ftbonnementS'Bedingangen: Wonnemcnts- Preis prSnumeranda: Tierteljührl. SP0 MI., monatl. 1,10 MI,. wöchentlich W Pfg. frei ins HauS. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags. nmnmcr mit illustrierter Sonntags- Vellage„Die Neue Well» 10 Pfg. Post- Nbonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetr agen in die Post- Zeitungs. Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2 Mark, für das übrige Ausland 3 Marl pro Monat. PostllbonnementS nehmen an: Belgien. Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. 36* Jahrg. CrfdKlnt»Zgll« anUff dontasi. Vevlinev Volksblnit. die sniellions-Kedöhr beträgt für die sechsgespallenc Kolonel- geile oder deren Raum 50 Pfg,. für politische und gewcrlschastliche Bcrcins- und Versamnillings-Anzeigen 30 Psg. „Uteine Sn--tgen". das erste(fett- gedruckte) Wort 20 Pfg., jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlas. stcllen-Rnzeigcn das erste Wort 10 Psg., jedes weitere Wort S Pfg. Worte über lö Buchstaben zählen für zwei Worie. Inserate für die nächste Nummer niiisscn bis S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm-Adresse: „SoziaitUmoKrat Rtrlis**. Zentralorgan der fozialdemokrati fchen parte» Deutfchlandd. 6in Jahr des Kampfes liegt hinter dem deutschen Proletariat. Alle Anzeichen deuten aber darauf hin, daß das neue Jahr für die deutsche Arbeiter- llasse erst recht ein Jahr des Kampfes werden tvird! Noch läßt es sich nicht übersehen, ob endlich die schwere wirtschaftliche Krise, die für Hunderttausende Arbeitslosigkeit und Lohnverkürzung gebracht hat, wiederum einer Periode all- gemeinen Aufschwunges weichen wird. Das aber steht fest, daß das Unternehmertum bereits alle Vor- bereitungen getroffen hat, der Arbeiterschaft die Teilnahme an der Prosperität zu erschweren, sei es selbst mit den Mitteln der brutalsten Gewalt! Erst die letzte Zeit hat ja in Gestalt des erbitterte» Kampfes im Mansfelder Revier bewiesen, wie wenig Humanität von dem Unternehniertum zu erwarten ist. Unter dem Schutz der Maschinen- gewehre wirft das Kapital selbst königstrcue Bergknappen rücksichtslos auf das Straßenpflaster, sobald sie durch organi- siertes Vorgehen ihre Lage zu verbessern suchen I Diese wirtschaftliche Trutz- und Gewaltpolitik des Gruben- kapitals hat auch bereits im rheinisch- westfälischen Kohlenrevier eingesetzt: durch Schaffung des Zwangs» arbcitsnachweises. der als Instrument der Arbeiterknebelnng dienen soll l Das Grubenproletariat aber ist entschlossen, sich dem Machtkoller des Unternehmertunis nicht widerstandslos zu unterwerfen. Beharrt das Kapital bei seiner Gewaltpolitik, so stehen wirtschaftliche Riesenkämpse bevor, wie sie Deutschland bisher noch nicht gesehen hat. Und wie in der Kohlenindustrie werden sich bei dem Gn setzen flotteren Geschäftsganges auch in den übrige» Industrie� zweigen die Verhältnisse zuspitzen. Deshalb ist es notwendig, daß das Proletariat durch Stärkung der Gewerkschafts- organifationen dem Unternehmertum die Lust zum Konflikt der leidet oder im äußersten Falle für den Kampf gerüstet dasteht! Kein klaffenbewustter Arbeiter darf mehr austerhalb seines Berufsverbandes stehen! Aber nicht nur wirtschaftliche Stürme kündet das Wetterglas um die Jahreswende, sondern auch schwere politische Kämpfe Das Jahr 1909 brachte dem Volk den kolossalen Steuer raubzng gegen die Taschen gerade der Minder- und Nicht besitzenden. Trotz all dieser neuen Steuern ist nach wie vor Ebbe in der Reichskasse. Geht es so weiter mit den Aus gaben für Militarismus und Marinismus, so ist ein neuer Aderlatz der Steuerzahler unausbleiblich. Deshalb muß der Regierung und den herrschenden Klassen fort und fort klargemacht werden, daß das Volk ein Ende des tollen Wettrüstens verlangt! Den chauvinistischen Hetzern, die bald gegen Eng land, bald gegen Frankreich schüren, muß das Handwerk gründlich gelegt werden! Umsomchr. als gerade jetzt wieder zu einem neuen Marokkokonslikt aufgeputscht wird! Solche Hetzereien sollen eben die Stim mung für neue Heeres- und Marineforderungen schaffen! Das alte Jahr hat nnt der Abrechnung mit der Reaktion glorreich begonnen. Die roten Wahlsiege des Jahres 1909 müssen auch im Jahre 1910 vermehrt werden! Bereits der Januar bringt die Reichstagsnachwahl in Eiseuach-Dcrmbach. Der Kreis muß unser werden! Und jeder neue Wahlkreis! Ein Kampf von ungeheuerer Wichtigkeit ist aber vor allem der Wahlrechtskamps in Preutzen! Es ist so gut wie sicher, daß denk Landtage bereits in den nächsten Monaten ein Wahlrechtseutwnrf zugchen ivird. Ein Entwurf, der blutigster Hohn für das Wahlrecht- fordernde Volk sein wird! Dabei sind alle reaktionären Kräfte bereits seit Jahr und Tag in fieberhafter Tätigkeit, die Reform nochmehrzuverhunzcn! Da ist es eine Probe ans die politische Reife des Proletariats, wie es den Wahlrechtskampf bestehen wird! Das Jahr 1910 wird so vor manchem anderen ein Jahr des Kampfes sein! Ein Jahr des Sieges wird es aber nur dann sein, wenn das Proletariat und mit ihm alle Entrechteten den Kampf mit aller Hingabe und Tatkraft zu führen verstehen I Wie für den wirtschaftlichen, so ist auch für den politischen Kampf die erste Vorbedingung die Organisation! Kein Wahlrcchtskämpfer darf austerhalb der politischen Organisation stehen! Die Losung des Kampfes aber und die Parole der Stunde wird in jede Arbeiterwohnung, in jede Schlafstelle tragen die Arbeiterpresse, der „VomZtts"! Jeder Klassenkämpfer Grotz- Berlins ein Leser des„Vorwärts"! Jeder„Vorwärts"- Leser ein Wahl- rechtskämpfer! verilehkskapltaüswlls. Seit mehreren Monaten schweben zurzeit noch nicht ab- geschlossene Verhandlungen, die das öffentliche allgemeine Interesse der Reichshauptstadt in sehr erheblichem Maße er- regen. Gegenstand der Erörterungen find die Rechtslage und die tatsächlichen Zustände, die aus dem Vortrage der Stadt Berlin mit der Großen Berliner Straßenbahngesellschaft entstanden sind, und der Wunsch, ein Vcrbältnis zu lösen, das auf die Dauer unhaltbar ist, weil die Gemeinde zugunsten des Privat kapitals, je länger, je mehr, in eine unwürdige, bedeutungs- lose Position gedrängt, in ihrer Selbständigkeit auf dem Gebiete des städtischen Verkehrswesens beschränkt, und in materieller Hinsicht schwer geschädigt tvird. Zum besseren Verständnis der Rechtslage seien nur einige Maßnahmen der„Großen Berliner" während der Vertrags' dauer angeführt. Bekanntlich erlischt die Zustimmung der Stadt Berlin zu dem Unternehmen der Gesellschaft und die Erlaubnis zur Benutzung der Straßen und Plätze am 31. De zembcr 1919. An diesem Termin geht der Bahnkörper nebst Zubehör unentgeltlich in den Besitz der Stadt über, soweit es sich um die im Weichbild Berlins hergestellten Straßenbahnanlagen handelt. Nach dem klaren Wortlaut und nach dem Sinn des Vertrages mußte daher der erste Januar 1920 als der Zeit Punkt angesehen werden, an dem die Straßenbahnen in Besitz und Betrieb der Stadt Berlin gelangen würden. Das nur auf die kapitalistische Ausbeutung der von der Stadt geschaffenen, von ihr unterhaltenen Straßen und Plätze, gerichtete Streben der„Großen Berliner" hat jedoch die un ivürdigsten und illoyalsten Mittel angewendet, bei denen ihr leider die kräftige Unterstützung und Förderung der staatlichen Aufsichtsbehörde nicht gefehlt hat, um die Vcrkehrspolitik der Stadt zu durchkreuzen, die Uebernahme und Fortführung der Straßenbahnen im Jahre 1919 zu verhindern, die eigenen Ver- kehrsunternehmungen der Stadt durch Konkurrenzeinwand und Entschädigungsansprüche zu schädigen und sich das Monopol für das Straßenbahnwesen in Berlin zu schaffen. Wir erinnern nur daran, daß die„Große" sich hinter dem Rücken der Stadt die staatliche Verlängerung ihrer Konzession bis zum 31. Dezeniber 1949 erwirkt hat und daß diese Ver- längerung erteilt ist. ohne daß die Gemeinde von der Aufsichts- behörde eines Wortes gewürdigt wurde. Auch die Umwandlung des„Unterbetriebes" in billigeren„Oberbetrieb" ist an ver- schiedencn Stellen der Stadt'von der Aufsichtsbehörde der Ge- sellschaft„befohlen" worden. Abänderungen des Fahrplans, Verlegung von Linien sind gegen den Willen der Stadt durch die Aufsichtsbehörde der Gesellschaft„auferlegt" worden. Die „Große" fühlt sich durch die städtischen Nor'dlinicn geschädigt und erhebt Entschädigungsansprüche an die Stadt. Für das der Stadt vertraglich zustehende Mitbenutzungsrecht verlangt die„Große" nicht nur Ersatz für die dadurch entstehenden Kosten der Abnutzung des Bahnkörpers, sondern auch für den angeblich entgangenen Gewinn, der dadurch entsteht, daß Personen die Wagen der„Großen" benutzen könnten, wenn die städtische Linie nicht vorhanden wäre. Eine Auslegung, an die bei dem Abschluß des Vertrages kein Mensch gedacht hat. Aber nicht nur bei anderen Straßenbahnen erhebt die „Große" Entschädigungsanspruch. Die„Große" glaubt, daß alles, was in Berlin„kreucht und fleucht", ihr tributpflichtig sei, und deshalb belegt sie auch die„Schnellbahnen" über und unter der Erde mit Beschlag,>venn dadurch bei Herrn Micke Konkurrenzbefürchtungen für sein Unternehmen entstehen. Das Uou plus ultra aber erreicht die„Große" mit ihren amosen Tunnelprojekten, deren Ausführung eine gründliche Umwälzung des Straßcnbahnverkehrs znni Ziel haben soll. Angeblich handelt es sich um die Entlastung des Potsdamer Platzes und der Leipziger Straße, die gewiß sehr Wünschens- wert und notwendig ist; aber auch auf andere lveniger kost- spielige und verkehrsstörende Weise erreicht werden kann. Im übrigen sieht es in anderen Stadtgegenden nicht besser aus; wir denken z. B. an die Rosenthaler. Brunnen-, Oranien-, Chaussee-, Frankfurter- und andere Straßen, die nur nicht das Vergnügen haben, so viele Minister und Geheimräte passieren zu sehen, wie Potsdamer Platz und Leipziger Straße. Wenn die Herren eimnal Stadturlaub nähmen, um auch andere Stadt- gegenden kennen zu lernen, dann würde man behördlicherseits die Tunnclpläne— die technisch als ganz unausführbar bezeichnet werden und nichts als einen„Bluff" bedeuten— nicht so enthusiastisch begrüßt und befürwortet haben. Das ist janun mitdcrZeit etwas anders geworden, namentlich da bestimmte Anzeichen vorliegen, daß die Stadt durch eine Anzahl großer Straßen- durchbrüche und kleinerer Tunnelanlagen(Opernplatz, vor dem Brandenburger Tor) für die Ableitung und Regelung des Ver- kehrs Sorge tragen lvill. Der kapitalistische Pferdefuß in diesen Projekten der „Großen" steckt aber in dem Verlangen, Konzessions- Verlängerungen auf neunzig Jahre zu erhalten und sich damit das uneingeschränkte Monopol auf die Ausbeutung der Straßen und Plätze zu Verkehrszwecken zu sichern. An diesem feinen Plänchen ist natürlich das Großkapital sehr interessiert; weit über die„Große Berliner" hinaus sind nicht nur„Vetriebsgesellschaften", sondern vor allem „Bau- und Ausrüstungsgesellschaften" an dem Hunderte von Millionen in Anspruch nehmenden Projekt beteiligt. Und nicht zu vergessen die Großbanken.' die zum Zwecke der Kapitalbeschaffung Aktiengesellschaften gründen und die Millionen betragenden Gründergewinne in die Tasche stecken. So gedenkt das Privatkapital über eins der wichtigsten Gebiete städtischen Lebens, dem sich noch die Errichtung von Elektrizitätswerken zur Herstellung von Verkehrs-, Industrie-, Heiz- und Beleuchtungsenergie zugesellen, selbstherrlich zu verfügen. Verkehr, Industrie, Handel und Gewerbe unserer Stadt zugunsten der Dividendenschlucker monopolistisch aus- zubeuten, und der Gemeinde die Rolle eines Bettlers zu- zuweisen, der für das Almosen einer Abgabe zusehen muß, tvie Millionen und Abermillionen, die zur Förderung und Lösung der städtischen Aufgaben, zum Nutzen der allgemeinen Kultur und Wohlfahrt dringend notwendig sind, den Kapita- listen in Form von Tantienien und Dividenden zugeführt werden, während große soziale, ethische, künstlerische, Volks- bildnerische Aufgaben wegen angeblichen Mangels an Mitteln unerfüllt bleiben. Dieser Zustand ist zum großen Teil der falschen Verkehrs- Politik geschuldet, die Berlin betreibt, da bis jetzt immer noch nicht in der Gemeindeverwaltung der Entschluß, das Verkehrswesen der kapitalistischen llmklammerung zu entreißen und in eigene städtische Verwaltung zu nehmen, festen un- verrückbaren Boden gefunden hat. Zögernd und zagend hat man einige städtische Straßenbahnlinien im Norden der Stadt errichtet. Und trotzdem diese Linien in ungeahnter Weise prosperieren, sind leider sehr einflußreiche Kreise der Stadtverordnetenversammlung immer noch der Meinung, daß das Verkehrswesen dem Privatkapital zur Aus- bentung ausgeliefert werden müsse und stehen allen Be- mühungen, der Stadt die vollen Einnahmen aus den Verkehrs- betrieben zuzuführen, feindlich gegenüber. Allerlei Schein- gründe werden gegen den städtischen Betrieb angeführt; der bureaukratische Geschäftsgang, der Mangel kaufmännischer und technischer Kapazitäten und anderes mehr wird gegen die städtische Regie ins Feld geführt— aber den eigentlichen Grund verschweigt man. Die Stadt kann schnell und praktisch arbeiten— wenn sie will; dazu bedarf es nur einiger zweck- entsprechenden Einrichtungen und der Anstellung geeigneter und entsprechend bezahlter Fachmänner. Daran liegt's also gewiß nicht. Aber auch in der Gemeinde hat die Kapitalistenklasse. dank des plutokratischen Dreiklassenwahlgesetzes, das Heft in der Hand. Die Besitzenden diktieren die Kommunalgesetze. Und den Angehörigen dieser Klasse sind 8 und 10 Prozent Dividende von Elektrizitäts- und Straßenbahnaktien lieber als vierprozentige Stadt- oder Staatsobligationcn. Das ist des Pudels Kern. Das ist der eigentliche und maßgebende Grund für die Abneigung, die Fesseln des Kapitals, die Herrschaft der„Großen" und ihrer Verbündeten energisch ab- zustreifen. Wenn aber der ernste Wille bei dem Magistrat und der Stadtverordnetenversammlung ist, unbeeinflußt von privat- kapitalistischen Interessen eine Lösung zu suchen— und es scheint als ob immer weitere Kreise in Berlin sich der Un- Würdigkeit und UnHaltbarkeit der Vorherrschaft der„Großen" und des ihr alliierten Kapitals bewußt werden— dann wird sich auch ein Weg finden, um aus der jetzigen Misere der städtischen Verkehrspolitik auf einen gesunden, der Gemeinde »vürdigen Boden zu gelangen. Opfer werden allerdings gc- bracht werden müssen— aber diese Opfer sind die Folgen der bisherigen antisozialen Vcrkehrspolitik unserer Stadt. Bisher haben— wie die bürgerliche Presse vom Schlage der „Voss. Ztg.".„Verl. Tageblatt".„B. Z. am Mittag",„Verl. Lokal-Anzeiger" meldet— die Verhandlungen noch kein greif- bares Resultat gezeitigt, aber mehrere Vorschläge haben sich herauskristallisiert, deren grundlegende Bestimmungen jedoch für die Stadt völlig unannehmbar sind. Zunächst ein Vorschlag, der auf eine Verlängerung der städtischen Zustimmung bis zum 31. Dezember 1949 hinaus- läuft. Dafür sollen der Stadt einige Vorteile geboten werden, die darin gipfeln, daß Anno 1950 das ganze Unternehmen kostenlos an sie Stadt übergeht, daß die Bruttoabgabe um 1 Proz. erhöh! wird und daß die„Große" auf fedcn Ko»kurre»zeimtmad verzichtet. Außerdem soll der Stadt frühestens Ende 1919 und dann von zehn zn zehn Jahren das Ermerbsrecht �deS Unternehmens vorbehalten sein. Zu dcil Kosten der Straßendurchbrüche trägt die„Große" die Hälfte— jedoch höchstens zehn Mittionen Mark bei, wogegen ihr die Aelcgung der Straßen mit Schienen gestattet werden muß. Mit der Vertragsverlängerung bis 1930 soll an Stelle des Einheitstarifs von 10 Pf. ein Zonentarif eingeführt werde», dessen Sätze bis zu 5 Kilometer auf 10 Pf., über 5 Kilometer aus lo Pf. und über 10 Kilometer auf 20 Pf. normiert sind. Nach den mit der„Großen" gemachten Erfahrungen müßte es als eine Torheit und Kurzsichtigkeit allerersten Ranges bezeichnet werdet, wenn die Stadt sich darauf ein- ließe, die Vertragsverlängerung auch nur zu diskutieren. Nertragsverlüngerung bis 1950 bedeutet für alle Zeiten Ver- Zichtleisluiig auf städtische Verkehrsanlagelt auf den Straßen und Auslieferttng des Betriebes an das Privatkapital. Daran ändert das der Stadt vorbehaltene Erwerbsrecht nicht das geringste; das sind Schaumklöße ans der Suppe, die praktisch nie Bedeutung erlangen werden. Die Vertragsverlängerung bedeutet die Verewigung des Verkehrsmonopols der„Großen Berliner". Jede Möglichkeit städtischer Verkehrsanlagen auf den Straßen schwindet, die städtische Ausgestaltung des Straßenbahnnetzes wird lahmgelegt, die Arbeiten der städtischen Verkehrsdepntatioit werden unterbunden und zur vollständigsten Bedeutungslosigkeit herab- gedrückt, die Einnahmen der Stadt werden, Jahr für Jahr steigend, um viele Millionen geschmälert. An der Weiterbehandlung dieses Vorschlages wird sich zeigen, ob der Berliner Kommunalfreifinn endlich einmal ehrliche städtische Verkehrspolitik treiben oder ob er wie schon so oft, auch dieses Mal wieder städtisches Eigentum dem Privatkapitalismus zur Ausbeutung preisgeben wird. Neben dem Vorschlag auf Vertragsverlängerung marschiert noch ein Angebot der„Großen" auf Uebergang des Unter- nehmens an die Stndt zum Preise von LOOProz. des Aktienkapitals, d. h. für 200 162 800 M. Diese exorbitant unverschämte Forderung wird mit dem hohen Kursstand der Aktien motiviert; die Aktien der„Großen" worden an der Börse mit 188 Proz. gehandelt und sind feit den Verhandlungen auf Ankauf sehr stark, um einige zwanzig Prozent, in die Höhe gegangen. Daß dies nur eine Folge von spekulativen Kurstreibereien