Ur. 297. RbonnementS'Bedingungen: Nbonnenimls. Preis pränumerando: Viertcljnhrl. 3�0 Ml., monall. l.I0 Ml., wöchentli» 23 Psg. frei ins HauS. Einzelne siummer S Pfg. Sonntags. »unimcr mit illultrierier Sonntags- Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfa. Post- Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-ZcitungS- Preislifte. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 3 Mark pro Monat. PostllbonnementS ncbnien an: Belgien, Dänemark Holland. Italien, Luxemburg. Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. 36. Jahrg. Vlchiliit tSgllch ililllel lüoatzgz. Verlinev Volksblakk. Zentralorgan der fozialdcmokrati fehen parte» Deutfcblands. Die TnlertlonS'GebQI)» Kelrägt für die sechsgespaltcnc Kolonel- xeile oder deren Raum bll Psg., für politische und gcwerlschaslliche Vereins« Und BcrsanlMlungS-Anzcigcn 30 Psg. »Kleln« Hnzelgen", das erste(fett- gedruckte) Wort 20 Psg., jedes weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlaf- stellcn-Anzcigcn das erste Wort 10 Psg, jedes weitere Wort 0 Psg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Numnier müssen bis S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Crüedition ist bis 1 Uhr abends geössneu Telegramm.Adresse: ,.S»UIiUi»»ll»t Bcrlia**- Redaktion: SM. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Dienstag, den 31. Dezember 1909* Expedition: SM. 68, Lindenstrasse 69» Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1981. „Stanckesbeivegung" der deutschen Ccchnikcr. Als vor fünf Jahren der Bund der technisch-industriellcn Beamten gegründet wurde, war vorauszusehen, daß die Ent- Wickelung dieser Organisation nicht ohne Hindernisse von statten gehen werde. Im Gegensatz zu anderen bürgerlichen Harmonieverbänden und Fachvereinen wurde hier die Not- wendigkeit betont, gleich den Arbeitern die wirtschaftliche Interessenvertretung nur durch die Gründung von G e w e r k- schaftsorganisationen zu unternehnien. Es war vorauszusehen, daß sich die llnternehmer dieser Ent- Wickelung der Dinge entgegenstemmen würden. Der Angestellte als der Mittelsma-.ut im Betriebe soll ja An- treiberfunktionen verrichten. Er kann diesen Verpflichtungen im gewünschten Umfange nur nachkommen, wenn er antisozial denkt und handelt. Die sogenannte„Fabrikdisziplin" wird in dem Maße gelockert, als der technische Angestellte sein eigenes .Hörigkeitsverhältnis zum Kapital erkannt hat und seine Fesseln abzuschütteln sucht. Die Unternehmer haben deshalb die renitenten Techniker widerholt durch Maßregelitngen und Ver- böte zur Ruhe zu bringen gesucht, ohne daß ihnen freilich diese Bemühungen etwas genützt hätten. Gegenwärtig zeigt sich nun innerhalb der deutschen Technikerschast eine sehr interessante Entwickelungstendenz. Es sind Kräfte am Werke, die den Ingenieur in seinem„Standes- bewußtsein" stärken wollen. Kürzlich ist ein Verband deutscher Diplomingenieure gegründet worden, der sich die Aufgabe stellt, abgesondert von der übrigen Technikerschaft die Jnter- essen des Diplomingenieurs zu vertreten. Um Wesen und Art dieser Organisation zu verstehen, ist es notwendig, sich über die Stellung des Diplomingenieurs innerhalb der Technikerschast klar zu werden, Auch unter den technischen Jndustriebeamten gibt es Unterschiede der beruflichen Ausbildung. Der Akademiker scheidet sich vom Fachschultechniker. Hat der Akademiker einen bestimmten Studiengang bis zum Abschluß seines Diplom- examens zu absolvieren, so ist der Nichtakadcmiker gewisser- maßen ein ungeprüfter Techniker. Seine Ausbildung erhielt er auf einer technischen Mittelschule, oft sogar nur auf einer Abendschule. Bemerkenswert ist der Umstand, daß in der Praxis diese Unterschiede mehr und mehr verschwinden. Der' Fachschüler tritt dem Akademiker auf dem Arbeits- markte als Konkurrent gegenüber. Oft ist sogar der Nichtakademiker dem Hochschüler überlegen, weil für be- stimmte Funktionen die Kenntnisse des ehemaligen Praktikers ivcrtvoller sind, als das aus der Hochschule erworbene rein theoretische Wissen. Die Unterschiede der Vorbildung werden durch die Praxis immer mehr ausgeglichen. Der Diplom- ingcnieur beklagt sich deshalb darüber, daß für seine Arbeits- kraft in der Industrie nicht genügend Stellungen reserviert sind und er andrerseits in Tätigkeitsgebiete eintreten muß, die seiner theoretisch- wissenschaftlichen Vorbildung nicht entsprechen._.„ Auch die bürgerliche Sozialpolitik hat ihre Darstellung über diese Dinge auf den gleichen wehleidigen Ton gestimmt. Als ob hier eine Entwickelung auf Grund irgend einer Zufalls- bildung vor sich gehe! Im Gegenteil zeigt es sich, daß diese Vorgänge im Wesen des kapitalistischen Betriebes völlig be- gründet liegen. Den Gesetzen der modernen Fabrikorgani- sation ist nicht nur der Arbeiter unterworfen, sondern auch die Stellung deS Angestellten wird davon in Mitleidenschaft j*£2Og0n, Im modernen Industriebetrieb wird überall nach dem Prinzip gearbeitet, unter Hergabe der geringsten Leistung den höchsten Nutzeffekt zu erzielen. Die Maschine wird deshalb in den Arbeitsprozeß der Werkstatt eingegliedert. Die Handarbeit ivird zurückgedrängt, das Maß der erforderlichen Hand- gcschicklichkeit geht herab. An Stelle des gelernten Arbeiters wird der ungelernte Arbeiter und die arbeitende Frau in die Betriebe hineingezogen. Eine gleiche Entwickelung muß sich naturgemäß auch im Fabrikkontor vollziehen. Hier bringt die Arbeitsteilung ahn- liche Wirkungen hervor. Eine gesteigerte Leistungsfähigkeit ist auch hier nur möglich, wenn die Arbeit des Einzelnen Ver- cinfacht wird. Jeder Angestellte bekommt ein enges Spezialfach fitr Bearbeitung angewiesen. Hat er sich einmal eingearbeitet, so bleibt er in diesem Tätigkeitsgebiet. Der industrielle Großbetrieb hat seiner ganzen Organisation entsprechend keinen Platz für beruflich umfassend ausgebildete Arbeitskräfte. Er braucht ivenig Köpfe und eine möglichst große Zahl von Handlangern; denn das Bestreben einer modernen Betricbsführung geht darauf hinaus, die wirklich leitenden Funktionen, die Initiative des Handelns, möglichst wenigen Personen zu übertragen, die große Zahl der aussührcnden Kräfte haben nach bestimmt vorgeschriebenen Dispositionen zu arbeiten. Im Konstruktions- bureau entwirft der Chefingenieur; der Techniker als Zeichner arbeitet auS. Im Prüfzimmer untersteht dem wissenschaftlich gebildeten Laboratoriumsingenieur eine ganze Gruppe einfach vorgebildeter Hilfskräfte, die ihm einfache Arbeiten ab- nehmen usf. Der Glanz der Technik hat den technischen Berufen ein ganzes Heer von Arbeitskräften zugeführt. Ein Ueberangebot ist enfftanden und das vorhandene Mißverhältnis zwischen Angebot und Nachfrage wird noch gesteigert durch die offizielle Schulpolitik, die von einflußreicher Seite bisher getrieben wurde. Besonders die Unternehmer haben jeder neuen Schul- gründung das Wort geredet, weil ein Ueberangebot von Arbeits- tiäften die Einkommensverhältnisse der Angestellten herabdrücken konnte. Geringe Entlohnung, umfangreiche Stellenlosigkeit, das sind die Begleiterscheinungen, von denen besonders in Zeiten der Krise auch die technischen Angestellten betroffen werden. Angesichts dieser Tatsachen ist die Gründung eines Ver- bandes für Diplomingenieure eine Farce. Der Diplom- ingenieur geht durch seine praktische Tätigkeit vollständig unter innerhalb der gesamten Technikerschaft, und der Technikerstand selbst vereinigt Leute der verschiedenartigsten beruflichen Bildungsgrade. Ganz richtig hat einer der gründlichsten Kenner dieses Milieus Dr. H. Beck in der Zeitschrift„Technik und Wirtschast" die Situation wie folgt gezeichnet:„Der In genieurstand ist ein buntscheckiges Gemisch, kaum weniger ge würfelt als Kaufleute. Künstler oder Schriftsteller." Wenn nun einige Professoren der Technischen Hochschule in Charlottenburg sich als Förderer dieser„Standesbewegung" aufspielen, so zeigt sich auch hier, will man nicht bewußt reaktionäre Absichten annehmen, wieder ein Beispiel der pro- fessoralen Lebensunkenntnis unserer Zunftgelehrten. Da sitzen die Herren dozierend auf ihren Lehrstühlen, jahraus jahrein strömt eine immer größere Zahl von technischen Jüngern den Hörsälen zu, am Silvesterschluß steigt dann regelmäßig die Abschiedsrede, in denen man den Hochschülern, die nun auf die Praxis losgelassen werden, die Bedeutung und die Aus sichten ihres technischen Berufes vor Augen führt. Wie ganz anders sehen in Wirklichkeit diese Dinge aus l Auch der technische Angestellte wird trotz seiner akademischen Würden umgespannt in ein soziales AbhängigkeitSverhültnis zum Kapital l Und diesen Proletarisierungsprozcß kann auch der neugegründete Verband deutscher Diplomingenieure zur Hebung des„Standesbewußtseins" innerhalb der Techniker schaft nicht mehr aufhalten. L; lebe die loilsle Republik! DaS Bureau deS Generalrats der belgischen Sozialdemokratie veröffentlicht in der SonntagSnummer des Brüsseler„P e u p l e* folgende scharfe Absage an etwaige Versuche, die Sozialdemokratie vor den Wagen des neuen, angeblich sozia- listischen Königs zu spannen: „Im Augenblick, da, nachdem Leopold kl. gestorben. Albert I. berufen ist. den Thron zu besteigen, schuldet die Arbeiterpartei eS sich selbst, ihrer Vergangenheit, ihrem Programm und ihrer Sust gäbe als Vertreterin der Arbeiterintercffen, feierlichst das Bekenntnis ihrer republikanischen Ueberzeugung auszusprechen, an der sie un- erschütterlich festhalten wird. Unter dem Regime, das soeben zu Ende gegangen ist, hat die alte Aufsaffung des Bürgerkönigtums tiefgehende Veränderungen er- fahren. Vor 29 oder 89 Jahren war der König nur ein Symbol; Leopold II. ist der große Organisator des politischen Kampfes ge- worden, den der Kapitalismus gegen das Proletariat führt. Zur Zeit der Malou und Fröre- Orban war der König nichts weiter als der Firmenträger seiner Minister; mit Hilfe der Groß- danken ist er der Herr der Regierung geworden, der Hauptleiter ihrer Politik, der einflußreichste Chef der großen Finanziers und der Jndustriebarone. Früher kostete der König der Ration nur die 8399999 Frank per Zivilliste; er kostet unS heute 299 Millionen, die ihm für die Annexion des Kongos gezahlt find, die fabelhaften Summen, die der Militarismus verschlingt und vielleicht schon morgen— denn seine Politik wird ihn überleben— die Ausgaben, die der Bau einer Kriegsmarine nach sich ziehen wird. Aus allen diesen Gründen hat die Arbeiterpartei immer für die Republik und gegen die königliche Politik gekämpft. Sie wird in dieser Haltung beharren. Vergeblich träumen gewiffe Leute davon, daß der Wechsel der Personen wesentliche Veränderungen in der Haltung der Monarchie zum Proletariat bewirken werde. Albert I. wird wie sein Onkel regieren, im Einvernehmen mit den Großbanken, der Großindustrie und dem Großhandel. Er wird nicht ohne sie regieren können und wenn er sich von ihnen trennen wollte, würde er gestürzt werden. Wenn er nicht, wie Leopold II.. Geist und Charakterstärke genug hat, um die Privilegierten der herrschenden Klaffe zu führen, so wird er von ihnen geführt werden. Er wird in jeder Beziehung ein Instrument jener, die sich durch die Arbeit anderer bereichern, zur Unterdrückung der Arbeiter sein. Zwischen dem Sozialismus und der Monarchie ist keine Ver- söhnung möglich und in dem Augenblick, wo das offizielle Belgien sich rüstet, dem König Albert I. zuzujubeln, in dem Augenblick wo man von neuem versucht, den Monarchen mit einem Schein falscher Demokratie zu umkleiden, wird aus der Brust der Arbeiter gleich Sturntcsbrausen der Ruf der Hoffnung und der Freude brechen: ES lebe die soziale Republik! DaS Bureau deS GcncralratS. TillmanS, MaeS, Bacck, HuySnianS, Delporte, Vandervelde, Volckaert, De Broucköre, Lekeu. *.' Brüssel, 29. Dezember. Kammer und Senat haben eine Kommission ernannt zur Ausarbeitung einer Adresse an König Albert. Die zu der Kommission gehörigen Sozial- dcmokraten werden uicht an der Beratung teil« nehmen._ Die Kettilng eines Parlaments. Nach 86 Stunden ist am Sonntag um 1 Uhr früh die denkwürdige Sitzung des österreichischen Abgeordnetenhauses geschlossen worden, die Mittwoch um 11 Uhr vor- mittags angefangen hatte. Und als der Präsident mit den Worten„Ohne Ordnung keine Freiheit" den Schluß der längsten Sitzung einer gesetzgebenden Körperschaft verkündet hatte, da hatte das erste Haus des gleichen Wahl- rechts seine schwerste Krise überwunden und war den beiden, sich einander gegenseitig verstärkenden Gefahren, des bureau- kratischen Absolutismus und der gewissenlosen Demagogie, endlich entronnen. Die Ueberwindung der Obstrustion War notwendig ge- worden für alle die, die ein Parlament überhaupt wollen, und die österreichische Sozialdemokratie hat nie gezögert, sich in den Dienst dessen zu stellen, was sie als historische Notwendigkeit erkannt hat. Sie hat das Notwendige mit der ganzen mutigen Tatkraft getan, die unsere Bruderpartci auszeichnet, ob sie nun die Massen auf die Straße ruft, die Vorbereitungen für den Politischen Massenstreik trifft oder aber in harter, ge- duldiger und mühevoller Arbeit erst diesem zerrissenen Staate, der nicht sterben, aber— bisher wenigstens— auch nicht recht leben konnte, ein Stück Boden schafft, um damit zugleich sich selbst den Kampfplatz für die Austragung der großen Klassengegensätze zu bereiten. Nur in dem Hause eines gleichen Wahlrechts konnte die Sozialdemokratie der Einschränkung der Obstruktions- Möglichkeit zustimmen, in dem Bewußtsein, daß ihre Stärke ihr die Gewähr gibt, im äußersten Fall jede Vergewaltigung abzuweisen innerhalb und. wenn es sein muß. außerhalb des Hauses und unbekümmert um die juristischen Spinnfäden von Gesetzen, wenn diese Gesetze unvereinbar werden sollten mit Lebcnsintercssen der Arbeiterklasse. Die Sozialdemokratie konnte dies um so eher tun, als sie wohl weiß, daß ein Parlamentarismus mit der Obstruktion in Per- manenz ein unbrauchbares Ding ist. selbst inner- halb der Grenzen, welche dem parlamentarischen Wirken der proletarischen Vertreter innerhalb deS Klaffenstaates ohnehin gesetzt sind. Zudem schließt der neue Zustand die ernste und notwendige Obstruktion nicht aus. sondern be- seitigt nur das frivole Treiben unverantwortlicher Gruppen. Das ist auch der letzte Grund, der uns die überraschende Wendung erklärt, daß gerade die slawischen Parteien die Hand zur Beseitigung der Obstruktion geboten haben. Denn die größeren bürgerlichen Parteien der slawischen Nationen waren durch die chauvinistische Konkurrenz der kleinbäuer- lichen und kleinbürgerlichen nationalen Gruppen in steter Gefahr, bei den Wählern ins Hintertreffen zu geraten. Die Obstruktion war aber für die radikale Demagogie das belieb- teste Kampfmittel, das stets billigen Ruhm versprach. Die Einschränkung dieser Möglichkeit mußte daher den Jung- tschechen, Südslawen und Polen durchaus willkommen sein, während sie andererseits vor der Aussicht, als Verderbcr des Parlaments gebrandmarkt zu werden, doch zurückschreckten. Diese Wirkung erzeugt zu haben, ist aber der Erfolg des sozialdemokratischen Vorschlages, vor der Obstruktion nicht von vornherein zu kapitulieren, sondern durch die Dauer- sitzung die politische Verantwortlichkeit klarzustellen und daS Verantwortlichkeitsgefühl zu erwecken. Nur so konnte die Obstruktion in den Selbstmord getrieben werden, den sie schließlich vollzogen hat. Mit überwältigender Majorität hat das HauS sich seine Arbeitsfähigkeit gesichert. 315 Abgeordnete stimmten für, 91 gegen die neue Geschäftsordnung. Die Minorität bildeten die tchechischen Radikalen, die Ruthenen, diese Stiefkinder der österreichischen Politik, und die deutschnationalen und deutsch- fortschrittlichen Gruppen. Diese letzteren vertreten die groß- kapitalistischen und großagrarischen Interessen und ihnen ist das Parlament nicht oberstes politisches Bedürfnis, weil sie die Verwaltung und die höhere Bureaukratie beherrschen. Das ganze übrige Haus schlug geschlossen den einzigen Rettungsweg ein. Daß aber dieser Weg bis ans Ende gegangen wurde, das ist vor allem das Verdienst der Sozialdemo- k r a t i e. Ihr Mut und ihre Entschlossenheit riß die anderen Parteien mit, ihrer großen taktischen Gcschicklichkeit gelang es, alle Fährlichkeitcn zu überwinden. Es ist nur die Wahr- heit, wenn einer der Antragsteller!