daß beide gesetzgebenden Faktoren beschließen werden,— nicht nur aus HumanitätS-, sondern auck aus Gerechtigkeitsgründen —. daß entsprechend dem Sinne des Artikels IIa die Unterstützungen auf Grund der nun erlassenen Ausführungsbestimmungen für die Dauer von zwei Jahren soetzuzahlen sind. Die Regierung kann überzeugt sein, daß die Arbeiterverbändc bereitwilligst alles tun werden, um eine unberechtigte Ausnutzung des Unterstützungsfonds zu verhindern. parlamentarisches. LZ Antrage hat die sozialdemokratische Fraktion dem Reichstage miterm 3. Dezember 1000 zugehen lassen. sNrn. 57—81 der Drucksachen.) Nr. 57: Der bereit.? früher eingebrachte Entwurf eines Gesetze? betreffend den Schutz der Arbeiter dcö Baugewerbes, enthaltend 21 Paragraphen, durch die geregelt werden sollen: die Einrichtungen der Baubetriebe, der Unterkui»ftSräu>ne und V e- dürfuisanstalten und UnfallverhütungS-Bor» schriften sowie Bestimmungen über die Bautenkontrolle. Nr. 58: Der bereits früher eingebrachte Entwurf eines Gesetzes betreffend die Haus- und Heimarbeiter und die Gewerbetreibenden. Nr. 59: Anwendung der Vorschriften des Z 26 Abs. 1 und Abs. 2 (Satz 1), sowie der Z§ 37, Absatz 3, öLa und 57a des Krankenversicherungsgesetzes auf die Knappschaftskasscn. Nr. 60— 63: Entwürfe, betreffend Abänderung der Verfassung, und zwar Nr. 60: Einfügung eines Artikels 23a in die Verfassung des Deutschen Reichs, wonach der Reichstag das Recht erhalten soll. zur Untersuchung von Tatsachen Kommissionen einzu- setzen, die berechtigt sein sollen, Zeugen und Sachverständige— auch eidlich— zu vernehmen.— Nr. 61: Reichskauzler-Vcrantwortlich- keit.— Nr. 62: Zeugnisverweigerungsrecht für Reichstagsabgeord- ncte(mit Bezug auf Dinge, die ihnen in ihrer Eigenschaft als Reichstagsabgeordnete mitgeteilt sind.)— Nr. 63: Zur Erklärung des Krieges im Namen des Reiches soll die Zustimmung des Bundes- rats und des Reichstags erforderlich sein.— Nr. 64; Entwurf eines Gesetzes über die Volksvertretung in den Bundesstaaten und in Elsatz-Lothringen. Der einzige Artikel dieses Entwurfes lautet: Der Artikel 3 der Verfassung des Deutschen Reichs erhält folgende» Zusatz: In jedem Bundesstaat und in Elsaß-Lothringen muß eine aus Grund des allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahl- rechts gewählte Vertretung bestehen. Das Recht, zu wühlen und gewählt zu werden, haben alle über 20 Jahre alten Rcichsangchörigen ohne Unterschied des Geschlechts in dem Bundesstaate, in dem sie ihren Wohnsitz haben. Die Zustimmung dieser Vertretung ist zu jedem Landes- gesetz und zur Feststellung des Staatshaushaltsetats er- forderlich. Nr. 65: Antrag auf baldige Vorlegung eines Gesehentwurfö, durch den das Bcrtragsverhältnis zwischen den in landwirtschaft- lichen oder forstwirtschaftlichen Betrieben beschäftigten Arbeitern und ihren Arbeitgebern, sowie das Bertragsverhältnis des Ge- s i n d e s und deren Arbeitgeber durch reichsgesetzliche Vor- schriften geregelt werden soll.. Nr. 66: Die Verbündeten Regierungen zu ersuchen, dem Reichstage baldigst einen Gesetzentwurs vorzulegen, durch den die tägliche regelmäßige Arbeitszeit für alle im Lohn-, Arbeits- und Dien st Verhältnis im Industrie-, Handels- und Verkehrswesen be- schäftigten Personen unter Festsetzung angemessener Uebcrgangsvorschriften auf längstens 8 Stunden festgesetzt und der Sonnabendnachmittag freigegeben wird. In Betrieben mit ununterbrochener Arbeitszeit sowie in unterirdischen Betrieben soll eine tägliche regelmäßige Arbeitszeit von längstens 8 Stunden und in unterirdischen Betrieben, in welchen die Temperatur 23 Grad EclsiuS übersteigt, von längstens 6 Stunden zugelassen werden. Nr. 67: Forderung eines Gesetzes, das eine Regelung des Wohnungswesens vornimmt.(Wohmmgsinspcktion, Reichs- Wohnungsamt.) Nr. 68: Forderung eines Gesetzes, durch das die Verhältnisse der Pensionskassen für die den Hütten- und Walzwerken usw., den Konstruktionswerkstätten, Maschinen-, Textilfabriken ujid anderen industriellen Etablissements angehörenden Personen für das ganze Reich einheitlich geregelt werden. Nr. 69: Forderung einer Gesctzesvorlage, durch die eine Reichs- behörde gebildet wird zur Untersuchung von Unfällen beim Bergbau und zur Anordnung von vorbeugenden Maßnahmen gegen Unfälle. Nr. 70: Forderung eines Reichsberggesetzes. Nr. 71: Forderung gänzlichen Verbots der Beschäftigung jugendlicher Arbeiter unter Tage. Nr. 72: Forderung von Schudbestimmungen für die in Walz-, Hütten-, Hammerwerken, Metallschleifereien beschäftigten Personen. Nr. 73: Forderung der baldigen Vorlegung eines Gesetzent- Wurfs, durch den das Knappschaftsweseu für das gesamte Reich einheitlich geregelt wird. Nr. 73: Die Verbündete» Regierungen zu ersuchen, dem Reichstag baldigst den Entwurf eines Gesetzes vorzulegen. durch welches nach Art und in Anlehnung an die Gewerbegerichte und Kaufmamrsgerichte zur Entscheidung von Streitigkeiten aus den, Arbeitsverhältnis zwischen ländlichen Arbeitern und deren Arbeitgebern sowie aus dem Ge- sindeverhältnis eingerichtet werden. Nr. 75: Schutz der in der Glasindustrie beschäftigten Arbeiter. Nr. 76: Regelung der Verhältnisse der Privatbeamten. Nr. 77: Abänderung des Zolltarifgesetzes von 1902(Auf» Hebung des Identitätsnachweises). Nr. 78: Die Verbündeten Regierungen zu ersuchen, den» Reichstag baldigst einen Gesetzentwurs vorzulegen, durch welchen die rechtlichen u»»d sozialen Verhältnisse der in Theater». ZirkuS-, Konzert- und S i n g s p i e l h a l l e n- B e- trieben beschäftigten Personen für das ganze Reich geregelt werden. Nr. 79: Abänderung der Geschäfteordnung des Reichstag- (Verbesserung des Jnterpellationsrcchts, Einführung von„An. fragen" an Bundesrat oder Reichskanzler usw.). Nr. 86: Abänderung des Gesetzes betreffend die Beschlagnahme des Arbeits- und Dienstlohnes(von 1869), indem der Passus des Gesetzes folgende neue Fassung erhält: „insoweit der Gesamtbetrag der Vergütung(8Z 1. 3) die Summe von zweitausendfsinfhundert Mark überstiegen hat". Nr. 81: Ersetzung des s LS des Handelsgesetzbuches durch nach- folgende Vorschriften: „Wird der Handlungsgehilfe durch unverschuldetes Unglück an der Leistung der Dienste verhindert, so behält er seinen An- spruch auf Gehalt und Unterhalt, jedoch nicht über die Dauer von sechs Wochen hinaus. Der Handlungsgehilfe ist nicht verpflichtet, sich den Betrag anrechnen zu lassen, der ihm für die Zeit der Verhinderung aus 'einer Kranken- oder Unfallversicherung zukommt. Eine Vereinbarung, welche diesen Vorschriften zuwiderläuft, ist nichtig." Wafferftand S.Nachrtchtcn der LcmdeSanstalt für Mewäsierkunde, mitgeteilt v»m Berliner SSetterburecm. + bedenlet 39iu68.— Fall.•) Uuiervegel.'i EiSsland.*) Eis» treiben.•) Höchster Wasserstand: 300 ein am 5. um 4 Uhr nachts. Die Saale und U n st r u t sind auSgeuscrt, überschritten jedoch das Mittclhochwasser nicht erheblich— Die obere Weser ist gestern stellenweise etwaS über die Aueuscrungshöhe gestiegen, überschritt daS Mittelhochwasser noch nicht, die Flüsse der Quell gebiete waren schon wieder im Fallen.— Die Leine hat mittelgroßes Hochwasser behalten.— Die E mS ist bei Lingcn gestern 1'/, em über die ZluSuscrungöhöhe, ebenfalls aber nur wenig über Mittelhochwasscr gestiegen.— Main und Mosel sind auch bereits auSgeuscrt, die gemeldeten Wasserstände liegen aber noch unter Mittelhochwasscr.— Die Ruhr, die gleichfalls auSgeuscrt toar, ist von vor- gestern aus gestern schon wieder gesallcn.— Der Rhein war gestem noch weit von AuSujerungShöhe und mittlerem Hochwasser entfernt. für den ifieriiaerRgielistaiswatilkreis Görlitzer Aiertel. Bezirk Nr. 221, Teil L Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Händler Paul kTsuKe Rcichcnberger Straße 124 gestorben ist. Ehre seinem Zlndenken l Die Beerdigung siudct am Mittwoch, den 8. Dezember, nach- mittags l'u Uhr, von der Leichen- halle des Emmaus-Kirchhoses in Rixdorf, tzcrmannstraße, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. 8om!lIeiMi'zt>Ä!ie!' VaUvereio für den L Bert. Reielislags-Wahlkfeis. Köpeuicker Viertel. Bezirk Nr. IST Den Mitgliedern zur Nachricht. daß unser Genosse, der Metall- schleiser Karl Dasfig (Eisenbahnstr. 32) gestorben ist. Ehre seinem Andenke« k Die Beerdigung findet heute, Dienstag, den 7. Dezember, nach- mittags 2 Uhr, von der Leichen- Halle des Emmaus-Kirchhoses in Rixdors, Hcrmannstraße, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 221/4 Der Vorstand. ZvmWemtolMaei'Wivei'kto des 6. Bert. Reiehslags-ffalilkreises. Todes- Anzeige. Am 4. Dezember verstarb unser Mitglied, der Schankwirt l�iidolk Haeger Koloniestr. 36. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet heute, Dienstag, den 7. Dezember, nach- mittags 21/i Uhr, vom Trauer- hausc aus nach dem neuen Pauls- Kirchhose in Plötzensee statt. Um rege Beteiligung ersucht 233/4 Der» Vorstand. Zentral-Verband der Zimmerer Deutschlands. Zahlstelle Berlin und Umgegend. Bezirk I. Den Bcrussgenosscn zur Nach- richt, daß unser Mitglied Psul Trzoska am 4. d. M. verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Dienstag, den 7. Dezember er., nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle der PWSgemeinde, Wilyclmsberg, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 253/2 Ter Vorstand. Zentral-Verband der Zimmerer Deutschlands. Zahlstelle Berlin und Umgegend. Bezirk I. Den Berussgenossen zur Nach- richt, daß unser Mitglied «ejorfed Maag am 2. d. M. an den Folgen ewes Unfalls verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Dienstag, den 7. Dezember, nach- mittags 1 Uhr, von der Leichen- Halle des GemcindesriedhoseS zu Fricdrichssclde aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 255/1 Der Vorstand. