i*.*» IteniKinfntS'ßedIngonf en: ■Jamifpient«•®teiä prünuuierando i LierleljShrl. SßO Ml, nionatl. 1,10 Ml, wöchknilich W Pfg. frei WS Haus. Einzelne Nunmier k Pfg, Sonntags. nuinmer nut Muilrierler Sonnlags- Beilage.Die Neue Well" 10 Pfg. Posi- Abonnenieni: 1,10 Marl pro Monat, Eingetragen in die Posl- ZeitungS- Preisllfic. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 3 Marl pro Mona». Poftabonnementz nehmen an: Belgien. Dlinemart, Holland, Italien. Luxemburg, Portugal, Rumänien. Schweden und die Schweiz, 3«. Zichrg. erfchlM iZgll» auücr Oliotigt. Berliner Volksblnkk. VIe Infti'tlsni'Sedafts KeKägi für die fechsgefpaltene Kolonel« geile oder deren Raum 50 Pfg,, für politische und gewerlschaftliche Vereins- und BerfamnilungS-Anzelgen 80 Pfg, „Kleine JSnzcigen", das erste ffclt« gedruckte) Wort 20 Pfg, jedes weitere Wort 10 Pfg, Stellengesuche und Schlaf- stellen-Anzeigen das erste Wort 10 Pfg,, jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Sorte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition Abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. lelegramm. Adresse: ,,5»Si!ijlIilI!»li»l Ritila" Zcntralorgan der fozialdemokratifcbcn Partei Deutfcblanda. Redaktion: 831. 68» Lindcnstraoac 69« Fernsprcchert Amt IV, Nr. 1983. Rektor Baldrian als Reichs- kanzler. Wir hatten bisher als Reichskanzler einen öligen Diplo- maten. jetzt ist an seine Stelle ein salbungsvoller Oberlehrer getreten. Die Erwartungen, die man an die erste Reichstags- rede des neuen Reichskanzlers von Bethmann Holl- weg knüpfte. waren wohl nirgends sehr hoch ge- spannt und die Sozialdemokratie war nach dem Genuß der in Inhalt und Form gleich dürftigen Thronrede darauf gesaßt, daß der neue Herr durch möglichst nichtssagende Redensarten sich aus der Affäre ziehen würde. Aber der amtierende Oberbureaukrat hat es verstanden, alle Erwartungen noch zu unter treffen. Das hatte inan doch nicht für möglich gehalten, daß ein Reichskanzler der Pflicht, bei Beginn seiner Laufbahn über seine Politik Auskunft zu geben. in einer einviertelstiindigen Rede sich entledigen würde. War die Rede programmatisch völlig inhaltlos, so erhielt sie eine geivisse Würze durch einige völlig unzutreffende staatsrechtliche Behauptungen und durch salbungsvolle Mahnungen an die Reichstagsabgeordneten, wie sie einem Oberlehrer Gymnasiasten gegenüber vielleicht an- stehen niögen. die aber im Munde eines Kanzlers die völlige Inkompetenz dieses Mannes für das Amt eines leitenden Staatsmannes in grotesker Verzerrung in Er- scheinuug treten ließen. Nachdem der neue Reichskanzler betont hatte, daß die erste Aufgabe der Reichsregieruug die Sicherung einer soliden Fiuanzgebarung für das Reich sei, was so selbst- verständlich ist, wie seine sonstigen allgemeinen Versicherungen. Ruhe und Frieden im Innern und nach außen zu haben, begann er gleich mit einer Ermahnung, die Parteien, welche über die Steuern auseiuandergegangen sind, möchten wieder zusammen arbeiten. Diese allgeniein gehaltene Be- trachtung wußte er aber nicht im geringsten zu stützen durch die Eutivickelung eines politischen Programms, auf dessen Grundlage dieser Zusammenschluß der bürgerlichen Parteien sich hätte vollziehen können. Dann verwahrte der Kanzler sich gegen den Vorwurf, daß die Regierung es unterlassen habe, die unter ihrer Mitivirkung zustande gebrachten Steuergesetze gegen die fortlaufende Kritik zu verteidigen. Er meinte, das würde ja eigentlich gar keinen praktischen Nutzen gehabt haben. Die Regierung habe sich klüglich damit begnügt, die in der Presse auf- getauchten falschen Berechnungen über die Wirkung der Steuern aus die Warenverteuerung zu widerlegen, aus „Parteipolemik" hätte sie sich aber nicht einzulassen brauchen. Wenn Herr v. Bethmann trotzdem behauptete, daß die Re- gierung sich ihrer Mitverantwortung für die Steuergesetze vollauf bewußt sei. so zeigt das nur, daß ihm das Wesen der politischen Verantwortung völlig fremd ist. Die Ver- antwortung eines Staatsmannes, die sich auf ein noch so stolzes und tiefdurchdrungenes„Bewußtsein" beschränkt, ist keinen Pfifferling wert. Ein Verantwortlichkeitsgefühl muß sich in der Tat betätigen. Es muß zu einer öffentlichen Ver- antwortung der angegriffenen politischen Handlungen in Wort und Schrift sühren. Erst die Verteidigung der politischen Aktion gibt dem Staatsmann das Recht, sich einer pflichtgemäßen„Verantwortung" zu rühmen. Selbst den Konservativen, unter deren Botmäßigkeit der neue Kanzler steht, drängte sich die Ueberzeugung auf, daß er seiner Ver- antwortungspflicht nicht Genüge geleistet hat-, denn der sonst mit der konservativen Regierungspolitik höchst zufriedene Herr v. R i ch t h 0 f e n erklärte später, daß in diesem Punkte die Regierung den auf sie gesetzten Erwartungen nicht ent- sprochen habe. Noch in einem anderen Punkt proklamierte der Kanzler eine staatsrechtliche Auffassung, bei der er in klaffenden Wider- spruch geriet sowohl mit offenkundigen Tatsachen, wie mit den Anforderungen eines noch so verküiunierteu konstitutio- nellen Staatslebens. Er erklärte es für überflüssig, außer dem in der Thronrede angekündigten aktuellen Programm noch ein allgemeines politisches Progranim zu entwickeln. Eine solche Erwartung entstamme„in erster Linie Partei- bedürfuissen". Auch diese Wendung zeugt wieder von einer totalen Verkennung der Aufgaben, die einem leitenden Staatsmann in einem Lande mit parlamentarischen Formen obliegen. Es ist ja traurig genug, daß in Deutschland die Minister in ihre Aemter kommen nicht kraft des Vertrauens, das ihnen ein charaktervolles Wirken im öffentlichen Leben für eine bestimmte Politik bei der Majorität des Volkes und Parlaments verschafft hat, sondern daß ihre Ernennung abhängt von der Eingebung eines einzelnen. Aber selbst diese bis auf den Ministersessel emporgerutschten Bureaukraten beanspruchen doch, daß Volk und Parlament ihnen Ver- trauen entgegenbringt. Da ist doch das mindeste, was man von ihnen als Staatsmänner und Männer von Charakter er- warten darf, daß sie bei ihrem Amtsantritt ein politisches Programm entwickeln, mit dem sie stehen und fallen wollen. Verzichten sie darauf, so zeigen sie nur, daß sie weder als Staatsmänner noch als Männer von Charakter angesehen werden wollen, und daß sie weiter nichts sind als bureau- kratische Fortwurstler, so unangenehm Herrn v. Bethmann Hollweg die Bezeichnung„Fortwursteln" für die politische Expedition: 8Al. 68» Lindenstraoee 69, Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1981. Seinesgleichen auch in die Ohren Betätigung von klingen mag. Im Zusammenhange mit seiner Verherrlichung der Programmlosigkeit verstieg sich Herr von Betchmann Hollweg dann zu der kühnen Behauptung, in Deutschland werde die Regierung niemals eine Partei- regierung sein. Zunächst schlägt diese Behauptung offenkundig den Tatsachen ins Gesicht. Wir haben in Deutsch- land eine Parteiregierung allerschlimmster Art: die Partei- regierung einer Minderheit, die Regierung der junkerlich- bureaukratischen Clique, die einen parteiischen Terrorismus ausübt gegenüber oppositionellen Parteien, insbesondere gegenüber der Sozialdenwkratie. In einem wirklich kon- stitutionellen Staate, wo die Parteien je nach der Volks- Meinung sich in der Regierung ablösen, kann nie so parteiisch regiert werden, wie das diese engherzige Burcaukratie fertig bringt, die im Interesse des Junkertums und aller reaktiv- nären Elemente die Regierungsgeschäfte leitet. Wenn Herr von Bethmann aber diese den Tatsachen schroff widersprechende Behauptung ausstellt, so tut er das einmal, um die völlig haltlose Fiktion aufrecht zu erhalten. öaß der bureaukratische Regierungsapparat über den Par- teien schwebe und völlig objektiv nach allen Seiten Gerechtig- keit walten lasse. Wie die Sozialdemokratie es bisher sich schon hat angelegen sein lassen, diesen völlig unwahren Nimbus durch kritische Würdigung der parteipolitischen Leistungen der amtierenden Bureaukratie zu zerstören, wird sie natürlich diese heilsame und für die Gesundung unseres öffentlichen Lebens notwendige Aufklärungsarbeit auch weiter betreiben. Indem nun Herr"on Bethmann Hollweg seine unrichtige Behauptung noch ob.n0rein in die Form der Prophezeiung kleidete: es werde niemals eine Parteiregierung in Deutschland geben, wollte er damit eigentlich sagen: es wird immer n u r eine bureaukratische und keine parlamentarische Regierung in Deutsch- land geben. Es wird sich ja hoffentlich bald zeigen, daß er damit ein schlechter Paophet gewesen ist. Der Ver- fassungskampf zur Ersetzung des bureaukratischen, halbabsolutistischen, scheinkonstitutionellen Regiments durch den demokratischen Parlamentarismus hat begonnen. Auf- gäbe der Sozialdemokratie wird es sein, dafür zu sorgen, daß er nicht wieder einschläft, und über Junker, Diplomaten und Bureaukraten hinweg zum siegreichen Ende geführt wird. Seine Einladung an die bürgerlichen Parteien, sich hinter die bureaukratische Regierung zu scharen, suchte der Minister dann durch das beliebte Argument zu stützen, daß iie Zer- würfnisse der bürgerlichen Parteien wegen der Steuergesetze nur der Sozialdemokratie zugute kämen. Tann ließ er seine programmlose Rektoratsrede in oberlehrerhafte Ermahnun- gen zum Fleiß und zur Arbeitsamkeit ausklingen. Die Nei- gung zu moralphilosophischen Betrachtungen und Belehrungen ist bei Herrn von Bethmann Hollweg sefwn in seiner früheren Ministertätigkeit zutage getreten. Sie hat sich aber nie mit so peinlicher Ausdringlichkeit bemerkbar gemacht als gerade jetzt. Offenbar glaubt der Mann, seinen neuen Posten durch einen verstärkten Aufguß solcher salbungsvollen Trivialitäten weihen zu müssen. In der deutschen Literatur ist der Typus, der sich in dem Herrn von Bethinonn Hollweg verkörpert, treffend widergespiegelt in dem Rektor Baldrian in Fritz Reuters„Stromtid". Er sucht seine inhaltslosen Reden gleichfalls durch salbungsvolles Moralisieren genießbar zu machen, was Onkel Bräsig zu dem unwirschen Ausruf bringt: „Ich kann die ollen Drähnbartels nich leiden." Einem wirklichen Staatsmann hätte der gegenwärtige Zustand Deutschlands Anlaß genug geboten, bedeutsame Reformvorschläge zu entwickeln. Auch über das Verhältnis Teutichlands zu den fremden Mächten, über die Möglichkeit, die Kriegsgefahr durch ernsthafte Abmachungen über die Land- und Seerüstungen einzudämmen, hat das Volk ein Anrecht auf Auskunft. Eine Politik der Offenheit und Geradheit hätte auch verlangt, daß der Reichskanzler Auskunft darüber gibt, wie er über die brennendste Tagesfrage denkt: Die Aus- dehnung des Reichstagswahlrechts auf die Bundes st aaten, insbesondere auf Preußen. Man kann nur zu dem Schluß kommen, daß die Ansichten, die der Reichskanzler da weise verschwiegen hat, das Licht der Oeffentlichkcit zu scheuen haben. Nach dem Reichskanzler entwickelte der neue Staats- sekretär für das Reichsschatzamt. Herr Mermuth, einige Betrachtungen über das Finanzprogramm der Regierung, wo- bei er den ganz löblichen Grundsatz aussprach, daß mit der Defizitwirtschaft endgültig gebrochen werden müsse. Leider ließ er aber erkennen, daß die Mittel, die er dazu ins Auge gefaßt hat, ganz nach der fehlerhaften Methode seiner Amts- Vorgänger zugeschnitten sind, und daß auch künftig für die Finanzverwaltung des Reiches die Belastung der breiten Massen des Volkes durch indirekte Steuern als Leitstern dienen wird. Da die Bethmannsche Politik der Programmverschweigung nur wenig Zeit in Anspruch genommen hatte, kamen noch drei Redner aus dem Hause zum Wort. Für das Zentrum Herr v. Hertling, für die Konservativen Herr v. Nicht- Hofen und für die Nationallibcralen Herr B a s s e r- mann. Der Zentrumsredner war nicht so zurückhaltenö wie der Reichskanzler. Abgesehen davon, daß er die üblichen Forderungen seiner Partei wegen Herstellung einer wirk- i liehen Parität für die Katholiken geltend machte, suchte er i den neuen Block zu festigen und zu erweitern, indem er den liberalen Parteien ausmalte, daß solche kleinen Differenzen, wie Steuerfragen, sie nicht abhalten dürften, Staat und Gesellschaft an der Seite der konservativ gerichteten Parteien gegen den Umsturz zu verteidigen. Herr v. R i ch t h 0 f e n war— außer mit der Zurückhaltung der Regierung in der Auseinandersetzung über die Finanzreform des Schnaps- blocks— natürlich mit der Regierung zufrieden. Herr B a s s e r m a n n gab sich oppositionell, ohne die Brücken zu der Regierung oder zu den Parteien der Rechten völlig abzubrechen. Er verteidigte zwar nut Wärme die Haltung seiner Partei in der Steuerfrage, betonte aber scharf. daß sie bei aller Gemeinsamkeit mit der freisinnigen Partei sich von dieser doch in Zoll- und Handels fragen trenne. Die Nationalliberalen ständen geschlossen auf dem Boden einer gemäßigten Schutzzollpolitik. Den Freisinnigen zollte er dabei das kompromittierliche Lob, sie hätten sich zu der Er- kenntnis durchgemausert, daß ohne Belastung des Massen- konsums sich die Finanzpolitik des Reiches nicht weiter- führen lasse. Er ließ erkennen, daß er der Einladung Hert- lings, sich der Sammelpolitik eines bürgerlichen Großblocks anzugliedern, nicht abgeneigt sei, vorausgesetzt, daß die Rechte nun in der Erbschaftssteuerfrage nachgebe. Kurz, es war die Oppositionsrede einer Regierungs- Partei zur Disposition. So hat Herr v. Bethmann Hollweg denn bisher im Reichstage noch nicht die Antwort bekommen, die ihm gebührt. Die steht ihm noch bevor. In einem politisch höher ent- wickelten Lande, in England, in Frankreich, selbst in Oester- reich, würde ein leitender Minister, der es gewagt hätte, dem Parlament eine solche Antrittsrede zu halten, einfach aus- gelacht und durch die Entrüstung der Abgeordneten wie des Volkes auf Nimmerwiedersehen vom Schauplatz hinweg- gefegt werden. Im Deutschen Reiche tötet einen Minister weder seine Lächerlichkeit noch seine Unfähigkeit. Das bureaukratische Regierungssystem, die höfische Kamarilla und das Junkerinteresse brauchen gerade Handlanger vom Schlage des- Herrn v. Bethmann Hollweg. Sie sind die charakteristischen Repräsentanten des herrschenden Systems, und wir werden sie erst loswerden aus dem öffentlichen Leben nach der völligen Zertrümmerung dieses verderblichen Systems._ Der Ashllumpf in Cngland. DaS Wahlmanifest der Arbeiterpartei. London. 7. Dezember.(Eig. Ber.) Der Vorstand der Arbeiterpartei veröffentlichte gestern folgendes Wohlmanifest: An die Wählerl Allgemeine Wahlen wurden dem Lande auf- erzwungen durch da? Vorgehen der LordS, die den Etat abgelehnt haben. Die große Frage, die Sie jetzt entscheiden niüslen, lautet: Sollen die Lordö oder soll das Volk das Land regieren? Seit den letzten Wahlen wurden in jeder Session wichtige Gesctzesvorlagen, die dem Unterhause viel Zeit und Mühe kosteten, verstümmelt oder vernichtet vom Hause der Lords— von einer unverantwortlichen Körperschaft, die einzig und allein ihre eigenen Klasseninteressen vertritt. Nicht genug damit, beanspruchen die Lords auch das Recht, darüber zu ent- scheiden, was für Steuern gezahlt, von wem sie erhoben und für welche Zwecke sie verwendet werden sollen. Sie beanspruchen auch das Recht, das Datum zu bestimmen, au dem das Parlament aufgelöst werden soll. Die Zeit ist gekommen, ihrer M a ch t e i n Ende zu machen und dem Willen der Geineinen Geltung zu verschaffen. Das Land hat lange genug den Feudalherren gestattet, Millionen Pfund Sterling an unverdientem Wertzuwachs einzusacken und doch weigern sie sich, eine kleine Steuer auf das zu zahlen, was gerechlcrweise dem Staate gehören müßte. Sie wollen ihre Macht, das Volk zu plündern, um jeden Preis aufrecht erhallen. Die Arbeiterpartei bewillkommnet diese Gelegenheit, den Nachweis zu liefern, daß das feudale Zeitalter vorbei ist und daß daS Volk nicht mehr gewillt ist, von Gnaden der Lords zu leben. Die Fragen, die Sie zu entscheiden haben, sind einfach: Unser gegenwärtiges System des Bodeneigentums hat daS Landleben ver- nichtet: es hat de» Industrien schwere Lasten auferlegt, die städtische Entwiclelung beschränkt und die Arbeitcrltasse ärmer gemacht. Die Lords müssen verschwinden! In dieser Krise verdient die Arbeiterpartei Ihre Unterstützung. Sie weist auf ihre Erfolge hin und aus ihren Enlschlutz. weitere Er» folge zu erzielen. Sie ist eingetreten für das Gewerkschastsrecht. für AlterSpensionen, für eine durchgreifende Wohnungsreform. für eine Erleichterung der Steuerlasten der kleinen Einlommcnund für die Besteuerung de« unverdienten Wertzuwachses, für Arbeitslosenfürsorge. Die Erfahrung der letzten vier Jahre hat den Wert einer selbständigen Arbeiterpartei gezeigt. Es bleiben indes noch viele Probleme, die gelöst werden müssen. Das Recht auf Arbeit mutz noch gewonnen werden, aber eS steht bereits innerhalb deS Bereichs der prakliichen Politik. Die ganze bisherige Armengesetzgebniig mutz beseitigt und der Paupe- riSmus abgeschafft werden. Die AlterSpensionen müssen ausgedehnt und erhöht werden. Alle Beschränkungen deS Wahlrechts, die besonders auf dem weiblichen Geschlecht lasten, müssen hinweggefegt werden. Tie Arbeiter- und die Mittelklasse ist noch mit staatlichen und munizipalen Steuern über- lastet. Die Arbeiterpartei appelliert deshalb an Sie, Ihr Vertrauen zu ihr zu erneuern, ihre Reihen zu vergrötzern und ihre Macht zu stärken. Stimmen Sie kür den Arbeilerkandidaten. Der Grund und Boden für das Volk. Der Reichtum den Reicht, imsrrzruger«. Nieder mit de« Privilegien. ES lebe das Bolt! Wahlreden. London, 9. Dezember. Gestern abend hielten zehn Mitglieder der Regierung Wahlreden, von dein früheren Kabinett der Exminister Lyttelton. Die Ab- lehnung des Budgets verteidigten die Lords Camperdown und K e st c V e n in Reden, die sie in Roniford bezw. in Wellingboroiigh hielten. Die Bemerkung Lord Kestevens, daß England im Innern vom Sozialismus und von außen durch Deutschland bedroht würde, wurde mit G e- lächter anfgenvmmen, worauf Lord Kesteven ausrief:„Sie werden mir nicht glauben, bis Ihnen die Deutschen ihre Bajonette in den Leib stoßen", was erneutes Gelächter her- vorrief. Die Schutzzollpläne. London, 9. Dezember. Der gestern veröffentlichte Tarif- plan wird hier viel besprochen. Die konservativen Blätter ignorierten gestern insgesamt das Schema, heute äußern sich nur „Morningpost" und.Standard" dazu, die eS als interessant, aber nicht als maßgebend bezeichnen. Sie vermissen den Hinweis. daß zur Kompensation für die Zölle aus andere Lebensnnttel die Abgaben auf Tee und Zucker ermäßigt werden sollen. — Die liberalen Blätter betrachten das Schema als maß- gebend und sagen, sie seien dankbar für die Beröffentlichung dieses teuren Nahrungsmittelbudgets, durch welches die extremen Tarifresormer von Birmingham einen Druck auf B a l f o u r ausüben wollten, der jetzt schwerlich eine Darlegung seiner Ansichten Über die Nahrungs Mittelbe st euerung umgehen könnte. poUtifebe OcbcyHcbt* Berlin, den 9. Dezember 1909 Ter Freisinn und die Wahlreform. Von den freisinnigen Blättern war eS einzig das zwar viel gegelesene. aber politisch wenig einflußreiche„Berl. Tagebl.". das sich entschieden für eine Wahlreform ins Zeug gelegt hat. Trotzdem hatten die sozialdemokratischen Blätter durchaus recht, die ihr Urteil über die letzte.Kundgebung des„Berl. Tagebl.", das Unterschristen- aufgebot zahlreicher„Celebriläten" für eine Wohlreform dahin ab- gaben, daß diese Demonstration eine überaus zahme sei und keines- Wegs von entschiedenem Kampfes- und Bekennermut zeuge. War doch in der Kundgebung nur in überaus verschwommener Weise von der Wahlresorm überhaupt die Rede, ohne daß auch nur mit den flüchligsten Strichen ein Mindestprogramm für die Wahl- resorm gekennzeichnet worden wäre. Immerhin aber trat das „Berl. Tagebl." doch wenigstens mit Entschiedenheit für eine Wahl- reform selbst ein. Ein anderes FreisinnSblalt jedoch hält eS sogar für seine Pflicht, in Sachen der Wahlresorm zu bremsen. Die ,Weser-Ztg." schreibt nämlich: „Wie weit überhaupt eine künstliche Beschleunigung oder ein künstliches H i n d rä n g e n aus die versprochene Wahl- resorm eine» prakliichen Erfolg hat. mutz dahin gestellt bleiben. Die politische Situation dürste weder in Preußen»och im Reiche zu derartigen spekulativen Angriffen geeignet sein, zumal die Front der preußischen Agrarier geschlossener, fester und gesicherter denn je daitchl." Daß die Agrarier im Reichstag sowohl wie im preußischen Landtage so zahlreich vertreren sind, ist gerade die Schuld des BlockfreiiinnSl Aber der Freisinn könnte seine Mocksünden wenigstens dadurch wieder gut machen, daß er gemeinsam mit der Arbeiterklofle einen schneidigen Feldzug für die U e b e r t r a g u n g deS ReichStagSwahlrechtS auf Preußen begönne. Die Stimmung der Masten wäre einer solchen Agitation jetzt günstiger als je I Statt besten sucht der Freisinn zum Teil sogar abzuwiegeln damit den Junkern da» Spiel noch erleichtert wird! Echt frei« sinnig!_ Aus der sozialdemokratischen Reichstagsfraktlo«. Die Fraktion bestimmte in ihrer Sitzung vom Donnerstagabend die Kommissionsmitglieder für die verschiedenen ständigen und nicht ständigen Kommissionen. Es sollen delegiert werden: In die Kom> Mission für die Vorbereitung deS portugiesischen Handelsvertrages Stücklen, NoSke und Molkenbuhr; in die Budgetkommission Singer, Ledebour und Frank; in die WahlprüfungS- lommistion Fischer und Geyer; in die Gesckäftsordnungs. kommission Singer; in die NechiiungSprüfiingskomnuision Ulrich und Hengsbach; in die PelitionSkommiision Schwortz, Sachse. Geck und Schöpslin.— Zu Rednern wurden be- stimmt: für daS Gesetz über die Hastpflicht der Reichsbeamten: Heine, über den Handelsvertrag mit Bolivia: S ü d e k u m. über da? Gesetz betreffend die Fernsprechgebllhrenordnung: Singer, zu der Vorlage der Strafprozeßordnung und des GerichlsverfassungS- gesetzes sollen sprechen: Heine und Stadthagen. Der soziale Ausschuß der Fraktion hat einen umfangreichen Antrag ausgearbeitet, in dem für die verschiedensten Arbeiter- kategorien sHandels-, GastwirtSgewerbe. Bureauangestellte usw.) die von unS vertretenen sozialpolitische» Forderungen formuliert werden. Die Fraktion wird diesen Antrag als AbänderungSantraz zur Ge« werbeordnung eindringen._ Herr Spahn und die„Germania". Herr Profcstor Dr. Martin Spahn hat an die ultramontane .Germania' eine Beschiverdeepistel gerichtet, in der er gegen die „zweimalige Entstellung deS Wortlautes' setner Beiprechung des Mnthschen Buches protestiert. Doch das ist neben- sächlich; wichtiger ist das folgende Geständnis! „Mein Aufsatz hat bei seinem Erscheinen den Beifall einer„zn- ständigen Stelle' gefunden, d i e ich bei aller Ehrerbietung gegen die.zuständige Seite' der.Germania' für ebenso zuständig halten durfte und darf wie die, bei der die „Germania" Rat suchte. Für die regelmäßigen Leier des.Hochland' war überdies Sinn und Bedeutung meiner Darlegungen um so genauer umgrenzt und bestimmt, als ich fast unniitlelbar vorher im.Hochland' einen Aufsatz über Hosfbouer veröffentlicht und darin grundsätzliche Anssührimgeii über den Verlauf der deutschen katho- lischen Bewegung gemacht hatte. Den Aufsatz hat der Nedemploristen- spater Jnnerkosler soeben noch im Vorwort sxines Werkes über den Heiligen zum erbeblichen Teile mit Worten liebenswürdiger An- erkennung abgedruckt." Wenn die obigen Worte einen Sinn haben, dann ergibt daß sich daraus, der Hctzartikel der„Gennania" nicht in ihrer Redaktion geschrieben ist. sondern von einer ,z u st ä n d i g e n S e i t e' stammt. die nach der Ehrerbietung, mit der Herr Spahn sie nennt, nur ein hoher Geistlicher sein kann. Danach zu urteilen, scheinen die fanatischen Artikel gegen den„Modernismus', die sich hin und wieder die„Germania" leistet, auS dem hohen Klerus zu stammen. Die„Germania" gibt das auch indirekt zu. denn sie bestreitet nicht. daß der Artikel von einer solchen„zuständigen Stelle' stammt; nur erklärt sie, sie müsse Herrn Professor Spahn daS Recht absprechen,„über die zuständige Stelle, von der unser Artilel herrührte, ein Urteil zu fällen'. Der erwünschte Formfehler. Wir berichteten gestern, daß der Bundesrat das in der vorigen Session beschlossene Gesetz über die»Unter- slutzung der Kriegsveteranen" deshalb nicht der- abschiedet habe, weil dem Reichstage ein Formfehler mit unterlaufen sei. Man braucht kein Bureaukrat zu sein und kann der etwaigen Konsequenzen wegen einen Verstoß gegen die Form unter Umständen für einen Hindcrungsgrund an- sehen. Hier handelt es sich aber um einen gesuchten Fehler, denn derselbe soll darin bestehen, daß vergessen worden ilt, das Datum, an welchem das Gesetz in Kraft treten soll, in der dritten Lesung aus- z u f ü l l e n. Nun wird aber— abgesehen von Mteuergesehen bei den in e i st e n Gesetzen vom Reichstag � kein Termin gesetzt, sondern es heißt einfach, das Gesetz tritt mit seiner Ver- öffentlickiung durch den Bundesrat in Kraft. Man hätte hier diese Formel also einfach anwenden sollen und der Bundesrat hätte das Gesetz publizieren können. Das würde auch jedenfalls geschehen sein, wenn es sich um ein der Re- gierung erwünschtes Gesetz, namentlich um ein Steuer- g e setz gehandelt hätte. Aber selbst diese Auslegung hätte man nicht einmal gebraucht, und die Regierung wäre doch gezwungen gewesen, dem Bundesrat da? Gesetz zur Beschluß- fassung zü unterbreiten. Denn es heißt der Schluß des strittigen letzten Paragraphen: Dieses Gesetz tritt mit Wirkung von... 1909 in Kraft. Also darüber besteht kein Zweifel, daß es 1909 in Kraft treten sollte, man hätte also im schlimmsten Falle den letzten Tag des Jahres an- nehmen müssen. Denn daß das Gesetz 1909 in Kraft treten solle, hatte der Reichstag ganz unzweideutig ausgesprochen. Man wollte aber nicht 1 Und niemand von den Herren Geheimräten, die bei der dritten Lesung die R�ierungsbank.zierten, und denen doch die Form sonst alles ist, machte den Berichterstatter, der übrigens der viel- beschäftigte Abg. Erzberger war. auf sein Versehen auf- merksam!