�r neuen Geschäftsordnung, der Slowene Krek, Genossen Dr. Adlrr als den „Retter der Situation" bezeichnete. In der Tat, das gleiche Wahlrecht, das sich die österreichischen Proletarier auf der Straße erobert haben, haben heute ihre Vertreter zum zweitenmal im Parlament erobert, indem sie das Parlament gesichert haben gegen die Gefahr des Absolutismus, den go- wissenlose Demagogie heraufzuführen im Begriffe war. Die Rede Viktor AdlerS. Jeder von Ihnen hat wohl die Empfindung, daß wir in einer für das politische Leben Oesterreichs und für die politische Entwicke- lung feiner Völler bedeutungsvollen Verhandlung stehen. Das haben auch die Gegner dieser GeschäftsordnungSreforin anerkannt. Unsere Kartei hat stets erklärt, daß wir für eine atie gemessene Neform der Geschäftsordnung sind, die duZ Haus kräftigt gegen jede Obstruktion, die es alle schwächen; wir sind insbesondere dagegen, daß sich das Haus eine Reform oktronieren lasse. Die Fehler dieses Hauses, das Unglück unseres politischen Lebens und die Anarchie unserer Zustände sind nicht allein auf dem mecha- nischen Wege der Aenderung der Geschäftsordnung zu kurieren. Wir haben mit dieser Aenderung der Gcschäitsordnung die not- wendige Grundlage für unser politisches Leben noch keineswegs geschaffen, aber ebenso wie die Einführung des allgemeinen Wahlrechtes eine Grundbedingung der Entwickelnng unserer Politik und der Völker Oesterreichs war, so wird auch diese proviso- rische Aenderung der Geschäftsordnung eine bahnbrechende, not- wendige Vorbedingung für die Gesundung unseres politischen Lebens fein. Wir sind die letzten, die etwa bereit wären, eine Minorität in diesem Hause zu knebeln. Wir wissen sehr genau, daß in dem Moment, wo es möglich sein wird, hier Majoritäten zu bilden, unsere Minoritätseigenschaft sehr deutlich in Erscheinung treten wird Wir wissen, daß ein gewisser Teil der Stellung unserer Partei in diesem Hause, abgesehen von unserer Zahl und der Disziplin, die ich in aller Bescheidenheit für uns in Anspruch nehmen darf, nicht unserer Äcasi, sondern der Schwäche des Hauses zuzuschreiben ist. Darum war es eine schwere und verantwortniigbvolle Ncberlegnng für uns. ob wir in diese Reform der Geschäftsordnung eintreten sollen. Wenn irgendjemand und irgendeine Partei etwas preisgibt, sind es tv i r. Andere Par- tcien, kleine''i> Gruppen mögen die Möglichkeit des Spektakels ver- lieren, die Möglichkeit, sich unangenehm zu machen, wir verlieren mit vollem Bewußtsein weit mehr, weil wir den Weg bahnen, daß der Zusammenschluß der bürgerlichen Parteien auch formell in einer ganz anderen Weise zum AuS- druck komme als bisher. Wir sind die letzten, die bör diesen Tatsachen die Augen ver- schließen. Wir wollen unsere eigenen Wähler darüber nicht irre- führen. Wir handeln im vollen Bewußtsein unserer schweren Per- antwortlichteit. Wir tun es, weil wir uns gesagt haben, daß wir der Arbeiterklasse O e st e r r e i ch s damit allein das sichern können, was nian in diesem Hause erreichen kann. Wir sind hier eine starke Minorität, aber eine Minorität. Wir können in nor- malen Verhältnissen nur erreichen, was durch Kompromisse, W- machungen. Ausnützung parlamentarischer Situationen, Ausnützung von Interessengegensätzen an sozialen Reformen kleineren Umfangs Stück für Stück für die Arbeiterschaft zu erobern ist. Aber in diesem Hause wird auch das Mögliche unmöglich. Zum dritten- mal stehen drei kleine sozialpolitische Gesetze auf der Tagesordnung, die von niemandem ernst angefachten werden. Nichts steht der Voll- endung dieser für die Arbeiterschaft äußerst wichtigen Gesetze, des Handlungsgchilfengesetzes, des Gesetzes über die Unfallversicherung im Baugelverbe und des Gesetzes über die Arbeitszeit im Wege als der Zustand des Hauses, der es unmöglich macht, daß selbst der einstimmige Wille des Hauses zur Geltung komme. Da haben wir uns gesagt: wir wollen das Opfer bringen und uns unter viel schwierigere Verhältnisse des Kampfes begeben, bloß um überhaupt einen politischen Kampf führen zu können, denn die Anarchie, die in diesem Hause herrscht, der Zustand der chronischen öffentlichen Gewalttätigkeit lähmen die Möglichkeit des politischen Kampfes, wie wir ihn kämpfen wollen. Die Sozialdemokratie will mit geistigen Waffen kämpfen und ist fähig, mit geistigen Waffen zu kämpfen. Darum haben wir den Moment begrüßt, Ivo eine Geschäftsordnungsreform möglich wird. Es wurde sehr viel �darüber gesprochen, wie unwahrscheinlich die Geburt dieser Reform sei. Wenn wir in Oesterreich nur mit dem Wahrscheinlichen und Natürlichen rechnen wollten, würden wir zu nichts kommen. Es ist einmal so in Oesterreich, und man muß feine politischen Aspekte eben auf das Oesterreichische einrichten. isHciterkeit.) Aber eines müssen wir doch zugeben. Der Eifer für die Geschäftsordnungsreform fängt erst an, ernst zu sein, wenn sie möglich wird. Und darüber waren wir uns klar: wenn dieser Moment der Möglichkeit verpatzt wird, ist für abseh- bare Zeit jede Hoffnung ausgeschlossen.(Zustimmung.) Wenn wir uns erinnern, wie aus denselben Kreisen, von denen nach der O k k r o y i e r u n g einer Geschäftsordnung geschrien wurde, wie mit der größten Verzweiflung von diesem Hause gesprochen worden ist, wir jetzt so eindringlich gewarnt werden, muß ich sagen, der Weg aus diesem jammervollen Zustand heraus muß betreten werden» mag er auch kein gewöhnlicher fein. Nu» wird uns gesagt— uin auch die juristische Seite der Frage zu berühren—, die Reform hätte einfach auf die Tagesordnung gesetzt werden sollen. Aber wir mußten unS sagen: Entweder auf dem Wege der Dringlichkeit oder gar nicht. Nachdem es nun, Gott sei Dank, in jeder Sache zweiSorten von Juristen gibt(lebhafte Heiterkeit), solche, die meinen, daß das dem Gesetz entspricht, und solche, die gegenteiliger Ansicht sind, so fühle ich mein Gewisse» vollständig entlastet durch die große Anzahl jener Geschäftsordnungsjuristen, welche den Antrag als zu- lässig erklären. Die formellen Bedenken waren aber nicht die einzigen. Der Antrag besteht aus zwei Teilen. Der erste betrifft die Erschwerung der rein formalen Obstruktion. Man wird Dringlich keits- antrage nicht mehr schockweise einbringen können, um die Tages- ordnung zu verlegen, man wird das interessante Gesellschaftsspiel der namentlichen A b st i m m u n g e n(Heiterkeit) nickt tage- lang treiben, Interpellationen nicht stundenlang verlesen können, aber uns wehren, dnS werden wir können und das werden auch die kleinsten Parteien dann noch können. Es werden eben andere Mittel des parlamentarischen Kampfes in Verwendung gezogen iverden müssen, Mittel, auch der parla- mentarischen Obstruktion, wie sie auch in anderen Parla- menten angewendet werden können. Nur wird man etwas mehr mit dem Gehirn arbeiten müssen, statt wie jetzt mit der Lunge und mit dem Körperteil, der zum Sitzen verwendet wird.(Heiter- keit.) Der Antrag enthält aber auch noch einen anderen Teil, den sogenannten Hausknechtparagraphen: daß eine Aus- schließung erfolgen kann, wenn das Präsidium schwer beleidigt oder Anordnungen des Präsidenten absoluter Widerstand entgegengesetzt wird, überhaupt Gewalttätigkeiten eintreten. Es war für uns gar keine leichte Sache, diesen„Hausknechtparagraphen" mit hinzunehmen. Aber wenn wir noch vor einein Jahre einer solchen Maßregel den äußersten Widerstand entgegengesetzt hätten. so erkläre ich Ihnen offen, daß wir heut? milder darüber denken. Wir haben geiehen, daß, weil wir durch den Respekt vor der ge- beiligten Person einiger Musikanten gehindert waren, Ordnung zu schaffen, nicht diese Herren aus dem Hause entfernt wurden, aber das g an ze Parlament aus dem Hause entfernt wurde.(Händeklatschen bei den Sozialdemokraten.) Wir haben gesehen, daß ein bewußtes oder unbewußtes Zusammenspiel von Leuten, die das Parlament verderben, und einer R e» gierung, die es zugrunde gehen lassen will, daß ein solches niederträchtiges Zusammenspiel dieses Haus um ein ganzes Jahr seiner Tätigkeit und alle Völker ohne Ausnahme um die ganze Frucht der parlamentarischen Arbeit ihrer Vertretung gebracht hat. Noch mehr! Wir haben es mit der Psychologie vor allem der Ar- bcitertlasse zu tun. und ich gestehe cS offen: Oft waren wir unseren Arbeitern gegenüber in Verlegenheit, wenn sie uns fragten: Warum laßt ihr euch denn eine solche Infamie gefallen, warum geht ihr nicht hin und werft die Leute hinaus? Wenn es ein gebundenes Mandat gäbe, wären wir von unserer Wühlerschaft mit dem Auf- trag versehen worden, diesem entsetzlichen Skandal ein gewalt- samcs Ende zu machen.(Lebhafte Zustimmung.) Wir aber haben gesagt: Parteigenossen, wsc können nickt die Hausknechte des Parla- mei'ts sein! Unter diesen Umständen ist es eine Art Erlösung, wenn «ine Zeitlang die Geschäftsordnung und da S Präsidium jene not- � e n d i g e n Op e r a t i o n e n v o r n e h m c n.(Heiterkeit.) Wir hoffen, daß dieser Paragraph nie zur Anwendung kommen werde. Seine bloße Existenz wird genügen, um das Gewissen der Herren rn Bewegung zu setzen! ___ Das Wichtigste für uns aber ist, daß die Geltung dies« Mast. tegel und dieser ganz partiellen Reform eine befristete ist. Wir würden niemals unsere Zustimmung geben, daß man definitiv ein Gesetz in dieser Hast mache. Aber in der Notlage des Hauses, in der Notlage unseres ganzen politischen Lebens, wo draußen die Massen rufen, man möge doch endlich das schasfeu, was unsere Industrie braucht, die Handelsverträge, man möge doch endlich die parlamentarische Arbeit in Bewegung setzen, von der die Massen mit Recht eine Förderung ihrer Interessen erhoffen, wo das alles vergebens und tue Not so groß ist, sagen wir: Diesem Ausnahmezustand gegenüber ist ein Notgesetz für beschränkte Zeit möglich und notwendig, und wir wollen selbst mitwirken, daß eS angenommen werde. Da» waren die Motive, die uns veranlaßten, nicht nur die Sache zu akzeptieren, sondern, nachdem wir sie angenommen hatten, uns mit z u i h r e m T r ä g e r zu machen. Für uns gibt es k e i n e Halbheit. Wenn wir gefunden hätten, es sei nicht zu machen, hätten wir es verhindert und es wäre nicht dazu gekommen. Nach- dem wir unsere Verantwortung geprüft haben und unser Gewissen uns gesagt bat. es mutz sein, haben wir unS auch in die erste Reihe gestellt, um die Sache zu vollenden. Von der linken Seite wurde gesagt, die Geschäftsordnungs- reform sei nur möglich nach Feststellung der nationalen Sicherungen. Auf das Glatteis lassen wir uns nicht führen. Das sind nur die journalistischen Marodeure des nationalen Kampfes, die journali- stischen Hyänen des nationalen Kampfplatzes, die sich wirklich von den Opfern dieses.Kampfes nähren(lebhafter Beifall und Hände- klatschen bei den Sozialdemokraten), nur die sind es, die'solche Verlegenheiten hineinwerfen; allein auf deutscher und aus tschechi- scher Seite wird man sich damit nickt fangen lassen. Wenn der nationale Friede und die Sicherung möglich ist, sind sie nur möglich im parlamentarischen Kampfe und im parlamentarisch geschlossenen Frieden. Wenn aber jede parlamentarische Arbeit un- möglich wird, ist es auch nicht möglich, daß es überhaupt zu einem Friedensschluß komme. Nur jene, die auf der Regierungsbank— ich will sie heute nicht anklagen, weil sie momentan einige Zeichen der Besserung gezeigt haben(Heiterkeit)—, nur diejenigen, die ein Interesse an der Schwäche des Parlaments haben, inner- halb und außerhalb des Hauses, können wünschen, daß die Be- dingungen auch des nationalen Kampfes so ins Wahnsinnige ver- kehrt werden wie in diesem Hause. Wenn man meint, es handle sich um eine nationale Vergewaltigung der Deutschen, so sagen wir Ihnen: Wir deutschen Sozialdemokraten würden niemals eine Maßregel zugeben, die wirklich eine nationale Ver- gewaltigung enthalten würde, so wenig wie wir unseren tschechi- schen Parteigenossen zumuten, einer Maßregel ihre Zustimmung zu geben, die ihr Volk vergewaltigt l Wenn wir für diese Reform eintreteen, ist es nicht, um Ver- gewaltigung zu fördern, sondern um Vergewaltigung zu hindern; den Frieden, parlamentarisches Leben, europäisches Leben zu ermög- lichen. Erinnern Sie sich an den Zustand der Verzweiflung, in dem die Gesamtheit und jeder von uns einzeln, nicht seit Beginn dieser Obstruktion, sondern seit Jahren sich befindet, wo wir wissen, daß der Aufwand unserer besten Kraft, aller Energie, der ganzen geistigen Arbeit, der größten Disziplin, des größten Entgegen- kommens umsonst ist und tot gemacht iverden kann durch ein paar Herren, welche zwanzig Unterschriften zu er- gattern wissen oder das Geld haben, um sich Trompeten zu kaufen I Wir betrachten diese Maßregel als eine Maßregel für die Demokratie gegen die Demagogie.(Lebhafter Beifall.) Wir wissen, daß diese neue Geschäftsordnung in allererster Linie von Ihnen benützt werden wird, sich rechts und links gegen uns zusammenzufinden. Aber wir waren der alten An- a r ch i e in diesem Hause gewachsen und werden der neuen Ordnung in diesem Hause gewachsen sei». Mut haben wir, Fleiß haben wir, und wir iverden hoffentlich imstande sein, uns auf dem Niveau der politischen Intelligenz der anderen Parteien zu halten.(Heiter- keit bei den Sozialdemokraten.) Mit schwerer Verantwortung treten wir in diese Neform ein. Nimmer würden wir unsere Zustimmung geben, wenn es nicht ein provisoischeS, ein befristetes Gesetz wäre. Wir werden alles daransetzen, daß das Gesetz innerhalb der Frist aus dem Provisorium heraus in ein wohlüberlegtes Definitivum übergeführt werde. Aber jetzt, meine Herren, haben Sie mit uns den Mut» ja zu sagen und ein neues Leben für dieses Haus zu begründen.(Lebhafter, anhaltender, wiederholt sich erneuernder Beifall und Händeklatschen.) Die Geschäftsordnung im Herrenhaus. Wien, 20. Dezember. Im Herrenhause beantragte Graf Thun die vom Abgeordnetenhause beschlossene Geschäfts- ordnungsreform im dringlichen Wege einer neun- gliedrigen Kommission mit dem Auftrage zu überweisen, binnen zwei Stunden Bericht zu erstatten. Der An- trag wurde angenommen, die Kommission gewühlt und die Sitzung auf zwei Stunden unterbrochen. poUtilche dcberficbt. Berlin, den 20. Dezember 1909. Das nichtkonfessionelle Zentrum. Wir teilten in der Sonntagsnummer eine die angebliche Jnterkonfessionalität des Zentrums trefflich charakterisierende Anzeige der„Trierischen Landesztg." mit, durch die das Orscholzer Pfarramt amtlich zum Besuch einer Zentrums- Versammlung aufforderte. Ein nettes Pendant zu diesem Inserat liefert folgendes von dem Vorsitzenden der Duisburger katholischen Kirchengemeinde offiziell versandtes, die Duisburger Stadtverordnetenwahl betreffendes Ermahnungsschreiben: Sehr geehrter Herr l Zu meinen, größten Bedauern habe ich aus den Aufzeichnungen unseres Listenführers, die freilich nicht unfehlbar sind, ersehen, daß Sie am 23-/24. November sozialdemokratisch gewählt haben. Nach sorgfältiger Durchsicht der beiliegenden Druck- fache(Ein entsprechendes Zentrumsflugblatt. D. B.) wird es Ihnen hoffentlich unmöglich erscheinen, als Katholik de», liberalen Kandidaten Ihre Stimme zu geben. Deshalb bitte ich Sie dringend, Zentrum zu wählen; sollten Sie das aus irgend- welchen Gründen für uiitunlich halten, so bitte ich Sie ebenso dringend, sich wenigstens der Wahl zu enthalten. In vorzügl. Hochachtung und mit freundl. Gruße Duisburg, den 13. Dezember OS. I. A.: Der Pforrvorfitzend«. Reinermann. Die Kuverts, in»euen dies Schriftstück versandt wurde, waren gestempelt:„ZcntrumSpartei Duisburg, Petripfarre". Das Pfarramt konstituiert sich also direkt als Wahl- agitationsbureau der ZcntrumSpartei I Dennoch ist nach der Logik der Zentrumsgrößcn das Zentrum eine rein politische Partei, keine konfessionelle. Höchst sonderbar! Tie verschkafene Tante„Bost". Die«Boss. Ztg." macht in ihrer Ausgabe vom Montag- abend die sensationelle Entdeckung, daß jetzt auch der„Bor- wärts" vor dem Revisionismus die Waffen gestreckt hat. Sie schreibt: „Den Bruch mit der sozialde in ok ratischen Per- elendungStheorie, die von de» Revisionisten unter FiiH- rung von Eduard Bernstein längst preisgegeben worden ist, vollzieht endlich am jüngsten Sonntag auch der .Vorwärts".' Diese Bekehrung zun, Revisionismus soll darin hervorgetreten sein, daß der„Vorwärts" in seinem Leitartikel vom Sonntag von der materiellen Hebung eines Teils des Pro- letariates als von einer sozialdemokratischerseits auch gar nicht bestrittenen Tatsache gesprochen hat. Das sei ein„Bruch" mit der„Verelendungstheorie"! Die„Voss. Ztg." behauptet zwar, von„Staats- und gc- lehrten Sachen" zu handeln, allein ihre Vorstellungen von der„sozialdemokratischen Verelendungstheorie" zeugen nur von einer argen Unwissenheit. Denn der„Bruch" mit der„Verelendungstheorie" ist nicht erst in, Dezember 1909 vom„Vorwärts" vollzogen worden. sondern die Verelendungstheorie in dem Sinne der„Bosi. Zeitung" ist von der sozialistischen Theorie überhaupt niemals vertreten worden. Das hat beispielsweise der„Dogmenfanatiker" K a u t s k y bereits 1899 nachgewiesen. Kantsky sagte damals, also bereits vor zehn Jahren, in seiner Schrift„Bernstein und das sozialdemokratische Programm" auf Seite 116: „Gerade in den vorgesckirittensten kapitalistischen Ländern ist eine allgemeine Zunahme physischen Elends nicht mehr z» konstatieren; alle Tarlacyen weisen vielmehr darauf hin, daß dort das physische Elend in, R ü ck s cki r e i te n bc- griffen ist, wenn auch äußerst langsam und nicht allenthatbeu. Die Lebenshaltung der arbeitenden Klasse ist heute eine höber e. als sie vor fünfzig Jahren war." Man sieht, der„Ketzern cht» v" Kautsky hatte sich— nach der Beweisführung der„Voss. Zig."— schon vor 10 Jahren zum Revisionismus bekehrt! Kautsky ähnelte damals auch darin dem„Vorwärts", daß er diese„Preisgabe der Verelendungstheorie" zu„verschleiern" suchte, um uns lvieder der Ausdrucksiveise der gelehrten„Voss. Ztg." zu bedienen. Denn genau wie der„Vorwärts". erklärte Kautsky es für irrtümlich, das Wachstum der Lebens» Haltung am Steigen der G c l d l ö h n e zu messen. Genau so wie der„Vorwärts" wies er darauf hin, daß die Pro- duktivität der Arbeit rascher wachse als der Lohn der Arbeit. Genau wie der„Vorwärts" zeigte er, daß es nicht genügt, die Lebenslage des Proletariats absolut ein wenig zu heben, sondern daß es auf die volle Emanzipation der Arbeiterklasse ankommt. Die gute Tante Voß würde also ihre Entdeckung der Mauserung des„Vorwärts" der Mitwelt wohl unterschlagen haben, wenn sie nicht die Auseinandersetzungen über die„Ver elendungstheorie" so vollständig verschlafen hätte! Wahlrechtsraub. Den Sozialdemokraten in Oelsnitz i. B. gelang eS, bei der letzten Stadtverordnelenwahl vier neue Mandate zu erobern, so daß sie jetzt 7 von 18 Sitzen einnehmen. Bürgermeister Landtags- abgeordneter Dr. Schanz brachte darauf am Freitag in der Stadt- verordnetensitzung eine Vorlage ein, das bestehende gleiche Listen- Wahlrecht in ein Bierklasserwahlrecht(Berufswahlrecht) z„ verschandeln. Den sozialdemokratischen Vertretern wurde erst zwei Tage vor Stätlfindcn der Sitzung der geplante Wahlrechts- raub mitgeteilt. Die Wahlrechtsvcrkümmerung wurde ohne Debatte mit allen gegen die Stimmen unserer Vertreter angenommen. Unsere Vertreter gaben die Erklärung ab, daß sie sich an der Diskussion nicht beteiligen, weil die Art der Ein- bringung der Vorlage ungesetzlich sei. Ohne daß diese dem Berfassungsausschuß vorgelegen hat, ist sie dem Kollegium zur Beschlußfassung unterbreitet worden. Im Beschwerdewege werden sie den gefaßten Beschluß anfechten. Tags vorher hatte eine überfüllte Einwohiterversammlung gegen den geplanten WahlrechtSraub protestiert. „Ferrergefindel". Wie das Zentrum seine Wählermassen zu fanatifieren weiß, wenn eS MandatSgefährdung wittert, dafür folgendes Beispiel aus dem jüngsten Stadtverordnetenwahlkampf in Duisburg. War schon in der Zentrumspresse und Flugblättern die Religion in allen Variationen ausgenutzt und unsere Parte, als eine Partei der „Ehrlosen",„Christenschänder", Ferrergefindel u. dergl. bezeichnet worden, so fand diese KanipfcStveise einen ebenbürtigen Abschluß bei Bekanntgabe der Wahlresultate in dem Zentrums Wahllokal „Union", wo man auf einer großen Wandtafel die einzelnen Bezirks- resiiltate folgendermaßen registrierte: Zentrum........ Liberale........ Ferrergesindel..... Unter„Ferrergesindel" wurden die Stiinmen unserer Kandidaten und die der Demokraten gebucht. Wochenlang operierte man in dieser Tonart, ja, man gaukelte den aufgepeitschten Wählermasscn vor, daß, wenn die Zentrumsliste nicht gewählt werde. cS in Duisburg kommen könne, wie in Barcelona zur Zeit deS AufstandeSl Bei solcher Kampfesweise ist eS zu verstehen, wenn die aufgehetzten Wählcrmaffen zu Tätlichkeiten über- gingen, wie vor einiger Zeit gelegentlich einer großen Zentrums- Versammlung in Duisburg, als Herr Trimborn aus Köln die Duisburger Zentrumsanhänger zur intensiven Wahltätigkeit aus- gefordert hatte. DaS„Ferrer-Gesindcl" hat sich dadurch revanchiert, daß cS in der Stichwahl zwischen Zentrum und Liberalen den letzteren zum Siege vcrhalf. Während das Zentrum vor zwei Jahren ini ersten Wahlgange mit rund 8700 Stimmen über die Liberalen mit 2700 Stimmen glatt siegte, ist eS diesmal mit ölöS gegen 6213 liberale Stimmen unterlegen. Unsere Genoffen, die vor zwei Jahren nur erst 700 Stimmen aufbrachten, erhielten bei der jetzige» Wahl annähernd 1300 Stimmen. AngefichtS der beispiellos niedrige» Kampfesweise deS Zentrums gaben sie den Ausschlag zugunsten der Liberalen. Nun kläfft natürlich die Zentrumöpreffe im Duisburg?. Wahlkreise erst recht._ Freisinn«nd Schnapsmonopol. Der Abgeordnete Eickhoff, der es sich offenbar zur Aufgabe gc- stellt hat, den Freisinn nach Kräften zu blamieren, erzählt in Nr. 200 des„Tag": „Ich leugne zwar nicht und habe es niemals getan, baß auch von der bürgerlichen Linken erhebliche Fehler begangen worden find. So war eö„ach meiner Auffassung sehr wohl möglich, sich über die Braiintweinsteuergcsetzaebung mit den Konservative» rechtzeitig zu einigen, selbst auf die Gefahr hin, daß daS Branntweinmonopol eingeführt würde, den, eine große Anzahl freisinniger Abgeordneter nach meiner Kenntnis der Dinge ihre Zn- stimmung nicht versagt hätte." In der Steuerkomnussion haben die Vertreter der Freisinnigen das Monopol scharf bekämpft, und bei den letzten Nachwahlen zun, Reichstage haben die freisinnigen Redner mit Stolz verkündet, daß der Freisinn gegen die Brantweinsteuer gestimmt hätte. Nun kommt ein Mitglied der freisinnigen ReichstagSfraktion und erklärt, daß eine große Anzahl Freisinniger bereit gewesen wäre, für das Branntweinmonopol zu stimmen. Die Landtagsivahlen in Sachsen-Weimar. Leider bestätigt sich die Meldung vom Stichwahlsiege deS Genossen Bauerman» in Berga a. d. Eliter nicht. Mit wenigen Stimmen hat der agrarische Reattionär Lehmann das Mandat erlangt. ES ist also bei den Stichwahlen kein Sozialdemokrat gewählt worden. Indes handelt es sich in drei Wahlkreisen zusammen noch nilbt einmal um IVO Stimmen und es würden drei Sozialdemo- faßten mehr in den Landtag gewählt worden sein. Das G e s a nr t r e s u l t a t ändert sich nun so. daß nur vier Sozialdemokraten gewählt sind. Die rechtsstehenden Parteien haben durch den»atioualliberal-konservativ-antisemilischen Abgeordneten Lchmami-Icna einen ihnen würdigen Zuwachs erhalten. Die halbschichtigen Neuwahlen zur Hamburger Bürgerschaft finden am 1. Februar saUgemeiiie Wahlen), 18. Februar(Grundeigentümerwahlen) und 28. Februar(Notabelnwablen) statt. Wie schon vor einiger Zeit berichtet, haben die drei Parleivereine die Kandidaten bereits nominiert lind in einer großen Reibe Per- fammlungen den Wahlkampf eröffnet. Auf einen wesentlichen Ge- winn von sozialdemokratischen Mandaten ist kaum zu hoffen, da auch die zweite Klaffe, die.Armenecke", nicht ganz erobert zu werden vermag, weil der Proporz jede Partei zu ihrem„Rechte" toiuine» läßt._ Der Sozialistenschreck in Heffen. Pubbach. 20. Dezember. Der hiesige Kreisausschutz hat die Wahl des Landtagsabgeordnetcn Doutz zum Bürgermeister der Stadt Butzbach nicht bestätigt. Doutz war mit Hilfe der sozialistischen Stimmen gewählt worden. Tie Schiffahrtsabgabe» vor der hessischen Kammer. Mainz, 20. Dezember. Drei dein Zentrum angehörende Land- tagsabgeordnete haben in der Zweiten Kammer folgende dring- liche Anfrage an die Regierung gerichtet: Wie stellt sich die grotzherzogliche Regierung zu der Frage der Einführung von Schiffahrtsabgaben? Ist sie bereit, durch ihren Vertreter im Bundesrate die Stimme Hessens gegen die Einführung von Schifsahrtsabgaben abgeben zu lassen? Kandidaturen im Reichstagswahlkrcise Mülheim-Wipperfürth. Der Führer der Kölner Jungliberalen, Rechtsanwalt Falk in Köln ist am Sonntag definitiv als Kandidat der Liberalen für die bevorstehende Ersatzwahl zum Reichstage aufgestellt worden. — Die C h r i st l i ch s o z i a l e n stellen gemeinsam mit dem Bunde der Landwirte den Pastor H o h m a n n auf. DaS ist für die Sozialdemokratie günstig, da die beiden Parteigruppen früher für die Nationalliberalen eintraten.— Wer ist gemeint? Unier der Stichmarke:„Aus der Firma chnsilich-sozial" bringt das nationalliberale„Siegen er Lolksblätt" nachstehende viel- tagende Notiz: „Es war einmal im schönen Orte Friedensdorf. Da passierte 'eine ganz wunderliche, aber höchst liebliche Geschichte,� die selbst einem NeichStagSabgeordneteu Kopfschmerzen bereiten tünnte. Wir aber werden sie unS merken für passende Gelegenheiten. Denn wenn wir heute indiskret wären, so würde wahrscheinlich der Er- folg höchstens der sein, daß Herr Schock einen Kollegen in der „Nerpenheilanstalt" bekäme. Wir aber wissen jetzt, weshalb Herrn Schack an gewisser Stelle so energische Verteidigung erwuchs. Ja. Hoch die Triolei Weshalb hier nur die sittliche Entrüstung des„Voll" sprach- los ist?" Die christlich-sozialen Blätter und die Fraktion der Wirtschaft- i ichen Vereinigung, zu welcher die christlich- sozialen Abgeordneten ? e h r e» S und Dr. Burckhardt gehören, können zu diesem An- jliff unmöglich schweigen, denn indirekt behauptet daö national- ' liberale Blatt, daß seine Enthüllungen einen Abgeordneten der ge- ■ nannte» Fraktion schwer kompromittieren und als Parlamentarier Möglich machen würde». Der Einwand, datz den eventuell zum 2\grcifc>i verpflichteten Personen von de» hier angedeuteten Vor- i-.ngen nichts bekannt sei, kann nicht gemacht werden, denn man braucht ja nur das nationalliveralc Blatt aufztifordern, deutlicher zu t oerden._ Fürstliche Portofreiheit. Die deutschen LandcSfürstcn und autzer ihnen auch die Familie Ähurn und Taxis haben das Privileg der Portofreiheit. Von diesem �Privileg machen sie den ausgiebigsten Gebrauch? ist doch jüngst fest- gestellt worden, datz eine fürstliche Molkerei ihre Produkte, mit denen He Handel treibt, portofrei versendet. Eine» besonders markanten ' Fall teilt jetzt das„Berliner Tageblatt" mit. Nach der Darstellung des genannten BlattcS hat eine herzogliche Hofvcrwallung— welche wird leider nicht gesagt— bei einem Handelshause für die herzog- liche Forstadministration Waren im Gelvicht von 300 Kilogramm gekaust und dabei vorgeschrieben, datz die Sachen in Postpaketen mit dem Aufdruck.Herzogliche Angelegenheit" zu senden sind. Mit diesem Aufdruck versehen hatte die Post die Sachen gratis zu befördern. Das Postporto, das ein gewöhnlicher Sterblicher hätte bezahlen müssen, würde sich aus SO, SO M. belaufen haben. Natürlich würde dieser gewöhnliche Sterbliche solche Onantitäten nicht der Post, sondern der Bahn zur Beförderung übergeben haben. Dort hätte er an Fracht 5,40 M. bezahlen müssen. Die BescitiglUig diese« durch nichts begründeten Privilegs ist im Reichstage von sozialdemokratischer Seite mehrfach verlangt, vom Staatssekretär Kraetke jedoch immer verteidigt worden. Die deutschen Fürsten müssen vom Volke für ihre Arbeit so horrend be- zahlt werden, datz sicherlich kein Anlaß besteht, ihnen auch noch besondere Zuwendungen zu machen. Die unersättlichen Agrarier. Die Unersättlichkeit der Agrarier ist im Altenburg er Landtage wieder einmal in krassester Weis« zu tage getreten bei Beratmig einer Petition der LandwirtichaftSkammer des Herzogtums, die unkündbare TilaungSdarlehne von der Ällenburgischen Landesbank forderte. Bezweckt wird bannt eine Entschuldung der mittleren und größeren Bauern. Die ganz kleinen Bauern sollen nicht berücksichtigt werden. Nur Bauern, die zum allcrmindesten zwei Hektar Land besitzen, sollen auf Staatskosten entschuldet werden. Die agrarischen Vertreter im Landtage, die dank einer verschimmelten Gesetzgebung die Majorität im Landtage haben, trotzdem sie am wenigsten Stenern bezahlen,— stimmten im EhoruS da« Lied von der Notlag« der Landwirtschaft an, trotzdem die Altenburger Bauern anerkaimteunmtzen mit zu den wohlhabensten Bauern in, Deutschen Reiche gehören. Ihr Gejammer wurde selbst dem mit ihnen an einem Strange ziehenden Staats- minister B o r r i e s zu dumm, sodatz er mit dürren Worten er- klärte, die Petition gehe zu weit, die Lage der Landwirtschaft sei nicht so schlecht. wie sie von der LaudwirtschaftSkammer geschildert werde. Der Kern der Petition ist die Forderung, von der Landes- bank, für die jetzt i.ll2 prozentigen Hypothekendarlehen 3'/, prozentige zu bekommen. Aber'nur für die Agrarier. Die anderen Berussstände mögen sehen, wo sie bleiben. Brutal erklärten die agrarischen Vertreter, sie hätten keine Verpflichtung, für andere einzutreten. Vorläufig handelt es sich um 32 Millionen. für die der einprozcntige Zmsnachlatz begehrt wird, was für die LandeSbank einen Verlust von ISO 000 M. jährlich ausmachen wird. Diele Summe entgeht der Staatskasse, wofür dann e i n S t e u e r t e r m i n im Jahre von den Steuerzahlern mehr erhoben wird. Mit Recht erklärte der Abg. Genosse Käppler, die Petition sei nicht wert, unterstützt zu werden. Aber der von ihm gestellte Antrag auf Uebergang zur Tagesordnung wurde abgelebnt und aus Antrag des Junkers von Thüinmel. des Führers des Bundes der Landwirte im Herzogtum, beschlossen, solche Darlehen zur Entschuldung des Grobgrundbesitzes einzuführen. Zwei Tage zuvor hatten dieselben Agrarier, die für sich das Geld aus der Staatskasse scheffelweise in Anspruch nehmen, die Anträge der sozialdemokratischen Fraktion auf Befreiung der Einkommen bis zu 900 M. von der Steuer und auf Uebernahnie des Volksschulgeldes auf den Staat resp. Gewährung von Zuschüssen aus der Staats- lasse in entsprechender Höhe an die Gemeinden, abgelehnt! Ein„brauchbarer" Gefreiter! Wegen einer Reihe Mitzbandlungen und Schikanen stand der Gefreite Hacke vom 177. Infanterie- Regiment vor dem DresdenerKriegsgericht. Der erst ISjährige(!) Angeklagte war Stubenältester und Rekrutengefreiter. In seiner Eigenschaft als solcher hat er sich den Rekruten gegenüber als Vorgesetzter auf- gespielt und diese gequält, wo es nur ging. Einen Rekruten Uetz er so lauge stillstehen, bis es dieser nicht mehr aus- halten konnte. Ein anderer mutzte 8— lOmal Knie- beugen hintereinander machen und dann längere Zeit in beugender Stellung verharren. Mehrfach wurden die Rekruten abgeschüttelt und mit S ch i in p f w o r t e n belegt. Ein Rekrut wurde bis zur Erschöpfung in der Stube u m h e r g e j a g t. Der Augeklagte, welcher als ein„brauchbarer" Gefreiter geschildert wird, will das alles nur aus„Spatz" und .Scherz" getan haben! Das Gericht nahm„minderschwere" Fälle und mildernde Umstände an und erkannte auf-- 14 Tage mittleren Arrest!_ frankreicb. Für die Sonntagsruhe. Paris, 19. Dezember. Heute nachmittag wurde vor einem an der Place de l'Hotel de Ville gelegenen Waren hause, das trotz des Sonntags geöffnet ivar, eine Kundgebung veranstaltet, um die Schlictzung des GelchäfteS zu erzwingen. Es kam zu Zusammen» stützen mit der Polizei, ivobei ungefähr 30 Verhaftungen vorgenommen wurden. Am Abend veranstalteten Handln ngs- g e h i l f e n wegen Nichtanwendung des Gesetzes über die SonntagS- ruhe an mehreren Stellen Kundgebungen, wobei in Material- Warengeschäften, die geöffnet waren, Verwüstungen angerichtet wurden. Als die Polizei einschritt, kam es zu Tätlichkeiten, wobei einige Polizeibeamte verletzt wurden. Mehrere Persoitcn wurde» verhaftet, Belgien. Sozialdemokratische Schöffen. Brüssel, 18. Dezember.(Eig. Ber.) Gestern wurde im Brüsseler Gemeiuderat an Stelle deS zum Bürgermeister gewählten Schöffen Mag der S oziali st Vandendorpe gewählt. Das Mandat, bisher Besitz der Liberalen, wurde den Sozialisten vom Bürger- m c ister mit der Motivierung angeboten, datz ihnen ent- sprechend der Stärke ihrer Fraktion dieser Sitz gebühre. Der Bürgermeister hob in feiner Antrittsrede hervor, datz ihn der Ein- tritt eines zweiten Sozialisten— das Amt des Finanzschöffen be- findet sich im Besitz des Genossen Grimard— nicht„erschrecke".— die Zeiten, da eine solche Auffaffung existiert habe, seien vorbei. Er nahm dabei Gelegenheit, die umsichtige und praktische Arbeit GrimardS— ber übrigens die Geschäfte der Hauptstadt oft in Abwesenheit des verstorbenen Bürgermeisters Dcmot geführt hat— mit allem Nachdruck zu betonen. In der der Trauerkundgebung für König Leopold gewidmeten heutigen Sitzung de? Gemeinderats gab Camille HuySmanS vom sozialdemokratischen Standpunkt eine Charakteristik des der- storbenen Herrschers, die sich natürlich nicht mit der loyalen deckte. Italien. Eine nette Erklärung SonninoS. Rom, 20. Dezember. Kammer. In der Debatte über die ministerielle Erklärung führte Ministerpräsident S o n n i n o in Beantwortung verschiedener Reden über die Lösung der Krise aus, er habe geglaubt, sich an die bedeutendsten Mitglieder der ver- schiedenen Gruppen der großen konstitutionellen liberalen Partei wenden zu sollen, um ihre Mitwirkung bei dem Reformwerke zu erbitten. Er versicherte, datz er bei dem Studium der Reformen niemals die Leistungsfähigkeit und die solide Grundlage des Budgets aus den Llugen verlieren werde. Parlament und Land könnten in einigen Wochen die Vorlegung konkreter Gesetzentwürfe erwarten. Sluf die Frage, ob das Ministerium eine Majorität besitze, erwiderte der Minister, er habe Vertrauen zu der Weis- hcit und dem Patriotismus der Kammer. Wenn die RegierungS- entwürfe dem Lande Gewinn brächten, so würden sie auch Zweifel- los die Billigung des Parlaments finden. Für den Augenblick bitte die Regierung nur um kurzes, wohlwollendes Abwarten. (Lebhafter Beifall.) Hierauf wurde die Debatte geschlossen und das provisorische Budget mit 224 gegen 05 Stim- men angenommen._ Hua der Partei. Der frmizösischc Parteitag. Wegen der im Mai stattfindenden Kainmerwahlen tritt der Parteitag der geeinigteu Sozialisten schon am 6. Februar zusammen. Als Kongretzort ist von der Mehrheit der Föderationen NlmeS bestimmt worden. Die Tagesordnung weist zunächst die vom Kon- grefx i» St. Etienneiiberwicienen Punkte: 1. Landpropaga n da (Bericht der Spezialkommission); 2. Wahlkampagne(Taktik und materielle Organisation); 3. Reform des Parteistatuts auf, woran sich die sieben vom Internationalen Bureau auf die Tagesordnung des Kopenhagener Kongresses gesetzten Gegenstände anschließen. Indes wird die zur Pcrfügung stehende Zeit von vier Tagen eine gründliche Diskussion dieser Fragen nicht gestalten, da namentlich die durch den Kampf um den Proporz ganz verwirrte Wahlsituation zweifellos den Anlaß zu langen Debatten geben wird. Mandatsverzicht Juleö Guesde«? Paris, 18. Dezember.(Eig. Ber.) Jules GueSde trägt sich mit dem Gedanken, in den kommenden Wahlen nicht mehr zu kandidieren. Der Grund ist sein trotz bei einjährigen Urlaubes, den er vor zioei Jahren genommen hat, nickt gebessertes Befinden. An den parlamentarisckcn Arbeiten der Fraktion teilzunehmen war unserem Genossen versagt und fiir ihn ist— wie er einem Redakteur deS„TempS" gesagt hat— ein Leben neben der Aktion eine Qual, die Dante in seiner Hölle vergessen hat. GueSdcS Aerzte wollen es indes mit einer neuen Kur versuche», von der sie sich Erfolg versprechen, und in diesem Falle wird GueSde wiederum kandidieren. Die Wahlkampagne selbst ist nicht anstrengend, da er nur in zwei Versammlungen, in R o u b a i x lind der Vorstadt WatreloS zu sprechen brauchte. Datz die Kraft deS Gründers der frauzösii'chcn Arbeiterpartei der Sache de» Sozialismus er- halten bleibe, wünscht mit den französischen Sozialisten die ganze Internationale._ Zum preußische» Parteitag. MS Delegierter für den Wahlkreis Merseburg-Ouerfurt wurde Genosse Konrad Müller- Schkeuditz gewählt. polfaeiUehtS, Öcrlchtlleheo ukw. Wahrnehmung berechtigter Interesse». Zu 50 Mark Geldstrafe verurteilte da« Schöffengericht in Fra n kenhausen den Genoffcn Zorn vom„Saalfelder Volksblatt", weil er in einer Polemik gegen die„Frankenhänser Zeitung" von„Tratsch- und Klatschpreffe" gesprochen hatte. Daö Gericht billigte dein Angeklagten die Wahrnehmung berechtigter Interessen zu, kam jedoch wegen formaler Beleidigung zu obiger Strafe. Interessant tst,»vas der Vorsitzende über den 8 193 ausführte: »Der Angeklagte hat in Wahrnehmung berechtigter Interessen gehandelt. Das Gesetz sieht auch die Wahrnehinung der Jntcr- essen dritter Personen vor. Der Angeklagte ist Mitglied der sozialdemokratischen Partei und ohne Zweifel überzeugter Sozial- demokrat. Als solcher hat er das Recht, in seinem Blatte den sozialdemokratischen Ideen tnid Gedanken Lerbreilting zu schaffen. Das sei nach Ansicht des Gerichts der Zweck des Artikels und da-Z genüge, um dem Aiigeklagten den Schutz deS§ 193 des Strafgesetz- buches zuzubilligen."