Ar. SYS. RbonnementS'Bedlnstlnsen: HSonnementä- Preis pränumerando t Viertcljährl. ZPU Mk, monatl. l,I0 Mk, Niöchentiicn 26 Pfg. frei ins Haus. Einzelne iHumnier 5 Pfg. Sonnlags- nuinmer mit illustrierter Sonntaas- Bcllage.Die Neue Welt" to Pfg. Post. Nr.�.nnenicnt: 1,10 Marl pro Monat. Schulk iragen in die Post- Jeitunas- hnÄ oo'i'0- Unter Kreuzband für �.v�chland und Oesterreich> Ungarn flUffla.arl, für das übrige Ausland in i tarl pro Monat. Postabonnements �.u.onie» an: Belgic», Dänemarl, '.olland, Italien, Luxemburg, Porwgal. vNoiutnauien. Schweden und die Schweiz. enchillll lZgllch Müll msiittg». Vevlinev Volksblakt. 36. Jahrg. vie Inlertlons-Ltbühs telrägt für die scchsgespaltenc Kolonel- zeile oder deren Raum 50 Psg., für politische und gewerkschastliche Vereins- und Versanimlungs-Anzeigen 30 Psg. »Kleine Hnzeigen", das erste(fett- gedruckte) Wort 20 Psg., jedes weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlaf- siellen-Auzeigen das erste Wort 10 Psg. jedes weitere Wort b Psg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. lelegramm- Adresse: „Sszlaldtrnokrat Berlin''. Zentralorgan der fozialdcmokrattTchen partci DeutTchlande. Redaktion: 8Ll. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Expedition: SM. 68» L.indenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. Die amtlich enchullte Nahirechtsichmach. Um das elendeste aller Wahlsysteme in seiner ganzen Nieder- tracht zu beleuchten, genügt es, die nackten Zahlen der Wahl- ergebnisse des Jahres 1003 nach den Feststellungen deS Statistischen Landesamts für Pretcheu wiederzugeben. Lassen wir also diese Zahlen sprechen. Au der preußischen Landtagswahl im Jahre 1908 beteiligten sich 2 325 600 Urwähler. Bei 2 215 961 Urwählern konnte die Partei» angehörigleit festgestellt werden, während bei 309 639 Urwählern, gleich 12,26 Proz. der Gesamtheit, die politische Zugehörigkeit nicht ermittelt wurde. Die folgende Tabelle zeigt nun. wie sich Urwähler und Abgeordnete auf die einzelnen Parteien verteilten: Urwähler Abgeordnete Sozialdemokraten.. 601093 7 Zentrum..... 502 594 104 Konservative.... 356 110 152 Nationalliberale... 320 751 65 Polen, Dänen usw.. 227 304 19 Freisinnige Volkspartei 98 498 28 Freikonservative... 63140 60 Freisinnige Vereinigung 22 225 8 Bund der Landwirte. 15 154— Antisemiten 9 092_— In Summa.2215 961 443 Die Partei also, die bei weitem die meisten Stimmen aufbrachte. erhielt ganz« 7 Abgeordnete von insgesamt 443 Abgeordneten! Bei einem gleichen und proportionalen Wahlrecht hätte sie 105 Abgeordnete erhalten müssen! Bei einem solchen— dem einzig vernünftigen und gerechten Wahlrecht hatten die greikonservativen mit ihren 63 140 Stimmen nur 11 Abgeordnete erhalten dürfen: sie erhielten jedoch dank dem elendesten aller Wahlsysteme deren 60! Ebenso hätten die Kon- scrvativen bei einem gleichen Wahlrecht statt der ihnen zu- gefallenen 152 nur 62 Mandate erhalten dürfen! Wie bei einem gleichen Wahlrecht nach dem Ergebnis der Landtagswahlen von 1903 die Vertretung der einzelnen Parteien hätte aussehen müssen und wie sie bei dem skandalösen Wahlunrecht des DreiklassenwahlsystemS ausgesehen hat, zeigt folgende Tabelle: ES erhielten ES mußten Abgeordnete Abgeordnete erhalten Sozialdemokraten..... 7 103 Zentrum........ 104 88 Konservative....... 152 62 Freikonservative...... 60 11 Nationalliberale..... 65 56 Polen. Dänen usw..-... 19 40 Freisinnige Volkspartei>--I gg 21 Freisinnige Vereinigung...( Bund der Landwirte und Anti- semiten........— 2 In Summa 443 385 Anteil der 309 639 unklassifi- zierten Urwähler....— 58 443 443 Unter dem elendesten aller Wahlsysteme brachten es 1908 die Konservativen und Freikonservativen zusammen aus 212 Abgeordnetenmandate, während sie es bei einem wirklich gleichen Wahlrecht selbst unter der Geißel der öffentlichen Ab- stimmung nur auf 73 Mandate gebracht haben würden! Dagegen würden Sozialdemokraten und Freisinnige zusammen statt 43 Mandate deren 126 erhalten haben l Konservative und Zentrum zusammen würden nur 161 Mandate erhalten haben, während Sozialdemokraten, Freisinnige und Nationalliberale 192 Mandate auf sich vereinigt hätten! Alle diese Zahlen systemel Sie zeigen einzige, aber auch charakterisieren das elendeste aller Wahl- zugleich, daß das gleiche Wahlrecht das absolut sichere Mittel wäre, die konservativ-klerikale Mehrheit zu brechen! Versagt also der Liberalismus im Wahlrechtskampf, so trägt er ganz allein die Schuld daran, wenn auch fernerhin Junker und Pfaffen in Preußen das Heft in Händen behalten! Die Auslassungen der bürgerlichen Presse bieten bis jetzt nur eine höchst dürftige Ausbeute. Der Freisinn hat nicht diel zu sagen, der Nationalliberalismus hüllt sich erst recht in diplomatisches Schweigen, und das Zentrum gar tut so, als ob es sich statt um die Wahlreform in Preußen um eine Wahlrechtsänderung auf dem Mars oder Sirius handelte! Wenn also die sozialdemokratische Altion die bürger- lichen Parteien, die angeblich gleichfalls für das allgemeine und gleiche Wahlrecht eintreten, nicht auf die Beine bringt, wird die klassenbewußte Arbeiterschaft auch in dem Wahlrcchtskampf 1910 völlig isoliert sein! Von den Preßäußerungen seien die folgenden wieder- gegeben: Das.Berliner Tage,! tl' bezeichnet das törichte Gerede, wonach man ohne diese llisill«ncht an eine Aenderung deS Wahlrechts hätte gehen lvWW s-Humbug. Die»Berliner Volkszeitung" spricht von einer faulen S t a t i st i l und bemerkt dann: »ES gibt keinen Ausdruck, um diese Art amt- licher statistischer Mache gebührend zu kenn- zeichnen. Es handelt sich hier um einen Tiefstand politischerWissenfchaftSllitterung.wieerin gleich erschreckender Weise bisher noch nicht zu Tage getreten ist." Mit gewohnter Dreistigkeit sagt die.Post': „Man wird es aber wohl nicht als ein nationales Unglück ansehen können, wenn nicht 27 Prozent der Mitglieder deS Abgeordnetenhauses Sozial- demokraten sind. Auch würde eine solche Zusammensetzung dieser Körperschaft nicht gerade als eine Verbesserung derselben anzu- sehen sein." Die„Kreuz-Zeitung' ist von dem Resultat der Stattstik entzückt, sie findet, daß sich das preußische Wahl recht seit vielen Jahren nicht mehr so hübsch vom demolratischen Stand- p u n l t aus präsentiert habe. Im übrigen gibt das Junlerblatt großmütig zu: „Kein vernünftiger Mensch wird das geltende preußische Wahl- recht für eine Art von Ideal halten. Es leidet zweifellos an einer Reihe von sogenannten„Schönheitsfehlern". Es ermög- licht zahlreiche sogenannte„Wahlkuriosa", kleine komische Zufälligkeiten, wie das Wahlrecht des Ministers in'der dritten und seines Boten(in einem anderen Bezirke) in der zweiten Abteilung, von denen die Agitation bisher nahezu ausschließlich gelebt hat, obgleich sie für den Gesamtcharakter deS preußischen Wahlrechts ebenso unerheblich sind wie daS gelegentliche Vor- kommen von Unkraut in einem Weizenfelde.' Die„Deutsche Tageszeitung' schwingt sich in der Ge- wißheit, daß am Dreiklaffenwahlrecht sich nichts Wesentliches ändern wird, zu der Behauptung auf: „Gewiß hat auch diese Stattstik gezeigt, daß das preußische Wahlrecht einige Mängel hat, deren Beseittgung wünschcns- wert ist. Aber die Stattstik hat ebenso deutlich ge» lehrt, daß diese Mängel verhältnismäßig unbedeutend sind und daß sie beseitigt werden können, ohne daß an den Grundlagen deS Wahlrechts irgendwie gerüttelt zu werden braucht. Die Mängel zeigen sich fast ausichließlich oder doch hauptsächlich in den G r o ß st ä d t e n und in den Mittelpunkten der Jndu st rie. In den länd- lichen Kreisen entspricht das Dreillassenwahlrecht im allgemeinen der sozialen Struktur der Bevölkerung. Deshalb wird es in diesen Kreiien, soweit sie noch wirklich ländliches Gepräge haben, nicht als ein Unrecht empfunden, sondern als das gegebene, das natürliche, das innerlich begründete Wahlrecht.' Die Privilegierten von Gnaden des DreiklaffenwahlrechtS bilden also entweder begeisterte Vertreter der Dreiklasseuschntach oder— in ihrem liberalen Teil— höchstens die denkbar laue sie OpposittonI Nur cm Orkan der BolkSempörung vermag daS schändliche Wahl- unrecht hinwegzufegen! Der vorenwurf zun) neuen Strasgeietzbnch. IX.')! Ucbcrtricbcn wäre die Behauptung, daß die Verfasser des Entwurfs jedem Verlangen nach neuen Strafbestimniungen entgegengekommen wären. Soweit nämlich ein derartiges Verlangen ein wahrhaft volkstümliches ist, hat es bei den Vätern des Entwurfs taube Ohren gefunden. So wird das Verlangen nach einer wirksamen Strafbestimmung gegen den Mißbrauch der Amtsgewalt mit einer eleganten Geste als„u n t u n l i ch" beiseite geschoben. Was macht es, daß allgemein im Volke eine derartige Bestimmung als sehr„tunlich" empfunden wird? Kategorisch wird er- klärt:„Für eine derartige allgemeine Strafbestimmung be- steht kein Bedürfnis."(S. 617.) Ein Blick in unsere Zeitungen lehrt fast auf jeder Seite das Gegenteil. Der Entwurf be- genügt sich jedoch nicht mit der Ablehnung der allseitig ge- forderten allgemeinen Strafbestimmung gegen den Amts» mißbrauch, sondern er geht so weit, die Abschaffung des jetzigen Z 339 vorzuschlagen, wonach Beamte, die durch Mißbrauch ihrer Amtsgewalt jemanden zu einer Hand- lung, Duldung oder Unterlassung widerrechtlich nötigen, mit Gefängnis bestraft werden. Selbst dieser geringfügige Schutz gegen Beamtenwillkür geht dem Entwürfe zu weit. A n g e b l i ch ist er durch die vorgeschlagenen Bestimmungen über die Nötigung entbehrlich geworden. Es soll also dafür gesorgt werden, daß der Mißbrauch der Amts- gewalt künftighin noch weniger riskant ist als bisher. Das dritte Buch des besonderen Teils handelt von den „Verbrechen und Vergehen gegen die Perso n." Gleich im ersten Abschnitte dieses Buches wird der kulturell vorgeschrittene Teil der Nation durch die Beibehaltung der Todes st rase und der Strafbarkeit der Ab- t r e i b u n g brüskiert. Ucber die Regelung der Todesstrafe im Entwurf ist bereits gesprochen. Ueber die Beseitigung der Abtreibungsstrafe gibt es bei einsichtigen Beurteilern '1 Bergl. Nr. 265, 270, 272. 280, 282, 287, 291, 293 des.Vorw.'. keinen Streit. Selbst wer die ethischen Momente, die für die Beseitigung dieser grausamen Strasdrohung sprechen, ver- kennt, sollte für die Straflosigkeit schon aus dem praktischen Gesichtspunkte eintreten, daß von 1990 Abtreibungsfällcn nach sachverständiger Beurteilung kaum einer zur strafgericht- lichen Beurteilung kommt. Die sozialen Faktoren sind auch hier stärker als das barbarische Strafgesetz. Die Milde, die der Strafgesetzgeber hier vermissen läßt, läßt er im nächsten Abschnitte bei der Behandlung dcc Duellverbrechen in desto größerenl Maße walten. D i e „Strafen" für den Duellmord sind geringer als die für Bettelei und Land st reichen. Die Begründung zu den Duellvorschriften liest sich wie ein Lobes» Hymnus auf die„deutsche" Sitte des Zweikampfes. Den reaktionären Höhepunkt des dritten Buches bilden die§8 249, 241 des Entwurfs, die von der Nötigung und der Bedrohung handeln. Beide Paragraphen haben offenbar nur den Zweck, Knebelmittel gegen die aufsteigende, klassenbewußte Arbeiterklasse zu sein. In der Begründung steht davon freilich kein Wort. Im Gegensatze zu der Offen- heit, die sich fönst mitunter in der Begründung bei der Ver- teidigung reaktionärer Attentate findet, befleißigt sie sich hier einer kaum glaublichen Heuchelei. Sie weist(S. 672) das reaktionäre Verlangen nach Einführung von Strafbcstim- mungen gegen den Boykott und zum Schutze der Arbeits- willigen und des gewerblichen Arbeitsverhältnisses in daS Strafgesetzbuch zurück und verweist derartige Wünsche auf den Weg der Sondergesetzgebung. Tatsächlich jedoch finden diese Wünsche in den erwähnten Paragraphen ihre vollste Be- friedigung. Diese sind nichts als eine ins Ungeheuerliche er, weiterte Ausdehnung des Erpressungsparagraphen, nur noch brauchbarer gestaltet als Kampfmittel gegen den Emanzipationskampf der Arbeiterklasse. Der§ 249 lautet: „Wer in rechtswidriger Absicht einen anderen durch Gewalt oder Drohung zu einer Handlung, Duldung oder Unterlassung nötigt, wird mit Gefängnis oder Haft bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafp bis zu dreitausend Mark bestraft. Der Bersuch ist strafbar." Die Unterschiede vom bisherigen Nötigungsparagraphen, der gleichfalls die Zahl 249 trägt, sind folgende: Erstens die angedrohten Strafen sind in ihrem Höchstmaße verdreifacht bis verfünffacht. Sodann ist die Beschränkung, daß eine straf- bare Nötigung außer im Falle der Gewalt nur bei Bedrohung mit einem Verbrechen und Vergehen vorliegt, fortgefallen. Künftighin soll auch für den Tatbestand der Nötigung jede Drohung, z. B. diejenige mit einem Boykott oder mit einer Arbeitseinstellung genügen. Der bisherige Tatbestand der Nötigung„trifft"— wie die„Begründung" (S. 673 ff.) ausführt—„eine Reihe der für den Bedrohten in wirtschaftlicher oder sonstiger Hinsicht schwerwiegendsten Drohungen nicht, da diese sich oft nicht unter den strafrecht- lichen Tatbestand eines Verbrechens oder Vergehens bringen lassen." Auch hier ist es also wieder die in der„Begründung" so oft beklagte Gesetzlichkeit der sozialdemokratischen und ge- werkschaftlichen„Volksverführer", die den Strafgesetzgeber zu neuen Taten zwingt. Der schon hervorgehobenen Unehr- lichkeit bei der Motivierung der ZZ 249, 241 entspricht es, daß als Musterbeispiele des§ 249 nicht aus deni Klassen- kämpf gegriffene, sondern die Androhung von Enthüllungen und von Strafanzeigen angegeben werden. Wer die Recht- sprechung zum Erpressungsparagraphen kennt, wird sich durch derartige Verschleierungen nicht über die wahre Natur des neuen Nötigungspara�raphen hinwegtäuschen lassen. Ebenso- wenig dadurch, daß eine„rechtswidrige Absicht" des Täters verlangt wird. Wie das Reichsgericht schon zu ungezählten Malen erkannt hat, daß ein„rechtswidriger Vermögens- vorteil" im Sinne des Erprcssungsparagraphen ein jeder Vermögensvorteil sei, auf den der Täter keinen rechtlich be- gründeten Anspruch hat, so wird es auch als rechtswidrige Absicht jede Absicht ansehen, auf deren Verwirklichung ein Rechtstitel im bürgerlichen Rechte nicht gegeben ist. Und da unser Zivilrecht ein Recht des Arbeiters auf anständigen Lohn und anständige Arbeitsbedingungen nicht anerkennt, wird sich seine auf Erringung solcher gerichtete„Absicht" für den bürgerlichen Richter stets als eine„rechtswidrige" charakteri- sieren. Die Rechtsprechung zum Erpressungsparagraphcn zeigt auch, daß die Unternehmer von einer solchen Judikatur für sich nichts zu fürchten haben. Um so mehr, als ihnen jetzt durch die Bestimmung über die„besonders leichten Fälle" ein neues Mittel, einer ernsthaften Bestrafung zu entschlüpfen, geboten ist. Ueber das Verhältnis des Nötigungsparagraphen zum Erpressungsparagraphen wird noch gelegentlich der Er- örterung des letztgenannten Paragraphen zu sprechen sein. Was will jedoch der Nötigungsparagraph trotz aller f seiner Gefährlichkeit gegen den. vorgeschlagenen B e- drohungsparagraphen(8 241) besagenl§ 241 lautet: „Wer durch gefährliche Drohung einen anderen in seinem Frieden stört, wird mit Ge- fängnis oder Haft bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bis zu eintausend Mark bestraft." Wie man sieht, ist hier der objektive Tatbestand nichts, der böse Dolus alles! Aus der bisherigen„Bedrohung init einem Verbrechen" ist der Kautschukbegriff der„gefährlichen Drohung" geworden, natürlich unter obligater Erhöhung des Strafrahmens. Selbst der vorgeschlagene 8 134, dessen Gefährlichkeit bereits in diesen Aufsätzen charakterisiert ist (vgl. 9ir. 210 und 291 des„Vorwärts"), verlangt, daß die Drohung gemeingefährlich sei, und daß dadurch der öffentliche Friede gestört werde. Hier soll es ge- uügcn, daß die Drohung für irgendeine Person, z. B. den mit einem Streik oder Boykott„bedrohten" Unternehmer, gefährlich ist, und daß dadurch ein Bourgeois in feinem Mittagsschläfchen—, Pardon„Frieden" gestört wird. Es ist auch bekannt, daß dem Bourgeois keine Drohung so gefährlich dünkt, wie die an die Adresse seines Portemonnaies gerichtete. Daß der Z 241 den Schutz der Portcmonnaieinteressen unserer herrschenden Klassen zur Aufgabe hat, wird in der„Begrün- dung" schamhaft angedeutet, wenn es dort heißt(S. 675): „Dabei ist der Begriff„gefährliclie Drohung" keineswegs auf die Gefahr gegen die Person beschränkt, sondern erstreckt sich auch auf Drohungen, die sich gegen andere Rechtsgüter richten." Die Arbeitsteilung zwischen tz 134 und§ 241 wird sich Wohl in der Weise vollziehen, daß sich§ 134 den großzügigen politischen und gewerkschaftlichen Kampf, ß 241 jedoch den politischen und gewerkschaftlichen Tageskampf als Objekte er- kürt. Ter ß 241 würde auf dem Gebiete der Verbrechen und Vergehen mit politischen: oder gewerkschaftlichem Einschlage das werden, was auf dem Gebiete der Uebertretungen der Grobeunfugparagraph bereits ist: das Mädchen für alles. Noch immer ist der Reichtum an reaktionären Vor- fchlägen, der sich in dem Entwürfe findet, nicht erschöpft. Der Rest soll im folgenden Schlußartikel eine kurze Erörterung finde». Der Zar kommt!... Aus Moskau wird uns geschrieben: Moskau rüstet sich zum Empfange des Zaren.... Man weiß, welche heillose Aufregung ein solcher Besuch des Selbstherrschers aller Reußen bei den Behörden der betreffenden Stadt verursacht. Polizeibeamte von verschiedenstem Grade und verschiedenster Kleidung, Gendarmen in Uniform und in Zivil, Spitzel mit und ohne Orden, Mitglieder der Schutzabteilung mit und ohne Titel brechen in Rudeln über die Stadt herein. An den Straßenkreuzungen postieren sich fragwürdig aussehende Individuen mit raschem Blick und flinken Bewegungen; in der Umgebung der„verdächtigen" Häuser wimmelt es von geschäftig hin- und hereilenden Kundschaftern; un- ausgesetzt werden Haussuchungen und Verhaftungen vorgenommen und eine Haussuchung folgt der anderen. Die«Unantastbarkeit der Person", über die, wie bekannt, zurzeit der Duma ein Entwurf vorliegt und die sich ohnehin schon im Lande keiner besonderen Achtung er- freut, wird in solchen Momenten endgültig zu den Akten gelegt. Daß Unantastbarkeit der Wohnung, Briefgeheimnis nsw. ebenso schlecht wegkommen, braucht nicht erst besonders erwähnt zu werden. Auch diesmal haben Polizei und Gendarmerie angesichts der bevorstehenden Reise des Zaren nach Moskau ihr übliches Bacchanal in Szene gesetzt. Noch nie hat die Stadt Haussuchungen im ähn- lichen Umfange erlebt. Da wird wahllos jeder verhaftet, der von irgendeinem Spitzel allernnterster Dienststufe denunziert wird. Sehr vielen Ivird bei der Festnahme geradezu erklärt, daß ihre Freilassung nicht lange auf sich warten lassen werde. Recht übel daran sind diejenigen, die in ihrer Vergangenheit an irgend einem politischen Prozeß beteiligt gewesen sind, auch wenn dieser Prozeß mit einer glatten Freisprechung endete— sie müssen jetzt von Minute zu Minute ihrer Ausweisung gewärtig sein. In der Mehrzahl der Fälle erstreckt sich die Ausweisung nur auf das Bereich des Gou- vernements, da man der ziemlich langwierigen Prozedur der Aus- Weisung nach dem Norde» des Reiches oder nach Sibirien aus dem Wege zu gehen sucht. Eine ganz spezielle Novität aber zeitigte der Besuch, den der Zar dem„Herzen Rußlands" abzustatten gedenkt, auf dem Gebiete des Paßwesens. Auch sonst schon existierte in Moskau sebenso wie in Petersburg und in mehreren anderen Städten) ein besonderes, aus Spitzeln bestehendes Bureau, dem die Prüfung der Pässe obliegt. Sobald ein Paß der Polizei zur Anmeldung eingereicht ist. werden von diesem Bureau an der Stelle, wo der Paß zur Ausgabe gelaugte, die peinlichsten Informationen ein- gezogen. Diesmal aber scheinen diese gewöhnlichen Maß- regeln den russischen Spitzeln nicht die gewünschte Sicherheit zu bieten. und die Beamten ziehen nun von Haus zu HauS, wo nur Studenten, Arbeiter und ähnliche„unsichere Elemente" zu finden sind, und vollziehen die Prüfung der Pässe an Ort und Stelle, lind zwar besteht diese Prüfung in folgendem: Man vergleicht das im Passe angegebene Signalement über Alter, Beruf usw. des Inhabers. und wird z. B. gefunden, daß dieser letztere jünger aussieht, als er nach den Angaben in seinen Dokumenten aussehen müßte, so läuft er Gefahr,„bis zur Einholung näherer Auskünfte" festgesetzt zu werden. Außerdem lassen sich die Beamten die Namen der Ver- wandten, Bekannten usw. nennen: alles dieses, um die Personen berauSzubekommen, die sich fremder Päffe bedienen. Natürlich trifft dieses Durchsehen der Legitimationspapiere in der Regel nicht die Revolutionäre, sondern ganz friedliche Bürger. Denn diese ersteren brauchen sich nur 3— S Werst von Moskau entfernt nieder- zulaffen, wo diese ganze Prozedur nicht geübt wird, um außer den Grenzen der Erreichbarkeit zu bleiben. So rüstet sich Moskau zum Empfange seines„geliebten" Monarchen, der die Stadt mit seiner Gegenwart beglücken will. Nun zirkuliert allenthalben das Gerücht, daß diesmal der„beglückende" Besuch über das übliche Maß hinaus ausgedehnt werden soll. Wie man sagt, steht eine Vermehrung der„erhabenen" Familie bevor und die Niederkunft soll in Moskau abgewartet werden. Ist dies Gerücht kein Phantasicgefpinst der durch die Polizeirepressalien geängstigtcn Einwohner Moskaus, so können sich diese tatsächlich auf eine Reihe sehr wenig erquicklicher Tage gefaßt machen. Welche Ironie aber wird in den Adressen liegen, in denen Kaufmannschaft, Stadtverwaltung und monarchistische Organisationen beteuern werden,„ein wie hohes Glück der alten Hauptstadt Moskau durch den Besuch des Kronenträgers widerfahren fei"! Und solche Adressen werden wir wohl nach Dutzenden zählen lönnen. Die Cfyronrede Merls i. Brüssel, 24. Dezember.