_ Die Reichstagsersatzwahl in Eisenach-Dermbach. Die Antisemiten haben bereits ihren Kandidaten für die am 29. Januar 1910 im Kreise Eüenach-Kalteiinordheim-Dermbach statt- findende ReichstagSersatzwahl aufgestellt. Eine am S. Dezember in Dorndors tagende Versammlung der Vertrauensmänner der Deutsch- sozialen Partei bescvlotz einstimmig, den Postverwalter Hädrich als Kandidaten für die Reichslagswahl aufzustellen. Zufriedene Agrarier. Diese höchst seltene Erscheinung zeigte sich in einer Versamm« lung der landwirticpasilichen Vereine der Provinz Brandenburg, die am Mittwoch in Berlin unter dem Borsitz deS Freiherr» v. Arnim- Güterberg lagte. Der Torsitzende sagte u. a.: „Die Landwirtschaft kann bei den gegenwärtigen Verbältnisten gut bestehen. DaS vergangene Erniejahr gehört nicht zu den schlechtesten, denn die Svmnierernte war im Duichscbnitt sehr gut, und auch vom Stande der Wintersaaten kann nur das beste berichtet werden. Der Kartoffelbnu hat sich ebenfalls nicht schlecht gelohnt, die erzielten Preise entsprachen im allgemeinen den gehegten Erwartungen. Die Scbweineproduktion hebt sich seit einiger Zeit wieder, nachdem bessere Preise geboten werden. Bei den gegenwärtigen Berhällnisten kann der Landwirt gut be- stehen und braucht nichi zu verzagen." Und weil eS den Agrariern jetzt so einigermaßen gut geht. haben sie nach Ansicht deS edlen Sprossen aus dem edlen Geschlecht derer von Arnim mit Freuden die Las» der neuen Steuern aus sich genommen, um so mehr, als sie von„glühender Vater- landsliebe" beseelt find. Anders als sonst in Menschenköpfen spiegelt sich in diesem Kopf die Welt. Weit mehr als die Agrarier werden die den Junker» tributpflichtigen breiten Masten von den neuen Steuern be- lastet. Die„glühende Vaterlandsliebe' der Agrarier kann sich sonach aus diesem Gebiete recht billig betätigen. Immerhin verdient es, vermerkt zu werden, daß sich wenigstens einige Agrarier gefätrigt fühlen. Das wird natürlich in demselben Moment wieder anders, in dem Regierung oder Reichstag Miene machen sollten, den Interessen deS erwerbstätigen Teiles des deutschen Volkes einiger- maßen Rechnung zu»ragen. Dann setzt sofort wieder das all- bekannte Geschrei von der Rot der Landwirtschaft ein, und sollte dieses Geschrei überhört werden, dann ist auch sofort die„glühende Vaterlandsliebe" der Agrarier wieder futsch. Pluralwahlrecht für Hessen. Das soll tatsächlich der Ausgang des vierten hessischen Wahlreformwerks sein. Unsere gestrige telegraphische Mel- dung bestätigt sich. Zentrum und Liberale sind bereit, mit dem Bauernbund einen schmählichen Kuhhandel einzugelien, durch den sie sich verpslichlen, für einen Antrag des Bauern- bündlers Weber zu stimmen, wonach jedem Wähler über 50 Jahre eine Zusatz st imme gegeben w i r dl Als Gegeiileistung sollen die Bauernbündler für den Äntra� des Rationalliberolen Osann stimmen, wonach ein- jähriger Besitz der Staatsangehörigkeit für die Erlangung des Wahlrechts genügt. Die Regierungsvor» läge sieht.eine dreijährige Frist vor. Dieser Kuhhandel ist am Mittwoch in der gemeinsamen Sitzung der drei beteiligten Fraktionen: Bauernbund. Ratio- nalliberale und Zentrum, abgeschlossen worden. Daß die Alterszuschlagsstimme eine starke Benachteili- gung der proletarislkfen Wählerschaft bedeutet, bedarf keines weiteren Nachlveises. Das Kompromiß ist eine brutale Her- ausfordmmg des Prpletarjaäs. Das arbeitende Volk Hessens, das sich bereits in wuchtigen Demonstrationen gegen die Wahlrechtsvorlage der Regierung gewendet hat. wird sich mit aller Kraft gegen den Versuch wenden, ihm das gleiche Recht zu nehmen._ Kommuualwahlen. Bei der Stadtverordnetenwahl in Velbert sKreiS Lennep-Remscheid-Meitmann) siegte die Sozialdemokratie in der 3. Abteilung mit 1039 bis 1051 Stimmen über das bürgerliche Kartell, daS 88 bis 3b3 Stimmen auf sich vereinigte. Zu drei Sitzen, die sie bisher inne hatte, hat die Sozialdemokratie nun noch drei erobert, so daß nur noch zwei Sitze der 3. Abteilung den bürgerlichen Parteien verbleiben. Die Wahlbeteiligung war noch niemals so zahlreich wie bei der diesjährigen Wahl. Wahlen in Württemberg. In Gmünd führte die nach dem Proporz vollzogene Wahl zu dem Resultat, daß von fünf Mandaten je zwei auf die Sozialdemokraten und das Zenlrum und eins auf die Liberalen entfiel. Unsere Stimmen stiegen um 142, die Wahl- beteiligung betrug 35 Proz. In Schwenningen wurden bei gleichfalls sehr starker Wahlbeteiligung zwei Nationalliberale, ein VolkSparteiler und«in Sozialdemokrat gewählt. In Nürtingen war ztvischcn Sozialdemokratie und National- liberalen ein gegen VolkSparteiler und Bauernbund gerichtetes Ab- kommen getroffen worden, auf Grund dessen bei einer Wahl- beteiligung von 90 Proz. ein Sozialdemokrat, zwei Liberale und ein Volksparteiler gewählt wurden. In N e u h a u f e n a. F., einer bisherigen ZentrumSdomäne, errang die Sozialdemokratie zwar noch kein Mandat, aber ihr Kandidat erhielt die sehr respektable Slimmenzahl von 215." Nur 13 Stimmen mehr und auch hier wäre der erste Sozialdemokrat in den Gemeinderat eingezogen.„. In Frankenbach wurden ein Sozialdemokrat und zwei Bürgerliche gewählt. Die Wahlbeteiligung erreichte 86 Proz. Die Sozialdemokratie hat jetzt drei Vertreter im Gemeinderat. In Schwaikheim wurde neben vier Bauernbündlem« i n Sozialdemokrat geivählt. In Eningen n. A. wurden ein Sozialdemokrat-und drei Bürgettiche gewählt. In Deißlingen wurde das zur Wahl stehende sozialdemo- lratijche Gemeinderatsmitglied wiedergewählt. Klerikale Verleumder und Heuchler. Man schreibt uns aus Köln:." „Die„Kölnische VolkSzeitung' veröffentlicht einen Artikel über ein Ehedrama in einem Orte bei Lültich. Ein „sozialdemokratischer Gemeindeschullehrer' soll seine Frau wegen Untreue erschaffen haben. Daran knüpf» das Blatt.einen rabulistiichen Sermon über die„sozialdemokratische Hinrichtung", und eS bringt sogar fertig, diese private Tragödie mit dem politischen Fall Ferrer in Verbüidung zu bringen.. DaS icblimmste aber ist die nichtsnutzige� Art.»pie das fromme Blatt in einem fort Sozialismus und Freidenkerei,„freie Li e und Untreue identifiziert, und wie es schließlich ausführt, die Frau habe, als sie ihren Mann betrog, nur nach den Prinzipiell der sozialdemokratischen Partei gehandelt; sie könne sich � auf Bebel, V andervelde und viele andere � Propbeten her „freien Liebe" berufen. DaS ist eine verleumderische.Be- schimpfmig der Sozialdernosratie. Wenn � schon die Ehrlichkeit und der Anstand dem Kölner Zemrumsblatt diese Pcrsidien nicht ver- boien, so hätte eS sie wenigstens auS K l u g h« i t s g r ü n d en Unterlasten sollen; denn niemand hat so wenig daS Reckt, Anders- denkenden Vorhaltungen über eheliche und sexuelle Moral überhaupt zu halten, wie die rheinischen Klerikalen. Ein dickes Büch könnte man anfüllen mit den Skandalen, die sich ans diesem Gebiete allein in Köln und dessen näherer Umgebung in den letzten Jahren zugetragen haben. Und alle diese Fälle sind bei „Kölnischen Volkszeitung' genau bekannt. Sie weiß beispielsweise, daß ein h e r v o r r a g e n d er Z ent r um«- sü hrer seinerzeit neben seiner ihm angetrauten Ehefrau in Kölner Vororten noch zwei Liebesverhältnisse zu gleicker Zeit' unter dem Namen eines ledigen Kaufmannes unterhielt. Sie weiß, daß einem anderen örtlichen ZentrnmSsührer in einem großen Beleidigungeprozeß schmutzige Beziehungen zü Prosti- mierten nachgewiesen wurden. Die„Kölnische VolkSzeitung' kennt auch den Ritter hoher päpstlicher Orden und klerikalen Parteiführer in einem Kölner Vorott, der abtreten mußte, nachdem er von seiner Maitresse', die er. obgleich Familien- vater, viele Jahre lang heimlich unterhielt, vor Gericht gezogen wurde. Sie kennt auch den Verleger des rheinischen Zentrums- blattS, der sich vor vemRevolver eines eifersüchtigen Ehemannes flüchten mußte, und den Ehefredakteur des nämlichen BlatteS, der in einem Ehescheidungsprozeß nicht in Ah- rede stellen konnte, mit der beklagten Frau intimen Verkehr gepflogen zu haben. Sie kennt auch den Katholikentags- red» er, der die durch seine Hände gehenden Kirchengelder benutzte,, um damit seinejMaitreste, eine Prostsiiüerte, zu unterhalte»». Der Mann hat dafür zwei Fahre Gefängnis bekomm»«.;''- Alle diese und Nock viel» andere Fälle sind der.Kölnisch»« VolkSzeitung' so gut bekannt wie uns, und dennoch erfrecht sie sich, die Sozialdemokratie wegen ihrer angeblichen Stellung zur Ehe zu verdächtigen und zu verleumdeti. Eine widerliche Heuchelei. Lehrer«nd Zentrum...-.. Wie es da, wo das Zentrum noch ausschlaygebend ist, um die Lehrer bestellt ist, beweist die Annonce, die«in Lehrer in einer nisderbayerischen Zeitung veröffentlicht hat;:-a-■•■4: „Schnee-scha u fle r.gesucht! Vom Unterzeichneten«er» langt man ab Winter 1909/1910 das S chn e es cha u f e ln im Friedhof. Weil Unterfertigter anderweitig als, Meßner, Kantor, Organist, Gemeinde- und StandcsamtSschrciber, auch als L eh r e r hinreichende Beschäfti�ang hat, wird die Stelle eines FriedhofsschncesävauflerS hiermit zur Bewerbung auSye- schrieben. Schneeschaufel ist mitzubringen. Anmeldungen und � Angebote(Stundenlohn) sind zu richten an Obermeßner Abel m Mitterskirchen."•; Auch die„K o r re sp o n de n z d eS deutschen L echrer- verein" liefert einen niedlichen Beitrag zu diesem Thema..In einem elsässischen Dorfe waren in einer Wählcrversammlung der Zentrumsabgeordnete Hauß und der Lehrer Bon gar tz anein- ondergeraten. Als der Lehrer dem ZcnttümSadgeordneten Oppo- sition machte, donnerte ihn, nach der Darstellung der genannten Korrespondenz der Abgeordnete Hauß mit den Worten ap:„Ich kann nicht begreifen, wie Sie. als katholischer Lehrer im Lager- der Liberalen stehen können. Es.ist dies eine Schänder für einen katholischen Lehrer. ES ist aber auch e i nc S ch a n d« für eine katholische Gemeinde, einen solchen Lehrer in � ihrer.Milte zu haben. Ich hoffe, daß die Gemeinde dafür Sorge trägt, daß her Lehrer entfernt wird." Als der Angegriffene die Anwesenden— besonders seinen Pfarrer— zn Zeugen dafür aufrief, daß er seine Pflichten als Katholik und Lehrer stets erfüllt habe, bemerkte der Psarxer, wenn der Lehrer diese Behauptung aufstelle und. doch liberal sei. so spiele er den„Komödianten", und Herr Hauß erklärte in seinem Schlußworte, wenn der Lehrer die» nicht einsehen wolle, so sei er ein„Ho.rnochs«'.!- Der Lehrer stellte Strafantrag wegen Beleidigung. Der Staat»- anwalt leitete damals— 19071— auch Strafverfolgung ein.. Die Eröffnung des Gerichtsverfahrens hätte nun nach Schluß des Reichstages im Juli 1909 erfolgen müssen. Da aber wurde der be» lcidigte Lehrer am 7. Oktober- von seinem Kreisschulinspektor aufgefordrtt,.seinen Strafantrag zurückzunehmen, da Staats- anwaltschaft und Ministerium dies für das zweckmäßigste«rklätt hätten. Da aber dem Beleidigten nicht die geringste Genügtuung geboten wurde, hielt er den Strafantrag aufrecht und erhielt nun- mehr vom Staatsanwalt! den'Bescheid,„daß, nachdem' der Bezirks, Präsident den Strafantrag zurückgenommen hat, die Erhebung der öffentlichen Klage nicht weiter durch ein öffentliches Interesse geboten erscheint, und zwar dies um so weniger, als infolge der andauernden Reichstagssession die Angelegenheit ZV* Jähre nicht betrieben werden konnte." Hätte der Lehrer diesen Bescheid im Juli erhalten, so hätte er, so persichett die„Korrespondenz", so- gleich die Privatklage einleiten können. Warum der Staatsanwalt ihn so lange hat warten lassen', ist schwer einzusehen. Dvn Pott--' tiker dürste vielleicht hierbei zunächst die Frage interessieren,! ob wohl die veränderte Stellung des Zentrums zur Regierung dazu beigetragen hat, den StaatSanwdlt zn einer anderen Auffassung. zu bringen.," Die Fraktionen des Reichstages. DaS offizielle Mitgliederverzeichnis ist im ReichSjog» aij?g»geben worden. Die Stärke der Fralnonen zeigt folgenden Stand i. Konservative: 60.(darunter 2 Hospitanten: Dr. Rösicke, Rnpp; der dritte Hospitant. Arnold, ist fraktionSloS geworden).— Reichspartei: 25(5 Hospitanten),-r Deutsche siie form» Partei: 4(l Hospitant: Köhler; früher 7 Mitglieder relp. Hvspi- tanten; eS sind ausgeschieden Bindetvald, Gäbet(zur Wirtschafte lichen Bereinigung übergetreten) mid Bruhn(jetzt fraksionsloS).--- Wirtschaftliche Vereinigung: 17(1 Hospitant); ausgeschieden Dr. Böhme(jetzt fraknonslos). Schock(Mandat nieder- gelegt), eingetreten Bindewald. GSbel.— Zentrum: 105, früher 103(1 Hospitant), neu gewählt Herzog von Arenberg nnd Uebel.— Polen: 20.— Nationalliberale: 50<5 Hospitanten), früher 54; auSgeschiedev Frhr. Hehl zu Herrnsheim, Gras Oriola, Ouarck. Schellhorn.— Freisinnige Vereinigung: 15 (wie bisher).— Freisinnige Volkspartei: 27(fiüher �3); ausgeschieden Schmidt- Halle.— Deutsche Volkspartei: 7(wie bisher). Sozialdemokraten: 46(früher 43). eingetreten H u b e r, Kunert. Schöpslin, Zietsch.— Bei keiner Fraktion sind 19(früher 12) Mitglieder neu hinzugekommen: Arnold, A. Böhme, Bruhn, V. Dannenberg, Frhr. Hehl zu Herrnsheim, Lehman»(Jena). Graf Oriola.— Erledigt sind zwei Mandate: Köln-Wipperfürth durch den Tod deS Abg. de Witt(Z.) und Eisenach- Dermbach durch Mandatsniederlegung des Abg. Schock(Winsch. Vg.). « Seit den letzten allgemeinen Reichstagswahlen haben der- koren: je ein Mandat die Konservativen(1. Hannover), die Wirtschaftliche Vereinigung(1. Arnsberg), die Freisinnige Volkspartei (Halle). Die N a i i o n a l l i b e r a l e n verloren zwei Mandate (2. Pfalz mid 1. Sachsen-Koburg) und gewannen eines(1. Anis- berg). Es gewannen je ein Mandat die Freisinnige Ver- einigung(1. Hannover) und das Zentrum<8. Hessen). Die Sozial- demokraten gewannen drei Mandate(2. Pfalz, Halle, 1. Sachsen-Koburg)._ Hamburger Bürgerschaft. In der Sitzung der Hamburger Bürgerschaft vom Mittwochabend wies der Präsident auf die Katastrophe auf dem Gas- werk am Grasbrook bin, drückte den Familien der Opfer der Katastrophe die Teilnahme des Parlaments aus und bemerkte, datz für diese Familien gesorgt werden würde. Senator Strack unter- � i strich diese Worte und schilderte die Ursachen der Katastrophe, welche Datslellung sich mit der unsrigen deckt.'Das Ergebnis der Upier- ' suchung über die Ursache der Explofion wird später der Bürgerschaft bekanntgegeben werden...... Daun folgte eine den ganzen Abend ausfüllende Debatte über den Senalsantrag betr. Bewilligung von 2 300 000 M. für einen E r w e ite r u n g s b au der K u n sl ha l le. Viel« Kunstschäye liegen jetzt in den Kellern—»Toienkammern" werden sie genannt — aufgespeichert und werden noch einige Jahre dort verbleiben müssen, bevor sie dem Publikum zugänglich geinacht werden können. Aus den Reden einiger„Kuitstfuluide" hörte man heraus, daß die Schätze dort ganz gut lägen.— Die Angelegenheit wurde einem Ausichutz überwiesen ein in. Hamburg beliebtes Verschleppungs- mittel. Noch ein Radbodprozest. Dortmund, 9. Dezember. Wegen Beleidigung des Bergwerk- direktors Andrer von der Zeche R a d b o d verurteilte die Strafkammer des Landgerichts den Redakteur Nottebohm von der „Arbeiterzeitung" zu 1000 Mark Geldstrafe. Die Beleidigung wurde erblickt in einem Artikel der„Arbeiterzeitung", in weichem Direktor Andtee' nach der Katastrophe auf der Zeche Radbod die Worte in den Mund gelegt wurden:„Was lebt, das lebt; wir müssen heraus I" Der Artikel war der„Vergardeiter-Ztg." entnommen.'' Zsleischteuerung. Die Berliner Fleischerinnung hat in ihrer gestern abend statt- gefundenen Versammlung, wie die„Allgemeine Fleischer-Zeitung* mitteilt, beschlossen, eine erneute Eingabe an den Reichstag zu tht�n, in welcher dringend die Oeffnung der Grenzen behufs Ein» chrung von Schlachtvieh Wer Beachtung aller SicherheitSmaßregeln egen Seucheneinjchleppung nach Städten mit öffentlichen Schlacht- -ofen und direkter Bahnverbindung verlangt wird. Nochmals die Stadtverordnetenwahlen von Königsberg. Zu unserm Bericht über den Sieg der Sozialdemokratie bei >en Stadtverordnetenwahlen in Königsberg, der in Nr. 278 er» chien, erhalten wir jetzt— etwas sehr nachträglich— eine Zuschrift ier Eisenbahndirektion Königsberg, die irrtüm- "icherweise als Berichtigung nach Z 11 des Preffgesetzes bezeichnet wird. Wir entnehmen dem Schreiben, daß die Eisenbahndirektion erklärt, dah von der Eisenbahnverwaltung in keiner'Weise aus die Eisenbahnbedieusteten wegen ihrer Abstimmung eingewirkt worden sei. Auch habe ihre Umfrage bei sämtlichen Wahlvorstehera des Bezirks 6 und ihren Stellvertretern ergeben, datz keinem der Herren etwas von einem Vorfall bekannt' sei, der in unserem Bericht geschildert war und wonach ein Eisenbahnarbeiter auf die Frage des Wahlvorstehers, ioelchem Kandidaten- er seine Stimme geben wolle, geantwortet haben soll:„Wie mir vorgeschrieben ist, wähle ich Dorsch und Klankl". Die Zuschrift der Eisenbahndirektion erklärt, in einem Falle solle ein Wähler auf die Frage des Wahlvorstehers, für welche Kandidaten er stimmen wolle, unter Vorzeigung des Wahlzettels der liberalen Kandidaten geantwortet haben:„Wie hier vorge» schrieben steht!" Er' sei dann hon dem Wahlvorsteher belehrt worden, dah er die zu wählenden Personen namentlich bezeichnen müsse. Wir müssen unserem Konigsberger Korrespondenten, an dessen Zuverlässigkeit zu zweifelr wir keinen Anlast haben, überlassen, zu diesen Behauptungen der Eisenbahndirektion daS Wort zu nehmen._ Tabakarbeiter-Nnterstiittung in Baden. Die badiscke Regierung kann dem von der Volksvertretung ihr unterbreiteten Wunsche einer Aufstellung der Unlersiützungen bis zum 1, Dezember nicht genügen. Sie teilt aus den Akten des staiistischeu LandesamieS nur die Ergebnisse für die Zeit vom 15. Juli bis Okiober mit. Daraus ergibt sich, dah unter den 7700 Gesuchen der Tabakarbeiter als der Unter- stützung berechtigt 4951 anerkannt, 530 abgelehnt und 2219 noch unerledigt geblieben sind. Die bis Ende Okrober ausbezahlten Unterstützungen ergaben den Beirag von 129203.84 M. Die Vorentscheidungen einsprachen den bundesrätlichen AuSführungs» hestiwrnungen vom 26. Juli d. I., doch wird nunmehr nach den endgültigen Aiiweisungei» vom 29. November verfahren werden, die .zur Wohrung gewisser berechtigter Wünsche der Tabakarbeiter" getroffen seien. Diese Miiieilung der Regierung steht im Zusammen- hang mit der von der sozialdemokratischen Fraktion eingereichten Interpellation._ Ein Zentrums-Trick. Gegen daS badische Bierstenergcsetz will jetzt angeblich das Zentrum stimmen. Da auch die Sozialdemokraten prinzipiell gegen dieses Gesetz stimmen, wäre, wenn das Zentrum seine Drohung wahr macht, eine Mehrheit für den Gesetzentwurf nicht vorhanden. Dann wäre in Baden ein Kaiiflikt gegeben, den man bei der An- »(ahme der Biersteuer im Reichstage sicherlich nicht vorausgesehen hat. Da daS Zentrum die Biersteuererhöhung im Reiche mit bewilligt hat. so ist diese Haltung in Baden nichts als ein durchsichtiger demagogischer Trick,> Ocfterrdch. Ein politischer Prozest. Wien, S. Dezember. Margen beginnt hier die Schwur- gerichtöverhandlung über die Ehrenbeleidigungsklagc, welche von kroatischen Abgeordneten gegen den Schrift- peller Dr. F r i e d j u n g und den verantwortlichen Redakteur der „Reichspost" erhoben wurde. Die-Gesamtzahl der Kläger gegen Dr. Fxiedjüng beträgt 52. 51 Abgeordnete brachten eine Gesamt- klage ein. ausserdem erscheint als Einzejlkläger der Abgeordnete Franz S u p i l o, der von Dr. Friedjung in seiner Beschuldigung ausdrücklich genannt wurde. Tie Klage gegen den Verantwort- lichen Redakteur der«Reichspost" wurde von drei Abgeordneten eingebracht._ Das Budgetprovisorium. Wien, 9. Dezember. Abgeordnetenhaus. Bei der Fortsetzung der ersten Lesung des Budgetprovisoriums wies der Finanz- minister auf dessen besondere Wichtigkeit hin. Eine Ablehnung würde insbesondere die Möglichkeit ausschliehen, Jnvesti- t i o n e n für die Staatsbahnen zu effektuieren. Der Minister ver- wahrte sich sodann gegen den Vorwurf, als ob er ein falsches Budget vorgelegt hätte, als ob kein Defizit vorhanden wäre und die Einnahmen des Zollgefälles unrichtig eingesetzt wären, ebenso protestierte er gegen den Vorwurf der JndustriefeindlicH- keit." Bezüglich der Einkommensteuer trat er für Gewährung der Einsicht in die Bücher ein, eine Massnahme, die nur bezwecke, die Mehrheit der Ehrlichen gegen die Minderheit der Unehrlichen zu schützen.. D?r Minister schloß mit der dringenden Bitte um rascheste Erledigung des Budgetprovisoriums und der Anleiheermächtigung. - Die Krise. Rom, 9. Dezember.(Privatdepesche des„Vorwärts".) S o n n i n o s zweideutige Haltung in den kirchenpolitischen Fragen hat die der demokratffchen Gruppe angehörigen Politiker veranlasst, aus. den Eintritt in das Mstii stewium zu verzichten, da sie Portefeuilles nur annehmen wollen, wenn die.Schule verstaat.lich.t,. der Religionsunterricht aus der Schule entfernt und die Ehescheidung eingeführt ivird. Darauf will aber Sonnino nicht eingehen und es ist möglich, daß er auf die Bildung des Ministeriums überhaupt ve rzi ch tesi wird. In diesem Falle würde wahrscheinlich Sa cchi mit der Kstbinettsbildung betraut werden,' was.ein radikales Ministerium bedeuten würde.', Mspokko. Frankreich und Mulay Hasid. Paris, 3. Dezember. Aus. Tanger wird gemeldet: Der infolge der Grausamkeiten Mulay Hafids von der franzi> fischen Regierung erlassene Befehl, nach dem die französischen Jn- struktionSoffiziere an Expeditionen von MahallaS nicht mehr teil- nehmen, sondern sich auf ihre. Rolle als Jnstruktidnsoffiziere be- schränken sollen, hat den Sultan lebhaft verstimmt. Er beauftragte El. Mokri, gegen den Befehl Einspruch zu erheben. Die frag- zösische Regierung antwortete, sie werde den Btfehl unter drdi Bedingungen zurückziehen: erstens müsse sich Mulay' Hb fid schriftlich allen Signatarmächten der Algecirasakte gegenüber ver- pflichten, die Folterungen in Marokko abzuschaffen, zweitens die jüngst angeworbenen türkischen Jnstruktionsoffiziere unverzüglich zu entlassen, drittens alle zwischen Frankreich und dem Machsen schwebenden Fragen in befriedigender Weise zu regeln._ Ein neuer Kronprätendent. Udschada, ö. Dezember. Einem aus Eingeborenenkreisen stammenden Gerücht zufolge ist der Bruder des Sultans. Mulay K e b i r, in Taza eingetroffen und von der dortigen Bevölkerung. die über die immer neuen Steuern unzufrieden ist. zum Sultan ausgerufen worden._ Hus der Partei. Die Sozialdemo kratke im westlichen Westfalen. Dem Geschäftsbericht des Landes Vertrauensmannes entnehmen wir noch folgende Angaben: Die allgemeinen Einnahmen deS LandesveriranenSmannes betrugen 1907/08 10 083,92 M.. die Ausgaben 9739,33 M., der Bestand 844,59 M. Unter den Einnahmen waren 3000 M. Zuschuß, von der Zentral» parteikasie zu Berlin. Im Jahre l908/09 betrugen die allgemeinen Einnahmen l3 133,37 M.. die Ausgaben 12 857,07 M., der Bestand 231,30 M. Unter den Einnahmen waren 3900 M. Zuschuß aus der Zeulralparteikaffe zu Berlin und 240 Zuschuß deS niederrheimschen Agitationskomitees zu Elberfeld. Die Organisarionen des Bezirkes haben an die Zentralparteikasse in Berlin abgeliefert 1907/03 6503.97 M., 1908/09 8871,03 M. Die Kosten der Landtagswahlen >908 kosteten für alle Wahlkreise des Bezirkes zusammen' rund 20 OVO M. Die Summe wurde vom Bezirk alleit» aufgebracht. Zum prruhischen Parteitag. In Frankfurt am Main wurden als Delegierte �is Genossen Heider. Dr. Ouarck und Wittich gewählt, Warnung. Das Parteisekretariat Nürnberg. schreibt: Vor einigen Tagen ging eine Notiz durch die Parteipresse, nach welcher in Frankfurt a. Mi ein Pole namens Wein- berg er mit. gefälschtem Empfehlungsschreiben der Genossin Luxemburg von Paiteigenossen Gelder herausgelockt hpt. Bereits am 25. Oktober ist i» der Nürnberger Parteiorganisation daS gleiche Manöver gemacht worden, nur wurde es hier durch eine Frauensperson, namenS Therese Weinberger. verübt. Mit einem Schreiben einer schlesischen Parteiorganjs�tion versehen, gqb sie ay, ihr Mann sei wegen politischer Betätigung auS Polen auS- gewielen; da er sich in der Schweiz aushalte, wolle sie mit ihren zwei Kindern nachfahren. Da diese Angaben durch die vor- gelegten Schriftstücke Bestätigung erhielte», wurde Reisegeld bis München bezahlt. Nunmehr am 5, Dezember wurde diese Wein- berger in Nürnberg wieder gesehe», und die Recherchen haben lergeben, daß man es mir einer Schwindlerin zu tun bat, die einer grösseren Gesellschaft von Schwindlern angehören soll. Die Kriminalpolizei hat sich der Angelegenheil angenommen. Da z» befürchten ist, daß die Weinberger weitere derartige Manöver niachen wird, geben wir folgendes Signalement: Die Therese Weinberger— sie reist auch unter dem Namen Koch steht Mille der 30er Jahre, hat mittlere Statur, schwarzes Haar, das auf beiden Seite» in die Snrn hineingekämmt ist, spricht gut deutsch und macht sonst einen sehr vornehiuen Eindruck. Diese Weinberger reist gegenwärtig in der Gesellschaft einer anderen Frauensperson, die sich Emma Ulrich neimt. Diese reist aber auch auf den Namen Weiß. Diese Person steht anfangs der 30ev Jahre. mittlere Statur, blondes Haar und spricht cbensalls ein reines Deutsch. Gebürtig sollen beide Pertonen an« Ungarn sein. Sollten sie sich irgendwo blicken lassen, so ist deren Festnahme durch die Polizei zu bewerkstelligen und die Kriminalpolizei sofort zu verständigen. Ein Experiment der schwedischen Partcipresse. Stockholms„Socialdemokraten" wird vom 1. Ja- nuar 1910 ab in einer besonders billigen Landauslage erscheinen, die für diejenige» Proletarier in den von der Hauptstadt mehr entfernt liegenden Landorten bestimmt ist, denen der Abonne- mentspreis der Hauptauflage— 10 Kronen für? ganze Jahr, 00 Oere für den Monat— nicht erschwinglich erscheint. In der Land- auslage wird das Blatt in etwas geringerem Unisange herauskommen und nur 6 Kronen das Jahr, 60 Oere de» Monat kosten.— In Schweden sind durch den gewaltigen wirtschaftlichen Kamps dieses Sommers die Klasseiigegensätze schärfer als je geworden. Die Massen des arbeitenden Volkes sahen, wie sie von den bürgerlichen Blättern. aüch solchen, die sich sonst recht freisinnig und volksfreundlich ge- berdeten. im Stich gelassen wurden. Sie boykottierten diese Blätter. „SocialdemokratenS" vbonnentenzahl ist seitdem auf fast daS Doppelte gestiegen. Aber namentlich in der weiteren Umgegend Stockholms waren noch manche Proletarier, die bei ihrem elenden Einkommen auf die billigen, mit ungeheuren Massen von Annoncen überladenen Kapitalisteublätter abonniert hatten, um überhaupt eine Zelluiig zu haben. Ihne»! wird, nun' Gelegenheit geboten,' daS Zentralorgan ihrer eigenen Partei in der billigen Landauflage zu halten. Sasiaies. Skandalöses Wohnungselcnd. In der Gemeinde Ahlem, Kreis Linden, liegt unweit des Pa- lastes eines Millionenbauern das Gemeindearmenhaus. Schon die Lage des Gebäudes läßt zu wünschen übrig; es liegt etwa einen Meter tiefer als die dicht Vvrüberführende Landstraße. Bedeutend trostloser sieht es im Innern aus. Die eine„Wohnung", bestehend aus dem Hausflur, der als Küche eingerichtet ist, einer Wohn- stube und einezn Schsafgeyiach, wird von einem Greisep-Ehepaar mit' ihrem 16 Jahrd. alten ungesunden Sohne bewohnt.'Das Ein- kommen dieser Familie besteht aus 28 M. monatlicher Unfallrente des jetzt 70jährigen Mannes. Das Schlafgemach dieser drei Per« sonen, dessen'Hintere Wand etwa einein. Meter hoch recht feucht ist, mißt rund 20 Kubikmeter. Stube und Küche sind hcllbwe�s ge- räumig. Desto skandalöser sind die Zustände in der anderen ArmenhäuSler-Wvhnung, zu der det. Weg durch die erwähnte Küche führt. Zwei kleine, je mit einem Fensterchen verfechne Zimmerchen, rund 3,50 mal 2,80 Meter gross und 2,70 Meter hoch. Die Wände des einen Raumes, der, zugleich Koch- und Wohnraum, find wie mit'Löchern' besät und von unbeschreib- licher schmutziger Farbe, die Decke ist vollständig schwarz. Die ganze Ausschmückung dieses Arbeiterheims besteht aus vier ärmlichen Brettstühlen, einem einfachen Tisch, einer Sitz- gelegenheit, die ehemals ein' Sofa vorstellte, einem> Gerät. das ein Küchenspind vorstellen soll, und einem.. recht be- scheidenen Kochherd. Ein Fenster in der Grösse von etwa 1,20 mal 0,90 Meter erhellt nur notdürftig den Raum. Das„Schlafgemach",.' in das wir uns nur mit Muhe und Not hineinzwängen, wird von zwei ällerbescheidensten Bettest, zu'drden Fußenden ein'Koffer und- ein Kinderwägelchen stehen, dermaßen ausgefüllt, daß der Zutritt erschwert wird..Die Hintere Wand ist so feucht und in einem solch skandalösen Zustande,, daß als Ver- fasser sich über die Feuchtigkeit vergewissern wollte und die Wand betastete, seine Finger eine schwarze klebrige. Masse aufwiese�, die erst später unter Zuhilfenahme reichlicher Seife beseitigt werden konnte. Das Fenster, in der Grösse wie vorhin angegeben, kanst wegen des davorstehenden- BettoS nicht geöffnet werden. Die Flügel öffnen sich nach innen. In beiden Räumen herrschte eine Atmosphäre, die uns beim Eintreten fast den Atem benahm. Und hier Hausen, kaum glaublich, aber wahr, Mann, Frau und sieben Kinder! Die Kinder im Alter von 4. Pio»qten bis zu'IS/Jahrtst. Frau und- Kinder ein Bild des JammerS, lebende Anklagen deS Gegenwartsstaates. Der Ernähre» dieser zahlreichen Familie vtt- dient wöchentlich �— 21 M. Göttliche Weltordnung l Arbeitslosenversicherung in Nürnberg. Sin vom Nürnberger Stadtznagistrat. eingesetzter Ausschuß hat Bestimmungen äufgestellt für eine zu errichtende Arbeitslosen» Versicherung. Diese baut sich nach einem gemischten System aus, daS Genter- und das Bernei>System sind miteinander kombiniert. Für. daS reine Genter-System. kannte man sich nicht entschließen, weil- eS den liberalen Unternehmern in der Nürnberger Stadtver- waltung zu viel Rücksicht auf die Arbeiter nimmt. Es wird nun eine Arbeitslosenversicherungskasse eingerichtet, die folgende Unter» stützungssätze gewährt: Für Ledige bis zum-Alter von 25 Jahren 6 M., für ältere ledige Personen und getrennt lebende Frauen 3 M., für verheiratete Männer 10,50 M. pro Woche. Die Unter» stützung wird von der zweiten Woche nach Eintritt der Arbeits« losigkeit ab auf die Dauer von'60 Tagen gewährt. Mitglieder'der Kasse können werden alle in Nürnberg wohnenden und arbeitenden Personen im Alter von 16 bis zu 60 Jahren; verheiratete Frauen können nur Mitglieder werden, wenn sie getrennt leben und nicht von anderer Seite.unterstützt., werden.