_ Sozialea* Prämien für Kassenbetrüger. Von der Gewohnheit, geradezu als Prämie für Kassenbctrug wirkende niedrige Geldstrafen den Arbeitgebern aufzuerlegen, die den Arbeitern die Kasseubeiträge vom Lohn abziehen, die Beiträge aber der Kasse nicht abführen, ist dieser Tage die zweite Straf- kammer des Landgerichts II abgewichen. Die Angeklagten. Van- uitternchmer, Architekten Gebrüder Karl und Wilhelm Brandt, schuldeten der Ortskrankcnkasse Friedenau an von den Arbeitern eingezogenen Beiträgen und Eintrittsgeldern 105 M. Sie wen- deten gegen die Anklage ein, sie hätten bei ihren Bauten große Verluste erlitten. Dadurch seien sie gegenwärtig autzer Stand gesetzt, irgendwelche Zahlungen zu leisten. Auch hätten sie den Ar- beitern die Abzüge nicht odxr nur teilweise gemacht. Der Bor- sitzende hielt den Angeklagten vor, das Krankenvcrsicherungsgesetz sei zu dem Zweck gemacht, den Arbeiter im Falle der Erkrantung vor Not und Elend zu schützen. Der Gesetzgeber habe das Ver- trauen auf die Ehrlichkeit der Arbeitgeber gesetzt, datz diese die den Arbeitern von ihrem sauer verdienten Lohn in Abzug ge- brachten Beiträge auch in Wirklichkeit an die Krankenkassen ab- führten. Wenn das nicht geschähe und Bauten mit dem Gclde an- derer errichtet würden, so seien schließlich nicht nur die Kranken- lassen, sondern auch viele kleine Handwerker und Arbeiter die Leidtragenden. Das sei durchaus verwerflich. Der Staatsanwalt beantragte dennoch eine unter dem Betrage der unterschlagenen Gelder zurückbleibende Strafe, nämlich 109 M. Geldstrafe. Das Gericht verurteilte die Angeklagten zu je 200 M. Geldstrafe. Das ist eme im Verhältnis zu der gesetzlichen Straf- androhung noch immerhin geringe Strafe. Aber sie gewährt doch dem Kasseubeiträge Unterschlagenden wenigstens keine Prämie. 8 82b des Krankcnversicherungsgesetzes bedroht Arbeitgeber, welche den von ihnen beschäftigten Personen Lohnbeträge bei der Lohn- zahlung in Abzug bringen, die Beträge aber in der Absicht, sich oder einem Dritten einen rechtswidrigen Vermögensvorteil zu verschaffen, oder die berechtigte Gemeinde-Krankenversichcrung oder Krankenkasse zu schädigen, den letzteren vorenthalten, mit Ge- fängniS, neben welchem auf Geldstrafe bis zu 3000 M. sowie auf Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte erkannt werden kann. Nur bei Annahme mildernder Umstände kann ausschließlich auf Geld- strafe erkannt werden. Würde sich die Praxis endlich einbürgern, daß regelmäßig auf Gefängnisstrafe und bei Annahme mildernder Umstände auf vierziffrige Geldstrafe erkannt wird, so würde diese Art von Unterschlagung von Arbeitergroschen wohl bald aushören. Laudarbeiterfreuben. Auf deP Dominium Gollwitz(Schlesien) arbeitete eine Witwe. die zwei kleine Kinder zu ernähren hatte. Ihr Tagelohn betrug 80 Pf. Da sie öfter darben mußte, weil der kärgliche Lohn für drei Personen nur sehr kümmerlich ausreichte, nahm sie eines Tages, als gerade Kartoffeln für das Bich gekocht wurden, aus dem Kartoffeldämpfer eine Handvoll zerstampfter Kartoffeln, um damit ihre» Hunger zu stillen. Für diese verzweifelte Tat belegte der Inspektor Hahn die Frau mit 30 Pf. Geldstrafe und kündigte der Frau für den Wiederholungsfall 1 M. Strafe an. Die Frau äußerte sich später zu einer Mitarbeiterin, daß sie bei solcher Be- Handlung am liebsten vom Gute weggehen möchte. Das erfuhr der Inspektor, der die Frau zu sich kommen ließ und sie mit Faust- schlügen aus Kopf und Rücken traktierte. Als die Frau Sonnabends ihren Lohn in Empfang nehmen wollte, erhielt sie ihn nicht. Sie mußte also über den Sonntag mit ihren Kindern hungern. Erst Montag erhielt sie den sauer verdienten Lohn, wovon ihr nun noch eine Mark Strafe abgezogen wurden. Der Abzug ist durchaus rechtswidrig. Also Geldstrafe, Prügel und Schikane, weil die arme Frau ihren Hunger mit einer Handvoll Viehfutter stillen wollte.— Ein Anrufen des Gerichts würde der Frau zu ihrem Rechte verhelfen. Leider gehört sie aber dem Landarbeiterverband nicht an, der ihre Rechte gern durchführen würde. Dringend not tut der Zusqmmcn- schluß der Landarbeiter in dem Verband(Michaelkirchplatz 1). Genossen, die während der Feiertage nach Hause reisen, sollten es nicht unterlassen, auf dem Lande zum Anschluß an den Verband zu werben. Ist ein llnfall auf dem Wege zur oder von der Arbeit versicherungspflichtig? Im Unfallgesetz ist der von sozialdemokratischer Seite ge- stellte Antrag, die Versicherungspflicht auf alle Unfälle auf dem Wege vom Hause nach der Arbeit und von der Arbeit nach Hause auszudehnen, abgelehnt. Unfallversichermtgspflichtig ist aber dennoch ein Unfall aus dem Wege nach oder von der Arbeitsstätte, wenn der Unfall mit dem Betriebe im Zusammenhang steht. Es ist vom Reichsversicherungsamt wiederholt anerkannt, daß das Tragen von Arbeitsgeräten als eine Betriebstätigkeit aufzufassen und demgemäß Unfälle auf dem Weg zur oder von der Arbeits- statte unter besonderen Umständen versicherungspflichtig sind. Ein jetzt veröffentlichtes Urteil des ReichsversicherungsamteS be- stätigt diese zutreffende Praxis. Der Sachverhalt war folgender: Die Witwe M. wohnt bei ihrer Tochter B. in M. Beide be- arbeiteten miteinander das Feld des B. Am 3. August 1908 kam die Witwe M. auf dein Rückwege vom Felde zu Falle und erlitt einen Bruch deS rechten Unterschenkels. Die Landwirtschaftliche Bcrufsqeitossenschakt für die Provinz Sachsen, Sektion Erfurt- Land(KrciSausschuh), lehnte die Gewährung einer Rente ab. Die Ablehnung begründete die BerufSgenossenschaft in folgender Weise: „Wege von und zu der Arbeitsstätte gelten nicht als zum Bo- triebe gehörig. Unfälle, welche auf ihnen sich ereignen, gelten nur dann als versichert, wenn sie mit der Arbeit im ursächlichen Zu- sammeuhange stehen. Da dies vorliegend nicht der Fall ist, kann der Verletzten ein Schadenersatz nicht gewährt werden. Die von der Verletzten gemachte Einwendung, daß sie Arbeitsgeräte von der Arbeitsstelle habe zurückbringen müssen, ist nicht stichhaltig. da das Tragen des RcchenS sie in ihrer Bewegungsfreiheit nicht hinderte und somit nicht Ursache deS Unfalles war." Die gegen den vorstehenden Entscheid eingelegte Berufung wurde vom Schiedsgericht mit folgender kurzen Begründung zu- rückgewiesen: „Auf die rechtzeitig eingelegte Berufung mußte, wie geschehen, erkannt werden, da Unglücksfälle landwirtschaftlicher Arbeiter außerhalb der Betriebsstätte auf dem Heimwege einen Renten- anspruch in der Regel nicht begründen, ein Ausnahmefall hier aber nicht vorliegt." Der hiergegen eingelegte Rekurs hatte Erfolg. Das Reichs- versicherungSamt hob die Vorentscheidungen auf und erkannte den Anspruch dem Grunde nach für gerechtfertigt an. Begründend führte daS Reichsversicherungsamt folgendes an: „Die Klägerin hatte am Unfalltage mit ihrer Tochter auf deren von ibnen gemeinschaftlich bewirtschafteten Grundstück Klee gewendet und trug den zur Wirtschaft gehörige» Rechen nach HauS, alS sie durch Hinfallen verunglückte. Dieser bei dem Transport rineS BetriebSgerätcS geschehene Unfall war also ein Betriebs- unsall, für de» die Beklagte einzutreten hat. Deshalb war dem Rekurse stattzugeben und der Anspruch dem Grunde nach für ge- rechtfertigt zu erklären. Die ziffernmäßige Feststellung der Rente ist der Beklagten überlassen worden, da die Unterlagen hierfür nicht genügen." Insbesondere bei landwirtschaftlichen Betrieben ist eS also hin und wieder möglich. Entschädigungsansprüche für Unfälle auf dein Gang zur Betriebsstätte oder auf dem Heimwege durchzusetzen. Gcwerhrcbaftlicbee. Ccndcnzhintifcbes. (Eine Erwiderung auf den Aufsatz„Tendenzwissenschaftliches" in Nr. 293 des„Vorwärts" vom 16. Dezember 1999.) Unter dieser Ileberschrift erhalten wir von Herrn Dr. Cl. Heiß folgende Zuschrift, der wir Raum geben, weil wir dem Ange- griffenen nicht die Gelegenheit der Verteidigung nehmen wollen: Daß bei meiner an den Anfang der Woldtschen Kritik gestell- tcn totalen Unfähigkeit als Endergebnis sich ein erbärmliches Machwerk herausstellt, darüber wird sich wohl kaum jemand wun- dem.*) Wer über die Arbeiter berührende Angelegenheiten schrei- bcn will, der muß, um derartigen Kritikern zu gefallen, ausschließ- lich die Lichtseiten der Arbeiter hervorheben und unterstreichen und darf ihre Schattenseiten einfach nicht sehen. Sonst wird eine an die Ketzergerichte erinnernde Untersuchung seiner Gesinnung angestellt, ausgehend von dem Grundgedanken, daß alles, was von den Dogmen der alleinseligmachenden sozialdemokratischen Kirche abweicht, nur durch Dummheit oder Bosheit oder besser noch durch eine schöne Verbindung dieser beiden Eigenschaften zu erklären ist. Altes, was nicht in diesen Rahmen paßt, wird beiseite ge- schoben, wie z. B. meine sämtlichen Ausführungen über die Ar- beirszeit und die Akkordarbeit. Ich habe da z. B. Seite 107 wärt- lich ausg führt:„Das Akkordlohnsystem hat die Tendenz in sich, die durch seine Anwendung erzielte größere Geschicklichkeit der Arbeiter und die durch die höhere technische Intelligenz der Ar- heiter erzielten Vorteile in der Arbeitsmethode mit Hilfe der freien Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt dem Unternehmer ohne Entgelt zuzuiühren. Dies führt aber dazu, daß die Arbeits- gelcgeuhcit unrcg'elmäßigcr wird, daß sich die Arbeitslosigkeit häuft und periodisch wiederholt." Ich führe dann weiter aus, daß der Arbeiter von rein kaufmännischen Gesichtspunkten aus für sich ver- langen kann,„daß er in den guten Zeiten für das Risiko, häusig arbeitslos zu werden, entschädigt wird". Bezüglich der lieber- stunden führe ich aus, daß sie für den Unternehmer unrentabel sind, daß sie Pferden, die einen Marktpreis haben und die Bilanz- kanten des Hauptbuchs verunstalten können, nicht auferlegt zu werden pflegen, weil man hier berechnet, in welcher Zeit die Pferde am meisten leisten und am wenigsten verbraucht werden. (S. 410.)� Ich führe dann weiter aus, daß die Arbeiter nur durch die Verkürzung der Arbeitszeit eine dauernde Verbesserung ihrer Lage zu erringen vermögen.„Es ist," heißt es in meinem an- geblich tendenziös die Unternehmerinteressen verfechtenden Buch auf S. 417 k. wörtlich,„eine längst allgemein als solche erkannte Unwahrheit, um nicht zu sagen dreiste Lüge, die einer Widerlegung nicht mehr wert ist, daß dem Arbeiter die Verkürzung der Arbeits- zeit Anlaß zu vermehrten unnützen Ausgaben für Alkohol und Vergnügungen geben würde. Die Arbeitszeit muß nur so be- messen sein, daß auch ein normaler Durchschnittsmensch mit der verbleibenden freien Zeit etwas Vernünftiges anfangen kann. so wird er sie ganz sicher auch vernünftig anwenden." Und S. 419 heißt es:„Der Kaufmann wird sich niemals, wenn sie ihm nicht durch die Macht der Tatsachen eingebläut wird, zu der Erkenntnis durchringen, daß es ein logischer Widerspruch ist, intensivere Ar- beit von dem Arbeiter ohne gleichzeitige Verkürzung der Arbeits- zeit zu verlangen." Woldt belehrt mich in dankenswerter Weise darüber, zu wel- chcm Resultat ich in Anwendung des Schemas von der Verdräu- gung der Klein, und Mittelbetriebe durch die Großbetriebe und der gelernten Arbeit in diesen durch die ungelernte Arbeit hätte kommen müssen. Ich bedaure, unbelehrbar zu sein, da ich die Tatsachen selbst einer noch so schönen Theorie zuliebe nicht ver- gewaltigen kann. Die tatsächliche Entwickelnng ist nämlich die, daß bei dem gewaltigen Aufschwung der elektrischen Industrie und auch der Werkstätten für photographische Apparate diese heute mehr ge- lernte Feinmechaniker nötig haben, als vor zwanzig Jahren, wenn auch das Verhältnis der gelernten zu den ungelernten Arbeitern in den Großbetrieben für erstcre ungünstiger geworden ist, und daß die konkurrenzfähig gebliebenen Mittelbetriebe in dieser Beziehung kein- Veränderungen von wesentlicher Bedeutung erfahren haben. Selbst in den Großbetrieben sind neue Berufe für gelernte Ar- beitskräfte entstanden, wie zum Beispiel die Einrichter. Aber das gehört ja zu den Dingen, von denen Woldt. weil sie zu seiner kritischen Tendenz nicht passen, ebensowenig Kenntnis zu nehmen braucht, wie von meinen eingehenden Ausführungen, daß und warum die Arbeitsteilung in den Mittelbetrieb nicht so stark ein- dringen und daher die Akkordarbeit und die Lohndrückerei für ihn nie die gleiche Bedeutung erlangen kann. Weiter ereifert sich Woldt darüber, daß ich zur Untersuchung der Teilerscheinung der schwankenden wöchentlichen Lohnempfänge der Arbeiter eine beschränkte Anzahl von typischen schlechten, mittleren und guten Arbeitern durch sämtliche 62 Wochen des Jahres hindurch verfolgt habe. Er mißtraut meiner Auswahl. Das hier zu untersuchende Problem würde durch jede Durchschnitts- berechnung nur verwischt worden sein. Eine Auswahl mußte also getroffen werden. Normaler als Herr Woldt geartete Menschen, die nicht so ausschließlich vom Mißtrauen beherrscht sind, mußten auch, ohne daß man es ihnen ausdrücklich zu sagen brauchte, finden, daß ich in meiner Auswahl schon durch den Ilmstand beschränkt war, daß ich dieselben Arbeiter durch vier ijsahre hindurch verfolgte(sie mußten also sämtlich mindestens vier Jahre ununter- brachen im Betrieb tätig gewesen sein) und daß auf diesem Wege alle Willkürlichkeiten ausgeschieden werden mußten. Doch ich stelle damit wohl schon zu große Ansprüche an das kritische Fassungs- vermögen meines Rezensenten, der nach seiner eigenen Angabe auch mit der vollständign berufsgenossenschaftlichen Lohnliste eines ganzen Betriebes nichts anzufangen weiß. DaS. wird mir außer Herrn Woldt doch wohl sonst kein verständiger Mensch zur Schuld anrechnen. Damit bin ich bei den gestohlenen silbernen Löffeln angelangt. Es soll ein ganz besonderes Verbrechen sein, daß ich einen Teil meines Manuskriptes der Firma Siemens u. Halske vorgelegt habe. Ich gebe zu, das würde zutreffen, wenn ich von dieser Tat- fache keine Erwähnung getan hätte. Woldt hat mir selber das Gegenteil bezeugt. Aber er hat seinerseits wider besseres Wissen alle in schärfster Weise dem Standpunkt der Arbeiter gerecht werdenden Stellen meine? Buches, von denen ich hier nur einige Proben angeführt habe, verschwiegen. Deshalb fällt der Vorwurf der Tendenzwissenschaft auf ihn als der der Tendenzkritik zurück. Daß es schlver ist, einen großen Arbeitskampf, wie den des Jahres 1906 in der Berliner elektrischen Industrie objektiv zu be- urteilen, will ich ohne weiteres zugeben. Man kann über solche Fragen immer verschiedene Ansichten haben, zu einem wissen- schastlich beweisbaren Urteil wird man wohl kaum je gelangen können, wie in jedem solchen erregten Kampfe, wo es sich um Mci. nungen handelt. Das berechtigt aber doch meinen Kritiker nicht, meine nach seiner Ansicht irrige Ansicht auf unlautere Tendenzen zurückzuführen, zumal, wie ich ausführlich nachgewiesen habe, solche Tendenzen in meinem Buch nicht vorhanden sind und nur hineininterpretiert werden können, wenn man die ganze Hälfte meines Buches, in der ich nach dem Vorwort meine Anschauungen zum Ausdruck bringe, geflissentlich totschweigt. Ich bin allerdings der Ansicht, daß man wissenschaftliche Streitfragen zum Vorteil beider Teile in anständigerer Weise austragen kann, als dies Herr Woldt getan hat. Es ist nicht nötig, den Gegner gleich moralisch vernichten zu wollen und ihn der Gesinnungslumperei und des Strebertums zu bezichtigen, zumal Herr Woldt wissen muß, daß mir Strebertum im Sinne eines EhrenbergschülerS(wofür ich obendrein viel zu alt bin) durchaus fern liegt. Dem„Vorwärts", als Vertreter demokratischer Prinzipien, möchte ich zum Schluß den Rat geben. eS mir allein zu überlassen, welchem Erwerb ich •) Ich halte mich an den Originalaussatz von R. Woldt in Nr. 50 des„Correspondenzblattes der Generalkommission der Ge- wcrkschaften". aus dem der„Vorivärts"-Artikel einen Auszug dar stellt. Dort finden sich die angeführten Ausdrücke. nachgehen will. Nur das kann ich ihm versichern, daß mir mein ebenso ehrlicher Erwerb, wie der irgendeines gesinnungstüchtigen Kritikers, bei seiner Schwierigkeit noch keine Reichtümer eingebracht hat. Erleichtert wird die Arbeit dadurch nicht, daß der Metall- arbeitcrverband sein unfehlbares Wissen für sich behält und an- ständige Briefe nicht einmal beantwortet. Schöneberg, den 16. Dezember 1909. Dr. C l. H e i tz. ».