Sr.SY0. BbonnemenfS'Bedingungsn: Abonnements. Preis pränumeranbo i Vierteljährl. S.Z0 Mk, mondtL 1,10 Ml,. wöchentlich 28 Psg, frei WZ Hau?» liinjelnc Nummer 5 Pfg, SonntagS- nunimcr mit illustrierter Sonntags- Beilage.Die Neue Welt" 10 Pia, Pojt- Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. Einqctragen in die Post-Zeitungs- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Mark, für das übrige Ausland 8 Marl pro Monat. PostabomicmentS nehmen an: Belgien. Dänemarl, Violland. Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. 26. Jahrg. CrfiWit tSgli» JBßff nontw. Berliner Volkslrlnlt. Die TnlcrtionS'Gcböftr betrügt für die scchsgespaltene Kolottefe geile oder deren Raum CO Psg,, für politische und gewerlschastliche Vereins- und Versainmlungz-Anzeigen 80 Psg. „Meine ZZnreigen", daS ersle(fett» gedruckte) Wort 20 Psg,, jedes weitere Wort 10 Psg, Stellengesuche und Schlaf- slcllcn-Anzcigcn das ersle Wort 10 Psg,, jedes weitere Wort 5 Pfg, Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate sür die nächste Nunnner müssen bi- 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden, Tie Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm-Adresse: „SozIalitmoHral Berlin'4, Zentralorgan der Ibzialdemokratifchen parte» Deutfchlands. (Udahtion: SM. 68. Ltndenstrasoe 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 198Z. Freitag, den A4. Dezember 1.�09. Expedition: SM. 68, Lindcnstrasee 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. Der Dorentwurf zum neuen Strafgefetzbucl). lVIII.4) Von den„Verbrechen und Vergehen gegen Einrichtungen des Staates" handelt das zweite Buch. Daß hier die Vergehe»gegenHeerundMa- r i n e obenan stehen, bedarf in unserem Militärstaate wohl kaum besonderer Erwähnung. Hier sind die alten Bestim- mungen im allgemeinen beibehalten. Diese beziehen sich grundsätzlich nur auf Personen, die außerhalb des Militär- Verbandes stehen und betreffen die Aufreiz ungHeeres- ungehöriger zum Ungehorsam, die Teilnahme an der Fahnenflucht, die Selbstverstümmelung usw. Daneben bleibt natürlich für die Heeresangehörigen selbst das Schreckensbuch des Militärstrafgesetzes mit all seinen Barba- reien in Kraft. Die Verfasser des Entwurfs verkennen nicht, daß die im allgemeinen Strafgesetzbuch enthaltenen Straf» bestimmungen über die Vergehen in bezug auf das Heer wissenschaftlich teilweise sehr anfechtbar sind. Sie meinen jedoch(„Begriindung" S. 507), daß eine Streichung derselben sehr bedenklich sei,„da gegenüber der von manchen Seiten be- triebenen antimilitaristischen Propaganda, die sich auch im Versuch der Anstiftung zur Fahnenflucht äußern kann, eine Abschwächung des geltenden Rechts nicht ratsam sein dürfte." Eine drastischere Illustration für die Beliebt- heit unseres„Volksheeres" läßt sich kaum denken, als daß der Entwurf, ebenso wie das geltende Recht, grausam schwere Strafe dem androht, der sich lieber selbst verstümmelt, als daß er jahrelang den„vornehmsten Rock" trägt. ■ Interessant ist, aus der Einreihung der Religions- je» e r g e h e 11 in das zweite Buch zu ersehen, daß auch der liebe �ott zu den„Einrichtungen des Staates" zählen soll. Ideologen nahmen bisher an, er beträfe das Höchstpersönliche -des Menschen. Tie Bestimmungen des geltenden Strafrechts äiber die„Gotteslästerung" und die„B e» tchimpfung" von Kirchen haben bekanntlich allge- 'meinen Unwillen, selbst bis in kirchlich orthodoxe Kreise hinein, erregt. Grund genug für die Kommission, ihre B e i b e h a l- t u n g vorzuschlagen, und zwar mit fast noch erweitertem Tat- bestände. Freilich auch mit einer Einschränkung: der Kon- kurrenzkampf zwischen dem prote st antischen und deni katholischen Herrgott soll fortan von strafrechtlichen Fesseln nicht beengt sein. Tie Begründung(S. 511 ff.) sagt ausdrücklich, daß dies der Zweck der Ersetzung des bisherigen Tatbestandsmerkmals der „Aergerniserregung" durch das der„Böswilligkeit" sei. Wer aus religiöser Intoleranz die anderen Religionen beschimpft, handelt natürlich im Gegensatz zu dem frevlen Gottesleugner niemals böswillig. Irgendeine Erweiterung des Rechts der freien Forschung liegt in dieser Abänderung des Wortlauts des Gotteslästerungsparagraphen nicht. Ebensowenig darin, daß in ß 156 des Entwurfs nur noch die Beschimpfung der Religionsgemeinschaften, nicht mehr jedoch die ihrer E i n r i ch- tungen und Gebräuche unter Strafe gestellt ist. Die ..Begründung" führt ausdrücklich aus(S. 515), daß in einer Beschimpfung von Einrichtungen und Gebräuchen einer Kirche regelmäßig die Beschimpfung dieser Kirche selbst zu finden sein wird, und daß die„Einrichtungen und Gebräuche" nur deshalb im Entwürfe nicht ausdrücklich hervorgehoben sind, weil durch eine solche Hervorhebung„die nach Lage der Sache gebotene Annahme einer mittelbaren Beschimpfung bei An- griffen auf andere Dinge als auf Einrichtungen und Ge- bräuche der Absicht des Gesetzes widersprechend erschwert wird." Also auch diese scheinbare, von oberflächlichen Be- urteilern so gepriesene Reform läuft auf eine Einengung des freien Wortes hinaus. Wie diese Strafbestim- mungen in aufrichtigen kirchlichen Kreisen gewertet werden, dafür diene folgende Resolution des Evangelischen Pfarr- Vereins für Württemberg(vgl.„Vorwärts" v. 15. Mai 1968) als Beleg: „Die Versammlung erklärt sich für die Aufhebung des 8 166 Abs. 2 lBeschimpsung von Religionsgemeinschaften), der den konfessionellen Frieden schädigt, in seiner Unbestimmtheit Rechts- Unsicherheit erzeugt, eine unleidliche Beschränkung des freien Wortes und berechtigten Krttil und eine Gefahr für das Vrr- trauen auf die Gerechtigkeit der Rechtsprechung ist. Die Ver- sammlung erklärt sich in ihrer Mehrheit gegen die gesetzliche Bestrafung der Gotteslästerung, weil eine solche mit dem Wesen des evangelischen Glaubens und des modernen Staates unvcrein- bar, gegen die größten Aergernisse unwirksam und ein Zeichen des Mißtrauens ist gegen die Kraft der Wahrheit." Wie berechtigt insbesondere der letzte Hinweis ist, ergibt sich drastisch aus der Begründung. Hier werden die Straf- bestimmungen gegen die Beschimpfung von Rcligionsgemein- schaften damit gerechtfertigt, daß bei Beschränkung der Kirchen auf den durch die allgemeinen Beleidigungsvorschriften ge- währten Schutz der Wahrheitsbeweis zulässig sein würde. Wahrlich ein ärgeres„Zeichen des Mißtrauens gegen die Kraft der(kirchlichen) Wabrheit" läßt sich nicht denken, als diese Flucht vor dem Wahrheits- beweis! Aus dem Abschnitte über die Verbrechen undVer- gehen in Beziehung auf die Rechtspflege wärv zu erwähnen, daß fortan auch die falsche u n e i d l i ch e Aussage strafbar sein soll. Im übrigen ist dieser Ab- schnitt fast unverändert geblieben. Den Clou des zweiten Buches bildet das in seinen 184, 185— wie viele der schliinnisten Bestimmungen des Entwurfs nur verborgen— enthaltene Streikverbot für die Arbeiter der öffentlichen Betriebe. Der§ 184 lautet: „Wer vorsätzlich den Betrieb einer dem öffentlichen Verkehr dienenden Eisenbahn oder der Post oder einer zur öffentlichen Versorgung mit Wasser oder Beleuchtung dienenden Anstalt verhindert, wird mit Gefängnis bis zu drei Jahren oder mit Haft, bei mildernden Umständen mit Geldstrafe bis zu eintausend Mark bestraft." Zu den Eisenbahnen im Sinne dieses Paragraphen gehören nach der Begründung auch die Straßenbahnen. In§ 183 wird diese Strafbestimmung auf Telegraphen-, Fernsprech- und Rohrpo st anlagen ausgedehnt, für die schon jetzt im§ 318 des Strafgesetzbuchs eine ähnliche, aber mildere Strafbestimmung besteht. Begründet werden diese Vorschläge damit, daß„die durch ein allgemeines Uu glück, z. B. einen Massenaus st and oder etwa einen Aufruhr oder Krieg geschaffene Lage in bedrohlicher Weise verschärft wird, wenn in der bezeichneten Weise die Heranziehung auswärtiger Hilfe wie das Verlassen des Ortes unmöglich gemacht wird."(S. 591.) Die erwähnten Para- graphcn heben das Vereins- und Koalitions- recht der Postbeamten, Eisenbahner, eines großen Teils der Genieindearbeiter und Staatsarbeiter tatsächlich auf. Sie enthalten ein strafrechtliches Verbot des Streiks und der Streik Verleitung der genannten Arbeiterkategorien. Das zeigt klar die Begründung. Dort wird besonders darauf hingewiesen, daß die strafbare Betriebsvcrhinderung auch dadurch herbei- geführt werden kann,„daß die Angestellten der Eisenbahnen oder der Post von dritter Seite durch Gewalt oder Drohung von der Ausübung ihres Dienstes zurückgehalten werden. Endlich können auch die Ange st eilten selb st durch pflichtwidrige Verweigerung ihrer. Dien st e den Betrig»6 unmöglich mache n." (S. 591.) Das alte Verlangen unserer Reaktionäre und ihrer Regierung, das Streiken der Verkehrsarbeiter unter Strafe zu stellen, soll also in den vorgeschla- genen 8s 184, 185 seinen gesetzgeberischen Niederschlag finden. Nshlrechtstnig! •) vergl. Nr, 265, 270, 272, 280. 282, 287, 291 des„Vorwärts", Die„Berk. Pol. Nachr." tun im läppischsten Offiziösenstil der Welt kund, daß die preußische Wahlrechtsvorlage bereits in der nächsten Session dem Landtage zugehen werde. Sie solle nämlich so zeitig eingebracht werden, daß die nächsten Wahlen, die im Jahre 1913 stattzufinden haben, bereits nach dem neuen Wahlrecht vollzogen werden könnten. Zur Verabschiedung der Vorlage seien jedenfalls zwei Sessionen notwendig. Nun ständen dem jetzigen Landtage zwar noch vier Sessionen zur Verfügung, allein die Reichstags- wählen seien bereits im Jahre 1912 zu bollziehen und es würde „vom Gesichtspunlt der allgemeinen Politik im höchsten Grade un- zweckmäßig sein, wenn die Vevhandlungen über die Aenderung des Wahlrechts in Preußen zeitlich mit dem Kampfe um die Reichstags- wählen zusammenfielen". Berücksichtige man das, so werde sich „unschwer beurteilen lassen" wann die Regierung die Wahlrechts- Vorlage einbringen werde. Danach wäre also schon für die am 11. Januar 1910 beginnende Session die Wahlrechtsvorlage zu erwarten. Aber auch über den Inhalt der so nahe bevorstehende» Wahlrechtsvorlage werden bereits nähere Mitteilungen gemacht. Die.Weser-Zeitung" be- hauptet wenigsiens, daß die„Verbesserungen" sich in den„engsten Grenzen' halten würden. WaS darunter zu verstehen ist, verrät sie dann durch folgende Mitteilungen: „ES steht fest, daß das Drciklassenwahlsystem bleibt und seine Korrektur lediglich in der Aufhebung des i n d i r e kten Wahl- ganges, in der V e r s ch i e b u n g der S t e u e r g r e n z e n der Klasscnwahlberechtigten und einer Verbindung von Plural- und Proport'ionalsystem besteht. Die liberalen Mindestforderungen find also völlig beiseite geschoben. Ganz ab- gesehen von dem einfach a limiuo abgewiesenen ReichstagSwahl- rechi ist weder die doch mehr als dringend noiwendige Reu- einteilung der Wahlkreise zugestanden, noch die geheime Wahl zu- gebilligt worden." Wenn diese Mitteilungen des freifinnigen Blattes zuträfen, wäre das in der Tat die unglaublichste Verhöhnung der Wahlrechts- fordcrungrn des Volles! Denn so unwürdig für ein politisch reifes Volk auch das in d ir e kt e Wahlsystem ist: von den empörenden Ungeheuerlichkeiten des heute herrschenden Wahlsystems ist die indirekte Wahl noch eine der allergeringsten I Und eine Verschiebung der Steucrgrenzen lann, wie wir erst vor einigen Tagen gegenüber den Wünschen des„Rcichsboten" betonten, unter Umständen die Entrechtung der nichtbesitzenden Klasse noch voll- ständiger machen! Dabei soll nach dem Blatt des Hansa- Freisinils sowohl daS D r e i l l a s s e n s h st e m, als auch die öffentliche Abstimmung und die skandalöse Wahlkreis» einteilung erhalten bleiben! Wir haben der Regierung niemals viel politische Einsicht zu- getraut und insbesondere auch Herrn v. Bcthmann Hollwcg für einen noch erbärmlicheren Politiker als Philosophen gehalten--- allein für so unsäglich verblendet vermögen wir einstweilen denn doch selbst die preußische Regierung nicht zu halten, daß sie mit einer solchen Spottgeburt von„Wahlreform" an die Oeffentlichleit treten könnte! Das hieße ja geradezu Benzin in daS Feuer der Empörung schürten, das der niederträchtige Steuerraubzug des Schnapsblocks im ganzen Lande entfacht hat l Eine Regierung, die deni Volle statt der verheißenen Wahl- reform einen solchen Wahlrechts t r u g zu bieten wagte, müßte geradezu von den Wahnvorstellungen beherrscht sein, die die. K r e u z- Z e i t u n g" in ihrer letzten Nummer aus« plaudert. Ganz richtig legt das Junkcrblatt anfangs dar, daß das Jahr 1907 keineswegs eine Niederlage der Sozial« demokratie bedeutet habe, daß damals doch nur, und auch nur durch die Gunst ganz besonderer Umstände, ein„gewissermaßen taktischer äußerer Erfolg" gegen die Sozialdemokratie errungen worden sei. Aus dieser unzerbrechlichenWiderstandSkraft der Sozialdemokratie folgert das Junlerblatt freilich nicht die Not- wendigkeit einer Politik des Entgegenkommens, vielmehr einer Politik gesteigerter Brutalität und Rechts- Verweigerung! Sei auch die Zurückdämmung der sozialist!« scheu Volksaufwiegelung da» wichtigste, so sei doch auch die parlamentarische Niederhaltung der Sozial- demolratie von nichi zu unterschätzender Bedeutung. Deshalb könne eine Demokratisierung des Wahlrechts nur dann in Frage kommen, wenn man, nach einer Bismarckschen Idee, den Sozialdemokraten überhaupt das Wahlrecht ab» erkenne! Nun, Bismarck selbst hat sich zu einer Zeit, wo die Sozial- demolratie unendlich viel schwächer war, weislich ge- hütet, diesen verbrecherischen Gedanken zu realisieren. Heute vollends wirken dergleichen platonische Kraftmeierei«� nur noch komisch. Der Politiker erklärte sich reif fürs Irrenhaus, der heute noch an irgendeine ausnahmegcsetzliche Knebelung der sozialdemokratischen Arbeiterbewegung dächte! Von einer„Zurück- dämmung" der sozialdemokratischen„Volksaufwiegelung" können heute nur noch politische Narren träumen. Aber von nicht geringerer Narrheit würde die Annahme zeugen, daß man durck.„parlamentarische Nieder Haltung" der Sozialdemokratie irgend etwas ausrichten könnte. Denn solche Niederhaltung wäre doch erst recht nur eins der„äußerlichen Mittel", vpn denen die„Kreuz-Zeitung" so geringschätzig spricht! Wir nehmen deshalb zugunsten der Regierung an, daß die Absichten ihrer Wahlreform bis jetzt nur verstümmelt und miß- deutet wiedergegeben worden sind! ZleldrikK kapituliert vor den Herzten. In dem Entwurf zur Reichsversicherungsordnung war bekanntlich für Streitigkeiten zwischen Krankenkassen und Aerzten ein Schiedsgerichtsverfahren vorgeschlagen, das die Interessen der Arbeiter und Kassen aufS schwerste verletzen; dennoch genügte dies den Aerzten nicht. Sie liefen gegen diesen Vorschlag als angeblich sie beeinträchtigend Sturm. Nunmehr hat das Rcichsamt des Innern vor diesem Sturm- lauf kapituliert. Wie die„Frankfurter Zeitung" aus„durch- aus sicherer Quelle" meldet, ist in dem im Reichsamt des Innern umgearbeiteten Entwurf die Arztfrage auf der folgenden Grundlage geregelt worden: Bon den Vertretern der Aerzte und der Kasten in den einzelnen Regierungsbezirken werden unter Leitung der Regierung Tarif« Verträge vereinbart. Alle Aerzte des Bezirkes, die sich bereit er- klären, zu den Bedingungen des Tarifvertrages tätig zu sein, sind bei allen Kasten zur Behandlung der Mitglieder zuzulasten. Kommt ein Tarifvertrag nicht zustande, so setzt die Regierung einen solchen von Amts wegen fest. Irgend eine Verpflichtung, zu den Bedingungen dieser Zwangstarifverträge für die Krankenkaste tälig zu sein, wird den, Bcrztestande nicht auferlegt. Verweigern die Aerzte ihre Hilfe, sosoll den Krankenkasten das Recht gegeben werden, ihren lranken Mit- gliedern an Stelle von ärztlicher Behandlung einen bestimmten Geldbetrag zu gewähren. Aerzte, die auf Grund des Tarif- Vertrages Kassenmitgliedcr behandeln, dürfen wegen dieser Tätig- keit nicht vor das ärztliche Ehrengericht gestellt werden. Eine solche Lösung entspricht den öffentlichen Aufgaben der Kassen nicht. Der Zweck der Kassen geht ans Für- sorge und vor allem auf' möglichst schnelle Wieder- Herstellung der Gesundheit des Arbeiters; die Kasse ist verpflichtet, ärztliche Fürsorge eintreten zu lassen. Ohne den Zweck der Krankenversicherung zu gefährden, muß dies auch so bleiben. Dann drängt aber die Tatsache, daß sich Aerzte nicht nur zur Behandlung nicht verpflichtet gefühlt, sondern die Vereinbarung der Nichtbehandlung durch Er- Pressungen und diesen gleichstehende Mittel zu erzwingen für standesgemäß gehalten haben und' noch halten, zur reichS- gesetzlichen Verpflichtung der Aerzte zur Behandlung als alleiniger Lösung der Aerztemiscre. Das im Reichsamt des Innern ausgeheckte Mittel schraubt die Krankensürsorge hinter den Stand zurück, den diese vor Einführung der Versicherung hatte. Vor 25 Jahren wurde die obligatorische Ver- pflichtung zur ärztlichen Hilfe allgemein als ein Fort- schritt angesehen gegenüber dem früheren Zustand, nach dem es den Kassen freistand, anstelle freier ärztlicher Be- Handlung einen bestimmten Geldbetrag zu gewähren. Die Rückkehr zu diesem Standpunkt wäre immer noch besser, als die durch den neuen Vorschlag deS Reichsamts herbeigeführte Lage der Arbeiter. Wie soll ein kranker Arbeiter einen Zlrzt finden können, wenn die Aerzte vereinbart haben. Hilfe nicht zu leisten und gesetzlich nicht verpflichtet sind, Kranke zu be» handeln? Der neue Vorschlag deZ Reichsamtes liefert noch imbedingter als der im ersten Entwurf vorgesehene Weg das durch die Arbeiter zusamniengebrachte Krankenkassenvermögen dcil Aerzten aus. Solcher Vorschlag ist nur von einem Staatssekretär begreiflich, der als Minister gegen Sozial- Politik als Sozialpolitik die Bereicherung anderer auf Kosten der Arbeiter betrachtet._ Nie Spitzelbombe. Es unterliegt nicht dem geringsten Zweifel, daß der Petersburger Spitzelchcf K a r p o w das Opfer seiner eigenen Agentprovocateur-Tätigkeit geworden ist. Der„Atten- toter" WoSkresscnSki ist, wie B u r tz e w mitteilt, schon vor einiger Zeit als»Aout; provocateur entlarvt worden. Es scheint, daß Karpow ihn zu einem Nachfolger Ascws heran- bilden ivolltc. Es liegt natürlich jetzt im Interesse der Polizei, sich des einzig überlebenden Zeugen des koinpronnttierenden Vorfalles zu entledigen. Dazu wird sie sich eines Kriegsgerichts be- dienen, das den Mann skrupellos„schuldig" sprechen wird. Schon am Montag soll dann das Urteil voll- streckt und Woskressenski gehenkt werden. Die Polizei behauptet selbstverständlich, daß ihr Chef einem Vcr- brechen zum Opfer gefallen sei. Aber sie selbst muß zu- gestehen, daß WoSkressenski im Dienst der Polizei ge- st a n d e n sei. aber, so lügt sie, bloß um den Karpow in eine Falle zu locken. Nur daß diese Darstellung für die Polizei, selbst wenn sie wahr wäre, um nichts weniger kompromittierend wäre. Denn Woskressenski gab sich eben offen als Lockspitzel und daß Karpow mit solchen Leuten zu- samnienarbeitetc und tagelang mit ihnen zusammenwohnte, beweist eben alles, was zu beweisen ist. Die Verhandlung in der Duma. Petersburg. 23. Dezember. Bei Begründung der Dringlichkeit der Interpellation betreffend das Bombenattentat erklärte M i l j ul o W lKadett) in der gestrigen Sitzung der ReichSduma, Oberst Karpow sei seiner provokatorischen Tätigkeit z u m O p f e r gefallen. Der Prokureur des Petersburger Appellhofes stellte dagegen fest, daß die Voraussetzung MiljnkowZ den Tatsachen nicht entspreche. Oberst Karpow sei im Gegenteil in eine Falle der Nevolntionäre geraten und bei treuer Erfüllung seines Dienstes(!) meuchlerisch ermordet worden. (Beifall rechts.) Graf Wladimir Bobrinsky(Nationalist) bat um unverzügliche Annahme der Interpellation, damit vor ganz Rußland klargestellt werde, wie unbegründet die Beschuldigungen MiljukowS seien. Sich an Miljukow wendend, erinnerte der Graf an dessen Abmachungen mit Asew in Paris und sagte zum Schluß, die Asews morden und Sie interpellieren.