(Eig. Ber.) Belgien hat eine Woche der Republik hinter sich, denn nach der belgischen Verfassung tritt der Thronerbe die Regentschaft erst an, wenn er den Eid auf die Verfassung geleistet hat. Mit der gestern erfolgten Eidesleistung ist das Land wieder zum monarchischen Zu- stand zurückgekehrt, ohne daß ihm übrigens dies« kleine Abwechselung irgendwie geschadet hätte.,. Die Thronrede Werts I. weist alle typischen Merkmale auf, die den ersten oratorischen Leistungen der ihren Hcrrscherberuf an- tretenden Monarchen eigen zu sein pflegen. Immerhin macht sich wohltuend bemerkbar, daß sich hier der Herrscher auf dem Boden einer aus einer Revolution geborenen Monarchie fühlt, die sich keine Gottesgnadenphrasen leiste» kann. Man kann auch sagen, daß die Rede durch eine besondere Unter- streichung des konstitutionellen Moments einen Grundton erhielt, der schon deshalb ein sympathisches Echo fand, weil er auf Absichten weist, die einen Gegensatz zu dem Leopoldinischen Regime bedeuten würden. Den Eid auf die Verfassung hat freilich auch Leopold II. geschworen und an edlen Versprechungen hat es auch in seiner Thronrede nicht gefehlt. Der gute Ruf, der Albert in diesem Punkte vorausgeeilt ist und der die Loyalen schon in die lyrische Begeisterung versetzt hat, wird sich erst zu bewähren habeix Unter diesem Vorbehalt muß auch die Stelle in der Thronrede. die sich auf den Kongo bezieht, gewertet werden. Albert will in einem Aufflug über die Region deö von seinem Vorgänger so ge- schätzten schnöden Mammons die Kolonialpolitik Belgiens nur vom Standpunkte der Humanität und Zivilisation betrieben sehen. Für ein von Gerechtigkeitsgefühl erfülltes Volk, heißt es in der Thronrede, kann die Kolonisation nur eine Mission im Sinne der Zivilisation sein. Bei dieser Stelle erhob sich d e m o n st r a t i v e r Beifall und auch Vandervelde applaudierte. Nicht ohne politische Spitze war die auf die Verwirklichung des kolonialpolitischen Programms hinzielende Bemerkung, daß Belgien seine Verpflichtungen halten»verde und niemand ein Recht habe, daran zu zweifeln.— Hier erhob sich der König, der bis dahin mit ziemlicher Zurückhaltung des Tones gesprochen, gegen alles Zeremoniell, das dem Redner eine sitzende Haltung vorschreibt. auS dem Stuhle— wie Wandervelde schreibt, gleich Walter Stolzing vor den Meistersingern. Die sozialistische Fraktion, die dem Beschluß des Generalrats gemäß der feierlichen Sitzung beiwohnte, begrüßte den König mit den: Ruf: Hoch das allgemeine Wahlrechtl, der auch sonst an den entscheidenden Stellen ertönte und in den lärmenden lohalistischen Applaussalven auch nicht unbemerkt blieb. Die bürgerliche Presse gibt dem neuen König auf seine Ver- sprechungen hin einen entsprechenden Vorschuß an obligaten Herrscher- tugenden, und die Bourgeoisie ergriff gerne die Gelegenheit, den etwas angegriffenen dynastischen Respekt wieder einzurenken. Im Grunde ist eS freilich niehr die alte Kermesfreude, die sich kundtat und die fröhlich aufersteht, wenn nur bunte Fahnen in den Straßen flattern und die Stadt im Lichterglanz strahlt. poUrtfcbc Qebcrlicbt. Berlin, den 28. Dezember 1909. Wer hat den Vorteil von den Agrarzollerhöhungen? Die„Notleidenden" mit schönen Fuchspelzen klagen über die geringe Ergiebigkeit des landwirtschaftlichen Betriebes. Wie es damit bestellt ist, zeigen folgende Mitteilungen der klerikal-konservativen „Schles. Volkszeitung" über die Steigerung der Güterpreise im West- preußischen Kreise Rosenberg: Das Gut Ouirren, ettva 1000 Morgen groß, wurde im Jahre 1891 für den Preis von 70 009 M. an die Herren Schirr- mann und Gallenkamp verkauft. Diese veräußerten es 18S1 für 120 000 M. an einen Herrn Oelrich, der es ISO? schon für 160 000 M. an eilten Herrn Schroeder weitergab. IVO? erstanden zwei Herren aus Allenstein genanntes Gut für 196 OOO M. und überließen es endlich 1909 an einen Herrn v. Rogowski für 240 000 M., der es vor wenigen Wochen mit einem weiteren Aufschlage von einigen Tausend Mark losgeschlagen haben soll. Innerhalb 17 Jahren hat also in diesem Falle eine Preissteigerung von mehr als 170000 M. stattgefunden oder um das Zweieinhalbfache. Das Gut Windeck, 10S0 Morgen groß, kaufte im Jahre 1891 ein Herr Marx für 76000 M.. gab eS aber schon nach einigen Jahren an einen Herrn Nchrina für 160 000 M. weiter. Dieser veräußerte eS kurze Zeit darauf an einen Herrn Krause, wobei es schon 200 000 M. einbrachte. Nach einem Zwischenbesttzer erstand es ein Herr Jahn für 260 000 M., der es 1907 für 310000 M. an einen Herrn v. Laschewski weitcrberkauste. Bei dem vor einigen Tagen erfolgten Verkauf erzielte der bisherige Inhaber 330 000 M. Das Gut ist also seit 1891 um nicht weniger als 254 000 M. gestiegen. Auch das Gut Stein, das 1891 erst 120 000 M. kostete bei einem Flächeninhalt von 1100 Morgen, brachte 1904 schon 90000 M. mehr, in 13 Jahren also eine erhebliche Steigernng. Das 1400 Morgen große Gut Wonno kostete 1897 114 300 M. Lei dem soeben zustande gekommenen Weiterverkauf lvurden nicht weniger als 370 000 M. dafür gezahlt. Die Kauf- summe ist demnach tu der kurzen Zeit um das Dreifache gestiegen. die Differenz zwischen dem Preise von 1897 und heule beträgt 2Sö 700 M. I DaS sind Preissteigerungen um mehr als das Zwei- und Drei- fache in ungefähr 20 Jahren. Trotzdem kann man sicher sein, daß auch die jetzigen Besitzer nach bekanntem Rezept über die„Not der Landwirtschaft" klagen und für weitere Erhöhungen der landwirtschaftlichen Zölle schwärmen. Und von ihrem Interessen- standpunkt auS haben sie recht; denn den Vorteil auS den früheren Zollerhöhungen haben nicht sie eingesteckt, sondern ihre Lorbesitzer. DaS ist eben die Eigenheit eines jeden AgrarzollS, das er nicht, ivie die agrarische Presse behauptet, der Landwirtschast als solcher nutzt, sondern lediglich dem. der zur Zeit der Einführmtg oder Erhöhung landwirtschaftlicher Schutzzölle Güter besitzt. Die Zölle bewirken eine Preissteigerung der Agrarprodukte, diese Preissteigerung bewirkt eine Steigerung der Rentabilität der Güter, und die steigende Rentabilität wieder eine Steigerung der Güter- preise. DaS ist für den Besitzer, in besten Zeit die Zollerhöhungen fallen, recht schön; er erhält auf Bolkskosten höhere Einkünfte und, wenn er seinen Besitz vcrkanft, höhere Bodenpreise. Aber schon der nächste Käufer hat keinen Vorteil mehr von der Zolleinführung oder -erhöhung. Er muß mm für das Gut desto mehr bezahlen, und fein hineingestecktes Kapital rentiert sich prozentuell um nichts höher als vor dem Zoll. Den ganzen Gewinn hat sein Vorbesitzer geschluckt. Gegen die Grohblockpolitik ivendet sich die natioiialliberale„Magdeburgische Zeitung" in schärfster Weise. DaS Blatt schreibt in Nr. 657 vom 28. Dezember unter der Ueberschrift:„lieber Großblock und Mauserung": „Unsere Stellung dazu ist folgende: Die„Magdeb. Ztg." hat den badischen Großblock bekämpft und, als in der letzten Zeit von den angeblichen Absichten, diesen auf das Reich zu übertragen, die Rede war, den Plan auf das entschiedenste abgelehnt und lehnt ihn weiter ab. Indem sie das tut, treibt sie nicht konservative, sondern gut nation alliberale Politik. Der Großblock fürs Reich ist ein törichtes, höchst verwerfliches Wahn- g e b i l d e. Er ist für tut? völlig undiökutabel. Häusig oder meist treten nun Großblockgedanke und Mauserungstheorie zusammen auf.... Die Behauptung, daß sich die S o z i a l- demokratie bereits gemausert habe, ist schon sehr oft vorgetragen worden, hat sich aber bisher immer nur als Illusion herausgestellt, ähnlich wie die Hoffnung auf«Risse im ZentrumSturm."... Endlich beruhte unsere Versicherung, daß in der national- liberalen Reichstagsfraktion dem Großblotfaedaitkc.t der schärfste Widerstand entgegengesetzt würde, nicht auf Wünschen, sondern auf Tatsachen." DaS Blatt führt nun sämtliche nationalliberale Reichstags- abgeordnete unter Beifügung der vollen Titel und Würden auf und sagt zum Schluß: „Mit diesen Männern Großblockpolitik zu treiben" unmöglich. Das ist, wir wiederholen es, nicht ein Wunsch, so eine Tatsache. Andere mögen die Unfähigkeit zum G: block als Schwäche betrachten, wir betrachten sie Ruhmestitel für jeden einzelnen der 50 Männe Bier Millionen Bajonette für eine Handvoll internationaler Kapitalisten. Ter M a n n o s m a n n- R u m m e l beginnt gemein- gefährlich zu werden. Die Gebrüder Mannesmann lassen sich den Schutz ihrer angeblich„wohlerworbenen" marok- kanischen Rechte etwas kosten. Nicht nur, daß sie es ver- standen haben, die Unternehmerpresso für sich mobil zu machen, ist in den letzten Tagen in einem der breitesten Oeffentlichkeit unbekannten Verlag unter dem Pseudonym „Osman" eine Broschüre erschienen, durch die versucht wird. eine Pression auf das Auswärtige Amt auszuüben. Es ist genieingefährlicher Größenwahn, der in dieser Schrift zum Ausdruck gelangt, wird doch mit dürren Worten auf die vier Millionen Bajonette hingewiesen, die d e m R e i ch z u r V e r f ü g u n g st e h e n. In einer Unter- redung mit einem Vertreter des„Preß-Telegraph" erklärt Herr Neinhold Mannesmann, daß die von einer Korrespon- denz verbreitete Tarstellung des Sachverhalts nicht vom Auswärtigen Amt inspiriert sein könne,„dergleichen dürfe kein Deutscher seiner Regierung zu- trauen."(!) Der Herr erklärte weiter, daß diese Dar- stellung aus französischen Oucllen stamme und fuhr dann fort: „Das Berggesetz, auf Grund dessen die deutsche Gruppe Berg- werkskonzessioncn erhalten hat, äst von dem souveränen Sultan Mulay Hafid ordnungsgemäß erlassen und widerspricht nicht der Algeciras-Akte. Ich will an dieser Stelle nur kurz mitteilen, daß das Gesetz von der deutschen Regierung selbst ausgearbeitet worden ist. Ter deutsche Entwurf, der Abdul Asis zugestellt war. wurde dann von Mulay Hafid nahezu wörtlich angenommen." Es muß angesichts dieses geradezu unverschämten Ver- suchs, dem deutschen Volke die Interessen des dcutsch-fran- zösischen Mannesmannsyndikats als eine Angelegenheit der deutschen Nation, als eine Sache der nationalen Ehre auf- zuschwindeln, aufs entschiedenste betont werden, daß die ganze Affäre nichts als das Geraufe zweier konkurrierenden internationalen Kapitalistengesellschaften um den größten Profit ist! Wenn die Herren Mannesmann meinen, daß ihnen in diesem Konkurrenzstreit die deutschen Bajonette zur Seite stehen müßten, so haben sie allerdings die Tradition siir sich, denn daß die Völker für die Interessen der Kapita- listen bluten, ist allerdings alter Brauch. Ein alter und nickt mehr zeitgemäßer Brauch, dem die Arbeiterklasse sich mit aller Kraft widersetzen wird. Die Ausnahme und dl." Regel. In den Ausstellungshallen des Berliner Zoologischen Gartens findet zurzeit wieder ein Sechstageremten statt, an dem sich auch der deutsche Fahrer Walter R ü t t, der Sieger der letzten New Äorkcr Sechstageremten, beteiligt. Dieser Mann ist ein sogen,.unsicherer KantoniU", der sich lange Jahre der Militärpflicht entzogen hat, indem er sich im Auslände aufhielt. Die Militärbehörde hat nun diesem Fahrer nicht nur keinerlei Schwierigkeiten bereitet, sondern ihn sogar, wie es im„B. T." heißt,„ausnahmsweise gnädig freigegeben". Diese Haltung der Militärbehörden muß bei jedem, der ihre sonst so unerbittliche Strenge auf dem Gebiete der Disziplin kennt, zum mindesten Befremden erregen. Nicht etwa, daß wir's dem juiigen Sportsmann nicht gönnten, wenn der von den drakonischen Bestimmungen deS Militärgesetzes verschont bleibt. An sich wäre es sogar sehr zu begrüßen, wenn die mittelalterltchen Anschauungen im Heere endlich einmal der Neuzeit entsprechend modifiziert würden. Wer aber weiß, wie sonst in ähnlichen Fällen bei uns zu Laude vorgegangen wird, der kann sich schwerlich dieser Hoffnung hingeben. Besonders in den Grenzdistrikten tinsereS Reiches ist man es da ganz, ganz anders ge» wohnt. In Elsaß-Lothringen z. B. kommt eS häufig genug vor, daß ein junger Mann, der sich nicht freiwillig in die Arme deS Militarismus begeben bat und der beim Tode eines Angehörigen, dem Gebote der Pietät folgend, in die Heimat eilt, dutch Gen- darmen vom Sterbebette oder vom Grabe weg ver« haftet wirdl Und dann noch eins: den Fahrradsport in allen Ehren! Wenn aber besondere Tüchtigkeit auf diesem Gebiete vor Unannehmlichkeit und Bestrafung schützt, so darf daran erinnert werden, daß sich unter den deutschen„Unflchcren", die nicht das Glück haben, wie Herr Rütt mit Glacehandschuhen angefaßt zu werden, viele junge Männer befinden. deren Tüchtigkeit und hervorragende Begabung aus anderen Gebieten (als Musiker, Teckmiker, hervorragend geschickte Handarbeiter usw.) mit demselben Rechte für sie ins Treffen geführt werden könnte. wie für Rütt die Ausdauer seines körperlichen Organismus und die starre Willenskraft, die ihn befähigt, eine Konkurrenz wie daS Sechs- tagerennen zu bestreiten. ES wäre recht erfreulich, wenn demnächst bekannt würde, daß die deutschen Militärbehörden angetviesen worden sind, unsere„uu- sicheren Kantonisten" generell mit größerer Milde zu behandeln als bisher. Wenn sich aber wider Erwarten das Verhalten gegen- über Herrn Rütt als eine gnadenvolle, von irgend welchen„höhen Herren" erlvirkte A u s n a h m S- Behandlung erweisen sollte, so tvären wir doch begierig, die G r ü n d e zu hören, durch die sich die sonst so unbeugsame Militärbehörde bewegen ließ, gerade in diesem Falle von ihrem starren System abzuiveichcn. Die Lehrerseminare in Bade». AuS Baden wird uns geschrieben: Zu dem Bericht deS„Vorwärts" in der DoniterstagSnumnter über die Sitzung der Budget- kommifston der Zweiten badischen Kammer ist na-hzmragen, daß der Antrag unserer Parteigenossen forderte, sämtliche Lehrer- scminare zu s i m u l t a n i s i e r e n. Bon den sechs Seminaren sind vier, und zwar die in Frei bürg. Karöruhe I und II und Heidelberg tatsächlich längst simultan, während in Ett- l i n g e n und MeerSburg nur katholische Zöglinge auf» genommen werden. In Karlsruhe I sind nach dem letzten hierüber vorliegenden Bericht neben evangelischen Zöglingen nur einige israelitische und ein altkatholischer Schüler vertreien. In Frei bürg ist die Zahl der Katholiken und in Heidelberg die der evangelischen Besucher größer. Im letzteren Seminar befindet» sich übrigens auch ein Zögling— der Sohn eines verstorbenen bc- kannten Parteigenossen—, der freireligiös ist. In Laden befreit der Besuch deö freireligiöseii Religionsunterrichts den Schüler vom Besuch des Religionsunterrichts nner vom Staate anerkannten Re- ligionSgemeinschaft. Die freireligiösen Schullehrer erteilen diesen freireligiösen Unterricht genau wi» ihre katholischen, evangelischen ober israelitischen Kolkegen den Religionsunterricht ihrer Konfesston, ohne dafür eine Extraentschädigung zu erhalten. Die Erteilung des Religionsunterrichts, auch des freireligiösen, gehört eben mit zum Stundenplan, ist also eine Berufspflicht. Gewiß lätzt unsere badische Volksschule und auch die Ausbildung der Lehrer, für die erst neuerdings der Seminarkursus von fünf auf sechs Jahre erhöht wurde, noch viel zu wünschen übrig. Auch die auf dem Lande noch bestehende Halbtagsschule zu beseitigen, ist leider noch nicht gelungen. Aber im Vergleich zu anderen Bundesstaaten, namentlich zu dm beiden größten, Preußen und Bayern, ist unsere Schule denr Einfluß der Geistlichkeit weniger ausgesetzt, denn über das ganze Land ist der Unterricht simultan und geistliche Schul- oufsicht gibt es nicht. Die Gewißheit, daß eine ZentrumSmehrheit in der Kammer eS als ihre erste Aufgabe betrachtet haben würde, die simultane Schule zu beseitigen und sie nach borussisch- bavujarischem Muster den Pfaffen ausgeliefert haben würde, war wohl der hauptsächlichste Grund, daß sich ISOS und 1909 Liberale und Sozialdemokraten bei den Stichwahlen zusammen- fanden, um eine schwarz-blaue Mehrheit zu verhindern. Daß es gelungen ist, Zentrum und Konservative gründlich aufs Haupt zu schlagen, mutz naturgemäß auch zu der Konsequenz' führen, daß Ronzessionen der Regierung an die Anschauungen dieser Parteien. wie die Zulassung zweier katholischer Lehrerseminare, wieder rück- gängig gemacht werden! denn konfessionelle Lehrerseminare passen nicht zur simultanen Schule. Das wird der Regierung in der Kammer von unseren Genoffen noch sehr eingehend bewiesen werden. Vom Regen in die Traufe. Der bisherige Präsident de? Reichseisenbahnamtes v. Schulz hat die nachgesuchte Entlassung erhalten. An seine Stelle tritt Herr Wackerzapp. Der neue Reichseisenbahnpräsident patzt durchaus in das System preußischer Unduldsamkeit, das man im Reichseisenbahn- betriebe zur Virtuosität ausgebildet hat. Als vor drei Jahren der auf dem Boden der modernen Arbeiterbewegung stehende V e r- band süddeutscher Eisenbahner sich mit den Zuständen auf den clsaß-lothringischen Bahnen beschäftigte, war es Herr Wacker- zapp, der folgende Verfügung erließ: „In der letzten Zeit ist wiederholt von außerhalb unserer Ver- waltung stehenden Personen für den Eintritt der reichSverbändleri- schen Eisenbahner in den Süddeutschen Eisenbahner- verband agitiert worden. Wir machen darauf aufmerksam. daß die Ziele und Bestrebungen dieses Verbandes in der gleichen Weise als ordnungöseindlich anzusehen sind, wie dieS für den Verband der Eisenbahner Deutschlands(Sitz Hamburg) gilt; daß deshalb die Teilnahme an dem einen wie dem anderen Ver- bände sowie die Unterstützung ihrer Bestrebungen mit der Be« schäftigung im Dienste der Reichseisenbahnverwaltung unvereinbar sind und die Auflösung des Dienst- beziehungs- weise Arbeitsverhältnisses zur Folge haben werden." Hieraus geht mit aller Deutlichkeit hervor, was die Eisen- bahner von dem Nachfolger des Herrn von Schulz zu erwarten haben._ Sozialdemokratische Bürgermeister. Die bei den Gemeindewahlen in der Pfalz ge- wählten sozialdemokratischen Bürgermeister und Adjunkten find, wie aus zuverlässiger Quelle verlautet, von der pfälzischen Kreisregierung sämtlich bestätigt worden. Die Pfalz zählt demnach jetzt zwei amtierende Bürgermeister und 19 Ad- junkten, die der sozialdemokratischen Partei angehören. Die Publi- katio» der Bestätigungen wird noch im Laufe dieser Woche er- folgen._ Taktvolle Benlchung der Armesüuderbank. Der preußische Justizminister hat folgenden Erlaß an die Strafgerichte gerichtet:„Da das Gesetz die Einrichtung einer An- k l a g e b a n k nicht vorschreibt, so ist die Entscheidung darüber, ob ein Angeklagter die Anklagebank zu betreten oder einen anderen Platz im Sitzungssaale einzunehmen hat, dein Ermessen des die Sitzungspolizei handhabenden Vorsitzenden überlassen. Die Ent- scheidung ist nach den Umständen des einzelnen Falles zu treffen. Ich vertraue darauf, daß die Vorsitzenden der Gerichte sich hierbei von dem richtigen Talte leiten lassen werden." Bei vielen Richtern wird der„Takt" darin bestehen, daß sie nur Angeklagte der sogenannten unteren Volksschichten auf der Anklage- bank Platz nehmen lassen; Wohlhabenden aber, besonders Adeligen, Stühle oder gepolsterte Seffel zur Verfügung stellen. Pfarramt und Zentrumsverein. Wir veröffentlichten in Nr. 297 des„V o r>v ä r t s"(vom 2l. Dezember) das Schreiben eines sich als„Pfarr- Vorsitzenden" bezeichnenden Herrn Reinermann in Duisburg, in welchem dieser die Katholiken der Duisburger Petripfarre auffordert, nicht dem liberalen, sondern dem Zentrumskandidaten ihre Stimme zu geben. Versandt wurde diese Aufforderung in einem Kuvert, das den Stempel trägt: Zentrumspartet Duisburg. Petri- Pfarre. Auf diese Notiz sendet uns nicht Herr Reinermann, sondern Herr Gun st Hövel, Pfarrer an St. Peter in Duisburg, folgende„ R i ch t i g st e l l u n g" mit der Bitte um Abdruck: 1. ES ist unwahr, daß das Pfarramt der Duisburger katho- lischen Kirchengemeinde St. Peter irgendein„die Duisburger Stadtverordnetenwahl betreffendes Ermahnungsschreiben" versandt hat, weder offiziell, noch inoffiziell. 2. ES ist demnach auch unwahr, daß„das Pfarramt sich also direkt als WahlagitationSbureau der ZentrumSpartet kon- stiluUrt hat." 3. Der Unterzeichnete hat von dem abgedruckten„Ermahnungs- schreiben", unterzeichnet Reinermann, welches offenbar der Vor- sitzende eines mit den Grenzen der St. Petripfarrei räumlich zusammenfallenden Bezirks der Duisburger Zentrumspartei erlassen hat, erst durch die Zeitung Kenntnis erhalten. Ergebenst Cunsthövel. Pfarrer an St. Peter. Herr Gunsthövel berichtigt etwas, war wir gar nicht be- hauptet haben. Wir haben weder gemeldet, daß er die be- treffende Aufforderung selbst versandt hat, noch daß er von deren Inhalt vor der Absendung Kenntnis genommen hat. Mr haben riur von Herrn Neinermann gesprochen. Allerdings so unbekannt, wie Herr Pfarrer Gimsthövel tut, dürfte ihm doch wohl dieser Herr Reinennann nicht sein; denn Herr Reinermann ist nicht nur der Vorsitzende und Macher des Zentrumsvereins der Petripfarre in Duisburg, sondern, wie uns aus Duisburg berichtet wurde, zugleich Vorsitzender der Kirchengemeinde._ Die unparteiische Militärjustiz. Vor dem ObcrkriegSgericht in Posen hatte sich der Leutnant v. Sch. vom 6. Greuadier-Regiment zu verantworten. Er hatte im Oktober eine Dame von der Straße zu sich nach der Kaserne ein- geladen. Der Posten verweigerte der Dame den Durchlaß. Der Leutnant kam dazu, beschwipste und bedrohte den Posten und er- zwang der Dame gewaltsam de« Einlaß. Das Kriegsgericht hatte ihn dafür zu drei Monaten Festuitgshaft verurteilt, das Ober- kriegsgericht ermäßigte die Strafe auf sechs Wochen Stuben- a r r e st. Was hätte ein„Gemeiner" für ein solches Verhalten einem Wachtposten gegenüber erhalten? SckweiL. Unentgeltliche Geburtshilfe. Die Geineindevertretung der Stadt A a r a u hat einen sozial- de nr akratischen Antrag auf Einführung der uu ent- geltlichen Geburtshilfe mit Si5 gegen 330 Stimmen angenommen trotz der Opposition des Gemeinderats, und gleichzeitig die Einstellung von 3000 Fr. für diesen Zweck ins Budget pro 1910 beschlossen. Dieser Erfolg ist von großem Werte für die weitere Agitation zugunsten dieser soziale» Neuerung. frankreich. Marokko im Senat. Paris, 28. Dezember. Zur Verhandlung stand der von der Kammer angenommene Gesetzentwurf, der für das Jahr 1909 Ergänzungskredite für die militärischen Operationen in Marokko bereitstellt. De Lamarzelle führte aus, Frankreich be- finde sich in Marokko in einer unentwirrbaren Lage, und tadelte die Regierung, weil sie Mulay Hafid begünstigt habe, indem sie ihn durch das Schaujagebiet gehen ließ und das Anerbieten dÄmades zurückwies, ihn gefangen zu nehmen. De Lamarzelle fragte alsdann, welche Garantien der Machsen betreffend die An- leihe gegeben habe, die, wie er meine, für die Ausländer und ins- besondere für die Deutschen von großem Vorteil sein werde. Redner kritisierte dann die Politik, welche Frankreich zur Erniedrigung Algeciras geführt habe. Der Minister des Auswärtigen P i ch o n verteidigte die Marokkopolitik der Regierung gegen Angriffe des Senators de Lamarzelle und erklärte dabei, Frankreich sei niemals nach Marokko gegangen, um dort Er- Werbungen zu machen, es sei dahin gegangen, um die Ordnung. die gestört worden sei, wiederherzustellen. Frankreich besitze«in wertvolles Unterpfand in Marokko, es habe weder das Schaujagebiet noch Udscha geräumt; es werde diese Gebiete nicht früher verlassen, ehe es nicht die verlangte Genugtuung erhalten habe.