ghr.BM« RDonnfinentS'Bedlnsungfli! Wonncments- Preis pränumerando! Bierteljährd SL0 Mr., monatl. I.lv Mk.. wöchenllich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer S Pfg. Sonntags- »ummer mit Äufirierter Sonntags» Beilage.Die Neue Welt' 10 Pfg. Post- Abonnement: l,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitungs- Preisliste. Unter Kreuzband für Tcnttchland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland Z Marl pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien. Dänemark. Holland. Italien. Luxemburg, Portugal, Rumänien. Schweden und die Schweiz, SS. Jlthrgl. OMiclnt täglich außer lilontagi. Verlrnev Volksbliakk. Die TntertionS'Gebfliir keirägt für die sechSgespMcne Kolonel- zeile oder deren Raum 50 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereinsrind Versammiungs-Anzeigen 30 Pfg. ,, Kleine Hnzeigcn", das erste(seit- gedruckte) Wort 20 Pfg., jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf- siellen-Anzcigen das erste Wort 10 Pfg, jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis S Uhr nachmittags in der Expedition Ibgegcben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm-Adresse: „Sozlaidcinolirat Berlin". Zcntralorgan der rozialdcmokratifchen Partei Deutfchtands. Redahtion: SM. 68, Ltndcnatrasac 69» Fernsprecher: Amt IV, Nr. 198Z. Sonntag, de« 19. Dezember 1999. Expedition: 8 Li. 68,£.indenstrasve 69» Fernsprecher: Amt IT, Nr. 1984. Gegenuiartsarbeit und Aeitanichauung. Mancher Gegner der Sozialdemokratie hat über die materialistische Geschichtsauffassung, zu der sich der moderne wissenschaftliche Sozialismus bekennt, die Nase gerümpft, weil diese Geschichtsauffassung die Wirksamkeit der seelischen Kräfte der Menschheit leugne. Beweise doch die ganze Geschichte. daß Enthusiasmus und Idealismus, Begeisterung und Ent- flammtheit in der Menschheitsentwickelung die größte Rolle gespielt hätten. Diesem abfälligen Urteil über die Geschichtsauffassung der Sozialdemokratie liegt nichts zugrunde, als ein grobes und plumpes Mißverständnis der Kritiker. Denn es fällt der materialistischen Geschichtsauffassung gar nicht ein, die Wirk- samkeit der menschlichen Geistes- und Seelenkräfte im histori- scheu Entwickelungsprozeß der Menschheit zu leugnen. Nur das behauptet der historische Materialismus, daß die mensch- liche Vernunft und die menschliche Begeisterung sich nicht in schrankenloser Willkür betätigen, sondern an wirtschaftliche und soziale Zustände gebunden sind, durch sie bedingt und aus- gelöst werden. Wirtschaftliche Interessen und Notwendigkeiten finden ihren Ausdruck in der jeweiligen Ideologie, der je- weiligen Gedankenspiegelung der Klassen. Man braucht nicht in die Vergangenheit zurückzugehen, um die sozialistische Auffassung handgreiflich bestättgt zu finden. Nehmen wir die Weltauffassung der Junker, der Agrarier. Sie ist die bekannte patriarchalische. Die Junker sind eine besondere Rasse, die„Edelsten der Nation", berufen zur Herrschast in Staat und Gesellschaft. Die Nichtjunker, zumal aber die Nichtbesitzenden, das Proletariat. sind — �Untertanen", politisch Unmündige, unfähig, ihre Geschicke selbst zu lenken, dazu bestimmt, von der hohen Obrigkeit und der herrschenden Klasse, in erster Linie natürlich den Junkern selbst, bevormundet zu werden. Man erkennt auf den ersten Blick, daß diese junkerliche Weltanschauung den junkerlich- agrarischen Herrschafts- und Ausbeutungsinteressen entstammt. Deshalb braucht sich freilich noch lange nicht jeder Verfechter des brutalen Egoismus dieser patriarchalischen Weltanschauung klar bewußt zu sein. Die junkerlichen Herrschafts- und agrarischen Ausbeutungsgelüste ent- behren durchaus nicht einer für naive Seelen bestechenden Ideologie: der„deutschen Treue" dem„angestammten Herrscherhaus" gegenüber, der„Liebe zum Vaterland", zur „heimischen Scholle" usw. Haben nicht selbst ernsthafte und ehrliche Dichter wie Wildenbruch und Liliencron dieser junker- lichen Weltanschauung gehuldigt? Und gäbe es nicht Millionen von Bauern. Kleinbürgern und selbst Proletariern, deren Herz bei dem Worte„deutsche Treue" und„Vaterland" höher schlüge, so wäre es um die Herrschaft der Junker gar bald geschehen! Den äußersten Gegenpol gegen die patriarchalische Welt anschauung bildet die sozialistische Weltanschauung. Der Untertanentreue und dem„Pattiotismus" der Junker setzt der Sozialismus das Ideal der demokrattschen Selbstbestimmung und sozialen Gleichheit entgegen, dem des beschräntten > Nationalismus das der Menschheitsverbrüderung. An die Stelle der Ehrfurcht vor dem Herrscherhause, des Respekts vor der Geburtsaristokratte ist die Achtung vor den unveräußerlichen Menschenrechten alles dessen getreten, was Menschenantlitz trägt. Der blinde Heroenkult, die Vergötzung namentlich des kriegerischen Heldentums ist gewichen der Wertschätzung kultureller Großtat, der Verehrung geistiger und sittlicher Größe. Und diese Weltanschauung, die heute bereits viele Millionen beherrscht, ist geboren aus den modernen sozialen Zuständen, den proletarischen Klasseninteressen, die polittsche Demokratie, soziale Gleichheit, internationale Völker- Verbrüderung. Vertiefung und allgemeine Verbrettung der Kultur gebieterisch erheischen! Tie sozialistische Weltanschauung ist das Ergebnis unserer kapitalistischen Euttvickelung. die naturgemäße Klassenideologte des modernen Proletariats. Umgekehrt aber hat auch die moderne Arbeiterbewegung.{„ ihren verschiedensten Erscheinungsformen der begeisterten Propagierung der sozialistischen Weltanschauung zweifellos unendlich viel zu verdanken. Daß ohne sie keine derarttge politische Organisation der Arbeiterklasse vorhanden wäre, versteht sich ja von selbst; aber auch der gewerkschaftlichen Bewegung mancher Länder ist durch die Verbreitung sozialistischen Denkens und Zühlens unter den Massen geradezu der Boden bereitet morden. Daß gerade das Land mit der stärksten Sozial- demokratte auch gewerkschaftlich an der Spitze der Nationen marschiert, ist nichts weniger als ein Zufall. Daß die deutsche Gewerkschaftsbewegung nicht nur ein organisatorisches Muster darstellt, sondern sich auch ftei von allen zünftlertschen. re- .-.ktionären oder engherzig nattonalistischen Tendenzen gehalten hat. ist die Folge der allgemeinen polittsch-theoretischen Belehrung. die sowohl Führer>vie Massen unserer Gewerkschaften in eifriger Selbsterziehung durch den Sozialismus erhalten haben. In eifriger Selbsterziehung, denn sin Gewerk- schaften und Gewerkschaftler war und ist ja bei uns der Sozialismus nichts Fremdes, außerhalb ihrer Existierendes. sondern ihr eigenes Werk, ihre persönliche Angelegenheit! Waren und sind doch die Gewerkschaftsführer Sozialdemokraten, lebte und lebt doch der Geist des Sozialismus in den Ge- werkschaften. So ist es denn auch ganz selbstverständlich, daß das WachstuiN der Gewerkschaften seinerseits wieder der sozialdemokratischen Partei zugute kam. die sozialisttsche Welt- anschauung unter den Massen verbreitete! Wir haben in der letzten Zeit eine Auseinandersetzung darüber erlebt, ob einzelne sozialdemokratische Theoretiker die Bedeutung der Gewerkschaften auch hoch genug einschätzen. Wir glauben, daß in dieser Beziehung von den Gewerkschaften keinerlei Besorgnis gehegt zu werden braucht. Heber die Notwendigkeit und außerordentliche Bedeutung der Gewerk- schaften für die Erziehung und soziale Hebung der Arbeiter- klaffe gibt es heute unseres Wissens in der deutschen Sozial- demokratte nur eine Meinung. Daß sich speziell in Deutsch- land die Lage breiter Schichten des Proletariats gehoben hat, gehoben hat in erster Linie dank der Tätigkeit der erfreulicher- iveise so rasch erstarkten Gewerkschaften, wird schwerlich jemand bestteiten! Und ebensowenig wird auch nur ein Genosse daran zweifeln, daß die Gewerkschaften auch in Zukunft ihre hervorragende Rolle in dem Emanzipattonskampfe des Prole- tariats spielen werden. Ebensowenig freilich dürste es unter Sozialdemokraten eine Meinungsverschiedenheit darüber geben, daß die Ziele der Sozialdemokratte. die wirtschaftlichen und politischen Ideale des Sozialismus, durch den gewerkschaftlichen Kampf allein nicht verwirklicht werden können. Hier gilt noch immer, was seinerzeit Bernstein in dem Nachwort zu der„Geschichte des Britischen Trade-Unionismus" sagte, nämlich„daß es ebenso utopisttsch ist, von einer Emanzipatton... der Gesamt- arbeiterschaft durch das bloße Mittel der Gewerkschaften zu träumen, wie es hoffnungslos verkehrt ist, den Nutzen der Gewerkschaften für weite Kreise der arbeitenden Klasse be- streiten zu wollen." Haben sich doch inzwischen längst auch die englischen Gewerkschaften entschieden der Polittk zu- gewendet, ja eine selbständige Arbeiterpartei schaffen helfen l Gibt es doch überhaupt nirgendwo eine Gewerkslbafts- bewegung, die nicht auch, sei es auch nur zur Durchsetzung kleiner Augenblicksziele, die Einwirkung aus die Polittk für unentbehrlich hielte. Ueber die Notwendigkeit politischer Be- tättgung sind sich alle Gewerkschaftler einig, während aller- dings über die Mittel und die Ziele dieser Betättgung die Ansichten weit auseinandergehen. In Deutschland herrscht glücklicherweise keine Meinungs- Verschiedenheit über dies„Wie" und„Wohin". Das Mittel ist der proletarische Klassenkampf, und das Ziel die Verwirk lichung der sozialisttschen Bestrebungen. Und wie das sozia listtsche Endziel auch für unsere Gegenwartskämpfe den sicheren Leitstern bildet, so bietet es auch den natürlichen und untrüglichen Maßstab für alles Erreichte. Und so beträchtliche Erfolge die deutsche Arbeiterklasse während ihres vierzigjährigen Ringens auch aus polittschem und Wirt schaftlichem Gebiete durch Partei und Gewerkschaften erreicht hat— an dem Ziel der vollen Emanzipatton der Arbeiter- klaffe gemessen sind die Erfolge doch nur gering I Mit berechtigtem Stolze veröffentlichten die Gewerkschaften kürzlich eine Statistik über zahlreiche errungene Lohnerhöhungen in den verschiedensten Berufen. Diese Zahlen beweisen, daß es Hunderttausenden organisierter Arbeiter kraft ihrer GeWerk- schaften möglich gewesen ist, trotz Arbeitszeitverkürzungen eine Steigerung des Lohnes durchzusetzen, die nur zum Teil durch die gleichzeitig eingetretene Verteuerung der Lebensverhältnisse wieder aufgehoben wurde. Für Hunderttausende war also eine wirkliche Verbesserung ihrer Lebenslage gegen früher zu konstatteren! Und trotzdem: Wir meinen, es bedeutet keine Herabsetzung der gewerkschaftlichen Tätigkeit, sondern im Gegenteil die intensivste Anseuerung dazu, wie über- Haupt zur Teilnahme am proletarischen Befreiungskämpfe, wenn wir immer wieder nachweisen, wie unzulänglich diese Erfolge sind, wie unendlich viel mehr noch erkämpft werden muß! Daß die Lebenslage deö Proletariates sich, langsam zwar. aber doch immerhin hebt, soll gar nicht bestritten werden. Das beweist ja nicht nur die Gewerkschastsstattstik, sondern auch die offizielle Statistik, beispielsweise die Einkommensteuer- statisttk für Preußen. Danach gab es 1892 nur 2,1 Millionen Zensiten mit 900—3000 Mark Einkommen, 1908 dagegen 5,2 Millionen. Die Hebung auch breiter Volksschichten ist also eine von uns auch gar nicht bestrittene Tatsache. Nur freilich darf man dabei nicht aus den Bourgeois» schwinde! hereinfallen, aus diesen höchst bescheidenen Resultaten proletarischer Augenblicksarbeit zu schließen, daß aus solche Weise allmählich die kapitalisttsche Klassenherrschaft und Massenausbeuwng überhaupt beseitigt werden könnte. Wenn wir uns die Zahlen der Preußischen Einkommen- steuerstatistik etwas genauer ansehen, sehen die Dinge doch wesentlich anders auS. Da sind unter den 5.2 Millionen 3,1 Millionen, die nur 900—1350 Mark Einkommen haben. Weitaus die Meisten dieser 3,1 Millionen haben also wohl ihr Geldeinkommen erhöht, nicht aber auch über den Prozentsatz der Verteuerung hinaus! Das gleiche gilt auch von den 624 000 Zensiten, die ein Einkommen von 1350 bis 1500 M. haben und 2100 M. Einkommen. 471 000 Zensiten. den 1 078000 Zensiten mit 1500 bis 2100— 3000 M. Einkommen haben nur Dazu kommt die enorme Bereicherung der Reichen! Im ahre 1903 besaßen 104000 Zensiten mit mehr als 9500 M. hreSeinkommen ein Einkommen von 3100 Millionen Mark, 1892 dagegen erst 57 000 solcher Zensiten nur 1546 Millionen! Schon das beweist, daß der Reichtumswachstum der Besitzenden unverhältnismäßig schneller vor sich geht, als die Hebung des Proletariats I Wobei aber auch noch zu berücksichttgen ist, daß die Einkommen der Proletarier von den Arbeitgebern selbst der Steuerbehörde bei Heller und Pfennig angegeben werden mußten, während die Einkommen der Reichen sich jeder Kontrolle entziehen und sicherlich weit unter ihrem wirklichen Be- trage angegeben sind l Was in den letzten Monaten von Prof. Delbrück über die agrarische Steuerhinterziehung und von den Agrariern über die Steuermogelei des mobilen Kapitals veröffentlicht worden ist, spricht ja Bände! Von den s 0 z i a l i st i s ch e n Fordeningen des Proletariats ist also noch nichts erreicht! Die kapitalisttsche Ausbeutung des Proletariats hat wohl hier und da weniger brutale Formen angenommen, aber sie besteht nichtsdestoweniger noch in vollem Unifange. Die gesttegene Produktivität der Arbeit gestattet es, den Anteil des Proletariats ein wenig zu erhöhen, ohne daß deshalb der den Waffen in Gestalt des Mehrwerts ent- zogene Anteil geringer geworden wäre. Im Gegenteil! Diese Tatsache ehrlich zugestehen, heißt nicht die proletarischen Massen entmutigen, heißt sie im Gegenteil zur leidenschaftlichsten Fortführung des Kampfes aufrufen! Die wahrheitsgemäße Feststellung der Tatsachen bestätigt ja nur die Theorie des Sozialismus von der Notwendigkeit des unermüdlichen und unerbittlichen Klassenkampfes l Nicht der Sozialismus hat ja die Massen eingelullt, sondern die dem Kapitalismus dienstpflichtige PseudoWissenschaft. Diese Bourgeoislegenden zerstören heißt deshalb nur, den Gedanken des Sozialismus vertiefen und verbreitern! Die sozialistische Weltanschauung aber ist, wie wir sähe nur die Gedankenspiegelung der Entrechtung tariats, sondern auch die begeisterndste Banne kraftvollste Bahnbrecherin des sozialen Fortschr Der bayerische ißilUäre München, den 10. Dezember. Gestern und heute hatte die bayerische Kammer Generaldiskussion zum Militäretat. Man kann nicht behaupten, daß ein großer Zug durch die Debatte ging. Die meisten Redner sprachen ohne Tengic- rament und vor leeren Bänken. Es mag das einmal darin liegen, daß die großen PMzipiell und finanziell bedeutungsvollen Fragen aus dem Gebiet Verteidigung zur Kompetenz des Reichstages gehören, zö darin, daß kein angriffslustigcr ÄriegSminister die sozialdemokratische Fraktion reizt, ihren schon früher bekannt gegebenen grundsätzlichen Standpunkt in Heeresfragen wiederholt darzulegen. So konzentriette sich im wesentlichen die Besprechung auf die Soldatenschinderei während der großen und kleinen Manöver, auf die Soldatenmißhandlungen und auf die militärischen Schreckens- und Fehlurteile. Aus diesem Rahmen heraus trat der letzte Teil der Ausführungen unseres Genossen v. Bollma r, der zum erstenmal nach seiner letzten schweren Erkrankung mit gutem Gelingen seine parlamentarische Marschsähigkeit erprobte. Bon unserer Seite sprachen Rollwagen und d. B 0 l l m a r. Genosie Rollwagen war mit einem sehr reichen Material über Sol- datenquälereien versehen. Reiche Ausbeute nach der Seite hin lieferten die Uebungen des aus Reservisten und Landwehrleuten be- stehenden Mobilmachungsregiments auf dem Lechfelde. An einer Reihe von Urteilen zeigt er. wie die Verfehlungen der vorgesetzten Offiziere und Unteroffiziere mit lächerlich geringen, die der gemeinen Soldaten dagegen mit ungeheuerlich grausamen Strafen geahndet werden. Freilich nichts Neues. Aber immer wieder geeignet zur Erkenntnis der Gefährlichkeit des militärischen Geistes und der militärischen Gerichtsbarkeit. Genosie v. v ollmar ergänzte die trüben Schilderungen über Mißhandlungen und EchreckenSuneile. Eines mag hier Platz finden: Ein Soldat wird mit dem Namen„Lausbub" belegt. Er beschwert sich. Der Vorgesetzte wird vor Gericht fteigesprochen, weil„LauS- bub' keine Beleidigung fei. Der Soldat aber, weil er in dem Augenblick der Beschimpfung die Hand nicht fest an der Hosennaht hatte, erhält vier Wochen Arrest. Militärische Gerechtigkeit! Genosse v. Bollmar ermahnt auch den Minister, überhaupt, besonders aber bei Katfermanövern die verfasiungSmäßig garantterte Selbständigkeit des bayerischen HeereS zu wahren und in der Zeit der großen Finanznot durch Kaisermanöver und militärische Schaustellungen die finanziellen Lasten nicht unnötiger Weise zu vergrößern. Der Kriegsminister antwortete, wie alle KnegSminister ant- warten: Der größte Teil des Berichteten fei unwahr, den kleinen Rest bedauere er und müsse ihn entschuldigen auS der mangelhasten Beschaffenheit der menschlichen Natur. Einschränkungen der Nebungen seien nicht möglich.„Schwächlinge hätten sich be- müßigt gefühlt, den guten Eindruck der Marsch- leistung abzuschwächen." Man merkt es dem KnegSminister ganz deutlich an: Er ant- wartet, weil er muß. und macht nachher, wa» er will. Die OMtru!iti«D gegen die ObitrulUlon. Man hak sich daran gewöhnt, die parlamentarisch-polittsche Geschichte Oesterreichs als eine Kette von Ueberraschungen zu bettachten. Doch der neueste Umschwung läßt an Echaunltch- feit und Plötzlichkeit alles Frühere iveii zurück. Seit vier Tagen dauert nun schon die Sitzung des österreichischen Abgeordnetenhauses. Unausgesetzt werden die Dringlichkeits- antrage der tschechisch-argrarischenObstruktionsheldenverhandelt. Plötzlich erscheint»inter diesen Anträgen einer, der jede Obstruktion sür die Zukunft unmöglich niachen soll. Der An- trag geht aber nicht von den Gegnern der Obstruktion auS, sondern von ihren Lerübern. Die Obstruktion selbst will plötzlich die Obstruktion ausrotten! Die Frage der Geschäftsordnungsreform, eines der schwierigsten des mit schivierigen politischen Problemen so reichlich bedachten Landes soll also innerhalb kürzester Zeit gelöst lvcrden. Um die Bedeutung dieser Frage zu ermessen, mutz inan bedenken, daß einerseits die Geschäftsordnung den nationalen Minoritäten— und jede Nation ist in Oesterreich Minorität— die Möglichkeit gewähren mutz, sich gegen die Vergewaltigung durch eine Majorität in der dringendsten Not auch durch die Obstruktion zu wehren, auf der anderen Seite aber auch verhütet werden mutz, datz nicht die Leichtigkeit der Obstruktion jeder kleinen, verantwortungS- losen Gruppe die Möglichkeit geben darf, das Parlament in jedem Moment lahmzulegen. Die Schwierigkeit liegt nun eben darin, die Reforin so zu gestalten, datz nicht die Hinderung der frivolen und verantwortungslosen Obstruktion zugleich die Möglichkeit nationaler oder auch sozialer Per- gelvaltigung kleinerer Minoritäten einschließe. Aber Not kennt kein Gebot und zudem können sich die Befürworter der plötzlichen Geschäftsordnungsreforni darauf berufen, datz sie selbst diesen Erwägungen insofem Rechnung tragen, als sie die Geltungsdauer der Reform auf ein Jahr beschränken. Zudem ist die Reformbedürftigkeit der heutigen Geschäftsordnung, die daS Parlament jederzeit dem Willen von kaum mehr alS einem Dutzend Leuten aus- liefert, von allen Parteien anerkannt. In» übrigen wollen die bisherigen Obstruktionisten freilich gründliche Arbeit machen. Der Präsideirt des Hauses wird fast Diktator. Er soll, wie es in dem Antrage heißt. die Befugnis erhalten. alle Maßnahmen zu treffen, „welche geeignet sind, die Arbeiten des Hauses gegen jede Störung und jeden Mißbrauch der Geschäftsordnung sicher- zustellen". Nach diesem Paragraph hat der Präsident eigent- lich völlig freie Hand. Außerdem enthält der Antrag eine Maßregel gegen die sog. technische Obstruktion. Die TageS- ordnung geht voraus und Dringlichkeitsanträge iverden erst am Schlüsse der Sitzung verhandelt. Bei formalen Anträgen zur Gcschäftsbehandlung entfällt die namentliche Abstimmung. Der Einlauf wird gleichfalls erst am Schlüsse der Sitzung mitgeteilt. Die Zehn-Minuten-Pause vor jeder Abstimmung bleibt weg. Schließlich können renitente Abgeordnete auf dre» Sitzungen ausgeschlossen werden. Alle diese Bestimmungen sollen, tvie gesagt, auf ein Jahr gelten. Zunächst mußte man diesen Antrag für ein taktisches Manöver halten, mar er doch der letzte einer langen Reihe von Dringlichkeitsanträgen. Die arbeitswilligen Parteien ver- fuhren nur logisch, als sie, um den Ernst der Antragsteller aus die Probe zu stellen, die Forderung erhoben, daß vorerst alle anderen Dringlichkeitsanträge zurückgezogen »vrrden. Aber das Unerwartete ist erfolgt, die Tschechen Sen nach einem letzten Geplänkel ihre Anträge zurück und HauS steht n, itten in der Beratung über die Gses chalts or d n ullg sr es o rm. ivelchs der Obstruktion ztmächst sbr.eüi Jahr den Garaus machen soll! Kein Zweifel, datz dieser Rückzug der Obstruktion vorerst ein Erfolgs.des Parlaments des gleichen Wahlrechts ist, daS eben doch' feine Partei zu zerstören»vagen darf. Aber auf der anderen Seite darf auch die Befürchtung nicht unterdrückt »Verden, datz dieses heroische Mittel a»»f starke»» Widerstand stoßen u»»d neue nicht minder schwere Kämpfe erzeugen kann. Noch ist eS nicht sicher, ob mau vom Lebenskamps oder vom TodeSkanlpf deS ersten österreichischen Parlaments, das auS gleichem Recht geboren ward, sprechen darf. .Unsere Genossen, denen die Entscheidung nicht leicht gc- schleu ist. sehen in diesem Antrag den einzigen Rethtngs- weg. die Bahn für daS Parlament frei zu machen, vaniit aber auch den Boden zu sichern, auf dem der Klassen- kainpf des Proletariats am wirkungsvollsten gefiihrt werden kann. Die Fraktion hat erklärt, datz sie einer partiellen und vielleicht zeitlich begrenzte»» Aenderung der Geschäfts- ordnung sympathisch gegenüberstehe. Die Verhandlung des Antrages, in welcher Form sie auch stattfinden würde, würde Gelegenheit geben, die richtigen Gedanken, die er enthält, von dc»> unannehmbaren zu trennen. In diesem Sinne hat auch Dr. Adler in der Verhandlung erklärt, datz die Fraktion für die Dringlichkeit stimme»» werde, Für den Antrag treten ferner die Slawen ui»d die Christlichsozialen ein,»nährend die deutschfreiheitliche Gruppe die Einschränkung der Odstruttionsmöglichkest ablehnt. Die Danersitzung. Obstruktion. Wie», IS. Dezember. Abg. Chaloupka beendete nach 12 Uhr nacht» seine Rede, worauf die Debatte geschlossen wurde. Die Generalredner verzichteten ans da» Wort. Abg. S t a n j e l nahm das Schlußwort. Er beendete um 6 Uhr früh seine Rede, worauf die Dringlichkeit abgelehnt wurde. Dann begründet Abgeordneter D u e r i ch einen DringlichkeitSantrag betreffend die Abänderung der Gewerbeordnung. � Zurückziehung der Dringlichkeitsauträge. Um 12� Uhr beendete der Abgeordnete D u e r i ch seine Rede inid zog seinen DringlichkeitSantrag zurück, worauf sSuitlichc Dringlichkeitsauträge zugunsten deS GcschäftsordnnngS- antragcS von Krrk— Kramarcz zuriickgeuommru wurden. Der Ab- geordnete Krel begründete hierauf die Dringlichkeit dieses An- trage». Nachdem die Abgeordneten Krrk und Kramarcz die Dringlichkeit ihres Antrages begründet hatten, erklärte Mini st erPräsident Frhr. v. B i e n e r t h. eS fei sehr erfreulich, daß die Reform der Geschäftsordnung ans der Initiative des HauseS selbst hervor- gegangen sei. Die Regierung werde ein rasche» Zustande- kommen der Refonn tunlichst fördern und hoffe, daß sie den Ausgangspunkt einer reichen, sruchtbarei, Tätigkeit des HauseS bilden werde.(Beifall.) Hieraus ergriff der Abgeordnet, Redlich daS Wort. Er erklärte, die DerUschen stimmten für die Reform der Geschäfts- ordnung. aber auf gesetzlich em Wege, besonders nach den Er- Währungen, die sie hinsichtlich der Vergeivaltigung der Fraktionen durch die slavische Mehrheit im österreichischen Parlaineitt bereits an sich zu spüren bekominen hätten. Die Mgeordneten Weiden- h 0 f f e r und I r 0 erklärten die Dringlichkeitsauträge für a b s 0 l u t gesetzwidrig und unheilvoll für da» deutsche Volk, daS auf Gnade und Ungnade der flavischen Mehrheit ausgeliefert werden solle. Abgeordneter Adler erklärte, die Sozialdemokraten würden für die befristete Aenderung der Geschäftsordnung stimcken, trotzdem sie ihnen große Opfer auferlege und eigentlich gegen sie gerichtet sei. Sie sei aber das einzige Mittel, um auS der gegenwärtigen Notlage herauszukommen. Abgeordneter Wolf erklärte die Aenderung der Geschäftsordnung für einen wohlberechneten Borstoß der flavischen Majorität gegen daS Deutschtum und belämpfte den Antrag unter heftigen Ausfällen gegen Kramocz. In« Namen der Italiener sprach sich Conci für die Aenderung aus, weil sie die Herstellung verfaffungS« mäßiger Zustände wünschten. Nach weiterer Debatte, in welcher auch der Abgeordnete M i kl 0 3 namens der Christlichsozialen und G l 0 m- b i n s l i namenS des Polenklubs für die Dringlich- k e i t eintraten, wurde zur Abstimmung geschritten, die auf Antrag der Ruthenen Trylowskyj und Wolf namentlich erfolgte. Mit 315 gegen VI Stimmen wurde die Dringlichkeit der Anträge be- treffend die Aenderung der Geschäftsordnung angenommen. Die Sitzung dauert fort._ politifchc Gcberficht, Berlin, den 18. Dezember 1909. Cnttäuscht und verärgert. In der ZeittrumSpresse greift die Nervosität immer weiter »im sich. Ihre„kommandierenden Generale" sind infolge der man»ligfachcn Wahlniederlagen und der ewigen Quertreibereien in den eigenen Reihen verärgert und verstimmt; und diese Geniütsdepression löst bald hier, bald dort allerlei kuriose Halluzinationen auS. So hält z. B. die ultramontane„Köln. Volksztg." in einem Artikel über die letzten Reichstagsdebatten es für sehr wahrscheinlich, datz der Grotzblock von Bassermann bis Bebel bald zustande kommt. Mit der ihr eigenen Komik schreibt das ehrsame Blatt: „Auch hierin haben die Etatsdebatte» für den. der nicht mit Blindheit geschlagen ist, volle Klarheit gebracht. Der Block von Baffermann bis Bebel ist in Baffermanns, WiemerS und Franks Red, greifbar deutlich in die Erscheinung getreten. Noch mehr Z Man kann da» Großblockbündnis für die nächsten Wahlen scharf darin erkennen. Die Nationalliberalen sind mit den Freisinnigen zur Sozialdemo- kratie als Schildhalter und Kombattanten getreten. Falls keine Ueberrafchung kommt, werden in zwei Jahren die.nationalen' Kriegervereine und die„nationalen Staatsbeamten', soweit sie nationalltberal sein oder scheinen wollen, für Bebels Mannen zur Wahlunie geführt werden. Hat man mit der Großblockpolitil einmal angefangen, gibt es kein Halt und kein Zurück mehr. Frankreich hat's ja gezeigt. Man sehe doch jetzt schon die liberale Presse cm. Den Ton gibt das„Berliner Tageblatt" an, also der„Asphalt- Liberalismus", wie ihn Blllow betitelt hat. Und fein Chef holt sich die Jnstrultionen im Reichstage beim Abgeordneten Singer. Die.Münchener Neuesten Nach- richten" strafen sich und ihren Berliner GeivährSmaun, der als un- mittelbarer Augen- und Ohrenzeuge objektiv geschrieben hatte, in der nächsten Nummer Lügen. Die Taktik siegt über die Wahrheit, die Agitationswut über die Vernunft. Was ist das jetzt für ein Fanfarengetöne in der liberalen Presse, mit dem man sich und die Massen oder die Regierung oder all, zusammen täuschen will. Soviel ist gewiß: Ueber den Liberalismus»ind feine Absichten haben die Etats debatten und der erste Abschnitt der Session volle Klarheit gebracht." Da hilft nur eine Kaltwasserkur oder eine Wallfahrt naih Lourdes!_ Herr Giesberts und die religiösen Ideale. Bei der Trauerfeier um den Essener Zentrumsführer Mathias Wiese hat auch der Abgeordnete Giesberts eine Rede ge- halten, worin er u. a. folgende» sagte:»Als ich Wiese zum ersten Male im ProvinzialauSschust der rheinischen Zentrumspartei traf, hielt ich als junger neugebackener ArbeiterselretSr eine frische Rede für die sozialen Interessen. Er sagte da« malS zu»nir, daß er alles, was ich gesagt hätte, unterschreibe; indessen dürfe die junge Generalion nicht vergessen, daß, wenn die religiösen Ideale dem Volke nicht erhalten blieben und man die Kulturkampfbegeifterung nicht wahre, alles Streben nach materiellen Interessen seinen Zweck nicht erreichen werde. Ich bin ihm damals etwas scharf entgegengetreten; heute will ich eö eingestehen, daß Wiese damals vollständig recht hatte, als er jene Worte sagte: ES sind nur wenige Wochen, da habe ich noch Gelegenheit genommen, Wiese an jenen Vorfall zu erinnern, und ich kann sagen, heute sehen wir eS auch ein:„Wenn eS uns nicht gelingt, den katholischen Arbeitern ihre religiösen Ideale zn erhalten, dann ist auch unferKamps vergeben»." Mathias Wiese, der verstorbene Zentrumsführer, war Industrieller und nian versteht es, daß er die sozialen Interessen hinter den katholischen Glauben zurücktreten ließ. Denn man weiß, was dem „christlichen" Unternehmertum die religiöse Ueberzeugung der Ar- bester bedeutet: Bescheidenheit, Unterwürfigkeit, BedürfSniSkoflgkeit l Herr GieSbert« hat zu jener Zeit, als er noch vor dem Darnpsteffel stand und dann als junger neugebackener ArbeiterselretSr unter seines Gleichen weilte, daS Wesen dieser Art religiöser Fürsorge gut gekannt; damals hielt er jene„frischen Reden für soziale Interessen", die dem ZentrumSsührer Wiese nicht gefallen wollten. Später dann, als er in den Bannkreis der ultrainontanen FraktionSinterefsen geriet, als die Diplomaten und Magnaten des Zentrums auf ihn Einfluß gewannen. da gelangte er zur Erkenntnis, daß man vor allen Dingen den Arbeitern ihre„religiösen Ideale" erhalten muffe, da brachte er e» fertig, die Erbschaftssteuer niederzustiinmen, den Ar» beitern einige hundert Millionen indirekter Steuern aufzuhalsen und ihnen einzureden, da? geschehe, um einen neuen Kulturkanips zu verhindern und den katholischen Glauben zu retten. Heute Witt er nicht mehr wi« damals den ZentrumSfllhrem„scharf" entgegen; er ist seines Lehrers, des Industriellen Mathias Wiese würdig und vollwertiges Mitglied jeiter auf die Bedrückung der Mafien hinarbeitenden Partei, die sich Zentrum nennt._ Ein Professorenurteil über die Reichsfinanzreform. Der Hallenser Nationalökonom Professor Conrad beschäftigt sich in der soeben erschienenen fünfte» Auflage seiner„Finanz- Wissenschaft" auch mit der blau-schwarzen ReichSfinanzreform und gelangt darin zu folgendein Urteil: „Anstatt großzügig die besitzende Klasse durch die Erbschaftssteuer, abgestuft nach ihrer Leistungsfähigkeit, zu erfassen, hat nian zu Verkehrs- und Verbrauchssteuer»» die Zuflucht ge- nomine«, die einseitig Industrie, Handel und verkehr belasten und in kleinlicher Weise behelligen, die wirklich reichen Leuten aber nur zufällig, daher ungleich und außerdem unzureichend treffen. Sahen wir, daß schon bisher der kleine Mittel- und Arbeiterstand durch fehlerhafte Auswahl der besteuerten VerbrauchSarttlel in ausreichender, vielfach über- wiegender Weife zur Zahlung herangezogen war, so ist das jetzt noch erheblich verschärft, und ganz besonders durch die aus der Volksvertretung herbor- gegangenen Anträge. Der Rückblick auf die bisherige Äitwicklung des Reichsfinanzwesens kann nur zu der Ueberzeugung führen, daß der Reichstag sich in dieser Hinsicht seiner Aufgabe in keiner Weise gewachsen gezeigt hat, sondern fortdauernd die Vorschläge der Reichsregierung verschlechtert und diese verhindert hat, die rechten Wege zu gehen. Da aber der Reichstag auS dem all- gemeinen direkten Wahlrecht hervorgegangen ist, so fällt die Schuld des Ergebnisse» auf das Volk selbst zurllck.'I Prof. Conrad gibt also offen zu. daß der„kleine Mittel- und Arbeiterstand" bereits in alisreichender, vielfach sogar schon in über- mäßiger Weise durch Verbrauchssteuern belastet»oird, während das Zentrum bekanntlich den Arbeitern durch Preßartikel und Flugblätter zu beweisen sucht, daß sie nur ganz minimale Steuern zahlen. Tie Landtags-Stichwahlen in Sachsen-Weiutar. In Sachsen-Weimar fanden am Freitag die Stichwahlen zum Landiage statt. Es wurden gewählt: Ein Sozialdemokrat. 5 Liberale und 2 Konservative. Der Sozialdemokrat, Genosse I. Naumann wurde in Berga-Elster gewählt, wo die Liberalen die Parole ausgegeben hatten, gegen den agrarischen (vorher nationalliberalen) Neichstagsabgeordnetm Lehmann- Jena zu stimmen. Bei den Haupt»»md Stichwahlen zusaminengenommen wurden gewählt 5 Sozialdemokraten, 4 Freisinnige, 5 National- liberale, 6 Konservative und Bündler, 2 Antisemiten und 1 Zentrumsmitglied. Bei den Stichwahlen konnten die Sozialdemo- kraten nur ein Mandat erobern, weil olle Parteien beschlossen hatten, gegen die Sozialdemokratie vorzugehen. Der vereinigte Liberalismus war skrupellos genug, sogar für einen Antisemiten einzutreten. Die Zahl der sozialdemokratischen Abgeordneten erhöht sich im neuen Landtage von 3 auf 5. Die Privilegierten- wählen, deren Ergebnis schon im voraus feststeht, sichern den Nationalliberalen 8. den Konservativen noch 6 Mandate, so das; sich dann der Landtag aus 5 Sozialdeinokraten, 4 Frei- sinnigen. 13 Nationalliberalen. 12 Konservativen und Bündlcrn. 