Mr. 886. RtonnementS'Bedingungfli: WboiiiieniciUZ- Preis pränumerando i Lierteijkhrl. SAZ Mk, monail. l.lv Mk., wöchentlich 2b Psg. frei ins Haus. Einzelne Niumner 5 Pfg. Sonntags. Nummer niit illustrierter Sonntags- Beilage.Die Neue Welt" 10 Pso. Post» tilbonnemcnt: l.lv Wart pro Monat. Eingetragen in die Posl.Zeitungs. Pretslisic. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 3 Marl pro Monat. PosiabonnenientS nehmen an: Belgien. Düneniarl, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Ruuiänien, Schweden und die Schweiz, 86. Jahrg. vlidelllt täalidi anOcr msntass. Vevllnev VolksblÄkt. Die Insertion;-Sebilhr Beträgt für die sechsgcspaitene Kolonel- zeile oder deren Rauni 50 Pfg,, für politische und gewerlschastliche BereinS» und Versamnilungs-Anzeigen 30 Psg. „Kleine JJnr-ig-n", das erste(fettgedruckte) Wort 20 Pfg,, jedes weitere Wort UZ Pfg, Stellengesuche und Schlaf- stcllen-Anzcigcn das erste Wort 10 Pfg,, jedes weitere Bort S Pfg, Worte über IS Buchstaben zSHIcn für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer niüssen bis S Uhr nachmittags in der Expedilion abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm-Adresse: „;»!!älllcm»li»l RtrllB1*. Zcntratorgan der foztaldetnokrati fchen parte» Deutfchtands. Redaktion: 8M. 68, Lindenstrasae 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Liebedienerei. Expedition: SÄl. 68, I�indenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1981. Lehrer und Beamte haben jüngst einen neuen Verband gegründet, den„Bund der Fe st besoldeten". Diese Gründung hat bei den bürgerlichen Parteien manche An- seindung erfahren. Man hat sie als die Mache eines Zeitungs- Verlegers hingestellt, selbst Beamtenfachblättcr haben sie als unlauteres Konkurrenzunternehnien gegen die bestehenden Fachorganisationen bekämpft. In einer Versammlung, die der Bund am Sonntag in Berlin abgehalten hat, wurden Von den Verschiedenen Rednern, Lehrern und Beamten, diese Anschuldi- gungen zurückgewiesen. Der neue Bund solle kcinesivegs be- stehende Organisationen überflüssig machen und ersetzen, viel- mehr eine zusammenfassende Vereinigung der gesamten Be- amtenschaft darstellen. Zweck des Bundes sei, detz Beaniten- schaft im Staate und bei den Parteien die Berücksichtigung zu sichern, die man ihr bisher leider nicht entgegengebracht habe. Wohl hätten die Parteien sich bisher von der Beaniten die Wahlhilfe, die Schlepperdienste und die Kulinrbeit bei Konimissionsberatnngen gern gefallen lassen, allein nachher hätten die Abgeordneten»icbts für die Beamten getan, sogar gegen ihre Forderungen gestimmt. Das müsse aufhören. Die Parteien inüßten gezwungen werden, die Wünsche der Be- amten zu respektieren. Wenn es gar nicht anders gehen wolle, freilich nur im äußersten Falle müsse man zur Aufstellung eigener Beamtenkandidaten schreiten. So iveit, so gut. Man kann es den Beamten nicht ver- argen, wenn sie nach dein Vorbild sowohl der verschiedensten Unternehmergruppen wie auch des Proletariats zu dem Mittel der Organisation greifen, um ihren Interessen energischer Geltung zu verschaffen. Auch in den Streit, ob der„Bund der Festbesoldeten" wirklich eine geeignete Vertretung der Be amten darstellt oder nicht, haben ivir uns nicht eingelassen; sich klar darüber zu werden, ist Sache der Beamten selbst. An und für sich würde eine zusammenfassende Beamten organisation einen entschiedenen Fortschritt darstellen. Trat doch bisher bei manchen Beamtenorganisationen das aus fchließliche Bernfsiuteresse in allzu kleinlicher und engherziger Weise hervor. Wie das Berufsinteresse mit dem Klassen intereffe durchaus in Einklang zu bringen ist, das könnten die Beamten von den proletarischen Organisationen sehr wohl lernen I Unter solchen Umständen weiß sich die Sozialdemokratie völlig frei von jener Animosität, die die bürgerlichen Parteien bisher für den„Bund der Festbesoldeten" empfunden haben. Was die Beamten fordern: eine angemessene Besoldung und Arbeitszeit, das freie Koalitionsrecht und das unbeschränkte Recht der politischen Betätigung— das sind ja alles Forde- rungen, die gerade die Sozialdemokratie stets mir allem Nachdruck erhoben und verfochten hat, Was uns an der Versammlung der Festbesoldeten miß- fiel, das war der von einigen Rednern allzu ostentativ herausgesteckte Hurrapatriotismus, das allzu naive Bestreben, sich Regierung und bürgerliche Parteien durch die immer von neuem wiederholte Beteuerung der Loyalität günstig zu stimmen. Ja man ging sogar so weit, die neue Organisation der Beamten getvissermaßen als ein Bolliverk gegen den Um- stürz anzupreisen I Am meisten tat sich in dieser Beziehung der Lehrer Rosin hervor, ein„Freisinniger" und kaltgestellter Soliderkandidat der Beamten gegenüber dem Konnnuualsreisinn bei der letzten Berliner Landtagswahl. Herr Rosin sagte unter anderem: Er wolle nur feststelle», daß jeder Bundesangehörige einer beliebigen Partei angehöre» könne, ausgenommen jene Parteien, die nickt für Kaiser und Reick seien, sie möchten sonst noch so tüchtige Parleien sein. Das wären die Sozial- demokratie. die Welsen, Polen, Dänen und— Franzosen, die in Deutschland lebten. Wir verkennen nicht, erklärte der Redner, daß auch die Sozialdemokratie alles für die Beamten tun werde, aber sie stehe außerhalb der monarchischen Gesinnung, ihre Abgeordneten verließen den Saal beim Kaiserhock, auch lehne sie das Staatsbudget ab, worin auch die Gehälter der Beamten enthalten seien. Sie käme also für den Bund nicht in Betracht. Wir halten es, rund heraus gesagt, für einen groben Unfug, wenn Herr Rosin, der doch selbst für die Beamten Freiheit der Organisation und der Gesinnung fordert, in eigener Person die abgeschmackte st e Gesinnungs- r i e ch e r e i und den skandalöse st en Terror dadurch fördert, daß er die famose These aufstellt: ein Beamter darf nur einer patriotischen und monarchischen Partei angehören l Die Beamten sind-Diener des Staates. Dieser Staat aber ist keineswegs die Domäne der Krone oder der„königs- treuen" und„staatserhaltenden" Parteien. Ganz davon ab- gesehen, was hinter der monarchischen Gesinnung etwa der Junker steckt. die es mit dem Prinzip halten„Und der König absolut. wenn er uns den Willen tut", oder der N a t i 0 n a l l i b e r a l e n, die sich ja selbst als„Ver- u u n f t Monarchisten" bezeichnet habeil, also als Anhänger des Monarchismus aus nüchternster materieller Be- r e ch n u n g. Zum Staat gehören als vollberechtigte Glieder alle Parteien, auch die Polen und die S 0 z i a l d e ni 0- k r a t e n l Es ist geradezu eine Jämmerlichkeit ohne Gleichen, n einem Augenblick, wo erst wieder sünf Lehrer wegen polnischer Wahlen gemaßregelt worden sind, die„mon- archiiche" und„patriotische" Gesinnung zur Vorbedingung der Koalitions- und staatsbürgerlichen„Freiheit" zu erklären! Und es ist bezeichnend für unseren Freisinn, daß es ein freisinniger Lehrer war, der in so armseliger Weise um die Guust der Regierung und der reaktionären Parteien bettelte! Sollte der Bund der Festbesoldeten je auf dem Stand- Punkt des Herrn R 0 s i n anlangen, so würde das die Sozial- demokratie weniger zu beklagen haben als die Beamtenschaft selbst. Denn das hieße nicht nur die gesinnungslose Streberci proklamieren, das Liebedienern aus niedrigstem politischen Kalkül, sondern auch die Beamteuschast alles politischen Ein- flusses berauben. Liegt doch der st ä r k st e Antrieb zu einer Politik des Entgegenkommens gegen die Beamten für Regierung und bürgerliche Parteien in der F u r ch t vor einem Abschwenken der Beamten z n r Sozial- deniokratie! Wenn nun aber die offizielle Organisation der Beamten selbst die einzige wahrhaft fortschrittssreundliche Partei, die Sozialdemokratie, verfemt, dann brauchen sich ja die bürgerlichen Parteien vor den Drohungen der Beamten gar nicht zu fürchten! Denn von den für den äußersten Notfall geplanten Beanitenkaudidaturen scheinen sich ja die Beamten selbst— und mit Recht!— sehr wenig Erfolg zu versprechen l Die Beamten sollten sich also vor Ratgebern vom Schlage des famosen Freisimisinannes Rosin hüten, wollen sie den Karren nicht von vornherein in den Suntpf fahren. Doch auch das mögen sie mit sich selbst ausmachen. Die Sozial- demokratie ist in der glücklichen Lage, auf die politische Unter- stützung der Beamten viel weniger angewiesen zu sein als diese auf die Hilfe der Sozialdemokratie! tifpitz, Darms und die Werftarbeiter. Aus den: Reichstag. 7. Dezember. Das Patzige Pochen auf seine eigene Selbstherrlichkeit und die Uuaufechtbar keit der Mariueverwaltung ist dem Herrn v. Tirpitz nicht gut bekoninien. Heute wurde ihm in schärferer Tonart auf gespielt. Er selbst zog es dann vor, einen Pflock zurück- zustecken. Um die Beantwortung der heikelsten Fragen drückte er sich sehr vorsichtig herum. Dafür benutzte aber sein „Meschores", wie man in Kiel sich werfttechuisch ausdrückt. der Geheime Admiralitätsrat Harms, die Gelegenheit, um den Arbeiterbeschwerden gegenüber den patzigsten Tirpitzton noch zu übertirpitzen. Zunächst brachte der freisinnige Dr. S t r u v e neues konipromittierendes Material über die unheilvollen Wirkungen des bureaukratischen„System Tirpitz" in der Marineverwal- tung vor. Er stellte dabei fest, daß ein unlösbarer Wider- sprach besteht zwischen der Behauptung des Marineniiuisters, daß die Verwaltung dem recherchierenden Kriminalkommissar keine Prozente versprochen habe, und der eidlichen Aus- sage des Kriminalkommissars Wanuowski: ihm sei 1 Proz. aus dem Erlös der Zivilklage gegen die„Chabruse" zugesagt worden. Auch Herr Erzb erger und Herr Leon- hart zogen noch einmal vom Leder. Genosse S e v e r i n g verlas aus der nichtbeachteten Ein- gäbe des Metallarbeiterverbandes Stellen, in denen die Ver- ivaltnng auf viele von den jetzt enthüllten Mißständen bereits damals hingewiesen wurde. Dann brachte er aber besonders Tatsachen zur Sprache, die zeigen, daß die terroristische arbeiterfeindliche Verivaltungsmethode des Systems Tirpitz- Harms überall die Wirkung hat, tüchtige Arbeiter, sobald sie sich politisch und gewerkschaftlich betätigen oder gar Beschwerden an die Verivaltung schicken, außer Brot zu bringen, während notorische Spitzbuben in Amt und Stellungen kommen. Verschlimmert Ivird dieser Zustand noch dadurch, daß ein gelber nationaler Arbeiter- verein in Kiel gegründet ist, dessen Kandidaten in jeder Weise bevorzugt und begünstigt werden. Eine Gesundung des Be- triebes, so schloß Severing, könne nur durch völlige Be- seitiguug der Günstlingswirtschaft erzielt werden. Der Geheime Admiralitätsrat Harms, der im Marine- amt die nämliche Rolle spielt wie der bekannte Herr Schivartz- kopff im preußischen Kultusministerium, erklärte im barschen Unteroffizierston: ein Werftarbeiter in Danzig, der zehn Jahre in Dienst gewesen war und dann eine Beschwerde über die dortige Mißlvirtschaft eingereicht hatte, worauf er schleunigst gemaßregelt wurde, hätte entlassen werden müssen, weil er„sozialdemokratischer Arbeiter" geivesen sei. In lauten Protestrufen machten die Sozialdemokraten ihrem Unwillen über diese brutale Scharfmacherpolitik Luft. Genosse Legten ergriff später noch einmal das Wort, um dieses terroristische System in das richtige Licht zu setzen. Er stellte fest, daß der Staatssekretär sich offenbar in völliger Unkenntnis über das Wesen der Gewerkschaftsbewegung befinde, wenn er sich erlaube, von„Organisationen des Herrn Legien" zu sprechen. So etwas gebe es überhaupt nicht. Daß man die Arbeiter aus den Werften als Geiverk- schaftler und Sozialdemokraten verfemen wolle, sei um so skandalöser, als es sich da um die Mehrheit der Werft- arbeiter handele; die Arbeiter seien aber obendrein die Leute, aus deren Geldern durch die Zölle und indirekten Steuern der Haupt- teil der Mittel aufgebracht würde, die zur Bestreitung derMarine- ausgaben dienten. Er forderte dann noch einmal den Staats- fekretär heraus, zu erklären, weshalb er seine Eingaben als Reichstagsabgeordneter nicht beantwortet habe. Herr v. Tirpitz, der vorher bombastisch versichert hatte, er werde über alle Fragen Auskunft geben, zog es indes vor, zu schlveigen. Der große Secheid brach das Gefecht ab. uin hinter der schützenden Front der Regierungsparteien Deckung zu suchen. Er konnte das ja auch ungehindert tun, da man ihm bei dieser Gelegenheit nicht mit dem schweren Geschütz von Anträgen zu Leibe konnte. So ging die Interpellation wie üblich aus, ohne ein anderes Ergebnis als die moralische Züchtigung des Systems Tirpitz-Harms. Schließlich wurde ivch eine Anzahl von Vorlagen er- ledigt, wobei eine längere Debatte bis spät in den Abend hinein sich über den portugiesischen Handelsver- trag entspann. Morgen hat der Reichstag wegen des katholischen Feier- tags(Mariä Empfängnis) keine Sitzung. Am Donnerstag soll die Etatdebatte beginnen: da hat der neue Reichs- kanzler, Herr Bethmann Hollweg, das Wort!. Die Föderation der ßeamten. Paris, 4. Dezember. sEig. 93er.) Die französische Bcanitenbelvegung ist durch die Gründung einer alle Kategorien umfassenden Zentralorganisation in ein neue? Stadium getreten. Wohlgemerkt, eS handelt sich hier nicht um revolutiouär-shndikalistiscke Elemente, wie das Zetergeschrei der großkapitalistischen Presse glauben macken könnte, sondern gerade um die auf einem bloßen Jnteressenschutz innerhalb der heutigen Staatsordnung bestehenden Schickten, die jähre» lang geduldig auf das so oft versprochene Beamtenstatut mit seinen Garantien für ein gerecktes Avancement und gegen disziplinare Willkür gehofft und nun diese Geduld verloren haben. In seinem Aufruf wie in seinen Statuten läßt der neue Verband keinen Ziveifel über sein? gemäßigten Tendenzen. Der Streik wird ausdrücklich als Aktionsmittel nicht anerkannt, der Anschluß an fremde Organisationen— und darunter istdieArbeitskonsöderation gemeint— abgelehnt. Vorgesehen ist nur eine Verbindung mit Beanrtenverbänden des Auslandes. Wenn man Spuren syndikalistischer Anschauungen durchaus entdecken will, 10 könnte dies höchstens in der Progiammbestinmiung sein. die als Aufgabe des Verbandes außer dem Schutz rein beruflicher Juteressen der Beamten die Förderung der Interessen des Publikums durch ein Studium der Verwaltungsreform nennt, und dies auch nur in dem Sinne, daß der Syndikalismus wie die Beamlenbewegung Traditionen des Proudhonschen Föderalis- mus aufgenommen hat. Die offenkundigen Mängel der Verwaltung selbst und die politische Korruption, die sie durchdringt, haben die Opposition gegen den jakobinischen Zentralismus sehr gestärkt und nach den reaktionären Verteidigern des Korporalions» Prinzips sind nickt wenig neuere republikanische Verwaltungstheoretiker zu Anwälten einer Dezentralisation geworden, die bis zur Auflösung des staatlichen AppaaratS in Genossenschaften mit ausgedehnter Autonomie geht. Der Föderation sind bis jetzt 19 Verbände der verschiedenen Refforts beigetreten. Sie zählen zusammen etwa ISö 000 Mitglieder. Die stärkste Gruppe ist die der Volksschullehrer mit 96 000 Mit- gliedern bei einer Gesamtzahl von IIS 000 Lehrern. Weiter hat sich der allgemeine Verband der P 0 st u n t e r b e a m t e n mit 30 000 Mitgliedern svon 60 000 Beamten dieser Kategorie), meist Brief- trägem, angeschlossen. Die Organisationen der Föderalion waren bisher bloß in einem„Studienkomitee" vereinigt, das jetzt wegen des die Föderation begründenden Beschlusses gesprengt ist. Daneben aber besteht nock das„Zentralkomitee zur Verteidigung der GewerksckaftSreckte", das außer StaatSarbeitergewerk» sckaften auch Unterbeamte und eine beträchtliche Zahl von Beamten höherer Kategorien umfaßt. Ihn» gehört nämlich auch die„Association Gönerale" der Postbeamten an, die während der zwei Poststreiks dieses Jahres eine führende Rolle gespielt hat. Da in ihr die ent» schieden gewerkschaftlichen Tendenzen vorherrschen, ist ihr Eintritt in die so ausgesprochen gemäßigte Föderation»och fraglich. Die Konstituierung der Föderation ist auf Grund der Be» stimmungen des Vereinsgesetzes erfolgt uud juristisch unanfechtbar. Die Regierung wird sich auch wohl hüten, dem Wunsch der Scharf- mackerblätter wie„Temps",„Journal des Döbats",„Figaro" usw. Folge zu leisten und mit Gewaltmaßregeln und Ausnahme- bestimmungen einzuschreiten. So unangenehm ihr der Zusammen» scklttß der Beamten sein mag, so entscheidet doch e i n Umstand über alle Projekte dieser Art: die Nähe der Wahlen. poUrtfcbc dcbcrHcbt. Berlin, den 7. Dezember 1909, Der Zechenverband und sein Zwangsarbeitsnachweis. Der Verband deutscher Arbeitsnachweise in Berlin hat an den Verein für bergbauliche Interessen in Essen einen Brief gerichtet, in welchem er sich gegen die geplante Er- richtung eines Zentral-Zwangsarbeitsnachweises ausspricht und aus Grund seiner Erfahrungen mit paritätischen Arbeits- nachweisen die Einführimg eines gleichermaßen von Unternehmern und Arbeitern besetzten Zentralnachweises unter Leitung eines unparteiischen Vorsitzenden empfiehlt. Der wichtigste Teil des Schreibens lautet: „Der Verband deutscher Arbeitsnachweise, welcher mit Zu- stimmung und mit materieller Unterstützung der Reichsregierung fich die Aufgabe gestellt hat. die Einrichtung allgemeiner öffentlicher und paritätischer Facharbeitsnachlvcise zu fördern, möchte eS nicht unterlassen, an den Verein die dringendste Bitte zu richten, von diesem Vorhaben abzustehen und die Einrichtung eines gleichniäszig von Ver- tretern der Zecken und Vertretern der Arbeiter geleiteten Arbeits- nachtveises in Erwägung zu ziehen. Die grobe Erregung, welche die Nachricht von der beabsichtigten Einrichtung dcS Nrbeis- Nachweises in Kreisen der Bergarbeiter hervorgerufen hat, macht e» unzweifelhaft, daß diese Einrichtung nur geeignet ist, d i e Gegensätze zwischen Arbeitgebern und Arbeit- nehm er n im dortigen Bergbaubetriebe zu ver- schärfen. Andererseits hat der Verband die Erfahrung ge- macht, dah gerade das Zusainmenarbeitcn von Arbeit- gebern und Arbeitnehmern in der paritätischen Arbeits- nackweiSorganisation in hohem Grade geeignet ist, etwa vorhandene Gegensätze abzuschwächen und künftigen Streitig- leite» vorzubeugen. Wir sind der Ueberzeugung aus Grund reicher, praktischer Erfadrung, dab die Vertreter der Arbeiter selbst am ehesten geneigt sein werden, die Hand dazu zu bieten, um Maß- nahmen zur Beseitigung von Mibständen auf dem Gebiete des Arbeitsvertrages zu treffen und die ordnungsmäßige Durchführung des Arbeitsvertrages von beiden Seiten zu gewährleisten. Akzeptiert man den Gnmdsatz, daß an der Spitze der Verwaltung des Arbeitsnachweises ein unparteiischer Vorsitzender steht, welcher kein Stimmrecht hat und dem nur die Aufgabe zugewiesen ist, bei Meinungsverschiedenheiten vermittelnd zu wirken, so besteht keine Gefahr, dab irgendwelche Maßnahmen gegen den Willen einer der beiden Parteien beschlossen und durchgeführt werde» könnten.... ES ist zweifellos anzuerkennen, daß die Arbeitgeber an der Organisation des ArbeusnackweiseS das größte Interesse haben müssen und daß der Arbeitsnachweis unter keinen Umständen ihrer Einflußsphäre entzogen werden darf. Dasselbe Interesse haben aber in mindestens gleichem Matze die Arbeitnehmer. Keine der beiden Parteien wird es mit ihren Interessen für vereinbar halten können, daß die andere Partei allein die Verwaltung des Arbeits- nackweiseS führt, und so werden sich aus der einseitigen Macht- entialtung auf diesem Gebiete stets die schärfsten Gegensätze ent- wickeln, die nur durch eine genieinschaftliche Tätigkeit auf diesem Gebiete zum AuSgleick kommen könne». Wir bitten daher dringend den Verein, die Einrichtung eines paritätischen Arbeitsnachweises im Ruhr- Kohlenrevier in Erwägung ziehen zu wollen." Das Vorgehen des Verbandes deutscher Arbeitsuachiveise verdient Anerkeiinuiig; aber seinen Zweck wird er nicht er- reichen. Die Herren vom Zechenverband lassen sich von pri- vaten Korporationen nichts in ihre Interessen- und Profit- Politik Hineinreken. Ihre Selbstherrlichkeit kann nur durch ein den Arbeitsnachweis regelndes Reichsgesetz gebeugt werden. Eine Wahlreform-Enquete. Um der Behauptung entgegenzutreten, daß in den„nach Bildung und Besitz maßgebenden Schichten" des deuischeii Volkes der Wunsch nach Reform des preußischen Dreiklassen- Wahlrechts nicht bestehe, hat das„Verl. Tagebl." an eine größere Anzahl bekannter Persönlichkeiten auf dem Gebiet des Wissens, der Kunst und des Erwerbslebens eine die Wahlreform fordernde Zuschrift versandt und die Enipfänger um ihre Zustimmungserklärung gebeten. Das Schreiben hat folgenden Wortlaut: .Der entscheidende Augenblick ist gekommen, wo et sich zeigen muh. ob der Wille des Volkes stark genug ist, Preußen, den führenden Bundesstaat, auf die Bahn deS politischen Fortschritts zu drängen. Die Bewegung, die an die überstürzte und ego- istische Erledigung der Reichsfinanzreform durch den schwarz- blauen Block anknüpfte, würde ihr Ziel gründlich verfehlen. wenn eS ihr nicht gelänge, endlich Bresche zu legen in die agrarkonservative Vorherrschaft über Preußen und damit über Deutschland. Ein Volk von 60 Millionen, das in Handel und Industrie, in Gewerbe und Technik, in Wissenschaft und Kunst rastlos der Vollkommenheit zustrebt, darf die Richtlinie seiner Politik nicht ausschließlich bestimmen laffen nach den Bedürfnissen jener kleinen Oberschicht, die sich in den östlichen Provinzen Preußens dem Eindringen modernen Geistes erfolgreich entgegenstemmt. Darum ist es eine Lebensfrage für Preußen nicht nur, sondern auch für das gesamte Deutsche Reich, daß den aufstrebenden Erwerbsständen der Weg frei- gemacht werde zur preußischen Volksvertretung. Mit vollem Rechte bezeichnete daher auch die Thronrede vom 20. Oktober 1908 die organische Fortentwickelung des Wahl- rechts als eine der wichtigsten Aufgaben der Gegenwart. Es gilt, diesem Gedanken Nachdruck zu verschaffen. ES gilt zu zeigen, daß die preußische Krone sich bei dieser Forde» rung in Uebereinstimmung befindet mit den be- rufenen Vertretern deutscher Geistesbildung und deutschen Wirtschaftslebens." Bis gestern hatten, wie das„Berk. Tagebl." mitteilt, diese Kundgebung 260 deutsche Hochschullehrer sowie eine lange Reihe hervorragender Schriftsteller. Künstler, Anwälte, Aerzte. Industrielle, Kaufleute usw. unterschrieben. Die Konservativen und die Vertreter des Zentrums- feudalismns werden zwar schwerlich durch diese Enquete zu einer Aenderung ihrer Stellungnahme zur preußischen Wahlrechtsfrage bestimmt werden, und ebensowenig wird ihr Regierungsausschuß. genannt preußisches Staatsministerium, sich«zu einer Wahlreform entschließen, die diesen Namen ver- dient, immerhin ist es recht nützlich, daß durch das Vorgehen des„Verl. Tagebl" konstatiert wird, wie tief auch in den Kreisen der bürgerlichen Intelligenz die Notwendigkeit einer gründlichen Wahlrechtsänderung erkannt wird. Erni ulkt. Der Erbprinz zu Hohcnlohe-Langenburg, ehemaliger Regent von Gotha und Kolonialdircktor, gegenwärtig— ganz übe» flüssiger- weise— ReickstagSabgeordneter(übrigens nicht mehr lange) und Hospitant der ReichSpartei, die unter den Parteien wiederum so liberflüssig ist wie der Erbprinz unter den Abgeordneten, also dieser ehemalige stellvertretende Serenissinm« hat zwei Witze gemacht. Einmal ließ er sich belanntlich vom schwarzen Schnapsblock