Nr.2W. BbennfmentS'Bedingüngen: Abonnements. Preis pränumermido t Lierteljnhrl. LL0 Mt>, monatl. UV Mb, wöchentlich 28?fg. frei ins Haus. Einzelne Numuier S Pfg. Sonntags- Eingetragen in die Pöft-Zeitungs- Vrcislistc. Unter Kreuzband für Teutschland und Oesterreich. Ungarn 2 Marl, für da- übrige Ausland 3 Marl pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland. Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. Vlchiinl tZgllch außer montags. S6. Jahrg. Vevlinev Volksblakt. Die Tnlertions« Gebühr velrägt für die sechsgespaltene Kolonet- zeile oder deren Raum Lv Pfg,, für politische und gewerkschaftliche Verein-- und Bersammlungs-Anzeigen Lv Psg. „Meine Sn-eigen", das erste(fett- gedruckte) Wort 20 Pfg,, jedes weitere Wort 10 Pfg, Stellengesuche und Schlaf- stcllcn-Anzeigen das erste Wort 10 Pfg,, jedes weitere Wort 5 Pfg, Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Numnier niüssen bis SUhrnachmittagsinder Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 1 Uhr abends geöffnet, Telegramm-Adreffe: „Sozialdeniolirat RtrllB". Zentralorgan der Ibzialdemokrati leben Partei Deutfcblande. Redahtton: SM. 68. Lindenstrasse 69» Fernsprecher: Amt IT, Nr. 1983. Mittwoch, beu ÄÄ. Dezember 1909, Expedition: SM. 68, Lindcnatraaac 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1981. Die Crrettung des IParlameots. Aus Wien wird uns vom 20. Dezember geschrieben: Oesterreich ist wirklich das Land der Unwahrscheinlich leiten. Denn was sich seit Mittwoch ini österreichischen Ab geordnetenhause ereignet hat, und insbesondere die grund umstürzende Wendung, mit der die letzte Obstruktion ab geschlossen, das wäre in keinem anderen Staate möglich, ist nur als jene Operation auf Tod und Leben zu begreifen, ohne die das Parlament bei lebendigem Leibe verfault wäre, Geschäftsordnungsänderungen sind ja nirgends der Ausfluß friedlicher Zeiten; sie geschehen eigentlich überall unter Blitz und Donner. Der Unterschied ist nur der, daß sie ge wöhnlich als eine Vergewaltigung empfunden werden, die eine zufällige und skrupellose Mehrheit und fast immer in ihrem eigenen Interesse verübt, wogegen sich mit dem Beschluß von Sonnabend das Parlament selb st von seinen Vor- derbern und Verwüstern befreit hat. Deshalb ist diese Geschäftsordnungsreform wirklich eine rettende Tat, und es ist kein Zufall, daß die Sozialdemokraten ihre Träger ge worden sind. Das mag paradox erscheinen, aber die öfter reichische Wirklichkeit hat die Erfahrung längst bestätigt, daß hierzulande das Notwendige nur durch die Sozialdemokratie bezwungen wird. Der Beschluß ist ein wahres Notgesetz sowohl in formeller als in rechtlicher Beziehung, aber der Notstand war auch un- geheuerlich. Die Obstruktion ist nämlich in Oesterreich schon lange nicht ein Hilfsmittel des Parlamentarismus, kein parla mentarisches Abwehrrecht mehr, sie ist schlechthin die die politische und parlamentarische EntWickelung aufs stärkste be drohende Gefahr, und der Parlamentarismus hat keinen ge fährlicheren Feind als eine Obstruktion, durch die er direkt aufgehoben wird. Nach der Geschäftsordnung des öster� reichischen Abgeordnetenhauses, die aus dem Jahre 1875 stammt, können bekanntlich zwanzig Abgeordnete die„Abkürzung der Verhandlung" begehren, was sachlich bedeutet, daß sie Anträge sonder Zahl stellen können, die sofort zur Verhandlung kommen niüssen. Das bedeutet iveiter, daß zwanzig Leute das Parlament so blockieren können, daß nicht ein Korn durchgeht, daß das Haus in ihrer Ein schnürung so erstickt, daß ihm nicht einmal die Möglichkeit einer aussichtsreichen Gegenwehr bleibt. Zur Obstruktion reichen also schon zwanzig Abgeordnete aus, und jeder Obstruktion ist der Erfolg dahin gesichert, daß das Haus unter ihren Streichen erliegen muß. Nun stelle man sich vor, was das in einem Hause Volk 516 Abgeordneten, mit acht Nationalitäten und zwei Dutzend Parteien bedeutet. Das bedeutet, daß im österreichischen Abgeordnetenhause u n unterbrochen obstruiert wird. Denn der nationalistische Chauvinisnius produziert in allen Stationen, insbesondere bei den Deutschen und den Tschechen, die ganz gewissenlosen„Radikalen", die Demagogen, die von den nationalen Gegensätzen leben, sie ausbeuten, die also wegen jeder nationalen Bagatelle das Parlament mit dem Be- lagei-ungszustand überziehen, und dadurch die Krise des Parlaments permanent machen. Ein solches Haus zeitigt auch ein gar nicht kleines Ouantum parla men- tarischen Abfalls: Desperados, politische Aben- teurer, parlanientarische Hochstapler, die dann, wenn die jeweilige obstruktiouslüsterne nationale Gruppe über die zwanzig Unterschriften gerade nicht ver- fügt, ihre Unterschriften austauschen und herleihen, so daß das österreichische Abgeordnetenhaus an der aller- ernstesten Arbeit schon oft durch solche Dringlichkeitsanträge mit zusanimengeklaubten Unterschriften gehindert war. So hat man im verflossenen Hause der Wahlreform die Schwierig- keit nur aus die Weise aus dein Wege räumen können, daß man ihre Verhandlung selber im Wege eines Dringlichkeits- antragcs durchführte. Sonst hätte sie vor sich fünfzig Dring- lichkeitsanträge gehabt, für die im ganzen Hause netto zwanzig Unterschriften zusanimengeklaubt worden waren, wobei die größte Gruppe keine fünf Mann hoch war. und es wäre möglich gewesen, daß ein solches Werk scheiterte, weil sich zwanzig politische Auswürftinge den Spaß ihrer Obstruierung nicht versanen wollten. Ihren einstmaligen Charakter als Wehr der Minoritäten hat die Obstruktion längst und völlig ver- loren; zumal in dem Parlament des allgemeinen Wahlrechtes ist sie nie anderes gewesen, als die ordinärste Charlatanerie, nnt der die Nationalisten aller Sprachen ihre Gaukeleien aus- zustatten suchen; und. es ist wirklich nur die unsinnige Ge- schästsordnung, die es möglich gemacht hat, daß das'demo- kratische Parlament eistö Beute der nationalistischen Schwindler geworden ist. Denn es ist klar, rtigß die in der Geschäfts- ordnung niedergelegte Möglichkeit öer-Obstruktion(die darum ohne jeden Geist und Scharfsinn, ganz grob mechanisch be- trieben werden ko.mte) den Anreiz zur Obstruktion geiveckt, oft geradezu eine Pflicht zur Obstruktion begründet hat; und es ist tlar, daß dadurch der nationale Chauvinismus, dort wo er schon in Verrücktheit übergeht, ganz eigentlich der Herr des Parlamentes geworden ist. Nicht die besonnenen und der vernünftigen Ueberlegung halbwegs zugänglichen Elemente der nationalen Parteien, sondern ihre Ausläufer und Marodeure haben die Politik und Taktik des bürgerlichen Nationalismus bestimmt. Wenn ein halbes Dutzend „Tschechischradikale" die Schließung der Session eines Parla- ments erzwingen kann, das aus allgemeinem und gleichem Wahlrecht hervorgeht, indem sie sich den Scherz leisten, im Parlament ein Höllenkonzert aufzuführen, so weiß man, wie es mit diesem Parlament in Wahrheit schon stand. Wenn das Parlament nicht zugrunde gehen sollte, mußte die Obstruktion, deren Abscheulichkeit und Gewissenlosigkeit in dem letzten obstruktionistischen Putsch so sichtbar wurde, ausgerottet werden. Deshalb ist es nur ganz selbstverständlich, daß die Sozial- demokraten bei dieser Reform der Geschäftsordnung, die in Wahrheit die Fessel des Parlaments löst, an der Spitze vorangegangen sind, und den Antrag der Obstniktio- nisten, der Obstruktion Handschellen anzulegen, der vielleicht nur ein taktisches Manöver zweifelhafter Art sein wollte, zur Wirklichkeit gemacht haben. Wir möchten die Sachlage, wie sie für den Sozialdemokratischen Verband stand, den deutschen Parteigenossen, denen die österreichische Verworren- heit so viele Rätsel stellt, folgendermaßen verdeutlichen. Wenn im Deutschen Reichstag die Neigung offenbar würde, die Gerechtsame des Reichstages zugunsten des Bundesrates zu verkürzen, oder gar das Wahlrecht anzugreifen: würde sich die Sozialdemokratie etwa beiseite stellen und sagen, der Reichstag sei ein bürgerliches Parlament, ein Klassen- instrument der Bourgeoisie; was geht er, sein Dasein und seine Entivicklung, uns an? Natürlich und ganz selbst- verständlich nicht. Aber ob die Krone das Parlament angreift ober eine grund-, zweck- und ziellose nationalistische Obstruktion, ob man den Arbeitern das Wahlrecht nimmt, oder dessen Produkt, das Parlament, ihnen stiehlt: das ist kein Unterschied und kein Unterschied in der Schädigung der Arbeiter als Klasse. Soll sich das Proletariat unter der gewaltigsten Kraftanstrengung das allgemeine Wahlrecht dazu erobert haben, damit das Parlament zum tollen Spiel der nationalistischen Gaukler»verde? Nachgerade hat die ganze Welt genug über dieses hilflose Haus gelacht, seine„Rettungen" verspottet, die kaum für Tage vor- hielten; und rascher wird selten ein durch seinen Ursprung so volkstümliches Haus sein Ansehen verwirtschaftet, das Ver- trauen zu seiner Potenz verloren haben, als es dem öfter- reichischen Volksparlament beschieden war. Tatsächlich war die Ohnmacht der Volksvertretung, hervorgerufen durch die Geißel einer sinnlosen Obstruktion, nur Arbeit für die Reaktion: Schrittmacher für den Abso- lutismus, der legitimiert erschien, wenn sich das Abgeordnetenhaus, ohne auch nur Widerstand zu leisten, schänden, zertreten und meucheln ließ. Dem mußte ein Ende gemacht werden, und anders als durch ein Notstands gesetz, das das Obstruieren für ein Jahr gleichsam verbietet, ging es nicht; auf die Einkehr und Vernunft der Chauvinisten ivar nicht mehr zu hoffen. Die Geltung des Gesetzes, durch welches die Obstruktion unterbunden wird, ist auf ein Jahr beschränkt. Inzwischen wird es möglich sein, die Geschäftsordnung sachgemäß und ziel' bewußt zu refornneren: daß sie einesteils die Funktionen des Hauses sichert, anderenteils den Minoritäten, und im öfter reichischen Abgeordnetenhause gibt es nur Minoritäten, die Freiheit der Bewegung verbürgt. Es scheint überraschend und wunderlich, daß die Reform aus tobendem Obstruktions stürm hervorging. Aber es scheint nur so, denn es mußte das Haus erst auf die tiefste Stufe sinken, dem Abgrund schon ganz nahe gekommen sein, damit der Entschluß entstehen und lebendig werden konnte, dem Niedergang und Untergang eine Grenze zu setzen. Seltsam aber wahr: erst mit der Ge- schäftSordnung, die das Parlament auf gesicherte Grundlagen stellt, empfängt das allgemeine Wahlrecht seine Erfüllung. Sie preußische mahlreforra. ®5 scheint wirklich, als ob die preußische Regierung die Absicht hege, dem Landtage in der nächsten Session eine Wahlrechts- Vorlage unterbreiten zu wollen. Wenigstens wird nach einer Meldung des„Lokal-Anzeigers" die Regierung in den nächsten Tagen die Ergebnisse der statistischen Er- Hebungen veröffentlichen, die sie über die verflossenen Landtagswahlen hat anstellen lassen. Nach her Meldung des Scherl- blattes soll die Statistik eine sehr umfangreiche sein, so daß sich die publizistische Vorwegnahme von Einzelheiten dieser Untersuchung nicht ermöglichen lasse. ES werde Wochen- langer Besprechungen in der Oeffemlichkeit bedürfen, um genügend Anhaltspunkte dafür zu gewinnen, an welchen Stellen die Reform in erster Linie einzusetzen habe, um bei einem Zusammen- arbeiten der gesetzgebenden Faktoren zu einem Erfolge zu führen. Während sich„Lkreuzzeitung" und„Deutsche Tageszeitung" gegen jede Wahlreform einstweilen schroff ablehnend verhalten, ver- 'lichl der gleichfalls konservative„Reichsbote" unter der Maske einer gemäßigten Wahlrechtsfreundschaft die Wahlrefonn von vorn- herein in eine Sackgasse hinein zu bugsieren. Er gibt zu, daß das heutige Wahlsystem in mancher Beziehung eine Reform vertrage. So führe zum Beispiel die heutige Art der Steuerdrittelung zu ungewöhnlichen Härten und Tollheiten. Die Steuerdlittelnng selbst will der„Reichs- böte" freilich nicht beseitigt wissen, solidem nur die heute bestehende Drittelung innerhalb der einzelnen Urwahlbezirke. Diese Art der Drittelung möchte das antisemitisch-konservative Organ ersetzt sehen durch die Bestimmung, daß die Drittelung gleichmäßig im ganzen Lande zu geschehen habe, und zwar etwa derartig, daß! jede Steuerleistung über Ivo M., die einem Mindesteinkommen von> 2700— 30V0 M. entspräche, zur Wahl in der zweiten Klasse berechtige, während Steuerleistungen über b00 M., denen ein Einkommen von mindestens 8500—9000 M. entsprechen würde, zur Wahl in der ersten Klasse berechtigen solle. Das wäre in der Tat eine Reform, die die nichtbesitzende Klasie noch radikaler entrechten würde, als das heute be- siebende elendeste aller Wahlsysteme! Hat eS doch gerade die Drittelung in den U r w a h l b e z i r k e n, die in den Jndustriebezirken und Großstädten in Proletariervierteln Arbeiter zu Wählern zweiter, ja sogar erster Klasse gemacht hat, ermöglicht, daß wenigstens ein halbes Dutzend von sozialdemokratischen Ab- geordneten in die preußische Junkerkammer entsendet werden konnte. Wäre die Dritteilung nach dem Vorschlag des„Reichs- boten" durchgeführt, so wäre dem Proletariat jede Möglichkeit ab- geschnitten, auch nur einen einzigen Abgeordneten in die preußische Duma zu schicken. Sehr charakteristisch ist auch das Bedenken, das der„Reichs- böte" gegen die Privilegierung der höheren Bildung einwendet. Schon heute, meint das Blatt, bestände ein gebildetes Proletariat, so daß man es sich sehr über- legen müsse, ob der Besitz einer gewissen Bildung zum Uebergang in eine höhere Klasse berechtigen solle. Die Arbeiterklasse ersieht ans diesen Aeußerungen des„Reichs- boten", daß selbst solche Elemente, die den Anschein erwecken, als ob sie einer Wahlreform nicht grundsätzlich abgeneigt seien, nur auf Littel und Wege sinnen, um die heutige Entrechtung des Prole- tariates nicht nur zu verewigen, sondern womöglich noch zu ver- schlimmern l Das deutsche Proletariat hat mit aller Aufmerksamkeit das Verhalten von Regierung und bürgerlichen Parteien zu verfolge», um in dem Augenblick mit aller Tatkraft auf dem Plane zu erscheinen und in den Rechtshandel einzugreifen, wo es sich um die Entscheidung handelt!_ Der Kampf um den Proporz. Paris, 18. Dezember.(Eig. Ber.) Am Montag findet hier ein Protestbankett der Gegner der Proportionalvertretung statt. Es soll die feierliche Einleitung eine? zermalmenden„Niederreitens" der Wahlreform werden. Die glor- reiche Idee rührt vom— man muß ja noch immer sagen— „Genossen" Breton her, der der Generalstabsches der Anti-Proporz- armee ist. Feldmarschall ist der alte P e l l e t a n. Und C 0 m b e S wie Bourgeois— letzterer brieflich— segnen die Waffen ein. Diese sind nicht gerade nobel. Wer für den Proporz ist, wird einfach deS Verrats an der Republik und am allgemeinen Stimmrecht und der Teilnahme an einer klerikalen und boulangisti- schen Verschwörung beschuldigt. Demgemäß müßte man alle Pro- portionalisten einsperren, Paul DeSchanel ebenso wie JauröS und die anderen Sozialisten und sogar so waschechte Radikal- sozialisten wie Buisson, Messimy und Steeg. Die. Breton und Genossen treiben es wirklich toll. Um ein angeblich der republikanischen Mehrheit gefährliches Wahlsystem zu vereiteln, ruinieren sie den bürgerlichen Rcpublikanismus voll- ständig. Die Wahlen werden sich in einer Situation von nicht da- gewesener Verworrenheit vollziehen. Die Propaganda für die Wahlreform hat schon die sichere Wirkung gehabt, daß die Stellung der Kandidaten zu ihr eine große Bedeutung haben wird, besonder? im zweiten Wahlgang. Ob und wie weit in diesem eine offene Solidarität der Proporzanhänger wirksam werden wird, ist ungewiß. Die Progrcssisten haben erklärt, daß sie, wenn im zweiten Wahlgang zwei Republikaner einander gegenüberstehen, für den Anhänger deS Proporzes stimmen werden, auch wenn es ein Sozialist ist. Bei den Sozialisten ist die Neigung, unbedingt einem Anhänger des Proporzes ohne Rücksicht auf seine Parteistellung zum Siege zu verhelfen, gleichfalls zutagegetreten und einige Föderations- kongresse haben ihren Delegierten zum Parteitag strikte Mandate in bezug auf diese Taklik mitgegeben. Genosse JauröS, der zuerst gleichfalls für sie eingenommen war, warnt jetzt nicht ohne Be- rechligung vor solchen bindenden Mandaten, die die Dis- kussion zwecklos machen würden. Er nennt als Vor- aussetzung der Erhebung der Proporzfrage zur einzigen Plat- form eine ausdrückliche Vereinbarung der daran teilnehmenden Parteien und die Beschränkung des Mandats einer unter diesen Umständen gewählten Kammer auf die Erledigung der Wahlreform. Die demokratische Allianz und die radikalen Proportionalistcn haben sich indeS gegen jede Vereinbarung onSgesprochcn, die sie verbinden könnte, für Antirepublikaner zu stimmen. DaS macht aber die Lage noch verwirrter. Wie werden sich die verschiedenen proporzfteundlichen Parteien in den Wahlkreisen verhalten, wo ein für den Proporz eintretender Kandidat erklärt, sein Mandat innerhalb einer bestimmten Frist niederzulegen? Bei den Sozialisten haben einzelne, z. B. der Reformist Fourniöre gleichfalls die unbedingte Unzulässigkeit der Abstimmung für einen Reaktionär auSgesprowcn. Aber eine so beschränkte Solidarität der Proportionalisten hat über- Haupt keinen Sinn, da es, sobald die Wahlreform nicht die einzige Frage ist, die der nächsten Kammer überantwortet wird, eine Menge nicht minder wichtiger Kriterien für die Eignung eines Kan- didaten gibt. In der heutigen„Humanitö" führt JauröS aus, daß die So« zialisten nicht durch Kombinationen im zweiten Wahlgang die Wahl- reform dem Lande aufzwingen werden, wenn sich dieses im ersten gegen sie ausspricht, er appelliert aber an die Radikalen, wenn die Mehrheit der Wähler anders entscheide, die republikanischen Anhänger des Proporzes nicht in daS Dilemma zu bringen, entweder die Reform preiszugeben oder für Gegner der antiklerikalen Republik zu stimmen. JauröS will nicht den Willen der Nation unter dem Borlvand ber rtpublikanische» Disziplin eskamotieren lassen. EZ ist aber zu bezweifeln, dafc die radikalen Besitzstandpolitiker ein solches Mag von Ethik besitzen, wie ihnen JanröS noch immer zumutet. Wenigstens deutet auf ein solches Defizit die Tischgenossenschaft hin. die sie sich für Montag erbeten haben. Die Einladung der parlamentarischen Gruppe für die Wiedereinsührung der Listenwahl soll den Wählern den Willen zur Aufhebung der Bezirkswahl vorschwindeln. Tatsächlich wäre die Listenwahl ohne Proporz noch schlechter als das bestehende System. Und bei ihr kämen vielleicht nicht einmal die Reaktionäre zu Schaden, sicher aber die Sozialisten, die in den wcitgezogenen Wahlkreisen einfach der Gnade der radikalen Komitees ausgeliefert und auf Wahl- kompromisse mit ihnen angewiesen wären.