Pr. 294. BbonncmcntS'Bcdingungffi; SlSonncmentä- Preis ftänumeranSo; Biertcljihrl. 330 Stf., monatl. 1,10 Mk., wöchentlich 2« Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags- immmer mit illustrierter Sonntags- Beilage.Die Neue Welt" 10 Pfg. Pofi- Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitungs- Pretslisie. Unter Kreuzbaud für Deutschland und Oesterreich- Ungarn li Marl, für das übrige Ausland 3 Marl pro Monat. Poslabonnements nehmen an: Belgien. Däncmarl, .Rolland, Italien, Luxemburg, Portugal. Rumänien. Schweden und die Schweiz. 36. Jahrg. CrlflKlnt tSgllch aaOtr montags. fb* Berliner Volksblnkl. Sie InfertlonS'GebQfir Cehägt für die sechsgespaltene Kolone!» geile oder deren Raum 50 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins- und Bcrsaminlungs-Anzcigcn 80 Pfg. „kleine Hnrctgen", daS erste sfett» gedruckte) Wort 20 Pfg,, jcdcS weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf- slellcn-Anzeigen das erste Wort 10 Pfg,. jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben z-ihlen für zwei Worte. Inserate für die nächste Numnier müssen vis S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition tjt bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm-Adresse! „talalllfiMKrat Berlin''. Zcntralorgan der fozialdcmokrat» fchen Part« Deutfchtandd. Redaktion: 8M. 68. Lindens trasse 69. Fernsprecher! Amt IV, Nr. 1983. Expedition: 8 öd. 68. Lindenstrassc 69» Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1981. Die freifinnsretirade nach rechts! Die Einigung der drei freisinnigen Parteien scheint nun» mehr unmittelbar bevorzustehen. Der Viererausschusi der zur , Schaffung eines Einigungsprogramms eingesetzt worden war, hat bereits das Ergebnis seiner Arbeiten veröffentlicht. Wird dies Programm von den drei Parteien akzeptiert, so ist damit die Verschmelzung der bisher gesondert be- stehenden drei linksliberalen Parteien zur T a t s a ch e ge- worden. Es ist auch nicht daran zu zweifeln, daß das Einigungs- Programm die Billigung der Parteitage der einzelnen Parteien finden wird. Daß eine Einigung und Ver- schmelzung der drei Parteien nicht schon früher erfolgt ist. lag ja seit Jahren nicht so sehr an einer Abweichung grund- sätzlicher Anschauungen über wichtige politische Fragen, als vielmehr an dem Ehrgeiz der einzelnen Führer. Denn die Streitfragen, die ehedem zu einer Spaltung des Freisinns geführt hatten, sind inzwischen längst weg- geräumt worden. Eine Militärvorlage war es ja, die seinerzeit die Abzweigung der Freisinnigen Vereinigung verursacht hatte. Als dann in Deutschland die Kolonial- und Weltpolitik inauguriert wurde, war es wiederum die Frei- sinnige Vereinigung, die dieser Flotten- und Kolonial- Politik gleich den Nationalliberalen sympathisch gegen- über stand, während die Freisinnige Volkspartei sich lange Jahre hindurch der Kolonialpolitik gegenüber stark ablehnend und den Flottenrüstungen gegenüber wenigstens nicht besonders freundlich verhielt. Seit Jahren ist aber dieser Stein des Anstoßes und Zerwürfnisses zwischen dem„männlichen" und dem„weiblichen" Freisinn beseitigt. Herr Eickhoff gab zuerst die Parole ans. sich mit der Flotten- und Weltmachtspolitik auszusöhnen. Die Bernfung Dern- burgs zum Kolonialjekretär tat dann das übrige, um die Opposition der Freisinnigen Volkspartei gegen Flotten- und Welt- Politik zu ersticken. Als Fürst Bülow den Freisinn zur konservativ- liberalen Paarung animierte, gab der männliche Freisinn vollends alle oppositionellen Bedenken preis, um fortan mit der Frei- sinnigen Vereinigung im flotten- und weltpolitischen Wettlauf um die Gunst der Regierung zu buhlen. Damit war die Kluft wieder vollständig überbrückt, die sich seinerzeit zwischen „männlichem" und„weiblichem" Freisinn aufgetan hatte. Die Vorbedingungen für eine Einigung des Freisinns zwischen den beiden bedeutendsten Gruppen des Linksliberalismus waren also nicht gegeben durch eine Eni- Wickelung des Liberalismus nach links, sondern durch die Mauserung der st ä r k st e n dieser beiden Gruppen nach rechts, durch die Bekehrung der ehedem dem uferlosen Wettrüsten und der Kolonialpolitik abholden F r e i s i n n i- gen V 0 l ks p a r t e i zu der durchaus nationallibe» ralen Anschauung der Freisinnigen Vereinigung! Aber nicht nur die Freisinnige Volkspartei, sondern auch die Deutsche Volkspartei, der äußerste„demo- kratische" Fliigel des Freisinns, hatte sich während der Block- ära zur Flotten- und Weltpolitik bekehrt. Marinismus und Weltpolitik schoben also auch zwischen den geeinten Freisinn und die süddeutsche Demokratie keine trennende- Scheidewand mehr. Das einzig Scheidende bestand nur noch in den d e m 0 k r a t i s ch e n R e st e n, die sich die süddeutsche bürger- liche Demokratie wenigstens in ihrem Programm bewahrt hatte. Aber der Entwurf des Einigungsprogramms beweist, daß auch diese kümmerlichen Reste der bürgerlichen Demo- kratie in Süddeutschland auf das Spezifisch-Deniokratische nicht mehr soviel Wert legen, um dem übrigen nach rechts sich konzentrierenden Freisinn bei seinen Aufsaugungs- bestrebungen deshalb Widerstand zu leisten, weil diese Eini- aung nur durch Preisgabe dieser demokratischen Rudimente der süddeutschen Demokratie er- kauft werden konnte. Die süddeutschen Demokraten ver- z i ch t e t e n vielmebr auf alles Demokratische ihres Programms, um sich der großen Retirade des Frei- sinns nach rechts anschließen zu dürfen! So ist die bevorstehende und in ihrer Hauptsache schon jetzt voll- zogene Einigung des Freisinns nichts als eine neue Rechtsschwenkung des gesamten Linkslibe- r a l i s m u s! Trotz der unbestreitbaren Tatsache, daß die Schulden- Wirtschaft des Reiches und nicht nur die alte, sondern auch die neue Ausplünderung der Massen auf die ungeheuerlichen An- forderungen unseres Militarismus und M a r i n i s- in u s und unserer Weltpolitik zurückzuführen sind, trotz der riesenhaft gewachsenen Ausgaben namentlich für unseren Marinismus vermeidet es das Einigungsprogramm; peinlichst, auch nur mit einem Worte dieser politischen Grundschäden Erwähnung zu tun! Nicht nur die Frei- j sinnige Volkspartei, sondern auch die süddeutsche Demokratie! haben also endgültig vor den Anschauungen unseres Hansa- Liberalismus kapituliert! Aber noch in einem anderen fundamentalen Punkte hat der koalierte Linksliberalismus sich zum Nationalliberalismus zurückent-. wickelt. In dem Programm der Deutschen Volkspartei wenigstens war kategorisch die Ersetzung der indirekten Steuern durch direkte Einkommens-, Vermögens- und Erbschaftssteuern gefordert worden. Diese demokratische For- � derung istvollständigunterdenTischgefallenll l An ihre Stelle ist die Forderung einer„schrittweisen Herabsetzung der Lebensmittel- wie der Jndustriezölle" ge- treten. Nach den Erklärungen der W i e m e r und Konsorten bei der letzten Reichsfinanzreform, daß der Grad der Be- steuerung der Wohlhabenden seine Höchstgrenze bereits annähernd erreicht habe, mußte natürlich die Volks- parteiliche Programmforderung auf den Kehricht- Haufen geworfen werden! Aber nicht nur in wirtschaftlicher Beziehung tritt eine solche Rechtsrevidierung zutage, sondern auch auf rein politischem Gebiete. In dem Programm der Deutschen Volkspartei war die Verwirklichung des„d e m 0- k r a t i s ch e n" Staates gefordert, die„Bestimmung der staatlichen Politik durch den M e h r h e i t s w i l l e n der parlamentarisch vertretenen Ratio n." Das Einigungs- Programm hat das Wörtchen demokratisch mit ängstlicher Gewissenhaftigkeit überall vermieden und allerorts nur einen„freiheitlichen Ausbau" der Reichsverfassung in „konstitutionellem" Sinne gefordert. Der Demo kratie hat alio der Freisinn in seinem Programme e n d- gültig den Abschied gegeben! Diese Rückwärtsrevidierung des Programms tritt noch in zahlreichen anderen Punkten hervor. So forderte das Programm, der Deutschen Volkspartei nicht nur das all gemeine, gleiche, direkte und geheime Wahlrecht für das Reich und den Staat, sondern auch für die Gemeinde. Das Einigungsprogramm aber verlangt für das Kommunal Wahlrecht nur eine„Beseitigung der Klassen wählen und der öffentlichen Stimmabgab e", spricht sich also indirekt für das Zensuswahlrecht aus!— Das Programm der Deutschen Volkspartei forderte weiter die V 0 l k s abstimmung über grundlegende Gesetze. Somit mußte natürlich in dem.Einigungsprogramm aufgeräumt werden!—Das Programm der Deutschen Volkspartei forderte weiter eine Trennung von Staat und Kirche. Auch diese Forderung ist natürlich in dem Einigungs Programm n ich t zu finden!— Das Programm der Deutschen Volkspartei sprach sich weiter für die A b s ch a f f u n g des Einjährigenprivilegs aus; das Einigungsprogramm redet vorsichtigerweise nur von einer„Beseitigung jeder Be günstigung einzelnler Klassen. Stände und Kvnfessdonen". Die Zulassung jüdischer Einjähriger zur Reserveoffiziers Prüfung oder zum Offiziersrang ist dem nach rechts revi dierten Freisinn natürlich wichtiger als die Beseitigung des skandalösen Einjährigenprivilegs! Das Programm der Deut scheu Volkspartei verlangte auf dem Gebiete der Recht. sprechung die„Abschaffung der T 0 d e s st r a f e, die Beseitigung des Anwaltszwanges und des A n klagemonopols der Staatsanwaltschaft": auch davon ist in dem freisinnigen Einigungsprogramm mit keinem Worte mehr die Rede! Wir sehen also, wohin»vir auch blicken, daß die schämigen Reste demokratischer Forderungen, die bislang wenigstens noch das Programm der Deutschen Volkspartei zierten, in dem freisinnigen Einigungsprogramm mit rücksichtsloser Bourgeoishand r e st los ausgetilgt worden sind! Wir brauchen uns danach natürlich nicht mehr darüber zu wundern, daß unter den sozialen Forderungen für die Arbeiterklasse zwar die..Sicherstellung und Aus dehnung des Köalitionsrechts" gefordert werden, daß aber von dein gerade augenblicklich Programm« tisch so dringend zu fordernden uneingeschränkten Koalitionsrccht für die Staatsbeamten und Staats- arbeiter mit keinem Worte die Rede ist! Eben- sowenig enthält das sozialpolitische Programm des Vierer- ausschusses, das im wesentlichen nur das Programm der Freisinnigen Volkspartei vom Jahre 1894 abschreibt, die Forderungen des Maximalarbeitstages, dieses Kernpunktes aller Sozialpolitiker! Es versteht sich von selbst, daß das Einigungsprogramm. das den drei freisinnigen Parteien vorgelegt wird, ein Kompromißprogramm darstellt, das von jeder Partei Konzessionen verlangt. Aber es ist doch charakteristisch für die Entwickelung des Freisinns und den linken Flügel des liberalen Bürgertunis, daß das in Form des Einigungs- Programms vorgeschlagene Kompromiß ausschließlich Kon- zessioncn nach rechts macht, aber der bürgerlich-demokratischen Linken keinerlei Zugeständnisse bietet! Wobei doch auch zu beachten ist, daß dies Einigungsprogramm unmittelbar nach der Brüskierung des Freisinns durch das Junkertum, nach dem Zusammenschluß des Junkertums mit dem Klerikalis- mus, nach dem brutalen Hinauswurf des Freisinns aus dem Bülowblock geschaffen worden ist! In einer solchen politischen Situation und angesichts der unerhörten Steuer- ausplünderung der großen Masse des Volkes hätte man doch wohl erwarten dürfen, daß das neue freisinnige Programm sowohl in politischer als sozialer Hin- ficht radikalere Züge aufgewiesen hätte. Statt dessen begegnen wir der völligen Ansmerzung aller bürgerlich-demo- kratischen Forderungen der Deutschen Volkspartei und einer Annäherung und Anpassung an die Anschauungen der am weitesten rechts stehenden Elemente des Freisinns! Statt einer resoluten.�Kriegserklärung an die Reaktion und den Absolutismus" sagt es, um selbst mit dem„Berliner Tage- blatt" zu sprechen,„manches weniger deutlich und bestimmt, als nach der politischen Situation erwartet werden mußte", Der neueste Einigungsprogrammcntwurf beweist eben von neuem die jedem einsichtigen Politiker längst evidente Tatsache, daß der Zug des Bürgertums nach rechts geht, daß trotz aller verschwommenen liberalen Redensarten und sozialpolitischen Schönheitspflästerchen auch unser Freisinn einschließlich der süddeutschen Demokratie mehr und mehr ins Fahrwasser unseres Nationalliberalismus segelt. Kommt, woran nicht zu zweifeln ist, die Einigung des Linksliberalismus auf der Grundlage des Einigungspro- � gramms zustande, so erfährt damit auch schon rein äußerlich � die alte sozialdemokratische Lehre ihre glänzendste Bestäti» � gung, daß der Klassenkampf sich stetig ver- i schärft und zuspitzt, und daß Bourgeoisie und Prole- 1 tariat einander unversöhnbar gegenüber stehen. So ! unangenehm das politischen Zwittern auch sein mag: die un» erbittlichen Tatsachen bestätigen nun einmal das historisch- ökonomische Faktum, daß in den großen Entscheidungskämpfen der Gegenwart und Zukunft«ein Hüben und Drüben nur gilt!"_ Zur preuMheu Verwaltungsreform. ES ist außerordentlich bezeichnend, daß alle konservativen Be« amten, die im preußischen Verwaltungsblatt, dem offiziösen Organ der preußischen Verwaltung, das Wort zur Besprechung der Arbeit und der Ziele der Jmmediatkommission ergreifen, immer betonen, daß eS sich bei der ganzen sogenannten Reform nur um Ver- cinfachung, Beschleunigung und Verbilligung des Geschäftsganges, nicht aber um eine Reformation der Verwaltung an Haupt und Gliedern handeln dürfe. DaS Registraturwesen auf der Re- gierung soll verbessert werden, der Dezernent mehr Selbstständig- keit erhalten, die Stellung der Rcgierungsräte in der Kirchen- und Schulabteilung soll durch Einführung des PräfektursystemS verschlechtert werden, kurz, ihnen allen handelt es sich bloß um verhältnismäßig geringfügige Einzelheiten. Nur von der Annahme der Negierungsrcferendare spricht kein Mensch, von jener berühmten Normalzahl, mit deren Hilfe man die reaktionärsten Jünglinge als Aspiranten auswählt. Die Generalkommissionen will man ab- schaffen, weil sie politisch nicht brauchbar sind. Die Regierung soll, wie in früheren Zeiten, noch mehr mit den Landräten arbeiten, schlägt z. B. der Landrat v. Brockhusen vor. DaS sind natürlich alles keine Reformen. Es ist auch nichts so gefähr- lich für die Reaktion, als bei unseren jetzigen Bezirksregierungen mit wirklichen Reformen anzufangen. Diese Behörden würden sehr bald ein anderes Bild gewinnen. Die jetzige Byrquickung von Gerichtsbarkeit und Verwaltung, daS Durcheinander von Re» gierung und Bezirksausschuß ist ein Hohn auf unabhängige Ver- waltungsgerichtsbarkeit. Die alte sozialdemokratische Forderung, daß die Verwalwngsrichter unparteiische, aus dem und vom Volk gewählte Personen sein sollen, kommt natürlich gar nicht zur Erörterung. Nur nicht rütteln an dem. waS besteht. Denn eS ist viel zu viel morsch und die Gefahr besteht, daß jedes Rütteln den völligen Einsturz bewirken kann. Das ist wohl der geheime Grundgedanke all dieser „Reformen". Eine wirkliche Reform der Bezirksregierungen würde zunächst mal die Anstellung bei diesen Behörden allen zu» gänglich machen. Die Bevorzugung des Adels bringt fortgesetzt die ungeeignetsten Personen in die wichtigsten Stellungen hinein. Die Negierung selber müßte zudem ihre Aufgabe nicht politisch, sondern kulturell erfassen. Bei der Beförderung zu wichtigen Stellen müßte nicht wie bisher der Einfluß der Hofbeamten, sondern der Einfluß des Volkes maßgebend fein. Heutzutage wird man RogierungS- Präsident nicht durch Tüchtigkeit, sondern durch Konnexionen. Fände hier ein Wahlverfahren statt, so läge die Sache sofort anders. Ebenso wie ein Kommunalbeamter, der irgendwo Bürger- meister werden will, sein Programm vor der Wahl zu entwickeln genötigt ist. hat die Bevölkerung eines Regierungsbezirks dasselbe Recht darauf, ein Kulturprogramm von ihrem künftigen Re- gierungSpräsidenten zu vernehmen. Ein Regierungspräsident, der von der Bevölkerung gewählt würde, wie ja auch der Landes» Hauptmann, wenn auch nach einem sehr unzulänglichen Wahlrecht gewählt wird, wäre eine andere Persönlichkeit, als diejenigen, die jetzt diese Stelle einnehmen. Die Verfassung der Regierung müßte eine durchaus kollegiale werden, mit öffentlichen Sitzungen, wie in der Schweiz. Jetzt ist so ziemlich alles geheim. Die Gemeinden sind ebenfalls zur teilweisen Geheim- Haltung verpflichtet und die unglaublichsten Gesetzesverletzungen entziehen sich völlig der öffentlichen Kenntnis und Kritik. Wäre bei der Regierung jede Abteilungssitzung und jede Plenar- sitzung öffentlich, so würde sofort ganz anders verwaltet werden müssen. Es wäre dann unmöglich. Verfassungsbestimmungen aus» zuschalten, von dem Konfliktsgesetz fortgesetzt Gebrauch zu machen, politische Gesichtspunkte in jede Bestätigung von Beamten und Statuten hineinzutragen, die Selbstverwaltung mit List und Gewalt lahmzulegen, der Gemeindeverwaltung alle Arbeit auf- zupacken und sie dann noch schlecht zu behandeln. Sind die Auflichtsbefugnisse der Regierung erst auf da» in Oesterreich oder der Schweiz übliche Maß zurückgeschraubt und ist wirkliche Selbstverwaltung für große und leistungsfähige Ge- meinden garantiert, erhält ferner die Gemeindeverwaltung einen übertragenen Wirkungskreis staatlicher Geschäfte, so bleibt für die Aufsichts- und Präsidialabteilung der Regierung nicht so sehr viel übrig. Zsuch die Aklcilmigen für Kirchen- und Schulwesen bearbeiten Aurzeit gum großen Teil Angelegenheiten, die der Gemeinde ent- rissen sind und zweckmäßig ihr zurückgegeben werden können. Der Grundgedanke bei der Reform aller staatlichen Ber- tvaltung muß ioi übrigen immer der sein, daß der Stgat Funktionäre für technische Zwecke halten soll, nicht politische Beamte zur Trangsalierung tsßr Bevölkerung. Danach bleibt eine Steucrabteilung bei der