« Von Genossen Woldt erhalten wir dazu folgende Mit- teilung: Da der Herr Dr. Heiß einen ähnlichen Brief auch an das „Eorrespondcnzblatt der Gcrieralkommission" geschickt hat und sich meine Erwiderung nicht auf ein paar Zeilen beschränken kann, möchte ich dafür nicht den Raum des„Vorwärts" in Anspruch nehmen. Der gelehrte Herr Doktor wird aber in der nächsten Nummer des„Correspondenzblattes" von niir eine Antwort er- balten, die er sich vermutlich nicht hinter den Spiegel steckt. _ Richard Woldt. Kerlin und Omgeqcnd. Die Tarifvorlage für die Brauereien wurde in ihrem Eni- wurf, wie sie aus den Kommissionsberatungen hervorgegangen ist, einer Versammlungen von Brauern und den im inneren Betriebe der Brauereien beschäftigten Arbeitern vorgelegt, als der vierten und letzten der vom Brauereiarbeiterverband einberufene» Gruppenvcrsanlmluugen, die am Sonnabendabend im Gcwerk- schaflshause stattfand. Schuldt referierte; er gab, ebenso wie in den übrigen Versammlungen, eine Uebcrsicht der Verhandlungen und erläuterte die einzelnen Punkte des Entwurfs, der neben den allgemeinen Forderungen für sämtliche Gruppe» die speziellen für jede einzelne Gruppe enthält. Diese speziellen Forderungen beziehen sich besonders auf Lohn und Arbeitszeit, worüber für die Brauer vorgeschlagen wurde: Die Arbeitszeit soll folgendermaßen geregelt werden: Bei Tagschicht soll 8�: Stunden innerhalb 10 Stunden, bei Nachtschicht 3 Stunden innerhalb 9 Stunden gearbeitet werden. Im Sud- Haus, beim Bierlaufen und für die Darrheizer, soll die Arbeitszeit 8 Stunden täglich, und zwar für 3 Kolonnen zu 6 Schichten pro Woche, betragen. Die Arbeit soll um 7 Uhr morgens beginnen. Als Wochenlohn sind 38 Mk. für Brauer und an deren Stelle Be- schäftigte festgesetzt. Die im inneren Betriebe beschäftigten Hilfs- arbeiter dürfen wegen der Lohnerhöhung nicht in eine schlechter bezahlte Sparte versetzt werden. Der Vorsitzende H o d a p p stellte den Entwurf zur Dis- kussion. Im allgemeinen war man auch in dieser Versammlung mit den Arbeiten der Kommission zufrieden, wenn auch einzelne Redner meinten, daß die Brauer von allen Gruppen die be- scheidenste gewesen sein und daß man mehr hätte fordern können. Es handelte sich in diesen Versammlungen nur um Beratungen und um Aeußerungen der Mitglieder zu dem Entwurf. Eine be- schließende Versammlung, die darüber zu entscheiden hat. in welcher Form die Tarifvorlage endgültig an die Brauereien gehen soll, wird erst im Laufe des Januar stattfinden. In allen vier Gruppen- Versammlungen wie auch in der Versammlung des Transport- arbeiterverbandes wurde die Bedeutung der gegenwärtigen Be- wegung hervorgehoben und zu eifriger Agitation unter den Unorga- nisierten ermahnt._ Die Organisationsverhältnisse in den Branereibetrieben Berlins. Wir erhalten zn diesem Thema abermals zwei Zuschriften. Die erste lautet: In Nr. 296 de?„Vorwärts" vom Sonntag, den 19. Dezember dieses Jabres wird eine Berichtigung deS Deutschen Transport- arbeiterverbandes veröffentlicht, in welcher die in Versammlung«- berichten deS Brauereiarbeiterverbandes angegebenen Mitglieder- zahlen des Transportarbeiterverbandes mit dem Bemerken als unrichtig bezeichnet werden, der Referent oder Berichterstatter müsse sich geirrt haben. Hierzu bemerken wir. daß keineswegs em Irrtum unsererseits vorliegt, sondern diese Zahlen auf einer genau aufgenommenen Statistik beruhen und. wie auch aus den Versammlungsberichten hervorgeht sich auf die 43 zur Lohnbewegung stehenden Brauereien erstrecken..... Zentralverband deutscher Brauereiarbeiter. Die zweite Zuschrift hat folgenden Wortlaut: In dem Bericht über die Versammlung deS Brauereiarbeiter- Verbandes, speziell der Handwerker, Maschmisten und Heizer, in Nr. 293 deS„Vorwärts" ist dem Referenten ein kleiner Irrtum über die Organisationsverhältnisse unterlaufen. Laut Statistik sind die OrgaiüsationSverhältnisse folgendermaßen: Von 823 beschäftigten Hanwerkern, Maschinisten und Heizern sind 642 organisiert. Von diesen Organisierten sind 616 Mitglieder der zuständigen Organisationen, III im Brauereiarbeiterverband, 16 in verschiedenen nicht angeschlossenen Gewerkschaften. Die Maschinisten und Heizer sind in den Lagerbierbrauereien mit 259 Mitgliedern in ihrer Organisation vertreten von 334 be- schäftigten Maschinisten. Heizern, Abschmieren, und Kohlenarbeitern. Dem Brauereiarbeiterverbande gehören 37 Mitglieder an. Un- organisiert find 38 Beschäftigte. In den Sckultheiß-Betrleben sind 65 Maschinisten, Heizer, Ab- schmierer und Kohlenarbeiter beschäftigt, von denen nur 10 un- organisiert sind. ES sind also d>e Organisationsverhältnisse doch bessere, als sie vom Referenten hingestellt worden find, oder aber man rechnet die Mitglieder deS Maschinisten« und Heizerverbandes als Unorganisierte._ Die Differenzen in der Holzindustrie werden trotz des bevorstehenden Weihnachtsfeste» mit unverminderter Schärfe weiter auSgefochlen. In H ö ch st a. M. und L u ck e n- walde ist zwar in den letzten Tagen erneut verhandelt worden, eine Verständigung konnte aber bisher nicht erzielt werden. In Sommerfeld versuchen die Unternehmer mit Aufbietung aller Kräfte Streikbrecher anzuwerben. Bisher ohne Erfolg. Recht schlechte Erfahrungen auf diesem Gebiete macht auch die Waggon- fabrik Bautzen, bei der seit Wochen die Stellmacher wegen einer erheblichen Lohnreduzierung ausständig sind. In Berlin und anderen Orten wurden ganze Transporte von Streikbrechern zu- sammcngestellt. die aber— dank der Aufmerksamkeit der Ardeiterschaft— wieder zerstreut wurden. Mit dem traurigen Rest, den die Streikbrccheragcnten nach Bautzen brachten, vermag die Direktion der Fabrik nichts anzufangen. Es sind deshalb in den letzten Tagen die Tischler des Betriebe» in Mitleidenschaft gezogen worden. weil sie sich weigern, die Arbeit der ausständigen Stellmacher fertig zu stellen. veirtfebe» Reich, ransend»ogtländische Sticker sind gestern in den Ausstand ge- treten, da ihre Forderungen von den Fabrikanten nicht bewilligt worden waren. Dadurch find auch etwa 1600 Arbeiterinnen ohne Arbeitsgelegenheit._ Christliche Totenschändung. Der Vertreter des christlichen MelallarbeiterverbondeS Ger» Hardt auö Schwäbisch-Gmünd legte nach dem Berichte deS„Psorz- heimer Anzeiger" dem verstorbenen Redakteur der„Holzarbeiter- Zeitung" D e'i n h a r d t die Worte in den Mund:.Der Arbeiter- Verrat der sozialdemokratischen Führer stinke zum Himmel."— Genosse D e i n h a r d t hat so etwas natürlich nie gesagt. Es hieße aber den, Musterchristen Gerhardt zu viel Ehre antun, wenn man diese Tatsache deS längeren begründen wollte. ES genügt, den „christlichen" Versuch, einen Ehrenmann nach seinem Tode mit Schmutz zu bewerfen, der öffentlichen Beurteilung unterbreitet zu haben. Kuslanck. Ter Bergarbeiterstreik in Australien. Sydney, 20. Dezember. Die Vereinigung der Bergleute beS Nordreviers Hai an die Bergleute des Südrevicrs einZirkulajr erlassen, in welchem diese aufgefordert werden, f e st zu bleiben, und worin sie erklärte, daß sie selbst die Löhne des obligatorischen Lohnamtes nicht annehme. Ferner wird gemeldet, daß die North Sydney-GaS-Company nicht mit Kohlen versehen ist, und daß 70 000 Einwohner heule abend ohne Gasbeleuchtung sind. Die Vereinigung der Bergleute des S ü d b e z i r l S hat sich, wie au? Sydney gemeldet wird, gegen den allgemeinen Ausstand aiisgesprocheu, und beschlossen, sich der Entscheidung des Streik- kongresses, daß die Arbeil am Montag wieder aufzunehmen ist, zu unterwerfen. Mus der frauenbewegung. Laßt alle Hoffnungen fahren! Die von Frau Minna Eauer in der„Frauenbewegung" unterbreiteten WeihnachlSwiin'che erfahren die Aussicht auf gänzliche Nichterfüllung I Wie ein Hohn auf ihre Wünsche muß das eben be« kanut gewordene Eiiiigungoprogramm der Linken die Fraueiirechtle- rinnen berühren I Bon emer Anerkennnng der.staatsbürgerlichen Gleichberechtigung" der Frau, die das A und O der Frauenbewegung ist, steht kein Iota in dem Entwurf. Frau Eauer sagt in ihrem Wunschzettel:.Jetzt oder vielleicht nie wieder gilt es die Eut- icveiduiig herbeizuführen, ob Reaktion, ob Fortschritt den Sieg er« ringen werden. Es ist die höchste Zeit, daß dem deutschen Volke jene Ruhe und jene Sicherheit zuteil loird, die aus Glauben an eine gerechte Leitung basiert, und auf Vertrauen zu ihrer Voltsvertretung ausgebaut ist. Dieie Volksvertretung aber hat i» Staat und Gemeinde aus Männern und Frauen zu bestehen! Von dieser Forderung werden die Frauen niemals abweichen— niemals 1 Das ist unser heiligster, unser allumfassender Wunsch!" Wie aber stellen sich die„Liberalen" zu dieser Forderung der Gerechtigkeit, zu der Mitwirkung der Frau in Staat und Ge» meinde?!.... Sie schalten die Frau als.Subjekt" der Gesetz« gebung in ihrem Programm bewußt und vollständig ans. Die 11 Millionen erwerbstätiger Frauen im Deutschen Reiche sollen nach freisinnigem Willen auch iveilerhin kein Bestimmungsrecht, keine eigene Vertretung haben. Vergeblich werden die bürgerliche» Frauen in dem Freisinuskonipromißprograinm danach suchen, von einenr aktiven oder passiven Frauenwahlrecht etwas aufzufinden!»Er- Haltung des ReichstagSwahlrechts" steht darin, aber nichts von Aus- dehnnng dieses Rechtes auf die Frau. Damit ja kein Mißverständnis obwalten kann, hat man Weiler mit Bezug auf das Komniunal-' Wahlrecht die Fassung beliebt, daß eine Reform verlangt werde .unter Beseitigung der Klassenwahlen und der öffentlichen Stimm- abgäbe". Der Ausschluß der Frau vom Kominunalwahlrecht soll also nicht beseitigt werden! Deutlich ist die Feindschaft gegen das, Fraucnwahlrecht, ob fie auch heilsam wirkt, wagen wir zu b e« zweifeln.' Jedoch. ganz so schlecht, wie es den Anschein hat, sollen die' Frauen denn doch nicht behandelt werden. Im EiingungSprogramm heißt es weiter: „Erweiterung der Rechte der Frauen und ihres Erwerbs-> gebietes, Erleichterung der Frauenbildung und Reformen im staat- lichen Berechtigungswesen zugunsten der Frauen, Verstärtle Mitwirkung der Frauen auf dem Gebiete der sozialen Fürsorge und des BildungswesenS. Heranziehung der Frauen zur Kommunal- Verwaltung." Ilnler der schützenden Aussicht der Herren der Schöpfung so die Frau doch gnädigst zur ehrenamtlichen Tätigkeit in der Gemeii/: berufen werden. Aber nur ja kein Wahlrecht! Daß die Damen n*t die Konsequenzen ziehen werden, erwarten wir nicht; am Grap ihrer Hoffnungen trösten sie sich mit der Hoffnung, ihre Klage werde schließlich doch noch freiheitlichen und sortjchnttlichen Geist bei den— Liberalen erwecken. Letzte IVadmcbtcn und Depefcbcn:. Drei Arbeiter tot, sechs schtver verletzt. i Ennigerloh(Westfalen), 20. Dezember.(W. T. B.) Heute nachmittag ist auf dem Neubau einer Zementfabrik ein Baugerüst eingestürzt und hat die darauf b e f i n d«' lichen Arbeiter verschüttet. Drei Tote und sechs Schwerverletzte sind unter den Trümmern hervorgeholt worden. Mehrere Bauarbeiter sollen sich noch unter den Trümmern befinden. DaS Budgetprodisorium im Ausschuß angenommen« Wien, 20. Dezember.(SB. T. B.) Der Budgetausschuß deS Abgeordnetenhauses nahm mit 26 gegen 18 Stimme» ein sechs- monatigeS Budgetprovisorium an. Die Reform der Geschäftsordnung im Herrenhause. � Wien, 20. Dezember.(SB. T. 83.) DaS Herrenhaus ver, handelte heute das Gesetz betreffend die Reform der Geschäfts- ordnung deS Abgeordnetenhauses. Referent Fürst Schönburg gab der Hoffnung Ausdruck, daß innerhalb der einjährigen Frist der Wirkungsdauer der neuen Geschäftsordnung das Abgeordneten- hauS Anordnungen treffen werde, die eine Wiederkehr der schwach- vollen Zustände der letzten Jahre ausschließen würden. Freiherr von Plcner erklärte, die Verfassungspartei sei zwar weit entfernt davon, die Läsung des österreichischen Probelms von einer bloße» Geschäftsordnungsrcform zu erwarten, sie glaube aber gleichwohl» ihre Zustimmung einer Matzregel geben zu müssen, welche wenig- stens die Möglichkeit für eine würdige, ungestörte Lösung der parlamentarischen Aufgaben der Volksvertretung eröffne, und sie werde eS mit Genugtuung begrüßen, wenn eS bei der diftnitivcn Reform der Geschäftsordnung gelänge, die sprachrechtlichen par- lamentarischen Verhältnisse in einer die Einheitlichkeit der Ver- Handlung und die Gleichmäßigkeit der Ausübung der Präsidial- gewalt verbürgenden Weise zu regeln. Graf Thun erklärte: die Gruppe der Rechten werde für den vorliegenden Gesetzentwurf stimmen. Unter den traurigen Verhält- nissen im Abgeordnetenhause habe das ganze Staatswesen und auch da? parlamentarische Ansehen Oesterreichs in der ganze» Welt gelitten. Er erblicke in dem Antrag betreffend die Reform der Geschäftsordnung den ersten Schritt zu Gesundung. Nach dem Schlußwort deS Referenten wurde der Entwurf in allen Lesungen einhellig angenommen. stellt. Dort finden sich die angeführten Ausdrücke. haben.___ worden. Berantw. Redakt.: Richard Barth, Berlin. Inseratenteil verantw.: LH. Glocke» Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. BerlagSanstall Paul Singer 6cCo„ Berlin SW. Hierzu2Beilagea u. Großfeuer in London. London, 20. Dezember.(W. T. B.) In dem großen Bazar von Arding und Hobbs im Stadtteil Clapham brach heute nachmittag, während das Gebäude infolge des Weih- nachtsverkehrs dicht g e f ii l l t war, Fener aus. Der ganze Hänserblock, der über 40 Ar bedeckt, wurde zerstört. Bisher wurden drei Tote geborgen. Viele Personen, die aus den oberen Stockwerken auf die Straße sprangen, sind verletzt worden.________ Ünterhaltungsbl. 8,297. i Ktilllgt ilts JotiHürte" UsIIisdllltt. A.W.W IM. Hud Induftne und F)andeU Wenn man— Glück hat. Mit den aufsehenerregenden Terrainspekulationen in der Nähe von Zossen und Baruth beschäftigt sich in ihrer letzten Nummer die bekannte Zeitschrift„Die BanF. Wir entnehmen den Tatsachen- angaben folgendes: „Seit mehreren Jahren war das preußische KriegZministe- rium mit dem Plan umgegangen, das Tempelhofer Feld als Truppenübungsplatz der Berliner Garnison auszugeben und aus dem bei den, Verkauf erzielten Erlöse einen größeren tlebungs- platz zu beschaffen. Seit etwa 1904 kam für diese Zwecke die Gegend im Süden des Kreises Teltow in der Nähe von Zossen und Baruth in Betracht. Tatsächlich ist denn auch im Juli dieses Jahres der Ankauf des Geländes im Umfange von etwa 6000 Hektar... beschlossen worden. Die Kenntnis'dieser Pläne muß schon lange vorher durchgesickert sein, denn bereits im Jahre 1904 begannen unter allerlei Vorwänden die Ankäufe von bäuerlichem Besitz seitens kapitalkräftiger Persönlichkeiten. Unter anderem kauften sich die beiden Söhne eines der höchsten preußischen Ver- waltungsbeamten dort an. Die hauptsächlich in Betracht kommen- den Dörfer haben eine sehr arme Bevölkerung, die schwer unter dem Steuerdruck seufzt, �so werden in einem dieser Dörfer an Äonimunalsteuern 250 Proz., Grund- und Gebäudesteuern 375 Prozent, Gewerbesteuern 500 Proz. erhoben. Als im Frühjahr 1909 die Gerüchte sich immer mehr verdichteten, daß der Truppen- Übungsplatz in der dortigen Gegend beschlossene Sache sei, tauchte naturgemäß der Gedanke aus, eine Wertzuwachssteuer einzu- führen, um von dem großen Gewinn, den die ahnungsvollen Käufer erzielen würden, einen kleinen Teil für die Gemeinde- finanzen zu retten.... Tank der tatkräftigen Propaganda eines in der dortigen Gegend beamteten Pfarrers gelang es unter außerordentlichen Schwierigkeiten, etwa im Mai dieses Jahres. die Wertzuwachssteuer in den beteiligten Gemeinden zur An- nähme zu bringen. Nun kam alles darauf an, die Genehmigung der übergeordneten Organe so frühzeitig zu erlangen, daß die neue Steuerordnung noch vor der Genehmigung des Uebungs- Platzes durch den Reichstag in Kraft trat. Große Terrainkomplexe ivaren inzwischen mit ungeheurem Aufschlag von den Zwischen- Händlern an die Agenten des Fiskus verkaust worden, jedoch nur gegen notariellen Vertrag, während die grundbuchliche Auflassung erst erfolgen sollte, wenn der Uebungsplatz absolut gesichert war. An diesem Punkte setzt nun ein trübes Kapitel der Berwal- tungsproxis ein.... Der Landrat des Kreises Teltow wird mit Eingaben und Telegrammen bestürmt— aber die Genehmigung kommt nicht. Das betreffende Schriftstück ist angeblich im preußischen Finanzministerium— verschwunden.... Am I. Juli wird der Uebungsplatz genehmigt— drei Wochen später erhalten die Gemeinden die Genehmigung ihrer Zuwachssteuer- ordnung. Es war zu spät. Die Auflassungen hatten inzwischen stattgefunden. Eine Million Wertzuwachssteuer war verloren. die rückwirkende Kraft der Steuerordnung seitens der Auffichts. inftanzen ausdrücklich verboten worden. Einige Gemeinden ver- zichteten unter diesen Umständen auf die bereits beschlossene Steuer, da ja der größte Teil der Landverkäufe, bei denen Ge- Winne bis zu 400 Proz. gemacht wurden, inzwischen unter Dach und Fach gebracht und deftnitiv steuerfrei war. Eine allgemeine Erregung hat sich der um ihren Anteil gebrachten Gemeinden bemächtigt. Man nennt bestimmte Namen, die sich ihrer Verbindung mit den höchsten Stellen gerühmt und wiederholt erklärt haben, daß sie das rechtzeitige Eintreffen der Genehmigung verhindern würden. Die Erbitterung ist um so b �echtigter, als der Erfolg der Stadt Schöneberg in Sachen der S'- v.'zulvachssteuer— innerhalb fünf Tagen wurden fünf In- s. ßttn durchlaufen— gezeigt hat. wie schnell Aufsichtsinstanzen unter Umständen zu arbeiten verstehen.... Die Bevölkerung eines ganzen Landstriches schwört jetzt darauf, daß der kleine Finger des Kapitals mächtiger ist als acht Gemeinden mit zehn- tausend armen Einwohnern." Tie„Berliner Correspondenz" ist beauftragt worden, eine harmlose Erklärung für das eigenartige Glück der Grundstücks- spekulanten zu veröffentlichen. Danach sind lediglich die vom Minister des Innern und der Finanzen unterm 18. Mai erlassenen generellen Vorschriften über den Inhalt von Wertzuwachssteuer- oodnungen Ursache der für die armen Gemeinden verspäteten Ge- nehmigungen ihrer Steuerordnungen. Daß durch diese Erklärung die Angelegenheit wirklich in eine weniger merkwürdige Beleuch- tung gerückt wird, können wir nicht finden. Den Vorschriften der Minister verdanken die Spekulanten Niesengewinne. Das kann man Glück nennen!