Ztr. SS». nbonnementS'ßedingansffl: RJotmoruntS- Preis pränumerando: Biertcljährl. S,Z0 Mr., monatl. l,lc> Mk., wöchenllich UV Plg. frei ins Haus. Einzelne Nummer b Psg. Sonntags. nunimcr mit illustrierter Sonntags- Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfg. Post. Abonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post-ZeitungS- Preisliste. Unter tlreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 3 Marl pro Monat. Postadonnements nehmen an: Belgien, Dänemarr, Holland, Italien, Luxemburg. Portugal, NumSnien, Schweden und die Schweiz, SV. Jahrg. CrfAttat»glich*uB Adresse: „Sozialiltniolsrat Rcrliü". Zentralorgan der rozialdemokratifcben Partei Deutfcblands. Redaktion: SM. 68. Ltndcnstrasae 69» Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1983, Sonnabend, den 18. Dezember 1909. Expedition: SM, 68, Linden Strasse 69* Fernsprecher: Amt IT, Nr. 1984, Das ötterreMche abgeordneten» bans in IPennanenz. Aus Wien wird uns vom 16. Dezember geschrieben: Das österreichische Abgeordnetenhaus hat sich in Per- manenz erklärt. Aber die Permanenzerklärung des Hauses der Volksvertretung ist nicht, loie es uns die Geschichte sonst zeigt, ein revolutionärer Akt, durch den sich das gewählte Parlament als souveräne, der Verfügung der Krone cnt- rückte Macht konstituiert; sie ist vielmehr ein Akt zur Rettung der Volksvertretung gegenüber den Feinden und Verderbern, die in seinem Innern nisten. Die Permanenzerklärung ist die Notwehr des Parlaments gegen die Obstruktion. Die Irrungen und Wirrungen des österreichischen Parka- mentarismus im einzelnen zu verfolgen, ist eine trostlose und unfruchtbare Aufgabe; es reicht also aus, wenn mitge- teilt wird', daß nach vielen und mißlungenen Anläufen das Abgeordnetenhaus vor etwa zwei Wochen von dem Bann der Obstruktion befreit schien. Die„Slawische Union", in der die unruhevollen Elemente der Tschechen und Südslawen ge- sammelt sind, hatte sich endlich entschlossen, ihre dem Budget- Provisorium vorgelagerten Anträge zurückzuziehen, und inan meinte, schon hoffen zu können, daß der kurze Nest des dies- jährigen Sessionsabschnittes positiver Arbeit gewidmet bleiben tvird. Zumal die Vereinbarung zwischen Regierung und Ob- struktion über die Möglichkeiten einer Umwandlung des Kabinetts hinter den Kulissen schon zustande gekommen war und nur über die Verteilung der Portefeuilles eine bc- schränkte Differenz übrig blieb. Nach dieser Vereinbarung hätte die Rekonstruktion des Ministeriums im Januar zu erfolgen gehabt, und zwar sollten fünf flawische Minister. allerdings zumeist Beamte und Nichtabgeordnete, einbezogen werden. Das wäre mehr an slawischer Beimischung als jemals in Oesterreich erlebt worden ist, selbst das Becksche >koalitionsministerium hatte nur zwei Polen und zwei .Tschechen umfaßt; diesmal hätte auch, und zwar zum ersten Male, ein Südslawe Minister werden sollen. Danach wäre in der Regierung eine gewisse Parität eingeführt worden; »eben dem Premier, dem Minister des Innern und dem Landesverteidigungsminister, die als neutral zu klassifi- zieren sind, hätte sich die Regierung aus fünf Deutschen und fünf Slawen gebildet. Diese Verteilung erschien der Slawischen Union nun wieder nicht„gerecht": sie begehrt, daß auch der Minister des Innern nationalisiert werde— was das in einem Staate wie Oesterreich bedeuten müßte, kann man sich vorstellen— daß infolgedessen sechs slawische Minister ernannt werden, und zwar nicht»veniger als drei Tschechen, obwohl die tschechischen Parteien zu der Regierungskoalition kaum 7V Mann stellen können. Das hat ihnen Bienerth nicht betvilligen können und ebenso wenig den Wunsch erfüllt, daß die Rekonstruktion zwischen Tür und Angel, zwischen erster und zweiter Lesung des Budgetprovisoriums geschehe. Die Folge war. daß die Slawische Union gestern den Beschluß, der die Einbringung von Dringlichkeitsanträgen an ihr Votum bindet, aufgehoben und die Obstruktion der ihr angeschlossenen Parteigruppen freigegeben hat. Von dieser Erlaubnis haben die tschechischen Agrarier sofortigen und reichlichen Gebrauch gemacht: sie haben nicht weniger als 37 Dringlichkeitsonträge eingebracht, mit denen die Tagesordnung so gründlich ver- rammelt ist, daß sie nie erreicht werden kann. Das ist der eine Beweggrund der Obstruktion; der andere ist aber daran zu erkennen, daß von den slawischen Oppositionsgruppen lediglich die Agrarier zur Obstruk- tion gegriffen haben. Auf der Tagesordnung steht nämlich als erster Punkt die erste Lesung des handelspolitischen Ermächtigungsgesetzes, durch das. nach jahrelanger Verschleppung, der Abschluß der Handelsverträge mit den Balkanstaaten endlich herbeigeführt werden soll. In erster Linie handelt es sich dabei um die Genehmigung des bereits abgeschlossenen Handelsvertrages mit Rumänien, auf den auch ans international-politischcn Gründen das größte Gewicht gelegt wird, und der schon deshalb unaufschiebbar ist, weil die gesetzliche Ermächtigung der ungarischen Regierung, ihn in Kraft zu setzen, Ende dieses Jahres abläuft. Weiter soll die Regierung ermächtigt werden, mit den übrigen Balkan- staaten Handelsverträge abzuschließen und sie wirksam zu machen(doch dürfen sie keine Vieheinfuhr zulassen!) und mit sonstigen Staaten Verträge auf Basis der Meistbegünstigung abzuschließen. Es handelt sich also um, ein Gesetz, wodurch einesteils die Einsuhr von billigem Fleisch ermöglicht werden soll und das andererseits der österreichischen Industrie ein Absatzgebiet zu schaffen hätte, das sie zur Abhilfe der ent- setzlichcn Arbeitslosigkeit so dringend benötigt; also ein Gesetz für die breiten Massen, für die arbeitende Bevölkerung, das natürlich die ganze so scheußliche agrarische Habsucht gegen sich entfesselt, und das verhindert zu sehen, den Agrariern aller Nationen recht willkommen wäre. Tatsächlich haben schon die Regierungsagrarier, die Christlichsozialen und die Tentschnationalen, mit Obstruktion gedroht; nun können sie die schändliche Zerstörungsarbeit den tschechischen Bundes- genossen überlassen, die damit ein doppelt wohlgefälliges Werk zu leisten vermeinen: eine agrarische Tat. der jede Milderung der Mensmittelnot ein Greuel ist, und eine nationale, die das gesamte Parlament für ein einziges Ministerportefeuille skrupellos opfert. Das Volksparlament ist ein Opfer des nationalen Chauvinismus, der an dem agra- rischcn Klassenegoismus seinen Verbündeten fand. Das Parlament hat sich nun, aus der kraftvollen Initiative der Sozialdemokraten heraus, zur Gegenwehr entschlossen. Der sozialdemokratische Vorschlag, eine nicht zu unterbrechende dauernde Sitzung zu halten, solange die Obstruktion nicht Einkehr hält und ihr parlainentsmörderisches Wüten nicht aufgibt, wurde von den anderen Parteien akzeptiert. Von den sozialdemokratischen Vertretern wurde dabei insbesondere hervorgehoben, daß, so sehr die Partei wünscht, daß diese notgedrungene Abwehr- aktion mit rücksichtsloser Energie durchgeführt werde, sie ebenso mit größter Entschiedenheit vor jeder Provokation der obstruierenden Partei auch nur durch die leiseste Verletzung der Geschäftsordnung oder der Uebung des Hauses warnt. Außerdem wurde in einer Kundgebung der Fraktion erklärt, daß sie jede Verantwortung für die Politik der Regierung und der Parteien, die diese Lage herbeigeführt hat, ablehne. Nach der Ueberzeugung des Verbandes liegt der Hauptteil der Schuld außer bei den obstruierenden Parteien auf Seite der Regierung und ist es vor allem ihre Sache, einen Aus- weg zu finden. Seitdem dauert die Sitzung, die Mittwoch um 11 Uhr vormittags angefangen hat, ununterbrochen fort. Ueber den bisherigen Verlauf haben wir telegraphisch de- richtet. Die gesamten Arbeitsparteien haben sich in Tag- und Nachtschichten geteilt, ebenso das Präsidium(Vizepräsi- dent Pernerstorfer ist zum Beispiel heute nachts �2 Uhr „eingerückt" um bis 6 Uhr morgens zu präsidieren): Bureau. Post, Küche, alles hat Permanenzdienst, und wenn die bürger- lichen Parteien nicht schwankend werden, so soll es in dieser Kriegstaktik vorläufig bis Silvester gehen. Natürlich meint man nicht, daß die Obstruktion formell niedergeworfen wird, dazu ist das Arsenal ihrer Hilfsmittel zu groß; aber mit der Dauer- und Abwehrsitzung soll die schamlose Frivolität dieser Obstruktion gleichsam sichtbar gemacht, soll ihr abstoßender Charakter den Wählern bis zum Ekel zum Bewußtsein geführt werden; und� sollen sich, was das Ent- scheidende ist, die gesunden Gegenkräfte des Parlaments offenbaren, damit die breite Oeffentlichkeit erkenne, daß es nicht Lebensunkraft ist, an der das Parlament verendet, sondern ein roher, gewalttätiger Angriff von außen. Es ist aber auch nicht ausgeschlossen, daß die Obstruktion ihres sinn- losen Tuns bewußt und zum Einlenken bereit wird. Wie gewaltig die Empörung im Volke ist, hat schon der gestrige Abend gezeigt. In die Volkshalle des(dem Parlament be- nachbarten) Rathauses war eine Versammlung der Eisen- bahner einberufen, die über die Lebensmittelteuerung be- raten sollte. Die Vorgänge im Parlament haben sie zu einer machtvollen Demonstration der Arbeiterschaft gestaltet, an der an zwanzigtausend Menschen teilnahmen, die das Parlamentsgebäude mit wilden Rufen gegen die agrarische Frivolität umkreisten. Die Demonstration, die geradezu spontan entstand, zeigt deutlich, daß die Aktion der Sozial- demokraten im Parlament des Widerhalles in den Volks- Massen sicher ist. Suspensiv« der GeschäftSorduung? Wien, 17. Dezember. In der gestrigen Sitzung des Abgeordneten» Hauses brachte der Abg. K r e k namens des Slowenenklubs einen von den tschechischen Agrariem miwnterschiiebeuen Dringlichkeits- antrag aus Abänderung der Geschäftsordnung ein. Die Slawische Union setzte ein Komitee ein behufs textlicher Umarbeitung dieses Antrages, dem vor allen übrigen Dringlichkeits- antragen der Vorrang eingeräumt werden soll. In den Wandelgängen wurde über diesen Antrag lebhaft ver- handelt, der verlangt, daß die Präsidialgewalt für sieben Monate erweitert und die entgegenstehenden Bestimmungen der Geschäftsordnung solange suspendiert bleiben sollen. Der Präsident soll das Recht erhalten, auS eigener Machtvollkommenheit Bestimmungen über den Geschäftsgang zu erlassen und die Befugnis, renitente Abgeordnete auf drei Sitzungen auSz 11 schließen. Die deutschen Abgeordneten erklären, dem Antrage erst dann näher treten zu wollen, wenn alle anderen Dringlichkeitsanträge zurückgezogen und das Budgetprovisorium und daS ErmächtigungS- gcsctz bis zum 23. Dezember erledigt werden. Der Antrag kam heute in der Obmänner-Konferenz der arbeitswilligen Parteien zur Sprache und die Konserenz betraute einen FünserouSschutz. bestehend aus den Ab- geordneten Sylvester(deutschst eiheillich), GlombinSki(Pole). Gers- mann(christlichsozial), Conei(Italiener) und Genossen Dr. Adler, mit den Obstrnktionsparteien wegen deS Antrages Krek in Ver» Handlung zu treten. Der sozialdemokratische Verband soll dem Ge- danken, durch eine teilweise, vielleicht zeitlich begrenzte Abänderung der Geschäftsordnimg jede Obstruktion unmöglich zu machen» sym- pathisch gegenüber stehen. Zlus der Dauersitzung. Wien, 17. Dezember, 2 Uhr 15 Min. morgens. Abgeord« n e t e n h a u S. Um 1 Uhr 5 Minuten beendete der Abgeordnete Pad'our seine fast S'/g ständige Rede unter dem Beifall seiner Partei- genossen. Hierauf wurde die Debatte geschlossen und da die beiden Generalredner Schäfer und MiklaS auf daS Wort verzichteten, erhielt der tschechische Agrarier H y r S das Schlußwort. Um 2 Uhr dauerte die Sitzung fort. Wien, 17. Dezember, 6 Uhr morgens. Abgeordneten» haus. Um 6 Uhr früh beendete Abgeordneter H y r S fein Schluß- wort, worauf die Dringlichkeit abgelehnt wurde. Darauf begann die Verhandlung über einen neuen Dringlichkeitsantrag, den Abg. R y ch t e r a begründet. Um 5'/z Uhr stießen Galerie- b e s u ch e r abermals Schmährufe gegen die Obstruktio- nisten aus. Der Vizepräsident ordnete die Entfernung der Ruhestörer an. Die Sitzung dauert fort. Wir», 17. Dezember. Um 12 Uhr mittags beendete Abg. R y ch t e r a feine Rede fsur Begründung feines Antrages. Nach dem gleichen Vorgänge wie bei den bisherigen Driiiglichkeitsanträgcn wurde sodann die Debatte geschloffen. Abg. S r d i n k 0 nahm dann das Schlußwort. Er«klärte in tschechischer Sprache, daß die Regierung und das Präsidium des Hauses, nicht aber die slawische Union an den gegenwärtigen Vorgängen schuld seien, behandelte dann eingehend das Verhältnis zwischen Rübenbauern und Zucker« industriellen und erbat und erhielt um fünf Uhr eine Pause. i Nach sieben st ündiger Rede schloß der Abgeordnete um !7 Uhr abends. Die Dringlichkeit des Antrages wurde abgelehnt. Hierauf begründete C h a l 0 u p k a den nächsten Dringlichkeilsanttag, der die Aufhebung aller Jndustriezölle, insbesondere der Eisenzölle, betrifft._ llilttkitiitiulig arbeitsloser tabak- arbeiter. In einer Konferenz der Vorstände der in Deutschland bestehen- den vier Tabakarbeiterverbände am Dienstag, den 14. Dezember, in Frankfurt a. M. wurde zu den vom Bundesrat beschlossenen definitiven Ausführungsbcstimmungen bezüglich der Entschädigung der durch die neue Tabaksteuer arbeitslos gewordenen und geschädig- ten Tabakarbeiter Stellung genommen. Allseitig wurde anerkannt, daß bei Schaffung der endgültigen Ausführungsbestimmungen die von den Vertretern der organisierten Tabakarbeiter vorgetragenen Beschwerden und Wünsche in den wesentlichsten Punkten Berück« sichtigung gefunden hätten. In den neuen Ausführungsbestim- mungen befänden sich jedoch noch einzelne Unklarheiten,' über die sowohl bei den Arbeitern, als auch bei den zuständigen Behörden keine einheitliche Auffassung bestehe. Es wurde deshalb beschlossen, je einen Vertreter dieser Vorstände nach Berlin zu entsenden, um mit dem Herrn RcichLschatzsekretär Rücksprache zu nehmen. Der Herr Reichsschatzsekretär gewährte den genannten Vertretern am Donnerstag, den 13. Dezember, bereitwilligst die nachgesuchte Audienz. Die Arbeitcrvertreter brachten zunächst die Frage der Unter- stützung der Zigarettcnarbcitcr zur Sprache und vertraten den Standpunkt, daß auch diese als Tabakarbeiter auf Grund des Ar» tikels IIa des neuen Tabaksteuergesetzes zu einer Unterstützung be- rcchtigt seien. Das Tabakstcuergesetz sei ein einheitliches Ganzes; zwar sei die Zigarettenindustrie vom Wertzoll verschont geblieben, habe dafür aber höhere Banderolestcuersätze erhalten. Nach ihren Informationen hätten die Antragsteller im Reichstag nicht daran gedacht, die Zigarettenarbeiter von der Unterstützung auszuschließen. Der Herr Reichsschatzsckrctär erwiderte, er glaube, daß vom streng juristischen Standpunkte aus der Artikel IIa sich nur auf die ersten beiden Artikel des TabaksteucrgesctzeS beziehe. Die Erhöhung der Banderolestcuersätze für Zigaretten sei erst in dem Artikel lila festgelegt und könne der Artikel Iis darauf nicht angewendet wer- den. Ein endgültiger Beschluß des Bundesrats liege zu dieser Frage noch nicht vor. Ihm erscheine es auch bedenklich, von den bewilligten vier Millionen für die Zigarettenarbeiter einen Teil zu verwenden, da dadurch die übrigen Tabakarbeiter benachteiligt würden. Ein Bedürfnis bezüglich der Unterstützung von Zigaretten- arbeitern scheine ihm zurzeit nicht vorzuliegen, da die eingehenden Beträge der Zigarcttensteuer in den letzten Monaten erheblich ge- stiegen seien. Die Arbcitervertrcter erklärten, daß nach ihrer Kenntnis und erhaltenen Informationen nach Neujahr eine größere Arbeitslosig- keit zu befürchten sei. Der Herr Reichsschatzsckretär erbat sich Material über eine etwa eintretende Arbeitslosigkeit größeren Um- fanges in der genannten Branche und versprach dann erneut in eine Prüfung der Frage eintreten zu wollen. Bezüglich des Verhaltens der Behörden zu Streiks und Aus- sperrungcn verwies der Reichsschatzsekretär auf die von ihm zu den Ausführungsbestimmungen gegebenen Erläuterungen. In diesen heißt es: „Streiks und Aussperrrungen würden nicht grundsätzlich als eine die Unterstützungsbercchtigung ausschließende Unterbrechung der Arbeit angesehen. Sie würden in jedem Falle als solche nicht angesehen, wenn sie nicht mehr als 50 Tage gedauert hätten; sie könnten aber auch mehr Tage gedauert haben, ohne daß der Nachweis der unverschuldeten Arbeitslosigkeit erfordert werde, da durch die Vorschrift im§ Illb der Ausführnngsbcstimmungen durch die Worte„in der Regel nicht mehr als 53 Tage" den Bc- Hörden für die Beurteilung des Falles ein weiter Spielraum gegeben fei. Was die Zuweisung von Streikarbeit an arbeits- lose Tabakarbeiter anbelange, so sei im§ 4 Absatz II der Be- ftimmungen ein Benehmen mit dem Gewerkschaftsaufsichts- beamten, gegeignctenfalls unter Zuziehung von Vertrauens- männern aus der Arbeiterschaft, vorgesehen." Der Herr Ncichsschatzsekretär fügte hinzu, daß er bereit sei, in einem allgemeinen Rundschreiben darauf hinzuwirken, daß dieser fakultativen Bestimmung ein mehr obligatorischer Charakter ge- geben wird, und ersuchte die Organisationsvertreter um Zustellung ton gedruckten Listen ihrer Vertrauensmänner, die er dann den Zollämtern übermitteln lassen werde. Nachdem noch einige Fragen nicht allgemeiner Art erörtert worden Ware», wurde schliesslich die grundsätzliche Frage besprochen, ob den Bestimmungen nicht nur in bezug auf die jetzt im Schluß- satz des§ t der Aüsführungsbestimmungen ausdrücklich als unter- stützungsberechtigt anerkannten Arbeiter, sondern auch bezüglich der jetzt angeführten Berechnungsmethode rückwirkende Kraft zu geben sei.» Die Arbeitervertreter machten geltend, daß durch die bisherige Berechnungsmethode, nach welcher den in der Zeit vom 1. Juli 1308 bis 33. Juni 1933 zeitweilig erwerbsunfähig gewesenen Personen auch die Zeit ihrer Erwerbsunfähigkeit bei der Durchschnitts- berechnung ihres Wochenverdienstes mit angerechnet worden wäre, viele schwächliche Arbeiter enorm geschädigt worden seien. Die «Leute hätten zum Teil so minimale Unterstützungen erhalten, daß sfe ohne Aufnahme von Darlehen oder auch fremder Beihilfe gar nicht hätten weiter existieren können. Der Herr Lteichsschatzsekretär erklärte, daß es selbstverständ- lich sei, daß in Fällen, wo durch die bisherige Berechnungsart be- sondere Härten zutage getreten seien, bei Einreichung von Gesuchen um Nachbewilligung von Unterstützungen, diese berücksichtigt werden müßten, doch können im allgemeinen Um- rechnungendcrbiShergewährtenUnterstützungS- sä tz e nicht erfolgen. Die neue Bercchnungsmethode werde allgemein von An- fang Dezeniber an Platz greifen. Der Herr Ncichsschatzsekretär ersuchte zum Schluß die Ver- treter der Arbcitervcrbände, bei ihren Kollegen darauf hinzuwirken, daß diese entsprechend den von ihm gegebenen Erläuterungen bei Zurückweisung von Beschwerden durch die Oberzolldirektion sich zu- nächst an die vorgesetzte LandcSbchörde wenden möchten, bei Be- schwerden allgemeiner Art sei er jedoch gern bereit. Vertreter der Arbeiter auch in Zukunft zu hören. ver fleiichmcher vor dem sächsische» Candtag. lieber die Verhandlung der freisinnigen FleischteueningSinter- pellation in der Zweiten sächsischen Kammer wird uns aus Dresden geschrieben: In Sachsen ist die Fleischnot besonders brennend. die Fleisckpreise sind hier wohl am höchsten. Das hängt ossenbar damit zusammen, daß Sachsen noch b e« sondere indirekte Fleisch steuern hat, so eine.lieber- gangSobgabe auf Fßeischwerk*. die allerdings nur einige 533 333 Mark bringt, und eine weit schlimmere Scklochlstener, die. obwohl sie bor Jahren infolge eines sozialdemolratischen Antrages ans die Hülste reduziert worden ist, doch»och b'/z Millionen Ertrag abwirst, woraus sich eine erhebliche Belastung des Fleisches ergibt. Davon war allerdings bei der Verhandlung über die Jnierpellation merkivürdigerweise wenig die Rede, dagegen forderte man von verschiedenen Seiten energisch die Oeffnung der Grenzen nach der österreichischen Seite, um genügend Schlachtvieh einzulassen und so dein Flesschwucher zu steuern. Dafür war aber, wie sich bald zeigte, die sächsische Regierung nicht zu haben. Der Minister des Innern, Graf Vitzthum, lieferte eine Beantwortung der Interpellation, die eine echt agrarische Leistung war. Er sieht überhaupt keine Fleischnot. nur Schwankungen der Fleischpreise gibt er zu, die eine natürliche Erscheinung seien. Im üblissen spielte er die berühmte Seuchengefahr gegen die Forderung nach Oeffnung der Grenzen aus, für die er unter keinen Umständen zu haben ist. Aus der Rede des Ministers ergab sich. daß die Regierung alles beim alten lassen und vergnüglich schniunzelnd zusehen will, wenn die Großagrariersich weiter aufKosten derbreiten. darbenden Masse die Taschen füllen. Die Konservativen stellten den Geschäftsführer deS Bundes der Landwirte, de» A5g. Schmidt, als Redner, der natürlich alle bekannten agrarischen«Argumente" auf- marschieren ließ, der aber auch seiiier Befriedigung über die Rede des Ministers Ausdruck gab. Eine Rede des nationallibcralen Abg. Singer kinterstützte die Agrarier zum große» Teil; nur zum Schluß trat der Redner schwächlich für beschränkte Zulasinng amerikaiiischen Fleisches ein, was für Sachsen zunächst nicht in Frage kommen kann. Denn hier kann es sich in erster Linie nur um eine Aushebung der Grenzsperre gegen Oesterreich handeln. Den Standpunkt der sozialdemokratischen Fraktion vertraten die Genossen Sinder prann und Riem, die mit dem Minister scharf abrechneten und nachwiesen, daß die Löhne bei weitem nicht so gestiegen seien ivie die Lebens- mittelpreise. Besonders der Mittelstand habe Veranlasiung, sich scharf gegen den Fleischwnchcr, der ein Produkt der Fleisch. zolle und der Grenzsperren sei, zu wenden und der agrarischen Zoll- Politik ein Ende zu machen. Die Verhandlung zeitigte noch einen bemerkenswerten Zwischenfall. Als der konservativ-agrarische Redner, Abg. Schmidt, mit seiner Rede begann, beschäftigte er sich eingehend mit der ZuckerauSsuhrpränne, der Braiiillwcinliebcsgabe und vielen Dingen, nur nicht mit der Fleischfrage. Das veranlasste den national» liberalen Präsidenten mit Recht, den Redner zur Sache zu rufen, nachdem das schon durch lebhaste Zwischenrufe auS dem Hause geschehen war. Gegen den Ruf zur Sache erhob der 1. Vize- Präsident, der Konservative Opitz, Einspruch, was den Präsidenten veranlasste an das Hau« zu appellieren. Unter lebhaftem EntrüstnngS- rmnmel der Konservativen stimmten Nationalliberale und Sozial- demokralen dem Präsidenten entschieden zu. Für einen Augenblick herrschte Erregung in der Kammer, die sich aber bald legte. Der Vorfall zeugte wieder einmal dafür, daß ein sehr gespanntes Verhältnis zwischen Nationalliberalen und Konservativen be- steht. UebrigenS hatte der Vizepräsident nach der Landtags- ordnung gar kein Recht zu einer derartigen, sofortigen Be- schwerde. Die Koisservaliven können aber offenbar die Zeit noch nicht vergessen, wo sie mit Hilfe ihres Präsidiums die Redner der Minderheit brutal unterdrückten, durch Schlussanträge vergewaltigten, während ihre Wortführer die grösste Freiheit hatten. Besonders arg war es in dieser Beziehung unter dem Präsidium Ackermann?. Die Zeiten sind jetzt freilich hoffentlich für immer vorbei. Sie Ms auf der ßgitationsreife. Man schreibt unS aus London: Die Lords wollen ihre echte demokratische Gesinnung durch die Tat beweisen und find von ihrem aristokratischen Sockel, wo sie bisher den grossen und den kleinen Snobs in olympischer Ruhe zur Schau gestanden sind, in das Gewühl des Wahllampfes getreten. Die konservative Presse hats ihnen angetan. Während der Budgetdebatte im Oberhaus versuchten die volkssciiidlichen Blätter mit aller Macht die langweiligen Ergüsse der wilden Hinterwäldler dtldurch zu vertuschen, daß sie einen Lobeshymnus auf das Haus der Lords anstiinmien, das an Weisheit und Erfahrung alle anderen Parlamente der Welt überrage. Sie wiesen auf die un- streitig grossen Fähigkeiten eines Lanßdowne, Morley, Milner, Courtney und Roseberh hin, unterliessen es aber wohlweis- lich, zu bemerken, daß auf einen edlen LanSdowneschen Schädel einige Hundert edle Dickköpfe kommen. So sind denn die Lords auf den Gedanken gekommen, die grossen Talente, die sie bisher gar nicht in sich vermutet hatten, ein- mal auf die Probe zu stellen, und haben sich daher entschlossen, der englischen Demokratie, so lange es ihnen erlaubt ist, das heisst bis zum Anfang der Wahlen, ihre solomonische Weisheit zum besten zu geben. Gleich zu Anfang merkten aber die konservativen Wahlagenten. dass es nicht anging, die hohen Herrschaften, ohne daß man sie erst sortierte, auf die Wählerschaft loszulassen. Sie hielten daher eine furchtbare Musterung ab, aus der nur ein Häuflein der Wackeren, die die Glücksgöttin nicht mit allzu grossem Reichtum und allzu kleinem Verstände ausgestattet hat, als tauglich hervorgegangen ist. Diese kleine Schar tummelt sich»un im Lande und buhlt zur Ab- wechselung anstatt um die Gunst der Ballettänzerinnen um die Gunst der Wähler. Die englische Demokratie ist augenblick- lich reich an glänzenden und packenden Rednern, und ihren AuS- führungen gegenüber machen sich die Bocksprünge der agiiie- renden LordS wie die drolligen Zwischenbemerkungen des ClownS in "einem Shalespeareschen Drama. Die konservative Presse ist sich dcsien wohl bewusst und schmuggelt die Berichte über die Herrschaft- lichen Versammlungen in irgend eine unbeachtete Ecke ihrer Spalte» ein. während die liberale Tagespresse sie gross und breit und meistens ohne Kommentar abdruckt und dem Urteil ihrer Leser über- lässt. Nicht allen der neucn Wanderredner behagt die frische kritische Luft der englischen Volksversammlungen; der eng- lische Wähler mit seiiier dramatischen Grundstimmung ist keineswegs spröde und ein Redner muh daher schon fest auf de» Beinen stehen, will er sich nicht von den zahlreiche» Witzen und satirischen Zwischenrufen über den Haufen werfen lassen. Die meisten der Lords haben es denn auch vorgezogen, nur in solchen Versammlungen zu sprechen, zu denen nur gute konservative Leute zugelassen werden. Einige schliessen sogar die Berichterstatter der oppositionellen Presse aus. Vor einigen Tagen redete zum Beispiel ein Lord F a b e r in Jslington, einem Londoner Stadtteil, vor einer solchen stubenreinen Gesellschaft. Vor Anfang der Versammlung wurde dem an der Tür wachthabenden CerberuS gemeldet, dass sich die Berichterstatter der drei liberalen Londoner Morgenblätter im Saale befänden. Nach einigen Minuten schon flogen die drei Jour- na listen, begleitet von einer Sturzwelle unflätiger Worte, zur Türe hinaus. Die»Daily News", eins der erwähnten Blätter, meinten am folgenden Tage zu dieser neuen Ausgabe der Press- kretheit:»Und das ist der Grund, weshalb wir unseren Leser» keinen Souderbericht über das, was Lord Faber gesagt hat, geben können. Es wird sie schmerzen, die« zu erfahren, aber nach dem Bericht zu urteilen, den uns eine Nachrichtenagentur zur Verfügung gestellt hat, hat Lord Faber wirklich nichts gesagt, waS etwas zu bedeute» hätte."