Nr. 118. Erscheint räzlich au 6 er Montag». Preti pränumerando: viertel- jährlich z,so Mark, monatlich l.lv Mt, wötbenllich SS Pfg frei in'» Hau». Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntag»- Nummer mit illaiir. Sonntags-Beilage„Neue Welt" lo Pfg. Post-Dbonncmem: Z.So Mt.pro Quartal. Unter Kreuzband: Denrfchland u. Oelterreilt» Ungarn S ivtt., für das übrige Ausland Z Ml. pr. Monat Eingcir. in der Pol!- Zeitung»- PrelSIisie für ms unter Nr. ctos. 10. Jahrg. gnlertiont-Sibühr beträgt für die sünsgespaltene Petitzeile oder deren Raum so Pfg., für Berein«- und verlammlung»- Anzeigen so Pfg Inserate für die nächste Nummer müssen bi« 4 Uhr Nachmittags in der Ervedttion abgegeben werden. Die Ervedttion ist an Wochen- lagen bis 7 Ubr Abend», an Sonn- und Festtagen bi»» Uhr Bor- mittag» geöffnet. givufprtdi-3�nrdilut Zimt 1. ilr. 4180. Verlmer Volksblalt. Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. NedaKtion: 8V.l9. Aeuth-Straße 2. Sonntag, den 21. Mai 1893. Krpedition: 8V. 19, ZSeuty-Straße 8. Wähler» Parteigenossen! Benutzt die Pfingstseiertage, um unserer Partei überall neue Anhänger zu werben! Beachtet dabei, ohne von den sozialdemokratischen Grundsätzen irgendwie abzuweichen,.die Eigenartigkeit der Bevöl- kerung anderer Orte, wohin Ihr auf Euren Aus- flügen gelangt. Jede Stimme zählt am Wahl- tage! Versäumt daher nicht, auch während der Feiertage zu agitiren und die gerade zu dieser Zeit gebotene Gelegenheit, mit vielen Leuten zusammen- zukommen, voll auszunutzen. Begeistert die Lauen, ermuthigt die Aengstlichen, alle, alle aber klärt auf, damit nur Kandidaten gewählt werden, deren Herz noch für die hohen Ideale der Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit schlägt und die auch den Muth haben, für die endliche Verwirklichung dieser Ideale mit ihrer ganzen Person einzutreten. Versäumt ferner auch während der Feiertage nicht, die Wählerlisten für Euch oder für diejenigen nachzusehen, die daran verhindert sind. In Berlin liegen die Wähler- listen während des ersten und zweiten Psingstfcicrtags von 12 Uhr Mittags bis 5 Uhr Nachmittags zur Einsicht aus. Parteigenossen und Parteigenossinnen! Pfingsten ist eines jener Feste, wo im Menschenherzen der Naturlaut vernehmlicher als sonst tönt, wo Mensch dem Men- schcn näher rückt. Benutzt diese bessere Regung der Menschheit, um dem Sozialismus recht viele neue Jünger zu gewinnen. Auf zur fleißigen Agitation! Vftngstgeist rmd PtlnaHttjmi. Die Gründer der christlichen Kirche waren bei aller Frömmigkeit— die wir nicht bestreiten wollen— doch sehr wellkluge Leute; sie schonten, so lange sie nicht die Macht hatten zu zerstören und auszurotten, die bestehenden Vor- urlheile und Anschauungen, und pfropften die christlichen Mythen, Feste und Einrichtungen ans die heidnischen Mythen, Feste und Einrichtungen, welche sie vorfanden. Die Jungfrau Maria wurde die Nachfolgerin der römisch- griechischen Liebesgöttin Venus, oder der jungfräulichen Jagd- und Mondgöltin Diana. Die Kathedrale in Mar- IseuMeto». Nalhdrua verholen.> (7 Pom Stamm gerissen. Von Elise Schweichs l. ..So? zum Examen? Wird ein schönes Examen sein! Er ist ein Bummler, wie all diese Herren Radikalen. Der sitzt in den Kneipen herum und schwätzt. Ich habe mir übrigens gleich gedacht, daß an dem Menschen nicht viel dran ist.". Valeska wußte genug. Ihr blieb nur ei» Weg übrig. „Vater, das ist nicht wahr," sagte sie, sich von ihrem Sitze erhebend,„ich erlaube Dir nicht, so von Oettinger zu sprechen." „Was, was? Du erlaubst mir nicht—" „Nein, denn ich habe mich mit ihm verlobt. Die Mutter weiß darum." Der Alte schritt auf sie zu, bis er ganz dicht vor ihr stand, näherte sein Gesicht dem ihrigen und sah sie mit stechenden Blicken an. „Verlobt!— Die Mutter weiß darum!" zischte er mit wuthunterdrückter Stimme.