— Neben diesem Schwindel steht aber eine Drohung. Breton hat als Gast Herrn MaScuraud gewonnen, den Präsidenten deS sogenannten„Re- publikanischen Komitees für Handel und Industrie", das auS seiner reichgefüllten Kasse den Wahlfonds der linksrcpublikanischen Kandi- baten speist. Es ist ein Wink mit dem Zaunpfahl. Den künftigen Kandidaten wird kundgetan, dah sie ztvischen dem Proporz und dem Portemonnaie des Herrn MaScuraud die Wahl haben. politische debersicdt. Berlin, den 21. Dezember 1909. Ein Eosin-Dementi. Der Regierung wird die Schmähung, die in den letzten Tagen der schöne Eosin-Farbstofs hat erdulden müssen, zu arg. Sie nimmt sich deshalb der agrarischen Gesinnungsfarbc wohlwollend an und erläßt in der„Nordd. Allg. Ztg." folgende Beschönigung: „Seit einigen Tagen laufen durch die Presse Mitteilungen, nach denen die Färbung der zum Zollsätze von 1,30 M. abgelassenen Gerste niit Eosin Uebelstände im Gefolge gehabt haben soll. Namentlich wird behauptet, daß die Verwendung der gefärbten Gerste zu Futterzwecken die Gesundheit des Viehs schädige. Selbstverständlich werden alle diese Angaben sorgfältig geprüft und es sind unverzüglich eingehende Erörterungen unter den beteiligten Stellen eingeleitet. Es wird kein Mittel unversucht gelassen, zu einer vollen Klärung zu kommen. Um so mehr er- scheint es gerechtfertigt, ernstlich davor zu warnen, daß durch die Behandlung der Frage ohne Not Mitztrauen erregt und namentlich die Viehzüchter im ganzen Reiche beunruhigt werden. Ein Beweis dafür, daß die Verwendung der mit Eosin gefärbten Gerste schädlich wirke, ist bisher nicht erbracht. Dagegen kann schon jetzt als fest- gestellt gelten, dasj die erhobenen Beschwerden mindestens stark übertrieben sind.... Die Wirkung des EosinS auf den Tierkörper ist bei der aus- gedehnten Verwendung, die niedrig verzollte Gerste gerade bei der Viehfütterung findet, vor Einführung des FärbungSverfayrenS besonders eingehend, geprüft worden. Im Auftrage des Preußischen Landwirtschaftsministerillmö wurden von dem Kaiser-Wilhelms« Institut in Bromberg auf dem BcrfuchSgnte Mocheln mehr als 3 Monate hindurch Versuche mit 30 nach Rasse, Alter und Gewicht gleichartigen Schweinen angestellt, die in drei Reihen von je 10 Stück eingestellt waren. Alle Versuchstiere bekamen gleichmäßig ein Grmidfutter von Flcischmehl und Kartoffeln, daneben aber Reihe I«ngefärbte Gerste, Reihe II Gerste, von der 5 Picöz., später 10 Proz. der Körner mit Eosin gefärbt wurden, Reihe III- Gerste, die mit Eosin vollständig durchgefärbt war. Die Ergebnisse deS Versuches' zeigten keinerlei schädliche Wirkungen deS EosinS. Im Gegenteil stellte sich die Gewichts- zunähme für das Stück und den Tag durchschnittlich in Reihe I auf 0,542 Kilogramm .. H, 0,371 „.. HI ff 0,570 Nach Abiaus der angegebenen Zeit erfolgte die Schlachtung und eö wurden an den Versuchstieren an marktfähigein Schlacht- gewicht ermittelt in Reihe I...... 82,1 Proz. „„ H...... 83,1„ ..„IH...... 82,5„ Die von Sachverständigen ausgeführte Untersuchung ergab ferner, daß das Eosin auf die Beschaffenheit des Fleisches und des Fettes keinen Einfluß ausgeübt hatte." Verschiedene Tierärzte sind anderer Ansicht über die Schädlichkeit der Eosinfärbung, als die„Nordd. Allg. Ztg.". Auch die vonr Abgeordneten Carstens im Reichstag gezeigten Teile eines schleSwig-holstcinschen Schweins widersprechen den Darlegungen des Regierungsblattes— aber vielleicht sind die schleswig-holsteinschen Schweine von zarterer Konstitution als die Mochclncr. Vielleicht war sogar das im Reichstag vorgezeigte Schwein kein richtiges Landschwein, sondern ein städtisches Individuum. Dann wäre allerdings fem ein- faltigeres Verhalten gegen die Eosinfarbe erklärlich. Die Perle von Jauuschau. Herr v. Oldenburg scheint sich darauf kapriziert zu haben, den modernen Ehonan zu spielen, der royalistischer ist als sein König. Be- sonders scheint er sich für die Rolle des bramarbasierenden Royalisten- führerS Laroche- Jaquelin qualifiziert zu halten— ein etwas sonder- barer Geschmack, denn bekanntlich ließ dieser royalistische Aufschneider die ihm vertrauenden Bendöer Bauern bei Savenay schmählich im Stich, um seine wertvolle Person dein heiligen royalistischen Frankreich zu erhalten. Allerdings so unternehmend wie sein großes Vorbild sieht Herr v. Oldenburg nicht aus; er ist allzu behäbig geworden und scheint seinem Aeußern nach recht bedeutenden Wert auf eine gute Küche zu legen; aber in einer Beziehung übertrifft er entschieden sein Vorbild: in der Groß- mäuligkeit. Seit einiger Zeit reist die Perle von Januschau un- ermudlich umher und hält saftige Reden. Am Sonnabend redete er wieder in Danzig. Er bezeichnete wieder in seinem schönen Jargon die Liberalen als„koddrig" und konfus und verhöhnte den Ber- such,„an dem Wahlrecht zu maddern". Dann erzählte kr nach der„Krenz-Ztg." folgende schöne Geschichte: „Ick, entsinne mich eines politischen Gespräches zwischen einem unserer Vnndesfürsten und einem seiner drastischen Redensarten wegen sehr bekannten und geschätzten, leider verstorbenen Kavullerie- generals, welches Ende der 70er Jahre in einem Potsdamer Offizier- kastno stattfand und seinerzeit viel kolportiert wurde: Der Bundes- fürst— damals noch nicht auf dem Thron— bekannte sich als Regierungsform offen für die denkbar freieste Konstitution und erhielt darauf von dem General als Antwort:„Na, könig- liche Hoheit, dann lassen Sie sich man Schuppen- ketten an Ihrer Krone anbringen!" Daß diese Redensart nicht nur einen Witz, sondern furchtbar traurige Wahrheit in sich birgt, davon haben wir uns alle nickt nur durch die Rovenrberereianiffe des Reichstages überzeugen können.— Nun ist <8 ja dem Fürsten Pulow geglückt, den König selbst in der Thronrede sagen zu lasten,.er wünsche die Wahlrechtsänderung", und damit hat der Fürst das politische Herz eines jeden kon- servativen Mannes zum Konflikt gebracht: Auf der einen Seite heißt cS:„Gehorchen", auf der anderen Seite aber steht überzeugungstreu die Parole:„Schütze und er- halte die Prärogative der Krone!" Redner ist der Meinung, man dürfe durch Stillschweigen nicht den Anschein er- wecken, als sei diese Frage für die Partei keine Prinzigienfrage,' im Gegenteil:„Wir müssen dem neuen Ratgeber des Königs laut und deutlich entgegenrufcn, daß die konservative Partei in Preußen nicht gewillt i st, das Tor zu öffnen, durch welches die rote Lava des sozialdemokratischen KraterS hin durchfließen kau n." Wenn gar nichts mehr hilft, will Herr v. Oldenburg nach Mecklenburg auswandern und, falls dort bis dahin auch schon die beiden Großherzöge in antiroyalistischer Verblendung eine grausame „Revolution von oben" gemacht haben sollten, zu den Hotten- totten. Einberufung des preußische» Landtages. Durch eine im„Preußischen Staatsanzeiger" publizierte kaiserliche Verordnung werden die beiden Häuser des Land- tages auf den 11. Januar 1910 einberufen. „Ein Schittzzoll-Jilbiläunt" so überschreibt die„Deutsche Tageszeitung" einen Artikel, in welchem Herr Oertel wieder beweist, welchen Unsinn das Agrarierblatt seinen Lesern bieten darf. EL wird angeknüpft an einen Brief, den der alte Kaiser Wilhelm am 22. Juli 1370 an Bismarck geschrieben hat. Wilhelm I. schrieb damals an Bismarck, daß er sich mit Delbrück und Camphausen über die Eisenindustrie unterhalten hat und dabei gesagt habe:„Ich erwiderte, woher eS denn aber komme, daß ein Eisen-Fabrikations-Uuternehmen nach dem anderen seine Oese» auZ- blase, seine Arbeiter entlasse, die herumlungerten, und daß diejenigen, welche noch fortarbeiteten, dies nur mit Schaden täten, also nichts verdienten, bis auch sie die Arbeiten wieder einstellen müssen." Dieser Satz hat eine historische Bedeutung, er ist 1870 von Bis- marck bei Begründung der Eisenzölle gebraucht und später von Stumm bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit wiederholt worden. Später ging der Satz in den stehenden Redeschatz des Herrn v. Kardorff über und in neuerer Zeit wird er von Dr. Bcumer hergesagt. Die Ursachen für das Schließen der Eisenwerke lagen nicht auf dem Gebiete der Zollpolitik, sondern waren technischer Art. Im Anfang der siebziger Jahre war es der Kampf zwischen dem Holz- kohlen« und dem Steinkohleneisen, wobei die Steinkohle Sieger blieb. Der Kampf wurde aber auch mit diesem Siege nicht ab- geschlossen, denn nun begann der Kampf des Flußeisens gegen das Schweißeisen. Bessemer hatte zwar schon 1356 seine gewaltige Er- findling eingeführt, aber die Länder mit phosphorhaltigen Erzen blieben im Nachteil. Da wurde denn Ende der siebziger Jahre der deutschen Eisenindustrie die Hilfe von England gebracht. Thomas hatte durch das basische Verfahren die Möglichkeit geschaffen, aus stark phosphorhaltigen Erzen nicht nur gutes Eisen herzustellen. sondern die Eisenindustrie gewann noch das wertvolle Nebenprooukt, die Thomasschlacke. Trotz des 1879 eingeführten Eisenzolles wurden weitere Werke geschaffen. 1833 hatten«vir in Deutschland noch 883 Schweißeisen- werke, in denen 57 407 Arbeiter 2 130 800 Tonnen Roheisen verarbeiteten. Die Zahl dieser Werke war 1007 auf 119 zusammen- geschmolzen. In den Schweißeisenwerken winden 1007 nur noch 13 881 Arbeiter beschäftigt, die 831 400 Tonnen Roheisen ver- arbeiten. Das Verschwinden dieser Werke wurde auch durch den Eisenzoll nicht gehindert, weil der Hauptfeind, der übermächtige Konkurrent, nicht im Auslände, sondern im Jnlande saß. Der Feind der alten Werke waren die Flußeisenwerke. Wahrscheinlich hatten deren Besitzer Stumm, Krupp und Kardorff. der Gründer von Lanrahütte, dem alten Wilhelin den Satz über die traurige Lage der Eisenindustrie eingeflüstert. Die Zahl der Flußeisenwerke stieg von 73 im Jahre 1863 auf 222 im Jahre 1007 und die Arbeiter- zahl von 20 033 auf 183 706 Kopse, die Produktton stieg aber von 1429 000 Tonnen auf 14 205400 Tonnen verarbeitetes Roheisen. Die Kalamität, die in den siebziger Jahren für die Holzkohlen« eisenwerke und die Schweißeisenwerke bestand, wurde durch den Eisenzoll nicht beseitigt. Sie wird wohl fortbestehen bis auch die letzten 119 Werke verschwunden sind. Roch drolliger wirken aber die eigenen Ausführungen des Agrarier- blattcs, in denen behauptet wird, daß durch den Freihandel so schlimme Zustände geschaffen sind, daß die Auswanderung auf 220 000 gestiegen fei. Diese Zahl wurde erst im Jahre 1881, also zwei Jahre nach Einführung des Schutzzolles, erreicht. Die letzten Jahre in der Freihandelspcriode zeigten folgende AuSwandererziffern: 1876: 29 644, 1877: 22 898 und 1378: 25 627. 1379 kam der Uebergang zum Schutzzoll und nun stieg die Auswandererziffer auf 35 888, im folgenden Jahre auf 117 097 und dann 1831 auf 220 902. In dem dann folgenden Jahrzehnt wanderten noch 1 24 l 610 Per- sonen aus Deutschland aus. So niedrige AuSwandererziffern wie in den letzten Jahren der Freihandelsperiode wurden erst wieder erreicht in der Periode nach 1894, also als die von den Vündlern so gehaßten Eaprivischen Handelsverträge wirkten. Die„Bollkraft des platten Landes". Die„Konservative Korrespondenz" beschäftigt sich nach der „Deutschen Tageszeitung" mit einem Artikel des Oberst a. D. Gädtke über BolkSgesundheit und Wehrkraft. Sie konstatiert mit Befnediginig, daß selbst Herr Gädtke es bedenklich findet, daß„die Volksgesundheit durch die fortdauernde Vermehrung der städtischen auf Kosten der ländlichen Bevölkerung leidet" und fährt dann fort: „Der militärische Berichterstatter des„Berliner Tageblatt" rechtfertigt also in gewisser Weise die Haltung der konservativen Partei, die die Gesetzgebung in solchen Bahnen gehalten wissen will, daß das platte Land in seiner Vollkraft erhalten bleibt." Es ist ein starke? Stück, zu behaupten, die konservative Partei trete dafür ein,„daß das platte Land in seiner Volks- kraft erhalten bleibt". Gerade die konservative Partei hat die Lebenshaltung von Millionen Landarbeitern und Kleinbauern durch Zölle und indirekte Steuern herabgedriickt. Sie ist mitschuldig daran, daß ein großer Teil auch der ländlichen arbeitenden Be- vvlkerung an chronischer Unterernährung leidet. Nicht die„Vollkraft deS platten Landes", sondern die schrankenlose Ausbeutung und Ver- stlavung der Landarbeiter ist es. was die konservative Partei erhalten wissen will._ Hessen und die Schiffnhrtsavgaben. Wie der„Darmstädter Zeitung" mitgeteilt wird, war die Heffische Regierung von vornherein der Ansicht, daß der dem Bundesrat vorgelegte Entwurf eines Gesetzes über die Er« Hebung von Schiffahrtsabgabcn nicht annehmbar sei. Die von Preußen in Aussicht gestellte, unlängst veröffentlichte Denkschrift hat die gegen den Entwurf bestehenden Bedenken nicht beseittgt, wohl aber sind sie durch die später veröffent- lichte sächsisch-badische Denkschrift verstärkt worden. Bei der Sachlage hat die hessische Regierung sich dahin schlüssig ge« macht, den Anträgen Preußens aus Erlaß eines Gesetzes be- treffend die Erhebung von Schiffahrtsabgaben die Zu« stimmung zu versagen. Eine mißlungene Staatsaktion. Die getvaltige Straße ndemon st ration, die unsere Breslauer Genossen während des Katholikentages ver- anstalteten, soll auf alle Fälle polizeiwidrig gewesen fein. Da sich aber sonst keine gesetzliche Handhabe bot, um nachträglich gegen die„Täter" einzuschreiten, hatten sich jetzt, nach etwa vier Monaten, sieben Genossen vor dem Schöffengericht zu verantworten, die einen öffentlichen Aufzug ver- anstaltet haben sollten. Es waren solche, die zu Fuß mit Kränzen nach dem Grabe Ferdinand Lassalles gepilgert und von der Polizei aufgeschrieben worden waren, weil größere Scharen von Arbeitern ihnen Gefolgschaft geleistet hatten. Der Staatsamvalt beantragte Geldstrafen von 23 und 50 M. Das Gericht kam aber zur Frei« s p r e ch u n g aller Angeklagten. Es wurde festgestellt, was aller- dings auch so schon alle Welt wußte, daß große Straßen- demonstrationen geplant waren und stattgefunden haben. Es sei aber nicht erwiesen, daß die Angeklagien die Veranstalter oder Leiter gewesen sind._ Ein unverständliches Urteil fällte das Schöffengericht Margonin(Provinz Posens gegen einen Gewerkschaftsbeamten, der sich gegen die unrechtmäßige lleberwachung von Gewerkschaftsversammlungen gewehrt hatte. Der Gauleiter des Hafenarbeiterverbandes, Genosie Schikorr- Danzig, sprach im August und September dieses Jahres in zahl- reichen Versammlungen in N e tz d a in m bei Weißenhöhc, in denen die Flößer des Netze- und Warthedistriktes Stellung zu einem Lohntarif nahmen, da der alte abgelaufen war. Die ersten Versammlungen verliefen ohne Störung, später aber er-. schienen Gendarmen, obwohl ihnen bedeutet wurde, daß es sich uir rein gewerkschaftliche Angelegenheiten handelte. Schikorr soll nun in den Versammlungen die Gendarmen beleidigt und sick außerdem der Nötigung schuldig gemacht haben. Die Nötigung wurde darin gesehen, daß Schikorr zu den Beamten gesagt hattc, er würde sich über sie beschweren. Und beleidigt soll er die Beamten haben durch die Worte: Tie Gtndarmen könnten auch wo anders sein, wo, wisse er nicht, vielleicht bei Muttern. Ter Anklagevertreter und der Vorsitzende waren beide der Meinung, Scksitorr habe zum Ausdruck bringen wollen, daß die Bc- amten zu Hause den geschlechtlichen Verkehr mit ihren Frauen pflegen sollten, anstatt in der Versammlung zu sitzen. Das gehe auch aus den bestimmten Erklärungen der beiden Gendarmen her- vor und daher hätte das Gericht auch nicht die von Schikorr beantragten sechs Zeugen geladen! Außerdem handele es sich um eine schwere Beleidigung, da sie in einer politischen Versammlung gefallen sei. TaS Gericht verurteilte— dieser Auffassung entsprechend— Schikorr zu drei Monaten Gefängnis und 200 Mk. G c l d st r a f e. Schikorr hat sich beim Oberpräsidentcn über die Polizei- liche lleberwachung der Versammlungen beschwert. Bis heute ist die Beschwerde nicht beantwortet worden. Gegen das völlig unbegreifliche Urteil des Schöffen- gerichts wird selbstverständlich Berufung eingelegt. Zur badischcn Brausteuer. In dem soeben erschienenen Band der„Statistischen Mitteilungen" für daS Großherzogtum Baden sind Feststellungen enthalten, welche für die gegenwärtigen parlamentarischen Verhandlungen der Zweiten Kammer über die' Brausteuererlcdigung beachtenSivert er- scheinen. Es ergibt sich, daß die Biersteuer unter den badischcn Verbrauchssteuern die ertragreichste ist: letzter Jahrzehnt- durchschnitt der Einnahme 8'/z Millionen Mark bei insgcsamr ll'/V Millionen an» allen badischcn Verbrauchssteuern. Darunter hatte die UebcrgangSabgabe für eingeführtes Bier im letzten Jahre nur einen Anteil von rund 880 000 M. Bei einer vorjährigen I st e i n n a h m e der Steuerverlvaltung von 8 399 566 M.