-Nicht"zugelassen werden dauernd Erwerbsunfähige und Personen, deren Durchschnittsein- kommen mehr als 2000 M. jährlich beträgt. Die Versicherten haben Wochenbeit'räge von 15 Pf.(Ledige bis zu 25 Jahren), 18 Pf. (ältere ledige Personen und getrennt lebende Frauen) und 25 Pf. (verheiratete Männei!) zur Kasse zu entrichten. Für die Saison» arbeite! sind die Beiträge, um je 5 Pf. höher bemessen. Die Unter- stützungsberechtigung tritt erst nach einjähriger MitgUedschaft ein. Sind Unterstützungen für 60 Tage bezogen, so sind spätere Untere stützungen davon abhängig, daß das Mitglied seit der letzten Unter- stützung für mindestens 40 Wochen Beiträge geleistet hat. Arbeits- losigkeit, die durch Streik.'Aussperrung, Krankheit oder eigenes Verschulden hervorgerufen ist. ist nicht unlcrstützüngsberechtigt; ebenso wird keine Unterstützung gewährt an Arbeitslose, die nach- gewiesene Arbeit nicht annehmen, auch wenn sie außerhalb de? Berufes liegt, sofern sie nicht verhältnismässig viel schwerer als die gelernte und geübte, oder wenn zu befürchten ist, daß sie zu einer Beeinträchtigung, der Fertigkeit im. gelernten Berufe führen könnte.. Nachgewiesene Arbeit ausserhalb Nürnbergs muß von alleinstehenden Personen auf jeden Fall, von Familienvorständen nur dann angenommen werden, wenn die Ohsorge für die Famifix und der Verkehr mit ihr nicht erheblich erschwert wird. Streik- und Aussperrungsarbeit muß nicht angenommen werden. Zur Deckung der Unterstützungen leistet die Stadtkasse einen Zuschuß vpn 50 Pf. für jede unterstützte Person, reichen die Mittel nicht auS. so bleibt Erhöhung der Wochenbeitrqge vorbehalten-. Ausser, dem wird an die Arbeitervereinigungen für jedes Mitglied. daS durch diese Vereinigungen gegen Arbeitslosigkeit versickert ist und die Arbeitslosenunterstützung in Anspruch nehmen muß, pro Tag und Person ein Zuschuß von 50 Pf. gewährt. Sind die gewerk- schaftlichen Unterstützungssätze höher oder niedriger als die det städtischen Unterstützuugskasse, so behält sich die Stadt vor, ihren Zuschuß entsprechend zu vermindern oder zu. erhöhen.. Die. Ver» waltung erfolgt durch einen' ckuS fünf Mitgliedern bestehenden Ausschuß, zu dem die städtischen Kollegien zwei,' die Arbeiterver. einigungen ebenfalls zwei und die Mitglieder der Arbeitslosen- versicherungSkasse eigen Vertreter stellen.,..., Wann wird Berlin, der wiederholten Anregung der Sozial- demokraten entsprechend, eine Arbeitslosenversicherung einrichten 7 Staatliche Arbeitslosenversicherung in der Schweiz. Der Große Rat des Kantons Genf hat auf Antrag der sozial« demokratischen Frallion ein Gesetz belressend die staalliche Arbeits» losenversicherung angenommen, daS im wesentlichen folgendes be- stimmt: Der Staat garantiert den Gewerkschaften aus die Dauer von zebw Jahren eine Entschädigung von 60 Proz. der an ihre arbeitslosen Mit- glieder geletstelen Uitterstützung. Die Organisationen hoben sich alljährlich auf der Siaatskanzlei einzutragen und ein Exemplar ihrer Statuten und Reglemente über die Arbeitslosenversicherung zu deponieren sowie sich ins Handelsregister eintragen zu- lassen.' Die Vereinigungen sind gehalten, für die Arbeitsloienversichetuiig gesondert Buch zu führen. Die staatliche Unterstützung gilt nur für OOArbeitslosen- tage desselben Mitgliedes im Jähre, das überdies 1 Jahr im'Kanton Genf cmsässig fein oder einer schweizerirchen Arbeitslosenkasie angehören muß. Der Staatsbeitrag wird jeivcilen nach dem Onartalabschluß bei Vorweisung der Belege über die geleistete Unterstützung aus- bezahlt Der Staat liefert die nötigen Formulare und Kontroll- scheine. Nach diesem Gesetze ist also jedes linterstütziingsberechtigte Mit- glled eines schweizerischen gewerlkchaftlichen ZentralverbandeS, das im Kanton Geirf wohnhaft ist. berechtigt, ans die StaatSmiterstützung Anspruch zu erheben, die z. B. bei 2 Frank- täglicher Unterstützimg 1,20 Frank. beträgt, womit sich die gesamte Unterstützimg auf 3.20 Frank erhöht. Vorläufig kommen etwa 2000 Arbeiter in Be- tracht. deren Zahl sich aber bald vermehren wird. Es. ist, die«. daS erste derartige Gesetz in der Schweiz» da» jetzt- vom Kanton Gens geschaffen worden ist. 0ewcrfcrd>aftltchee« Sin Seil von jener Kraft I Die agitatorische Bedeutung der Hausagitation ist durch die Erfolge, die der Bergarbeiterverband in den letzten Wochen daniit erzielt hat. aufs neue dokumentiert worden. Wenn auch der Arbeitsnachweis der Grubenbesitzer die treibende Kraft für die Erfolge war. so muß doch berücksichtigt werden, daß die allermeisten der Neugewonnenen nur durch die mündliche Aufforderung der organisierten Mitkameraden den Weg zur Organisation gefunden haben. Wie die neueste Nummer der „Bergarbeiter-Zeitung" mitteilt, ist nicht nur die Scharte aus- gewetzt, die die wirtschaftliche Krise im Frühjahr und Sommer geschlagen, sondern die Mitglicderzahl hat sich weit über den alten Stand hinaus gehoben. So hat z. B. die Zahlstelle Brambauer(in runden Ziffern) durch die letzte Hausagitation Rtv Mitglieder gewonnen, die Zahlstellen Schmidthorst llttv, Erle I und II 170, Recklinghausen-Süd 110, Westenfeld 80, Wattenscheid 220, Rotthausen 100, Herne 125, Dortmund 150, Suderwick) 80, Fahrn 30, Gladbeck 60, Rentfort 75, Bottrop 50, Osterfeld 50, Hamme 140, Bochum (Stadt) 70, Alteubochum 65, Bismarck 100, Ober» Marxloh 110, Hamborn 100, Herten 100, Hövel 50, Horstermark und Horst a. E. zusammen 280, Hüls 50, Mors 65 Mitglieder. In gleicher Weise machten andere Zahl- stellen Fortschritte. Von dieser Agitation profitiert auch nicht zuletzt die Varteipresse. Das„Bochumer Volksblatt" hat z. B. durch Hausagitation seit dem 1. Oktober d. H. überZOOOneue Abonnenten gemacht und hat letzt seine Auflage über lövlll) Exemplare gesteigert. Aehnliche Fort- schritte hat die Parteiprcsse in den übrigen Revieren des Jndustriebezirks zu verzeichnen. Deutfckus Reich. Zu dem Ergebnis der Tarifverhandlungen fal Baugewerbe nimmt der Verband der Zimmerer in einer aufcer- ordentlichen Generalversammlung Stellung, die nur zu diesem Zwecke einberufen wird._ Tarifbewegung der Maler. In Wiesbaden nahm eine sehr stark besuchte Versammlung Stellung zum Ncichstarif. Die Versammlung entschied sich nach einem zweistündigen Referate des Geschäftsführers gegen vier Stimmen für das Reickstarifmuster und für die weiteren zentralen Verhandlungen._ Palastrevolution im Bergbaulichen Verein? Bergrat Kleine hat den ersten Vorsitz im Bergbaulichen Verein niedergelegt. An seine Stelle wurden Generaldirektor R a n d e b r o ck- Gelsenkirchen und Generaldirektor Luethgen- Tahlbusch-Rotthausen gewählt. Die Neuwahlen sind auf Differenzen ig Fragen des Arbeitsnachweises zurückzuführen. Arbeitslos enzahlung. Bei einer gestern und heute in Karlsruhe vorgenommenen Arbeitslosenzählung wurden 458 Arbeitslose gezählt. Von diesen waren 217 verheiratet, die 336 Kinder unter 14 Jahren haben. Diese Zahlen bestätigen, dah in Karlsruhe die Arbeitslosigkeit schon jetzt eine ziemlich starke ist. Wer nicht arbeitet,.... Der Magistrat in Augsburg hatte kürzlich, veranlagt durch das Drängen der Regierung, einen schüchternen Versuch gemacht, auf dem Gebiete der Arbeitslosenversicherung einen Schritt nach vorwärts zu tun; auch stellte er zu diesem Zwecke verschiedentlich Erhebungen an. Gegen dieses Vorhaben wird nun seitens der Unternehmer und deren Korporationen mit allen Mitteln Sturm gelaufen. Nachdem bereits Landratskammer, Jnnungsausschüsse und Jndnstrieverein sich einstimmig gegen jede Arbeitslosenversiche- rung ausgesprochen hatten, hat nun auch die Handelskammer für Schwaben zu der Frage Stellung genommen und nach einem Referat des Syndikus Dr. Büttner einstimmig beschlossen, an den Stodtmagistrat Augsburg das dringende Ersuchen zu richten, von der Einführung einer gemeindlichen Arbeitslosenfürsorge unter allen Umständen abzusehen. Begründet wurde die ablehnende Hal- tung der Handelskammer damit, dah eine gemeindliche Arbeits- losenfürsorge der Unparteilichkeit und Gerechtigkeit widerstreite, daß eine Arbeitslosenversicherung in erster Linie zur Förderung der sozialdemokratischen Gewerkschaften beitrage und dah die von der Gemeinde zu leistenden Zuschüsse in der Hauptsache von den Unter- nehmern aufgebracht würden. Es ist nun selbstverständlich, dah die unternehmerfromme Stadtverwaltung in Augsburg den Wünsckien der Industriellen in vollem Masse Rechnung trägt, zumal die Unternehmer nicht ver» fehlen werden, den nötigen Nachdruck hinter ihre Wünsche zu setzen. Und im Grunde ihres Herzens sind ja die Mitglieder des Magistrats der gleichen Meinung wie die Industriellen. DaS kam bei der Beratung eines sozialdemokratischen Antrages auf Gcwäh» rung von Geldunterstützung an Arbeitslose zum Ausdruck, wobei ein Mitglied des Gcmeindekollegiums unter dem sehr unvorsichtigen Beifall seiner liberalen Parteifreunde den Grundsatz ausstellte: Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen!— Wenn das für alle gelten soll, mühte die Mehrheit der diesem Grundsatze huldigenden Liberalen elend verhungern. fflusltnck. Skandinavische SngcwerkSarbciter- Union. In Stockholm hielten dieser Tage Vertreter der schwedischen, dänischen, norwegi- schen und finnischen Sägewerksarbeiter eine Konferenz ab um ein Übereinkam inen zu gegenseitiger Unterstützung bei Lohn- kämpfen zu treffen. Das Uebereinkommen. das nun den Verbandsvorständen in den oerschiedenen Ländern zur Begutachtung vor- liegt, soll am 1. April 1916 in Kraft treten. Es wird zirka LS 999 Arbeiter umfassen._ auf Da» P hra« gMi«—' Iftfft fcjntt?«S avK Svf«e HanS-, jene mit 3 799 990(3 881 999)' Tonnen Güter, zu Tal IS 114 (29 697) beladene und 13 626(13 964) unbeladene Schisse, jene mit 3 989 999( 2 979 999) Tonnen Güter. Schandau(Elbe) passierten zu Berg(Ausfuhr) 3252(3948)j Minister Lee Geladene Schiffe mit 646 999(634 999) Tonnen Güterladung und 5135( 5529) unbeladene Schiffe, zu Tal(Einfuhr) 8684(9262); lungen an.— Der australische Staat gegen die Bergleute. AuS Sydney wird telegraphisch gemeldet: machte bekannt, dah die Regierung auswärts fiinfzigtausend Tonnen 5tol,len bestellt habe und weitere fünfzigtausend folgen lassen werde, falls der Streik noch zehn Tage anhalte. Von mehreren Schiffs- Maklern sind Angebote auf Lieferung von ausländischen Kohlen eingegangen. Huö Industrie und Handel. Hochkonjunktur für Agrarier. Trotz Krise, Arbeitslosigkeit und alledem— die Agrarier haben gute Zeiten. Ei» Blick auf die Marktlage der wichtigsten land- wirtschaftlichen Erzeugnisse zeigt, dah die Gewinne der Agrarier durch die industrielle Stagnation keine Schmälerung erfahren haben. In 59 preußischen Städten stellte sich der Fleischpreis per Kilo- gramm in Pfennigen wie folgt: Rindfleisch. Kalbfleisch. Hammelfleisch Schweinefleisch Im Oktober wurde die Art der Preisnotierung wesentlich ge- ändert, die Zahl der Wcrtklassen im Schweinehandel erfuhr eine Gleichzeitig setzte sich die Preissteigerung in Per 59 Kilogramm Lebendgewicht wurden Vermehrung um zwei. scharfer Tendenz fort. gezahlt(Mark) w 1907 Berlin...... 56,7 Hamburg Breslau. Dresden. Köln.. Frankfurt a. Stuttgart. M. 69,4 52.3 68.2 53,3 53.5 69.7 190» 61.7 63.8 58,3 63.5 59.8 66,1 65,4 »909 67,6 69,7 72,9 79,9 67.7 75.5 78,1 O selig, o selig, ein Schweinezüchter zu sein l— Aber auch die Getreide Produzenten können mit der irdisckien Vorsehung zu- frieden sein. Die Mehlausfnhr bat sich in den ersten drei Onartalen auf 44'/, Millionen gegen 28 Millionen Mark im gleichen Zeitraum des Vorjahres gehoben, und zwar belief sich der Export 1998 1999 1998 1999 an' Mill. Mark Meterzentner Von Roggenmehl. 6,92 13,13 S94 227 621 766 . Weizenmehl, 29,94 81,32 984 367 1978 993 Dabei springt in die Augen, um wieviel mehr sich der Wert der Ausfuhr als die Exportmenge gehoben hat. Insbesondere beim Weizenmehl ist die.Spannung', d. h. die Preisdifferenz eine starke. Sie wird vom deutschen Michel getragen.— Zwar ist der Preis des Roggenniehls ein wenig gesunken; aber die Brot preise sind in 27 von 59 Orten im August und September gleich gebliebe» und aucki seither hat sich die Spannung zwischen Mehl- und Brotpreis nicht. verringert. Wo es aber geschehen ist, bleibt der Rückgang des letzteren trotzdem hinter der Preisermässigung deS RoggenmehlS. Die HSchsteu Weizeupreise feit 10 Jahreu brachte uns das 3. Quartal deS laufenden Jahres. Wir entnehmen dem jetzt erschienenen Vierteljahrsheft zur Statistik des Deutschen Reiches folgende Angaben über die Entwickelung der Getreidepreise an den Hanpthandelsplätzen in den letzten beiden Jahren, denen wir aus früheren Veröffenllichungen diejenigen des Jahres 1999 zur Seite stellen. Es kosteten per 1999 Kilogramm im dritten Vierteljahr eizen Roggen 1993 1999 M. M. 219,6 150,9 Berlin... Mannheim. Wien... Budapest.. Odessa... Paris... Amsterdam. London,(weiss, bester).. London(Gazette average.. 187,5 Chicago.. 162,3 Buenos Ahres— 1909 M. 238,7 253.0 268,3 249,3 169,2 199,7 195,9 236.2 215,4 198,0 176,0 184.7 183,8 179,9 143.7 125,3 115,4 164,1 132,6 1909 M. 182,2 180.6 174,9 165,8 125,0 136,6 137,5 1908 M. 179,9 193,0 172,0 160,5 143,0 139.9 154,4 1900 M. 143.5 156,1 125,8 113,1 93,8 117,3 113,9 195,1 156,5 141,1——— 146,0 144,9 167,8 134,6 116,7 108,4 Die Antwort des. amerikanischen ArbeiterbundeS das Boykottverbot. Der Kongreß des amerikanischen Arbeiterbundes nahm gegen; kanais: Eberswalde; der Weser: Bremen; der Ems: Emsloachtschiff daS Boykottverbot eine entschiedene Stellung ein. Der Bericht des, und Emden; des Dortmund— Ems-Kanals: Schleuse bei Meppen Mit einem Preise von 238,7(Berlin) resp. 253,9(Mannheim) M. für die Tonne Weizen hat atso Deutichland nicht allein den höchsten Preis der letzten zehnjährigen Periode erklommen, sondern es steht auch mit Ausnahme von Oesterreick, dessen verkehrte Zollpolitik mit der Deutscklands wetteifert, mit diesen Preisen an der Spitze aller Länder. Interessant ist es auck, die Spannung zwiscken den Jahren 1999 und 1999 zu vergleichen, Ueberall hat eine nicht unbeträchtliche Steigerung der Preise staligefnnden. Während die Steigerung aber in Chicago z. B. nur 46 M., in London 54 M. reip. 53 M., in Amsterdam 63,3 M., in Paris 35,6 M. und in Odessa 54 M. beträgt, stellt sie sich i» Berlin auf 82,7 M. und in Mannheim ans 73,1 M., in welcker Differenz deutlich die inzwischen eingetretene Zollsteigerung zum Ausdruck kommt. In bezug aus die Roggen preise macht überhaupt kein Land Deutschland den ersten Platz streitig. Auch hier hat gegenüber dem Jahre 1999 eine enorme Steigerung staligefnnden, dock wurden die diesjährigen hohen P>eise bereits einma», und zivar von denen des Jahres 1997 übertroffen._ Binnenschiffahrt. DaS 4. Vierteljahrsheft 1909 zur Statistik des Deutschen Reichs 9 bringt eine Uedcrsicht über den Verkehr an den wichtigsten Punkten" der deutschen Ströme, Flüsse und Kanäle in den Jahren 1872 bis 1998. Es sind dies für den Verkehr: der Stemel: Schmalleningken; der Deime: Labiau; des Pregels: Königsberg; des Frischen Haffs: Pillau; der Weichsel: Thorn; des Bromberger Kanals: die 2. Schleuse(Bromberg); der Oder: Kasel und Breslau; der Warthe: Küstrin; des Öder— Spree-Kanals: Fürstenberg(Untere Schleuse); der Elbe: Hamburg, Magdeburg und Schandau; der Havel: Rathenower Schleusen; der Spree: Berlin; des Finow beladene Schiffe mit 2 598 999(2 897 999) Tonnen Ladung und 11(22) unbeladene Schiffe. Ter Durchgang an den Rathenower Schleusen(Havel) belies sich zu Berg auf 19 768(19 277) beladene Schiffe mit 2 759 999( 2 656 999) Tonnen Ladung und 263( 365) unbeladene Schiffe, zu Tal auf 3543(3399) beladene Schiffe mit 522 999(597 999) Tonnen Ladung und 5449(5719) unbeladene Sckiiffe, In Verlin(Spree und Kanäle) betrug die Ankunft zu Berg 15 714(17 975) Schiffe mit 2 769 999( 3 958 999) Tonnen Ladung und 913(1625) unbeladene Schiffe, die zu Tal 19 924 (13 592) Sckiiffe mit 2 219 999(2 827 999) Tonnen Ladung und 2552(2156) unbeladene Schiffe, in Eberswalde(Finowkanal) der Durchgang zu Berg(Richtung nach der Havel) 19 974(12 913) Schiffe mit 1 699 999(1872 999) Tonnen Ladung und 299(162) unbeladene Schiffe, der Durchgang zu Tal(Richtung nach der Oder) 3227(3441) Sckiiffe mit 451 999(499 999) Tonnen Ladung und 5293( 5922) unbeladene Schiffe. In Emmerich(Rhein) wurden beim Durchgange zu Berg (Einfuhr) zusammen 22 279(25 787) Schiffe mit 14 193 999 (16 999 999) Tonnen Ladung und 4596( 4114) unbeladene Schiffe, beim Durchgange zu Tal(Ausfuhr) 21 972(29 264) beladene Schiffe tgit 7 625 999(7 189 999) Tonnen Ladung und 5828(9659) unbeladene Schiffe, in Tuisburg-Ruhrort als abgegangen zu Berg 4994( 5164) Schiffe mit 3 917 999(3 645 999) Tonnen Ladung sowie 546( 865) unbeladene Schiffe, zu Tal aber 8994( 8129) Schiffe mit 3 978 999( 2 273 999) Tonnen Ladung und 1494(1956) unbeladene Schiffe gezählt. In Mannheim(Rhein) kamen an zu Berg 9789 (9993) Schiffe mit 4 693 999(4 886 999) Tonnen Ladung, zu Tal 1623( 2334) Schiffe mit 192 999(112 999) Tonnen Ladung. Ueber die Zahl der unbeladene» Schiffe liegen für letzteren Platz bei der Ankunft zu Berg für 1997 und 1998 sowie bei der Ankunft zu Tal für 1997 keine Angaben vor; für 1993 wurden 4 Schiffe als zu Tal angekommen notiert._ Die Trusts. Wie der„New Dork Herald" erfährt, haben Pierpont Morgan u. Co. die Mehrzahl der Aktien der„Equitable Life Assurance Society" erworben und sich somit die Kontrolle in der genannten Gesellschaft gesichert. Die Millionenfirma Morgan u. Co. hat damit die Allgewalt im Lcbensversicherungstrust erlangt. Diese Kapitallonzentration in Nordamerika ist zweifelsohne eine der gewaltigsten E» scheinungen im ökonomischen Leben der Gegenwart. In Nordamerika bestehen zurzeit 449 Trusts, in denen gegen 9999 Firmen verschmolzen sind. Allein sieben dieser Trusts, darunter der Petroleum-, Kupfer-, Zucker- und Tabakarbeitertrust, verfügen über ein Kapital von über 19 999 Millionen Mark. Ein jeder der sechs grossen Eisenbahntrusts besitzt 4999 Millionen, der Pierpont Morgan-Trust allein 5999 Millionen Mark. DaS ge- samte Bahnnctz Nordamerikas, dessen Durchführung 59 996 Millionen gekostet hat, ist in Händen von 2999 Gesellschaften, di das Publikum schröpfen, so gut sie eben können. Dreiviertel dieses Bahnnetzcs jedoch— mehr als daS vc ganz Europa zusammen— ist in Händen von sieben Persona Morgan, Harriman, Vanderbilt, Frick, Hill, Gould, Moore. Der Stahltrust schloss das Jahr 1996 mit einem Nettogewin von 533 Millionen ab. Er beschäftigt zurzeit 179 999 Arbeix Der Hauptaktionär Carnegie verdient an ihm jährlich 89 Millio» d. h. also, er steckt 89 Millionen Ueberschuss, den die Arbeit zusammenscharren, in seine Tasche. Gerade dieser Tage Hai sich wiederum ein Trust gebildet, w einer der grossartigsten seiner Art. ein Trust, der die Telegrapl)>..q und Telephonleitungen ganz Amerikas umsaht. An der Spitze d« Unternehmens steht Mr. Theodore Vail, ein Outsider, der sein Laufbahn als Telephonarbeiter der„Union Pacific Railtvah" be. gann. Der Trust umfaßt ausser den grossen Gesellschaften: The New Dar! Telephone Comp., The Chicago Telephone Comp., Th New England Telephone and Telegraph Comp., The Southerr Telephone Comp., The Western Telephone und Telegraph Comp noch eine ganze Anzahl.___ DiSkonterWäßignng. Die Bank von England hat am Donnerstag die schon längst ersehnte Ermässigung des Diskonts von S auf 4& Proz. be- schlössen. �et2te Nacbncbtcn und Depcfcbcn. Eine Lektion. Paris, 9. Dezember.(W. T. B.) Mehrere Hoch- und Mittel- fchulprofessoren haben gegen den Erzbifchof von Paris, Monsignvre Amctte, vor dem hiesigen Zivilgericht einen Prozeß angestrengt, weil er als Mitunterzeichner des jüngsten Hirtenbriefe» des franzö- fischen Episkopats den Gebrauch der von ihnen vcrfassien Lehrbücher ..in der entschieden st en und beleidigendsten Weise" untersagthatte. Jeder einzelne Kläger beansprucht eine Entschädigung von 19 999 Frank. Der Präsident des Zivil- gerichts hat das Klagcbegehren als berechtigt anerkannt und die Kläger ermächtigt, dem Erzbifchof aufzutragen, in drei Tagen vor dem Zivilgericht zu erscheinen. Die Vertretung der Klage hat der Senator und frühere Justizminister Balle übernommen. Gegen die royalistischen Radaubrüder. Paris, ö. Dezcknber.(W. T. B.) Wegen der lärmende» Protestkundgebungen der royalistifch-nationalen Studentenschaft gegen die Wicderernennung de» Professors Lyon-Caen zum Dekan de: juristischen Fakultät und der hierdurch hervorgerufenen Raufereien und Ruhestörungen hat der Unterrichtsminister heute nachmittag verfügt, dass diese Fakultät bis zum 12, Januar 1910 geschlossen bleibt. für diese Angelegenheit eingesetzten Komitees wurde unter grosser Begeisterung angenommen. In diesem Bericht heiht es: „Der Boykott ist unter den gegenwärtigen Verhältnissen eine notwendige und moralische Waffe und,' wie Präsident GomperS und Dortmund; des Rheins: Emmerich. Duisburg-Ruhrort, Duis. burg-Hochfeld und die am Rhewuser gelegenen gewerblichen Anlagen, Köln. Ludwigshafen und Mannheim; des Neckars: Mann. heim; der Saar: Güdingen; des Mains: Frankfurt; des Rhein— sagt, eine Waffe, die ohne Zögern in Anwendung gebracht werden � Marne-Kanals: Lagarde-Zollgrenze; der Donau: Passau sollte, wenn andere Mittel versagen und die Umstände drastische| Der Verkehr wird unterschieden nach Berkehr zu Berg und zu Massnahmen verlangen.... Wir sagen: wenn Eure Sache gerecht Tal(Ankunft. Abgang, Durck)gang), nach der Zahl der beladenen ist und jedes andere Mittel erfolglos ist. dann boykottet! Wir und unbeladene» Frachtschiffe und deren Tragfähigkeit sowie nach sagen: wenn der Arbeitgeber entschloffen ist, nicht nur erwachsene den geladenen Gütern in 1999 Tonnen beziehungsweise nach dem in männliche Arbeiter, sondern auch unsere Frauen und Kinder 1999 Tonnen ausgedrückten Gewichte der Flösse; für die Jahre 1996, Der serbische Moloch will Futter. _______________________________._______._.._. Belgrad. 9. Dezember.(W. T. B.) Nach der„Politika" ver- auszubeuten und wenn der Appell an das Gerechtigkeitsgefühl 1997 und 1998 find die Jahreszahlen eingesetzt, für die Jahrfünste � langte der Kriegsminister von dem Finanzausschuß der Skupschtina m..... o,_... f!__ v v_____ r.(TO I � u u Jf. T 1 44 C. T C, � u �-6. n 4 a«•> aoVyo«- N 1 9 f,....— ci t«« t_____ t- a,..-. Bom Schlachtfeld der Arbeit. Trier, 9. Dezember.(B. H.) Sechs auf der Karlshütte bei Diedenhofen mit Ausheben einer Fniidaiiicntgrube bc- fchäftigtr Arbeiter wurden durch nachrutfchrnde: Erdmasfenj verschüttet. Einer ist tot, einer lebensgefährlich, die vier anderen leichter verletzt. Emden, 9. Dezember.(B. H.) Der Dampfer„Lun," ist bei Tersckielling gestrandet. Bei der Bergung brach die Trosse des Schleppdampfers„Titan", wobei ein Mann getötet, ei» anderer verwundet wurde. vorher Durchschnittszahlen berechnet worden. i ausser den bereits vorgesehenen 54 Millionen aus der Staatsanleihe Der stärkste Verkehr wurde für 1998(1997 in Klammer) an die Bewilligung von 26 Millionen ffir die Ausrüstung der srrbiichrn folgenden Notierungsstellcn ermittelt: Armee und setzte infolge des Widerstandes des Ausschusses die In Hamburg-Entenwärder(Oberelbe) gingen durch: zu Berg Forderung auf 7 Millionen für den Bau neuer Kasernen herab, die , 29 322(29 768) beladene und 8193 �(19 248) unbeladene Schiffe, durch die Vermehrung der Regimenter notwendig geworden sei.' verantw. Redakt.: Richärd Barths BerlinT' Inseratenteil verantw.: rh.GtockeVBerlin. Drück u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u.BerlagSanstal» Paul Singer Le Co., Berlin LIV. Hierzu 2 Beilagen u.UuterholtungM und Vernunftgründe erfolglos find, dann boykottet! Wir sagen: wenn unsere sozialen und politischen Zustände derartig werden, daß gewöhnliche Mittel Abhilf« nicht herbeiführen, dann boykottetl Und zum Schluß sagen wir: Wir haben daS Recht zu boykotten und wir werden dieses Recht auch ausüben! f 288 26 � 1 Ktilllge des Lmmts" Kerlilttr Uolksbllltt. Keickstag. 7. Sitzung. Donnerstag, den 0. Dezember ISOS. nachmittags 1 Uhr. Am Tische des Bundesrats: von Bethmann Hollwea. Dr. Delbrück, Mermuth, Äraetke. von Tirpitz, von Schoen, Dernburg. Lisco, von Heringen. Die Tribünen sind stark besetzt, namentlich die Diplomaten- »ob lZundesrvtSlogen. Auf der Tagesordnung steht die erste Lesung des Etats. Reichskanzler von Bethmann Hollweg: Der Etat, m dessen Beratung Sie heute eintreten, ist mit be- sonderer Vorsicht und Sorgfalt aufgestellt. Dies zu tun, war für die Verbündeten Regierungen die erste praktische Forderung aus den Ereignissen der letzten Sestion. Die Einnahmen sind so ver- anschlagt, daß sich nach menschlicher Voraussicht das Ist mit dem Soll decken wird. Allen Anforderungen für die Aufrechterhaltung unserer Wehrmacht ist genügt. Allgemeine Richtschnur war es. das SKatz des unbedingt Notwendigen in keinem Ressort zu über- schreiten. Der Anleihefedarf ist soweit als irgend möglich ein- geschränkt. Mit den Regierungen werden die Parteien darin übec-- e'.nstimmen, daß es unsere erst« Aufgabe ist. dem Reiche eine solide Finvnzgebarung zu sichern sSehr richtig!) und bei der Lö- lung dieser Aufgabe werden auch die Parteien wieder miteinander arbeiten müssen, die bei den Steuern auseinander geraten sind, mögen ihre politischen Differenzen fortdauern oder nicht. Auf die Vorgänge der damaligen Zeit greife ich nicht zurück. Ich vcr- spreche mir davon keinen Nutzen für die vorliegenden Geschäfte. (Sehr richtig! rechts und im Zentrum.) Nur einen Punkt mutz ich kurz berühren. Man hat gefragt, weshalb die Regierungen in den nachträglichen Kampf über die Steuervorlagen nicht einge- griffen hätten. Es ist nicht richtig, daß sich die Regierungen in diesem Kampfe untätig verhalten haben. Was in den Streitig- leiten unmittelbar greisbar war, das waren unrichtige Berech- nungcn über die Verteuerung einzelner Verbrauchsgegenstände durch die neuen Steuern. Diesen unrichtigen Berechnungen sind die Regierungen in einer Reihe aufklärender Artikel entgegen- getreten, allerdings ohne sich in die Parteipolemik einzumischen. Das haben die Regierungen unterlassen, nicht aus irgend welchen theoretischen Gründen und auch nicht, weil es ihnen an Mut ge- fehlt hätte, für die Beschlüsse der Parteien einzutreten, die sich schliestlich über die Bewilligung der Steuern verständigt hatten, sondern lediglich, weil sie sich keinen praktischen Erfolg davon ver- sprachen. Verhindert hätten sie die leidenschaftliche Agitation doch nicht, dazu war die politische Erregung zu groß, und dafür ist die Kritik an jeder neuen Steuer zu leicht.(Sehr richtig! rechts und im Zentrum.) Anstatt zu beruhigen, hätten die Regierungen ihrer- scitS nur den Kampf immer aufs neue angeregt. Ueber die Verantwortung, die die Regierungen mit ihrer Zu- stimmung zu den Beschlüssen des Reichstages übernahmen, sind sie sich nie im Zweifel gewesen, ebensowenig haben sie sich auch nur einen Augenblick der Flut von Vorwürfen entzogen, die wegen dieser Zustimmung gegen sie gerichtet wurden. Aber ebenso, wie im Juli sind die Verbündeten Regierungen auch heute davon über- zeugt, daß es nur mit dieser Zustimmung möglich gewesen ist, einen Etat vorzulegen, der eine allmähliche Gesundung unserer Finanzen ermöglicht.