Regierung berechtigt. ebenso eine Schulabteilung. Der letzteren wären auch die höheren Schulen zu unterstellen, wie überhaupt Einheitlichkeit des Schulwesens seit jeher ein Hauptziel der Demokratie ist. Die landwirtschaftliche Melioration wäre zweckmäßig ganz an die Gencralkommission abzugeben, staatlicher Wasserbau und Hochbau direkt dem Beamtenministerium zu unterstellen. Die Baubcamten sind doch nicht dazu da. den Hofstaat des Landrats zu bilden. Das ganze Regierungspolizeidczernat aber würde stark zu- sammcnschmelzen, wenn der Gemeinde, wie in der Schweiz, Polizei aus eigenem Recht zustände und die polizeilichen Angelegenheiten Sclbstverwaltungsangelcgcnheiten wären, mit denen sich die Dezirksrcgicrungen nur bei Gesetzes- und Ber° sassungsverletzungcn und in bestimmten Beschwerdcfällen zu be- schäsugen hätten. Der Zusammenhang zwischen Regierung und Gemeinde wäre sofort ein anderer, wemr jeder RegierungSbcamtcr seine Ausbildung gründlich in der Gemeindeverwaltung genösse, statt daß er jetzt beim Landrat ebenso gründlich lernt, wie d i e Wahlen gemacht werden und der Sozialismus be. k ä.m p f t wird. Um c3 noch einmal zusammenzufassen: Die freie Ge- m e i n d e, groß und leistungsfähig, mit wirklicher Selbst- Verwaltung als Unterbau. In der Regierung in den wichtigeren Posten vom Volke gewählte Persönlichkeiten. Kollegiale RegicrungSvcrfassung mit öffentlichen Sitzungen. Keine politische Tätigkeit, sondern Funktionäre, deshalb in erster Linie technische Behörden, die keinem politischen Beamten unterstehen. Uebertragung möglichst aller staatlichen Funktionen an die Ge- meindeverwaltung. Zugänglichkeit der Vcrwaltungslaufbahn für jeden, der die nötige Vorbildung hat. Nur dies wäre eine Ver- iraltungsreform, die den Namen Reform verdient. Sie bayeriichen Cords und die Steuerreform. München, 10. Dezember. Der Bericht des Referenten der Kammer der NeichSräte über de» Eickwurf eines Einkommensteuergesetzes ist erschienen. ES ist ein Dokument von bleibendem kulturhistorischen Werte, das Dokument einer grenzenlosen, durch keine Regung der Menschlichkeit gemilderten Selbstsucht. Der Verkünder des Evangelium» des nackten Egoismus ist der Beauftragte deS in der oberen Kammer politisch organisierten bayerischen Großkapitals und Groß. grundbesitzes. Der Egoismus der Reichen geht ins Gigantische. er grenzt schon nahe an Wahnsinn. Aber in dem Wahn- sinn liegt Methode: die Methode der rücksichtslosesten Ausbeutung, die Methode der mit der Mehrung des Reichtums »vachsenden Raubgier der besitzenden Klassen. Und zur Verteidigung ihrer heiligsten Güter, ihrer Geldsäcke, ruft der Referent die hohen Herren auf die Schanzen. Durchaus richtig zeichnet er den Tiefstand deS sozialen Empfindens der besitzenden Klaffen in dem Satze: „Selbst Erleichterungen werden nicht ohne Mißvergnügen auf- genommen bei denjenigen, welche annehmen können, daß jede Entlastung de» andern für sie eine Belastung mit sich bringen wird." Von höchster politischer und sozialer Weisheft zeugt die folgende Auslassung: „Wünsche auf Steuerveränderung werden nur aus den Schichten laut, welche durch ihre politische Stellung bei der Feststellung den Ausschlag geben, die nur geringe Steuern entrichten oder um eine Bagatelle das Wahlrecht zu erwerben trachten und durch ihre Zahl bei de» Wahlen den Ausschlag zu geben. So ergibt sich als praktisches Resultat unserer Zustände: die Massen, die wenig Steuern oder nur nach Pfennigen bemessene Beiträge entrichten. wählen das Gros der Gesetzgeber und diese nehmen ans die Wünsche ihrer Wähler Rücksicht und bestimme» dann, was die Besitzenden an Steuern zu zahlen haben." Und so etwas schreibt ein Mann, der zu den Intellektuellen der Rcichsratskammer zählt I Wie muß eS da in den Köpfen der anderen erst aussehen I Sollte dieser hohe Herr wirklich keine Ahnung davon haben, welch ungeheure Last an indirekten Steuern auf dem Volke ruht? Ueber die Besteuerung de? Großkapitals, der Großindustrie und Aktiengesellschaften ist sein AufsichtSrats-Herz schwer betrübt. Zweifellos sieht er in ihr schon den Anfang der gefürchteten Ver- mögenskonfiskation: „Diele BeftenerungSart(für die Aktiengesellschaften!) kann bei Zwangsanleihen oder bei Eintreibung von Kontributionen in Feindesland zur Anwendung kommen; für einen Kulturstaat, der im Frieden lebt und dessen Wirtschaftsleben in schöner Entwicklung sich befindet, kann sie ernstlich nicht in Betracht gezogen werden." Gelbst zur sittlichen Entrüstung erhebt sich der Referent, wenn er sich daran erinnert, daß man Großhandel und Großindustrie als »hassenSwerte Gewerbe" bezeichnet: „Ich meine, auch im politischen Leben und ebenso bei Be- Handlung wirtschaftlicher Fragen sollte man ethisches Gefühl noch bewahren, welche» solche Ausdrücke nicht gestattet." Kapitalismus und Moral! Der Verfasser meint da» vollständig ernst. Und dabei fehlt dem Moralprediger jede Empfindung dafür, daß sein Bericht von Anfang bis zu Ende die Unmoral selbst ist. Geln„ethisches Gefühl" hindert ihn nicht zu verlangen, die hohen Einkommen nicht bis zu ö Proz., sondern nur bis 4>/z Proz. zu belasten und den Ausfall zu decken durch die vollständige Be- seitigung deS Kinderparagrophen. Er schreibt: „Warum soll ein Beitragspflichtiger, der 1000 M. und mehr Einkommen hat, eine Erhöhung von ein paar Mark Steuer und Umlagen nicht vertragen können?" „Ist die Besürchtuug nickt gerechtfertigt, daß, wenn die Klassen der weniger gut situierten Staatsbürger von de» neuen Steuern ganz unberührt bleiben, diese bei Bewilligung der neue» Lasten mit minderer Vorsicht zu Werke gehen, als wenn sie damit selbst betroffen werden?" Mit der Einführung deS Kinderparagraphen beginnt für den lflrferenten bereits der sozialistische Zukunftsstaat: „Die Pflicht der Kindcrerziehung in eine allgemeine: sie trifft die Ätern. Der Staat hat diese Last»och nicht übernommen, wohl bildet aber die Bestimmung des Art. 19 den ersten Schritt dazu." So sind sie also blind hineingetappt in den ZukunftSstaat. die Cassel, und die ZentrnmSmänner I Denken die hohen Genoffen deS Referenten ebenso wie er, so kann eS dem Finanzmintster um fem Werk ernstlich bange fein._ politifcbe UcberHcbt. Berlin, den 16. Dezember 1906. Die Eosinfärbnng. Gegen die Färbung der eingeführten fremden Futtergerste mit Eostn, von der wir gestern berichteten, sind bereits beim Reichstag und Bundesrat mehrere Beschwerden eingelaufen. So haben der Verein schleswig-holsteinischer Getreidchändler in Hamburg und der Niederelbische �weigverband der Müller an Reichstag und Bundesrat eine Eingabe gerichtet, in der ausführlich die mißlichen Folgen des Färbens der Gerste mit Eosin dargelegt werden. Es heißt darin: „Die neuerdings angeordnete Färbung funktioniert durchaus nicht so, wie erwariet, sondern die in der Mitte des Fahrzeuges liegende Gerste wird viel stärker als nötig gelärbt, während die vorn und hinten liegende Ware teilweise verschont bleibt. Die Färbung ist also eine absolut ungleichmäßige und erfüllt ihren Zweck nicht. Es wird aber nicht nur die Gerste gefärbt, sondern die Fahrzeuge werden derartig rot, daß sie zum Transport von Weizen, Roggen, Mehl. Zucker, Salz oder sonstigen empfindlichen Gegen- ständen nicht wieder verwendet werden können. Eine Reinigung ist schwierig, da die Farbe schwer zu entfernen ist und diese Reini- gung außerdem viel Zeit und Geld kostet. Infolgedessen weigern sich die Eigentümer von Schiffe» und Schuten, ihre Fahrzeuge zu der gewöhnlichen Fracht zum Transport von Gerste herzugeben, ja. sie weigern sich und das mit Recht, sich eine Färbung der Gerste in ihrem Fahrzeug gefallen zu lassen.... Die Mahlgänge lassen sich nur ausschließlich für gefärbte Gerste benutzen, da man natürlich nicht gleich hinterher Weizen und Roggen auf denselben schroten kann. Die» bedeutet eine empfindliche Schädigung de» kleinen Müller», der nicht in der Lage ist, sich für jede Fruchtart einen anderen Mahlgang zu halten. Der Master kann nicht wie bisher an der weißen Farbe die Güte des Schrotes beurteilen, denn sobald da» Schrot im Trog verrührt ist, erscheint alles stark rot gefärbt. Sogar die Därme der Tiere färben sich rot, und man wird künftig nicht mit Sicherheit Wurst daraufhin untersuchen können, ob dieselbe künstlich gefärbt ist oder nicht; denn der Chemiker l.nm nicht beurteilen, ob der Farbstoff aus dem Darm der Tiere stammt oder später beigefügt ist. Die Folge wird sein, daß der Scklachter die mit eosinierter Gerste gefütterten Schweine entsprechend niedriger bewertet." Geistliche Agitatoren. In der bekannten Erklärung der Zentrumsparteileitung wurde behauptet: Das Zentrum sei keine konsessionelle, sondern eine poli« tische Partei. Wie eS in Wirklichkeit mit dieser Behauptung aussieht, zeigt das nachfolgende Zirkular eines badischen Zentrumsblattes, das sich ausschließlich an die katholische Geistlichkeit wendet: Hochwürdiger Herr: Die bedenkliche Zunahme der sozialdemokratischen Stimmen» zahl anläßlich der leyten LandtagSwahl, besonders auch aus dem Lande, gebietet es als eine Notwendigkeit, durch systematische Be- lehrung die Bevölkerung über das wahre Wesen und die verwerf- liehen Bestrebungen der Sozialdemokraiie auszuklären. Zu diesem Zwecke bieten wir Ihnen zwei geeignete Flug« schriften an. Die eine behandelt die den Sozialdemokraten in der badischen Kammer von den ZcntrumSabaeordneten zuteil gewordenen Er- widerungen; die andere Flugschrift wendet sich gegen die von den Sozialdemokraten noch immer betriebene Steuerhetze gegen das Zentrum. Letztere Schrift wurde uns von der Zentrale des VoltSvereinS unentgeltlich zwecks Verbreitung zur Verfügung gestellt. Das Flugblatt betreffend„Die falschen Freunde der Land« wittschaft" ist zu folgenden billigen Preisen von uns zu beziehen: Ivo Stück........ 4 M. 200.......... e„ 300......... 8„ 600„........ 10„ 1000„»..»»»., 16„ Das zweite, ebenfalls beiliegende Flugblatt„Die roten Falsch» münzer" wird von uns(so weit der Vorrat reicht) unentgeltlich (nur gegen Rückerstattung der Portokosten) versandt. Wir bitten Ew. Hochwürden, auf beigefügtem Bücherzettel Ihre Bestellung zu vollziehen. Hochachtungsvoll I Verlag der„Fretburger Tagespost"." Das vorstehende Schreiben gewinnt dadurch noch eine besondere Bedeutung, daß die„Freiburger Tagespost" den badischcn IentrumS- führer, den Geistlichen Rat Wacker in Zähringen, zum Gründer und Inspirator hat. Welche Rolle der katholische KleruS in der badilchen ZentrumSpattei spielt, zeigt ferner die Tatsache, daß die einfluß- reichsten ZentrnmSblätter von katholischen Geistlichen redigiert werden._ Gchiffahrtsabgaben. Der von der preußische» Regierung ausgearbeitete Tarif- c n t w u r f für die Erhebung von Scksiffahrtsabgaben auf dem Rhein, Main und Neckar sieht fünf Klaffen vor mit Sätzen von 0,10, 0,08, 0,0g, 0,04, 0,02 Pf. für den Tonnen-Kiwmeter. Neben der von der Schiffsladung erhobenen Abgabe soll eine weibere Ab- gäbe auf Personendampfer und Flösse entfallen. Ab- gabenfrei sollen bleiben leere Schiffe, Güter und Schiffe von höchstens 200 Tonnen, Güter, die dem Reich oder dem Haushalt eines Bundesstaates gehören, Güter und Schiffe, die den Zwecken einer dundesstaatlichen Strombauvcrwaltung dienen und zuletzt Güter, die im Durchgangsverkehr über oberrheinische oder andere süddeutsche Häfen von und nach Oesterreich, der Schweiz, Italien und Frankreich befördett werden. Eine„sozialdemokratische Agitationslüge". Die Führer der christlichen Arbeiterbewegung sind bekanntlich im Besitz der höchsten Weisheit, und alles, was sich außerhalb der christlichen Geleise bewegt, ist auf dem Holzwege. Sie allein haben den Sinn, die Mittel und daS Ziel der Arbeiterbewegung richtig erkannt, und so verkünden sie denn, daß der Sozialismus ein Un» ding, der Klassenkampf ein Unheil und die Verbindung der Sozial. demokratie mit der Gewerkschaftsbewegung ein Unsegen für die Arbeiterklasse fei. Der oberste dieser Schlaumeier, Herr General- fekretär Adam Stegerwald vom Gesamtverbande der christlichen Gewerkschaften, hat vor einigen Wochen in Aachen sich mit besonderem Eifer bemüht, seinen Zuhörern nachzuweisen, wie heillos die Sozialdemokratie in die Irre gehe mit ihrer Auf« fassung von der Natur des modernen Staates und der Wirtschaft- lichen, sozialen und politischen Verhältnisse überhaupt. Herr Stegerwald gab dort die Losung.aus, daß die Arbeiterschaft sich in viel stärkerem Maße als bisher emanzipieren müsse von der sozialdemokratischen Phrase, vor allem auch von der„großen A g i ta t i o n s l üg e", die Regierung sei nur der Verwaltungsausschuß der besitzenden Klasse. Männer wie Posadowsky, Delbrück. Wiedfeld, Caspar usw., so verkündete Herr Stegerwald, könnten nicht einfach als. Reaktionäre abgetan werden. Also Herr Delbrück gehört nicht zu den Reaktionären, sein Wirken beweist die Hinfälligkeit der„sozialdemokratischen Phrase", daß die Regierung allemal der Verwaltungsausschuß der herrschen- den Klasse ist. Unterdes hat Delbrück im Reichstage seine Erst- lingSrede als Staatssekretär des Innern gehalten, und zwar in einer Frage, die die deutsche Arbeiterschaft auf das tiefste erregt. Und nun höre man, wie die„Kölnische Volkszeitung", also ein Blatt der den christlichen Gewerkschaften nahestehenden ZentrumSpreffe, urteilt: „Selten haben die Arbeiter vom Minister ein so schroffes Nein auf ihre Sorgen und Wünsche ' gehört. In seiner geschäftsmäßigen Art klingt eS um so schroffer in einer Frage, bei der weder die Konkurrenz noch die Leistungsfähigkeit unserer Industrie, sondern der b r u t a l e Herren st andp unkt einiger wenigen Kohlen- Magnaten in Frage steht. War der erste Teil der Rede ein glattes Nein, so redete der zweite Teil der Tclbrückschcn Aus- führungen, vielleicht um das schroffe Nein des ersten Teiles der Rede abzuschwächen, an dem Thema mit Gcslissenheit vorbei. Die Enttäuschung unter den Arbeitern wird um so größer sein, als Delbrück in seinem neuen Amt von ihnen mit großen Hoffnungen und viel Vertrauen begrüßt worden ist. ... Wer aber auf die wenigen, am Bundesratstische besetzten Plätze sah, der fand das Nein dieser'?lrt erklärlich; nur die Herren auS der Abteilung für Bergbau und Hüttenwesen aus dem preußischen Handels- Ministerium bieten Delbrück Hilfstruppen an. Von dieser Behörde ist noch nie et w a s Gutes für die Arbeiter oder die gedeihliche Fortentwickelung der deutschen Sozialpolitik gekommen." Herr Delbrück, den die Christlichen als Zeuge wider die Sozial- demokratie anführen zu können glaubten, hat zu unseren Gunsten gezeugt; er hat bewiesen, wie recht die Sozialdemokratie hat. wenn sie behauptet, daß die Negierung im kapitalistischen Klassenstaate nichts ist als der Verwaltungsausschuß der besitzenden Klasse I Es hat also— die„Kölnische Volkszeitung" bestätigt eS— seine Richtigkeit mit der«sozialdemokratischen Agitationslüge". Verschärfung der Grenzsperre. AuS Anlaß des Auklretens der Maul- und Klauenseuche in K o n st a n z(Baden) und Ansbach(Mitlelfranken) verlangt der Bund der Landwirte eine Veischärfnng der Grenzsperre. Das Ver- langen an den Reichskanzler schließt mil dem Säße: „Nachdem der unbestrittene Beweis geliefert ist, daß in den beiden genannten Fällen die Seuche aus der Schweiz eingeschleppt worden ist. wird man nicht umhin können, die in Betracht kommenden Staaten zu veranlassen, daß die Erleichterungen wieder aufgehoben werde» und die Grenze, wie es früher der Fall war, von neuem gesperrt wird." Daß die beiden Fälle aus der Schweiz eingeschleppt sind, ist keineswegs erwiesen, denn die vehaupnma der Agrarier ist kein Beweis. Die süddeutschen Staaten dürften eS ablehnen, ohne weiteres den Besehlen deS Bundes der Landwirte zu gehorchen. Kommunaltvahle«. Wahle» in Württemberg. In Hellbronn gelang es der Sozialdemokratie, zu ihren zwei seitherigen GemeinderatSmandarcn noch ein drittes zu erobern. In Göppingen, wo sieben Mandate zu besetzen waren, erhielten Sozialdemokratie zwei, BollSpattei drei, National- liberale zwei Mandate. In Heidenheim entfielen auf die Sozialdemokratie zwei, auf die vereinigten bürgerlichen Parteien ebenfalls zwei Mandate. In O c t l i n g e n und M ö f f i n g e n gelang e» j e e i n e n sozialdemokratischen Kandidaten bei den Gemeinde- ratSwahlen durchzubringen. « Einen glänzenden Sieg errangen die Sozialdemokraten in H e t t e n l e i d e l h e i m in der P f a l z. Bon 18 zu wählenden Kandidaten entfielen auf ihre Liste neun. Bisher hatten sie keine Vertretung im Gemeindeparlament. Die Bürger- meisterwahl ist ergebnislos verlaufen, denn die Sozialdemo- demokraten beanspruchten den ersten Adjunkten, den ihm jedoch die Grubenbesitzerpartei nicht zuerkennen wollte. Darau'hi stimmten unsere Genossen auch gegen den von den Grubenbesitzern präsentietten Bürgermeister, so daß dreiWahlgünge vollständig ergebnislos verliefen. Die Wahl ist bis auf weiteres verschoben worden. In Wulsdorf(Kreis Geestemünde) eroberten die Sozial- demokraten in der dritten Klasse ein neues Mandat und nahmen in der ersten und zweiten Klasse an Stimmen zu. In der vierten Klasse wurde mit großer Stimmenmehrheit ein altes Mandat behauptet. Hier hatten die Gegner überhaupt nicht mehr gewagt, einen Kandidaten aufzustellen. Sozialdemokratische Mandate sind ungültig. Es scheint, daß diese famose Maxime jetzt von einigen schlc- sischen Gemeinden aufgestellt worden ist. Gestern hatten wir zu berichten, daß die Bürgerlichen in Hagenau die Wahl von sechs sozialdemokratischen Stadtverordneten für ungültig erklären wollen, weil angeblich die Wählerliste von Fehlern strotzen soll— dieselbe Wählerliste, die während der Zeit der amtlichen Auslegung nicht angefochten