(etwa 860 000 M. weniger als im Jahre 1907) berechnet sich die rler- teilung auf den Kopf der mittleren Bcvölkenmz mit 4,02 M. für das Jahr 1908. Den oben erwähnten Rückgang des BiersteuererträgnisieS be- gründet das Statistische Amt mit„den derzeitigen unbefriedigenden wirtschaftlichen Berbältnissen, aus der in- folge des R ü ck g a n g S des Verbrauchs notwendig gewordenen Einschränkung der einheimischen Biererzeugung und der Ver- Minderung der Biereinfuhr aus den Nachbarländern". Letztere llr- fache verminderte Sie badischen UcbergangSabgaben um 60421 M. Als Reineinnahme aus der Bterstcuer verblieben der Staatskasse Anno 1908 noch 7 455685 M. Die historische EntWickelung der badischen Braunbierbrausnien wird durch folgeude Statistik veranschaulicht: Die durchschnittliche Jahrcserzeugung stieg von 4444 Hektoliter (1900) ans 6624 Hektoliter(1908); verglichen mit 1880 entfällt aber heute auf eine Brauerei der siebenfache Durchschnittsausstoß des Jahres 1880. Ueber die fortwährende Verminderung der Zahl der Brauereien im badischcn Lande wird amtlich gesagt, daß sie eine Folge ist„der sich vollziehenden K o n z e n t r a t i o n im Brau- gewcrbe, sowie der starken Verdrängung und Aufsaugung von Mittel- und Kleiiibrauereien durch die Großbrauereien insbesondere durch die kapitalkräftigen Aktiengesellschaften." Oeffentliche Abstimmung. In welchem Maße die Beamten durch die öffentliche Abstimmung bei Wahlen gezwm,gen iverden, gegen ihre Ueberzeugung zu stimmen, hat sich deutlich bei der letzten Stadtverordnetenwahl in der Kur» und Regieruiigsstadt Wiesbaden gezeigt. Von 2144 auf die bürgerliche Liste entfallenen Stimmen waren nickt weniger als 995 von Beamten abgegeben. Darunter waren 462 Staats- und Gc- meindebeantte, 199 Postbeamte, 185 Eisenbahnbeamte und 149 Polizei- beamte. Es kamen ferner hinzu L83 Angehörige sogenannter freier Berufe: Aerzte usw., 226 Privatters, 99 Rentiers, 39 Händler. Zu diesen 995 Beamten und 647 bürgerliche Wäblcr kommen 502 Arbeiter. Tie Zahl der Arbeiterstinnncn ist für die bürgerliche Liste mir reichlich halb so hoch, wie die der Be- amten. wahrend die sozialdemokratischen Wähler fast nur den» Arbeiterstande angehören. Daß sämtliche Beamte, auf die zur AuS- übuug ihres Wahlrechts mehr oder weniger nachdrücklich und un- zweideutig eingewirkt zu werden pflegt, bei der geheimen Wahl nicht kür die bürgerliche Liste gestimmt hätten, wissen die Anhänger der öffentlichen Stimmabgabe sehr wohl. Aber gerade deshalb soll die öffentliche Stimmabgabe aufrecht erhalten werden. Das Zentrum als Rufer im Streit. Der Mittler zwischen Papst und Zentrum, der Abgeordnete v. H e r t l i n g, hat im katholischen Kasino in München einen Bor- trag gehalten über Weltanschauung und Politik. Der Zentrums- diplomat befürwortete ein Zusammengehen aller staats- erhaltenden Parteien gegen die Sozialdemokratie. Allem An- schein nach rechnet Freiherr v. Hertling auch die vom Zentrum so glühend gehaßten Liberalen zu den staatSerhaltenden Parteien. Dann wäre seine Rede der Ruf nach einer geschlossenen Phalanx de* Bürgertum« gegen die Sozialdemokratte. Bielleicht will das Zentrum beweisen, daß es die Aufgabe lösen kann, um die sich Bülow mit feinem ReichSverband vergeblich bemüht hat. Ocflemicb. Nach Ueberwindnng der Obstrnktion. Wien, 21. Dezember. Mit dein heutigen Tage trat im Ab- geordnetenhause die neue Geschäftsordnung in Kraft. Das Haus konnte infolgedessen unter Umgehung der noch vorliegenden Dringlichkeitsanträge sofort zur Tagesordnung, der ersten Lesung deS ErmSchtiguugsgesetzes. übergehen. Handelsminister Dr. Weiszkirchner verwies darauf, das; Von allen Seiten, auch aus agrarischen Wahlbezirken, an die Negierung die Aufforderung gelangt sei. den Handelsvertrag mit Rumänien baldigst abzuschließen. ES sei Aussicht vorhanden. mit Serbien in absehbarer Zeit zu einem Meistbegiinstigungövertrag zu gelangen Das Ministerium des Acußern sei nicht in der Lage gewesen, die Vertragöverhandlnngen init M o n t e ir e g r o zu beginnen, da eine Zustimmung der ungarischen Regierung bisher nicht zu erlangen war. Mit Bulgarien fänden zurzeit keine Vertragsverhandlungen statt. Der Minister stehe nach wie vor auf dem Standpunkte, daß im Interesse der Veterinären Verhälmisse Oesterreichs eine Einsuhr lebenden Viehes auö den Balkanländern nicht'zuzulassen sei. Der Minister schloß: Fühlen wir uns alle als Mitglieder eines großen Staates, welcher berufen ist, ein Bollwerk des Ostens zu fein und ein Emporium des Handels gegen- über der Levante. Schließen wir uns nicht ab vom Weltinarkr und vom Weltverkehr und sorgen wir dafür, daß mit diesen Maßnahmen die Teuerung und Arbeitslosigkeit bekäinpft werden. (Lebhafter Beifall.) Aus dem österreichischen Abgeordnetenhaus. Wien, 21. Dezember.(W. T. B.) Das Abgeordnetenhaus be- endete heute die erste Lesung des handelspolitischen Ermächti- gungsgeseties sowie die Borlage über die Vielivcrwertuugszrntrale, worauf beide Vorlagen den Ausschüssen überwiesen wurden. Die Agrarier bekämpften die erstgenannte Vorlage unter Hinweis aus die Schädigung der Landwirtschaft und Viehzucht, während die Vertreter der Industrie wärmstenS für enge Handelsbeziehusgen mit den Balkanstaaten eintraten, die auch im Interesse guter politischer Beziehungen ge- legen seien. Das Haus erledigte sodann eine Reihe kleinerer Vorlagen sozialpolitischer Natur. Ein Schandurteil. Aus Bosnien tvird uns geschrieben: Vor einigen Tagen wurde vom Militärgericht in Most a r ein Hochverratsprozeß zu Ende ge- führt, in dem 31 herzegowinische Serben zu schwerem Kerker von K'/, bis �1| an der Zahl, in den Streik getreten. Da die von diesen Arbeitern geleistete Arbeit die wichtigste im ganzen Fabrikationszweige ist, ist die Still legung des gesamten Betriebes sehr wahrscheinlich, wenn eine Einigung nicht erzielt wird. Die Fabrik beschäftigt über 1200 Arbeiter und Arbeiterinnen. Husland. Studentenprotest gegen die Streikbrechern. Der Umstand, daß man an der Polytechnischen Lehranstalt in Kopenhagen Streikbrecher für den bevorstehenden Straßen- bahnerstreik anzuwerben suchte, gab dem Studentenbund Kopen- Hagens Veranlassung, sich in einer großen Versammlung mit der Streikbrecherfrage zu befassen. Die Versammlung fand am Sonn- abend statt. Auch die Studierenden jener Lehranstalt waren ein- geladen und wie die Universitätsstudenten zahlreich erschienen. Der Referent wie fast alle Diskussionsredner sprachen sich dahin aus, daß die Studenten, die sich zu Streikbrecherdiensten gebrauchen ließen, ein Schandfleck für den akademischen Stand wären. Eine Protestresolution gegen das Studenten-Streikbrechertum wurde fast einstimmig angenommen. Uebrigens ging die Anwerbung der Streikbrecher-Lehrlinge in der Polytechnischen Lehranstalt, wie„Socialdemokraten" nun erfahren hat, ursprünglich von einem Professor aus. Dieser, Professor R u n g, hat die Elektrotechnik Studierenden neulich zusammenberufen und ihnen erzählt, er habe bei der Straßen- bahngesellschaft die Erlaubnis eingeholt, daß sie— fahren lernen dürften! Das zu lernen, sei sehr nützlich, und er könne den Studierenden nur empfehlen, sich in die Listen einzuzeichnen. Davon, daß sie Streikbrecher spielen sollten, hat der Professor den jungen Leuten nichts gesagt! Zu dem bevorstehenden Streik selbst ist zu berichten, daß der frühere Bürgermeister I a c o b y sich sowohl bei den Gesell- schaffen wie bei den Straßenbahnern um eine Einigung und Verhütung des Streiks bemüht, jedoch bis jetzt ohne Erfolg. Die dänische Arbeitgebervereinigung hat, wie sie verkünden läßt, e i n st i m m i g ihrem Zentralvorstand Auftrag verteilt, zur Unterstützung der Straßenbahngesellschaften alle Maßnahmen zu treffen, die notwendig loerden, um einem eventuellen Streik des Straßenbahnpersonals in für die Gesellschaften wie für die Ar- beitgcbervereinigung befriedigenderweise zu Ende zu bringen. Solchen Beschlutz pflegt die Arbeitgebervereinigung immer zu fassen, wenn irgendwo im Lande ein Streik ausbricht. Man plant dann regelmäßig Massenaussperrungen. Ein Schwedischer Kommunalarbeiterverband wird Anfang nächsten Jahres gegründet. Die Kommunalarbeiter sind in Schwe- den jetzt größtenteils im Grob- und Fabrikarbeiterverband, andern- teils auch in anderen Berufsvcrbänden organisiert. Der letzte Ge- werkschaftskongreh hat jedoch auf Antrag der Stadtarbeiter von Stockholm beschlossen, ihnen das Recht zur Gründung eines be- sonderen Verbandes zu geben, der dann auch sofort Aufnahme in die Landesorganisation der Gewerkschaften finden wird. Zwecks Gründung des neuen Verbandes ist auf den 23. Januar ein Kom- munalarbeiterkongreß nach Stockholm einberufen. Die amerikanischen Seeleute führen den Kampf um die Auer- kennung ihrer Organisation mit großer Beharrlichkeit. Der Streik auf den Großen Seen dauert an, und der Amerikanische Arbeiter- bund bemüht sich, gemäß der jüngsten Kongreßbeschlüsse, den See- leuten Unterstützung zu gewähren und die Organisation derselben nach Kräften zu fördern. In einer Rede, die G o m p e r s kürzlich zugunsten der Seeleute hielt, sagte er, sie seien die einzigen Ar- beiter in den Vereinigten Staaten, für die es heute noch Zwangs- arbeit und Sklaverei gäbe. Der gegenwärtige Streik werde geführt zur Abwehr der Bestrebungen, sie zu Sklaven auf den Schiffen zu machen. Wenn die Seeleute verlieren sollten, würde man bald keine Amerikaner mehr als Seeleute finden. Chinesen und Ja- paner würden die Schiffe bedienen. In Kriegszeiten würde sich daraus eine große Kalamität ergeben. In New Dork fand jüngst eine Parade von etwa lKOl) Seeleuten statt, die Freiheitslieder singend durch die Straßen zogen und Banner im Zuge führten, d,'e die Inschrift trugen:„Lincoln befreite die Negersklaven, das Volk muß die Sklaven der See be- freien." Eine Versammlung folgte der Parade. In der Rede, die der Präsident der Seemanns-Union von Amerika hielt, sagte er. daß sich eine internationale Föderation von Schiffseigentümern gebildet habe, die alle Bestrebungen zur Verbesserung der Verhält- nisse auf den Schiffen bekämpfen. Demgegenüber empfehle er, daß die Seeleute der ganzen Welt eine große starke Organisation bilden, um sich nicht länger zu Sklaven herabwürdigen zu lassen. Havelock-Wilson, der Präsident der Seemanns-Union von Großbritannien und Mitglied des britischen Parlaments, schilderte in dieser Versammlung die. Leiden von englischen und deutschen Seeleuten, die oft nicht besser oder noch schlimmer als Vieh behan- dclt würden.— Scharf verurteilt wurden auch die unter kirchlicher Leitung stehenden Stellenvermittelungsbureaus für Seeleute in New Aork, sie wurden als Bureaus für Seelenverkäufe bezeichnet. die auf gleicher Linie mit den berüchtigten Kosthäusern für See- leute stehen.— Der Mangel an Organisation macht die Lage der Veurlches Reich. Eine Statistik der Unfälle an Holzbearbeitungsmaschinen beab- Die internationale Verbindung mit den amerikanischen Gewerkschaften. DaS Landessekretariat der schwedischen Gewerkschaften hat an die Gewerkschaftsverbände des Landes ein Rundschreiben ge- richtet, worin mitgeteilt wird, daß das Sekretariat im Laufe dieses Jahres in nähere Berührung mit den amerikanischen Gewerk- schaften gekommen ist. Namentlich seitdem der Vertrauensmann Ttiolin in den Vereinigten Staaten weilte, um UnterstützungS- mjttel für die kämpfende Arbeiterschaft Schwedens zu sammeln. hat sich eine lebhaste Korrespondenz mit den amerikanischen Ge- werkfchaften entwickelt. Da nun wegen der schwierigen Arbeits Verhältnisse in Schweden eine große Anzahl von Gewerkschafts' fichtigt der Deutsche Hol->arbeilerverband mit dem l. Januar 1910 � auswandern, richtet das Landessekretariat auf Ver- einzuführen. Es sind Vorkehrungen getroffen, daß jeder Unfall — soweit der Einfluß der Organisation reicht— registriert wird, Es wird dabei natürlich aufi die tatkräftige Mithilfe der Mn'chinen- arbeiter gerechnet. In allen Zahlstelle» des VeibandeS sind Melde- formulare niedergelegt. Wen» fortab ein Unfall an einer Maschine vorkommt, so hat der Vertrauensmann der Werkstatt oder ein Neben» arbeiter des Verletzten sofort ein Meldeformular von der Zahlstellen- anlasiung der amerikanischen Gewerkschaften die Aufforderung an die Verbandsvorstände, dahin zu wirken, daß die auswandernden Mitglieder mit einer gültigen Gewerkschaftslegitimation versehen sind, damit sie sich drüben sofort ihrer Berufsorganisation wieder Mein Herr! Meine Organisation beauftragt mich, ihrer Freude darüber Ausdruck zu geben, daß die Regierung sich auf Grund der Ablehnung des Budgets(d. h. der neuen Steuer»! durch die Lords zur Auflösung des Parlaments entschlossen hat) gleichzeitig aber habe ich das aufrichtige Bedauern darüber auS- zusprechen, daß, da Ihre Regierung die lange versprochene Wahl« reformbill noch nicht herausgebracht hat, der Aufruf zur Eni« fcheidung durchaus nicht„an das ganze Land", sondern nur an?>/„ Millionen der männlichen Bevölkerung gerichtet werden kann. Meine Organisation beaustragt mich ferner, mit Nachdruck die Tatsache zu betonen, daß eine allgemeine Wahlbrechtigung — im Gegensatz zur Besitzqnalifikation— die einzige wahrhaft liberale lind demokratische Basis für das politische Stimmrecht im zwanzigsten Jahrhundert sein kann; ich habe auch darauf hin» gewiesen, daß unsere Wahlmaschinerie in England wenigstens hundert Jahre hinter unserer industriellen Entwickelung zurück« geblieben ist. Deshalb ersuche ich im Namen meiner Auftraggeber darum, uns das bündige Versprechen zu geben, daß Ihre Regierung die Frage des Wahlrechts für alle großjährigen Männer und Frauen, die sich über einen dreimonatigen Aufenthalt an einem Orte aus« weisen können, zu einer der Hauptfragen bei der kommenden Wahl machen werde, damit in Zukunft die dringenden Fragen der Sozial» reform und des Erschließens neuer Steuerquellen zur Durch- führung dieser Reformen verhandelt werden von einem wirklich demokratischen Wahlkörper, frei von Geschlechts- und Lrmuts» beschränkungeil. Ergebenst Dora B. Montefiore, Sekretärin. Eine treffende Abfertigung ließ Genossin Montefiore jüngst in einer Versammlung in Bristol einer der bekanntesten Agitatorinneu der Suffragettes, Miß Anny Kenny zuteil werden. Miß Kenny ist selbst ein Kind des Volkes. Um so erstaunlicher war es, als sie die längst widerlegte Behauptung aufstellte, daß jeder Forlschritt in Sachen des männlichen Stimmrechts unweigerlich ein Hemmnis für die Besteiung der Frauen bedeuten würde. Mrs. Montefiore forderte sie auf. ihr irgend ein Land oder eine Kolonie zu nennen, in der Frauen befreit wurden, wo nicht erst die Männer das allgemeine Wahlrecht besaßen. Daß die Frauen von einer Ausdehnung deS Männerwahlrechts nichts zu befürchten hätten, beweisen die engli» schen Kolonien in Australien und Neufeeland, in den amerikanischen Staaten, wo Frauen das Wahlrecht haben, und in Norwegen und Finnland. I» allen diesen Länder» verdanken die Frauen dem Männerwahlrccht ihre Emanzipation. Der Arbeiter habe erkannt, daß die Interessen der arbeitenden Frauen mit den seinigen ver- knüpft seien und daß in dem täglichen schrecklichen Konipf gegen Armut und Arbeitslosigkeit kein Raum bleibt für etwas anderes als Kameradschaft der Geschlechter und gegenseitige Hilfe. Frauenwahlrechtsfrage in Holland. Die holländische Vereinigung für Frauenwahlrecht, die jetzt 83 Ortsabteilungen und 7500 Mitglieder hat, von denen 2000 im Laufe des letzten Jahres gewonnen wurden, hielt Anfang dieser Woche zu Zwolle ihren allgemeinen Kongreß ab. Auf dem Kongreß wünschte eine Delegierte zu wissen, wie die Neutralität der Ver» einigung zu verstehen sei, welche Sorte von Frauen» Wahlrecht man verlange und ob, wenn die Vereinigung neutral sei, es angebracht war, bei der Geburt der Prinzessin Juliane ein Glückwunschtelegramm an die Königin zu senden. Die Vor- sitzende, Fräulein Alette Jacobs, erwiderte, die Bereinigung habe von Anfang an„Aufhebung der Geschlechtsschranke" gefordert und verlange für die Frauen dasselbe Wahlrecht wie für die Männer. Wenn z. B. die Regierung nun das Hauhaltsvorsteherwahlrecht in Borschlag bringe, müsse die Vereinigung auch für die Einiüh» rüng des Wahlrechts für die weiblichen Haushaltsvorsteher ein» treten, und wenn eine fortschrittliche Regierung das allgemeine Männerwahlrecht vorschlage, müsse die Vereinigung das allgemeine Frauenwahlrecht fordern. Die Vereinigung und ihre Abteilungen müßten in politischen, sozialen und relegiösen Fragen i'eil.lral sein. Das Juliane-Telegramm fei vom Wcltverband für Fraüen» Wahlrecht ausgegangen. Ein anderes Vorstandsmitglied meinte, daß die Vereinigung, wenn neutral, so doch auch ganz gut monarchisch sein könne. Es folgte eine lebhafte Debatte, die jedoch nicht zum Abschluß kam. Man will sich auf dem nächsten Kongreß weiter darüber unterhalten. Auf Montagabend hatte die Vereinigung den Liberalen Roodhuyzen und unseren Parteigenossen Wibaut zu einer Aussprache über die Stellung ihrer Parteien zur Frauenwahlrechts» frage eingeladen. Der Liberale sprach von den WahlrechtLvor» schlügen der Liberalen Union, die den unverheirateten Frauen vom 25. Lebensjahre an das Wahlrecht zukommen lassen will. Er meinte, wie man einem kleinen Kinde nicht ein Rasiermesser in die Hand gebe, so könne man den politisch unreifen Frauen nicht mit einem Male das allgemeine Wahlrecht geben. Wenn die wahlberechtigten Fräulein heirateten, solle man ihnen deswegen das Wahlrecht nicht wieder nehmen. Uebrigens sei j>!e volitische Konstellation zurzeit für die Einführung des Frauenwahlrechts so ungünstig wie nur möglich. Unser Parteigenosse sprach selbstverständlich für daS allgemeine Frauenwahlrccht im Sinne der Stuttgarter inter- nationalen Kongreßresolution und zeigte, wie töricht und ungerecht der Standpunkt der Liberalen ist, den verheirateten Frauen, die doch als Hausfrauen und Mütter doppelt stark an den politischen und sozialen Zuständen interessiert sind, das Wahlrecht vorzuent» halten. Genosse Wibaut führte ferner aus, daß die politische Lage keineswegs ungünstig für die Einführung des allgemeinen Frauen. Wahlrechts sei. Die Frau werde immer mehr in das Erwerbs» leben hineingezogen und damit wachse auch beständig die Zahl der Kämpferinnen für die soziale und politische Gleichberechtigung wie für daS allgemeine Wahlrecht der Frauen. Charlottenburg. Leseabende. Heute Mittwoch 8 Uhr im VolkshauS. Letzte Nachncbtcn und Dcpcfchen. Die italienische Kammer vertagt. Rom, 21. Dezember.(W. T. B.) Die Kammer nahm nach einer mit Beifall aufgenommenen Rede BettoloS mit 181 gegen 94 Stimmen den Gesetzentwurf betreffend die Zentralisierung der maritimen Angelegenheiten im Marineministerium an und des- gleichen mit 209 gegen 75 Stimmen den Gesetzentwurf betreffend ----- V.'.„»... �L�uiufuiiun unu lue uuiuerunn ujter iniecnaiXO« Verwaltung emzusordern und nach erfolgter, genauer Ausfüllung nQ[en Verbindung von großer Bedeutung ist. Zum Schluß sagt wieder an dieselbe zurückzuliefern. Bon der Verbandsleitung w»rd �...°> o j o i u anschließen können. Ferner macht das Sekretariat darauf auf. Sj �.rjligung des Staate« an den Ausstellungen in Buenos merksam. daß neben der gewerkschaftlichen auch die rein sozial demokratische Organisation und die Förderung ihrer internatio dann dafür gesorgt, daß diese Einzelfälle zusammengestellt und das Ergebnis de» Interessenten zugänglich gemacht wird. Zum Kampf der sächsischen Schiffchensticker wird gemeldet, daß Aire« und Wien. Ig. Februar. Alsdann vertagte sich daS Hau» bis zum das Rundschreiben: „Wir sehen uns jedoch nicht veranlaßt, ist anderer Hinsicht eine beflimmte Fachorganisation besonders zu empfehlen, wollen aber hervorheben, daß daS Verfahren, das hier empfohlen wird, mingsko'mmission der Relchsduma hat beschlossen, eine Herabsetzung inhimis wtfnTipSprrt Vnplml» firft nortMini tnhon--m 3--„«»-Je.