zum VerlegenheitS- Vizepräsidenten wählen und bewies so seine satirische Begabung. Denn datz gerade er sich zum Präsidenten wählen ließ, konnte nur in der Absicht geschehen, jene Leute der Lächerlichkeit preiszugeben, die einen Prinzen und zumal«inen Erbprinzen, zu allem fähig halten. Die Organe des ScknapSblockS aber hatten die Wahl ganz ernst behandelt. Da verdirbt ihnen ein zweiter Witz das Konzept. Der Prinz ver- öffemlicht nämlich in der„Gotbaischcn Zeit" eine Erklärung, weil «r sich angeblich bei seinen RcichStagswahlern entschuldigen müsse, baß er aus der Hand solcher Leute, wie eS Schnapsblockabgeordnete find, die Vizepräsidentenstelle annahm. Da steht u. a. zu lesen: Die Uebernahme der Vtzrpräsidentenstelle unter den gegen- värtigen Umständen bedeutet für mich ein schwere» Opfer, nicht mir init Rücksicht auf meine persönlichen Verhältnisse, sondern insbesondere ans meine politischen Anschauungen, die in vieler Hinsicht denjenigen widersprechen, Ivelche ein großer Teil der an meiner Wahl beteiligten ReichstagSmitglieder vertritt. Ick verhehle mir nicht, daß eine erhebliche Zahl, vielleicht die Mehrzahl meiner Wähler nieine H and lp n g s w ei s e nicht billigen wird. Ich glaube indessen richtig gehandelt zu haben, indem ick nicht parieivolitischen, sondern allein patriotischen Erwägunge» folgte, welche mir geboten, mich dem Rufe der Pflicht in einem Augenblick nicht zu versagen, wo meine Annahme der Wahl als einziges Mittel erschien, um eine die tief bedauerlichen Gegensätze zwischen NechtS und Links noch Ver- schärfende Zusammensetzung des Präsidiums zu verhüten. Der satirische Charakter dieses Schreibens ist ganz offensichtlich. So wird der Entscheid über den völlig gleichgültigen Umstand, welcher beiläufige Reichstagsabgeorduete von Gnaden dcS schwarzen Schnaps- blockS den Stuhl des Präsidenten als zweitep Vize bisweilen drücken und einen sozialdemokratischen Redner in seiner Kritik stören dürfe, in guier Persiflage des verlogen- pathetischen parlamentarischen Jargons als Folge„patriotischer Erwägungen" hingestellt. Noch besser ist die Verspottung des Schnapsblocks gelungen. Daß Zentvunisleute und Konservative ihn gewählt, ist nach Hohenlohe eine solche Schande, daß schleunigste Rechtfertigung not tut. Uebler ist in der Tat noch nie eine Parlamcntsinajorität ge- foppt worden, wie der Schnapsblock von dem so mühsam gefundenen Vizepräsidenten. Doch daniit gibt sich der scherzhafte Prinz noch nicht zufrieden. Die Konservativen haben die Polen nicht nur bei der Wahl des Präsidiums, sondern auch bei der der Schriftführer übergangen. Das Parteiorgan der ReichSpartei hatte mitgeteilt, datz die 5touservativen dazu durch den lustige» Prinzen gezwungen worden waren ige Frau" um Erlaubnis zu fragen. Die meisten Hausordnungen enthalten den Passus, dass„bei unbefugtem Ver- lassen deS Hauses sofortige Entlassung" eintritt. Der Ausgang währt dann in der Regel von 3 oder 4 Uhr an bis um 11 oder 12 Uhr nachts, auf eine spätere Stunde wird der Erlaubnisschein nur selten ausgestellt, weil die Herren Chefs um die Moral der Mädchen sehr besorgt sind. Es ist also nicht verwunderlich, wenn diese Proletarierinnen von dem Orgnnisationsgedanken bisher fast noch gänzlich unberührt geblieben und ihm auch schwer zugänglich sind. Trotzdem hat es der Verband deutscher Ga st Wirtsgehilfen unter- nonrnien, in Berlin damit den Anfang zu machen und. eine weibliche Abteilung zu gründen. Derselben sind auch bereits 40 Personen beigetreten. Hoffentlich gelingt eS, auch in jenen Kreisen die nötige Aufklärung zu verbreiten, die Angestellten für die Organisation zu gewinnen, damit auch hier bessere Verhältnisse durchgeführt werden._ Der Bund für Mutterschuh hat sicki die Aufgabe gestellt, lcdigen Müttern nicht nur augenblickliche Hilfe angedeihe». zu lassen, sondern vor allem auch ihnen in jeder Beziehung durch Nachweis von Beschäftigung im Haushalt, Bureau, Fabrik, Filialen, An- fertigung von Schreibmaschinenarbeitcn, Erteilen von Unterricht in Sprachen. Malen, Musik, als Hausdame. Reisebegleiterin usw.. bei der Gründung einer neuen Existenz zur Seite zu stehen. Er bemüht sich ferner, den Müttern die in Berlin so schwierige Wohnungsfrage zu erleichtern und bittet alle, die geneigt sind, eine Mutter mit Kind gegen Hausarbeit und geringen Entgelts aufzu- nehmen oder auch nur ein Kind als Pflegling, ihre Adressen und Bedingungen dem Bureau des Bundes»litzutcile». Sprechstunden täglich von 9�—1 Uhr, ausserdem Dienstag und Freitag abends von 7— 9 Uhr. Briefe sind an Frau Franziska Schultz, Traütenau- strasse 20, zu richten. Gleichzeitig spricht der Bund für Mutter» schütz die Bitte um Unterstützung an Geld, Wäscha, Kleidung aus. Be, dem grossen Andränge der Hilfesuchenden ist jede Gabe sehr willkommen. tversammsunge»— Beranftaltnngen. Lichtenberg. Donnerstag, den 0. Dezember, SM Uhr, im Lokal „Schwarzer Adler", Frankfurter Chaussee 5. öffentliche Frauen- Versammlung. Vortrag der Genossin Frau Zietz:»Die Wirkungen der neuen Steuern auf die Hausfrauen!" Gewerhfcbaftlichc� Deutsche Hrbdtcrgrofcben für das Husland. Unter dieser Ueberschrist bringt die..Deutsche Arbeitgeber- Zeitung" in ihrer Nr. 49 vom 5. Dezember 1909 einen Artikel. in dem die Opfer aufgezählt werden, die die deutschen Arbeiter bei Streiks ihrer ausländischen Kollegen zur Unterstützung der Streikenden gebracht haben. Dagegen sollen nach der in dieser Notiz gegebenen Darstellung die ausländischen Arbeiter bei Streiks in Deutschland sehr wenig Solidarität bekundet haben. Zum Beweise dafür wird eine Menge Zahlenniaterial angeführt. Was von diesen Zahlen zu halten ist. ergibt sich aus folgendem. In dem fraglichen Artikel heißt es u. a.: „Dann aber kam 1905 der grohe deutsche Bergarbeiterstreik im Ruhrgebiet, und der internationalen Solidarität war Gelegen- heit geboren, der deutschen Opferwilligkeit, die sich so oft und glänzend bewährt hatte, in gleicher Weise zu danken. Nur 17 652 M., zu denen Dänemark allein 10 405 M. beisteuerte, hatte die internationale Solidarität von 9 Staaten für die deutschen Bergarbeiter übrig. Das reiche England schickte 204 M.. und Schweden, das jetzt ungefähr 1 160000 Dl. für das leichtsinnige Experiment eines Massenstreiks aus Deutschland gezogen hat, gab 1124 M. 23 Pf.- u Der Artikelschreiber will sein Material aus Protokollen der Parteitage und der Kongresse der freien Gewerkschaften gewonnen haben. Das ist. mindestens soiveit das oben Zitierte in Frage kommt, gelogen. Hätte der Artikelschreiber das Protokoll des Bergarbeiterverbaudes über dessen General- Versammlung vom Jahre 1907 zur Hand genommen— denn darin befindet sich die Abrechnung über den Streik vom Jahre 1905— dann hätte er solchen Unsinn nicht schreiben können. Hat er es aber eingesehen, dann hat er wider besseres Wissen gehandelt. So schickte das„reiche England" nicht 204 M., sondern 153 224,10 M.. und zwar je eine Rate von 40 839,50 M. und 40 859,60 M.; quittiert in Nr. 7 der„Bergarbeiter-Zeitung" vom Jahre 1905, eine dritte Rate von 40 839,50 M.. quittiert in Nr. 12 der„Bergarbeiter-Zeitung". Diese Be- träge sandte die Miners Federatiou. Außerdem sandte die Miners Mutnal Consident Association Northumberland 10 214.90 M. und die Miners Association Durham 20 429.80 Mark. Diese sind in Nr. 9 der„Bergarbeiter-Zeitung" vom Jahre 1905 quittiert. Daneben sind noch kleinere Beträge von Einzelpersonen gesandt worden. In dem oben bezeichneten Protokolle des Bergarbeiterverbandes ist auf Seite 188 die aus dem Auslande gekonimene Streikunterstützung auf 158 030,78 M. angegeben. Das ist nur die Silmme, die « vom Alislaude direkt an den Verband gesandt worden ist. Dagegen sind die Summen. die vom Auslande an die Generalkommission, die Partei usw. gesandt worden sind, und die in den von diesen ein- gesandten Summen mitenthalten sind. darin nicht ein- begriffen. Das zeigt wohl zur genüge, was von dem Geschreibsel des Kapitalsöldlings zu halten ist. Der Zweck der ganzen Schreiberei ist aber sehr durchsichtig. Die deutschen Arbeiter sollen bei Streiks iin Auslande nicht mehr, wie bisher, Soli- darität bezeugen und dann natürlich vom Auslande auch nicht unterstützt werden, wenn sie selbst streiken. Der Liebe Müh' wird aber vergebens sein l Berlin und Umgegend« Die Tarifbewegung der Holzarbeiter. In der am Montag abgehaltenen Vertrauensmännerver- fammlung des Holzarbeiterverbandcs erstattete Glocke Bericht über den seitherigen Verlauf der Besprechungen mit den Vertretern der Ärbeitgeber. In der letzten Besprechung ist vereinbart worden. daß der Verband eine Tarisvorlage aufstellt und dieselbe der Unternehmerorganisation einreicht. Die Ortsverwaltung hat in Verbindung mit der Kontrollkommission die Forderungen der Ber- liner Holzarbeiter beraten und in einer Vorlage zusainmengefatzt, welche der Vertrauensmännerversammlung zur Beschlußfassung unterbreitet wurde. Die Vorlage enthält Verbesserungen des seit- berigen Vertrages in verschiedenen Punkten. Der gegenwärtigen Situation wird soweit Rechnung getragen, als nur solche Forde- rungSn aufgestellt worden sind, die sich nach Ansicht der Arbeiter durchführen laffen und bei gutem Willen der Unternehmer auch durchgeführt werden können. Die Arbeiter gehen davon aus, daß ein Vertrag von längerer Dauer nicht ohne ein gewisses Maß von Verbesserungen abgeschlossen werden kann und erwarten, daß diese Verbesserungen ohne Kampf durchgeführt werden. Die Vorlage wurde eingehend diskutiert und von der Versammlung gutgeheißen. Folgende Resolution wurde einstimmig angenommen: „Die Vertrauensmännerversammlung erklärt sich damit ein- verstanden, daß die Ortsverwaltung mir den Arbeitgebern zwecks Aufstellung eines neuen Tarifvertrages in Unterhandlung tritt. Sie erwartet von den Unternehmern, daß sie nennens- werte Verbesserungen für die von ihnen geforderte Vertrags- Periode zugestehen. Sollten die Unternehmer jedoch kein Ent- gegenkommen zeigen und eine Aussperrung beabsichtigen, so erklären die versammelten Vertrauensmänner namens ihrer Kollegen, den Kampf entschlossen aufzunehmen und mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln durchzuführen. Die Vertrauensmänner verpflichten sich ferner, die Verwaltung dadurch zu unterstützen, daß sie für Stärkung der Organisation eintreten durch Heranziehung der Nichtorganisierten Kollegen zum Verband und Stärkung der Finanzen des Verbandes." Die Konfektionsschneider Berlins und die Aussperrung in Stettin. Eine zahlreich besuchte öffentlich« Konfektionsschneiderversamm- lung, die am Montag den großen Saal der Brauerei Friedrichs- Hain füllte, beschäftigte sich mit der Frage:„Welche Pflichten erioachsen uns aus dem Gewalt st reich der Stet- tiner Konfektionäre?" Der Referent Kunze schilderte zunächst, wie die Aussperrung zustande gekommen ist. Die Kon- fektionäre in Stettin wollten statt Lohnerhöhungen, wie sie bei der Verteuerung der Lebenshaltung notwendig gewesen wären, Lohn- Herabsetzungen durchführen. Die stark organisierten Konfektions- schneider Stettins wollten darauf selbstverständlich nicht eingehen, erklärten sich aber, als der Tarifvertrag am 1. Oktober ablief, be-- reit, ohne Tarif weiterzuarbeiten. Sie hätten wohl den Kampf um einen neuen Tarifvertrag vorgezogen, aber die derzeit schlechte Konjunktur ließ das nicht ratsam erscheinen. Der abgelaufene Tarif war im Sommer 1906 ohne große Kämpfe zustande gekommen. Aber im Jahre 1907 weigerten die Arbeitgeber sich, den Tarif- vertrag zu erfüllen, und da muhten die Arbeiter einen 6 Wochen währenden Kampf führen, um ihn zum zweitenmal und etwas nach- haltiger zur Anerkennung zu bringen. Sie blieben Sieger in dem Kampfe, aber die Konfektionäre erklärten damals, daß sie den Tarif bei erster bester Gelegenheit wieder vernichten und dann über- Haupt keinen Tarif mehr haben wollten. Nun aber, da die Kon- fektionsfchneider bereit sind, ohne Tarif zu arbeiten, scheinen die Konfektionäre anderer Meinung zu sein und veranstalten gerade deswegen drei Wochen vor Weihnachten eine große Aussperrung. Der Redner erklärte, daß diese Aussperrung nicht, wie in der "VerantwT'Redakt.: Richard Barth, Berlin. Inseratenteil verantw. Presse auf Grund irrtümlicher Annahmen berichtet wurde, 6000 Per« sonen umfaßt, sondern nur etliche über 1000. Wohl sind im Be- rufe an 6000 Personen beschäftigt in Stettin, aber die Macht der Konfektionäre reicht nicht so weit, um sie alle oder auch nur den größten Teil davon auf die Straße zu werfen. Eine andere Frage ist allerdings, ob die Konfektionsschneidcr nicht durch Arbeitsnieder- legung der Aussperrung etwas nachhelfen werden und der Kampf dadurch größere Ausdehnung gewinnen wird. Darüber haben sie jedoch selbst zu entscheiden. Nach außen hin hat die Aussperrung den Anschein, als ob sie eine rein lokale Maßnahme der Skettiner Konfektionäre wäre, in Wirklichkeit stecken jedoch, wie der Redner betonte, dieselben Leute dahinter, die 1907 in der Maßschneiderei den großen Kampf hervorriefen. Es haben also danach auch die Maßschneider Deutschlands ein sehr starkes Interesse daran, daß den Arbeitgebern in Stettin eine Niederlage bereitet wird. Die Stettiner Konfektionäre müssen danach trachten, daß sie ihre Nr- beit trotz der Aussperrung fertiggestellt erhalten, und es ist ganz selbstverständlich, daß sie sich damit anderswohin, namentlich auch nach Berlin wenden. In der Berliner„Volkszcitung" werden in Annoncen denn auch schon auffallend viele Konfektionsschneider von Firmen gesucht, die bisher keinen großen Bedarf an Arbeits- kräften hatten. Dazu kommt, daß einzelne Firmen an Zwischen- meister die Frage gerichtet haben, ob sie eine größere Wcrkstäite hätten, so daß sie mehr Gesellen einstellen könnten; es sei jetzt außerordentlich viel Arbeit da. Alles das deutet darauf hin, daß man bereits versucht. Stettiner Arbeit in Berlin unterzubringen. Daraus erwächst den hiesigen Konfektionsschneidern die Pflicht, überall auf der Hut zu sein, damit sie nicht in die Lage kommen, Streikarbeit zu machen. Hauptsächlich sollen sie auch die großen Zwischenmeister scharf im Auge haben. Als 1906 der Lohnkampf in Elberfeld stattfand, da kamen Zwischenmeister in Berlin, die Elberfelder Arbeit übernommen hatten, nach dem Bureau des Schneiderverbandes und verlangten, daß der Verband ihnen die Arbeit abkaufen sollte. Aus den Beiträgen der Mitglieder wollten also diese Herren eine reichlich bemessene Entschädigung dafür ein- heimsen, daß sie die Strcikarbeit zurückschickten. Damit solche Un- Verschämtheiten nun nicht wieder vorkommen, müssen die Berliner Konfektionsschneider von vornherein dafür sorgen, daß solchen Zwischenmeistern von Anfang an die Lust vergeht, Arbeit aus Stettin zu übernehmen. Wo irgendwie verdächtige Arbeit ange- boten wird, ist das sofort im Bureau des Schneiderverbandes zu melden, damit die Sache untersucht werden kann. In Stettin selbst hat die Arbeiterschaft des Berufs und ihre Organisationsleitung alles getan, um die Verhältnisse auf friedlicher Grundlage zu regeln, aber die Arbeitgeber wollten den Kampf. Die dortigen Konfektionsschneider halten tapfer im Kampfe aus und sind durch- aus darauf vorbereitet, daß er längere Zeit dauern wird. Die Arbeiterschaft des Schneidergewerbes ganz Deutschlands hat um so mehr Interesse an den Vorgängen in Stettin, als dieselben Leute, die 1907 die Macht des Schneiderverbandes zu brechen suchten, auch hier wieder ihre Hände im Spiele haben. Aber für die Berliner Konfektionsschncider mutz der Kampf in Stettin auch ein Anreiz sein, nun selbst einmal alle Kraft cinzu- setzen, um ihre eigenen Arbeitsverhältnisse zu verbessern. Im Jahre 1907 war eS' gelungen, mit einer Reihe hiesiger Konfektions- firmen der Herrenbranche Tarife abzuschließen, aber die Lauheit der Arbeiterschaft, die sich während der bald darauf eingetretenen Krise bemerkbar machte, hatte zur Folge, daß die damals errun- genen Vorteile zum Teil wieder verloren gingen und im allge- meinen die Preise immer mehr herabgedrückt wurden. Anderer- seits ist es aber bei Firmen, wo die Schneider gut organisiert waren, selbst in der Krisenzeit nicht nur gelungen, Lohnherabsetzungcn ab- zuwehren, sondern aucb noch Erhöhungen zu erzielen, wobei es sich allerdings fast ausschließlich um Werkstattarbeiter handelt. Mit dem Herbst dieses Jahres hat sich der Geschäftsgang in der Herren- konfektion nun bedeutend verbessert, und einige Firmen, die bis- lang Abzüge über Abzüge machten, sind dazu übergegangen, hier und da freiwillig die Arbeitslöhne wieder zu erhöhen. Das sind natürlich nur kleine Brocken, die man den Arbeitern hinwirft, weil man sie nun einmal wieder notwendig braucht. Wie notwendig man sie braucht, zeigt sich auch darin, daß einzelne Firmen Prämien für die Besorgung tüchtiger Konfektionsschneidcr bieten. Es ist damit zu rechnen, daß diese gute Konjunktur im nächsten Jahre anhält. Der Redner forderte die Anwesenden dringend auf, dafür zu sorgen, daß die günstige Zeit nicht ungenutzt verstreicht, daß die Konfektionsarbeiterschaft Berlins alle Kraft einsetzt, um einen Ausgleich für die Verteuerung der Lebenshaltung zu schaffen und für die Zukunft eine feste Grundlage zur Regelung ihrer Lohn- und Arbeitsverhältnisse gewinnt. Dem Vortrag, der lebhaften Beifall fand, folgte eine rege Dis- kussion. Alle waren sich darüber einig, daß auf keinen Fall in Berlin irgendwelche Streikarbeit für Stettin hergestellt werden soll, und ebenso darüber, daß die hiesige Herrenkonfcktionsarbeiter- schaft nun endlich mit allen Machtmitteln der Organisation für eine Regelung ihrer Lohn- und Arbeitsverhältnisse zu sorgen hat. Es wurde ein Antrag eingebracht, die Ortsverwaltung des Schneiderverbandes aufzufordern, so schnell wie möglich eine Lohn- bewegung in der Berliner Herrenkonfektion einzuleiten. Da dieser Antrag jedoch nicht in öffentlicher Versammlung erledigt werden konnte, wurde er zurückgezogen. Die Versammlung nahm einstimmig folgende Resolution an: „Die heute in der Brauerei Friedrichshain versammelten Konfektionsschneider und Schneiderinnen haben von den Vor- gängen in der Stettiner Konfektion Kenntnis genommen. Den Versuch der Unternehmer, in Berlin Streikarbeit anfertigen zu lassen, werden sie mit allen Mitteln verhindern. Aus den Ausführungen des Referenten haben die Versam- melten ferner entnommen, daß die Unternehmer die Arbeiter- schaft der einzelnen Bezirke gegeneinander ausspielen, indem sie auf die Lohnverhältnisse dieser Orte hinweisen. In Rücksicht hierauf, sowie angesichts der stetig steigenden Lasten, welche der breiten Masse des Volkes auferlegt werden, erachtet die Ver- sammlung die Regelung der Löhne der Berliner KonfektionS- schneider als ein Gebot der Notwendigkeit." An die organisierte» Arbeiter Berlins und Umgegend! In Anbetracht der äußerst schwierigen Organisationsverhältnisse im Gastwirtsgewerbe sind die Angestellten dieses Berufes ganz be- sonders auf die wirksame Mithilfe der übrigen Gewerkschafts- und Parteigenossen angewiesen. Besonders die Vierabziehcr sind noch so indifferent, daß obgleich sich der frühere Verein der Bierabzieher seit über zwei Jahren dem'Verbände deutscher Gastwirtsgehilfen angeschlossen hat, die meisten Bierabzieher noch gar nicht oder in einen Lokalverein organisiert sind, welcher besonders kriegervereins- freundlich ist. Unterzeichnete Organisation richtet hiermit die drin- gende Bitte an alle Gewerkschafts- und Parteigenossen, in den Lokalen, wo sie verkehren und sie einen Bierabzieher antreffen, sich die abgestempelte Verbandskarte zeigen zu lassen und darauf hin- zuwirken, daß die Unorganisierten dem Gastwirtsgehilfenverband beitreten. Verband deutscher GastwirtSgehilfen, OrtSverw. III, Bierabzieher. I. A.: Urban, Gartenstr. 90. Keller- und Mineralwnsserarbcitcr! Werte Kollegen! Acht Monate sind es jetzt her, seit die Branche der Kellerarbeiter und Kutscher in einer Mitgliederversammlung die Einführung der Legitimationskarte für die Kollegen Destillations- und Weinkutscher beschlossen hatte. Vor einigen Tagen konnten wir dem SO. Kollegen Kutscher seine Karte ausstellen. Wenn hierdurch der Beweis erbracht ist, daß die unablässige Propagierung einer auf die Interessengemeinschaft der Solidarität gestützten Bestrebung in kurzer Zeit einen derartigen Erfolg ge- zeitigt hat, muß es unsere Aufgabe sein, in dem Sinne und mit vereinten Kräften weiterzuarbeiten. -Uh, Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Verlagsanstall ' � Ein Sortreffliches Agitationsmateriak, dessen sich ein jedes unserer Verbandskollegcn in der leichtesten Weise bedienen kann, besteht darin, in den Zahlabenden der Partei auf den Zweck unserer Legitimationskarte hinzuweisen. Tut ein jeder unserer Verbandskollegcn auf diesem Gebiete und in dieser Weise seine Pflicht, dann wird der Moment nicht mehr fern sein, wo der letzte der hier in Frage kommenden Berufskollegen im Deutschen TranSportarbciterverband organisiert ist und durch eine straffe, zentralisierte Organisation innerhalb des gesamten Transportgewerbes der größte Einfluß auf dw Regelung der Lohn- und Arbeitsverhältnisse gewonnen wird. Vorwärts heißt die Losung. Vorwärts durch Kampf zum Sieg! Deutscher Transportarbeitervcrband. veutkcbes Retch, Der Reichstarif für das Malergewerbe. In Kassel entschied eine Versammlung gegen wenige Stimmen sich für Annahme des Reichstarifvertragsmusters und für weitere zentrale Verhandlungen über Lohnverhältnige und Ar- beitszeit._ Christliche Kampfesweise. Bis zu welcher Erbärmlichkeit der Kampf der Zentrums-christ- lichen Gewerkschaftler gegen die freien Gewerkschaften gedeiht, zeigte eine Gerichtsverhandlung vor dem Schöffengericht in Ober- Hausen sRheinland). Am 25. Juli er. hatte in Oberhausen eine stark besuchte Beleg schaftsversa mm lung der Zeche „K o n k o r d i a" stattgefunden, in welcher der Redakteur der„Berg- arbeiterzeitung", Genosse Pokorny, über:„Die Krise, ihre Ur- fachen und Wirkung" referierte. Da den anwesenden„christlichen" Gewerkschaftsführern Thiele und S t e g e r die Ausführungen des Redners nicht patzten, so versuchten sie es zunächst mit einer Denunziation, indem der Thiele die Anwesenden darauf auf- merksam machte, daß sie sich in einer„sozialdeniokra- tische n" Versammlung befänden, die nicht als solche an- gemeldet sei. Nachdem der Mann zur Ordnung gebracht war, provozierte sein Kollege S t e g e r durch künstliche Aufregung der „christlichen" Kollegen einen solchen Spektakel, daß die Versamm- lung der Auflösung verfiel. Da die Christen in der Versammlung keine Lorbeeren geerntet hatten, so suchten sie aus andere Weise ihr Nachegefühl zu befriedigen, indem sie Anzeige e r st a t t e- ten, daß die Versammlung eine politische gewesen und von dem Veranstalter nicht als solche angemeldet worden sei. Die Be- Hörde hatte Verständnis für diese Schmerzen und schickte dem Ver- anstalter und Leiter der Versammlung ein Strafmandat in Höhe von je 25 M. zu, wogegen zwecks Aufklärung des Sachverhalts natürlich Einspruch erhoben und richterliche Entscheidung beantragt wurde. Am Donnerstag fand Termin vor dem Schöffengericht in Oberhausen statt, wobei die Sünder Freisprechung erzielten unter Beladung der Staatskasse mit den Kosten. Gleichzeitig stellte sich aber auch heraus, daß die Polizeibehörde keinen Strafantrag gestellt hatte, sondern daß die Erhebung der Anklage auf Grund der Anzeige der„Ehristlichrn" erfolgt war! — Ein nettes Heldenstückchen! Die von den Christen angegebeneu Zeugen(der Zentrumsparteisekrctär K r o ch m e i e r und ein Kauf- mann B o l l e n d o r f) waren trotz ordnungsmäßiger Ladung nicht erschienen, so daß sie jeder in eine Strafe von 30 M. genommen wurden. Ob sie sich wohl nachträglich geschämt haben, Zeugnis abzulegen. Pfui Teufel! über solche Kampfesweise. Husland. Brutale Methoben des Klasseukampfes der Unternehmer werden jetzt wieder einmal in besonders krasser Form im nördlichen Schweden angewandt. Man vertreibt die ausgesperrten Arbeiter der Zellulosefabrik von Utansjö aus den Werkswohnungen. Diese Exmittierungen hatten bereits am 1. und 2. November begonnen. Tnnn erklärte der Direktor, er wolle bei den übrigen Arbeitern Gnade vor Recht ergehen lassen und erst milderes Wetter abwarten. Nun sind aber am 3. Dezember sechs Familien, und am nächsten Tage wiederum sechs Familien exmittiert worden, uird zwar i m Schnee st ur in bei. 10 Grad Kälte. Der human denkende Länsmann des Bezirks hat angeordnet, daß für die vielen kleinen Kinder der Vertriebenen ein Raum zur Verfügung gestellt wird, damit sie nicht erfrieren, und er haö auch einen Arzt nach dem Ort gesandt. Die meist armen Landleute der Umgegend nehmen sich der Vertriebenen an und gewähren ihnen soweit wie möglich Obdach. Am Freitag voriger Woche hatte sich der Vergleichsbeamte des Bezirks, der Reichstagsabgcordnete Kvarnzelius, sowohl an die Arbeiter wie an die Zellulosegesellschaft gewandt, um Einigungs« Verhandlungen anzuknüpfen. Die Arbeiter stellten die Bedingung, daß die Exmittierungen erst einmal eingestellt werden, die Aktien- gesellschaft damit kundgeben sollte, daß sie zum Friedensschluß ge- neigt wäre. Die Gesellschaft lehnte dies jedoch rundweg ab. Damit waren die Bemühungen des Vergleichsmannes gescheitert. Letzte Nachrichten und Depefchcn. Das Grostfcuer ans den Hambnrgcr Gaswerken. Hamburg.