wurde. Und heute wird aus B r i e g gemeldet, daß dort die drei Stadtverord- netenmandate, die von den Sozialdemokraten erobert wurden, für ungültig erklärt wurden, weil---- das Wahllokal angeblich zu klein war. Ob die Bürgerlichen hoffen, mit solchen Mitteln unsere Ge- nassen aus den Stadtparlamenten fernzuhalten? MilchinterpeNatio» im bayerischen Landtage. München, 14. Dezember. In München war ein Milchkrieg ausgebrochen. Die Großhändler erHöhlen ohne jeden Anlaß den Verkaufspreis des Liters Milch von 20 auf 22 Pf. Sie suchten sogar die Milchproduzenten zu be- stimmen, einen höheren Preis zu verlangen, damit kein Händler mehr für 20 Pfi verkaufen könnte. Auch in anderen Teilen Bayerns suckle man dieses nneiubehrliche und für die VolkSgesundheit so wichtige Nahrungsmittel zu verteuern. Das veranlaßt« die sozialdemokratische Partei, gegen dieses Treiben mobil zu machen und zur Verstärkung der Abwehraktion sowohl auf dem Münchener Aathanse als auch im Landtage eine Interpellation einzureichen. Trotz Protestes von unserer Seite hat man eS verstanden, die Besprechung von Tag zu Tag hinaus- zuschieben. Endlich kam die Jnterpellaiion am Sonnabend und heute zur Verhandlung. Der Milchkrieg war unterdessen zugunsten der Konsninenten emschieden worden. Genosse Ed. Schmidt begründete die Interpellation in längerer Rede und stützte seine AuSführnnge» auf ein reiches Tat- sackenmaterial. Durch eine Verteuerung der Milch würden alle bisherigen Errungenschaften auf dem Gebiete der Bekämpfung der Sänglingssterblichteit in Frage gestellt. Weder die Verhältnisse der Landwirtschast noch der Händler rechtfertigen eine Milchverteuerung. Eine Futternot bestehe nicht, denn sonst müßten die Fleischpreise gesunken sein. ES gäbe noch Orte, wo die Bauern froh wären, ihre Milch um 10 bis 12 Pf. das Liter loszuwerden. Die Händler hätten schon mehrmals versucht, den Preis aus 22 Ps. hinauszu- treiben. Jetzt probierten sie das Manöver wieder mit der Be- gründung, daß eine Milchnot bestände. Diese Milchnot wäre nichts anderes als ein großer Schwindel. Eine Preissteigerung von 2 Ps. würde für die Münchener Bevölkerung eine Mehrausgabe von 1,00 bis 2,40 M. bedeuten. Die VerlehrSverWaltung müsse Maßnahmen treffen für rascheren und billigeren Transport. Der M i n i st e r des Innern empfiehlt die genossenschast- liche Organisaiton der Prozenten und Konsumenten. Der Minister deS Verkehrs ist bereit, dein Eisenbahnrat Borschläge zur Ver- billigung der Milchtarife zu unterbreiten. ES äußern sich dann eine Reihe von Zentrums- und Banern- bundSabgeordneten. die alle darzutun verlachen, daß die Milch- wittschaft bei den heutigen Preisen für Futtermittel und Arbeit?- löhne unmöglich rentieren könne. Nach ihrer Ueberzengung müsse in absehbarer Zeit eine Erhöhung deS MilchpreiseS eintreten; aber nicht infolge der unersättlichen Habgier der Bauern, sondern als notwendige itonsequenz der Verteuerung der ganzen Wirtschaftsführung. Der Handlanger als Lehrmeister. In seinem neuesten BiSmarck-Evangelium erzählt H. von P o s ch i n g e r u. a. eine Aeutzerung Bismarcks aus dem Februar 1877 über»die Gründe des TainederliegenS des Verkehrs in Deutschland". Bismarck sagte: »Die orientalische Frage ist daran nicht schuld, oder lange nicht allein; die Hauptursache, warum Europa nicht zur Ruhe kommt, ist der Rachegeist Frankreichs und der Kommunis- m u s. Seit 200 Jahren beunruhigt uns Frankreich, wäre es die orientalische Frage nicht, so wäre es eine andere, die den Grund zu Allianzspeiulationen für Frankreich abgeben mühte. Und wie soll in Europa Vertrauen und Unternehmungslust er- wachen, wenn der Kommunismus ameisenartig um sich greift? Wenn man das Erarbeitete durch Brand und Plünde- r u n g zu verlieren fürchten muß, und noch dazu die Aussicht hat, dafür, daß man etwas besitzt, massakriert zu werden. Auf die im Jnlande organisierten Räuberbanden, in Berlin allein vielleicht 380 000 Mann stark, bauen dann andere Mächte ihre Hoffnungskombinationen, z. B. Rußland, das seinen Beistand höher verwerten möchte, als es uns in der Tat wert ist." Nun weih man doch, was Wilhelm II. von dem Handlanger seines Großvaters gelernt hat und braucht sich über die„Rotts von Menschen" usw. nicht zu wundern. AuffrischenSwert sind dabei die Worte, die 1850 der spätere Dortmunder Oberbürgermeister Becker in seiner«Westdeutschen Zeitung" den Aeußerungen des Königs von Preußen widmete, die dieser an die bei den Maiaufständen„tätig" gewesenen Garden richtete:»Ihr habt Euch so benommen, daß Ihr die Achtung und Liebe jedes Redlichen und jedes Tapferen und den Haß jedes Schurken Euch erworben habt." Der„rote Becker" rief dem Könige zu:„Du hast es gesagt: Wir sind Schurken! Denn 4| wir lieben sie nicht, die uns die Brüder erschlugen; wir lieben sie nicht, die Söhne des Volkes, die im fremden Solde gegen das • eigene Fleisch wüteten; wir lieben sie nicht, die Heldentaten, die sie verübten! Und wir achten sie nicht, die Blinden, die dem Rufe des Kommandos folgten und nicht sahen, wohin sie zrAen. Wir achten sie nicht, die Feinde des Rechts, die Feinde der Nation, die Werkzeuge des Verrats! Wir rufen noch heute alles vergossene Blut auf das Haupt der meineidigen Konterrevolutionäre.... Unser Haß ist. wo Eure Liebe, und unsere Achtung, wo Euer Abscheu: Darum sind wir Schurken— Du hast es gesagt..... Freue Dich, König, wir sind Schurken und Du bist König!" Die Erörterung der Gasexplosion in der Hamburger Bürgerschaft. In der Sitzung der Hamburger Bürgerschaft vom Mittwochabend gelangte ein dringlicher Antrag des Senats auf Bewilligung einer Summe von 200000 M. zur schleunigen Wiederherstellung des alten Gasometers, der bekanntlich bei der Katastrophe am 7. De- zember durch Ueberfpringen von Flammen des neuen Riesen» gasometer» explodiert und zum Teil zerstört worden ist. Da der Gasometer mit über einer halben Million berfichert ist, kommt das Geld wieder ein. In der lebhaften Debatte spielte die S ch u l d f r a g e eine große Rolle. Da in der Nähe des Gaswerkes die Pasiagicrhallen der Amerika-Linie stehen, in denen sich oft über 1000 Menschen befinden, wurde die Verlegung dieser Hallen angeregt, wie auch die Verlegung der Gasometer nach einem freien Felde. Lebhaft wendete sich der Vertreter der GaSdeputation gegen einen von dem RegierungS- baumeifter a. D. S z o r b i n o w S k h in der«Rhein» und Ruhr- zeitung" veröffentlichten Artikel, dessen Behauptungen als blanke Verleumdungen erklärt wurden. Verlangt wurde, daß der Verfasser i» öffentlichem Interesse wegen Verleumdung belangt werde. Unter Ablehnung der übrigen Anträge fand der Senatsantrag Annahme. Ferner wurde der Witive des verstorbenen Dichter? Detlev von Liliencron einstimmig eine einmalige Summe von 10000 Mark bewilligt._ Die Gegensätze im Polenlager. Bekanntlich hat der bisherige polnische Reichstagsabgeordnete v. Czarnowski fem Mandat niedergelegt. Unter den Polen des Wahlkreises P o s e n- S t a d t ist nun ein heftiger Kampf um den neuen Kandidaten entbrannt. Die«Demokraten" wollen durchaus den ArbeitcrsekretSr Nowicki aufstellen, während die„Hospartei" ver- langt, daß ein anderer Kandidat nominiert werde, weil, wie der „Dziennik PoznanSki" meint, die Arbeiter nicht so viel Bildung be- säßen, um die Interessen deS polnischen Volkes zu vertreten. Unsere Genossen haben den dortigen Leiter deS HolzarbeilerverbandeS, Ge- Nossen MamszewSki aufgestellt._ Die„berühmten" Versammlungsnvtizen der Polizeibeauiten. Von der Anklage der Beleidigung Wilhelms ll-, HanS Heinrichs XIV. von Pietz und eines Landrates freigesprochen wurde Genosse Ostcrroth aus Waldenburg. Die Beleidigung wurde in einer Rede über die Reichsfinanzreform erblickt. Die Anklage stützte sich auf die von einem?lmtssekrctär und einem Gcndckrmen in der Versammlung gemachten Notizen. Der Staatsanwalt be- antragte S Monate Gefängnis gegen den Majeftäts-, Fürsten- und LandratSbeleidiger. der, wie der Anklagevertreter bei der Be- gründung des Strafmaßes sagte, einer der eifrigsten sozialdemo- kratischen Agitation im Waldenburger Revier sei. Das Gericht konnte sich von der absoluten Sicherheit des Polizeistenogramms nicht überzeugen und sprach Osterroth von Strafe und Kosten frei, da die Aufzeichnungen doch nicht„ganz" zuverlässig zu sein scheinen. Bor Eintritt in die Verhandlung hatte Genosse Osterroth den «ationalliberalen Landtagsabgeordneten und Landgerichtsrat Krause wegen Befangenheit mit Erfolg abgelehnt. Die RcichStagSersatzwahl in Mülheim-Wlpperfürth ist auf den 18. Februar, die eventuelle Stichwahl auf den 28. Februar an- beraumt worden._ Ocflcmich. Das Verbrechen der Agrarier. Wien, IL. Dezember.(Privatdepesche des„Vorlvärts".) Die Sitzung, die Mittwoch um 11 Uhr begonnen hat, dauert ununterbrochen an. Die Gegner der Obstruktion sind in Schichten eingeteilt, die sich gegenseitig ablösen. Natürlich war auch der Nachtdienst organisiert. Die Sitzung brachte einen neuen Netkord für Dauer reden, der außer in den„Pereinigten Staaten" noch nicht erreicht wurde. Der tchechische Agrarier K o t l a r z schloß nämlich seine Rede erst IL Minuten vor 2 Uhr früh. Er hat 14 Stunden lang„ge- sprachen" und damit die 12 Stundenrede des Abg. Lecker überholt. Freilich ist eine solche Obstruktionsrede dadurch erleichtert, daß sie t s ch e ch i s ch gehalten wird und sich damit dem Eingreifen des Präsidenten entzieht(nach der seltsamen Uebung, daß zwar die Abgeordneten das Recht haben, ihre Muttersprache zu gebrauchen, für den Präsidenten aber nur die iu deutscher Sprache gehaltenen Reden als seiner Zensur uiüerstchcnd gelten). Auch ist dies möglichst leise Gemurmel. das möglichst oft durch lange Beifallskundgebungen der Ge- nassen des Redners unterbrochen wird, um Erholungspausen zu schaffen, sicher kein Genuß für die Zuhörer. Zum Glück ist die Zahl der Obstruktionshelden nicht groß und die der Dauerredner noch geringer. Der Kotlarz folgende Redner H o l l h vermochte fein Schluß„wort" nicht über 4 Stunden auszudehnen. Um 6� Uhr früh war er zu Ende. Das Haus lehnte die Dringlichkeit des ersten Antrages von 37 seitens der tschechischen Agrarier einge- brachten Dringlichkeitsanträge ab und ver- handelte den zweiten Dringlichkeitsantrag. Diesen begründete der tschechische Agrarier Space?, Der Antrag verlangt Maßregeln zur Hebung der Pferdezucht. Herr S p a c c k sprach bis 12 Uhr mittags. Dann protestierte unser Genosse R e s e l kurz gegen das frivole Treiben. Um f/22 Uhr nachmittags begann der Agrarier L i s y das Schluß- wort. Während seiner Rede ertönten gegen 6V2 Uhr abends von derzweitenGalerielebhastsEntrüstungs- rufe gegen die Obstruktioniften. Die Galerie, die stark besucht war, wurde hierauf geräumt. Auch im Saale kam es aus diesem Anlasse zu erregten Auseinandersetzungen zwischen den deutschen und tschechischen Abgeordneten. Nach der Räumung der Galerie setzte Lisy seine Rede fort. Die Arbeiter sind entschlossen, dem Meuchelmord an dem Parlament nicht ruhig zuzusehen. Gestern abend fand bereits eine spontane Kundgebung statt. Mehrere Tausend Arbeiter marschierten von den Fabriken direkt vor das Parlament, wo eine eindrucksvolle Kundgebung gegen das agrarische Verbrechen stattfand. Die Demonstrationen werden sich wiederholen und fiir Sonntag siebt eine Riesen- d e m 0 n st r a t i 0 n der kampfgewohnten Wiener Arbeiter- batmllone in Aussicht,_ Gegen die Obstruktion. Wien, 18. Dezember. Die Vollversammlung der deutsch- freiheitlichen Parteien sprach einhellig ihre Entrüstung über die O b st r u k t i 0 n der Slavischen Union auS und erklärte auf das entschiedenste, ihre ganze Kraft aufbieten zu wollen, um dieses, den Staat, die Verfassung und das allgemeine Volkswohl zerstörende Treiben zu bekämpfen und gab der Ueberzeugung Aus- druck, daß unter den gegebenen Verhältnissen jedes Entgegen- kommen gegenüber der Slavischen Union ausgeschlossen sein müsse. Obstruktion auch in Ungarn. Budapest, 10. Dezember. Die K 0 s s u t h p a r t« i hat be- schlössen, nicht in die Beratung des Budgetprovisoriums einzutreten, da dieses dem Abgeordnetenhause von einem Kabinett unterbreitet worden sei. das seine Entlassung gegeben habe; viel- mehr möge daS Abgeordnetenhaus an den König ein« Adresse richten, daß er eine parlamentarische Regierung er» nenne, die für die finanziellen Bedürfnisse sorgen würde. Falls jedoch daS Kabinett, das seine Entlassung eingereicht, auch nach Neujahr an seinem Platze bleibe, so mögen im Rahmen deS vorjährigen Budgets nur die allerdringe ndsten Ausgaben angewiesen werden. Die Kossuthpartei wird diese dringendsten Ausgaben heute ausdrücklich bezeichnen und hervorheben, daß eine Regierung, die ihre Entlassung eingereicht, einen Beitrag zu den gemeinsamen Ausgaben nicht auszahlen dürfe. Sdnvd2. Die Bundesversammlung. Bern, 16. Dezember. Die vereinigte Bundesversammlung wählte mit 148 von 180 abgegebenen gültigen Stimmen zum Bundespräsidenten für 1910 Robert Comtess«- Neuenburg, Chef des eidgenössischen Finanz- und Zolldepartements. Zum Vizepräsidenten wurde geivählt Marc R u ch e t- Waadt, Chef des Departements des Innern, zum Bundeskanzler S ch a tz m a n n. der bisherige Vizekanzler. Comtesse ist zum zweiten Male Präsi- dent und ubernimmt die Leitung des politischen Departements. Alle drei Gewählten gehören der radikal-demokratischen Partei an. Cngwnä. Arbeiterpartei und Gewerkschaften. London, 14. Dezember.(Eig. Ber.) Mindestens so wichtig wie der Wahlkampf und seine Fragen sind die politischen Vor- gänge innerhalb der Gewerkschaften. Sie bestätigen die An- ficht, daß der Gedanke der politischen Selbständigkeit immer umfangreichere Schichten der organisierten Arbeiter ersaßt und an Konsequenz gewinnt. Bekanntlich weigern sich die Bergarbeiterführer von Northumberland, Burt und Fenwick, die Statuten der Arbeiterpartei anzuerkennen, das heißt, sie sind nicht geneigt, nur als Arbeiterkandidaten aufzutreten, sondern sie»vollen auch fernerhin zur lieberalc» Partei gehören. Eine Konferenz der lokalen Bergarbeiterorganisationen beschloß im Sinne der Arbeiterpartei, worauf von beiden Seiten der Antrag an- genommen wurde, eine Urabstimmung der organisierten Berg- leute darüber vornehmen zu lassen. Die Frage lautete: „Sollen die parlamentarischen Kandidaten der Bergleute von Northumberland die Statuten der Arbeiterpartei unter- schreiben?" Etwa 30 OLL Bergleute sind berechtigt, an ber Ur- absttmmung teilzunehmen. ES beteiligten sich an ihr 25383, wovon 13 374 mit Ja stimmten, 11896 mit Nein. Die Mehrheit für die Anerkennung der Statuten der Arbeiter- Partei beträgt demgemäß 1L78 Stimmen. Zahl der ungültigen Stimmzettel: 313. Trotz dieser Abstimmung»vird Burt kandidieren, und zwar einzig und allein als liberaler Kandidat. Er wird wahrscheinlich die Stimmen einer großen Zahl von Berg- leuten erhalten. Er steht jetzt im Älter von 73 Jahren und saß seit!874 als Bergarbeitervertreter im Parlament. Die Arbeiterpartei wird Höchstwahrscheinlich keinen Gegen- kandidaten aufstellen, um dort die Zustände nicht zu verbittern. Zeit und Verhältnisse sind zugunsten der neuen Arbeitergeneration, die deshalb ein wenig warten kann. Nicht minder interessant ist die Nachricht, daß Richard Bell, der Sekretär der Eisenbahner, dessen politische Haltung scharf von der Arbeiterpartei verurteilt wurde, auf seine parlamentarische Kandidatur in Derby verzichtet. Bell war einer der»venigen Arbeiterabgeordneten, die die Statuten der Arbeiterpartei nicht unterzeichnen wollten. Ueber die Gründe seines Rücktritts werden verschiedene Nachrichten in Umlauf gesetzt. Für uns genügt indes die Tatsache, daß die Arbeiter- Partei und die Arbeiterfraktion an Einheitlichkeit gewinnen und daß die getverkschaftliche und die politische Bewegung immer mehr harmonieren. Die Kriegsrustungen. London, 16. Dezember. Der erste Loci» der Admiralität M c K e n n a hielt in Svuthcnd eine Rede, in der er sagte, er könne seine Hörer darüber beruhigen, daß das Land in vollkommener Sicherheit sei. Drei dem Dreadnougth an Stärke überlegene Kriegsschiffe seien soeben vollendet worden Zwei weitere seien in den königlichen Werften von Stapel gelaufen und vier befänden sich zurzeit noch im Bau. Ferner würden die Arbeiten für die Aus- rüstung und die Maschinerie von vier Schiffen, die vor März 1912 vollendet sein müßten, binnen kurzem in Bestellung gegeben werden. Außerdem werde er in nächster Zeit die für das D r e a d° nougth�Geschewk Mustrolienö und Neuseelands notwendigen Anweisungen geben, ein Geschenk. daS einen Beweis für die enge Verbindung der Kolonien mit dem Mutterlande liefere. Italien. Bürgermeister und Zar. Rom, den 14. Dezember 1909.