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines gelieben Mannes und unseres guten Vaters, des MetalldrcbcrS Otto Hoffniann sage ich den Verwandten und Be- kannten, insbesondere dem Chef und Kollegen der Firma Hugo Hartmann sowie dem Vorstand der Allgemeinen .Kranken- und Stcrbckasse der Drechsler und Berussgenossen meinen herz- lichslcn Dank. Lichtenberg, 6. Dezember 1909. Wwe. HolTinann nebst Kindern. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme, sowie für die überaus reichen Kranzspenden bei der Bc- erdigung meiner lieben Frau, unserer guten Mutter. Schwiegermutter, Großmutter. Schwester und Tante Emilie Gerlcke sagen wir allen Freunden und Bekannten, Kolleginnen und Kollegen, der Sektion IN des SchnciderverbandeS, den Genossen dcS 476. Bezirkes sowie dem Genossen Waldeck Manasse und dem FAedrichstädtischen Männerchor unseren herzlichsten Dank. 2773b Im Rainen her trauernden Hinterbliebenen Karl Gerlcke. ♦ H H ♦ M ♦ H ♦ H ♦ M H H H H H N H ♦ M » M ♦ N ♦ M s s H S ♦ M ♦ M ♦ H ♦ H ♦ H ♦ H ♦ M 8 S S L H ♦ H ♦ H ♦ S S S I Nützliche Fest-Geschenke Fantafieweften...... 2.25« Strickweften 9- 5.- u. 2.50«. Sweater...... 5— 2.75 1.20 m. Gloria-Schirme clLit''. 3.90 m. Stock-Schirme 8.75«. Herren-Kragen 4f«A.i/,D6. 95pra. Manfchetten..>,. dp. 1.65 h. Ober-Hemden....... 2.90« Kr aw atten»iienieuen«...... 95 pfa. Herren-Hüte 6- 4.50 2.90I.90 Unterwäsche Normal-Hemden Nacht-Hemden Tag-Hemden Hosenträger Friseur-Jacken Konditor-Jacken Schürzen Handschuhe Pelzmützen Pelzkragen Kragenschoner Herren-Mützen Kinder-Mützen Taschentücher Manschettenknöpfe Alpentrachten Alpenstutzen Alpenhüte Alpengürte! 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Mitqlieder-Oiuthabcn-Konlo 104 152,37 Rc>erveioiids.Koiilo... 27 379,81 SparsondS-Konlo... 253 227,8? Licferanten-Konto... 90 248,33 Kautionö-Konto.... 11 868,47 Dispositions Konto... 266,16 Rückoergütungs-Konto.. 643,01 Sparmarlcn-Kouto... 7 800,60 Spezial-Reserveiondö-Konto 2 500,— HaiislMteil-Koiito... 106 340,— Mitglicderguthabcn-Koiito B. C.-B...... 48 816,42 HauSanicilzinsen-Konto. 774,— Gewinn- u. Verlusi-Konto, Reiiigeivinn..... 157 875,41 811 202,45 811 292,45| SUMMa nitglicdcrbcwegnng. Bestand am 30. Juni 1903........ 10 221 Neu eingetrelen............. 10 0S6 20 307 Ausgeschieden durch llcbcrtragiuig...... 10 . Tod.......... 23 Ausschlug....... 605 Freiwillig ausgeschieden.........■ 407 1 135 Bestand am 30. Juni 1909... 19 172 Äkitglieder Die eingezahlten Milgliedergnlhaben betrugen am 30. Juni 1903 75 109,71 M- Einzahlungen wurden gemacht sür.......... 29 042,66. Bestand am 30. Junt 1909. � 104 152,37 Ä, Die Hastsumme betrug am 30. Juni 1908...... 806 630,— M Dieselbe erhöhte sich im lausenden Jahre um...... 268 530,—. Mithin beträgt die Haftsumme am 30. Juni 1909 575 160,— ilt. Berlin, den 3. Dezember 1909. Der Autulclifsrnt. Der Torsland. Fr. Schulze. 146/3 R. Junger. 0. Mücke. Großes Aussehen erregt ein Weihnachtsdaum mit meinem wohlbekannten 1 mit über 300 Stück in nur aus- AUiiMtiUiUA i. rrlesenen, hochmodernen diesjährigen Neuheiten, als: Edelobst. Früchte, Birnen mit Gesicht, Trauben mit Blättern, Kugeln und Ttcr mit Pbantasie« maleret sJiigendstil) usw., laut. Glöckchen, Schmelterlinac, Paradiesvögel, Fruchttörbe mii Trauben und Aoldapfcln, Marmor- und Feuerlugel», Nüsse, Nitolans im Schiieemaiitcl. «Scidsack mit 160 000, Wickelkind in Rosa, Kugel mit Rad schlagendem Pfau, Diamant ingcln und Sviegclrcilcllorcn, mit Seidcnchcnille und Silberdraht lcontfch umsponnene glitzernde Dekorationen und Zierstllcke, Golvsischc. Hase im Ei, schwimmende Enten. 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Der Gegenstand ist ein äußerst wichtiger. Die in Preußen verfolgte Politik ist erz- reaktionär, wie das in keinem anderen Lande Deutschlands der Fall ist. Diese Politik wird durch den großen Einfluß Preußens aus das Reich auch auf das letztere übertragen; auch die Gemeinden leiden unter dieser unheilvollen Politik. Aus diesem Grunde allein erheischt das heutige Thema das dringendste Interesse der Parteigenossen. Dritter Wahlkreis. Die Genossen und Genossinnen werden darauf aufmerksam gemacht, daß die Versammlung heute abend pünktlich 8'/- Uhr eröffnet wird. idiB. Für die Bezirke 271 und 272 findet der gemein- schaftliche Znhlabend bei Trebbin, Köpenicker Str. 47 statt. Die Genossen werden ersucht, sich zahlreich zu beteiligen. Der Vorstand. Znhlnacht! Zweiter Wahlkreisnit den» Gerichtsarzt Medizinalrat Dr. Hoffmann erschienen. Auch von der StaatSarnvaltschaft beim Landgericht I kam ein Vertreter. Der Befund wurde wie folgt festgestellt: Der Körper ist in Taillenhöhe durchgeschnitten, das Rückgrat scharf durchgetrennt. Ein Längsschnitt zieht sich durch die ganze Brust. Der Kopf ist finger- breit über dem Nacken glatt abgetrennt. Das Rückgrat weist am Taillenschnitt Spuren eines wiederholten Ansetzen deS Messers an die Fleischteile aus. Aehnlich ist der Halsschnitt. Der rechte Arm ist roh herausgeschnitten, so daß die Rippen unter ihm zum Teil bloßgelegt, zum Teil angeschnitten sind. Der rechte Arm ist glatt aus dem Schultergelenk herausgelöst. Die linke Brust ist bis auf die Rippen abgeschnitten. die Rippe,» sind zum Teil noch angeschnitten. Die rechte Brust ist etwa? höher glatt abgetrennt. Ein großer Hautfetzen zeigt, daß das Schneidewerkzeug zweimal angesetzt ist. ES. ist also nur der obere Teil des Rumpfes vorhanden. Alles andere fehlt. An der linkci» Brustseite zeigen sich in der Gegend deS Schlüsselbeins drei nebencinander liegende dreieckige Einstiche, als ob jemand bei der Zerstückelung der Leiche ein Jnsirliment, vielleicht eine dreizinkige Gabel, hineingestoßen hätte, um den Körper festzuhalten. Ans dem Leichenschauhause wird geschrieben: Zu einer genaueren Besichtigung»ourde der Leichenteil von der Flindstslle alsbald nach dem Schaubause gebracht. Auf Grund der vorläufigen Besichtigung kam der Gcrichtsarzt zu dem Gutachten, daß eS sich auf keinen Fall um ein anatomisches Präparat oder eine sogenannte Anatomielciche handelt. Dagegen spricht die Art and Weise der Abtrennung der Körperteile, die keineswegs anatomisch k»inst- gerecht bewerkstelligt ivordcn ist. ES spricht auch dagegen, daß sich Herz und Lungen»och in dem Brustkorb befinden. Diese Teile hätte der Anatom ganz sicher heransgeiionimcn. Der Gerichisarzt stellte ferner fest, daß a» den Schnittflächen an verschiedenen Stellen noch wosserdnrchsetztes Blut ans dem Körperteil herauskam. Er kaiin also noch nicht allzu lange im Wasser gelegen haben, vielleicht acht bis vierzehn Tage. Das Alter der Person läßt sich auch nicht an- nähernd seftstclle». Die Rumpfhöhe beträgt 36 Zentimeter. Das entspricht, wenn nicht gerade eine Abnormität vorliegt, nach den medizinischen Erfahrungei» einer Körpergröße von 1,60—1,63 Meter. Der Körperumfang ist der einer erwachsenen Person. Der Durch- schnitt beträgt 30 Zentimeter. Nach de» inneren Organen, Herz und Lunge mag die Person etwa 30 bis 40 Jahre alt gewesen sein, doch steht'das keineswegs fest. Das Herz hat ziemlich viel Fett angesetzt. Noch verschiedenen Fettschichten scheint es sich um eine mittelmäßig korpulente Person zu handeln. DaS Werkzeug, mit dem der Körper zer- stückelt»vurde, ist nicht sehr scharf gewesen. Es kann eher ziemlich stiinipf gewesen sein. Der Unterleib ist nach medizinischen Gut- achten am zweiten Lendenivirbel vom Bauchfell abwärts abgetrennt worden. Verschiedene Einschnitte zeigen, daß der Täter ein rohes Werkzeug roh gehandhabl hat. Die Speiseröhre ist nicht glatt durchgeschnitten, sondern abgerissen. Nack dem bisherigen Stand der Nachforschungen bedarf eS eifriger Mitwirkung der Bevölkerung,»nn über die Person der Toten Klarheit zu gewinnen. Vor allem sollte jeder, der seit acht bis vierzehn Tagen eine weibliche Person vermißt und das noch nicht angezeigt hat, sich»mverziiglich bei der Kriminalpolizei melden. Die Frage, ob ein Verbrechen gegen das Leben vorliegt, und welcher Art es sein mag, läßt sich auS dem Befund nicht bestimmt sagen. ES kann sein, daß wieder, wie im Falle RadatuS nach einem Verbrechen gegen das keimende Leben, die Leiche zerstückelt und weggeschafft»vorden ist. Am Ivahrscheinlichsten mag sein, daß ein Zuhälter eine Prostituierte umgebracht und die Leiche zerstückelt und lvcggcschnfft hat. Ob nuN die Tötung in der Stadt, in einem Hause oder aus einem Kahl», oder vielleicht auch außerhalb Berlins erfolgt ist, läßt sich gar nicht sagen. Die Kriminalpolizei hat deS- halb auch alle ihre Abteilungen mobil gemach», nach jeder Richtung die erforderlichen Schritte zu tun. Sie hat die Beamten aller Bezirks. auch die Sitlcnbeamten und die Patrouillen herangezogen. Auch die Spürhunde sind airgesetzt worden, zur Absuchung der Ufer io- ivohl wie aller Kähne bis hinauf nach Slralan-Rnmiirelsbnrg. Mit dem Polizeidampser und Booten der Schiffer wurde von Beamten und Schiffern alsbald der ganze Fliißlanf abgesucht. In den Schiffer« kneipen ivurden die Bekamitinachnugeii ausgehängt. die Schleusemvärter, die Beamten und Arbeiter der Wafferbaniiiipeklionen wurden ebenso wie alle Polizeibehörden in weitem Umkreise von Berlin in Kennt- »is geletzt. Nach den Registern der Schiffahrtspolizei wurden alle auswärtigen Behörden veranlaßt, alle Kähne, die in der letzten Zeit in Berlin gelegen haben, schleunigst ans Leichenteile, Blut- spuren, Kleidungsstücke und alle anderen Aiibaltspuiikte zu untersuchen. Ein vorläufiges Ergebnis der Ernrittelungen ist bisher, daß an dem Grundstück Alt-Stralau 1/2 nntervalb der Treptolver Eiseiibabirbnicke gestern abend ein Pompadour und einige weibliche Kleidungsstücke gefiinben wurden. Was sie für die Unicrillchinig bedernen, läßr sich »och nicht sagen.