« lichkeit eines allgemeinen Kongresses zu propa- gieren." Diese Hoffungn zur solidarischen Tätigkeit aller Parteien rührt von dem„Daschnakzutiun" nicht zum erstenmal her. Aber ejtzt läßt er diesen Aufruf mit noch größerer Entschlossenheit und gestärktem Vertrauen ergehen, da seine gemeinschaftliche Tätigkeit mit an- deren revolutionären Elementen schon von zwei glänzenden Siegen gegen den türkischen und den persischen Tyrannen gekrönt wurde. Zur P a r t e i t a k t i k hat der Parteitag beschlossen, auf die Anwendung der geheimen revolutionären Tätigkeit in der Tür- k e i und»n P e r s i e n, da sie jetzt konstitutionelle Länder sind. zu verzichten. Kleines feuilleron. GnikS Papiere geprüft und zu leicht befunden. In dem Bericht des Kopenhagener Universitätskonsistoriums über die Dokumente Cooks, der am Montag veröffentlicht wurde, lvird zunächst mitgeteilt. daß die Kommission sich durch Zuwahl des Grönlandforschers Knud Raßmussen ergänzt hat. Der Kommission sind folgende Papiere zur Untersuchung übergeben worden: 1) Ein von Cooks Sekretär LonSdale geschriebener Bericht über die Nordpolreike; 2) Eine 16 Folioseiten umfassende, ebenfalls von LonSdale herrührende Maschinenabschrist der Notizbücher Cooks, die angeblich vom 18. März bis 13. Juni 1963 auf der Reise von Svartevaag zum Pol und zurück niedergeschrieben worden sind. Die Papiere enthielten kein Begleitschreiben Dr. Cook«; Lonsdale teilte mit. daß die Orignale der Notizbücher vorsichtshalber auf einem anderen Wege nach Europa gesandt seien, die vorliegende Abschrift gebe den Inhalt der Notizbücher indes vollständig genau wieder. Tat- sächlich sind die Originale der Kommiision bisher noch nicht über- geben worden, auch war es unmöglich, mit Dr. Cook in Verbindung zu kommen. Die Mitglieder der Kommission haben einzeln die ein- gereichten Papiere geprüft und sich davon überzeugt, daß sie für die Entscheidung der Frage, ob Dr. Cook den Nordpol errreicht hat. vollständig wertlos sind. Die Kommission bat darauf Lonsdale vorgeladen und mehrere Fragen an ihn gerichtet. LonSdale brachte ernen Brief von Cook mit, auf dein der Aufgabeort und das Datum fehlten und dessen Umschlag in Marseille am 14. Dezember 1909 abgestempelt war. Der Briefumiclilag enthielt ferner ein aus New Jork vom 27. September 1909 datiertes Schreiben an den früheren Universilätsrektor Torp, in dem Cook mitteilt, daß nicht nur seine Instrumente, sondern auch die meisten seiner astronomischen Beobachtungen in Frah zurückgeblieben seien und da-z es ohne diese unklug und unmöglich erscheine, ein endgülsiges Urteil zu fällen. Als Resultat ihrer Untersuchungen hebt die Konimission hervor. daß der erwävnte Reisebericht im wesentlichen mit dem im„New Dork Herald" veröffentlichten Bericht übereinstimme und daß die Abschrift der Notizbücher keineswegs astronoinischeS Beobachtungs- material. sondern nur die Resultate von Beobachtungen enthalte. Ueberhaupt werden alle erläuternden Erklärungen vermißt, die eS lvabricheinlich machen könnten, daß astronomische Beobachtungen wirklich vorgenommen sind. Auch die praktische Seite des Unter- nehmens, namentlich die Schlittenreise, wird durch Einzelheiten so unzureichend beleuchtet, daß sie nicht kontrolliert werden kann. Daher tueint die Kommission, daß aus dem eingereichten Material kein Beweis dafür hergeleitet werden kann, daß Cook den Nordpol er- reicht hat. Das Universitätskonsistorium ist daraufhin zu dein Spruche gekommen, daß die der Universität eingereichten Dokumente keine Beobachtungen oder Erklärungen enthalten, die beweisen, daß Cook auf seiner letzten Polarreise den Nord» pol erreicht hat. Die Posse, die Cook der Welt einige Monate vorgespielt hat, dürfte damit zu Ende sein. ES verlautet wohl, daß Cook nach Kopenhagen kommen und persönlich feine Sache führen wolle. Da Verwitteluvg ausländücher Arbeiter für die Candwirtfchaft. Infolge der namentlich in den östlichen Provinzen Preußens für die Landarbeiterschaft bestehenden schlechten wirtschaftlichen Verhältnisse und auch wegen der den Arbeitern dort seitens der Großgrundbesitzer zuteil werdenden schlechten Behandlung findet eine stete Abwanderung der dortigen Arbeiter nach dem Westen statt, der zum Teil über den Geburtenüberschuß hinausgeht. Ein- mal diese Tatsache, und dann der ungleichmäßige Bedarf der Arbeitskräfte in der Landwirtschaft hat die Zuziehung fremder Arbeitskräfte zur notwendigen Folge gehabt. Nach einer auf der europäischen Wirtschaftskonferenz im Mai dieses Jahres von dem Referenten Dr. B o d e n st e i n vor- getragenen Statistik, die ihm das preußische Ministerium des Innern zur Verfügung gestellt hatte, waren in Preußen aus»- ländische Arbeiter besckäftigt 1905 454 000. davon in der Landwirt- schast 207 000, 1908 780 000, davon in der Landwirtschaft 309 000. Da es nach der Berufs- und Betriebszählung 1907 in Preußen 1045 027 landwirtschaftliche Arbeiter und Tagelöhner gab, welche für sich kein Land bebauen, also völlige Proletarier sind, so partizi- Pieren die ausländischen Arbeiter hieran mit mehr als dem vierten Teil. Die Vermittelung der ausländischen Arbeitskräfte geschieht durch den Arbeitsnachweis der deutschen Feldarbeiterzentrale, die, wie wir dieser Tage wieder nachwiesen, von der Regierung in jeder Beziehung unterstützt wird. Die preußische Regierung hat im Jahre 1907 angeordnet, daß jeder fremdländische Arbeiter mit einer Arbeitskarte versehen sei» muß, obgleich, wie im Reichstag nach- gewiesen ist, dieser Erlaß den klaren Bestimmungen der Staats- vertrage und einiger Reichsgesetze direkt widerspricht, ist er nicht nur aufrecht erhalten, sondern die übrigen norddeutschen Bundes- staaten haben das schlechte preußische Beispiel nachgeahmt und haben ihrerseits ähnliche ungesetzliche Verfügungen getroffen. Zur Durchführung dieser Maßregel sind an den Grenzen 40 Grenz- ämter eingerichtet. Der Zweck ist, diese Wanderarbeiter völlig ab- bängig von ihren Ausbeutern zu machen. Wird ein Arbeiter ohne Legitimationskarte angetroffen, so wird die von der Zentrale herausgegebene schwarze Liste zum Vergleich herangezogen. Wehe dem Arbeiter, wenn sein Name drin verzeichnet steht. Er wird von der Polizei sofort ausgewiesen, es sei denn, er kehrt zu seiner alten Arbeitsstelle zurück und läßt sich weiter ausbeuten. Es wird hier nicht gerichtlich geprüft, ob der Arbeiter im Rechte war, als er das Arbeitsverhältnis löste, sondern ohne Richterspruch muß er.in das alte Sklavenverhältnis zurückkehren oder er wird per Schub über die Grenze befördert. Die Feldarbeiterzentrale vermittelte 1907/08 42 626 Arbeiter und Arbeiterinnen. Hiervon waren Russen beziehungsweise Polen 20 497, Oesterreicher 19 366(darunter 14 395 Ruthenen), Ungarn 2518, andere Nationen 235(darunter ganze 34 Reichsdeutsche). Bon diesen vermittelten 42 626 Arbeitern entfallen allein 32 487, das sind 76 Proz. auf Preußen, 10,5 Proz. auf Mecklenburg, 3,8 Prozent auf Sachsen, 1,8 Proz. auf Bayern usw. Wie sehr diese Heranziehung ausländischer Landarbeiter im Interesse der oft- elbischen Junker liegt und wie sehr die schlechte Bezahlung und schlechte Behandlung die Ursache der ostelbischeen Landflucht ist, lehrt unter anderem auch die Tatsache, daß fast die gesamten 1907/08 in Preußen eingeführten landwirtschaftlichen Arbeiter in den öst- lichen Provinzen beschäftigt waren. Es wurden vermittelt nach den 6 östlichen Provinzen 21 502, nach den Provinzen Sachsen, Sckles- wig-Holstein, Hannover 7835 und nach den drei westlichen Pro- vinzen Westfalen, Hessen-Nassau und Rheinland 3150. Nun, die Zeit wird auch kommen, wo der fremde landwirtschaftliche Arbeiter ebensowenig den Lohndrücker machen wird, wie das heute bei dem italienischen Steinarbeiter und Bergmann im allgemeinen der Fall ist. Die Anzeichen für eine Besserung im Arbeiterinteresse sind berPts vorhanden: Es mehrt sich nämlich die Zaül der so- genannten Kontraktbrüche der fremden Arbeiter. Das ist ein Be- weis dafür, daß sie das Unwürdige ihrer Lage zu empfinden be- ginnen. er aber keine weiteren Beweismittel hat, wird er nichts mehr hinzu- zufügen haben. Die Komödie ist aus. Sie konnte überhaupt nur inszeniert werden, weil der Kapitalismus alles und jedes in ein Geichäft verwandelt hat und die Möglichkeit bestand, mit dem Nord- polplunder Geld zu verdienen. Die sensationslüsterne Presse und das Publikum wollten den Nordpol entdeckt haben. Cook benutzte die Gelegen- beit. Nicht Ruhmbegier und Ehrgeiz haben ihn getrieben, sondern das Geld allein. Er hat nicht mehr und nicht weniger verbrochen als jeder andere Spekulant, der zu gegebener Zeit falsche Nachrichten verbreitet. Wäre Cook ein ehrsames Börsenmitglied, niemand würde etwas darin gefunden haben. Daß die Hauptbedeutung des Nord- pols in seiner Befähigung zu einem Spekulationsobjekt liegt, das offenkundig erwiesen zu haben, ist Cooks unzweifelhaftes Verdienst. Klara Zicgler. Aus München wird uns geschrieben: In ihrer Nike- gekrönten Villa in der Königinstraße. einem Geschenk Ludwigs II., ist die große Tragödin Klara Ziegler-Cbristen, eine der letzten aus dem Geschlecht der Wolter und der Ristori, an Herz- lähmung gestorben. Ihre äußere Erscheinung, die hohe ernste Gestalt, der klassische Faltenwurf ihres Spiels, die antike Gemessenheit ihrer Bewegungen, der feierliche Stil ihrer Rede: Alles ließ sie nur als ein Abbild der Melpomene selbst erscheinen. In den 70er und 80er Jahren, bis zum beginnenden Siege des realistischen Dramas, gab es in Süddeutschland keine größere Medea, Judith, Klytämnestra oder Brunhild als die Ziegler. Und die deutschen Klassiker von Lessing bis Grillparzer und Hebbel fanden die Gestalterin ihrer großen Jrauencharaktere in dieser Frau mit der über- lebensgroßen Gestalt und der erzenen Kraft der Stimme. Es gab eine Zeit— sie liegt so weit hinter uns ivie der Kultus der inimischen und deklamatorischen Schönheitslinie im pathetischen Drama— da bedeutete jedes Auftreten Klara ZieglerS ein tiefes Erlebnis für die Zuhörer.„Man soll die Wolter nur an Feiertagen spielen lassen", dies Wort LaubeS galt auch von der Ziegler. Freilich Seele, unmittelbares Gefühl, schlichte Wahrheit das verschwand hinter der volltönenden Schönheit ihrer Rede, hinter der Ornamentik ihrer großen Geste. Einer der ersten, der dem Zicglerknlt der siebziger Jahre unbefangen entgegentrat, war der Berliner Fontane, ciner der Väter des deutschen Realismus. Er sah ihre Medea im Berliner Schauspielhaus und urteilte kühl:„Wenn vor 30 Jahren und mehr mit einiger gedanklicher Kühnheit über Fanny Elster geschrieben wurde, sie tanzt Goethe, so darf man füglich von Fräulein Ziegler aus München sagen, sie spielt Kaulbach. Ihr ganzes Austreten wirkt wie die Treppenhausbilder im Berliner Museum. Die Aehnlichkeit ist frappant.... Der Mensch soll nicht arabeskenhaft verbraucht werden, bloß mit Rücksicht darauf, ob die Form gefällig wirft. ES kommt nicht darauf an, ob dieser vor- oder zurückgebeugte Körper, ob diese Kopf- oder Armhaltung rein äußerlich innerhalb der Schönheitslinie liegt, sondern darauf, ob diese Linie dem inner- lichen Hergang entspricht, ob sie wahr ist. Diese Wahrheit hat weder Kaulbach, noch Frl. Ziegler." Die später gefeierte Hofschauspielerin und Freundin der Könige kam aus dem Proletariat. Ihr Vater war Färber� ihre Mutier Hansmeisterin. In ciner bis 1870 reichenden Selbstbiographie erzählt sie anschaulich die Kämpfe, Entbehrungen und Enttäuschungen ihrer künstlerischen Lehrjahre. Im Ottober 1868 debütierte Klara Ziegler am Münchener Hof- theater als Judith. Rauschender Erfolg.»Lebenslänglicher Ernte in Tonnen Weizen Roggen 1562 963 5 106 021 2 264 792 8 541604 U,2 67,2 Hu9 Induftrie und ftandeL Vom Segen der Landwirtschaft. Die Agrarier erfreuen sich, wie der arme Mann an den UN- heimlich kleiit werdenden Broten leider nur zu sehr verspürt, enorm gesteigerter Getreidepteise. Dazu kommt als angenehnte Zugabe für die Liebesgabcnempfänger eine erhöhte Produktivität. Bor zirka 30 Jahren betrug die durchschnittliche Erntemenge in Deutschland bei den vier wichtigsten Getreidemengen: Roggen 5>/„ Millionen Tonnen, Weizen 2'/« Millionen Tonnen, Gerste 2 Millionen Tonnen und Hofer 4 Mill. Tonnen. Die Ergebnisse für das Jahr 1907 hingegen sind folgende: Roggen 9%, Weizen J'/z. Gerste ebenfalls 3'/z und Hafer stark 9 Mill. Tonnen. Der Ertrag der durchschnittlichen Kartoffelernte Deutschlands Ende der siebziger Jahre wurde auf 23, höchstens 25 Mill. Tonnen geschätzt. Bon 1900 ab stieg er auf durchschnittlich 40 Millionen, erreichte 1907 aber 45 Vz Mill. Tonnen. In gleicher Weise steigerte sich der Ertrag der Zuckerrübencrnte von 4 auf etwa 16 Millionen Tonnen. Im großen und ganzen kann man daher etwa von einer Verdoppelung der Erntemengen der wichtigsten landwirtschaftlichen Produkte sprechen. Die Anbauflächen sind aber nicht in demselben Verhältnis wie die Erntemengen gewachsen. Das veranschaulicht recht deutlich die folgende Zusammenstellung, die sich auf die Ergebnisse in dem mit Junkern sehr gesegneten Preußen be» zieht. Es betrug die Anbaufläche in Hektar Weizen Roggen 1878... 1026 773 4 470463 1909... 1059 659 4 682 195 Zunahme i. Proz. 3,2 4,7 Der minimalen Vergrößerung der Anbaufläche von 3,2 resp. 4.7 Prozent steht eine Vermehrung der Erntemengen von 44,2 resp. 67,2 Prozent gegenüber. Stellt man die Ergebnisse für die beiden Sorten Brotgetreide zusammen, gewinnt man dieses Bild: im tm.»W- Anbaufläche Hektar. 5 497 236 5 741 854 4,4 Erntentenge Tonnen. 6 663 984 10 806 396 62,9 Solche Produktionssteigerung rechtfertigte einen entsprechenden Preisrückgang, der Junker Trachten ist jedoch auf fortgesetztes Hoch- treiben der Preise gerichtet. Und da agrarisch Trumpf ist in Preußen-Deutschland, haben die Agrarier nicht nur Erfolg mit der Brotwucherei, ihre starken Schultern bleiben auch von der Steuer- last verschont. So wirds bleiben, so lange das Volk konservativ- ultramontan wählt._ Was der Zucker einbringt. Ueber den bei der Zuckererzeugung erzielten Gewinn macht der Statistiker O- Licht folgende Angaben: Gesamtgewinn in der Kampagne 1908/09 rund 108 470 500 M., gegen 95 933 000, beziehungs- lveise 75 608 000 und 49 896 000 M. in den drei borongegangeneii Kampagnen. Es ergeben sich hier also ganz gewaltige Steigerungen des Gewinnes, von 1905/06 zu 1906/07 um 25 7j2 000 M., von 1906/07 zu 1907/08 um 20 325 000 M. und von 1907/08 zu 1908/09 nochmals um 12 537 500 M., seit vier Jahren um rtind 58 574 500 Mark oder weit über 100 Proz. Die„süße" Arbeit lohnt— für die Aktionäre._ Zuckerproduktion. Nach Ermittelungen der Zucker industriellen., wird dl« letztjährige Zuckerernte Europas uns 6 0457)10 Tonnen geschätzt, gegen- über einem Ertrage von 6 498 621 Tonnen im Vorjahre. Auf Deutschland entfallen von der Gesamtmenge für das letzte Jahr 1985 460 Tonnen, und vom Vorjahre 2 079 221 Tonnen. Die Zuckerausbeute in Deutschland zeigt seit Beginn der Kampagne eine kräftige Erhöhung. Sie wurde im Oktober auf 14,27 Proz., im November auf 14,72 Proz. geschätzt und stellt sich jetzt auf 14,83 Prozent. Im Betriebe waren in Deutschland in diesem Jahre ins- gesamt 338 Fabriken, 9 weniger als im Borjahre.> Kontrakt." Im hellsten Licht lag eine siegreiche Laufbahn vor ihren Türen. Bis sie Kabalen neidiscker Kollegen ver- anlaßten, aus dem Verband der MUnchener Bühne auszuscheiden. Dann begann ihre große Gastspielära. Triumphe tu ganz Deutsch- land, in der Schweiz, Rußland, Schweden, Holland. In 60 Städten hat sie über 300 mal die Medea Grillparzers tragiert. Ain 5. März 1902 feierte sie in einer Festvorstellung ihr vierzigstes Bühnen- jubiläum: 1903 stand sie in Prag zum letztenmal auf den Brettern. Die nüt Glücksgütern reich gesegnete Künstlerin hat 200 000 M. für die Münchener Waisenkinder hinterlassen. Der Künstler und der Wertzuwachs ihrer Werke. Angesichts der vielfachen Erörterungen über den Ausbau des Urheberrechts, die auch bei uns gegenwärtig gepflogen werden, hat ein Versuch der fran- zösischen Künstler, die Wahrnehmung ihrer Interessen nach einer sehr ivesentlichen Richtung zu vervollständigen, eine gewisse Bedeutung. In Paris hat sich ein Verein„Das Urheberrecht der Künstler" ge« gründet, der eine Reihe der hervorragendsten zeitgenössischen Maler. Bildhauer. Zeichner und Graveure vereinigt. DaS wichtigste Ziel deS Vereins ist, den Künstlern eine Beteiligung an der Wertsteigerung zu erwirken, die bei Wiederverkäufen ihrer Werke erzielt wird. DaS Beispiel so vieler moderner Meister, die mit ansehen mußten, wie ihre in früheren Zeiten der Not um ein Butterbrot verkauften Schöpfungen später mit Gold aufgewogen werden, und anderer Künstler, die ihre Familie in Armut zurückgelassen haben, während ihre Werke auf dem Bilder- markte mit fabelhaften Preisen umstritten werden, dient dem Verein als stärkstes Agitationsmittel. In den nach längerer Ver- Handlung angenonmienen Statuten wird außer dem erwähnten Zioeck auch der Schutz der Werke von Mitgliedern gegen Fälschung und Nachahmung als Aufgabe gesetzt und bestimmt, daß jedes Mitglied verpflichtet sei, keinen Verkauf ohne Benachrichtigung des Vereins ausznführen. Als Mittel, durch das man das gesetzte Ziel erreichen will, wird die Verpflichtung, keinen Kaufvertrag, ohne einen Vorbehalt der Beteiligung mit einem bestimmten Prozentsatz an künftigen Wertsteigernngen abznschließen, für das praktischste gehalten. Natürlich ist der Verein darauf gefaßt, auf mannigfache Widerstände bei den Bilderkäufern zu stoßen, aber man erinnert daran, mit welchen Schwierigkeilen der Verein der Dramatiker, der heute zur ausschlaggebenden Macht im französischen Theaterleben ge- worden ist, in seinen Ansängen zu kämpfen hatte. Notizen. Professor Halir von der Hochschule für Musik ist Dienstag nachmittag in Bttlin gestorben. In Halir verlieren wir einen unserer ersten Geiger. Der ehemalige Schüler Joachims, der am 1. Februar 1859 in Hohenelbe(Böhmen) geboren war, war seit 1893 in Berlin tätig/ wo er als Mitglied des Joachim- Quartetts und nachher als Leiter des nach ihm benannten Halir- Quartetts in glänzender Weise das klassische Geigenspiel re- präsentierte. — Ueber die wissenschaftlichen. Unkerneh. mungen des Reiches wird dem Reichstag im Januar eine Denkschrift zugehen. Es wird darin unter anderem der�Neubaü deS Deutschen Museums in München, wozu das. Reich zivei Mittionen Mark zugeschossen hat, behandelt Lebensmittelpreise. Die Getreidepreise haben im November d. I. nach der amtlichen Zusammenstellung sür 50 preuhische Hauptmarktorte nur«ine leise Abschwäckung erfahren: die Hülsenfrüchte zeigen keine einheitliche Bewegung, die Kartoffeln haben wenig Preisverändernngen, Stroh und Heu steigen weiter im Preise, ebenso Butter und Schmalz. Im einzelnen sei bemerkt: Der Weizen kostete im Durchschnitt aller Marktorte 214 Wi. für 1000 Kilogramm gegen 215 M. im Oktober d. I. Das Weizenmehl hat seinen Durchschnittspreis von 32 M. für 100 Kilogramm behalten. Anch im Kleinhandel hatte das Weizenmehl denselben Preis wie im November mit 39 Pf. sür 1 Kilo- gramm. In Berlin ist der Preis von 33 auf 40 Pf. ge- stiegen. Weißbrot(Semmel) kostete unverändert 54 Pf. Der RogaenpreiS ist im Durchschnitt aller Mnrltorte von 165 aus 162 M. zurückgegangen. Den höchsten Preis hatte Altona mit 174, den niedrigsten Stade mit 143 M. Das Roggen- Graubrot erfuhr eine Verbilligung von 32 auf 31 Pf., in Berlin von 32 auf 30 Pf. Am billigsten ist das Roggenbrot mit 20 Pf. in Allenstein, am teuersten mit 41 Pf. in Köln. Der Großhandelspreis der Hülsenfrüchte ist weiter gesunken bei den Linsen von 300 auf 231 M., dagegen gestiegen bei den Erbsen von 230 auf 231 und bei de»<5peifebohnen von 303 auf 812 Im Kleinhandel ist der Linsenpreis von 46 auf 43 Pf. für das Kilo- gramm zurückgegangen, der Erbsenpreis von 37 auf 38 Pf. gestiegen. Die Kartoffeln haben ihren Durchschnittspreis behalten; im Großhandel kosteten sie 55 M. pro Tonne, iin Kleinhandel 7 Dt. pro Doppelzentner. Der Preis für E ß b u t t e r ist gestiegen im August um 4 Pf., im September um 6 Pf., im Oktober um 7 Pf. und jetzt abermals um 7 Pf. In vier Monaten hat also eine P r e i s st e i g e-r u n g um 24 Pf. für das Kilogramm oder 3 Proz. stattgefunden. In Berlin ist im November eine Preis- erhöhung von 260 auf 280 Pf. erfolgt. Das Schweine- schmalz, das im Oktober schon um 7 Pf. teurer geworden war. ist jetzt abermals um L Pf. im Preise gestiegen und kostet 186 Pf.: am billigsten ist es in Bielefeld mit 160, am teuersten in Erfurt mit 240 Pf. Der Ei er preis ist stark gestiegen, im Durchschnitt aller Orte von 4SI anf 550 Pf. für das Schock. Die Milch ist an sechs(im Oktober an vier) einzelnen Orten teurer geworden. Die Betriebseinnahmen der preußisch-hcssischen StaatSeisenbahnen haben im November dieses Jahres gegenüber dem gleichen Monat des Borjahres im Personenverkehr 1,7 Millionen Mark---- 4,75 Proz.. im Giiterverkehr 7,8 Millionen Mark---- 7,26 Proz. mehr, insgesamt nach Abzug einer Mindereinnahme aus sonstigen Onelleii 3,3 Millionen Mark— 6,09 Proz. mehr betragen. Sozialdemokratischer Lese- und Diskutierkluv„Heinrich Heiner Heut« abend 8'/, Uhr Sitzung bei Bolze, Rodenbergstraße 8. Gäste willlommen. Singegangem Druchfchnftcn. Da? Konzert. Von Herrn cum Bahr. Lustspiel In drei Akten. 