(Beifall rechts.) Angesichts der Regierungserklärung zog Miljukow die Dringlichkeit seiner Interpellation zurück, toelche sodann, wie gemeldet, einer Kommission überwiesen lvurde. Die Darstellung der Polizei. Petersburg. 22. Dezember. Wie die Petersburger Telegraphen- Agentur meldet, ist Oberst Karpow einem Meuchelmorde zum Opfer gefallen. Der Täter Michael Woskressenski hatte der politischen Polizei erst kürzlich seine Dien st e zum Zwecke der Aufdeckung der verbrecherischen Tätigkeit revolutionärer Organisationen angeboten. Seinen mörderischen Anschlag führte Woskressenski vermittelst einer Höllenmaschine aus, die er i n einem Möbel verborgen und mit der elektrischen Glockenleitung in Verbindung gebracht hatte. llus den Geheimaßten der russischen Politik. Die Anstrengungen, die Rußland im Bunde mit England neuerdings macht, den russischen Jnstruktoren Eingang in Persieir zu verschaffen, sind geeignet, die allgemeine Aufmerk- samkeit wieder auf Persien zu lenken, das sich im Sommer nur mit Ausbietung aller Kräfte der Einmischung der beiden Vertragsniächte hatte erwehren können. Gerade zur rechten Zeit veröffentlicht nun daS Zentralorgan der russischen Sozial- demokratie eine Reihe hochintereffantcr Dokumente, die es von dem bekannten Professor der Universität Cambridge, Edward G. Browne, im Original erhielt. Diese Doku- mente, die jetzt zum ersteiunal der breiten Oeffentlichkeit bekannt gegeben werden(Prof. Browne veröffentlichte sie nur in einer englischen Broschüre, die bloß an einen kleinen Kreis von Politikern versandt lvurde). zeigen, daß die. Brutalität und Gemeinheit der russischen Auslandspolitik stets dieselbe bleibt. In den Valkanstaaten operierte sie in den letzten Jahrzehnten bloß mit Bestechungsgeldern und Dynamit- attentaten. In Persien kmnen zu diesen„bewährten" Mittel» die Anzettelung von Unruhen und die scheußlichsten Gewalt- mittel hinzu. Dies zeigen mit unübertrefflicher Klarheit diese Dokumente, von denen daher einige wiedergegeben seien. Kapport Nr. bü. Geheim. An den Hauplstab des kaukasiscken Bezirkes für den General-Quartiermeister. Eure Exzellenz! Am 26. iviai beorderte Se. Majestät der Sckah mich und den ersten Drogoman der Gesandtschaft nach Bageschah. In einem intimen Gespräch erklärte der Schah seine Ein- willigung zu unseren früheren Vorschlägen, über die ich Eure Exzellenz die Ehre hatte rechtzeitig zu ropporlieren: die Konstitution aufzuheben, den Medshlis aus- einauderzujaaen und durch eine ganze Reihe von Manövern, die den Zweck haben, die Vorstellungen der europäischen Mächte zu vermeiden, zur früheren absolutistischen Regierungsform zurückzukehren. Er fügte dabei hinzu, daß er. um den Plan der weiteren Handlungen bittend, darum ersuche, daß m ö g l i ch st wenig Blut vergossen werde. Darauf wagte ich ihm zu bemerken, daß Blut im Kampfe unvermeidlich und notwendig sei. Noch an demselben Abend in die Stadt zurückgekehrt, arbeitete ich und der erste Dragoman in der Gesandtschaft einen iveiteren Aktionsplan gegen das D i e b e s n e st ans, das hier hochtrabend Parlament genmmt wird. Zur Grundlage unserer weiteren Aktionen wurde hierbei folgendes Ziel i»S Auge genommen: Bis zu einer gewissen Zeit de» Medshlis und seine Anhänger wie auch die europäischen Gesandtschafte» in Sicherheit zu wiegen, dann von ungefähr einen Zusammen st oß hervorrufen und. uns auf das Uebergelvicht uiiserer organisierten militä- rischen Macht stützend. das Nest dieser käuflichen Menschen zu zerstören und alle seine Bcrteidigcr abzuschlachten, die ans diese oder jene Weise Widerstand leisten würden. Die hier- nach ain Leben gebliebenen sollen durch administrative Mittel unter Anwendung der strengsten Strafen verfolgt werden. Da wir die Gewohnheit der hiesigen Behörden, selbst den Schah nicht ausgenoinmeii, kannten, in jede Verfügung zur rechten und unrechten Zeit ihre Nase zu stecken und dadurch die Sache zu verderben, so erachteten wir es als nützlich, die Forderung aufzu- stellen, daß ich als Hauptperson in der Sache, nach Bestätigung des von uns ausgearbeiteten Planes, v o l l st e AktionS- f r e i h e i t erhalle, mit dem Rechte, mich keinerlei anderen Be- fehlen, von wem sie auch ausgehen sollten, zu unterwerfeil, ehe die Aufgabe voll und ganz verwirklicht ist. Obgleich meine Haltung und die Grenzen meiner Vollmachten auS den früheren Befehlen und Instruktionen Eurer Exzellenz voll- kommen klar sind, ivage ich es, Sie ergcbenst zu bitten, mir die Grenzen meines offenen aktiven Hervortreten» in dieser An- gelegenheit anzugeben, außer meiner geheimen Teilnahme an der Verwirklichung dieses Vorhabens. Nach der Gutheißung des von u»? ausgearbeiteten Feldzug- planes durch de» Gesandten und den Schah werde ich die Ehre haben, die Abschrift anverzüglich Eurer Exzellenz zu über- mittel». In Erwartung Ihrer Befehle Teheran, 27. Mai 1908. � Oberst W. Ljachow. Rapport Nr. 60. Geheim! An den Hauptstab des Kaukasischen Militärbezirkes für den Generak-Ouartiernletster. Eure Exzellenz! Das von mir und dem ersten Dragoman der Gesandtschaft ausgearbeitete Projekt wurde nach einer vorherigen telegraphischen Anfrage in Petersburg vom Herrn Gesandten fast ohne Ei»- Wendungen mit unbedeutenden Verbesserungen gutgeheißen. Was den Schah betrifft, so hat er als Perser lange geschwankt, da er das Blut fürchtete, das unvermeidlich ver- gössen werden mußte, und irgendwelche halbe Maßregeln, Kompromisse uslv. vorzuschlagen angefangen. In Anbetracht dessen sahen wir uns gezwungen, das letzte entscheidende Mittel ins Feld zu führen. Wir erklärten, daß das Projekt von der rnssischeu Rcgicrung bei den jetzigen Bedingungen als das zweckmäßigste Mittel gutgeheißen worden sei, und daß Rußland, im Falle der Schah seine Einwilligung nicht geben wolle, jede weitere Unterstützung ablehne und die Verantwortung für da«, was eintreten könne von sich weise. Das Mitlel war eines von den stark wirkenden, und er gab selbstversländlich un- verzüglich seine Einwilligung und die volle Aktionsfreiheit zur Verwirklichung. Dem Projekt wurden folgende Punkte zugrunde gelegt: 1. Die angesehensten Mitglieder des Medshlis und die Minister sollen aus den Mitteln der Gesandtschaft und des Schahs bestochen werden, damit sie in den letzten Sitzungen eine Politik durchsetzen, die ihne.n diktiert wird. 2. Durch Bestechung oder andere Mitlel soll man sich bemühen, die bewaffneten Männer aus dem Medshlis, der Moschee und den nächstliegenden Gebäuden der Endshumens hervorzulocken. 3. Am vorhergehenden Tage oder früher sollen nach dem Medshlis und der Moschee Sapachsalar verkleidete Kosaken gesandt werden, die durch Schüsse in die Lust Anlaß zu dem Bom- hardrment geben und dann alle dort befindlichen Verteidiger nieder- metzeln sollen. 4. Nachdem alle Vorbereitungen vollendet, sollen an einem bestimmten Tage der Medshlis und die nächstliegenden Gebäude des Endihnnienö von den Kosaken der Brigade umzingelt und bombardiert und alle Widerstandleistenden niedergemetzelt werden. 6. Die Häuser der angesehenen Konstitntionalisten und De- putierlen sollen nach dem Bombardement den Tnippcn und dem Pöbel zur Plünderung ausgeliefert werden. 6. Angesehene koilstitntlonelle Politiker, Deputierte imd Partei- gänger sollen u» verzüglich verhaftet und je nach ihrer gesellschaftlichen Stellung und ihrem Posten aufgehängt oder de- porticrt werden. 7. Zur Beruhigung der Gemüter und für die Mächte(!) soll ein Manifest erlassen werden, daß der Medshlis an- geblich zum ziveiten Male einberufen werden würde. Nachdem der Schah seine Zustimmung ausgesprochen hatte. drückte er den Wunsch aus. daß auch die persischen Truppen teil- nehmen sollen, aber ich leistete ihm kategorischen und hartnäckigen Widerstand, da dies der günstigste Moment ist, wo die Brigade sich empordienen und eine ihr zukommende Stellung in den: persischen Staatsleben einnehmen kann, um aus diese Weise die Verwirklichung künftiger Ziele zu er- leichtern. Was meine unmittelbare Teilnahme und mein aktives Hervor- treten am Tage des Bombardement? betrifft, so war der Herr Gesandte persönlich dagegen, da er Einwendungen von feiten der Mächte befürchtete. Da ich aber die Befehle Eurer Exzellenz>md den Umstand im Auge halte, daß die verstichen Offiziere, wie sehr sie auch Rußland ergeben sind, dennoch Perser bleiben uiid in der enlschcidenden Minute durch irgend welche S e n t i- Mentalitäten die Sache verderbe:, können, bestand ich auf meine persönliche Leitung... In Erwartung Ihrer Befehle Teheran. 12. Juni 1008. Oberst W. Ljachoff. In dem Rapport Nr. 63 vom 15. Juni 1303 teilt Oberst Ljachoff seinem Vorgesetzten mit, welchen Enthusiasmus e8 bei seinen Offizieren hergerufen habe, als er ihnen die Mit- teilung des Generalstabes verlas, der Zar habe auf das Telegramm, das ihm die Aktion der Kosakenbrigarde gegen den Medshlis mitteilte, eigenhändig die Worte geschrieben: „Bravo, Kosaken, meinen Dank den braven Offizieren!" So steht also unumstößlich fest, daß der Chef des kaukasischen Militärbezirkes, Oberst Ljachoff und der Teheraner Gesandte, Herr v. Hartwig, den Plan der Ver- nichtting der persischen Konstitution in allen Details aus- arbeiteten, und daß der Zar alle Scheußlichkeiten seiner Bravos mit Freuden begrüßte. Die englische Regierung, die von diesen Tatsachen Kenntnis erhielt, hielt es natürlich nicht für nöttg, diese in dem parlamentarische,!„Weißbuch", daS als Muster der Objektivität und Wahrheitsliebe ausgegeben wird, auch nur mit einen, Worte zu erwähnen. Denn der Zar und seine blusigen Handlanger betreiben in Persien ihre Polittk, die Politik der Zerstückelung und Versklavung Persieils zu Nutz und Frommen auch der englischen Kolonialpolittk.... Politische deberkickt. Berlin, den 23. Dezember 1303 Klerikale Wahltaktik. Wie tvir schon meldeten, wurde für die Reichstags- ersatzwahl in Mülheim-WiPPerfürth-Gum- mersbach, die am 15. Februar stattfindet, von den Christ- lichsozialen und dem Bunde der Landwirte gemeinsam der evangelische Pastor H o e m a n n als Kandidat aufgestellt. Die Zentrumspresse berichtet mit sichtlicher Freude über diese Kandidatur. Sie erwähnt, daß die Aufstellung„mit seltener Einmütigkeit" erfolgt sei, und spricht der Kandidatur schon jetzt „einige Tausend Stimmen" zu, obwohl diese beiden Partei- grüppchen bei der letzten Wahl gar keinen Kandidaten auf- gestellt und früher nur etliche Dutzend Stimmen bekommen haben. Die Sonderkandidatur wird vom Zentrum deshalb begrüßt, weil es nun als ausgeschlossen gelten kann, daß der liberale Kandidat Dr. Falk mit dem Zentrumskandidaten Oberlandesgerichtsrat Marx in die Stichwahl kommt, da die auf Hoemann fallenden Stimmen den Liberalen verloren gehen. Das Zentrum taxiert aber so: Kommt der Jungliberale Falk gegen das Zentrum in die Stichwahl, so wird er gewählt, da die sozialdemokratischen Wähler geschlossen für ihn stimmen werden; kommt aber der sozialdemokrasische Kandidat Dr. Erdmann in die Stichwahl, so siegt das Zentrum, weil die Liberalen nicht für den Sozialdemokraten stimmen. Es ist nicht ausgeschlossen, daß die Sonderkandidatur Hoemann ein Machiverk des Zentrums ist. Sind doch die Zentrumsparteiler, wie sich früher gezeigt hat, ans dem Gebiete der Wahltaktik zu allem fähig. Wir erinnern nur an die Reichstagswahl in Siegen-Biedcnkopf, wo das Zentrum in einer Reihe von Dörfern die Parole ausgab, seine Leute sollten schon im ersten Wahlgang für den Christlichsozialen Behrens stimmen, damit dieser und nicht der ZentrumSmann in die Stichwahl käme. Denn wenn das Zentrum mit dein Nattonalliberalen in die Stichwahl kam, mußte in dem protestanttschen Kreise der letztere siegen, da- gegen war der Christlichsoziale gegen den Liberalen aussichts- reich. So ist denn auch Herr Behrens bekanntlich in der Stichwahl gewählt worden._ Terrainspckulauten, Presse und Justiz. Vor der Strafkammer Stuttgart spielte sich am Montag ein interessanter Prozeß ab. Der Katastcrgeometer M o r l o ck von Zuffenhausen bei Stuttgart, früher Obmann des Bürger- ausschusses(Stadtverordiietenvorstehcr) in Zuffenhausen, neuerdingZ zum Gemeinderat gewählt, fühlte sich durch eine satirische Plauderet in einem Zuffenhausener Lokalblatt beleidigt. In dem Artikel waren Andeutungen über ausgedehnte und gewinnreiche Terrain- spckulatiouen des Herrn Bürgerausschußobmanils und Kataster- geometerS enthalten. Die Justiz nahm sich selbst- verständlich der beleidigten Staats- und Ordnungsstütze an: der Redakteur wurde vom Schöffengericht Ludwigsburg zu 23 M. Geldstrafe verurteilt. Der angebotene Wahrheitsbeweis wurde vom Gericht kurzerhand abgeschnitten. Dem Staatsanwalt genügten die 25 M. Geldstrafe nicht, der Man» von der Presse sollte tiefer hinein- getunkt werden. Letzterer aber wollte sich den Wahrheitsbeweis nicht ohne weiteres abschneiden lassen. So kam die Sache vor die Strafkammer Stuttgart. Hier wurde dem Zeitungsmanne erlaubt, vor seiner Verurteilung seine Beweise vorzutragen. Und siehe da: Bewiesen wurde, daß der wackere Bürgerausschußobmann Morlock im Bunde mit dem damaligen Schultheißen(Bürgermeister) Schlechter und dem damaligen Gemcindepfleger(Kassen- Verwalter der Eemeinbe) und heutigen Schultheißen Gute- kunst eine„Grunderwerbsgesellschaft" gegründet hat, und dann haben diese drei höchsten Würdenträger der Gemeinde mindestens 300 600 M. Gewinn„verdient". Durch Strohmänner kaufte mau vielfach den Bauern die Kartoffeläcker für einen Spottpreis ab, Herr Morlock, der Katastergeoineter. fertigte nicht nur die Stadtbaupläne, sondern„begutachtete" sie auch gleich. Die Kartoffeläcker Vtr- wandelten sich dann in kurzer Frist zu wertvollen Bauplätze». Die Mehrheit der bürgerlichen Kollegien hat nun einen fest- besoldeten Katastergeometer angestellt, und zwar mit zu dem Zweck, dem Herr Morlock die Terrainspekulation zu erschweren.— Selbst- Verständlich wurde der Zeitungsinann wieder verurteilt. Zwar Un- richtigkeiten habe sein Artikel nicht enthalten, aber die Form.' Die Form! LS Mark Geldstrafe! Dabei bleibt es. Die Kosten der Verhandlungen hat er zum größten Teil auch zu tragen. Bemerkt mag noch werden, daß sich der Herr Morlock als be» j a m m e r n S w e r t e s Opfer der Sozialdemokrati-! dem Gericht vorstellte. Nur weil er sich dem Joch dieser Partei. nicht beugt, sei die„Hetze" gegen ihn und seine GesÄäitspraxis los- gegangen. Nichtig ist, daß unsere Genossen in Zuffenhausen stets! versucht haben, der Herrschaft des Herrn Morlock ein Ende zi: machen. Leider mit negativem Erfolg. Der verurteilte??dakteii ist aber kein Sozialdemokrat, das von ihm geleitete Blatt neigte vielmehr zur konservativen Partei. Triolen-Klatsch? Wir berichteten kürzlich, das nationolliberale»Siegener Volks blatt" habe allerlei Andeutungen über«ine Tnolen-Affäre im christ- lichen Lager gemacht. Nach der„Staatsbürger Ztg." handelt es sich um Aufbauschung eines alten Klatsches. Sie schreibt: „Wir erfahren dazu, daß aiischemend der einzige Kern der dunklen Andeutung des„Siegener VolkSblatteS" eine Behauptung ist, die Herr Lehrer Hendorf in Niederdieten über Herrn Sekretär Ostehr verbrettete und um derentwillen Herr Ostehr Herrn Lehrer Hendorf verklagt hat. Auch Redakteur O. Riedel vom „Siegener Volksblatt" wird sich wegen seiner Andeutungen vor Gericht verantworten müssen." Zugleich veröffentliche» die Abgeordneten Dr. Burckhardt und Behrens in dem ailtisemitischen Blatte folgende Erklärungen: „Godesberg. WaS das„Siegener Bolksblatt" bringt, ist Klatsch gegen Parteigenofien. den ich in Friedensdorf untersuchte. Ich werde Klage erheben. Dr. Burckhardt." „Essen a. d. Ruhr. Um das„Siegeuer yolksblatt" wegen des hinterhältischen vergiftenden Angriffes zur klaren Fest- stcllung zu zwingen, werde ich den Klagcweg beschreiten. Behrens." Arm und Reich in Württemberg. Ein Einkommen von 500 M. jährlich wird in Württemberg bereits zur Eiiikommcnstcuer herangezogen. Das ist bitler für die Besteuerten, angenehm hingegen für den Statistiker, denn so lassen sich die Einkommcnsverbältnisse der verschiedenen BcvölkernngS- schichten zahlenmäßig erfassen. Jetzt liegt die S t a t i st i k d e r württembergischen E i n k o in m e n st e u e r für 1 908 vor, bearbeitet vorn kgl. Steuerkollegium, publiziert in den„Württem- bergischen Jahrbüchern für Slatistik und Landeskunde", herausgegeben vom kgl. statisttichen Landesann. Jahrgang 1909. Heft I. Württemberg zählt rund 2 300 000 Einwohner. Die Zahl ver besteuerten Einzelpersonen ist 650 223--- 29 Proz. der Gesainteinivohnersckafl. Davon halten zu versteuern ein Jahres- einkommen von 500—650 M., 131 173 Personen, ein Jahrcsein- kommen von 650— 800 SR. 91 148 Personen,«in Jahresenitontmeil von 800—950 M. 76 602 Personen. Da» sind von 650 223 Steuer« zahlern 298 923 45 Proz., deren Einkonimen 950 M. jähr- tick nicht übersteigt. Zu berücksichtigen ist allerdings, daß kinderreiche Familien um 1 bis 2 Steuerstufen herabgesetzt werden können. Andererseits hat jedoch eine nicht geringe Anzahl Personen noch kein Jahreseinkommen von 500 M. und wird deshalb in der Statistik nicht geführt. Ein Ein- kommen von 950— 1100 M. versteuerten 66 047 Personen. 864 997 Personen, also 56 Proz. aller Sieuerzabler müssen mit einem Ein- kommen von 500 bis 1100 M. jährlich sich durchschlagen. Nun die Kehrseite: Ein Einkommen von 30 000 M. und mehr bis über 2 Millionen Mark jährlich versteuerte» 1311 Personen. Ihr steuerbares Einkommen bezifferte sich insgesamt auf 97 479 28� Mark. Ein Einkommen von 200000 M. jährlich und mehr hatten 60 Personen zu verzehren, deren steuerbares Gesamt einkommen sich auf 24 031 004 M. bezifferte, pro Kopf also 400 516 M. Ganz besonders scharf prägt sich der Gegensatz zwischen Arm und Reich naturgemäß in der Residenz S tuttg art auS. Em Beispiel: 12 295 Personen versteuer» ein Einkommen von 600 bis 650 M. jährlich. Ihr Gesamt einkomme» beträgt im Höchstfall 7'/, Millionen Mark, sehr wahrscheinlicki aber weit weniger. Diese» 12295 armen Teus.eln stehen 21 Personen mit 9 723 355 Mark Gesamteinkommen gegenüber. Roä> nicht zwei Dutzend Leute, deren Einkommen das der Zwölftailseud noch um mindestens 2'/, Millionen Mark übersteigt! Weitere Maßregelungen in Kattowitz. Nach cmcr Meldung des„Obcrschlesischen Tageblattes" sind die Eisenbahnobcrsekrctäre T a u d e r a und T h o m i a k, die bei den Stadtverordnetcnwahlen als Kandidaten auf der klerikal-polnischcn Liste standen, in die Tirektionsbczirke Köln bezw. M ü n st e r versetzt worden.— Offenbar wollen die beteiligten Ministerien ganze Arbeit machen, che die Interpellation im Reichstag verhandelt wird. Geheimer Vetcrinärrat. Um der Begierde nach schönen Titeln und Uniformen entgegen« zukommen, beabsichtigt die Regierung, die stattliche Zahl der preutzi- scheu GeheiinratStitel um einen neuen zu vermehren, Königliche Tierärzte, die auf eine langjährige und verdienstvolle Tätigkeit zurück» sehen können, sollen zu deren Anerkennung den Charakter als„Ge- Heime Veter'.närräte" erhalte::. Sehr schön: aber recht viele Leute werden nicht Ivisien, was das Wort„Veterinär" bedeutet. Wäre es nicht einfacher, de» schönen Titel„Geheimer Viehrat" zu prägen? Oeltemicb. Die ungarische Krise. Wien, 23. Dezember. Kaiser Franz Josef designierte den gewesenen Finanzniinister LadiölausLukacS zum un g a- rischcn Ministerpräsidenten und ermächtigte thn, mit den politischen Parteien zum Zweck der Bildung eines neuen Kabinetts die Verbindungen zu pflegen. Lukacs reiste nachmittags von Wien nach Budapest ab. frankrdch. Der Kampf um den Proporz. Paris, 2!. Dezember.