(W. T. V.) Die Ursache der fürchterlichen Explosion, über die bereits unter„Vermischtes" berichtet, soll dadurch entstanden sein, daß in dem ncucn Gasomctcr plötzlich ein Riß entstanden ist. Das ausströmende Gas drang in das RctortcuhauS ein, und in diesem Augenblick erfolgte die Katastrophe. Die Flamme fegte über etwa 25 in der Nähe des Gasometcrs beschäftigte Bauleute hinweg und ver- letzte sie zum Teil tödlich. Eine unterhalb des Gasometers belegene Kantine ist völlig zerstört, drei darin beschäftigte Frauen sind getötet worden. Gleich nach der ersten Explosion begann man, die Verletzten ins Krankenhaus zu schaffen. Inzwischen erfolgte durch Ueberspringen der Flamme die zweite Explosion. Die Flammen schnitten den flüchtenden Arbeitern den Landweg ab und ließen ihnen nur den Weg ins Wasser offen. Infolge der Löscharbeiten ist die Um- gebung der Gaswerke überschwemmt, der Verkehr ist be- hindert. Bei der zweiten Explosion wurden brciinrndc Holz- scheite weithin in die umliegenden Straßen geschleudert. Die Bergungsorbeiton werden fortgesetzt, da man noch Tote unter deu Trümmern glaubt. Die Zahl der Getöteten wird auf wenigstens 29 geschätzt. Das Feuer ist so weit gelöscht, daß man zurzeit an die Löschung im Innern der Gebäude gehen kann. Für den noch nicht vollendeten Umbau dieser Gaswerke bat die Bürgerschaft im vorigen Jahre 14 Millionen Mark bewilligt._ Drei Bergarbeiter getötet. Hildesheim, 7. Dezember 1909. Im Schacht der Kali« gewerkschaft ,.H i l d e s i a" wurde eine Fördermaschine nicht recht- zeitig zum Stehen gebracht; dadurch ging ein Förderkorb über die Hängebank hinaus und 3 Bergleute wurden getötet, einer schwer verwundet. Der Betrieb ist für e 4 n i g e Tage gestört. Zum Bergarbcitcrstreik in Australien. Sydney, 7. Dezember.(W. T. B.) Minister Lee erklärte, er werde die Grubenbesitzer auffordern, die Gruben wieder zu er» öffnen und die Bergarbeiter, die Arbeit wieder aufzunehmen._, Bau! Singer& Co., Berlin S W. Hierzu 3 Beilagen n.tlnterhaltungSbl, Nr. 2h6. 26. Zaliryaug. L Keiligt ilks Lmlirls" Knlim NcksdlR Mittwoch. 8. ZeMlm 1909. Reichstag 6. Sitzung. Dienstag, den 7. Dezember, nachmittags 1 Uhr. Am Bundesratstisch: Dr. Delbrück, v. Tirpitz. Auf der Tagesordnung steht zunächst die Fortsetzung der Be sprechung der Interpellationen der freisinnigen Parteien und der sozialdemokratischen Partei über den Werftbetrieb in Kiel. Abg. Lattmann slvirtsch. Vg.): Man ruft nach mehr kaufmännischem Geist in der Verwaltung; wir wollen uns aber in der Verwaltung vor dem Mejchoresgeist hüten.(Sehr rickiig I b. d. Anns.) Der Äieler Prozest soll uns die Freude an unserer Flotte nictil trüben. Wir verlangen rücksichtsloses Eingreifen gegen alle Schäden und gegen den Meschoresgeist. sBravo! bei den Antisemiten.) Abg. Werner sAntis.): Die Freisprechung der Angeklagten in Kiel wird vielfach als Verurteilung der Werftverwaltung aufgesagt, und nicht ganz mit Unrecht: eine Reihe von Schäden und Mist- bräudien hat ja der StaatZselretär gestern selbst zugegeben. Das Submissionswescn ist, worauf gestern schon Herr v. Gamp hin- gewiesen hat, so gestaltet, datz ehrliche Firmen sich gar nicht an den Submissionen beteiligen können. Der Staatssekretär hat ganz Recht, wenn er gestern sagte: Hier must mit eiserner Faust eingegriffen werden. Möge eö ihm recht bald gelingen, Ordnung zu"schaffen. (Bravo! bei den Antisemiten.) Abg. Dr. Struve(frs. Vg.): Meinem Kollegen Leonhart, der gestern die Interpellation durch- aus sachlich, sich freihallend von jedem persönlichen Angriff, begründete, ist der Staatssekretär sehr scharf entgegengetreten; in sehr merk- würdigem Gegensatz dazu stand die Milde, mit der er Herrn Erz- berger erwiderte.(Sehr richtig I links.) Herr Kreth hielt es für paffend, weil unter neun Angeklagten zwei mit jüdischen Namen sich befanden, einige antisemitische Witzeleien zum besten zu geben. Ich will mit Herrn Nreth über guten Geschmack nickt streiten.(Sehr richtig I links.) Herrn Lconbarts Kritik klang aus in den Satz: »Die bürgerlichen Parteien sind ausnahmslos der Ansicht, dast für uns eine wacksende, den Grostmacktsverhältnissen angepastte Flotte notwendig ist." Da war die Erregung des Herrn v. Trrpitz doch ganz unangebracht I Herr Tirpitz wies auf die Tausende von Bestimmungen hin. Das Entscheidende ist doch, ob danach verfahren wird.(Sehr richtig! links.) Wenn die Herren Legten und Erzberger anführen, dast Fässer mit Oelfarbe ins Meer oersenkt wurden, blast uin Schreibarbeit zu sparen, hätte Herr Tirpitz alle Veranlassung, sich zu sagen: Zum Donnerweiter noch mall werden denn meine Bestimmungen so wenig beachtet? und der Sache näher zu treten. Stall dessen hat Herr Tirpitz ein Loblied aus die Sparsamkeit gesungen und zum Be- weis der Sparsamkeit gesagt, der Nutzeffekt bei der Marine Habesich austcrordcntlich gehoben I Aber seine Prozent- und Billigkcitszahlcn sind ebenso schnell zusammengeschmolzen wie das Zahlengebäude des Staatsanwalts im Kieler Prozest. Dieser Zusammen� bruch der Anklagebehörde hätte die Zenttalbehörde in Berlin doch etwas vorsichtiger machen müssen bei der An sührung von Zahlen.(Sehr richtig! bei den Freisinnigen.)— Trotz der eisernen Faust ist eS dem Staatssekretär nicht immer ge- lungen, auf Sparsamkeit zu halten. Ich erinnere an den Verkauf der Schulschiffe.Slosch" und„Gneisenau", kurz nachdem sie auf hober See frisch angestrichen waren. Und diese Schiffe wurden dann zehn Tage später für 200000 M. mehr von dem Käufer nach ÄKlgien verkauft l(Hört! hört! links.) Ein mir als tadellos ge- .tAderteS Schiff.Eber" ist noch niemals in Dienst gestellt, Weil eS nicht brauchbar war!(Hört! hört! links.) Und wie steht es mit dem Umbau der alten.Marie"?(Heiterkeit.) Sie hat 800 000 M. gekostet, ist aber im nächsten Jahre nicht in Dienst gestellt worden und auf allerhöchsten Befehl aus der Liste der Kriegsschiffe gestrichen! (Lebhaftes Hört! hört! links.) Ganz ähnlich liegt es mit vielen anderen Umbauren. Und wie steht es mit dem Trockendock in Kiel 35— 80 000 Mark sollten die Reparaturen kosten und in drei Monaten fertig sein. Jetzt sind 20 Monate darüber hingegangen und die Kosten betragen IVz Millionen Mark.(Hört! hörr! links.) Die.Bestimmungen", auf die sich Herr Tirpitz beruft, werden vielfach nicht einmal innegehalten. So soll bei der Heimfahrt von Uebungen mit der Geschwindigkeit gefahren werden, die für die Maschinen die rationellste ist. In der Tal aber wird mit höchster D a m p s s p a nn u n g gefahren und höchstens kommt dann nach- träglich ein Monitum: das entsprecke nicht den Bestimmungen! Als Weiteres gilt ganz abgesehen von allen Bestimmungen und Normalien die Regel: Alles was fehlt, kann überetatmäßig trotzdem an Bord genommen werden. So entwickelt sich das Besorgungssystem. Noch ein Wort zu dem Prozeß: Untersckleife kommen überall vor, sowohl in Staatsbetrieben wie in Privatbetrieben. Unter- schleife werden auch in Zukunft in Staatsbetrieben vorkommen. Schlimmer ist es aber schon, dast die Unterschleife eine solche Höhe erreicht haben wie in Kiel.(Sehr richtig I bei den Freisinnigen.) Am schlimmsten aber ist es, dast man sich zwar l�/z Jahre die erdenklichste Mühe gegeben bat, alles zusammenzustellen, dast es aber trotzdem nicht gelungen ist. festzustellen, wie hoch die Unterschleife gewesen sindl(Sehr wahr! links.) Ist es in Berlin nicht bekannt, dast der Erste Staatsanwalt erst einen Tag vor Eröffnung des Prozesses den Auftrag bekommen hat, den Prozest zu führen?(Lebhaftes Hört I hört! links). Wie sollte�er da das Material beherrschen, zumal da die Anklageschrift 222 Seiten lang war? Wer hat an der späteren Berufung ein Interesse? Oder sind daran auch wieder die unglücklichen.Bestimmungen" schuld? Wie denkt man in Berlin über die Zustände im Kieler Gefängnis? Was die Prozente an die Kriminalbeamten betrifft, so stelle ich fest, dast der durchaus glaubwürdige Kriminalkommissar, Reserve- osfizier, Kronenorden 4. Klaffe(Heiterkeit) unter seinem Erde aus- gesagt hat, das ihm 1 Proz. von der Summe versprochen ist, die nachher im Zivilprozest der Werft zugesprochen werde— von dem ReichLmarineamt oder einer anderen Behörde, die nach den»Be- stimmungcn" in Frage komnit!(Hört! hört! links). Aber Herr Tirpitz hat das gestern bestritten! Präs. Graf Stolberg: Herr Abgeordneter, Sie sagen fort- während.Herr Tirpitz". Dagegen ist an und für sich nichts einzuwenden.(Heiterkeit.) Doch möchte ich Sie darauf aufmerksam macken, dast eS an sich Sitte ist, von dem Herrn Staats« s e l r e l ä r zu sprechen.(Zuruf reckrs: Außerdem heistt er von Tirpitz!) Aber ich möchte Sie bitten, zwischendurch mal auch den Ausdruck.Staatssekretär" zu brauchen.(Groste Heiterkeit.) Abg. Dr. Struve(frs. Vg.)(fortfahrend): Vor einein Jahre hat der Staatssekretär gesagt, eS sind Diebstähle vorgetomincn und Millionen sind unterschlagen. Jetzt sagt er einfach: Die Unlerschleife scheiden aus! Weiler iagt der Herr Staatssekretär: Die Werft war mir Zeuge und konnte nur sprechen, wenn sie gefragt wurde. Warum hat man denn dann nicht von vornherein den Sach- verständigen der Werft erlaubt auszusagen?(Lebhaftes Sehr richtig I links.) Vergesse man doch nicht, dast wir unsere Kritik üben im Jnteresie der Schlagfertigkcit der Marine I(Bravo! bei den Frei- sinnigen.) Staatssekretär v. Tirpitz: Ich habe nicht gesagt, eS find keine Unterschleife vorgekommen, sondern: sie scheiden aus, sie sind nicht nachgewiesen! Der Herr Abgeordnete bemängelte den Verkauf deS Schiffes Stosch". Es ist im S u b m i s s i o n s w e g e verkauft und hat den' höchsten Preis gebrockt, den wir jemals bei einem alten Sckiff erzielt haben. Jetzt stehe ich auch vor der Frage, ein altes Sckiff zu vcr- kaufen, den„Kaiseradler". Die Offerten sind sämtlich unter dem Taxwert geblieben. Aber kaufmännisch ist eS doch wohl, wenn der Staatssekretär sagt:„Weg damit!", denn es kostet uns 12— 20000 M. jährlich, das Sckiff überhaupt verkaussfähig zu halten. Ter Abgeordnete Struve sagte: Was nützt der ganze Etat, wenn alles überelalmästig an Bord genommen werden kann I Aber jede überetaimästige Anbordnahme must durch den Staatssekretär ge- nehmigl werden. Weiter warf er mir vor, ich hätte dem Reichstage unrichtige Zahlen vorgeführt, die Zahlen des Herrn Struve aber sind ganz ungenau.(Hört! hört! rechts.) Er erzählte, das Schiff „Marie" sei mit 800 000 M. repariert worden und dann nickt wieder in Dienst gestellt. Dabei ist die Absicht der Regierung aufgegeben und die 800 000 M. sind 1908 wieder abgesetzt worden.(Groste Heiterkeit reckls.) Das ist die Genauigkeit der Zahlen des Herrn Abgeordneten Struve!(Heiterkeit rechts.) Abg. Scvering(Soz.): Die Bemerkung des Herrn Staatssekretärs von Tirpitz(Heiter- keit bei den Sozialdemokraten), dast die Unterschleife ganz aus- sckieden, weil das Gericht die Angeklagten in Kiel freigesprocken habe, war nicht nur eine hilflose Ausfluckt, sondern war auch formell unbegründet, denn meine Freunde gingen bei ihrer Anfrage von der Annahme aus, dast hier bei den Verhandlungen alle Prozesse, die in letzter Zeit über Unterschlagungen auf den Werften stattgefunden haben, beiprochen werden sollen. Dem Herrn Staatssekretär wird es doch wohl bekannt sein, dast vor nicht longer Zeit ein anderer Prozest staltgefunden hat, der mit verschiedenen Ver- urteilungen endete und wobei festgestellt worden ist, dast in der Tai Unterscklagungen auf Reichswersten vorgekommen sind. (Hört! hört! links.) Ferner wehrte sich der Herr Staatssekretär dagegen, dast Mst- stände auf allen Werften anzutreffen seien. Der Unterschied besteht aber nur darin, dast die Unterschlagungen und Mistslände in Danzig und Wilhelmshaven noch nicht entdeckt sind. Würde der Herr Staatssekretär den Herren Wannowski oder Brumme beauftragt haben, einmal in Danzig nach dem Reckten zu sehen und ihnen dann auch Provision in Aussickt stellen, ich bin überzeugt, die Herren würden auck da ein vollgerüttelt Mast von Schuld feststellen.— Der Herr Staatssekretär hat soeben bemerkt, der Schaden bei dem Alteiscnmaterial beziffere sich nur auf 10 bis 15 Prozent, das macht aber bei 300 000 M. in einem Jahre schon 30 000 M. und in 20 Jahren— so lange datieren ja die Unterschlagungen zurück— schon 600 000 M.(Hort I hört! bei den Sozialdemokraten.) Ferner meinte der Herr Staatssekretär gestern, es sei immer besser ge- worden auf den Wersten. Da darf man wohl mit Fug die Frage aufwerfen, wenn man diese Bemerkung als richtig unterstellt, wie es dann erst früher ausgesehen haben mag I(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Der Staatssekretär hat dann die sogenannte.Glosstfizierung" des Herrn Assessors Frerich durch meinen Parteigenossen Legien mit der Bemerkung zurückgewiesen, dast er amtlich den Wortlaut habe feststellen lassen. Dem gegenüber ist zu bemerken, dast die„amt- licheu" Stellen, die den Prozest ausgenommen haben, einfache Lohnschreiber auf der Werft waren, und es ist nicht aus- geschloffen, dast später erst die für notwendig befundenen Kor- rekturen zu dem sogenannten amtlichen Stenogramm aufgenommen worden sind.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.)— Der Staatssekretär hat weiter mitgeteilt, dast er. als ihm die ersten Ver- feblungen bekannt geworden seien, mit eiserner Faust eingegriffen habe. Ich weist nicht, was er für Voraussetzungen an die Mit- teilung solcher Erhebungen knüpft. Wahrscheinlich nimmt er erst dann davon Kenniiiis. wenn sie amtlich an ihn gelangt, also »ach Schema F. Mit dieser Bemerkung hat er nur bewiesen, dast er der allerschlimmste Burraukrat in seinem Ressort ist. Vor mehreren Jahren haben Arbcrterorgani- sationen austerhalb des Betriebes der Reickswerft den Herrn Staats- sckretär schon auf die Unterschleife aufmerksam gemacht, und er hat darauf erklärt, er nähme solche Beschwerden nicht zur Kenntnis! (Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Und trotzdem sowohl früher wie gestern mein Parteifremrd Legien diese Beschwerden der Arbeiter- organisationen zu den scinigen gemacht hat, ist der Herr Staats- sekrelär auf sie nicht eingegangen! Ich stelle noch einmal ausdrücklich fest, dast Legien bei diesen Beschwerden gestern nicht als Vertreter irgend einer Arbeiterorganisarion, sondern als Vertreter der Stadt Kiel, als Reichstags abgeordneter sich an den Herrn Staats- sckretär gewandt hat. Mit welcher Nonchalance der Herr Staatssekretär derartige Beschwerden behandelt, darüber gibt das Schicksal all dieser Auskünfte, die ihm die Arbeiterorganisationen übergeben haben, Beweis. Am 30. März 1905 äustertc sich der Herr Staatssekretär gegenüber einer solchen Beschwerde:.Die Denkschrift geht uns gar nichts an, oder höchstens insoweit, als Einzelheiten davon von Herren des HauseS aufgenommen und vertreten werden. Ich für meine Person sehe keine Veranlassung, auf die Denkschrift im mindesten einzugehen." Der Herr Staatssekretär sprach dann davon, dast immer nur von„man munkelt",„man sagt",„einem Gerückt zufolge" in der Denkschrift die Rede sei. Diese hochfahrende und brüske Art deS Herrn Staatssekretärs hat nun durch die Aussagen im Kieler Prozest eine mehr als eigentümliche Beleuchtung erfahren. Die Unregelmästigkeiten datieren schon aus den 90er Jahren, und der Herr Staatssekretär hätte, wenn er wirklich mit eiserner Faust hätte eingreifen wollen, sckon diese Mitteilungen benutzen müssen, um einmal auf allen Werften nach dem Rechten zu sehen. Es war aber auch eine Irreführung der öffentlichen Meinung. wenn der Herr Staatssekretär behauptete, die Denkschrift hätte keine positiven Angaben, sondern nur allgemeine Redewendungen enthalten. In der Denkschrift sind in der Tat klipp und klar Behauptungen auf- gestellt so deutlich, dast die Marineverwaltung sehr wohl in der Lage gewesen wäre, die Einzelheiten nachzuprüfen. Der Kieler Prozest ist die glänzendste Rechtfertigung dieser Angaben gewesen. (Sehr wahr! bei den Sosialdemokralen.) Der Herr Staatssekretär meinte damals, day man jenen Mitteilungen der Arbeiterorgani- sationen deshalb nicht nachgehen könne, weil„man" ein förmliches Spionagesystem cingerichrcr habe zu dem Zweck, um Austenstehcnde in die Geheimnisse der Werft einzuweihen, und er charaklerisierte solche Leute als Bögcl, die ihr eigenes Nest beschmutzen. Such diese Bemerkung war sehr deplaziert. Der Herr Staatssekretär brauchte ja auch einen fremden Vogel, der das Nest der Kieler Werft beschmutzen mustte: er brauchte ja auch Wannowski und Brumme! Was ist nun damals in der Denkschrift mitgeteilt worden? Wenn ich einige ihrer Angaben wiederhole, so einmal, um mitzuteilen, dast meine politischen Freunde und die Arbeiter- organisationen schon 1905 gewichtige Anklagen gegen die Marine- Verwaltung vorzubringen hallen, die sich zum Teil decken mir den Ausiührungen des Kollegen Struve, dann aber auch, um zu be- weisen, dast der Herr Staatssekretär damals eine Irreführung der öffentlichen Meinung beabsichtigte, als er von„zusammengetragenem Klatsch" sprach. Es hiest in der Denkschrift: „Wenn auch überall, wo Menschen arbeiten, Fehler gemacht werden, dürfen sie doch eine gewisse Grenze nicht überschreiten, namentlich bei einem derartig zahlreichen Aufsichrspersonal, wie es in den fiskalischen Betrieben vorhanden ist. Jedenfalls geht es entschieden zu weit, wenn alljährlich viele Tausende Kilogramm aus Bronze, Rolgust oder anderem wertvollen Material her- gestellter, zum grostten Teil schon fertig gearbeiteter Gegenstände als Abfall an die Allhändler wandern. Gegenstände, deren Ge- samtwert sich aus viele Taufende von Mark beziffert." Weiter wird angeführt.- „Auf dem grasten Kreuzer„Roon" wurden 12 Heizraum- Speisepumpeil vollständig eingebaut, obgleich man vorher auf „Prinz Adalbert" die Erfahrung gemacht hatte, dast diese Sorte Pumpen keine genügende Leistungsfähigkeit hatten. Die Folge war, dast man sie auf dem Kreuzer„Roon" wieder herausreisten mustte. Der Kreuzer„Augusta" erhielt einen neuen Doppelboden. Nachdem im mittleren Heizraum die Platten gelegt und vollständig genietet waren, kam der Befehl, dast unter dem Boden Massut- Tanks angebracht werden sollten. Um dieses auszuführen, mutzten etwa 40 Platten wieder herausgerissen und sodann neue Zwischen- wände eingebaut werden. Ferner mustten die zwischen den Böden bereits fertig angebrachten Hauptrohrleitungen eine um- fangreiche Aenderung erfahren. Dast diese Arbeiten keine ge- ringen Kosten erforderlich machten, dürfte ersichtlich sein." Dast der Staatssekretär nicht gewillt ist, mit eiserner Faust einzugreifen, zeigt folgender Vorgang: In einer Kieler Zeitung stand vor einem Jahre, dast der Kommandant des„Norderney" mehrere Wochen lang einen Schisfszimmermann hinter verschlossenen Türen beschästigt hat, in» ein Privatboot herzustellen oder zu reparieren, und zwar sei das Material auö den Wcrftbcständcn genommen. Es wurde eine Untersuchung gefordert. In der Presse ist keine Berichtigung erfolgt, und der Redakteur der Zeitung ist ebenso wenig angeklagt wie derjenige, der das Material in der Denkschrift des Metallarbeiterverbandes zusammengestellt hat! Es ist ini Reichsmarineamt wohl erwogen worden, ob man Anklage erheben soll, aber aus begreif« lichen Gründen hat man davon Abstand genommen. Sonst wären die Miststände der Werft schon im Jahre 1905 aufgedeckt worden. Eine Verwaltung, die auf Reinlichkeit hält, sollte jeden Fingerzeig benutzen, wenn auf Sckmutz hingewiesen wird. Die Marine- Verwaltung tut das aber nicht. In anderen Fällen freilich gibt der Staatssekretär sehr viel auf Zeitungen, und er war gestern bemüht, Prestänsterungen anzuführen, die der ReichSmarineverwaltung hohes Lob spenden. Er kanir uns aber nicht zumuten, solche ausländischen Prestänsterungen ernst zu nehmen. Wir wissen ja nicht, ob sie nicht vielleicht von einem Geheimrat des ReichsmarincamtS herrühren.(Sehr richtig! b. d. Soz.). Ich werde bei der zweiten Lesung des Marineetats weitere Fälle anführen, die beweisen, dast Herr Struve durchaus recht hatte, wenn er behauptete, dast Miststäude auf den Werften vorhanden sind, und auch Herr Erzberger hatte recht, wenn er anführte, dast Munition und Pro- viaut cmsiich aus den Schiffen verschwindet, weil für den Schiffs» führer sonst die Gefahr besteht, dast er verantwortlich gemacht wird, wenn er noch Material hat! Herr Semler hat die Frage aufgeworfen, ob die Angelegenheit, mit der wir uns beschäftigen, eine Pcrsonenfrage oder eine Organi- sationsfrage ist. Ich meine, sie ist beides. Sie ist eine Personen« frage insofern, als die Qualifikation der Beamten nicht so zweifelö- ohne ist wie einzelne Redner meinen. Ich stimme mit den Herren überein, dast wir viel zu viel Bcamtenpcrsonal auf den Werfte» haben. Schon bei der zweiten Lesung des Etats habe ich darauf hingewiesen. Wir haben in Kiel bei 7700 Arbeitern 94 Offiziere und 963 Beamte. In Wilhelmshaven bei 7100 Arbeitern 32 Offiziere und 994 Beamte; in Danzig bei 3000 Arbeitern 17 Offiziere und 400 Beamte. Im Durchschnitt kommt auf 7,4 Arbeiter schon ein Beamter! Auf den englischen Werften dagegen erst auf 11 Arbeiter, auf den Howaldwerften erst auf 12, auf der Germaniawerft auf 13, auf der Werst in Flensburg auf 17 Arbeiter. Herr Erzberger hat gestern versucht, meine Freunde mitverantwortlich zu machen für das hohe Personal, weil ivir die Forderung auf Einführung von Gewerbe- räten auf der Werft und auf die Einführung von Lohnlisten stellen. Allerdings haben wir ein grostes Interesse daran, dast die sozial- politischen Aufgaben der Werft nicht zurückbleiben, und weil die Werft der Gewerbeordnung nicht untersteht, ist die Anstellung von Gewerberälen notwendig. Aber zur Führung der Lohnliste sind be- sondere Beamte nicht nötig. Im Gegenteil würde sogar, wenn die Lohnmcthode so wie wir sie verlangen, eingeführt würde, eine Ver- Minderung der Beamten möglich sein. Zur Verteidigung des ObcrwcrfldirektorS hat der Staats- sekrelär gestern einige Angaben gemacht, die mir noch mehr als eine Diskreditierung erscheinen. Vom Verkauf des ominösen Mastes z. B. meinte er, datz er nicht auseinander- genominen werden konnte! Damit stellte er dem Ober- werftdireklor das Zeugnis der vollständigen Unfähigkeit aus. Jeder simple Schlossergeselle hätte die Aufgabe besser lösen können. Warum sind denn nicht das autogene Sckneidcverfahren nnd andere technische Verbcsserungen schon früher auf der Werft eingeführt worden? Zweifellos, weil der oberste Leiter nicht ein Techniker ist, sondern ein Offizier, der von den technische» Fortschritten keine Ahnung hat.