2 Antisemiten und einem Zentrumsabgeordncten zusanunensctzcu wird. Damit»väre im neuen Landtage die bisherige kon- s e rva t iv-bün die r i sche Mehrheit beseitigt. Die Gesättigten. Da? Gewerkschastslartell Magdeburg hatte die Stadtverwaltung ersucht, 3<)v M. zum Zivecke einer Arbeitslose nzählung zur Verfügung zu stellen, Mittel zu Notstandsarbeiten zu bewilligen, die Arbeits lo ien mit Barmitteln zu unter- st ü tz s n, den verehelichten ArbeitSlofenKohlen zlir Versiiaung zu stellen, siir die Arbeitslosen Unterkunftsräun, e zu befchaften und endlich einen Fonds für Unterstützung Arbeitsloser und zur Ausführung von RolstandSarbeiten zu bilden. Der EingabenauSschuß, der die Anträge vorberaten hatte, bc- anttagte, sie samt und sonders abzulehnen. Eine Arbeitslosenzählung sei nicht nötig, weil der Magistrat den Arbeits- markt ständig beobachte. Mittel für Unterstützung Arbeitsloser oder für Notstandsarbeiten zu bewilligen, sei um deswillen überfliiisig, weil die Arbeitslosigkeit zurzeit nicht über das normale Maß hinausgehe. Die Bildung eines UnterstützungSfondS für Arbeitslose ei überhaupt undislutabel. Eine von den sozialdeino- kratischen Stadtverordneten beantragte Besprechung wurde gegen 14 Stinimen abgelehnt, worauf der Vorsitzende die Zustimumng der Versanuiilung zu dem AblehnungSantrage des EingabmauSschusics lonstarierte._ Der Gpartrieb der preußischen Eisenbahnverwaltung hat sich in einer neuen Miiüstenalverfiiguiig kundgegeben, über die der„Tribüne" in E r s u r t nähere Mitteilungen aus Eiseubahnc»- kreisen zugegangen sind. Danach soll angeordnet worden sein, daß sämtliche Zugführer an den Nebenstrecken durch Schaffner ersetzt werden. Die Schaffner müffen dann deu- selben Dienst wie die Zugführer versehen, bekommen aber nur ge- wövnliche Bremser-Kiloinctcraelder. DaS wird in Eisenbahnerkreisen als eine grotze Ungerechtigkeit empfunden, denn die auf die Reben- strecken dirigierten, alö Zugführer nicht gepriiften Schaffner hätten dieselbe Verantwortung wie bisher die Zuasührer. Wie läßt sich diese Anordmmg mit der Sicherheit des reisenden Publikums vereinbaren und wer trägt die Verantwortung für etwaige Unglücksfälle? Doch nicht die Schaffner, die nicht über die erforderlichen Kenntnisse eines Zugführers verfügen und sich zudem größtenteils ganz allein beim Zuge befinden. Es wäre deshalb wohl zu verlangen, daß mindestens ,iur al« Zugführer ge- prüfte Schaffner solche veramwortungsvollen Posten bekleiden. Infolge des oben bezeichneten Erlasses sollen allein in Erfurt 32 Beamte versetzt werden. Die Eisenbahnverwaltung wird nicht umhin können, eine Er- klärung ihres Verhaltens zu geben. Sollte sie vorziehen zu schweigen, so muß ihr bei Gelegenheit der Beratung des EisenbahnetatS ü.» preußischen Landtage der Mund geöffnet werden. Annahme des TchnlgefetzeS in Oldenburg. Der oldenburgische Landtag hat in seiner heutigen Sitzung den Schnlgesetzentwurf in zweiter Lesung mit 2ö gegen 17 Stimmen endgültig angenommen._ Preußisches ans Baden. Der badische Minister de» Innern v. Libman hat in der Sitzung der B u d g e t k 0 m m i s s i 0 n der Zweiten Kammer am Donnerstag eine recht blutrünstige Anschauung vorgetragen. Be- kannllich haben die Unternehmer in M a n n h e i»n- L u d w i g S- Hasen einen Z>vaiig«arbeitSnachweiS geschaffen, den sie in rücksichtsloser Weise zu Aussperrungen mißliebiger Arbeiter mißbrauchen. Um gegen diese AushungerungS- praktilen eines übermütigen Unternehmertums zu protestieren, hat am Sonntag, den 5. Dezember, vormittags, eine große Protest Versammlung stattgefnnden, in welcher Genosse Frank referierte. In der DiSkusfion teilten mehrere Arbeiter ihre zum Himmel schreienden Erfahrungen mit dem Arbeits- nachweiS der empörten Versammlung mit. Räch de» Verhandlungen zog ein Teil der Teilnehmer durch einige Hauptstraßen der Stadt nach dem GeschästSlokal des ZwangSarbeitSnachweiseS, woselbst nach einer kurzen Ansprache deS Genossen Frank der Zug sich auflöste. Dieser DemonstrationSzug hätte nach der erregt vor- getragenen Anficht des Ministers im liberalen Muster- ländle unter allen Umständen durch die Polizei ver- hindert werde» sollen, da er gegen daS VereinSgesetz verstieß. Wenn dabei Blut geflossen wäre, so hätien die Ver- anstalter die Verantwortung zu tragen gehabt; er(der Ministe») bade die Bezirksämter angewiesen, in Zukunft danach zu handeln. Eine Strafverfolgung gegen die Beranftaltcr, die Abgg. Dr. Frank und Geiß, habe er Unterlasten, um den Sozialdemokraten keinen billigen Triumph zu verschaffen. Denn der Reichstag würde wohl zu einer Straf- Verfolgung gegen Dr. Franl die Genehmigung verweigert haben. „Ich kenne in solche» Dingen", fuhr der Minister erregt fort,„keincn Spaß, und wenn es Ernst wird,»verde ich scharf zugreife»»." Der Mann dürfte keine schlechte Aussicht haben, in den prenßi- scheu StaatSdie»»st übernominen zu werden. Der Mannheimer Bezirlöaintman». der über den Charakter des Zuges und über eine eventuelle Gefährdung der Sicherheit doch bester informiert war alv der Minister in Karlsruhe, hat dennoch den Befehl erhallen, in gir- kunft dreinhauen zu lasten, auch wenn Blut fließt, und auch wenn es seiner eigenen Ueberzeugung nicht entspricht. Die Niederlage des Zetttrums iu Dortmund. Heber die Stadtverordneten wähl in Dortmund, die die Niederlage des Zentrums besiegelte, schrieb unser dortiges Parteiblatt, die„Arbeiterzeitung": „Die Niederlage ist also vollständig, auch Lambert Leasing(der ührer des Dortmunder Zentrums. Red. d.„Borw.") ist im großen ogen geflogen. Das Zentrum hat die verdiente Züchtigung er- halten für all den infamen Verrat am Volke.... Im 3. Bezirk(wo Leasing zur Stichwahl stand) wurde ein Kampf auSgefochten, wie ihn Dortmund noch nicht erlebte.... Die Schwarzen machten... die größten Anstrengungen, als handele es sich um Sein oder Nichtsein.... Das Gebaren der schwarzen Gesellen war geradezu ekelhaft, jeder anständige Mann, von dem sie annahmen, daß er nicht Lensing wählen werde, wurde angepöbelt. Die„Tremonia" konnte große prächtige Erziehungsresultate vei> zeichnen. Ein bekannter„christlicher" Gewerkschaftsleiter ließ sich sogar verleiten, eineFrau.dieStimmzettelvcrtcilte. tätlich zu mißhandeln. Einer unserer Genossen erhielt von einem besonders frommen und eifrigen Zentrums- agitator einen Messer st ich in den Rücken. Mehrere Male wurden Zentrumswähler dabei ertappt, daß sie unberechtigtcrweise auf fremde Legitimationen wählen wollten. Kurz nacheinander mußten zwei zcntrümliche Wahlfälscher verhaftet werden.... Nach Beendigung der Wahl bewegte sich ein großer Zug nach Lamberts Wohnung. Vorauf marschierten fromme Jünglings- vereinler, die Lambert zum Tröste eine Ovation darbringen wollten. In der Pottgasse, vor Leasings Wohnung, stimmten sie die Hymne der Antisemiten:„Deutschland, Deutschland über alle»" an. Sie drangen nicht durch. Bald erscholl wie Sturmesbrausen die Marseillaise, der dann der Sozialistenmarsch folgte. Beim Gesang der Junglingsvereinler öffneten sich die Fenster der Lensingschen Wohnung, bei den ersten Klängen der Marseillaise wurden sie schleunigst wieder geschlossen. Und die JünglingSvcrcinler zerstoben in alle Winde." •.• Inzwischen ist die Niederlage de« Zentrums durch einen neuen Sieg der Sozialdemokratie vollendet worden. Im Stadtbezirk C ö r n e wurde am Freitag das Stadtverordnetenmandat von der Sozialdemokratie erobert. Das Zentrum bat damit das acht« Mandat verloren. DaS Dorttnunder Stadtverordnetenkollegium ist jetzt zusammengesetzt aus: 40 Liberalen. IS Mitgliedern des Zentrums und 4 Sozialdemokraten. Kommunalwahle«. Wahlen in Württemberg. In Afp er g wurde ein Sozialdemokrat und ein Un» parte, sicher gewählt. In Berkheim bei Eßlingen, wo unsere Partei bisher im Gemeinderat noch garnicht vertreten war, gelang es mit großer Mehrheit beide zur Wahl stehenden Mandate zu er« o b e r n. In Reichenbach a. F. siegt« der sozialdemokratische Wahlvorschlag. Gewählt wurden zwei Sozialdemokraten und ein Unparteiischer. In Mergelstetten bei Heidenheim, einer nationatliberalen Hochburg, gelang es. einen Sozialdemokraten in den Ge- meindera« zu brmgen. ?n Rohracker fielen der Sozialdemokratie alle drei zur __ stehenden Mandate zu. In Ulm hatte die Sozialdemokratie einen glänzenden Erfolg. Sie erzielte einen starken Stimmenzuwachs gegen da» Vorjahr und eroberte zwei neue GemeinderatS- Mandate. S-zl-ldrmokratische Mehrheit i« Gemeinderat. In Ilmenau(Sachsen-Weimar) hat die Sozialdemokratie bei den Gemeinderatswahlen ihre volle Liste mit elf Kandidaten durchgebracht. Die bürgerlich« Liste unterlag glatt. Bon den 22 Mitgliedern im Gemeinderate gehören vom I.Januar low ab tS der Sozialdemokratie und nur sechs den bürgerlichen Parteien an._ DaS politische Pfarramt. In der ulttamontanen„Trier. Landeszeitung' vom 15. Dezember findet fich folgende Anzeige: Oeffentlichepolitischeversammlung, Sonntag. 10. Dezember, nachm.'/A Uhr in Orscholz(Saar) im Saale der Wirtschaft Reden Zentrumsversammlung. TageS- ordnung: Reichsfinanzrrform, Schulfrage. Alle Zentrumswähler von Orscholz und Umgegend sind eingeladen. DaS Pfarramt. Bon den Machern der ultramontanen Politik aber wird der« kündet: Da» Zentrum ist eine politische, keine konfessionelle Parteil—_ Gesinnungsschnüffelei. In der Budgetkommission de« babischen Land- t a g e s erklärte der Minister Bodmann auf die Anfrage eines demo- kratsichen Abgeordneten, daß die Nachforschung nach der politischen Gesinnung der Rekruten wesentlich«in- geschränkt worden sei. Sie ginge jetzt nur noch dabin, ob jemand unter den eingetretenen Rekruten bei den Sozialdemokraten eine fübrende Stellung eingenommen habe. Die„eingeschränkte" Gesinnungsschnüffelei ist ebenso unwürdig wie die uneingeschränkte._ Barbaren im bunten Rock. Skandalöse Soldateiischtndereicn haben die Unteroffiziere Schmidt und Koslowski vom S. Rhein. Husarenregiment in Straßburg verübt. In der Verhandlung vor dem Kriegsgericht wurde festgestellt: Der Husar Achotzli wurde wegen eines kleinen Versehens, das nicht ein« ,nal disziplinarisch bestraft werden kann, von Schmidt g e- schlage» und amHalsegewürgt. Bei dem Husaren brach eine Geisteskrankheit aus, an der er heute noch leidet. Daß diese mit den Mißhandlungen in Verbindung steht, konnte nicht nachgewiesen werden. Vor der Militärzcit ist A. jeden- falls nach Aussage seine» Vater» geistig normal gewesen---- Andere Husaren erhielten von Schmidt Schläge auf den Kopf und in» Gesicht und wurden sonst i» jeder Weise schikaniert. Das Schmutzwasier goß der Unmensch in die Smbe oder auf den Eßtisch der Mannschaften: mit den Zahnbürsten mußten sie die Stube reinige»! im Winter kommandierte er die Leute au» den Betten. ließ sie 10 Minuten in der Kälte stehen, und einer nach dem anderen mußte ein Sireichholz anzünden, damit die Stube„beleuchtet" wurde l Ein Husar ward von ihm mit dem Sporenstiefel ins Gesäß Selreten! der Mann erlitt eine Wunde, an der er drei ?ochen lang kurierte. Auf Ellenbogen und Knien mußten die Soldaten 1v Minuten lang in der Stube herumrutschen, im Stall, sich in den Mist legen und darin herumwälzen. Hierzu gab e» dann noch die üblichen Schimpfworte. Koslowski schlug ver- schieden« Soldaten mit dem Reitstock. Der Vertreter der Anklage beantragte gegen Schmidt 8 Monate Gefängnis und Degradation, weil solche Soldatenschinder da» Ansehen der Armee schänden: gegen KoSlowSki beantragte er 6 Wochen Mittelarrest. DaS Urteil lautete gegen Schmidt auf 2 Monate 15 Tage Gefängnis, gegen KoSlowSli auf 5 Wochen Mittelarrest. Von der Degradation Schmidts sah da» Gericht ab wahrscheinlich: um das Ansehen der Armee zu heben. Wenn man Leute wie Schmidt al» Schtnderknechte kenn» zeichnete. dann pflegte der preußische Ex-KriegSminister v. Einem die verfolgte Unschuld solcher Helden durch Beleidigungsklagen in Schutz zu nehme». Ob der neue Kriegsminister, Herr v. Haenngen von der gleichen mimosenhaften Empfindsamkeit ist, das muß die Zukunft lehren. Die sozialdemokratiiche Presse wäre jedenfalls die erste, sich zu freuen, wenn kein Anlaß mehr vorfiele, Soldaten- schinder an den Pranger zu stellen. Ein Nachspiel zur Casablaneaaffäre. Vor mehreren Jahren desertierte der Musketier Heymann von seinem Truppenteil in Neumünster und gelangte nach einem aben- tcuerlichen Vagantenleben in Frankreich an, wo er von einem Werber betrunken gemacht und für den Dienst in der Fremden- legion gepreßt wurde. Als er Jahre in Afrika gedient und auch an mehreren Gefechten gegen die Marokkaner teilgenommen hatte, rückte er nebst anderen Fremdenlegionären aus und die Flüchtlinge erreichten unter großen Entbehrungen und Anstrengungen Easa- blanca, wo cS zu der bekannten Affäre kam. die zu Reibungen mit Frankreich und zum Einschreiten der deutschen Diplomatie führte. Die Deserteure wurden zunächst nach französischem Mililärrecht wegen Fahnenflucht vor dem Feinde zum Tode verurteilt, welche Strafe in fünf Jahre Zuchthaus umgewandelt wurde. Nach Ver- büßung von 13 Monaten wurde H. plötzlich auf freien Fuß gesetzt und nach Frankreich geschickt, wo ihm eröffnet wurde, daß er binnen 15 Tagen das französische Staatsgebiet verlassen müsse. Von allen Mitteln entblößt, ließ er sich an der Grenze von einem deutschen Gendarmen in Haft nehmen. Das Kriegsgericht der 17. Division (Altona) verurteilte ihn wegen Fahnenflucht zu 9 Monaten G«° fängnis und Nebenstrafe. Als strafmildernd wurde in Betracht ge- zogen, daß er in Afrika schon ziemlich hart bestraft worden sei. Der neue Entwurf eines Stellenvermittelungsgesetzes ist vom preußischen StaatSministerium angenommen worden. Er wird in der nächsten Zeit den Bundesrat beschäftigen, so daß der Reichstag in nicht ferner Zeit auch in der Lage sein wird, ihn zu beraten. Der Inhalt deS Gesetzes entspricht etwa dem Spezialgesetz fiir Stellenvermittelung der Schiffsleute vom Juni 1992 und ist als Ersatz der Bestinnnungen der Gewerbeordnung gedacht. Eine wesent- liche Verschärfung gegenüber den Verordnungen des genannten Spezialgesetzes sieht der neue Gesetzentwurf insofern vor, als die Erlaubnis für Ausübung des SlellenvennittlergeweibeS von dem Nachweis eines vorhandenen Bedürfnisses abhängig gemacht werden soll. DieS bezieht sich nur auf die Erteilung von neuen Kon- Zessionen. fpankreick. DaS Koalitionsrecht der Beamten. Paris, 17. Dezember. Deputierten kämm er. Bei der hentiaen Beratung des JnftizetatS erklärte Justizminister Barthou, er erkenne den Beamten daS Recht zu, sich in Verbände zu- sammenzuschließen. Italien. DaS neue Ministerium. Rom, 18. Dezeniber.(Privatdepesche deS„Vorwärts"). In der heutigen Kammersitzung, die von Abgeordneten nnd dem Publikum sehr stark besucht war, entwickelte Minister- Präsident S o n n i n o sein Programm: Er bat um Ber- schiebung der Frage der Dampfersubventioncn, kündigte Ver- waltungsreorganisationen innerhalb des Ministeriums sowie die Schaffung eines besonderen Eisenbahnministeriums an und versprach Gesetzesvorlagen über den obligatorischen Unterricht und über Sozialreform. Natürlich soll auch der Militarismus weiter gepflegt werden. Dagegen hält der Minister den Augenblick für Steuererleichterungen nicht gekommen. Fn bezug auf die a n S w S r t i g e Politik betont der Minsiierpräsident in traditioneller Weise seine Dreibundtreue und hebt dann neben den freundschaftlichen Beziehungen zu England und Frankreich besonders die r u f s i s ch-italientfche Annäherung hervor. DaS dürftige Ministerprogramm wird von der Kammer mit eisigster Zurückhaltung aufgenommen. Es zeigt sich offenkundig, daß das Kabinett keine eigene Mehrheit besitzt und nur von GiolittiS Gnaden lebt. Der Vizepräsident hält sodann dem König der Belgier einen Nachruf. Da erhebt sich der Republikaner C h i e s a zum Protest. Eine Trauerkuudgebung für einen Monarchen, der die blutigste Ausbeutung ver- k ö r p e r t hat, dürfe nicht geduldet»verden. Der Minister des Acußern remonstriert gegen den Protest in der üblichen Weise. Der Vizepräsident teilte bann noch mit, daß Präsident M a r c o r a sein? nt niederzulegen gedenke. Sounino hat die Kammer, die Detnission MarcoraS nicht anzunehmen, ein Er- suchen, dem die Kammer entsprach. Im Senat gab Ministerpräsident Sonnino eine gleich- lautende Erklärung wie in der Kammer ab. Englanct. Die Ire« und die Wahle«. London, 16. Dezember.(Eig. Ber.) Im Stadthause von Dublin sprach gestern John Redmont, der Führer der Nationalisten(irischen Partei), über die irische Wahltaktik. Er sagte, die Erfolge der Iren im britischen Parlamente zeigen sich in der Novelle zum Boden- reformgesetz nnd in der Schaffung einer katholischen Universität. „Allein Irland kann nie zufrieden sein, solange es keine Homerule (Selbstregierung) hat. Das große Hindernis zur Homerule ist da« HauS der Lords. Nicht das britische Volk, sondern eine Handvoll Lords verweigert Irland die Selbstregicrung. Die frühere Feindschaft deS britischen Volkes gegen Homerule ist verschwunden, und eS wäre ganz leicht, eine Mehrheit im Unterhause für die irische Forderung zu finden, aber die Macht der LordS steht ihr im Wege. Endlich ist die Revolution gekounnen, und der große Kämpf zwischen Demokratie und den Privilegierten hat begonnen, und— glücklicherweise— nicht über eine iriiche Frage, sondern über eine große britische Frage, die die Grundlage der Verfassung betrifft. Durch de» Mund AsquitbS hat die liberale Partei ihren Entschluß kundgegeben, nicht mehr die Regierung zu übernehmen, solange das Velorecht der LordS nicht zerstört ist. Asquiths Erklärung über Irland bedeutet die Rückkehr zur Politik GladstoneS. Irland hat jetzt eine Gelegenheit, wie sie selten vorkommt. Kehrt die liberale Partei mit einer starken Mehrheit zur Macht zurück, so wird eS mit den Privilegien der LordS zu Ende sein und Homerule wird schnell zur Tatsache werden. Ich versichere die britische Nation, daß Irland die Homerule im selben Geiste anwenden wird, wie die Buren ihre freie Verfassung in Südafrika anivenden. Ich appelliere deshalb an die Iren, zusammenzuhalten und alles zu tu», den Erfolg ihrer Partei zu sichern." Di« Nationalisten beschlossen, die in Großbritamnen lebenden Iren aufzufordern, bei den kommenden Wahlen für die Liberalen und die Arbeiterpartei zu stimmen. Die»deutsche Gefahr" al« AgitationSmiitel. London, 18. Dezember. Lord Curzo« hielt gestern in Derby eine Rede, in der pt auf die Beziehungen zu Deutschland zu sprechen kam. Er sagte, die KriegSwolke erhebe sich bereits in etwas bedrohlichem Umfang. Wenn man nicht sorgsam wache, könnte sie eine Form annehmen, daß sich unter Um- standen, welche hoffentlich niemals eintreten würden, ein Verderben bringender Regenguß auf Engtand herabstürzen könnte. Wenn dem so sei, sei eS ein Gebot der einfachsten Klug- beit, Maßregeln zu treffen, um zu verhindern, daß.die Gefahr eine solche Ausdehnung gewinne. England brauche Beschäsligung, Wohlfahrt. Ruhe und Fortschritt, aber die Bedingung für alles dieS sei die Sicherheit. In Becke nham sprach Lord W e a r d a l e und führte auS: Laßt un» die Deutschen nicht als Feinde betrackiten, sondern als ehrenwerte Rivalen, die wir nicht fürchten, und lehnen wir es ab. sie al« Feinde zu behandeln, bloß weit sie zufällig unsere Handels- rivolen sind. In Liverpool protestierte der UnterstaatSsekretär für die Kolonien S e e l y gegen de» uiiglücklichen Versuch, am Vorabend der Wahlen einen Sireit zwischen England und Deutschland anfzu- wühlen, mit dem seiner Ansicht nach England immer in Freundschaft leben werde. Die britische Flotte werde nicht herausgefordert nnd werde auch in Zukunft nicht herausgefordert werden. An Be- mannung, Schiffen und Geschützen sei sie doppelt so stark al» jede andere Flotte. K,ulZlancI. Die Polenfrage. Petersburg, 17. Dezember. Reichsduma. In der heutigen Abendsitzung erklärte der Abgeordnete R o d i t s ch e f(Kadett) bei der Beratung über die Zulassung der nichtrussischen Sprachen bei den örtlichen Gerichten, daß die A b s ch a f f u n g der den Polen durch die Grundgesetze gewährten Wahlrechte ungesctz mäßig gewesen sei. Diese Worte riefen auf der Rechten und zum Teil auch bei den Nationalisten unglaubliche Lärmszenen hervor. Man klappte mit den Pultdeckeln und mehrere llcationa- listen zerbrachen ihre Pulte in Stücke. Der Präsident versuchte vergeblich, die Ruhe wiederherzustellen, und sah sich schließlich gc- zwungen, die Sitzung zu unterbrachen. Darauf wäre der Abgeordnete Tumoschkin von der Rechten mit dem Kadetten Adschemow fast handgemein geworden; eine Prügelei wurde nur durch die Ordnungsbeamten des Hauses und durch die Freunde der beiden Abgeordneten verhindert. Japan. Schutzzölle. London, 18. Dezember. Wie aus Tokio gemeldet wird, nimmt die Tarifrevision und der Abschluß neuer Handels- Verträge die Arbeitskräfte der Regierung zurzeit fast aus- schließlich in Anspruch. Der Reichstag soll in seiner nächsten Session eine Anzahl»euer Zollsätze bestimmen, die von dem bis- hcrigen Tarif wesentlich abweichen. Der Ucbergang Japans zur Aufstellung eines autonomen Zolltarifs, der übrigens einige Sätze der Vertragstarife beibehalten soll, wird damit be- gründet, daß Japan bei dem Abschluß seiner Handelsverträge noch nicht imstande gewesen sei, seine Interessen handelspolitisch und zolltechnisch entsprechend zu wahren. Das sei jetzt anders ge- worden. ES soll jedoch kein Hochschutzzolltartf geschaffen, sondern ein Mittelweg eingeschlagen werden, indem man Finanz- zölle einführt, die aber doch zugleich geeignet sind, die Pro- duktion des Landes zu schützen. 8o2iaUs. (Siehe auch 1. Beilage.) Lebhaste» Temperament und schwere Ehrverletzung. In zahlreichen vor dem Berliner KaufmaiuiSacricht vcrhan- dekten RechtSfällen zeigt eS fich, daß bei Beleidigsiilgerk! me zur Auflösung des Dienstverhältnisses führten, die Beleidiger die Rechtslage dadurch zu ihren Gunsten verschieben zu können glauben, daß sie sich mit ihrem lebhaften Temperament entschuldigen. Daß indessen derartig veranlagte Personen im Verkehr zwischen Chef und Angestellten besondere Veranlassung haben, ihr Temperament zu zügeln, lehrten zwei gestern vor der 6. Kammer des Berliner KaufmannSgerichtS verhandelte Fälle. Der Inhaber eines Mäntel- geschäft» hatte zu einer Verkäuferin, die nach einem längeren G,v schäftSgange sich von einer Mitangestellten eine Tasse Kaffee er- beten hatte, gesagt:„Wenn Sie nicht ruhig sind, dann kriegen Sic'n Ding in die Schn.....!" Der Vorsitzende entsann sich, daß der Beklagte wegen des Gebrauchs ähnlicher Kosiworte schon einmal einen Prozeß hatte und frug ihn, warum gerade er durch seine Angestellten so gereizt werde.„Andere Chefs sind vielleicht ruhiger," erwiderte der Geschäftsinhaber,„ich kann mich nicht halten. Mein Temperament ist schuld daran." DaS Kanfmanns- gericht sah daS Temperament nicht als genügende Entschuldigung an und verurteilte den Chef zur Zahlung von 199 M. Restgehalt. In dem zweiten Falle hatte der Inhaber einer Putzfedern- fabrik zu seinem Reisenden die recht harten Worte gebraucht:„Sie haben sich die Stellung erstohlcn und erschlichen!" Gemeint hatte er nur, wie er durch seinen Vertreter vor Gericht ausführen ließ: „Der Mann war für den Posten ungeeignet und hielt nicht das, was er versprach." Für diese allerdings sehr schwere Ehrverletzung, die auf den Protest des Beleidigten sogar noch wiederholt wurde, trifft den Prinzipal die harte Buße von annähernd b090 M., denn da» KaufmannSgericht verurteilte ihn zur SchadloShaltung des Reisenden bis Ablauf seine? auf drei Jahre lautenden Dienst- Vertrages.— In beiden Fällen haben übrigens die beleidigten Angestellten die Ehrenbeleidigungsklage beim Strafgericht an- hängig gemacht. Pom Kampf um die Unfallrente. Vor dem Schiedsgericht für Arbeiterversicherung in Breslau wurden dieser Tage wieder ein paar Fälle verhandelt, die typisch sind für die rücksichtslose Härte, mit der die Dcrufsgenossenschaften den Verunglückten die Rente zu kürzen suchen. Der Arbeiter Brückner aus Schwoitsch stürzte von einer Leiter, brach die Wirbel- säule und trug noch schwere innere Verletzungen davon. Die Berufsgenossenschaft bewilligte ihm eine Rente von 65 Proz. Nach kurzer Zeit mußte er sich durch den Vertrauensarzt Dr. Stempel untersuchen lassen und dieser stellte eine erhebliche Besserung fest. Auf Grund dieses Gutachtens, das den Verletzten sogar noch der Simulation beschuldigte, lürzte die �ZerufSgenossenschaft die Rente und setzte sie fortan auf 33)b Proz. fest. Auf Veranlassung deS Schiedsgerichts mußte sich Drückner dem Professor an der Breslauer Universitätsklinik Dr. Ludloff zu einer llntersuchung stellen. Dieser konstatierte, daß keine Verstellung vorliege und nur eine kleine Besserung eingetreten sei, welche aber durchaus nicht die Maßnahmen der Berufsgcnosscnschakt rechtfertigte. DaS Schieds- gericht setzte nun die Rente Ms 59 Proz. fest. Der Arbeiter Schnözcl hatte sich in einer chemischen Fabrik Schultern. Rücken. Beine und Arme gräßlich verbrannt. Da er vollständig erwerbsunfähig war. gewährte ihm die Berufsgenossen- schaft eine Rente von 83 Proz. Nach einiger Zeit muhte er sich in einer Heilanstalt einer Untersuchung unterziehen. Diese stellte ein Gutachten aus, was zur Folge hatte, daß ihm die Rente von 83 Proz. auf 69 Proz. gekürzt wurde. DaS Schiedsgericht erhöhte die Rente auf SöVä Proz. Um die Hinterbliebenenrente für sich und ihre Kinder war die Witwe Kotschate aus Breslau eingekommen. Ihr Man» war in einer Fabrik vor sechzehn Jahren schwer verunglückt und hatte seitdem von der chemischen Berufsgenosseiischaft«ine Unfallrente bezogen. Jetzt starb er. Die Vertrauensärzte konstatierten Herz- lähmung, so daß der Fall leine Verbindung mit dem früher er- littenen Unfall habe. Der Arzt Dr. Feder, der den Mann die ganze Zeit behandelt hatte, konstatierte das Gegenteil. Die Witwe mit ihren Kindern wurde trotzdem abgewiesen. GcwerhfcbaftUcbe� Sin imßglüchtcr 8cbarfmacbcr-Cnck. Während der südwestdeutschen Holzarbeiteraussperrung, die ja bekanntlich zugunsten der Arbeiter endete, machte die „Weltfirma" Schneider». Hanau in Frankfurt a. M. den Versuch, ihre Arbeiter durch Streikbrecher zu ersetzen. Zu diesem Zweck erließ sie in allen größeren Tagesblättern Deutschlands Inserate, in denen sie tüchtige, nicht organisierte Schreiner zu einem Tagesverdienst von 10 M. suchte. Die Firma fand auf diese Art zehn Streikbrecher— die Zahl der bei ihr Streikenden und Ausgesperrten betrug allerdings 1 10. Durch diese Streikbrecher- ließ nun die Firma einen Teil der von den ausständigen Arbeitern noch nicht ganz fertig- gestellten Akkordarbeiten beenden. Nach Beendigung der Ans- sperrung resp. des Streiks verrechnete dann die Firi,.ä die Akkordarbellen mit den alten Arbeitern in der Weise, daß sie von dem Akkordüberschuß die 10 M. Tagesverdienst der Streikbrecher abzog, und zwar 5 M. für Lohn und 5 M. für Streikzulage. Dem Abzug der Streikzulage wider- sprachen die Arbeiter. Die Firma blieb aber trotz wiederholter Vorstellungen auf ihrem Standpunkt stehen. Ein Arbeiter be- schritt daher den Klageweg und verlangte die Herauszahlung der abgezogenen Streikzulage. Die beklagte Firma machte geltend,' daß sie sich zum Abzüge der Streikzulage berechtigt halte, da Kläger die Arbeit freiwillig niedergelegt habe; er hätte diese ja zuerst fertigstellen können. Kläger wendete dagegen ein: Wären die Streikenden der Firma gegenüber ersatzpflichtig, dann müßte die Firma auch für den durch die Aussperrung den Arbeitern zugefügten Schaden haftbar sein. Das Gericht verurteilte die Firma dem Klageantrage gemäß. Weitere Ab- züge als den reinen Lohn für die Fertigstellung der Arbeit seien mizulässig und daher die Streikzulage zu unrecht abge- zogen.— Durch dieses Urteil ist die Firma gezwungen, sämt- lichen Streikenden, deren Akkorde während des Ausstandes fertiggestellt waren und denen doch Streikzulagen abgezogen wurden, die Zulage zurückzuzahlen. Die Gesamtsumme be- läuft sich auf ca. 300 M._ Berlin und Umgegend. Tie Geschäftsbuchfabrikanten und die neue Novelle zur Gewerbeordnung. Am Freitag fand im Gewerkschaftshause eine zahlreich be- suchte, vom Buchbinderverband einberufene Branchenversammlung der in Geschäftsbuchfabriken, Liniieranstalten und verwandten Be- trieben tätigen Arbeiter und Arbeiterinnen statt, um über die Durchführung der am 1. Januar in Kraft treten- den Novelle zur Gewerbeordnung zu beraten. Dies war notwendig, weil die Unternehmer bestrebt sind, die geringen Verbesserungen, die die Novelle der Arbeiterschaft oder vielmehr den Arbeiterinnen bietet, hinfällig zu machen. Namentlich ist es ihnen darum zu tun, trotz der Bestimmung, daß die Arbeiterinnen und jungen Leute vom 1. Januar 1910 ab an den Sonnabenden und am Tage vor Festtagen nur noch 8 Stunden beschäftigt werden dürfen, keine Verkürzung, sondern vielmehr eine Verlängerung der Arbeitszeit eintreten zu lassen. Durch den Tarifvertrag der Ge- schästsbuchbranche des Buchbindergewerbes ist die Arbeitszeit auf b4 Stunden die Woche festgesetzt und sie ist im allgemeinen so der- teilt, daß täglich 9 Stunden gearbeitet wird. Nun ist den Geschäfts- buchfabrikanten durch ein Rundschreiben ihrer Vereinigung emp- fohlen worden, um sich ohne irgendwelchen Schaden jener neuen Bestimmung anzupassen, die Arbeitszeit an vier Tagen der Woche um je eine Viertelstunde zu verlängern. In diesem Bestreben sind ihnen, zum Bedauern der in denselben Betrieben beschäftigten Ar- beiter und Arbeiterinnen anderer Kategorien, die Buchdrucker, für die ja die SSibstündige Arbeitszeit besteht, entgegengekommen. Das Tarifamt der Buchdrucker hat sich mit der Verteilung der nach den neuen gesetzlichen Bestimmungen ausfallenden Ar- beitszeit auf die übrigen Wochentage einverstanden erklärt. Dem Buchbindereipersonal glauben die Fabrikanten offenbar die Veränderung der Arbeitszeit einfach aufzwingen zu können, näm- lich durch Aushängung einer neuen Arbeitsordnung. Daß die Ge- schäftSbucharbeiter und-Arbeiterinnen dies nicht ruhig hinnehmen werden, dafür zeugte der Verlauf ihrer Versammlung. Der Refe- rent Ernst Klar gab zunächst eine Uebersicht über die verschiedenen kleinen Verbesserungen, die die Gewerbeordnungsnovelle bringt, die ja dem angeblich in der Sozialpolitik voranmarschierenden Deut- schen Reich durch die internationale Konvention gewiflermaßen erst aufgenötigt worden sind, und ging dann besonders auf die schon erwähnte Angelegenheit ein. Er betonte, daß die Arbeiterschaft in den einzelnen Betrieben innerhalb dreier Tage ihre Bedenken gegen die Veränderung der Arbeitsordnung geltend machen muß. Er kritisirte scharf das Verhalten der Fabrikanten, die, ohne den anderen Tarifkontrahenten zu fragen, eine Verlängerung der täg- lichen Arbeitszeit durchsetzen wollen. Die Kontobucharbeiterschaft ist nicht gewillt, den schon seit 189S bestehenden neunstündigen Ar- beitstag aufzugeben. Der Redner erwähnte ferner, daß die Fabri- kanten auch darauf aus sind, sich die den S a i s o n g e w e r b e n durch ß 139 gebotenen Vorteile zur Ausdehnung der Ueberzeitarbeit zunutze zu machen. Es liegt jedoch durchaus kein irgendwie hin- reichender Grund vor. die Geschäftsbuchindustrie für ein Saison- gewcrbe zu erklären, und die Organisationen der graphischen Ge- werbe haben gegen dieses Verlangen der Unternehmer auch schon gemeinsam Protest eingelegt.— In der regen Diskussion, die dem Referat folgte, zeigte es sich, daß die Versammelten durchaus mit dem Referenten einverstanden waren. Es wurde erwähnt, daß ein Fabrikant beiläufig den Vermittelungsvorschlag gemacht hatte, daß die Arbeitszeit im allgemeinen wie bisher bestehen bleiben, die Arbeiterinnen jedoch, um dem Gesetz zu genügen, Sonnabends eine Stunde später anfangen sollten Wenn man nun auch in der Ver- sammlung anerkannte, daß das eine bessere Regelung als die von der Fabrikantenvereinigung vorgeschlagene sei, so wurde demgegen- über doch betont, daß der Wille des Gesetzgebers offenbar der war. daß die Arbeiterinnen an den Vorabenden der Sonn» und Festtage früher Feierabend haben sollten, um Zeit zur Besorgung der häuslichen Pflichten zu gewinnen. In diesem Sinne müsse die Sache geregelt werden. Das«war vor allem auch die Ansicht der zahlreich anwesenden Arbeiterinnen. Das Verhalten des Tarifamts der Buchdrucker wurde allgemein scharf verurteilt. Die Versamm- lung nahm einstimmig folgende Resolution an: „Die versammelten Kontobuckwrbeiter und Arbeiterinnen nehmen Kenntnis von der Absicht der Unternehmer, die Vorteile der am 1. Januar in Kraft tretenden Novelle zur Gewerbe- ordnung durch Einreihung der Kontobuchbranche unter die Saisongewerbe und durch Verteilung der Arbeitszeitverkürzung an den Vorabenden der Sonn- und Feiertage auf die übrigen Wochentage unwirksam zu machen. Sie sprechen ihre Mißbilli- gung über diese Absicht der Unternehmer aus. um so mehr, als sie von wenig sozialem Empfinden zeugt und eS doch unzweifel- Haft der Wille des Gesetzgebers gewesen ist, die Arbeitszeit der Arbeiterinnen zu verkürzen. Das natürliche Bestreben der Ar- beiterschaft ist eS, eine Verkürzung der Arbeitszeit herbeizuführen. Dagegen würde die Verteilung der an den Sonnabenden aus- fallenden Stunde auf die übrigen Tage einen Rückschritt und eine Aufgabe des Neunstundentaaes bedeuten. Die Versammelten erklären, diesen Rückschritt auf keinen Fall mitmachen zu wollen. Die Tarifkommission wird beauftragt, bei Verhandlungen mit den Unternehmern in diesem Sinne zu wirken." Verantw. Redakt.: Richard Barth, Berlin. Inseratenteil verantw. Die Organisationsverhältnisse in den Branereibetrieben betrifft eine Zuschrift an uns, in der es heißt: „Nack den Berichten über die Versammlungen des Zentral- Verbandes Deutscher Brauereiarbeiter vom 17. und 13. d. M. im „Vorwärts" sind dem Referenten bezw. Berichterstatter bezüglich der Mitgliederzahl der in Frage kommenden Organisationen insofern Irrtümer unterlaufen, als die angegebenen Zahlen, soweit der Transportarbeiter-Vcrband in Frage kommt, nicht zu- treffend sind. Nach genauer Aufstellung hat der Transportarbeiter-Verband zurzeit in sämtlichen Brauereien und Niederlagen Groß-Berlins 2494 Mitglieder, und zwar 1917 beim Fahrpersonal und S47 Jnnenbetnebsarbeiter, organisiert. Deutscher Transportarbeiter-Verband Bezirk Groß-Berlin." Die Beendigung des Streiks der Isolierer Berlins, welcher am 1. November d. I. begann und nunmehr 7 Wochen dauert, wurde am 17. d. Mts. in einer Versammlung der Streikenden mit großer Majorität beschlossen. 