(Cig. Ber.) Ist die parlamentarische Demokratie in Frankreich wirklich der Verachtung aiiheimgesollc»? Die„Actio» Franeaise" und die„Guerre Sociale" wiederhole» diese Behauptung mit solcher Ausdauer, datz manche Leute ihr wohl Glauben schenken mochten. Wer aber gestern in einer der beiden, vom Komitee für die Propaganda des Proporzes einberufenen Volksversammlungen die Tausende gesehen hat, die mit grötzter Aufmerk» samkeit und mit rauschenden Kundgebungen des Beifalls den Er» klärungen der Redner folgten, die die Bedeutung der Wahlreform für das politische Leben der Nation darlegten, wird wohl von Zweifeln an den Ncnommistereien der verschiedenen Anti- Parlamentarier ersaht worden sein. Diese Versammlungen boten ein merkwürdiges Bild— durch die Teilnahme von Augebörigen aller Klassen und durch das Zusammenwirken von Rednern, deren manchem, wie z. B. dem polierten Akademiker Paul Deschanel dieses Milieu wenig vertraut sein mochte. Der Zusammenflutz und die Stinimung der Menge war so imponierend, datz die paar professionellen anarchistischen VersammlungSsprenger, die nach der Salle Wagram, wo u. a. Deschanel undJaursZ sprachen, gekommen waren, bald verschwanden.— Zur gleichen Stunde Hutten die BesitzstandSpolinker ihr Bankett ab. Etwa 1(50 Deputierte waren anwesend, unter ihnen die der geeinigten Partei angehörenden BaSly, Lame n bin und natürlich Breton. Der alte CombeS sprach über die Notwendigkeit der Fortdauer deS republikanischen Blocks, über die klerikale Gefahr und wie die Stücke des radikalen Leierkastens sonst heitzen. Aber nicht einmal diese Gesellschaft wagte daS Bezirkswahlrecht offen zu verteidigen und schützte SympatHun für die Listenwahl vor. Selgieu. Die Sozialisten und der KöuigSeid. Brüssel, 22. Dezember.(Eig. Ber.) Der heutige.Peuple' der» öffentlicht einen gemeinsamen Beschlutz deS Generalrat« und der Parlamentarischen Fraktion der Arbeiterpartei, demzufolge die Fraktion an der feierlichen Kammersitzung teilnehmen wird, in da" König Albert L den Eid auf die Verfassung leisten wird. Da« Parteiblatt betont, datz die Anwesenheit der Sozialisten bei der Eidesleistung nicht als eine Zustimmung gilt— die Proklamation des Generalrats bleibt der einmütige Ausdruck der Arbeiterpartei, die mehr als je der kapitalistischen Monarchie die soziale Republik entgegenstellt. Die Anwesenheit der sozialistischen Fraktion während der EideSzerenionie, sagt der„Peuple", soll ver- künden, datz diejenigen, die von den Arbeitern ins Parlament ge» schickt worden sind, dort zu Hause sind und datz sie vor niemand zurückzuweichen haben. AlbertS Antrittsrede. Brüssel, 23. Dezember. Der König leistete heute in der Kammer den Eid auf die Verfasiung und hielt dann eine Rede des üblichen Zuschnitts, worin er seine beiden Vorgänger und das.ZivilisationS» werk" am Kongo preist. Den Schlutz bildeten ein paar allgemeine Redensarten über die Pflichten des Fürsten, der u. a. auch das Schicksal der Armen erleichtem, das intellektuelle und moralische Niveau heben und Unterricht und Erziehung erweitern helfen soll. Nach Schlutz der Sitzung kam eS auf den Stratzen zu den üblichen patriotischen Kundgebungen der guten Bürger, die in der Nähe des Palastes der Königsmutter programmwidrig unterbrochen wurden durch deinonstrierende Sozialisten, die Hunderte von roten Flugblättem auswarfen, worin an da? persönliche Regt» ment Leopold II. und sein Kongoverbrechen erinnert und die dcmo- kratische Republik verlangt wird. Die Sozialisten riefen dabei: „Es lebe die Republik!" Italien. Die Unterstützungen für Messina. Rom, 23. Dezember. Das Zentral-Hilfskomitee für die Opfer der Erdbeben-Katajlrophe in Sizilien und Calabricn veröffentlicht feinen endgültigen Rechenschaftsbericht, Hiernach be- trugen die dem Komitee zugegangenen Gelder insgesamt 2K 387 438 Lire, von denen bis zum 81. Oktober diese» JahrcS 25326941 Lire vorauSgabt worden sind. Für die ersten dringenden Bedürfnisse wurden 4 197 744 Lire aufgewandt: die übrigen Summen wurden nach und nach als Unterstützung für Witwen, Waisen und Arbeitsunfähige, ferner zum Aufbau von Baracken, für Arbeitslöhne und anderes ausgegeben. Die Ausgaben für die Verwaltung und sonstigen Unkosten betrugen nur KStilö Lire, da daL Personal für seine Mühewalnuig im Interesse der Wohltätigkeit keinerlei besondere Entschädigung beanspruchen wollte. Snglancl. An« dem Wahlkampfe. London, 22, Dezember. Der Präsident der Lokalverwalttmg B u r n S hielt heute in Bnttersca eine Rede, in der er die in einem Londoner Blatte veröffentlichten Artikel deS„Sozialisten" B l a t ch sor d verurteilte und ihn einen Unruhestifter nannte, der zu seiner eigenen Schande den Krieg mit Deutschland, da? Englands friedlicher Nachbar sei, als unmittelbar bevor- stehend hinstelle. ES sei mit allem Nachdruck zu verdammen, datz Blatchford in mutwilliger Weise mit«inen, aesährlichen Feuerbrand umgebe, den d'.e Torypresse benutze, um ein ilrheil anzurichten, wie e« grötzer England oder irgend ein anderes Land niemals treffen könnte.(Beifall.) Die Regierung werde beschuldigt, datz sie die Flotte vernachlässige. England habe aber genug Kriegsschiffe, um seine Küsten unverletzi und unverletzbar gegenüber jedem teinde. wer es auch sei» möge, zu erhalte». Es sei Englands ufgabe, mit Deutschland, das einer seiner vorzüglichsten Kunden sei. die b e st e n B e z i e h u n g e n zu unterhalten. Schatzkanzler Lloyd George erklärte in einor Rebe, die er heute in Slanelly hielt, den Versuch. Unfriede» zwischen Groß- britanilien und Deutschland zu stiften, für verbrecherisch. Diejenigen, die um eines zeitweiligen Parteivorteils willen einen solchen Versuch unternähmen, seien Verräter an ihrem eigenen Land und an der Menschheit. Cüi'fcei. Reaktionäre Umtriebe. Konstantinopel, 19. Dezember.(Eig. Ber.) Die Ausschreitungen der Reaktionäre in Konstantinopel hören nicht ans. Neulich sind wieder einige Geistliche verhaftet worden, weil sie Flugblätter unter den Mohammedanern zu verbreiten versuchten, in denen diese auf- gefordert wurden, sich gegen die neue Ordimilg im osmanischen Reiche aufzulehnen. Autzerdem dringen die Sofias und in letzter Zeit auch verschiedene Frauen, alsAgenten der Reaktion. trotz starker Bewachung in Kasernen ein. um unter den Soldaten ihre Ideen zu propagieren. Die Regierung findet gegen die Ränke dieser Feinde der Freiheit keine besseren Mittel als die der Agitation zugänglichen Militärabteiluiigcn aus der Residenz ins Innere des Landes zu schicken. lieber diese Dinge habe ich neulich mit einem jnngtürkischen Offizier«ine Unterredung gehabt, der sich folgendermatzen geäutzert hat: Die Lage in Konstantinopel sei ernst. Diese Stadt sei das Hauptquartier der Reaktionäre, weil hier sich die Massen befinden, unter denen die Reaktionäre ihre Anhänger rekrutieren. Es sei ja bekannt, datz ein ziemlich großer Teil der Residenzbewohner unter dem früheren Sultan als Beamte ohne Arbeit, oder mit Gehalt und besonders als Spitzel tätig waren. Jetzt aber müssen sie, wenn sie nicht Hungers sterben wollen, wirklich arbeiten; da sie aber nicht daran gewöhnt seien, so treten sie natürlich als erbitterte Feinde des neuen Regimes hervor. Vor der Provinz haben die Jung- tllrken fast keine Angst: eS sei die Hauptstadt de» Landes, die den Ton angebe. Deshalb haben die Jungtürken, wie auch die Reaktiv- näre. ihre besten Kräfte in Konstantinopel konzentriert. ES sei möglich, datz die Jnngtürlen nochmals gezwungen sein werden, sich mit den Reaktionären zu messen; aber diesmal werden die Ver- teidiger der Konstitution schonungslos sein. Huö der Partei. Zur HofgSngrr-Dffäre in Mciningen. In einem Leitartikel des.Saalfelder Volksblatts" vom 21. Dezember äutzert sich Genosse Artur H o f m a n n, Mitglied des meinlngenschen Landtages, zur Sache. Oder vielmehr weniger zur Sache als gegen die frechen Kritiker, die sich erlauben,„autzer- halb der meiniugenschen Grenzpfähle" in meiningensche Angelegen« heiten hineinzureden. Neues an Tatsachen, die unser Urteil ändern könnten, enthält der Artikel nicht— eS fehlt sogar eine sehr wichtige Tatsache darin— dafür aber ist er reichlich ge- schmückt mit allerlei Kraftworten und- Wendungen, wie: .Prinzipienretter",„Uebergcnosscn",„politische Neurasiheniker, die ihre einzige Aufgabe darin finden, die eigene Partei bei allen sich bietende» Gelegenheiten durch die Gosse zu ziehen" u. dergl. mehr. Wir nehmen diese gehäuften Liebenswürdigkeiten nicht weiter tragisch. Viel bedauerlicher ist eS, datz an der Sache durch die Darstellung des Genoffen Hosmann nichts gebessert wird, und besonder« be- douerlich, wie Genosse Hofmann, um die Stellung der Landtags- fraltion verteidigen zu können, die Tatsachen frisiert. Er rechtfertigt mit einem grotzen Aufwand von Worten, datz der sozialdemokratische Vizepräsident sich verpflichtet hat, zum Herzog zu gehen, wenn dieser von ihm über Landesangelegenheiten politische Information wünscht. Hofniann ruft dadurch bei seinen Lesern den Eindruck hervor, als hätte sich die Kritik gegen diese Verpflichtung gewendet, was bekanntlich nicht der Fall. Zum Ausgleich unterläßt e» Hofmann gänzlich, die Verpflichtung des Vizepräsidenten zur Vor- stellung beim Herzog und dem Erbprinzen zu er« wähnen. Gerade diese Verpflichtung aber war es, an der die Kritik geübt worden. Da Genosse Hofniann zur Verteidigung dieser Verpflichtung nichts zu sagen hat, so erübrigt sich für uns weiteres Eingehen auf den Artikel._ Warnung! Ein sich als österreichischer Genosse ausgebender Journalist P. Reimann sucht von den Parteiorganisationen llnterstütznng zu er- lauge». Er gibt an, er sei vor zwei Jahren wegen Aufruhr« und Ma>estätsbclildigu»g aus Oesterreich geflohen, jetzt aber begnadigt lvorden. Er will aber nicht in seine Heimat zurückkehren, sondern in Deutschland bleiben. Zuletzt, gibt er an, sei er l'/z Jahr in London gewesen; er zeigt drei LegilimationSkarten, die sehr mangelhaft sind, vomKommunisltschen Arbeiterverein London vor. Oesterreichtsche Partei- legitimationen kann er nicht ausweisen. Als Legitimation südrt er einen UnterstiitzungsauSweis vom Sozialdemokratischen Verein München mit ö M., Fiirlh 2M., Karlsbad 2 Kr. bei sich. Auf Kreuz- fragen verwickelte er sich derart in Widersprüche, datz er abgewiesen wurde. Betreffender Reimann ist mittlerer Statur, trägt Brille und kurz gestutzten Schnurrbart. Die Organisationen werden vor Ret- >nann gewarnt. Sozialdemokratischer Verein DreSden-A. Max Richter. Kassierer. Eine neue sozialistische Zeitschrist in Dänemark. Die sozial- demokratische Partei Dänemarks will z» Anfang des neuen JahrcS eine neue wissenschaftliche Zeitschrift heranSgeben. Datz da« Verlangen der Arbeiter»ach Aufklärung und wissenichafi- lichcr Bildung groß ist, zeigt deutlich die autzergcwöhulich rege Anteilnahme an dem Unternehmen; die vorgesehene Auflage von 10 000 ist für ein Land von zirka 3 Millionen Einivohner sehr hoch. Da schon 7000 Abonnenten vorhanden sind, ist die geplante Auflage wahrscheinlich noch zu niedrig. Di« erste Nummer wird eine populär-historische Abhandlung des Genossen Dr. Gustav Bang, betitelt: Die DurchbruchSzeitcn in der Ge- schichte Europas; Durchbruch de« EhristeuturuS, die Reformatio»?- zeit und die französische Revolution usw. enthalten. polueiUckKS, Gmcimicbca ulw. Strafkonto der Arbeiterbewegung. Gegen Genossen, die in den Reihen der modernen Arveiter- bewegmig kämpfen, wurde von deutschen Gerichten an Strafen er- kannt im Monat Juli 1909. 8 Monate S Wochen Gefängnis, 1310 M. Geldstrafe, August.. 3 Wochen 14 Tage Gefängnis, 464„. September 6 Monate 5 Wochen Gefängnis, 17gZ„. Oktober.. 1 Jahr Zuchthau«, ö Monate 3 Wochen 1 Tag Gefängnis, 2090„„ November. 11 Monate 2 Wochen Gefängnis, 8035„ Sozialem (Siehe auch 1. Beilage)'. Ungesetzliche Ncbcrgriffe der Handwerkskammer. Der feit zwei Jahren in der photochemigraphifchen Abteilung der beklagten Firma Wilhelm Greve, Graphische Kunstanstalt, Slittrrstratzc 50, beschäftigt gewesene Lehrling E. klagte gestern im Beistand seines Vaters auf Fortsetzung des Lehrverhältnisses. Die Firma hatte den Lchrvertrag auf einem alten, von der Hand- Werkskammer herausgegebenen Formular geschlossen. Der An- meidung bei der HandiverkSkammer erwuchsen hierdurch Schwierig- leiten. Denn diese forderte, datz der Vertrag auf den neuen Formularen ausgefertigt werde. Der Kläger und dessen Vater weigerten sich aber, den neuausgefertigten Vertrag zu unter- schreiben, weil das neue Formular zwei Bestimmungen enthält, die das alte Formular nicht aufweist und Kläger aus denselben Nachteile befürchtet. Es wird darin verlangt, datz der Kläger bezw. dessen Vater für böswillig oder durch grobes Verschulden verursachten Schaden haften und sich der Prüfung bei der Hand- wcrkskammer unterziehen soll. Die beklagte Firma berichtete der Handwerkskammer von der Weigerung und ersuchte um weitere Auskunft, was-sie in diesem Falle tun solle. Die Handwerks- kommet verlangte aber trotzdem, das? unbedingt das vorschrifts- mäßige Formular benutzt werde oder die Entlassung des Lehrlings zu erfolge» habe. Da die Beklagte das ersiere nicht erreichen konnte, tat sie das letztere. Die Kammer 8 des Gewcrbegerichts legte dar, datz die Handwerkskammer über ihre Befugnisse hinaus- gegangen ist und gab der Klage statt. Der Betrieb der Beklagten sei ein Fabrikbetrieb mit weitgehender Arbeitsteilung,:» dem mehr als 200 Arbeiter beschäftigt werden, und untersteh« nicht der Handwerkskammer. Ueberdies entspricht der Vertrag durchaus den gesetzlichen Vorschriften und es kann die Aufhebung desselben nicht lediglich deshalb von der Handwerkskammer verlangt werden, weil lediglich ein altes Formular, benutzt worden ist. Das Verlangen der Handwerkskammer, den Vertrag auf- zuhebcn, stellt das Verlangen eines Vertragsbruches dar. Die Geschäftsführer derselben Handelskammer stimmen aber so gern in die völlig unberechtigten Klagen über Neigungen von Ar- beitern zum Vertragsbruch ein. Eine nicht mitgeteilte Entlassung ist keine Entlassung. Ter Kutscher K. war bei der Firma F. C. Kullak, Kommandit- gesellschaft, beschäftigt. Er erkrankte am 17, November auf einige Tage. Da cr nach seiner Gesundung nicht mehr beschäftigt worden ist, klagte er auf Zahlung einer Entschädigung von 54 Mk.— den Lohn für 14 Tage—. weil ihm die Papiere nicht rechtzeitig bc° händigt worden sind. Von der Beklagten wurde eingewendet, Kläger sei mit Kündigungsausschlutz beschäftigt worden, mit seiner Erkrankung sei das Arbeitsverhältnis als gelöst zu betrachten. Seiner Frau, die den restlichen Lohn abforderte, seien auch die Papiere angeboten, die Annahme von ihr aber verweigert worden. Die Ehefrau des Klägers bestritt dies als Zeugin. Ihr fei viel- mehr gesagt worden, ihr Mann möge zusehen, datz er bald wieder- komme. Auf Befragen gibt der Vertreter der Beklagten zu, datz dem Kläger darüber, datz das Arbeitsverhältnis gelöst fei, nichts mitgeteilt worden ist. Eine briefliche Mitteilung wäre Arbeitern gegenüber nicht üblich. DaS Gewerbcgericht unter Vorsitz deS Magistratöassessors Schultz verurteilte darauf dem Gesetz entsprechend die Beklagte zur Zahlung. Es hätte dem Kläger mitge- teilt werden müssen, datz er entlassen sei. Keineswegs hört ohne weiteres infolge einer Erkrankung das Arbeitsverhältnis auf. NotstandSarbeite» und SteuerfiSkuS. Die Bielefelder„Volkswacht" berichtet von zwei unerhörten Fällen der Ausbeutung Arbeitsloser durch die Stadt Herford. In Herford meldete sich als Notstandsarbeiter der Arbeiter A. und arbeitete volle 6 Tage. Anstatt nun am Sonnabend auch für die 6 Tage seiner Tätigkeit den Lohn zu bekommen, erhielt er die Mitteilung, datz der Freitag und Sonnabend stehen bleiben, und er nur für 4 Tage Lohn erhalte. Doch die Hoffnung, datz es ja nächste Woche besser geht, verleiht ihm neue Kraft, und so werden wieder 6 Tage gearbeitet. Da der Tag nur mit acht Stunden berechnet wird, ist die Auszahlung von 12 M. zu erwarten. Doch der Mensch denkt und der SteuerfiSkuS lenkt. Dem Arbeiter werden für rückständige Dtenctbeträge 7,75 M. in Abzug gebracht und 2.80 M. ausgezahlt. Roch toller erging es dem Arbeiter B., einem Vater von 3 Kindern. Dieser hatte einen Lohn von 11,50 M. zu erwarten. Ihm wurden für rückständige Dienern 10,40 M. zurückbehalten und 36 Pfennige ausbezahlt. Auf seine eindringlichen Bitten hin verfügte der Stadtkämmerer die Auszahlung von 6,60 M. Die Pfändung de? Lohnes ist noch himmelschreiender als die Niedrigkeit des Lohnes für Arbeitslose. Läßt der Kämmerer vielleicht auch Armenunterstützungen wegen Lohnrückstandes mit Beschlag belegen? Den Lohn Arbeitsloser mit Beschlag legen lassen, ist eine neue Art Robot- und Zwangsarbeit zur Auffüllung einer notleidenden Stadtkasse. Von wo der Stadtkämmerer her- stammt, ob etwa aus Ostelbien. ist uns nicht bekannt. Wer in dieser Weise, noch dazu 8 Tage vor Weihnachten, Sanktum Bureaukratiunl arbeitet und kältesten Herzens für ihn wirkt, kann schon von dort stammen. Tie Arbeitslosen»-» der Stadt Braunschweig hat noch immer einen erhedUchen Itmfang. Das Gewerkschaftskartell stellte am 27. November bei 17 Gewerkschaften über 500 Arbeitslose fest. Infolgedessen hat daS Gewerkschaftskartell in Gemeinschaft mit den Gewerkschafts- vorständen beim Magistrat Anträge auf Inangriffnahme von NotstandSarbeite» und Arbeitslosenunterstützung gestellt. IX. Internationaler Kongreß für kaufmännisches VildnngSwesen. Der Zeitpunkt dieses mit Unterstützung des österreichischen Unterrichts- und deS Handelsministeriums in Wien stattfindenden Kongresses ist auf den 11. bis 15. September 1910 festgesetzt. Das Komitee mit dem Sitz im Unterrichtsministerium(Wien, I, Mino- ritenplatz 6) beschäftigt sich bereits mit der Versendung der Ein- ladungen. Die ausländischen Negierungen sind offiziell zur Eni- sendung von Delegierten eingeladen worden. Staatliche ArbeitSlosenunierstühnng nach dem Gcnt-Berncr System in der Schweiz. Der Kanton Basel folgt nun mit der staatlichen Arbeitslosen- Unterstützung dem Kanton Genf auf dem Futze nach, nachdem scbon seit einiger Zeit im Schatze des Großen Rates zwei bezügliche Ge- fctzentwurfe der Regierung gelegen, die er nun in seiner l-tzicn Sitzung durch einstimmige Annahme definitiv erledigt hat. Der eine Gesetzentwurf betraf dir Errichtung einer staatlichen Arbeits- loscnkasse für die gewerkschaftlich unorganisierten Arbeiter, der andere die staatliche Unterstützung der stelverkschaftlichen Arbeits» losenversicherung. Aus Zweckmätzigkeitsgründen wurde nun be» schloffen, beide �Vorlagen in einem Gesetze zu vereinigen, das nun versuchsweise für die Dauer von drei Jahren gelten soll, um dann je nach den gemachten Erfahrungen die Einrichtung zu einer dauern- den zu machen oder wieder aufzuheben. Der JahrcSkredit wurde von 60 000 Frank auf 65 000 Frank erhöht. Eine Verschlechterung wurde beschlossen in Sachen der Unterstützung ausgesperrter Ar- bcitcr, die nun nach dem Gesetz nur erfolgen soll, wenn der AuS. sperrung nicht Streik oder Sperre vorangegangen ist. Ivas bekannt- lich in den meisten oder allen Fällen vorzukommen Pflegt, so oatz die Unterstützung auSaesperrter Arbeiter mit staatlicher Beihilfe sehr selten oder nicht vorkommen dürste. Abgelehnt wurden Anträge betreffend Ausschluß der gewerkschaftlichen Arbeitsnachweise und obligatorische Eintragung der Gewerkschaften ins Handels- registcr. Wie sich die Verbindung der beiden Systeme— deck Genier und des Berner— in einem Gesetze in der Praxis machen und wie sie namentlich auf die Weiterentwickelung der Gewerkschaften wirken wird, darauf darf man bei diesem Experiment in der Tat gespannt sein. DaS ganze Projekt ist die Arbeit unseres Genossen Regierungsvat Wullschleger, also wir alle Gesetze zugunsten der Arbeiterklasse positive sozialdemokratische Arbeit. GewerkfcbaftUche� Zur j�aturgerdncbte des Untemebtiier-Ccrrorö. Das Gewerkschaftskartell in Mannheim hat der badischen Ziveiten ttamnier der Landstände eine Petition übermittelt, in der gegen die Geschästspraxis des Industriellen- Arbeitsnachweises zu Mannheim Einspruch eingelegt und ge- fordert wird: � 1. Einrichiuiig paritätisch verwalteter Arbeitsnachweise m allen Gemeinden? 