„Seid Ihr toll, Weiber? Mit einem Studenten verlobt!" Und dann brach er in ein Lachen aus, daß die Wände dröhnten. Valeska war keinen Schritt zurückgewichen, während ftau Stern bleich und starr in ihrem Lehnstuhl saß und ussy sich instinktmäßig erhoben hatte, um der Schivester im Nothfall zu Hilfe zu kommen. seille wölbt sich über einem altgriechischen Tempel der Diana oder Artemis, wie sie von den Griechen genannt ward. Christus selbst verschmolz oder verwuchs mit dem Heid- nischen Weingott Bacchus oder dem Sonnengotte Apollo. Und das Pfingstscst, welches die christliche Kirche heute und morgen feiert, schmiegte sich an das heidnische Früh- lingssest, das am 1. Mai gefeiert wurde und dem Erwachen des Sommers— der Vermählung des Sonnengottes mit seiner Braut der Erde, geweiht war. Die Sozialdemokratie, die auch eine neue Kirche ge- gründet hat: eine echte internationale Weltkirche, sie ver- fährt ähnlich wie die Gründer der alten christlichen Kirche. Wir stellen uns nicht in die Luft, sondern knüpfen an das an, was wir vorfinden. Die Wissenschaft lehrt uns, daß die Kulturentwickelnng der Menschheit organisch, ununter- brachen voranschreitet, daß die Gegenwart die Tochter der Vergangenheit und die Mutter der Zukunft ist, daß der Sozialismus das naturnothwendige Erzeugniß und Er- gebniß der früheren Knltnrphasen ist, ohne die er nicht möglich wäre. Wir verachten daher nicht in fanatischer Beschränktheit das Vorhandene und Bestehende. Wir wissen, daß es mit Nothwendigkeit geworden ist, wir wissen aber auch, daß es mit Nothwendig- keit sich umgestalten und höheren Bildungen Platz machen muß. Wir sind nicht intolerant gegen alte Sitten und Gebräuche. Wir erkennen den ursprünglich be- rechtigten Inhalt und Kern an, und suchen der veralteten Form neuen Geist einzuflößen: den Geist der Sozial- demokratie. So haben wir de» 1. M a i wieder hergestellt und das Frühlingsfest, das einst von der ganzen griechisch- römisch- germanischeu Welt festlich begangen ward, zum großen W e l t s e st d e r A r b e i t erhöht und erweitert. Und ähnlich verfahren wir mit dem P f i n g st f e st, das vor 15 oder IL Jahrhunderten von der christlichen Kirche an die Stelle des heidnischen FrühliugSsestes ge- setzt ward. Nach der christlichen Mythe wurde am ersten Pfingst- tage der Heilige Geist allsgegossen über die Jünger, die dann hinaitszogen in alle Welt, die Heiden zu bekehren, das heißt, ihnen die frohe Botschaft der Erlösung durch den Messias zu predigen und die der Wahrheit Er- weckten für die neue Lehre des Messias zu gewinnen. Am 50. Tag nach der Auferstehung des Heilandes soll die Ausgießung des heiligen Geistes erfolgt sein— daher der Name Pfingsten, eine Verstümmetung des griechischen Wortes: Pentekoste, das nichts anderes heißt als: der Fünf- zigste. Der Sozialismus ist auch eine neue Lehre und er verkündet die frohe Botschaft der Erlösung— doch nicht der Erlösung durch einen Messias. Die Erlösung der leidenden, unterdrückten Menschheit kann nur durch die Menschen selber erwirkt werden. Der Mensch ist seines Schicksals Schmied— und die Sklavin Arbeit, die jetzt in Ketten und Banden liegt, hat keinen anderen Erlöser und Befreier als sich selbst. Sie allein hat die Kraft, ihre „Wir haben es Dir nicht verschwiegen, um Dich zu hinter- gehen, Vater", nahm Valeska mit ruhiger Stimme das Wort.„Wir wollten Dich schonen. Wir sahen voraus, daß es Dir nicht angenehm sein würde, nicht angenehm sein konnte. Wir wollten es Dir daher erst sagen, nachdem Oettinger das Examen gemacht und seine Stellung an der Zeitung angetreten habe» würde." „Und es war ja kein Zweifel, daß Väterchen seinen Segen ertheilte und das Bettlerpaar dann gleich Hochzeit machen konnte!' höhnte Herr Stern seine Tochter, indem er heftig gestikulirend im Zimmer umherlief.„Das schlag' Dir aus dem Sinn, das schlag' Dir aus dem Sinn! So lang ich die Augen offen habe, geschieht das nicht. Und Du—" schritt er dann plötzlich drohend auf seine Frau zu, so daß beide Mädchen dazwischen sprangen. „Die Mutter hat es auch nur ungern zugegeben," rief Valeska.„Schütte Deinen Zorn über mich aus. Ich will mich jeder Bedingung fügen, glaube aber nicht, Vater, daß ich von Oettinger lassen werde. Ich will mit ihm lieber betteln gehen, als mit einem andern in Glanz und Reich- thum leben." Aus der Kehle des Alten kam nur ein gurgelnder Laut, während er mit den Händen wie hilfesuchend in der Luft herumfocht.