— Aus dem Publikum erhielt die Kriminalpolizei nach dem Sänlenanschlag die erste Mitteilung. Hiernach haben vor acht Tagen Hausbewohner im Osten der Stadt ans einem Flur eine große Blutlache gefunden, für die sich keine Erklärung erniitteln ließ. Auch bis jetzt ist ihre Herkunft nicht ansgeklärt. Durch die Nachforschungen auf der Spree, die sich auf alle Kähne erstrecken, ist ein Boolsmann R. ermitlelt worden, der den Leichenteil schon am Sonnabend nachmittag gesehen hat. R. sah am Sonnabend nachmittag zwischen 2 und 4 Uhr das Paket, in dem sich der Rumpsteil befand, an seinem Kahne. Die graue Papier- hülle hatte sich an einer Stelle gelöst. Dort hing ein Stück Fleisch heraus. R. kümmerte sich darum nickt weiter, weil er glaubte, daß verdorbener Schinken in der S»'ree schwimme. So er- zählte er auch seinen» Schiffer. Das Paket ist min wahrscheinlich ziviscken die Kähne geraten und war dort festgeklemmt, bis es am Soiintagvormittag in Bewegung geriet. Bei diesen Bewegungen ist wohl auch die Hülle gcrissen»nid abgefallen. Die Kriminalpolizei hat iiur noch ganz winzige Fetzen bergen können. Alle Slromichlffer und Wajserbeamtcn sind ersucht worden, auf daS genaueste auf die Wasserläufe zu achten und etwaige Funde sofort zu melden. Polizeidampfer und Boote mit den Polizeihimden haben bisher keinen Erfolg gehabt. Ein Heer von Kriminalbeamten ist überall in Tätigkeit. Tie Miillplätze werden ebenso wie die Müll- kästen nach Leichenteilen durchsucht. Immer neue Blüten treibt der Schwindel mit Gcheimmitteln der von Amerika, England und Frankreich anscheinend mir Riesen» erfolg betrieben wird. Nachdem der Schwindel des„Professors" Maxin», der Handschriften einforderte, um dara»ls die tollsten Dinge zu beulen und dann den„gläubigen" Damen eine„Plakette" an» zuschmiere»», aufgedeckt worden ist, haben sich eine Menge der„Ge» rupften" gemeldet. Die Damen erhielten»neistens für teueres Geld ein ovales Brett aus dünnen» Holz, aiif dessen einen» Ende ein Glaslnopf und an» anderen Ende ein Bleistift befestigt war, der „allein" schreiben könne, wenn auf dem Knopf gedrückt würde. Der Bleistift bat aber bis jetzt bei all den Empfängerilmen gestreikt. Er scheiilt auf den» Transport sehr angestrengt ivordcn zu sein, denn er hatte»neistens keine Spitze mehr. Mab. Harriett Meta Smith aus Paris(Rnc d'Auler 7) hat ein Mittel angepriesen zilr Beseiligung von Runzeln. DaS famose Büttel sollte unfehlbar sein mid in einer Nacht helfe»». Was Wunder, daß eine Menge Damen das Mittel zu haben wünschten. Die sich Meldenden er- hielten einen Vertrag, den sie uillerzeichnet zurücksenden mußten. Darin verpflichteten sie sich zur Zahlung von 24 M. für das Wunder- mittel, während Mab. Smith versprach, das Geld zurückzuzahlen, wenn das Mittel wirkungslos sei. In diesem Falle müßte eS aber binnen 48 Stunden nach Paris zurückgeschickt werden. Es be» stand aus einem Pflaster einer Seife, die jedenfalls andeuten sollte, daß man ordentlich eingeseift wird. Das Pflaster mußte zwölf und mehr Stunden auf den Runzeln liege». Dame»», die das Mittel nach vergeblichein Gebrauch zurückgesandt haben, erhielten ihr Geld nicht zurück, sondern ein Schreiben, worin auf den Vertrag und die 4 8 Stiiiidci» Frist zur Zurücksendung hingewiesen wird. Mab. Smith ist auch erbötig, Haare aus dem Gesicht zu entfernen»»nd zwar umsonst, w e 11 1» mair ihr Personen namhaft macht, die mindestens für 80 M. Bestellungen einsenden, lind es soll auch solche Duinme genug geben, die auf den neuen Schlvindel hiueiitfallen. Wegen Unterschlagungen bei der Stadtsynode wird der 41 Jahre» alte Bureauassistent Bernhard Bolt aus der Neuen Schönholzer Straße 9 zu Pankow verfolgt. Bolt war seit elf Jahren bei der Berliner Stadtsynode angestellt. Er bewohnte mit seiner Frau, einem 12 jährigen Sohn und einer lOjährigen Tochter im dritten Stock eine Wohnung für 730 M. und trieb, soweit sich das über» sehen ließ, keinen Auflvand, lebte vielmehr bescheiden und ruhig. Als er an» vergangenen Donnerstag»»achinittags 4 Uhr nach Hauie kam, war seine Frau zu ihrem kranken Bruder gegangen. Bolt ver- abschicdete sich von seinen Kindern und ging gleich wieder weg. Seitdem ist er verschwunden. Als er am Freitag nicht nach dem Bureau kan», prüfte man die Bücher und die Kasse und ent- deckte nun Uiiterschlagniigen, deren Höhe noch nicht festgestellt ist; nach dem, was Frau Bolt mitgeteilt»vurde, sollen sie gegen 30 000 Mark betragen. Es soll sich un» Geld handeln daS zu wohltätigen Zwecken an die Stadsynode gesandt sein soll. Eine Elcndstragödie hat sich in der Ehlauer Straße 8 ab- gespielt. Dort wohnten seit längerer Zeit die Buchbinder JeSko Gcrlachschen Eheleute, die beide 43 Jahre alt und seit zwanzig Jahren verheiratet waren. Sie waren kinderlos. Es waren ordent- liche Leute, gerieten aber in Not, da der Mann seit Jahre» keine Arbeit mehr hatte. Sie vermieteten infolgedessen ein Zimmer, und die Frau verdiente als Schneiderin etwas dazu, was aber nicht hin- reichte, sie vor Elend zu schützen. Gerlach verließ gestern nach» mittag um 2 Uhr seine Wohnung und ist seitdem verschwunden. Seine Frau öffnete in der Nacht eine Gasleitung, an der sich früher eine Hängelampe befunden hatte, und vergiftete sich. Ms der Zimmermieter um 33/4 Uhr noch Hause kam, fand er sie tot auf dem Sofa liegen. Auf einem Zettel hat sie mitgetcilt, daß sie ans der Welt scheiden müsse, weil sie zu viel Not gelitten habe; ihr Mann wolle sich irgendwo anders das Leben nehmen. Warnung vor Pakctschwiudlcrn. Neuerdings läßt ein Schwindler Pakete durch Kinder abtragen und das Geld dafür einziehen. Später stellt sich heraus, daß in den Paketen sich Papierschnitzel befinden. Derarrige Tricks sind in den letzten Tagen bereits vier bei der Kriminalpolizei gemeldet, in denen es dem Schwindler gelang, Beträge von 9,30 bis 16,80 M. zu erbeuten. In zwei Fällen wurde der Betrug zivar sofort entdeckt, doch konnte der Täter infolge der von ihm angewandten Vorsicht nicht festgenommen werden. ES kann nicht dringend genug davor gewarnt»verden, daß Dicustboten oder Portiers ohne direkten vorhergehenden Austrag ihrer Herrschast Geldbeträge bei Ablieferung von Sendungen verauslagen. Zu dem Raubmordlinsall auf Postamt 6t) in der S-blvedenstr. 5 Werden zwei benierte»Swcrlc Mitteilungen gemacht Am Freitagabend um 7% Ubr, also niedrere Stunden nach dem Anschlag, kamen zwei Männer, auf die die Bcschrewung der Räuber pabt, zu einem nicht allzu weit vom Tntort entfernt wohnenden Arzte, um sich eine Aer- letzung verbinden zu lassen. Die Wunde rührte nach ihren Angaben von einem Schusse her. Die Leute � Weigerten sich, ihre Namen und Wohnungen anzugeben, machten auch über die Herkunft der Berletzung ganz unklare An- gaben. Auf die Frage des Arztes, wo denn die Verletzung stattgefunden habe, in welcher Straf;?, erwiderten sie nur in der Warschauersirasze. Unter dieseir Umständen iveigcrte fich der Arzt, einen Verband anzulegen, und veuvieS die Leute an die Unfall- station, Jefcl ivnrdcn sie so ungebärdig, dag der Arzt von seinem Hausrecht Gebrattch machen und sie hinauSweiseu mustle. Eine Ümfiage bei den Unsallstatioire» bat ergeben, das; dort nach T3/, Uhr niemand mit einer derartige» Verletzung ge- weien ist. Möglich ist, daß die Leute zu einem anderen Privatarzt in der Gegend des WeddingS oder auch irgend wo anders gegangen sind. Die Unfallsiationen haben sie ohne Zweifel gemieden, weil ihre Verletzung mir einer strafbaren Hand- hing in Verbindung steht. Es wäre für die Kriminalpolizei sehr wichtig, von dem Arzr, der eine Verletzung der angegebenen Art nach 7� Uhr am Freitagabend verbnnden hak, sofort Anskunft zu erhalten. Auch sollten sich bei der Krimiitalpolizei unverzüglich zwei Männer melden, die zur Zeit dcS UebcrfallS an der Erle der Christiauiastraste und Schwedenstraye standen und sich nach den Tätern, die schnell die Christianiastraste entlang liefen, umsahen. Alle Mitteilungen nimmt die Kriminalpolizei in» Zinnner 82 ein- gegen. Selbstmord eincS MajorS. Gestern morgen gegen 7 Uhr hat sich der 54 Jahre alte Major Rüdiger v. Schüler, der in der Wichmmmslraste 4a, im Seitenflügel, zwei Treppen hoch, eine Jung- gesellenwohnung inne hatte, auf dem unbebauten Gelände südlich von Schloß Ruhivald durch einen Revolverschasj in die linke Brust das Leben genomiireir. Major v. Schüler war noch aktiv und ge- hörte dem Bezirkskommando I Berlin an. Die Ursache deS Selbstmordes ist unbekannt. Eine» erhebliche» Verlust hat anr Sonnabendabend ein Fräulein erlitten, indem es zwischen S— S>/z Uhr in der Straszenbahn(Linie Nr. 47) ein kleines braunes Damenpvrtenionnaie mit zirka 40 M. Inhalt(ein Zwanziginarkslück, ein Zehnmarkstück, einiges Silber und Nickel) verlor. Da das Geld nicht Eigentum der Verliererin ist, wird der etwaige Finder»in Abgabe an Frl. Steirrkopf, Oramen- straße 45, gebeten. Am Montag, den 22. November, hat ein Fortbilbungsschirler im Schnllokal Wassertorstr. 