— Es ist in dem Prozesse auch festgestellt worden, dast beschmutzte wciste Leinwand für 30 Pf. verkauft und, nachdem sie gereinigl war. für 2,85 M. z u r ü ckg e k a u ft ist! Gab es denn keine Seife auf der Werft?(Heiterkeit.) Wenn man die Leinwand selbst gereinigt hätte, würden die Unkosten sich vielleicht auf 10 Pf. belaufen haben! Meine politischen Freunde sind der Meinung, datz ein moderner Grostbetrieb wie der Schiffsbau Ingenieure zu seiner Leitung braucht. Daö militärische System, �oS alle verantwortlichen Posten mit Offizieren besetzt, ist durch den Prozetz gerichtet.(Lebhafte Zustimmung links.) Neben der Unfähigkeit ist auch die Unzuverlässigkeit sehr vieler Werftbeamten die Ursache der Unterschlagungen. Fracht- briefe und Stempel befanden sich in der Verwahrung eines einfachen Lohnschreibers, von dein der Verteidiger feststellte, datz dieser auf den Werften allmächtige Mann mit 6 Jahren Zuchthaus vor- bestraft war!(Hört! hört!) In der.Vossischen Zeitung" hat ein Fachkenner nachgewiesen, datz die Werflverwaltung sehr wohl über einen Stamm intelligenter Arbeiter verfügt. Man sollte nun meinen, datz solche intelligenten Arbeiter auch in höhere Stellungen aufrücken können. Die Bestimmungen stehen dem nicht im Wege, aber nicht die Intelligenz ist entscheidend für die Beförderung, sondern der Umstand, ob der Mann sich den Vorgesetzten willfährig erweist. Leute, die schon längere FreiheitS- strafen erlitten, werden ruhig als Beamte eingestellt, Arbeiter aber werden nach der Einstellung wieder entlassen, frühere Bestrafung bekannt wird. So ist entlassen worden, weil cr rinmal in Zinnsoldaten gestohlen hatte und deshalb Tag Gefängnis bestraft Sozialdemokraten.) Auf die GünftlingSwirtschaft lei den Werfte» hat gestern schon Legien hingewiesen. Der nationale Arbeiterverein steht damit im engen Zusammenhang und ebenso mit den Unter- schlagungen. Der Vorsitzende dieses sogenannten„Arbeitervereins" tut alles, um sür seine Leute Lohnzulagen zu bekommen, auch wenn es sich um Leute handelt, die das Eigentum der Werft für ihr eigenes halten, uin Leute, die wegen Vergehens gegen das Werfteigentuur schon vorbestraft sind! In vielen Fällen gelingt es ihnen trotzdem Lohnzulagcn zu verschaffen!(Hört I hört I bei den Sozialdemokraten.) Die systematische Züchtung dieser Defraudanten wird besonders von dem Gcwerberat Ring betrieben, der mit dem Nationalverein in innigstem Konnex steht. Der Schriftführer des nalio- nalen Arbeitervereins geht bei de» Herren ein und aus und ist derartig allmächtig, datz Obermeister und Meister von ihn, die Erlaubnis holen müssen, lvenn sie einmal einen tüchtigen Arbeiter einstellen wollen, der dem Berein nicht angehört. Das ist TerroriSmus(Lebhafte wenn eme ein Arbeiter Jugend einem war!(Lebhaftes HörtI hört! bei den der mit §ustitnmu»g Bei den So�!alde>no!raien), den Sie uns imtner zum orwurf mnchen. Der Scbriftlciter einer gelben Zeitung, ein Mann. Vau dem feststand, dast er sich eine Rente erschivindeln lvollte, wurde zum Bureaugehilfen bei der Werft ernannt. Wenn diese» notorischen Spitzbuben, diesen notorische» Defraudanten so das Rückgrat gestärkt wird, dann wollen Sie sich darüber wundern, dah die anderen Spitzbuben Mut bekommen? fSebr gntl bei den Sozialdemo- kraten.) Die Spitzen der Wersten können nicht ein- uial sagen, dah ihnen diese Oualifikationen der be- treffenden Beamten unbekannt geblieben sind. Mein Kollege Zubeil hat schon im Jahre 1904/05 die Zustände aus der Danziger Werft geschildert. Auch ich bin genötigt, den Korvettenkapitän Simon von der Danziger Werft näher zu kennzeichnen. In Danzig ist mit dem Verkauf von Kohlen an die Arbeiter ein gewisser Becker beauftragt, von dem die Arbeiter wuhten, daß er vor seiner Einstellung wegen Unterschlagung mit sechs Monaten Gefängnis bestraft war.(HörtI hört! bei den Soz.) Der Arbeiter- auSschnß wendete sich an den Korvettenkapitän Simon mit dein Ersuchen. doch einmal die Bücher des Becker untersuchen zu lassen. Herr Simon lehnte das ab. Der ArbeiterauSschuß beschwerte sich darüber bei der Oberwerftdirekrion, und diese gab der Beschwerde statt. Als die Bücher untersucht werden sollten, waren sie verschwunden I (Hört I hört I bei den Sozialdemokraten.) Herr Becker wurde nun vor Gericht gestellt und sollte sich wegen Unterschlagung von Kohlengeldern und Beiseiteschaffimg von Büchern verantworten. Da die Bücher fort waren, ließ sich die Unterschlagung nicht nachweisen, und er konnte deshalb nicht verurteilt werden! Wegen der Beiseiteschaffung der Bücher wurde er mit sechs Monaten bestraft. Herr Simon hätte nun eigentlich dem ArbeiterauSschuß für die Anzeige dankbar sein sollen. Statt dessen hat er sich nun sehr eifrig nach dem Uebeltäter erkundigt, der die Anzeige veranlaßt hat, und hätte er dessen Namen erfahren, so wäre der Mann zweifellos gemaßregelt worden! lLebhafteS Sehr wahr l bei den Sozialdemokraten.) Herrn Simon aber ist nichts geschehen. In diesem Jahre ist von dem Korvetten- kapitän Simon etwas bekannt geworden, was, wenn es allgemein auf den Werften Brauch wäre, geradezu an russische Zustände erinnert. Ein Offizier im 128. Reginient mit Namen Wisotzky hat ein Verhältnis mit einer Arbeiterin, aus dem ein uneheliches Kind stammte. Der Vater deS Mädchens, der auf der Werft beschäftigt war, wandte sich an den Korvettenkapitän Simon um Rat: wie er den Offizier, der sich seiner Verpflichtung zur Alimentenzahlnng entzog, verklagen könne. Herr Simon aber antwortete, daß er selbst Offizier sei und gegen einen Kameraden nicht vorgehen könne! �Lebhaftes Hört I hört! bei den Sozialdemokraten.) Später sagte er. er wollte dafür sorgen, daß das Kind in das Säuglingsheim der Betriebskranken- lasse der Werft komme I sHört I hört! bei den Sozialdemokraten.) Dies geschah auch, und die Betriebskrankenkasse hatte davon Kosten im Betrage von 135 M. Die Revisionskommission der Kasse b e- an st anbete diese Summe und noch weitere 15 M., die von Simon statutenwidrig verwendet waren, und die General- Versammlung wollte die Entlastung der Jahresrechnung nur unter dem Vorbehalt bewilligen, daß der Korvetten- kapitän Sinion sich verpflichtete, den Nachweis sür die Rückzahlung der 135 M. sowie der 15 M. zu führen. Herr Simon wehrte sich gegen die Protokollierimg und meinte, seine Offiziersehre bürge dafür, daß die Summe zurückgezahlt werde. lHöhnischeS Lachen bei den Sozialdemokraten.) Doch bestanden die Arbeiter auf der Protokollierung. Die Generalversammlung fand am 30. März statt und am S. April erhielt derjenige, der dieie russische Geschichte aufgedeckt und den Antrag gestellt hatte, die Rechnung nur unter Borbehalt zu genehmigen, die beschleunigte Kündigung Z lLebhafteS Hört I hört! und große Unruhe links.) Da» ist der berühmte eiierne Besen des Staatssekretärs l Es handelte sich um einen Mann, der schon zehn Jahre aus der Werft beschäftigt und noch niemals vorbestraft>var. Seine direkten Vorgesetzten wußten nicht, weshalb er gekündigt war. Als er sich an den Oberwerft- direktor Schimmelmann wandte, wurden ihm aus der Aussage des Korvellenkapitän» Simon die zwei Sätze vorgelesen:.Ich kann Sie nichl mehr gebrauchen' und»Ihre Entlassung hat mit Ihrem Auf- treten in der Krankenkasse nichlS zu tun'. Und bei der Kündigung blieb es! Der Arbeiter wandte sich an den Staatssekretär. Aber »loch heute wartet er auf eine Antwort. lGroße Unruhe links.) Der Herr Korvettenkapitän Simon fitzt noch in Amt und Würde», und wahrscheinlich wird Herr Geheimrat HarmS Veraulaffung iiehmeii, den Herrn als einen sehr tüchtigen und zuverlässigen Beamten zu preisen. Und auch ich gestehe, daß es einer der tüchtigsten Beamten ist, der in das System Tirpitz hinein- paßt! lLebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Herr Tirpitz sagte, wir hätten ein„Spionagesystem' auf den Werften eingerichtet und allen möglichen Klatsch zusammengetragen. Aber das Spionagesystem auf unsere» Werften stammt von ganz anderen Leuten. Im Winter 1907 wurde eine Metallarbeiter-Versammlung in Danzig abgehalten, die Herrn Simon besonders schwer im Magen lag. Er wandte sich an den Polizei- inspektor, der ihm sagen sollte— wer dort geredet habe. Und zugleich forderte er einen Arbeiter auf, er solle sich in de» Metall- arbeiter-Berband aufnehme» lasten, die Versammlungen besuchen und über die Vorgänge ihm Bericht erstatten.(Rufe links: Unerhört!) DaS ist das Spionagesystem, das ist daS System Tirpitz i Wenn der Staatssekretär es ernst meint mit seiner Absicht, einen eisernen Besen zu führen, so müßte er derartige Kreaturen an« der Werftverwaltnng eiilfernen. sSehr richtig! bei den Sozial« demokraten.) Als Mittel gegen die Unterschleife will er verschärfte Kontrollmaßregeln einführen. Gegen die Arbeiter bestehen sie schon seit langem, d a wird sorgsam kontrolliert, daß kein Werkzeug abhanden kommt. Aber ganze Wagenladungen kSnnen ans der Werft entfernt werden, ohne daß ein Hahn danach kräht. Ein Obermaat, der vor einigen Jahren einen mehrere Zentner schweren Propeller mitgehen ließ und als eS beranSkam, bestraft wurde, ist jetzt auf der Torpedowerft in Friedrichsort angestellt, und zwar in einet— Kontroll st ellung!(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Die Schleswig-Holfteinifche„VolkSzeituiig" erzählte, daß die Polizei in Kiel öfter Wagen anhielt, weil sie Verdacht hatte, daß sie mit Werstmaterial beladen seien. Die Werft wurde benachrichtigt und ein Beamter hingeschickt, der aber jedesmal.erklärte: diese Stücke gehören nicht der Werft! Das erklärte er selbst dann, wenn die Güter sogar den Stempel der Werft trugen. lHetterkeit links.) Es besteht ja die Jiistrilktio»: ES darf nicht ge- stöhlen werden, und infolgedessen wird natürlich auch nicht gestohlen I (Große Heiterkeit links.) Daß Diebstähle nicht entdeckt werden, liegt eben auch im System Tirpitz, in welchem«gegen die In- struktion nicht verstoßen' werden darf. Vieles würde anders fein, wenn mit dieser GünstlingSwirtschaft einmal gründlich gebrochen würde. Dann würden die Arbeiter gern bereit sein, der Werftverwaltung von Unregelmäßigkeiten Kenntnis zu geben, und sie würden die besten Hüter deö Werfteigentums fein.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdem.) Heute können sie an der Kontrolle nicht mitwirken, ihre Eingaben werden ignoriert und meine Freunde werden vom Staatssekretär zurückgewiesen. Die Arbeiter selbst werden, wenn sie Unregelmäßig- keilen melden, gemaßregelt. Interessant war auch eine Aussage im Kieler Prozeß: Ein Zeuge Lauenstein sagte, es seien einmal statt 60 Fässer nur 31 geliefert, und als er eS mitteilte, sei ihm die Eni- lassung angedroht worden, wenn er seine Nase in Dinge stecke, die ihn nichts anginge» I(Hört I hört! bei den Soz.) Wenn die Arbeiter auf Unregelmäßigkeiteii auftnerksam machen, werden sie entlasten. Den Arbeitern war es schon seit Jahren bekannt, daß Unterschleife vorkommen und Mischungen vorgenommen werden. Aber wenn wir etwas vorbrachten, wurde es als Uebertreibung bezeichnet.(Sehr wahr I bei den Sozialdemokraten.) Als Mittel zur Beseitigung der Mißstände ist ferner eineKommissioit gebildet worden, und diese hat eine bessere Vorbildung der Be- amten vorgeschlagen, ferner die Einführung einer lauftnänniscben Buchführung und eine wirksame Kontrolle. Die Botschaft hör' ich wohl, allein mir fehlt der Glaube. Es sind alles unlaiigltche Ver suche mit llittaiiglicheii Mitteilt am imtauglichen Objekt.(Sehr richtig I b. d. Soziald.). Solange die Werftverwaltnng nicht von Grund aus reforiniert wird, kann eS nicht anders werden. Was soll denn die bessere Vorbildung nützeit, weil» bei der Einstellung und Beförderung nicht die Tüchtigkeit maßgebend ist, sonder» Konnexionen? Was soll die kaufinännische Buchführung, wenn der Leiter der Werst nichts davon versteht, sondern Offizier ist? Was soll die Kontrolle, wenn eS bei dem mililärischeii System der Jnstruklionen bleibt? Meine politischen Freunde sind auch der Ansicht, daß der Oberwcrfldirektor kein Offizier sein darf, sondern kaufmännisches Verständnis haben muß. Meine politischen Freunde verlangen unter allen Umständen die Beseitigung der Güiistlingswirtschaft. Wenn Sie die Mitwirkung der Arbeiter bei der Kontrolle zulassen, so werden Sie das nicht zu beklagen haben. In zahlreiche» Privatbetrieben ist sie zun. Nutze» des Betriebes durchgeführt. Vor allein muß mit dem militaristischen und bureaukratischc» System gebrochen werden, wenn Ziistände geschaffen lverdeu sollen, die die Einbürgerung russischer Verhältnisse verhindern.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Geh. Admiralitätsrat Hanns: Ich will den angegriffenen Offizier Simon verteidigen, obwohl diese Angelegenheit meiner Auffassung nach mit dem, was wir hier verhandeln, nichts zu wn hat. Die Kündigung deS Arbeiters in Danzig ist erfolgt, weil von zuständiger Stelle festgestellt worden war, daß dieser Mann sozialdemokratischer Agitator war.(Große Unruhe und lebhafte Zurufe bei den Sozialdemokraten.) Als solcher ivurde er uns von zuständiger Stelle bezeichnet, und deshalb ivurde er gekündigt, nicht ohne weiteres entlasten In einer Gerichtsverhandlung, die etwas später erfolgte, hat er selbst zugegeben, daß er als Sozialdemokrat tälig gewesen ist. Dadurch wurde also auch an Gerichtsstelle erwiesen, daß seine Entfernung aus der Arbeits- stelle gerechtfertigt war.(Lebhafter Wiederspruch bei den Sozial- demokraten.) In dem anderen Falle kam ein Arbeiter zu Kapitän Simon und bat ihn. dafür zu sorgen, daß sein uneheliches Enkelkind im Säuglingsheim aiifgenomme» wurde, weil es sonst voraussichtlich sei» Augenlicht verlieren würde. Aus Grund dieser Tatsache hat Kapitän Simon allerdings irrtümlicherweise mit dem Manne vereinbart, daß er ein Darlehe» auS der BetriebSkrankenkaste bekomme. Er hätte den WohlfahrtSfondS nehmen müsien.(Hört! hört! bei den Soz.) Später wurde dann festgestellt, daß daS Darlehen aus der BetriebSkrankenkaste irrtümlich geleistet worden ist, und eS wurde augeordnet, daß Ersatz der Ausgabe stattfinde. Zufällig fand die Generalversammlung der Kaste einen Tag früher statt, als dieser FondsauSgieich erfolgt war. Weiter ist an dieser Sache nicht» dran. (Rufe bei den Sozialdemokaten: Gerade genug I) Wenn man dem Kapitän Simon einen Vorwurf machen könnte, so nur den. daß er sich aus feiner HerzenSgüre heran»(Lachen bei den Sozialdenio- kraten. Riiie: LiiSgezeichnet!) verleiten ließ, zu weit zu gehen. Abg. Leonhart(fri. Vp.): Der Herr Staatssekretär hat mich gestern in einer Weise abgekanzelt, als wenn ick auch alte« Eisen von der Werft gestohlen hätte.(Heiterkeit und S-hr gut? links.) Auf die Frage mehrerer Redner, warum den Sachverständigen der Kaiierl. Werft vom ReichSmarineamt das Aussagerecht verweigert worden ist. hat der Herr Staatssekretär überhaupt nicht geantwortet. (Hört! hört l links.) UebrigenS wäre e» sehr wünschenswert, wenn hier nicht nur immer Offiziere, tonderu auch einmal ein Techniker de» ReichSmarincamtS Auskunft erteilen würde. Ein solcher tönnte speziell auf all daS, waS Herr Severing vorgebracht hat, viel bester und gründlicher eingehen, als man das lediglich aus den Akten tonnte. Gewundert habe ich mich, daß der Herr Staatssekretär den Kapitän PersiuS, der übrigen» durchaus lein Freiftnmger ist, sondern immer in den Blättern der Rechten schreibt, als.einen Herr» PersiuS' abzutun suchte. Ich glaube, das wird ihm nicht viel nützen; Herr Kapitän PersiuS wird jedenfalls auch weiter seine fach- verständigen Artikel auch auS Anlaß dieser Debatten veröffentlichen. Der Herr Staatssekretär hat sich dann beklagt über den geringen Erlös beim Verkauf alter Schiffe. Er möge fich erkundigen, wie es die Hamburg— Amerika-Linie oder der Norddeutsche Lloyd machen, die sicher ganz andere Preise erzielen. Wenn die Schuld an der Bestimmung liegt, daß solche Verkäufe nur im Inland erfolgen dürfen, so hebe man eine solche Bestiniinung auf, da die Zwischen- Händler ja doch gleich nach dem Ausland verkaufen. Die Entlastung eines Arbeiters nur aus dem Grunde, weil er Sozialdemokrat ist. wird von meine» politischen Freunde» auf« schärfste gemißbilligt. Ohne Sozialdemokraten können die Herren vom ReichSmarineamt heutzutage überhaupt keine KricgS- schiffe mehr bauen. ES wäre besser, man beschränkte die Arbeiter nicht i» ihrer po'ilischen Freiheit, sondern man sorge dafür, daß all diese Unregelmäßigkeiten aufhören, die die Arbeiter zur Unzufrieden- heit mit dem gegenwärtigen Verwaltungssystem erziehen.(Bravo! links.) Staatssekretär von Tirpitz: Was für eine politische Gesinnung die Arbeiter haben, da» hat unZ nie berührt und wir haben nie etwa» dagegen getan. Was wir nicht dulde» ist: daß Arbeiter als Agitatoren wirken, weil das Unzufriedenheit in unseren Betrieben erzeugt. Dann ist gefragt, weshalb wir zwei Beamte in Kiel nicht als Sachverständige zugelassen haben. DaS ist geschehen, weil diese beiden Heiren nicht diejenigen waren, in deren Betrieb Unterschleife gewesen sein sollten und weil wir von vornherein annahmen, daß der Staatsanivalt diese beiden Perionen als Sachverständige nicht akzeptieren würde, was nachher auch von der SiaatSaiiwaltschafl ausdrücklich ausgesprochen ist. Im übrigen ist diesen beiden Beamten nicht der leiseste Zwang auserlegt worden, auszusagen, waS sie wollten, nur als Sachverständigen haben wir»hnen die Zu« stiinmung versagt.— Wenn ich von einem„Herrn PersiuS' ge- sprochen haben sollte, so korrigiere ich daS und tage: Kapitän zur See— außer Diensten— PersiuS. Der Herr Präsident hat vorhin den Ausdruck„Herr Tirpitz' moniert. Ich hatte ihn gebeten, das nickt zu tun, mir war das ganz gleichgültig. In der Frage, ob wir alte Swiffe nicht an da» Ausland ver- kaufen könnten und dabei vielleicht etwas mehr Geld machen, hat da« ReichSmarineamt nicht allein zu entscheiden, da« ist stet« auch als eine politische Frage angesprochen worden. ES könnten doch auS solchen Verkäufen von Kriegsschiffen an daS Ausland Folgerungen gezogen werden, die uns unangenehm wären. Abg.(krzberger(Z.): Der Vorivurf. die bürgerlichen Parteien hätten gegenüber den von den Sozialdemokraten vorgebrachten Miß- itänden geschwiegen, war nicht berechtigt. Material über Unter- ichlagungen aus den Werften ist uns von sozialdemokratischer Seite bisher noch nicht vorgelegt worden.(Zuruf bei den Sozialdemokaien; Materialverschwendung!) Da» ist nicht dasselbe. Nach Admirolitätsrat HarmS ist der Mann entlasten, weil er „von zuständiger Seite als sozialdemokratischer Agitator bezeichnet' worden ist. Wer ist diese.zuständige' Seite? Der Betreffende hat sich also nicht bemerkbar gemacht als Agitator, sondern ist al» solcher bezeichnet worden! Darüber werden wir wohl alle einig sein, daß parteipolitische Bestrebungen innerhalb der Arbeitszeit in Reichsbetrieben nicht geduldet werden können. Auf eine Reihe von Be- ichwerden ist der Herr Stoatösekreiär nickt eingegangen, z. B. auf meine Behauptung, daß sehr häufig Material über Bord ge- worseu wird I Staatssekretär v. Tirpitz: Daß ich nicht ausführlich geantwortet habe, kann Herr Erzberger nicht behaupten. Auf alle Fragen tonnte ich freilich nicht eingehen. Daß Material mal über Bord geworfen wird, mag vorkommen; als einen UsuS kann ich cS mir aber nicht vorstellen. Wiederholen will ich noch einmal, daß tvir unS grundsätzlich um die politische Gesinnung unserer Arbeiter nicht kümmern. Aber in der Arbeitsordnung aller StaatSwerften steht der Paff«», daß die Arbeiter nicht sozialdemokratische Agitatoren oder sonstige Personen sein dürfen, von denen vorausgesetzt werden darf, daß fie den Frieden zwischen Behörden und Arbeitern, oder Arbeitern unter- einander stören würden. Danach werden wir auch in Zukunft ver- fahren.(Bravo! rechts.) In der Frage der Konzentration der Beschaffung deS Materials bin ich nach wie vor anderer Meinung als Herr Stnive; hier siehe ich mehr auf dem Standpunkte des Herrn Erzberger, weil oder obgleich er der Zentrumspartei angehört.(Große Heiterkeit. Zuruf links) Obgleich oder weil, das zu entscheiden überlasse ich Ihnen! Abg. Lcgicn(Soz.): Die Frage, obgleich oder weil, ist leicht zu beantworten. Im vorigen Jahre hätte der Herr Staatssekretär sagen müssen.ob- ivohl', in diesem Jahre, wie er richtig gesagt hat:.weil'. (Große Heiterkeit und Sehr gut! linls.) Herr Erzberger beschwerte sich darüber, daß von uns partes« politische Fragen»n die Debatte gezogen werden. In der Tat aber hat er z u e r it uns gegenüber solche Vorwürfe erhoben, t.wem er meinte, wir seien schuld daran, daß soviel Beamte aui den Werften beschäftigt sind- Solange ick aber die Zustände auf den Werften hier zur Sprache gebracht habe, seit 1894, habe ich immer auf den Krebsschaden des großen Beanitenheere» hin« gewiesen.(Sehr wahr! bei den Sozioldeinokraten.) Ferner sagt Herr Erzberger, eS sei noch nie von uns behauptet worden, daß auf einer Werft Unterschlagungen stattgefunden haben. Davon bat aber Severing nicht gesprochen, sondern er hat gesagt: die bürger- liche» Parteien haben meine Parteifreunde, die hier über Mißstände auf den Werften gesprochen haben, nicht unterstützt und haben da- durch mitgewirkt, daß es zu diesen Mißständen kommen konnte. Was ich gestern gesagt habe,»st ja nun wirklich eingetroffen. Fasten wir die Ausführungen des Herrn Staatssekretärs zusammen, so sagte er: Es ist alles im Lot. nur„Schönheitsfehler" haben sich gezeigt, Kinderkrankheiten, das ist alles. Nach ihm waren eigentlich nicht die Marine oder die Werftverwallung die Angeklagten, sonder» die Interpellanten, welche Vorwürfe gegen die Marine vor- gebracht haben. Der Herr Staatssekretär bat uns große Dinge erzählt von der Eniwickelung der Leiimngsfähigkeit der Morine. hat aber vergeiien hinzuzufügen, daß in weit höherem Maße auch die Ausgaben für die Marine gestiegen sind. Er behauptete, es sei nicht zutreffend, daß mit Pauschquanten gerechnet würde und daß daraus resultiere, daß einzelne Beamten auf den Weiften sich persön- licke Vorteile verschaffen könnten. Severing habe ihm zwei solch: Fälle vorgeführt, ich könnte aber noch eine ganze Reihe hinzufügen. Und waS die Pauschquanten anbetrifft, so ist z. B. der Titel 1 im Kapitel IV„Einnahmen au? dem Verkauf von Schiffern Munition usw.' von 1900 an neu» Jahre hindurch immer gleich groß gewesen mit 220 000 M.