(Beifall.) Zur Anleihe der 80 Millionen, die bestimmt sind, die Gläubiger Marokkos zu befriedigen, hätten die Abgesandten Mulay Hafids soeben die befriedigende Erklärung abgegeben, daßdieAnkeihe aus den Einkünften des Machsen unter Kontrolle der Zollverwaltung bezahlt werden würde. P i ch o n erklärte weiter, die deutscheRegierung befinde sich mit Frankreich über Marokko im Einverständ- nis, Deutschland lasse Frankreich seine Frei- heit unter der Bedingung, daß es Deutschlands Ivirtschaftliches Vorgehen nicht störe. Das franzö- sisch-englische Abkommen habe gute Früchte gezeitigt. Nachdem P i ch o n die Ausführungen eines Redners, daß Frankreich und Spanien zum Zwecke der Teilung Marokkos in eine französische und eine spanische Interessensphäre einen Geheim vertrag ge- schlössen hätten, zurückgewiesen hatte, wurde die Debatte geschlossen. Belgien. Die Königsbesoldnng. Brüssel, 28. Dezember. Die Kammer beschäftigte sich heute mit dem Budget der königlichen Dotation. Der Sozialist R o y e r hielt eine längere Rede, worin er die baldige Einführung der sozialistischen Republik in Belgien in Aussicht stellt. Der Redner .bekämpfte die Höhe der Apanage, welche 3300 000 Fr. beträgt, und wies auf Frankreich und Holland hin, wo die Apanagen bedeutend geringer seien. Das Budget wurde mtt allen gegen die Stimmen der Sozialdemokraten angenommen. Die Kammer vertagte sich hierauf bis zum 1. Februar. Spanien. Die liberale Gerechtigkeit. Madrid, 23. Dezember. In Barcelona verurteilte das Kriegsgericht von IS Eingeborenen des Dorfes Malgrat, die während der Juliwirren einen Revolution sausschuß bildeten »nd sich an dem Inbrandsetzen der Pfarrkirche, Zerstörung von Eisenbahnen und anderen Exzessen beteiligten, vier zu lebens- länglichem Zuchthaus, die übrigen zu kürzeren Haftstrafen. RülUancl.< Spitzel oder Revolutionär? Die Erklärungen B u r tz e f f S zum Attentat auf den Oberst Karpow liegen jetzt im genauen Wortlaut vor. Danach wäre Karpow doch das Opfer eines verkappten Revolutionärs. Vurtzeff er- ktärl die amtliche Meldung, daß ei» Revolutionär namens WoskressenSki der Urheber des Anschlages sei,, für falsch. Dieser sei ein ebenfalls von der Polizei in ihren Dienst gelockter abtrünniger Angehöriger der revolutionären Partei, der wirkliche Mörder sei aber ein Revolutionär namens Alexander Petrow, über den Burtzeff folgende Auskunft gibt: In einen Dynamitanschlag verwickelt und selbst dabei verwundet, wurde Petrow 1906 in Kasan verhastet. Es gelang ihm aber nach seiner Genesung zu entfliehen. Im vorigen Jahre weilte er im Auslande und kehrte unter einem falsche» Namen mit mehreren anderen Revolutionären»ach Rußland zurück. Verraten von Asew und einer ebenfalls als Lockspitzel vo» der Polizei verwandten jungen Dame namens Tatjana Zeitlin wurden sie alle in Saratow verhaftet. Im Gefängnisse erfuhr er von der Polizei selbst den Verrat AsewS. Man schlug ihm vor, um sein Leben zu retten, selbst wie dieser in die Dienste der Polizei zu lreten. Nach näherer Ueberlegung entschloß sich Petrow, scheinbar darauf einzugehen, in Wirklichkeit aber in dieser Nolle die Verräter in der Partei mit ihren eigenen Waffen zu be- kämpfen. Man schickte ibn nach Petersburg zu dem leitenden Chef der Geheimpolizei, dem General Gerassimow, der ihm jedoch nicht recht traute. Ein unkluge« Wort brachte ihn sogar von neuem ins Gefängnis. Als er vo» neuem entwichen war und aus der wiedergewonnenen Freiheit der Polizei feine Dienste anbot, ließ diese das Mißtrauen gegen ihn fahren und nahm ihn mil Be- reitwilligkeit an. Gerassimow eriüllte ihni sogar die Bedingung, die Be- freiung seiner Mitgefangenen Parleigeiiosle» von Saraiow zu erwirken, die Perrow ihm als Notwendigkeit dafür hinzustellen wußte, das Bei trauen in der Partei zu bewahren. Petrow blieb dann zunächst in PeterS- bürg, wo er ein Gehalt von 1000 Rnbet monatlich bezog und als ein neuer Asew von den wenigen Chefs der Polizeibehörde, die um seine Anwerbung wußten, förmlich verhätschelt wurde. Dann ging er ins Ausland, nach Berlin und Paris. Hier entdeckte er rückhaltlos den Führern der revolutionären Partei die Rolle, die er z» spielen übernommen habe, fand aber bei ihnen ebenso offene Mißbilligung dafür. Man überzeugte ihn. daß die Partei ihn in einer solchen Rolle nicht als Mitglied behalten könne, obwohl Petrow zum Beweise seiner Ehrlichkeit sich erbot, mit dem Gelde. das er von der Polizei bezog, einen terroristischen An- schlag ins Werk z» setzen. Anderseits schickte Gerassimow auch schon seinen Geholfen, den Oberst Dibitsch, hinter ihm her, um ihn zu veranlassen, aus dem Ausland heimzukehren. Dibitsch hatte in Wien, Pari« und Nizza mit Petrow Zusammenkünfte. Dieser erklärte, daß er in Petersburg nur mit Gerassimow selbst verhandeln werde, und im vorigen Monat kehrte er dortlnn zurück.„Der jetzige Mord- a n s ch l a g," erklärt Burtzeff.„ist der Racheakt, den er unS, seinen Freunden und ehemaligen Partei» genossen, auszuführen versprochen hatte." Die Mitteilungen Burtzeffs verdienen gewiß wegen der Per« sönlichkeit des Autors größte Beachtung. Gleichviel können wir uns nicht entschließen, ihm rückhaltlos zu folgen. Wenn der Attentäter die Person ist, von der Burtzeff redet, so ist es unklar, wie er wichtige Papiere der Revolutionäre in die Hände der Polizei fallen lassen konnte, so ist auch folgende Meldung schwer zu erklären: Petersburg, 28. Dezember. Der Mörder KarpowS, WoskressenSky hat weitere hochwichtige Ent« hüllungen gemacht. Infolgedessen tvurden in Odessa, Kiew und anderen Orten Massenverhaftungen vor- genommen. Wenn WoskressenSky wirklich der totbercite Rächer Petrow wäre, so würde er sich schwerlich zu Geständnissen zwingen lassen, die seinen Kameraden gefährlich werden. Das letzte Wort in der Sache scheint uns deshalb init Burtzeffs Artikel noch nicht gesprochen. Cürkei Demission des Großwesirs. Konstantinopel, 28. Dezember. Heute nachmittag hat ein m eh r st ü n d i g e r M i n i st e r r a t stattgefunden, der sich mit der inneren Lage, insbesondere mit der durch die Lynchfrage (Konzessionierung der Schiffahrtsgesellschaft Lynch auf dem Euphrat) hervorgerufenen Erregung der Bevölkerung Mesepota- miens beschäftigt hat. Nach Schluß des Ministerrates begab sich der Großwesir zum Sultan und überreichte ihm seine Demission, die, wie verlautet, angenommen worden i st.—> China. Das Attentat auf den Regenten. Der„Köln. Ztg." wird aus Shanghai unterm 28. Dezember telegraphiert: Bei dem Mordanschlag auf den Prinz« rezenten von China hat der Täter nicht den Prinz- rezenten, sondern den Mandschuhauptmanu Tschen« lin, den er fälschlich für den Regenten hielt, getroffen. Der Täter verwickelte sich bisher in Widersprüche. Festgestellt ist, daß er ein Mandschusoldat ist. In einer Depesche der„D. K. G" wird angedeutet, daß der Attentäter vielleicht das Werkzeug einer Palastclique sei. Es werde an, Hofe jetzt ein sehr heftiger Jntrigenkampf zwischen verschiedenen nach der Macht strebenden Faktoren ausgefochtc». Bus der Partei. Amerikanische«nd deutsche Sozialisten. Gettosse Viktor L. B e r g e r bespricht im„Socialdemocratic Herald' die Erfahrungen seiner Deutschlandreise. Er spricht mit höchster Begeisterung von der deutschen Sozialdemokratie und Ge- werkschastSbewegung und erklärt, weder auf politischem noch auf ge- werkschastlichem Gebiete könne die deutsche Bewegung von der amerikanischen lernen, ausgenommen, wie man es nicht machen müsse. Niemand aber habe mehr von Deutschland zu lernen als die amerikanische Arbeiterbewegung. Das Urteil ist für die deutsche Arbeiterbewegung sehr schmeichel- hast, wird aber die deutschen Genossen sicher nicht blind dafür machen, daß für sie noch sehr viel zu tun ist. DaS Maidild-PreiSauSschreiven der„Dresdener Bolkszeitnng". Auf das Preisausschreiben, von dem wir seinerzeit Mitteilung machten, sind 149 Entwürfe eingegangen. Der Wettbewerb ist da- mit geschloffen. DaS Preisrichterlollegium wird Mitte Januar zu« sanmlentreten._ Bon der französischen Parteipresse. Die Pariser„Humanitö" teilt ihren Lesern mit, daß ihr Ver- tvalwngsrat in drei Sitzungen den Plan geprüft hat, ob das Blatt hinfort sechs Seiten stark erscheinen könne. Er hat aber— vor» läufig— die Frage verneinen müssen, da die finanziellen Vor» bedingungen noch nicht gegeben sind. Aus dein Artikel erfährt man, daß der tägliche Verkauf der.Humonitö" in Paris im Jahre 1903 um 7640 Exemplare, im Jahre 1909 um 1699 Exemplare zunahm und daß er jetzt 31 000 Exemplare beträgt. Soziales. ((Siehe auch 1. Beilage)'. Vom Bocholter Aerztekricg. Nachdem der Krankenkassenverband die Verhandlungen mit den acht Kassenärzten, die den Acrzteverein bilden, abgebrochen hatte, erließen, wie man uns schreibt, die letzteren sofort in einer Anzahl der gelesensten Zeitungen Inserate(Hütet euch, Kollegen!), worin sie ihre Kollegen vor dem Bocholter Krankenkassenverband warnten. Eine unrühmliche Rolle spielten kürzlich einige christliche Gewerkschaftsführer, die merkwürdigerweise das Interesse der Ar« beiter dadurch zu wahren glaubten, daß sie für die Aerzte eintraten. Diese sonderbare Interessenvertretung hat bei den Arbeitern nicht wenig Kopsschütteln erregt; man hat hierdurch wieder einmal ge- sehen, was man von den christlichen Führern zu erwarten hat. Das festgefügte Organisatiönchen der acht Aerzte, hinter denen allerdings der Leipziger Aerzteverband steht, hätte es mit Hilfe der GeWerk- schaftsführer beinahe fertig gebracht, die 22 Krankenkassen mit ihren 7500 Mitgliedern niederzuringen. Wäre dies gelungen, so hätte man diesen Erfolg wohl nicht in letzter Linie darauf zurückführen können, daß einer der beteiligten Aerzte zugleich Vorsitzender der Bocholter Zentrumsorganisation ist. Trotzdem aber hat der Bocholter Aerzteverein seine Warnungsrufe auch eifrig in— liberalen Blättern erschallen lassen, die sonst vom Zentrum auf» entschiedenste bekämpft werden— und die kein braver katholischer Arbeiter lesen darf! Bei Aerzten ist das natürlich etwas anderes. Man ist in Bocholt jetzt mit Recht auf den 1. Januar gespannt. Dann muß sich ja zeigen, ob und wie die streitenden Parteien den Krieg weiterführen oder beendigen. Nachträglicher EntlassungSgrund. Bor dem Kaufmannsgericht klagte der Geschäftsführer SabrowSki gegen den Inhaber eines KinematographcntheaterS auf Zahlung von 80 M. loegen vorzeitiger Entlassung. Der Beklagte erhob den Einwand, der Kläger habe gegen das von ihm erlassene Rauchverbot verstoßen, und gelegentlich einer Vorstellung! am 5. Dezember, in der Absicht, ihn zu schädigen, den Vorführer an- gewiesen, längere Pausen zu inachen. Der Kläger machte geltend, daß ihm der Beklagte selber Zigarren zum Rauchen gegeben habe, und daß die Pausen erforderlich gewesen wären, um die Besucher in dem überfüllten Zuschauerraum zu placieren. Die von dem Be- klagten vorgetragenen Gründe hielt das Gericht nicht für aus- reichend, um die sofortige Entlassung zu rechtfertigen. Es schlug daher einen Vergleich vor. Daraufhin machte der Beklagte noch Mitteilung von einem Zusammentreffen mit dem Kläger am 16. Dezember in der Leipziger Straße, wo ihn dieser angehalten habe und ihm den Ueberzieher abnehmen wollte, wenn er nicht sofort die 80 M. zahle. Nunmehr bemerkte der Vorsitzende, daS Verhalten des Klägers in der Zeit, für die er die Einhaltung der vertraglichen Verpflichtung vom Beklagten fordere, gebe einen Ent- lassungsgrund ab. Der Kläger würde demnach günstigstenfalleS nur 83 M. beanspruchen können. Darauf«inigten sich die Parteien auf 26 M. er gegen diesen und seine Efieftcm die schwersten Anschuldigungen erhob. In einer der letzten Nummern des„Bund" sammelte nun L e b i u s all' die bekannten landläufigen Schinder-Hannes-Geschichten und stellte als Verüber derselben Herrn Karl May hin. Im „Bund", der ja unter Ausschluß der Oeffentlichkeit erscheint, fand diese Räuberhistorie allerdings nicht die genügende Beachtung. Ein Berliner Korrespondenzbureau bemühte sich jedoch um die Weiter- Verbreitung derselben und so fielen auch die„Deutschen Nachrichten" darauf hinein. Das Blatt war nun genötigt, folgende Zuschrift aufzunehmen: „Sie brachten am 21. d. Mts. den Räuberartikel aus dem „Bund" des Rudolf Lebius. Ich erkläre die>e Räubergeschichte für pure Erfindung. Ich habe sofort Strafantrag g e st e l l t. Hochachtungsvoll Karl May." In dem betreffenden Räuberartikel und auch sonst wird übrigens Karl May von Herrn Lebius fortgesetzt als„Genosse" bezeichnet. Nun weiß Herr LebiuS aus seinem früheren Verkehr mit May genau, daß dieser weder Sozialdemokrat ist, noch es jemals war. Aber er hofft, den Verhaßten dnrch diese Bezeichnung bei seinen Verehrern in Mißkredit zu bringen und ihm zu schaden. Auch diese Art des Kampfes kennzeichnet die Ehrenhaftigkeit des LebiuS. oeurkcbes Reich. Der Aufruf der Grubenarbeiter. Die Vertreter der vier Bergarbeiterorganisationen haben am Dienstag in einer gemeinsamen Sitzung folgenden Aufruf an die Ruhrbergleute erlassen: „Die am 28. Dezember 1909 in Oberhausen statt- gefundene Konferenz der Vorstände der vier Bergarbeiter- organisationen befaßte sich eingehend mit der Arbeits- nachweisfrage und kam zu der Ueberzeugung, daß die Ein- schränkungen, welche der Zechenverband der Satzung des Arbeitsnachweises gegeben hatte, in keiner Weise ge- eignet sind, die seitens der Arbeiter von dem einseitigen Arbeitsnachweis befürchteten Gefahren. Lohndruck, Maß- rcgelungen usw. zu beseitigen. Die Organisationen halten daher den Zwangsarbeitsnachlveis nach ivie vor als eine Einrichtung, gegen die der Kampf nötigenfalls mit den schärfsten Mitteln geführt werden muß. Die Konferenz hielt jedoch angesichts der Wirtschaftskrise und der vor- handenen Kohlenvorräte den gegenwärtigen Zeitpunkt nicht für geeignet� in einen Streik einzutreten, sondern empfiehlt den Bergarbeitern dringend, denselben zu verschieben bis zu einer günstigeren Zeit. Die Vertreter der vier Bergarbeiterorganisationen stehen einmütig auf dem Standpunkt, falls es zum Streik kommt, nur an diejenigen Streikunterstützung zu zahlen, die beim Beginn des Ausstandes ihrer Organisation mindestens drei Monate angehört haben. An Unorganisierte wird keine Streiknnterstütznng gezahlt. Mit Rücksicht auf den bevor- stehenden Streik ist dafür Sorge zu tragen, daß von jetzt ab schon jeder Znzug von Bergarbeitern in die Bergreviere, namentlich in das Ruhrgebiet, streng ferngehalten wird. Alle Arbeiterorganisationen sowie die arbeiterfreundliche Presse werden gebeten, diesen Aufruf zu verbreiten und im Sinne desselben zu wirken, um dadurch die Bergarbeiter in ihrem Kampfe gegen den Zwangsarbeitsnachweis zu unterstützen."_ Eine Gefährdung des Friedens im Baugewerbe. Die Frage, ob Krieg oder Frieden zwischen den Unternehmer- und Arbeiterverbänden im Baugewerbe herrschen wird, ist von aller- größter Bedeutung für das gesamte Wirtschaftsleben. Di« Arbeiter haben bei dem letzten Vertragsabschluß im Jahre IVOS alles getan, um folgenschwere Kvnslikte zu vermeiden. Obgleich in diesen Ver- trägen für die Dauer von zwei Jahren teils gar keine oder doch nur sehr kleine Lohnerhöhungen festgesetzt waren, haben die Arbeiterver- bände den Verträgen zugestimmt; auch sind die Verträge von den Arbeitern musterhaft gehalten worden. Bedauerlicherweise haben im Gegensatz dazu ganze Bezirksverbände der Arbeitgeberseite die Verträge nicht anerkannt, und dein Arbeitgeberbund für das Bau- gewerbe fehlte jegliches Mittel, die Anerkennung durchzusetzen. Aber auch dort, wo die Arbeitgeberverbände den Vertrag angenommen hatten, gaben zahlreiche Mitglieder derselben ihrer Unzufriedenheit drastischen Ausdruck. Für große Gebiete wie Rheinland-Westfalen und Hessen-Nassau ist 1903 im engsten Kreise verhandelt worden, ohne daß die eigent- lichen Kontrahenten über ihre ureigensten Interessen gehört wurden. Dabei blieben die örtlichen Verschiedenheiten mehr oder weniger unberücksichtigt, und die Vertragskontrahenten an den einzelnen Orten hatten vielfach das Gefühl, daß ihnen eine Vereinbarung aufgezwungen werden soll. Ein solches Empfinden kann naturgemäß eine Befriedigung nicht aufkommen lassen; es erzeugt Gleichgültigkeit und öffnet dem Vertragsbruch Tür und Tor. Aus diesen Erwägungen heraus müßten alle Bestimmungen örtlicher Natur am Orte selbst zwischen den beteiligten Organisationen ge- regelt werden. Es muß nun im höchsten Grade befremden, daß, obwohl auch der Arbeitgeberbund auf diesem Standpunkte steht, der Mittel- deutsche Arbcitgeberverband für das Baugewerbe und der Rheinisch- Westfälische Arbeitgeberverband sich auf einen strikte ablehnenden Standpunkt stellen. Im Gebiet des ersteren, das die Provinz Hessen-Nassau, das Großherzogtum Hessen, das Fürstentum Waldeck und Teile von Bayern, von Baden und der Rheinprovinz umfaßt, sollen für zirka IbvStädte und Orte diese örtlichen Verhältnisse durch eine neungliedrige Kommission an einer Zentralstelle geregelt werden. Ebenso ist die Situation in Rhoinland-Westfalen. Da- durch wird eine Einigung erschwert, wenn nicht gänzlich unmöglich gemacht. Für die Notwendigkeit einer solchen VerHandlungsweise läßt sich kein stichhaltiger Grund anführen. Es ist nicht einzusehen, warum den örtlichen Arbeitgeberverbänden direkt verboten worden ist, mit den Arbeitern am Orte zu verhandeln. Diese Maßregel er- scheint um so unverständlicher, da doch gerade seitens der Arbeit- geber die Absicht, eine Einigung zu erzielen, recht stark betont worden ist. Tatsächlich muß ein solches Verhalten dazu führen, die Schwierigkeiten, die einer Einigung im Wege stehen, zu ver- größern und damit den Frieden im Baugewerbe auf das ernstlichste zu gefährden. Ein allgemeiner Streik im Baugewerbe würde sicher zahlreiche kleine Existenzen ruinieren und nur den größeren Betrieben Vor- teile bringen, die dadurch manchen unliebsamen Konkurrenten los würden. Ob diese Folge gerade sehr wünschenswert erscheint, soll an dieser Stelle nicht untersucht werden, darüber mögen sich die im Baugewerbe noch vorhandenen zahlreichen kleinen Gelverbetreiben- den mit ihren„Freunden", den großen Bauunternehmern, aus- einandersetzen. Daß aber einen Teil der Kosten für einen solchen Kampf auch die Arbeiter tragen sollen, wird billigerweise niemand verlangen können. Die Arbeitgeberverbände werden nicht umhin können, der Oeffentlichkeit die Gründe für ihr sonderbares Ver- halten darzulegen. Vorläufig sind sowohl in Mitteldeutschlantt-lvie auch in Rheinland-Westfalen die Einigungsverhandlungen an dieser Klippe gescheitert. Die Ergebnisse der Abstimmung öber den ReichStari?