4 zwei goldene Pincenez verloren. Da der Verlierer den Verlust ersctzeir nrutz und auch in den Verdacht kommen kann, die Gegenstände miterschlagen zu haben, wird der Finder oebeten, Mitteilung an Albert Noal, Dunckerstraße 90, gelangen zu lassen. Feuerwehrnachrichten. Am Montag früh um 6 Uhr kam in der Swinentünder Straße 53 Feuer aus. Säcke mit Sägespänen waren dort in einem Hausflur angezündet worden. Wegen einer GasauSströmurtg erfolgte ein Alarm nach der Buchstraße 5. Die Gefahr wurde beseitigt und der betäubte Wohnungsinhaber nach dem Rudolf-Virchow-Kranlenhause gebracht. Durch die Explosion einer Petroleumlampe kam in der Slralaucr Straße 53 Feuer ans. In der Elsnsscr- Straße 30 mußte ein größerer Kellerbrand gelöscht werden und der 13. Zug tüchtig Wasser gebe». Auf dem Hofe Potsdamer Straße 29 brannten eine Menge Papierabfälle, Holz u. a., so daß längere Zeit gelöscht werden mußte. Auf dem Gesurrdbrunnerr, Koloniestr. 3/4, brannte eine Trockenkammer und am ComeniuZ-Platz 4 Fett, Wäsche u. o. Aus der Oranrenstr. 39 und Prinzenallee wurden Schaufensterbrände ge- meldet. Regale wurden in der Grünstr. 10/11 ein Raub der Flammen; Fußböden brannten Reinickendorfer Str. 54, Bohnermasse in der Jerusalenrer Str. 31, Gardinen und Möbel in der Marrstein- straße 7 und anderen Stellen. Ferner hatte die Feuerwehr in der Trebbiner Str. 9 und anderen Orten aus airderen Anlässen zu tun. Vorort- FJacbrichten. Charlottettburg. Eine verstiimmelte Leiche fanden Beamte anr Sonntag früh um S'/a Uhr auf den Gleisen des Nordringes nahe der Kaiserdamm- brücke(Döberitzer Heerstraße). Aus den bei ihr vorgefrurdenerr Papieren nimmt die Behörde an, daß eS sich uin einen 22 Jahre alten Hartsdierrer Eduard Waiverzon oder Warwerzon handelt.— Das übrige Nationale, die Wohnung und andere Einzelheiten konnteir noch nicht festgestellt werden. Ob ein Unglücksfall oder ein Selbstmord durch Ueberfahrc» vorliegt, muß die Untersuchung ergeben. Tchöucberg. Auf frischer Tat ertappt wurden zwei Einbrecher, die gestern im Begriff waren, aus der Wohnung des BerlagSbuchhändlerö Renschel, Neue Steinirretzsir. 3, mit Schmuckgegenständen beladen, sich zu ent- fernen. Die Diebe wurden plötzlich von dem früh nach Hause kehrenden Dienstmädchen überrascht, die sofort die WohmingStür zuschlug und hilfernfend die Treppe hiniintereilte. Sofort tammelte sich nnteir so viel Publikum an, daß ein Entkommen der Diebe vcr- crtelt wurde. Sie wurden bald darauf voir der Polizei ans einenr Versteck geholt. Aus dein Tische lagen Messer und Revolver, die den Einbrechern jedenfalls zur eveiltuellen Verteidigung dieireü sollten. Johannisthal. In der letzten Gemrindevertreterfitzung wurde zunächst die Aus- losrnig des im April anSicheidendeir vierten GemeindevcrlreterS vor- genoirrmcn. Das Los traf den Genossen P i r s i e h. Da das Mandat deö Genoffen R a d u m k e ebenfalls im April abläuft, so sind in der dritten Klaffe wieder zwei Mrnidate zu besetzen Einen Schlag ins Gesicht der Wähler leistete sich die Gemeiirdevertremrrg mit der Ablehnung der Besprechung der Resolution der letzten BolkSversairrinliuig. Die Resolutron sprach die Erwartung aus, mehr wie brsher für die Anlage eines Gemeindefriedhofes Sorge zu tragen. Herr Wilhelm Mette fand den traurigen Mir, eine» Antrag zu stellen, über die in der betreffenden Vorts- verianmrlung eiirslirrrnrrg gefaßte Rciolution zur TageSordirrnig überzugehen. T er Eiuspruch unierer Genossen nützte nichts; alle an- weiendeir Bürgerlichen stimmten für den Antrag und brachten somit die Besprechung der Resolutiorr zu Fall. Teltow. Die Neuwahl eines Stadtverordneten der dritten Abteilung findet am Mittwoch, den 8. Dezeiuber, nachmittags 6— ö'/a Uhr, statt. Alleiniger Kandidat der Sozialdemokratie ist der Schneidermeister Gustav Franke. Parleigenossen, tue jeder seine Pflicht, damit unser Genosse mit einer imposanten Stiunncnzahl gewählt wird. DaS Wahlkonritee. Reinickendorf. Bon einem bedaricrlichen Borfall wurden vor einigen Tagen die hier wohnenden Kochschen Eheleute betroffen. Am Freitagvormittag wollte Frau K. ihr jüngstes Kind baden rind goß zu diesem Zivecke kochendes Wasser in eine Badewanne, die sie auf einen Sruhl gestellt hatte. In dem Moment, in welche», die junge Miiiter zur Wasserleitung ging, um kalte« Waffer zu holen, näherte sich die kleine Irene der Wanne und riß diese um. Der kochende Inhalt ergoß fich über den Körper de« Kindes, welches entsetzlich verbrüht wurde. DaS schwer- verletzte Mädchen wurde nach dem Kaiser» und Kaiserin- Friedrich« Krankenhauss gebracht, wo es am Soimtag seinen Brandwunden erlag. Trebbin(Kreis Teltow). Die letzte Sitzung der Stadiverordnetenversommlung beschäftigte sich zunächst mit der schon einmal vom Magistrat eingebrachteir Grimdwertstcuer. Hiergegen hatte der HanSbesitzerverern' durch die Abhaltung eine« Vortrags unter den Ackerbürgern sowie der Mehr- zahl der bürgerlichen Stadtverordnete» Stinimung gemacht. So kam eS denn, daß trotz der sachlichen und gründlichen Begründung durch den Magistrat die Vorlage in namentlicher Abstimmiiiig mit 8 gegen 7 Stimmen abgelehnt wurde.— Da die Waldarbeiter eine Erhöhung ihres Lohnes beantragt hatten, war die Forstkommission am 1. Dezember mit den Arbeitern in Verhandlungen getreten, und sie machte der Berminmlimg folgende Vorschläge: 1. Erhöhung deS Tagelohns von 2,25 auf 2,50 M. 2. Erhöhung der Schlngerlöhne in� drei Positionen, pro Tag 30 Pf. Entschädigung für Ab- lösung des Feicrabendholzes. Weiter erhalten sie 16 Meter Reisig und 6 Meter Stubben zum Taxwert. Die Ver- saminlung erklärte sich damit einverstanden. Die neue» Lohn- sätze treten mit den, 6. Dezember in Kraft. Die Fra» Schulze. welche schon 15 Jahre die Heizung und Reinigung deS RatbauieS besorgt; ivar um eine Lohnerhöhung eingekommen. Der Magistrat beantragte hierzu, in den Wintermonaien 25 M. und in de» Sonriner- monateir 15 M. zu gewähren. Genosse Hiedsch stellte den Airtrag, in den Wilriermonaten der Frau 30 M. pro Monat und in den Sommerinonaten 20 M. zu gewähren. Dieser Antrag wurde an- genomnien. Ans die Anfrage des Genoffcn Schönfee betreffend die Erböhnng des ortsüblichen TagelohneS antivortete Herr Bürger- meister Baudach, daß die Entscheidung darüber nicht dem Magistrat und der Stadlverordnetenversamiiilmig, sondern dem Magistrat und dem Herrn Regierungspräsidenten obliege. Sericdts- Leitung. Ein Ehedrama vor den Geschworenen. DaS Schwurgericht des Landgerichts I eröffnete gestern mit der Verhandlung eines GattcnmordprozcsseS seine letzte diesjährige Tagung. Aus der Untersuchungshaft wurde der Droschkenkutscher Albert Mchcr vorgeführt. Er ist beschuldigt, am 13. September dieses JahreS feine Sljnhrige Ehefrau Karoline M. vorsätzlich und mit tteberlegung getötet zu haben.— Den Vorsitz im Gerichtshofe führt Landgerichtsrat Thiele, die Anklage wird von Staatsanwalt Dr. Inger vertreten, die Verleidigung des Angeklagten führt Justizrat Böhm. Ter 50jährige Angeklagte ist ein schon wegen Körperverletzung vorbestrafter Mensch. Er betrieb früher den Straßenhandel mit Lüchern und war in manchen Stadtteilen eine bekannte Straßen- figur. Vor einiger Zeit gab er den Handel auf und verheiratete sich mit eitler verwitweten Hoppe. Beide zogen in das Grundstück WilSnackcrstraße 21, wo die Frau die Hausreinigung übernahm� Das Ehepaar hatte einen aus Stube und Küche bestehende Hof- Wohnung inne, welcher häufig zum Schauplatz recht stürmischer Ehe- szenen wurde, bei denen es auch hin und wieder zu Tätlichkeiten kam. Am 13. September gegen Mittag, kurz nachdem es in der M.schen Wohnung wieder einmal zu einer heftigen Szene sje- kommen war, erschien Meyer auf dem zuständigen Polizeirevier und erklärte mit ziemlicher Ruhe, daß er soeben seine Frau mit einem Beil erschlagen. Er wurde sofort in Haft genommen. Mehrere Polizeibcanite begaben sich nnbcrzüglich nach der Wohnung dcS Meyer. Den Eintretenden bot sich ein furchtbarer Anblick dar. Oner über dem Bett lag in einer großen Blutlache die Leiche der Frau M. In der Küche unter dev Wafferleitun� wurde eben- falls eine große Blutlache gefunden, die daraus hindeutete, daß der Angeklagte das zu der Tat benutzte blutbesudelte Beil von dem Blut gereinigt hatte. Der Angeklagte behauptete seinerzeit vor der Polizei, daß er in der Küche mit seiner Frau Streit be- toinmen habe und in der Wut ihr mit dem Küchenbeil mehrere Schläge über den! Kopf versetzt habe, so daß sie zusammengebrochen sei. Als er zu seinem Schrecken gesehen habe, daß sie tot war. habe er die Leiche von der Küche nach der Stube geschleppt und sie quer über das Bett gelegt.— Die von der Kriminalpolizei an Ort und Stelle getroffenen Feststellungen waren jedoch mit den Angaben des Angeklagten nicht in Einklang zu bringen. ES wurde festgestellt, daß die tödlichen Hiebe von hinten geführt daß M- seine Frau, als diese gerade von der Küche nach der Stube gehen wollte, von hinten mit dem Beil zu Boden geschlagen batte. Für diese Annahme sprach auch, daß von der Küche nach der Stube keine Vlutspuren führten. Dies hätte unbedingt der Fall sein müssen, wenn der Angeklagte, wie er behauptet, die Tat in der erstell Erregung in der Küche verübt hätte.