ist, liegt auf der Hand, denn der wirkliche innere Wert der Aktien nach dem Stande des Unternehmens bleibt sehr weit hinter diesem Kursstand und dem geforderten Preis zurück. Die Dividende gibt durchaus keinen zutreffenden Maßstab für den wirklichen Wert des Unternehmens. Wir wollen nicht von frisierten Bilanzen sprechen, obgleich wir Grund haben zu glauben, daß sich unter den Aktiven der Gesellschaft manche sehr große Anlagen und Kosten be- finden, deren Ertrag z. B. bei der Liquidation der Gesellschaft sehr erheblich hinter dem Nominalbeträge zurückbleiben wird. Ob die Rücklagen, Tilgungs-, Reserve- und Amortisations- fonds sowie die gemachten Abschreibungen ausreichend sind, um solch hohen Stand der Aktien bei Erlöschen der Berliner Zustimmung zum Weiterbetriebe des Unternehmens in Berlin zu rechtfertigen, ist uns sehr zweifelhast. Kurz, wir haben den Eindruck, daß die innere Sicherheit des Unternehmens unter dem Wunsch, möglichst hohe Dividenden zu verteilen, stark gelitten hat. Dieser Uinstand wird über kurz oder lang in die Erscheinung treten müssen und seine Einivirkung aus den Kursstand der Aktien nicht verfehlen. Freilich die„Große" glaubt gesichert zu sein gegen erhebliche Ansprüche der Stadt und behauptet, im Jahre 1919 auch nach Erlöschen der Berliner Zustimmung das Unternehmen weiter betreiben zu können. Gestützt wird diese Rechtsauffassung auf eine Bestimmung des Kleinbahngesetzes. wonach ein Kleinbahnunternehmen. welches mehrere Gemeinden umfaßt, als einheitlich anzusehen ist und die mangelnde gemeindliche Zustintmung zum Betriebe des Unternehntens durch den Oberpräsidenten gegen eine von ihm zu bestimmende Entschädigung der Gemeinde ergänzt werden kann. Aber selbst wenn bei dieser doch immerhin recht zweifelhaften Rechtslage— bei der die endgültige Entscheidung nicht durch die ordentlichen Gerichte, sondern durch den Mi- nister getroffen wird— zugunsten der„Großen" entschieden werdet! sollte, so wird damit keineswegs der zivilrechtliche An- spruch Berlins gegen die„Große" aus dem Zustimmungs- vertrage beseitigt. Neben der vom Oberpräsidenten fest- zusetzenden Entschädigung bleibt die„Große" für jeden Schaden, den die Stadt aus den Maßnahmen der Gesellschaft erleidet, ersatzpflichtig. Das weiß die„Große" sehr genau; die Situation kann für die Stadt nur günstiger werden und Berlin hat gar keine Ursache, das Unternehmen für einen weit über den wirklichen Wert hinausgehenden Preis zu erwerben. Ein dritter Vorschlag, der ebenfalls den Erwerb des Unternehmens für denselben Preis zunt Ziel hat, will den Plan für die Stadt dadurch schmackhafter machen, daß neben dem Kaufvertrag zugleich ein Abkommen getroffen wird, wonach die„Große" für iveitere zehn Jahre, also bis zum 31. Dezember 1919 das Unternehmen als Pächterin weiter betreibt. Die Pachtbedingungen sollen nach dem Vorschlage wie folgt lauten: Die weiter bestehende Gesellschaft betreibt, nachdem die Stadt das Unternehmen für 200 Millionen Mark erworben hat, das Unternehmen auf zehn Jahre als Pächterin weiter. Sie stundet der Stadt den Kaufpreis gegen eine Verzinsung von vier Prozent auf zehn Jahre. Als Pacht zahlt die Gesell- schaft der Stadt diesen Zinsbetrag sowie die Beträge, welche die Stadt jetzt als Bruttoabgabe und Anteil am Reingewinn -rhält. Von dent nach Abzug der Betriebskosten und obigen Beträgen verbleibenden Reingewinn erhält die Stadt 2Ib und die Gesellschaft'/,, wogegen die Stadt der Pächterin die Ein- führung eines Zonentarifs und zwar bis 5 Kilometer 10 Pf., bis 8 Kilometer 13 Pf. und über 8 Kilometer 20 Pf. gestattet. Den vermutlich»ach Neujahr wieder aufzunehmenden Er- örtcrunge» innerhalb der städtischen Jnstattzctt werden diese Vorschläge zu Grunde liegen. Ob und was dabei herauskommen wird, läßt sich auch nicht annähernd voraussagen; die bis- herigen Verhandlungen haben keine einigermaßen sichere Grundlage geschaffen. Nach unserer Meinung kann die Stadt in aller Ruhe die weitere Entlvickclung der Dinge abwarten. Wir sind nicht gegen eine schicdlich-friedliche. Attseinandersctzuitg mit der „Großen". Wir verkennen nicht die Schlvierigkeiten der äußerst komplizierten Situation, in der die Stadt sich befindet; wir halten die Befreiung der städtischen Verkehrspolitik aus den Fesseln des Privatkapitals für dringend geboten, bannt die Stadt ihre Aufgaben auf dem Gebiete des Verkehrs- Ivesens zum Nutzen der Gesamtheit erfüllen kann— und wir glauben, daß hierfür Opfer gebracht werden müssen— aber diese Opfer dürfen nicht ins Ungemessene gehen und ntüsseu vor allen Dingen die vollkommenste Entscheidungs- und Bc- tätiguugsfreihcit über das städtische Straßenbahnverkehrswescn für alle Zeiten verbürgen. Die„Große Berliner" ist auch nicht auf Rosen gebettet; die Stadt hat nach der gegenwärtigen Situation keinen Anlaß, den Aktionären und den Großbanken Millionengewintte aufzutischen, welche die Steuerzahler verzinsen müssen und das auf den Straßenbahnen verkehrende Publikum durch Tariferhöhung anfzubringen hat. Die allen Vorschlägen zur Voraussetzung dienende Tarif- erhöhung ruft die allerschtversten Bedenken hervor. Die Ren- tabilität des Unternehmens kann dadurch schwer beeinträchtigt werden; statt der Mehreinnahmen können leicht durch Ver- ringerung des Verkehrs Mindereinnahmen in die Erscheinung treten— kurz dieser Punkt bedarf der sorgfältigsten und vorsichtigsten Beratung und Entschließung. Die Frage der Tariferhöhung führt nun zu einem für die schließliche Entscheidung sehr bedeutsamen und maßgebenden Gesichtspunkt. Neben anderen Faktoren hängt die Entscheidung über die künftige Gestaltung des Tarifs der Straßenbahn sehr wesentlich von den Vororten ab. Die„Große" hat es sich stets zur Aufgabe gemacht, die Vororte für ihre Pläne, die sich gegen Berlin richteten, zu interessieren und durch entgegen- kommende günstige Verkehrsbedingungen für sich günstig zu stinimen. Dadurch ist es ihr gelungen, in manchen Fällen mit den Vororten Verträge abzuschließen, die eine längere Geltungs- dauer habe» als der Berliner Zustimmungsvertrag und da- durch zu einem Hinderungsmittel für die glatte Abwickelung im Jahre 1919 werden können. Im Laufe der Jahre wurde dies immer mehr empfunden und führte zu dent Entschluß, alle Vorortgemeinden zu einem Verkehrszweckverband mit Berlin zusammenzuschließen, um die Genteindeiitteressen gemeinsam gegen die Umklammerung und Ausbeutung der Kapitals- gesellschaftcn wahrzunehmen. Trotz jahrelanger Bemühungen ist es zu einem abschließenden Resultat noch nicht gekommen, weil bei den sich mannigfach kreuzenden Interessen der ein- zelnen Vororte untereiitander und mit Berlin einige Gesichts- punkte noch nicht geregelt werden konnten. Die gegenwärtige Situation drängt jedoch in ganz besonderem Maße zu einer energischen taikräftigen Förderung des VerkehrSzweckverbandes von Groß-Berlin, denn auf dem Boden dieser allen Getnetndett gemeinsamen Institution wird es leichter gelingen, die Monopol- Herrschaft des Privatkapitals zu verhindern und daS Straßen- bahnverkehrswesen von Groß- Berlin als eine Aufgabe der Gemeinden einer glücklichen, der Gesamtheit dienenden Lösung zuzuführen. Wir halten es für Pflicht der Stadt Berlin und nicht minder der Borortgemeinden, die Benutzung ihrer Straßen und Plätze der eigenen Betati mmg wiederzugewinnen und den Straßenbahnverkehr von den Verbandsorganen über- nehmen und betreiben zu lassen. Es ist aber auch die höchste Zeit, daß die Oeffentltchkeit der Angelegenheit das gebührende Interesse widmet. Das Monopol der„Großen Berliner" darf nicht stabilisiert, der Ring des Verkehrskapitalismus nicht verstärkt werden. Alle Bürger, die der dtvidendenlüsternen, monopolisierenden Herrschast der„Großen Berliner" ein Ende machen wollen, müssen sich zusammenscharen in dem Bestreben, den Betrieb des Berkehrsivesens für Groß-Berlin zur Gemeinde- aufgäbe werden zu lassen. Das letzte Jahrzehnt des Berliner Zustimmungsvertrages muß zu einer definitiven Regelung und Auseinandersetzung mit der„Großen Berliner" führen. Magistrat und Stadt- verordnete von Berlin werden sich zu entscheiden haben, ob sie in dieser vielleicht wichtigsten und verantwortungsvollsten Frage der letzten Jahrzehnte den Interessen der Gesamtheit dienen, oder ob sie im Schlepptau deS Kapitalismus mar- schieren wollen. Wenn die Stadt die Situation geschickt und klug aus- nutzt, wenn Groß-Berlin sich eine weitsichtige, über den Augen- blick hinausgehende, das ganze Groß-Berliner Gebiet uin- spannende Verkehrspolitik zum Ziel setzt— dann besitzt es so viele Machtinittel und hat Trümpfe genug in der Hand, um das Spiel zu gewinnen. Auch die maßgebenden und entscheidenden StaatSinstanzen sollten endlich einsehen, daß es ihrer Aufgabe entspricht, der gesetzlich verbrieften, vom König und Minister erst kürzlich' gc- rühmten Selbstverwaltung der Gemeinden die Wege zu ebnen und sich von jeder Begünstigung und Bevorzugung privat- kapitalistischer Betriebsgesellschaften fernzuhalten. Wir wissen, daß eine schwere opfervolle Arbeit zu leisten ist. Die„Große' Berliner" verftigt über einflußreiche Freunde. Ein großer Teil der bürgerlichen Klaffe ist ihr ergeben und dienstbeflissen und auch im Rathaus sitzen Leute, die mit allem Eifer die Interessen der„Großen" fördern. Bon diesen Seiten wird denn auch immer wieder darauf hingewiesen. sich doch lieber mit der„Großen" zu vertragen, als hartnäckig auf das gute Recht zu pochen. Das sind dieselben Kreise, die jetzt drauf und dran sind, gegen einige Zugeständnisse der„Großen Berliner" die städtische Konzession bis zum Jahre 1930 zu verlängern. Die zur Erörterung stehenden Vorschläge bieten diesen Kreisen die willkommene Gelegenheit, unter der MaSke der Oppositton die Kommune Berlin und damit zugleich zahlreiche Vororte der Monopolgesellschaft gänzlich auszuliefern. Für die hinter den Kulissen am Werke befindlichen sehr einfluß- reichen Kreise handelt es sich um nicht mehr und nicht weniger, als den Weg frei zu machen für ein dauerndes Monopol der „Großen Berliner". Dagegen hat sich die Bevölkerung Groß-BerlinS energisch mit aller Kraft zu wehren. Es muß verlangt werden, daß die Kommunen wie das die Straßenbahnen benutzende Publikum aus den Klauen der„Großen Berliner" befreit werden. Sie Statiltlk zur Keschönigimg des DreiklaiienwatzliDfugs. DaS Preußisch'e Statistische LandeSamt hat, wie die„Berliner Korrespondenz" mitteilt, nunmehr die Uebersicht über die Ergebnisse der LandtagSwahlen im Jahre 1903 in Druck erscheinen lassen. Die„Berliner Korrespondenz" veröffentlicht auS diesem Material, von dem sie sagt, daß es„bei den schwebenden Er- örterungeir über die Reform deS LandtagswahlrechtS in mancher Beziehung schätzenswerte Dienste leisten und... lehrreiche Einblicke in das Wesen und die Wirkung deS bestehenden„Drei- klassenwahlrechtS" eröffnen werde, einige Auszüge. Die Ans» machung dieser Auszüge läuft auf eine Ehrenrettung deS elendesten aller Wahlsysteme hinaus, da sie darauf angelegt ist. in der grotesken Narrheit und Ungerechtigkeit dieses Wahlsystems noch immer vernünftige Züge zu entdecken. Da wir es mit einer offiziösen Korrespondenz zu tun haben, gestattet diese Art der Aufmachung interessante Schlüsse auf die der gesamten Statistik zu Grunde liegenden Tendenz und demgemäß auf die Absichten der pr eußisch en Re gie rung überhaupt! Wir entnehmen dem Auszuge folgende Mitteilungen: Im Jahre 1993 waren im ganzen 29 923 Urwahlbczirke gebildet worden, davon 11989 in den Städten und 17 939 auf dem platten Lande. Auf jeden UrWahlbezirk kanten 2öS Urwähler und 4,75 Wahlmänncr. Von den 265 Urwählern, die im allgemeinen Durchschnitt ans jede» UrWahlbezirk entfielen, kamen 10,11 auf die erste. 36,70 auf die zweite und 217,19 auf die dritte Abteilung. Es besaß also danach im Durchschnitt jeder Urwähler erster Klasse 26 mal so viel Wahlrecht wie jeder Wähler dritter Klasse. Auch jeder Wähler zweiter Klasse besaß noch b'/z mal soviel Wahlrecht wie jeder Wähler der dritten Klasse. Im einzelnen gab es noch viel groteslere Auswüchse. So gab es 2214 Urwahlbezirke, in denen in der ersten Abteilung, und 95 Bezirke, in denen in der zweiten Abteilung nur je ei» Urwähler vorhanden war. Weiter bildeten in 1793 Bezirken der ersten und in 136 Bezirken der zweiten Abteilung nur zwei Urwähler die gesamte W a h l kv rp e r s ch a ftl In 4143 Urwahlbezirkeu bildeten also nur ein oder zwei Urwähler die Wählerschaft. Diese Handvoll Wähler besaß aber, wie wir auf Grund der Tatsache, daß im Durchschnitt auf jeden Urwahlbezirk dritter Klasse 217 Urwähler entfielen, aus- rechnen— die. Berliner Korrespondenz" unterzieht sich natürlich dieser Mühe nichtl— ebenso diel Wahlrecht, wie 700000 Urwähler der dritten Klasse! Während die offiziöse Korrespondenz eS geflissentlich unterläßt, die von uns ermittelte Ungeheuerlichkeit an den Pranger zu stellen, versucht sie ans der anderen Seite, die Skandalosa des Wahlsystems zu beschönigen. So dadurch, daß sie von der„Beteiligung der sozialen Schichten an der Klassenscheidung" ein möglichst rosiges Bild zu geben sticht. So, schreibt sie, sei fest- zustellen, baß weit über die Hälfte der 11 939 städtischen UrWahl- bezirke an der Spitze der dritten Abteilung Urwähler mit einer gesamten Steuerleiftung von höchstens 125 M. hätten. Das ent- spreche aber einem Einkommen von 2490 M. bis 3990 M. In der Mehrheit der städtischen Urwahlbezirke sei die zweite Abteilung also bereits dem„bescheidenen Mittel stände" zugänglich. Der „bessere Mittel st and" rücke aber auch in der Mehrzahl der übrigen UrWahlbezirke notb mit in die zweite Abteilung ein. Wie es in Wirklichkeit um die„Beteiligung der sozialen Schichten" steht, beweist die einfache Tatsache, daß von je 199 Wählern noch nicht vier der ersten und noch nicht 14 der zweiten Klasse, dagegen mehr als 82 der dritten Klasse angehöre»! Weit mehr als vier Fünftel aller Wähler gehören also der d r i t t e n Wählerklasse an. die vollständig rechtlos gemacht wird, so- bald mehr als% der ersten beiden Wählerklaffen sich gegen sie zusammenschließen. DaS heißt also, daß etwa ein Dutzend Wähler erster und zweiter Klasse mehr Wahlrecht ausüben als 87 Wähler der dritten Klasse! Gegenüber solch unerbittlichen Tat- fachen haben alle die künstlichen Berechnungen von dem Einfluß des„geringeren" oder deS„besseren" Mittelstandes auch nicht das Gewicht einer Flaumfeder! Es bleibt trotz aller statistischen Jnterpretationskünste ein empörendes Faktum, daß die un- geheure Mehrheit der Wähler, die der dritten Klasse angehören, politisch vollständig einflußlos sind gegenüber einer kleinen Minder- zahl von Wählern in der ersten und zweiten Klasse! Das wird zum Schluß noch besonfcrS illustriert durch die Mitteilungen über die Parteistellung der Ür wähl er. ES entfielen nämlich nach der Berliner Korrespondenz auf die Sozialdemokraten 23,8 Proz., das Zentrum 19,9 Proz.. die Konservativen 14,1 Proz.. die N a t i o n a l l i b e r a l e n 12.7 Proz., die Freisinnige Volkspartei 3,9 Proz., die Freisinnige Vereinigung 9,88 Proz., und die Frei- konservative Partei 2,5 Proz. der Urwähler. Das Verhältnis zwischen der ZahlderUrwä hier und der Zahl der Abgeordneten ergibt sich danach auS folgender Gegenüberstellung, die wir freilich in der osfiziöseu Korrespondenz vergeblich suchen: Urwähler Avgeordnete in Prozent in Prozenr Konservative(inkl. Freik.).. 16,6 47.3 Nationalliberalc.... 12,7 14,4 Freisinnige....... 4,78 8,1 Zentrum....... 10,9 23,4 Polen........ 9,0 3,4 Sozialdemokraten.... 