9»* 801 flMmemenlMitdtogunato: SbominncntS- Preis pränumerando i Sicrteliährl. 3P0 Ml., mmiatl. l,l0 Ml� wöchenllich A Pfg. frei inS Haus. Einzelne Nummer 5 Psg. SoimtagS- numnict mit illustrierter CamitagS- Bcilage.Die Neue Welt" 10 Pfo. Post- Abonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post- Zeitunas- Pre:!Iisle. Unter Kreuzband für Deutichland und Oesterreich, Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland L Mark pro Monat. PostabonnementS nehmen an: Belgien, Dänemarl, Holland. Italien, Luxemburg. Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. Crfchtlnt täglich ins« Dlontaji. Berliner Volksblnlk. 26. Jahrg. Sie snIertions-Seblllfi' belragt für die scchsgespaltene Kolonel- zcile oder deren Raum 50 Pfg., für politische und gewerlschaftliche Vereins- und Versammlungs. Anzeigen 30 Pfg. „Aleine Anzeigen", das erste(seit- gcdrulltc) Wort 20 Pfg., jede? weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf- ftellcn-Anzcigcn das erste Wort 10 Pfg.» jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm-Adreff«: „SMlaUtrnolirat Rtrlls'*. Zentralorgan der roziatdemokrattfchen Partei Deutfchtands. Redaktton: 8 LZ. 68, Ltndcnstraaac 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Sonnabend, den 25. Dezember 1909. Expedition: 8M. 68, Lindenatraeae 6g» Fernsprecher: Amt IT» Nr. 1984» (jtteibnaebtsbetraebtungen. Die römische Kirche hat das Weihnachtsfest, das Geburts- fest ihres zum ewigen Gott erhobenen im Stall zu Bethlehem geborenen Weltheilands, auf den 25. Dezember festgesetzt, nachdem lange Zeit der 6. Januar als der Geburtstag Christi gefeiert worden war. Für Deutschland erfolgte die Festsetzung durch die Synode von Mainz im Jahre 813. Doch zunächst blieb das Weihnachtsfest ein fast rein kirchliches Fest, bis es mit dem in Erinnerung und Brauch fortlebenden alt- germanischen Fest der Wintersonnenwende verschmolz und da- durch ein volkstümliches Gepräge erhielt. Die Wintersonnenwende bedeutete dem Germanen den Beginn neuen Lebens in der Natur nach starrer Wintersnacht. Das feurige Sonnenrad hatte seinen Lauf vollendet; es wandte um und rollte zurück. Die grauen Winternebel wichen der Strahlenglut der nun wieder nordwärts vordringenden Sonne; die froststarrende Erde taute auf. Neues Leben ent» sproß ihrem Schoß. Die kalte Winterszeit floh vor dem neue Lebenskräfte entfesselnden Lenz. So ward für den Germanen die Wintersonnenwende zum Symbol neuen Werdens. des Anbruchs einer neuen, sonnigeren Zeit. In diesem Sinne feiern auch wir unser Weihnachtsfest und stecken nach alter Sitte brennende Lichter auf den grünen Nadelbaum. Nicht weil wir an die biblische Weihnachtsmär glauben und der Verheißung vertrauen, die das Geläut der Äirchenglocken zu uns trägt:„Friede auf Erden!" Im sich stetig wiederholenden Tageskanipf ist längst der Glaube an die poetische Erzählung von der Geburt eines Welterlösers und Friedenskönigs im Stall zu Bethlehem ver- schwunden. Wir sehen in der frommen Legende des Lucas- Evangeliums nichts als ein Erzeugnis der allzeit geschäftigen Volksphantasie, die, aufgepeitscht durch das brennende Verlangen, Näheres über die dunkle Geburt des ersehnten Erretters aus der sozialen Nacht des kaiserlichen Noms zu erfahren, sich in Anlehnung an heidnische Mythen die Mär von dem in ttesster Niedrigkeit geborenen Welterlöser, dem Vemichter des römi- schen CäsariSmus, schuf. Friede auf Erden! Was wir um uns sehen, ist Kampf— wilder, mitleidsloser Kampf, in dem seit den Tagen des Urchristentums jene, die uns von den Kanzeln herab die Friedensbotschaft predigen, die widerlichste, selbst- süchtigste Rolle spielten. Friede aufErden! Das klingt wie bitterer Hohn auf die christlichen Kirchen aller Bekenntnisse. Kaum hatte sich aus dem Haß und Gezänk der urchristlichen Sekten heraus die christliche Kirche. gefördert durch das Eigeninteresse eines machtlüsternen kaiserlichen Ver- loandtenmörders, zur anerkannten Staatskirche erhoben, als sie. die bisher Verfolgte, auch schon zur Verfolgung jener schritt, die sich nicht ihren durch die Herrschsucht diktterten Dogmen unterwarfen. Die Streittgkeiten über die Frage der Wesensglcichheit oder Wesensähnlichkeit Christt begannen. Ein Konzil verdammte das andere, und in furchtbaren Kämpfen wurde zwischen den morgen- und abendländischen Kirchen die Frage ausgefochten, ob der„Menschen söhn", der nach einem ihm unterlegten Ausspruch selbst nicht wußte, wohin er sein müdes Haupt legen sollte, Gott dem Vater gleich- wertig oder ihm untergeordnet sei. Und noch war der Kampf zwischen der römischen Hierarchie und dem arianischen Germanentum nicht beendet, als schon ew neuer Dogmenstreit über die Frage entstand, ob der aus dem alexandrinischen Logosbegriff und der gnostischen Aeone nlehre herausgewachsene Heilige Geist nur ein Diener des Gott- Vaters sei, ob er auch vom Sohne ausgehen könne und ob er endlich auch in jenem Sinne als göttlich zu gelten habe wie Vater und Sohn selbst, bis schließlich auch diese Streitfrage von der römischen Kirche dahin entschieden ward, daß der Heilige Geist Gott dem Vater und Gott dem Sohne gleich zu erachten sei, und nun die Lehre von dem drei Personen in sich vereinenden Gott entstand— eine Gottvielheit in einem Gott. Doch neue Dogmenstreite, neue kirchliche Spaltungen, neue Glaubensverfolgungen und neue blutige Glaubenskriege folgten. Zur Ehre des als Fnedensfürsten gepriesenen Gottes- sohnes und seiner Erlösungsreligion flammte die rote Glut der Scheiterhaufen auf, und mit Feuer und Schwert trugen die Kirche und die zum religiösen Wahnsinn gettiebenen gläubigen Scharen die christliche Heilsbotschaft, die Friedensverhcißung, in die Hcidenlvelt hinaus. Und in diesem Zeitenlauf hat überall die Kirche, die römische wie die griechische, die lutherische wie die calvinistische, sich dort, wo sich ihr hierarchisches Interesse davon Vorteil versprach, in den Dienst der Mächttgen gestellt: eine Stütze jeglicher Gewaltherrschaft. Für jeden Herrschastsanspruch fand sie in den angeblichen Lehren Christi die göttliche Begründung— für die Sklaverei wie für die Leibeigenschaft, für den Land- raub der mächtigen Grundherren wie für die Maitressen- Wirtschaft des Absolutismus. Es ist daher nur eine Konsequenz ihres inneren Wesens und ihrer Vergangenheit, wenn auch heute wieder die Kirche der einen wie der anderen christlichen Konfession dem in harter wirtschaftlicher Fron aufschreienden Arbeiter zu beweisen sucht, daß Ausbeutung und Unterdrückung, Ueberfluß und Not notwendige Bestandteile der von Gott ge- wollten göttlichen Ordnung sind. Wie so viele andere urchristliche Lehren haben die Nach- folger der Pharisäer auf den christlichen Kanzeln auch den Erlösungsgedanken des Urchristentums völlig verfälscht. Was die proletarischen Schichten des in seinem eigenen Schlamm erstickenden Römerrcichs der neuenHcilsbotschaft zutrieb, das war nicht die Aussicht auf eine Erlösung nach dem Tode, sondern. wie die chiliastisch- kommunistischen Verkündigungen der Johannis-Offenbarung und die Apostelgeschichte deutlich be- weisen, die sichere Hoffnung, daß bald der anS Kreuz ge- schlagene Erlöser wiedererscheinen werde, in aller Herrlichkeit, um die Herrschaft Roms zu brechen und auf dessen Trümmern sein neues Reich des Friedens und des UeberflusseS aufzu- richten. Errettung aus dem materiellen Elend. auS den grauenhasten Zuständen des versinkenden weltumspannenden Römerreichs, das war es. was die Armen und Beladenen auS der Friedensverheißung entnahmen und was sie allen Verfolgungen ttotzen ließ. Heute lehrt hingegen die Kirche. die Erlösungsbotschast verheiße nicht die materielle, sondern nur die seelische Erlösung. Nicht hier auf Erden dürfe jemals die Besteiung aus Elend und Not erhofft werden; erst im Jenseits, nach dem Tode, werde sie den Gläubigen zu teil. Der„Friede auf Erden", den das Weihnachtsglockengeläut verheißt, wäre demnach nichts anderes als der sttlle Friede der Todes- nacht! WaS soll unS dieser Friede? WaS die Verttöstung auf ein Jenseits? Für das um seine Rechte kämpfende Proletariat hat diese Weihnachtsbotschaft, die auf ein Jenseits verweist und auf das Sehnen nach Erlösung aus dem heuttgen irdischen Elend mit der trostlosen Inschrift der Danteschen Hölle antivortet:„Laßtalle Hoffnung fahren!" jede Bedeutung verloren. Diese schöne Interpretation des Friedensevangeliums deucht dem Proletarier eine allzu einseittg auf die Bedürfnisse der herrschenden Klassen zugeschnittene Heilslehre, zumal er täglich sieht, wie trotz aller Jenseitsverheißungen die herrschenden Klassen mit Einschluß der„Geweihten des Herrn" einen ge- walttgen Respett vor den Gütern dieser Welt bekunden und mit fiebernder Hast Schätze sammeln, die nach der biblischen Mahnung der Rost frißt. Für das Proletariat ist das Erlösungsproblem keine Jensetts-, sondern eine Diesseits-Frage: eine Frage der sozialen Gegenwart. Und diese Frage hofft es nicht mit Hilfe eines vom Himmel gesandten Friedensfürsten zu lösen; es weiß, im eigenen Wollen, im eigenen Vertrauen auf sich selbst liegt die Erlöserkraft. Soll eine neue, bessere Welt erstehen, nützt nicht ergcbungs- volles Hoffen auf das Eingreifen himmlischer Mächte, dann gilt es selbst zu kämpfen. Der Erlösungsgedanke des Urchristentums ist in hehrerer Fassung wieder entstanden in den Idealen des Sozialismus; aber der heutige denkende Arbeiter hofft nicht mehr, wie einst der römische Lumpen- Proletarier, daß zu einer in Gottes weisem Ratschluß be- stimmten Zeit das neue Reich von selbst kommen wird; er hat erkannt, daß dieses Reich erkämpft werden muß und daß diesen Kampf durchzuführen, feiner Klasse als ihre hohe historische Mission zugefallen ist. In diesem Bewußtsein feiern auch wir unser Weihnachts- fest nicht als Kirchenfest, sondern als Wintersonnenwendfest, des hohen, frohen Glaubens voll, daß dieser Zeit der sozialen WinterSnacht eine bessere, sonnigere Zukunft folgen wird: das Reich des Sozialismus. Und sind wir auch des Glaubens bar Vom Äeilgen Christ der Kinderzeit, Lind rangen wir auch ernst und klar Empor uns aus dem Fabelstreit, And schwand unS auch der Glaube ganz, Daß aus der Knechtschaft Not und Bann Ein Äeiland voller KimmelSglanz AnS retten und erlösen kann. Wir feiem doch die Weihnachtszeit And stecken Lichter auf den Baum And legen an ein Feierkleid And schmücken festlich jedm Raum; Wir scharen«nS im hellen Saal And bringen Liebesopfer dar And laden ein zum Freudenmaht, Wer mehr als wir noch elend war. Wir feiem doch die Weihnachtszeit, Weil wir des hohen Glaubens voll, Daß nach des Winters Dunkelheit Ein lichter Frühling kommen soll, Ein Frühling voller Glanz und Schei» And voller Blumen ohne Zahl, Ein Frühling ohne Frost und Pein And ohne Not und Erdenquak. Zur Cage im„fernen Osten". Der feierlichen„keruhigenden" Erklärung der russischen Negierung Vom 14. Dezember liev auch die chinesische Regierung am 20. Dezember einen Erlah an den Mzegouvcrneur tion Mulden folgen, in dem dem Vizegouverncur vorgeschrieben wird, durch öffentliche Be° kanntmachungen in allen ihm unterstehenden Ortschaften die G e- rüchte über Komplikationen in der Mandschurei zu dementieren und zur Beruhigung der Bevölkerung sein mögliches zu tun. Da auch die japanische Regierung ein: halb- amtliche.beruhigende" Erklärung abgegeben hat, so hätte man glauben können, dah im„fernen Osten" alles wieder in Ordnung gebracht worden fei. Jedoch fahren die russischen Zeitungen fort, jeden Tag neue„beunruhigende" Nachrichten zu verbreiten. Man weiß nicht nur von den geheimen Vorbereitungen der Japaner, von einer Ueberflut japanischer Spione und Reservisten in der Mandschurei zu erzählen, sondern auch von Zusammenstößen bald zwischen Russen und Japanern, bald zwischen Russen oder Japanern und Chinesen zu berichten. Das eigentümlichste dabei aber ist, daß man in Rußland diesen Gerüchten ebenso wenig Glauben schenkt, wie den offiziellen Erklärungen der Regierung, man glaubt ebenso wenig an die Möglichkeit eines nahen Krieges, wie an die „llnerschüttcrlichkeit" der„herzlichen" Beziehungen in Ostasien. Schon die Tatsache, daß e? eben die„gut informierte" und noch bester snbsidierte„Nowoje Wremja" ist, die am meisten„beunruhigende" Gerüchte verbreitet, zeigt, daß diese Gerüchte mit Einwilligung der russischen Regierung verbreitet werden. Der Alarmruf der „Nowoje Wremja" und die friedlichen Erklärungen der Regierung sind nur verschiedene Mittel zur Einwirkung auf die japanische Re- gierung. Der plötzliche Tod des Fürsten Jto hat nämlich eine peinliche Ungewißheit in den russischen Regierungskreisen hervor- gerufen: ob eine rustenfreundliche oder rnssenfeindliche Strömung in Japan die Oberhand gewinnen wird? Jto war bekannt als ent- schiedener Gegner der russenfeindlichen Strömung. Er war nämlich der Veranlasser der Verhandlungen über ein friedliches russisch- japanisches Abkommen in der Mandschureifrage. Die Reise des russischen Finanzministers Kokowzew nach Charbin und seine Zusammenkunft dort mit Jto hatte zur endgültigen Entscheidung dieser Frage führen sollen. Wie verlautet, waren beide sogar bevollmächtigt, einen in diesem Sinne gehaltenen Vertrag zu unterzeichnen. Ueber den Inhalt berichtet jetzt aus Charbin ein Mitarbeiter der neu ge» gründeten Moskauer Zeitung„lltro Rossii":„Es handelt sich um die Aufteilung der Mandschurei— zuerst in der Form der Be- stimmung der„Ginflußzonen" beider Staaten und dann in der Form der A n n e x i o n der abgegrenzten Teile... Für Japan ist die kulturelle und politische EntWickelung Chinas ebensowenig erwünscht wie für Rußland. Um so weniger, da die EntWickelung China? nur unter Mitwirkung irgendeiner Großmacht oder mehrerer Groß- mächte stattfinden kann. Selbstverständlich werden diese„Förderer" der EntWickelung Chinas auch die größten wirtschaftlichen und politischen Vorteile erzielen." Die zitierte Zeitung ist bestimmt, die Interessen der russischen Industrie und des russischen Großhandels zu fördern. Eine Vereinbarung mit Japan könnte von großen Bor- teilen fiir den russischen Handel in der Mandschurei und in den nordchinefischen Städten sein. Durch solche Vereinbarung könnte man leicht alle Fluß« und Schienenwege in der Mandschurei für die Ausländer sperren.„Die Engländer und Deutschen," beklagt sich die Zeitung,„begnügen sich nicht damit, daß sie Getreide aus Sibirien ausführen, sie fangen vielmehr an, ihre Waren in die ent- sprechenden Gegenden einzuführen und verdrängen russische Waren im nördlichen Teil der Mandschurei und japanische im südlichen Teile." Das Blatt betrachtet somit die Lage ausschließlich vom Stand« Punkt des russischen Handels und ist deshalb entschieden für ein Zu- sammengehen mit Japan. Was sie über den Inhalt des geplanten Vertrags sagt, ist sehr glaubwürdig. Daß Japan seit dem japanisch- chinesischen Krieg bereit ist, der Entwickelung Chinas alle möglichen Hindernisse zu bereiten, unterliegt keinem Zweifel. Daß Japan den Versuch machen wird. Rußland, daS nicht mehr als gefährlicher Konkurrent zu betrachten ist, zur Schwächung Chinas auszunutzen, ist sehr wahrscheinlich. Man wird Rußland kleinere Konzessionen in der Nordmandschurei machen, damit eS sich nicht der Annexion von Korea und dann auch der Südmandschurei durch die Japaner widersetze. ES handelt sich somit wenigstens gegenwärtig nicht um einen neuen Krieg zwischen Ruhland und Japan, auch nicht um die„gelbe Gefahr", um ein chinesisch- japanisches Vorgehen gegen Nußland, sondern im Gegenteil um eine russisch-japanische Koalition gegen China, daS unter Umständen für beide gefährlich werden kann. Selbstverständlich wird Japan bei dieser Gelegenheit versuchen, Rußland auch für die Zukunft unschädlich zu machen, den Frieden von Portsmouth durch neue Bestimmungen zu ergänzen, die die militärische Macht Ruhlands in Ostasien endgültig brechen sollen. Nur im Falle, daß Rußland sich weigern wird, den Friedensvertrag von ISOü in von Japan gewünschtem Sinne zu ändern, kann es wirklich zu einem neuen russisch-japanischen Krieg kommen. Aber für die gegenwärtige russische Regierung wäre ein Krieg zu ver- hängnisvoll, daher wird sie auch den Wünschen Japans nachkommen müssen und Entschädigung in China suchen, ein Versuch, dem sich auch Japan nicht widersetzen wird. Die Frage ist nur, ob es so leicht sein wird, die russisch-japanischen Pläne in China durchzuführen. Der Protest, den China neulich gegen das Vorgehen Rußlands in den Grenzgebieten erhoben hat, beweist, daß China nicht geneigt ist, sich alles gefallen zu lassen. Wie verlautet, findet China eine energische Unterstützung bei der amerikanischen und deutschen Diplo- matie. Amerika und Deutschland sind im Gegensatz zu Japan und Rubland bestrebt, die Interessen und kulturelle Entwickelung Chinas zu svrdern, um direkte Handelsbegünstigungen in China zu erlangen und die weitere Machtentwickelung Japans zu verhindern. Das Zögern Japans ist durch die Furcht vor Amerika und Deutschland zu erklären. Und man kann wohl annehmen, daß für die nächste Zukunft sich Japan mit der Annexion Koreas begnügen wird, der auch Deutschland und Amerika keine Hindernisse bereiten werden. Die Mandschureifrage dagegen wird man voraussichtlich verschieben müssen, trotz aller lebhaften Wünsche der russischen und japanischen RegierungS- und Handelskreise. Des Präsidenten Botschaft und die iirbelter. New Jork. 10. Dezember.(Eig. 93er.) Präsident Taft hat die auf ihn gesetzten Hofsnungen der amerikanischen Kapitalisten nicht getäuscht. AuS jeder Zeile seiner gestern dem Kongreß zugegangenen Botschaft spricht seine Für- sorge für die Interessen dcS„Geschäfts" und des Profits. Unter diesem Gesichtswinkel beurteilt Taft das Gchäkel wegen der Be- teiligung amerikanischer Kapitalisten an der chinesischen Anleihe, seinen Besuch bei Mexikos Diktator Diaz, den schwebenden Zwischenfall mit Nicaragua und die Beziehungen mit dem Aus- land überhaupt. Schreibt er doch:„In modernen Zeiten hängen politische und kommerzielle Interessen eng zusammen, und bei den Verhandlungen von Handelsverträgen, Konventionen, bei Tarifabmachungen und bei der geeigneten Förderung anrerika- nischer Unternehmungen ist unser diplomatischer Dienst ebenso wichtig wie der Konsulardienst für die Geschäftsinteressen des Landes." Auch die innerpolitischen Fragen werden in der Bot- schaft ausschließlich vom gleichen Standpunkt erörtert, mag es sich um die Gewährung von SchiffSsubsidien an amerikanische Handelsschiffe, die Einführung sogenannter Postsparkassen oder um eine der andern in der Botschaft berührten Fragen handeln. Die Ermutigung des Geschäfts auf der einen und die Vermeidung aller Maßnahmen, die die Kapitalisten irgendwie beunruhigen könnten, auf der anderen Seite ist das Alpha und Omega der Botschaft. Weit weniger als die kapitalistischen Jntereffen liegt dem Präsidenten Taft das Wohlergehen der großen Masse der Be- völkerung am Herzen. So tut er die derzeitige Teuerung und das ständige weitere Steigern aller Lebensbedürfnisse mit der Bemerkung ab, daß auch anderwärts in der Welt die Preise der Lebensbedürfnisse gestiegen sind, und daß die Landwirtschaft von dem Steigen der Nahrungsmittel Vorteil hat. Recht dürftig sind die Hinweise der Botschaft auf das, was im Interesse der Arbeiterschaft zu geschehen hat. Am 29. November hatten die Gewerkschaftsführer Samuel Gompers, John Mitchell, Frank Morrison und Jmnes O' C o n n e l l dem Präsidenten Taft bei einem Besuche im Weißen Hause die von dem kürzlich stattgehabten Gewerkschaftskongreß in Toronto aufgestellten sozialpolitischen Forderungen in längeren Reden dargelegt. Die Forderungen lauteten: 1. Ein Gesetz zur Ein- schränkung der Einhaltsbefehle bei Arbeiterkämpfen; 2. Ab- änderung des Shermanschen Antitrustgesetzes, so daß GeWerk- schaften nicht mehr unter dessen Bestimmungen fallen; 3. Aus- dehnung des Achtstundengesetzes auf alle für die Regierung aus- geführten Arbeiten, einerlei ob in eigener Regie oder in Sub- Mission; 4. Vermehrung der Gcwerbeinspektoren zur strengen Durchführung des KinderarbeiterschutzgesetzcS im Distrikt Kolumbia(Bundeshauptstadt Washington); b. Haftpflicht der Unternehmer nach britischem Muster. Als Gompers nach dieser Visite das Weiße HauS verließ, sagte er zuversichtlich:„Der Präsident Taft hat unseren Aus- führungen aufmerksam zugehört und die verschiedenen Vorschläge mit uns erörtert. Er versprach uns, sich unsere Forderungen sorgfältig zu überlegen und einzelne der Wünsche dem Kongreß zur Annahme zu empfehlen." Wie hat nun Taft sein Wort gehalten? Nur auf die Ein- haltSbefehlfrage ist er in seiner Botschaft eingegangen. Unter Hinweis auf das von der republikanischen Partei bei der vor- jährigen Prästdcntschaftswahl gegebene Versprechen, das bekannt- lich Gompers nicht befriedigt und zu seinem Eintreten für den demokratischen Präsidentschaftskandidaten Bryan veranlaßt hat, sagt Taft:„Es sollte ein Gesetz erlassen werden, das den Bundes- gerichten untersagt, einen Einhaltsbefehl zu erlassen.«S fei denn daß die beklagte Partei vorher vorgeladen wurde und Gelegenheit zur Verteidigung hatte. Doch soll diese Bestimmung nicht ver- bindlich sein, sobald der Richter aus den ihm unterbreiteten Be- Weismaterial den Eindruck gewinnt, daß dem Antragsteller aus der durch die Vorladung der Parteien oder die Anberaumung und Abhaltung einer Verhandlung bedingten Verzögerung ein nicht wieder gut zu machender Schaden erwächst. Jedoch müßte der Richter in einem solchen Falle gehalten sein, die Gründe, aus denen seiner Ansicht nach der den: Kläger entstehende Schaden nicht wieder gut gemacht werden könnte, niederzuschreiben und den Schriftsatz zu den Akten zu geben." Ferner macht Taft den Vorschlag, die Gültigkeit der ohne vorherige Vorladung der be- klagten Partei erlassenen Einhaltsbefehle, die nur vorläufig sein können, auf längstens sieben Tage zu beschränken, falls der Richter nicht von vornherein eine noch kürzere Gültigkeitsdauer festsetzt. Für die Praxis wäre eine derartige Aenderung ziemlich, wenn nicht ganz bedeutungslos. Wie die bisherige Rechtsprechung zur Genüge beweist, lassen sich amerikanische Richter nur allzu leicht überzeugen, daß ein von den Arbeitern angewandtes Kamps- mittel, mag es Streik oder Boykott oder Sperre sein, dem Unter- nehmer nicht wieder gut zu machenden Schaden zufügt. Ge- ändert wäre also, selbst wenn die Taftsche Empfehlung Gesetz werden sollte, an dem gegenwärtigen„Rechts"zustand nichts. Und mit diesem einzigen, bollständig unzureichenden Vor- schlag ist das gesamte Kapitel der Botschaft über die Sozialpolitik erschöpft. Weniger kann auch nicht die Thronrede irgendeines Potentaten enthalten._ politische Qcbcrlicbt Berlin, den 24. Dezember 1909 Reichsverbandswirtschaft. Der«Reichsverband gegen die Sozialdemokratie" leidet unter der Tücke eines grausamen Geschicks. Er hat sich die patriotische, vatorlandsretterische Aufgabe gestellt, der an- geblich in der sozialdemokratischen Partei herrschenden Kor- ruption nachzuspüren und sie zur Warnung für die bürger- liche Welt rücksichtslos ans Tageslicht zu ziehen. Aber wäh- rend seine Erfolge auf diesem Gebiete recht spärlich sind, herrscht in den Reihen der Reichsverbändler selbst die zweifei- hafteste kapitalistische Moral, und alle naselang erfährt man, daß wiederum irgend eine reichsverbändlerische Größe, die bisher unentwegt den edlen Kampf für Sitte und Recht kämpfte, in des Teufels Fallstricke gerate» ist und in einer vorübergehenden Trübung ihres Bewußtseins sich Hand- lungen gestattet hat, die gegen gewisse Paragraphen des Strafgesetzbuches verstoßen. Und daneben findet man. daß im Geschäftsbetrieb des Reichsverbandes„Usancen" herrschen, die nichts weniger als nacheiferungswürdig sind. Dafür ein neues Beispiel. Bor einiger Zeit ist in Dresden die dortige Zweigstelle des Reichsverbandes aufgehoben worden— angeblich, weil sich die Unterhaltung nicht lohnte. Jetzt ist jedoch unserem Dresdener Parteiblatt ein Zirkular zur Verfügung gestellt worden� das von der Hauptstelle des Reichsverbandes in Berlin ausgeht und zeigt, daß auch noch andere Gründe für die Aufhebung der Zweigstelle in Dresden bestimmend waren. Das Zirkular ist vom 15. Dezember 1309 datiert und lautet: Sehr geehrter Herr! Unser bisheriger Generalsekretär in Dresden, Herr Erwin 93«lger, hat fein Amt vor mehreren Tagen niedergelegt und wir haben uns aus diesem Grunde genötigt gesehen, unsere Geschäfts- stelle Dresden vorläufig zu schließen. Wir sind deshalb auch ge- zwungen, das Einkassieren der Beiträge unserer Herren Mitglieder in Dresden direkt von hier aus vorzunehmen und bitten Sie daher höflichst, den von Ihnen gezeichneten Beitrag für das Jahr 1909 in Höhe von 12 M. unter Benutzung beifolgender Post- anweisung an den A. Sck>aaffhausenscheu Bankverein, Berlin W. 8. Französisch- Straße 53/66, mit'der Bezeichnung Konto Rcichsoerband übersenden zu wollen, worauf Ihnen von hier aus die Mitgliedskarte zugehen wird. Bisher hatte Herr Belger das Inkasso der Mitgliederbeiträgc für Dresden besorgt und die Bei- träge auch zumTeileingezogen. Einige Herren hatten sich bereit erklärt, di? Beitrage der ihnen bekannten Herren Mit- glicder einzuziehen. Wir haben aber hier nicht genau fe st stellen können, wer dieseHerrensind undob auch Sic selb st einen Teil inzwischen gesammelt haben. Sollte dies der Fall fein, so bitten wir um freundliche Nachricht oder um Mitteilung, an welchen Herrn Sie den Be- trag entrichtet haben, damit wir unsere Listen ausgleichen können. Indem wir bitten, uns Ihr freundliches Interesse auch fernerhin bewahren zu wollen, zeichnen wir mit vorzüglicher Hochachtung und deutschem Gruß Der Vorstand des Rcichsverbands gegen die Sozialdemokratie. gez. v. Liebert. M. d. R. gez. Dr. Bovenfchen. - Zweifellos eine prächtige Finanzwirtschaft. Wer dazu Neigung, sammelt nach Belieben Geld, ohne daß die Vereins- leitung irgendwelche Kontrolle darüber hat. Sie kennt auch die Namen der Sammler nicht und muß erst durch Umfragen feststellen, wer sich am Sammeln beteiligt hat. Eine muster- hafte Verwaltungspraris!_ Die militärische Handschuhfrage. Lange Zeit bat die Militärverwaltung die höchst wichtige Vater- ländische Frage beschäftigt: welche Forben dürfen die von den Offiziere!, im Dienst und außer Dienst getragenen Handschuhe haben und wie ist der Geltungsbereich der verschiedenen Farben gegeneinander abzugrenzen. Da diese Frage für die Schlagfertigteit der deutschen Armee und die Ehre des Offiziersstandes von größter Bedeutung ist, haben die maß- gebenden militärischen Instanzen mit anerkennenswertem Eifer die Lösung dieser gewichtigen Frage betrieben— und endlich Hai denn auch diese Angelegenheit ihre gründliche Erledigung gesunden. Nach den Mitteilungen der„Militär.-pol. Korresp." müssen die rotbraunen Handschuhe gelragen werden im Felde und in, Frieden zum Dienstanzuge, ferner zum kleinen Dienstanzug bei allen Uebungen im Gelände und während des Aufenthaltes außerhalb der Garnison aus Anlaß von Uebnngen. Generalstab!- oder Hebung?- reisen und UebungSritten. WeißeHandschuhe müssen gettagc:'. werden zum Gala-, Parade- und GesellschaftSanzug sowie zu Hof- festlichkeiten, ferner auf der Straße, soweit nicht rotbraune Hand- schuhe vorgeschrieben oder gestattet sind. Rotbraune oder weiße Handschuhe können nach eigener Wahl getragen werden: im Dienst, soweit nicht eine bestimmte Handschuhart ausdrücklich vorgeschrieben ist, außer Dienst zum Reiten. Radfahren und Selbst- fahren. Die Schlagfertigkeit der Armee ist also gesichert! Dernburg als Protektor. Die Deutsche Diamant-Gesellschaft, eino Tochtergesellschaft der Kolonialgescllschaft für Südwestafrika, führt einen Prozeß gegen den Fiskus um freie Verfügung über Gelände in dem bis zum 1. April 1911 gesperrten söge- nannten Diamantengebiete. Bezirksamtmann Böhmer und die koloniale Berg- behörde verweigerten der Gesellschaft dauerndes Abbaurecht im Sperrgebiete, worauf die Gesellschaft Klage beim B e- zirks gericht erhob.