1. Verbot des Industrie-Arbeitsnachweises in Mannheim; 3. Verbot von Neugründtingen eiusci�jger Jnteresseuten-Arbeits- nachweise., Auf Veranlassung der Negiernng werden seitens dcS Bezirksamtes Erhebilngen über die in der Oeffentlichkeit gegen den„Arbeitsnachweis der Industriellen" erhobenen Vorwürfe wegen Aussperrung mißliebiger Arbeiter veranstaltet. Es ist bereits der Arbeitersckrctär, Genosse Böttcher, sehr ein- gehend vernommen worden. ES unterliegt keinem Zweifel, daß alle erhobenen Anschilldigungcn erwiesen werden. Die badische Regierung wird dann in die Lage versetzt sein, dem Bundesrat eine Fülle von Material für ein gesetzgeberisches Einschreiten gegen die in der Dunkelkammer der Unternehmer geübten Praktiken vorzulegen. Herr Delbrück, der bei der Verhandlung im Reichstag behauptete, von den geschilderten Mißständen nichts zu wissen, wird dann Gelegenheit haben, sein Wissen zu bereichern. Auch der Staatsanwalt führt seit 14 Tagen eine Unter- suchnng, seine Ermittelungen sollen aber nicht genügendes Material zu einem strafrechtlichen Einschreiten ergeben haben. Nach Veröffentlichung der Broschüre über den Arbeits- Nachweis der Industriellen wurde der„Mannheimer Volks- stimme" verschiedenes Material zugeschickt. Darunter befand sich die Mitgliederliste, Ausführungsbestimmungen zum Orga- nisationsstatut hinsichtlich des Verhaltens der Unternehmer bei Streiks und Arbeitersperren nach Abschluß des Streiks, ferner einige Geheimzirkulare, in denen mit leeren Redensarten die aus den Geheimakten gemachten Angaben als falsch bezeichnet werden. Die„Volksstimme" richtete scharfe Angriffe gegen die Unternehmer, dabei auf die vorjährigen Ehrenerklärungen verweisend, die anläßlich des Streiks auf deni Strebelwerk gemacht wurden, denen zufolge solche Dinge, wie sie jetzt nach- gewiesen sind, nicht vorgekommen seien. Den städtischen Kollegien Mannheims liegt zurzeit ein sozialdenlokratischer Antrag auf Einführung einer Arbeitslosen- Versicherung vor. Dieser Antrag kam in einer am 14. De- zember stattgefundenen Bürgerausschußsitzung zur Beratung. bei welcher Gelegenheit die Skandalgeschichte des industriellen Arbeitsnachweises zu einer Auseinandersetzung mit den Groß- industriellen führte. Der Vorsitzende des Arbeitsnachweises, der Großindustrielle Engelhorn gab zu, daß die über den Arbeitsnachweis veröffentlichten Buchauszüge„einem früheren im Bureau des Arbeitsnachweises geführten Buch entnommen seien,»velches länger als Jahresfrist nicht mehr im Gebrauch sei". Engelhorn führte weiterhin aus: „In diesem Buche wurden die Namen derjenigen Arbeiter ein- getragen, die irgend eine Firma nicht mehr zugewiesen haben wollle;... nebenbei wurde auch der Grund dafür angegeben. Einzelnen dieser Eintragungen wurde noch die Bezeichnung Z. K. hinzugefügt. Dieses Zeichen sowohl wie alle anderen in dem Buche angesührten Bemerkungen hatten, wie festgestellt worden ist, für die belreffenden Arbeiter keine weiteren Konsequenzen." Demgegenüber steht aber fest, daß viele Vertrauensleute der Gewerkschaften tatsächlich Monate hindurch nirgends in Arbeit genommen wurden und daß diese jetzt zugegebenen Tatsachen vor Jahresfrist noch bestritten wurden. Engelhorn gab schließlich auch zu, daß eine Liste für die Arbeiter, die einer bestimmten Firma nicht mehr zugewiesen werden dürften, heute noch existiere, doch sei diese Liste jetzt anders angelegt, weshalb Beschwerden hiergegen nicht mehr kommen könnten. Die„Volksstimme" war daraufhin in der Lage, mit- zuteilen, daß nach Bekanntwerden der Schandtaten die neue Liste in Gewahrsam gebracht worden sei, um sie der gericht- lichen Nachprüfung zu entziehen. Selbst die einlaufende Kor- respondenz gehe jetztnichtmehrzuHänden derBeamten im Arbeits- Nachweis; der Syndikus Dr. M o e b i u s sortiere diese erst. Die„Volksstimme" hat verlangt, daß gegen sie durch ein Strafverfahren vorgegangen werden soll. Berlin und llmgegend. Den Tarifentwurf der Bauunternehmer bespracki Gonosse Silberschmidt am Mittwoch in einer Ver- sammlung des Verbundes der baugewerblichen Hilssarbeiter. Nach einer Skizzierrmg der EntWickelung im WirlschaslsUben und in der Arbeiterorganisation führte der Redner aus: In den Kämpfen der jüngsten Vergangenheit haben sich die Organiianonen der baubernf- lichen Arbeiler die Anerkennung ihrer Gleichberechtigung errungen und sind zum Abschluß von Tariiverträgen gekommen, in denen die beiderseitigen Rechte festgelegt werden. Der Entwurf, den die Unter- nehmer jetzt vorgelegt haben, sei kein steier Arbeitsvertrag, sondern ein Versuch, die Arveiter zu knebeln. Der Entwurf sei nicht vom sozialen Empfinden, sondern von dem Gedanken erfüllt, daß der Unternehmer der Herr sei, der nicht nur über die Arbeitskraft, sondern auch über die Person des Arbeiters zu verfügen habe. Der schnöde Eigemmtz der Unternehmer trete aus allen Paragraphen des Entwurfs hervor. Die Unternehmer maßen sich die Befugnis an, über die Organisation der Arbeiler mitzubestimmen und in sie ein- zugreifen. DaS Verbot der Agitation in den Arbeitspausen sei ein Eingriff nicht nur in die Meinungsfreiheit der Arbeiter, sondern auch eine Verletzung ihrer staatsbürgerlichen Rechte. Nach der Absicht der Unternehmer sollen die Arbeiter selbst bei den tariflichen Festsetzungen ausgeschaltet und der Tarisabschluß in Zukunft Sawe der Zcntralinftanzen sein. Gegen die Interessen der Arbeiter verstoße auch das Verlangen, daß die Arbeitszeit nicht unter 10 Stunden verkürzt werden darf. wo sie zurzeit noch länger ist. Da im Laufe der letzten 20 Jahre die Arbeitsleistung um etwa baS doppelte gestiegen sei, so sei eine Verkürzung der Arbeitszeit nottvendig und berechtigt. Die schlimmste Zumutung, die den Arbeitern gestellt werde, sei die, daß sie den einseitigen Arbeitsnachweis der Unternehmer anerkennen und aus- schließlich benutzen sollen. Diesen Arbeitsnachweis, der nichts anderes sei als ein Bureau zur Maßregelung der Arbeiter, die sich durch die Vertretung ihrer Interessen bei den Unternehmern mißliebig gemacht haben.— Die Aufgabe der Arbeiterorganisation sei eS, den Angriff der Unternehmer auf ihre Grundrechte ganz entschieden zurückzuweisen. ES handele sich darum, ob die im bisherigen Vertrage niedergelegten Grundrechte bestehen bleiben sollen oder nicht und ob der Tarif in Zukunft noch ein AuL- druck sozialer Notwendigkeiten oder ein Instrument zur Knebelung der Arbeiler sein solle. Angesichts dieser Frage sei es möglich, daß im kommenden Frühjahr ein Kamps entbrennen werde, wie ihn das Baugewerbe noch nie gesehen habe. Für diesen Kamps, der von allen Arbeitern die größten Opfer in persönlicher und sachlicher Hinsicht fordern werde, müßten sich die Organisationen der Arbeiter rüsten.— Der Vortrag, der keine Diskussion hervorrief, fand leb- haften Beifall. Die Versammlung vollzog die Wahl eines Ausschußmitgliedes, die auf Krause fiel. verantw. Redakt.: Richard Barth, Berlin. Inseratenteil verantw.: veutkcsics Reick. Ein Jubiläum des MalerverbandeS. Zu den GewerkschaftSorganifationen, die noch unkei dem Sozialistengesetz errichtet wurden, zählt auch der Verband der Maler, der diese Tage auf sein LSjähriges Jubiläum zurückblicken kann. Die ersten Keime, die zur Gründung einer Organisation für das Malergewerbe auf zentraler Grundlage ge- führt haben, reichen bis zum Jahre 1868 zurück. Ueber die Wirk- samkeit jedoch dieses ersten Ovganisationsversuchs, aus dem sich nach dem Berliner Arbeiterkongreß(26. September 1868) die„All- gemein« deutsche Arbeiterschaft der Maler, Lackierer und Aergolder", mit dem Sitz in Hamburg errichtete, ist näheres nicht bekannt geworden. Erst in den 70er Jahren schlug der Organisations- gedankc neue Wurzeln, und in einer Anzahl von Städten traten Fachvereine ins Leben. Hauptsächlich von Berlin aus wurde die Propaganda zur Gründung eines Zentralverbandes für alle deut- scheu Malergehilfen entfaltet. Am 21. und 22. Mai 1877 tagte in Leipzig ein Kongreß, der von Delsg-ierten aus 12 Städten besucht war. und auf dem die Gründung des Verbandes mit dem Sitz in Leipzig beschlossen wurde. Die junge Organisation machte gute Fortschritte. Vom 1. April 1878 ab erschien das erste Verbandsorgan:„Die Mappe". Doch nicht allzulange sollte diese gedeihliche Fortentwickelung dauern: die polizeilichen Drangsalierungen begannen. Bereits am 2S. Juni 1878 wurde der Dresdener Zweigverein von der Polizei aufgelöst, weil sich der Verband„mit öffentlichen Angelegenheiten" befasse. Am 12. November 1878 wurde der Verband auf Grund des tz 6 des Sozialistengesetzes aufgelöst. Nach der Auflösung fanden sich Berufsgenossen in verschiedenen Städten wieder in lokalen Fach- vereinen zusammen. Im Jahre 1883 richtete der Fachverein der Hamburger Maler- und Lackierergehilfcn an die übrigen deutschen Berufsgenssen einen Aufruf zwecks Gründung eines neuen Verbandes. Der Aufruf hatte Erfolg; am 26. Dezember 1834 fanden sich in Dresden 15 Delegierte ein, die beschlossen, einen neuen Zentralverband ins Leben zu rufen mit dem Sitz in Hamburg. Der Verband nahm am 1. April 1885 seine Tätigkeit auf. Da das Statut in bezug auf die Errichtung der Reiseunterstützungskasse nicht dem preußischen Ver- sicherungsgesetz vom 15. Juni 1352 entsprochen haben soll, verfielen die Gauvereine Frankfurt a. M. und Elberfeld der Auflösung, weil für die fixierten Beiträge keine bestimmte Gegenleistung garantiert sei; Verbände mit solchen Versicherungszwecken wurden der behörd- lichen Beaufsichtigung unterstellt. Darauf beschloß eine General- Versammlung, daß die Unterstützungen freiwillige seien. Vom Januar 1386 ab bis Ende Dezember erschien als Fachorgan das „Maler-Vereins-Blatt"; ihm folgte im größeren Format 1887 der „Correspondcnt", der bis 15. September 1888 in Hamburg erschien. Nachdem auf Grund des§ II des Sozialistengesetzes die Nr. 14 und 18 verboten waren, erfolgte am lg. September 1888 das gänz- liche Verbot des Organs. An seine Stelle trat der„Vereins- anzeiger". Während in den Jahren 1892 bis 18g5änfolge der ungünstigen wirtschaftlichen Lage im Malergewerbe im Verhältnis nur wenige Lohnkämpfe ausbrachen, steigt von da ab die Zahl der Lohnbewe- gungen und Lohnkämpfe kräftig empor, und der Fortschritt der Organisation nimmt ein erfreuliches Tempo an. Im Jahre 1883 schon 714 Mitglieder, stieg diese Zahl bis zum Jahre 1368 auf 39 485. Von 1885—1969 mußten zur Erringung besserer Lohn- und Arbeitsbedingungen, ohne die partiellen Streiks, 694 Lohnkämpfe geführt werden. Weit über IIb Millionen Mark Gesamtkosten wurden für diese Kämpfe von der Organisation geleistet. Erfreu- lich ist dafür auch das Resultat, daß dadurch Lohnerhöhungen und Arbeitszeitverkürzungen erzielt wurden. Dazu kommen aber noch viele andere Verbesserungen, nicht der Leistungen des Verbandes selbst zu vergessen: Kranken-, Sterbe-, Reise- und Gemaßregelten- Unterstützung usw. So sind 25 Jahre mühevoller Arbeit ins Land gezogen, seitdem der deutsche Malerverband aus den bescheidensten Anfängen heraus sich entwickelt hat. Schivere Opfer mußten während dieser Eni- Wickelungsepoche gebracht und hartnäckige Kämpfe mit den Unter- nehmern um jegliche geringste Verbesserung geführt werden. Aber es ging vorwärts trotz aller Anfeindungen und trotz der Gegen- maßnahmen eines rückständigen Arbeitgebertums. Die Opfer wurden nicht umsonst gebracht. Mögen diese Lebren allen Ver- bandsmityliedern ein erneuter Ansporn sein, mit allen Kräften für die weitere Stärkung der Organisation«inzutreten und dem Verbände auch fernerhin die Treue zu bewahren. Mit dieser frohen Zuversicht begrüßen auch wir den Jubiläumstag des Maler- Verbandes. Vom Elend deö modernen Sklaventums. Daß trotz aller Warnungen und wirtschaftlicher Krise der Import ausländischer Arbeitskräfte nach dem rheinisch-westsälischen Industrie- gebiet ungestört weiter blüht, zeigen die fortwährenden Bahnzufuhren dieser wohlfeilen Menschenware. Welchem Elend die Leute sich oft- mals ausliesern, davon haben sie natürlich keine Ahnung. Haben sie glücklich den beschwerlichen Transport aus irgend einem entfernten Erdenwinkel unter Not und Entbehrung überstanden, und sie meinen dann, nun könne die Arbeit losgehen, und der versprochene Goldregen ihnen zufallen, dann sehen sie fich ofi schwer getäuscht, denn die Annahmebedingnngen werden bekanntlich erst an Ort und Stelle von den Handlangern der Grubenmagnaten diktiert. Ein Entrinnen gibt es ja dann nicht mehr. Aber auch selbst die bedingungslose Auslieferung an das Grubenkapital sichert den armen Teufeln, die meist mit Sack und Pack er« scheinen, noch lang« nicht die Gewißheit, daß sie auch wirklich Arbeit erhalten. So erging eS am 16. dieses Monats einem Trupp, der mit Kind und Kegel aus Ungarn gekommen und von einem gewissen Hellersberg für die Thyssen schen deutschen Kaiserschöchte angeworben war. Die Leute müssen vor der Einstellung erst eine sogenannte.Wurmkur" durchmachen, und hierbei stellte sich dann heraus, daß von 26 An- geboten gerade ei» einziger für gesund befunden wurde, während 19 wurmtrank waren I Selbstredend gerieten nun die Leute in die größte Not, da sie nicht eingestellt werden konnten, aber auch kein Geld hatten, ihren Lebensunterhalt zu bestteiten. Durch Vermittelung der Polizei erhielten sie zwar noch Mittagessen in der Thyssenschen Menage, aber dann standen sie des Nach- mittags stierend, jammernd und fluchend vor dem Wohnungs- bureau umher, das wenige Gepäck und die Familien- ungehörigen dabei. Einer dieser Aermsten hatte nicht weniger als sieben Kinder bei sich. Frauen und Kinder natürlich in Lumpen eingewickelt. Schließlich gegen 6 Uhr abends kam dann der TranSporttvag�l, die beklagenswerten Menschenkinder wurden ver- laden und zurück ging eS wieder nach Ungarn. Wie die Leute mit- teilten, soll noch ein anderer Trupp von 56 Familien an der Grenze zur Abfahrt bereit liegen und ein weiterer Trupp soll über Wien kommen. Wie wird eS diesen ergchen? Werden sie ebenso enttäuscht zurückbefördert werden müssen? Der Arbeits- Nachweis der Zcchengewaltigen tritt ab 1. Jannar in Kraft, die Kohlenlager sind überfüllt. Das Elend unter der Bergarbeiter- bevölkerung wird mit jedem Tage größer. Und dennoch ziehen die Grubenmagnaten waggonweise Arbeitskräfte aus den rückständigsten Gegenden Europas ins Ruhrgebict hinein I Wie lange soll das noch gut gehen! Ist eS nicht vollkommen gerechtfertigt, wenn die Berg- arbeiter der Ansicht sind, die Grubenkönige provozieren den Streik? Die Zeit muß kommen, wo den Massen der Geduldsfaden reißt. Mögen dann aber auch jene Leute sich nicht um die Verantwortung für all das Kommende herumdrücken, die die Bergarbeiter ins Elend hinein jagen._ UH.GI-ckr, Berlin Druck».Verlag: Vorwärts Buchdr. u. vkrlagSrmftall «uslud." Die Knpstäne und Offiziere der Seeschiffahrtsgesellschaft .Dalmatia" bescblossen, wie ans Trieft gemeldet wird, falls bis zum 29. d. M. ihre der Direktion bereits seit längerer Zeit unter« breiteten Forderungen nicht bewilligt werden, den Dienst einzu« stellen._ Ein Streik norwegischer Hafenarbeiter. Am Dienstag haben die Hafenarbeiter von Stavanger die Arbeit eingestellt, nachdem die Verhandlungen über den Abschluß eines neuen Tarifvertrags scheiterten. Die Dampfschiffsexpediteure suchen Kontoristen und dergleichen Leute als Streikbrecher zu ver- wenden, haben aber damit wenig Erfolg. Es gelingt ihnen nicht einmal, die Güter an Bord zu schaffen, die noch zum Weihnachtssest gebraucht werden._ Im Stich gelassen. Man schreibt uns aus New Jork: Es hatte den Anschein, als ob wir vor dem größten Eisen- bohncr-Streik ständen, der je in Amerika vorgekommen, den Chi« cagoer von 1894 eingeschlossen. Die zur Federation of Labor ge- hörenden Weichensteller an den großen Nordwestern-Bahnen und deren Ztveiglinien, von Minneapolis-St. Paul bis zur Pacificküstc, sind neulich für Lohnerhöhung an den Strike gegangen und es ging das Gerücht, daß zu ihrer Unterstützung alle anderen zur Fedc- ration gehörenden Ciscnbahncrorganisationen an„Sympathie"» Streiks gehen würden. Es sind dies die. Verbände der Frachiver- ladcr, Wagenbauer, Bahn-Telegraphisten, Eisenbahn-Bauschreiner, Maschinenschlosser. Kesselschmiede und Former. Daß dagegen die Eisen>bahner°„Bruderschaften"(Maschinisten. Kondukteure, Bremser, Trainmen und Weick�nstellcr) altem Gebrauch gemäß eine solche Haltung nicht einnehmen, sondern„neutral" bleiben würden unter Vorwand der mit den Eisenbahn-Gesellschaften separat abgeschlossc- neu„Kontrakte", war von vornherein als sicher anzunehmen. ES verlautet zwar, daß die Bruderschaft der Trainmen— Zugangestellten— dies beabsichtige, aber deren„Großmeister" stellte dies entschieden in Abrede; tat auch noch ein Usbriges, indem er an Taft telegraphierte, daß nichts an dem Gerücht von einem Generalstreik der Eisenbahner-Brudcrschaften sei.(Dieser„Arbeiterführer" spe- kuliert augenscheinlich auf ein Pöstchen an der Bundcskrippe!) Die Verbandsweichensteller können noch froh sein, wenn jene nicht an ihnen„scaben".— Seitdem verlautet aber auch nichts mehr von dem seitens der Federation of Labor projektierten Generalstreik, und wenn auch bisher der Eisenbahnverkehr, besonders derjenige von Frachtzügen, in umfassender Weise brachgelegt ist(in den oben ge- nannten Städten, den Zentren der Niehlproduktion, mutzten wegen Mangel an Zufuhr von Getreide alle Mühlen bis auf zwei den Betrieb einstellen), so scheint doch der Zustrom von„Streikbrechern" so stark zu sein, daß ein Sieg der Streiker nicht zu erhoffen ist. Versammlungen. In der letzten Versammlung des ZcntralverbanbeS der Dach- decker hielt Genosse Hanauer einen Vortrag über„Ziele der Menschheit", welcher beifällig aufgenommen wurde und Anregung zu einer lebhaften Diskussion gab. Dann behandelte die Versamm. lung mehrere Ausschlußanträge. Gärnitz gab darauf bekannt, daß in einer Sitzung mit den Arbeitgebern nun endgültig das Kuratorium zum paritätischen Arbeitsnachweis gebildet wurde und zwar aus 4 Arbeitgebern(2 von der Innung, 1 vom Arbeitgeber- verband und 1 von der freien Vereinigung) und 4 Arbeitnehmern (2 vom Verband, 1 vom Gesellcnausschuß und 1 von der christlichen Organisation), dazu deren Stellvertreter. Die Arbeitsvermittlung ist kostenlos und beginnt am 1. Januar 1916. Die Geschäftsord- nung des Arbeitsnachweises soll auf Antrag O. Voigt jedem Ver- bandsmitglied gedruckt zugestellt werden. Der Verband der Kupferschmiede hielt am Mittwoch im Ge- werkschaftshaus seine Versammlung ab. W. Kühne. P. Ger- w i g und O. Jahrmarkt wurden als Delegierte zum Ver- bandstag in Mannheim borgeschlayen. Nach erfolgter Neuwahl setzt sich der Vorstand der Filiale wie folgt zusammen: P. Ger» wig, 1. Vorsitzender; E. Schon, 2. Vorsitzender; W. Kühne, Geschäftsführer(Bureau: Gartenstr. 161); H. Hoff meist er. dessen Stellvertreter: S t e i n i ck e, 1. Schriftführer: E. W ü st n e r. 2. Schriftführer und H. Kram er, W. Brunhöver. B. Grassel, A. Müller Revisoren. Ferner wurde beschlossen, eine Statistik aufzunehmen. Die Fragebogen sind bis zum 5. Ja- nuar 1916 dem Bureau einzusenden. Ueber den Stand der Tarif- bewegung in der Brauindustrie berichtet der Geschäftsführer. erner wird das Verhalten eines Meisters bei der Firma autenschläger einer herben Kritik unterzogen. Genannte Firma verlangt Kupferschmiede nach dem Werk Reinickendorf 12/15. Kollegen haben Fahrgeld geopfert, ohne daß auch nur ein einziger Kollege von ihm eingestellt wurde. Es ist ein ganz sonderbarer Sport, wenn der Nachweis in der Dresdener Straße die Aermsten der Armen in jedem Falle mindestens um die Ausgabe des Fahr- geldes bringt, wenn keine Aussicht auf Einstellung bei der Firma Laatenschläger vorhanden ist. Falls dieses Gebaren an der Firma oder dem dortigen Meister liegt, haben eS sich die Herren selbst zu- zuschreiben, wenn bei guter Konjunktur niemand dort arbeiten will. Letzte IVacbricbteii und Depefcben. Das mitteldeutsche Braunkohlensyndikat perfekt. Leipzig, 23. Dezember.