— Die StaatZanwalt- schaft erhob auf Grund dieser Ermit-dUngen die Anklage wegen Mordes, nachdem sich auch noch ergeben hatte, daß M. schon längere Zeit vorher ernste Drohungeii mit Totschlag gegen seine Frau ausgesprochen hatte. Einmal soll M. seine Frau nach einem Streit am Halse gepackt und dabei geäußert haben:„So wird'S gemacht. Erst mache ich Dich kalt, dann komme ich ran. Es nimmt noch einmal ein Ende, das die Berliner in den Zeitnngrir lese» werden." Der Angeklagte gibt zu, seine Ehefrau in der Wut erschlagen zu haben, bestreitet jedoch, mit Ncbcrlegung gehandelt zu haben. Er behauptet, daß er in der Erregung, die durch einen Streit mit der Frau und mehreren anderen im Zimmer befindlichen Personen entstanden war, deü Schlag mit dem Beil ausgeführt habe. Er sei krank, leide-an Asthma und sei durch sein Leiden sehr leicht erregbar geworden. Er habe auck früher häufig Wahnideen ge- habt und dcS Nachts Gestalten gesehen. Er habe wiederholt von seiner Frau getrennt gelebt, diese habe ihn aber immer wieder zurückgeholt. In der Beweisaufnahme wurden zuerst die Sach- verständigen Dvcdizinalrat Professor Strahmnnn und Gerichtsarzt Dr. Strauch vernommen, die seinerzeit die Obduktion der Leiche der Getöteten vorgenommen hatten. Beide bekundeten überein- stimmend, daß der Hinterkopf der Getöteten vier schwere Ver- lctzungen aufgewiesen habe, die den Schädel völlig zertrümmert hatten und anscheinend mit dem Rücken des Beiles hervorgerufen waren.� Der Angeklagte selbst sei ein infolge seines Asthmaleidens, hauptsächlich aber infolge seines übermäßigen SchnapsgenuffeS, leicht erregbarer Mensch.— Der Zeuge Kriminalwachtmeister Fritze bekundet, daß der Angeklagte gegen 10 Uhr vormittags auf der Polizeiwache erschienen und habe rn dem ruhigsten Tone er- klärt, er habe soeben seine Frau mit einem Beil totgeschlagen. Nachdem er sich überzeugt hatte, daß er es mit keinem Geistes- kranken zu tun hatte, habe er den Angeklagten gefragt, wie er zu der Tat gekommen sei. Dieser habe ihm wiederholt geantwortet: „Rache ist süß. Tie hat mir genug geärgert!" In der Wohnung hat der Zeuge erst alles durchsuchen müssen, um die Leiche über- Haupt zu finden. Diese lag nämlich in dem völlig zurechtgemachten Bett, so daß man außen überhaupt nichts sehen konnte. Mehrere Hausbewohner und Verwandte des Angeklagten be- kündeten übereinstimmend, daß der Angeklagte ein GewohnheitS- trinker ist und stets sehr wenig Lust zur Arbeit gehabt. Er trieb sich nachts in den Kneipen umher und soll auch wiederholt unter Drohungen von seiner Frau Geld zu Sckmaps verlangt haben. Das Familienleben war infolgedessen völlig zerrüttet gewesen und Zairk und Streit waren an der Tagesordnung.. Die an die Geschworenen gerichteten Schuldfragen lauteten auf Mord, Totschlag und auf Antrag des Verteidigers auch auf Körperverletzung mit tödlichem Ausgange.— Staatsanwalt Dr. Jäger plädierte auf Bejahung der auf Mord lautenden Schuld- frage.— Der Verteidiger Jnstizrat Böhm? schilderte den An- geklagten als einen rnfolgc seines Leidens und des übermäßigen Schnapsgenusses leicht erregbaren und jähzornigen Menschen. Nichts spreche dafür, daß der Angeklagte ,m Augenblick der Tat die Absicht gehabt habe, seine Frau zu töten. Sicher sei eS jeden. falls, daß der Angeklagte in der Erregung über die Vorwürfe seiner Frau die Absicht gehabt habe, die Frau zu mißhandeln. Von einer mit völliger Ucberlegung ausgeführten Tötung könne keinesfalls die Rede sein, sondern nur von einer Körperverketzung mit tob» lichem Ausgange oder höchstens von Totschlag. Die Geschworenen bejahten die Schuldfrage wegen Totschlag?. Staatsanwalt Dr. Jäger beantragte eine Zuchthausstrafe von 12 Jahren und 10 Jahren Ehrverlust, während Justizrat Böhme eine erheblich mildere Strafe beantragte, da es sich um eine im Affekt begangene Tat eines leicksi erregbaren Menschen handele. DaS Gericht erkannte wegen Totschlags auf 7 Jahre Zuchthaus und 10 Jahre Ehrverlust und Anrechnung von 2 Monaten der co littenen Untersuchungshaft._ Grube Luise und Marianne. In der gestrigen Sitzung kam der Vorsitzende LandgerickttZ» direktor Dr. Goebcl auf die am Sonnabend gestellten Anträge der Verteidiger, insbesondere auf den Antrag betr. dt» angebliche„ge- Heime Mission" des Angeklagten Echtermeycr zurück. Der Vorsitzend« bemerkt hierzu: Wie der Antrag vorliegt, weiß man nicht recht, ws man ansetzen soll. In den beiden bei den Akten befindlichen Briefe« steht nichts, was uns angeht. Angeklagter Echtermeyer, was wollcr Sie damit beweisen?— Angekl. Echtcrmeyer: Daß ich Träger dieser Briefe war.— Bors.: Es sind nur Abschriften von zwei Briefen, und man weiß nicht, an wen sie gerichtet sind.— Angekl.? In dem Moment, wo ich dies sage, ist ja doch...— Präs.: Ja Sie müssen uns doch sagen, was Sie mit Ihrem Antrag bezwecken. — Bngetl.: In der Anklage ist gesagt worden, daß ich eine Ver« gnügungsreise nach Paris gemacht habe, während ich zu andere!« Zwecken dort war.— Bors.: Sie befolgen die Methode:„wasch mik den Pelz und mach mich nicht irafi!"— Angekl.: Ich halte mich nicht für befugt, hiervon der Ocffcntlichkeit nähere Angaben zu macheu Unter Ausschluß der Oefsentlichkeit hätte ich keine Veranlassung, etwas zu verschweigen.— Vors.: Da müssen wir doch erst wissen. um was es sich bandelt. Wenn Sic wirklich eine„Mission" gehabt haben, so ist damit doch noch nicht bewiesen, daß die Erörterung der Mission das Staatsinteresse gefährden würde.— Angekl.: Das betr. Geschäft läuft noch, und wenn die Sache in die Presse kommt, dann erfahren die betreffende» Personen, wer meine Hintcrmännel sind.— Bors.: Ist das denn ein Geschäft, dessen Bekanntwerden das Staatsinteresse gefährdet?— Angekl.: Ja!— Bors.: Das muß doch erst von uns geprüft werden, und dazu müssen Sic uns einigt nähere Andeutungen machen. Wir wissen doch gar nicht, um toai es sich handelt. ES braucht doch nicht bei der Besprechung jedes staatlichen Aktes die Oefsentlichkeit ausgeschlossen zu werden!— Angekl.: Das Staatsinteresse wird aber in diesem Fall gefährdet. Aus dem Inhalt der Briefe läßt sich auf die Art des Geschäftes uuZ der Behörde schließen, DaS Geschäft schwebt noch, ich habe selbst schon 10 000 M. Vorschuß erhalten.— Vors.: Ihr Verteidiger hat auch noch die etwas dunkle Andeutung gemacht, daß vielleicht ein Zusammenhang zwischen dem Verschwinden Ihrer Briefe unU diesem mystischen Geschäft bestehe. Was soll das bedeuten? Angekl.: Es sind an dem Geschäft noch Privatpersonen beteiligt für diese wäre es sebr unangenehm, wenn die Sache bekannt würden und diese hatten vielleicht em Interesse an dem Verschwinden der Bücher.— Vors.: Diese sollen also die Akten und Bücher bei Seite oeschafft haben? Das ist doch wunderbar.— Ang-ll.: Mir ist damit iedenfalls ein böser Streich gespielt. Ich habe ein große» Interesse an der Aufklärung dieser Sache.— Vors.: Wird dieser Antrag aufrechterhalten?— R.-A. Kaestner: Wir wollen den Alt« trag fallen lagen. Damit roar dieser eigenartige Zwischenfall erledigt. Die Bo» wcisauftrahme wurde fortgesetzt. Der Prozeß dürfte vor Schluß der Woche nicht zu Ende kommen. Verurteilung eines Gendarmen. Wegen vorsätzlicher falscher Angabe einer dienstlichen Meldung sowie wegen Betruges in zwei Fällen wurde der Gendarm Han» Strecker aus Lupow, Kreis Stolp, zu 10 Monaten Gefängnis sowie Versetzung in die 2. Klasse des Soldatenstandes, Degradation sowiB Dienstentlassung verurteilt. /Ziis der fraucnbewcgiing. Jugendliche Fabrikarbeiter vnd Fabrikarbeiterinnen. Nach der amtlichen Statistik wurden im Jahre 1908 jugendlich» Arbeiter in 91 838 und über 16 Jahre alte Arbeiterinnen in 86 331 Fabriken beschäftigt. Von den unter 14 Jahre alten Kindern waren 6677 männlichen und 5385 weiblichen Geschlechts, ihre Zahl hat gegen das Vorjahr um 600 bezw. 400 abgenoinmen. Von de» jungen Leuten von 14 bis 16 Jahren waren 289 000 tnämilicbcn und 150 000 weiblichen Geschlecht?, Gegen da? Vorjahr zeigte sich bei weiblichen jugendlichen Arbeiter» ein Rückgang von etwa 200, während die Zahl der männlichen jugendlichen Arbeiter um 4000 gestiegen ist. Die Zahl der beschäftigten erwachsenen Arbeiterinnen betrug 1 150 033, davon waren 450 887 16 bis 21 und 699146 über 21 Jahre alt. Gegen das Vorjahr hat eine Znnahnie der er» wachsenen Arbeiterinnen um 4500 stattgefunden, wovon 1400 16 bi» 21 Jahre und 3t00 über 21 Jahre alt waren. Auf jede Fabrik die jugendliche oder erwachsene Arbeiterinnen beschäftigt, cnificle» durchschnittlich 4,9 jugendliche Arbeiter beiderlei Geschlechts und 13,8 erwachsene Arbeiterinnen. Die entsprechenden Zahlen für da» Vorjahr sind 5,0 bezw. 13,5._ Die öffentliche Fratienversammlung in P a n k o lv am 2. d. M. hatte sich eines recht guten Besuche« zu erfreuen. In eincin ändert» halbstündigen, von wiederholtein Beifall unterbrochenen Referat ver» stand eS die Genossin Frau Luise Z i e tz. den zahlreich erichicnencu Frauen vor Auge» zu führen, in welch einschneidender Weise gerad« sie durch den letzten Stcuerraubzug nach jeder Richtung hin in Mit« leide, rschaft gezogen seien. Gegenüber dieser unerhörteil Aus« Plünderung gäbe es nur eine Stellungnahme für die Frauen. Seien sie auch gegenwärtig noch politisch rechtlos, so doch keiiiesiveg» machtlos. Da« NeichSvercinSgesetz habe auch den Frauen dia Möglichkeit gegeben, durch politischen und gewerkichafilichen Zu« sammenschluß ihren Einfluß auf die Politik wie auf tvirtschastlichem Gebiete zur Geltung zu bringen. Je eher und zahlreicher sich die Frauen in die Kampfcsreihen deS Proletariats eingliedern, desto eher werde eS möglich sein, der schamlosen VolkSauSplüitderung Einhalt zu gebieten.