(Hört! hört! bei den Sozioldeinokraten.) Ist da« nicht ei» Arbeiten mit Pnuich- quamen? Ist e« denn denkbar, daß seit neun Jahren stets die- selben Summen aus Verkauf von Schiffe» usw. eingenommen wurden? Das lonnen Sie einem anderen erznhl-n.(Sehr gut! links.) Im zehnten Jahre hat dann die Budgeikoinmiiston diesen?it-l aus einmal um— 720 M. erhöhen luüssen!(Hörtl hört! bei den Sozialdemokraten.! Wo sind denn in den anderen Jahren diese Berbefieningen geblieben? Wollen Sie un« erzählen, daß das eine geordnete Verwaltung»st, die 10 Jahre hintereinander immer dieselben Summen einstellt bei einer Einnahme, die bei der ungeheueren Enttvickelung deS Betriebe' natürlich wachsen muß? DaS ist der Krebsschaden bei der ganzen Sache, und ich wiederhole, daß es dringend notwendig sei» wird, hier eine eingehende Untersuchung durch eine parlamentarische Untersuchungskommission vorzunehmen.— Dann meinte Herr Geh. AdmiralitätSrat HarmS. daß die Ausführungen SeveringS über die Borkommnist« aus v,- Danziger Werst wenig mit der Frage, die unS beschäftigt.. tun hätten. In unserer Interpellation aber steht, daß durch die. Verhandlungen in Kiel Mißstände auf den Werften festgestellt werden, und waS Severing vorgebracht hat, ist eben einer jener Mißstände. die dazu geführt haben, daß diese Unterschlagungen überhaupt Platz greifen konnten. Der Staatssekretär hat erklärt: sozialdemokratische Agitatoren werden auf Wersten nicht beschäftigt. Nun, der Arbeiter in Danzig ist zehn Jahre ununterbrochen auf der Werft beschäftigt gewesen. Seine Vorgesetzten stellen ihm dos beste Zeugnis aus, von sozial- demokratischer Agitation seinerseits scheint demnach nicht» bekannt zu sein. Oder ist die Verwaltung der Werft so liederlich, daß sie zehn Jahre lang davon nicht« gemerkt hat?(Heiterkeit.) Jetzt hat er sich beim Kapitän Simon mißliebig gemacht, und da wird er auf einmal als sozialdemokratischer Agitator bezeichnet! Ich wiederhole die Fiuge de« Herrn Erzberger, auf die der Staatssekretär die Antwort schuldig geblieben ist: Wer ist die, z u st ä n d i g e S t e l l e die den Mann als Soz''alde»iokraten bezeichnet hat? Ich behaupte: eS war der Koivettenkapitän Simon 1 1(Sehr richtig! bei den Sozial- demokoten.) Wen» Sie alle die Leute, die Beschwerde» über Miß- stände vorbringen, nach dem erwähiite» Paffus der Arbeitsordnung aus den Betrieden herausdränge», dann wundern Sie sich nicht darüber, wenn Sie nur»och Dpitzbubeil behalte»!(Sehr gut! bei den Soz) Daß dieser Pasiu« Ihnen nichts nützt, wifien Sie, denn die Mehrheit der Werftarbeiter in Kiel und Wilhelmshaven sind Sozial- demotraten, und diese Leute sehen es al» ihr Staatsbürger- rech» an, in sozialdemokratische» Organisationen ihrer Parteipflicht zu genügen. Also: UnS schadet der Passus nichlS, aber wen» Si: nach ihm Verfahren, werben Sie schon sehen, welche Sorte von Ar- heitern Sie auf den Werften erhalten. Wenn soviel Spitzbuben auf den Werfte» vorhanden sind, so ist da» die Folge Ihre» Systems: daß jeder Arbeiter, der die Finger auf die Wunde legt, als Sozial- demokral denunziert und hinanögeworfen wird.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) In allen Staatsbetriebe» ist dieser Passus übrigens nicht vorhanden, zum Beispiel nicht in Württemberg. Er besteht eben nur in Prcustcn und ist genau so hoch einzuschätzen, wie die ganze Verwaltung in Preußen.(Lachen rechts. Sehr gut l bei den Sozialdeniokraieii.) Bezüglich meiner Eingaben hat der Staatssekretär erklärt, er lehn- ein Eingehen ans Znichriste» der Orgauisationen de« Herrn Abg. Legien ab. Er scheint über die Dinge außerhalb der Wersten recht wenig informiert ,u sein.(Sehr gntl bei den Sozialdemo- kraten.) Wer ist denn die Organisalion des Abg. Legien? Meint er den Metallarbeiterverband? Dem gehöre ich nicht an, sondern den Holzarbeitern. Meint er die gesamte» Gewerkschaften mit der Generalkommiision an der Spitze, deren Vorsitzender ich bin? Luch da« sind nicht„meine Organisationen'. Aber die rund zwei Millionen Arbeiter, die wir in den Gewerk- schasten organisiert haben, find die größten Steuerzahler in Deuschland, sie bringe» infolge der indirekten Steuern den größte» Teil der Mittel für den Bau von Kriegsschiffen auf, und sie haben ein Recht zu verlangen, daß diese Schlamperei in den Marinebetrieben beseitig» wird, daß iyre Steuergrosche» nicht in dieser schlampigen Weise verpulvert werden.(Sehr gm! bei den Sozialdemo- kraten.) Auch die Kieler Werftarbeiter sind Steuerzahler. Herr Staatssekretär, die die Mittel mit aufbringen, damit da« ReichSmarineamt arbeiten kann. Und eS ist sehr verkehrt von Ihnen, Herr Staatssekretär, gegenüber diesen Leuten hier zu erklären: Ihr habt überhaupt nicht mitzureden! Die Arbeiterklaff- ist es. die vor allem die Mittel aufbringt— auch da» Gehalt des Herrn StaatSseketärs!(Heiterkeit und Sehr gut I bei den Sozial- demokraten.» Im übrigen ist seine Behauptung falsch. Nicht im Austrage einer Organisation, sondern in meiner Eigenschaft als Reickstagsabgeordneter für den Wahlkreis Kiel habe ich Ihnen die Beschwerden unterbreitet, indem ich fest- stellte, daß. wenn dieses System auf der Kieler Werft beibehalten wird, die Qualität der Arbeiterschaft herabgemindert und dadurch die Kosten erhöht werden. Herr Staatsseketär. Sie haben die ver» pslichtung, wenn nicht einem einzelnen Abgeordneten, so doch dem Reichstag gegenüber Antwort zu geben, ob Sie Ihre Hand dazu bieten wollen, dah systematisch auf der Kieler Werft die Qualität der Kieler Arbeiter verschlechtert wird l Es wird meiner Ueberzeugung nach die Zeil kommen, wo man auf die Wünsche und den Willen der Arbeiterschaft mehr Gewicht legen wird als heute. Sie werden vielleicht nicht mehr im Amte sein, es geht Ihne» schließlich so wie den Werftarbeiter»: Passen Sie Ihrem Arbeitgebe: nicht mehr, so werden Sie entlassen, (Große Heiierkeit und lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten� Abg Struve(srs. Pg,): Die Mitteilung über den Verkauf des Schiffes„Marie" war mir kurz vor der Siyung durch einen Eil- brief von einem höheren Beamten allS der Zentrale des Herrn Staatssekretärs zugegangen. Ich mußte also annehmen, daß die Sache sich so verhält. Die Benierkung, die der Herr Staatssekretär an diese Sache knüpfte: das sei charakteristisch kür die Art meines Bor- gehens, war ganz unangebracht, denn ich habe nichts Uuwahres gesagt. Abg. Legre»(Soz.): Ich stelle nochmals ausdrücklich fest, daß der Staatssekretär die Antwort auf die Frage, wer die zuständige Stelle ist, welche entscheidet, ob ein Arbeiter sozialdemokratischer Agitator ist, schuldig geblieben ist. Damit schließt die Besprechung. Das HandelSprovisorium mit dem Britischen Reich wird darauf in dritter Lesung dcbotteloS angenommen, ebenso die Abänderung des 8 15 des Zolltarifgesches, Verschiebung der Einführung einer Witwen- und Waisenvcrsichernng gegen die Stimmen der Sozialdemokraten. Es folgt die . Fortsetzung der ersten Beratung des Handelsvertrages mit Portugal. Abg. Wallcuborn(Z.) bleibt auf der Tribüne vollkommen un- verständlich. Abg. Gothein(srs. Vgg.): Die Wünsche der Industrie sind bei diesem Handelsvertrag in keiner Weise erfüllt worden. Der blühende Unsinn, den der Vertrag enthält, ist wörtlich auS dem portugiesischen Zolltarif abgeschrieben. Aber das entschuldigt unsere Diplomaten nicht, wohl aber bewirkt es, daß bei den vielen Streitig- leiten, zu denen der Vertrag führen muß. das Schiedsgericht aus den Text des portugiesischen Zolltarifs zurückgreifen wird, und da wird dann für die Ueberfetzung als einzige Sachve» ständige die Schrciddame fungieren müssen, welche die Ueberfetzung verfertigt hat. UebrigenS würden solche Klapperschlangen, wenn sie den ganzen Vertrag zu schließen gehabt hätten, es auch nicht schlechter gemacht haben als unsere Diplomaten.(Rufe rechts: Aul) Au zu rufen haben wir bei diesem Vertrag alle Veranlassung. Aber man darf die Schuld an dem Vertrag nicht unseren Unter- bändlern allein anrechnen. Die Hauptschuld liegt an unserem Zoll- tarif, an unserer verkehrten Wirtschastsvolitik.(Lebhafte Zustim- mung links.) Soeben sehe ich Herrn Abg. Dr. Hahn in den Saal treten, und er hat sich auch schon zum Wort gemeldet.(Große Heiterkeit links.) Regelmäßig, wenn Herr Hahn vor mir auf der Rednerliste steht, ist er beim Aufruf nicht da, oder er läßt sich streichen, um nach mir zu sprechen.(Zuruf rechts: Bescheiden- heit l) Diese„Bescheidenheit" zeigt eigentlich einen großen Mangel an Mut, er will vermeiden, daß ich nach ihm zu Worte komme und ihn widerlege.(Sehr richtig! bei den Freisinnigen.) Staatssekretär Dr. Delbrück: Am vorigen Sonnabend sind hier nur Vertreter solcher Industrien zu Wort gekommen, für welche der Handelsvertrag nicht Vorteil« bringt; es gibt aber auch Industrien, für welche er ein wichtiges Ereignis, ja geradezu eme Existenz- Notwendigkeit ist. Unter der Herrschaft unserer Handelspolitik sind Handel und Wandel emporgeblüht, die Löhne sind gestiegen, die Arbeiterschaft ist kaufkräftiger geworden. So lange mir nicht be- wiesen wird, daß dies alles geschehen ist trotz unserer WirtschaftS- Politik, bleibe ich dabei, daß es geschehen ist zufolge unserer Wirtschaftspolitik.(Sehr richtig! rechts.) Durch das neue Gesetz von 1908 hat Portugal sich in die Lage gesetzt, bei der Einfuhr der Waren aus Deutschland Zuschlagszölle zu erheben. Um also vom portugiesischen Markt nicht ausgc schloffen zu werden, mußten wir versuchen, in ein VertragSvcrhältniS mit Portugal zu kommen. Alle vernommenen Sachverständigen sagten, das Wesentlichste sei. daß der Vertrag auf der Grundlage der Meistbegünstigung geschlossen werde, damit die deutschen Waren keine differentielle Behandlung erfahren. In gleichem Sinne haben sich auch eine Reihe von Handelskammern ausgesprochen, speziell auch sächsisch« auS den Gebieten der Textilindustrie. Ich bitte Sie, nicht unter dem Eindruck der Reden der wenigen Interessenten, die am Sonnabend hier zu Wort gekommen sind, zu entscheiden, son- dern sich zu informieren, wie weit die übrigen Industrien unseres Baterlandes ein Interesse an dem Vertrag haben. Staatssekretär deS Auswärtigen v. Schotn: Bei den Angriffen auf den Handelsvertrag war der Grundton die Klage über die Un- zulänglichkeit unserer Diplomatie, die kein Verständnis für die hei- mischen Bedürfnisse habe. Die Urheber dieser Kritik sind über den Werdegang eines Handelsvertrags und über die dabei notwendigen Verhandlungen nur unvollkommen unterrichtet. Ich hoff«, daß Sie in den Kommissionsberatungen durch nähere Aufschlüsse er- kennen werden, daß diese Vorwürfe gegen die Diplomatie unbcrcch- tigte sind.(Bravo l recht».) Abg. Pauli-Kochem(Z.) beklagt die Schädigung des Weinbaues durch den Vertrag. Abg. Ctrescmann(natl.): Mir ist mitgeteilt worden, daß die Nichtveröffcntlichung des Vertrages auf den Wunsch Portugals zurückzufuhren sei. Ich darf wohl annehmen, daß diese In- formation auf Irrtum beruht. ES ist gesagt worden, der französische Text sei ausschlaggebend. Davon steht aber kein Wort ,m Vertrage!(HörtI hört! lmkS.) In der„Krcuz-Zeitung" ist wegen der Verhandlung am Sonnabend von einem G r o ß b l o ck die Rede; nun. dieser Großblock erstreckt sich vom Grafen Kanitz bis zu Herrn Südckum.(Heiterkeit.) Wir wollen die Politik der mittleren Linie verfolgcn; das darf uns von sachlicher Kritik nicht abhalten. Ich bitte, den Vertrag an eine Kommission von 21 Mit- gliedern zu verweisen.(Bravo! bei den Nationalliberalen.) Staatssekretär Dr. Delbrück: Herrn Stresemann will ich be- merken, daß es internationaler Brauch ist, daß bei Verträgen zwischen verschiodcnsprachigen Ländern im Falle von Streitigkeiten mm........... ir tuiirn'" i>■ der französische Text maßgebend iil�(Die weiteren AuS- führungen des Redners bleiben auf de? Tribüne unverständlich.) Abg. Lehmann-Wiesbaden(Soz.): Es ist nachgewiesen, daß in diesem Vertrage direkt wider- sinnige Bestimmungen enthalten sind, und man hat deshalb den Diplomaten Vorwürfe gemacht. Der Staatssekretär v. Echoen hat das zurückzuweisen gesucht und behauptet, es sei durchaus korrekt verfahren. Das mag wohl sein, aber daS entkräftet nicht den Vorwurf, daß unsere Unterhändler über die Bedürfnisse der deutschen Industrie nicht genügend unterrichtet waren. Schon im Januar wurde der Vertrag im Auszug in englischen Blättern veröffentlicht; bei uns ließ Herr v. Schorn die Veröffentlichung nicht zu.„Offiziell" war ja unserer Negierung von den Veröffent- lichungcn in England nichts bekannt, und deshalb durfte die deutsche Industrie nicht informiert werden! Der Staatssekretär Delbrück wies auf den Vorteil der Meistbegünstigung bin, die der Vertrag bringe; demgegenüber sollen die wenigen Positionen, bei denen Portugal die Zollsätze erhöhen darf, nicht ins Gewicht fallen. Es handelt sich aber um mehr als die Hälfte all-w in Betracht kommenden Artikel. Bei unserer Zollpolitik fällt es uns schon schwer, günstige Handelsverträge zu schlichen.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Bezüglich der Weineinfuhr haben wir Portugal wesentliche Vorteile gewährt und schützen die portugicsi- scheu Marken ganz besonders Die Wcinhändler, die diese Marken führen, müssen sie in Zukunft wirklich aus portngi. fischen Häfen beziehen und ein Ursprungszeugnis haben. Wir gewähren daher Portugal ein Monopol und benachteiligen zu seinen Gunsten andere Länder. Alt ist die Klage, daß unsere Diplomaten sich aus einem eng»- begrenzten Gesellschaftskreise rekrutieren, in dein auf Aeußcrlich- feiten viel zu viel Wert gelegt Wird. Durch die Verhältnisse ge- zwungen, ist man im Ausland hier und da dazu übergegangen. Praktiker zu nehmen. Besonders an Amerika könnten wir uns in dieser Beziehung ein Muster nehmen. Von 137 ersten Stellen in der deutschen Diplomatie sind 128 mit Adligen besetzt, so daß nur S Träger bürgcrlicl»er Namen sind.(Hört! HörtI bei den Sozialdemokraten.) Bei dieser Zusammensetzung des diplomatischen KorpS im Auslande kann man sich uiugefähr vorstellen, wie wenig nach der ganzen Erziehung dieser Herren die Interessen der Industrie bei ihnen auf Berücksichtigung zu rechnen haben.— Wir werden bemüht sein, den Vertrag in der Kommission so zu gestalten, daß wenigstens die schlimmsten Unstimmigkeiten herauskommen. (Bravol bei den Soziaidemokraten.) Abg. Eickhoff(srs. Vp.): Gestern abend ist unS ein Antrag Graf Kanitz zugestellt: die Regierung solle Maßnahmen zum Schutze unserer Exportindustrie gegen Amerika treffen. Wie soll sie das tun. wenn bei uns selbst eine agrarische Wirtschaftspolitik herrscht? (Abg. Dr. Hahnsl recke schon wieder gefallen ist, erwartet die Elbcstromverwaltung für morgen am Elbe Pegel Barby den Wasserstand 370, das Ist 30 cm unter AususerungS- höhe.— Während die Innerste schon wieder acfallen ist. bat die Lein« noch mittelarokes Hochwasser.— Die Ems uberschritt gestern am Pegel Singen Miltclhochwaster um 9,3 m, und die dort sebr niedrig liegende AuSusrrungShöhe um 175 cm und war HI«beI anscheinend noch in, Slclgen.— Der Main ist bei Schweinfurt von vorgestern aus gestern schon Wied« gesnllen.— Die L a h n ist weiter gefallen, dagegen hat die Mosel bei Metz in der Nacht von gestern aus heute wieder aus» neue zu steigen begonnen, überschritt ad« gestern srllh noch nicht die AuSuserunaS. höhe und war noch 9,9 m vom Mitleldochwass« entfernt.— Für die H a u p t st r ö m« außer Em« ist da» dlniieie» eine« bedeutenden Hochwassers vorläustg nicht anzunehmen. 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KI. 221. Kgl. Preuss. Lotterie. Ziebcng Tora 7. Dezember naebmibags. Hur die Gewinne Uber 240 Uark sind den betreften- den Nummern in Klammern beigelügt. (Ohne Gewähr.)(Nachdruck Terboteo.) 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K-assn 222. König). Prous». Kiasseuloticho Cnüct am 11. uud 12. Januar 1310 slatt Verantwortlicher Redakteur Richard Barth. Berlin. Für den Anscratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u.Berlag:Vorwärt» Luchdruckerei u-BerlagSanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW," O ich bin klug und weise denkt manche Hausfrau, indem sie sich ein Pate! Zeiseiipnlver»Goldperle» lauft, tn welchem sie ein prächtiges Geschenk stndet, das ihr große Freude ===== macht.= Fabrikant: Schutzmarke. Carl Gentner, Göppingen. I I I Obacht wegen der vielen minderwertigen Nachahmungen I I I Nr. 286. 26. Iahrglma. 2# Joniittf Knlm WIKdlÄ Mittivsch, 8. Inember 190J). «MV WNKZS Soziales* Zur kommunalen Toppclbesteuerung der Wanderarbeiter. Die lippischen Hiegler weilen bekanntlich den grüßten Teil de» Jahres außerhalb ihres Wohnortes; sie werden von den Genreinden, in denen sie als Ziegelei-Wanderarbeiter beschäftigt sind, auch zur Etcuerleistung herangezogen. Aber neben diesen Steuern müssen sie gleichivohl irr der lippischcn Heimatgcmeinde Steuern bezahlen. Alle Bestrebungen zur Beseitigung dieser Doppelbesteuerung hatten bisher keinen Erfolg. Jetzt hat nun endlich die lippischc Negieruiig den, lippischen Landtage eine Vorlage gemacht, durch die das Uebcl gemildert lvird, indem die Zicgler, die auswärts Gemeindesteuern bezahlt haben. ihrer Wohnsitzgemeiude gegenüber Anspruch auf Vergütung eines Drittels des Jahresbctrages ihrer lippischen Gemeindesteuer haben sollen. Die Vorlage wurde am 4. Dezember in dritter Lesung an- genommen. Das Gesetz tritt schon für das laufende Steuerjahr in Kraft. Eine„Mustkr"-Erzichungsattstalt. Die Stadt Barmen hat seit langen Jahren schon eine Er- ziehungSanstalt ihrer Verwaltung unterstehc», in der Waise», Halb- Waisen und solche Kinder untergebracht sind, deren Eltern für die- selben nicht hinreichend sorgen können oder lvollen. ES ist also nicht ein sittlich und moralisch angefaulte» Mcnichenmaterial, daS in dieser Anstalt erzogen werden soll. Im Gegenteil; dio dort tätige» Pädagogen versichern übereinstimmend, daß sie sich ein bessere» Unterrichtsmaterial nicht wünschen können. Dennoch konnte vor einigen Monaten unser Elbersctder Parteiorgan aus dieser Anstalt ErziehüngSpraktiken melden, die sich den in der ..Blohmeschen Wildnis" und in„Miclczyu" gebräuchlichen Methoden würdig anreihen. Wegen kleiner Kindermängel gab es Peitschenhiebe und Kostabzug. der dadurch verschärft wurde, daß die zum Hungern verurteilten Kinder zusehen mußte», wie ihre Kameraden speisten. Und wen» die letzteren, einer edlen HerzenSregung folgend, ihren hungernden Gespielen ein Stückchen Brot gaben, das sie sich selbst vom Munde abgespart hatten, dann mußte» sie wegen ihrer Mildtätigkeit dreimal hintereinander aus ihr MittagSbrot verzichten. Mit Bettnässen behaftete Kinder wurden nachts aus den Betten geholt und selbst im Winter mit eis- l a l t e m Wasser tüchtig abgespritzt. Der Sohn des Hausvaters wurde von mehreren weiblichen Zöglingen der Anstalt beschuldigt, sich an ihnen sittlich der- gangen zu haben. ES wurde auch deshalb von dem Kuratoriinn der Anstalt dem Vater verboten, seinen Sohn fernerhin in der Anstalt, die der Familie zur Wohnung dient, zu beherbergen. Sonst geschah aber nichl». Die Angaben der»Freien Presse" wurden im Gegenteil von der Stadtverwaltung als„maßlos übertrieben" erklärt und kein Finger rührte sich, um die Mißstände abzustellen. Man schwieg sich konsequent auch aus, als die„Freie Presse" zu drei ver- schiedenen Malen, die Einleitung eines Strafverfahrens gegen ihren verantwortlichen Redakteur herausforderte. Auch als Ivährend des StadtverordnetenwahlkampfsS von unseren Parteigenossen in Flug» blättern und Versammlungen die Zustände in der Anstalt für ver- lassene Kinder scharf gerügt wurden, nahmen die verantwortlichen Instanzen alle diese Borwürfe stillschweigend hin und beließen die Schuldigen weiter im Amte. Inzwischen Häven sich Dinge ereignet, die darauf hindeuten, daß die Korruption in dieser— von einem Pädagogen geleiteten— städtischen„Muster"- Erziehungsanstalt schlimmer sind, als oben an» gedeutet wurde. Wurde doch vor wenigen Wochen ein langjähriger Angestellter der Anstalt wegen SittlichkeitSverbrechensan AnstaltSzöglingen von der Elberfelder Straflammer zu einem Jahre Gefängnis verurteilt. Jetzt hatte sich bor dem dortigen Schöffengericht ein anderer„ErziehungL"- g e h i l f e dieser Anstalt wegen D i e b st a b I S zu verantworten. Er hatte ein auf 120 M. lautendes Sparlaffenbuch eines AnstaltS- zöglingS gestohlen und erhielt dafür drei Monate Ge- fang nie. Bezeichnend ist, daß dieser„Erzieher" schon mehrfach wegen Diebstahls und Bettelei vor» bestraft war; oberer war ein„frommer Mann", der sich in christlichen Hospizen gut herumzudrücken wußte. kleines feuitteton. Die Einmaligkeit der Kinderkrankheiten. Der Glaube daran. daß der Mensch gewisse ansteckende Krankheiten nur einmal in seinem Leben bekommen kann, ist so weit verbreitet und ein- gewurzelt, daß man vielfach die Acußcrung hören kann, es sei gut. wenn ein Kind eine solche Krankheit einmal bekommen und über- standen habe, weil cS dann wenigstens vor einer Wiederholung ge- sichert sei. Diese Anschauung gilt namentlich von den gewöhnlichen Kinderkrankheiten, wie Masern, Scharlach. Keuchhusten und Diph- ihcric, die immer gefährlicher zu werden pflegen, je höher daS Lebensalter der Erkrankten ist. Die außerordentlichen Fortschritte der Heilkunde und Gesundheitspflege haben nun zunächst die An- »ahme zerstört, daß etwa jedes Kind Masern odep Keuchhusten be- rommen müsse, obgleich in der Tat leider immer noch nur wenige ganz davon verschont bleiben. Dann aber hat die Frage der so- genannten Immunität, des Gcfeitseins durch eine einmalige Er- krankung gegen spätere, genauer untersucht werden müssen, weil die allgemeine Beobachtung, die sich zu jenoui Volksglauben ver- dichtet hat, nicht ohne weiteres als zuverlässig betrachtet werden konnte. Dieser überaus wichtigen Frage hat sich Dr. Widowitz aus Grah zugewandt und dav Ergebnis seiner Forschungen in der Wiener Klinischen Wochenschrift veröffentlicht. Danach werden folgende Regeln aufgestellt: DiphtheritiS. die Ansteckung mit Streptokoklen oder Staphylokken(dazu gehörig der Gelcnkrheuma- tismusj, Rose und Influenza geben keine dauernde Sicherung gegen eine wiederholte Erkrankung. Scharlach verschafft meist, aber nicht immer, eine dauernde Immunität, ebenso Keuchhusten. Bei diesem scheint aber der Schutz nur bis zu einem gewissen Alter, etwa bis zum dreißigsten Lebensjahr, zu währen. Masern und l'tcgenpeter verleihen dauernde Immunität. Der letzte Satz wider- spricht den bisherigen Erfahrungen, da Fälle von wiederholter und sogar häufiger Erkrankung au Masern bei Kindern als Ausnahme sicher vorkommen. Musik. Münchener Oper. Innerhalb eines romantischen Einakter- abendö brachte die Hofoper sehr verdienstvoll Ermanno Wolf- Ferraris Jntennezzo ,,S u s a n n e n S Geheimnis"(nach dem Französischen von Golisciaiii) zur Uraufführung. Der Erfolg de« entzückeiiden WerkchenS war künstlerisch so stark, daß, ginge es nnt rechten Dingen zu, der geniale Deutsch-Jtaliener wieder an allen deutschen Bühnen erscheinen müßte, die seine beide« schönen Opern ..Neugierige Frauen"»md„Vier Grobiane" ebenso schnell fallen ließe», wie sie danach griffen. Wolf-Ferrari ist der Reformator der komischen Oper, er bringt unö wieder die Melodie Mozarts mit Mozart-Säilger» durch ein Mozart-Orchester. Kein Wunder, daß dieser unzeitgemäße Musiker iin Deutschland der Rach-Wagnerschen Epigonenepoche und im Italien be« Verismus einen schweren Stand Ob wohl»ach diesen nenell Skandalfällen die Bariner Stadt- Verwaltung für Nemedur sorgen wird?