— Die Verhandlung hat an, 24. No- vember stattgefunden, und die„Lüderitzbuchter Zeitung bringt jetzt einen ausführlichen Bericht über jene VerHand- lung, in der Dernburg eine recht eigentümliche Rolle ge- spielt haben muß. Der Vertreter der Diamantengesellschast, Rechtsanwalt Scharf, erklärte: Die Behörden de? Schutzgebietes leisteten nur den Anweisungen des Staatssekretärs keine Folge, Dern b u r g sto:■ vollständig auf dem Standpunkt der 05 e je!'- schaft, er habe die Schutzgebietsbehördcn angewiesen, d- n Widerspruch gegen die Verleihung dauernder Bei' wcrksrechte an die Gesellschaft zurückzuziehen. Bezirksan,:- mann Böhmer wußte amtlich nichts von einer solchen Stellungnahme des Staatssekretärs. In dem Berichte der „Lüderitzbuchter Zeitung" heißt es aber dann weiter: ..Rechtsornvalt Scharf teilte dann den Inhalt verschiedener Briefe des Kolonialamtes mit. In dem vom Gericht zitierten Schreiben habe der Staatssekretär weiter ausgeführt, daß nach der Absicht und dem Sinne der Sonderrechtsverleihung die Gesellschaft an abbauwürdigen Stellen dauerndes Bergwerke- cigentum erwerben solle und daß er sich für verpflichtet halte, der Gesellschaft in dieser Richtung die erforderliche Sich«. r u n g zu verschaffen. Er werde dieserhalb mitdem laiser- lichen Gouverneur in Verbindung treten. Nach einem Schreiben vom 29. Mai soll ferner seitens des Kolonialamtes an das Gouvernement telegraphiert worden sein, der Widerspruch des Bezirksamtes möge falle., gelass en werden. Am 12. Dezember 1908 bereits habe der Staatssekretär der Kolonialgesellschast mündlich geraten. Schürf- felder zu belegen. Bezirksanitmann Böhmer wiederholte die oben gegebene Be- gründung seines Widerspruches. Aus den Publikationen(der Konzession der Diamantcn-Gesellschast) ginge ganz klar hervor. daß das Recht der Kolonialgesellschaft nur bis zum 1. April 19,1 bestehen solle. Für die Auslegung dieser maßgebenden Ver- öffcntlichungen könnten daher Aentzerungen und Zu- schriftcn des Staatssekretäre, an die Kolonial- ge s e l l s cha ft, in denen den amtlichen Verösfcntlichungcu ein anderer Sinn beigelegt würde, nicht in Betracht kommen. Für das Gericht handle es sich doch darum, den Sinn der amtlichen Publikationen zu ermitteln, und der sei darin selbst deutlich genug ausgesprochen." Das Bezirksgericht schloß sich diesen Ausführungen an. Die„Lüderitzbuchter Zeitung" schreibt noch eine Betrach- tung zum Prozesse, in der es heißt: „Der Standpunkt, den Staatssekretär Dern- bürg in dieser Angelegenheit einnimmt, verdient gehörig beleuchtet zu werden. Die Ueberschrift dieses Artikel-- sollte eigentlich heißen Dernburg in unheiliger Allianz mit de.- D. K.-G. gegen die die Interessen des Schutzgebietes pflichtgemäß wahrenden Behörden. Denn Dernburg hat nach den von Herrn Rechtsanwalt Scharf verlesenen Briefen direkt Partei für die D. K.-G. und gegen das Schutzgebiet ergriffen. Er hat„Au- Weisungen" erteilt, er hat„gewünscht", daß das Bezirksamt den „Widerspruch aufgeben möge". Es fehlt nun bloß noch, daß er auch unserer Bergbehörde und den Richtern„Anweisungen er- teilt", wie sie die Gesetze auszulegen haben. Hat er denn der D. K.-G. noch nicht genug geschenkt? Es sei hier daran er- innert, daß nach dem Abkommen des Staatssekretärs mit der Kolonialgesellschoft diese das Sonderrecht, um dessen Tragweite es sich bei diesem Prozesse handelt, ohne jede Gegenleistung er- halten hat..."_ Stellenvermittelung und bürgerliche Presse. Die Regelung der Stellenvermittelung ist eine der wichtigsten und dringendsten Aufgaben der Sozialpolitik. Einzelne Arbeiter- kategorien, wie die Landarbeiter, die Gastwirtsgehilfen, die HandlungSgebilfen und die Dienstboten, haben besonders schwer unter den Mißsländen der gewerblichen Stellenvermittelung zu leiden. Den gewerbsmäßigen Stellenvermittlern ist nun ein Fürsprecher in dem angeblich unparteiischen„Verl. Lok.-Anz." entstanden, der in seiner Morgenausgabe vom 24. d. Mts. darauf hinweist, daß es in Deutschland etwa 7200 gewerbsmäßige Stellenvermittler gibt, deren Entschädigung bei einer Abschaffung der gewerbsmäßigen Stellenvermittelung, auch wenn nur 3000 Mark als Entschädigung für den einzelnen ausgesetzt würden, rund 23 Millionen Marl erfordern würde. Auch liehe sich die gelverbSmähige Stellen- vertnittelmig nicht wie toter Bollost ausscheiden, weil sie noch auf lange hiimnS gar nicht zu entbehren sei. Das gesetzgeberische Vor- gehen sei darauf zu beichränken, die Bedürfnisfrage zu prüfen und neue Konzessionierungsgesuche abzulehnen. Dies dürfe jedoch nur von bestimmten Voraussetzungen abhängig gemacht werden, damit nicht„Mißgunst ein Gewerbe lahmlege, das trotz mancher Miß- brauche ei» keineswegs überflüssiges Glied in unserem Wirtschafts- organismuS darstellt." Das fehlte gerade noch, daß den Leuten, die von der Ausbeutung der Notlage der Arbeitslosen leben. 23 Millionen Mark aus den Taschen der Steuerzahler in den Schoß geworfen würden! So viele Gründe für die Entschädigung von Arbeitern sprechen, die durch gesetzgeberische Maßnahmen brotlos werden, wie jüngst die Tabak- arbeiier, so wenig läßt sich eine Entschädigung der„arbeitslos" werdenden Stellenvermittler rechtfertigen. Und wenn nur den Ver- mittler» das Handwerk gelegt werden soll, die sich neu etablieren wollen, so würden die schon existierenden gewerbsmäßigen Stellen- Vermittler dadurch gewissermaßen ein Monopol erhalten, das ihren Gewinn noch mehr erhöhen würde. Daß die gewerbsmäßigen Stellenvennittler nicht längst schon ihre Existenzberechtigung ver- loren ha'ben, liegt nur daran, daß Reich, Staat und Gemeinden usw. ihrer Pflicht zur Errichtung von vssentlichcn Arbeitsnachweisen bis- her nur in seltensten Fällen nachgekommen sind. Daß der„Berl. Lokal-Anzeiger" so warm für die gewerbs- mäßigen Stellenvermittler eintritt, ist kein Wunder. Die biirger- liche Presse profitiert von den Inseraten der Stellenvermittler. Ihre Einnahmen aus den Arbeitsmarktinseraten würden durch die Errichumg von öffentlichen Arbeitsnachweisen ganz erheb- lich eingeschränkt werden._ Die Mannesmann-Angelegenheit. Wie bürgerliche Blätter berichten, wird das Auswärtige Amt der Budgetkommission des Reichstages das auf die Mannesman»- Angelegenheit bezügliche Material, das mehrere Aktenbände stark sein soll, auszugsweise in Gestalt eines Promemoria vorlegen. Zugleich wird mitgeteilt, die internationalen Verhandlungen über die Bergwerkskonzessionen in Marokko wären soweit gediehen, daß diejenigen Unternehmer, die„ohne gesetzliche Grundlage" bisher schon in Marokko gearbeitet haben, in einer dem Umfange ihrer wirklichen Leistungen entsprechenden Weise bevorrechtet und neuen Konzessionären vorangehen sollen. Die Abschätzung der Leistungen und einzelnen Ansprüche auf Bevorrechtung aber soll durch ein völlig parteiloses Schiedsgericht geschehen. Aller Wahrscheinlich- keit nach wird das Schweizer Bundesgericht angegangen werden oder fein Präsident ersucht werden, ein Schiedsgericht zu bilden. Bor dieses Schiedsgericht sollen nicht nur die Ansprüche der Gebrüder Manncsmann und der Union Marocaine, sondern auch die aller anderen Unternehmen gebracht werden. Das Programm der Demokratischen Vereinigung. Auf dem ersten Parteitage der Demokratischen Vereinigung ist der Beschluß gefaßt worden, dem nächsten Parteitage den Entwurf eines Parteiprogramms vorzulegen. Mit der Ausarbeitung dieses Entwurfs ist eine Kommission beauftragt worden, die unter Vorsitz des Herrn von Gerlach getagt und ihre Arbeiten jetzt vollendet hat. Der Programmentwurs soll in der Nummer 1 des demokratischen Wochenblattes„Das freie Voll" veröffentlicht und dann den einzelnen Vereinen unterbreitet werden._ Mi* Unterschlagungen beim Kaiser-Alexander-Garde- Grenadier-Regiment 'hatte sich daS Kriegsgericht der II. Eardedivision in seiner letzten Sitzung zu beschäftigen. Auf der Anklagebank saß der Feld- webet Henntiig von der 0. Kompagnie. Die Anklage warf ihm vor, unter Mißbrauch seines mrlitärischenDrenst- Verhältnisses als Feldwebeldiensttuer in den Jahren 1903 und 1909 fortgesetzt Unterschlagungen verübt zu haben. Im ganzen kommen etwa 521 M. fiskalische Gelder in Betracht. Ferner wurde der An- geklagte beschuldigt, in einer ganzen Reihe von Fällen den Unter- § ebenen gegenüber seine Dienstgewalt miß- raucht zu haben. So hat er von dem Grenadier Grob in der Zeit vom Mai bis August dieses JahreS 479 Mark geliehen. Auch von einigen Einjahrig-Freiwilligen hat er sich Geldsummen in Höhe von 70,90 M. usw. ohne Berechtigung geborgt. Ohne Bor- .wissen seine? Vorgesetzten hat er auch von mehreren Untergebenen, Einjährig-Freiwilligen, einen Schreibtisch im Werte von 93 M. alö Geschenk angenommen. Die Anklage warf ihm weiter vor, durch Mißbrauch der Dienstgewalt Untergebene zur Begehung einer mit Strafe bedrohten Handlung, nämlich B e l ü g e n s eines Vorgesetzten auf Befragen in Dienstsachen be- stimmt zu haben. Der Angeklagte hatte mehrere Untergebene dazu zu bestimmen versucht, dem Hauptmann gegenüber anzugeben, Grob habe sein Geld wieder erhalten. Am Schluß der recht umfangreichen Anklage wurde dem H. vorgeworfen, in rechts- widriger Absicht Privat Urkunden fälschlich ange- fertigt und von ihnen zum Zwecke der Täuschung Gebrauch ge- macht zu haben. Der Angeklagte, der im großen und ganzen ge- ständig war, hatte vom März 1908 an die Kasse der 3. Kompagnie verwaltet, anfangs als Feldwebeldiensttuer, später als ctalsmäßiger Feldwebel. Der Verkehr mit Frauen brachte ihn auf die schiefe Bahn. Der Angeklagte suchte sich mit zu geringem Gehalt zu ent- schuldigen. Der Verteidiger, Rechtsanwalt Ulrich, bat um milde Be- strafung deS Angeklagten. Das Kriegsgericht erkannte auf ein Jahr drei Monate Gefängnis und sprach gleich- zeitig die Degradation sowie die Ehrenstrafe der Ver- setzung in die zweite Klasse des Soldatenstandes gegen ihn auS. Ein Menschenleben dem Paradeunfug geopfert? Aus Württemberg wird gemeldet: Im Ulanenregiment Nr. 19 diente der Schmiedegeselle Theurer, ein tüchtiger und geschickter Mann. Während das Regiment auf dem Truppenübungsplatz in M ii n- fingen war. erhielt der Vater des Theurer die telegraphische Mit- teilung, daß sein Sobn durch ein Unglück getötet worden sei. Der schwer getroffene Vater begab sich sofort zum Regiment, um zu erfahren, wie sein Sohn den Tod gefunden hat; e§ wurde ihm aber jede nähere Auskunft veriveigert und er durfte auch trotz dringender Bitte an den Gerichtsverhandlungen über daSUn- glück nicht teilnehmen. Er erhielt nur den Leichnam seines Sohnes, um ihn auf dem nächsten Kirchhof begraben zu lassen. Er.hatte ihn also von Ailingen ab auf eigene Kosten zu transportieren. Zur Beerdigung waren nur ein Unteroffizier und ein paar Mann kommandiert. Mit Mühe und Not hat man von anderer Seite er- fahre», wie sich das Unglück zugetragen hat. Danach niachte das Regiment Angriffsübnugen; bei der zweiten Attacke stiirzie das Pferd des Theurer infolge Äusgleitens auf einem Steinricgel, der Reiter wurde zu Boden getvorfen, erhob sich jedoch sofort wieder und nahm Front auf die folgenden Schwadronen. Die in Ab- ständen von zirka 30 bis 50 Scheut nackgallopierende zweite und dritte Schwadron konnten dem in höchster Lebensgefahr befindlichen Theurer durch Bildung einer Lücke ausweichen, während dies der 4. Schwadron nicht möglich war, so daß er von dieser förmlich überritten ivur de und ans der Stelle tot blieb. Jeder Mertfch mit fiiiif gesunden Sinnen muß sich hierbei fragen, warum denn die in Abständen folgenden Schwadrone» nicht sofort Holt gemacht haben, als sie sahen, daß ein Mann im Wege stand? Es iväre dringend zu wünschen, wenn die Verantwortliche Stelle gezwungen würde, sich hierüber zu äußern. Ebenso aber auch darüber, iveshalb der Verlauf des Unglücks in Eeheimakten verborgen blieb, sodaß nicht einmal der tief getroffene Vater darüber etwas erfahren konnte._ Oefterrncb. Die Lage in Ungarn. Budapest, 24, Dezember. Wie von authentischer Seite mitgeteilt wird, wird LukacS aus jeden Fall ein Kabinett bilden. Er wird Verhandlungen mit allen Parteien einleiten, um zu sehen, ob er im gegenwärtigen Parlament eine Majorität schaffen kann. Sollte das mchr der Fall sein, so hat LukacS vom Kaiser Vollmachten ausgestellt erhalten, d aS Parlament auf» z u l ö s e n._ Sozialistische Wahlrechtsdemonstrationen in Ungarn. Budapest, 23. Dezember. Bei Ankunft des designierten Mini st erpräsidenten Lukacs demonstrierten am Bahnhof große Scharen von Sozialisten für das allgemeine S t i m'm recht und bereiteten Lukacs eine Ovation l?). Auch vor dem Klublokal der Justhpartei fanden ähnliche Demonstrationen statt. Die Behauptung des Wolffschen Bureaus, daß die Sozialdemo- kraten dem Herrn Lukacs eine Ovation gebracht hätten, klingt etivaS absonderlich, da gleichzeitig die Meldung kommt, daß der Herr keine demokratische Wahlreform«vill. Belgien. Die unfertige SenatS-Adresie. Der„Peuple" hat dem Senat einen kleinen Streich gespielt. Am selben Tage, da der Eutwurf der Adresse an den König im Senat beraten werden sollte, stand der Text schon im„Peuple". Der Berichterstatter, Senator Favercau beschwerte sich in der Sitzung bitler darüber. Der sozialistische Senator CoppieterS, Mit- glied der Adreßkommission, erklärte, den Text dem„Penple" gegeben zu haben. Daraus entwickelte sich eine so lärmende EiitrüstungS» szene, daß der Präsident die Sitzung aufhob, bevor die Adresse genehmigt wurde. So konnte dem Könige nur eine Adresse überreicht werden, die vom Senate gar nicht genehmigt worden war. England. Die Wahlen. Liberale Blätter beklagen lebhaft, daß hauptsächlich infolge von „Keir HardieS Eigensinn" kein Abkommen getroffen werden konnte zwischen den Liberalen und der Arbeiter- Partei, deren achtundstebzig Kandidaten zwanzig liberale Mandate gefährdeten, während sechszehn weitere durch die Sozialisten ge- fährdet würden. Die Arbeiterpartei tut natürlich ihre Pflicht, wenn sie verhindert, daß die englischen Arbeiter wieder vom Liberalismus eingefangen werden. UebrigenS sind in mehreren Wahlkreisen Kandidaten zurück- gezogen worden, natürlich nicht um der schönen Augen der Liberalen willen, sondern zum Teil aus finanziellen Gründen, zum Teil auch, um den Sieg von Schutzzöllnern zu verhindern. Die ersten Wahlen werden am 15., die letzten am 23. Januar stattfinden, sodaß Mitte Februar daS Parlament zusammen- treten kann. Wahlberechtigte sind nach den Wählerlisten 7705717 vorhanden. Rußland. Spitzeloberst Knrpow. DaS schmähliche Ende des Chefs der Petersburger politischen Polizei im Spitzclquartier in der Astrachanstraße hat die Regierung in eine solche Erregung versetzt, daß selbst ihre gewohnten Ver- tuschungsversuche durch ihre Plumpheit und Ungeschicklichkeit die offiziöse Mache verraten. Ein krasses Beispiel dafür sind die Mit- teilungen, die dem Korrespondenten des«Berliner Tageblatts" von „informierter Seite" gemacht worden, und die das Blatt trotz ihrer augenfälligen Widersprüche ohne Kommentare abdruckte. Oberst Karpow erscheint nach diesen Mitteilungen als Opfer eines„regel- rechten Attentats" jener Fanatiker,«von denen die Regierung sich durch zwei Jahre sortdauerndes Hängen zu befreien wähnte". Der arme Oberst Karpow I Er hatte zwei Jahre lang provokatorische An- schlage angezettelt und sich dadurch solche Verdienste erworben, daß er, der noch vor einigen Jahren ein unbedeutender Gendarmerie- offizier war, dem Chef der Petersburger politischen Polizei und in- timen Freund Asews, General Geraffimow, im Anite folgte. Er trat in nahe Bcziehunden zu Asew, entfaltete eine rührige Tätigkeit und begründete unter anderem daS Spitzel- quartier in der Asirachanstraße. wo er am Tage vor der Bombenexplosion, in Begleitung seines Dieners, der sich auch als Geheiinpolizist einpuppte, als«Onkel" des Wohnungs- inhabers Woskreffensk» zog. Aber nun ist er— alles nach der Darstellung von«infornnerter Seite"-- ein Opfer seiner Pflicht- treue geworden, denn sein Agent WoSkresienski erwies sich als ver- kappter Revolutionär, der nicht nur seinen Herrn und Gebieter in die Luft sprengte, sondern auch dafür Sorge trug, daß der Polizei eine iviasse Dokumente über eine weit- verzweigte revolutionäre Organisation, die be« schlössen hatte. Oberst Karpow zu töten, in dem Spitzelquartier fand! Oberst Karpow ist das Opfer seines provokatorischen Treibens geworden. Es wäre auch nicht der erste Fall, wo ein russischer Polizei- gewaltiger sich nicht bloß durch seine Agenten, sondern auch persönlich mit der Fabrikation von Bomben abgab. Wie daS„Verl. Tagebl." selbst zur Zeit der Harting-Affäre feststellte, haben Exzellenz Harting und Asew, unter Heranziehung einiger Mitglieder der russischen Kolonie in Berlin Bomben fabriziert, um die Russen in ganz Europa zu kompromittieren und ihrer ZufluchlS- stätte zu berauben. Selbst wenn eS sich noch herausstellen sollte, daß Woslresiensli den Obrrst Karpow mit Absicht getötet hat, so würde das nichts an der Tatsache ändern, daß wir ein neues krasses Beispiel der schändlichen Provokationswirtschaft in Rußland vor uns haben. Pariser Meldungen bürgerlicher Blätter behaupten, daß Burzeff erkläre, der Attentäter, der eigentlich Petroff heiße, sei nur deshalb in die Dienste der Polizei getreten, um feine Kameraden an ihr zu rächen. Diese Meldungen stehen in auffallendem Gegensatz zu Meldungen, die dieselben Blätter TagS vorher über BurzessS Aeuße- rungen zur Sache brachten, so daß man diese neue Version mit Vor- ficht ausnehmen muß. Aus Petersburg kommen allerlei widersprechende Nachrichten, Eine behauptet, daß WoSkresienski den Karpow. der ihm die Ge- liebte verführte, aus Eifersucht ermordet habe. Er selbst erklärt, daß die Explosion auf einen Unglück- l i ch e n Zufall zurückzuführen sei I Es verlautet zuverlässig, der Mörder KarpowS fei in Poltawa während der Jubiläumsfeier der Poltawascblacht als Polizeiagent tätig gewesen. Zahl- reiche Verhaftungen seien dort auf seine Veranlassung erfolgt. Die Kommission der R e i ch S d u m a hat natürlich mit 18 gegen 6 Stimmen die Interpellation der Kadetten aus Anlaß der Ermordung deS Obersten Karpow abgelehnt. Die reaktionäre Mehr- heit hat die Interpellation als völlig unbegründet befunden. Selbswerstänolich I_ Vom Feldzug gegen Finnland. Petersburg, 24. Dezember. Die Konferenz der russisch- finnländtichen V e r st ä n d i g u n g S k o ni m i s s i o n ist gestern geschlossen worden, ohne zu einem Resultat ge- kommen z u sein. Es wurde den f i n n l ä n d i s ch e» Deputierten nicht eiM mal erlaubt, ihre eigene Meinung dem Pryt»tolt beizufügen, sondern eS wurde ihnen eröffnet, daß daSt letzte Sitzlingsprotokoll ihnen nach Helsingfors zur Unterschrift zugehen würde, bei welcher Gelegeuheit sie ihre Meinung beifügen kZnnten. Ohne sich Bei den finnländischen Deputierten für ihre Mitarbeit zu bedanlen, ging die Kommission auseinander. Sneckenland. Bexierfpiel. Der Kriegsmini st er, gegen besten Rücktritt der Militärbund vor einigen Tagen lebhaft protestiert hatte, ist nun vom selben Militärbuud zur Abdankung gezwungen worven. Er stürzte über— Beförderungen. Um seine Stellung zu befestigen, hatte sich der Minister den Militärbund zu verpflichten gesucht, mdem er zahlreiche Beförderungen von Offizieren vornahm. Er erzielte aber das Gegenteil des gewünschten Erfolges. Die Mehrheit deS Bundes sah in diesem Verfahren eine Beleidigung, da der Militärbund dadurch dem Verdachte ausgesetzt wurde, eigennützig zu sein. Die Un- zufriedenen begaben sich in die Staat« druckerei, zerrissen dort die bereilS gedruckten Befördcrungsdekrete und verlangten vom leitenden Ausschüsse de» Bundes die Absetzung des KriegsministerS, der daraus- hin seine Entlassung gab, Der Ministerprästdent Macromachalls übernimmt vorläufig daS Portefeuille des Kriegsministers. Hiid der Partei. Bend und die Parlamentsfraktion. Rom. 21. Dezember. iE ig. Ver.) Der Fall Ferri ist, wie schon telegraphisch berichtet wurde, in eine akut« Phase getreten. Gestern abend hielt die Partei- fraktion eine Sitzung ab, um zu diesem Falle Stellung zu nehmen, und natürlich war Genosse Ferri hierzu eingeladen worden. Ferri antwortete mit einem Brief, in dem er erklarte, er werde am 26. d. M'. seinen Wählern in dem Wahlkreiskongreß von Gonzaga Rede stehen; nach seiner Rückkehr gedächte er nicht an den FraktianSsitzungen teilzunehmen, würde aber getvisse Tatsachen zur Sprache bringen, die in den politischen und journalistischen Kreisen Roms notorisch wären. Hier spielt ferri aus seine Anschuldigungen an. die mehreren sozialistischen bgeordneten eine ausgesprochene Vorliebe für Giolittt und sein Kabinett zum Vorwurf machten. Die Fraktion unterzog FerriS Haltung einer langen und ein» gehenden Diskussion und nahm dann einstimmig di« folgende Tagesordnung an: «Die sozialistische Parlamentsfraktion konstatiert, daß in ihr die verschiedensten Ansichten über den Eintritt eines Sozialisten in ein Mnistcrium vertreten sind, und daß diese Ansichten, wo sie die Möglichkeit dieses Eintritts in Ausführung eines Parteibeschlusses anerkennen, niemals von der Zugehörigkeit zur Fraktion ausgeschlossen haben. Die Parteifraktion erachtet aber, daß der Fall Ferri nicht unter diese Erwägungen fällt, da die jüngste Haltung FerriS rein persönlich ist und keinerlei Mitver- antwortlichkeit der Fraktion einschließt. Sie beschließt daher, seinen Austritt aus der Fraktion, den er in verschiedenen Jnter- Views zum Ausdruck gebracht und in seinem hentigen Brief bestätigt hat, zur Kenntnis zu nehmen und hebt hervor, daß Ferri sich geweigert hat, den angeblichen Grund seines Austritts aus der Fraktion, nämlich die Giolitti-Freundlichkeit einiger sozia- listischen Abgeordneten, durch deutlich« Anschuldigungen zu be- legen und die Fraktion in Stand zu setzen, sie zu prüfen und zu bewerten. Die Fraktion erklärt schließlich, sich jeden Urteils über die politische Haltung Enrico Ferris und jeder moralischen Wertung seines Vorgehen» in der Frage Bettolo zu enthalten." Diese„Frage B e t t o l o", von der im letzten Satz die Rede ist, ist den Lesevi schon zum Teil bekannt. Bettolo, der heutige Marineminister, ist derselbe, gegen den sich im Jahre 1903 die berühmten Angriff« des„Avanti" richteten, die ihn der Mißwirt- sckmft und persönlicher Jnteressenpolitik in der Marinevcrwaltung beschuldigten. Damals verklagte der Admiral Bettolo Ferri wegen Beleidigung. Der Prozeß ergab viel Be- lastendes gegen Bettolo, trotzdem wurde aber Ferri, der die Verantwortung für alle Veröffentlichungen auf sich genommen hatte, zu 14 Monaten Gefängnis verurteilt. Daß Ferri, der die damalige Kampagne nicht allein führte, persönlich von Bcttolos dunkler Ehrenhaftigkeit überzeugt war. zeigte sich in der Parlamentssitzung vom 21. Mai 1903, in der Ferri dem Ex- minister zurief:„Sie sind ein Schuft und ein Verschlinger von Millionen." Ueber diese Dinge sind Jahre hingegangen. Als nun. während der jüngsten Krise, von der Möglichkeit de» Eintritts des AdmiralS Bettolo die Rede war, sagte Ferri in verschiedenen Jnter- views, daß er nie an Bettolos persönlicher Ehrenhaftigkeit ge- zweifelt hätte. Er hätte damals die Verantwortung für die Ver» öffentlichungen anderer Genoffen auf sich genommen, wäre aber persönlich durchaus nicht feindlich gegen Bettolo gesinnt. Einem Kabinett Sonnino-Bettolo würde er seine Unterstützung nicht ver- weigern. Diese Haltung FerriS erscheint denen, die ihn persönlich kennen, nicht so unverständlich, wie wohl den meisten anderen. Ferri tut sich ungeheuer viel auf seine Objektivität zugute. Er hat hier wohl hauptsächlich den„Gerechtigkeitsakrobaten" posiert, wie er seiner- zeit, als ihn die bitterste persönliche Feindschaft von Turati trennte, sich anbot, für die Kandidatur TuratiS in Mailand zu spreche». Wir jjlauben nicht, daß für FerriS veränderte Stellung Bettolo gegenüber der Umstand ausschlaggebend war, daß dieser sich wieder der Regierung näherte. Uns scheint vielmehr, daß Ferri eine Gelegenheit suchte, um der öffentlichen Meinung Stoff zu geben, sich über seine„Ueberlcgenheit" und seine Objektivität zu wundern. ES dürfte wenig Menschen geben, deren Handlungen so sehr von dem Urteil der anderen beeinflußt werden, wie dies bei Ferri der Fall ist. Vieles, was der Ausfluß eines impulsiven Temperaments zu sein scheint, ist Resultat kühler Berechnung des zu erwartenden Eindrucks. Freilich hat sich Ferri in diesen Berechnungen oft ge- täuscht, wie die Hochflut der Lächerlichkeit bewies, bie ihn fort, zuspülen drohte, als er in einer ParlamentSsttzung, von der ihn die Geschäftsordnung ausgeschlossen hatte, eine Glasscheibe zerbrach und seinen mächtigen Kopf durch die Lücke schob, um ein:„Nieder mit der Eamorra" in den Saal zu brüllen. Auch diesmal dürfte sich Ferri in der Wirkung seiner Haltung verrechnet haben. Aus seine Enthüllungen über den angeblichen„GiolittiSmnS" einiger Genoffen der Fraktion darf man gespannt sein. Sicher hat sich Ferri sehr geschädigt, indem er sich weigerte, der Parteifraktion Rede und Antwort zu stehen und vorzog, sich vor seinen Wählern zu verantworten, was seinen eigenen Prinzipien über Partei- diSziplin zuwiderläuft. Bei der Sitzung, die über den Fall Ferri entschied, waren die folgenden Abgeordneten zugegen, die auch die Tagesordnung unter- zeichneten: Badaloni, Berenini, Beltrami, Bonomi, Bocconi, Bru- nelli, Bissolati, Cabrini, Casalini, Canepa, Chiesa, G. Ferri, Giulietti, Maneini, Montemartini, Marangoni, Morgan, Musatti, Merlani, Nofri, Pescetti, Quaglino, Rondani, Samoggia, Trapa- nese, Treves und Zerboglio. Zum preußischen Parteitag. Bom Wahlkreise E s s e n wurde der Genosse Weyer», vom Wahlkreise Bochum wurden Genosse Runge und Genossin Nemitz delegiert. poUaeMck»»«» Oertcbtticbes ufo. Kurzer Prozeß. Wegen formaler Beleidigung zweier organisierter Buchdrucker, die bei einem Streik der Buchdruckerei-HilfSarbeiter den streikbrechenden Hilfsarbeitern Vorschub geleistet hatten, wurde Genosse Sommer vom Stettiner«Volksboten" zu 30 Mark Geldstrafe verurteilt. Besonders bemerkenswert ist der Prozeß wegen deS Verfahrens, das das Schöffengericht beliebte. Es zog sich nämlich, nachdem der Beklagte einen Antrag auf Beweis- erhebung gestellt hatte, zurück und kam mit dem Beschluß, den An- trag abzulehnen, wieder. Aber auch das Urteil hatten die Richter bei dieser Gelegenheit gleich fertig- gemacht. Entgegen den klaren Aesiimmungen des Gesetzes war also dem Beklagten nicht da» letzte Wort gegeben worden. 0ewerhrcbaftUcbe9. 