— Nicht nur der Veikall am Schluß der Ausführungen der Neferentin, sondern auch die Tatsache, daß sich etwa 40 Frauen in den Wahlverein aufiiehmen ließen, bewies, wie sehr ibnen auS der Seele gesprochen war, und wie auch sie sich der Einsicht nicht verschließen können, daß sie in die Reihen deS kämpfende» Prole« tariatS hineingehören._ Leseabende. Lankwitz. Am Mittwoch, den 6. Dezember, besonderer Unistände halber kew Frauenleseabend. VerrnilcKtes. Sturm und Hochwasser. Wie auS verschiedenen Meldungen aus dem Reiche und dein Au?» lande hervorgeht, ist nach dein verlierenden Sturm, der in der» letzten Tagen in Westeuropa herrschte. Hockwasser eingetreten. S» wird aus Köln gemeldet: Im Ruhrgebiet ist Hochwasser ein- getreten, wodurch der Verladeverkchr gehemmt ist. Fortgesetzt treffen HiobSposten über Unglücksfälle ein, die durch den Orkan verursach» sind. In Bocholt wurde ein Radfahrer vom Rade geschleudert und sterbeni» in daö Hospital gebracht. Ein von Euskirchen nach Düren fahrender Zug mußte umkehren, weil die Bahnstrecke mit Trnmnicrn bedeck« war. Irr Neuendors wurde eiir Schornstein umgeiveht, dessen Trüinitrer eine Veranda durchschlugen und auf eine bei», Kaffee sitzende Ge» sellschaft niederfielen. ES wurde aber niemand verletzt. Besonder» stark hat das Sturmwrttrr einige Mofeldörfer mitgenommen. Zahl» reWBc Häuser sind abgedeckt. AchnlicheS wird aus dem Nahetal ge- meldet. Eine Meldung aus Trier besagt: Nack) kurzem Fallen sieigt die Mosel wieder anhaltend. Der Pcgelitand war gestern mittag 4,10 Meter. Der Eisenbahnverkehr im Moseltal zwischen Andel und Zeltingen ist wegen Hochwasser gesperrt. Die Rettungsstation Helgoland der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger telegraphiert: Am 4. Dezember von dem Fischerewer H. F. 187, Schiffer Albert Rolf, drei Personen durch das Rettungsboot„Tora" der Station gerettet. Stnrm Südsüdwest. Rettungsboot S'/e Stunden unterwegs. 75 Menschen umgekommen. Wie aus London gemeldet wird, sind bei den verschiedenen Schiffsunfällcn, welche durch die Stürme in den englischen Gewässern verursacht wurden, nach den bisherigen Feststellungen 75 Menschen ums Leben gekommen. Einer Meldung aus Emden zufolge find beim Untergange des SchnnerL„Haus" sechs Personen umgekommen. Eine schwere Kollision ereignete fich, wie eine Meldimg aus Cuxhaven besagt, in vergangener Nacht beim fünften Feuerschiff zwischen dein einkommeiiden Hamburger Dampfer.Helene Blumen« selb" und dem ausgehenden leeren dänischen Dampfer»Niobe". .Helene Blumcnfeld" ist mit schweren Beschädigungen an der Steuer- bordseite nach Hamburg � wcilergegangeii. Die.Niobe" wurde in sinkendem Zustande von der Besatzung Verlaffen. Bei der Seilfahrt getötet. Aus HildcSheim wird vom gestrigen Tage gemeldet: Ein schwerer lliifall ereignete sich heute früh S Uhr in dem 720 Meter tiefen Kalischacht der Gewerkschaft Hildcsia zu Dickliolzen bei HildeShcim bei einer Seilfahrt. Er wurde dadurch veranlagt, daß sich ein Seil des Steuerivagens von der Förder« Maschine löste und hierdurch der Fördermaschiiiist die Gewalt über die Maschine verlor. Das südliche Fördergcslell wurde mit Gewalt gegen die Seilscheibe gezogen, das nördliche sauste in die Tiefe des Schachtes. Auf diesem befanden sich vier Bergleute. Dabon sind, soweit sich bis jetzt übersehen lägt, drei getötet; der vierte ist schwer verletzt geborgen. Von einem tollwütigen Hunde gebissen. Nach einer amtlichen Meldung aus Trier sind in der Umgegend von Schweich eine grosse Anzahl Personen von einem tollwütigen Hunde gebissen worden. Bei den Behörden haben sich bisher achtzehn gemeldet, von denen sich elf zur Schutzimpfung in das Pastrursche Institut in Berlin begeben haben. Durch den tollen Hund, dessen man noch nicht hat habhast werden können, wird die ganze Gegend in Auf- regimg gehalten. Ueber sechs Bürgermeistereien des Landkreises Trier ist die Hundesperre verhängt worden. Ein Kulliirforlschritt. Wie ein französisches Blatt erfährt, ist das KriegSmiiiisteriurn aus Grund der seit mehreren Monaten mit verschiedenen Flugmaschinen unternommenen Versuche zu der Schluss- folgerung gelangt, dass Aeroplane iiiimiiehr als eine Angriffswaffe angesehen werden könnten, die Geschosse zu schleudern gestalte. DaS Blatt will wissen, dass der KriegSininister die in der Kammer und im Senat an ihn gerichteten Anfragen in diesem Sinne beantworten werde. Es heisst, der Geniehniiptmaim Lucas Gerardille fei aus- ersehen, Genieosfizicre in der Äviatik auszubilden. Aviatiker Fcrnnndez mit seinem Sleroplan vcnmglückt. Aus Nizza wird gemeldet: Als der Aviatiker Frrnmidcz heute bei Flugvorführuiigeii mit seinem Acroplan eine Höhe von fünfhundert Metern erreicht hatte, explodierte der Motor und Fcruandcz stürzte zur Erde, wo er tot liegen blieb. eingegangene Druchrcbnften. Von der..Gleichheit", Zeitschrift für die Interessen der Arbelterlnnm (Stuttgart, Verlag von Paul Singer), ist uns soeben Nr. B des 20. Jahrganges zugegangen. Sie hat folgenden Jnbalt: Eine falsche Rechnung. Von gh.— Friedrich Schiller. Von Klara Zetkin.(Schlich)— Der Vor- cnlwms eines neuen Strafgesetzbuchs. Von H. B.— Die Ehefchliesjung. I. Von Ernst Obrrholzcr.— Eine Arbeiterfchutzkomödie. Von Ir. sost.— Heiniarbeiierelcnd fn der Heubacher Kotfelündusirie.— Arbeilerdewegmig in der Portescm'lleindustrie Deulschlands. IV. Von B. W.— AuS dem Leben eines ehemaligen HcimarbcilerS. Von Hannab Lcwin-Dorfch.— SluS der Bewegung: Von der Azitaiio».— Von den Organifationcn.— Die Bcieiligung der Frauen an den Wahlen zur Kraiikeukassennerwaliiing.— Aus Bocholt.— Politische Rundschau. Von II. B.— Gewerkschasiliche Rundschau.— AuS dem Ausland.— AuS der vogtländischcn Spitzen- industrie. Von Iis.— Rotizentell: Dienstbotenfrage.— geaueilftiminrecht. — Sozialistische Frauenbewegung im Ausland. Für unser« Mütter und Haussrauen: Mut zur Wahrheit. Don Friedrich Schiller.— Merglaiibe. I.— Sexuelle Beletzrung: Bon Marie Kuvert.— Für die Hausfrau.— Feuilleton: Erinnerung. Eine Szene von der Arbeit. Von August Ellinger.— Spruch. Vau Wolsgang Goethe. Für unsere Kinder! Ein Lied auö oller nnd ncner Zeit. Don Emaiarel Geihel.(Gedicht.)— Die Kiefer. Bon Fr. Pritsch.ilv.— Spiel« der Tiere. I. van«4.— Alte Geschichten. Bon Friedrich Wilhem Weber. (Gedicht.)— Die Bamfen. Von Robeit Grötzsch— Wind! II. von B D.— Die Geschichte von Karr und Grausell. Von Sclma Lagerlöf, (Schills;.)— Karo. Bon Emma Döltz.(Gedicht.) Die f"H II'' 10 Ps.. durch ohne Bestell 2.ÄZ M. Vom„Wahren Jacob« ist soeben die 25. Rümmer des 26. Jahr- ganges in einem Umfang von 16 Seiten erschienen. AuS ihrem Inhalt erwähnen wir! Bilder: väicrchenS Angfiträume.— Gute Freunde, getreue Nach- barn.— Bereit sein ist alle».— Arutennirglück.— Nach kaufmännischen Grundsätzen.— Schiller als Erzieher.— Der Festredner.— Training.— Zum Schnapsboykott.— Titclbandel in Preufien. Text: Der Kieler Kaujinann. Frei nach Schiller von J. 9.— Die Junkerklugheit. Bon Bp.— Die Lords. Don P. B.— König!, preußischer SchillertuituS. Bon J. 8.— Interview mit dem hl BureaukratiuS.— Das Defizit. Von P. B.— Rot ist Trumps t Von VI Scholtz.— Lieber Jacob 1 Don Jotthiis Ranke.— DI« Stillen im Lande.— Wandlung. Von Richard Wagner.— Mein« Einführung in den Verkehr mit Geistern.— Lied des sächsischen Konserv-itiven. Bon P. B.— Ein politischer Mord.— Von R. Grötzsch.— BeamtenorganisationSslawk.— Die Zentrums Herde. Vau Uno.— DaS BergmannSrlend. Von B. K. u.a.m. Der Preis der Nummer ist 10 Pf. Probenummerti find jederzeit durch den Verlag Paul Singer in Stull gart, sowie von allen Buchhiudlunget» und Kolporteure« zu beziehen. Für den Jnlmle oer Juierute übernimm» die Nedaktiv» dem Publikum gegenüber keinerlei Aerantioortnng. Der DieuStag, 7. Dezember. Anfang T/s Uhr. Königl. Lvcrnhanö. Covalleria rusticana. Königl. SelmusptelhauS. deutsche König. Teutsches. Don CarloS. Kamm er spiel«. Der Arzt am Scheidewege.(Ansang 8 Uhr.) Neues SchanfpielhaiiS. Faust. 1. Teil. Anfang 8 Ubr. Neues königl. Opern-Theater. Geschlossen. Lessing. Vor Sonnenaufgang. »omUche Lp er. Der polnische Jude. Neues. Der Dieb. Kleines. Hinterm Zaun. Die Medaille. Neues Lperetten. Miss Dudelsack. berliner. Hohe Politik. Driauv«. Buridans Ejel. Nesidenz. Im Taubenschlag. Habbel. Ter Skandal. Schiller«»«alliier- Ttzealer.) Ein Volksscind. Tch»,> Gburiottcnbnrg. Der Mesticldbauer. Frietriw- Willielmstädt. Schau. iptelhaus. Der Ehreurat. SSestcn. Die geschiedene Frau. Thalia. Die ewige Lampe. Luisen. Gib mich frei. Boltsover. Die Asrlkanerln. (Ansang 8llt Uliv.) ükolc Michael KohIhnnS. Lustspiclhaus. Der dwill« Punkt. Met anal. Halloh II— Die grotze Revue. FolicS Capriee. Sicher ist sicher. Bunter Teil. Der Mann meiner Frau.(Ans. 8". Uhr.) Np iio. Spezialitäten. Wintergarten. Spezialitälm. Gnsiuo. Der Lbcrgauner. Gebr. Herrnseld. So miib man's machen. E!» Nettungsniiltel. Karl Habcrlinid. Spezialitäten. Walballa. Sveztalltäien Gastspiel. Der Hüttenbesitzer. Paklage. Gussi Holl. Ota Gygl. Spezialitäten NoackS. BulchlieSl.(Anfang S�lhr.) Palatt. Die neue Herrin. Tast? Spezinlitülen. Ncichs''alie,i. Stclliner Sänger. Biiggcnhagcn. Speztalitäten. llrv' ja. t»»ve>>ae-ste i»«iz>'. Abends 8 Uhr: Trauerspiele im Ticrlcbcn. Sic; nimne. Jnvalldenttr. 