14 Stimmen waren dagegen. Ei» Lohntarif von Organisation zu Organisation wurde nicht abgeschlossen. Die Unternehmer haben ihren Akkordtarif zurückgezogen. Dieser Tarif, welcher von den Unternehmern in einseitiger Weise ausgearbeitet war. gab neben der Verweigerung einer beslinimten Lohngaranlie die Veranlassung zu dem Streik. Es wird nunmehr wieder, sobald in Akkord gearbeitet wird, zu den alten Bedingungen der volle Lohn garantiert. Auck in bezug der Lohnerhöhung haben die Firmen noch Zngesländnisse gemacht und zwar von 65 bis 70 Pf. Nur jüngere Kräfte, welche erst kurze Zeit selbständig arbeiten, erhalten 65 Pf. pro Stunde. Für die Isolierer ist dies zwar kein Sieg, aber eine Niederlage ist es auch nicht, denn ihnen kam es von vornherein nicht so sehr aus die Durchdrückung ihrer Forderung als auf die Abwehr der Bedingungen der Unternehmer, die sie in bezug der Akkordarbeit gestellt hatten, an. Aber auch bei den Unternehmern waren es nicht die Forderungen der Arbeiter, sondern ihre eigenen Bedingungen. weshalb sie so hartnäckig auf ihren Standpunkt be- harrten. Die Herren hatten es sich nun einmal in den Kopf gesetzt, die Organisation der Isolierer in Berlin z» vernichten, um dann die Lohn- und Arbeitsbedingungen nach Willkür festzusetzen Das ist ihnen aber nicht gelungen und wird dem Arbeitgeberverband auch in Zukunft nicht gelinge», denn die Isolierer Berlins haben es in dem siebenwöchentlichen Kampfe bewiesen, daß sie die Organi- sation zu schätzen wissen. Nicht ein einziges Mitglied ist ab- trnnnig geworden. Ebenso geschlossen wie sie am"l. November die Arbeit niederlegten, haben sie jetzt dieselbe wieder aufgenommen. Und das berechtigt sie auch für die Zukunft zu den besten Hoffnungen. Nunmehr ist die Sperre über die sieben Firmen aufgehoben. Nur die Filiale der Firma A. Haake u. C., Brllckenallee 22. hält ihren Ukas aufrecht, nach welchen den bei ihr beschäftigten Isolierern ver- boten ist, irgend einer Organisation anzugehören und bleibt daher diese Firma für die Isolierer weiter gesperrt. Veutfesies Reich. Znsammenschlnh der Verbände im Transportgelverbe. Vom 13. bis 16. Dezember tagte in Hamburg eine Konferenz von Vertretern der Zentralverbände der Hafenarbeiter, Seeleute und Transportarbeiter, uin die Grundsätze für den Aufbau und die Ein- richtungen der bereits von allen drei Verbänden im Prinzip be- schlossenen Eiuheitsorganisation der Transport- und Verkehrsarbeiter zu Wasser und zu Lande festzusetzen. Nack einer umfassenden, fach- lichen Aussprache über die Grundlagen und die Form der neuen Organisation wurde, unter Berücksichtigung aller ein- schlägigen beruflichen und organisatorischen Interessen, eine völlige Verständigung über die statutarischen Grundlagen des zukünftigen Verbandes, sowie über die zu erlassenden Uebergangsbestimmungen erzielt. In Verfolg der Beschlüsse und Vorschlage dieser Konferenz werden die genannten Verbände im Mai 1910 außerordentliche Verbandstage abhalten, wo die von der Konferenz geschaffene Grund- läge zu sanktionieren ist. Daran anschließend, findet ein gemein- samer Verbandstag statt, dessen Aufgabe es ist, den Zusammenschluß der Verbände endgültig zu vollziehen und alle für die neue Organi- sationsform notwendigen Formalitäten zu erledigen. Nach den Vorschlägen der Konferenz wird die EinheitSorgant- sation am 1. Juli 1910 in Wirkung treten. Lohnznlagen für die städtischen Arbeiter in Bresla«. Der Breslauer Magistrat beschloß auf die gemeinsame Eingabe der städtischen Arbeiter hin eine Aufbesserung der Löhne aller städtischen Arbeiter. Die Lohnzulage soll bis zum 1. Dezember d. I. rückwirkend ausgezahlt werden. Zur Tarifbewegung im Bangewerbe. Mit den örtlich zu treffenden Vereinbarungen für den Bereich der rheinisch-westfälischen Unternehmer für daS Baugewerbe be- schästigte sich eine Konferenz, die am 17. Dezember in Düffel- d o r f stattfand. Eine Vereinbarung kam nicht zustande, weil die Untemehmerverbände örtliche Verhandlungen nicht wollen. Dem Zentralarbeitsnachweis des ZechenverbandeS. der in 16 Orten des Industriegebietes Zweigstellen errichtete, find 226 Zechen angeschlossen und zwar: in Essen 43, Dortmund 33, Gelsenkirchen 26, Bochum 24, Oberhausen 18, Herne 16, Reckling- hausen 13, Lütgendortmund 11, Buer 7, Witten 7, Kamenz 5, Hamm 5, MörS 6, Bottrop 6, Sprockhövel 4 und Gladbeck 4. Streikbrechertaten und ihre..Sühne". Der„Vorwärts" berichtete in seiner Nr. 256 über die Blut- tat eines Arbeitswilligen, der aus Anlaß des Streiks der Former und Gießereiarbeiter auf dem Eisen- und Stahlwerk in Ohligs bei Solingen emen streifiwsten» stehenden Arbeiter übel zurichtete. Der Uebeltäter wurde mit noch zwei Helfershelfern unter Anklage gestellt. Die Verhandlung gegen die drei„nützlichen Elemente" fand am Donnerstag vor der Straf- kammer rn Elberfeld statt. Es handelte sich um die drei aus dem „Königreiche Stumm" in Saarbrücken zugereisten Former Friedrich Majeck senior, Friedrich Maj eck junior und Karl Schwal- b a ch. Elfterer war angeklagt, den Former Wilhelm Becker. welcher Streikposten stand, mit dem Verbrechen des Totschlags be- droht zu haben, während fein Sohn und Sch. wegen gemeinfchaft- licher Körperverletzung mittels gefährlichen Werkzeuges unter An- klage standen. Die Verhandlung ergab folgenden Sachverhalt: Am Sonntag, den 17. Oktober, traf M. senior den streikpostenstehenden Former Becker sdi« Streikbrecher waren im Betriebe unter- gebracht) vor der Liederfchen Wirtschaft und pöbelte diesen mit den Worten an:„Heute abend stehen wir Streikposten". Becker gab Widerworte, worauf M. senior ihm drohte,„ihn niedermetzeln und auf die Bahnschienrn werfen zu wollen." Kurz vor diesem Vorgang hatte M. senior zwei Frauen gegenüber die Drohung ausgestoßen:„Heute gibt's noch waS; heute schneiden wir noch verschiedenen Leuten die Hälse ab." Der Angeklagte Schwalbach, der die Auseinandersetzung zwischen M. senior und Becker in unmittelbarer Nähe mit angehört hatte, schlich sich hinterlistig heran und schlug mit seinem Spazierstock solange auf Becker ein, bis der Stock in Stücke ging. Als Becker sich zur Utz. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr.«. VerlagSanstall Wehr setzen wollte, sprang M. junior hinzu und versetzt« ihm mit einer Maurerkelle� die er in der Tasche hatte, einen mit aller Kraft geführten Stich in den Rücken, so daß der Verletzte eine mehrere Zentimeter lange, bis auf den Schulterknochen gehende Wunde davontrug; außerdem war ihm der Zeigefinger der rechten Hand durch einen Stockschlag erheblich verletzt worden. Becker war infolge der Mißhandlungen längere Zeit arbeitsunfähig. Er trat als Nebenkläger auf und sein Rechtsbeistand beantragte für ihn, die Angeklagten neben der über sie zu verhängenden Strafe zu einer Geldbuße von 390 M. an Becker zu verurteilen. Die An- geklagten waren geständig, wollten aber von den Streikenden ge- reizt worden sein, was sich als unwahr herausstellte. Der Staats- anwaft beantragte gegen M. senior 20 M., gegen Sch Walbach 30 M. Geldstrafe und gegen M. junior 2 Monate Gefängnis. Das Gericht verurteilte M. senior zu 20 M. und Sch. zu 50 M. Geld- strafe, während M. junior 3 Wochen Gefängnis erhielt. Auf eine Geldbuße an den Nebenkläger Becker zu erkennen, lehnte das Ge- richt ab und verwies ihn auf den Weg der Zivilklage. Das Urteil gegen die drei Rowdys ist außerordentlich milde ausgefallen. Man male sich einmal aus, welche Strafe es wohl für Streikende abgesetzt haben würde, wenn sie in der geschilderten Weise gegen die arbeitswilligen Elemente vorgegangen wären. Für Monate wäre ihnen die Gefängniszelle sicher gewesen. „Gelbe" Arbeiter im Streik. In der Weberei und Spinnerei von Semmlinger in Gau- st a d t bei Bamberg haben 600 Arbeiter, meist Weber, wegen Lohnredukiion die Arbeit eingestellt. Es handelt sich um einen>o« genannten„wilden" Streik. Von den 2400 im Betriebe beschäftigten Arbeitern und Arbeiterinnen sind nur sechs im Textilarbeiterverbande organisiert, eine größere Anzahl ist im christlichen Verbände und zirka 1800 sind dem Chef, dem Kommerzienrat Semmlinger. zu Gefallen„gelb" organisiert. Unter den Ausständigen sollen sich auch„gelbe" Arbeiter befinden. Wie ersichtlich, ist selbst aus die gelb organisierten Arbeiter kein Verlaß, wie das schon in letzter Zeit mehrere Male offensichtlich wurde. Bedauerlich ist es nur, daß in diesem Falle die ausständigen Weber nichts erreichen werden, denn unorganisiert und ohne jede Unterstützung wird der Ausstand, der schon wegen der Verhältnis- mätzig geringen Beteiligung aussichtslos erscheint, nach wenigen Tagen zusammenbrechen. Hustend« Aussperrung. Die Direktion der Ungarischen Waffen- und Munitionsfabrik in Budapest hat 1300 Arbeiter ausgesperrt. Der Betrieb dcS EtablisseinentS ist für drei Monate eingestellt worden, obwohl die Fabrik mit großen Aufträgen genügend versehen ist. Die Maß- regelung bedeutet den Ruin ganzer Quartiere der Hauptstadt. Die geringfügige Ursache zu dieser Aussperrung ist die Haltung einer kleinen Gruppe von Arbeitern, von 64 Eisendrehern nämlich. Um diese zur„Botmäßigkeit" zu zwingen, wirst die Regierung die mehr als tausend aus die Straße._ Keine Einigung in Schwede«. Die Vertreter der Landesorganisation der schwedischen Gewer?« schaften und die der Schwedischen Arbeitgebervereinigung waren am Donnerstag vor dem Schlichtungsbeamten Stadtnotar Cederborg erschienen, um das Protokoll der gescheiterten Einigungsverhandlungen vom 4. bis 12. November zu unterzeichnen. Bei der Gelegenheit fragte Cederborg die Vertreter der Parteien, inwieweit sie an ihrem bisherigen Standpunkt in der Bermittelungsftage festhielten. Der Vorsitzende der Landesorganisation, Hermann Lindquist, erklärte, daß das Landessekretariat nach wie vor als Bedingung für neue Verhandlungen verlange, daß die Arbeitgebervereinigung die Aussperrungen aufhebe. Der Direktor der Arbeitgebervereinigung. von Sydow, antwortete, daß man auf Arbeitgeberseite nicht geneigt sei, diesem Verlangen des Landessekretaria» entgegen« zukommen. Unter diesen Umständen erklärte der Schlichtungsbeamte, gegen« wärtig nichts weiter in der Angelegenheit tun zu können. Versammlungen. Zentralverband der Töpfer Deutschlands. Die Filiale Berkin hielt am Freitag eine Mitgliederversammlung ab, in der Verbands- angestellter S e g a w e über das Thema:„Wie gestalten stch die Wirt« schastlichen Verhältnisse der Töpfer Berlins durch den neuen Tarif?" referierte. Der Referent legte dar. daß der neue Tarif keine Nach- teile, sondern Vorteile enthalt, wie er an der Hand von aufgestellten Berechnungen nachweisen konnte. Die Lokalisten wollten nun auch in eine Lohnbewegung eintreten, da sie nicht nach diesem Tarif zu arbeiten, sondern die altdeutsche Arbeit um Iv Proz. unter dem fest« gesetzten Preis zu machen gedachten. Die Absicht kam nicht zustande; nian erklärte dann auf lokalistischer Seite, nach dem Tarif des Zentralverbandes zu arbeiten. Ein TeU der Lokalisten hat nun er« klärt, in den Zentralverband übertreten zu wollen, aber nur mit vollen Rechten. Redner erklärte, daß die Lokalisten, die kommen wollen, kein Eintrittsgeld zu erlegen brauchen, doch müffen sie die Karenzzeit einhalten. In Streiksällen werden fie wie alle anderen unterstützt; weiter könne man nicht gehen. Wollen sie übertreten, so sind sie willkommen. Ausnahmen könnten nicht gemacht werden. Um jedem Irrtum vorzubeugen, sei hervorgehoben, daß die Uebertretenden keine 13 Wochen nachzuzahlen brauchen. Da die Lokalisten den Tarif mit Unterpreijen nicht an« genommen haben, kann der Zentralverband über diese Angelegenheit hinweggehen. In der Diskussion stellte ein Redner, um den Konfliktsstoff z» beseitigen, den Antrag, die Lokalisten mit vollen Rechten aufzunehmen, stieß aber bei der Versammlung aus starken Widerspruch. Bei der nachfolgenden Abstimmung wurde der Antrag einstimmig ab» gelehnt. Letzte Nachrichten und Depcfchen. Das Urteil im Prozest Grabowski. In später Abendstunde fand„der Totschlag im Scheunen« viertel" und gleichzeitig die diesjährige Schwur- gerichtsperiode ihren Abschluß. Die Geschworenen b»> jahten die Schuldfrage nach Totschlag unter Zu- billigung mildernder Umstände. Die Rechtsanwälte Morris und Bahn stellten einen Antrag, der dahin ging. daß der Gerichtshof in Erwägung ziehen möge, ob sich nicht die Geschworenen zu Ungunsten des Angeklagten bei Fällung ihres Spruches geirrt haben. Bevor sich das Gericht zur Beratung zurückzog, beantragte Staatsanwaltschaftsrat Merschberger gegen den Angeklagten eine Gefängnis» strafe von vier Jahren. Das Gericht lehnte die Anträge der Verteidigung ab und verkündete folgendes Urteil: Grabowski wird wegen Totschlags zu drei Jahren Gefängnis und fünf Jahren Ehrverlust, unter An- rechnung von 7 Monaten der erlittenen Untersuchungshaft. verurteilt. Der Angeklagte trat die Strafe soso r t a n. §caxl Singer& Co.. Berlin LIV,' Hierzu 7 Beilagen. ».Ms. S6.»iw i. AtilM ilts Jornürt!)" Jftliitfi Polliölilutt. �->«5 w. Aus der Leichlchte der ruliilchen Revolution.*) Ed ist keine abgeschlossene Geschichte der russischen Revolution. was N. Trotzky in seinem Buche dem Leser darbietet. Denn — bemerkt der Verfasser mit Recht in seiner Vorrede—-»die Zeit zu einer erschöpfenden geschichtlichen Wertung der russischen Revo- lution ist noch nicht gekommen". Man kann wohl hinzufügen, daß von einer Geschichte der russischen Revolution überhaupt noch nicht die Rede sein kann, da die Revolution ihren Kreis noch nicht voll- endet hat. Selbst die„Nowose Wremja" behauptet ja. daß„wir uns vor einer»zweiten" Revolution nicht zu fürchten haben, da wir noch die erste nicht erlebt haben". Die revolutionäre Bewegung von 1W4— 06 hat nur rein formelle Konzessionen und Reformen gebracht, aber keine tatsächliche Umwälzung der Staatsordnung, nicht einmal die politische Herrschaft der Klassen— des grundbesitzenden Adels oder der Handels-, Gewerbe- oder Finanzbour- geoisie: nach wie vor herrscht unbeschränkt die zarische Bureau- kratie. Dennoch ist die Revolutionszeit von großer geschichtlicher Bedeutung; sie hat nicht nur die Unzulänglichkeit des„alten Regimes" bewiesen, sondern auch diejenigen Kräfte gezeitigt, die allein berufen sind, die alte Ordnung niederzuwerfen. Es war bloß ein Vorspiel zu einem großen Drama aus der weltgeschicht- lichen Bühne, in dem sich aber alle zukünftigen Mitwirkenden in ihren Hauptrollen und Eigenschaften den Zuschauern vorgestellt habem Trotzkys Buch ist eben ein Versuch, die Personen, die im Vorspiele mitgewirkt haben, auf Grund ihrer Leistungen zu charakterisieren und zukünftige Rollen anzudeuten. Seine Auf- merksamkeit widmet der Verfasser hauptsächlich dem Industrie- Proletariat, das den wirklichen Helden der russischen Revolution gespielt hat und auch in Zukunft zu spielen von der Geschichte be- rufen und bestimmt ist. Den größten und wichtigsten Teil des Buches bildet die Ge° schichte des Petersburger ArbeiterÄelegiertenrateS, dessen tätiges und, wie aus dem Buche zu ersehen ist, einflußreiches Mitglied der Verfasser selbst war. „Der Arbeiterdelegiertenrat sin Petersburg)— sagt Trotzky — entstand als die Erfüllung eines objektiven, durch den Gang der Ereignisse erzeugten Bedürfnisses nach einer Organisation, die die Autorität darstellen könnte, ohne Traditionen zu haben, einer Organisation, die mit einem Male die zerstreuten, nach Hundert- taufenden zählenden Massen umfassen könnte, ohne ihnen stärkere organisatorische Hemmungen aufzuerlegen, nach einer Organisa- tion, die die revolutionären Strömungen innerhalb des Prole- tariatS verkörpert, die einer Initiative fähig und automatisch sich selbst kontrollieren könnte und. was die Hauptsache ist, einer Or- ganisatwn, die man innerhalb 24 Stunden ins Leben rufen könnte." Keine der früheren Organisationen, keine politische Partei, die sozialdemokratische nicht ausgeschlossen, war dieser Aufgabe ge- wachsen. Die objektive Notwendigkeit wurde durch eine impulsive, spontane Streikbewegung, die keinen Halt wissen wollte, die immer mehr die allerverschiedensten Arbeiterberufe und Branchen in ihren Bannkreis zog. die im Laufe von wenigen Wochen„nach ungefährer Schätzung 122 Städte und Dörfer, einige Bergwerke des Donaubassins, 10 Eisenbahnen und eine Million Menschen" umfaßte. Diese Streikbewegung war der Ausdruck der in den Arbeiter- Massen gärenden revolutionären Energie, der Bestrebung der Proletariermassen, ihre noch halb unbewußte Macht zur Geltung zu bringen. Wie harmlos und unbedeutend schienen zu Anfang die ersten Vorboten dieser großen Streikbewegung, die am Ende dag ganze wirtschaftliche und politische Leben des ganzen Landes ins Stocken gebracht hat und den„unbeugsamen" Zarismus zur •) R. Trotzky,»Rußland in der Revolution", Dresden, Kaden u. Co. 3SS Seiten. Preis 6 M. Nachgiebigkeit, wenigstens zu augenblicklichen Konzessionen und Versprechungen gezwungen hat. Ein Streik der Setzer in einer privaten Druckerei in Moskau, die eine kleinere Lohnerhöhung ver- langten, ein Streik der Bäckereiarbeiter, ebenfalls in Moskau und ebenfalls aus Lohndifferenzen, das war der Beginn. Arbeiter verschiedener anderer Branchen und Städte streikten anfangs nur, um den Moskauer Streikenden ihre Sympathien auszudrücken. Bald aber werden neue Forderungen aufgestellt, neue allgemeinere Losungen gegeben. Mit dem Streike der Eisenbahner sowie der Post- und Tclegraphenangestellten werden die allgemeinen Lo° jungen klar formuliert: Achtstundentag, bürgerliche Freiheiten, Amnestie, konstituierende Versammlung. Die Klassenforderung des Proletariats wurde somit durch die revolutionär-politischen For- derungen des ganzen Landes ergänzt. Das Proletariat hatte sich an die Spitze der ganzen Revolution gestellt und bedurfte eines Organs zur planmäßigen Leitung des weiteren Kampfes. Und ein solches Organ ist im Petersburger Arbeiterdelegiertenrat ge- schaffen worden. Ausführlich und packend schildert Trotzky daS innere Leben des Arbeiterdelegiertenrates, seinen gewaltigen Einfluß auf die Arbeiterschaft Petersburgs, das Zentrum der ganzen nichtprole- tarischen Bevölkerung und das Doppelspiel der Regierung diesem unberufenen, von der Obrigkeit nicht anerkannten Proletarier- Parlamente gegenüber— das hinterlistige heuchlerische Entgegen- kommen des frischgebackenen Grafen Witte und den unver- hüllten Haß der T r e p o w und D u r n o w o. Wie Erinnerungen aus halbvergessenen Märchen wirkt es heutzutage— in den Tagen des Stolypin-oktrobristischen„Parlamentarismus"—, wenn man in Trotzkys Buch über die*tausendköpfigen Arbeiterversammlungen, über die Riesendemonstrationen auf den Straßen Petersburgs) über den halboffiziellen Empfang der Vertreter des nicht aner- kannten Arbeiterrates bei dem Ministerpräsidenten so lebendige Schilderungen liest. Und doch sind noch keine vier Jahre ver- flössen, seitdem dieses Märchen Wirklichkeit war. Und wird es den Beruhigungsversuchen Stolypins und den Verleumdungen der Liberalen gelingen, dieses Märchen aus dem Gedächtnis nicht nur der Arbeiterschaft, sondern der ganzen unterdrückten und nach vorwärts strebenden Bevölkerung zu verdrängen? Ausführlich schildert auch Trotzky die Vorbereitungen der Regierung zur Ver- nichtung des verhaßten Arbeiterparlaments und sein tragisches Ende sowie das Nachspiel der ganzen Episode-- den sogenannten „Prozeß des Arbeiterdelegiertenrates". Der Geschichte des Petersburger Arbeiterdelegiertenrates folgen im Buche kurze— leider zu kurze— Skizzen über die Be- wegung in Moskau und in der Provinz sowie über die Bewegung in der Flotte und in der Armee. Die Arbeiterdelegiertenräte in der Provinz verdienen sicherlich mehr Beachtung, als ihnen Trotzky zukommen läßt. Haben doch in manchen Städten tz. B. in Nikolajew, Rostow usw.) die Räte tatsächlich, wenn auch nur wenige Tage, als administrative Macht funktioniert; sie haben vermittels einer Arbeitermiliz die Ordnung in einer Weise auf- rechterhalten, daß selbst die schlimmsten Gegner der Revolution und der Arbeiterschaft öffentlich anerkennen mußten, daß„Ge- walttaten nur sehr, sehr selten" vorgekommen und„die Dis- ziplin der Arbeiter nur zu bewundern" sei. Auch die Eharakte- rifiik der Bauernbewegung und der Bewegung der liberalen Bourgeoisie hätten wir etwas ausführlicher gewünscht. Die Haupt- tendenzen verschiedener Jnteressentengruppen innerhalb der libe- ralen Bourgeoisie traten bereits während der Semstwokongresse in Moskau hervor. So fanden die Großgrundbesitzerinteressen der Semftwomänner— bei der Ausarbeitung des ersten Konstitutions- projekes— ihren Ausdruck in dem von sämtlichen Liberalen angenommenen Vorschlag, eine zweite Kammer zu verlangen, die ausschließlich aus Semstwovertretern zusammengesetzt werden sollte. Formell wurde dieser Vorschlag durch harmlose Motive begründet, in der Tat aber war es der Schritt zur Sicherung der Interessen des Großgrundbesitzes, natürlich auch der liberalen Eigen- tümer. Noch viel interessanter und charakteristischer sind die Be- ratungen über die Frage der Ausnahmezustände. Ein denwkrati- kleines feuilleton. Berlin als Lichtfiadt. Mehr als 34000 Gasflammen, über 1000 elektrische Lampen und etwa 120 Spiritusglühlicht- und Petroleum- lalernen erhellen die Straßen und Plätze Berlins und machen die Stadt zu einer der bestbeleuchteten der Welt, wenigstens in den „besseren" Quartieren. Aber es war ein langer Weg durch Dunkel- heit und ungewisse Dämmerung. Es find jetzt gerade 100 Jahre her, daß in den Straßen Berlins völlige Nacht herrschte und die Beleuchtung überhaupt aushörte, weil eS an Mitteln fehlte, um die Oellieleronten zu bezahlen. Damals wagten sich nur Wenige bei dringenden Anlassen hinaus aus die stockfinsteren Straßen. Ueber die Geschichte der Beleuchtung Berlins erfahren wir interessante Einzelhetten aus dem Buche„Berlin in Geschichte und Gegenivart", das Prof. Paul Goldschmidt bei Julius Springer soeben hat er- scheinen lassen. Paris hatte 1817 Gas erhalten, von deutschen Städten zunächst nur Hannover. In Berlin erlangte eine englische Aktiengesellschaft von der Regierung ein ausschließliches Privilegium für Gas- bcleuchtung auf 21 Jahre und an» 19. September 1826 war der Tag, an dem zum erstemual Unter den Linden Gasflammen brannten. Aber die staunende Bewunderung wich bald gemischteren Gefühlen, denn das neue Licht war recht teuer. Wer da in seinem Hause sich ocn Luxus einer GaSlampe leisten wollte, der mußte im Durchschnitt etwa 15 Taler für eine mäßig große Flamme zahlen, die bis um 11 Uhr abends brennen durfte. Die Privatlampen konnten nicht eher angesteckt werden, als die Gasflammen der Straßen- laternen. Da die Gesellschaft sich dabei mehr nach den Angaben des Kalenders, als nach den Bedürfnissen richtete. so mußten die Benutzer oft recht lauge warten. 1837 wurden Gas- messer eingeführt, doch der Preis blieb weiter so hoch, daß ein ollgemeiner Gebrauch des Gaslichtes ausge'chlossen war. So war nian zunächst aus dem Regen in die Traufe gekoinmeu. Die Straßenbeleuchtung war sehr mangelhaft und beschränkte sich auf den inneren Kern der Stadt; die vereinbarte Beleuchtungszeit war Viel zu gering bemessen, die Laternen standen sehr weit auseinander und obwohl die Stadt jährlich 30 000, später sogar 50000 Taler für die Belenchiuug zu zahlen hatte, wurde fast noch mehr über Dunkelheit geklagt wie früher. Als das Privilegium der Gesellschaft im Januar 1847 abgelaufen war. entschloß sich die Stadt, die Straßenbeleuchtung selbst in die Hand zu nehmen., nutzte aber mit der Gesellschaft erst einen Prozeß führen und regelte dann allmählich die Gasversorgung so. daß beide die gleichen Preise erheben sollten und die Gosellswaft für Benutzung der städtischen Straßen eine Gebühr zahlen mußte, die allmählich auf mehr als 500000 M. gestiegen ist. Die Gesellschaft versorgt heute besonders die westlichen Vororte mit Gas; im größten Teil der Stadt befriedigen die fünf städtischen Gaswerke alle Bedürfnisse und ergeben jetzt jahrlich einen Reingewinn von 3 Millionen Mark; sie haben im Jabre 1906 zur öffentlichen Beleuchtung Berlins 13 Millionen Kubikmeter Gas unentgeltlich geliefert. Wie ein Wright gebaut wird? Die Herstellung von Flug- Maschinen ist auf dem besten Wege, zu einer bedeutsamen Industrie zu werden. Ganz besonders die großen Erfolge der Gebrüder Wright haben nach dieser Nichtung bahnbrechend gewirkt, und nicht nur in dem Heimatland dieser Pioniere, sondern auch in Deutsch- land sind Werkstätten zum Bau von Flugmaschinen nach dem von ihnen erfundenen Muster entstanden. Wie es in der Fabrik für Wrightflieger in Reinickendorf bei Berlin zugeht, schildert ein Aufsatz in der„Deutschen Zeitschrift für Luftschiffahrt". Die Ge- samtheit der Anlage zerfällt in die Maschineniverkstatt, die Motorenstation, die Schmiede und den Zeichenraum. Den fesselnd- sten Anblick gewährt natürlich die große Halle, in der die Flug- Maschinen zusammengesetzt werden. Dort arbeitet zunächst eine große Zähl von Holzbearbeitungsmaschinen. Sie schneiden die fein geschwungenen Spieren aus dünnen Latten, die dann durch kurze Zwischenstücke verbunden und versteift werden. Die Längsträger der Tragflächen iverden aus bestem amerikanischen Fichtenholz her- gestellt, ebenso die nach den beide» Enden dünner werdenden Stangen, die das Oberdeck tragen. Damit ja keiner der hölzernen Bestandteile platzt und damit eine möglichst große Elastizität erzielt wird, werden keine Schrauben verwandt, sondern die Eckstücke der Tragflächen werden aufeinandergeleimt und mit bester Hanfschnur umwickelt. Daneben ist eine Anzahl von Sattlern tätig, die wieder besondere Maschinen zu ihrer Verfügung haben. Sie haben die Tragflächen zu bespannen und die Sitze zu polstern. Nun kommen wir zu dem Ort, wo der wichtigste Teil des ganzen Apparates ver- fertigt wird, nämlich die Luftschrauben. Während zu diesem Zweck sonst meist Aluminium benutzt wird, geschieht die Her- stellung der Luftschrauben hier gleichfalls aus Holz. Dabei ist eine ganz besondere Aufmerksamkeit vonnöten. Die Auswahl und die tadellose Bearbeitung der Planken wird um so schwieriger, als diese Schrauben eine außerordentliche Größe besitzen und weil von der genauen Erzielung einer ganz bestimmten Form unter Umständen der wesentlichste Teil des Erfolges abhängig ist. Zunächst werden starke Bohlen unter gleichmäßigem Druck aufeinandergeleimt, und dann werden daraus die Schraubenflügel hcrausgeschnitzt, und zwar die beiden einander gegenüberliegenden Flügel aus ein und dem- selben Stück, so daß die Schraube nur aus zwei Teilen zusammen- gesetzt zu werden braucht. Das Holz wird außerdem sclbstverständ- lich aufs sorgfältigste geglättet. Wenn alles fertig ist, werden alle Teile zusammengefügt, die Maschine eingebaut, und die Maschinen wandern in eine große Halle, um nun erst von gelernten Führern eingefahren zu werden. Erst dann werden sie dem Besteller ge- liefert Die Raubtier- und Schlangenopfer in Indien. Man hört soviel davon, die sogenannten wilden Tiere seien durch das Bordringen des Menschen in alle Gegenden der Erde in starker und unaufhalt- samer Abnahme begriffen, daß man glauben sollte, es werde solche nächstens nur noch in zoologischen Gärten und Menagerien geben. In der Tat sind ja sogar ui Afrika schon Maßnahmen getroffen worden, die auf einen Schutz mancher selten gewordenen Vierfüßler abzielen, auch wenn diese nicht zu den nützlichen Tieren gezählt werden können, eben nur um der Erhaltung willen. Die Ansicht. scher Semstwoabgeordneter. ein Herr Ismailen, machte den Vor- schlag, in das Projekt der Verfassung den einfachen Satz aufzu- nehmen: Alle Ausnahmezustände werden für immer aufgehoben. Ein bedeutender Teil des Kongresses lvar gegen diesen Borschlag, unter anderen der berühmte Jurist Herr Kasimir Karawajew sowie niehrere der jetzigen Führer der Kadettenpartei, auch der zukünftige so geachtete Präsident der ersten„konstitutionell-demo- kratischen" Reichsduma, Herr Professor Muromzew. Unter Hinweis auf andere europäische Verfassungen verlangten die „Demokraten" und Juristen die Beibehaltung des Rechtes, Aus- nahmezustände zu verhängen; allerdings sollte dies nur mit der Genehmigung der Volksvertretung geschehen dürfen. In der Volksvertretung wurde nämlich im Versassungsprojekt bereits die Vorherrschaft der reicheren Klassen gesichert. Ich erwähne diese Tatsachen, da sie zur Klärung des nachherigen Verhaltens der Liberalen beitragen können und bei Trotzky nicht erwähnt sind. Ebenso könnte man schon während der Bauernbewegung die Spaltung innerhalb der Bauernschaft feststellen, die Spaltung. die jetzt durch die„Agrarreformen" Stolypins und der dritten Reichsduma gesetzlich sanktioniert worden ist. Auch dies ist von Trotzky unserer Meinung nach nicht genügend hervorgehoben worden. Das Verhalten des Liberalismus und der Bauernschaft ist aber sehr wichtig zur Beurteilung der gegenwärtigen Lage in Rußland, ebenso wie zur Beurteilung der Rolle jeder einzelnen Schicht der Bevölkerung in den zukünftigen Befreiungskämpfen. Die Bauernbewegung scheint Trotzky überhaupt nicht ganz richtig zu beurteilen. So lesen wir in seinem Buch(S. 77), daß eine der einfachsten und größten Aufgaben des Proletariats sei:„Das Dorf organisieren und sich mit ihm koalieren." Allerdings wurden diese Worte im November 1905 in einem Zeitungsartikel ge- schrieben, jetzt aber, im Buche, ohne Aenderung wiederholt. Nun war es aber für viele bereits im November 1905 klar, daß es kein einheitliches„Dorf" in Rußland mehr gibt. Heutzutage ist es mehr als klar: Das Dorf ist tatsächlich in zwei ungleiche Teile gegliedert: die reichere„staatserhaltende Minderheit" und die besitzlose Mehrheit— das Bauernproletariat. Die oben erwähnten Reformen sanktionierten nur diese bereits vollendete Spaltung innerhalb der Bauernbevölkerung. Für die Zukunft gibt es kein „koalieren mit dem Dorfe" mehr, sondern nur ein Zusammengehen des Industrie- und Agrarproletariats, vielleicht eine gänzliche Wer- cinigung beider Teile des Proletariats. Trotz dsr zu kurzen Charakteristik einzelner, besonders nichtindustrieproletarischer Schichten gibt das Buch doch ein ein- heitliches und lebhaftes Bild der ganzen Bewegung. ES verdient viel gelesen zu werden, schon wegen der ausführlichen und trefflichen Schilderung der führenden und organisatorischen Tätig- kett des Proletariats, das zum ersten Male in der Weltgeschichte die Hegemoni« in einem großen Befreiungskampfs über- nommen hat. Viel Material liefert Trotzkys Buch zur Lösung der so viel in der letzten Zeit erörterten Frage, ob wirklich das Proletariat in Rußland berufen sei, auch zukünftig in der russischen Befreiungs- bewegung die führende Rolle zu spielen. Das Buch ist durch eine reiche Anzahl interessanter und künstlerisch wertvoller Illustrationen trefflich ausgestattet. _ E. Levik. Die CandesvcrfichcruBasanltalf Berlin Im fahre 1908. Dem Rechenschaftsbericht der Landesversicherungsanstalt Berlin für das Jahr 1908 entnehmen wir folgende die Arbeiterschaft inter- essierende Stellen. Das Jahr 1908 weist seit Bestehen des Gesetzes die höchste Ziffer(7 0 4 9) an Rentenanträgen auf. Diese Er- scheinung ist dem Berichterstatter zufolge auf die ungünstige Wirt» schaftliche Lage, die im Berichtsjahre herrschte, zurückzuführen. Denn, so sagt der Berichterstatter:„wie in den Zeiten günstiger Wirt- schaftlicher Lage viele Versicherte mit verminderter Ärbeitslraft, so lange sich ihnen noch Gelegenheit bietet, diese Arbeitskraft ergiebig daß man schon mit dem Aussterben der großen Raubtiere rechnen müsse. scheint aber doch übertrieben zu sein. Zun« mindesten sprechen die in Indien gemachten Erfahrungen mit auffallender Deutlichkeit dagegen. Indien hat doch gewiß im Laufe des letzten Jahrhunderts große Wandlungen erfahren. Es sind Tausende von Kilometern Schienenweg und große Straßen gebaut worden, und ein gut Stück urwüchsiger Natur hat diesen Zwecken zum Opfer fallen müssen. Dennoch zeigt die jährlich vor- genommene und veröffentlichte Statistik der durch wiloe Tiere ge» töteten Menschen und zahmen Tiere durchaus keine Abnahmen. Nach dein jetzt erschienenen Bericht sind iin vorigen Jahre nicht weniger als 2166 Menschen auf diesem Wege umgekommen, 200 mehr als im Vorjahre. Die Bengaltiger allein haben sich 100 Leute mehr geholt, und in den Zentralprovinzen betrug die Zunahme 64. Was ein einziges dieser großen Raubtiere leisten kann, hat der Fall eines Tigers bewiesen, der 19 Menschen tötete, ehe er zur Strecke gebracht werden konnte. Auch Panther und Bären haben sich recht unnütz gezeigt, in anderen Gebieten Leoparden und Wölfe. Selbst» verständlich sind hohe Belohnungen auf die Tötung der großen Raubtiere ausgesetzt worden, aber auch das scheint keinen wesent» lichen Nutzen zu bringen. An Vieh kam auf dieselbe Art eine An» zahl von 87 697 Stück um. Etwas besser steht«S um die Schlangenopfer, die um fast 2000 fielen, aber doch noch beinahe 20000 Menschen erreichten, gewiß recht stattliche Ziffern, die nicht darauf schließen lassen, daß die wilden Tiere in Indien im Aus- sterben begriffen seien._ Notizen. — Kun st abend«. Marcell Salzer wird am 20. De» z e m b e r(2. Weihnachtsfeiertag) im Beethovensaal das voll» ständig neue Programm wiederholen. — B o r t r ä g e. Im Institut für Meereskunde beschließt Prof. Penck am Montag, den 20. Dezember, seine Vortragsreihe mit einer Schilderung der Eisenbahn durch das Meer in Florida. Einlaßkarten zu 1 M. in der Geschäftsstelle. — D i e Z e i« s u r verbot die Uraufführung des Militärdramas „Herzeleid" von Karl Müller-Ruzika, die im Rose-Theater vor« gesehen war. Gründe unbekannt und überflüssig. — Die Nationalgalerie, die bisher dem Verbände der königl. Museen angehörte und deren Generalverwaltung unter» stand, wird daraus gelöst und dem Kultusminister direkt unterstellt. Die Machtbefugnisse deS Herrn Bode, des derzeitigen General« direktors werden also eingeschränkt und der Nationalgalerie eine gewisse Selbständigkeit gewährt. Schade nur, daß diese Umwand» lung erst erfolgt, nachdem Tschudi glücklich beseitigt ist. -- Schlag auf Schlag wird der Nordpol-Cook als Fälscher und Schwindler entlarvt und dann wieder als Opfer von Gaunern rehabilitiert. Aus Kanada kommt die Nachricht, daß Kapitän Loose, der Cooks Observationen fabriziert haben wollte, zugegeben habe, daß die Geschichte von den ihm und dem Makler Duncle für ihre Mitarbeit an Cooks Bericht über seine Expedition zugesagten 4000 Dollar von llnfang bis zu Ende erfunden fei.