— Dieser Lord Faber gehört erst seit«inigen 15 Jahren dem Adel an, scheint aber in der Kunst deS aristokratische» Benehmens schon grosse Fortschritte gemacht zu haben. Wenn das am grünen Holz geschieht-- Die Agitation der LordS wird von dem englischen Volk mit Jubel begrüsst. Erstens kann man sich einmal gründlich auslache» und zweitens kann nichts besser wirken als ein abschreckendes Bei- spiel. Da? englische Volk wird die Leute, die sich als seine Herren aufspielen wollen, einnHl gründlich kennen lernen. _,% Oer König der Belgier. Brüssel, 17. Dezember. König Leopold II. ist heute früh um 2 Uhr 35 Minuten im Alter von 75 Jahren gestorben. Sein Nachfolger ist sein Neffe, der vier- unddreihigjahrige Prinz Albert. Marx hat Belgien das Parodie? der Kapitalisten genannt. Dieses Paradies hat sein„König" verlassen. Er hat seinem Stande— dem der Kapitalisten— alle Ehre gemacht. Er war ein Finanzgenie, ein gerissener Geschäftsmann, und er hatte als solcher Qualitäten, die ihn zweifellos zu einem„Großen" irKder Welt der Geldmacherei stempeln. Indes: Leopold ll. war auch König der Belgier und man weiß: er hat nicht als bescheidener Statist das„Szepter getragen", sondern er hat mit der ganzen Wucht seiner autokratischen Persön- lichkeit seine Macht geübt, die für das Land darum nicht weniger verhängnisvoll wurde, weil Leopold den„unpolitischen" König mimte. Allerdings war für Leopold die Politik vorzugsweise ein Mittel, um seine Geschäfte durchzuführen, und er hat dieses Mittel bekanntlich in skrupellosester Weise zu verwenden gewußt. Er hat sich zu diesem Zweck immer nur mit Ministern umgeben, auf deren Dienste er von vornherein rechnen konnte. Er hat die Deputierten in seine Geschäfte gezogen und in diesem Umkreis eine unerhörte Atmosphäre der Korruption geschaffen. Die Konstitution er- wies sich als eine nichtige Schutzwehr gegenüber dem autokratischen Koburger. Leopold hat keinen üblen Witz gemacht, als er im Jahre !83I den Arbeiterdelcgierten, die seine Intervention zugunsten des allgemeinen Wahlrechts verlangten, erwiderte, er könne aus der Reserve, die ihm die Konstitution in seiner Eigenschaft als Staats- oberhaupt auferlege, nicht heraustreten! Leopold und Reserve! Man erinnert sich, wie dieser König zu wiederholten Malen das Parlament behandelt hat, wie er seine Beschlüsse(z. B. in der Kongofrage) mißachtete und höhnte. Allerdings: König Leopold hat eS äußerlich verstanden, sich höchst„unpolitisch" zu geben. Man sucht vergeblich nach einer Meinung oder einem Ansspruch aus Leopolds Mutzd über irgend- eine große oder populäre Bewegung. Er hat alle die großen Kämpfe, die Belgien während seiner 44jährigen Regentschaft durch- rüttelten, ohne ein Zeichen deS Interesses oder gar der Sympathie an sich vorüberziehen lassen, und wo ihm das Volt oder die öffent- liche Meinung angerufen, da hat er immer versagt. Im Jahre 1876, während eines Streike? im Kohlenrevier von Eharleroi, baten ihn die Bergarbeiterdelegierten um seine Intervention: er lehnte ab. Als 1866 nach den Maffenverurteilungcn die Oeffentlichkcit eine allgemeine Amnestie verlangte und erwartete, blieb diese aus. Tagegen hat Leopold einem Soldaten, der einen Arbeiter nach einer antimilitaristischen Demonstration erschoß, einen Orden ver- liehen„in Anerkennung seiner energischen Haltung".... Es mag dabei bemerk werden, daß Victor H u g o'S Ausweisung aus Belgien— der Dichter hatte den flüchtigen Opfern der Kommune sein Haus angeboten— unter die Regentschaft Leopolds fällt. Nicht anders wie dem Dichter erging es übrigens all den Kommune- flüKtlingen, die in Belgien ein Exil zu finden hofften. Nein, Leopold machte keine„Politik"; er duldete die Reaktion bloß oder half, indem er die Gesetze unterzeichnete, mit, sie zu stärken! Er war sicher nicht aus„lleberzeugung" klerikal, aber er unterstützte den LlerikalismuS in seinen schlimmsten Plänen und kargte aus kluger Berechnung nicht mit seinen Sympathien für ihn. Waren es doch die klerikalen Minister, die seine Millionenanleihcn für sein Kongogeschäft in der Kammer zu lanzieren hatten. Als unter dem klerikalen Regime eln wütender Kampf gegen die offiziellen(weltlichen) Schulen entbrannte und schließlich von der klerikalen Majorität 1884 das verhängnisvolle Schulgesetz, das den Schulkrieg entfesselte, votiert wurde, setzte Leopold, trotz des Sturmes, der sich in der antiklerikalen Bevölkerung erhob, willig seinen Namen darunter. Durch das Schließen der offiziellen Schulen und der Lehrerbildungsanstalten wurden Tausende von Lehrern brotlos— dafür konnten die Klerikalen, dank der Bereit- Willigkeit des Königs, ihre pfäffischen Lehrer versorgen und die Klerikalisierung der Bevölkerung ausdehnen. Hatte Leopold aber eine„lleberzeugung" in einer politischen Frage, dann war er auch bereit, sie zu„opfern", wie er das seinerzeit in der Mlitärfvage während der ersten Kampagne für die persönliche Dienstpflicht gc- tan. Der König hatte sich öffentlich für die persönliche Dienst- Pflicht— freilich weniger aus demokratischen, denn aus patriarcha- tischen und politischen Gründen— ausgesprochen. Er hat es aber vorgezogen, der dieser Reform feindlichen Majorität keine Hinder- nisse in den Weg zu legen, um ihrer Unterstützung für ein dann erst eben vorbereitetes Millionenanleihen für oie Kongokolonie sicher zu sein! War dies keine„Politik", so war es doch„Gc- schüft"..... „Geschäst"— das war ja die Lebensmelodie dieses königlichen Kaufmanns! Geschäftsmann, das war Leopold in jeder Minute seines Lebens— das Geschäft steht am Anfang und am' Ende seiner Regentschaft. Es ist bezeichnend, daß das, was uns als Leopolds„Genialität" gepriesen wird, das Kongowerk, für den König von der Gründung bis zur Uebernahme durch Belgien nichts war als ein nacktes Geschäft. Und von allen„Zivilisatoren" hak Leopold dieses Geschäft wohl am skrupellosesten betrieben. Lord C r o m e r hat im englischen Oberhaus seinerzeit erklärt, daß ihm in seiner reichen kolonialen Praxis nirgends Mißbrauche begegnet sind, wie sie im belgischen Kongo zu Hause sindl Die loyalen Federn werden in diesen Tagen die Kongogründung freilich als das glorreichste Kapitel in das Lebenswerk Leopolds eintragen, ebenso seine„genialen Leistungen" als„Zivilisator". Die„Zivili- sation", die der„Unabhängige Kongostaat" unter der Herrschaft Leopolds betrieben, ist bekannt. Jahrelang hatte die vom Presse- bureau bestochene Presse die skandalösen Zustände, die Grausam- leiten im belgischen Kongo geleugnet und sie als Erfindungen der „Händler von Liverpool" hingestellt. Aber es kamen die Berichte der vom König selbst eingesetzten Untersuchungskommission, es er- schien das Cattier'sche Buch, und die zivilisierte Welt erfuhr schaudernd durch immer neu auftauchendes Material von der Leopoldschen Kolonialwirtschaft. Die Zivilisation, die Leopold nach dem Kongo getragen hat, hat den Negern die Zwangsarbeit ge- bracht, sie hat ihnen ihr Land geraubt und ihnen die Möglichkeit des Erwerbs genommen. Man hat ihre Dörfer niedergebrannt, ihre Frauen entehrt, ihnen die Hände abgeschnitten, um ihnen europäische Arbeitslust beizubringen, und damit für Leopold die Millionen geschaffen, die er für seine Luxusbauten und seine Weiberlaunen benötigte. Im Zeichen des Geschäftes— deS Geschäftes natürlich für sich— hat dann Leopold den Kongo, als dieser reis zur Uebernahme, d. h. genügend ausgebeutet war, und nach- dem er sich auch sonst sein Teil gesichert, den Belgiern„geschenkt". Ohne Bedingungen, für.nicht?" sollte ihn Belgien einst haben! So hatte es Leopold wenigstens in seinem berühmten Testament verkündet, als er. sich die 25 Millionen für die Kolonie von der Kammer bewilligen ließ. Man weiß, sie ist nicht ganz so billig geworden, die Rechnung, die der König dem Parlament präsentierte. 53 Millionen als„Entschädigumg" und 45 Millionen für Bauten ist nicht gerade ein Beweis für die.„Selbstlosigkeit", die Leopold von seinen Bewunderer» nachgernhwk foirft. Auch das UW-Wn'.' hat sich dem Geschäftsmann noch„rentiert". Tie Erfahrung, daß Leopold nicht das kleine Belgien„groß" gemacht, sondern es mit dieser Schenkung in ein kostspieliges Kolonialabenteuer gestürzt hat, wird nicht lange auf sich warten lassen. Man muß es Leopold lassen, daß er sich nie bemüht hat, weder als König noch als Privatmann, SentimentL zu heucheln. Es war neben seiner merkwürdigen, bis zu seinem letzten Augenblick vorhaltenden Energie wohl der entscheidenste Zug seines Wesens gewesen, dass er die Dinge, im öffentlichen und privaten Leben. ohne Sentimentalität, in kalter Berechnung des Vorteil« und Nutzens ansah: mit einem Wort, in jeder Minute der Geschäfts- mann zu bleiben.... Sicherlich hat nicht leicht eine Dynastie einen unsentimentaleren Herrscher wie diesen Koburger auf- zuweisen. Leopold hat die traditionellen Gefühlsreste als banale Illusionen abgetan— man möchte diese Ehrlichkeit fast re- spektieren—, seiner Natur nie Zwang angetan. Er hat seine Tochter Stephanie, die er wegen ihrer„Mesalliance" in Bann getan, vom Totenbett ihrer Mutter gejagt, und er hat die Hand nicht gerührt, um die Erbstücke seines Hause?, die die Gläubiger der anderen Tochter Luise versteigern lassen wollten, zu retten und den Skandal niederzuschlagen. Ein paar Wochen vor seinem Tode waren noch Familienbilder aus seinem Besitz im Museum ausgestellt, die er mit Möbeln und Kunstgegenständen aus seinen Schlössern zu Geld machen wollte. Nie hat Leopold— der millionenreiche Mann— den Wohltäter zu spielen versucht. Aber er hat ohne den Versuch einer Heimlichkeit Millionen für seine verschiedenen Verhältnisse ausgegeben. Wenn man will: auch hierin„Persönlichkeit". In allen diesen Dingen hat Leopold mit einer so offenkundigen Absichtlichkeit die öffentliche Meinung herausgefordert, dass sich sein Egoismus zuweilen schon wie ein perverses Behagen an. der allgemeinen Verstimmung und gegebenenfalls an der Verachtung ansah. Noch weniger hat sich Leopold II. bemüht, in seine Be- Ziehungen zu seinem„Volke" eine Gefühlsnote zu bringen. Er ver- brachte— fast ostentativ— die grösste Zeit aus seinen Schlössern oder im amüsanten Paris, und ließ sich sogar in Krisenzeiten die Minister dahinkommen, um nicht in die Residenz zurückkehren zu Mssen. Sein.Volk" interessierte ihn immer nur soweit, als er es brauchte. Leopold hatte im bürgerlichen Lager ebenso Bewunderer wie Feinde; es gibt klerikale Blätter, die zu seinen bittersten Gegnern zählen, und liberale, die ihn verhimmeln. Der zäheste, kon- sequenteste und unversöhnlichste Gegner deS Königs war die belgische Arbeiterschaft, die da? Leopoldinische System unerbittlich bekämpft hat. Leopold hat für die kämpfende Arbeiterschaft weder Sympathie noch Verständnis gehabt, und fie sieht mit Leopold nur einen Mann entschwinden, an dem jede Geste reaktionär und kapitalistisch war._ poUtifcbc OeberHcbt Berlin, den 17. Dezember 1909. Das Zentrum und die Erbschaftssteuer. Im Juli dieses Jahres lief eine Notiz durch die liberale Presse, der Laudtagsabgeordnete Giemsa, Architekt für Kirchenbauten in Kattowitz(Oberschlesien), habe in einer Versammlung des Katholischen MäimervereinS in Kattowitz gesagt, bei dem Zustandekommen der Sleichsfi nanzreform seien ein paar Dutzend Zentrumsabgeordnete ur- sprünglich für die Erbanfallsteuer gewesen, sie hätten sich aber dem FraltionSbejAluss beugen und rotDet ihreUeberzeugung gegen diese Steuer st i m m e n müssen. Die Acuheruiig wurde von eigenen E sinnuiigsgenossen des Herrn Giemsa in die gegnerische Presse lanziert und fand u. a. auch Aufnahme in die„Breslauer Zeitnng'. Landtags abgeordneter Giemsa bestritt, diese Aeußerung getan zu haben und sandte den Blättern auf Grund des Z 11 des Pceßgesetzes eine Berichtigung, zu der die.BreSlauer Zeitung- nach nochmaliger Information den Zusatz beifügte, Landtags- Abgeor'd- netcr Giemsa habe entgegen besseres Wissen diese„Richtigstellung- veranlaßt. Darauf nannte dieser in der„Neisser Ztg.- die„Brcslauer Ztg.- eine„freche Verleumderin- und verklagte obendrein den verantwortlichen Redakteur dieses Blattes, Dr. Oehlke, wegen Beleidigung. Am letzten Mittwoch stand nun die Haupiverbandlung vor dem Schöffengericht in Kattowitz an. die mit der Freisprechung des Verklagten, Dr. Oehlke, und mit der Verurteilung des Wiederverklagten, LondtagSabgeordneten Giemsa zu fünfzig Mark Geldstrafe und Tragung samt- l i ch e r K o st e n endete. In dein Urteil wird ausgeführt, der Gerichtshof nehme als er- wiesen an, daß Abg. Giemsa t a t s ä ch l ich im Katholische» Männer- verein jene Mitteilung gemacht und der„BreSl. Ztg.- gegenüber durch die„Berichtigung- bewußt Unwahres behauptet habe. WaS wird nun die Zentrumspresse, die früher über ehrlose Ver- leumdungen des Zentrumsabgeordneten Giemsa zeterte, machen. Wird sie seine Aussage anerkennen, oder i£n abschütteln? Offiziersehrc. Wieder einige Mißhandlungen Untergebener durch Offiziere. Wegen Beleidigung und Mißhandlung wurde der Major v. N o tz vom Grenadier- Regiment Nr. 7 in Liegnitz vom Kriegsgericht in Glogau zu drei Wochen Stubenarrest verurteilt. Der Angeklagte hatte in seiner Eigenschaft als Hauptmann der 6. Kompagnie zum Teil die Mannschaften mit dem gezogenen Degen über den Leib geschlagen, zum Teil ihnen die geballte Hand vor die Nase gehalten(I), so daß einem im Marsche befindlichen Soldaten die Nase blutete. Ein anderer Fall: Der Leutnant Georg Schimmelpfennig vom 61. Infanterie- Regiment hatte sich dieser Tage vor dem Kriegsgericht in T h o r n wegen Mißhandlung eines Untergebenen in zwei Fällen, ferner in einem Falle unter Mißbrauch der Waffe zu verantworten. Schimmel- Pfennig, der erst drei Monate Offizier ist, halte einem Rekruten, der ihm eine Frage nicht laut genug beantwortete, eine Ohrfeige ge- schlagen. Am nächsten Tage ohrfeigte er den Rekruten wieder und schlug ihn mit der Säbelscheide auf den Arm. Da« Gericht bezeichnete diese Mißhandlungen als minder schwere Fälle und verurteilte den Herrn zu zwölf Tagen Stubenarre st. Unter anständigen Arbeitern gilt es als eine Ehrlosigkeit, einen Wehrlosen zu schlagen. Der Ehrbegriff mancher Offiziere reicht, wie immer wieder die Berichte über Soldatenmißbandlungen beweisen. an diese Ehrauffassung nicht heran, denn sonst würden sich nicht so oft Offiziere an Rekruten vergreifen, die ihnen infolge der disziplinarischen Verordnungen völlig wehrlos gegenübersichelt, und es würden ferner nicht von den eigenen Kameraden der der Mißhandlung überführten Offiziere deren Taten als Bagatellen betrachtet werden, die mit einigen Tagen Stubenarrest hinreichend gesühnt sind. Es wird so viel in agrarischen Blättern von der besonderen Ehre des Offiziers- ftandeS gefaselt: wie aber die Erfahrung lehrt, ist eö nötig, daß bei manche» Offizieren derEhrbegriff wesentlich verfeinert wird, damit dieser nicht allzu sehr hinter dem Ehrbegriff schlichter Arbeiter zurückbleibt. Op Leopold II. als KlilsieP m Veritschland. .Der Tod Leopolds IL Pen Belgien ruft die Erinnerung .Der Tod Leopolds IL£«> Belgien yzft die Erinnerung-daran wach, daß gegen Mitte der neunziger Jahre zwei deulfchd' Sozial- demokraten wegen Beleidigung dieser Majestät zu längerer Gefängnis- strafe verurteilt wurden. Sie hatten weiter nichts getan, als in den von ihnen verantwortlich gezeichneten Blättern einiges von dem wieder- zugeben, was dem belgischen König im eigenen Lande in bürgerlich-radi- kalen und sozialistischen Blättern und Broschüren an Geschäften und Frauenzimmergeschichten nachgesagt wurde. Leopold ll. hatte sich wohl gehütet, seine belgischen Angreifer zu verklagen. Aber zu dem Strafrecht und der Justiz Deutschlands hatte er Vertrauen. Und das wurde denn auch nicht getäuscht. Die deutschen Staatsanwälte und Richter nahmen sich dieser auswärtigen Majestät mit demselben Eifer an, wie sie sie sonst bei der Verfolgung der inländischen Potentaten zu entwickeln pflegen. Und so wurde denn der Genosse Stengele vom„Hamburger Echo" zu fünf Monaten Gcfäng- n i s verurteilt. Der Genosse Feld mann vom„Proletarier aus dem Eulengebirge" mußte ebenfalls für längere Zeit in» Gefängnis wandern. Wegen Straftaten, die an den„eigenen Landeskindern" Leopolds nicht gestraft, ja nicht einmal verfolgt wurden I Deutschlands Justiz war gut genug, dem König der Belgier die Stiefel zu putzen, die er bei seinen eigenen Gerichten nicht geputzt bekommen konnte und auch wohl kaum bei den Gerichten irgendeines anderen Landes! Aber Deutschland ist das Land, an das sich alle Majestäten der Erde in solchen Angelegenheiten ver- trauensvoll wenden können! Deutschland ist ein wirklich monarchisches Land und deshalb wird in ihm nicht nur die ein- heimische Majestät, sondern die Majestät überhaupt, die Majestät an sich geschützt! Und darin ist es selbst Rußland voraus. Hell uns!_ Das Koalitionsrecht und die bayerischen Minister. Gelegentlich der Beratung eines Teils des EisenbadnemtS hat sich auf die Rede eines sozialdemokratischen Abgeordneleu hin der BerkehrSminister v. Frauendorfer auch über den Schutz des KoalitionsrechlS ausgesprochen. Folgende Aeußerungen noch dem Stenogramm sind bemerkenswert: „Ich trete dafür ein. daß bei den Firmen, mit denen wir in geschäfllichcr Beibindung stehen, keine schweren Verletzungen des Koatilionsrechls vorkommen.-, „Um jede» MißvelständniS auszuschließen, wiederhole ich. daß ich bereit bin, jeden gangbaren Weg zu betreten, der dazu führt, schwere Verletzungen des KoolitionSreckts der Angestellten und Arbeiter in den Privatbetrieben hintanzuhalten.- „Der Gedanke, den die Herren verfolgen, würde also darauf hinweise», wo möglich, in den Verträgen mit den Firmen derartige Kautel?» sZurückz'ehung der Lieferungen 1) vorznsehen.- . Sollte sich bewahrheiten, was Herr Abgeordneter Rollwage» ausführte fdaß eine Firma das Koalitionsrecht verletzte!), so werde ich nicht unierlasse», im Sinne der eben von mir gemachten Aus- führnngen das Erforderliche zu veranlasscn.- Selbst der bayerische K r i e g s m i n i st er hat im Finanz- ausschuh aus die Anfrage des Genossen Auer sich bereit erllärl. für den Schutz des KoalilionSrechiS der Arbeiter derjenige,, Betriebe, mit denen die Mitilärverwoltung direkt oder auch nur indirekt in geschäftlicher Verbindung steht, weitgehende Maßnahmen zu treffe». Wenn der VerkebrSininisier nicht nur bei„schweren- Ver- letzimgen des Koalitionsrechts, sondern auch bei den leichten ein- zutreten qewilll ist und beide Minister ihren Worten mich die Talen folgen lassen, so tann dadurch schon in einer Reihe industrieller Be- triebe einiges gebessert werden.__ Reglementierung der koinninnalcn Wcrtzuwachsstener. Zur Erzielung größerer Einheitlichkeit bei Einführung der Wert- zuwachssteuer in den Gemeinden und Kreisen haben der preußische erlassen. Diese bestimmt, daß in den Wertzuwachssteuerordnnngen\ deutsche Polizisten, Anarchistenjägerei, Soziakistentöterei, An?« grundsätzlich die persönlichen Steuerbefreiungen nach§ 5 des Stempelsteucrgesetzes vom Sl, Juli 1895 vorgesehen werden, daß ferner alle Erwerbungen vonTodeS wegen oder auf Grund einer Schenkung unter Lebenden oder Besitzveränderungen im Interesse der Allgemeinheit von der Steuer frei bleiben. Ferner empfiehlt die Verordnung bezüglich der Rückwirkung der Wertzuwachs- steuerordnung, eine Bestimmuiig auszunehmen, durch welche die Er- fassung eines vor Erlaß der Steuerordnung eingetretenen Wert Zuwachses in angemessener Weise beschränkt wird, etwa derart, daß wenigstens ekn Teil der Wertsteigerung, der länger als 16 Jahre vor dem Inkrafttreten der Ordnung entstanden ist, von der Besteuerung aus genommen bleibt. Endlich wird geraten, und zwar für WertzuwachSstener wie für Umsatzsieuerordnungen, die die Steuer vom ErwerbSakte er- beben, eine Vorschrift vorzusehen, durch die einer Umgehung der Steuer vorgebeugt wird. Die Verfügung ist recht interessant, da sie zeigt, wie besorgt die preußische Regierung trotz aller Finaiiznöien ist, daß die Grundstücksbesitzer, die infolge des. Werlzuwachses ihrer Grund- stücke zu schönen Revenuen gelangen, ja nicht ihren Geldbeutel ernstlich angreifende Steuern bezahlen. Kommuualtvahlen. Wahle» in Württemberg. In S t a m m h c i m bei Ludwigsburg siegte der sozial- demokratische Zettel, auf dem zwei Sozialdemo- traten und ein bürgerlicher Kandidat standen, über den des Bauernbundes. Die Wahlbeteiligung betrug 95,6 Proz. In Weil im Dorf wurden die zwei sozialdemo- kratischen Kandidaten mit den höchsten abgegebenen Stimmenzahlen gewählt. In a r p f e n h a r d t bei Neuenbürg siegte die Sozial- demokratie zum ersten Male glatt über die Gegner, so daß die ersten zwei Sozialdemokraten dort ins Rathaus einziehen. In Gerlingen, wo fünf Mandate zu besetzen waren, wurden zwei Sozialdemokraten gewählt, In K o r n w e st h e i m wurde ein Sozialdemokrat durchgebracht und ein Bauernbündler dadurch hinausgewähll. In Feuerbach hatte die Sozialdemokratie von vier Mandaten, die zur Wahl standen, zwei seither schon im Besitz. Eins davon vermochte sie zu halten, das zweite verlor sie an die vereinigten Gegner. Die sozialdemokratischen Stimmen gingen von 873—709 im Vorjahre auf 742—612 zurück. Aus dem sächsischen Landtage. Die sozialdemokratische Fraktion hat einen Antrag auf Sicherung des Koalitionsrechts der in Staats- betrieben beschäftigten Arbeiter eingebracht. Der erste Teil des Antrags ersucht die Regierung, aus den Dienst- und Ver haltungsvorschriften für die in den Betrieben des sächsischen Staates beschäftigten Arbeiter und Beamten alle Bestimmungen, die das Arbeitsverhältnis abhängig machen von der politischen Gesinnung der Bediensteten, zu entfernen, die Einrichtung der Personalbogen aufzuheben sowie die Ausübung des Koalitionsrechtes, ivie aller übrigen StaolSbürgerrcchte, den in Staatsbetrieben beschäftigten Personen nicht zu erschweren oder unmöglich zu machen. Im letzten Teil des Antrages wird eine Abänderung der Vor- schriflen über die ArbetterauSschlisse zum Zwecke der Erweiterung ihrer Befugnisse, der Sicherung der Mitglieder vor Maßregelung und der ordnungsmäßigen Funktion der AuSschtifie- verkangl. � �« OB Die badtsche Regierung und die Schiffahrtsabgaben. Wie aus Karlsruhe gemeldet wird, beantworlete in der Heuligen Sitzung der Zweiren Kammer der Minister des Innern eine Jnler- pellation betreffend die Einführung der Schiffahrtsabgaben und gab eine längere Erklärung ab, in welcher er den Standpunkt der Re- gierung, wie er in der sächsiich-bad, scheu Denkschrift niedergelegt ist. wiederbolte Der Minister bemerkte, daß die gcgenwärligc» Verhandlungen vertraulicher Art seien, das Ergebnis daher nicht mit- geleilt werden könne. Die großherzogliche Regierung ist, so schloß der Minister, obwohl sie unverbrüchlich seslbält an ihrer bundes- freundlichen Gesinnung und grvße» Wert auf das Fortbestehen der bisherigen guten Beziehungen zur Reichsleitung und zur preußischen Regierung legt, zu ihrei» Bedauern außerstande, dem Antrage der preußischen Regierung zuzustimmen. Die Erklärung wurde von der Kainmer mit großem Beifall ausgenommen. Terrorismus bei den Königsberger Stadtverordneten- wählen. Eine hübsche Illustration zu der in Nr. 288 von uns wieder- gegebenen„Berichtigung" der Eisenbahndirektion Königsberg ist die folgende Mitteilung aus der Hauptstadt Ostpreußens: Einige Tage vor den Wahlen erschien in dem Inseratenteil bürgerlicher Zeitungen Königsbergs ein Aufruf zugunsten der bürgerlichen< liberalen) Kandidaten, der fast nur von Beamten unterzeichnet war, und dessen Kosten der Reichsverband zur Bekämpfung der Sozialdemokratie übernommen hatte. Die Unter- schriften wurden aus der Post während der Dienstzeit gesammelt. In einer Versamnilung der konservaliven Bürgervereine erklärte der Polizeisekretär Koose, bei der Sammlung der Unterschriften sei nach dem Rezept verfahren Warden: Vogel friß öder st i r b! Auf den Bureaus der königlichen Regierung wurden die Unterschriften in folgender Weise zusammengebracht: Der Aufruf kam vom Landrat Kusel. Herr Rechnungsvat Krüger ging damit von Stube zu Stube und laS ihn mit dem Bemerken vor, der Oberregierungsrat Bergmann, der Stellvertreter des Regierungs- Präsidenten, wünsche, daß alle Beamten ihren Namen unter den Aufruf setzen; er(der Herr RegierungSrat Krüger) und Graf Kayserliugk hätten schon nnterschriebei». Die Bureauvorsteher ließen alsdann in den Diensträumen unterschreiben. Auch Supernumerare, die wegen ihres Alters nicht wahlberechtigt waren, haben unterschrieben. Ober- regierungsrat Bergmann hatte angeordnet, daß die Amtstitel der Oberbeamten nicht dem Namen beigefügt werden sollten. Die Beamten wurden zur Wahl veranlaßt! sogar Weih- nachtsrenl un �rationen ließ Herr Oberregierungsrat Bergmann, der Stellvertreter des Regierungspräsidenten, vor der Wahl zahlen. Auf die Eisenbahner ist insofern e i n unerhörter Druck ausgeübt worden, als vielen von ihnen die .Meinung beigebracht worden war, daß sie ihre Entlassung zu erwarten haben, falls sie nicht zur Wahl gehen. Sie erschienen daher in Scharen und wählten— liberal. So sieht der TerroriSmuS der Behörden und der bürgerlichen Parteien auS.