?r. 2SG. BbonnemenfS'Bcdingungen: Akonn»me»lZ. Preis pränumerando J Blerteljährl. 3,30 Ml., monatl. 1,10 Ml., wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags. »ummer mit illustrierter Sonntags- Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfg, Post- Abonnement: 1,10 Mari pro Monat. Eingetragen in die Pofl-ZeitungS» PreiSIisle. Unter Kreuzband für Deutfchland und Oesterreich. Ungarn 2 Mark, für das übrige Ausland 3 Marl pro Monat. Postabonnements nehmen am Belgien. Dänen, art, Holland, Italien, Luxemburg. Portugal. Rumänien, Schweden und die Schweiz. 36. Jahrg. vlchewi Ugii» an&tr moDtajj. Berliner Volksblnkl. vie snsertionz-SebüI»' btlrügt für die scchSgeipaltene Kolonel« geile oder deren Raum 50 Psg., sllr politische und gewerlschastNchc Vereins- tmd VersammlnngS-Anzeigen 30 Psg, „KUlnc ZZnreizcn", daS erste ssett» gedruckte) Wort 20 Psg., jedes weitere Wort 10 Psg, Stellengesuche und Schlaf- siellen-Anzeigen das erste Wort 10 Psg,. jedes weitere Wort 3 Pig. Worte über Buchstaben zählen lür zwei Worte. Inserate sür die nächste Nummer müssen bis S UhrnachmittagS in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis? Uhr abcndZ geössliet, Telegrainm-Adresse: „Sozialiferookrgt Rlrlln". ZcntrAlorgan der fozialdcmokratt fehen Partei Dcutfcblands. Redahtion: SA. 68» Lindenstraes« 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Donnerstag, den 33. Dezember 1909. Expedition: SA. 68, Lindenstraeae 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1981. LeschichtZkIitterung. Der alte Schräder, sonst einer der zahmsten Frei- sinnsmannen, hat, wie schon berichtet, einen Anfall von „Männerstolz vor Königsthronen" gehabt und hat verlangt, die Eröffnung des Reichstages müsse im Reichstagsgebäude selber und nicht im königlichen Schlosse geschehen. Ueber diese ganz vernünftige Forderung ist die„Kreuz- Zeitung" ganz aus dem Häuschen geraten und hat eine„naupeugeheuerliche Geschichtsklitterung" aus dem Jahre 1848 daran geknüpft, auf welche noch etwas näher ein zugehen wir für notwendig erachten. Denn dies Blatt, die Schöpfung der berüchtigten Hofkamarilla von 1848, wirkt heute noch im Geiste jener Gesellschaft fort und sucht, nach Bismarcks„berühmtem Muster", den Triumph der Märzrevolution von 1848 möglichst durch Entstellungen und Verdrehungen zu verkleinern, die dann von national- liberalen Professoren in ihren„historischen" Werken nachgeplappert werden. Dahin gehören die Behauptung, das; die königlichen Truppen im Stratzenkampfe vom 18. bis 19. März Sieger geblieben und nur durch ein„Mißverständnis" zum Abzüge bewogen worden seien, und ähnliche Legenden. Das Junkcrblatt greift darauf zurück, daß auch 1848 an den König Friedrich Wilhelm IV. die Forderung ge- stellt worden sei, die preußische Nationalversammlung, auch Vereinbarungs- und optimistisch konstituierende Versammlung genannt, in ibrem Sitzungssaale in der Singakademie und nicht im Weißen Saale des Schlosses zu eröffnen. Die„Kreuz- Zeitung" ist näinlich der Meinung, daß die Machtstellung des preußischen Königtums vorüber sei. wenn es sich zu etwas derartigem drängen ließe, und dem entsprechend habe denn auch der„mehr durch andere als durch eigene Schuld gedemütigte König" das Verlangen, in der Singakademie zu erscheine», auf das entschiedenste zurückgewiesen; er habe so- ge-- otis einem besonderen Blatte der Gesetzsammlung an die Abgeordneten kraft seiner königlichen Machtvollkommenheit und ihres NutertaneneideS den„Befehl" zum Erscheinen im Weißen Saal ergehen laffcn wollen. Die Abgeordneren seien aber mit wenigen Ausnahmen„ohne weiteres" im Schlosse erschienen. So läßt das Junkerblatt den König als eine Heldengestalt erscheinen, vor dessen gleich einem roolier de bronce stabiliertcr Machtvollkommenheit die Nationalversammlung erschrocken zurückweicht, sobald sie seine Stirn gerunzelt sieht und dann einen möglicherweise kommenden„Befehl" raunen hört. Die Nationalversammlung ward am 22. Mai 1848 er- öffnet. Zivei Monate zuvor hatte das Berliner Volk denselben König gezwungen, vor den Leichen der gefallenen Barrikaden- kämpfer die Mütze abzunehmen und einen feierlichen Choral anzuhören; am 21. März machte er den famosen Umritt, bei dem er Schwaizrotgold, die Farben der Revolution, angelegt hatte und von Stieber. dem berühmten„Kriminalisten", sich eine Fahne mit den gleichen Farben vorantragen ließ. Er erschien den Berlinern dabei sicherlich nicht als„schneidiger" Draufgänger. Am folgenden Tage mußte er wieder vom Schloßbalkon mit entblößtem Haupte den Leichenzug sür die gefallenen Volkskämpfer salutieren. Das waren unendlich größere Demütigungen, als das Erscheinen des Monarchen in der Singakademie gewesen wäre. Und doch unterzog er sich ihrer I Wie die Stimmung damals war, als die National- versanunlung zusammentrat, darüber berichtet Varnhagen van Ense: „Die Leute sind doch unverbesserlich. Der König hat daS Gelüst zu einer Rede, will die Nationalversammlung dazu aus dem Schloß eröffnen, nachher soll sie in der Sing- akademie ihre Sitzungen haben. Und die aldenien Minister widersprechen nicht. Aber die Abgeordneten widersprechen und erklären, daß sie aus das Schloß nicht kommen werden. Sie haben schon gestern(20. Mai) eine Vorberatung gehalten und halten heute noch eine." Schon aus dieser Notiz ersieht man. wie die Behauptung, die Nationalversammlung hätte sich„ohne weiteres" von dem König ins Bockshorn jagen lassen, eine dreiste Er- findung ist. Der Demokratte wäre es nur nützlich gewesen, wenn der König den in Aussicht gestellten„Befehl" hätte publizieren lassen. Im ganzen Lande wäre mit lebhaftester Entrüstung protestiert und der König zum Nachgeben gegen die Nattonal- Versammlung gezwungen worden, was für die letztere von großem Vorteil gewesen wäre und ihr Ansehen erhöht bätte. So aber wand sich der Minister Camphausen, ein liberaler Bourgeois kümmerlichster Sorte, der vor deni angedrohten„Befehl" des Königs ebenso sehr Angst hatte wie vor der Nationalversammlung, zwischen den beiden Machtsaktoren hin und her. Erst wollte er. als es in der Versammlung aufschäunite, den König zum Er- scheinen in der Singakademie bewegen; dann wendete er seinen Einfluß auf, um die Abgeordneten in den weißen Saal zu locken. Und das gelang ihm schließlich. Die Mehrheit er- schien dort. Der bekannte Herr v. K i r ch m a n n, damals Stuatsanivalt in Berlin, blieb demonstrativ weg, ebenso der "Abgeordnete I u n g, der Schriftsetzer Brill, der Abgeordnete BerendS, der für einen großen Revolutionär galt, aber „republikanische Einrichtungen und an ihrer Spitze einen König"— die Republik mit dem Großherzog!— einführen wollte, und etwa ein Dutzend andere. Johann I a c 0 b y, der wohl auch weggeblieben wäre, befand sich damals noch nicht in Berlin. Die„Krcuzzeitung" will die Sache so darstellen, als hätte die Kamarilla den König schon damals so„ g e st r a m m t" gehabt, daß er der Nationalversammlung gegenüber das volle Selbstherrscherbcwußtsein wieder erlangt hatte. In Wahrheit hat die elende Zwifchenträgerei Camphausens, der allerdings in der Versammlung viele Geistesverwandte von gleichem Tiefstand hatte, den König vor einer neuen De mütigung gerettet. Wir wollen gewiß nicht dieser preußischen National Versammlung, die mit der Komödie des„passiven Wider standes" so schmählich untergegangen ist, nachträglich besondere Lobcshymnen singen. Aber diese Versammlung beschloß bald darauf, den Königstitel„von Gottes Gnaden" und den Adel in Preußen abzuschaffen; auch faßte sie gegen das Ministerium B r a n d e n b u r g- M a n t e u f f e l den be- kannten Steucrvcrweigerungsbeschluß. Das wäre doch schwer- lich geschehen, wenn der König der Versammlung so imponiert hätte, wie die„Kreuzzeitung" tut. Es herrschte damals in Berlin jener Zustand, den die Demokraten als„Freiheit", die Reakttonäre als„Anarchie" bezeichneten. Die Kamarilla benutzte diesen Zustand, um dem Könige Furcht einzuflößen. Er wurde mit den abgeschmacktesten Verschwörnngsgeschichten bearbeitet. Als sein Freund Lunsen ihni die Glaubwürdigkeit dieser Geschichten bestritt, schrieb ihm der König am 13. Mai— also kurz vor dem Zusammentritt der Nattonalversammlung— jenen bekannten Brief, in dem er behauptete, nach Berlin seien zum 18. März Wohl 30 OOO Mann„gräßliches Gesindel", nanient- lich Mannheimer, Wochen hindurch in die Stadt ge- schafft worden; auch erzählte er die Geschichte von dem Mannheimer Kaufmann, welcher das„göttliche" erste Garde- bataillon mit einer Axt angefallen haben sollte. Diese albernen Märchen haben sicherlich nicht dazu bei- gettagen, das Machtbewußtsein des Königs zu stärken. Indessen legte dieser seiner üblen Laune gegen die Kamarilla auch keine Zügel an. Noch im November 1848 erklärte er die Macher der Kamarilla für Rindvieh, wie General G e r l a ch berichtet. Kurz vor Eröffnung der Nationalversammlung fanden auch die Protestversammlungen gegen die Rückkehr des Prinzen von Preußen, des späteren Kaisers Wilhelm I., statt. Gegen diesen richtete sich, wie bekannt, ganz besonders der Zorn des aufständischen Volkes. Er entfloh nach England und schrieb von dort an Gerlach, daß das alte Preußen für immer untergegangen sei. Erst am 5. Juni kam er zurück und sprach am 8. Juni in der Nattonalversammlung, in die ihn der Be- zirk Wirsitz gewählt hatte. Er sprach sich dort notgedrungen für die konstitutionelle Monarchie aus, wurde aber von der Linken dennoch ausgezischt. Der renomnnstische Ton, den die„Kreuzzeitung" bei der Behandlung der Ereignisse von 1848 anzuschlagen pflegt, paßt also gar nicht zu dieser Angelegenheit. Friedrich Wilhelm IV. wurde erst später„gestrammt", als die Volksbewegung in Preußen zu verrauschen begann. Diese Revolution konnte aus tausend Ursachen nicht zur dauernden Behauptung der am 18. März 1848 erfochteuen Vorteile führen, aber an übergroßen Respekt vor der Persön- lichkeit Friedrich Wilhelms lV. ist sie sicherlich nicht ge- scheitert I_ Christliche Kuirurbeglücltung. Cin widerliche« Beispiel dafür, wie man die Religion dazu miß- braucht, die kapitalistische Ausplündermigspolitik zu beschönigen, bietet ein Artikel de».Reich". Die«.fromme" Blätichen stellt sich für einen langatmigen Leitartikel in der Ueberschrift die Frage „Weltbeglückung oder W e l t e r 0 b e r u n g?", die e« schließlich mit dem Satze beantwortet:.Wir brauchen Kultur- und Machtpolitik." Kulturarbeit, meint der pfäffisch mit Bibelzitaten um sich werfende Verfasser, sei ja etwas ganz Schönes, allein der .nottonale Egoismus" kolonialer Eroberungspolitik habe auch sein Gutes. Und schließlich�.auch die großen Männer der Christenheit waren alle» eher al« sentimental", womit eS allerdings von Karl dem Großen und Luther bis auf unsere nattonalsozialen Kolonial- und Hunnenpastoren seine Richtig- keit hat l .Beherrschet die Erde und machet sie euch Untertan' zittert der bibclkundige Kolonialenthustast. um daraus zu folgern:.Also wir dürfen nicht nur. sondern wir müssen kolonisieren". Wir müssen kolonisieren, trotzdem die volkswirtschaftliche Bedeutung unserer Kolonialpolittk noch immer gleich Null ist. Betrug doch nach dem.Statistislben Jahrbuch für das Deutsche Reich" im Jahre 1908 die Einfuhr Deutschlands ans unseren sämtlichen Kolonien noch nicht ganze 23 Millionen Mark gegenüber 7664 Millionen Mark Gesamteinstihr I Die Ausfuhr Deutsch- landS� nach seinen sämtlichen Kolonien betrug 35 Millionen Mark gegenüber einer GesamtauSfuhr von 6398 Millionen Mark. Der Handel Deutschlands mit seinen Kolonien betrug also 1993 58 Millionen Mark bei 14 962 Millionen Gcsamthandel I Deutsch- landS Handel mit seinen Kolonien machte also'/seo feines Gesamt» Handels aus! Aber das fromme Blättchen beruft sich ja freilich nicht auf volkS- wirtschaftliche Nolwendigkeiten für unsere Kolonialpolitik, sondern auf das angebliche Gebot des Christentums. Gott ivolle eS, daß den armen Heiden endlich, sei es auch durch strenge Zucht, der Segen der christlichen Kultur gebracht werde: „Wir müssen endlich init der unseligen Fiktion brechen, als läge Sodoni und Gomorrha in Europa und andersivo überall da» Land frommer Sitte. F n D e u t s ch- S ü d w e st sind wir durch den Krieg zum Erlöser eines geknechteten Volkes geworden Bis dahin war der«Kapitän" der Herr, dein alles Vieb, dem alld Weiber gehörten, der sich mästete, während feine Leute hungerten und mühsam sich Fcldkost aus der Erde gruben, Oinijes und andere Knollen; und die unnatürlichsten Laster, die wir bei uns für den letzten Reizzustand einer überentivickelten Kultur halten, waren dort am hellichten Tage, am Feldrain, gang und gäbe." Wir wollen uns nicht damit aufhalten, nachzuweisen, daß die Darstellung des.Reich" von dem ehemaligen Elend der armen Kaffern eine total unrichtige ist. Wir wollen auch nur im Vorübergehen darauf hinweisen, daß die.Erlösung" der HereroS usw. durch den Krieg für einige 59 999 eine derart gründliche war, daß sie gleich radikal von allen Erdcnnöten befteit wurden— eine ErlösungSarbeit, die bekanntlich weder vor Weib noch Kind Halt machte! Wohl aber wollen wir an der Hapd amtlichen Materials zeigen, wie der Rest der südwestafrikanischen Bevölkerititg jetzt nach seiner„Erlösung" lebt. Zunächst gibt es kräftig Prügel! Nicht weniger als 534 Ein- geborene wurden nach der amtlichen Kriminalstatistik in Südwest 1997/1993 mit Prügelstrafen beglückt, davon nur 124 wegen Ver- gehen gegen das Vermögen; 419 Eingeborene wurden wegen bloßer Uebertretungen geprügelt I Dagegen wurden von 359 Fällen gleicher Art, die sich W e i ß e zuschulden kommen ließen, 14 mit gelinder Freiheitsstrafe, 336 aber mit Geld- strafen geahndet. So steht es mit der.Erlösung" der Ein- geborenen aus früherer.Knechtung" aus l Daß die Eingeborenen in der Regel geprügelt werden, hat allerdings seinen guten Grund darin, daß sie nichts befitzen, da« man ihnen noch abnehmen könnte I In den den amtlichen Denk« schriften beigegebenen MissionSberichten slir 1997/98 heißt eS beispielsweise aus Bethanien, daß viele Eingeborene weggezogen seien,„weil eS hier zu wenig B erb ienst für die Leute gibt". DaS ihnen angewiesene bißchen Gartenland reiche ebensowenig zu ihrer Existenz auS, wie die wenigen Stücke Kleinvieh:.Wo die Leute das nötig st e herbekommen, ist mir un- bekannt."(S. 63.) Allgemein aber ist die Klage der Misstonare über die AuS- beutung der Kinder, selbst der kleinsten, über die Hinder- nisse» die von der weißen Herrscherraffe dem Schulbesuch der Kinder in den Weg gelegt wird. Aus TSumeb berichtet z. B. die Mission:.Bis jetzt hat hier sozusagen keine Schule abgehalten werden können, da alle Mädchen, welche einen Stein aufheben können, von der Mine beschäftigt werden. Die JungenS treiben sich als Bambusen(Hand- l'anger) bei den vielen Weißen herum".(S. 56.) Die „Rh. MissionSgesellschaft im Hererolande" berichtet:.daß... die Knaben in sehr großer Zahl als Bambusen benutzt und dadurch der Schule ganz entzogen werden".mung über Sonntagsruhe(!) derselben regeln können. Will oder kann man eine Schulpflicht für die Eingeborenen— unter 14 Jahren— ich, persönlich würde sogar auf 12 Jahre herabgehen— nicht einführen, dann hätte eS genügt, wenn man ein geflissentliches Zurückhalten der unmündigen Kinder von der Schule ver- boten hätte... unsere deutschen Landsleute stehen aber vorwiegend auf dem Standpunkt, daß s 0 e i n „Koffer" oder„Hottentotte" überhaupt nicht zur Schule zu gehen braucht." die früheren Streiks, so wäre ein Streik auch in jetziger Zeit nur unter„Kontraktbruch" vor sich gegangen. Das liegt nun einmal in den eigenartigen Verhältnissen im Bergbau und es wird auch noch eine geraume Zeit vergehen, bis sich in Deutschlands Bergbau Massenstreiks mit Einhaltung der Kün- dignngsfrist vorbereiten. Ein Streik nun, der unter„Kontrakt- bruch" vor sich gehen müßte, hätte unzählige Ausweisun- gen ausländischer Arbeiter nach sich gezogen! Auch daran mußte gedacht werden, nachdem sich in letzter Zeit heraus- gestellt hat. wie sich die Behörden und die Regierung den Gruben- besitzern durch eine rigorose Ausweisungspraxis zu empfehlen wissen. Der Zechcnvcrband hat als sogenannte Werbegebiete auch zukünftig unter dem Arbcitsnachweissystem das Ausland frei- gegeben, so daß zu erwarten ist, daß bei großem Arbeitcrbcdarf ausländische Arbeiter in Mengen nach dem Ruhrbecken heran- gezogen werden, trotz der großen Kosten, die damit verbunden sind. Die Rechtlosigkeit, unter der die Angeworbenen leben müssen, entschädigt ja die Werksherren reichlich. Rund 3 0<10 0 ausländische Arbeiter sind im Ruhrbergbau beschäftigt. Und da kann es nicht mehr gleich sein, ob und wie diese bei Streiks in ihrer Willensfreiheit gehemmt sind. Es muß zur Ehre der ausländischen Arbeiter gesagt werden, daß in den letzten Wochen viele von ihnen sich an die Bergarbeiterführer wandten und um Aufklärung ersuchten, ob es zum 1. Januar zum Streik kommen würde oder nicht. Im crsteren Falle wollten sie am 13. Dezember kündigen und sich für die Daner des Streiks nach anderen Arbeiten umsehen! Sie glaubten dadurch der Ausweisung oder anderer Bedrückungsmaßregeln zu entgehen. Also tritt die Ausländerfrage bei Erörterung kommender Ausstände mehr und mehr in den Vordergrund, um so mehr, als sich die Zahl der aus- ländischen Arbeiter im Ruhrbergbau noch bedeutend heben wird. Wir haben oben schon angedeutet, daß der Stand der Bcr gar Heiterorganisationen im Ruhrbecken nicht ein solcher ist, der sie dazu reizen könnte, mit dem wohl- organisierten Grubcnkapital den Kampf aufzunehmen. Von den rund 330 000 Bergarbeitern im OberbergamtSbczirk Dortmund dürften zurzeit rund 130000 Bergarbeiter den vorhan- denen vier Verbänden angehören. Es sind demnach noch 180000 Ruhrbergleute unorganisiert! Hiervon gehen ab die meisten Tagearbeitcr, die schwer für die Organisation zu gewinnen sind, ebenso die jugendlichen Arbeiter. Diese und die Tagearbeitcr machen rund L3 Proz. der Belegschaft aus, die bei einem Streik für die Organisationen weniger in Frage kommen. Rechnen wir noch die Bergarbeiter hinzu, die in einem hohen Alter stehen und solche, die Zwischenposten bekleiden, dann ver- bleiben uns noch rund 100000 Bergarbeiter, die der Organisation zugeführt werden müssen, ehe von einer wirklichen Streik- und Schlagfähigkeit der Organisationen gesprochen werden kann. Man kann nicht sagen, daß diese verbleibenden 100 000 Mann wirtschaftlichen Kämpfen aus dem Wege gehen. Durchaus nicht! Sie sind unberechenbar, sogar ein Element, das zu einem Putsch eher geneigt ist als der organisierte Teil, die Elite der Ruhrbergarbeiterschaft. Diese Elite hat mehr Disziplin und mehr Ueberlegung. Doch das ist nicht nötig, hier erst nachzuweisen. Von selbst drängt sich die Frage auf: Was geschieht mit den Unorganisierten, wenn sie mit in den Streik eintreten, ihn gar anfangen? Wenn sie wie früher bei der Unterstützung in gleicher Weise berücksichtigt werden wie die Organisierten, dann ist gewiß, daß selbst bei beschränkter Auszahlung das vorhandene Vermögen des Bergarbeiterverbandes nur auf zwei, höchstens auf drei Wochen reicht! Liefen selbst Sammelgeldcr in gleichem Maße ein wie im Jahre 1905 und verzichteten wiederum eine Anzahl Bergarbeiter auf jede oder für einige Zeit auf Unter- stützung, so ist doch gewiß, daß i n 4— 6 Wochen der Streik wieder abgebrochen werden müßte, sollte er nicht von selbst elend zusammenbrechen. Die Lachenden wären dann die Grubenbesitzer! Die Bergarbeiter und ihre Organisationen würden auf Jahre hinaus unfähig werden, sich zu wehren oder in eine ernste Aktion einzutreten. So war es bisher und so würde es jetzt wieder kommen, wenn die Organisationen jenen Bergarbeitern Rechnung tragen wollten, die zum Streik drängen. Und das sind nicht wenige. Gibt cS doch in den Or- ganisationen tausende und abertausende Bergarbeiter, die den Standpunkt vertreten, trotz aller angeführten Bedenken den Streik aufzunehmen.„Die Zechen Herren sollen wissen, daß wir uns den Zwangsarbeitsnachweis nicht ohne Gegenwehr aufhalsen lassen. Und wenn der Streik verloren gehe; die Notwehr und die Selbstachtung zwingt u n S dazu, ihn aufzu- nehmen!" Diese Worte haben wir in den letzten Wochen so häufig im Ruhrbecken zu hören bekommen, daß wir noch alle Ur- fache haben, eine Streikgcfahr im Auge zu behalten I Ist irgend- eine Belegschaft von Leuten stark durchsetzt, die die Abwehr durch einen Streik, wagen möchten, dann, wie gesagt, weiß man nicht, was kommen kann. Heute noch der Frieden, morgen der Krieg!— Wir haben hier näher die Gründe dargelegt, die die Berg- arbeiterorganisationen veranlassen, vom Streik abzuraten. Nun noch einiges über das Verhalten der Bergarbeiter den parlamentarischen Debatten über die Frage des Arbeitsnachweises gegenüber. Es steht fest, daß diese Debatten, wie sie in vergangener Woche vor sich gingen, einen großen Einfluß auf die Bergarbeiter nicht ausgeübt haben. Zur Beruhigung haben sie sicherlich sehr wenig beigetragen. Die preu- ßischc wie die Reichsrcgierung haben bisher das Krautlein noch nicht gefunden, mit dem sie sich das Vertrauen der Ruhrberg- arbeiter erwerben können. Die Bergarbeiter sind zu oft b c- trogen worden. Dazu kommt noch die Behandlung, wie sie der gesamten Arbeiterklasse von den Regierungsstellen aus zuteil wird. Wer sich die Seele der Bergarbeiter erkämpfen will, der muß nicht der Verfechter der einseitigsten Steuer-, Polizei- und sonstiger Bedrückungswirtschaft sein. Der darf auch nicht so wie bisher den Grubenbesitzern das Rückgrat gegen die Arbeiter steifen helfen, wie das auch jetzt wieder in der Frage des Zwangsarbcitsnach- weises durch die Regierung geschehen ist. Und darum haben die Bcrgarbeitcr, soweit sie sich mit den Debatten im Reichstag in den Bcrgarbeiterversammlungen beschäftigt haben, ausgesprochen, den Kampf gegen den Zwangsarbcitsnachweis der Ruhrgrubcnbesitzer weiter zu führe». Und sobald die Kassenverhältnisse der Organ'.- sationen es erlauben und die Zahl der organisierten Bergarbeiter im Verhältnis zu der Gesamtbelegschaft einen weit höheren Pro- zentsatz ausmachen wird wie heute, dann soll auch vor dem letzten gegebenen Mittel, dem Streik, nicht zurückgeschreckt werden. Die fortgesetzten Brutalitäten werden zur Kräftigung des Or- ganisationsgedankens beitragen, ebenso wird der Organisation förderlich sein die heranbrechende bessere Konjunktur. Die Berg- arbeiterorganisationen haben zum Frieden geraten, um Zeit zu gewinnen, ihre Schlagkraft zu erhöhe». Der kommende Kamps, der unausbleiblich ist, wenn die Werksherren weiter glauben, an ihrem Hcrrcnstandpunkt festhalten zu müssen, wird auf Monate hinaus die Bergarbeiter auf den Kampfplan rufen. Wenn es sein muß! politische deberfiebt Berlin, den 22. Dezember 1909. Die Aufgabe echter vaterländischer Geschichtsschrcibuttg. Bürgerlickie Blätter und ihre Rezensenten lieben eS. sich über die„tendenziöse" sozialdemokratische Geschichtsschreibung aufzuhalten, die sich angeblich ihre Ergebnisse durch Parteirücksichten diktieren lasse. Dagegen wird die bürgerliche Historik als.voraussetzungslose" unparteiische Wissenschaft gepriesen. Wieweit dieses Selbstlob bc- rechtigt ist, zeigt wieder mal folgende hübsche von der„Bert. Volksztg." erzählte Geschichte aus Landsberg a W,: vJn einer eigentümliche» Zensorrolle hat sich der Vorstand drS Vereins für die Geschichte der Neumark gefallen. Die letzte Vereins- sitzung hat darüber folgende Tatsachen ergeben: Professor Dr. van Niesien(Stargard), ein eifriges Mitglied des Vereins, hatte dessen wissenschaftlichem Ausschuß ein Manuskript eingesandt, das Studien über die historische Vergangenheit der Neumark, insonderheit den Markgrafen Johann von Kiistrin erhielt. Der Vorstand nahm Einsicht in das Manuskript und erklärte dann, daß cS Sachen einhielte, die„ach seiner Änficht besser nichl in die Oeffeinlichkeit kämen. Markgraf Johann von Küstrin habe viel fiir die Neumark getan, eS sei nicht nötig, daß man seine Schattenseiten hervorhole. Da die Studieü des Professors van Niesien iin königlichen Staatsarchiv gemacht worden waren, wurde dieses benachrichtigt und die Vcröffenllichuilg der Schritten inhibiert. Professor van Niesien fand dieses Bor- gehen mit Recht lehr verwunderlich, verlangte sei» Manuskript zurück und kündigte seinen Austritt aus dem Bereine an. In der Vereins- sitzung kamen verschiedene Herren zn Wort, die erklärten, daß der Vorstand in der ganzen Angelegenheit zu eigenmächtig vorgegangen sei; eS hätte zun» mmdesten«ine Vereinssitzung einberufen werden müssen. Diele Kritik faßte der Vorstand, bestehend aus dein Laiidrat Grasen Clairon dHaussonville alS Vorsitzenden, dein Schristsiihrer Pfarrer Rackwitz, dem LandeSökonvmierat Eberl, dem Landgerichispräfidenten Stamcr und dem Rendanten Dabow, als ein Mißtrauensvotum auf, sie legten ihre Aemter nieder und verließen den Saal. Es wurde ein provisorischer Vorstand, ge- wählt und die endgültige Vorstondswahl auf die Hauptversamm- lung verschoben. Ein Antrag, Professor van Messen zum Ehren» mitgliede zu ernennen, fand nicht die genügende Unterstützung." Recht charakteristisch! Da der Professor van Niesien sich nicht aus«ine Beweihräucherung des edlen Landesvaters Johann von Küstrin beschränkt, sondern auch dessen Fehler schildert, lehnt dce Vorstand des Vereins für die Geschichte der Neumark kurzweg den Abdruck des Manuikripts ab und wendet sich obendrein an die Ver- waltung des Staatsarchivs, damit dieses dein respektlosen Professor gesperrt wird, der unbegreislicherwcise seine höchste Aufgabe nicht in der Lobhudelei fürstlicher Personen erblickt.