(Eig. Ber.) Da der Bürger- meister Nathan längere Zeit leidend war, hat er erst am 13. De- zember zum ersten Male einer Stadtverordnetenversammlung bei- wohnen können. In seiner Rede hat er nach Berührung anderer Angelegenheiten gleich zu seiner Reise nach Racconigi zum Zaren- bankctt Stellung genommen. Er gab hierbei die folgenden Er- klärungcn ab:«Ich habe eS für richtig, gehalten, der Einladung des Königs zu folgen und an dem Bankett zu Ehren des Zaren teilzunehmen. Ich könnte Ihnen sagen, daß ich lediglich vor der Wahl stand, die Einladung anzunehmen oder sie zu verweigern, wobei ich meiner Weigerung den Charakter eines Protestes geben mutzte, daß mir zu wählen blieb zwischen der Teilnahme am Bankett und meinem Rücktritt. Aber ich will Ihnen offen erklären, daß ich mit wirklicher Genugtuung der Einladung �Folge geleistet habe, weil ich in dem Besuch des Oberhauptes einer ausländischen Großmacht die Geivähr einer Freundschaft sah, die in heutiger Stunde und gegenüber eüvaigen Gefahren für uns von hohem Wert ist. Diesen Gefühlen habe ich auch dem Zaren gegenüber Ausdruck gegeben." Auf diese Worte des Bürgermeisters antwortete Genosse Carrara im Auftrage der Parteifraktion in der Stadtverwal» tung. Er erklärte, daß die sozialistische Partei, die so oft dem russischen Volke ihre Sympathie bewiesen hätte, der festen Zuversicht gewesen wäre, daß das demokratische Bewußiseiy Italiens von den Ehrungen des russischen Selbstherrschers fern bleiben würde. Das- selbe hätte die Partei vom Bürgermeister erwartet, der den Puls- schlag des Volkes fühlen mußte, weil er von einer demokratischen Wählerschaft zu seinem Amte berufen worden ist. Der Bürger- meister mußte wissen, wie die Sozialisten dem Zaren gegenüber empfanden, und er wußte weiter, daß die Stadtverwaltung, an deren Spitze er steht, zu einem nicht unbedeutenden Teil aus Vertretern der Partei gebildet ist, deren beste und heiligste Gefühle seine Handlung verletzen würde. Unter diesen Umständen hatte sich die sozialistische Partei gefragt, ob sie auf die Mißachtung ihrer Empfindungen durch gleiche Mißachtung der Geschicke der Stadt- Verwaltung antworten solle. Aber das Gefühl der Verantwortung gegenüber der Wählerschaft hätte die Oberhand behalten und die Fraktion bestimmt, die Mitarbeit an der Stadtverwaltung fortzu» setzen. Dessenungeachtet erhöben jedoch die Sozialisten mit der größten Energie Einspruch gegen daS Verhalten des Bürgermeisters und sprächen dem vergewaltigten russischen Volke feierlich ihre bedingungslose Solidarität aus. Auch ein Republikaner sprach im Namen seiner Fraktion und lehnte die Verantwortung für den Besuch deS Bürgermeisters ab, während der Vertreter der Liberalen, die ja in Rom dem Block der Volksparteien angehören, seine Genugtuung über die berüchtigte Huldigungsreise aussprach. flnnlanä. Das Alkoholverbot. Aus Petersburg kommt die Nachricht, daß die russische Regierung das Alkoholverbotsgesetz vom 31. Oktober 1907 ver- warfen lfai Dies war vorauszusehen, da der finnische Senat selber die Nichtannahme empfahl! Gleichzeitig hat aber die St. Petersburger Regierung den finnischen Senat beauftragt, einen neuen Entwurf auszuarbeiten, welcher dem abgelehnten Gesetze möglich st konform wäre, und der finnischen Volksvertretung zur weiteren Ausarbeitung einreichen. Doch braucht sich der Senat dieser Mühe nicht zu unterziehen. Der im November d. I. aufgelöste Landtag hat bereits— in sicherer Annahm«, daß da» erste Verbotsgesetz keine Sanktion erlangen wird— ein neues und dem ersten wirklich konformes Gesetz angenommen, welches nunmehr seinen Leidensweg an- treten kann._ Hud der Partei. Parteiliteratur. Bon den im Verlage der Buchhandlung Vorwärts. Berlin 81V. 68, erscheinenden„Biblische Geschichten", Beiträge zum geschichtlichen Verständnis der Religion. von Max Mauren« brecher, gelangte soeben Heft 2.Sintflutgeschichten" zur Ausgabe. Der Inhalt des Heftes gliedert sich in folgende Kapitel: Literaturgeschichten: Geschichten, dte die Sintflut nicht kennen.— Die doppelte Flittgeschichte. Widersprüche in den Kain- Erzählungen.— Die dreifache Liste der Urmenschen.— Drei selb- ständige Erzählungsbllcher.— Grundbücher der Fünf Bücher Mose. Schriftsteller und Sänger. Die Sintflutgeschichten: DaS babylonische Sintflut- gedicht.— Ursprung der Flutgeschichte.— Sinn und Entwickelung de« Flutmythus.— Die Flutgeschichte in Israel.— Die beiden israelitischen Flutberichte. Kleinere Stoffe: Der Turmbau zu Babel.»» Kain und Abel.— Wüstenstimmung.— Der Segen deS Roah.—> Die Entstehung der Riesen. Israel und Babylon: Kanaan unter babylonischem Ein- fluß.— Israels Ansiedelung in Kanaan.--- Babylonische Einflüsse in der israelitischen Religion.— Die Jahlvistischen Schriften.--- Die Priesterschrift. Anhang— Text«: 1. Der Flutbericht der Priesterschrist. � 2. Der Flutbericht der Jabwisten.— 3. Kai» und Abel. Jede? Heft kostet 1 M., Vereinsausgabe 40 Pf. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen._ Reichstagskandibatliren. Im 10. schleswig-holsteinischen Wahlkreise(Lauenburg) wurde am Sonntag Genosse Schaumburg- Hamburg als Kau- didat aufgestellt, da der bisherige Inhaber der Kandidatur, Genosse Lesche die Kandidatur im 17. hannoverschen Wahlkreise(tzar- bürg) angenommen hat. Der Sozialdemokratische Verein S traß bürg-Land, der jetzt 471 Mitglieder zählt, stellte in seiner Gencralversamnilung den Genossen Ortskrankenkassenbeamtcn Richard Fuchs» Schiltighejm wieder als Kandidaten für die nächste Reichstagswahl auf. Sozialdemokratische Wahlerfolge in der Schweiz. In der Stadt Be r n hat am Sonntag unsere Partei bei der alljährlichen Viertelserneuerung des 80 Mitglieder zählenden Gemeinderates ihre zur Wahl stehenden sieben Sitze be» hauptet und zwei neue dazu gewonnen, indem sie den Freisinnigen und den Konservativen je ei» Mandat abgenommen hat. Die auf unsere Partei gefallenen reinen Listen waren 3488, die der Freisinnigen 2825 und der Konservativen 837, so daß erslere allein mehr Stimmen erhielt, als die beiden bürgerlichen Parteien zusammen. Die Wahl fand nach dem städtischen Proporzgesey statt. Die sozialdemokratische Fraktion zählt nun 34, die sreisinniae 33 und die konservative 13 Mitglieder. In Thun ist zu dem bisherigen reinen sozialdemokratischen Vertreter noch ein zweiter hinzugekommen. So wird immer wieder ein Ruck vorwärts gemacht. 0ßwerfcrcbaftUcbe9# Berlin und Umgegend. Gelbe Purzelbäume. Die Art, wie der gelbe„Bund" jetzt versucht, die bor kurzem stattgefundenen Wablen zum Konsum bei Siemens u. Halske und S i e in e n L- S ch u ck e r t so darzustellen, das; noch ein Erfolg. mindestens aber kein Miherfolg der Gelben dabei herauskommt, ist derartig krampfhaft, dah man von Mitleid erfaßt wird mit dem Manne, der diese Aufgabe zu lösen hatte. Es ist aber auch schrecklilb: Siemens u. Halske, diese Zitadelle der Gelben, die zu ihrer Festigung so viel Geld und Terrorismus erforderte, ist ebensowenig sicher wie die A. E.-G., Flohr und alle anderen Sciilupfwinkel des gelben Arbeiterverrats. Um nicht die ganze Schande offenkundig werden zu lassen, hat der„Bund" ganz vergessen soder i»llte es Absicht sein?). die Stimmenzahl anzugeben, die auf die eii� teil Listen gefallen ist. Den Ranr. des„Vorwärts" für die Verrenkungen und Ver- drehnngen des„!t*md" soweit in Anspruch zu nehmen, daß ein voll- ständiges Bild derselben gegeben wird, hieße damit Mißbrauch treiben. Nur eine Bemerkung des„Bund" wollen wir etwas tiefer hängen. Zum näheren Verständnis zunächst folgendes: Die Wahlen werden mittels Listen vorgenommen. Im Vorjahre halten unsere Kollegen im Dynamowerk eine Beteiligung abgelehnt; dadurch haben die Gelben ihre ganze Liste durchgeholt. Das wurde als ein großer Erfolg der Gelben hinausposaunt.„Der Metallarbeiierverband ist vollständig in den Sienienswerken beseitigt", rief der„Bund". Dieses Jahr nun beteiligten sich unsere Kollegen an der Wahl, ihre Liste ging mit der weitaus stärksten Stimmenzahl aus der Wahl hervor und stellen unsere Kollegen deshalb satzungsgemäß den ersten Vorsitzenden des Konsum. Diese letztere Tatsache nun veranlaßt den „Bund" folgendes zu schreiben: „Unser bewährter Kollege Redlich(der bisherige gelbe Vor- sitzende) wird auch hier sicher bei den nächsten Wahlen den Vorsitz zurückerobern." Wir erlauben uns die Frage: Ist jetzt beschloffen, wieviel bis zu den nächsten Wahlen gcmaßregelt werden sollen, um eine Wiederholung der diesmaligen Wahlen zu verhüten? Daß wir eine offene Antwort auf unsere Frage bekommen, ist ja nicht zu erwarten. Aber eine solche ist auch nicht notwendig. denn die Einwirkungsversuche durch die Entlassung einer genügend großen Anzahl Arbeiter, die nicht gelb sind, haben schon dieses Jahr nichts gefruchtet. Bis zur nächsten Wahl aber ivird ein noch größerer Teil der„gelben Herrlichkeit" bei Siemens zusammengebrochen sein. Daß mit der gelben Seuche bei Siemens auch die„Bund"-Herr- lichkeit de« Herrn LebiuS zusammenbricht, ist ja klar. Es ist seine eigene Sache, sür die Herr LebiuS im„Bund" kämpft. Deutscher Metallarbeiterverband. Octsverwalluug Berlin. Der Brauereiarbeiterverband erstattete am Mittwochabend seinen Mitgliedern vom Fahrpersonal in den Brauereien Bericht über den Stand der Kounnissionsberatuugen über die Tarifvorlage. Die Versammlung, die im Geperkichaftshauie staltsand, war außer- ordentlich stark besucht. S ch u l d t referierte. Im wesentlichen deckten sich seine Ausführungen mit dem. was in einer Versammlung am Sonntag dem im Deutschen Transportarbeiter- verbände organisierten Fahrpersonal berichtet wurde(siehe die DienStagnnmmer des„Vorwärts"). Schul dt hob hervor, welche Meinungsverschiedenheiten zwischen den beiden Verbänden noch be- stehen. Der Brauereiarbeiterverband hält eS für sehr wichtig, die Verhältnisse der Faß- und Flasckenbierfahrer einmal gründlich zu regeln,- zum Beispiel in bezug aus die Arbeitszeit. Für die Tourenfahrer soll eine Arbeitszeit von höchstens zehn Stunden festgesetzt sein und jede weitere Arbeit als Ueberzeit be- zahlt werden. Die Arbeitszeit soll beendet sein nach erledigter TageStour und wenn die mit der Tour zusammenhängenden Arbeiten ausgeführt sind. Ferner verlangt der Braueieiarbeiter- verband, daß den Fahrern ein Mindesteinkommen pro Jahr garantiert werden solle, und zwar für die Faßbierfabrer 4N/zXS7. Kartongröße 70XM5. Preis pro Blatt 3 M. Porto 50 Pf. Jngendbildnis Laffalles. In künstlerischem farbigen Lichtdruck. PretS 3 M.. gerahmt 4,30 bis V M. Porto 50 Ps. Küttstler-Steinzeichnungen. Drei verschiedene SujetS in vorzüglicher Ausführung. Schacht: Jugendzeit— Wendwoiten— Dorfidyll. Preis in geschmackvollem Rahme» 3,3« M. Diese Bilder sind durchaus geeignet, das Heim des Proletariers zu schmücken und wohnlicher zu gestalten. Jugendschriften. Die im Verzeichnis des BildungSauSschusseS aufgeführten Jugend- schristen find bei uns zu haben. DaS Verzeichnis wird gratis verabjolgt. Bilderbücher find in reicher Auswahl und in allen Preislagen Vorhände» Expedition des„Normiirts" Kerlw sw. es. Lindenstraße 69(Laden). Berantwortlicher Redakteur Richard Barth, Berlin. Für den Inseratenteil vcrantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: BorwärtsBuchdruckerei u. Berlagsanfialt Paul Singer& Co., Berlin SW, um.-t,.,« 2. ßrilajc des Jowätls" KM» jlollishiall h «.4« Partei-?Zngelegenkeiten. CHarlottenburg. Wir machen darauf aufmerksam, daß die Fugendschriflenausstellung nur noch bis Sonntag, den 19� Dezember, geöffnet ist; wir bitten daher den event. Bedarf an Jugendschriften, Wandschmuck und Klassikerausgaben baldigst decken zu wollen. Der Vorstand des Wahlvereins. Rudow. Sonntag, den 19. dS. Ms., nachmittags 4 Ubr Ver- sammlung des Wablvereins im Lokal Palm, Kövenicker Straße. Tagesordnung: Bericht von der Delegiertenversanuulung, Weihnachts- Vergnügen._ Der Vorstand. Berliner I�acbricbten. Weihnachtseinkäufc. Es ist wie alle Jahr.— und ist doch anders? Eine große wirtschaftliche Gedrücktheit lagert über Handel und Wandel. Die Krise dauert an. Die Arbeitslosigkeit will nicht erheblich zurück- gehen. Da klagen die Geschäftsleute. Dazu kommen noch die neuen Steuern, die der Blockreichstag in diesem Sommer dem Volke bescherte. Die machen sich gerade jetzt in diesen Weih- nachtstagen bemerkbarer, denn je. Der Schaulustigen gibt es wohl viele, aber der Käufer nur wenige! Freilich, wer da im Westen seine Beobachtungen anstellen wollte, käme leicht zu Fehl- schlüssen. Dort jagen die Automobile, dort rollen die Kutschen, und die Gesichter derer, die in dieser Stadtgegend heimisch sind, schauen nicht gerade niedergeschlagen und trübselig drein. Die Geschäftsleute klagen freilick auch hier: in früheren Jahren soll es besser gewesen sein! Aber den Käufer dieser privilegierten Bezirke steift keine Krise so leicht, und auch neue Steuern ver- mögen ihm das Leben nicht sonderlich sauer zu machen. Ganz anders pfeift der Wind im Norden und Osten der Stadt und in den diesen Teilen angegliederten Vororten. Auch in den Straßenzügen dieser Gegenden haben die Geschäfte und Warenhäuser lockende Weihnachtsauslagen gemacht, die die volle und gerechte Beachtung der Passanten herausfordern. Es ist fast alles wie im Westen; nur der Luxus fehlt. Aber viel über rein theoretische Beachtung und Bewunderung geht es in diesem Jahre nicht recht hinaus. Können und Wollen stehen in einem bösen Konflikt zueinander: tiefer denn je gähnt heuer die schier unüberbrückbare Kluft zwischen Wunsch und Kauf. Aus zu vielen Gesichtern schaut die Sorge heraus; zeder Pfennig will noch häufiger gewendet werden, denn sonst, ehe er ausgegeben wird. Freilich, wo ein Haufen Kinder im Hause ist, da siegt das Herz doch über Not und Angst. Spielzeug und Kleinkram gelangen da immerhin einigermaßen zu ihrem Recht: ein Wägelchen, eine Puppe, ein Lärminstrument kommen unter den Tannenbaum als Weihnachtsgabe. Tand äst es meist, und doch macht es die Er- steher dieser Kleinigkeiten wenigstens auf kurze Stunden glücklich in dem Gedanken, daß dieser billige Spielkram auf die Dauer einiger armseliger Tage ein Fünklein Seligkeit in den Augen ihrer Kleinen hervorzaubern wird.... Mit diesen Habseligkeiten bepackt, ziehen sie in den späten Abendstunden heim. Das Schauen hat ein Ende, nun da etwas von dem Geschauten in ihren Besitz übergegangen ist. Die Pakete in der braunen Papierverpackung haben etwas Unförmiges. Und manchmal ist dann die Umhüllung überhaupt noch nicht einmal ganz kunstgerecht: ein Stück Weihnachtsüberraschung lugt heraus. «in Tierkopf, ein buntbemalter Trommelrand oder das weiß- Klinkende Metall eines großen Phonographentrichters. Dann 'Poßen die Jungens und Mädchens, die fröstelnd auf den abend- lichen Straßen im weihnachtlichen Glanz der Schaufenster herum- lungern, verstohlen einander an, und weisen, kindliche Be- merkungen machend, mit großen Augen auf alle die Herrlichkeiten, die irgendein Vater oder irgendeine Mutter glückstrahlend heim- tragen. Sie aber gehen, eine große Freude im Herzen, an den sehnfüchtigen Kinderaugen achtlos vorüber, vorüber an den Lockungen der Schauläden, vorüber an allen Herrlichkeiten der St«aße, an dem Duft der feilgehaltenen Tannenbäume und am Flitterglanz des Christbaumschmuckes. Nur eines haben sie vor sich: ihre enge Häuslichkeit, ihre Proletarierarmut, ihre Kinder... Aus der Not des Zllltags aber haben sie etwas gerettet, das auch die Reichen im Westen nicht reiner und besser haben können als sie: eine Freude für ihre Kinder— das sind ihre Weihnachts einkaufe._ Der Ausschuß zur Prüfung der Stadtverordnetenwahlcn sprach sich in seiner gestern abgehaltenen Sitzung für Gültigkeit sämtlicher Neuwahlen auS. Gleichzeitig gab er der Anregung des Genossen Stadthagen statt, den Magistiar zu ersuwen, künftig die vollen Ergebnisse aller Stadtverordnetenwahlen unter Angabe der auf die einzelnen Kandidaten abgegebenen Stimmen zu veröffentlichen und dem Statistischen Amte zugänglich zu machen. Gegen die WertzuwachSstcner, die der Magistrat der Stadtverordnetenversammlung vorgelegt hat. machen nicht nur die Hausbesitzer mobil, sondern auch die Kreise, die aus> schließlich Grundstücksgeschäfte machen. Sie haben die Aeltesten der Kaufmannschaft veranlaßt, sich ihrer anzm nehmen und erreicht, daß in der letzten Sitzung die An gelegenheit verhandelt wurde. Als Ersatz für die Erwerbskosten eines Grundstückes hielt das Kollegium einen Satz von 4 Proz. an Stelle des in der Vorlage vorgeschlagenen von 3 Proz. für erforderlich. Der gleiche Satz von 4 Proz. an Stelle des vorgeschlagenen von 3 Prozent pro Anno erscheine auch notwendig als Entz schädigung für die Zeit, in der das Gnindstück keine Nutzungen gehabt hat. Bei Teilveräußmingen örtlich und wirtschaftlich zusammenhängender Grundstücke desselben Eigentümers soll eine Anrechnung einer späteren Werwerminderung einzelner Parzellen auf einen früheren Wertzuwachs anderer Parzellen stattfinden. Bei den Zuschlägen zur Wertzuwachssteuer, die bei kurzer Besitzdauer bis zur Verdoppelung führen, müßte eine Milderung eintreten für die Gewerbe, deren Tätigkeit auf den Häuserbau gerichtet ist. Um alle Streitfragen über die Höhe der Steuer und über das. was als„Ver- äußerungserlös" zu betrachten ist. zu entscheiden, schlägt das Kollegium vor. ein Schiedsgericht, bestehend aus Mitgliedern der Steuerdeputation und aus Vertretern der Interessenten einzusetzen. Die Aeltesten beschlossen, in diesem Sinne bei der für die Beratung der Wertzuwachssteuer eingesetzten Kommission ver Stadtverordnetenversammlung vorstellig zu werden. Die Vorschläge der Aeltesten der Kaufmannschaft bedeuten eine weitere Verschlechterung der ohnehin geradezu sträflich mäßigen Magistratsvorschläge. Ein Jubiläum im Gemeindeschulwesen Berlins wurde am Donnerstag von den Behörden unserer Stadt unter Assistenz der zuständigen Behörden des SiaateS festlich begangen. Draußen an der Lütticher und der Ostcnder Straße ist die G r u p p e der drei großen Schulbauten fertig geworden, die der technischen Mittelschule sowie einer Realschule und einer Gemeinde- schule als Heim dienen. Die Gemeindeschule ist die 300. in Berlin daher die Jubelstimmung, die in einer I breit angelegten Einweihungsfeierlickkeit sich Luft zu machen suchte. Als wir im Jahre 1893 die 200. Gemeindeschule bekamen. genügte es der Schulverwaltung und dem Magistrat, eine Denk- schrift über die»euere EntWickelung des Berliner Gemeindeschul- Wesens zusaminenstellen zu lassen. Ein Fest zu feiern, wäre in der 200. Schule sckiwer möglich gewesen. Sie wurde eröffnet in einer Mietskaserne lWeißenburger Straße), die damals schon zwölf Jahre hindurch von einer älteren Ge�neindeschnle benutzt