__ Die Wirkungen der Ziindholzstener. Die Folgen der Fnianzresorm marken sich auch in der schle fischen Znndholzindustrie in rrch, sühlbarer Weite für die Arbester derselben bemerlbar. Die Fabrikanten in. der Grasscbast Glatz lassen nur noch an vier Tagen in der Woche arbeiten, baben aber ansterdem noch weitere Betriebseinschränkungen für die nächste Zeit angekündigt. DaS sind schlechte Aussichten für die schon ohnehin schlecht gestellten Arbeiter dieses Berufs. Ein russisch« OrdenLsegen hat sich wieder mal über die preußische Polizei ergösse». Diesmal sind die dreißig(!) Dekorierten ausnahmsiveise nicht in Berlin, sondern von der Kieler Polizei. Die Ursache deö Verdienstes, dem die Krone gebührt, kann Finanzminister und der Minister des Innern eine neue Berfügimg I man hiernach leicht crmessen. Ausfische Kaiseryachtbewachung durch Weisungen— alles da» macht sich in Preußen noch immer bezahlt. Ein Attentätche» konnle damals nicht konstruiert werden, sonst hätte es vielleicht noch mehr Metallbommeln ans Polizeiheldenbrüste geregnet. Am Berliner Alexandcrplatz wird man nicht schlecht neidisch sein auf die Trinkgelder der Kieler Kollegen. Nach Berlin traut sich ja der blutige Zar aller Reußen nicht hinein. Dieselbe amtliche Ordensliste verinerkt noch die Verleihung von anhaltischen Orden an drei Schöneberger Polizeibeamte, die nur ihre Pflicht und Schuldigkeit taten, als sie den Dessaucr Kassen- räuber.„Einbrechet könig" Franz Kirsch, verhafteten. Auch der reichs- treue Berliner Redakteur Schweitzer wird im selben Atem mit einem österreichischen Piepmatz erwähnt. Das ist bei diesem Herrn, der den deutsche» Staat mit Druckerschwärze retten soll, nicht das erste Mal. Oeftermcb-Clngarit. Ungarn ohne Ncgierung. Budapest, 17. Dezember. Abgeordnetenhaus Minister» Präsident W e k e r l e unterbreitete heute dem Hause ein Budget- Provisorium für die ersten beiden Monate des Jahres 1910. Der Ministerpräsident sagte, die Regierung habe das Budget nicht vorlegen können, da sie demissioniert habe, je- doch bisher die Annahme ihrer Demission nicht habe erreichen können. Sie fühle sich nicht berechtigt, dg sie nicht im Vollbesitz der politischen Verantwortlichkeit seh das Budget zu unterbreiten, sie ersuche jedoch, ein Budget- Provisorium zu bewilligen, um die Ktntinuität der Gebarung oes Staatshaushaltes aufrechtzuerhalten. Der Ministerpräsident er- suchte, die Vorlage betreffend das Budgetprovisorium dem Finanz- ausschuß zu überweisen. Abgeordneter Justh erklärte, das Er- suchen des Ministerpräsidenten ablehnen zu müssen. Obwohl die Hausordnung vorschreibe, daß alle Regierungsvorlagen einem Ausschusse überwiesen werden müßten, so gelte dies nicht von der gegenwärtigen Regierung, die nach eigenem Geständnis nicht im Vollbesitz der parlamentarischen Verantwortlichkeit sei und den Anforderungen des Parlamentarismus nicht entspreche. Hierauf entspann sich eine lebhafte Debatte. Ein Ausruf der Opposition. Budapest, 17, Dezember. Die Kossuthpartei veröffent- licht eine an den König gerichtete Adresse, in welcher die Unmög- lichkeit einer Beratung des Budgetprovisoriums durch das Abgeord- netcnhaus aus den kurzlich bekanntgegebenen Gründen dargelegt wird. Der Antrag, wonach die Leistung des Beitrags zu den ge- meinsamen Ausgaben eingestellt werden sollte, ist dagegen zurück- gezogen; es soll der Regierung nur untersagt werden, andere als die unerläßlichsten Ausgaben zu leisten. Die Bolkspartei hat beschlossen, dem Budgetprovisorium zuzustimmen.-> Spanien. Auflösung der Corteö. Paris, 17. Dezember. Der„New-Iork Herald' berichtet: Depeschen aus Madrid besagen, das Mo ret die Auflösung der Tortes für die elsten vierzehn Tage zm Januar beabsichtige. Die Neuwahlen würden im März stattfinden, die Einberufung der Cortcs würde alsdann im April erfolgen. SnAlancl. Der Dreadnvught überboten. Loudoii, 17. Dezember. Wie die„Morning Post" meldet, soll ein Kriegsschiff ganz neuen Typs als Ergebnis von Versuchen der Admiralität gebaut werden, und zwar noch vor M- laus des Finanzjahres. Jedes Fahrzeug soll über tausend Mann B e s a tz u n g an Bord haben, und oer Tonnengehalt etwa -betragen, dagegen sollen wernger Geschütze als in den lxtzt- erbauten Dreadnoughts aufgestellt werden. Diese Geschütze werden aber größere Feüergeschöittdigkejt Üiitz Tragweite aufwSsen.-i Oänemaik. Gcmeindewahlrechtsreform und Biirgermeisterwahl. Nachdem daS Folkcthing sich erst kürzlich mit den Vorschlägett zur Ncueinteilung der Wahlkreise und mit der demokratischen Verfassungsreform befaßte, die unter anderem den Frauen daS staatsbürgerliche Wahlrecht bringen soll, fand in den letzten Tagen wiederum eine Wahlrechtsdebatte statt. Diesmal handelte es sich um Vorschläge der Radikalen zur Verbesserung deS kommunalen Wahlrechts. Die Vorschläge besagen, daß die Abhängigkeit des Gemeindewahlrcchts von zweijährigem Aufenthalt und dem- entsprechender Steucrlcistung beseitigt, daß die Armenunter- stützungsklausel so eingeschränkt werden soll, daß nur die im letzten Jahre bezogene Unterstützung zum Verlust des Wahlrechts führt, und daß das Privilegiertenwahlrecht der großen Steuerzahler zu den Amtsrätcn abgeschafft werden soll. Die im Jahre 1908 unter dem„liberalen" Minister Berg durchgeführte Gemeindewahlrechts- reform hat ja zwar das Zweiklassenwahlrecht im allgemeinen ab- geschafft, auch den Frauen und dem Gesinde das Wahlrecht ge- geben; aber früher genügte eS, wenn man ein Jahr in der Ge- meinde ansässig war und die Steuerquittung des letzten Quartals vorlegen konnte; jetzt wird das gleiche für zwei Jahre verlangt. Der ictzige Minister de» Innern Münch sagte in der Debatte, daß unter den gegenwärtigen Verhältnissen über 30 Proz. der Bürger im Wahlrechtsalter kein Wahlrecht haben und daß von den Frauen in Kopenhagen nur 4? Proz. wahlberechtigt sind.„Da die Wahlrechislosen die armen Frauen sind, lvirken die Bestim- mungen i» Kopenhagen wie ein neues Privilegiertenwahlrecht." In Kopenhagen, wo schon früher das gleiche Wahlrecht bestand, hat die Wahlrechtsreform die Herabsetzung des Steuerzensus von 1000 Kronen auf 800 Kronen, die niedrigste Steuercinkommenstufe. gebracht, aber die zweijährige Ansässigkeits- und Steuerklauset hat, wie unser Genosse Borgbjerg ausführte, 15 300 Wähler des Wahlrechtes beraubt.— Die Vorschläge der Radikalen wurden schließlich einem Ausschuß überwiesen. Unsere Genossen werden dazu im Ausschuß noch Abänderungsanträge stellen. Ebenfalls einem' Ausschuß überwiesen wurde ein Antrag zur Einführung der Bürgermeisterwahl für die Provinzstädte. Bis jetzt haben nur die Stadtverordneten Kopenhagens das Recht. die Bürgermeister der Stadt zu wählen. Die/ Provinzstadträte haben schon 1891/«ss sie noch vorwiegend konservativ waren, das Bürgermeisterwahlrecht gefordert. Jetzt/ sind die Konservativen allerdings der Ansicht, daß ein von der Regierung ernannter Bürgermeister— der meist mit den Verhältnissen der Stadt, deren oberster Beamter er wird, gar nicht vertraut ist— vorzuziehen sei. weil er„über den Parteien stehe". Die Herren werden aber auch in dieser Hinsicht den Fortschritt zur Demokratisierung des Gemeinwesens nicht verhindern können. Statt Orden«nd Titel. Der Obergerichtsassessor Rastrup, der auf eigenen Wunsch seinen Abschied erhalten hat, empfing statt der sonst üblichen Orden oder Titel vom Jnstizminister ein Anerkennungsschreiben für seine Amtstätigkeit. Das geschah mit Genehmigung deS Königs, der sich also offenbar, wenigstens in diesem Falle, dem Wunsche der Regierung, keine Orden oder Titel zu verleihen, fügte. Nicaragua. Rücktritt des Präsidenten. New Dork, 17. Dezember. Zelaya hat die Präsidentschaft niedergelegt. In dem Abdankungsschreiben heißt- eS, das Land werde durch eine schamlose Revolution erschüttert und eine fremde Macht mische sich ungercchterweise ein, indem sie die Rebellen mit Waffe» versehe. Um nun weiteres Blutver- gießen zu vermeiden, und weil die Revolutionäre versprochen hätten, die Waffen niederzulegen, lege er seine Abdankung in die Hände des Kongresses, GcwerhrcbaftUcbce. Mo bleiben die Randwerher-Grofchen? (Hn beliebtes Agitationsmittel gegen die Organisationen der Arbeiterschaft bildet in der gelben und Scharfmacherpresse die Rechnung, was die Arbeiter an ihre Organisationen angeblich für hohe Beiträge zahlen und was sie an angeblich niedrigen Leistun- gen dafür wieder herausbekommen. Neulich begegneten wir sogar einer Aufmachung, in der die höchsten Gewerkschaftsbeiträge den Steuerlasten des deutschen Volkes gegenübergestellt waren. Um die Sache einigermaßen schmackhafter zu gestalten, waren die Ge- Werkschaftsbeiträge pro Mitglied den Steuerleistungcn pro Kopf gegenübergestellt, die man bekanntlich mit 5 multiplizieren muß, um die Belastung einer Durchschnittsfamilie hcrauszube- kommen, während Gewerkschaftsbeiträge gemeinhin nur von dem Ernährer der Familie allein gezahlt zu werden Pflegen. Trotz- dem schnitt unsere Finanzwirtschaft wider den Willen des Artikel- schreibers recht schlecht bei dem Vergleich ab, namentlich wenn man bedenkt, daß dem Volke aus dieser steuerlichen Belastung durch das Reich nur Nachteile, nur wenigen Angehörigen der Nation Borteile erwachsen. Im übrigen haben die Gegner der Arbeiterbewegung auch sonst alle Veranlassung, Vergleichen ihrer Finanzwirtschaft mit denen der Arbeiter aus dem Wege zu gehen. Wir haben dies mehrfach an Beispielen, uaincntlich aus den Berufsgeiwssen- schaften, gezeigt. Ein unzufriedener Jnnungsmeister teilt uns nun die folgen- den nicht uninteressanten Tatsachen mit: Die Berliner Malerinnung bewilligte am lkh. November 1900 (anwesend waren allerdings von 1300 Mitgliedern nur zirka 90) ihrem Obermeister Stadtverordneten R e t t i g 1710 M. Entschädi- gung, dem Kassensührer 1720 M., ferner unter anderem für das Jnnungsblatt 3050 M. Dabei ist dieses Blatt ein gutgehendes Annoncenblatt und enthielt beispielsweise in einer Nummer niit 11 Seiten Text, der zumeist die Interessen des Arbcitgeberver- bandes behandelt, der mit der Innung nichts zu tu» hat, 17 Seiten Annoncen von Farbenhändlern uflv. Jeder Malermeister bezahlt an die Innung mindestens 12 M. pro Jahr. � Ter größte Teil des Geldes wandert in die Taschen des Borstandes, der sich auch noch jede Sitzung mit 1,50 M. pro Person bezahlen läßt. In dieser Abrechnung kehren außer diesen Summen auch weitere Ent- schädigungen von 290, 300, 500 M. usw. wieder. Dazu kommen für die Mitglieder des Vorstandes noch die einträglichen Sach- berständigenpostcn. Unter solchen Umständen werden die sogenann- ten Ehrenämter zu einträglichen Nebenerwerbszweigen. Wenn in irgendeiner Arbeiterorganisation auch nur halb so schlimme Verhältnisse herrschten, wie würden da die Herren Jnnungsmeister das Heldenmaul aufreißen! Im eigenen Lager aber schweigen sie. Und wenn ja der eine oder andere Unzufriedene sich einmal zu einer Aeußerung des Unwillens hinreißen läßt, fährt man ihm über den Mund! Warum schweift man so gern in die Ferne und erörtert nicht einmal in den Jnnungsversantm- lungen die Frage: Wo bleiben die Groschen der Jnnungs- Meister? V«?lin imd Omgegend. Zur Tarifbewegung in den Brauereien. Die dritte Gruppenversammlung der verschiedenen in den Brauereien beschäftigten Arbeiter wurde am Donnerstagabend im Gcwerkschaftshausc abgehalten. Der Brauerciarbeiterverband hatte diesmal die Flaschenkellerarbeiter und die als»Diverse" bezeich- treten Arbeiter(das sind Wächter, Portiers, Reinemacher usw.) und die Weißbicrbrauereiarbcitcr eingeladen, um Bericht über die Ar- beiten der Kommission zu erstatten. Die große Mehrzahl der Ar- beiter in den Flaschenkellereie» ist im Brauereiarbeiterverband or- ganisiert, nämlich 948. Im Deutschen Transportarbeiterverband sind 110 Arbeiter organisiert. 101 Arbeiter sind noch unorganisiert. S ch u l d t gab in seinem Referat ein Bild von den Verhandlungen in der Kommission. In bezug auf Lohn und Arbeitszeit wird folgendes gefordert: Für Flaschenkellerarbeiter soll der Lohn 30 M. betragen, die Arbeitszeit soll am Tage Wi Stunden innerhalb 10 Stunden und bei Nachtschicht 8 Stunden innerhalb 9 Stunden betragen(in dem Berichte über die Versammlung des Transport- arbeitcrverbandes ist diese Regelung nicht genau angegeben). Für die Apparatreiniger wird dasselbe gefordert. Für die..Diversen" soll auf Regelung der Arbeitszeit, Erhöhung des Lohnes und Be- zahlung der Sountagsarbeit gedrungen werden, entsprechend den Verhältnissen bei den Flaschenkellerarbeiter». Die Lohn- und Arbeitsverhältnisse der Arbeiterinnen in Flaschcnkellern werden außertariflich geregelt. Nachdem der Redner noch die weite- ren Bestimmungen, betreffend Ucberarbeit, Freibier, Kündigung»- frist und anderes erläutert hatte, begann eine lebhafte Diskussion. in der einige Redner betonten, daß die Forderung der Freigabe des 1. Mai nicht vernachlässigt werden sollte. Im allgemeinen war man mit dem Resultat der Kommissionsberatungcn zufrieden, wenn auch einzelnes bemängelt wurde, z..B., daß der Lohn nicht höher angesetzt war._ Mit der Frage einer Teuerungszulage beschäftigte sich die letzte Vertrauenspcrsonensitzung der Zahlstelle Berlin des Ver- bandes der Buch- und Steindruckcreihilfsarbeiter und-Arbeite- rinnen Deutschlands. Die Wirkungen der Reichsfinanzreform machen sich für die Arbeiter bereits stark bemerkbar. Deshalb beschloß die Versammlung trotz des bestehenden Tarifvertrages die Annahme des folgenden Antrages: „Die heutige Vertrauenspersonensitzung ersucht den Vor- stand, unverzüglich mit den Prinzipalen in Verhandlungen zu treten und für alle Mitglieder der Zahlstelle eine Teuerung?- zulage zu fordern, da dieselbe durch die immense Steigerung der Lebensmittelpreise unbedingt geboten erscheint." Es ist wahrhaftig nicht zu viel verlangt, wenn man von den Unternehmern erwartet, daß sie einen Teil der durch ihre poli- tischen Vertreter dem Volke auferlegten Lasten mit tragen helfen. Ob das sozialpolitische Verständnis der Buchdruckcreibesitzer so weit geht? Warten wir's ab! Achtung. Friseurgel, ilfcnk Für Mitglieder gesperrt: Frank. Kopenhagener Straßd 22. Geregelt: Schulz, Rixdorf, Barthels- dorfcr Straße 8, Oehmchen, Kaiser-Fricdrichstr. 73. Verband der Friscurgehilfen. Deutrehes Reich. Bernfsverhältnisse im Kartographiegewcrbe. Der Verband der Lithographen und Steindrucker hat über die Berufsvcrhältnisse der in der Kartographie Beschäftigten eine sta- tr tische Erhebung veranstaltet. Die Kartographie ist eine der kleinsten Branchen des Gewerbes, eine Nebenbranche des Litho- graphiegewerbes. Von der Statistik erfaßt wurden 315 Gehilfen, das dürften alle in Privatbetrieben beschäftigten sein; die Zahl der in Staatsbetrieben� tätigen ist dabei nicht mitgerechnet. Es be- stehen 10 kartographische Anstalten in 11 Städten, Berlin und Leipzig sind die Hauptdruckortc, in Glogau ist die größte Firma mit 13 Gehilfen. In Berlin werden in 10 Firmen 139 Ge- Hilfen und in Leipzig in 11 Firmen 98 Gehilfen beschäftigt. In den drei genannten Städten sind 81,11 Proz. der überhaupt be- schäftigten Gehilfen anzutreffen. Die Lebrlingszüchtcrei ist ziemlich stark im Gange; 97 Lehrlinge werden beschäftigt, das ist im Durch- schnitt ein Lehrling auf 3'ch Gehilfen. Eine Firma beschäftigt 8 Kartographinnen, deren Lohn zwischen 7 bis 18,50 M. schwankt. Neben verhältnismäßig hohen Löhnen stehen recht niedrige für die Berantw. Redakt.: Richard Barth, Berlin. Inseratenteil verantw.: Kartographen. In einem Falle werden 03 M. Wochenlohn gezahlt, zwischen diesem bis zu 16 M. herab variieren die Löhne. Der Durchschnittslohn beträgt 31,55 M.(der der Lithographen 29,85 M., für Berlin 32,20 M.), etwa 50 Proz. der Gehilfen arbeiten unter dem DurchschnitSlohn. Fast ausschließlich wird im Lohn gearbeitet. Die Arbeitszeit schwankt zwischen IM bis 9 Stunden. Tie Bezahlung der Feier- tage erfolgt durchgängig, Ueberstunden werden mit 15 bis 190 Proz., in der Regel mit 25 Proz. vergütet, auch Hausarbeit ist üblich. Sind die Arbeitsverhältnisse in diesem Gewerbe allgemein be- trachtet gerade nicht schlechte, so sind sie doch in Anbetracht der be- sonders gualifiziertcn Arbeit nicht allzu rosig, sie ermangeln vor allem der Einheitlichkeit. Solche kann nur die Organisation schaffen, die in Tarifverträgen Ausgleiche der Löhne schafft. Die Karto- graphcn, die nur zu 25,22 Proz. iin Verbände der Lithographen und Sieindrucker organisiert sind, hätten daher allen Grund, es ihren nächsten Berufskollegen, den Lithographen glcichzutun, die zu 85 Proz. dem Verbände angehören. Die Bromberger Böttcher sind in eine Lohnbewegung ein- getreten. Ihre Forderungen haben sie den Unternehmern schon unterbreitet. Die Verbandlungen darüber sollen noch vor Weih- nachten zu Ende geführt werden. Ein Streik am Weihnachtsfeste? Für die Garten- und Rebscherenfabrik Hugo Linder(Deltawerk), Solingen, ist am letzten Sonntag in einer Versammlung der Arbeiter des Betriebes einstimmig der Streik erklärt worden. Etwa 90 Arbeiter haben im Lause des folgenden Montags die Kündigung eingereicht.— Die Firma Hugo Linder steht, was Wortbruch und Rücksichtslosigkeit gegenüber ihren Arbeitern anlangt, im Kreise Solingen an erster Stelle. Vor zwei Jahren um diese Zeit stand bei ihr ebenfalls ein Streit bevor. Im Sommer 1907 hatten die Arbeiter mit der Firma einen Akkordlohn taris vereinbart. Als die Firma die Löhne zahlen sollte, weigerte sie sich, und kurz vor Weihnächte» 1907 reichten die Arbeiter die Kündigung ein. Der Verband von Arbeitgebern im Kreise Solingen erschien dann auf dem Plan, die Firma zu schützen, mußte aber bald den Rückzug antreten und am Neujahrsabend kam eS zu einer Einigung. Es hat aber nicht lange gedauert, da fing die Firma Linder an, sich über die im Einverständnis mit dem Arbeitgeber- verband getroffenen Vereinbarungen hinwegzusetzen. Wer der Firma nicht zu Willen war, dem drohte die Huugerpeitsche. Die Beschtverden des JiidnstriearbeilervcrbandeS(Solinger Fachvereine) beim Arbeit- geberuerband blieben erfolglos; ersterer mußte sogar die Erfahrung machen, daß der Arbeitgeberverband im Geheimen eines Sinnes mit der Firina Linder war und falsches Spiel trieb. In den letzte» Wochen ging die Firma erneut mitLohn- reduktionen vor. Einige Schleifer, die sich weigerten, unter schlechteren als den vereinbarten Lohnsätzen zu arbeiten, erhielten die Külldigung. Verhandlungen mit dem Jndustriearbciterverband lehnte die Firma ab, so daß der Streit unvermeidlich ivurde. Kommt im Laufe der vierzehntägigen WiidigungSsrist keine Einigung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmern zustande, dann schließen sich am Weihnachtsabend die Tore hinter den Arbeitern, unter denen sich zahlreiche Familienväter befinden. Die Differenzen bei der Schuhfabrik W. Spieß in Stuttgart wurden durch Verhandlungen zugunsten der Arbeiter beigelegt. Die Firma lehnte die eingereichten Forderungen zunächst niit der Be- grllndung ab, daß sie von den in Stuttgart, Cannstadt und Kornweslheim in Betracht kommenden Betrieben ohnehin die höchsten Zuschneider- und Stanzerlöhne bezahle. Als jedoch seitens der Arbeiter der zahlenmäßige Nachweis geliefert wurde, daß das nicht zutreffend ist. wurde eine Zulage von 1— t Pf. pro Stunde gewährt. Am 1. Oktober 1910 tritt eine weitere Lohnzulage von einem Pfennig ein. Mit diesem Resultat gaben sich die Arbeiter zufrieden und wurde die bereits eingereichte Kündigung zurückgezogen. Der Rheinfelder Strcikkrawallprozeß kommt am 22. d. Mts. vor der Waldsbuter Strafkammer zur Verhandlung und dürfte mehrere Tage in Anspruch nehmen, da 59 Zeugen geladen sind. Angeklagt sind 20 Arbeiter und ein Dienstmädchen wegen LaiidfriedenbtuchS. Es handelt sich um die Unruhen, die am 13. August d. I. im Ait- schluß an den mehrwöchentlicben Streik in de« Aluminiumwerken zu Bad. Rheinselden eiiislandeii sind, bei denen die Wohnungen der Aufseher und auch Fabrikräumlichkeiten demoliert und zwei Ar- beiter(ein Italiener und ein Deutscher) vom Portier der Fabrik er- schössen wurden. Anlaß zu den Unruhen hatte ein mit Gendarmen begleiteter Transport von Arbeitswilligen gegeben. Die Arbeiter sind im christlichen Metallarbeilerverband organisiert, deren Führer Engel die bekannte traurige Rolle während des Streiks und nach- her gespielt hat. Er wurde wegen der von ihm in die Welt gesetzten unwahren Nachrichten seiner Tätigkeit in Baden enthoben. Die Straßbnrgcr Maler stimmten gegen 10 Stimmen dem Reichsmustertarif für das Malergcwerbe zu. £IiisUncU Streikbeschlust der Strastenbahner Kopenhagens. Die Straßenbahn- und Omnibusangestellten von Kopenhagen und Umgegend haben in der Nacht vom Dienstag auf den Mittwoch mit 1365 gegen nur 3 Stimmen beschloffen, am 1. Januar in den Streik zu treten, falls bis dahin nicht durch neue Verhandlungen ein Uebcreinkommcn erzielt wird, wozu sehr wenig Aussicht vor- Händen ist. ES sind drei Unternehmungen, die von dem Streik be- troffen werden: die Aktiengesellschaft„Die Kopcnhagener Straßen- bahnen", die nebenbei auch einige Omnibusse in Betrieb hat, die Tuborg-Klampenborg- und die Frederiksborg-Straßenbahngesell- schaft. Verhandlungen haben schon vor mehreren Wochen statt- gefunden, sind aber daran gescheitert, daß die Gesellschaften jede Verbesserung der Lohn- und Arbeitsverhältnisse ablehnten und sogar noch Verschlechterungen durchführen wollten. Die Gesellschaften sind jetzt bereits bestrebt, Streikbrecher anzulernen. Um solche Leute heranzuschaffen, haben sie sich auch an die Studentenschast gewandt. In der Polytechnischen Lehranstalt suchte ein Student namens Amberg, der selbst als Streikbrecherlehrling fungiert, weitere Arbeitswillige zu gewinnen, was ihm aber von dem leitenden Inspektor der Lehranstalt verboten wurde. Uebrigens war ihm die Liste, auf der sich die Arbeitswilligen einzeichnen sollten, sofort von einem anderen Studenten zerrissen worden, ehe sich auch nur ein einziger eingezeichnet hatte. Auch sonst haben die Gesellschaften mit ihrer Streikbrccherwcrbung sehr wenig Erfolg gehabt. Einzelne Leute haben sie allerdings zum Anlernen gejunden, aber die scheinen auch nicht so lammfromm zu sein, wie es die.Kapitalisten wünschen. Am Dienstag sind fünf solcher Strcikbrccherlehrlinge in den Streik getreten. Sie waren mit den 1 Kronen, die man ihnen als Tagcscntschädigung bietet— wenn der Streik im Gange ist, sollen sie 7 Krone» erhalten— nicht zufrieden, verlangten Lohnerhöhung, wurden aber abgewiesen. Als sie die Arbeit nieder- gelegt hatten, bewilligte man ihnen Zulage und sie nahmen dann auch den Dienst wieder auf. Uebrigens sind die Gesellschaften so vorsichtig, den Arbeitswilligen von vornherein mitzuteilen, daß sie für Weiterbeschäftigung nach Ablauf des Streik» keine Garantie übernehmen können._ Eine Einheitsorganisation der englischen Eisenbahner. Auch in England haben die langjährigen Bemühungen um die Einheitsorganisaliön der Eisenbahner jetzt Erfolg gehabt, indem eine soeben stallgefundene Konserenz der beiden Verbände»AmalgamateS Society of Railway Servants" und»General Railway Workcrs Union" die Versckimelzniigsbedingungen annahm. Tie endgültige Zusammenlegung wird infolge der nötigen Vorarbeiten, die durch das ausgedehnte und komplizierte UnlerstüSnngSwesen erschwert werden, erst am nächsten Jahresschluß geschehen können, doch sollen die Bureaus schon jetzt vereinigt werden. Die neue Organisation wird etwa 90000 Mirgtieder zählen._ xh. Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Verlagsanstakt R. Bell, der bekannte Generalsekretär der Eisenbahner, der sich als Parlamentsmitglied der Arbeiterpart?! anzuschließen weigerte. wird bei den kommenden Wahlen �ncht kandidieren, da seine Organi- sation ihre offizielle Unterstützung ihm entzog und beschloß, daß ihre Kandidaten sich unbedingt der Arbeiterpartei anzuschließen haben. VorailSsichUich wird Bell trotzdem an der Spitze auch der Eiiiheitsorgauisation bleiben._ Beendigung des Bergarbeiterstreiks in Australien? Wolffs Bureau meldet aus Sydney: Der Streikkongretz rät den Arbeilern an, zur Arb-it zurückzukehren, und schlägt vor, dar- über abzustimmen, ob die Streitfrage einem Schiedsgericht vorgelegt werden soll. Shdney(Australien). 17. Dezember.(W. T. B.) Der Streik- kongreft hat der Wiederaufnahinc der Arbeit durch die Bergleute des Westbezirkes für Montag zugestimmt. Es wird erwartet, daß die Bergleute des Südbezirkes bald folgen werden. Soziales. Gegen die Zwangsverfrommung. Eine stark besuchte Versammlung protestierte am Montag in Frankfurt a. M. gegen die dem Wicsbadcner�Bezirk übertragene. dem gesunden Rechtsempfinden und der Gewissensfreiheit zuwider- laufende Praxis, Dissidentcneltern deshalb zu bestrafen, weil sie ihre Kinder dem protestantischen, katholischen oder jüdischen Religionsunterricht fernhalten. Es gelangte folgende, vom Pre- diger Klauke.vorgeschlagene Resolution zur einstimmigen An» nähme:'... „Die Versammlung mißbilligt aufs schärfste die gegen frei- religiöse Kinder im Regierungsbezirk Wiesbaden geübte Zwang»- verfrommung, die im Widerspruch mit der gesetzlich garantierten Glaubens- und Gewissensfreiheit eines modernen KulturstaatS unwürdig ist und im vorliegenden Fall noch besonders gegen die historischen Rechte der Freireligiösen(Deutschkatholischen) Ge- meinde verstößt'. Die Abgeordneten werden dringend ersucht, in den Parlamenten die Sache zur Sprache zu bringen und dafür zu sorgen, daß das gegenwärtige Preußen in kultureller Hinsicht wenigstens nicht hinter seinem eigenen Standpunkt von 1859 zurücksteht, in welchem Jahr der damalige Minister v. Bethmann Hollmeg eine solche Zwangsverfrommung als eine„Beeinträchti- gung der durch die Verfassungsurkunde gewährleisteten ReligionS- frciheit und des im tz 71 de» Allgemeinen Landrechts II. 2 an- erkannten Erziehungsrechts des Vaters" verurteilte." Im Regierungsbezirk Wiesbaden liegt die Sachlage insofeM anders als in den älteren preußischen Provinzen, als durch eine für Nassau erlassene Verfügung von 1816 den freireligiösen Pre- digern das Recht erteilt ist, Religionsunterricht zu erteilen. Dies Recht hat das Kammergericht— ebenso wie für das ältere Preußen die durch das Landrecht den Eltern zugestandenen Rechte, über die religiöse Erziehung ihrer Kinder selbst zu befinden— wegkonstruiert und den von freireligiösen Predigern erteilten Religionsunter- richt als keinen hinreichenden Religionsunterricht bezeichnet. Nach den Darlegungen in der Versammlung hat es in der Landgemeinde Wiesbaden Strafverfügungen in Höhe von gegen 6000 M. geregnet. Da» einzige Mittel, das gegen die Zwangs- verfrommungsversuche Eindruck auf die Zwangskirchen macht, ist massenhafter Austritt aus der Landeskirche seitens derer, die innerlich mit der Kirche gebrochen haben. Wer wirklich gläubig ist, würde eine zwangsweise Einweisung eines Kindes in dem Unter- richt der Religion, mit der die Eltern des Kindes gebrochen haben. als GewissenSbedrückung empfinden müssen. Anders die Kreise, die die Kirche zu einer Zwangseinrichtung gestaltet wissen wollen, die der Unterwürfigkeit und Autoritätsduselei der großen Menge des Volkes Vorschub leisten soll. ,r.. Versammlungen. • Zentralverband der Dachdecker. Als Delegierte zum Gau- tag, welcher am 27. Dezember in Sarau stattfindet, wurden Görnitz und Weiske gewählt. Zum paritätischen Arbeits- Nachweis hielt der Vertreter desselben. Herr Kur, einen Vortrag über die Arbeitsvermittelung auf paritätischer Grundlage, und forderte nun die Kollegen auf, da sich die Unternehmervereini- gungen dem Nachweis wieder angeschlossen haben, sich ebenfalls wieder anzuschließen. Nach längerer Debatte wurde der Anschluß gegen 1 Stimme gutgeheißen. Da es bei der Berechnung des im Tarifvertrag festgelegten Fahrgeldes stets StreitigVeiten gab, weil keine feste Slorm angegeben war, wurde von den Arbeiter- Mitgliedern der Schlichtungskommission folgender Vorschlag ge» macht und auch angenommen:»Bei Arbeiten nach außerhalb zahlt der Unternehmer vom Vorortbahnhof das volle verauslagte Fahrgeld und noch 10 Pf. pro Tag für Berlin." Letzte Nacbrichtcn und Depcfcbcn. Gegen die tschechischen Agrarier. Wien, 17. Dezember.(W. T. B.) Gegen%8 Uhr abends ertönte von der ersten Galerie im Abgeordnetenhaus ein beleidigender Ruf gegen den Redner Chaloupka, worauf»on dem rechten Teile der zweiten Galerie stürmisch appllaudiert wurde. Zur selben Zeit wurde aus einem Syphon von der Galerie gegen die Bänke der tschechischen Agrarier gespritzt, wodurch der Abge- ordnete Brdlik getroffen wurde. Der Vizepräsident Zazvorka ordnete die Entfernung der Ruhestörer und die Räumung der ölalemn an. Zahlreiche sozialdemokratische Abgeordnete begleiteten diese Verfügung mit Protestrufen. Nachdem die Räumung voll- zogen war, nahm der Vizepräsident um?L8 Uhr die Sitzung wieder auf und ersuchte Chaloupka fortzufahrer». Die Geschäftsordnungsreform. Wieu, 17. Dezember.(W. T. B.) In der heute abend ab- gehaltenen Obmännerkonferenz wurde eingehend die Angelegenheit der Olefchäftsvrdnungsreform erörtert Die Vertreter der deutsch- freiheitlichen Parteien bestanden darauf, daß vor Beratung dieser Angelegenheit die Tagesordnung unbedingt freigegeben werden müsse. Die Deutschradikalcn, Ruthenen und Tschechisck'radikalen nahmen einen entschieden oppositionellen Stand- Punkt gegen die Geschäftsordnungs reform ein, während die Polen und Christlichsozialen sie für dringend notwendig erk lärten. Ministerpräsident Frhr. v. Bicnerth appellierte an die Konferenz, gleichzeitig mit der dringend not- wendigen Gcschästsordnungsreform das Budgetprovisorium und das handelspolitische Ermächtigungsgesetz noch vor Weihnachten zu er- ledigen, was bei gutem Willen möglich sei. Adler(Soz.) erklärte, die Sozialdemokraten seien»»bedingt für die Erhaltung des Parlamentarismus. Kramarcz führte aus, man dürfe der Slavischen Union nicht Unmögliche�, namcwtlich nicht die be- dingungslose Zurückziehung der Dringlichkeitsanträge zumuten. Die Konferenz endete ohne Beschluß und soll morgen vormittag um 11 Uhr fortgesetzt werden._ Ein Rekord im Wechfrlfälschen. Budapest, 17. Dezember.(B. H.) In Debreczin wurde der Hajduböszörmenyer Grundbesitzer Josef Frkete als Wechfelfälscher verurteilt. Er fäschte 169 Wechsel zum Nachteil der Böször- menyer Städtischen Sparkasse. 46 Wechsel zum Nachteil der Volks loirtschaftlichen Bank tn Böszörmlny und verübte außerdem 7 Fälschungen öffentlicher Urkunden. Die 222 Fälschungen brachten ihm 3Vj Jahre Zuchthaus ein. Paul Singer& Co., Berlin SW.~Hiei zu 4 Beilagen ü. Unt-rhaltungSbÜ Hr. 295. 26. Iahrgavg. t KeilU des Jotwrte" Strlintt Jlolfolilatt. Z«m«de«d, 18. Jfjtinktt 1909. Venn Polizelbeamte nervös find, kriegen die Gerichte zu tun. T«m Amtsgericht Köpenick gaben gestern ein paar Gendarmen zu tun, die in Nieder-Zchöneweide sich durch barmlose Sonntagsausflügler aus Berlin hatten nervös machen lassen. Allerdings handelte es sich um einen Ausflug von Mitgliedern der Freien Jugendorganisation Berlin, womit die Sache immerhin ein anderes Gesicht bekommt. Vor dem Amtsgericht standen unter der Anklage des„Auf- laufs" zwei Teilnehmer jenes Sonntagsspazierganges, der Buch- druckerlehrling Falti» und der Schlosserlehrling Kampfert. T« beide zur Zeit der Begehung ihrer„Tat"— am 20. Juni 1909— noch nicht 18 Jahre alt waren, so hatte die Schöffenabteilung, vor der sie sich verantworten sollten, als„Jugendgericht" über sie zu urteilen. Beide wurden beschuldigt, ein dreimaliges Gendarmen- gebot„auseinanderzugehen" nicht befolgt zu haben. Faltin sollte „Führer" gewesen sein, Kampfert sollte eine rote Fahne getragen haben. Beide Angeklagte, denen als Verteidiger der Rechtsanwalt Dr. Kurt Rosenfeld-Berlin zur Seite stand, erklärten sich für nicht- schuldig. Eine formelle Aufforderung sei nicht gehört worden, man sei sofort mit dem Ruf„Raus aus dem Waldl" auf sie ein- gedrungen, als sie sich zum Frühstück gelagert hatten und eben wieder aufbrechen wollten. Faltin habe nur im Scherz komman- diert„Bataillon marschl", Kampfert habe ein rotes Fähnchen unter einein Plaid gehabt. Aus der Beweisaufnahme ergab sich folgendes Bild: Ein Herr Sahr, der in der Kunheimschen Fabrik zu Nieder- d Schöneweide Pförtner ist, hatte Gelegenheit gehabt, die jungen . Leute zu beobachten, ehe sie von den Gendarmen gestört wurden. Vor Gericht bekundete er, sie seien vormittags von der Brücke des Teltowkanals her auf der Chaussee ganz ruhig herangekommen, er habe sie ein Liedlein singen hören, anscheinend sei's ein Turner- lied gewesen: schweigend seien sie an der Fabrik vorüber nach Nieder-Schöneweide hinein weitergezogen, von dort her habe er dann wieder ein Lied gehört, diesmal„Wer schafft das Gold zu- tage?". Das alles habe sich in völliger Ordnung abgespielt, ohne daß irgend jemand dadurch belästigt worden sei, und er selber habe von den jungen Leuten, unter denen sich auch Mädchen befanden, einen durchaus guten Eindruck empfangen. So sagte der Pförtner Sahr— doch anders als sonst in Menschenköpfen malt sich in einem Polizistenkopf die Welt. Ten Gendarmen Karnuth und Tahlke und besonders Donath waren die Ausflügler keineswegs so harmlos vorgekommen, all- dieweil sie in einem dichten Trupp marschierten und einer von ihnen sogar so etwas wie eine rote Fahne bei sich trug. Das war wenigstens dem Gendarm Karnuth, als er in Nieder-Schöneweide durch die Grünauer Straße patrouillierte, von einer Frau berichtet worden, die wahrscheinlich unter dem Tritt der voruberzeihenden Ausflügler die Grundfesten des preußischen Staates— will sagen: die Polizistenautorität— Wanken zu sehen gemeint hatte. Herr Karnuth setzte sich in Bewegung, marschierte in beschleunigtem Tempo hinterher, bekam unterwegs Verstärkung durch den Gendarm Dahlke, versuchte auch den Gendarm Donath zu alarmieren, der ober nicht zu Hause war, und selbander rückten sie dann gegen die Ausflügler vor, die inzwischen am Ausgang des Ortes sich neben der Gasanstalt abseits der Straße auf einer Waldparzellc gegenüber dem Restaurant„Kvffhäuser" gelagert hatten und früh- stückten. Die bewaffnete Macht nahm zunächst eine Beobachtungs- stellung ein, um abzuwarten, wer beim Weitermarsch den„Führer" des„geschlossenen Zuges" machen würde. Als aufgebrochen wurde und Faltin in vermutlich gut gespieltem Feldwebelton„Bataillon marsch!" tommandierte, war der„Führer" erkannt und wurde beim Kragen genommen. Karnuth forderte jetzt die anderen auf „auseinanderzugehen"— so bekundete er als Zeuge. Auch ver- suchte er. eine auf der Erde liegende Fahne an sich zu bringen. und hielt Kampfert fest, der ihm als Fahnenträger galt. In- zwischen war von der anderen Seite her um die Gasanstalt herum auch Gendarm Donath angerückt. Daß das vorher verabredet worden sei. um den Feind„zwischen zwei Feuer" nehmen zu können, bestritt Karnuth. Herr Donath bekundete, er sei dazu ge- kommen, als Karnuth sich nach der Fahne bückte. Die jungen Leute hätten„Haut ihn!" gerufen, da habe er sie dann„ganz energisch auseinander gebracht". Wären es ältere Leute gewesen, so würde er von der Waffe Gebrauch gemacht haben. Er habe allerdings auch ein paar ältere bemerkt, die„so gewissermaßen hetzten". Mit erhobenen Stöcken und Schirmen habe man dagestanden. Der Ver- Kleines-peuilleton. Der Fall Bode und die deutsche Presse. Wir haben von allem An'ang an betont, daß der Fall Bode keineswegs bloß eine Kunst- frage, sondern in viel höherem Maße eine öffentliche Angelegenheit ist. Die weitere Eniwickelung der Affäre hat uns nur zu reckt ge- geben. Der Absolutismus des Herrn Bode hat sich als getreue« Spiegelbild des preußischen Absolutismus enthüllt, die unerhörte Behandlung der deutschen Presse und der Oeffentlichkeit hat wieder einmal gezeigt, was in Deutschland noch möglich ist. Daß die Bureaukratie von dem letzten Assistenten Bodes bis zum Kultus- minister sich sondarisch fühlen würde, war ja vorauszusehen. Aber daß eine solche Parodie einer amtlichen Untersuchung möglich wäre, halte kein Spottvogcl vorauszusagen gewagt. Daß die Kollegen Bodes, die Kunsthistoriker, sich aus allen möglichen Motiven fdie Furcht vor dem Einflußreichen und seiner Clique spielt die Haupt- rolle) durch kühnes Schweigen auszeichnen würden, war leider zu befürchten. sJm engen Kreise wird freilich unverblümt genug ge- sprechen.) Und nun erst die deutsche Presse! Sie hat diese wunderbare Gelegenheit, für daS Recht der Oeffentlichkeit auf Kontrolle einzutreten, Mißstände aufzudecken und ein gemeinschädlicheö Klüngeltum in die Schranken zu weisen, mit ein paar Ausnahmen, nicht bloß versäumt, nein sie wie eine Pest geflohen. Ihr anerzogenes Bedürfnis, Autoritäten sich hündisch unlerznordne», ihre Unfähigkeit, sich ein eigenes Urteil zu bilden, ibre Feigheil, ihr Servilismus und vor allem ihre Geschäftsgier nach guten amtlichen Beziehungen, die sich durch Informationen be- zahlt machen, haben alle Schmach der Korruption in dieser Affäre ausgelosiei. Es ist geradezu, als ob die bürgerliche Presse sich verschworen hätte, kein Lickt in das Dunkel deS FlorabiisteiiskandalS gelangen zu lassen Und es ist als eine seltene Ausnahme zu begrüßen, daß Dr. G. Pauli, der Direktor der Bremer Kunstholle. ein feinsinniger Kunstichriftsteller, zu sogen wagt, waS so mancher seiner Kollegen denkt. Herr Pauli erörtert in den„Bremer Nachrichten" den ganzen Florastreit mit erfrischender Offenbeit:„In die gesamte Scherlpreise gelangt kein Wort, das nicht der Florabüste hold wäre. Die„Voisische Zeitung", die„Frankfurter Zeitung", selbst die „Weier-Zeitung", brachten Artikel, in denen die Frage der Echtheit der Büste für erledigt erklärt wurde. In Berlin ist es jetzt wohl nur noch der Kunstkritiker des„Berliner Tageblatt", der eine abweichende Meinung zu vertreten wagt.(Der Kritiker ist also vom„Vorwärts" durchaus nicht beeinflußt. Die Red. des„Vorwärts".) Wir stehen vor einer in solchen Fragen noch nicht dagewesenen, beispiellosen Bearbeitung der öffentlichen Meinung. Dabei hat sich außer de» zunächst beteiligten Beamten der Berliner Museen bisher nur ein einziger Fachmann ruhig prüfend zur Sache geäußert. Und dieser— der hochverdiente Dresdener Leonardo- kenner W. v. Seidlitz— kam zum Resultat, daß die Büste eben kein Leonardo sei. Es»st auch nach allem Borauf« tcidiger stellte fest, daß in der ersten Anzeige diese Angaben fehlten und nur von unerlaubtem Aufzug die Rede war. Donath ant- wartete, erst später habe er sich detaillierter geäußert, weil er von dem untersuchenden Gericht dazu aufgefordert worden sei. Ganz anders lautete die Darstellung einiger von der Berteidi- gung geladenen Zeugen, die zufällig dazu gekommen waren. Ein Zeuge Scwckow sagte, Donath sei„ziemlich nervös und aufgeregt", seine„Aufgeregtheit" sei ja bekannt, darum habe Zeuge sogleich gefürchtet, daß da etwas passieren werde. In„ziemlich robustem Ton" habe Donath gerufen:„Lümmels! BcngclS! Macht, daß Ihr hier wegkommt!" Alle seien da auseinander gestoben, von den geängstigten Mädchen sei lautes Geschrei erhoben worden. Nachher hätten die Auseinandergesprengten sich natürlich wieder zusammen- schließen wollen. Von einer Aufforderung auseinanderzugehen habe er nichts gehört; eine Fahne habe er bemerkt; einer habe sie zusammengerollt unter dem Arm getragen. Er selber sei an Donath herangetreten:„Herr Wachtmeister, das war doch wohl nicht nötig?" Da sei ihm geantwortet worden:„Machen Sie, daß Sie wegkommen, sonst...1" Gegen diese Darstellung protestierte Donath in erregtem Tone, besonders bestritt er, geschimpft zu haben. Zeuge Hubert gab gleichfalls an, die jungen Leute hätten sich ruhig verhalten und seien nach dem Angriff auf sie auseinandergelaufen Eine Aufforderung hatte er gehört, doch versicherte er: nur eine Zeuge Birkner bekundete, von einer Aufforderung wisse er nichts, dagegen habe er gehört, daß Donath„Dumme Jungen!" und „Lümmels!" geschimpft habe, auch habe er sofort sein Seitengewehr vorgenommen. Donath bestritt aufs neue, geschimpft zu haben, aber der Zeuge blieb bei seiner Aussage. Weitere Zeugen der Ver- teidigung wollte der Amtsanwalt nicht hören. Er hatte schon vorher durchblicken lassen, daß er ihnen nichts viel Glauben beimesse, weil sie doch alle dasselbe aussagen würden.' Der Verteidiger antwortete, auch er meine, daß alle dasselbe aussagen würden, aber gerade deshalb werde das Gericht sie für glaubwürdig halten müssen. Schließlich sah der AmtSrnwalt selber die ganze Staatsaktion für so geringfügig an, daß er gegen beide Angeklagte nur einen Verweis beantragte. Daß die Beweisaufnahme die Tatbestands- merkmale des„Auflaufs" nicht ergeben habe, legte der Verteidiger dar. Er beantragte Freisprechung. Wieder einmal habe sich gezeigt, wie verhängnisvoll die Nervosität der Beamten friedlichen Passanten werden könne. Sicher wäre es niemals zu dem behaupteten„Auf- lauf" gekommen, wenn nicht die drei Beamten dazwischengefahren wären, um die„furchtbare Zusammenrottung", die sie„ahnten", z» zerstreuen. Dreimalige Aufforderung sei nicht ergangen, min- destens nicht gehört worden. Den unbeteiligten Zivilzeugen müsse man mehr glauben als den Beamten, die aufgeregt waren und jetzt festhalten an dem, was sie damals beobachtet zu haben meinten. Das Urteil lautete: Freisprechung für Faltin, der vor drei Aufforderungen festgenommen worden sei, ein Zicrwcis für Kampfert, der drei Aufforderungen gehört haben müsse. Die Be- gründung schwieg sich darüber aus. daß wieder mal der„Auflauf" erst durch daS ganz unnötige Vorgehen der Beamten verursacht worden ist. Hus der Partei. Zur Affäre Blatchford schreibt unS noch unser Londoner Korrespondent: Vor etwa sieben Jahren charakterisierte ich Blatchford an dieser Stelle als den modernen C o d b e t t: eine eigenartige Mischung von Demokratie, nationalistischem Stolz, sozialer Kritik und stilistischer Meisterschaft. Ebenso wie Cobbett war Blatchford englischer Soldat und wie die Engländer sagen: Der Soldatengeist ist ihm geblieben. Seine „Daily Mail"-Artikel, die in Deulschland Aufmerkiamkeit erregen, waren keine Ueberraichnng für alle, die die„Clarion" lesen. Es hat auch keinen Zweck, sie zu kritisieren. Nur soviel soll hier bemerk» werden. daß Blatchford weder zur Arbeiterpartei noch zur Sozialdemokratie oder der„Unabhängigen Arbeiterpartei" gehört. Er ist ein E i g e n- b r ö d l e r, der seine eigenen Wege als Ibsens Alleinstehender wandelt. Der Leserkreis der„Clarion" ist bei weitem nickt so zahl- reich wie vor zwei Jahren. Es ist sehr zweifelhast, ob BlatckfordS „Daily Mail"-Artjkel irgend einen Einfluß aus die Ergebnisse des WahlkampfeS ausüben werden. Das starke Wachsen des deutschen Flottenetats ist ein viel wichtigerer Faktor im gegenwärtigen Wahltnmpfe als alle Artikel aller englische» Flottenschriflsteller, worauf übrigens seit Jahren an dieser Stelle aufmerksam gemacht wurde. Werden die Konservativen gegangenen den Kollegen des Generaldirektors Bode nicht eben leicht gemacht, sich kritisch zu äußern. Hoffentlich lassen sie sich indessen aus derlei Rücksichten der Bequemlichkeit nicht daran hinderir, ihre Ueberzengung offen auszusprechen." Auch in die Höhle des Löiven, d. h. auf daS Gebiet Bodescher Stilkrilik wagt sich Herr Pauli. Er sagt, waS wir und mit uns zahl- reiche Künstler längst empfunden haben: „Und nun zu der allerivichtigsten Frage nach der künstlerischen Qualität der Arbeit, deren hoher Wert das einzige schlagende Argument für die Vertreter der Echtheit der Büste bildet. Eben diesen Wert hat der Schreiber dieser Zeilen jedoch trotz aufmerk- samer und wiederholter Prüfung der Büste ganz und gar nicht er- keimen können. Vielmehr sah er nur eine allerdings wohlgefällige. aber süßlich verschwommene Mache, in welcher sich starke Reminiszenzen an die späte römische Antike begegnen. Wen, nun das Urteil eines Knnslschreibers nicht genügt, der darf aus die Ansicht«»»gesehener Künstler verwiesen werden. deren Namen vorlänsig nicht genannt werden mögen. Der eine derselben, einer der tüchtigsten Bildhauer Berlins, hat sich, einer Aufforderung des Herrn Geheimrat Bode folgend, die Büste sehr aufmerksam angesehen und ist zu einem geradezu vernichteuden Urteil über ihre Qualität gekommen." Warum enthalten unS Herr Bode und seine Presse dieses Urteil wohl vor? Eine neue Radiostation von fünftausend Kilometer Reichweite. Deutschland besaß bisher nur zwei Großstationcn für droht- lose Telegrophie: die Privalstation Nauen bei Berlin der „Gesellschaft für drahtlose Telegrophie" und die ebenfalls mit„Tele- iunlen" ausgerüstete amtliche Station Norddeich, die von der Reichs- Telegraphenverwaltung betrieben wird. Entere hat bei 100 Meter Masthöhe eine Reichweite von 4—5000 Kilometer, während die Reichssiation Norddeich eine„garantierte" Reichweite von 2500 Kilo- meler besitzt. Da„Telefunken" mit einem dreifachen SicherheitS- saktor rechnen, so dürsten die Reichweiten dieser Stationen unter günstigen Verhältnissen erheblich größer fem. Die übrigen, dem öffentlichen Berkehr freigegebenen deutschen Küsten- stationön haben eine Reichweite von rund 200 Kilometer. Hierzu kommen nock eine Reihe von Stationen auf den Feuerschiffen der Nord- und Ostsee, die jedoch nur in beschränktem Maße dem öffent- tichen Verkehr freigegeben sind. Die Standpunkte und Reichweiten unserer FeilungSstalionen werden auS leicht begreiflichen Gründen geheim gehalten. Nun hat vor kurzem, wie H. Thurn in der„Umschau'(Frank- snrt a. M.) berichtet, die Berliner C. Lorenz Aktiengesellschaft in EberSwalde am Finowkanal eine Großstation für drahtlose Telcgrapdie und Telephonie errichtet, die nach den modernsten Ge- sichtSpunklen der Radiotechnik ausgeführt ist. Die Siation, die vorläufig nur Versuchszwecken dient, besitzt als Träger des Lufliretzes einen großen 70 Meter hohen Holzgittermast. Von der Spitze des Mastes gehl ein großes schirmartiges Luftleitergebilde nach den im Kreise aufgestellten Abspaiiumasteit hin. Unter dem Mäste ist in die Erde bis iu daS Grundwasser ein weit- maschiges strahlenförmiges Drahtnetz eingegraben wodurch eine und die Tarifreformer im Wahlkampfe siegen, so wird dies zum größten Teile dem deutschen Flottenfieber geschuldet sein. Die sprungweise Vermehrung der deutschen Flotte ist eine große Gefahr für die englische Demokratie. Was die Chamberlain. die Maxse, die Wilson und die Blatchford nicht vermögen, das wird daS deutsche Flottensieber früher oder später tun. Die deutsche Bourgeoisie würde es erst dann glauben, bis sie die hohen Zollmauern um das britische Reich sieht. Keiner ist so blind, als derjenige, der nicht sehen will. Der Imperialismus des einen Landes fördert eben stets den des andern; der englische hat den deutschen großgemacht und jetzt der deutsche umgekehrt den englischen. Der Parteitag für das westliche Westfalen tagte am Sonntag und Montag in Annen(Wahlkreis Dort« m u n d). Die wichtigsten Angaben aus dem Bericht des Landes- Vertrauensmannes für den Bezirk haben wir bereits wiedergegeben. Genosse König betonte in einem mündlichen Kommentar, daß überall Fortschritte zu verzeichnen seien, daß aber noch außerordentlich große Aufgaben zu erfüllen bleiben. In der lebhaften Diskussion war bemerkenswert eine Aeuherung des Genossen Po- torny, Redakteur der ,.B c r ga rb e i t« r z e i t u n g", daß die Gewerkschaften mit der Partei energisch zusammenarbeiten sollen — was die christlichen Gewerkschaften für das Zentrum tun, das müssen die freien Gewerkschaften für die Sozialdemokratie tun. Der Parteitag gab dem Bezirk ein neues Organ isationsstcrtut. lieber den preußischen Parteitag sprach Genosse K l u p s ch- Dortmund, lieber den preußischen Wahlrechtskampf sagte er u. a.: Uebcr Straßendemonstrationen könne man zweierlei Meinung sein. Wirken könnten sie nur, wenn sich große Massetr daran beteiligten. Gerade in unserem Bezirk sei die Frage be- sonders schwierig; die herrschenden Mächte lauerten nur darauf, uns mit Gewalt entgegenzutreten. Mit Demonstrationen im bis- herigen Sinne und Versammlungen seien aber unsere Kampfmittel noch längst nicht erschöpft. Man werde einmal hier im Industrie- gebiet dazu schreiten müssen, unsere Massen vom Lande in zwei, drei Zentreil zu konzentrieren und mit ihrem imposanten Auf- marsch unserem Willen Ausdruck zu verleihen. Selbst in Berlin hätten die Demonstrationen nock) nicht ihren Höhepunkt erreicht. Nur große Massen könnten den gewünschten Eindruck erzielen. Man müsse sich dabei freilich stets den geeigneten Zeitpunkt aus- wählen. Gerade im Industriegebiet trügen wir hier eine große Verantwortung, und ganz besonders in der jetzigen Zeit der Krise. Vorläufig heiße es immer und immer wieder, durch Massenkund- gedungen in Versammlungen die Lauen aufzumuntern und unseren Gegnern unseren Willen zu zeigen. Nach kurzer Diskussion wurden die folgenden Anträge enge- nommen: Die Landeskommission wird beauftragt, beim geschästs- führenden Ausschuß für Preußen dahin zu ivirken. daß für die Erringung des gleichen, geheimen und direkten Wahlrechts für Preußen der wirtschaftliche Kampf in Erwägung gezogen wird. Angesichts der Tatsache, daß die gesamten bürgerlichen Par- teien, einschließlich der Regierung, bestrebt sind, die betr. Aenbc- rung des preußischen Wahlrechts gegebenen Versprechungen zu verschleppen, wird der Preußentag ersucht, eine yeue, überall zu gleicher Zeit einsetzende Wahlrechtsbewegung einzuleiten und auch schärfere Mittel des Kampfes in Anwendung zu bringen. Die Arbeiterschaft ist nicht gesonnen, sich länger um ihr Wahlrecht betrügen zu lassen. Für den Internationalen Kongreß zu Kopenhagen wurde vom Genossen König eine Warnung an die auständischcn Arbeiter vor der Auswanderung nach Deutschland gewünscht. Die polizeilichen Knebelungsmittel sind in Preußen- Deulschland der- art, daß die Arbeiter aller Länder gewarnt werden müssen, nach Deutschland auszuwandern. Wenn Ausländer sich vor Schaden hüten wollen, dürfen sie nicht nach Deutschland kommen. Auch Genosse Wolf- Bochum empfahl die Aufklärung der ausländischen Arbeiter über die Gefahren, die ihnen in Deutschland drohen.