— Herrn Brnhns Beleidigungsklagen. In der Massenktage des Reichstagsabgeordneten und Heran?- geberS der.Wahrheit", Wilhelm Brnhn, gegen eine große Anzahl hiesiger und auswärtiger Redakteure, sowie gegen den Herausgeber der Zeitungs-Korrespondenz.Deutsche Journalpost" wegen der Behauptung, daß Brubn die moralische Verantwortung für den Erpresserprozeß Dahiel treffe, ist den Beschuldigten— etwa 30 an der Zahl— unter dem heurigen Tage folgender Beschluß des königlichen Amtsgerichts Berlin-Milte, vor dem der Massenprozrß seinerzeit zusammenfassend verhandelt werden soll, zugestellt worden „In der Privatklagesache Brnhn gegen Bnchhor» und Genossen wegen Beleidigung wird daS Verfahren bis zur rechtskräftigen Entscheidung deS gegen Dahiel schwebenden Strafversahrene, sowie gegen den Privarkläger schwebenden Strafverfahrens auf» gesetzt, da die in diesem Verfahren ergehenden Entscheidungen für die vorliegende Privalklage von Bedeutung sind." Da der Prozeß Dahsel zurzeit in der Revisionsinstanz schwebt und das Swasvcrfahren gegen den Reichstagsobgeordnelen Bruhi: erst nach Schluß deS Reichstages zur Durchführung gelangen wird. so ist noch gar nicht abzusehen, wann Herr Brnhn in seinem Massen- beleidigungsprozcß zu Wort kommen wird, falls er eS nicht vorzieht, im Anschluß an die Ergebnisse deS gegen ihn geführten Straf- Verfahrens die von ihm eingereichte Strafanzeige zurückzuziehen. Als sein Rechtsbeistand fungiert Rechtsanwalt Bredereck-Berlin, der bekannte Führer der jungkonservativen Richtung, während die Ver- teidigung der von ihm belangten Redakteure in den Händen der Rechtsanwälte Dr. Puppe und Dr. Werthauer liegt. Die Hetze gegen v. Schoen. Die Gebrüder M a n n e s in a n n. die in Marokko Bergmerksrechte erworben haben, die ihnen jetzt von dem französisch-deutschen Konkurrenzsyndikat der Herren Schneider- Creuzot und Krupp streitig gemacht werden, haben es nicht bloß verstanden, ihrem privaten Profitiliteresse ein patriotisches Mäntelchen umzuhängen, sondern auch die Unternehmerpresse für sich mobil zu machen. Allem Anschein»'ach ist man förmlich erpicht darauf, Marokkos wegen neue Schwierig- leiten zu schaffen. Der Verein der Hamburger Reeder, mit Ballin an der Spitze, hat sich für die Rechte der Gebrüder Mannesmann ausgesprochen, weil auch der Schiffahrt aus diesem Unternehmen Vorteile in Aussicht stehen. Diese Stellungnahme der Ballin-Leute ist dem offiziösen Wolffschen Telegraphenbureait mitgeteilt worden und dieses hat die Verbreitung abgelehnt. Die Mannesmann- Interessenten erblicken in dem der- zeitigen Staatssekretär v. S ch o e n das Haupthindernis fiir die Durchsetzung ihrer Pläne und sie haben gezeigt, daß sie vor keinem Mittel zurückschrecken, das ihnen geeignet erscheint, den Staatssekretär zu stürzen. Herr Ball in ge- hört zu den Vertrauten des Kaisers und wird ver- mutlich seinen Einfluß geltend zumachensuchen. Vier Kandidaten in Eisenach-Dcrmbach? Fetzt snid cmcd die vereinigten Liberalen im Reichstags- Wahlkreise Eiienach-Dermbach mit einem Kandidaten für die Nach- Wahl auf dem Plan erschienen. Sie haben den Landwirt Krug in Obermahfeld aufgestellt. Angeblich wollen auch die Konservativen mit einer besonderen Kandidatur anrücken— sie rechnen dabei auch auf die Zentrumsstimmen. Bis jetzt sind nominiert: Leber(Soz.), Krug(liberal) und H ä d r i ch(Antisemit). Nach den Feiertagen wird der Kampf auf der ganzen Linie entbrennen._ Aus dem badischen Landtag. In der B u d g e t k o m m i s s i o n des badischen Landtages wurde am Dienstag ein sozialdemokratischer Antrag an- genommen, die Lehrerseminare Badens zu simnl- tanisieren. Bisher waren diese Seminare konfessionell. Das Zentrum Ivandte sich natürlich auhcrordentlich scharf gegen den An- trag. Es berief sich auf— die Toleranz und das Recht der Elteni und wünschte Beibehaltung des gegenwärtigen ZustandeS. Indes ging der Antrag gegen die Zentrumsstimmen durch. Wie sich die Regierung zur Durchführung des Beschlusses stellt, muh abgewartet werde». Die Lberschulbehörde erklärte allerdings in der Kommission, grundsätzlich betrachte sie die Lehrerscininare als Simnltaiianstalten. Aber von der Theorie zur Praxis ist auch bei der badischen Regierung ein weiter Weg. Ultramontanismus und Wissenschaft. Bor kurzem fand in Halle a. S. eine öffentliche Versammlung siatt, in welcher Graf Hoensbroech über das Thema:»Was ist llltramontoniSmus und wie ist er zu bekämpfen?" sprach. Bei der Schilderung ultramontaner Wühlereien gegen die Entwickelung dcS Geisteslebens in Deutschland erzählte der ehemalige Jesuit folgendes erbauliche Siücklcin: Ein Privatdozent der National- Ökonomie au einer deutschen Universität hat einen Teil einer Ivissenschaftlichcn Arbeit, die Stellung der «nittelalterlichen Kirche zur Frage des Darlehns- zinses behandelnd, deshalb nicht im Druck erscheinen lassen, weil die Veröffentlichung den Unwillen ultra- montaner Kreise erregen könnte(und auch weil sie der preußischen Regierung unangenehm seil). Der Herr cntschlosz sich zur Unterdrückung des Kapitels auf Veranlassung zweier Professoren der Nationalökonomie, die aus politischen Gründen dazu rieten. Ein in der fraglichen Versamm- lung anwesender Privatdozent der Staatswisienschaften a» der Universität Halle meinte der Behauptung leinen Glauben schenken zu dürfen und wandte sich an den Grafen Hoensbroech um nähere Darlegungen. Dieser bestätigte nochmals ausdrücklich das Gesagte und nannte die beiden würdigen Vertreter der Wissenschaft, die solchermaßen in Liebedienerei gegen das Zentrum ersterben, „Koryphäen der Nationalökonomie" I Er befinde sich im Besitz schrist- licher Beweise für diese Behauptung, wolle aber die Name» der Bertraulichkeit des Briefwechsels wegen nicht nennen. Nun versucht der Hallesche Dozent der Staatswisienschaften, den„wirklichen Tatbestand" zu eruieren, indem er alle Privaldozenten der Nationalökonomie on den deutschen Universitäten um eine Aenßerung dazu ersucht. So erklärt der offenbar vom akademischen Standes- und Ehrgefühl voll durchdrungene Herr, G e h r i g ist sein Name, in der neuesten Nummer des„Akademiker"(Organ der Halleschen freien Studenten- schasl). Bis die erwarteten Antworten einlaufen, wird man mit dem entgültigen Urteil zurückhalten müsien. Indessen dürfte eS keinem Zweifel unterliegen, daß ein Mann wie Graf Hoensbroech kaum so schwerwiegende Beschuldigungen gegen die UniversitätS- priffefssren ausgesprochen haben würde, wenn er nicht vollgültige Beweise für seine Behauptungen besäße. Der Gegenstand der Unter« suchung, die sicher neue Beiträge zu dem Thema von dem guten Magen der Kirche geliefert hätte, ist dem Zentrum natürlich unan- genehm. Und da das Zentrum heute unbestritten Trumpf in Deutschland ist. andererseits die Profefforen ä la Ebrenbcrg u. a. nicht mehr zu den Seltenheiten gehören, ist der Hergang bei der für die„Wissenschaft" höchst blamablen Angelegenheit leicht auözu- denken._____ Südwestafrikanische j?armertvunsche. Die„Deulsch-Südwest-afritanische Zeitung' richtet an den Reicks« tag eine Reihe von Wünschen. Einer davon geht dahin, daß doch von einer Verminderung der Schutztruppe abgesehen werden möge Würden die zurückgezogenen Truppe» durch die entsprechende Zahl von Mannschaften der Laudespolizei ersetzt, so fielen die Kosten dafür nur dem Schutzgebiet zur Last, das dafür ja doch nicht aus- kommen könne. An ein« Auflösung von zwei Kompagnie» sei aber wegen der damit bedingten Eulblößung weiter Gegenden von Truppen nicht zu denken.— Wir sollten meinen, daß bei der voll- ständigen Entwaffnung von Eingeborenen und der erheblichen Zahl gut bewaffneter Farmer selbst sowohl als auch von Sttuitzmipplern tM Polizeimannschaften auch bei einer Verringerung der Schutzrruppe von einer Entblößung weiter Gegenden wirklich keine Rede sein könnte. Die Forderung der„Deutsch-Südwestafrikanischen Zeitung" er- klärt sich aber bald, wenn man ihren weiteren Wunsch ver- nimmt, daß möglichst bald an eine„Lösung der Ovambo- Frage" herangetreten werden müsse. Und zwar versteht dos Blatt unter solcher Lösung die„ s ch l e u n i g e B e s- tz u n g des OvambolandeS", damit dann durch ein Arbeiter-Anwerbeaml weitere Arbeitsiräsle für die Fanner beschafft werde» könnten.— Eine der- artige„Lösung der Ovambofrage" würde nichts anderes bedeuten, als eine neue Auflage des Hererokriege ö. Die Ovambo sind gut bewaffnet'und würden sich ihrer Haut sicherlich mir nicht geringerem Nachdruck wehren als die Herero und Holten- torten. Welches LoS ihnen nach der Unterwerfung drohen würde, beweist ihnen ja die Lage der Herero und Hottentotten. Solcve Versklavung würden die Ovambo sicherlich den Tod im Kampf vorziehen. Und einen derartigen VernichtungSlrieg besürwortet die .Deutsch'Südwestafrikanische Zeitung" l Kommunalwahlen. In Biebrich a. Rh. haben unsere Genossen bei der Stadt- berordneteimachwahl 7S3 Stimmen erhalten, 40 Stimmen mehr als bei der Hauptwahl am 26. November. Die vereinigten Gegner brachten «s nur auf 2ö0 Stimmen. Es ziehen also fünf Sozialdemo- kraten in das Stadtparlament ein; bisher hatte die Sozialdemokratie darin keine Vertretung. * Bei der Stadtverorbnetenwah! in Schöneck t. V. fielen unseren Genossen in der dritten Wählerklasse zwei neue Mandate zu; auch die von der Partei ausgestellten Ersatzleute wurden mit großer Majorität gewählt. Die Gegner brachten es nur auf 12 Stimmen. • Bei den Wahlen zu den Gemeinderäten in O b e r st ü ck h e i m. Möhringen a. F.. Feldrennach, Korb und Hofherrn- weiler wurde je ein S o z i a l d e m o! r a t in den Geineinderat gewählt.__ Gegen die Arbeiter-Konsumvereine. Der altenburgische Landtag, der am Sonnabend voriger Woche geschlossen wurde— womit er gleichzeitig auch sein Dasein abschloß' hat neben den anderen volksfeindlichen Handlungen auch eine Tat gegen die Arbeiter-Konsumbereine vollbracht, die so recht seinen Klqlsencharakter offenbart. Sein Gcschäftsausschuß, Staatsregierung genannt, hatte ihm einen kleinen Gesetzentwurf unterbreitet, der eine Aendenmg des Einkommensteuergesetzes forderte. Diese schöne Ge- legenheit wurde vom Landtage dazu benutzt, eine Erhöhung der Steuer für Konsumvereine durchzusetzen, doch nicht für alle Konsumvereine, sondern nur für die von Arbeitern betriebenen. Um die Sache zu bemänteln, sagte man zwar, auch Konsumvereine von Beamten und Offiziere» müßten höhere Steuern bezahlen. Man vergaß nur, daß es solche Konsum- vereine im Herzogtum Altenburg nicht gibt, und so lange Agrarier und Mittelständler miteinander die Gesetze für Altenburg fabrizieren, wie das zurzeit der Fall ist, auch nicht geben wird.— Die Ge- nosienschafren der Agrarier und Mittelständler, wie Rohstoffvereine, Absatzgenossenschasten, Magazinvereine, Produktivgenosscnschaften, Molkereien, Einkaufsgenossenschaften zu gewerblichen Zwecken wurden ausdrücklich von der Steuerpflicht ausgenommen. So verlangt eS die ausgleichende altenburgische agrarische Gerechtigkeit. Unterstützung der Zigarcttenarbeiter. Die Zigarcttcilfabrikanten in Dresden haben an den Biiildesrat eine Eingabe gerichtet, in der dargelegt ivird, daß ein Ausschluß der in der Zigaretteniudustrie arbeitslos Gewordenen von der Unter- stützung aus dem 4 Millioncn-Foiids gesetzlich unziiiässig ist. Es wird ersucht, in die Ausführungsbestimmuiigen zu Artikel IIa nach- träglich einen Passus einzuschalten, der de» Zigarettenarbeiter» und Arbeiterinnen die Bergiinstiguna des Artikels IIa ausdrücklich zu- gesteht. Ferner hat sich der Verband mit ReichStagSabgeordneten verschiedener Parteien in Verbindung gesetzt, damit bei Besprechung der Interpellation über die Uiiterstiitzung der arbeitslosen Arbeiter auch diese wichtige Frage erörtert wird. Eine Lex Henke. Die Bremer Bürgerschaft, das Parlament der„freien" und Hansestadt, will sich eine neue Geschäftsordnung geben, die in der Oeffentlichkeit den Namen Lex Henke führen wird. Sie soll nämlich geschaffen werden, weil dal Biirgerschaftsmitglied Henke, der leitende Redaitmr unseres Bremer Parteiblattes, der„Bremer Bürgerzeitung", den Herrn Präsidenten des Parlaments, der des öfteren die nötige Objektivität bei sozialdemokratischen Rednern vermissen läßt, mehrfach gebührendermaßen abgefertigt bat. Das ärgert den Präsidenten»nd seine bürgerliche Mehrheit und da eS ihnen an anderen Mitteilt fehlt, ihre Ueberlegenhcit über den Vertreter der Arbeiterschaft zu beweisen, so wollen sie eine Rausschmeih- Maschine konstruieren, um den unbequemen Mahner wenigstens auf eine gewisse Zeit loszuwerden. Die neue Geschäftsordnung soll den Ausschluß eines renitenten Abgeord- neten bis zu IL Sitzungen ermöglichen! Es bleibt nur noch zu sagen, daß die Mehrheit der Bremer Bürgerschaft sich liberal nennt! Geldverschwendung. Da? Militär ist angeblich nötig zur Sicherung und Verteidigung des Vaterlandes, und wer am Milnäretat Abstriche von einiger Be- deutung niachen will, der wird den Leuten zugerechnet, die angeblich das Vaterland„loehrlos" machen wollen. Wir Sozialdemolraten sind über solche Vorwürfe erhaben, aber Angehörige der bürgerlichen Parteien schrecken doch vor solchen Vorwürfen zurück. Beim Militär- etat könnte aber auch schon damit viel gespart werden, daß man alle Ausgabe» verweigern würde, die zu höfischen Zwecken gemacht werden. Wenn ein ausländischer F ü r st, der Inhaber eines deutichen Regiments ist, nach Deutschland kommt, dann pflegt ihm der Kaiser dadurch eine Aufmerksamkeit zu erweisen, daß das Regiment kommandiert wird, vor den, Cbef zu paradieren. Es«sl schon vorgekommen, daß zu diesem Zweck ganze Regimenter oder erhebliche Teil« von sotwen mit der Bahn nach ziemlich enlfernten Orten transportiert wurden. Die mitunter recht erheb- liche» Kosten dieser Aufmerksamkeiten tragen die Steuerzahler. Stirbt ein ansländischer Fürst oder Prinz, der Inhaber eines deutschen Regiments war. dann befiehlt der Kaiser die E n t- sendung einer OffizierSdepntation z» den Trauer- feierlichkeiteii. Die paar Offiziere verschwinden natürlich in dem Gepränge von Uniformen aller Art. so daß diese„besondere Ehrung" überhaupt nicht sonderlich beachtet wird. Die Kosten tragen nalürtich wieder die Steuerzahler. Ein paar Beispiele aus diesen Tagen. Ans Befehl des Kaisers reift eine Oisiziersdrputalion des Husareiiregiiiients Nr. 14 in K o lm a r i. E. nach Brüssel zum Begräbnisse Leopold II. Eine andere Deputation, von dem in O h l a u i. Schl. garnisoutereiideii Husarenregiment, reist nach Petersburg zur Beisetzuirg des Großsürste» Michael. Was kosten nun diese Reisen? In der Regel besteh: eine solche Deputation aus dem Oberst, einem Major und einem Leutnant. Der Oberst bezieht im Ausland pro Tag LS M., der Major L0 M., der Leutnant 15 M. Dazu lommen für jeden Kilonictcr Bahnfahrt im All stand 13 Pf., ferner der jedesmalige Zu- und Abgang mit 6 M. Die Husaren ouS Oblav reisen auf russische», Gebiet mindestens drei Tage hin und ebensoviel zurück, macht sechs Tage, dazu etwa 4 Tage Aufenthalt, macht 10 Tage. Die Rechnung für den Oberst stellt sich alio auf 250 M. Tagegelder, 00 M. Zu- und Abgang und 247,36 M. Kilometergelder, insgesamt rund 657 M., dazu kommen Reisegebühruisse. Zu- und Abgang und Kilometer- gelber für die Reise innerhalb Deutschlands mit etwa l00 M., so daß auf den Oberst etwa 650 M., auf den Major 600 M., aus den Leutnannt 556 M., in Summa auf alle drei 1800 M. entsallen. Der Oberst und der Major nebme» vermutlich noch je einen Burschen mit, die zusammen a»ch auf etwa 400 M. zu stehen kommen. Bei den teueren Holelpreisen in Rußland werden die Offiziere mit de» Tagegeldern nicht auskomme», sie haben dann das Recht, diese Mehrausgaben in Rechnung zu stellen. Unter diesen Uniständen wird die nach Petersburg befohlene Offiziersdeputation mit allen Nebenausgaben auf n, i n d e st e n S 8500 Mark zu stehen kommen. Rechnet niai» für die nach Brüssel gehende Deputation 2566 M., so haben wir in ein paar Tagen eine Ausgabe von 6066 Mark, die absolut nicht nötig ist, namentlich nicht in einer Zeit der Finanzklemme, in der das Reich sich gegenwärtig befindet. Es ist noch nicht so lange her, daß eine solche Deputation mit einem Soldaten nach Petersburg beordert wurde, um dem Kaiser von Nußlaiid die neue FeldauSriistmig unserer Soldaten zu zeigen. Wenn der Kriegsminister etwa» zu sage» hätte, dann müßte er seinem Herrn erklären, daß Deutschland in einer Zeit, m der man dem Volke sogar die Sireichhölzer versteuert, keine Mittel übrig hat für derartkostspielige und völlig über- flüssige Reisen._ Strafversetzung. Der StaatSanwaltschaftSrat Neils, der in Kiek die Anklage im Kieler Werslprozeß bearbeitet und aufgestellt hatte, ist den„Kieler Neueste» Nachrichten" zufolge nach Glatz versetzt worden. OettemidvCliigawi. Ein politischer Prozeß. Seit zwölf Tagen wurde vor dem Wiener Schwurgericht ein Ehrenbeleidiguugsprozeß berhandelt, der eine Folge von Be- schuldignitgen war, die der bekannte österreichische Historiker Dr. Fried jung gegen eine Reihe österreichischer, kroatischer und serbischer Politiker in der„Neuen Freien Presse" erhoben hatte. Friedjting beschuldigte diese Politiker des H o ch v e r r a t S. den sie dadurch begangen hätten, daß sie während der durch die Annektion Bosniens erzeugten kritischen Lage mit der serbischen Regierung gegen Oesterreich konspiriert hätten. Friedjung berief sich dabei auf eine Reihe von Dokumenten, deren Echtheit aber im Laufe der Ver- Handlung immer zweifelhafter lourde. Der Prozeß wurde heute durch eiiien Vergleich beendet, indem Dr. Friedjung eine Er- klärung abgab, die eigentlich das Zugeständnis ist, daß sich die Authentizität seiner„Beweismittel" nicht mehr aufrechterhallen lasse. Darauf wurde die Klage zurückgezogen und Friedjung frei- gesprochen. Auf die politische Bedeutung des Prozesses werden wir noch zurückkommen._ Annlihme des BudgetProvisoriumS. Wien, 22. Dezember. Abgeordnetenhaus. Das Haus nahm nach kurzer Debatte das Budgetprovi- s o r i u m mit 246 gegen 202 Stimmen in allen Lesungen und sodann die Vorlage betreffend dasSpirituskontin- g e n t an._ Die selbständige Bank. Budapest, 22. Dezember. Das Abgeordnetenhaus bcr- handelte heute über den Antrag Hollos, in dem verlangt wird, es möge an den König eine Adresse gerichtet werden, daß eine selbständige Ungarische Bank am 1. Januar 1S11 er- richtet werden solle. Ministerpräsident Dr. Wekerke be- kämpfte den Antrag vornehmlich mit dem Hinweis darauf, daß die formale Selbständigkeit der Bank den Kredit und die Valuta- Verhältnisse anfangs erschweren, nicht aber erleichtern Iverde. Nach- dem Hollo feinen Antrag befürwortet hatte, wurde derselbe mit 133 gegen 93 Stimmen angenommen. franhmcb. Klerikale Demagogie. Paris, 21. Dezember. Unter dem Vorfitz des Er zbifchofs von Paris fand abends eine große Versammlung der französischen katholischen Jugend für die Abschaffung der Nachtarbeit in den Bäckereien statt. Der Erzbiscbof wies darauf hin, daß vom Standpunkte der Familie, Gesellschaft, Wirtschaftsordnung und Religion diese Reform notwendig sei. Eine in diesem Sinne gehaltene Entschließung wurde mit Beifall angenommen. Portugal. Ministerwechsel. Lissabon, 22. Dezember. Das neue Kabinett unter dem Prä- sidium Bciraos setzt sich ausschließlich aus Progressisten zusammen. Es wird die C o r t c s am 2. Januar 1916 eröffnen, sie aber sogleich üus zwei Monate wieder vertagen, um Gesetz- entwürfe über eine Wahlreform und über eine Abänderung mehrerer Artikel der Verfassung vorzubereiten. Englanci. AnS der Wahlbewegung. London, 22. Dezember. Gestern abend winden wiedemm mehrere Wahlreden gehalten. In Bradford wandte sich Unter- richtsminister Runciman u. a. gegen die Aeußcrung Lord C a w d o r s, daß bei Bewilligung der Homcrule Bill in nicht langer Zeit eine ausländische Flotte im Hafen von B e l s a st erscheinen werde. Er sagte ironisch, daß, wenn Cawdor recht be- hielte. eS sich entweder um einen Höflichkeitsbesuch fremder Schiffe oder aber um ein erbeutetes feindliches Geschwader handeln müßte. Lord Cawdor bezeichnete in Rockdale die Frage der Ver» teidigung zur See als den Pnnlt, auf den alles ankomme. Während Deutschland schneller als nach seinem Flottengeietz notwendig Kriegsschiffe baue, sitze England mit gefalteten Händen da und tue nichts. Er appelliere an alle die. die Land»nd Reich schützen wollten, aufzuwachen, bevor es zu spät sei. Cawdor wurde mehrfach durch stürmüchen Widerspruch unterbrochen. In Wortbing(Sussex) erklärte Pustminister B u x t o n die F l o t t e n a g i t a t i o n der Unionisten für geradezu lächerlich. Die Lords hätten nur deshalb damit angefangen, weil es schlecht »m ihre Sache stehe. Die Regierung hätte alle« getan und werde alles tun, um das Land gegen jeden Angriff zu sichern. l�uttlancl. Die Abwürgung Finnlands. Petersburg, 2l. Dezember. Heut« fand die Schlußsitzung der russisch. finnländis che» Kon, Mission statt. Die russischen Mitglieder bemerkten zu den, finnländischen Projekt der Abgrenzung der Reichs- und der finnländischen Gesetzgebung, die Rechte souveräner Staaten gegenüber den ihnen untergebenen Gebieten würden nur durch die Rcichsnerfassnng begrenzt, nicht durch lokale Gesetze. Rußlands Ziele seien seiner Großmachts- stellung angepaßt und bedeuteten den Fortschritt in Kultur und Wohlstand(!) aller ihm untergebenen Völker. Dieses Ziel sei in Finnland glänzend erreicht(!). doch dürften die Finnländer nicht verlangen, daß eine große Weltmacht ihre eigenen Lebensintevessen zugunsten einer einzigen Provinz opfere. Der Vorsitzende der Kommission trat der Meinung der russischen Delegierten bei und erklärte, er werde eine gemäß den Ansichten der Majorität ans- gearbeitete Gcsetzesvorlage dem Ministerrat vorlegen. Die Mei» nung der Minorität könne, fallö sie es wünsche, dem Protokolle bei- gefügt werden. Grleckenlan�. Die OffizierSdiktatur. Athen, 22. Dezember. Der Offiziersrat, der in Wirklichkeit alle Macht in sich vereinigt, besteht darauf, daß die Demission des Kriegsministers nicht angenonunen werde, da derselbe da» Ver- trauen der Offiziere besäße. Der OsfizieiSrat droht mit energischen Maßregeln, falls seine Forderung nicht erfüllt werde und konzentriert Truppen in Athen. Eine Sonderausgabe des„ChronoS" veröffentlicht eine Er« klärung, in der getagt wird, der K r i e g S m t n i st e r habe die Majorität der Militärliga nicht beleidigen wollen. Kriegs- minister und Marineminister seien die für den militärischen Auf- schwung des Landes verantwortlichen Beamten. Deshalb sei eS Pflicht de- Kriegsministers, gegen diejenigen Verwahrung einzulegen, die wiederum ungesunde Verhältnisse schaffen wollten. Korea. Ein politisches Attentat. Söul, 22. Dozember. Premiermini st er Di wurde heute während einer Ausfahrt in einem kleinen japanischen Wagen von einem zwanzigjährigen Koreaner durch Dolchstiche in den Unterleib und die Lungen tödlich verletzt. Der Premierminister wurde in? Hospital gebracht. Sein Wagenführer wurde gleichfalls dlirch Dolchstiche verletzt und starb bald darauf. Der Täter wurde verhaftet. Man nimmt an. daß er Mitglied einer geheimen politischen Gesellschaft ist. Nicaragua. Vollständiger Sieg der Revolntlonare. New Jork. 22. Dezember. Wie aus Bluefields gemeldet wird, hat heute E st r a d a einen vollständigen Sieg über die Regierung?