worden war und dann noch andertbalb Jahrzehnte hindurch mehrere Gemeinde- schulen nach einander hat beherbergen müssen, so daß die Schul- Verwaltung für dieses MietSschulhaus ein Vierteljahrhunderts- jubiläum hätte veranstalten können. Diesmal aber, wo zum dritten Male die Zahl der Gemciiideschulcn zur Doppelmill sich rundet, hat sich's bester getroffen. Die stattliche Gebäudegruppe, in der auch die iSOO. Gemeindeschule ihren Platz gefunden hat, ist ein Werk unseres Stadtbaurats Hoffmann. Es reiht sich den anderen Schöpfnilgen dieses trefflichen Baukünstlers an, die der Stadt Berlin zur Zierde gereichen. Die Aula der Geineindeschule, ein Raum von schlichter Schönheit, gab einen würdige» Rahmen für die Feier, die der„300" galt. Unter den Festteilnehmern waren die Behörden der Stadt vertreten durch Magistrats,»itgliebcr mit dem Oberbürgermeister, durch Mitglieder der Stadtverordnetenversammlung mit den Vor stehern, durch Mitglieder der Schuldeputation, auch der Hochbau- deputation mit dem Stadtbaurat. Als Vertreter der Regierung waren anwesend der Unterrichtsminister, der Vizepräsident des Provinzialschnlkollegiums und andere. Nach einer vom Rektor PeriS dargebotenen Begrüßung wurden in einer Ansprache deS UnterrichtSministerS v. Trott zu Solz den Gemeindebehörden allerlei Komplimente gesagt, wie sie bei solcher Gelegenheit üblich sind. Daran schloß sich die Ueberreichung etlicher Orden für zumeist unbekannte Verdienste: beglückt wurde» damit der Stadtrat Ramslau, der Stadtschulrat Fischer, die Schulinspektoren Jonas und Haase, der„Rentner Seeger", der„Kaufmann Schulze" Daß Seeger und Schulze Stadtverordnete sind und in der Schul deputation sitzen, galt Seiner Exzellenz als nicht der Erwähnung wert. In längerer Festrede schilderte dann Stadtsyndikus Hirsekorn als Vorsitzender der Schuldeputation die äußere Entwickelung des Berliner Gemeindeschul- wesenS, die Mehrung der Schulen, die Ausgestaltung der Schiilhäuser in technischer, hygienischer und künstlerischer Hinsicht, die Errungenschaften der Schulbäder, die neueren Banksysteme, die bessere Reinigung aller Räume, ferner die fortschreitende Herabsetzung der Klassenfrequenzen, die Ucberwachung der Kinder durch Schul- ärzte, die Speisung bedürftiger Schulkinder. Man weiß, daß bei- nahe alles das dem Berliner Stadtfrcisinn unter langwierigen Kämpfen hat abgerungen werden müssen. Ein Bild der inneren Entwickelung der Berliner Gemeindeschule wurde durch Stadlschulrat Fischer gegeben. Zur Frage des Acht klasiensystems führte er aus, bis jetzt könne man noch nicht sagen, daß eö der Mehrheit der normalen Kinder die Erreichung des Schulzieles ermöglicht habe, doch liege das wohl mehr an äußeren Hemmnissen. Mit erhobener Stimme wies er die„Unterstellung" zurück, daß es der Wunsch nach Ersparnissen sei, der den Gedanken einer Um formung zum Siebenklassensystcm habe entstehen lassen. Unter den Zuhörern saß einer der Führer des Stadifreisimis, Herr Caffel, der einmal in der Stadtverordnetenversammlung diesen Wunsch deutlich genug zu erkennen gegeben hat. Fischer verkündete, über die künftige Organisationsfonn der Gemeindeschule werde man fürs erste noch nicht entscheiden. Er halte eS aber für ausgeschlossen, daß man nicht für die begabteren Kinder acht Klassen beibehalte» werde. Mit diesem nicht ganz eindeutigen Versprechen schloß der Redner. Gesang eines KnabenchoreS der 300. Schule hatte die Feier eröffnet, Gesang beendete sie. Zuletzt gab's dann noch einen hübschen Reigen weißgekleideter Mädchen der 63. Schule, der im Zeichensaal der technischen Mittelschule aufgeführt wurde. Zu dem Frauenmord wird bericktet, daß die Untersuckiung der kürzlich im Oien der Frau Schreck beschlagnahmten Asche nichts Be- lastendes gegen den frühere» Geliebten der Arnholz Hahn ergeben hat. Die Aiche mit den Knochenresten, Ocsen und Haken hat wahr« scheinlich schon vor dem Verschwinden der Arnholz in dem Ose» ge- legen. Ein Kamm, der auf dem Tcmpelhofer Felde gefunden wurde. hat der Arnholz nicht gehört. Einen Haarkamm trug sie nie. In der Laube und auch in der Wohnung der Frau Schreck wurden auch noch Haare der Arnholz gefunden und beschlagnahmt. Mit der Mordoffäre hängt auch die gester» gemeldete Erschießung eines ge- wisi'en Schackow durch einen Kriminalbeamten zusammen. Gegen Schachow lag augenblicklich nichts vor. einer'strafbaren Handlung wegen wurde er nicht gesucht. Der Kriminal- Polizei kam lediglich darauf an, von ihm über den Aufenlhalt eines Rohrlegers Jagenetzki vielleicht Auskunft zu bekommen. Dieser hat nachweislich die Anna Arnholz gekannt. Es ist nun aufgekallc». daß er nach dem Auf- finden der Leichenteile, ohne ersichtlichen Grund seine Arbeitsstelle verlassen hat. Er ist bisher auch nicht zu finden gewesen. Weil er als Zeuge vernommen werden soll, so wird er eifrig gesucht, und Schachow sollte zu seiner Ermittelung helfen, weil angenommen wurde, er kenne seinen Aufenthalt.— Der Polizeipräsident v. Jaaow hat dem im Krankenhause am Urban liegenden Beamten für sein mutiges Verhalten dem Schachow gegenüber seine Anerkemiuug aus- gesprochen. Der am 22. Juli 1867 geborene Arbeiter Karl Hahn, der frühere Zuhälter der Anna Arnholz, ist gestern wegen Zuhälterei dem Untersuchungsrichter vorgeführt worden. Die Ermittelungen haben ergeben, daß er nicht mir die Anna Arnholz, sondern auch andere Mädchen durch Mißhandlungen gezwungen hat, für ihn auf die Straße zu gehen. Als Tclephonbcamter tritt ein raffinierter Schwindler auf, der die hiesigen Geschäfte z» schädigen sucht. Der betrügerische Bursche mietet sich in den verschiedensten Stadtteile» Zimmer und sucht dann die in der Nachbarschaft liegenden Geschäfte auf. Er kaust wert- vollere Gegenstände ein und bittet dann, die Sachen nach seiner Wohnung bringen zu lassen. Erscheint später der Bote, so gibt ihm der Unbekanme den Auftrag, noch weitere Gegenstände aus dem Geschäft zu holen. Er behält die gelieferten Waren zurück und während nun der Bote nochmals den Weg nach dem Geschäft zurück- legt, verschwindet der Gauner mit den nicht bezahlten Waren. Bor dem Schwindler, der etwa 27 Jahre alt ist und einen Kneifer trägt, kann nur dringend gewarnt werden. Vor Büchcrschwiiidlern wird gewarnt? In Abwesenheit des ManneS erscheine» sie bei der Frau und suchen ihr einzureden, daß ihr Mann Bücher vom Verlag Modern, Potsdamer Str., bestellt hätte, die sie abliefern sollten. Um ihre Angaben glaubhafter zu machen, geben die Schwindler nn, auf den 3,80 M. lautenden Betrag sei schon eine Mark angezahlt. Später stellt sich dann regelmäßig der Schwindel heraus. Einen Verlag Modern in der Potsdamer Straße gibt'S übrigens nicht. Türkische Polizeiosfiziere sind zum Studium der Berliner Sicher- heitseinrichtungen nach Berlin gekommen. Ob sie hier ihr Wissen besonders bereichern werden, steht dahin. Auf dem Tanzboden tödlich veningliickt ist ein 19 Jahre altes Dienstmädchen Erna Brehler, das in der Wöhleftstraße 31 m Stellung war. Es stieß am Dienstag vor acht Tagen mit dem Ellenbogen des linken Armes eine Glasicheibe ein und verletzte sich dabei schein- bar nicht schwer. Am Sonnabend empfand es so heftige Schmerzen, daß es nach dein Hedwigskrankenhanse gebracht werden mußte, wo eS gestern an Blutvergiftung gestorben ist. Unfall des Automobils des Kronpriiizen. In der letzten Nacht stieß auf der Charlottenburger Chaussee, in der Nähe des Bahnhofs Tiergarten das nach Potsdam fahrende Automobil des Kronprinzen mit einem entgegenkommenden Privatautomobil dadurch zusammen, daß dieses kurz vor dem kronprinzlichen Automobil, dessen Fahrt« richtung kreuzend, in eine Nebenstraße einbiegen wollte, und dann die Chauffeure beider Automobile, um auszuweichen, nach derselben Seite lenkten. Ei» Trittbrett des kronprinzlichen Automobils wurde eingedrückt, mehrere Fensterscheiben gingen in Trümmer. Der Krön« prinz blieb unverletzt, sein Adjutant, Oberstleutnant v. Oppen, erlitt leichte Schiiiitverletznngen. die ihn in Ausübung seines Dienstes nicht hindern. Der Kronpriilz setzte die Weiterfahrt nach Potsdam rlsbald in einer Automobildroschte fort. Das kroiiprinzliche Automobil folgte später mit eigener Kraft. Den Insassen deS anderen Autoiiivbils ist nichts geschehen. Die Wartesäle der Bahnhöfe werden außer von dem Publikum, daß die Züge benutzen will, auch hin unh wieder von anderen Per» sonen ausgesucht, die gelegentlich eine Erfrischung nehmen wollen. Es ist nun die Frage aufgetaucht, ob die Bcniitzung der Wartesäle ausschließlich dem reisenden Publikum gestattet ist. Um die Beant« Wartung dieser Frage wird die Eisenbahnbehörde nicht umhin können, wenn man hört, daß Personen aus den Wartesälen verwiesen werden, weil sie keine Fahrkarte vorzeigen konnten, obwohl ihnen auf Be- stellung Kaffee verabreicht worden war. Im Wartesaal de« Bahnhofes Friedrichstraße hatte sich dieser Tage in aller Frühe ein Kausnrann eingefunden, der vor Antritt seiner Arbeitszeit einen Imbiß nehmen wollte. Vom Kellner erhielt er auch das Ver- langte, aber nach einiger Zeit trat ein Beamter an ihn heran und fragte in barschem Tone: Wohin fahren Sie? Der Angeredete antwortete, daß er nur sein Frühstück einnehmen wolle, um dann ins Geichäst zu fahren. Hieraus erfolgte die Antwort: Sie haben diese Räume sofort zu verlassen I Wir meinen, daß natürlich die Wartesäle vorzugsweise für das reisende Publikum bestimmt sind; wenn aber auch anderen Personen Speisen oder Getränke verabfolgt werden, können diese Personen nicht ohne weitere« aus dem Lokal.geivicien werden. Im übrigen sollen gerade auf dein Bahnhof Friedrichstraße zu gewissen Zeilen Spielcrgeiellichasten sitzen, die keine Fahrkarten besitzen, aber un- behelligt bleiben. Der Deutsche Arbeitcr-Sängerbund(Gau Berlin) hat Um« Agitati onSveriammlungen, zu denen der Reichsragsangeomleu, Genosse Eichborn das Referat übernommen hatte, beendet. Der Referent sprach in allen vier Versammlungen über: Was will der Deutsche Arbeiter-Säiigerbnnd und entledigte sich seiner Aufgabe in der vortrefflichsten Weise. Der Zweck dieser Versannnlungen war die Zusammenlegung der kleinen Vereine zu großen leistungsfähigen Chören. In alle» Versammlungen brach sich der Wille Bahn, endlich ans Werk zu gehen. Uni auch den bürgerlichen Vereinen Gelegenheit zu geben, sich dem Arbeiter-Sängerbunde anzuschließen, wurden hundert solcher Bereine zu den Versammlungen eingeladen. Hin und wieder hat ein Sänger den Mut gehabt, in die Versammlung zu kommen. In allen Versammlungen ist der vom Vorstand vor- geschlagene Antrag zum Beschluß erhoben: Jeder Verein hat eine Kommission von drei Mitgliedern zu wählen, die sich in einer vom Vorstand noch zu bestimmeuden Sitzung mit der VerschmelzuiigS« frage zu beschäftigen hat. Diese Sitzungen werden alle noch in diesem Jahre abgehalten. Fast alle Redner standen den Bestrebungen sehr sympathisch gegenüber und erllärte» sich im Prinzip für eine Verschmelzung der kleinen Vereine. Hin und wieder wagie sich mal einer hervor, um eine Lanze für die Vereinsmeierei zu brechen, fand jedoch bei der Majorität keinen Anklang. Des öfteren kain der Wunsch zum AuS« druck, eine sofortige Zusammenlegung bestimmter Vereine vor« zunehmen. Die Feier deS Stiftungsfestes des Bundes brachte besonders den Sängen» der letzten Versammlung, welche am Montag stallfand, die Erkeimiiiis, daß nur große leistungsfähige Chör« imstande sind. etwas Gutes zu bieten. Der Vorstand des Gaues Berlin und Um« gegend kann daher hoffnungsvoll in die Zukunft blicken, denn seine Agitation wird nicht ohne Erfolg sein. Wer ist der Knabe? Ein unbekannter Knabe lvurde am ver- gangenen Sonnabend nachmittags um 3 Uhr von zwei ebenfalls unbekannten Frauen in der Ulrechtcr Straße anfgesimden und dein 107. Polizeirevier übergeben. Er konnte seinen N-imen nicht an- geben, sagte aber, daß er in der Benkestr. 7 zu Reinickendorf wohne. Das trifft jedoch nicht zu. und weil niemand den Verlust eines Kindes angezeigt hat. so weiß man nicht, woher der Kleine gekommen ist und lvohin er gehöre. Die Polizei hat ihn deshalb dem Waisenhaus übergeben. Hier hat er einstweilen nach dem Funbort den Namen Utrecht erhalte». Er soll Walter heißen, bestimmtes weiß man nicht. Der Knabe ist vier bis fünf Jahre alt, IM Meter groß, hat dunkelblondes kurz- geschorenes Haar, ein volles G- ficht und etwas aufgeworfene Lippen und trägt einen blauen Anzug mit Matrosenkragen, einen grauen Krimmerkragen, hohe Schnürstiefel mit Lackipitzen, ein blau- gestreiftes Hemd und schwarze Strümpfe. An seiner rechten Hand fehlt das erste Glied deS klemm Finget«. An der linken der Nagel des Zeigefingers. Feuerwehrnachrichten. In der letzten Nacht hatten die Wehren von Berlin und Charlottenburg einen großen Brand in der Kaiserin» Augusta-Allee 27 zu löschen. Dort standen zwei große Lagerschuppen der Berlin-Anhalttschen Maschinenfabrik in großer Ausdehnung in Flammen. Die angrenzenden Stallungen und die Gebäude der Berliner Asphalt-Mesellkchaft Kopp u. Co. waren sehr gefährdet. Die Flammen hatten an den großen Vorräten reiche Nahrung gefunden und wurden von einem heftigen Nordostwinde angefacht und direkt auf die Stallungen getrieben, in denen sich mehrere Pferde befanden. Diese konnten sämtlich in Sicherheit gebracht werden. Die Charlottenburger Feuer« wehr war mit mehrere» Zügen zur Stelle und gab mit drei L- und sechs E-Nohren von Dainpfspritzen stiindenlang Wasicr. Die Berliner Feuerwehr unterstützte den Angriff mit einem U- und einem 0-Rohre vom 16. Aiitomobillöichzng aus der Tnriiistraße. Gegen Mitternacht war das Feuer gelöscht. Die Lagerschuppen bildeten um diese Zeit einen rauchenden und glinimenden Trümmerbwilen. Der Schaden ist bedeutend, aber durch Versicherung gedeckt. Ueber die Eiitstehiing war Authentisches nicht zu ermitteln. Der Betrieb der Anholtischen Maschinenfabrik ist nicht unterbrochen. Fast gleichzeitig kam ein gefährlicher Brand in einem Zelluloid« lager in der Friedr'chstr. 49 zum Ausbruch, der aber zum Glück schnell gelöscht werden konnte. Wegen einer Gasvergiftung lvurde die Feuerwehr gestem abend nach der Finnländischen Str. 13 gc- rufen. Eine Frau hatte sich dort durch Einatmen von Leucht- gas vergiftet und war bei Ankunft der Feuerwehr schon tot. Ein Arzt stellte dann den Tod fest, worauf die Polizei die Leiche beschlag- nahmte. Der Brand einer Tischlerei rief den fünften Zug nach der Manteuffelstr. 12t. Hobelspäne und anderes waren dort in Brand geraten. Der elfte Zug hatte einen Kellerbrand in der Blücher- straße 61 zu löschen, Papier, Packinaterial und anderes waren hier von Flammen ergriffen. Möbel, Bette», HanSrat usw. wurden in der HeinerSdorfer Straße 6. Lausitzer Straße 2. Stralauer Allee t 7b. Schererstr. 6 und ander» Stellen ein Raub der Flammen. Choriner Straße 12. Kaiser-Wilhelm-Straße 20. Neue Königstr. 68. Große Hamburger Str. 1 brannten Dekorationen, Gardineil, Pappen usw. Vorort- Nacbncbtem Boxhagen- Rummelsdurg. DaS Jugendheim für Boxhagen-RummelSburg wurde am Sonntag- nachmittag 4 Uhr eröffnet. Hierzu hatten sich eine Anzahl Genossen sowie eine größere Zahl Jugendliche eingefunden. Genosse John verwies in seiner Eröffnungsrede auf die Notwendigkeit des Jugend- heims. Er betonte, daß die Arbeiterschaft viel zu spät an die Er« ricktung solcher Heime gedacht Hab:. Wie ganz anders hätten die Gegner unserer Ideen die Jugend sitr ihre Bestrebungen eingefangen. Am Schluß gab der Redner dem Wunsche Ausdruck, daß die Jugend reqr regen Gebrauch machen möge, zum Segen der Jugend sowie der kommenden Generationen. Witzle dankte der hiesigen Arbeiter- schast für die Opferwilligkeit, durch die da« Heim entstanden sei. Bon den Jugendlichen dankte Kugeland für das schöne Heim; im Namen der Jugend versprach er der Arbeiterschaft den Dank dadurch abzustatten, daß die Jugend sich an allen Ver- anstaltungen deS JugendauSschusses beteiligen, insbesondere aber von dem Jugendheim recht regen Gebrauch machen werde. Nach der Besichtigung deS HeimS, welche» aus einem Bibliothek-, einem Lesezimmer und einem Spielzimmer besteht, gaben sich die Jugend sowie Genosien des KreiseS abend« S Uhr im»Cafö Bellevue' ein Stelldichein. Hier fand die eigentliche Feier statt. Genosse ReichSiagSabgeordneter Eichhorn hielt die Festrede.— Seinen trefflichen Ausführungen wurde großer Beifall gezollt. Die guten gesanglichen Leistungen de» Gesangverein«.Einigkeit' sowie de« Baritomsten Genossen Fricke wurden durch reichen Beisoll quiltien. Auch die Zttherauffiihrungen wurden angenehm empfunden und mit Dank entgegengenommen. Da« Jugendheim ist geöffnet Wochentag« außer DienZtag und Freitag von 7—10 Uhr abend«; Sonntag nachinittag» von 4 bi» abends 10 Uhr. Alle Jugendlichen de» Orte» sind herzlich willkommen. Der Jugendausschuß. Sharlottendnrg. Ein größerer Brand, der die Feuerwehr längere Zeit beschäftigte. kam in letzter Nacht in der Kaiferiii-Angiista-Allce 27 zum Ausbruch. Er entstand in einem 40 Meter langen und 12 Meter tiefe» Lagerschuppen, in dem Materialien für die Berlin-Anhaltinische Maschinen- bau- Aktiengesellschaft sowie für die Berliner Aipbaltgesellschaft Kopp u. Co. lagerten. AI« die Feuerwehr eintraf, stand der größte Teil de« an der Seite offenen Schuppen« in Flammen. Bon dem brennenden Schuppen war nicht viel zu retten, weshalb Haupt- fachlich die Nachbargebäude geschützt wurden. Die EntstehungSursache ist nicht bekannt. Rixdvrf. Der Fahrplan der fiädtischen OmnibuSlinie Rixdorf— Treptow Wird vom Sonnabend, den 13. d. MtS., ab für die Wintermanate eine Aenderung insofern erfahren, al» der Betrieb eingeschränti werden wird, weil der Berkehr in den Wintermonaten erheblich nachläßt. Die Wagen verkehren vom 13. ab in regelmäßige» Ab- ständen von 20 Minuten, und zwar beginnt der Betrieb morgens um 0 Uhr ab Erkstratze und endet abend« 10.10 Ubr. Die Abfahrtszeiten sind: ab Ertstraße: 6.00. 