(Sehr richtig! rechts und im Zentrum.) In der Thronrede sind die hauptsächlichsten gesetzgeberischen Arbeiten bezeichnet, die den Reichstag diesen Winter beschästigen werden. Man hatte zum Teil erwartet, daß daneben noch ein a l l g«- meines Programm hinzukommen wird. Diese Erwartung ent- springt, wie mir scheint, in erster Linie Parteirücksichten. Daher auch das Verlangen nach programmatischen Erklärungen darüber, auf welche Parteikonstellationen die Verbündeten Regierungen sich stützen wollen. So entschiede,, es die Parteien von jeher abgelehnt haben und weiter ablehnen, Regierungsvartei zu sein, ebensowenig wird in Teutschland jemals eine Regierung Parteiregierung sein können.(Lebhaftes Sehr richtig! rechts, stürmische Unterbrechungen bei den Sozialdemokraten, Abg. Ledebour(Soz.) ruft: Wir haben immer eine Parteiregicrung gehabt, jetzt haben wir die schlimmste Parteiregierung: die konscrvativ-llerikale Parteiregie- rnng! Lebhafter Widerspruch rechts, Glocke des Präsidenten.) Mit den Schwierigkeiten, die sich hieraus ergeben, hat noch jeder deutsche Staatsmann zu rechnen gehabt. Und an diesem Verhältnis, das in der Eigenart unseres PorteiwcsenS und in unseren In- ftitutionen begründet ist. hat auch die letzte KrifiS keinen Deut ge- k�leines feiriUeton. Um eine TSnzerin. Welchen sonderbaren Aulgaben unter Um- ständen vor anderthalb Jahrhunderten die preußische Tiplomatie Friedrichs II. zu dienen hatte, erfährt man aus dem Buche „Barberina Campanini, eine Geliebte Friedrichs des Großen. Von Jean-Jacques Olivier und Willi Norbert"(Marquardt u. Co.. Berlin 1909). Im September 1743 war die italienische Tänzerin, die sich in den wenigen Jahren ihres öffentlichen Auftretens zu Paris und London eine impofanie Schar von Verehrern sowohl ihrer Tanz-, als auch Liebeskünste erworben hatte, durch den preußischen Gesandten verpstichiet worden, an der„Eomödis Franfaise" zu Berlin mit Beginn des nächsten Karnevals zu tanzen. Das Engagement muß ihr mittlerweile je- doch nicht sehr verlockend erschienen sein: jedenfalls zog sie eS vor. mit ihrem derzeitigen Liebhaber, eine», reichen jungen Schotten, sich in Venedig angenehmer zu unterhalten. Diese Treulosigkeit nun reizte den Zorn des großen Friedrich dermaßen, daß er sänitliche Blitze seiner frischen königlichen Macht und Majestät gegen die Verworfene losließ. In ihrem Schlupiwinkel zu Venedig entdeckt, wurde die Bar- berina zunächst in Güte durch den preußischen Vertreicr. den Grafen Caltanco, an ihre Beipflichlung erinnert. Sic suchte Ausflüchte, worauf Friedrich beschloß, den Senat von Venedig gegen sie mobil zu mache». Der aber we-gerte sich, die gewünschte Verhaftung vorzunehmen. Run verbündete sich Cattaneo mit den Bevollmächtigten Frankreichs und Spaniens, die aber weder mit Güte noch mit Drohungen auch nur einen Fingerbreit mehr gegen die obstinate Ballerina gewannen. Der preußische Getandle in Wien. Generalleutnant Gras Dohna, sowie der Gesandte Venedigs ebendaselbst wurden veranlaßt, ihr Glück i» der immer bedrohlicheren Angelegenheit zu versuchen; doch auch ohne den geringsten Erfolg. Da half der Zufall. Der veneiianiiche Gesandte in London, der in die Heimat zurückkehrte, wurde auf preußischem Gebttt wider Sitte und Recht angehalten. Jetzt mußte der Senat nachgeben und ließ die Barberina vertjasteit. Als Gefangene wurde sie, unter Aufficht eines allen Dohnaschen Haushosmeisters. umstand- lich und nicht ohne gefährliche Abenteuer, die der betrogene Schotte heraufbeschwor, nach Berlin transportiert, wo sie im Mai 1744 ein- traf. Die preußiiche Diplomane batte ihrem König im Frieden zwar keine Provinz,, aber immerhin eine Tänzerin erobert, die ihm bald inniger ans Herz wachsen sollte. Nach der ersten Begegnung mit der Barberina war er, der bekanntlich sonst die Neigung zum eigenen Geschleckt pflegte, von ihren weiblichen Reizen so Hingeriffen, daß er ihr die Ausfüllung der Gageziffer in ihrem Engagementsvertrag selbst überließ. Die Barberina, nicht blöde, bewertete ihre öffent- lichcn und privaten Leistungen für den Philosophen von Sanssouci mit der damals horrenden Jahressumme von 5000 Talern. Voltaire sagt zwar in seinen Memoiren, daß der ändert.(Beifall recht, Widerspruch links.) Gewiß, der Radikalis- mus hat ein lebhaftes Interesse daran, ganz Deutschland in zwei politische Lager zu trennen, je nach der Stellung, die die einzelnen Parteien zu den Stcuervorlagen eingenommen haben. Er macht ausgezeichnete Geschäfte dabei(Sehr richtig! rechts. Lachen links), aber dieser Dualismus ist eine Fiktion, die zwar zu Parteizwecken ausgenutzt wird, die aber trotz der Verbitterung bei uns auf die Tauer nur festgehalten werden kann, wenn zum Schaden unserer politischen EntWickelung große Parteien auf ihre Geschichte, auf ihre Tradition und auf ihre Ziele verzichten wollen.(Lebhafter Beifall reckfls, Lachen bei den Sozialdemokraten.) Ich kann keinen Vorteil sehen, wenn cö geläuge, den Gegensatz, der sich aus den neuen Steuern entwickelt hat, nun für alle Ewigkeit auf unsere gesamte politische Entwickclung fortwirken zu lassen.(Sehr richtig! rechts und im Zentrum.) Eine absprechende Kritik hat die gegenwärtige Situation da- durch zu kennzeichnen geglaubt, daß sie von einer Periode der Stagnation, des Fortwurstelns sprach; es wurde gc- sagt, den Reichstag würden in diesem Winter nur nüchterne ge- schäftsmäßige Vorlagen, keine Fragen von hochpolitischer Bedeutung beschäftigen. Solch absprechendes Urteil ist nicht begründet. Wenn der Reichstag die ihm angekündigten Vorlagen erledigt, so wird er mit Genugtuung darauf zurückblicken können, reiche Ar- beit geleistet zu haben. Und sind denn diese Vorlagen so geschäfts- mäßig nüchtern, so joden politischen Jntereffes entbehrend? Wenn man auf manche Stimme draußen hört, gewinnt man allerdings den Eindruck, als ob unsere politischen Nerven bereits abgestumpft wären, daß bedeutsame Vorlagen der Sozialpolitik, der Rechtspflege, Fragen, die jahrzehntelang auf das heftigste von den Parteien umstritten sind, deren Lösung als ein dringendes politisches Be- dürfnis bezeichnet wurde— man gewinnt den Eindruck, als ob Fragen von solcher Bedeutung jedes politische Interesse verloren haben in dem Augenblick, wo wir praktisch an ihre Lösung heran- treten.(Sehr richtig! rechts, Lachen links, Zunif bei den Sozialdemokraten: Das ist ein Kampf gegen Windmühlen!) Ich verschließe meine Augen nicht vor der parteipolitischen Er- r erging, die das Land durchzieht. Aber es gibt doch auch weite Kreise, denen es nickst darum zu tun ist, nur mit einer ganz scharf gewürzten Kost, womöglich mit grundstürzenden Atznderungen ge- nährt zu werden, sondern es gibt weite Kreise unseres Volkes, welche auf die Dauer nicht von der politischen Sensation und von der Verärgerung leben wollen.(Sehr richtig! rechts und im Zen- trnm.) Was das Volk in erster Linie verlangt, ist doch, daß es in seiner werktätigen Arbeit, mag sie wirtschaftlicher oder kultureller Art sein, hier und draußen auf dem Weltmarkt, nicht durch Un- ruhe oder Experimente gestört wird, sondern es will durch eine „Politik der Stetigkeit und Festigkeit" im Innern und nach Außen gestützt und gefördert werden.(Sehr richtig I rechts und im Zentrum. Zurufe bei den Sozialdemokraten.) Und glaubt man beim wirklich, daß diesem Verlangen, dieser Viel- gestaliigkeit der Bedürfnisse unseres Volkes, die nach der Verschieden- beit der wirtschaftlichen Bedingungen im Süden und Norden, im Osten und Westen unseres Varerlandes in ganz verschiedenen poli- tischen Nüancierungen sich äußert, glaubt man, daß diesem Verlangen gedient wird, wenn auch nur die Gesetzeövorlagen, von denen ich sprach, unter das eine Schema gestellt werden, das nichts anderes kennt als die Schlagworte.Radikalismus" und„ R e« a k t i o n"? Das würde jede gesunde Eniwickelung. jeden ver- nünstigen Fortschritt unmöglich machen.(Sehr richtig! rechlS. zu dcm Leben einer jeden Nation gehört der politische Kampf. (Abg. Singer. Soz.: Also doch!) Aber keine Nation vei trägt eS auf die Dauer, durch sensationell zuge'pitzte parteipolitische Streitigkeiten in Atem gehalten zu werden. DaS muß zuletzt jedeö Vertrauen im Innern und das Ansehen nach außen hin töten, (Sehr richtig! rechts.) und dazu sind uiisere Zeiten nicht angetan. Wir können uns nicht den Luxus gestatten, uns bei Vergangenem aufzuhalten oder uiitälig zu sein. Wie Deutschland sich seine Stellung durch nüchterne Arbeit erworben Hai, so kann eS sie auch nur durch ebensolche Arbeit behaupten, und wie in Deutschland niemals eine einzelne Partei, eine einzelne Parieiricktung der deutschen Politik ihr Gepräge gegeben hat, sondern wie alle Kräfte des Volkes dabei mitgewirkt haben, so nmß es auch in Zukunft bleiben.(Abg. Ledebour, Soz.: Der reine Oberlehrer l Große Heiterkeit links.) Darin spricht sich nicht der in den letzten Wochen so viel bespöttelte Ruf nach positiver Mitarbeit aus oder gar ängstliche Sorge um die momentane Schaffung einer parlamentarischen Majorität. Nein, meine Herren. nicht das, wohl aber die Ueberzeugung, daß es einen Zwang zum Schaffen gibt, den die Volksgemeinschaft jedem ihrer Glieder auf Königs die Barberina nur geliebt habe,„weil sie die Beine eines Mannes hotte", aber ihr doppeltes Engagement bestand dock zur beiderseitigen Zufriedenheil an vier Jahre, bis der Geheimral Karl Ludwig v. Cocceji, der Sohn des Großkanzlers, die Tänzerin dem König und dem Ballett abspenstig machte, indem er sie zu seiner ehelichen Gemahlin erhob. Später von ihm gelrennt, ist sie dann, als adclsstolze Gräfin von Camanpini und Tugend- wächlcrin auf ihrer schtcsischen Besitzung Vorschau, wo sie ein heute noch bestehendes.Adliges Fräuleinslift" errichtet hatte, hochberagt gestorben. Die Moral in Indien. Der kostbarste Edelstein in der Krone des britischen Weltreiches, das Kaiserreich Indien, hat seinen Besitzern und Verwaltern in letzter Zeit mehr Sorgen als Freude bereitet, und es können nicht nur die Seuchen, an ihrer Spitze die Pest, gewesen sein, die zur Erregung der Unzufriedenheit im indischen Volke geführt haben. Zwar haocn sich alle Maßnahmen, die gegen die Pest getroffen worden sind, als nahezu machtlos er- wiesen, aber das indische Volk hat eine gehörige Portion von Fatalismus und ist außerdem, abgesehen von der neu hinzu- gekommenen Pest, an allerhand Epidemien so gewöhnt, daß daraus der unerfreuliche Zustand der Volksstimmung, der sich unlängst in einem so augenfälligen Attentat gegen den höchsten Vertreter der regierenden Macht geäußert hat, nicht erklärt werden kann. Dies Ereignis ist auch nicht das einzige bedenkliche Merkmal. Weit schlimmer ist die Tatsache, daß die Häufigkeit der Verbrechen im letzten Jahr außerordentlich stark zugenommen hat. Der indische„Lancel"-Korrespondent, der über die Ergebnisse der jetzt fertiggestellten Statistik berichtet, teil mit, daß die Zahl der ver- hafteten Verbrecher im letzten Jahr im Vergleich zum Vorjahr um mehr als 50 000 gestiegen ist. Die Schuld daran wird auf die schlechte Ernte im Jahre 1903 geschoben, von der alle Teile Indiens mit Ausnahme des östlichen Bengalen nebst Assam und Nieder- Birma zu leiden hatten. Als weiterer Grund wird eine Zunahme der Malaria, der Tuberkulose und Lungcnkrankheiten genannt. Wie es auch sein mag, es bleibt die Tatsache, daß die Gefängnis- bcvölkcrung in Indien während des vorletzten Jahres eine Ziffer von mehr als 100 000 erreichte, und dabei hat sich ein höchst be- denklicher Gesundheitszustand unter den Gefangenen gezeigt, in» dcm nicht weniger als 6k, 3 vom Hundert der Gefangenen, also zwei Drittel aller, wegen irgendwelcher Erkrankung den Hospitälern zugeführt werden mußten, und die Sterblichkeit ist entsprechend derart gestiegen, daß von 1000 Gefangenen im Durchschnitt 25 starben. Mit solchen Ziffern sollten sich die ver- antwortlichcn Regierungskreise zu allererst gründlich beschäftigen. Theater. ReueSSchauspielhaus: Gastspiel de? englischen Theaters. Die deutsche Schauspielerin Meta Illing führt erlegt, und die Gewißheit, daß dieser Zwang auch die gegen« Ivärligen Irrungen und Wirrungen überdauern wird.(Lebhafter Beifall rechts und im Zentrum. Lautes Lachen bei den Sozial« demokraten.) Reichsschatzsekretär Mermuth: Der Nachtragsetat bringt Ihnen fast lauter alte Bekannte. Er ist vor allein eine Folge der Besoldungsgesetze. Sein Gesamtbetrag macht 680 Millionen Mark auS. Das zeigt, wie wir mit bedächtiger Schnelle von gestundeten Matriknlarbeiträgcn bis zur Anleihe»lid zum chronischen Defizit kommen. Unser Bestreben muß daher sein, den Anfang damit zu machen, durch einen auf Jahre hinaus berechneten Finauzplan unsere gesamte Finanzgebahrung so zu führen, daß eine Entwickelung, wie die hinter uns liegende, vernnsdeii wird. Der Etat von 1910 macht den Versuch, diese Entwickelung anzubahnen. Mit Zahlen will ich diese Behauptung nicht belegen, denn Zahlen führen zur Z w i e- spräche.(Abg. Ledebour sSoz.j: Eine hübsche Wendung! Der erste originelle Gedanke dieses TageS I(Heiterkeit bei den Sozial- demokraten.)) Präsident Graf Stolberg: Ich bitte, nicht fortwährend zu unter» brechen. Herr Ledebour. Sie haben unterbrochen von dem Augen« blick an, wo der Herr Reichskanzler sprach.(Sehr richtig I rechts; Unruhe bei den Sozialdemolraten.) Reicksschatzsekrelär Mermuth(fortfahrend): Die Ausgaben d»S ordentlichen Etats betragen insgesamt 2 660 500 586 M. Die eigenen Einnahmen schließen ab mit 2 432 048 586 M. Die einzige Ueber» weislliigssteuer, die Branntweinsteuer, ist eingeschätzt auf!80 Millionen Mark. Es verbleibt also durch ungedeckte Malrikularbeiträge zu decken ein Betrag von 48 512 000 M., d. h. 80 Pf. auf den Kopf der Bevölkerung: genau der Betrag, der 1909 durch daS Finanzgesctz den Biindesregierimgen cndgüllig auferlegt worden ist. Darin liegt für mich der Angelpunkt des ganzen Etats. Mit den Einnahmen von 1903 haben wir ungcwöhulich ungünstige Erfahrungen gemacht.(Hört! vörr l) Die Einnahmen aus den Zollen sind um nickt weniger als l2l Millioneü hinter dem Etatsoll zurück- geblieben: die Reichsstempetabgaben um 9 Millionen(davon die Personen- Fahrkarreusteuer um 6 Millionen), die Erb» schaftssteuer um 12 Millionen, die Brausteuer um 4 Millionen» der Miiideriiberschuß bei der Post- und Telegraphenverwaltung be« trägt 16 Millionen, bei den Reichseisenbahnen 10 Millionen. Ans dem Bankwesen sind 9 Millionen zu wenig eingegangen. Kleine Steigerungen bei der Zuckerstener und dem Münzgewinn haben nicht verdinder» können, daß das Geiamt-Jst der Einnahmen hinter dem Soll um 88 Millionen Mark zurückgeblieben ist. Der Gcsamtfchlbctrag für 1808 beträgt 200 Millionen. Die Sckutd liegt jedenfalls darin, daß der übliche 24-monatlsche Dlirchschiiill bei der Schätzung benutzt ist, wobei aber zwei ans« nahmsweise günstige Jahre. 1906 und 1907, in Betracht kamen. ES folgt daraus, daß die wirtschaftliche» Verhälmisse bei der Abschätzung der Einnahmen mehr als bisher in Betracht gezogen werde» müssen. Für>909 sind die Aussichten nicht so ungünstig; allerdings sind die Zälle schon mit 37 Millionen Mark niedriger eingeschätzt worden als 1908! Es liegt mir fern, prophezeien zu wollen, aber eine gewisse langiame, aber stetige Aufwärtsbewegung der Konjunktur macht sich jetzt im Erwerbsleben bemerkbar. Bei der Schätzung der neuen Steuern haben wir an der Grund» läge der Finanzgeietze festhalten können.(Hört, hört I rechts.) Darüber allerdings waren sich wohl alle einig bei Erlaß der Steuergesetze, daß die für den Bebarrungszustand gedachten Ein» nahmen nicht für den UebergangSzustand des ersten Jahres gelten könnten. Von den 500 Millionen neuer Steuern sind nach den not» wendigen Abzügen in den Etat für 1910 als Einnahmen eingestellt etwa 300 Millionen Mark. Die Durchführung der neuen Steuern ist natürlich eine sehr schwierige Ausgabe. Jedenfalls wird die Vorsicht gebieten, in Zukniist neue Ausgaben nur bei absolut sicher garantierter Deckung zu bewilligen.(Sehr richtig I) Der Fehlbetrag für 1909 beträgt: 240 Millionen Marl. Er wird sich erhöhen oder vermindern, je nachdem die Ein« nahmen aus den Zöllen mehr oder weniger als die Schätzung be» tragen. Die Absicht, zu einer Politik der Sparsamkeit überzugeben, lverden Sie hoffentlich beim Etat von 1910 bemerken. Natürlich läßt sich das Sparen nickt mit einem Ruck einführen, aber sie werden zugeben, daß im neuen Etat die Ausgaben etivas an Schwungkraft eingebüßt haben. Bei den fortdauernden Ausgaben des ordentlichen Etats ist ein Mehr von 14 Millionen für Heer und Marine ent- halten, beruhend auf dem Flottengesetz und dem Gesetz über die Frledenspräsenzstärke. mit einer englischen Truppe in deutschen Städten englische Stücke aus in der Absicht, uns mit dem englischen Theater der letzten hundert Jahre vertraut zu machen und uns so eine Art An- schauungSunterrickt zu erteilen. Man begann hier am Mittwoch mit einer Liebes- und Jnlrigenkomödie Oliver Gold- smiths:„Lös stoops to congusr". Das sehr bekannte und in England auch heute noch geschätzte Stück auS dcm Jahre 1773 (wörtlich übersetzt: Sie erniedrigt sich, um einporziistcigen— also etwa: die belohnte Demut) gibt einen ganz guten Begriff von dem Hai inlosen, bürgerlichen, moralisierenden Familienstück des 18. Jahr- Hunderts. Freilich reicht eS in seiner Bedeutung keineswegs an den »Pfarrer von Wakefield" desselben Verfassers, den Roman, der nicht nur in der Weltliteratur seine dauernde Bedeutung hat und ein Stück bürgerlichen Klassenkampfes literarisch spiegelt, sondern auch heute noch frisch und unverstaubt ivirkt. Wir sindcn aber auch in der Komödie verwandte Züge. Die muntere Tochter des Guts« besitzerS, die die Liebe des vornehmen, c�ber die vornehmen Damen verabscheuenden Herrn gewinnt, weil sie sich schlicht und natürlich gibt(er hält sie für ein Schenkniädchen, wie er ihren Vater, bei dem er eingekehrt ist, infolge einer Intrige für eine» Gastwirt hält), erinnert lebhaft an die eine Tochter des Landpredigers. Die Truppe beabsichtigt keineswegs irgendwie als etwas Be« sonderes gelten zu wollen. Sie will schlecht'niid recht kulturhistorisch und pädagogisch wirken(dabei auch Gelegenheit bieten, gesprochenes Englisch von der Bühne zu hören). Immerhin gab sie ein Bild davon, wie man etwa in England heute Goldsmith spielt. Kostüme und Ausstattung sind realistisch. historisch wie bei»ns, die Darstellung aber bietet manches, was wir nicht gewohnt sind: allerlei Späße, Clownhastes und Groteskes. Die.lustige Person", die von unserer Bühne längst verdrängt ist, zeigt sich hier noch lebendig in einem jungen Fanten und Luftikus, der die Intrige ein- fädelt und zu gutem Ende führt und nebenbei in ausgelassenem und durch den Darsteller stark forcierten Maße für die Komik sorgt.__— r. Notizen. — Der Maler Hermann Kaulbach, der Sohn seines berühmteren Vaters Wilhelm K.. ist in M ü n ch e" Alter von 63 Jahren gestorben. Er hatte zu der von Piloty bestimmten Münchener Schule der Historieiimaler oehört, die bald im Stile der großen Oper, bald genrehaft Geschickte malte. Wohl am bekanntesten ist sein Bild: Lucrezia Borgia tanzt vor Papst Alexander VI. Ringsum Co ok. In Amerika geht der Kampf»in die Nordpolentdecker in den dort üblichen Formen der sportlichen Leiden» schaft uniner noch weiter.(Wir verschonen unsere Leser mit den Einzelheiten der sensationellen und unkontrollierbaren Eiuhüllinigen.) Wie das Kopenhagener Blatt„Politiken" meldet, ist jetzt auch'dort versucht worden, mit amerikanischem Gclde einen ZeittmgSkrieg zu inszenieren. Bisher ohne Erfolg. Die einmaligen SfnlgoBcn des Ordentlichen Etats zeigen völligen Ltillstand, ja sogar mäkigen Rückgang. Wenn der neue Etar sich nun auch keineswegs neuen Aufgaben entzieht, so ist doch streng an dem Standpunkt festzuhalten: keine AiiSgubr» ohne Deckung! Dem Anschwellen des Beamtenapparats haben wir nach Möglichkeit vor- !»beugen gesucht. fVravo! rechts.) Wie weit die Absicht der Spar- amkeit im neuen Etat durchgeführt ist, werden Sie zu beurieile» haben. Bedenken Sie dabei, daß der Etat das erste Glied in einer Kette ist. Ich glaube. Sie werden mit mir der Meinung sein, dah unsere Finanzwirtschaft sich an einem Scheidewege befindet. Ich bitte Sie, mit den Nerbiindeten Regierungen den Weg wählen zu wollen, der zwar nicht ohne Dornen und Enlbehrnngen ist, aber doch wohl auf festen und auch auf fruchtbaren Boden führen wird.(Bravo I rechts und im Zentrum.) Abg. Frhr. v. Hertling(Z.): Der borgelegte Erat macht auf uns im großen und ganze» einen günstigen Eindruck. Es ist gelungen, die einmaligen AuSgaoen »es Militäretats um 42 Millionen zu verringern. Die Einunbmen aus den neuen Steuern find vorsichtig eingeietzt. Daß die Finanz- resorm Fiasko gemacht hat, ist eine vollständig falsche Behauptung (Sehr richtig I rechts und im Zentrulii), im Gegenteil zeigt der Etat, daß sie befriedigend und erfolgreich gewesen ist I(Zu- stimmung rechts und im Zentrum.) Die Grundsätze, die der Schatz- sekretär entwickelt hat, billigen wir, vor ollem dürfen Aus- gaben nur bewilligt werden, wenn die Deckung sicher ist. Möge der Schatzsekretär seine Grundsätze durchführen und der Reichs- kaiizler ihn dabei uinerstüyen: denn das ist sicher: neue Steuern dürfe» dem deutsche» Volke in absehbarer Zeit nicht auferlegt werden. (Lebhafte Zustiminung im Zentrum. Stürmisches Gelächter bei den Sozialdeniokraten.) Die Beseitigung aller Schwierigkeiten in Marokko, von welcher die Thronrede spricht, erfüllt uns mit besonderer Be- friedigung. Auf keinen Fall durfte der Anschein entstehen, als ob daS Deutsche Reich alS Schutzmacht des Islams in Marokko auf- träte.(Lebhafte Zustimmung im Zentrum.) Möge eine konstante Friedenspolitik das freundnachbarliche Verhältnis zwischen Deutsch- land und Frankreich stärken. Eine Zeitlang schien es, als ob der Friede auf dem Balkan gestört würde. Als es aber klar wurde, daß das Deutsche Reich hinter Oesterreich stehe/ war die Kriegsgefahr beseitigt.(Sehr richtig! im gentruin.) Ueber unser Verhältnis mit England und»»sere friedliche Gesinnung gegeuiiber England ist hier schon so oft ge- sprochen, daß ich nichts hinzufügen brauche, doch möge die deutsche Politik sich bei der Kriegsfrage nicht in das Schlepptau'einer geivisseu englischen Presse nehinen lassen.(Zustiminung in» Zentrum.) Für die Mißstände am Kongo kann nicht die gegenivärlige belgische Regierung verantwortlich gemacht werden(Sehr wahr I im Zentrum. Lachen bei den Sozialdemokraten), sie hat vielmehr ein Reforinprogramin auf- gestellt, das sie loyal auszuführen gedenkt.(Lachen bei de» Sozial- dcmokraten.) Die englische Verfassung ist gegenwärtig in einem bedeutsamen Durchgangsstadium. Schon vor Jahren haben Kenner des englischen Verfassungslebens gesagt, daS englische Parlament iverde ein ganz anderes Aussehen gewinnen, wenn Vertreter einer selbständigen Arbeiterpartei dort einziehen. WaS aber das Ausland an de» gegenwärtigen Zustände» in England noch mehr interessiert, ist die Frage, ob England, dessen Freihandels- Politik gegenüber unserer Wirtschaftspolitik hier so oft gerühmt worden ist, sich zur Schutzzollpolitik wenden wird.(Sehr wahr l im Zentrum.) Wir haben eine Steuerhetze erlebt, wie sie schlinimer nicht ge- dacht werden kann.(Sehr richtig I im Zentrum.) Solches Maß von Unwahrheiten(Sehr wahrl im Zentrum), von absichtlicher Irre- gührung(Sehr wahr im Zentrum) zeigte sich(Zuruf bei den Sozial- demokraten:. Besonders in der Zrntrumsprrffr! Große Heiterkeit link«), daß man wahrhaft erstaunt sein mußte. Sagte man doch: wenn die Erbschaftssteuer bewilligt wäre, wären indirekte Steuern überhaupt nicht nötig gewesen, und sagte ,nan doch auch: das Zentrum habe nur deshalb gegen die Erb- schaftssteuer gestimmt, damit nicht der Erbschleicherei deS katholischen Klerus ein Ende gemacht werde.(Heiterkeit im Zentrum.) Gegen- über dieser Irreführung des Volkes wäre wohl eine nachdrückliche Aufklärung seitens der Regierung am Platze gewesen.(Zustimmung im Zentrum.) Die Preissteigerung ist weit über daS durch die neuen Steuern bedingte Maß erfolgt, und hoffentlich werden die Preise bald wieder auf das normale Maß zurückgehen. Wenn freilich die Nachricht von der Bildung eines Zündholzsyndikats sich bewahrheitet, so wäre eS vielleicht bester gewesen, ein Monopol einzuführen, als sich der willkürlichen Preisfestsetzung durch ein Syndikat auszusetzen. (Sehr richtig! im Zentrum.) Ein Ende deö Nationalitätenhaders in unserem Osten ist leider noch nicht abzusehen. Es ist ein starkes Stück, wenn deutsche Staats- bürger, die ihr Wahlrecht ausüben und bei der Stadtverordneten- wohl einem polnischen Kandidaten ihre Stimme geben, dasür geinaß- regelt werden. In dieser Politik sehe ich kein Ende und Ziel und vemriffe das Programm eines weitansschauciiden Staatsmannes. Zurufe bei den Sozialdemokraten.) Die 20 Millionen Katholiken ,aben Anspruch auf volle staatsbürgerliche Gleichberechtigung. Katho- .iken werden aber zn bedeutenden Staatsnnuern fast gar nicht heran- gezogen.(Widerspruch links.) Das Zentnmi ist keine konfessionelle Partei! (Stürmische Heiterkeit links.) Das beiveist unsere ganze Geschichte. (Erneute Heiterkeit links.) Nehmen Sie doch unseren Tolerauzantrag an l Ich wünsche, daß eine Versöhiumg der Konfessionen eintritt. wie sie in anderen Ländern schon längst besteht.(Zuruf bei den Sozialdemokraten: Zum Beispiel in Spanien! Stürmische Heiter- keit.) Bis dahin sollten die bürgerlichen Parteien Waffenstillstand schließen und zum Wohle de« Vaterlandes zusammenarbeiten.(Lachen links.) Wir sind auch in Zukunft zur Mitarbeit bereit, und wir meinen auch mit dem Reichskanzler, daß die uns vorliegenden Aus- gaben durchaus nicht das Kennzeichen einer Stagnation bilden.(Leb- hafteS Bravo I im Zentrum.) Abg. Frhr. v. Richthofen(k.): Wir begrüßen den Appell des Herrn Reichskanzlers an die bürgerlichen Parteien, den Kampf der Vergangenheit ruhen zu lasten und zum Segen des Vaterlandes gemeinsam zn arbeiten. Wir werden eine solche Mitarbeit von jeder der bürgerlichen Parteien gern annehmen.(Bravo I rechlS. Lachen links.) Vielfach ist schon eine Beruhigung über die neuen Besitzsteuern eingetrelcn; leider ist dasselbe nicht auch in bezng auf die indirekte» Steuern zu sagen. Mit der Zeit wird aber auch das von diesen Steuern betroffene Publikum einsehen, daß die Steuer» Gutes wirken.(Lachen links.) Was die auswärtige Politik ankaiigt, so wird dey Herr Reichs- kanzler hoffenttich in der Lage sein, uns die nötige Aufklärung über Marokko zn geben. Im allgemeine» können wir unserer austvärtigen Politik wohl mit Ruhe entgegensehen. In der Wirtichnftspolilik verfolgen wir noch wie vor nicht rein agrarische Interessen(Lachen links), sondern wir treten ein auch für eine Fördelung von Handel und Industrie. Was die Ausführungen de? Herrn Vorredners anbetrifft, so stelle ich fest, daß unsere Partei selbständig da steht und ihre Politik treibt nach ihrem eigenen Gewissen; sie verfolgt ihre Interessen zum Woble des Vaterlandes.(Gelächter links.) Die Interesse» der Katholiken zu schädigen, liegt uns fern. Die Polenfrage ist im all- gemeinen keine Frage des Reichstages, sondern der Einzelstaaten. Aber daS kann ich sagen: Wir werde» nach wie vor die Polen wie andere Staatsbürger unparteiisch zu behandeln wissen.(Lachen bei den Polen.) Abg. Bassermann(natl.): Im Gegensatz zu der Thronrede von 1907 nach den Block« wählen trug die neueste Thronrede keinen ausgesprochen politiswen Charakter; sie war trocken und nüchtern. An Stelle der Begeisterung vo� 1907 ist Enttäuschung, zum Teil starke Erbitterung ge- treten.(Sehr wahrl links.) Wenn Sie auk England schauen mit seiner langen Parka- mentarische» Vergangenheit und auf die Kämpfe, die dort jetzt bei der Vorbereitung der Wahlen geführt werden, so werden Sie zugeben, daß diese an Kraft und Stärke erheblicb hinausgehen über die Känipfe. die Deuischland zurzeit bewegen. Das liegt wohl daran, weil das englische Bolk loegen der längeren Gewöhnung an das parlamentarische Leben in allen Schichten stärker von de» Dingen berührt wird. Man hat uns antinationale Haltung vorgeworfen! Was würde die Minorität des englrschen Unterhauses, was würden die Lords sagen, wen» man denen, die in dieser Steuerreform, wo es sich um große Summen handelt, nicht den Weg gehen wollen, de» Lloyd George vorgeschlagen hat, vorhalten wollte: Ihr erkennt wohl den Finanz- bedarf an, aber Ihr weigert Euch, zu der Mehrheit überzutreten! Man würde diesen Vorwurf reichlich lächerlich finden. Weshalb sollten wir zu der Mehrheit übertreten, um ihr de» Gefallen zu tun, daß bei dieser Mehrheit auch eine liberale Partei dabei war?