- truppen errungen. Auf beiden Seiten wurden 666 Mann getötet oder verletzt; zwei Amerikaner fanden ebenfalls ihren Tod. 1966 Mann von den Truppen Zelayas haben sich c r g e b en. GewerkIckaMicke-z. Im Kampfe mit der bapitaliftirchen Repu&Ub. Die Stadt Spokane in dem von einer Bande Holzbarone im Bunde mit dem Holztrust beherrschten Nordwestccke der Ver- einigten Staaten ist seit Wochen der Schauplatz eines wahren proletarischen Heldendramas, bei dem es um das Recht des Ar- beiters aus die Stratze und zugleich um Sein oder Nichtsein rincr dem Kapital verhaßten Arbeiterorganisation geht. Die „Jndustrial WorkcrS of the World"(Industriearbeiter der Welt) hatten vor etwa einem Jahre angefangen, die wandernden Ar- beitar des Staates Washington, zu dessen größten Städten Spokane zählt, zu organisieren, und der erste Kampf des erfolgreichen Ver- bandes galt den mit den Kapitalistcin und ihren obersten Treibern wie auch mit den Behörden unter einer Decke liegenden gauneri- schcn Arbeitsvermittlern.„The Jndustrial Workers must go" (die I. W. müssen raus) dekretierten darauf diese Gesellen, und der Stadtrat von Spokane ist willig, wenn die Agenten des Kapitals wollen. Er erließ ein Verbot aller Straßenversamm- lungen, ausgenommen der religiösen, in denen den Arbeitern Demut und Entsagung gepredigt wurde und wird. Die„I. W." beschlossen nun, im Herbst, der die Eutsarbciter, Holzfäller usw. nach der Stadt zurückströmen läßt, den Kampf für die Redet- freiheit auf der Straße zu eröffnen. Zuerst trat, um einen Probe- fall zu schaffen, Genosse Thompson als Straßenredner auf. Am 8. Noveurber wurde er vor den Nichter Mann geführt, der die Perordnung des Stadtrats für unkonstitutionell und die Rede- freiheit feierlich für„God given and inalionable"(gottgegeben und unveräußerlich) erklärte» Konnte ein so prompter Erfolg schon überraschen, so war es doch noch viel überraschender für die „Jndustrial Workers". als in den folgenden Wochen alle ihre Straßenredner auf Grund einer anderen Ordonnanz desselben findigen Stadtrats wegen—„unordentlichen Betragens" arretiert und prozessiert wurden! Seitdem finden jeden lieben Tag Ver- Haftungen von Straßeorednern statt, deren zurzeit etwa drei- hundert die„gottgegebenen und unveräußerlichen Rechte" des amerikanischen Bürgers in weltabgeschlossener Muße studieren können. Gleichzeitig gedachten die Ordnungsstrolche auch der in Spokane erscheinenden Verbandszeitschrift der„Jndustrial Workers" den Garaus zu machen, indem sie sämtliche Redakteure wie auch allS anderen Beamten des Verbandes einsteckten. Aber auf die leeren Posten schwingen sich immer neue Kämpfer, so daß nicht nur immer noch Straßenversammlungen stattfinden, sondern auch das Verbandsorgan lustig weitererscheint, den immer brutaler werdenden Bestrafungen zum Trotz. An manchen Tagen erfolgten die Verhaftungen gleich dutzendweise, und beim Kadi hagelte es in der Regel ohne lange Beweisausnahme 30 Tage, neuerdings aber auch 60 und sogar 00 Tage Gefängnis. Die Verbandsbeamten sind der„kriminellen Verschwörung" angeklagt, die durch Staatsgesetz mit Zuchthaus bis zu ö Jahren bedroht wird. Und immer noch besteigen frische Kräfte das Rednerpodium und die Redaktionssessel, und von nah und fern eilen Ver- stärkungen, oftmals in ganzen Kolonnen, nach dem Kriegsschau- platz, schmuggeln sich als blinde Passagiere in Frachtzüge ein, fahren auf dem Tender usw., nur um an dem heroischen Kampfe um das Recht auf die Straße und Redefreiheit teilzunehmen. Einer dieser Braven, der auf dem Tender eines verunglückten Zuges gesessen hatte, kam mit wundem Kopf, zerschundenen Gliedern und drei gebrochenen Rippen nach Spokane, wo die Genossen trotzdem Mühe hatten, den Schwerverletzten davon ab- zuhalten, sich gleich in den Kampf zu stürzen und ins Gefängnis zu gehen. Unter den angeklagten„Verschwörern" befindet sich Genosse Pancher, dessen ganzes Verbrechen es war, Genossen Tom Sladdon in Portland eine Depesche geschickt zu haben des Wort- lautes:„I. W. ersucht Sie um d00 Mann." Zu dem Heroismus der Kämpfer gesellt sich ihre bewunderungswürdige Disziplin, um die wachsende Raserei, aber auch die Ohnmacht der Verfolger zu erklären. Die„Jndustrial Workers" haben Abteilungen organisiert, die unter der Führung von je fünf„Kapitänen" stehen. Jeden Tag bezieht eine solche Abteilung in dcsr Verteidigung des Anspruches auf die Straße das Gefängnis, manchmal sind es auch am Tage zwei Abteilungen. Die Leiden der Gefangenen sollen mit dezenten Ausdrücken nicht wiederzugeben sein. In schauderhaft überfüllten engen Zellen läßt man sie erst ohnmächtig werden, bevor man sie nach anderen, eiskalten Zellen überführt, wo man ihnen eine unmenschliche Behandlung angedeihen läßt, infolge deren mehrere der Opfer im Sterben liegen. Andere werden an schwere Steinarbeiten kommandiert, um dann, wenn die körperlich Erschöpften diese Arbeit verweigern, zur Wasser- und Brotdiät vqrurteilt zu werden. Das ist eS dann, was die kapitalistische Presse als„Hungerstreik" bezeichnet. Auch brutalsten Mißhandlungen sind die Gefangenen ausgesetzt, manche befinden sich infolgedessen mit Verstümmelungen deS KinnS, der Rase usw. im Hospital, so zum Beispiel Genosse Knust und Ge- nossin Fronette, eine körperlich zarte Frau. Täglich kommen furchtbarere Enthüllungen über diei Märtyrerleiden der Hunderte in den städtischen Kerkern, aber der Kamps geht weiter. Für jedes Opfer der Schergen springen drei frische Kämpfer in die Bresche. An einem einzigen Nachmittag wurden ihrer kürzlich fünfzig abgeurteilt. Und die widerstrejtendsten Fraktionen der amerikanischen Arbeiterbewegung werden durch die Verfolgung zusammengeschweißt. Wie der„Socialist" unterstützt auch die „Labor World", das Organ der alten Gewerkschaften in Spokane, mit aller Macht den Kampf der„Jndustrial Workers". und diese haben zur Leitung de» Kampfes ein gemeinsames Komitee mit der Sozialistischen Partcki und der Federation of Labor gebildet. Die„Western Federation of Miners", der tapfere westliche Berg» arbeiterverband, packt den Bürger von Spokane an seiner empfind- lichsten Körperstelle, nämlich am Portemonnaie, indem sie die Waren SpokaneS boykottiert. An den städtischen Steuerzahler, der die Kosten der Polizeikampagne zu berappen haben wird, appällieren die Arbeiter Spokanes in erster Linie. Sie sind bereit, den Kampf den ganzen Winter hindurch fortzusetzen und die äußersten Opfer zu bringen, um„ihrem" Bürgermeister Pratt das Schicksal seines verflossenen Kollegen Moore von Seattle zu bereiten, der vor zwei Jahren in dem gleichen Kampfe um die Straße den kürzeren gezogen und sein Amt verloren hat. Oeutfcbe» Reich. Eine Petition des Verbandes der Gärtner gegen die Verschlechterung der Unfallversicherung. In einem früheren Artikel ist schon darauf aufmerksam gemacht worden, daß eine erhebliche Anzahl der landwirtschaftlichen Berufs- genossenschaften den im Unfallversicherungsgesetze enthaltenen Be- griff des„Facharbeiters" in dem im Gesetz genannten Mindestmaß noch reduziert und somit eigentlich gesetzwidrig handelt. Die Be- rufsgenosseuschaften sind denn auch drauf und dran, durch statu- tarische Bestimmungen das Gesetz zurück zu reformieren. Ein solcher Antrag lag seinerzeit der Blestfälisckien landwirtschaftlichen Berufsgenosienschaft vor. Diese Berufsgenossemsebast hatte bis dahin noch uneingeschränkt„Gärtner und Gärtnergehilfen" zu den Facharbeitern gerechnet, wie das Gesetz dies vorschreibt. Nun wurde beantragt, dafür zu sagen:„Selbständig arbeitende Gärtner und Berantw. Redalt.: Richard Barth. Berlin. Inseratenteil verantw. Gärtnereigehilfen(Fach- oder BerufSgärtner)". Als das einem an- wesenden Vertreter der Gärtnereiunternehmcr aber auch noch nicht genügte, wurde weiter beschlossen, der Genosscnschaftsvorstand solle in einer Ausführuugsanwcisung diese Formulierung dahin er- läutern, daß darunter nur die ohne Aufsicht arbeitenden Obergärt- ncr. Oibcrgehilfen und Privat- oder Herrschaftsgärtner zu ver- stehen seien. Das bedeutet, daß etwa vier Fünfteln aller Gärtner der Facharbeiterchcrakter wieder aberkannt worden ist und diese nun nicht mehr ihre Unfallrenten nach dem Jndividuallohn, son- dern nach dem allgemeinen Durchschnittslohn berechnet erhalten. den die obere Berivaltungsbehörde für land- und forstwirtschaftliche Arbeiter normiert hat. Der Allgemeine Deutsche Gärtnerverein hat eine Petition an den Reichstag gerichtet, worin auf die hier in Frage kommenden Mißstände verwiesen und ein gesetzgeberisches Einschreiten dagegen verlangt wird._ Znr Tarifbeweguug im Holzgewerbe ist zu berichten, daß eine eigentliche Klärung der Situation bisher nicht eingetreten ist. Die Verbandsvorstände der Unternehmer- und der Arbeiterorganisation hatten vor einigen Wochen An- Weisung gegeben, die Verhandlungen an den einzelnen Orten auf- zunehmen. Der Vorstand des„Arbeitgeberschutzverbandes" ver- sicherte immer und immer wieder seine Friedensliebe. Es war daher anzunehmen, daß er versuchen würde, seine OrtSvertreter auch in diesem Sinne zu beeinflussen. Daß der Abschluß drei- jähriger Vertrüge nicht ohne nennenswerte Lohnerhöhung und Verkürzung der Arbeitszeit an einer ganzen Anzahl Orte vor sich gehen würde, war dem Schutzverband schon vor der Kündigung des Vertrages bekannt.-Wenn nun trotzdem die Kündigung aller Verträge bis zum 1. April 1910 von feiten der Unternehmer aus- gesprochen wurde, so durfte mit Recht erwartet werden, daß die Unternehmer der einzelnen Orte bestrebt sein würden, den Boden zu einer Einigung zu suchen. Hiervon ist aber gar nichts zu ver- spüren. In fast allen Orten lehnen die Unternehmer jede Lohn- erhöhung ab. In einigen Städten verweigern sie sogar die Fort- setzung der Verhandlungen, bis die Arbeiter die aufgestellten For- derungcn„erheblich reduziert" haben; in anderen Orten sind die Verhandlungen resultatlos abgebrochen. Anstatt daß nun der Vorstand des Arbeitgeberverbandes versucht, die Parteien näher zu bringen, verfällt er in seinen alten Fehler.— er ermahnt die Unternehmer, nichts zu bewilligen! So schreibt z. B. die„Jach- zeitung": „Die bei uns einlaufenden Berichte aus den in Frage kom- wenden Orten lassen das Gegenteil von Bescheidenheit und Rück- sichtnahme auf die überaus trostlose Konjunktur erkennen, denn Forderungen unter 4— 5 Pf. Lohnzulagen pro Stunde sind uns bisher nicht bekannt geworden. Klar und deutlich möchten wir zum Ausdruck bringen, daß eine Verständigung auf der Basis einer 3— Ivprozentigen Lohnerhöhung für ausgeschlossen gelten muß. Völlig unverständlich muß es bleiben, wenn neben diesen ins Blaue hinein geforderten Löhnen gleichzeitig eine ganz wesentliche Verkürzung der Ar- beitszeit auf den Wunschzetteln erscheint." Wer zwischen den Zeilen lesen kann— und das verstehen die Meister der einzelnen Orte in diesen Dingen vortrefflich— kann nichts weiter herausfinden, als wir oben sagten. Dabei muß beachtet werden, daß Durchschnittslöhne von 20 M. und weniger pro Woche in den Vertragsstädten keine Seltenheit sind. Die„Fachzeitung" möchte dann aber auch einen kleinen Keil zwischen die Arbeiterorganisationen treiben. In bezug auf Köln sagt sie: ...... bezeichnend ist eS. daß der christliche Verband die Forderung feines„roten Bruders" einfach abgeschrieben hat." Aergerlich ist es ja für die Unternehmer, daß sich die Arbeiter- organisationen dieses Mal einig sind; durch derartige Bemerkungen wird man sie aber nicht auseinanderbringen. Die„Holzarbeiter- zeitung" stellt übrigens fest, daß in allen Oretn, in denen andere Organisationen in Frage kommen, die Forderungen gemeinsam aufgestellt sind. Inzwischen haben die Holzarbeiter begriffen, waS auf dem Spiele steht. Auf der ganzen Lini» fanden überfüllte Mitglieder- Versammlungen statt, in denen die Situation besprochen wurde. Fast alle Großstädte haben erhebliche Beitragserhöhungen ab 1. Ja- nuar beschlossen. Die Erhöhung der Beiträge auf wöchentlich 1 M., ja 1.25 M. ist in vielen Orten erfolgt, wovon ein großer Prozent- satz zugunsten der Verbandskasse Verwendung finden soll. Die Mitgliederzahl des Holzarbeiterverbandes hat 152 000 er- reicht; dabei sorgen die Unternehmer für weiteren Zuwachs! Eine illustrierte fachtechnifche Beilage wird die gewerkschaftliche Organisation der Gärtner, der Allgemeine Deutsch« Gärtnerverein, vom 1. Januar 1910 ab, neben der achttägig erscheinenden„Allge- meinen Deutschen Gärtnerzeitung", seinen Mitgliedern liefern. Dies« Beilage fuhrt den Titel„Gärtnerei-i�'blatt" und erschemt vorläufig einmal monatlich. Das Ehristentum in Nöten. Dem„christlichen" Deutschen Gärtnerverband wird nach der „Allgemeinen Deutschen Gärtnerzeitung" die Existenz von Tag zu Tage schwerer. Schern früher ist es aufgefallen, daß seine Zeitung, die am 1. und!b. jeden Monats erscheinen soll, häufig erst drei bis sechs Tage später erschien. Die am 1. Dezember fällig ge- wesene Nummer war nun sogar am 14. Dezember noch nicht einmal heraus. Auf eine Reklamation der„Allgcm. Deutschen Gärtner. Zeitung" bei der Post erhielt diese vom Postamt ein« Kartennach» richt dieses Inhalts:„Die Deutsche Gärtnerzeitung ist seit dem l. 12. 09 hier noch nicht eingegangen, weil noch nicht erschienen." Die Verzögerung soll daher kommen, weil die Druckerei nicht früher liefert, als bis die vorher erschienene Nummer bezahlt ist. Tarifkündigung im Brangewerbe. In einer überfüllten Versammlung der organisierten Brauerei- arbeitet in Karlsruhe wurde beschlossen, den im Jahre>906 abgeschlossenen Tarifvcrlvag am 1. April zu kündigen. Eine ge- wählte Kommission solle die neuen Vertragsbedingungen den Braue- rercn von Karlsruhe, Pforzheim. Durlach und E t t- l i n g e n zustellen und Verhandlungen einleiten. Huelancl. Im Prozeß Gomper» und Genossen rst es ganz„Programm- gemäß" hergegangen. Die Appellationsabteilung des Bundes. distriklgerichlS des Distrikts von Columbien hat feine Einwilligung zur Einreichung eines„ZweifelScertificats" an daS Oberbundes. gericht gegeben und dieses dasselbe angenommen, so daß nunmehr vor demselben der ganze Fall, einschließlich aller Nebenfragen, zur Verhandlung kommen wird. Es kann bis zu zwei Jahren dauern, ehe die Sache„an die Reihe" kommt. Bis zur Entscheidung deS Oberbundesgerichts ist die Strafvollziehung aufgehoben. kommunales. An» der Stadtverordnetenversammlung. Die Erhöhung der Kanalisationsabgabe zu verhindern, ist den Hausagrariern der Stadtverordneten- Versammlung nicht gelungen. Vergeblich hatten sie es in dem Ausschuß versucht, dem die Vorlage des Magistrats über- wiesen worden ivar. Gestern forderten die Hitzigsten gar eine TH.Gl»cke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. BerlagSanftall Zurückveriveisung an den Ausschuß, um dort vielleicht doch noch die Vorlage zu Fall zu bringen. Aber sie fanden keine Gegenliebe mehr für diesen Plan, und in der Abstimniung wurde dann nach den Vorschlaget! des Aus- schusses die Erhöhung genehmigt. Vorher ober erlebten wir noch eine Debatte, in der die Hansagrarier mit der Wut der Verziveiflung gegen die ihnen zugedachte, angeblich unerträgliche Belastung ihres Geldbeutels sich wehrten. Unser Genosse Singer stellte fest, daß nicht die Stadt Berlin von den Hausbesitzern sozusagen„erhalten" werde, wie diese es zu behaupten lieben, sondern daß umgekehrt die Haus- besitzerallen An laßhaben, derStadtfürden Wertzuwachs ihrer Grundstücke z u danken, der als Frucht der aus dem Stadtsäckel geschaffenen öffent- lichen Einrichtungen und ihrer Verbesserungen ihnen mühe- los in dcnSchoß fällt. Diese Ausführnngen und Singers Spott über das„Elend", Hausbesitzer zu sein, steigerten noch die Erbitterung der Gegner jeder Mehrbelastung des Haus- agrariertums. Selbst auf ihren Parteifreund Cassel, der gleichfalls sich für die Erhöhung erklärte, hackten sie los. Herr Cassel wehrte sich, aber er hielt es für geraten, ihnen wenigstens zu attestieren, daß auch ihm die Hausbesitzer als eine„nützliche Klasse von Mitbürgern" gelten. Ob ihnen das Trost genug für ihren Kummer sein wird? Nebenbei bemerkt: Durch die Erhöhung der Kaualisations- abgäbe von 1i//Proz. des Nutzungswertes jedes Grundstückes auf fortan 2 Proz. wird den Grundbesitzern ein Mehr von durchschnittlich etwa 60 M. pro Grundstück zugemutet. Und darum ein Geschrei, wie wenn die„nützliche Klasse" am Ver» hungern wäre! „Mehr Sparsamkeit" hatten die jammernden HauZ- agrarier deni Magistrat und der Stadtverordnetenversamm- lung gepredigt, und auch Herr Cassel hatte bissen Wunsch unterstützt, indem er eine„weise Finanzgebarung" empfahl. Zu diesem Thema paßten nicht übel die Erörterungen, die sich an die vom Magistrat vorgelegte Uebersicht über die Ge- meindeschulfrequenz knüpften. Stadtv. Ulrich, der in der Schuldeputation sitzt, rannte wieder mal Sturm gegen das A ch t k l a s s e n s y st c m, dessen„Mißerfolg" die Umbildung zu einem Siebenklassensystem ratsam erscheinen lasse. Genosse Borgmann wies nach, daß der behauvtete „Mißerfolg" nicht dem Achtklassensystem an sich, sondern einer Reihe anderer Umstände zuzuschreiben ist. Er machte auch Vorschläge, den bestehenden Hemmungen entgegenzuwirken. Der Mehrheit gab er zu verstehen, daß er hinter der Absicht. das Achtklasse nsy st em wieder zu beseitigen, nur den Wunsch sehe, Ersparnisse zu machen. Stadt- schulrat Fischer, den er zu einer Erwiderung heraus- gefordert hatte, gab eine gewundene Antwort. Er findet es mindestens zweifelhaft, ob das Achtklassensystem erfüllen wird, was man gehofft hatte. Lieber ist ihm ein Sieben- klassensystem mit Selekta, aber mit der Entscheidung solle man noch warten. Auch Herr Cassel mag kein Acht- klassensystem, doch versicherte er, um die Kosten sei es ihm dabei nicht zu tun. In einer scharfen Erwiderung schleuderte dann B o r g m a n n der Mehrheit den Vorwurf ins Gesicht, daß sie tatsächlich doch nur aus Ersparnisrücksichten die Entwickelung der Gemeindeschule zu hemmen bereit sei. Ein Angriff unseres Redners auf den früheren Stadtschulrat Bertram wurde beantwortet vom Oberbürgermeister Kirschner mit einer pathetisch entrüsteten Rede, von Herrn Cassel mit einer breitspurig faden, von Herrn Hermes mit einer ungewollt komischen. Herr Knschner meint, Bertram habe gerade in seinem Kampf gegen die Sozialdemokratie seinen Liberalismus betätigt. Mag sein, aber im Kampf gegen die Sozialdemokratie hat er auch so manches Mal dem engherzigsten Krämergeist des Berliner Stadtfreisinns seine bessere pädagogische Einsicht und Ueber- zeugung opfern müssen. Es ist vielleicht zeitgemäß, daran zu erinnern, daß gerade Bertram anfänglich den Gedanken ein es Achtklassensystems vertrat und schon im Jahre 1886 auf ihn hinwies. Später mußte er dann allerdings„anders können". Letzte Nachrichten und Dcpefchcn. Die Ruhe nach dem Sturm. Wien, 22. Dezember.esitzern aufbürden, tatsächlich werden aber noch l'/a Millionen vom Stadtsäckel übernommen. Die Herren a la Landsberg ertvecken durch ihre Alebertreibungen den Eindruck, als ob es das größte Unglück der Welt wäre, in Berlin Hausbesitzer zu sein.(Heiterkeit und Beifall.) Stadtrat Albert»: Auch wenn im Etat für 1910 2 Proz. ein- gesetzt werden, muß die Stadt noch 1 300 000 M. Zuschuß leisten. Stadtv. Zylicz(A. L.): Gerade diese Angabe bestärkt mich in dem Verlangen, die Vorlage an den Ausschuß zurückzuverweisen, denn in der Begründung waren anders Ziffern mitgeteilt. Der Hausbesitz ist sehr schwer belastet und seine Lage keineswegs glän- zend. Stadtv. Cassel(A. L.) ist in letzterem Punkte annähernd gleicher Meinung, hält aber die Erhöhung auf 2 Proz. für eine gerechte Mahregel, die weder Verinieter noch Mieter überbürde. Stadtv. Jdc»(A. L.) schließt sich dem Chor der Hausagrarier mit dem gleichen Nachdruck an wie bei der ersten Lesung und sucht die schreiende Ungerechtigkeit dieser Maßregel mit weiteren Be- weisen zu belegen. Der Rieselfelderbetricb mit seiner Viehwirt- schaft geht die Hausbesitzer gar nichts an! Stadtrat Marggraff: Die Viehwirtschaft und die Bauten auf den Riefelfeldern haben ja gerade den Zweck, den Zuschuß, der sonst auf die Gebühr zu schlagen wäre, möglichst zu vermindern! Staotv. Gronewaldt(A. L.) läßt sich ebensowenig wie die anderen Wortführer des Hausbesitzertums von diesen Gegen- gründen überzeugen. An der weiteren Debatte beteiligen sich noch der Kämmerer Dr. Steiniger, Cassel, der seine» Fraktionsgenossen Iben und Gronewaldt und ihrer„leidenschaftlichen" Opposition scharf entgegentritt, sowie unter lebhaften Unwillensäutzerunaen der Mehrheit nochmals die Stadtverordneten Iben und Zylicz. Der Antrag auf Zurückverweisung wird unter großer Heiter- keit der Versammlung fast einstimmig verworfen, die Vorlage nach dein Magistratsvorschlag säst einstimmig ange- n o m in e n. Zu der Ucbersichi über die Frequenz der Gcnieindeschulen am 1. November 1909 bemerkt Stadtv. Ulrich(Sl. L.): Die Uebersicht ergibt 35 000 leere Plätze und 181 leere Schulzimmer. Ist es da wirklich geboten, iin bis- herigen Tempo mit dem Bau neuer Schulen fortzufahren? Die „Schulhygiene" hat den Bau des dritten Hunderts der Gemeinde- schulen sehr beschleunigt, fast überstürzt. Nicht weniger als 40 000 Kinder unterstehen der Aufsicht der Schulärzte, und hier liegt ein Hauptgrund dafür, daß so viele das Ziel der achtklassigen Schule nicht erreichen. Dabei kostet unS jetzt jedes Gcmeindcschul- kind 100 M. jährlich gegen 50 M. vor der Acta der sogenannten Schulhygiene! Möge der Stadtschulrat prüfen, ob wir uns nicht bei dem siebenklassigen Plane weit wohler befanden. Stadtv. Borgmann(Soz.): Ich sehe die Dinge mit etwas anderen Augen an. In der Oeffentlichkeit hat die Frage des Achtklassensystems eine lebhafte Bewegung hervorgerufen und die Meinung der,»eisten Pädagogen gebt dahin, daß nichts verkehrter wäre, als es jetzt wieder zu beseitigen. Bei der Einweihung der 300. Gemeindcschule hat der Schulrat eine Art Programmrede gehalten. Die Schuldeputation hat er dabei nicht hinter sich, denn dort ist man noch der Meinung, das Achtklassenschulsystem habe sich nicht bewährt. Ich gebe das zu, aber es konnte sich auch nicht bewähren, der berschiedcntlichcn Hemmungen wegen, welche in den abgelaufenen 8 Jahre» die Be- Währung zurückhalten mußten. Die vorgelegte Uebersicht scheint eine EntWickelung zum Bessern auszuweisen, aber sie scheint auch nur. Der Rückgang der Klassenfreguenz ist zum Teil das Ergeb- nis des Rückganges der Einschulungen; es sind 1200 Kinder weniger in den Schulen. Darin kommt der ungeheure wirtschaftliche Rückgang zuin Ausdruck. Die Krise hat Tausende von Familien gc- z wungen, den Wohnort zu wechseln. Die Zahl der ersten Klassen ist gegen die vorige Rachweisung gestiegen, und auch ihre Frc- guenz ein Beweis für die weitere Einlebung des Achtklassensystems. Wir haben immerhin IS? erste Klaffen, welche über 3S Kinder zählen. Wenn man hier vielleicht Ersparnisrücksichten in den Vorder- grund schiebt, so frage ich: Wird in den höheren Schulen eine solche Rücksicht genommen? Wenn nicht, warum dann in den Ge- meindeschulen, wo man doch weiß, daß das neue System sich noch nicht hat vollständig durchsetzen können? Die Erhöhung der Kosten pro Schulkind führt sich auch auf die Einziehung des Staatsbeitrags sowie auf die'Erhöhung der Lehrergehältcr zurück. Und hätte uns nicht gleichzeitig dargetan werden müssen, wie die Kosten für die höheren Schüler gestiegen sind? Der Vorredner hätte als Mitglied der Schuldepulation diese wichtigen Ziffern sich leicht verschaffen können, er hat es aber versäumt. Der Schulrat hat in der erwähnten Rede mitgeteilt, daß bei weniger als 25 Kindern die betreffende erste Klasse aufgelöst werden soll. In den skandinavischen Ländern gilt der Grundsatz, daß über 40(in Dänemark 35) Kinder in einer Klaffe nicht vorhanden sein dürfen. 