6m Sckarfmacke�-Mleiknacktsgefckenk. Der Schutzverband fiir das deutsche Steiudruckcrei- gewerbe hat noch zum Abschluß des alten Jahres einen sauberen Plan ausgeheckt, 1910 sollen die Arbeiter seiner Be- triebe eine neue Arbeitsordnung nach einem einheitlichen Schema bekommen, die sich gewaschen hat. Im Vertrags- Muster, das den Arbeitern bis jetzt nur bekannt geworden ist— die Arbeitsordnung selbst hat man noch nicht in den Betrieben ausgehängt, weil in der Unternehmerorganisation vorläufig noch vernünftige Leute zu sein scheinen, die mit solch rigorosen Bestimmungen nicht einen Äamps unvermeid- lich machen wollen— sind einzelne Abschnitte vorhanden, die ohne weiteres an Gefängnisbestimmungen erinnern. Als Entlassungsgrund soll zum Beispiel angesehen werden, wenn ein Arbeiter„seine Mitarbeiter zum Ungehorsam gegen den Chef oder seinen Vertreter auffordert"!! Ein organisierter Kollege, der seine Mitkollegen darauf aufmerksam macht, daß irgend eine Maßnahme der Geschäftsleitung ungesetzlich ist, sie aus diesem Grunde zur Weigerung auffordert, gilt als sofort entlassen!! Noch schöner, und seines geistigen Vaters, Herrn Dr. G e r s ch e l, Vorsitzenden des Schutzverbandes, preußischen Abgeordneten und Bankvertrauensmann wür- diger, ist ein Passus, der es jedem Betriebsinhaber ermöglicht, seinen Betrieb sofort zu schließen ohne jede Schadenersatz- leistung an seine Arbeiter, wenn auch nur ein Teil des Per- sonals streikt. Und gerade in den Steindruckereibetricben ist die Hilfsarbeiterfrage brennend. Eine Arbeitsniederlegung der Hilfsarbeiter zieht unweigerlich, wenn laut Arbeits- ordnung kein passender Ersatz gefunden wird, die sofortige Entlassung des gesamten Personals nach sich, ohne Rücksicht auf die ailsgemachte, in derselben Arbeitsordnung fest- gellte Kündigungsfrist! Im Betriebe selbst sollen die Ar- bcr-�r sich absolut unter den Willen der Interessen des Unter- nehiners stellen. Eine Bestimmung lautet, daß der Arbeiter, soweit deni nicht gesetzliche Bestimmungen entgegenstehen, verpflichtet ist, die von der Betriebsleitung angeordneten Ueberstunden über die normale Arbeitszeit hinaus und Sonntags zu leisten habe. Die Anordnungen dazu sollen, soweit sie vorauszusehen sind, am Tage vorher bekanntgemacht werden. Der Arbeiter wird als Ding im Arbeitsprozeß an- gesehen, wenn es der Arbeitgeber als notwendig erachtet, dann soll er keine eigenen Interessen, keine Familienrücksickiten, kein Vergnügen, kurz kein Verfügungsrecht über seine Person mehr haben. Der Chef bestiinmt, wann und wie lange er zu arbeiten hat. Folgt er diesen Wünschen nicht, so ist der Grund zu sofortiger Entlassung gegeben! Des weiteren soll der Arbeiter, wenn er das Arbeitsverhältnis„widerrechtlich" löst, einen vollen Wochenlohn als Schadenersatz leisten. An diese Bestimmung der Gewerbeordnung(K 119a) hat man schnell noch erklärend zugefügt, daß es eines Nachweises irgendwelchen Schadens nicht bedarf! Dann kommt noch hinzu, daß die Frage der Muster— Lithographen und Steindrucker werden bei Engagements oft nach ihren Leistungen aus früheren Stellungen gefragt— in der Gefängnisordnung in einer Art und Weise geregelt ist, die durchaus nicht den Wünschen der Arbeiter auch nur im geringsten entgegen- koinmt. Die Entscheidung über das Vorliegen aller Voraus- setzungen in der Musterfrage soll lediglich der Geschäftsleitung „zustehen". Es muß gefragt werden, wer ist der eigentliche Ruhe- störer im Steindruckereigewerbe, und da gibt es immer nur eine Antwort(das viel ruhigere und den Arbeitern entgegen- kommendere Verhalten einer ganzen Anzahl von Firmen des Schutzvorbandes beweist dies), immer ist es nur eine Gruppe, die unter Leitung des freisinnigen Herrn Dr. G e r s ch e l steht. Er ist es, der es auch jetzt wieder und auch sonst bei Verhandlungen aus den Ton des Scharfmachers, auf den Ruhestörer im Gewerbe kommen läßt. Vielleicht meint man da auch, sich dies leisten zu können. Der eigene Betrieb ist stark mit den zu nützlichen Elementen besetzt: es hat einiges Geld gekostet, das Unternehmen so gut gelb anzustreichen. Wenn man selbst im Trockenen sitzt, ist es gut, andere scharf zu machen. Es braucht bei der ganzen Frage einer Einführung solcher Arbeitsordnung nicht verhehlt zu werden, daß es zu- letzt immer auf die Art der Auslegung ankommt, der Geist, der in den Bestimmungen waltet, bestimmt ihren Wert und ihre Gefahr. Aber derlei Paragraphen unter dem Geiste des derzeitigen Schutzverbandsvorsitzcnden bedeuten nicht nur eine Gefahr für die Arbeiter, sie bedeuten eine Gefahr für das ganze jetzt in einer inneren technischen Umwälzung befindliche Gewerbe. Und deswegen werden es sich die vernünftigen Unternehmer wohl noch überlegen, für andere die Kastanien aus dem Feuer zu holen. Die Arbeiter sind sich völlig klar über ihre Stellungnahme zu diesem Arbeitsordnungsentwurf, das hat ja schon die Antwort der Arbeitervertreterverhand- lungen über diese Bestimmungen bewiesen. Solche Bestim- mungen unterschreiben Arbeiter nicht. LerUn und Umgegend« Die Berliner Börse gegen den Strastenbahnerstreik in Kopenhagen. Die konservative Provinzpresse Dänemarks brachte dieser Tage eine Korrespondenz aus Kopenhagen, in der mitgeteilt wird, daß ein angesehener(dänischer) Finanzmann, der neulich von einer Berliner Reise zurückkehrte, über die Frage: Streik oder Vermitte- lung im Konflikt zwischen der Strafeenlkthngesellschast Kopenhagens nnd ihren Funktionären, eine Aufklärung gegeben habe, die ohne Zweifel etwas ganz neues enthalte. Diese Aufklärung wird dann so wiedergegeben: „In deutschen Finanzkreisen ist die Stimmung stark gegen einen Streik— sagte unser Gewährsmann— und mit Rücksicht darauf, daß ein wesentlicher Teil der Aktien der Straßenbahn- gefellschaft in Händen deutscher Geldleute liegt, kann ihre Auf- fassung sehr leicht weireichende Bedeutung erlangen. Nach den letzten Mitteilungen über die immer niehr drohende Situation waren es recht kräftige Ausdrücke, die inan auf der Berliner Börse gegen die Straßenbahnfunktionäre anwandte, so kräftige, daß man den Eindruck gewann, daß starker Druck da» hinter gesetzt werden sollte, um zu verhindern, daß die Kopen- Hagener Leitung der Gesellschaft in irgendeiner Weise einen Aus- gleich versuchte: man wollte augenscheinlich sich jedem, auch dem geringsten Zugeständnis widersetzen. Und gegenüber dem Gedanken, daß Kopenhagens Kommune sich möglicherweise in die Angelegenheit einmischen werde, er» klärten die leitenden Finanzmänner mit Stärke, daß es in solchem Falle nichts nützen könne, wenn die Kam» mune zu ihnen mit dem Ersuchen käme, die vor« geschlagene neue Anleihe zu übernehmen. Ein solches Verlangen werde unter diesen Umstünden die schärfste Zurückweisung erfahren.— Da der erwähnte Finanzmann uns als ein sowohl in in- wie ausländischen Geldverhaltnissen besonders sachkundiger Mann bei kannt ist. ist aller Grund vorhanden, seinen Worten das größte Gewicht beizumessen." Diese Mitteilung besagt also nichts anderes, als daß die beut- scheu Kapitalisten jede Verbesserung der Lohn- und Arbeitsverhält- nisse der Straßenbahner in Kopenhagen hintertreiben wollen, und daß sie die Stadt Kopenhagen boykottieren wollen, falls die jtädiische Verwaltung, wie es im Interesse der gesamten Bevölkerung liegt, zwischen der„Kopenhagener" Leitung derStraßenbahngesellschaft— die eigentliche Leitung ist offenbar in Berlin— und den Angestellten zu vermitteln sucht. Wie kann sich auch die Stadt Kopenhagen so etwas anmaßen wollen! Ob der Straßenbahnverkehr in Kopen- Hagen von Neujahr ab stillgelegt werden soll oder nicht, daß ist nicht Sache der Stadtverwaltung, das geht sie gar nichts an, das e n t- scheidet die Berliner Börse! Fügt sich die Stadt nicht und das Personal der Straßenbahn auch nicht, so wird die neue städtische Anleihe nicht untergebracht, wenigstens in Berlin nicht, und die dänische Hauptstadt müßte, wenn es nach den Wünschen der deutschen Kapitalisten ginge, Bankrott machen. So schlimm steht es allerdings in Wirklichkeit nicht. Freilich braucht Kopenhagen Geld und die Stadt ist vorläufig noch durch eine reaktionäre Gesetzgebung verhindert, dies Geld auf dem einzig richtigen Wege, durch höhere Besteuerung ihrer wohlhabenden Bürger auszubringen. Das Landsthing, die auf dem faulen Grunde eines Zweiklassenwahlrechts und anderer Privilegien beruhende erste Kammer des dänischen Reichstags hat es bis jetzt fertig ge- bracht, die Hauptstadt an der Durchführung einer vernünftigen Steuerordnung zu verhindern. Die Stadt ist genötigt, Anleihen zu machen und den Kapitalisten hohe Zinsen dafür zu zahlen, und da diese Anleihen, zumal jetzt, wo das Wirtschaftsleben Dänemarks teils infolge der allgemeinen Krise, teils infolge der Millionen- diebereien Albertis und anderer Finanz- und Bankgenies danieder- liegt, nicht in dem kapitalarmcn Dänemark untergebracht werden können, muß sie sich an das Ausland wenden. Aber glücklicherwnse ist Berlin nicht der einzige Ort, wo Geld zu haben ist. Kopenhagen kann seine Anleihen ebensogut und vielleicht besser und billiger in Paris oder London unterbringen. Die dänische Hauptstadt braucht also nicht vor der Berliner Börse ins Aiauseloch zu kriechen und wird sich auch von ihr keine Vorschriften machen lassen. Und die Straßenbahner Kopenhagens werden sich ebensowenig darum kümmern, ob es den deutschen Kapitalisten angenehm ist, wenn sie streiken'wollen. Den dänischen Konservativen und sonstigen„Patrioten" wäre es offenbar nur recht, wenn die Berliner Börse in diesem Falle so eine Art Oberregierung über die dänische Hauptstadt ausüben könnte. Diese Konservativen sind dieselben Leute, die Kopenhagen durch die reaktionäre Gesetzgebung dem ausländischen Kapital mehr und mehr tributpflichtig machen, und es sind dieselben Leute, denen 40 Millionen Kronen für neue Festungswerke und Kriegsrüstungen noch nicht genug lvaren, um die Unabhängigkeit Dänemarks gegen- über dem äußeren Feind, gegenüber Deutschland, zu schützen, dessen Kapitalisten sich ruhig als die Herren der dänischen Hauptstadt ausspielen können. Die Konservativen im Stadlparlament Kopenhagens waren es auch, die mit Hilfe einiger liberaler Ucberläufer vor einigen Jahren die Uebernahme der Straßenbahnen in städtische Regie verhinderten. Sie setzten eben auch damals das Interesse der deutschen Kapita- listen über das der Stadt und ihrer Bevölkerung. Wären die Straßenbahnen städtisch, so hätten die Straßenbahner schon längst die Löhne, die sie jetzt fordern, und ein Streik wäre nicht zu lx- fürchten. Im Jahre 191l hat die Stadt wiederum Gelegenheit, die Straßenbahnen zu übernehmen, wenn es vor dem 1. August 1910 von der Gemeindevertretung beschlossen wird. Der Ver- mitielungsvorschlag, den der frühere Bürgermeister Jacobi den Straßenbahngesellschaften wie dem Personal gemacht hat, geht darauf hinaus, daß das Personal vorläufig, bis über die Ueber- nähme der Bahnen in städtische Regie entschieden ist, auf Lohn- erhöhung, die Gesellschaften auf Verschlechterung der Lohn- und Arbeitsbedingungen verzichten sollen, daß aber, wenn die Verstadt- lichung nicht zustande kommt, im Sommer 1910 von neuem zwischen den Parteien verhandelt wird. Ob dieser Vorschlag Annahme findet, ist noch sehr zweifelhaft. Aber auf der Berliner Börse wird das nicht entschieden. Oeiitfctzes Reich Die Tarifbewegung im Holzgewerbe zeitigt weiter sonderbare Erscheinungen, die auf die Friedensliebe der Unternehmer ein eigenartiges Licht werfen. Unter den Städten, die an der Bewegung beteiligt sind, befinden sich auch Köln und Görlitz. Auf Verlangen des Arbeitgeberschutzverbandes wurden in diesen Orten die Forderungen seitens der Arbeiter bekannt ge- geben. In Köln wurde die Verkürzung der Arbeitszeit von 54 auf 52 Stunden pro Woche verlangt, die in Hamburg, Dresden, Leipzig, Frankfurt und anderen Orten bereits anerkannt ist. An- stath daß nun darüber in Verhandlungen eingetreten wurde, ant- worteten die Unternehmer: „Der erweiterte Vorstand und Ausschuß hat in seiner gestri- gen Sitzung einstimmig beschlossen, solange in Unterhandlungen über einen eventuellen neuen Bertrag nicht einzutreten, bis der von Ihnen gestellte Antrag auf Reduzierung der Arbeitszeit von 54 auf 52 Stunden zurückgezogen sein wird. Unter keinen Um- ständen sind wir bereit, über irgendeine weitere Reduzierung der Arbeitszeit zu verhandeln, sondern die derzeit bestehende muß unter allen Umständen aufrechterhalten bleiben." In Görlitz haben die Unternehmer auf die Forderung auf Verkürzung der Arbeitszeit um wöchentlich 1 Stunde und eine bescheidene Lohnerhöhung geantwortet, daß sie„von weiteren Ver- Handlungen absehen müssen, sofern die Arbeiter nicht eine neue Vorlage machen". Die Arbeiter beider Orte werden die Unter- nehmer die Folgen für ihr Verhalten überlassen müssen. Daß derartige Vorgänge die Arbeiter veranlassen müssen, auf der Hut zu sein, ist selbstverständlich. Das patzt den Unternehmern aber auch wieder nicht, wie folgender Vorgang beweist. In Düsseldorf kommen bei der Vertragserneuerung neben dem Deutschen Holz- arbeiterverband noch die christliche Organisation und der Gewerk- verein in Frage. Daß in solchen Fällen die Vorberatung der Forderungen längere Zeit in Anspruch nimmt, ist selbstverständlich. Dem Herrn S i e b e l, der die Bestimmungen des alten Düsseldorfer Vertrages für seinen Betrieb immer noch nicht durchgeführt hat. nichtsdestoweniger aber Vorsitzender der Ortsgruppe des Schutz- Verbandes ist, paßte es nicht in seinen Kram, daß er mit den Forderungen der Arbeiter noch nickst krebsen gehen konnte. Er schrieb darum den nachfolgenden Brief an die Arbeiterorgani- sationen, den er aber gleichzeitig der Presse übermittelt«: „Gemäß der Preßnotiz über die letzte Versammlung deS Deutschen Holzarbeiterverbandes, den Wochenbeitrag ab 1. Januar 1010 auf 1 M. zu erhöhen, um den Kampffonds zu stärken, hat heute eine Sitzung des Siebener-Ausschusses des Arbeitgeber- Vereines der Holzindustrie und der Schreiner-Jnnung statt- gefunden, da nach diesem Beschluß des Deutschen Holzarbeiter- Verbandes recht deutlich zutage tritt, daß für unseren bisherigen Standpunkt, den ablaufenden Vertrag in friedlicher Weise zu er- neuern, auf feiten der Arbeiter keine Neigung besteht. Nach den zwischen den Zentralvorständen in Berlin getroffenen Ver- einbarungen hätten die örtlichen Verhandlungen bis zum heutigen Tage bereits beendet sein können. Statt dessen sind wir bis heute noch nicht einmal im Besitze Ihrer eventuellen Aenderungs- Vorschläge. Da wir nun nicht gewillt sind, länger mit uns Ver- stecken spielen zu lassen, laden wir hiermit die von Ihrem Ver- bände gewählten Vertreter der Vcrtragsverhandlungskommission zu einer Sitzung auf Mittwoch, 22. Dezember, abends 8%. Uhr, in das Hotel„zum Löwen" ein mit der Tagesordnung: Ver- tragserneuerung. Unsere Mitglieder der Arbeitgebervereini- gungen bestehen darauf, vor den kommenden Feiertagen volle Klarheit über die etwaigen Ford«rungen zu erhalten, um danach ihre Maßnahmen für die Zutmtsta�sffen zu können, u. a. alle Daß dieser Bluff nicht zieht, sollte Hertn Siebe! von vor»- herein klar gewesen sein, denn er kennt die Organisation der Holz- arbeiter, kennt auch den Ausgang des Kampfes in Rheinland- Westfalen in diesem Jahre, wo er auch im Anfang den im Briefe angeschlagenen Ton beliebte. Die Holzarbeiter nehmen Herrn S i c b e l diesen„Trainbataillonston der Reserve" nicht weiter übel, da der Herr erst kurze Zeit von der Uebung heim ist; aber seineu Zweck verfehlt er bei den Holzarbeitern vollständig. Diese iverden weiter rüsten!_ Eine Arbeitslosenzählung hat der Zentralverband der Maurer am 27. November 1909 vorgenommen. Zur Zeit der Zählung hatte der Verband 162 582 Mitglieder, von denen 151293 befragt werden konnten. Von den Befragten standen am Zähltage in Arbeit 116 327 oder 76,89 Proz.; arbeitslos waren insgesamt 23,11 Proz., davon wegen Arbeitsmangels 19,94 Pro.;., ivegen Witterungsverhältnisse 9,90 Proz. und crlverbsunfähig wegen Krankheit 3,17 Proz. 162 Zweigvereine haben trotz Mahnung die Bcrichtsbogen nicht eingesandt. Arbeitseinstellung. Sämtliche Arbeiter der Firma Fried- rich Boos, Solingen-Wangenberg, haben am Mitt- woch plötzlich die Arbeit niedergelegt. Durch ständige Lohnabzüge, brutale Behandlung und Maßregelung von organisierten Arbeitern wurden dieselben zum Aeußersten getrieben. In Betracht kommen alle Berufe der Schlacht-, Brot- und Tischmesscrbranche. Die strei- kenden Arbeiter sind zum Teil im Metallarbeiterverband, zum Teil im Jndustriearbeiterverband organisiert. Die Kriegsvorbereitungen des Zechenvcrbandes. Der Zechenverband hat eine Aenderung seiner Satzungen vorgenommen und dieselben dem binnen kurzem von ihm ein- zuführenden Arbeitsnachweis angepaßt. Wesentlich in den Satzungen sind die Streikversicherungsbe st im mungen. Pro Kopf zahlt jede dem Verbände angeschlossene Zeche einen monatlichen Beitrag von 1 M. in die Streikversicherungskasse. Dieser Beitrag kann jedoch durch Beschluß aus 2 M. pro Kopf und Monat erhöht werde». Die bei den Verbandszechen beschäftigten Unternehmer sind verpflichtet, sich den aufgestellten Streik- Versicherungsbestimmungen zu unterwerfen, und sind die Zechen dem Verbände gegenüber für die Durchführung dieser Maßregel haftbar. Mitglieder des Verbandes können auch Privatkokereien, Brikettfabriken und ähnliche mit Verbandswerken in Verbindung stehende Anlagen werden. Kartellverpflichtungen gegenüber den Streikversicherungsvcrbänden in anderen Revieren oder mit Streikversicherungsverbänden anderer Industriezweige können ein- gegangen werden. Die Dauer der Aussperrung eines Arbeiters nach einem Streik beträgt statutgemäß 3 Monate(früher 6). Der ausgesperrte Arbeiter darf also weder von einer Verbands- zeche noch von einem bei derselben beschäftigten Unternehmer und ebensowenig von einer Kartellzeche der auswärtigen Reviere wie auch von einem Kartellunternehmen anderer Art innerhalb der 3 Aussperrungsmonate bei einer Konventionalstrafe von 1000 M. für jeden einzelnen Fall angelegt werden. Die Entschädigung einer vom Streik betroffenen Zeche oder eines dem Verbände an- geschlossenen Kartellunternehmens beträgt in der Regel 1 M. pro Kopf und Arbeitstag, kann aber in besonders degründeten Fällen durch Beschluß beliebig erhöht werden. Bei einem Generalausstand ist eine Entschädigungsmöglichkeit nicht gegeben, und ist ein solcher anzunehmen, wenn die Zahl der auf den Ver- bandswerken ausständigen Arbeiter größer ist als ein Drittel der Gesamtbelegschaft aller Verbandswerke. Die Entschädigung kommt in Fortfall, wenn die Beendigung des Ausstandes dadurch herbeigeführt wurde, daß das vom Ausstand betroffene Werk die von der Belegschaft erhobenen Forderungen, deren Ab- lehnung den Ausstand veranlaßte, nachträglich vollständig oder im wesentlichen ohne Billigung des Vorstandes des Streikverstchenmgs- Verbandes anerkannt hat.— Die dem Verbände angehörigen Zechen und Werke können aus dem Verbände ausgeschlossen werden. wenn sie sich weigern, die jetzt neu einzuführenden, bereits be- kannten Bestimmungen über den Arbeitsnachweis anzuerkennen. Erfolgt die Aufhebung der Arbeitsnachweisbestimmungen durch gemeinsamen Beschluß, dann treten die«lten Satzungen des Streikversicherungsverbandes vom Jahre 1908 wieder in Kraft.' Aus den letzteren Bestimmungen läßt sich schlußfolgern, daß auch innerhalb des Zechenverbandes eine starke Strömung gegen den Zwangsarbeitsnachweis vorhanden ist, wie sie ja auch schon durch die Amtsniederlegung des Vorsitzenden, Bergrats Kleine, zum Ausdruck kam. Die vorhergehenden Bestimmungen beweisen, daß der Verband seine Kreise immer weiter zu ziehen sucht, um seine Macht so fühlbar wie möglich zu gestalten. Rtisland. Abgelehnt wurde der Gcneraltaris für �>as schweizerische Schneidergewerbe in der Urabstimmung des SchneiderverbandeZ mit 382 gegen 6 Stimmen, also nahezu einstimmig. Der ver- worfene Tarifvertrag war das Machwetk des Meisterverbandes. der ohne befriedigende Zugeständnisse an die Gehilfen die nach deren Meinung für die einheitliche vertragsmäßige Regelung noch nicht genügend reifen Verhältnisse schablonisicren und so z. B. einseitig nur auf den Stücklohn abstellen wollte, so daß von dem immerhin verbreiteten Zeitlohnsystem mit keinem Worte die Rede war, ebensowenig von dem noch vorhandenen Kost- und Logis- wesen bei den Meistern oder von der Heimarbeit. Auch der Zehn- stundentag befriedigte angesichts des Umstandes, daß schon die Olhstündige Arbeitszeit durch Tarifvertrag eingeführt ist, nicht. Hinter dem ganzen Vorgehen, den Gehilfen unter allen Umständen einen Tarifvertrag aufzwingen zu wollen, scheint der Arbeit- geberverband für das deutsche Schneidergewerbe zu stehen, der nun mitsamt seinem schweizerischen„Bruderverband" eine wuchtige Niederlage erlitten hat. Die Scharfmacher finden noch ihre Schranken. Eine australische vergarbeiterkonferenz, bei welcher die großen Bergwerksdistrikte Viktoria, Tasmania, Bröken Hill und Cobar vertreten waren, beschloß die Gründung einer Einheitsorganisation der Bergarbeiter für ganz Australien. entbehrlichen Leute zu eittl zur Stärkung Ihres K Äercmtw. Redakt.: Richird Sarth, Berlin. Inseratenteil veravttv.: rt. Glocke, Berlin. Druck u.Ver> ir kein Interesse- haben, c zu leisten. Letzte jVachncbten und Deperchen. Nachtragsetat für den Moloch. BjZariS, 24. Dezember.(W. T. B.) Die Deputiertenkammer nahm heute nachmittag mit 437 gegen 50 Stimmen die Er- gänzungskredite für das Etatsjahr 1909 im ganzen an. Von diesen entfallen 30 Millionen auf das Heer und 16 Rillionen auf die Marine. Einigungsverhandlungen in Sicht? Sydney, 94. Dezember.(W. T. B.) Der Streikkongreß hat seine Delegierten ermächtigt, an die Bergwerksbesitzer zur Her- beiführung einer Verständigung heranzutreten. Arbeiters Ende am Weihnachtsabend. Gleiwitz, 24. Dezember.(B. H.) In dem Sägewerk von Richter in Rhbnik schleuderte die Kreissäge einen Holzspan gegen den Kopf eines Arbeiters, welcher bis ins Gehirn drang und den sofortigen Tod des ManneS herbeiführte. 4 Buchdr. u. Bkrlagsanftav Paul Singer& Co., Berlin SW, Hierzu 4 Beilagen u. Untrrhaltungsbl, Ar. 301. 26. Zahrgavg. 1. MM ks.Amiirts" Kkllm WllisdIM. Zm»«bc»d, ZZ. Zeimder IM. Herzteltatütili. In der soeben ausgegebenen Nummer der„Deutschen medizi- Nischen Wochenschrift" veröffentlicht der bekannte Medizinalstatistiker Sanitätsrat Dr. Friedrich Prinzing in Ulm auf Grund des von Professor Dr. I. Schwalbe herausgegebenen„Neichsmedizinalkalenders für Deutschland auf das Jahr 1910" sLeipzig. G. Thieme 1909, ab-- geschlossen am 1. November 1909) eine außerordentlich interessante ilebersicht über die statistischen Verhältnisse der Aerzte Deutschlands im Jahre 1909. Die Zahl der Aerzte in Deutschland betrug im Jahre 1909 31 9 6 9. Nach deni Statistischen Jahrbuch für das Deutsche Reich für 1909 war die Einwohnerzahl Deutschlands in der Mitte dcS Jahres 1909 etwa 63 886 000, somit kommen auf 10000 Ein- Ivo Huer 5,004 Aerzte. Ihre Zahl hat sich gegen das Vorjahr ii m 3 2 9 vermehrt. Da der Prozentsatz dieser Zunahme etwas geringer ist als der der Zunahme der ganzen Bevölkerung, so ist die Verbälmisziffer der Aerzte gegenüber dem Vorjahre ein wenig niedriger geworden, eine Erscheinung, die sich seit 1906 regelmäßig wiederholt, wie die folgenden Ziffern zeigen: Zahl der Zunahnie gegen Aerzte auf Aerzte das Vorjahr 10000 Einw. 1906—1907 die Zahl der Vorprüfungen nur 1033 betrug, war sie l. 1907— 1903 schon 1335. Aus der folgenden Tabelle ist die Zahl der Aerzte in den einzelnen Landesleilen im Vergleich mit dem Vorjahr ersichtlich: 1901 1902 1903 1904 1905 1906 1907 1903 1909 27 978 23 860 29 679 30 071 30 655 30 931 31 416 31 640 31969 882 819 392 584 276 485 224 329 4,92 5,00 5,06 5,06 5,08 5,06 5,06 5,02 5,00 Zum Vergleich seien für einige europäische Staaten die Ziffern der Aerzte angeführt; dabei sind nur in Großbritannien die Militärärzte nicht mitgezählt, während sie in allen anderen Staaten eingerechnet sind. In Frankreich sind 928 Okücisrs de sante mit einbezogen, die etwa unseren früheren Wundärzten enliprechen, aber seit 1890 nicht inchr ausgebildet werden. Auf 10000 Einwohner kommen Aerzte in England(1909).... 7,1 Schottland<1909)... 7,9 Irland<1909)..... 6,0 Frankreich(1906).... 4,9 Italien(1905)..... 6,3 Oesterreich(m. Bosnien, 1908) 4,1 Dänemark(1908).... 5,2 Norwegen(1903).... 4.5 Schweden(1908).... 2,4 Rußland(1904)..... 1,8 Die hohe Zahl in England und Schottland findet zum Teil ihre Erklärung darin, daß in England die größte Zahl der Einwohner (etwa 75 Proz.) in Städten wohnt und daß der Bedarf an Aerzten in den Städten viel größer ist als in kleinen auseinanderliegenden Ortschaften. Auch in diesem Jahre hat die Zahl der Medizin- studierenden wieder zugenommen. Sie war im Sommerhalbjahr Winterhalbjahr 1905... 6032 6080 1906... 6570 7219 1907... 7574 7773 1908... 8250 8879 1909... 9239— Dabei sind die Reichsausländer einbezogen; ihre Zahl bewegt sich Alljährlich im Sommer und Winter, um 1000, im Sommer- scmesler 1909 waren es 1091(davon 611 Russen). Dagegen find die Studierenden der Kaiser Wilhelms-Akademie, deren Zahl etwa 350 beträgt, nicht eingerechnet. Die Zahl der medizinischen Approbationen hat im PrüfungSsahr 1906—1907 den niedersten Stand erreicht, seitdem nimmt sie wieder zu; sie war 1904—1905 726 1906—1907 553 1905—1906 845 1907—1903 827 Schon im Jahre 1903—1909, für welches die Zahlen noch nicht veröffentlicht sind, ist eine weitere Steigerung zu erwarten. Währeüd Kleines feuilleron. Winter. Zum Bluh'n und Singen ilt noch weit, es ikt noch alles tief verfchncit, noch alles öde, kahl und halt. CQo ikt ein Licht? do ikt ein Balt? Die Schollen liegen ktarr und fturnrn. Viel taufend Reime kommen um. Viel taufend aber bleiben zäh Qnd überdauern alles COch und werden durch ihr Leiden groß, geheime dunder birgt ihr Schoß— zum Blüh'n und Singen ift noch weit, doch tief aus Dunkel kämpft die Zeit. _ �ofef Luitpold. Theater. Lessing-Theater: Das Konzert. Lustspiel von H e r- mann Bahr. Dem bielgewandten, geistreichen Plauderer, dessen Dramen, mit Ausnahme des„Meisters", bisher in aller- band Anläufen stecke» blieben, ist in dem neuen Lust« spiel ein überraschend guter Wurf gelungen. Diesmal hatte er nicht nur einen hübschen Einfall, sondern die glückliche Beharrlichkeit, die weiter spinnend Trumps an Trumpf reiht. In den Voraus- setzungen des erste» Aktes läuft viel schwankmäßig freie Willkür unter. indeS vollzieht das Weitere sich, dann ohne Seitensprünge und äußerliche Possenzutat. Die Komik bleibt in engster Beziehung zu der Charakteristik und trägt die Farbe spöttisch feiner Ironie. Man lacht mit einer ihres guten RechtS bewußten Heiterkeit. Auch im Burlesken blitzte immer noch beziehungsreicher Sinn hervor. Dem Beifall war es anzuhören, daß er von Herzen kam. Die gescheite, gütige und allzu nachsichtige Frau eines be- rühmten schwarzmähnigen Pianisten, der sich, wie Wedekinds „Kammersänger", vor dem Euthiisiasmus der Verehrerinnen nicht zu retten weiß, wird durch einen wunderlichen Kauz, mit dessen Gattin der große Mann— wie stets in solchen Fällen ein Konzert vorschützend— aus und davon gegangen, zu einem wohlverdienten Revauchefeldzug angeregt. Der Betrogene ist erhaben über alle menschlichen Vorurteile. Er denkt zwar nicht daran, seiner besicren Hälfte den Abstecher übel zu nehmen, und möchte nur Gewißheit haben, ob sie mit ihrem Neuvermählten glücklich werden kann. Frau Heink, seiner Leidensgenossin, schlägt er vor, dem Pärchen, daS sich in dem Landhaus des Pianisten ein- quartiert hat, nachzureisen, um durch Verhör an Ort und Stelle die Tatbestände festzustellen. Erweist sich, daß Herr Heini sein Leben fortan der Entführten weihen will, so wäre, meint der Philo- soph, ein Doppelaustausch das natürlichste. Die kluge Künstlers- gattin geht zum Schein darauf ein, ernennt den Herrn zu ihrem Liebhaber und führt das Spiel mit souveräner Laune durch. Die Szenen im Landhause entwickeln sich mit glänzendem Humor. Ter große Maim. dem nie im Traume beifiel, seine mütterlich besorgte, ihm geistig weit überlegene Kameradin könne für sich die gleiche Freiheit beanspruchen wie er, wird immer kleiner und kleiner und ist am Ende heilfroh, in Gnaden wieder auf- 1903 1909 Ostpreußen... 699 694 Westpreußen... 533 528 Berlin � falls von der enormen Ersparnis bei her Zelbitbcreitung. I Otto Reicbel, feriso.«, Fernsprechanschlüsse Amt IV, 4751, 4752, 4753. Riederlageo in yureb meine ScWlilef kennt!. Drogerien etc. WWW» Wo nicht erhältlich, Versand ah Fabrik. Vor Nachahmungen sei dringend gewarnt. 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Mürfel 5 pf* Brühl& Cle., Berlin SO. 16 Verantwortlicher Redakteur Richard Barth, Berlin. Für den Inseratenteil v'erant».: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. BerlagSanstaÜ Paul Singer& 6oH Berlin SW. Nr. 301. 26. Iahrgaug. 