154 Seiten. Verlag Erich Reiß. Berlin-Westend. Von Leutchc». die ich lieb gewann. Ein Skizzenbuch von Rudols PreSbcr. Lö.(Jubiläums.) Auslage. Geh. 3,50 M.. geb. 4,50 M.— Zlnf Wache und Posten. Roman aus dem fiebenbüi zischen Volksleben von Traugott Tamm. Geh. 4 M.. geb. S M. Concordia, Deutsche Berlags- anstalt,®. m. 6. H. tn verlin w. 30. WttterunaSkderlicht vom 81, Dezember 1909, morgen» 8 Ubr. vtatlonen Settel Swmemd, 752 WSW 5 heiter— 1 Hamburg>753 SW Berüv!755W Krantk.a N 753 SO München 757 NW A>en 757 NNO >»« *4 *11 Htü OlDOltCNl—3 3nioll«iil—2 1 Dunst j— 3 2 Schnee'—2 1 bedeckt I 2 Etationen S i" I ig. i is s Havaranda Peter« bürg Sctllv .-lberdee» Bart« Detter 733 Still-bedeckt 732 SW 3 bedeckt 752 ONO«wolkig 753 WNW Lwolkcnl 758 ONO � 1 heiter C* t* Wcttcrvrognosc für Mittwoch, dt» 88 Ein wenig kälter, zeitweise nebelig, vielfach westlichen Winden: kclnc erheblichen Nlcoerschlage. Berliner Wetterbnrea Dezember 1999. heller bei schwachen >T i 3 —2 —3 sitd. u. Bixdorf. 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Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 23, Dezember, mittags l Uhr, von der Leichenhalle des Z«n>ral-Friedhoses in Fried- richsselde aus statt, Um rege Beteiligung ersucht Ter Vorstand. Zentral-Kerliaiiii der Maurer Deulselilaiiiis. Zweigverein Berlin. Sektion d. Gips- u. Zementbranohe. Den Kollegen zur Nachricht, dag unser Mitglied, der Zement- hiljsarbeiter Kar! pox am 20. Dezember im Mer von 02 Jahren an Lungentuberlulose gestorben ist. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 23, Dezember, vormittags 1t Uhr, von der Leichenhalle des Sebastian- Kirch- böses in Neinickendors-West, Hum- boldlstrab«, aus statt. 140/8 Um rege Beteiligung ersucht Der SettionSvorstan». Mi. ZentralfeM deutsclier Brauerei' Arbeiter. Zwcigverein Berlin. Am 20, Dezember verstarb nach langen schtvcren Leiden unser Kollege, der Maschinist Lusls? Neumann (Brauerei Königstadt) an der Prolctariertrankhcit. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 23. Dezember, nachmittags 3>/, Uhr, von der Leichenhalle de» Elisabeth-Kirch- Hosts, Prinzen-Allee(Pankow), aus statt, Rege Beteiligung erwartet 43/ IL Idvi» Voratand. Deutseber Transportarlieiter-Verlianil. Verwaltung GroB-Berlin. f cn Mitgliedern zur Nachricht, unser Mitglied, der Droschken- sührer /Nsrtin /Nsi-cuse am Soimabend, den 18. d, M, im Alter von 44 Jahren an>a Onelum- • Oclcn In groeaer Aoswshl C.Pelz, Kottbuserstr. 5- Gegründet 1864 waren. Engros— Export. S. Schlesinger Neue KBnlgttr.«I fOrdonnanzhau«) Kein Ijiidon k II. Etage. Elnzelwkaa! wie nlljählioh su billigsten Preisen Pelz-Stolas Muffen Eislaufbaretts. ca. HO echt. Perelueier- Jnrkott« in all. Lksc. Verkaufspreis frtttl, tellw, bis M.(*«,- 10.10,— 1250,— 1400,— leiat teilw. n«r M 450,- SSO.— OSO,— 750,— ca 28 Nersmarmel-Paletota In all. Linsen Verkaufspreis rttb. teilw. die M l!H- 2»),— a.s.w bis M. 600,— Jetzt teilw. nur M. 100, 150,- u.s.w. bis 11.310,— bis auf1/.! des Mli.¥erl[aofspreises ermässigt Seidenpinscb-. 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Zahlreichen Be such erwartet Das Komitee. Achtung! 7.«nd 8. Abteilung! Da es für die Weihnachtsfeier tage leider nicht möglich war, Veranstaltungen zu treffen, haben wir uns entschlossen, wiederum am 1. Januar(Neujahr) einen hunio ristischen Abend mit Tanz zu arrangieren und zwar bei Rabe. Fichtestr. 29. Derselbe soll bestehen aus Märchenerzählungm(Fräul. W a l li Kussel), Rezitationeu(Genosse G r u n w a l d) u. a. m. Wir versprechen den Genossinnen und Genossen einen genußreichen Abend und hoffen, daß dieselben mit ihren Kindern, Bekannten usto zahlreich erscheinen werden. Die Kommission, Lerlmer J�acfmcbten, Eine Loddrigkeit sondergleichen bezeichnete der Genosse Geyer am 14. Dezeniber er. im Reichstage die Tatsache, daß noch andauernd Klagen eingehen über nicht er- ledigte Unterstützungsgesuche zum Viermillionenfonds, welche vor einem Vierteljahre von dazu berechtigten Tabakarbeitern eingereicht wurden. Hierzu werden folgende weitere Mitteilungen gemacht: Eine in Rummelsburg bei Berlin wohnende Tabakarbeiterin ließ Mitte September 1903 ihr Unterstützungsgesuch auf dem dortigen Rathause von dem Magistratssekretär Herrn Breul zu Protokoll nehmen. Sie frug auf Veranlassung deS Ver treters der Organisation, Gen. Boerner, trotzdem sie unorgani ficrt ist. im Verlauf mehrerer Wochen vier- bis fünfmal bei dem selben Sekretär nach dem Stande der Sache. Dieser Herr »recherchierte" dann jedesmal dasselbe und noch einiges, was ja schon im Protokoll stand, und meinte auf die Bitte um Beschleunigung, es sei ein neues Gesetz und das brauche seine Zeit. Boerner schrieb der Frau vor reichlich drei Wochen eine Beschwerde an den Präsidenten des Hauptzollamtes in Berlin, Mt-Moabit, Packhof, welche bis heute unbeantwortet geblieben ist Die Petentin wurde nun vor 14 Tagen durch B. an einen ihm befreundeten Rummelsburger Stadtverordneten gewiesen, welcher sich auch verwendete und dann die Petentin wieder am 13. Dezember zum Sekretär Herrn Breul schickte. Derselbe»recherchierte' abermals, tveshalb noch beim Hauswirt, ist unverständlich, da dieser mit diesen Sachen absolut nichts zu tun hat. Und so hungert die 68 Jahre alte Tabakarbeiterin weiter, Gestern am 20. Dezember reichte B. eine Beschwerde an den Reichs- schatzsekretär Herrn Mermuth ein unter Darstellung der obigen Lach läge, verbunden mit dem Wunsche, wenigstens dafür zu sorgen, daß die Petentin bis zum»Fest der Liebe". Weihnachten genannt, in den Besitz ihres ihr gesetzlich in 14 Tagen Zu stehendem gelangt._ Die Gemcindeschulen Berlins sind in diesem Winterhalbjahr . ans 300 vermehrt worden, die zusammen 3321 Klaffen(einschließ- lich 162 Nebenklassen) haben. Noch 553 dieser Klaffen sind in ge- »iietttan Räumen untergebracht, immer noch mehr als der zehnte Teil aller. In diesem Punkt ist leider durch die Fertigstellung neuer Schulbauten bisher nur wenig gebessert worden, weil die Vermehrung der eigenen Schulhäuser immer noch zu langsam fortschreitet. Dagegen haben die sogenannten fliegenden Klassen erfreulicherweise sich auf jetzt nur noch 10(einschließlich 3 in Aulen untergebrachte Klaffen) vermindert. Die Zahl der Kinder, die die Gemeindeschulcn be- suchen, ist zurückgegangen. Die Frequenzübersicht für daS Winterhalbjahr, die der Magistrat den Stadtverordneten soeben überreicht hat, weist für den 1. November eine Besetzung mit 227 288 Kindern nach, das sind 1285 Kinder weniger aks am 1. Mai dieses Jahres. Am 1. Mai 1908, 1. November 1908, 1. Mai 1909, 1. November 1909 wurden 228 907, 228 455, 228 573. 227 288 Ge- meindeschulkinder gezählt. Der Rückgang hat, wie man sieht, schon in 1993 begonnen und seitdem fast ohne Unterbrechung angedauert. Wir haben ihn uns zu erklären aus der Wirtschaftskrise, die mit ihrem Mangel an Arbeitsgelegenheit die bitterste Not in zahlreiche Arbeiterfamilien hineingetragen hat. In solchen Zeiten ist es die Regel, daß die Arbeitcrbevölkerung Berlins durch Ab- Wanderung nicht nur von Unverheirateten, sondern auch von Familien sich lichtet. Diese oft beobachtete Wirkung der Arbeits- losigkeit und des Notstandes hat auch diesmal sich wieder gezeigt, und es ist nicht zu verwundern, daß sie schließlich sogar im Ge- meindeschulwesen bemerkbar geworden ist. Daneben kommt aber als mitwirkende Ursache auch der andauernde Rückgang der Geburtenziffer in Betracht, der den Gemeindeschulen aC mählich den Nachwuchs mindert. Die Besetzung der Klassen stellt sich im allgemeinen Durchschnitt jetzt immer noch auf 44,76 Kinder pro Klaffe(wenn von den Ncbenklaffen abgesehen wird). Der Durchschnitt für die einzelnen Klassenstufen beginnt mit 35,21 Kindern pro erste Klasse und endet mit immer noch 49,59 Kindern pro achte Klasse. In den einzelnen Klassen weicht natürlich die Besetzung mehr oder weniger weit von diesen Durchschnitten ab, nach unten und nach oben. Für die achten Klassen gilt 60 als höchstzulässige Besetzung, und diese Zahl wird tatsächlich in manchen Klassen erreicht. Künftig soll, wie schon gemeldet wurde, für die achten Klassen die Höchstzahl der Besetzung auf 55 ermäßigt werden. Das ist sehr nötig! gegen- wärtig wird diese Zahl noch in recht vielen Klassen überschritten. Wegfallen soll dann der bisherige Zustand, daß starkbesetzte 8. Klassen für einzelne Unterrichtsstunden in zwei getrennt zu unterrichtende Abteilungen zerlegt werden. Viel wird daran nicht verloren, diese Teilung wurde ja immer nur einer mäßigen Zahl achter Klassen und für eine geringe Zahl von Unterrichtsstunden bewilligt. Schon in diesem Winterhalbjahr ist die Teilung nur noch in so winzigem Umfang beibehalten worden, daß sie als nahezu beseitigt gelten kann. Der WeihnachtSpaketverkehr auf seinem Höhepunkt. Der Weih- nachtspaketverkehr hat jetzt seinen Höhepunkt erreicht. Auf Wunsch der Postbehörde stellen wir deshalb die wichtigsten Wünsche der Post kurz zusammen. Im eigenen Interesse der Absender liegt es, die Sendungen möglichst genau, deutlich und vollständig zu adressieren. In die Pakete legt man zweckmäßig eine mit der äußeren Aufschrift übereinstimmende Adresse, damit im Falle des Verlustes der äußeren Aufschrift und der Postzeichen der Emp- Sänger aus der im Inneren befindlichen Adresse ersehen werden ann. Die Pakete sind so dauerhaft wie möglich zu verpacken. Zweckmäßig ist es. sie schon vorher mit Marken zu frankieren. Zu jedem Paket muß jetzt eine besondere Postpaketadresse geschrieben werden. DaS Märkische Museum ist am ersten Weihnachtsfeiertag und am Neujahrstag, sowie am Tage vor den genannten Festtagen für den öffentlichen Besuch geschloffen, an allen anderen Tagen aber von 10—3 Uhr geöffnet. In der Klinik für Unfallverletzte(Mariaunen-Ufer 2) haben die Betrachtungen, die wir in Nr. 291 veröffentlichten, die erwartete Wirkung gehabt. Die Aerzte sind empört darüber, daß Patienten es gewagt haben, ihre Klagen dem„Vorwärts" vorzutragen. Man sagt uns aber, daß seit Veröffentlichung unseres Artikels der„Ton" in dieser Anstalt ein etwas anderer ge- worden sei. Wie im vorigen Jahr, wo wir uns schon einmal mit der genannten Klinik zu beschäfligen hatten, ist auch diesmal wieder von der Anstallsieitung de» Patienten ein Schriftstuck vorgelegt worden, in dem sie erklären sollten, daß sie gegenwärtig mit den dort herrschenden Zuständen zufrieden seien, lind wieder haben Patienten sich dazu herbeigelassen, die ihnen zugemutete Unter- zeichnung dieses Schriftstückes zu leisten. Im vorigen Jahr hatten sogar solche Patienten ihre Unterschrift gegeben, die vorher uns eine Fülle von Beschwerden ans Herz gelegt hatten. Ob dieses Schau- spiel sich diesmal wiederholt hat, entzieht sich einstweilen uiiserer Kenntnis. Welche» Zweck mag übrigens diese Zufrieden heits- e r k l ä r u n g haben? Soll sie gegenüber der revidierenden Aufsichtsbehörde als Leuiniilidszeuguis verwendet werden? Man sollte es unterlassen, die Kranken in eine fatale Situation zu bringen und die hierfür aufgeivendete Zeit lieber der Abstellung der Klagen zuwenden. Der Rabatt-Sparverein vereinigter Geschäftsleute des östlichen Berlin usw., der zwischen 7- und 8000 Mitglieder zählt, hat seine Zahlungen eingestellt, angeblich, weil augenblicklich kein Bargeld vor- Händen sei: das Vereinsvermögen soll in Grundstücken und aus- ländischen Werten angelegt sein und sich zurzeit schwer realisieren lassen.(?I) Man hat die Gewerbetreibenden, welche 1 Proz. der von ihnen umgesetzte» Sparmarlen zu beanspruchen haben, auf acht Tage. die Rabatlbuchbesitzer dagegen auf vierzehn Tage ver- tröstet. Die„zeitweilige Insolvenz" des Vereins soll, wie wir aus unterrichteter Quelle hören, schon seit etwa zwei Jahren bestehen, und man rechnet wohl damit, daß die zahlreichen kleinen Leute, die nur um ihre geringen Guthaben geschädigt werden, sich deswegen nicht noch Laufereien und Scherereien machen werden. Jedenfalls wird in den Kreisen der Gläubiger des Sparvereins die Angabe, daß der Verein Liegenschaften und Effekten besitze, stark bezweifelt und mit Recht gefragt, wo denn das bare Geld ge- blieben fei, das der Vorstand für die Rabattmarken von den Ge- werbetreibenden einkassiert hat. Und so verlangt man. daß darüber die Kassenverwaltnng klipp und klar Auskunft gebe. anstatt die Gläubiger mit Vertröstungen hinzuhalten. Der Fehlbetrag soll etwa 70000 Mark betragen; er setzt sich, wie gesagt, aus kleinen Beträgen von 10 M. und darunter zusammen, auf den die kleinen Leute gerade zur Weihnachtszeit gerechnet haben. Da haben nun die Käufer daS ganze Jahr hindurch die Ware entsprechend höher bezahlt, um nun schmählich enttäuscht zu werden. Es soll nun eine„RevistonSlommission" eingesetzt werden, auf deren Rechnungslegung man gespannt sein darf. Besser wäre es wohl, wenn die Geschädigten sich zusammenschlössen und einige Mitglieder zur Erhebung der Regreßklage gegen den Vorstand bcvoll- mächtigten. Merkwürdigerweise soll auch der Aufsickitsrat bis vor kurzem keine Ahnung von dieser jahrelangen Mißwirtschaft gehabt haben. Zum Frauennwrd wird mitgeteilt: Den Klempner Max Jagielski, der eifrig gesucht wurde, hat die Kriminalpolizei gestern morgen im städtische» Asyl für Obdachlose gefunden. Dort war er zwei Nächte gewesen. Als er gestern morgen bei der Entlassung verwarnt wurde, erkannten ihn Kriminalbeamte. Er trug noch seine Klempnerbluie und die Kleidung, in der er am Sonnabend, den 11. November, seine Werlstatt in der Lützow- straße verlassen hatte. Als die Beamten ihm sagten, er sei Jagielski, widersprach er nicht und ging auch gut- willig mit. Dafür, daß er sich nicht gemeldet hat. obwohl ihm be- kannt war. daß er gesucht wurde, hat er keine Erklärung. Mit dem Mord will er nicht das geringste zu tun haben, weder als Täter noch als Mitwisser. Seiner Darstellung nach hat er nach Verlassen der Arbeit einen„Zug" gemacht. Weil er sich nicht mehr nach Hause traute, alS das Geld alle war, verdiente er sich im Laufe der Woche am Wedding und in der Schönhauser Allee einige Groschen, indem er Leuten die Weihnachtsbäume, die sie gekauft hatten, nach Hause trug. Auch half er auf dem Ostbahnhof beim Abladen und Wegichaffen der Christbäume. Jagielski wurde in Haft be- balten. weil seine Angaben mir den Ermitleluiigeii, die die Kriminal- Polizei anderweitig machte, sich nicht decken und Nachprüfungen er- folgen müssen. In der ganzen Affäre scheint eine solche Menge Klatsch und Tratsch zusammengetragen zu werden, daß wohl selbst die Kriminalpolizei sich aus dem Wust kaum noch herausfindet. Tötlicher Unglücksfall auf dem Neubau des Reichsschatzamts. Ein verhängnisvoller Unfall hat sich aus dem Neubau des Reichsschatz- amtS in der Wilhelmstraße zugetragen. Der Maurer Gustav Thiele, der bei der Firma I. u. G. angestellt war. war dabei. Bausteine nach dem zweiten Stockwerk mittels Winde hinaufzuziehen. Als er im Begriff war. eine Ladung auf den Mauerrand zu ziehen, verlor er das Gleichgewicht und stürzte kopfüber in die Tiefe. Der Be- dauernswerte erlitt einen Schädelbruch, sowie schwere innere Ver- letzungen und wurde sterbend in das Krankenhaus Am Urban ein- geliefert._ Eutgscisung auf der Berlin-Stettiuer Bahn. Durch die Enlgleisung einer Borortzuglokomotive in der Nähe des Bobnbofes Buch wurden Montag abend aus der Berlin- Stettiner Strecke der Vorort- und Fernbahn empfindliche Störungen herbeigeführt. Der Unfall ereignete sich zwischen 6 und 6 Uhr abends. Es entgleiste die Maschine eines Zuges, der nach Berlin fahren wollte. Die Lokomotive legte sich quer über beide Schienen- stränge und binderte dadurch den Verkebr in beiden Richtungen. Nach erfolgter Meldung wurde vom kiiesigen Sletiiner Bahn- Hof sofort ein Hilfszng mit de» nötige» Hilfsgeräten und mehreren Ingenieuren der EisenbahnbetriebSinspektio» 6 nach der Unfallstelle abgelassen. Auch Vertreter der Maschineninspektion fuhren mit. Sämtliche Fern- und Vorortzüge mußten liegen bleiben, da beide Gleise getperrt waren. Die von Berlin abfahrenden Personen-, Schnell- und v-Züge nach Stralsund(6,l0 Uhr), nach Steltin(7,30 Uhr), nach Stockholm(7.36 Uhr) und»ach Dan zig<7,46 Uhr) erlitten Verspätungen von dreizehn bis 104 Minuten. Noch empfindlicher machte sich die Störung ober bei den ankommenden Fernzügen bemerkbar. Der Danziger Schnell- zng Nr. 22 traf mit 83 Mimiten, der Stralsimder Personenzug Nr. 322 mit 125 Minuten, der Danziger v-Zug Nr. 24 mit 137 Mi- nuten und der Stockholmer D-Zug Nr. 18 sogar mit 145 Minuten Verspätung hier ein. Die Slörungen auf den Vorortstrccken waren weniger erheblich. aber immerhin für die zahlreichen Reisenden recht unangenehm. Ein Teil der Vorortreisenden wurde in Fernzügen befördert, die dann auf jeder Station halten mußten. Einige Vorortzüge wurden auch bis nach Blankenburg vorgeschoben, wo die Passagiere dann gleichfalls in die Fernzüge umsteigen mußten. Für die von Berlin abfahrenden Züge war das Gleis an der Unfallstelle etwas über eine Stunde gesperrt, für die ankommenden Züge aber nahezu fünf Stunden. Gegen Vgl2 Uhr nachts konnte der regelmäßige Betrieb wieder ausgenommen werden. Die Ursache der Maschiuenentgleisung ist noch nicht mit Bestimmtheit festgestellt. Wahrscheinlich liegt falsche Weichenstellung vor. Personen find bei dem Unfall nicht zu Schaden gekommen. Ein Straßcnräubcr aus der Provinz wurde gestern von der hiesigen