00 unserer ersten Klassen haben über 40 Kinder, bis 52! Können die mit Erfolg unterrichtet werden? Da drängt sich doch wirklich der Argwohn auf, daß hier E r s p a r n i s r ück s i ch t en im Hintergrunde wirksam sind. Die A u f n a h m e k la s se n sind zum Teil außerordentlich stark belastet, und sie haben eine viel zu hohe Frequenz; da können die elementarsten Kenntnisse den Kin- dorn nicht mit der gehörigen Gründlichkeit beigebracht werden. In Zukunft soll die"Frequenz der Aufnahmeklassen von 00 auf 55 herabgesetzt werden. Ist diese Herabsetzung ausreichend, um den Kindern die Möglichkeit zu geben, den Unterrichtsstoff der un- tcrsten Klasse zu beherrschen? Eine der Hemmungen soll in dem Zustrom aus den östlichen Provinzen liegen, der vielfach auS Schulen kommt, die nur Minderwertiges leisten. Muß daS so sein? Läßt sich diese Hemmung nicht beseitigen? Nebenbei weise ich da auf den Widerspruch hin, der darin liegt, daß man Berliner Waisenkinder nach demselben Osten verschickt, wo sie in einklassigen Dorfschulen unterrichtet werden! In New Jork wird den Schwierigkeiten, die durch den entsprechenden Zustrom ent- stehen, in wirkungsvollster Weise begegnet; warum soll das nicht auch bei uns möglich sein? Durch die schulärztliche Untersuchung, die gerade w i r ja nach langen heißen Kämpfen durchgesetzt haben, ist Klarheit über den Gesuirdheitszustand der Schulkinder gewonnen worden; diesem ersten Schritt müssen weitere folgen, um die Schwierigkeiten zu beseitigen, denen die kranken und kränklichen Kinder ausgesetzt lind, und zwar von Gemeinde wegen, damit das Funda- ment geschaffen wird für die Kinder, daß sie den Anforderungen des Unterrichts genügen können. Das wird natürlich auch wieder Geld kosten; aber so gut wie Sie gezwungen worden sind, die Kosten für die Uebertvachung des Gesundheitszustandes der Schul- linder zu tragen, so gut werden Sie auch diese Kosten tragen müssen. Das siebenklassige Svstem hat bei seinem kurzen Bestehen überhaupt gar keinen Beweis für seine Bewährung ablegen können. Bei der Einweihung der 300. Gemeindeschule ist übrigens meine Fraktion, die zwcitstärkste der Versammlung, völlig übergangen worden, vielleicht, weil man fürchtete, daß sich die Feier zu einer rein höfischen gestalten würde. Will Herr Ulrich die Kinder aus weit entlegenen Bezirken zwingen, weite Wege zu machen, um die freien Plätze in den Schulen einzunehmen? Wir würden eine Schulnot bekommen, wenn keine neuen Schulen mehr gebaut werden sollen, wie sie so schlimm noch nie dagewesen ist, besonders tvenn Wieder eine wirtschaftliche Besserung eintritt. Das«chulunterhaltungsgesetz zwingt uns ja auch, konfessionelle Schulen einzurichten; gerade in den katholischen Schulen sind zum Teil die ersten Klassen nicht vor- Händen. Die Gründe, weshalb auffallenderweise in den M i e t s- schulen keine ersten Klaffen vorhanden sind, sollte die Verwaltung uns angeben. Die Fluktuation der Bevölkerung kann und darf kein Hinderungsgrund für den Bau neuer Schulen oder gegen das achtklassige System sein. In seiner Rede erklärte der Schulrat schließlich, er würde nie der Beseitigung deS achtklassigen Systems zustimmen, bevor die Gewähr dafür gegeben wäre, daß keine Nachteile daraus erwachsen. Ich freue mich dieser Erklärung; aber Herr Ulrich und Herr Cassel, der ihm Beifall zollte, sind sehr einflußreiche Mitglieder der Schul- deputation, und die hat die Entscheidung. Wird die achtklassige Schule beseitigt, so stellt sich Berlin ein unglaubliches Ärmuts- zeugnis aus. Die rückständigen Bestrebungen und reaktionären Auffassungen des Kollegen Ulrich sollte die Versammlung sich nicht zu eigen machen; die Versammlung muß sich dagegen wehren, daß solche Bestrebungen zur Geltung kommen, ebenso der Magistrat. Es gilt hier die Ehre der Stadt Berlin!(Beifall bei den Sozialdemo- kracken.) Vorsteher Michelet: Wer bei der Einweihung der 300. Ge- meindeschule zugegen sein wollte, hatte sich zu melden und wurde dann von der Versammlung gewählt. Stadtschulrat Fischer: Daß wir mit dem Bau neuer Schulen einhalten werden, wenn die im Bau begriffenen fertig sind, kann ich Herrn Ulrich nicht versprechen. Die Erfolge der Achtklassen- schule werden sich weiter verbessern; ob sie erfüllen wird, was man sich von ihr verspricht, ist wenigstens zweifelbaft, aber ehe man an eine Aenderung geht, etwa von der siebenklassigen mit einer �elekta, ivird man inindestenS noch einige Jahre die jetzige Entwickelung beobachten müssen. Ueber die Fragen, welche ich in meiner Rede bei der Feier behandelte, habe ich nur meine persönliche Meinung vorgetragen. Der Vergleich der ersten Klassen der allgemeinen Volksschule mit den Primen der höheren Schulen ist doch nicht zulässig. Der Beschluß wegen der Höchstzahl 55 konnte bei der Ein- schulung am 1. Oktober noch nicht berücksichtigt Werden. Wie wir die aus dem Zufluß, von Osten entstehenden Hemmungen be- seitigen sollen, hat uns Kollege Borgmann nicht gesagt; eine Differenzierung der Schüler halte ich mit dem Wesen der all- gemeinen Volksschule nichMür vereinbar. Für eine siebenklassige Schule mit einer Selekta soürde ich sehr wohl zu haben sein. Stadtv. Cassel: Die Auffassung des Stadtv. Borgmann von der prinzipiellen Stellung des Stadtschulrats tvar hiernach völlig irrtümlich.(Stadtv. Borg mann: Würde ich sehr bedauern!) Der Stadtschulrat will nur die Möglichkeit behalten, den Schülern, die so weit kommen, ein achtes Schuljahr zu sichern. DaS wollen wir alle. Einig sind wir sämtlich, auch Herr Borgmann, in dem Bedauern, datz nur 41 Proz. der Kinder in die erste Klasse gelangen. DaS liegt an dein vor acht Jahren uns oktroyierten Schulsystem. 10 Proz. aller Kinder gelangen auS Gesundheitsgründen nicht mit vollendetem 0. Jahre in die Schule; dann kommen Krankheiten und Umzugsverhältnisse in Betracht. Dagegen lassen sich keine Einrich- tungen treffen, wie es Herr Borginann verlangt. UebrigenS sind in den Ostprovinzen, wohin wir unsere Waisenkinder schicken, auch sehr gute Schulen vorhanden. Wir haben die Pflicht, möglichst vielen Schullinvern eine abgeschlossene Schulbildung zu gc- währen. Mit dem Schlagwort„Reaktion" ist da nichts getan. Wollen Sie Bertram nicht gelten lassen, so wird Ihnen Zwick vielleicht eine größere liberale Autorität sein, und der war für die siebenklassige Schule mit einer Oberklasse! Wir wollen nicht sparen an der Schule, aber die überwiegende Mehrzahl der Volks- schüler muß auch das Ziel der Volksschule erreichen können.(Bei- fall.) Stadtv. Borgina«»: Die„Liberalität" des Stadtschulrats Bertram bestand wesentlich in Reden gegen die Sozialdemokratie, und dein Schularztshstem hat er jede Berechtigung abgesprochen. Gegen das achtklassige System sind Herr Ulrich und seine Freunde von allem Anfang an Sturm aelaufen.(Widerspruch.) Von Jahr zu Jahr ist doch die Prozentzahl der Frequenz der 1. Klassen besser geworden, und sie wird noch mehr steigen, wenn die bezeichneten Hemmnisse beseitigt sind. Oberbürgermeister Kirschncr nimmt den verstorbenen Bertram egen den Vorwurf, kein liberaler Mann gewesen zu sein, in Schutz. luch von dem sehr liberalen Gesichtspunkt der persönlichen Frei- heit aus könne man sehr viel gegen die Sozialdemokratie einzu- ivenden haben; damit betätige man sich gerade als Liberaler!„Der Geheimrat Bertram ist der Vater des großartigen Berliner Ge- meindeschulwesens; ihn habe ich gegen solche Angriffe zu verwahren für meine Pflicht gehalten. Diese Angriffe reichen an ihn nicht heran, das ist der Trost, den ich dabei habe."(Beifall.) Stadtv. Cassel: Ueber das achtklassige System haben doch nicht nur die mitzusprechen, die ihm Hosianna singen! Ich bin aber niemals dagegen Sturm gelaufen. Stadtv. Borgmann: Ich konstatiere, daß wir mit Anerkennung für Bertram zu seinen Lebzeiten nicht gekargt haben; trotz aller dieser Anerkennung kann aber davon keine Rede sein, daß es nun nicht erlaubt sein soll. Kritik an seiner Tätigkeit zu üben.(Un- ruhe und Zwischenrufe.) Ja, diese Kritik ist als ungehörig be- zeichnet worden. Wenn die eben gehörte Skizzierung der Tätig- keit des Herrn Bertram„liberal" ist, so muß ich mich damit be- keit des Herrn Bertram„liberal" war, so muß ich mich damit be- scheiden, daß i ch von„liberal" eine andere Auffassung habe. Stadtv. Dr. Hermes(A. L.): Herr Bertram ist bereit gewesen, eine Kandidatur für die Fortschrittspartei anzunehmen für einen Berliner Wahlkreis.(Ruf bei den Sozialdemokraten: Donner- weiter! Große Heiterkeit.) Für die Herren Sozialdemokraten gibt es ja aber keine Liberalen als sie selbst. Die Versammlung nimmt von der Vorlage Kenntnis. Auf Antrag des Stadtverordneten Singer beschließt man, die Vorlagen wegen Gewährung einer Beihilfe von 3000 M. an die Heilsarmee zur Begründung eines Männeraspls sowie betr. den Vertrag mit der Ziegeltransport- A.-G. wegen der Errichtung eines Krans am Hafenplatz von der Tagesordnung abzusetzen. Bei dem Neubau des Märkischen Museums, bei seiner inneren Einrichtung und bei der Aufstellung der Sammlungsgegenstände ist der Kostenanschlag um 307 000 M. überschritten worden. Der Magistrat sucht bierfür die nachträgliche Genehmigung nach. Aus Antrag Stapf(A. L.) wird die Vorlage einem AuS- schuß überwiesen. Für die Vorlage wegen Erwerbung eines Schulgrundstücks an der Finnländischen bezw. Bornholmer Straße befürwortet'Stadt- verordneter Borgmannn einen Ausschuß, da das Grundstück wenig geeignet und viel zu teuer sei. Der Antrag wird auch vom Stadtverordneten L e n tz(A. L.) unterstützt und von der Ver- sammlung angenommen. Schluß der öffentlichen Sitzung 9 Uhr, Hus der partei* Englische Proteste gegen Blatchford. Infolge unserer Notizen über die nationalistischen Exzesse des Auchsozialisten Blatchford sind uns aus den Kreisen englischer Sozialisten und Demokraten zahlreiche Zustimmungsschreiben zu- gegangen. Mehrfach haben Versammlungen Resolutionen gefaßt, die Protest gegen BlatchfordS Aeußerungen erheben. Die Gruppe B r i x t o n(London) der sozialdemokratischen Partei sendet uns folgenden Beschluß: „Die Gruppe Brixton der sozialdemokratischen Partei weist ent- schieden jede Gemeinschaft mit den Aeußerungen ab, die Robert Blatchford über die englisch-deutschen Beziehungen getan hat. Das einzige Ergebnis der Verbreitung solcher Ansichten wird die Stärkung des Mißtrauens zwischen den Nationen sein und muß also den Frieden Europas gefährden. Die' Gruppe ergreist die Gelegenheit, um den deutschen Arbeitern brüderliche Grüße zu senden und aufs neue die internaliouale Solidarität der Arbeiter der ganzen Welt zu proklamieren."_ Die Verfolgung der Sozialisten in Argentwien. Der VerwaltungSausschuß der französischen s o zia- l i st i s ch e n P a r t e i hat einen Protest gegen die Bruta» litäten der argentinischen Regierung er lasse u. in dem es heißt:„Die Regierung von Argentinien verhaftet die sozialistischen Kämpfer und lätzi sie erschießen. Die Preß/xe�.eit ist unterdrückt, das Erscheinen des offiziellen Parrer- organs„Die Vorhut" verboten, die Redakteure sind verhaftet. Die Versammlungslokale der Gewerkschafren und der Partei sind geschlossen, zuvor aber von der Polizei geplündert worden. Diese Regierung, die unter der republikanischen Eritelte ihre Macht aufs schinipstichjte mißbraucht, verdient die Verachtung der zivili- sierten Welt."__ poKzetUebea, GcrichtUcfteo uT(P, Ein Freispruch. Wegen Majestätsbeleidigung und Beleidigung des fchleflschen Kohlenmagnaten Fürsten Pley und des Landrats Freiherm v. Zedlitz hatte sich der Genosse Arbeitcrsekretär O st e r r o l h vor der Strafkammer zu Waldenburg t. Schl. zu verantworten. DaS Majestätsverbrechen und die Beleidigungen der beiden Adels- iprößlinge sollen nach der Anklage in einer Rede über die Reichsfinanzreform begangen worden sein. Als Zeugen figurierten ualürlich die überivachenden Gendarmen, deren Bericht die kuriosesten Stilblüten enthielt. Die Zeugenvernehmung ergab, daß die betreffenden Herren in politischen Dingen reine Unschuld waren. Der Staatsanwalt beantragte trotzdem eine Gesamlstrafe von fünf Monaten Gefängnis. Das Gericht erblickte in den, den Kaiser betreffende» Aeußerungen keine Majestätsbeleidigung und hielt auch die Feststellung, daß oben genannte Adclssprößlinge Raubritter als Ahnen gehabt hätten, nicht für beleidigend. Der Au- geklagte wurde daher freigesprochen. Hus Induftne und Handel* Notstandspreise. Auf den Berliner Vichmärkten vor den WelbnachtSfesten stellten sich in den Jahren 1907—1909 Auftriebe und Höchstpreise für Schiveine, wie die„All genieine Fleischer-Zeitung" feststellt, folgender« maßen: am 21. Dez. 1907: 19 250 Schweine, notierter höchster Preis 67 M., am 23. Dez. 1908: 14 600 Schweine, notierter höchster Preis 67 M., am 22. Dez. 1909: 19 978 Schweine, notierter höchster Preis 7Z M. Diese Zahlen zeigen deutlich den stetigen und großen Ausstieg der Schweinepreise._ Kapitalsansprüche der Banken. Die Neuiuvestierungen und Kapitalserhöhungen haben auf dem Gebiete des Bankwesens im Jahre 1909 einen großen Umfang erreicht. Nicht weniger als 53 neue Kollektiv- unternehmimgen in der Form von Aktiengesellschaften oder Gesell- schasten m. b. H., deren Erwerbsart der Betrieb deS Bankgeschäftes ist, sind ini laufenden Jahre entstanden. Die Summe der für Neugründungen angeforderten Kapitalien beläuft sich auf insgesamt 43,20 Millionen Mark. Insgesamt ergeben sich für das laufende Jahr 21 Neugründunaen mehr als im Vorjahre und die neuinvestierten Kapitalien übertreffen die vorjährigen Anlagen um rund 15,00 Millionen Mark. Bedeutend größeren Kapitalbedarf beanspruchten indessen die Kapitalserhöhungen alter Gesellschaften, von denen im laufenden Jahre 55 gegen 37 im Borjahre mit der Vergrößerung und dem Ausbau ihrer geschäftlichen Beziehungen vorgingen. Die Kapitalserhöhungen de- liefen sich auf rund 130.13 gegen nur 60.53 Millionen im Vorjahre. Der gesamte Kapitalbedarf für Neugrüudimgen und Kapitals- erhöhuiigen belauft sich für die ersten elf Monate des Jahres mithin auf rund 179,33 Millionen Mark, während in der gleickien Zeit des Vorjahres nur 94,29 Millionen Marl beansprucht wurden. Preiserhöhung. Wie die„Textilwoche" berichtet, beschloß der Verein zur Wahrnehmung der gemeinsamen Interessen der Web- warenfaSrikanten von Chemnitz und Umgegend, in dem die gesamte dortige Handsckuh-, Strumpfwaren- und Trikotagenindustrie vertreten ist. sämiliche Warenpreise zu erhöhen. Begründet wird die Matz- nähme mit der Veneuerung des Rohmaterials. Baumwollernte. Nach dem Berichte des Zensnsbureaus der Vereinigten Staaten wurden bis zum t3. Dezember d. I. 0 332 000 Bollen handelsfähiger Baumwolle entkörnt. Dem stehen gegenüber 1t 904 260 Ballen in der gleichen Zelt des Vorjahres, 0 284 070 Ballen in 1907 und 11 112 789 Ballen in 1906. Der vorhergehende Bericht voni 8. Dezember d. I. gab die bis zum 1. Dezember d. I. cutkörnte Baumwolle auf 8 878 000 Ballen an. Dir Weltprvduktion von Petroleum belief sich im Jahre 1908 auf insgeiamt 38 052 233 Tonnen(zu 1000 Kilogramm) gegen 35 032 235 Tonnen im Jahre 1907. Bon der Wellproduktion falle» 63 Proz. auf Amerika, 21,7 Proz. auf Rusiland, 6 Proz. auf Galizien, 3 Proz. auf Rumänien, 3 Proz. anfNiederländisch-Jndien, und auf alle übrigen Länder 4,62 Proz. Trotz Gas und Elektrizität nimmt der Bedarf an Petroleum ständig und ganz bedeutend zu. Die Banken in den Bereinigten Staaten. Die Koi'grefjkommiisioil für Geld- und Bankwesen veröffentlicht auf Grund von Anfragen bei sämtlichen Banken in den Vereinigten Staaten folgende Materialien: Es liegen Berichte von 6893 Nationalbanken, 11319 Staats- banken, 1703 Gegenseitigkeits- und Sparbanken, 1497 Privalbanken sowie 1079 Loan und Trust Compagnien vor. Die Gesamtaktiva dieser Institute erreichen die Summe von 21 Milliarden 100 Millionen Dollar. Die von ihnen gewährten Darlehen betragen 11 773 000 000 Dollar, ihre Kapitalanlagen in Bonds usw. 4 614 000 000 Dollar, ihr Barbestand beläuft sich auf 1432 000 000 Dollar(einschließlich 809 000 000 Dollar in Goldmünzen und Goldzerlifiknten), ihr Aktienkapital auf 1800000000 Dollar, an Reserven und zurückgestellten Gewinnen halten sie 1 835 000 000 Dollar und ihre Depositen be- trageil 14 106 000 000 Dollar, wovon 6 950 000 000 Dollar gegen Scheck und 605 000 000 Dollar auf sofort zahlbare HilUerleglmgS- scheine behoben werden können, 4 926 000 000 Dollar Sparbank- einlagen und 1212 000 000 Dollar auf bestimmte Fristen ein« gelegt sind._ Siigcmühlentrust. In den Vereinigten Staaten haben sich, wie aus New Dork gemeldet wird, etwa 700 Sägemühlen, welche zu- fammen im Jahre 2 000000 000 Schindeln fabrizieren, zusammen- geschlossen. Die dadurch organisierte Produktion entspricht etwa zwei Dritteln der Wellproduktion._ Lohnerhöhungen— aber keine Besserung der Wirtschaft- lichen Lage. Sehr beachtlich ist, was der österreichische Zentral-Gewerbe- inspektor Viktor Wurth in seinem allgemeinen Bericht für 1908 über die ermittelten Lohnerhöhungen im verflossenen Jahre in Oesterreich in bezug auf die wirtschaftliche Lage der Arbeiter sagt. Die Lohnerhöhungen bewegten sich zwischen 5 und 25 Prozent? tiur der Berichterstatter in Prerau verzeichnet Lohnerhöhungen bis 30 Prozent. Die meisten dieser Lohnerhöhungen wurden ohne Streiks erzielt; vielfach sahen sich Unternehmer zur Erhöhung der Lohne veranlaßt, um das Wegziehen ihrer Arbeiter zu anderen Unternehmungen zu verhindern.»Von einer Besserung der wirtschaftlichen Lage der gewerblichen Arbeiterschaft", erklärt der Gewerbe- tuspektor,„kann jedoch trotz dieser neuerlichen Stei- gerung der Löhne nicht gesprochen werden, weil die allgemeine, von Jahr zu Jahr sich steigernde Teuerung der wichtigsten VerbrauchSartikel den erreichten Mehrverdienft säst allenthalben übertraf, zumindest aber paralysierte". In Deutschland ist die Teuerung ebenso groß wie in Oesterreich. Seriebts- Leitung. Todesurteil Zobel bestätigt. Das Reichsgericht verwarf, wie uns ein Telegramm mit- teilt, gestern die Revision der Modistin Auguste Zobel- Berlin, die am 3. Oktober vom Schwurgericht zu Güstrow zum Tode verurteilt worden war, weil sie am 25. März in Rostock die Opernsängerin Frida Barthold aus Eifersucht erschossen hatte. Eines schweren BertrauonSbruchS in amtlicher Stellung hatte sich der Kreisausschutzassistent Heinrich Thormann schuldig gemacht, welcher sich gestern unter der Anklage des Amtsvergehens vor der 1. Strafkammer des Landgerichts I verantworten mutzte.— Ter Angeklagte war von dem Landratsamt des Niederbarnimer Kreises im Jahre 1907 als etatsmätziger Bureauassistent angestellt worden. Da er ein sehr fleitziger und gewandter Arbeiter war, wie der Landrat Graf Roedern vor Gericht als Zeuge bekundete, wurde er mit einem besonderen Vertrauensposten betraut. Er wurde u. a. damit beauftragt, bei dem Erwerb von Grundstücken für Ehausseebauten und für den Bau der Industriebahn Tegel— Friedrichsfelde die schriftlichen vorbereitenden Arbeiten vorzu- nehmen. Obwohl er als Urkundsbeamter keinerlei Befugnisse dazu hatte, Gelder einzuziehen, verstand es der Angeklagte, insgesamt 5000 Mk., die an verschiedenen Stellen als Sicherheit hinterlegt waren, sich anzueignen. Die unterschlagenen Beträge wurden dann später von dem Angeklagten in sehr geschickter Weise durch unrich- tige Buchungen und sonstige Manipulationen verdeckt.— Vor Gericht war der Angeklagte geständig und behauptete, datz er das veruntreute Geld in erster Linie dazu verwendet habe, um noch nachträglich das Abiturientenexamen zu machen, auch habe er Mutter und Geschwister unterhalten müssen. Der Staatsanwalt beantragte eine Gcfüugilisstrafe von IV* Jahren. Das Gericht nahm von einer Gefängnisstrafe Abstand, um nicht ein für alle Mal die Zukunft des Angeklagten zu vernichten und erkannte auf eine Geldstrafe von 4600 M. eventuell 400 Tage Gefängnis. Raffiniert ausgeführte Betrügereien bei der Kgl. Sechanblung lagen einer Straftat zugrunde, mit welcher sich gestern unter Vor- sitz des Landgerichtsdirektor Lieber die 3. Strafkammer des Land- gerichts I zu beschäftigen hatte. Aus der Untersuchungshaft wurden der LOjährige Laufbursche Willi Rütting und der erst 16jährige Laufbursche Johannes Klatt vorgeführt, um sich wegen Betruges und schwerer Urkundenfälschung in zwei Fällen zu verantworten.— Tie beiden jugendlichen Angeklagten waren als Laufburschen in den Bureaus der Kgl. Seehandlung angestellt gewesen. Sie hatten zu allen Räumen Zutritt, so auch zu dem Kassenranm, in welchem die Quittungsformulare zur Benutzung der Konteninhaber herum- lagen. Klatt eignete sich eines Tages zwei dieser Formulare an, um diese mit dem Namen eines Kontoinhabers zu fälschen. Zu diesem Zwecke mutzte er jedoch erst die Schriftzüge eines der Konten- Inhaber genau kennen. In einer Zeit, als sich die beiden Ange- klagten in dem Abrechnungsraum allein befanden, kopierten sie ungesehen die Unterschrift eines Kunden und fälschten dann die beiden Quittungen mit dem betreffenden Namen. Um die beab- sichtigten Betrügereien von vornherein zu verdecken, bekamen es die beiden Burschen sogar fertig, die in Frage kommenden Geschäfts- bücher zu fälschen. Die gefälschten Quittungen, die über 625 und über 700 M. lauteten, ließen sie von jungen Burschen, die sie auf der Stratze ansprachen, bei der Kasse einziehen, wofür sie den Boten großmütig 1 M. zahlten. Mit dem Gelde ergriffen beide Ange- klagte die Flucht. Nach mancherlei Irrfahrten kamen die beiden jugendlichen Defraudanten nach Frankfurt a. M., wo sie ihr Schick- sal ereilte. Sie machten sich durch große Geldausgaben verdächtig und wurden festgenommen. In der Verhandlung wurde erwähnt, daß in der Seehandlung die Buchhalterei und die Registratur etwas weit auseinander liegen und die Laufjungen die Aufgabe haben, bei Präsentation einer' Quittung nach der Registratur zu gehen, um eine Auskunft über den Stand des Kontos des betreffenden Kunden herbeizuholen. Den beiden Angeklagten wurde von ihrem Vorgesetzten das beste Zeugnis ausgestellt, sie waren schon längere Zeit in der Seehandlung beschäftigt und niemand hatte gegen sie irgend welches Mißtrauen. Es war der Verdacht rege geworden, daß die beiden jungen Leute von einem Radfahrer zu ihrer der- brecherischen Tat verleitet worden seien. Die Angeklagten aber versicherten, daß sie nicht von dritter Seite animiert worden seien, sondern der Plan in ihren eigenen Köpfen entstanden sei und zwar erklärte sich Klatt für den Hauptschuldigen. Die Angeklagten hatten Schulden gemacht und wollten aus die geschilderte bequeme Weise zu Geld kommen. Die erbeuteten Summen benutzten die Jungen zu allerlei törichten Dingen: sie kauften sich photogvaphische Appa- rate und Räder und mieteten sich sogar im Sportpark des Botani- scheu Gartens eine Kabine.— Staatsanwalt Heinzmann beantragte gegen Rütting 1 Jahr, gegen Klatt 9 Monate Gefängnis.