_ Koks auf Lager. Wie in einer Aufsichtsratssitzung der Berg- werksgesellschast Hibernia mitgeteilt wurde, mußte das Unter- kleines Feuilleton. Tschudis Taten in München. Aus München wird uns geschrieben: Während die Berliner sich über Bodes Rechthaberei ärgern müssen, haben wir Münchener reine Freude an dem erfolgreichen und tat- kräftigen Wirken unseres neuernannten„Generaldirektors der bayeri- schen StaatSsammlungen". Wie dankbar sind wir. daß man Tl'ckmdi von Berlin weggegrault hat, so daß seine großartige orgmnsaiorische Kraft für München ftei wurde! Am 18. Dezember ist die Alte P i n a k o t h e k. die weltberühmte klassische Gnnäldegalerie Münchens. nach längerer Zeit dem Publikum wieder zugänglich gemacht worden. Die Arbeit TschudiS ist nun zu überblicken. Man muß gestehen, er hat mit glücklicher und fester Hand Reformen von durchgreifender Wirkung geschaffen, die Studium und-Genuß dieses früher mangelhaft ge« ordnete», mangelhaft gehängten, mangelhaft beleuchteten Bildcrschatzes nun jedermann ungestört ermöglichen. Bor allem hat Tichudi für eine bessere Beleuchtung der Säle gesorgt, indem er die dunklen Wandbeipannungcn mit lichten Farben überstreichen ließ. So hängen jetzt die allen Niederländer auf weißem Grunde, die Van Dycks und Tizians auf hellem Grün, Rubens und die Florentiner aus sattem Not. An Neuerwerbungen sind zu nennen: ein Goya, ein GainSbormigh, Guardis„Concert" und eine vortreffliche„Eni- kleidung Cbristi von dem griechischen Vorläufer des Belasquez: TheotakopouloS. Mit großer Energie hat ferner Tichudi die Sammlungen ergänzt durch wichtige Bilder, die er aus den bayerischen Promnzgalerien herbeiholte. So nahm er den Augsburgern sieben alte Italiener, worüber die Provinzpresse ein mörderisches Gcichrei erhob. Daß der Generalkonservator bei einer durchgreifenden Neu- ordnung der Pinakothek befugt ist. einen Austausch der dem Staate gehörenden Bilder z» vollziehen— die Augsburger Filialgalerie er- hielt dafür neun italienische Bilder— unterliegt gar keinem Zweifel. Ebensowenig ist eS zweifelhast, daß eine hauptstädtische Sammlung einen möglichst geschlossenen Ueberblick über die wichtigsten Meister der Kunstgeschichte zu geben hat. w. Theater. Sebbel-Theater: Adam und Eva. Drama von Julius Meicr-Graefe. In der ursprünglichen Anlage der Situation, der Charaktere und ihrer wechselweisen Beziehungen hat dieses Drama des bekannten, geistvoll-paradoxen KunstschriftstellerS viel nachdenklich interessante Feinheiten. ES ist" ein stark persönlicher Zug darin, ein Streben, das Grundgefühl feurig begeisterter Hingabe an das geniale Kunstwerk und seinen Schöpfer in bewegter Aktion und in Konflikt mit anderen Lebensmächten vorzuführen. nehmen von den in den ersten 11 Monaten des laufenden Jahres produzierten 640 923 Tonnen Koks 159 671 Tonnen wegen Mangel an Absatz lagern lassen. Die gelagerte Menge macht fast 25 Proz. der Gesamterzeugung aus._ Fleifchteuerung. Die Berliner Jleischerinnung hat dieser Tage ihre bereits bor 3 Jahren dem Reichstags eingereichte Petition erneuert, die dahin ging, 1. die Oeffnung der Grenzen zwecks Einführung von lebendem Schlachtvieh in die Wege zu leiten, 2. die Zölle auf lebendes Vieh für angemessene Zeit gänzlich aufzuheben, jedenfalls aber aus ein erträgliches, den vor dem 1. März gültigen Zollsätzen mindestens gleichkommendes Aiaß herabzusetzen.— Zur Begründung der er- neuten Petition bringt die Berliner Fleischerinnung neues Material bei. das sich allerdings nur auf Preußen bezieht. Danach hat der Bestand an Rindvieh in den Jahren 1906, 1907, 1908 eine ent- sprechende Zunahme von 2,20, 3,13, 0,65, der Bestand an Schafen eine Abnahme von 1,99, 0,48, 2,75, der Bestand an Schweinen im Jahre 1906 eine Zunahme von 11,11, 1907 eine Abnahme von 1,69 und 1908 eine Abnahme von 11,09 Proz. erfahren. Die Bevölke- rung von Preußen, die gegenüber obigen Zahlen allein in Betracht kommt, ist in den letzten 30 Jahren durchschnittlich jährlich um 1.45 Proz. gestiegen; vergleicht man damit die oben angeführten Verhältniszahlen der Zunahme bezw. Abnahme des Viehbestandes, so wird damit der unwiderlegliche Beweis erbracht, daß die Land- Wirtschaft nicht in der Lage ist, die Bedürfnisse der Bevölkerung nach schlachtbarem Lieh zu befriedigen. Dynamit steigt im Preise. Wie aus London gemeldet wird, ist der Preis für Glyzerin um über 100 M. pro Tonne gestiegen. Das ist eine Verteuerung um rund 100 Proz. Angeblich wird Glyzerin infolge gesteigerter Dynamitproduktion sehr knapp. Natürlich sind auch die Preise für Dynamit hinaufgeschnellt. Esricbts- Leitung. Ein„Bertraueusmann" des Polizeipräsidiums. Mm 4. Juli, einem schönen Sommersonntag, war's— da schwebte wieder mal der preußische Staat in schwerer Gefahr. Die arbeitende Jugend Grofz-Berlins wollte, einer Einladung des Berliner Jugendausschusses folgend, einen Massenausflug nach Adlershof unternehmen. Es versteht sich von selber, daß die ordnungstützcnde Polizei beizeiten"auf dem Posten war. Der AmtSvorstcher von Adlcrshof hatte im voraus erklärt, daß er jede Versammlung unter freiem Himmel zu verhindern suchen und nötigenfalls Gewalt anwenden lassen werde. Als die jungen Leute zu vielen Hunderten durch die südöstlichen Vororte wanderten und ihrem Ziele zustrebten, sahen sie alle Wege mit Gendarmen besetzt. Diese machten sich auch bald an die ihnen zugewiesene Arbeit, die -Züge" zu„zerstreuen". In Adlershof wurde dann von den Teil- nehmern des Ausfluges unserem Genossen Karl Liebknecht, dein einige Wochen vorher aus der Festungshaft heimgekehrten„Hoch- Verräter", in Wöllsteins Lokal eine herzliche Begrüßung bereitet, auf die er mit einer Ansprache antwortete. Die eindrucksvolle Kundgebung durfte nicht ungerochen bleiben. Man suchte nach Schuldigen und glaubte schließlich, sie in den beiden Genossen Tischler Horlitz und Maler Schenk gefunden zu haben. Horlitz sollte auf öffentlicher Straße einen Aufzug ver- anstaltet haben, dem die nötige Genehmigung fehlte; Schenk sollte eine öffentliche Versammlung zur Erörterung politischer An- gclegenheitrn geleitet haben, ohne sich darum zu kümmern, ob es dem Herrn Amtsvorsteher paßte. Anfänglich erstreckten die Ermitte- lungen sich auch auf Liebknecht, weil er in einer nicht genehmigten öffentlichen Versammlung eine politische Rede gehalten und in ihr obendrein durch eine Kritik des Kampfes der Behörden gegen Jugendorganisationen und Arbeiterturnvcreine den Kultusminister beleidigt habe. Wegen der angeblichen Beleidigung wurde nicht eingeschritten, weil schließlich von der Stelle,' die zu entscheiden gehabt hätte, kein Antrag gestellt wurde. Aber-auch gegen die „politische Rede in nicht genehmigter öffentlicher Versammlung" ließ sich nichts machen, weil bei näherem Zusehen erkannt wurde, daß nach dem neuen Vereinsgesetz der Redner gar nicht straf- bar war. Blieben also nur Horlitz und Schenk. Aus der Art, in der das gegen sie eingeleitete Verfahren betrieben wurde, konnte ge- schlössen werden, daß die ganze Aktion ausgegangen sei von den Angaben eines sogenannte»„Vertrauensmannes" der Polizei. Es siel auf, daß man als Belastungsmaterial zunächst nur die Bc- kundungeu eines Gendarmen heranzog, der höchstens über die Vorgänge auf den Wegen nach Adlershos etwas hätte wissen können. Wo blieb der dunkle Jemand, dem man die Angabe verdankte, daß Schenk den Versammlungsleiter gemacht habe? Erst im letzten Augenblick wurde kurz vor der Hauptverhandlung als Belastungs- Der Kunstkritiker Karl Jäger, der ähnlich wie der Autor mit Leidenschast nach neuen, noch uncntdeckten Größen späht, glaubt in den Skizzen seines jungen Freundes Lassen Vorzeichen künftiger Meisterschaft zu erkennen. Die Möglichkeit, die innere Entfaltung eines Auserwählten teilnehmend mitzuerleben, erfüllt ihn mit selbstlosem Glücksgesühl. Jeder Gedanke spannt sich auf das eine Ziel, den weichen Freund zu stählen, sein Wollen anzufeuern und jede äußere Hemmung weg- zuräumen. Durch Vcrmitteluug eines kleinen Kunsthändlers, der als merkwürdig parodierende Parallelfigur JäaerS sich ihrer Inferiorität freilich ironisch schmerzlich bewußt ist, unter- stützt er Lassen heimlich. Dramatische Spannkraft aber gewinnt diese ganze Situation durch das Verhältnis des Kritikers zu Lassens reizvoll schöner Frau, an der dieser all ihren hysterisch tyrannischen Launen zum Trotz mit abgöttischer Verehrung hängt. Jäger sieht in ihr die Femdin, die den Mann von seiner großen Ausgabe abziehen will und er haßt sie doppelt, weil er selbst, von ihren Koketterien gefangen, und zum Betrüger an dem Freunde geworden. Wie er mit mühsam unter- drückten Grimm den Kampf um sein Idol führt, den grenzenlos gutmütigen Künstler, der von dem allen nichts begreift, aus den Fesseln dieses Bundes loszureißen sucht, das ist im ersten Att bedeutsam charakteristisch dargestellt. Jäger verachtet die Frau, doch ist er bereit, die eigene Freiheit zum Ovfer zu bringen, wenn sie den ungeliebten Gatten frei gibt. Ihre Weigerung empört ihn. Sein Haß flammt wütend auf, und in der Raserei der Rachsucht schwört die Beleidigte, das Geheimnis zu verraten. So interessant die Exposition ist, so sehr enttäuscht die weitere Fortführung. Schluß und Anfang stehen in gar keinem Zusammenhang. Die Frau, die in fiebernder Exaltation ihre Drohung wahr gemacht. wird in dem letzten Akt, nachdem sie sich einen Revolverschuß beigebracht, plötzlich ein Gegenstand der Apotheose. Sterbend legt sie die Hände der beiden Männer ineinander. Ihr Angedenken wird als guter Genius den Künstler umschweben. Und der Kritiker selber beugt sich versöhnt. So zerfließt das Drama in eine nebulose, von jeder psychologisch motivierende» Begründung losgelöste Symbolik. Die beiden Hauptrollen, der Geniegläubige, rücksichtSlos-gewalt« same Kritiker und die vieldeutig schillernde Frau erhielten durch a y ß l e r nud Ida Roland eine glänzende Darstellung. Sehr gut war auch der träumerische Künstler Ottos und Herzfelds schwärmerischer Kunsthändler. üt. Mufik. Die Macht des Gesanges über Banditen, die den in Leonore verliebten Sänger Stradella töten sollen, ist da» Textmotiv der .romantischen" odrr„romantisch-komischen" Oper.Allessandro zeuge ein Herr George genannt, der Journalist sei und über die Vorgänge in der Versammlung Bescheid wisse. Außerdem sollte noch ein„Vertrauensmann" des Berliner Polizeipräsidiums an der Versammlung teilgenommen haben, doch hatte das Polizeipräsidium „aus dienstlichen Gründen" Einspruch dagegen erhoben, daß durch seine Ladung den Angeklagten die angenehme Bekanntschaft dieses Herrn vermittelt werde. Würde durch die Gerichtsverhandlung da» Treiben eines Spitzels enthüllt werden? Diese Frage bewegte die beiden An- geklagten Schenk und Horlitz, als sie gestern vor den Schöffen des Amtsgericht Köpenick standen. Beide Angeklagten, deren Bcrteidi- gung in den Händen des Rechtsanwalts Dr. Karl Liebknecht lag, erklärten sich für nichtschuldig. Horlitz sollte belastet werden durch ltzcndarm Raul,. Aber dieser Zeuge bekundete, vdn einem öffent- lichen Aufzug könne man nicht reden, die jungen Leute seien nur in Kolonnen angekommen, die dann zerstreut worden seien. Er selber wenigstens habe das nicht als einen öffentliche» Aufzug an- gesehen, er habe ja auch nur die Anzeige gemacht, daß in einer nicht angemeldeten öffentlichen Versammlung politische Angelegen- heiten erörtert worden seien. Hierzu bemerkte der Amtsanwalt, er habe die in der Anzeige enthaltene Mitteilung, daß die jungen Leute in geschlossenen Zügen nach Adlershof gekommen feien, dahin aufgefaßt, daß ein öffentlicher Aufzug stattgefunden habe. Der Zeuge antwortete, der Zug sei ja schon unterwegs zerstreut worden. Als der Verteidiger hervorhob, daß es sich doch nur um Ausflügler gehandelt habe, die in Trupps dahingezogen seien, versicherte der Vorsitzende, auch Ausflüglern sei das nicht erlaubt und es werde bestraft, auch wenn es nicht Sozialdemokraten feien. Wichtig war die Bekundung des Gendarmen, daß er selber nicht an der Ver- sammlung teilgenommen habe. Was in ihr vorgefallen sei, das habe ein„Redakteur George" gemeldet. Dieser Herr Paul George, 23 Jahre alt, cvanglisch, trat nunmehr als Zeuge auf und gab an, er sei als Vertreter der 5iöpenicker Zeitung„Dampfboot" in die Versammlung gegangen. Der Leiter der Versammlung habe ganz anders als der Angeklagte Schenk ausgesehen, dieser sei es bc- stimmt nicht gewesen. Auf den Gesichtern des Gerichtsvorsitzenden wie des Amtsantwalts malte sich Ueberraschung. Der Verteidiger wies jetzt auf den nicht genannten„Vertrauensmann" der Polizei hin und meinte, bielleicht werde der mehr bekunden können, wenn man ihn habe. Der Vorsitzender schwieg zu dieser Anregung. Kiurz und bündig beantragte dann der Amtsanwalt für beide Angeklagten die Freisprechung. War den Angeklagten mit dieser geschwinden Erledigung gedient? Der Verteidiger führte aus, es liege ihnen weniger an ihrer Freisprechung, als an der Bekannt- schaft jenes„Vertrauensmannes". Es sei zu erwäge», ob man ihn nicht doch noch laden solle. Anderenfalls schließe selbswer» ständlich auch er sich dem Antrag aus Freisprechung a», er fordere aber auch Uebernahme aller notwendigen Auslagen der Angeklagten auf die Staatskasse, da beide ohne jede Berechtigung angeklagt worden seien. Das Urteil lautete: Freisprechung. Auf die Staatskasse seien zu übernehmen die Kosten des Verfahrens, doch nicht alle not- wendigen Auslagen, weil immerhin ein„genügender Verdacht" vorgelegen habe. So wurden die freigesprochenen Angeklagten schließlich doch noch an ihrem Geldbeutel dafür gestraft, daß der Amtsanwalt auS der Anzeige des Gendarmen einen„Aufzugherausgelesen und der„Vertrauensmann" den Bersammlungs» leitcr für Schenk gehalten hatte. Eine brutale Mißhandlung eines Kinde» beschäftigte wieder einmal den Strafrichter. Vor dem Schöffen- gericht Berlin-Schöneberg mutzten sich der Maurer Otto Nietsch und dessen Ehefrau Emma N. aus Steglitz unter der Anklage der mittels gefährlichen Werkzeuges und einer das Leben gefährdenden Behandlung begangenen Körperverletzung verantworten. ES handelte sich um die Leidensgeschichte eines unehelichen Kindeö, welches von der Mutter in der unerhörtesten Weise drangsaliert wurde. Der kleine, jetzt sechsjährige Otto Striese war vor der Ver- hciratung der Mutter bei anderen Leuten untergebracht worden. Als sich die Angeklagte dann verheiratete, nahm sie den Knaben zu sich. Von diesem Augenblick an begann für den Knaben ein wahres Martyrium. Be, der geringsten Kleinigkeit, vielfach auch ohne jede Ursache, wurde das Kind mißhandelt, wobei sich die brutale Mutter eines Leibriemens, eines Holzscheites und auch häufig des Feuerhakens bediente. Das Kind war über und über mit blauen Flecken und Striemen bedeckt, die zum Teil aufgeplatzt und in eitrige Entzündungen übergegangen waren. Einmal hatte der kleine Otto sich aus Versehen die Hose aufgerissen. Die An« geklagte steckte den Riß mit einer Sicherheitsnadel zu, wobei sie die Nadel durch das Fleisch trieb und den Jungen stundenlang da» mit herumlaufen ließ. Der Knabe war so eingeschüchtert, daß er es nicht wagte, irgendetwas über die ihm zuteil gewordene Bc- Handlung verlauten zu lassen. Erst im August dieses Jahres wurde von Nachbaren Anzeige bei der Polizei erstattet. Der Knabe wurde daraufhin sofort den Eltern abgenommen.— Der Staatsanwalt Stradella." Friedrich von Flotow, Schöpser der noch populäreren.Martha", bat sie komponiert und 1844 in Hamburg herausgebracht. Vor mehreren Jahren wurde sie uns bei irgend einem Opernunternehinen als eine unromantische Serenadelci ver- leidet. Am Sonnabend wurde sie von unserer Vollsoper auf- genommen und zeigte wieder ein freundliches Gesicht. Zur Halste aus Lyrik bestehend, verlangt sie vor allem gesangs- technische Vollendung; und der gut akustische Raum der Vollsoper begünstigt kleine Stimmen, während er Mängel der Ausbildung und der Gesangssprache stärker hervortreten läßt. Dazu paßten die die»« maligen Leistungen gerade richtig. ES sind meist kleine. aber gut gebildete Stimmen. Von den zwei Tenoren zeigte der lyrische, der Vertreter der Titelrolle, August Bock» mann als Gast, eine Tonbildung, wie sie jedes Gesang?