— Als Delegierte zum Internationalen Kongreß wurden die Genossen H a e n i s ch- Dortmund und Wolf- Bochum gewählt. Einstimmig beschloß der Parteitag, die drei münstcrländischen Wahlkreise Lüdinghause n— W arendorf, M ü n st e r— Coesfeld und Tccklenbur g— A Haus, die bisher zun» Agitationsbezirk des östlichen Westfalen gehörten, dem Bezirk des westlichen Westfalen anzugliedern. Die Veränderung ist notwendig, großflächige Erdungsanlage erzielt worden ist, die i» den Telegraphier- räum geleitet wird. Die Station arbeitet in der Hauptsache nach dem Poulsen-Lorenz-System mit kontinuierlichen, sogenannteir„un- gedämpften" Schwingungen. Ihre Reichweite dürfte bei Anwendung genügend großer Energiemengen und bei entsprechenden Gegen- stationen etwa 5000 Kilometer betragen, für ein« Lalldstation mit der verhältnismäßig niedrigen Masthvhe von 70 Meter eine gewiß großartige Leistung I Theater. Friedrich-Wilhelm st ädtisch»S Schau Die Haubenlerche'. Von Ernst von W i l d e n d r n ch. Allerhand Achtung für Wildenbruch. Aber wenn er sich realistisch gebärdet, geht« ihm wie Paul Htyse, als er in seinem Schauspiel Was ist Wahrheit?" auszog, um die Jüngstdeutschen zu b-kämp!«»: — es ist eitel Schablonendichterei. Noch ulkiger mutet der Hohen- zollern-„Triarier" an, wenn er an sozial« Zeitsragen geht; da« ist die schönste Kasperliade. Man sehe sich daraufhin seine.ArbeeterS' in dem Haubenlerchen-Schauspiel an. Oder de» Papierfabrilbesitzer. der gar emsiglich bestrebt ist. die„Harmonie" zwischen Arbeit und Kapital herzustellen. So ungefähr malt sich in den Schädeln oft« elbischer Kraut- und Schloljunker die.Welt'. Spotten ibrer und wissen selbst nicht wie. Lauter Klarikaturen I Nur eine'Figur er» scheint bei Wildenbruch echt:„Hermann" nämlich, der Halbbruder des Papiersritzcn. Dies Klischee paßt für den Typus des faulenzenden reichen Schnöiels. vor dein keine Seklflaiche, aber auch lein Mädel aus dem Volk sicher bleibt. Heinz S a r n o w spielte diesen noncha» lanten Frechdachs brillant. Als Fabrikmädcl Lene war auch Elfriede Heister derb und»alürltch. Mit den, Moment, da Wildenbruch die fröhlich trällernde„Haubenlerche" in die Schuürbrust der künftigen Gesellschaftsdame zwängt/ war'S aus. Ader freilich, wie sollr'S auch anders iein? Aiignst Langenthal(Karl M a ch o l d), der die Lene zu seiner Frau„erheben" will, trieit über von schmalzigein Edelsinn, und Juliane(Gertrud Korn) beißt gleichfalls die feine Salondame heraus; da friert das wärmste Herzcken zu Eis. Paul Kaufmann gab feine Karikatur, den Lumpenfaktor Schmalenbach auch äußerlich mit dem—„Vorwärts" im Brustlatz. Der grotzkotzige Geselle Jle- feld wurde von Maximilian Sladek und die Fabrikarbeiterwüwe Schmalenbach von Milly Heß nach dem Rezept der„Armeleut- Malerei" aus den neunziger Jahren recht und schlecht hingestellt. _ e. Ir. Notizen. — B ü h n e n ch r o n i k. Frau Hedwig Mangel, der von der Klatschsucht der Presse nachgesagt wurde, sie solle nach ihrer Genesung wieder zur Bühne— ihr Erlebnis mit der Heilsarmee wurde ja beinahe als Reklame gedeutet— ist jetzt wieder ge- siind. Aber sie denkt nicht daran, wieder zum Theater zurück- zukehren. — DaS neue Meininger Hoftheater, das«n Stelle des alten, im vorigen Jahre abgebrannten erbaut wurde, ist am Freitag mit einer Wallcnstein-Aufführung eingelveiht worden weil der Bergbau und die Industrie immer mehr in diese Zen- trumsdomäne eindringen und damit die wirtschaftliche und soziale Struktur der Kreise sich allmählich jener des Jndustriereviers an- nähert. Es wird hier zukunftsreiches Neuland durch die In- dustrialisierung erschlossen. Zum Landesvertrauensmann wurde Genosse König- Dort- muud wiedergewählt._ Ter Hosgang in Meiningen vor den Sonneberger Genosien. Am Sonntag fand in Sonneberg eine Versammlung des Sozialdemokratischen Vereins statt, in der an zweiter Stelle„Land- tagssragen" behandelt wurden. Der Bericht des„Thüringer Bolksfrrundes" sagt, daß sich eine lebhafte und äusierst interessante Dobatte entspann. „Auf Wunsch des Vorstandes gab Genosse W eh der ein klares Bild über die Verhandlungen der Fraktion in der Vizepräsidentenfrage. Genosse K n a u c r unterstühte die Ausführungen Wehdels. In der Diskussion sprachen die Ge- Nossen D ö b r i ch und Blrchschmidt gegen die Stellung- nähme der Fraktion, die Genoffen Latt und Greiner dasür. Am Schlüsse der Debatte gab Genosse W e h d e r die Erklärung ab, daß ihn jedenfalls feine jahrzehntelange Parteitätigkeit befähige, den richtigen Weg zu finden, sollte ihm als Vize Prä- sidenten irgend etwas zugemutet werden, was gegen die Grundprinzipien der Partei verstoße. Nach dieser Erklärung sah die Versammlung davon ab, einen Be- schluß zu fassen." Diese Erklärung des Genossen Wehder ist ja ganz schön, ändert aber»nchts an der Taksache, daß der sozialdemokratische Vizepräsident sich verpflichten mußte, sich dem Herzog und dem Erbprinzen vorzustellen. Es ist bedauerlich, daß Genosse Wehder und die ganze sozialdemokratische Fraktion des Meininger Land- tages nicht empfanden, daß eine solche Berpflichhmg sich mit den republikanischen Grundsätzen der Sozrakdemokratie nicht verträgt. Nun hat allerdings die Fraktion einen eigenartigen Trost für die Genossen sefunden, die sich durch das Verhalten der Fraktion in der Vizepräsidentenfcage verletzt fühlen. Der Thüringer ..Volksfreund" veröffentlichte in seiner Donnerstagsnummer fvigend? Zuschrift aus Meiningen: „Heute mittag 9il lkhr hat endlich der in der Parteipresse so vielfach besprochene„Hosgang" des Genassen Wehder als zweiter Vizepräsident des Landtages stattgesunden. Die Schmerzen des„Hallenser VokksblaR", der„Reu- hkschen Tribüne", des„Hannov. Bokkswillen", der„Bremer Bürgerzeitung" und des„Thür. Volkssreund", der sich den An- schauungen dieser Parteiorgane angeschloffen hat, waren diesmal umsonst!— Der sozialdemokratische Vizepräsident pilgerte nicht im Frack und WichSiasten— sondern in seinem einfachen Bürgerrock imd Schlapphut nach dem Nnndbau und zeichnete sich dort mit den beiden anderen Präsidenten in die vorgelegte Liste als solcher ein. Damit war für diesmal der„Hofgang" für den sozialdemo- kratifchen Landtagsabgeordneten Wehder erledigt!— Vorläufig!— Nun wird die Nedaltion d«s„Thür. Volks- freund" abwarten müssen, bis sich der Abgeordnete Wehder und nnt ihm die gesamte sozialdemokratische Fraktion, mit deren Zu- siimmunz Genosse Wehder die letzte Erklärung:„Mit dieser Fassung einverstanden", unterschrieben hat.— zu„Fürsten- knechten" herabsinken und die Parteigrundsätze etwa vernach- lässigen werden! Für diesen Fall hat allerdings Genosse Wehder das Partei- Programm in der Tasche, daS ihm auch bei feiner ferneren par- lamentaristBen Tätigkeit stets als Richtschnur dienen wird.—" Wieso die Schmerzen der genannten Blätter, zu denen übrigens auch der„Vorwärts" gehört, umsonst waren, derniögen wir nicht zu erkermen.! Etwa»eil der'fszbakdemokrStische Bizeprästoent«<,ichk in Frack und WichSkasten zu Hofe ging? Uns ist die Sache keine Kleiderfrage und den anderen Parieibkättern wohl auch nicht..Oder gar, weil der sozialdemokratische Vizeprafident sich mit der Ein- zcichnung in eine Liste begnügen mußte, das Angesicht des Herzogs aber nicht zu sehen bekam? Wir müssen gestehen, daß uns dieser Ilmstand den Hofgang um nichts schmackhafter macht. Im Gegen- teil, wenn der Herzog so viel Klassenbewußtsein besitzt, den Sozial- demokraten nicht zu empfangen, so berührt es um so schmerzlicher, daß es auf der anderen Seite an diesem Klassenbewußtsein gefehlt bat. Wir meinen, daß der Ausgang dieses Hofganges für den Genossen Wehder und die Meiningcr Fraktion die Sache nur noch blamabler macht. Em Induftric und bandet Ei» agrarisches Kunststückchen. Der„Deutschen TageSztg." hat es unsere vergleichende Auf- stellüng über die ViehscblachtNngen angetan. Daß die Schweine« schlachtungen in den ersten drei Quartalen des Jahres 1909 im Vergleich mit der Parallelzeit 1904 um 241 391 gesunken sind. irritiert den Viehverständigen der„TageSztg." nicht. Weil gleich- zeitig eine Vermehrung der Rinder- und s!) Kälberschlachlungen um 254 589 eingetreten ist, und im laufenden Jahre auch noch 62 000 Ziegen mehr als vor fünf Jahren ihr Leben lassen mußten, darum glaubt er von einem sozialen Ausstieg der Arbeiter reden z» dürfen. Wer lacht da— nicht? Wie die Arbeiter leben, ob ihre Lebenshaltung sich hebt oder senkt, daS kann man sehr gut am Schweinefleischkonsum ablesen. Kälber- und Rinder- fleisch kommt in der Hauptsache auf den Tisch der Leute mit höherem Einkommen. Daß diese sich trotz der Krise keine großen Einschränkungen aufzuerlegen notwendig hatten, das wissen die Arbeiter auch ohne die Belehrung durch das Bnndlerblatt. Aber er siebt darin doch keine Hebung seiner eigenen Lage. Der agrarische Pfiffikus hat zudem aus nicht unbekannten Gründen die Rinder- schlachtungen mit denen für Kälber zusammengerechnet: die Zu- nähme entfällt nämlich zum überwiegenden Teile auf Kälber- schlachtungen. Diese haben allein um 240 367 zugenommen. Das mußte der olle ehrliche Oertelmann verschweigen, wollte er nicht riskieren, sogar bei den Lesern der„Tageszeitung" Kopsschütteln zu erregen, wenn er aus dieser Steigerung eine Hebung der Lage der — Arbeiter konstruiert hätte. Sein Manöver ist allerdings so un- geschickt, daß es eben nur in der„Deutschen Tageszeitung" ver- brocken werden konnte. Selbst wenn die dort vorgetäuschte Rind- fleischverbrauchssieigerung«ingetreten wäre, würde baS doch noch teine Verbesserimg der Lebenshaltung bedeuten, denn in den letzten 5 Jahren ist die Bevölkerung Deutichlands um zirka 4 Millionen Köpfe gestiegen. Und trotz dieser Zunahme der Konsumenten ein Rückgang der Schwemeschlackitiingen um 241 891, was die Schlaumeier der„Tageszeitung" nicht abhätt, zu behanpten: Die Lebenshaltung der Arbeiterklasse hat sich gehoben I Ein Oertel-Kiinststück I Tantiemen in der Elrktroindnstrie. Der Elektrogroßbetrieb gehört zu den modernsten Kindern der Kapitalanhäufiingen. Hier, Ivo in jeder Verwaltung die größten Banken ibre Sitze haben, Deutsche Bant. Berliner Handels- gesellschaft usw., kann das zur Verfügung stehende Kavital überhaupt nicht mehr nachgeprüft werden. Die Muttergesellschaft mii 157 Millionen Kapitalien gründet Tochtergesellschaften mit Dutzende» Von Millionen; diese setzen Enkelkinder in die Welt und so fort; oft genug, uni der Stammutter einen neuen Auftrag— für Eni- Wickelung Usw.— zu sichern. Die sichtbaren Tantiemen stellen fast durchweg, enorme Smnmen dar. Unter Kapitalien ist jn der folgenden Tabelle das Akkieitkapttal mit Anleihen usw. zusammen- gerechnet. Tantiemen galten in Mark Migj"nen Allgemeine Elekir. Gesellsch. 21 LlufsichtZräte 400 000 157,0 Verl. Elektrizitätswerke.. 11„ 130 383 133,5 Bank für elektrische Unter« nehimmge», Zürich.. 16„ 194 683 87,2 Deutsch-Uebersceische Elektr. Gesellichast..... 30„ 256 601 150,0 Gesellschaft f. elekir. Unternehmungen, Berlin.. 12„ 132 724 80,0 Slektrizitätslieferttiigsges. ,7„ 43 315 25,0 Krafiiibcliraguiigsiverke Rheiufelden..... 12„ 22 225 19,1 Schles. Elellr. u. Gas-A,-G. 13. 60 913 Vorst u. Beamte 63 523 17,6 Oontpanm Barcelonasa. 12 Aufsichtsräte 19 493 17,2 Elektr, Werk Straßburg i. E. 10. 43 133 13,7 Aktumiilatorensabrik... 10, 68000 11,0 Betriebs- A.- G. Deutscher Elcllr. Werke.... 4, 17914 Gratifikationen 3 000 8.5 Brown Bovert A.-G. Baden, Schweiz...... 11 Nussichtsräte 130883 24,0 Brown Bovert A.-G., Mannheim....... 4, 11 500 10,6 Siemens-Schnckert-Werke. 10, 800 000 110,0 Schiicker«. El, Alt.-Gesellsch. 14„ 26 756 100,0 Siemens u. Halske... 11„ 83! 995 93,0 El.Licht-u.Krastanlag.A.-G. 16„ 42 031 55,5 Cont. Gesellschaft für elektr. Unternehmung., Nürnberg 15„? 42,0 Hamburgische Elekir. Werke 5. 129 115 35,0 Vorst, u. Beamte 129115 Elektr, Werk Berlin Süd- wesl A.-G...... 8 Aufsichtsräte 87742 13,5 Gesellschaft f. elektrische Be- leuchiiiiig St. Petersburg 10, 60 797 28,0 „Siemens", elir. Betr. A,-G. 5„ 17 233 22,0 Bergmann, Elektr. Werke. 31„ 189 582 31,0 Vorstand 236 973 Fetten u. Guilleaume, Lahmeyerwerte A,-G... 16„ 226 906 55,5 Lahmeher u. Co., A.-G... 13, 64 606 50,0 Rhein-Westf. El. Werk A,-G. 14. 125 541 60.0 Stettiner Elekir. Werke.. 8„ 38 781 5,0 Elektr. Gesellsch, vorm. Föge 5„ g 140 2,0 Lech Elektr. Werke A.-G.. 6, 6 923 _ Borst, u. Beamte 11 661_ 18,5 3 291 766 1465,3 Bei der Bank für elektrische Unternehmungen, Zürich, der Siemens-Schuckert-Werle und der Stettiner ElektrizitälSwerke sind an der Tantieme auch die Vorstandsmitglieder beteiligt. 30 der großen und größten Elektrowerle verfügen, so weit die vorliegende ZiisaMmenstelliing auswelst, über t46ö,3 Millionen Mark! An Tantiemen, an sichtbaren natürlich, wurden im letzten RechnungS- jähre 3 291 766 M. ausgezahlt. Darunter sind Rieseniumme» an wenige Leute. Bei der A. E,-G. 400 000 M. für 21 Antsichlsräte, bei den Siemens-Schuckert-Werkeli 800 000 M, für 10 Personen. Von dieser Summe müssen mehrere Hunderl Arbeiterfamilien ein Jahr lang leben. So sieht'S aus mit der göttlichen Wellordnung I Die bevorzugte Landwirtschaft. Zur Deckung der Strombaukosten wird ig der Form von SchiffahrtS« abgaben nach der Denkichrift der preußischen Regierung von Handel und- Verkehr vost vqrnherein eine Verzinsung des�kavitalaustuuudes In Höhe von 4 Proz. gefordert. Am Mittellandkaiial brauchen da- gegen die Proviiizialverbände und Brenien die Kanalabgaben nur in Hache von 3 Proz des Anlagekapitals zu oewährleislen. vbwohl die vom Kanal durchschnittenen Landesteile dadurch meist überhaupt erst dem Wasserverkehr erschlossen werden. Und soweit schließlich der Staat sehr beträchtliche Aufwendungen für Slrombauten zum Zwecke der Landeskultur, d. h. in der Hauptsache zuguiisteu der Landwirtschaft macht, wird den Beteiligten dafür eine Verzinsung von— 0 Proz. auferlegt I Auch nach Einführung der Schistahrtsabgaben sollen nämlich nur die Schiffahrlsbeteiligten, nicht aber die beim Aufwand für Strombauten doch nicht minder beteiligten landwirtschaftlichen Anlieger, zu den Kosten herangezogen werden. Zur Vervollständigung dietes Bildes braucht man nur»och daran zu erinnern, daß der Staat zur Unterstützung der Landwirtschaft bekanntlich den laiidivirttchaftlichen Genossenschaften Kredit zu einem Zinsfuß- von 2'/, Proz. an zur Verfügung stellt. ES wird also bei uns mit recht verschiedenen Prozentsätzen gemessen! Das RcichS-Kaligesetz. Nach dem nun vorliegenden Gesetz- entwurf solle» Kalisalze nur durch Vermittlung einer Vertriebs- gemeinschaft abgesetzt werden dürfen. Dem Syndikat können die Besitzer der förderfähigen und der im Entstehen begriffenen Kali- werke beitreten. Der Syndikatsvertrag sowie die jedesmalige Preis- feftsetzilng für da« Inland bedarf der Ge»ehmig»ng des Biuidesrats. Für die einzelnen Kaliwerke werden Beteiligungsziffern festgesetzt. Für die nächsten fünf Jahre gelten die im neue» Kalisyndikats- vertrage festgesetzten Beteiligungsziffern. Kaliabbauberechtigte, welche noch nicht mit der Anlage eine« Kaliwerkes begonnen haben, erhalten ein« Entschädigung, Än Stelle einer Entschädigung kann der Berechtigte den Ankauf der Abbaurechte gegen Erstattnug der Erwerbskosten oder des im letzten Jahre notierten durchschnittlichen Kurswertes verlangen. Die Geltungsdauer des Gesetzes soll zwanzig Jahre betragen. Die rrvokutionierende Technik. Die von der Allgemeinheit recht wenig beachtete Heseindnstrie hat in den letzten Jabre» sehr be- deutende Umwälzungen erfahren. Durch ein neues Verfahren ist es gelungen, die Ausbeute um zirka 50 Prozent zu erhöben. Durch diese veränderte» Verhältnisse wurde auch der Zusammenbrnch des HesesyndikatS herbeigrtnhrt und bisher seine Neubildung verhindert. Um die Herstellung mit der Nachfrage in Einklang zu bringen, find die Fabiiken zu Produktionsciiischräiikmigen gezwungen. Eine solche nimmt jetzt auch die bekannte Süinergejellschaft vor, indem sie eine von ihren drei Fabriken stillegt. Massenentlassungen von Arbeiter« sollen gegenwärtig auf den in Scharley(Schlesien) gelegenen, der Aktiengesellschaft für Bergbau und Hültenbetrieb gehörigen Gruben und Erzwäschen stnttfindeil. Es sollen weit über 1000 Arbeiter zur Entlassung toimneii. Als Vegründuiig dieser Masseuentlassungen wird von der Direktion schlechte GeschäftSloujunktur angegeben. 6m ebte-Z eltunq. Der StiftShanptmann von Löbichau. Unter dieser Ueberschrift veröffentlichte der Schriftsteller Fritz Schwcynert in der„Zeit am Montag" einenMrtikel, der sich mit dem Säiaumeistcr der Deutschen Adelsgenossenschaft, Max v. Wedel, beschäftigte. Dieser war kurz vor dem Erscheinen des Artikels zum Stistshauptmann von Löbichau ernannt worden und bekleidet außerdem noch die Würde eines Rechtsritters vom Johanniterorden. Jn dem Artikel wird ausgeführt, daß die Hand- lungen des Herrn v. Wedel in schroffem Gegensatz ständen zu einer Rede, die er beim Antritt seiner Würde als Stiftshauptmann hielt. Jnsbesmidere lorrd behauptet, die VermögrnSverwaltungs- stelle für Offiziere, ein Bankinstitut für Offizierskreise, sei unter dep Verwaltung des Herrn v. Wedel an den Rand deS Ruins ge- kommen. Ferner: Herr v. Wedel habe sich als KnratoriumSmit» glied dieser Äank ansehnliche Summen als Tantiemen zahlen lassen. Weiter wird eines vor zwei Jahren veröffentlichten offenen Briefes der Deutschen Adelsgenossenschaft Erwähnung getan, worin gesagt wird, durch die Nachlässigkeit des Schatzmeisters v. Wedel sei die Genossenschaft um 120000 M. gebracht und die Direktoren« stelle im Ossiziersverein habe v. Wedel wegen Betruges niederlegen müssen. 4 Wegen dieses Artikels hat Max v. Wedel gegen den Verfasser Schweynert eine Privatbeleidigungsklage erhoben, die gestern vor dem Schöffengericht Berlin-Mitte verhandelt wurde. Der Ange- klagte und sein Verteidiger, SIechtsanwalt Dr. Karl Liebknecht. erboten sich, alle in bezug auf den Kläger behaupteten Tatsachen als wahr zu erweisen. Sie bemerkten, es sei doch bezeichnend, daß Herr v. Wedel, dem schon vor zwei Jahren in der„Zeit am Man- tag" ganz dieselben Vorwürfe in viel schärferer Form gemacht worden seien, damals teine Klage erhoben habe und auch jetzt nur deshalb die Klage anhängig gemacht habe, weil ihn das Militär« ehrengericht, dem er als Offizier a. D. unterstehe, dazu gedrängt habe.— Der Kläger entgegnete» er habe sich vor zwei Jahren, als der Artikel erschienen war, an diejenige Stelle gewandt, an deren Urteil allein ihm etwaö liege. Das sei die Deutsche Adels- genossenschaft. Der Ehrenrat derselben habe entschieden, daß die Angaben deS Artikels Verleumdungen seien. Er habe damals von einer Klage gegen die„Zeit am Montag" abgesehen, weil die für ihn allein maßgebende Stelle der Ansicht sei, daß man„ein der« artiges Blatt" nicht verklage.>— Auf die Frage, warum er denn jetzt entgegen dieser Ansicht doch„ein derartiges Blatt" verklage, antwortete Herr v. Wedel, weil ihm in dem jetzigen Artikel nach- gesagt werde, daß ihn die Deutsche Adelsgenossenschaft beschuldigt habe. Der in dem Artikel erwähnte offene Brief sei gleich nach seinem Erscheinen vom Vorstand der Adelsgenossenschaft als Verleumdung bezeichnet worden.— Wie Rechtsanwalt Dr. Lieb- kuecht bemerkte, soll diese Erklärung der Adelsgenossenschaft später widerrufen worden sein.— Weiter behauptete der Kläger, er habe die gegenwärtige Klage nicht auf Drängen des Militärehrenrates, sondern aus eigenem Antriebe eingereicht, und zwar habe er zu- nächst bei der Staatsanwaltschaft Strafantrag gestellt. Diese habe ein öffentliches Interesse nicht für vorliegend erachtet. Daraus habe er die Privatklage anhängig gemacht. Er sei noch heute Schatzmeister und Vorstandsmitglied der Adelsgenossenschaft, die ihm erst in letzter Zeit ein Vertrauensvotum gegeben habe. Als Zeuge wurde Rechtsanwalt Astmann vernommen. Er hat als Aktionär und Mitglied des Aufsichtsrates der Vermögens- Verwaltungsstelle für Offiziere einen genauen Einblick in den Ge« schäftsbetrieb dieser Bank bekommen und sagte aus: Tie Bank sei 1894 von zwei Angestellten des Offiziersvereins gegründet worden. Diese seien jedoch nur Strihniäiiner gewesen. Aus den Akten der Bank habe er die Ueberzeugung gewonnen, daß der Kläger v. Wedel und der gewesene Minister o. PodbiclSki bis eigentlichen Leiter des Geschäfts gewesen seien, obwohl sie der Ver- waltung nicht angehörten. Die Bank habe in den Jahren, wo sie unter dem Einfluß des Herrn v. Wedel gestanden habe, sehr be« denkliche Geschäfte gemacht mit faulen industriellen Gründungen, an denen Herr v. Wedel beteiligt gewesen sei. Diese Geschäfte hätten der Bank so große Verluste gebracht, daß sie im Jahre 1904 vor dem Ruin gestanden habe. Dann sei der Einfluß des Herrn v. Wedel beseitigt worden und das Geschäft gehe seitdem besser. Der Zeug« ist überzeugt, daß der Einfluß, den Herr v. Wedel auf die Geschäftsleitung der Bank hatte, so bedeutend mar. baß er alle verlustreichen Geschäfte hätte berhindern könsten, doch sei es 'Möglich, daß H«»«-»> Wodel rin gutem Glauben gehandelt bakL und der Geschäfte nicht gewachsen gewesen sei. Der Kläger wehrte sich mit großer Entschiedenheit und mit den Manieren eines echten preußischen Junkers gegen die Be- hauptung, daß er einen maßgebenden Einfluß aus die Leitung der Vermögensverwaltungsstelle gehabt habe und für deren Ver» lusie verantwortlich gemacht werden könne. Diese Angaben des Klägers fanden eine gewisse Bestätigung durch die Aussagen des Zeugen Fortsch, der dem Aufsichtsrat der VermögensverwaltungS- stelle angehört. Ein dritter Zeuge, Rcgierungsrat v. Strantz, bc- stätigte dagegen die Angaben des Zeugen Aßmann. Nach mehrstündiger Verhandlung wurde die Sache»ertagt. Um die Rolle, welche v. Wedel in der Vermögensverwaltungsstelle spielte, völlig aufzuklären, sollen die Akten der letzteren herbei- geschafft und noch weitere Zeugen geladen werden, darunter auch Herr v. Podbielski._ Hu9 der frauenbeivegung. Die weibliche Berufstätigkeit i« den Großstädten München und, Nüruberg auf Grund der letzten Berufs- und Gewerbezäbliing ist Gegenstand einer Veröffentlichung des königl. bayerische» Statistischen Landes» amtes. Es waren demnach im Jahre>907 in München 97 351 und in Nürnberg 43 972 Frauen haiipiberiiflich erwerbstätig gegen 71873 reiv 24 032 im Jahre 1895. Aus die einzelnen Beruföllaffen ver« teilten sich diese Frauen wie folgt: Berufsgruppen Land- und Forstwirtschaft... Gewerbe und Industrie.... Handel und Verlehr..... Lohnarbeit wechselnder Art... Staatliche Dienste und freie Berufe Zusammen Wie man sieht, hat sich in Nürnberg die weibliche Erwerbs- tätigkeit fast verdoppelt, während sie in München nur um zirka 35 Proz. gestiegen ist. Anders gestaltet sich freilich das Bild, wenn man die Vermehrung der Bevölkerung und der Erwerbstätigen über- Haupt in Rechnung zieht. Dann ist in München der Anteil der weiblichen Erwerbstätigen an den Erwerbstätigen überbaupt von 35,9 auf 38.0 Proz., in Nürnberg aber von 32,1 auf 33.2 Proz. ge- stiegen. Neben den häuslichen Diensten, die fast ausschließlich von Frauen besorgt werden, ist der Anteil der weiblichen Erwerbstätigkcil besonders groß in der Gruppe Lohnarbeit wechselnder Art, wo er bei der letzten Zählung in München 59,7, in Nürnberg 86.4 Proz. be- trug. Auch die Gruppe Handel und Verkehr weist in Nüruberg 27,6, in München 41,1 Proz. weibliche Erwerbstätige auf. Rmtlirber Marktbericht der üädülchen Marttballen-Dtrektion über den Gcoßbandel ln den Zentral-Marktballen. Marktlage: Fleisch? 