23,8 1,5 Diejenige Partei also, die w e i t a u s die größte Zahl aller Urwählerstimmen auf sich vereinigt hat, die Sozialdemo- k r a t i e, hat trotz ihrer rund 24 Proz. nur 1,5 Proz. Abgeordnete erhalten. Mit anderen Worten: Die Sozialdemokratie, die annähernd den vierten Teil aller Stimmen auf sich vereinigte, Hai nur den sechzigsten Teil der Abgeordneten erhalten, während die Konservativen, die nur den sechsten Teil der Urwähler- stimmen erhielten, beinahe die Hälfte aller Abgeordnetensitze er- oberten! Abgesehen von den Polen tritt ein ähnliches Mißverhält- nis zwischen Urwählerzahl und parlamentarischer Vertretung bot allen Parteien hervor. Diese Zahlen beweisen also, daß das preußische Wahlrecht von Grand auf umgewandelt werden, daß eS durch das allgemeine, gleiche, direkte und geheime Wahlrecht ersetzt werden muß, wenn an die Stelle der bisherigen Klassenfchmach ein wirklich vernünftiges Wahlrecht treten soll! Die Regierung und die herrschenden Klassen denken freilich nicht daran, den Geboten der Vernunft und Gerechtigkeit Rechnung zu tragen. Gelingt es aber, auch nur den größeren Teil der mehr als 82 Proz. der Entrechteten gegen die herrschende Wahl- rechtsschmach ins Gefecht zu bringen, so ist die B e s e i t i g u n g des infamsten aller Wahlsysteme gewiß! poUtifebe Ocbcrlicbt. Berlin, den 27, Dezember 1909. Die deutsch-französischen Beziehungen. In der Wiener„Neuen Freien Presse" veröffentlicht der französische Schriftsteller Adolphe Brisson Aeußerungen des früheren Präsidenten der Französischen Re- publik, Emil L o u b e t, über politische Vorkommnisse während seiner Amtszeit, namentlich über die der äußeren Politik. Ueber die Beziehungen Frankreichs zu Deutschland hat danach Herr Loubet u. a. erzählt: Er, Loubet, hätte gern ein Zusammentreffen mit dem deutschen Kaiser angenommen. Eine solche Enirevtte war fast beschlossene Sache. ES war abgemacht, daß die deutsche und die sranzvstsche Flotte sich im Jahre 1996 in den italienischen Gewässern treffen sollten. Um jede Zweideutigkeiten zu vermeiden und seinen guten Willen zu zeigen, übernahm Herr Loubet die Initiative zu einem Besuche, den Kaiser Wilhelm ihm bald darauf erwidern sollte. Eine „Ungeduldige, etwas heftige Geberde de» Kaisers" und seine Plötz- lichr Abreise brachten das Projekt aum Scheitern. Lonbet bedauert das. Er hätte gewünscht, eS möchte seiner Präsidentschaft beschieden gewesen sein, alle Schwierigkeiten zu lösen, alle Streitigkeiten zu mildern. Er hätte sie gern zu einer Apotheose des Friedens gestaltet. Das offiziöse Pariser Depeschcnbureau, die„Agence Havas" hat zwar schleunigst ein Dementi erlassen, aber das ist so gewunden gehalten, dast es eher als eine Bestätigung des Artikels des Herrn Brisson erscheint. Uebrigens gilt dieser Herr auch als ein ernsthafter Schriftsteller, dem man eine Irreführung des Publikums nicht zutraut. Es bleibt aljo wohl dabei, dast Herr Loubet sich so geäußert hat, wie Herr Brisson ihn sprechen läßt. Es erhebt sich daher die Frage, weshalb di. Begegnung des französischen und des deutschen Staatsoberhauptes im letzten Moment vereitelt wurde. Wenn Herr Loubet reckt hat, so läge eine der bc- kannten Plötzlichkeiten des persöitlichen Regiments i m Reich vor. die hier wieder einmal die auswärtige Politik anscheinend höchst ungünstig beeinflußt hätte. Es ist stets wohl zu beachten, daß die Geschichte vor der Zuspitzung der Marokko-Affäre spielt, die uns dicht an die Gefahr eines Weltkrieges führte. Deutschland und England. Die Scherlpresse meldet offiziös: Immer wieder tauchen Gerüchte von einem deutsch-eng- lischcn Abkommen über die Flottenrüstungen auf. So hatte kürzlich die Deutsch-Asiatische Korrespondenz diese Frage mit der sogenannten Lynchkonzession in Verbindung gebracht, und zwar insofern, als für die Erteilung jener Schiffahrtskonzession auf dem Euphrat und Tigris an England die Tatsache maßgebend gewesen sei, daß zwischen Deutschland und England eine Ver- ständigung über den Flottenbau erzielt worden sei. Wir hatten von dieser Meldung der Korrespondenz keine Notiz genommen, weil uns die Vcrquickung dieser beiden politischen Togesfragen unwahrscheinlich erschien. Wie wir erfahren, ist die aufgestellte Behauptung vollständig unbegründet. Das Bestreben, die Beziehungen zwischen Deutschland und"England zu bessern, ist allerdings vorhanden, jedoch ist bis jetzt kein Abkommen über die Flottenrüstungen abgeschlossen worden. Auch ist es unzutreffend, daß Deutschland von dem gesetzlich festgelegten Flottenplan abweichen will. Soll die Wendung, daß bis jetzt kein Abkommen über die Flottcnrüstungen getroffen worden sei, andeuten, daß die Möglichkeit dazu noch vorhanden ist? Die deutsche Regierung würde seit langen Jahren den ersten gescheiten Streich tun, wenn sie ein solches Abkommen einging. Das deutsche wie das englische Volk müssen auf das allerentschiedenste fordern, daß die Regierungen alles auf- bieten, um zu einer Verständigung zu gelangen, die einen immer unerträglicher werdenden Zustand beenden würde. Das„nichtkonfessionelle" Zentrum. Das Zentrum, dessen Größen vor wenigen Monaten selbst noch nicht wußten, ob ihre Partei eigentlich eine streng kon- fessionelle, eine nichtkonfessionelle oder eine interkonfessionelle Partei sei und deshalb unter der Führung der Bachem, Roeren, Bitter und Underberg einander eifrigst bekämpften, hält jetzt, nachdem sein heiliges Parteikonzil verkündet hat. daß es eine nichtkonfessionelle Partei ist, an dieser kuriosen Entscheidung wie an einem jahrbundertealten kirchlichen Dogma fest und �.klärt jeden. der an die Richtigkeit dieser erst ungefähr einen Monat alten weisen Konzil- entschcidung nicht zu glauben vermag, für schwachsinnig. Und wenn sich jemand einfallen läßt, gegen die heilige Zentrums- logik zu sündigen und aus der Zentrumswahlagttation den Rachivcis zu liefern, daß Wahlbureau und katholisches Pfarr- amt identisch sind, iveiß die Zcntrumsprefse das Blaue vom Himmel heruutcrzuflunkern zum Beweise dafür, daß Pfarrer und Kapläne ganz in der Erfüllung ihrer kirchlichen Ver- pflichftlngen aufgehen und sich um die Wahlagitation nicht mehr kümmern, als eine gewöhnliche Kuh um die Geometrie. Diese Beteuerung ihrer absoluten Nichtkonfessionalität hindert jedoch die ehrsamen ZentrumLblätter nicht, sich in ihren Darlegungen und ganz besonders in ihren Abonnements- einladungen als„k a t h o l i s ch" zu bezeichnen und vor jenen Blättern, die nicht vom Klerus als streng dogmengläubtg er- achtet werden, als„ n i ch t k a t h o l i s ch" zu warnen. So schmückt sich z. B. die„Augsburger Postzeitung" mit der Be- zeichuung:„Hervorragendste und reichhaltigste katholischeZeitung Süddeutschlands": die„SchlesischeVolksztg." nennt sich„größte und bedeutendste katholische Zeitung im Osten Deutschlands": die„Schlcsischen Nachrichten" bezeichnen sich als„billigste und verbreitetste katholische Tageszeitung Schlesiens": das „Neue Mannheimer Volksblatt" macht auf seinen Anzeigen- teil jeden aufmerksam; der„zu den Katholiken Mannheims und der badischen Pfalz sprechen will" usw. usw. Wenn führende Zentrumsblätter nicht nur kein Bedenken tragen, ihre konfessionelle Eigenschaft bemerken zullassen, sondern sie sogar als Empfehlung benutzen, dann beweisen sie offenbar, daß sie von der„nichtkonfessionellcn" Natur des Zentrums keine Ahnung haben._ Kapitalistische Korrektur der Weihnachtsbotschast. Die krieglüsternen»Hamburger Nachrichten", das Blatt der nach Ausdehnung des deutschen Kolonialbesitzes begehrlichen Hamburger Exporteure, Reeder und Börsenspekulanten, ist erbost darüber, daß zu Weihnachten so viel von den»„Frieden auf Erden" ge- sprachen wird. ES nimmt deshalb an der Weihnachtsbotschaft des LukaS-Evangeliums eine kleine seiner Auffassung entsprechende Korrektur vor und setzt statt»Frieden" das schönere Wort„Krieg". Mißgestimmt über die Friedensschwärmerei meint das rechts- nationalliberale Blatt: »Da trifft MoltkeS Wort viel eber das Richtige: daß der Krieg ein Element der göttlichen Weltordnung sei, ohne das die Menschheit in Stagnation geraten und verkommen würde. Gewiß ist der Krieg etwas Furchtbares, aber wer wollte leugnen, daß Umstände denkbar sind, wo er wahrhaft erlösend, etwa wie ein furchtbares Gewitter wirkt, das zwar große Schäden anrichtet, aber Loch die Luft reinigt und das freie Aufatmen wieder gestattet. Ein gerechter Krieg, vom Feinde aufgezwungen, hat die Kraft, ein ganzes Voll aufzufrischen, seine höchsten Mannes- tugenden aur herrlichsten Entfaltung zu bringen, die vielleicht in allzulanger Friedensperiode erschlafft waren, die Nation wieder mit neuer Kraft zu erfüllen und einer um so glänzenderen Zvkunst «ntgegenzuführen." Und nachdem das Hamburger Blatt auf diese Weise die Segnungen eines frifch-frei-fröhlichen Krieges gepriesen, verlangt eS, daß Deutschland seine auswärtige Politik ändert und den fremden Mächten kriegerischer gegenüber tritt: »Steht die Sache aber so, so müssen wir uns dem Ausland gegenüber einen anderen Ton angeivöhnen, als den jetzigen. Wir brauchen es natürlich nicht anzurempeln, aber noch weniger sollen wir ihm nachlaufen,«in seine Gunst werben. Wir müssen auch den Mut haben, schließlich einmal ein Risiko zu laufen. Was' wäre aus uns geworden, wenn Fürst Bismarck ein so zaghafter Politiker gewesen wäre, wie seine Nachfolger es leider sind." Nur immer drauf los— zum Wohl der heiligen Interessen des Großhandels und der Schiffahrt. Wenn auch eiuige Hundert- tausend Proletarier abgeschlachtet werden und ihre Brut betteln gehen muß— das niacht nichts, das Großkapital gewinnt. Das Ende vom Lied. Die im Laufe der Untersuchung in der Werstaffäre auf Antrag des ReichsmarineaniteS bezw. der Werftverwaltung vorgenommene Beschlagnahme deS Vermögens des beschuldigten Kaufmanns Frankeilthal in Höhe von 660 000 M. ist. wie aus Kiel gemeldet wird, aufgehoben worden. Bekanntlich erklärte noch in der Ver- Handlung vor dem Schwurgericht der Vertreter der Werft, Inten- danturasscssor Frerichs, daß der Zivilprozeß auf Zahlung von Eni- schädigung seitens der Angeklagten an den Fiskus unbeeinflußt von dem Ergebnis des Strafprozesses weitergeführt werden solle. Dies hat sich nicht bestätigt, denn die Zivilklage ist zurückgezogen ivorden, was nach den Ausführungen des Staatssekretärs v. Tirpitz im Reichstage auch zu erwarten war. Dem Fiskus sind allerdings recht er- hebliche Kosten erwachsen, da das Honorar an die Anwälte sowie die Gerichtskosten gezahlt werden mußten. Im Strafprozeß liegt die Sache ja anders, da die Kosten der öffentlichen Klage nach Fre«- sprechung der Angeklagten einfach niedergeschlagen werden. Sie ge- langten demnach auch nicht zur Berechnung, �doch sind während der Verhandlung Summen von 100 000 M. an die Zeugen und Sach- verständigen zur Auszahlung gelangt, und der gleiche Betrag wohl auch im Laufe der Untersuchung. Konflikt im Lager der Polen. Aus Beuthen, O.- Schl., wird berichtet, daß die polnischen ReichstagSabgeordnetcn Dr. Seyda und Korfanty wegen ihrer demo- kratischen Agitation und ihres feindseligen Verhaltens gegen den Abgeordneten NapieralSki in Differenzen mit der polnischen Reichstags- sraltion geraten seien. Das polnische Zentralkomitee werde, wie versichert wird, sich einer Wiederaufstellung der beiden Genannten bei der nächsten ReichStagSwahl widersetzen. Alts den bayerischen Milttärdebatten. München, 22. Dezember. In einer fast siebenstündigen Dauersitzung erledigte das Hau« noch vor den Weihnachtsferien den Militäretat. Die Kammer der Abgeordneten stand dabei fast ständig auf dem Tiefniveau eines niederbayerischen Dorfparlaments. Eine end- und inhaltlose Rederei I Stumpfsinnig verläßt der Zuhörer nach stundenlanger geistiger Mißhandlung den Sitzungssaal. lieber das Kantinen wesen wurden eine Reihe von Bc- schwerden vorgebracht. Der Kriegsminister erklärte, daß der Kantinenbetrieb nach seiner wirtschaftlichen Seite privat- betrieb ist. Nicht der FiskuS, sondern der Regimentskommandeur trage das finanzielle Risiko. Daß aus diesem Betriebe große Kapitalien— bei einem Regiment 22 000 M.— herausgewirtschaftet und angesammelt werden, könne er nicht billigen. Wichtigere Dinge schnitt der sozialdemokratische Sprecher an. Genosse v. B o l l m a r beschwert sich über den Ausschluß der Oeffentlichkeit bei den Militärgerichten, über die Art deö Verfahrens und über die manchmal unwürdige Behandlung der Rechtsanwälte. Er erzählt folgendes Stückchen aus der Praxis der Militärjustiz: Vor dem Münchcner Militärgericht erledigte sich ein Offizier seiner Vertcidigerpflicht mit dem einen Satze:„Ich bedaure, daß ich die Verteidigung dieses Menschen übernehmen muß, und t ch habe weiter nichts zu sagen." Als Unikum ist zu verzeichnen, daß auch Damen vor das militärische Ehrengericht geladen und vereidigt wurden. Von Wert und Interesse für die Oeffentlichkeit waren außerdem die Erklärungen des Kriegsministers über die Preise bei den F l e i s ch l i e f e r u n g e n für die Armee. Die mitgeteilte Statistik ergibt, baß da? Militär pro Kilo zahlt: für Ochsenfleisch 89 bis 149 Pf., für Kuhfleisch 60 bis 140 Pf.. für Kalbfleisch 100 bis 132 Pf., für Hammel- fleisch 80 bis 140 Pf., für Schweinefleisch 120 bis 146 Pf. Dabei ist nach den Angaben der Militär- Verwaltung durch schärfste Kontrolle gesorgt, daß nur beste Ware ge« liefert wird. Man vergleiche diese Preise mit denen, die von den Privatkonsumenten bezahlt werden müssen! Zur Erklärung der großen Preisdifferenz bei einer und derselben Fleischsorte gibt ein KrieaSrat seiner Ansicht dahin Ausdruck, daß»die Fleisch- lieferanten bei der Aufstellung dieser oder jener niedrigen Preise vielleicht aus idealem Interesse für die Armee gehandelt haben". Wenn ein Abgeordneter mit Humor darauf bemerkte, daß ein solcher Metzger' verdiene, in Marmor anSgehanen zu werden, so hat er ganz recht. Gleich neben dem„idealen" Metzger aber müßte auSgehauen auch der„naive" Kriegsrat stehen. Die Frage der Krankenpflege in den Militärlazaretten bot dem Zentrum Anlaß, wieder einmal in einem geradezu widerlichen Konfessionalismus zu machen. Die Regierung schlug als Pflegerinnen Schwestern vom„Roten Kreuz" vor. Das Zentrum wollte die „Barmherzigen Schwestern". Und nun wurde stundenlang in Kultur- kämpf gemacht, sodaß Genosse V. V o l l m a r mit Recht von einer „konfessionellen Besoffenheit" und„konfessionellen Drehkrankheit" reden konnte; umsomehr, als in einem Zentrumsblatt schon katholische und protestantische Garnisonen und Festungen verlangt wurden. Aus dieser Debatte klang nicht daS Wort deS WeihnochtSengelS: „Friede auf Erden"!_ Wer herrscht im Hansabund? Der GesamtauSschuß des HansabundeS für Gewerbe, Handel und Industrie, der neben dem Präsidium und Direktorium kraft Delegation der Beteiligten mitzuwirken hat an den Arbeiten deS Bundes, ist nunmehr gebildet. Er zählt mit deni Recht der Zuwahl zurzeit 4öS in Gewerbe, Handel und Industrie tätige Persönlichkeiten. Interessant ist es zu wissen, welche Schicht in diesem sogenannten „Parlament des werktätigen Bürgertums" die Oberhand hat. Auö den Kreisen der Industrie zählen wir 189 Vertreter, der Handel stellt 124 Herren, von denen ö5 dem Detailhandel angehören. Diese in Verbindung mit 75 Vertretern von Handwerk und Kleingewerbe bilden die Gesamtverttetung des Mittelstandes. Die 41 Angestellten- Vertreter find von den Angestelltenverbänden und sonstigen Bereinigungen entsandt worden._ Der Direktor des Hansavnndes. Der Mann, der bereit ist, als Direktor an die Spitze deS Hansabundes zu treten, ist nach langem Suchen gefunden worden. Wie dem„Berliner Tageblatt" mitgeteill wird, ist der Oberbürgermeister Alfred Knobloch in Blomberg der Erkorene. Als besondere Vorzüge werden an ihm gerühmt rednerische Begabung. ferner der Umstand, daß er dem Fürsten Bülow geholfen hat, die polnische Enteignungsborlage durchzudrücken. In wirtschaftlichen Fragen steht er angeblich auf dem Boden des Frei- s i n n s. in politischer Hinsicht ist er f r e i k o n s e r v a t i v. Vielleicht steht er auch noch in religiösen Dingen auf dem Stand- punlt des Zentrums, dann könnte man ihn in der Tat als ein Universalgenie bezeichnen. UebrigenS: was muß der Hansa- bund seinem Direktor Gehalt zahlen, wenn dieser sich entschließt, seine Stelle als Oberbürgermeister aufzugeben? Kommnnalwahlen in Württemberg. In Bieselsberg siegle der sozialdemokratische Wahlvorschlag. Beide Gemeiuderatsmandate. die zur Wahl standen, wurden mit Parteimitgliedern besetzt. In Jebenhausen, in LangenBurg(der Residenz des Fürsten Hohenlohe) und in Echterdingen wurde je ein Sozialdemokrat gewählt. Die Gcmeindewahlen in der Pfalz. Die Wahlen sind jetzt beendet: sie bedeuten einen mächtigen Erfolg der Sozialdemokratie. Die Zahl der sozialdemolratischen Gemeinderäte ist von 106 im Jahre 1904 auf 291 im Jahre 1909, die Zahl der Gemeinden mit sozialdemokratischen Vertretungen von 38 aus 66 angewachsen. In vier Gemeinden, Oppau, gl Hein- gönheim, Lambrecht und Buben Hausen, haben wir jetzt die absolute Mehrheit. In Lambrecht und Oppau stellte unsere Partei den Bürgermeister, in 11 Gemeinden gehört der erste Adjunkt und in 8 Gemeinden der zweite Adjunkt der sozialdemokrati- scheu Partei an. In den Geineinden uiit über 4000 Einwohnern, für die die Proporzwahl eingeführt ist, gingen unsere Parteigenossen — gemäß dem Beschluß des diesjährigen pfälzischen Gautages selbständig vor; hier sind es die Städte Frankenthal mit 10, Grünstadt mit 8, Lambsheim mit 9, M u t t e r st a d t mit 8, S ch i f f e r st a d tj mit 6, Kaiserslautern mit 13 und Pirmasens mit 11 Sozialdemokraten, deren Wahlresultate allgemein überrascht und die gehegten Erwartungeil übertroffen haben. In den Gemeinden unter 4000 Einwohnern, in denen die einfache Majoritätswahl entscheidet, ist den örtlichen Partei- konstellationen Rechnung getragen worden, insofern verschiedentlich mit anderen Parteien Kompromisse abgeschlossen und damit ein freiwilliges Proporzwahlsystem geschaffen wurde. Liberale und Zentrum habe» in verschiedenen Orten starkeWahlschlappener- halten, ebenso ist es den Bündlern ergangen, die in einigen Orten vollständig aus dem Gemeindeparlamente hinausgedrängt wurden. Unsere Gegner— besonders das Zentrum— arbeiteten mit den schofelsten Mitteln der Lüge und Verleumdung; unsere Kandidaten wurden persönlich beschimpft. Nach ReichsverbandSmanier und München- Gladbacher Art wurden die ungeheuerlichsten Schauermärchen über die kommunalpolitischen Ziele der Sozialdemokratie verbreitet, um die Wähler gruselig zu machen; wo das nicht half, wurden Bier, Wein und Knackwürste bezahlt, um die Stimmen der Arbeiter zu fangen. Dort, wo unsere Partei einen nennenswerten Einfluß hat, zogen derartige BestechungSmittel nicht; hier ist das gute Beispiel, das unsere Parteigenossen gaben, nicht ohne Einwirkung auch auf andere geblieben. Diese Tatsache wird selbst von den Gegnern anerkannt. Einen TerrortSmuS schlimmster Art üben die Bündler in einigen Orten— u. a. in Rheingönheim— aus. Aus Aerger über ihren Reinfall verkaufen sie den Sozialdemokraten keine Milch, Kartoffeln usw. Um eine praktische, erfolgreiche Tätigkeit der sozialdemokratischen Vertreter in den Gemeinden zu ermöglichen, hat der Gau- vorstand der Pfalz für den 2. und 9. Januar vier Gemeinde- vertreterkonfcrenzen anberaumt, in denen über die Auf- gaben und die praktische Betätigung in den Gemeinden