Krimiizalpolizei festgenommen. Es ist ein 30 Jahre alter Knecht Emil Schulz, der nach seinem Geständnis am 11. November auf der Chaussee bei Zehdeuick einen Arbeiter Ferdinand Konrad überfiel und beraubte. Schulz lernte Konrad in einer Herberg» kennen, ließ sich von ihm zum besten geben und sah dabei, daß er eine wohlgefüllte Börse besaß. Am nächsten Morgen wanderten beide die Landstraße entlang. Plötzlich stellte Schulz seinen Freund mit der Aufforderung, ihm sein Geld herauszugeben. Als er sich weigerte, schlug er ihn so lange mit seiner Schnapsflasche über den Schädel, bis sie in Scherben ging. Dann raubte er dem Ueberfallenen, der ohnmächtig zusammenbrach, das Portemonnaie mit 90 Mark und lief quer Feld ein davon. Zivei Tage später wurde in derselben Gegend wieder ein Raub verübt. Seitdem war Schulz aus der Gegend ver- schwnnden. Er trieb sich in Berlin obdachlos umher, bis er jetzt aufgegriffen wurde. Das geraubte Geld hatte er binnen kurzer Zeit in leichtsinniger Gesellschaft durchgebracht. Den zweiten Raub will der Verhaftete, der dem Untersuchungsrichter vorgeführt wurde, nicht verübt haben. Die Leiche eines vier Wochen alten Kindes männlichen Ge- schlechts wurde gestern auf dem Bahnkörper der Ringbahn auf» gefunden. Bahiibcamte entdeckten in der Nähe der Kiefholzstraße auf den Schienen den völlig nackten Körper eines toten Knaben, der keinerlei verdächtige Merkniale aufwies. Die kleine Leiche wurde be- schlagnahmt und»ach dem Schauhause gebracht. Wer ist der Tote? Im Treptower Park wurde gestern mittag in der Nähe des Platzes am Spreetunnel ein unbekannter Mann erhängt aufgefunden. Bei ihm wurde nicht der geringste Anhalt zur Feststellung der Periönlichleit gefunden. Der Unbelannte ist etwa 30 Jahre alt, 1,65 Meter groß und mittelkräftig gebaut. Er hat blondes Haar, einen blonden Schnurrbart, blaue Augen, eine hohe Stirn, ein längliches Gesicht, ein spitzes Kinn und gute Zähne und trug ein braunkariertes Jackett, eine schwarze Weste und Hose. wollenes Unterzeug, eine braunkarierte Mütze und schwarze Zug» stiefel. Die Leiche befindet sich in der Halle zu Treptow. Zirkuö Busch. Die Aufführung der neuen russischen Pantomime „Nihilisten", die der Zirkus Busch für die Weihnachtsfeiertage ge- plant hatte, ist laut Verfügung des Polizeipräsidiums verboten worden. Der Kommissionsrat Busch wird dem Polizeipräsidium für diese Reklame sehr danlbar sei». Eine» schwere» Verlust hat ein armer Familienvater am letzten Sonnabend erlitten; er verlor seinen gesamten Lohn im Betrage von zirka 36 M., welcher sich in einem gelben Lederporlemonnaie befand, auf dem Wege von seiner Arbeitsstelle nach dem Bahnhof Vcnsselsttaße. Der ehrliche Finder wird gebeten, sich bei dem Restaurateur Karsten, Sickingenstraße 1 zu melden. Feuer im Rathause alarmierte gestern vormittag um 8% Uhr die Berliner Feuerwehr. In wenigen Minuten waren 12 Lösch- züge mit etwa 50 Fahrzeugen unter der Leitung des Brand- direktors Reichel sowie ein großes Aufgebot von Schutzleuten um das Rathaus versammelt. Es brannte die Decke des Bürger- saals in geringer Ausdehnung, doch war es schwierig angesichts der Verqualmung und der Bauart des Rathauses, den Brandherd gleich festzustellen. Dieser wurde dann auf dem Boden des Mmm- gebäudes gefunden. Dort waren Balken an einem Schornstein der Küche des Ratskellers in Brand geraten und trotz ihrer Stärke schon durchgebrannt. Ueber die Entstehung äußerten sich die Feuerwehroffiziere übereinstimmend, daß durch den Küchenschorn- stein der Balken über dem Bürgersaal in Brand geraten sei und die Flammen sich dann weiter verbreitet hätten. Während des Brandes erschien der Oberbürgermeister persönlich und überzeugte sich, daß keinerlei Gefahr mehr zu befürchten war. Später mel- dete sich der Branddirektor Reichel beim Oberbürgermeister, um ihm über die Entstehung und den Schaden des Brandes zu be- richten. Nach etwa zweistündiger Tätigkeit konnte die Feuer» wehr wieder abrücken. Das Feuer mutz lange unter der Decke geschwelt haben. Um den Brandherd zu ermitteln, bedurfte es des Aufreißens des Fuß- bodens und der Decke. Vorort- JNtecbnchten. Der Teltowcr Kreistag hat die Kr eis st euer, angesichts der günstigen finanziellen Lage des Kreises, auf 2 9 P r o z. h e r a b g e f e Y t. Im Gegensatz zum vorigen Jahr hat der Etat ein PluS von 180000 M., wävrend der vorjährige Etat noch ein erhebliches Defizit aufweist, lieber den Verkehr auf dem Teltowkanal teilte der Landrat mit, daß derselbe in diesem Jahre die Ziffer von 800000 Tonnen überstiegen habe. Um den Durchgangsverkehr noch mehr zu heben, ist beschlossen worden, den Durchgangstarif um 25 bis 33 Proz. zu ermäßige». Zwecks Verminderung der Säuglingssterblichkeit wurde eine Vorlage beireffend Regelung des Hebammeinvefens genehmigt. Die neue Beamtenbeioldungsordnung erfordert eine Mehrausgabe von 30 000 M. Angenommen wurden auch die,Vorlagen betreffend Erweiterung der Kreislrankenhäuser in Britz und NowaweS. Der Kreislag hat ferner beschlossen, die Verlängerung der Teltower Kreisbahnlinie Steglitz— Südende nach Mariendorf, sowie den Bau und Betrieb einer elektrischen Straßenbahn Zehlendorf— Klein- Machnow— Stahnsdorf. Der Niederbarnimer Kreistag hat in seiner Sitzung eine neue Umsahst euerordnung genehmigt, die Umgehungen der Steuer- Pflicht durch sogenannte Zwischengeschäfte verhindern soll. Die Vor- läge besrett die Grundstückserwerbungen der Gemeinden von der Umsatzsteuer. Ein Antrag des Gemeindevorstehers Wille(Reinicken- dorf), auch die Grundstücksveräußerungen der Gemeinden für stener» frei zu erklären, wurde abgelehnt. Auf eine Anfrage betreffend die Ärcisindustriebnhn erklärte der Landrat, daß sie zwar im Vorjahre einen Zuschuß von 11 500 M. erfordert habe, in diesem Jahre aber sicher einen Ueberscknß bringen werde. An di? Einführung des Personenverkehrs auf der Industriebahn fei nicht zu denken, da dies einen Umbau der Bahn erfordern würde. Welhnachtsveranstaltungen. Rixdorf. Eine Weihnachtsfeier veranstaltet am Soimabend, den 25. Dezember(1. Feiertag) der hiesige Bilduiigsausschuß in den Gesamträumen des Hoppeschen Lokals. Hermannstr. 49. Die Feier besteht, wie im Vorjahre, au« zwei Teilen. Nachmittag« von 3 bis 5 Uhr wird Herr St. Schnlz-Rixdorf an der Hand von farbigen Licht- bitdcrn heitere Szenen von Wilhelm Busch(Deutschlands größtem Humoristen) unserer Jugend vorführen. Text und Bilder werden sicher dazu beitragen, Herz und Gemüt der Kinderwelt anzuregen, damit der Humor auf seine Rechnung kommt. Es werden gegeben: 1. Hans Huckebein, der Unglücksrabe. 2. Das Pusterohr. 3. DaS Bad am Samstagabend. 4. Plijch und Plum. Insgesamt gegen annähernd 209 Bilver mit Erläuterung. Eintritt pro Kind 19 Pf. Kasseneröffuung 2 Uhr. Abends 7l/z Uhr findet ein Familienabend statt. Zur Auf- sührung gelangt Konzert, Cborgesang, turnerische Aiiffiihriiiigen, unter Mitwirkung des Neuen Berliner TonkünstlerorchesterS(F.Holl« selber) und des Rixdorfer MännerchorS(Mitglied des Arb.-Sänger- bundeS). Eintritt 30 Pf. Herren, welche am Tanz teilnehmen, zahlen 50 Pf. nach. Eonniog. de» 26. Dezeniver(2. Feiertag), nachmittags 2l/g Utzr gelang! im Rixdorfer Stadttheater, Bergstr.\41.„2-f 2— 5"* Satirspiel von Gustav Wied, zur Aufführung. Eintrittskarte inkl. Garderobe 60 Pf. Kindern unter zehn Jahren ist der Eintritt nicht gestattet. Ferner wird noch darauf besonders hingewiesen, dah am 8. Januar in Hoppes grobem Saals der natuewiffenschastliche VorlragszhNus mit Lichtbildern seinen Anfang nimmt. Der Zyklus erstreckt sich auf fünf Abende, und zwar: Montag, den 3.. 10., 17.. 24. und 31. Januar ISlO, abends pünktlich 8 Uhr. Vortragender: Genosse Engelbert Gras.— Die Eintrittskarte kostet 50 Pf. und be- rechtigt aus alle fünf Abende. Eintrittskarten zu den genannten Veranstaltungen sind bei den Funktionären und in der Spedition, Neckarstr. 2, erhältlich. Theatcrbilletts nur noch bei den Funktionären. Der BildungsauSschuh. Mariendorf- Siideude. Die Parteigenossen und-Genossinnen Mariendorfs werden auf die am 3. Feiertag um 6 Uhr im„Feld- schlöbchen" stattfindende WeihuachtSfeiet des Wahlvereins aufmerksam gemacht. Um es allen Parteigenossen zu ermöglichen, daran teil- nehmen zu können, ist der Eintrittspreis auf 20 Pfennig festgesetzt. Arbeitslose haben freien Eintritt. Billels sind bei den Bezirks- führer», in den Bezirkslokalen und beim Lagerhalter, Kaiserstr. 110 zu haben. Boxhagen-Rummelsburg. Sonntag, den 26. Dezember(2. Weih nachtsfeierlag), abends 6 Uhr, veranstaltet der Jugendausschug im „Tafö Bellevuc", Häuplstr. 2, eine Weihnachtsfeier. Zur Aufführung gelangen zwei kleine Theaterstücke sowie musikalische und Gesangs- Vorträge. Letztere werden vom Quartett„Harmonie" ausgeführt. Billetts sa 25 Pf. für Erwachsene. a 10 Pf. für Jugendliche) sind für die Mitglieder des Niederbarum, er WahlvereinS und deren Angehörige bei den bekannten Personen zu haben. Kinder umer 1t Jahren frei. Um zahlreichen Besuch bittet Der JugendauSschufi. Nowawcs. Der BildungSauSschutz veranstaltet am 1. Weihnachts feiertage. im Lokale des Herrn Schmidt einen Rezitations- und Liederabend. Mitwirkende: Margarete Walkotte. Die Begleitung am Pianino hat Herr Nietzsch-Berlin übernommen. Auch wirkt die vollzählige Kapelle des Herrn Musikdirektor Köhler mit. Das Ein trittSgeld ist auf 40 Pf. im Vorverkauf bemessen. Die Mitglieder der Jugendorganisation erhalten Borzugskarten beim Genossen Bubert zum Preise von 25 Pf. Gleichzeitig möchten wir aus den am 4. Januar beginnenden VortragskursuL(„Die Geschichte unserer Erde") hinweisen. Schöneberg. Bei den gestrige» Stadtverordneten-Nachwahle» sind die zur Wahl stehenden Mandate von unserer Partei behauptet worden. Im dritten Bezirk erhielt Fintel(Soz.) 402 Stimmen, zersplittert waren 34 Stimmen. Fintel ist somit gewählt. Von bürgerlicher Seite war hier(zum erstenmal in Schvnrberg) ein Gegenkandidat nicht aufgestellt worden. Im siebenten Bezirk erhielten Fintel sSoz.) 403. Rott- ländersGoz.) 415, Bismark(lib. Frakt.) 08, Fischer flib. Frakt.) 07 Stimmen. Gewählt sind mithin Fintel und Rott- länder(Soz.). Die Hoffnung der liberalen Fraktion, � ihren bei der Hauptwahl im vierten Bezirk durchgefallenen Kandidaten Bismark wieder zu einem Mandat zu verhelfen, hat sich also nicht erfüllt. Hoffentlich gelingt es unseren Parteigenossen nun auch, noch Ersatz für de» jetzt doppelt gewählten Genossen Fintel zu schaffen. Lichtenberg. Welche Motive in der letzten Stadtverordnetenversammlung die bürgerliche Mehrheit leiteten, die Beratung der Vorlagen betreffend Regelung der Besoldungsverhältnisse der Lehrpersonen sowie Be- amten in geheimer Sitzung vorzunehmen, geht aus ihrem Verhalten in der zum Zwecke der Vorberatung dieser Vorlagen ein- gesetzten Kommisston zur Genüge hervor, Gleich bei Beginn der Kommissionsverhandlnngen wurde ein von unseren Genossen ge- stellter Antrag:„Die Frage der Ausbefferung der Arbeiter- löhne gleichzeitig mitzuberaten resp. den Magistrat zu er- suchen, entsprechende Vorschläge zu machen", von sämtlichen bürgerlichen Mitgliedern abgelehnt. Die Kommission selbst bestand aufier unseren Genossen Düwell, Brühl und Grauer noch aus den bürgerlichen Stadtverordneten Plonz, Schachtel. Lehne, Grothe, Rott und Frenche. Die Anträge unserer Genossen betreffs der Lehrerbesoldung:„allen Lehrern die Berliner Sätze von 750 M. als Orts- zulage" zu gewähren, wurde von sämtlichen Bürgerlichen abgelehnt. Ein daraufhin von uns gestellter Antrag, für die Jahre 1008 und 1v«0 die MagistrotSborlage, welche nur 700 M. Ortszulage vorsieht, anzunehmen und von 1910 ab die Berliner Sätze, wurde ebenfalls von sämtlichen Bürgerlichen abgelehnt. Selb st die Ma- gistratsvorlage wurde mit der Begründung abgelehnt, das; Lichtenberg kein Geld habe, trotzdem der erste Bürgermeister Ziethen erklärte, daß man jetzt doch dazu kommen müsse, die Wertzuwachssteuer vorzuschlagen und folgedessen bei deren Annohme die finanztellen Ergebnisse der Stadt zweifellos bessere würden. Doch das hals bei unseren bürgerlichen Sladtväten, alles nichts, im Gegenteil, der Führer der Bürgerlichen. Herr Direktor Plonz, erklärte in aller Gemütsruhe:„die Lehrer seien jetzt die best besoldetsten Beamten", ja, er erklärte eS geradezu für vermessen von Lichtenberg, wenn es versuchen würde, seine Schulen auf einen höheren Stand zu bringen, da ja andere Städte immer noch schlechter dastehen. Nun überboten sich die bürgerlichen Herren mit Vorschlägen, wie man den Geldbeutel der Stadt schonen könne und dabei zugleich doch auch nach außen hin den Schein der Lehre* freundlichkeit wahren könne. Stundenlang wurde über die minimalsten Forderungen gesprochen mit dem Erfolg, daß in zweiter Lesung sämtliche Anträge abgelehnt wurden, so daß als Resultat der Stadtverordnetenversammlung kein Vorschlag geniacht werden konnte. Fürwahr, nichts ist bezeichnender für unsere bürgerlichen Stodtväler wie dieser Ausgang. In der Frage der BeaintenbesoldungSvorlage wiederholte sich das gleiche Spiel. Auch hier hielt es Herr Plonz siir nötig, darauf hinzuweisen, daß t ie Lichtenberger Beamten zurzeit durchaus keinen Anlaß hätten, sich besonders zurückgesetzt zu fühlen; im Gegenteil, noch im Jahre 1877 habe man die Gehälter der Kommunalbeamten in Lichtenberg sogar reduziert, was doch tetzt nicht mehr vorkomme. Bei Beratung der Dienst- und Be oldungsordnung stellten unsere Genossen bei§ 8, welcher davon pricht, daß die Beamten jederzeit auch alle anderen Arbeiten, welche ihnen übertrogen werden, ausführen müssen, den Antrag, „daß man sie jedoch nicht als Arbeiter verwenden dürfe", da man wiederholt anderwärts durch diese» Paragraphen die Beamten ge. zwungen habe, bei Streiks den Arbeitern als Streikbrecher in den Rücke» zu fallen. Auch dieser Antrag wurde von sämtlichen Bürgerlichen abgelehnt mit dem Bemerken, daß es die Ehre der Beamten fein müsse, in diesen Fällen für die Interessen der Stadt einzutreten. Gleichfalls von sämtlichen bürgerlichen Parteien abgelehnt Wurde ein Antrag von uns, welcher besagt, daß allen Beamten ei n Recht aus Urlaub zustehen müsse, nicht aber, wie vorgeschlagen, die Bewillignug in das freie Erineffen des Magistrats stelle. Auf Grund der angenommenen Koi>imissioi'°Mchliisse kann man mit Recht sagen, �.um in Lichtenberg städliicher Beamter zu werden, muß man mindestens die Reife für die Prima eines Gymnasiums besitzen, Zeugnisse über tadellose Führung beibringen und wenn eS befohlen wird, sich zum Streikbrecher hergeben". Köpenick. Mit der Einführung einer WertzuwachSsteuer beschäftigten sich abermals die Stadtverordneten in ihrer letzten Sitzung. Der ein- gesetzte Ausschuß erstattete Bericht. Stadtv. Cuuitz(Lib.) teilt mit, Laß die meisten Beschlüsse im Ausschüsse mit knappen Mehrheiten gefaßt worden sind. Der§ 1 der Borlage hat dahin eine Er- Weiterung erfahren, daß die Wertzuwachssteuer bei jedem Grundstücks- Wechsel erhoben wird, nicht nur im Falle des freiwilligen Ber- luiiiuuuiu] uciujiuj) Zusatzautrage. Zu dem Z 2 gestellt, den zuläisigen Abzug kaufes, sondern auch bei einer Enteignung. Stadtb. Dr. Schulze sFr. V.) begründet einen Zusatzautrag, wonach auch der Verla» eiucS Grundstückanteils oder Privilegs usw. mit einbezogen wird Die Versammlung beschloß im Sinne des Ausschusses mit dem 2 hatten unsere Geuossen den Antrag __ von 5 auf 3 Proz. herabzusetzen. Nach langer Debatte erhielt der Z 2 folgende Fassung: Als Wertsteigerung gilt der Unterschied zwischen dem Werte resp. ErwerbSpreise bei dem früheren Eigentumswechsel— gleichviel, ob dieser vor oder nach dein Jnkrasttrelen dieser Steuerordnung stattgefunden hat— zuzüglich der gestatteten Anrechnungen l§ 5) und dem gegen. wärtlgen Veräußerungspreise oder Werte abzuglich der dem Ver äußerer zur Last fallenden»achgeioiesenen Kosten— zu denen jedoch nicht die zu erhebende WertzuwachSsteuer zu rechnen ist— im Höchst falle jedoch 5 Proz. der gegenwärtigen Veräußerung und zuzüglich der vom Ersteher übernommenen Nebeiileistiiiige» insbesondere auch der Wertzuivackssteuer. Eine lange Debatte führten die Höbe der Steuersätze herbei. Während die Magisiratsvorlage alö Höchstgrenze 20 Proz. bei einer Wertsteigerung von 160 Proz. und mehr vorsah, hatte der Ausschuß eine Verschärfung beschlossen, daß bei Versteigerungen von 160 bis bis 200 Proz. 20 bis 25 Proz. erhoben werden sollen. Woik(Soz/ beantragte bei 200 M. Werlsteigerung 20 Proz. und bei mehr als 200 M. 25 Proz. zu erheben. Stadtv. Dr. Schulze sFr. V.) vertrat den Standpunkt, den ersten Satz, 4 Prozent bei einer Wert. steigermig von mehr als 5 bis 10 Proz., überhaupt zu streichen. Das Ergebnis war, daß die Anträge unserer Genossen wie auch die des Stadtv, Dr. Schulze abgelehnt und der Ausschußaittrag an- genommen wurde. Eine weitere Verschärfung hatte der Ausschuß beschlossen, wonach in der Magistratsvorlagc der Passus, daß nur ein Drittel der Steuer erhoben lvird, wenn mehr als zehn Jahre seit den, letzten Eigentumsivechsel verstrichen sind, in Fortfall kommen soll. Sladiv. A. Martin sFr. V.) unternabm einen erfolglosen Ver. such, dieses Entgegenkommen wieder herzustellen. Eine nicht minder lange Debatte führte noch der§ 5 herbei, der besagt, welche Auf Wendungen bei landwirtschaftlich benutzten Grundstücken dem Ve sitzer i» Anrechnung gebracht werden können. Eine Flut von An tragen ging im Laufe der Verhandlungen ein. Unsere Genossen hatten eingangs der Beratung dieses Paragraphen beantragt, diesen vollständig zu streichen; der Antrag wurde jedoch zurückgezogen und in Borschlag gebracht, 3 Proz. in Anrechnung zu bringen. Das Fazit der Abstimmung war die Ablehnung des letztgenannten An lragcS und die Annahme einer vom Stadlverordnelen Mattes sLib. beantragten Bestimmung, welche lautet:„Bei unbebauten Grund stücken, die der Veräußern selbst in landwirtschaftlichem Eigenbetriebe genützt hat. wird eine L'/zprozentige Verzinsung dos letzten Erwerbs. preise« bezw. Wertes von der Zeit der Zahlung der Verzinsung des letzten Erwerbsp reifes beziehungsweise Wertes bis zum Abschluß deS gegenwärtigen VeränßernngsvirtrageS dem früheren Erwerbs- preise hinzugerechnet." Die übrigen Paragraphen wurden nunmehr im Eiltempo erledigt und die ganze Vorlage fast einstimmig an- genommen. Der Voranschlag der städtische» Sparkaffe pro I91Ö ist vom Kuratorinm auf 809 350 M. festgesetzt. Der Magistratsvorlage. Uebernahme der Fähre Wendenschloß— Grünau, wurde ohne Debatte die Zustimmung gegeben. Die Vorlage bedeutet de» ersten Schritt zu der AuSeinanderietzung mit dem Kreise Teltow wegen Aus. scheiden der Stadt; ist doch im AuseinandersetzungSversahren vorgesehen. daß die Stadt die Fähre mit Einnahmen und Ausgaben übernimmt, ohne hierfür an den Kreis eine Entschädigung zu zahlen. Für die Fährmaterialien erhält der Kreis 20 000 M. Entschädigung von der Stadt. Eine weitere MagistraiSvorlage sieht die Einziehung der Kirchensteuer durch die Stadt ab 1. April 1910 vor. Ais Entschädi gung gewähren die Kirchengemeinden 5 Proz. Die Genossen Woik und Herbst wandten sich gegen die Vorlage. Es sei Sache der Kirchengc�'inden selbst, zu sehen, wie die Steuern einkommen. Wenn auf den Steuerzetteln noch eine Position heraufkomme. so liege dies nicht im Interesse der Stadt. Stadtv. Cunitz sLib.) erklärte, daß keine Steuer so unpünktlich gezahlt werde wie die Kirchensteuer. Von 25000 M. Solleinnahme im Jahre seien nur 16 000 M. eingegangen; die Drückeberger müßte» herangezogen werden. In der Abstimmung wurde die Vorlage gegen die Stimmen unserer Genossen angenommen. tHS folgte nunmehr die Neuwahl eines Mitgliedes des RealschulkuratonuinS. Stadtv. Herb st sSoz.) i st nicht bestätigt worden. Der Borsteher gab zu dieser Sache aus den Akten folgende Darstellung. Vom Magistrat seien die Namen der Geivählten— Dr. Schulze, Dr. Lehmann und Herbst— der Behörde mitgeteilt worden. Man habe die Form eines Kuratoriums gewählt, um in der Wahl der der Mitglieder keine Besch, änkungen zu haben. Vom Landrat sei nun angefragt worden, ob sich auf der Liste, die dem Provinziab schulkollegium eingereicht worden ist, ein Mitglied der sozialdemo. kratischen Partei befindet.