„Mit einem Studenten und einem politischen Hungerleider dazu!" keuchte er wieder und schlug sich wie ein Verzweifelter vor den Kopf. Sein Zorn mußte sich Lust machen. An seiner Tochter wagte er nicht, selbst in seiner Leidenschaft, sich zu vergreifen, aber da hing ihr Bild, eine Oelskizzs, von einer Freundin gemalt, noch ohne Rahmen. Mit einem Ruck riß er es von der Wand und mit äußerster Kraftanstrengung mitten durch. „Das, das verdienst Du!" schrie er mit tonloser Stimme, Ketten zu zerbrechen, ihre Bande zu zerreißen. Der Krast fehlt blos noch der leitende Wille. Denn diese Sklavin, das gewaltige Riesenweib, hat Millionen von Armen und Millionen von Köpfen, und noch ist es nicht ein Gedanke, der die Millionen Köpfe erfüllt, die Millionen Arme bewegt. Alle diese Millionen Köpfe mit dem einen erlösenden Gedanken erfüllen, all diese Millionen Arme in den Dienst eines leitenden Gedankens zwingen, und die Gesammtkrast auf einen Punkt richten,— daS ist das Ziel, die Aufgabe der Jünger des Sozialismus. Und heute und morgen sind zwei Tage, besonder? ge- eignet für die Verkündigung des Evangeliums. Das Christenthum feiert heute und morgen die Ausgießung de? Heiligen Geistes. Wohlan, wir feiern nicht die Ver« breitung unseres Evangeliums; wir üben s i e. Wer von uns freie Zeit hat und den Geist in sich ver- spürt, der zieht heute und morgen aus zu den„Heiden", die gegen das weltbefreiende Evaugeliuiy bisher noch taub waren,— und predigt mit feuriger Zunge die frohe Bot« schaft der Befreiung des arbeitenden Volks durch den Sozialismus, der Erlösung der Arbeiter durch die Arbeiter, der Errichtung des Reichs der Gerechtigkeit, Freiheit und Bruderliebe. Die Pfiugsttage seien diesem unserem Apostolat ge« widmet! Mögen die Jünger heute und morgen den Geist de? Sozialismus ausgießen über viel Tausende von Blinden und Ungläubigen!. Das ist unsere Pfingst feiert Kultur und MiUturisrnus. Mit einer Unverfrorenheit und Unvorsichtigkeit sondergleichen hat das journalistische Mädchen für alle, die„Nordd. Allg. Ztg.", angesicdts des Wahlkampfes den„Nachweis" unternommen, daß der Militärstaat Preußen für Schulen und allgemeine Kultur- zwecke mehr ausgebe, als„irgend andere Länder", selbst solche, „wo die Demokratie regiert". Zum„Beweise" hierfür muß der preußische Kultusetat herhalten, in dem die Unsummen stecken, welche jür kirchliche Zwecke hinausgeworfen werben, und dessen dauernde Ausgaben 1893/9* dennoch nur 103 Millionen betragen, während für dieselbe Zeit dieselben Ausgaben des preußischen Militäretats nicht weniger als 331 Millionen ausmachen, wozu dann noch die ungeheuren außerordentlichen und ferner die indirekten Aufwendungen kommen, welche das Volk durch seine Dienstpflicht, serner Gemeinden für Militärzwecke machen müssen. Schon nach dieser Vergleichungsmelhode erscheinen die Ausgaben für Kulturzwecke in Preußen neben denjenigen für die Soldateska wie ein Hügel neben einem Chimborasso. Und das nennt das Pindterblatt„Beweise"! Es berust sich ferner auf eine unkontrollirbare Privatstatistik, nach welcher„durchschnitt- lich" für Elementarunterricht ausgegeben werden sollen in Preußen 6.S4 M., in Frankreich 4,43 Fr. pro Kopf. Hier müßte man die Rechenkunststücke kennen, die zu Grunde liegen; sonst öffnete das Fenster und wollte die Stücke des Bildes hinaus« werfen. Tuffy fiel ihm jedoch in den Arm. „Genug, Vater!" rief sie und wollte die Stücke fassen, deren eines bei dem kurzen Ringe», welches entstand, zum Fenster hinausflog. Aber im Nu war Tussy auf der Straße. Ohne auch nur ein Tuch umzunehmen, stürzte sie in die Kälte hinaus und kam noch zeitig genug, um das Bildfragment aufzuheben. Herr Stern war durch diesen Exzeß in seiner Leiden- schaft ein wenig ernüchtert. Ein Gefühl der Scham kam über ihn. Er hatte den Kürzeren gezogen. Valeska erkannte sehr wohl ihren Vortheil, aber sie wollte ihn nicht ausbeuten. Auch sie hatte ein Unrecht gegen den Vater gut zu machen. Auf ihn zuschreitend, legte sie die Hand begütigend auf seinen Arm. „Vater, ich bitte Dich, nimm es ruhig. Ich wieder- hole es, ich unterwerfe mich jeder Bedingung, leder,— wenn ich mein Ziel auch unverrückt im Auge behalte." Herr Stern hatte sie unsicher angeblinzelt.