2. Ktilmc des Joriüärts" Kcrlmr MM ZMualieud, 23. Dezember MS. Vas mirttchaftsjahv 1909. Cin für das Proletariat an enttäusÄen Erwartungen reiches. SN erfüllten Hoffnungen armes Jahr geht zu Ende. Der sehnlich erwartete gewerbliche Aufschwung hat sich nicht eingestellt. Boten der Wünsche, nicht der Wirkl-ichkeit waren die optimistischen An- kündigungen über den Anbruch einer neuen Hochkonjunktur, die wir bereits aus dem vorigen Jahre mit herübernahmen. Manche In- dustrien sahen die ab und zu aufleuchtenden Flämmchen der Er- Wartungen unter dem rauhen Sturm der Marktgestaltung bald wieder verlöschen. Nun, am Jahresschluß, läßt sich wohl eine all- gemeine geringe Belebung in der Gütererzeugung konstatieren, aber das Fundament unseres Wirtschaftslebens scheint doch noch nicht gefestigt. Tie Berhältnisie am Kohlen- und Eisenmarkt sind noch wenig durchsichtig, entziehen sich noch der sicheren Beurteilung, und unsere Textilindustrie hat mit einer kaum erlebten Verteue- rung des Rohmaterials zu rechnen. Der Geldmarkt entbehrt noch der zu großen Hoffnungen berechtigenden Gestaltung, während die Finanzlage der Bundesstaaten und des Reiches fortgesetzt als Quelle neuer Befürchtungen in Wirksamkeit bleibt. Die Ende des vergangenen Jahres das Wirtschaftsleben noch stark beeinflussende Balkanfrage, der wirtschaftliche Boykott gegen Oesterreich, das Hochgehen der politischen Wogen aus Anlaß der Publikation des„Daily Telegraph" über Aeutzerungen und Kom- binationen Wilhelms IL, warfen auch in das laufende Jahr noch schwache Wellen hinein. Größere Beunruhigung löste die Frage der Rcichsfinanzreform sowie die der Steuerdeckung in Preußen aus. Später traten weiter als politische Faktoren der auf des Messers Schneide stehende Krieg zwischen Serbien und Oesterreich, sowie der deutsch-englische Flottenfanatismuö hinzu. Auch die Zolltarif- frage in den Vereinigten Staaten machte sich als beunruhigendes Moment iim Wirtschaftsleben geltend. Nicht nur in Teutschland gestaltete sich die Lage am Arbeitsmarkt außerordentlich ungünstig, auch in anderen Industriestaaten sah es trotz beruhigender Stimmungsberichte wenig trostvoll aus. Während in Teutschland im März der Andrang Arbeitsloser etwas abschwächte, war der amerikanische Stahltrust nur zu 50 Proz. seiner Leistungsfähigkeit beschäftigt, und in England mutzten sich die Bergarbeiter inner- halb eines halben Jahres die zweite Lohnreduktion gefallen lassen. Das Herabgehen des Reichsbankdiskonts auf 3,5 Proz. brachte auf dem heimischen Markt nicht die erhofft« Belebung hervor. Es zeigte sich, daß die Direktoren der Laurahütte, des Bochumer Vereins und des Phönix mit ihren pessimistischen Urteilen über die Wirt- schaftliche EntWickelung leider nicht zu schwarz gesehen hatten. Im Frühjahr l90g waren die Verhältnisse teilweise noch trostloser als im Herbst 1303. Nur für die Berschleißer von Getreide hatte wieder eine bessere Konjunktur eingesetzt. Ungünstige Saatenstandsberichte in Verbindung mit forcierter Getreideausfuhr trieben die Preise wieder scharf nach oben. Die Revolution in der Türkei, sowie der fortgesetzte Dread- nought-Rummel ließen diese Belvcgung nicht zum Stillstand kommen, bildeten aber ckaum anregende Momente für die gewerb- liche Tätigkeit. Allerdings machte sich in der Roheisenerzeugung sowie in dem Halbzeugversand des Stahlwerksverbandes eine ge- ringe Zunahme gegenüber dem Borjahr bemerkbar, aber eine Steigerung des Begehrs nach Brennmaterialien blieb aus. Da- gegen traten in der Textilindustrie Anzeichen besserer Konjunktur hervor. Teilweise gaben dazu den Anstoß die drohenden Zoll- crhöhungen für die Einfuhr in die Vereinigten Staaten. Vorver- sorgung aus demselben Grunde war auch Ursache für eine bc- grenzte Belebung in der Kleineisenindustrie. Am Baumarkt hatten lich, wenn auch nicht durchgehend, die Verhältnisse gebessert. Die tatsächliche Bautätigkeit entsprach aber nachher dem erwarteten Umfange nicht. An der Börse löste ein durch phantastische Berichte über reiche Funde in den Kolonien angereizter Profithnnger eine wilde Hausse aus. die sich teilweise auch auf heimische Industrie. werte übertrug. Nahrung fand der Kolonialtaumel durch die Aktion zur Verstaatlichung der Otavi-Bahn, bei welcher die Beräußercr auf Kosten der Steuerzahler ein feines Geschäft machten. Aufkeimende Hoffnungen, als Folge nur kurzer industrieller Belebung, mußten bald wieder zu Grabe getragen werden. Der Maibericht des Stahlverbandes ließ eine verschlechterte Lage er- kennen. Die Gesuchtheit, ein möglichst rosiges Bild zu zeichnen. konnte nur verstimmend wirken, um so mehr, als auf dem Umweg über das Ausland eine notwendig gewordene Herabsetzung der Trägerpreise bekannt wurde. Der.Kohlenmarkt repräsentierte sich in durchaus unbefriedigender Verfassung, konnte doch das Syndikat nicht einmal die auf 60 Proz. der Beteiligung reduzierte Koks- crzeugung unterbringen. Koks und Kohlen füllten überall die Läger. Andere Faktoren ließen eine freundlichere Gestaltung der Verhältnisse erkennen: die Eisenbahncinnahmen stiegen und die Zahl der Beschäftigten nahm ausweislich der Mitgliederbewegung der Krankenkassen zu. Begehr nach billigen weiblichen Arbeits- kräften hatte die Zunahme veranlaßt. Verschiedene Gewerbe litten unter der Unsicherheit des Schicksals der Finanzreform. In dem Konflikt, der den Bülow-Block schließlich auö dem Leim gehen ließ und das Novum einer Rumpfkommission gebar, kamen die gegensätzlichen Tascheninteressen der Agrarier auf der einen, des Börsen- und Industriekapitals auf der anderen Seite zum Austrag. Als die traurige Konrödie mit dem Hinter- und Untergrund rücksichtslosester Cliquen- und Plünderwirtschaft sich dem Ende nahte, gab es auf dem Markte der in Betracht kommenden Waren stärkere Nachfrage: Fabrikanten, Händler und Konsumenten suchten durch Vorvcrsorgung der drohenden Steuer wenigstens teil- weise zu entgehen. Der Rückschlag blieb natürlich nicht aus. Be- sonders die Tabakindustrie erlitt durch die eingetretene Steuer- erhöhung einen äußerst schmerzhaften Schlag. Erschreckend groß ist die Zahl der ruinierten Existenzen. Auch in der Bierproduktion, ferner in der Spirituserzeugung zeigen sich die Folgen der Finanz- reform. Ein Rückgang des Konsums ist unverkennbar! Soweit der Verbrauch des Trinkbranntweins in Betracht kommt, übte auf die Einschränkung zweifellos der sozialdemokratische Schnapsboykott erheblichen Einfluß aus. Im Juli wandte die Lage am ArbeitSmarkt sich wieder zum schlechteren; verschob sich doch in dem Andrang Arbeitsloser sogar die Distanz in der Vergleichnng mit dem Jahre 1303 zuungunsten des laufenden Jahres. Und wer geglaulck hatte, der Generalstreik in Schweden werde dem inländischen Markt irgendwelche Anregung geben, der sah nachher in solcher Annahme sich bitter enttäuscht. Dazu traten zwei neue Momente der Beunruhigung und Hemmung industriellen Ausschwunges in die Erscheinung: eine Geldver- steifung, noch ehe die Jndustriekrise überwunden war, und das Einsetzen einer.Hausse am New Dorker Baumwollmartt. Anfang Oktober setzte die Reichsbank ihren Diskont, der Ende September auf s Proz. erhöht worden war, auf 5 Proz. hinauf. Die Bank von England steigerte in rascher Folg« ihren Diskont von auf 5 Proz. Noch war die Mißstimmung und gewerbliche Störung durch die vom blauschwarzen Block skrupellos durch- gedrückte Stcuererhöhung nicht überwunden, da löste der Etats- entwurf für das Reich neue Erregung aus, war er doch das Ein- geständnis des Fiaskos der Finanzreform. Um fast 200 Millionen Mark bleibt der Etatsansatz hinter den Berechnungen der junker- lichen und klerikalen Steuermacher zurück. Darin kann man die Ankündigung einer neuen„Reform" erblicken. Für die Arbeiter- schaft keine angenehme Ucberraschungl Mit Herbstanfang ging vom Eisenmarkt eine hoffnungsvolle Stimmung und Anregung aus. Tie Preise, die auf einen sehr tiefen Satz heruntergekommen waren, wurden etwas hinausgesetzt. Angeregt davon und von zuversichtlichen Stimmungsberichten, ließen die Händler größere Austräge buchen. Bald vernahm man, die Werke seien auf Rkonate hinaus reichlich mit Aufträgen ber- sehen. Nun aber wird berichtet, daß die Händler bei den Ein- deckungcn sich lediglich von spekulativen Erwägungen leiten ließen. Sie konnten die übernommenen Mengen nicht unterbringen und blieben mit Spezifikationen im Verzug. Das veranlaßt die Werke, energisch auf Abnahme zu drängen. Um der Gefahr von Zwangs- Versteigerungen zu entgehen, bieten die Händler jetzt zu Preisen an, die unter die der Werke hinabgehen. Ob diese zu einem Preis- kämpf sich entschließen, die Entscheidung wird nach den Feiertagen fallen. Jedenfalls sind die Verhältnisse am Eisenmarkt noch un- klar, sie erlauben kein sicheres Urteil. Daß auch in den Kreisen der führenden Persönlichkeiten der Großindustrie noch starke pessimi- stische Bedenken bestehen, das beweisen: die abwartende Haltung des Stahlwerksverbandes und der Beschluß des Köhlensyndikats, die Einschränkungen vorläufig noch nicht zu ermäßigen. Der Stahlwerksverband hat allerdings die Ausfuhrprämie von 15 auf 10 M. pro Tonne Kohlen ermäßigt, aber die Maßnahme soll erst im 2. Quartal 1310 in Wirksamkeit treten. Die weitere günstige EntWickelung der Eisenbahneinnahmen, die Verminderung des An- gebots von Arbeitskräften bei den öffentlichen Arbeitsnachweisen sind Erscheinungen, die wir gern als Symptome einer Aufwärts- bewcgung registrieren. In den letzten Tagen hat eine Industrie, die sonst weniger die allgemeine Beachtung findet, mehr von sich reden gemacht: der Kalibergbau I Weil der Widerspruch der kapitalistischen Interessen das Kalisyndikat in seinem Bestände bedrohte, dadurch die Rente des in Kalipapieren angelegten Kapitals-in Gefahr geriet, glaubte die Regierung sich verpflichtet, als Retter in der Not mit einem Kartellschutzgesetz die gefährdeten Interessen schützen zu müssen. Das Reichskaligesetz soll ein privates Monopol auf staatlich ge- sicherter Grundlage schaffen. D-ie Unternehmer werden in der Aus- beutungSfreiheit nicht im mindesten behindert, aber die freie Kon- kurrenz ist ausgeschaltet; die Produktion wird beschränkt, die Ver- kaufspreise sind dein beeinflussenden Gesetz von Angebot und Nach- frage entzogen. So sorgt für das Kapital ein Staat, dem das all- gemeine Wohl, die Existenzbedingungen der Arbeiter, die Siche- rung ihrer Staatsbürgerrechte nach den gemachten Erfahrungen ziemlich gleichgültige Faktoren sind.„Meine Herren I Wir arbeiten ja nur für Siel" Das Wort trifft für alle Situationen zu, sicher dann, wenn die Negierung in einer Streitsrage zwischen Arbeiter und Unternehmer die Entscheidung treffen soll. Wenn auch in manchen Gewerben die Erwerbsverhältnisse sich etwas freundlicher gestalteten, allgemein betrachtet, und unter Be- rücksichtigung der Kosten für die Lebenshaltung, hat die Arbeiter- schaft im scheidenden Jahre nicht viel Erfreuliches erfahren. Daö nachfolgende Zahlenmaterial gibt den Spiegel ab für die Entwicke- lung. Es kommen darin mehr oder minder scharf die Wirkungen einzelner Vorgänge in die Erscheinung, und sie bilden die Grund- läge für die abgegebenen Urteile. Der Arbeit Smarkd. Die Lage am Arbeitsmarkt zeigte nach den Berichten der öffentlichen Arbeitsnachweise in den letzten Monaten eine freund- lichere Gestaltung. Der„ArbeitSmarkt registriert zusammen für die ersten Ii Monate und pro 100 offene Stellen die folgende An- zahl Arbeitsuchender: 1307 1303 1303 113.3 154,3 158,7 Im Gesamtdurchschnitt ergibt sich demnach für da? letzte Jahr immer noch eine etwas höhere Ziffer als für 1903. Ob die Wen- dung zum Besseren den Morgen einer neuen Hochkonjunktur dar» stellt, muh erst noch abgewartet werden. Lebensmittelpreise. Die Großhandelspreise für Getreide nach den Notierungen an der Berliner Börse nahmen im laufenden Jahre folgende Eni- Wickelung. ES kostete die Tonne Mark: Januar März Juni Septbr. Dezbr. 23. Weizen.. 203,08 280,81 268,00 213.28 217—218 Roggen.. 167.36 171.11 135.47 173,63 160 Für den Konsumenten ist von größerer Wichtigkeit die Bewegung der Kleinhandelspreise. Die nachstehenden vergleichenden Angaben entstammen den Publikationen deS Berliner Statistischen Amtes. Die Brotpreise sind nach den Resultaten vorgenommener Stichproben aus 40 Bäckereien zusammengestellt, die übrigen Angaben nach höchsten Marlthallennotierungen. ES kostete in Pfennigen: Roggenbrot 1 Kilogramm.. Weizenbrot 1 Kilogramm.. Rindfleisch, Keule, Kikogr. Kalbfleisch. Keule,'/a Kilogr. Hammelfleisch, Keule,'/, Kilogr. Sckiweinerllcken'L. Kilogramm Schweinefleisch. Schulterblatt, B-mch Vq Kilogramm... Speck Va Kilogramm.... Schweineschmalz'/a Kilogramm Butter'/a Kilogramm... Kartoffeln Vz Kilogramm.. Eier sStiick)....... Gerade die wichtigsten Lebensmittel: Brot und Schweinefleisch. sind im Jahre 1303 empfindlich teurer geworden. Und die Agrarier- presse orakelt über die gehobene Lebenshaltung der Arbeiterbevölke- rung. die angeblich sogar Schweinefleisch verschmäht, um sich an Kalbskoteletts und Rinderfilets zu delektieren. Di« Rohtabakpreise unterlagen folgenden Schwankungen: Für Kentucky ordinär mußten in Bremen pro Doppelzentner gezahlt werden: im Anfang des Jahres 72 M.. im Juli 80 M., im August 78 M., im Oktober 75 M.. gegen 85 M. im Oktober vorigen Jahres. Größere Kurven stellt die Preisliste für Zucker dar. Die letzte Ernte wird qualitativ als ausgezeichnet bewertet, quantitativ bleibt sie jedoch hinter der vorjährigen zurück. Wie die Erntcschätzungen in Verbindung mit spekulativen Manövern sowie der Frage der Zucker- steuer auf die PreiSentwickelung gewirkt haben, illustrieren folgende Angaben: Nach Magdeburger Notiz kosteten 50 Kilo- gramm Raffinade: Januar 33,34 M., Juni 41,25 M.. Oktober 42,58 M., 23. Dezember 44— 45 M. Materialpreise. Die Preise der industriellen Rohmaterialien haben im Be- richtSjahre ganz enorme Schivankungen erfahren. Zum Teil wurden die Bewegungen durch den Druck der Kruse mit den hineinspielenden Nachrichten hochgehender Konjunktur, sehr stark auch durch Börsen- manöver bestimmt. Die Kohlenprcise gingen von ihrem außer. gewöhnlich hohen Stande zu Anfang des Jahres um 50 Pf. bis l M. zurück. Die Preisveränderungen am Eiscnmarkt veranschau» licht diese Zusammenstellung: Es kostete pro Tonne in Mark: Spiegeleisen.... Deutsches Bessemereisen Stohlflnbeisen... Kesselbleche. März 1308 35—87 30 108-115 128-130 März 1303 53—66 53,61 33— 10o 115-120 Oktober 1308 78-80 70 100-107 118-130 Sprunghaft veränderten sich auch die Baumwollpreise. In Bremen kostete z. B. Va Kilo Rohwolle zu Anfang des Jahres 48—40 Pf., fetzt 77 Pf. Geht es nach dem Willen der Börsen- jobber. dann wird der Preis auf über 1 M. hinaufgehen. S» diene» die Grundelcmcnte des Wirtschaftslebens einigen Leuten, die der Gütererzeugung völlig fernstehen, als Mittel riesenhafter Reichtumshäufung. Selbstverständlich müssen Produzenten und Konsumenten die Zeche bezahlen. Will man von der Preisbewegung am Eisenmarkt schließen, der Tiefstand der Krise könne als über- wunden gelten, so bleibt doch zu fürchten, daß die schlimmen Folgen der neuen Handelsverträge dauernd und in Zukunft in fühlbarerer Weise in Wirksamkeit bleiben. Dem Export deutscher Waren be- reiten die auch vom Ausland höher gezogenen Zollmauern nicht leicht, teilweise überhaupt nicht zu übettvindende Schwierigkeiten. Vielfach wird die bisher heimische Industrie einfach ins Ausland verlegt. Ferner wird die arbeitende Bevölkerung gezwungen, einen größeren Teil des Lohnes für die verteuerte Lebenshaltung aufzu- wenden. Das bedeutet natürlich eine Verminderung der Kaufkraft, speziell für solche Artikel, die am wenigsten notwendig sind; die Nachfyilge bleibt entsprechend schwächer. Solche unheilvolle Wirkung erhöhter Schutzzölle wird nun noch verschürft durch unsere Volks- feindliche Steuerpolitik. Außenhandel. Der deutsche Außenhandel zeigt sowohl in der Einfuhr wie in der Ausfuhr höhere Ziffern. In der Zeit vom 1. Januar bis ein- schließlich November 1303 wurden insgesamt 573 647 843 Doppel- zentner eingeführt, gegen 555 750 469 Doppelzentner in der ent- sprechenden Periode des Vorjahres; ausgeführt wurden 433 036 828 Doppelzentner, gegen 418 310 133 Doppelzentner im Jahre vorher. Verhältnismäßig sehr stark gestiegen ist die Einfuhr chemischer und pharmazeutischer Erzeugnisse; dem Mehr von rund l�b, Millionen Doppelzentnern steht aber auch eine Aus« fuhrsteigerung von 2Vi. Millionen Doppelzentner gegenüber. Zurückgegangen ist sowohl die Einfuhr wie auch die Ausfuhr von Tonwaren. Stark ist der Ausfall bei der Einfuhr von Eisen und Eisenlegierungen, und zwar um rund 1 Million Doppelzentner, bei gleichzeitiger Steigerung der Ausfuhr um rund 2 Millionen Doppelzentner. Die Maschinenindustrie konnte die vorjährige Menge nicht wieder an das Ausland abstoßen, aber auch die Einfuhr von Maschinen, elektrotechnischen Erzeugnissen und Fahrzeugen figuriert in der Statistik mit einer niedrigeren Ziffer. Produktionsresultate. Nachfolgend geben wir eine zusammenfassende Uebersicht über die Produltionsresultate aus der Kohlen- und Eisenindustrie: 1307 1308 1903 , Januar bis November einschl. in 1000 Tonnen Steinkohlen....... 131 393 136 730 186 801 Braunkohlen....... 56 853 60 933 61 026 Koks.......... 20025 19 401 19 507 Roheisen........ 11 939 10 797 11741 Versand des Stahlwerks- verbandeS. Produkte A.. 6 225 4 406 4 556 Im Vergleich mit dem Jahre 1307 bleibt die Eisenindustrie mit der diesjährigen Produktionsziffer sogar absolut zurück. Dividenden. Wie nicht anders zu erwarten war, kommt nun auch in den Dividendenausschüttungen der Niedergang des Wirtschaftslebens in Gestalt reduzierter Rente zum Vorschein. Aber die Dividende konnte doch im allgemeinen auf recht ansehnlicher Höhe gehalten werden. In den vorausgegangenen Jahren waren so reiche Er- träge erzielt worden, daß sich für die Krisenveriode Rücklagen machen ließen. Auf Grund der von Januar bis Oktober durch das Zentralhandelsregister veröffentlichten Bilanzen ergeben sich folgende Resultate: Zahl Aktienkapital DurchschnittSdibidende der Gesell- 1308/09 in Prozent schasten in 1000 Mar! 1007/08 1908/09 Bergbau u. Hütten 103 1 423 321 9.4 8,0 Eisengewerbe.. 507 1480115 8,1 7,6 Nahrungsmittel w. 402 511 770 6,4 5,9 Textilgewerbe.. 261 478 863 9,2 7,7 Ledcrgewerbe.. 56 104 527 9,5 9,2 Bekleidung, Reinigung... 37 21 138 4,7 4,1 Baugewerbe.. 226 467 326 2.9 8,2 Steine und Erden 283 379 866 8.7 7.6 Holz-, Schnitzstoffo 42 41 702 6,5 5.3 Ehemische In- dustrie.... IIS 387 323 14.4 13,9 Papiergeiverbe. 68 111354 10,4 V.4 Graphische Ge- werbe.... 79 52318 6.4 5,6 Handcl, ohne Banken... 32 52455 8.0 8,0 Banken.... 482 3809178 7.8 7.3 BerkehrSgewerbe. 373 1444 979 4,5 3,3 Gastwirtschaften. 65 62 922 5,0 3,8 Sonstige Gesellschaften... 150 89177 4,7 5,2 Mit Ausnahme des Verkehrsgewerbes erfreuen sich alle Gruppen, in denen große Kapitalsummen investiert sind, auch für das Krisenjahr 1908/03 ganz respektabler Gewinnausschüttungen. Landwirtschaft. Einen noch viel größeren Segen, als dem Industriekapital, brachte das für die Arbeiterschaft leidvolle Jahr 1303 den Agra- ricrn. Dank der bereits erwähnten Umstände halten sich die Lebens- mittelpreise auf einer weitgespannte agrarische Erwartungen recht« fertigenden Höhe. Und dazu nun noch eine Getrciderckorderntel Der diesjährige Ertrag ist gegenüber dem des Jahres 1907 höher: bei Weizen 276 423 Tonnen gleich 8 Proz., bei Roggen 1530556 Tonnen, gleich 16,3 Proz., Das bedeutet bei den hohen Preisen ganz enorme Mehreinnahmen. Und auch die Fleischproduktion per- spricht hochlohnend zu werden. Die Futterernte ist nämlich viel schlechter ausgefallen als in den Vorjahren. Somit erscheint die Befürchtung gerechtfertigt, daß die Flcischpreise über den jetzt schon außerordentlich hohen Stand noch hinauswachsen werden. Die Agrarier haben alle Ursache, mit der durch Grenzsperren, Schutz» zolle und Liebesgaben säuberlich zurechtgestutzten göttlichen Welt» ordnung zufrieden zu sein. Ausblick. In demselben Verhältnis, wie sictz der Junker Aussichten gün- stiger gestalten, verschlechtern sie sich für die Arbeiter. Diese sind ja die Opfer der mit rücksichtsloser Wucht gehandhabten Steuer» geißeln und.,Schutz"-zollskorpionei>. Und zu der Mißhandlung, die sie als Konsumenten erdulden müssen, tritt die Bedrohung, der die Proletarier sich als Produzenten durch das unheimlich rüstende Kapital ausgesetzt sehen. Kein Zweifel: Das Unternehmertum schickt sich an, die Kosten der wahnsinnigen agrarischen Wirtschafts- Politik möglichst restlos auf die Arbeiterschaft abzuwälzen!_ Das ist ihres Rüftcns eigentlicher Zweck, letztes Ziel! Diese Tatsache soll und kann die Arbeiterschaft nicht entmutige». Im Gegenteil: Aus» lösung der ganzen Kampfcscnergie muß die Folge sein! Das Jahr 1309 hat der Arbeiterschaft leider das gehalten, was wir vor 12 Mo- unten voraussagten; daö neue Jahr wird allem Anscheine nach ein solches schwerer Kämpfe und. wie wir hoffen, ein solches erfreu» licher Erfolge sein! (Siehe Wochen- Spielplan.) Sonnabend, den Sonntag. den �6. und M o n t n g. den 27. Dezember, nachmitiagS Uhr: Freie Volksbühne. Neues Schau- spielhaus.. Theater: Die Kreuzet- schreib«;. Friedr.-Wilhelmstädt. Schauspielhaus: Heute Sonnabend(erster Feiertag): Flachsmann als Erzieher. Morgen Sonntag(zweiter Feiertag): Othello. » k'-VI»:-»tv r. Somlabcod, 8 Uhr: Das ztonzert. Sonntag, 3 Uhr: Der Biberpelz. 8 Uhr: Dantris der Narr. Montag, 8 Uhr: Ter Sonnen- onfgang._ Berliner Theater. Heute und morgen 8 Uhr: Hol»« I'olitlk. Neues Theater. Abends 8 Uhr: Ein königlicher Spaß. Morgen und folgende Tage: Ein königlicher Spaft. Idealei' des Westens. AbcndS 8 Uhr: Die geschiedene Frau. Sonnabend 3'/« Uhr: ein Walzer- Iraum. Sonntag nachm. S'l, Uhr: Ole lustige Witwe. Montag nachuu 3'/, Uhr: Ein Walzertraum Dienst., Mittw., DonuerZt. 4 Uhr: Lteuwweipeter.__ Iii«ZU«» Operetten-Theater, Schissbauerdamm 25, a. d. Luiienstr. 1., 2, 3. Feiertag, abends 8 Uhr: Graf von Lnxembnrg. 1. und 2. Feiertag, nachm. 3 Uhr: Der Kigennerbaron. 27. und 29. Dez., nachm. 3 Uhr, zu ermätzigten Preisen: Die goldene Märchenwelt. t.us'tspieSksus. Heute und morgen nachm. 3 Uhr: Man soll keine Briefe schreiben. Abends 8 Uhr: Der dunkle Punkt. Montag nachmittag 3>/z Uhr: ver Zauberkessel. Abends:' vor dunkle Punkt. Dienstag abends 8 Uhr: Der dunkle Punkt Friedricti-Wühelmstadlisches Schauspielhaus. Sonnabend, 25. Dez., nachm. 3 Uhr: Flackssmann als Erzieher. Zlbends 8 Uhr: Die Haubenlerche. Sonntag nachm. 3 Uhr: Othello. Abends 8 Uhr: Im bunten Rock. Montag 8 Uhr: flm bimlcn Rock. Residenz-Theater Direktion: Richard Alexander. An dni drei Feiertagen: Abends 8 Uhr: Im Taubenschlag. Sonnabend 3 Uhr: Mnsotte. Sonntag und Montag 3 Uhr: Aümmere Dich«m Nmelte. Luisen-Theater. J3 Uhr: Gib mich frei. Schauspiel in 5?clten nach einer Er zäblung von H. Courths-Maht«' von � Ernst Riiterseldt. Abends 8 Uhr: Die Reise um die Erde in 89 Tage». Ar Skusstattlingsstück in 14 Bilden:. Sonntag 3 Uhr: Die Keier-Wall». v Uhr: Die Reise um die Erde in 80 Tage». Mutitag 3 Uhr: Wilhelm Tell. 8 Uhr zum 25. Male: Gib mich srei. Dienstag: Die Reise um die Erde in 8k) Tagen ysst8pisl-7ksNtvr. ZKossrt-Vper. DK. Dezember(1. Feiertag) 8 Uhr: Zar und Zimmerman». Nm.3'/,U.: Postillion»on Unjurnsau. 98 De,.(2. Feiert.) 8 Uhr: Die Jüdin. Km. 31/: Uhr: Oer Freischütz. 27. Dezember, abbs. 8 Uhr: U inline. Urania. Wissenschaftliches Theater. Sonnabend, abends 8 Uhr: In den Dolomiten. Sonntag-, abends 8 Uhr: In den Dolomiten. Berliner Hparinn Unter den Linden 68a Eingang Schadow-Straße No. 14 An den drei Feiertagen: Eintrittspreis ■V 50 Pf.-W» Keichhaltigste Ausstellung der Welt an lebenden Seetieien, Reptilien etc OSE=TltEATED iSrotzc Frantstirtcr Str. 132. Ans. S Uhr. Ende ll'/a U. Faust. Tragödie von Goethe. I. Teil. Nachm. 3 Uhr: Maria Stuart. Sonntag(2. Feiertag), nachmittag 3 Uhr: Kabale und Liebe. Zlbends: Faust. Montag(3. Feiertag), nachmittags 3 Uhr: Die Grille. Ab. Faust. Metropol-Theater Heute nachmittag 3 Uhr: Die Kreuzelschreiber. Abends 8 Uhr: Hallo!!! Die große Revue! Rnnclicn Ubcvnll srestattet. 1. und 2. Weihnachtsfeiertag ?3vnu"?f Halbe Preise. ÄurlcSke Tohmvabohu. Abends 8 Uhr: Prinz Pinne. Reue Einlage: .4nna Düllor-I.incke, Henry llender. Fn beiden Vorstellungen: Tie grossen Attraktionen mit Schi m panse Konsul James Great. 3.— 3.— 2.50 2.50 o._ 1.— 0.75 2.- 2.— 1.50 1.50 1.— 050 0.40 An beiden Weihnachtstagen je 2 Vorstellungen 2 Nachmittags: Anfang 3'/, Uhr. » Kleine Preise! für für Erwachsene Kinder Terrasse.... Loge...•,. Parquet Fauteuil Seiten-Terrasse. Fauteuil.... Rescrv. Platz.. Entreo.... Abends: Anfang 8 Uhr. In beiden Vorstellungen: Otto Reutter. Merlans Hundo- Theater: „Entführung d. Salome-Tänzerin", gespielt von 42 Hunden. --- La Pia------ in ihrer Szene„Der Wellen Geist". und die auserlesenen Sterne am DezembersHlmmel dos Win f ergartens. JSelilller- Jtommanbameuftr. 57. T. 91. 4, 5083. Am t. und 2. Weihnachts-Feiertag, nachm. 4 Uhr(halbe Preise): nigdeillöliMeMZ ------ An allen 3 Feiertagen= AbendS 8 Uhr: „8o muß man's machen" Hierzu: Ein Rettungsmittel Am 31. Dezember, von abends 8 bis 4 Uhr früh: Große Silvester-Feier. 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SK j Passage-Theater, t j Während der Festtage» ; je 2 Vorstellungen! 5 j Nachm. 3— 7 Uhr(kl. Preise). J Abends 3 Uhr. iGussi Holll g and 14 erstkla««i£o{ �Spezialitäten.} Passage-Panopiikum. Senegal in Berlin! 50 wilde Weiber Männer, Kinder. Drei Negerdörfer Ohne Extra-Entree! Vem 22. Dezbr. bis inkl. 4. Januar: Volks tage! Volks-Theater Hlxdorf, Hermannstraste 30. Sonnabend, den 25. Dezember: Entehrt. Schauspiel in 5 Akten von Heule. 9lnsai»g 7 Uhr. Sonntag, den 26. Dezember: vis Reise durch Gerltn In SO �Stunden. Posse m. Gesang in 6 Bild. v. Salingrö. 9lnsaiig 7 Uhr. Montag, den 27. Dezember: Da« WarrnhauMfrliulcin. VoUsstück in 5 Akt. o.OttoRcinh.Popper. _ Ansang 8 Uhr._ Wie Bomben und Granaten zündet das Weilmachts- Glanz-Prograni Alexanderplatz, im Grand Hotel Jede Piece ein Riesen-Erfolg unter anderem: Der Graf von Luxemburg die hübschesten Gesangs- und Tanzszenen ans dieser neuest., v. d. gesamt. Presse glänzend beurteilten Operette von Franz Lehar. Aufnahmen i. 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A« allen drei Feiertagen: Anfang des Konzerts 7 Uhr, der Vorstellungen:lß Uhr. Preise der Plätze: 1. und 3. Feiertag: 50 Ps. bis 2 M. 2. Feiertag: 50 Ps. bis 3 M- W. Koacks Theater Srunnennr 16, am Rosenthaler Tor üln allen drei Feiertagen: Ciroße Ee«tvor«tellnngeil. 1. Feiertag, 3 Uhr: Don Carlos, Lnsant von Spanien. 8 Uhr: phitippine>Velser. 2. Feiertag. 3 Uhr: Der Glöckner von Notre-Dame. '/,8 Uhr: Der Veitchenfresser. 3. Feiertag. 3 Uhr: Othello, der Mohr von Venedig. •/.ß Uhr: Die Postkarten-Frida 2. u. 3. Feiertag: Familientanz. Polles Caprice.j Am 1, 2. und 3. Feiertag: Sicher ist sicher. Bunter Teil. Ler Mann meiner Iran.> Ans. 8>/, Uhr. Borverkaus 11- ?) Alt Hoablt 47/48. Sonnabend(1. Feiertag), 25. Dez.: Mtihnathtknin leiiManh. Sonntag(2. Feiertag), 26. Dezember: Der Walzerkönig. Montag(3. Feiertag), 27. Dezember: Zum unwiderruflich letztenmal: Stuart. Köni|>;«tadt-E£a«ino. tzolzinarklstrabe 72. Täglich: Gr. Wcihnachts- Borstellungen. Berliner Herzen oder: 0. du gnadenreiche Weihnaehlszeit. Aeihnachlssesispiel mit Ges. von Fischer-Obmann mit Eraua Sobanakl. Neue Spezialitäten. Ans. 8 Uhr, des Festspiels 9>l, Uhr. An allen 3 Feiertagen: Gr. Fest- Vorstellungen. Ans. 5'/, Uhr. Voigt-Tlieater Gesundbrunnen. Badstrabe 58 Sonnabend. 25. Dez.(1. WeibnachtSs.): Nachm. 3 Uhr: Wünsche und Traume. Zauberspiel m. Gesang in 9 Bildern von Jacobsohn. Abends 8 Ubr: Fräulein Doktor. Luslsp. in 4 Akten o. Wallhcr u. Stein. Sonntag, 26. Dez.(2. WeibnachtSs.): Nachm. 3 Uhr: Ter Pfarrer von Kirchfelb. Volksstück m. Gesang in 5 Akten von Auzengruber. Abends? Ubr: Mit vollen Segeln. Voltäst. m. Ges. in 3 Akt. o. Hugo Schulz. Montag, 27. Dez.