(Sehr gut I links.) Es war von der Re- gierung feierlich erklärt worden, daß ohne Erbschaftssteuer keine Reichsfiiianzrefortn zu stände kommen sollte. Daran haben wir festgehalten. Man sagt, unsere Politik entspringe ausschließlich der Beein- flussuug durch die Juiigliberalen, unsere Absicht sei, einen Großblock von Herrn Bebel bis zu nieiuer Fraktion zu errichte», oder man sagt: der Evangelische Bund führe bei unS die Zügel. Wer die Verhältnisse in unserer Partei kennt, weiß, aus wie verschiedenen Eleuienten sie zusaiumengeietzl ist. Wir gingen bei dieser Steuerreform davon aus, daß in ihr der Gedanke der sozialen Gerechtigkeit zum Ausdruck kommen müsse, daß das Vaterland Schaden erleide» müsse. wenn hieser Gesichlspunkt außer acht gelassen werde.(Sehr gut! links.) Bei der Fiuauzreform haben wir lediglich den Standpunkt fest- gehalten, der in feierlichen Erklärungen der Regierung niedergelegt war.(Zustimmung links.) Die liberalen Parteien haben keineswegs versagt, sie haben anerkannt, daß die Fiuanzresorm nicht möglich ohne namhafte Erhöhung der Koitsunisleucrn(Hört I hört I rechts). aber wir haben auch nie einen Zweifel gelasien, oaß wir ihr ohne allgemeine Besiytteuer nicht zustimmen können.(Zustimmling bei den Nationalliberalen und Freisinnigen.) Eine solche»st die Erbschasts- »euer-, aber wir waren auch bereit, sie zurückzustellen zugunsten einer Reichsvermögenssteuer. Das ist nicht gelungen. Wir haben daher an der Deszendentensteuer festgehalten. Von ernsthaften Politikern ist erklärt worden, das Zentrum habe seine Mitwirkung bei der Fiuanzresorm von der Ablehnung der Erbschaslssteuer ab- häugig gemacht. Es habe diese Ablehnung zur alleinigen Bedingung der Mitwirkung gemacht.(Hört! hört! links.) Ueber die Haltung meiner Partei zur Präfidentenfrage muß ich folgendes erklären: Das Präsidium des Jahres 1907 war ein ausgesprochen politisches Präsiditnn. Durch das Zusainnieuwirken von Konservativen und Liberalen wurde dem Zentrum der Anspruch aus den Posten deS ersten Präsidenten der- sagt und darauf lehnte das Zentrum überhaupt ab, in das Präsidlum einzutreten. Nachdem jetzt eine neue Konstellation eingetreten ist, nahm das Zentrum den Posten deS ersten Vize- prästdeitten an. Uns trennen von dem Zentrum und den Kon- jervativen Monate deS schwersten Kampfes, und da sind wir nach reiflicher Erwägung z» der Meinung gekommen, daß es im weiteste» Umsange im Lande als ein Aufgeben unseres bisherigen Stand- Punktes angesehen würde, wenn wir nach einer Vereinbarung mit der neuen Mehrheit in das Präsidium eingetreten wären.(Leb- Höstes Sehr richtig I bei den Nationalliberalen.) Selbstverständlich sind unsere Herzen tiefbewegt von Ihrer(nach rechts) Sorge, daß wir unS damit selbst ausschalten könnten, und wir sind auch überzeugt davon, daß Ihre Fürsorge sür unsere Jnter- essen durchaus uneigennützig ist.(Heiterkeit und Sehr gut l bei den Nationalltberalen.) Ueber das Gebiet der Sozialpolitik hat die Sozialdemokratie die Prophezeiung ausgesprochen, es werde durch den neuen Block ein Stillstand emtreten. Von autoritativster Seite aber, von dem gegenwärtigen Reichskanzler, ist schon im Dezember 1907 gesagt worden: nun erst recht Sozialpolitik I Es ist ja auch die Reichs- versicherungsordnung angelündigt, das Arbeitskammergesetz soll vor- gelegt werden und ebenso Teile der GewerbeordnungSnovelle. Dem Etat können wir das Zeugnis ausstellen, daß er spar- sam aufgestellt ist. Die neuen Steuern sind doch erheblich hinter den Voranschlägen zurückgeblieben. Der Ausfall ist so groß, dah er auch nach Ueberwindung deS UebergangSstadinmS nicht eingeholt werden kann. Ansktnift wünschen wir u. a. über die Zlisammenkunft von Racconigi. Freilich kommt solchen Monarchenziiiamnienlünften nicht die entscheidende Bedeutung für die politischen Verhältnisse zwischen den Ländern zu. da spielen stärker« Momente eine Rolle.(Sehr richtig I links.) Die Erfolge unserer Kolonialpolitik sind erfreulich. Daß das Zentrum keine konfessionelle Partei sei, können wir nicht zn- geben. DaS Zentrum hat es stets für seine Aufgabe gehalten, die katholische Weltanschauung zu propagieren.(Sehr wahr! links.) Im Gegensatz zn der Erwartung der Thronrede von 1907 ist die Sozialdemokratie im steten Vormarsch begriffen. Der„Vorwärts" kann Tag für Tag von neuen Erfolgen meiden.(Zuruf recht»: Ihre Schuld!) Dieser Zuruf beweist, daß Sie doch wohl nicht wissen, welche Erbitterung und Mißstiiiiinziitg in weiten Kreisen des Volkes herrscht(Lebhafte Znstimiuung links), auch in ganz ultramontanen oder konservativen Wahlkreisen, wo' die liberale Presse kaum hineinkommt. Wir werden uns durch Ihre (nach rechts) Beschwerden nicht abhalten lassen, in den zwei Jahren bis zu de» Wahlen über die Reichssinanzreform das zu kauen, was wir für notwendig halten.(Bravo! links.) Uebrigens haben ja die Wahlen von 1907 gezeigt, daß wenn der sozialdeiuokrasche Vor- marsch zu weit geht, das Volk weiß, was es zu tun hat. Was das Ztlsautinengehen mit der Sozialdemokratie betrifft, so erinnere ich an die Haltung des Zentrums und des Bundes der Landwirte in Neustadi-Landan.(Sehr richtig! bei de» Nationalliberalen.) Also jeder kehre vor seiner Tür! Nun hat man davon gesprochen, daß große Aufgaben gestellt werden sollen, um die bürgerlichen Parteien zu einigen. Preußen ist in der Lage, eine solche große Frage zu haben: die Wahlrechtsfrage, die von Bedeutung ist über Preußen hinaus.(Lebhafte Zustiminung links.) Die Neforin des Wahlrechts ist in der Thronrede angekündigt worden, tmd der Mittelstand in ganz Deutschland, nicht nur in Preußen, beschäftigt sich init ihr und stellt die Forderung des ge- h e i m e n Wahlrechts aus.(Lebhaftes Sehr richtig! bei den National- liberalen.) Diese Forderung ist ein Minimum, einmal, Um die Ueberwachuug des Wahlgeschäfts auf dem Lande a»S der Welt zu schaffen, und dan», um dem sozialdemokrai schen Terrorismus zu begegnen.(Stürmisches Lachen bei den Sozialdemo- lraten.) Eine weitere große Ausgabe bat Preuße», nämlich eine führende Rolle auf dem Gebiete der S o z i a lr e f o r m zu übernehmen. (Zustimmung bei den Nationalliberalen.) Wir teilen die Meinung nicht, daß es heute schon an der Zeit sei, mit einer neuen Sleuervorlage an den Reichstag heranzutreten. Aber vielfach ist die Absicht hervorgetreten, die DeSzendeiiteitsteuer für die Einzelstaaten zu reservieren,»»d deshalb müßte die Hand des Reiches darauf gelegt werden, denn auch das Zentrum und die Konservativen werden zugeben, daß inaii bei eitler künftigen Fiuanzresorm mit indirekten Stenern allein nicht auskoinmen wird, und wenn dann die Deszendeiitensteuer nicht kommt, so komnien wir naturgeinätz zur Reichsvermögenssteuer. lLcbhafteS Sehr richtig! bei den Nationalliberale» und Freisinnigen.) Wer im Anschwellen der Soziatdeinokratls Gefahren erkennt, der müßte dafür sorgen, daß eine solche Finaiizreform nicht niehr ver- abschiedet wird. Den» durch sie erzeugt man ein weiteres An- schwellen der Sozialdemokratie und eine Situation, die mir den Sozialdemokraten Freude macht und denen, die als stivole va bangue- Spieler mit dem Gedanken des Staatsstreich? spielen. (Lebhafte Zuslimmnitg bei den Nationalliberalen und Freisinitigen.) Die Zukunft gehört dem sozialen und wirtschaftlichen Fortichritt; dieser Erkenntnis wird sich auch die Sozialdemokratie auf die Datier nicht entziehen können. Je mebr sie einrückt in die Einzellandtage und in die Gemeinden, um so mebr wird sie ihre inhaltsleer geivordenen Utopien, ihren einseitigen Klassenstandpunkt und ihre republikanischen Ideen aufgeben müsfe».(Lachen bei den Sozialdemokraten.) Hierauf vertagt das HariS die Weiterberatung auf Freitag 1 Uhr. Schluß 3Uö Uhr. Sencbts- Leitung. Das Attentat im NeichSgerichtsgebäube vor den Geschworenen. Vor dem Leipziger Schwurgericht nubm gestern, wie uns tele- graphiert wurde, der Prozeß gegen den Kaufniann Oswald Grosser aus Steglitz bei Berlin seinen Anfang, der unter der Anklage des vollendeten und des versuchten Totschlages steht. Der Anklage zu- gründe liegt jene bekannte Bluttat im Reichsgerichtsgebäude vom 16. November vorigen Jahres, die im Anschluß an die Vernehmung GrosserS vor dem vierten Zivilsenat des Reichsgerichts in einer Erbschaftsangel-egenheit erfolgte. Grosser war durch alle In» stanzen mit einem ErbschastSanspruch von 175 000 M.. den er an seine Schwester zu haben glaubte, abgewiesen worden, und auch da» Reichsgericht hatte die Entscheidungen der Vorinstanzen bestätigt. Kaum hatte der Scnatspräsident die Verwerfung verkündet, als Grosser, der sich im Zuhörerraum aufhielt, einen Revolver aus der Tasche zog und hintereinander mehrere Schüsse auf den Gerichtshof abgab. Nachdem dieser Revolver abgeschossen war, ergriff Grosser eiiren zweiten kleineren Revolver und feuerte nunmehr aus den bei» sitzeirden NeichsgerichtSrat Männer, der zur Abwehr ihm einen Aktenständer entgcgcngeworfen hatte, mehrere Schüsse ab. Reichs- gerichtsrat Männer wurde an der rechten Brustseite schwer verwundet. Dem Protokollführer, kanzleirat Straßburg, war die rechte Niere durchschossen und der Darm verletzt worden; diese Verletzungen waren tödlich. Grosser rechtfertigte sein« Tat mit dem bittereu Unrecht, das ihm die Gericht« zugefügt hätten. Er habe einmal ein Exempel statuieren wollen. Es war lange frag- lich, ob gegen Grosser überhaupt verhandelt würde, da man Zweifel an seiner Ztzrechnungsfähigkeit hatte. Es bedurste erst einer Beschwerde der Leipziger Staatsanwaltschaft gegen einen bereits ergangenen Einstellungsbeschluß um die Verhandlungen gegen Grosser zu ermöglichen. Die Tat sowohl wie das ganze Verhalten Grossers ließen Zweifel an seiner geistigen Znrechnungsfähigkeit auskommen. Grosser wurde daher in die Irrenanstalt Sonnenstein zur Beob- achtung übergeführt. Ter Direktor der Anstalt, Geheimrat Dr. Weber, kam zu dem Schluß, dvß Grosser zwar in der Aufregung gehandelt habe, aber nicht als unzurechnungsfähig anzusehen sei. Infolgedessen wurde nicht Anklage wegen Mordes erhoben, sondern wegen vorsätzlicher Tötung des Kanzleirats Straßburg und wegen versuckter vorsätzlicher Tötung. Auf Beschwerde des Berteidigers Rechtsanwalt Dr. Halpert-Berlin ordnete die Strafkammer noch- nials Untersuchung Grossers auf seinen Geisteszustand an und Geheimrat Weber kam nach erneuter Beobachtung dahin, daß Grosser zur Zeit der Tat wahrscheinlich unzurechnungsfähig war. Grosser wurde infolgedessen ausser Verfolgung gesetzt. Auf Be- schwerde der Staatsanwaltschaft wurde dieser Beschluß jedoch wieder aufgehoben. In der gestrigen Verhandlung legte der Angeklagte in großer Ausführlichkeit seine Lebensschicksale dar. Dabei erhebt er allerlei krause Beschuldigungen gegen seine Verwandten, gegen Beamte und Behörden. Gegen den Versuch des Vorsitzenden und deS Ober» staatSanwalts Böhme, den Angeklagten dazu zu veranlassen, sich kürzer zu fassen, wendet sich der Verteidiger Rechtsanwalt Dr. Halpert-Berlin. Für daS Gericht und für die Psychiater sei eine unbeschränkte Darlegung des Angeklagten erforderlich. Die ärzt- lichen Sachverständigen schließen sich dieser Ansicht an. Der Vor- sitzende ersucht den Angeklagten, bei seinen weiteren AuSfüh- rungen Beleidigungen zu unterlassen. Als der offensichtlich geistig nicht normale Angeklagte dann fortfährt, alle möglichen Beschul- digungen zu erheben, unterbricht der Borsitzende ihn dahin: Wenn Sie so fortfahren, muß ich die Ocffentlichkeit ausschließen. Ver- teidiger Rechtsanwalt Halpert: Ich weiß nicht, ob sich hierfür eine Handhabe bieten dürfte. Vors.: Das zu erwägen, würde doch Sache des Gerichts sein. Verteidiger Rechtsanwalt Halpert: Für die Ver- teidigung ist es wichtig, daß der Angeklagte sich ausspricht, damit wir in sein Gemütsleben hineinsehen können. Die Verbeidigung ist der Meinung, daß wir es mit einem Querulanten zu tun haben auf paranoischer Basis. Die Sachverständigen werden bestätigen, daß es solche Kranke gibt und daß solche Kranke nur zu erkennen sind, wenn man sie ausführlich sprechen läßt. Vors.: Ich bin nicht in der Lage, alle diese Beleidigungen gegen die Justiz, gegen alle Gerichte, gegen alle Richter hier öffentlich hinausgehen zu lassen. ES wird dann doch nötig werden, Mittel und Wege zum Ausschluß der Oefsentlichkeit zu suchen. Oberstaatsamvalt Böhme: Der Vor- fall war 1905 und die Tat ist 1903 verübt worden. Augekl. Grosser: Wollen Sie das wiederholen, ich habe nicht verstanden, meine Ver- teidiger auch nicht. Oberstaatsanwalt: Ich habe nicht zu Ihnen gesprochen, sondern zum Gericht. Verteidiger Rechtsanwalt Hol- pcrt: Ich bitte um Verzeihung. Ich möchte doch bemerken, daß etwas, was für das Gericht gesprochen wird, doch auch dem Auge» klagten als einem mit am Prozeß Beteiligten verständlich sein muß. Der Oberstaatsanwalt wiederholt seine Worte und setzt hinzu: Es scheint beabsichtigt zu sein, daß der Angeklagte sich in die Wolle redet, damit er sich daS Air eines Wahnsinnigen gibt.— Die Verteidiger widersprechen dieser Behauptung.— Angekl.: ES ist doch nicht möglich, anzunehmen, daß ein Richter so dumm ist, daß er die Gesetzesparagraphcn nicht kennt. Es handelt sich also um Willkür, um Betrug. Es tut mir leid, sagen zu müssen, daß da? deutsche Volk um sein Recht betrogen wird... Vors.(unter- brechend): DaS Gericht wird jetzt beschließen, ob die Oefsentlichkeit ausgeschlossen werden muß.— Oberstaatsanwalt Böhme stellt einen entsprechenden Antrag. Tie öffentliche Ordnung werde da- durch gestört, daß in öffentlicher Verhandlung solche Beschuldigungen gegen einen ganzen Stand, ein ganzes Land in die Welt gesetzt werden.— Verteidiger Leonhard Friedmnnn: Das Gesetz ver- langt nicht nur die Möglichkeit einer Störung der Ordnung. sondern die tatsächliche Gefährdung derselben. Dadurch, daß von einem Mann, von dem ein Gericht gesagt hat, es sei mit höchster Wahrscheinlichkeit anzunehmen, daß er gcistrc-krauk gewesen sei, solche Brsckuldigungen erhoben werden, entsteht noch nicht einmal die Möglichkeit einer Gefährdung der.öffentlichen Ordnung. Außerdem würde man hier einen Präzedenzfall schaffen, der noch nicht vorgekommen ist. Es würde ein Unikum sein, daß Angriffe emcs Angeklagten gegen staatliche Einri-btungen ckls Gefährdung der öffentlichen Ordnung angesehen werden. Nach einer längeren Pause verkündet der Vorsitzende, Land- gerichtSdirektor Dr. Müller, folgenden Beschluss des Gerickts: Es wird für die weitere vrrantwvtliche Bernchmung des Angeklagten, soweit sie sich auf die vorigen Prozesse erstreckt, die Oefsentlichkeit ausgeschlossen. Ter Angeklagte hat in aufreizender Weise Per- sonen und Staatseinrichtungen, insbesondere den preußischen Staat. Polizei, Gerichte und Behörden, angegriffen. Gegen den Versuch deS Gerichtsvorsitzenden, diese Ausführungen abzuschneiden, haben die Sachverständigen Einspruch erhoben, weil die freie Aussprache ihnen einen Einblick in das Seelenleben des Angeklagten.zu ge. währen geeignet sei. Es ist zu erwarten, �oß bei freier Aussprache die austeizenden Reden des Angeklagten sich noch weiter steigern werde» und daß sie in der Oefsentlichkeit aufheizend und beunruhigend wirken werden. Das Gericht hat daher wegen Ge- fährdung der öffentlichen Ordnung und Staatssicherheit für die Tauer der Vernehmung de? Angeklagten die Ocffentlichkeit aus- geschloffen. Der GenchtZfaal mich geräumt werden; die anwesenden Reichsgerichtsräte und die nicht ausgelcsteri Geschworenen dürfen der Verhandlung beiwohnen. Die Vernehmung geht weiter. Nach zweistündiger geheimer Verhandlung wird die Oeffent- lichkeit wieder hergestellt. Eine Reihe von Eingaben des An- geklagten an Neichsgericktsräte, den Präsidenten des Reichsgerichts, den Kammergerichtspräsidenten und eine Broschüre des Ange- klagten gelangen zur Verlesung. In allen diesen Schriftstücken erhebt der Angeklagte über angebliche Rechtsbeugung durch be- stochene Richter lebhafte Klage. Ein Schreibe» schließt: „Wird mir auch hier nicht Gerechtigkeit wenden, dann werde 'ch die Konsequenzen ziehen müssen." Hierauf werden die Verhandlungen auf heute früh vertagt. Die Affäre des Leutnants a. D. Richard Schramm wurde gestern in ihrem letzten Teil vor der 7. Strafkammer des Landgerichts I verhandelt. Zur Anklage standen»och die zwei Betrugsfälle, welche von dem am 22. vorigen Monats zur Ver- Handlung gelangten Strafverfahren abgetrennt Wörde» waren. In jenem Verfahren war der Angeklagte von der Anklage!»es Betruges und verschiedener anderer Vergehen freigesprochen wotrden. Da- gegen wurde er, wie seinerzeit mitgeteilt, wegen Körpnrvcrletzung ds Direktors Martin Ball, den er mit einer Hundepeitsche ge- schlagen hatte, zu 20 M. Geldstrafe verurteilt. In dein übriggebliebenen Fällen handelte es sich um folgendes: Der Angeklagte schramm hatte sich seinerzeit an dem Lortzing-Theater beteiligt und war durch den schlechten Geschäftsgang dieses llntermehmens ebenfalls in finanzielle Schwierigkeiten geraten. Wie die Anklage behauptet, soll er, um diese Schwierigkeiten zu beseitigen, sich von einem Kaufmann Bahr und von dem Allgemeinen Kreditverband Darlehen verschafft und als Sicherheit seine Möbeleinrichpung verpfändet haben, obwohl diese schon anderweitig verpfändet war. Die Beweisaufnahme erbrachte, daß der Angeklagte in keiner Weise betrügerische Absichten verfolgt hatte. Nach seiner Behauptumg wären die sämtlichen gegen ihn anhängig gemachten Strafver- fahren lediglich auf unrichtige Angaben des ihm feindlich gesinntem Direktors Ball zurückzuführen.— Das Gericht erkannte auf kostenlose Freisprechung. In den Gründen wurde anerkannt, daß der Angeklagte in seinen Angaben durchaus wahrheitsgemäß ge- wcsen sei und keine betrügerische Absichten gehabt habe. Keine Wahrnehmung berechtigter Interessen. Der Bergwerksdirektor Dauert und der Betriebsführer Grunow in Hörlitz hatten wegen eines Artikels der„Märkischen Volksjtimme" gegen deren damaligen verantwortlichen Redakteur, Genossen Wendemuth, die Beleidigungsklage angestrengt. In dem Artikel waren verschiedene Mißstände in der Brikettfabrik be- handelt und bestimmte Tatsachen behauptet worden. Daran schloß sich eine Kritik und es wurde unter anderem auch� gesagt, es wäre nötig, den dortigen Beamten durch die Bergbehörde einmal die zum Schutze der Arbeiter bestimmten bergpolizeilichen Vorschriften m Erinnerung zu bringen. W. wurde in zweiter Instanz vom Landgericht Kottbus zu einer Geldstrafe von 3l)0 M. verurteilt. Wenn auch gewisse Uebelstände in der Brikettfabrik festgestellt worden waren, so hielt doch das Gericht mit Bezug auf die speziellen Angaben den Wahrheitsbeweis nicht für erbracht. Dann wurde ausgeführt: Der Schutz des§ 193 des Strafgesetzbuchs könne dem Angeklagten nicht zuteil werden. Aus der Tendenz einer Zeitung, zum Beispiel weil diese Interessen der Arbeiter vertrete, könne ein Recht, vermeintliche Uebelstände zu kritisieren, nicht hergeleitet werden. Nun habe allerdings Dölle, der Sekretär des Bergarbeiterbandes, bekundet, er hätte dem Augeklaqten Material zu dem Artikel übersandt und ihn mit der Veröffent- lichung desselben betraut. Lediglich durch diesen Auftrag sei aber eine nähere Beziehung des Angeklagten zu den vermeint- liehen Uebelständen auf dem Hörlitzer Werk in dem Sinne, daß dieselben dadurch eine ihm selbst nahe angehende Sache wurden, nicht geschaffen worden. Ganz abgesehen davon aber, habe das Gericht aus dem Ton, in dem der Artikel gehalten sei, die Ueber- zeugung erlangt, daß der Verfasser damit gar nicht die Interessen der fraglichen Arbeiter habe wahrnehmen wollen.— Natürlich ist nach Ansicht des rühmlich bekannten Kottbuser Landgerichts die Absicht nur gewesen, zu Hetzen. Wendemuth legte Revision ein, die Rechtsanwalt Dr. Kurt Rosciifcld vertrat. Es wurde Ver- letzung des Z 193 des Strafgesetzbuches gerügt, weil Wahrnehmung berechtigter Interessen zu Unrecht nicht angenommen worden sei. Das Urteil gehe an einer Stelle von der Rechtsprechung des Reichs- gerichts aus, wonach Z 193 nur dann zuzubilligen sei, wenn die Sache den Täter selbst wegen seines besonderen Verhältnisses zu ihr nahe angeht. Ein solches Verhältnis liege aber hier vor, weil der angestellte Vertreter der Bergarbeiter(Dölle) den Ange- klagten mit der Veröffentlichung des Materials beauftragt habe. Denn dem Dölle als Beamten der Bergarbeiter würde zweiffelos der Schutz des§ 193 zustehen, und da er den Angeklagten beauf- tragt habe, so sei hierdurch direkt das nähere Verhältnis der Sache zum Angeklagten hergestellt.— Der zweite Strafsenat des Kammergerichts verwarf jedoch am Dienstag die Revision mit der kurzen Begründung, daß die Revision deshalb keinen Erfolg haben könne, weil das Landgericht festgestellt habe, der Angeklagte hätte mit dem Artikel berechtigte Interessen gar nicht wahrnehmen wollen. Damit erledige sich die ganze Sache. Um der Steuerbehörde ein Schnippchen zu schlagen» hatte der Buchhalter Rudolf Dost auf recht raffinierte Weise ver- schiedene Straftaten begangen, die ihn gestern unter der Anklage der Fälschung einer öffentlichen Urkunde und der Unterschlagung vor das Schwurgericht des Landgerichts führte.— Der Angeklagte war als Buchhalter bei dem Kaufmann Drobig angestellt gewesen. Während dieser Zeit war wiederholt der Steuereinnehmer bei ihm erschienen, dem es aber niemals gelang, die fällige Ouartalssteuer von dem Angeklagten einzuziehen. Da eine Zwangsvollstreckung fruchtlos blieb, wurde gegen den Angeklagten das Gehaltsabzugs- verfahren von der Steuerbehörde eingeleitet. Zu diesem Zweck wurde dem Kaufmann Drobig als Chef des Angeklagten ein Zahlungsverbot zugestellt. Der Angeklagte nahm dieses Zahlungs- verbot in Empfang und unterzeichnete die Zusiellungsurkunde mit dem Namen„Hoffmann". Das Schriftstück selbst behielt er für sich und schickie es mit einem Begleitschreiben an die Steuerbehörde zurück, in welchem er im Nanien des Geschäftsinhabers Drobig erklärte, daß der„Buchhalter Doß" nicht mehr bei ihm beschäsiigr sei. Der Angeklagte hosste, auf diese Weise sich von der Zahlung der Steuer„drücken" zu können. Durch einen Zufall kam jedoch diese Manipulation des Angeklagten zur Kenntnis der Steuer- behörde, die Anzeige erstattete. Vor Gericht war der Angeklagte geständig und entschuldigte seine SandlungSweise damit, daß er sich in Notlage befunden habe.— Die Geschworenen bejahten nur die Schuld,' rage nach einfacher Urkundenfälschung, während die Frage bezüglich der Unterschlagung verneint wurde. Der Staats- anwalt beantragte eine Gefängnisstrafe von vier Wochen. Urteil lautete auf drei Wochen Gefängnis. Deutscher Urbeiter- Abstlnentenbund. Ortsgruppe Berlin. Freitagabend k'/, Ahr im„«ewerkschaflshauS". Engelufcr lS. Vortrag oes Genossen Heinrich Schulz über:„Abstinenz und Klassenkamps.' Eintritts- preis iv Ps.— Kein GeiränkrausschaNk. Freireligiiiic Gemrinve. Sonntag, den 12. Dezember, vormittag» 9 Uhr, Pappel-Allee 15/17: Freireligiöse Vorlesung. Vormittags Ii Uhr. Kleine Franksurie� Str. 6: Vortrag von Frl. Ida Attmann: Pflicht und Freiheit in der Religion. Damen und Herren sind als Gäste sehr will- kommen. Freitag, den 10. Dezember, abends 81/, Uhr, bei Freyer. Koppen- flratze 29: Aujzerordentliche beschließende Versammlung(Endgültige Wahl eines Beamten als Kassen- und FriedhosSwartS.) Mitgliedskarte ist mit- zubringen._ «SttternnqSuderNcki» vom 1). Dezember 1009, morgens 8 Uhr. 1| Ii Ii« f- Swmembe"66 91 tzainburx j 768 31111 Berlin 1 766 28 Franti.a®I 768 NW Rünche»>767 NW Wteu 759 WNW Setter 2 Dunst — Duuit 2 Nebel 2 wolkig 4 bedeckt 4 bedeckt d»« =- all §? H o «tationen ist es Sf-o S ISi gj Hl IS- Wetter Mi"* ii »K .? Mi Savaranda 763 WNW 2 bedeckt—7 etersburg 769 W3W 1 bedeckt I 1 Scilly.,771@28 «lberdeen Mit« 1 Scilly' 771 SW 4 wolkig j 5 3 tlberdeen j763 SSW 2bedeckt 0 Varl» l 773 SSW Iwollciil— 3 2!>!> «etterprognoie für Freitag, de« 10. Dezember 1900. Zunächst ziemlich heiter, nachts eitvaS käljer; später lebhafte südwestliche Winde, zunehmende Erwärmung, Trübung und geringe Niederschläge. Berliner Wetlerbureau. Wstein j für den 4. Bert. Reichstais-Mkreisj Stralanrr Viertel. Beznk Str. 332, Teil k. Dm Mttgliedern zur Nachricht daß unser Genosse, der Maurer �uxust Wsxner FriedrichSfelder Str. 82 gestorben Ist. Ehre seinem Andenke«: Dt» Beerdigung findet am Son, labend, den 11. Dezember. nachmittags 3Uhr, von derLelchen- balle des Zmlral- Friedhoses In griedrichsselde aus statt. Um rege Setelligung ersucht Der Vorstand. Aette junge Gänse »ur erste Qualitäten von 7 bIS 14 Psund a Pfund 65 Pf.. GSuserümpfe,>/, Gänse. Junge Enten M. 3.50. Hühner, fette Suppenhähncr, jge. Brathühner in besonders schöner Auswahl. Weener, 80. Hkarianneustr. 34. Dr.Simmel Spezial-Arzt ffir Haut- und Harnleiden. Prinzenstr. 41, Ä", 10— 2. 5—7. Sonntags 10— 12, 2— 4. Große Firma vergibt durch Privalhand Ilvckvn jeder ült.-t.Oardlncn.Teppii-.he, Portieren,»Uder und Iflifieti. Ohne Anzahlung bei kleinen MonaiSralc».* Keine Kassierer. Offert. U. W. 100 «m.Borwärts-spedltton, Augusislr. 50. r M I g I i H > B i Die Klugheit gebietet es, ffir gesunde und reine Lufft in den Arbeits- und Verkaufsräumen zu sorgen G f »Fügen Sie dem Auf wischwasser pro Eimer einen Eßlöffel voll hAUTOMORS" hinzu H und Sie haben gesunde und reine Luft! I i S Kl i M Spezlalgrschilf t f. Uhren a in grSBIer Auswahl,*' G gut gehend, genau reguliert:' Kaval-Remi.-llhron o. B M. Silberne Remt-Uhren 7 M., Goldene Remi.-Vhran 12 M. t Schlag«-Rkvert-Uhre» 9 M. i JgH.-Weck-Uhr«» v. 2 M. an< Reelle schriftliche Garantie. E. Möbln, 14 Bentb• Straße 14 n.CaföAsohinjeer a Splttelmarkt( Alumn- und öramlnudtm von Koben Meyer,' nur Mamunkll-Zttllßt 2. Wohnunos-Einriclitiingei)! Koutor-HObel, Teppiche, Plonos, GeldMChrhnke, Klabsesael, Loder-Sofa« etc. •rhalten solvente Personen Joden Standes von erster Finna innerhalb Oeutsctaland in erstklassiger Ausführung, auch nach Zeichnungen, zu Original-Preisen« > wenn 5'/0 Zinsen »i vergütigt werd. etfindig tmlerwegs, um gefl. Angabe der Adresse und Besuchszeit unter Chiffre M. 8. an die Exped. dieser Ztg. erbeten. Aai Wunsch Zahlumrserleichterung, Reitsende sind st findig unterwegs, um gefl. Angabe i | BegrBndel 1873 1 ÜUt-Hal IllgCr| Begründet 1873 1 Euere« Spezialhaus ffir Neuheiten In FllahUtee. KylinderhUten, Chapeau claquos, Strohhüten. Einzelverkauf zu sehr billigen »u. streng festen Preisen. Neue Kdnigstr. 48, 1 Treppe, am Alexanderplalz. Reparatnren werden nanber und KNIlß- auHfeführt. Gesellscharts-Spiele in allen � wvwwiimvismisw««(•■vav Preislagen. Schach, Domino, Dame, Roulette, Poch- u. Kcgclspicle-c\ i Moderne Spailtrstöckk und Tabab-�feifen aller Art. �.Feme IV'lener ineerHchaam- und Bcrnstcln-SpitBen. 5 Rphplinflrt Ä; Wirth B'«t"neii«traße 4 ond 5, Oullcllllöli Qu«Inn, an der Wallner-THeater-Strasje. »MS, pür da» W eihnachtsf est empfehlen wir «1s Prttmle lür die Leser des.Vorwärts' Shakespeares sämtliche dramatische Werke. In drei eleganten LcinenbSnden geb. (ca. 2800 Seiten umfassend) Uebenetzt von A. W. v. Schlegel und L. Heek Mit einer biographischen Einleitung von Rudolph Genta Preis nur 3,50 M. Expedition des, Vorwärts' Berlin SW. 68 147/17* Llndenstr. 69, Laden Gesundheit ist Reichtum! |4B>' Bade Berlin-Ost"W im „Bad Frankfurt" Große Frankfurter Str. 136. Medizinische Bäder aller Art in werktüglich ununterbrochen geöffneten Sonder-Abieilungen für Damen 466L und Herren. 8 Wannenbäder mit je 2 Handtüchern 75 Pf.