„Sie giebt klein bei. Zeit gewonnen, alles gewonnen," dachte er. Da- mit schwoll ihm auch wieder der Kamm. „Vor allen Dingen gehst Du aus dem Hause," sagte er rauh,„als Gouvernante, als Gesellschafterin, als was Du willst, aber fort mußt Du. Du hast etwas gelernt, sieh Dich in der Welt um. Laß Dir den Staar stechen. Hinter den Bergen wohnen auch noch Leute." „Gut, Vater, das soll geschehen. Ich werde noch heute eine Annonce aufsetzen. Aber nun bitte ich Dich, mache Dir und der Mutter nicht unnütz das Leben schwer. Du siehst, wie sie leidet. Arme Mutter," streichelte sie dieser die bleiche Stirn, die jene nach der furchtbaren Szene in stummer Resignation an das Polster des Stuhles gelehnt fn'.b die Zahlen eitel„Geflunker". Endlich wird gerühmt, das; Preuße» für öffeutlickes llnterrichtswesen überhaupt ISSg/öe) schon 7,12 P(., 1890/91 aber 7,76 M, pro Kopf der Bevölkerung ausgegeben habe. Hier sind durch ein schlaues Manöver die staatlichen Ausgaben, die für den Ver- gleich mit de» Militärausgabcn. doch zunächst allein in Betracht tomnien, mit den kommunalen zusammengeworfen, so daß man die Geringfügigkeit der ersteren nickt erkennen kann. Lasfe» diese Gewaltkunsistücke bereits erkennen, daß es sehr faul mit den„Beweisen" sieben muß, so eröffnen folgende An- gaben, welche die„Nordd. Allg. Ztg." freilich nicht bringt, den richtigen Einblick in die Sachlage. Das Volksschnlwesen ist in Preußen so sehr vernachlKssigt, daß nach der neuesten amtlichen Statistik noch 817 Schulen mit 1490 Klassen in fremden, ge- mietheten Räumen untergebracht waren. Für beinah« 1 Million Schulkinder giebt es lediglich einllassige Schulen mit einem Lehrer, in denen Anfänger und reifere Schüler zusammensitzen. Ueber y2 Million preußischer Volksschüler sitzen ferner in zweiklassige» Schulen, die ebenfalls ein einziger Lehrer besorgen muß. Million preußischer Schulkinder muß noch einen Weg von 2tze und mehr Kilometern zur Volksschule zurücklegen, so dünn sind in einzelnen Gegenden die Schulen gesät. Von den unter diesen ungenügenden Verhältnissen vorhandene» Stelle» für Lehrkräfte waren nun am 25. Mai 1891 außerdem 145 nicht ordnungsgemäß und ca. 900 ganz unbesetzt! Ferner zeichnet sich Preußen sehr unvortheilhaft vor süddeutschen Staaten, z. B. Baden, dadurch aus, daß die„normale" Schülerzahl der Volks- schulklafsen sehr hoch, mit 30 bezw. 70 Köpfen anacnommen ist, während sie in Baden nur 60 Köpfe beträgt. Dabei„spart" man eben ein erkleckliches Sümmchen! Trotzdem bestehen noch für nicht weniger als 10 407 preußische Volksschulen mit über P/z Millionen Schülern„a n o r m a l e" Besuchsverhältnisse: in zirka 9000 Schulen gab es Klasse» mit bis zu 100 Schülern, in zirka 2300 Schulen Klassen, die bis ISO Schüler hatten, und außerdem ca. 180 Schulen bezw. Klassen mit über 150 bezw. 120 Schülern!! Was in diesen„Vildungsanstalten", wo der Lehrer die Klasse gar nicht mehr beherrschen kann,„gelernt" wird, kann man sich denken! Die Folgen dieser Zustände zeigt theilweise eine Statistik, welche die Standesämter für Preußen aus dem Jahre 1891 lieferten. Danach traten in Preußen 1891 noch mehr als 10 000 Personen in den Stand der Ehe, die ihren Namen nicht schreiben konnten! Wie kann das besser werden, so lange IVe Million Kinder in über- füllten Volksfchulklassen sitzen? Aber die„Nordd. Allg. Ztg." und de» Ehrenpindter ficht so etwas nicht an! Aber»och mehr! Im Osten bat sich der preußische Staat noch nicht einmal die Herrschaft über die Schule erobert aus den Händen der Junker. Beispielsweise sind im Königsberger Bezirk allein von den 2125 überhaupt vorhandenen Land-Lehrer- stellen 1661 von den Landmagnaten zu besetzen, im Potsdamer Bezirk 1040, im Frankfurter 777, in