(W. T. B.) Heute wurde hier durch eine Vereinigung der Verkaufsvereine in Halle und Leipzig das mitteldeutsche Braunkohlensyndikat mit dem Sitz in Leipzig gegründet._ Die Kadetten-Interpellation abgelehnt. Petersburg, 23. Dezember.(W. T. B.) Die Kommission der Reichsduma lehnte mit 18 gegen 6 Stimmen die Interpellation der Kadetten ans Anlaß der Ermordung des Obersten Karpew ab. Die Jnterpellatton wurde als vollkommen unbegründet bc» funden.__ Im UntersuchnngSgefängnis gestorben. Worms, 23. Dezember.(B. H.) Im Untersuchungsgefängnis zu Mainz starb die wegen des Mordes an dem Lehrer Krüger ver- haftete Witwe Scheidt am Herzschlag. Blutschande. Hanau, 23. Dezember.(B. H.) Die Straftammer verurteilte den in den fünfziger Jahren stehenden Spediteur Johann Furchland aus Fechenheim, Vater von 17 Kindern, zu drei Jahren Zuchthaus und dessen 2gjährige Tochter zu einem Jahr Gefängnis wegen Vergehen? gegen 8 173 St.-G.-B. Dem Verhält- nis sind 2 Kinder entsprossen. Paul Singer � Co., Berlin L1V. Hierzu2Beilagea v.UntcrhaltullgSbl w%Mmt. i. Keilllge des„Jotiofirts" Kttlilltt Nllldsdllllt. ver Streikhrawall in Badlkl)'(Leinfelden vor Gcricljt. Waldshut. 22. Dezember.(Eig. 23er.) Gestern wurde noch um%8 Uhr der Arbeitersekretär Engel als Zeuge aufgerufen. Der Staatsanwalt beantragt die u n v e r- cid igte Vernehmung des Zeugen, da er der Mittäterschaft ver- dächtig sei, gegen welchen Antrag sich der Verteidiger wendet. Das Gericht beschließt die Ablehnung des Antrags der Staatsanwalt- schatf, da die Voraussetzung dafür nicht borliege. Es erfolgt nun die Vernehmung Engel?, der angibt, daß er seit 19l>7 Arbeitersekretär des christlichen Metall- arbeitervcrbaiidcs ist; früher wäre er Maschinenschlosser gewesen. In längerer Ausführung schildert nun der Zeuge die Vorgänge der Lohnbewegung. Er betont, daß in früheren Jahren bereits die Sozialdemokraten Versuche gemacht, in Rheinfelden Organisationen zu gründen, die aber fehlschlugen. Dann hätte die christliche Metallarbeiterorganisation eingegriffen und viele Mitglieder gewonnen. Die Arbeiter hätten dann die bekannten Forde- rungen gestellt und ihn mit den Unterhandlungen betraut. Die Fabritleitung habe den Brief mit den Forderungen unerösfnet lctourniert. Dann habe man die badische Jabrikinspcktio» um Uebernahme der Vermittlung ersucht, aber diese hätte die Ver- mittlung abgelehnt, weil noch keine Differenzen bestehen! Der Zeuge sucht nun in gewandter Ausführung die Berechtigung der Arbeiterforderungen nachzuweisen. Lobend hebt der Zeuge hervor, wie sehr sich Direktor Liebendörffer der Sympathie der Ar- heiter erfreute, aber die Generaldircktion hätte eine streng ab- lehnende Haltung eingenommen und hätte eine brutale Gesinnung an den Tag gelegt. Er hätte sich alle Mühe gegeben, einen fried- lichen Ausgleich herbeizuführe», aber diese Versuche seien an der GMcraldirektiou gescheitert. Vom plötzlichen Ausbruche des Streiks sei er überrascht gewesen und erschrocken; aber die Streikenden seien sehr zuversichtlich gewesen. Die an verschiedenen Orten ge- machten Versuche um Vermittlung zur Beilegung des Streiks waren negativer Natur. Der Zeuge glaubt nicht, daß die Fabrikleitung nicht in der Lage war, die Forderungen zu bewilligen. Nun schi£= dert der Zeuge die Vorgänge an dem kritischen 13. August und seine Beteiligung an denselben; er verwahrt sich gegen den Vorwurf, daß er ausgekniffen und seiner Pflicht nicht nachgekommen sei. Aeuge schildert den Vorgang bis zur Beendigung des Krawalls, um dann plötzlich abzubrechen, er habe alles zur Beruhigung der auf- geregten Masse getan. Der Staatsanwalt stellt an den Zeugen die Frage, ob er über seine Tätigkeit während der Unterhandlungen über den Friedens- schluß Bescheid geben könne, welche Frage der Zeuge beanstandet und das Gericht gibt dem Zeugen recht. Dieser fährt in seinen Depositionen weiter und schildert dann, was die Organisation für die Arbeiter getan, wie die Streikunterstützung geregelt war. Scharf betont er, daß er strenge vor Ausschreitungen gewarnt und jedem, der sich seinen Anordnungen nicht füge, mit dem Ausschlüsse bedroht. Daß Gaddi aufreizend gesprochen, kann der Zeuge nicht behaupten, dagegen bestreitet er, die Aeußerung getan zu haben, wenn die Streikenden etwas unternehmen wollten, so sollen sie das in seiner Abwesenheit machen; er hätte im Gegenteil auf strenge Ordnung gehalten. Auf Befragen eines Richters erklärt der Zeuge, daß seine Behauptung richtig sei, daß die Aluminium werke viel geringere Löhne zahlen, als die andere» Fabriken, und er habe sich bereit erklärt, den Aluminiumarbeitern zu höheren Löhnen otT oerhelfen. Auf Befragen des Staatsanwalts erklärt der Zeuge, daß es richtig sei, daß die Versammlung vor dem Krawall auch von nichtstreikenden Arbeitern besucht war und er hätte in beruhigen- dem Sinne zu derselben gesprochen. Die Vernehmung des Ar- beitersekretärs Engel dauerte IVz Stunden, nach welcher die Vereidigung erfolgte. Wachtmeister Selig, stationiert in Säckingen, ist am 13. August nach Rheinfelden beordert worden und schildert die Vorkommnisse zunächst vor dem Streik und über das Begehren der Streikenden um Verhaftung des Aufsehers Fischer, der beschuldigt worden, einen Streikenden durch die Hand geschossen zu haben. Er habe die Verhaftung abgelehnt, weil— kein Grund dafür vorgelegen./z auf 8 Sh. usw. Eisenbaljneinnahmen. Die Entwickelung der Eisenbahneinnahmen in den ersten elf Monaten des laufenden Jahres im Vergleich mit der Parallel« zeit 1908 zeigt die folgende Zusammenstellung: Staatliche Schlachtviehversichcrung in Preußen. Der Plan einer staatlichen Schlachtviehversichernng ist erneut akut geworden, dadurch, daß das preußische Landwirtschaftsministerium durch das Landes- ökonomiekollegium den Landwirtschaftskammern die Ergebnisse der im vorigei» Jahre amtlich vorgenommenen Feststellungen über die Ausdehnung der Schlachtviehversichernng übermittelt hat. DaS Oekononnekollegium hat die Landwirlschastskammern um eine Acußerung ersucht, nachdem kürzlich in verlin eine Konferenz der Kammern sich mit der Angelegenheit beschäftigt hat. Hierbei hat sich u. a. die Landwirtschastskammer zu Wiesbaden gegen die Ber- sicherung erklärt, die schlesische hat gefordert, daß die Versicherung im ganzen Reich oder überhaupt nicht eingeführt werden sollte, aber auch ini elfteren Falle müßten Träger der Versicherung die kleineren Kommunalverbände bleiben. Trustreklame. AuS Rew-Fork meldet das Wolff-Bureau, daß die United StateS Steel Corporation beabsichtigt, einen Betraa von mehr als zwei Millionen Dollars als Bonus an ihre Angestellten zu verteilen. 60 Proz. von den Zuwendungen werden in bar aus- gezahlt; wegen der restlichen 40 Proz. soll es den Angestellten frei- stehen, entweder Vorzugsaktien der Gesellschaft zum Kurse von 124 Proz. oder gewöhnliche Aktien zum Kurse von 90 Proz. zu nehmen._ Soziales. (Siehe auch Hauptblatt.) Zur Rechtlosigkeit der Dienstboten. Ein Dienstmädchen, das seit 1900 bei einer Herrschaft bei Brandenburg a. H. in Stellung war und sich für daS Jahr 1910 wieder bei derselben Herrschaft vermietet hatte, war gezwungen. in einem gegen ihren Dienstherrn eingeleiteten Strafverfahren wegen Unterschlagung zuungunsten des„Herrn" auszusagen. Bon dieser Zeit ab taugte dad Mädchen nichts mehr. Die gröbsten Be- schimpfungen mußte es sich gefallen lasien. Sie kündigte deshalb das Dienstverhältnis. Diese Aufbäumung menschlichen Gefühls brachte den Dienst-,, Herrn" aber nur noch mehr in Harnisch. Am 80. Oktober kehrte er vom Jahrmarkt zurück und belegte das Mädchen mit den unflätigsten Schimpfnamen, so daß selbst eine anwesende Aröeiterfrau sagte:„Mädel, laß Dir doch daS nicht ge- fallen! Diese Behandlung ist ja unerhört! Geh doch nach Hause!" Diesen Rat wollte das Mädchen befolgen. Sic ging nach ihrer Kammer, um sich umzukleiden. Von seiner Mutter auf das Vor- haben des Mädchens aufmerksam gemacht, drang der Dienstherr in die Kammer des Mädchens ein und suchte sie durch Prügel zum Bleiben zu nötigen. Die Mißhandlungen waren so stark, daß die Nachbarn die Schmerzensschreie auf der Straße hörten. Mit welch brutaler Gewalt der„Herr" vorgegangen ist, geht aus nachstehen- dem ärztlichen Attest hervor. Es lautet: „Por mir erscheint daS Dienstmädchen Marie Dichte aus Golzow und gibt an, mit der Faust geschlagen worden zu sein. Die p. D. ist sehr verweint— Liderhäute stark gerötet, Augenbindehaut verschwollen. Das Gesicht im ganzen etwas auf- gedunsen. Nase wie Oberlippe etwas aufgetrieben. Nasencin- gang und Oberlippe mit trockenen Blutmassen überzogen. An der rechten Hälfte der Innenseite der Oberlippe sieht man einen etwa 1 Zentimeter langen, etwas klaffenden frischen Riß in der Schleimhaut.,, gez.: Dr. med. Rud. Janisch Lrakt. Arzt." Gestützt auf dieses Gutachten und daS Zeugnis von drei Zeugen stellte das Mädchen Strasantrag gegen den Diensthcrrn Darauf erhielt sie folgenden Bescheid von dem Amtsauwalt in Brandenburg a. H.:„Auf Ihren Strafantrag vom 1. 11. 09 wid«» den Mühlenbcsitzcr Edmund Hennig wegen Körperverletzung werde ich die öffentliche Klage nicht erheben, weil das nicht im öffent- lichen Interesse liegt. Es bleibt Ihnen unbenommen, Ihr Recht im Wege der Privatklage zu verfolgen." Das Mädchen und deren Angehörige waren anderer Ansicht darüber, ob die Verfolgung solcher Roheit„im öffentlichen Jnter- esse" liegt. Es wurde Beschwerde gegen den Beschluß des Amts anwalts erhoben. Diese wurde aber kurz und bündig von dem Ersten Staatsanwalt beim Landgericht Potsdam zurückgewiesen.— Wenn ein roher Dienstherr einen Dienstboten mit den gemeinsten Beschimpfungen belegt und obendrein den Dienstboten durch Miß- Handlungen erheblich verletzt, so liegt die Strafverfolgung demnach nicht im öffentlichen Interesse— das ist die Quintessenz dieses wie vieler anderer ähnlicher Fälle. Der Weg der Privatklage für den Dienstboten— die Dienste der Staatsanwaltschaft der Dienst- Herrschaft. Wenn ein Dienstbote auch nur„widerspänstig",«un gehorsam" ist oder gar den Dienst verläßt, wird auf Antrag des Dienstherrn„im öffentlichen Interesse" Anklage erhoben, die Polizei überdies gegen das arme Wesen mobil gemacht. Aber wenn ein Dienstherr die Wehrlosigkeit und die nahezu an Rechtlosigkeit streifende Lage eines preußischen Dienstboten zu rohen Mißhand- lungen mißbraucht, dann liegt es„im öffentlichen Interesse" keine Anklage zu erheben. Wie denkt der Justizministcr über diese im Namen ihrer Amtsgewalt ausgeübte Begünstigung von Roheiten durch die Anklagebehörde? Gedenkt er die ihm unterstellten Staatsanwaltschaften anzuweisen, in jedem Fall„im öffentlichen Interesse" Anklage zu erheben, in dem das Dienstverhältnis zu Prügeleien und NötigungSversnchen wie in diesem Fall mißbraucht wird? Und wie denkt der Justizminister ferner über endliche Be- seitigung der schmachvollen Ausnahmegesetze gegen das Gesinde und ländliche Arbeiter?_ Gerichts-Zeitung. DaS LourdeS-Wunder in der Berufnugsinstanz. Wie uns ein Privattclegramm meldet, wurde die Berufung des Dr. Ernst vom Landgericht zu Metz unter Auferlegung der Kosten an Kläger zurückgewiesen. Es bleibt also dabei, daß einwand� frei und gerichtlich festgestellt ist die angeblich durch die ver> meintliche Wunderquelle von Lourdes von Lupus geheilte Frau Rouchel hat 1. nicht an LupuS, sondern an Lues ge- litten, ist 2. nach wie vor luetisch, hatte 3. in Lourdes Aenderungen der Syphiltsgeschwüre aufzuweisen, wie sie oftmals bei Luetischen ohne„Wunderquellen" vorkommen, ist 4. mißbraucht, um den Aberglauben an die Lourdesquelle zu nähren. Als einziges„Wunder" im ganzen Prozeß ist auffallend. daß in zwei Instanzen dem Rechtsbewußtsein und Rechts- empfinden entsprechend geurteilt und nicht gar noch die Zweifler an der Wundertätigkeit der Lourdesquelle wegen Beschimpfung von Einrichtungen einer Kirche angeklagt oder wegen Schädigung des klerikalen Geldbeutels verfolgt sind.' Es kommt also doch mal vor, daß Recht und Gerechtigkeit eins sind. Freilich steht dem Dr. Ernst, der das Vorhanden- sein der Lues in seinem Attest unerwähnt ließ, noch die Revision an das Oberlandesgericht zu. Haftung des Fabrikherrn. In dem Fabrikhof einer Miengesellschaft für Gasmotoren in Köln-Ehrenfeld war eines Tages die fünfjährige Tochter des Leiters der Fabrik dadurch verunglückt, daß eine an eine Wand ge- lehnte Riemenscheibe umkippte und auf sie fiel. Die Kleine wollte über den Fabrikhof gehen, um in den Garten zu gelangen, den ihr in der Fabrik wohnender Vater mit benutzte. Infolge der Verletzungen des Kindes im Gesicht sowie an Hals und Knie er- hob der Bater als Vertreter Ansprüche gegen die betreffende Fabrik. Während daS Landgericht Köln der Verunglückten nur Schmerzensgeld in Höhe von 1000 M. zusprach, verurteilte das Obrrlandesgericht Köln die Beklagte zur Zahlung von 300 M. für die ausgehaltenen physischen Schmerzen, und kam weiterhin zu der Feststellung, daß die Beklagte außerdem verpflichtet sei, der Verletzten allen aus dem Unfall erwachsenden Bcrmögensschaden und weiteren Nichtvermögensschaden zu ersetzen. Dieses Urteil des Oberlandesgerichts Köln wurde vom 7. Zivilsenat des Reichsgerichts anläßlich der Revision der Be» klagten bestätigt. Der erkennende Senat legt hierzu dar, daß der Jabrikhof nicht nur dem Verkehr der in der Fabrik be- schäftigten Personen diente, sondern auch dem Verkehr der In- fassen des Wohnhauses, das mit dem Fabrikgebäude ein einheit- lichcs Ganzes bildete. Die Beklagte hätte deshalb damit rechnen müssen, daß sich ein Kind in spielhafter Weise mit der Riemen- scheide zu schaffen machen werde und daß dabei die Scheibe leicht umfallen könne. Es hätte deshalb, ohne die im Verkehr erforder- liche Sorgfalt zu verletzen, die Scheibe nicht in der Art und Weise aufgestellt werden können, wie es geschehen sei. Wenn auch die Beklagte einwende, daß Arbeiter eines Ticfbauunternehmers, der an einem Teil des Hofes Ausschachtungen bornehmen ließ, die Scheibe von dem früheren Standorte fortgenommen und an der Unfallstelle aufgestellt haben, so könne sie sich damit nicht entlasten. ES habe der Beklagten die Verpflichtung für eine anderweitige Unterbringung der Riemenscheibe obgelegen. Dieselben Grundsätze, wie sie das Reichsgericht hier darlegt, treffen auf die Haftung jedes Hausbesitzers zu. Wie Strafanträge gegen Streikende zuftanbekommen. Die Näherin Kowall hatte sich am Dienstag vor dem Schöffen- gericht Rixdorf wegen Vergehen gegen§ 153 der Gewerbeordnung und Beleidigung zu verantworten. Die Angeklagte wies darauf hin. daß die Anklage wegen Verletzung des ß 153 der Gewerbcord- nung schon deshalb zu Unrecht erfolgt sei, weil der Streik mit der Erlangung günstigerer Lohn- und Arbeitsbedingungen nichts zu tun gehabt habe. Die Streikenden hätten lediglich die Wieder- anstellung eines zu Unrecht von der Firma Mafchtera u. Striem, Koltbuser Damm 70/71, entlassenen Meisters durchsetzen wollen. Die Arbeitswillige bekundete, daß hinter ihr ein paar beleidigende Worte gerufen seien, die offenbar von der Angeklagten, die sie an der Stimme erkannt habe ausgegangen feien, und daß die Be° klagte außerdem zu ihr gesagt habe:„Wir streiken für«ine ge- rechte Sache, wer Charakter und Ehrgefühl hat, schließt sich uns an." Der Amtsanwalt beantragte daraufhin eine Strafe von 10 Tagen Gefängnis. In den Worten, wer Charakter und Ehr- gefühl habe, liege eine Beleidigung, denn die Angeklagte habe da- mit diese Eigenschaften der Zeugin absprechen wollen. Auch die Voraussetzungen des§ 153 lägen vor. Die Beklagte habe selbst er- klärt, daß die Arbeiter für eine gerechte Sache streiken. Eine ge- rechte Sache aber sei es nicht, wenn die Wiedereinstellung eines vom Unternehmer entlassenen Arbeiters erzwungen werden sollet Der Verteidiger, Rechtsanwalt Hcinemann, betonte, daß es selbst- verständlich sei, daß der§ 153 auszuscheiden habe, da die gesetz- lichen Tatbestandsmerkmale, die eben nicht vorliegen, nicht fingiert werden dürfen. Aus die Frage des Verteidigers an die Zeugin, ob fie den Strafantrag wegen Beleidigung nicht zurücknehmen wollte, erklärte die Zeugin, das tue sie gern; sie set ganz wie die Angeklagte Arbeiterin und habe den Strafantrag nur durch den Unternehmer Striem dazu gezwungen gestellt. Der Verteidiger beantragte daraufhin die Freisprechung von der Anklage wegen Vergehens gegen§ 153 der Gewerbeordnung und die Einstellung des Verfahrens wegen Beleidigung. Der An- trag des Amtsanwalts, die Kosten des Verfahrens wogen Beleidi- gung der Zeugin zur Last zu legen, sei unbegründet, da, wenn ein von Amts wegen zu verfolgendes Delikt, wie§ 153 der Gewerbe- ordnung. und ein nur auf Antrag verfolgbares, wie Beleidigung. in derselben Handlung liegen, von ersterem aber Freisprechung, bei letzterem Einstellung erfolge, die gesamten Kosten der Staatskasse zur Last fielen. Das Gericht erkannte demgemäß, daß die An- geklagte von der Anklage aus§ 153 der Gewerbeordnung freizu- sprechen sei, da der Streik nicht die Erlangung günstigerer Lohn- und Arbeitsbedingungen zum Gegenstande gehabt habe. Das Ver- fahren wegen Beleidigung sei infolge Zurücknahme des Strafantrages einzustellen. Die gesamten Kosten des Verfahrens wurden der Staatskasse zur Last gelegt. Ein Fabrikbirektor als Pascha. Wie aus Freiburg mitgeteilt wird, wurde bor der dortigen Strafkammer in zweitägiger Verhandlung gegen einen 49 Jahre alten Fabrikbirektor Emanucl Marx aus Sulzbach wegen einer Reihe Sittlichkeitsdelikte verhandelt. Es waren über 40 Zeugen und 2 Professoren der Universität als Sachverständige geladen. Der Angeklagte wurde beschuldigt, sich vor 2 Jahren verschiedentlich gegen eine damals 14 Jahre alte Fabrikarbeiterin vergangen zu haben. Bei seiner Vernehmung be- hauptete er, daß dies nur leeres Gerede sei, ein Gendarm habe gegen ihn die betreffende Anzeige erstattet, nachdem er ihm die Wohnung gekündigt hatte. Der Vorsitzende teilte dagegen mit, daß die ganze Angelegenheit ins Rollen gekommen sei infolge eines anonymen Briefes, der an die Staatsanwaltschaft gerichtet war. Als das Verfahren eingeleitet wurde, schloß sich der Vater des verführten Mädchens dem Verfahren an. In der weiteren Beweisauf- nähme bekundeten mehrere jugendliche Fabrikarbeiterinnen, daß der Angeklagte sich an ihnen vergangen habe. Ein Mädchen be- hauptet, fie habe sich seinem Willen fügen müssen, weil der An- geklagte drohte, er werde sonst ihren Bater aus der Fabrik entlassen. Ueber den Leumund dieses Mädchens wurden eine ganze Reihe von Zeugen gehört, die alle bestätigten, daß die Familie sich des besten Ansehens erfreue, und daß eS sich um ordentliche und rechtliche Leute handelte. Der Gendarm, auf dessen Anzeige der Angeklagte das Verfahren zurückführt, bekundet, daß er bei dem Angeklagten eine freie Wohnung innehatte, wofür er verschiedene Arbeiten übernahm. Dieser Umstand habe ihn natürlich nicht hindern können, seine Amtspflicht zu erfüllen. Das Gericht kam zu der vollen Ueberzeugung von der Schuld des Angeklagten und ver- urteilte ihn gestern zu acht�Monatcn Gefängnis, auf die die Unter- suchungshaft eingerechnet wurde. Eine eigenartige„Urkundenfälschung" führte den Bergmann Albert Tiener aus Clausthal vor die Göttinger Strafkammer. Kurz vor Pfingsten fand sich in der Grube„Kaiser Wilhelm ll." eine sogenannte Gcdingstufe versetzt. Es ist das ein an die Stollenwand angenageltes Merkzeichen, von welchem aus die Länge des ausgehauenen Ganges gemessen und der Akkordlohn berechnet wird. Und zwar war das Zeichen um 1— 2 Meter zurückverlegt, so daß sich für die Arbeiter ein Gewinn ergeben mußte. Zur Kenntnis des Obersteigers kam die Fälschung durch den heute Angeklagten. Natürlich lenkte sich der Verdacht zunächst auf die Arbeiterkolonne, welche den Nutzen haben konnte. Schließlich kam es aber an den Tag, daß Diener, der in«NeV anderen Kameradschaft arbeitete, selbst das Zeichen versetzt hatte, um dem Vorhauer der verdächtigten Kolonne, mit dem er in Feindschaft lebte, einen Streich zu spielen! Da. eine Gedingstufc als beweiserhebliche Privaturkunde anzusehen ist, wurde Diener wegen Urkundenfälschung zu drei Monaten Gefängnis verurteilt. Unzüchtige Scherzpostkarten. Die unlogische Begrenzung des Rechtsmittels der Revision auf Verletzung von„Rechtsnormen" im Gegensatz zu„tatsächlichen Feststellungen", bringt es mit sich, daß daS Reichsgericht in ganz gleichliegenden Strafsachen bald so bald so entscheidet. Vor kurzer Zeit bestätigte, wie wir am 27. November mitteilten, der 3. Straf- enat ein Bremer Urteil, durch welches ein Händler nach 8 184, 1 verurteilt worden war. weil er eine Postkarte feilgehalten hat. welche aus vier nackten Frauenkörpern zusammengesetzt, den Kopf eines Lebemannes zeigt. Am 19. August hat nun dieselbe Straf- kammer des Landgerichts Bremen, allerdings unter anderer Be- etzung, den Buchbindermeister W., der wegen derselben Postkarte angeklagt war, freigesprochen. Im Urteile war klar und schlüssig der Nachweis erbracht, daß von einer Verletzung des Scham- und Sittlichkeitsgefühls des normalen Menschen keine Rede sein könne — eine zutreffende Auffassung, der auch wir bei Besprechung des erwähnten Reichsgerichtsurteils Raum gaben.