— Die Cook» Aktien steigen infolgedessen wieder. gu Verlverken. tcit Rentenankrag hineiuSschiebett, so nehmen in Zeiten wirtschaftlichen Rückganges solche Versicherte bei mangelnder Arbeitsgelegenheit begreiflicherweise ihre Zuflucht zur Invalidem Versicherung und suche-, eine Rente zu erlangen." Der Berichi erstatter glaubt diese Behauptung unterstützen zu müssen durch den Hinweis, das; eö fast ausschliesslich Versicherte sind» die das 50. Lebensjahr überschritten haben. Insgesamt wurden im Jahre ItWS auf Invalidenrente 704 9, auf Altersrente 343 Anträge gestellt. Dazu kommen 824 aus dem Vorjahr slSOT) unerledigt übernommene Invalidenrenten- und 34 Altersrentenanträge. Die Zahl der Be willigungcn der Rente hat relativ zugenommen. Die Ablehnung der Rcntcnanträgc hat indessen den höchsten Stand seit Bestehen des Gesetzes erreicht. Die Bewilligungen und Ablehnungen zu den gestellten Anträgen sseigten folgendes Bild: Es wurden Anträge gestellt in den Jahren: Das Jahr 1003 weist demnach die höchste Ziffer der Bewillü guugen und die niedrigste der Rentenablehnungen auf. Wenn gleich auch die darauf folgenden Jahre eine Steigerung der Rentenablehnungen zeigen, so ist die Zunahme der Rentenableh- nungen im Jahre 1908 geradezu erschreckend hoch. In Prozenten gerechnet wurden im Jahre 1903 von den gesamten Renten- antragen 8 4,93 Proz. bewilligt und 7.24 Proz. abgelehnt; 1908 dagegen wurden nur 84,90 Proz. aller Rentenanträge be- willigt und 25,3 Proz. abgelehnt. Dies fortgesetzte Steigen der Ablehnungen findet unzweifelhaft seinen Grund in den„Bereisungen" des Bezirks der Anstalt durch die Kommissare des Reichsversicherungsamtes. Indessen neben diesen»Bereisungen" steht das System der Vertrauensärzte der Anstalt. Der Rentenbewcrber wird, trotzdem die Erlverbsfähigkeit um 6 0 Proz. behindert ist, von den Aerzten noch nicht erwerbs- rm fähig bezeichnet. Trotz der erheblichen Erwerbsunfähigkeit des RentenbewcrberS kann er noch immer das gesetzliche Drittel der Verdien st grenze durch Lohnarbeit erwerben. Der Bericht sagt denn auch, dass allein 8 8,2 Proz. aller Renten- ablehnungen erfolgte:»weil noch nicht völlige Erwerbsunfähigkeit vorlag". Die soziale Fürsorg« der Anstalt Verlin erscheint in recht merk- würdiger Beleuchtung. Im Bericht heisst eS:„Besonders im Be- richtSjahre hat die Anstalt Berlin„umfangreiche" und„zeit- raubende" Ermittelungen über die Arbeitsver- hältnisse und„erschöpfende" Feststellungen der Gesundheitsverhältnisse der Rentenbewerber ausgeübt, ehe dem Rentenbewerber die Rente bewilligt wurde." Eine solche Methode kann man schliesslich verstehen, wenn es sich um Armenalmosen handelt, nicht wenn öffentlich. rechtlich« Fürsorge, zu welcher der Versicherte seine Bei- träge steuert, in Frage steht. Beschämend ist es, dass die Anstalt Berlin in bczug auf die Rentenbewilligungen weit unter dem Durchschnitt des Reiches zurückbleibt. Im Jahre 1908 ent- fielen von 100 erledigten Renten: in verlin auf Festsetzungen 72 auf Atlchiumgeii 28 im Deutschen Reich auf Festsetzungen »2 auf Lblehmmgen IS ES scheint, als fei der soziale Geist bei der Versicherungsanstalt Verlin in Fahrrichtung„Talwärts" begriffen. Bezüglich der An- Weisung des preussischc» Ministers für Handel und Gewerbe vom 15. November 1908 über das Verfahren vor den untere» Verwal- tuiigsbehörden bezüglich der Rentenanträge sagt der Bericht:„Durch diese Bestimmungen wird in noch höherem Maße(?) als bisher bei der unteren Verwaltungsbehörde eine sachgemäße und eingehende Vorbereitung des RcntenantraaeS gesichert." Wie die„sachgemässe" Vorbereitung aussieht, dafür liefern die ungeheuer hohe Zahl der Rentenablehnungen einen unwiderleglichen Bewe-S. Den Berichterstatter scheint es schmerzlich zu berühren, dass Personen, die„hart" an der Grenze der Invalidität stehen— es handelt sich meist um alte oder ältere Frauen— noch einen leicht«, Dienst annehmen, dann Marken kleben und wie die Wartezeit er- füllt ist. dann die Invalidenrente begehren. Denn der Bericht- erstatter sagt:„Je mehr die Kenntnis des Gesetzes in diese Kreise dringt, desto grösseren Zuwachs von Rentenbewerberinnen wird man au erwarten haben." Ursachen der Invalidität. An erster Stelle steht die Lungenschwindsucht. Die absolute Ziffer weist bei beiden Geschlechtern eine erhebliche Zunahme der Fälle auf. Prozentual gestaltet sich die Sachlage etwas günstiger. Danach ist der Anteil der Lunge»schwindsüchtigen bei den Männern von 204 auf 183, bei den Frauen vo» 147 auf 135 pro Mille, gefallen. Der Pro- gentsatz der gesamten Krankheiten der RespirationSorgane ist eben- falls gegen das Vorjahr von 28,1 auf 28,9 Proz. bei den Männern und von 21.1 auf 19,5 Proz. bei den Frauen zurückgegangen. An zweiter Stelle folgen dann die Erkranlungen des Nerven- 1 y sie m s mit 18.8 Proz. bei den Männern; an dritter Stelle folgen die Erkrankungen des Gefäßsystems mit 17 Proz., die KranK>siten der Knochen und MuSkcln(meist Gelenkrheumatismus) mit 145; dann folgen die Krankheiten der EntWickelung und Ernährung einschliesslich AlroholismuS(meist Altersschwäche) mit 132; hinzukommen noch die Erkrankungen des Verdauungs- apparateS mit 30, der Harn, und Geschlechtsorgane LI; Bleiver- giftungen 5 und endlich Syphilis mit 7 Fällen pro Mille. Bei den Frauen treten stark in den Vordergrund die Krankheiten der E n t- Wickelung und Ernährung— besonders Altersschwäche— mit 17 1, welche indessen noch von den Nervenkrankheiten mit 2 1 0 Fällen übertroffen werden; dann folgen die Herz- und Gefässkrank- beiten mit 181; die Haut-, Knochen- und Gelenkkrankheitcn mit 15 6; die Harn- und Geschlcchtsorganerkrankungen mit 15 6; die Magenkrankheiten mit 31 und endlich Syphilis mit 8 Fällen pro Tausend. Ein recht trauriges Bild des Gesundheitszustandes der Berliner Arbeiter zeigt der Bericht über die Ursachen der Inda- lidität nach Alterstlassen. Danach wurden von 100 Invaliden der nachstehenden Altersklassen für invalide erklärt: Alter in Jahren 20/24 25/29 30/34 35/39 40/44 45/49 50/54 55/59 60/64 85/69 70 U. mehr Durch Lungenkrankheiten und chronischer Bronchialkatarrh: männlich: - 31 25 21 23 53 66 61 44 36 weiblich: 43 80 29 18 18 10 16 14 13 10 10 13 12 17 15 Durch Nervenkrankheiten: 9 26� 24 18 11 männlich: 18 29 28 weiblich: 24 38 38 28 23-29 20 11 7 3 Mithin wurde die Invalidität bei den jungen Männern von 20— 24 Jahren zu 5 2, bei den jungen Frauen derselben Altersilasse zu 8 8 Proz. durch eine Lunge nkrantheit herbeigeführt. Bei den Nervenkrankheiten nehmen die mittleren Jahrgänge die höchste Ziffer ein. l Ordnet man die Reniuer nach Berufen, dann stehen auch jetzt wieder die Metallarbeiter mit 2 03 pro Mille an e r st e r Stelle. Ihnen folgen die Bauarbeiter mit 182 (darunter hauptsächlich Maurer, Zimmerer und Maler), dann die Arbeiter der Holz- und Schnitz st offindu st rie mit 116, die des Handelsgewerbes mit 91. des Verkehrsgewerbes mit 8 0 die Dienstboten mit 4 8 und Arbeiter ohne Angabe des Berufs 8 pro Mille. Bei den Frauen stehen die Dienstboten mit 535 an erster Stelle, dann folgen die Näherinnen und Schneide- rinnen mit 176, die Verkäuferinnen mit 77, Plätte- rinnen und Wäscherinnen mit 30 pro Mille. Jnvaliditätsursachen nach Gewerben. Nach einem statistischen Nachweis werden die Metall- und Holz arbeiter am meisten von der Lungenschwindsucht befallen. Während der Durchschnitt der durch Lungenschwindsud/t invalid gewordenen Rentenempfänger 18,3 beträgt, kommen auf die Metallarbeiter 21,8 und aus die Holzarbeiter 19.9 Prozent. Die anderen Berufe bleiben unter dem Durchschnitt. Ebenso stehen die Metall- und die Holzarbeiter bei den Lungen erkranlungen überhaupt mit 2 6,8 uiü> 2 9.9 über dem Durch- schnitt. � Aufftillend hoch ist die Zifer der Lungenerkrankungen bei den Näherinnen. Dieselben stehen mit 2 3,2 Proz. verzeichnet. Davon entfallen auf die Schwindsucht 19,1 Proz. Die Dienst- boten folgen bei den Lungenerkrankungen mit 14,3 Proz., davon entfallen auf die Schwindsucht 7,3 Proz. Die Näherinnen stehen demnach bei den Lungenerkrankungen überhaupt wie auch bei der Schwindsucht mit 2 3,2 bezw. 19,1 Proz. über der Durch- schnittsziffer bei dem weiblichen Geschlecht, die bei den Lungen erkranlungen 19,5 und bei der Schwindsucht 13,5 beträgt. Auch bei den Nervenkrankheiten stehen die Näherinnen mit 2 0,8 Proz. obenan. Das Zahlenverhältnis bei den Näherinnen bezüglich der Jnvaliditätsursachen, meint der Bericht,„kann mit ihrer Tätig- keit und ihrer Ernährung in Zusammenhang gebracht werden". Die auffallend hohe Zahl der wegen Lungentuberku> lose in den jüngeren Jahresklassen invalid gewordenen Rentem empfänger zeigt, dass die Ernährung der Arbeiterbevölkerung viel zu wünschen übrig läht. Die fortgesetzte Steigerung der Lebens- mittelprcise hat zur Folge, dass die Arbeiter ihre Arbeitskraft bei stetig steigender Unterernährung verschleißen müssen. Die ' olgen der fortgesetzten Unterernahrung bedingen auch die Zeugung von minder kräftigen Kindern. Die EntWickelung der jungen Generation muß natürlich besonders vom 15. bis 20. Lebens- ahre doppelt unter der Unterernährung leiden. Die Folg« ist dann auch die grauenhafte Volksseuche Lungen- schwind sucht in der Arbeiterbevölkerung in den Jahren, in Venen der Mensch in der besten Blüte des Lebens stehen sollte. Die Verhältnisse bei den Näherinnen liegen besonders ungünstig. Bei den elend niedrigen Löhnen kann von einer kräftigen Nahrung keine Rede sein. Der Hauptspeisezettel ist denn auch„Kaffee und Brot". Dazu kommt die einseitige Arbeitsmethode. Da ist es kein Wunder, wenn die Näherinnen mit 19,1 Proz. Opfer der Schwindsucht werden und— durch Entkräftung. Blutarmut und Bleichsucht--- den höchsten Prozentsatz der Nervenkranken stellen. Diese Opfer der heutigen Gesellschaftsordnung werden indessen noch durch„langwierige" und„zeitraubende" Er- Mittelungen und«erschöpfende Feststellungen der Gesundheitsverhältnisse zur Verzweiflung getrieben. ehe sie die Invalidenrente erhalten. Die TodeSzifter der Rentner ist am höchsten in den Alters klaffen der Jahre 25 bis 29; es starben von 100 Rentnern 45. Bei den Nientnerinnen stehen die Altersklassen 20 bis 24 Jahre, mit 2 6 vom Hundert, an erster Stelle. Heilverfahren. Für das Heilverfahren wurden im Jahre 1908 für die männlichen Kranken 894132,89 M. aufgewendet. Davon entfallen auf die Familienunterstützung 94328,43 M Von den Kosten wurden durch Dritte 148885,28 M. ersetzt. Für das Heilverfahren bei den weiblichen Personen wurden 218922,83 M. ausgegeben, davon entfallen 3 7 00,94 M. auf Familienunterstützung. Von den gesamten Kosten wurden durch Dritte 28575, 49 M. zurückerstattet. Insgesamt wurden für das Heliverfahren 911055,02 M. aufgewendet. Hiervon sind 175480,77 M. durch Dritte ersetzt, dass die Anstalt 735894,25 M. ausgegeben hat. Für die Heilbehandlung der Lungentuberkulose wurden 1 199 094,46 M. bei den männlichen Erkrankten aufgewendet. Davon entfallen 153898,39 M. aus Familienunterstützung. Bon den Kosten wurden durch Dritte 283530,07 M. erstattet. Für das Heilverfahren der weiblichen Lungentuberkulosen sind 763497,63 M. ausgegeben, wovon 12 12 8.09 M. auf die Familienunterstützung entfallen. Insgesamt sind für die Heil» behandlung der Lungentuberkulose 1962592,11 M. aufgewendet, wovon der Anstalt 3 8 9 51 4.82 M. von anderer Seite gedeckt wurden, so dass die Anstalt Berlin 1593077,29 M. aus ecgenen Mitteln für die Behandlung der Lungentuberkulose aufgewendet hat,— Ausser dieser Summe wurden ferner für Krankenfürsorge noch 725 5 8,45 M. ausgegeben. Finanzlage. Die Anstalt Berlin vereinnahmte im Jahre 1908 für Beitragsmarken 9891891,14 M.. für Zinsen 2013995,28 M., für Strafgelder 13244,48 M. usw.; inkl. eines Bestandes von 971 389.78 M. aus dem Vorjahre betrug die Gesamteinnahme 14949304,83 M. Die Ausgaben betrugen 13718858.01 M. Darunter an Renten 5078179,75 M., an Beitragserstattungen 6 5 4 1 4 4.88 M., Jnvalidenhauspflege 132 3 4,2 9 M.. ausserordentliche Leistungen(§ 46 d. Ges.) 909 7 3,86 M., für„Erhebungen" bei Gewährungen oder Ent- ziehungen der Renten usw. 83516,73 M. Etwa die Hälfte der Markeneinnahmen wurde für Renten ausgegeben. Das Vermögen der Anstalt Berlin betrug am Jahresschluss 1903 6 0117 8 5 5,70 Mark. Hervorgehoben soll werden, dass die Anstalt Berlin für das Heilverfahren im Interesse der Versickerten recht bedeutende Summen verausgabt hat. Auch bezüglich der ausserordentlichen Leistungen und der Jnvalidenhauspflege ist ein erfreulicher Fort- schritt zum Besseren unverkennbar. Indessen bezüglich der Renten- bcwilligungen hat die Anstalt einen Standpunkt eingenommen, der mit der sozialen Fürsowe nichts mehr gemein hat. Die hohe Zahl der Ablehnungen der Rcntcnbewerber zeigt, daß man die Ver« sicherten wie Almosenempfänger einschätzt. Die Anstalt Berlin hätte allen Grund und alle Ursache, Lei den Rentenbewilligungen etwas loyaler zu verfahren. Die Arbeiter sind es, welch« die Millionen an Einnahmen durch ihre Arbeit aufgebracht haben. Daher haben sie ein Recht, wenn sie durch die jahrelange» schweren und ein- sättigen Arbeitsmethoden im privatkapitalistischen ProduktionS- Prozesse aufgebraucht sind, Rente zu verlangen. Nicht Millionen anhäufen, um Almosenbettelei zu treiben, sondern soziale Fürsorge in des Wortes wahrster Bedeutung zu üben, das muß Aufgabe der Anstalt Berlin sein! Huq der Partei. Eine ausierorbcntliche Landeskonferenz der hessischen Sozial- demokratie (indet am 16. Januar 1910 in Offen dach(Main) statt. Zur ZerHandlung für die Tagung steh-n:»Der Entwurf eines Landes- organisationsstatuts" und„D i e W a h l r e ch t» r e f o r in". Zum preußischen Parteitag, In Randow-Greifenbagen wurde Genosse R. Schulz zum Delegierten gewählt. Jugendbewegung. 'Die Jugendbewegung In Finnland. Die Jugendbewegung nahm ihren Ausgang von der 1904 er- folgten Gründung einer Organisation in TammerforS. Ms zum Generalstreik(Ende 1905), seit dem sich die Arbeiterbewegung erst mächtig entwickelt hat, gab es nur wenige Jugendvereine, die überdies miteinander in keinem Zusammenhang standen. Am 10. Dezember 1906 fand der erste Kongreß der Jugendorganisationen in Tammerfors statt. Es wurde beschlossen, einen Verband zu gründen, dessen. Tätigkeit in der Erziehung zum Klassenbewußtsein bestehen sollte. In der Frage des Militarismus wurde eine scharfe antimiliiaristische Resolution beschlossen, die vom Standpunkte der Partei abwich. Vom 6. bis zum 8. Juni 1908 tagte wieder ein Kongreß, der diese antimilitaristische Resolution verwarf. Seither verfolgt der Verband nur Bildungszwecke. Am Anfang 1907 begann ein eigenes DcrbandSorgan, Die Fackel", zu erscheinen. Im ersten Jahre kamen nur sechs Nummern heraus. Seit Januar 1909 erscheint das Blatt monatlich in einer Auflage von 1800 Exemplaren. Der Verband zählt jetzt 8 0 Gruppen, deren Mtgliederzah! zirka 3 000 beträgt. Innerhalb des letzten Jahres allein sind 40 Gruppen gegründet worden. Die Jugendorganisation stößt häufig auch noch in Parieikreisen auf Widerstand; es ist Aussicht vorhanden, dass sie sich fortan kräftig entwickeln wird. Es wurde beschlossen, der internationalen Verbindung beizu- treten._ Die englische Jugendorganisation hielt vor kurzem in London ihre Generalversammlung ab. Die Mitgliederzahl hat sich im Laufe des Jahres ver- doppelt. Die Gründung eines Blattes mußte wegen Geld- mangels unterbleiben. ES wurde die Herausgabe eigener Abzeichen beschlossen. Eine Resolution gelangte zur Annahme, die gegen die Verwendung des Militärs gegen das Volk Stellung nimmt. Soziales. (Sieh? auch Hauptblatt.) Bon der Not der Landwirtschaft erzählen ein paar Gutsverkäufe, die kürzlich in Hinterpommern stattfanden. Das Rittergut Baarkotzen, das vor zirka drei Jahren für den Preis von 200000 M. gekauft wurde, erzielte bei dem Verkauf jetzt 250000 M. Ein noch besseres Geschäft wurde mit dem Verkauf des Gutes See- h o f gemacht. Vor etwa vier Jahren kaufte es der Besitzer für 65 000 M. und verkaufte es nun für 124000 M. Solch mühseliger Verdienst zwingt beinahe zum Verhungern. Der bekannte Agrarier und Reichspatteiter v. G a m p, Besitzer mehrerer Güter, kaufte ftir den Preis von 1080 000 M. das Gut R o m S d o r f', das etiva 60 Hufen groß ist und 15 Hufen Wald hat. Der Landwirt Johannes Vogler ettvarb daS Rittergut Kösternitz. daS etwa 11000 Morgen gross und auf dem eine Glashütte tn Betrieb ist, für den Preis von 2 100000 M. Arme notleidende Agrarier! Wie lange noch werden sich die deutschen Landarbeiter ihre jammervolle Bezahlung von den Leuten gefallen lassen, die mühelos Gewinne einsacken. über die„Not der Landwittschaft" und die„Leutenot" lamen- tieren und als Oberreichsbettler das Reich anschnorren. vnziiläsfiger Lohnabzug. Der Fensterputzer F. klagte gestern beim Gewerbegericht gegen die Firma Staehr u. Co., die ihm die gestellte Kaution von 5 M. einbehalten und 1 M. vom Lohn für eine beim Putzen zert»>:m- werte Fensterscheibe abgezogen hat. Der Kläger legte einen von der Besitzerin der zertrümmerten Scheibe ausgefertigten Ausweis vor, aus dem hervorgeht, dass lediglich durch einen Unfall der Schaden entstanden ist. Der Vertreter der Beklagten behauptete, dass dieser die Scheibe von der Besitzerin in Rechnung gestellt worden ist und beruft sich auf die Arbeitsordnung, die die Putzer für jeden Schaden verantwortlich mache. Das Gericht verurteilte die Beklagte zur Zahlung der 6 M., da der Kläger als Gewerbegehilfe nur für vorsätzlich oder fahr- lässig herbeigeführten Schaden verantwortlich gemacht werden kann. Der Sinn, den Beklagte den Vorschriften der Arbeitsordnung geben will, konnte das Gericht nicht darin finden; solch« Vorschriften würden auch wider die guten Sitten verstoßen und deshalb rechts- ungültig seien._ Anfechtung der Schiedssprüche der Tarifinstanzen. Die Firma Jhring u. Fahrenholz, Buchdruckerei, forderte von dem Maschinenmeister B. eine Schadenersatzleistung von 64,05 M., die die Firma für die Reparatur einer vom Kläger bedienten Schnellpresse hat aufwenden müssen. Dem wollte der Maschinenmeister aber nicht entsprechen, da ihm nach seiner Meinung an dem Schaden kein Verschulden treffe. Er ging des- halb das Tarifschiedsgericht der Buchdrucker um Entscheidung in der Angelegenheit an. Dieses entschied einstimmig, daß die Schadenersatzforderung unberechtigt sei. da der Maschinenmeister nicht in grobfahrlässiger Weise den Schaden herbeigeführt hat. Bei diesem Entscheide beruhigte sich aber die Firma nicht. Da die höheren Tarifinstanzen als Berufungsgerichte bei einstimmig gefaßten Beschlüssen der Tarifschiedsgerichte nicht mehr in Frage lammen, klagte die Firma beim Gewerbegericht. Die Beisitzer (Buchdrucker) wiesen in dem dieser Tag« stattgehabten Termin den Vertreter der Klägerin darauf hin, dass die Firma, solange ie der Tarifgemeinschaft angehöre, auch die Schiedssprüche des Tattfgerichts anerkennen müsse. Wolle sie dennoch auf dem ordentlichen Rechtsweg« klagen, so habe sie damit zu rechnen, dass ie aus dem Verzeichnis der tariftreuen Firmen gestrichen wird. Daraufhin empfahl das Gericht dem Vertreter, die Klage zurück- zuziehen. Dieser befolgte den Rat. Die Entscheidung des GcwerbegerichtS hätte, falls da? Tarif- chiedSgericht nicht gesprochen hätte, auch nicht anders als dies mtscbeiden können, da ein Gehilfe, der Maschinenmeister, nur ür den Schaden haftet, der nachweislich auf sein Verschulden zurückzufiihren ist._ Konsumvcrcinsbegeifernng. Der Konsumverein Nürnberg hat vor einigen Wochen eine eigene große Betriebsanlage eröffnet, in der sich auch eine mit allen modernen Einrichtungen versehene Bäckerei befindet. DaS Unter- nehmen, das dem Konsumverein sofort eine beträchtliche Mitglieder- zunähme gebracht hat, wird von einigen kurzsichtigen Spiessburgeru mit erbittertem Hass betrachtet. Alles, waS dem Verein schaden könnte, wird gierig aufgegriffen. Die freisinnige Presse und die reisinnigen Agitatoren in Nürnberg, die mehr zünftlerisch als stcisinnig sind, leisten dabei eifrig Beihilfe. Kürzlich ging durch >ie Presse eine Mitteilung von unsauberen Zuständen, die in der Bäckerei deS Konsumvereins bestehen sollten. Infolge Ueberlaufens der Sammelgruben— daS Anwesen ist noch nicht an das Kanal- unu«u.»."-................ gu-uv»---------- eingedrungen, wo Lebensmittel und dergleichen lagerten. Der Polizeisenat hatte ich mit der Cache befaßt, wobei die Freisinnigen unter aehässigen Ausfällen auf die„Missstände" im Konsumverein eine Reihe von Auflagen beschlossen, die vollständig unnötig waren, da die ganze Geschichte Humbug ist. Die Leitung des Konsumvereins hatte Oberbüigermeister v. Schuh veranlasst, der Sache nachzugehen, und dieser hat sich den Betrieb selbst vollständig angesehen. Der CDcrtörflcrmcifict erklärte darauf in öffentlicher Sitzung, cS sei unrichtig, daß Schmutzwasser in den Keller eingedrungen sei. Es tvar lediglich ein Abflußrohr undicht geworden, wie das bei Neu- bauten immer vorkommt, und aus der undichten Stelle tropfte eine unbedeutende Menge Wasser in das SticgenhauS vor dem Keller, der bedeutend höher liegt als der Winkel, wo die defekte Stelle war, außerdem waren dort Sägespäne gelagert und wurde der Schaden sofort ausgebessert. Während der Ausbesserung kam der städtische Kontrollbeamte, der nicht die Betriebsleitung ver« ständigte, sondern einfach eine Notiz in die Akten schrieb, die dann Veranlassung gab, daß der Polizeisenat sich mit der Sache be- schästigte. Oberbürgermeister v. Schuh rügte das Verfahren des Beamten und erklärte, er habe sich den ganzen Betrieb angeschen und könne nur sagen, das? sämtliche Einrichtungen, sowohl Ar- bcitS- als Lagerräume, durchaus musterhast sind. So ist amtlich eine der vielen Schwindeleien, mit denen Ar- beiterfeinde gegen Konsumvereine krebsen gehen, widerlegt. Konsumvereine leisten für die Arbeiter, wie wir wiederholt betont haben, Gute» und schädigen den kleinen Geschäftsmann keineswegs. Denn durch das vorteilhaftere Einkaufen in den Kon- sumvereinen und durch die Sparsummen, die am Schluß des Ge- schästsjahres in Form einer Dividende zur Auszahlung gelangen, wird der Arbeiter kaufkräftiger. In Leipzig, wo das Konsum- vercinswesen in einer weit höheren Blüte steht als leider noch in Berlin, ist nächgewiesen, daß die kleinen Geschäftsleute gerade durch den Konsumverein diesen indirekten Vorteil hatten und daß ihre Zahl der günstigeren Konjunktur entsprechend sich vermehrt hat. Tie Konsumvereinsbcwegung in Berlin hat seit dem Zu- sammenschluß der einzelnen Vereine einen erfreulichen Aufschwung gcnoinmen. Ihn weiter durch Beitritt zum Konsumverein zu heben, liegt im eigensten Interesse der Arbeiterfamilien. Der Eintritt kann jeden Tag erfolgen. Em Indurtne und Handel. Die Regierung als kapitalistischer Nachtwächter. Roch bei den Verhandlungen über den ZwangSarbeitsnachweiZ präsentierte die Regierung im Reich sich als Hüterin der Gewerbe- frcibett. Zu derselben Zeit hatte die Regierung in Preußen einen Gesetzentwurf fertiggestellt, der die Gewerbesreiheit ausdrücklich auf- hebt. Dieselbe Regierung, die bei den kontradiktorischen Verband- lnngen über die Kartelle in Deutschland als des Staate« Pflicht die bezeichnete, zu verhindern, daß die Produzeuten- organisationcn die Gewerbesreiheit vernichteten, hat nun mit dem Kali- Reichsgesetz, dessen Hauplbestimmungen wir gestern bereits mitteilten, genall das Gegenteil zum Prinzip erhoben. Damals drohte sie mit Kartellirutzgesetzen, wenn Auswüchse sich zeigen sollten; jetzt präsentiert sie ein Kartellschntzgesetz, das in seinen Motiven den rücksichtslosesten Äartellegoismus hinter sich läßt. Die zünftlerischc Gebundenheit als Mittel der Konsumentenplünderung feiert aus kapitalistischer Grundlage, unter dem Schutzmantel des staatlich garantierten Monopols, seine unrühmliche Auferstehung. Da, wo der kapitalistische Widersinn sich gegen das Ausbeuter- interesse richtet, springt der Staat als kapitalistischer Nachtwächter ein, schaltet die freie Konkurrenz aus— zum Schutze der Kapitalisten. Das ist das Aufreizende dabei! Die Staatsmacht stellt sich in den Dienst einer kleinen Interessen gruppe zum Schaden der Gesamtheit. DaZ gesetzliche Monopol auf privatwirtschaftlicher Grundlage ist zweifellos gefährlicher als«in reines Staat«- Monopol. Der Staat besorgt die Geschäfte des Warenverläufcrs, indem er jede Konkurrenz unmöglich macht, während er gleichzeitig die Produzenten, da« heißt die Arbeiter, der AnSbeutungswillkür der Privatbesitzer der ProdultionSstätten überläßt. Wohl ist dafür gesorgt, daß die Verkaufspreise nicht gedrückt werden können, indem deren Festsetzung von der Genehmigung des Bundesrats abhängig gemacht und ganz generell vorgeschrieben wird, daß die niedrigsten AuS- landspreise nicht unter die höchsten Inlandspreise der entsprechenden Sorten hinabgehen dürfen, aber was für Jammerlöhne die Kali- industriellen zahlen, darum kümmert sich der kapitalistische Nachtwächter nicht. Vielleicht gar Mimmallöhne vorzuschreiben, das würde die Re- gierung sicher mit dein Hinweis auf Gewerbesieiheit. freie Konkurrenz, Freiheit de« Arbeitsvertrages und dergleichen SentiinentS ablehnen. Hat sie doch mit ähnlichen Argumenten ihre freundliche Stellung- nähme zum Zentrabnaßregelungsuachweis der Ruhrgrubenmagnaten verteidigt. Hier wie dort eine Preisgabe der VollLinteressen zum Vorteil kleiner Jnteresscntengruppen! Treiben die kapitalistischen Tendenzen über die Existenzbedingungen der privaten Wirtschaft«- weise hinaus, dann ist es doch nicht Aufgabe des Staates, diese künstlich zu erhalten. Ist cm Monopol notwendig, dann ist ein StaatSmonopol dem privaten vorzuziehen, ganz sicher aber dem ge- setzlich garantierten privaten Monopol. Dieses wird zu einer ReichtumSguelle fllr einzelne Leute, während der aus einem StaatSmonopol resultierende Profit immer- hin in gelvissein Sinne der Gesamtheit zugllte kommt. Die Kali- kapitalisten hoben eS übrigens eilig damit, die Wechsel, gezogen auf die staatliche Handlaugcrei, zu präsentieren. Das Kalisyndikat arbeitet mit Hochdruck an der Feststellung der neuen Richtpreise! Diese werden zmn Teil„durchgreifend" ge- ändert. Von isyndilatsosfiziöser Seite wird dazu das Folgende mit- geteilt: »Bei den jetzt zur Erörterung siebenden Preisfeststellungen kommt zunächst nur der europäische Markt, und besonders wieder der deutsche in Frage. Der deutsche Markt muß für die ShudikatSdauer belaniiilich mit einer Preiserhöhung bedacht ivcrden(!), da die bisher immer noch gültig gewesenen Preise durch besondere Berhällnisse be- dingt waren und, besonder« soweit die landwirtschaftlichen Ab- nehmcr daran interessiert sind, als nicht mehr den veränderten Verhältnissen angemessen anzusehen waren. Auch die preußische Regierung bat ja im Sommer de« letzten Jahres durchblicken lassen, daß sie sich der maßvollen Erhöhung der inländischen Preise nicht verschließen werde. Diese Preiserhöhung wird jetzt an alle» zuständigen Stellen zur Beratung gebracht. Es verlautet nun in beteiligten Kreisen, daß man die voraussichtlichen Preiserhöhungen in zwei Äbschniiten zur Durchführung bringen werde. ei»mal durch Aufhevuug der NolstandSvergiitung und sodann auch durch eine kleine si) unsachliche Erhöhung. Die Erhöhung würde nun die 10« Doppelzentner Ladung Kaimt, der von der heimischen Land- Wirtschaft hauptsächlich bezogen wird, von jetzt 14L.S0 M. auf 153 M bringen, so daß also tatsächlich eine Preissteigerung von 10,50 M. für den Waggon sich ergeben würde. Die finanzielle Wirkung dieser Preiserhöhung würde für das Syndikat etwa 4 Millionen Mehrei» nähme sein. In Gruppe III iDüngcsalze) würde der Preisausschlag, welcher hier mit 85 M. für den Waggon in Aussicht genommen ist, etwa eine Million Mark erbringen, so paß zusammen rund fünf Millionen Mark nach den diesjährigen«bsatzverhäitnissen als Einiiahmesteigerung für die Gesamtheit der Syndikatswerke zu buchen wären. Die Mitteilung von der Ehrendotation an den Syndikats- Vorsitzenden begleiteten wir mit der Bemerkung, da» Trinkgeld von 150 000 M. könne als Maßstab für den von den Kaligrubenkapiialisten erhofften Profit betrachtet werden. Nun kommt schon die Rechnung, nicht nur für daö hübsche Triiikgeld, sondern für die ganze staatlich gesicherte Syndikatspolitik überhaupt. Auch die Börse quittierte bereits! Am Sonnabend gestaltete fich da? Geschäft am Markte der Kaliwerte äußerst stürmisch. Di« Erwartung oils da« Profitschutzgejctz in Verbindung mit der bereit« angelündigten Preiserhöhung ließ die Preise der Kalipapiere in die Höhe schnellen. Die Regierung hat wieder mal gezeigt, daß baS Wort: meine Herren, wir arbeiten ja nur für siel seine vollgültige Berechtigung hat._ Zur Frage eines Bcrgarbeiterstrciks schreibt die„Köln Ztg." u. a.: „ES wird viel davon abhängen, ob die Organe des neu geschaffenen ArbeirsnachiveiseS sich mit Takt und Geschick in die schirnerige Aufgabe hineinzuleben wissen. Kommen hierbei Ungeschicklichkeiten vor, so ist hje Möglichkeit von Teilausständen nicht ausgeschlossen. Für einen großen allgemeinen Bergarbeiterausstand liegen dagegen die Voraussetzungen augenblicklich und noch auf länger hinaus so ungünstig wie möglich. Bei den Zechen sind noch immer beträcht- liche Vorräte an Kohlen und KokS vorbanden. Ein allgemeiner Streit würde unter diesen Umständen schon sechs bis acht Wochen dauern müssen, bevor er anfangen könnte, sich bei der Kohlen- Versorgung fühlbar zu machen. DaS weiß nian wohl auch ziemlich genau in Arbeiterkreisen, und die Verhandlungen iin Reichstage haben, wie gespannt hier und da die Lage auch sein mag, doch wohl soviel ergeben, daß die Neigung, in nächster Zeit eine große Ausstandsbewegung einzuleiten, ziemlich gering ist." Von einem augenblicklichen Streik raten die Arbeiterführer ja auch ga»z entschieden ab. Deutschlands Ausienhandek. Nach der im„ReichSanz." veröffentlichten Uebersicht über die Ausfuhr und Einsuhr der wichtigsten Warengatwngen in und aus Deutschland betrug die Einsuhr seit Anfang dieses Jahres bis Ende November dieses Jahres 573,65 Millionen Doppelzentner gegen 555.75 Millionen im gleichen Zeit- räume des Vorjahres. Die Ausfuhr erreichte eine Höhe von 438,10 Millionen Doppelzentner gegen 413,31 Millionen Doppcl- zentner im Vorjahre. BetricbSeinschrSnkung. Der Verein der Baumwollspinner Oesterreichs sprach sich in einer AuSschnßsitzung für Erhöhung der Betriebseinschränkung von 16 auf mindestens 25 Prozent aus. Gebieter über Milliarden. Pierpont Morgan, der erst vor wenigen Tagen die Kontrolle über die Equitavle sich gesichert hatte, erwarb verschiedene unabhängige Telephongesellschasten in den mittel- westlichen Staaten und traf ein Abkommen zwischen der American Telephone and Telegraph Company, deren Kapital jetzt eine Milliarde Dollar beträgt, und den Fcrntelephongesellichaften. Vor einiger Zeit hatte Morgan die United States Long Distance Telephone Company aufgekauft, und der Ankauf der wenige» noch nicht der Kombinatip» angehörigen Gesellschaften vereinigt nahezu das ganze Telegraphen» und Telephvnsystem in den Händen Morgans und seiner Ver- bündeten. Der Trust besitzt vier Millionen Telegraphenstationen und Telephoaanschlüsse. Das Kapital beträgt 1350 Millionen Dollar. Literarircbee. Hermann Fleißncr. Sozialdemokratische Geineindepolitil in Dresden. Verlag von Kaden u. Co. Preis 1,25 M. Das Heft, das die Tätigkeit der sozialdemokratischen Gemeinde- Vertreter Dresdens vom Jahre lS06 ab schildert, soll einen Beitrag zur großstädtischen Gcmeindepolitik bilden, es beschränkt sich nicht auf die Rolle eines bloßen Reclicnschaftsberichls, sondern will auch den Genossen in anderen Gemeindevertretungen Anregungen geben. Zweifellos werden wir. wenn auS allen großen Städten derartige Schilderungen vorliegen, im Laufe der Jahre zu einem Sammelwerk gelangen, da» ein anschauliches Bild sozialdemokratischer Arbeit in den Gemeindevertretungen liefert und das Märchen, als ob die Sozialdemokraten keine positive Arbeit leisten, gründlich zerstört. Ebenso wie die dem gleichen Zwecke dienenden Arbeiten über die Tätigkeil unserer Berliner, Münchener und Hamburger Genossen liefert auch die vorliegende Arbeit einen vollgültigen Beweis für die gewichtige Rolle, die die sozialdemokraiiichen Gemeindevertreter spielen. Auf allen Gebieten macht sich ihr Einfluß bemerkbar, alle Zweige der kommunalen Verwaltung werden allmählich von sozialem Geiste erfüllt; ihre Anregungen, zuerst ver- spottet, verhöbnt und von der Mehrheit niedergestimmt. brechen sich Bahn und werden schließlich von den früheren Gegnern selbst aufgenommen, die sie dann als„ihre" Leistungen in die Welt hinausposaunen. Speziell in Dresden sind unter anderem, wie F l e i ß n e r aklenmäßig darlegt, die Maßnahmen zur Speisung und Untersuchung von Schulkinder», die Maßnahmen zur Umerstützung Arbeitsloser, zahlreiche Maßnahmen ans dem Ge- biete städtischer Arbeiterpolitik und anderes mehr auf sozialdemo- kralijche Initiative ziirückzuflibren. Selbst Gegner, die sich ein freies Urteil belvahrt haben, werden nach Durchsicht der Schrift zu der Ueberzeugung kommen müssen, daß die Tätigkeit der sozialdemokratischen Stadtverordneten der Kommune zum Segen gereicht hat. Es würde zu weit führen, wollten wir an dieser Stelle auf Einzelheiten eingehen. Nicht nur unsere Gemeindevertreter in den sächsischen Kommunen, speziell in Dresden, werden aus dem Heft An- reguiigen schöpfen, sondern auch für unsere Genossen in außer- sächsischen Gemeinden bietet eS eine Quelle der Belehrung und Er- Weiterung ihrer Kenntnisse. Als Anhang sind dem Heft beigegeben das Ortsstatut über das Dresdener Stadtverordnetenwahlrecht und die Bestimmungen über die Erwerbung der sächsischen Staatsangehörigkeit.?. B. Der rotlchlag im Scheunenviertel. Die Beweisaufnahme»n dem Prozeß gegen den Schlächter Theodor Grabowski wegen Tötung seiner Ehefrau wurde gestern nach zweitägiger Pause fortgesetzt. Die Zeugin Rödler, gegen welche in der Dienstagssitzung unter Ausschluß der Oeffentlichkeit festgestellt worden war. daß sie in ihrer Wohnung mit ihrem früheren Geliebten Hühnerschlachtungen>u perversen Zwecken vor- genommen hatte, trat nochmals an den Zeugentisch und bezeichnete die dahin gehenden Fragen des Rcchtsanivalts Bahn als lächerlich. Sie sehe jetzt aber ein, daß die Sache sehr ernst sei und müsse mit aller Energie dagegen protestieren, daß sie hier als„Mörderin" hingestellt werde. Die Verteidigung protestiert gegen diese Er- tlärung. da eine Zeugin kein Recht habe, das pflichtgemäße Ver- halten der Verteidiger zu kritisieren. Als Zeugin wird hierauf ein Fräulein Zeisig vernommen. welche bekundet, daß sie in der Nacht vom Donnerstag zum Freitag, also in der Mordnacht, gegen 1 Uhr die Zeugin Rödler mit einem Herrn in das Haus Rückerstr. 