Pommern 1711, in Schlesien 4060. Es giebt Krautjunker, die über 100 Lehrer anzustellen haben. Die Grundsätze, nach denen die Auswahl getroffen wird, kennt man ja. Der hauptsächlichste heißt:„Braucht man zum Kartoffelsammeln noch bessere Schulbildung?" Der Ritterguts- besitzer von Puttkamer-Selbin, der gewiß die„Nordd. Allgem. Ztg." liest und sich ob ihrer neuesten Leistung weidlich ins Fäustchen gelacht hat, ist der Urheber dieses geflügelten Wortes. Für dre Schule ist in diesen östlichen Bezirken gar nichts übrig. Tie„Prevß. Lehrer-Ztg." bringt seil geraumer Zeit eine endlose Reihe photographischer Nachbildungen solcher östlicher Schul- Häuser,„Brühl'sche Schulpaläste" nennt sie dieselben, die aller Beschreibung spotten und zerfallenen Armenhäusern ähnlicher sehen, als öffentlichen. Gebäuden. Wir empfehlen unseren Ge- nossen diese Abbildungen lebhaft für die Wahlagitation. In den niedrigen, elenden Räumen dieser Gebäude findet sich kein Aufenlhaltsraum für die oft stundenweit herbeiwandernden Schul- linder, als die zugige Hausflur, in der sie warten, bis sich ein überfüllles Klassenzimmer leert, um sich dann in den scheußlichen Dunst dieses Raumes zu setzen. Die Bezahlung der Lehrer, die gerade hier oft bis zu 200 Schülern allein zu unter- richten haben, ist erbärmlich: es kommt vor, daß Lehrer in den östlichen Bezirken an Entbehrungen zu Grunde geben. Aus welchem Staate, in dem„die Demokratie regiert", kann das Pindterblatt auch nur annähernd so fürchterliche Schulzustände aufweisen?? Und das preußische Fachschulwesen! In einzelnen Zweigen liegt es völlig darnieder, kaufmännische Fachschule» z. B. hat der Staat in Preuße» überhaupt nicht. Selbst die amtliche „Statist. Korr." hat neulich die Summe von 10 Mill. Mark, welche in Preußen von allen Seiten für das Fachschulwesen ausgegeben werden, auffallend niedrig gesunden. Sie suchte die Sache mit dem„nicht hinreichenden Verständniß der Bc- völleruug" für das Fachschulwesen zu entschuldigen. Andere wissen die Ursache besser. Der preußische Handels- minister von Berlepsch erklärte in der Sitzung des preußischen Abgeordnetenhauses vom' 25. Februar d. Js.:„Die Handelsverwaltung befindet sich in einer ganz ver- zweifelten Lage. Ich hoffe, daß die Besserung der f inanz la g e auch in diesem Punkte Besserung schaffen wird." ier ist es verrathen: man hat k e i n G e l d für das Schul- hatte.„Daß solche Szenen sich nicht wiederholen dürfen, wirst Du einsehen, Vater," wandte sie sich wieder an diesen, „gieb mir also die Hand darauf, daß wir in friede und Freundschaft leben, so lange ich noch im Hause bin." Zögernd, mit abgewandtem Gesicht gab er ihr die Hand. „Aber daß niir der Patron nicht mehr über die Schwelle kommt," setzte er gallig hinzu. „Wenn Du Herrn Oettinger meinst, so bitte ich Dich, in höflicheren Ausdrücken von ihm zu reden. Dagegen darfst Du überzeugt sein, daß er Deine Schwelle nicht eher betreten wird, als bis er es als mein öffentlich Verlobter lhun kann." Damit nlußte sich Herr Stern zufrieden geben. Der Abend verlief in dumpfem Schweigen. Tussy war nicht in die Stube zurückgekehrt, sondern saß bei Regine in der Küche, von der alten treuen Magd sorgfältig in ein großes Tuch gehüllt, bis die Schwester sie zum Schlafen in ihr gemeinsames Stäbchen holte. Gleich am nächsten Morgen wurde die Annonce, durch welche Valeska eine Stellung als Erzieherin oder Lehrerin in Musik und Sprachen suchte, in die Spalten des ver- breitetsten Organs der Provinz eingerückt, und am nämlichen Tage, an welchem sie erschien, meldete sich eine Verwandte der Familie von Uttel, für welche sie eine Dame, die in den genannten Fächern Tüchtiges leistete, engagiren sollte. Wie immer machte Valeska den günstigsten Eindruck, und man einigte sich leicht über die Bedingungen. Da die Stellung sogleich angetreten werden sollte, so erbat sich Valeska nur vicrundzwanzig Stunden Zeit, um ihre Vorbereitungen zu treffen. Mit Oettinger hatte sie am Abend eine Zusammen- kunst, zu der Tussy sie begleitete. Er war bestürzt und außer sich