— Die ncugewählte» sozialdemokratischen Stadtverordneten werden sie mit aller Entschiedenheit fordern I_ Gerichts-Zeitung* Eine glänzende Freisprechung wurde gestern dem wogen angeblichen VcrstoheZ gegen Z 133 Gewerbeordnung zuunrccht angeklagten F c n st e r p ii tz e r Paul Eiertz vor dem hiesigen Amtsgericht Berlin-NÄitte zu teil. Der Angeklagte lvnrde am 30. November d. I. in Liebenwerda verhaftet und nach Berlin ilbergcführt, um sich hier wegen Vergehens gegen tz 153 der Gewerbeordnung. wegen gefährlicher Körperverletzung, versuchter Nötigung und wegen Beleidigung zu verantworten. ES wurde ihm vorgeworfen, während des letzten Fciisterputzerstreiks am 1, Oktober 1008 einen Arbeitswilligen beleidigt, geschlagen und durch Anwendung körperlichen Zwanges und Ehrvcrletzitng ihn zu bestimmen versucht zu haben, an Verabredungen ziim Behnso der Er- langung günstiger Lohn- und Arbeitsbedingungen teilzunehmen. Giertz hatte von vornherein bestritten, an dem be- treffenden Tage überhaupt ans der Strohe gewesen zu sein und behauptet, ii, folge Krankheit das Hau« nicht verlassen zu haben. Trotzdem blieb er in Hast. Zu dein gestrigen Termin wurde er a»S der Untersuchungshaft vorgeführt. Der Belastungszeuge Krampttz, der geschlagen und be- leidigt sein sollte. erklärte. das; der auf der Anklagebank Stehende ihn nicht beleidigt oder geschlagen habe. Im Kontor der Firma A r n h e i m sei ihm der Name Giertz genannt worden. Da habe er geglaubt, daß er von Giertz geschlagen worden sei. Infolgedessen erübrigte sich die Erhebung deS vom Angeklagten angetretenen Alibi- heweises. Auf die Vernehmung der Ehefrau des An- geklagten, die aus Dresden gekommen war, um für ihren Mann Zeugnis abzulegen. jolvic des Gewcrkschastsbeamteu Lambrecht wurde allseitig verzichtet. Der Ll nt t L a n w a l t beantragte Freisprechung. Der Verteidiger Dr. Kurt Rosen selb ver- langte den Angeklagten nicht nur freizusprechen, fondern auch die nottv endigen Auslagen der Ver- t e i d i g u n g ans die Staatskasse zu über- n c h m e n. ferner den Angeklagten für die tiuschuldig er- litteue ll n t e r s u ch u n g s h a s t eine Entschädigung z« gewähren und der Ehefrau, die aus Dresden nach Berlin gekommen war. Reisegold und Zeugen- gebühren anzuweisen. Die Erfüllung dieses Vor- langens sei berechtigt, weil sich die völlige Unschuld des Angeklagten herausgestellt habe und er wenigstens in- soweit entschädigt werden müsse, als dies nach dein Gesetz möglich sei. Das Gericht folgte den, Antrage des Verteidigers, legte jedoch die Kosten des Verfahrens, der Verteidigung sowie der Entschädigung für erlittene Unter- suchungshaft in erster Linie dem Zeugen Kran, Pitz, für den Nichtbeitreibimgsfall der Staatskasse auf, da Kranipitz grob fahrlässig die Anzeige erstattet habe. Wie der Vorsitzende Amtsrichter A h l s d o r f f bei der Urteilsbegründung auS- führte, hatte Krampitz bei seiner polizeilichen Vernehmung er- klärt, er könne beschwören, das; Giertz ihn mißhandelt habe. Handelte nicht auch die Behörde grob fahrlässig, die die Verhaftung des Unschuldigen anordnete und sie dann b e st ä t i g t e. ohne die Beweismittel des Angeklagten, der das ihm Angedichtete bestritt und Alibibetveis antrat, zu erheben und ohne den Belastungszeugen mit dem Beschuldigten zu konfontrioren? Würden einige Dutzend Male ebenso unschuldige Polizeipräsidenten und Staatsanwälte verhaftet. in Haft behalten und angeklagt— bald würde der Ruf nach gesetzlichem Schutz gegen ungerechte Verhaftungen allgemein. hat. Das Operchen„Susaimens Geheimnis"(sie raucht nämlich hinter dem Rücken deS Gatten) ist ein Meisterstück im Hinblick auf Harmonie von Inhalt mid Form: eS beherrscht bei, KonversationS- stil deS feinlomischcn timsikalischen Lustspiels vollkommen und ent- zückt durch vier lyrische Cantileiien. die z» dem Schönsten gehören, das seit langer Zeit auf dem Theater gehört wurde. Die Aufsühriiiig hätte besser sei» können. m. Humor und Satire. Zur Steiler der Wissenschaft. Die neue Steuer, die man plant für Biöliolhekdemitzer, sie wird im prenßsschen Vaterland der Wissenschaft Beschützer. Die Wissenschaft ist frei, daher bedarf sie der Umzäunung, daß sie lein Bösewicht versehr' mir einer ander» Meinung. So galt'S im großen, und so sei'S hinfort auch im geringen: Was Können! WaS Talent! Was Fleiß! Fünf Marl mußt du erschwinge» l Im preuß'schen Stalle sind verwehrt dem Hausen alle Raufen, und auch die Wissenschaft gehört nur dem, der sie kann kaufen. Franz. — Der Anwalt mit den zwei Seelen. Vor einem Bezirksgericht in Niedcr-Oesterreich ist es vorgekommen, daß ein Anwalt in zlvci hintereiiiander folgenden Prozessen erst für und dann gegen die gleiche Dame eintrat, deren prinzipielle Glaub- Würdigkeit er im ersten Prozeß energisch verfocht, im zweiten ebenso energisch und grob bestritt. Der Richter hielt daL für eine„unzulässige" Doppelvcrtrctung. Mit Unrechtl Hier ist der Weg gewiesen zu einer wobltätigen Bereinfachuilg uilseresGerichtswesenS. In Zukunft wird vielleicht auch beide Parteien eines und desselben Prozesses der gleiche Anwalt vertreten, was die Kostcii bedeutend verringert. Und wenn sich die Sache weiter entwickelt, so kann einmal in Kriminalsällen ein Ncchtsgelehrier als Staatsanwalt, Verteidiger, Gerichtspräsident, Sachverständiger, Zeuge. Obmann der Ge- schworenen— und im Notfälle vielleicht auch noch als Angeklagter fungieren! — Bonner Borussen. Bonner Borusse:„Na, wir werden unZ für die Suspendierung unseres Korps schon rächen, wenn wir in einiger Zeit Minister sein werden!"(„Jugend.") Darf ei» Pplizeihiind„in berechtigter Ausilbung eine» Amtes" bcitzen? Das Reichsgericht hat am Montag diese Frage, so ungeheuer- lich cä scheint, im Gegensatz zu einem Urteil des Magdeburger Landgerichts bejaht. Von diesem Gericht war der Polizeisccgcant Ernst Schuckcrt in Kalbe a. S. am 4. September wegen fahrlässiger Körperverletzung zu ,00 M. Geldstrafe verurteilt worden. In Kalbe dürfe» die Polizeibcamten Polizeihunde benutzen, die sie selbst abzurichten und zu süttcru haben. Besondere Vorschriften über die Verwendung der Tiere bestehen nicht. Eines Abends nach ,0 Uhr fuhr der frühere Polizciscrgcant T. auf dem Rade ohne Laterne. Der Angeklagte rief ihm zweimal vergeblich Halt zu und veranlaßtc dann seinen Polizcihnnd, den Radler zu stelle». Das Tier packte T. zunächst am Ucbcrzicher und bist ihm zweimal in« Bein, wodurch er zum Sturze kam. Nach der Anficht des Land- gerichtes hat der Angeklagte vielleicht nicht die Absicht gehabt, dem T. Berketzungen beizubringen, aber soviel sei. so hieß es weiter, ohne Bedenken festzustellen, daß er fahrlässig gehandelt habe. Dahingestellt! könne bleiben, ob es angebracht und zulässig sei. wegen einer geringfügigen Uebertrctung einen Polizeihund aus einen Menschen loszulassen; auf jeden Fäll aber habe der Angeklagte unvorsichtig gehand"!», indem er de», Hunde die Möglichkeit gewährte, dtm Radier zu beißen und umz>Uverse».— Die Rcvissoi» des An- geklagten Wurde vom Reichsanwalt für begründet erklärt. Dem Augetlagten, so führte er aus. war es gestattet, einen Hund im Dienste zu verwenden. Besondere Vorschriften hierüber bestanden nicht. Der Angeklagbe hatte die Pflicht, strafbare Handlungen fest- zustellen"nd etwaiges Unglück zu verhüten. Fluchtverdacht lag vor. Auf Erfüllung seiner Dienstpflichten mußt? der Angeklagte ver- zichten. Wenn man dem Urteil? folgen will: er mußte dann den! Rödler davonfahren lassen. Mit Neckt sagt die Ncviston, daß einem Beamten, der sich in der rechtmäßige» Ausübung seines Amtes befindet, die Mittel zur Verfügung stehen müssen, seine Pflichten zu erfüllen. Wie hätte es der Aiigellagte anders machen sollen? Ter Hund konnte den Radler nicht anders anhalten, indem er«ihn faßte, was zur Folge haben mußte, daß der Radier stürzte. Das Urteil läßt nicht erkennen, ob die Strafkammer sich darüber klar war, daß der Angeklagte sich in der rechtmäßigen Ausübung seines Amtes befand.— Das Reichsgericht folgte diesen Darlegungen, hob daß Urteil aus und verwies die Sache an das Landgericht zurück. Sind die Ausführungen de« Rcichsanwalts zutreffend, so miß- achtet daS Gesetz die Unverletzlichkcit des Menschen aufs tiefste und ist abgrundtief respektvoll vor einem Hund. Ist der vom Reichs- anlvalt vorgetragene, vom Reichsgericht gebilligte RcchtSsatz dem Gesetz entsprechend, so Wäre ja gar der Polizeibeamtc auch straflos gewesen, wenn er den Radier angeschossen oder wenn sein Hunde- vieh den Radier zerrissen hätte. Das Reichsgericht übertrumpft das Kamm ergericht. Dies hat bekanntlich i» Slrcilprozesscn die Majestät des Schutzmanns als obersten Staatsrechtssatz für Preußen an- erkannt. DaS in Leipzig thronende Gericht plädiert für die Majestät des Hundeö. Möchte doch solch Polizeiviech den Herren „in Ausübung eines polizeilichen Amts" zwischen die Beine fahren, vielleicht bekehren sie sich dann zu einer besseren Ansicht, oder sollten sie gerade dann auf den Hund kommen? Aufgehobenes Todesurteil. Vom Schwurgericht Erfurt ist am 19. Oktober der Glasbläser August Lutz wegen Mordes und schweren Diebstahls zum Tode und zu Zuchthausstrafe verurteilt worden. Er soll in der Gehrener Flur am h. September den Forsiaufseher Walter ermordet haben. Die Revision des Angeklagten kam am Montag vor dem Reichs- gericht zur Verhandlung."Sie wurde vom Rcichsanwalt für be- gründet erklärt. Infolge eines Versehens ist bei der Fragestellung da» Wart„vorsätzlich" weggeblieben und die Geschworenen haben demnach den Angeklagten weder des Mordes noch des Totschlage» für schuldig befunden. Eine Verurteilung wegen Mordes ist vom Gericht, das die fehlerhafte Fragestellung übersehen l>at, trotzdem erfolgt.— DaS Reichsgericht hob das Todesurteil auf und ver- wies die Sache an das Schwurgericht zurück. Ein gräflicher Betrüger. Das Schöffengericht Unna i. W. verurteilte den Leuinant a. D- Graf Otto v. Schlippcnbach wegen Betruges in vier Fällen zu 300 M. Geldstrafe. Er hatte eine Reihe von Personen, denen er durch seinen Titel und seine Stellung als Reserveoffizier imponierte, um Darlehen unter Schwindeleien über eine zu er- wartende Erbschaft mit Erfolg geprellt. In Wahrheit lag die Erbschaft im Monde. Notizen. Vorträge. Oberlelltnant Grätz wird seinen Vortrag über seine Diirchctumnig Afrikas im Automobil am Mittwoch im Wissen« schastlicheu Theater der rllania zum letzte» Male wiederholen. Am Montag kommeitder Woche wird Dr. A. Borger einen einmaligen Vortrag„In Afrikas Wildkaminerii als Forscher und Jäger", illu« striert durch farbige Lichtbilder, halten. — K n>, st ch r o n i k. In der Akademie der Künste am Pariser Platz findet vom 12. d. Mts. bis ö. Jammr eine SoiiderauZstellung von Melchior Lechtcr« großem GlaSgeinälde-Triptychon für doS neu- erbaute LandeSmuseuni>» Münster i. W. statt. Der Originalkarkon, die Forbenskizzen und Studien zu dein Werke gelange» ebenfalls zur Alisstellung. — Von Höckels„Welträtsel" erschienen soeben im Verlag von Alfred Kröner tu Leipzig das 241. bis 250. Tniiseud. — Herr Bode a u der Arbeit. Herr Bode hat sehr viel Arbeit mit der Flora; bald mpß er Artikel sätreiben, bald JinerviewS geben, bald Jnfornlatioiien ausstreuen. Und doch ist die ganze Pretzinachc im, sonst. Kein Fachmanii von Minen, kein Künstler, auf die er sich doch neuerdings besonders gern beruft, triti für ibn ein. Niemand will mit ihm die Ehre teilen, für diesen Leonardo sich zu blamieren. Aber tätig ist der Generaldirektor. Jetzt hat er gar— Radierungen des alten Lucas ausgestellt. Aelst waS helfen mag: dieS Argumen», daß die Florabuste immdgl'ck von dem Manne stammen kann, der diese Nadiermigen geniacht hat, ist so gut wie die übrigen„Beweise" des Herrn Bode. — Ein Autor, der gegen seine Aufführting protestiert. Thomas Mau»»nd der Verlag S. Fischer protestieren gegen die von der Akadcniischen Väbue aiigclllndigte Vorstell, mg von>F i o re n z a" und wollen die Aussilbrung verbieten lassen. Sie erklären: Nachdem die Vertreter der Akademischen Bühne länger als ein Jahr über die Auaclegenheit, die seinerzeit lediglich den Gegenstand vorbereitender Berhmidliingen gebildet hatte, geschwiegen hatte», traten sie vor etwa zehn Tagen ganz überraschend mit der Anksindigiing der Aufführung bervor, zu einer Zeit, als der Älltor sich»ach anderer Seite längst gebunden suhlte. Die Akademische Bühne scheint daher vom Pech heimgesucht zu sein. UebrigenS ist sie gänzlich überflüssig. � Revolutio ii s» Kuriositäten. Eine Sammlung von Gegenständen aus der Zeit der Französischeu Revolution ist in der vergaiigenen Woche in Paris versteigert worden. Zn ihr gehörte auch die von uns schon erwähnte Guillotine. Sie wurde mn 921 Fr. vertaust. Den höchsten Preis, 2t 000 Fr., erzielte eine Pendeluhr aus dem Besitz der Marie Antoinelte. Eine nach der Natur geformte Maske Mirabcans wurde mit 1000 Fr. bezahlt, ebenso ein Ring mit einer Kapsel, die angeblich einige Haare Ludwigs XVI. enthält. Ein geschnitztes Fauteuil, das Rousseau be» nutzt hat, wurde für 410 Fr. erworben, ein Schlüssel der Aastille für 35, eine Quader miS dieser Festung für 27 Fr., eine Deputierten- schärpe für 100 Fr.. Patriotenpike» für 72, eine phrygische Mütze für 140 Fr. usw. Erscheint 2 mal wöchentlich. BezagsqneUen-Verzelclmls. Die hier verzeichneten Firmen empfehlen bei Einkäufen Ihre Geschäfte. Abzahiungsoeschäfts Gredit-Haus Moabit Tunnstraöi 55, Ecke WelilstraBe gewährt Jedem bei spielend leichter An- xind Abzahlung mehrjShrieen Wreölt ■iuf Waren>nui t'tübel. -rvem Cr odi ihHUS UBM Gebr. Weber, Neue Künigetr. 58. LBbasteS.�- Ulbrich 20 Filialen. Badeanstalten Angusta-Bad. Köpenicker 6tr. 60/61. Diana-Bad, Koppenstr. 03. Bad Invalidenstr. 16. Köpenicker Bad, Köpenickerstr. 17«. MünchenerEad,P.i.,Münch€ner8tr.51. Neander-B&d, Neaaderetr. 12. Bad Petersburgerstr. 64. Prinzen-Bad, Prinzonstr. 42. V ikt oria-Bad.'Küi7imrl'<�..pr. Albertet. 6. ���ida�cn�Quniim�a Lange, A. E., Brunnenetr. 167. Meyer, P., Ri., Berlinerstr. 40—50. Pelzmann, D., Neue Königetr. 30. TscLache,M., Pankow, BroItestr.SOb. Wende, Ä., TÄ34' Zimmer, Rieh., gr. Frkft. Str. 112. (�Be erdieungsa nst., Sarg m. J Fuchs, Paul, Frankfurter-Allee 143. Jordan, E., Birkonstr. 13, Moab. 3196. Peter-Schlev, Wilh., Zossenerstr. 37. Rornmeck, C., Ri., Korraannstr. 22. Sicgmuud, Jouof, Ri., Nogatstr. 29. Wegner, F-, Iii ��dek�. 31. Büttner, A., Oanzi�orijtr. 96. - �Ilf!II!INI!IF. U.. L to ll. M..R i.�Ksi���riedri�bstr c Bos'ufsklslduny Bobn,R., lnv.-Lt.lS5, Chausseeat. 129. O.irdirobcnh. Nordstern, BrunneBstr-SG Oö�c» A.,Fricdrichgfelde,Berl.-St.S6. M*»W. Ä7Ä Keiner, Otto, Gerichlstraßo 86. Pahr, Wilh., Bmnneustr. 116. Schlesinger, Hermann N.W. Turmstrasee 58 Die richtigen N. Rcinickend.-Str. 48 Sachen. Lieferant d. Konsuingenossonschaft. ; ojUntrc'.cs s. n. 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Dezember verstarb unser �Mitglied, der Zigaircnsabrikant WsBIev Puttuseritr. 19. Ehre seinem Andenke«! Die Beerdigung findet morgen Donnerstag, den 9. Dezember. i nachmittags 31/2 Nhr, aus dem ! 5tirchho! der Böhmisch ei, Gemeinde, l f Baruther Strage, statt. 233/9 f Um rege Beteiligung ersucht ver> Vorstund. /Tattksagztng. Für die zahlreiche Beteiligung und d>e Aranztpenden bei der Beerdigung meines inniggcliebten Mannes LsOQZls sage ich allen Freunden und Kollegen, der Firma Bcrgemann sowie dem Lottcrieverein„Wild-West" memen innigsten Dank. Die trauernde Witwe tirMt(Stfrrn. Jeiierj der uns besucht, Kaufzwang ausgeschlossen, erhält heule Mittwoch and morgen Donnerstag einen stiiöasnWaüiaiÄprolSIS »anz umsonst. Kindern allein ist der Zutritt nicht gestatte! Deutscher iHoIzarbsiter-�erbandi Den Mitgliedern znr Nachricht, I dag unser Kollege, der Tischler l�cZvIk VreitmÄNn� I am 4. Dezember gestorben ist. Ghre feinem Zludenke» k Die Beerdigung findet heute I Mittwoch, den 8. Dezember, nachmittags S'/j Uhr, von der Leichen- Halle des tätholifchen Kirchhofes in WilhelmSberg aus statt. 1 93/8 vis OrtSYerwallung. «MUUl Wf-K Line Veberrszcdunö nsck 6er snäersn bietet dem verehrten Publikum das jüngst in ganz grossem Stile neu etöfinele „Für alte Welt" Schön ebcrg Hauptstr. 19 direkt am Kaiser-Wiihelmplatz:: dem alten Rathause gegenüber Die unbedingt beste Cinkaufsquelle aul KREDIT ist dieses Geschäft. Jeder-, ob ledig, ob verheiratet, ob Oame oder Herr, erhllt KREDIT unter allerallerbequemster Abzaiilungeart Zivile preise, kulanteste Bedienung, grösste Auswahl in allen tührenden Artikeln, wie: DnmefrHemikKiBtliMnleniüCT PelzstoJas und Muffen. Teppiche, Gardinen Steppdecken, Manufakturwiron u. dpi. mehr wahal In allen Holzarten Luxus-Möiel, wie Rauchtische, Paneelbretter, Etageren, Haus Apotheken usw. 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Dezember, nach- 1 I mittags 2'/, Uhr, von der Leichen- I halle des neuen Nixdorscr Kirch- 1 ! hoses am Mdricndorscr Weg aus j I statt. 126/19! Ferner starb unser Mitglied, der öchmied Adolf LchiHinx. Die Beerdigung findet am j Donnerstag, den 9. Dezember, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Gcmeinde-Fried- hoscS in Friedenau, Stubenrauch- strafte, aus statt. Echrc ihrem Nudcnken! Rege Beteiligung erwartet Die Ortsvcrwaltung. Sozialileinoki'alisciierWaliiveFeiii S�ixciorf. Den ParteigenoiieN zur Nach- > richl, daft unser Mitglied, der j Arbeiter ¥Lm4 Tesche iS. Bezirk) ersiorbm ist. Ehre seinem Andenke» k Die Beerdigung findet heute. ! nachmittag 2� Uhr, von der Halle ! des neuen Rixdorjcr FriedhoscS, i Mariendorser Weg, aus stait. Um rege Beteiligung ersucht 1238/10 Ter Borstand. j>»nk«»gnng. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme nnd die zahlreichen Kranz. spenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes und guten BaterS, Bruders und Schwagers Heinrich Simon sagen wir allen Verwandten, Freunden und Bekannten, insbesondere den Kollegen der A. E-G.. Abt. St. 2, dem Deutschen Metallarbeiter-Verband sowie dem Wahlverei» des VI. Kreises unseren besten Dank. Ä'itve Augiisle Sinson nehst SoSin. Hagenteehnflen j find in reichster Auswahl nach dem■ Berzeichnis dcö Blldnngs-AuSschnsscs ! zu haben in der �xpeliitm k!ö8„Vomglt8"K!! Berlin 8W. 68, Lindenstr. öS (Laden). � j i II spoltbillig. Reiciicnbargerstr. tl>4, pt. Wn« Trauer-Maiazln| Extra- Abtellnng I. Geschäft; Berlin W., Mohren- 1 S(r?So 37a(2. Haus von der j Jerusaiemer StraSe). Geschäft: Berlin NO., Große| Frankfurter Str. 115(2. Haus> von der Andreasstraiie). Sehr fry. Auswahl fen. Kleider,| Hlite, Handschuhe, Schleier etc. I vom einfachste» bis zum hcch- J elegantesten Genre zu äußerst J niedrigen Preisen. 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Die BersammlungSlolale find folgende: 93/7 Tischler. Südwesten um S'/« Uhr in Tkilon,« t'oatsSIvn, Nlücherftr. vk. (1. Punkt der Tagesordnung: Bortrag des Kollegen Pape vom Hauptvorstand über:.Sind die Gewerkschasten den Arbeitgeber- oiganisattonen gewachsen?) Süden um«'/. Uhr Im Märkische« Hof. Admiralstr. I80. Südosten I UM S'/« Uhr w den Naunyn-Festsäle». Raunynstr. v. Südosten II"" Osten 1 um Uht in den Andreas-Festsälen. Andreasstr. ZI. ftolnn II 11 III um 6'/. Uhr tn den rrneUleiälon cle» v«t«Q«, üslvll U U.»1 Frankfurter Allee I51/IS8. noeflioho Vnrnpf» UM 61l> Ubr bei Arnhold(.Schwarzer UcSlllCne lurcne Adler«), Frankfurter Chaussee s/«. iiordoslen um«>/, Uhr bei Noolror. Webcrstr. 17. Norden(Rosenthaler and Sciiönhaaser Vorstadt) um 6'/, Uhr bei Obiglo, Schwedter Strafte Ü3. Wedding und Moabit«»-—"■ Bautischler. BeZ. 1 um 6'/, Uhr bei Raabe, Fichteftr.«9. Bez. 2 um 6'/s Uhr bei Zlotz, Warschauer Str. 61. BeZ. 3 um 6'/, Uhr Set Gllesche, Kopenhagener Str. 74. BeZ. 4 um C'/a Uhr bei Raabe, Kolberger Strafte 23. Maschinenarbeiter um H'l, Uhr in den AaJeean-reststNea, Andrcasstrafte 21. ?oUererunsZKagszinarIietter Südosten nnd Süd«eslen»"■ Osten UM 61/, Uhr Im Jndnstriepalast, Gr. Frankfurter Str. 137. Norden um 6'/, Uhr bei Rramer, Husfitenstr. 49. Klavierarheiter um 8'/« Uhr im Engllachon Garten, Alexanderstrafte 37 c. Stellmacher um 81/, Uhr im Rosenthaler Hof, Rosenthaler Strafte U—IS. Einsetzer um 7 Uhr in den Armlnballea, Kommandantenstrafte 58/59. (Die Kollegen werden gebeten ihre Tarise mitzubringen.). Stockarbeiter um o'/s Uhr bei verebt, Ritterstr. 75. Moaeiltischler «m 8 Uhr bei wuice, Brunnenstr. 188. ZUslen- nnd Zloffermseker NM 8'/a Uhr bei Rergtiuann, Andreasstr. 21. Boctentexer am 6 Uhr im Boltshause in Charlotteubnrg. Rostnenstr. S» Rahmenmacher NM 6 Uhr im Gewerkschaftshanse, Engelufer 15, Saal 5. Verxolcker um 8 Uhr ln den Arminhnllen, Kommandantenstr. 58/59. Dt« Kollegen von Neumatin u. Hennig und August Werkmeister sind hierzu besonder! eingeladen. Kammacher um 8*1, Uhr in den AndreaS-Festsälen. Andreasstr. 31. kerlmutt-, Ooro-n. 8teii»iuli»rdeiter UM 6'/z Uhr im Gewerkschaftshause, Engelnfer IS, Eingang ö Parterre(AlbettSlosensaat). Bürstenmacher bei Rreno(Hilsedein-AuSschank), Halzmarktstr. 65. Oreedsler, Ireppengeläniler- mi Luxusmöbelbranche um S'/, Uhr bei Reeder» Wedrrftrafte 17. Montag, den 13. Dezember, im Gewerkschaftshause, Engelnfer 15; General-Bersammlnng. inr - n »lrbeitSnachwriö: BerwaltiingSstelle Berlin. Hnut'tblirea»: Hoj l. Amt 3, l£39. CharliestraS« 3. Hos III. Amt 3, 1987. DotinerStag. den 9. Tcicmbcr, nbcnds 8 ttbr. im»Geiverk- fchaftöhause». Sngeluser 13(tsaal>1): gy MitgiieclerTersaimiul ctng � der Klein puer. Tanel'Oednitng! 1. Forisetzung der Dlökulsion von der letzten Vet1«m»!iMtZ. 2. Btanchenaiigelegnilteilen. �r.-r.■— Mitgliedsbuch legitimiert. �— In Anbetracht der besonders Ivichttgcn TageS-Lrdnung ist eS Pflicht eines jeden Kollegen, zu crichcincii. 12S/18_ Die Ortsverwaltnng, Gesundbrunnen. Freitag, den 10. Tezcmbcr, abcndS S'l3 Uhr: Geffentliche Versammlung im Lokale deS Herrn Franke, Badstrasie 10. TageS-Ordliung! Sind die Agrarier die einzigen Lebensmittel- verteuerer? Referent: Genosse Eduard Bernstein. JUili* Der Elnbemfer. Deutsch n aUtlS.(Zahlstelle Derlln.) Sezirksoersansmlnngen: n-• i.| Am Donnerstag, den 9. Dezember, beim Kollegen DtZllK.!• Kister. Lensselstr. 22. 2Slm Freitag, den 10. Dezember» beim Kollegen « Krämer. Hussitenstr. 40. »> »» »> s» 3 Am Freitag, de» 10. Dezember, beim Kollegen »(Zchmidt. Lichtcnberger Str. 10. a Ani Freitag, den 10. Dezember, beim Kollegen Zieh. T3[13 Warschauer Str. 61. 5 Am Donnerstag, den 9. Dezember, beim Kollegen » Wiemers, Büloivstr. 58. 6 Am Freitag, den 10. Dezember, beim Kollegen • Kürchner, Dragonerstr. 12. 000 Sämtlich nachmiUagS 5 Uhr. Dio OrtnverwallnBg. DrTSlmmel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. PrlnzenslF. 41, 10—2, 6—7. Sonntags 10—12, 2—4. Torlelh-fnRtltnt: Frledriohst.ns/I, a.Orabg. mZox. Eleg. Frack, Gehrock l.'