— Die Revision des Staatsanwalts gegen dieses Urteil wurde am Mittwoch von dem- 'elben Senate verworfen. In der Begründung wurde betont, daß derartige sich widersprechende Urteile nach Lage der Gesetzgebung nicht zu vermeiden sind. Der Sittlichkeit ist sicherlich mehr mit der Freisprechung als mit der Verurteilung gedient, die lediglich unsittliche UnsittlichkeitS» chnüfffer zu befriedigen geeignet ist. Hus der Frauenbewegung. Die proletarische Frauenbewegung in Holland. In dem kürzlich erschienenen„Arbeiter-Jahrbüchlein für 1910", herausgegeben von der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei in Niederland, gibt die Genossin Pothuis-Smit eine Uebersicht über die Entwicklung der proletarischen Frauenbewegung dieses Bundes. Die ersten sozialistischen Frauenvereine wurden im Jahre 1880 gegründet; der erste in Amsterdam, der zweite in Rotterdam, dann einer in Haag und einigen anderen Städten. Der damals be- tehende Sozialdemokratische Bund gewährte den Frauenvereinen das Recht, sich ihm anzuschließen, und im Jahre 1887 erschien zum ersten Mal auf dem Parteilongreß eine weibliche Delegierte. Aber die hingen Organisationen gingen bald zugrunde. Als auch der alte Sozialdemokratische Bund mehr und mehr in Verfall geraten war und 1894 die Sozialdemokratische Arbeiterpartei gegründet wurde, da war zunächst wenig Neigung zu einer besonderen Frauenpropaganda vorhanden. Die Partei forderte selbstverständ« lich in ihrem Programm Gleichberechtigung der Frau aus allen Gebieten, aber man wollte die E'inheittichkeit der Bewegung nicht durch eine besondere Frauenbewegung„schwächen" und einen Femi- nimismuS" großziehen. Aber mit dem WachSww der Partei und der Gewerkschaften änderten sich die Ansichten. DaS Zentralorgan „Het Volk" führte bei seiner Gründung(1899) eine besonder: Rubrik für die Frauen ein, in der vor allem auch Aufklärung über die Frauenbewegung im Ausland gegeben wurde.(Allerdings hat die Redaktion diese Rubrik im Jahre 1900 wieder fallen gelassen, in der Meinung, daß ein besserer Ausbau der«Gemischten Neuig» leiten" mehr weibliche Leser heranziehen werde.) Inzwischen hatte sich jedoch immer mehr die Ueberzeugung Bahn gebrochen, daß eine besondere Frauenpropaganda notwendig sei. weil man mit der all- gemeinen Parteiagitation nicht recht an die Frauen herankommen konnte. ES waren zunächst einige Genossinnen in Amsterdam, die diese Ansicht zur Geltung brachten. Sie wünschten keineswegs eine unabhängige Frauenorganisation, sondern nur im Anschluß an die Partei einen Propagandaklub der Frauen, in den nur Mit- glieder der Partei Aufnahme finden sollten. Ein solcher Sozial- demokratischer Frauenpropagandaklub für Amsterdam wurde dann auch 1905 im Einverständnis mit der Parteiorganisation gegründet. Man agitierte vor allem durch Hausbesuch, den ein besonderer „Leitfaden" erleichterte. Solche Klubs entwickelten sich bald auch in anderen Städten Hollands und im Jahre 1907 bestanden bereits 12 mit zusammen 550 Mitgliedern. Sie sandten im selben Jahre zwei Delegierte nach der Frauenkonferenz in Mannheim. Am Tage vor dem holländischen Parteitag zu Ostern 1908 wurde der Bund sozialdemokratischer Frauenpropagandaklubs gegründet. Jetzt besteht der Bund aus 18 Klubs und außerdem sind in drei Städten noch sozialdemokratische Propagandaklubs vorhanden, die sich dem Bunde nicht angeschlossen haben. Seit dem 1. Mai 1908 gibt der Bund als sein Organ„De Proletarische Vrouw" heraus. Gegründet wurde das Blatt bereits 1905 als Organ des Amsterdamer Frauenklubs. ES erschien damals als Monatsblatt und hatte 450 Abonnenten. Seit dem 1. Januar 1908 erscheint es Htägig und im Herbst 1909 war die Auflage bereits auf 2300 gestiegen. Die Frauenklubs und ihr Bund haben neben der allgemeinen Propaganda und Aufklärungs- arbeit ihr Augenmerk besonders auch auf die Wahlrechtsfrage gerichtet. Bekanntlich ist es aber in Holland, abgesehen davon, daß die Frauen überhaupt kein Wahlrecht haben, auch mit dem Männer- Wahlrecht noch so schlecht bestellt, daß kaum die Hälfte der er- wachsencn Männer wahlberechtigt ist. Nun befürchtete man— auch in den Kreisen der Genossinnen— daß, wenn man die Frauen- Wahlrechtsfrage allzusehr in den Vordergrund schiebe, die Reaktion in ihrem Interesse und zur Schwächung des proletarischen Ein- flusses ein beschränktes Frauenwahlrecht einführen werde. Aus diesem Grunde, und um jede Beeinträchtigung oder Verzögerung des schon seit langen Jahren geführten allgemeinen Wahlrechts- kampfes zu vermeiden, verzichtete man darauf, in dem Antrage der sozialdemokratischen Fraktion zur Reform der Verfassung sogleich das Frauenwahlrecht zu fordern. In der Verfassung sollte nur freier Spielraum für die Einführung des Frauenwahlrcchts gescbaffen werden, damit er dann bei der Ausarbeitung eines neuen Wahlgesetzes verwirklicht werden könne. Gegen diese Auffassung machte sich nach und nach eine Opposition geltend, und nachdem der internationale Kongreß in Stuttgart 1907 eine Resolution an- nahm, die die sozialdemokratischen Parteien verpflichtete, überoll die Forderung des Frauenwahlrechts in den Wahlrechtskampf, sowohl bei der Propaganda wie bei der parlamentarischen Aktion, aufzu- nehmen, änderte auch die niederländische Kammerfraktion ihren Antrag zur Verfassungsreform in diesem Sinne. In den letzten Jahren haben die Frauenklubs sich unter anderem auch mit der Frage der Mutter schastsvcrsiche- r u n g eifrig befaßt und dafür gesorgt, daß diese Forderung 1909 in das Kampfprogramm der Arbeiterpartei Aufnahme fand. Ferner haben die Klubs sich eifrig an der Wahlagitation und der Auf- munterung säumiger proletarischer Wähler beteiligt. Die Auf- klärungs- und Bildungsarbeit wird in Kursus- und Leseabenden eifrig betrieben und auch der Frage der Kindererziehung widmen die Genossinnen besondere Aufmerksamkeit. Die Parteikasse hat den Bund der Frauenklubs im letzten Jahre mit 25 Gulden unter- stützt, für das nächste Jahr soll diese Summe auf 100 Gulden er- höht werden.— Zum Schluß ihres Artikels schreibt die Genossin Pothuis-Smit: H „Im allgemeinen wurde die Errichtung der KlubS von den männlichen Parteigenossen mit wenig Sympathie begrüßt, eine Haltung� die natürlich sehr gut zu verstehen, aber darum nicht minder verkehrt ist. Aber nach der Arbeit von einigen Jahren änderte sich das. Viele, die im Anfang die Tätigkeit der Frauen unnötig, ja selbst schädlich nannten, sind nun, da sie die Resultate sehen, anderer Meinung geworden.— Die sozialdemokratische Frauenbewegung steht noch im Anfang der Arbeit, die sie zu verrichten hat. Nur das Allererste ist ge- schehen, der Grund ist gelegt. Nun gilt es, weiter zu bauen. Aber wir können voll guten Mutes sein. Vielleicht ist in diesem Augen- blick nirgends so viel Eifer und Feuer für das Propagandawerk in der Partei vorhanden als dort. Eine Riesenaufgabe scheint es, die abgearbeitete proletarische Frau für unseren Kampf zu ge- Winnen, aber wir haben gesehen, daß es geht. Und wir gehen also dieses Jahr wieder an die Arbeit mit der festen Ueberzeugung, daß es uns weiter bringen wird."_ tvriilerirando-Stacdrtckite»! der LandeSanttalt für Mcwässsrkiinde, mitgeleM vom Berliner Wetterbureau. ')+ bcdeuisi Wuchs.— Fall.*) llnlerpegel.•) TtSstand. 4) Eis- treiben.°) Grundeisgang. Aus der Oder dauert noch bei Kienitz und Schwedt der Grund« eisgang fort. «ttteningSülierFtd» vom SS. Dezember 1909, morgens S Mir. «tetl-nen E.. 15 if Setter Swmemde 741 SSW Hamburg 739 SW verlin! 744 SW Frantf.a M 74b NW München>751 SSO Wien>754 NO 5 Regen 4 Regen 3 Regen 1 Nebel 1 bedeckt 1 Nebel -»Ii i» W« «tattoneu C* t! *2 Havaranda 7C5 NNO 1 Petersburg 764 NNO 1 Scilllj ,735®®! überveeu>730 SSW Barts>745 SSO, 2 wölken!—28 1 wölken!— 12 4 bedeckt t bedeckt 4 bedeckt i 9 4 12 ivetterprognose für Freitag, de« S4. Dezember 1909. Sehr mild und zeitweile ausklarend, aber vorherrschend wolkig mit Niederschlägen und ziemlich starken südwestlichen Winden. Berliner Wetterbureau. BrUfkalten der Redaktion. Die furwilche Svrechstnnde findet Lindenstraße g.«weiter Hos, dritter Ewgan», vier Treppen, Fahrstuhl"Mg wochcntiigllch abends von 7M> bis 9Mi Uhr statt. Geiissnet 7 Uhr. Sonnabends beginnt die Sprechstunde um 6 Uhr. Jeder Ansrage ist ein Buchstade und eine Zahl als Merkzeichen beizufügen. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. vis zur Beantwortung im Brleslaftc» können 1t Tage vergehen. Eilige Fragen trage man in»er Sprechstunde vor. P. R. Weihensee. 1. Nach der Richtung fehlt uns die Erfahrung 2. Hebammenlehranstalt Königliche Charitö, Schumannstr. 21/22. Kosten- Punkt 300 Mark. Der Kursus dauert von Okiober bis April. Meldungen werden nur bis zum Alter von 27 Jahren berücksichtigt.— F. M. 100. Maric-Seebach-Schule. Bei hervorragendem Talent unentgeltlich. Dauer des Kursus zetrn Monate. Gesuche sind zu richten an den Vorsitzenden Oberrcgisseur Herin Max Grube, Königl. SchauipieihauS. Briefliche Ant- Worten lehnen wir ab.— Max Schubert, Sebastians»?. Wir empfehlen Ihnen, die Probe zur Begulachtung einem Fachmann vorzulegen.— Mandoline 59. Mandolinenklub Lyra, Hussilensir. 34.— A. K. 500. Nehmen Sie ein Kochbuch zur Hand. Der Raum des„Vorwärts" ist dazu nicht da.— I. 8. 100. Der Raum des Briefkastens läßt so weitgehende Frage« und Antwortstellung nicht zu. Orientieren Sie sich durch ein- jchlägige Literatur, die ihnen in den Bibliotheken zur Verfügung steht. — P. M. 75. Erkundigen Sie sich bitte im amtlichen AuSkunftsbureau, Bahnhos Alcxanderplatz.— Entreuous. Aus das Keschästsgebahren der Inserenten haben wir keinen Einfluß.— G. K. 73. Aus geschästliche Empsebiungen lassen wir uns grundsätzlich nicht ein.— K. E. 48. Stistuugsdcputation des Magistrats, Poststr. 16, weist Ihnen das Ge- wünschte nach.—®. E. 27. Zur Jmpsung Ihres Kindes werden Sie mit Angabc des JmpsarzteS in ortsüblicher Weise ausgesordert. Im übrigen auch durch die dortigen Aerzte.— W. B. 74. Verschieden. Ohne nähere Angabe des OrteS nicht zu beantworten. Richten Sie Ihre Ansrage am besten an einen Gemeindevertreter oder Stadt- verordneten des in Frag« kommenden OrteS.— Julius 32. Nichten Sie Ihr Gesuch an die Charitö. Wegen Ihrer Ge- sinnung können Jbnen Schwierigkeiten nicht gemacht werden. — G. P. 23. Eine Klage gegen den Hauswirt hätte Aussicht aus Ersolg. 9 » # G Unserm Bezirkssührer Genossen � Georg Bactimann< und seiner lieben Braut, Ge- nosstn.Ann»(tzaatzt, die herzlichsten Glückwünsche zur ~ ochzeit! ie Genosstunen und Genossen des 325. Bezirks. 36712 W SozialdemoMcberWaiiherelii für den I.BerliDerReiebstagsvaiilkreis H-uidSderger Btertel. Bezirk Nr. 373. Test lll. Den Mitgliedern zur Nachricht. daß unser Genosse, der GasUvtrt (justav Kretschmer (Dölzig er Str. 48) gestorben ist. Ehre seinem Andenken.' Die Beerdigung findet am Freitag, den 24. Dezember, nach. miltagS 3 Uhr, vom Trauerhause aus nach dem Zemral-Friedhose in FrtedrichSseldc statt. Der Borstaud. QöMSl Metallarbeiter-Verband Berwaltungsstclle Berlin. Todes- Anzeige. Den Kollege» zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Klempner i�rtur am 21. d. MtS. gestorben ist. Ehre feinem Andenken: Die Beerdigung findet am Freitag, den 24. Dezember, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle deS Gethlemane-Kirch- Hofs in Mederschönhausen-Nord- end auS statt, Reg« Betelligung erwartet 131/15 Die Ortöverwaltnug. 7izell!er-Verein Mral- Verband der Mmusiker Deutschlands. Ortsverwaltung Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kolleg« (justsv örseseke am 21. d. M. verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am 25 Dezember(1. Feiertag), nach» miilagS 3>/, Uhr, von der Leichen- Halle des Gcmeinde.Kwchhoses in Groß-Lichterselde-Ost.Langeslrabe. aus statt. Her» Torstand. Todes-Anzeige. Allen Freunden und Bekannten dl« traurige Nachricht, daß mein lieber, unvergeßlicher Mann, unser stets sorgender Vater Auxust kriecle am 21. Dezember gestorben ist. Die Beerdigung findet am Freilag, den 24. Dezember, nach- initlagS 2 Uhr, von der Leichen- balle ees Zentral-FriedhoseS in FriedrichSselde aus italt. Dir tieftrauerndc Witwe IPaallne Friede geb. Walter nebst Kindern, 36712 Rüdersdorfer Str. 18. Danksagung. Für die innige Teilnahme bei der Beerdigung meines Sohnes Emil sage ich den werten Kollegen, der Geschältsleitung deS„Vorwärts' sowie dem Wahlvcrein deS 6. Wahl- kreises meinen Dank. Die trauernde Mutier 29926_ Berta Frederich. Enorm billiger Verkauf elegant. Monatsgarberobei, früher 50-90 M., jetzt 12-88 M. Deutsches Bekleidungshaus, 1 Gräfte Frankfurterftrafte 89. 1 Stur I Treppe, kein Laden.' Fahrgeld wird vergütet, Zum Weihnachtbfest Beste Bezugsquelle Auf Teüzahlung Wölb evtl, nur IWark Herren- und Dsmenubren, Ketien.Wnnd-, ond Stand- 1 ihren, Gram I mophone, 1 Zithern und eile »mtkwarefk Kollschuhe. luhre&KSnis, WurHehaner(Str. 08 Frankfurter Chaussee»21(Laden) Reinickendorfer Straße tOI und GöuensiraSo 19. Achten Sie eonau auf unsere Firma. GM für 1 Herren, Damen und Kinder, neneste Fassenu Krttfite Auswahl. Pelz-Garnituren 1 1 ür Damen und Kinder! in koloesaler Auswahl wöchentlich 1 Mark. 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Brauerei Friedrichsliain(AniKCnigstor) we�ohtsfÄg: Fröhliche Weihnachten in den mit der neuesten und schönsten Alpcn-Dekoratlon geschmückten Festsäten— elektrische Riescnbäunie— veranstaltet von dem rühmlichst bekannten Fostwirt Seliorsch Elipenpuber � sein:LTM�.ech6en!ersoneD) Fi-Uhlichstos WeihnachtskonzeFt— Jubel und Trubel. Humoristisches Schneetreiben— Ueberraschungen.— Anfang 4 Uhr Am 3. Feiertage: Gewitter in den Aipen: Es hagelt Weihnnohtsgeschonke. Außerdem am 2 Feiertage von 12—3 Uhr mittags: Matinee- Konzert von Alexander Sehlrinan(der russische Straufi(mit seinen 40 Künstlern). KW Entroe 50 Pf. TM Ohne Jede Anzahlung IPianos Freitag, 24. Dezember 1909. Partei- Hncfelcgcnbeiten« Zur Lokallistr. Auf Wunsch der Parteigenossen von Zehlcndorf- Wannsccbahn weisen wir nochmals darauf hin, datz die dortigen Lokale„K a i s e r h o f", Potsdamer Strake,„F ü r sl e n h o s" mit Stehbierhalle am Bahnhof, Hauptstrahe, und B r u h n, Machnower Straße 2 der Arbeiterschaft seit Jahren beharrlich verweigert werden. Wir ersuchen daher, den Lokalkampf unserer Genossen, der gleichzeitig ein Kampf um die Gleichberechtigung mit den anderen Parteien ist, tatkräftig zu unterstützen. In Bicsdorf-Süd steht uns das Lokal„Gustav Exners Gesellschaflshaus", Köpenicker Straße 25, zu den bekannten Bedingungen zur Verfügung. Die Lokalkommisfion. Weihuachtsveranstaltuugen haben auch in diesem Jahre versckiedene Wahlvereine in Aussicht genommen. Es kommen folgende Arrangements in Frage: Zweiter Wahlkreis. Sonnabend, den 2S. Dezember sl. Wcihnachtsfeiertag), abends 6 Uhr, in den Gesamträumen der „Viktoria-Brauerei", Lützowstr. lll: Winterfest. Mitwirkende: Berliner Sinfonie-Orchesier, Herr Fr. Grosse lCcllo), Gesangverein »Liedertafel-West". Nachher Ball. Eintritt 3l> Pf. Vierter Wahlkreis. Sonntag, 26. Dezember(zweiter Weihnachtsfeiertag): Zwei große Matineen in Kellers Fest- s ä l e it, Koppcnstraße 29, unter Mitwirkung der Konzertsängerinnen Fräulein Hedwig Geißler, Fräulein Marianne Geyer und des Rezitators und Dialekthumoristen Otto Wiemer: im Konzerthans Sanssouci, Kottbuser Straße 6. unter Mitwirkung der Frau Margarete Walkotte und deS Trios der Herren R. Kurich, W. Deckert und F. Gutdeutsch. Eröffnung 11 Uhr. Billett 30 Pf. Anfang präzise 12 Uhr. Wir ersuchen die Mitglieder und deren Angehörige, sich rechtzeitig mit Billetts zu versehen, da offene Kasse nicht stattfindet. Sechster Wahlkreis. Sonnabend, den 2 3. Dezember, mittags 12 Uhr(1. Weihnachtsfeiertag): Große Matinee im Berliner Prater, Kastanien-Allee 7— 9. Mitwirkende: Berliner Ulk-Trio, Gesangverein„Hilaritas", Freie Turner der Schönhauser Vorstadt, Zivil-Berufsmusiker. Sonntag, den 26. Dezember, mittags 12 Uhr(2. Weih- nachtsfeiertag): Sechs Matineen in folgenden Lokalen: Prachtiäle Nordwest, Wiclesstr. 24: Patzenhofer Brauerei, Turm- straße 23/26: Ballschmieders Etablissement, Badstr. 16: Jos. Fraukes Festsäle, Badstr. 19: Bernhard Rose-Theater. Badstr. 37: Germania- Säle, Chausscestr. 119. Mitwirkende: Berliner Nlk-Trio, Berliner Humor-Trio, Bolkssängergesellschaft Hugo Anke, Apollo-Sänger, Volkssänger- Gesellschaft Strzelewicz, Paul Manthcys„Lustige Sänger", Mundhannonika-Verein„Vorwärts", Elite-Orchester Fritz Blume.— Gesangvereine: Liederlust II, Vereinte Sangesbrüder Moabit, Vereinigter Sängerchor Wedding,„Neu Erwacht".— Freie Turner und Zivil-Lcrufsmusiker. Sonntag, den 26. Dezember, nachmittags 6 Uhr: Heiterer K u n st- und M u s i k a b e il d in den P h a r u s- Sälen, Müller- straße 142. Mitwirkende: Berliner Ulk-Trio, Tietzsche Konzertkapelle, Lotte Frapk(Soubrette), Herr Fritz Richard vom Deutschen Theater. Rixdorf. Den Parteigenossen zur Nachricht, daß die Bibliothek de? Wahlvereins vom 24. bis 27. Dezember geschlossen bleibt. Wiedereröffnung Dienstag, den 28. Dezember, abends 7 Uhr. Die Bibliothekskommisfion. Schönebcrg. Die am Dienstag, den 23. Dezember fällige Wahlvereinsversammlung fällt aus. Am Montag, den 27. d. M. :(8-> Wcihnachtsfeiertag) veranstalten die Genossinnen in den Räumen der Neuen RathauSjäle. Meiningerstraße 8. eine Märchenaufführung: „Der Fischer und sine Fru", dargestellt von Kindern. Kaulsdorf N.