— Das Gericht erkannte nach dem Antrage des Staatsanwalts, rechnete aber den Angeklagten je 1 Monat auf die Untersuchungshaft als verbüßt an._ In recht zerrüttete Familienverhältnisse leuchtete ein Kindesmißhandlungsprozeß hinein, welcher gestern vor der 3. Strafkammer des Landgerichts III unter Vorsitz des Land- gerichtsdirektorS Liebenow zur Verhandlung kam. Angeklagt wegen gemeinschaftlicher Körperverletzung war die Schauspielerin Frau Margarete Hoffmann und der Musiker August Hcrrmann. Beide Angeklagte wurden beschuldigt, die jetzt bjährige Hildegard Hoff- mann, die Tochter der Angeklagten H., gemeinschaftlich mißhandelt zu haben. Die Erstangeklagte hatte sich mit einem Schauspieler Groß verheiratet. Die Ehe war jedoch aus verschiedenen Gründen sehr unglücklich, so daß die Eheleute schon im Jahre 1900 wieder ausein- andergingen. Die Angeklagte, die seinerzeit schon länger als drei- viertel Jahre von ihrem Manne getrennt gelebt hatte, gab im Jahre 1901 einem Kinde, der kleinen Hildegard, das Leben. Der damalig« Ehemann weigerte sich, das Mädchen als sein Kind an- zuerkennen. Nachdem die Ehe im Jahre 1902 geschieden worden war, heiratete die Angeklagte dann im Jahre 1903 einen Rechts- anwalt Hoffmann, der jedoch inzwischen auch schon wieder die ehe- liche Gemeinschaft aufgelöst hat und nach Amerika gegangen ist. Wie die Angeklagte behauptet, soll auch diese Ehe bereits in New Aork wieder geschieden sein. Vor etwa drei Jahren machte die An- geklagte die Bekanntschaft des erst 23jährigen Mitangeklagten Herrmann, an dessen Vater, der Musikalienhändler ist, sie eine Stradivariusgeige verkaufte. Der junge Mensch wurde von einer unbezähmbaren Leidenschast für die 12 Jahre ältere Frau erfaßt, mit der er gegen den Willen seiner Eltern ein Liebesverhältnis anknüpfte. Die Eltern versuchten alles mögliche, um ihren Sohn von seiner törichten Leidenschaft zu heilen, konnten es jedoch nicht verhindern, datz der junge Mensch mit der Frau Hofsmann, die seinerzeit im Schillertheater Eharlottenburg austrat, in Charlotten» bürg eine Fünfzimmerwohnung bezog. Während dieser Zeit sollen sich die jetzt zur Anklage stehenden Mißhandlungen des Kindes der tz. ereignet haben. Hausbewohner bemerkten, datz die kleine Hilde- gard häufig mit blauen Flecken und Striemen bedeckt war. Am 24. Juli beobachteten in demselben Hause beschäftigte Dienst- mädchen vom Küchenfenster aus, wie die beiden Angeklagten auf das sehr schwächliche Kind einschlugen, nachdem sie es vorher mit Binden an das Bett gefesselt hatten. Um diese Zeit erkrankte das Kind auch an einer hätzlichen Krankheit, die es sich nur durch direkte Uebertragung zugezogen haben konnte. Der Berdaacht, daß der Angeklagte Herrmann der Urheber dieses Leidens gewesen war. bestätigte sich jedoch nicht, sodatz das dahingehende Ermittelungs» verfahren eingestellt werden mutzte. Nachdem Hausbewohner festgestellt hatten, datz die kleine Hildegard eines Tages aus Nase und Ohren blutete, erstatteten sie Strafanzeige. Das Schöffengericht Charlottenburg verurteilte die Angeklagten mit Rücksicht auf die brutale Behandlung des schwächlichen Kindes zu je 2 Monaten Gefängnis. Gegen dieses Urteil legten die Angeklagten Berufung ein. Mit Rücksicht auf die bisherige Unbescholtenhcit der Ange- klagten nahm das Gericht von der Verhängung einer Gefängnis- strafe Abstand und erkannte gegen Frau Hofmann auf 366 M. und � gegen Herrmann auf 500 Sit. Geldstrafe. Streikposten. Bei dem letzten großen Schlosscrstreik regnete es gegen Streik» Posten Strafmandate. Auch der Schlosser M o t t wurde mit einem solchen über 30 M. beglückt. Er soll sich am 15. September d. I. in der Voltastratze als Streikposten aufgehalten und der wieder- holten Aufforderung eines Aufsichtsbeamten, die Voltastratze nicht wieder zu betreten, keine Folge geleistet haben. Mott rief gegen das Strafmandat richterliche Entscheidung an. In der Verhand- lung machte er geltend, daß überhaupt deine Aufforderung an ihn ergangen sei. Der Schuhmann bekundete, daß er am Tage vorher dem Angeklagten erklärt habe, er dürfe die Voltastraße nicht mehr betreten. Als er diesen am nächsten Tage wieder in der Straße gesehen habe, habe er ihn ohne weiteres sistiert. Der Verteidiger» Rechtsanwalt Dr. Heinemann, beantragte gegenüber dem Antrag des Amtsanwalts, das Strafmandat zu bestätigen, die Frei- sprechung, da der Schutzmann, mag man auch dessen Befugnisse noch so weit auslegen, jedenfalls am vorhergehenden Tage nicht wissen konnte, wie die Verhältnisse am nächsten Tage liegen und ob dann irgendeine Ordnungsgefährdung im Verweilen des Ange- klagten in der Voltastraße liegen könne. Ein ganz unmöglicher Zustand sei es, der Polizei zu gestatten, generell daS Betreten ganzer Straßen, vielleicht ganz Berlins, jemandem zu verbieten. Aus den gleichen Gründen sprach das Gericht de» Angeklagten frei. Prämien für Kassenbctrügcr. Das Reichsgericht trat am Dienstag der von uns wiederholt verurteilten Praxis entgegen, Arbeitgeber freizusprechen oder mit geringfügigen Strafen zu belegen, die sich dadurch bereichert haben. daß sie Kasjeubeiträge den Arbeitern vom Lohne abziehen, diese aber nicht an die Kasse abführen, sondern für sich verwenden. Das Landgericht Ostrowo hatte am 27. August den Baugewerks- mcister Maximilian Langer von der Anklage des Vergehens gegen das Krankenversicherungsgesetz freigesprochen. Erst nach erfolgloser Zwangsvollstreckung hat der Angeklagte die Beiträge bezahlt. Auf die Revisiim des Staatsanwalts hob das Reichsgericht das Urteil auf und verwies die Sache an daS Landgericht zurück. Die Nicht» erfüllung der Zahlungspflicht, wurde im Urteil ausgeführt, war,. vorsätzlich. Die Verurteilung nach dem Krankenverstcherungsgesetz war möglich, ebenso nach der Sachlage diejenige wegen Betrugs. ßricfbartcn da* Rcdahtion. K. M. 7. Sie müssen doch am besten wissen, welchen Beruf Sie er. wäblen wollen und wozu Sie Lust und Liebe iowobl als auch Fähigkeiten besitzen. So allgemein läßt sich die Frage nicht beantworten,— Char- loticuburg. K. 100. Freiherr v. Lützow war einer der Offizier- und Ansührer der sogenannten Freiicharen, die sich unter dem Oberbcsehl Schills nach der Niederlage von Jena und Auerstedt bildeten.— BS.®. Hier. Uns leider nicht bekannt.— E. H. 35. Setzen Sie sich mit einer Annoncenexpedilwn in Verbindung.— 91t. 5t. 81. Sie müßten sich bei den belresscnden Instituten und Behörden dirett bewerben,— O. H. 10. 1. Das ist möglich, doch haben wir keine Bestimmungen darüber zu treffen. 2. Nicht außergewöhnlich, aber immerhin eine anerkennenswerte Leistung. — H. F. 8. UnS nicht bekannt. Sie erkalten aber aus Anfrage beim Patentamt darüber Auskunst.— Schulz-Werne. C. ist nicht inehr Mit- giied der Partei.— R. R. 00. Wenden Sic sich an einen Friseur.— Pech.»5. Glasermeiller Scholz, Wrangelstr. 110,— H. Z. Unseres ErachtenS ja; doch holen Sie sich besser in einer Fabriadbandlung Rat. — C. P. 3. Aber I Aber 1 Hängt davon die Verlobung ab 1 DaS vereinbart man doch aus gütlichem Weg«.— W. S. 723. 1, und 2. Ja. DeuMer Holzarbeiler- Verband j Zahlstelle Bertin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Stock- arbeitet Franz Mertin am 21. Dezember verstorben ist. Ehre seinem Andenken t Die Beerdigung findet am Freitag, den 24. Dezember, nach. mittags g'/z Uhr, von der Halle des Thomas-KirchhoseS in Rixdorf, tzermannslraße, aus statt. 94/1 Die OrtSverwaltnng. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes und unseres guten BaterS, Schwiegervater-? und Groß. valerS Zllch»cl Wlnbler sprechen wir allen. Freunden und Betaniile» sowie den Kollegen und Kolleginnen der Firma Paul Hübner. auch dem Sozialdemokratischen Wahl. verein de» 4. Kreises unseren itiuigstlen Dank ans. 3652L Im Namen der Hinterblieben Wittvc Wiukler. Danltsaxnn«. Für die meinem Manne, unserem Vater von seinen Kollege» und Freunden am Grab« erwieiene Ehre sagen herzlichen Dank s2S7gb Witive Gauerkc und Kinder. I ZeDiral-feitei der ßlasarlieitep u.-MeiteriiiiieD Deutschlands. Ortsberwaltnng Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Glas. ichieifer 73/17 AugKISi Friede am Dienstag, den 21, Dezember. an der Proletaricrkranlheit ge- starben ist. Ehre feinem Audenkeu! Die Beerdigung stützet morgen Freitag, den 24, Dezember, nach. mittags 2 Uhr, von der Leichen. Halle des flentral-Friedhoses in Friedrichsfelde aus statt. Um zablreiche Beteiligung ersucht Die Ortoverwaliung. �cl'tunz! mxdOI'F. Den Parteigenossen des lv, Bezirks die Mitteilung, daß die Weihnachts» bescherung für die Kinder der Arbeitslosen heute Donnerstag, abends 7 Uhr, im Lokal von Eschert, Okerslr. 8/9, stattsiudet, 293/1 Dazu ladet ergebenst ein Die Bezirksleitung. Tanksngung. Für die rege Beteiligung bei der Beerdigung unseres lieben Sohnes Ott« l'unkow allen Teiliiebmcrn sowie dem Genosse» Schütte für die trostreichen Worte und dem Voigtschen Sänger-Ouartctt unseren besten Dank. W. Pankow und Frau, 36510 Königsberger Str. 39. Danksagung. Für die viele» Kranzspenden und Beweise herzlichster Teilnahme bei der Beerdigung unserer Tochter und Braut �tarKarete Löhrich sagen wir allen Verwandten und Freunden unseren herzlichsten Dank, «„»tav T.Olii-Ich nebst Frau. 29805 U'ilheliu Füller. Offeriere in nur frischer, schöner Ware, solange Vorrat reicht:» 1,"° Wöiifc 70 o' tiur allererste Qualitäten, Gäuserüinpfe, halbe Gänse, große Rchk. liieu von 91. 6,50 große Rehrücken,. 7,50 Hasen, sauber gespickt, auch geteilt, sette Suppenhühner, jge, Braihubncr, ige. Dauben in riesiger Auswahl, Wegner, SO. Mariannenftr. 34. Spcnlalgescliftf t f. Uhren G in größler Auswahl,* 9 gut gehend, genau reguliert: Kanal-Remt-Uhrsn v, 5 M, Silberne Remt.-lJhren 7 M, Goldene Remt.vbren 12'M Schiagw.Repert-Udren 9 M, Jgh.-Weck.vhren v, 2M, an Reelle schriftliche Garantie. E. 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Pelzwaren° Slolas° Hüffen Schuhwaren fQr Herren, Damen und Kinder \0 Die Auswahl«ämtiieher Waren In allen Abteilungen Ist4 »4 >4 H >4 ►4 M H h M M M 14 N M M h M M n H Berantwörtlicher Redakteur Richard Barth, Berlin. Für den Inseratenteil verantw..; Th. Blicke, Berlin, TruckThBerlag: Vorwärts Büchdruderei u. Lerlagsanftalt Paul Singer& Co., Berlin SW, Dr. 299. 26. IahrglMg. 2. Sfilnüc Ks Joraiitlö" ftrlintt Pollisliliitt Donnerstag, 23. Dtzeniber l9V9. Partei- Angelegenheiten. Zum Preuhentag. Zu den am M o n t a g, den 3. Januar, morgens 9 Uhr, im Gewerkichaftshause beginnenden Verhandlungen deS P r e u tz i- fchen Parteitages haben die organisierten Mitglieder der Partei und Gewerlschaften gegen Vorzeigung der Mitgliedsbücher freien Zutritt. G a st k a r t e n zum Preise von ö 0 Pfennig für die Halb- tagSkarte sind vor Beginn und»oährend der Verhandlungen gleichfalls im Gewerkfchaftöhause erhältlich. Gesuche um Zutrittskarten für Pressevertreter find au Eugen Ernst, Berlin L�V. 68, L i n d e n st r. 69 sVorwärts-Buchdruclerei) zu richten. Der geschäftsführende Ausschuß. Frauenversammlung. Am Freitag, den 14. Januar, soll die Genossin Schlrfinger aus Wien in einer Franenversammlung referieren. Wir bitten die Leitungen von Partei und Gewerkschaften hier- von Notiz zu nehmen und an diesem Tage keine anderen Ver- anstaltungen zu treffen._ Der Aktionsausschuß. Zur Lokalliste. Der Vergnügungsverein„Fröhlichkeit l" feiert am ersten Weihnachtsfeiertag sein Weihnachtsfest in den „Konkordia-Sälen". Andrcassiraße 64. Da man versucht, hierzu in Arbeiterkrei'en möglichst viel Billetts umzusetzen, machen wir darauf aufmerksam, daß die„Konkordia-Sälc" der Arbeiterschaft seit Jahren beharrlich verweigert werden, mithin sind alle dortigen Veranstaltungen zu meiden. In Mahlsdorf N.-B. veranstaltet der dortige„Grund- Besitzerverein" im Lokal von Schliefe, Finower Straße, am l. Feiertag ein Vergnügen, zu welchem man möglichst viel Billetts umzusetzen bemüht ist. Wir bringen in Erinnerung, daß der Herr Schliefe uns seine Räume grundlos entzogen hat, und ersuchen daher. Billetts zu dortigen Veranstaltungen entschieden zu- rückzuwei'en. In Kaulsdorf N.-B. empfehlen wir da« Lokal von Götze an der Franlsurter Chaussee als Verkehrslokal. Wir bitten die Arbeiter- Radfahrer dies zu beachten. Die Lokalkommission. WilmerSdorf-Halensec. Am Dienstag, den 28. Dezember, findet die Generalversammlung des WahlvereiuS statt. Tagesordnung: 1. Bericht des Vorstandes und der Funkttonäre. 2. Neuwahl des Vorstandes. 3. Stellungnahme zur bevorstehenden Stadtverordneten- wähl und Aufstellung der Kandidaten. 4. Vereinsangelegcnheiten. Eintritt nur gegen Vorzeigung des Mitgliedsbuches. Diejenigen Mitglieder, welche noch im Besitz von Bibliotheksbüchern sind, werden ersucht, dieselben spätestens am Dienstag, den 28. Dezember abzuliefern, da eine Neuaufnahme des Bibliothek- Bestandes sowie Neuregisttierung vorgenonune» werden soll. Der Vorstand. Ober-Schöneweide. Die Bibliothek ist nur am ersten Feiertag geöffnet, am Sonntag ist dieselbe geschlossen. Der Vorstand. Schmargendorf. Die ain Dienstag, den 28. Dezember, fällige Mitgliederversammlung des Wahlvereins fällt aus.— Der hiesige Arbeiter-Thealerverein bringt am ersten WeihnachlSfeiertage im Schützenhaus da» vieraktige Drama„Im Forsthaus" zur Aufführung, wozu sich auch die Genossen mit Verwandten recht zahlreich einfinden mögen. Der Vorstand. ' Mcißensee. Den Wahlvereinsmitgliedern zur Kenntnis, daß die Vereinsbibliothek der Feiertage wegen diese Woche und am Sonn- abend, den 1. Januar lS!0, geichloiien bleibt. Dagegen wird die- selbe am Donnerstag, den 39. Dezember er., abends von 8—9 Uhr geöffnet sein. Die Bezirksleitung. Rieder-Schönhausen-Nordend. Am Freitag, den 24. Dezember, bleibt die Bibliothek des Wahlvereins geschlossen. __ Die Bezirksleitung. jSerlmer �acbricdten. Die Tätigkeit der Arbeiter-BildnugSschule. Die Arbeiter-Bildungsschule hat vor einiger Zeit ihren Bericht für das letzte Geschäftsjahr herausgegeben. Aus dem Inhalt ergibt sich die Fülle der Arbeit, die dieses nützliche Institut auch im letzten Jahre wieder geleistet hat. Der zähe. unverwüstliche Schaffensdrang, der aus dem Bericht spricht, hat denn auch Erfolge auszuweisen, die in Anbetracht der keineswegs günstigen Verhältnisse als durchaus erfreulich be- zeichnet werden können. Daran ändert auch das blöde Spötteln gewisser Blätter nichts, denen alle Bestrebungen, die geeignet und bestimmt sind, in der Arbeiterschaft Wissen und Erkenntnis zu verbreiten, ihr das geistige Rüstzeug im Kampfe gegen seine Ausbeuter zu liefern. Wutkämpfe ver- ursachew gewährt eine übersichtliche Darstellung über die Unterrichtsquartale des 18. Geschäftsjahres, im Gegensatz zum vorhergehenden Jahresbericht, der eine Tätigkeit von anderthalb Jahren umfaßte und von der Regel abwich. Dort konnte von vier Unterrichtsquartalen mit 8l Lehrkursen be- richtet werden, während diesmal nur regelrecht drei Quartale mit 22 Kursen in Bekacht kommen. Das ist einer der Gründe, warum in diesem Jahre ein Mitgliederverlust zu verzeichnen ist. wobei allerdings noch andere Einwirkungen, u. a. die Krise, eine gewichtige Rolle spielen. Immerhin kann man auch hierbei noch von einem, wenn auch kleinen Fortschritt sprechen, sofern man die Zahl der Kurse mit dem Mit- gliederbestande vergleicht. In diesem Jahre kommen auf den Zhirsus 72, im Jahre vorher 65 Scküler. Eine neue Einrichtung der Arbeitcrbildungsschule stellen die geschlossenen Sonntagsversammlungen dar. die den Zweck Verfolgen. theorettsche schwierige Einzelfragcn. deren eingehende Erörterung in den Lehrkursen naturgemäß nicht gut möglich ist. in streng wissenschaftlicher Form vor einem schon vorgebildeten Kreise von Teilnehmern zur rein sachlichen Diskussion zu stellen. Leider muß in dem Bericht festgestellt werden, daß. selbst bei wohlwollendster und gerechtester Würdigung aller un- günstigen Momente, die Mitgliederzahl der Arbeiterbildungs- schule in keinem Verhältnis zu der großen Masse der organi- sierten Männer und Frauen steht, die in der modernen Arbeiterbewegung Berlins vereinigt sind. Durchschnittlich betrug im vorigen Geschäftsjahre die Mitgliederzahl 2020 (129 Damen. 1891 Herren), während sie in diesem Jahre nur 1585(169 Damen und 1416 Herren) aufzuweisen hat. Die Kurse in den Vororten entsprachen auch diesmal nicht den berechtigten Erwartungen, wobei allerdings berück- stchtigt werden muß. daß eine größere Anzahl politischer und gewerkschaftlicher Organisationen Groß- Berlins selbständige Kurse für ihre Mitglieder eingerichtet haben. In den Kursen wurden folgende Lehrstoffe behandelt: Naturerkenntnis, Gesetzeskunde, Gewerkschaftswesen, Rede- Übung, Nationalökonomie. Geschichte und im Fortschrittskursus historischer Materialismus. Im Geschäftsjahr 1908/09 ließen sich 1585 Mitglieder einschreiben, darunter 6 Jahresmitglieder(169 Damen, 1416 Herren). Organisiert waren: politisch 66, gewerkschaftlich 351, beides 1078, 90 hatten keine Angaben gemacht. Ueber die Altersstufen der Mitglieder wurde folgendes festgestellt: Unter 20 Jahre waren 121. 20-30 Jahre 913. 30-40 Jahre 326. 40—50 Jahre 52 und zwischen 50 und 60 Jahren 5 Mitglieder. Unter den Berufen waren auch u. a. vertreten:: 1 Zahntech- niker, 5 Techniker, 3 Schriftsteller, 2 Studenten, 1 Studentin, 1 Rechtsanwalt. 1 Geometer, 1 Privatsekretär und 1 Arzt. Aus der Bibliothek wurden 3242 Bände entliepen, davon fallen auf Literatur 1227, auf Nationalökonomie 713, auf Natur Wissenschaft, Geographie, Reisen, Gesundheitspflege 438, ans Ge schichte, Kulturgeschichte, Memoiren und Biographie 418, aus Philosophie, Ethik und Religion 233 Bände. Die übrigen vev teilen sich auf sonstige Wissensgebiete. Um die Möglichkeit eines früheren Beginns der Schub stunden zu erproben, wurde eine Statistik aufgenommen, die ergab, daß von 756 Mitgliedern nur 227 einen Arbeitsschluß von 5 Uhr an oder früher, 266 zivischen 5 und 6 Uhr hatten, der der anderen aber auf eine spätere Zeit fiel. Alles in allem kann die Arbeiterbildungsschule mit Stolz auf ein arbeitsreiches und fruchtbares Jahr zurückblicken, und wir können uns der frohen Zuversicht, die in den Schluß Worten des Berichts zum Ausdruck komnit, nur anschließen: „Durch Bildung zur Freiheit!" Sozialhhgiene in Notstandszeiten. Die Heimstätten der Stadt Berlin hatten im Etatjahr 1963(April 1963 bis März 1999) einen weniger st arten Zudrang von Aufna hm«suchenden als in 1997. Die Vergleichung der Aufnahmcziffern beider Jahre wird diesmal dadurch erschwert, daß vom vorletzten zum letzten Jahr bei den Heimstätten mehrere Aenderungen eingetreten sind. Die Heimstätten wurden im Oktober 1398 wieder um eine vermehrt, um die Heimstätte Upswlb-Blankenburg, so daß seitdem siebe» vorhanden sind. Von da an standen für genesende Frauen zwei Heimstätten zur Verfügung, die ältere in Blankenburg und die neue in Upstall. Im Januar 1999 kam für die genesenden Männer zu ihrer bisherigen Heimstätte Heinersdorf die Heim- stätte Gütcrgotz hinzu, die zum größeren Teil ihnen eingeräumt wurde. Gütergotz war bisher mit lungenkranken Männern belegt worden, jetzt aber verblieb nur noch ein kleinerer Teil dieser Heimstätte den lungenkranken Männern, die keinen Auswurf haben. Für die anderen lungenkranken Männer- ist, wie bisher, Buch bestimmt. Auch für Malchow und Blankenfelde wurde der bisherige Zustand beibehalten, beide Heimstätten verblieben den lungenkranken Frauen. Der hier aufgezählten Aenderungen sind zu berücksichtigen bei der Beurteilung der Frcquenzziffern des Etatjahres 1998 und ihrer Abweichungen von dem Ergebnis aus 1997. Denn die Zahl der Aufnahmen wird mit durch die Auf- Nahmemöglichkeit beeinflußt, die in 1993 für genesende Frauen und genesende Männer gesteigert, für lungenkrank: Männer ver- ringcrt worden ist. Aus dem Verwaltungsbericht für das Etatjahr 1993, der jetzt vorliegt, ersehen wir, daß gegenüber dem vorhergehenden Jahr ein Mehr an Ausnahmen sich nur bei den genesenden Frauen gezeigt hat. Diesmal wurden 786 genesende Frauen(einschließlich schul- Pflichtige Mädchen, und zwar diese erst seit Oktober 1993) auf- genommen, während das Borjahr nur 753 Aufnahmen gebracht hatte. Lungenkranke Frauen dagegen sind weniger als im Vorjahr aufgenommen worden, damals 1388, diesmal nur 1338, obwohl die Aufnahmemäglichteit nicht eingeschränkt worden ist. Ein Weniger an Aufnahmen hat sich auch bei den genesenden Männern ergeben, obwohl hier die Aufnahmemöglichkeit sogar gesteigert worden ist. Freilich ist hier der Rückgang ganz gering: aufgenommen wurden 991, gegenüber 996 im Vorjahr. Sehr bedeutend haben aber die Aufnahmen lungenkranker Männer sich vermindert, von 1788 im Vorjahr auf diesmal nur 1471. Der Bericht sagt, der Rückgang der Frequenzziffern lungenkranker Männer habe das Kuratorium ver- anlaßt, Gütergotz den lungenkranken Männern zum größeren Teil zu entziehen. Es ist aber zweifellos, daß hinterher die verfügt« und durchgeführte Entziehung wieder zu einer noch weiteren Ver- Minderung der Aufnahmen lungenkranker Männer beigetragen haben wird. Ziemlich genau zu diesem Zeitpunkt begannen in Buch die Vormeldungen sich anzusammeln, und den Aufnahmesuchenden wurde jetzt wieder eine Wartezeit zugemutet, die keineswegs immer gering war. Doch die wichtigste und ausschlaggebende Ursache der in den Heimstätten fast durchgängig eingetretenen Ver Minderung der Aufnahmeanträge ist sicherlich die Ungunst der wirtschaftlichen Lag«. Auch der Bericht sagt:„Der Grund für die geringere Inanspruchnahme der Heimstätten im Jahre 1998 ist wohl zum Teil in dem auf allen Gebieten hervorgetretenen wirtschaftlichen Rückgang zu suchen, welcher eine V e r r i n g e» r u ng der Anzahl der Krankentassenmitglieder wie auch eine größere Zurückhaltung der Krankenkassen bei Uebernahme der Verpfle gungskosten zeitigte." Inzwischen ist ja nun für die Heimstätten der Kurkosten- satz, trotz aller Warnungen und Proteste der sozialdemokratischen Stadtverordneten, noch erhöht worden. Da wird gewiß auch die „Zurückhaltung" der Krankcnkaffen noch größer werden, und bereits hat sich für die Heimstätten in der Tat eine noch weitere Frequenzverminderung ergeben. Wenn das Magistrats. kollegium und die freisinnige Stadtverordnetenmehrheit ver- nünftigcr Anschauungen über Sozialhygiene fähig wären, so hätte gerade im Hinblick auf die Wirtschaftskrise und den Nolstand der Kurkostensatz unserer Heimstätten nickst erhöht, sondern sogar noch ermäßigt werden müssen. Das wäre das beste Mittel gewesen, die „Zurückhaltung" der Krankenkassen zu bekämpfen und der Volks- gesundheit zu dienen._ Sit Tunnelprojekte der Großen Berliner Straßenbahn werden nicht zur Ausführung gelangen. Daß der Tunnel unter der Strotze Unter den Linden entbehrlich fei, hat der Minister der öffeniliche» Arbeiten sck>on bei der Konferenz im Schloß, an der Oberbürger- meister Kirschner teilnahm, ausgesprochen. Inzwischen hat sich der Minister davon überzeugt, daß wem» die geplanten Straßen- durwbrüche erfolgen, die den Berkehr am Potsdamer Platz entlasten, auch der zweite Tunnel entbehrlich fei. Daß dieser Plan dem BerkehrsbedüriniS in keiner Weise genügen könnte und technisch bedenklich wäre, hat insbesondere RegierungSrat Kemmann schlagend nachgewiesen. Somit darf man die vielerörterten Tunnelpläne und das zu ihrer Betreibung angekündigte Ergänzungsversahren, durch das die Stadl zur Verlängerung ihrer Zustiiniming für die Straßenbenutzung auf 99 Jahre genötigt werden sollte, als erledigt be- trachten._ Friede und Freude auf Erden? ES muß einmal darauf hingewiesen werden, daß die Formen des weihnachtlichen Geschäftsverkehrs für sozial denkende Menschen einen immer unerträglicher werdenden Charakter annehmen. Die wenigsten von den vielen, die in diesen Tagen das Wort von der fröhlichen, seligen Weihnacht im Munde führen, denken daran, daß viele tausend Menschen, Männer und Frauen, Jünglinge und Miidchen systematisch, wenn