'Ziriubr reichlich, Neichätt schleppend, Presse unverändert. Wild: Ziffndr nicht geinlgend. Gelchäst lebdasr, Presse gut. Gellügcl: Zusilhr knapp, «vci.tiäil schleppend, Presse steigend. Fische: Zufuhr ziemlich genügend, l-sseschäst schleppend, Preise wenig verändert. Butter und Kai«: Gechäst ruhig, Preise unverändert. Gemüse, Obft und Südfrüchte: Zujuhr genügend. Geschalt sehr still, Preise gedrückt. Stiefel mit Korkzwischensohle Stiefel mit Doppelsohlen bester Schutz gegen Kälte und Nässe. ■ Tanzschuhe=== in geschmackvollster Kollektion. (iaus-Pantoffel für Damen, Herren und Kinder in allen Preislagen. Filz-Schnallenstiefel, mit Filz- und Ledersohle und Absatzfleck Herren Damen MSdchen u. Knaben 370 320 300 b,s 240 Kondor-Patent Schnürstiefel ohne zu schnüren D.R.P. 174 209 Praktisch, bequem und vornehm KP I3S0 I650 Verkauf nur in unseren Filialen, da nur wir dos alleinige Fabrikations- und Vertriebsrecht im Deutschen Reich besitzen. C., Spittelmarkt 15(im Tellhaua) C, Rosenthaler Straße 14 W., Potsdamer Straße 50 Fernsprecher: Amt VI, 16881 W., Schillstr. 16 Fernsprecher: Amt V7, t6Ml NW., Turmstr. 41, Ecke Olclenburger Straße. 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Ragout prd. 60 pc Dünnung pa 60 pc Schweinefleisch Schinken pa 75, getem pia 80 pc Kotelettes pn. 90 pi. l.oo Kamm u. Schuft ptd. 80u.85 pc Pökelkamm p«. 75«. Eisbeine pfd. 75 pt FLUSS- u. SEEFISCHE Karpfen utend pfd. 80 bi« 95 pc Wtihnachts- and Sflvtsfr-Vtrkouf tu gleichen Preisen. Hechte lebend Pfd. l.OObi» 1.10 Aale lebend Pfd. 1.30 Forellen übend Pfd. 2.75 biB 3.00 Hummern lebend pn 2.80 Schellfische pn 20, 30 pt Lachs pfd. 90 � An,chpn� l.io Rotzungen pn 55 pt Schollen pfd. 25 b« 35 pc Seemuscheln loosmckl.oo Leipziger Strasse: FEINE KALTE KÜCHE Gebratene Hühner, Enten, Gänse, Fasanen. Hummer-Mayonnaise 90pf, Frische Hummern stck. 1.50 b. 3.00, Gänseweissauer 95 pr. Gänselebep-Pasteten inKnuten 1.oo, Gross. Pasteten•"IpSJS 1 so Lieferung von: Garnierten Schüsseln mit Mayonalsen, Salatan, Braten und Vorapalten. 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KnlW des JotmWü" Strlintt PolbMitl Sounabend, 18. Dejtmbtl 1909. Soziales. Der Handelstag gegen Sozialpolitik. Der„Deutsche Handelstag", dessen Belanglosigkeit auf Handels- politischem Gebiete, an den Erfolgen der Bündler gemessen, jeder Konkurrenz spottet, hat sich anscheinend ein anderes Feld„ehren- voller" Tätigkeit erkiesen. In seiner Ausschutzsitzung am 16. De- zember nahm er unter anderem auch Stellung zur Sozialpolitik. Nach dem offiziellen Bericht in folgender Weise: „Mik den Beschlüsien der Neichstagskommission zu dem vor zwei Jahren dem Reichstag vorgelegten Entwurf eines Gesetzes zur Äendcrung der Gewerbeordnung beschäftigte sich der Ausschutz(Be- richterstatter: Generalsekretär Dr. Soetbcer) auf Grund eingehen- der Verhandlungen der Kommiision des Deutschen Handelstages betr. Sozialpolitik. Es wurde dem Unmut darüber Ausdruck ge- geben, datz man mit der Reglementierung des Gewerbes immer weiter gehe und die Parteien im Reichstag in der Erfüllung der Wünsche der Arbeiter miteinander wetteiferten, ohne dem berech- ligten Interesse der Unternehmer gebührende Beachtung zu schenken. Bon der grohen Zahl der von dem Ausschutz gefahten Beschlüsse sind diejenigen hervorzuheben, die sich gegen folgende Reichstags- kommissionsbcschlüsse wenden: Ausdehnung der Befugnisse der Landeszentralbehörden und der Polizeibehörden zu einschneiden- den Vorschriften und Verfügungen. Verpflichtung der Arbeite- rinnen von 16— 18 Jahren zum Besuch einer Fortbildungsschule, Beschränkung der Konkurrenzklauscl gegenüber den technischen An- gestellten, Errichtung von Arbeiterausschüssen in allen Betrieben mit mindestens Lg Arbeitern, Einführung von Handclsinspektare». Achtuhrladenschlutz, Regelung der Arbeitszeit in Kontoren u. a., Einführung von Lohnämtern und Unterwerfung unter Tarifver- träge in der Hausarbeit. Hinsichtlich der Beschäftigung von Arbeitern in Betrieben der Glasindustrie beschlotz der Ausschutz nach einem Referat des Herrn Dr. Pohle(Berlin) in bezug auf einen Beschlutz des Reichstags, der eine Fülle von viel zu weitgehender Matznahmcn zum Schutz der Arbeiter fordert, den Bundesrat zu ersuchen, seine Ent- scheidung über diesen Reichstagsbeschluh auszusetzen, bis eine vom Arbeitgeberschutzvcrband deutscher Glasfabriken in Aussicht gestellte Denkschrift die Bedenken gegen den Beschluß des Reichstags dar- gelegt haben werde. Der Ausschutz beschlotz ferner, für eine Milde- rung der vom Bundesrat beschlossenen Bestimmungen betreffend die Beschäftigung von Arbeiterinnen und jugendlichen Arbeitern in Glashütten, Glasschleifereien und Glasbeizereicn einzutreten in der Richtung, datz Knaben, die nicht mehr zum Besuche der Schule verpflichtet sind, schon vor Vollendung des vierzehnten Lebensjahres in Glashütten als Einträgcr beschäftigt werden dürfen, wenn durch ein ärztliches Zeugnis dargetan wird, datz ihre körperliche Ent- Wickelung eine solche Beschäftigung ohne Gefahr für die Gesundheit zulätzt." Wenn der Handelstag die Absicht hatte, sich beim Zentral- scharsmacherverband in empfehlende Erinnerung zu bringen, dann dürfte ihm das in ausreichender Weise gelungen sein. Die ledig- lich in der ersten Lesung von der Kommission gefaßten Beschlüsse sind so außerordentlich zrchni, datz sie weder im einzelnen noch in ihrer Gesamtheit als eine erhebliche Abschlagszahlung auf die von der Arbeiterklasse erhobenen berechtigten Forderungen betrachtet werden können. Die; sozialpolitisch reaktionäre Anschauung des Handclstags und seines Referenten erhellt insbesondere aus seinem Gejammer über dt/j Möglichkeit einer statutarischen Fortbildungs-- schulpflicht für Arbeiterinnen bis zu 18 Jahren. Diese Forderung ist seinerzeit von der Regierung und allen Parteien(auch den Libe- ralen bis tief in das freikonservative Lager hinein) unter ein- mütigem P.eifall der Industrie gutgeheißen und zum Gesetze er-« hoben. Erst durch die Novelle von 1891 ist entgegen dem Vorschlag der Regierung diese statutarische Möglichkeit obligatorischen Fort- bildungs.schulunterrichts für Arbeiterinnen wieder gestrichen. Und jetzt länft der Handelstag gegen bessere Bildung der Arbeiterinnen Sturm. Er läßt sich also selbst vom Zentrum in puncto Bildungs- feindlichkeit übertreffen! Das Zentrum mag freilich in seiner Zu» stunmung die stille Hoffnung gehabt hoben, daß infolge des Drei» klnssenwahlrechts der Kommunen die Möglichkeit gemeindestatuta- rfscher Fortbildungsschulpflicht im wesentlichen nur auf dem Papier stehen werde. ' Um damit zu räumen, verkaufen wir: Schlafröcke, Kansioppen, Phantasie'Westen zu aiißergewohnlieh hilligen?reiseti. Ferner ein groller Posten Gelegenheitskäufe: Anzüge tr 18°° 2S°«. Paletots 12°° 16° 22°« Knaben-Anzüge«« Paletots. 850 6°°« l. Inhaber: W. ttSMpel 8 Schaufenster Große Frankfurter Str. 141 Souterrain, Parterre und I. Etage. Aul zum Kauf! Alles auf Kredit! Jeder erhält lach Einkauf ein Vf clhnachtsecscbenb! Garderobe» für - Pelzstolas== Kronen, HaStuSit. Anzahlung von 5 AI. an Sprectectiinen 6 Platten gratis. Möbel jeder Art! 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Dezember, nachmittags 3 Uhr, von der Zeichenhalle des Zions-KirchhoseS, Nordend, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 2901b Der Borstand. Den Mitgliedern zur Nachricht.! daß Utiser treueS Mitglied Karl 8cKünke>dt am 15. Dezember verstorben ist. Ehre seinem Andente«! Die Beerdigung findet am Sonntag, nachmillags 3 Uhr, von der Lenhenhalle de« IionS-Kirch- Hofes, Nordend, au« statt. Um recht pilnktliche« Erscheinen der Sänger ersucht Sl/15 Der Borftand. Zeatral-fertanil der Maurer Deutselilaiitls. Zwelgvereln IterHn. Sektion der Putzer. Unseren sowie den Mitgliedern des Gesangvereins zur Nachricht, daß unser Mitglied Karl Lcliönkelä Im Aller von 83 Jahren am 15 Dezember an Herzlähmung verstorben ist. Ehre seinem Andenken 1 Die Beerdigung findet am Sonntag, den 19. Dezember, nachmiltag« 3 Uhr, von der Lei,, enhalle der Zionsgemeinde Nordend au« statt. I Um zahlreiche Beteiligung ersucht 135/10 Der Borstaiid. Zevtral-ilerbM der Slijmitdt. Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege geinrlell Ratzkovski (Bezirk Spandau) an, 15. Dezember au Gehimschiag » verstorben ist. Ehre seinem Andenken 1 Die Beerdigung findet am Sanntag. den 19. Dezember, nach- miltags VI, Uhr vom Trauer- Hause, Spandau. Hamburger Straße 31, au« statt. Rege Beteiligung erwartet 179/3 Die Ortsvorwaltung Beerdipngsvereio Berliner Ziminerieute. Am 15. Dezember starb im Alter von öl Jahren an Lungen entzllndung unser Mitglied, der Zimmerer lgnaz Baczmanski. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Sonnabend, 18. Dezember, nach- miitag« i'l, Uhr, von der Leichen- halle de« St. Georgen-Friedhoses, Landsberger Allee, au« statt. Um rege Beteiligung ersucht 2909b Der Borstand. Deutscher Metallarbeiter-Verband Vermal tnngsitelle Berti». Todes- Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Schlosser (justsv lärdicke am 16. Dezember gestorben ist Ehra: seinem Audenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 19. Dezember, mittags 12 Uhr, von der Zeichen- Halle des Elil.cheth-Kirchhoses in der Prinzen-A. llee au« statt. Rege Beteiligung erwartet. 131/9 Dir Ortsverwaltun!,.| Am Dienstag, den 14. Dezember. verstarb nach langen, schweren. Leiden meine liebe, unvergeßliche! ,>rau Hedv/lß BSQanZ geb. Schneider im Aller von 43 Jahren. Die« zeigt ticsbetriibt an Der trauernde Matte Wilhelm Baganz nebst Kindern. Die Beerdigung findet am S onnabendnachmittag A Uhr von i der Leichenhalle des neuen i Schöneberger Friedhofes(Blanke I Hölle) aus statt. 2834b| Bio Heer geschulter ArheHsr, beste Rohstoffe, die neuesten Ertahrungeo der Technflc, dienen zur Herstellung des Sa'amandeistiefels Fordern Sie Musterbuch. V ■nheftepeeti...»».80 Luxus- Austöhrung M. 16.50 W. 8 Friedrich- Strasse 181 C- König- Strasse 47 SW. Friedrich- Sirasse 231 C- Rosen thal er Tor W. Potsdamer Strasse 5 Salamander NW. WilsnacVer Strasse Eck» rura Strau*( W. Tauen t zieo- Strasse 16 N Bad- Strasse 20 Sdiuhge». m. b. H., Berlin. Spandau, Breite Sita 90 Kein Laden, nur 1 Tr. Preisliste(ranke. Kein Laden, nur t Tr. Danksagung. Jür die letzte Ehre, welche meinem en Manne, unserem guten Baler von allen Verwandten, Freunden und Bekannten, besonders dem Wahlverein de« 4. Berliner Wablki eises, sowie dem Deutschen Metallaebeiler-Verbaiid er> tviesen wurde, sagen wir hiermit un- seren innigsten Dank. 38092 Anna Qladosch nebst Kindern._ Danksagung. Für die vielen Beweiie herzliche- Teilnahme bei der Beerdigung mehieS lieben Manne« Franz Schröck sage ich dem Perional der Firma «»tag sowie dem Deutschen Holz- arbeiterverband und allen Verwandten and Bekannten meinen herzlichsten Dank. Witwe II. Schröck. Dr.Simmel Spezial-Arzt* für Haut- und Harnleiden. Prlnzenstr. 41,«ow, 10—2, 6— 7. Bonntags 10—12, 2— 1. Arbeiter- (jy® Uerufs-Kloidung Aeltestes Spezial-Geschüft 3 Ütühletidamm 3 2. Gesohhft: 98 Kottbuser Damm 98 Hdolf Sleckcr Wobnungs- und Kuchen- elnrlchtungen, Leib- und Bettwische, Betten. 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Schnittbohnen............ 23» Pflaumen mit Stein., v.vnse 45 Pt Kirschen mit stein.... v>vo»e 65 pt Mirabellen.......... v.»--« 65 pt Erdbeeren.......... v.v»»- 85» Früchte-Melange v.voee93pt Preisseibeeren...«/, Do.e 65 pt Uischung I II III Kaffee..........»und 88, 95, 1.15 Kakao.................... Pfund 80 pt KakaO(bollindiseher)..... Pfund 1.38 HaushaltschoKolade Pfd. 65» Gänse.............. Enten..... stuck Hühner 8� Vi Flasche Rum-Facon................. 95» Rum-Verschnitt....1.20, 1.40 Kognal<-Verschnitt1.20,1.45 Halb und Halb............ 93». Essäpfel Cervelatwurst....... Pfund 1.20 Salamiwurst.......... Pfund 1.20 Teewurst..............»und 1.20 Schinkenwurst..... pftmd 1.20 Knoblauchwurst»und 1.20 ff. Leberwurst.......»und 1.05 Landleberwurst..»und 95» Mettwurst(BrauM0l,weVunj 95» Rotwurst I............ Pfund 75» Rotwurst II........... Pfund 48» Zwiebelleberwurstpfund48pt Schinkenspeck....»und 1.10 GänSebrUStdm atmen) Pfund 1.50 ..Pfund 63y 67» 2.25, 2.45, 2.75 1.45, 1.65, 1.85 V, Flasche Alpenkräuter............... 93» Stonsdorfer................. 93» Sortiments- Liköre ,/,ZIQ0h* Ingber, Rosen, Pfefferminz etc. /OPt ... 5 Pfund 58 Pf. Apfelsinen..... Dutzend 38, 48» Mandarinen........... Kiste 88» Traubenrosinen....Pfund 68» Schalmandeln....... Pfand 75» Feigen..................... Kizte 33» Ananas................... Pfand 78» Datteln................... Kurten 43» Schweizer-Käse 78» Brie« Käse m stocken... Pfund 58» TU iter Käse*f�Vd58» Ramadoor............ stock 25» Camembert............ stock 19» ZucKer gemahlen, 5 Pfund Kasseler Rippespeer..78 Verkauf zu hervorragend billigen Preisen! eigene Kürfdbneren Riesenhafte Auswahl Stolas H Sehulmeister Dresdener Straße 4, am Kottbuser Tor. Nur eigene Konfektion! Winter- Paletots und Ulster, modern gestreifte Eskimo- u. 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Auf der Tagesordnung steht ein Vortrag des Stab iverordneten K ü t e r über den bevorstehenden preußischen Parteitag und die Wahl einer Delegiertin zum preußischen Parteitag. Der Zentralvorjtand. Schönebcrg. Am Sonntag, den lS. Dezember, vormittags 8 Uhr, treffen sich die Genoffen des 1., 2., 3.. 4. und S. Kommunallvahl- bezirks bei I. Wieloch, Grunewaldstr. 82, während die Genossen des 6., 7.. 8., S.. 10., 11. und 12. Bezirks sich bei Griese, Siegsriedstr. 3, püukllich znr Verfügung stellen, um die Parteiarbeiten für die am Dienstag, de» 21. d. Mts. zur Wahl stehenden beiden Bezirke auszuführen, damit wir die beiden Bezirke wiedergewinnen. � Der Vorstand. Alt Glienicke. Heute, Sonnabend, den 18. Dezember, abends 8 Uhr, findet in Troppcns Terrassen Restaurant, Rudower Straße 53. eine Mitgliederversammlung des Wahlvereins statt. Tagesordnung: 1. Bericht von der Äreisgenerakpersammliing. 2. Abrechnung vom Winl-rvergnügen, 3. Auniayme neuer Mitglieder. 4. Vereinsangelegenheiten. Verschiedenes. � Der Vorstand. Schenkcndorf b. KönigS-Wusterhausen. Am heutigen Sonnabend. abeiids 8 Uhr. findet im Lokals von Otto Patsch die Mitglieder- Versammlung statt. Tagesordnung: Kassieren der Beiträge. Auf- nähme neuer Mitglieder. Bericht von der Kreisgeneralversammlung. Verschiedenes. Der Vorstand. « Bezirk Schoneiche und Umgegend. Die Mitgliederversammlung des Wahlvereiiis findet am Sonntag, den 19. d. M., nachmittags 4 Uhr, im Waldschloß Schöneiche statt. Tagesordnung: 1. Bericht der Bezirksleitung. 2. Bericht von der Kreisgeneralversammlung. 3. Neuwahl der'Bezirlsleilung und Vereinsangelegenbeitetl._ Die Versammlung wird besonderer Umstände halber pünktlich eröffnet. ßerlincr JVachrlcbten. Katholische Bettelei. Zu diesem Kapitel haben wir schon uiancheil Beitrag an diester Stelle geliefert, wobei wir stets. anerkennen mußten, daß die Geschorenen auf dem Gebiete iuÄ.Kirchenbettels etwas ganz Befondercs los haben. Heute wird uns ein Zirkular übermittelt, dchs das katholische Pfarramt� verschickt und dem neben einem halben Dutzend alter „Bequemlichkeit halber" gb «Nweisung beigelegt ist zur An der stillen Hoffnung, daß t sich noch Dumme genug siuöe», solche Zirkulare auch nach dem an Leute, die nie katholisch gewesen sind. Und da die..Germania", das hiesige Organ der Katholiken, uns tiumer sehr dankbar dmur ist, wenn wir den Bettelbriefen verschickt und dem neben und Neujahrskarten der i uiit Adreffe versehene Posl hg des abzusendenden Geldes. Fem großen Sündenbabel Berlin ' die in die Tasche greifen, sind hiesigen Ort versandt worden ihrer Glaubensbrüder Lnhalt teilweise wiede „Euer Haben Sie so«9 ''kchturm sollte zu»> v krrke Balken qi' ur An aber wurde a .Verbreitung geben, wollen tvir den : er lautet: i n gehört oder gelesen? Unser auf' behördliche Anordnung durch eu, weil er einzustürzen drohte; ihn ganz abzutragen, weil das tützen die Gefahr n-chv beseitigte. Das Läuten mit den Glocken lußte längst eingestellt werden.— Denken Sie sich nun Sonn- md Feiertage oder Beerdigungen, ohne der Glocken erhebenden lilang' Und wenn demnächst allüberall die Weihnachtsglocken ergreifend durch die.Hl. Nacht hinschallen: bei uns müssen sie stumm bleiben wie am Charsreitag.— Unsere Kirche ist auch viel zu Hein; die 150 Schulkinder haben gerade Platz darin. Es muß also unbedingt eine neue Kirche gebaut wepden, und sind staatliche und kir-ÄMK Behörden über die Vordringlichkeit dieses Kirchenbaues einig.... �... Ich biete Ihfieti nun ein schönes, wertvolles WechnachtS- aeschenk au:'P'31 1. Eine Anzabl künstlerische Ansichts- und Glückwunschkarten, die in dieser Ausführung in den Läden gewöhnlich für 15 Ps. jfo Stück vcrkalift werden, und womit Sie bei Ihren Freunden ind Bekannte w sicherlich hohe Ehre einlegen. 2. Für hm Wohltäter unserer Pfarrkirche werden 4 hl. Aemter auf ewige Zeiten gestiftet, die alljährlich um die Quatemberzeiten zu halten find:»> diese 4 hl. Aemter sollen Sie und Ihre werte Familie vom Zahre 1910 an stiftungsgemäß eingeschlossen sein. Ich l)abe mich gewiß nicht getäuscht, ivenn ich annahm, daß Sie inir für das Ihnen hiemit gewidmete Weihnachtsgeschenk recht gerne 1 M. Zlö Gegengabe werden zukommen lassen. Wenn Sie mir aber 2 M. senden, erhalten Sie außerdem noch gratis und franko die Sie hochintcrefsierende Schrift:„Ein Blick in den Himmelsraum. Populäre Darstellung des Weltalls". Bei einer Gabe von 3 M. und darüber erhalten Sie zu der genaiintei» noch eine zweite Schrift:„Der Weltuntergang nach Bibel und Astronomie". Mit Druckerlaubnis Sr. Eminenz des Herwu-Kardinal-Fürstbischofs Georg Kopp von Breslau. T*ttf»1ntte recht sehr: Füllen Sie heute noch beifolgende Post- «nmcisung aus— wobei ich Ihre Adreffe recht genau und deutlich zu bitte—, damit auch bei; mW über Jahr und Tag die bertiiMn Weihnachtsglocken nneder won Berg zu Tal erklingen können. Ich verspreche Ihnen: Das! erste Hochamt, das in stiller gehalten werden kann. p, damit Gott Sie und für. > Hoffnung/ dal' �ie qnweisung. in unserer neuen P : die Wohltäter aufgeopfert Ilie und Ihr Haus segne f ttl Gott besohlen und in de auch �»tv noch grüßen mit beigelegt —; Ihr dankbarer und ergei Pfarrer fiele beim Lesen obiger Zeilen en Tctzel so unsterblich gemacht ,i»aö Geld im Kasten klingt, die ' Wer das meiste Geld gibt, sei er H e u m a n n." Ablaßschwindel seine Parole: in den Himmel Jude oder Christ ist, dem wird das.Himmelreich versprochen. Kann mere Gotteslästerung geben, als' sie sich hier die Ver- Kirche zuschulden kommen, lassen? �Frcispcisung der BolkSschiilcr.� In Angelegeuheil der Frei- ■jljat sich die Deputation für Schulspeisimg zu einer neuen, cn lauge» Verfügung veranlaßt gesehen. ES haben sich erschiedene Mißstände herausgebildet. Der Andrang zu den tagen ist besonders groß� Ferner soll sich unter den �eiiie Art Handel mit den Speisemarken herausgebildet haben! dadurch gesteuert werde», daß von den Schulen Wochen- berausgegebeil werde», die für jeden Tag einen Coupon haben, ne die Karte ungültig ist. Die Karte ist in der Schule mit Hamen des Kindes, der Schule lind.Klasse zu verseben. Die BerflWnng ermahnt die Lehrerschaft wieder, eingehend die Bedürftig- keit der Schüler zu prüfen. Eine solche Prüfung ist obek bei den Kindern, deren Ellern Armenunterstützuug erhalten nicht nötig. Die Gehälter der Offiziere, Chargierten und Mannschaften der Feuerwehr sollen vom 1. April 1910 ab erhöht werden. Der Weihnachtsstruvipf. Ein fürstliches, der Stadt Berlin würdiges Weihnachtsgeschenk gibt es. solange wir denken können, in den städtischen Krankenhäusern, nämlich außer den dürstigen eßbaren Weihnachtssachen ein— Paar Strünipfe. Die sind ja nun unter Umständen sehr nützlich, besonders weuu man, was bei Obdachlosen und anderen Notleidenden selbst im Winter vorlommt, keine hat. Aber die Allgeineinheit dieses Strunipfgeschenkes berührt beinahe etwas komisch. Sicher wäre manchen oder gar vielen Kranken mit einem anderen Gebrauchsartikel etwas mehr gedient. In anderen städtischen Anstalten, die auch ungleich reicher bescheren, pflegt man hunderterlei Weihnnchtsartikel zu verteilen. Die Krankenhausver Wallungen aber. wollen offenbar zum denllichen Ausdruck bringen, daß sie dqS fyjßne Bestreben haben, ihren Patienten möglichst bald wieder aus die..Socken zu Helsen. Bei dieier Gelegeuheil sei erwähnt, daß sich kurz vor Weih- nachten in den städtischen und wohl auch in anderen Krankenhäusern allerlei fromme Leulchen breitmachen, die den Kranken religiöse Sprüche auf die Bettdecke legen und es mitunter auch an moralischen Belehrungen nicht fehlen lassen. Die Betreffenden sollten besser zu Hause bleiben, da ihte Aufdringlichkeit vielen Kranken, die des Lebens Not am eigenen Leibe genügend erfahren haben, als billiger sauler Weihuachrszauber erscheint. Mit frommen Papierwischen und gulen Natschlägeu ist weder der Armut noch der Krankheit geHolsen. Die Buchhandlung unserer Expedition ist diese Woche bis 8 Uhr abends, am kommenden Sonntag von 12 Uhr mittags ab geöffnet. Die vom Bildungöausschuß empfohlenen Jugendschriften sind auch durch alle Parteispedilioilen zu beziehen. Nicht vorhandene Bücher werden auf Wunsch besorgt. Der Bricfmarkenvcrkäuferin aiif dem Postamt 68 in der Linden- straße ist am Mittwoch ein Betrag von 150 M. gestohlen worden, während sie aus einige Minuten ihren Platz verlassen hatte. Ein junger Mann soll in den Stand hineingeklettert und dann ver- ichwuuden sein. Das ist allerdings ein starkes Stück, da das Post amt sehr stark frequentiert wird. Frau Lina Morgenstern, die Begründerin der Berliner Volks- küchen ist im Aller von 79 Jahren gestorben. Ueber den Fraurnmord liegen auch heute positive Nachrichten nicht vor. Von den zahlreichen Gerüchten, die sich meistens als übertrieben herausstellen, zur Sache auch nichts beitragen, Notiz zu nehmen, liegt kein Anlaß vor. Nach wie vor sucht die Kriminal- potizei Zuhälter zur Auskuufterteilung zu veranlassen, da die Arn- holz mit einer ganzen Anzahl Zuhälter in Verbindung ge- standen hat. Der von dem Kriminalbeamten Wild Erschossene heißt Schacke. Nach einer anfänglich verbreiteten Meldung sollte der Kriminalbeamte von dem Schacke schwer verletzt worden sein. Das ist durchaus nicht der Fall. Augenzeugen des Vorfalls stelle» denselben wesentlich anders dar, als es durch die Polizei geschehen ist. Auch von schwere» Verletzungen des Kriminalbeamten, insbesondere, daß derselbe blut überströmt hätte iveggeschafft werden müssen, sei nichts wahrzunehmen gewesen. Der Kriminalbeamte habe sich sogar aus den Rand des Rollwagens gesetzt, auf dem der Erschossene nach der Unfallstation geschafft worden wäre. Dann fällt es allgemein auf, daß nur ein Kriminalbeamter mit der Festnahme des Sch. beauftragt gewesen sei. wenn man gewußt habe, daß Sch. eine so gefährliche Person gewesen sei, wie geschildert. „Wen» du in der Nacht einen Arzt brauchst." Zu den Be� trachtungen über dieses Thema, die wir in Nr. 283 vom 4. Dezember veröffentlichten, schreibt uns der darin genannte Arzt Dr. Emil Hirsch(S ch u l st r a tz e 2): „Zu der angegebenen Zeit bin ich, wie schon erwähnt, nicht zu Hause gewesen. Die Aufnahmeperson verschwand nicht zu Anfang, um nachzusehen, ob der Arzt zu Hause ist, sondern bog sich möglicherweise zurück, um Name und Wohnung auf die Tafel aufzuschreibe». Nach Notierung der Krankenkasse sah sie dann nach, ob ich zu Hause sei, und da dies nicht der Fall war, machte sie dem Untenstchenden sofort Mitteilung; derselbe er- klärte, sich nach anderer Hilfe umsehen zu inüssen." Die Mitteilung, daß Dr. H. nicht zu Hause' gelvesen sei, war— wie er selber sagt— schon von uns erwähnt worden. Er hätte also nicht nötig gehabt, sie zu wiederholen. Auch die übrigen Angaben„berichtigen" nichts. Ueber die„Aufnahme- person", d. h. die junge Person, die in der Nacht den Hilfe- suchenden vom Fenster aus befragte, was er wünsche usw., ist »ns inzwischen von anderer Seit gesagt worden, das fei Dr. H.s .Gattin gewesen.