-B. Wir machen die Genossen, namentlich die- senigcn, welche während der Feiertage hierher koinmen, darauf auf- merksam, daß uns das Hamannsche Lokal(Inhaber Kobelt), Frank- furter Chanssee, nach wie vor zu Parteizwecken verweigert wird und ersuchen dringend, dieses zu beachten. Für den persönlichen Verkehr steht das Lokal von Götze an der Frankfurter Chaussee zur Ver- fügung._ Die Bezirksleitung. Beniner JVacbncbtcn. Der moderne Tannenbaum. Weihnachtsmann und Schutzmann sind niemals rechte Freunde gewesen. In den letzten Jahren hat sich die Polizei- obrigkeit innner mehr bemüht, ihre Nase recht tief auch in den Weihitachtskram zu stecken. Den kleinen Strahenhändlern, welche ja nunmehr voni Berliner Wcihnachtstrubel endgültig abgesägt sind, was im Prinzip des Kinderschutzes zweifellos sein Gutes hat, wurde von unseren Schutzleuten noch vor Jahresfrist scharf auf die Finger gesehen, und vielen großen Geschäftsleuten wird auch in Zukunft die Weihnachtsfreude durch übereifrige Polizeier mit einem Strafmandat versalzen werden. Noch hat ja der Weihnachtsmann nicht offiziell Ein- kehr gehalten, aber schon macht die Polizei gegen ihn mobil. Angeblich auf Veranlassung der Steuerbehörde läßt sie die bereits auf den Engrosmärkten lagernden Tannenbaum- bestände revidieren. Moloch Staat schenkt dem Volke selbst zum„Feste der Liebe" nicht die geringste Kleinigkeit. Er nimmt, was er kriegen kann, und sorgt dafür, daß selbst die Preise für Tannenbäume kräftig in die Höhe gehen. Kostet der elendeste Tannenstrunk mehr als ein Vier- groschenbrot, dann muß der bescheidenen Proletarierfamilie der moderne Ausputz des Weihnachtsbaumes doppelt schwer fallen. Das sogenannte Christkind ist verteufelt anspruchs- voll geworden. Längst begnügt es sich nicht mehr mit grünen Zweigen, harzigem Tannenduft und schmalen Dreierlichten. Auch die Weihnachtstanne hat die Mode unserer nach außen hin so talmiglänzendcn Zeiten mitgemacht. Sie läßt sich putzen und schmücken wie ein eitles Frauenzimmer, das alle natürliche Aninut unter hohlem Tand versteckt. In unserer Jugend, noch vor zwanzig und dreißig Jahren, feierten wir Weihnachten anders, vielleicht besser und innerlicher Die ganze Familie war in den paar freien Abendstunden vor dem großen Tag damit beschäftigt, den Schmuck des Tannen- baums mühsani mit eigenen Fingern zu basteln. Da wurden bunte Pov'-rketten gcklebf, leuchtende Sterne geschnitten, Acpfel und Nüsse vergoldet und versilbert. All den liebevoll zusammengefügten Wcihnachtskram hing man nebst Pfeffer- kuchenfiguren und Zuckerkringeln an Wollfäden über die Zweige, und zuguterletzt kam als Prunkstück auf die Spitze eine goldene Pappsonne oder ein wächserner Engel. Solche selbstgefertigte Einfachheit, über die doch helle Freude herrschte bei Groß und Klein, sieht man heute selten. Wer das Geld dazu hat, kann seinen Tanncnbaumschmuck bis auf das letzte Stückchen fix und fertig kaufen und sich für wenige Tage einen Glanz vorzaubcrn, gegen den die rauhe Wirklichkeit ge- wältig absticht. Diese moderne Industrie des Christbaum- schmucks hat sogar einen Aufschwung genommen, an den man vor wenigen Jahren noch nicht dachte. Was da alles erfunden und hergestellt wird, isk oft bewundernswert, aber auch nichts für arme Leute. Der Appetit kommt hier beim bloßen An- sehen. Doch überlegt man es sich richtig, so ist ein Weihnachts- stallen oder auch nur ein Viergroschenbrot nützlicher als die glitzernde gebrechliche Ware, die das Auge, aber nicht den knurrenden Magen erfreut. Ist nicht auch dieser Luxus am Weihnachtsbaum des Reichen ein Zeichen unserer Zeit. In gar vielen Familien, bei denen das Geld keine Rolle spielt, brennen am Weihnachts- abend Tannenbäume, deren Herstellung einen Bläuling und mehr gekostet hat. Die Stearinkerze mit ihrem milden flackernden Licht ist durch die elektrische Glühbirne in allen Farben ersetzt. Der Fuß des Baumes wurzelt in einem mecha- nischen Musikwerk, und gefallsüchtig dreht sich das Ganze im Kreise. Unter Gold- und Silberslittern sind die grünen Tannenzweige kaum sichtbar. Rings auf den Gabentischen liegt ein halbes Warenhaus aufgestapelt. Blasiert machen die an Pracht gewöhnten Wohlhabenden den christlichen Rummel mit. Keine reine Freude kann in ihren versteinerten Herzen aufkommen und auch kein Funke von Gefühl, ob wohl jenen, die all den glänzenden Kram in schlecht bezahlter Arbeit ge- fertigt haben, heute auch der Tannenbaum strahlt. Sie können sich nicht hineindenken, daß in Tausenden von Familien auch am Weihnachtsabend die Sorge vor der Tür steht. Und wer doch mit den letzten zusammengekratzten Groschen seinen Lieben einen bescheidenen Tannenbaum aufgebaut hat, dem leuchtet trotz der pochenden Not wenigstens für kurze Stundin die echte Freude aus den Augen. Wintersonnenwende. Dem Tag, da die Sonne endlich ihren tiefsten Stand er- reicht, um sich zögernd aus ihrer gedrückten Stellung auf- zurichten wie ein vom Schicksal gebeugter Wanderer, der neuen Mut zu schöpfen beginnt, sehnt alles Lebendige sich entgegen. Nicht bloß der Mensch, der die Wintersonnenwende im vor- aus berechnet und schon in uralten Vorgcschlechtern seinen Kultus mit dieser Erscheinung getrieben hat, sondern auch Tier und Pflanze. Sie rechnen nichts aber sie fühlen, gleich- viel mit oder ohne Bewußtsein. Denn jedem Leben ist Empfindung gemeinsam. Wenn es bergab geht, der Kampf um die Existenzbedingungen immer schwerer wird und der Frost ans Herz greift,' dann wird im gleichen Maße die Empfindung stärker, daß der Tiefpunkt erreicht werden wird und die Zukunft wieder ein Aufsteigen bringen muß. Das Periodische beherrscht alles was lebt, wie es auch alles beherrscht, was wir tot nennen, weil wir sein Leben nicht sehen. Draußen hat alles die Energie des Lebens auf den kleinsten Punkt gestellt. Es ist Schlafenszeit. Am schlimmsten geht es der höheren Tierwelt, soweit der Winterschlaf bei ihnen nicht zur ständigen Institution geworden ist. Die Vögel, die bei uns ausharren, kennen diese Einrichtung nicht, sie läßt sich mit ihrem heißen Blute nicht vereinigen. Jeder Winter fordert viele Opfer unter ihnen. Auch Meister Lampe und den Rehen wird übel mitgespielt, wenn der Schnee zu tief und zu lange liegt. Besser hat eS das Eichhörnchen, das abwechselnd schläft und bei schönem Wetter erwacht, um Exkursionen nach seinen Haselnuß- und anderen Vorräten in hohlen Bäumen zu unternehmen. Das Kleinzeug aber schläft im Schlamm der Teiche, der Seen, in Erdlöchern und zil Myriaden in den Moospolstern und im Mulm des Waldbodens. Bald wird die Sonne wieder höher und höher steigen. Unmerklich und doch stetig wird sich die Kraft ihrer Strahlen steigern, und während der Kalender noch Monate hindurch den Winter anzeigt, und Schnee und Eis die Fluren decken, ist der Beginn des Winters doch nur der Anfang seines Endes._ lieber Mißerfolge des AchtklassensystemS der Gemeindeschule wurde in der letzten Stadtverordnetensitzung wieder von Wortführern der freisinnigen Mehrheit geklagt. Was von solchem Gerede zu halten ist. zeigte ihnen unser Redner Genosse Borgmann. Es ist vielleicht nicht überflüssig, daß wir auf den Gegenstand noch einmal zurückkomme». Gerade die Uebersicht über die Gemeindeschul- frequenz, die den Anlaß zu dieser Debatte über den Wert oder Unwert de? AchtklassensystemS gab, bestärkt uns nur noch in der Meinung, daß die Erfolge des Achtklassensystems sich von Jahr zu Jahr bessern werden. Wieder hat in dem laufenden Winterhalbjahr, auf daS die Frequenzübersicht sich beziehlt, die Zahl der in die obersten Klassen aufgerückten Kinder zugenommen. Ueberblicken wir den Zeitraum vom Winterhalbjahr 1997/98 bis zum Winterhalbjahr 1999/19, so sehen wir, daß die Gesamtzahl der Gemeindeschulkinder Berlins infolge deS Rückganges, der in 1998 begann, jeyt niedriger ist als Ende 1997. Vermindert hat sich aber die Zahl der Kinder nur in den unteren und in den mittleren Klassen, in den oberen hat sie ununterbrochen sich vermehrt. Im November 1997, Mai 1993, November 1998, Mai 1999, No- vember 1999 wurden gezählt: in den zweiten Klassen 9319, 19 129, 19 177, 19 381. 19 398 Knaben und 19 696, 19 399, 19 683. 19 844, 11 259 Mädchen, in den ersten Klassen 4347, 4724, 4773, 4988, 3137 Knaben und 4736, 3924, 5973, 3363, 3421 Mädchen. Diese Zahlenreihen zeigen besonders für die ersten Klassen eine kräftige Aufwärtsbewegung, wobei immer zu beachten ist. daß im Lauf derselben fünf Halbjahre in den Gemeindeschulen Berlins die Gesamtzahl der Knaben von 112921 auf 112 380, die der Mädchen von 113 347 auf 114 798 sich ermäßigt hat. Wir dürfen erwarten, daß die Aufwärtsbewegung der Frequenz erster und zweiter Klassen fortdauern wird, so daß schließlich eine ausreichend große Zahl Gemeindeschulkinder in diese Klassen gelangt. Daß in einer achtjährigen Schulzeit sämtliche Kinder eS bis zur obersten Klasse bringen, wird sich selbstverständlich niemals erreichen lassen. Auch bei sieben, ja sogar bei sechs Klaffen würde das nicht möglich sein und ist e« nicht möglich gewesen. Die hemmenden Ursachen, die so manches Kind im Aufrücken beeinträchtigen, sind in der Stadtverordnetensitzung er- örtert worden. Auch Stadtschulrat Fischer hat sie bei der Feier der Einweihung der 399. Gemeindeschnle in seiner Festrede berührt. Unter anderem nannte er die zahlreichen Umzüge innerhalb der Stadt, die zu einer Umschulung der Kinder nötigen, auch die zahl- reichen Zuzüge von außerhalb, die den Gemeindeschulen Berlins für die nach außerhalb wegziehenden Kinder einen minder gut vor- gebildeten Ersatz zuführen. ES hätte nahe gelegen, hier auch auf diejenigen Umschulungen hinzuweisen, die die Schul- Verwaltung den nicht umziehenden Kindern auf- zwingt, weil sie der Ersparnis wegen die Klassen mög- lichst füllen will und minder gefüllte Klassen auflöst. Der Herr Stadtschulrat überging in seiner Festrede diesen Punkt mit völligem Stillschweigen. Weiß einer, wie groß alljährlich die Zahl dieser Um« schulungen ist? In den Verwaltungsberichten der Schuldeputation* finden wir Angaben über die Zahl der Kinder, die ihre Schulen verließen, ohne die Schulpflicht erfüllt zu haben, d. h. derjenigen Kinder, die lediglich ihre Schule wechselten(soweit sie nicht durch Tod ausschieden oder in Erziehungsanstalten gegeben wurden). Im Schul« jähr 1998/99 schieden aus ihren Schulen aus: 18 999 Kinder wegen Verzug innerhalb Berlins, 19 361 wegen Verzug nach außerhalb, 2234 wegen Uebertritt in höhere Lehranstalten, 243 wegen Ueberweisung in Fürsorgeerziehung, 336 durch den Tod. Außerdem wird für 8486„Umschulung aus anderen Gründen" genannt. Was für„andere Gründe" können das sein? Wir müssen annehmen, daß wir es hier mit jenen Umschulungen zu tun haben, die die Schulverwaltung aus Ersparnisgründen den Kindern auf« zwingt. Die Zahl dieser Umschulungen ist in den letzten Jahren noch beträchtlich gestiegen: in dem Jahrfünft 1994/93 bis 1998/99 war sie 6637, 6396, 7318, 6796, 8486. Wie toäps, wenn die Schulverwaltung sich bemühte, wenigstens diese Ursachen der Beeinträchtigung des Unterrichts- erfolgeS zu beseitigen? Aber gerade hier, wo ihr die Möglichkeit gegeben ist, bessernd einzugreifen, wird sie eS nicht tun wollen. Unsere Gemeindeschulen werden die auf- gezwungenen Umschulungen behalten, weil— nach einem Wort des Stadtschulrats— Geni ein beschulen nicht niit höheren Lehran st alten zu vergleichen sind. Gemeindeschulen müssen es eben leiden, daß man sie nicht als einen Schul- organismus ansieht, sondern als ein Sammelsurium von Kindern, die man bald hierhin, bald dorthin schiebt. Gemeindeschulen nlüsien damit zufrieden sein, daß man ihnen die minder gefüllten Klassen auflöst und die überzähligen Kinder fremden Schulen zuweist. Und das um der Ersparnis willen! Neujahrsgrüße des Weltverkehrs. Seit einer Reihe von Jahren hat sich die Sitte herausgebildet, daß die großen Post- und Tele- graphenämter der ganzen Welt Neujahrsgrüße austauschen. Von Berlin aus werden nach allen wichtigen Hauptstädten des In- und Auslandes poetische Depeschen und künstlerisch ausgestattete Karten- grüße gesandt. Für die Glückwunschkarte der deutschen Reichspost wird sogar in der Regel eine Preiskonkurrenz ausgeschrieben. Hier gratulieren auch die großen Telegraphen- und Postämter unter sich mit bunten Karten. Die Zahl der Depeschen und Karten, welche aus allen möglichen deutschen Gauen und aus dem Auslande kommen, geht in die Hunderte. Sie zeigen gewöhnlich hübsche An- sichten der betreffenden Städte und sind in der Landessprache oder in mehreren Sprachen abgefaßt. Regelmäßig waren in den letzten Jahren unter anderem Oesterreich, England, Holland, die Schweiz, Amerika, die Türkei, Ostasien vertreten. Beispielsweise depeschierte Wien vor Jahresfrist an Berlin die folgenden launigen Knittelverse: Im neuen Jahre 1999 Da wollen wir's wie un'sre Kanzler halten, Ob auch Gefahren uns umdräun, Wir bleiben doch die festverbundenen Alten. Schon Schiller sagt, daß Treu' kein leerer Wahn, Und Schiller hat von Bülow nichts gewußt Und nichts, wie unten am Balkan Man die Völker gegen Oestreich hußt. Hauptsache bleibt aber doch der„Draht", Selbstverständlich, wenn man ihn hat. Drum bring' auch das neue Jahr so viel Geld, Als man in Berlin Denkmäler zählt. Wir schreiben Herrn Kraetke an der Jahreswende aufrichtig inS Weltverkehrs-Staminbuch: Halt nicht mehr Neujahrskarten feil Und setz' Dich bald auss Altenteil! Wie„Interviews" deS„Berliner Lokal-Anzeiger" zustande kommen. Die Sucht des„Lokal-Anzeigers", bei allen möglichen Gelegen- heiten bestimmte Personen interviewen zu lassen und das Ergebnis in sensationell aufgeputzter Weise seinem Lesepublikum brühwarm vorzusetzen, hat dem Scherlblatt wieder einmal eine arge Blamage eingebracht. Zum Ausgang des Kwilecki-ProzeffeS brachte der„Lokal-Anz." ein längeres Interview mit dem Posener Rechtsanwalt Landsberg, dem Vertreter der Frau Mayer. Nun teilt Justizrat Landsberg in den„Pos. Neuesten Nachr." mit, daß er ein solches„Interview" mit niemand gehabt habe. Auf das telegraphische Ersuchen eines Berliner Herrn habe er eine Ausfragerei abgelehnt und nur lediglich ein paar Fragen beantwortet. Daraus habe nun der„Berl. Lok.-Anz." ein langes Interview konstruiert, dem er auf keinem Fall beistimmen könne. Justizrat Landsberg verwahrt sich ausdrücklich gegen diese„blöden, seiner Anwaltsstellung und seiner Ueberzeugung widerstreitenden Be- merknngen." Justizrat Landsberg hat ein Schreiben an die Redaktion des „L.-A." gerichtet und den Abdruck desselben verlangt. In seiner gestrigen Morgenausgabe bringt der �,L.-A." nur eine kurze Bemer- knng aus dem Schreiben und wie wir konstatieren können, unte.r Weglassung der scharfen Worte. Das Originalschreiben, das in den „Pos. Neuest. Nachr." veröffentlicht ist, wird sich Herr Scherl wohl nicht hinter den Spiegel stecken. Eisenbahnunfall. Nach amtlicher Meldung ist in vergangener Nacht, 1 Uhr 35 Minuten, bei der Einfahrt des letzten fahrplan- mäßigen StadtbahnzugeS in Bahnhof Charlottenburg in der Weiche 2 die Maschine und der erste Wagen des ZugeS entgleist. Die Auf- gleisung beanspruchte die Zeit bis 7 Uhr 23 Minuten morgens. Bis dahin wurde der Betrieb über die Ferngleise auftechterhalten. Personen sind nicht verletzt worden. Der Schaden an den Betriebs- Mitteln und dem Gleise ist unerheblich. Ein Bauunfall, bei dem zwei Personen verletzt wurden, ereignet« sich gestern gegen Abend in der Kurfürstenstraße 113/116. Auf dem umfangreichen Grundstück führt der jüdische„Brüderverein zu gegen« seitiger Unterstützung" Neubauten auf. die im Rohbau fast fertig- gestellt sind. Gestern waren nun Arbeitee damit beschäftigt, in der Dachkonstruktion einen schweren Träger zu verlegen. Dieser ruhte an beiden Enden auf Holzblöcken und war zur Vorsicht angeseilt ivorden. Durch Zufall(jeriet nun einer der Holzblöcke ins Wanken, wobei auch zwer Arbeiter das Gleichgewicht verloren und mehrere Meter tief in daS oberste Geschoß hinabstürzten. Da sich sofort das Gerücht verbreitete, daß ein Teil deS Dachgeschosses eingestürzt sei und Personen unter sich begraben habe, so wurde die Charlottenburger Feuerwehr herbeigerufen. Diese brauchte jedoch nicht in Tätigkeit zu treten, da die abgestürzten Arbeiter bereits in Sicherheit gebracht waren. Ihre Verletzungen erwiesen sich glück- licherweise auch nicht als schwer. Beide konnten nach Anlegung von Verbänden ihre Wohnung aufsuchen. Unglaublich leichtsinniges Umgehen mit einer Schußwaffe hat abermals einen bedauerlichen Unglücksfall herbeigeführt. Vorgestern abend begab sich der Musikdirektor im königl. Opernhause Fritz Bäcker nach Erledigung von Weihnachtseinkäufen mit seinen beiden Söhnen im Alter von 8 und 19 Jahren nach einem Waffengeschäft in der Friedricbstraße, um einen Revolver entladen zu lassen. Der hier tätige 24 Jahre alte Angestellte Hugo Brandt ging mit der Waffe so fahrlässig um. daß sie sich plötzlich entlud und eine Kugel dem älteren Sohne Bäckers in die rechte Seite unterhalb deS Schulterblattes drang, die Lungenspitze durchbohrte und im Körper stecken blieb. Herr B. brachte den Knaben mittels Droschke nach dem Urbankrankenhause, wo er bedenklich daniederliegt.— Daß ein Anqestellter eiucS Waffengeschäftes ein solche» Unglück verursacht, ist unbegreiflich. KindcSmorde? Eine grausige Entdeckung machte vorgestern der Schneider Reinhold Sommer in der Metzerstr. 26. Als er einen Ofen zum erstenmal heizen wollte, fand er im Feuerloch ein Paket. das die Leiche eines neugeborenen Kindes enthielt. Diese war schon stark verwest. Ob daS Kind umgebracht worden ist, lieb sich deshalb nicht ohne weiteres mehr feststellen. Die Mutter ist wahrscheinlich ein Mädchen, das Ende Juni dort gewohnt hat. Es muß das Kind heimlich geboren und die Leiche in den Ofen gesteckt haben. Die Unbekannte nannte sich damals Franziska BawelSki. Als sie wegzog gab sie an. dab sie nach Danzig zurückfahren wolle. Ob jedoch ihre Angaben richtig sind, ist sehr die Frage.— Eine andere Kindesleiche fand gestern abend ein Beioohncr des Hauses Kreuzbergstr. 48 auf dem Biirgersteig. Auch diese wurde der Polizei übergeben und nach dem Schauhause gebracht. Gefunden. Ein auf den Namen Georg Schellack, Mechaniker, lautendes Mitgliedsbuch Nr. 358156 de» Deutschen Metallarbeiter Verbandes ist gefunden worden. Abzuholen in der Zeitungs spedition Rummelsburg, Alt-Boxhagen 56. Im Rose-Theater beherrscht Goethes„Faust* den Spielplan. Das Stück geht mit Ausnahme von Freitag, Silvesterabend, täglich in Szene. Am Silvesterabend gelangt daS Lustspiel.Der Vizepapa von Artur Richards zum erstenmal zur Aufführung. An den drei Feiertagen wird nachmittag» am ersten„Maria Stuart*, am zweiten „Kabale und Liebe", am dritten„Die Grille* gegeben. Feurrwehrnachrichten. In der letzten Nacht kam in der Warschauer Straße 4l/42, nahe der Warschauer Brücke, in einem großen Fabrik- gebäude Feuer aus. Dort brannten in einer Korkenfabrik Regale. Fenster, Decken, Korken, eine Korkenniühle und anderes. Die Flamme» hatten schon eine solche Ausdehnung erlangt, daß der 7. Zug gleich mehrere Schlauchleitungen vornehmen mußte, um ein Uebersprutgtn der Flammen auf die übrigen dort befindlichen Be- triebe zu verhüten. Erst nach mehrstündiger Tätigkeit konnte die Feuerwehr wieder abrücken. Der Schaden ist erheblich, soll aber durch Versicherung gedeckt sein. Ueber die Entstehung war nichts zu ermitteln.— In selbstmörderischer Absicht versuchte sich in der letzten Nacht eine Frau in der Blücherstraße 33 mit Leuchtgas zu vergiften. Die um Hilfe angegangene Feuerwehr entsandte unverzüglich zwei Samariter mit Sauerstoff. Nach etwa einstündigem Bemühen war die Frau so weit wieder hergestellt, daß man Hoffnung auf Rettung hege» darf. Vorort- JVacbricbteih Weihuachtsveranstaltungen. SchZueberg. Am ersten Weihnachtsfeiertage findet in den Neuen Rathaussälen eine Festlichkeit des Arbeiter-GesangvereinS.Schöne- berger Mäunerchor* statt. Konzert. Gesang und Tanz bilden das reichhaltige Programm und sind Billetts in der Spedition, Martin-Luther-Straße 51. zu haben. Der Arbeiter-Turn verein veranstaltet an demselben Tage in den Prachtsälen des Westen?, Spichernslraße, sein WeihnachtZ Vergnügen. Stralan. Der Wahlverein begeht sein diesjähriges WeihnachtSl fest am Sonnabend, den 25. d. M.(1. Feierag), in den Markgrafen fälen. Markgrafcndamm 34, unter Mitwirkung des Berliner Sinfonie Orchesters(Dirigent Maximilian Fischer), des Gesangvereins„Froh sinn* und„Vorwärts IV*(M. d. A.-S.