(3. Weihnachtss.): l)er Leiermann undsein Pflegekind, Schauspiel in 7 Bildern von Eharl. Birch-Pseisfer. Kassencröffnuug 7,'Ansang 8 Uhr. Karl Hsverwnd Stiifang Theater prüz. 7 U. 77/79 Kommandanteiistrabe 77/79. Zln allen 3 Feiertage»: (|ala-?estv'orsteUg. Sonntag nach der Vorst.: Ball. esse tälleste u. größte) Täglich? KONZERTa Erössnung: Wochentags 5 Uhr, Sonntags 3 Uhr. Entree Sonntags 20, Wochentag? lOPf. Heute Sonnabend, den 25. Dezbr., Sonntag, den 26. und Montag. den 27. Dezember, an allen drei Weihnachlsteierlasen je 2 große Gala-Vorstellungen 2 nachm. 3' Uhr u. abends 71/, Uhr. Um S'/.Uhr zahlen Kinder unter zehn jähren auf allen Sitz- plätzenhalbe Preise.(Galerie volle Preise.) An allen drei Feiertagen, nachmittags 3ll} Uhr: Farmerleben I In sämtlichen Vorstellungen: Der Amerikaner Kersiake i mit seinen weltberühmten dressierten Schweinen.| In sämtlichen Vorstellungen: Möns. Colon mit dressierten Affen In sämtlichen Vorstellungen: Vorführen und Heilen derj besten Schul-, Freiheits- und| Springpferde. In sämtlichen Vorstellungen; Auftreten derClotvns mit neuer,| Witzen und Spaßen. An allen 3 Feiertagen, abends I 71/,Uhr, die neue russ. Pantomime;> „Marja". Trianon-Theater. An beiden VcihnachtSsciert. 3 Ubr: OV Pariser BSilweu.-Mg AbcndS 8 Uhr: Kuridans Glel. Montag solg. Tage: Dliridans Esel. Lsnssouoi, Direktion Wilhelm Reimer. An allen brei Feiertagen! Som!abd..Soniit.,Montag: lZf. Vi!!hii.-fezl-8o!Mii?. MmmS H0Eän9Uern.hen Hochint. Festprogramm. Aktuelle Einakt. Ens.-Szenen ä ta Fauler itfin. 1. Feiertag u.a.: Weihnachtnn b.Oberst v. Horn. Am Meer. 2. Feiert.: Weihnachten bei Oberst v. Horn. Dazu Koloss.-Soiree- Programm. 3. Feiert.; Gr. Fest-Soiree- Abend. Am 1. u. 2. Feiertag: Ans. de» Konz. 5 Uhr, d. Vorstell. 7 Uhr. Am 3. Feiertag Ansang d. Vorstell. 8 Uhr. Aeihit.-iii'weheii. Dienstag. 28. Dez.: Theater- Abend. Die Waise aus Eowood. Kttüller prater-THtattr Kastanienallee 7—9. 1. und 2. Feiertag: Große Soiree der Apollo-Sänger. Anfang 7 Uhr. Nach der Vorstellung: Tanzkränzchen, Montng. den 3. Feiertag: Großer Kavalier-Ball. Ansang 5 Uhr. am Moriiipletz Anf.S Uhr.' Den 1. und 2. Feiertag 2 Große Extra-Horsteliip 2 Nachmittags 3 Uhr: Das ganze Sten-Progr mit'n Hün Ein Kind frei. aes d_ Spezialitäten-Programm mit Meyer mit'n Hängeboden. Abends 7 Uhr: Das phänomenale Wcihnachts• Programm mit der Novität: Die Trockenwohner. Vorbestellungen für Silvester- tischo werden schon jetzt ont- gegengenommen._ Reslaorant Jr&enwäldehen" Steglitz, Schichcnftr..Gr.-Lichter(elde, Chausseestrabe. 2. u. 3. Weihuachtsseiertag: Großer Kall. Gutgepflegte Giere. Reichhaltige Speisenkaria. ..SS-M WilHelm Schriller. Elysium.»K«-"" "Ät3- GroOer Ball bei stark besetztem Orchester. � Ansang 4 Uhr.== Entree frei. 2. Feiertag, mittags 12 Uhr: Matinee Besitzer: Otto Ernert. SW.. kreuzbcrgstraOe 18. Sonntag. 26 Dazember; Qr. Fest- Ball. Am a. Cppi-Tan? S["f- Feiertag: im 10114.81%. Freitag. 31. Dezember: Silvester-Ball. An den 3 Weihnachlsfeierlagco. 25., 26., 27. Dez.. 3'/, n. 7'/s«•: je 2 grob Jorstellunge«. Rachmiltaqs 3'/, Uhr hat jeder Besucher 1»ins frei, weitere Kinder unter 10 /Fahre» zahlen Halde Preise, auber Galerie. N ichmiltags und abends uugefnrzt:"'äW Die drei Rivalen oder das mbsteriöse Schloß in der N o r m a n d i c. Grobe geerie in 5 Akten. Vorher das gr. Programm, u. a Debüt Bagonght der kleinste und komischste Reiter der Well. Sergeant Breuan der bette D/abolo-Spieier. Der Amerikaner Niblo mit seinen wunderbar sorecheuden Papageien. Die Zirkuskasi'c ist von 10 Uhr ununterbrochen geöffnet. Mus Golombo Slrafle: Alt-Boxhagen Z8 40, 5 Min. v. Frankfurter Allee u. Balnib. Stralau> gtnininelsbiirg. Strabenb. 76 u. 79. Massiver Zirku-- bau. Zeutral-Damvsheizung. Sounabeiid(erster Feiertag) und Sonntag(zweiter Feiertag): Große Gala-Sport-Lorstellunsi. Nachmittags 4 Uhr und abends 8 Uhr und svlgende Tage: Tscherkeksen- Blitzretter..Viktoria", die tlcinstc ohne«attelreiterin! SC?" The troo Schäffers! 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Ballschmleders Etablissement, f Badstr. 16. iß Mitwirkende: Berliner Ulk-Trio, Berliner Humor-Trio, Volkssängergesellschaft Hugo Anke, Apollo-Sänger, Volkssänger-Gesellscbaft Strzelewicz, Paul Mantheys„Lastige Sänger4', Mundharmonika-Verein„Vorwärts44, Elite-Orchester Fritz Blnme. Gesangvereine: Liederlust II, Vereinte Sangesbrüder Moabit, Vereinigter Sänger- Chor Wedding.«Neu erwacht".— Freie Torner und Zivil-Berufsmusiker. - S- Sonntag, den 26. Dezember, nachmittags 5 Uhr Heiterer Kunst- und JVlusikabeDd in den PharussSälen, Müllerstr. 142. Mitwirkende: Berliner Ulk-Trio, Tiefzsche Konzert-Kapelle, Lotte Frank(Soubrette), Herr Fritz Richard vom Deutschen Theater. Die Komitees Mitwu W 233/16* 'rotte), 8. mam Caslan's PmSsb Fnilimlage!, Frlcdrlcbstr. 105(Pschorrpalasi) | Jeder Besucher kann - Kind frei einführen! kr. Mnaehts-ilustellung Hfcbcnbrodel. Domröschen, öcbnecwittcbcn. Indische Wltwen=Verbrennung. ===== GroBc Illusion in acht Bildern. 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Weihnachtsfeiertag), in Freyers Festsäfen, Koppenstr. 29: Weihnachts»Vergnügen. »Ms KONZERT««« ausgeführt vom Neuen Berliner Konzerf-Orchester. Dirigent: Rudolf Tietz. Paul Jescheck= Ensemble. 93/t8* Von S'/aUhr fiirKindor im Nebensaale: Im oberen Saal von 4 Uhr ab: Kasperle=Theater. Tanz. Eröffnuns 3 Ehr. Eintrittt 50 Pf. iukl. Tanz. Anfang- 4L Uhr. Das Komitee. NB. Billetts sind zu babon im Bureau, Engelufer 14, im Restaurant Wilhelm Walzer, Koppenstraße 62(schrägüber von Freyers Festsälen) und im Zigarrengeschäft des Kollogen Fritz Schwemke, Schönleinstr. 34(Ecke Kottbnsor Damm und Bocckhstraße). firanehe der Rlavierarbeiter. Montag, den 27. Dezember(3. Weihnachtsfeiertag): Großes Weihnachts-Vergnügen im großen Saale des Gewerkschaitshauses, Engelufer 15, = KONZERT= II Berliner Uik=Trio. Nach dem Konzert: TANZ. Anfang 5 Uhr. ■ Vi/ V» VI/ Vl> VI/ VI/ V» VI/ VI/ f VI/ VI/ VI/ w VI/ VI/ VI/ V!/ VI/ Vi/ Vl> ® VSSSSSSSSSSSSSSSSESSSSCA ausgeführt vom Neuen BerlinerTonkünstlor- Orchester. Dirig.: Herr Franz Hollfelder. Eröffnung 4 Uhr. Billett inkl. Tanz SO Pf. Für Kinder 8 Uhr au KaSperle-ItlLttter. gy Die Saaltüren bleiben während der Aufführungen geschlossen. Billetts sind zu haben bei den Vertrauensleuten der einzelnen Betriebe und im Verkehrslokal bei Bieberstein, Adalbertstraße 59. 03/17* Vi/ i V» VI/ VI/ VI/ Vi/ VI/ VI/ VI/ VI/ v»> VI/ Ä VI/ V!/ Vi/ Vh <1/ V!/ VI/ Vi/ v;/ VI/ .................■'■14 1■—-(Ij, «sssssssssssssssKSSKsss» i Wo verleben wir die Feiertage?__ m den PpachtsäSevi des Osteels Frankfurter Allee 151/152. Jnb. O. Cranz. Frankfurter Allee 1SI;1S2 eiw 2. Weihnachtsjeiertag: Großes Konzert, Theater"tj Spezialitäten• Vorstellung Anfang des Konzerts 6 Uhr, der Vorstellung 6'/, Uhr. Nach der Vorstell.: Tanzkränzehsn. Am 2. unb 3. Feiertag; Im weihen oaal: □ □ Tanz-Rennion □□ bei stark besetztem Orchester. Ansang 4 Ubr. Anfang a Uhr Am 3. Weihnachtsseiertag: Einmaliges Gastspiel des Berliner Schauspiel-Ensembles. Dir.:®. Höppner und B Lange. Zur Ausstihrung gelangt: Die Waise aus Lowood. Ansang bc« Konzerts 7 Uhr, der Vorstellung 8 Uhr. Ngch der Vorstell: Tanzkränzchen? Ii» Restaurant: An alle» drei Feiertagen: O Großes Künstler-Konzert □ verbunden mit Humor. Vorträgen 1 Ansang 4 Uhr. Ansang 4 Ubr. ! Borzügiiche Küche. AuSjchanl von Patzenboiec chj und MÄnchener Sürgerbräu. Gl Avis I Für die groge Silvesterfeier bitte um rechtzeitige siellung der Tische. Bestellungen erbitte am Bäjett. Hell, echt P ist euer j< • h Be. Germania- Pracht- Säle M., Chaassecstr, 110. Carl Richter. Sehenswert! 4M I in auen Kjezell-Wsiimsebkbslime Sälen 9* Sehenswert! feenhaft elektrisch erleuchtet. Am 1., L. a. S. Wclhnachfsfclertagc: Paul Mautlieys lustige Sänger. — Großes Weihnachtsprogramm.— 1. u.2.Feiertag Kasseneröffnung 4 Uhr. Anfang 6 Uhr. Anschließend: Fainlllen-Ball. 3. Feiertag Kasseneröffnung 7 Uhr. Anfang 8 Uhr. - Nachher Frel-Tanz.— Am S. Weib nacht»feie r tage von 5 Uhr ab im weißen Saal: Großer Fest-Ball bei stark besetztem Orchester. ff ❖ D ♦ ß Rudorf: Fritz Hoppes Festsäle Tel. 1015 Hermannstr. 49. Tel. 1015 1. Feiertag vormittags: Freie TnmersclialtRixilopl-Britz Große Kneipe* Im Saal: Gr. Frühschoppen, arrang. v. Oeaangverein KchneeglUckchen, wozu Sangesbrüder, Freunde und Gönner freundlichst eingeladen sind. Xachmittags: Kindervorstellun Abendti; Sozialdem. Wäl verein: Konzert u. Ball. 2. Feiertag vormittags: Gr. Frübschoppen arrangiert v. Gcsangvcr. 4CZ Ss. Rixdoc-f. Miinnorchor. Alle herzlich willkommen. Abend«: Handels- und Transportarbeiter-Verband. 8. Feiertag: Großer Saal: Spar- nnd Banvcrcin Rixdorf. Kleiner Saal: 22. Wahlbezirk: Wcibnachtsbeschernng. ÜO. Dezember: Orfsverein der Kellner Rix- dorfs: I. Stiftungsfest. Silvester-Feier(gr.Saal) Freie Turncrscb. Rixd.-Britz. Alle übrigen Räume für meine Stammgäste. 3�1 D 0 j Markgrafen-Säle 34. BarUgraren-Banini 34. ■—■— An der Stralauer Allee....... 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KOntgen tal, Zepernick, Schünow und SchOa- brilck; Heinrich B 10 i e. Hohelteinltr. 74, Part. BohiiKdorf und Falkcubcrg: Alois Laus. BohnSdors, Se. nossenschaitShauS»Paradies- '**<~ M ßioethemahe. Laden. Okarlotteaburg: GuswB'Scharnberg, Sesenheimerstrabe 1. Ecke UleliH,»lile, Zeutkon, miersdorf und Hnnkels Ablage: Fritz Oldenburg, Sichwaide. Kronpriiizenstr. Sl. Zrkner: Emst Hossmann, Friedrichshagener Chaussee. Vriedenau- Steglitz-MUdcnde: H.« e r n i e e, schiohsir. 119, So, I, in Sieglitz. Besiellungen nehmen entgegen w»Steglitz: .Motz r, Düppel, Ir. 32. und Fr. Sckellhaie. Ahonistr. lös. Vrledrlok-bagea: Ernst Werkmann, Friedrichstr. 67. Griiiin»: Franz Klein, Bahuhosstr. 6 III. Hohen-Xencndort: Wilhelm Tenischer, Stolperstr. S0 I. .7ol>a»»lztlial: Pielick«, Kaiser-Wilhelm-Platz 4. Karlzborzt: Richard Küter, Rödelslr. S, II. �» Ktiuigz-W(iBterlmuaieii: Friedrich B a u m a n N, Bahnhossir. 13. Ktipenie.k: Emil W i h l e r. Kietzerstr. 6, Laden. Urmenberg, Vrledrlclinfoldc, Wllhelmzberg; Otto S« i t e l, Kronprinzeiistrahe 4, I.... �.. � Wnblzdorr und Kanlzdorf: H u g» S ch cibe, MahlSdors, Waldericestr. 14. »larleadorr: August Leip. Cbausseestr. 293. Hos. Xea-Wel«e»Ae«: Kurt Fuhrmann, Sedanslr. 105. parterre. Äledcr-Schbnewelde: Max P r t e b t e, Britzerstr. 14 IL Xowaw ea: Wilhelm I a p p e. Friedrichslr. 7. «ber-tzicbbi-s» eido: August H e» j e S. Lauseuerstr. 2, L K-aakor,-fiilederzcbiiubauzen: Otto Nitz mann, Mahlen» ftratze 30. Beiniekendorr• Ost, Wllbclmsrab und SchUuholz: P.<ö u rs ch, Kamele str. 12. I. Blzdork: M. Heinrich, Neckarstrabe 2, im Laden. Haatmelitburg, Uoxhagcn: St. R o s» n t r a n z. RIl-Boxhagen 66. Hchniurgendorf:(ÜujtaD St a m i n« t Q, Cunostratze T Reliiinebei-a• Wilhelm SS um(et, Martin Lutherjtr. 61, im Laden. Kpumiau: Koppen. Jagowstr. 9. Tegel, llorsiganlile, Wlttenan, Waldmannslnst, llertiibdort* iinb Iteintckviidorr- West: Paul Kieuast, Borsigivalde, Zlünschslratze 10. I'eltovi: Wilhelm P o n o w, Teltow, gchlendorser Str. 4. ffempelbor: Albert Thiel, Friedrich Wilhelmstr. 20. Vropto«: Rod. Äramenz, Kiesholzstratze 412, Laden. Wilmersdorf- llalensco: Wittnebel, Gasteiner Str. A Sämtliche Parteilileratur solvie alle wisstitschaltliche» Werfe werden geliefert. Annahme von Inseraten fiir den„Norwärts�. «M Bitte anzschacideB, IN 245/1 Arbeiter-Biidungsscliule Berlin. Schnllokal: Grcnadicr&tr. 37, Hof geradezu I. Lehrplan für das I. Quartal 1910. Montag: Vatiircrkenntnls. Die Entstehung der Erde. Die Erdzeitalter. Die Entwickelung (Zweiter Teil) _____________ des Lebens und die Urzeugung. Darwin und der Darwinismus. Die Entstehung der Arten. Die Beweise für die Abstammungslehre. Die Entwickelung dos Menschen. Vortragondor: EmanuolWarm. Mittwoch: Gcsctzcsknnde(Strafrecht, Strafprozeß und die jetzigen Keformbestrebungon). 1. Äufgnbe dos Strofrechts. Stiafrcchtetbcoxien.— 2. Aus der Geschichte des Strnfrochts und dos Strafprozesses.— 3. Verbrechen. Vergehen. Uebertretungen im allgemeinen.— 4. Strafe. Strarv erfahren. Strafzumessung.— Vollziehung der Strafe.— 5. Staatsanwalt.— Verteidiger— Volksgcrichte.— Gelehrte Richter.— Klassenjustiz.— 6. Straftaten des politischen und wirtschaftlichen Kampfes. Vortragender: Dr. Oskar Cohn. Donnerstag: Rcdnerschalc. 1. Die Bedeutung und Notwendigkeit der freien Hede. Die Grenzen der natürlichen Beredsamkeit. Die Redekunst. Die Rede nach Form und Inhalt. Dispositionslohro.— 2. Technische Hilfsmittel: Das Manuskript Die Registratur. Die Naohschlage-Bibliothck.— 3. Das Voreins- und Vorsammlungs- wesen. Die Ocschiiftsordnung.— 4. Praktische Uebongon im Reden und Diskutieren. Vortragender: Mas Grunwald. Freitag: Gesvorkttchaf tstvcctcn.(Aus Theorie und Praxis der Gewerkschaftsbewegung.) 1. Geschichtlicher Rückblick auf die Gewerkschaftsbewegung in Deutschland. 2. Grundsätze der modernen Gewerkschafts- Organisation.— 3. Demokratie und Disziplin im Qewerksohafts- lebon.'— 4. Taktik.— 6. Kartelle und UntemehmerverbSnde.— 6. Torifvertrlige.— 7. Die Qewerkschafts-Internationalo.— 8. Gewerkschafts-Literatur. Vortragender: Emil Dittmer. Sonnabend: Goitohichte.(Geschichte des 16. Jahrhunderts.) 1. Der politische und wirtschaftliche Zustand Deutschlands zu Ausgraug des 15. Jahrhunderts.— 2. Die Städte.— 3. Die Kirche und die geistigen Strömungen.— 4. Die Anfänge der Reformation. Luther, Zwingli.— o. Sickingen und Hutten.— 6. Thomas Münzer.— 7. Calwin. Beginn der Gegenreformation. — 8. Spanien und die Niederlande. Frankreich. Italien.— 6. Thomas Münzer. — w. vpuauwu wiit» vi.ii? A.vii3v»viAunvLo. j-xaiiRLeiun. luaiien.—- 9. England.— 10. Deutschland am Ausgang des 16. Jahrhunderts. Vortragender: Hans Block. Sonntag; Katlonaißkonomlo.(Die Grundbegriffe der tneoretisohon Nationalökonomie. I. Teil.) Die Nationalökonomie als selbständige Wissenschaft, ihre Einteilung und Objekt.— Die Entwickelung zur kapitalistischen Weltwirtschaft; Entstehung und Wesen der kapitalistischen Wirtschaftsordnung.— Die Ware als Elementarform der kapitalistischen Produktionsweise.— Der Gebrauchswert und der Tauschwert der Ware.— Geld, Preis.— Die Verwandlung von Gold in Kapital.— Die Erschoinungsfonaen des Kapitals.— Die Grundrente. Vortragender: Max Grunwald. Forischrlttskursus. Donnerstag; VationalUkonomle.(Die Mchrwertthoorie.) Vortragender: Julian Borehardt LichtenbergaRummelsburg. Donnerstag: GoMchichte.(Geschichte der Beiehsgesotz- gebung und der Sozialpolitik.) J. Die Verfassungen von 1867 und 1871. Die gesetzgebenden Gewalten— 2. Bürgerliche Rechte. Staatsangehörigkeit, Freizügigkeit.— 8. Qewerbegesetzgebung. Qewerbcfreiheit Zunft- fesetzgebung.— 4. Bürgerliches Recht Arbeitsvertrag.— undP. Arbeiterschutz. Koalitionsreoht.— 7. und 8. Arbeiter- Versicherung.— 9. Vereins- und Versammlungsrecht Fresserecht.— 10. Strafrecht Vortragender: Simon Katzenstein. Der Unterricht beginnt in Vatlonaittkonoml«: am Sonntag, den S.Januar; Watarerkenntni«: Montag, den 10. Januar; Gesotneakande: Mittwoch, da» 12. Januar; Rcclnerachale: Donnerstag, dsn 13. Januar; Gewerkachaftaweaen: Freitag, den 14. Januar; Geachicbte: Sonnabend, den 15. Januar. Fortachrlttakaraiaa: Donnerstag, den 27. Januar; 2. Abend: Montag, den 3t. Januar. Dieser Kursus findet bei lt. Lf er, Grenadloratr. SS, statt Jeder neue Teilnehmer muß eine sehrilllleha Arbelt über die Mehr- Werttheorie bis zum 8. Januar an den Toraitaenden eingereicht haben. Der Unterricht in Rnminelabnrg-I,lctitenberR findet statt im Lokal von Gebrüder Arnhold, Frankfurter Cbanaaee 5/0. Beginn: Donnerstag, den 13. Januar. Joder Kursus erstreckt sich auf zehn Abende und beginnt pünktlich um 8'/« Uhr und endet pünktlich um 10 Uhr. Der SonntogskursuB beginnt pünktlich nm O Uhr und endet pünktlich um'Itit Ulrr. In Lichtenborg-Rummolsbnrg beginnt er Punkt O Uhr. Die reichhaltige Bibliothek ist an diesen Abenden von 7'/,— 8'/, Uhr geöflnot. Der Mitgliedsbeitrag betrii« Monat 25 Pf.; das Unterriohtsgold für jedes Fach pro I 1 Mark und ist spätestans an� zweiten Abend zu zahlen. t pro iura us Scraucxn» xrepp p lottfr. Schnla, Admiralstr. 40s; Rcnl, Bamirastr. 42; Vogel, Lortzingstr. 37; W. Kacxorowaki, Ravenöstr. 6; Uoracb, Engeluier 15. Alle Zuschriften sind an den Vorsitzenden Hermann UammS, Beriin-Rixilort, Stelnmetattraßo 51 III, Geld- Sendungen an den Kassierer H. Kttnige, Berlin S. 59, Hasenheide 56, zu senden. Der Vorstand. Arlielter! raucht Malinda- Zigarren in allen PretBlaffen. 40 Millionen sind in kurzer Zeit verkauft worden. Oer beste Beweis, dafi„31 al in da- ZI gurren" die besten sind und bleiben. In bonderten Zigarren- Geschälten in allen Stadtteilen GroS-Berlins zu haben. «»SKKKAAGAS! s. Oie i-en. gr. Ab- aw weohaelong, 12 vor- fc'>.. 'ehied. 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Anfang des Programms 1l,8 Uhr Die Arbeiterschaft ersuchen"wir, allo ihr bekannton Hausangestollten auf diese Veranstsitnng aufmerksam zu | machen und auch gelbst daran teilzunehmen.•i93'2 ehulmeister Dresdeuer Strafe 4, am Kottbuscr Tor. Nur eigene Konfektion! Winter-Paletots und Ulster, modern gestreifte Eskimo n. Molton- Qualitäten, la Bearbeitung«O,—, 34,—, 50.—, 48,50, 45,—, 38,50,««.30, _ 30,50, Jackett- Anzilye, eleg. Fassons, prima Roßhaar- Verarbeitung 50,—, 45,—, A A Cf) 42,50, 38,50, 34.-, 30.50. VchSv 37,50. M. Kock- Anivge 23°" 54?r0 Geliroek-AnzQge 8S50 70 Winter-Joppen, Ia Loden-Stoffe mit Lama- Plüsch und echtem Fellfutter •12,50, 27,50, 24,-, 21,50, 10,50, 17,50, 14,50, 12.50, Burschen- u. Knaben• Garderoben. Hcrrcn-Beinklcliicr. Apbelter-Dcrufitklcldnnc- unter Garantie für; tadellos. Sitz, halt- bare Stoffe, la Verarbeit-, elog Paßform. �uppliedl" "oibseofLovo5 '••••••••••#•••** GenorftldepofcM. Butze, Berlin N., Brunnenst. 27. Tel. III. 82V. 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Der Wortlaut ist jetzt veröffentlicht. Er widerlegt die von einigen Scharfmacherblättern, z. B. der „Post", aufgestellte Behauptung, das Reichsgericht habe die Boykotterklärung als eine zum Schadenersatz verpflichtende Handlung hingestellt. Das wäre ja ein klarer Verstoß gegen das Gesetz und gegen die u. a. aus Anlaß des Kieler Bäckerboykotts am 12. Juli 1906 vom Reichsgericht ausgesprochene Ansicht. Das Neichsgerichtsurteil erklärt viel- mehr auch im Mannheimer Fall den Boykott als eine durch- aus berechtigte Waffe im wirtschaftlichen Kampf. Aber das Reichsgericht gelangt, wie wir schon bei der ersten Nachricht über das Urteil betonten, dadurch zu einem die Arbeiterklasse schwer schädigenden Ergebnis, daß es Beleidigungen in den Flugblättern und die Art der Durchführung des Boykotts als Stütze des Schadenersatzes für den Boykott zuläßt. Ist der Boykott ein gesetzlich zulässiges, manchmal leider wirtschaftlich notwendiges Mittel, so kann logischerweise auch die Art der Durchführung des Boykotts keine gegen die guten Sitten verstoßende Handlung sein. Die gegenteilige Ansicht enthält einen unlöslichen Widerspruch. Und was die Be- lcidigungen anlangt, so kann poch unmöglich verkannt werden, daß ein durch die Beleidigung herbeigeführter Schaden nicht durch den Boykott verursacht ist. Es ist der Schluß falsch: Weil durch Beleidigung dem Schlächtermeister ein Schaden zugefügt ist, hat der Beleidiger für den durch Boykott zugefügten Schaden zu haften. Darüber wird in dem Nachprozeß, der die Höhe des Schadens feststellen soll, unzweideutige Klarheit seitens des Reichsgerichts geschaffen werden müssen, wenn es sich nicht dem vollberechtigten Vorwurf aussetzen will, in- folge der Hetze der Scharfmacherprefse von dem Gesetz und von seiner eigenen früher betätigten Auffassung durch Scheinschlüsss abgewichen zu sein und eines schweren Ein- griffs in das Koalitionsrecht der Arbeiter sich schuldig gemacht zu haben. Bei der großen Bedeutung des Erkenntnisses für die gewerkschaftlichen Kämpfe geben wir den wesentlichsten Teil der Urteilsgründe nachstehend wörtlich wieder. Er geht dahin: „In Uebereinstimmung mit der Rechtsprechung des erkennenden Senats hat das Berufungsgericht angenommen, daß der Boykott im wirschaftlichen Kampf zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern Mittel zur Erreichung erlaubter Ziele nicht widerrechtlich fei. «Berechtigt sind die Arbeitnehmer, auf eine bessere oder ihnen ge- nehmere Gestaltung ihrer Llrbeitsvcrhältniffe hinzuwirken. Nach ß 152 der Gewerbeordnung ist ihnen ferner die Bereinigung zur Erlangung günstiger Lohn- und Arbeitsbedingungen gestattet. Es �'ist ihnen daher auch nicht verwehrt, die Anerkennung der„Organi- sation", die sie sich nach ihrem Ermessen im Rahmen des Gesetzes gegeben haben, bei den Meistern durchzusetzen.(Auf der anderen Seite bleibt es den Arbeitgebern unbenommen, der Organisation oiei'-Befugnis zur Vertretung ihrer Arbeiter zu verweigern, über die Arbeitsverhältnisse im eigenen Betrieb nur mit den eigenen Arbeitern zu verhandeln. Mitglieder der Organisation nicht auf- zunehmen oder zu entlassen.)...... Der fragliche Boykott war hiernach an sich zulassig, sowohl, um eine vorteilhaftere Ordnung der Arbeitsverhältnisse, wie auch, um die Anerkennung der Organisation von den Meistern zu er- ringen. Belchening. Die Redaktion des„Vorwärts" hat sich zu ihrem Ferndrucker jetzt auch einen„Ferngucker"(System Macroni) angeschafft. Gestern nachmittag tvurde der neue Apparat im Erfrischungsraum der Redaktion— zwischen Konscrenzhalle und Korrcktoreniaal— aufgestellt und sofort an Ort und Stelle fix und fertig montiert. Die Schatten des- Heiligabends hatten sich eben auf die stille Erde herniedergesenkt, und die Stunde schlug, wo man die Lichter an den Bäumen entzündet, da war es vollendet das große Werk: ein neues Anschauungsmittel eingereiht in das Arsenal zur Be- sruchtung öder RedakteurSphantasien. Neugierigster Spannung voll umstand den geheimnisvollen Apparat die Schar der Redakteure, Sekretäre uud Stenotypeure, der Archivare und Bibliothekare, der Feuillelonisten und übrigen Christen, der Botcnmeister und anderen Geister, die noch zum Redaktionsstab des Blattes gehören. Unser Spezialist für Luftschiffahrt und sonstige Technologie ließ sich von dem Obermonteur der Macroni-Gesellschaft zum unwiderruflich letzten Male den immerhin nicht ganz ungefähr- licken Mechanismus erklären, und nachdem er an die Brusttasche ge- griffen hatte(in der die Lebensverstcherungspolice steckt), faßte er die Kurbel fest in die Faust. In der Redaktionslonferenz war nach vierstündiger Debatte eine Einigung dahin erzielt worden: daß die erste Reise mit dem Wunder- apparat den Weihnachtstischen berühmter Persönlichkeiten des Tages und der— Nacht gelten solle. Und so flog die Kurbel auf„langsam voran!"— �# • Markgrafcnstraße 77! Herrn Wilhelm VrrihnS Gabentisch ist in der Redaktion der„Wahrheit" aufgebaut. Zu Hause fühlt er sich nicht so gcmüttich wie hier, wo ihn die dah-seligsten Erinnerungen um- schauern. Der Weihnachtsmann hat ihm ei» Paar Zitronenpressen von ungeheuren Dimensionen beschert. Auf der einen ist ein silbernes Kreuz angebracht, auf der anderen prangen zwei verschlungene goldene Dreiecke, deren eines fein sittsam auf der Basis steht, während das andere auf der Spitze balanziert. Drei Redaktions- kolligen erinnern sich ans ihrer Jugendzeit, daß dieses Zeichen das „mosaische Kreuz" vorstelle. Was aber haben die beiden Rjesen- presien zu bedeuten? Groß genug find fie, einen ausgewachsenen Menschen aufzunehmen. Ob etwa die Kreuz« Presse für„arische", die zweite für— nicht-arische„Kunden" bestimmt ist...? Rrrrr!. Hamburg am Holstcnwall I Herrn Schack hat da? Cbrislkindcl eine hübsche Geige beschert. Amati l Aber die Fiedel hat nur drei Saiten. Trioline I Steuer nach Norden und schneller als Luftschiff und Automobil von Hamburg nach Kiel! Villa Frankenthal..._. Der Herr Bal- boß feierte in früheren Jahren wohl das Makkabäer-Fcst, aber nie- mal« Weihnachten. Anno 1909 hat er mit der Christenheit gute Geschäfte und gute Erfahrungen gemacht, drum strahlt ein Christ- bäum in seinem Salon. Ans dem Weihnachtstisch steht riesengroß die Figur der„Justitia" aus purem Gold; in der linken Hand hält sie eine Wage, deren eine Schale unten mit einem kolossalen Blei- klumpen belastet ist. in der rechten trägt sie statt des Schwertes einen Mast von nngehenrer Länge. Die Binde um die Augen fehlt, und die goldene Göttin schielt, daß es einen Hund jammern muß. Inmitten des behaglichen Festraunicö hängt ein Transparent, auf dem in großen Lettern geschrieben steht:- Das Berufungsgericht hat jedoch den Boykott um deswillen für widerrechtlich erachtet, weil die von den Beklagten angewandten Mittel wider Strafgesetze und die guten Sitten verstoßen hätten. Hierbei ist es zum Teil von irrigen Erwägungen ausgegangen. Wiederholt betont das Berufungsgericht, daß der Boykott auch deshalb rechtswidrig gewesen sei, weil die Boykottleitung bezweckt habe, den Kläger durch Unterbindung ihres Geschäftsbetriebs einen tunlichst hohen Schaden zuzufügen, um einen Zwang auf ihre Eni- schließungen auszuüben. Hiermit verkennt dos Berufungsgericht, das, der Boykott, dessen sich streitende Wirtschaftsgruppen gegeneinnnder bedienen, seinem Wesen nach gar keinen anderen Zweck haben kann als den, die Gegner durch empfindliche VcrmögenSschädigung zum Nachgeben und zur Unterwerfnng zu nötigen. Lässt man den Boykott als Waffe im wirtschaftlichen Kampfe zu, so kann er nicht schon des- wegen unerlaubt sein, weil damit der Gegner geschädigt werden soll. Unerlaubt wird der Boykott nur dann, wie der erkennende Senat mehrfach ausgesprochen hat, wenn bezweckt wird, die Wirt- schaftliche Existenz des Getroffenen völlig zu untergraben und ihn zugrunde zu richten, oder wenn die mit dem Boykott beabsichtigte Schädigung in keinem Verhältnis zum Anlaß des Streites steht. Davon ist hier indes keine Rede. Das Berufungsgericht hält weiter den Boykott aus dem Grunde für rechtswidrig, weil die Boykottleitung die Oeffentlichkeit an- gerufen, aber nicht zugleich das Publikum durch eine sachliche Dar- stellung des Streitfalls in den Stand gesetzt habe, sich ein eigenes objektives Urteil darüber zu bilden. Nur unter dieser Voraus- setzung wäre die Inanspruchnahme der Oeffentlichkeit zulässig ge- ivesen. Dem Berufungsgericht ist darin beizutreten, daß der ganze Boykott vermöge der das Strafgesetz und die guten Sitten der- letzenden Art seiner Durchführung widerrechtlich geworden ist. In dem Urteil des Reichsgerichts vom 12. Juli 1900(Entsch. Bd. 61, S. 52), auf das sich die Beklagten in den Vorinstanzen zur Rechtfertigung ihres Vorgehens berufen haben, ist hervorgehoben, daß die damaligen Beklagten— die Kieler Bäckergesellen und das Kieler Gewerkschaftskartell— sich in ihren Kundgebungen aller persönlichen Anfeindungen oder Verdächtigungen ihrer Meister ent- halten haben. Das Gegenteil haben, wie die Flugblätter und die Feststellungen des'Berufungsgerichts ergeben, die heutigen Beklagten getan. Neben anderen kränkenden Bemerkungen haben sie dem Kläger Jmhoff vorgeworfen, er betrüge die Arbeiter um ihr Koali- tionsrecht, weil er, wozu er das Recht hatte, Mitglieder des Zentral- Verbandes entlassen hat; er halte seine Gesellen— die, wie es ihr Dienstvertrag gestattete, bei ihm austreten konnten— wie Sklaven und zwinge ihnen eine fast grenzenlose Arbeitslast auf: er habe — weil er die Verhandlung mit dem Zentralverband ablehnte— höchst leichtfertig den Boykott provoziert. Es wird von seiner egoistischen und anmaßenden Probenhaftigkeit, von seinem dünkel- haften Herrenstandpunkt und davon gesprochen, daß er nur durch den schärfften Boykott zur Vernunft gebracht werden könnte. Die Innung wird des schweren Wortbruchs beschuldigt: sie habe Zusagen gegeben, um die Aufhebung des Boykotts zu erlangen, dann aber es mit ihrer Ehre vereinbar gehalten, ihr Wort zu brechen. Die Meister werden als wortbrüchige Fnnungshelden bezeichnet, von denen sich die Arbeiterschaft und das Publikum nicht an der Nase herumführen lasse. Nack der Beweiswürdigung der Vorinstanzen waren alle diese, zumeist schon der Form»ach beleidigenden Vorwürfe unwahr und geeignet, die Ehre und das Ansehen der Meister, namentlich der Kläger in der öffentlichen Meinung herabzuwürdigen; sie bildeten also Vergehen nach§§ 185, 186 des Strafgesetzbuches. Die Be- klagten haben weiter,— wie das Berufungsgericht feststellt.