47—62, r.cfislnsr-Tlienter. 8 Uhr: Bor Sonnenaufgang. M!llwoch,8 Ubr: Tantris d.Narr. Donnerstag, 8 Uhr: Bor Souneu- aufgaug._ Berliner Theater. ht-. Zloke Politik. Morgen: Hohe Politik._ Urania. Wissenschaftliches Theater. Abends 8 Uhr; Theater des Westens. 8 Uhr: Die geschiedene Frau. Mittw. u. Sonnäb. SU.: Struwelpeter. Sonnlag 8'/t Uhr: Ein Walzertraurn. Lusisplelhaus. Abends 8 Uhr: Der dunkle Punkt. fslgljslekWüikImztSljtisoligs 8L!lZ08pisIKgU8. DienStag, 7. Dezember, Ansang 8 Uhr: Zum ersten Male: Der Ehrenrat. Lustspiel in 3 Alten von G. v. Forell. Mitstvach nachm. 3'/. Uhr: Die Nibelungen I. und II Teil. Abends 8 Uhr: Dor Bibliothekar. Residenz-Tlieater Direktion: Richard Sllcxandcr. Abends 3 Uhr: Im Tanbenschlag. Schwank in 3 Alten von Hennequin- und Vebcr. Morgen und folgende Tage: Dieselbe Borstelluiig. VoIIi5-0pei'. ZI?., Belle-Alliaiice-Slrafze Nr. 7/8. Abends'/,» Uhr: vis Mmm, Gastspiel-Theater. Heute und solzende Tage 8 Uhr: Der Hüttenbesitzer. Sonntag nachmittag 3'/, Uhr: Kleine Preise. IOSE=THEATE Grotze Frankfurter Str. 132. Anl. 8 Uhr. Ende N Ahr. Michael Xohlhaas Romant. Schauspiel in 4 Akten nach KlelilS Hislorisch. Roman v. Schenk. Mittwoch nachm. 3 Uhr Schüler- vorlt.: Maria Stuart. Abend« 8 Uhr: Die relegiert. Dtudhntcn. (teiies Thealer. Abends 8 Uhr: Oer l>ieb. Mittwoch: Herbst.— Der Um bekannte. Freitag z. erstenmal: Ein köuig- I icher Spast�_ Sionos Oporettcn-Thcater. Echifjbmierdamm 25, a. d. Luilenstr. Heute und folgende Tage: ItiK t>>i>l<>I«aol». Miilwoq u. Sonnabend cimägigte Preise: D. goldene Märchenwelt. Liiisen-Tlieafer. ZlbendS 8 Uhr: Gib mich frei. Schaiiipicl in 5 Alten v. H. CourthS- Mahler und E. Ritterscldt. Mittwoch: Gib mich sret. Donnerstag: Gib mich sret 8 Uhr De, Progr. ri. Noritälen! 8 Uhr mit Prinz Pinne. Burleske in 3 Bildern Ä" Henry Sender. 330 ßer Seliinipanse Tourist. Rodelfahrer, Rollschuhläufer. 10 Uhr: Das BSnnderkind Petit Roderle. d. kleinste u. beste Zylophoit- Virtuose der Welt. Keichshaliell-Theatek. iztettlnOi» tSUnxer Zum S ch I u H, neu: Der Nachttvächter von Zerpeuschleuse. Stuaenter.bllil v. F. Meysel. Ansang: Wochent. 8 Uhr. Sonntags 7 Ubr. Hchlller- Sehlller-Theatcr 0. lWallner-Tbeatcr.) Dienstag, abends 8 Uhr: Ein Tolksfeiud. Schauspiel in 5 Ausz. v. Henrik Ibsen. Ende 10'/, Uhr. V'ittwoch, abends 8Ubr: vor Solin nr ei er lVronv. Donnerstag abeiidS8Uhr: l>lv I?I»re. Xono» Programm! Otto Kentter. - La Pia= in ihrer Szene„Der Wollen Geist". Morl an» Hnndc• Theater: „Entführung d. Salomu-Tftnzerin", Kespielt von 42 Hunden und die auserlesenen Sterne am OezemberaHlmmel des Wintergartens. Metropol-Theater Hallo!!! Die große Revue! In 8 Bildern von JnL Freund. Musik v. Paul Lincko. In Szone gesetzt vom Dir. Kich. Schultz. Anfang 8 Uhr. Rauchen gestattet. SonntagBUhr: Lumpaclragabundut. ! Passage-Ttieater. s Abends 8 Uhr. 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Dezhr, nachm. 3 Uhr: Erste große Wcihnachts- Kinder-Vorstcllung mit eigens hierfür zusammen- gestelltcm Rieson-Pracht-Programm. Besonders hervorzuheben: „Aschenbrödel". Am WcihnachtMAbcnd (TongcmB.lde). JnecndtrSamo. IM- Die liaßlivhe-MQ nach dem Märchen der Gebrüder Grimm. Ein Bcnuch In Bombay und vieles andere. Eintrittsproiso von 80 Pf. aufwärts; Kinder auf allen Plätzen halbe Preise. Anfang präzis« 3 Uhr. Kasscnerüffnung'/.B Uhr. M2K Gastip. de« Äolgt.Tlieater.EnsembleS. DiinStag, den 7. Dezember: vös pfznss von �svtitellj. VolkSflück mit Gesang in 5 Alten von Anzengruber. Kassenöffnung 7 Uhr. Anfang 8 Uhr. W.Koaoks Theater Oninnenfu 16, Rummclsburg. DieuStag, den 7. Dezember, abends 8 Uhr: Große Galg-Elite-Vorstellung. Gübäfrikanlsch« Kunstreiter- öfi. Dersammluiigen und Mattnees. WMHsW tFsnLks-Diesier ! Aolndergs«eg IS-SO, Resenth.7er. rtllnl. 8 Ubr. Die arostartigen l Dezruiber.Spezialitöte». f Im Tuiiuel: RegimentSkapelle. Tbenirrbesucherti freier Eintritt. Lssmv-THea t»r Lothringer Stvntic 37. Heute 8 Uhr l>er Obergatmer. Komödlo In aTu'len von MiiStt. Vorher: Vuuteö Programm. Sonnlag 4 Uhr: F-nmilie Kllukeet. vionstsg, dea 7. Dezember, abends 7�/. Uhr präzise: Vir.<»»ln-Vo>'Sit<-Itiinx. Die griiSIe Sensation! Der Amsrlhaner Kcrslnbei m. s. weither, dressiert Schweinen. Zum erstenmal suf d. Kontinent! I Ferner: Herr Burkhardt-Footlit,[ Schnheiter.— Herr Ernst 1 Schcmann, Meister-Dressuren. I i Gebr. Karolis. ungarische 1 Reitkünstl. Etfin. Proserpi. j ühr: FaFmerleben. n Hg, Farnterlcben ohne Kürzung!! UWS Kcuniiaiidantenstr. 57. T. A. 4, MS. Sek gkööte heknifelck-ekkclg! ,,8l> muS man's maclien" BurlrSke mit Gesang in zwei Akten, Musik von L. Jtal, mit den Autoren Anton und Donat.Herrnfeld in den Hanpkrcllen.— Hierzu: Ein Rettungsrnittel Komödie in 1 Akt von Ludwig Huna. Ansang 8 Uhr. Barverkauf 11—2 Uhr Theaterkasse. frlanon--fitester. Abends 8 Uhr: Kuridstn» Esel. Ii 8« ixs««d4.Iii»nt»o. Holzmnrktltratze 72. Gänzlich neues Programm mit febrAnc Sobaaetkl. Neu! Um 8 Uhr: Neu! Slm Nordseestraud. Nordisches Vcllsstück tn eitlem Akt Nach der Voistellung Mittwoch, Sounab., Sonnt.: Tanzkränzchen. AmlS.Dez Veg-bWelhnachtsvoret Meute Ist (AlexHiidornlita) "-• 7rampf. Vollständig neues HovMteu- Programm! u. Carmen und die übrigen Schlager. Ununterbrochen VorsteUungJ von 5 ühr an. Karl Haverland Anfang Theater präz. 8 U, 77/70 llominftiibantenftiatje 77/79. ~g*» neue erstklaselgs-g l»' epeElalltttten. Schlager«tif Schlagerl «eihoachts-lgesss OresdcnerStr. 34/33»ki'ältoeks u. Luisenhof Bll grölte) Täglich: KOII3*£RT« Eröffnung: WochenIngS 5 Uhr, Sonntags 3 Uhr. Entree Sonntags 20, wochentags 10 Psi Polles Capriee.l Nnfang 8'/, Uhr. Sicher ist sicher. Steuer lmiitcr Teil. Der Kann meinerjVal KVi> MHMNlTMDt �»zgxggggrxgggrzxsxzMtzsaaxasxssssgsxzr: S Wer keinen Branntwein will und doch etwas kräftiges trinken muß, erhält durch unsere kräftigen Fruchtweine einen vorzüglichen Ersatz. Johannisbeerwein v. a..... 60 Ft. weiß und rot, herb und süß Stachelbeerwein,---..... 60„ Heidelbeerwein,„erb und.. 60„ Kirschwein,«........ 70, Brombeerwein,...... 70„ Erdbeerwein,....... 70„ Preißelbeerwein,..... 70. Schaumweine b�..... 1,35 m. ausgezeichnet zu Bowlen Zu haben in allen Geschäften in Berlin und Vororten, welche unsere Waren führen. Jedes Etikett trägt unsere Firma, worauf vir 10 achten bitten. Man verlange Preislisten. lkt.-Ges. N., Wattstraße 11/12. 25- Ziehung 5. Kl. 221. Kgl. Preuss. Lotterte. Ziehuns rom 8. Dezember vormitlags. Vat die Gewinne Uber 240 ünrk«Ind den betreffen' den Nuramern in Klaramern beigefügt, (Obne Gewähr.)(Nachdruck verboten.) « 283 91 414 696 879 993 flOOO] 1033[500] 69[500] 153 248 308[3000] 404 804 73 803 ZOfl 335 492[600] 705 tlOOO) 82 6 3 3107[1000] 30 317 30 475 708 43 371 870 4022 225 439 503 09 71 631 63 91 5000 27 tlOOO] 137 351 413 547 653 7.'0 52«075 295(100O] 350 438 523 24 72[ 500] 857 991 92 7039 256 577 713 43 853 97 993 •[3000] 8053 360 8 7 720 80 627 9003 187 281 338 927 90 10333 05[1000] 71 654 738 828[500] 11055 6 0 317 M 12013 125(30001 75 84 296 320 630 982 13185 702 877 [1000] 985[1000] 14025 165[1000] 626 712 823 45 940 [000] 61 15087 507 708 67 837 69 78[1000] 16209[JOOl 14 393 562 62 9 718 98[500] 874 87 949 IdUO] 17173 368 432 792 817 18018 88 104[ 500] 41 338 429 39 534 »1 801 49 924 1 9030 45 218 41 668 811 21 20810 486 623 45 910 2 1 205 06 1600] 326 59 459 74 «40 54 2 2010 39 200 11 326 488 511 33[1000] 749 55 «74[500] 915 2 3002 20 352 524 83 2 4137 371 489 500 tlOOO) 687 711 812 41 74[500] 25014[500] 209 71 428 «49«27 006 17 26019 121«96 726 878 27019[ 500] 89 305[3000] 725 93[500] 930 2 8137 711 87 2 9218 423 49 «43 713 857 967 39025 128 298 355 63 477 738 52 76 3 1 230 52 506 13 IlOOO] 851 6« 3 2207 412 622 645 74 960 3 3064 401 24 42 581 621[500] 43 85 701 15 38 50 34287[ 5000] 516 61 «17 710 871 3 5 000[1000] 12 288 361 68 4 722 896 38)26 34 213[500] 20 85 670 703 61[500] 67 861[500] 94 37133 «7 224[1000] 53 472[500] 607 4 2 734 3 8016 103 495 801 39109 41[500]«50 70 6 8 45[500] 022 4O230 333 91 452 549 720 41001 32 287 93 389 469 320 827 989 4 2 017 9 4 301 67 698 775 889 980 4 3045 327 Di 421 CO 678 752 61 Ol 857 41"32 492[500] 015[500] 964 67 4 5048 74 133 52 83 215 369 504( 50ül 15 90[500] 861 4S20?