6.20. 6.40, 7 usw. bi» 9.40; ab Treptow: 6,30, 6.60, 7.10, 7.30 usw. bi« 10.10 Uhr. Wcistensee. Eine eigenartige Explosion ereignete sich vorgestern auf dem Grundstück der EnderS-Brauerei, König-Chaussee 6/6. Dem Brand» mcister und Großböltchermeister Einbeck war von der Brauerei- leitung übertragen worden, an den großen. 40 Hektoliter fastenden Lagerfässern da« Pichen vorzunehmen,«l» nun da» erste Faß gepicht war und die Lunte an die Oesfnung gebracht wurde, dehnten sich die Gase im Innern de» FasteS mit solcher Gewalt au», daß die 6 Zentimeter starken Bohlen buchstäblich anseinandergeriflen und etwa 60 Meter weit fortgeschleudert wurden. Durch den un- gewöhnlichen Luftdruck wurden die in der Nähe siebenden Personen zu Boden geworfen. Zwei Arbeiter erlitten Verletzungen an den Armen. Der Großböttchermeister ivurde von der Stichflamme ge- troffen und erlitt Brandwunden. Die Pechmengen, die au» dem Faß herausgeschleudert worden waren, kamen zur Entzündung und bald schlugen mächtige Flammen empor, durch die ein Lagerschuppen in Gefahr gebracht wurde, so daß die Feuerwehr alarmiert werden mußte. Ober-Tchönelveide. Gciulindrvrrtrrtersitzung. Infolge der gesetzlichen Neuregelung de« Diensteinkommen« der Lehrer hat sich die Austtellung einer neuen Besoldungsordnung nötig geinacht. Nebenher ist durch die Neu- festietzung der Servisllassen die Gemeinde Ober-Schöneweide in eine niedrigere Klasse gekommen; e« erhalten demgemäß z. B. die Lehrer jetzt statt 660 nur 400 M. MietSentslbädigung. Zu erwarten steht allerdings, daß bis spätesten» 1912 bierin wieder eine Aende- rung eintreten wird. Bcrichiedene Petitionen der Lehrer und Lehre» rinnen z» dieser Angelegenheit sind bisher unerledigt geblieben. Bom Geineindevorstand ist nun eine Besoldungsordnung aufgestellt worden, welche bei den Rektoren ein jährliche» Mehreintommen von 260 bi« 310 M.. bei den Lehrern 100 M. und bei den Lehrerinnen 60 bis 100 M. vorsieht. Die Schnldepuialion stellt etwas weitergehende Anträge, sie sieht vor, daß die erhöhten Beträge ab 1. April l90S gezahlt werden. Bei der sich über die Vorschläge entwickelnden Debatte kamen recht gegenteilige Ansichten zum Ausdruck. Genosse Grunow kritisierte die gänzlich verkehrte Idee, welche den BesoldimgSordnungcn für die Lehrer wie auch für die übrigen Beamten zugrunde liegt. Ueber die miserabelsten LnfangSgehälter werden die Beamten hinweggetröstet auf ein auskömmliches Endgehalt, welches sie erreiwen sdre Lebrer in 32 Jahren), wenn sie nicht mehr unter den Lebenden weilen. Die für die Lehrer vorgesehene Staffelung der OnSzulage empfehle sich eigentlich in umaekehrter Anwendung. Die geringe Ausbesserung «mipreche jedenfalls nicht den teuren Lebensverhälmisten. Zudem macve e« einen sonderbaren Eindruck, wenn hier die finanzielle Nor der Gemeinde ins Feld geführt werde, während andererseits, wie geschehen, die Gehälter der höchsten Gemeindebeamten um Tausend« von Mark erhöht werde». Herr Direktor PeiertS glaubte iolcden Eindrücken leine Rechnung tragen zu brauchen,«r empiahl im übrigen die seiner Initiative emipiungenen Beicblüffe der Schuldepntotion. Recht sonderbar, teilweiie recht komisch, muteten die Argumente der Vertreter der Hausbesitzer Herwig und Müller und de« Fabrikbesitzers Feld mann an, welche mit der Noi und den Lasten dieier BevvlterungSiwichten. denen ja auch kein Mensch helfe— hausieren gingen. Bom Genosien Grunow mußten sich die Herren tagen lassen, daß sogar der ge- ringst« Arbeiter, sobald er nur einigermaßen Denkvermögen besitze, die Herren beschäme, indem er an seine eigenen traurigen Ber- hältnisie nicht den Maßstab anlege, nach welchem Gemeindebeanite zu entlohnen sind.— Schließlick gelangten die Vorschläge der Schul» deputalion mit der Maßgabe zur Annahme, daß die erhöhten Beträge ab 1. Oktober 1909 nachgezahlt werden. FriedrichShagen. Die JugendschriftenauSstellung, verbunden mit einer Ausstellung von tüiisilerlslbem Wandschmuck ist vom Sonnabend, den 13. bis DienSlaa. den 21. Dezember jeden Tag geöffnet. Wir ersuchen alle Eltern, m dieser Zeit die Ausstellung recht rege besuchen und ihren Bedarf an Jugendschristen, Bilderbüchern, Kinderspielen usw. dort decken zu wollen. Gpanva«. In der Mitgliederversammlung deS Wahlvereln» am Dienstagabend berichteten die Genossen Czior, Stahl und Schubert � über die KreiSgeneralbersammlung. Der Bericht zeitigte eine längere Diskussion. Aus derselben ist hervorzuheben, daß Ge- nofse Pieser anregte, bei dein„Vorwärts" wegen Einrichtung einer billigeren Landausgabe vorstellig zu werden. Genosse Pollitzer bemängelte, daß die Angelegenheit gegen den Gc- nassen Restaurateur Ruprecht noch nicht erledigt sei. Den Bericht der Geschaftskommission gab der Genosse T e r tz. Er brachte zu- nächst eine rechnerische Uebersicht über die Einnahmen und Aus- gaben der Buchhandlung wie der.VorwZrtS"-Expcdition. Aus derselben gebt hervor, daß die Buchhandlung sich rentiere, daß aber die„Vorwärts'-Expedition jährlich einen nicht unbedeutenden Zuschuß erfordere. Die Schulden beim„Vorwärts" betragen jetzt schon zirka 1182 M. Hier müsse unbedingt eine Abhilfe ge- schaffen werden. Es sind vorhanden 1025„VorwärtS"-Abonnenten. Bei jedem Abonnenten fetze die Partei pro Monat 36 Pf. zu. Dies betrage zusammen 367,75 M. im Monat. Die Ueberschüsse aus der Buchhandlung müssen bei der„VorwärtS'-Expedition in- folge der hohen Transportkosten stets zugesetzt werden. In der Diskussion sprach man sich allgemein dafür aus, daß hierin eine Aenderung unbedingt stattfinden müsse. Folgender vom Genossen Schubert gestellter Antrag gelangte zur Annahme: Ter Vor- stand und die GeschäftLkommission werden beauftragt, beim„Vor- wärts" vorstellig zu werden zwecks Niederschlagung der Schulden und zwecks Einrichtung eines billigeren Trnnsoortes des„Vor- wärts". Eine Entlastung der Geschäftskommission konnte nicht stattfinden, da keiner der Revisoren anwesend war. In die Ge- schäftskommission wurden die alten Genossen Tertz, Stahl und Porz ig wiedergewählt. Unter Verschiedenem gelangte eine Angelegenheit betreffend den praktischen Arzt Dr. Kantorowicz ur Sprache, der bei der letzten Stadiverordnetenwahl in der . Abteilung zum Stadtverordneten gewählt wurde. Es bestand bei einigen Parteigenossen die Absicht, den Dr. Kantorowicz in der Stichwahl zu unterstützen. Davon wurde aber Abstand ge- nommen, weil in der letzten Äeneralversaminlung die Be- hauptung aufgestellt wurde, Dr. K. gehöre dem Reichsoerband an. Dr. Kantorowicz hat nun in einem Schreiben an den Genossen Stadtverordneten Pieck erklärt, daß er nie dem Reichsverbande angehört habe, daß er vielmehr stets auf dem Standpunkt der politischen Gleichberechtigung gestanden habe und diesen Sckand- unkt auch weiter vertrete. Infolge dieses Schreibens genehmigte die Persammlung einen Antrag des Genossen Härtung, dem Dr. Kantorowicz mitzuteilen, daß die Versammlung von seinem Schreiben Kenntnis genommen hat. Ter Vorsitzende, Genosse Czior. teilte ferner mit, daß der ArbeiterbildungSauSschuß eine Sanitätskoloune ins Leben gerufen habe, und ersuchte um Beteiligung. Der Eintritt kostet für Männer 60 Pf., für Frauen nichts. Der monatliche Beitrag beträgt für Männer 26 Pf., für Frauen 10 Pf. Ferner machte der Vorsitzende die Mitteilung, daß der Bildungsausschuh beschlossen habe, arbeitslosen Gewerk- schaftsmitgliedern nebst Frauen und Kindern bei allen Ver- anstaltungen freien Eintritt zu gewähren. Die Freikarten find beim Kassierer. Genossen Manker, Weißenburger Straße 26, in Empfang zu nehmen. Des iveiteren gab der Genosse Tertz bekannt, daß bei Genossen Bohle, Havelstraße, die Jugend- schriften-AuSstellung eröffnet ist, und ersuchte um zahlreichen Be- such, sowie um Beteiligung der Handzettelverteilung am Freitag, den 17. Dezember, abends. Genosse Schubert wies noch auf die am Sonntag, den 19. Dezember, bei Böhl« stattfindende Jugend- Versammlung hin, in welcher Genosse Liebknecht referiert. Bei der Arbeit vom Tode überrascht. In der Maschinenfabrik von Orensiein u. Koppel fiel vorgestern früh ein Arbeiter um und war sofort tot. Die Leiche wuvde beschlagnahmt. Tegel. In der letzten Mitgliederversammlung be» Wahlvereins gab Genossin Arndsee den Bericht von der Äreisgeneralversammlung. Hieran knüpfte sich eine längere Diskussion. Da mehrere Funktio- näre ihre Aemter niedergelegt hatten, muhten einige Neuwahlen vorgenommen werden. Als Kassierer wurde Genosse Lauer, alS 2. Bezirksleiter Genosse Gutschow, als Beisitzer die Genossin Pallach, alö Revisor Genosse Barndt gewählt. In die Lokalkoin- mission wurde Genosse Willi Tietz, in die Zeilungskomwission Genosse Albert Tietz gpwählt. Als Bezirksführer für den 3. Bezirk fungiert Genosse Kalifch. Ferner wurde mitgeteilt, daß gegen die Wahl des Genossen Arndsee als Gemeindevertreter von bürger- lichcr Seite Einspruch erhoben sei. Die JugendschriftenauSstellung hatte einen Besuch von 164 Personen aufzuweisen. Zum Schluß wurde bekanntgegeben, daß auch in diesem Jahre eine Silvester- frier im Lokal von Klippenstein stattfindet, wozu die Genossinnen und Genossen herzlichst eingeladen sind. Tanz frei. Ebenso wurde beschlossen, Anfang März einen Marcell Salzer-Abend zu veranstalten, worauf die Mitglieder jetzt schon aufmerksam ge» macht werden. Potsdam. Auf dem Wege zum Arzt vom Tode ereilt. Ein tragisches Ende fand gestern vormittag der Schloßdiener von Sanssouci A. Büttner, ein Mann in den Fünfzigern, der sich seines kränklichen Zustandes wegen zu einem im Hause Naucncr Straße 23 wohn- haften Arzt Dr. DiSque begeben wollte. Während B. die Treppen erstieg, wurde er von einem plötzlichen Unwohlsein erfaßt und fiel zu Bodett. Der sofort erschienene Arzt konn.-e nur noch den Tod seines Patienten infolge Herzschlages feststellen. Sericdts- Leitung. Flugilattverbreitting. Der Genosse F r e h e r sollt« den§ 10 des preußischen Preß» gesetzeS durch polizeilich nicht genehmigte öffentliche Verteilung von Bekanntmachungen für die schulentlassene Jugend übertreten haben. ES handelte sich um ein Flug» blatt der„gemralstelle für die arbeitende Jngend Deutsch» landS", das er in Stralsund vor einer Fortbildungsschule verteilte. DaS Schöffengericht, das sich Über den Inhalt des Flugblattes aufregte, verurteilte ihn zu der hohen, übrigens gefctz» widrigen Strafe von vierWochen Gefängnisl Die Straf» kam in er in Stralsund hob das Urteil auf und sprach den Angeklagten frei, indem sie ausführte: Nach§ 10 de» preußischen Preßgesetzes in der durch das ReichSgeiey erhaltenen Fassung sei nur daS nichtgewerbsmäßige unentgeltliche öffentliche Ber- teilen von Bekanntmachungen, Aufrufen und Plakaten an eine poli- zeiliche Erlaubnis gebunden. Hier stehe aber fest, daß der An- geklagte 60 Pfennig vom Jugeiidausschnß für daS Verteilen erhalten habe. Dadurch fei e» zu einem entgeltlichen Verteilen ge- worden. F. könne deshalb nicht bestraft werden, wenn auch die Absicht des Jugendausschusse» gewesen sein möge, durch Zahlung der 60 Pf. daS Verteilen zu einem entgeltlichen zu machen. Die Staatsanwaltschaft legte Revision ein. Sie machte geltend, der Begriff der Entgeltlichkeit sei verkannt. Rechtsanwalt Dr. K. Liebln echt trat in der Derhand- lung vor dem Kammergericht am Montag dem entgegen. Die Strafkammer habe klar und deutlich die Entgeltlichkeit festgestellt. Wenn die Staatsanwaltschaft von einer Absicht spreche, das Gesetz durch Zahlung der 60 Pf. zu umgeben, so sei darauf zu erwidern, daß von einer Gesetzesumgehung nicht schon deshalb geredet werden könne, weil jemand sein Verhalten dem Gesetz anpaffe. Da» Kammergericht hob jedoch auf die Revision der Staatsanwaltschaft die Vorentscheidung auf und verwies die Sache zu nochmaliger Verhandlung an da« Landgericht in Stettin. Zur Begründung wurde ausgeführt: Die Feststellung der Straf- kammer lasse nicht deutlich erkennen, ob es sich wirklich um eine entgeltliche Verteilung handle. Es hätte geprüft werden müssen, ob die 60 Pf. als Bezahlung für die Arbeit gegeben worden sind oder ob sie nur gezahlt wurde», um den Schein zu erwecken, daß hier eine entgeltliche Verteilung vorliege. Gleichgültig wäre, ob da? Entgelt nachher oder vorher gezahlt worden sei. Das Landgericht müsse die erforderlichen Nachprüfungen vornehmen. Würde man jedes Urteil aufheben, weil nicht ausdrücklich fest- gestellt ist, die als ernst festgestellle Tatsache sei nur zum Schein erfolgt, so würde kaun, ein verständiges Urteil aufrecht erhalten bleiben. DaS Kammergericht hat durch seine Aufhebung, deren Folge ja doch nur eine abermalige Frei- spcechung sein kann, die Rechtsnorm zuungunsten deS Angeklagten und des RecbtS verletzt, die dem Revisionsgericht die Nachprüfung nicht materieller Rechtsnormen verbietet. Das kammergerichtliche Urteil ist ebenso verlehrt, wie ein kritisierendes Urteil gegen die kammergerichtliche Entscheidung, die die Feststellung vermißt, daß das Kammergericht nur zum Schein ein Urleil gefällt habe. Ungebühr? Zu der Verhandlung vor dem Potsdamer Schöffen« g e r i ch t gegen den Chauffeur Emil Lehmann- Charlotten- bürg<»icht Julius Lehmann, wie der Berichterstatter versehentlich im gestrigen Bericht den Angeklagten naimte) wird uns noch folgende Mitteilung, die auch auf die Gesängnisverwaltung in Potsdam ein bezeichnendes Licht wirft. Der Angeklagte wurde zur Ber- büßung der ihm auferlegten ungerechten OrdimngShaftstrafe abgeführt. Er bat den Richter, da er Frau und Kinder hat, ihm zu gestatten, diese von der Verhakt, mg in Kenntnis zu setzen. DaS genehmigte der Richter. Er erklärte: sogen Sie dem GefäiigniSinipekior Bescheid, er möchte Sie telegraphieren laffen, damit Ihre Familie weiß. Iva« vorgefallen ist. Als der Angeklagte im Geiängnis die Bitte wiederholte, wurde ihm erwidert: Sie baben hier nicht» zu telegraphieren, Sie sind un Gefängnis. Auch als der Angeklagte den Beamten darauf onfmertsam machte, daß der Richter die Genehmigung erteilt habe, blieb der Beamte bei seiner Weigerung. Die Familie blieb also ohne Kennt» ni« de« Vorfalls. Ist dem für die Potsdamer Gefängnisse verantwortlichen Auf» sichtsbeamlen und ist dein Jiistizminister bekannt, daß der Gefängnis« beamle ohne genügende Instruktion ist? Denn nur so ist die Ab-- lebiiung der völlig berewtiglen Bitte deS zu Unrecht Inhaftierten erklärlich. Gedenkt der Jnfttzminifter allgemeine Anordnungen zu erlasseii. die eine derartige Beeinträchtigung der elementarsten Rechte des Staatsbürgers in Zulunft hindern? B,m polnischen Kriegsschauplatz. «u» wunderliches Urteil gegen einen Redakteur wurde am Dienstag vom Reichsgericht bestätigt. Vom Landgericht Bromberg ist am 10. August der Redakteur eines polnischen Blattes, Johann S z m a n d a. wegen Widerstand gegen die Staatsgewalt und versuchter Nötigung zu 200 M. Geldstrafe verurteilt worden. Er hatte in einem Artikel über die Ost- markenzulage für Geistliche gesagt, gegen solche Gesetze werde sich die Bevölkerung nur schützen können, wenn sie die Geistlichen, die Ostmarkenzulagen erhalten, öffentlich als Verräter brandmarken. Der Artikel fordert also, sagt das Urteil, dazu auf, solche Geist- lichen zu beleidigen. Diese Geistlichen habe der Angeklagte durch die Drohung mit der Beleidigung durch die Bevölkerung nötigen wollen.— Die Revision deS Angeklagten wurde vom Re,chSger,cht verworfen. Mitschuldig an der Möglichkeit, daß in dieser Art abfällige Meinungsäußerungen über die gegen die Polen gerichteten Aus- nAhinegesetze gefällt werden können, ist die polnische Reichstags- fraktion. Sie hat zwar die Drangsalierungspolitik oft mit Worten gegeißelt, aber Arm in Arm mit den ärgsten Polenfressern, den Konservativen, Freikonservativen und Antisemiten, der Reichs- regierung, der Leiterin dieser Ausnahmemahregeln, 600 Millioner. neuer Steuern aus den Taschen des Mittelstandes und der arbeiten. den Bevölkerung bewilligt._ Den Schwager erschlage«». vom Schwurgericht M ü n st e r i. W. ist am 20. Oktober der Dachdecker Withelm Hossmann wegen Totschla— 6. begangen in der Nacht zum 22. August an seinem Sckuvager, dem Dachdecker Ferdinand Ermeling, zu sieben Jahren Zuchthaus 4>er- urteilt worden. Räch dem Gescbworeiieiiiprnch ist er vorher vm« dem Getöteten nicht gereizt worden, bei der StrafauSmesiung hat aber der Gerichtshof berücksichtigt, daß der Angeklagte leicht reizbar ist und von dem Getöteten vor der Tat beleidigt wurde.