gesprochen wird; weiter sind k o m m u n a l p o l i t i s ch e K u r s e für die Ge- meindevertreter geplant, in denen die praktische Nutzanwendung der Forderungen unseres Kommunalprogramms durchberaten werden Aus einem schwarzen Winkel. Der vom sozialdemokratischen Agitationskomitee für die obere Rheinprovinz herausgegebene„Volkskalender", der alljährlich im Dezember an die Landbevölkerung verteilt wird, versetzt die klerikale Presse jedesmal in sinnlose Wut. Oft schon haben die auf dem Lande verbreiteten Zentrumsblätter direkt und indirekt zur körper» lichen Mißhandlung der sozialdemokratischen Sendboten aufgefordert. Das geschieht auch jetzt wieder in der auf klerikalem Boden stehenden „Wipperfürther Zeitung". Das Blatt hatte dieser Tage zunächst ein„Rätsel" veröffentlicht, daß wie folgt lautet: „Familienväter, ratet mal, was am besten mit dem am vorigen Sonntag von der sozialdemokratischen Partei hier und in den Nachbarorten verteilten„Rheinischen BolkSkalender", wodurch Elire Angehörigen geistig vergiftet werden, geschehen kann!" Darunter stand in auf dem Kopfe stehenden Lettern: Antwort: In den Ofen werfen und verbrennen! In der Nummer daraus brachte das nämliche Blatt einen anderen Artikel über die Kalenderverbreitung, worin den„Bolksbeglückern" und„sauberen Helden" versichert wurde,„daß sie in der Gemeinde keinen einzigen Anhänger bekommen werden, sie könnten sich höchstens bei Wiederholung gleicher Affären eine Tracht Prügel holen." Mit den„gleichen Affären" meint das Blatt offenbar die Ver- breitung sozialdemokratischer Flugblätter zu der bevorstehenden Reichs» tagöersatzwahl im Kreise Mülheim'Wipperfürth-GummerSbach. Auch in anderen Teilen des genannten Wahlkreises hat der Kampf mit „geistigen Waffen" bereits in einer Weise eingesetzt, die große Neri» kale Leistungen verspricht._ Ernst v. Mendelssohn. DaS Mitglied des preußischen HerrenhanseS Wirkl. Geb. Rat Ernst v. Mendelssohn-Barthotdy, der ftühere Chef des Bankhauses Mendelssohn u. Co., ist in der Freitaguacht in Dresden an einem Herzschlag gestorben._ Militärische Ehrbegriffe. Unter der Anklage deS groben Unfugs, der Körperverletzung und anderer Vergehen hatte sich vor der ersten Division in München der als Schreiber bei der Inspektion der Unterofsizierschule beschäftigte Vizefeldwebel Lorenz Held zu verantworten. Schon im Oktober vorigen Jahres verhandelte dasselbe Gericht gegen den Angeklagten wegen eines der gegenwärtigen Anklage sehr ähnlichen Falles. Die damalige Verhandlung ergab, daß der Angeklagte mit der Köchin Marie Zoller ein Verhältnis unterhalten hatte, aus dem zwei Kinder hervorgegangen waren. Der Zoller hatte er wiederholt die Ehe versprochen, dieses Versprechen aber nicht gehalten, vielmehr miß» handelte er sie wiederholt aufs gröblichste, spie ihr in» Gesicht, schleifte sie an den Haaren und bearbeitete sie deS öfteren mit Fäusten und Füßen. Um sich diesen brutalen Mißhandlungen für immer zu entziehen, schied die Zoller freiwillig aus dem Leben, indem sie sich im August v. I. in Gegenwart ihres vierjährigen Kindes erschoß. Aus hinterlassenen Briefen der Zoller ging hervor, daß der Angeklagte sich nicht nur der angedeuteten Mißhandlungen, sondern auch eines Mordversuches an der Verstorbenen und ihrem Kinde schuldig gemacht hatte. Obwohl daS Kriegsgericht die zur Anklage stehenden Mißhandlungen in der ersten Verhandlung für erwiesen erachtete, erkannte eS dennoch auf Freisprechung, weil kein formeller Strafantrag der Zover vorlag. Außer mit der Zoller unterhielt der Angeklagte auch mit der Kaufmannsfrau Roßberg ein intimes Verhältnis, das er nach dem Tode der Zoller fortsetzte, nachdem die Roßberg inzwischen von ihrem Manne geschieden war. Doch bald wurde ihm auch dieses Verhältnis lästig und er versuchte eS daher zu lösen. Die Roßberg, der er ebenfalls die Ehe versprochen hatte, lieh sich aber nicht so ohne weiteres abspeisen und eS kam daher in der Folge zu wüsten Austritten zwischen den beiden, in deren Verlauf die Roßberg mehrfach in brutalster Weise von dem Angellagten mißhandelt wurde. Am Abend des 19. Juni d. I. verlangte der Angeklagte auf dem Jsartorplatze von der Roßberg ihren WohnungStürschlüssel, der ihm jedoch von dieser mit dem Bemerken verweigert wurde, daß sie einem so schlechten Kerl ihren Schlüssel nicht gebe. Hierüber in Wut geraten, versetzte ihr der Angeklagte mehrere Schläge ins Ge« ficht, so daß die Roßberg aus Mund und Nase blutete. Am 16. August ivollte die Stoßberg einen Straßenbahnloagen besteigen, auf dem sich � der Angeklagte bereits befand. Als.sie sich bereits mit einem Fuße aus dem Trittbrett befand, versetzte ihr der An« geklagte einen so heftigen Stoß in die Magengegend, daß fie zurück- taumelte und ohnmächtig auf der Straße liegen blieb. Dem ob dieses Vorganges erstaunten Straßenbahnschaffner erklärte der Angeklagte: Die Sache ist erledigt, fahren Sie nur zu. Trotzdem diese beiden Vorgänge von mehreren Augenzeugen in der geschilderten Weise bestätigt wurden, erkannte das Kriegsgericht im ersten Falle aus Freisprechung, da es der Angabe des Angeklagten Glauben schenkte, er sei von der Roßberg zuerst beschimpft worden und habe diese Beleidigung auf der Stelle er- widert. Den zweiten Fall sah der Gerichtshof äußerst milde an und erkannte auf die minimale Geldstrafe von 6 M. Oertcrmcb. Die ungarische Krise. Budapest, 27. Dezember. Die bisherigen Bemühungen des Herrn v. Lukacs, ein neues Kabinett zu bilden, stoßen auf die allergrößten Schwierigkeiten. Bis jetzt ist es noch nicht gelungen, eine Formel zur Verständigung der Jnsthpartei zu finden. Tie Justhpartei fordert: Allgemeines gleiches und geheimes Wahlrecht; Vorbereitung der wirtschaftlichen Selbständigkeit; Vorbereitung der selbständigen ungarischen Bank für den 1. Januar 1311. Die beiden ersten Punkte hat Lukacs angenommen. Der Streit geht um den dritten. Für den Fall daß Lukacs nicht zum Ziele kommt, soll der Graf Khuen-Hedervary berufen werden, der dann das Parlament auflösen und Neuwahlen vornehmen lassen möchte. Ob er auf diese Weise eine Majorität bekommt, ist allerdings sehr zweifelhaft. Die Meldung, daß Lukacs einer demokratischen Reform des Wahlrechts abgeneigt sei, bewahrheitet sich nach der obigen Depesche nicht. So ist es also möglich, daß die Demonstrationen für das gleiche Wahlrecht, womit die Sozialisten am Freitag den neu- ernannten Ministerpräsidenten am Bahnhof empfingen, zugleich eine Ovation für ihn gewesen sind. frankreicd. Friedensklänge. � In der Verhandlung der Kammer über die aus- tr> ä r t i g e Politik, die am ersten Tage eine Rede des Nationalisten M i l l e v o y e brachte, in der zur allgemeinen Ueberraschung die Revancheidee zurücktrat, forderte Montag der Deputierte M e u n i e r die Regierung auf, die I n i t i a- tive zu einer neuen Friedenskonferenz im Haag zu ergreifen und für das unter allen Um- ständen obligatorische Schiedsgericht und für die Einschränkung der Rüstungen einzu- treten. Der Radikale L e s � b r e trat für die nämliche Forderung ein. Er wies sehr beredt auf das Beispiel hin, das Deutschland und Frankreich bei dem Zwischenfall von Casablanca gegeben hätten, obwohl es sich dabei um ein» Frage des nationalen Prestiges und der Ehre gehandelt habe. Minister P i ch o n beantwortete die beiden Anfragen aus- führlich. Er schilderte die Haltung Frankreichs auf der letzten Konferenz im Haag, deren positive Anträge übrigens der Kammer zur Ratifikation unterbreitet seien. Frank- reich sei für das obligatorische Schieds- g e r i ch t. Der Minister fügte hinzu, daß die interparlamen- tarische Union seine volle Sympathie besitze, da diese Union ein Unternehmen der Propaganda sei, und daß die Ein- berufung einer neuen Konferenz im Haag eine delikato diplomatische Vorbereitung erfordere.(Lebhafter Beifall.) In der Nachmittagssitzung interpellierte P r e s s e n s 6 (Sozialist) die Regierung über die Politik Frankreichs in den Verhandlungen, zu denen die O r i e n t k r i s e Anlaß ge- geben hatte, und erklärte, es sei notwendig, in der Kreta- frage zu intervenieren, an der Bildung eines Balkanbündnisses mitzuarbeiten und die U n a b- hängigkeit Bulgariens zu sichern. Der Redner stellte sodann fest, daß ein Nachlassender Spannung zwischen England und Deutschland einge- treten sei, die gegenwärtig geneigt zu sein schienen, Verabredungen über die Begrenzung der Rüstungen zu treffen. Die Stunde sei ge- kommen, eine internationale Friedensorganisation zu bilden. Frankreich müsse in den Schiedsgerichts- und Abriistungs- fragen sich an die Spitze der europäischen Nationen stellen. Eine Verständigung mit Mulay Hafid., Am Freitagabend ist nach Pariser Meldung eine volle Ver- ständigung über fast alle strittigen Punkte zwischen Frankreich und Marokko erzielt worden. Am Abend empfing der Minister des Auswärtigen, Pichon, die marokkanische Sondergesandtschaft und hatte mit ihr eine 1% Stunden währende Unterredung. Hierbei wurde die Verständigung erreicht. Nur ein Punkt steht noch zur Diskussion. Und der ist sehr wesentlich. Er betrifft nämlich die finanziellen Sicherungen, die Marokko für die An- leihe geben soll, die Frankreich ihm verschaffen muß, wenn es zu einer Kriegsentschädigung' kommen will.— Englancl. Erzbischöflicher Wahlerlaß. London, 27. Dezember. Der katholische Erzbischof von West min st er forderte die Katholiken seines Sprengels auf, von den Kandidaten zu verlangen, daß sie sich verpflichten, die katholischen Schulen aufrecht zu erhalten und denselben öffentliche Subsidien zu gewähren. Kuklanci. Die Spitzel-Höllenmaschine. Die russische Mitteilung, daß der verhaftete Woskressensky zugestanden, er habe den Obersten Kartzow im Auftrage der Re- volutionäre ermordet, wird jetzt bezeichnenderweise durch eine Mitteilung aus Petersburg bestritten. Unterm 26. Dezember wird aus der russischen Hauptstadt gemeldet: Woskressensky leugnet nicht, daß er beim Chef der hiesigen Sicherheitsabteilung als Agent gedient hatte und ihm Mitteilungen über die Tätigkeit der Mitglieder der sozialdemokrati- schcn Partei zukommen ließ. Er stellte jedoch in Abrede, daß er den Mord des Obersten Karpow organisiert und zur Ausführung gebracht habe. Die Höllenmaschine habe sich tatsächlich in dem Quartier befunden, jedoch sei sie zufällig explodiert, ohne jegliche Mitwirkung von seiner Seite.— Cbtua. Ein Attentat auf den Prinzregenten. vcach einem Schanghaier Telegramm der„K ö l n. Z t g." vom 27. Dezember verübte ein Revolutionär aus S ü d ch i n a einen Mordanschlag auf den Prinzrcgenten in dein Augenblick, da dieser vor dem Palast seinen Wagen verließ. Durch den D o l ch st o ß wurde Prinz Tschun am Unterleibleichtverletzt, der Blutverlust war gering. Der Verletzte befindet sich verhältnismäßig wohl, der Täter ist verhaftet. Die Stadt Peking ist vollkommen ruhig. Verantw. Redakt.: Richard Barth, Berlin. Inseratenteil verantw.: Näheres über die Person und die Beweggründe des Täters wird noch nicht mitgeteilt. Amerika. Flucht des nikaraguanischen ExPräsidenten. Der ExPräsident Zelaha von Nikaragua ist vor den Kriegs- schiffen der llniow und der gegen ihn aufgrstandenen eigenen LandcSkindern auf einem mexikanischen Kriegsschiff nach Mexiko geflüchtet. Wie sich die Regierung der Union dazu stellen wird, steht noch dahin. Vor einigen Tagen hieß cs, daß sie die Bestrafung des ExPräsidenten als Privaimann wegen Mordes der zwei Amerikaner Crase und Cannon, die er hatte hinrichten lassen, verlangen werde. Der mexikanische Minister des Aeußeren hat der Washingtoner Regierung mitgeteilt, daß Zelaha auf sein Verlangen als Privatmann an Bord des mexikanischen Kanonen- bootes genommen worden ist. GewrKIcKaftUcde**. Berlin und Qmgegend. Der Streik in der Perlmutt- und Kuopffabrik von Hinze- Berlin wird bereits acht Wochen geführt, ohne daß eine Einigung möglich war. Die Inserate in der„Berliner Volkszeitung" haben der Firma die nötigen Arbeitswilligen nicht verschafft, so daß die Streikenden den weiteren Gang der Dinge ruhig abwarten können, wenn Zuzug ferngehalten wird. Oeutfcbes Reich. Lohnbewegungen im Holzgewerbe. In Itzehoe wurden sämtliche Tischler und Maschinenarbeitcr zum 1. Januar gekündigt, weil sie es ablehnten, einen von der Tischlerinnung vorgelegten Vertrag anzuerkennen. Zuzug ist fern- zuhalten. In Bautzen dauert der Kampf der Stellmacher, Tischler und Maschinenarbeiter der Waggonfabrik unverändert fort. Von den in Masse herangeholten Arbeitswilligen sind nur noch wenige im Betriebe, die so minderleistungsfähig sind, daß sie fast gar nicht in Frage kommen. Ein neuer Transport Arbeitswilliger, der be- reits bis Dresden gelangt war, machte dort kehrt. Auch jetzt zeigt sich die Firma nicht nachgiebig, so daß der Kampf von den Ausgesperrten, die guten Mutes sind, energisch weitergeführt wird. In Luckenwalde, Höchst, Schwenningen, Arns- w a l d c und Sommerfeld dauern die Differenzen fort, wes- halb der Zuzug von Tischlern, Drechslern, Polierern und Maschinen- arbeitern nach dorthin auch weiter fernzuhalten ist. Aus einer Arbeitgeberorganisation. Der Zentralverband der Jsolierfirmen Deutschlands t. V. hielt am 18. und 19. d. M. in Kassel eine außerordentliche Generalversammlung ab. Unter anderem wurde auf der Ver- sammlung ein Einheitstarif für ganz Deutschland mit Akkord- sätzen und einheitlichen Arbeitsbedingungen beschlossen. Die Lohnbewegung der Sticker in Plauen i. V. nimmt einen für die Arbeiter günstigen Verlauf. Der neue Tarif ist bereits für über 1166 Maschinen bewilligt, so daß nur noch gegen 366 Sticker im Streik stehen. Die Stickmaschinenbesitzer(Zwischen- meister) erlassen Inserate, worin sie warnen, den Tarif zu unter- schreibe», und auch sonst noch versuchen, Mißtrauen in die Reihen der Arbeiter zu bringen. Ihre Machinationen sind vergeblich, die Sticker lassen sich nicht wankelmütig machen. Man hofft, daß binnen kurzem die Lohnbewegung auf der ganzen Linie zugunsten der Sticker beendet sein wird._ Der Stadtrat von Karlsruhe und die Scharfmacher. Die im Transportarbeiterverband organisierten Straßenbahner in Karlsruhe hatten an den dortigen Stadtrat ein Gesuch gerichtet, gebeten wurde, auf der die Versammlungen des Verbandes für die Angestellten bekanntgemacht werden sollten. Darauf erfolgte an: 13. Dezember folgende Antwort: Der Stadtrat der Haupt- und Residenzstadt Karlsruhe. Die Anbringung einer Tafel im Depot der hiesigen Straßen- bahn betreffend. Mit Rücksicht darauf, daß Ihrem Verband zurzeit Angestellte aus dem Fahrpersonal der Straßenbahn angehören, gestatten wir Ihnen in jederzeit widerruflicher Weise die Anbringung einer Tafel im Depot der Straßenbahn zwecks Bekanntgabe der Ver- sammlungen des Verbandes. Wegen des Näheren wollen Sie sich mit der Direktion der Straßenbahn ins Benehmen setzen. gez. Dr. Paul. gez. Neudeck. An die Ortsverwalwng Karlsruhe des Deutschen Transportarbeiter-Verbandes z. H. des Herrn Gauleiter Joh. Reinmüller, dahier. Von diesem Schreiben des Karlsruher Stadtrats hatten jedoch die Direktoren des Straßenbahn-Unternehmerverbandes Kenntnis erhalten. Solch ein„Verbrechen" muß gerochen werden. Beim Vorstand des Unternehmerverbandes ist ein Antrag eingegangen, den Stadtrat von Karlsruhe aus der Mitglieder- liste zu streichen. Der Antrag ist von fast sämtlichen Direk- toren der preußischen Straßenbahnen und auch einigen süddeutschen unterschrieben. Der Vorsitzende des Verbandes ist der Mnisterial- direktor a. D. Mücke, erster Direktor der Großen Berliner Straßen- bahn. Ausland. Ei» Gesetzentwurf über Einigungsämter und Schieds- geeichte für Arbeiterstreitigkeiten in Norwegen. Im Juli 1968 ernannte die norwegische Regierung ein Komitee zur Beratung und Ausarbeitung von Gesetzesvorschlägen über Ver- Mittelung und schiedsgerichtliche Entscheidung in Arbeitsstreitig- leiten sowie über den Schutz des Vereinigungsrechtes. Dieses Komitee hat nun, soweit die erste Angelegenheit in Frage kommt, seine Arbeiten beendet. Es schlägt einstimmig die Errichtung von Vermittelungs- oder Einigungsämtern sowie eines Schiedsgerichts für Arbeitsstreitigkeiten vor. Das Land soll in mindestens vier Einigungsbezirke eingeteilt und in jedem Bezirk soll ein Eini- gungsamt eingesetzt werden, bestehend aus drei Mitgliedern. Weder Streiks noch Aussperrungen dürfen vorkommen, bevor die be- treffende Streitigkeit nicht dem Einigungsamt des Bezirkes vor- gelegen hat. Das Schiedsgericht, das in Tätigkeit tritt, wenn die Bemühungen des Einigungsamtes erfolglos bleiben, soll in Kristiania seinen Sitz haben und ebenfalls aus drei Mitgliedern bestehen, nämlich einem von der Regierung einzusetzenden Vor- sitzenden und je einem Vertreter der Arbeiter- und der Arbeitgeber- organisation. Soweit ist das Komitee einig in seinen Vorschlägen, und auch darüber ist es einig, daß Arbeitseinstellungen, sei es durch Arbeiter oder Arbeitgeber, nicht stattfinden sollen, wenn es sich um Rechts- streitigkeiten über bestehende Tarifverträge handelt, daß also in solchen Streitigkeiten als letzte Instanz das Schiedsgericht ent- scheiden soll. Bei Interessen streitigkeiten, das heißt solchen Konflikten, die Forderungen über Lohn- und Arbeitsverhältnisse betreffen, schlägt eine Mehrheit des Konntees vor, daß auch sie zu keiner Arbeitseinstellung führen dürfen, bevor sie nicht dem Schieds- geeicht zur Entscheidung vorgelegen haben. In dieser Frage schlägt jedoch die Minderheit des Komitees— O l e L i a n, der Vorsitzende der Landesorganisation der norwegischen Gewerkschaften, und M y h r e. der Vertreter der Arbeitgebervereinigung— vor, daß bei Jnteressenstreitigkeiten, wenn sie ohne Erfolg dem Einigungs- LH. Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. VerlägSanftalt am! borgelegen haben, den Partelen freigestellt fein soll, da» Schiedsgericht anzurufen. Wenn aber beide Parteien über die An- rufung des Schiedsgerichtes einig sind, sollen dessen Entscheidungen auch in solchen Streitigkeiten bindend sein. Die Vorschläge des Komitees über den gesetzlichen Schutz de» Vcreinigungsrechtcs befinden sich noch in der Ausarbeitung. Die italienischen Zentralverbände im Jahre 1S09. Rom, den 22. Dezember 1969.(Eig. Ber.) Das italienische Reichsarbeitsamt veröffentlicht wie alljährlich eine Statistik der Zentralverbände(I�eckeroeioni. B. SS. Befragen St: darüber einen » 5ti'uj)i)cr�cnn, 1; Zentralstelle e 15/17. SübolJ (Möbelpoller oder Tischler).-» A.®. 1900. NowaweS Bei Potsdam.— Frieda 5. Notes Kreuz: Wilhclmstr. 73.— P. W.«. GeschästSstelle Pappclallce 15, n. Svdols Hofsmann, Blumenstr. 14.— L. D. Wir können Ihnen die Adressen nicht niitteilen. Wenden Sie sich an den Vortragenden Ingenieur 81. Vorreiter. — Hrifig 11. DaS ist eine Täuschung, hervorgerusen durch die Lust- wellen.— Thüringerstr. 87. Baugenossenschaft Paradies, Kottbusstrstr. 41. — H. 14. Als Haiidluiigsaehilse haben Sic'Anspruch auf Zahlung des vollen Kehalis während der KrankheU aus die Dauer von sechs Wochen. Ist eine bestimmte Vertragszeit vereinbart, so kann wwerhalb derselben nicht gekündigt Kündigungsfrist Manne« hastet da»_„ genommen werden, so kann die Frau mit'Aussicht aus Erfolg Jnter- venlionsklage erheben.— P. Amstel. Der geschiedene Ehemaiiu muss vor der Wiederoerheiratung einen'Auseinant-arsepungSschein dem SBonnimb» schastsgencht beibringen, aus dem hervorgeht, dass eine Auseinandersetzung mit den minderjährigen Kindern wegen des Vermögens stattgefunden hat oder nicht stattzufinden braucht.— Erpressung 83. 1. der Regel ist daS Einkommen des vorhergehenden Jahres für die Besteuerung massgebend. 2. Legen Sie der Bcrusunasbehöede schristlich den Sachverbalt dar. 3. Die Psündung ist möglich.— Ät. F. Ja. — At. A. 81. 1. ES bleibt nur übrig, beim Amtsgericht aus Beseitigung des MtssstandcS zu Nagen. 2. und 3. Leider nein.— H. H. 40. Der Lehrling ist in Ihrem Fall nicht krankenversicherunaspslichtig. Eine Schaden. crsatzklagc gegen den Lehrherrn dürste nicht aussichtslos sein, wenn in der Tat nachgewiesen wird, daß daS Leiden durch die Art der Bcschästigung den gesährlichen Grad erreicht hat und die 8lrt der Besst äsiigung aus eine Fahrl lässigkeit dcS Lehrherrn zurückzusühren ist.— langling des Auslandspasses müssen Sie sich an H. 83. 1. Nein. 2. Lege» Sie Beschwerde ein. gebend ist der Wert des Nachlasses zur Zeit des cslcht in der Hülste der gesetzlichen Erbportion. also jedes Kind'/„ des es G. 48. Wegen Er» die Polizei wenden.— — N. S. 83. Mass. Todes. Der Pflichiieil In Ihrem Fall würde als Pflichteii cutsallen. aus iedc A. M. 83. Manuslriptö'dürscn nur aus einer Seite beschrieben sein; Fehler werden korrigiert. Romaneinsendung dankend abgelehnt.— R. N. 83. 1. Eine Abholung ohne vorausgegangenr Klage ist unzulässig. Kommt es zur Klage, so beantragen Sie, sur den Fall der Verurteilaiig die Rück. Zahlung eines Teiles der Zahlung auszusprechen. 2. Eine Beleidigung würde in diesem Vorgang nicht erblickt werden.— K. S. 8. Wenn die Sache weiter gegeben wird, so würde aus Gesängnis ivegen Diebstahls erkannt werden.— Zllfi 80. 1. Da Sie die Bestellung unterschrieben haben, waren Sie zur einseitigen Zurücknahme des Austr.iges nicht mehr berechtigt. Für den Fall der Klage würden Sie voraussichtlich verurteilt werden. 2. Eine Pfändung ist unseres Trachtens nichr zulässig. Beschweren Sie sich bei dem Gemeindevorsteher und eventuell bei dem Landrat. — R. 40. Eine Herabsetzung des Betrages wäre nicht zu erreichen.— Ewald. 1. Die Klage wäre aussichtslos. 2. Verjährung liegt vor. 3. Psändung kann erwirkt werden, diese wird durch die Militärbehörde voll» streckt. Hierbei kann Psändung der Eistraumsorm mit'Aussicht aus Ersolg beantragt werden.— E. T. 88. Wiederholen Sie die Frage unter An- gäbe, welche Stellung Sie einnehmen(HandlungSgehilse? Buchhalter? Pi ivatbureaugehilse? Werkmeister? Geselle? Gehilse?) Bei der Wieder» holuug der Frage geben Sie auch nach Möglichkeit an, welche Kranken- Versicherung in Betracht kommen soll; uns ist keine Versicherung bekannt, die den Betrag aus ein Jahr vorauszahlen lässt.— B. Sei). 34. Die Begleitung der Mietslusligen durch den Wirt oder den Verwalter mutz ge> stattet werden.— P. B. 100. Der Klub ist uns nicht bekannt. Fragen Sie bitte bei der Redaktion der„Schwimmer-Zeitung", Stixdors, Hermannstrasse 177, an.— Wissen. Ohne Angabe des Verlages bezw. Herausgebers können wir darüber ni-vt urteilen.— — Richard Riibrtch. Bitte um nähere Adresse.— P. M. Für männliche Personen, die nicht Berliner Bürger sind, käme in Frage das Zlltcrs- heun in Spremberg, Verwalter Stadlrat Schur, Gmtenstrasse. Für Berliner Bürger über 50 Jabre werden von der stistungSdeputalio» des Magistrats, Posistrasse 16, Stiftungen nachgewiesen.— G. S. in P. C. Wir empsehlen Geschäfte grundsätzlich nicht.— Fr. St. 101. Simultan. schulen sind in Prcussen nach der amtlichen Zujammcnstellung von 1906 noch vorhanden in den Städten 314 und' 566 in den Landgemeinden. Amtlicher Marktbericht der städtttchen Markthalle». Direktion Uder den Grossbandel in den Zentral-MarNballen. Atarktlage: F I e i I ch: Zufuhr genügend, Geschäft still/ Preise unverändert. Wild: Zufuhr massig. Geschäft ruhig, Preise gut. Getlügel: Zusubr reichlich, Geschäst schleppend. Prelle nachgebend. Fische: Zufuhr gering, Geschäst flau, Preise sür Scesische gedrückt. Butter und Käse: Geschäst ruhig, Preise unverändert. Gemüse, Obst und Südsrüchte: Zusubr genügend. Geichäst sehr still, Preise fast unverändert. Cli «5 «d O »»SSSSS Unserem BeztrkSsührer tltosnl Naß n-bst Braut zur Verlobung die herzlichsten Glückwünsche I 32b IM« Genonscn des 739. Beslrbs. Deutscher Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Verlin. Todes- Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, dass unser Mitglied, der Metallarbeiter Fritz Feirath gestorben ist. Whre seinem Andenken k Die Beerdigung findet heute Dienstag, den 28. Dezember, nachmittags VI, Ubr, von der Leichenhalle dcS Städtischen Fried- Hofs in FricdrichSselde aus statt. Rege Beteiligung erwartet 131/17 Die OrtSderwalt«»«. Allen Freunden und Bekannten dl« traurige Nachricht, dass mein lieber Mann und guter Vater /Xuxust Lteln am 25. Dezember im 64. Jahre nach längcrem Krankenlager an Herzschwäche verstorben ist. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 29. Dezember, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des Zentral-Fried- hoseS in FriedrichSseide aus statt DieS zeigen iiejhclrübt an Frau Stein und Sohn, Görlitzer User 33. 2gb jü!p.Meß-ll.WLtee öerDrecbslei'ü.Berufspossen (CS. H. 86 Hamburg.) Verwaltungsstelle Berlin A. Den Mitgliedern hierdurch zur Nachricht, dass-inser Mitglied und langjähriger Kassierer Xuxust Ltein am 25. Dezember verstorben ist. Die Beerdigung findet am Mittwoch, bcn 29. Dezember, nach- mittags 3 Ubr, von der Leichen- halle deS Zentral-Fricdhoses in FriedrichSsclde aus statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 25b Die Ortsverwaltung. Statt besonderer Anzeige. Am Sonntag, den 26. Dezember. nachmittags 2 Uhr, wurde uns unser einziger geliebter Sohn und Bruder Kielmrd Sabor im Alter von 16 Jabren nach kurzem Krankenlager durch den Tod entrissen. 179/5 Berlin NW., 27. Dezember 1909. Bachstrasse 3 I. Gustav Gabor und Frau Julie geb. Meyer Irma und Frida Sabor als Schwestern. Beerdigimg: Mittwoch, den 29. Dezember, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenballe des jüdischen Friedhose» in Wcissensee aus. lentraiverband der Töpfer Deutschlands Filiale Berlin. Nachruf. Am Mittwoch, den 22. Dezember, verstarb nach langem Leiden der Kollege Franz Raschke (Bczixk Südost) im Alter von 56 Jahren. Ehre seinem Andenken i 194/1 Der Vorstand. Ukrband der Muler, Fuckierer, Anstreicher usw. Filiale Berlin. Nachruf. Am 23. Dezember starb unser Mitglied 130/5 Hermann Steinmiiller im Alter von 45 Jahren.(Bezirk Westen.) Ehre seinem Audeuken! Die Ortsdcrwaltung. Dp, Simmel Spezial-Arzt* für Haut- und Harnleiden. Prlnzenslr. 41, Hd.riÄ 10—3, 6—7. fionntoge 10—18, 2—4. Für die Danksagung. ; vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die zahlreichen Kranz- spenden bei dem Begräbms meines geliebten Mannes Franz Mertin sage ich allen Kollegen und Bekannten deS Entschlafenen meinen herzlichsten Dank. 33b Frau»derline Mertin nebst Kindern. Waldemarstrasse 63, Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die schönen Kranz- spenden bei der Beerdigung meines unvergeßlichen lieben ManneS und unseres treusorgendc», lieben Baters August Friede sagen wir dem Zentralverband der Glasarbeiter und -Arbeiterinnen Deutschlands, dem Herrn Ehef der Firma O. MatheS sowie den werten Kollegen der Ftrma O. MatheS und dem Gesangverein der GlaSarbctter unseren innigsten Dank. Im Namen der tiestrauernden Hinter- bliebencn: Paullue Friede. Dr. Schünemann Spezialarzt für Haut- und Harnleiden, Frauenkrankheiten,• Friedrichstr. 803, Ecke Schützenstr, Wochentags 10-8, 3—7. Brenn- holz; Dtschlerei-Abfälle. derbcS fertiges Ofenhoiz, 5 Zentner für 7,30 M. sie! Keller, srei Fuhrlohn. Holassverlz Merkur, Lichtenberg. Hcrzberg Str. 88. 134/8 waren Leder Art vom einfachsten bis feinsten Genre direkt � Fabrik. Eirzelvorkautz. Engrospreisen. Kommandanten- straBe 15, I. Kein Laden. Teleph. 1, 3917. XO-Kocb� Kohlen Brikettgroßhaudlung Gegründet 1898. Haupt-Konto» Berlin 0. 34, Petersburger(StraBe 1 (gegenüber Warschauer Straße). Fernspr. Amt 7 Nr. 3040 u. 3096. IflgfrplfltjCnJfrbnMfeftfllfti I. O. 34. Oftb.- Güterbahnhof. Eing. Rüdersdorfer Str. 71. fr. Oftbahnpark. II O. 17. Ostb.- Güterbahnhof. Firuchtstr. 13. m. Weiftensee, Güterbahnhof. Greifswalder Strasse 80a. IV. lV. 113. Behmftrasse»8—34. Ecke Schivelbeincr Strasse. V. K. 65. 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Schöneberg, Hauptstr. 18, gegenüber dem Rathaus, Turmstr. 27, Ecke der Stromstraße, Motzstr. 66, Ecke Martin-Lutherstraße, Brunnenstr. 2, am Rosenthaler Tor, Badstr. 35—36, Gesundbrunnen, Müllerstr. 6, am Wedding, Landsberger Straße 100, am Büsching- platz, KurfQrstendamm 181, Ecke Konstanzer Straße, Sieglitz, SchloSstr. 86, gegenüber dem Bathaus, Stahlkammer. Stahlkammer. Stahl kammer. Stahlkammer. Stahlkammer. Stahlkammer. Stahlkammer. Stahlkammer. Stahlkammer. Stahlkammer. Stahlkammer. Stahlkammer. Stahlkammer. Stahlkammer. Stahlkammer. W. GroB-Liehterfelde-Osl, lungternstieg 3, ■ Ecke Bahnhofstraße, X. Schßnhauser Allee 144, Ecke Eberswalder Straße, T. Friedenau, Rheinstr. 12, Ecke Schmargendorfer Straße, Z. Greifswalder Straße 205, Ecke Marien- burger Straße, A II. Groß- Lichterfelde- West, Carlslr. 114, Wannseebahnhof, B n. Neue Roßstr. 1, Ecke Neue Jakobstr., C IL Pankow, Schönholzer Straße 1, nahe dem Bathaus, D n. Frankfurter Allee t/2, am Bingbahahof, E ET. Tempelhof, Berliner Straße 8, F n. Rixdorf, Kottbuser Gamm 79, O IL Schöneberg, Barbarossastr. 45, Ecke Berchtesgadener Straße, 7 H II. Wilmersdorf, Hohenzollerndamm 196, Ecke Uhlandstraße, J II. Charlottenburg, Kaiserdamm 118, Ecke Suarezstraße, E II, Friedenau, Südwest- Korso 77, Ecke Kaiser- Allee, L IL Kßpenicker Str. 1, am Schles. Tor. M II. Flensburger Str. 19a, Ecke Lessingstr. N II. Belle-Alliancestr. 107, am Blücherplatz. O II. Tegel, Berliner Str. 99, n. d. Hauptstr., P II. Rixdorf, Berliner Str. 66/57, StshlksnuBer. Stahlkammer. Stahlkammer. Stahlkammer. Stahlkammer. Stahlkammer. Stahlkammer. Stahlkammer. Stahlkammer. Stahlkammer. Stahlkammer. Stahlkammer. Stahlkammer. Stahlkammer. Die Wechselstuben und Depositenkassen befassen sich vornehmlich mit: Annahme von Depositengeldern znr Verzinsung, An- and Verkaal von Wertpapieren, ausländischen Geldsorten, Devisen nsw., ElnlSsong von Coupons and Dividendenscheinen. Ausstellung von Schecks und Kreditbriefen, Diskontieren und Einziehen von Wechseln and Schecks, Beleihimg börsengängiger Wertpapiere and deren Versicherung gegen Kursverlast im Falle der Auslosung sowie insbesondere mit Anfbewahrnng und Verwaltung von Wertpapieren, Bescbaffnng and Unterbringung von Hypotbekengeldera sowie Ablösung von Hypotheken, die das Berliner Pfandbriefamt erwirbt. Stahlkammenio Die Stahlkammern der Wechselstuben und Depositenkassen bieten Gelegenheit cur sicheren Aufbewahrung von Wertpapieren, Dokumenten, Schmucksachen etc. in eisernen Schrankfächern unter eigenem Verschluß des Mieters oder zur Hinterlegung von Paketen, Kisten und dergL als verschlossene Depots unter gesetzmäßiger Haftung der Bank. Die Bedingnnßen für den Geeehattsverkehr mit den Wechselstuben und Depositenkassen sowie für die Benntzong von Stahlkammern werden an allen Kassen der Bank unentgeltlich ausgegeben. Engelhardt» Bockbier Ausstoß hat begonnen. Verantwortlicher Kebakteür Richard Kuny, Berlin. Kir dyi Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck U.Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u, Verlagsanftalt Paul Singer& Co., Berlin SW» Nr. 302. 26. IchrMg. 2. Stilqc Scs Jotrirls" littliutt WIIlsM Mevstag, 28. DezeOer 1909. parte!-)?nge!egenkeiten. Dritter Wahlkreis. Am Freitag, den 31. Dezember, veranstaltet der Wahlverein im große» Saale des Gewerkschaftshauses für seine Mitglieder und deren Angehörigen eine Silvesterfeier unter Mit- Wirkung der Jescheckgesellschaft. Anfang 9 Uhr. Entree 20 Pf., Tanz 30 Pf. Der Vorstand. WilmcrSdorf-Halensce. Heute, Dienstag, den 28. Dezember findet die Generalversammlung des Wahlvereius statt. Tagesordnung: 1. Bericht des Vorstandes und der Funktionäre. 2. Neuwabl des Vorstandes. 3. Stellungnahme zur bevorstehenden Stadtverordneten- Wahl und Aufstellung der Kandidaten. 4. Vereinsangelegenheiten. Eintritt nur gegen Vorzeigung des Mitgliedsbuches. Diejenigen Mitglieder, welche noch im Besitz von Bibliothcls- büchern sind, werden ersucht, dieselben spätestens am heutigen Dienstag abzuliefern, da eine Neuaufnahme des Bibliothek- bestandes sowie Neuregistrierung vorgenommen werden soll. Der Vorstand. Sozialdemokratischer Wahlverein Groß-Lichtcrfclde. Die o r d e nt- liche Generalversammlung findet am heutigen Dienstag, abends 8 Uhr, bei Wahrendorf. Bäkestratze 22, statt. Tagesordnung: Bericht des Vorstandes, des Kassierers, der Revisoren usw. Neuwahl der sämtlichen Funktionäre. Vereinsangelegenheiten. Der Vorstand. Steglitz. Heute. Dienstag, findet die Generalversaminlung des Wahlvereins bei Schellhase, Ahornstratze 15a mit folgender Tages- ordnung statt. 1. Bericht des Vorstandes und der Funktionäre. 2. Neuwahl des Vorstandes und der Funktionäre. 3. Bericht von der Generalversammlung des Kreises. 4. Vereinsangelegenheiten. Eintritt nur gegen Vorzeigung des Mitgliedsbuches. Der Vorstand. Eichwalde, Zeuthen, Miersdorf. Die Generalversammlung des Wahlvereins fällt diesen Monat aus. Der Vorstand. Biesdorf. Heute Zahlabend bei Berlin, Marzahner Straße. Nieder-Schönhausen-Nordend. Heute Dienstag, den 28. De- zember, abends 8V2 Uhr, findet im„Lindengarten', Lindenstr. 43. die Mitgliederversammlung des Wahlvereins statt. Tagesordnung: 1. Unsere n ä ch st e n Aufgaben. Referent: Genosse R. Bühler, Kreissekretär. 2. Anträge der Bezirksleitung. 3. Vereinsangelegenheiten. 4. Verschiedenes. Die Bezirksleitung. Tegel. Am Freitag, den 31. Dezember(Silvester): Gemütliches Beisammensein und Tanz im Lokale von Julius Klippenstein, Span- dauer Stratze 4. Beginn 3>/z Uhr abends. Die Mitglieder haben gegen Vorzeigung ihres Mitgliedsbuches freien Tanz. Zahlreicher Besuch wird erwartet._ Die Bezirksleitung. Berliner J�acbricbten* Weihnachtsepilog. Beinahe wäre der Feder das Wort„Nekrolog" entwischt. Mehr als einem, um den der sagenhafte Weih nachtseng ei einen großen Bogen flog, wird während der Festtage zum Sterben traurig gewesen sein. Faselei ist es, daß auch dem ärmsten Menschenkinde der Weihnachtstisch gedeckt wird. Gerade den Bedrückten, aber deshalb noch lange nicht für iyimer Entsagenden kommt zu Weihnachten ihre Armut so röcht zum Bewußtsein. Wir möchten nicht die Haus- Haltungen zählen, in denen kein Weihnachtsbaum leuchtete und keine Freude herrschte. In vielen Familien wird man froh gewesen sein, die hungrigen Mäulchen der für eine bessere Zeit heranwachsenden Nachkommenschaft mit irgend etwas, das nicht nach Festbraten duftete, stopfen zu können. Wo aber die Verhältnisse es erlaubten, die christliche Mode mitzumachen, ist die Weihnachtsbilanz wieder mal: abge- brannte Tannenbaumlichte, verdorbener Magen, leere Porte- monnaies und schockweise unzufriedene Gesichter. Der natürlichsten Weihnachtsstimmung fehlte freilich etwas: der Weihnachtsschnee. Auch nicht ein einziges silbernes Sternchen wollte vom grauen Wolkenhimmel auf die fest- feiernde Erde purzeln. Bei der auffallend milden Witterung, die uns im schönsten Wintermonat förmlich nasführt und den Frühling vorausahnen läßt, müssen die vielen Kinderschlitten und Schlittschuhe ihr Dasein vorläufig noch unter dem Tannenbaum verträumen. Aber trotz der„grünen" Weih- nacht wurden Pelzsachen, die ja in imitierter Fasson heute ein ziemlich billiger Geschenkartitel sind, massenhaft in Straßen- parade vorgeführt. Selbst die dröhnenden Weihnachtsglocken lockten solche Weihnachtsrenommisteu in die sonst gähnend leeren Kirchen. Der Weihnachtsverkehr in den Straßen Groß-Berlins war infolge des beständigen warmen Wetters überraschend groß. Noch um Mitternacht wurde die Stadt- und Ringbahn gestürmt fast wie an schönen Sommertagen. In vielen Vergnügungslokalen war kaum ein Plätzchen zu haben, Zirkusse und Theater hätten noch einmal so groß sein können, Restaurants und Caf6s machten unbeschadet der schönen häuslichen Feiern ein Bombengeschäft. Prächtigen Verlauf nahmen bei Massenbesuch die in diesem Jahre außer- ordentlich zahlreichen Matinees und sonstigen Veranstal- tungen der verschiedensten sozialdemokratischen Vereini- gungen. In den meisten Festsälen war es namentlich am zweiten Feiertag, als mit hoher obrigkeitlicher Genehmigung das Tanzbein in seine Rechte treten durfte, erdrückend voll, fo daß es schon manchmal„nicht mehr schön" war. Berliner Post- und Fernsprechnachrichten. Die Beamten, Unterbcamtcn und Arbeiter, die beim Neubau und der Unter- baltung des Fernsprechnetzes im Ober-Postdirektionsbczirk Berlin beschäftigt sind, sind sämtlich mit einer Ausweiskarte versehen. Die Farbe dieser Karte war bisher dunkelgrün. Wie die Kaiserliche Ober-Postdirektion hierdurch mitteilen lätzt, werden diese Karten für das Jahr 1910 durch solche vom roter Farbe ersetzt. Den Haus- besitzern und deren Vertretern wird in ihrem eigenen Interesse cmvfohlen, von Neujahr an nur solchen Telegraphenbeamten den Zutritt zu den Räumen zu gestatten, die solche roten Karten vor- zeigen können.