auch nicht absichtlich, um jede Festireude gebracht werden. Es sind das die vielen Angestellten der offenen Ladengeschäfte, deren Dienstzeit und Arbeits- leistung in den Tagen vor dem Fest geradezu unerhört sind. Wie cS mit der Ruhezeit dieser Augestellten bestellt ist, kann inan sich leicht nachrechnen, wenn man dedenkt, daß sie, wenn sie um 8 Uhr im Geschäft sein wollen, spätestens um Vs7 aufstehen müssen. Bis 19 Uhr sind die Geschäfte geöffnet, und bis die letzren Kunden bedient sind, alles für den anderen Tag geordnet ist und die Angestellten den Laden verlassen, ist eS mindestens 11 Uhr ge» worden. Um 12 sind die Geplagten dann endlich zu Hause, um erschöpft zu einem kurzen Schlaf auf das Lager zu sinken. Und daS geht nicht einnial so, sondern tagelang. Kein Wunder, wenn die derart ge- hetzten Menschen die Festtage dazu benutzen müssen, um sich einnial wieder ordentlich auszuschlafen. Aber die gesundheitlichen Schädi» gungen dieser mit unglaublichen körperlichen Anstrengungen ver- bundenen Arbeit der VorweihnachtStage sind zu groß, als daß man auf die Dauer achtlos daran vorübergehen darf. Abgesehen davon, daß hier einmal die lokale Gesetzgebung durch Verkürzung der Arbeitszeit unbedingt eingreifen muß, können sich die Angestellten auch selbst helfen, indem sie sich den Organisationen anschließen, und zwar nicht solchen, die ihre Untätigkeit und Unfähigkeit auf sozialem Gebiet mit nationalen und ähnlichen Phrasen bemänteln, sondern jenen, die energisch und taikräftig für die Rechte der in ihren höchsten Gütern, nämlich der Freiheit und der Gesundheit bedrohten An» gestellten einlreten. Nicht uninteressant ist eS zu beobachten, baß gerade dort, wo sich die Betriebe und daS Kapital konzentrieren, nämlich in den Warenhäusern, heute die ersten wenn auch noch spärlichen Keime für eine geregelte Dievst- und Ruhezeit sich bemerkbar machen. Nabezu ideal sind aber heute schon diese Verhällniffe in Betrieben, die daS Proletariat inmier mehr mit seinen Ideen durchdringt(und sich auch wirtschaftlich erobert, nämlich in den Konsumvereinen. Regelmäßig schließen diese ihre Läden pünktlich um 8 Uhr. Nur Sonnabends ist in Rücksicht auf die an diesem Tage erfolgten Lohnzahlungen bis 9 Uhr geöffnet. An Sonntagen und Festtagen find die Läden überhaupt geschlossen, damit die An« gestellten einen durchgehenden Ruhetag haben. Für die kapitalistische Weltordnung ist es aber bezeichnend, daß gerade in den Tagen, für die die Ideologen dieser Ordnung allen Menschen Friede und Freude predigen. Tausende ohne Erbarmen gehetzt, gequält und ge» schunden werden/_ In der Sitzung der Verkehrsdeputation vom 21. Dezember wurde unter Vorsitz des Oberbürgermeisters die Beratung über die Vorschläge zu einer Verständigung mit der Großen Verl-iner Straßenbahn fortgesetzt. Die Meinungen der Mitglieder gingen weit auseinander. Die Beratung soll fortgesetzt werden. „Ich komme von der Arniendirektion!" Es ist nur zu bekannt, daß sehr viele bürgerliche Mitglieder der Armenkommission sich im amtlichen Verkehr mit UnterstützungSbedürstigen eines Tones be» dienen, der empfindsame» Charakteren leicht auf die Nerven fällt. Nicht gerade beleidigend ist diese eigentümlickie Umgangssprache, aber sehr wohl geeignet, in der aufgesuchten Person das Abhängigleits» gesühl zu verstärken. Selbst dann, wenn jene Rechercheure den anrt» lichen Auftrag erhalten, mit Perwandien von Unterstützten zu ver» kehre», die ja, wie beispielsweise Stadtrat Dr. Wiemer am besten bezeugen kann, sich oft i» recht guter Vermögenslage befinden, können sie sich von einem gewissen hochtrabenden Austreten, das durchaus unpassend ist, nicht freimachen und müssen sich natürlich gefallen lassen, wenn energische Leute sich solches Benehmen verbitten/ Recht überflüssig ericheint eS, daß die gemeinten Herren sich wichtig stets mit den Worten einführen:„Ich komme von der Armendirektioii!" In Berlin haben die Wände schon auf den Treppenfluren Ohren. Hört irgend ein Nachbar dieie indiskrete Anmeldung, so denkt er sich sei» Teil und hat nichts Eiligeres zu tun, als unter dein Siegel der Verschwiegen- heil im ganze» Hause zu erzählen, daß bei der betreffenden Familia die Armenkoinmiision vorgesprochen hat. Noch viel peinlicher ist die Sache, wenn recherchiert wird bei Leuten, die für ihre Person über- Haupt keine Unterstützung beantragt haben, sondern nur über ihr Verhältnis zu anderwärts wohnenden Verwandten Auskunft erteilen sollen. Der Hausllatsch wird also durch solches rücksichtslos« Ver» fahren der Armenrechercheure begünstigt. Wir sollten meinen, daß eS angemessen ist, wenn der Rechercheur vor der Tür sagt:„Ich komme von der städtischen Verwalmiig, um Sie um eine Auskunft zu ersuchen." Hinter der Tür kann er ja dann, natürlich auch in rücksichtsvoller Form, fein wahres Gesicht zeigen. Invalidenversicherung. Nach einer amtlichen Bekanntmachung find die Mttglieder der Berliner Orts-, Betriebs- und JnnungS» krankenkaffen usw. in 5 Gehalts-, bczw. Lohnklassen cingetellt, näm»» lich in folgende fünf: 1. Klasse mit einem Tagelohn von mindestens 4.59 M.. 2. Klaffe mit 3,69 M.. 3. Klaffe mit 2.59 M., 4. Klaffe mit 1,69 M. und die 5. Klaffe mit 99 Pf. Die bisherige Festsetzung ist aufgehoben worden._ Verlegung des Schiedsgerichts für Arbeitrrversicherung. Man schreibt uns: Bürgerliche Blätter brachten jüngst die Mit- teilung, daß das Schiedsgericht für Arbeiterversicherung, das sich bis jetzt Lützowftr. III befindet, verlegt werden soll. Die Verlegung ist notwendig geworden, weil das Gebäude, Lützowstt. 111, in dem sich auch die Viktoriabrauerer befindet, verkauft werden soll. Geplant ist nunmehr. daS Schiedsgericht auf Charlottenburger Gebiet zu errichten. Tie Berufsgenossenschaften haben auf ihrer General» Versammlung beschlossen, zur Errichtung eines eigenen Heims für das Schiedsgericht Hypotheken her» zugeben. So die Nordö st lichen Baugew erkS-Berufs» genossenichaften 299 999 Mark, die Nordöstliche Eisen- und Stohl-BerufSgenoffenichaft, die Berufsgenossenschaft der Feinmechanik und Elektrotechnik haben gleichfalls größere Summen zur Verfügung gestellt, so daß insgesamt l'/g Millionen sichergestellt sind. Weiter erfahren wir. daß bereits der Minister für Handel und Gewerbe seine Zustimmung hierzu eneilt haben soll. Die Vertreter der Versickerten und der Arbeitgeber im Ausschutz der LandcSver- sicherungsanstalt Berlin haben sich gegen diesen Plan gewendet, da die Verlegung auf Charlottenburger Gebiet durch- auS nlchr im Interesse der Versicherten gelegen ist. Man hat eS jedoch gar nicht für notwendig gehalten, weder den Vorstand noch den Ausschuß der Landesversicherungsanstalt um seine Ansicht zu befragen. Man beachte: die BerufSgenossenichaften, gegen die sich die Mehrzahl der beim Schiedsgericht zu erledigenden Klagen richtet, geben Geld her für die Errichtung eines Schiedsgerichts! Drängt sich da dem Fernstehenden nicht die Ansicht auf, die nicht richtig zu fein braucht, daß nunmehr das Schiedsgericht in ein Abhängigkeitsverhältnis zu den Berufs» genoffeiifchaften gerät und die Rechtsprechung noch einseitiger zu» gunsten der BerilfSgeiiossenschnften erfolgt? Man sollte doch alles vermeiden, was solchen Gedanken der breiten Masse des Volkes Nahrung zufuhren könnte. Aber nicht nur der Schein der Abhängigkeit kommt in Frage, sondern auch besonders der Umstand, dasj ein Schiedsgericht für den Stadtkreis Berlin nicht im Zentrum der Stadt, sondern an der westlichen Grenze, ja auf Charlottenburger Gebiet errichtet wird. Die Versicherten, welche persönlich ihre Klagesacheu vertreten, um vor dem Schiedsgericht ärztlich untersucht zu werden, müssen nunmehr viel Zeit und Kosten für die Fahrt usiv. aufwenden. Wenn auck das Schiedsgericht für den Regierungsbezirk Pols- dam mit dem Schiedsgericht für Berlin verbunden ist, so ist die Verlegung auf Charlottenburger Gebiet auch nicht eine Erleichterung für die Kläger aus dem Regierungsbezirk Potsdam. Soweit sie persönlich erscheinen müsse», benutzen sie hauptsächlich die Potsdamer oder Anhalter Bahn und inüssen nunmehr, nachdem sie in Berlin sind, nach Charlottenburg fahren. Das Vorgehen des Schiedsgerichtsvorsitzenden fordert daher den schärfsten Protest heraus. Tie Eisbahn ans der Wcberwiese. Von einem genauen Kenner der örtlichen Verhältnisse wird der„Vossischen Zeitung" ge- schrieben:„Der Bescheid des Magistrats auf die protestierenden Petitionen kann in keiner Weise befriedigen, zumal er tatsächliche Unrichtigkeiten enthält und auf die wesentlichsten Beschwerdepuntte aar nicht eingeht. Dasi die durch Ausroden von Baumwurzeln ent- ftandenen Löcher mit Mutterboden ausgefüllt worden sind, ist selbst- verständlich, denn an diesen Stellen werden voraussichtlich wieder Bäume eingepflanzt Wersen. Dagegen ist der ganze Rasen tat- sächlich mit Kies beschüttet und gewalzt worden. Auf der Ostseite des Parks, am Hause Frankfurter Allee 105, sind nicht vom Sturm beschädigte Bäume gefällt und Sträucher ausgerodet, um für einen Holzschuppen Platz zu gewinnen. Die Bedürfnisanstalten in der Memeler Straße, an der Frankfurter Wee und an der Königs bcrger Straße befinden sich nicht aus dem Platz, sondern außerhalb des abschließenden Drahtgittcrs. Um diese Bedürfnisanstalten zu benutzen, müssen die Schlittschuhläufer die Eisbahn verlassen; zu welchen Unzuträglichkeiten das führen muß, braucht nicht ctuS einandergesetzt zu werden.„Ausgangspunkt für den Beschluß in der Parrdeputation war natürlich nicht die Pachtsumme von 300 Mark, sondern die Beobachtung, daß auf den Tümpeln der Weber- wiese, die etwas tiefer liegt, die Schuljugend untaugliche Versuche des Eissparts unternahm, für die ihr jetzt eine gepflegte und be- nutzbare Bahn zur Verfügung gestellt werden soll." So heißt eZ in der Antwort des Magistrats. Aber mit derselben Logik können auch die Mittelpromenaden oder Straßen ohne Fuhrverkehr zu Eis bahnen für die Schuljugend hergerichtet werden, denn auch hier sieht man sie den Sport ausüben. Warum ist bei der Anlage des erst im letzten Jahre geebneten und angepflanzten Commenius- Platzes an eine Eisbahn nicht gedacht worden. Die Umzäunung soll nur für die Tauer der eigentlichen Frostperiode bestehen bleiben. Also doch wenigstens vier Monate. Und weil es vielleicht an einzelnen Tagene frieren wird— eS soll sogar schon Winter ohne Eisbahn gegeben haben— wird ein öffentlicher Park auf Monate gesperrt und der allgemeinen Benutzung entzogen. Es wird unberücksichtigt gelassen, daß es außer Schuljungen, die sich überall austoben können, auch noch andere Leute gibt, die ein An- recht auf den Park haben. Infolge seiner geschützten Lage inmitten eines dichtbevölkerten Stadtteils wird er auch bei schlechtem Wetter, wenn die Wege nicht geradezu aufgeweicht sind, ebenso von alten kranken siechen Leuten, wie von Müttern mit ihren Säuglingen aufgesucht. Die können im Winter am wenigsten weite Wege machen, um an die Luft zu kommen, und die haben es nötiger als die Sckulkinder. Würde die Parkdeputation beizeiten einen fach- verständigen Arzt um Rat gefragt haben, so wäre die Einrichtung der Eisbahn unterblieben; leider steht ein solcher Sachverständiger dem Magistrat immer noch nicht zur Verfügung." Ein Selbstmord aus dem Bahnhof erregte gestern naibmittag großes Anstehen. Ei» Mann in den mittleren Jabren ging kurz vor ü Uhr ans dem Bahnsteig des Bahnhofes Friedrichstraße auf und ab und warf sich plötzlicb vor einen um S Uhr 3 Minuten einlaufenden Fernzng. Bevor der Maschinensührer den Zug zum Stehen bringen konnte, waren mehrere Räder schon über den Lebensmüden hinweg gegangen und hatten ihn zermalmt. Aus einer Postkarte, die mau bei ihm fand, stellte man den Toten fest als einen 42 Jahre alten Kaufmann Max Schneider, der l'/z Jahre in der Michaeltirrftstr. 32 ein möbliertes Zimmer bewohnte.'Sckineider reiste seit zwei Jahren für die Kaffeehandlung von Zuntz sek Witwe. Opfer dcö Eissports. Beim Schlittschuhlaufen ertrank gestern der Lehrling Walter Hennig aus Köpenick. H. hatte mit zwei Freunden eine mit Eis bedecktc Stelle der Oberspree betreten, um Schlittschuh zu laufen. Das Eis hatte noch nicht die genügende Stärke, um die Last tragen zu können und so brachen die drei jungen Leute sämtlich ein. Es gelang den Begleitern des H., sich unter Aufbietung all' ihrer Kräfte wieder ans Land zu schaffen. Dogegen ging H unter und kam nicht wieder zum Borschein. Die Leiche konnte bisher noch nicht geborgen werden. I» größter Lebensgefahr schwebten zwei andere junge Leute. die sich unterhalb Schildhorn aus das dünne Eis der Hovel hinauf gewagt hatten. Auch sie brachen ein und zweifellos wären sie er- trunken, wenn nicht einige Schiffer, die gerade vorüber fuhren, zu Hilfe gekommen wären und sie geborgen hätten. Eine Tragödie des Elends vor dem Kriegsgericht. Weil er feine Familie nicht darben lassen wollte, ist der Kanonier Blisch zum Dieb geworden. Er hatte sich wegen schweren EinbruchSdiebstablS vor dem Oberkriegsgericht des 3. Armeekorps zu verantworten. Die Vorgeschichte dieses Strafverfahrens ist eine überaus traurige. Der Angeklagte verheiratete sich mit 23 Jahren. Bald nach der Hochzeit wurde er zum Militär eingezogen und nun war die junge Ehefrau gezwungen, für sich, für ihre gelähmte Mutter und später auch noch für ihr Kind zu sorgen. Sie ist in einer hiesige» Schokoladenfabrik beschäftigt und verdient 40 M. Hiervon entfallen auf die Miete allein 1ö M. und die übrigen 25 M. müssen dafür ausreichen, um die drei Personen zu kleiden und zu ernähren. Gar oft erhielt der Kanonier von daheim Briefe, in denen die Seinen ihre Not klagten, doch war er nicht imstande, die Not- leidenden i» irgend einer Weise zu unterstützen. Immer dringender wurden die Klagen der Ehefrau und in seiner Verzweiflung faßte der Angeklagte einen unseligen Entschluß. Ohne daß etwas davon bemerkt wurde, fe»tigte er sich in der Kaserne einen Dietrich an und mit dessen Hilfe drang er in die Kantine ein. Er eignete sich daS eine Mal fünf Mark, das andere Mal vier und zum dritten Male 4, SO M. an. Auch Butter. Würste und andere Eßwaren entwendete er. Für das gestohlene Geld kaufte er ebenfalls Eßwaren und alles schickte er dann an seine An- gehörigen. Die Diebstähle waren aber bemerkt worden und A. legte auch ein Geständnis ab. Lediglich die Not seiner Familie habe ihn zu dem Verbrechen getrieben. DaS Kriegs- gericht erkannte, da der Angeklagte wegen zweier kleiner Diebstähle bereit« vorbestraft ist, auf ei« Jahr und sechs Monate Gefängnis. Der Angeklagte legte Berufung ein und bat um andere Straf» zumessung. In der Verhandlung vor dem OberkriegSgericht äußerte er. er wolle gern Zuchthausstrafe haben, wenn man nur für seine Familie sorgen wolle. Er bat sogar daS Gericht, die Gefängnis- strafe in Zuchthausstrafe umzuwandeln, da er dann wohl nicht so lange zu sitzen brauche und um so eher wieder für die Seineu sorgen könne. Da« Gericht war jedoch nicht imstande, den Wunsch des Angeklagten zu erfüllen. ES erkannte ebenfalls auf ein Jahr «nd sechs Monate Gefängnis. Die neue russische Pantomime des Zirkus Busch, die vom Polizei- Präsidium verboten war, ist nach Abänderung des Titels.Nihilisten" in„Marja' und einzelner Szenen freigegeben worden. Die Premiere findet heute abend statt. Die durch die Krankheit des Genoffen Unterrichtskurse werden wie folgt nach- Arbeiter-BildungSschnle. Grunwald ausgefallenen geholt: Reden bung: Donnerstag, den 23. Dezember, abends 8'/, Uhr. Finanz Wissenschaft: Dienstag, 28. Dezember, Mittwoch, den 29. Dezember und Donnerstag, den 30. Dezember, abends 8'/z Uhr. Geschichte: Montag, den 3. Januar, Dienstag, den 4. Januar und Mittwoch, den ö. Januar, abends 8Vz Uhr. Der Vorstand. Auf der Treptow-Sternwarte spricht am 1. Weihnachtsfeiertag Direktor Dr. Archenhold nachmittags 5 Uhr über:„Eine Wände- rung durch das Weltall". Am 2. Weihnachtsfeiertag b Uhr über: „Ein Ausflug in die Sternenwelten" und um 7 Uhr über das Thema:„Gibt eS ein Leben auf dem Mars?" Auch findet am Montag, den 27. Dezember, abends 9 Uhr, ein Vortrag über: „Die Bewohnbarkeit der Welten" statt. Alle Vorträge sind mit zahlreichen Lichtbildern ausgestattet und gemeinverständlich. Mit dem großen Fernrohr wird der Mond. Saturn und Mars am Abend, und nachmittags die Sonne und Venus gezeigt. Die Aus- stellung von alten Stichen von Luftschiffen, die erste Auffahrt in Berlin über dem Brandenburger Tor usw., kann nur noch 8 Tage besichtigt werden; alsdann wird eine neue Ausstellung über alte und neue Kometenerscheinungen eingerichtet. Im Zirkus Schumann finden während der drei Weihnachts feiertage täglich zwei Vorstellungen statt. In jeder derselben, also auch während der Nachmittagsvorstellungen, gelangt die Feerie„Die drei Rivalen" oder„Das uiysteriöse Schloß in der Normandie" un- gekürzt zur Aufführung. Bei de» Nachmittagsvorstellungen hat ein Kind bis zu zehn Jahren freien Eintritt, weitere Kinder in diesem Alter zahlen halbe Kassenpreise. Der Deutsche Arbeiter-Sängerbund, Gau Berlin und Umgegend, veranstaltet am 1. Weihnachtsfeiertag. mittags t Uhr, in der Brauerei Friedrichshain, eine künstlerische Matinee. Mitwirkende: Sinfonisches Orchester Schirmann(genannt der russische Strauß) unter Benutzung der Konzertorgcl, sowie des Bundesvereins„Libertö", Chormeister: Paul Joseph.— Freunde eines guten Konzerts sind freundlichst ein- geladen. Vorort- JVacbncbten. Weihnachtsveranstaltungen. Lichtenberg. Am Sonnabend, den 25. Dezember, t. Feiertag abends 7 Uhr, veranstaltet der Bezirk Lichtenberg im Lokale von P. Schwarz. Möllendorfstr. 25/26, eine Weihnachtsfeier, bestehend in Konzert, Rezitationen und Gesangsaufführungen Bei den außer ordentlichen Darbietungen wird auf einen zahlreichen Besuch ge rechnet. Ober-Schöneweidr. Die Weihnachtsfeier des Wahlvereins findet am Sonnabend, den 25. Dezember, abends 8 Ubr, im„Wilhelminen Hof" statt. Zur Aufführung gelangt:„Der Bettelstudent". Operette von Millöcker. Da die Unkosten besonders hohe sind, mußte das Eintrittsgeld auf 60 Pf. festgelegt werden. Es wird ersucht, sich vorher mit Billetts zu verseben. Solche find noch bei den Bezirks leitern und beim Genossen Muth zu haben. Tempelhof. Der sozialdemokratische Wahlverein veranstaltet am ersten Weihnachtsfeiertag im.WilhelmSgarten", Berliner Straße 9, einen V o l k s k u n st a b e n d. Dr. Leopold Hirschberg, Dozent für Musikgeschichte an der Humboldt-Akademie, hält einen Vortrag über „Das deutsche Volkslied", erläutert am Klavier und durch Gesang. Von 6 Uhr ab und noch dem Vortrage Konzert. Um 12 Uhr Tanz. Jeder Genosse sorge für regen Besuch. Friedrichshagcn. Sonnlag. den 26. Dezember(2. Weihnachts feiertag), abends 6 Uhr. veranstaltet der Jugendausschuß im Jugend beim eine Weihnachtsfeier. Die Unterhaltung ivird nur von den Jugendlichen ausgeführt; die Eltern sind freundlichst eingeladen. Der Jugendausschuß. Grünau. Der hiesige Arbeiter-Turnverein„Freie Turnerschaft veranstaltet unter Mitwirkung des örtlichen Arbeiter-Geiangvereins am ersten Feiertag im Restaurant„Jägerhaus" eine Weihnachtsfeier. Da ein recht reichhaltiges Programm einen genußreichen Abend ver spricht, ist recht zahlreicher Besuch seitens der Arbeiterschaft zu wünschen. Am gleichen Tage veranstaltet der bürgerliche Turnverein gleichfalls eine derartige Feier in dem gesperrten Lokal von Buch- holz. BillettS hierzu weise man zurück. Röntgeatal-Buch. Der sich bei Arbeiterfestlichkeiten stets zur Ver fügung stellende Arbeiter-Gesangverein„Frisch Voran" in Röntgen- tal feiert, da ibm am Ort ein Lokal nicht zur Verfügung steht, sein WeihnachtSvergnügen am 1. Feiertag in B u ch im Lokal„Parkschlotz Jnh. E. Albrecht. Der Verein rechnet auf regen Besuch der Arbeiter- ichaft. Chart otteaburg. Gegen dir Schundliteratur. Die städtische Schulverwaltung hat. um de»; schädliche» Einfluß der Schundliteratur in Bild und Wort ans die Schuljugend wirksam zu begegnen, einen Aufruf an die Eltern in 25 000 Exemplaren in den Gemeindeschulen und höheren Lehranstalten der Stadt verteilen lassen. Dem Aufruf entnehmen wir u. a. folgende Ausführungen: Die Bestrebungen, gute Jugend schriften zu verbreiten, werden fast völlig lahmgelegt durch daS massenhafte Auftreten jener Schund- und Schand- hefle auf dem Büchermarkt. welche mit ihrem markt- schreierischen Titel die Jugend anlocken und durch Bor- sührung übertriebener, meist unmöglicher Abenteuer sowie durch Äiihäufimg und breite Ausmalung von Greuelszenen in ständiger. nervenanspannender Ausregung erhalten. Solche Leiekost ist für die unersahrene, leichtgläubige Jugend ein Gift, da sie ihren Geist ver- wirrt und sie wohl gar, besonders leicht in der Großstadt, auf die Bahn des Verbrechens treibt. Die Schule vermag zur Fernhaltmig iolcher Bücher nichts auszurichten, wenn sie nicht von den Eltern hierin tatkräftig unterstützt wird. HauS und Schule müssen hier Hand in Hand arbeiten. Die Schulverivaltung wendet sich deS- halb an das Gewissen und an das BerantwortlichkeitSgefühl aller Eltern mit der dringenden Bitte, die Lektüre ihrer Söhne und Töchter unablässig zu überwachen und gegen den Ankauf und das Lesen jener verderblichen Bücher und Hefte mit aller Strenge einzusch retten. Feuer in den Siemens u. Schuckcrt-Werkcn in der FranNin- straße 29/30 alarmierte gestern die Charlottenburger Feuerwehr. Aus unbekannter Ursache war dort ein Kessel mit sogenannter KabelisolierungSmasse in Brand geraten. Die Feuerwehr löschte die Zlammen, ohne daß großer Materialschaden entstanden ist. Etwas päter wurde die Wehr nach der chemischen Fabrik von Schering gerufen. Dort fand die Feuerwehr trotz Suchcns keinen Brand vor. Der Pförtner vom Eingang Tegeler Weg 27 wurde unter dem Verdacht, die Feuerwehr böswillig alarmiert zu haben, der Polizei übergeben. Eine brennende Kraftdroschke war die Veranlotkung, daß die Feuerwehr früh um 3'/« Uhr nach dem Charlottenburger Ufer 63 ausrückte. Rixdorf. Ein Geisteskranker beschäftigte in der vergangenen Nacht und gestern morgen dreimal die Rixdorfer Polizei. Es ist der 28 Jahre alte Sattler Fritz Kirchner aus der Weserstraße t6S/l63. Nur mit dem Hemde bekleidet kam der Unglückliche mitten in der Nacht nach dem 6. Polizeirevier gelaufen und meldete, daß soeben in der Wildenbruch- 'traße ein Kriminalschutzmann zwei Männer erschossen habe, das Revier möge doch schnell Beamte dorthin senden. Das geschah denn auch. Man fand aber nichts und es ergab sich, daß man eS mit einem Geisteskranken zu tun hatte. Kirchner ward nun von seinen Angehörigen nach Hause geholt. Um 4 Uhr erschien er abermals auf der Wache. wiederum nur im Hemde. Jetzt behauptete er, sein Bruder wolle ihn torschlagen. Von seinen Angehörigen wieder heimgeführt, entlief er nochmals und erschien um 8>/z Uhr in demselben Anzüge zum drittenmal bei der Polizei. Jetzt holte man den Kreisarzt; dieser untersuchte Kirchner und erklärte ihn für gemeingefährlich geisteskrank. Der Bedaueriiswerte wird in eine Anstalt gebracht. Wilmersdorf. Eine Ausstellung empfehlenswerter Jugendschristen und sonstiger für den WeihuacdtSlisch in Frage kommenden guten Literatur findet täglich in der örtlichen Borwärtsspedition, Gasteinerftr. 