-B.) und des„Berliner Volks Kabarett" des Herrn Rosemann-Roffe*. Anschließend großer Ball. Saalöffnung 5 Uhr. Beginn des Konzerts 6 Uhr. Eintritt 30 Pf. Die arbeitslosen Genossen nebst Familie haben freien Eintritt. Köpenick. Der Gesangverein„Mnnner-Chor*0 M. als einmaligen Beitrag bedingungslos geben und 10 000 M. als unverzinSbare» Darlebn auf siins Jahre zur Verfügung stellen. Nach einigen Aeußerunaen de« Herrn giggert sowie de« Genoslen Kitzing hierzu wurde be- ichlossen, daß der Bankverein, der«inen großen Nutzen von der Durchlegung ziehe, ein höheres Angebot bringen könne, vorläufig soll von dem Projekt Abstand genommen, im übrigen aber weitere Vorschläge in dieser Angelegenheit in Erwägung gezogen werden. Der Kostenanschlag beträgt 73 666 M. ohne Grundstück. Hierzu hätte der Bankverein 56 006 M. und die Gemeinde Britz 36 606 M. aufzuwenden. Der Punkt„GaSanstaltsangelegenheiten* rief eine längere Debatte hervor. Der vor zehn Jahren mit der Englischen Gasanstalt ab- geschlossene Vertrag wurde von der Gemeinde Britz am 16. Dezember 1968 gekündigt und ist abgelaufen. Der endgültige Abschluß deS KaufverlrageS hat noch nicht vorgelegt werden können, da die Eng- tische Gasgcsellschaft jetzt höhere Forderungen an die Gemeinde stellt. ES wurde beschlossen, daß schon jetzt die Arbeiter und Beamten der Gasanstalt von der Gemeinde übernommen werden. Der Vorsitzende be- tonte, um fernerhin die Rentabilität deS Gaswerks aufrechtzuerhalten. sei es notwendig, daß der Preis für Gas vom 1. April 1916 ab erhöht werden müsse. In zahlreichen Orten in der Umgegend Berlin» werde ein höherer GaSpreis erhoben wie bisher in Britz. Er schlug einen Einheitspreis von 14 Pf. für Koch- sowie Leuchtgas vor. wobei eüi Gasmesser gespart würde. Ferner machte der Vor« sitzende einen Vorschlag, wonach 11 resp. 18 Pf. gefordert werden sollen, dafür aber die Messermiete in Wcgfall kommen müffe. Herr Ziggert wandte sich gegen den letzten Vorschlag. Genosse Kitzing trat im Höchstfalle für einen DlirchniltSpreiS von 18 Pf. ein. Der Vorsitzende betonte, daß seine Ausführungen hierüber nur dazu dienen sollten, um die Aussprache zu fördern. An die um 6>/z Uhr beendete öffentliche Sitzung, schloß sich noch ewe nichtöffentliche an. Spandau. Gegen die letzte Stadiverordneten- Stichwahl Sex zweiten Ab« teilung ist bekanntlich seitens eines durchgefallenen Kandidaten, dem Betriebstechniker Schirmbeck Protest eingelegt worden, in welchem zur Begründung u. a. gesagt war, daß zirka 12 Wähler doppelt gewählt haben. Die letzte Stadtverordnetenversammlung beschloß, diese An« gelegenheit einem Ausschuß zu überweisen. Der Ausschuß hat nun getagt und ist zur Ungültigkeitserklärung der Wahl ge- kommen und zwar aus folgenden Gründen: Die Behauptung deS Proteste», daß zirka 12 Wähler doppelt gewählt haben, ist nicht erwiesen, der Ausschuß greife aber bei der Prüfung auf die Haupttvahl zurück und vertrete die Ansicht, daß diese Haupt- wähl eigentlich ungültig sei, weil infolge de? großen Andranges und bei der Unzulänglichkeit des Wahllokals viele Wähler ihr Wahlrecht nicht ausüben konnten, was nach bezüglichen Entscheidungen deS Oberverwaltungsgerichts zur Ungültigkeitserklärung ausreicht. Nun hat aber die Siadtverordnetenveriammlung die bei der Hauptwahl der II. Abteilung erfolgten Wahlen für gültig erflärt und gegen diese ist auch in der gesetzlichen Zeit kein Protest eingelegt worden. Bei dieser Sachlage wird man ja sehr gespannt sein können, wie sich die Stadtverordnetenversammlung zu diesem sonderbaren Beschluß des Ausschusses stellen wird. E-Z ist kaum anzunehmen, daß sie den- selben gutheißen kann. DaS Bild wird allerdings verständlich, wenn man berücksichttgl, daß Dr. 5kantorowicz ein etwas freiheitlich gesinnter Liberaler und vor allen Dingen Jude ist, während die Stadtverordneten Dr. Baumert. Bender und Lüdicke zu denjenigen Personen gehören, die man gemeinhin als Judensresser bezeichnet. Sollte der unhaltbare Beschluß des Ausschusses in der Stadtverordneten-Bersammlung genehmigt werden, dann kann man dem Spandauer Liberalismus wirklich Beileid zu seinem Begräbnis aussprechen. Er hat dann vollständig ausgespielt und sich vollständig ins Schlepptau der Konservativen nehmen lasten. Verdient hat der Spandauer Stadtsreifinn ja eine solche Blamage reichlich, denn bei der letzten Wahl wie auch bei den früheren hat er tapfer sich unter die Fitlige des Reichsverbandes nehmen lassen. In den Bezirks« vereinen, die auch als liberal und freifinnig gelten, ist eS offen ausgesprochen, daß die Bestrebungen des Reichsverbandes zu unter- stützen seien. Bei den Sozialdemokraten kann dieses Intermezzo nur Heiterkeit hervorrufen. Vcrnufcbtcs. Ein Eisenbahnunglück. Ein» amtlichen Meldung aus Bremen zufolge fuhr gestern früh um 6 Uhr 25 Min. infolge Ungangbarkeit d» Eingangsweiche bei der Station Scheeßel der Hamburger v.«Zug 91 auf den Schluß dZS Güterzuges 9319. Rittmeister Ernst v. Maltzan vom 9. Dra- gonerregiment in Metz und Oberarzt Dr. Otto Koelpin von der Provinzialheilanstalt in Bonn wurden getötet. Leicht verletzt wurden die Gattin des Dr. Koelpin. der Oberarzt Braundors in Rostock und ein Packmeister. Die Lokomottve und zwei Wagen deS O.-ZugeS 91 sowie mehrere Wagen des Güterzuges S31S wurden beschädigt. Ein weiteres Eisenbahnunglück wird aus Benthe» gemeldet! Der Personenzug 585 ist gestern nachnttttag zwischen den Stattonen Ludwigsglück und Borsigwerk von hinten auf den Schnellzug 83 aufgefahren, der kurz vor Borsigwerk hielt. Bon dem Personenzuge entgleisten ein Block- und ein Gepäckwagen, von dem Schnellzuge ein Heiz- und ein Personenwagen. Drei Personen find leicht ver» letzt. Der Materialschaden ist gering. Die Schnellzüge werden in» zwischen über Kattowitz, Schwientochlowitz, Zabrze und Gleiwitz umgeleitet._ Schiffsunfälle. Wie eine Meldung aus London besagt, wütet an der englischen Küste ein heftiger Sturm, der große Verheerungen angerichtet hat. Eine Reihe von Schiffsunfällen werden b«ichlet, auch vermißt man mehrere Dampfer, welche übersällig sind. Jv Nordengland herrschen starke Schneestürme. Einer Lloydmeldung aus Oporto zufolge ist da» Waff»«n dortigen Hafen durch Sturmfluten gestiegen. Verschiedene Schiffe, darunter der deutsche Dampfer„Cintra*. befinden sich in gefähr« l i ch e r Lage. Viele mit Güter» beladene Leichter sind gesunken. ReueS Erdbeben in Armenien. In Erzerum erschütterte, einer Meldung aus Konstantinope! zu- folge ein furchtbares Erdbeben alle Ouarttere der Stadt. Die GarnisonSkaserne ist eine Ruine, die geretteten Soldaten, Gendarmen und gesamte Bevölkerung kampieren trotz der sibirischen Kälte im Freien. Die Größe des MenichenverlusteS ist unbekannt. Seit Tagen waren bereits in Bodenschwankungeu Anzeichen der herannahenden Katastrophe erkennbar. Auf einen Racheakt vo» Sträflinge» dürste«in Bootsunglück zurückzuführen sein, das sich w der Nähe der Halbinsel Cayenne ereignete. Wie die Pariser Blätter auS Cayenne melden, kenterte in der Nähe der Halbinsel auf nicht aufgeklärte Weise eine von Sträflingen bediente Donipsschaluppe. in der sich ein Oberaufseher, zwei«erzte. mehrere Aufseher und zwei Frauen mit zwei Kindern nach der Straf« kolonie Kuru begeben wollten, wo eine Meuterei ausgebrochen war. Alle, mit Ausnahme der Sträflinge, stürzten ins Wasser. Die Straf- linge retteten die Frauen und die Kinder und ließen die anderen er- trinken. Aufseher, die am Ufer dem«orfall zusahen, konnten sich nach heftigem Kamps mit den Sträflingen der Schaluppe bemächttgen. Wie es heißt, ist die Meuterei infolge der Wiedereinführung der körperlichen Züchttgung ausgebrochen. Stnrmvcrhrerungeu aus Lissabon gemeldet„ Verheerungen angerichtet._______________________ Der Südexpreß entgleiste bei Santirm, zwei Wagen worden zer« �rüminert, Personen jedoch nicht verletzt. Opfer de» Meere». In ruhiger Dünung rollen wieder die Wogen der Nordsee, die im Sturm der letzten Wochen nicht weniger als 27 braven Fischern von der Marscheninsel Finkenwärder in der Nordevelbe ein kühle» Grab geworden sind. Alle Hoffnung, daß die vermißten 3 Fisch» kutter mit ihrer 27 Mann zählenden Besatzung noch einmal auf» tauchen könnten, sind von den maßgebenden Stellen jetzt aufgegeben worden, wenn dielleicht manch Angehöriger auch noch von einem Wunder träumt, das den Gatten oder Sohn oder Bruder wieder zurückführen soll. Finkenwärder ist ein dunkle» Kapitel in der Geschichte unserer Seefischerei. Jahraus, jahrein zollen seine Be- wohncr dem Meere ihren Tribut. Finkenwärder ist noch der einzige deutsche Seefischereiplatz, von dem aus die Hochseefischerei mit«egelfahrzeugen ausgeübt wird, sonst geschieht die» überall mit den viel seetüchtigeren Dampfern. In den letzten Jahren hatte man das Augenmerk namentlich darauf gelenkt, die Segelkutter größer zu bauen, damit sie nicht bei einem plötzlich einsetzenden Sturm sofort verloren waren. Man hatte dabei auch ganz hübsche Erfolge erzielt, die Verlustziffern auf dem Meere sanken auf ein Minimum, bis der Tod das in den letzten Wochen wieder einholte. Selbst wenn der Orkan, der in solcher Stärke seit Jahren nicht ge. tobt hat, die Fahrzeuge bis in die nördliche Nordsee entführt hätte, müßte man davon schon lange Nachricht haben. Von den 27 Unter- gegangenen waren die meisten verheiratet und das kommende Weih- nachtsfest sieht eine große Schar von Hnlbweisen. Es liegt ei» Stück Tragik von.Pierre Lotis„Jslandfischer" in dem Schicksal der Leute von Finkenwärder, das überall warme Teilnahme finde« wird. Die Hinterbliebenen der Toten haben einen rechtlichen An» soruch nur gegen die Seeberufsgenossenschaft und deren Renten find nicht allzu große. Freireligiöse Gemeinde. Däbrend der DelhnachtZfer-ien in der Papvei-Slllce 15/17 keine Vorlesung. Am 1. Feiertag, vormittags 1t Uhr. Kleine Fravksurter Straße 6: Fe st Vortrag von Herrn Pros. Dr. A. Gehrke.— Am 2. Feiertag: Fe st Vortrag von Herrn E. W. Trojan.— Damen und Herren als Gäste sehr willkoinmen. Eingegangene Druckfcbriftai. Don der„Neuen Zeit«(Stuttgart, Paul Singer) ist soeben MS 13. Hell des 26. Jahrgangs erschienen. ES hat solgenden Inhalt: Die Äeschästsinonarchie.— De la Mettrie. Zu seinem zweihundertsten Geburts. tag. Bon Victor Eonstans(Paris).— Fünsunvzwunzig Jahre Kranken- Versicherung in Deutschland. Von Gustav Hoch(Hanau a. M.).— Mas !ann der Arbeiter sür PildnngZzwccke auswendcn< Von Johannes Heiden. — Technisch-wirtschastliche Nunoschau. Bon Rich. Woldt.— Literarische Rmtdlchau: Howard EvanZ, Lir Ranäal Cromer, His Life and Work. Von I. S., London. S. Cannnareri-Scurti, ll latifondo in Sicilia o rinferioritä raaridionalo. Von Oda Olberg.— Zettschristenschau. Die„Neue Zeit' erscheint wöchentlich einmal und ist durch all« Buch« Handlungen, Postanstalten und Kolporteur« zum Preise von 8.25 SR. pro Ouartal zu beziehen; jedoch kann dieselbe bei der Post nur pro Quartal abonniert werden. DaS einzelne Hest lostet 25 Ps. Probennnimern stehen jederzeit zur Versüaimg. for Stodenta(Sozialismus für Studenten) von Joseph E. Cohen. 153 Seiten. 50 Cents.— lilstopy of th© grcat umcpican t'ortunca(Geschichte der großen amerikanischen Vermögen) von GustavuS MyerS. Band I. 236 Seiten. Chicago 1310, bei Charles H. Korr u. De. Die Konjunktur. Monatsschrift sür DlrtschastSkunde und MrtschastS- Politik, herausgegeben von Richard Calwcr. 1. Jahrgang. Hest 3. Viertel- jährlich 6 M. Einzelheit 2 M. Verlag, Berlin W 30. Kuf Sangfahrt. Abenteuer und Erlebnisse eines WeltenbmnmlerS M Wasser und zu Lande. Von Otto LarSsen. Preis 5 M, geb. SM. DaS Herz. 263 Seften.— Die Fessel. 259 Seiten.— Die Tptnnr von Isera. 107 Seiten. Haupt u. Hammon. Verlag, Leipzig. Amtlicher Marktbericht der städtischen Marktballen-Dftekfton über den Großhandel in den Zcntral-Marktballen. Marktlage: Fleisch: Zufuhr stark. Geschält rege, Preise sür Schweinefleisch anziehend, sonst unverändert. Wild: Zufuhr knapp, Geschäft nicht lebhast genug, Preise ......~-■ Zufuhr sehr reichlich, Geschäft flau, genügend, Geschalt.rege, Preise be- zum Test nachgebend. Geslügel: Zustlhr sehr reichlich, Geschäft flau, Preise ungenügend. F i s ch e: Zufuhr genügend, Geschalt.rege, Preise be- sriedigend. Butter und Käse: Geschäft ruhig. Preise unverändert. -''"........ usuhr genügend, Geschäft ruhig. ..emüse.Obst und Südfrüchte: Preise sür Acpsel nachgebend, sonst sest. Theater und Vergnügungen nun DDG □□□ Sämtliche Theater geschlossen. Q©aGlng-'I'I»©»t©p. Freilag: Geschlossen, Die Kasse ist von 10—1 Uhr g-ösfnet. Sonnabend, 8 Uhr: Daö Konzert. berliner T'Keater. Heute: Geachlosacn. jgÄjtolie Politik. Neues Theater. Bends 8 Uhr: Sonntag un linier WendS 8 Uhr: Sonnabend, Sonntag und Montag: «» Idesler lies Vestevs. Herne: Geichlossen. Ab morgen täglich 8 Uhr: Die geschiedene Fron. Sonnabend 3'/« Uhr: Ein Walzer- trium. XeueB Operetten-Theater. Schissbau crdamm 25. a. d. Luisen fir. Heute: Gearh1oa<«en. M.rgen nachmittag 3 Uhr: Der Klgeunorbaron. SIB, 8 U.: Graf von Luxemburg, 8c!igli8fliö!!t2it8. Heute: Geaehleaaei». Sonnabend, 25. Dez., nachm. 3 Uhr: Flachsman« als Erzieher. Abends S Uhr: Die Haubenlerche. Sonntag nachm. 3 Uhr: Othello. Abends 8 Uhr: Im bunten Rock. Lusisplelhaus, Heute: Geachlosaen. S mnabend u. Sonntag nachm. 3U.: Ata'i ioi» keine Brief« schreiben. ?lber.dS 8 Uhr: Der dunkle Punkt. Sclilller-Theater. Schiller-Theater 0.(Wallner-Theat.) Freitag: OcachlosHcn. Sonnabend, nachm. 3Uhr: Itahaie and Liehe. Ein bürgerliches Trauerspiel inö Akten von Friedrich Schiller wmr Ende 5>/, Uhr."90 Sonnabend, abends 8Uhr: Der Sehanr der Trene. Lustspiel in 3 Akten v. O. Blumenthal. SET Ende IG/, Uhr. Sonntag, nachm. 3 Uhr: ZsaraiS. Sonntag, abends 8 Uhr: ZI IL ttehhs. Montag, abends 8 Uhr: Hin VelhuTelnd. Lehllter-Theator(Charlottenhurg). Freitag: GeachloaBcn. Sonnabend, nachm. 3 Uhr: Geapenater. Ein Familiendrama in 3 Auszügen von Henrik Ibsen. gm- Ende 5'lt Uhr»Ml» Sonnabend, abends 8Uhr: Die VertchwSrung d. Flesko zu Genua. Ein republikanisches Trauerspiel in 5 Akten von Friedrich Schiller. (MT Ende 11 Uhr.»M» Sonntag, nachm. 3 Uyr: Die Uhre. Sonntag, abends 8 Uhr: Die Drant von Deaalna. Montag, nachm. 3 Uhr: Daa Kathchen v. Heilhronn Montag, abend» 8 Uhr: Der Zleineidhaaer. Residenz-Tiieater Direktion: Richard Alexander. Hente: Geaehloaaea. An den Feie, tage»: Im Tauben- schlag. 1. Feiertag 3 Uhr: Musotte. 2. u. 3. Feiertag 3 U°r: Kümmere Dich um Amcli«.__ Volks-Oper. SW., Belle-Alliance-Strasji Sir. 7/g. Heute: Geaehloaaen. löisso-IliSkirss. Heute: Geaehloaaea. Sonnabenv 3Uhr: Gib mich frei. 8 Uhr: Reise um die Erde tn SO Tagen. Sonnlag 3 Uhr: Die Geier-Wally. 8 Uhr: Die Reise um die Erde in 80 Tagen. M-ntag 8 Uhr: Wilhelm Tell. 8 Uhr zum 25. Male: Gib mich frei. MSiTS Panopticum Friedrlchstr. 105(Pschorrpalast) Familientage! Jeder Besucher kann I Kind frei einiiihron! Gr. Weihnaebts-Ütistellting Hfd�eribrödeL Dornröschen. Schneewittchen. Indische WltwenaVerbrennung. ■ GroBa Illusion in acht Bildern." r An den 3 Feiertassen täglich 2 Vorstellungen. Heitere Künstler-Abende. Grammophon-Konzerte: Carnso, Ahott, Ancoaa, Farrar. Brillante Zauhersoireen mit vollattindlfc neaem Programm. 3670L* Urania. Wissenschaftliches Theater. Heute: Oeschlossen. Heute: Geaehloaaen. OSE=THEATE Groge Franksurter Str.>32 Uento Aewehloaaen. Morgen: I'anat. Tragödie o. Goethe. I.Teil. Ans. 8 Uhr. Ende 11'/, Uhr. Nachm. 3 Uhr:_ Maria Stuart. Qasf spiel-Theator. Utozart'Opor. 25. Dezember(1. geiertag) 8 Uhr: Zar und Zimmarmann. Nm.3'/,U.: Postillion von Lonjumeau. 2C, Dez.(2. Feiert.) 8 Uhr: Dia Jüdin. Nm. 3'i, Uhr: llor Praischdtz. 27. Dezember, abd». 8 Uhr: Undlne. Metropol-Theater Heute geschlossen. Morgen und folgondo Tage: Hallo!!! Die groBe Revue! Anfang 8 Uhr. Rauchen gestattet. Folies Capriee. Heute: Geaehloaaen. Am 1., 2. uno 3. Feiertag: Sicher ist sicher. Bunter Teil. Der Man« meiuer Urau.. Ans. 8'/, Uhr. Vorverkauf 11—2 »« An beiden Weihnaohtstagen je 2 Vorstellungen 2 Nachtnittags: Anfang 3>/, Uhr. Kleine Prela© I■" für für Erwachsen« Kinder Terrasse.... 3.— 2— Loge..... 8.— 2.— Parqnet Fautenil 2.50 1.60 Seiten-Terrasse. 2,50 1 50 Fautenil.... 2.— 1.— Reserv. Plata.. 1.— 0.50 Eutree.... 0.73 0.40 Abends: Anfang 8 Dbr. In beiden Vorstellungen; Otto Reutter. ------ La Pia------ in ihrer Szene„Der Wellen Geist*. üferiana Hunde• Theater: „Entführung d. Salome-Tänzerin", goapielc von 42 Hunden und die auserlesenen Sterne am Dezembemtlimniel des Wintergartens. Billette für die Weihnaohtetage sind schon heute Freitag an der Kasse bis abends 6 Uhr zu haben. 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Zahlstelle Berlin. Montag, den 27. Dezember(Z. Weihnachtsfeiertag), in Preyers Festsälen, Eoppenatr 29: Weihnachts»Vergnügen. »SAA KONZERT€€€« ausgeführt vom Neuen Berliner Konzert• Orchester. Dirigent: Radoll Uetz. Paul Jescheck« Ensemble. 83/18* Von SftiChr für Kinder im NebensaaJe: Kasperle-Theater. Im oberen Saal von 1 Uhx ab: Tanz. ErftlTnnng 8 Chr. Eintrittt 60 Pf. inkl Tanz. Anfang 4 Uhr. Das Komitee. NB. Billetts sind ra haben im Bureau, Engelnfer 14, im Restaurant Wilhelm Welzer, Kopponstraße 62(schrägüber von Freyers Festsälen) und im Zigarrengesohäft dea Kollegen Fritz Schwemke, Schönleinstr. 34(Ecke Kottbuser Damm und ßoeokhstraße). (8 kt> kb a> <» ch Branehe der Klavierarbeiter. Montag, den 27. Dezember(3. Weihnachtsfeiertag): Grones Weihnachts-Vergnügen im großen Saale des Oewerklschaftshattses, Engelufer 15. == KONZERT== ll Berliner Ulk»Trio. Nach dem Konzert: TANZ. Anfang 5 Uhr. ausgeführt vom Neuen Berliner TonkOnstl.r- Orchester. Dirig.: Herr Franz HolKalder. Erfilfnung 4 Uhr. Billett Inkl. Tazus SO Pf. Kasperle-Theater. HT* Die BaallDren bleiben«Ihrend der AuffOhrungen geschlossen.-MW Billette sind tn haben bei den Vertrauensleuten der einzelnen Betriebe und im Verkehrslokal bei Bieberstein, Adalbertatraße 59. 93/17* «»»ssssssssssss»sssssss» Freitag, den 24. Dezember: Geschlossen. An den 3 Weihnaohlsfelertagen, 25., 26., 27. Dez.. 3'/, u. 7'/, U.: je 2 große Norkkilungen. Nachmittags hat jeder Besucher 1 Kind unter 10 Jahren> r e t, weitere Kinder zahlen halbe Preise, ausser Galerie. Nachmittags und abends chWU- ungekürzt:"MW vis drei Rivalen Grosse Feerie in 5 Akten. Vorher da» gr. Programm, u. a. Debüt Bagonghi der Rcinftt und komtschst« Retter der Welt Sergeant Ärenan. der bette Dtabolo-Spieler. Der Amerikaner Rtblo mit sewe» wunderbaren Papageien. Die Zirkuokasse ist von 10 Uhr ununterbrochen geöffnet. Vollls-Tdester Blxdorf, Hermaunftrafte 20. Eonnabend, den 26. Dezember: Entehrt. Echausptel in 5 Akten von Heule. Anfang 7 Uhr. Gonntag, den 26 De�mber: Die Heise durch Serlln In 80 Stunden. Posse m. Gesang in 6 Bild. v. Sakingrö. Anfang 7 US«. Montag, den 27. Dezember: Du» Waren haasfraulcln, LoftSstücktn 5 Akt v.OlloNetnh.Popper. _ Ansang 8 Uhr._ Zirkus Busch. Heute, Froitsg; Oesohloesen! An allen 3 Feiertagen: Je 2GroBe O GalaTorattellnngen« Um 3ss, u. 71/. Uhr. tTm 3'/, Uhr eahlon Kinder unter 10 Jahren auf aUea Sitzplätzen halbe Preise(Galerie volle Preise). In sämtlichen Vorstellungen »'/. uhr: Farmerleben. Tl, Uhr- Die neos nissische Pantomime sä aihalla f fi>(f TiMer | Weinbergsweg 19-20, Rosenth.Tor. Heute ge.chlo.Bon! Am 1. und S WribnachtS-I feiertag je S Festvorftellungen I W.Koacks Theater flnumenftt. 1«, am Rolenthaler Tor. An allen drei Feiertagen: Nachmittags mtii abends: Kroße Feß-Norstellungell. 8. u. 3. Feiertag: Familtentanz. Billetts zu allen Vorstellungen tag- tlch ab 11 un Bureau. ZSNSSCUCI,»rae'V. Dtrettion Wilhelm Reimer. vis Weihnachten geschlossen. An allen drei Feiertagen: Gr. 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Dez., nachm. 4 Uhr: Reut Trudchens Touimerretse. K»nle.t»«>t-K».ln«. Holzmarktstrasse 72. Täglich: Gr. Weihnachts-Vorstellungen. Berliner Herzen od«: 0, da gnadenreiche Weihnachtszeft. Weihuachlssestsptet mit Ges. von Fischer-Ohmann mit Frans MobanaM. Reue Spezialitäten, Ans. 8 Uhr. des FeslspielS 0'/, Uhr. An allen 8 Feierlagen: Dr. Fest- Verstollungen. Ans. 5'/, Uhr. Trlanon-Theater, Heute: Gesohloaaen. Sin allen 8 skelertagen abends 8 Uhr Kuridans Esel. fteiebZbsiiell-IbeAler. keilte! keliie Zelfee Sek 8lei!iner LAnger. 1. u.2.Fs!ert.: Ansang 7 Uhr. 1. Feiertag: Ansang 7'lt Uhr. Am 2. Feiertag, mittags 12 Uhr: Gr. WcihnachtS» Benefiz- Matinee. ftUr den Inhalt der Julerate Udrrntmmi die Redaktion de» Vudlitum gegenüber ketuerlel Verantwortung. «nehentliche Teil. zablung liefere sie gante fertige Herren Knaben- Garderobe Ersatz für HI all. Maß- Anfertigung. Feiaste Verarbcltg. 1 unter Leitung erstklassiger Schneldermeistei Jfurzberg Hosenthaler Str. 40 X. 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