- lehrerS Freude sein kann— oder könnte, Wenns mit gleich- mäßig schönen hellen Tönen allein getan wäre. Der Buffotenor Z ö r n i tz stellt seine ein wenig dunkler gefärbte Stimme begreiflicher- weise weit mehr in den Dienst des sprachlichen und dramatischen Ausdruck»; und der andere, der Baritcnbandit Paul Fisch ötter, stand ihm darin erst recht gut zur Seite. Auch die Koloratur- sopranistin Helene Eg geling geht mit ihrer hübschen, nur durch einige Schärfe getrübten Stimme über Singsang hinaus; und der Baß August R o e S l e r machte aus der dürftigen Rolle des zum Mord anstiftenden Vormundes der Leonore das Bestmögliche. Das Publikum vor dem Halleschen Tore scheint wärmer mid wärmer, Herr Direktor A l f i e r i immer noch eifriger, sein Ober» regisseur B. G l a s i n g e r stets sorgfältiger zu werden und sein Kapellmeister G. Enders auS der gegenwärtig üblichen Vortrags- weise der Jnstrumentalinnsik herauszuichlagen, loa» nur immer mvg- lich ist. W. Notizen. — Klara Ziegler, die letzte große Repräsentantin einer Schauspielkunst, d,e ihre Gesetze nur von der Bühne empfing, nicht vom Leben und nicht auL der Dichtung, ist am Sonntag in München im Mter von 65 Jahren gestorben. Sie hatte die großen Nüttel, die kraftvolle Gebärde, daZ leidenschaftliche Pathos, die schwungvolle Rede und all die anderen Reguisiten der Bomben- rolle. Die Tragödin. die hauptsächlich in München und Leipzig ihre Lehrzeit durchgemacht hatte, hatte ihr letztes längere» Engagement am Berliner Theater(1883—90). Von da ab sahjnan sie nur noch aus kurzen Gastspielen. Sappho und Medea waren die bevorzugten Rollen ihrer auf starke, äußerliche theatralische Wirkungen aus» gehenden Kunst. keankragle gegen d'en Ermann, gegen den die Betveisaufnahme nichts Belastendes ergeben hatte, die Freisprechung. Gegen die Ehefrau beantragte der Staatsanwalt mit Rücksicht auf die ganz unerhörte rohe und brutale Handlungsweise eine Gefängnisstrafe von sechs Monaten. Das Gericht erkannte gegen den Ehemann Nietsch auf Freisprechung. Das Urteil gegen dig Ehefrau lautete auf einen Monat Gefängnis,_ Der nntergeschobene Graf. Unsere Leser entsinnen sich noch des Strafprozesses, der gegen die Gräfin Kwieleäa vor der hiesigen Strafkammer wegen Kindes- Unterschiebung anhängig gemacht war. Die alte Dame versicherte lebhaft, der Erzeuger des Kindes sei ihr Mann und sie habe das Kind geboren. In der Königin-Augustastrahe habe sie entbunden. Unwahr sei. daß sie den Knaben gegen Entgelt von einer galizischcn Bahnwärterfrau Meyer erkauft und die Schwangerschaft vorge- täuscht habe. Der Kwicleckaprozest endete wegen Mangels an Be- weisen mit der Freisprechung der Gräfin. Damit war den Agnaten der Kwieleckischen Familie, ins- besondere dem Grafen MierciSlau« Kwielccki aus Kalisch, an den im Fall der ErweiSbarkeit der Unterschiebung das Kwicleckische Majorat Wroblewo fällt, nicht gedient. Auf ihre Veranlassung klagte nach Ablauf dcS Strafprozesses die Bahnwärterfrau Cäcilie Meyer aus einem kleinen Flecken in Galizien gegen die Gräfin Kwielecka und ihren Gatten, ihr das Kind, das von ihr unehelich geboren sei, herauszugeben. Das Landgericht Posen schob der Gräfin Kwielecka den Eid darüber zu, das; daö Kind wirklich von ihr geboren sei. Den Eid leistete die Gräfin auch. Die Klägerin legte Berufung beim OberlandeSgcricht ein. dies ordnete eine sehr umfangreiche Beweisaufnahme a». In der ersten Verhandlung vor dem OberlandcSgericht spielte die Hauptrolle die Zeugin Hedwig AndroSzrwSka, die Tochter einer inzwischen verstorbenen Hebamme Angela Androszewska. Diese Hebamme soll der Gräfin Kwielecka daS untergeschobene Kind besorgt haben. Die Zeugin behauptete, ihre Mutter habe in einem kleinen Dorfe bei Krakau sich einen unehelich geborenen Knaben besorgt, für den IVO Gulden als Abfindung gezahlt worden seien. Inzwischen habe die Gräfin Kwielecka. um die später vorgetäuschte Geburk glaubhaft erscheinen zu lassen, sich den Leib mit Binden umschnürt, damit der Anschein der Schwangerschaft erweckt würde. In einem Hause der Königin-Augustastrahe sei dann die angeb- liche Geburt inszeniert worden, zu der man von dem Gute der Gräfin einige Weinflasche» mit Schweineblut mitgenommen habe. Die Zeugin behauptet weiter, dah ihre Mutter ihr kurz vor dem Tode den Auftrag erteilt habe, die ganze Geschichte dem Grafen Hektar Kwielecka, einem der Agnaten mitzuteilen. Die Mutter habe ihr erklärt, dah sie nur unter dieser Bedingung in der Beichte von ihren Sünden losgesprochen worden sei. Der Gerichtshof hatte zwar einige Bedenken gegen die Eidesfähigkeit der Zeugin, es wurde ihr aber schliehlich der Eid doch abgenommen. Während der sich lange Zeit hinziehenden weiteren Beweis- Verhandlungen starb die Gräfin Kwielecka. Der Prozeh wurde gegen ihren Mann und den kleinen Anwärter auf das Magnat Wro- dlcwo fortgesetzt. Gestern fand, wie uns ein Telegramm meldet, die Verkündung des Urteils statt. Das Poscner Lberlandeögericht hob das Urteil des Landgerichts auf. Es stellte im Urteil fest, dah der als Graf Josef Kwielecka bei dem Berliner Standesamt eingetragene Knabe nicht der Sohn des gräflichen Ehepaares Kwic- lecket ist und verurteilte den Grasen Zbigniew Kwielecka zur Herausgabe des KindcS Josef an die Bahnwärterfrau Meyer. Nunmehr wird das Reichsgericht angerufen werden. Wird angenommen, der alte Kwielecka sei nicht des jungen angeblichen Meyer Vater, so hätte in diesem Prozeh der Mitangeklagte junge Kwielccka-Mcyer durch einen Pfleger vertreten sein müssen. So- weit ersichtlich, war dies nicht der Fall. Möglicherweise wird aus diesem Grunde die allein für das Majoratserbe entscheidende Feststellungsklage vom Reichsgericht abgewiesen. Welche Summen die Bahnwärterfrau erhalten hat, um ihren Sohn durch die Fest- stellungsklage um sein angeborenes oder angeschobenes Majorat zu bringen, ist im Prozeh nicht festgestellt. Ein Gendarm zu einem Monat Gefängnis verurteilt. Wegen vorsätzlichem Ungehorsam diktierte vor einiger Zeit daS Kriegsgericht der 6. Division zu Regensburg dem Gendarm Max Täuber aus Kötzting einen Monat Gefängnis. Da der Gen- darm Berufung einlegte, hatte sich dieser Tage das Oberkricgs- gericht Nürnberg damit zu befassen. Täuber, der ln Kötzting km bayerischen Wald stationiert ist. war vom 22. bis 23. August dieses Jahres aushilfsweise nach der Station Eschelkamm kommandiert. Er sollte am 29. August wieder nach Kötzting zurückkehren. Am 27. August wurde die Station Eschelkamm durch den zuständigen Oberwachtmeister visitiert. Gendarm Täuber ersuchte bei dieser Gelegenheit den Oberwachtmeister, ob er nicht schon am 28. Auguir nacb Kötzting zurück dürfe. Diese Bitte wurde vom Oberwacht- meistcr abgeschlagen. Als letzterer sich entfernt hatte, soll der Gendarm, so dah es der Obcrwachtmeister noch hörte, gesagt haben. „ich gehe doch am 28. nach Kötzting zurück. Er führte dies auch aus und verlieh am 28. nachmittags um 4 Uhr die Station Eschelkamm und begab sich nach Kötzting. Das war das ganze Verbrechen. Das Oberkricgsgericht verwarf die Berufung. Der Gendarm mus? seinen Monat abbrummen. In Bayern untersteht der Gendarm wie in Preuhen der Militärjustiz. Der Bayer untersteht jedoch nicht wie die aktiven Soldaten dem Reichsmilitärstrafgesetz, son- dern dem alten bayerischen Militärstrafgesetz vom Jahre 1869. Artikel 128 und 129 dieses Gesetzes bestrafen den..vorsätzlichen Ungehorsam" mit Gefängnis bis zu 2 Jahren, im Felde bis zu 8 Jahren Zuchthaus. 1 Monat Gefängnis ist das Strafminunum. «A»r»erunq»üderück,r vom SO. Dezember 1909, morgens 8 llftr. Etattonen Lg t: s I «I 5«'ß � Ii Sette, Swrnemd» 736 e® I 6 bedeckt nirg>73? WSW Thalbßd. 3 bedeckt swollia 4 bedeckt 1 Nebel e>ambu verlm erlm 1 749 ZW /jeanfl.« M. 745 SS München 1747 SW Wteo l 747 ONO MS s» mS> 2 1 5 3 4 — 1 «tatlonea S S Ii C= Havaranda 739N Petersburg 74b SW Sctllq «lberdeev Part» Setter t,!» öi 2 bedeckt—8 4 wolkig 1 759 NNW 4 wollig 8 74lWNW Sbedeck,—2 751 W j 2hall>bd. 0 I I! I Wetterprognose für Dienstag, den Sl. Dezember>900. Sin wenig kälter, zeltweise Heller, jedoch unbeständig mit gering« Niedlnschlägm und srischen südwestlichen Winden. Berliner Wetterbureau. Zum Fefte! Paletots uttd Ulster IrsT" 80.- 70- 60.- 50.- 40.- 36.- M. 30.- 27.- 24.- 21.- 18.- 15.- M. Geh-PelzC Geschmackvolle Pclzarten 275.- 250.- 225.- M. .185.- 150.- 115.- M. Moderne Anzüge äT8' 70.- 65.- 55.- 50.- 40.- 36.- M. 30.- 27.- 24- 21.- 13.- 15.- M. Moderne Hosen slX11** haia}BTt 20.- 18.- 16.- 14.- 12.- 10.- M. 9— 3— 7— 6.— 5.— 4.bO M. 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Pslichtcisrig und— amtsmüde zu sein War steis Dem Bestreben. Welch' schöne Kontraste vereint doch das Leben tarmonisch und rein. ie Mischung ist gut Drum bleib, was Du warst— Nur dast Du uns beute die Mischung nicht sparst! (Sonosssn des Bezirks 408a im fünften Kreise. «SSSSSS9SSSSSSH5 SozlaldemokfatiscIierWablverebi für den 4. BerlinEF Reichstags-WahlkFeis. Landsberger Viertel. Bezirl Nr. 402 Teil II. Den Mitgliedern zur Nachricht, dag unsere Genossin, Frau tugllste Langner Matternstr. 8 gestorben ist. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet am DienStag, den St. Dezember, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des Freireligiösen Friedhoses, Pappelallee, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 221/15 Ter Borstand. SoziaidenokratischerWaiiivefelD für den Frankfurter Viertel. Bezirk Nr. 303. Den Mitgliedern zur Nachricht, dag uns« Gmoste, der Metall- arbeiter 221/16 Mae! Winkler Strausberg« Str. 26 gestorben ist. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet am Dienstag, den 21. Dezcurbcr, nachmittags 3'/, Uhr, von bei' Leichenhalle des Andreas- Kirch- hoseS in Wilhelmsberg aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Borstand. SozialdeiDokratisebeF Wahlrereia dos 6. BefI. ßeichstags-Wahlkrelscs. Toden-Anaeiffe. Um 18. Dezember verstarb unser Mitglied, der Schristseyer IBrnÜ Fredrich Liebenwald« Str. 34a. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Dienstag, den 21. Dezember, nach- mittaas 2 Uhr, aus dem städtischen Friedhose, Mullerstrage, Ecke See- strage, statt. Um rege Beteiligung ersucht 283/>4 Der Vorniam). Am 18. Dezember verstarb unser langjähriger, lieber Mit- arbeiter, der Schristletz» FrnU Frederich im 34. Lebensjahre. 29586 Wir werden ihm«in ehrendes Andenken bewahren. Vonvarts- Buchdruckerei Paul Singer& Co. Am Sonnabend, den 18. De- zember, verüarb nach langem. schwerem unser lieber Mttaibeiter, der Schristsetzer EBrnil Frederich im 34. Lebensjahre. 29506 Ehre feinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Dienstag, den 21. Dezember, nach- miltags 2 Uhr, von der Leichen- 'wllc des Städtischen Gemeinde- sriedhoss, Müllerslrage, Ecke See- age, aus statt. Der Arbeiter-AussebuD der Vorwäris-Buchdrackerel Panl Singer& Co. Am 18. Dezember, verschied sonst nach langem. schwerem Leiden im 25. Lebensjahre uns« geliebt« Sohn und Bruder, der Tischler Willy Wiehe. Dies zeigen, um stille Teilnahme bittend, rrgcbenst an illdort Wiehe nebst Familie. Die Beerdigung findet am Dienetag. den 21. Dezember, Nachmittags 21', Uhr, von der Knvclle des neuen Jalobi-Kirchhoss in Rixdorf, Hermannstrage, aus statt. Di». Simmel Spezial-Arzt* für Haut- und Harnleiden. Prinzenstr. 41, 10— ü 6—7. Sonntags 10—18, 8—4. Sozialdemokratischer WahlfEFeiD des 6. Beri. Reichstags-Wahlkreises. Todes- Anzeige. Am 17. Dezember verstarb unser Mitglied, der Schleis« Wilhelm Hoffmann Ecrichtstrasie 61. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Dienstag, den 21. Dezember. nachmittags 2>/zUhr, vom Augusta- Hospital aus aus dem St. Sc- bastian-Kirchhoj in Reinickcndors statt. 233/15 Um rege Beteiligung ersucht Oer Verstand. QoMol Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes- Anzeigen. Den Kollegen zur Nachricht, dasi unser Mitglied, der Goldarhetter Karl IqMz am 17. d. Mts. an Herzleiden gestorben ist. Die Beerdigung findet heule, Dienstag, den 21. Dezember, nachmittag? 3'/, Uhr, von der Leichenballe des Thomas-Kirchhoss in Nixdors aus statt. Ferner starb am 17. d. MS. unser Mitglied, der Schleis« Wilhelm Hoffmann. Ehre ihrem Andenke«! Die Beerdigung findet heute DienStag, den 21. Dezember, nachmittags 2'/, Uhr, von der Leichenhalle des Äugusta-Hoipitals auS aus dem St. Sebastian- Kirchhos, Reinickendorf, Humboldt- strafie, statt. Rege Beteiligung erwartet 131/12 Die Lrtsverwaltnng. Deutseber Transportarbeiter-ferlianfl. Bezirksverwaltung GroB-Berlin. Am 14. Dezember verstarb unser Kollege, der Hausdiener Rembani Maass Melchiorstr. 50. Ehre seinem Andenke«! Di« Beerdigung findet heute. DienStag, den 2l. Dezember, nach- mittags 3 Uhr. von der Leichen- halle des Zentral- FrtedhoseS in AhrenSselde aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 71/20 Die Bezirksverwaitung. Zentral-üFankeD- o. Sterbekasse der deetsehen tfageebauer. Berlin II. Nachruf. Am 16. Dezember verstarb nach langem, schwerem Leiden unser langjähriges Mitglied, der Bohrer Hermann Braodstahl im 53. Lebensjahre. Ehre seinem Andenken! 2960b Die OrtSverwaltnng. Danksagung. Für die vielen Beweis« herzlicher Teilnahm« bei dem Begräbnis meines lieben SohneS, unleres unvergeblichen Bruders und Schwagers Willibald Rrennemann »gen wir allen Teilnehmern unseren nntasten Dank. 2S69b Die trauernden Hinterbliebenen. Danksagnng. Für die letzte Ehre, welche mein« lieben Frau, unserer guten, unver- geblichen Mutter Hvil«rig Baganz von ollen Verwandten, Freunden und Bekannten sowie vom Schöne- berger Männcrchvr bewiesen wurde, sagen ivir hiermit unscren innigüen Dank. 2970b Willi. Bagnnz nebst Kindern. + Hygienische Bwunsarakel. Neuast KaUloj w- JüapfeU.Tial. Aerct« u Prot.(rat. Olli B. Ongtr, fluaraisaicaiakrtk flarii* NWw Kn.drietuonM.-U/8 SehoOrnirke* Cflsere echtes Blere ■lad übereil za heben. In FUecben, Keanes and Syphons. Tel. VII, 4088,«9, 90, Sbwsches! BRAUHAUS Kn-eigvereln Berlin and Umgegend. Mittwoch, den SS. Dezember, abends 8 Uhr: iuHerdentllehe General-Yersammlung in Anton Bökers Festsälen, Weberstraste 17. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Bermnnn Sllberachniidt. 2. Diskussion. 3. Anträge aus den Bezirken aui Erhebung eines Lokalzuschlages in den beitragSsreicn Monaten. 4. Wahl eines AusschubmilgiiedeS. Wegen der Wichtigkeit der Tagesordnung ist es Pflicht eines jeden Kollegen, in dieser Versammlung zn erscheinen. Mitgliedsbuch oder Kontrollkarte legitimiert, ohne dasselbe kein Einlast. 31fl0fi Die Stichwahl der Delegierten zum 11. Verbandstag zu Leipzig sindel Donnerstag, den 23. Dezember, in sämtlichen Bezirken in den Versammlungslokalen statt. Die Mitglieder der Sektionen wählen bei der Stichwahl ebensalls in den Bezirken. Her Zlwelgverelnsvorstandi. ArbettsnaMweis: Verwaltungsstelle Berlin. Hauvtbureau: Hoj l. Amt 3. 1239. CharitestraBe 3. Hol III. Amt 3. 1987. Die Arbeitslosen der Schrauben- brauche treffen sich am Donnerstag, den AA. Dezember, abends 6 Uhr, im Lokal Wrangelstratze 136. 131/13 Die Agitationskommission der Schranbenbranche. PALMONA KUHBUTTER SchwemefcH Zuerft kommt Patmona, denn fie ist reine Pflanzen-Butter-Margarine, erfetjt die unerfchwinglicb teure Kubbutter vollkommen und übertrifft alle anderen Fette an Reinheit und Woblgefchmack. H. Schlinck& Cie. 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Verschiedenes.— Die- jenigen Mitglieder, welche noch Bücher aus der Bibliothek besitzen, werden gebe;-?' dieselben mit.vrbringen, weil der Besland der Bücher über Weihnachten neu aufgenommen und eine Neucinieilung vorgenommen wird. Der Vorstand. Teltow. Am Dienstag, den 21. Dezember, abends 8 Uhr, findet im Lotale de? Genossen 23. Bonow unsere regelmäsiige Mitglieder- Versammlung des Wahlvereins statt. Tagesordnung: Bericht von der letzten Kreisgeneralversammlung. Der Vorstand. ßeflimv JNfacbmhten. Der große Weihnachtsbummel des goldenen Sonntags brachte in gewohnter Weise die Massen auf die Beine. Der Glatteisfrost vom Sonnabend war einem prächtigen milden Spazierwetter gewichen, und auch der fürchterliche Nebel, der genau vor Jahresfrist ganz Berlin bis in die Abendstunden hinein in einen dichten grauen Sack hüllte, stellte sich erfreulicherweise nicht als ungebetener Weihnachtsgast ein. Der Sonntag vor Weihnachten ist der Einkaufstag des Lölkes. Wohlweislich haben die Besitzenden, die weder mit der Zeit noch mit dem Gelde zu rechnen brauchen, ihren üppigen Weihnachtsbedarf längst gedeckt und auch von billig, ren Sachen das Beste vorweggenommen. Die ge- Zwungenen Nachzügler können sich mit dem„Ausgesuchten" begnügen. Man hat seit Jahren gemahnt, die Weihnachts- einkäufe frühzeitig zu besorgen. Wo die Arnheims gefüllt sind. ist die Mahnung auf fruchtbaren Boden gefallen, was im Jnter- esse der um diese Zeit schwer geplagten Geschäftsangestellten als ein Fortschritt gelten kann. Die Massen dürfen sich nicht nach schönen Worten richten. Für sie ist einzig und allein das Portemonnaie entscheidend. Und da das Sparen für Weihnachtszwccke im herrlichen Deutschen Reiche, das den Steuerdaumen auch auf den kleinsten Beutel legt, immer mehr zusammenschrumpft, niüssen Hunderttausende sehen, wie sie von den letzten beiden Wochenlöhnen vor Weihnachten ein paar Mark abstoßen, um ihren Lieben daheim eine karge Freude zu bereiten. So hat denn der goldene Sonntag seine eigentliche Wortbedeutung ziemlich verloren. Die Masse des Volkes hat aufgehört, an diesem Tage den Geschäftsleuten goldene Eier ins Nest zu legen. Solche Nieseneinnahmen wie vor Jahren, als es bei uns noch einigermaßen besser aussah, werden nicht mehr erzielt. Taufende glauben etwas zu verlieren, wenn sie am goldenen Sonntag sich nicht in den großen Warenhäusern herumdrücken und zusehen, wie— andere kmifen. Vom Ansehen aber hat man nicht viel. Es kann sogar gefährlich werden, da unsere �triminalpolizci, die auf der Suche nach dem neuesten Kapital- .sverbrechen noch vollständig im Düster» tappt, eS sich in den hellen . Weihnachtsräumcn dcrWarenhäuser lvieder rechtbequcm gemacht Wer dafür Augenmaß besaß, konnte hier am Sonntag ausfallend viele für blankes Geld angeworbene Kriminals be- 'merken, die auf Warenhausdiebe Jagd machten und dabei nicht gerade selten nebenbei greifen. Auch vor den Waren- Häusern sah man am Spätnachmittag, als der Weihnachs- rummel seinen Höhepunkt erreichte, zahlreiche behelmte WeihnachtSschutzengel. sogar Berittene, deren Anwesen- heit jedoch zienilich überflüssig war. da es nirgends zu erheblichen Verkehrsstockungen kam. Im Straßen- trubel des goldenen Sonntags haben wir nach echter Weih- nachtspoesie. wie sie uns früher das Herz so freudig machte, so gut wie nichts bemerkt. Auch die qualmenden Petroleum- lampen der letzten armseligen Weihnachtsbuden und berlinische Pfesserkucheninschrtften täuschen nicht mehr den entschwundenen Weihnachtszauber vor. Das Weibnachtsfest hat sich mehr wie je zum Geschäft herausgebildet. Wenn man es nach hundert Jahren abschafft, wäre es nicht gar so schade darum. In der Fürsorge des Zentralkomitees der Nuökunfts- und Für- forgestellen für Lungenkranke in Berlin und den Vororten befanden sich von Januar bis Ende September 1909 über lOSOV Familien. Aerztlich untersucht wurden 302S Männer. 