>0Lose 1,00. Weste SOPs. Bärenfelle f. nb»ich, schönkr ots meine Heidschnucken. feOe. Nur echt mit TchnSm„S»4finie". Herrlich fchönr Salooterpich« 7>/, M. DickwclligcVo, lagen SM. bis 125 cm lang, cht»,, gerei« ig«, geruchlos, gegen Mot'cn geschiiht. bien»«»d»eist, tllvenu.»Unkel, grau, ivrachlkatalog Iret. Augsäcke. «chlitistt»e>> rm 160 cm p'jUr. 2,00-3,50 3,00-4,25 Muster-Kollektion'reiikoJ SFensterss Pwb:2,2S, 3,75, 4,85, 6,75 M. Teppich- Haus Emil Lefevre, 1,.s der Chef der jtriiniualpolizei. Oderregierungsrat Hoppe, sofort den Gcrichlsarzt Medizinalrat Dr. Stürmer und den Chemiker Dr. Müller, den ersten Assistenten von Professor Dr. Jeserich. Die Mordkommission, die aus den Kriminalkomnussaren Weist und Gennat besteht, hat sich zur Prüfung der gefundenen Kleidungsstücke an Sachverständige der Konsektion gewandt. ES scheint sich um Fabrikwaren zu handeln, um Dutzendwaren. Wichtig ist die Fest- stellung, dast das Paket erst in der vergangenen Nacht an die Fund- stelle gebracht worden ist. Patrouillen und SektionSschutzinänner haben noch gestern abend auch diesen Teil deS Tempelhofer Feldes abgesucht und an der Fundstelle nichts gesehen. Ueber die Kleidungsstücke sagte ein sachverständiger Konfektionär: »Das Jackett ist von einer Art, wie sie vor zwei bis drei Jahren gefertigt wurden. ES ist eins von den geschweiften Sakkojacketts, wie sie auch in diesem Jahre noch hergestellt worden sind. Der Stoff fft noch fast neu, die Applikationen sind gut gearbeitet, das Jacket ist also noch nicht sehr häufig getragen. Die Gröstcnverhällnisse weisen ans eine Figur 46/48 hin, also eine nicht zu grohe, untersetzte Person, die nur in der Hiiftengegend ziemlich stark war. Hiermit stimmen auch die Mäste der Beinkleider überein. Die Schürze ist eine schwarze Alpakaichürze. Sie hat ein wichtiges Merkmal, nicht nur die schadhaften Stellen sind mit blauem Garn bearbeitet, sondern auch der Knopf, der zum Anknöpfen des Schlietzbandes dient." : ZahlaM in den Die weitere Untersuchung hat ergeben, dast die Arme nur ganz schwach gekocht worden sind, um ihnen den Geruch des Menschen- fleisches zu nehmen. DaS gefundene Jackett, der Fingerring und die Frauenhose sind von der Kriminalpolizei photographiert worden und werden im Lichthofe des Polizeipräsidiums zur Besichtigung deS Publikums öffentlich ausgestellt. Zum Kochen der Arme wurde keine Säure oder irgendein' ätzende Flüssigkeit, sondern lediglich Wasser verwendet. Die Ermordete must bei Lebzeiten ein etwas korpulentes junges Mädchen gewesen sein, das eine Lungenentzündung durchgemacht und vermutlich viel über Seilenstiche geklagt hat. Die Bevölkerungszahl Berlins hatte schon im Jahre 1907 sich merklich langsamer als in den vorhergehenden Jahren vermehrt, von 2 09l 299 Personen um nur noch 20 0>>2 auf 2111361, und im Jahre 1908 war dann sogar ein Rückgang eingetreten, eine Verminderung um 4419 auf 2 106 942 Per- sonen. Im Jahre 1909 hat sich nun wieder ein Auf- schwung zum Besseren angebahnt, und besonders der Herbst brachte diesnial wieder einen beträchtlicheren Zu- wachs. Für den diesjährigen Oktober, aus dem jetzt das Statistische Anit der Stadt die üblichen Zahlen- nachiveise veröffentlicht, ist eine Vermehrung um 9906 Personen berechnet worden. während für den vorjährigen Oktober sich nur eine Vermehrung um 6135 ergeben hatte. Die Bevölkerungszahl stieg bis Anfang November dieses Jahres auf 2 1 12 209, Anfang November vorigen Jahres war sie nur 2 101 191 gewesen. Der Zuwack?s, den Berlin aus dem daztvischenliegenden zwölfmonatigen Zeitraum gehabt hat, belief sich auf 11 018 Personen. Die Besserung ist Haupt- sächlich dadurch zustande gekommen, daß allmählich die Zu- züge sich wieder vermehrt haben und ihnen jetzt geringere Wegzüge gegenüberstehen als im vorigen Jahre. Das gilt besonders für den Oktober, der diesmal neben einem Geburtenüberschuß von 1148 einen Zuzugsiiber- schuß von 8f 858 brachte, während im Vorjahre in demselben Monat der Geburtenüberschuß 1277 und der Zuzugsüberschuß 4858 betragen hatte. DaS Verhältnis zwischen der Stadt Berlin und der Großen Berliner wurde gestern in einer Sitzung der Verkehrsdeputation er- örlert. Es werden von verschiedenen Seiten Versuche unternommen, eine Verständigung zwischen der Grosten Berliner und der Stadt- gemeinde herbeizuführen. Welcher Art die Grundlagen hierzu sein sollen, entzieht sich unserer Kenntnis; allein für einen Kenner der Verhältnisse könnte ein Frieden nur auf Kosten des klaren Rechts der Stadt Berlin zustande kommen. Bus der Verwaltung der Rieselfelder. Die von der Stadt Berlin im Herbst d. I. in Eigenvcrwaltung übernommene Hei stellung und Lieferung von Milch an die städtische Säuglingssüriorge erfordert besondere Vorsichtsmaßnahmen. Die Milchkühe werden in ganz kurzen Zwischenräumen von dem städtischen Tierarzt unteisncht. die Stall- und Milchbehandlungsräume sind für aseptische Milchgewin- nung hergerichtet. Die Deputation beschäftigte sich nun auch noch mit der Getoährung eines besonderen Jahreshonorars für den GutS- arzt, welcher alle neu eintretenden Stallbedienstetcn vor Eintritt und die Beschäftigten ständig ans ihren Gesundheitszustand, ins- besondere das Vorliegen von ansteckenden Krankheiten untersucht. Vom Balkon deS vierten Stockes abgestürzt ist am Montag- nachmittag der zehnjährige Sohn Walter der Grundschen Eheleute, Chodowickistr. 22. Schwerverletzt wurde der Knabe nach dem Kranken- Hause am Friedrichsham gebracht. Arbciter-BildiingSschule Berlin. Die Teilnehmer an dem Kursus über Finanzwissensckaft werden daran erinnert, daß die nächste Zusammenkunft an diesem Freitag, den 10. d. Mts., stattfindet. Im Wintergarten wirkt als Hauptzugkraft ftir diesen Monat Otto Reutter. Seine humoristischen und satirisch- aktuellen Couplets mit den Refrains, die so gut einschlagen, sind allen, die im Bariets auch das soziale und politische Leben gespielt sehen wollen, eine willkommene Gabe. Und Reutter nimmt sich lein Blatt vor den Mund, wenn er die preußische Kultur verspottet(„Immer korrekt I") oder in dem Couplet„Man sagt" so ganz unter der Hand allerlei Bosheiten anbringt. Sein reichhaltiges Repertoire enthält außerdem rein humoristische Sachen. Etwas übermäßig sind in dem übrigen Pro- gramm amerikanische Rummern vertreten, die für unsere Ohren nicht immer angenehm wirken. Die Gebrüder K i e l y sind virtuose Ballboxer, die Geschwister Ford führen charakteristische, aber für unseren Geschmack wenig ansprechende amerikanische Klappertänze auf. Eine drollig- groteske Excentricizene im Billardzimmer führen Kelly und G i l e t t e auf, gute Jongleurkünste zeigen Emerson und B a l d w i n. Die farbigen Tänze La Pias erinnern an die Füller, ohne sie zu erreichen. Viel Vergnügen bereitet Mari on mit seinem musikalischen Jmitations- talente! mit dem bloßen Munde ahmt er sehr lustig fast alle Instrumente nach. Das Hundetheater MerianS gewährt so- wohl durch die Dressur wie die hübsche und humoristische Ein- kleidung gefällige Untci Haltung. So viel das neue Programm bietet, eS ist doch etwas eintönig. Feuerwehrnachrichten. Vermutlich durch Unvorsichtigkeit kam in der Karlstr. Sa ein größerer Dachstnhlbrand zum Ausbruch. Bei Ankunft deS 13. Zuges brannte der Dachstuhl des rechten Seiten- flügels in erheblicher Ausdehnung. Ein an der Giebclwand an- gebrachtes Hängegcrüst war zum Teil heruntergefallen. Unter Ver- Wendung einer mechanischen Leiter wurde der Rest des Gerüstes zur Vermeidung von Gefahren herabgelaffen. Durch tüchtiges Wasser- geben mit mehreren Rohren gelang eS, den Brand auf den Seiten- flügel zu beschränken. Die Enlstebniig war nicht aufznklärcn. Fast gleichzeitig erfolgte ein Alarm nach der Neuen Wilhelmstr. 6, wo es im Keller brannte, und etwas später nach der Bandelstr. 41, wo Schaldecke» usw. in Brand geraten waren. Nachts um 16 Uhr brannte Cotheniusstr. 10 der Bauzaun eines Neubaues. Ferner hatte die Feuerwehr am Schönhauser Tor zu tun, wo eine Frau von einem Straßenbahnwagen überfahren worden war. Vorort- ptoebricbteu. Schöneberg. Stadtverordnetenversammlung. Vor Eintritt in die Tagesordnung erfolgte die Einführung des Stadtv. Ramlau(lib. Fr.), der an Stelle des Stadtv. Kunze ge- wählt ist. Zinn Ankauf von zwei weiteren Entwürfen für die Aus- schmückung des Barbarossa-Playes lvurdcn SW M. bewilligt. Bei dieser Gelegenheit teilt der Mag'strat mit. dast die in der vorigen Sitzung beschlossene Unterbringung der Entwürfe in m geeignetere Räume sich nicht habe bewerkstelligen lasse». Bezirkn Groß'Berlins. Sodann kommen eine ganze Reihe von Petitionen zm Verhandlung. Eine Petition wendet sich gegen die Errichtung einer Kirche auf dem Gusiav-Müller-Platz. Die Petenten wünschen die Erhaltung' des Platzes ohne ein solches Bauwerk. Da aber der vom Magistrat versuiüte Ankauf des Platzes nicht zustande kam, wurde Uebergang zur Tagesordnung beschlossen. Die Vereinigung für Kommunal- und Schulpolitik petitioniert um Abstandnahme von der Neueinrichtung von Vorschul» k las sen. Weiler wird in der Petition verlangt, möglichst bald eine organische Verbindung zwischen den Volksschulen und den höheren Schulen Schönebcrgs herbeizuführen. Solange diese Ver- bindung nicht besteht, wird empföhle», als Notbehelf für die Kinder, die von der Volksschule zur höheren Schule übergehen wollen, einen Lorbildungslursus von der Stadt einzurichten.— Die Petition wurde nach einer kurzen Debatte dem Magistrat zur Erwägung über- wiesen.„ Mehrere Geschäftsleute petitionieren um Gewährung von Entschädigungen für durch den Bau der Uiltergrundbahn cnt« slandene Nachteile. Ueber diese Petitionen wurde zur Tagesorduung übergegangen. Stadtv. Hoff mann(Sozi berichtete dann über die Petition mehrerer Bewohner der Bcckerstraste. Diese verlangen die Aiphal» tierung der Straße und Einschränkung des Sirasten» bah ii Verkehrs. Durch das große Geräusch würde der Auf» enthalt in den Vorderivohninigen unangenehm. Redner empfiehlt, über diese Petition zur Tagesordnung überzugehen. Die Versauun- lung stimmte dem auch zu. Eine Petition um Beschaffung einer Eisbahn für die Schön eberger Jugend und Herstellung geräuschlosen PsiasterS vor den Schulen in der Rubensstraste wurde nur in ihrem ersten Teil dem Magistrat zur Erwägung überwiesen. Da das Pflaster sich noch in gutem Zustande befindet, wurde über den letzteren Teil zur Tagesordnung übergegangen. In einer anderen Petition wurde die Beseitigung verschiedener Mängel am Sachsen dämm verlangt, über die Stadtv. D ä u m i g 4 Pf. und nach mehr als fünfjähriger Beschäftigung 50 Pf. Für die Kanalisations- arbeiter wurde der Lohn auf 47� Pf., 50 Pf. und 52(4 Pf. fest- gesetzt. Die Gemeindeschullehrer, welche bisher 760 M. Mietsentschä- digung erhielten, sind jetzt durch die Einrcihung Treptows in die zweite ServiSklasse, wonach nur eine Mictsentschädigung von 480 M. gezahlt werden darf, um 130 M. pro Jahr geschädigt. Um einen Ausgleich und zugleich eine Gehaltsaufbesserung herbvizu- führen, wurden mit Rückwirkung vom 1. April 1909 ab folgende Ortszulagen festgesetzt, die bis zu dem Zeitpunkte in Gültigkeit bleiben, in welchem Treptow in eine höhere ServiSklasse tritt: Nach vierjähriger Dienstzeit 400 M., nach siebenjähriger 450 M., nach zehnjähriger 500 M., nach 13- bis 19jährigcr 550 M., nach 19jäh« riger 600 M., nach 22jähriger 650 M., nach 25jähriger 700 M., nach 28- bis 31jährjger Dienstzeit 750 M. Die Rektoren erhalten außerdem eine Amtszulage von>200 M. Für die Lehrerinnen be- trägt die Ortszulage 250 bis 350 M. Die Gehaltserhöhung der Beamten beträgt 10 bis 12 Proz. Es erhalten demnach die Sekretäre 3000 M. Anfangs- und 5000 M. Höchstgehalt in 20 Jahren, die Bureau- und Kassenassistentcn 2500 M. Anfangs- und 4000 M. Höchstgehalt in 20 Jahren, die Steuererheber und Vollziehungsbeamten, Gemeinde- und Amts- diener erhalten 1900 M. Anfangs- und 2710 M. Höchstgehalt in 18 Jahren. Die als Stcuererheber und Vollziehungsbcamten tätigen Beamten erhalten außerdem eine Gehaltszulage von 100 M.. welche pcnsionsfähig ist, wenn sie der Betreffende mindestens ein Jahr lang bezogen hat. Für den Bureauvorsteher und Kassen- rendanten wurde da» Anfangsgehalt auf 3700 M. und das Endgehalt auf 5700 M. festgesetzt. Die Schuldiener erhalten 1300 M. Anfangs- und 1600 M. Höchstgehalt, die Heizer der Pumpstation 1200 M. Anfangs- und 1500 M. Höchstgehalt. Außerdem wird für den Schuldiener und die Heizer freie Wohnung, Heizung und Be- leuchtung gewährt. Auch bei den Beamten tritt die Erhöhung der Gehälter vom 1. April 1909 ab in Kraft. Für den neugebildcten Armenkomnnssionsbezirk im Berliner Ortöteil wurde als Borstcher der Hausbesitzer Mehlhaase und als Stellvertreter Lehrer Zernick gewählt. Zu den Kosten der Bücher- ausslellung und eines Bücherverzeichnisses des LehrcrvereinS wurden 50 M. bewilligt. Der seinerzeit von unseren Genossen gestellte und vertagte An- trag, die Speisung armer Schulkinder in die Wege zu leiten, stand von neuem zur Beratung. Nach dem Bericht deS Bürgermeisters erhalten 9 Kinder niemals und 1 Kind unregel- mäßig warmes Frühstück. Mittagbrot erhalten 11 Kinder niemals und 1 Kind unregelmäßig. Wie der Vorsteher weiter berichtet, steht die Schuldeputation auf dem Standpunkt, daß die Speisung nicht zu empfehlen sei; sie befürworte jedoch, aus bereitstehenden Mitteln etwas zu geben, wenn vorübergehende Not herrsche. Bei dauernder Not solle der Vaterländische Frauenvcrem eingreifen. Im übrigen sei aber nach seiner Meinung jeder Mensch verpflichtet, für seine Nachkommen zu sorgen. Genosse Karow verwies auf den Schul- arztbcricht, wonach bei vielen Kindern Unterernährung festgestellt sei; es müsse demnach auch der Arzt zu Rate gezogen werden. Ge- nasse Graftitenz bemängelt die von den Rektoren aufgestellte Statistik. Dieselbe gebe kcin� wahrheitsgetreues Bild, weil sie in der günstigsten Periode, im Sommer, aufgestellt worden sei; auch sei es sehr leicht zu sagen, die Eltern haben für ihre Nachkommen zu sorgen, ob sie dies aber in der heutigen Wirtschaftsordnung zu tun in der Lage seien, sei eine andere Frage. Es müsse daher die Gemeinde helfend eingreifen. Hieraus wurde dem Gemeindevor- stand Vollmacht erteilt, im Sinne deö Vorschlages der Schuldeputa- tion die Speisung armer Kinder in die Hand zu nehmen und neue Erhebungen anzustellen. Ueber die schlechte Beschaffenheit des Weges zur Schule in der Bouchestraße, verursacht durch die Bauausführung auf dem Nach- bargrundstück der Schule, interpellierte Genosse G r a m e n z. Der Wegekommifsar Nickel sowie der Bürgermeister erklärten hierauf, ihr Möglichstes zur Beseitigung dieses Mißstandes zu tun.— Die bei nassem Wetter unpassierbare Promenade in der Elsenstraße an dein der Stadt Berlin gehörenden Rcnnbahngrundstück soll mit Schlacke beschüttet werden, weil Berlin, welches die UnterhaltungS- Pflicht hat, zur Beseitigung dieses Ucbclstandcs nichis unternimmt. Im Frühjahr nächsten JahreS soll die Straße kanalisiert werden.— Der Straße 8, welche die Grätzstratze zwischen Lohmühlen- und Bouchestraße durchschneidet, wurde der Name Krüllsjtraße ge- geben.— Für die Einrichtung des Werkunterrichts in der Ge- meindeschule II(Baumschulenweg) wurden 100 M. bewilligt. Köpenick. Aus der Stadtverordnetenversammlung. Eingeleitet wurden die Verhandlungen mit der Neuwahl eines unbesoldeten Stadtrats an Stelle des Herrn Hentschel. Die Wahlperiode des zu Wähleirden läuft bis Ende 1910, Die Abstimmung ergab, daß Stadtv. Streichhan (Fr. V.), welcher erst kürzlich zum stellvertretenden Vorsteher der Versammlung gewählt worden war, mit 20 Stimmen gegen 11 Stimmen, die auf Stadtv. Rühl fielen, gewählt wurde. Es folgte nunmehr die Beratung der Magistratsvorlage bezüg- lich Einführung einer Wertzuwachsstcuer. Nach dem Antrage des Magistrats soll der Wertzuwachs besteuert werden mit 4 Proz. bei einer Wertsteigerung von mehr als 5— 10 Proz. usw. bis 20 Proz. bei einer Wcrtsteigerung von mehr als 160 Proz. Die Wertzuwachs- steuer wird nicht in Ansatz gebracht, wenn der Wertzuwachs bei un- bebauten Grundstücken 5 Proz., bei bebauten 10 Proz. nicht über» steigt. Die Steuersätze kommen bei bebauten Grundstücken jedoch nur dann voll zur Erhcbuug, wenn seit dem früheren Umsätze oder seit Errichtung der Gebäude— falls diese später erfolgt ist— nicht mehr als 5 Jahre verflossen sind. Beträgt der Zeitraum mehr als 5 Jahre, höchstens aber 10 Jahre, so werden'A der vorgenannten Sätze, bei mehr als 20 Jahren nur noch(4 der Steuersätze erhoben. Nachdem der Vorsteher vorgeschlagen, zunächst in eine General. debatte einzutreten und dann die Vorlage einer zu wählenden Kam- Mission zu überweisen— dem Etatsausschuß hatte sich bereits im Prinzip für die Einführung einer Wertzuwachssteuer erklärt—, eröffnete Stadtv. Jakob r(lib.) den Reigen der Redner. Eigentlich sei er kein Befürworter dieser Steuer, aber die RcichszuwachSsteuer winke in der Ferne, und darum werde er, auch wenn mit schwerem Herzen, dafür stimmen. Daß etwas herausgeholt werde, bezweifle er. Grund und Boden feien fast verkaust— nur die Altstadt könnte noch was aufbringen. Stadtv. Herbst(Soz.) betonte, daß die sozialdemokratische Fraktion die Vorlage begrüße. Mit der vom Magistrat vorge- schlagenen Staffelung könne sie jedoch nicht einverstanden sein. Bei Wertsteigerungen von mehr als 100 Proz. müßten die Steuersätze erhöht werden. Stadtv. Dr. Schulze(Fr. V.) meint, die Wertzuwachssteuer fei die Inbeschlagnahme eines Teils vom Vermögen, die sich nur vom sozialistischen Stadpunkt« aus rechtfertigen lasse. Genau so könnte oiese Handhabung auf jedes andere Vermögen ausgedehnt werden, wie auf das steigende Gehalt eines Beamten oder den hochgehenden Gewinn eines Kaufmanns. Er sei Gegner der Vorlage. Die Genosse» Herbst und Nieke wandten sich noch einmal in längeren Dar» legungep gegen diese Anschauungen. Stadtv. Gilow(F. V.) betonte, es sei jetzt überall die Zeit, wo der Grundbesitz bluten müsse; für die Vorlage sei er aus dem Grunde, da er hoffe, daß die Grundwert- steuer ermäßigt werde, denn diese sei am drückendsten. Das Fazit der Debatte war die Verweisung der Vorlage an eine Kommission. Diese besteht aus den Stadtvv. Gilow, Noack, A. Martin(Fr. V.), Rühl, Cunitz, Mattes(lib.), Herbst, Tauchert, Woit(Soz.). Eine weitere Vorlage des Magistrats verlangt die Ausdehnung der obligatorischen Fortbildungsschulpflicht auf die weiblichen Hand. lun-gsgehilfen und Lehrlinge vom 1. April 1910 ab. Stadtv. Schneider(lib.) ersuchte, darauf Rücksicht zu nehmen, daß der Unter- richt nicht während, sondern nach der Arbeitstätigkert erteilt werde. Auch wünsche er, daß die erforderlichen Bücher von der Schule selbst geliefert würden. Diesen Anschauungen trat jedoch außer unserem Genoffen Herbst, welcher bei dieser Gelegenheit auch die Ausdehnung des Fortbildungszwanges auf die gewerblich tätige weibliche Jugend forderte, sein eigener Fraktionskollege Stadtv. Rohrbeck entgegen. Herr Rohrbeck, Obermeister der Barbierinnung, erklärte, daß er es nicht für gut befinde, wenn junge Leute nach der Arbeitszeit noch die Fortbildungsschule besuchen sollen; für den Unterricht seien dieselben dann unfähig. Die Vorlage gelangte dann im Prinzip zur Annahme. Der BildungsauSschuß veranstaltet am kommenden Donnerstag. den 9. Dezember, abends 8'� Uhr. im Stadttheater einen Vortrag mit Lichtkuldern des Herrn M. H. Baege über:„Unsere heutige Kenntnis vom Ursprung deS Menschengeschlechts". Der Eintrittspreis beträgt 20 Ps. Vom Sonntag den 12. bis Sonntag den 19. De- zember findet im Stadttheater im vorderen Zimmer eine Jugend- schriftenausstellung statt. Dieselbe ist geöffnet Wochentags von 7—9 Uhr, Sonntags von 3— 6 Uhr. Wir ersuchen die Genossen, in ihrem Wirkungskreis für einen regen Besuch dieser Ausstellung zu agitieren. Ein Eintrittspreis wird nicht erhoben. Die Liste der Schöffen und Geschworenen für 1910 ist in den letzten Tagen veroffentlicvt worden. Wie in den Borjahren befindet sich unter den Auserkorenen auch diesmal nicht ein einziger Arbeiter. Da wundert man sich noch immer in den Kreilcn deö Bürgertums, wenn in der Arbeiterschaft von Klassenjustiz gesprochen wird. Im Uebriaen bat das Gewerkkchaftskartell bereits bei der Auslosung der Schöffen für 1909 auf dieses Verfahren hingewiesen und verflicht. auch Arbeiter an der Rechtsprechung teilnehmen zu lassen. Jetzt ist bereits die Liste für 1910 fertig gestellt, eiue Antwort auf die Ein- gäbe vom September vorigen Jahres aber noch nicht erfolgt. Schmargendorf. In der Gemeindevcrtretersitzung wurde über die bereits im Sommer eingebrachte Petition des WahlveremS betreffend die Vermehrung der Zahl der Gcmeindevertmer verhandelt. Vom Gemeindevorsteher wurde der Versammlung der Antrag unterbreitet, die Zahl der Vertreter von neun auf zwölf zu erhöhen. welcher Wunsch auch in unserer Petition ausgesprochen war. Die Versammlung stimmte dem nach kurzer Debatte zu. Der Zeitpunkt des JnkrasttreteiiS dieses Beschlusses wurde aus den l. April 19l0 fest- gesetzt. Bei den Neuwahlen im März werde» also in jeder Klasse zwei Vertreter zu wähle» sei. Gegen die Bezirkseinteilung, die unsere Petition ebenfalls verlangte, wandte sich der Herr Gemeindevorsteher ganz entschieden, und zwar mit der Begründung, daß die Bezirks- wähl nur für die Sozialdemokratie von Borteil sei und er eS mit seiner Eigenschaft als.Staatsbeamter" nicht vereinbaren könne, die Wahl eines Sozialdemokraten zu fördern. Mit diesem Anlvurf auf die Sozialdemokratie will der Herr Gemeindevorsteher offenbar sein Prestige, das durch die Taiiticmenangelegenheit etwas gelitten hat, wiederherstellen und sich die Gunst der hiesigen Bürgerschaft zurück- erwerben. Die Arbeiterschaft des Ortes wird alles daransetzen, die Wahl von Sozialdemokraten auch ohne die„Förderung" des Herrn Gemeindevorstehers durchzusetzen.