6c habe hineingehen sehen. Sie er- klärt aber ausdrücklich, daß sie sich bezüglich des Tages nicht ganz sicher sei. Es werden sodann die Sachverständigen vernominen. Medizinalrat Dr. Hoffmann gab folgendes Gutachten ab: Als Grabowski im September 1803 das erstemal in das Untersuchungsgefängnis eingeliefert wurde, sei ihm nicht das geringste an der geistigen Verfassung des G. aufgefallen. Erst im Januar« 1804 sei dann bei G. ein Verwirrungszustand eingetreten, dem zwei Tage später ein Tobsuchtsanfall gefolgt sei. Grabowski sei deshalb seinerzeit der Irrenanstalt überwiesen worden. Im Mai dieses Jahres sei GrabowSki von der Irrenanstalt in das Unter- suchungsgefängnis zurücktransportiert worden. Er sei hier sehr leicht erregbar gewesen und habe wiederholt Weinanfälle gehabt. Der Sachverständige resümiert sein Gutachten dahin, daß Gra- bowski ein Mensch mit einem etwas labilen Geisteszustand sei, bei dem Affekte erheblich größer und schwerer austreten, als wie bei vollwertigen Menschen. Der Z 51 sei jedenfalls in dem Augenblick der Tat als nicht vorliegend anzusehen. Auf Fragen der Rechts- anwälte Morris und Bahn erklärt der Sachverständige, daß nach dem ganzen objektiven Befunde die Annahme eines Lustmordes nach seiner Meinung völlig ausgeschlossen sei. Der Oberarzt Dr. Falkenbcrg-Dalldorf begutachtet, baß Gra- bowski damals, als er der Irrenanstalt überwiesen worden sei, eine Reihe geistiger und körperlicher Entartungen aufgewiesen habe, die in Verbindung mit dem Wesen des G. das Vorliegen einer Geisteskrankheit bestätigten. Zur Zeit der Tat könne aber jedenfalls von einer Anwendung des ß 51 keine Rede sein.— Geheimer Medizinalrat Dr. Zander bezeichnet den Angeklagten als einen Menschen, der schon von Haus aus von schwachem Geist sei, sehr leicht erregbar und dann wie ein großes Kind sei. Auch nach Ansicht dieses Sachverständigen sei die Annahme, daß zur Zeit der Tat Geisteskrankheit vorgelegen habe, durch nichts gerechtfertigt. Diesem Gutachten schließt sich auch der Oberarzt Dr. Schnlz-Buch an, der den Angeklagten als einen in seiner Naturanlage de- generierten Menschen bezeichnet. Der letzte Sachverständige, Medizinalrat Dr. Stoermet, ist nach längerer Beobachtung des Grabowski zu dem Schluß gekommen, daß dieser ein degenerierter und leicht zu Affektshandlungen neigender Mensch ist. Zu längeren Auseinandersetzungen zwischen Staatsanwalt- schaftsrat Merschberger und den Rechtsanwälten Morris und Bahn kommt es infolge des von den letzteren gestellten Antrages, die Zeugin Rödler wegen des Verdachts der Mittäterschaft nicht zu vereidigen. Die Verteidigung vertritt den Standpunkt, daß nach dem Ergebnis der bisherigen Beweisaufnahine, insbesondere nach den Feststellungen bezüglich des perversen Verkehrs in der Wohnung der Rödler, der Verdacht immer noch nahe liege, daß es sich um einen aus sadistischen Motiven heraus verübten Lustmord handele, dem die Zeugin R. vielleicht nickt fernstehe. Das Gericht nahm an, daß ein Verdacht nach dieser Richtung völlig unhaltbar sei und beschloß die Vereidigung dep Zeugin Rödler. Die Beweisaufnahme wurde gegen 5 Uhr geschlossen. Die an die Geschworenen gerichteten Sckjuldfragen lauteten auf Totschlag und Körperverletzung mit tödlichem Ausgange. StaatSanwaltschaftsrat Merschberger führte in seinem Plai- doycr unter anderem aus, daß die jetzt zur Anklage stehende Straf- tat seinerzeit vor 6 Jahren großes Aufsehen erregt habe, und daß es erst jetzt möglich sei, eine Sühne eintreten zu lassen. Der da- zwischen liegende lange Zeitraum sei insofern von ungünstiger Wir- kung gewesen, weil viele der Zeugen sich auf wesentliche Punkte ihrer damaligen Wahrnehmungen nicht mehr zu besinnen ver- mögen. Nach einer ausführlichen Würdigung der einzelnen Mo- mente der Beweisaufnahme kommt der Vertreter der Anklage zu dem Antrage, die auf Totschlag lautende Schuldfrage zu bejahen. ES folgten die Plaidoyers der Rechtsanwälte Morris und Bahn, welche die Freisprechung des Angeklagten mangels aus- reichenden Beweises, bezw. nur Verurteilung wegen Körperver- letzung mit tödlichem Ausgange beantragten. ßnefhaften der Redahtion. rl« luriftttche Sprechstunde findet Ltndenstraste 8,«weiter Hof, drlttcr kkingana, virr Treppen, MM" F a b r ft» i l wochentöglich abend» Don 7>4 bis Sii Udr statt. G-itssne« 7 Uhr. SonnadendS bcatunt die Sprechstunde um 6 USr. Jeder Ausrase ist ein Buchstabe und eine Zahl als Merfzetcheu«rizusstaen. Brieflich« Antwort wird nicht rrtcilt. BlS«ur Beantwurtun» im vrteflaftc» könne» 14 Tag««ergehen. Eilig« Fragen trag« man in p«, Sprcchftnnd« dar. I. K. 10. iN. 4S. Ja.— Steglitz. Liegt die Sache so wie Sie sie darstelle», dann sind Sie zur Abnahme und Zahlung des Klaviers nicht Beipflichtet, well Sie einen Austrag«um Kausen für St« nicht erteilt haben. Auch Ihre Frau ist nicht zahIungsverpsUchtet. weil sie durch unwahre Angaben zum Kausabschlutz veranlaßt ist.— I. B. 30. 1. Ihre Frau kami und sollte jetzt noch gegen den VollstrcckungSbesehl Einspruch erheben, wenn er ihr»och nicht«ugeslellt ist. 2. und 3. Nein.— Max 14. 1. Bis«u seiner Aushebung. 2. Besser ist es zu hinterlegen. 3. Ja. 4. Nein. —e Zwangserziehung kann bis zur erreichten Krobjährigkeit sestgesetzt werden. Wenden Sie sich wegen srüherer Entlassung an den Maglstrat, Waisendepniation, uno an da» Amtsgericht, weiches die Zwangserziehung angeordnet hat. — F. S. 5. Un« nicht bekannt.— O. H. 1885. Ja, aber nur sür die Verbesserung.— Tcmp. Wtlm. Bis zum 1. Juli war Mietsstempel sür Miete unter 300, seit dem 1. Juli sür solche rmter 360 M. nicht zu cut- richten. Verlangen Sie Rückgabe des zu Uniccht erhobenen Betrages— R.®. 15. 3 M. sind zu zahlen.— Bs. Sch. 33. Ja. Lasse» Sie fich vom Arzt bescheinigen, dag die Wohnung oeiundheitSgesährend ist und retchen Sie dies Attest tzusammen mit der Klage beim Amtsgericht aus Aushebuiig de« Vertrages und aus Schadenersatz) mit der Bitte ein, einen mögltckst nahen Termin anzuberaumen.— H. I. 100. Wegen Gerichts- kosten ist der Arbeitslohn nicht pfändbar, nur wegen Steuern und Alimente. — P. 8t. 2 a. Unseres ErachtenS hätte eine Klage aus Schadenersatz AuSiicbt aus Erfolg. Zuständig ist das Amtsgericht.— A. 8t. 35. Die Fran ist keineswegs verpstichlet, fich scheiden zu lassen. Kann sie die an- gesührten Tatsachen beweisen, so empfiehlt es sich, gegen den Ehemann auf Zahlung von Alimenten sür sie und ihr Kind zu klagen.— Wilhelms- bruch 81. S. 23. Die Eheichetvungstlage würde nicht durchdringen, möglicherweise aber eine Klage aus Anfechtung der Ehe. Diese mühte aber innerhalb sechs Wochen nach Kenntnis des von Ihnen erwähnten NmftandeS angestrengt werden.— Steglitz 110. Teilen Sie der Firma direkt mit, dah Sie, wie Sie dem Rciienden bereits mitgeteilt haben, die Waren nicht annehmen. Sie sind zur Annahme und Zahlung nicht verpflichtet, weil Sie unter Vorbehalt gekatlst haben.— F.W. 11. Der Antrag ist bei dcr-jenigen Versicherungsanstalt zu stellen, die aus der letzten VerstcheruitgSkarle verzetchnet steht.— G. L. 102. Nicht Sie, aber Ihr Vater töiuite Ihr« Brüder zur Unterstützung heranziehe». Diese sind aber nach dem Gesetz nur soweit zur Unterstützung ihres Vaters verpsiichtet, als sie ohne Beetnträchtigung ihres und ihrer Fainilte standeSgemähen Unterhaltes hierzu in der Lage sind. — P. St. 98. 1. Da die Sache keineswegs durch Zahlung der Kosten erledigt ist, so ist zur Zahlung nicht zu raten. 2. In dreihig Jahren. — Kaiserdami». 1. Die Klage hätte wenig Aussicht aus Ersolg. Bau- polizeiliche Vorschriften, die die» oerbieten, sind uns nicht bekannt. 2. Leider nein. Ste können von dem Verlrag nur mit Einwilligung des Vermieters zurücktreten.— F> B. 80. Die Bescheinigung über den Austritt Ihres Vater« würden Sie vom Amtsgericht Waldenburg erhalten, mühten aber das Datum angeben. Nack herrschender Ansicht ist dieser Austritt sür Ihre eigene Stellung unerheblich. Hie mutzten also selbst aus der Landeskirche austreien. Die Bescheinigung über den Austritt Ihre« Vater» ist hierzu nicht erforderlich.— G. S. 32, Bayern. 1. Ja. 2. Werden Sie Preuhe. — P. 18. Nur die Klage oder Anerttennung unierbricht die VerjähiungS- srtst. Für die Klage ist bis zu einem Obfekt von 300 M. das Amis- aericht, sür ein höheres Objekt das Landgericht zuständig.— H. 100. Weder Sie noch Ihr Sohn ist zuin Ersatz des Werkzeuges verpflichtet. Ihr Sohn wäre es nur dann, wenn ihm nachgeivlesen wir», dah der Verlust. durch seine Fahrlässigleit he-rbeigesührt ist. — M. 1875. 1. Die srüheren Vorfälle tönntcn zwar in der Klage an- geführt werden, würden aber zur Ehescheidung nicht ausreichen, da als Ehe- icheidungsgrund nur geltend gemacht weiden kann, was innerhalb verletzten sechs Monate geschehen oder zur Kenntnis deS klagenden Teiles gelangt ist. Können Ste den Ehebruch nachweisen, so würde der Klage stattgegeben werden. 2. Die EH-jcheidungSllaae ist bei dem Landgericht anhängig zu machen, in dessen Bezirk der Ebcmaiin ivohnt. Dieser Klage mutz ein Sühneversnbren vor dem Amtsgericht desselben Bezirks.vorausgehen. Erst wenn der Sühuelerniin sruchtlos auSgetalien ist, kann dt« Klage erhoben werden. Betreiben Sie also zunächst das Sühneversahren. 3. Um das Armenrecht zu erlangen, wenden Sie sich— am besten erst nach sruchtlosem AuSsall de» SühneterniinS— an den ArmenrommisfioiiSvorsteher mit dem Antrag, Ihnen zu bescheinigen, dah Sic die Kosten des Prozesses zu tragen nicht vermögen. DaS Attest hierüber reichen Sie dann zusammen mit dem Attest über dieFruchtlosigkel! des SühncterminS demLandgcrichiS ein, legen denSach- verhalt und die Beweismittel dar und beantragen, Ihnen daS Armenrecht zu erteilen. m m WM vlaeneTage Geöffnet bis 10 Uhr abends• Sonntag geöffnet von 12 bis 8 Uhr In dieser Woche während der 6 goldenen Tage bei Einkäufen d�e Spielwaren Kaufläden.... 48, 95bi.12.oo Festungen,... 48, 95bi.10.oo Handwerkskasten 48, 95 pr. Schaukelpferd SlofTbezus, ca. 60 cm J ne hoch.............. �«20 Säbel 25, 48, 95 pr. Trommeln48,95pf. Puppenwagen 2.85 Kaffeeservice»«tau................ 48, 95 Stickkasten......................... 48, 95 pf. Kochmaschinen............ 48, 35 b.. 10.00 Elektr. Eisenbahn SSLartl-B Baukasten 48, 95, L45 m.6.m Blech-Hansrat..... 48, 95 n. Beumschmuck-Pfefferkuchen-Baumlichte Puppen 8e™6'48>95bi.10.oo angekleidet.. 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Hausnummer:, Staad:. ' Lerantwortii�er' iHcbaftem: Nichard Barth, Berlin. Für dengnseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Lerlag:Borwartz�Buchdruckerei u. BerlagSanstalt Paul Singer ±<£oH Berlin SW, |i. 296. 26. Zahrgaug. 2. Mm Ks Jotniärtf Sttiin« Pollislilalt Souittg, 19. Jtjmtti 1909. MMHÄlllchkr Aochenbencht. Berlin, 13. Dezember 190S. (Hausse am Baumwollmarkt— Einfuhr und Einfuhrwert— Spckulantciiwüiifchc— Börfcnmache— Die betrogenen Konsumenten— Schädigung der Arbeiter— Produktionskosten. Die intenmlionale Vereinigung der Baumwollspinner hat den Versuch gemacht, durch planmäßige Einschränkung in dem Verbrauch von Rohmaterial der von der New Aorker Baumwollbörse be- triebenen Preistreiberei entgegenzuarbeiten. Bisher ohne Erfolg I Trotz erheblicher Produktionseinschränkung ist die nach oben gerichtete Preisbewegung noch nicht zum Stillstand gekonimen. In der� letzten Zeit gingen die Preise vielmehr wieder recht kräftig hinauf. Die nachfolgende Tabelle veranschaulicht die Eiriwickelung in der Ver- gleichung des 1. und 3. Quartals der beiden letzten Jahre. An der Bremer Börse notierte Middling Upland pro Doppelzentner in Mark: 1908 1999 Januar..... 121,26 96,35 Februar..... 119,14 96,83 März...... 113,08 96,42 August..... 106,96 126,46 September.... 100,23 133,20 Oktober..... 95,08 138,13 Während im vergangenen Jahre der Preis nach dem Jahres» schluß zu immer weiter zurückging, so daß zwischen Januar-Oktober eine Spannung von 26,18 M. bestand, haben wir im laufenden Jabre das umgekehrte Verhältnis. Der Preis ist ganz enorm in die Höhe geschnellt. Im Oktober war er um 41,73 M. gleich 43,3 Proz. höher als im Januar. Diele Verteuerung des für unsere Textilindustrie unentbehrlichen Rohmaterials rückt erst in die rechte Beleuchtung, wenn man sie in Verbindung bringt mit den Verbrauchsmengen. Für die Einsuhr Deutschlands an Rohbaumwolle ergeben sich folgende Zahlen: Menge Wert überhaupt pro Tonne in Tonnen in 1000 M. Mark 1905.. 402 858 393 215 988,5 1906.. 390 203 445 279 1141,5 1907.. 476 419 551 431 1157,4 1903.. 449 123 476 534 1061,0 Für das laufende Jahr wird die Wertsumine trotz des niedrigen Preise« in den ersten Monaten über die vorjährige sicher hinaus- gehen. Berücksichtigt man die Einsuhr im Monat Oktober, so ergibt sich für dieses Jahr, gemessen an dem Durchschnittspreis im gleichen Monat 1908, eine Mehrausgabe von 12� Millionen Mark. Nun war die Preissteigerung aber im Oktober noch nicht abgeschlossen. Zurzeit notiert Baumwolle noch um zirka 12 M. höher als im Oktober. Und nach dem Willen des Spekulanten Patten, des Haupt- treiberS an der Börse in New York, soll der Preis über den jetzigen Stand noch bedeutend hinaus getrieben werden. Nach seiner Anficht dürfte er auf über 200 M. pro Doppelzentner steigen. Die Spekulation gründet sich auf eine für die Hausse günstige Ernte, die angeblich nicht ausreichen soll, um den Weltbedars zu decken. Der Ertrag der diesjährigen Ernte in den Vereinigten Staaten wird auf rund 11 Millionen Ballen angegeben, gegen 13'/« Millionen Ballen im Vorjahre. Die letzte Ernte bleibt noch um etwas hinter der des JahreS 1907 zurück, während die vorjährige Ernte der des Jahres 1906 entsprach. Nkan weiß aber nicht, wie groß die Mengen sind, die aus spekulativen Gründen künstlich.ver- steckt" werden. Die verminderte Ernte in Verbindung mit den Machinationen der Großspekulanten war der Nährboden für eine selten wilde Bamnwollhaulie. Bor einigen Wochen, als in New Jork daS Pfund Baumwolle erst 0,1444 Dollar kostete gegen 0,092 Dollar im Jahresdurchschnitt 1908 und 0,1150 Dollar im Jahre vorher, sollen vier Hauptmatadore der Preistreiberei bereits zirka 70 Millionen Mark„verdient" haben. Und diese Nepiäsentaiiten der göttlichen Weltordnung rechnen darauf, den Preis bis auf 0,2 Dollar hinauf- treiben zu können. Untelstcllt man, nur der zehnte Teil der Ernte werde zu einem solchen Preise verkauft werden können, so resultiert daraus, gegenüber dem Satz von 0,1444 Dollar, eine Einnahme- steigerung von zirka 80 Millionen Dollar. In den jetzigen Vorgängen am Baumwollmarkt spiegelt sich recht drastisch die Widersinnigkeit und Gemeinschädlichkeit der kapitalistischen Wirtschaft. Daß bei schlechter Ernte die Preise steigen, ist man ja gewöhnt. Und im allgeineinen wird in solchen Fällen die Mehr- belastung der Konsumenten nicht als Plünderet betrachtet. Der Konsument sagt sich, da die von dem einzelnen Produzenten erzielte Erntemenge geringer ist, muß der Preis für die Einheit steigen, damit der Landmann existieren kann. So weit, so gut I Was aber spielt sich hier vor unseren Augen ab? Leute, die mit der Produktion wenig oder gar nichts zu tun haben, kaufen die gesamte Ernte oder eine bedeutende Menge davon auf und entziehen das Quantum für einige Zeit dem Markte. Sie halten mit dem Angebot zurück. Da- durch wird der Schein erweckt, als könne der Bedarf nicht befriedigt werden. Die Nachfrage gestaltet sich dringlicher, der Preis schnellt in die Höhel Ja, um die Meinung stürmischen Begehrs bei man- gelnden Vorräten und zurückbleibendem Angebot zu erwecken, treten die Haussespekulanten„verdeckt", das heißt durch Hintermänner selbst als Käufer auf und erzielen so das gewünschte Höherrreiben der Preise. Dabei werden Millionen„verdient". Und solche Ver- dienste schafft nicht nur die Spekulation mit Baumwolle, sondern auch mit Lebensmitteln, wie überhaupt' mit jeder Ware. Wie jetzt durch die Hausse am Baumwollmarkt, erraffen die Spekulanten je nach Gelegenheit durch künstliche Verteuerung von Getreide, Metall usw. ungezählte Millionen. Die Leute, die durch solche Praxis die notwendigsten Bedarfsartikel und LebenSniittel verteuern, stehe» zu den Produzenten gewöhnlich in demselben Verhältnis, wie zu den Konsumenten: beide Gruppen sind für sie nur die Objekte ihrer Plündereien. Nicht die wirklichen Produktionskosten bestimmen den Preis der Ware, den diktieren die Börsenjobber. In manchen Fällen sind allerdings die Spekulanten und Produzenten identisch, oder die beiden Jnteressentengruppen arbeiten Hand in Hand. Die Beute wird geteilt. Immer ist der Konsument der Kostendecker, der Betrogene. Der konkrete Fall hat für die eigentlichen Produzenten, die Arbeiter, aber auch noch ein besonderes Interesse. Durch die Machinationen der Spekulanten kommt naturgemäß ein Moment der Beunruhigung auf, das sehr leicht den Beschäftigungsgrad ungünstig beeinflußt. Der Arbeiter wird als Produzent geschädigt. Als solcher interessiert ihn auch die Gestaltung der Produktionskosten. Die obigen Angaben über Mengen und Wert der Einfuhr illustrieren. wie stark die Robmaterialpreise die Selbstkosten der Unternehmer beeinflussen. Obwohl zum Beispiel im Jahre 1906 die Einfuhr gegen das Vorjahr um 3 Proz. gesunken war, mußte ein um 12 Proz. höherer Betrag dafür gezahlt werden. Unterstellt man die Menge des Jahres 1905, dann trat im Jahre 1906 eine Verteuerung des Roh- Materials um rund 50 000 000 M. ein. An dem Preisstande des Jahres 1905 gemessen, war da» Produkt im Jahre 1907 um rund 80 000 000 M. verteuert. DaS ist mehr, als eine Lohnerhöhung von 15 Proz. für sämtliche Textilarbeiter Deutschlands aus- machen würde. Die Baumwollspinner stellen aber nur einen Brucbteil der gesamten Textilarbeiterschast. Für jene allein macht die Materialverteuerung ein Mehrfaches deS Lohnes aus. Wenn solche Summe an ein Grüppchen Spekulanten gezahlt werden muß, dann geht das; nichts hört die Welt von Untergrabung der Existenzfähigkeit der Industrie I Wenn aber die traurig entlohnten Textilarbeiter ein paar Pfennige mehr Lohn verlangen, oder wenn gar nur die Arbeits« zeit des weiblichen Personals um Vz Stunde verkürzt werden soll, dann sind sich die Unternehnier hüben und drüben einig in dem Urteil: die Gewährung der Wünsche macht jede Rentabilität unmög- lich I Die kapitalistische Logik hat sehr oft ein Loch; mit fast absoluter Sicherheit jedesmal dann, wenn es sich um soziale Fragen, um Arbeiterforderungen handelt! D. Versammlungen. Eine Presserversammlung der Luxuspapierbranche nahm im Gewerksckiaftshaus« Stellung zu einem neuen Vronzeheißdruck- Vergoldeverfahren, welches nach seinen Erfindern berufen sein soll, eine gänzliche Umwälzung in der Preßvergoldung hervorzurufen, da es die Vergoldung mit Blattmetall ganz ausschalten will. Begünstigt wird die Einführung des neuen Bronzeheißdruck- Verfahrens dadurch, daß nicht die Anschaffung neuer Maschinen notwendig ist, sondern die alten Kniehebelpressen hierzu um- montiert werden können. In der zirka dreistündigen sehr leb- haften Diskussion war man allerdings recht geteilter Ansicht über die Zukunft dieses neuen Verfahrens. Während von der einen Seite die nach dem neuen Verfahren gepreßten Ansichtskarten als Ramschware bezeichnet wurden und man es nur als eine Frage der Zeit betrachtete, daß diese Maschine samt dem neuen Verfahren„in die Ecke gestellt" lvürden, was sogar jetzt schon vorgekommen ist, wies man von der anderen Seite auf die vor- liegenden mit Blattgold und Bronzedruck vergoldeten Ansichts- karten hin, welche wohl von Fachleuten, schwerlich aber von einem Laien mit den nach alter Manier hergestellten auseinander- gehalten werden können. Völlige Uebereinstimmung herrschte jedoch darin, daß es bei der jetzigen Konstruktion der Maschinen ausgeschlossen sei, einem Presser oder gar einer Presselin zu- zumuten, dauernd an derselben zu arbeiten, denn die Bronzestaub- entwickelung ist so stark und die gesundheitsschädigenden Ein- Wirkungen sind so schwere, daß man mit aller Entschiedenheit sich hiergegen wehren müsse und selbst vor den äußersten Konsequenzen nicht zurückschrecken dürfe. Nicht aber bloß die an diesen Maschinen Arbeitenden, sondern alle in demselben Raum Beschäftigten haben unter dieser Staubentwickelung sehr zu leiden. Es muß deshalb von der Gewerbeinspektion wie auch vom Polizeipräsidenten ein schleuniges Eingreifen hiergegen gefordert werden. Als warnendes Beispiel gab eine Presselin ihre Erfahrungen zum besten, die schon nach einer Beschäftigung von zirka zwei bis drei Wochen an solcher Akaschine fast fünf Monate der Erholung bedurfte, um ihre durch den Bronzestaub zerrüttete Gesundheit wieder her- zustellen. Stachdem man eine fünfgliedrige Kommission gewählt hatte, die sich mit der gesamten Materie eingehender befassen soll, gelangte folgende Resolution zur einstimmigen Annahme: „Die im Gewerkschaftshause tagende Presserversammlung ist nach reiflicher Aussprache über das neue Bronzedruck- verfahren der übereinstimmenden Ansicht, daß die jetzige Arbeits- Methode und Konstruktion der Maschinen durch starke Bronze- staubentwickelung eine schwere gesundheitliche Schädigung nicht bloß für die an diesen Maschinen Arbeitenden, sondern für alle in diesen Räumen Beschäftigten bedeutet. Sie fordert deshalb nachdrücklich alle Branchenangehörige» auf. dahin zu wirken, daß die gesundheitlichen Schädigungen dieser neuen Technik durch bessere Konstruktion der Maschinen, abgeschlossene Räume für dieselben, Verbot jeder Frauenarbeit, achtstündige Arbeitszeit, gute Ventilation, Lieferung von Milch und alkoholfreien Getränken, Schaffung genügender Reinigungs- golegenheit(Badegelegenheit usw.) dahin zu wirken, daß die gesundheitlichen Schädigungen möglichst ausgemerzt werden.- Pelerinen für Herren and Damen 24.- 18.- H 15.— 12.- H 10.- 0.- H □ Joppen Edite PchAittw 45,- 30.- n 27.- 15.- M. Chausseestraße 29-30 □□ 11 Brückenstraße 11 □□ Gr. Frankfurterstr. 20 □□ Schöneberg, Hauptstr. 10 Schenket nützliche Kleidungsftücke! Schlafröcke Paletots a. 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Thalia-Theater. 3.MlelIuna b, v, d und k. Abteilung a, bi Jugend. Nesidenz-Theater. 4. Abteilung o, e: Musott«. Lessina-Thialert 6. Abteilung a, b, o, d; Hannelc» HImmelsahrt. Montag, 20. Dezember, 8 Uhr: 17.(IV.) Abendabteilung tm Neuen Schauspielhaus: Das Exempel. Neue Frei« Boltsbühne. nachm. 2'/, Uhr im: Tcuische» Theater: Kabale und Liebe. ttamuicriptelhauS: Major Barbara. Nachm. S Uhr: Hekbel-Thcaler: RcvoluttonSbochzeii. Berliner Theater: Doktor Eisenbart. Schiller-Theater 0.: Die Welt, in der man sich langwellt. Schiller- Thealer Lharlotienburg: Macbeth. Kleinen Theater: 2 XL s S. grirdr-Wilhelmslädt. Schauspielhaus: Othello. Neuen Theater: Sickermann. Neue» Öpercitcn Ztgrunerbaron. Metropol> Theater i fchreibrr. Theater t Der Die Kreuzel- L Uhr: Tantris der Narr. Montag, S Uhr: Bor aufgang. Dienstag, 2 Uhr: Narr. Sonnen« Tantrt» der berliner Tliester. Nachm. 3 Ubr: lZobiDe Cieondaet. Teutl Uhr: Ms FM. iieues Theater. Abend» 8 Uhr: Ein königlicher Spaß. Morgen und folgende Tage: Gin königlicher Spast. 1\mW des Westens. 8 Uhr: Die geschiedene Frau. Mittlv., So»nab.4U.: S>eu>r«,slpotsr. Sonntag U'U Uhr: Ein Waliartraum. Kenea OpArrttcn-Thcater. Schiffbauerdamm 25, a. d Luitenffr. Nachm. 8 Uhr: 0»e Z!Igeunoed«r«n. Heule und folgende Tage 8 Uhr: Zliü»»«liAlaaAli. folks-Oper. SW., Belle-Alliance-Sirahe Nr. 7/8. Nachm.'Ii* Uhr bei bedeutend er- mätzigten Preisen: Ver Freischütz. Abend»'/iL Uhr: UndtllC ResidenzWer Dtrektion: Richard Alexander. AbendS 2 Uhr: Im Taubenschlag. Schwan! in 3 Alten von Hennequin» und Peber. Morgen und folgende Tage: Dielelde Borstellung. Luisen-Theater. Nachm. 8 Uhr zu ermäßigt. Preisen: Gib mich frei. Schauspiel in 8 Mten nach einer Er- Zählung von H. Eourths-Mahler von Ernst Nitteüeldt. Abends 8 Uhr Premiere t Die Ketst ins dir«rde i» 8t> Salles. Große» AuSstallnngZftllck mit Gesang und Tanz von d'Ennery n.J. Verne. Montan: Dieselbe Vorstellung. OSk-THeATC Urania. Wissenschaftliches Theater. 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Dazu die geeemten Attrahlionen Otto Jteutter. ------ La Pia— in Ihrer Szene„Der Wellen Geist1'. Merlau» Hunde- Theater: „Entführung d. Salome-Tänzerin"j gespielt von 42 Hunden und die auserlesenen Sterne am Dezember>lllinmel dei Wintergartens. Orofee Srantsucltr Str. 182. Ans. 8 Uhr. Ende 11'/. U. Faust. Der Tragödie erster Teil von Goethe. —'- ist. Retcbsiiallen-Theater. Stcttlner Sttnger Sunt S ch l u h: Der Nachtwachte» von Zerpcnschleuse. 8tudcntendild v.P. Aoztsel Anfang: Wochent 8 Uhr. Sonntag» ? Uhr. Sonntag, 26. Dezember 1909 »enefiz Der grSvte lerrnf cid-erfolg! „So muß man's machen" Burlesk« mit Gesang in zwei Alten, Musik von L. Jtal, mit den Autoren Anton und Donat Herrnfcld M den Hauptrollen.— Hierzu: Diu rLettunxsmittel Komödie w 1 Alt von Ludwig Huna. Llnsang 8 Uhr. Berverkaus 11-2 Uhr Theaterkasse. i�vDilKvi'-ViAvntvi'. 8�U?r: Sctilller-Thdatee 0.(Wallner-Theat.) Sonntag, nachm 3 Uhr: vie Walt, in da» man«ich langweilt. Lustspiel in 5 Auszügen von Edouard Pallleron. AM- Ende S>/, Uhr. Sonntag, abends Mio Hobbs. Lustspiel In 4 Auszügen von Jerom« K. Jerome. Deutsch v. W. Wolter». nmr Ende 10-/. Uhr. Montag. adendS S Udr: Der iSourrur der Treue. DianStag, abeno» 8 Uhr: Seapenater. Schiller-Theater(Charlottenburg). Sonntag, nachm. 3 Uhr: Macbeth. Trauerspiel in fünf Auszügen von William Shakesvcare. Ende S'/, Uhr.—" tag, abends H tibeli» Te». Sonntag, abends 8 Uhr: Schauipirl in 5 Auszügen von Friedrich Schiller. Ende 10*/. Uhr.-Hdch Montag, abend» 8 Uhr: HValteustetn» Tod. DtenZiaq. abenss 8 Uhr: •Jungfer Obrigkeit. Deutscher Arbeiter-Sängerbund Gau Berlin und Umgegend. □ □ □ □ Sonnabend, 25. Dezember 1909 (1. Weihnaohtsfeiertag)! Matinee gg in der„Brauerei Friedrichshain" (früher Lipps), am Königetor. Mitwirkende: Männer-Gesangverein„LIBERTE" Dirigent: Herr Joseph. Alexander SCHIRMANN (der russische„STRAMAS" (mit groOem Orchester(40 Künstler). Anfang 1 Uhr. Eintritt 20 Pf. Ende 4 Uhr. Billett, sind eu haben bei Paul Kupfer, Petersburger Str. 59. 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It Alt-Moabit 47/48. Sonntag, 19. Dezember 1909: Weihnachten in Feindesland. tbnd in 4 Ausz. v. tz. Stodlher. LebenSb Sillltiaep-ünIZIISss! Sonntag. 19. De/.ember. T'/i Uhr; Konzert des Bliltbner-Orebesters. Dlrig.: Ferdinand IVclM.er. Solist.; Rymbergen, Alschausky. Karten b, Bot« A Bock. Werthelm ete Orch.-BgroLüfaowet.76,TaQ.-u.Afaendk. Metropol-Theater Heute nachmittag 3 Uhr: Die Kreuzelschretber. Abends 8 Uhr: Hallo!!! Die grolSe Revue! Hauchen Überall ge.tattet. Folies Caprice. Anfang«'/, Uhr. Sicher ist sicher. Neuer bunter Teil. Ver Kann meiner 7rsu. Vssino-1'ksaKsn Lothringer Straf,« 37. Heute 8 Uhr Hör Oberiraiiner. Sonnabend, Lb/Dez., nachm. 4 Uhr. Sonntag, 20. Dez.. nachm. 4 Ubr: Neul Trudchaus Sommerretfe. U-aud.beriger Allee Mo. Al-I«. H. Gleßelusaua, Oekouom. Jeden Sonntag: Gr. miltttr-Konzert. Ausgeführt von der Kapelle des Kaiser- Alex ander-Oarde-ßrenadier-Regt. Obennnslk- meleter E. N e n m a n n. Anfang 5 Uhr. 'Zum Schluß: Klno-Thcater(Allerneuestes.) 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Sclllußqulttuno der öffentlichen Abrechnung der Schwedenfammlung. 4560, 4563, 4564, 4565, 7844, 7847, 7849, 7851, 7852 Verband der Schlächter, Verwaltung Berlin 37,75. Verband der B!ch- und Steindruck. bilfSarbeiter, Venu. Berlin, aus folgende Listen: 9527 Hilszpersonal der Buchdruckerei Weber 3,25. 9525 Hiljspersonal der Buchdruckern.Deutsche Warte" 7,95 9529 Hilsgpcrsonal der Buchdruckerei Straub 9,55. 14627 Hi.sspersonal der Buchdruckerei Bürenstein 17,40.(Zusammen 38,15.) 12953 Metallarbeiter bei Gebr. Hufs. 15. Rate 10,05. 12945 u. 12948 MetaUarb. bei Lorenz 28,60. Metallarb. bei A. Behnicke u. Co. 4,45. 13970 Buch. drucker bei O. Drewitz 12,65. 12393 Tischlerei I. Metzner 16,90. 14494 Tischlerei �Kießling, 4. Rate 12,85. Berliner Druckerei. 15. Rate 6,65. pirsch ick, Schweizer— ,51. Landpartieüberschutz Magnesiawerke 13,70. 13518 Buchdruckerei Bollfratz u Apcl, 14. Rate 10,15. 5350, 12249 u. 13613 Verein Verl. Bildhauer 15,55. Deutscher Metallarbeiteroerband, OrtS. Verwaltung Berlin, aus folgende Listen: 14241 Grauert, Eiseugietzerei, 13. Rate 28,-. 14786 Weber u Sampel 33,30. 14843 Boas, 6. Rate 23,30. 14818 Drochinann u. Schwcstzer, 13. Rate 16,—. 14220 Dietrich, 7. Rate 13,25. 14215 Butzke, Dreherei, 9. Rate 15,10. 14772 Kray. 14. Rate 26,35. 14284 H. Hautzlncr, 12. Rate 33,90. 14817 H. Hauptner. 13. Rate 27,95. 14219 Eckel u. Glienicke, 12. Rate 29,45. 14291 Emmerich u. Schöning, Schleiferei und Galvanik, 13. Rate 23.25. 14745 E. Lenz. 11. Rate 14,75. 14728 R. Schulz 8,60 Legel 14783 stzormer 2,25, 14784 Gürtler und Dreher 12,70, 14785 Schleifer 2,—. 14210 R. Ha, tmann, 12 Rate 34,30. Flobr 14286 20,75, 14287 16,—, 14288 15,75, 14289 7,10, 14290 28,50, 14722 Städte, einigung 5,70. 14746 Schönheimer, 11. Rate 10,20. 14216 Schäfer u. Haulchner. 12. Rate 11,75. 12396 Roller 26,10. 12492 Eckert. Lichtenberg. 14,55 14028 Stork u Co., Martendorf 9,10. 12619 Härtung, Eisengietzerei 13,15.«. E. G. Gummitabrik, Groschentasse v. 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Rate 13355 Gieherei 28,50, 14074 Gictzerei 15,45, 14298 Schleiserei 6,60, 14299 Dreherei 21,70. 14300 Gürtlerei 9,10. Deutsche Gasglühlichtgesellschast, 5. Rate 8685 9,—. 8687 8,45, 8688 13,—. 8689 7,85. 8695 7.70, 11600 23,10, 11601 28,05, 11602 23,60, 11603 24,90, 11605 10,60. 11606 5,—, 11607 2,30, 11608 6,35, 11609 18,45, 11610 24,35, 11611 11,65. 14069 Revolverdreherei b. Bernhard Joses, 5. Rate 17,80. 14819 Emmerich u. Schöning, 14. Rate 20,55. 14876 Emmerich u. Schöning, Schleiferei und Galvanik 11,15. 14869 Schönheimer. 12. Rate 10,05. 14124 I. Türk 9,10. F. Gräbert. 12. Rate, 14723 4,50 14724 13,20. 17425 10,15. 14726 9,40 14214 Maschinensabrik Buchner 27,85. 14213 Pahnke 4,90. 12525 durch Hcnsler 6,— Ludwig Löwe 10392 9,10. 13124 7,90. 14029 6,90. 14030 5,20. 14931 7,00. 14032 5,15. 14033 15,50. 14037 10,90. 14227 7,55. 14228 8,70. 14229 25,55. 14231 5,05. 14233 6,25. 14234 18,50. 14235 4,95. 14236 6,25. 14237 5,85. 14238 4,60. Wassenlabrik Wittenau 14154 18,30. 14158 16,50. 14730 4,70. 14731 48,25. 14732 8,75. 14733 13,00. 14734 24,80. 14735 23,70. 14736 13,75. 14737 14,00. 14738 5,60. 14739 4,90. 14740 9,20. 14741 29,10. 14742 4,60. 14743 Kranzüberschutz Abt. Mähl 12,20. 12480 Wastensabrik Abt. Hänsch 9.55. 14062 Wastensabrik Abt. Büttner 19,75. 14063 Wastensabrik Abt. Büttner 18,55. 13206 Schaal u. Pilz 4,50. 13946 Enzinger, 8 Rate 10,—. 14724 O. R. Ritsch, 14. Rate 6,50. 14880 Dietrich, 8 Rate 5,80. 14102 Schlein u. Stesani 6,50. 14103 Schiein u. Stcsani 6,50(zusammen 2285,75). 6515, 6517, 6518, 6519, 6560 u. 6588 Verband d. Bauarbeiter 18,15 12953 Buchdruckerei O. Lange 3,50. 