— durch die Art, wie die Flugblätter vertrieben wurden, Ende Oktober und im November 1906 allabendlich zur Zeit des Einkaufs durch die Arbeiterbevölkerung systematisch die größten Menschenansamm- lungen vor den boykottierten Läden herbeigeführt und dadurch mittelbar oder unmittelbar auf die Kaustvilligen einen Zwang zum Nicktbetreten der Läden oder zur Zurückgabe der gekauften Waren ausgeübt. Hierin wie in der an die Berufsgenossen der Beklagten sich wendenden und eine bedingte Ehrverletzung enthaltenden Er- Stille Nacht, heilige Nacht, Alles schläft, einsam wacht Nur MeschoreS und Rabbi II, Doch die ganze Werfrpolizei :,: Schläft in himmlischer Ruh.:,: Zwei Straßen weiter wohnt der Herr StaatSanwaltschastSrat Neils: der bedauernswerte Beamte, dem die schwere Aufgabe fiel, im Prozeß gegen die Frankenthal- Chawruße Repräsentant des preußischen Staates z» sein. Den Donk für diese Sisyphusarbeit hat er unter seinem trübfnnzlig flackernden kümmerlichen Weihnacktsbämncken gefunden; Strafversetzung nach G l a tz I Da kann er sich die Festung von außen beschauen, die Karl Liebknecht so lange von innen besehen mußte.... Und nun nach Süden, mit einer kleinen östlichen Ab- weichung über Berlin. Bei Herrn Bode ist Jubel und Trubel die Hülle und Fülle. Nicht nur daß die ersten Bankfirmen, Leder- fabrikanten, Kohlenbändler und Herrenreiter Europas dem Geheimen Rat die berühmte Huldigungsadresse unter den Weihnachtsbaum ge- legt haben, find auch die Berliner Damenhutverkäufer mit all den vielen Wachspuppen angetrelen, die bisher in den Schaufenstern ihr verkanntes staubiges Dasein fristeten. Bodes Freude ist un- beschreiblich. Unter den WachSkvpsen hat er mit seinem feinen Kennerauge binnen zehn Minuten bereits entdeckt: eine raffaeleske Figur, eiue gainsborugheske, drei velaSquezeske, sechs michelangeleSke, neun tintoretteSke und achtzehn groteske. Wir haben nicht Zeit genug, um Bodes weitere WeihnachtS- entdeckungen abzuwarten, sonst löscht sein Kollege in München die Lichter am Baum. Also mit Volldampf voraus! Rrrrrrr— Nanu I solche Ueberraschung hätte sich der Herr Geheimrat v. Tschudi denn doch wohl nicht träumen lassen. Sein Weihnachtstisch, das ganze Zimmer, das ganze Haus, die ganze Straße, in der er wohnt, fft bepackt, behängt, verstellt von Bildern! Bildern II Bildern!!! Die Augsburger haben mit eigenen Händen ihre Kirchen und Kapellen, ihren Dom, ihr Rathaus, ihr Zeughans, ihr Fuggerhaus und ihr Museum Maximilianeum geplündert und alles, alles, was sich da an Bildern fand, dem Münchener Gehcimrat zur freien Verfügung als Weihnachisangebinde beschert unter Ueberreichung einer Adresse, an deren Kops die Worte prangen: Dem ausnchmend-einnrhmende» Manne das dankbare Augsburg! Von München über Köln nach Brüssel.— In Köln sitzt Luise von Koburg unterm Fichtenbaume. Ihr drittletzter Liebhaber hat sich nobel gezeigt und dem trauernden Waisenmädchen eine herrliche Kristallflasche verehrt, auf der in großen Lettern zu lesen ist: Für Krokodilsträncn! In Belgiens Hauptstadt trauert Albert: der neue Köniy. Er ist, wie am Tage seines Regierungsantritts im„Lokal-Anzeiger" zu lesen war, Sozialdemokrat oder so'was. Und wahrhaftig! Das Christuskind hat ihm an Büchern beschert: VanderveldeS„Em- Wickelung des Sozialismus", Karl Marx'„Das Kapital", das„Buch der Marionetten" und ähnliche nützliche Literatur. Nicht weit von Brüssel liegt Schloß Balincourt: Witwenfitz der Baronin Vaughan. Der treue königliche Ehegatte hat ihrer noch in der Sterbestunde liebend gedacht und angeordnet, daß seinem süßen Weibchen das leopoldinische Vermächtnis unter den Weihnachtsbaum gelegt werde. Die Urkunde lautet: „Meiner erst links, dann rechts Mir angetrauten Frau und den Kindern, die sie Mir diesseits der Schwelle des 70. Lebens- jahreS gebar, vermache Ich klärungen in den Flugblättern: Boykottbruch sei ebenso gemein und ehrlos wie Streikbruch, hat das Berufungsgericht ohne Rechts- irrtum eine Uebertretung des§ 153 der Geloerbeordnung erblickt. Doch kommt es hierauf nicht wesentlich an, und es braucht auf die mit der neueren Rechtsprechung des IV. Strafsenats(Entsch. in Straff. Bd. 40 S. 226; 41 S. 365) im Widerspruch stehende Ansicht des Berusungsgerichts, daß auch die gegen die Metzger- meister, also die Gegner der Beklagten im Lohnkampf gerichteten Ehrverletzungen unter§ 153 der Gewerbeordnung fallen, nicht näher eingegangen zu werden. Denn alle diese Kundgebungen und Veranstaltungen, die nach der Annahme des Berufungsgerichts auf Aufreizung und Aufwiegelung der Massen berechnet waren, und zu denen die Beklagten geschritten sind, weil sie sich von einer ein» fachen Boykotterklärung keinen genügenden Erfolg versprachen. können vor der Rechtsprechung als zulässige Mittel im Wirtschaft- lichen Kampf nicht bestehen. Sie Widerstreiten dem Anstandsgefühl eines jeden gerecht und billig denkenden Menschen und stempeln den fortgesetzt sich einer solchen Kampfesweise bedienenden Boykott zu einer die gnen Sitten verletzenden Handlungsweise, die seine Urheber nach ß 826 des Bürgerlichen Gesetzbuches, dessen Merlmale im übrigen gegeben sind, schadensersatzpflichtig macht." Em der Frauenbewegung. Kampf! Wir stimmen nicht ein in das übliche, teils trügerisch- sentimentale, teils einlullend selbsttäuschende, teils bewußt ver- logene Friedensgeseier und Wohlgefallensgedusel. Frieden? Dem Proletariat, der proletarischen Frau winkt er nicht zu süßer Rast. Aus kampfgeschwängerter Atmosphäre weht den Frieden Begehrenden Haß und Feindschaft entgegen. Die offiziellen Prediger des Friedens, die Verteidiger der christlichen Religion sind die Träger der feindseligen Gefühle und Bestrebungen. Künden die in Mansfeld aufgefahrenen Maschinengewehre Frieden? Brachten die Zechenbarone mit dem Verfemungs- zwangsarbeitsnachweis den Knappen ein Wohlgefallen? Ver- sklavung der Ausbeutungsobjekte ist solcher Einrichtungen Ziel! Empörung muß aufwallen! Es ist nicht Zeit, sich durch Friedens- gebimmel einschläfern zu lassen. Für die Proletarierinnen sicher nicht! Sie sind ja die doppelt und dreifach Geknechteten und Unterdrückten. Als Weib und Mutter schutzlos, hat die Frau den Vorzug, als Staatsbürgerin alle Rechte zu entbehren und als Lohnarbeiterin dafür gestraft zu werden, rechtlos zu sein. Weil die Hausfrau unbezahlte Arbeit leistet, speist man die Arbeiterin mit der Hälfte des Lohnes ab, den der Mann erhält. Und das historisch gewordene doppelte und dreifache Unrecht verteidigen die Friedensapostel als gottgewollte Ordnung. Die Zehn- millionenschar erwerbender Frauen ist ein Zehnmillionenprotest gegen diese Ordnung! Dem Weibe packt sie gehäufte Pflichten auf und versagt ihm einfache Rechte. Trotzdem soll es an das Friedens- und Wohlgefallensgeplärre glauben! Wäre das Weib ein gekauftes Arbeitstier, das einen Posten'ausfüllt im Haupt- buch des Unternehmers: wohl ihm! Nicht brauchte es dann sich im Kampfe ums Dasein frühzeitig totwund zu reiben, nicht in quälender Hast alle Lebensfreude ertränken. Es würde geschont und gepflegt, damit nicht schneller Tod eine neue Ausgabe er- forderlich mache. Des Weibes Arbeitskraft aber nimmt man gratis oder bezahlt sie schlecht, solange sie ausreicht. Die Trägerin ist kein zu buchendes Wertobjekt. Rücksichtslos wird sie in der kapitalistischen Tretmühle zu Tode gehetzt. Im Lebenskampf, welkt die Proletarierin schnell dahin; zermürbt, in nie endenden Sorgen, sinkt sie verblutend früh ins Grab. Die Weihnachtsglocken läuten sie nicht ins Dasein zurück! Verschont uns mit verlogenen Friedensschalmeien, gebt uns Gleichberechtigung! Laßt uns Menschen sein! Das ist der Prole- tarierin Weihnachtsgruß an die Herrscher und Unterdrücker. 10t) Millionen Frank, die Ich, der christliche König, aus dem Blut und Sckiweiß der heidnischen Kougoneger ehrlich herausgepreßt habe. Möge dieses Geld Meinen Erben zum Segen gereichen und Mein Testament Meinen prinzliche Töchtern eine— nette Bescherung sein I" ES ist derweilen 11 Uhr geworden und man kann einen Fern« guckerflug nach Amerika wagen, wo gerade die fünfte Abendstunde geschlagen hat und das Christkind auf leisen Sohlen heranschwebt. Husch I Durch den Kanal, das Atlantische Meer... Herr Peary feiert in New Jork ein fröhliches Fest. Denn sein Konkurrent Cool ist ja abgehalftert! Bor dem Glücklichen liegt ein in Nenntierleder gebundenes Folioheft, auf dessen Titelblatt zu lesen ist: Pearaten-Klub Internationale Organisation der Polar» reisenden, konstituiert am 24. Dezember 1909 nach den Grundsätzen der G. G. (Gompers-Gewerkschaften). Er blättert um und wir lesen: § 1. Niemand darf denNord-, Süd«, Ost« oder West-Pol entdecken, der nicht vorher die Erlaubnis des Gentleman Peary eingeholt hat. § 2. Diese Erlaubnis erhalten nur Mitglieder des Pearatenklubs. § 3. Das Eintrittsgeld in den Pearaten-Klub beträgt zwei Millionen Dollars.(Gentleman Peary ist von der Zahlung des Eintrittsgeldes dispensiert.) 8 4....... Wir haben genug und treten schleunigst die Rückreise nach Europa an. Unser Flug führt vorbei an Cooks herrlichem Landhaus. Dieser Gentleman(wir wollen seinen Wohnsitz nicht verraten) erholt sich im sonnigen Süden von den Strapazen, die er auf dem geduldigen Papier seiner Nottzbücher erlitten hat. Sein Weihnachtstisch ist reich gedeckt. Wir sehen da: 1. den Ehrendoktorbrief der Universität Kopenhagen: 2. die Urkunde, durch die.Herrn Cook die Ehrendoktorschast wieder abgeknöpft wird; 3. einen Scheck über eine Million Mark: ausgestellt von der Phonographen- und Vortragsgesellschaft Dähmel u. Cie., G. m. b. H.; 4. ein Gutachten, erstattet von den 99 berühmtesten Ps— ychiatcrn der jkulturwelt. Nach diesem Gutachten ist Gentleman Cook total unzurechnungsfähig. Er leidet an polarer Dämmerung. Nur an dem Tage, als er die Gutachten bezahlte, war er— wie die Herren ausdrücklich hervorheben— vollkommen bei Tröste...(sonst würden die Ps— ychiater die fetten Honorare zurückzahlen müssen, die Cook für die Gutachten geblecht hat). Heim nach Berlin! Das Räderwerk des Fernguckers knattert. Schon geht der Flug über Westelbiens Gefilde, da hat der Auslands- rednkteur einen Einfall: er will schnell mal schauen, ob Nitolaus zu Weihnachten eine Krone mit Schuppenketten geschenkt bekam und ob Azeff an der kaiserlichen Hostafel mitspeist. Also ostwärts nach St. Petersburg! Schauerliches Dunkel liegt über Väterchens Palast gebreitet. Kein Stern, kein Licht erhellt die trübe Nacht. Sollte— wie letzten Mittwoch— eine kleine Bombe ihren Freudensprung gemacht und Nikolaus mitgenommen haben ins finstere Reich der Trcpoff und Karpoff? Sollte... da fällt einem von uns ein, daß Rußland, das heilige, ja zwei Wochen hinter der Welt daherhinkt l Auf Wieder- sehen also in vierzehn Tagen, wenn bis dahin der Ferngucker noch funttioniert und mzwischen ein Fernsp ucker hinzuersunden»PI Girgl. Herausgerissen aus Set ideologisch verklärten proletarischen Häuslichkeit mit ihren rauhen, harten Ecken und Kanten zwängt der Kapitalismus die Frau in die sie marternde, peinigende Lohnfron, und ihren Aufschrei nach Rechten zu den vielfältigen Pflichten beantwortet die herrschende Gesellschaft mit dem höhnischen Verweis: Dein Haus sei Deine Welt! Pharisäer und Blutsauger! Gewiß, auch die Arbeiterin, die klassenbewußte, wird, wenn sie nicht einsam und verlassen auf der Straße stehend diese Ge- jrllschaft anklagend Weihnacht feiert, im Kreise der Lieben etwas ausspannen; sie wird Erholung finden in stillem Jnsichversinken. Aber das ist nicht entsagende Ruhe, kein Sichergeben in Un- abänderliches: es ist ein Kräftesammeln zu neuem Kampf! Erst dann, wenn dieser Kampf siegreich zu Ende geführt ist, wenn in dem harten Ringen, in dem es Pardon nicht gibt, die schaffende Arbeit über das plündernde, untergrabende Kapital gesiegt, gibt es wahrhaft Frieden und der Menschheit ein Wohlgefallen. Eine große Sünde. Die Mutterschafts- und Schwangcrenversicherung ist in Deutsch- land ein noch ungelöstes Problem. Für die Mordkultur geben wir Milliarden aus, für die Trägerinnen späteren Lebens, für die Mütter unseres Nachwuchses von SaatS wegen so gut wie gar nichts. Die Gleichgültigkeit i» der Schwangeren- und Wöchnerinnenfürsorge starrt unS auch aus der Krankenkassenstatistik mit vorwurfsvollen Augen an. Von den im Jahre 1S08 für KrankheitSkoste» verausgabten rund 297 Millionen Mark entfallen noch nicht ö Millionen Mark auf Schwangeren- und Wöchnerinnenunterstützung. Allerdings ist dieses AuSgabenkonto in den letzten Jahren etwas gestiegen, aber die Steigerung bleibt hinter dem Anwachsen der Gesamt- krankheitSkosten zurück! Im Jahre 1904 wurden nämlich bei insgesamt 213 931 462 M. Ausgaben 4 286 624 M. für Schwangere und Wöchnerinnen ausgegeben. Der Mutterschutz beanspruchte demnach rund 2 Prozent der Gesamtkosten. Bei in»- gesamt 297 376 304 M. KrankheitSkosten im Jahre 1908 entfallen auf die Unterstützung für Schwangere und Wöchnerinnen aber nur 6 927722 M. oder 1,993 Prozent der Gesamtausgaben. Also Ber- schlechterung des Mutterschutzes in der Krankenversicherung l Ein beschämendes Resultat! Die absolut geringe Ausgabe und die minimale Steigerung der Schwangeren- und Wöchnerinnen- Unterstützung rechtfertigt wohl den Schluß, daß die Krankenkassen im allgemeinen noch nicht so weit gehen, als das Krankenkassengesetz erlaubt. Nicht verkannt sei allerdings, daß gerade die Ortskranken- kassen teilweise ungünstig gestellt sind. Fabrik- und JnnungSkassen entziehen ihnen oft die kaflentechnisch geurteilt als.beste' Mitglieder zu bezeichnenden Versicherungspflichtigen, während sie die von anderen Kassen abgestoßenen„nicht guten' Versicherungspflichtigen aufnehmen müssen. Trotzdem haben die Ortskassen die Schwangeren- und Wöchnerinnenunterstützung am besten entwickelt. Das ergibt sich finnenfällig aus einer Gegenüberstellung der Ergebnisse der OrtS- Fabrikkrankenkafien. die Ausgabe für Kranke überhaupt lassen mit denen der ES betrug nämlil Ortskrankenkassen, Fabrikkrankenkassen. Während in dem kassen der von den Schwangere Wöchnerinnen ÄÄ. ausgaben 2,536 2,636 2,206 1,906 M. M. f 1904 106 817 716 2 696 655 11908 152 541 235 4 021 389 (1904 68 836 011 1518 649 [1908 96 663078 1 840238 vierjährigen Zeitraum bei den Ortskranken- Gesamikrankenkosten auf die Schwangeren« und Wöchnerinnenunterstützimg entfallende Anteil um 0,1 Proz. stieg. ging die Rate bei den Fabrikkrankenkossen um 0,301 Proz. zurück! Da« ist ein Beweis dafür, daß bei den letzteren Kassen die soziale Einsicht in der Frage des Mutter- und Nachwuchsschutzes sich— krebsartig entwickelt I Dabei wird die Existenzberechtigung der Werks- krankenkassen mit ihrer angeblich überlegenen Leistung verteidigt, wie das in recht aufdringlicher Weise noch jüngst auf einer Konferenz de? Verbandes der Fabriltrankenlassen in Rheinland-Westfalen geschehen Sonntag: Diensl ig: Freilag: Sonnlag: ist. Bei den JnnungSkrankenkassen ist es übrigens mit der Schwangeren- und Wöchnerinnenunterstützung noch schlechter bestellt. Hier ist die Ausgabe absolut zurückgegangen, von 46 700 M. im Jahre 1904 auf 33 628 M. im Jahre 1908, trotz Zunahme der Mit- glieder um 20 000 Personen und Steigerung der Gesamtausgaben von 4«/, Millionen Mark auf 6'/« Millionen Mark. Im Spiegel der Krankcnveisicherung erscheint die Schwangeren- und Wöchnerinnen- fürsorge als ein recht kümmerliches soziale» Gewächs. Seine be- sondere Pflege ist eine der dringendsten Aufgaben der Gegenwart. Mocken-Spielplan cler KeHinei' Cheatcr. KSnigl. Opernhaus. Sonnabend: Figaro« Hochzelt. Sonntag« nachmiltag 2'/, Uhr: Hänlel und Gretel. Abend»: Carmen. Montag: Mnrgarele. Dienstag: Lobengrin.(Ansang 7 Uhr.) Mittwoch: Samson und Dalila. Donnerstag: Trillan und Isolde(Anlang 7 Uhr.) Freitag: Hansel und Bretel. Die Puppensce.(Anfang 6'/, Ubr.) Sonnabend: Die RegimentSlochter.(Anfang 8 Uhr.) Sonntag: Siegfried.(Aniang 7 Uhr.) Monlag: Die Hugenotten. Köiiigl. Schauspielhaus. Sonnabend: Strandkinder. Die Welt, in der man sich langwellt. Montag: Strandkinder. Der deutsche König. Mittwoch und Donnerstag: Strandkinder. Der eingebildete Kranke. Sonnabend: Der deutsche König. Strandkinder. Monlag: Wilhelm Till. ReueS königl. Oper»-Tl>cater. Sonnabend: CnTalleria rv.sti- cona. Bajazzi.(Ansang 7'/, Uhr.) Sonntag: Maria Stuart.(Ansang 7 Uhr.) Montag bis Freitag: Geschlossen. Sonnabend: Der Freischütz. Sonntag: Mignon. Deutsche» Theater. Sonnabend dl» Mittwoch: Der Widerspenstigen Zähmung. Donnerstag: Hamlet. Freitag bis Montag: Der Wlder« spenstigen Zähmung. Deutsches Theater(K a mm erspt ele). Soiinabend: DaS Heim. Sonntag: Der Arzt am Icheidewege. Montag: Das Heim. Dienstag: Frühlings Erwachen. Mittwoch und Donnerstag: DaS Heim. Freitag: Wa« ihr wollt.(Ansang 71/, Ubr.) Sonnabend: Der Arzt am scheide- wege. Sonntag und Montag: Da» Heim. Lcssing, Theater. Sonnabend: Da» Konzert. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der Bibervelz. AbendS: TanlriS der Rarr. Montag: Vor Sonnenaulgang. Dienstag: Da« Konzert. Mittwoch: Tantris der Narr. Donnerstag und Freitag: DaS Konzert. Sonnabend: Tantris der Narr. Sonnlagnachmittag 3 Uhr: Die versunkene Glocke. Abends und Montag: DaS Konzert. Berliner Theater. MendS: Hohe Politik. AbendS: Hohe Politik. Leut. Allabendlich; Hohe 3 U6r: Doktor Eisenbart. ReueS Theater. Allabendlich: Ein königlicher Spatz. ReueS Schauspielhaus. Sonnabend bis Dienstag: Ihr letzter Brief. Mittwochnachmitta� 3 Uhr: König Zipapek. AbendS: Ihr letzter Brief Donnerstag: Faust. L Teil.(Ansang 7'/, Uhr.) Freitag bis Montag: Ihr letzter Brief. Hebbel< Theater. Mabmdlich: Der Skandal. Komische Oper. Sonnabendnachmittag 3 Uhr: HoffmannS Er- zählungen. AbendS: DaS Tal der Liebe. Sonnlagnachmittag 3 Uhr: Tieslnnd. Abend«: ToZca. Montag: DaS Tal der Liebe. DienStag: tossmaunS Erzählungen. Mittwoch: DaS Tal der Liebe. Donnerstag: »Sca. Freitag: Da« Tal der Lieb«.(Ansang 7 Uhr.) Sonni.bcnd- nachmtttag: HoffmannS Erzählungen. AbendS: Da» Tal der Liebe. Gonntagnachmittag 3 Uhr: Dt« Fledermaus. AbendS: DaS Tal der Liebe. Montag: Der polnische Lud«. Kleines Theater. Sonnabendnachmittag und Sonntagnachmittag 3 Uhr: 2X2---«. Abend» bis Freitag: Der große Name. Sonnabend- und Sonntagnachmittag 3 Uhr: Moral. Abend«: Der grotz« Name. Theater des Westens. Sonnabendnachmittag 3'/, Uhr: Ein Walzer- kaum Sonntagnachmittag 31/, Uhr: Die lustige Witwe. Monlag» nachmittag 31/, Uhr: Ein Walzertraum. Dienstag-, Mittwoch- und DounerStagnachmiüag 3'/, Uhr: Struwwelpeter. Sonnabendnachmittag 3'/, Uhr: Die lustige Witwe. Sonntagnachmitlag 31/, Uhr; Ein Walzertraum. Allabendltch: Die geschiedene Frau. Schiller-Theatrr O. Sonnabendnachmittag 3 Uhr: Kabale und Liebe Abends: Der Schwur der Treue. Sonnlagnachmittag 3 Uhr: Narzltz. Abend»: Mih Hobb«. Montag: Ein VoltSscind. DienStag: Mttz HobbS. Mittwoch: Der Schwur der Treue. Donnersrag: viel Lärmen um nichts. Freitag: Da« Opserlam». Sonnabendnachmittag 3 Uhr: Der Herr Ministerialdirektor. Abend«: viel Lärmen um pticht». Gonntagnachmittag 3 Uhr: Der Herr Mwiftertaldirettor. Abends: Die Well, in der man sich langwellt. Montag: Viel Lärmen um Nichts. Schiller. Theater Eharlottcaburg. Sonnabendnachittag 3 Uhr: Gespenster,»tbend«: gteSco. SoantaanachmNlag S Uor: Dt»«drc AbendS: Die Braut von Mrsfina. Montagnachmittag 8 Uhr: DaS Käthchen von Heilhronn. Atend«: Der Meineidbauer. DienStag: Wallen. Sonnabendnachmittag 3 Uhr: Dr Eisenbart. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Doltor Eisenbart. Montagilachmittaa 3 Ubr: Einer von uniere litik. Sonnabend- und Lonntagnachmiltag stein? Tod. Mittwoch: Der Meineidbauer. Donnerstag: Di« von Hoch- sattel. Freitag: Miß Hobbs. Sonnabendnachmittag 3 Uhr: Macbeth. Abend«: Der Meineidbauer. Soniitagnachmittag 3 Uhr: Macbeth. Ztbends: Die von Hochsatlcl. Montag: Das Käthchen von Hcllbronn. Friedrich- WilhclmftädtischeS Schauspielhaus. Ionnabendnach- mittag 3 Uhr: Flachsinann als Erzieber. Abend«: Die Haubenlerche. Sonnlagnachmittag 3 Uhr: Othello. Abend« und Montag: Lm bunten Rock. DienStag und Mittwoch: Die Haubenlerche. Donnerstag: Im bunten Rock. Freilag: Der Ehrenrat. Sonnabend- und Sonntagnach- mittag 3 Ubr: Othello. Abends: Im bunten Rock. Montag: Unbestimmt. Bolksoper. Sonnabendnachmittag 3'/, Ubr: Undine. Abends: Der Trompeter von Sätkiiizen.(Ans. 8 Uhr.) Soniitagnachmittag 3'/, Uhr: Marie, die Tochter de« Regiment«. Abend»: Die Asrikanerin.i»achmlltag 3'/, Uhr: Der Troubadour. Abend«: Die lustigen Weiber von Windsor. Dienstag: Der Trompeter von Säckinge». Mittwoch: La Traviala. Donnerstag: Die Jüdin. Freitag: Der Kamps um Schnee- oittchen. Sonnabendnachmittag 3ll, Uhr: Der Troubadour. Abend«: Die Asrikanerin. Sonntagnachimtkag 31/, Uhr: Der Barbier von Sevilla. Abend«: Der Trompeter von Iäckiiigen.Montag:Der Kamps um Schneewittchen, Luisen-Tbeater. Sonnabendnachmittag 3 Uhr: Gib mich srei. Sanntagnachmittag 3 Uhr: Die Geyer-Wally. Montagnachmittag 3 Uhr: Wilhelm Tell. Sonnabend bis Donnerstagabend«: Die Reise um die Erde in 80 Tagen. Freitag und Sonnabend: Vergnügte Kindtause. Sonntag und Montag: Die Reise um die Erde in 30 �age». Rose- Theater. Sonnabend nachmittag 3 Uhr: Maria Skiart. MendS: Faust. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Kabale und Liebe. AbendS: Faust. Montagnachmittag 3 Uhr: Die Grille. AbendS bi» Donnerstag: Faust. Freitag: Der Bize-Papa. Sonnabend bis Montag: Faust. Reue« Operetten< Theater. Sonnabend- und Sonnlagnachmittag 3 Uhr: Der Zigeunrrbaron. Montag- und Mittwochnachmittag 39, Uhr: Die goldene Märchenwelt. Sonnabend- und Soniitagnachmittag 3 Uhr: Der Zigeunerbaron. Montagnachmittag 3 Uhr: Die goldene Märchenwelt. Allabendlich: Der Gras von� Luxemburg.(Ansang 8 Uhr.) LustiPielhnuS. Sonnabend- und Sonnlagnachmittag 3 Uhr: Man soll keine Briese schreiben. Montagnachmittag 3 Ubr: Der Zauberkeffcl. Sonnabend und Soniitagnachmittag 3 Uhr: Mau soll keine Briese schreiben. Abends und täglich: Der diinlle Punk. Thalia> Theater. Sonnabendnachmittag 3 Uhr: Prinz Bussi. Sonnlagnachmittag 3 Uhr: Die ewige Lampe. Mittwochnachmittag 3 Uhr: Sneewittchen. Allabendlich: Die süge Tora. Residenz» Theater. Sonnabendnachmittag tag- und Montagnachmittag 3 Uhr: Kümmere Sonnabend- und Sonntagnachmittäg 3 Uhr W Im Taubenschlag. Trianon-Tdcater. Sonnabend«, Sonntag-, nächste» Sonnabend- und Sonnlagnachmittag 3 Uhr: Paris« Witwen. Allabendltch: Buridans Esel. Kaftno» Theater. Sonnabend- und Sonntagnochmtttag 4 Uhr: Trudchen« Sommerreise. Allabendlich: Der Obergauner.(Ans. 8 Uhr.) «tlpollo» Tticarer. Sonnabend- und Sonntagnachmitlag 3'/, Uhr: Spezialitäten. Allabendlich: Spezialitüten.(Ansang 8 Uhr.) Wintergarten. Sonnabend und Sonntag nachmittags 3ll, Uhr: Spezialitäten. Allabendlich: Spezialitäten.(Ansang 8 Uhr.) Pasiage-Tbeater. Sonnabend und Sonntag nagmittagS 8 Uhr: Spezialitäten. Allabendlich: Spezialitäten.(Ansang 8 Uhr.) Walballa-Tbcater. Sonnabend und Sonntag nachmittags 3*1, Uhr: Spezialitäten. Allabendlich: Spcziatttäten.(Ansang 8 Uhr.) Palast-Thcater. Allabendlich: Spezialitäten.(Ansang 8 Uhr.) vlrbr. Herrnfeld-Tveater. Sonnabend und Sonntag nachmittag» 4 Uhr: Die beiden Bindelbands. Allabendlich: So muß man'« machen. Ein RettimgSmlttel.(Ansang 8 Uhr.) FolieS Kaprice. Allabendlich: Sicher ist sicher. Der Mann«ein« Frau.(Ansang 8'/, Uhr.) Buggruhageu. Täglich Spezialstaten.(Ansang 8 Uhr.) Mrrrovol- Theater. Allabendlich: Hallohl Die große Revt» 1 (Ansang 8 Uhr.) Reiebspallen< Theater. Allabendlich: Stettin« Sang«.(Ansang 8 Uhr. Sonntag« 7 Uhr.) Karl.Haderland- Theater. Allabendlich: Spezialitäten. Urania-Tdeaier. Taubcuttraße tv/SS. Abend« 8 Uhr Im Wiffen- schastlichen Theater: In den Dolomiten. Montag nachmittag 4 Uhr: Rom und die Campagna. Sternwarte, Jnvalidcnftr. 57—62. 3 Uhr: Muiotte. Sonn» dich um Amelie. Nächsten Musotte. Allabendlich: Amtlicher Viarttbrrttht der städttlche» Starkthallen.Dtrettton über den Großhandel in den Zenlral-Marttballen. Marktlage: Fletsch: Zufuhr slarl, Gelckäsl stau, Preise unverändert. Wild: Zufuhr knapp, ".........."__ Breis« wenig verändert. G est u gel: Zusubr Gäiiien'weifiibcr Ledars, Gcichäst stau, Preise nachgebend. mäßiger, Geschäft ziemlich rege, Preise wenig ve- d nai«!»C|d)at< r»v>g, VrrUe unvcrönd«-'. Gemüse, Obst und Güdsrüib»»: sztrsuhr genügend, Gescheit st» allgemeinen flau. Prelle unwesentlich verändert. Geichäft nicht lebhaft genug, genügend, in Gänsen wei F i I w e: JJusuhr etwa« ändert Ouitet unt Die herzlichsten ßlückYfünschel utm WethnachtSsest sendet allen seine» 3V8SL i sendet öenossen Gottfried Schäfer, IS*" i. Dem Bezirkslührer Max Faak die benliohstenGlüokwünsche zur Verlobung. Die Funktionäre I. Abt. 6. Kreis. *B3 Als Verlobte empleblen sieh Olga Hausmann, Paul Qipp. Berlin, Weihnachten 1909. 5b Margarete Einfuhr Reinhold Hoferichter Verlobte. Id» Keimann Bndolf ülalilmelater Verlobte. 20b Unsrrem sieben Oskar Hartkopf ngung meines sieben Manne» .losek Hanisch insbesondere fite die reichen Kranz- spenden sage ich d« Firma Artur Bols, den Parteigenossen de« 361. Be- S' ckS, sowie dem Sozialdemokratische» ahlverein de» 4. Wahlkreises, dem Sparvereln Fichte und allen Freunden und Bekannten meinen herzlichsten Dank. ISb Itlv tpanernde Witwe and II Intcrbll ebenen. Dr. Simmel Spezial*Arzt* für Haut- and Harnleiden. Prlnzenslr. 41, ÄlTu. 10—2, 5—7. Sonntags 10—12, 2—4. Kinderfränlein, Stützen, Jungsern, Hausmädchen bildet in 3—6 monatl Kursen auS Krttbol. Oberlla* lastltnt, Wilhelwftr. 10. Prospekt gratis. Beginn allmonatlich zweimal. 162/3' Berlins.(S. H. Nr. 27.) Sonntag, den S. Januar 1010, nachmittags 4 Uhr, bei Knbe. Alte Jakobftr. 73: General-Versammlung. Tagesordnung: 1. Vierteljährlicher und jährlicher Kassenbericht. 2. Neuwahl de» Vorstande» und Ausschusses. 3. 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Wicner&tr. 33, Ecke Fotsterstr c iU Zoimatel. u. ZahRitünstl � Rixdorf. D Beyer,»V., Bergstr. 132. Holibra tb. Herrn..Panketr. 5, gegr. 1671. Jordan, Alfr., Fennstr. 61, gegr. 1888. Lüdecfce, Franz, Greifswalderstr. 31. Turmstr. 58 u. Reinickendorferstr. 48. KerantNgrUich« gUbotteat Sttch»ri> Martj. Mrlig. Aür den gnltrat enteil verantto� Th, Blocke, Berlin. Druck».Verlag: vorwärts vuchdruckerej u. BerlaaSanftalt Vaul Sinaer ck So. IBeilu SMC. Nr. 301. 26. Ichrgang. 