„Möglicheriveise" soll sie nicht vom Fenster ver- schwunden sein, sondern sich nur„zurückgebogen" haben. Ja, Frau Dr. H. wird doch wohl noch feststellen können, wo in jener Nacht die Tafel hing und wie weit die Frau Doktor sich„zurück- biegen" mußte. Dem Hilfesuchenden, der unten wartete,„ver- schwand" die Frogerin vollständig und für eine ihm lang genug scheinende Zeit. Daß sie dann noch nach der Krankenkasse fragte und nun erst nachsah, ob der Herr Doktor zu Hause sei, sagt Dr. H. selber. Und damit gibt er zu, was wir gerügt hatten, nämlich den gefährlichen Unfug, das Dienstpersonal bezw. die Angehörigen nicht im voraus sich in- formieren zu lassen, ob der Herr Doktor zu Hause ist. Eben darauf kommt's uns an, daß dem Hilfesuchenden hierüber sofort Auskunft gegeben und ihm unnötiger Zeitverlust erspart wird. Ist der Herr Doktor zu Hause und will erkommen, so versteht es sich von selber, daß— wie Dr. H. ganz überflüssigerweise hinzu- fügt— dann eine genaue Aufnahme über den Besuch erfolgen und eine schnelle Orientierung im Krankenjournal vorgenommen werden muß. W i r sprachen aber von den-Fällen, wo Hilfe- suchende von Arzt zu Arzt laufen müssen, überall umständlich ausgefragt werden und dann zu warten haben, bis nun erst festgestellt wird, ob der Herr Doktor zu Hause ist. Aerzten, denen daran liegt. Hilfesuchenden diesen gefährlichen Zeitverlust zu ersparen, machen wir einen Vorschlag. Sie sollten ihrem an der Hansfront angebrachten Namensschild eine Vor- richtung hinzufügen, aus der bei Nacht sofort zu ersehen ist, ob man den Arzt haben kann oder nicht. Wir denken z. B. a» ein elektrisches LämpchSn, das, in einer Vertiefung der Mäuer an- gebracht, vom Arzt mit besonderem Schlüssel ausgeschaltet wird, wenn er nachts das Haus verlassen muß, und wieder eingeschaltet wird, wenn er heimkehrt. TvdeSstnrz im Fahrstuhlschacht. Ein schwerer Unfall ereignete sich gestern vorniittag in dem Hanse Frankfurter Allee 117. Dort stürzte der Maschiiienmeister. Karl Mann aus der Gnbener traße 30 drei Srock werke hoch in den Fahrstuhllchacht hinab. Obgleich Hilfe sofort zur Stelle war, konnte bei dem Verunglückten doch nur noch der eingetretene Tod festgestellt werden. Fuß unter den seitlichen Schutzrahmen. Rogge trug eine schwere Quetschung sämilicher Zehen, sowie mehrere Fleischwunden am Unterschenkel davon und wurde zunächst nach der Reinnigswache in der Gleiinstraße gebracht. Von hier aus erfolgte, nachdem ihm Not- verbände angelegt worden waren, seine Ueberführung nach dem Krankenhans Friedrichshain. Der Schrecken der Damen. Ein nichtswürdiger Bursche treibt im Westen Vcrliiis sein Unwesen, indem er die Kleider der Passan- tinnen mit Salzsäure übergießt. Bisher sind bereits vier derartige Fälle vorgekommen. In der Hardenbergstraße wurde einer Dame ein Persianermailtel im Werte von 1300 M. vollständig verdorben, ebenso erging es der Frau eines höheren Offiziers in der Maaßen- straße, der ein Kleid im Werte von 340 M. vernichtet wurde. In der Nähe des Zoologiickien Gartens sind gestern nachmiltag zwei derartige Salzsäureattentate auf zwei junge Mädchen verübt worden. Der Täler wird in allen Fällen als ein 22jühriger, ziemlich gut ge- kleideter Mann beschrieben. Wagcnmarder und Pferdcdjebe. Gestern früh Uhr ist vor der Markthalle in der Mauerstraße ein mit Fleisch beladenes Gefährt des Schlächtermeisters B u tz aus der Samariterstraße 21 gestohlen worden. Das Fleisch bestand hauptsächlich aus halben Schweinen, Schulterblättern und Kasseler Rippespeer»nd war ge- stempelt mit den Nummern 27 und 75. Der Dieb ist mit dem Einspänner bis zur Stettiner Straße gefahren, wo Wagen und Pferd später ohne Ladung aufgefunden worden sind. Das ge- stohlene Fleisch hatte einen Wert von rund 1000 M.— Zwei wertvolle Pferde sind der Firma Neinecke, Alvenslebenstraße 12s, aus dem Stalle gestohlen worden. Beide Tiere haben einen Wert von 1590 M. und sind gut genährt. Es handelt sich um einen hell- braunen Wallach und eine hellbraune Stute. Zeugen gesucht. Personen, welche gesehen haben, wie ein Man» am 7. September, nachmittags gegen 4 Ubr in der Kanonierstratze zwischen Tauben- und Mohrenstraße vor einer in voller Fahrt be- findlichen Straßenbahn den Fahrdamm kreuzte und gegen eine elektrische Bedag-Drosckke rannte, iverden gebeten, ihre Adresse an Franz Kncharski, Riinuiielsburg, Neue Bahnholstr. 20 mitzuicilen. Die Personen, die am 15. Dezember nachmittags zwischen 6 Ubr Zeuge des Zusammenstoßes zwischen einem mit einem Pferde bespannten Geschäftsfuhrwerk und einem Wagen der Straßen- bahn in der Müllerstraße waren, werden um Abgabe ihrer Adresse an Rakete, Naunylistr. 58 gebeten. Ein schwerer Verlust. Ein KaufmannSlehrling hat auf dem Wege vom Hauptpostamt in der Spandauer Straße nach seiner Lehrstelle Neue Friedrichstr. 38/40 bei Nehwaldt und Greifenhagen 700 Mark in 35 Goldstücken, die sich in einem Lederbeulel befanden, verloren. Der ehrliche Finder wird gebeten, sich auf der genannten Lehrstelle zu melden. Das Mitgliedsbuch des Metallarbeitcrvrrbandcs Nr. 120 206, ein Wahlvereinsbuch, sowie ein blaueS Buch mit einigen Adressen und Marken ist auf dem Wege von der Schilliiigstratze sReinickendorf- West) nach der Straßenbahn oder im Straßenbahnwagen selbst(von Tegel nach Berlin) verloren gegangen. Es wird um Abgabe der eventuell gefundenen Bücher an Harmuth, Tegel. Schlieper- straße 64, III. gebeten. Auf der Trcptow-Sternwarte wird in dieser Woche allabendlich neben dem Saturn und den Planeten der Mond gezeigt. Er ist bei Eintritt der Dunkelheit schon zu sehen, und steht wegen der inter- essanten Aendeniiige», die in dem letzten Jahre auf seiner Ober- fläche entdeckt worden sind, wieder im Vordergrund des Interesses. Am Sonntag, den 19. Dezember spricht Direktor Archenhold um 5 Uhr nachmittags über:„Die Gebirge des Mondes" und um 7 Uhr über:„Vulkanismus auf dem Mond". Montagabend 9 Uhr lautet das Thema:„Die Bewobnbarleit der Welten". Alle drei Vorträge sind mit zahlreichen Lichtbildern ausgestattet. Feuerwehrnachrichten. In der letzten Nacht kam in einem Lagerschuppen auf dem Nordbahnhof in der Bernauer Straße Feuer aus. das vom 3. Zuge gelöscht wurde. Der 16. Zug hatte in der Schulstratze 54 längere Zeit zu tun. Dort brannten Preß- kohlen und'Holz in großen Mengen unter großer Oualmentwicke- luiig. Der 7. Löschzug iourde nachts nach der Warschauer Straße 38 alarmiert. Dort standen Borräte von Korken in einem Lager- räum in Flammen. Wegen eines Wohnungsbrandes rückte die Feuerwehr nach der Flottwellstraße 3 aus. Durch Umfallen einer Petroleumlampe entstand iil der Wilhelikshavencr Straße 45 ein Brand, der aus seinen Herd beschränkt werden konnte. In der Hagelberger Straße 37/38 mußte ein Küchenbrand gelöscht werden. Eine Gasvergiftung wurde aus der Hufelandstraße 38 gemeldet. Der Feuerwehr gelang es. die Gefahr zu beseitigen und eine betvußtlose Person wieder ins Leben zurückzurufe». Ferner hatte die Feuerwehr in der Schlieinannstraße 20 und an anderen Stellen zu tun.— Die Steglitzer Feuerwehr hatte am Donnerstagabend einen größeren Dachstuhlbrand Bismarck- und Poschingerstraßen-Ecke zu löschen. Das Feuer soll in einem Maleratelier entstanden sein. Die Flammen fanden dann an dem Inhalt der Bodenverschläge reiche Nahrung und konnten erst nach längerem Wassergeben gelöscht werden. Ter Schaden ist er- heblich. Vorort- l�acdricbten. Zwei schwere Straßenbahnunsälle werden vom gestrigen Tage gemeldet. In der Scklöuhauser Allee geriet der zwölfjährige Schüler HanS Schröder, Schönhauser Allee 104, bei den Eltern wohnhaft, unter einen Slraßenbahnwage» der Linie 49 sRichtung Hasenheide). Er erlitt eine schwere Quetschung des Fußes, sowie erhebliche Kontu- sioncn am Schienbein und wurde»ach der nahen elterlichen Wohiimig geschafft. Gegen 11 Uhr abends war vor dem Hanse Schönhauser Allee 50 der Arbeiter August Rogge, Papstcl-Allee 44 wohnhast, damit beschäftigt, eine dicht neben dein Siraßetibahngleis 'tehende Tonne fortzuschaffen. Dabei stieß er gegen den Wagen Nr. 2324 der Linie 50, wurde umgerissen und geriet mit dem linken Nixdorf. Die Stadtverordnetenversammlung beschäftigte in der Sitzung am Donnerstag an erster Stelle eine Anfrage des Stadtverordneten Abraham an den Magistrat über den gegenwärtigen Stand der Schnellbahn frage. Der Interpellant ivünschte, daß der Un- kenntnis und der Beunnihiguiig in der Bürgerschaft durch Erklärungen des Magistrats ein Ziel�geietzt weiden möchte. Besonders sei Klarheit über das Projekt der Schivebebahn-Gesellichaft notwendig, deren Bc- fiirworter in einer Weise arbeiteten, die den Anschein habe, als ob eine Vereiiiigimg zur Aufdrängung einer Schwebebahn dahmlersteckte. Redner spricht sich gegen dieses Projekt aus,— Oberbürgermeister Kaiser verwarf rückhaltlos das Schwebebahnprojekt, das in seiner Linien- siihruiig nicht den Bedürfnissen Rixdorfs entspricht und überdies eine Verunzierung des Stadtbildes bedeuten würde. Das neuerliche, nachhaltige Anpreisen des Zehupfennigtarifs der Schwebebahn- gesellichast sei nicht ernst zu nehnien. eö solle nur dazu dienen, den verlorenen Boden der letzteren in Groß-Berlin wiederzngewiiineii. Ans eine direkte Frage an de» Vertreter derselben hgbe dieser die Möglichkeit einer Tariferhöhung zugegeben und dies mit eventuellen Lohnerhöhmigen usw. begründet. Daraus köime Rixdorf sich nicht einlasse», um so weniger, als eS keine behördlichen Machtmittel gibt, nennenswert auf Tarif- gestaltlmg einzn wirken. Die Schivebebahn-Gesellichaft soll— so er- klärte der Oberbürgermeister— uns endlich mit ihrem LiebeSwerben in Ruhe lassen; wir sind Manns geinig, unS selbst eine Schnellbahn zu bauen. Für Ripdorf kommt nur die in Aussicht genommene Untergrundbahn Rixdorf-Moabit mit der Trace über den Dönhoff- platz in Frage. Der Magistrat arbeitet daran mit Energie und bofft damit, unbeschadet der von Berlin geplanten Nord- Südlinie, zum Ziele zu kommen. Die von der Allge- meine» Elektrizitäts» Gesellschaft beabsichtigte Bahn mit dem Umwege über den Urbanhafen durch die Urbanstrahe ist ganz unziveckmLßig und muß verhindert werde«. Es wird vom Magistrat alles versucht werden, sich an den entscheidenden Stellen Gehör zu verschaffen und Rixdorf baldigst zu der äußerst notwendigen Schnellbahn zu verhelfen.(Lebhafte- Bravo!)— Stadtv. Dr. Silberstein(Soz) stellte fest, daß trotz Versprechungen in den letzten Jahren die Schnellbahiisrage nicht vom gierte kommt. Daran sei zunZchst die KiräiturmSpolitik der herrscbeaden Parteien in den Groh-Berliner Äomnumen schuld, die den Zweckverbaud nicht zustande kommen läht. Andernfalls hätte die un-- haltbare PerkehrSmisero nicht einreiben können. Dazu beigetragen habe auch die vor» derselben Seite geförderte Grobpäppelnng der„Grasten Berliner", die mit ihren Konlurrenzeinwäyden die Pläne der Städte lahmlege. Es miisse nun aber endlich gehandelt werden und zwar nach der Richtung, dast die Städte selbst die Schnellbahnen bauen. Für Rixdorf könne nur eine llMcrgrundbahn in Betracht kommen. Die Schwebebahn würde unserer Stadt noch mehr Lust und Licht nehmen. Der Zehnpsennigtarif wäre zwar äusterst wünschenswert für dw Nindorfer Arbeiterschaft; aber solche Zusagen sind zweifellos ein«�chachzug der Gesellschaft, die ja auch erst jetzt, nachdem sie ihre Sache oerloren sehe, damit als Köder herausrücke. In die Berwaktungsdeputation für das städtische Leihamt Wählte die Versammlung u. a. auch den Genossen Conrad. Dem Freiwilligen Erziehungsbeirat wird die ältere Baracke auf dein Krankeuhausgnindstück in der Kaimer Straste mit dem an- stosteudeu Teil des Gartens widerruflich unentgeltlich übeilasscn. Es soll dort eine zweite Kindervolksküche eingerichtet werden, da die bereits tu der Steiimietzstraste bestehende unzureichend ist. Nach der Begründung der Borlage besuch'.e» diese während der Arbeiislosigkeit im vorigen Winter täglich weit über{500 Ä i» der. Anschliestend an die zweite Küche ist auch ein Kinder- Hort nebst Lesehalle sür Kinder geplant, wo diesen auch Gelegen- heit gegeben»Verden soll, die Schularbeiten unter Aussicht an- zuferligsn. Die vom Magistrat im Einverstäiidnis mit der Verkehrs- deputation erneut beantragte Einrichtung e i n c s W o ch e n- Marktes auf dem Herrfurihplatz rief, wie schon früher, wiederum eine lange Debatte hervor. Tie Stadlverordneie» Heinrich und S e l t»i a n n machten dabei krampfhaft in Mittelstaiidsrelterei und quälten sich mit Beweisen ab, dost die Märkte den Kleingewerbe- treibenden angeblich das Lebenslicht ausblasen.— Für die Vorlage plädierten die Stadiverordneten Dr. S i I b e r st e i n sSoz.) und Böske(Soz.j, welche in derselben die Möglichkeit sehen, dast die an Zahl zunehmenden privaten Märkte, die jeder Kontrolle entrückt sind, beseitigt werden. Die Logik der Marktgegner sei mit der gegeiiwärtiaen EntWickelung nicht zu ver- einbaren. Herr Heinrich, der als Grosthändler doch vielen Klein« gewerbeireibendeii uiibeklininiert das Leben schwer mache, müsse als ein sehr merkwürdiger Fürsprecher derselben angesehen werden. Er werde sicher' nicht mit Rücksicht auf die Kleinhändler die Grost- kauslente beseitigen wollen.— Die Einrichtung des Marktes wurde mit 36 gegen 13 Stimmen abgelehnt. Chnrkvtttnbnrg. Die Bevölkerung Charlotieuburgs stellte sich am 1. Dezember auf 284 834 Personen. Da für den 1. Oktober eine Einwohnerzahl von 274 361 Personell crinitlelt worden war. ist die Bevölkerung der Stadt iimerhalb der beiden letzten Monate um fast genau 10 600 Personen gewachsen. Auf das Konto des Geburteuüber- schusseS sind dabei 400, auf das des Wanderungsgewinnes 9600 zu verbuchen. Die AiiSsteltiing eiiipfehleilswertrr Jiigendschriften im VokkShause, Rostneiistr. 3, ist»ur noch bis zum Sonntag, den 19. Dezember geöffnet. Wir ersuchen deshalb alle diejenigen, welche dieselbe noch nicht besucht haben, dies nun umgehend zu tun. da eine Ver- läugerung— wie im vorigen Jahre— nicht stattfindet. Zur Aus- stellnng gelangen: Empfehlenswerte Jugendliteratur, Gesellschaftsspiele, künstlerischer Wandschmuck, gute Klassikerausgaben und Partei- fchrisleu. Wir ersuchen alle Genossen, ihren eventuellen Bedarf an Weihi'.achtsbüchcrn in der Ausstellung decken zu wollen. Der soz. Wahlverein Charlottenburg. Tchöneberg. � Die Stadtverordneten-Nachwahlen in der dritten Abteilung für den 3. und 7. Kommmialbezirk finden am Dienstag, den 21. De- zemher, von vormittags 9 llhr bis abends 8 Uhr statt. Die Kan- didaten müssen Hansbesitzer sein. Es ist nun gelungen, einige Ge. nassen als HaiiSbesitzerkaiididaten zu gewinnen. An Stelle des Ge- Nossen Obst, der mehrere Male gewählt ist. wird der Genosse Gast- Wirt Wilhelm Fintel im dritten Bezirk kandidieren. Der dritte Bezirk nmsastt: Die Goltz-, Gleditschstr. 1—21, Akazien«, Vorberg-, Verlängerte Beiziger-, Verlängerte Gleditjch- und Grunewaldstraste 12—16 und 82—118. Das Wahllokal befindet sich Hauptstr. 16, Restaurant Lindenpark. Ferner ivird an Stelle deZ Genossen Obst im 7. Bezirk, dessen Mandat noch auf zwei Jahre lief, der Genosse Eigentümer Rott- länder kandidieren. Der 7. Bezirk umfaßt: Die Brmihild-, Gehler-, Hohenfriedberg-, Kolonnenstr. 32—66, Kriemhild-, Moiivmentenslr. 1— 14 und 31—39, Siegfriedstraste 20a, Militärfiskalische Privatstrasto, Militärbahnhof. Wohllokal: Restaurant«Zur Hütte'. Monumenten- straste 39. Arbeiter! Parteigenoffen l Im siebenten Bezirk ist noch ein Mandat zu besetzen, leider steht auch wieder das alte Hausbesitzer- Privileg als Hindernis im Wege, trotzdem ist eS nicht ausgeschlossen, dast noch im letzten Augenblick wir auch diese Kandidatur besetzen können. Sollte dies nicht möglich sein, so sind trotzdem alle Kräfte einzusetzen, damit diese für uns in Frage konimenden Bezirke ge- tvonnen werden und zwar mit einer erheblicheren Stimmenzahl als in der Hauptwahl. Es muß frühzeitig alles eingesetzt werden, um jede Stichwahl zu vermeiden. Niemand verabsäume es. sich mit Legitimation zu versehen, besonders mit der vom Magistrat übersandten gelben Karte oder Militärpapiere oder Steuerquitiung. Ebenfalls muh jeder Wähler bis 8 Uhr im Wahllokal sein, sonst geht er seines Wahlrechts verlustig. Agitiert in der kurzen Zeit mit aller Energie für unsere Kandidaten. Johannisthal-Rudow. Unvorhcrgcscheiicr Umstände halber findet die Jugendschriften- aussteliuug im Lokal von Senftleben, Fricdrichstr. 43, am Sonntag, den 19. Dezember, von 10 Uhr vormittags bis 5 Uhr abends zum letzten Mal statt. Ariedrichshagen. AnS der Gemriudevertretnng. Am Mittwoch, den IS. Dezember, erfolgte in öffeiitlicher Sitzung durch deu Landrat des Nicderbarnimer Kreises, Graf v. Roedern, die Einführung des zum Amts- und Gcmeilidevorstcher gewählten Bürgermeisters Dr. Stiller aus Krofien a. O- In»einer Rede gedachte der Landrat zunächst des Verstorbenen Bürgermeisters Klüt, der seine ganze Kraft der Ge- mcinde aeividmel. ihre Finanzen gehoben und viel zur kulturellen Eutwickelimg und Versltwncrulig des Ortes getan habe. Dem stell- vertrereuden Gemeindevorsteher Dr. Kohli dankte der Laudrat sür seine imeigeniiiitzige Mühewaltimg während der VertretimgSzeit. Hierauf hieß der Lnfldrät den Bürgermeister Dr. Stiller willkommen, die Hoffnung ausdrückend, dast er das Vertrauen, daS die Vertreter durcv seine Wahl tu ibu gefetzt, auch recbtseriigen möge. Im Nomen der Vertretung begrüßte Vertreter G l ö d e Dr. Stille mit dem Wuiische, stets im Einveriiehmeu mit der Vertretung �um Wohle der Gemeinde zu wirken. Dr. Stiller dankte fllr das in ihn gesetzle Vertrauen, er werde sich bemühen, sein Amt so zu verwalten, dast man dereinst mit Befriedigung auf seine Amtsführung zurückblicken könne.— In dem dann folgenden zwanglosen Zusaiiimensem gab Berlieter S o n u e ii b ii r g ssoz.) im Namen seiner Frenude dem neugewählten Gemeindevorsteher die Zusicherimg, dast bei allen seinen Mastiiahmen, die der VorwärtSentwickelimg der Gemeinde förderlich sind, er jederzeit die kräftigste Uiiterstütznug und eifrigste Mturbeit der sozialdemokratischen Fiakiio» finden werde. Reinickendorf. Im heftige» Kampfe liegt zurzeit die Gemeinde mit den Griiiidstücksspeknlanten. Ungeheuere Gewinne haben letztere ein- geheimst; so bald sie aber von ihren mühelosen, der Allgemeinheit zu verdankenden Gewinnen etwas für die Allgemeinheit opfern sollen, schreien sie Zeler und Mordio. Diese kleine, die Grund- reute fortgesetzt in unverschämter Weise steigernde Gruppe fühlt sich bei uns umso mächtiger, als sie im Gemeinde- oberhoupt, dem Bürgermeister, einen sachkenntnis- und einflust- reichen Befürworter hat. Bei Ausstellimg des neuen Etats ergibt sich im Gemeindesäckel ein großes Lo>? das zu stopfen dem Gemciiidevorstand groste Schwierigkeiten bei'eik-ff. Er machte den Borschlag, die auch vom unbebauten �'.'�widvesitz zn zahlende Grmidwertsteuer zu verdoppeln. Ein Antra gZ-Gemni 50 Prozent zu erhöhen, war im Vorjahre nach einer wüsten rlgimtlrt» der Griiiidstücksspeknlanten abgelehnt worden. Es war zu>nn>MtoVi.dast der diesjährige Antrag ans Erhöhung um icP Proz.verstärls'eq jWzderspriich finden würde. Vor der Sitzimg und auch in dieser zogcH Hs.alle Register der Beredsamkeit aus. Es verlohnt sich aber, nichr alle die längst bekannten alten Kamellen wieder zu geben, Me Sra hen Herren Dr. Berliner, Müller, Reinicke, Cnbarrö und Wiks? bnrgebrachl wurden. Von unseren Genossen wurde ihnen kräfiiff'Mdient. Der Antrag wurde schliestlich in namentlicher Abstimmung rniriüio gegen 8 Stimmen angenommen. Auch der nächste Punkt der TngeSordiiung zeigte deutlich das unglückselige Walten der Grundbesitzer. In der vorigen Sitzung war der Ankauf des Hechelschen GinndbesitzeS uiiter der Be- dingung beschlossen worden, dastder Kreisansschnst genehmigt, die Zinsen sür sechs Jahre ans Anleihemitteln zu decken. Dies benntzten die Grundbesitzer, die bei der Gemeiiidevertrelung keinen Erfolg erzielt vatien, den KreisauSschnst scharf zu machen. Und es gelang ibnen. Der KreiSausschust lehnte die Ziistiminiing ab. Der Gemeinde- vorstand beantrcigte nun, beim BezirksauSschnst Beschwerde zu er- heben. Nochmals begann der Versuch zur Beeinflussung der Ge- meindevertretniig. Umsonst. Mit 12 gegen 10 Stimmen wurde in wiederum namentlicher Abstimmung der Antrag angenommen. Noch ein dritter Punkt der Tagesordnung:„Der Erlast einer neuen Umsatzsteuerordnnng auf Grundstücke" schien zu neuen Kämpfen Anlast' zu geben. Veranlastt war diese Neuregelung einmal durch das neue preustische Slempelsteuergesetz, dann aber auch durch die seit einiger Zeit sehr beliebten Schiebungen beim Griiiidstückswechscl. wodurch der Verkäufer die Wertzuwachssteuer, der Käufer, aber die Unisatzsicuer sparten. Die Reuordnung macht das unmöglich. Wider Erwarten wurde jedoch diese Vorlage nach kurzer Debatte glatt an- genommen. Bei der Feststellung der im neuen Schuljahre erforderlich werdenden Lehrkräfte verriet der Beigeordnete unfreiwilligerweise die ganze Schulmisere. 64 Schüler zähle jetzt bereits eine 2. Klasse in der 3. Gemeindeschule, nicht weniger einige andere Klassen und diese machen eine Teilung notwenig. Genosse Ohl ergriff diese Gelegenheit, eine Uebersichl über die Klassenfrequenz zu fordern, denn wenn schon die zweite Klaffe so besetzt sei, wie niöge es dann in den anderen Klassen aus- sehen. Der Bürgermeister gab eine Durchschuitlsfrequenz von 42 vi? 47 Schülern an, sagte aber, obgleich überflüssig, eine Uebersichl zn. Für die von fremden Gemeinden im Wege der Armen- pflege untergebrachten Kinder soll ein Schulgeld von 30 Mark pro Jahr erhoben werden. Für die WeihnachtS- bescherung der Ortsarmen wurden 300 M. bewilligt. Die Neuregelung des Gehalts der Maschinenmeister, das mit 1300 M. be- ginnend von drei zu drei Jahren bis zu 3200 M. steigend, gab unserem Genossen K ö h n Gelegenheit, nach dem Verbleib der ver- sprochenen neuen Besoldungsordnung für die Gemeindearbeiter zu fragen. Dieselbe soll in Kürze vorgelegt werden. Der erhöhte Be- trag für den Verband der grösteren Landgemeinden wurde bewilligt, ebenso die Bauerlanbiiis an einer bisher ungepflasterlen Straste. Auch der mit den Jnteresseiiten des Industriegleises abzuschließende Vertrag wurde nach kürzerer Debatte genehiiiigt. Borsigwalde-Wittcnau. In der letzten Gcmemdevertrcterfitzung wurde die Nachforderimg für die Amisverwaltung von 1810 Act. bewilligt,'Wittenau ist hieran mit 1246,44 Mk. beteiligt. Die Annahme der Verwaltung der „Anglist Schulze- Stiftung" wurde mit 9 gegen 4 Stimmen be- schloffen. Den Zuschlag für die Steinmetzarbeiten zum neuen Rat- Hausbau erhielt die Firma Plöger; dieselbe forderte 42 680 Mk.; 53 542 Mk. war das höchste Angebot. Die Lieferung der Modelle zum Preise von 18 000 Mk. wurden dem Bildhauer I. Wolf, Berlin, übertragen. Die Rüstung sür den 50 Meter hohen Turm führt die Firma Jänicke. Wilmersdorf, sür 6000 Mk. aus. Die Gesamtkosten sür den NalhauSbau sind ans 429 000 Mk. vom Bauamt veranschlagt worden; es soll diese Summe nach Möglichkeit nicht über- schritten werden. Für die Punchstation rn der Reichenbach- straste erhielt die Lieferung der Pumpe die Firma A. Borsig zum Preise von 24 398 Mk. als Mindestfordcrnde. Einstimmig wurde den Lehrern eine Ortszulage von 750 M., de» Lehrerinnen von 250 M. bewilligt. Bei dem Nenerlaß des Orisstatuts über die Aiistelluiigö-, VesoldungS- und Pensionsverhältiiisse der Beamten sowie die Festsetzung einer neueil Besoldungsordnnng wurde auf die schlechte Bezahlung unserer Gemeindearbeiter hingewiesen. Unsere Parteigenosse» beantragten, dast für diese Arbeiter cbenfallö ein Tarif ausgearbeitet wird. Die an uiiseren Volksschulen übliche Prugelpädagogit wurde alsdann eingehend besprochen, für Abhilfe soll m nächster Zeit gesorgt werde»l. Spandau. Stadtverordnetenversammlung. Genosse Pieper bringt vor Eintritt in die Tagesordnung den Vorgang zur Sprache, welcher sich am vergangene» Sonntag bei der Beerdigimg des Genossen Weile vor dem Friedhof wegen der roten Kranzschleifen ereignet hat. Er richtete an de» Oberbürgermeister die Frage, ob der Polizeiinspektor von dem Stadiverordnetenbeickilust, dast auch Kränze mit roten Schleifen, sostrn deren Jiijchiiften zu keinen Bedenken Anlast geben. auf den Kirchhof getragen werden dürfen, keine Kenntnis gehabt hat. Habe er eL gewußt, dann scheine der Jmpektor an Noikoller zu leiden. Ferner frug der Genosse, ob der berittene Polizeisergeont, der am Somiabend bei der Beerdigung seines sPicperSj Sohnes auf den Kirchhof geritten kam, einen dienstlichen Auftrag dazu hatte. Er brauche zur Beerdigung seines Kindes keine polizeiliche Be- wachuug.