13514 bis 13517, Htlftperfonal v. Sittenseld, 14. Rate 14,75. 14453 Personal b. H. Bunte 10,55. 12936 Spinn u. Sohn. Kronleuchtersabrit 15,10. 9512 HUsspersonal bei Bernstein 4,20. 9849 Prenzel 6,70. 12740, 12746 Verband der Bäcker u. Kondidoren. Vcrw. Berlin 8,—. 4911 Steinkaus 7,10. 13510, 13511 Kronleuchtersabrik Israel 48,30. 14452 Buchbinderei Moses 8,20. 10797 Setzer u. Drucker b. Seydcl u. Co. 15,05. 6127 u. 6187 4,—. Verband der Wäschearbciter, Verw. Berlin III, aus Listen 38,75. 12957 Pianosabrik W. Hossmann 5,10. 10843 Galvanische Anstali Simon 6,60. 13509 Dreher u. Gürtler b. H. Hartmann 7,10. Deutscher Transportarbeiter> Verband Grotz» Berlin aus Listen usw. 21,65. 8714, 8743 Bautischlerei Hegelmann, 7. Rate 16.—. 1404, 1409, 12003, 12004, Verband der Schneider, Verwaltung I Berlin 13,00. Verband der Fabrikarbeiter, Verwaltung Grvtz-Berlin, aus folgende Listen: Arbeiter der Nigrolitwerke, Weitzensee 9,—, desgl. 7962 10.15, desgl 7973 5,—. 7978 Internationale Talking Maschine, Weitzensee 8,70. 12036 Jsolatorenwerke Pankow 10,95. 79?4 5,90. 7980 18,35. 12043 2,90. Bezirk Spandau 12037 4,50, 12039 1,10, 12040 5.60, 12045 2,15. Eiswerder Spandau 7967, 3. Rate 6,95. 12046. 4. Rate 7,65. Arbeiter der Chemischen Fabrik Spandau 12041 8,50, 12044 26,95, 12038 16,30.(Zusammen 151,75.) — Handtuchsahrer C. Bach 3,—. 12958, 12960 u. 13503 Hentschke u. Buch- hol, 13,30. 10924 H. H. 6.—. 13505 Arlt u. Fricke 16,50. 10795 Metall- drücker b. Gerhardt 2,30. Verband der Sattler und Porteseuillcr, Ver- waltung Berlin, aus Listen 59,—. 12918 bis 12925, Kollegen bei Frister u. Rotzmann 62,95. 7864, 7866 Verband der Steinsetzer, Vcrw. Berlin 10,15. 7863 Steinsetzer, Bezirk Saarmund 11,60. Verlag des.Ostenbacher Abend- blatt" 5,50. Kollegen bei Arnheim, Geldschranksabrik. 3. Rate 31,15. Kartell Fürstenwalde 3,—, Pseister, Rixdors 27,60. 6509, 6541, 6580 Bauarbeiter- verband. Verw. Berlin 11.70. 11935 3,—. 7861 Veiband der Steinsetzer, Verw Berlin 7,05. 9289 1,90. 14842 Kollegen bei R. Burghardt Nachj. 12,90 13690, 13691, 14609 Kollegen bei I. Pintsch A.-G. 33.25 14715, 14716 Metallarb. b. Lindström. Montagesaal 50,30. 14719 Tischlerei Blanken- bürg u. Schnabel 8,25. Verband d. Schuhmacher Verw. Berlin. 8 Rate 750,—, Unterkommission Weitzensee aus folgende Listen: 1418 1,90. 1420 17,45. 1421 6,35. 1422 6,30. 6917 4,80. 10615 5,90. 10617 Arbeiter b. David u. Eo. 10,45. 11941, 11942 Kollegen b. Herzig u. Bannemann 21,10. 11943 Kollegen b. B. Fink 7,75, zusammen 90,10. 14621 Metallarbecker b. Tack 1,50. 13519 Metallarbeiter b. Bischoff 5,—. 14367 Bau Schöneberger Krankenhaus 5,35. 12261 Organisierte Photographen 4,—. Zentralverband deutscher Brauereiarbei er, Zahlstelle Berlin: 746 Patzenhojer II, Handwerker 2,85. 12701 Patzenhoser II, Brauer 10,15. 11214 Germania, Flaschenleller-Arb. 2,20. 631 Bikioria 0,40. 796 FlehinghauS 2,35. 12704 Wanninger, Brauer 1,70. 12681 Spandauerberg, Uebertchuh Blohmann 1,—. 11236 Deutsche Niederlage 2,—. 11237 Bötzow, Brauer 3,70. 12716 Mälzerei Schultheiß, Pankow 13,70. 12713 Stadtbrauerei 10,45. 12708 Norddeutsches Braubaus Grünau 9,40. 12690 Patzenhoser, Spandau 13,85. 11215 Hilsebein I, Hilss- arbeiter 3,70. 12712 Enders, Brauer u. Histsarbeiter 4,30. 12683 Schult- heiß I, Fadrper'onal 6,98. 707 Schultheiß I, Hosarbeiter-Trintgeld 3,—. 12702, 12703 Patzenhoser I, Flaschenkeller-Arbeiter 14,15. 12691 Deutsche Bierbrauerei Pichelsdorf, Hos- und Hilssarbeiter 9,95, zusammen 115,83. 11833 durch Ihm 6,35. 4513. 4515 Verband der Schirmmacher 9,30. P. F., Drontheinicr«trotze 10,40. 8734 Unterkommission Rlrdors 4,45. Deutscher Mctallarbeiter-Verband, Verwaltung Berlin, aus jolgende Listen: A. E.-G., Turbine, 12. Rate: 14251 12,90. 14252 10,90. 14260 10,30. 14265 27,50. 14266 5,05. 14263 14,75. 14272 48,—. 14274 22,75. 14275 30 50 14276 19,25. 14844 15,60. 14845 5,50. 14848 12,10. 14349 23,50. 14850 12,50. 14851 53.—. 14853 16,10. 14854 38.20. 14856 13,25. 14857 13,50. 14858 11,—. 14859 19,30. 14861 6,20. 14862 32,—. 14864 39.-. 14865 14,25. 14866 47,50. 14867 19,50. 14868 8,—. „Cyklop" 14831 12,40. 14830 15.—. 14126 Kreuzberg u. Ulbrich 11,70. 14747 Ever Ready 3,90. 14877 E. Lenz, 12. Rate 10,50. Karl Flohr 14871 22,15. 14872 12,25, 14873 2,80. 14874 9,50. 14875 18,30, 10465 Schwartzkopss, Schraubensabrik 37,35. 3900 12456 Kochinke u. Co. 5,50. 14831 Drochmann H, Aron 14208 18,35. 13901 16,65. 14209 7,50. 13213 Mols 16,70. 11471 durch Röhn 4,95. Warenhaus, 11. Rate 30,—. 14883 15. Rate 19,05. 14879 Kray, 15. durch Löschen 7,75. u. Schweitzer 11,—. 3519 Hoffmann 6,—. 14729 Medizinisches Emmerich u. Schöning, Rute 27,50. A. E.- G., Brunnen» und Ackerstrahe 8331 20,85, 8365 11,90, 11673 27,77, 11676 33,15, 13378 23,95, 13391 12,85, 13395 11,—, 13397 13,35, 13852 25,10, 13855 23,65, 13856 25,40, 13865 34,80, 13868 39,65, 13871 43,55. 13872 22,15, 13878 24,10, 13889 18,60, 13392 35.45, 1.3890 14,35, 11694 26.55. 13382 15,35, 13383 10,50, 13385 6,70, 13993 20,55, 13394 15,20, 13396 16,90, 13862 16,25, 13885 8,65(zusammen 1532,80). Unterkommission Rixdors 8734 4,45. Kollegen bei Hostmann u. Gäbler 3.—. Bauarbeiter 6555 5,90. 1320 Verb. Deutscher Gastwirtsgehilsen. Berlin 16,40. 9332 Sektion der Gips- und Zementbranche 4,90. 2174 Tapeziererwerkstatt Bölicke 3,—. 11760 Tapeziererwerkstatt Petrie 7,80. 12178 durch Kall. Bölke. Tapezierer 3.—. Wäschegeschäft F. Müller 7.—. 13504 Metallarbeiter bei Kärger 8,25. 14744 Metallarbeiter bei Schulz und Holdeflettz 27,55. 1153, 1193, 7466 Unterkommission Schöneberg 28.60. Kartell Stuttgart 64,75. 10796 Tischler bei Tetsel u Co. 3,75. 11770 Porzellanarbeiter-Verband 6,40. 2707, 2717, 2792, 10639, 13791 Zentralverband der Schmiede, Verw. Berlin 30,85. 14692 Metallarbeiter bei Riewe 1,90. 5412, 5423, 5424, 5426 Verband der Musiker. Verioaltung Berlin 14,60. 12785 Gebrüder Röhlich 12,20. 14628 Hilsspersonal der Buchdruckerei Strauß 9,05. 14478 Moldenhauer u. Metzdors 13 50. 13837, 13839-13843, Verband der Lederarbeiter, Ver» waltung II 21.95. 13582 Holzarbeiter 8,20. 14803 Tischlerei der A. E. G. 38.—. Schäfer u. Köppler 1,50. 12048 tzasenbank 5,—. 13524, 13530, 13534 Verband der«teinarbeiter, Verwaltung Berlin 14,—. Verband der Hutmacher aus Listen 57,95. 14540 Kronensabrik Schneider 5,25. 6562 Bauarbeiter 0,25. 1097, 1128, Uli, 1134, 12140 Veiband der Isolierer, Verwaltung Berlin 29,—. 10640, 13792, 13793 Verband der Schmiede. Verwaltung Berlin 58,45. 10582 Metallarbeiter bei Schneider 35,05. 14439 Buchbinderei Schomburg 26.25. Töpser Grunwald 3,40. 11364 11365, 11368 Verband der Hoteldiener 17,20. 10672 1,25. 4989, 12216 Verband der Töpser, Verw. Berlin 21,45. 14711 Gießerei PinkuS 12,25. Verband der Maler und Lackierer, Verw. Berlin, aus Listen 260,75. 13972 Metallarbeiter bei Enzberger 3.—. 13602 Tischlerei Adam 2,50. Arbeiter und Arbeiterinnen bei Goerz-Frtedenau aus Listen 417,90. 14387 Berliner Verlagsdruckeret 10,25. 6065, 13415, 13418, 13424 Verband der Schneider. Verw. Berlin I 20,45. Verband d. Lithographen u. verw.«eruse aus Listen, 9. Rate 149,90. 6151 Bau Wilhelmstr. 8 6,50. 6744 Verband d, Maschinisten u. Heizer, Verw. Berlin 7,70. 5439 Verband der Dachdecker, Verw Berlin 6,85. 10925, 1026 Buchdruckerei Härliiig 10,40. 10789, 14709 Kollegen bei Lindner 13,95. 9295 Maurer 3,05. 8177 Buchbinder 1,25. P. Schröder 8,05. Summa 7391,09 M. Bisher sind veröffentlicht 275 719,50 M.. dazu kommen 7891,09 St., in Summa 283 110,59 M. Wir ersuchen noch einmal, die noch ausstehenden Listen an UNS einzusenden und abzurechnen. Der Ausschuß der Berliner Gewerkschaftskommisfio». I. A.: A. Körslen. Die vielen hundert Nachahmungen beweisen die unerreichte Qualität«nd Preiswürdigkeit dieses deutschen j�amilienlikörs. 1.50*. per Ehamp.-Flasche. Praktische Weihnachts-Geschenke! zu besonders billigen Preisen □ Konfektion □ llalotakv aus englischen, gemusterten 050 rdieiülö Stoßen... 19 50, 15 00 bis O Paletots"»'Ä 16" Tacli-lackftls��SMM 1BM Kostüme"ISÄS IS" Golfjacken 9" Koslümracke Sä 6°° Baichent-Blusen»'oW;.3,?IST. P Blusen StÄ""!1"' SJmSVt" 4°° Dlnean»ns Velvet und Seidensamt 675 DIU«"" 20.00, 16.00 bis ö Seiden-Blusen SrÄ«« � i00 Tüll- u. Spachtel-Blusen 37 00' 2 mÜ 375 Unterröcke i00 Fertige Servierkleider waachoc5h6o6b5?s 4°° Kinderkleider... m.oo,«.00 dw 275 OB Wäsche Efc iPf. Damen-Taghemden bü. Damen-Nachtjacken t.80, ,.«o bis i00 Damen-Nachthemden s.00. s,oo u» S7S OaniEn-StiekErei-D.SpitzeiirilEl[e ISb. 250 Damen-Untertaillen t m, i.m bis HOp*- L-l 1.00. 80 b. 1 Pf. Müüchin-Beinklelder 60" TisoWch« lÄ 76» QaniiaHan*u den Tiscbtüchem 900 OBIflBKBn Dutzend 15.50, 12.00 bis« TicnhnoHoptzn mit 6 0 schloffen. Für den 89. und»9. Dezember wird die Unterstützung am Mittwoch, den 89. Dezember, ausgezahlt. Für den 31. Dezember und I. Januar wird am Donnerotag. den 39. Dezember, gezahlt. A>n Freitag, de« 31. Dezember, bleibt das Bureau wegen Qnartalsfchlnsj den ganzen Tag geschloffe». 131/10 Dl« Ortoversvaltnng. 1» III Ortsvcrwaltnng Berlin. 7isehlerf Sezirk Südosten I* M Mitglieder-Versammlung am Montag, den 20. Dezember, abends S'/z Uhr, (gleich nach Feierabend), in den Nannynfestsälen, Naunynstr. 0. Tages-Ordnung: 1. Bericht von der Generalversammlung. 2. Verbaiidsangelegenheiten. 93/19 Möbelpolierer und Magazinarbeiter, Dienstag, den 21. Dezember IVOS, abends ßt'/z Uhr, im Gewerkschaftshanse, Engelufer 15, Saal 1: j|Sr Branchen-Versammlung. � TageS-Ordnung: 1. Stellungnahme zu den Forderungen der Polierer für die nächste BertragSPeriode. 2. Wahl einer Kommisston zur Beratung des Altordtariss. 3. Verbaiidsangelegenheiten. - wilglisilsduod legitimiert.--------------------------- « - Filiale Berlin 1.• Bureau: Sebastianstr. 37— 3S, H. r. N. Tel.: Amt IV. 9737. Ämi: Stapelkonfektion! Am Montag, den 80. Dezember 1909. abendS S'l, Uhr, findet für die bei den Zwlfchenuieisteru beschästigten jungen Leute in den Mnfikersälen. Kaijer-WUhelm-Strajze ISm, eine Versammlung'MZ statt. TageS-Ordnung: „Die Lohn- undArdeitSverhältniffe derZwifcheumetstergefellen«. Rejerent: Kollege Bnuaie. Kollegen und Kolleginnen I Erscheint zahlreich in dieser Versammlung, damit auch jür Euch eine Besserung der ArbeitSverhälwifie durchgesührt werden kann. Die Kominl.olon. 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Karl Sielefeld, Gräfeftr. 33. SO. Vritz Tischet, Manteuffelftr. 110. 8mma Chmilewshl, Franzftr. 7. Qustav Qiehel, Engelufer 13 (neben dem GewertfchaftSbau»). Smil Vlurst, Eifenbahnstr. 48. Vilh. Kimmermann, Glogauer Str. 19. 0. Thaerstr. 19. Vetersbnrgetr Str. 5. Kopevnihnsstr. 11. Weidenweg 80. Gustav Lieheehe, Romintener Str. 18. Keinrieh Lianh, Pofener Str. 23. Kixdorf. Conrad Weher, Hermannstr. HO. WUh. Conrad, Hermannstr. 50. Otto Seeger, Knesebeckstr. 6. Valentin Sehdfer, Knesebeckstr. 59. Kernt. Krause, Panmerstr. 8. Vranz Dörnfeld, Weichselplatz 4. Watter, Böhmische Str. 8. 3. Kirsch. Biebrichstr. 14. Dt.-Wllmersdorf: IHt* Vleper, Berliner Straße 46. Soxhagen'Knmmelsbnrg: Qnsf. Kielseher, Lenbachstr. 3. Sohöneberg: Gustav Kabbich, Wartburgstraße 8. Grünau: 3oh. Kozneh, Friedrichstr. i. Charlottenburg: VaulSenpold, Cauerstr.29. Adlershof: Karl MNer, Bismarckstr. 10. Daumschnlenweg: Leo Scharf» Baum- schulenstr. 73. Spandan: Bahnhosstr. 7. Valhcnhagen: Tranz KfihrmnndL Köpenick; Smil Wißler, Kietzer Str. 6; L. Senaeh, Kietzer Str. 14; , August Koaeh, GrünauerStr.1. Srandenburg a. K.: Wilh. jriüller, Neuenborfer Straße 21. Alle Verkaufsstellen führen auch die Fabrikate der Vforckhanser Kautabättarheiter-Genossensehaft Spezialität: 5 Psenuig-Notteu in vorzüglicher Qualität. Fabriklager bei UdO Stangenberg, Berlin SO. 33, Köpenicker Str. 20a. aZTT"™. v* Unserem allen 29185 Ferdinand Krause zu seinem 60. Geburtslage die herzlichsten Glückwünsche. Die Parteigenossen von Hohenschönhausen. SoziaidemoMelierWaiiliiereii] I. für den Landsberger Viertel. Bezirk Nr. 373 d Teil II. Am 14. d. M. verstarben unsere Mtglieder, der Hausdiener Bernhard Maass und Fra» Berta Maass Mirbachstraste 50. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet am Dienstag, den 21. Dezember, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- halle des Zentral- Friedhoses in Ährensselde aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Borstand. SozialdefflokratisehJalilvEreiD des 6Jerl.ReielistiigsvaliMes. Todcu- Anzeige. 81m 16. Dezember verstarb unser Mitglied, der Schlosser Lust»? LQdieke Putbuserstr. 28. Ehre seinem Andenken t Die Beerdigung findet beule Zonntag, den 13. Dezember, mittags 12 Uhr. von der Leichen. Halle des Elisabeth- Kirchhofes i» der Prinzen-Allee aus statt. Um reg« BeteUigung ersucht 233/13 Oer Toratand. Zentrai-Verband der Zimmerer Deutschlands. Zahlstolle Berlin und Umgegend. Bezirk 13. Den Berufsgenossen zur Räch- licht, daß unser Mitglied fenünsm! Neumann am Mttwoch, den 15. Dezember, an der Proletarierlranlhcit verstorben ist. Ehre seine« Andenke«! Die Beerdigung findet heute Sonntag, den 1». Dezember. mittags 12 Uhr, von der Leichen- Halle der Friedensgemeinde, Nord- end, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Borstand. Am 16. Dezember, morgens 7 Uhr, verstarb nach schwerem Leiden mein« inniggeliebte, un- vergestliche grau, unsere gute Tochter und Schwester ttolonv Geier geb. Steiger im 20. Lebensjahre. DieS zeigen licsbetrübt an Der trauernde Gatte nebst Eltern und Geschwister. aus nach dein HcilandS-Friehof, Plötzensee, statt. 3630L Deutscher Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Tode«- Anzeigen. Den Kollegen und Kolleginnen zur Nachricht, dast unser Mitglied, die Arbeiterin Anna Made am 16. Dezember an Bauchsellentzündung gestorben ist. Die Beerdigung findet am Montag, den 20. Dezembe», nachmittags 3 Uhr, von der Leichen- Halle de» Slisnbeth-KirchhoseS in der Priazen-Allee aus statt. Ferner starb unser Mitglied, die Arbeiterin Helene Geier. Die Beerdigung findet heule, Sonntag, den 13. Dezember. ?S 3 Uhr, vom Trauer. Hause Wielesstraste 31 au» nach nachmtl'aoS 3 Uhr, vom Hause Wicletstraste 31 a dem Hellands-Kirchhof(Plötzen- see) statt. Ehre ihrem Andenken! Rege BeteUigung erwartet ISt/ll Die Ortsverwaltung. vi». Simmel Heute verstarb naeb langem und schwerem Leiden unsere liebe Tochter, Braut und Schwester Margarete Löhrieh im 22. Lebensjahre. Dies zeigen tiofbetrübt an Berlin, den 18. Dezember 1909 Die trauernden Hinterbliebenen Gustav LShrich nebst Frau, Wilhelm Muller, Emil Löhrich. Die Beerdigung findet am Dienstag, den 21. Dezember, nachmittags 3"/, Uhr, von der Halle des neuen Jerusalem er Kirchhofs, Bixdorl, Hermanns tr. 84— 90, aus. statt. z929b Tode«- Anzeige. SIm Sonnabend, den 1? d. M., morgen» 6 Uhr, verschied nach schwerem Leiden mein innig- geiiebter Mann, unser lieber Bater, Bruder, Schwager und Onkel, der Bildhauer Kahl (Müllerstr. 12b) im 49. Lebensjahre! Die Beerdigung findet am Dienstag, den 2t. d. M., vor- mittaas 1t'/, Uhr, von der Kapelle des PbilippuS-Apostel-Klrchhoses. Müllerstr. 44/45 aus nach dem stSdtischen Friedhof, Müllerstraste, Ecke Seestraste, statt. 3629L Die trauernden Hinterbliebenen. Am 16. Dezember verstarb unsere Schwester, Schwägerin und Tante Frida Wilke im Aller von 30 Jahren. Dies zeigen mit der Bitte um stilles Beileid an Ewnld Wilke und Frau. Die Beerdigung findet am Sonnlag, den 13. Dezember, nach- mittags 3 Uhr. von der Leichen- in Bohnsdors aus statt. 3628L Getragene eieg. Damengarderohe spottbillig. Reichenbergerstr. 104, pt. MoriliiickWrj 5 7° Extra-Rabatt auf die bekannt billigen Prelae selbst bei Gelegenheitskäufen. Teppieh-Thomas II. Geiehtft; Berlin NO., Gr. Frankfurter Strasse IIS, 2. Haus von der Andreautrassc. ■Tetit gelten für das oesante laxer Inventur-Preise! Seiden-Plüsch- Konfektion, Abend- und Theatermäntel. Kleider für Gesellsohaflon. Diner etc. bedeutend billiger wie früher, feilweise sogar niu 60% Persianer- Jackeffs, echt und Imitiert Malten, Stolen, iu allen gangbar. Petsarten früh. Prelae tollw. bis 80. bis 125. bis ISO M. beut. Preise teilw. nur£0. nur ttO1!,. nur 40 H, trüb. Preise teilw bis 910, bis«00 usw. bis IRnnM. beul. Preise tellw.nur 70. nurl40usw. b 400M. Weltanacbts-Gesclienke Uebergangsmäntel früh, teilweise bis 30, jetzt 0 M. Kostümröcke... früh, teilweise bis 13, jetzt 411. 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Jeder Uhr wird ein auf die Dauer von 3 Jahren aafcffMtellter Börgschein beigegeben, welcher auf die Kummer der betreffenden Uhr lautet und die Unterschrift unserer Firma trägt. i— ISO.oo � ' 9.00 Sohl an genring, _.C M llksr. Gold. 588/1000, gsttemp, mit cchUn Diamanten, ILIO.—. Zirka eine halbe Million ücliwing�nng�en macht das sogenannte Balancerädchen einer Taschenuhr in einem Tage. Jeder Punkt im Umfang aolchen Rades legt dabei im Tag über 23 Kilometer, im Jahr mehr als acht nnd eine halbe Million Meter, zurück. Wenn man sich diese kolossale Leistung eines so winzig kleinen Teiles einer Taschenuhr vergegenwärtigt, versteht man erst, wie gut gearbeitet solch ein Werk sein muss, um diese Arbeit dauernd, mit steter Gleichmässigkeit leisten zu können. Man erkennt daran aber auch, dass es unmöglich ist, wirklich gute, dauerhafte Taschenuhren zu den Spottpreisen zu liefern, zu denen die Reklame sie anbietet. Wer sich eine gnto Uhr anschaffen will, die nicht nach wenigen Jahren den dreifachen Einkaufspreis an Reparatnrkosten verschlingt, der besichtige unser Uhrenlager. Wir haben durch den Vertrieb reeller Waren zu billigsten Preisen ein Weltgesohäfb aufgebaut, und man kann lieh darauf verlaisos, die Ware von solcher Qualität und so hergestellt ist, daß sie ia jeder Weise empfohlen werden kann, •old- Brosohea la direrMa Mustern von M 3,— an bis zu den höchsten Preis] agea. Wir liefern folgende Gegeastlode: (»oh» Gold guataL(••tampalt) Kravattonnadala von ILA— an ManaobattanAnBpf• v. IL 8.— an Oturlngv.»., von M. 2.80 aa Nnr Mark Potent-Anker-Remontoir- Kwaller-Stohl-Ohr Nr. 1907, Modell 1909, mit TexiUbortem Zifferblatt kostet unsere � M. 5.50 Ausnahme- Wir seilen dieselbe 30 Tose zur Probe, daher Risiko ansgeschlossen, und verpffiebten um, innerhalb 80 Tage die I_______________ Uhr anetandeloe inrüokxnnehmen und den bezahlten Betrag ohne jeden Abzug zurückzuzahlen, wenn dieselbe nicht gefällt oder den gestellten An. fordorungen nicht entspricht. Dieselbe ist ein Meisterwerk vollendeter Uhren-Fabrikation, hat hoeblein vergoldetes Schweizer Scbablonenwerk mit BcMogängen und PateDtzelgerstellang durah die Krone. Ein so vorzüglicher Zeitmesser ist für einen so billigen Preis noch nicht offeriert worden. Eine gleiche Uhr kostet im starkes SUbergsUsse, Bassintonn,* Reichsstempel M. 20.—, desgl. im Silbergehäuse mit Sprnngdtcksl M. 28.—, in Tnla-Sllber M. 38.—. .3. a.-p.> kok erwerk! Genan geheod. Geräiuchloaer Gang, Beim tichlaf nicht»töiend. Sehr laut weckend! Mit Nachahmungen nicht zu»erweehieln, Wir lltfern folgende GegenstAnds in»chtBiibor, cOU/lOOO gesetzt, gestempelt: Tatchenmeseer BartoUrsten.. Zigaraitentatchen Btreicnnolzhiilsea Jupiierhüisen.. Zahnstocuer., Zlgarebenapilzen Zigarrenspitzen fingerhüte.., von M. 1.00 an von U. 1.00 an von M. 10— an von U. 2.70 an von M, 780 an von M. 0.75 an von M. I.— an von U, 1.75 an von iL 0.75 an 18 Karat Gold• Scharnier isb der beste existierende Ersatz für di® um vielfaches teureren vollen Gold ketten und entschieden leichten goldenen Uhrketten vorzusiehen, da solche sich oft schon in kurzer Zeit durchtragen. 18 Karat Gold• Scharnier wird hergestellt, indem tSksräl massives Gold, um der Kette Steifheit u.Festigkeit zu geben. durch Silber verstärkt wird, 18 Karat Gold- Scharnier von uns seinerzeit als Spezialität eingeführt, bat sich trotz des billigen Preises vorzuglich bewährt. Jeder Kette wird nebenstehender Garantieschein beigegeben, welcher auf 15 Jahre lautet und die Unter- schrilt unterer Firma trägt» Was ist 18 Karat Gold-Scharnier?? Figur 1 zeigt eine 18 Karat Qold-Öcharnier-Kette, welche an verschiedenen Stollen durchschnitten worden ist. Der belle Baum illostLert die Silber-Verstärkung, der dunkle Bing zeigt das maaalve 18 Karat QoUL Figur n glyur n zeigt deo Unrob schnitt des aofgebogenen Kettengliedes einer 18 Karat Cold-Schamler-Katta. Unsere Ausführung beweisen wir dadurch, daß wir die von aus gekauften 18 Kaial Gold- Sodami er-Ketten nach langjährigem Gebrauch(sogar ooob nach 6 Jahren) pro Gramm mit hl OFJ wieder in Zahlung nehmen fv*.1 Threrpreis u.3g«ld. Medaillen ktmrngMite bist in goldplattierl v. IL A— ht»> in echt Gold, pettempelt, IL 24.- bU iL 300.-. �raiitiKclp . rSoldwarnclndusWe< -i« Ü eleKtcl Praohtk&talog mit vielen tanzen ü Illustrationen von Juwelen, Uhren, Gold- nnd Silberwarcn in a.len Preislagen gegen 1 M. trank o. 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Wie das ärztliche Attest angab, lzatte der Junge auf einem Körperteil sieben blutunterlaufene Striemen, die ihn zwangen vier Tage zu Bett zu liegen. Das Urteil lautete auf— s e ch s M a r k— für jeden Hieb noch nicht eine Mark. 2. Wegen Mißhandlung seines Arbeitgebers, des Besitzers Meier aus Cremerbruch, hatte sich der A r b e i t e r Emil Retschke zu Veranüvorten. Die Mißhandlung bestand darin, daß er durch Beleidigungen gereizt, dem Arbeitgeber ein paar Ohrfeigen gab, die weiter keine bösen Folgen hatten. Dafür muß er nun einen Monat Gesängnis abbrummen. Der milde Verurteilte ist ein B c s i tz e r s s o h n. der mit harter Strafe belegte ein Arbeiter. In dem milde beurteilten Fall war der Mißhandelte ein Kind, gegen das ein gefährliches Werkzeug mißbraucht wurde, in dem anderen Falle ein Erwachsener, dessen Beleidigung auf der Stelle er- niidert wurde. Aber— es gibt keine Klassenjustiz, sagen unsere Klassenrichter._ Hohen Verdienst für leichte Arbeit sichette ein Inserat zu. welches von Gößnitz aus in Zeitungen erlassen wurde. Das Landgericht A l t e n b u r g hat am 10. Sep- tember die Aufgeber diese? Inserats, die Handlungsgehilfen Jung- hänel, Lötz und Lehmann wegen Betrugs verurteilt. Sie wollten, führte das Gericht aus, nicht die Arbeit direlt vergeben, da sie keine zu vergeben hatten, sondern nur Arbeitsgelegenheit vermitteln. Darin liegt der Betrug, da die sich Meldenden an- nahmen und annebmen sollten, daß der Inserent die Arbeit zu vcr- geben habe. Wer sich meldete, bekam ein Schreiben, daß er für 1,50 M. oder 1,85 M. Nachnahme eine Liste von Arbeitgebern erhalten könne. In 180 Zeitungen inserierten die Angeklagten, jedoch nicht in den altenburgischen, da sie fürchteten, daß der Schwindel dann herankommen werde. Nur wenige Leute bezahlten die Stach- nähme und sahen dann zu ihrer Enitänichung, daß darin keine Arbeit vergeben wurde, sondern erst gesucht werden mußte. Die Angeklagten haben keine großen Einnahmen dadurch gehabt, dagegen große Aus- gaben für Inserate. Die Angeklagten beschlossen nun, sich dem Ber- triebe von Adressen zuzuwenden und inserierten:„Hoher Gewinn durch Adressenschreibe n". Ueber 600 Personen meldeten sich und erhielten für 2,50. M das„Material" zugesandt. Durch Ab- schreiben von 1000 Adressen sollte der Besteller 8 M. verdienen können. Jeder von ihnen erhielt aber dann nur eine Liste von Finnen, denen er die abgeschriebenen Adressen anbieten könnte. Die Angeklagten er- hielten viele Drohbriefe von den Getäuschten und zahlten an 16 die eingesandten Beträge zurück.— Die Revision der Angeklagten wurde vom Reichsanwalt auffälligerweise für begründet er- klärt, da von den Geschädigten in, ganzen Urteile eigentlich gar nicht die Rede sei und immer nur vour Publikum gesprochen werde- Auch sei nicht genügend aufgeklärt, ob die betreffenden Personen die Beträge nicht auch gegeben hätten, wenn sie über die Sachlage auf- geklärt worden wären.— Das Reichsgericht verwarf jedoch am Freitag(mit Recht) die Revision, da der Tatbestand des Betruges einwandfrei festgestellt sei. Daß über die Personen der Geschädigten ein gewisses Dunkel walte, könne als Mangel des Urteils nicht an- erkannt werden, da der Kreis der Geschädigten mit genügender Bestimmtheit gezeichnet sei. Häufig haben wir vor ähnlichen Inseraten, durch die Arbeits- losen das Geld aus der Tasche gezogen wird, gelvarnt. Jedem durch ähnliche Inserate Getäuschten ist solchem gemeingefährlichen Treiben Arbeitslosen gegenüber zu raten, Strafantrag bei der Staatsanwaltschaft zu stellen. Würde die Polizei und die Staats- anwaltschaft nur die Hälfte der Zeit, die sie auf die Möglichkeit von Drangsalierungen und Anklagen gegen Streikposten, ver- ständige Jugendliche und andere„politische Verbrecher" verwendet, zur Verfolgung solcher Schwindelinserataufgeber verwenden, so würde die Zahl der Schwindelinserate bald abnehmen, die Arbeits» lose in schmählicher Weise ausbeuten. Nachdem das Reichsgericht in der von uns wiedergegebenen Entscheidung entgegen der An- nähme der Reichsanwaltschaft erklärt hat, daß in solchen Fällen auch in strafrechtlichem Sinne Betrug vorliegt, liegt kein Grund für Staatsanwaltschaften vor, die Arbeit zur Verfolgung solcher Betrüger aufzuschieben._ Ter Schlußakt eines LiebeSromanS zwischen einer armen Näherin und einem Doktor spielte sich gestern vor dem Amtsgericht Eharlottenburg ab. Auf der Anklagebank hatte die Näherin Meta G. au» Charlottenburg Platz genommen, während ihr ehemaliger Geliebter, Dr. Herzberg, AnSbachrr Straße 6, als Belastungszeuge auftrat. Ter Anklage, die auf vorsähliche Sachbeschädigung lautete, lag folgender Tatbestand zugrunde. Tr. Herzberg hatte mit Meta G. bis zum April d. I. ein Liebesverhältnis unterhalten. Als er dies gelöst wissen wollte. erschien die Angeklagte am 9. September in seiner Wohnung, um eine Versöhnung herbeizuführeil. Sie fand kein Entgegenkommen. Ter ehemals Verliebte erklärte, daß sie für ihn erledigt sei und wies ihr die Tür. Hierüber geriet die Angeklagte in Aufregung und schlug, während der Geliebte sie hinausdrängte, die Glas- scheiden einer Flügeltür vorsätzlich ein. So hatte wenigstens der Doktor in seiner Anzeige den Auftritt geschildert. Im gestrigen Termin schlvächte er diese Behauptung dahin ab, daß er die Ab- ficht der vorsätzlichen Sachbeschädigung seitens der Angeklagten nicht auf seinen Eid nehmen könne, es sei bielmehr möglich, daß ein unglücklicher Zufall das Zerschlagen der Scheiben veranlaßt habe. DaS Mädchen wurde daraufhin freigesprochen. (Siehe auch 5. Beilage.) �30<5�X>C?00CXXXXDOCX}OOCXXi>XOOOC�� W. FricckricK-Strassc 75 C. König»Strasse 25-26 Gegründet 1867 BERLIN Gegründet 1867 Zentrale u.Versand: SW. Jerusalemer Strasse 38-39 W. Potsdamer Strasse 2 W. Tauentzien-Strasse 19a Preiswerte und nützliche Weihnachtsgeschenke 8* Damen•Stiefel Scbnflrotiefel, Bozcalf od. Chevreeo, mit und ohne Leckkappen, mit Derby- Schaftsehnitt.................. Schnür- oder Knopfatlefel, BozctU oder Chevrean, in modernen Fusona, mit und ohne Lackkappen, auch mit Derby- l A 50 Schal tschaitt•„••••«••••••••••• XVy Schnür- od. Knopfatiefel, Chevrean od Bozcalf, mit und ohne Lackkappen, auch Derby. 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Zur den gnseratenteil Verantw.: TH.BIscke, Berlin. Druck u.vertag:VorwärtD Buchdruckerei u. verlagsanstatt Paul Singer& Co, Berlin SW. Ir. 296. 26. 5. Icildje Ks JoiBötls"{irtlinct NilksM. Soulltag, 19. Dezember 1909. Partei- Angelegenheiten. Teltow-BceSkow. Die Wahl der Delegiertin zum preußischen Parteitag erfolgt in der am Montagabend 8 Ubr im Lokal.Neue Rathaussäle" in Schöneberg, Meiiiinger Straße 8 statt- findenden K r e i s v e r s a m m l u n g für die weiblichen Mitglieder des Zentralwahlvereins. Mitgliedsbuch legitimiert. Der Zentralvorstand. Charlottenburg Wir machen darauf aufmerksam, daß die Aus- stellung empfehlenswerter Jugendsckriften usw. im Volkshause nur noch bis heute abend 8 Uhr geöffnet ist. Eine Vcr- längerung bis Weihnachten ist nicht möglich. Die Genoffen werden deshalb gebeten, ihren event. Bedarf an Büchern rechtzeitig decken zu wollen. Der Borstand des Wahlvereins. Schöneberg. Heute Sonntag, vormittags 8 Uhr, treffen sich die Genossen des 1., 2., 3., 4. und ö. Kommunalbezirks bei I. Wieloch, Grunewaldstr. 82, während die Genoffen des 6., 7., 8., L., 10.. 11. und 12. Bezirks sich zu Griese, Siegfriedstr. 3, bemühen, um die zun, Dienstag, den 21. d. M., notwendigen Parteiarbeiten zu erledigen. Am Montag, den 20. d. M., abends 7 Uhr, wollen die Genoffen wiederum in denselben Lokalen zu wichtiger Wahlarbeit erscheinen. Am DienStag, den 21. d. M., werden ganz besonders die arbeitslosen Genoffen ersucht, bereits vormittags S Uhr sich in den Lokalen zu melden, von denen aus die Wahlarbeiten erledigt werden. Auch alle übrigen Genoffen werden aufgefordert, dem Wahlbureau sich zur Verfügung zu stellen. Der Vorstand. Königs- Wusterhausen. DienStag, den 21. Dezember, abends TV, Uhr, findet eine öffeiitliche Versammlung im Lokale von Herrn Max Wedhorn(Altes SchützenhauS), Königs- Wusterhausen, statt. Tagesordnung: 1. Die gegenwärtige politische Lage. Referent: Genoffe Fendel. 2. Diskussion.— Handzettelverbreitung zu dieser Versammlung am Montag, den 20. d. Mts., abends 7 Uhr(für sämtliche Bezirke) vom Bezirtslokal, Berliner Straße 26, aus. _ Der Vorstand. Berliner JSacbricbten* Auf der Straße. Ein Schlosserlehrling, etwa 15 Jahre alt, steht bei win digem, naßkaltem Wetter weinend vor einem großen, zwei räderigcn Kastenschubkarren. Das grelle elektrische Licht der Straßenlaterne fällt auf ein blaugefrorenes Gesicht, aus den Augen rollen die Tränen fast stromweis herab. Da kommt ein Briefträger vorbei und richtet an den Burschen die Frage: „Warum so traurig und warum weinst Du so gotts jämmerlich?" Lehrling:„Ick suche hier die Treskow-Allee und wecß gar keen Bescheid. Nun schiebe ick alleene vom Moritzplatz in Berlin den großen Karren mit der schweren eisernen Tür. Jetzt is et schon duster, wenn ick nu uf'n Bau komme, is je wiß keener mehr da, un denn muß ick den Weg mit den schweren Karren heut noch alleene zurück machen. Ach Jott, ach Jott. Und mir is so kalt und Hunger Hab ick och. Sagen Sie, is die Treskow-Allee noch weit?" Briefträger:„Weit ist es nicht mehr! Fahre man die Straße hier herunter, dann links cum bis zu den Neubauten. dann bist Du da." Lehrling:„Muß ick denn wieder den ungepflastertcn, nassen und holperigen Weg über Stralau-Rummelsburg zurück? Kann ick nich da enen andern Weg fahren?" Briefträger:„Gewiß, wenn Du die Treskow-Mee immer geradeaus fährst, kommst Du nach Friedrichsfelde. Da geht's immer weiter bis zur Frankfurter Chaussee in Berlin. Allerdings knappe drei Stunden wird die Geschichte bis zum Moritz- platz wohl dauern." Lehrling:„Fahren da aber ooch Wagen? Gehen da ooch Menschen noch so späte? Ick fürchte mir so im Dustern, wenn ick noch drei Stunden den schweren Karren schieben soll. Ick bin jetzt schon so müde, habe so'n Hunger und frieren tut mir ooch in der Bluse. Hätte ick mir doch bloß meinen Rock angezogen. Ach Jott. ach Jott l" Ein Herr kommt dazu und meint:„Na, weinen Sie man nicht Kleiner, Sie werden schon wieder nach Hause kommen. Nur frisch angepackt I Ist denn kein Großer bei Ihrem Krauter beschäftigt oder konnte denn nicht noch jemand den weiten Weg mitkommen?" Lehrling:„Nee, Gesellen haben wir kecnc, nur drei Lehrlinge. Der Meester wollte keenen mitschicken, er mecnte, ick sollte das man alleene schaffen, det wird schon jehen. Was mache ich nun bloß, wenn keener mehr auf'n Bau is?" Der Passant:„Na, fahren Sie man erst hin, vielleicht treffen Sie den Bauwächter. Wenn auch niemand da sein sollte, lassen Sie ruhig den Karren dort stehen. Ihr Meister kann sich ja den Karren Montag selber holen. Hier haben Sie zwanzig Pfennig und fahren Sie dann nach Berlin zurück." Lehrling:„Danke ooch scheen!" Mit dem schon durchnäßten Taschentuch wischte der Lehrling sich das Gesicht und schob dann ermutigt den Karren die dunkle Straße entlang.__ Glatteis gab es gestern morgen auf den Straßen Berlins infolge eines gegen 7 Ilhr morgens einsetzenden leichten Sprühregens. Der Verkehr wurde dadurch wesentlich gehemmt und die Fuhrwerke kamen nur schwer vorwärts, namentlich auf dem Asphalt, wo Hunderte von Pferden stürzten. Die Straßenbahnwagen waren überfüllt, kamen jedoch trotzdem leidlich vorwärts. Erhebliche Betriebsstörungen er- eigneten sich jedoch infolge des Glatteises im Betriebe der Hochbahn. Hier konnten zeitweise die Züge nichr ausfahren, weil die Stromschiene vereist war und mehrere Trains mußten längere Zeit auf offener Strecke lieben bleiben. Die Ver- spätungen betrugen stellenweise bis zu einer halben Stunde. Erst gegen 9 Uhr konnte, nachdem die Strecken eisfrei gemacht waren, der Verkehr wieder ordnungsgemäß aufgenommen »verden. Auch zahlreiche Unglücksfälle haben sich infolge der Glätte ereignet. Nicht weniger als 21 Personen, die gestürzt waren. hatten bis 9 Uhr die Hilfe der Unfallstationen in Anspruch genommen. Glücklichenveise handelte es sich in den meisten Fällen um leichtere Verletzungen. Ein schwerer Unglücksfall ereignete sich gegen'A>8 Uhr morgens in der Müllerstraße. Hier glitt der Gasanstalts- arbeiter Albert Schuck aus der Ravensstr. 8 auf dem Straßen- Pflaster auS und zog sich bei dem Sturz eine schwere Gehirn- erschütterung zu. Er wurde, nachdem ihm auf der Unfall- statwn m der Lmdower Straße die erste Hilfe zu teil ge- bei Festnahmen stets heftigen Widerstand geleistet. Man tvird gut worden war, nach dem Rudolf-Virchow- Krankenhanse über- tun, solchen Meldungen bis auf weiteres einige Vorsicht entgegen- geführt.