« vertrag im Malergetverbe. Die im Verbände der Maler vorgenommene Abstimmung über den Reichstarifvertrag, wie auch die Einholung der Zustimmung der Mitglieder für zentrale Verhandlung der örtlich gedachten Löhne und Arbeitszeiten sind nunmehr beendet. Das Ergebnis ist folgendes: In den 238 Lohngebieten, in denen 32 736 Mitglieder des Verbandes in Frage kommen, haben 269 Versammlungen statt» gefunden, an denen 15 513 Mitglieder teilgenommen haben. Für den Reichstarifvertrag wurden 9922 und gegen 4398 Stimmen abgegeben. Für weitere zentrale Tarisverhandlung wurden 11 492 und gegen 2296 Stimmen abgegeben. Der Reichstarifver» trag ist nach diesem Resultat durch die Mehrheit der sich an der Abstimmung beteiligenden Mit- glieder seitens des Verbandes angenommen und zugleich die Zustimmung für weitere zentral zu führende Tarifverhandlungen gegeben. Die weiteren Verhandlungen sollen am 4. Januar in Berlin beginnen und mit dem 10. Januar beendet sein. Das Ergebnis dieser Ver- Handlung soll seitens des Vorstandes den Mitgliedern des Verbandes wiederum zu einer Abstimmung unterbreitet werden. In der Vor- aussetzung, daß sich wiederum nicht die Hälfte der Mitglieder an der Abstimmung beteiligt, soll das Gesamtresultat der Tarifver- Handlung einer außerordentlichen Generalversammlung zur end- gültigen Beschlußfassung unterbreitet werden. Auf Grund der Be» schlüsse zum Reichstarifvertrag, die die Generalversammlung des Verbandes in Köln faßte, hat der Vorstand bereits die nötigen Vor- arbeiten, wie die Wahl der Delegierten, angeordnet, so daß nach Er- ledigung der kommenden Tarifverhandlung und Abstimmung durch die Mitglieder gegebenenfalls die außerordentliche Generalversammlung für Mitte des Monats Februar einberufen werden kann. Dem bisherigen Ergebnis der Tarifverhandlung sollen auch die Mitglieder des christlichen Malerverbandes, wie auch der Ge- werkverein des graphischen Berufs für Maler und Lackierer ihre Zustimmung gegeben haben. In den Gauverbänden des Hauptver- bandes der Arbcitgeberverbände im Malergewerbe haben die Ab- stimmungen ebenfalls große Mehrheiten für die Annahme des Reichstarifvertrages gebracht, so daß damit eine gegenseitige Zu» stimmung der Arbeitnehmer- und Arbeitgeberverbände zu dem Tarifvertrag vorliegt. Die Erklärungen der Parteien sollen bis zum 28. Dezember beim Vorsitzenden des Gewerbegerichts in Berlin, Magistratsrat von Schulz, erfolgen. GewerKscKaftUcbeg. Krieg clem ötabltruftl New Jork, 16. Dezember. sEig. 33er.) Auf einen entscheidenden Kampf mit dem Stahltrust(United States Steel Corporation) be- reitet sich die Federation of Labor vor. Eine Konferenz von Gewerkschaftsführern, die am 13. und 14. Dezember in Pitts- bürg, dem Hauptsitz der Eisenindustrie der Bereinigten Staaten. tagte, hat den Kriegsplan bereits entworfen und in einem an die Oeffentlichkeit gerichteten Manifest die Gründe dargelegt, die die Gewerkschaften zum Kampfe zwingen. Den Anstoß gab die vom Stahltrust am 1. Juli eingeführte so- genannte offene Werlstätte(opon sbop) und die Kündigung des Tarifvertrages mit der Amalgainated Association of Iran, Steel and Tin Plate Workers, einer Gewerkschaft, der die gelernten(xicilleck) Arbeiter in den Werken des Stahltcustes angehörten. Die Folge der Kündigung des Vertrage? war der Ausstand der�Mitglieder der Amalgamated Assodiation. Der Streik hatte nicht den gewünschten Er folg, wozu nicht zum mindesten die verfehlte bisherige gewerkschaftliche Taktik beigetragen, die sogenannten ungelernten(unslcillsck) Arbeiter ihrem Schicksal zu überlassen und nur die gelernten zu organisieren. Gewitzigt dnrch diesen Schaden hat der Gewerkschaftskongreß in Toronto auf Antrag des. Präsidenten Mc Ardle der Amalgamated Association den Beschluß gefaßt, der gewerkschaftlichen Organisation der ungelernten Arbeiter erhöhte Aufmerksamkeit zu schenken. Mit den Arbeitern des Stahltrusts soll nun der Anfang gemacht werden und diesem Ziele und der Entwerfung eines allgemeinen Feldzug- planes galt die Konferenz in Pittsburg. Die Einzelheiten der zweitägigen Verhandlungen entziehen sich der allgemeinen Kenntnis. Wir müssen uns deshalb auf eine kurze Inhaltsangabe des Manifestes beschränken. Unter anderem heißt eS in demselben: „Für die organisierten Arbeiter ist eine Krisis angebrochen. Der gigantische Stahltrust benutzt seinen gewaltigen Reichtum und seine Macht, um die Arbeiter um ihre amerikanischen Menschen- rechte zu berauben und deren Widerstandskraft zu brechen. Reich geworden mit der Zustiinmung der Bevölkerung unseres Landes, strebt diese Korporation immer größeren Reichtum an, setzt sich über Gesetze hinweg, hebt Gesetze auf, macht neue Gesetze, hat Gesetzgeber und Richter vollständig in der Hand und sucht jetzt das einzige zu vernichten, was ihrer grenzenlosen Herrschaft auf sozialem, industriellem, politischem und moralischem Gebiet im Wege steht: die Organisation der Arbeiter. Der Stahllrust hat der' Arbeiterschaft den Krieg erklärt. In seinen geheimen Zu- sammenkünsten hat er beschlossen, das letzte Hindernis seiner All- macht, die Gewerkschaft, zu zerschmettern. Die Arbeiterorgani- sationen bestehen aus seinen(des Trusts) Arbeitern, aus Fleisch und Blut. Sie existieren auf Grund ihrer Arbeit; sie haben kein anderes Ziel wie den Schutz ihres Lebens, ihres Charakters, ihrer Zukunft, der Sicherheit der Republik und der Menschheit. Am 1. Juni 1909 hat die United States Steel Corporation ihren Ukas gegen die Arbeiterschaft erlassen. DaS Recht der Arbeiter, sich zum gemeinsamen Schutze zusammenzuschließen. wurde nicht inehr länger anerkannt oder geduldet. Gleichzeitig mit diesem Ukas, der am 1. Juli in Kraft trat, erfolgte eine weitere Reduktion der ohnedies kargen Löhne. Wir wünschen deshalb dringend, daß ein«.lMthafter Versuch gemacht wird, alle Arbeiter in der Eisen-, Stahl- und Zinnblech- industrie und den damit zusammenhängenden Industrien gewerk- schaftlich zu organisieren." Um dies zu erreichen, sollen alle in Betracht kommenden Ge- werkschaften mindestens einen Organisator zur Verfügung stellen. Und jedes Gewerkschaftsmitglied wird ersucht, mindestens 10 Cents zun: Streikfonds der Amalgamated Association beizusteuern. Dem Präsidenten Taft, dem Vizepräsidenten S h e r m a n, der zugleich Vorsitzender des Bundessenats ist, dem Sprecher des Repräsentanten- Hauses,,-dem bekannten Arbeiterfeind Joseph C a n n o n. und einzelnen Mitgliedern des Repräsentantenhauses soll eine Kommission die Beschwerden der Arbeiter des Stahltrustes darlegen, und eine weitere Kommission soll die Gouverneure jener Staaten bezw. die Beamten jener Countries und Städte, wo sich Werke des Trusts befinden, aus die vom Stahltrust geübten schweren Bedrückungen der Bevölkerung und die Beschränkung der Rede-, Bersamrnlungs- und Koalitionsfreiheit aufmerksam machen und auf Abhilfe dringen. Das Manifest schließt „Wir appellieren an alle freiheitsliebenden Amerikaner um deren moralische und finanzielle Unterstützung." Wie rasch diesem Manifest ein allgemeiner Kampf folgen wird, hängt von den Erfolgen der Organisatoren, den Beisteuern deS auf eine Million Dollar bemessenen Streikfonds und von der Haltung jener 40 000 Arbeiter des Stahltrusts ab, die Besitzer von Aktien der United States Steel Corporation geworden sind. Auf diese Aktionäre unter seinen etwa 200 000 Arbeitern gründet der Stahltrust seine Haupthoffnung, wie die nachstehende ErNärung der Betriebsleitung besagt: „Als wir anregten, daß die Arbeiter Aktien des Trusts kaufen, hatten wir zweierlei im Auge. Erstens wollten wir sie zu guten, treuen Arbeitern erziehen und sie veranlassen, Interesse an ihrer Arbeit zu nehmen, sich nicht nur als Arbeiter zu dünken, sondern als ein finanziell interessierter Teilhaber einer großen Gesell- schaft. Wir wissen, daß wir die? erreicht haben. Die Leute er- kennen wohl, daß sie durch die Dividenden und das Steigen der Aktien Extrageld bekommen, und sie sind deshalb gewillt, weiter zu arbeiten. Zweitens— und dies ist gerade der Grund, der in der gegenwärtigen kritischen Zeit seine Wirkung ausüben wird— hatten wir befürchtet, daß toieder einmat Unzufriedene einen Streik anzetteln wollen. Wenn solche Unzufriedene einen AuS- stand herbeiführen und dadurch den Wert des Eigentums der Streiker herabsetzen, so werden diese sofort die Nutzlosigkeit des Ausstandes einsehen." Die Richtigkeit dieser Kalkulation des Stahltrusts im vorliegenden Fall ist füglich zu bezweifeln; denn die Erbitterung unter seinen Arbeitern ist eine große. Ein Fuirke mag täglich den Brand entfachen. Daß aber der Trust überhaupt mit seinen Arbeiter-Aktionäen bange machen kann, ist die Mitschuld Gomperö und gleichgesinnter Gewerkschafts- führer. Ist doch die Waffe des Trusts dem Arsenal der Civic Federation entnommen, die erst in ihrer kürzlichen Jahresversammlung wieder Gewinnbeteiligung der Arbeiter und andere ähnliche„Wohlfahrts- einrichwngen" als Mittel zur Förderung der Harmonie zwischen Kapital und Arbeit prieS, ohne daß Gomp.ers, der Vizepräsident der Civic Federation, ein Wort des Widerspruchs erhoben hätte. Verlin und illmgegenck. Ist Lebius ein Ehrenmann? Wir haben seinerzeit erklärt, daß Herr LebiuS Handlungen begangen hat, die ihn nicht als Ehrenmann charakterisieren. Herr Lebius hat uns deswegen verklagt und wir wurden durch ihn ge- nötigt, die Wahrheit unserer Behauptung gerichtlich feststellen zu lassen Nachdem wir für unsere Behauptung einen umfangreichen Wahrheitsbeweis angetreten hatten, zog Herr Lebius urplötzlich seine Beleidigungsklage nicht nur gegen uns zurück, sondern auch in allen unS bekannten Prozessen, die bis zur Beendigung des Ver- fahrens gegen den„Vorwärts" vertagt waren. Unter viele» anderen Zeugen für die mangelnde EhrenhaUigkeit des Herrn Lebius hatten wir dem Gericht auch den bekannten Schriftsteller Karl May genannt. Das hat Herrn Lebius so in Wut versetzt, daß Verantw. Redakt.: Richard Barth, Berlin. Inseratenteil verantw.: xh. Glocke, Berlin. Druck u.Verlzg: Vorwärts Buchdr. u. VerlagSanstall Paul Singer 8c Co„ Berlin 5 w. Hierzu 2 Beilage«».NnterhaltangSbl. Tarifbewegung der Brauereiarbciter. Eine von über 500 Brauerei- arbeitern von Köln, Mülheim und Umgebung besuchte Ver« sammlung nahm Stellung zu der seit drei Monaten schwebenden Tariffrage. Die Verschleppungstaktik der Unternehmer wurde scharf verurteilt und die Tarifkommission beauftragt, unverzüglich nochmals einen Versuch zur Regelung der Angelegenheit zu machen. Im Falle des MißlingenS ist die Tarifkommission gehalten, die Instanzen sofort zu Iveiterer Beschlußfassung zusammen zu rufen. Tarifbewegung der Buchdruckerei-Hilfsarbeiter und-Arbeiterinnen in Dresden. Montag, den 20. Dezember, haben in 12 Dresdener Buch- druckereien nach voraufgegangener 14tägiger Kündigung die Anlegerinnen die Arbeit eingestellt. Ursache zu diesem Borgehen gab das Verhalten des Vorstandes der Innung Dresdener Buchdruckerei- besitzer, welcher jede Verhandlung über einen vom Verbände der Buch- und Steindruckerei-Hilfsarbeiter und-Arbeiterinnen Deutschlands vorgelegten Tarifentwurf ablehnte. Obgleich die Forde-- ruugen sich innerhalb der Grenzen der zwischen dem Deutschen Buch- druckerverein(Prinzipalsorganisation) und dem genannten Verbände für ganz Deutschland abgeschlossenen„allgemeinen Bestimmungen" halten, waren die JnnungSprinzipale nicht zu bewegen, mit den Ver- tretern ihres Hilfspersonals in Verhandlungen einzutreten. Selbst das vermittelnde Eingreifen deS Tarifamts der deutschen Buchdrucker und des Zentralvorstandes der Unternehmervereinigung blieb un- beachtet, so daß die Hilfsarbeiterinnen zur Arbeitsniederlegung greifen mußten. In der Kündigungszeit haben die Besitzer von vier größeren Druckereien die Forderungen der Organisation anerkannt und mit ihrem Personal Hausverträge abgeschlossen, wodurch sie der Stillegung ihrer Betriebe vorgebeugt haben. Die vom Streik be« troffenen Prinzipale versuchen nun mit allen Mitteln Ersatz aus anderen Drnckstädten, selbst aus Oesterreich, heranzuziehen— bis jetzt erfreulicherweise ohne Erfolg. Wenn auch fernerhin der Zuzug von Buchdrnckanlegerinnen nach Dresden ferngehalten wird, dürste die tariffeindliche Dresdener Innung zur Einsicht gezwungen werden. Letzte IVachncbtcn und Depefcben. Das Eisenbahnunglück von Uhersko im Herreuhaus. Wien, 28. Dezember.(W. T. B.) Das Herrenhaus erledigte heute eine Reihe vom Abgeordnetenhaus in der letzten Zeit ver- abschiedeter Vorlagen. Am Schlüsse der Sitzung beantwortete der Eisenbahnminister eine Interpellation betreffend das Eisenbahn- Unglück in Uhersko. Er gab eine genaue Darstellung des Unglücks- falles und schloß mit der Versicherung, daß er sich der Schwere der Verantwortung hinsichtlich der Anforderung der Sicherheit und ent- sprechenden Abwickelung des Betriebsdienstes voll bewußt und pflichtgemäß entschlossen sei, dementsprechend vorzugehe». Die Wahltaktik des englischen Handelsministers. London, 28. Dezember.(W. T. B.) In einer an seine Wähler gerichteten Flugschrift nimmt Handelsminister Churchill Bezug auf die Untersuchungen, die er im Oktober dieses Jahres über die Zlrbeiterverhältnisse in Deutschland angestellt hat. Er spricht sich lobend über das deutsche System der Krauken-, Jnvaliditäts- und Altersversicherung aus. Er sei von der Hoffnung erfüllt, bald in England ein System eingeführt zu sehen, daß alle in Teutschland gemachten Erfahrungen und außerdem noch die Arbeitslosen- Versicherung umfasse._ Begnadigt. Paris, 28. Dezember.(28. T. 83.) Präsident Fallieres erließ dem Kaffeehauskellner Mathis, der am 24. Juli d. I. wegen Gewalttätigkeit gegen die Person des Staatsoberhauptes verurtoilt war, den Nest der Strafe. Eine Familientragödie. Brüssel, 28. Dezember.(B. H) In der Rue Noyer schoß heute morgen ein Tapezierer nach einem Konflikt auf seine Gattin vier Revolverschüsse ab, wodurch diese tödlich verletzt wurde. Hierauf tötete er seinen 20jährigen Sohn und beging dann Selbstmord. ilr.303. 26. Iahrgevz. 1. KilM drs Jotmiiils" ßttlintt Mstlalt Mtlwoch. 29. pfimtiti 1909. Stelnberfls Schlinge. Herr AdolfSteinberg, der„Krawatte nakademie- Direktor", darf von sich sagen, dah er die O e f f e n t l i ch k e i t n i ch t s ch e u t. So erklärte er am Dienstag vor dem Amts- gericht Berlin-Mitte, wo er wieder mal i n d e r R o lle eines Klägers auftrat. Diesmal hatte er eine Witwe Chilewska bor Gericht g* schleppt, weil sie ihn beleidigt habe. Die Beklagte fertigt Krawatten an und beschäftigt auch selber Arbeiterinnen mit Krawatteir näheret. Zu zwei Personen, die sich ihr als Krawattennäherinnen und frühere Schülerinnen Steinbergs vorstellten und um Beschäftigung baten, soll sie Aeuberunge» getan haben, die Herrn St kr'änkten. Frau Ch. soll über ihn gesagt haben, er verstehe selber überhaupt keine Krawatte zu machen, er sei ein alter verschwindclter Jude, und ähnliches mehr. Vor Gericht gab die Beklagte nur im allgemeinen zu, sich scharf über St. geäußert zu haben. Sie sei aber dazu provoziert worden durch die eine der angeblich bei ihr Arbeit suchenden Personen, die in Wirklichkeit Herrn�St.s Gattin gewesen sei und selber ihn schlecht gcnrach habe. Der Vorsitzende Amtsgerichtsrat Wollner ging zunächst aus diese überraschende Mitteilung als„unverständliches Zeug" nicht ein Er machte die Beklagte von vornherein darauf aufmerksam, daß die Schimpfworte unter allen Umständen beleidigend seien und sie daher bestraft werden müsse, selbst wenn sie für ihre Beschuldigungen gegen St. den Wahrheitsbeweis führen könne. Wie wolle sie übrigens, fragte er, den Beweis erbringen, daß St.„verschwindelt" sei. Frau Ch. bot das Zeugnis früherer Schülerinnen St'S. an, die bei ihm nichts gelernt hätten. Sie sollte lieber ihre Aeußerungen zurücknehmen, riet der Vorsitzende. Der Kläger Herr Steinberg erzählte, Frau Ch. selber habe doch schon Arbeiterinnen von ihm gehabt. Jetzt behaupte sie, bei ihm werde nichts gelernt. Aber er wisse es ja, dahinter stecke nur wieder der„Vorwärts". Im Zuhörerraum sehe man zwei Mann vom„Vorwärts" und auch unter den geladenen Zeugen sei ein„Vorwärts"-Redakteur. Dabei sei dock erst vor einiger Zeit der„Vorwärts"- Redakteur Davidsohn wegen Beleidigung Stein- bergs zu 150 M. Geldstrafe verurteilt worden und obenein zu 300 M. Buße, die freilich noch nicht bezahlt worden seien. So eiferte Herr St. Seinem Rcdc fluß wehrte schließlich der Vorsitzende, aber der Schwatz über den„Vorwärts" hatte doch die beabsichtigte Wirkung. Als dem Vorsitzenden auf seine Frage an Frau Ch., ob sie„von irgend- welchen Leuten vorgeschoben" worden sei, mit einem glatten„Nein" geantwortet wurde, bemerkte er:„Na, ich wundere mich nur. daß man hierher kommt, zu so einem Fall, der für die Oeffemlichkeit gar keine Interesse hat". Herr Stcinberg. der gegen- über Gerichtsvorsitzenden ein viel besserer Menschenkenner ist, als sie cS gegenüber ihm zu sein scheinen, durste dann noch mehrfach auf den„Vorwärts" zurückkommen. Immer wieder wies er auf den zu erwartenden.Vorwärts"-Bericht hin, und auch der Herr Borsitzende wiederholte noch mehrfach seine Aeußerung des Staunens darüber, daß der„Vorwärts" dieser Sache ein so großes Interesse für die Oeffentlichkeit beimesse. Es ist wohl nicht nötig, Herrn AmtSgerichtSrat Wollner an dieser Stelle die gewünschte Aufklärung zu geben. Er dürste im Laufe der Verhandlung zuletzt selber erkannt haben, daß Herrn Steinbergs Geschäftsbetrieb in der Tat von sehr erheblichem Interesse für die Oeffentlichkeit ist. Rur das wollen wir hier konstatieren, daß wir, die wir„hinter Frau Ch. stehen" sollen. von ihrer Existenz erst Kenntnis er- hatten haben, als St. längst seine Klage gegen sie an- gestrengt hatte. Einer Korrektor bedarf auch die Be hauptung, daß der„Vorwärts"-Redakteur Genosse Davidsohn die Buße von 300 Mark, die St. als Zugabe für sein eigenes Portemonnaie erstritten hatte,„noch nicht bezahlt" habe. zahlt ist sie selbstverständlich längst, aber allerdings nicht an St. und zwar deshalb nicht an ihn, weil Gläubiger von ihm auf die frohe Botschaft hin, baß ihm 300 M. bar Geld winkten, dieses Geld in Höhe des mehrfachen Betrages auf Grund ausgeklagter Forderungeu im Pfändungsverfahren mit Beschlag belegten, sodaß es an s i e ausgezahlt werden mußte. Das stellte am Dienstag unser Genosse HanS Weber fest, der als Zeuge geladen war. Doch zurück zu der Klage gegen Frau Chilewska l Die vom Vorsitzenden angebahnten Vergleichsverhandlungen scheiterten, weil Frau Ch. nichts zurücknehmen wollte. Die Beklagte wiederholte, daß kleines Feuilleton. Die Wiedererweckung von Babylon. Einer der großzügigsten Köpfe unter den Ingenieuren der Gegenwart ist William Willcocks, der mit dem gewaltigen Plan der Stauwerke am unteren Nil eine Leistung vollbracht hat, die unter den öffentlichen Arbeiten aller Zeiten eine ruhmreiche Stellung zu erhalten verdient und selbst im Lande der Pyramiden als ein ebenbürtiges Weltwunder den Schöpfungen der alten Aegypter an die Seite gesetzt werden kann. Ilm nichts geringer sind die Pläne,»nit denen sich dieser Mann seit Jahren für die Wiedererweckung des alten Babylon trägt. Dieses Ziel ist dahin, zu verstehen, daß die Bewässerungs- werke, die das Gebiet von Mesopotamien im Altertum zu einem der blühendsten und mächtigsten Reiche der Erde machten, wieder hergestellt werden und dem Lande damit seine alte Fruchtbarkeit zurückgeben sollen. Jetzt scheint wirklich der Plan der Verwirklichung etwas näher gerückt zu sein, denn nach der Mitteilung von Willcocks an die Londoner Geographische Gesellschaft hat die neue türkische Regierung bereits den Auftrag gegeben, Ingenieure und Vermesiungs- beamte zur Untersuchung der Flüste und Kanäle im Delta des Euphrat und Tigris anzuwerben und Projekte für die Neubesiedelung des Landes auszuarbeiten. Nach dem Vorschlage von Willcocks sollen die überschüssigen Wasser des Euphrat in die Niederungen des alten Pison, des ersten der vier Flüsse der Genesis, geleitet werden. Für die Ausführung würde nach dem Voranschlag ein Kapital von 7 Millionen Mark und die Zeit von drei Jahren genügen. Damit könnte das Kulturland längs des Euphrat der Fläche nach verdoppelt, dem Ertrage nach verdreifacht werden. Heute scheuen sich die Bewohner, den unsicheren Versuch mit der AuSsaat zu Ivagen, weil sie nach der Erfahrung ungefähr jedes dritte Jahr auf eine Mißernte rechnen müssen. Wenn Noah Wasserbauingenieur gewesen wäre, meint Willcocks, so würde er eine derartige Anlage gemacht haben, statt eine Arche zu baue», und auf diese Weise würde er nicht nur sich und seine Familie, sondern sein ganzes Land vor der Sündflut gerettet haben. Zunächst wird jetzt ein großer Kanal mitten durch daS Delta beabsichtigt, der etwa l'/z Millionen Hektar des besten Landes in Meso- potamien würde bewässern können. Dieser Boden würde jährlich 1 Million Tonnen Weizen und 2 Millionen Zentner Baumwolle liefern. Selbstverständlich werden diese Pläne in Beziehung gesetzt zu dem projektierten Ausbau der Bagdad- bahn. Willcocks hat als Engländer die Meinung, daß eine Eisen- bahn nötig wäre, die von Bagdad auf dem kürzesten Wege zum Mittelmeer und dementsprechend über Damaskus an die Küste von Tyrus und Sidon führen müßte. Diese allein würde außerdem die Hauptstraße für den persischen Handel und auch für die Mekkapilger bilden. Schließlich gibt Willcocks seiner Begeisterung für den großen Plan in den Worten Ausdruck:„In seiner langen vieltausendjährigen Geschichte ist Babylonien wiederholt zusammengesunken, aber es hat sich immer wieder mit einer Tatkraft und Zähigkeit erhoben, die der Vollständigkeit und Plötzlichkeit des Verfalls ebenbürtig war. Babylonien hat niemals die Hoffnungen derer getäuscht, die Frau Steinberg selber unter der Maske einer Arbeit suchenden Krawatten näherin zu ihr gekoinmen sei und aus St. geschimpft habe.