über die Trennung, auf die er so gar nicht vor- bereitet gewesen, doch gab er der Geliebten an Muth nichts ach. Sie schienen wie Menschen, deren Bund nicht nur §:f flüchtigem Sinnenrausch, sondern auf tiefnmerer Sympathie beruht, d. h. gesaßt und voll Hoffnung auf die Znktmst. Zu der Frühe des nächsten Morgens sah Oettinger, der s>ch ein Stück vor dem Bahnhof aufgestellt hatte, den weseu, weil der Militarismus alles auffrißt. Eine amtliche Denkschrift hatte früher berechnet, daß für die nächsten 6 Jahre jährlich iniudestens 180 000 M. mehr uöthig sein würden, um mir das Nöthigste für die bestehenden gewerblichen Schulen zu schaffen. Statt dessen wurden für 1892/93 nur zirka 58 000 M eingestellt, also 122 000 Mark zu wenig, und Heuer noch weniger, sodaß man den Schulen allseits die berühmten zehn Prozent abknapsen mußte! Aus der amtlichen Denkschrift brachte der„Reichs-Anzeiger" vom 18. Mai 1391 folgende Sätze:„Mit reichlichen Milteln ließe sich die Theilung ü b e r f ü l l t e r K l a s s e n. die Vermehrung des Unterrichts, die Verbesserung der Schullokale, die�Ver« »ichrung und Beschaffung besserer Lehrmittel und dergleichen mehr möglich mache». Ei» weiteres Bedürfnis sind Seminare für Forlbilduugs- Schullehrer.... Nicht weniger wichtig ist die Einführung einer geregelten Beaufsichliaung, an der es heute so gut wie ganz fehlt." Wir wollen nicht weiter zitiren: keine einzige dieser Noihwendigkelten ist in der Zwischenzeit erfüllt worden! Je weiter der Moloch Mili- tarisinus fraß, desto weniger Geld hatle man für das Bildungs- wesen. Von inneren Reformen, wie die Einführung des o b l i- g a t o tischen Fortbildungsunterrichts in Preußen, den Sachsen und Baden längst haben, vom Tagcsuuterricht u. s. w. gar nicht zu reden! Sollen wir das Anklageinaterial noch mehr häufen? Wenn es der„Nordd. Allg. Zig." noch nicht genügt, sind wir bereit, mit mehr zu dienen. Und solche Kulturzustände im preußischen Militärstaate wagt man offiziös zii rühmen und durch äußerliche Zablenkuuststückchen mit salscyem Brillantieuer zu umgeben? Wahrlich, die Kühubeit ist groß, und ein Pindter ist der Besorgung dieses Geschäftes würdig. In Wahrheit steht das preußische Volksschulwesen namentlich auf dem flachen Lande, wo sich der Staat gerade die ineisteu Soldaten herholt, aber auch in den Städten auf einer jämmerlichen Stufe, und neben der Unfähigkeit und der Unlust der leitenden Kreise ist für diese schreienden Mißstände in erster Linie der Umstand maßgebend, daß man alles Geld für das Militär und wenig für die Schule übrig hat. So steht's mit der Kultur und dem Militarismus in Preußen, und so mögen es die Genossen dem Volke im Lande zur Aufklärung für die Wahlen verkünden I politische Lieb erlügt. Berlin, den 20. Mai. Unsere Genossen im Ausland und der Wahl- kämpf. Das Organ unserer Brüsseler Genossen, der „Peuple"(„Volk") veröffentlicht folgenden Aufruf: „Für unsere deutschen Brüder. Unsere deutschen Genossen stehen mitten im Wahlkampf. Dieser Wahlkampf wird viel Geld kosten, und obgleich die deutsche Partei über erhebliche Mittel verfügt, werden etliche Tausend Franks als Beweis der internationalen Solidarität gut thun. Die deutschen Sozialdemokraten sind international. Ihre Haltung im Reichstage hat dies hundertmal bewiesen. Es ist deshalb für uns belgische Sozialisten eine Psiicht, ihnen zu Helsen und sie in ihrem Kampfe zu ermuthigeu. Jede lokale Sektion der Ar- beiterpartei eröffne eine Subskription oder man orgauisire ein Fest zu gunsten der deutschen Wahlkampagne. Unser Appell, davon sind wir überzeugt, wird von Allen gehört werden. Es lebe die deutsche Sozialdemokratie! In Brüssel, in Gent, in L ü t t i ch, auch in C h a r l e r o i organisirten die Genossen Feste, deren Er- träge unscrm Wahlfonds zufließen sollen. Ein Bravo den belgischen Genossen! Die E x e t u t i v a us schuß-Arbeiterkammer in Rom seudel den deutschen Genossen einen Glückwunsch zum W a h l k a m p f. „Seit dem Halleschcn Parteitag", heißt es in dem Schreiben,„zu welchem die italienischen Arbeiter