( zubringen, nachdem die andere von der Polizeikorrespondenz ver- Ein schwerer Unfall der ebenfalls auf das Glatteis breitete Meldung, daß Wild durch Schocke schwer verletzt worden zurückzuführen ist. ereignete sich auch auf dem Gesundbrunnen. �'/J'�"ber� D» Kaufmann Fenzke aus der Bernauer Str. 6 beging die, �mit �� AugenziuA mchnen! Unvorstchtrgkelt, beim Ueberschreiten de» �ahrdammes zwischen i gesehen zu haben, daß er sogar selber noch geholfen habe, die Leiche zwei aus entgegengesetzter Richtung kommenden Droschken aufzuladen. Augenzeuge versichern auch, von der Schießerei den hindurchzuschliipfen. Er kam dabei auf dem glatten Fahrdamm' zu Fall und stürzte unter die beiden Gefährte, die ihn über Arme und Beine hinweggingen. F. erlitt erhebliche Ver- letzungen und mußte zu einem Arzt gebracht werden. Leioer haben viele Hansbesitzer und auch die Verwaltung der Straßenreinigung nicht genügend dafür gesorgt, daß Fuhr- werke und Passanten ohne Gefahr und Schwierigkeiten vor- wärts kommen konnten. Es mangelte vielfach an geeigneter Streuung. Hausbesitzern kann ihre Unterlassung unter Um- ständen teuer zu stehen kommen. Kommt vor einem Hause aus dem Vürgersteig ein Passant infolge unterlassener Streuung durch die Glätte zu Fall und zieht sich erheblichen Schaden zu, kann der Hausbesitzer ftir den Schaden ver- antioortlich gemacht werden. Was die Straßen betrifft, so hätte die Straßenreinigung Sand streuen müssen. Wir sahen Straßen, in denen nichts, rein gar nichts geschah, sodaß die Pferde, vor allem die vor den schweren Brauerwagcn schwere Stunden hatten. Immer wieder rutschten die armen Tiere aus und kamen von neuem zu Fall. Und nicht nur in Berlin war die Stratzenreinigung so wenig auf der Höhe ihrer Ans gäbe, auch aus den Vororten wird das gleiche berichtet. Aus Lichtenberg wird uns geschrieben, daß gegen 11 Uhr vor- mittags in großen Verkehrsstraßen, wie Frankfurter Allee. Mainzer Straße, welch letztere als Hauptverbindungsstraße zwischen Frankfurter Allee und Stralaucr Allee gilt und von vielen Lastfuhrwerken frequentiert wird, nicht die geringsten Vorkehrungen gegen die Glätte getroffen waren. Ein in der Mainzer Sterße wohnender Lichtenberger Bürger schreibt uns von gestern vormittag: „Soeben sehe ich zu meinem größten Erstaunen, wie die Kolonne der Straßenrciuigung von sechs Mann sich bemüht, die angeftorenen Pferdeäpfel loSzustoßen und den eingefrorenen Schmutz wegzufegen, die Leine können aber vor Glätte mit der Karre nicht vorwärtskommen. Wie in Schöppenstedt!" Es wäre doch die erste Pflicht der Straßenreinigung ge Wesen, durch Sandstreuen die Verkehrswege fahrbar und passierbar zu machen. Fehlte es an Mannschaften, so gab es Arbeitslose genug, die für entsprechende Bezahlung sofort zw gegriffen hätten. Januarumzug. Beim bevorstehenden Vierteljahreswechsel bc- ginnt der Umzug erst am 3. Januar, da der 1. und 2. Januar Feiertage sind, an welchen nach dem Gesetz die Umzugspflicht ruht. Bei kleinen, aus höchstens 2 Zimmern mit Zubehör bestehenden Wohnungen muß der Umzug bereits am 3., bei mittleren aus 3 oder 4 Zimmern nebst Zubehör bestehenden Wohnungen am 4. Januar mittags 12 Uhr und bei großen, mehr als 4 Wohn- zimmer umfassenden Wohnungen am ö. Januar mittags 12 Uhr beendet sein. Aufhebung eines Postamtes. Das Zweigpostamt Berlin 0. 93 (Rüdersdorfer Straße 31) ist eine Postzweigstelle, die zum Post- amt 17 in der Fruchtstraße 8 gehört. Zufolge einer Anordnung der kaiserlichen Oberpostdirektion wird die Zweigstelle am 31. De» zember nach Schalterschluß aufgehoben. Die Ausstellung empfehleuswerter Jugendschriste« im Ge- Werkschaftshause ist heute von 2—9 Uhr geöffnet. Der Vev kauf der Bücher findet in derselben Zeit im Saal 2 statt. Die Brommy-Brückc wird wegen Kanalisationsarbeiten sofort bis auf weiteres für Fuhrwerke und Reiter gesperrt. Die Erziehung zur Höflichkeit. Wir konnten kürzlich ein Aktenstück veröffentlichen, das die Burcaukratie in der städtischen Verwaltung in ein helles Licht setzt. Heute find wir in der angenehmen Lage, dokumentarisch nachweisen zu können, daß die Kultur, die alle Welt beleckt, sich auch aus die Direktion der städtischen Gaswerke erstreckt. Das betreffende„Kultur- dokument" lautet: „Von Gasabnehmern sind wiederholt Beschwerden darüber eingelaufen, daß Revierarbeiter beim Betreten von Wohnungen PP die Dien st mutze auf dem Kopfe(I) behalten haben. Ein derartiges Verhalten ist unzulässig; da? Revier- Personal hat beim Betreten von Wohnungen, Geschäftsräumen pp. die Mütze abzunehmen. In Fällen, in denen der betreffende Arbeiter beider Hände zur Erledigung der Arbeiten bedarf und die Mütze nicht abnehmen kann, hat er den Wohnungsinhaber pp. um die Erlaubnis zu bitten, die Mütze aufbehalten zudürfen. � � Diese Verfügung ist dem Personal von Zeit zu Zeit in Er- innerung zu bringen. Unterschrift." Wir finden, daß die Herren Beamten usw., die ihre kostbare Zeit dazu vertvendeten, diese geniale Verfügung auszuhecken, sich noch etwas ausführlicher über diesen Gegenstand hätten ver- breiten können. ES fehlt z. B. die Bemerkung, daß eS erlaubt ist, mit der linken Hand zu grüßen, wenn die rechte gerade beschäftigt ist; weiter, wie tief die Mütze ab- gezogen werden soll; ferner, daß die Mütze nicht offen nach oben gehalten werden darf, damit cS nicht den Anschein ge- winnt, als spekuliere der Arbeiter auf ein Trinkgeld; endlich fehlen vollständig Angaben über Verbeugung und Kratzfuß I Wir raten der Direktion, einen AnstandskursuS für solche Arbeiter zu veranstalten, die von Europas übertünchter Höflichkeit nichts wiffen. Auch dürfte eS sich empfehlen, das wellberühmte Buch deS Freiberrn von Knigge„lieber den Umgang mit Menschen' unter die Unhöflichen zum Studium und Danachachlung zu verteilen. Den Herren Beamten aber, die derarttge Verfügungen erlassen, ist an- zuraten, sich bei Herrn Professor Wustmann über„Sprach- dummheiten" und bei dem gesunden Menschenverstand über die Lächerlichkeit bureaukrattscher Verfügungen Rats zu erhole»! Zum Frauenmord ist mitzuteilen, daß die Wohnung der Händlerin Schreck nochmals eingehend untersucht und die Frau wieder nach dem Polizeipräsidium zur Vernehmung geholt worden ist. Frau Sch. wird nachgesagt, daß sie über den Zeitpunkt ihrer' letzten Zusammenkunft mit der Arnholz die Unwahrheit gesagt haben soll. Die Schießaffäre. bei der der Kriminalbeamte Wild den früheren Schlächtergescllen Schocke durch einen Re- velverschuß tötete, bedarf noch sehr der Aufklärung. Die aus Polizeiquellen herrührenden Mitteilungen, die von bürgerlichen Blättern, vor allem vom„Lokalanzcigcr", begierig aufgegriffen werden, beschuldigen den Getöteten, er sei nicht nur ZuHalter ge- Wesen, sondern auch ein gefährlicher Bauernfänger, auch habe er Eindruck empfangen zu haben, daß Wild nicht auf dem Boden liegend, sondern stehend und aus einiger Entfernung geschossen habe. Uebrigens wird auch die vom„Lokalanzeigcr" wiedergrlgebene Behauptung, daß das Lokal in der Brandenburgstraße, aus dem der Beamte den Schacke herausholen ließ, eine Kaschemme sei, von Gästen dieses Lokals mit Entrüstung als durchaus falsch bezeichnet. Die ungünstige Schilderung der äußeren Umstände dieser Schießerei hat natürlich den EffAt, das Verhalten des Beamten in desto günstigerem Lichte erscheinen zu lassen. Daß er genötigt gewesen sei, von seiner Schußwaffe Gebrauch zu m a che n, scheint ja auch die Meinung des neuen Polizeipräsidenten zu sein. Herr von Jagow soll sogar in eigener Person sich nach dem Urbankrankenhaus begeben haben, um dem Kriminalbeamten Wild seine Anerkennung auszusprechen. Wofür eigentlich? Dafür, daß er„sich nicht totschlagen lassen wollte", wie Wild nach dem Schutz dem zusammenlaufenden Publikum erklärt haben soll? Denn dafür, daß er durch den geschwinden Gebrauch seiner Schußwaffe eine Person aus der Welt geschafft hat, von deren Angaben eine Förderung der Suche nach dem Frauenmörder er- wartet wurde, wird ihm der Herr Polizeipräsident ja wohl keine Anerkennung spenden wollen. Schacke hatte, wie schon gemeldet, nur zu dem Zwecke angehalten werden sollen, Auskunft zu geben über den Aufenthalt einer ihm zufällig bekannten Person, die Mit» teilungen in Sachen des Fvauenmordes machen könnte. Der Beifall des Polizeipräsidenten soll dem„M u t" gegolten haben, der von Wild bewiesen worden sei. Ist es wirklich ein Zeichen von so sehr viel„Mut", sich mit dem Revolver zu wehren? Die Webcrwiese ist dem öffentlichen Verkehr entzogen worden. Diese Tatsache hat in weiten Kreisen der Bevölkerung des Ostens lebhafte Beunruhigung hervorgerufen und zu Vorstellungen beim Magistrat Veranlassung gegeben. Dieser hat sich in seiner gestrigen Sitzung mit der Sachlage beschäftigt. Als Ergebnis semer Veratungen versendet der Magistrat folgende Mitteilungen: „Der Plan der Parkdeputation, auf der sogenannten Weber- wiese an der Frankfurter Allee versuchsweise in diesem Winter eine Eisbahn herrichten zu lassen, die täglich, auch Sonntags und in den Ferien, zwischen 1 und S Uhr 200 Gemeindeschülern zur unentgeltlichen Benutzung offenstehen soll, beschäftigte gestern in- folge der eingegangenen Petitionen den Magistrat. Alle Befürch- tungen, von denen die Petitionen ausgehen, konnten als grundlos widerlegt werden. Insbesondere sei erwähnt, daß im Interesse der Eisbahn nicht etwa der Rasen mit Kies belegt worden ist, es sind nur einige Löcher mit Mutterboden ausgefüllt worden. Auch ist nicht ein einziger Baum der Eisbahn geopfert worden. Als sich nach dem letzten Sturm im November 6 Bäume der Anlage als morsch und brüchig erwiesen, mutzten sie gefällt werden, das ge- schah aber schon, ehe die Einrichtung der Eisbahn beschloffen war und hat mit ihr nichts zu tun. Nur einer der gefällten Bäume stand überhaupt auf der Eisbahnfläche. Der Baumbestand der Weberwiese, Erlen und Eschen, wird durch die dünne Eisdecke keineswegs beschädigt werden; die jungen Bäume werden außer- dem eine Sehutzbekleidung erhalten Eine Verkehrserschwerung bringt die Eisbahn in keiner Weise mit sich, da sowohl der ge« pflasterte Fußweg Frankfurter Allee— Königsbergcr Straße wie der Qucrweg Memeler Straße— Königsbxrger Straße außerhalb der Eisbahn liegen. Bedürfnisanstalten werden für die..Zwecke der Eisbahn nicht neu errichtet, da die auf dem Platz vorhandenen genügen. Ausgangspunkt für den Beschluß in der Parkdeputation war natürlich nicht die Pachtsumme von 300 M., sondern die Beobachtung, daß auf den Tümpeln der Weberwiese, die etwas tiefer liegt, die Schuljugend untaugliche Versuche des Eissports unter- nahm, für die ihr jetzt eine gepflegte und benutzbare Bahn zur Verfügung gestellt werden soll. Sie bleibt nur für die Dauer der eigentlichen Frostperiode umzäunt. Davon, daß die Anlage keine Verunstaltung der Stadtgcgend bedeute und offenbar einem Bedürfnis entgegenkomme, hatten sich einige Mitglieder des Magistrats durch persönlichen Augenschein überzeugt und so fand denn auch der Magistrat keine Veranlassung, den Beschluß der Parkdeputation abzuändern." Durch diese Erklärung werden die Bedenken der Bevölkerung in jener Gegend gegen die anderweitige Verwendung der Weber. wiese in keiner Weise beseitigt. In einem Protest des Freisinnigen Bezirksveveins des Ostens an den Magistrat heißt eS: Um die Blößen des ganzen Unternehmens zu decken, hat man das sozial- hygienische Feigenblatt darüber gedeckt. Von 1— S Uhr soll den Schulkindern unter Führung eines Lehrers gestattet sein, sich un- entgeltlich auf dem Eise zu tummeln. Ob während dieser Zeit die Eisbahn für zahlende Läufer gesperrt ist, wird nicht mitgeteilt; ob das Anerbieten auch für Sonn» und Feiertage und für die Ferien yilt, gleichfalls nicht. Wir glauben aber, daß aus Opposition gegen die ganze geradezu unglaubliche Einrichtung überhaupt kein Lehrer sich zur Aufsicht erbieten wird. Mit welcher Heimlichkeit der ganze Plan betrieben worden ist, ergibt sich daraus, daß von ihm nicht einmal die Stadtverordneten etwas erfahren haben. Zum Schluß zwei gehorsam« Fragen: 1. Hat ein« Ausschreibung wegen eines Pachtangebotes stattgefunden, bezw. wann und wo? 2. Warum werden nicht ähnliche Einrichtungen auf dem ebenso gut geeigneten Dönhafssplatz, auf dem Königsplatz, auf dem Lützowplatz«der sonstigen öffentlichen Plätzen getroffen?" Subvcntionierung der Heilsarmee durch de« Berliner Magistrat. DaS Nachrichtenamt des Magistrats teilt mit:„Das Haupt- quartier der Heilsarmee in Berlin beabsichtigt, in Berlin sobald als irgend möglich ein Männerheim zu errichten, um eS Arbeits- und Obdachlosen, insbesondere aber gesunkenen männlichen Per« sonen helfend zur Verfügung zu stellen. DaS Berliner Heim soll zunächst für 200 Personen eingerichtet werden. 60 Betten bleiben für die von städtischen Dienststellen zu überweisenden Obdachlosen frei. Bei der Aufnahme in das Berliner Heim sollen Unterschiede des religiösen Bekenntnisses nicht gemacht werden; auch ist in dem- selben eine Agitation für religiöse Zwecke der Heilsarmee auS» geschlossen. In Rücksicht auf die in zahlreichen anderen Städten ge» machten günstigen Erfahrungen und die Beobachtung, daß es der Heilsarmee durch die direkte persönliche Berührung mit den sich an sie wendenden Personen vielfach gelingt, gesunkene Elemente zu retten, hat der Magistrat beschlossen, das geplante Berliner Unternehmen mit einem Zuschuß von 3000 M. zunächst für 1910 zu unterstützen und die Genehmigung der Stadtverordneten-Ver» sammlung hierzu nachgesucht." Die Maßnahme des Magistrats wird allseitiges Erstaunen erregen. Was den Charakter der Heilsarmee betrifft, so weist die„Berliner VolkS-Zeitung" den Magistrat auf folgenden Um- stand hin:„Die Heilsarmee liefert ihre Einnahmen an das englische Hauptquartier ab, und General Booth hat sich von vorn- herein ausbedungen, daß er über diese Einnahmen schalten und walten kann wie er will, ohne die geringste Rechenschaft über de» Verbrauch der eingegangenen Summen abzulegen." Aber abgesehen von diesem Umstand, der gewiß sehr Ic* achtenswert ist, kann es nicht Aufgabe der Stadt sein, die durch die Heilsarmoe betriebene Agitation, die in weiten Kreisen der Berliner Bevölkerung als grober Unfug empfunden wird, durch Hergabe von städtischen Geldern zu unterstützen. Will der Magistrat sich an der»Rettung gesunkener Elemente", wie er sich ausdrückt, beteiligen, so hat er dazu genug Ge- legenheit. Für die Unterbringung Obdachloser ist er ohnehin gesetzlich verpflichtet, obwohl ihm diese Aufgabe durch den Asylverein für Obdachlose erheblich erleichtert wird. Und dem Alkoholmißbrauch entgegenzuarbeiten, dazu braucht er nicht die Heilsarmee. Das kann er in dem Ressort der Armen» Verwaltung, wenn er genügend Mittel zur Verfügung stellt, sowie durch Unterstützung von Vereinigungen, die auf diesem Gebiete lediglich humanitäre Zwecke verfolgen. „Von todbringender Kugel dahingerafft." Der kürzlich in Leipzig vom dortigen Schwurgericht zu der ungeheuerlichen Strafe von zehn Jahren Gefängnis und fünf Jahren Ehrverlust verurteilte Berliner Kaufmann Grosser hat bekanntlich in einem schweren Anfall geistiger Unzurechnungsfähigkeit den Kanzleirat Straßburg vom Reichsgericht erschossen. Zum Andenken an den Getöteten ist jetzt an seiner Ruhe- stätte ein Grabdenknial aufgestellt worden mit folgender Inschrift: „Dein Andenken des Obersekretärs, Rechnungsrals Rudolf Straßburg, geboren am 30. Januar 1862 in Lüneburg, von todbringender Kugel dahingerafft in einer Sitzung des Reichsgerichts am 16. November 1308. Gewidmet vom Reichsgericht." Wir möchten fragen, ob das, was hier das Reichsgericht tat. etwas anderes ist, als was deutsche Arbeiter getan haben, um einen von dem Gendarm Jude in nicht unzurcchnungsfählgein Zustande erschossenen Genossen zu ehren. Auf dem Grabhügel dieses Er- schossenen wurde ein Gedenkstein errichtet, der die Inschrift trägt: „Erschossen von dem Gendarm Jude". Die zuständige Gemeindebehörde hat eS aber für angebracht gehalten, diese Inschrift amtSseitig zu beanstanden, sie mit einem Holzkasten zu umhüllen und auf ihre Entfernung zu dringen. Da« gerichtliche Verfahren wegen dieser Anordnungen schwebt noch, muß aber nun nach dem Borgange des höchsten deutschen Gerichtshofes selbstverständlich zu- gunsteil der Hinterbliebenen Witwe, der der Gedenkstein gehört, auS- fallen. Oder es ist in Preußen-Deutfchland wieder mal nicht das- felbe. wenn zwei dasselbe tun. DaS Opfer einer Gasvergiftung ist am Freitagabend der 68 Jahre alte Eifenbahnbeamte Leihn geworden, her im Ruhestand lebte und bei seinem Schwiegersohn in der Knieprodestraße 1o wohnte. Der Schwiegersohn und die Tochter gingen um 6 Uhr aus und ließen den alten Vater allein zurück. Als sie um 11 Uhr heimkehrten, fanden sie ihn in der Küche tot im Bette liegen. Er hatte sich Kakao zurechtgemacht und hierbei muß die Kochvorrich- tung in Unordnung geraten sein, so daß GaS ausströmte. Weder- bclebungSverfuche blieben erfolglos. Beim Spielen mit einem Revolver erschossen. Ein trauriger Unglücksfall hat sich vorgestern abend in der großen Frankfurter Straße 2 zugetragen. In der dort befindlichen Tapetenhandlung von E. T r a d t spielte der 17jährige Sohn des Inhabers in Gegen- wart des Illjährigen Schlächtermeisterssohnes Hermann Caspar mit einem geladenen Revolver. Plötzlich entlud sich die Waffe und die Kugel drang dem kleinen Caspar in den Kopf. Schtver- verletzt brach der Knabe zusammen. Obgleich ärztliche Hilfe bald zur Stelle war. starb der Unglückliche doch nach kurzer Zeit. „Arbeitslose scheint eS in Berlin nicht z« geben." Diesen Schluß könnte«in Unkundiger ziehen aus dem Umstand, daß immer wieder zur Ausführung von Gelege...�itSarbeiten, die so mancher Arbeit«. lose so gern übernähme, Feuerwehrleute oder Soldaten geholt weiden. Auch im Hause UniversisätSstraße 3d, dessen Be- sitzer ein Bankier Abrahamsohn ist, werden seit Sonnabend Sol- baten zu solchen Arbeiten mißbraucht. Soldaten vom Alexander- regiment führen dort Reiniaungsarbeiten aus, ein weih- nachtliches Großreinmachen auf Fluren und Treppen: sie bohnern die Treppen, sie klopfen die Läufer, und so weiter. Wenn Geschäfts- inhabcr ihren Geschäftsumzug mit Hilfe von Soldaten oder Feuer- Wehrleuten bewerkstelligen, so entschuldigen sie sich gewöhnlich damit, daß ihnen nicht jeder beliebige Arbeitslose ausreichend Gewähr für Ehrlichkeit biete. Für die Reinigungsarbeiten im Hause Univer. sitätsstraße Sb kann man uns nicht mit dieser faulen Ausrede kommen: denn schwerlich wird ein Arbeitsloser einen abgetretenen Läufer einstecken wollen, und im übrigen werden die Arbeiten voy? Hauswart überwacht.'Diese Arbeiten sind noch nicht beendet, die Soldaten sollen am Montag wiederkommen, um sie fortzusetzen. Aus der Taiche des schwerreichen Hausbesitzers wird den Soldaten der nicht fürstliche Lohn von 3 M. pro Tag gewährt. Die Abnutzung der Drtllichanzüge, die bei den Arbeiten sich mit Schmutz be- decken, wird aus dem Säckel des deutschen Reiches bezahlt. Panik bei einem Fabrikbrande. In der Oranienstraße 108, gegenüber der ReilbSdruckerei, kam gestern mittag ein gefährlicher Fabrikbrand auS, bei dem 18 Personen in Lebensgefahr schwebten. Auf dem zweiten Hofe befindet sich ein einstöckiger massiver Bau von sechs Fenster Front. In dem Erdgeschoß hat die Firma Ernst Bauer eine Lackiererwerkstatt eingerichtet und darüber sind die Arbeit«, und Lagerräume der Rohrmöbelsabrik von G. Wronler belegen. DaS Feuer entstand angeblich durch Selbstentzündung im Lackiererraum und verbreitete sich so rapid, daß in wenigen Sekunden dem ArbeitSperionale der einzig« nach der Jakobstraße führende Ausgang versperrt wurde. ES entstand eine Panik, die sich unter den bedrohten Arbeitern mit jeder Sekunde vergrößerte, Da zertrümmerten schließlich einige Männer vom Hofe aus die Fabrtkfenster und zogen die Arbeiter ins Freie, noch bevor die Feuerwehr von der Hauptwache mit zwei Zügen ankam. Brandmeister Grabow ließ sofort mit sechs Rohren vorgehen und brachte das Feuer auch bald zum Stehen. Die Lackiererei brannte total aus und auch die Rohrmöbelfabrik wurde in Mitleidenschaft gezogen. Der Schaden ist erheblich. In dem- selben Fabrikraum hat vor fünf Jahren schon einmal eine heftige Explosion stattgefunden. Der Berliner JugendanSschuß veranstaltet am heutigen Sonntag, 7 Uhr abends, in den Armin-Hallen, Kommandantenstr. 58/B0, eine Jugendversammluna. Vortrag von Frl. Ida Altmann: „Warum frirrn wir Weihnachten?" Anschließend geselliger Teil, ve» stehend aus Rezitationen, Konzert und Gesang. Recht rege Beteiligung der Lehrlinge, jugendlichen Arbeiter und Arbeiterinnen wird erwartet. Freie Jugendorganisation, Berlin, Süd-Ost. Montag, den 20. Dezember, abends 8 Uhr. Gruppenversammlung im Gewerkschaftshaus. Vortrag der Frau Louise Zietz. Vorort- JVadmcbtem W&otf. Stadtverordneteuversamnilung. Einen lebhaften Redekamps rief in der Donnerstagssitzung der Antrag der sozialdemokratischen Fraktion auf Erweiterung deSBureauS der Berfa mm- n n g durch einen Beisitzer hervor. Etadtv. T h u r o w(Soz.) be- gründete diesen, indem er eine Abänderung de« ß 1 der Geschäft»- ordnung vorschlug. Er beleuchtete die parlamentarische Ungerechtig- keit, die darin liegt, daß die Besetzung des Bureau» nicht nach der Starke der Fraktionen erfolgt und so die Arbeiterdertreter und damit der übergroße Teil der Bürgerschaft hierin rechtlos gemacht werden. Wie unhaltbar das ist, habe man in vielen anderen Parlamenten endlich eingesehen: es müsse endlich auch in Rixdorf der Gerechtigkeit entsprochen werden. — Stadtv. Abraham wußte über die bisherige Gewaltpolitik der Mehrheit bei der Bureaubesctzung nichts besseres zu sagen, als daß er behauptete, man habe im alten Sitzungssaal nur nicht die Not- wendigkeit einer Bureauerweilerung einsehen kö»nen. da die beiden Vorsteher dort die Versammlung übersehen konnten. Heiterkeit aus der äußersten Linken quittierte über diesen VerlegeuheitSpurzel- bäum. Jetzt will er aber anders: nicht„nur" ein'Beisitzer— so sagt er—, sondern„sogar" zwei sollen den Vorstehern bei der Abwickelung der Geschäftsordnung während der Sitzungen„behilflich" sein. Sonst aber— das sagte zwar der Redner nicht wörtlich, aber es kam ohnedies deutlich zum Ausdruck— sollen beide bezüglich der Geschäfte der Versammlung mij to{eggen haben. Diese Stellungnahme war ja von dem Einperlscher des reaktionären Flügels der Versammlung nicht besonders berwunderlich. Ein Charakieristiknin für diejenige Gruppe Stadtväter. welche sich gar z» gern als fort- geschritten geriert, war deren Zustimmung zum Antrage Abraham, die sich Stadtv, Dr. M a a ß trocken festzustellen beeilte. So ivar die Mehrheit wieder einmal zusanimengeichweißt und eS half die Kennzeichnung des VerichlechterungSantrageS durch die sozialdemo- kralischen Redner nichts, welche die Tätigkeit der Beisitzer in dem Falle als die von Hausdienern der Vorsteher bezeichnete. DaS deko- ralive Scböiiheitspflästerchen, genannt Antrag Abraham, wurde mit 35 gegen 23 Stimmen beschlossen. Ein Schauspiel ganz besonderer Art bot die nun folgende Be- rawng deö sozialdemokratischen Antrages, in dem der Magistrat um Auskunft darüber ersucht wird, wie er der A r b e t t S l o s i g ke i t in diesem Winter entgegenwirken will, Stadtv. P a g e l S iSoz,) behandelte das ganze Problem der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit in ausgezeichneter sachkundiger Weise. Er stellte fest, daß die im vorigen Jahre eingesetzte Kommission, welche immer- hin einige Ansätze versucht hatte, sanft entschlafen ist, obwohl damals vom Magistratsvertreter versprochen worden war, die ganze Sache zu fördern. Nichts sei geschehen; und doch sei nicht an- zimehme», daß da« große Elend und der viele Jammer, den die Arbeitslosenzählung tm Februar dieses Jahres ergab, geioiß nicht milder in die Erscheinung treten würde. Die Statistik des städtischen Arbeitsnachweises zeigt, daß im Oktober von 862 Arbeltslosen nur 498 in Arbeit gebracht werden konnten: im November sei gar ein lleberschnß von 666 Arbeitsuchenden zu verzeichnen gewesen. Einen Beweis für den Umfang der anhaltenden Arbeitslosigkeit seien auch die nach Millionen zählenden Unterstützungssuinmen der Geioerl- schasten, die sich redlich mühen, dem Uebel ivenigstenS in etwas zu steuern. ES könne diesen aber nicht allein die Sorge da- für überlassen bleiben, sondern die Kommunen hätten die Pflicht, hier energisch helfend einzugreifen. Nur dauernde Institutionen könnten da nützen, wie Schaffung von kommunaler Arbeitslosen- Unterstützung. In diesem Sinne müsse die Kommission unbedingt weiterarbeiten.— Während dieser Ausführungen hatten fast die gesamten bürgerlichen Stadtverordneten den Sitzungssaal verlassen.— Stadtrat D r. Mann gab sich hierauf mit schlechtem Gelingen weidlich Mühe, die Anklagen wegen der Untätigkeit des Magistrats sowohl als auch den behaupteten Umfang der Arbeitslosigkeit zu bekritteln. Er erwartet alles von dem im Berliner Nathause angeregten Glädtetag, der speziell die ArbeitSlosenfrage behandeln soll. Bon NotstandSarbetten will der Magistrat in diesem Winter ebenfalls absehen. Stadtv. Kl o th(Soz,) wies eingangs seiner Ausführungen auf die gähnende Leere auf den Bänken der Mehrheit hin und geißelte das mangelnde Interesse der Mitglieder von jener Seite, dte eS fertig bringen, angesichts der Debatten über da« Ardeiterelend tm Er- frischungSraum auf ihre Art die soziale Frage zu studieren. Er wies dann nach, daß die Arbeitslosigkeit eine Begleit- «rscheinung der kapitalistischen Gesellschaftsordnung ist, deren Bekämpfung daher unbedingt als eine Pflicht der Ber- teidigcr derselben, der bürgerlichen Parteien, bezeichnet werden muß. Geredet würde genug von Versöhnung der Klaffen, wenn eS aber ans Handeln gehe, dann versagte der Tatendrang, so daß die Sozialreform einroste,— Nochmals sprach Stadtv. P a g e l S(Soz.) wirkungsvoll gegen die Haltung des Magistrats, der nach den Worten des Stadtrats Dr, Mann jetzt auf dem rückständigen Niveau des Ber» liner Stadtrats Fischbeck angelangt zu sein scheint. Der geplante Städttag würde sicher nichts weiter zuwege bringen, als eine Petition an die preußische Regielung, Was von dieser Seite zu erwarten sei, das zeigt die Talsache, daß dieselbe Regierung dte Arbeitslosigkeit noch fördere, indem sie gegen„Maßregelungswerkstätten", wie es zum Beispiel der berüchtigte ZentralarveitSnnchweiS der Bergbauunternehmer ist, nichts einzuwenden habe; auch das Auffahre» von Maschinen- gewehren gegen Arbeiter, die um ihr gesetzlich verbrieftes Recht lämpten, fei bezeichnend für diese Regierung, Von der Seite, wie auch von einem Slädtetage wird kein Arbeitsloser etwas erwarten. In Groß-Berlin müsse endlich an einer Stelle die Initiative ergriffen werden, um dem Elend der Arbeitslosigkeit zu steuern,— Ohne daß ein einziger bürgerlicher Vertreter ein Wort gesagt hätte, schloß die Debatte, Der Versuch des Stadtv. Scholz(Soz.), die in der geheimen Sitzung auf der Tagesordnung stehende Verpachtung des Eltsabeth- Ktnderbospitals in der Hasenheide öffentlich zu verhandeln, scheiterte. Dte Oeffentlichkeit wurde für den Rest der Verhandlungen aus- geschloffen. Die Buchhandlung der Borwärtsspedition ist am heutigen Sonn- tag. nachmittags von 3—7 Uhr geöffnet. Reichhaltige Auswahl von Partei- und Jugendschriften. Charlyttendurg. Bom Anto erfaßt und tödlich verletzt wurde vorgestern abend; gegen 8 Uhr an der Joachimsthaler- und Hardenbergstraße eine etwa 30 Jahre alte Frau. In schwer verletztem Zustande wurde die Verunglückte unter vem Gefährt hervorgezogen und zunächst nach der Unfallstation am Zoologischen Garten gebracht. Die dortigen Aerzie, so teilt man uns mit, hielten die Verletzungen für so schwer. daß die Verunglückte nicht am Leben zu erhallen wäre. Ermilte- lungcn sollen ergeben haben, daß eS sich in der Verunglückten um eine Plätterin aus Spandau handelt, die nach Berlin gekommen war, um Weihnachtseinkänfe zu machen. Die städtische Schulzahnklinik kann mit ihrer gegenwärtigen Besetzung die Fülle der ihr zugewiesenen Arbeit nicht bewältigen. DaS ist ein durchschlagender Beweis für ihre Notwendigkeit. Der Magistrat beschloß deshalb«inen zweiten Assistenten oder eine Asststenzärztin anzustellen. Schöneberg. Die Stadtverordneten-Ersatzwahlen im 3. und 7. Kommunal« bezirk finden am Dienstag, den 21. d. M, vormittags S Uhr bis abends S Uhr statt. Der 3, Bezirk wählt in dem Restaurant Linden- park, Hauptstr. 16. Als Kandidat ist der Genosse Gastwirt W, Fintel ausgestellt. Im 7. Bezirk kandidiert Genoffe Rott« weiler, der als Ersatzmann für den Genossen Obst auf zwei Jahre gewählt werden muß. Obwohl in diesem Bezirk zwei HauS- besttzer zu wählen sind, ist eö trotz aller Bemühungen nicht möglich gewesen einen wetteren geeigneten Kandidaten, der gleichzeitig das Hausbesitzerprivileg sein eigen nennt, aufstellen zu können. Daher mußte von einer Besetzung deS sechsjährigen Mandats für dieses Mal Abstand genommen werden. Es sei daher darauf hingewiesen, daß al« Ersatz der Genosse R o t t w e i l e r für die Wähler in Be« tracht kommt. Die Arbeiterschaft muß durch starke Wahlbeteiligung eine machtvolle Demonstration gegen das Besitzerprivileg entfalten. Nütze daher noch jeder die kurze Zeit, die bis zur Wahl zur Wer- fügung steht, zur regen Agitation für unsere Kandidaten au». Di» Jugendschriften-AuSstellung ist nur noch heute Sonntag. nachmittags von 4 Uhr bis abends 8 Uhr im Tunnel der Neuen RathauSiäle, Meininger Str. 8, geöffnet. Käufe sowie Bestellungen auf Jugendschriften. Klassiker, Schulartikel nimmt dann nur die Spedition Martin-Lutherstr. 