„Die eigene Frau I?" rief un- gläubig der Vorsitzende; das sei doch gar nicht möglich. Jawohl, versicherte Frau Eh.. Frau St. habe als angebliche Arbeiterin ihr sogar vorgejammert, daß sie nun schon Ii Tage umherlaufe und keine Arbeit bekommen könne, weil sie bei St. gelernt habe. Da habe dann auch sie zustimmend gesagt, daß man bei St. nichts lerne. In der Beweisaufnahme bekundete ein Frl. Hedwig Rogolz, sie sei mit S t.'s Kontorfräulein zu Frau Ch. gegangen. „Weil wir schon gehört hatten, daß Frau Eh. derartige Aeußerungen getan hatte, wollten wir sie überführen. Wir sagten, wir kämen von Steinberg und bäten um Arbeit, da sagte Frau Ch.: Stcinberg versieht sa selber keine Krawatte zu machen, das ist ja doch alles Schwindel I" Den Ausdruck„verschwindelter alter Jude" habe Frau Ch. nicht gebraucht, sie habe aber behauptet, seine Dankschreiben seien Schwindel, die schreibe er sich selber. Hierzu erklärte die Be- klagte, sie habe gesagt, Arbeit könne sie nicht geben, darauf habe das Fräulein entrüstet geklagt, daß sie so viel Honorar ausgegeben habe und nun keine Arbeit bekommen könne. Als Zeugin wurde auch Frau Gertrud Sternberg vernommen. Sie war gleichfalls bei Frau Ch. gewesen, ihrer Meinung nach an demselben Tage, aber zu anderer Stunde und zwar schon vor Frl. Rogolz. Sie habe gehört, daß Frau Ch. zu Arbeitsuchenden sich über St. beleidigend geäußert habe, das habe sie feststellen wollen. Frau Ch. habe früher Arbeiterinnen von St. genommen. Wenn eine Arbeitsstube durch Annonce Arbeiterinnen suche, melde sich St. und erbiete sich zur Beschaffung der Arbeite- rinnen. DaS habe er auch bei Frau Ch. getan, und sie sei darauf eingegangen. Damen, die nichts verstanden, seien wohl solche gewesen, die eben erst 14 Tage gelernt hatten. St. schickte diese ja auch nicht als perfekte Arbeiterinnen, sondern als Vorarbeiterinnen. Als Arbeiterin, die bei St. gelernt habe, sei auch sie zu Frau Ch. gegangen. Frau Ch. habe ihr gesagt:„Von diesem verschwindelten alten Juden kommen Sie? Da lernen Sie nichts, der nimmt den Leuten nur das Geld ab." Sie, die Zeugin, habe sich nicht zu erkennen gegeben, sie habe horchen wollen, ob Frau Ch. noch mehr beleidigende Aeußerungen tun würde. Sie selber, Frau St. habe bemerkt, auch sie habe so und so lange bei St. gelernt und sie sei doch einigermaßen mit der Arbeit zu- frieden. Demgegenüber behauptete die Beklagte:„Frau S t. sagte, seit zwei Wochen suche sie Arbeit, man Hab« sie ausgelacht." Vorsitzender:„Haben Sie das gesagt?" Frau Steinberg:„Ja, nachdem sie so gesprochen hatte." Vorsitzender (zur Zeugin):„Aber dann haben Sie doch provoziert I" Es folgte die Vernehmung unseres Genossen Weber, der be- künden sollte, welche Erfahrungen er als„V o r w ä rtS"- R e d a k- teur über Steinberg gesammelt habe. Er schilderte, wie der„Vor- wärts"-Redaktion von Frauen und Mädchen immer wieder die Klage vorgetragen worden sei. daß sie sich durch St. geschädigt fühlten, weil sie in ArbeitSsluben keine Arbeit fänden und geradezu nochmal lernen müßten. Auf des Vorsitzenden Frage, seit wann die Animosität des„Vorwärts" gegen St. bestehe, und auf die noch der- wunderlichere andere Frage, weshalb über diese dieOeffentlichkeit nicht interessierende Verhandlung berichtet werden solle, antwortete Weber, von Animosität könne keine Rede sein, aber die„Vorwärts" Redaklion halte es allerdings für ihre Pflicht, den Be schwerden über vermeinten Schwindel nachzu gehen und womöglich Aufklärung herbeizuführen. Warum man denn da nicht, fragte der Vorsitzende, es mit einer Anzeige bei der Staatsanwaltschaft versuche. Weber:„Mir ist mal bei einer Ver- uehmung geradezu gesagt worden, der„Vorwärts" solle die ihm zu Ohren kommenden Schwindeleien zur Kenntnis der Oeffentlichkeit bringen". Vors.:„Der Erfolg ist—" Weber:«— daß wir ver urteilt werden". Vors.:,— daß wir hier solche Prozesse haben" Zu dem Vorschlag, den Staatsanwalt mobil zu machen, äußerte sich dann auch Herr Steinberg. Das sei ja "chon geschehen, erst wieder vor anderthalb bis zwei Jahren, da eien 30 Zeugen des„Vorwärts" vernommen worden, aber St. ei freigesprochen worden.(Erst wieder vor anderthalb bis zwei Jahren I? Und 30 Zeugen des„Vorwärts" I? Was kann der Herr da meinen? Red. des„Vorwärts".)„Ich empfehle Ihnen, Herr Steinberg", mahnte schließlich der Vorsitzende,„machen Sie aus der Sache keine große Geschichte". Wenn seine eigene Frau provoziert habe, so sei das doch nicht unerheblich für das Strafmatz. Und wenn Anklageerhebung gegen ihn herbeigeführt und die Beschuldigungen bewiesen würden, sei auch das von großer Bedeutung. Herr St. erklärte jetzt, um Frau Ch. sei es ihm gar nicht zu tun. Der„Vorwärts" st ecke dahinter, wieder- eine Hebung angestrebt haben. Jetzt scheint wieder die Zeit für neseS so lange im Sande versimlen gewesene Land gekommen zu ein, die eS aus ihrem Staub erheben und von neuem an die Seite eines alten Nebenbuhlers Aegypten setzen wird. Babylonien wird wiederum seine weiten Ländereien bewohnt und seine Wüsten er- blühen sehen gleich einer Rose." Lucrez und Darwin. Der hervorragende englische Geologe Professor Judd erzählte in einem Ende November gehaltenen Vor- trag über Geologie und EntWickelung ein hübsches Erlebnis, das an eine Begegnung mit dem berühmten Kritiker Matthew Arnold anknüpft. Dieser sagte einmal halb scherzhast zu ihm:„Ich ver- tehe gar nicht, was Ihr gelehrten Leute so viel Gerede über Darwin macht, das hat doch schon alles im alten LucretiuS gestanden". Professor Judd antwortete darauf:„Ja, Lucretius hat das erraten, was Darwin bewiesen hat". Darauf Arnold mit verstelltem Ernst: „O, aber das zeigt nur, ein wieviel größerer Mann Lucretius war, wenn er unmittelbar eine Wahrheit ahnen konnte, während Darwin ein Leben voll Arbeit dansit verbrachte, um ihrer habhaft zu werden." Prof. Judd erwähnte im Anschluß daran, daß keine Wissenschaft den Amateuren so viel zu danken habe wie die Geologie. Es sei noch in Erinnerung gebracht, daß die angezogenen Lehre» von Lucretius in dessen großem Gedicht über die Natur der Dinge enthalten sind. UebrigenS endete dieser römische Klassiker schon im Alter von 41 Jahren durch Selbstmord. Humor und Satire. Des preußischen Wähler? Gebet. Die Erzbischöfe von Canterbury und Jork haben ein offizielles Gebet für die englische Wahlperiode ausgearbeitet, das mit den Worten beginnt:„Gnädigster Gott, in Demut erflehen wir für alle Wähler von Mitgliedern des Parlaments, daß sie dessen eingedenk, daß ihr Wahlrecht von Dir ihnen anvertraut ist, treu und weise ihre Wahl aus geeignete Personen lenken..." usw. Diesem Beispiel nacheifernd, haben sich nunmehr auch die blau- chwarzen Kapläne Preußens entschlossen, ein allgemeines Wahlgebet anzuordnen. Es soll lauten: „Lieber Galt, erhalte uns das schon von Bismarck so genannte „elendeste aller Wahlsysteme", lasse eS zu hohen Jahren kommen und verweigere der Thronrede, die das Gegenteil ankündigt, Deinen Beistand. Stärke den Reichskanzler mit Deiner Gnade, daß er frei- mütig vor seinen König hintrete und ihm bekenne, niemand anderem Gehorsam zu schulden, als uns, die wir ihm gebieten, die köuig- lichen Worte zu vergessen und für ungesprochen zu erachten. Alle die Zeitungen, die sich für eine Modernisierung des Wahlrechts ein- etzen, wolle in Deiner Huld mit Druckfehlern, falschen Nachrichten. Abonnentcnschwund und Jnseratendürre schlagen. Strafe die Agitatoren, die nicht auf dem Boden der„Germania" und der„Kreuzzeitung" stehen, mit allen Strafen des Himmels. Uns aber, die wir festhalren am alten Wahlrecht, uns verleihe den Sieg, auf daß wir die blau-schwarzen Kammerspiele fortsetzen können bis ans Ende der Welt. Amen l"(„Lustige Blätter".)- holte er dreist; aber geschäftlichen Nachteil habe er von solchen Angriffen des„Vorwärts" ja doch nicht. Weber erwiderte, in jener Beleidigungsklage gegen Davidsohn sei Steinbergs Anspruch auf Buße gerade mit der angeblichen Schädigung begründet worden. Den überschäumenden Eifer des zuletzt nervös werdenden Herrn St. mußte der Vorsitzende dämpfen:„Ein bißchen mehr juristische Kenntnisse sich anzueignen, würde ich Ihnen, Herr Steinberg, doch empfehlen, da Sie uns recht häufig beschäftigen." Der Verteidiger der Beklagten, Rechtsanwalt Siegbert L o e w y, bat, zu berücksichtigen, daß Frau Ch. auf Grund von Er- fahrungen zu der Ansicht gelaugt sei, St.'s Geschäftsgebaren sei'bc- trügerisch und daß sie durch Lockfpitzelei dazu verleitet wurde, das in derber Form zu sagen. Der Kläger Stein berg versicherte, in seiner Krawattenakademie erfülle er, was er verspreche. Bleibe Frau Ch. dabei, daß er ein Schwindler sei, so bitte er zu vertagen, damit er durch weitere Zeugen das Gegenteil beweisen könne. Er habe die Oeffentlichkeit nicht zu scheuen, man solle ihn nur bei der Staatsanwaltschaft anzeigen. Das bezeichnete dann auch der Verteidiger als wünschenswert. Daraufhin kam das Gericht zu dem Beschluß, zu vertagen, damit die angebotenen Beweise erbracht werden können; im übrigen sei das Verfahren auszusetzen bis zur Erledigung einer bei der Staatsanwaltschaft binnen Monatsfrist einzureichenden Strafanzeige gegen Stein berg wegen Betruges im Sinne der hier aufgestellten Behauptungen. Es wird hierbei besonders darauf ankommen, daß auch solche Personen sich bei dem Verteidiger(Rechtsanwalt Siegbert Loewy, Berlin, Kaiser Wilhelmstr. 18 E.) melden, die noch in letzter Zeit bei Steinberg Unterricht genommen haben und sich etwa geschädigt fühlen. Hua Induftm und Handel. Die HaushaltSkosten im Jahre 1909. Wie die Bewegung der Nahrungsmittelpreise im Jahre 190S auf den Haushalt einwirkte und die Kosten der Ernährung bc- einflußte, das ersehen wir, wenn wir für 60 Plätze Preußens auf Grund der VerpflegungSration des deutschen Marinesoldaten den wöchentlichen NahrungS mittelan f wand für eine vier- köpfige Familie in der Weise berechnen, daß unter Reduzierung von zwei Kindern auf eine Person das Dreifache der Nvrmalration des Marinesoldaten angesetzt wird. In den einzelnen Monaten des Jahres 1909 gestaltete sich der Nahrungsmittclaufwand in Mark wie folgt: Januar Februar März. April. Mai.. Juni. Standard- Gegen d. ziffer Vormonat 22,40 22,37 22,47 22,69 22,87 23,27 —0,09 +0.10 --0,12 +0,28 --0,40 Juli.. August.. September Oktober. November Standard- Ziffer . 23,07 . 23,79 . 23,74 . 23,07 . 23,49 Gegen d. Vormonat +0.40 +0,12 —0,06 —0,07 -0,18 Das wichtigste an der borstehenden Zusammenstellung ist, daß die Standardziffer im November höher st cht als zu Jahres- ansang, und zwar beträgt das Plus 1,03 M. Vergleichen wir die Januar- und Novemberpreise bei den verschiedenen Nahrungsmitteln, so finden wir, daß, von Kartoffeln ab- gesehen, die Preise sämtlicher wichtiger Nahrungsmittel in die Höhe gegangen find, denn im Durchschnitt der 60 Orte betrug der Preis für 1 Kilogramm in Mark: Rindfleisch Schweinefleisch Hammelfleisch Butter November.. 1,37 1,73 1,55 2,79 Gegen Januar+ 0,01+0,12+ 0,04+ 0,45 ©rot Wchen- Kartoffeln Erbsen fpeis-. November.. 0,31 0,39 0,07 0,38 0,39 Gegen Januar+ 0,01+ 0,04— 0,01+ 0,02+ 0,01 Ganz besonders ist der Preis für Schweinefleisch und Butter in die Höhe gegangen. In anderen größeren nicht« preußischen Städten, wie z. B. m Leipzig, Chemnitz. Dresden, Stuttgart und München sind die HauShaltslosten ebenfalls gestiegen. Notizen. — Herrn Bodes Zufälle. Eine Wiener Zeitung hat in ihrer Weihnachtsausgabe eine der beliebten Rundfragen ver- anstaltet, mit denen die Zeitungen gratis Reklame machen für sich und die Zelebritäten, die sich dazu hergeben. Es wurde das Thema: „Die Rolle des Zufalls im Leben" behandelt. Herr Bode durfte dabei nicht fehlen; er schüttete sein Herz aus: Der Zufall führte mir die Wachsbüste der Flora in den Weg; war eS Zufall, daß sich infolge des Ankaufes eine Meute von Neidern und Feinden über mich und die arme Flora stürzte? Jedenfalls ist eS mein Ver- hängnis, daß ich jetzt alle meine freie Zeit(die mir so wie so schon fehlt) diesem elenden Streite opfern muß.(Es wäre freilich viel erfreulicher gewesen, wenn Herr Bode seine freie Zeit zu einer genauen Untersuchung der Büste und ihrer Herkunft verwendet hätte. und er würde auch jetzt freie Zeit gewinnen, wenn er der Wahrheit freien Lauf ließe und die Presse mit seinei, offenen Verdächtigungen und geheimen Informationen und den Artikeln— seiner Angestellten und Schüler verschonte. — Das Ballett streikt. Montagabend gegen 11 Uhr, als in der Pariser Oper das Ballett„Coppelia" beginnen sollte, er- klärten die Mitglieder des Balletts, daß sie nur dann ihre Tätigkeit aufnehmen würden, wenn einige von ihnen aufgestellte Forde- rungen angenommen würden. Der Direktor versprach, die Wünsche wohlwollend zu prüfen, worauf nach einer Viertelstunde die Vor- 'tellung fortgesetzt wurde. — Das Tagebuch eines Bäckergesellen vom Jahre 1 76 3. Dem Museum in Harburg wurde bor einiger teit, wie wir in den„Hamb. Nachr." lesen, ein äußerst interessantes ägebuch eines Harburger Bäckergesellen zum Geschenk gemacht. Man ist erstaunt über die peinliche Sauberkeit der Schrift und die Auswahl der Zitate und Sentenzen, die darin niedergelegt sind. Von dem Tagebuchschreiber geht noch in Harburg der Spruch» „Johann Christian Reußmann in Harburg hat die ganze Welt durch- reist." Und wie wahr dieses war, ersieht man aus seinen Angaben. In einer zweijährigen Wanderschaft(von 1708—1770) hat Reußmann ast ganz Europa gesehen. Nicht weniger als 405 Städte und größere Orte hat er auf seiner Reise besucht und dabei 1300 Meilen (450 Meilen zu Wasser und 850 Meilen zu Lande) zurückgelegt. Und das alles ohne Eisenbahn und Luftschiff. — D e r P l ü n d e r e r A f r i k a S. In der letzten Sitzimg der Smithfonian Institution, des Allgemeinen wissenschaftlichen Instituts in Washington, wurden Mitteilungen gemacht über die von Roosevelt auf seinem afrikanischen Jagdzuge erbeuteten Trophäen, die alle dem Institut überwiesen werden. Bis zum 10. Dezember hatte Roose- veltS Expedition nicht weniger als 0003 Felle erbeutet, von denen die Hälfte bereits in Amerika eingetroffen ist. Die eingegangene Sammlung umfaßt bis jetzt 243 Häute großer Säugetiere, 1600 Felle kleinerer Säugetiere und 1350 Vogelbälge. Auch eine Anzahl menschlicher Schädel sind eingetroffen, die längs der Straßen ge- sammelt wurden, deren sich früher der Sklavenhandel bediente. Fleischteneruug. Räch den Zusainmenstellungen der„Statistischen Korrespondenz find die Fleischpreise in der ersten Hälfte des Monats Dezember im Vergleich mit dem Vormonat durchweg gestiegen. Es kosteten im Durchschnitt nach den Notierungen in bl> Städten im Kleinhandel 1 Kilogramm Pfennige: Daß bei solchen Preisen der Konsum zurückgeht, liegt auf der Hand i mancher Arbeiter kann Fleisch nur noch als Extragericht an hohen Festtagen sich leisten. Trotzdem, die Junker schauen nur noch nach mehr Liebesgaben aus und lamentieren über die Begehrlichkeit der— Arbeiter._ Beteiligungsziffern im Kohlensyndikat. Mit dem 1. Januar 1910 treten in den Beteiligungen der Kohlenzeche» im Rheinisch- westfälischen Kohlensyndikat verschiedene Aenderungen ein. Die Gesomtbeteiligung stellt sich in Kohlen auf 78 159 834 Tonnen(77 834 834 Tonnen), in Koks auf 14 587 350 Tonnen (14 407 350 Tonnen) und in Briketts 3 740 915 Tonnen(wie im Vorjahre). An der Gesamtbeteiligung sind 70 Bergwerksunternehmungen beteiligt. Naturgemäß verteilt sich die Menge nicht gleichmäßig auf die angeschlossenen Unternehmen. Die sechs größten beherrschen bei- nahe die Hälfte der Kohlenförderung. Nachfolgend haben wir die 15 Gesellschaften mit den größten Beteiligungsziffern für Kohlen und Koks zusammengestellt; eS ergibt sich, daß sie weit über die Hälfte auf sich vereinigen. SS haben Beteiligungen: Kohlen Gelsenkirchen...... 8 698 000 Harpener Bergbau.... 7 240 000 Hibernia........ 3 416 500 Phönix........ 3 190 000 Rheinpreußen...... 3 000000 Deutsch-Luxemb. Bergw... 2 700 000 Arenberg A.-G...... 1872 702 Zollverein........ 1 755 507 Konsolidation...... 1740 000 Deutscher Kaiser..... 1 650 000 Effener Steinkohlenbergw... 1929 300 fiskus......... 1993 000 onkordia........ 1 520 370 Konstantin....... 1 384 500 Neumühl........ 1650000 46 745 885 Koks 1 726 808 1750 000 812 800 642 640 795 000 620 000 387 250 240 000 415 400 12 000 327 400 620 000 863 000 8712 298 Bei Würdigung dieser Zahlen muß berücksichtigt werden, daß die Gesellschaften teilweise noch wieder untereinander in Verbindung stehen, entweder durch eine Personalunion in den AufsichtSrats- körpern oder auf Grund der geldgebenden Bankinstitute, und schließlich auch dadurch, daß die Aktien zum großen Teil« in den Händen der- selben Leute sind._ Die Regierung boykottiert. Die amerikanische Bundesregierung hat bereits im Juni durch den Kriegsminister Dickinson die Boykoitierung der American Tabacco angeordnet und jetzt dieselbe Maßnahme gegen die Standard Oil Co. verfügt. In beiden Fällen wird der Boykott damit begründet, daß die Lieferanten nach bundesgerichtlichem Urteil«in Monopol bildeten. In, Lande der unbegrenzten Monopole werden diese durch solche Aktionen nicht irritiert, denn die Verordnung verbietet nur. von den Monopolisten für die Bundesarmee— direkt Waren zu kaufen I Also macht man's indirekt und bezahlt vielleicht noch Agenten- gebühren._ Bom Zuckerskaudal. An den Steuerdeftaudationen in den Vereinigten Staaten find mehr Zuckerkönige beteiligt, als man bisher annahm. Die Groß- firma Arbuckle Bros, hat jetzt nachträglich für Mindergewichtsangaben bei der Rohzuckereinfuhr in den Jahren 1393—1907 Zollzahlung von 695 573 Dollar geleistet. Bereits soll sich auch die National Sugar Refining Co. zu nachträglicher Zahlung von mehreren Hundert- taufenden von Dollar bereit'erklärt haben. Auch ist ein früherer höherer Beamter der American Sugar Refining Co., Ernst W. Gerbracht, in Verbindung mit der bei der Rohzuckereinfuhr ge nannter Gesellschaft aufgedeckten„Unregelmäßigkeiten" unter Anklage und Bürgschaft in Höhe von 10000 Dollar gestellt worden. D»e American Sugar Refining Co. hat an Strafgeldern und nachträgt licher Zollzahlung bereits zirka 2 130 000 Dollar erlegen müssen. Soziales. (Siehe auch Hauptblatt.) Ein Betriebsunfall und seine Folgen. Verletzte und ihre Angehörigen müssen auf eine genaue Fest- stellung der Unfallfolgen, auf ein gewissenhaftes Unfallprotokoll achten. Der Maurer Sch. aus B. bei Hanau stürzte, als er um das Gerüst eines Neubaues herumgehen wollte, rücklings in die Tiefe. Er stand nach dem Sturz wieder auf, klagte über heftige Schmerzen in der Seite, versuchte auch wieder weiterzuarbeiten. Als der Bauunternehmer kam, hörte er von dem Unfall und fand den Verletzten„sitzend und essend" und hörte die Klage über heftige Schmerzen. Der Verletzte fuhr dann auf Geheiß des Unternehmers mit der Eisenbahn und ging von der Station zu Fuß nach Hause. Der herbeigerufene Kassenarzt konstatierte „Bruch zweier Rippen und Muskelquetschung des rechten Armes und der Schulter". Nach einige Wochen wurde der Verletzte vom Kassenarzt aus der Behandlung als arbeitsfähig entlassen und teilte derselbe der Berufsgenossenschaft später mit, daß„keine schädigenden Folgen des Unfalles mehr vorhanden sind". Ter Verletzte begab sich wieder an die Arbeit und stellte auch keinen Antrag auf Gewährung der Rente, da ja keine sichtbaren Folgen der Verletzungen vorhanden waren, auch der Arzt jede Erwerbsbeschränkung bestritten hatte. Später fiel es aber den Angehörigen des Verletzten auf, daß dieser einen unsicheren Gang bekam, öfters ohne jede Ursache weinte und über Augenschmerzen klagte. Auch dem Bauunternehmer fiel eZ auf, daß sein Vorarbeiter nach dem Unfall nicht mehr so zuverlässig war als früher. Eine Reihe„verkehrter Handlungen, mangelhafte schriftliche Rapporte" wurden von ihm beanstandet und führten zu wiederholten Er- Mahnungen. Als sich aber größere Fehler ergaben, wurde der Verletzte entlassen und vom Kassenarzt später der Frankfurter Irrenanstalt überwiesen. Die Frau des Erkrankten stellte nun durch Vermittelung des klrbciterfekretariats zu Frankfurt a. M. den Antrag aus Ge- Währung der Unfallreuie, da doch die Krankheit nur als eine Folge des erlittenen Ilnfallcs anzusehen sei. Die Berufsgenossen- schaft stellte dem Chefarzt der Irrenanstalt ihre Unfallakten zur Versügung und erbat sich ein Gutachten über diesen Fall. Professor Sioli stellte in seinem Gutachten fest, daß der Er- krankte an einer Reihe von körperlichen und geistigen Lähmungs- erscheinungen leide. Seine Sprache sei unsicher, stockend und zeigten sich Auslassungen von Silben und Worten. Der Gang sei schwankend und gespreizt. Im Gesicht bestehe ein ständiges Zittern und Zucken der Muskeln, der Zunge und Hände. Der Kranke leide an„Dementia paralxtica und Daves dersalis, chronischer Erkrankung des Nervensystems", welche nach allgemeiner Erfahrung und wissenschaftlicher Anschauung nicht auf solche Un- fälle, wie der vorliegende, zurückzuführen sei, da es sich bei dem Verletzten nur um eine„Quetschung der rechten Seite, nicht aber um eine Kopfverletzung oder Gehirnerschütterung handelt". In der Berufung zum Schiedsgericht wies nun die Ehefrau des Verletzten besonders daraus hin, daß ihr Ehemann am Tage des Unfalls auch über heftige Schmerzen im Hinterkopfe geklagt und angegeben habe, daß er bei dem Sturz„gegen eine Mauer geschleudert worden sei". Sie ersuchte um Vernehmung der Zeugen des Unfalls und deS Kassenarztes, welche ihre Angaben bestätigen würden. Das Schiedsgericht für Arbeiterversicherung zu Wiesbaden fand es aber gar nicht sür nötig, diesem Antrage stattzugeben und stützte sich nur auf das Gutachten von Professor Sioli, das ja eine Erkrankung infolge des Unfalls ausdrücklich bestreite. Bei dem Rekurs mußte nachgeholt werden, was das Schieds- gericht versäumt hatte. Die Unsallzeugen gaben der armen Frau eine schriftliche Erklärung, daß der Vorletzte zirka 2,20— 2,40 Meter tief herabgefallen sei. Ein Zeuge erklärte, daß Sch. auf den Kopf stürzte, so daß„ich glaubte, er hätte das Genick gebrochen". Ein anderer Zeuge gab an, daß der Verletzte„rücklings herunter, mit dem Kopf gegen eine Mauer gefallen" sei. Nachdein das Reichsversicherungsamt die Zeugen eidlich hatte vernehmen lassen, wurde Professor Dr. Sioli nochmals zu einem Gutachten aufgefordert, weil jetzt die Kopfverletzung festgestellt worden sei. Der Arzt erklärte denn auch, daß durch„diese neuen Zeugen» aussagen ein neues, früher nicht bekanntes Material zu der Ent- stehungsgeschichte der Krankheit des Sch. geliefert" worden sei. Der Verletzte sei dauernd bettlägerig geworden und ließen sich jetzt„die Bewegungsstörungen durch eine Gehirnertrankung allein erklären". Vor dem Unfall sei der Verletzte gesund gewesen, habe nie Syphilis durchgemacht, stamme von gesunden Eltern, habe gesunde Kinder. Es habe sich also einige Wochen nach dem Unsall eine Gehirnkrankheit entwickelt, welche schleichend sich verschlimmerte und nach und nach zu den Lähmungserscheinungen gesührt habe. Der Schluß des sehr interessanten Gutachtens lautete:„Daß nach den neueren Zeugenaussagen die Möglichkeit nicht ausgeschlossen ist, und sogar eine gewisse Wahrscheinlichkeit dasür spricht, daß die Krankheit des Sch. allein als Folge des erlittenen Unfalls anzusehen ist." Das Urteil des Reichsversicherungsamtes war nun voraus- zusehen, und erhielt die Familie deS inzwischen verstorbenen Ver- letzten die Rente zugesprochen. Auch dieser Fall zeigt wieder, wie eigenartig die SchiedS- gerichte für Arbeitcrverficherung arbeiten. Wäre die geplante Reichsversichcrungsordnung schon in Kraft gewesen, so hätte die arme Witwe keine Rente erhalten, weil nach den Absichten der Regierung künftig der Rekursweg abgeschnitten werden soll. Das Schiedsgericht hätte endgültig entschieden» die Zeugen wären gar nicht mehr vernommen worden. Sericbts- Leitung. Ist da» Streikvostenstehen erlaubt? In Helmstedt, im Herzogtum Braunschweig, wurden im Mai dieses Jahres die Tischler von der Berliner Firma Salfeldt aus» gesperrt. Die Ortspolizeibehörde erließ im Laufe des Streiks eine öffentliche Bekanntmachung, laut welcher aus Grund der Städte» ordnung bestimmt wurde, daß das Publikum allen Anordnungen, die von den diensttuenden Gendarmen und Polizeibeamten zur Er- Haltung der Ruhe, Ordnung und Sicherheit in den Straßen der Stadt und vor dem Bahnhofe getroffen würden, unbedingt Folge zu leisten habe. Zuwiderhandelnde sollten mit Geldstrafe bis zu 15 M-' eventuell mit Haftstrafe bedacht werden.