(40 Minuten Budezeit.) Lieferant sämtlicher Krankenkassen. Wxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx Wir empfehlen unsere hochfeinen aber doch billigen Punschextrakte: Va Extrakt und% heißes Wasser gibt einen fertigen, vorzüglichen Punsch. Käuflich in allen Geschäften in Berlin und Vororten, welche unsere Waren führen. Jedes Etikett trägt unsere Firma worauf wir zu achten bitten. Man verlange Preislisten. .. Wattstr. 11/12. xxxxxxxxxxxxxxx'xVVk'xW�xkW����k'x'x Geehrte Hausfrau! Machen Sie einen Versuch mit unserer in Berlin und ganz Deutschland hWauS so beliebt gewordenen öSUiS* Hamburger Bvttrh-Ktl�ee Mischung Marke.Java- i Pfd. 7 O Pf.. Marke-Mokka« i Pfd. 90 Pf. OW Täglicher Post- und Bahnversand."M> Alleinverkanf in Berlin: ridliH» n�nccion Kolonialwaren- und UvUl. III Ud5lCU9 Kaffee-Großhandlung C. 54, Neue Schönhauser StraEc 14.— 0. 112, Frankfurter Allea 188. Arbeiter» Bekleidung- Berufskleidung. Größtes Spezialgeschäft. Rolinen& Jöring, Äl; Alexandeislr. 12. Filialen: liandsbei-for Alice 148.' Rtxdorf: BerestraSe 60 am Ringbahnhof. Qesundbrunncn. Freitag, den 10. Dezember, abendS 8'/, Uhr: Oeffentliche Versammlung im Lokale des Herrn Franke, Badstrafte IS. Tage». Ordnung: Sind die Agrarier die einzige« Lebensmittel- verteuerer? Referent: Genosse Eduard Bernstein. 140/5+ Per Einbernfer. l» •in Arbeitsnachweis: BerwaltungSftelle Berlin. Hauptbureau: Hof l. Slmt Z. 1239� LKsi-itbztraS« 3. Hos III. Amt 3. 1987. Sonntag, den 12. Dezember 1SV9, vormittags 10 Uhr: Branchen- Versammlung der Bauansehlager im Gewerkschaftshause, Eugelufer 15, Saal 7. TageS-Ordnung: 1. Tarifangrlcgenheitcn. 2. Neuwahl von zwei Revisoren für den Branchensonds. 3. VerbandSangelegenheilen und Verschiedenes. Zahlreichen Besuch erwartet 131/1 Ple 6. Wahlkreis. Sonntag, den 12. Dezember, abends 6 Uhr, bei Bernhard Raabe, Kolberger Strafte 23: Oeffentliehe poiiüsehe Versammlung für Männer und Frauen. TageS-Ordnung: 233/7* Vortrag des Redakteurs Genossen Wemuth über„pichle und sein 8rziehunt(spvoblemM. Zu zahlreichem Besuch ladet ein Per Einbernfer: E. Ernst, Wöhlertstr. S. Nach der Bersammlung:(ZeMÜtÜcKeS ke!8aMMel1SeM Mit ISN?. Kein Islisn, nur l Ir. > prsislizto tranko. I Kein laöon, nur I Tr. r Ii ■ Filiale Berlin 1.• Bureau: Sebastiaiistr. 27—38, H. r. II. Tel.: Amt IV. 9737. sn Herrenkonfektion sn Sonntag, de« 12. Dezember 1909, mittags 12 Uhr: Große öffentliche KochktiiinssllMeidkr-VkrsWmlmig in der Brauerei Friedrichshain(am Friedrichshain). TageS-Ordnung: 163/14 Welche Aufgaben haben die Berliner Konfektionsfchneider demnächst zu erfüllen? Referent: Kollege Schärtl-Stettin. Kollegen und Kolleginnen! Erscheint zahlreich in dieser Bersammlung, damit auch Eure Interessen gesördert werden tonnen. 163/14' Ple Kommission. ir Ortsverwaltane Berlin. �nlt Freitag, abdS. 8% Uhr, im Gewerkschaftshaust, Engelufer 14/15, Saat 4 sArbeitstosensaal): Sitzung der Ortsverwaltung. Sonntag, den 12. Dezember, vormittags 10 Uhr: dezirUsversammlttngett der Sinsetzer ta folgenden Lokalen: 93/9 1. Merbowsbl, Andreasstr. 28. II.»tebttile.Kopenhagener Jtr.74. HL I,aniprecht, Pullitzstr. 10. IV. Müller, Brcdowstr. 11. V. Prell, Rosenstr. 24, Rixdors. VI. HH'lerner, Blllowstr. Sö. VII. Ml». Skatitzer Str. SS. VHI. Vplkshans, Rofinenstr. 3, Charwttenburg. IX. Heizer, Wtesenstr. 29. Vloutag, den 13. Dezember, abendS 8 Uhr, üs Gewerkschaftshaust: Oenerai- Versammlung._ Zklitralmlililld d» MMnijlku m» Htiirr stwit Sttiifsgtiloffkii Dtiiischlüiids Vervaltnna/sstelle Prov- Berlin. «-nnadend. 11. Dezember ISO», abend» 8 Uhr. Im.Englischen Garten«. Alcranderstr. 27e: Außerordentliche Generalversammlung. TageS-Ordnung: 1. Vortrag deS Herrn Ingenieur HVolüt über: lllj! ÜW «l te»Mrtirtir uWaÄÄ" � 145/14 Die Verwaltung. I. A.: H. Schwittau. MM der Haus-Angestellten. lliiin- Eonntag, den IS Dezember, bei Grosser(früher Obst), Jchöncberg. Martin-Lnthrr-Str. 51: Weihnachtsgeschenke für Dienstboten. (Freie Aussprache.) Anfang 7 Uhr. Vortrag Reserentin: Fräulein Ottilie Baader. Saalöffnung v Uhr. «ach dem Vortrage: GginQtlicties Hei'sauimsnsein- Tanz, Die Arbeiterschaft ersuchen wir. alle Ihr belannien Dienstboten aus diese Versammlung aufmerksam zu machen. 292/10 Ohne Anzahlung Spiegel Bilder, Deoken, Portieren, Teppiche. Gaidinen, Stores, ferner mit kleiner Anzahlung(1 Mk wöohentl.), Herren-Gar- , derobe. Damenmäntel, Kostüme, Kostüm- röoke. Blusen, Bett-u. 1-eibwäsohe, Betten. Jlnfal Wctnbcrgs»veg iO Bitte Besuch » AUICI. am Rosenth. Tor Bä od.Poslkarte 50 verkaufe ich Ohne jede Anzahlung Pianos erstklassige» Fabrikat (9mal prämiiert Staatsmedaille) in allen Holz- — und Stilarten von .£ wunderbarer Tonfülle. (Flügelton) gegen bleine monatliche Tellzahlnng, a ohne Jeden PrelManlMchlag. 95/lb* A Für jedes Instrument gewähre ich 20jähr. sohriftl. Garantie. D Conrad Krause Nchfg., cek�ku�stent���ie�oha/h 10410. WWW»»» Aoeh Sonntags geülTnet.——» Verantwortlicher Redakteur Richard Barth, Berlind Für 'Pnoi? I'sbsststvusp-> Erhöhung verkaufen wir unsere bekannt vorzüglichen ssl-S'Zkn Fnmin AfinisnSechn Zigarrenmarken, soweit der Vorrat reicht, üS&SSaa K-aS«gä(LF9�Sr�t.BSCIls Postversand von 100 Stück an(400 Stück portofrei) p. Nachnahme, Nebenstehende Original Sumatra- JJft TC Zigarre»U'(Oh rein überseeisch. � 100 Stck. 4.25 Nebenstehende~ Original E 9Pf.-Zigrre.)", „ßraganza" fein aromat. 50 Stück 3.25 Kl. Mexike-Zigarre 100 St. M. 2.85[Carmen(pikant) 100 St. M. 4.00| Bella Flor(pik., mild) 100 St. M. 5.00 Don Pedro(Sumatra) M. 3.50| St. Andres Mexico vors. M. 4.25| Odora(feinblumig) 100 St. M. 6.00 t Ufoihnoohlc Tinonntsn ru 25 St. M. l.OO, 1.10, R,S5, 1.50, 1,70 usw. 1 beste nßinnaCfllS-tiprrcU ZU SO„ B s ss, 2.50,2.75, S.OO. S.2S. S.SO usw/ OualitSten. Cwiieii& CeballeE'';i!i™fia!*Ji GeSiinel bis 10 Uhr abends, Sonntags bis 8 Uhr abends. I AA Sie sparen Geld! wsr 1 1 1 V 1 Akzul � Engrospreisen? s■fBlAiJASiinder Möbelfabrik: iH. Walter id:WilliMaaß,Ä|35| ■ kaufen. Verkauf nnr im Fahrtkgebände— norfl eigenes Fabrikat.— Aul Wunsch Teilzahlung. 35■■ Permanente Musterzimmer-Aussteliung. m 35 Goldisan bester Ersatz für echten(jolrfschmuck, starke 14 karätige Qoldauflaee. 10jährige urkundl. Garantie ffir gutes Tragen, sonst verbürgter Umtausch. Elegante Original-Etuis. Billige Preis« ErbSinich In n�'rtwarenhandlungen. jngendsehriflen I sind ht reichster Auswahl nach dem[ Verzeichnis des VildungS'AusschuAeS zu haben in der bipeilllion lles„VanUstz"! Berlin 5V. SS. Lindenftr.«S! (Laben). i>WW» »»MMWWW»WWWW»M»> + tt>g!önl8l:lig Söilasfzal. Progerie ZCorcmd« «Zetnbergswca 1. dir. a.Roiemhaler Tor. ♦ Billigste Bezugsquelle I Versuch s. zur dauernden Kundschaft. «oDS�s'rocK's Spezial-Reise-Feldslecher erstklassige, tausendfach bewahrte Instrumente A: Garantie für jedes Stück No. IOOS No. 1057a Mit ansgezaichnetor optisch. Wirkung 4 X Un. Vergrößerung u. sehr solider mechanisch. Ausführung. Objektivgröße 43 mm. Gewicht 632 Gramm, kompl. mit Etui und Kiemen u 17.50 Dasselbe Instrument wie nebenstehende Abbildung and Ausführung, indes mit stärkerer Vergrößerung als Nr. 1005 m. 25.50 Rodenstock�s Prismen a Feldstecher Mar« III 7 X Vergrößerung, großes Gesichtsfeld. Ällerfeinste solide Ausführung Die« Int der preiswerteste and beste Prlsmcn-Feldstecber. M. 97.50 Wenn Sie unsere Anstalt nicht aufsuchen können, um persönlich die richtige Auswahl su treffen, so vorlangen Sie portofreie Auswahlsendung von Feldstechern. Sie können durch praktische Prüfung das für Ihre Zwecke Passende am besten auswählen. Preisliste fiber optiscb-physikallsche und photograpbfsche Apparate sowie Neabeiten gratis! Optlseb-okallstlsche Anstalt Berlin W. Ulldfittstflfik Charlottenbur9 Leipziger Str. 101-102. V SvA VW loachimsthaler Str.44. für den Gorliurr Viertel. Bezirt Nr. ISO. Den Mitgliedern zur Nachricht, datz unser Genosse, der Metallarbeiter Wilhelm Zedier Lausttzer Straße 40 gestorben ist. Ehre seinem Zlubenke«! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den It. Dezember, nachmittags 3'/, Uhr, von der Leichenhalle des EmmauZ-Kirch- Hofes in Rixdors. Hermannstratze, aus statt. L?>-7 Der Borftaii». Oeutsclier Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berltn. Todes» Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, dak unser Mitglied, der Metallarbeiter Wilhelm Zedier gestorben ist. Ehre seinem Andenken l Die Beerdigung findet Sonn- abend, den 11. Dezember, nach- niiilags 3'/.. Uhr, von der Leichen- balle des Emmaus-KirchhoseS in Rixdors aus statt. Rege Beteiligung erwartet Die Ortsverwaltiina. ZoMMi'slizeli.AIihei'eiii des 6. BerLHeiEbstapalreisei Machrnf. Am 21. November verstarb unser Mitglied, der Töpser Clemens Thomann. Ehre feinem Anvenle» l 233/6 Per Vorstand. Deutscher Holzarbeiter-Verband Den Mitgliedern zur Nachricht, dah unser Kollege, der Mcschwen- arbeit er Waldemar 5chieker am 8. Dezember gestorben ist. Ehre seinem Andenke« k Die Beerdigung findet am Sonnabend, den II. Dezember, nachmittag« 3 Uhr, von der Halle des MarfuSkirchhoseS in Wilhelms- berg auS statt. 93/10 vi» Or(s«er*altaa|. Zentral- VeM der Maurer Oeotsehlanils. Zweigverein Berlin. Den Mitgliedern zur-Nachricht, daß unser Mitglied �uxusl Waxoer Bezirk Osten l am 7. Dezember 1909 verstorben ist. Ehre seinem Anden kent Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 1 1. Dezember 1999. nachmittag» 3 Udr. von der Leichenhalle de« Zentral- Fried- hoseS in Friedrichsseide auS statt. Um rege Beteiligung ersucht 140/6 Der Vorstand. Spandau. Todes- A nseigA. erdurch die traurtaeJiachricht, daß unser einziger lieber Sohn Wilhelm am Dienstag, den 7. Dezember, nachmittag» 4 Uhr, nach langem. schwerem Leiden im 13. Lebens- jabre verstorben ist. DieS zeigen an die ttesbetrübien Titern IVllhelm Pieper n. Frau, Metzerstr. 12. Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 11. Dezember, nachm. 21/. Uhr, aus dem Kirchhof in den Kisseln statt. 3488L Am Mittwoch, den 8. d. MS. morgens 8 Uhr, verstarb nach kurzem Leiden unsere geliebb Mutter. Grogmutter u. Schwieger mutter Julie Abraham geb. Albrecht nn 77. LevenSiahre 34S3L Um stille Teilnahme bitten Die trauernden Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 11. d. M., nach. mittags 3'/, Ubr, von der Leichen- balle des Kirchhofes der Aus- erstehungs-Gemewde in Weihen- see aus statt. 1 ! Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes, des Bauarbeiters Paul«Väsclike sage ich allen BeieUigteu meinen herzlichsten Dank. W we. Klara Jilschke. dengnseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u.Berlag: Vorwärts Vuchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer sc Co., Berlin SW, Kr. 288. 26. ZahrMg. 2. DeilU ks„llotraiitts" Kerlim lioibfelutl Freitag, 10. Dezember 1909. partei- Angelegenheiten. 8. WahlrrriS. lFnedrickstadt, S. Abteilung.) Sonntag, den 12. Dezember, nachmittags 5 Uhr bei Julius Meyer, Oranienstr. 103: Schiller. Feier, unter freundlicher Mitwirkung des Friedrich- städtischen Männergesangvereins und des Musikvereins der Buch- druckerei-Hilfsarbeiter. Das Referat hat Genosse Max Grunwald übernommen. Zahlreiches und pünktliches Erscheinen erwarten Die Bezirksführer. Zweiter Wahlkreis. Sonntag, den 12. Dezember, im grohen Saale von Habel. Bergmannstr. b/7: Familicnabend. Um 6 Uhr: Vortrag der Genossin Wurm über:.Die Enlwickelung des Handweikerstandes im Mittelalter". Nachher Tanz Um guten Besuch bittet Der Adteilungsführcr. Vierter Wahltreis. Am Sonntag, den 12. Dezember, abends 6 Uhr finden in den Lokalen Keller» Festiäle, Koppenstr. 29, und Graumann, Naimynstraße 27, B o l k S v e r s a m m- I u n g e n statt. Bei Keller referiert der Reichstagsabgeordnete Genoiie Ziels ch über:»Christentum und Sozialdemolraiie", bei Graumann spricht der Schrijlstcller M. Schütte über: Friede aus Erden und den Menschen ein Wohlgefallen". Der Vorstand. Sechster Wahlkreis. Am Sonnabend, den ll. Dezember, findet in den Prachtsälen Nordwest, Wiclesstr. 24. ein zweiter und letzter Vortragsabend der Künsilervereinigung„Münchener Scharsrichter" statt. Biflelis sind für Mitglieder noch bei Richter, Wiclesstr. 24, Fröhlich, Wittstocler Str. 23. und im Bureau Ravenöstr. S zu baben. Niederschönhausen- Nordend. Sonntag, den 12. Dezember: Kalenderverbreitung in Müblenbeck. Treffpunkt: Restaurant Fröhlich, Eichenstr. 70. Adniarsch Punkt 8 Uhr. Um pünktliches Erscheinen ersucht_ Die Bezirksleitung. Berliner JVaebriebten. Bom Eleud der Fürsorgeerziehung haben die schmachvollen Vorkommiiisse, durch die die„Blohmesche Wildnis" und nach ihr das„Fürsorgestist Mielczyit" von sich reden machten, so überzeugende Proben geliefert, daß man auch in bürgerlichen Kreisen stutzig geworden ist und nach Ab Hilfe rufen zu sollen meint. Bei uns in Berlin hat vor nehmlich die Schande von Mielczyn, deren durch den„Vorwärts" herbeigeführte Aufdeckung alle Mängel des Fürsorgeerzichungswesens unserer Stadt bloßlegte und grell beleuchtete, das liberale Bürgertum ein wenig aus seiner Selbstzufriedenheit ausgeschreckt. DaS« Thema ist plötzlich sogar bczirksvereinsfähig gewordena so kam's, daß ein Bezirksverein des Stadtteil»— Halleschen Tor sich einen Vortrag über F ü r/c�tMMöz i e h u n g halten ließ von Herrn Dr. S ch e p den Freisinn vertritt. sei es nur schlagen der Z ö ziehungsi verwaltztzNi hauptw Stadtverp 'ändtagsabgeordneter .�(Jsserer Epileptikeranstalt „Wuhlgarten" als ErziehlUtgLMtzvktör unter den Jugendlichen zu wirken Gelegenheit hai.�toz.Wtd mancher sich besonders tiefgründige Ausführungen von ihm versprochen haben, aber er blieb sie schuldig. Wir wollen uns daran genügen lassen, aus seinem allgemeinen Gerede ein paar Punkte herauszugreifen, die sachlich bemerkenswert sind. Wo sollen Fürsorgezöglinge untergebracht werden? Schepp meint, es sei zu wünschen, daß man sie sämtlich in Familien geben könnte, aber das lasse sich leider nicht durchführen, weil es hierzu an geeigneten Familien fehle. Nicht wenigen der Familien, die solche Zöglinge übernehmen, müsse man sie oft scho» nach kurzer Zeit wieder abnehmen. Manchen zu tun. Geld dabei herauszu- "leite die Absicht, die Arbeitskraft Auszunutzen. So urteilt ein Er er Stadt, ein Beamter unserer Gemeinde schwerlich ohne triftigen Grund solche Be� {(rechen wird. Lange vor ihm haben in der iversanimlung unsere Genossen dasselbe gesagt. ist dass»lh«4tii �Vorwärts" gesagt worden, doch da war es— „mäßige ffcrttrtreibiing". Schepp hält indes auch die Erziehung in AiWWfjftvn für keineswegs einwandfrei. Das Mißtrauen gegenErzWungsanstalten, das in weitenKreisen der Bevölkerung herrsche, ses leider nur zu berechtigt. Die Mißerfolge vieler Anstalten seien aber daraus zu erklären, daß sie mit einem durchaus ungeeigneten Personal vorlieb nehmen müssen, weil es ihnen an Geld fehlt. Sehr richtig, wenn auch längst nicht mehr neu I Bisher ist der Berliner Stadtfreisinn taub gewesen gegen alle Mahnungen der sozialdemokratischen Stadtverordneten, die eigenen Er- ziehuitgsanstalten der Stadt zu vermehren, bisher hat Berlin noch immer sich behelfen müssen niit Privatanstalten von jener Art.-die dar vermutlich sachkundige Vortragende schilderte. Ein �rohn war seine Behauptung, daß die Stadt Berlin. ■"chas Fürsorgeerziehungsgesetz sie plötzlich vor eine 'Aufgabe gestellt hatte, nicht sofort ihre An- habe vermehren können. Nein, sie wollte es Sfcit jetzt neun Jahren haben wir das Fürsorge Gesetz, noch heute warten wir ans die Vermehrung d�"Äiistalien Berlins— und da wagt es einer, noch von zu reden 1 Schepp wünscht den Anstalten eine -ierung. eine Sonderung der Zöglinge in und Unbestrafte, Kranke und Gesunde, Schwach- und Intelligente usw., wie auch Oberbürgermeister letzthin in der Stadtverordnetenversamnilung sie lu s s i ch t gestellt habe. Hoffen wir. daß es sich hierzu kommt. Aber auch das hätten wir längst rönnen, wenn die„Maßgebenden" der Berliner .. üeverwaltung es gewollt hätten, denn in Fach- � ist diese Forderung schon vor langem aufgestellt und Ilten Gründen gestützt worden. Zur Frage der � e l st r a f e äußerte der Vortragende sich dahin, sie sei ■siigere Kinder nicht ganz zu entbehren, aber gerade !)ürsorgezöglinge verwerfe er sie. Daß in nstali Mielczyn so unerhört geprügelt wurde, sei um so Eerlicher, da man ihr infolge eines Mißgriffes des für d?e�Anstalt Lichtenberg tätigen Arztes auch geistig minder- Ivertige Zöglinge überwiesen habe. Der Fehler, sich den Pastor Breithaupt nicht näher anzusehen, sei gemacht worden, weil man der Empfehlung durch Bodel- ?mwingh wohl habe trauen dürfen. t™1 In der Diskussion wurde■.ese Verbeugung vor Bodel- Mvingh mitgemacht vom Stadtverordneten Imberg, der sich auch aus Stadtrat Münsterbergs Wort berief, daß diesem der listor Breilhaupt als„angenehme Persönlichkeit" erschienen Stadtverordneter Lindau behauptete, die Waisen- oaltung habe unverzüglich ihre Pflicht getan, aber der ildemokratische Stadtverordnete Bernstein sei damals in I die Ferien gegangen. Das war schon in der Stadtverordneten- Versammlung vom Bürgermeister Reicke behauptet worden, wurde aber damals sofort als unwahr zurückgewiesen. Herrn Schepp hielt ein Arzt vor, auch» n„Wuhlgarten" sei nicht alles zweifelsohne, das wisse er von einigen seiner Patienten. Schepp antwortete auf Aus- sagen von Patienten dürfe man nichts geben. Wir kennen diesen Grundsatz, er ist in Anstallten sehr beliebt, und ihm ist es zu danken, daß in Anstalten fast nie etivas „ranskomnit". Von vornherein unglaubwürdig sind Herrn Schepp die Aussagen von Epileptikern, wie Herr Bresthaupt forderte, daß man die Aussagen von Fürsorgezögliugen für von vornherein unglaubwürdig halte. Hätten wir, als wir daran gingen, die Hölle von Mielczyn zu enthüllen und in ihrem grellen Schein das Elend der Fürsorgeerziehung zu zeigen, ebenso gedacht wie Herr Breilhaupt und Herr Schepp. dann stände heute noch der Pastor Bresthaupt unangetastet da und dürfte seine Peitsche schivingen. Gegen die Wohltätigkeitsschnorrerci. Gegen den groben Unfug. der darin besieht, daß von den Berliner Geschäften Waren, die Millionen im Werte haben, zu WohliätigkeitSveranstaltungen für Tombolas und Bazare zusammengeschnorrt werden, macht die Geschäftswelt nun endlich Front. In der gestern abgehaltenen Ver- sammlung des Verbandes der Spezialgeschäfte ist eine Komniission gewählt worden, die Vorschläge für eine Re- form zu machen hat. Die Geschäftsleute in Berlin empfinden diese Schnorrereien um Geschenke, die von den verschiedenen Vereinen ausgehen als eine ungemein drückende Last. Man bc- rechnet, daß manche Firmen dadurch Verluste erlitten, die viele Tausende umfassen. Besonders stark beteiligt sind daran die Firmen in der Parsümerie, in der Bijouterie und in der Nahrungsmittel- brauche. Auch Kunsthandlungen und Buchhandlungen werden arg geschröpft. Bei der ungemein großen Zahl von Wobltätigkeits- vereinen und Gesellschaften ist es dem einzelnen unmöglich zu unter- suchen, ob seine Gaben immer an die richtige Stelle kommen. Es gibt in der Reichshauptstadt eine ganze Reihe von Vereinen, die die Wohltätigkeit als Deckmantel benutzen, um Geschäfte zu machen. Die Tombolnipenden werden oft direlr verkauft oder es werden, wie das jetzt wieder am Sonnabend auf einem großen Fest vorgekommen ist, Nieten unter die Tombolamuiimern gemischt, so daß die Käufer geprellt werden. Wegen der Affäre, die am Sonn- abend in den Ausstellungshallen am Zoologischen Garten vor- gekommen ist, schwebt zurzeit eine Untersuchung. Ein anderer krasser Fall ist jüngst einer großen Berliner Firma passiert, die sich verpflichtet hatte, für wohltätige Zwecke Braten zu stiften. H er haben die sogenannten Ehrendamen es durchgesetzt, daß die gespendeten Bratenstücke nicht an die Adresse des Vereins, sondern an ihre eigenen gelangten. Eine direkte Ab- lehnung der Spenden für wohltätige Zwecke wollen manche Firmen nicht vornehmen, weil sie fürchten dadurch in ein schlechtes Licht zu kommen. Es bleibt also schließlich nur der Weg übrig, den man in der Nachbarsladt Rixdorf beschritten hat, eine Zentralisation der Wohlfahrtseinrichtungen unter Leitung von städtischen Beamten. Die Ehefrau erdrosselt. Heber die Schreckenstat eines Geisteskranken wird uns aus Köpenick folgendes berichtet: Auf dem etwa 20 Minuten von Köpenick entfernten Gut Bellevue wohnt seit einigen Jahren der 28jährige Pächter Karl Aßmann. Bor einem halben Jahre ver- heiratete er sich mit der um sieben Jahre jüngeren Frida Obst. Ferner wohnen auf dem Gut die Mutter des A. und dessen 27jähriger Bruder. A. ist nervenkrank und er wurde seit einiger Zeit öfter von starken Anfällen heimgesucht, bei denen er auch in Raserei geriet. Der zu Rate gezogene Arzt, Dr. Pfifferling aus Köpenick, warnte die Angehörigen vor dem Kranken und forderte sie auf, den Kranken in einer Heilanstalt unterzubringen. Man hörte aber nicht auf den Rat des?lrztes und ließ A. schalten und walten. In der vergangenen Nacht wurde er plötzlich wieder von einem Tobsuchtsanfall heimgesucht. Während die Frau ahnungslos im Bett schlief, erhob sich der Kranke, fiel über die Schlafende her und erwürgte sie mit den Händen. Es war der Wehrlosen nicht möglich, sich aus der Gewalt des Irren zu be- freien. Hilflos mußte sie das Verhängnis über sich ergehen lassen. Als die junge Frau kein Lebenszeichen mehr von sich gab, legte sich A. ruhig wieder schlafen. Am Morgen warteten nun die Angehörigen vergeblich auf das Erscheinen des Ehepaares. Man klopfte schließlich von außen ans Fenster. Im nächsten Augenblick öffnete sich die Tür und im Hemd stürzte A. aus dem Zimmer heraus. Mit den Worten:„Ich habe die Frida ermordet!" raste der Kranke davon. Er eilte über den Hof hinweg ins Freie direkt auf die Spree zu. Der Bruder eilte dem Davoneilenden nach, doch konnte er nicht mehr verhindern, daß der Flüchtling in die Spree sprang. Er sprang nach und nun entspann sich zwischen den beiden Brüdern im Wasser ein verzweifelter Kampf auf Leben und Tod. Die Kräfte des Kranken waren aber bald er- schöpft und er konnte jetzt von dem Bruder überwältigt und aus der Spree herausgeholt werden. Er wurde nach dem Gut zurück- geschafft und auf Veranlassung des Kreisarztes nach der Irren- anstatt in Teupitz übergeführt. Mit den Worten:„Ich bringe Dich auch noch um!" verabschiedete sich A. von seinem Bruder'. Die Leiche der ermordeten Ehefrau ist von der Polizei beschlag- nahmt worden. Ueber Zlßmann wird noch berichtet, daß er schon vor längerer Zeit Spuren religiösen Wahnsinns gezeigt habe. Er lief immer mit dem Gebetbuch umher und versuchte alle Arbeiter und Arbeite- rinnen zu bekehren. Der religiöse Wahnsinn wird auf ein früheres Malarialeiden zurückgeführt. Eine„Zierde" de« städtischen Friedhofes in der Seestratze bildet eine am Zaun belegene Ausstellung von Antiquitäten eigener Art, wie alte Mülleimer, zerbrochene Töpfe, verrostete Kasserollen und alte verfaulte Matratzen. Die Ausstellung scheint eine dauernde werden zu wollen. Dabei wird die Seestraße als „Prachtstratze" bezeichnet. Zu den Schwindeleien bei der Stadtsynode wird mitgeteilt, daß gestern auch der Hilfsbeamte Bannicke festgenommen worden ist. Nach Beschlagnahme des bei ihm in der Wohnung gefundenen Geldes und der Geldeswerte in Höhe von 10 000 M. hatte er sich mittellos entfernt. Gestern abend kam er nach Boxhagen zurück und wollte Verwandte in der Krossener Straße aufsuchen, wahr- scheinlich um sich von ihnen Geld zu leihen. Die Kriminalpolizei, die aufgepaßt hatte, nahm ihn fest. Bannicke räumt alles ein. Auf den Gedanken der Schwindeleien kam er vor dreizehn Jahren bei der Zählung der Zensitenliste. Er erkannte sofort, daß es sehr leicht sei, Privatsteuern einzuziehen, und blieb dabei, nachdem er einmal Geschmack daran gefunden hatte. Er brauchte jährlich nur acht bis zehn Posten für seine Privatkasie einzuziehen. Der erste Beitrieb waren 500 M., der letzte, den er im Juli dieses Jahres erhob, 11 000 M. Hiervon bekam Volt etwas ab. Das in seiner Wohnung beschlagnahmte Geld soll seiner Behauptung nach aus der Mitgift seiner Frau.und der Hinterlassenschaft seines Vaters stammen. i . Wegen Sperrung der„Wrbcrwicse" besteht im Osten Berlins lebhafte Beunruhigung, welche der Magistrat glaubt, mit folgender Darstellung beschwichtigen zu können: er schreibt: „Veränderungen an der sogenannten„Weberwiese" haben zu falschen Schlüssen und infolgedessen zu einer Beunruhigung der beteiligten Anwohner geführt. Es besteht nicht, wie in der Oeffenilichkeit verlautet, die Absicht, der Schuljugeiid einen winterlichen Tummelplatz zu entziehen, sondern im Gegenteil soll auch hier gerade für die Schaljugend an die Stelle der von ihr bisher benutzten holprigen Eiskrusten und Schnecbahnen eine gute Eisbahn geschaffen werden, die täglich von 1—5 Uhr von 200 Schulkindern kostenlos benutzt werden kann. Ein gleicher Versuch am großen Teich im Friedrichshain hat sich gut bewährt und so wird auch hier ein hoffenilich vielbenutzter Eistummelplatz entstehen. Eine schulter« hohe Drahlmai'chenabgrenzuiig, nicht— wie erzählt wird— ein drei Meter hoher Zaun, wird die Anlage umgeben und so es jedem ermöglichen, sich an dem fröhlichen Treiben zu erfreuen. Unrichtig ist auch die Behauptung, daß eine Veipachtung auf zehn Jahre vor- liegt und daß im Sommer an dieser Stelle eine Rollschuhbahn er- öffnet werden soll." Die endliche Regulierung der Greifswalderstraße und zwar des Teils zwischen der Carmen-Sylva-Straße und der Weichbildgrenze wird in einer Petition an den Magistrat gefordert. Bei Regenwetter herrschen hier geradezu idyllische Zustände. Das von dem hoch gelegenen Weißensce zurückfließende Regenwasser staut sich in diesem Straßenzuge und bildet einen einzigen großen See. Die Straßen- bahn muß dann oft stundenlang ihren Betrieb unterbrechen, auch den Privatfuhrwerken ist ein Passieren der Straße unmöglich. Der Mißstand resultiert daher, daß Weißensee sich weigert, zu den Kosten der Regulierung einen Beitrag beizusteuern. Die Anwohner verweisen in der Petition darauf, daß Berlin wegen einer solch minderwertigen Streitfrage seine Pflicht nicht verletzen dürfe. Es möge gegen Weißensee die Klage angestrengt werden, aber man solle doch auch endlich den letzten Straßenzug Berlins regulieren und kanalisieren. Die Gcfcihren der radfahrcndcn Gcschäftsdiener werden durch den Tod des jungen Mannes, über den wir gestern berichteten, in helle Beleuchtung gerückt. Der fünfzehujährige Hausdiener Karl Beyer, Heideufeldstr. 9, um den eS sich handelt, fuhr mit einem Ge- jchäflsdreirad neben einem Straßenbahuwagen der Linie 04 die Landsberger Allee entlang. Auch als dem Bahnwagen ein Kohlen- wagen entgegenkam, hielt sich der Radfahrer dicht an dem Moior- wagen, um so das Lastfuhrwerk an sich vorbeizulassen. Das Ge- schnfisdreirad wurde jedoch von dem Kohlemoagen angefahren, der Hausdiener stürzte herab und fiel so unglücklich, daß ihm voix de» Rädern deS schweren Gefährtes der Kopf glatt abgetrennt wurde. Mordversuch aus Eifersucht. Gestern früh 8i/> Uhr gab der 21 Jahre alte Tischler Ernst Gutschow, der bei seinen Eltern im Hause Frankfurter Allee 133 wohnte, auf seine Braut, die 171/» Jahre alte Marie S ch e s k i, in deren Wohnung, Warschauer Straße 87, zwei Revolverschüsse ab, wodurch sie im Rücken und an der Hüfte verletzt wurde. Man brachte sie nach dem Krankenhause am Friedrichshain, während der Täter fest- genommen werden konnte. Gutschow hatte die Tat aus Eifer- sucht begangen. Zu dem Frauenmord ist nichts von Belang mitzuteilen. Die Kriminalpolizei geht nach wie vor vielen Spuren von vermißten Frauen und Mädchen nach, hat aber noch keinen festen Anhalt ge- junden. Die Person der Toten ist immer noch unbekannt. Der Chef der Kriminalpolizei, Oberregierungsrat Hoppe, hatte gestern abend im Polizeipräsidium eine Besprechung mit den Leitern der Kriminalpolizei der nächsten Vororte. Es wurden die bisher ge- trosfenen und ausgeführten Maßregeln besprochen und Beratungen gepflogen über das, was jetzt zu tun ist. Auf diese Weise soll auch weiterhin ein einheitliches Vorgehen erzielt werden. Nach Wittenau sind wieder Beamte mit den Spürhunden hinaus- gefahren. Dns Absuchen der Heide ist noch nicht beendet.