51 entgegen. Mariendorf-Südende. In der am Mittwoch stattgefundenen Mitgliederversammlung des Wahlvereinö referierte der Reichstagsabgeordnete Genosse Eich- Horn über„Schiller und seine Zeit". DaS l'/zstündige Referat wurde mit reichem Beifall entgegengenommen. Betreffs der Märchen- Vorlesungen im Gewertschaftsbauie war man allgemein der Ansicht. daß diese in künftigen Jahren in mehreren kleinen Sälen ohne Eintrittsgeld stattfinden sollten. Alsdann gab Genosse Huhn bekannt, daß am dritten Weihnachtsfeiertage der Eltern- abend des Wahlvereins für die Kinder stattfindet, die am Elternabende der schule nicht teilgenommen haben. Da von de« Kindern Reigen aufgeführt, Vorträge und Geiänge zu Geoör gebracht werden, so ist eS Pflicht jede« Pariergenossen, diele« Fest zu unterstützen. Am Schluß wurde darauf aufmerksam gemacht, daß im Lokal von Löwenhagen, Chausseestraße 27, ein Verzeichnis empfehlenswerter Jugendschristen und Wandschmuck auSliegt. Be- stellungen werden dortselbst entgegengenommen und jedem Besteller frei ins HauS geschickt. Die Parteigenosse« werden ersucht, recht rege davon Gebrauch zu machen. Lichtenberg. Haß gegen alles, was nach Aufklärung dürstet, leitet bis MagistratSmitglieder der Arbeiterstadt Lichtenberg bei einer ganzen Reihe von AmtShairdlungen. Arbeiterturner finden kein Obdach in den städtischen Turnhallen, weil sie in dem Verdacht stehen, daß sie das Turnen als eine Vorbereitung zum gewaltsamen Umsturz von Staat und Gesellschaft betreiben. Die Stadtverordnetenver. sammlung hat durch Majoritätsbeschluß die gleichmäßige BeHand. lung der Bürger und Aufnahme der Arbeiterturner in die stadtv scheu Turnhallen verlangt. Aber zu was wären denn die fanatisch. stcn Haffer der Arbeiter nicht auch neben ihrer Magistratsmitglied» schaft Mitglieder der Schuldeputation? Nicht der Magistrat, son. dern die MagistratSmitglieder der sozialistenreinen Schuldeputation lehnen es ab, Lrbeiterturner in städtischen Gebäuden turnen zu lassen. Arbeitersamariter halten Unterrichtskurse über die erste Hilfe bei Unglücksfällen ab. Eine der leerstehenden städtischen Turnhallen zu den praktischen Uebungen herzugeben, lehnen dte Mitglieder der Schuldeputation ab. Aber nur den Arbeitersama- ritern, nicht den Sanitätskolonnen vom Roten Kreuz! Doch nicht genug damit, daß die Schuldeputation diesen eben erwähnten Korporationen die städtischen Turnhallen verweigert, sie hat neuer- dings sogar die Hergabe der Räume zum Abhalten hygienischer Vorträge abgelehnt. Die Zentralkommission der Krankenkassen Berlins und der Vororte hat sich seit langer Zeit bemüht, die Bevölkerung durch Abhalten hygienischer Vorträge aufzuklären. Sie hielt es daher für selbstverständlich, daß ihr die Räume zu diesem Zwecke genau so wie in den anderen Vororten in diesem Jahre auch in Lichten- berg wieder zur Verfügung gestellt würden. Die genannte Kam» misston richtete am 15. November an den Magistrat folgendes Schreiben: Die Unterzeichnete beabsichtigt, wie in den Vorjahren, auch im kommenden Winter einen Zyklus hygienischer Borträge für die Bevölkerung Berlins und der Vororte, welche dem Versiehe- rungSzwange unterliegen, durch die Aerzte der Krankenkassen halten zu lassen. Die Vorträge sollen in der Zeit vom 15. Januar bis 15. März 1916. abends von 8—10 Uhr, in der dortigen Schulaula stattfinden. Allwöchentlich soll möglichst ein Vortrag gehalten werden. In Berlin, Charlottenburg, Pankow, Rixdorf, Schöneberg» Weißensee usw. erhalten wir die Schulaulen nebst Heizung und Beleuchtung für diesen Zweck unentgeltlich. Wir geben UNS der Hoffnung hin, daß auch der dortige Magistrat sich der gc- meinnützigen Sache nicht verschließen wird und gestatten uns daher die ergebene Anfrage, ob wir für die obengenannte Zeit eine derartige Schulaula zur kostenlosen Benutzung für diesen Zweck erhalten können. Einer geneigten zustimmenden Er- klärung sehen wir gern entgegen und bitten gleichzeitig um gütig« Mitteilung, welche Schulaula und an welchen Abenden wir die- selbe erhalten können. Einem geneigten Bescheide hierüber sehen wir gern entgegen, Ergebenst Die Zentralkommisston der Krankenkassen Berlin» und der Vororte. gez. E. SimanowSki. Vorsitzender. Arn 9. Dezember wurde dem Anfragenden folgender Bescheid: Auf das gefällige Schreiben vom 15. November dieses Jahre» teilen wir Ihnen ergebenst mit, daß wir eS zu unserem Bedauern ablehnen müssen, Ihnen in diesem Winter eine Schulaula zwecks Abhaltung von hygienischen Vorträgen zur verfugung zu stellen, Schuldeputation, gez. Ziethen. Da Grunde für die Ablehnung deS Gesuchs nicht angeführt sind, bleibt nur die Vermutung übrig, daß der Schuldeputation die hygienische Aufklärung der Bevölkerung nicht angenehm ist. Und dabei wäre diese Aufklärung in einer Stadt wie Lichtenberg, in der die Deputation für das Gesundheitswesen in den zwei Jahren. ihres Bestehens nicht einmal zusammengetreten ist, besonders not- wendig. Welche Stellung die Emporkömmlinge, die ihre sozial« Position mit wenig Ausnahmen der werktätigen Bevölkerung zU verdanken haben, aber auch gegen die Aufklärung immer ein- nehmen mögen: sie werden diese Aufklärung nicht hintanhalten können. Der hier geschilderte Vorgang zeigt uns, daß der Lichten, berger Magistrat sowie die Schuldeputation in reaktionärer und rückschrittlicher Hinsicht nicht zu übertreffen sind. Treptow-Bauinschulenweg. Der Arbeiterschaft wird nochmals in Erinnerung gebracht, baß für das bevorstehende Weihnachtsfest täglich(auch am heutigen Sonntag) abend» bis 9 Uhr beim Genossen Hornig in Baum» ichulcnweg. Marienthaler Str. 13 1 eine reiche Auswahl von Jugend» schristen usw. ausgestellt ist. Ober-Schöneweide. Gemeindevertretersitzung. Der Vertretmig lag die Abnahme der JahreSrechnung für 196« vor. Dieselbe schließt ab mit einem buchmäßigen Fehlbetrag von 97 666 M., welcher in der Hauptsache auS vorzeitiger Anleiheverzinsung und-Tilgung entstanden ist. Bei defi direkten Gemeindesteuern, als Einkommen-, Grundwert, und Gewerbesteuern ist eine Mindereinnahme von 16 666 M. zu ver- zeichnen. Die Titel Armenwesen und Volksschule find mit je 7066 Mark überschritten. Die Umsatzsteuer brachte gegen den EtatSan- satz ein Mehr von 16 060 M. Da» Defizit ist einstweilig au? Vorschüssen gedeckt; eine Beschlußfassung über endgültige Deckung wird noch vorbehalten. eS soll in Erwägung gezogen werden, hier- für die Reservefonds in Anspruch zu nehmen. Von der RechnungS- kommission wurde hierbei mitgeteilt, daß für 1969 bei der Grund« wertsteucr eine Mehreinnahme von 26 666 M. zu erwarten ist. Die Biersteucr wird 16 660 M. weniger bringen. Für Markt- standgelder auf dem Wochenmarkt sind bisher 8666 M. eingegangen. Ter Markt befindet sich seit 1. April in Gemeinderegie und hat früher jährlich nur 3066 M. Pacht eingebracht. Die Vorlage betr. Abschluß eine? Vertrages mit der Gasanstalt Oberspree wurde an die Baukommission zurückverwiesen. Um den Fort. bildungSschülern Gelegenheit zu geben, die Bücher der Volks- bibliothek benutzen zu können, sollen entsprechende Einrichtungen getroffen werden. Für die durch die Armenkommission veran. staltete WeihnachtSbescherung armer Kinder wurden 266 M> be- willigt. Gegen die Stimmen unserer Genossen wurde die Er» richtung von zwei neuen Lehrerstellen an der katholischen Schule beschlossen. In geheimer Sitzung stimmte die Versammlung der Pensionierung de» StraßenmeijterS zu. ebenso der Anstellung mehrerer Gemeindebeamten. Köpenick. Nach langen BemüHungsn war es den stadtischen Arbeiten, ge. lungen, im Sonnner d. I. die Wahl eines ArbeitermiSschusses zu erreichen. Leider find die Hoffnungen der städtischen Arbeiter, die sie in diese Institution setzten, schwer enttäuscht worden. Doch liegt dies weniger an den gewählten Vertretern der Arbeiter, als am Verhalten der Vertreter des Magistrats. Diese Herren haben die Verhandlungen deS ArbeiterauSschusseS durch ihr Verhalten direkt zu einer Farce gemacht. JJum Protest gegenüber dieser Mißachtung der Bertreterschast der städtische» Arbeiter, wie auch gegen die Ablehnung ihrer Anträge auf Neuregelung ihrer Arbeitsverhältnisse haben die städtischen Arbeiter für Montag, den 20. Dezember, abends 8 Uhr, nach dem.Kaiserhofe'(großer Saal) eine Versammlung einberufen. Zu dieser Versanimlung sind sämtliche Stadtverordnete und auch der Magistrat eingeladen. Weistensee. Die Arbeiterschaft wird nochmals auf die W e i h n a ch t s Ausstellung der Vorwärtsspedition im Lokale von Roßkopf, Königchaufiee 38, hingewiesen. Geöffnet heute von 9 Uhr vormittags bis tv Uhr abends, am 24. Dezember von 8 Uhr nachmittags bi» 9 Uhr abends, an den sonstigen Tagen von 5 Uhr nachmittags bis 10 Uhr abends. «u» der Gewemdevertrewng. In einem Vertrage mit dem Kreise wegen Verlegung eines DruckrohreS über die Blumberger Chaussee wurde ein Passus, wonach der Gemeinde ein Einspruchs« recht gegen die Höhe der Kosten nicht zustehen solle, gestrichen. Der KreiS hat in die Weglaffung dieser Bestimmung jedoch nicht ein« gewilligt, er drohte mit Entfernung deS Druckrohres, so daß die Mehrheit die Wiedereinsetzung der Bestimmung beschloß. Die neu- projektierte Straße durch die Hoffmannsche Gärtnerei soll baldigst kanalisiert werden, wozu die Bewilligung von 12 000 M. notwendig wird. Eine lange Debatte entspann sich über die Beleuchtung dieser Straße. Herr Schöffe Rothe plädierte der Billigkeit wegen für Gasbeleuchtung, andererseits wurde elektrische Beleuchtung vorgeschlagen, da diese Straße sich als Geschäftsstraße entwickelt. Die Mehrheit beschloß das letztere. Gleichzeitig wurden die Mittel bewilligt zur Anlegung von drei Straßen im alten Orts« teil, die zugleich als Zugangsstraßen für die neue Gemeindeschule in Betracht kommen. Schwierigkeiten macht ein Eigentümer. der in den Abriß einer Scheune nicht einwilligen will, so daß ein Enteignungsverfahren notwendig wird. In der geheimen Sitzung kam es zu aufgeregten Debatten über die Aufschließung zweier Siraßen und zwar der Linden-Allee und der Metzstraße zwischen Lichtenberaer und Wörthstraße. Der Besitzer de» Geländes will eine Aktiengesellschaft gründen und bringt sein Land in diese Gesellschaft zu einem bestimmten Preise. Die durch diesen Umsatz entstehenden Steuern sollen an erster Stelle hypothekarisch eingetragen und mit4>/�Proz. verzinst werden. Die Gemeinde soll ferner die Pflasterung ausfuhren, deren Summe mit 4'L Proz. verzinst und bei jedem Grundstücksverlauf anteilig an die Gemeinde zurück- erstattet wird. Hiervon wollte in erster Reih« der bürgerliche Opposttionsvertreter Herr Rechner nichts wissen, da genug Wohnungen vorhanden sind und deshalb die Hausbesitzer vor dem Ruin bewahrt lverden müßten; erst sollten die noch leerstehenden Straßenzüge bebaut werden, dann könne man an neue Ausschließungen denken. Nur in dem Falle, daß die Gesellschaft auch die notwendigen Mieter mitbringe, könne man solcher Vorlage die Zustimmung geben. Zum vorteil war die nachfolgende Debatte für diesen Herrn nicht, denn nicht nur unsere Genoffen, sondern auch ein großer Teil seiner Hausbesitzerkollegen verwarfen diese rückständige Ansicht. Nach zweistündiger Debatte wurde ein diesbezüglicher Ver- trag geschloffen und zwar gegen drei Stimmen, darunter natürlich die des Herrn Fechner. Räch diesem Punkt gab es kein Halten mehr, hatten doch die Hausbesitzer des alten OrtSleilS Versammlung und hier führte Herr Fechner das große Wort. Brühwarm wurde die.Bürgerschaft' von dem soeben gefaßten Beschluß in Kenntnis gesetzt, die Kohlrübenjunker weideten sich in Beschimpfungen gegen den Gemeindevorstand, der die Gemeindevertreter wieder hmterS Licht geführt habe, der Geist FechnerS feierte Triumphe. Die Gemeindevertretersitzung mußte abgebrochen werden; eine Fortsetzung findet am Donnerstag statt. In dieser Sitzung soll die schon geplante ÄeamtengehaltSregelung festgesetzt werden. Nieder-Schönhausen. Die letzte Gemeindevertretersitzung nahm zunächst Kenntnis von einem Schreiben des Landrais, worin derselbe auf die Be- ichwerde wegen Verunreinigung der Panke mitteilt, daß die An- lieger auf dem Französisch-Buchholzer Gebiet Schmutzwäffer in die Panke laufen lassen: die Bctreffenoen werden im MederholungS» falle bestraft. Mit den Berliner Elektrizitätswerken ist ein Per» trag abgeschlossen worden, nach diesem erhält di« Gemeinde für die den Elektrizitätswerken erteilte Genehmigung zur Legung ihrer Kabeln in den Straßen 1 Proz. der Bruttoeinnahme. Ferner lourde beschlossen, die 15 110 Quadratmeter große Dorfaue vom Dcmänenfiskus zum Preise von 151,10 Mk.(pro Quadratmeter 1 Pf.) anzukaufen und tn den Gemeindcbezirk aufzunehmen Die Arbeiten der HeizungSanlag« für den SchulhauSneubau wurden der Firma Brockmann-Charlottenburg zum Preise von 25 516 M., die JnstallationSarbeiten der Städtereinigungsaktiengesellschaft Berlin für 20 223 M. übertragen. Der AmtSauSfchuß hatte den Beschluß gefaßt, zum 1. Januar 1910 den Maulkorbzwang für Hunde einznführen, da zahlreiche Beschwerden über bissige Hunde beim Amtsvorsteher eingelaufen waren. Mit diesem Beschluß des Amtsausschusses konnte sich die Gemeindevertretung nicht befreunden. Der Bürgermeister Abra- dam in seiner Eigenschaft als Amtsvorsteher wurde daher ersucht, in, AmtSauSfchuß in Erwägung zu ziehen, ob die Einführung des MaulkorbzwangeS nicht noch zurückgestellt werden könne, da die .vrnndeplage durch die Erhöhung der Hundesteuer besser abgewendet werde. Ferner wurde ersucht, der Gemeindevorstand möge Schritte unternehmen zur Verbesserung des Straßenbahnvertehrs der EiemenSbahn, deren Verkehr in den Morgen- und Mittagstunden außerordentlich mangelhaft ist. Hierauf fand«ine nichtöffentliche Sitzung statt. Pankow. Di« Parteigenossen«ntz Genossinnen Pankow» werden daraut aufmerlsom gemacht, daß sich in der P a r t e i s p e d i t i o n beim Genossen Ritzmann, Mühlenstr. 80, ein« NuSpellung und ein Verkauf von Jugendschriften, Märchen- und Bilderbückiern, ins- besondere jetzt auch von Kinderspielen und Wandschmuck ausgewählter Art befindet. Die Arbeiterschaft Paukow» wird gebeten, ihren Bedarf an WethnachiSgeschenken dort zu decken. ES ist hier Gelegenheit geboten, nur wirklich Gute» zu wählen. Spandav. Ja einer gemeinschasfliche» Sitzung hatten Magistrat und Stadt- verordneten, nachdem ihnen ein von der Lrchitekten-Firma Rein- Hardt u. Süßenguth ausgearbeitetes L o r p r o j e t t des neuen Rathauses vorgelegt, dieses Vorprojekt als Grundlage für die Ausarbeitung des Gpezial-EntwnrfS angenommen. Die Gesamt- kosten deS neuen Rathaus«» belauf«« sich auf rund 2 750 000 Mark Mit dem Neubau soll im Herbst 1910 begonnen werden. Am 27. April 1913 soll bereits die Einweihung stalifinden. Das Projekt war bei dem Preisausschreiben mit dem 2. Preis» bedacht. Lebhaften Zuspruch der Parteigenossen hat die vom Arveiter» hildungsauSschuß im Lokale von Döhle veranstaltete Jugend- s ch r i f t e n- A u S st e l l u n g bisher gehabt. Es kann jedem Ar- dciter nur empfohlen werden, die AtiSstellung zu besuchen. Eine Jugendversammkung findet am heutigen Sonntag» den 19. Dezember, nachmittags 2 Uhr. bei Bohle statt. Der Genosse Dr. Karl Liebknecht ist als Referent bekannt gegeben. Gerichte-Zeitung. (Siehe auch 4. Beilage.) Der beleidigte Gemeindediener! Wegen welcher Lappalien die Staatsanwaltschaft Anklage wegen Beamtenbeleidigung erhebt, zeigt ein Prozeß, der Freitag vor der 22. Kammer des Amtsgerichts Groß-Lichterfelde verhandelt wurde. Angeklagt war der Gärtner Emil Wandtkr aus Zehlem dorf. Er Ivar beschuldigt, den Gemeindediener Zernicke am 14. Oktober beleidigt zu haben. An diesem Tage, abends 8 Uhr, stand W. mit einem Freund und einem jungen Mädchen in Zehlendorf an der Ecke der Potsdamer und Alsenstraße, geradeüber der Gemeindeschule. Der Freund trat ein paar Schritte vor, um die Uhr am Schulgebäude zu erkennen. Da sagte W. zu ihm: „Was suchst Du denn da? Wenn Du wissen willst, wie spät es ist, so mutzt Du einen Polizisten fragen." Als der Freund, auf den Scherz eingehend, erwiderte, es sei ja gar kein Polizist da, meint« W., er solle nur ein paar Schritt« vorgehen, darni werde er schon einen finden. Da kam plötzlich hinter ihm der Gemeinde diener Z. hervor und fragte ihn, ob denn der Polizist nötig habe, zu sagen, wie spät es ist. W. antwortete: wenn man ihn an- ständig fragt, wunde er es doch wohl tun. Z. entfernte sich darauf, kam jedoch schon nach wenigen Schritten zurück, faßte den W. ins Genick und wollte ihn mit zur Wache nehmen. Hierzu ist ein Ge- meindediener, dazu noch ein Steuererheber, zweifellos nicht be fugt. Er stand denn auch davon ab, da W. sich legitimieren konnte. Dies der Tatbestand, auf Grund dessen öffentliche Anklage er- hoben worden war. Bor Gericht muhte Z. zugeben, daß W. ihn gar nicht gesehen haben könne. Auf die Frage des Vorsitzenden, ob er denn sagen könne, daß er gemeint war, mutzte er auch dies verneinen: meinte aber,>daß doch die Polmisten getroffen werden sollten. Bei diesem Ergebnis mußte selbst der AmtSanwalt die kostenlose Freisprechung beantragen, die dann auch erfolgte. Gibt es für Gemeindediener, Polizei und Staatsanwalt keine wichtigeren Dinge, als die Inszenierung derartiger haltloser Aa klagen? Mocken Spielplan der Berliner Cheater. KSnigl. Opernbaus. Sonntag: Siegsried.(Ans. 7 Uhr.) Montag: Ein Maskenball. Dienstag: Götterdämmerung.(Ansang 61/, Uhr.) Mit. woch: La Traviata. Donnerstag! Tannhäuser. Freitag: Geschlossen Sonnabend: FlaaroS Hochzelt. Sonntagnachmittag: Hansel und Greiel. Di« Puppensee. Abend»: Carmen. Montag: Margarete. Königl. Schauspielhaus. Sonntag: Der deutsche König. Montag: D«r eingebildet« Krank«. DienStag: Strandkinder. Mittwoch: Der deutsche König Donnerstag! Strandktnder. Freitag: Geschlossen. Sonnabend: Sttandklnder. Sonntag: Die Veit, w der man sich langweilt. Montag: Strandkinder. Neues köuigl. Opern> Tkieater. Sonntag: Mignon. Montag bi» Freitag: Geschlossen. Sonnabend: OavaUori» rnsticana. Bajazzi. Sonntag: Maria Stuart. Deutsches Ddeatrr. Sonntag: Der Widerspenstigen Zähmimg. Montag: Don Carlo». DienStag: Der Widerspenstigen Zahninng. Mitt< woch: Hamlet. Donnerstag: Der Widerspenstigen Zähmung. Freitag: Geschlossen. Sonnabend dis Montag: Der Wtderlpenstigen Zähmung. Deutsche« Dhearer.(Kammerspiele). Sonniaa: DaS Heim. Montag: Major Barbara. Dienstag: Das Heim. Mittwoch: Major Barbara. Donnerstag: Da» Heim. Freitag: Geschlossen. Sonnabend: Das Heim. Sonntag: Der Arzt am Scheidewege. Montag: Das Heim. Lcsftng< Dhcater. Sonntag: Tantri» der Narr. Montag: vor Sonnenaujgang. DienStag und Mittwoch: Tantri« der Narr. Donner». tag: Das Konzert,(klnjang?>/, Uhr.) Freitag: Geschlossen. Sonnabend Da« Konzert. Sonntognachmitiug 8 Uhr: Der Biberpelz. Abend»! Tantri» der Narr. Montag: vor Sonncnauigang. Berliner Dbeater. Sonntngnachmittag 3 Uhr: Doktor Eisendart. Allabendlich bis Donnerstag; Hohe Politik. Freitag: Geschlossen. Sonn. abendnachmiltaa 9 Uhr: Dr. Eisenbart. Abends: Hohe Politik. Sonn. tagaachoütiag 3 Uhr: Doktor Eisenbart. Abend» und Montag: Hohe Politik. Komische Oper. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Tiefland. Abend»: Hoftmann« Eazävlungen. Montag: Tiesland. Dienstag: Hoftmann» Er. »ähtunaen. Mittwoch: Tiefland. Donnerstag: Das Tal der Liebe. Frei- tag: Geschlossen. Sonnabcndnachmirtag 3 Uhr: HoffmannS Erzählungen. Abend»: Das Tal der Liebe. Sonntagnachmtttag 3 Uhr: Tiefland. Abend»: Tosca. Montag: Da» Tal der Liebe. N. ues Theater. Allabendlich: Ein könlgllcher Spaß. Freitag: Geschlossen. Neues SchausPielhanS. Sonntag: Ihr letzter Drles. Montag: Da» Exernpel. DienStagnachmiltag 8 Uhr: Maria Stuart. Abends: Ihr letzter Brief. Mittwochnachmitta» 3 Uhr: König Z papek. Abends: Ihr letzter Brief. Donnerstag: Ihr letzter Brief Freitag: Geschlossen. Sonnabend bis Montag: Ihr letzter Brief. Hebbel< Theater. Sonntag: Adam und Eva. Montag: Der Skandal. DienStag: Adam und Soa. Mittwoch: Der Skandal Donner«» tag: Adam und Eva. Freitag: Geschlossen. Sonnabend: Der Slandal Sonntag: Adam und Eva. Montag: Unbestimmt. Kleines Theater. Sonntagnachmütag 3 Uhr: 2V2= 8. Abend»: Heuchler. Hieraus: Die Medaille. Montag: Moral. Die Medaille. Dienstag: Moral. Die Medaille. Mittwoch: Heuchler. Die Medaille. Donnerstag: Der groß« Name. Freitag: Geschlossen. Sonnabendnachmittag 8 Uhr: 2X2= 5. Abends: Der große Name. Sonntagnach» mittag 3 Uhr: 2X2--5. Abends und Montag: Der große Name. Theater de« Westens. TonmagnachmiUag S'U Uhr: Ein Walzer» träum. Allabendlich: Die geschiedene ftrau. Mittwoch- und Donnerstag. nachmittag 3'/, Uhr: Struwwelpeter. Tonnabendnachmtttag 3'/, Uhr: Ein Walzern aum. Sonntagnachmittag g>/, Uhr: Die lustige Witwe. Freitag: Geschlossen. TchiUer-Thenter O. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Die Welt, in der man sich langweilt. Abends: Miß tzobb». Montag: Der Schwur der Treue. DienStag: Gespenster. Mittwoch: Miß HobbS. Donnerstag DaS Kälbchen von Heilbronn. Freitag: Geschlossen. Sonnabendnachmittag 3 Uhr: Kabale und Liebe MendSs: Der Schwur der Treue. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Narziß. Abends: Miß HobbS. Montag: Ein voltsjcind. Schiller- Theater Gharlottenburg. Sonntag nachmittag« 3 Uhr: Macbeth. Abends: Wilhelm Tell. Moniag: Wallenstelns Tod. DienStag: Jnngser Obrigkeit. Mittwoch: Gespenster. Donnerstag: Jungfer Obrig- kell. Freitag: Geschlossen. Sonnabendnachlttag 3 Uhr: Gespenster. Abend?: FleSco. Sonntagnachmillag 3 Uor: Dl« Ehre. Abends: Die Braut von Mrsstna. Montag: Der Meineidbaner. Kriedrim-Wilheiinftädiisches Schauspielhaus. Sonntagnachmittag Uhr: Othello. Abend«: Die Haubenlerche. Montag: Der Ehrcnrat Dienstag: Der Bibliothekar. Mittwoch: Die Haubenlerche. Donnerstag: "Im bunten Rock. Freitag: Geschlossen. Sonnabendnachmittag 3 Uhr: lachsmann als Erzieher. Abends: Die Haubenlerche. Sonntagnachmittag Uhr: Othello. Abends und Montag: Im bunten Rock. Boltsoper. Sonntagnachmtttag 3'/. Uhr: Der Frcsschütz. Abend»: Undine. Montag: Rlgolctto. Dienstag: Marie, die Tochter des Regimen:». Mittwoch: Der Barbier von Sevilla. Donnerstag: Der Wassenschmied. Freitag: Geschlossen. Sonnabendnnchmlttag 8V, Uhr: Undtne. Abend»: Der Trompeter von Sätlingen.(Ans. 0 Uhr.) Sonntagnachmtttag 8'/, Uhr: Marie, die Tochter de» Regiments. Abend«: Die Asrikanerin.(Ans. 8 Uhr.) Montag: Die lustigen Wewer von Windsor. Luiken'Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Gib mich srei. Sonntag und Moniag: Die Reise um die Erde in 80 Tagen. DienStag bi» Donnerstag: Gib mich frei. Freitag: Geschlossen. Sonnabend u. Sonn- tag: Die Reise um die Erde in 80 Tagen. Montag: Gib mich frei, Slose-Tbeater. Allabendlich: Faust. Freitag: Geschlossen. Neue« Operetten-Thratcr. Sonntag nachmittag» 8 Uhr: Der s Zigeunerbaron. Abend», Montag und DienStag: Miß Dudelsack. Müt' woch: Geschlossen. Donnerstag: Der Graf von Luxemburg. Freitag: Geschlossen. Sonnabend- und Sonntagnachmittag 8 Uhr: Der Zigeuner. baron. Abends und täglich: Der Graf von Luxemburg.(Ansang 8 Uhr.) Lnftspielban». Sonntag nachmittags 3 Uhr: Familie Schimet. Abends und täglich: Der dunkle Punkt. Mlttwochnachmiltag 3 Ubr: Der . jaubertessel. Sonnabend- und Sonntagnachmittag 3 Uhr: Man soll keine l Miese schreiben. Freitag: Geschlossen. Reliden,. Theater. Täglich! gm Tanbcnschl«,. Sonnabenbnach. mittag: Mlttott«. Sonntagnachmittag: Kümmere Dich mn Amelie. Freitag: Geschlossen. Thalta-Theater. Allabendlich: Die fvße Cor». Mittwochnachmittag 3 Uhr: Max und Moritz. Sonnabendnachmiltag 3 Uhr: Prinz vusst. Sonntagnachmittag 3 Ubr: Die ewig« Lampe. Freitag: Geschlossen. Kastno-Theaier. Allabendlich: Der Obergauner.(Ansang 8 Uhr.) ag: Geschlossen. pollo-Tbeaeer. Sonntag nachmittag» 81/, Uhr: Spezialitäten. Allabendlich: Spezialitäten.(?1i:sang 8 Uhr.) Freitag: Geschlossen. Wintergarten. Sonntag nachmittags 3V> Uhr: Spezialitäten. Allabendlich: Spezialitäten.(Ansang 8 Uhr.) Freitag: Geschlossen. Passage-Theater. Sonntag nachmittag« 8 Uhr: Spezialitäten, All- abendlich- Spezialitäten.(Ansang 8 Uhr.) Freitag- Geschlossen. Walhalla-Theater. Eonntag nachmittags 3V, Uhr: Spezialität ea. Allabendlich: Spezialitäten.(Ansang 8 Uhr.) Frettag: Geichlossen. Palast-Theater. Allabendlich: Speztalitäten.(Ansang 8 Uhr.) Man- tag bis Freitag: Geschlossen. Gebr. Herrnfeld-Tlieater. Allabendlich: So muß man'S machen. Eln ReltungSmittel.(Ansang 8 Uhr.) Freitag: Geschloffen. Folies Gaprice. Allabendlich: Sicher»st sicher. Der Mann meiner Frau.(Ansang 8ll, Uhr.) Freitag: Geschlossen. Buggenhagen. Täglich Spezialitäten. Freitag: Geschlossen. Metropol. Theaier. Allabendlich: Halloh l Die große Revue 1 (Ansang 8 Uhr.) Frettag: Gaschlossen. Reichshallen> Theater. Allabendlich: Stettiner Singer.(Ansang 8 Uhr. Sonntag 7 Uhr.) Freitag: Geschlossen. Karl Haberland- Theater. Allabendlich: Spezialitäten. Frettag: Geschlossen. Trianon-Theater. Sonntag-, Sonnabend- und nächsten Sonntag- nachmittag 3 Uhr: Pariser Witwen. Allabendlich: Buridans Esel. Frei- tag: Geschlossen. Urania. Theater. Tauben liraße 48/19. Abends 8 Uhr im Wissen- schattllchen Theater: Sonnlag, Mittwoch, Sonnabend und Sonntag: In In den Dolomiten. Montag: In Airikas Wildkannnern. Dienstag und Donnerstag: Der Kampf um den Nord- und Südpol. Frettag t Geschlossen. Sternwarte, gnvalidenstr. 67—62. Vermlfcbteös Mn stürmischer Liebhaber. Ein breißigjähriger Kaufmann, der einer angesehenen Familie entstammt, hat, wie au» Leipzig gemeldet wird, die Folgen allzu stürmischen LiebeSwerben» schwer büßen müssen. Er kam in ein Weinrestaurant an der Promenade und verliebte sich in die schöne Büfettdame, die dort ihres Amtes waltete. In die Betrach« tung ihrer Schönheit versunken, vergaß er Zeit und Anzahl der ge» leerten Flaschen, bis sich die Dame frühmorgens um 9 Uhr zum Aufbruch rüstete. Der Kaufmann bezahlte seine Rechnung, auf der u. a. fünf Flaschen Wein figurierten, die er allein auSgetrunlen hatte und folgte den Spuren seiner Angebeteten, die sich aber seine Liebesanträge sehr energisch verbat, zumal der Herr bedenklich taumelte. Dieser folgte ihr bis zu ibrer Wohnung tn der Plauenschen Passage und st:eg hinter ihr die Treppen hmauf. Jtf' der Höhe der zweiten Etage versuchte er, die Dame zu umarmen, wurde aber von ihr zurückgestoßen. Vorbeikommende Hausbewohner sahen nun zu ihrem Schrecken, wie der Herr plötzlich über da« ver« hältniSmäßig niedrige Treppengeländer stürzte und mit einem dumpfen Schrei aus va« Steinpflaster auffiel. Er blieb schwerverletzt liegen und mutzte mitteist eines Krankenwagens nach dem städtischen Kcankenhause übergeführt werden. Wie der Vorfall sich wirklich er- eignet hat, kann der Verletzte nicht mehr angeben, auch die wenigen Augenzeugen vermögen darüber keine genauen Angaben zu machen. Der allzu stürmische Liebhaber hat u. o. einen komplizierten Bruch eines Oberschenkels davongetragen. FeiertagSgeld erbeuteten sich Gelbschrankknacker in Dortmund. Dort haben in der vergangenen Nacht Diebe in der Molkerei Erwitte einen Geldschrank evbrochen und 12 000 M. geraubt. Von den Tätern fehlt jede Spur. Unfall in einer Dompfkesselfabrik. In der Dampfkessel- und Kupferwarenfabrik in Leopoldsau in Wien wurden gestern vier Arbeiter durch Einsturz eineS S0 Zentner schweren Stoßes von Blechplatten verschüttet. Hierbei wurde ein Arbeiter getötet und drei schwer verletzt. Mngebrvchrn. Einer Meldung auS Stuttgart zufolge brachen auf dem Feuersee bei Murrhardt zwei Knaben im Alter von zehn und elf Jahren ein und ertranken. Eingegangene Druchrcbnften. HeimatNäuge an» dentschen Gauen. Ausgewählt von OZka Dähnbmdt. L AuS Marsch und Heide. Mit Buchschmuck von Robert Engels. Preis geh. 2 M., geb. 2,60 M.— Däbnhardt, Teutscheö Mnrchenbnch. MU Abbildungen von Kuithan und Muhlmeister. I. Band. P:eis geb. 2.20 M.— Eharatterköpse auS der antiken Literatur. Bon Eduard Schwärt. Erste und zweite Reihe. Je süns Vorträge. Preis pro Band geh. 2,20 M., geb. 2,80 M. Verlag von B. G. Teubner, Leipzig. Bolksdücher. Elesan von Kotze. Geschichten au« Australien. Preis 26 Pf., geb. SS Pf. Verlag der Deutschen Dichter-GedSchtnIs-Stistung, Hamburg-Großborstel. Rkteustllcke zur grostserbtkchen Bewegung tu Oesterrelch-ttugarn. von Dr. Heimich Artedjiung. 60 Gelte». Selbswerlag de« Herausgeber». Wien. Heiue-Kaleuder für da» Jahr 1910. Herausgegeben von Eugen Korn. Zeichnungen von Anna Heinemam». Preis 1 M. Modernes VerlcigS- bureau Kurt Wigand, Berlin-Leipzig. Webers Juriften Kaleuder 1910. von Rechtsanwalt Dr. Artur Kallmann. Preis in eleganter AuSsührung L.Sv M. Verlag von Erich Weber. Berlin W. 35. Tie SpiUrnklöppelet de» Erzgebirges. Von Paul Brückner. 8? E. L M. Verlag von Alfred Michaelis, Leipzig. yritz Rcuter-Kalrnder auf da» Jahr 1910. Von Karl Theodor Gaedertz. 106 Sellen. Dietcrtchjche LerlagSbuchtzaudlung, Theodor Weicher, Leipzig. Tie Zwergenfchlacht. Mn sozialer Roman von Alexander lllar. Seh. 6 M., geb. 6,60 M. Verlag der Literarischen Austatt Kütten u. Lönwg, Frankfurt a. M. Peter GanterS Flucht w die Oessentlichkelt. Mn Nachwort zum Fall »Doppelte Moral'. Preis S0 Pf. Verlag von Robert Kowoll, München. Blicke in da» wirtschaftliche Leben Rumäniens. Eine Studie von Adolf Rothmann. 66 Sellen. Verlag von G. Albrecht, Bukarest. 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Jahrgang. 6. JSfilmr des Jutmlrte" ßf tütet Jlslfolilatt. Zmlaz, 19. h\mkt 1909. Zur Cage der PiivathrankenpflegerlDBei. Auch unter den privaten Krankenpflegerinnen beginnt Un- Zufriedenheit sich zu regen. Aus ihren Kreisen kommt ein Not- schrei und Hilferuf, der auf die Lage dieser Pflegerinnen aufmerksam machen will. Die Privattkrankcnpflegerinnen üben zumeist ihren Beruf selbständig aus, indem sie Krankenpflege in Familien übernehmen. Daneben werden sie auch in privaten Heil- oder Pflegeanstalten(Sanatorien uKv.) als Pflegepersonal verwendet. Jeder weiß, daß der Kran!en>?flegeberuf ein reichlich Matz von Opferfreudigkeit erfordert. Pon dieser schönen Eigenschaft, die der liebe Nächste so angenehm empfindet, müssen die Privatkrankenpflegerinnen ganz besonders viel besitzen, weil sie fast ohnejeden Schutz gegen mancherlei Aus- bcutungspraktiken sind. Und dazu kommt noch, datz sie unter der grossen Unsicherheit ihres Erwerbes leiden. Einige Privatkrankeiipflegerinnen, die in mehr oder minder langer Tätigkeit genug der trüben Erfahrungen gesammelt haben» schildern uns die Lage ihrer Berufsgenossinnen. Tie Familien, die in Krankheitsfällen sich eine private Pflegerin halten, gehören vorwiegend den wohlhabenden Bevölkerungsschichten an. Da mag es manchem Unkundigen sehr verlockend erscheinen, Krankenpflege in Familien zu übernehmen. Uns wird aber gesagt, datz nur zu oft gerade hier die ärgsten Zumutungen an die Arbeitskraft einer Pflegerin gestellt werden, und datz leider nicht selten die Entlohnung weit hinter den geforderten Leistungen zurückbleibt. Wo bei Tage und bei Stacht eine Pflege notwendig ist, sollte es als selbstverständlich gelten, datz zwei Pflegerinnen angenommen werden, die einander ab- lösen können. Aber selbst in sehr bemittelten Fannlien kommt es vor, datz man der Kosten wegen sich mit einer Pflegerin bc- gnügt. ES„geht auch s o", wenn nur die Pflegerin das nötige Quantum Opferfreudigkeit mitbringt. Natürlich kann sie nicht Wochen hindurch ohne Unterlatz Tag und Nacht tätig sein, da ja selbst eine Krankenpflegerin auch mal ruhen und manchmal sogar schlafen mutz. Aber zum mindesten hat sie bei Tage und bei Nacht in jedem Augenblick sich arbeitsbereit zu halten, unbekümmert darum, ob Ruhe und Schlaf ihr gekürzt werden.„Dafür sind Sie eben Krankenpflegeri n", wird ihr von mancher Gnädigen mit spitzen Worten gesagt, wenn sie sich müde zeigt oder gar über ein Zuviel zu klagen sich erdreistet. Und die Bezahlung? Ach, Reichtümer sind da wirklich nicht zu sammeln, wenn nicht eine Pflegerin es mal ganz besonders gut trifft. Man hat uns auf das bestimmteste versichert, datz es recht„Jioble" Familien gibt, die es für„standesgemätz" halten, eine Krankenpflegerin für Tag- und Nachtdienst mit ö M. abzufinden.»Schwester, gehen Sie nicht von mir!" jammert eine Kranke, wenn die Pflegerin die an Mühen reiche, aber schlecht bezahlte Stellung aufgeben will, weil sie mit ihrer Kraft zu Ende ist.„Verlassen Sie mich nicht, liebste Schwester! Ich werde Ihnen so dankbar fem, ich werde mich er- kenntlich zeigen, wenn ich erst wieder gesund bin." Ja, hat sich was! Sowie die Kranke erst wieder gesund ist und du aus dem Hause raus bist, kennen sie dich nicht mehr. Mitunter kommen die Privatkrankenpflegerinnen auch in minderbemittelte Familien. Da müssen sie dann selber ihre Ansprüche so weit herunterdrücken, datz es an sich schon ein Opfer ist, die Stelle zu übernehmen. Acrzte, von denen ihnen solche Stellen verschafft werden, belehren sie im voraus:„Aber da dürfen sie nicht soviel fordern, wie bei reichen Leuten." Und die Pflegerin nimmt für elenden Lohn auch diese Stelle, um überhaupt Beschäftigung zu haben. Die A e r z t e selber wissen ihre eigenen Interessen denn doch sehr viel besser zu wahren. Sie haben durch Ueber- einkunft einander verpflichtet, nicht unter einen bestimmten Honorarsatz herunterzugehen. Aber einer Krankenpflegerin kann man ja zumuten, datz sie ihre aufreibende Tätigkeit halb umsonst leistet und mit„Gottes Lohn" sich tröstet. Manche greift zu einer Stellung in einer Privatanstalt, weil sie meint, datz sie da besser daran sei und wenigstens ein sicheres Einkommen habe. Mit der Sicherheit hapert es aber auch da; man kann solche Stelle rascher wieder los werden, als man sie gefunden hat. Und die Höhe des Einkommens ist auch in mancher Anstalt trotz aller Arbeitslast so mätzig wie in schlecht zahlenden Familien. Den Anstalten steht ja— ebenso Ivk den Familien— ein Heer von billig arbeitenden, weil mangelhaft ausgebildeten Lohndrückerinnen zur Verfügung, daL durch unaushörlichen Zuzug aus allen möglichen Berufen sich immer wieder ergänzt. Wenn eine Anstalt einem Patienten, der einer besonderen Ueberwachung bedarf, eine eigene Pflegerin stellt, so wird den Angehörigen für diese Extraleistung eine sehr erhebliche Extravergütung abgenommen. Man glaube aber nicht, datz die Pflegerin ein Gehalt in ähnlicher Höhe bekommt. Auf Wohnung, Beköstigung usw., die der Pflegerin gewährt werden, rechnet die Anstalt einen nicht zu knappen Betrag an, so datz für das Gehalt nicht viel übrig bleibt. Es soll vorgekommen sein, datz in einer Anstalt eine besondere Pflegerin, die den Angehörigen eines Patienten mit ILM. pro Tag bewertet wurde, an barem Gelde nur 3 M- pro Tag bekam. Fast un- glaublich erscheint uns die Angabe, datz in manchen Anstalten den Pflegerinnen sogar Geschenke, die ihnen von Patienten gemacht worden sind, auf das Gehalt angerechnet werden. Wo sucht die ausgebeutete, abgerackerte Privatkrankenpflegerin Schutz gegen alle Unbill, die ihr widerfährt? Eine ZufluchiS- stätte für sie wollen die„S ch w est e r n h e i m e" sein. Die meisten dieser Heime sind weiter nichts als Pensionat?, die von Privatpersonen betrieben werden und zur Beherbergung von Krankenpflegerinnen eingerichtet sind. Die Preise für Quartier, Beköstigung usw. sind mitunter höher als der schmale Geldbeutel einer beschäftigungslos gewordenen Pflegerin es verträgt. Aber die Pflegerin findet hier Anschlutz an Berufsgenossinnen, und hier wird sie auch von den nach einer Pflegerin verlangenden„Herr- schafien" gesucht. Manche„Schtvesternhcime" haben eine be- sondere Spezialität, durch die die Lage der Privatkrankenpflege- rinnen nur noch verschlimmert wird. Sie engagieren Pflege- rinnen gegen festes Gehalt, womöglich sogleich für lange Zeit und unier Festsetzung eines Kautionsverfalles bei vor» zeitigem Verlassen der Stelle, und die Pflegerinnen werden dann vermietet, wo man sie braucht. Das soll für die Besitzerin des Heimes ebenso profitabel sein, wie es aufreibend ist für die festangestellte Pflegerin. Das Heim steckt ein, was die Pflegerin erarbeitet, sie selber aber bekommt nur ein mätziges Gehalt. Sie mutz auch jede Pflege unweigerlich übernehmen, und manche Pflegerin wird ohne Urlaubspause aus einer Pflege in die andere gehetzt, damit sie für ihr bitzchen Gehalt dem Heim recht viel verdient. Solche Zustände schreien nach Abhilfe. Wird die Gärung, die jetzt unter den Privatkrankenpflegerinnen sich bemerkbar macht, dazu führen, datz auch sie s i ch enger zusammen» schli essen und gemeinsam ihr Interesse besser als bisher zu wahren suchen? Sie hoffen auf die Hilfe der Stadt und des Staates. Krankenkasse, Unterstützungskasse, Beseitigung privater Schwesternheime, Gründung städtischer Schwesternheime und eines städtischen Schwesternnachweises— das sind die Hauptwünsche, die sie haben. VSaft erstandS-Rachrtchte« »er LlMdeZlmitalt für KewSlsertunde, milgeleN vow Berliner Wetlerbureau. WasserN and M- m« l. TIlNt P r e g e l, Jniterburg Weichsel. Tborn Oder, Ratldor , Zkrofien , Frnnkiurt Warthe, Schrimm , LandSberg Netze, vorvamm Elbe, Lewnerttz , Dresden , Darbn , Magdeburg Eis- «)+ bedeutet Wuchs.— San.•) Unlerpeael.•) EiSNand.*) treibet?.») Grundeisgana.•) schwaches Treibeis. r) Eisgang. Eisgang bczw. Eisbildung wird noch gemeldet von der Oder bei Brieg. Kienitz und Schivedt und von den Nebenslüssen Queis bei Lauban, B o b e r bei Sagan; EiStreibcn von der schwarzen Elster be! Lieben- werda, der weihen El st er bei Brossen.— Die obere Weser hat schwaches Grundeis. eingegangene OruchrcbHften. Unsere alten Weihnachtslieder. Mit Federzeichnungen von«albeniar Nielsen. 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