— Das Postamt O. 94 wird am 27. Dezember nach Dienstschlutz aus dem Haufe Große Frankfurter Straße 2 nach den neuen Diensträumcn im Hause Fricdcnstratze 80 verlegt werden.— Der Fernsprechverkehr Berlins ist heute auf folgende Orte aus- gedehnt worden: Brodden, Försterei Broddcn, Försterei Selgenau, Groß-Bislaw, Klonowo, Oberförsterei Schwiedt, Oberförsterei Sommersin, Polnisch-Cekzin, Queis, Schönfcld(Bez. Bromberg), Selgenau sowie Stüssclsdorf. Di- Gebühr für ein gewöhnliches Gespräch bis zur Dauer von drei Minuten beträgt 1 M. Fröhliche Weihnachten für städtische Handlungsgehilfen. Man mag über die Weihnachtsgratifikation, die heute noch bicl- faib in bürgerlichen Geschäften an die Handlungsgehilsc» gezahlt wird, denken wie man will; sie hat jedenfalls das Gute, den Bc- schenkten in den Stand zu setzen, seinen Angehörigen eine Weihnachts- freude zu bereiten und ihn für einige Tage der materiellen Rot zu überheben. Allerdings wäre es besser, wenn die Herren Ehefs die Gratifikation fortfallen ließen und dafür an- ständige Gehälter zahlen und Ueberstunden vergüten würde». Und gerade solche Geschäfte, die keine Weihnachtsgratifikation mehr geben, stechen in der Bezahlung ihrer Angcstelllen vielfach vorteilhaft von der übrigen Geschäftswelt ab. Auch die Stadt Berlin beschäftigt Handlungsgehilfen, und zwar in den städtischen Gaswerken. Sie zahlt keine hohen Gehälter, aber ebenso wenig ist eine Weihnachtsgratifilation üblich. Im Gegenteil, den Angestellten werden zum Fest der Liebe Abzüge gemacht. Die in den Rcvierinspcklioiien der städtischen Gaswerke be- schäftigten Handlungsgehilfen, die amtlich als Hilfsschreiber bezeichnet werden, verdienen in den ersten zwei Jahren 45 Pf. pro Stunde, also bei neuiistiindiger Arbeitszeit 4,05 M. Tageloh». Bei gleicher Tätigkeit in Privatbetrieben würden sie ein Monats- geholt von etwa 125— 150 M. bekommen. Die Direktion der städtischen Gaswerke stellt diese Hilssschreiber, die nach ihrer Tätig- keit(Verrichtimg kaufmännischer Arbeiten in einem Handelsbetriebe) unzweifelhaft Handlungsgehilfen im Sinne des Gesetzes sind, mit täglicher Kündigung a» und zieht ihnen für die Feiertage, die auf einen Wochentag falle», den Tages- verdien st ob! Die betreffenden Angestellten bekonimcn also für die Weihnachtswoche wie für die Neujahrswoche nur für fünf Tage ihren kargen Lohn ausbezahlt. Nach den gesetzlichen Bestimmungen dürfen Handliingsgehilfen nur während einer Probezeit bis zur Dauer eines Vierteljahres mit täglicher Kündigung angestellt werden. Die Direktion der städtischen Gaswerke handelt also gesetz- widrig, wenn sie Handlungsgehilfen dauernd mit täglicher Kündigung beschäftigt I Und ist es einer Stadt wie Berlin würdig, daß sie ihren Angestellten, die weit schlechter entlohnt werden als in Privatbetrieben, zum Fest der Liebe zwei Wochen hintereinander nur fünf Sechstel des sonstigen Wochenberdienstes auszahlt? Haben die Herren Direktoren, die hohen und höchsten Beamten, haben die für diese Zustände verantwortlichen Stellen, während sie das Fest der christlichen Liebe feierten, einmal daran gedacht, daß durch ihr Verschulde» städtische Angestellte während dieses Festes von schweren Sorgen niedergedrückt wurde»? Wahrlich, die Nichtachtung gesetzlicher Bestimmungen und die über das privatkapitalistische Maß Iveit hinausgehende Ausbeutung der Angestellten ist kein Ruhmesblatt in der Geschichte der städtischen Sozialpolitik I Post und Publikum zu Neujahr. Der Neujahrsbriefverkehr stellt jetzt, nachdem die Weihnachtspakete bewältigt sind, abermals ungewöhnliche Anfordenungen an die Post, wie sie sich im ganzen Jahr nicht inchr wiederholen. Das Publikum kann sich und der Post die Schwierigkeiten erleichtern, wenn es einige einfache Regeln und Mahnungen befolgt. Vor allem kaufe man sich möglichst früh- zeitig die nötigen Briefmarken und nicht erst am 31. Dezember. Wer Zeit hat, besorge diese möglichst zeitig und nicht am Abend, da die Schalter überfüllt sind. Für den Markenbedarf mutz man wissen, wieviel und wie man seine Neujahrgrüße verschicken will. Neujahrsglückwünsche können als Drucksache in folgender Weise ver- schickt werden: Auf gedruckten Visitenkarten sowie auf Neujahrs- karten kann die Adresse des Absenders und sein Titel Handschrift- lich hinzugefügt werden. Ferner kann man gute Wünsche, Glück- wünsche, Danksagungen und andere Höflichkeitsformeln Handschrist- lich beifügen, wenn sie nicht mehr als fünf Worte umfassen oder in den üblichen Anfangsbuchstaben bestehen. Auf allen Drucksachen kann man den Tag der Absendung, die Unterschrift sowie den Stand des Absenders oder des Empfängers handschriftlich angeben oder abändern._ Zum Umbnll der Schlosibrückc. Das Nachrichtenbureail des Magistrats schreibt: Der vom Ma- gistrat kürzlich beschlossene Umbau der Schlotzbrücke hat an einigen Stellen die Befürchtung erregt, daß hier eine Beeinträchtigung des StratzenbildeS eintreten werde. Die Befürchtung ist unbegründet. Bei dem Entwurf für den Ilmbau war die möglichst unveränderte Erhaltung des Bauwerls und die Vermeidung einer Anschüttung des Stratzenzuges mit Rücksicht auf die benachbarten monumentalen Gebäude in erster Linie bestimmend. Da die Strombehördcn weseitt- liche Zugeständnisse hinsichtlich der Durchfahrtshöhen der Brücke machten, ivnrdx es möglich, bei der Ueberwölbung der Mittelöffnung das Brückenbild so zu gestalten, wie es Schinkel vorgeschwebt hat. Die jetzigen Gewölbestirnen, die Geländer und Postamente müssen zwar etwas angehoben werden, bleiben aber in ihrer äußeren Er- scheinung ungeändcrt. Ein Anheben der Straße wird ganz ber- mieden._ Bon der Flugplatzgescllschaft. Ein Wechsel ist in der Leitung der Deutschen Flugplatzgesellschnft eingetreten. Der bisherige Geschäfts- führcr Kapitän zur �>ee von Pustau hat sein Amt niedergelegt; sein Nachfolger wird Major a. D. von Tschudi, in dessen Händen bekannt- lich die Leitung der Internationalen Luftschiffahrtsausstellung in Frank- surt a. M. lag. Das unter günstigen Auspizien ins Leben getretene Unternehmen hat anscheinend nicht die erhofften Erfolge aufzuweisen. Sämtlichem Personal des Flugplatzes bei Johannisthal ist gekündigt worden nnd auch die Zahl der Berliner Biireaubcamten der Gesellschaft so ll verringert lvorden sein. In weiten Kreisen des Publikums herrscht Miß- stimmung über das hohe Eintrittsgeld zur Besichtigung des Flugplatzes bei Johannisthal. An den beiden Weihnachtsfeiertagen waren zahl- reiche Berliner und namentlich auswärtige Besucher nach dem Flug- platz hinausgefahren, den sie unentgeltlich besichtigen zu dürfen glaubten. Ihnen wurde ein Eintrittsgeld von 50 Pf. abgefordert, das jedoch nur von sehr wenigen gezahlt wurde. Umfangreiche Berkchrsstörungcn infolge eines WasscrrohrbrnchS. Ein großer Wasserrohrbruch erfolgte am ersten Weihnachtsfeiertagc am Gartenplatz, im Norden Berlins. Das Straßenpflaster wurde viele Meter weit aufgerissen, so daß die Garten- und Ackerstraße in weitem Umkreis überschwemmt wurden. Die Straßenbahn mußte an dieser Stelle den Betrieb einstellen, da die Schienen unterspült waren. Erst als«ine Notweiche hergerichtet worden war, konnten einzelne Wagen wieder Verkehren. Am zweiten Fest- tage wiederholte sich der unliebsame Vorgang. Die Straßen- bahn legte uin die Mittagszeit ein ganzes Notgleis, um die Unfallstelle passieren zu können. Teiliveise wurde der Verkehr auch durch Umsteigen aufrecht erhalten. Die Reparaturarheiten wurden heute in Angriff genommen. Der Bruch war über einen Meter lang. Im Streit erstochen. An der Ecke der Strom- und Birkenstraße kam es in der zweiten Morgenstunde de« ersten Weihuachtsfciertages zu einer Schlägerei zwischen dem Unteroffizier Hermann Specht vom 1. Garde-Feldartilleric-Regiment und mehreren Zivilpersonen. Der Streit soll dadurch entstanden sein, daß die Zivilisten den Unterofsizier anulkten. Als dieser den Säbel zog, fielen mehrere Personen über ihn her und bearbeiteten ihn mit Faustschlägen. Einer der Bursche» zog dann ein Taschenmesser und jagte es dem Unteroffizier in die Herz- gegend. Schwerverletzt brach der Gestochene zusainmcn, während die Täter die Flucht ergriffen. Specht wurde schleunigst nach dem Kranken- hauie Moabit geschafft, sta rb aber bald nach der Einliefenmg. Die Leiche wurde nach dem Gariiisonlazarett I geschafft. Durch die polizeilichen Ermittelungen konnte festgestellt werden, daß als Haupt- täter der 19jährige aus Danzig gebürtige Schiffer Karl Eichler, der in der Lübecker Str. 23 in Schlafstelle wohnt, in Frage kommt. Er wurde noch im Laufe des ersten Festtages festgenommen und dem Polizeipräsidium eingeliefert. Auch sein Bruder und einige andere Komplicen konnten ermittelt werden. Ter lienc Polizeipräsident als Harun al Raschid. Herr v. Jagow, der Nachfolger des verstorbenen Stubenrauch, unternahm in den letzten Tagen vor Weihnachten, wie das„Berliner Tageblatt' beobachtet haben will, zu den verschiedensten TageS- und Abend- zeiten Spritztouren durch Berlin, um sich über die Berkehrsverhält- nisse persönlich zu informieren. Namentlich am Potsdamer Platz und am Hallesche» Tor soll er, während das blaulackierte Polizei- Auto in der Nähe hielt, gesehen worden sein. Das kann stimmen, da ja neue Besen, selbst Polizeibesen, in der Regel gut kehren, um sich später desto schneller abzunutzen. Daß der Präsident aber auch auf mehreren Bezirks- und RevierWachen als„Mann aus dem Volke" erschienen ist und sich unerkannt Rat geholt hat, wird wohl eine dem Mosseblatt ausgeflogene Weihnachtsente sein. Selbst wenn daß wahr ist, hat solcher Gelcgenheitsbesuch natürlich gar keinen Wert. Herr von Jagow erscheint im Gehpelz und Zylinder auf der Revierwache, und vor solchem feinen Herrn haben unsere Polizeier einen anderen Respekt als vor dem Mann in der Bluse. Will der erste Mann an der Polizeispritze den echten Polizeiton genau kennen lernen, so muß er das ganz anders anfangen. Wir wollen mal zunächst abwarten, ob Herr von Jagow, der als ein großer Gentleman geschildert wird, den Mut und die Kraft hat, das in seinem Ressort so üppig wuchernde Institut der bekannten Nicht- gentlemanS unter den grünen Tisch fallen zu lassen., Eine FamilientragSdie, bei der wieder drei Kinder das Opfer der unglücklichen Wirtschaft- lichen Verhältnisse ihrer Eltern geworden sind, ereignete sich in der Nacht vom Sonntag zum Montag im Südosten Berlins. Im Hause Pücklerstr. 20 erhängte die Zljährige Frau Hedwig Schulz, geb. Lustgart, ihre drei Kinder Otto, Luise und Frida und versuchte dann, sich auch zu erhängen, und als sie ihre Absicht nicht erreichte, sich durch Salzsäure zu vergiften. Ueber die grauenvolle Tat werden folgende Einzelheiten gemeldet: Die Familie Schulz, die einst bessere Tage gesehen hatte, be» wohnte seit dem 1. April 1906 eine im zweiten Stocke des Hinter- Hauses Pücklerstr. 29 gelegene Wohnung, die aus Stube und Küche bestand. Als die Familie einzog, betrieb der Ehemann eine kleine Gastwirtschaft im Hause Muskauer Straße 15. Schlechter Ge» schäftsgang nötigte jedoch den 32jährigcn Schulz, im Januar d. I. die Gastwirtschaft aufzugeben. Seitdem ging es mit der Familie bergab. Sch. fand nicht gleich Arbeit und die Ersparnisse waren bald aufgezehrt. Verwandte unterstützten sie wiederholt, nament- lich, als sich im letzten Frühjahr die Familie, die damals aus dem sechsjährigen Otto und der vierjährigen Luise bestand, durch die Geburt eines Mädchens vergrößerte, und Frau Sch., die zum Lebensunterhalt kräftig beitrug, längere Zeit arbeitsunfähig wurde. Im Sommer hatte Sch. Arbeit gefunden, aber mit Eintritt der kälteren Witterung trat wieder ein Umschlag ein. Ucberdies kamen wiederholt Zwistigkeiten zwischen den Eheleuten vor, die meist auf Klatschereien der Nachbarn zurückzuführen waren und der Frau Anlaß zur Eifersucht gaben. Als am Sonntag zu später Nacht- stunde der Ehemann von seiner Arbeitsstelle nach Hause zurück- kehrte, bot sich ihm ein furchtbarer Anblick. Seine Frau hatte ihre drei Kinder im Schlaf erdrosselt und an Wandhaken nebeneinander aufgehängt. Dann legte sie sich eine Waschlcine um den Hals und versuchte, sich am Fensterkreuz zu erhängen. Die Frau gab noch schwache Lebenszeichen von sich. Sch. stürzte sofort hinzu, um die Lebensmüde, die vorher noch Salzsäure getrunken hatte, abzu- schneiden. Auch die Kinder löste er aus den Schlingen. Bei diesen war der Tod bereits eingetreten. Ein herbeigerufener Arzt brachte die lebensmüde Frau zum Bewußtsein und sorgte für ihre schleunige Ueberführung nach der Charite. Dort liegt die Frau hoffnungslos danieder.— • Ein Mordversuch rief am 1. Feiertag kurz vor 10 Uhr abends in dem Hause Dresdener Straße 80 große Aufregung hervor. Dort versuchte der 21 Jahre alte, aus Maspe bei Dortmund gebürtige Schlosser Hermann Tegt die 17 Jahre alte Else Ising aus Maspe zu erschießen, verwundete diese und durch zwei weitere Schüsse den 52 Jahre alten Uhrmachermeistcr Hermann Scholz und den 3 Jahre alten Sohn Kurt des Bäckermeisters Stein. Scholz ist lcbcnS- gefährlich verletzt. Der Grund zur Tat soll sein, daß das Mädchen den Schlosser mit seinen Licbesanträgcn wiederholt abgewiesen hat. Tegt ist wegen versuchten Mordes dem Untersuchungsrichter vorgeführt ward.'».— Ein LicbeSdrama spielte sich am 1. Feiertage in einem Hotel in der Jnvalidenstraße ab. Dort versuchte der 27 Jahre alte Kutscher Hugo Holling aus der Tegeler Straße seine Geliebte, die 24 Jahre alte Eiscndreherfrau Martha Geick, geb. Birkhahn, und sich selbst um das Leben zu bringen. Frau Geick lebte mit ihrem Manne in Scheidung und unterhielt mit Holling ein Licbesver- hältniS, mit dem ihre Eltern nicht einverstanden waren. Ob die Tat mit Einverständnis der Frau Geick geschehen ist, ist fraglich. H. hatte mit seinem großen, scharf geschliffenen Taschenmesser der Frau die Kehle durchgeschnitten und sich selbst ebenfalls einen Schnitt in den Hals beigebracht. Während die Frau gleich das Be- wußtscin verloren hatte, war der Mann noch imstande gewesen, sich zur Klingel zu begeben und diese in Bewegung zu setzen. Beide wurden nach der Eharite gebracht. Holling unter dem Verdacht des versuchten Mordes als Polizeigefangener. Einen traurigen Abschluß nahm das Weihnachtsfest für die tamilie des GrünkramhändlerS Paul Weser in der Schlesischen traße 46. Der 69 Jahre alte Mann betrieb dort sein Geschäft seit ungefähr Jahresfrist zusammen mit seiner Frau und seiner er- wachsenen Tochter. Es ging so schwach, daß er sich schon seit längerer Zeit Sorgen niachte und endlich beschloß. ailS dem Leben zu scheiden. Während er Sonntagabend von 6 Uhr an allein zu Hause war, schrieb er AbschiedSbriefe lind griff dann zum Strick. Um 8 Uhr kehrten Frau und Tochter von einen, Ausgang zurück und fanden ihn tot an einem Türpfosten hängen. Die Leiche wurde beschlagnahint tlnd nach dem Schauhause gebracht. Unter den Rädern eines EisrnbahnzngeZ suchte und fand in der Weihnachtsnacht«un 12 Uhr ein unbekannter Mann seinen Tod. Aus dem Schlesischen Bahnhof stürzte er sich vor den einlaufenden Fernzug 16t6, desieu Räder ihm den Kopf vom Rumpfe trennten. Der etiva 40 Jahre alte Tote hatte eine» Zettel mit den« Rainen Herinann ZieSlich aus Mühlberg im Kreise Sagau bei sich und trug einen Ueberzieher von einer Firma in Schweidnitz. Eine französische Zeitung in Berlin. Unter dem Titel«Journal d'Altemagne' erscheint vom 1. Januar ab in Berlin eine französische Zeitung, von der gestern die erste Probemimmer erschienen ist. Das„Journal d'Allemagiie' «st die erste französische Zeitung in Deutschland, wenigstens die erste. die für das weitere deutiche Publikum bestimmt ist. Sie bietet ein Gegenstück zu de» beiden in Frankreich erscheinenden deutschen Blättern(der„Pariser Zeitung' in Paris und dem„Rivicra-Tage- blatt' in Nizza). Wie aus dem auf der ersten Seite veröffentlichten Programm hervorgeht, soll das Blatt auch für die Jugend, und die- jenigen,' die sich in der französischen Sprache vervollkommneil wollen, bestimnit sein._ Kindesmord? Die Leiche eines etwa ein Jahr alten Mädchens wurde in der Nacht zum ersten Feiertage lim 3'/- Uhr auf dem Zeppelinplatz gefunden. Sie war ganz nackt und hatte Ausschlag am Gesicht und anderen Körperteilen. Traurige Weihnachten. Eine schreckliche WeihnachtSiiberraschung ist der Familie deS ggjährigen Kutschers Otto Baschwitz. Schulstr. 