4. KkilM Ks Jotmätts" fittlintt Dollistilitt. ZovNbtlld, 25. DtftUtbtt 1909. partci-)ZngelegenKeiten. Zur Lokallistc. Am Sonnabend, den 15. Januar 1910 veran- staltet der Anglerverein„Früh auf" Rummels bürg in der „O d d- F e l l o lv- L o g e Alte Jakobstrahe sein Wintervergniigeu. Man versucht, hierzu hauptsächlich in Arbcilcrkreisen Billetts unizu- setzen und ersuchen lvir daher, dieselben enlschiedcu zurückzuweisen. da uns obiges Lokal nicht zur Verfügung steht. _ Tie Lokalkommission. Weihnachtsveranstaltungen haben auch in diesem Jahre verschiedene Wahlvereine in Aussicht genommen. Es kommen folgende Arrangenients in Frage: Zweiter Wahlkreis. Sonnabend, den 25. Dezember sl. Weihnachtsfeiertag), abends 6 Uhr, in den Gesamträumen der „Viltoria-Brauerei", Lntzowstr. III: Winterfest. Mitwirkende: Berliner Sinfonie-Oichester, Herr Fr. Grosse tCello), Gesangverein „Liedertafel- West". Nachher Ball. Eintritt 39 Pf. Vierter Wahltreis. Sonntag, 26. Dezember(zweiter Weihnachtöfeiertag): Zwei grosje Matineen in Kellers Fest- s ä l e n, Koppenstrahe 29. unter Mitwirkung der jeonzertsängerinnen Fräulein Hedwig Geibler. Fräulein Marianne Geyer und des Rezitators und Dialeklhumoristen Otto Wiemer; im K o n z e r t h a u s Sanssouci, Kottbuser Strafje 6, unter Mitwirkung der Frau Margarete Wallotte und des Trios der Herren R. Kursch, W. Dcckert und F. Gutdeutsch. Eröffnung 11 Uhr. Billett 30 Pf. Anfang präzise 12 Uhr. Wir ersuchen die Mitglieder und deren Angehörige, sich rechtzeitig mit Billetts zu versehen, da offene Kasse nicht slatlfindet. Sechsier Wahlkreis. Sonnabend, den 2 6. Dezember. mittag« 12 Uhr(1. Weihnachtsfeiertag): Groffe Matinee im Berliner Prater, Kastanien-Allee 7—9. Mitwirkende: Berliner Ulk-Trio, Gesaugverein„HilaritaS", Freie Turner der Schönhauser Vorstadt. Zivil-BerufSmusiker. Sonntag, den 26. Dezember, mittags 12 Uhr(2. W e i h- n a ch t s f e i e r t a g): Sechs Matineen in folgenden Lokalen: Prachtiäle Nordwest, Wiclesstr. 24: Pntzcnhofer Brauerei, Turm- stratzc 25/26: BallschmiederS Eiablisfement, Badstr. 16: Jos. Frankes Festsäle, Badstr. 19: Bernhard Rose-Theater. Badsir. 67; Germania- Säle, Chauffeestr. 110. Mitwirkende: Berliner Ulk-Trio. Berliner Humor-Trio, Volkssängergesellschast Hugo Anke, Apollo-Sänger, Volkssänger- Gesellschaft Strzelewicz, Paul Mantheys„Lustige Sänger", Mundharmonika-Verein„Vorwärts", Elite-Orchester Fntz Blume.— Gesangvereine: Liederlust II, Bereint« Sangesbrüder Moabit, Vereinigter Sängerchor Wedding,„Reu Erwacht".— Freie Turner und Zivil-BerufSmusiker. In den M a t i n e e n am zweiten Feiertag bei Ball- schmicder, Badstr. 16, Franke. Badstr. 19, Bernhard-Rose-Theater, Badstraße 67, erhalten die Mitglieder noch BillettS bei Gaffmann. Badstr. 14.— Zu dem heiteren Familie nabend am zweiten Feiertag in den PharuSsälen, Müllerstr. 142, sind noch BillettS be, Melzer, Wiesenstr. 29, Glawe. Liebenwalder Str. 4, Rietz, Fehmarnstr. S, zu haben.— Die unverkauften BillettS sind am ersten Feiertag zurückzugeben. Sonntag, den 26. Dezember, nachmittag» 6 Uhr: Heiterer Kunst- und Musikabend indenPharuS- Sälen, Müller- straffe 142. Mitwirkende: Berliner Ulk-Trio. Ttetzsche Konzertkapelle, Lotte Frank(Soubrette), Herr Fritz Richard vom Deutschen Theater. Zweiter Wahlkreis. Achtung! 7. und». Abteilung! Da es für die Weihnachtsfeiertage leider nicht möglich war. Beranstaltungen zu treffen, haben wir uns entschloffen, wiederum am 1. Januar (Neujahr) einen gemütlichen Abend mit Tanz zu arrangieren und zwar bei Rabe, Fichtestc. 29. Derselbe soll bestehen aus Märchen- erziihlungen(Frl. Walli Kussel). Rrzitattonen(Genosse Grun- w a l d) u. a. m. Wir versprechen den Genossinnen und Genossen einen genuffreichen Abend und hoffen, daff dieselben mit ihren Kindern, Bekannten usw. zahlreich erscheinen werden. Die Kommission. Steglitz. Die Generalversammlung deS Wahlvereins findet am Dienstag, den 28. Dezember bei Schellhase, Ahornstrahe 16 statt. Tagesordnung: t. Bericht des Vorstandes und der Funktionäre. 2. Neuwahl des Vorstandes und der Funktionäre. 3. Bericht von der Generalversammlung de» Kreises. 4. Vereinsangelegenheiten. Mitgliedsbuch legitimiert. Der Vorstand. Sozialdemokratischer Wahlverei» Groß-Lichterfelde. Die ordent- liche Generalversammlung findet am DienStag, den 28. Dezember, abends 8 Uhr, bei Wahrendorf, Bäkestraffe 22. statt. Tagesordnung: Bericht des Borstandes, deS Kassierers, der Revi- soren usw. Neuwahl der sämtlichen Funktionäre. VereinSaugelegen- hkiten. Der Vorstand. Lankwitz. Die Generalversammlung findet nicht statt. Der Vorstand. Nitdrr-TchSnhausrn-Nordrnd. Am DienStag, den 28. Dezember, abends 8'/, Uhr findet im„Lindeugarten". Lindeustrahe 43 die Mit- oliederversammlung deS WahloereinS statt. Tagesordnung: 1. Unser« nächsten Aufgaben. Referent: Genosse R. B ü h l e r, K r e i S s e k r e t ä r. 2. Anträge der Bezirksleitung. O. LereinSangelegenheiten. 4. Verschiedenes..... Die BezirlSlettung. Berliner JVaebriebten. Pyramide und Weihnachtsbaum. Wenn man die Berliner Weihnachtssitten früherer Zeit mit den heutigen vergleicht, so wird man vor allem finden, daff ein wich. tigeS Attribut der Weihnachtsfeier den Berlinern vor etwa 190 Jahren fehlte: der Weihnachtsbaum! Ehe cS Eisenbahnen gab, die den Verkehr innerhalb Teutschlands vermitteln, konnte der Weihnachtsbaum auch in Berlin nicht zur Herrschaft gelangen. Vielleicht hatten hier und da einzelne Familien schon einen Baum. aber sein Gebrauch blieb dann auf die engsten Kreise beschränkt und nirgends findet sich«in Nachweis oder eine Andeutung, datz etwa in Berlin am Weihnachtsmarkt mit Weihnachtsbäumen ge- handelt worden wäre. Die Stelle des Baumes ersetzte damals die Pyramide, oder, wie der Berliner gern sagte„Perjamide", ein aus Solz und Papier gefertigtes Kunstwerk in Phramidenform, das mit Lichtern, bunten Bändern usw. geziert wurde. Aeltere Berliner werden sich dieser Pyramiden, die auf dem Weihnachtsmarkte, so- lange er den Schloffplatz und Lustgarten einnahm, nicht fehlten. Nock erinnern: auch jetzt noch tauchen sie hier und da auf, allerdings mehr als Spielzeug, denn der Weihnachtsbaum hat längst die Allein- Herrschaft übernommen. In der Feuergefährlichkeit war die Py- ramide dem Weihnachtsbaum entschieden über. Das leichte Gc- bäude aus Holz und Papier, oder womöglich nur aus Pappe und buntem Flitterbchang flammte recht schnell auf. wenn sich jemand den Lichtern unvorsichtig nahte und wenn auch kaum gröffer« Schäden an der Tagesordnung waren, so mag auch die Feuergefährlichkeit dazu beigetragen haben, die Pyramiden zugunsten des Weihnachts- baumes zu verdrängen. Buffer dem Baum wird man in Berlin vor 199 Jahren auch die Wcihnachtsbazare und öffentlichen Bescherungen vermissen. Es war damals noch nicht Sitte, die Wohltätigkeit öffentlich für Weih- nachtszwecke aufzubieten. Die einzelnen Familien hatten gewöhn- lich ihre HauSarmen, alte oder arme Leute, denen sie Gaben ins Haus brachten. Diese alte Sitte war sogar fast die einzige Art der Wohltätigkeit, die derzeit, speziell um Weihnachten geübt wurde. Es gab vor 199 Jahren weit weniger Wohltätigkeit in Berlin, aber auch weit weniger„Begehrlichkeit". Auch in dieser Beziehung haben sich die Zeiten sehr schnell geändert: und das ist ein Glück. Weihnachtsfeier» fanden wie alljährlich in vielen öffentliche» Anstalten und Instituten statt, in Kranlenhäusern. Asylen, Gefängnissen, im Kinderhaus in der Blumeustraffe, Siechenhaus, Wärmehallen, auch in Herbergen. In der Herberge des Gewerkfchastshauses war auch M die'cm Jahre wieder der Tisch gedeckt für die arbeitslosen und auf der Reise be- fiudlichen Gewerkschaftsgenossen. Das Bcrkehrsmonoffol der Große» Berliner Straßenbahn hat der Stadt Berlin und der Berliner Bevölkerung schon schweren Schaden zugefügt, Stadt>vie Bürgerschaft leiden in gleichem Maffe darunter. Leider aber läuft dieses Monopol noch bis zuni Jahre 1919, von wo ab die Stadt nach dem geltenden Vertrage die Bahn übernehmen kann, wenn in- zwischen nicht neue Tricks von der Großen Berliner ausgetüftelt werden. Es gibt aber auch einflußreiche Kreise, die fortgesetzt der- suchen, die Stadt vor der Uebernahme der Bahn zu ,,be- wahren" und der„Großen Berliner" ein dauerndes Monopol zu sichern. Den» Priliatkapital soll die Ausnutzung aller öffentlichen Straßen und Plätze der Stadt vorbehalten bleiben, ist der Grundsatz dieser„wohlmeinenden Berliner Bürger". Einer Handvoll Aktionäre soll dauernd der Profit, der aus der Berliner Bevölkerung herausgeschunden wird, zugedacht sein. Schon jetzt rühren sich diese Leute, um die Stadt zu veranlassen, ihre wohlbegründeten Rechte lieber aufzugeben zugunsten der allmächtigcn'Unternehmcrgescllschaft. Die Stadt soll sich mit der„Großen" vertragen, vcr- langen diese Interessenten. Das„Vertragen" ist natürlich nur so gedacht, daß Berlin dauernd sich in Abhängigkeit der Monopol- aesellschast begibt und ihr noch größere Profite zuschanzt. Zurzeit werden in städtischen Kreisen die verschiedensten Vor- schlage erörtert, um zum Frieden zu kommen, keiner aber ist so geartet, daß Anlaß vorliegt, eine andere als eine abtvartende Haltung einzunehmen. Berlin hat gar keinen Grund, der „Großen" gegenüber irgendwie entgegenkommend zu sein. Subventwitterimg der Heilsarmee. Zu der eben in Berlin aktuellen Frage wird uns aus Mainz gcichriebcn: Die„in zahl- reichen anderen Slädten gemachten günstigen Erfahrungen' mit dem „ M ä ii n e r h e i in" der Heilsarniee dürften doch wert sein, etwas näher bei Licht besehen zu werden. Was der Berliner Magistrat jetzt einrichten will, haben wir hier in Mainz seit dem vorigen Jahre. Und man darf überzeugt sein, daff auch die Mainzer Stadt- Verwaltung, wenn sie angefragt wird, bloff über„günstige Erfahrungen" zu berichten weiff. Warum auch nicht? Die Arbeits- und Obdachlosen machen einer Stadtverwaltung allwiuter lich viele Arbeit, die mit der Ueberiveisimg an die Heilsarmee in Wegfall kommt.(Mainz hat kein Asyl für Obdachlose wie Berlin, Red, d.„B.") Wie es aber im„Männerheim" zugeht, wird wohl den Übrigen Stadtverwaltungen so unbekannt sein, wie der Mainzer. die sich auf die papiernen Berichte aus der Kanzlei der Heilsarmee verläfft, nach denen alles hübich in Ordnung ist. Wir sind indesien in der Lage, daS Gegenteil behaupten znkölMen, undmöchten dieBerliuer wie jede andere Stadtverwaltung warnen, sich bezüglich der Obdach- losenfiirsorge mit derHeilsarmee einzulassen. Das hicsige„Mm" beim" läßt sich für jeden Aufgenommenen von der Stadt die Zugesetzte Quote zahlen, spannt die Leute dann aber von morgens Ms abends derart ins Arbeitsjoch, daff man bei Berücksichtigung de« UmstandeS, daß sie dafür je nach Leistung pro Woche 69 Pf. brS IM. „Lohn" erhalten, berechtigt ist, von nackter Ausbeutung dieser Armen zu reden. Wir haben Leute, die längere Zeit not- gedrungen sich der„Fürsorge" im Männerheim erfreuten, behaupten hören, die Behandlung der Insassen unterscheide sich nicht von der im Zuchthaus.„Offiziere" und„Kapitän" schnauzen die Leute an, als ob sie Verbrecher wären, und mit dem„RauSschmeiffen" wird bei jeder Gelegenheit gedroht. Mitleidige Menschen senden öfter in die Anstalt abgelegte Kleider, Schuhe und dergleichen, die natürlich für die Obdachlosen bestimmt sind, wie unsere Gewährsmänner aber glaubwürdig versichern, werden die Sachen einfach an den Allhändler verkauft, wie über- Haupt die ganze Einrichtung aufs G c l d m a ch e n hinausläuft; das Geld aber wandert nach London in die Kaste des„Generals", der keine Rechenschaft schuldig ist. Zu Geld gemacht wird sogar jedes bednickte Papier, ein Heftchen und dergl, das so ein Insasse bei der der Heilsarmee geschenkten Makulatur— sie nimmt bekanntlich alles an— findet. Der arme Teufel muff nämlich der Heilsarmee den„Wert" deS geschenkten Papiers bezahlen, wenn er das Heftchcn lesen will. Uebrigens wird uuS versichert, daff auch Zeitschriften, die direkt von den Schenkcrn zur Lektüre für die Leute b e st i m in t sind, in den P a p i e r s a ck wandern. Dem Verfasser dieses steht noch weiteres Material dieser Art zur Ver- füguug, es handelt sich heute aber nicht um die Miff- stände im„Männerheim" als solche, sondern um die Frage, ob eine Stadtverwaltung klug und billig handelt, den Geschäftsbetrieb der Heilsarmee zum Schaden ihrer Bürger zu fördern. Das«Männer- heim" macht nämtich den Geschäfrsleuten genau so Schund- konkurrenz wie die Zuchthäuser, und dies allein muffte, wenn die vorliegende Sache nicht auch ihre ethische Seite hätie, rechtdenkende Stadtvätor bestimmen, ohne Heilsarmee mit den Obdachlosen fertig zu werden. Die Berliner Stadtbibliothck, Zimmerstr, 90/91(BüchcranSgabe und Lesesaal), wird vom 3. Januar 1S!9 ab an den Wochentagen von 19 Uhr morgen» bis 19 Uhr abends der Berliner Bürgerschaft zugänglich sein. Die Benutzung ist unentgeltlich. Soldaten als Auöhclfcr Bei der Pakctpost waren auch in diesem Jahre wieder tälig, als ob es nicht genug Leute gäbe, die bereit und in der Lage wären, die Arbeit zu übernehmen. Es ist in der Tat ein grober Unfug, daff Militär, das aus allgemeinen Mitteln erhalten wird, den freien Arbeiten: das Brot wegnehmen. Für Auswanderer. In letzter Zeit ist wiederholt zutage ge- treten, daff auswanderuiigslustige Personen sich vorher nicht genügend über die Verhälinisse des Landes, in das sie übersiedeln wollten, erkundigt haben und dann in ihrer neuen Heimat arge Enttäusch im gen erfubre». Wie bereits mehrfach durch die Presse bekannt gegeben worden ist, ist die. Z e n t r a l a u s k u n f l S st e l l e f ü r A u S» Wanderer, B e r l i u VV. 9. Schelling st raffe 4, berufen. sachgeinäffe Auskünfte in AuswanderuiigSangelegeiiheiten zu erteilen. Es kann daher den zur AuSwanderuiig entschloffciien Personen nur dringend geraten werden, nichi eher auszuwandern, als bis sie sich bei der vorgenannten Zentralstelle oder einer ihrer Zweigstellen AuS- kunft über die Verhältnisse des AuSwauderungSzielcS, die unentgeltlich erfolgt, eingeholt haben. Hut ab! Wir berichteten kürzlich von einer anitlichen Verfügung, wonach infolge angeblicher Beschwerden auS dem Publikum die städtischen GaSaustaltSarbeiter bei ArbeitSverrichtungen in fremden Wohnungen gehalten sein sollen, die Dienstmütze abzunehmen. Natürlich können nur ganz besonders„guietschige" Leute daran Anstoff nehmen, wenn solche Arbeiter, die mit beiden Händen zu tun haben, viel Hand- werkSzcug bei sich führen und sich gewöhnlich nur auf dem Korridor beim Gasmesser zu schaffen machen, die Mütze auf dem Kopfe be- halten. Oder ihre Beschwerde entspringt einer patriotischen Regung im Andenken an den preuhischen König, der selbst vor dem Volke den Hut zog. Viel berechtigter ist heutzutage der Ruf„Hut ab!" für andere Personen, die in amtlicher oder halbamtlicher Eigenschaft täglich genötigt sind« fremde Haushaltungen aufzusuchen. Der Steuercrheber macht stets eine sehr höfliche Verbeugung vor dem Gclde, wenn er in das Zimmer irgend eines Begüterten hinein- komplinientiert wird, um sich die Amtsrechnung bezahlen zu lassen. Er wird eS hier nicht wagen, die bekannten Sperlinge unter dem Hanptdach zu lassen. Wo er aber zur Pfändung schreitet oder ein fruchtloses PfänduugSprotokoll aufniiiiiiit, ist er, wenigstens häufiger, ganz der honorige Beamte, der es nicht nötig zu haben glaubt, in der Wohnung der Not sein AmtShaupt zu cntblöffen. Genau so vcrgefflich sind beim Ankleben des„PicpvögelchenS" manche Gerichtsvollzieher, seitdem sie nicht mehr mit der berühmten„blauen Mütze" erscheinen. Wollte sich jemand erlanben, auf die von einem solchen Beamten erwartete Anstandspflicht hinzuweisen, so könnte er wahrscheinlich sicher sein,„bis auf die Fufflappeu" ausgepfändet zu Ivcrdcn. Denn crfahrungSgcmäff kann der Gerichtsvollzieher sehr milde sein, wenn er milde sein will. ES soll, um die Reihe voll zu machen, auch nicht au ArmenkommisstonSmitgliedcrn fehlen, die sich ähnlich miffachtcud gegenüber der Besitzlosigkeit betragen. Warum daS? Ei» Parteigenosse schreibt uns:„Im Januar deS Krisenjahres 1992 war itii infolge Arbeitslosigkeit und Geld- mangels genötigt, zum Wanderstab zu greifen. Trotz aller Be- mühungen, trotz bester Zengnisso konnte ich neun Wochen lang keine Arbeit erhalten. Meinen Unterhalt in dieser Zeit erhielt ich zum Teil in dürftigster Weise auf den Verpfleguiigsstationeu, zum Teil bestritt ich denselben durch die unter Angst und Bangen ersochteiien Gaben mildtätiger Menschen. In Nürnberg erreichte mich mein Schicksal. Mit acht Pfennigen und einem halben Brölchen in der Tasche wurde ich beim Verlassen eines Bäckerladens verhaftet. Drei Tage Haft war die Strafe. Gestern, am 29. Dezember 1999. wurde ich aus da» Polizei- bureau in der Golystraffe gerufen. Dort richtete man nun zu meiner lleberraschung an mich die Frage, ob es richtig ist, daff ich 1992 wegen BettelnS bestraft wurde. Ich bejahte. DaS wäre alle», er- klärte dann der Wachlmeister, ich könnte gehen, waS ich auch tat. Nun lieff mir diese Frage keine Ruhe mehr. Ich überlegte und überlegte, was wohl der Grund zu dieser Ficige sein könne, wo ich seit 1992 und vor dem hier Geschilderten mit der Polizei auch nicht da» ge- riugste zu tun hatte. Warum niuff die Polizei diese mir selbst pciu- liche Erinnerung nach so langer Zeit wieder wachrufen? Ich ging deshalb am anderen Tage wieder zur Polizei, um genaue AuSkuiifr darüber zu erhalten. Von einem Polizeioffizicr erhielt ich die Aut- wort. Der Herr sagte, daff diese Frage nach 30 Jahren noch an mich gerichtet werden könnte. Das Polizeiburcan wäre nicht die Veranlassung zu der Frage, sondern daS Polizeipräsidium, dort niüffie ich mich hinwenden." Der Schreiber obiger Zeilen vergißt, daff wir in Preußen leben. Da wird alles fein säuberlich registriert und in die für den einzelnen Einwohner angelegten Personalblätter eingetragen. Wasscrzigcnncr? Als solche scheinen die Behörden die armen Schifferfamilien zu betrachten, welche mit ihren Kähnen hier überwintern wolle»: wenn man vielleicht begreifen kann, daff Kähne, die von den Eigentümern während des Winters derlaffen werden, auffcrhalb Berlin» anlegen müssen, so liegt doch wicklich kein Grund vor. die Kähne, welche von den Familien bewohnt bleiben, innerhalb der Weichbild« grenze i» den Häfen nicht da zu dulden. Ivo der Platz in dieser Jahreszeit nicht gebraucht wird. Und das um so weniger. als die Schiffer gern bereit wären, für die Erlaubnis eine kleine Abgabe zu entrichte». Gerade der Winteraufenthalt i» Berlin bietet den Schifferfamilie» meist die einzige Gelegenheit, ihren Kindern den Besuch einer guten Schule zu erniö(slich«n, ohne daff Vater und Mutter sich von denselben trennen müffen. Die Tatsache aber, daff die Behörden die Schiffer mit ihren Kähnen aus Berlin verweisen und die Leute wie Zigeuner behandelt, bringt e» dahin, daß die Kinder bei Wind und Wetter zur Schule häufig eine Stunde und länger wandern müssen. Vielleicht lernt die Stadl Berlin in dieser Beziehung von Charlolteuburg, wo selbst von der Behörde erklärt wurde:„man sehe es sehr gern, wenn recht viel Schiffer in den Wasser- straffen CharlottenburgS überwintern, da dieselbe» für die Geschäft»- lcute durch den Einkauf ihrer Bedürfnisse eine hübsche Einnahme bringen". ES dürfte sich empfehlen, daff gelegentlich die sozialdemo- kratische Fraktion im Rathause die Frage einmal auschncidet. Wo Platz für schwimmende S ch i f f e r k» r ch e n vorhanden ist, sollt« er auch armen Schifferfanülien nicht verwehrt werden. Dir Nordöstliche BaiigewcrkSbenifsgenossenschaft und der Baiiarbcitcrschutz. Wie wenig die Nordöstliche Baugewcrksberufsgenossenschast sich die llcberwachiing der Betriebe und die Durchsühnrng der Unfall« verhüiungsvorschriften angelegen sein läßt, zeigt von neuem folgender Fall. Auf den hiesigen Neubauten der Beamtenhänser Am Sachsen- dainni, an der Ringbahustation Papestraffe,»lüsscn die Dachdecker und Klempner schon einige Zeit ohne jegliche Schutzrüstimg arbeiten. In den UnfallverhütungSvorschriften der Nord ö st- lichen BaugewerkSberufSgenosieiischaft heißt eS im letzten Ab- schnitt deS Paragraphen 37: Bevor die Ncucindcckung von Dächern, einschließlich der Obcrdächer, deren Neigung mehr als 25 Grad beträgt, begonnen tvird, ist außerdem, inöglichit dicht unter dem HauplgesiinS, eine 1,50 Meter breite, gut abgedeckte und mit einer 89 Zentimeter hohen Vorwand versehene. gciüigeud starke Schutzriistung(Fangrüstuna) herzustellen. Bei zwei- und mehr» stöckigen Neubauten und größeren Umbauten ist die Ausführung usw. Am Sonnabend, den 18. Dezember er., wurde die Nordöstliche BaugewerkSberufSgenosseiischast von dem vorschriftswidrigen Treiben auf diesen Bauten in Kenntnis gesetzt, aber bi« aus den heutigen Tag ist noch nicht die gering sie Schutz- r ü st u ii g vorhanden. Die Dachdecker und Klempner arbeiten nach wie vor weiter, trotzdem der technische AufsichtSbcamte der Nordöstlichen BaugewertS- berufsgenossciischafl diesen Bau kontrolliert und besichtigt hat. Vielleicht ivartet man aber auch erst so lauge, bi» ein Unglücksfall sich ereignet hat, und deckt auch hier den Brunnen erst dann zu, wenn das Kind hineiiigefaNen ist. Dabei handelt eS sich bei diesen Bauten um st a a r l i ch e Bauten. Ein weiterer Fall mag ebenfalls beweisen, daß nur z« gern sich die BerusSgenossenschast auf die Seite des Unternehinertuins stellt. Auf dem Neubau EberSstr. 13 tu Schöneberg war die obere Baltenlage höchst uiigemigeud abgedeckt und auSgestaakt. Am 3. Dezember d. I. wurde die BcrufSgeiiosienschaft hiervon in Kenntnis gesetzt. Tag» darauf erschien der technische AnfstchtSbeaint« zur Revision auf der Baustelle. Im Beisein des Polier« gab nun der Aussichtsbeamte dem dort arbeitenden Dachdecker da» Schreiben zu lesen und frug ihn, ob er den Beschwerdeführer kennt. Als dies bejaht wurde, frug der AufsichtSbeamte den Dachdecker weiter, ob er auch weiß, daß er sich strafbar gemacht hat und zwar dadurch, daff er auf einem Bau arbeitet, wo die UnfallverhütungSvorschriften nicht beachtet werden. Der Arbeiter also, der unter solchen elenden Verhältnissen arbeiten und leiden muff, soll sich strafbar gemacht haben. Der Unternebmer aber, der ganz genau weiff, wozu er verpflichtet ist, soll straflos ausgehen. Sonderbare Logik da». stttrin einsetzt, wobei sich alle Schlensen des Himmels öffnen und alles vernichtet wird, ertönt das tu russischem Text gesungene Weih- nachtstied: Stille Nacht, heilige Nacht! Das übrige Programm ermangelt gleichfalls nicht des Ab- wechselnngZreicheti. Großen Spaß machte die Vorführung dressierter Schioeme. Diese Nummer macht die Redensart: Dumm wie ein Schwein! zu schänden. Zirkus Albert Schumann bringt ein schönes und reichhaltiges F e st p r o g r a in ni. Für die vielen Kinder, die an den drei Nach- niitlagsfcstvorstellungeit seine Gäste iverden, sind Paet, der Wunder- äffe, Clown Bagottghi, der kleinste Parforcereiter der Welt, Viktor Niblos sprechende Vögel und der komische Ringkampf der Clowns Jim Janr und Cottrell Quellen fröhlichster Heilerkeit. Dabei geht wie in den Abendvorstellungen die glänzende Nitterpantomime„Die drei Rivalen" auch nachmittags ungekürzt in Szene. Bagonghi, genannt das Stehausmännchen zu Pferde, wird allabendlich bei seinem Auftreten mit Jubel begrüßt. Heute am ersten Weihnachts- feiertags findet das Debüt des Sergeanten Brenan statt, des be- rühmtesten DiabolospielerS der Welt. Fast täglich stehen jetzt Debüts von Novitäten auf der Tagesordnung. Im Stadtbahnwagen zwischen Baumschulenweg und Rummels- bürg hat ein Arbeiter am 23. Dezember ein Paket, enthaltend: 3 Damenhemden, 6 Kinderhemden, 1 Photographiebrosche und eine kleine Spange, liegen lassen. Da derselbe für die Sachen ersatz- pflichtig ist, ivird der ehrliche Finder gebeten, Nachricht zukommen zu lassen an Paul Garski, Baumschulenweg, Baumschuleitstr. 94. Sein Handwerkszeug, das sich in einem Beutel befand, und eine Handsäge hat kürzlich ein älterer Arbeiter irgendwo zurückgelassen. Da der Mann vernnglückt ist und im Kranketthattse liegt, kann er nicht angeben, wo das gewesen ist. Sollte jetttattd Auskunft erteilen können, wird gebeten, diese an den Gastwirt Ncinhold Wieke, Schilling- straße 12, gelangen zu lasten. Vorort- JSaebriebtem Weihnachtsveranstaltungen. Lichtenberg. Heute am 1. Feiertag, abends 7 Uhr, veranstaltet der Bezirk Lichtenberg im Lotale von P. Schwarz, Möllendorf- straße 22/26, eine Weihnachtsfeier, bestehend in Konzert, Rezitationen und Gesmigsauffiihnmgeti. Bei den außerordentlichen Darbietungen wird auf eilten zahlreichen Besuch gerechnet. Rixdorf. Heute findet bei Hoppe, Hermannstr. 49, die Weih- n a ch l s f e i e r statt. Nachiniitags präzise 3 Uhr gelangen für Kinder farbige Lichtbilder mit Erläuterungen zur Aufführung und zwar heilere Szenen von Wilhelm Busch. Eintritt pro Kind 10 Pf. Saaleröffming 2 Uhr.— Abends 7l/2 Uhr; F a m i l i e n a b e n d. Konzerr, Chorgesang und turnerische Aufführungen. Nachdem: Großer Ball. Herren, die daran teilnehmen, zahlen 20 Pf. nach. Eintritt 30 Pf.— Morgen(2. Feiertag) gelangt im Nixdorfer Stadt- iheater: 2 X 2--- 2. Satyrspiel von Gustav Wied, zur Aufführung. Kinder unter 10 Jachren haben keinen Zutritt. Boxhagcn-Ziummelsburg. Sonntag, den 26. Dezember(2. Weih» nachtsfeierlag), abends 6 Uhr, veranstaltet der Jugendausschitß im „Cafo Bellevue". Hauvtslr. 2, eine Weihnachtsfeier. Zur Aufsührmtg gelangen zwei kleine Theaterstücke sowie musilalische und Gesangs- Vorträge. Letztere werden vom Quartett„Harmonie" ausgeführt Btlletis(a 22 Pf. für Erwachsene, a 10 Pf. für Jugendliche) sind für die Mttglieder des Niederbarnimer WahlvereinS und deren An- gehörige bei den bekaitnten Personen zu haben. Kinder unter 14 Jahren frei. Um zahlreichen Besuch bittet Der Jugendausschuß. DaS Jugendheim ist am Sonnabend, den 22. Dezember jersten Feiertag) und am 1. Januar 1910 von 4 Uhr nachmittags bis 10 Uhr abends geöffnet; am 26. Dezember szweiien Feierlag) obiger Weihnachtsfeier wegen nur von 4 bis 6 Uhr nachmittags. kauern gegen die Kälte zu schützen. Die fadenscheinige, un- zureichende Kleidung kann den unterernährten Körper nicht warm halten. Ein starker Schüttelfrost durchschauert den Kleinen, uno während ihm die Zähne klappern, starrt er mit sehnsüchtigen Blicken nach einem im gegenüberliegenden Hause aufleuchtenden Christbanm. So unendlich traurig blicken diese Kinderaugen aus dem frühalten Gesicht. Ein Spielkamerad hatte, nachdem er allen Bitten des Ver- einsamten entgegen sich dennoch entschließen mußte,„oben" zu gehen, ihm zum Trost einige alte Bleisoldaten geschenkt; hoffte er doch reichlichen Ersatz dafür zu bekommen. Tuntel erinnerte er sich, daß seine Eltern vor einigen Jahren, als er noch nicht zur Schule ging, auch einen Weihnachtsbaum ausputzten; und er hatte eine Trommel bekommen und Kuchen und Nüsse. Ei, das Ivar schön! Aber seit der Zeit ging es immer schlechter. Mutter sagte: der Vater wäre zu alt, er bekäme höchstens noch im Sommer Arbeit. In diesem Sommer hatte er als Strecken- arbeiter noch auf der Bahn Arbeit gefunden, aber vor vielen Wochen wurde er, weil keine Arbeit wäre, wieder entlasten. Mutter war oft krank. Da mußte er auch manchmal betteln gehen, ihm gab man eher etwas wie den Eltern. In aller Frühe waren beide fortgegangen; vielleicht bot sich doch irgendwelche Gelegenheit, etwas zu verdienen. Doch sie waren noch immer nicht zurück und in ihrem Keller war es so dunkel und kalt. Ach ja! Einen schönen Weihnachtsbaum mit vielen, vielen Lichtern mochte er lsttben; und dann sich einmal recht satt essen. Unter diesen Ge- danken war der Kleine eingeschlafen.-- Er träumte von einem schönen Weihnachtsfeste. Ein glückliches Lächeln lag auf dem ab- gemagerten Gcsichtchen.— Grimmig heulte der Wind um diese düsteren Mietskasernen und wirbelte den eisigen Schnee ans den schlafenden Knaben.— Niemand als der Wind beachtete ihn und zärtlich beltetc er ihn ein..... Als er wieder erwachte, war ihm ganz wunderlich zumute. Es sprach jemand zu ihm, aber der war so weit ab. Da erkannte er beim Schein der Küchenlampe, daß sich seine Mutter über ihm gebeugt. Sie sprach; er verstand aber nichts; konnte sich auch nicht sreuen. Was ivar mit ihm geschehen?.... Allmählich wurde er klarer. Er lag in Mutterns Bett, dem einzigen, das sie noch hatten. Seine Mutter, hörte er, schickte eine Nachbarin zum Arzt. „Bielleicht stirbt er mir sonst noch!" Mit lautem Aufschluchzen warf sie sich über das Bett. Leise rannen die Tränen. Da bat der Kleine mit schwacher Stimme: „Mutti, bitte, bitte, nicht weinen!" Ein Hoffnungsstrahl durchzuckte die tränenden Augen der Mutter.„Erkennst Tu mich, mein Liebling? Sieh nur, ich habe ein kleines Tannenbäumchen l � Ober-Schönetveide. Sonntag, den 26. Dezember(2. Weihnachtsfeiertag) findet im Jugendheim, Wilhelmstr. 