— Einige Streikposten kehrten sich jedoch nicht an die Anordnungen der Gendarmen und gingen nicht fort, als sie von ihrem Posten weggewiesen wurden. Sie erhielten Strafmandate, die das Schössen- und das Landgericht bestätigte.— Auf die von den Verurteilten eingelegte Revision hat letzt der Strafsenat des Oberlandesgerichts die Bestraften frei- gesprochen und die Kosten, einschließlich der für die Verteidigung der Kläger, der Staatskasse auferlegt. Der Freispruch wird aber nicht damit begründet, daß das Streikpostenstehen gesetzlich erlaubt sei, wie das klipp und klar von höheren Gerichtsinstanzen oft schon erklärt worden ist, sondern er stützt sich auf eine falsche Anwendung der Pobizeiverordnung. Die vielen juristisch sich widersprechenden An- sichten über das Recht des Streikpostenstehens sind somit um eine neue vermehrt.— Im Urteil wird gesagt, daß die Polizeiverfügung deshalb rechtsungültig sei, weil sie eine Strafandrohung enthalte. So wenig die Polizeibehörde ihre Unterbeamten zum Erlaß all- gemeiner Anordnungen ermächtigen könne, so wenig könne sie. worauf«S hier allein ankomme, diese ermächtigen, im Einzelfalle Anordnungen mit der Wirkung zu treffen, daß der bloße Ungehor- sam gegen diese strafbar sei. Der bloße Ungehorsam gegen die An- ordnung der Exekutivorgane sei noch keine strafbare Handlung, wohl aber fei die polizeiliche Handlung selbst eine rechtmäßige Aus- Übung und könne von dem Beamten erzwungen werden. Ein Widerstand dagegen sei nach§ 113 des Strafgesetzbuches strafbar. In dem vorliegenden Falle habe der Polizeibeamte aber gar keinen Versuch gemacht, die Befolgung seiner Anordnung zu erzwingen, der nur ein passiver Widerstand entgegengesetzt worden sei. Des- halb müsse auch Freisprechung erfolgen.— Die Begründung des Urteils stellt die Möglichkeit des Streikpostenstehens ganz in das Belieben eines Gendarmen oder Polizisten. Die Arbeiter können ich zwar nachträglich beschweren, allein wenn sie mit einer solchen Beschwerde ausnahmsweise einmal Erfolg haben sollten, nützt es ihnen nichts mehr; der Kampf ist dann schon beendet. DaS Koalitionsrecht der deutschen Arbeiter bleibt demnach zumeist nur ein Elches von Polizisten Gnaden. VermilcKtes. Eisenbahnunföllc. Einer Meldung aus Kaiserslautern zufolge, stieß in der Station NeuhemSbach-Sembach eine Nachschubmaschine auf den letzten Wagen eines Zuges, dessen Insassen beurlaubte Militärpersonen waren. Dreizehn Soldaten erlitten leichte Kopfverletzungen. Der Material- 'chaden ist unbedeutend. Bon», 23. Dezember. Wie die Direktion der Rhein-Uferbahn mitteilt, entgleiste heute nacht auf der Station Bonn-Ellerstraße der um 12 Uhr nachts von Köln abgegangene Schnellzug, weil der Führer über die Station hinaus mit großer Geschwindigkeit in die kleine Kurve fuhr. Der Triebwagen entgleiste und der Anhänge- wagen wurde gegen den Triebwagen gestoßen. Ein Passagier erlitt einen Unterschenkelbruch, einige Personen wurden leichter verletzt. Der Materialschaden ist unerheblich. Der Betrieb, der am Vor- mittag durch Umsteigen aufrecht erhalten wurde, war heute mittag wieder in Ordnung._ Gedenkfeiern für die Mesfiuakatastrophe. Au» Rom wird vom gestrige» Tag« berichtet: Aus Anlaß des Jahrestage» der Erdbeben- katastrophe in Kalabrien und Sizilien fanden heute in ganz Italien Gedächtnisfeiern statt. In Reggio find zum Zeichen der Trauer alle Geschäfte geschlossen. Viele Gebäude haben halbmast geflaggt. Bc- Hörden und Vereine begaben sich in feierlichem Zuge an das gemein- same Grab der Opfer, wo ein Bronzekranz niedergelegt wurde. De» Bürgermeistern im Erdbebengebiet sind überaus zahlreiche Beileids- telegramme zugegangen._ Der Familienmord von Ruswil. Ueber die Entdeckung des Täters des furchtbaren fünffachen Mordes auf dem Bauernhof Hubschuer bei Ruswil werden neue Einzelheiten bekannt. Gestern starb noch als ftinftes Opfer das älteste Kind der ermordeten Eltern Bisang, die löjährige Tochter. die in der Schreckensnacht einen furchtbaren Ncrvenchok erlitten hatte. Nach dem vom Mörder Mathias Muff gestern abgelegten Geständnis hat sich das fürchterliche Drama folgendermaßen abgespielt: Muff begab sich am letzten Montag nachts zwischen 10 und 11 Uhr zum Großviehhändler Bisang auf Hubichuer unter der Vor- gäbe, eine Kuh von ihm kaufen zu wollen. Dort wurde zu- erst in der Stube„gesprächelt", wobei Frau Bisang dem Muff noch Erfrischungen reichte. Dann gingen Bisang und Muff mit einer Laterne in den Stall, um die Kuh zu besichtigen. Hier zog Muff den Revolver und gab in unmittelbarer Nähe zwei Schüsse auf Bisang ab. Jetzt begab er sich in die Stube des Bisang, trat in da? Schlafzimmer der Frau und tötete sie mit zwei gleichen Schüssen. Aus dem namenlosen Schrecken, der im Antlitz der Leiche der Frau Bisang zu sehen war, geht hervor, daß sie den Mörder, anS dem Schlafe erwachend, noch gesehen hat. Nach dieser Tat ging Muff in das obere Stockwerk, schlich sich in das Zimmer deS Knechts Bucher und brachte diesem einen Schuß in die Schläfe bei. Der Getroffene taumelte noch auf ein Tischchen in der Nähe der Türe zu. sank dort nieder und erhielt vom Mörder den zweiten Kopfschuß. Fast im gleichen Augenblick erschoß er, wieder mit zwei Kopfschüssen, auch noch sein viertes Opfer, den Knecht Joseph Huber. Drei Knechte nebenan wagten sich nicht zu rühren aus Angst, sobald sie die Tür öffneten, niedergeschoffen zu werden. Hierauf ging Muff in den ersten Stock zurück, nahm eine Reiswelle und die Petroleum- kanne, legte die Welle vor die Stubentür, den einzigen Ausgang aus dem Schlafzimmer der Kinder, und steckte sie in Brand, nachdem er sie mit Petroleum begoffen hatte. Das Haus sollte mit Kindern und Leichen verbrannt werden. Wenigstens gelang dieser ruchlase Plan nicht. Vorher hatte der Mörder im Schlafzimmer der Frau Bisang die Aufsatzkommode aufgesprengt, Wertpapiere und anderes wahllos herauSgeriffen und in einen Unterrock der Frau Bisang eingewickelt. Mit dieser Beute begab er sich dann in den Stall zurück. Dort machte er sich an der Leiche des Bisang, eines schweren Mannes, zu schaffen. Er schleppte sie zu einen: Streuhaufen in der Nähe des Jauchebehälters, vergrub sie darin goß Petroleum über den Haufen und zündete ihn an, ebenso die Scheune. Das Feuer verbrannte auch den Deckel des Jauche- behälterS, und die bereits halb verkohlte Leiche BisangS fiel hinein Der Mörder hotte sein fürchterliches Werk beendet. Er ging nun zunächst zur Scheune, vergrub dort die Schriften und die blutigen Kleider und versteckte einen Teil deS Geldes. Der Mörder mordete Bisang, um erstens feine Schuldverpflichtung gegenüber diesem zu vernichten, und zweitens, um das Geld zu rauben, dessen er bedurfte Es war nämlich allgemein bekannt, daß Eis.'ng stets große Summen zu Hause hatte. Soeben erschienen:'_ kvötlm Werke in sechs Künden. Im Austraoe der Goethe-Gesell- Ichast ausgewählt und herausgegeben von ErichSchmtdt. Elegante Ausstattung. Preis nur 6 Mark. Expedition des„Vorwärts" Berlin SW., Lindcnstr. 69 (Laden)._ Reste% | Damentuche, schwarz u. farbig, Ko»tamstoffe,ncueft.äHuft., Seide, Sammele, Besätze, Futterstoffe,, PIDsche zuMSnteln,Chev-Kammgarne zu Knaben-Anzügen. 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M., nach. | mittags'/,Z Uhr, von der Leichen- Halle deS städtischen Krankenhauses am Urban aus nach dem Kreuzkirchhos w Marietido Ferner starb unser Kollege, der Rollkutscher Roman Bloch am Sonntag, den LS. d. M., im Alter von 46 Jahren an Herz- schlag. Ehre ihrem Andenken! > Die Beerdigung findet heute ! Mittwoch, den 29. d. M., nach- l mittag 2 Uhr, von der Lei' halle deS Mchael-KirchhoseS dors, Mariendorscr Weg, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 72/3 vis Verwaltung. Steindrackerei-Iisarlieiter u. Orfsverwaltnng Berlin. Am 27. Dezember starb plötzlich am Herzschlage unser Kollege > Am 27. Dezember, 4'/, Uhr, Istarb mein lieber, guter Mann, I der Maurer Emil Polesky j nach langem Leiden. Die Beerdigung findet am l Donnerstag, den 30. Dezember, l nachmittags 3 Uhr, von der I Leichenhalle deS städtischen Fried- | Hofes in Friedrichsfelde aus stalt. Tie trauernde Witwe. Zentral-Waml der Maurer Dentseblands. Zweigverein Berlin. Am 27. Dezember verstarb unser langjähriges Mitglied Emil Polesky (Scztrl Osten II.) Ehre feinem Andenken! Die Beerdigung findet statt am Donnerstag, den 30. Dez., nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des städtischen Fried- Hofes in Friedrichsfelde aus. Um rege Beteiligung ersucht 140/9 Die Berbandsleitung. Deutscher Holzarbeiter- Verband Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, dah unser Kollege, der Klavier- arbeiter Deutscher Holzarbeiter-Verband Den Mitgliedern zur Nachricht, dajj unser Kollege, der Möbel- Polierer Bode am 26. Dezember gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdig ung findet am Mittwoch, den 29. Dezember, nachmittags 4 Uhr, von der Halle des Georgen-KirchhojeS, Lands- berger Allee, aus statt. 94/6 Die Ortsverwaltung. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und Kranzsvenden bei der Beerdigung meines lieben unvergesj- liehen Mannes, unseres Vaters und Schwagers Hermann Hteinmiiller sagen wir allen Verwandten und Be- kannten, insbesondere Herrn Stadtv. Küter sowie den Mitgliedern des G«- sangvereins Schöneberger Männerchor und des WahlvereutS unseren herz- lichsten Dank. 4Lb Die trauermlen Hinterbliebenen Wwe. Steinmüllor u. Kinder. Am 27. Dezember, nachmittags l'/z Uhr, verschied mein lieber Mann, der Restaurateur Emil Liidtke im 32. Lebensjahre. DieS zeigt tiefbetrübt hiermit an im Namen der Hinterbliebenen Vrau Else Etidtke 456 geb. Broweleit. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 30. Dezember, nachmittags 2>/, Uhr, von der Leichenballe deS neuen Seböne- berger Friedhoses im Ostgelände aus statt. Extra- Aktellung I. Geschäft; Berlin W., Mohren- Straße 37a(2 Haus von der Jerusalemer Straße). II Geschäft: Berlin NO., Große Frankfurter Str. 115(2. Haus von der Andreasstraße). 1 Sehr er. 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Ausstellung der Kandidatenliste zur Wahl der General- versamniluitgs-Delegierlen._ Mittwoch, den 5. Jannar, finden die Zlertra«knsmün«er-VersaUmlungtil d. Kranchen o. Kksirbe statt. Noch ausstehende Vorschläge zur Kandidatenliste der Generalveisamm- ltings-Delegierten müssen bis zum 5. Januar beim Obmann eingereicht sein. Das Kerlllinösvmeau ist am Freitag, d. 31. Dezbr.(Silvester). von 1 Uhr ab und am 1. Jannar den ganzen Tag geschloffen. Dt. Eiubasfieruvg der Ktttröge in den ZahlsttDev erfolgt am 31. Dezember von 5 bis 7 Uhr abends. 94/4_ Die Ortsverwaltung». Zum Kampfe Igeg/en dicBrannt* weinsteuer! Alkoholfreie Punsche von köstlichstemWohlgeschmack und hervorragend seinem Aroma bereitet»toai sich selbst aus NoaS Original- Exlrakten, Preis pro Flasche 78 pt, 90 pt, 1 m. Infolge der auhervrdcntlichen Ergiebigkeit von NoaS Ort- gmal- Extrakten erhält man aus jeder Flasche O litr. trinkfertigen Pause Ii. 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Am Freitag, den St. Dezember(Silvester), ver- anstalten die Parteigenossen im«Forsthaus" ein gemütliches Bei- sammcnsein mit Tanz, wozu die gesamte Arbeiterschaft des Ortes herzlich eingeladen ist. Der Bczirksführer. Lerlmer ftocbrichten* Auf dem Selbstmördcrfriedhof. Weihnachten kam mir der Gedanke, hinaus zu gehen zu jenen, die vom Leben zermalmt, ungekannt und ungenannt im kühlen Waldesgrunde schlummern. Nicht weit von der Laudstratze, die nach Schildhorn führt, breitet sich an lichter Waldcsstelle, von vielen nicht gekannt, von wenigen nur auf' gesucht, ein stilles, einsames Fleckchen Erde aus. Regenschwer lagerten die Wolken am Himmel. Die Luft war feucht und rauh. Die kahle Natur schien in ein Meer von Schwermut getaucht, so grau und müde grinste die Ein- samkeit hinter den nackten Stämmen hervor. Starr und leb- los lag der sagenumwobene Teufclssee da, und nur wenn der robuste Dezembertvind über ihn wegfegte, knackte das dünne Eis wie feines Porzellan. Nichts von dem scheinheiligen Getue unserer Christenwelt über die angebliche Geburt eines Erlösers durchbrauste meine Brust, als ich die Ruhestätte derer betrat, die sich selbst erlöst hatten. Nur wehe, schmerz- liche Empfindungen, kalte Schauer wälzten sich zentnerschwer über meine Seele. Ein kleiner Platz, von einem schlichten Drahtgeflecht um- zäunt, nimmt den Wanderer auf. Gleich am Haupteingang fällt sein Blick ans eine Holztafel mit der Mahnung: «Wanderer, der du dich nahst Dieser Stätte des Friedens, Schone die Steine, Die Liebe gesetzt den Toten.' Liebe l Wie wenige Gräber zeugen hier von dieser köst- licheu Gabe. Viele haben wohl je kaum eine liebende, pflegende Hand wahrgenommen. Es mögen weit iwer hundert sein, die hier unter gefallenen, eingesunkenen Hügeln Ruhe gefunden. Ruhe und Frieden atmet hier alles in der Runde. Eine geheimnisvolle, feierliche Stille weht über der Totenstätte, bei der das Herz des Besuchers kaum zu pochen wagt. Hohe, ffinstere Kiefern recken, ihre dunklen Arme wie anklagend zum Himmel empor. Nur wenn die Elemente toben, wenn die Erde unter den Donnerschlägen erbebt und alte Baumriesen krachend auseinander bersten, dann klingt es wie wilde Auf- schreie gepeinigter Kreaturen durch den Aufruhr und in den sturmgepcitschten Kronen stöhnt und ächzt es schauerlich. Heute aber, da ich sinnend zwischen den Gräbern wandle, lagert das große Schweigen über dem Wald. Das Brausen der Weltstadt dringt nicht bis zu dieser Stätte der Namen- losen. Und namenlos sind alle, über deren Hügeln im Sommer das Unkraut wuchert, wo nie eine heiße Träne den Boden netzt. Starre Nummern ersetzen den Namen, niemand kannte, niemand vermißte die Toten, als sie in die Grube sanken. Versunken und vergessen--- Alle starben sie eines gewaltsamen Todes. Die Mehrzahl schnitt den Lebensfaden mit eigener Hand ab, nur wenige ruhen hier, die der Tod tückisch niedermähte. In allen Alters- stufen hat die kalte Faust des Sensenmannes sie gepackt. Hier schläft ein Jüngling, kaum dem Knabenalter entwachsen, dort ein Greis, dem die Fülle der Jahre das Haar gebleicht. Von Menschenschicksalen erzählen die stummen Hügel, von ge- borstenem oder nie gefundenem Lebensglück, von getäuschtem Hoffen, von gescheiterten Existenzen und von der kaltherzigen Grausamkeit unserer Gesellschaft. Da deckt die Scholle einen neunzehnjährigen Sohn. Neunzehn Jahre— lachende Jugend, voll strotzender Kraft und sturmfrohem Mut— ach. hier im engen Bette modert ein junges Herz. Keine Inschrift teilt den Namen mit. Was geht's die Welt an, die fremde, wer hier ruht? Eine Mutter ist da, die es weiß, eine arme, leid- «ebeugte Mutter, die ihrem früh entrissenen Kinde innige Jortc in den für immer verstummten Mund legt: «Geliebt— beweint! Mein frühes Grab, mein junges Glück, Drum, Mutter, ruf mich nicht zurück. Ich lebe noch und liebe Dich In diesem schönen Himmelslicht I' Abseits liegt ein Elternpaar im Tode vereint, dessen Grab von den überlebenden Kindern liebevoll im Stande ge- halten ivird. Auch hier verschweigt der Grabstein den Namen der Toten. Von einer Liebestragödie gibt ein gutgepflegtes Grab Kunde. Zwei Liebende sind es, die hier dem Tode abtrotzten. was das Leben ihnen nicht geben wollte. Zwei Menschen- knospen, kaum entfaltet, traf sie der Tod ins Herz. Er 23, sie 22 Jahre, berichtet die namenlose Inschrift des roten Sandsteinmonuments, das ein Kreuz schmückt.—«Sie konnten zusammen nicht kommen, das Wasser war allzu tief." Weiter schreitet der Fuß an Hügeln vorbei, wo zerschellte Lebcnsschifflein strandeten. War es Hunger, war es Liebe, fremde oder eigene Schuld, Krankheit oder menschliche Tücke, die enck vor der Zeit ver- zweifeln ließ? Wo die Inschriften es nicht verraten, wird es niemand mehr erfahren. Verweht und vergessen. Wo ein Schiffleiu untersank, fluten die Wogen darüber hinweg, nur ein paar Planken treiben dem Ufer zu. Brennendes Weh er- füllte mein Herz und bange Zweifel peinigten mein Hirn, als ich langsam dem Ausgange zustrebte. Immer und immer wieder schrie es in mir auf:«Warum? Warum?" Und wie als Antwort Huben in der Ferne Feiertagsglocken an zu läuten. Dumpf und schwer rollten die Klänge über den winterlichen Wald. hin.»Christ ist geboren, der Heiland und Erlöser!" sollten sie verkünden. Mich aber packte eine stumme Wut ob der Lüge, die nun schon bald zwei Jahrtausende die Menschheit äfft und narrt. Und im Geiste sah ich die Toten sich erheben und die knochigen Hände ballen, als stummer und wuchtiger Protest gegen die gleißende Botschaft.„Nein, der Erlöser der Menschheit ist noch nicht geboren, aber schon ver- kündet der dröhnende Tritt aus der Ferne sein Nahen." Als ich so dachte und durch die Pforte schritt, brach die Abendsonne siegesmutig durch die Wolkendecke und übergoß die Gräber mit purpurner Glut, ein lebendiges Symbol für den kommenden Erlöser Sozialismus. Magistrat und Wahlrecht städtischer Arbeiter. Der Magistrat hat an die städtischen Verwaltungsstellen folgende Verfügung erlassen: «In Zukunft ist, wie in einzelnen Fällen schon wiederholt angeordnet worden ist, sämtlichen städtischen Angestellten und Arbeitern ans ihren Antrag Gelegenheit zu geben, ihr Wahlrecht zu den Reichstags-, Landtags- und Stadtverordnetenwahlen aus- zuiiben. Die Wahlternüne sowie die Wahlzeiten dieser Wahlen sind jedesmal aus unseren Bekanntnrachungen im«Gemeindeblatt" zu ersehen. Dem pflichtniätzigen Ermessen der einzelnen Verwaltungsstellen bleibt es überlassen, die erforderlichen Anordnungen hinsichtlich der Regelung des Dienstes und Erteilung des Urlaubes zu treffen, um den genannten Personen unter Berücksichtigung der Wahl- zeiten und der persönlichen Verhältnisse der einzelnen und unter Vermeidung von größeren Dienst- und Arbeitsstörungen, soweit solches sich ohne Beeinträchtigung des beabsichtigten Zweckes er- reichen läßt, die Ansübuiig des Wahlrechts zu ermöglichen. Für den Fall notwendig werdender Beurlaubung tritt eine Kürzung der Dienst- oder Lohnbezüge ein." Magistrat. So selbstverständlich es sein sollte, den Angestellten und Arbeitern der Stadt Zeit und Gelegenheit zur Ausübung ihres Wahlrechts zu geben, so oft hat sich noch bei den letzten Wahlen gezeigt, daß an verschiedenen Stellen den Arbeitern gegenüber diese Selbstverständlichkeit nicht geübt worden ist. Und wir wollen nur hoffen, daß in Zukunft streng nach dieser Verfügung gehandelt wird. Einspruch erheben müssen wir gegen den Schlußsatz in der Anordnung, nach der für den Fall notwendig werdender Beurlaubung eine Kürzung der Dienst- oder Lohnbezüge ein- treten soll. Das bedeutet doch für die Wähler, die infolge ihres von der Arbeitsstätte recht entfernt liegenden Wohnortes und Wahl- lokals Urlaub nehmen müssen, eine Einschränkung ihres Wahl- rechts und ist um so ungerechtfertigter, als die Beamten eine Kürzung ihres Gehalts nicht zu gewärtigen haben. Wir nehmen einstweilen zugunsten des Magistrats noch an, daß in der Bekanntmachung das Wörtchen„nicht" fehlt, im anderen Falle soll der Magistrat dieses„nicht" sofort einfügen._ Die Weiterbildung von Gcwerbcgehilfen zu fördern, ist der Zweck einer Reihe von Stiftungen, die der Stadt Berlin zur Verfügung stehen. Sie sind aber gerade in den Kreisen, denen sie zugute kommen sollen, nur wenig bekannt. Die alljährlichen Ver- waltungsberichte der Deputation für die Fach- und Fortbil- dungs schulen dringen einige Angaben über Stiftungen dieser Art sowie über die Unterstützungen, die daraus bewilligt wurden. Doch ist zu wünschen, daß auch die Schüler der Fach- und Fort- bildungsschulen hinreichend darüber informiert werden, welche Hilfsquellen sie nötigenfalls in Anspruch nehmen können. Es genügt nicht, daß dem einen und dem anderen Schüler, der einem einzelnen Lehrer oder dem Schulleiter„würdig" erscheint, ein wohlwollender Wink gegeben wird. Wenn man alle diese Stiftungen zusammensuchte— sie„verkrümeln sich" bei verschiedenen Behörden und Verwaltungsstellen— so mag eine ziemliche Anzahl zusammen- kommen.