77, zu teil geworden. Baschwitz war seit längerer Zeit ohne Beschäftigung, und da alle Versuche, wieder Arbeit zu erhalten, scheiterten, so faßte er in der Verzweiflung den Entschluß, sich das Leben zu nehmen, um seinen Angehörigen nicht mehr zur Last zu liegen. Am Heiligabend führte er sein Vorhaben aus. Er erhängte sich in einer Laube an der Sckulstraße. Ei» von der Rettungswache hinzuaerufener Arzt konnte bei dem Lebensmüden nur noch den Tod feststellen. Während die Angehörigen daheim der- geblich auf das Eintreffen des Ernährers warteten, fuhr man die Leiche deS Selbstmörders nach de»» Schauhause. Ein tragifcher Vorgang hat sich Heiligabend in der Weberstr. 10 abgespielt. Bei der Familie des Kaufmanns F. hatte eine Ver- wandte, eine ältere Dame, der WeihnachtSbescherung beigewohnt. Während nun die Kinder Weihnacktslieder fangen, wurde sie plötzlich von einein Unwohlsein heimgesucht und nach wenigen Minuten war die Greisin bereits tot; ein Herzschlag hatte ihrem Leben ein jähes Ende bereitet._ Schwere Straßenbahnunsiille haben sich an den Weihnachtsfeier- tagen ereignet. In der Schönebcrger Straße stieß ein Straßenbahn« wagen der Linie bS mit einem Milchwagen der Meierei Wilhelm Lemke, Mariannenstr. 35 zusammen, dessen Kutscher unmittelbar vor dein Bahnlvagen die Gleise kreuzen wollte. Infolge des heftigen Zusammenpralls stürzte der Mitfahrer des Milchwagens, der 23jährige Hermann Lemke, Bernburger Str. 30 Wohnbast, vom Bock und erlitt fo schwere innere Verletzungen, daß er in besinnungslosen, Zustande»ach dein Elisabeth-Krankenhause geschafft»verde» mußte. Beim Verlassen eines fahrenden Straßenbahnwagens ist der Kausinann August Bohn aus Schlottheiin schwer zu Schaden ge- kommen. Er verließ kurz vor der Haltestelle Ecke der Scharnweber- und Eichbornstraße einen von ihn, benutzten Motorwagen der Linie 25, fiel und trug eine Gehirnerschütterung und erhebliche Ver» letzungen an den Beinen»md im Gesicht davon. Der Verunglückte Wurde nach dem Paul-Gerhardt-Stift übergeführt. In der Skalitzer Straße betrat vor dem Hause Nr. 102 die 43iährige Frau des Grünauer Str. 2 wohnhasten Bauarbeiters Perzikoiviak fo dicht vor einem herannahenden Rettungswagen der Straßenbahn das Gleis, daß sie umgestoßen wurde, mit der linken Körperhälste unter den Schutzrahmen geriet. Mit Hilfe von Pasfanten wurde der Bahwagen angehoben und die Verunglückte innerhalb drei Minuten aus ihrer entsetzlichen Lage besteit. grau P. wurde nach der Rettungswache am Görlitzer Bahnhof gebracht, wo eine schwere Brustgnetschung und tiefe Fleischwunden festgestellt wurden, und von dort nach dem Krankenhause Urban übergeführt, wo sie in bedenklichein Zustande daniederliegt. Ein vierter schwerer Unglücksfall ereignete sich am Sonntag in der Bärwaldstraße. Dort sprang in der Nähe der Wilmsstraße der Privatier Fritz Gorgast aus Britz von einem fahrenden Straßenbahn« wagen der Linie 35 ab, stürzte dabei zu Boden und trug einen komplizierten Bruch des rechten Oberschenkels sowie anscheinend auch innere Verletzungen davon. Der Verunglückte wurde mittel« Mannschaftswagens der Feuerwehr nach dem Krankenhause am Urban geschafft.. Der in der Soldiner Str. 00 wohnhafte 35jShrige Steinsetzer Friedrich Riedel war von der Elsasser Straße nach der Prinzen« Allee gefahren und wollte abspringen.' Er kam dabei zu Fall und wurde ein Stück von dem Waggon mitgeschleift. In besinnringS- losem Zustand schaffte»nan den Verunglückten nach der könig- lichen Klinik. Die Verletzungen, die sich R. zugezogen, sind äußerst schwere. Arbeitcr-IildungSschule. Die durch die Krankheit deS Genossen Grunwald ausgefallenen Unterrichtskurse werden wie folgt nach» geholt: Finanzwissenschaft: Dienstag, 28. Dezember, Mittwoch, den 29. Dezeinber und Donnerstag, den 30. Dezember, abends 8>/z U h r. Geschichte: Montag, den 3. Januar. Dienstag. den S. Januar und Mittwoch, den S. Januar, abends 8'/, Uhr. DerVorstand. Von der Verlosung bei der Matinee am zweiten Weihnacht»« seiertage bei Keller. Koppenstr. 29, sind die Gewinne aus die Nummern 107, 170, 174, 258. 394 nicht abgeholt worden; dieselben sind bei Frau Fahrenwald, Tilsiter Str. 77, nach Vorzeigung der Nummern m Enipfang zu nehinen. Ein erheblicher Berstfit. Am zweiten Weihnachtsfeiertage verlor eine Frau in der Esmarch- oder Pasteurstraße ein kleines braunes Portemonnaie mit 15,75 M. Inhalt. Da dieselbe durch den Verlust empfindlich getroffen wird, so wird der ehrliche Finder gebeten, das« selbe Esmarchstr. 16, Seitenflügel I bei Müller abzugeben. Vorort- l�acbndrtctt« Wilmersdorf. Die Wertzuwachssteuer. Die Trostlosigkeit der gegenwärtigen Kommunalzustände in Wilmersdorf erkennt man an einer offiziösen Mitteilung, die sich mit der Frage der Wertzuwachssteuer befaßt. Vor vielen Monaten schon schwang sich die Stadtverordnetenversammlung in einer leichtsinnigen Stunde zu dem Beschluß auf, sich mit der Ein« siibrung dieser Steuer zu befaffen. Da Wilmersdorf wie kaum ein anderer Berliner Vorort das Eldorado der Grundstücksspekulanten ist, kann man sich vorstellen, daß von großem Jnlerefie bei dieser Angelegenheit nicht die Rede war. Im Hinblick daraus, daß Schöneberg eine Werlzuwachssteuer eingeführt hat und gemeinsaine Grundsätze für die westlichen Vororte besonders in dieser Angelegenheit empsehlens- wert find, verstand man sich iminerhi» zur Wahl eines Ausschusses, der die Sache prüfen sollte. Ob dieser Ausschuß im Sinne der Stadtverordnetenversaminlung gehandelt hat, wissen wir nicht: den Terrainfpekulanten hat er aber eine große Freude bereitet. Es ist nämlich jetzt an» Licht gekommen, daß der Ausschuß zwar mehrere Male zu Sitzungen einberufen wurde, jedoch niemals beraten hat. weil die Mitglieder einfach nicht erschienen. Sollte diese gescheite Taktik weiter verfolgt werden, dann kann das Spcku« lantemum am Wertzuwachs noch Millionen ergattern, ohne daß der Stadt ein Pfennig von dem mühelos eingeheimsten Gewinn der Gmndstückwucherer zugute kommt. Man kann sicher darauf rechnen, daß da» Juteresse für diese Steuer nicht früher geweckt wird, als bis Sozialdemokraten in die Stadt- verordnetenversammlung eingezogen sind und dort den Vertretern deö Besitzes nach Gebühr einheizen. Eine AuükunftS« und Fürsorgcstelle für Ailoholkrank« will der Magistrat von WilinerSdorf an die schon bestehende Tuberkulose» fürsorge stelle angliedem. Diese Verbindung empfiehlt sich nach Ansicht deS Magistrat», weil viele Tuberkulose erst durch Alhoholmißbrauch zu ihrer Krankheit konunen und weil die in der Tuberkuloseillrsorgcstelle lätigen Schwestern am besten Gelegenheit haben, die Fannlienverhättuisse der Kranken kennen zu lernen. Rixdorf. Verschüttet und erstickt ist an, ersten Weihnachtsfeiertag der zehn- jährige Sohn Gustav des Postassistenten Kühne aus der Münchener Straße 42/43. Der Knabe spielte mit mehreren Altersgenossen auf dem unbebauten Grundstück an der Ecke der Reuter- und Mainzer Straße. Dort machte er am Fuße einer ziemlich steilen Schacht- böschung mit seinem Kindersäbel ein großes Loch und stellte sich hinein, um zu sehen, wie groß er sei. Plötzlich gab das Erdreich nach. stürzte herunter, begrub Kühne unter sich und verschüttete auch»och den Sohn Herbert des BezirkSschornsteinfegemeisterS Mithalte aus der Münchener Straße 42/43. Auf das Geschrei» der Kinder eilten der Pförtner Johann Zimmer und andere Leute herbei, die Kühne ausgruben, während die Kinder selbst Michaile befreite». Dieser war ohne Schaden davongekoinincn, während Kühne sein junges Leben eingebüßt hatte. Die zu Hilfe gerufene Feuerwehr brachte den Er- stickten nach der Unfallstation XII, wo aber alle Wiedcrbelebungs- versuche erfolglos blieben. Die Leiche wurde beschlagnahmt, einst- weilen aber nach der elterlichen Wohnung gebracht. Für die städtische Omnibuslinie Buschkrug— Krankenhaus ist nun- mehr ein endgültiger Fahrplan aufgestellt und genehmigt worden. der besonders auch einein Anschluß an die Straßeilbahnlinie 47, die bekanntlich jetzt bis zuin Buschkrug durchfährt, Rechmmg trägt. Der neue Fahrplan tritt voin 1. Januar 1919 ab in Kraft. Die AbfahrtS- zeiten sind wie folgt festgesetzt worden: Ab Krankenhaus Buckow: 723, S23, O3, 1023 usw. bis 9- abend»; letzter Wagen II31. Ab Buschkrug. Britz: 73* S30, 9M, 1050 usw. bis 880 abeudS; dann b33 und letzter Wagen II33. Außerdem verkehren vorläufig bis auf weiteres an den Besuchs- tagen— Mittwoch und Sonntag— besondere Wagen, und zwar fahren drei Wagen voin Hermannplatz nachmittag? uin I33, l3» und I33 und drei Wagen von» Rathaus nachmittags um I33, 1« uud 1« ab. lieber einen sonderbaren Borfall auf dem hiesigen Hauptpostamt berichtet ui»S ein Leser, der am Donnerstagabend'/,8 Uhr dort ein Paket aufgeben wollte. Infolge des starken Verkehrs war das Post« aint eine Stunde länger, also anstatt bis 7, bis 8 Uhr geöffnet. Ich wurde, so schreibt unser Leser, das Paket auch loS, aber nur mit der Bedingung, daß hierauf 20 Pf. Extragebühren zu zahlen seien. Der an der Tür stehende Beamte habe erklärt, daß die 20 Pf. zu zahlen seien, weil die Pakete sofort weggingen. UnS ist nicht recht klar, mit welchem Recht die Postoerwaltung gerade in der Zeit deö starken Weihnachtsverkehrs, bloß weil sie eine Stunde läirger Pakete an« »inimt und befördert, dafür extra 20 Pf. erhebt. Es wäre daher erwünscht, wenn die Postverwaltung hierüber öffentlich Auf- schluß gäbe. Schöneberg. DaS Abfuhrwesen und die gesamte Straßenreinigung soll endlich. nachdem praktische Erfahrungen in genügender Weise gesammelt, in eigene Regie übernommen werden. Bestimmend hierfür sind die gemachten günstigen Erfahrungen mit dein Automobilbetrieb, der es erniöglicht, die Straße», viel sauberer, schneller und billiger zu reinigen, als dies bisher der Fall war. Die Kosten des Pferde- betriebes würden sich nach angestellten Berechnung in eigener Ver« waltnng gegenüber den an Unternehmer vergebenen jährlich um 35 000 M. teurer stellen. Dagegen wird durch de» Automobilbetrieb eine Ersparnis von 15 000 M. erzielt. Die Leistungsfähigkeit be- trägt 45 000 Quadratmeter täglicher Straßenfläche, die durch Anbringung einer Vereinfachung in der Wasserzuführung sich aus 50 000 Quadratmeter erhöht. Bei Pferdcbetrieb lönnen nur 30 000 Quadratmeter Fläche gereinigt werden. Die Koste» der Automobilwaschwagen stellen sich mit Abnutzung und Amorti- sation einschließlich des für das Depot, erforderlichen Baukapitals um 300 M. jährlich billiger als bei den mit Pferden bespannten Wasch- wagen. Eine weitere Ersparnis von 11 000 M. wird durch die Oel- besprengung der Straßen mit Westrumit erzielt. Die Gesamt- reorganisaNon wird sich in drei Jahren in der Weise vollziehen, daß in der ersten Periode mit einem Kostenaufwande von 19 990 M. ein Depotschnppen gebaut, fünf elektrische Waschwagen für 63 000 M. angeschafft und 45 000 M. für Versuche mit neuen Betriebsmitteln eingestellt werden. Im zweiten Jahre soll der Fuhrpark durch 3 bis 4 Maschinen ergänzt, da» Depot fertiggestellt und mit einer DeS- infektionSanlage verbunden werden. Die dritte Periode wird sich vorwiegend mit dem Abfuhrwesen, d. h. mit der Beseitignng deS Mülls und des StraßenkehrichtS zu beschäftigen haben. Aus diesem Gebiete handelt es sich zunächst darum, Erfahrungen zu sammeln und diese durch selbständige Versuche zu ergänzen. Die Vorlage wird mrt dem neuen Star unterbreitet. Grosi-Lichterfelde. Ein Familicndrama spielte sich am Schluß der Weih« nachtsseiertage hier ab. Der 56 Jahre alte Molkereibesitzer Schneider in der Dürerstraße 46, der wegen Verschwendung entmündigt und bereits früher in einer Irrenanstalt interniert war, gab am zweiten Feiertag in der sechsten Lbendsmnde, als seine Frau mit den Kindern am Kaffeetisch saß, auf diese mehrere Revolver» schüsse ab; die Frau, die hilferufend unter den Tisch flüchtete. wurde schwer und der zu ihrem Schutz herbeieilende Geschäftsführer durch einen Schuß in den Unterleib tödlich ver- letzt. Die Kinder kamen mit dem Schrecken davon. Die beiden Schwerverletzten fanden Ausnahme in dem hiesigen Kreiskranken« Haus. Schneider, der sich nach der Tat in seinem Zimmer einschloß, konnte erst nach einigen Stunden mit Hilfe einer Anzahl Schutzleute und Feuerwehrmänner verhaftet werden. Die Erbitterung über seine Entmündigung soll der Anlaß zu dem Revolverattentat aus seine grau gewesen sein. Friedenau. In der letzten Mitgliederversammlung des Wahlvereins teilte der Vorsitzende zunächst mit. daß unser Genosse Schilling auf dem Schlachtselde der Arbeit geblieben ist. Die Anwesenden erhoben sich zu Ehren deS Verstorbenen von ihren Plätze». Nach Erledigung einiger Neuaufnahmen referierte Genosse Horlitz-AdlerShof über den Klassenkampf des Proletariats. Der Vortrag wurde mit allseiligem Beifall aufgenominen. Hierauf gab Genosse Oskar Hagen den Be- richt von der Kreisgeneralversammlung. Auf einige Anfragen be- treffend das Kommunalprogramm gab Äenoffe Horlitz ausführliche Erklärungen. DeS weiteren lourde ein Antrag deS BorftandeS, einen Exlrabeiirag von monatlich 5 Pf. von allen inämilichen Mitgliedern zu erheben, angenommen. Dieser Extrabeitrag soll zur Gründung eine» Fonds benutzt werden, aus dem in Zukunft alle Ausgaben für den JugendauSschuß bestritten werden sollen. In die Kinderschutz- tommission wurde die Genossin Lichtenberg, Friedenau, Hähnelstr. 19. gewählt. Lichtenberg. Einstimmig, so bet-nt ausdrücklich eine vom Magistrat den Stadtverordneten gemachte Mitteilung, habe der Magistrat be- schloffen, einem Beschlüsse der Stadtverordnetenversammlung nicht beizutreten I Die„Dienst- und Besoldungsordnung für mittlere und Unter- beamte", die einen Bestandteil der soeben vollzogenen generellen Gehaltsaufbesserung der städtischen Beamten darstellt, ist im wesent- lichen von den Stadtverordneten nach den Vorschlägen des Magistrats angenommen worden. Zu dem ß 3 Absatz o, in dem ausgesprochen wird. daß die städtischen Beamten sich im Jntereffe deS Dienste» die anderweitige Ver- Wendung im städtischen Dienste gefallen kosten müssen, hatte die Stadtverordnetenversainmlung auf Vorschlag unserer Partei- genossen den Zusatzantrag zum Beschluß erhoben:„Jedoch dürfen Beamte nicht als Bedienstete oder Arbeiter beschäftigt werden!' Ganz richtig hat der Magistrat die Bedeutung des Zusatzes erkannt. er schreibt daher an die Stadtverordneten:„Diese Bestimmung soll offenbar verhindern, daß im Falle eines Streiks städtischer Arbeiter Beamte zur Aufrechterhaltung desjenigen Betriebes, in welchem der Streik ausgebrochen ist, verwendet werden!' Und nun setzt die Jntereffengemeinschaft der Magistratsmitglieder mit ihren» „einstimmigen Beschluß' ein! Die städtische Verwaltung kann unmöglich sich vollständig der etwaigen Willkür.ihrer' Arbeiter- schaft unterwerfen. Sie ist daher gezwungen, sich möglichst alle die- jenigen Mittel zu erhalten, welche geeignet find, auch ohne eine streikende Arbeiterschaft die städtischen Betriebe im öffentlichen Jnter- esie fortzuführen l 8» diesen Mitteln gehör» auch die eventuelle Heranziehung von Beamten und im besonderen von Technikern zwecks Sicherung einer geordneten Fortführung des Betriebes. Also der Magistrat. Nach der von der Stadtverordnetenversaminlung in gleich« Sitzung angenommenen.Ordnung' über die Anstclll»ngSbeding»lngen müssen die Anwärter für die Lichtenberg« Beamtenstellen neben der Reife für Prima usw. fich«oiederholter Prüfungen unterziehen und vor allem ein Zeugnis über tadellose fittliche Führung beibringen. Dabei ist aber nicht vorgeschrieben, daß auch Prüfungen im praktischen Straßenreinigen, Kohlenkarren, Retortenziehen, Lenken der Kehr- Maschinen usio. zu bestehen sind. Die Herren des Magistrats scheinen das.Können' dieser schönen Dinge— von sich auf andere schließend — bei den Beamten als selbstverständlich vorauszusetzen. Daß die Beamten den ihnen voin Magistrat zugemuteten Schimpf nachdrücklich abzuwehren gewillt sein sollten, ist kaum anzunehmen. Auf einem anderen Blatt aber steht die Stellungnahme der Stadtverordnetem Auch erklärt in derselben Vorlage der Magistrat ebenso„ein- stimmig', daß er dem zufolge eines Antrages der Sozialdemokraten angenominenen Beschluffe, daß den Beamten ein rechtlicher Anspruch aus Erholungsurlaub zustehen soll, nicht habe beitreten können. Er fährt dann weiter fort:„Der durch die Stadtverordnetenversammlung vorgesehene, unbedingt rechtliche Anspruch aus Urlaub, der nicht darauf Rücksicht niinmt, ob der Beamte sich durch gewissenhaste Er- füllnng seiner Pflichten den Urlaub gewissermaßen verdient hat, würde zur Folge haben, daß die pünkttiche und ordnungsmäßige Erledigung der Dienstangelegenheiten unter Uinsländen gefährdet wird'. So der Magistrat! Ein recht erheblich« Teil der Sradt- verordneten wird in dieser Einschätzung der Beamten dem geschästS- führenden Ausschuß der Grundbesitzervereine und der Scharsmach« in Lichtenberg, dem Magistrat, wohl nicht folgen können. Wo in aller Welt sollte denn in Zukunft die Wahlbilfe