3363 Frauen und 10 183 Kinder. Die Fürsorgeschwestern machten 26 336 Besuche in den Wohnungen. Durch Zuweisung von Betten und Ausmietung von Schlafburschen wurde in 643 Fällen dafür gesorgt, daß Tuberkulöse allein schlafen, die vordem ihre Angehörigen ge- fährdet hatten. Auf Veranlassung des Komitees wurden 73S Personen in Walderholungsstätten, 836 Erwachsene in Heim- und Heilstätten, 1320 Kinder in Kinderheil- und Er- holungsstätten untergebracht. DaS Komitee vermittelte, datz an 783 Lungenkranke auf sechs Wochen auS Krankenküchen Speisen verab- reicht und an Kinder 49 303 Speisemarken für die Kindervolksküchen verteilt wurden. Zur Verteilung an lungenkranke verschämte Arme haben überdies die Fürsorgeschwestern 10 360 M. zusammengebrach« und verausgabt. Leider hat das Komitee seine Wirksamkeit aus Mangel an Mitteln beschränken müssen. Der Magistrat Berlin hat deshalb beschlossen, statt bisher 20 000 M- für 1910 25 000 M. zu bewilligen. Für den Diebstahl im Postamt 68 an der Ecke der Linden« und Ritterstratze soll, wie eS heitzt, die Markeuverkäuferin in Höhe des entwendeten Betrages von 150 Mark aufkommen, weil sie„fahr- lässig" gebandelt, nämlich ihren mit etwa einem Meter hoben Fenster umgebenen Stand verlassen hat. ohne vorher die Wechselkasse in Sicherheit zu bringen. Das Geld lag in einer blechernen Zigarettenschachtcl auf dem Stuhl unter dem Sitzkisscn. was der Dieb durch längere Beobachtung gemutzt haben mutz. Wir können nicht recht glauben, datz die Postverwaltung da« Markenfräulein, welches den kolossalen Tagelohn von zwei Mark bezieht, ersatz- pflicbtig machen will. Unseres Erachtens liegt eine Fahrläsfigkcit der Postverwaltung vor. weil der Stand so niedrig ist, datz er über- stiegen und ausgeraubt werden konnte, obwohl er von den gegen- überlicgenden Schaltern genau zu übersehen ist. In anderen grotzen Postämtern, wo Markenverkänferinnen tätig sind, ist der Berkaufs- stand nicht in dieser Weise zugänglich. Zeitweise Zurückstellung vom Militärdienst. Die verstärkten Ersatztommisstonen werden zur Entscheidung über Gesuche um zeitweise Zurückstellung bei notwendigen Verstärkungen oder Mobilmachungen bczw. bei Bildung von Ersatztruppenteilen Ende April 1910 ihre nächste Sitzung halten. Diejenigen in Berlin wohnenden Mannschaften der Reserve, Landwehr, Seewehr, Ersatzreserve und Marineersatzreserve, welche aus Zurückstellung Anspruch machen.»Verden aufgefordert, ihre Ge- suche unter Angabe ihrer Militärvcrhältnisse und der Nummern. «Itter denen sie in den Listen der königlichen Bezirkskommandos I— IV Berlin geführt Iverden, im Laufe des Monats Januar 1910 beim Militärbureau des hiesigen Magistrats einzubringen. Ebenso werden die auf Zurückstellung Anspruch machenden und sich hier aufhaltenden ausgebildeten Landstiirmpflichtigen des II. Auf- gebots aufgefordert, ihre Gesuche unter Angabe ihrer bisherigen Militärverhältnisse in der gegebenen Zeit bei dem bezeichneten Bureau einzureichen. Die bereits früher berücksichtigten Mannschaften haben ihre Anträge ans weitere Zurückstellung im Bedarfsfalle zu erneuern und die nach dem 3P Januar 1910 eingehenden Gesuche köimcn nicht berücksichtigt werden. Die königlichen Ersatzkommissionen der Aushebungsbezirke Berlin. Frommel. Eine Revolvcrschießcrri eines Kriminalbeamten erregte am Sonntagnachmittag an der Ecke der Reinickendorfer und Wedding- stratze grotzeS Auflehen. Der Kriminalbeamte Dresler wollte einen jungen Menschen verhafte». Dieser ritz sich los. der Kriminal- beamle lief ihm noch und legte ihm die Handschellen um. Vor Schmerz schrie der junge Mensch laut auf. Ein anderer kam hinzu und es entstand ein förmlicher Ringkampf mit dem Beamten, wobei der junge Mann sich losritz und fortlief. Der Schutzmann satzte ihn aber wieder und als der Verhaftete sich wieder losmachte, sprang der Beamte nach und als er ihn nicht festnehmen konnte, machte er von seinem Revolver Gebrauch und gab mehrere Schüsse ab. Es wurden mehrere Passanten, die vom Weihnachtsmarkt kamen, getroffen und verletzt. Ein Kind blutete stark, ein Man» wurde in den Oberarm, ein anderer in die Hand getroffen. Darauf nahmen erwachsene Personen dem Schutzmann den Revolver ab und lieferten ihn aus dem Revier ab. Man mutz es noch als glücklichen Zufall betrachten, datz nicht ein paar Spaziergänger totgeschossen ivurden. Im Krankcuhause gestorben ist nun auch der bierjährige Knabe der Familie Pobost aus der LLeinftratze. Damit ist die ganze Familie P. ums Leben gekommen. Zum Fraucnmord wird mitgeteilt, datz die Händlerin Frau Schreck wegen Verdachts der Mittäterichaft oder Milivisserscbast in Sachen der Ermordung der Arnholz in Haft genommen worden ist. Bei einer in ihrer Wobnung abgehaltenen Haussuchung fand man mehrere Tropfen geronnene» Blutes. Die Schreck sagt allerdings, datz ihr die Naie gebluiet habe, weil Hahn sie mitzhandelt hatte, verdächtig ist aber der Umstand, datz an dem geronnenen Blut ein blondes Haar klebte, das dem derjErmordeten gleicht. Autzerdem war die Schreck rasend eifersüchtig auf die Arnholz. Wiederholt drohte sie der A., sie zu ermorden. Bisher leugnete Frau Schreck, später als am 10. November mit der Arnholz zusammen gewesen zu sein. Weiter ist für die Schreck belastend, datz sie einen Brief an die Staatsanwaltschaft geschrieben hat, in dem sie Hahn wegen Zuhälterei denunzierte, und zwar ihrem eigenen Geständnis zufolge, weil er von der Arnholz nicht lassen wollte. Der Brief hat seine Bestimmung nicht ereicht, kann auch nicht aufgefunden werden. Frau Schreck will ihn verloren haben. Der Brief fällt zeitlich mit dem Ber- schwinden der Arnholz zusammen. Die Polizei folgert, datz die Schreck den Brief vernichtete, als die Arnholz verschwunden war, da sie ja ihren Zweck erreicht hätte, den Hahn von der Amholz zu trennen. Jetzt ist die Ermittelung eines Klempners Map Jagiclski dringend erforderlich. Es ist das jener Mann, über dessen Verbleib auch der erschossene Schackc gehört werden sollte. Jagielski, der am 17. August 1883 zn Berlin ge- boren wurde, kannte die Auna Arnholz und deren Kreise. Er führte die Spitznamen„Klempner-Viax" und„Neesen-Max", diesen wegen seiner grotzen Adlernase. Jagielski wohnte bei seinen Eltern in der Schinkcstratze in Nixdorf und arbeitete bei einem Meister in der Lützowstratze. Am Sonnabend, den 12. d. Mts. las er abends in der Zeitung, datz die Kriminalpolizei die Arnholz als die Käuferin des Jacketts und damit als die Ermordete ermittelte hatte. Seit dieser Zeit ist er verschwunden. Er hatte in der Werkstatt bereits Arbeit für den Montag vorgerichtet, erschien aber nicht wieder. Die Er- Mittelungen ergaben, datz er sich zu seinem Wochenlohn von einem Arbeitsgenossen noch 3 M. hinzugeliehen hat. Auch in der elter- lichen Wohnung hat sick Jagielsti nicht mehr sehen lassen. Es ist nachgewiesen, datz er mit der Arnholz noch bis in die letzte Zeit hinein verkehrt hat. Möglich ist, datz er sich wegen irgend eines Zusammenhanges mit dem Verschwinden der Arnholz nach dem Bekanntwerden ihreS Todes irgendwo das Leben genommen hat. Bis- her sind alle Nachforschungen nach ihm. auch bei seinen Verwandten in Mecklenburg, erfolglos geblieben. Jagielski ist 26 Jahre alt, 1,74 Meter grotz und schlank. Er hat dunkelblondes Haar, einen Anflug von Schnurrbart, eine grotzc gebogene Nase(Adlernase) und mit den Spitzen nach innen stehende Fütze(Gegenteil der militärischen Grund- stellung). Als er die Werlstatt verlieh, trug er eine Deckelmütze und unter einem braunen Jackettanzug seine Klempnerbluse. Sein rechtes Auge war etwas entzündet. Wer über den Verbleib dieses Mannes etioas sagen kann, sollte sich unverzüglich bei der Krimmalpolizei melden. Frau Schreck ist unter dem Verdacht der Mittäterschaft oder Mitwisserschaft dem Untersuchungsrichter vorgeführt worden. Der Kriminalbeamte Wild, der den Schlächter Schocke erschoffen hat, ist aus dem Krankenhsuse entlassen worden. Ausstellung und Verkauf von Sonneberger Spielware« und GlaS-Christbaumschmuck finden bis Donnerstag, den 23. Dezember, im Gewerkschaftshaus(Saal 10 und 11) statt. Arbciter-Bildungsschule. Die durch die Krankheit des Genoffen G r u n w a l d ausgefallenen Unterrichtskurfe werden wie folgt nach- geholt: Redeübung: Mittwoch, den 22. Dezember und Donnerstag, den 23. Dezember, abends 8'/, Uhr. Finanzwissenschaft: Dienstag, 28. Dezember, Mittwoch, den 29. Dezember und Donnerstag, den 30. Dezember, abends 8% Uhr. Geschichte: Montag, den 3. Januar, DtenStag, den 4. Januar und Mittwoch, den 5. Januar, abends 3'/, Uhr. D e r V o r st a n d. Die Konsumgenossenschaft Berlin und Umgegend hatte im No- vember einen Umsatz von 291 057 M., während der November des Vorjahres 193 310,5! M. gebracht hatte, das sind 97 746,49 M. mehr. Die fünf Monate dieses Geschäftsjahres ergaben 1336 461,08 M., während in der gleichen Zeit des Vorjahres für 833 421,43 M. Waren umgesetzt wurden, es ergibt sich somtt ein Mehr von 453 039.65 M. Während daS Geschäftsanteilkonto nach Zuschreibung der Rückvergütung aus über 220 000 M. angewachsen ist, beträgt das Sparkonto über 300 000 M. und das Hausanteilkoiito etwa 220 000 Mark. Die Verkaufsstellen 51, Gerichtstratze 3 und 52, Manteuffel- stratze 91, sind bereits am 6. bezw. 7. Dezember eröffnet, während die 50. Verkmissstelle durch unliebsame Verzögerung der baupolizei» lichen Genehmigung erst am Donnerstag, den 30. Dezember eröffnet werden kann. Die Genossenschaft hat dann 52 Verkaufsstellen in Betrieb. Einen Herben Verlust hat eine Arbeiterin am Sonnabendabend zwischen 6—8 Uhr erlitten, indem sie aus dem Wege vom Kottbuser Damm(Jandorf) durch die Skalitzer-, Mariannen-, Oranien- bis Wendenstratze ein grüne« Damenportemonnai, enthaltend ein Zehn« Markstück, 17 Mark in Silber und Nickel und eine Arbciter-Wochen« karte verlor. Der etwaige Finder wird um Mitteilung gebeten an Behrendt, Nieder-Schönclveide, Berliner Stratze 134. Zeugen gesucht. Am Dienstag, den 14. Dezember, kurz nach I Uhr wurde ein älterer Herr an der Kreuzung der Kaiser-Wilhelm- und der Heiligegeiststratze von einem Drrschkenautomobil überfahren. Zeuge» dieses Vorfalles werden dringend gebeten, sich bei Herrn Rechtsanwalt Wurzel, Friedrichstr. 73 zu melden. Feuerwchruachrichte». In der fünften Morgenstunde wurde die Feuerwehr am Sonntag nach dem Grundstück der Bäckerinnung „Concordia" in der Andreasstr. 64 gerufen. Als die Löschzüge unter Führnng deS Branddirektors Reichel anrückten, stand dort der Dach« stuhl des ersten QuergebändeS in hellen Flammen. DaS Feuer war vom zweiten Hofe aus, wo sich die„Concordia-Festsäle" befinden, durch Ballgäste kurz nach 4 Uhr bemerkt worden und hatte sich initun» gewöhnlicher Schnelligkeitausgedehnt. Ehe ein wirksamer Löschangriff der Feuerwehr möglich war, bildete der gesamte Dachstuhl schon ein einziges Feuernteer. Die Bewohner der oberen Stockwerke benahmen sich iehr aufgeregt und verlictzen zum Teil fluchtartig ihre Wohnungen. Ob- gleich mit vier Schlauchleitungen unausgesetzt Wasser gegeben wurde, dauerte es doch über eine Stunde, bevor die Gefahr als be- seitigt gelten konnte. Da auch viele Mieter grotze Posten Wäsche, die aus dem Boden lagerte, verloren haben und vom Dachstuhl selbst nichts mehr gerettet werden konnte, fo ist der Brandschaden ganz bedeutend. Ein zweiter grötzerer Brand beschäftigte die Feuerwehr gleich- zeitig in dem Hause Dresdener Stratze tl. Hier stand im Erdgeichotz ein Lager der LuxuSmöbeliabrik von M. Böhm, Inhaber Franz Bartels, in Flammen. Brandmeister Berg lietz mit zwei Rohren Wasser geben und verhütete dadurch eine weitere Aus- dehnung des Feuers. Auch hier ist aber der angerichtete Schaden lehr erbeblich.— Ein Benzinautomobil brannte in der Duiicker» stratze 89. Bei den vergeblichen Löschversuchcn erlitt ein Chauifeur schmerzhafte Brandwunden an beiden Händen, die ihm von den Samaritern der Feuerwehr verbunden wurden.— Abends 7 Uhr erfolgte dann noch ein Alarm nach dem M e tz p a l a st in der Alexandrineiistratze 110, wo in einem Schmifenster Feuer entstanden war. Die Gefahr konnte aber vom 17. Löjchzuge bald beseitigt werden. Am Sonntagabend wurde die Feuerwehr nach dem Theater von Gebrüder Noack, Bruitiieiistr 16, am Rosenthaler Tor alarmiert, auf deni Hofe des grotzen Grundstücks brannte neben dem Theater auf einem Boden über einem Stall Stroh und die Balkenlage, wahrscheinlich infolge eines Defekts der elektrischen Leitung. Der anwesenden Feuerwache und der schnell eintreffenden Feuerwehr gelang eS, die Gefahr eines grotzen Brandes und einer Panik zu beseitigen. Aus polizeiliche Anordnung mutzte der Stall sofort ge- räumt werden. Der Qualm war so enorm, datz die Feuerwehr, um an den Brand zu gelangen. Rauchschutzhelme benutzen mutzte. Dann konnten die Flammen mit dem kleinen Löschgerät rn kurzer Zeit ge- löscht werden._ Vorort- IVacfmcbtcm Weihnachtsveranstaltungen sind wie alljährlich in verschiedenen Vororten von den politischcu Organisationen wie auch von anderen Arbeitervereinen arrangiert. Der Bczirkswahlvcrein Stralau begeht seine Weihnachtsfeier am Sonnabend, den 25. Dezember(erster Weihnachtsfeiertag), in den Markgrafensälen, Markgrafendamm 34, unter Mitwirkung des Berliner Sinfonie-Orchesters(Dirigent Max. Fischer), der Gesangvereine „Vorwärts IV" und„Frohsinn"l-mgen. Neuro. Ein königlicher Spatz. Kleines. Moral. Die Medaille. Neaeo Operetten. Mitz Dudelsack. Hebbel. Adam und Eva. Berliner. Hohe Politik. Trianon. Buridans Esel. Refidr«,. Im Taubenschlag. Schiller«». tWatuier- Totaler.) Gespenster. Dch»-«barlotteuburg. Jungser Obrigkeit. Friedrich. LSilbelmstädt. Schau- spiclhanS, Der Bibliothekar. Wesieu. Die geschiedme Frau. Thalia. Die süne Coro. Luisen. Gib mich frei. Bolksopcr. Aleisandro Stradella. (Anfang 8'/, udr) Roie. Faust. 1. Tell. LnstspielhanS. Der dunkle Punkt. Met-oi-ot. Halloh ll— Die grotz« Revue. FolieS Gaprtce. Sicher ist sicher. Bunter Teil. Der Mann meiner Frau.(Ans. 8'/, Uhr.) AP»»«. Spezialitäten. Wintergarten. Spezialitäten. v'asino. Der Obergauner. Gebr. Hcrrnfcld. So mutz man's machen. Ein ReliungSmlttel. Karl Haverland. Spezialitäten. Walbasta. öveziaMären Gastspiel. Der Hüttenbesitzer. Pao»ge. Gussi Holl. Ota Gygi. Evezlalitäten Stoacks. Schneewittchen und die sieben Zwerge.(Anfang 4'/, Uhr.) Abends: Geschlossen. Palast. Geschlossen. Rrichsballeil. Sleltiner Sänger. Buggenhageu. Spezialitäten. ltra»ia. t�»den,.e»ste»8 11t, AbendS 8 Uhr: Der Kampf um den Nord- und Südpol. Stc«»»»arte, Jiivatidenstr. i7— 62. 8 Ubr: TantrtS der Narr. MUtwoch, 8 Uhr: TantriS»er Narr. Donnerstag, 7'/, Uhr zum ersten- mal- Da» Konzert._ Berliner Theater. slohe yolilih. Morgen: Hohe Politik._ Neues Thealer. Abends 8 Uhr: Ein königlicher Spaß. Morgen und folgende Tage: Ei« königlicher Spast._ Theater des Vestens. 8 Ubr: Die geschiedene Frau. Ritkmoch u»» 9 nneritag: _»trnwwelpetcr._ Kcnes Opei-ptten-Thcatrr, Schiiibauerdamm 26, a. b. Suilenstr. Ans. 8 Uhr. 3113 Dodelnack. Mittwach CieachloNScn. Donnerstag zum erstenmal: Der Graf von Luxemburg. Auf. 7>/z U. Abends 8 Uhr: Der dunkle Punkt. MgihleMhsImfSlZÜMhgz Schiospieihaus. Dienstag, den 21. Dez., Ansang 8 Uhr: Der Bibliothekar. Mittwoch: Die Haubenlerche. Donnerstag zum erstenmal: Im bunten Rock. Lnstspicl w 3 Akten von Schönthan u. Frhr. v. Schlicht. Schiller-Theater 0.(Wallner-Theat.) D« er» S t a g,«bendS 8 Uhr: Ew gamiliendrema in 3 Auszügen von Henrik Ibsen. OW" Ende 10'/. Uhr. �Pthh Mlttwow. ebenes 3 Uhr: Ski» Nvdk»,. Donnerstag, abends 8 Uhr: IIa» Itiltltoliea v.MvIldi-aaa kelropolThealer IlallokN l)ie große l�evue! In 3 Bilclorn von Irr!, Krounck. blusik v. I'itllI I-inoks. In 8r«n« zsvovrrt vom Dir. Iii ob. Schultz. Anlang 8 Uhr. Rauchen gestattet. Schiller-Theater(Charlottenhurg). Dienstag, abend» 8 Ubr: .Tniicfer•brtffkelt. Komödie m 8 Asten o. Gustav Davis. gM- Ende 16'/, Uhr."MQ Mittwoch, abends 8 Uhr: Li««p«n»t«r. Donnerstag, abends 8 Uhr: <»l»H»kvlt. Urania. Wissenschaftliches Theater.| Abends 8 Uhr; Der Kampf um den Nord- und Südpol. VolkS'Oper. SW» Belle-Alltance-Stratze Nr. 7/8. Anfang'/,9 Uhr. Residenz-Theater Dlreltion: Richard Alexander. Abends 6 Uhr: Im Taubenschlag. Morgen und folgende Tage: Dieselbe Norftellung. An den Feto tagen: Im Taube«- schlag. 1. Feiertag 3 Uhr: Musvtte. 2. u. S. Feierlag 3 Usr: Klimmere Dich nm Slmelie. S Uhr Uae Progr. d. Novitäten! 8 Uhr mit Prinz Pinne» Burleske in 3 Bildern. V- Konry Sender. 9-3o Her SehipaasB'Ä'SS" Tourist. Rsdelfehreir Rollschuhläufer. 10 Uhr: Das SSunberkinb Petit Rodeeto, d. steinst: u. beste lllilophon- Virluoie der Welt._ Luisen-Theater. Abends 8 Uhr: SP Hill mi Ml~ Schauspiel in 5?Men nach einer Er. Zählung von H. Courtbs-Mahler von Ernst Riiieiseldt. Mittwoch 4 Uhr: Große Kinder- Vorstellung: GoldbärcheusHiinmcl- fabrr. 8 Uh: Gib mich frei. Donnerstag: Gib mich frei. Gastspitl-Theater. Heute und folgende Tage 8 Uhr: Der Hüttenbesitzer. Sonntag nachmittag S1/, Uhr: Kleine Preise. 1 Große Frnnljurker Str. 132. Ans. 3 llbr. Ende 11-/« U.| Faust. Der Tragödie erster Teil van Goethe. Mittwoch 4 Uhr: GoldhSrchcnS Himmelfahrt. 8 Uhr: Fanst. II .8 Uhr. Georg Schindler der berühmta Mundharmonika-Virtuose und Berlins fahrende« Spezialitaten-Programir Otto Ksutter. ------- La Pia------ in ihrer Szene»DerWellenGelst". Merlans Hunde-Theater: »Entführuns d. Salome-Tänzerin«, gespielt von 42 Hunden nnd die auserlesenen Sterne am Dezember'Hininiel des Wintergartens. Casino-Thoater Lothringer Straße 87. Heute 8 Uhr 1>CP Obermänner. Sonnabend, 25. Dez., nachm. 4 Uhr. Sonntag, SC. Dez., nachm. 4 Uiir: Stent Trudcheus Sommerreif«. Reichstiailen-Theater. Stetriner SAnger Zum Schluß: Der Nachtwächter von Zerpenschleufe. Lkudentendild 0.5. Keysei Ansang: Wechent. 8 Uhr. SonntaaS 7 Uhr. Sonntag, 26. Dezember 1809 (2. Feicdag), Präzise IS Uhr: Grobe Weil)»achts-Fest- -enefiz-Matinee. Bafor Kommendamenslr. 37. X. A. 4, 5053. „So muß man's machen" BurleSke mit Gesang tn zwei Asten von«ntvn und Donat Herrn selb, Musik von L. Jtal— Vorher; Ein Rettungsmittel Ansang 6 Uhr. Borverk. 11—2 Uhr. Am I. und 2. Weltnaehts-Felertag, nachm. 4 Uhr(bei halben Preisen): Dia beiden Binilelbands mit den Autoren Anton und Donat Herrnfeld in den Hauptrolle». NbendS 8 Uhr: „S« rnnß man*» machen." „Ein UettnnifsmUtcl." Am 31. Dezember: Groiie Siivester-Fcler. Gastip. des Botgt-Theater-EniemdleS. DiinStag. den 21. Dezember: vsi'teetkwWlMtMl'ileMl!. Schauspiel in 7 Bildern von Chart »irch.Pseisser. Kasseneröffnnng 7 Uhr. Ansang 8 Uhr. T rianon-Theater. Abend»• Uhr: Kuridans Gfel. Palast-Theater. Direktion: Robert Dill& Karl Rienau. Burgstraße 24, am Bahnhol Börse. Wegen Renovation geschlossen. Au allen drei steiertage«: »tlletkvorverkanf täglich von 11 biS 1 Uhr im Weater- Bureau. Dienetag, den 2t. Derember, abends 7'/. Uhr: GaIa-V»r»tolliinK. BebOt! des Debttt t Clown Bagonghi. Henry Valdorf der moderne Slmson. Der Amerikaner Mr. Nibto mit seinen tonversierenden Papageie». Ringkampf der Clown Jiui-.lum und Cottroll. 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