43, eine Weihnachtsfeier der Jugend statt. Der Ntiterhaltuiigsteil wird von der j�zend selbst ausgeführt. Die Eltern sind freundlichst eingeladen. Anfang 2 Uhr. Der Jugendausschuß. Groß-Lichterfelde. Der hiesige„Mätmer-Chor"(M. d. A.-S.-B.) veranstaltet heute(1. Feiertag) einen U n t e r h a l t n n g s a b e n d im„Kaiserhof" am Kranoldplatz. Beginn abends 8 Uhr. Tempelhof. Wir weisen die Genossen nochmals aus den heute am 1. Feiertag im renopierten Saale des„Wilhelinsgarten", Ber- liner Straße 9, stattfitidenden K u n st a b e n d hin. Dr. Hirschberg spricht über„Das deutsche Volkslied". Der Vortrag wird am Klavier und durch Gesang erläutert. Anfang 6 Uhr. Vor und nach dem Vortrag Konzert von Mitgliedern des Berliner Sinfonie-Orchesters. Von 12 Uhr ab: Tanz. Eichwalde. Der Arbeiiergesangverein„Männerchor"- Eichwalde lM. d. A.-S.-B.) veranstaltet am zweiten Weihnachtsfeiertage in Wittes„Waldschlößchen" eine Weihnachtsfeier. Da genannter Verein zu Parteifestlichkeiten stets zur Verfügung steht, wird um rege Bc- leiltguttg ersucht._ Wilmersdorf. Ein Kampf gegen Lehrerinnen. Von der kommnnalpolitischen Niickständigkeir der Stadtverordnetenversammlung konnten wir schon mehrfach Kostproben zum besten geben. In der Sitzung vom 23. Dezember feierte der Geist der Reaktion wieder ein Fest, als eS sich um die Beratung eines Magistratsantrages handelte, wonach bei Besetzung verschiedener Lehrstellen sowohl in einer höheren Mädchenschule als aucii in einer Gemeinde schule dem Magistrat die Wahl gelassen werden sollte. geeignetcnfallS auch weibliche Lehrkräfte anzustellen. Als Fachmann betonte der Stadtverordnete Dr. Heinitz, daß besonders für höhere Mädchenschulen sehr wenig Meldungen von Lehrern einlausen, trotzdem die Gehälter mit denen der Knabenschulen gleich sind. Unter diesen Umständen wären die SchnUeitcr froh, wenn sich Lehrerinnen meldeten. Gegen diese Darlegungen wandten besonders die Stadtverordneten Lehmann und Pulver, zwei Herren, deren Mangel an fachmännischem Urteil durch die Kundgebung der Ansicht aufgewogen wurde, daß eS den Umsturz bedeute, wenn man so gefährlichen Dingen' wie der Frauenbewegung irgendwelche Kon- zcssioneii mache. Diese Anschanungen wurden noch unterstützt durch die Kundgebung des konservativen Vorschullehrers, Stadtverordneten Busch, der gleichfalls gegen die Anstellung von Lehrerinnen wetterte. Mit großer Mehrheit erklärte sich die Stadtverordneten- Versammlung mit dieser Rückständigkeit solidarisch, indem sie aus der Magistratsvorlage die Bestimmung strich, daß in der höheren Mädchen- schule wie in der KnabeuvoUsschnle geeiguctenfalls auch Lehrerinnen eingestellt werden dürfen. Die Stadtverordnetenversammlung beschäftigte sich in ihrer Sitzung vom 23. Dezember des langen und breiten mit der Angelegenheit Beckmann, über die wir unsere Leser in Nr. 277 des„Vorwärts" eingehend unterrichtet haben. Im Namen de» Untersuchungs- auSichnsses erstattete Stadtverordneter Dr. L i S c o den Bericht. Dieser Herr zählte die Anschuldigunge», die von den Herren Dr. Büchtemann und Dr. Schwarz gegen den früheren «tadtverordneten-Vorsteher erhoben worden sind, im einzelnen auf und kam zu dem Schluß, daß die Mehrheit des Ausschusses alles in bester Ordnung gefunden habe. Bekanntlich sollte das Friedrichshagener Sägewerk, an dem Dr. Beckmann mit einer Anzahl anderer Wrlmers- dorser Bürger als Teilhaber interessiert ist, bei Vergebung von Lieferungen bevorzugt worden sein. Nach dem AuSschußbericht sind seit Bestehen des Werkes im ganzen für 712 606 M. Arbeiten der Stadt Wilmersdorf in Frage gekommen, wovon der Gesellschaft im Submissionswege für 24606 M. übertragen worden sind. Als be- denktich bleibt aber die im Bericht erwähnte Tatsache bestehen, daß Dr. Beckmann den Sladlbaurat H e r r n r i n g aus das Sägewerk aufmerksam gemacht hat, ohne daß der Baurat von der Teilhaberschaft des Stadtverordnetetivorstehers KeniltniS hatte. Weiter kam in Betracht, daß die Regelung einer Herrn Dr. Beckmann nahegehendei, Hypothekenangelegenheit in einer Weise durch die Wilmersdorfer städtische Sparkasse er» folgt ist, die den Anklägern als Bevorzugung erschien. Man be- mangelte namentliiti, daß Herr Dr. Beckmann einen Betrag von 300 000 M. zu 4 Proz. erhalten hatte, während um dieselbe Zeit andere Personen 4'/g und 4'/« Proz. zablen mußten. Auch diese An- gelegenheit ist nach dem Bericht des Ausschusses unverfänglich vor sich gegangen, wenn auch eine Minderheit von drei Mitgliedern der Meinung war, daß die Hypothekenregclniig bester unterblieben wäre. Desgleichen steht ein anderer Teilhaber des Sägewerks, Stadt- verordneter P u m p l u n, nach dem Bericht deS Ausschusses einwandfrei da. Dieser Herr, ein Zimmermeister seines Zeichens, ist bei elf Stlbmiisionen, die die Stadt ausgeschrieben hat, neunmal Mindest» fordernder geblieben und hat demzufolge die in Betracht gekommenen Arbeilen erhalten. Dem offiziellen Bericht fügte Oberbürgermeister Habermann hinzu, daß aucu der Magistrat einen besonderen Untersuchtings- auSschttß eingesetzt habe, nachdem in der„Boisitchen Zeilintg" die bekatttiien Anklagen erhoben worden waren. Dieter Austchttß iei in gemeititamer Verhandlung mit dem StadtverordnelenanStchuß zu der Ueberzengung gekommen, daß alle Beschuldigungen unbegründet mitgebracht; den putzen wir uns nachher aus. Ich habe von unserer Nachbarin einige Aepfel und Nüsse geschenkt bekommen. Und etwas zu essen habe ich auch mitgebracht. Möchtest Du etwas essen? Ja, mein Junge?" „Einen Weihnachtsbaum möchte ich haben, bitte, bitte." Während die Mutter mit zitternden Händen das Bäumchen ausputzte, tritt sie mehrmals an das Bettchen des Kleinen, dessen fieberglänzende Augen ihr Besorgnis einflößen. Ob der Arzt mitkommen wird? Und wovon ihm bezahlen oder die Medezin heranschaffen? Zum Armenvorsteher, dem Hauswirt von nebenan, wagte sie sich nicht mehr; der hatte sie so grob angefahren, als sie ihn um Marken bat, damit sie sich Essen ans der„Armenküche" holen konnte. Da hört sie harte Männertritte die Kellertreppe herunter- kommen. Es klopft. Jedenfalls der Arzt. Sie öffnet Ein Schutzmann stehMnit etwas verlegenem Gesicht vor ihr.„Guten Abend! Hören Sie mal, Sie möchten doch mal morgen vormittag nach dem Revier kommen." „Was, ich? Was soll ich denn dort?" „Das weiß ich auch nicht. Aber ich glaube, eS handelt sich um Ihren Mann." „Was um meinen Mann? Was ist passiert? O bitte, sagen Sie es mir doch; Sie wiffen es." „Na, wissen Sie, Sie tun mir leid, aber erschrecken Sie nicht. Ihr Mann ist heute früh von den Eiswerken zum Weisen ein- gestellt worden. Doch als der Inspektor kam, um die Neu- eingestellten zu mustern, stellte er Ihren Mann als zu alt zu dieser Arbeit zurück. Da ging er noch zu einem Bekannten, der schon bei der Arbeit auf dem See war, um ihm Adieu zu sagen, so. sagte er wenigstens zu dem Vorarbeiter, der ihn erst nicht rauf lassen ivollte. Doch nachdem dieses geschehen, wagte er sich zu weit an das offene Wasser vor und plötzlich war er verschwunden." „Ach, auch das noch. Doch, sagen Sie. sie haben ihn doch wieder herausgeholt?" „Ja, man hat sofort alles mögliche zu seiner Rettung unter- nommen, und konnte ihn auch nach längerem Suchen wieder herausbringen, aber er war schon tot." „Ich danke Ihnen, Herr Wachtmeister." Still kehrte die Frau in die kahle Stube zurück. DaS Fieber deS Kindes steigerte sich wieder; er bat fortwährend, er wolle einen brennenden Weihnachtsbaum haben. Mechanisch befestigte die Mutter Enden eines Wachsstockes an den Zweigen und zündete die winzigen Lichtlein an. Tann setzte sie sich auf den Rand deS Bettes still vor sich hinstierend. Die Augen flackerten..... Irgendwo sang man: Stille Nacht, heilige Nacht..... fcicu. Er umsse fein Bedauern darüber au-Zsprecheu, da« die gegen die Verwaltung gerichteten Angriffe den Ruf der Stadt Wilmersdorf schwer geschädigt haben. Runmehr sehte eine weitläufige Erörterung ein, in der zunächst der konservotivesStadtverorduete D r ö s e den Herren Dr. Büchtemann und Dr. Schwarz so kräftig die Leviten las, daß später ein anderer Stadtverordneter, der Geheime Oberfinanzrat Dr. Härtung, diese Angriffe als Wahlrede bezeichnete. Dr. Schwarz hingegen blieb bei der Ansicht, daß die von ihm am 24. November in öffent- licher Sitzung erhobenen Beschuldigungen sich durch die Untersuchung als begründet erwiesen hätten. Er habe nicht ein Wort von seinen Behauptungen zurückzunehmen. Stadlverordneter Dr. Heinitz glaubte als Anhänger des Herrn Dr. Beckmann möglichst viele „Schuldige" von der Büchiemann-Gruppe ans Licht ziehen zu müssen und warf dem Stadtverordneten Rechnungsrat Klette vor, daß er sich besonders in seinen Angriffen gegen Pumplun gleichfalls nicht einwandfrei benommen habe. Diese spezielle Ab- rüffelung verdient um deswillen vermerkt zu werden, weil Herr Slletke es war, der voriges Jahr mit unserem Parteigenossen R i e d e l in Stichwahl stand, und damals in ordmnigsparteilichen Flugblättern mit ganz besonderen Lobpreisungen beehrt wurde. Eingehend holte dann Dr. Büchtemann als Haupt- gegner des Dr. Beckmann zur Abwehr aus: seine Ausführungen hätten auf den objektiven Zuhörer vielleicht überzeugender gewirkt, wenn er sich nicht in einer ihm gar nicht anstehende» Palhetik mit dem Dr. Stockmaun in Ibsens„Volksfeind" vergliche» hätte. Weiterer- klärte OberbürgermeiiterH a b e r m a n n, das; er es gewesen sei, der in der Hoffnung ans Beendigung der Angriffe Herrn Dr. Beckmann zur Niederlegung seines Amtes geraren habe; auch Stadtverordneter Dr. Edel bekannte sich zu der'Ansicht, dag nach allem, was vor- gefallen war, dem früheren Stadlverordnetenvorsteher nur dieser Schritt übriggeblieben lei. Nachdem schließlich der Stadtverordnete Pumplun noch erklärt hatte, dafi er im Zivilprozeß die „Schuldigen" für alle ihm zugefügten Geschnftsschädigungen haftbar machen werde, nahm die Stadtverordnetenversammlung gegen .venige Stimmen eine von 25 Mitgliedern unterzeichnete ckesolution an, in der bekundet wird, daß man mit Be- friedigung von der Grundlosigkeit der gegen Mitglieder der städtischen Körperschaften erhobenen Beschuldigungen Kenntnis nehme. Wenn wir unser Urteil über die unerquickliche Angelegenheit zusammenfassen sollen, so müssen wir gestehen, dag von jenem Stand- punkt aus, der geschäftliche Verbindungen zwischen der Stadt und den Mitgliedern der städtischen Körperschaften für einwandfrei hält, sich wenig gegen die Herren Dr. Beckmann, Pumplun usw. ein- wende» läßt. Aus diesem Standpunkt werden auch die Angreifer stehen, denn anders wäre ja wohl wenigstens einer von ihnen mit einem Antrage hervorgetreten, der den Stadtverordnelen der» artige Geschäfte ein für allemal zum besten des Gemeinwesens ver- bietet. Will die Einwohnerschaft von Wilmersdorf, dag wirklich reiner Tuch gemacht werde, dann möge sie bei der nächsten Ge- legenbeit die zum Nachteil für das Gemeinwesen heute leider noch fehlenden sozialdemokratischen Stadtverordnete» ins Ortsparlament senden. Einzig diese werden unbeirrt dafür sorgen, datz so beschämenden Vorgängen wie dem Streit Büchtemann- Beckmann ein für allemal der Boden entzogen wird. Nixdorf. Auö der Sitzung der Deputation für Strahenreinigung, Feuer- löschwesen usw. Unter Geschäftlichem wurde mitgeteilt, daß die drei neuen Feuermelder am 14. November 1909 in Betrieb ge- nommen worden sind, daß die Rohbauabnahme der elektrischen Automobildampfspritze am 19. Dezember 1909 stattgefunden hat und daß die Jnbetriebstellung derselben Anfang Januar 1910 zu erwarten ist.— Sodann wurde beschlossen, den Fonds für die Abfuhr des Schnees von den Strassen um 3000 M. zu verstärken, da die bisherigen Mittel bereits durch den Schneefall am Buss- tage aufgebraucht worden sind. Zur schnelleren Beseitigung der Schneemassen sollen ausserdem 2 neue Schneepflüge angeschafft u erden.— Es wird genehmigt, dass in den ansteigenden Strassen 10 weitere Kieskästen aufgestellt werden, um bei eintretender Glätte Kies zum Bestreuen vorrätig zu halten und um die so- fortige Bestreuung vornehmen zu können. Im Monat Januar 1910 sollen zur Feststellung der Art der Müllabsuhr und des Umfanges der Müllmengen statistische Erhebungen stattfinden und Verbrennungöversuche mit dem vor der Asche befreiten Müll, so- genanntem Grobmüll, vorgenommen werden. Der HauShaltungSplan für 1910. Der Mogistrat erledigte in der gestrigen Sitzung den Haushaltsvoranschlag für das RechnungS- jähr 1910 in der zweiten Lesung, so daß dieser Änfang Januar nächsten Jahres den Stadtvei ordneten zugestellt werden kann. Nach dem Ergebnis der bisherigen Beratungen ivird die Balanzieruiig deö Voranschlages ohne Erhöhung der Einkonunensteuer-Zuschläge und des GaSpreiseS sich bewerkstelligen lasse». Köpcnirk. Die städtischen Arbeiter Köpenicks waren am 20. Dezember im .Kaiserhof" äusserst zahlreich versammelt, um Protest zu erbeben >egen die Ablehmiug ihrer Forderungen und gegen die Behandlung es ArbeilerausschnsieS durch die Atagislralsverireter. Gleich nach tieginn der Versammlung enchic» eine giössere Anzahl bürgerlicher Stadtverordneter mit den» Vorsteher an der Spitze; die Herren lahmen auf der Empore des Saales Platz und hielten dort bis zum Schluss ans. Der Bevollmächtigte deS Verbandes der Gemeinde- und Staatsarbeiter, Genosse Wutzkh. referierte. Er teilte mit, dass weder die geforderten äusserst bescheidenen Lohnerhöhungen»och die Verkürzung der Arbeitszeit auf neun Stunden Verständnis bei den Magistratsvertretern gesunden haben. Im Gegenteil c nicht einmal der Verhandlung hat man die meisten Anträge im ArbeiteranSschnss gewürdigt. Der Herr Bürger- meister sah seine Hmiptamgabe darin, die Ausschußmitglieder ein- znschiichtern und zur Znrnckziehnng der Anträge ihrer Kollegen zu veranlassen. Schliesslich mühte man sich noch, der gewerkschaftlichen Arbeit der Köpenicker Gemeindearbeiter ein Bein zu stellen. Die Tatsache, dass ein Ausschussmitglied dem hochmögenden Herrn Bürgermeister und seinem Stabe gegenüber nicht gleich formvollendet einen Antrag begründen tonine, ivar Anlaß genug zu dem Vorhalt: „Ja. sehen Sie, so werden Anträge gemacht-, in Zukunft stellen Sie selbst Ihre Anträge und lassen Sie diese nicht von anderen(!) machen." Der Referent geißelte unter Zustimmung der Versammlung diese Scharfmacherallüren der angeblich«freisinnigen" Stadt- Verwaltung, worin ihn die Genossen Ratmann(Transportarbeiter- verband) und Galle(Maschinistenverband) nachdrücklichst unterstützten. Die Empörung, welche iniolge der geschilderten Vorkommnisse in den Kreisen der städtischen Arbeiter herrscht, kam in der folgende» ein- stimmig votierten Nesolntion zum Ausdruck: «Die am 20. Dezember 1909 im„Kaiserhof" versammelten Ar- beiter und Angestellte» aller städtischen Betriebe Köpenicks erhebe» entschiedenen Protest gegen die Ablehnung ihrer bescheidenen Anträge durch die Vertreter des Magistrats im Arbeiterausichnss. Besonders lebhaft bedauern die Versammelte», daß ihren An- trägen auf Erhöhung dec Löhne und auf Einführung der nenn- ftiindigen bezw. achtstündigen Arbeitszeit nicht stattgegeben wurde. Im Hinblick darauf, dass unter Berücksichtigung der TeuerungS- Verhältnisse in fast allen Orten Groß-Berlins eine Erhöhung der Löhne erfolgte und ebenso die Arbeitszeit der Gemeindearbeiter in der beantragten Weise schon längst geregelt ist. muß die Stellung- nahnie des Magistrats als rückständig bezeichnet werde». In der Erwägung, dass die Lebenslage der städtischen Arbeiter durch die dauernde Teuerung der Existenzmittel eine unverändert unhaltbare ist»md eine Lohnaufbesserung unumgänglich nötig macht, halte» die Bersammellen an den ausgestellten Anträgen fest und erwarten, daß die städtischen Kollegien bei der Beratung des Etats diesen Anträgen Rechnung tragen. Schärfsten Protest erhebt'die Versammlung ferner gegen die Behandlung der Arbeiteransschnssmitglieder durch die Vertreter des Magistrats. Sie erwartet, daß die Verhandlungen in Zukunft eist- sprechend der Bedeutung dieser Institution geführt werden. Die Versammelten beauftragen die Leitungen ihrer Organi- sationen, diese Resolution dem Magistrat und dem Stadtverordneten- kollegium zu übermitteln. Rummelsburg. Aus der Gemeindevertretung. Tie Vertretung wählte in ihrer Sitzung am letzten Mittwoch den Leiter der Fortbildungs- schule, Paetzold, als Schiedsmann für den ersten Bezirk, und den Kaufmann Mürnigkeit als Stellvertreter für den dritten Bezirk. Eine lange Diskussion entspann sich über die Vorlage des Ge- meindevorstairdes: die Mittelschule durch Errichtung einer Ober- I-Klassc loeiter auszubauen und zun» 1. Oktober 1910 eine Michaelis-Vorschulaufnahmeklasse neu einzurichten. Die Debatte hatte es zuwege gebracht, dass selbst vom Gemeindevorstand nur der Bürgermeister allein für die Errichtung der Ober-I-Klassc stimmte; dagegen war von den Vertretern niemand dafür zu haben. Für die Errichtung der Michaelis-Vorschulaufnahmeklasse stimmten die' bürgerlichen Vertreter in ihrer Mehrheit. Eine Aenderung der Lustbarkeitssteuer-Ordnung, welche bezweckt, dass ausser dem Veranstalter der Lustbarkeit auch der Pächter des! Grundstücks bezw. der Verfügungsberechtigte für die Zahlung der Steuer zu haften hat, fand Annahme. Dagegen wurde die be- antragte Besteuerung von Veranstaltungen der Kinematographen- theater in geschlossenen Räumen, Schankwirtschaften und öffent- lichen Vergnügungslokalen, nachdem unsere Vertreter dagegen gesprochen hatten, abgelehnt. Der Lustbarkeitssteuer-Ordnung unterliegen nur Veranstaltungen auf sogenannten Rummelplätzen. Auch genehmigte die Vertretung eine Aenderung der Umsatz- und Wertzuwachssteuer-Ordnung. Bei den Aenderungen handelt es sich in der Hauptsache um Schaffung von Vorschriften, durch- welche einer Umgehung der Steuern vorgebeugt werden soll. Bei der Nachbewilltgung von bl 209 M. gegen den Etat von 1909, wie der hierzu gleichzeitig beantragten generellen Regelung künftig er- forderlich werdender Nachbewilligungen gingen die Ansichten sehr auseinander. Es. wurde Vertagung beschlossen. Zur Neuregelung der Besoldung der Lehrpersonen an den Volksschulen und der Mittelschule, die auf die Tagesordnung der nicht öffentlichen Sitzung gesetzt worden war, beantragte unser Genosse John die öffentliche Verhandlung. Nachdem sich der Bürgermeister gegen die öffentliche Verhandlung dieser Angelegenheit gewandt hatte, stimmten auch die bürgerlichen Vertreter fast einstimmig dagegen. Nach der gemeinsamen Vorlage des Finanzausschusses und des Gemeindevorstandes sollen die Volksschullehrer eine Ortszulage von 000 M. erhalten, und zwar 100 M. zum Grundgehalt und je 50 M. zur 1. bis 4. und 0. bis 9. Alterszulage und 100 M. zur 5. Alterszulage. Für die Rektoren ist eine Amtszulage von 1050 M. vorgesehen. Die Ortszulagen für die wissenschaftlichen und technischen Lehrerinnen sind auf 400 M. festgesetzt. Den Mittelschuliehrern, soweit sie die Mittelschulprüfung bestanden haben, soll 400 M. Amtszulage gewährt werden; Mittelschullehrer ohne diese Prüfung erhalten dagegen nur 150 M. In der Debatte hoben der Bürgermeister wie auch einige bürgerliche Vertreter ihr Wohlwollen für die Lehrerschaft besonders hervor, vertraten dabei aber gleichzeitig den Standpunkt, dass eine höhere Ortszulage als 600 M. nicht gegeben werden kann. Rektor Grimm, Leiter der Präparmldenanjtalt, welcher in. der Ausschusssitzung gleichfalls nur für 600 M. Ortszulage gestimmt hatte, mutz wohl inzwischen das Unkollegialische seiner Handlungsweise erkannt haben, da er. nun auch für höhere Sätze, besonders bei den Rektoren eintrat. Unsere Vertreter traten für die Berliner Sätze ein; da die An- nähme dieser Sätze aber vollständig aussichtslos war. beantragten dieselben, statt 600 M. mindestens 700 M. Ortszulage zu gewähren und das Grundgehalt um die 100 M. mehr zu erhöhen. Dieser Antrag gelangte denn auch mit 15 gegen 9 Stimmen zur An- nähme. Die Rektoren erhalten statt der 1050 M. 1200 M. Amts zulage. Drollig war es bei der Abstimmung mit anzusehen, wie einige Gegner des Antrages, als sie merkten, dass die Mehrheit für den Antrag votierte, nun auch noch schnell die Hand erhoben und dafür stimmten. Da es sich hierbei um Hausbesitzer handelt, so sagen böse Menschen, sei die Furcht vor einem Boykott der Lehrerschaft auf ihre Wohnungen hierbei nicht ohne Einflutz ge- wesen. Vermilcbtes. Ueberfallen und ermordet. Nach einer Meldung ans Saarburg (Lothringen) wurde vorgestern auf dem Heimwege von Hestert nach Haselburg der Lehrer Feller von zwei Männern überfallen und erschlagen. Die Täter entkamen. Verhafteter Betrüger. Aus Würzburg wird gemeldet: Wegen der in der letzten Generalversammlung vom 22. Dezember aufgedeckten Unregelmässigkeiten in der Geschäftsführung der Aktiengesellschaft für landwirtschaftliche Maschinen, vorm. Ge- brüder Buxbaum, ist gestern früh Direktor Bernhard Buxbaum verhaftet worden. Sein Bruder Leopold Buxbaum ist ge- flüchtet._ Felssturz in Steiermark. Grazer Meldung zufolge wurde durch einen Felssturz in Aflenz das Gehöft des Grundbesitzers Harin total verschüttet. Die Frau und eine Tochter des Besitzers wurden hierbei getötet, mehrere Personen schwer und einige leichter verletzt. Eine furchtbare Acctylenexplosion. Im„Hotel zu den drei Linden" in Libochwitz fand, wie eine Meldung aus Prag besagt, eine fürchterliche Acetylenexplosion statt. Hierbei wurde der Hotelbesitzer in Stücke gerissen, zivci Personen wurden schwer und mehrere leichter verletzt. Sturm und Seenot. Aus Barcelona wird gemeldet: Heftiges Unwetter mit starken Regengüssen hat fast ganz Spanien heimgesucht. Der Tele- graphen- und Telephonverkehr ist gestört. Die Bahnlinie von Sala- manca nach Portugal ist unterbrochen und in den Städten Ciudad Rodrigo und Mondao haben Ueberschweininungen grossen Schaden angerichtet. Militär ist zur Hilfeleistung abgegangen. Londoner Meldungen zufolge kam der White-Star-Dampfer „Majestic" mit 36 Stunden Verspätung in Pllimonth an. Der Dampfer hatte furchtbares Wetter auf seinem ganzen Wege an- getroffen. Einer der Passagiere, eine Frau Margarete Aughes, starb lvährend der Ueberfahrt an Herzschwäche. Nach amtlichen Meldungen sind in den Ueberschwemmungß- gebieten zahlreiche Gebäude zerstört worden. In der Unterstadt von Ciudad Rodrigo sind etwa 50 Häuser eingestürzt.— Weitere amtliche Nachrichten besagen, dass in Ciudad Rodrigo, so viel bis- her bekannt ist. 1 4 P c r s o u c n ertrunken sind. Zahlreiche Ortschaften in der Gegend von Valencia, Salamanca, Bilbao, Leon, Zamora, Burgos und Valladolid sind überschwemmt. Wie eine Meldung aus Paris besagt, toben in verschiedener» Gegenden Frankreichs, namentlich in den Departements Haute- Garonne, Ariege, Jsere, Savoie, Rhüne, Vosgcs überaus heftige Stürme, die grossen Schaden anrichteten. In Lyon wurde eine Frau durch einen herabstürzenden Schornstein getötet und mehrere Personen verwundet. Die Stürme sind mit einer Hitzwelle ver- bunden. Grenoble und Chambery hatten 18 und 20 Grad Wärme. In den Vogcsen herrscht Frühlingswetter, der Schnee auf den meisten Gipfeln des Gebirges ist geschmolzen. Folgenschwere Gasexplosion im Kohlenbergwerk. Ans St. LourS wird gemeldet: Durch eine Gasexplosion wurden in einem Kohlenbergwerk bei Herring(Illinois) gegen 50 Bergarbeiter verschüttet. Bis jetzt wurden neun Leiche» geborgen._ Im Ausland ermordet. Der deutsche Orientreisende Hermann Burckhardt und der ehemalige italienische Konsularagent Marchese Benzoni sind nach einer Meldung des„Corriere della Sera" au» Hodeida im Innern Jemens ermordet worden. Kmfkasten der Redahtion. Sie lurlstlsihe Sprechstunde findet Li»den st raste 3, zweiter yiis, dritter Etiigang, vier Treppen, MM- Fahrstuhl-MQ wochentäglich abrndS von 7Vj bis 9� Uhr statt. GeSssne» 7 Uhr. EoniiabrildS degtnnt die Sprechstunde»m 0 Uhr. Jeder Aufrage ist ein Buchstabe und eine Zahl als Merkzeichen deizufügen. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. BW zur Beanlioortung im Briestaste» könne» 1t Tage vergehe». Eilige Fragen trage man in der Sprechstunde vor. B. R. 27. Der bisher erhobene Mietsstempel war berechtigt. Von jetzt an haben Sic Mietsstcmpel nicht zu zah.cn. weil Ihr jährlicher Miets« zi»s weniger als 360 M. beträgt.— H. K. 76. Aus Grund der von Ihnen angesührten Gründe werden Sie eine Ehescheidungsklage mit.'ins- ficht aus Erfolg anstrenge» können.— B 1. Tauschen Sie die Karte um. auch wenn innerhalb zwei Jahren nur 14 oder weniger Marken geklebt sind, sonst verliert die Karte ihre Gültigkeit. Nachteile haben Sie dadurch, daß weniger Marken geklebt sind, nicht; ivird aber die Karte nicht inner» balb zwei Jahren umgetauscht, so verliert sie ihre Gültigkeit.— B. lä. Nein.—<9. Z. 21. 1. Ihre Frau könnte sich Marken nicht zurückzahlen lassen, weil nicht vor der Heirat inindestens 200 Marken geklebt waren. Ihre Frau würde gut daran tun, ivelter zu kleben, 2. Ja.— Bt. P. A. Die Pension entsp-.äche den gesetzlichen Bestimmungen,— St. W. Rein. — Jakodstraste. Ein gequältes Tier.— P. M. 1660. Schlagen Sie die Stalistik des Deutschen Reiches, Berusszäblung, nach, welche Ihnen eventuell in der össentlichen Bibliothek, Adalbertstr. 44, zur Verfügung steht.— I. R. 23. Uiisinn! Daraus geht uiemand ew.— Ad. 69. Wenden Sie sich behnss AuSkunst au das Patentamt.— W. E. 32. Derartige Wetten entscheiden wir nicht.— O. R. 166. Ja. 1. 2. Nein. ®. F. Donnerstag.— W. St. 87. Wir Huben eine Empschlung nicht ausgesprochen. Die Adresse ist uns auch nicht bekannt. — Eadineii. 1. Nein. Die in Ihrem Bertrage ausgemachte Kündigungsfrist ist gültig. 2. bis 4. Das neue Mietsstempelacsetz ist seit dem 1. Juli i» Ki'ast. 5. Nach dem MictSstenipelgesetz ist Mietsstempel bei eilicin Jahres- mielSzinS von 360 M. an zu zahlen. Die Sätze haben wir bereit» am 1. Juli und wiederholt mitgeteilt. Es beträgt der Stempel bei Jahres» mieten von usw. bis 2000 M. bis 3000 M. bis 4000 M.«/„. bis 500 M. uud so fort, bei meyr als 20 000 M. 2 Proz. der JährcSmiete. Betrifft das MietSverhältniS Räume, die für gewerbliche oder berufliche Zwecke be- stimmt sind, so bleibt die Hälstc der SIempelabgabe unerhoben. Betrifft ein MietSverhältniS zum Teil Räume, die sür gewerbliche oder berufliche Zwecke bestimmt sind, zum Teil andere Räume, so tritt die Ermässigung nur ein, wenn in dem vom Vermieter zu sührenden StcmpelverzeichniS eine cnUprcchcnde Trennung des MietszinscS gemacht ist. MietSuerträge, durch die Gastwirte oder Zimmervermieter Fremde zur Beherhergung ausnehmen, find stcmpelsrci._ Witter,»iqoiiverstcllt vom 24. Dezember 1»«». morqenS 8»br. etattonen LS -- e Ii = a g« Setter »wniemde 744 SW Hamburg Berlin .Iranti.a M München W>e,> 744 SSW 746 SW 749 SW 754 S 755 W 3 bedeckt 5 Regen 3 bedeckt 4 wolkig 2 bedeckt 1 Nebel w« »!l £? Mo eiationen Haparanba 753 SO Petersburg 756 OSO Scilly.750 WSW flberdeen.743 WSW Paris i750W tt 1- 4 bedeckt—14 4 bedeckt—10 1 bedeckt 2wolkeill 1 bedeckt Wetterprognose Inr Sonnabend, den 35. Dezember 1009. Etwas kühler, vielfach heiter, aber sehr veränderlich mit leichten Regen- sällen und ziemlich lcbhasten südwestlichen Windel». Berliner Wetterburea«. WasserftandS-Nachrickiten der LatldeSanilalt für Gewäiserkunde/iviitgeleilt vom Berliner Wetierbureau. Wasserstand M e m e I. Tilsit P r c g- I. Jnsterbllrg e i ch j e l, Tbonl Oder, Natibor , Krassen , Frankiurt Warthe, schlimm , LandSberg Netze, Vordamm Elbe, Leinneritz , Dresden « Barbn , Magdeburg Wasserstand Saale, Grochlitz Havel, Spandau') . Natbenow') Spree. Smmberg') , BecSlow Weser, Münden , Minden Rhein, MaximilianSau , Kaub , Köln Neckar, Heilbronn Main, Wertbeim Mosel, Trier am seit 23 12.122.12. cm cm") 168 96 120*) 86 160 33 164 474 234 130 —18 +8 j-2 —2 0 —13 +52 +23 +24 -13 ')+ bedeulct Wuchs.— Fall gang.') 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