-Bei nicht wenigen aber ist leider das Kapital sehr mäßig, bei einigen ist es so winzig, daß der gesamte Zinsertrag pro Jahr mit einem einzigen Zwanzigmarkstück ungefähr ausgezahlt werden kann. Unter den größeren Stiftungen ist besonders die„Stiftung der Berliner Gewcrbcausstellung im Jahre 1879" zu nennen, deren Kapital von insgesamt 500 009 M. aus Ueberschüsscn der Aus- stellung herrührt. Die Zinsen von 300 000 M. sind bestimmt zu Beihilfen für die Ausbildung der dem Gewerbe und der Industrie sich widmenden Jugend. Eine ähnliche Stiftung aus älterer Zeit ist der..Gewerks-Ansstellungsfonds vom Jahre 1840", der aber nur etwa 22 000 M. Kapital hat. Auch das«Friedrichs-Gewerbestipen- dium", dem ans dem Stadtsäckel jährlich 1800 M. und aus einem Kapital von 3000 M. die Zinsen zufließen, will die Weiterbildung von Gewevbcgehilfcn fördern. Bedeutend ist das Vermögen der Mappesstiftung,'deren Einkünfte den Handwerkerschulen bestimmt sind. Das Kapital beläuft sich auf 319 000 M., doch sind aus den Zinsen bis auf weiteres noch ein paar lebenslängliche Renten her» zugeben. Was übrig bleibt, wird den Handwerkerschulcn überwiesen als Beihilfe zur Beschaffung von Lehrmitteln für die Schulen selber, sowie als Stipendien fiir Lehrer zu Studienreisen und schließlich auch für Schüler zur Weiterbildung. Einstweilen ist also hier— trotz der Höhe des.Kapitals— für Schüler noch nicht sehr viel zu hoffen. Gering ist das Kapital der Stiftung„Geschenk eines Schulfreundes aus Holland", es beträgt nur 18 700 M. Die Zinsen sollen zur Gewährung von Lernmitteln an bedürftige und würdige Schüler der Pflichtfortbildungsschulen verwendet werden. Aus den Zinsen des sehr kleinen Guhrauerschen Legats, das nur 1400 M. Kapital hat, werden Prämien siir Schüler der Wahlsort- bildungsschulen gegeben. Das Gregorysche Legat, das zur Bewilli- gung von Freistellen oder Lernmitteln an Schülerinnen der Wahl- sortbildungsschulen ftir Mädchen bestimmt ist, hat sogar nur 700 M. Kapital. Für die Schüler der Handwerberschulen werden auch vom Staat, von der Handelskammer Berlin und von den Aeltesten der Berliner Kaufmannschaft durch Vermittclung dieser Schulen mehrere Stipendien gewährt. Für beide Handwerkerschulcn zu- sammen gab im letzten Jahre der Staat 2000 M., die Handels. kammer 4075 M., die Aeltesten der Kaufmannschaft 300 M. Schü- lern der Fach- und Fortbildungsschulen, die solche Stiftungen und Fonds in Anspruch nehmen wollen, kann man nur raten, sich nähere Auskunft von ihrem Schulleiter zu erbitten. Die Gaswerke der Stadt Berlin haben im Etatsjahr 1908 (April 1908 bis März 1909), wie der jetzt vom Magistrat veröffentlichte Verwaltungsbericht nachweist, ein minder gutes Geschäft als im vorhergehenden Jahre gemacht. Zwar hatte die Zahl der Gasverbraucher weiter zugenommen, da aber die Menge des gegen Bezahlung abgegebenen Gases keineswegs in demselben Maße sich mehrte, so sind diesmal die Einnahmen nicht sehr erheblich gestiegen. Andererseits haben sich die Ausgaben sehr viel stärker erhöht, namentlich infolge der Preissteigerung für inländische Kohlen. Das Ergebnis ist, daß der Ucbcrschuß ans den Gaswerken, der im vorletzten Jahre noch 7 641 110 M. betragen hatte, im letzten Jahre sich auf nur 6314819 M. gestellt hat. Das bedeutet eine Verringerung deS Ueberschusses um rund V/s Millionen Mark. Aus den einzelnen Ausgabeposten seien hier die Arbeits- löhne(für Betrieb und Vertrieb) erwähnt: sie waren in beiden Jahren nahezu gleich, 2 353 549 M. in 1907, 2 353 079 M. in 1908. Da indes die Menge des produzierten Gases immerhin noch gestiegen ist(von 252 946 000 Kubik- niete? in 1907 auf 268 036 000 Kubikmeter in 1908, wovon 226 712 419 Kubikmeter in 1907 und 236 178 670 Kubikmeter in 1908 gegen Bezahlung abgegeben wurden), so ergibt sich eine Ermäßigung der Lohnausgaben jijro 1000 Kubikmeter G a s p r o d u kti o n, von 9,30 M. Lohn pro 1000 Kubikmeter in 1907 auf 8,78 M. Lohn pro 1000 Kubikmeter in 1908. Dagegen sehen wir bei den Aufwendungen für Direktion, Beamte und Bureau eine Zunahme von 1 927 305 M. auf 2 097 019 M.. pro 1000 Kubikmeter Gasproduktion von 7,62 M. auf 7.83 M. Die eingangs erwähnte Abschivächung der Zunahme des gegen Bezahlung abgegebenen Gases wird im Bericht erklärt aus der„ungünstigen allgemeinen Wirt- schaftslage", womit das Richtige getroffen sein dürfte. Daneben werden als Ursachen noch genannt die Helligkeit des Wetters im vorjährigen Herbst und die Einführung des Achtuhr-Ladenschlusses vom vorigen Winter ab. Beachtung verdient, daß im besonderen bei den Gasautomaten der Durchschnittsverbrauch pro Jahr von 465 Kubikmeter auf 450 Kubikmeter heruntergegangen ist. Das erklärt der Bericht aus der„Arbeitslosigkeit der kleinen W o h n u n g s i u h a b e r". daneben wieder aus dem Achtuhr-Ladenschluß. Dieser dürfte aber für den Verbrauch durch Automaten kaum ins Gewicht fallen, die Hauptursache des Verbrauchsrückganges wird hier tatsächlich die Arbeits- losigkeit sein. DaS Gehalt der Fahrer und Schaffner bei den städtische» Straßenbahnen ist durchgängig um 5 M. für den Monat erhöht worden. Die erste Gehaltserhöhung ist bereits zu Weihnachten zur Auszahlung gelangt._ Katholischer Kirchenbcttcl durch Kinder. Auf dem Gebiete des Kirchenbettels sind die Vertreter der„allein- seligmnchenden Kirche" Meister: auch Kinder stellen sie in ihren Dienst in der Hoffnung, auf diese Weise leichter Geld für Kirchenzwecke los- eisen zu können. Uns liegt ein Bettelzirkular vor, das aus Nürn- berg stammt und an in Berlin wohnende Personen verschickt wird. In dem von den Frommen sonst so sehr verlästerten Berlin ver- mutet man immer noch genug Gimpel, die aus den Bettel hinein- fallen. In dem Schreiben wird der Bettelsack zugunsten des Baues einer Kirche in Gersienhof(Borstadtbezirk von Nürnberg) geschwungen. Um Abwechselung in die Sache zu bringen, hat man Konfirmanden einen Brief diktiert und mit ihren Unterschristen versehen lassen, aus dem wir folgendes wiedergeben wollen: Nürnberg, im Dezember 09. Liebe gute Dame! Lieber guter Herr! Wir Erstkommimikanten von Nürnberg wölken Ihnen die freudige Mitteilung machen, daß ivir»ms auf die erste heilige Kommunion vorbereiten und wir sollen Sie in diesem Schuljahre empfangen. Ach, wie freuen wir uns auf diesem Tag: Wenn unser Herr Kaplan, der»ins Unterricht gibt,»ms erzählt,»vie schön eine solche Feier sein kann, wo so viele Kinder zusammen find, da möchten uns die Tränen ans den Augen fließen, vaß ivir nicht einmal eine ricküige Kirche haben, wo wir zur heiligen Kommunion gehen können. Der Herr Kaplan sagte uns, früher sei es ii» Berlin und in Hamburg und anderswo auch so schlimm gi Wesen, daß die Leute nicht Platz fanden in den Kirchen. Da habe» aber die Katho- liken von ganz Deutschland gesanimelt, aber in Nürnberg ist eS jetzt noch viel schlimmer... Der Herr Kaplan meint, unsere Notkirche ist noch keine richtige Kirche, sie ist bloß eine Scheune und muß bald abgebrochen werde»». Es wird auch schon gebaut an einer neuen, aber der Bauplatz kostet 70 000 M. und znin Bau sind noch 150 000 M. notivendig, wenn die Kirche gairz billig aus Ziegeln gebaut wird, weil sie so groß sein iiinß. Alles Geld, das der Herr Kaplan bekommen hat, reicht»richt und die Katho- liken können auch nichts mehr geben... Der Kirchenbauverein hat auch nichts mehr und doch soll er außerden» noch eine Kirche in dem Stadtteil Steinbühl»»»d eine in dein Stadtteil St.Leonhardt bauen... Nach Steinbühl soll dann unsere Nolkirche komme»», wenn wir eine neue haben. Wir werden in der Weihnachtszeit jeden Tag für die gliten Herren und Damen beten, die Miseren» Herrn Kaplan etwas schicken.... Er legt Ihnen außer einer Weihnachtskarte, wo»vir zu Weihnachten und zun» Neujahr herzlich gratulieren, noch eine Anweisung bei, wenn Sie Geld schicken wollen und ein kleines Kuvert für Briesinarken oder wenn Sie bloß Papiergeld haben.... Im Namen aller Erstkommunikanten zeichnen eine Anzahl Knaben»nd Mädchen. Daran schließt sich im Namen aller Katholiken de? Scelsorge» bezirks St. AntoniuS-Gerstenhof eine Empfehlung der Bitte der Kinder an durch den Kuratkaplan und schließlich koinmt der Dekan mit einer ähnlichen Empfehlung. Das Schreiben der Kinder ist durch Umdrnckverfahren in Original- Handschrift hergestellt und charakterisiert sich als ein unverschämter Unfug. Wenn ein anner Teufel in seiner Not an eine Tür klopft, um sich zur Stillung seines Hungers ein Stück Brot zu erbitten, und er wird erwischt, wandert er inS Gefängnis oder Arbeitshans. Hier»vird der Bettel in der schamlosesten Weise fabrikmäßig unter mißbräuchlicher Benutzung der Schulkinder betrieben, da kräht kein Hahn danach. DaS wird noch als ein gottgefälliges Werk an- gesehen._ Berliner Einbrecher auf der„Gastreise". Die Wethnachtsfeiertage haben hiesige Einbrecher dazu benutzt, uin einen Raubzug nach den östlichen Vororten zu unternehmen. Die Bande, die sich anscheineird schon öfter in der östlichen Umgebung aufgehalten hat, verübte eine ganze Reihe von Einbruchsdiebstählen. So statteten sie einigen Sommerlokalen uneriviinschten Besuch ab. Auch das Klubhaus de» Jachtklub»„Müggelsee" erbrachen sie. Die Behältnisse der Mit- glieder wurden erbrochen und ausgeraubt. Zwei schwere Straßenunfälle ereigneten sich am Montag. An der Ecke der Kant- und Windscheidstraße verließ die 29jährige Frau Schetvski einen in voller Fahrt befindlichen Straßenbahnwagen der Linie 93, fiel und blieb besinnungslos auf dem Straßendamm liegen. Die Verunglückte wurde zunächst zu einem in der Nähe »vohnenden Arzt gebracht, der einen komplizlerten Bruch des rechten Schlüsselbeins und innere Verletzungen feststellte, und von dort nach Anlegung eines Notverbandes nach dem Krankeuhause a»n Urban übergeführt. Bon einem Omnibus überfahren und schwer verletzt wurde der 50 Jahre alte Privatier Karl Schwarzholtz au» Angeniiüiide. Ali er an der Ecke der Invaliden- und Chauffeestraße den Fahrdan»», überschreiten wollte, geriet er unter einen OmnibnS der Allgemeinen Berliner Omnibusgesellschaft. Die Räder des schlveren Gefährte» gingen dem Sch. über den rechten Unterscheirkel himveg, dessen Knochen zermalmt wurden. Der Verunglückte wurde nach der Unfall- station in der Eichendorssstrahe Virchow-Krankeuhause gebracht. und von dort nach dem Rudolf I» die Königliche Klinik eingeliefert wurde gestern früh da? 25jährige Dicustniädchen Anna Grabowski aus Strausberg. Ihr war eine Wäschestütze so unglücklich auf den Kopf gefallen, dast der in der Stange befindliche Nagel die Schädeldecke durchbohrte und tief in das Gehirn eindrang. Der Zustand der Verletzten ist sehr bedenklich. Ein Unglücksfall ereignete sich gestern nachmittag 2 Uhr an der Ecke der Paulstraste und Alt-Moabit. Dort wurde der Gasarbeiter Eduard Schramm beim Ueberschreiten des Fahrdammes von einem Strastenbahnwogen umgestosten. Er wurde mit Kopfwunden nach dem Moabiter Krankenhause gebracht. In der Silvesternacht werden auf den Linien Pankow bezw. Meder-Schönhaiisen nach Mittelstrahe anschliestend an den Fahrplan noch folgende Sonderzüge verkehren: ab Pankow(Mendelstraste) 12.10, 12 30. 12.50, 1.10. 1.20: ab Nieder-Schönhausen 12.20. 12.40. 1.00, 1.20, 1.40.- Ab Mittel st raste(Ecke Friedrich- st raste): nach Pankow fMendelstraste) 1.00, 1.20, 1.40, 2.00, 2.20; nach Nieder-Schönhausen 1.10. 1.30, 1.50. 2.10, 2.30.— Nach Franz.-Buchholz, ab Prinzen- Allee fEcke Bellermannstraste) 1.43, Anschlust an den Zug 1.20 ab Mittelstrastc.— Aus der Linie Behrenstraste— Treptow findet zwischen Behrenstraste und Treptow bis 1.54 Uhr nachts Zehmninutenverlchr statt; der letzte Wagen fährt von Treptow 1.10 Uhr ab. Im wisicnschaftliche» Theater der Urania wird aus Anlast der einjährige» Wiederkehr des Tages, an welche», Unteritalien von dem gewaltigen Ereignis betroffen wurde, das Gut und Blut Hundert- taufender von Menschen forderte. am heutigen Mittwoch und Donnerstag, nachmittags 4 Uhr der Vortrag:»Die Erdbeben- katastrophe in Messtna" zu den üblichen Nachinittagspreisen wiederholt werden. Das SechStage-Reimen im Zoo nahm am Montagabend um 10 Uhr seinen Anfang. Zum zweiten Male in diesem Jahre hat Berlin eine solche Veranstaltung, die, aus Amerika herüber gekommen, auch bei uns sich einzubürgern scheint. Von einem Sport kann unseres ErachtenS unter solchen Umständen nicht mehr geredet werden. Jetzt wird sogar das Experiment gemacht, ob die Fahrer zwei Sechstage-Rennen nach kurzer Zwischenpause bestreiten können, sind doch verschiedene Teilnehmer des New Dorker NennenS auch für Berlin engagiert. Die Hauptsensation für daS jetzige Rennen bildet der Start von Walter Rütt, dem zweimaligen Sieger von 1907 und 1909 in New Nock. Rütt, der wegen Nichterfüllung seiner Militärpflicht Deutschland meiden mustte, ist eS gelungen, die Berechtigung zum Start von den Behörden zu erlangen. Damit ist für die Anhänger dieser Dauerstrampelei ein rieuer Anreiz gegeben, da? Rennen zu besuchen. Unter den sonstigen Teilnehmern befinden sich noch verschiedene„Sechstage- Männer", d. h. solche Fahrer, die mehr oder weniger erfolgreich in Amerika gewesen waren. So namentlich Stol, Waithour, Root, Fogler, Contenet u. a. Deutscherseits sind noch Stellbrink, Stabe, Techmer und Tadewald am Start, die ein solch' langes Rennen schon bestritten haben. Im ganzen stellten sich folgende 17 Paare dem Starter: Berthet-Brocco. Caropezzi-Brnni, Conrad-Althoff. Demke-Hall, Ellegaard-Bader, Meyer-Bettinger, Nedela-Kcupnikoff, Root-Fogler, Ryser-Rheinwald, Scheuermann-Wegener, Schipfo Rettich, Stabe-Pawke, Stellbrink-Conteuet, Stol-Walthour, Tade Wald-Schürmann, Techmer-Rudel und Rütt-Clark. Je zwei Fahrer bilden eine Mannschaft, die sich gegenseitig ablöst. Mit lauten« Beifall begrüstt traten die Paare zu einer Ehrenrunde an und dann senkte sich um 10 Uhr die Flagge des Starters: das Nennen hatte begonnen. Rütt, Stol, Fogler und Brocco sorgten durch gelegent liche Vorstöste für lebhaftes Tempo und die Ablösung durch ihre Partner erfolgte sehr geschickt. Schon in der ersten Stunde ereigneten sich verschiedene Stürze leichter Natur und zahlreiche Neifenschäden, so dast das Stnndentcmpo nur 32,100 Kilometer betrug. Wir werden das Endergebnis mitteilen. Verloren wurde das Mitgliedsbuch Nr. 793 des Zentralverbandes der Steinarbeitcr, ausgestellt auf den Namen Robert Birnbach, geboren 12. Oktober 1370 zu HerzogSwalde. Der Finder des Buches wird gebeten, dasselbe im Verbandsbureau, Seydelstr. 30, parterre, abzultcfern. Wer ist der Tote? Am 20. d. M. wurde im Treptower Park ein unbekannter Mann, etwa 30 Jahre alt, zirka 1,65 Meter grost, init blondem Schnurrbart, spitzem Kinn, länglichem Gesicht und von inittlerer Gestalt, erhängt aufgefunden. Die Leiche ist bekleidet mit braunkariertem Jackett und Mütze, schwarzer Hose und Weste, schwarzen Gummizugschuhen, wollener Unterhose und Trikothemd In den Taschen befanden sich zwei Schlüssel und ein rotes Taschen- tuch. Personen, die in der Loge sind, Angaben über die in Frage kommende Leiche, die noch nicht beerdigt ist, zu machen, wollen sich an das Amtsbureau zu Treptow in der Neuen Krngallee wenden. gehörigen Zeit vom -Lichter Vorort- JVachrichtcn. Groft-Lichterfelde. Ueber daS BetrirdScrgebniZ der hiesigen dem Kreise i Strastenbahnen liegen nunmehr genauere Zahlen für die 1. April 1908 bis 31. März 1909 vor. Die Ssrecken Gro felde— Steglitz— Lankwitz— Südende zeigen eine wenn auch nicht rasche, so doch stets fortschreitende Frequenz. Während 1907/08 noch ein Defizit von 1085 M. zu decken war. konnten diesmal 32 573,31 Mark dem Tilgungs- und Ausgleichsfonds überwiesen werden. Da- gegen arbeitet die Linie Grost- Lichterfelde— Machuower Schleuse noch immer mit beträchtlichem Verlust, der in den beiden Vorjahren bereits 11 528,94 Mark betrug. Im Geschäftsjahr 1908/09 kommt noch ein solcher von 8400 Mark hinzu, der hauptsächlich im Rückgang des Güterverkehrs infolge der Wirtschaft- lichen Krise zu suchen sein soll. Aber auch die Einnahme» aus dem Personenverkehr auf dieser Linie sind gefallen. DaS dürfte aber nicht blost auf die wirtschaftlichen Verhältnisse zurückzuführen sein, sondern auch darauf, dast diese Bahn vom Ausgangspunkt bis nach Teltow die ganze Bismarck- und Berliner Straste durchfährt— Strahen, die-en> Kreis gehören und die in einem solchen Zustande sich befinden,»ah der Bau von Wohnhäusern dort auherordentlich erschwert, ja sogar verhindert wird. Dies gilt hauptsächlich für die Berliner Strohe, die gewissermasten auherhalb der Sphäre des Bahnhofes Lichlerfelde-Ost liegt. Würden Kreis und Gemeinde end- lich einmal gemeinsam die so oft geforderte Regulierung dieser Straste vornehmen und dadurch gleichzeitig die Bebauung fördern, so würde dies den finanziellen Stand der genannten Strastenbahn- linie in durchaus günstiger Weise beeinflussen. Rixdorf. Die Entführung zweier Kinder beschäftigt die Rixdorfer Kriminalpolizei. Eine von ihrem Manne geschiedene Frau Anna Ritter au? der Berliner Straste besitzt eine achtjährige Tochter Alice und einen siebenjährigen Sohn Herinann, beide Kinder wurden bei der Scheidung ihr zugesprochen. Der Vater der Kinder liegt jetzt schwer krank im städtischen Krankenhaus in Buckow. Er äusterte den Wunsch, vor seinem Tode seine Kinder noch einmal zu sehen. Die Mutter sandte deshalb eine Charlotte Bechstein am 1. Feiertag mit den Kleinen nach dem Krankenhause. Dort traf die Begleiterin eine Erzieherin Margarete Cziki, die in der Nähe von Neu-Ruppin in Stellung ist. Diese nahm ihr die Kinder ab»md führte sie den« Vater zu. Nachdem der Kranke sie ge'ehen und gesprochen hatte, traten die Erzieherin und Charlotte Bechstein zusammen mit den Kindern den Heimweg an. Unterwegs sandle die Erzieherin Fräulein Bechstein nach Hause, unter dem Vorgeben, dast sie die Kinder zu ihrer Mutter zurückbringen werde. Seitdem ist sie mit beiden Kindern verschwunden. Welchen Weg sie mit ihnen eingeschlagen hat, konnte noch nicht ermittelt werden. Wahrscheinlich hat sie die Kinder nach Verabredung mit ihrem kranken Bater entführt. Ei» Fuß zermalmt wurde vorgestern der vier Jahre alten Tochter Ursula deS Kaufmanns Weinhold aus der Weichselstr. 99. Als die Kleine mit ihrer Mutter an dem Grundstück Maybachufer 40/42 vorüber kam, fiel dort unter einem Windstost ein Torflügel des Bretterzaunes um und traf sie am rechten Fuste so schwer, dast der Fust ganz zerquetscht wurde. Die Verunglückte nuistle nach dem Krankenhause am Urban gebracht werden. Schöneberg. Ueber das am 1. April d. I. eingeführte Steuerbringesystem teilt der Magistrat folgendes mit: In dem Vierteljahr April bis Juni 1909 fanden an den drei Stenerkasien der Sradt und an den sonstigen Zahlstellen statt: 45 594 Zahlungen an der Kasse, 4919 Zahlungen durch die mit der Steuerkasse in direkter Ver- bindung stehenden Banken, 1740 Zahlungen durch den Berliner Kassenverein. Im Vierteljahr Juli bis Septeinber d. I. fanden statt: 43 522 Zahlungen an der Kasse, 5082 Zahlungen durch die Banken, 2345 Zahlungen durch de» Berliner Kassenverein. ES wäre erwünscht, wenn der Magistrat später, ähnlich wie in Rixdorf, mitteilte, wie grost die Zahl derjenigen ist, die in Er- mangelung von Mitteln gemahnt und gepfändet wurden, oder bei denen die Pfändung gar fruchtlos verlies. Lichtenberg. Ueber dir Maßnahmen zur Beschäftigung arbeitsloser Bürger und die Speisung der Bolksschulkindcr werden unsere Genoflen den Magistrat in der Stadtverordnetenversammlung, die am Donnerstag, den 30. Dezember, nachmittags 5'/z Uhr, im Rathause, Möllendorf- straste, stattfindet, interpellieren. Neben anderen stehen auch die Vor- lagen über die Wertzuwachssteuer und die Umsatzsteuer auf der Tagesordnung der öffentlichen Sitzung. Zur Befchlustfafsung gelangt de» weiteren die Zumutung an die städtischen Beamten, dast sie ge- legentlich Streikbrecherdienste leisten sollen. Auch wird sich noch eine Debatte über die Anschauung deS Magistrats entspinnen, dast die Beamten den Erholungsurlaub als Erziehungsmittel zur Pflicht- erfüllung ansehen sollen. Chnrlottendurg. Der Humor in der Kunst lautet der Titel deS Winterfestes der Freien Jugendorganisation Charlottenburg. Dasselbe findet statt am Sonntag, den 2. Januar, nachmittags 5'/, Uhr. im grasten Saale des VolkShauseS, Rosinenstr. 3. Die künstlerische Leitung deS Festes liegt in den Händen des Herrn Leo Kestenberg. Aus dem Prograinm heben wir hervor: Lustige Bilder, gezeigt durch einen Projektions-Apparat und besprochen von Herrn Paul Westheim. Heitere Verse und Dichtungen, vorgetragen von Frau Johanna Meyer. Launige Lieder, gesimgen von Frl. Käthe Völkerling. Am Klavier: Herr Leo Kestenberg. Nach dem Feste findet Tanz statt.— Der Eintrittspreis beträgt für Jugendliche 20 Pf., für Erwachsene 30 Pf. Billetts sind zu haben beim Oekonom deS Volkshauses. Adolf Bartsch, Rosinenstr. 3, Büfettsaal. Abendkasse findet nicht statt.— Ez ist zu wünschen, dast die erwachsene Arbeiterschaft die Bestrebungen der Jugendorganisatton durch Besuch deS Festes unterstützt. Stralau. Verloren wurde bei der Weihnachtsfeier in den Markgrafensälen ein echtes Korallenband mit goldenem Schlost; es wird gebeten, dasselbe bei Frau Daberkow, Alt-Stralau 7 abzugeben. Spandau. Mit erheblichen Brandwunden wurde borige Woche der zwei jährige Sohn einer Frau Wegener, Schönwalder Straste 98/99 wohn hast, in das Krankenhaus eingeliefert. Frau Wegener hatte kurze Zeit die Wohnung verlaffen um Milch zu holen, das Kind blieb so lange allein in der unverschlossenen Wohnung. Als die Frau zurückkam, fand sie ihren Knaben lichterloh brennend vor, die Flammen lvurden zwar sofort erstickt, aber das Kind hatte bereits lo schwere Brandwunden erlitten, dast an seinem Auslonmien ge zweifelt wird. Einer Umsatz- und Wertzuwachssteuerordnung hat der Magistrat in seiner letzten Sitzung zugestimmt. Der Entwurf wird, wie ver- lautet, bereits die nächste Stadtverordnetenversammlung am Donners tag, den 30. d. M., beschästigen. ES steht zu erwarten, dast man die Vorlage einer Kommission überweist, die noch daran herum- modeln wrrd. Die Angestellten der Spaniwncr Straßenbahn haben diese Weih- nachten schlecht abgeschnitten. Sie erhielten, so lange die A. E.