(Rufe bei den Liberalen und Sozial. demokraten: Unerhört 1) Herr Bürgermeister Dr. Langerhans habe hierauf geantwortet, daß nach seiner Meinung alle Fragen vom kommunalen Standpunkte aus zu betrachten sind, denn Politik wird in der Stadtverwaltung nicht betrieben um die politische Gesinnung der Stadtverordneten kümmere er sich nicht und müsse es daher ablehnen, auf die Anfrage eine bestimmte Antwort zu geben. sLebhafteS Bravo I) Im übrige» halte er Herrn Herbst für da« Amt als außerordentlich befähigt. Stadtv. Jakobi sLib.) dankte dem Bürgermeister für seine männlichen Worte. Stadtv. Wißler sSoz.) schlug wieder im Interesse der Selbstverwaltung Herbst vor. Stadtv. Dr. Schulze sFr. V.) bedauerte ebenfalls die Nichtbestätigung und erklärte, daß durch dieses Verfahren leider das Kuratorium nicht zu. fammentreten kann. Stadtv. Woik sSoz.) sprach zunächst dem Bürgern, eister für seine Haltung in der beregten Frage die An erkeimung aus. Das Interesse der Selbstverwaltung erfordere eS, den Nichtbestätigte» wiederzuwählen. Stadtv. Ciniitz sLib.) betonte: Es komme nicht darauf an, ob- das Kuratorium ein Vierteljahr früher oder später die Arbeiten aufnimmt, die Regierung trage die Schuld in dieser Frage. Im Juteresse der Selbstverwaltung liege eS, den Stadtverordneten Herbst wieder zu präsentieren; er sei überzeugt, daß Herbst bestätigt wird, da derselbe ein befähigter Kollege sei, wovon sich auch der Landrat überzeugen könne. In seiner Eigenschaft als KreiStagSabgeordneker habe Herbst sogar in einer Sache die Zustimmung des früheren �rndrats v. Stubenrauch gefunden. Hierauf wurde Stadtv. gerbst einstimmig wieder gewählt. Zur Ausgestaltung des höhereu Schulwesens wurde eine Kommission von sechs Mitgliedern eingesetzt. Außer den Mitgliedern des Kuratoriums der Realschule Dr. Schulze, Dr. Leh- mann und Herbst gehören derselben noch an Ohnesorge sFr. V.). Bunitz sLib.) und Woik sSoz.). sich in der letzten Zeit ganz ui,- mehrere verübt. Gestern Rixdorf. Die EinbruchSdiebstiihle häufen heinilich. Jede Nacht werden mehrere verübt. Gestern morgen wurden der Kriminalpolizei gar sieben aus allen Stadtteilen gemeldet. Die Einbrüche zeigen durchweg gleiche„Arbeit". Fust immer öffnen die Täter die Häuser und Wohuungen mit Dieterichen. ES scheint also, daß wieder eine ganz« Bande ihr Unwesen treibt. Friedenau. AuS der Gemeindevertretung. Die Wagen der Linie 66 sollen. wie die Große Berliner mitteilt, vom 18. Dezember an Versuchs- weise bis zum Friedrich-Wilhelmplatz geführt werden. Der erste Wagen fährt 6.01 daselbst ab. Bon da ab alle 15 Minuten. Bei Punkt 2, Vergebung von Arbeiten für den Neubau deS Realreform- gymnasiums, verlas Gemeindevertreter Weber einen Artikel des Organs deS Bundes der Handwerker, in welchem dem Baurat Alt- mann vorgeworfen wird, bei Vergebung von Arbeiten für die Gemeinde nickt einwandfrei verfahren zuhaben. Die Herren Bache. v. Wrochcm und Kunow erklärten die in dem Artikel enthaltenen Angriffe gegen Herrn Ältinann nicht für stichhaltig, da vom Bau- auSschuß sämtliche Vergebungen von Arbeiten genau kontrolliert würden. Für die Arbeiterschaft ist dieser Streit der JnuungSkrauter gegen den Baurat ohne Interesse, da es sich hier anscheinend tun Kleinlichen Konkurrenzneid handelt.' Doch verdient bei dieser Ge- legeicheit wieder einmal darauf hingewiesen zu werden, daß bei fast allen ilt den letzten Jahren aus dem Suhmissionswege vergebenen Arbeiten keiner der Herren Gemeindevertreter sich einmal danach erkundigt hat. wie die Lohn- und Arbeitsverhältniffe bei jenen Firmen beschaffen sind. Was kümmert eS diese Herren, wenn bei den bauausführenden Firmen, wie jetzt beim Realgymnasium, die Schutzvorrichtungen für Leben und Gesundheit der Arbeiter außer acht gclasien werden. Auch fragt keiner der Vertreter danach. wenn die Firmen durch Eiufuhr ausländischer Arbeitskräfte das Heer der Arbeitslosen noch vermehren helfen. Dieser Zustand allein zeigt, wie nötig es ist, daß bei der demnächst stollfiudenden Wahl ein Vertreter der Arbeiterschaft gewählt wird. Auch in anderer Weise hätte hier schon im Jntereffe der Allgemeinheit nutzbringend gewirkt werden können. Friedenau ist nun fast vollständig aus- gebaut. ES sind im ganzen noch 100 Baustellen offen. Die Grundstück- besitzer und-spekulanten baben Riesenprofite eingestrichen, doch hat kein Mensch die Einführung einer WertzuwachSffener gefordert. Wie sollte dies auch bei der jetzigen Zusammensetzung der Gemeinde- Vertretung möglich sein, in der die Grundbesitzer unbeschränkt herrschen; die anderen wohlgenährten Herren hoben zur Opposition keine Ursache. Es ist, wie die Verbältnisse im Orte liegen, für die Arbeiterichast schwer, in diese Dmikelkammer Bresche zu legen, doch muß es, wenn jeder bei der nächsten Wahl seine Schuldigkeit tut, doch gelingen. Nachdem npch Direktor Müller die Anschaffung einer neuen Maschine von 450 Pserdekräften für das Elektrizitätswerk begründet hatte, wurde in die geheime Sitzung eingetreten. Zchlendorf(Wannseebahn). Entsprechend der Gewohnheit, wichtige Dinge von allgemeinem Interesse in die gebeirnen Sitzungen zu verlegen, werden die öffent- licken Sitzungen unserer Ecineindevertrerung mehr und mebr zu Schauplätzen, wo über die selbstverständlichsten Dinge geiirnrktet wird. Das konnte man in der letzte» Sitzung erst wieder erleben. Aus ihr ist zu«rivähnen, daß der Spielplatz in der Bnrggrasenstroße dem Parkvereine zur Anlage einer Eisbahn überlassen werden soll. Die Kosten für den Wasterverbrauch wird die Gemeinde tragen. Sie beliefen sich im vorigen Jahre auf 60 Mark. Auf dem Friedhofe hat sich die für Herrn Zinnow un- erklärliche Talsache herausgestellt, daß in steigendem Maße Wahlstelle» bevorzugt werden. ES muß deswegen eine größere Fläche hierzu neu hergerichtet werden, wozu 600 M. erforderlich sind. Die Summe wurde bewilligt. Uns dünkt aber die Tatsache nickt so unerklärlich. ES ist doch im Klassenstaate nur selbst- verständlich, daß die Unterschiede noch im Tode gewahrt werden. An Nachbewilligungen wurden gefordert: für die Fäkalienabfuhr 4000 M., für die Instandsetzung des Turnhose? der Gemeindeschnle 177,71 M.. für Arbeitslöhne im Straßenreinigungsbetciebe 1400 M. Der letzte Posten wurde damit motiviert, daß man zwei Arbeiter aus der Fäkalienabfuhr auf die Stratzenremigung übernommen habe, die soiist hätten entlasten werden müssen. So löblich diese Tat, scheint uns die Fordercktg doch nicht begründet, da der Lohn dieser beiden Arbeiter dock dann im Etat der Fäkalien- abfuhr vorgesehen sein muß. also nur übernommen werden brauchte. Einige vom Gemeindebaurat vertrercne Aende- rungen von Slratzenfluchtlinien wurden bewilligt mit dem Wunsche, daß solche Aenderungen nicht zu oft erfolgen mögen. Die Satzungen und die Geschäftsordnung deü Kuratorinmö für die höheren Lehranstalten waren schon in einer früheren Sitzung fest« gelegt worden. Auf Grund neuer Informationen hatte Herr Lange eine neue Beratung gefordert. Er wies nach, daß durch die fest- gelegten Satzungen die Selbstverwaltung der Gemeinde in einem starken Grade beschnitten sei und stellte eine Reihe AbänderungS- antrage. Als wichtigste Abänderung wurde festgelegt, daß die Wahl der Lehrer und Direktoren durch die Gemeindevertretuirg und nicht durch daS Kuratorium vorgenommen werden soll. Die ganze Vorlage wurde wegen der vielen Mängel in der alten Anordnung zur sachlichen und redaktionellen Aenderung einer Kominission überwiesen. Durch die Vergrößerung des GememdemeldeamteS ist die Beschaffung von 230 Kästchen notwendig geworden. Der übermäßig hohe Preis von 3,50 M. wurde bewilligt, obwohl Herr Schütz darauf binwksh daß derartige Kästchen in Berlin schon für 2 M. zu haben sind. Tegel. Gemeinbevertretersitsung. Der Vorsteher macht vor Eintritt Irt die Tagesordnung die Mitteilung, daß der Antrag, die WaidmannS- luster Abwässer durch unsere Kläranstalt zu leiten, abgelehnt sei. Der Bericht über den Gemeindehafen zeigt, daß noch im November 1908 24 Schiffe, im Dezember 25 Schisse 8000 Tonnen Materialien brachten. Des langen Frostes wegen entwickelte sich der Verlehr erst wieder un April mit 51 Fahrzeugen, Mai 51, Juni 58, Juli 51. August 48, September 72, Oktober 55 Fahrzeugen, die im ganzen rund 75 070 Tonnen Fracht brachten. Eisenmaterialien gingen aus den Maschinenfabriken der Nachbarschaften auch per Schiff ab. Die Gesamtemnahmen von 11 254,34 Mark blieben mit einem Fehlbetrag von 18 745,66 Mark hinter dem 30000 Mark betragenden Voranschlag zurück, desgleichen die Ausgaben mit 4000 M.(Voranschlag 26 650 M.) Der Tarif wurde wesentlich herabgesetzt, so daß eine stärkere Frequenz zu erwarten ist. Zur endgültigen Kostenfeststcllung von 105 000 M. für die Hafenbrücks wurde eine Anleihe von 100 000 M. genehmigt, von der die Hälfte die Gutsherrschaft Schloß Tegel übernommen hat. Der Jahres- gswinn aus dem Brückenzoll beträgt für Gut und Gemeinde Tegel ie 6800 M.— Zur Herstellung der Wasserrohrleitung östlich der Staatsbahn wurde eine Anleihe von 110 000 M. und zur Auf- stellung einer Akkumulatorenbatterie im Klärwcrk eine Anleihe von 23 000 M. genehmigt. Der Antrag des RestaurateurS Linde- mann auf Errichtung einer Kegelbahn wurde abgelehnt. Als Bei- trag zum Bau einer evangelischen Kirche und als Ablösung für .r- und Spanndienste wurden 30000 M. gegen die Stimmen unserer Genossen bewilligt. Die alte Dorfkirche in der Haupt- stcaße wird einem Neubau weichen, wie denn auch troh der vielen Austritte aus der Landeskirche auf dem Gelände jenseits der Bahn ein Terrain für eine zweite Kirche reserviert ist. In der Armenpflege hat sich die Schaffung von 5 neuen Bezirken not- wendig gemacht. Hierzu wurden 5 Pfleger gewählt. Auf An- regung unserer Genossen wurde die Versicherung gegeben, daß von uns Vorgeschlagene gern akzeptiert werden. Den Bewohnern der „Freien Scholle" wurde der Mindestverbrauch an Leitungswasser von 10 M. auf 7,50 M. herabgesetzt inklusive Miete für Wasser- messer; doch soll es bei HauSmessern bleiben. Zur Ausgleichung des Haushaltsetats für 1910 im Betrage von 130 000 M.. soll der Grundbesitz herangezogen werden, da eine Erhöhung der Ein- kommensteuer für Tegel im allgemeinen Interesse vermieden wer- den muß. Die Hausbesitzerpartei erklärte sich zwar mit dem Prinzip der jährlichen Festsetzung der Grund- und Gebäudcsteuer einverstanden, wollte aber von der Festsetzung des doppelten Steuer- atzes für unbebaute Grundstücke nichts wissen, sondern will erst zen Voranschlag abwarten. Zum Schluß machte einer unserer Genossen darauf aufmerksam, daß in diesem Jahre, entgegen der gesetzlichen Vorschrift, die Wählerlisten an Sonntagen nicht aus- qelcgt seien. Dies sei eine Benachteiligung der Wähler der dritten Abteilung. Der Gemeindevorsteher versprach, dem nachzukommen. Ein dringlicher Antrag, die Gemeindevertretung wolle beschließen, Berufung gegen den Entscheid des KreiSauSschusses einlegen, der am 8. Dezember die Wahl des Genossen Arcndsee für ungültig erklärt hat, wurde vom Vorsteher zurückgewiesen, weil das Urtei! noch nicht zugestellt ist. Ob die Begründung so schwer ist?, Spandau. Bezugnehmend auf den Bericht über die WahlvereinSversammkung teilt uns Genosse E. Stahl im Austrage der GeschäftSkommiision mit, daß dem Berichterstatter ein Irrtum unterlaufen sei. Die Partei fetzt nickt, wie es in dem Bericht heißt, bei jedem Abonnenten pro Monat 35 Pf. oder bei 1025 Vorwärtsabonnenten 357,75 M., sondern bei jedem Abonnenten pro Monat nur 11,4 Pf. oder im Monat 116,65 M. zu. Verfammlunclen. Für die Borsigschen Arbeiter veranstaltete der Deutsche Metallarbeiterverband am Sonnabend eine Versammlung in Tegel. Den unmittelbaren Anlaß zu' derselben gab die Ver- breitung eines reichsverbändlerischen Flugblattes unter den Ar- beitern der Borsigschen Fabrik. Nach bekannter Manier versucht das Flugblatt den Arbeitern vorzureden, daß die neuen Lasten, welche ihnen durch die Reichssinanzreform auferlegt worden sind, gar nicht so erheblich seien und eigentlich gar keine Belastung des Arbeiters darstellten. Um den Empfängern des Flugblattes eine sachkundige Beleuchtung der reichsverbändlerischen Schwindeleien und eine zutreffende Darstellung der Wirkungen der Steuerpolitik Zu geben, berief der Metallarbeiterverband� diese Versammlung ein und gewann als Referenten den Genossen Molkenbuhr. Mit gründlicher Sachkenntnis zeigte der Referent, wie schwer die neuen Steuern gerade die Arbeiter belasten, die ja bisher schon über die Maßen mit Steuern belastet waren, und daß es eine wissentliche Unwahrheit ist, wenn das Flugblatt des Reichs- Verbandes, gestützt auf falsche Berechnungen, den Arbeitern das Gegenteil einzureden sucht.— Die rege Diskussion ließ erkennen, daß die anscheinend von der Firma Borsig unterstützte Agitation des Reichsverbandes bei den Borsigschen Arbeitern durchaus nicht die Wirkung gehabt hat, welche die Verbreiter des Flugblattes erwartet haben mögen. Fanden doch die Besucher der Versamm- lung durch die vom Referenten vorgeführten Tatsachen und Be- rcchnungen alles bestätigt, was sie in ihrem Haushalt längst un- angenehm empfunden haben: Eine unerträgliche Mehrbelastung ihren notwendigen Ausgaben.— Unter anderen nahm auch Ge- nosie Cohen das Wort. Er zog ans der Steuerpolitik der herrschenden Klaffen die Nutzanwendung: Die Arbeiter müssen die Mehrbelastung, welche ihnen durch die Steuern auferlegt worden ist. durch Lohnerhöhung und Verbesserung ihrer Arbeitsverhält- nisse wieder auszugleichen suchen. Die notwendige Vorbedingung dazu ist die Stärkung der gewerkschaftlichen Organisation. Das Flugblatt des Reichsverbandes will den Zusammenschluß der Arbeiter hindern und Zwietracht unter sie säen, damit sie nicht in die Lage kommen, die Verteuerung ihrer Lebensmittel durch Lohnerhöhung auszugleichen. Die Arbeiter müssen dem Treiben der Volksfeinde entgegenarbeiten. Nicht nur in der Gewerkschaft. Auch bei politisöhen Wahlen müssen sie nur Vertretern ihrer Interessen ihre Stimme geben.— Auch das Schlußwort des Referenten klang aus in dem Gedanken: Stärkung der Arbeiter- organisation. damit die Arbeiterschaft den Kampf für ihre Rechte mit Erfolg führen kann._ Vermifcbtea. Die Brandkatastrophe in London. Ueber das furchtbare Brandunglllck in dem Warenhause von Arding u. Hobbs in Clapham, einem südlichen Vorort von London, über das wir in der gestrigen Nummer kurz berichteten, wird aus London noch gemeldet: Das Feuer hüllte in wenigen Augenblicken das mächtige Waren- Haus in Flammen. Krachend sprangen die Schaufenster der für da? Weihnachtsfest prunkvoll dekorierten Auslagen. Unter den an- gestellte» jungen Männern und Mädchen entstand eine fürchterliche Panik, da fast alle Ausgänge durch die Flammen versperrt waren. Mehrere Männer sprangen au« betrachtlicher Höhe herab und wurden schwer verletzt. Die in der Nähe befindliche Distrikts- telephonzentrale war längere Zeit bedroht. Die Feuerwehr konnte das große Geschäftshaus nicht retten. ES stürzte krachend unter einem Funkenregen zusammen. Dem Arbeitsminister Burns, der vor dem Eintreffen der Feuer- wehr auf dem Brandplatze erschien, ist eS vor allem zu verdanken, daß das Feuer nicbt weiter um sich griff. Er organisierte sofort aus zufällig anwesenden Soldaten und Matrosen RettungSmann- schaften und liefe die Straßendekorationcn und Rcklamemaste, die da? Feuer weiter zu verbreiten drohten, niederlegen. Er wagte sich auch am weitesten gegen, die Flammen vor und empfing die Angestellten, die sich aus den Ausgängen retten konnten. Durch und durch naß. das Gesicht geschwärzt, die Kleidung mit Zemenlstaub bedeckt, die bei dem Retlungswerk verbrannte Hand in einer Binde, verließ BurnS unter den Beifallsrufen der Menge den Brandplatz. um sich sofort zu einem angesagten Wohlmeeting zu begeben. Dort erklärte er, angesichts dieser Katastrophe solle man das Meeting ausfallen lassen. Er forderte die Erschienenen auf, zum Zeichen der Trauer den Hut abzunehmen und ruhig nach Hause zu gehen. Die Anwesenden leisteten seiner Aufforderung Folge. Die Zahl der Opfer. Nach einer Meldung aus London sind, wie bis gestern mittag festgestellt war. sieben Menschen ums Leben gekommen und 30 Bcr mundete geborgen worden. Die Zahl der Vermißten ist noch nicht bekannt, man versucht, eine Liste der Angestellten aufzunehmen, um ausfindig zu machen, wer von ihnen noch fehlt. Der Material- schaden wird auf mehrrr« Millionen veranschlagt. Opfer des SturmS. In Paris ist aus Fscamp eine Meldung eingelaufen, daß die Fisckerbart«St. Joseph" vom Sturm gegen den Hafendamm geschleudert worden und mit der sechs Mann betragenden Besatzung untergegangen ist.