4 statt. Wir ersuchen unsere Leser, bei irgendwelchem Bedarf ihre Einkäufe hier zu bewerkstelligen. Gleichzeitig sei darauf verwiesen, daß durch die Spedinou auch jedes in einem anderen Verlag erscheinende Werk zu gleichem Preise bezogen werden kann. Steglitz. Eine Nebenregierung? Am 10.6.2»?. erklärte unsere Gemeindevertretung die am 22. November vollzogenen Kommunalwahlen für die erste und zweite Klasse für ungültig und ersuchte durch Beschluß den Gemeindevorsteher, die Ersatzwahlen, um die eS sich bandelte, e r st im März n. I. zusammen mit den Neuwahlen vornehmen zu lassen. Ein Gemeindeverordneter bemerkte zu dem Antrage, daß eS wohl kein Genieindevorsteher wogen würde, einem solchen in der Form eines Beschlusses ausgedrückten Wunsche der Gemeindever- lretung zuwider zu handeln. Der Herr hatte wohl im Augenblick vergeben, daß eS in Steglitz noch eine höhere Instanz als die Gemeindevertretung gibt. Und doch hätte gerade er eS am besten wissen müssen, er, der selbst bis vor kurzem der HauS- besitzerpartei angehörte, ja sogar einer ihrer Wortführer war. Mittler« weile wird der Vergeßliche eines anderen belehrt fein. In voriger Woche hielt der Haus- und Grundbesitzerverein eine Versammlung ab und beschloß, den Gemeindevorsteher zu ersuchen, die Ersatzwahlen baldmöglich st vornehmen zu lassen. Man tonnte nun immerhin gespannt sein, welcher von beiden Beschlüssen„wirken" würde. Wir wollen nun keineswegs behaupten, daß sich der Gemeindevorsteher von, Hausbesitzerverein habe beeinflusse» lassen, denn wir wissen und haben eS erst in der letzten Gemeindevertretersitzung auch wieder auS seinem eigenen Munde gehört, daß er seine Entschließungen selb« ständig faßt; wir wollen nur hier registrieren, daß durch amtliche Bekanntmachung vom 20. Dezember die Eriatzwahlen für die II. Klasse auf Donnerstag, den 30. Dezember d. I. anberaumt werden. Die aber- malige kurzfristige Anberaumung der Wahlen deweist, daß der Gemeindevorsteher sich durch einige nörgelnde Gemeindeverordnete durchaus nicht von seiner vermeintlichen Pflicht, die Zeit der Wahl-- beunruhigung möglichst kurz zu bemessen, abbringen läßt. Diesmal wird ihn das„Fest de« Friedens" in seiner wahrhaft rührenden Sorge um die Ruhe der Bürgerschaft wirksam unterstützen, denn den Spießbürger möchten wir sehen, der sich durch Wahlan�elegen- heilen seinen Festbraleu verekeln läßt.— Und die Nebenregierung? So was gibt'S in Steglitz nicht. Daß der HauS- und Grundbesitzer- verein zufällig dasselbe für gut und richtig hält, wie der Gemeindevorsteher, dafür ist doch letzterer nicht verantwortlich zu machen. LübarS-Waidmannslust. In der Gcmcindevertretersisung teilte der Gemeindevorsteher zunächst mit, daß die Regierung einer neuen Sehrerstelle und der Umwandlung der sechsklassigen in eine siebciiklaisige Schule zu- gestimmt hat. Hieraus wurden die Mittel zur Inneneinrichtung de« Klassenzimmers in Höhe von 900 M. bewilligt.— Nach dem' Ver- trage, welcher bei Verlegung des Wasserrohres»nd Aufstellung der Wasiermesser zwischen der Gemeinde und dem Unternehmer Hempel abgeicdlossen wurde, ist letzterer verpflichtet, außer der dreijährigen Garantie, sämtliche Reparaturen an den Wassecniessern in weiteren siebcn Jahren gegen eine Entschädigung von 2 Proz. des Fakturen» wertes auszuführen. Hierbei ist es nun zu Differenzen gekommen, weswegen dem Antrage des Unternehmers, ein Schiedsgericht an- zurufen, Rechnung getragen wurde. Bei dem Gaslieferungsvertrage kam eS zu einer längeren Debatte. Es war hier vom Gknzest'.dc- Vorsteher vorgeschlagen, den ÄaSpreiS für gewerbliche Zwecke von 10 Pf. auf 13 Pf. zu erhöhen und für BeleuchtmigSzwecke von 14 Pf. auf 13 Pf. herabzusetzen, um durch diese Mehreinnahme in die Lage zu komme». in sechs bis sieben Jahren ein eigenes Gaswerk zu bauen, wofür in Lübars bereits ein Grundstück gekanft ist. Fast sämtliche Gemeindeverordneten erklärten sich gegen die Erhöhung des Preises und wiesen darauf hin, daß der Gemeinde Lübars nach Ablauf des Vertrages mit dem Gaswerk Tegel»ach 23 Jahren das gesamte Rohrnetz kostenlos zufallt. Räch der Erkkärung des Gemeindevorstehers, durch die Erbauung des GaZ- wertes der Gemeinde eine sichere Einnahmequelle zu schaffen, wurde die ganze Sache zu einer nochmaligen Beratung auf eine spätere Zeit vertagt. � Die Wiltenauer Bodengesellschast beabsichtigt ein An» schlußgleis an die Nordbahn, welches die Waidmannstraße im Niveau kreuzen soll. Wegen der damit verbundenen Gefährdung der Sicherheit im Straßenverkehr hat der Gemeindevorstand Einspruch erhoben. Trotz- dem hat die Landespolizeibebörde der Gesellschaft die Genehmigung erteilt mit der Begründung, daß die Straße ein öffentlicher Verkehrs- weg ist. Auf Antrag des Gemeindevorstehers wurde die Verhand» lung hier abgebrochen und in die geheime Sitzung verlegt. Hier zeig, sich wieder, wie störend die Aussichtsbehörde in die Gemeinde« Interessen eingreift. Nachdem die Eiienbahnverwaltung auf der ganzen Strecke den Bahnkörper höher legt, um die dem Verkehr hinderlichen Kreuzungen zu beseitigen, kommt die Landespolizei« behörde und erteilt einer Privatgesellschaft die Genehmigung eine? so gefährlichen Hindernisses auf einer der verkehrsreichsten Straßen im Orte. Zu dem zwischen der Gemeinde und Herrn Karl Rathenow zugunsten deS letzteren geführten Streites betreffs der unentgeltlichen Abtretung des KircbenlandeS auf Kosten der Anlieger teilt u»S Genosie Dentzer, früherer Gemeindevertreter, mit, daß sich Herr Rathenow deS öffentlichen WvribruchS schuldig gemacht habe; habe doch R. erklärt, daß der Gemeinde WaidmannSlnst-LübarS durch die Abtretung deS Geländes zum Bau der zweigleisigen Jiidustriebahn sowohl wie auch des Kirchenlandes kein Pfennig Unkosten entstehen würden. Die politische Gemeinde WaidmannSlnst-LübarS werde durch den Beschluß bei Genie indebeNretung betreffs Uebernahme der Kosten in dieser Sache jedoch sehr geschädigt. Er. Dentzer, sei bereit, vor Gencht zu bekunden, daß Herr Karl Rathenow, Landwirt, Lübars, auch in der Sitzung der Jndustriebahnkommission für Lübars so wie oben angeführt sich erklärt hat. Sstandau. Die Jugendschristenausstellung im Restaurant Volksheim. Habel- ftraße 20(oberer Saal) ist nur noch heute Donnerstag bis abends 9 Uhr geöffnet. Wir ersuchen deshalb alle diejenigen Genossen, welche dieselve noch nicht besucht und ihren Bedarf an guten Weibnachtsbüchern noch nicht gedeckt haben, dies noch heute in der Ausstellung zu tun. ___ Der BilduugSauSschuß. rjmenin.isafterflckii von, S2. Dezember 19NS. moraens« Nhr.z Lwmemve 782® Hamburg 757 SO Ptrlin 762 SO trankt. a AI 756 NO lünfitn i7590 W'en 765 NB Settn 2 bedeckt 4 bedeckt Lwolkenl 3 Regen «bedeckt 1 bedeckt c!% s» h m£> —2 — 3 —4 — 0 —3 CMUnen A 3 LS et Lette» i i Ii fvumronda 75571 Petersburg 751 WN« Sctlld 752 SSW 'lätrdetn 1742 SSO Bari» 1745 S i Z wölken!—17 3 bedeckt—4 S bedeckt» 6 bedeckt 3 bedeckt I SSettervrognos» kür Donnerstag, den 38. Dezember lt>0S. ..«ärmer, vorwiegend trüb« mit Niederschlägen und ziemlich starken südlichen Winden. verliuer Wetterbvreaa. ßrUfhaftcn der Redahtfon. Sie ssklftlsche Svrechsmilde sindet Si«l>e»ftraste Z, zwe»»?»! dritter Eingang, vier Tre»»e«, AW" F« h r Ii a h l ivvchrntiigN» airnvs von T/t bis SVj Ubr statt. EeSIfnrt 7 Uhr. Sonnabends beginnt die Sprrastnnde um k»ihr. Jeder Anfrage ist ein Buchstabe und eine Zahl als Mertjriitirn beizufbgen. Briefliche Annoort wird nicht erteilt. BIS zur Branemortung im Brieflaftcn tönneu 1t Tage vergelien. Eilig« Frage» trage «aa in»er Sprechstunde vor. — Feneiwehr. Treptow. Von einer Verpflichtung könnte nur dann die Rede sein, wenn in den Satzungen des Vereins den Mitgliedern eine solche auserlegt wäre. In diesem Falle könnte die Nichtbesolgung den Verlust der zur Folge flaöen. Dielleicht sprechen Sie einmal über die Sache mit dem Gcmeindenertreter Gramenz. Kiesholzstr. 4t2.— H. R. 68. Vebmen Sie, bitte, das Berliner Adreßbuch zur Hand. Im zweiten Teil desselben finden Sie jedesmal vor dem Nachweis der Mnwobner nach Straßen auch die Einwohuerzablen.— B. S. 8S. Wenn das Kind nur während des TageS untergebracht werden soll, komme» KinderbewahrungS« anstalten oder Kindergärten in Frage. Zu l Kopvenstr. 85. Zu 2 Grüner Weg 107 und llg. Eventuell auch Kinderhorte, stehe Adreßbuch II. Teil.— Losch, Pankstrahe. Sie müssen bei einem Kollekieur die Asien einsehen.— O. F. 8. Eine Privalkrankenkasse, deren Statut Sie sich genau ansehen sollten. — Rixdorf, Jdealpassage. Lasten Sie sich das Armenrecht bewilligen und klagen gegen den Wirt aus Schadenersatz. Die Klage hat Aussicht aus Ersolg.--- M. N. 40. ES kam, sowohl seilen« der Kaste wie seitens der Berussgenostenschast ein kleiner BeUrag gezahlt werden.— E. O. 7. New. ßricfbaften der Gxpeditfon. Patienten in Beelitz. Buch nsw. Diejenigen unserer Abonnenten. die noch während dcS ganzen nächsten MonatS in der Heilstätte bleiben, wollen uns wegen der Uebcrwestung von Freiexemplaren sofort ihre Adresse ewsenden, da bei verspäteter Bestellung die ersten Nummern des neuen Monats von der Post nicht geitcsert werden. Alle Adressen müssen jede» Monat neu eingesandt werde». □OD □OD □□□ Theater und Vergnügungen □□□ DouuerStag, 23. Dezember. Ansang T'/i Uhr. Königl. Opernhaus. Tannhäuser. König!. Schauspielhaus. Strand- linder. Deutsches. Der Widerspenstigen Zähmung. Kammerspiele. Da? Heim. tAnfaug S Uhr.) �eties königl. Opern-Theater. Geschloffen. Lefsing. DaS Konzert. 5lointiche Oper. Das Tal der Liebe. Kleines. Der große Name. Aniaug 8 Uhr. Neue? Schauspielhaus. Ihr letzter Brief. Neues. Sin königlicher Spaß. Neues Ol eretten. Der Graf von Luxemburg. Hebbel. Der Skandal. Berliner. Hohe Polittk. Trianon. Buridans Esel. Residenz. Im Taubenschlag. Schiller rv.ii»,-.oeater.) DaS Käthchen von Heiwronn. Schuir Sbarlotteudurg. Jungfer Odrigkett. Friedrich< TvtlbelmstSdt. Schau- sPiclhauS. Im bunten Rock. BLeilen. Tie geschiedene Frau. Nachm. 4 Uhr: Struwwelpeter. Thalia. Die süße Cora. Luisen. GW mich frei. Voltsoper. Der Waffenschmied. Roi». Faust. Lustspiettzaus. Der dunkle Punkt. Metro, vi. Halloh l!— Die große Revue. FolicS Caprice. Sicher ist sicher. Bunter Teil. Der Mann meiner grau.(Ans. 8'/, Uhr.) NPi-u». Spezialitäten. üLintergarten. Spezialitäten. Kasino. Der Obergauner. Gebr. Herrnfeld. So muß man'S machen. Ein RettungSmiltel. Karl Haverlaud. Spezialitäten. TValbnlla. L.vez>alilälen Gastspiel. Der Hütienbesitzer. B»"»gr. Sdezjai'tälen Noaitö. Nachm. 4'/, Uhr: Hünsel und Gretcl. Abends: Geschloffen. Palalt. Geschloffen. ReichSdolien. Sleltlner Sänger. Aug�euhuse«. Spezialitäten. ilra ia. t»»ve»»>»tzr i»«-eu. Der Kampf um den Nord- und Südpol. Stern». urir. Jnoalidenstr. 07— 62. Urania. Wissenschaftliches Theater. Abends 8 Uhr: Der Kampf um den Nord- und Sudpol. Volks-Oper. 8W., Belle-Alltanre-Ttraße Str. 7/8. Ansang'/,8 Uhr. Der>Vafkenscdm!ed. Freitag sHelligabenb): Geschlofle». k08iö0N?-I!!8glSs Direktion: Richard Alexander. Abend, 0 Uhr: Im Taubenschlag. An den Feie, tagen: Im Tauben- schlag. 1. Feiertag 3 Uhr: Musette. 2. u. 3 Feiertag 3 Uor: Kümmere Dich um Amelie. Luisen-Theater. _ AbendS 8 Uhr: � W mieh frei. � Schauspiel in 8 Akten nach einer Er« zählung von H. Courtbs-Mahler von Ernst Ritterseldt. teitag: Geschloffen. onnabcno 3Uhr: Gib mich frei. 8 Uhr: Reise um die Erde tu 80 Tagen. Liesalng-Theater. VI, Uhr zum erstenmal: DaS Konzert. Freilag: Geschloffen. Die Kaste ist von 10— l Uhr geöffnet. e onnabeud, 8 Uhr: DaS Konzert. Berliner Theater. ?!St Kohe folitik. Morgen: Geschtoffeu._ Heues Theater. Donnerstag, Sonnabend, Sonntag und Montag abends 3 Uhr: Lin königlicher Spaß. Montag 3 Uhr ermäßigte Preise: Emilia Galotti. Ihester des Westens. 8 Uhr: Dir geschiedene Frau. Heute 4 Uhr: Lirunwolpetee. «onnabend S'f, Uhr: Ein Walzer* träum. Lusisplelhausa AbendS 8 Uhr: Der dunkle Punkt. Operetten-Theater, Swistbauerdamm 25. a. d. Lutfenltr. Donnerstag zum erstenmal? Der Gras von Luxemburg. Ans. 7'/, U. Freitag Ciesehloneen�_ Friedrich-WilheMUtlsches Schausoielhaus. Donnerstag, 23 Dez.. abends 8 Uhr Zum erstenmal: Im bunten Nolk. Luslspicl w 3 Akten von Franz v. Siböntha» u Freiherr». schlicht. Fre�ag: Geschloffen._ 8 Uhr Das Progr. i. Novitäten I 8 Uhr mit Prinz Pinne. Burleske in 8 Bildern. W' Henry Sender. ».so Der ZehiWWe''Ä'nT8 Tourist, Rodeltahrer, Rellsehuhltuler. 10 Uhr: Das Wunderkind Petit Podorto, d. tieinft« u. best« Z Slop hon- Virtuose der Welt OSE:THEATE| Große Franksurter Str. 132 Ans. 8 Uhr. Ende U'/, U. Faast. Tragödie erster Teil von Goethe. Freitag: Geschloffen�_ Metropol-Theater Hallo!!! Die große Revue! In 8 Bildern von Jul. Freund. Musik v. Paul Lincke. In Szene gesetzt vom Dir. Rieh, Schnitz. Anfang 8 Uhr. Rauchen gestattet. Otto fteutter. La Pia in ihrer Szene.Der Vellen Geist". IHerlan» Hunde• Theater: „Entführung d. Salome-Tänzerin", gespielt von 42 Hunden und die auserlesenen Sterne am DezemberaHlmmel des Wintergartens. ».Pia Kommmidanirnftr. b7. T. A. 4, 5063. „8e mli mü machen" Burleske mit Gesang in zwei Akten von Slnion und Douat Herrnfeld. Musik von L. Jtal.— Vorher: LIn Xettunxsmittel Ansang 8 Uhr. Vorverk. 11—8 Uhr. Arn 1. uns t. Weihnnchts-Feiartag, nachm. 4 Ubr Ibei halben Preisen): eisdeillöliaiillleldglllls mit den Aui.ren Anton und Sanol Herrnfeid in den Hauptrollen. «denb» 8 Uhr: „S« rnisS ntaiT. mnehen.** „Bin KettanK.n>lttel.u «m 31. Dezember i Große Silvester-Feier. Trianon-Theater. Abend» 8 Uhr; Knridatts Esel. Wclilller-Tlieater, Schiller-Theater 0.(Wallner-Theat.) Donnerstag, abends 6 Uhr: Ha* Kftfhrhon v. Heilbronn Großes historisches Riiterschauspirl in S Akten von Heinrich v. Kteift. VV End« II Uhr.'WOG Freitag: He.ehloaaea. Sonnabend, nachm. 3 Uhr: Kabale and litobe. Sonnabend, abends 8Uhr: Her Seh« nr der Trene. Schillsr-Thester(Charlattenborg). Donnerstag, abends 8 Uhr � .lungker HhrZgllolt. Komödie in 3 Akten von G. Davis. gtfr Ende 10'/, Uhr.-tzKI Freitag: GeaohloMen. Sonnabend, nachm. 3 Uhr: Ge.pen»ter. Sonnabend, abend» 8 Uhr: Oie Verschwörung d. Fiesko zu Genua. Zirkus Busch. Heute Donnere tag, SS. Denember, abends VI, Ohr präz.: NM" Gala- Prem lere-WhZ der neuen russischen Pantomime Marja! Großes Original-Manege-Schanstäck des Zirkus Busch in 4 Akt Verfaßt und einstudiert von George Bnrkhardb-Foottit. TSnze einstudiert vom Ballettmeister Riehard Riegel.— Musik vom Kapellmeister Tanbert— Dekorationen: Obronski, tmpekoven u. Co.— Kostüme von den Hoflieferanten Vereh u, Flotow und im eigenen Atelier.— Elektrische Spezialausstnttungz Schwabe n. Co.— Projektionsbilder von Willy Hagedom. 1. Akt: Das Nachtasyl.— S. Akt: Da« Prunk fest auf dem Schlosse des Staatsrats. Die berühmte Balalaikatrnppe. Die Hponisohe Tänzerin Rosario.— 3. Akt: Die Verhaftung.— 4. Akt: Die Ankunft der Verbannten.(Jeberfall der WOlfe anf die Troika. Der Orkan, das Erdbeben o. derRlesen-Lawinensiurz in Uralgebirge. Vorher: Das grolle Cala- Programm! Qastspiel-Theater. Mozart-Oper. 25. Dezember(1 Feiertag) 8 Uhr i Zar und Zimmermann. Nm.3'/,U.: Postillion von Lonjumeau. 26. Dez.(2. Feiert.) 8 Uhr: vis Illdin. Nm. 3'l, Uhr: Oer Frelaohlltz, 27. Dezember, abds. 8 Uhr: Undlat. t Donnerstag, den 33. Dezember, abends TL Uhr: fiala-Toratellong. U.a.: Debüt! Debüt! Clown Bagonghi. Der kleinste und komischste Retter der Welt. tknry Valdorf der moderne Hlmnon. Der Amerikaner Mr. Niblo mit seinen w« derbar sprechenden Papageien. Um 6 Uhr Ende il Uhr vis drei Rivalen Große Feerie in 5 Akten. An den 3 WeihnachtSieiertagen je 2 Vorstellungen. In beiden Vorstellungen ungekürzt Die drei Rivalen. Nachmittag ein Kind frei. slhalla »iMV M ler I Weinbergsweg 10-20, Rosenih.tar.| Ans. 8 Ubr. Die grotzartigen> Dezember-DPezialiiStrn. Im Tunnel: RegimentSkapellr. ���i�bZr�ern��i��wtritt� Ii ii n i ga tad t-»» i n«. Holzmartlilraße 72. Täglich: Gr. Weihnacht»- Vorstellungen. Berliner Herzen ober: D, du gnadenreiche Weihnachtszelt Weihnachissestspiet mit Ges. von Fischer-Ohmann mit Fran* fcJobannkl. Neue Spezialitäten. Ans. 8 Uhr, des Feftiviet«»>,, Uhr. An alle» 3 Feiertagen: Dr. Fest- Vorstellungen. Ans 5'/, Uhr. ' Passane-Tlieater. Abends 8 Uhr. Erste» Auftreten der bezaubernden iGussi Holl Ota 6ygl 14 erstklassige Spezialitäten. Passage-Panoptikum. Senegal in Berlin! R(| wilde Weiber Männer, Kinder. Drei Negerdörfer Ohne Extra-En tree! Vom 32. Dezbr. bis Inkl. 4. Januar: Toikstage! W.Koaeks Theater eiutmcinti 18, am Roienthaler Tor. Abends: Keine Vorstellung. 'Iß Ubr: Kinder-Borstellung. Tonnenstrählchen oder: Die Berggeister. Weihnachts-Apotheose. GratiSoerlos. Freitag(Heiligabend): Geschloffen. 3 Feiertage nachm. und aoendb: Extra-Vorstellungen. Pstlssl-Ibestler. Direktion: Ködert 0111 ck Karl Pirna». Burgstraße 24, am Bahnhol Börse. Wegen Renovation geschlossen. An allen drei Feiertage«: I Billettvorvertnus täglich vo» AI dt» 1 Ubr Im Theater» Bureau. Vssiuv-Tkusiu?» Lothringer Elraße 37. Heute 8 Uhr IZer Okdvi'Kuuuer. Sonnabend, 25. Dez., nachm 4 Uhr. Sonntag, 28. Dez., nachm. 4 Udr: Reu! Trudcheno Sonimrrreise. 4lt-.«oablt 47,4«. Sonnabend(1. Felertag), 25. Dez. � MrihllachtrumFtmdkslaud. Sonntag(2. Feiertag), 28. Dezember l Der Walzerköuig. Montag(3. Feiertag), 27. Dezember l Zum unwiderrustlch letztenmal: M arla Stuart. Polles Caprice. «ufan« S'I,»Hr. Sicher ist sicher. Steuer bunte» Teil. Ver Alsnn meiner 3m! Verein Berliner 6iicl)drucl(8r». SchriftgieBer ♦ ♦ ♦ ♦ i- u ♦ Sanntag, SO. Dezember 1000(S. Welhnacbtslelertag). mittags 10 Uhr in der„NEUEN Welt", Hasenheide 108 :: MATINEE:: bestehend in Vokal-Konzert: Typograitbla, Gesangverein Berliner Buchdrucker und Schrift- gi~er(M. d. A.-S.-«..), Ohormeistei: Alexander Weinbaum und heiterem Familien-Kabarett: Itezitator und Konferenzier-. Dax I,«arenee. Chnnsomer; Jcaa Hör» an. Humorist: Albert Paulig. Sängerin: Albertlae Uluot. Soubrette t Alwine Wiedeck©. Am Flügel: Dr. V. Hirsch. Elntrllt 88 Pf. Billetts sind bei den Kaseenbolen, auf der Venralhmg mit Im Tageerestaurant der„Neues Welt" zu haben. 27/14 ooa Sanssouci, Direktion Wilhelm Beimcr. vis Weihnachten geschloffen. An allen drei Feiertagen: Ii!'. Elite-Fest-Solreen. Hoffmanns und WelhnachtskrBnzches Großartiges, hochaktuelles Programm mit den modernsten Schlagern Karl Haveriand Ansang Theater präz. 8 U 77/79 Kommandantenstraße 77/79. -g o neue erstklassige s o Spezialitäten. Schlager auf Schlager! 1 im Honiiplafk Anf. 8 Uhr Georg Schindler der berühmte Mundharmonika-Virtuose. Sonntag nachm. 31/. ühr� Große ellang zu kleinen Ein Kind frei. VorBteuang zu kleinen Preisen. «Vater dem Taanenbaam.- »eihnechts- Messe OresdenerStr. 34/85Sf| Slleste a. 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Das Dokument enthält u. a. die Forderung: „... dah, die in der Neuordnung deS höheren Mädchenschul« wesenS verfügte Gleichstellung der Frauen und Männer im Schul- dienst, insbesondere die gleiche Berechtigung zur Leitung öffent- licher höherer Mädchenschulen und der weitergehenden Bildungs- anstalte» für das weibliche Geschlecht, durch die eine Unterstellung von Männern unter Frauen gegeben ist, ausgehoben werde. Ebcnio wird daS hohe Haus gebeten, gegebenenfalls dahin zu wirken, dah die Leitung der Mädchen-Volksschulen in den Händen der Männer verbleibe." In der Begründung dieser famosen Forderung fabulieren die von der Würde deS teutschen ManneS voll und ganz durchdrungenen Herren davon, dast.die Unterstellung des Mannes unter die Frnu dem Volksempfinden widerspreche und daS Mannesgesüdl im höchsten Grade beleidige". Der.preußische Mann" habe ein Recht auf männ- liche Vorgesetzte. Demnach bestimmen die Hosen die Würdigkeit zum Vorgesetzten. Was da als Volksempfinden ausgespielt wird, ist in Wirklichkeil kleinliche Eifersüchtelei. Ferner wird in der Begründung die Angst ausgesprochen, daß der Einführung weiblicher Vorgesetzten auf dem Schulgebiet bald ähnliches in anderen Berufen folgen werde, was zu einer großen Gefahr für da§ Staatswohl führen müsse..Der Staat ist in erster Linie ein Produkt männlicher Kraft— großartig— und bedarf zu einer gesunden Fortentwickelung spezifisch männlichen Geistes."— Wie Fama erzählt, sollen echt weibische Geister, wenn man darunter charakterlose, scharwenzelnde, nach oben schielende Ausgaben der Gattung Mensch versteht, massenhaft im Männerhabit zu finden sein. — Den Haupltrumpf gegen die Konkurrenz der Frauen spielen die Repräsentanten des starken Geschlechts zum Schluß alio aus: .In den Staaten mit allgemeiner Wehrpflicht, unter denen der preußische Staat an erster Stelle steht, bedeutet die amtliche Unter- ordnung deS Mannes unter die Frau geradezu eme G e- fährdung des militärischen Geistes und der Wehr- t ü ch t i g k e i t." Mit solchen Mätzchen argumentiert die beleidigte akademische ManneSwürde. Ein Ahlwardt oder Pückler hätten es nicht Humor- voller machen können. Gegen eine kulturelle Einrichtung, die längst ihre Daseinsberechtigung bewiesen hat, versuchen„Männer der Wissenschaft" und Bierbankphilister Sturm zu lausen. Und daS zur selben Zeit, wo große Strömungen innerhalb des preußischen Volkes das Frauenwahlrecht verlangen.—.Eine Gefährdung deS militärischen Geistes und der Wehrtüchtigkeit"— wer lacht da nicht. Zum deutschen Philister in Zipfelmütze und Holzschuhen ist hier jedenfalls ein netter Beitrag geliefert worden. ES fehlt nur noch die geniale Entdeckung, daß Mütter ihre unartigen Knäblein nicht züchtigen dürfen, das müsse ein Vorrecht der stolzen Männer bleiben, damit die militärische Wehrfähigkeit nicht leide. Zu ihrer geistigen Wehr- fähigkeit steinen die verängstigten Oberlehrer nicht viel Zutrauen mehr zu haben. Daher die selbst vollzogene Bankrotterklärung. Versammlungen— Veranstaltungen. Verein für Frauen und Mädchen der ArbeiterNafle. Die Weihnacht?« feier mit Kindern findet am Dienstag, den 28. Dezember, nach- mittags 5 Uhr, im Neuen Klnbhause, Kommandantenslr. 72, statt. Der Eintritt für unsere Mitglieder ist frei! Mitgliedsbuch legitimiert. Gäste zahlen 20 Pf. o oO© oOo oOo oOo oOo 0O00O0 oOo 0O00O oOo 0O00O0 oOo oOo oOo o o 6 i o o 0 o o 0 o o S o 0 ö o o 0 o o 0 o o o 6 O o 9 O 9 o O o 0 o o 0 o o 0 .. f lerusalemer Ltr.IS 39 Verkaut nur J JKSnig.strasse 25.26 Gelegenheitskauf 9 O 9 O 9 O 0 o o 0 o o 9 5 O o 9 § 8 soweit Vorrat Ein grosser Posten Herren- Schnür- Stiefel Echt Boxcal! in breiten, bequemen Fassons, kräftige Sohlen Empfehlenswerte dauerhafte Strapazier-Stiefel 8.75 8 O O 0 o o 0 o 0 o 8 O 8 O O 0 o o o oOo ooo ooo oO© oOo ooo ooo ooo oOo ooo oOo oOo OOO oOo oOo oOo 3 vellmclik- Prfimlen Ho. l. Knaben-Manchester- Anzöge o (wW Bild) Brau* md Modefarfxa.............. Große I O« 50 M*■»»—> OrtJfl» to Pf. mehr Mo. 2. 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Keilxze i>cs Limilrls"- AMiW für$th% Siikn, itlfllfn.--■»» Soziales» Bulidesratsverorduung betreffend Thomasschlackenbetriebe. Der gestrige„Reichsanzeiger" veröffentlicht eine Bekannt- machung des Bundesrats, die die Verwendung von Säcken zum Transport von Thomasschlackenmehl, auch wenn sie die Stärke und Dichtigkeit nicht besitzen, die§ 9 Abs. 1 der Ver- ordnnng vom 3. Juli 1909 vorschreibt, bis zum 1. Januar 1911 (statt 1. Januar 1910, wie die Verordnung vom 3. Juli 1909 verlangte) gestattet._ Klage auf Amtsentsetzung gegen einen Beisitzer des Kaufmanns- gcrichts. Die erste Strafkammer des Landgerichts I wies gestern eine auf Amtscntsetzung gerichtete Anklage gegen einen Arbeitnehmer- beisitzcr zurück. Angeklagt war der Handlungsgehilfe Max Gro- nrrt, Mitglied des Teutsch-nationalcn Handlungsgehilfcnvcrcins, Arbcitnehmer-Beisitzcndcr des Berliner Kaufmannsgerichts. Im September 1008 war er in einer das Kaufmannsgericht bcschäf- tigendcn Streitsache in der Minderheit. Nach der Urteilsveriün- digung machte er dem Arbcitgeber-Beisitzcnden Davidsohn deshalb Aorhaltungcn, die sich dieser verbat. Einige Wochen später kam er im Beratungszimnier, in Gegenwart anderer Beisitzendcr, die in dem ersten Falle nicht mitgewirkt hatten, auf diesen zu sprechen. Er sagte zu dem Vorsitzenden, Magistratsasseffor Dr. Depen:„Herr Doktor, Ihre mündliche Urteilsbegründung entsprach nicht Ihrer schriftlichen, insbesondere haben Sic uns aus den betreffenden Paragraphen des Handelsgesetzbuches, auf den Sie das Urteil auf- bauten, im Beratungszimmer nicht hingewiesen. Als darauf Kauf- mann Tavidsohn, dem Gronert wiederholt Borhaltungen machte, sich diese verbat und ihn darauf hinwies, daß die Vorgänge im Beratungszimmcr als Amtsgeheimnis zu wahren seien, erwiderte Gronert:„Sie stimmen allerdings immer wie der Vorsitzende." Gronert hatte sich außerdem von der unterlegenen Partei djas schriftliche Urteil erbeten und dies mit Randbemerkungen einer Fachzeitung eingesandt, in der es auch aufgenommen wurde. Der Obcrpräsident, der von diesen Vorgängen Kenntnis er- hielt, erstattete Anzeige. Jnfolgedeffcn hatte sich Gronert vor ein- gangs bezeichnetem Gerichtshofe zu verantworten. Der Staats- anwalt führte aus: Wenn ein Berufsrichter wie der Ange- klagte gehandelt hätte, dann würde zweifellos ein Disziplinar- verfahren gegen ihn eingeleitet werden. Auch der Angeklagte sei Richter, wenn auch nur Laienrichter. Er habe das Amtsgeheimnis verletzt, einem Beisitzenden in unpassender Weise Vorhaltungen wegen seiner Abstimmung gemacht, vermöge seiner Amtseigenschaft sich von der unterlegenen Partei das schriftliche Erkenntnis geben lassen und letzteres zum Gegenstande einer Polemik in einem öffentlichen Preßorgan gemacht. Der Angeklagte habe mithin seine Pflichten als Richter verletzt, er beantrage deshalb die Amtsentsetzung des Angeklagten.