— Die Revision de» Angeklagten kam am Mittwoch vor dem Reichsgerichte zur Verhandlung. Von den zahlreichen pro- zeffualen Beschwerden erwieS sich eine als begründet. Der Schwager des Angeklagten, Hermann Ermeling. war zunächst ohne weiteres vereidigt worden und hatte ausgesagt. Dann erst war er darauf oiiimertsam gemacht worden, daß er berechtigt sei, die Aussage und die Beeidigung derselben zu ver- weigern. Die Geschworenen waren dann dahin belehrt worden, daß sie die Aussage diese« Zeugen als»m- eidlich zu würdigen hätten. ES ist nun aber lehr wohl möglich, daß der Zeuge unter dem Drucke des Eide« anders ausgesagt hat, al« er es sonst getan haben würde. Ans der Ausfrage kann das Urteil mit beruhen. Das Reichsgericht hob deshalb wegen deS er- wähnten Verstoßes daS Urteil auf und verwies die Sache an daS Schwurgericht zurück. Bemerkt wurde auch, daß die als Sach- veritändlge vernommenen Verzte auch den Zeugeneid hätten leisten müssen._ Hua der frauenbewegung. Die HauSangestelltenorganisation und die„PofP. Der jüngste Sproß am Baume der GewerkschoftSbewegung. die Organisation der Hausangestellten, entwickelt sich trotz aller Schwierigkeiten erfreulichertveise sehr gut. Sowohl die rechtlichen, al» auch die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Zustände, unter denen die Hausangestellten leben, drängen und treiben förmlich dazu, sich dagegen aufzulehnen, durch festen Zusammenschluß der Beteiligten Wandel zu schaffen, die Fesseln zu sprengen, die in Ge- stalt der Gestndeordnungen die Hausangestellten in ihrer Bo- wegungSfreiheit hindern. DaS nächste Mittel ist die freie Verein- barung zwischen Dienstboten und Herrschaft, hinter der die Or- ganisation steht. Die immer stärker werdende Arbeiterbewegung mit ihrer Idee der Solidarität hat auch in zunehmendem Maß« die Hausangestellten trotz ihrer Vereinzelung erfaßt. Mit großem Aerger haben die meisten Damen da? Erwachen des selbst, und des Klassenbewußtseins bei den Dienstmädchen und ihrer jungen, aufblühenden Organisation betrachtet. An einer Reihe von Orten sinv von de» Damen auch Gegenorganisationen gegründet, in die notgedrungen„ihre" Mädchen eintreten mußten. während die Leitung meist in den Händen der Damen verbliel'. Da aber die Mädchen in diesen„Auchorganisationen" keine?- wcgS eine Förderung, sondern ein Hemmnis ihres Strebens nach einem Empor sahen, machte der Mitglieoerschwund der Herrlichkeit bald ein Ende. Anders steht es schon mit den sogenannten„christlichen" Ver» einen, die gleichfalls gegründet wurden, um die Hausangestellten von der energischen Vertretung ihrer Interessen abzuhalten. Durch den ungeheuren Gewissenszivang. der namentlich in den Domänen des Zentrums auf d,e Mädchen ausgeübt wird, erhalten diese Vereine immer wieder Zustrom. So sehr wir diese Zersplitterung vedauern, so trösten»vir uns in dem Bewußtsein, daß in den sogenannten„christlichen" Vereinen die Mädchen zunächst den Organisationsgedanken kennen und begreifen lernen. Ist das aber geschehen, haben sie die Macht, die im Zusammenschluß liegt, erkannt, werden sie auch dies» Macht nutzen»vollen und aller Bremsversuche ihrer Vründer und Leiter zum Trotz lverden sie entweder die„christlichen" Vereine vorwärts treiben oder■— zu uns kommen. Die Gründer der „cbristlichen" Zerspliiterungsorganisationen werden eines Tages wie weiland der Goethesche Zauberlehrling ausrufen können:.Die ich rief, die Geister, werd' ich nun nicht loSl" Das rüstige Vorwärtsschreiten der Hausangestelltenbewegung bat nun vor allem den hellen Zorn des freikonservativen Scharf- macherorgans, der„Post", entflammt. Ein vom Zcntralverband der Hausangestellten herausgegebenes Flugblatt nimmt sie zum Anlaß einer Leitartikelschimpfepistel. Die in dem Flugblatt enthaltene Schilderung der Verhält- nisse, unter denen die Hausangestellten leben, wird als gröbste Unwahrheit bezeichnet; vor allem aber werden die Forderungen der Dienstboten als unerfüllbar erklärt. Dabei beruft die„Post" sich mit großem Behagen auf die Aus- lassungen des früheren Sozialdemokraten Calwer, der die ge° forderte Regelung der Arbeilszeit, die Festsetzung der Freizeit für die Dienstboten und anderes mehr als undurchführbar be- zeichnet hat. Mit großer Freude natürlich begrüßt die„Post" die Organi. sation der Hausfrauen, die dem Zwecke dienen soll, die Forderungen der Hausangestellten abzuwehren und zu bekämpfen. Als Programm der Hausfrauenorganisation ist folgende AuS- lassung zu betrachten: „Gegenüber der wachsenden Tendenz, das Dienstbotenver- hältnis in ein rein gewerbliches umzuwandeln, will die Haus- frauenvereinigung die Eigenart des häuslichen und F milien- lebens durchaus gewahrt wissen, denn die häusliche Arbeit läßt stch� nur in besonderen Fällen, etwa im Hotel- und AnstoltS- betriebe, keineswegs aber durchgehends nach Stunden bemessen. Auch der geforderten Abschaffung des Dienstbuches tritt die Ver- einigung entgegen; denn der Dienstbote tritt— zum großen Unterschied vom gewerblichen Arbeiter— unmittelbar in die häusliche Genossenschaft ein, genießt also von vornherein ein 4 besonderes Vertrauen, und dieses Vertrauen bedarf gewisser Garantien. Dagegen soll allen gerechten und erfüllbaren An- forderungen der Dienstboten Gehör verschafft werden. ES soll möglichste Einheitlichkeit angebahnt werden in Arbeits- und Freizeit, Abend- oder Biergeld, Zeugniserteilung, WeihnachtS- und sonstigen Geschenken, Sommerentschädigung bei Beurlaubung in die Heimat usw. ES soll auch dahin gewirkt werden, daß ein zu großer Abstand in Rahrung und Wohnung zwischen Herr- schart und Gesinde vermieden wird.(Wie gnädig!) Auch der Stellennachweis soll studiert werden und ein Arbeitsnachweis für Hausangestellte gegründet werden, wag ein großer Vorteil ist gegenüber der Ausbeutung durch private Stellenvermittelung." Man sieht, von den Hauptforderungen der Hausangestellten: die Abschaffung der Gesindeordnung und die Beseitigung des Dienstbuches, wollen die Damen nichts wissen, dagegen wollen sie gnädigst darauf hinwirken, daß kein zu großer Abstand in Äahrung und Wohnung zwischen Herrschaft und Gesinde bestehen bleibb Da wäre allerdings sehr, sehr viel zu ändern in den meisten Herr- schaftShäusern, obgleich eigentlich überhaupt kein Unterschied in Nahrung und Wohnung zwischen Herrschaft und Hausangestellten bestehen dürste— sofern das Wort von dem„patriarchalischen" Verhältnis keine Lüge fein soll. Mit einem solchen„Programm" werden die Damen ebenso- tvenig die Mädchen von ihrer Organisation und der Vertretung ihrer Interessen abhalten, als sie dies vermochten mit der Schaf- fung von Zersplitterungsorganisationen. Die bereits erzielten Er- folge des noch so jungen Zentralverbandes der Hausangestellten werden auch den noch fernstehenden Mädchen zeigen, daß nur im Zusamenschluß, in einigem Wollen und Handeln der Mädchen daS Mittel liegt, um aus der unfreien, schlechtentlohnten Dienenden die freie, aufwärtsstrebende häusliche Arbeiterin zu machen. Pflicht aller Arbeiter und Arbeiterinnen ist es. jede Gelegen- bei» zu benutzen, um den noch unorganisierten Hausangestellten d-'ese Erkenntnis zu vermitteln. Tie Erfüllung dieser Pflicht ist geboten durch d i e Solidarität, die alle Arbeiterkategorien mit- einander verbindet und die uns zur gegenseitigen Hilfe und gegenseitigen Unterstützung spornt, dann aber auch durch die Erwägung, daß wir mit jeder für die Bewegung gewonnenen Hausangestellten für die Zukunft auch c,ne Klassen- tämpferin. nicht nur eine Kämpferin für die Hebung des Be- rufeS. gewonnen haben. Aus unseren Hausangestellten werden später Arbeiterfrauen und Arbeitermütter, die alsdann ganz selbst- verständlich am allgemeinen Klassenkampf sich beteiligen werden, wenn sie innerhalb ihres Berufes die Solidarität üben und ihren Segen kennen und schätzen lernten. Eine Unterstützung der HauSaitgestölitenoryanisation ist deShal eine Förderung der Allgemeinbewegung.. Leseabende. Im Dezember werden Leseabende nicht abgehalten. diesen Betrachtungen über die Wahl ging der Redner zu allge- meinen politischen Erörterungen über und schloß seinen, mit leb- haftem Beifall aufgenommenen Vortrag mit einem Aufruf zur regen Mitarbeit für die Ziele der Partei. Änknispfend an eine Bemerkung des Referenten führte Ge- nossin Hoppe auS, die Arbeiter hätten nicht nötig, den Geschäfts- leuten. die sich bei der Wahl als unsere Gegner gezeigt haben, ihre Kundschaft zuzuwenden, da sie ja durch die Konsumgenossenschast weit besser als durch die Krämer bedient werden.— Dr. Moses. ein AnHäger der Demokratischen Vereinigung, stimmte den all- gemeinen politischen Ausführungen H o f f m a n n S zu.— Schließlich trat ein Genosse für die Jugendbewegung ein. Dann schloß der Vorsitzende die Versammlung mit dem Ersuchen um allseitiges Eintreten für die Bestrebungen der Sozialdemolratie. Verlamrnlunqeii. Was lehren uns die letzten LandtagSwahlen? So lautete das Thema einer sehr stark besuchten Volksver- sammlung. die am DienStag im Vereinshause Nordwest in der Wiclefstraße tagte. Referent war Adolf Hoffmann. Zunächst unterzog er die LandtagSwahl im 12. Bezirk einer Besprechung. Er verwies darauf, daß die gesamte Reaktion vom Freisinn biS zu den Stockkonservativen und Antisemiten unsere Gegner waren. Wir haben es nicht zu bedauern, daß alle bürgerlichen Parteien im Kampfe gegen die Sozialdemokratie zusammengedrängt werden. Dadurch erhalten wir ein klares GefechtSfeld. und denen, die eS noch nicht wußten, wird eS dadurch klar, daß wir unS nur auf uns selbst verlassen können.— Die Gegner haben keine Veranlassung, auf ihren Wahlsieg stolz zu sein. Haben doch ihre 356 Wahlmänner nur 5948 Stimmen erhalten, während für unsere 329 Wahlmänncr 16 284 Stimmen abgegeben wurden. Wer angesichts dieser Zahlen von einem Siege der bürgerlichen Parteien zu reden waßt. der ist entweder ein politischer Idiot oder ein Betrüger. Ein solcher „Sieg" konnte nur errungen werden unter dem Dreiklassenwahl. stzstem. welches die große Masse der Wähler entrechtet. Aber selbst dieses System hätte den vereinigten Gegnern nicht geholfen, wenn es ihnen nicht gelungen wäre, die Wähler zu naSfuhren. Durch Aufstellung von Wahlmännern verschiedener Parteien wurden die Wähler herausgelockt. Man dachte aber gar nicht daran, auch für die Abgeordnetenwahl Kandidaten derselben Partei aufzustellen. Bon vornherein war es abgemachte Sache, daß die bürgerlichen Wahlmänner aller Schattierungen für den Freisinnigen zu stimmen haben. Die Abmachung soll dahin gegangen sein, daß diesmal der Freisinnige, das nächste Mal aber der Nationalliberale und ferner vielleicht ein Konservativer gewählt wird. Nun, die„roten Brüder von Moabit", wie man unsere Genossen genannt hat, werden da- für sorgen, daß eS diesmal das letzte Mal war, wo ein bürger- licher Abgeordneter in Moabit gewählt worden ist, und daß sich die Gegner nicht mehr die Köpfe dasüber zerbrechen brauchen, auS welcher bürgerlichen Partei ihr Abgeordneter genommen werden soll. Auch diese Wahl hat uns wieder gezeigt, daß wir nur in der Häuptwahl Erfolge erringen, auf die Stichwahl aber nicht rechnen können. Waren unsere Urwähler bei der Hauptwahl gleich so zahlreich angetreten wie bei den Stichwahlen der Wahlmänner. dann würden wir sicher noch die 26 Wahlmänner bekommen haben, die uns an der absoluten Mehrheit fehlten.— Da es uns weniger auf den Besitz von Mandaten als auf die Verbreitung unserer Ideen und die Gewinnung neuer Anhänger ankommt, so bedeutet der Ausfall der LandtagSwahl keineswegs eine Niederlage für uns, sondern wir können die große Zahl der für uns abgegebenen Wählerftimmen, welche die erdrückende Mehrheit repräsentiert, als einen Erfolg betrachten, um dessen sichtbare Früchte wir betrogen find durch ein ungerechtes, volksfeindliches Wahlsystem.— Nach Vcrnnlcbtce. Unglücksfall ober Verbrechen? Aus Paris wird gemeldet: In der Nähe des VabnhofeS Brunoy an der Strecke Paris— Lyon— Mittelinccr wurde gestern abend auf dem Gleis der verstümmelte Leichnam einer Frau Gouin, der Witwe deS bekannten Großindustriellen und Regent..« der Bank von Frank- reich, aufgefunden. ES ist möglich, daß die Dame, als sie die Toilette betreten wollte, eine unrichiige Tür geöffnet hat und hinaus- gestürzt ist. Doch rechnen die Angehörigen auch mit der Annahme eineS Verbrechens, da auf dem Teppich des Abteils Vlutspuren und blonde Haare gefunden wurden. Frau Gouin hatte graue Haare.. 17 Personen ertrunken. Aus Delitsch-Ostafrika ist beim Kom- mando der Schutzunppen gestern die telegraphische Meldung ein- gelaufen, daß 17 Astari von der i» Lindl stotioniertcn 3. Ein- geborenen-Kompagnie mit einem Aluminiumbool verunglückt und ertrunken stnd. Der deutsche Dampfer Prinz Ludwig hat laut telegraphischer Nachricht aus Hongkong durch das türzlicki gemeldete Feuer an- scheinend nur geringen Schaden erlitten und wird voraussichtlich am lS. d. M. seine Reise fortsetzen. Dir Tragödie deS Wilderer?. Nach einer Meldung auS Mül- heim a. Rh. hat sich gestern vonnittag der Wilderer Schiefer, der am Sonntag zwei Beamte erschoß, als er von Kölner Kriminal- beamien in der Wohnung eines Onkels seines Komplicen überrascht wurde, selbst erschossen. Wieder eingefunden. Hamburg. 16. Dezember. Einer der noch immer verimßlen Fiukenwärder Fischerlutter,„II.?. 65", der weit nach Norden verschlagen war, ist heute nachmittag in Cuxhaven eingelaufen. Lawinenstürze. Einer Meldung aus Innsbruck zufolge wurden im Weißeiibachtal 29 Holzarbeiter verschüttet, konnten aber gerettet werden. In der Nähe von St. Ullrich sind drei Skisohrer ver» schüttet worden. Zwei wurden schwer, einer leicht verletzt hervor- gezogen._ Zur Stsendahnkatastrophe in North-Caroliua. Der„New Jork Herald" meldet zu der Eisenbahnkatastrophe in North-Tarolina, bei welcher in der Nähe von North-GreenSboro ein Zug der Southern Railway Company von einer Brücke aus einer Höhe von 25 Meter in einen Fluß hinabstürzte, daß nach den neuesten Meldungen bei der Katastrophe 29 Personen getötet und 45 verletzt wurden. Entgegen anderweitigen Meldungen wird be- richtet, daß der Eisenbahnkönig Gould leichte Verletzungen davon getragen hat, ebenso auch sein Sohn. An dem Aufkommen des PrivalsekretärS BouldS, Rouffel. der bei dem Unglücksfall schwere Verletzungen erlitt, wird gezweifelt. Leim Spielea den Tod gefunden. In Geisa schlugen zwei l2jähnge Knaben in einer Schmiede mit schweren Hämmern aus einen AmdoS. Dabei entglitt dem einen der Hammer und flog dem anderen Knaben so unglücklich auf den Kopf, daß ihm der Schädel zertrümmert wurde und der Tod sofort eintrat. Pestgefahr im Gouvernement Astrachan. AuS Petersburg wird gemeldet: Der Kamyschfam genaiiiile Teil der Kirgisensieppe im Gou- vernemrnt Astrachan wird amtlich pestgefährlich bezeichnet und daS ganze Gouvernement sowie das Uralgebiet werden für pestbedroht erklärt._ > Achtfacher Arbeitennord. DaS Unglück im Hafen von Neapel, dem am 12. d. MtS. acht Arbeiterlebcn zum Opfer fielen, ist. so wird unS anS Rom berichtet, ausschließlich durch ruchlose Gewissenlosigkeit und Habgier der Unter- nehmer veranlaßt worden. In den Dockanlagen von Neapel wird seit 1995 an der Verlöngermia einer Mole gearbeitet. Tie Arbeiten werden in einem Betonsenkkasten ausgeführt, der ein Eigeugewicht von_ 159 Tonnen hat und weitere 999 Tonnen Material enthält. In diesem durch 26 Ketten gehaltenen Seiikkasten werden 12 bis 14 Arbeiter herabgelassen, um 4 Meter inner dem Meeresspiegel an den Fundamenten zu arbeiten. Wiederholt hatten die Anffeher den Ingenieur der Unternehmer- gesellichaf« darauf aufmerksam gemacht, daß die Ketten schadhast wären. Trotzdnn wurde ununterbrochen Tag und Nach» gearbeitet. Am Morgen des 12. hatte die Tagschicht eben die Nachtschicht ab- gelöst, alü eine Kette zerriß, wodurch sich das Gewicht des Kastens gegen die anderen Ketten flemmle und diese zersprengte. Der Senkkasten sank in die Tiefe, wobei innere Verschiebungen stallgeiundcn haben müsse», die den Tod eines Teils der Be- mailiiung herbeiführten. Vier Leichen kainen durch den Strudel sofort an die Oberfläche, ebenso sechs besinmmgslose Verwundete. Die vier übrigen Arbeiter sind noch im Senlkasten begraben. Der verantwortliche Ingenieur ist flüchtig. Die sofort uurernommenen Uirtersuchuiigen durch Taucher ergaben die völlige Aussichtslosigkeit der Rettungsarbeiten. Tie feit langem schadhafte Kette war eben zer» rissen, und die acht Opfer auf dem Altar der Profilsucht dargebracht worden._ Die Berfichcrnng gegen FcncrschSden km Erdbebengebiet. Ans Rom wird uns geschrieben: von weittragender Bedeutung für Messina ist eine Entscheidung des dortigen Zivilgerichts. Die Besitzer deS Palastes Pennifi, den am 18. Januar ein Brand vollends zerstörte, halten eine Venelianer Versicherungsgesellschaft um Zahlung der VersicherungSpräinie verklagt. Die Geiellichaft machte geltend, daß das Erdbeben eine derartige 1l»»välz»ng aller Bedingungen heibeigeführt hätte, auf die der VersicherungSverlrag gegründet war, daß von ihr die Einhaltung des Vertrage» nicht erwartet werden könnte. Trotzdem wurde die Gesellschaft verurteilt, die Feuerschäden an Gebäude und Möbeln zu ersetzen, verbrannt sind Gegenstände von ungeheurem Wert, so eine berühmte Miinzsammlung, i» der sich Sxeniplare finden, die über 29 999 Lire gekostet haben. Feuilleton der Neuen Zeit Nr. 23 und 24: Lamarck und lluvler. Von Gustav Eckstein. Der Fortschritt der Sozialreform aus dem Kontinent. Don Friedrich Engels. Eine Btograpkite SchlvettzerS., Von F. Mehring. Das Tbeaterproblem für die organisierte Arbeilerschast. Von L. Radios sNeumünster). Zur.Ergänzung" deS historischen Materialismus. Von A. Thalheimer.— Bückerschau: August Bebel, Die Frau und der Soziali SniliS. Adols Wagner, G-schichie deS LamarckiSmiiS. R. H. France, Pstanzenpsiichologi« als Arbeltsbyvolhesc der Pflanzcupbhflologle. Adolj Leiber, Lamarck. TbomaS Mann, Königliche Hoheit. LUy Braun, Memoiren einer SozlaliNIn. Lehrjahre. Robert Grötzsch, NauckeS Lustrelse und andere Wunderlichkeiien. Die»Nene Zell" erscheint wöchentlich einmal und ist durch alle Buch» Handlungen. Postaiistalic» und Kolporieure zum Preile von 3.25 M. pro Ouartal zu beziehen; jedoch kann dieselbe bei der Post nur pro Quartal aboimicrt werden. DaS einzelne Hcst koltel 25 Pf. Probenummern stehen jederzeit zur Versügung. Dan der„Kommnualru Praxis« ist soeben die Nr. 55 erschienen. Sie bat solgcuden Inhalt: Ausübung kommunaler Rechte in Land- gemeinden durch Gciiosseiiichasten.— Nach den Landla ,swahlen in Sachsen. — Finanz» und Steuerweicn: DckrlehnSkasse zu Dessau.— Stempelpflicht der Oiultuiigen sür abgehobene Spareinlagen.— Vercinsachung der Steuer« zabluiig.— Steueibesreimig von Re-erviiien.— Schlachlgebühren.— Gesundheitswesen: Erhöhung der DerpflegimgSkosten im NraNlenbause für Kraiikenkassemnitglieder.