— Der Vorsteher hatte die Aeusterung des Genosien Pieper betreffend den Rotkoller des Polizeiiii'pektorS gerügt. Alles war nun gespannt auf die Antwort dcS Oberbürgermeisters K o e l tz e. Aber diese Antwort fiel so aus, dast man annehmen muß, der Ober- bürgermeister lese leine Zeitung oder er bekümmere sich gar nicht um die Polizei, obgleich er deren Chef ist. Ewedlärte nämlich, et könne die Fragen heute nicht beantworten, da er darüber nicht informiert sei. Er werde in nach st er Sitzung darüber Aliökunft geben. Man bedenke, am Sonnabend und Sonntag, den 11. und 12. Dezember. passieren die bekannten Dinge auf dein Friedhof. Am Tage daraus berichten die Zeitungen darüber und am Donnerstag, den 16. De- zember ist der Oberbürgernicister von Spandau und Chef der Polizei- verlvaltmig noch nicht informiert darüber, daß er eine Auskunft geben könnte. Das verstehe wer kann. Da ist ihm ja der konservative Stadtverordnete Schob noch über. Dieser erklärte nämlich, er habe sofort, als er den Bericht flir seine Zeitung zugesandt erhielt, beim Fiiedhofiiispektor telephonisch angefragt»nd von dort die Auskunft erhalten, dast am Sonnabend, den 11. Dezember, der berittene Polizei- seigeant nach dem Friedhos kam, um ihm. dem FriedhofSiinpektor, die Bescheiiiigung zu überbringen, dast der Gesangverein„Hoffnung" am Grabe dcS SohneS des Siadtveror' stieg er av und Vervliev dann bis zur Bsendigung der Beerdigung auf dem Friedhof in der Stahe der Gruft, in welcher der Sohn Piepers beigesetzt wurde. Wenn der Beamte »ur die Bescheinigung abzugeben halte. war eS unnötig. daß et erst vom Pferde stieg, und dast ein Arbeiter sein Pferd bis zur Beendigung der Beerdigungsfeier hielt, dann konnte er sofort nach Abgabe der Bescheinigung wieder zurückreiten. Da gegen die letzte» Stadtverordneten-Stichwahlen der zweiten Abteilung seitens eines durchgefalleiien Kandidaten, dem Betriebs- techniker Schirmbeck, ein Protest eingegangen war, so halte der Magistrat eine dringliche Vorlage eingebracht, die Sawe einem Ansschnst zur Prüfung zu überweisen. ES bandelt sich um die Wahlen des Dr. Kantoroivicz und des Postsekrelärs Schreiber. Die Versammlung stimmte der Vorlage zu und wählte in diese Komniission die Stadtverordneten Bender, Lüdicke, Dr. Baumert, Tietze, Schmidt III und Pieper.— Gelegentlich der Beratung der Vortage betreffs Genebmiguiig eines NachlrageS zum Tarif der Friedhofs- ordming bezüglich der Ascheurnen, welche von bcr_ Berfmmnlung zwecks präziserer Fassung zurückgegeben wurde, stellte Genosse Pieper den Antrag, die Redehalle auch zur Verfügung zu stellen, wenn ein Prediger der Freireligiösen Gemeinde die Grabrede hält. Der Genosse wurde vom Vorsteher ersucht, diesen Antrag schriftlich für die nächste Sitzung einzureichen.— Eine recht eigenartige Begründung hatte bei der wiederholt eingebrachien Vorlage betreffend Bewilligung von 12 500 M. zur Erbauung' eines Wohiihauie». für den Guswärter auf dein Nonnendanim der Gasdirekior Kützing gegeben. Die Vorlage war nämlich von der Versaitzu>jni!H.Mioii einmal abgelehnt worden, weil man einei» Wärter könne, Tag und Nacht ans dein Paste» zu sein. Der GasvzrtzflM! i �-inte nun, wenn man das Wohn- Hans baue, dann brauch«-t.—|r" ganz gut Tag und Nacht wohl am Tage wie bei der Nacht Leni werde dies auch so. gemacht, da iiXWG Das könne ja auch hier so sein. T' pnnkt konnte sich die Versammlung Vorlage wieder ab. Die übrigen Vo� beutung. Ein Teil derselben»vurde . einen Wärter, der könne daS ; ja. nur einige Stunden so- '- zl sei. In kleinen Städten VchtS die Frau helfend ein. Mneigeinümlichen Stand- Ht.'stellen und lehnte die Fsind von geringerer Be- dgt. Potsdam. Bei der Stadtvcrordnetcnstichwnhl im 1. Wahlbezirk der dritten Abteilung siegten die Gegner mit 1179— 1157 Stimmen. Unsere Genossen erhielten 729 Stimmen, das sind 4L Stimmen mehr wie bei der Hanptwahl. Die Konservativen hatten mit Mitteln ge- arbeitet, die sie bei Gegnern als Terrorismns bezeichnen und alles mobil gemacht. In der Eisenbahnhauptwerkstätte. bei der Elel- trischen, Feuerwehr usw. wurde allen denjenigen bedeutet, die bei der Hauptwahl nicht zur Wahl ivaren, dast ihr Fernbleiben bei der Stichwahl als Unterstützung der Sozialdemokraten angesehen würde. Bei solcher amtlichen„Wahlhilfe" wagt dann die konservative „Tageszeitung" ihren Losern glaubhaft zu machen, dast die Sozial- demokraten doch nun. cnbstch einsehen sollten, daß für ihre Ideen in Potsdam kein lÄ. ! schu i tz juL. nij in» di, VÄlwMres. Stadtverordneten Pieper singen werde. M die Wohnung des f' geritle»(diese Wohnung liegt auf dem Friedhof). AIS er ihn, den Der Polizeibcamte sei bis an die Wohmnig des Friedhoiöiin'pellorS liegt auf den, Frü' Friedhofsinspektor erblickte, sei er sofort vom Pferde gestiegen und habe die Bescheinigung überreicht, worauf ib»i der Friedhofsinspektor eine» Manu gab, der das Pferd vor den Friedhof führte und dort so laitge hielt, bis der Polizeibeamte wiederkam. Diese Auskunft des Friedho�Sinspektors ist unrichtig. Der Beamte ritt mit seiilem Pferde bis zur Hälfte des WegeS nach der Redehalle, die ein ganz Stück hinter der Wohnung des Friedhofswspektors liegt. Dort erst Explosion in einer chemikcheK'Fullrik. Nach einer Meldung—■ Dresden entstand in der grostcN W.chffchen Fabrik von Dr. v. d. Hehfe A.-G. in Radebeul in Dresden'gestern flüh gegen 9 Uhr in der.» Fabrikatioiisgebände für Salicyjtz;qparate eine Explosion. Mit donnerähnlichem Krach wurde-jpMHstjstamte Dach des dreistöckigen Gebäudes in die Lust geschleudert. Dm. dort aufbewahrten und im der Fabrikation begriffenen Sch. en-str.iden sofort in Flammer' welche einen stirchtbaren Ranch etrtfektWHm. Bei der Exploston fi-.u vier dort beschäftigte Arbeiter dMtp'B�ickdwunden schwer verletzt und in das Krankenhaus nach DrrkGDt ttgnZportiert worden. Der Schade» ist ein sehr bedeutender. In der Zelle erhängt, Noch ewMMtlpung aus Leipzig, der Zieg'eleibefitzer Eriist Müller aiZ» KaiSdors bei Pegau, ge. den seit DienStag vor dem Leipziger Echnnlrgrncht wegen Mei� und Verkeilung zum Meineid verhandelt wurde, gestern frü � seiner Zelle erhängt._* r v Die Leiche auf den Schiene». Zu dem gestern nahe der Eisenbahnbrücke Brunoh gemeldeten Leichenfimd wird aus Paris gemeldet: Nach den Ergebnissen der. polizeilichen Uiitersuchung kann es kaum ewem Zweifel unterliegen.. dast Frau Gouin, deren Leichnam auf dem(Sßii bei Brunoy ge.« fuiiden wurde, ermordet worden ist!.' Ws'D festgestellt, daß dreiFingerringe fehlen und die Handtasche' aufgeschnitten und ihres Inhalts beraubt ist.- l Hwz». - Die Gasexplosion in Hamburg hat nunmehr da? 19. Opfer»ze- fordert. In der vergangenen Nacht ist der Sidtosser Gustav Lüdncke seinen bei der Brandkataslrophe erlittenen Verletz migen im Hafim- kraiikenhause erlegen. Hier befinden sich jetzt«»ch, vier Schwer- verletzte. Im Eppendoifer Krankenhause sind no»».fü»f Schwer- verletzte»niergebracht. Außerdem befindet sich»loch««, Verletzter im Krankenhause zu St. Georg. Infolge unrichtiger Weichenstellnng ist, wie aus Treysa amilich gemeldet wird, gestern nacht 3 Uhr 35 Minuten auf dem Bahnhof Treysa der Eilzug 6017 beim Umsetzen von Gleis 2 nach Gleis 6 auf den in Gleis 7 hallende» Güterzug 6729 gefahren. Der Schlustbremser wurde erdrückt. Die Personenzüge 771 und 775 er- hielten 14 Minuten Verspätung. � "•-— cnu Ij WttteriinaSiiberllch» vom 17. Dezember 1909, morarna istlNr. 762 0 763 SA 767 SO | 766 OSO, Wetterprvgu», ElwaS gellndl Winden, keine cch... iuC 13 Stationen Havaranva 750 TB Petersburg 756 W Sctlly 1 7 54 31 AS .'tberdeeu 760 WAA 57 SO Zounabcnd, den 18. Dezember 11199. .eud nrbcligoüer wollig bei mam�itz'jstdlHcn Niederschläge. e r l i n e r W e t t e rt isfilS J»C taften der Redahtton. findet Lindenstraße 3, 5n: lUchs Die luriftlsq« Sprechstunde finde« Lindenstraße 3, dritter Eino»»«,»ier Trcooen, Miss" Vahrsiuhl Mftz wochluiii-.llch adrnds von bis iHi Uljt statt. Gedffnct 7 Uhr. Sonnabrnds»iffstnu Di* Sorrchfiuiide um 6 Uhr. Jeder Auflage ist ei» Biichstade und einc jstst Mrrljriidr» beizusiige». lSriefUche Antwort wird nicht erteilt. vi.'. Beautwortung im Brteskaftcu iunucn 14 Tage dergehc». Eilig» KraOiINniM mau»u der Lvrechuunde vor.-:.., s? W. G 28. 1. Die Ehcsrau ist berechtigt, den Ehemann in 1 Angelegeilhelien zu verliltcn. ES hastet deshalb der EdeiiiaiMstl Schulden, die die Frau jllr den Haushalt, z. B. beim Bäcker gew Für die von Ahnen erwähnten Schulden hasten Sie nicht. Dill' mann dieses Borgcrecht der Frau ausheben, um sich gegen die Be solche Schulden zahle» zn müssen, zu schilpen, so mutz er die' gemalt der Ehesrau ausheben. Dies geschieht durch eine Eingabe Amtsgericht etwa solgcuden Inhalts;„Das Siecht meiner Ehefrau, an das inner- ■WWflel._ halb ihres häuslichen Airkunaslrebes(peschäste sür mich zu besorge» und mich zu vertreten, hebe ich hiermit aus und beaiilragc, diese Aushebung in das«vüteirechisregistcr einzutragen." Die Unterschrist mutz notariell oder gerichtlich beglaubigt sein. 2. Aege» böswilliger Verladung kann zunächst nur aus Wikderherflellung der Ehe gellagt wcrdeu. Wen» der Ehegalle bann trotz ict Vermietung ziuc Heriietung Ser Me innerhalb eines Jahres nach Rechtskraft des Urteils die Ebe Nicht wieder herstellt, kann erst auf Scheidung gellagt werden.— P. B. 97. 1. Nein. 2. Ja. — Barbarossa. Der auherebelichcn Mutier steht ein Nnspruch aus Ersatz der EntbindungS- und der Sechswochenkasten zu. Außerdem kann die Mutter auch diejenigen AusWendungen ersetzt verlangen, die etwa msolgc der Schivaiigerschaft oder der Entbindung überdies notwendig waren. Einen bestimmten Bekrag kennt baS Gesetz nicht. Uußerbem bat der Erzeuger die Verpflichtung, für daS Kind Alimente bis zu dessen zurückgelegtem sechzehnten Lebensjahre zu zahlen. In Ihrem Falle würden etwa 3t) M. monatlich als angemessen erachtet werden. Außerdem kann die verlassene Braut oder deren Eltern Ersatz der Auswendungcn verlangen, die in Erwartung der Epe gemacht sind. War die Frau uubescholtcn, so kann sie überdies ein« billige ElUschndigimg in Geld für den nicht vcnnögcnsrcchlUchcn Schaden verlangen, weil fle die Beiwvhnung gestattet hatte. Neb-r die Höbe litzt Nch das Gesetz nicht aus. Äne Forderung von UOOO M. dürste in Ihrem iYrtflc angemessen sein. Diese Forderung Münte aber innerhalb zwei Jahren nach Anflösmig des Verlöbnisses durch Kluge geltend gemacht werden. Ivenn eine gütliche Einigung nicht erfolgt. Nicht daS Bprnmnd- schustsgericht, sondern der Borumnd snr das Kind und die Mutter für sich Hütten zu klagen. Zur Nachsuchung des Llnnenrechts ist zu raten. - Voi'Tuxspi'His Lür die Leser des �Vorwärts44» -- 5)as Such der neuesten Srfmdimgen.- Mit Beiträgen von Professor Dr. Braun, Strasburg i. E., Ingenieur Or. Martin König, Berlin, Professor Frank Kirchbach, München, Königl. bayr. Hof-Theater-Maschinenmeister Lautenschläger, München, Ingenieur R. Mewes, Berlin, sowie ersten Groliindustriellen und anderen Fachmännern von Jean Claircmnnt. ■ Mit mehr als üOO Abbildungen und Kunstbeilügen.'■ _ In neuerer Zeit entwickelt sich in allen Zweigen ein rastloser Eifer für neue Erfindungen und ist hento sogar der unbedeutendste Erwerbsuweig auf die Benutzung der neuesten Erfindungen angewiesen. 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Pflanzen sowohl wio Tiere, sich von dem unvollkommensten organischen Körperohen durch Zeiträume von Jahrmillionen zu immer vollkommeneren Gestalten entwickeln, bis sie in dem Menschen als dem höchst organisierten und vollendetsten Wesen ihre höchste Sohöpfungskraft finden. Was Kopernikus, Kepler, Newton, Kant, Laplace, Alexander v. Humboldt und allo dio vielen Forscher als richtig erkannt und zu einem mächtigen Geistesbau zusammengefügt haben, das wird in diesem Buche in großen Zügen entwickelt. ■ö o.c£ o fcc 5 c 3 ö o S=3«>■•:|J «;g B 9 s 3-Sh a N ooa Hiermit bestelle unter Nachnahme bei: Willibald Wende« Vorlag:, Berlin W., Lützowstr. 31. - Expl.„Die Wunder der Urwell" zum Vorzugspreise 4 3 M Expl.„Das Buch der neuesten Erfindungen" Vorzugspr. ä 3 M. 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Nordstern, Bnrnncnstr.SS OBt»«, A.,l'rledrichsfeide.Beri.-St.36. Oraft 1 Heyn, SranoTwn" Keiner, Otto, Gerichtstraßo 86. Fahr, Wllh.. Brunnenstr. 116. Schlesinger, Hermann N.W. Turmstrasbo ufi Die richtigen N Reinickend.-Str. 48 Sachen. Lieferant d. Konsumgenossenschaft. Willi. Sciiolem Kottbuserdamm 84, Keller. SchUCh,M., BorMnoratr. 12. Spandau, Havelstr 11, Spandau, Bbcinländische Arbeiter- und Berufskleidung. S. Llndemann. UtopIfDP A MUhiendamm 3, VTttuIvur, H, Kottbuserdamm 98. Bergbrauerei rs Feinstes Doppelbier Toi. III, 1412. iKMKKKKMKXKKWKKKKKti ir Die Patzenliofer Meoliiere sind in allen einBchlii-i�en Geschälten erhältlich. XKKKKKKKKKKKKKKKKMK Berliner, Oswald, Brunnensir. 141<43. Berliner Kronenbrauerel. Berliner Bock-Brauerei. Berliner Weißbier-Brauerei, Carl Richter, Berlin.DaUdorf.St.'3,7.1980 Bier-Verlag, Gitschinerstr. 90. BORUSSIA ■ Malzbier. Actien-Gesellschaft. In ca. 100 eig. Ausschanklokal. 4/ioLJairisElilOPJg., kl. Weiße 10, gr. Weiße 20 Pf g. 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Sonnabend, abends 8Uhr: Itzen lklvlne-kelbaiivi'. Volksstück in 3 Akten von Ludwig Anzengruber. VW" Ende 11 Uhr."9�1 Sonntag, nachm. 3 Uhr: vie Velt, in cker man sich lsagvellt. Sonntag, abends 8 Uhr: Mi« Hobbs. Montag, abends 8 Ubr: Ido»» tScbsvai» der Trene. Schiller-Theater(Charlottenburg). Sonnabend, abends 8 U h r: Mlll Hobbs. Lustspiel in 4 Auszügen von Jcrome K. Jerome. Deutsch v. W. Wolters. ffiST- Ende 10h, Uhr. Sonntag, nachm. 3 Uhr: Macbeth. Sonntag, abends 8 Uhr: TVilheliu Teil. Montag, abend» 8 Ubr: Wallensteins Tod. CASTAN's PAXOPTICÜM Frledrichstr. 165(Pschorrpalast). S NRT" Orofie TVeihnachts-Ansstellaug! Aschenbrödel X Dornröschen X Schneewittchen Eine indische Witweiiverbrcnnnng! Sensationelle Illusion in 8 Bildern. Täglich 7Hz ühr abends X Sonntags S Vorstellungen. □ □ Heitere Künstler= Abende. □ V ollständig neues Programm. Grammophon-Vorträge: Caruso, Abott, Aneona, Jörn. £ajr~ Große Zuuber-Soircen. IfcS Urania. Wissenschaftliches Theater. 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Zehlendorf(Wannseebahn). Aus der Gemeindevertretung. Die letzte Sitzung war zu B Uhr nachmittags angesetzt. Als sich die ersten Zuhörer ein- fanden, wurden sie jedoch hinausgewiesen. Der Grund war fol- gender: Seit längerer Zeit drängen einige der kommunalen Vereine, um eine Vermehrung der Vertreter von 18 auf 24 herbeizu- fuhren. Dahingehende Anträge waren auf die Tagesordnung der nichtöffentlichen Sitzung gesetzt worden. Einige der Vertreter ver- langten mit Recht die Versetzung dieses und einiger anderer Punkte aus die Tagesordnung der öffentlichen Sitzung. Um Uhr hatte man sich endlich dahin geeinigt, sodatz die Zu- Hörer wieder den Sitzungssaal betreten durften. Es scheint in Zehlendorf mehr und mehr Brauch zu werden, Dinge, die ihrer Natur nach sehr wohl zur öffentlichen Verhandlung geeignet sind, lediglich deslvegen in die geheime Sitzung zu verlegen, damit die Stellungnahme des Gemeindevorstandes sowie einiger Vertreter der öffentlichen Kontrolle entzogen werden. Die Frage der Vermehrung der Vertreter rief denn auch eine sehr ausgedehnte Debatte hervor, in der sich zwei Gruppen scharf schieden. Eine mit allen Mitteln auf Vermehrung drängende Gruppe, die augenscheinlich ihre Direktiven aus den Haus- und Grundbesitzervereinen bezieht, und eine andere, bestehend aus dem Genie. ndevorsteher, Schöffen sowie hauptsächlich den Mitgliedern des Gcmeindevorstandcs und seiner nächsten Getreuen, die ebenso mit allen Mitteln die Vermehrung abivehren möchten. Die erste Gruppe vertritt die Auffassung, dah die Aufgaben immer umfang- reicher werden. Die Kommissionssitzungen haben sich so gehäuft, das; fast an allen Tagen der Woche Sitzungen stattfinden müssen. Die Arbeitslast sei also eine so grotze, daß sie ohne Vermehrung der Vertretung nicht mehr bewältigt werden könne. Diese Ansichten wurden hauptsächlich von den Herren Miinzer und Grünewald angeführt. Demgegenüber waren der Gemeindevorsteher sowie die beiden Schöffen v. Seefeld und Breithaupt der Meinung, dah durch die Vermehrung keine Ent-, sondern eine Belastung eintreten werde. Die Sitzungen würden länger dauern, weil jeder der Neuen sich ebenfalls gern reden hören würde, außerdem würden sich mehr Sitzungen erforderlich machen. Der richtige Zeitpunkt sei auch noch nicht gekommen, da die ständige Bevölkerungsvermehrung noch zu keinem Abschluß geführt sei. An Schaumschlägerei hat es also nicht gefehlt. Schließlich wurden in der Hitze des Gefechts auch so nebenher die wahren Gründe aufgedeckt. Von einigen Rednern wurde angeführt, daß schon wegen gewisser Vorkommnisse in den nichtöffentlichen Sitzungen die Vermehrung notwendig sei. Frisches Blut muß hinein, rief pathetisch Herr Hammer, Leute, die nicht alles bewilligen, was von oben kommt. Deshalb habe er sich „schweren Herzens" zur Zustimmung entschlossen. Im übrigen wurde auf beiden Seiten so getan, daß im Falle der Vermehrung der Zu- wachs selbstverständlich aus den sogenannten unpolitischen Ver- einen zu kommen habe. Daß auch die Arbeiterschaft sich einige Eitze erobern könnte, daran denkt man natürlich nicht. Hoffentlich macht diese aber einen Strich durch die Rechnung. Die Ver» mehrung der Vertreter wurde mit 1» gegen 9 Stimmen ange- nommen. Der Gemeindevorsteher schien diesen Beschluß nicht er» wartet zu haben, denn er mutzte einige M 3 Rinder, hiervon 2 lvegen Tuberkulose, l wegen Finnen." Danach betrachtet also der Gemeindevorstand die Errichtung einer Freibank zum Verkauf von verseuchtem, stinkendem, finnigem und tuberkulösem Fleisch als eine Wohlfahrt für die Bevölkerung; natürlich nicht für denjenigen Teil dei selben, der ein jährliches pensionsberechligles Einkonmien von 7700 M. und freie Dienstwohnung im Werte von 669 M. hat, sondern für die Einwohner, deren Einkommen nicht einmal dazu ausreicht, um ihrem Körper die notwendigen Nährstoffe zuzuführen und die deshalb zu Nahruiigsmitteln ihre Zuflucht nehmen müssen, deren Bezeichnung ein Gefühl des Ekels hervorruft. Daß der Ver- taus dieser Nahrungsmittel auch zur Wohlfahrtspflege der Gemeinde gehört— diese Amchanung war dem Gemeindevorstand von Nowawes vorbehalten und dürfte schwerlich von den übrigen Einwohnern— am allerwenigsten von den Konsumenten— geteilt werden. Eine außerordentliche Gemeindevertretersitzung beschäftigte sich vor mehreren Tagen hauptsächlich mit der Besprechung eines Pro- jektes für den geplanten Gymnasialbau. An der Hand von Zeich- nuirgen gab der Verfertiger des Produkts, Geheimer Baurat Techow, eine eingehende Erläuterung desselben. Der Bau des Gym- nasiums, der einschließlich des Direktorwohnhauses, aber ausschlictz- lich des Inventars auf 390 999 Mk. veranschlagt ist, soll in der Nähe des Schulgebäudcs in der Scharnhorststratze und im Stile desselben errichtet werden. Der Bürgermeister hatte nun die W- ficht, über diese Vorlage im Prinzip beschließen zu lassen und dann dieselbe dem Provinzialschulkollegium zur Genehmigung zu unter- breiten; über die Ausführung und die Kosten sollte erst später ge- sprachen werden. Wahrscheinlich wäre auch so Verfahren worden, wenn nicht unsere Genossen in die Debatte eingegriffen hätten. Genosse Gruhl erklärte sich mit dieser Behandlung der Vorlage nicht einverstanden. Die Kosten, welche die Gemeinde dauernd de- lasten, seien hohe und müßten zum größten Teile von der großen Masse der Bevölkerung getragen werden, während nur ein kleiner Teil der Einwohner von dieser Einrichtung Vorteil habe, daß erst einmal die Kommission Aufschluß geben müsse, ob das Projekt nach allen Seiten hin geprüft und ob es nicht möglich sei, einen billigeren Bau herzustellen. Auf alle Fälle würden es die Sozialdemokraten ablehnen, ihre Zustimmung zum Bau der Direktorwohnung zu geben. Würde diese nach dem Projekt ausgeführt, so würde die- selbe so hohe Kosten verursachen, daß diese einer Mietsentschädigung von 4999 M. jährlich entsprächen. Die Sozialdemorkaten könnten es nicht verantworten, daß die Gemeinde in einer Zeit, in der die Not unter der Arbeiterschaft immer größer würde, in der selbst die Handwerker und der kleine Mittelstand unter der allgemeinen Teuerung schwer leiden, einen solchen Aufwand treibe. Hinzu komme, daß die Gemeinde an ihre Arbeiter noch Löhne unter 1999 M. zahle, und ferner eine Neuregelung der Lehrer- und Ae- amtengehälter vorgenommen werden müsse. Er beantrage deshalb, dos Wohngebäude des Direktors von dem Projekt abzusetzen. Ge- nosse Neumann, welcher Mitglied der vorberatenden Kommission war, erklärt, daß nach seiner Auffassung das Projekt im großen und ganzen gut ausgearbeitet sei. Zu bemängeln sei nur die Turn- Halle, welche nur dazu ausreiche, den Realschülern das Turnen in derselben zu ermöglichen; dieselbe müsse so ausreichend gebaut werden, daß auch Gemeindeschüler ihre Turnübungen in derselben abhalten können. Im übrigen erkläre auch er sich gegen den Bau des Direktorhauses, da es im Orte genügend Häuser gäbe, wo man für die gesetzmäßige Mietsentschädigung von 1999 M. eine anständige Wohnung bekomme. Herr Nathan betonte, daß bei der Vereinigung mit Neuendorf die Verpflichtung übernommen worden sei, bis zum 1. April 19l1 das Gymnasium mit Direktorwohn» gebäude zu bauen; es müsse versucht werden, den gesamten Bau noch auf ein Jahr hinauszuschieben, wodurch die Gemeinde 29 999 Mark Zinsen sparen würde. Vielleicht wäre es möglich, das Wohn- gebäude für 49 999 M. statt für 69 999 M. zu bauen, dann würde die Mietsentschädigung nur 2999 M. betragen; die Auffassung Gruhls, daß die Schule nur den reichen Leuten zugute komme, sei nicht richtig; es wären auch Freistellen für arme Kinder vorhanden. — Genosse Gruhl erwiderte, daß diese Freistellen so lange nicht der Rede ivert seien, als die Arbeiterschaft nicht im Kuratorium vertreten ist, um bei der Vergebung derselben mitzuwirken. Wir lehnten auch nicht den Bau der Sckule, sondern nur des Direktor- Hauses ab.— Genosse Neumann erklärt die Rechnung Nathans für falsch, da so billig niemand bauen könne und auch die laufenden Nebenkosten nicht in Betracht gezogen seien.— Der Bürgermeister wandte sich gegen den Vorschlag Nathans, den Bau des Gymnasiums auf ein Jahr zu verschieben, weil die Räume, in denen die Real- schüler jetzt untergebracht sind, in allernächster Zeit unbedingt für Gemeindcschulzwecke gebraucht werden, da sonst diese Schulkinder in Mietsräumen untergebracht werden müßten. Er schlägt vor, das gesamte Projekt einzureichen und um Aufschub für den Bau der Direktorwohnung zu bitten. Nachdem noch verschiedene Redner gesprochen, wurde beschlossen, die Abstimmung über das Projekt zu vertagen und der Bürgermeister beauftragt, erst einmal persönlich beim Provinzial-Schulkollegium vorstellig zu werden, um zu ver- suchen, eine Hinausschiebung der Frist für den Bau des Direktor- gebäudes zu erlangen.— Hierauf teilte der Bürgermeister einige Abänderungsvorschläge mit, tvelche ihm vom Landrat für das Statut über die Wertzuwachssteüer gemacht worden sind und welche eine präzisere Fassung einiger Paragraphen bezwecken. Genosse Neumann wünschte eine weitere Abänderung, wodurch die Steuer- ordnung eine Verschärfung erhält. Dieser Antrag wurde jedoch ab» gelehnt und die Vorschläge des Bürgermeisters angenommen.— Die Festsetzung eines Ortsstatuts über die Bildung eines Gewerbe» gerichts für Nowawes wurde der vorgerückten Zeit wegen vertagt. Vermischtes. Ein IHjähriges Fräulein, Maria Kias, ist dieser Tage, wie aus Grünberg geschrieben wird, in Lubschau, Kreis Lublinitz in Oberschlesien, gestorben. Ursprünglich russische Untertanin aus Kiassowe, Kreis Czenstochau, lebte sie vom 13. Lebensjahre ab zuerst in Ellguth-Woischnik als naturalisierte Deutsche. Im Dienste Lubschauer Bauern überlebte sie vier Besitzer. Sie wußte noch im hohen Alter mit großer Frische Episoden aus dem Napoleonischen Feldzuge 1812 zu erzählen. Als 16jähriges Mädchen reichte sie den französischen Soldaten Speisen, die sie selbst erst kosten mußte, da Verrat befürchtet wurde. Nach fünftägigem Krankenlager ist die Hundertvierzehnjährige wohl als älteste Frau in Preußen verschieden. Im Alter von 192 Jahren starb, wie auS Guben berichtet wird, in Germersdorf, Kreis Guben, die verwitwete Frau Ziegeleibesitzer Bierhold. für den Aeihiischtttilch: Eine bunte Weste in Seide, Wolle oder Waschstoff.. 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