— Der Angeklagte erwiderte: Er sei über seine Pflichten als Richter nicht so genau orientiert gewesen und habe im guten Glauben gehandelt.— Nach langer Beratung des Gerichtshofes verkündet der Vorsitzende, Land- gerichtsdirektor Blanckmeister folgendes Urteil:„Der Gerichtshof hat die vom Herrn Staatsanwalt angeführten vier Verfehlungen Angeklagten für festgestellt erachtet. Der Angeklagte kann aber mit Amtsentsetzung nur bestraft werden, wenn er sich einer groben Pflichtverletzung schuldig gemacht hat. Geschworene und Schöffen sollen- über Vorgänge im Beratungszimmer schweigen, es gelangt aber dennoch so manches in die Oeffentlichkeit. In dem vorliegenden Falle war zu erwägen, daß der Angeklagte das Amtsgeheimnis im Beratungszimmer, vielleicht aus Anlaß eines ähnlichen Falles, verletzt hat. Es war auch zu erwägen, daß der Angeklagte Handlungsgehilse und nur im Nebenamte Richter ist. Eine schwere Pflichtverletzung konnte daher der Gerichtshof in der Handlungsweise des Angeklagten nicht erblicken; er war daher freizusprechen und die Kosten des Verfahrens der Staatskasse auf- zuerlegen. Der durch die Anklage gemachte Versuch der Amtsenthebung eines Beisitzenden aus den angeführten Gründen ist ein ungc- heuerlicher, der zeigt, wie recht die Sozialdemokraten hatten, als sie sich gegen das Disziplinarverfahren gegen Gewerbe- und Kauf- mannsgerichtSbcisitzendcn wendeten. Bedauerlich ist, daß der Ange- klagte, statt den grundsätzlichen Standpunkt zu wahren, gewisier- maßen lediglich um gut Wetter bat. Wenn der Angeklagte einem Beisitzer in einer späteren Sitzung Vorhaltungen machte, so war das taktlos. Es gehört aber ein starkes Stück Schnüffellogik dazu, daraus eine Verletzung des Amtsgeheimnisses und eine grobe Pflichtverletzung zu konstruieren. Auf das energischste muß da- gegen Verwahrung eingelegt werden, daß dem Beisitzenden eines Gerichts verwehrt sein sollte, ein Urteil, mit dem er nicht ein- verstanden ist, öffentlich zu- kritisieren. Das ist sein gutes Recht und unter Umständen seine Pflicht. Würde gegen Berufsrichter, die ähnliches tu», vorgegangen werden, so ginge man gegen die besten Richter vor. Der Versuch, ein Urteil der öffentlichen Kritik zu entziehen oder diese Kritik einzuschränken, ist die herbste Ver- urteilung des Urteils und der richterlichen Institution selbst. Freieste, ungehinderte Kritik ist ein Lcbcnselemcnt der Gerechtig- teit und des Fortschritts. Bureaukratismus bei Handlungsgehilfe». Daß das Berliner Kaufmannsgericht nicht gewillt ist, dem Bureaukratismus im Geschäftslcben die Wege zu ebnen, zeigte ein in der letzten Sitzung der S. Kammer ergangenes Urteil. Der Kläger, der Expedient Reinhold W., ivar von der beklagten Kontoruten- silienfirnw Zetß u. Eo. aus folgendem Grunde sofort seiner Stel- lung enthoben worden: Eine sehr angesehene Korporation hatte zu einem bestimmten Tage ein größeres Quantum Kontorutensilien bestellt. Wenige Stunden vor Beginn der Sitzung, in der die Schreibwaren gebraucht wurden, führte ein Herr vom Vorstand beim Kommerzicnrat Z. tel�phonisch bittere Klage darüber, daß die Utensilien noch nichl geliefert seien. Durch das Fehlen von Papier, Tinte, Federn usw. könne eventuell die ganze Sitzung unterbunden werden. Der Prinzipal stellte den Kläger wegen der Nachlässigkeit energisch zur Rede und trug ihm auf, unter allen Umständen für sofortige Erledigung des Auftrages Sorge zu tragen. Inzwischen halte der gewissenhafte Exf-edient aber bereits Ermittelungen an- gestellt und ivar zu dem Resultat gekommen, daß die ganze Liefe- rung bis auf einen Löscher beisammen war. Als nun das Vereins- bureau wiederum durch das Telephon anfragte, wo die Sendung blecht, ließ der Kläger antworten, sie könnten die Sachen noch nicht bekommen. Sie möchten eventuell ihre Sitzung vertagen. Dann stellte er das fertige Paket auf den Platz des„resiortmäßigen" La» geriswn und fügte«in Zettelchen hinzu mit der Aufschrist:„Ein Löscher fehlt". Die Vereinigung war an jenem Abend dank der Handhabung des Klägers tatsächlich nicht in den Besitz der ihr so notwendigen Utensilien gekommen. Der Beklagte behauptet, durch die Schädigung seines Renommees bei den Vereinsmitgliedern, die seine Hauptkundschaft bilden, einen Schaden erlitten zu haben, der sich nur schwer abschätzen läßt. Der Kläger dagegen beteuert, er sei stets ein„pflichttreuer Beamter" gewesen und habe auch hier„nach pflichtgemäßein Ermessen" gehandelt. Das Kaufmannsgericht zeigte aber in seinem den Kläger mit �seinem Gchaltsanspruch abweisenden Erkenntnis, daß im Kauf- mannsftande nicht bureaukratifcher Geist, sondern der gesunde Menschenverstand Richtschnur sein soll. Tic Entlassung sei vollauf berechtigt, da W. durch Nichtbefolgung des stritten Auftrags des Chefs passiven Widerstand geleistet habe. Zum Strafvollzug. Auf die jeglicher Vernunft widerstreitenden Grundsätze, des Strafvollzugs warf eine dieser Tage vor dem ObervcrwattungS- gcricht stattgehabte Verhandlung ein bezeichnendes Licht. Der Ge- ineindebaumeiftcr Wundschild aus Schlesien hatte sich aus Eifer- sucht zu einem Totschlagsversuch hinreißen lassen und war deshalb zu einer Zuchthausstrafe von fünf Jahren verurteilt worden, die er in der Strafanstalt zu Görlitz vom Jahre 1ölZ7 bis 1912 zu ber- büßen hat. Wenn er eines Stückes Papier habhaft werden konnte, benutzte er es, um darauf zum Teil recht derbe kritische Glossen über Anstaltsbcamte, so über den Anstaltsgcistlichen und über den Direktor Lohmann zu schreiben. Der Direktor machte ihm über diese schriftlichen Auslassungen, die in der Zelle gefunden wurden, Vorhaltungen. Im Januar 1999 sagte er zu ihm. indem er die Hand erhob, etwa folgende Worte:„Wissen Sic, was ich möchte? — am liebsten, wie einem dummen Jnngen: rechts und links! Wer sich wie ein dummer Junge benimmt, muh so behandelt werden." Und im Februar sagte Lohmann zu ihm, er sei der Gefährlichste im ganzen Hause. Durch diese Aeußerung und durch die An- drohultg von Ohrfeigen fühlte sich der Gefangene beleidigt. Er verklagte den Direktor, gegen den dann auch das Hauptverfahren eröffnet wurde, weil er verdächtig erscheine, Wundschild beleidigt zu haben.' Lohmann führte zu seiner Rechtfertigung an, es sei seine Pflicht, alles zu versuchen, um Leute wie W. zur Einsicht zu bringen. Er habe W. deshalb mehrmals urnstliche Vorhaltungen gemacht. Als Anstoltsdirettor habe er die Disziplinargewalt. Er tönne sogar Arrest bis zu sechs Wochen verhängen und Peitschen- hiebe bis zu 39 austeilen lassen. Zu jenen Vorhaltungen sei er darum berechtigt. Die Regierung zu Liegnitz vertrat denselben Standpunkt und erhob zugunsten des Direktors den Konflikt, indem sie Einstellung des Verfahrens heischte, weil Direktor Lohmann sich im Rahmen seiner Amtsbefugnisse gehalten habe. Besonders bc- merkte dre Regierung noch: Da die Strafgcwalt des Direktors bis zur körperlichen Züchtigung gehe, so müsse er auch berechtigt sein, eine körperliche Züchtigung durch Ohrfeigen anzudrohen. Der Gefangene ließ dazu erklären, daß der Direktor auS persönlichen Gründen gehandelt habe, weil er seine Meinung über ihn niedergeschrieben hatte. Ilebrigens seien die Zettel nicht für den Direktor bestimmt gewesen, und im übrigen müsse ihm das Recht zustehen, in seinen freien Stunden Aufzeichnungen zu machen und für sich zu schreiben, was er wolle. Von den vorliegenden Gutachten ging das d«S Oberstaatsanwalts in Breslau dahin, daß der Konflikt begründet sei. Der Vertreter des Privatklägers machte noch geltend, daß hier von einer Anwendung der Disziplinargewalt nicht die Rede sein könne. Allerdings könne der Direktor unter bestimmten Voraus- setzungen körperliche Züchtigungen anordnen. Darum handele rS sich hier aber nicht. Hier liege vor die Androhung einer gewissen körperlichen Züchtigung des als Privatperson beleidigten Direktors gegenüber demjenigen, der ihn beleidigt habe(durch die Schrift- stücke). Das Oberverwaltungsgericht erklärte den Konflikt der Regie- rung für begründet, so daß das Verfahren gegen den Direktor end- gültig einzustellen ist. Die Aeußerungen des Direktors seien aus Anlaß der Ausübung seiner Amtsbefugniffe erfolgt. Da der Privatkläger gegen die Hausordnung verstoßen habe, so habe L. hon seiner Disziplinargeivalt Gebrauch machen können. In dieser liege auch die Befugnis, bei Verstößen gegen die Hausordnung Vorhat- tungen zu machen. Ueber das zulässige Maß sei Lohmann nicht hinausgegangen. Das Urteil des Oberverwaltungsgerichts mag dem Gesetz«nt- sprechen. Dann spricht aber das Gesetz jedem gesunden Empfinden Hohn. Traurig genug, daß nach Zuchlhausordnungen Prügelstrafe zulässig ist. Sie darf doch aber lediglich zu bestimmten Zwecken. nicht aber, weil es dem Direktor gerade so gefällt, zur Anwendung gelangen. Wer sie zur Anwendung bringt, tut das seinige, um einer völligen Verrohung des Sträflings Vorschub zu leisten, ganz von dem verrohenden Einfluß zu schweigen, den die Anwendung der Prügel auf den zu solch niedriger Handlungsweise sich Hergebenden haben muß. Keine Zuchthausordnung gestattet aber dem Direktor, die ihm Anvertrauten zu beleidigen. Eine Zuchthausordnung, die das tut. verstößt gegen das Gesetz. Und dieser Verstoß wird dadurch nicht geheilt, daß die Regierung und das Oberverwaltungsgericht der Strafjustiz gegen den Direktor hemmend in den Arm fallen. Eine Zuchthausordnnng, die in dieser Weise den Rest des Ehr- gefühls ans dem Sträfling hinauszutreiben gestattet, ist schlimmer als die schlimmsten Zuchthausverbrechen. Denn sie ebnet, unter dem Vorwand zu bessern oder zu sühnen, dem Verbrechen und der Begehung neuer Verbrechen die Wege. Wer das Ehrgefühl aus dem Menschen tilgt, ist Urheber der Taten, die das zum Tiere degra- dierte Wesen später begeht._ Die Arbeitsloscnfiirsorge in Hessen. Auf eine Anfrage des Freiherrn Hehl zu Herrnsheim in der Ersten hessis-ben Kammer über die Stellung der Regierung zur Frage der ArbeilSlosensürsorge antwortete der Minister Braun, daß eine mwsgesctzliche, obligatorische Arbeitslosenversicherung als die beste Lösung zu betrachten sei. Daß diese gesetzgeberische Auf- gäbe aber bereits in nächster Zeit in Angriff genommen werde, ver- neinte der Minister, weil das vorhandene Material noch nicht hin- reiche, um eine Vorlage ausarbeiten zu können. Vermischtes. Ein deutscher Dampfer gescheitert. In der Nähe vom Kap Dnngcneß ist gestern ein Dampfer der Hamburger„KoSmos'-Linie gescheitert. Eme Meldung aus Dover besagt: Der deutsche Dampfer „Salatis" der„KoSmos"-Liiiie in Hamburg, mit Ladung und Passa- gieren von Hamburg konlincnd, ist in der Nähe von Dungencß während heiligen Sturmes geicheirert. Schlepper und Rettungsboote sind an die StrandnngSstelle abgegangen.— Die„Salatis" hat 4764 Registertonnen Raumgchalt(brutto) und legt 19 Knoten in der Stunde zurück.> Gnibcnbrand in Westfalen. Auf der Zeche Glückauf bei Barop brach vorgestern abend auf der siebenten Sohle, vermutlich infolge von Kurzschluß, Feuer ans, dessen Umfang sich nicht übersehen ließ, so daß sämtliche Bergleute die Grube verlassen mußten. Der Feuer- wehr gelang es bald, den Brand zu löschen. Die Fördermaschine und die Förderkammer haben starke Beschädigiingeu erlitten. Gestem früh konnten die Bergleute wieder einfahren. Uebcrfall auf ein Dienstmädchen. Aus Köln wird gemeldet: Als gestern mittag in einem Hanse der Stamniheiiner Straße ein 29jährigeS Dienstmädchen in den Keller der Herrschast gehen wollte, um Kohlen zu holen, wurde es von drei Männern, die sich vermut- lich zum Stehlen im Keller versteckt hatten, überfallen und schwer mißhandelt, sodaß es bewußtlos liegen blieb. Das Mädchen wurde nach einiger Zeit init schweren Kopfverletzungen aufgefunden. Die Altentäter sind nach dem Uebcrfall unerkannt entkommen. Die Aerzte stellten bei dem Mädchen einen Schädelbruch und eine Gehirn- erscbütterung fest. Bis jetzt war dasselbe noch nicht Vernehmung«- fähig. Im Kanal gesunken. Der Flensburger Dampfer„Kanal" ist, wie eine Meldung aus HaderSlebcn besagt, gestern nachmittag vor der Einfahrt zum Aarcsund umgeschlagen und gesunken. Ueber den Verbleib der acht Kopfe zählenden Besatzung ist, wie die„Schlcs- ivigsche Grenzpost" meldet, nichts bekannt. Auf der Lokomotive getötet. Ans der Kleinbahnstrecke Königsdorf- Altfelde entgleiste, nach Marienburger Meldung, infolge Maschinenbruchs bei Altfelde eine Lokomotive. Die Maschine fuhr den Damm hinunter und kippte um, wobei der Kessel explodierte. Der Heizer wurde sofort getötet. Der Maschinenführer ist im Kranlenhause seiuen Verletzungen gestern früh erlegen._ Verhängnisvoller Erdrutsch. In Feherpatak bei Leutschau haben Budapester Meldung zufolge Regengüsse einen Erdrutsch ver- »rsacht, wodurch eine Papierfabrik eingestürzt ist. Sieben Arbeiter sind zum Teil schwer, zum Teil tödlich verletzt worden. Der Material» schaden beläuft sich auf eine halbe Million Frank. Ermordung eincS Richters. Aus Bombay wird gemeldet: Im Theater in Nasik wurde gestern abend der Richter Jackson von einem Eingeborenen ermordet, wie es heißt, auS Rache wegen einer er» haltcnen Gesängnisstrase. Die Opfer des Londoner WarcnhausbrandcS. Bei dem WarcnhauSbrand haben, wie bis gestern nachmittag festgestellt ist, neun Personen den Tod gefunden. Drei Opfer dc>s Brandes liegen im Krankenhause schwer verwundet danieder; weiter sind 15 bis 29 Personen leichter verletzt worden. Explosion eines Motorbootes. Nach einer Meldung ans Nizza explodierte gestern abend während einer Fahrt auf offener See ein Motorboot. Die beide» Insassen, der Besitzer des Bootes Baron Pernetly-Hausmami und ein Fahrradhändler Guillet, wurden getötet. Der Massenmord in Chcrry. Ans N e>v Jork wird uns geschrieben: Durch die vom Eoroner eingeleitete Untersuchung über die kürzliche furchtbare Katastrophe in der St. Pauls-Grube in Chcrrh im Staate Illinois, die 399 Menschenleben gefordert hat, wurden Tatsachen ans Licht gebracht, die eine schwere Anklage gegen die Grubenverwaltung und gegen die staatlichen Grubenaufsichtsbehördcn enthalten. In der flagrantesten Weise wurden die Vorschriften des Berggesetzes verletzt und dadurch der Massemnord in Cherry herbei- geführt. Die St. PaulS-Grube hat drei übereinander gelagerte Sohlen. Das Gesetz schreibt vor, daß eine solche Grube nniidestenS zwei Schächte(einen Förderschacht und einen Ventilationsschacht) haben muß und daß diese Schächte inindestenS 390 Fuß voneinander entfernt sein müssen. Wie wurde nun in Cherry dem Gesetz Rechnung getragen? Mau hatte nur einen Schacht angelegt und förmlich zum Hohn auf die Bestimmungen des Gesetzes den Schacht durch eine einzöllige Bretterwand getrennt. Wiederholt habei» die staatlichen Bergbauinspektorcn den Schacht revidiert, aber merkwürdigerweise niemals Ausstellungen gemacht. Auch die Tatsache, daß die Not« leitern nicht aus dem vorgeschriebenen feuersicheren Material waren, sondern aus Holz, war der Aufmerksamkeit der zweifellos bestochenen Revisionsbeamten entgangen. In Illinois ist die Beschäftigung von Kindern unter 16 Jahren in Bergwerken verboten. Auch an dieses Verbot kehrte sich die Be» triebsleitung der St. Pmils-Grube nicht. Es wurden Knaben im Alter von 15 Jahren beschäftigt, und einer dieser Jungen verursachte den Brand, indem er einen mit Heu beladenen Wagen in per zweiten Sohle gegen eine nnverdeckte brennende Fackel fuhr. Das Heu begann zu brennen. Die Flammen waren unbedeutend und hätten nach den Angaben von Zeugen mit einem Eimer Wasser erstickt werden können. Aber Wasiereimer waren, entgegen dem Berggesetz, nicht vorhanden, und obendrein hatte der Förderboß Rosenjack dem Grubenarbeiter, der ihn auf das Feuer in der Grube aufmerksam machte, kurzerhand erklärt, der Brand sei ungefährlich. Der Wagen mit dem brennenden Heu wurde zur Seite geschoben. Etwa um l'/a Uhr nachmittags wurde die Entdeckung gemacht, daß da« Gruben- balkemverk in der Nähe des brennenden Heus ebenfalls Feuer ge- fangen, und daß die Flammen sich nach dem Förderschacht hin aus» breiteten. Um diese Stunde setzte der Grubenarbeiter Pastelli den Obersteiger von dem Ausbruch des Feuers in Kenntnis und bat ihn, die Bergleute zu warnen. Statt seinem Verlangen stattzugeben, wollte ihn der Obersteiger nach seiner Arbeitsstätte zurückschicken. Pastelli weigerte sich dessen und verlangte nach oben befördert zu werden. Oben angekommen, eilte er in das Bureau des Betriebs- leiters, machte diesem erregt von dem Ausbruch des Brandes Mitteilung und stellte erneut das Verlangen, die Leute aus der Grube zu schaffe«.„Daß die Grube brennt, weiß ich; im übrigen kümmern Sie sich um Ihre eigenen Angelegenheiten", lautete die Antwort des Betriebsleiters. Bis nahezu 3 Uhr, das ist fast anderthalb Stunden später, wurden Kohlen aus dem Schachte nach oben befördert, aber noch nicht ein einziger Bergmann. Ja, man hatte die Leute um diese Stunde immer, noch nicht von dem Grubeubrand in Kenntnis gesetzt. Hätte man statt aus purer Profitgier Kohlen zu fördern, Menschen nach oben gebracht, so hätten alle gerettet werden können. Mit der gleichen Rücksichtslosigkeit wurde nachträglich verfahren. Die Ventilatoren wurden vorzeitig abgestellt und die Grubeneingänge zugemauert, um die Flammen zu ersticken und den Schacht zu erhalten. Mochten dabei auch etliche hundert Proletarier, ohnedies zumeist„nur" Ausländer, zugrunde gehen. Mit Recht sagte Präsident Lewis des BergarbetterverbandeS, daß von dem Augen- blicke an, als das Heu in der Grube in Brand geriet, bis zum Vermauern der Grube, eine Reihe von Schändlichkeiten verübt worden sind. Die Rücksichten auf den Profit überwogen eben jene auf das Leben der Bergleute. Und das Resultat war der Massen- mord in Cherry, der, dessen sind wir bei der vortrefflichen(?) amerikanischen Justiz überzeugt, ebenso wenig eine Sühne finden wird, wie die tagläglichen Morde, die der Kapitalismus in anderen Industrien verübt. Amtlicher Marktbericht der städtischen Markthallen-Dtrektlon über den Großhandel in de» Zentral-Marktballeii. Marktlage: Fleisch: Zuiuhr rcichlich, Geichäst rege, Preise unverändert. Wild: Zufuhr knapp, Geschäft rege, Preise fest. Geflügel: Zusubr genügend. Geschüst schleppend, Preise schwankend. Fisch e: Znsuhr reichlicher, Geschäst lcbhast, Preise im allacmciiieii bejriedigend, für Karpfen sehr hoch. Buiter und Käse: Geschäst rnhig, Preise unverändert. Gemüse, Obst und Südfrüchte: Znjuhr genügend, Gejchäjt sehr still, Preise behauptet. Eingegangene DmchrchHften. Bericht ntt die Sensenarbeiter-Konferenz.(Dezember lSVS zu Frankfurt a. M) Herausgegeben vom Zenlralverband aller in der -schmiederet beschästtgten Personen. Verlag von C. Kamps. Hamburg, 2 Bände geh. 8 W., Pappe geb. 10 M. Lcder geb. 4 M.— geb. 2 M., uSgewählt und eingeleitet von Die Max Besenblnderhos 5' Altfranzöstschc Novellen. Die Bibel ausgewählt. Pappe Briefe des fungen Schiller. Hecker. Jnsel-Berlag, Leipzig. Rollschuhlaufen. Eine GesundheitSbcwegung für jeden. Ein Spiel und Sport für jung und alt. Von Lochtrup. Preis 1,20 M Priber u. Lammers Verlag, Berlin W. 8. Schmerze» der Jugend. Roman von Miee Schale!. Preis geh 4 M.. geb. b M.— Buch der Ipriiche. Von Oskar Blumenthal. Geh. 3 M., geb. 4 M.— Das Leben sag« nein. Novellen von Rudolf Lothar. Preis geb. 2 M., geb. 3 M.— Dodgeweihte Seelen. Novellen von L. Frei. Preis geb. 2 M., geb. 3 M.— Aus Goetftes Sonnentagen. Eine Auswahl aus Goethes Liebeslyrik. Von Karlernst Knatz. Mit Silhouetten von Johanna Beckmann. Geh. 3 M., geb. 4 M. Concordia, Deutsche Verlagsanstalt, G m. b. H., Berlin W. 30. Im Schnur des heiligen Gewandes. Roman von C. Rupert. Preis 3 M. Berlin bei Hugo Bcrmühlcr. Reclams Universum. Wochenschrift. 28. Jahrgang. Heft 12. Preis 30 Pf. Verlag von Philipp Rcciam jun., Leipzig. I»März«. Zweites Dezemberhest 1300. Preis 1.20 M.— Des Jranzois Rabelais Pantagruel. Viertes Buch. Verdeutscht. Preis gehestet 2,50 M., in Leinen- oder Papvband 3.50 M.— Lebens- beschreibung des RitterS GöU von Berlichtngen. Von Engelbert Hegaur. Preis geh. 2,50 M., geb. 4 M., in Halbjranz 6 M. Verlag von Albert Langen, München. Unter den Menschen. Von Leonor Goldschmied. 38 Seiten. 1 M. Verlag Neues Leben, Wilhelm Borngräber, Berlin IV. 30. TaS neue Berfahren beim Amtsgericht. Preis 1,80 M. Verlag von Schwab u. Co., Mannheim, Scckcnheimcr Straße 16. Arbeitcr-GekundheitS-Bibliothek. Heft 2l und 22. Haut- und Haarpflege von Dr. B. Chajes und»Atemgrimnastik» von Otto Rühle Preis a 20 Pf. Verlag: Buchhandlung.Vorwärts', Berlin BW. 68, Lindenstraße 69. Selma Lagerlös, Wunderbare Reise des kleinen Nils Holgerskon mit den Wildgänsen. Mit 95 Textilluftrationen und 8 farbigen Boll- bildern sowie einer Uebersichtskarte von Schweden. Preis geheftet 10 M., in Originalleinenband 12,50 M.— Verner vo» Heidcnstam, Tie Schwede» und ihre Häuptlinge. Ein Buch für Junge und Alte. Mit 23 Voll- bildern. Uebersetzung aus dem Schwedischen von Pauline Klaiber. Preis geheftet 4 M., in Leinen gebunden 5 M.— Charles Dickens, Weihnachts- geschtchten. Preis geheftet 3 M., in Pappband 4 M.. in Halbsrauz- liebhabercinband 6 M. Verlag von Albert Langen in München. Freie Hochschule Berlin. Programm für das Winterquartal Januar bis März 1910. Direktorium der Freien Hochschule Berlin. Die Schönheit. Heft 3. Verlag der Schönheit, Berlip SVf. 11. Unsere Mundarten, ihr Werden und ihr Wesen. Von Dr. O. Weife. Preis geb. 2 80 M. Verlag von B. G. Teubner in Leipzig und B.rlin. Andersens Märchen. Herausgegeben vom Prusungsausschuß und der Vereinigung der Kunstfreunde des Charlottenburger Lehrerocreins. Schattenbilder von Jobanna Beckmann. 237 Seiten. Verlag der Schiller- Buchhandlung Max Teschner G. m. b. H., Cbarlottenburg. Die Gegenwart, Wochenschrist, herausgegeben von H. Hillger. Preis 40 PI. 38. Jahrgang, Nr. 51. Zeitschrift für Politik, herausgegeben von Dr. Richard Schmidt und Dr. Adolf Grabowsky. Jährlich ein Band. 40 Druckbogen in 4 Hejten zum Pieise von 16 M. Carl Heymanns Verlag. Berlin W. 8. Tie Einheit der physiko-chrmischen Wissen chaften. Bon Prof. Wilhelm Ostwald. 30 Seiten. Verlag des Deutschen Monistenbundes. Berlin W. 57 und Leipzig. Auf Nachsuchen. Keine ergötzliche Geschichte über die Lage der ver- abschiedeten Ossizicre in Bayern. Von Karl Wallmcnich, Oberst a. D. 53 Seiten. Verlag Georg C. Sieinicke. München, Lindum- instr. 5a. Schein und Sein des Hansabunds. Von Karl CaroluS. Preis 50 Ps. Verlag Karl Hause. Berlin SO 26. Für die Jugend. Redigiert von Emma. Adler. PreiS 50 Heller. Volksbuchhandlung Jgnaz Brand u Co., Wien VI. Neuland des Wissens. Halbmonatsschrist für Natur- und Geistes- leben. 1. Jabigang. Hcst 5 und 6. Preis jährlich 5,75 M. Einzelne Hefte 25 Pf. VerlagSanftalt Teichmann u. Co., Leipzig. - für den AeihiuchtsMh: nur Eine bunte Weste in Seide, Wolle oder Wasch- stott. 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