— Auch die Rixdorfer Kriminalpolizei erhält jeden Tag allerlei Mittel- lungen, besonders auch über vermißte Frauen und Mädchen. Be- achtenswert war eine Anzeige über einen Vorgang auf dem Tempclhofer Felde. Dort soll am Sonntag ein Mann in der Nähe des Franzoseupfuhl geheimnisvoll etwas vergraben haben. Die Rixdorfer Polizei nahm gestern in jener Gegend umfangreiche Grabungen vor, fand aber nichts. Auch das Ansetzen eines Spür- Hundes blieb erfolglos.— Von anderer Seite wird mitgeteilt: Gestern nachmittag, 2 Uhr, ging der Klempnermeister Frank aus der Mainzer Straße 21 mit seinem langhaarigen Schäferhunde auf dem Tempelhofer Felde spazieren. Der suchende Hund ging bald einer Spur nach und brachte dann zunächst ein Paket, das mit Bindfaden zusammengeschnürt war und zwei schwarze Frauen- strümpfe enthielt. Dann brachte der suchende Hund in der Nähe des alten Garnison-Friedhofes seinem Herrn ein blutiges Taschen- tuch, das„M. L." gezeichnet war. Diese Sachen hat der Hund an zwei verschiedenen Stellen aufgestöbert, und zwar unweit des alten Garnison-Friedhofes. Herr Frank nahm die Sachen mit in seine Wohnung und benachrichtigte die Rixdorfer Kriminal- Polizei. Diese hat den Tatbestand festgestellt und dann die Berliner Polizei von diesen neuen Funden in Kenntnis«-esetzt. In großer Gefahr schwebten am Donnerstag drei kleine Kinder bei einem Brande i» der Gotlandstraße 7. In Abmesenheit der Eltern spielten die Kinder auf dem Konidor, da? älteste, ein sechs- jähriger Knabe, verlor dabei einen Sechser, steckte ein Streichholz an, um ihn zu suchen, wodurch die Kleider in Brand gerieten. Auf daS Geschrei der Kinder schlugen die Nachbarn noch vor Emlreffen der teuerwehr die Tür ein und holten die Kleinen, datimler ein acht age alieS Baby, heraus. Der Feuerwehr gelang es, die Flammen schnell zu löschen. Feucrwehrnachrichten. In der letzten Nacht kam in einer Schneiderwerkstatt in der Turiner Straße 3 Feuer aus. Dort brannten um 3 Uhr Möbel, Garderobeugegenstände und anderes. Der 16. Zug mußte kräftig löschen� um die Gefahr zu beseitigen. Am Engelufcr 1c hatte nachts der 5. Zug tüchtig Wasser zu geb-n. um einen Brand zu löschen, der in einer Buchbinderei aus- gekommen war und reiche Nahrung gefunden hatte. Zweimal wurde der 3. Zug nach der Bernauer Straße 101 alarmiert. Beide Male brannten dort Trcber in einem Fabrilraum. Vor dem Hause Königgrätzer Straße 141 brannte nachts ein Automobil. Gestern früh hatte der 13. Zug in der Schlegelstraße 26 zu tun, wo in einer Wohnung der Fußboden und anderes brannte. Badcstubcn- brande, die jetzt zu den häufigsten Bränden in Berlin zählen, wurden aus der Elberfelder Straße 46, Paussauer Straße 3, Vorderhaus 1 Tr., und anderen Stellen gemeldet. Wohnungs- brände mutzten in der Fruchtstr. 69, Bendlerstr. 5 und an anderen Orten gelöscht werden. Ein Küchenbrand beschäftigte die Feuer- wehr in der Ramlerstraße 5. Mit Erfolg wurde«in Sauerstoff- apparat in der Zietenstraße 6 benutzt. Außerdem wurde die Wehr nach der Fricdrichftraße 24. Turmstraße 48, Bödikerstraße 1 und anderen Straßen alarmiert. Vorort- JSadmcbten. Rixdorf. Die Stadtverordneten-Ersatzwahle« in der dritten Wähler« abteilung für den 22. und 24. Kommunalwahlbezirk finden am Montag, den 18. Dezember d. I. in der Zeit von 11 Uhr vormittags bis 8 Uhr abends statt. Zur Orientierung unserer Wähler bringen wir die Einteilung der Be« zkke, die Wahllokale und die von der Sozialdemokratie aufgestellten Kandidaten zur Kenntnis. Der 22. Wahlbezirk umfaßt:' Doddmstx. 23—41, Fontane- straße 10—24, Hermannstr. 33—33 und 223—227, Lichtenrade! Straße 1—11 und 30— 62, Mahlower Straße, Schillerpromenade 1—6 und 37—42, Selchower Straße, Waiizlilstraße, Weisestr. 1—7 und 60—66.'' Wahllokal: Lei Just, Hermannstr. 37/38, Ecke Mahlower- Straße 1. Kandidat: Hermann Jaeck, Gewerkschaftsbeamter, Aller- straße 3.« Der 24. Wahlbezirk umfaßt die Fontanestr. 1—9 und 25—32, Hasenheide, Hermannplatz, Hermannstr. 1—84 und 228—238, Karls- gurtenstraße, Wißmannstraße, Straßen 131, 152. Wahllokal:«Neue Welt", Hasenheide 108/114. Kandidat: Paul Keil, Eigentümer. Zietenstr. 29. Im Nordbezirk findet am Dienstag, den 14. Dezember, von 10 Uhr nachmittags bis 8 Uhr abends für' die zweite Abteilung die Ersatz- und Ergänzungswahl statt. Der Nordbezirk umfaßt die: Berliner Str. 18—40 und 71—92, Bmichestrpße, Donaustr. 1—23 und 111—131, Elbestraße, Erlanger Straße, Friedelstratze, Fulda- straße, Harzerstr. l— 25. Hobrechtstraße, Jansastratze, Kaiser-Friedrich- Straße 1—33 und 193—243, Köllnisches Ufer 50— 74, Kottbuser Damm, Laubestraße. Lenaustraße, Liberdastraße, Lohmühleuplatz, Lohmühlenstr. 23—36, ManitiuSstraße, Magbachufer, Münchener Straße 1—13 und 42— 33», Nansenstraße, Pannierstraße, Pflügerstraße, Reuterplatz, Reuterstr. 27—63, Rütlistraße, Sanderstraße, Schandauer Straße, Schinkestraße, Tellstraße, Weichselplatz, Weichsel- straße. Weigandnfer 1—16, Wesersir. 1—38 und 164—217, Wiesenufer, Vürknerstraße, Ossastratze. Wahllokal: Mayerhof, Kaiser-Friedrich-Straße 212. K a n d j d q t e n:. 1. Wilhelm Lennig, Kaufmann, Steiumetzstr. 89. 2. Wilhelm Ziechmann, Eigentümer, Weichselstr. 39. Wähler, Parteigenossen l Agitiert mit ganzer Kraft für die Wahl unserer Kandidaten.. Im 24. Bezirk, ganz besonders im Nord- bezirk in der zweiten Abteilung, gilt es auf dem Posten zu sein. Hier glauben die Gegner uns den Sieg streitig zu machen. Noch steht der Wahlrechlsraub in.frischer Erinnerung. Gelingt es auch hier nicht im ersten Mahlgang die Majorität der abgegebenen Stimmen zu erhallen, so ist es dringend notwendig, alles an den Wahltisch zu bringen; denn nur die Wahl eines Sozialdemokraten bürgt dafür, daß der Cliquen- und Jnteressenwirlschaft in der Kommune ein Ende bereitet wird. Das Wahlkomitee. Charlotteudurg.,.« Die Charlottenburger Stadtverordneteuversammlung hatte am Mittwoch wieder einmal eine Magistratsvorlage zu beraten, durch die weitere 3000 M.. zur Unterstützung der zur Bekämpfung des Vagabundentums und der Bettelei in Äroß-Berlin geschaffenen v. Bodelschwingh s ch e v Kolonie bei Bernau aus dem Dispositionsfonds bewilligt werden follen. Während die Liberalen aller Schattierungen in- gewohnter Hutrastiymumg dem Pastor Bodelschwingh die Mittel der Stadt zur Verfügung zu'stellen bereit waren, warnte Genosie.Zietsch' namens� der Sozial- demokratie unter Darleguiig nnserer prinzipiellen Stellung davor, für di�s ExpertmeUt. das Edarlottenburg schon. 23 000 M. gekostet hat, weitere' Taufende hlnauszuiverfen, zuniäl da. an cme Nentabilität der Anstalten in- absehbarer Zeit- doch-nicht zu denken sei. ES handle sich hier um eine Schraube ohne Ende. Da fei es viel richtiger, daß die Stadt selbst beizeiten Maßnahmen gegen die Arbeitslosigkeit ergreift und daS Versinken der Arbeitslosen in das Vagabundentum verhindert. Diesem Zwecke diene unter anderem die Organisierung der Arbeiter, der aber dieselben Herren, die für Bodelschwingbiche Gründungen schwärmen, nach Krästen entgegenarbeiten. Trotz dieser Ausführungen, die von unserem Genossen Vogel unterstützt wurden, gelangte die Vorlage gegen die Stimmen der Sozialdemokraten zur Annahme. Eine interessante Debatte rief eine Interpellation der Stadt- verordneten Mann stinpol.) und Genofien über die Schaffung eines städtischen Nachrichtenamtes hervor. Wie Oberbürger- meister Schustehrus erklärte, hat der Magistrat bereits am 26. Angnst beichlossen, einen." eigenen Pressedienst einznrichlen, der seit dem 1. September dent' ftatfflischcn Amt angegliedert ist. Welch' hohes BelständmS der Magistrat für den Pressedienst besitzt, lehrt die Tatsache, daß er von der Errichtung dieses Dienstes, obwohl schon über, drei Monate', verflossen sind, bisher der Presse kein« Mit- teiluug gemacht hat. Wenn es so weiter-geht,- dann wird dies« Jiistitutio». über die bei- der Etatsberatung noch ein Wöttchen zu reden ist, das Muster«inep städtischen Einrichtung werden, wie sie nicht lein soll.','- Längere Erörterungen kimpfteir sich an den Bericht deS-AuS» schusses über einige Anträge betreffend die städtische Müllabfuhr. Der eine dieser Anträge bezweckte eine Aenderung des Ortsstatuts dahin, daß der Anschluß an die Müllabsuhr für alle Hausbesitzer obligatorisch gemacht wird, der andere ersuchte den Magistrat um Er> wägmigen darüber, ob die zurzeit der Müllabfuhr nicht unterliegen- den Hausbesitzei zu- Recht von der Miillabfubrverpflichtung befreit sind. Der Ausschuß,' dem die Anträ�e überwiesen waren, empsahl folgende Beschlußfassung:„Der Magistrat wird ersucht, eingehend zu erwägen, oke die zurzeit der Müllabfuhr nicht unterliegenden Haus'- besitzer zu Recht- von der Müllabsuhiverpflicktung befreit sind und erforderlicheusalls der Stadtverorduelenverluiiimluitg eine Vorlage zu unterbreiten, nach der das.Orlsstatut für M/illäpfuhr eine Ergänzung erfährt, durch die die Gebühreupflicht für' alle Hausbesitzer eingeführt wird." Diesem Antrage, derr auch Genosse Klick befürwortete, trat die Stodiverordiieteuversammluiig eiumijtig bei, nachdem auch der Magistiat seine Bereitwilligkeit erklärt hatte, in Erörterungen über eine Ltevifion des OrlsstatutS einzutreten unp eventuell Abänderungen vorzuschlagen, nach denen es möglich' sei,, alle Hansbesttzer zum Anschluß qn die Müllabfuhr zu zwingen. Der nächste Pmikt der Tagesordnung betraf den Antrag der Liberalen, den Magistrat zu ersuchen, die Errichtung eines städtischen Krematoriums in die Wege zu leiten. Ein ähnlicher Antrag hatte die Versa»»»l»iig schon früher beschäftigt. Wie damals, so befürwortete auch, diesmal Genosse Zietsch die Errichtung deS Krematoriums, zum mindesten aber, falls der Mag-.strat dovoii nichts wissen wpllel die Errichtung einer Urnen- stälte. Der Antrag wurde mit großer Mehrheit angenommen. Gleichsalls zur Annahme gelangte die MagistratSvorlage betreffend Einführung des obligat orischenFortbildungs« f ch u l it» t e r r i ch ts für w e i b l i ch e H a n d t u n g S � e h i l f e n und Lehrlinge. Durch diese Beschlußfosstmg erledigte sich die Petition des Deutich-iiationalen Haiidlungsgehilfen'verbandes, die aus Furcht vor der weiblichen Konkurrenz vor der Annahme der Vorlage warme.'>'. Die Mandate der im November gewählten Stadtverordneten, darunter die unserer Genossen Lehmann., G e b e r t, H i r sch, Vogel, Will, wurden sämtlich für gültig erklärt.' Schließlich überwies die Versammlung»och die Vorlage betr. die Errichtung einer Waldschule für Schüler und Sch üle- rinnen der h ö h e r e n L e hr a n sta l t e n einem Ausschuß zur Vorberatung.. Die sausenden Kosten dieser Waldschule,.die auf einei» geeigneten Gelände zwischen der Station Eichkomp im Grunewald und der Teufelsscechauffee untergebracht iverden soll, sollen von den Teilnehmern getragen werden,, die Stadt überninimt nur bis zu 20 Prozent der Kosten zur Gewährung von Freistellen., v Schöneberg. ' Sonutagsvcranftaltungen. Am Sonntag,' den'12. d. MtS., nachmittags 2 Uhr, findet in der' Urania, Taubenstraße 48, eine Sonde rvorstellung:.Der Kanipf um Nord- und Südpol* statt. Billetts zum Preise von 60 Pf. sind beim Kassierer L. H e r t e r. Grunewaldstr. 30, zu haben. Die Bezirksführer werden ersucht, die nicht verkauften Billetts schleunigst abzurechnen, da dieselben sonst als verkauft gelten. Die Physik- säle sind von 1 Uhr ab geöffnet. Die Jugendschriften- Ausstellung findet nachmittags von 4 Uhr bis abends 8 Uhr im Tunnel, Meininger Str. 3, statt. Die Ausstellung ist verschiedentlich ergänzt. Die Besichtigung ist unentgeltlich. Der ziveite städtischeKunstabend findet abends 7 Uhr in der Aula der Hohenzolleruschule, Belziger Str. 48. statt und be- steht aus einem Märchen abend. Billetts zum Preise von 30 Pf. sind in der Spedition zu haben. Dtzr Vorstand. Wilmersdorf. Aus der Stadtverordneten-Versammlung. Durch die Wahl de? Prof. Leidig zum Vorsteher der Stadtverordneten-Versammlung war das Amt des«Stellvertreters frei geworden. Die am Mittwoch er- folgte Ersatzwahl fiel fast einstimmig auf den Stadtverordneten Dr. Heinitz. Aus der hierauf erfolgten Lesung deS Etats für die Verwaltung der städtische»! Sparkasse ist die Mitteilung hervor- zuheben, daß dieS vor drei Jahren gegründete Institut für 1909 einen kleinen Ueberschuß abwerfen wird, während es bis dahin noch Zuschüsse erforderte. AuS den weiteren Verhandlungen führen wir an, daß die Versammlung einem Antrage zustimmte, wonach die Mittel für die Uinpflasierung des Henriettenplatzes in Halensee in den nächstjährigen Etat eingestellt werden sollen. Stadtverordnetenwahlea am 12. Januar 1910. Die Angelegenheit Beckmann hat den Anstoß gegeben, daß in der nächsten Zeit Ersatzwahlen zu der Stadtverordnetenversammlung stattfinden werden.' Weil durch das Ausscheiden des früheren Stadtverordnetenvorstehers in der II. Abteilung dpr Grundsatz durchbrochen worden ist, daß die Halste der Stadtverordneten aus Haus- besitzen» zu bestehen hat, ist vom Magistrat augeordnet worden, daß alle fälligen Ersatzwahlen am 12., 13. und 14. Januar statt- finden. Für die III. Abteilung, die am 12. Januar wählt, kommen zwei Bezirke in Betracht, und zwar der 7. Bezirk zwischen der Pariser und Prinz-Regenten-Straße, den der aus Wilmers- dors verzogene frühere Stadtverordnete Bressert vertrat und der von dem verstorbenen früheren Stadtverordneten'Haffmacher vertretene alte Ortsteil zwischen Güntzel- und Mannheimerstraße. Sache, unserer Parteigenossen wird es sein, sich demnächst auf diese Stadtverordnetenersatzwahl ein zurichten. Boxhagen- Rummelsburg. Die Eröffnung des neuen Jugendheims der Slummelsburger Arbeiterschaft, daS im Mittelpunkt des OrteS. Alt-Boxhagen Nr. 36 vorn 1 Treppe eingerichtet ist, findet am Sonnwg, den 12. De- zember. nachmittags 4 Uhr statt. Das Jugendheim besteht aus einem Bibliothekzimmer, einer Lesehalle und einem Spielzimmer, es gewährt 50 Personen Platz. Die Arbeiterjugend von Boxhagen- RummelSburg dürft« hiermit ein Heim bekommen, in dem sie in den Mußestltiiden gute Gelegenheit zu geistiger Weiterbildung wie auch ziir Geselligkeit' im Kreise von Altersgenoffen findet. Die eigentliche Feier findet am Abend von 6 Uhr ab im Cafö Bellevue, Hauptstr. 2 statt.:;„',, Johannisthal-Rudow. Ausstellung empfehlenswerter Jugendschriften. Auch die Arbeiter- schaft obengenamiter Orte hat im Lokal von Otto Senftleben, Friedrich- straße 48, im kleinen Saal Jugendschristen ausgestellt. Die AuS» slellung ist geöffnet vom Sonntag, den 12. biö Sonntag, den 19.Deze»tber täglich von 5—10 Uhr abendö. Da nur gute Bücher für klein und groß zur Ausstellung gelangen, wird erwartet, daß die Ein- wohnerschaft sich rege einfindet. Jriedrichshagen. Die Jugendschriften-Ausstellung beginnt morgen Sonnabend, den 11. Dezember, im Restaurant der Witwe Lerche, Friedrichstr. ll2: sie wird bis zum Fest jeden Sonnabend und Sonntag den ganze» Tag geöffnet sein. Die Eltern, die ihren Kindern durch den Kauf eines guten Buches eine Weihnachtsfreude bereiten wollen, finden hier retche Auswahl. Es empfiehlt sich, Bestellungen rechtzeitig zu besorgen.: RowaweS. Der hiesig« Koysumverein hat nach seinem sür-daZ. verflossene Jahr erstatteten Geichäftsberickit wieder einen weiteren Fartichri» zu Verzeichnen, indem der Warenumsatz gegenüber dem Vorjahre um 16'7l4 M. gestiegen ist und 201 016 M. beträgt; auch wurden 106 neue Mitglieder gewonnen, so daß sich die Gesamtzahl derselben auf 3�6 belief.• Der Kassenbericht weist in/ Einnahme und Ausgabe 293 006 M" aus. Der Verein ist in der Läge, außer der statut- gemäßen Rückvergütung von 5 Proz. noch'/- Proz. extra zu ge- währen.— Betreffs der Errichtung einer Bäckerei ist die Berivaltung mit der Ausarbeilung eines neuen Projektes beschäftigt, welches erheblich billiger als der erste Vorschlag, der sich aus 80 000 M. beljef,.zu stehen kommen soll. Leider ist die finanzielle Beteiligung der Ge'nassen an des Bäckerei nicht eine solche, wie sie im Interesse der Sache zu wütO'chen wäre; waren doch anv 1. Oktober erst 6000 M. von den Mitgliedern eingezahlt. Da das Geld mit 4 Proz. verzinst und voUftändlgi sichergestellt(pj,� wird eine stärkere Be- teiligung bei der Eulnahme von Anteilscheinen erwartet. Hus der frauenbcwegung. Ein Unterrichtsproblem. Wie die letzte Berufszahtung wieder einmal etlatant be- wiesen hat, wird die weibliche Arbeitslraft immer mehr in den Produktionsprozeß hineingezogen. Es ist ganz selbstverständlich, daß die Tendenz unserer Entwickelung� die Frau mit dem Manne gleichzustellen, /vornehnilich auch in dem Verlangen nach einer gleichloertigen Schulbildung sich zeigen mußte. Man hat jetzt, gezwungen durch die Macht der Verhältnisse, sogar in Preußen eine Mädchcnschulrcsorm eingeführt, in Sachsen eine solche geplant, die den Frauen die Jmniairikulation hei den Universitäten gestattet. Nun hätte man auch die Vorbildungsanstalten: Gymnasium Neal- gymiiasiuni und Oberreaischuke,'den Mädchen öffnen müssen, denn die Berechtigung zum Besuch der Hochschule ist fast nutzlos, wenn es nicht möglich ist, sich auf einer Mittelschule die erforderliche Vorbildung anzueignen I Das einfachste wäre gewesen, wenn man die Koedukation eingeführt hätte. Doch dazu konnte sich die reaktionäre preußische Unterrichtsvcttvaltung nicht aufschwingen; sie be- schränkte sich darauf, die Errichtung von. kommunalen Mlidchen» gymnasien, sogenannten Studienanftalten, zu qestatten� welchen Weg neuerdings auch Sachsen einzuschlagen beabsichtigt. In einigen anderen Bundesstaaten, so in Baden, Hessen und L> l d c n b u r g, wo man früher schon weiter gegangen war— mehr der Not als dem eigenen Triebe gehorchend'—, werden beide Geschlechter in den Realschulen und Gymnasien zum gemeinsamen Unterricht zugelassen. Baden ist hierin auf Drängen zahlreicher Beamten in mittleren Städten, woselbst Knabenmittelschulen, aber keine höheren Töchterschulen bestanden, vorangegangen; bereits im Jahre!S01 wurde die Koedukation eingeführt. Wie groß das Bedürfnis hierzu-war, zeigte der über alles Erwarten starke Besuch dieser Schulen, namentlich en den mittleren Städten. E's traten sofort 426 Mädchen ein. Ihre Zähl erhöhte sich bis zum Jahre 1908 auf 1230. Da im genannten Jähre 3294 Mädchen die höheren Mädchenschulen besuchten,- so entfielen von der Gesamtzahl der Mädchen demnach 27,2 Proz. aus die Knabenschulen. Diese 1289 Mädchen verteilten- sich aus die' einzelnen Schularten in folgender Weise:>' Ghimiasien.... Realgymnasien... Realprogymnasien.. Oberrealschulen... 7- u. 6 klaff. Realschulen Höhere Bürgerschulen. 122 gegenüber 3200 Knaben-- 2.3 Proz. 78„ 2083,= 3.8'„ 68„ 827«= 7,8« 121. 4024,= 3,0, 767„ 3857.= 16,0. 74„ 128„=36,6„ 1230 gegenüber 16121 Knaben— 7,0 Proz, Die Verteilung auf die einzelnen Städte und Klassen war naturgemäß sehr ungleich. Während in einigen Orten überhaupt keine Mädchen die Knabenmittelschulen besuchten, stieg ihre Zahl in anderen Orten bis zu 30,5 Proz., in einzelnen Klassen sogar bis 40 Proz. Der Versuch in Baden wurde von den vermuckerten Kon« servativen und dem Zentrum bekämpft, weil sie ein Bedürfnis, den Mädchen eine bessere Bildung angedeihen zu lassen, als sie die Volksschule bietet, nicht anerkennen, und ferner, weil sie glauben— oder doch vorgeben zu glauben—, daß durch das..Bei» sammensein beider Geschlechter die Sittlichkeit gefährdet sei. Tie Schwarzseher sind durch die Tatsachen völlig inS Unrecht gesetzt worden. Denn trotz eifriger Beobachtung hat sich nicht der ge« ringste Anhaltspunkt finden lassen, um einen Angriff gegen daS neue System zu richten. Die badische Regierung hat im Jahre 1906 über ihre Be« obachtüngen und Feststellungen in der KoedukationSfrage den» Landtage einen vom Oderschulrat erstatteten Bericht zugehen lassen« Darin- heißt es: „Die Erfahrungen, welche bis jetzt mit der Zulassung von Mädchen zum Unterricht gemacht wurden, sind iin allgemeinen nach den gemachten Wahrnehmungen der betreffenden Anstalts« vorstände durchweg gute. Es gilt dies-sowohl für die unteren wie für die oberen Klassen. Uebereinstimmend wird die Fähigkeit der Mädchen, den Anforderungen des Unterrichts zu folgen« bestätigt, in vielen Fällen wird sogar der größere Fleiß und das regere Interesse der Mädchen an den einzelnen Unter- richtsgegenständen hervorgehoben und es wird ihr vielfach ein fördernder Einfluß auf die Knaben zugeschrieben. An einzelnen Anstalten übertreffen sogar die Leistungen der Mädchen die der Knaben. Nicht minder wird ein solch günstiger Einfluß von fast allen Vorständen in bezug auf das Betragen der Schüler hervorgehoben, indem betont wird, daß die größere Pünktlichkeit. OrdnungS» -liebe, Gewissenhaftigkeit und Aufmerksamkeit der Mädchen sowie ihre natürliche Zartheit verfeinernd aus das Betragen und Auf« treten der Knaben wirke. Auch in bezug auf die Disziplin haben sich bis jetzt Schwierigkeiten nicht ergeben, wie auch irgend« welche Gefahren für die Sittlichkeit aus dem Zusammensein von Knaben und Mädchen nirgends wahrgenommen wurden." In der im Landtage hierüber gepflogenen Debatte waren all« Redner übereinstimmend der Meinung, daß sich das Experiment gut bewährt habe. Selbst der Zentrumsabgeordnete Blümel, der selber Professor an einer Mittelschule ist. mußte bestätigen, daß die gemachten Erfahrungen vorzügliche seien. Die Regierung ließ allerdings darüber keinen Zweifel, daß die Zulassung der Mädchen zu den Knabenschulen nur dort erfolgen solle, wo gleich« artige Anstalten sür-l Madchen nicht bestehen. Sie betrachtet di« Koedukation lediali, Widerspruch zu deqhl im oben mitgeteilte! der Mädchen auf diöT örtexungen der Frage'. sondern allseitig wurde' für beide Geschlechter grä. die Mädchen sind ernster; g- Fleiß ihren Aufgaben als inen Notbehelf und stellt sich damit in :en bestehenden Oberschulrat, der glücklich den fördernden Einfluß rhebt. Auch hei späteren Er» ' eschwerden erhoben worden, der gemeinsame Iknterricht be. Es wurde konstatiert: widmen sich mit größerem erinnen der höheren Töchter« schule. Man kann die Frage von einem Gesichtspunkt betrachten» von welchem man will, immer muß man logischerweise zu dem Schlüsse kommen, daß der gemeinsame Unterricht der bessere ist, daß seine Einführung in allen Städten, wo Knabenmittel- und Gymnasialschulen bestehen, den Mädchen die Möglichkeit gibt, sich eine bessere Bildung anzueignen. Die badische Regierung hat bei Zulassung der Mädchen zu den Knabenschulen den Grundsatz auf« gestellt, nur besonders begabte Schülerinnen aufzunehmen. MS letzt ist nicht bekannt geworden, daß irgendei einmal in die Lage gekommen wäre. müssen oder ihnen das Aufrücken zu ve sind, was ganz natürlich ist, indem die. eine gewisse Auslese vornehmen und nur g Schule schicken. Würde der hier für d Grundsatz, nur den befähigten Kindern den' studium zu öffnen, auch auf die Knaben« wir dem sozialistischen Bildungsideal ein gekommen. Zu seiner Durchführung gehört völlige Aufhebung des Schulgeldes, sondern staatlicher Schulpensionen, um auch den ärmeren lichkeit zu bieten, ihren befähigten Kindern die werden zu lassen, die ihren geistigen Anlagen ulleiter schon xückweisen ztl il sie tückitiz den Mädchen die höher« ufgestellt« "ychschul« wären Nähe« r di« tung ~ög. teil Versammlungen— Veranstaltung« Verband der Hausangestellten. Sonntcw, den 12. TezenNer� 7 Uhr« bei Grosser lfrüher Obst) in Schöneberg,. Martin-Luther» Straße 51. Vortrag voü Frl. Ottilie Baader:„Weihnachts« geschenke für Dienstboten". Vermifcdres. Zur Explosionskatastrophe in Hamb Von den im Hafenkrankenhause untergebrachten S ist, wie aus Haniburg gemeldet wird, vorgestern in später der Arbeiter Düring gestorben,, so daß die Zahl de! mehr 13 beträgt. Außerdem wird ein Ewerfülirer ve der ersten Explosion ins Wasser gesprungen scheinlich ertrunken ist._ Von Handwerksdurschen ermordet. Einer Meldung zufolge ivurde gestern bei Kno-op am Kaiser-Wilhelm-. Wochenlöhner Kröger von. zwei Handtverksburichen üb«! mordet und beraubt. Die Leiche deö Ueberkallenen wur! aufgesuilden. Der eine Täter konnte ergriffen werden. ist flüchtig. Einbruch in eine Gemeindekosse. AuS BiSmorckhiiti meldet: In der letzten Nacht ist hier ein Einbruch in die lasse verübt worden. Die Diebe erbrachen einen stahlen 24 000 M. in barem Gclde. ein Sparkassenbuch meinde über 1300 M. Ferner Sparkassenbücher von Veao Kupons von Wertpapieren im Betrage von 120 000 M. Der ist durch Versicherung gedeckt. M Die Freireligiös« Gemeinde nicht kwrteifahig. Dil sprechung der Müllerschen Erbschaft an die Freie. Rel gemeinde in Breslau wurde von der Zivilkammer abg!. weil die Gemeinde nicht parteifähig sei. Der Prozeß soll bis Reichsgericht durchgeführt werden. i Verlorenes Schiff. Einer Meldung aus Marseille zufolge wird das Baggerschiff Arles. daS am 21. Oktober nach Dakar abgegangsio ist, als verloren betrachtet. DaS Schiff, das unter dem Befehl Kapitän Lesfluvage, dem Sohne des Erbauers, steht, hat eine M schaft von 21 Köpfen. ES sollte Gibraltar' und LaS Palmas laufen, ist aber nirgend signalisiert worden. Ein dreister EiniruchSdiedjtahl wird aus London gems'. Dort wurde in der vergangenen Nacht das Postamt in der Goswi straße von Einbrechern heimgesucht, welche den E schrank) der Geld und Postausträge im Werte von 1329 P, Sterling enthielt, mit sich fortführten. Die" Polizei verfolgte Spur der Einbrecher bis zu einem Hause in der KingS Trotz Stratze, wo sie den Geldschrank unervffnet vorfand und sieben Personen der- hastete. Neue Erfolge des AeroplanS. Aus Chartres wird vom 9. Dezember gemeldet: Der Aviatiker Farmar stieg heute nach- mittag 2 Uhr 52 Minuten mit seinem Aeroplan in Buc bei Wer- sailles auf und flog bis nach dem etwa 7g Kilometer entfernten Chartres, wo er um 3?L Uhr landete. Es ist dies der weiteste, in gerader Richtung sich bewegende Ueberlandflug, der bis- her ausgeführt wurde._____ eingegangene Druck rchnften. Pon der»Neuen Zeit"(Stuttgart, Paul Singer) tit weben das 1k. feit des 28. Jahrgangs erschienen. Es hat solgenden Inhalt:?er Kieler Werstprozctz.— Cesare Lombroso. Bon Dr W. A. Banger,— Die Theorie der Setze. Bon F. Mehring,— Zur Methode der politischen Oekonomie, Bon Gustav Eckstein.(Fortsetzung.)— Literarische Rundschau: Friedrich Engels, Der deutsche Bauernkrieg, Wilbelm Weitling, Garantien der Harmonie und Freiheit. Wilhelm W>'«i Gesammelte Kcknilten. Ron Hermann Wendel. Franz Oppenheimer, theorie. Bon G, Eckstein. Prosessor Dr, Jick. Hatschek, Allgemeines Staats. recht. Bon dl. dl. R, Dmowsli. La question polonaise. Bon Karl Rädel,— Notizen: Wirkt der Schnapsboykott?, Bon R. Darf. Breslau. Die Abhängigkeit der Krankheiten von ökonomischen Verhältnissen. Von Lipfius,— Zcitschristenschnu, Die.Neue Zeit" erscheint wöchentlich einmal und ist durch alle Buch. Handlungen, Postanslalte» und Kolportenre zun, Preise von 3.25 M. pro Ouarral zu beziehen; jedoch kann dieselbe bei der Post nur pro Lnartal abonniert werden. Das einzelne Hcst tostet 25 Pf. Probenummern stehen jederzeit zur Versügung. Bnefkaften der Redaktion. Die lurtitische Tpeeii, stunde findet Llndenstrase S, zweite« Hos dritter Eingaui,, vier Trexveu. HW- Fahrstuhl wochentäglli« abends voll 7H bis 9(i Uhr statt. GeSssuet 7 Uhr.«annabradS bcatun» die Sbrechfiunde um G Uhr. Jeder Ausrazr ist riu Buchstabe uud eine Zahl a» Mirlzeichcn belzusüacn. Beirsliche Antwort wir» nicht rrtctlt. Bis zur Scantwsrtnng im Brief! asten täune» 1t Tage vergehen. Etltgc Fragen trage mau in»rr Svrechstundc vor. F. T. 484. Wenden Sie sich an die Zenwalkommission der Kranken- kassen, Eugen SimanowSki, Engeluser 15.— Lüdccke. Uns nicht bekannt. — G. 2, 163b. Ein Antiquitätenhändler würde sich dafür interessieren. � W.®ch. 112. Welten entscheiden wir nicht.— K. B., Tiefwerder. 