herkornmen? Die Gruppe der„Bcamtenvertreter' wird die Worte gewiß nicht sparen und die schimpfliche Zumutung zurückweisen, daß ihre Auftraggeber gewissenlose Troddel seien, die ihre Pflicht erst dann erfüllen, wenn ihnen als.Belohnung' der Urlaub winlt. Daß die Beamten aber .ortSstattitariich' eine Streikbrecherkolonne bilden sollen, dagegen iverden sich die Vertreter der werttätigen Bevölkerung ganz energisch wenden. Britz. Aufsehen erregte am Heiligabend das Benehmen eines Soldaten. Der Infanterist Otto Buchholz war auS seinem Standorte in Ost- Preußen aus WeihnachtSurlrnib zu seinen Eltern gekonunen. Als er von einer Christfeier heiinkehrend etwas angeheilert die Bürgerstraße entlang ging und laut Reservclieder sang, riefen ihm Vorübergehende zu, so weit sei es doch noch nicht. Darüber geriet der junge Mann in Wut. zog blank und drang mit dem Säbel auf dre Leute ein. Einer der Angegriffenen entriß ihm sein Seitengewehr und versetzte ihin mehrere wuchtige Hiebe üb« den Kopf, so daß er blutüberströmt zusammenbrach. Ein Nachtwächter brachte den Vernrnndeten nach dein AmtSbureau in Britz und von dort nach dem Kreiskranlenhause. Der Soldat geriet auch unterwegs wieder in eine solche Aufregung, daß er den Wächter schwer beleidigte. Adlershof. Die letzte Gemeindevertretersitzung beschäftigte sich Eingangs mit einem Drmglichkeitsaiitrage der Vertreter der zweiten Abteilung. Der Antrag verlangte die Neuwahl deS Vorfitzenden der Kommiiiion für Vorbereitung der Gemeindevorsteherwahl und deS Vorsitzenden der Kommission für die Eingemeindung in Köpenick. Im ersteren Falle hat der Schöffe Bach die Beschlüsse der Kommission nicht zur Ausführung gebracht und im ziveiten Falle hatte der Schöffe Kaiser die Wahl zu»»» Vorsitzenden abgelehnt. Da die Sitzung am Anfang nur schwach besucht war, wurde die Dringlichkeit mit Stiminengleichheit abgelehnt. Unt« Geschäftlichem erklärte der Gemeindevorsteh« dann, den Vorsitz an Stelle des Schöffen Kaiser selbst übernehmen zu wollen»»nd»oll die erste Sitzung der Kommission zwischen Weib- nachten und Neujahr stattfinden. Die Bachsche Angelegenheit wurde in den nicht öffentlichen Teil der Sitzung verlegt. Zu diesem Punkte beantragte» unsere Genossen bei der späteren Verhandlung, die An« Selegenheit in nächster Sitzung öffentlich zu«ledigen, da persönlich« lngelegenheiten nicht in Frage kommen. Zum zweiten Puntt der Tagesordnung:.Uebernahme der höheren Privatschule für Knaben und Mädchen auf die Gemeinde' war der nominelle Inhaber der Schule, Herr KreiSschulinspektor Sakobelski,«schienen; derselbe legte in längeren Ausführungen die Notwendigkeit der Uebernahme dies« Schule durch die Gemeinde und den weiteren Ausbau derselben ein- gehend dar. Von den Anhängern der Durchführung dies« Schule zu einer höheren Knabenschule, welche vom Jahre 1913 ab den Gemeindeetat mit einem jährlichen Zuschuß von 45 000 bis 50 000 M. belasten würde, wurde wiederum der früher dargelegte Standpunkt vertreten, doch erklärten die Bürgerlichen zum Schluß. für den Antrag des KuratoriuniS, dessen Durchführung im Jahre 1912 der Gemeinde mindestens 20000 M. kosten wird, stimmen zu wollen. Unsere Vertreter legten nochmals ihre prinzipiellen Ansichten gegen höhere Schulen mit Vorschulklassen dar und erklärten sich ganz ent- schieden gegen die Ausgestaltung der bestehenden Schule zu einer höheren Knabenschule wegen der enormen Zuschüsse, loelche dieselbe erfordern würde. In der Abstimmung wurde die Uebernahnre der Privatschnle auf die Gemeinde gegen die Stimmen unserer Genossen und des Herrn Lutze beschlossen. Zur Aufklärung der für den höheren Schulbesuch in Beiracht kommenden Eltern sollen die AuS- führungen deS Herrn SäiulinspektorS in ein« Broschüre veröffentlicht werden. Die Anschaffung von Pferden für die Gemeinde- Verwaltung und für die Feuerwehr und d« Bau eines StallgcbäudeS ans dem Grundstück deS Fenerwehr-DienstgebäudeS wurde in Rück- ficht auf die EingememdungSfrage auf ein Jahr vertagt. Da in letzter Sitzung die Ortszulagen für das Lehrpersonal der Volksschulen beschlossen wurden, mußten auch die Gehälter der Lehrerinnen an der höheren Privatschule aufgebesiert werden. ES wurde den betreffenden Lehrerinnen für das EtatSjahr 1909 eine Teuerungszulage von 250 M. gewährt. Vom 1. April 1910 ab sollen die Gehälter dieser Lehrerinnen neu geregell werden. Von dem Verbände der Baugeschäfte Berlins lag ein AbänderungS- antrag zu den Bedingungen beir. Einhaltung der Lohntainfe durch die Unternehmer und Bitdung von Schiedsgerichten zur Schlichtung von Streitigkeiten bei Ausführung von Gemeindearbeilen vor. D«§ 2 dieser Bedingungen gibt der Gemeinde da» Recht, die Lohnlisten der Unternehmer durch Beamten der Ge,neinde einzusehen. Hierzu war beantragt, die Einsicht jederzeit durch einen unparteiischen Vertrauens« mann der Gemeinde, weltber in keinem beamteten AbhängigkeitS« Verhältnis zu» Gemeinde steht, vornehmen zu lassen. Der§ 3, welch« bei Streitigkeiten aus dein ArbeitSverhälMiS ein von der Gemeinde» Vertretung zu bildendes Schiedsgericht vorsieht, soll nach dem Antrage des Verbandes dahingehend geändert werden, daß da» von ihm und dem Gegenkonlrahenlen im Tarif vorgesehene Schiedsgericht bei Streitigkeiten in Tätigkeit treten solle. Entsprechend dem Antrage der erweiterten Kommission für Straßenbauten und so weiter, welche diese AbänderungSanträge vorberaten hatte, wurde der Antrag zu§ 2 angenommen und zu 8 6 abgelehnt. Beschloffen wurde noch, den BahnhofSwirlschaflSgarten. welcher Eigentum der Gemeinde und von dem Bahnhossökonom gepachtet ist. nickt mehr zu verpachten, sondem eine öffentliche Schmuckanlage herzustellen. Treptow'Baumschulentveg. Durch eine» umstürzenden Telegraphenmast schwer verletzt wurde der Telephonvorarbeit« Richard Hösel. Große Frankfurter Straße 23 wohnhast. H. hatte mit einer Kolonne von Arbeitern in der Kies- Holzstraße in Baumschnlenweg Telegraphenmasten ausgegraben und umgelegt. Bei dieser Arbeit verloren die Leute die Gcivalt über einen der ausgegrabenen Masten, so daß er umstürzte. ES gelang den Arbeitern, sich durch Seitensprünge in Sicherhett zu bringen, doch wurde H. von dem Mast zu Boden geschmettert und unter ihm Kegraven. Mit schweren inneren und äußeren Verletzungen wurde der Bedauernswerte nach dem Krankenhause am Urban gebracht. Weihensee. Dir Gemeindevertreter kamen kurz vor Weihnachten zusammen, un, den Arbeiten, und Beamten durch Aufbesserung ihrer Bezüge eine Festfreude zu bereiten. Doch von einer solchen Festfreude konnre keine Rede sein, denn die bewilligten Aufbesserungen haben weder rückwirkende Kraft, noch werden dieselben sofort einsetzen, sondern erst am t. April 1910. Wie gewöhnlich bei solchen Gehalts- anfbesserungen sind die Arbeiter und unteren Beamten am schlechtesten weggekommen. Unsere Genossen Fuhrmann und Taubmann nagelten diese Tatsache nicht nur im Plenum, sondern auch in den entsprechenden Kommissionen fest. Die bürgerlichen Herren gingen jedoch über die von der Finanzkommissiön vor- geschlagenen Erhöhungen nicht hinaus. Durch einen Berragungs- auirag wollte man sogar die Angelegenheit bis nach dem Feste verschieben, jedoch blieb der Antragsteller mit seiner Ansicht allein. Die Aufbesserungen sind nun folgende: Kanalisationsarbeiter von 4.09 M. auf 4,25 M. pro Tag;«trajzenarbeiler von 3,00 M. auf 4,00 M., über 50 Jahre auf 3,75 M.; Gartenarbeiter von 3,50 M. auf 3,75 M.. die Vorarbeiter erhalten pro Tag 50 Pf. mehr. Sonstige Arbeiter 40—42 Pf. die Stunde, sämtlich bei neunstündiger Arbeiiszeit. Die Heizer und Arbeiter des Elektrizitätswerks erhalten 45—55 Pf. bei elfstündiger Arbeitszeit, während diese früher zwölf- siiindige Arbeitszeit bei gleichem Lohn hatten. Die Polizeisergeanten, Vollziehuiigsbeamten, Gemeindedicuer von 1600 auf 1760 M., Endgehalt 2460 M.; Polizeiwachtmeister von 1800 auf 2010—2660 M.; Echuldiener von 1200 auf 1320 M.. freie Wohnung und Heizung; Nachtwächter von 700 auf 800 M.; Assistenten, Registratoren von 1900 auf 2200—3850 M.. unter 26 Jahre 200 M. weniger; Sekretäre von 2300 auf 2500—4900 M., Kämmereiinspektor und Polizcikommissar von 2800 auf 3100—5300 M.; Wassermesserkontrolleure von 1800 auf 2000—3100 M.; der Gemeinde« gärlner von 1800 auf 2000 M.; der Gemeinden, aurer von 36 auf 33 M. pro Woche. Die Maschinenschreiberinuen erhallen im 1. Jahre 730 M.. im 2. Jahre 900 M., im 3. Jahre 1080 M.. im I 4. Jahre 1200 M.; die Bureaugehilsen, die über 1000 M. beziehen, erhalten eine Zulage von 100 M., unter 1000 M. eine solche von 60 M.; der Bureaudirektor, die Bauräte, der Direktor des Elektrizitätswerks erhalten eine Aufbesserung von 500 M. Eine ganze Reihe Beamten, wie Architekten, Techni ker, Straßen inspektor, Leiter des Wohlfahrtsamts, Totengräber uiw., erhielten Aufbesserungen von 100 bis 300 M.; die besoldeten Schvffeii, welche bisher 4500 M. bezogen und dreimal nach drei Jahren 500 M. Zu lagen erhielten, sollen jetzt fünfmal nach drei Jahre» 500 M. zu gelegt erhalten, außerdem erhält der erste Schöffe<600 M. Auf besserung als stellvertretender Amtsvorsteher. Der« Gemeinde� Vorsteher wurden 500 M. Gehalt und 300 lvd. Aufwands- gelder als Amtsvorsteher mehr bewilligt. Sämtliche Nebengehälter sollen als pensionsfähige gelten. Die Aufbesserungen der Beamten ergeben iilsgesaml 30 000 M., die der Arbeiter 11 000 M., die der schon bewilligten Lehrergehälter 40 000 M., die der höheren Lehr- Personen 10 000 M., insgesamt 91000 M. Der Etat ber Sparkasse für das Jahr 1910 lvurde festgesetzt in Einnahme von 50 M. und AuSgnbe von 6422,50 M, so daß 6372,50 M. aus den Ueberschüfsen zu decken find. Für Anschaffung von zirka 500 Linden. 500 Rüster» und 200 Eichen wurden 2600 M. bewilligt. Diese sollen teils als Ersatz für eingegangene Straßenbäume und zum Teil für die Park- anlage um das SäuglingökrankcnhauS dienen. Die Neuregelung der Fürsorge für die Witwen und Waisen der Lehrer und Beamten an den höheren Lehranstalten wurde ohne Debatte angenommen. «SttterungSübersicht vom 37. Dezember ISO», morgens S IIb». Ctottoncn äe 1! Jl W-8 ä| = 2 i? Letter SwMemdr. «rlm zrants.a.M München Wieu 753 WSW 754 WSW 757 SW 761 SW 764 W 763 W 4 Regen 6 Regen 3 Regen 2 bedeckt 2 bedeckt 2 bedeckt n»« «i» »II Sf tii «tattonen _ 8 c! Z h LZ »=8 «§ s 2 if haparanda 745 SSO ZeterSburg 758 OSO Lette, *9 tS"* s« g»-Na»c»h« Nachmittags 4 Uhr: Rom und die Campagna. Abends 8 Uhr: In den Dolomiten. Src>»warte. AnvalideiiM>7—62 *K- 8 Uhr: DaS Konzert, Mittwoch, 8 Uhr: TantriS der Starr. c viinerstag, 3 Uhr: Das Konzert. Berliner Theater. Heute 8 Uhr zum 50. Male: Hohe Politik. Morgen: Hohe Politik._ Neues Theater. Abends 8 Uhr; Ein königlicher Spaß. Morgen und folgend« Tage: Ei» königlicher Spaft. Theater des Westens. Abends 8 Uhr: Di« geschiedene Fsrm». Mittwoch und Donnerstag 4 Uhr: Sti-uwwelpetor__ >'cae« Operetten-Theater. Sckiisbauerdamm 25, a. d. Luilenstr. Heute und folgende Tage 8 Uhr: Der Graf von Luxenidnrg. Morgen Mittwoch 31/, Uhr zu er- mäßigten Preisen: Die goldene Märchenwelt. Lustspielhaus« Abends 8 Uhr: Der dunkle Punkt. Urania. Wissenschaftliches Theater. Nachmittags 4 Uhr: Born und die Cainpaenn. Abends 8 Uhr: In den Dolomiten. Friedrich-Wilbelmstädtiscties Schauspielhaus. Dienstag, 28. Dez., Ansang 8 Uhr: Die Haubenlerche. Mittwoch: Die Haubenlerche. Donnerstag: Im bunten Rock. Freilag: Der Ehrenrat. Sonnabend nachm. 3 Uhr: Othello. Residenz-Theater Direktion: Richard Alexander. Abends 8 Uhr: Im Taubenschlag. Schwank in 3 Akten von Hemicquin und Veber. Morgen und folgende Tage: Dieselbe Vorstellung. Sonntag. 2. Jan., 3 U.: Musotte. Luisen-Theater. AbendS 8 Uhr: Nie Reise m die Erde m 8b Tage«. Gr. Ausstattungsstück in 14 Bildern mit Gesang uub Tanz v. A. Eunery und JuleS Berne. Mittwoch, Donnerstag: Die Reife um die Erde in 80 Tagen. Freitag Premiere: Eine vergnügte Kindtause. Sonnabend nachm. 3 Uhr: Gib mich srci. 3 Uhr: Eine vergnügte Klndtause._ Schiller Sohiller-Theater 0.(Wallner-Theat.) Dienstag, abend» 8 Uhr: ms nobbs. Lustspiel in 4 Auszügen von Jerome K. Jerome. Deutsch v. W. Wolters. mr End- 10>/« Uhr.-WG Mittwoch, abends 8 Nor: Der Sebn'ar der Treue. Donnerstag, abends 8 Uhr: Z. 1. Male: VisI ISrinen um nicht«. Theatep. Schiller-Theater(Chartottenburg). Dienstag, abend« 8 Uhr WaIIen«telns Tod. Trauerspiel in fünf Auszüge:, von Friedrich Schiller. mm- Ende XI Uhr.-VII Mittwoch, abend« 8 Uhr: Der Belneldbaner. Donnerstag, abends 8 Uhr Die von Hochnattel. iusstellungshallen am Zoo. Zweites Berliner :: Sechs-Tage-Rennen:: vom 27. Dezember, abds. lOUbr bis 2. Janoar, abds. lOUbr. ---------- Tag und Nacht unuDterbrochen geöffnet. n OSE=THEATE| Große Fraicksurter Str. 132. Auf. 8 Uhr. Ende 11-/, U.\ Faust. Tragödie von Goethe, l. Teil. VoIIlS'Uper. Belle-Alllance-Straß« Sir. 7/8. Ansang'1,9 Uhr. Der Trompeter von Säkkingen. Helropol-Theater Hallo!!! Die große Revue! In 8 Bildern von Jul. Freund. Musik v. Paul Linoke. In Szene gesetzt vom Dir. Rieh. Schultz Anfang 8 Uhr. Rauchen gestattet. Gastspiel-Theater. Heute und folgende Tag- 8 Uhr: Der Hüttenbesitzer. Sonntag nachmittags 3-/, Uhr: _ Kleine Preise._ Nur noch wenige Tage! Die großen Attraktionen. Prinz Pinne. Neue Einlage: Anna Httller-Kdncke, Henry Bender. Das Wunderkind Petit Roberto, Schimpanse Konsul James Great. Gaftsp. des Boigt-Theatcr-EnseniblcS. Dirnstag, den 28. Dezember: Fränlein Doktor. Lujtfpicl in 4 Akten vo» Waller und Stein. Kasseneröjstmng 7 Uhr. Anfang 3 Uhr. JjJ, SV liCtzte Woche! Otto Stentter. -- La Pia------ i. ihr. Kreation„Der Wellen Geist", Merlans Hunde- Theater: „Entführung d. Salome-Tänzerin", gespielt von 42 Hunden, und die auserlesenen Sterne DezembersHimmel des Wintergartens. ZurSilvestervorstellung sind bereits jetzt Billetta an der Tageskasse ohne Vorverkauksgebühren zu haben. Casino-Theater Lothringer Straße 37. Ab. 3 Uhr: Ver Obergauner. Sonnabend. 1. Jan., nachm. 4 Uhr. Sonntag, 2. Jan., nachm. 4 Uhr: Neu! Trudchen« Sommerreise. Passage-Panoptikum. Senegal in Berlin! BO wilde Weiber "" Männer, Kinder. Drei Negerdörfer Ohne Extra-Entrcc! Vom 22. Oezbr. bis inkl. 4. Januar: Toll&stageS Passage-Theater. Abends 8 Uhr. Erstes Auftreten der bezaubernden iGussi Holl i Ota Gygi 14 erstklassige �Spezialitäten. Heute Dienstag, den 28. Oezbr.. abends VI, Uhr: Große Extra-Vorstellung Debüt! Debüt! Oricinal-Baeonahi, der kleinste komische Retter der Welt. Sergeant Brennan, der beste Diobolospieler. Der Amerikaner Mstr. Niblo mit seinen nunderheren Papagelen, Rlnsbampr-Parodle der ClownS Jim-Jam u. Cotirell. Heurv Valdortk, der moderne Simson. Um 8 Uhr Ende 10 Uhr Zum 60. Male: Die drei Riralen oder das mysteriöse Schloß in der Normandio. Große Feerie in 5 Akten. 2iHkus Busch. Heute Dienstag, d. 28. Dezemb., I abends 7'/» Uhr präz,: Gr. Gala-Vorstellnne;. U. a. Der Amerikaner Kerslake mit seinen weltberühmten dressierten Schweinen! 1 Zum ersten Male a. d. Kontinent| Möns. Colon, dressierte Affen! Femer: Herr Burkhardt- 1 Foottit,Schulreiter.FrI.Wardla 1 Beketow, Sohnlreiterin, Herrl EmstSohumann.NeudreBsnren i 4Qebr.Karolis,ung.Keitkünstl.( Ö'l, Uhr zum o. Male: Die neue russische Pantomime Mar ja. J Hern Konunandanlenslr. 57. T. A. 4, bcLZ. „8i> iiiiiK man's machen" Hierzu: Ein Rettungsmittel Anfang 8 Uhr. Vorverkauf II— 2 Uhr. Am 31. Dezember vo« abeudS 8 bis 4 Uhr früh: mit Niesen-Lach-Programm und Silvefter-Kabarett tc. tc. VUlettS hierfür sind bereits zu haben. 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Trianon-Theater. Abend» 8 Uhr: Kuridlms Esel. Morg.«. folg. Tage: Buridan» Esel. Weinlierg&eeg 19-20, Rosenth.Tor. Ans. 8 Uhr. Die grosiartigen I Dezember-SpezialitSien. I JmTunnel: RegimentSkaPelle. Theaterbesuchern sreter Eintritt: Karl klavertanä Ansang Tbeatzee präz. 7U. 77/79 Kommandanteustraße 77/78. ««» neue erstklassige«-» I � Spenlalltütea. 8.0» j Schlager auf Schlager! SM Mcnkplett Anf.8 Uhr.' Das phänomenale Pro gram» mit der Novität: Die Trocbenwolmer. Vorbestellungen für Silvestertische werden schon jetzt ent- Kur den Inhalt der Inserate ttderntmm» die Redaktton dem PudUtum gegenüber keinerlei Berantwortnng. OcklimwlW dkl Dttchfltt - und vellvandten Gkwerbe. Montag, den 10. Januar INI«, abends von 7'/,— 8'/, Uhr: Wahl- Versammlungen im„Gewerkschaftshanse". Saal 1, Engelufer 15. r Versammlung sämtlicher groszjiilmger Mitglieder der Kasse nach Z 49 des Statuts behuss Wahl von 183 Vertretern derselben pro 19t(>. II. Eine Bersanimlung sämtlicher Arbeitgeber der Kasse, welche Beiträge für die Mitglieder aus eigenen Mitlein zahlen, findet am Montag, den 10. Januar 1010, abends 8'/,— 8'/, Nbr, im.Gcwerlschastshause', Saal 2, EngeÄser 15, statt, behuss Wahl von 8!» Vertretern derselben pro 19t». St. Irin. Prinzenstr. 3t. Stich. Schmidt, Kottbuser Damm 8. 80. Paul Böhm, Lausitzer Platz 14/15. P. Harsch, Engeluser 15. ASIernhok. Karl Sehwarzlose, Hoffmannstr. 9. BaamGebaleaHs-epx. H. Hornig, Marlentbalerstr. 13, I. Borslgrwaldc. Panl Mteuost, Räuschstr. 10. Charlotten barg. Gustah Tcharnberg, Seftnheimet Str. 1. Fpledpichshagen. Ernst Werkmann. Friedrichstr. 67. OpUnan. Ztzranz Klein, Bahnhosstr. 6, III. .lobannlutbal. Pielitke. Kaiser-Wilhelni-Platz 4. Karlshorst. Richard Kütcr, Rödelstr. 9. II. liiipenlek. Emil Wihler, Kietzcrslr. 6, Laden. I-Iebtenberx. Dito Seitrl, 5kronpriiizenstr. 4, 1. b'ieüer-�ebOnen-eldle. Max Pricöfc, Britzer Str. 14 II. iVowawe*. Wilhelm Jappe. Friedrichstr. 7. 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