[1000] 353[590] 550[CO] 723 528 4 7065 171 36 3 477 813 4SI99 352 60 505«15 715[500] 37 823 56 945 373 919 33 45 5 0070 252 357[1080] 442 603 98« 51002[500] 23 205 1500] 353 495«51 902 65 5 2022 283 382 93 549 683 747 «8 980[4 ODO] SO. 15 132 309 982 5 4272«10 8-10 911 5 5451 [30001 510 4 5 4 2 606 773 813 43 45 923 5 6013 107 11 19 [500] 86 251 303 9 5 931 75 5 7117 955 5 8531 630 62 IWOl 899 917 5 9 221 600 II 14 719 42 60053 85[500] 118[1000] 236 674 801 75 08 6 1 221 8t 366 525 7 9 939 6 2959 142[1000] 52 490 69,1 627 58 »05[1900] 6 3 016 228 93 403 617 702 814 99 6 4135 40 M 510 38(1000) 40[1000] 665 86 87[500] 763 917 65017 803 16 450 83 511 511 66513 680 921 67210[1000] 18 3.13 401 562 701 15« 881 68019 418 76[500] 612 086 68507 749 96 70986 267 400 550 686 871 932 7 1 079 428 43 705 871 »15 72021[1000] 201 SO«[500], 703 4««5 73028 71 171 73 27.1 414 516[1009] 02 853 907 74211 18 40[ 3905] MO 23 413 659 707[590] 865 963 7 5309 37 60 409 53[3000] 75 793 8.14 952[1000] 76111 296 312 532 7 2 91 865 ■77202 62 368 09 916 63 7 8117 301 450 952 7 0 999[500] »78 903 , SOllS 23 637 76.1 617 81311 62»61«15 817 88 90 »5 822.14[500] 8 6 500«01]500] 10 Ol itOO] 782 80.1 917 8311.1 327[500] 31 538[1000] 91[500] 657[1000] 828 67 88 8 4061 489 602 4.1[3000] 775 SSO 85 943 85084 820 61 709 827 984 86359 490 518 610 43 732 87328«90 718[lOOO] 90 8 8 015 205 375 420«54 81 865 89015 47 BOO 0.13 017 703[1000] 43 815 978 90136[500] 80 400 517 618 91 542 78 81 91307 50 «81[5Ca4 6?9 Ol 7» 92012.11 101 30 33 1 85 94 063 780 SO» Mb 33223 52 32 1 706 809 ODO 94106 307 515 688 837 »48 95009 270 407 85« 9 6030 116 381 419 591 626 87J »26 9 7 093 44 Z 98928[500] 99 214 408 510 729 969 100183 270 504 605 7ll 962 101293 542 667 860 61 (600) 972 102 30«14 760 956 96 1 03173 361 417 600 »0.1 819 77 80 917 90 104129 400 16«25 1 05124 23» «28 616 42 702 54[ 500] 91 106155 41« 553[1000]«11 »16 852 961 107421 546 760 27 61 82« 108090 279 101 »4 582 53 721 920 lOOüflO 311«87 508 SO 11O0I5 131.137 52.1 821 910 11 1(103"3 III 1«4[1000] «89 61.1 798 880 1 121 17 259 460 50« 1 13160 318 28 462 »56 1 14081 13« 238 313[500] 05 429 587 005 27 783 813 (115108 470 589 658 02[lüflO] 116070 231 522 0««92 »71 893 117041 261 118025 US»0 76«[3000] 919 1119368 549 630 120639 52 133 293 329 420 61 6C.1 796 882 1 2 1 050 »64 316[1000] 452 663 813 929 40 1 22 056 74 158 522 «72 123236 510 21«70 728 39 810 28 37 013 62 124140 ,12 616 961 125.111 80 015 42[509] 88 911 43 126078 «31 98 481 500 60.1 8 48 83[lOOO] 9.10[1000] 127170 410 81 660 1 100°] 87 80 1 28168 271 315 473 557 806 1 29 099 «26 59 403 690 130298 363 67[1000]«7[500] 927«2 1 3 1 273«17 M 969 132185[ 500] 257 40.1 812 2 0 68 1 33151 55.1 1500) »0« 761[3000] 814 49 54 134173 22» 371 615 1 3 3 310 |3000] 529 765 800[1000] 928 51 5« 7t[500] 13 6022 179 «3 4.17«64 965 1 3710? 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Ziehung 5. KI. 221. KpI. Preu«s. Lotterie. Ziehung rom 6. Dezember nnchmit'ag«. Kur die Gewinne Uber 240 Marie sind den betreffen* den Nummern In Klammern beigefügt. fOLne Gewähr)(Naehdruck verboten.) 259 329 787 821 995 1088 817 62 949 2005 237 [500] 56 322 500 636 990 3073 429 82 591 631 719 78 4146 300 469«11 717 5 235 6052 841 879 80 95 989 7 415 654 776 8 189 269 820 406 68 78 500 98 614 728 5 t 815 98»74 94 9099 211 16[500] 24 665 140[1000] 866 1920» 819[500]«1 53[500] 731 89 92 871 11032 108 536 1 20-24 70 319 404 902 1 3018 224 3 4 336 424 509 99 63« 868 14322 69 7 7 559 829 941 15020 65[3000] 192[1000] 231 400 104 79 808 16002[5001 83 118 295 379 17056 18 150 313 551 69 751 56 64 65 949 1 8151 254[500] 813 414 141 75 1 9029 636 860 64 29074 238 86[ 4000] 499 981 87 2 1 078 488 509«27 860 99« 2 2089 103 249 4SI 637 820 958 2 3 058 65 11000] 136 203 332 539 94 611 780 822 93 914 2 40-10 6 9 256 429 50»(3000) 661 906 2 5141 451 80«30 970 2 6 165 277 881 2 7211 486 704 889 2 8091 812 89 92 561 687 752 78 840 61 82 2 9363 95 860 930 30244 666 828 3 1 031 350«8[500] 616 742 3 2 228 63 76 307 480 636 3 3329 73 4SI 662 810 921 34 172 228 388[1000] 430 35 521 604 852 95 959[ 3000] 91 35004 158 239 369 725 890 3 6 269 362«14 41 65 37089 422 586 774 977 97 38654 959[500] 39 001 156 229 398 447 671[500] 899[500] 40286[500] 804 30 4 1 037 82 87 37« 739 88 817 903 4 2035 183 692 903 4 3 026 54[ 3000] 76 89 157 656 776 [1000] 868 44)21[500]«5 215 571 774[.'>00] 811«8 920 4 5 418 39 568 711 16 94 855 4 6012 195 283 306 413 619 [1060] 739[500] 42 981 47148 525 811 922 4 S01? 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Für den gnscratenteil verantw.: TH.Giockc, Berlin. Druck u.VcrIag:Vorwärt« Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Ca., Berlin SW, Nr. 285. 26. Jahrgang. 4. Idiot des Jotmiitlä" Kllitr lollioM. Dienstag, 7. Dezember 1969. Soziales. Einseitige Lohnreduzicrungen in der Konfektion. Die Eigenart, mit der in der Konfektion oftmals Löbne herab- gesetzt werden, ließ ein gestern vor der Kammer I des Gewerbe- gerichts verhandelter Prozeß wieder einmal ersehen. Gegen den Schneider m ei st er Brede klagte die Näherin Frau D. Die Klägerin war als Heimarbeiterin für den Beklagten vom l. bis 11. November beschäftigt. Für die von ihr verfertigten Mäntel wurden 1,40 M. Arbeitslohn für das Stück gezahlt. Sie erhielt allmählich weitere elf Mäntel übertragen. Als ihr der vierte Mantel in Arbeit gegeben wurde, ließ ihr der Beklagte durch ihren schul- Pflichtigen Sohn, der die Botengänge besorgte, sagen, daß er nur noch 1 M. für das Stück geben könne; ins Lohnbuch wurden aber bis zum letzten Stück 1,25 M. als Arbeitslohn ein- getragen. Ms Klägerin die Mäntel lieferte, änderte Be- klagter die Eintragungen im Lohnbuch auf 1 M. ab und ließ von der Klägerin einen Generalverzicht unterschreiben. Erst bei Nachzählung des Geldes merkte die Klägerin, die sich die Verzichtserklärung nicht durchgelesen hatte, daß sie benachteiligt war. Beklagter ließ sich aber nicht dazu bewegen, der Klägerin die Differenz von 25 Pf. für den Mantel nachzuzahlen. Deshalb klagte die Klägerin auf Zahlung von 4,40 M. Lohn beim Ge- Werbegericht. Der Beklagte berief sich aus die angebliche Ver- einbarung von 1 M. für den Mantel und auf den Geueralverzicht. Das Gericht unter Vorsitz des Magistratsrats Dr. Leo gab seiner Ansicht dahin Ausdruck, daß die Eintragungen in das Lohn- buch dann nur den Zweck gehabt haben können, die Klägerin irre zu leiten und die nachträglichen Abänderungen dieser Eintragungen moralisch sehr bedenklich seien. ES wolle daher den General- Verzicht, den Klägerin unterschrieben hat, ohne zu wissen, waS sie unterschrieb, nicht zum letzten Ausgangspunkt der Entscheidung machen. Es empfahl dem Beklagten, die auf 2,75 M., also 25 Pf. für das Stück, ermäßigte Forderung anzuerkennen. Dieser Rat wurde befolgt. Krailkeiiversicherung 1 908. Die„Berliner Korrespondenz" veröffentlicht nachstehende Zu- sammenstellung über die Ergebnisse der Krankenversicherung im Jahre 1908: Die ordentlichen Ausgaben fKrankheitskosten, Ersatzleistungen, zurückgezahlte Beiträge und Eintrittsgelder, Verwaltungskosten, ab- züglich derer für die Jnvalideuversichernng. sonstige Ausgaben) bc- liefen sich auf 325 054 492 M-, darunter Krankheitskosten 297 376 804 M., die sich verteilen auf: ärztliche Behandlung.......... 67 692047 M. Arznei und sonstige Heilmittel....... 43 351 620„ Krankengelder............. 133 543 355„ Unterstützung an Schwangere und Wöchnerinnen 5 927 722„ Sterbegelder............. 7 480 344„ Anstaltsvcrp flegung........... 89 147 308„ Fürsorge für Rekonvaleszenten....... 235 408„ Auf ein Mitglied kamen durchschnittlich 24,13 M. Krankheitskosten. Die Berwaltungskosten, abzüglich derer kür die Invaliden« Versicherung betrugen 18169 949 M., auf ein Mitglied durchschnitt- lich: bei den Ortskrankenkassen 2,27 M., bei den Jnnnngskrankcn- lasse« 2,69 M, bei den Eingeschriebenen Hilfskassen 2,55 M. und bei den Landesrechtlichen Hilfskassen 1,59 M.; bei den Betriebs« und Baukrankenkassen werden sie fast von den Betriebsunternehmern, in der Gemeindckrankeuversicherung ganz von den Gemeinden getragen. Bei allen Kassen überhaupt stellen sich die VerwallungSkosten auf ein Mitglied daher nur auf 1,47 M. durchschnittlich. Das Gesamtvermögen betrug rund 254 Millionen Mark I Rfl M während die gebd. Ausgabe, zum Vorzugspreise v. X1U1 I.UU III., ohnelllustr., bish.3 M. kostete. Zu den ersten Bühnenwerken gehört auch Maxim Gorkis„Xachtasyl". Man kennt die Lebonsgescbichte dieses russischen Schriftstellers, der heute als Verbannter fern von der Heimat im Aüslande weilt. Hier nur zwei von den vielen Hundert glänzenden Urteilen über„Nachtasyl". Julias Hart, der berühmte Literaturhistoriker, schrieb über Gorkis Stück: t,Es war der echteste Erfolg dieser Spielzeit.— Maxim Gorki siegte völlkömmon über Maeterlinck wie über Hauptmann, hlr zeigte mit unwiderleglicher Bestimmtheit, wie eine Poesie, die im Menschlichen wurzelt, alle Kunststücke wie Kartenhäuser umweht und alle dramatargische Schulmeisterei hinwegfegt. Es war ein großer Sieg, den Gorki erfochten hat." Und der bekannte Kritiker Philosoph Stein äußerte sich wie folgt: „Man steht unter dem Banne eines wunderreichen Dichters, der nns die Herzen und den Geist seiner Menschen, der Mühseligen und Boladenen erschließt. Der ungemeine und künstlerische\Vert dieses schönen Werkes ist seine Milieuschilderung, die tief eindringliche Charakteristik, der liebenswürdige, herzenseohte Humor, die Anschaulichkeit der Schilderung und die bezwingende Kraft der ig— da gibt es Schönheiten bewundernswertester Art. Es war der stärkste und verdienteste Erfolg des„Kleinen Theaters". auszufüllen und an den Humboldt* zur Ansicht aus. Bezugsschein für die Leser des „Vorwärts". � 5? 9 55 & a 17 3 3 Cu O s o? gestern Stimmung— da gibt es Schönheiten bewundernswertester Art. Es war der stärki Leser, um Mißbrauch zu verhindern, den nebenstehenden Bezugsschain auszuschneiden, Die Bestellungen werden der Reihe nach erledigt. Ja ein Exemplar liegt in der Expedition z a H M t< M w- I-O a s & n M B fc* B w ü & Ii B B B £ c e £ s— -» B« fi o <1 sr ü< ts a P ■ S g 3 § 85 n s s. I» c i g 3 0! 3 l:i s i** p & B & 3 a � S: � L t s r a SP ? a §3 •» B B >* K I ß £ * Cl Eine Mark tvöchcutl.* elN zaSalnnji liefere elegante fertige Herren- und Knaben- Garderobe Ersatz ür Mass« Massaoferfigung:. Feinsie Verarbeitung unter Lcitg. eretki. Schnfidermeisler, J.Kurzi)crj loseoiiiaißnlfasse�, 1. Etage, direkt am Hackeschcn Markt km Haim-H-M Bei Barzahlung 10°/o Rabatt. jH.&P. 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