ihren Gruß entsendet haben, haben sie einen nicht geringen Fortschritt in der Organisation gemacht, wie dies ihre"Kongresse und die Maifeier dargethan haben. Euer Beispiel stand immer vor unseren Augen, hat uns stets ermuthigt und angefeuert. Darum folgen wir heute mit heißem Wunsch dem Euch be- vorstehenden Kamps. Und weil Ihr die vorgeschrittenste und beftorganisirte Gruppe des Proletariats der ganzen Welt seid, betrachten wir Euren Sieg als den unsrigen. In diesem Augenblick wächst die Bedeutsamkeit Eueres Vorgehens, nicht allein weil Eure Wahlzettel und Eure Reichstags- sitze au Zahl wachsen werden, sondern weil Ihr in dem gegenwärtigen Kampfe gegen den Militarismus Euch um die Sache der Arbeit wohlverdient macht." Aus Frankreich, der S chstv eiz, England, Spanien, Amerika u. s. w. erhalte» wir die sympathisch- Zug, der Valeska entführte, an sich vorbeirasen und in dem dicken winterlichen Nebel verschwinden. III. Prächtiges, klares Wiuterwetter. Auf dem beschneiten Rondel vor dem Herrenhause auf Adlig-Triberg tummeln sich Valeska Stern und ihre Schülerinnen, die zarte Agnes und Elfriede, der muntere Backfisch, im Hause von allen Elfchen genannt; auch der kleine Hans fehlt nicht, der von Valeska unzertrennlich ist. Alle haben frische, rothe Wangen, selbst die früh verblühte Agnes, mit welcher überhaupt eine völlige Verwandlung vorgegangen ist. Man wirft sich mit Schneebällen und hascht einander, und das Lachen und Jauchzen der jugendlichen Stimmen klingt silber in der reinen, frostigen Luft. „Sapperlot, war das ein eleganter Wurf, und welche elastischen Bewegungen," sagte der junge Lieutenant von Kries, der zu den Osterfeiertagen gekommen war und mit seiner Braut, der zweiten Tochter des Hauses, Rosa, die ein wenig erkältet war und nicht hinaus durste, eine Partie Billard spielte, wobei er die Blicke fortwährend zum Fenster hutausschweifen ließ. „Ich glaubte, Du sprächst hier von unserem Spiel, Georg," schmollte Rosa, die der Richtung seiner Blicke ge- folgt war.„Du scheinst aber mehr draußen zu sein. So geh' doch, geh', wenn Dich die elastischen Bewegungen unserer Gesaugslehrerin so sehr entzücken." „Aber Schätzchen, warum denn gleich so empfindlich? Die Schönheit muß man bewundern, wo man sie findet, und Fräulein Stern ist eine Schönheit; wirklich, eine famose Erscheinung, besonders jetzt mit dem rothen indischen Shawl um den Kopf, den sie so genial umzuwerfen versteht." „Wo sie nur die alte Herrlichkeit herhaben mag? Ge- wiß ein Erbstück von der Urgroßmutter," stichelte Fräulein Rosa. „Laß Du die alte Herrlichkeit in Ruh'. Solche alten Sachen haben jetzt einen hohen Werth," belehrte sie der Lieutenant mit weiser Miene. (Fortsetzung folgt.) sten Erklärungen. Und an vielen Orten des„Auslande?" werden Eeldsammlungen zur Beihilfe bei unseren Wahlen ver- anstaltet, z. B. auch in Italien, wie Genosse Labriola uns schreibt. Für die Sozialdemokraten giebt es kein „Ausland". Wir kennen nur ein Bürgerthum und eine Nation: Das Weltbürgcrthum und die Menschheit.— In helle Flucht ging gestern der Rückzug aus, den die Schlotbarone schon in der„Kölnischen Zeitung" angetreten hatten. Es ist nichts mit der„private n B e st e u e r u n g", die schöne Pose erweist sich als das inhaltslose„Mätzchen", wie sie geübt werden von polilischen Kulissenreißern. Es ist den Herren sehr schnell klar ge- ivorden, daß sie in ein Wespennest gegriffen haben, als sie das verfassungswidrige Angebot einer privaten Deckung von Militärkosten machten. Sie hatten dargethan, daß sie wirth- schaftlich in der Lage seien, aus ihrem Beutel die nöthigen Gelder auszubringen, ihre Klage über den„Nothstand" der Großindustriellen war dadurch in ihrer Nichtigkeit dargelegt. Am 19. Mai hat nun der G e s a m m t v o r st a n d des Vereins deutscher Eisen- und Stahl- industriellen seine bentfene Sitzung abgehalten. Das Reptil der Großindustriellen verkündet jetzt in den „Berliner Politischen Nachrichten", es sei ein„M i ß- verständniß" gewesen— man lese und staune!