— Milchh ndel und Gewerbeordnung.— Bildungs- welen: DaS Charlottenburger Schustystem.— ForlbildungSschlller und Tuiimereine in Sachsen.— Snlwickeluug deS gewerblichen Schulwesens in Sachsen.— Fericnordnimg.— Kleine Nachrichten.— Wolmimgswcsmi Ausgaben des modernen StödlebaiieS.— Wohnküchen in Sachsen.— Berliner Banoidnung.— WohuungS- Jnspeltorinnen.— Kommunale So«ialpolillt: StädiischeS Arbeitsamt zu Augsburg.— ArbeitSaldnung in Ulm.— Gegen eine Erböhung der Arbeitslöhne.— ArbeitSIosensürsorge. — Armen- und Waiseupflege: AnS einer Charlottenburger Daisenaiiilalt. — WiilschaslSpflege: Die Eulwickelnng ciucS EciiieindewasseilverkS in Westfalen.— Aus den Gcmeiud-n: Berliner Rundschau.— AuS Berliner Vorarten.— AuS Baden.— Kattowih.— Nastätten.— Weimar.— Verkehrswesen: Kugellager bei Strahenbahnwageil.— Rechlsprechung und V« waltung Forischastung deS HauSmüllS.— Rundschau: Koniniuiiale Fragen in Zelischrislen unv neuen Büchern.— Leistungen der Sozialdemolratie.— Die Koiiilimgeiiossenschasten und die Milchversorgimg der Städte. — Städtische Arbeiter in der Landwirlschast.— Sicherung dcr Theater- gagen.— Das Flcischergewcibe in den Großstädten. tvttternnasuderstt«,» vom 19. Dezember morgens S Ilstr. Statt»««, £||| Ü Ä1 ß•TT Ii: sß ,1 Oes« Swnirnide idaiiiburg Hunfi.a M Münch tv ©ten 774 SSO 772 OSO 772 0 770 NNO 771 O 775 SO <:% Ctattanen f!Z !h; Ii 5 ä 189 9 II h Mjs 4 Helfer 5 heller 3 woltenl—6 8 beiter 1—3 2 Nebel!—7 1 wollen!—3 | h aoaranda 753® | Petersburg 76t W Srrllh 762 NO -lbervee»-772 OSO Pari»>706 ONO 2 bald bd. 4 bedeckt 3 wolkig I wollig 1 heiter 2 2 a s — s BSettervrognoie ,'ür Freitag, den 17. Dezember»9«»». EtwaS aelinder bei ziemlich lebhasten südlichen Winde» und wieder zu« nehmender Bewölkung ohne erhebliche Niederschläge. Berliner Wetterbureau. i ZoMMviirztiMs MMenilii des |6. Berl. Reichslags-Waltrelsüs. Nachruf. Am 28. November oerstarb unser ! Mttglied, der Schankwirt �einkiokl Strauß. Ehre seinem Andeuten! 1233/11 Der Vorxtand. Deutscher Tabakarbeiter-Verband. (Zahlstelle Berlin.) Tode«- Anzelffo. Den Mitgliedern zur Nachricht.! daß unser Kollege, der Zigaretten. arbclter Vl/iIIIbaId Brennsmann am 16. Dezember plötzlich ver- 1 stürben ist. 187/17] Ehre seinem Andenken I Die Beerdigung findet am| Sonnabend, den 18. d. M., nachmittags 3 Uhr, von der Leichen-! balle deS Friedboss der DanleS- gemeinde in Rcmickcndorl-West. Blaukestraße, auS statt. Um rege Betelllgung ersucht Die OrtSverwaltung. I Verband d. baugewerblirrhen | Hilfsarbeiter Deutschlands, j Zweigverein Berlin u. Umgegend, (Bezirk Wedding.) Am 14. Dezember verstarb unser [ langjähriges Mitglied, der Kollege Friedrich Hüske. Ehre seinem Andenken! - Die Beerdigimg findet am Freitag, den 17. Dezember, nach- mittags 3 Uhr, vom Trauerbaufe, Reinickenvorser Str. 33, nach dem Städtischen Fricdbos, Müllerstraße, Ecke Scestraße, stall. 31/9 Um rege Beteiligung ersucht Der Zwrigvereinsvorftand. Am Miltwoch, den 16. d. MtS., »erstarb plötzlich und unerwartet unser Kollege. daS ArbeiierauS- fchußmitglied 2838b Wlii'baid Drennemann. Wir werden dem Verstorbenen ein bleibendes Andenken bewahren. Die organisierten Arbeiter und Arbeiterinnen der Zigaretten- Fabrik„Manolt". T»»de»iin»oljj'e. Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß unser lieber Sohn Otis Pankow nach langen, schweren Leiden am Mittwoch morgen verstorben ist. Die Beerdigung findet am Sonnabendiiachiiiiltag 2 Uhr von der Leichenhalle deS gentralsticd- Hosts in FriedrichSstlbe aus statt. Dies zeigen tiesbetrübt an die trauernde» Hintcrbllehcnen Wllitelni Pankow L nebst Frau, _ KöuigSbergcr Str. 39.,■| eingegangene Druchfchrlften. Bon der„Neuen Zeit- lSwttgart. Paul Singer) ist soeben da» Ib. Heft de» iL. Jahrgangs erschienen. ES hat solgenden Inhalt! Gegen den ScktensaiiatiSmiiS.— Die BersassungSlrifiS in England Von Theodor Rvthstcin.— Der Kaiupl um den ArdeilSnachweiS. Bon Sofeph Klich«.— Zur Koiisumgenossenschastsbeweguiig. Eine Berichtigung. Do» F. Staudinaer. — Die Fortcntwickelung deS TarisuerlrageS im deu-schen Holzgewerbe. Bon Gustav Becker(Berlin).— Literarische Rundschau: A. Breuning. Innere Koloiiiiatton. Bon Jl. N.— Notizen: SchnapSbohtott und Branntwein» ttebeSgabe. Bon G. A. Lehmann. Reorgauisation der Lugendbeweamg. Von Bernhard Düwell.— Zeitschristenschau. Todea-ilmeclee. Am DienStag, den 14. Dezbr., ver-schied plötzlich infolge eineS SchlagansallrS mein lieber Mann, unser guter Soh», Bruder. Schwager mid Oulcl, der Handels- mann Emil Schwander im 45. Lebensjahre. Die trauernden Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet Sonn- abend, den 18. Dezbr., Nachm. 'Li Uhr, voii der Leichenhalle de» Zenli allitedhost», FriedrichSstlbe, auS statt. S8g7b Am DienStag. den 14. Dezem- der. verstarb nach langen, schwere» Leiden meine liebe, unoergetzliche Frau üeliÄ!i| Baganz geb. Schneider im Alter von 43 Jahren. Dies zeigt ttesbciräbt an Der trauernde Gatte Wilhelm Baganz nebst Kindern. Die Beerdigung findet am Sontiabendnachmlttag 4 Uhr von der Leichenhalle de» neuen Schönebergcr FriedhostZ(Blanke aus statt._ 2834b Kinmtn- utib fiiambiniirm von Roberl Meyer,' u u t Miniiniiitii-Zliche 2. TodcS-Anzeige. Am 15. d SR., mittags>/L Uhr, oerschied nach schweren Leiden unser inniggellebter Sohn, Bruder, Schwager und Mann, der Möbel- poliermeistcr Karl Hausburg im 32. Lebensjahre. Die Beerdigung findet am Sonnabend, nachmittags 2'/, Uhr, vom Kranke, ihause FriedrschShain «uS nach dem MarkuS-Ktrchhoj In WithelmSberg statt. VI« trauernden Hinterbliebenen. waren jeder Art vomriufachften bis feinsten Genre direkt 7« Fabrik. F'nzeherkaatt. Engrospreisen. f. Mm Kommandanten- straBe 15, I, Kein Laden. Teleph. I. 3917.'. Freitag:« 17. Dezember, abends 8 Uhr, in den Arminhallen, Kommandantenstraße 58/59: Frauen« Versammlung:. TAGES- ORDNU�a: l„ZZer preußische Parteitag". Referentin: Frl. Ottilie Baader. 2. Wahl von 3 Franca znm prenBlschen Parteitag. — Mitgliedsbuch legitimiert., 206/11* Der Einbernfer: Eugen Ernst, Wöhlerlstr. 9. Filiale Berlin. Heute Freitag, den 17. Dezember, abends 6 Uhr: jJIU gl I e«Ipt* v er s sbhi na 1 ieib 1 5» frtrnfcpr �rrnD. «v im Gewerkschaftshause, Engelufer RS(großer Saay. TageS-Ordnung: 193/20 Wie gestalten sich die wirtschaftlichen Verhältnisse der Töpfer Berlins durch de« neuen Tarif? Referent: Kollege Franz Segawe. 2. Vc�chiedene«. Da in dieser«rrsammlung auch die Stellungnahme der Lokalisten zn dem neuen Darif -.----- I»er Vorwtnnd. desprochen wird, i« zahlreicher Besuch notwendig. ?rsktiseks Weihnachts-Gesehenke kauft man zu sehr billigen Preisen in JULIUS APELTS Möbelfabrik BerKn so. 6 Adalbertstr. 6 Große Auswahl In: Salons, Herrenzimmepn, Speisezimmern, sowie einzelne Möbel: Schreibtische, Trumeaus, Sofas, Kleider« • Spinden, Vertikos in modernnter Stuart. 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Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärtd Buchdruckerei u. Berlagsanstalt Paul Singer 8t Co., Berlin SW, ft. 294. 26. IahrMg. 3. StilUt Ks »lim lolMInlt. Freitag. 17. Dezember 1909. Eitle Seifenarbkiter'Ksvferellt tagt am Sonnabend, den 18.. und Sonntag, den 19. Dezember, in Frakfurt a. M. Auf dieser sind 809 Arbeiter aus 29 Betrieben durch 16 Delegierte oertrelcn. Veranstalte! wird die Konferenz durch den Zentralverband aller in der Schmicderei beschäftigten Personen. Ter Verband der Schmiede bat versucht, die Loljn- und Arbeitsverhältnisse der Sensenarbeiter statistisch festzustellen. Ob- gleich nur ein Teil der deutschen«sensenwerke bei dieser Statistik herangezogen werden konnte, gestatten doch die Ergebnisse, die in dem der Konferenz vorliegenden Bericht enthalten sind, einige interessante Ausführungen. Der Bericht gibt Angaben über 16 Betriebe in 13 Orten mit zusammen 764' Arbeitern wieder. In diesen Betrieben wurden «m Jahre 1998 rund zwei Millionen Sensen, Sicheln und Stroh- messcr angefertigt, von denen Iii Millionen in Deutschland, der Rest im Auslande-znf den Markt gebracht wurde. Zu bemerken ist jedoch, das} in sieben der angeführten Betriebe neben den ge- nannten Gegenständen auch andere Artikel hergestellt werden, so z. B. Waffen, Messm, Spaten usw. Bei der Produktion wird in sechs Betrieben zum Teil Wasser-, zum anderen Teil Dampfkraft verwandt; ein Betrieb benutzt Wasser- und Motorlraft; zwei nur Motoriraft und zwei nur Dampfkraft. Die durchschnittliche Arbeitzeit beträgt 69,1 Stunden pro Woche. Die längste Arbeitszeit finden wir in einem Gevelsberger Betrieb; dort werden 65 Stunden gearbeitet. Es folgen dann mit 66 Stunden Klingenthal i. Elf., 62 Stunden Gevelsberg. 61% Stunden Neuenbürg. Sieben Betriebe haben eine 69stündige, ein Betrieb eine äSM-stündige und vier Betriebe eine b8stündige Arbeitszeit. Acht Unternehmer haben Werkswohnungen für Ar- beiterfamilien eingerichtet. Dies findet besonders seine Ursache in der Weltabgeschiedenheit der meisten Betriebe. Es war meistens die Rücksicht auf größtmöglichste Ausnützung der Natur-, besonders der Wagerkräftc, die die Betriebe dort erstehen ließ. In fast allen Betrieben wird im Akkord gearbeitet. Ter Jahres- durchschnittsverdicnst betrug 1547,82 M. Den niedrigsten Ver- dienst finden wir in Sulingen: für die dortigen drei Betriebe werden Jahresverdienste von 894 bis 999 M. angegeben. Diese Löhne werden gezahlt für eine 69stündige Arbeitszeit pro Woche, was einem wöchentlichen Verdienst von 15,47 bis 17,30 M. oder einem Stundenlohn von 25,7 bis 28,8 Pf. ensprechen würde. Daß hier die Organisation noch biel zu leisten Hai, wird jeder Ein- sichtige zugeben müssen. Am besten liegen die Verhältnisse, wenn man nach den; Höchstverdienst urteilen will, in Kalk. Nach den Angaben des Berichts beträgt hier der höchste Verdienst 3999 M.. zu dem der angebliche Minderverdienst von 1999 Mk. pro Jahr in gar keinem Verhältnis steht. Jedenfalls handelt es sich bei den Sätzen von 1999 und 3999' M. um Ausnahmefälle, wie dies auch aus dem Durchschnittsverdienst hervorgeht, der auf 1827,58 M. angegeben ist. Einen breiten Raum des Berichts nehmen die Arbeits- Verträge ein, die in der Sensenindustrie teilweise noch bestehen. Es ist das Verdienst des Schmiedeverbandes, einen solchen vor- sintflutlichen Mustervertrag zur Kenntnis der Oeffentlichkeit ge- bracht zu haben; wir meinen den in Nr. 13 der„Schmiede- Zeitung" vom laufenden Jahre wiedergegebenen Arbeitsvertrag, der von der Firma Haueisen u. Sohn in Reuenbürg gebräuchlich ist und nach welchem sich der Arbeiter auf Lebenszeit der Firma verpflichtet. Weiter finden wir im Bericht aus dem Neucnbürger Betrieb das Statut der im Jahre 1895(achtzehnhundertundfünf) gegründeten sogenannten„Bruderbüchse". Das Statut kennt „einfache" und„besonders berechtigte" Mitglieder. Für„einfache" Mitglieder besteht Beitrittszwang für alle im Betriebe tätigen Arbeiter. Als Beitrag ist ein Prozent des Verdienstes zu leisten und dafür gewährt die..Bruderbüchse" bei durch Alter oder sonst- wie ohne eigenes Verschulden— insbesondere nicht durch Un- Mäßigkeit oder sonstige Ausschweifungen— herbeigeführter Erwerbsunfähigkeit eine regelmästige Unterstützung, wenn-- die Arbeiter über 29(zwanzig) Jahre im Betrieb beschäftigt sind. Auch sonstige Kautelen sorgen dafür, das} es den über 29 Jahre beschäftigten Arbeitern nicht so leicht gemacht wird, in den Genuß dieser Unterstützung zu gelangen. In die Klasse der„besonders berechtigten" Mitglieder kann jedes einfache Mitglied eintreten, wenn es gesund ist, daS 40. Lebensjahr nicht überschritten hat, und wenn es ein Eintrittsgeld von 99 bis 299(zweihundert) Mark bezahlt. Im Falle die Ehefrau des Beitretenden jünger ist als der Beitretende selbst, erhöht sich das Eintrittsgeld für jedes Jahr des Altersunterschiedes bis zum höchsten Betrage von 339 (dreihundertunddreißig) Mark. Der laufende Beitrag beträgt für die ersten zehn Jahre 2 Pf. von jeder verdienten Mark, für die fernere Zeit der Mitgliedschaft 1 Pf. Die Unterstützungs- bcrechtigung tritt nach 12jäh rigor Mitgliedschaft ein. Tie Höhe der bei der Erlverbsunfähigkeit gewährten Pension aus dieser„Bruderbüchse" beträgt 29 bis 4 6 Ii M. pro Monat. Doch ist cS äußerst schwer, diese Erwerbsunfähigkeit nachzuweise». Auch die Lohnverhältnisse dieser Firma lassen viel zu wünschen übrig. Wir wollen es mit der Schilderung genug sein lassen. Sie küßt erkennen, daß die Verhandlungen auf der Konferenz ein Bild entrollen werden, das wert ist. der Oeffentlichkeit mitgeteilt zu werden, das aber auch geradezu die Organisation zwingt, mit aller Energie für bessere Verhältnisse einzutreten. Ein großer Teil der Sensenarbeiter hat bereits den Wert der Organisation erkannt und wirkt und kämpft für seine Rechte. Auch die heute noch Fernstehenden werden folgen, wenn sie erkennen, daß sie nur durch ihre Organisation die alte Last abschütteln können. Diese Erkenntnis zu fördern, ist auch eine der Aufgaben der Konferenz. WaüeritaudS. Nachrichten »er LanbeSanitalt für Gcwälserkunde, mitgeiellt vom Serliner Wctwrburea«. ')+ bedeutet Wuchs.— galt. >) GrundelSgang. IM.1II1IIIMIMIII •) Unierpegel.•) EiSstand. 4) Eisfrei. Kur den Inhalt der Inserate Übernimmt die Redaktion dem Pnblitnui gegenüber keinerlei Sierannvortung. Cbcarcr. Freitag, 17. Dezember. Ansang 7'/, Uhr. SSnigl. Opernhaus. S. Sinfonie- Konzert der kgl Kapelle. MttagS 12 Uhr: Sinfonie-Matwe«. Sönigt. Schauspielhans. Die Journalisten. DenrichcS. Don Carlo Z. Anfang Uhr. ktammerspiele. Major Bar- tanz. Anfang S llbr. Metzes königl. Opern-Theater. Geschloffen. Neues Schauspielhans. Ihr letzter Brief. Lesfing. Tantris der Narr. Komische Oper. ToSta_ Neues. Ein königlicher spaß. Kleines. Der Heuchler. Die Medaille. Neues Operette». Miß Dutelfack. Berliner. Hohe Politik. Trianon. Buridans Esel. Residenz. Im Taubenschlag. ScbbcU Der Skandal. chiller o. iWauner- Thealer.) Miß HobbS. Sch>u. Charlottenburg. Narziß. Ariedrich- iStlbelmüSdr. Schauspielhaus. Die Haubenlerche. Westen. Die geschiedene Frau. Thalia. Die sime Cora. Luisen. Geschlossen. Bolksoper. La Traviata.(Anfang «'/, Uhr.) Roke. Faust. 1. Teil. LnftspielhanS. Der dunkle Punkt. Mrt-o»oz. Hallvh I!— Die große Revue. AplirS Caprice. Sicher ist sicher. Bunter Teil Der Mann meiner Frau.(Ans. 8'/, Uhr.) Slpullo. Spezialitäten. Wintergarten. Spezialitäten. Castno. Der Obcrgauner. Sedr. Herrnfeld. So muß man'S machen. Ein Neltuugsmittel. Karl Haverland. Spezialitäten. Walhalla. Lpezialiiäien Gastspiel. Der Hüttenbesitzer. Gussi Holl. Ota Gygi. Svezialitäte» Roacks. Die größte Sünde.(An- sang 89, Uhr.) Palait. Die neue Herrin. Taft? Spezialitäten. Reichs»ne». Stettiner Sänger. Buggenhagen. Spezialitäten. Ura. la. k»«o« ,»r»he Atenos 8 Uhr: Trauerspiele im Tierlebeiz. Steriiii-urir, JiivalidenNr. i'l— 62. 8 Ubr: TaniriS der Narr. Sonnabend, 8 Uhr: Hedda Gabler. Sonntag, 3 Uhr: Tantris der Rarr. berliner 1'liestel-. 5 uhr: Ztode Politik. Morgen: Hohe Politik._ Neues Theater. Abends 8 Uhr: Ein königlicher Spaß. Morgen und folgende Tage: Ein königlicher Spast. Thealer des Westens. 8 Uhr: Tie geschiedene Frau. SKittlv., Sonnab. 1U.: Struwwelpeter. Sonntag 39, Uhr: Ein Walzertraum. Lustspielhaus. Abends 8 Uhr: Der dunkle Punkt. Urania. WiEsenschaftliches Theater. Abends 8 Uhr: lele ini H \ oaen Operetten-Theater. Schifsbauerdamm 25. a. d. Luilenstr. Heute und folgende Tage 8 Uhr: Mi» Ouiielnnelr. Friedrich-Wüheimstadtiscties Schauspielhaus. Freitag, den 17. Dez., Ansang 8 Uhr: Die Hanbenlerche. Sozmobend: Die Haubenlerche. Sonntag nachm. ö Uhr: Othello. Abends 8 Uhr: Die Haubenlerche. Montag: Der Ehrcmat. Tolks-Oper. SW, Belle-Alliance-Straße Nr. 7/8. Anfang 9,9 U h r. La Traviata. Luisen-Theater. Heute geschloffen. Sonnabend 4 Uhr: GolddärchenS Himmelfahrt. 8 Uhr: Gib mich frei. Sonntag nachm 3 Uhr: Gib mich frei. 8 Uhr Premiere: Reise um die Erde in 89 Tagen._ Residenz-Theater Direktion: Richard Alexander. Abends 8 Uhr: Im Tanbenschlag. Schwank in 3 Akten von Hennequin- und Veber. Morgen und solgende Tage: Dieiolbe Vorstellung�_ Gastspiel-Theater. Heute und solgende Tage 8 Uhr: Der Hnttenbesitzer. Sonntag nachmittag 39, Uhr: Kleine Preise._ IOSE=THEATE Große Frankfurter Str. 132 Zum 1: Maie neu einstudiert: FaiisL Der Tragödie erster Teil von Goethe. Ans. 8 Uhr. Ende II 9z Uhr. Sonnabend ziachm. 4 Uhr: Gold- härche s Himmelfahrt. 8 Uhr: Faust.— Sonntag: Faust._ Passage-Theater. Abends 8 Uhr. Erstes Auftreten der bezaubernden jGussi Holl I Ota Gygi 14 erstklassige �Spezt aHtSten. Mclilller-Theater. ScHilier-Theater 0.(Wallner-Thcat.) Freitag, abends 8 Uhr: »Ii» Hobbs. Lustspiel in 4 Auszügen von Jerome K. Jerome. Deutsch v. SS. Wolters. IMT Ende 199, Uhr.-WE Sonnabend, abend» 8 Uhr: ver Sleineldbauer. Sonntag, nachm. 3 Uhr: Die IV slt, In der man sieb langweilt. Sonntag, abends 8 Uhr: Hobbs. Schiller-Theater(Charlottenburg). Freitag, abends 8 Uhr: IVarsiS. Ein Trauerspiel in 5 Akten von A. E. Brachvogel. VW" Ende 199- Uhr. H Lounabcnd, abends 8Uhr; iUliS Hobbs. Sonntag, nachm. 3 Uhr: Slacbeth. Sonntag, abends 8 Uhr: WUhelm Teil. Zirkus Busch. Hente Freitag, d. 17. Dezember, abends 79, Uhr prz. Kroß« Gala- Wohl ttttlgkelts-Yorstellnng zum Besten des Provlnziaivereins des Vaterlätitliseben Frauenverelns!! BOT Ganz besonders ansgewühltes Programm! 1® 99. Uhr: Farmerleben! Metropol-Theater Hallo!!! Die groüe Revue! In 8 Bildez-n von Jnl. Freund. Musik v. Paul Linoke. In Szene gesetzt vom Dir. Rieb. Schultz. Anfang 8 Uhr. Rauchen gestattet. 8 Uhr Das Progr. d. Novitäten! 8 Uhr mit pciiu Pinne. 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LerIag:Vorwärt» vuchdruckerci u.Ber!agLanstaIt Paul Singer& Co.. Berlin SW