— Auch ein Nachtrag zum OrtS- statut betreffend die Geschäftsordnung der Gemeindevertretung wurde angenommen, wonach analog dem jj 112 der Landgemcindcordmina die Gemeindevertreter wegen unentschuldigtem Ausbleiben aus den Ver- sammluugen und ordnungswidrigem Betragen in eine Geldstrafe von 1—3 M. genommen werden können, oder deren Ansschließmig ans der Versammlung bis auf die Dauer eines JahreS verhängt wird. Haben die gegenwärtigen Gemeindevertreter so gegen die Ord- nung verstoßen, daß ein derartiger Beschluß gefaßt werden mußte, oder soll er ein Abschreckungsmittel gegen zukünftige unliebsame Opponenten sein?! Weihenfee. Die Provisionsaffäre des Schöffen Rathmann war in der letzten Gemeindevenreterfitzung wiederum Gegenstand der Verhandlung. Bis zum Montag hatte Herr Rathmann trotz Versprechung sich nicht entschieden, die zuunrecht erhaltene Provision herauszugeben, so daß nunmehr die Mehrheit der Gemeindevertretung einen von unsere» Genossen gestellten Antrag annahm, Herrn Rathmann nochmals 14 Tage Zeit zu lasten, sich dem Beschlüsse, das Geld zu wohl« tätigen Zwecken zu verwenden, zu fügen oder aber seine Gemeinde« ämtcr niederzulegen. Lebhaftes Interesse rief noch die Erklärung des Herrn Dr. Pape hervor, daß er auf die erneuten Angriffe gegen seine Person nicht eingehe. Der frühere Eigentümer Mertens be- hauptcte in einer öffentlichen Zuschrift an die Gemeinde- Vertreter, daß Herr Dr. Pape sich bei einer früheren Gelegenheit deS Meineides schuldig gemacht habe und daher ins Zuchthaus ge- böte. Auch werden in der Zuschrift noch weitere Handlungen Dr. Papes zur Sprache gebracht. Trotz all dieser Beschuldigungen will der besoldete Schöffe keinen Strafautrag gegen Merten» stellen, weil in früheren Jahren bereits die Staatsanwaltschaft solche von Mertens gestellte Anträge abgelehnt hat. Einige Gcmeindevcrtreter hielten diese Angriffe für so unerhört, daß sie Dr. Pape aufforderten, Strafantrag zu stellen, lvährend andere wieder die Sache als Privat- fache auffaßten. Nach längerer Aussprache ging man zur Tages- ordnwig über. Der Ort ist somit um eine Sensation reicher. Nieder-Schönhausen. Die Errichtung deS ReformgymnasiumS zum!. April 1910 ist, wie in der letzten Gemeindevertretersitzung mitgeteilt wurde, vom Provinzialschulkollegium abgelehnt worden. In dem Bescheid sind jedoch die Bedingungen mitgeteilt, unter denen es später möglich ist, die staatliche Anerkennung zu erlang». Ferner hat die Pro- vinzialbehörde in Aussicht gestellt, daß sie zum 1. April 1911 beim Kultusministerium die Errichtung eines Gymnasiums befürworten werde. Zunächst wird die Finanzlage des Orts geprüft. Der Grund zur Ablehnung war vor allen Dingen die geringe Teilnahme von Schülern; ferner ist die Behörde der Meinung, daß einige Eltern Aur Anmeldung ihrer Kinder gepreßt worden seien, die nicht einmal ,n der Lage sind, ihre Kinder dauernd in das Gymnasium zu schicken. Der Hinweis, daß die Gemeinde Nieder-Schönhausen durch die Er- richtung des Gymnasiums sehr gewinnen würde, wurde als nicht- stichhaltig anerkannt. In der hierauf folgenden Debatte wurde all- gemein gewünscht, daß gegen diesen Bescheid Beschwerde erhoben werden soll. Hiervon wurde jedoch Abstand genommen, als Bürger- meister Abraham erklärte, eine Beschwerde sei aussichtslos. Die Vertretung beschloß, das Gymnasium zum 1. April I91l zu errichten unter gleichzeitiger Annahme der voin Provinzialschulkollegium ge- forderten Bedingungen; hierzu gehört die Erbauung eines Gym- nasialgebäudes bis zum t. April 1915. Somit wäre das für die hiesigen Steuerzahler höchst kostspielige Experiment auf ein Jahr hinausgeschoben. Der Rechnungsabschluß der Gemeindekasse für das Jahr 1908 ergab 469 217.19 M. Einnahmen und 475 105,17 M. Ausgaben, somit einen Fehlbetrag von 5977,93 M., der aus dem Außgleichfonds g-deckt Ivird. Für eine im Frühjahr 1910 statt» findende Städteausstellung wurden zum Zwecke der Beteiligung mit wichtigen Plänen der Gemeinde 300 M. bewilligt. Die in einer früheren Sitzung festgesetzte Entschädigung von 1200 M. für den Hauswart im neuen Rathause wurde als nicht ausreichend ange» sehen und daher auf 1500 M. erhöht. Hierauf folgte eine nicht» öffentliche Sitzung. Tegel-Borsigwalde. Die Arbeiterschaft beider Orte wird auf die Ausstellung empfehlenswerter Jugendschriften aufmerksam gemacht. Bück? er für alle Altersstufen find in großer Auswahl vorhanden. Geöffnet ist die Ausstellung an Wochentagen von 7—9 Uhr abends, Sonntag» von 2—7 Uhr nachmittags. Die Ausstellung dauert noch bis ein« schließlich Sonntag, den 12. Dezember Vermisckres. Grosifcurr auf de» Gaswerke» i« Hamburger Freihafen. Aus Hamburg wird vom gestrigen Tage gemeldet: Auf den Gaswerken im Freihafen brach heute nachmittag Großfeuer auS, angeblich infolge Entzündung von Gasen unter dem Dache deS alten Gasometers. Eine weitere Meldung über den Brand besagt: Gegen 3 Uhr nachmittag? explodierte auS bisher unbekannter Ursache der noch im Bau befindliche Gasometer, in dem sich zirka 10000 Kubikmeter Gas befanden. Eine hochaufschlagende Stichflamme griff auf den alten Gosometer über, der zirka 40 000 Kubikmeter Gas ent- hielt, und fetzte das Dach desselben in Brand. Infolge der isolierten Lage war eS der Feuerwehr nicht möglich, nahe genug an den Brand» Herd zu gelangen, so daß schließlich um 4 Uhr 40 Minuten das Dach in sich zusammenstürzte und dadurch den Gasbehälter eben- falls zur Explosion brachte. Hiinderte von Metern stieg eine gewaltige Feuersäule in die Lust, glühende Teile des Gebäudes und brennende Koksstücke mit sich führend, die weit in die umliegenden Stadtteile und in den Hafen hinaus geschleudert wurden. Durch den ungeheueren Druck und die Hitze wurden die Umfassungsmauern gesprengt. Auf der Brandstätte wurden bisher acht bis zur Unkenntlichkeit entstellte Leichen geborgen. Ferner sind etwa vierzig Verletztem das Hafenkrankenhaus eingeliefert worden, von denen- bisher vier ihren Ver» letzungen erlegen sind. Unter den Trümmern sollen sich noch mehrere Personen befinden. Eiseninhnunfall im Müncheuer Hauptbahnhof. Aug München wird vom gestrigen Tage berichtet: Gestern abend stieß, wie die.Münchener Neuesten Nachrichten" melden, im Hauptbahnhof eine Leermaschine auf den eben einfahrenden Pasinger Vorortzug. Der Zusammenstoß war so heftig, daß an der Maschine der linksseitige Zylinder herabgerissen und das Gestänge beschädigt wurde. Der auf der Leernraschine befindliche Heizer wurde schwer verletzt, vier andere Personen sind leickn verletzt. Ueber eine» weiteren Eisenbabnnnfall wird aus Paris, 7. Dez., gemeldet: Ein Personenzug der Weftbahn kreuzte gestern abend m der Nähe von Nantes einen in entgegengesetzter Richtung fahrenden Güterzug, der mit Eisenschienen belade» war. Eine quer liegende Schieue durchstieß die Wand des letzten Personenwagens und traf die Reisenden so unglücklich, daß einer sofort tot blieb und andere schwer verletzt wurden._ Opfer des Sturmes. AuS Wilhelmshaven wird untern, 7. De» zember berichtet: Der Fischereikreuzer„Zieten" und da-Z Torpedoboot ,8 61" sind heute morgen in See gegangen, um Nach« forschungen nach dein Verbleib der 2l bei dem großen Sturme vermißten Finlenwärder Fischerkutter anzustellen. * Hochwasier führt die Ruhr mit sich und ist. einer Meldung auS Jülich zufolge, an mehreren Stellen aus ihren Ufern ge- treten und hat große Ueberschwcmmungen verursacht. Die Chaussee zwischen Heinsberg und Wasserberg steht 2 Meter weit fast einen Meter tief unter Wasser. Ter Personenverkehr wird mittels einer Fähre aufrecht erhalten. llcbcr eine Bcrgiftungsaffäre wird aus Clermont Ferrand gemeldet: Hier starben die Frau, ein Sohn und ei» Nesse des SpirituSfabrikavten Bencstine, die einen von der Frau Genestine gc- bnckeneu Kuchen gegessen dattcn. Zwei andere Personen, die gleich- falls von dein Kuchen gegessen hatten, sind lebensgefährlich erkrankt. Die Untersirchmig ergab, daß der Kuchen Arsenik enthielt. Ein sonderbarer Diebcstnck. Pariser Meldung zufolge ist dort gestern in einen, Bankhause ein Engländer verhastet worden, als er versuchte, einem Kassenbolen mit einem eigens zu dem Zwecke kon- strnierten Spazierstocke ein Paket Banknoten zu enlwenden. In der Wohnung des Perhafteten, der sich GolSlvey nennt, sind noch zivei gleiche Spazierslöcke und 20 000 Frank beschlagnahmt worden. Man glaubt, daß Golswey an der Spitze einer internationalen Bande steht, die auch in Deutschland und Belgien ihr Unwesen treibt. Durch eine Explosion in einer Pulverfabrik in Nmbogintwini wurden, wie auS Durban berichtet ivird, zwei Europäer und drei Eingeborene getötet, ein Europäer und fünf Eingeborene schwer verletzt. Große Unterschlagungen werden aus New Jork gemeldet: Bei der Phönix-Jnsurance-Conipany of Brooklyn wurden Verun- ireuungcir im Betrage von 1 Million Dollar entdeckt. tlinllicher Marktbericht der städtilchen Marttballeii-Dlrektton ilder den Nroßbaiidel in den Kenwal-Marktballen. Marktlage: Fleisch! Zutnlir reichlich. Geschält schleppend, Preise unverändert. Wild: Zufuhr genügend. Geschält rege. Prelle wenig verändert. Gellügel: Zniiibr iiber Bedan, Geich äst flau, Preise schlecht. Fische: Zusuijr reichlicher, Geschäft lebhaft. Prelle bcjriedigend. Butter und Käse: Geschäst rubig, Preise unverändert. Gemüse, Obs, und Südfrüchte: Zuiiibr reichlich, Geichäst rege, Preise wenig verändert. Bmffcaften äer Redaktioti. Tie Inrlstllche S»»», stund« fiudr» LI n denstrage S, twtller Pas dritter Singaug, vier Tredprn, Ißgf» a h r st u b l-Wog woaientägll« abends von 7Vi dls 9Vsi Uhr statt. Geitssnet 7 Uhr. Lannadcnds deaian» die Sprcchitnndc um K Uhr. Jcdcr Anfraoc ist ein Bnchstabc und eine Zahl alZ Mertjetihen bclzukkaca. Brlcfllchc Antwort wird nicht ertcilt. BIS»ur Brantwortnng im Brirfiasttn könneu 1t Tage vergehen. Eilige Fragen trag« man in der Evrcchstuude vor. T. G. 200. Das ist möglich.— Spandan 00. 1. Wenn gegen dag in Gegenwart deS Angellaglcn verkündete Urteil des SchöfseiigcrichiS inner» bald einer Woche Berusling nicht eingelegt ist, to wird es rcchtskrästig. 2. Das Gericht kann Ratenzahlniigeii gewahren. 3. Ja.— Berta, C&er» brrgcrstraiie. Ist über die KündigniigSsrist nichts vereinbart, so besteht für das Gesinde Icchswöckentliche Kündigungssrisl zum OnartalSersten.— F. iH. 70. Ja.—.H. H. 100. Sie brauchen die Medaille nicht zurück- zugeben, da die verti-hcue verloren gegangen war.— tiieinvold hiZ. 1. Nein. L. Stellen Sie bei der Militärbehörde(Lezirlskommandol den Antrag aus Wiedcrbewillignng der Pension. 3. Wenn in der Zwislhenzeit keine richterliche Handlung gegen den Täter gerichtet war, liegt Per« jährung vor.— M. Sch. 115. 1. bis 3. Nein.— O. R. 9. Nein. — It. S. 45. Ihre Anjrage ist in der Nr. Ai) wie solgt beantwortet worden: In dem Vorgehen löiinlc der Versuch einer Urkundensälschung er- blickt werden.— Holtsrrtcr. Das Gulachlcii eines Chemikers, Apothekers oder Drogisten, dem Sic das Salz vorlegen müsse», ist masjgebend. — Gewinn. Sic können die Sperre bei der Loiteriediretlion selbst bc- antrage».— P. A. G. 15. Nein— M. 91. 1. Die Herrschaft ist vcr- pflichtet, aus die Dauer von sechs Wochen Kur und Verpflegmig sür das Dienstmädchen im Falle der Kranlhcit zu zahlen. In dem von Ihnen dargelegten Falle dürste Krankheit nicht als vorliegend zu erachten sein. Dann hat das Dienstmädchen selbst die Kosten zu tragen.— O. O. it. 1 Ein Vertcidi,er würde nicht gestellt werden. Der Armenvorstcher hat mit der Sache gar nichts zu tun. 2. und 3. Ja.— G. 29. Das Gesetz schreibt nicht irgend welche bestimmten LcgltimationSpaprcre vor. In der Regel genügt die einfache Angabc ohne Legitimationspapiere. Läßt der Richter dies nicht zu, dann legen Sie Beschwerde ein.— K. A. 99. Sie können vor der Heirat vor den, Notar oder vor dem Gericht einen Vertrag mit Ihrer Braut schließen, in dem Sie das Bcrnwgcn Ihrer Braut anerkennen und aus Ihr cbemännlicheS Nießbrauchs« und Verwaltungsrecht verzichten. — E, F. 18. Sie könnten auf Rückgabe des Buches beim Amtsgericht klagen.— P. 9. Ihnen steht ein solches Recht nicht zu; aber unverständlich ist, weshalb ein Vormund eingesetzt sein soll. Sie haben ja als Mutter die Rechte, die sonst der Vater hätte, und demgemäß auch das Recht der Ver- waltung des Vermögens Ihrer Kinder. Sind Mißhclligkeiten etwa mit einem Beistand, den Jhncii das Gericht gestellt hat, entstanden, so wenden sie sich an da» BormuiidschafiSgcrlcht.— Zylinder 1. Nein.— W Th. 18. 1. u. 2. Wenden sie sich an den Magistrat. 3. Drei Wochen. — Bezirk 5. Bei einem MietSzins bis 360 M. ist Mietsstcmpel nicht zu zahlen. — 20. 127. 1. I» jeder allgemeinen Bibliothek finden Sic das betreffend« Gesetz und können cS nachlcien. Schon der Raum verbietet uns, einzelne Gejetzcsparagraphen wiederzugeben. 2. Es ist nicht ersichtlich. welche Nummer Sie im Auge haben. Zwecks Durchführung Ihrer'Ansprüche wenden Sic sich an das Arbeitersekrctariat Eiigcluscr 15.— Zahutechnik. Nein.— Jduna.10. Uns ist derartiges nicht bekannt.— 91. L. 502. Leider sind die Kläger im Recht. Es ist nur der Weg güMcher Einigung möglich.— Emma 43. Ihre Braut, nicht aber Sic, wurde Rückgabe des Brieses verlangen können.— P. G. 100. Auch ohne tirchlichc Trauung ist die Ehe gültig.— H. G. 72. Erst von 360 M. an ist Mietsstcmpcl zu zahlen. Ist Ihnen trotz geringerer Jahresmiete ein solcher abgenommen, so fordern Sie ihn zurück.— I. L. 281. Keiner.— M. Nk. 1. Nein. — R. O. 10. Nein.— Berlin 200. In der Regel in. zehn Jahren.-- Cherusker 21. 1. und 2. Der Antrag ans Namensänderung ist an den Negierungspräsidenten, in Berlin an den Polizeipräsidenten zu richten. Die Kostenhöde beträgt etwa SO M. 3. Nur wen» bessere Vcrmögensverhältnifse eingetreten sind.— K. W. 3. l. Dagegen gibt-S kein Mittel. 2. Etwa 10 M. 3. Zablung der Geldstrafe, nicht etwa der Kosten/ könnte nach zutreffender Ansicht verlangt werben.— M. R. 19. 1. Nein. 2. An stelle des Bezstorbenen treten dosten Erben. 3. Die Frau soll direkt bei dem Notar ansrageu.— C. K. Walter 20. Der Wirt ist im Recht.-» O. K. 81287. 1. Jede der Parteien hat die Hälfte der Kosten mit ctlva 3 M. zu tragen. 2. Zahlen Sie, sonst tonnte Zwangsvollstreckung gegen Sie vorgenommen werden. 3. Nein. Heirat inacht nicht mündig. Der Ehemann tritt keineswegs an die Stelle des ValerS oder Vormunde». WttternnaSnberikcht vom 7. Dezember I9«>9: moraens 8 Uhr. Slatwnen SZ �wmembe 740S Hamburg 748 ssO rerlir 1750® Frauti.a M 750 s München!754SW W'eu 751 W g i SBeltn 2 bedeckt 3 halb bd. 2 bedeckt 5 wollig 4 bedeckt 1 bedeckt e1! i? «5. «tattonen SEI a S« Sgl ? I IS Detter *5 B« All gG HS, Hapaeanda 747 SW i 2 bedeckt Petersburg 759 SSW 2 bedeckt TT �4 ff T 1 ß CKl ivS 0X1 A Sctll» Meroee» Paris 746WIW 4 bedeckt 745 W i Ibeiter >747 SSW 3 bedeckt ! i n Dezember 1909. Wetterpraguoie für Mittwoch, ben 8. Ziemlich mild, zeitweise austlarend. vorherrschend wolkig mit gerlngm Niederschlägen und mäßige» südlichen Winden. Für den Inhal» der Juierate «ibetnimm» die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Bcrantwormnq. ebeater« Mittwoch, 8. Dezember. Ansang Tin Uhr. Klinigl. Opernhaus. Fidelis. Königl. Schanipielhaus. Colbcrg. DeuticheS. Don Carlos. Nachm. 3'li Uhr: Im Zeppelin zum Mars. K a ni in e r s p i e l«. Major Bar- bara.(Ansang S Uhr.) Aniaug 8 Ubr. Neues königl. Opcrn-Dheater. Geschlossen. Neues Schauspielhaus. Stooxs to conci. Nachm. 3 Uhr: König Zipapek. Leist»»'. TantriS der Narr. »oiniiche Over. Das Veilchenscst. Neues. Herbst. Der Unbekannte. Kleines. Heuchler. Die Medaille. Neues Operetten. Miß Dudelsack. Berliner. Hohe Politit. Triauou. Buridans Esel. llkesidenz. Im Taubenschlag. Hebbel. Der Skandal. Schiller O.«».,«>»-,. Thealer.) Der Schwur der Treue. Tch■»■ Eüarlottonburg. Der Meineldbauer. Friedrich- Wilbeimstädt. Tchan- sptelhaus. Der Bibliolhekar. Nachm. 3'l4 Uhr: Die Nibelungen. Weile«. Tie geschiedene grau. Nachm. 4 Uhr: Struwwelpeter. Thalia. Die ewige Lanipe. Nachm. 4 Uhr: Max und Moritz. Luisen. Gib mich frei. Rachut 3 Uhr: Die Jungfrau von Orleans. Bolksoper. DI« luftigen Weiber von Windsor(Anfang 8'j, Uhr.) Nachm. 3'/, Uhr: Undiite. Roie Die relegierten Studenten. Nachm. 3 Uhr: Maria Stuart. Lnftspielhaus. Der dunkle Punkt. Nachm. 3'/, Uhr. xer Zauberkessel. Met»vo». Halloh l!— Die große Revue. golieö Eaprice. Sich« ist sich«. Bunter Teil. Der Mann meiner Frau.(Ans. S'l, Uhr.) Ap uo. Spezialitäten. Wintergarten. Spezialitäten. Easino. D« Oberganner. Gebr. Herrnfeld. So muß matt's machen. Ein ReUungömittel. Karl Hnverlaud. Spezialitäten. Waiballa. Svegialltäieu Gastspiel. Der Hütienbesitz«. P«»„ge. Gussi Holl. Ota Gygi. Svezialiläien Noaet?. Der jüngste Leutnant.(An- sang 8'/, Uhr.) Palall. Die neue Herrw. Taft? Spezialitäten. Reichöaalle». Siettin« Sang«. Buggeuhagen. Spezialitäten. llra. in. Z>->,,«>.« NachnnttagS 4 Uhr: Trauerspiele im Tierlebe». Abends S Uhr: Oberlcutnanl Graetz: Meine Durchquerung Afrikas Im Automobil. HListial: 8 Uhi: Prof. Dr. Rathgen: Anorganische Experimentalchemic. Gte» uiouri»,.z»oai'd«n»l 7—62. n tf-Theater. 8 Ubr: TantriS der Narr. Donnerstag, 8 Uhr: Bor Sonnen» aufgang. Fr. ilag, 8 Uhr: TantriS der Narr. Ueelrner Theater. fi»" Me Mid. Morgen: Hohe Politik. Illeslef öes Veslens. 8 Uhr: Die geschiedene Ära». Mittw. u. Sonnab. 4N.: 8Iru«slp«t,r. Sonntag 3'/, Uhr: Li» Naleoriraum. össizMi-ItiszsA. Heute und folgende Tage 8 Uhr: Ter Hüttenbesitzer. Sonntag nachmittag 2'/, Uhr i Kleine Preis«. lieues Theater. Abends 8 Uhr: SM- Der BiManii. Donnerstag: Der Dieb. Freitag z. erstenmal: Ein könig- licher Spas?._ Lustspielhaus. Abends 8 Uhr: Der dunkle Punkt. Aicuc« Operctten-Thcatep, Schiffbauerdamm 25, a. d. Luilenftr. Heute und folgende Tage 3 Uhr: ZI iE I»,i«Zel*ncli. Sonnabend 3 Uhr ermäßigte Preise: Die goldcue Mfircheuivelt. Friedrlch-Wilhelmstädtisciies Schauspielhaus. Mittwoch, 8. Dez., nachm. 31/« Uhr; Die Nibelungen I. and II. Teil. Slbcnds 8 Uhr: Der Bibliothekar. Donnerstag: Der Bibliothekar. Freitag: Der Ehrenrat._ ¥olks-Oper. SW., Velle-Alliance-Straße Nr. 7/8. Vorstellung sür Schüller aller Berlin« Lehranstalten. Nachm. 3'/z Uhr: TI i»«K K i» v. St 6 e n 6 S>,'.9 Uhr: Die lustigen Wcilier von ffinflsor. Residenz-Theater Dtrektioii: Richard SNexander. Abends L Uhr: Im Taubenschlag. Schwank in 3 SINen von Hennequin- und Veber. Morgen und folgende Tage: Dieselbe Borstellung. Luisen-Theater. Nachmittag 3 Uhr: Schülervorstellung zu ganz kleinen Preisen: Jungfrau von Orleans. Abends 8 Uhr: Gib mich frei. Schauspiel in 5 Akten v. H. Courths- Mahler und E. Rtttcrseldt. Donnerstag: Gib mich frei. Freitag: Gib mich frei. Sonnabend nachm. 4 Uhr: Große Kindervorst.: GoldhärcheuS Himmel- fahrt. 8 Uhr: Gib mich frei. osc-iHEM-c (große Frankfurter Str.>32 Nachm. 8 Uhr Heine Preise Schülervorliellimg: Zlaria Stuart. Abends 8 Ubr: Bei aulgehobenem Slbonnement Tie relegierten Studenten Lustspiel in 4 Akten von Benedix. Donnerstag: Maria Stuart. SivZHNkSr- Schiller-Theater 0.(Wallner-Tbeaker.Z Mittwoch, abends 8 Udr: Riep!8pl,,,ap«>vp Dpeav. Lustspiel in 3'Akten v. O. Blumeulhal. Ende l0>/z Uhr. Donnerstag n b c n d Z 8 U h r: Vlv Lkpe, Freitaa. abenvs g ZililZ»odba. Uhr: VtiSttevr. Schiller-Theater Charloltcnburg. M i I i w o rb, abends 8 Uhr: lilei- ZlQlnvl«I«I>ae>�p. Volksstück in 3 Sikiei: von Ludwig Anzengrub«. fHST" Ende 10'/, Uhr. Donnerstag, aoendSS Uhr: TValleiiMtcinm Tod. F r c i: a n. a d e ii o s 8 Übt: Der Zlclncidsbancr. Nene« I'i-ogrramtn! Otto Ksutter. - La Pia= in ihrer Szene„DerWellen Geist". ZIcrtanH Hnndc- Theater: „Entführung d. Salome-Tänzerin", gespielt von 42 Hunden und die auserlesenen Sterne am Dezemberaffimmel des Wintergartens. 8 Uhr Das Progr. d. Novitäten! 8 Uhr mit Prinz Pinne. Burleske in 3 Bildern W: Kennj Sender. »30 Der Seiiimpaiise Tourist, Rodelfahrer, Rolleehuhläuler. 10 Ubr; Das Wunderkind Petit Roberte, d. kleinste u. beste Zyiophon- Virtnose der Welt. HetropolTdester Dali»::: Die xrotte l�evue! In 8 Hildem von Jul. Freund. Musik v. Paul Ei ticke. In Szene gesetet vom Dir. Eich. Schultz. Anfang 8 Uhr. Rauchen gestattet. SonntagSÜhr: Lnmgacivagabundus. MM» Kommaiidanleiistr. 57. T. A. 4, 50S3. Ser gkökte Yekk»feli!-Lkkolg! „80 INUK mao's machen" Burleske mit Gesang in zwei Akten, Musik von L. Jtal, mit den Autoren Anton und Donat Herrnfeld in den Hauptrollen.— Hierzu: Lin k(ettunxsmittel Komödie in 1 Akt von Ludwig Huna. Ansang 8 Uhr. Vorverkauf 11—2 Uhr Thealerkaffe. W.Koacks Theater Srumieimr 16, am Nvientbaler Tor. 4. Gastspiel liäle Niilo-Sach: Der jüngste Leutnant. Große Posse mit Gesang und Tanz Bernhard: Käte Wille-Bach a. Gast. Donnersiag vorletzte» Gastsp. Räte- Wliie-llaoh: BiischileS'l. Sonnabend: Die größte Sstnde. T'rianon-l'Iieatei'. AbendZ 8 Uhr: Knridans Gfel. keiek8k»IIeu-7tikAlei'. Stetttnvr hiitngvr Zum Schluß, neu: Der Nachtivächter von Zerprnschleuse. Studonienblld v. 5. Uo>sei. Alffang: Wochent. 8 Uhr. SonntagS 7 Ubr. Tlrairi». Wissenschaftliches Theater. Nachmittags 4 Uhr: Trauerspiele im Tierleben. Abends 8Uhr: Oberl. Graetz; Meine Durchquerung Afrikas im Automobil. Hörsaal 8 Uhr: Prof. Dr. Rathgen; Anorganische Experimentalchemie. Passage-Theater. Abends 8 Uhr. Erstes Auftreten der bezaubernden 1 S Erstes Auftreten I der bezaubernden» jGnssi Holli Ota Gygi| 14 erstklasslee Spezialitäten. Passage-Panoptikum Hca to Senegal in Berlin! wilds Weiber ww Männer, Kinder. Drei Negerdörfer vis Tt aummalerin. IfEIüllllilPicIlS iMDMiiä. Geheimnieso der Wassertiefo. Plastische Riesendioramen. Tambnpltsa- nplgnntos. l'nuoplion-ToirtrilKe. Alles ohne Extra-Entree! Palast-Theatep. Direktion: Robert Dill£ Karl Pirnao. Burgstraße 24, am Bnhnhos Börse. Das vollständig neue brillante Pefeeiuber-PPostFonttn. Die neue Herrin. Taft? Taft? Borzugskarten überall zu haben. Den p. t. größeren Vereinen zur Kenntnis, daß durch Zufall der l. Weih- uachtssciertag zur Abhaltung einer Matinee sreigcworden Ist. Reflektanten wollen sich umgehend melden.— DeS« gleichen«inpsehlcn wir unser Theater (bis 5000 Pers. fflsf.) zur Abhaltung größ. Beriaiiiliilungcn und Matinees. sWMM'l Moriliplofi J/Anf.8 Uhr.' Dir KirilllHiW Fürsten-Fnmilic Zilovesou taglo in ihren geheirnnisvoUsn Künste» sowie das glänzende SpeKlalltlUcn- rrogramm. Mittwoch, den 8. Dezember, abends 7'/, Uhr: Ciala-VoPMtellune. Henry Valdorf dep modepne Siinaon. Der Atyerttaner Mstr. Aiblo mit seinen hunverfiereild. papugeien Iliö vur«»! Brolliers. MF* Ringkampf-MV (Parodie) der Clown 4tn»-dai» und v«»ttp«ll. Um 9 Uhr Ende 11 Uhr Die große Feerie Die drei Rivalen oderDas mysteriöse Schloß in der Rormandie phantastische Feerie in 5 Akten. Im 3. Akt: Die Wildschweinjagd. Zirkus Goioinbo Straße: Alt-Boxbagcn 38/40, 5 Min. v. Frankfurter Allee«. Basinh. Stralau> NuiumeiSdnrg. Mittwoch, den 8. Dezember, abends 8 Uhr: Große Gala-Elite-Borstellnng. Südafrikanische Kunstreiter< Ge> sellschaft u. a.: Tho Eros, die gröstten Luftakrodaten der Welt. Varnett-Iruppe m. ihren einzig dastehenden Leistungen aus de:» Schleuderbrcit. �«»tpal-vaiiipklx-Uc ,,»>?. Masiiver Zirkusbau. 18l/S Preise 30 Pf. bis 3 M. Sedlelll Im Kinder (Alezanderplatz). AG!- Heute"DSP Mittwoch, 8. Dbzbr., nachm. S Uhr: Erste große Weihnachts- Kinder-Vorstellung mit eigens hierfür zusammengestelltem Riesen-Pracht-Programm. Besonders hervorzuheben: „AwchenbrUdcl". Am Welhnaehtaabcnd (Tongemälde). jngendtrlluine. ZM- Die mißliche TWY nach dem Mätclien der Gebrüder Grimm. Ein Besuch In llombay und vieles andere. Eintrittspreise von 30 Pf. aufwärts; Kinder auf allen Plätzen halbe Preise. Anfang präzise 3 Uhr. Kasseneröfimmg st ,3 Uhr. Sanssouci, TZTi. Direltion Wühelm Reimer. Heute Mittwoch: Thentepabend. Beginn 8stj Uhr. Zum erstenmal: Die Lieder des Mufikante«. Volksstück v. Rud. Knetsel. Morgen Donnerstag: Uollllisiiiiz H Singer und Tnnzlriiuzchen. Beg. Sonnt, d, wocheni. 8 U. 2inkus Lusok. Mittwoch, den 8. Dezember, abends 7st. Ohr präzise: ©r.©«In-Vopertellnnjf. Die gräBte Sensation I Der Amerikaner. K er.sinke m. s. weither, dressiert Schweinen. Zum erstenmal auf d. Kontinent! Ferner: Herr Burkhardt-Fooltit, Schulreiter, t- Herr Ernst Schumann, Meister-Dressuren. 4 Gebr. Karölis, ungarische Reitkünstl. Btfm.. Proserpi. 9./, uhr: Farmerleben. Sonntag, 12. Dezembr.. 3'), U.: Hagr Farm erleben"GM ohne Kürzung 1' Casino-Theaiei* Lothringer Straße 37. Heute 8 Uhr 3>ep Oberganner. Komödie in 3 Akten von MirSki. Vorher: Buntes Programm. Sonntag 4 Uhr: Familie Klinkert. Folies Capriee. Anfang Sst, Uhr. Sicher ist sicher. Neuer bnuter Teil. Ler Alsnn meiner Kau.! IgWemti I aihalla- Vd?ifcU-Theafer nbergsweg 19-20, ftosenth.Tor. Ans. 8 Ubr. Tie grostartigeu Dezeiiiber-Spezialitäte». Jm Tunnek: RegjmentSkapeRe. Theaterbesuch«:: ireier Eintritt. .. ü Nene Welt. Hasenheide. Mittwoch, den 8. Dezember 1909: ver Pfarrer von Kirchfeld. 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