— Eine Meldung aus Libau besagt: Seit mehreren Tagen wütet hier ein orkanartiger Sturm, dem mehrere Fiseber zum Opfer gefallen sind. Eine an ein Boot ge- bundene Leiche ist ans Land gekpült worden. Der hier eingetroffene russische Dampfer„Liirnmia" Hai auf setner Fahrt fünf Mann von einem gesunkenen deutschen Schoner gerettet., J Dreifacher Mord in einem Pfarrdorfe. Luzerner Meldung zufolge sind in dem Pfarrborfe R u s w i l in der letzten Nacht die Frau des Pferdehtindlerö Bisang und zwei Knechte, die bei ihm im Dienst standen. ermordet und das Wohnhaus und die Scheune des An- wesenö in Brand gesteckt worden. Bisang selbst wird vermißt. Hochwasser wird aus Petersburg gemeldet: Infolge eines heftigen SeeslurineS ist das Eis aus der Newa geborsten. Durch das rapide Steigen des Wassers sind die niedriggelegenen Stadtteile überschwemmt. Milnär und Feuerwehr haben alle Hände voll zu tun, um die arg bedrohlen Bewohner der iinler Wasser gesetzten Häuser zu retten. Von auswärts werden zahlreiche Schiffsunsälle gemeldet._ Ai»«Itcher Marktbericht der städlllchen MarNdallen-DtreNton über den Mrotzbandel in den Zentral-Marttdallen. Vknrktlaqe: F l e>! ch: Zuiubr reichlich, Kelchäit lebhast. Preise unverändert. Wild: Zufubr knapp. Gelchä» lebhast, Preise gnt. Geslügel: Zusnbr knapp, Geschält lebhast. Prelle besriedigend. Fische: Zuluhr mäßig, Geschäft ruhig, Preise wenig verändert. Butter und Käse: Geschäft ruhig, Preiie unverändert. Gemüi«, Obb und Südsrüchte: Zujuhr genügend. Geschäft rege, Preise besriedigend. Theater und Vergnügungen □□□ DOD □□□ Mittwoch. 22. Dezember. Ansang 7'/, Uhr. KSntgl. Opernhaus. La Travlata. König). Schauspielhaus. Der deutsche König. Deutsches. Hamlet. Kammerfpiele. Major Barbara.(Ansang 8 Uhr.) Aiilang 8 llbr. Neues köntgl. Operu-Aeater. Geschlossen. Neues ZchausPielhauS. Ihr letzter Brief. Rachm 3 Uhr: König Zipapek. Lesiiilg. TanlriS der Narr. Komische Oper. Tiefland. Neues. Ei» königlicher Späh. Kleines. Heuchler. Die Medaille. Neu s Operette«. Geschlossen. Hebbel. Der Skandal. Berliner. Hohe Politik. Trianon. Buridan« Esel. Nesldrnz. Im Taubenschlag. Schiller O(ttulliiei• iötaket.) Miß HobbS. Ich ii. Eharlotteuburg. Gespenster. Friedrich>«Stlhelinftadt. Schau. spielbauS. Die Haubenlerche. Westen. Tie geschiedene Frau. Nachm. 4 Uhr: Struwwelpeter. Thalia. Die süße Sora. Nachm. 4 Uhr: Max und Moritz. Luisen. Gib mich srel. Nachm. 4 Uhr: GoldharchenS Himmelfahrt. Boltsoper. Der Barbier von Sevilla. (Anfang 8'/, Uhr.) Rate Faust. achmittaas Himmelsahrt. Nachmittags 4 Uhr: Goldhärchens Luftsvielhaus. Der dunkle Punkt. Nachm. 3'/, Uhr: Der Zauberkessel. Metro», l. Halloh II— Die große Revue. Falles Capriee. Sicher ist sicher. Bunter Teil. Der Mann meiner Frau.(Ans. B'l, Uhr.) Npoua. Spezialitäten. Wintergarten. Srezialftäten. (Lafiuo. Der Obergauner. Gebr. Herrnfeld. So muh man'S machen. Sin Rettungsmittel. Karl Haverland. Svezialftätm. Wall,»lla. Sorzialitäien Gastspiel. Der Hüttenbefitzer. g»a>.,>gr. Speztalitäten Buggenhagen. Spezialitäten. Urania. T,>>r»he«NiJII. AbenoS 8 Uhr: In den Dolomiten' L»eri>>»nrrr,(ziivalidenn:.7—62. l,eHKlnK-The»teP, 8 Uhr: TautrtS der Narr. Donnerstag, 7>/, Uhr zum ersten- mal: Da« Konzert. Freltag: Geschlossen. Die Kasse ist von 10— l Uhr geöfsnet._ Berliner Theater. tut flöhe Politik. Morgen: Hohe Politik»_ Neues Theater. Abends 6 Uhr: Lln küaixiicder 5paL. Morgen und folgende Tage: Ein königlicher Späh. Volks-Oper. S\V, Belle-Alltance�traße Nr. 7/8. Anfang'iß Uhr. Der Barbier von Sevilla, Trianon-Theater. DdcndS 8 Öhr: Kuridans Esel. Theater des Westens. 8 Uhr: Tie geschirbrne Frau. Mittwoch und D mnerstag: _ Struwwelpeter._ Keuss Operetten-Theater. Schlllbauerdamm 25, a. d. Luilenftr. Mittwoch venchloBuen. Donnerstag zum erstenmal: Ter Graf von Luxemburg. Ans.?>/, U. Lustspielhaus. Nachm. 3 Uhr: Der Zauberstossel. Abends 8 Uhr: Der dunkle Punkt. fMoH-WItoeWittlsotiss Schauspielhaus. Mittwoch, den 23. Dez., Anfang 8 Uhr: Die Haubenlerche. Donnerstag zum erstenmal: Im bunten Rock. Lustspiel in 3 Akten von Schönthan u. Frhr. v. Schlicht. Freitag: Geschlossen._ Residenz-Theater Direktion: Richard Alexander. Abends 0 Uhr: Im Taubenschlag. Morgen und folgende Tage: Tieielbc Vorstellung. An den Feie- tagen: Im Taubcn- schlag. 1. Feiertag 3 Uhr: Musotte. 2. u. 3. Feiertag 3 Uvr:«iimmrre Ttch um Amelie._ Luisen-Theater. 4 Uhr: Gr. Klnder-Borftellung. GoldhärchrnS Himmelfahrt. rigtnal-Weihnachlsmärchcn m. Ges. u. Tanz v. D. Goebler u. Rinklebcir. Abends 8 Uhr: w W M Irei. Ä Schauspiel in 5 Akten nach einer Er- zählung von H. CourlbS-Mahler von Ernst Ritteiseldt. Donnerstag: Gib mich frei. Freltag: Geschlossen.__ Schiller-Theater. Schiller-Theater(Charlottenburg). Mittwoch, obends 8 Uhr: Oeapenater. Ein Familisndrama in 3 Auszügen von Henrik Ibsen. PWU- Ende II Uhr.*VQ Donnerstag, abends 8 Uhr! •lunxtfer Obrlzckelt. F r e i t a a:<ücsciilo»aen. Schiller-Theater 0.(Wallner-Theat.) Mittwoch, a i> e„ d S 8 Uhr: Miß Hobbs. Lustspiel in 4 Auszügen von Jerome K. Jerome. Deutsch v.- W. Wolters. SV- Ende IG,. Uhr.-»« Donnerstag, abends 8 Uhr: Vau Kfithchen v.HclIbrona F r t i t a g: sbieeeblossen. Urania. Wissenschaftliches Theater. Abends 8 Uhr: In den Dolomiten. Metropol-Theater Hallo!!! Die große Revue! In 8 Bildern von Jul. freund. Musik v. Paul Lincke. In Szene gesetzt vom Dir. Bich. Schultz. Anlang S Uhr. Rauchen geetattet. 8 Uhr Das Progr. d. Novitäten! 8 Uhr Mit Prinz Pinne. Burleske in 3 Bildern. W:' Kenry Bender. 9 30 Der Schinipanse Tourist, Rodelfahrer, Rollschuhllufer. 10 Uhr: Das Wunderkind Peilt Rcheric, d. kleinste u. beste Thlophon» Virtuose der Welt. OSE=THEATE Große Frankfurter Str.>32. Ans. 8 Uhr. Ende ii'/, ü. Fanst. Der Tragödie erster Teil von Goethe. Nachm. 4 Uhr: Goldhärchens Himmelfahrt. Donnerstag: Fanst. Ssstspisl-Ilioslel. Heute und folgende Tage 8 Uhr: Der Hüttenbesitzer. Sonntag nachmittag 3'/, Uhr: Kleine Preise. Passage-Panoptiloiin. Senegal in Berlin! 50 wilde Weiber Männer, Kinder. Drei Negerdörfer Ohne Extra-Entroe! Vom 22. Detlir. bis inkl. 4. Januar: Tolkstage! Otto jteutfer. = La Pia= in ihrer Szene„Der Wellen OeiBt". Heriana Hände• Theater t .Entführung d. Salome-Tänzerin", gespielt von 42 Hunden und die auserlesenen Sterne am DezemberaHimmel des' Wintergartens. Kommandamenstr. 57. T. 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Dezember, abends 7»/, Uhr: Brillante Vorstellnng;. Debttt t Dcbiit! Clown Bagonghi. Der kleinste und komischste Reiter der Welt. Henr� Valdorf d. moderne Slmson hebt ein drehendes Karussell. llös Amerikaner Mr. Niblo mit(einen wunderbar sprechenden Papagei"'. Um 9 Uhr Ende I: Uhl Die drei Rivaleu Große geerie in 5 Akten. Avis l An den 3 WeihnachtS- feiert» gen je 2 Vorstellungen. In beide» Vorstellunain ungekürzt Die drei Rivalen. vssino-ThcsKsi' Lothringer Straße 37. Heute 8 Uhr Der Ohergauner. Sonnabend, 25. Dez., nachm. 4 Uhr, Sonntag, 26. Dez., nachm. 4 Uhr: Neu! Trubchens Sommerretse. W.Koaoks Theater Srunnenltr. 16. am Rosenlbaler Tor Abends: Keine Borstellung. '1,5 Uhr: Kinder-Borstellung. Hansel und Gretel. Weihnachts-Apoiheose. Gratisverlos. Donnerstag'1,5: Kindervorstellung. 3 Feierlage, nachm. und abends: Sxtra-Vorslcllungcn. Busch. Heute MiUwoch, den 22 Oozbr., abends 71/, Uhr präzis«: Großer Gala- Abend! SV* Hon«. Colon!-MF mit seinen dressierten Affen. Oer Amerikaner Kerslake in. s. weither. dressiert.Schw einen. Herr E. Schumann, Orig.-Bcsa. sy. ühr: Farmerleben. Besonders hervorzuheben: Die 10 Meterhohe Springfluth. Ueber- fall u. Rettung a. d. brennend. Blackhause. Vorher: Das große Gala-Programm. An allen drei Feiertagen nachm. Farmorleben. ü Qastsplel-Theater. Sfiozart-Oper. 23. Dezember(1. Feiertag) 8 Uhr: Zar und Zimmermann. Rm.3'/zU.; Postillion von Lonjumeau. 26. Dez.(2. Fcleri.) 8 Uhr: Die Jüdin. Nm. S1/, Uhr: Der Freisohlitz. 27. Dezember, abds. 8 Uhr: tlntUne. Neu© Welt, Hasenheide. Mittwoch, den 22, Dezember: Keine Torstellung. KSnigstadt- Kasino. Hoizmarltstraße 72. Tägllch: Gr. WeihnachtS-Borstellungen. Berliner Herzen cd-r- D, du gnadenreiche weihnaohtszelt. Weihnachtssestspicl mit Ges. von Fischer-Ohmann mit Eranu Sobanalki. Neue Spezialitälen. Ans. 8 Uhr, bei Festspiels 91/, Uhr. An allen 3 Feiertagen: Gr. Fosl- Vorstollungen. Ans.&'/, Uhr. Palast-Theater. Dwektion: Robert Dill A Karl Pirnau. vurgstraße 24, am Bahnhof Börse. Wegen Renovation geschlossen. A« allen drei Feiertage» i IM Fesl-Vorsielliien Billettvorberkaus täglich von U dl» 1 Uhr im Theater- Bureau. M 8 Uhr. Georg Schindler der berühmte Mundharmonika-Virtüose und Berlins ttthrendea Spezialitäten-Pfogramro. Sanssouci, Direktion Wilhelm Reimer. Bis Weihnachten geschloffen. An allen drei Feiertagen: Cr. Ellte-Fest-Solreeii. Hoffmanns und Weihnachtskränzchen. QroBartigee, hochaktuelles Programm mit den modernsten Dchlageru! Karl Maverlsrid Anfang Theater präz. 8 U 77/79 Kommandantenstraße 77/79. d Q neue erstklassig«-g»3 fipesialiditea. Schlager auf Schlager! Alt-noablt 47/48. Sonnabend(1. Feiertag). 25. Dez.: MeihimchttttmFeilldeslanif. Sonntag(2. Feiertag), 26. Dezember: Der Walzerköuig. Montag(3. Feiertag), 27. Dezember: Zum unwiderruflich letztenmal: Maria Stuart, Reichshallen-Theater. 8tetllner 8ilnger Zum Schluß: Der Nachtwächter vo« Zerpenfchleuse. Studentenbild e.F. Meysel Ansang: SB och mt. 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. Sonntag, 26. Dezember 1909 iL. Fe r kaa), präzise 12 Uhr: Graste Weihnachts-Fest« cncfiz-Matinee. Für de« Jubalt der Inserate Uvernimm» die Redaktion dem «blttum gegenüber ttiuerlei eraunvortuug. I i H l( M I» M )< »> H M K X H I l( »< »« PS Ii M »i II 14 14 H H M M Sozialdemokratischer Wahlverein des IV. Kerl. Reichstagswahlkreises. Sonntag, 26. Dezember 1909(2. Weihnachtsfeiertag): Zwei große Matineen in Kellers Festsälen, Koppcnstr.«« unter Mitwirkung der Konzertsängerinnen Fräulein Hedwig; C ei Bier. Fräulein Slarianne Weyer und des Rezitators und Dialekthumoristen Otto Wiemer. im Konzerthaus Sanssouci, Kottbaser str.« unter Mitwirkung der Frau Margarete Walkotte und des Trios der Herren lt. Kursch, W. Oeckcrt und!?'. Wntdentscb. Eröffnung 11 Ubr. Billett 30 Pf. Anlang präzise 12 Uhr. ZWT' Wir ersuchen die Mitglieder und deren Angehörige, sich rechtzeitig mit Billetts zu versehen, da offene Kasse nicht stattfindet. 221/17* Das Komitee. r Sozialdemokratischer Wahlverein "I des VI. Berliner Reichstags-Wahlkreises. Sonnabend, den 25. Dezember, mittags 12 Uhr (1. Wcihnachtsfeiertag): Große Matinee im Berliner Prater, Kastanien-Allee 7/9. Mitwirkende: Berliner Ulk-Trio, Gesangverein„Hilaritas". Freie Turner der Schönhauser Vorstadt, Zivil-Berufsmusiker. - N- Sonntag, den 26. Dezember, mittags 12 Uhr (2. Wcihnachtsfeiertag): Sechs Matineen . in folgenden Lokalen; Prachtsäle NordeWest,£ Jos. Frankes Pestsäle, Wiclefstr. 24. A Badstr. 19. Patzenhofer Brauerei, L Bernhard Rose=Theater, Turmstr. 25/26. äj Badstr. 57. Ballschmieders Etablissement, f Germania<> Säle, Badstr. 16. 3? Chausseestr. HO. Mitwirkende; Berliner Ulk-Trio, Berliner Humor-Trio, Volkssängergesellschaft Hugo Anke, Apollo-Sänger, Volkssänger-Gesellschaft Strzelewicz, Paul Mantbeys„Lustige Sänger", Mundharmonika-Verein„Vorwärts", Elite-Orchester Fritz Blume. Gesangvereine: Liederlust II, Vereinte Sangcsbrüder Moabit, Vereinigter Sängerchor Wedding,„Neu erwacht".— Freie Tnrner und Zlvll-Bcrnfsmusiker. Sonntag, den 26. Dezember, nachmittags 5 Uhr Heiterer Kunst- und Musikabend in den Pharus-Sälen, Müllerstr. 142. Mitwirkende: Berliner Ulk-Trio, Tietzsche Konzert-Kapelte, Lotte Frank(Soubrette), Herr FrMz Richard vom Deutschen Theater. 233/16* Die Komitees. Spezlalgescbäf t f.(Jbrcn tin grSBter Auswahl,* gut gebend, genau reguliert: Kaval-Remt.-vhrei, v. 5 M. Silberne Remt.-Uhesn 7 M. Goldene Remt.-Vhrsn 12 M. Schlagw.Ncpert.-Uhrsn 9 M. Jgh.-Wcck.-Uhren o. 2M. an Beolls schriftliche Garantie. 13. 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Dezember, in allen bekannten Lokalen kassiert. Wir machen die Mitglieder darauf aufmerksam, daß bis auf weiteres anstatt 13 14 Wochenbeiträge vierteljährlich zu zahlen sind und beginnt dieses mit dem 4. Quartal 1909. 119/16_ Die örtliche Lerwaltuna Berlin. �wvfsvvi-vln Berlin and Cmgcsend. Heute Mittwoch, den 22. Dezember, abends 8 Uhr: Außerordentliche General-Versammlung in Anton B ö k e r s Festsälen, Weberstraste 17. TageS-Ordnung: Lcrirag deZ Genossen Hermann StUberscbmIdt. 2. Diskussion. 3. Slnirägc aus den Bezirken Erhebung eines Loialzuschlages in den beiiragssreien Monaten. 4. Wahl eines Äusschulzmilgiiedes. aus Wegen der Wichtigkeil der Tagesordnung ist es Pflicht eines jeden Kollegen, in dieser Bersammlimg zu erscheinen. Mitgliedsbuch oder Kontrollkarte legitimiert, o h n e dasselbe fein Einlas'. 31/10t Die Stichwahl der delegierten zum 11. Perbaudstag zu Leipzig findet morgen Donnerstag, den 2». Dezember, in sämtlichen Bezirken in den Versammlungslokalen stalt. Die Mitglieder der Seitioneu wählen bei der Stichwahl ebensalls in den Bezirken._ Per Zwelgvereinavorstand. ner nli ZlrbeitSnnchweiS: Hvi t. Amt 3. 1239. Verwaltungsstelle Berlin, vauptburean-. CharitfestraBe 3. Hos III. Amt 3. 1987. Der Feiertage wegen Tagen geschlossen: bleibt das Bureau an folgenden Freitag, den 24. Detember, nachmittags. Sonnabendz den 25. zieteinber. den ganzen Tag. Montag, den 27. Dezember, nachmittags. Freitag, den 3l. Dezember, nachmittags.» Sonnabend, den 1. Januar, den ganzen Tag. 131/14 Dl« Ortsvcrtvaltanx. IM IlZf Ortsvcrwaltang Berlin. Das Verbandsbnrean ist am Freitag. Dezember(Heiligabend) und am Freitag 24t. Dezember(Heiligabend) und am Freitag, den ZI. Dezember(«ilvester) nur bis 1 Uhr mittags geöffnet. Das Bureau ist geschlossen am: Freitag, den 24. Aezember, nachmittags. Sonnabend, den 25. Arzember, den ganzen Tag. Montag, den 27. Dezember, den ganzen Tag. Freitag, den 31. Dezember, nachmittags. Sonnabend, den 1. Januar, de» ganzen Tag. Diejenigen Arbeitslosen, welche die Unterstützung Sonnabends zu bekommen haben, erhalten sie Freitags, vormittags von 9— IS Uhr, ausgezahlt. Die Arbeitsnachweise sind am 25. und 27. De. zember und 1. Januar geschlossen. Die Etnbasjltrttng der Krtträge in den Iahlstrlien erfolgt am 24. Dezember von 4—6 und am 31. Dezember von 5—7 Uhr. 93/20__._ Die Orts Verwaltung. Pilsener Rranhaiis (G. m. b. H.) Ringfreie Brauerei .m c. Rungestr. 18a empfiehlt ihre erstkliiisisis/en Bicre Amt IV. 4562 2970L* zu billigen Preisen. Roter Laden, qj£ Q/fte&a'nf/ei&f'i. yepenti�n,o|, dritte» Eingang, vier Tre»»e», DM" F-hrftahl"Mg wocheatögllch abends von 7zz bis 9V, Übe statt. Gesffnet 7 Üb». Sonnabends beginnt die eveechiiunbe um 6 Uhr. Jeder Anfrage ist ein Buchstabe»nb eine Zahl al» Merkzeichen beizufügen. Briefliche Antwort wird nicht erteil». Bis»ur Beantwortung im Briefkasten könne« 1t läge vergehe». Eilige Fragen trage «an in der Evrechstuade vir. M. P. HO«. Ersuchen Sie unter Darlegung 6e9 SachverhalkcS da» Vormundschajlsgericht, die Summe zur Begleichung der UnterhaltSkosten zu verwenden. Sollte dies abgelehnt werden, steht Ihnen das Recht der Beschwerde an das Landgericht zu.— A. B. Ist über die Kündigungs» frist nichts vereinbart, auch im Taris nichts darüber gesagt, so steht dem gciverblichen Arbeiter, Gesellen, Gehilsen, eine vierzehntägige Kündigungs- srift zu. Die Kündigung kann täglich ausgesprochen werden und ist mangels einer anderen Bereinbarung keineswegs an den Schluß der Woche gebunden. X. N Z- Gin Anspruch steht der Betrcfsenden leider nicht zu.— W. W. 100. Die Leistung de« OssenbarungSeides hindert den, der den Eid geleistet hat, keineswegs an irgend welchen Erwerb. Der Gläubiger ist aber auch nach Leistung deS OssenbarungSeides jederzeit zum Versuch einer Psändung berechliat. — Auerbach. Können Sie beweisen, daß der Fall so liegt, wie Sic ihn vorgetragen haben, so lehnen Sie die Annahme und Zahlung ab.— St. 11. Gegen das Herkommen Ihrer Mutter werden voraussichtlich Schwierigkeiten nicht erhoben werden. Einen UnterstützungSwohnsitz cr- wirbt sie erst in Beitin, nachdem sie ein Jahr lang hier ohne öffenllichc Unterstützung gelebt hat.— P. 10. M. Wird bewiesen, daß innerhalb der kritischen Zeit Mehrere mit der Mutter verkehrt haben, so steht gegen keinen derselben der Mutter oder dem Kind ein Anspruch zu.— E. K. I t. Ja. DaS ist möglich.— G. 100. 1. Seit dem 1. Juli nicht mehr; die untere Grenze sür die Erhebung von Mietsstempel ist durch das Stempel- steuergcsetz seit diesem Datum von 300 aus 360 M. herausgesetzt. 2. Für eine verhältnismäßig nicht erhebliche Zeit der Behinderung wäre nach§ 616 B. G.-B. Lohn zu zahlen. Wie lang diese Zeit ist, ist von Fall zu Fall unter Berücksichtigung aller Umstände, insbesondere auch der Dauer des Vertrages, zu entscheiden — W. T. 581. l. Der Finder kann einen Finderlobn verlangen. Der Finderlohn beträgt von dem Wert der Sache bis zu 300 M. 5 Proz., von dem Mehrwert 1 Proz., ebenso bei Tieren 1 Proz. Der Anspruch aus Finderlohn ist ausgeschlossen, wenn der Finder die Anzeigepflicht verletzt oder den Fund aus Nachsragc verheimlicht. 2. Nein.— Martha 100. 1. Ja.£. Wird in einem Ehescheidungsprozeß der Vater sür schuldig er- klärt, so geht die Fürsorge für die Person der Kinder aus die Mutter über. Sie hat das Erzicynngsrecht, ihr steht aber weder die Besuguis zur Ver- tretung des KinocS noch die zur Vermögensverwaltung oder citcrlichcii Nutznießniig zu. 3. Solch Buch gibt eS nicht.— B. T. 25. 1. Der alle Veclrag behält seine Gültigkeit. 2. Eine Wirlschasteri» ist iiioalidenvcrsiche- rungspslichtig, nicht aber trantenversichcrungspslichiig.— Veteran. Nein. — A. P. 43. 1. Wenden Sie sich an den Rektor. 2. Liegt kein Testament vor, und haben die Ehcleuie keine Kinder miteinander, so erbt der Ueber- lebende die Halste des Nachlasses, jedoch gehören ihm im Voraus die Hoch- zcitsaeschenke und die zum ehelichen Haushalt gehörenden Gegenstände. 3. Ihre Frau, auch Sie selbst können zum Vormund ernannt werden. Stellen Sie einen dahingehenden Antrag beim Amtsgericht— P.®. 126. 1. Ja. 2. Wenn eine gütliche Einigung nicht erfolgt, kann Erbauseinander- sctzung beim Amtsgericht beantragt nnd Klage aus Zahlung deS Erbteils erhoben werden.— N. 113. Die Statuten sind zu stempeln. Die BereinSmitglicdcr hasten sür richtige Stempelung.— M. M. 43. Nein. rSasserftaudS-Staehdlchte» der LandeSanilalt für Gewässerkunde, mitgeteilt oom Berliner Wetterbureau. vasserstand M e m e l. Tilftl P r e g e l. Jnsterburg Weichsel, Tbdrn Oder, Ratibor , Krollen , Frantiurt Wa r t h e, Schrimm , LandSberg Netze, vordainm Elbe, Leitmeritz , Dresden » Bardo , Magdeburg Wasserstand Saale, Grochlttz Havel, Spandau') , Ratbcnoiv') Spree, Svremberg') , BeeStow Weser, Münden , Minden Rhein, MaximUianSau , Kaub . Köln Neckar, Heilbronn Main. Wcrlheim M o j- l, Trier 0 g- bedeutet Wuchs.— Fall.') Untcrpegel.•) Eisstand.') Eis» treiben.') eisfrei.•) schwacher Eisgang,'j Eisgang,'j schwaches Eis. treiben Auf der O d e r bci Schwedt Eisgang. / Spreegold-Margarine! Vom Guten das Beste! Sie wird hergestellt aus den feinsten, in eigener Schmelze gewonnenen Rohstoffen, mit süßer Sahne verbuttert, daher im Aussehen, Geruch und Geschmack bester Butter ebenbürtig. Der Betrieb unseres, mit den modernsten Einrichtungen der Neuseit ausgestatteten Werkes ist eröffnet Qefl, Anfragen und Aufträge sind zu richten an die ■Je. n. Ii Ii Tel. Amt Lichtenberg 694/95. Jedes Wort 10 Pfennig. 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