1. Wenden Sie sich an einen Genossen, der Mitglied der dortigen Städte oerordneirnversaininlung ist. Uns slnd Institute der angefragten Art am dortigen Orte nicht bekannt, g. Hierüber müssen Sie schau den Rat eines ArzteS einholen.— Z. 63. Sianiol kauft Packhauser, ätitlerilrajze 53.— M. D. 26. X. Fcttjtecke uns Wollstoff entjernt ma», indem man in einem halben Liter kochendem Waffer 25 Gramm pulverisierten Borax auflöst und nach dem Erkalten mit dieser Flüssigkeit die Flecken bürstet. 2. Wird Ihnen ein Arzt bcanlivorten.— O. R. 390. Nein. — X. H. 2. 100. Tüchtiges Abwaschen mit lauwarmem oder laltem Wasser und Nuchreiben mit Lel.— W. Bernau 200. Fragen Sie, bitte, bei der„Fachzeitschrift für Seisen-, Parjinnerie und Drogenindustrie', Ver> lag Werjltlr. 7, an.— H. H. 21. Robert Gramenz, Treptow, Kiesholz- straffe 412, wird Ihnen»us Anfrage nähere Sluäkunst, erleilen.— ««ttilder Biarttderichi der städtischen Marktballmi-Dweklion über den Groffbandel in den Zentrai-Maritballen.»viarkilage: F l e t I ch: Zniubr stark, Gcschäsl rege, Preise für Schweinefleisch anziehend, sonst un- verändert. Wild: Zufuhr etwas nachäffend, Geichäjt lebhaft, Preise befriedigend. Geflügel: Zusudr reichlich, Geichäst. ctivas lebhafter, Preise befriedigend. Fische: Zufuhr reichlich, Geschäft lebhast, Prci'e de- sriedigend. Butter und.Käse: Geschäft ruhig, Preise unverändert. Gemüte, Obst und Südfrüchte: Zufuhr meist reichltch, Äeschäst schleppend, Preise fast unverändert. mm. la Schellfisch pf« v 30 pf. an Leba Karpfen pfd. von OOpf. an Leb. Quappen pmnd 60 pf NUR bei den Mitgliedern d. Vereins d. Fischhändler Gross-Berlins Noi'diu: Heinrich Gennburg, Anilamststr. 21; Alfrod Kochin, Swinomandcrätr. 114; Pinl Psthlg, Welsäenburgerstr. 69. saden: Kruft& Oroh, Belle-Alliincestr, Beste Gneisenanjti-„ VI. 44Ä3; Rebert Werner, Atiien'tr. 42, IV. 6031; Wlnhler& Hi.tstoM, Kottbnser Damm 2ft, IT. 115S1•«««■: Paul Kahl, Wcidcnv/eg 79; Carl Wnrdel, Bödisterstr. 32; Robert Zah«, Frankfurter Allee 137, VII. 4017; Robert Zahn KacnSg Mai Anton, Boxhagenerstr, I. Wa-eien: Owe Kietli, ffplchernetr. 14, IV. 2503; W. B. Kowalk, rotsdamerstr. 13, VL 186S u. IS»: Gebr. Ohät Naebfg. Ott« Balte, VI. 2t5I.- JSoakit: Joseph Jant, Am i-bnho'BeUevae, Pcg. 418, HoabltSvAS; AdoK Torrath, PuttI!t«stT.S,lIeabit2+7Ti(speziell für Restaaratenre). Marktballeu: Zenlralmar'4lialle: Carl Merkelkts Bitnd 4. Vfl. 2381; SI. Friedrich, Stand 12 Ackerstraase: Max Zlh, Stand 241. andreosafraase: Frana K«rnelt, Stand 2 ArmkJvspiatt; Paul Holtmann. Undensliasac; Oswald Schildein, Std. I. Magdoturierplirti; Martin Mariahn, Std. 91/92, VI. 10174. Mrhelnekepljti: He. mann Weichard i. Etard 257/85. Wedulng: Wilkelm Friese, Stand 871 Otto Hagen, 8td.83WL IHilrkte: Cha.foilenburg, WlHenbenplatA Dienstag u. Freitag: Ott» Neumann, Wilbelm Neu- mann, Paal Kohlmeyer, Oswald Schlldeln, Max Zah. Ma ki FbersMr, M«ntag u. Donnerstag; Dieselben. Mark! Karl A:U3!-?liU und WinlerfildmlaU: Mittwoch n. Dennerstag; Dieselben. Markt Pankow; M. Friedrich, Dienstag n. Freitag. Wstkl Axdorl: alle Tage, Ott» Blumberg. CSmrletfctfcwiTH: Gebr, Obst Nachfg. Otto Balke, Kantstr. ISO, Chart. 6476; Eichard Schatze, Kankstr. 14». Chart. 6451; W. Sandow, Savignyplatz, Markthalle Stadtbahnbog, Cbarl.[.ABl,.ISetf/Senti»rf; WHh. fach«, CjiixMeestr. 283, Tempelhof 3196. Pankow: Herrn. Krebs, Neue Bchjnholzorstr. 8, Pankow 3637. BeliAneberg: Wilhelm Neumaan, Grunewaldstr. 106. VI. 2816. RlxPorf; Winkt«&«irthold, Betarstr. 5 und 57 Mttnobanerstr. 55, Z■.> ralfer; /.-coher Rl. 711. SBdende; Wilh, Arndt, ßtegtltzerstr. 28a, Nähe Bahnhot Für den?nbalt der Inserate udernimmi die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Berantwoetung. Cbeater. Freitag, 10. Dezember. Ansang 7»/, Uhr. Königl. Opernhaus. Salome. (Ansang 8 Uhr.) Königl. Srhauspielbau». Die Welt, ia der man sich langweilt. Deutsches. Don Carlos. Kamm er spiele. Major Bar» bara. Ansang 8 Uhr. Nene» königl. Opern-Dheater. Ir»it«ckz7 Er- Neues Schauspielhaus. ol Nan. Lesfiug. Tantri» d« Barr. Komische Oper. Hoffmaims Zählungen. Neues. Ein königlicher Spatz.(Ansang T/a Uhr.) Kleines. Heuchler. Di« Medaille. Neues Operetten. Miff Dudelsack. Berliner. Hohe Politik. Trlauon. Buridans Esel. Residenz. Im Taubenschlag. Hebbel. Der Skandal. Schiller o.Wallner. Theater.) Miff HobbS. Lch r Gharlotteuburg. Der Meineidbauer. Friedrich- itvithelmstsd». Schau- spielhaus. Der Ehrenrat. Westen. Die seschieden» Frau. Thalia. Prinz Busst. Luisen. Gib mich sret. Bolksoper. Ein Maskenball.(Ansang Uhr.) Roie Die Grill«. Sustspielhaüs. Der dunkle Punkt. Metro, oi. Halloh II— Dl« groffe Revue. FolirS Caprice. Sicher ist sicher. Bunter Teil Der Mann metner Frau.(Ans. S'L Uhr.) Apuito. Spezialitäten. Wintergarten. Spezialität«. Taflno. Der Obergauner. Gedr. Herruseld. So muh man's machen. Ein ReNmigsmittel. Karl Hnverland. Svezialitätm. Walhalla. Svezialitälen Gastspiel. Der Hüttenbefitzer. Pai-agr. Gussi Holl. Ota Spezialitäten Roacks. Der jlwgste Leutnant.(An- sang 8'/, Uhr.) Palast. DI- neue Herrin, last? Spezialitäten. Reich»»tien. SIettiner Sänger. Buggenhage». Spezialitäten. llra,>a. t.>>>>.«. ,„.-u»»»«-4«. Abendö 8 Uhr: In den Dolomiten. 2tr,»Itxirte.«tnoa-chenn: 7-r62. I,p-»sing: Thenter. 8 Uhr: Dantri» der Narr. Sonnabend, 8 Uhr: DantriS der Narr. Sonntag,? Uhr: Die Weber. 8 Uhr: Bor Sonnenaufgangs_ Berliner Theater. fut: flöhe Politik. Morgen: Hohe Politik._ Neues Thealer. Zum ersten Male: Ein königlicher Spaß. Ansang 8 Uhr. Morgen und folgende Taget Ein königlicher Spast. Theslei' des Westens. 8 Uhr: Die' geschiedene Frau. Mitlw. u. Son»ab.4U.: Sicimolpotor. Sonntag 3'/. Uhr: Ein Walzertraum. Friedrich-Wilhelmstädtisches Schauspielhaus. Freitag, 10. Dezember, Ans. 8 Uhr: Der Ghrenrat. Lustspiel in 3 Alten von G. v. Forell. Sonnabend nachm. 3'/4 Uhr: Die Nibelungen l. und If Teil. Abends 8 Uhr: Die Haubenlerche. Sonntag nachm. 8 Uhr: Othello. Urania. Wissenschaftliches Theater. Abends 8 Uhr: In den Dolomiten. Nenee Operotten-Theatcr. Schiffbauerdnmm 25, o. d. Luiienstr. Heute und folgende Tage 8 Uhr: ZI1K IdnNvIsnck. Sonnabend 3 Uhr ermäßigte Preise: Die goldene Märchenwelt._ Lustspielhaus. Abends 8 Uhr: Der dunkle Punkt. Tolks-Oper. ZV., Belle-Alliance-Slraffe Nr. 7/8. AbendS'1,9 Uhr: Ein Maskenball. Residenz-Theater Direktion: Richard Alexander. Abends 8 Uhr: Im Taubenschlag. Schwank W 3 Akten von Hcnnequin- und Beber. Morgen und folgende Tage: Dieselbe Borstellung. Schiller' Schiller-Theater 0.(Wallncr-Tbeater.) Freitag, abends 8 Uhr: »16»«dl»-. Lustspiel in 4 Aufzügen von Jerome St. Jerome. Deutsch von W. Wolters. Ende 10'/, Uhr. Sonnabend, abend« 8 Uhr: v»» kt llthchen v. Heilbrunn Sonntag, nachm. 3 Übt: Die Welt, in der man sich lansweilt. Sonntag, abends H Übt: Der Schwur der Treue. Theater. Schiller-Thealer Charlottenbarg. Freitag, abend» S lldr: Der»elneldbauer. Volksstück in 3 Akten von Ludwig Anzengruber. Sonnabend, nachm. 3 Uhr: Flesko. Sonnabend, abends 3 Uhr: »16 Hohbs. Sonntag, na ch m. 3 Uhr: Macbeth. Sonntag, abrno« 8 Uhr: Wallensteins Tod. iE ZeDtraivereln für alle in der Hutbrancbel! 1 1 beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen.;; Sonntag, den 12. Dezember, im großen Saale der Mueikerblrse, o Kaiser-Wilhelm-Straße 18 m KunstaAbend. Luisen-Theater. Abend» 8 Uhr: S: Gill idi frei. S Schauspiel In 5 Akten nach einer Erzählung von H. Courlhs.Mahler von Ernst Ritterfeldt. Sonnabend nachm. 4 Uhr: Trotz« Klndervorstg.: Goldhärchens Himmel- fahrt. Original- Weihnachtsmärchen. 8 Uhr: Gib mich frei.__ Rezitation: Sohauspieler Fritz Richard vom Deutschen Theater. Musik ausgeführt von Mitgliedern des Neuen Berliner Konzert- Orchesters und Mitwirkung des Kutmachep-Gesangverelns..Einigkeit". Anfang 6 Uhr. Rintritt 30 Pf. Nach den Aufführungen: DemlitUcheNBeilHauimenseln J' und Tsnz.— Alle Kollegen and Kolleginnen sind zu dieser Veranstaltung freundlichst eingeladen. Dae Komitee. »T»TTTMTT51TM>TTTw W.Koacks Theater anumetim 10, am Rosenthaler Tor. Letztes Gastspiel KSte«ille-Bllob: Abends'1,9 Uhr: Der jüngste Leutnant. Groffe Posse mit Gesang und Tanz. Bernhard: Kitte Wille-Bach als Gast. Sonnabend: Die grsftte Sünde. Soziales Drama von Otto Ernst. Groffe Frai-ksurtcr Str.>32. Ans. 8 Uhr. Ende geg. 11 U. Die Grille. iß Ländliches Eharaktergemälde in 5 Akt. von Eh. Birch- Pseiffer. Sonnabend nachm. 4 Uhr: Gold- Härchens Himmelfahrt. Abends: Die Rechtlose»._ Gastsniel-Theater. Heute und folgende Tag« 8 Uhr: Der Hütteubesitzer. Sonntag nachmittag 2'/, Uhr: Kiew« Preis«.__ Heiropol-Theater Hallo!!! Die groISe Revue! In 8 Bildern von Jul. Freund. Musik v. Paul Linoke. In Szene gesetzt vom Dir. Rieh. Schultz. Anfang 8 Uhp, Rauchen gestattet. Palast-Theater. Direktion: Robert Olli 4 Karl Pirnau. Burgstraffe 24. am Bahnhos Börse. Ras vollständig neue brillante Oeaentber- Programm. Die neue Herrin. Taft? Taft? BorzugSkarte« überall zu haben. Den p. t. größeren Vereinen zur Kenntnis, daff durch Zusall der 1. Weih- nachtsseiertag- zur Abhaltung einer Moiinee steigeworden ist. Reflektanten wollen sich umgehend melden.— Des« gleichen empfehlen wir unser Theater (bis 5000 Pers. saff.) zur Abhaltung gröff. Versammlungen und Matineen. 8 Uhr llae Progr. d. Novitäten 1 8 Uhr mit Prinz Pinne» BurleSte In 3 Bildern W- Kenry Sender. 9-30 Der Schinpse KÄJr«M Tourist, Rodeiiahrer, Rollschuhläufer. 10 Mr: Das Wunderkind Petit Roberto, d. kleinste u. beste Tylophon- Virlnoie der Welt.______ MWW Koaunandanienjtr. 57. T. A. 4, 5083. Sek gkösite hekknfeltl- erfolg! «80 IMlL msn's machen" Burleske mit Gesang in zwei Akten, Musik von L. Jini, mit de» Autoren AuloU und Donat Herrufeld in den Hauptrollen.— Hierzu: Din Rettungsmittel Komödie in 1 Akt von Ludwig Huna. klnsang 8 Uhr. Vorverkauf 11—2 Uhr Theaterkaffe. Neues Programm! Otto jteutter. ------ La Pia------ in ihrer Szene„Der Wellen Geist'. »erians Hunde» Theater: „Entführung d. Saloma-Tänzerin", gespielt von 42 Hunden and die auserlesenen Sterne Dezember*ffinimel des Wintergartens._ Trianon-Theater. Abend» 8 Uhr: Suridans Esel. ! Passage-Tlieater. Abends 8 ühr. S Erstes Auftreten der bezauberaden jGussi Holl! Ota Gygi 14 erstklassige [S p e z i all täten.| rwwwWwu Casino-Theater Lcthringer Straffe 37. Heute 8 Uhr: WohliiittghntS'Norstrlllmg für den Nattoualdank für Beteranen. ver OderZsuner und das bunte Programm. Keiebslttlleo-Titekler. Stettin«, SiUiger Zum Z chluff, neu: Der Nachtwächter von Zrrpcnschlcuse. Stuösnlenbild o. f. Meysel. Ansang: Wochen!. 8 Uhr. Sonntags 7 Ubr. •HL Moritiplek.» Ii Anf. 8 Uhr. Die öiriiidliischk Mw- Familie 8ilollesl>u �sgla in ihren geheimnisvollen Künsten. Sonntag nachm. 31/, ühr: Große VonteUnng zu kleinen Freües- Em Kind frei. Freitag, den 10. Dezember, abends VI, Uhr: (■ala-VorsteliiiDg. Henry Valdorf der moderne Simeon. Der Amerikaner»ntr. Aiblo mit seinen konvkrßkrklld. Uapageien Ibe vufv«! kralbers. WT' Ringkampf (Parodie) der Clown Jim- J am und Cottrell. Um 9 Uhr Ende 11 Uhr Die groffe Feerie Die drei Rivalen oder Das mystcriöfe Schloß in der Rormandie phantastische Feerie in 5 Akten. Im 3. Akt: Die«ildeehwelnjagd. E »»»>»»» (Alexanderplatz). V» Ilnnderte! vor unserer ausverkauften Theaterkasse umkehren mußten Wiederholung der gW" Weihnachts- Kinder-Vorstellung BMT»orgen TM Sonnabend, den It. Dezember,) naehmittags 3—5 Uhr. Aus dem ausgewählten Programm besonders hervorzuheben: Aschenbrödel Schneewittchen Dornröschen Häitsel und Qretel! Knecht Rupprecht und anderes mehr. Eintrittspreise von 30 Pf. aufwärts; Kinder auf allen Plätzen] halbe Preise. AnOerdem von 5— U Uhr: Große Gala-Vorstellung mit nenom glUnzcndem| Schlager-Pragramm. Sanssouci, S'V. Direktion Wilhelm Reimer. Heute Freitag: Theatorabend. Beginn S'/i Uhr. Aus Vielsachen Wunsch: Das IMaiMleiii. VollSstück von Popper. (Zug» und Kaffenstück vieler Bühnen.) Sonntag, Donnerstag: aonms Hordil. Sänger und Dauzkräuzchen. Beginn Sonntags 5, wochentags 8 Uhr. i Weinbergswog 19-2», Rosen Ans. S Uhr. Die n rostartige» 1 Dezember-TprztalifSten. Im Tumiel; RegimeutSkapellr. ��i�����che�Estrirst� ZLickus Lusek. Freitag, den 10. Dsrember, abends 7'/, Uhr pr&zise: Gr. Gala-WohlÜtiBkeitvorsIcdung z. Besten b. 12. Ki eiskommifsariate Nalionaldanls für Veteranen. Die grüSte Sensation I Der Amerikaner KeeMlabe m.s. weither, dressiert Schweinen. Zum erstenmal auf d. Kontinent I Herr Burkhardt- Feottit. Schulreiter. Herr Ernst Schumann, Meisterdress. chGebr. Karolis, ungarische Keitkünstl. Pomilie.Tnngmaita. Reiterfamiii« Pxoserpi usw. r/. uhr: Farnrepisben. Passage-Panoplikum. Heu te Senegal in Berlin! wilde Woibor W Männer, Kinder. Drei Negerdörfer Ms ftaummaterin. Neu; IraReieiie des Rönlijs Aqua. Gehelmnisse der Waszertiefe. Plastische Riesendioramen. Tambnrttsa- Brlgantoa. Panophon-Vorlrttge. Alles ohne Extra-Entreal Voigt- Theater Gesundbnmnen. Badstrahe 58. Freilag, den 10. Dezember 1909: Der Pfarrer von Kirchfeld. Voilsslück mit Gesang in 5 Akten do» Anzengruber. Kasfeneröffng. 7 Uhr. Ansang 8 Uhr. m AU-Moa«»U 4,7/48. Sonntag, 12. Dezember 1909: Maria Stnart. Trauerspiel in' süüs Axszügen von Friedrich v. Schiller. !Si!iiiaM8-Ua88S »i DreedenerSir.Z4iZdkhI>üiteste u. Luisenhof Kits grölste) .Täglich KONZERT. Eröffnung: Wochentags 5 Uhr, Sonntags 3 Uhr. Entree Sonntags 20, wocheniagS lOPf. Karl Ha verla nd Ansang Theater präz. 8 U. 77/79 Koinmandantenstraffe 77/79. .•> neue erstklassige tJ Q SpezlalltUten. Schlager auf Schlager! kolies Dapi'iee. Anfang S'l,»hr. Sicher ist sicher. Neuer bnnter Dril. Ver lim tuelner Tran. König)» tadt- K anino, Hoizmarktstraffe 72. Gänzlich neues Programm MÖ Franzi Noltanskl. Neu! Um 9 Uhr;, Neul Am Nordsrestrand. Nordisches Voltsstück in'einem Akt. Nach der Vorstellung Miiiwoch, Sonnab., Sonnt.: TanZkrllnzehen. AuNbDq�öe�Wsllm� DgsWeihnachfcg&chenK o ; Für Rei5e.Sporf.Touren.Hanshalf l aKranKenpflege unentbehrlich m 0R1GINAL-THERMQS GEFÄSSE Flaschen, Kannen, Kröge, Picnlcs halten ohne Vorbereitung, ohne � Chemikalien, ohne Feuer, ohne Eis, heisse Getränke oder Speisen A über 20 Std. heiss, tagelang kalt. � Uebecall zu haben. Besonders preiswert: TbermosoSimplexoFlaschen CfehSiT) ä M. 6.00 Fabrikate ohne die Hufschrift„Thermos" weise man unbedingt zurück. Zigarrenhändler! Acht'",8:! Größtes Lager m abgelagerten Zigarren Größtes Lager m Weihnachtspackungen I I I § M I s ♦ I H Z H s l I ♦ H Sdilafröcke NöblichöeJ Feit- Ceichenk. Die Freude der Ehemänner. Dos Entzücken der Junggesellen. Herrliche AnsvahL Hotndie faoons. tdvllig«, warme Stoffe. Eigene Erzeugnisse. 75.- 60.- 45.- 40.- 36.- 33.- 30- 27.- 24.- 21.- 18.- 15.- 12.— 7.05 ML 1 SchSneVeloantoffe 30.�— 2 1 15.— M. | lOrgen-poppen Oefdllifle Fassottt 12.90 10.50 6.75 M. Pelz- Joppen Starke Lodenstoffe. Echte Pelzfutter. 45.— 36.— H. 27.— 15— K Samt-Jackette O Litewken O Winter-Joppen O Loden-Pelerinen BaenSohn Spezial-Haus größten Maßstabes für gute Herren- und Knaben-Kleidung Cfiaimeestraße 29-30 Cr. Frankfurter Straße 20 a □ 11 Briickemtraße 1t Schöneberg, Hauptstraße 10 I A Der Winter• Katalog Nr. 38, Moden 1909. auf Wunsch kostenlos und portofrei M M *X4r*x*x*z*z* Nächsten Sonntasr bis 8 Uhr abends ireoffnet 4X4X4X4X4X4X4 Verkäufe. 4.50 vrachtvollc Betten. 8,(X> daunige Bauernbetlen, Aussteuer, Damaste bezügeZ 90. Nur PiandleiHe, Andreas ftrasie achtunddreihig._ Landbett, zwei Deckbetten, zwei Mlsen, zweischläfrig, 18,00, große Laien 90 Pjennigc._ Ldiirriideckbett. Unterbett, zwei Kissen 25,00. PsandleiHe. AndreaS straße nchtunddreißig. Llnnoncenvov zeig er vergüte Fahrgeld._ Taschenuhren. silberne, 2.50, goldene 6.—. Gestempelte 585 Gold 13,50. OperiigISlcr2,70. Freischwinger- Regulaleure 9,—, Ringe 333 ge« stempelt 1,—. Viele hundert Broschen, Ohrringe, HalskollierS, Medaillons, Uhrletlen 1,50 bis 15,30, alles mit Garantieschein, solange Vorrat reicht. Stur PiandleiHe, Andrrasstraße acht» undpreißig Atnjonccnvotjciger vergüte Fahrgeld._' BorwartSIeler erhalten 5 Prozent Extrarabatt selbst bei uachitebend aus» geführten Gelegcnhcitskäusen. Teppich» TbomaS. Oranienslrage 160, Oranten» platz. Teppiche. billig. sarbsehlerhaste. spott» Gardine», Stores, Muster» exemplare, für halben Werl_ FeNvorlagen, große Partteposten. Plüschpottirren, einzelne Paare, spottbillig. Steppdecken, billig. Musterstücke, spott- Borwärtsleser» stehende 5 Anzeigen. beachtet vor» 2830K» Pfandlellihaus Krebber, Küstriner» platz 7, spottbilliger Bettrnvcrtauj, Gardinenverkaus, Wäscheocrkauf, Ubrenverkauf. Dcckenvertauj. Schmuck» suchen, Goldsachen, SUbersachcn. vcr» sallene Pfänder.__ 2492K Leihhaus Schmidt, Romintener» ftraße 48. an der Warschaucrstraße. Uhren, Ketten, Gold-, Silberwnren, Verlaus verfallener Pfänder billigst LcihhanS Schmidt, Romintener- ftragc 48. Betten. Leib», Tisch- und Bettwäsche billigst. 2992K* Seiht, ans Schmidt, Nominteucr- straßc 48. Hrrrcngarderoben billigst. "Trppicdc(seblerbaste) in allen Größen für die Hälste des Wertes Teppichlager Brünn, Hackeicher Marli 4. Bahnbot Börse.(Leser des »Vorwärts' erhalten 5 Prozent Rabatt.) Sonntags gcössnet!» Tlaschenbuch für Garlentreunde Sin Raigeber für die Pflege und sachgemäße Bewlrtschastuug des häus. lichen Zier-, Gemüse» und Obst- aartcnS von Max HcSdörfer. Zweite vermehrte Auflage. Mit 137 Text» abbildungen. Pr-lS 3,00 Marl. Expe» httion Vorwärts. Lindenftr. 69. Teppichhaus Lesövre, Oranien- straße 158. die neu erschienene Weihnachts-Extraliste gratis. 2971 K' Berbrrchco und Prostitution als soziale Krankheitserscheinungen von Paul Hirsch. Preis 2,— Mark, geb 2,50 Mark. Expedition Vorwärts, Lindenstraße 69. 7,50. Jacketlanzüge, Winter- Paletots, Hosen, Joppen kaust man zu staunend billigen Preisen im Monalsgarderoben- Haus Sommer- seid, Oranienstraße 1s, Ecke Heinrichs» plap._ 2961«» ÄlkouatSanzüge, Wmterpal etots, Gehrockanzüge, teils aus Seide aus den ersten Werkstätten, m größter Auswahl, für jede Figur passend, zu criorui billigen Prci'en nur im Oranienstraße 18, Ecke Heinrichsplatz. Fahrgeld vergütigl.__ 2962«* Litrariers Nähmaschinen obnr Anzahlung. gebrauchte spottbillig, Ska> litzerstraße 99, Warsckiaueruragc 67.» „Selbstverständlich"! i Aller» billigüer Warenoerkaus im Psandlerd- haus Hermairnplatz 6.* Hernianiivlav 6 Staun endbilligste Psändervcrtäuie! I Riescnauswahl! Winterpaletols l l gackettanzüge l l Gebrockanzüge I! Herrenbo'en! I Damensachen 1 1 PelzstolaS l I Extra- billige Festgeschenke 1 1 Schmuck- lachen! I Taichcriubren I Ketlcriaus» wähl 1 1 Ringcauswabl I l Broschen» auswahlll Armbänder II Frei- Ichwingerll Hochelegante Tcppich. auSwabl 1 1 Gardirrenauswabl 1 1 BeltenauSwahl l l WäscheauSwahl l l Plütchtttchdccken 1 1 Steppdecken I l Kunstbilder I! Nähmal chinen i, Pia, ninos l I Erstklassigster Warenoerkaus Hcrmarmplatz 6. Sonntag» eben» falls."_ Möbel. Schuhwaren, Taschenuhren, Handwagen billigst. Palisaden- str a ße 46._ t34* gkadkahrerkarten. Wir empsehlen den Freunden des Radsports: Mittel« bachs Karte sür Rad- und Motor- sahrer von Berlin und weiterer Um- gebung, aus Leinen gezogen Preis 1 75 M,(zusammenlegbar).— Karte sür Rad- und Motorsahrer von Brandenburg, aus Leinen gezogen und zu'ammenlegbar 2,50 M. Expedition des.Vorwärts», Lindenftraße 69. Laden._* �Teppiche(Farbenfehler), Steppdecken, Gardinen, Tis.pdecken, Tüll- bettdecken. Uebergardincn, Sosa- sloflresle spottbillig Fabrillager Blauerkost. Große Franksurterstraße 9. Flure, ngang VorwärtSlesern sechs Prozent Sonntags gcöstnet. 2438K» Gebrauchte Nähmaschinen billig. Bellmann, Gollnowstraße 26, 1967K» Vorjährige hochelegante Anzüge und Pateiots, aus feiimen Maßstoffen, lrüherer Preis 60—90, jetzt 20— 40, werden täglich im Kavalier. Klub. Unter den Linden 61 U vertäust.* So>a, Teppiche, zirka 2 Meter lang, imitierte Perser 3,75, Tapestry-Vn'rstel 5.35, Axminster 4,65, TeppichhauS Emil Lcsävre, Oranienstraße 158.» Gaskrone«. 5 Tage Probe- llcferung I Entzückende Neuheiten, sowie billige Musler, Amortisation- Versandpreise I Tatsächlich ohne An- zablung. wöchentlich 1,00(bis Hundert Kaufsumme), Gasdichti gleit garau- tiert. Rielenlager Louis Böttcher (selbst), Betriebsleitung Boxhagener- Kaiser-Friednchstraße 247, 29S8K» Pfandleihe. Oranienstraße 177, Ecke ZIdalbertsttaße, verlaust Betten. Steppdecken, Gardinen, Tischdecken, goldene Herren-, Damenuhren, Ketten illigst._ 2997K» Monatsanzüge und Winterpaletols, Joppen von 5 Mart sowie Hwen oun 1.50, Gebrockauzüge von 12.00, FrackS von 2.50. iowre für lorouiente Figuren. Neue Garderobe zu staunend billige» Breiien. aus Piandierben verfallene Eacheo laut! man am billigsten bei Naß, Miriackstraße 14 Ohne Anzahlung. Woche 50 Psennig, Bilder, Spiegel. Ferner: Möbel, Polsterwaren, Teppiche, Gardinen, Steppdecken, Tischdecken, Bettbezüge, Portieren, Ubren, Gaslronen. Herren- gardcrobe. Weber. Prenzlaucrstr. 25. Besuch, eventuell Posllartc. 25Z7K» Zuchthaus, Acht Jahre. Lebens- eriniievuiigen von Sepp Oerter. Hochinlcrcssant. Preis l Marl. Zu beziehen Buchbandlung Vorwärts,» Bettbezug nebst zwei Kopslisscn 3,7b. Damenhemden mit handgesttckter Passe 1,20, Herrenhemden 1,15, Nonnalwäsche, Arberterbemden, Aus. Nahmepreise. Wäschesabrik Salo- monSky, Dircklenstraße21, Alexander- platz,_ 240/12 Fvrtnnaleihbaus! Wienerftr, 23. Keine Schreircllame I Aber gute und billige Eiulaussquelle l Winlerpaletots I Herrengarderobe I Uhrenverlausl Fest- geschenle I Pelzslolas I Betlenvertaus I Verschiedenes l_ 164/17» MonatSanzüge. Winlerpaletots. Ulster. Gehrockanzüge. Hosen, seürste Maßstoste. auch neu, spotlbillig Rosen. lhalerstraße 48 11._ 2801b Bronzekronen 15,00, Perlampcln 8,00, auch Teilzahlung. Knochen muß, Schönhauserallee 79, Mngbahuhos. Weihnachtsdnnme billig an Händler. Gesundbrunnen, Bad- straßen-Ecke. im EngroS VollSgarten, Und Lehm- +92 Oescta&ftsverkAute. Gemüse-, Kolonialwaren. Geschäft billig vertäuflich Lothringerstraße 73. Obst- und Koloniaiwaren-Geschäst sofort spottbillig zu verkausen, passend sür Aiisänger. Cbarlottenburg. Kaiser- Friedrichstrage l03.+103 »ködel. Möbel-Teilzablung. Spezialität: klemere Wohnunas-Einrichtungen sowie einzelne Mobelnücke verlaust unter nur deutbar kulantesten Be- dingungen. E. Eoh», Große Frank- surterstraße 5s.__ 2391K» Jetzt beginnt in meinem Aus- bewahrungs- Speicher der kolossal billige Berkaus von verfallenen. Tausch. und zunickgenommenen Möbeln. Darunter wunderbare Speise- zünmer. Salons. Herrenzimmer, Schlafzimmer. 125 Kirchs esset. An« kleideschränte, Ganriruren. Büfette, Umbaue, Schreibtische. CbaiselongueS, Leder.® faS, Lederstühle, Standuhren, tieie Kleiderschränke. Berlrtos. moderne Küchen, Teppiche, PlüschsosaS. Be» sichtigung>0— 8, SountagS 8—2. Billiger als fast jedes Möbelgeschäft I Bitte Lolhringerilraße 26 und grüne Schilder achten, da mehrere Möbel- geschäste in dieser Straße existieren I Berkaus Hos, Speicherei. Ausgestellte Zimmer._ 2733b* 85 billige Einnchtungen zum kolossal billigen Berkauf, auch einzelne Möbel, bis 50 Prozent billiger. Aus- bewabrurrgS- Speicher Lothringer- straße 26. Hos. Bitte Hausnummer 26 zu achten, da viele Möbelgeschäfte in dieser Straße existieren. 2734b» (Händler verbeten I) Elegantes Plüschsosa. Trumeau, Berläuflich! . Gas kröne. Kleiderlchrank. Vertiko. Fischer, Königsbergcrstraße II, vorn 1 rechts. �Plüschsosa, Kleiderschrank, Säu- lentrumcau 28,50. Sebastianstr. 82 U. Wichtig. Möbel, gcbrauchle, neue und verlieben geweiene, Kleider- schränke, Vertiko 18 Mark, Belillellc mit Federmatratze 15, MarmoNoilette 19, sosa 13. Taschensosa 33. Cbaile- longue mtl Decke 19, Plüschgarnitur 55, Kommode 15, Schreibtisch 24, Garderobenlchrank 36, Nußbaum- Säulenbüsett 95, Lederstüble>0, Säulentriimeau 30. Vierzugisch. An. kleldeschrank70. großer Posten Tcppiche, hochfeine Portieren und Stores, Fenster 12, 50 Stand Federbetten, Bilder, Plüschlischdeckcn 6. bunte Küchen 55 StargardtS Möbel- und Lombard. Speicher. Neue König- straße 29. Transport frei._ 240/13" An der Hochbahn I! l Station Kollbuser Tor, nämlich Skalitzcr- straße 25, besindel sich die große Möbelfabrik M. Hirschowitz. Sebens- wert sind die ständigen Ausstellung, n aller Möbelarien, was ohne Kaut- mang gern �stattet ist. Aus Wurst la-alog gratis i Btöbelgelegenhctr! Wenig ge. brauchte, guterbaltene Möbel, auch neue, einiachste. eiegaliieite. beliehen gewelene. ver+allene spottbillig. Riesen- lager, Lombardspeichcr. Neue König- sttaße 5/6. Fabrikgebäude. Somitags geöffnet.(Zahlungserleichler-ung.)' Palirräder. Herren-xvrrav Damen tabrrad einmal benutzt 40.00 Hotz. VUinren. itraß« 36 d t6S3K» �usik. Oluftbaumpianino, große Ton. stille, stabil gebaut, wenig gebraucht, billig verkäuflich. Burschauerstraße 58. Quergebäude I._ 134 fl3* "Piuuiiio, Geige, alte, gute, ver� kaust Antiquitälengeschäst, K rch- straße 14, Berlin. 134/19 Alte Geigen, komplett, vorzüglich. Mebne. Ebausseestraße ll5. 27g8b Btoliiiuiirerrichr«neue, doppelt fördernde Melbode bis zur Bolleirbung) gibt eriabrener KüniUer wöchenllich, aus Wunich auch nur eine Lektion a l.25 M.. bei zwei Schüleni je 7ö Pj. Osterien unter v. 2 Expedition des .Borwärl»». j» Versdiiedenes. Kiinstiiopirrei von Frau KotoSkp Zchlachteniee. Kuritraße 8. ni_ Pairniuu« ftione 94» »au Wenek Giliitzmer« Englischen Ilnterricht«ür Aniöngcr und Boraeichritlene, Einzelstimben und im Zirkel erteilt G. Swienty. S cköneberg. Sedanstraße 57, Hl. Nähmaschine» kaust Zieme, straße lb.__ 27786� Platinabfälle. SIlberabsälle. Rück- ftänoe, Zabngebisse. Ouecss.lber, Me- talle döchstzabtcnd, Goldlchmelze Nieper, Köi-enickerswaße 20a(ge!Ze>l- über Manteustelstraße). 299oK Vermietungen. 29875 �Votinunxen. , lletne, sofort. Ska- litzerstraße 5?.__ 27996» Billige Zwelzimmer-Balkonwoh ming 35.00. schauerbrücke). Sühlilchstruße 36(War. 5K» Parteisekretär gesttcht. In Ostendach a. M. ist die Stelle ewes P artet iekrctärS zu besetze»: es wird aus eine agitatorisch und organisatorisch tüchtige Person reflektiert, die auch die Kassengeschäste zu übernehmen hat. Anfangsgehall 2200 M., Bewerbungen, denen eine Arbeit über.Die Ausgaben eines Parteisekretärs" beizusügen find, sind bis spätestens 31. Januar 1910(mst der Ausschrist »Bewerbung- versehen) an M Labbs, OHenbecli a zu richten.• Arbeitsmarkt. Stellengesuche. Parteigenosse sucht für Sohn, gute Schu bildung, St-ristsetzerlehr- stelle unter A. K. 2035 Spedition der Zeitung Andreas«raße 17.+38» Stellenangebote. Etnzacker für Goldleisten ver- langt Reich cu bergerstrage 88. 134/20 Marinorschlcifer verlang! Luckauerslraße>0.__ 134/18 �Marmorschleifcrverlangl Ubiand- sttwße 62. Blätsing. 2800b Achtung! Holzarbeiter Wegen Streik»nd Differenzen find gesperrt: Knopf- und Perlmnttfabrik Hinze. Schintostr. 8/9. Tischlerei und vodenlegerei Tchlichting. Gotzkowstpstr 7. Tiichlerei und Bodenlegercl Timme. Wilmersdorf, Gajleiner Sttaße 6. Parkrttbodengeschäfte und deren Bauren: Firma Kampmeyer: Holsteiner User 15. Rördd. Parkettsabrik Hannover, Zwilchenmeister Elasten u Hubncr. Buitenveich. Zwifchenmeister Swo- boda. Rosenfeld». To« Heine«Breslau). Bau Salzdurger Straße 15. Lesser. Eämtstche Bettlebe w den Orten Liiite»w»lde, Sommerfeld mid Magdeburg. Gleichzeitig ersuchen wir die Kollegen aller Branchen der Holz- Industrie das BermittelungSbureau des gelben»Hanowerlerfchutz- Verbandes' streng zu meiden. Die OriSvcrwalmng. Achtung! Kauarbkittr! Wegen Streik in Luckenwalde sind folgende Baureu für Et»- setze» gesperrt: Jirma Sk«um»n»: Charlotrenburg, Suarez-«nd Pestalozzistr.-Eike. llrilokaor. » Mindener Str. Uiulamalin. Firma Itilllg: • Dernburgftr. 29. . Waitzftr. 31. SchJnleHe. Berit». Senefelder Ser. fs»!- Jiroia Genasteuschaft. Luckenwalde i Tharlotteuburg, Phtltvptstr. 0. Beskow._._ Kaiser- Fricdrich-Strafte 19, Bau Heinrich.._„„ , Witzlebenstr. 1. S. 33. 38. I,r-r«»iivoreiand. Verantwortlicher Redakteur Richard Barth, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Drucku.Berlag: vorwärts Buchdruckerei u. Bcrlagsaiiftalt Paul Singer Sc tlo.. Berlin SIV.