-G. Besitzerin der Strastenbahn war, Weihnachtsgratifikationen in Höhe von 3— 40 M. Dies Jahr sind diese Gratifikationen, da die Stadt jetzt Eigentümerin der Bahn ist, in Wegfall gekommen. Der Lohn der Angestellten ist aber nicht erhöht worden, die Erhöhung soll an- geblich erst im kommenden Jahre stattfinden. Nowawes. Ihren ersten Bericht über ihre schulärztliche Tätigkeit an de» hiesigen Gemeindeschulen haben nunmehr die Herren Dr. Hecht und Crohn erstattet. Herr Dr. Hecht, welchem die Gemeindeschulen und II umerstellt waren, führt aus. dast die schwierigste Aufgabe die Auswahl der Kinder für die Hilfsllasse war; jedoch habe sich die letztere als ein Segen für die Kinder erwiesen; dies würde auch von den Eltern eingesehen, welche zuerst nur mit Vorsicht und Ein- schränkung ihre Kinder dieser Einrichiung übergeben wollten, nun- mehr jedoch zum Teil ihre Kinder freiwillig für die Hilfsklasse in Borschlag bringen. Von den 106 untersuchten Schülerinnen der VII. Klasie der Gemeindeschule in der Auguststtaste hatten 20 herab- gesetzte« Sehvermögen, 11 auf beiden Augen. An Herabsetzung deS HörvermögenS litten 8 Mädchen. Von 125 Knaben, welche die VII. Klaffe der Schule in der Priesterstraste besuchten, hatten 14 herabgesetztes Seh« und 12 Knaben herabgesetztes Hörvermögen. Bon 118 neu aufzunehmenden Knaben mustte» 8 zurückgestellt, 1 der Hilfsklasse überwiesen werden; von den 110 Mädchen, welche zur Neu- aufnähme gemeldet waren,«nuhten 9 zurückgestellt werden.— DieGe- meindeichulen III und IV befanden sich unter Beobachtung deS Herrn Dr. Crohn; derselbe berichtet, dast von den7Knaben und 6 Mädchen, welche von ihm der Hilfsklasse überwiesen wurden, in 8 Fällen erbliche Belastung sicher nachweisbar war, und zivar in S Fällen Trunksucht und in 2 Fällen geistige Defekte der Eltern. Die Untersuchung der neu aufzunehmenden und in der VII. Klasse befindlichen Kinder er- gab folgendes Resultat: es litten an Schwerhörigkeit 21, Kurz- stchtigkeil 11, Stottern 5, Bruch 8, Krämpfen 2. Ein bedeutender Teil der Kinder litt an Rachenwucherungen, die auch Ursache von Ohrenkrankheiten sind. Es wird in dem Bericht beklagt, daß es leider nicht möglich war. die schwerhörigen Kinder genauer zu untersuchen und zu behandeln. Auch die augenkranken Kinder müstten ärztlicher Behandlung zugeführt und diejenigen mit rachitischen Veränderungen, Blutarmut, dürftiger körperlicher Anlage dauernd während ihrer Schulzeil beobachtet werden. Wünschenswert wäre es, dast die in der Schule vorhandenen Badeeinrichtungen bald benutzt werden könnten. Die Beschaffenbeit der Klosetts in den Schulen sei nicht einwandsfrei und dieselben einer grösteren Reinlichkeit entschieden bedürftig. Die Temperatur in den oberen Klaffen war in der kalten Jahreszeit zu niedrig; dieselbe soll zeit- weise während des Unterrichts nur 8 Grad betragen haben.— Wie aus den Berichten erfichtlich, ist ein weiterer Ausbau der schul- ärztlichen Fürsorge in unserer Gemeinde dringend nötig. Hoffentlich berücksichtigen dies hierzu berufenen Organe die deutlichen Hiniveise der Schlilärzte und schaffen Einrichtungen, die die gerügten Mist- stände abzuhelfen in der Lage sind. Die Ausgaben für die Gemeindeschulrn betrugen im Berichts- jähre 1S0S/0S auSschliestlich der Bauten ISS 294 M.. sie sind gegenüber dem Vorjahre um 5875 M. gewachsen; die Emnahmen be» tragen 38 445 M. gegenüber dem Vorjahrs 493 M. mehr. Sie setzen sich zusainmen aus dem gesetzmästigen Staatsbeitrag von 12 350 M., einem widerruflichen Ergänzungszuschust von 22 000 M., aus Beiträgen anderer Gemeinden von 2036 M. und aus dem Freindenschulgeld im Betrage von 2059 M. Die Schule I besteht aus 15 Klassen und einer Hilfsklasse. Die Schülerzahl der einzelnen Klasseir, mit Ausnahme der Hilfsklasse, schwankte zwischen 35 irnd 64. Die Umschulungen erreichten eine solche Höhe, dast darunter die Schule leiden muh; der Zugang betrug 254. der Ab- gang 193 Schüler; dadurch stieg die Schülerzahl von 766 auf 827. Von den 97 aus der Schule entlassenen Kindern haben nur 54 die erste Klasse besucht; früher war der Prozentsatz ein höherer. Der Bericht führt diese Verschlechterung aus den Zuzug aus dem Osten zurück, der durch die Fabriken in die Gemeinde geleitet wird und der zllm gröstten Teil aus Kindern mit dürftiger Schul- bildung besteht. Auw die Tatsache, dast die Schüler, welche iin Mai und Juni das 14. Lebensjahr vollenden, bereits Ostern, und die im November und Dezember dasselbe Alter erreichen, bereits Michaelis vorher, nach 7V2jährigem Schulbesuch, entlassen werden, wirkt auf die niedrige Frequenz der oberen Klassen. In der Schule II waren im Soinmeriemester in 16 Klasse» 731 und im Wintersemester 812 Schülerinnen vorhanden. DaS Turnen kann nicht in hin- reichender Weise betrieben werden, weil eine Turnhalle fehlt.— Die Schule III wurde von 774 Schülern besucht, welche in 16 Klassen unterrichtet wurden, deren Schülerzahl zwischen 28 und 61 schwantte. — Die Schule IV besuchten 819 Schüler, die in 16 Klassen verleilt waren; die höchste Schülerzahl einer Klasse war 65. die niedrigste 28. — Die Hilfsklasse siir schwachbefähigte Kinder wurde Ostern 1903 mit 7 Knaben und 16 Mädchen eröffnet. Im Lause des Jahres kamen hinzu 1 Knabe und 1 Mädchen; gestorben ist 1 Mädchen; versetzt wurden davon 6 Knaben und 12 Mädchen. Diese Klasse wird in 24 Stunden wöchentlich unterrichtet. Die Erfolge dieser Einrichtung waren recht erfreulich; Kinder, die in der Schule stumm dasatzen, lvurden in der Hilfsklasse gesprächig und machten Forrschritte. Der Unterricht ist so eingeteilt, dast die Kinder in zwei Jahren das Pensum der 7. Klasse einer Gemeindeschule erreichen sollen.— Wie aus dem Bericht zu ersehen, sind im Gemeindeschulwesen einige Fortschritte erzielt worden; es sind aber andererseits noch viele Aufgaben zu lösen, um die Schulen ans eine Höhe zu bringen, die einer modernen Gemeindeverwaltung würdig ist. Leider fehlt in der Schulkommission durch die Fernhaltung der Sozialdemokraten das treibende Element, um die vielen Migstände in den Geinemdeschulen zu beseitigen._ Vermilckres. Die Treppe. Einst gerieten die Stufen einer Treppe unter» einander in Streit. Ach. wie bin ich doch so übel daran, sagte die Unterste, was habe ich alles zu leiden I Jeder, der Schmutz an seinen Stiefeln hat, klopft ihi« an mir ab, jeder reibt sich an mir. Das wird immer so sein, sagte die Andere, so lange eS Treppen geben wird, das ist nun einmal deine Bestimmung. Nicht wahr. liebe Frau Nachbarin? Und dabei schlug sie die Augen auf zur Dritten. Liebe Frau Nachbarin? gab diese in hochmütigem Tone zurück. Bin ich deine liebe Frau Nachbarin? Weistt du nicht, dast ich über dir stehe? Rede so zu deinesgleichen I Die Vierte aber lag gerade im Schlummer und wurde auf- geweckt durch das laute Gekeife der Drei. Ihr gemeines Pack da unten, rief sie mit verächtlicher Gebärde, miistt ihr fortwährend in Zank und Hader liegen? Bedenkt ihr nicht, dast wir über euch sind und unserer Ruhe bedürfen hier oben? Du Geifermaul, schrie die Fünfte, leidest du auch schon a» Ueberhebung? Wer ist oben, du oder ich? Sch, sagte die Sechste, ich bin über dir, du bist unten!_ mporkömmling 1 rief die Siebente herab, hast du dich nicht widerrechtlich hereingedrängt zwischen uns? Gehörst du, nach Bildung und Abstammung solvohl, nicht zu nnterst? Wer bist denn du l fuhr die Achte dazwischen, �schweige, daß ich nicht rede I Sehet nur diesen Hackemarkt, sprach die Neunte zur Zehnten, jede will über sich hinaus und die Unterste möchte die Oberste sein. Wie veracht' ich dieses Gesindel; Aber die Zehnte hüllte sich sich in vornehmes Schweigen, doch sie dachte sich ihr Teil. Und so»«achte es die Elfte, die Zwölfte und Dreizehnte. Die Letzte und Höchste aber richtete sich stolz auf und sprach mit lauter Stimine: Sehet, so will eS die Ordnung, dast eine Stufe ge- setzt ist über die andere und eine über alle! Dann schlug sie die Augen auf und fuhr fort: Wie danke ich dem Zimmermann, der mich gesetzt hat über euch alle. Sehet heraus zu mir: Was wäret ihr ohne mich I Immer ist der Kopf oben l Bin ich nicht euer Kopf? Als die Stufen solche Rede vernahmen, da schwiegen sie alle. Dann ging ein heimlich Geflüster die Treppe hinunter von einer zur andern. In der Ecke aber stand ein alter Besen, der hielt sich den Bauch vor Lachen. Und der Besen sprach: Jetzt will ich Euch alle gleich machen I Da ging er hin und wischte jeder zweimal über's Gesicht. (.Franks. Ztg.") Im Streit erschlagen. Nach einer Meldung aus Hamburg er« schlug gestern vormittag in Barmbeck der Tischler Thaden seine Frau nach vorausgegangenem Streite mit einem Beil. Er stellte sich dann selbst der Polizei. Eine Familie bei einer Schlittenfahrt ertrunken. «llensteiner Meldung zufolge brach auf dem Eise des Kalbensees am ersten Feiertage ein Schlitten ein, in dem der Besitzer Katannek, dessen Ehefrau und zwei Kinder fasten.' Alle vier Personen sind ertrunken. Die Leichen der Kinder sind geborgen. Erst gestern war man auf das Verschwinden der Familie aufmerksam geworden. Durch Explosion eines Benzinmotors in einer i» der Rathaus- gaffe in Riedlingen jWürttemberg) gelegenen Käserei wurde, wie eine Meldung bon dort besagt, eine Seilenmauer des Hauses niedergerissen, sodast das HauS zun» Teil einstürzte. Der Besitzer und zwei zufällig anwesende Männer wurden schwer, die Tochter deS Besitzers leicht verletzt._ Sturmvrrhecrungen in Nordamerika. ver Sturm im Norden der Vereinigten Staaten dauert fort. Bisher zählt man 83 Personen, welche im Staate Rew Dork infolge des Sturmes ums Leben gekommen sind. Der.New Uork Herald" meldetaus New Dork: In den Strasten liegt der Schnee über 10 Fust hoch. Der gesamte Verkehr ist vollständig unterbrochen. Viele Züge mnstten im Freien liegen bleiben. 5000 Personen haben in den Eisenbahnwarte- sälen schlafen müssen, da sie die Bahnhöfe nicht verlaffen konnten. Zahlreiche Todesfälle infolge Verschüttung oder Kälte find zu ver« zeichnen. In New Uork sind, wie offiziell gemeldet wird. 25 Per- sonen erfroren. Eine Sturmflut hat die Wasser des MassachiisetteS über die Ufer treten lassen und ungeheueren Schaden angerichtet- Die Zahl der SlbiffSunsälle ist sehr beträchtlich. Ein Füiifinaster hat auf der Höhe von Boston Schiffbruch gelitten. Man hält die Besatzung, die aus zwölf Mann bestand, für verloren. Neue Sturmverwüstungrn in Spanien. Ein Telegramm aus Cornnna meldet, dast ein neuer Zyklon die Stadt heimgemcht hat. Die Telegraphenverbindungei« sind teilweise zerstört. Abgerisieite Telcgraphendrähte kamen mit den LeitnngS- >rähten der Elektrizitätswerke in Berührung, wodurch mehrere seuerLbrünste verursacht wurden. Mehrere Personen wurden, durch ie Gewalt deS Sturmes von der Plattform der Straßenbahn IjccaBgeföleu&ert und schwer verletzt. Such sonst trugen zahl- reiche Personen Verletzungen davon. Der Hafenkommandant hat die Ausfahrt von Schiffen untersagt. Die Anker mehrerer Schiffe rissen los und die Schiffe wurden abgetrieben. Ueber das Schicksal von acht Segelschiffen, die überfällig sind, herrscht große Besorgnis. In einem Dorfe in der Nachbarschaft von Viana(Provinz Navarra) sind infolge heftiger Regengüsse eine Anzahl Häuser eingestürzt. 23 Per- sonen sind dabei umZ Leben gekommen. Smgegangene Druchfchnften. Aus dem Handels-, Verkehrs- und Arbeitsministerium der Vereinigten Staaten von Nordamerika gingen uns zu: t. Statistik über Heiraten und Ebescheidungen i» den Jahren 1867— 1306(1. Bd.) Washington 1809. 535 S. gebd 2 Bulletin Nr. 102: Telegramm-, Telegraphen, und Telephon- Statistik sür 1907.(47 S) 3. Bulletin Nr. 103: Statistik der religiösen Körperschaften 1906.(91 S.) 4- Bulletin Nr. 101: Sterblichkeits-Statistit 1908.(133 S.) Aus dem italienischen LandwirtschastS-, Handels- und Verkehrs- Ministerium: Bulletin des Arbeitsamts. November 1303. Rom. 675 bis 855 S. Jäbrl. 5 Lire. Uiiiversal neue Weltanschauung von Peter Becker. 2 M. Verlag Peter Becker, Magdeburg. � Nord und Süd vereint mit Morgen. 2. Dezcmberhest. I. Schott- länder, Berlin.,..._„ 2. Rechenschaftsbericht über die Berlin-Brandenbmgische Zbrüppel-, Heil- und Erziehungsanstalt Berlin. 1907,03. 56 S. Die Bertagsanstalt des ZentralverbaudeS deutscher Aousum» vereine von H. Zlausmann u. Co. Verlag: Hamburg 1. 32« Haüshaltiingsrechuunge» von Metallarbeiter». Heraus- gegeben vom Vorstand des Deutschen MctallarbeiterverbandeS. 159 Seiten. Verlag Alexander Schlicke u. Co., Stuttgart. Starre» der Statur. Novellen do» Hans Olden. 107 Seifen. Concordia, Deutiche Verlagsanstalt G. m. b. H. Berlin W. 30. Ludwig Uhlaud. Ausgewählt« Balladen und Romanzen. Preis geb. 1 M. Verlag der Deutschen Dichter- lIedächluts-Stistung, Hamburg- Großborstcl. Berlin und die Berliuerinnen. Von Hans Oftwalb. Eine Kultur, und Sittengeschichte. Zehn monatliche Liescrungen a 2 M. Nach Erscheinen komplett geb. 25 M. Verlag HanS Bondy, Berlin IV. 15. Sozialdemokratischer Lese- und Diskutterklud»Heinrich Heine«. Heute abend 8'/, Uhr: Sitzung bei Bolze, Roduibergstrabe 3. Gäste willkommen. Lese-«ud Diskiitierklub»Südost«. Freitag, den 31. Dezember, bei Neidhardt, Görlitzer Str. 53:> Geselliges Belsammelilein. WttreenngSüberRchr vom 28. Dezember l««v. morgeu« 8 llkir. Setter Kwrnemde 758 WND dambura 757 SO Berlin 1760 SA Franki.a M 760 SW Münchev.761SW W'ev 762 V 1 Dunst 4 Regen 2 bedeckt 5 Dunst 4 Regen 1 heiter ad ß* Ctattonen �.1 « Ig Setter *9 e— *k taparanda 746® 2wotteiil eterSburg 752®| 2 Schnee Srillp 756 WS® 5 wolkig Aberveev ,733 S i 1 bedeckt Baris 761 SSW � 3 bedeckt !>> -6 —2 10 7 11 Wetterprognose kür Mittwoch, de» 29. Dezember 1SV9. Ziemlich warm, vorwiegend trübe mit Regensällen und sehr lebhasten südwestlichen Winden; spättr zeitweise aufklarend. Berliner W e t t er b u r e a u. Amtlicher Marktbericht der städtischen MarNballen-vireMon über den Großhandel in den Zentral-Martthallen. Marktlage: Fleisch: Zuluhr genügend, Geschäft still, Preise unverändert.®Ud: Zufuhr knapp, Geschält rege, Preise befriedigend. Geflügel: Zusubr sehr reich- lich, Geschäft schleppend, Preise nicht besrledtgend. Fische: Zufuhr reich- licher, Geschäft lebhast, Preise sür Karpfen sehr befriedigend. Butter und Käse: Geschäft ruhig, Preise unverändert. Gemüse, Obst und Südfrüchte: Zuluhr genügend, Gejchäst in Gemüse etwas regcr, sonst still, Preise wenig verändert. Wasserstands- Nachrichten der Landesanstalt sür Gewässerkunde, mttgiletll vom Berliner Wetterbureau. ') 4- bedeute» Wuchs.— Fall. schwaches EiStreiben. st Unlerpegel. st CiSstand. st Ganz <»; Theater und Vergnügungen Mittwoch, 23. Dezember. Ansang 7'/, Uhr. Königl. Opernhaus. Samson und Daltla. Konigl. Schauspielhaus. Strand« linder. Deutsches. Der Widerspenstige» Zikj- Kamm erspiele. Das Hettn. (Ansang 8 Uhr.) Neues königl. Opern. Theater. Geschlossen. Anfang 8 Uhr. L-fflng. TaiitriS der Narr. «omische Oper. Das Tal der Liebe. LUeines. Der große Name. Steves Schauspielhaus. Ihr letzter Brief. Nachm. 3 Uhr: König Zipavek. Sieucs. Ein königlicher Spatz. Neues Operetten. Der Graf von Luxemburg. Hebbel. Der Skandal. Berliner. Hohe Politik. Drianon. Buridans Esel. Residenz. Im Taubenschlag. Schiller o. iftuiinci. Theater.) Der Schwur der Treue. Tchliier Charlottenburg. Der Meineidbauer. Friedrich- Williclmttädt. Schau« spicthaus. Die Haubenlerche. Westen. Die geschiedene Frau. Nachm. 4 Uhr: Struwwelpeter. ii.ioliu. Die sütze Tora. Nachm. 4 Uhr: Tneewittche». Luise». Die Reise um die Erde 80 Tagen. Nachm. 4 Uhr- GoldhärchenS Himmelsahrt. Bolksoper. La Travlata. tttoie. Faust. LustsPielhanS. Der dunste Punkt. Metcovot. Halloh II— Die grotze Revue. FolieS Caprice. Sicher ist sicher. Bunter Teil. Der Mann meiner Frau.(Ans. 8-,. Uhr.) LlpoUo. Spezialitäten. Wintergarten. Spezialitäten. Castuo. Der Oberguuner. Gebr. Herrnfeld. So muh man'S machen. Ein RettungSmittcl. Karl Haverland. Spezialitäten. WnUinlla. SpezialilSien Gastspiel. Der Hüttenbefitzer. Spezwl'täte» Sloacks. Die Postlarten-Frida. Pal»it. Spezialitäten. Liebchens Trick. Reichsvallen. Skettiner Sänger. Buggenhageu. Speztaliläten. tirania.?n»de»i,r»he Ittlsv. Nachmittags 4 Uhr: Die Erdbeben- latastrophe in Mesftna. Abends 8 Uhr: In den Dolomiten. Srernwarte, Invatidennr.»7—62. w Qva»tl>s-'ril«atvr. S Uhr: TautriS der Narr. Donnerstag, 8 Uhr: Das Konzert. Freitag, 8 Uhr: DaS Konzert. öerliner l'kester. �u'hr: Me Politik. Morgeu: Hohe Volittt._ Heues Theater. Abends 8 Uhr: Ein königlicher Spaß. Morgen und folgende Tagt: Ein königlicher Spatz. Idealer des Westens. Abend» 8 Uhr: Die geschiedene Fran. Heute u. morgen 4 Uhr: Struinrel« peter._ Heue» Opepetten-Theater, Schistbauerdamm 25, a. d. Luileiiftr. Heute mid folgende Tage 8 Uhr: Der Graf von Luxemburg. 3'/, Uhr zu ermätzigten Preisen: Die goldene Mürchcuwelt. fsjgijsIoli'WiI!iöIl!i8!SMe!iS8 8eligu8pi'gItiZU8. Mittwoch, 29. Dez., Anfang S Uhr: Die Hanbenlerche. Donnerstag: Im bunten Kock. Freiiag: Der Shrenrat. Sonnabend nachm. 3 Uhr: Othello. AbevdS S Uhr: Im bunten Rock. Urania. Wissenschaftliches Theater. Nachmittags 4 Uhr: Die Erdbebenkatastrophe v. Messina Ab ends 8 Uhr: In den Dolomiten. Lustspielhaus. Abends 8 Uhr: Der dunkle Pnnkt. Residenzlheater Direlttou: Richard Alexander. Abends 8 Uhr: Im Taubenschlag. Schwank w 3 Akten von Hennequtn und Veber. Morgen und folgende Tage: Dieselbe Vorstellung. Sonntag. 2. Jan., 3 U.: Mu sötte. Tolks-Oper. 3W., Belle-Alliance-Stratze Nr. 7/8, Anfang'/,S Uhr. La Trariata. Luisen-Theater. Nachmittag» 4 Uhr: GoldhärchenS Himmelfahrt. Abend» 8 Uhr: Die Ktife um die Erde in 89 Tagen. Gr. AuSstatlungösilick in 14 Bildern mit Gesang u»d Tanz v. A. Eunery u»d JuIeS Berne. Donnerstag: Di« Reis« K« die Erde in 80 Tagen. Freitag Premlere: Eine vergnügte Kindtause. Sonnabend nachm. 8 Uhr: Gib mich frei. 8 Uhr: Eine vergnügte Kindlaufe. o8e--me/m: Grotze Frantjurter Str. l32. Ans. 8 Uhr. Ende 11'/, U. Faust. Tragödie von Goethe, l. Teil.. Donnerstag: Faust. Gastspiel-Theater. Heute und folgende Tage 8 Uhr: Der Hnttenbesitzer. Sonntag nachmittags 31/, Uhr: Kleine Preise. Nur noch wenige Tage! Die grotze» Attraktionen. ppina Pinne» Neue Einlage: iTnim nullet--Eilncbe, Henry Uender. Das Wunderkind Petit Roberto, Schimpanse Konsul Jarnos Hreat. Folies Capriee. Sicher ist sicher. Bunter Teil. 0er Kann noinorftan "Trrrrit' Ans. 8'/, H�-2-l Seilt 1 ler-T heater. Schiller-Theater(Charlettenbarg). Mittwoch, abends 8 Uhr: Der üloineldbaner. Bollsstück in 8 Akten von Ludwig Anzengruber. Sohlller-Theaksr 0.(Wallncr-Theat.) Mittwoch, abend» 8 Uhr: Der Seli�nr der Drene. Lustspiel In 3 Akten v. O. Blumenthal. StT" Ende IG/, Uhr.-"VS Donnerstag, abends 3 Uhr: Z. 1. Male: Viel tHrmen uro nichts. Freitag, abend» 8 Uhr: _ Dan Optcrlamrn._ _ Ende 11 Uhr.«WW Donnerstag, abend» 8 Uhr Die von HoeUsattoI. Freitag, abends 8 Uhr: BliO Hobbs. Brauerei Priedrichshain. Größtes Konzertlokal Berlins! Größte Silvesterfeier Berlins Stchorscb Fhrengrnber mit seiner Trappe aas München wird das neue Jahr mit einer extra verfaßten Revue„Berlin not der HOhc" Was wird das neue Jahr bringen? einleiten. GescheHk-Polonttse. X Ball. X Bochbleranstteh. Metropol-Thealer HaUoü! Die große Revue! 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Avesler-lUk-Zgl�e mit daraus solgeude» VanzIcrSnzeiien. Ballmustk: Das gesamte Orchester de» 3. Garde-Fetoärtillerie-RegmitS. �Kem�Iachrahtt� „8lj MllK Milii'8 inscheii" Hierzu- Li» Rettungsmittel Anfang 8 Uhr. Vorverkauf 1 1—2 Uhr. Ofw 3t. Dezember vo»«benbs 8 bis 4 Uhr frtih: Große Silvesterfeier mit Rieseu-Lach-Programm und Silveftrr-Kabarett er. re. Die BtllettS kür dt« Vorstellung am Silvester berechtigen zur Teilnahme a. d. gesamt. Silvesterseier ohne Nach- zahlung. BtllettS hierfür find bereit» zu haben._ r Alt-Honblt 47/48. Freitag(Silvester), 31. Dezember: Wtihuachtrum Irinbrelanb. Nach der Vorstellung: Silvesterball. Sonnabend, den 1. Januar 1910: Der Walzerkömg. Sonntag, den 2. Januar 1010: »1« Grille. s fTfliaaipe Vnrlele-Theafer Welnbergswtg 19-20, Rotenth.Tor. Ans. 8 Uhr. Die grossartigen Dezember-SpezialttAie». Im Tunnel: Stegtmeutskape lle. Theaterbesuchern freier Eintritt: Freitag, den 31. Dezember: 8ilvest«r- Vorstellung. SpeiialiUtan.— Ball. Zwe» Regiments- Kapelle». 3 Orchester usw. ZssvnQ-l'hvsKvn Lothringer Gtratz« 37. Ab. 0 Uhr: Vor Ohvrzxuuikvr. Sonnabend, 1. Jan., nachm 4 Uhr, Sonntag, 2. Jan., nachm. 4 Uhr: Reul Drudchens Sommerreise. SiMzerVoIhs-itaniortst. Oeiellsohalt* Tsraatt. StaUinarstrA7 Karl Haverland Anfang Theater präz. 8 U. 77/79 Kommandantenstratze 77/79. Das Fest-Programm! Schlager auf Schlager! Heut» u. d. Vorstellung- Ball. ZLinhus Susvh. Rente Mittwceh, 29. Dezernd abends 7'/, vhr präz.> Broker Gala-Abend. Zum ersten Male s. d.Kontinent Oer Amerikaner Kerslake mit seinen weltberühmten dressierten Schweinen! Mona. Colon, dressierte Affen I Herr E. Schumann, Meisterdress Gebr. Knrolis, ung. Reitkünstl 9'/, Dhr zum 6. Male: Die neue russische Pantomime Maria das groBe Galan Vorher das groBe Galaprogramm. W.Koaoks Theater enumenilt. 16, am Kofcnthaler Tor. Der Glöckner von Notre-Dame. Romantisches Schauspiel in 6 Akten. Donnerstag grotze Extravorstellung: Lumpaclvagabundus. Freitag: GroBe Slivesterleker. Theater, Sali mit Ueherrasohungen. Neu© Welt. Hasenheide. Mittwoch, de» 29. Dezember: Schauspiel in 10 Bildern von Eharl. Mrch-Psetsser. Kasseneröffnung 7 Uhr. Ansang 8 Uhr. Passage-Panopttkimi. Senegal in Berlin! RA wilde Weiber Männer, Kinder. Drei NegerdGrfer Ohne Bxtra-Enireet Vom 22. Dexbr. bis Inkl. 4. ianuar: Tolkstage! Sanssouci, �rÄ Dtreltton Wilhelm Reimer. Sonntag, Montag und Donnerstag: BoHmanns Mi. Singer und Tanzkränzchen. Leg. Sonnt. 5, Wochen». 8Q, Morgen Donnerstag: Dans. Freitag(Silvester): Extra-Sllveitir- Ulk-Vorstellung. Silvesterball. Ieitinachts- Messe OresdenerStr. 34/S5|||(älteste u, Luiseahof III gröSte) KONZERT. Eröffnung; Wochentag» 5 Uhr. Sonntags 8 Uhr. Entree Sonntags 20, wochentags 10 Ps. MMN« Morifiplslt Anf.8 Uhr Georg Schindler der berühmte Mundtiarmonika-Virtuose und Berlins führendes Spezialitäten- Programm, Attr dr» Inhalt der Inserate dberuimm» hie Redaktion de« Pndltku« gegenüber keinerlei Verantwortung. 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