—, wenn angenommen wurde, daß es sich bei der veröffentlichten Tagesordnung um Anträge oder Beschlüsse des Gesammt- Vorstandes des Vereins handele. Der Antrag sei von einet» Mitgliede beim Vorstande gestellt worden, damit dieser ihn zu dem seinigen machen und vor die Generalversammlung bringen möge. Thatsächlich hat die ganze Presse ausnahms- los—„Kölnische Zeitung":c. mit eingeschlossen— den famosen Antrag„mißverstanden". Wie die Sache liegt, leuchtet ein. Die Organisation der Schlotjunker will die unsägliche Blamage von sich abwälzen und läßt durch ihren Tintenkuli die Fabel vom„Mißverständniß" in die ungläubige Welt posaunen. Der Vorstand beschloß also„ein- stimmig", das betreffende Mitglied zu ersuchen, den Antrag zurückzuziehen: „1. weil der Vorschlag einer theiliveisen Deckung der Kosten der Militärvorlag« auf privatem Wege v�rfassungs- mäßig unzulässig ist, 2. weil der Gesammtoorstand sich der dem Antrage beigefügten Motiviruna nicht anschließen kann, vielmehr den Antrag auch deshalb für undurchführbar ilt, weil die Eisenindustrie thatsächlich sich n i ch l i n d e r aae befindet, weitere außerodentliche Lasten auf sich zu nehmen." Eine schmählichere Niederlage ist nicht denk- bar. Unter die„außerordentlichen Lasten" reiht der Vor- stand wohl alle die Privilegien der Unternehmer ein, wie die E i s e n z ö l l e, den Unternehmerschutz der Gewerbe- Novelle, die hohen Dividenden der Eisenindustrie u. s. tv. u. s. w. Im übrigen nahm der Vorstand eine Resolution zu gunsten der Militärvorlage an. Das ko st et nichts.— Die Uebungen der Reserve und Landwehr. Soeben wird uns aus sehr guter Quelle mitgetheilt, daß die Uebungen der Reserve und Landwehr im Bezirk des dritten Armeekorps thatsächlich bis nach den Reichstags- wählen verschoben sind. ES ist hohe Zeit, daß eine amtliche Erklärung erfolgt.— Die Zedlitzische Reichsfinanzmastreael„in, grofeen Stil" haben wir bereits gestern als einen Monopolplatt gekennzeichnet. Heute schreibt die„Germania":„ E i y Monopolprojekt lauert allerdings ganz bestimmt im Hinter- gründe: das Branntwein-Monopol. Wie wir von zuverlässiger Seite erfahren, ist an einem Gesetzeiilivurfe, welcher auf eine Einführung des Rohspiritus- bezw. Brannt- weinmonopols abzielt, schon vor einigen Monaten gearbeitet worden, als die Erhöhung der Branntweinsteuer im Reichs- tage bei den Konservativen und bei den Brennereibcsitzeru wenig Anklang fand. Da aber der Name„Monopol" aus guten Gründen beim Volke keinen guten Klang hat, so suchte man ihn in der Ueberschrift des projektirten Gesetz- entwurfs zu vermeiden. Der Titel„Gesetzentwurf, betr. Einführung einer Branntwein laxe", klingt ja auch viel harmloser, unter dieser Flagge hofft man das leibhaftige Branntweinmonopol leichter einschmuggeln zu können." Wähler, gebt Acht!— Aus dem Reiche des Herrn von Stephan. Man schreibt uns: Die Verurtheilung Ihres früheren verautworl- liehen Redakteurs des„Vorwärts", Enders, wegen Stephan-Beleidigung aus Anlaß einer Kritik der Cholera- Geldsammlung zu gunsten der Hamburger Postbeamten, hat in den Kreisen der Post-Unterbeamten großes Aufsehen erregt. Die Stimmung der letzteren wird bei den nächsten RetchStagswahlen ihren Ausdruck finden. Die Post-Unterbeamten m ihrer großen Mehrheit wissen am besten, wie sie über die postalischen Geldsammlungen zu denken haben; sie wissen sehr wohl, ob dieser oder jener Borgesetzter den Unterbeamten'bei Gelegenheit der Samm- lung wohlwollende Vorstellungen gemacht hat oder nicht. Doch welcher Unterbeamte kann behaupten, daß auf ihn ein direkter Zwang ausgeübt worden ist? Wie derartige Sammlungen übrigens postalisch ins Leben gerufen und beschönigt werden, ist aus dem Post- a r ch i v für 1879, Heft 18, Seite 394, zu ersehen. Dort heißt es: „Kundgebung zur Feier der goldenen Hochzeit des deutschen Kaiserpaares seitens der Reichs-Post- und Telegraphenbeamten. Im Februar d. I. erschien ein von den acht dienstältesteu Herren Oberpostdirektoren unterzeichneter Aufruf, welcher die Ausführung dieses Gedankens(weiterer Ausbau der Kaiser Wilhelm-Stistung) in die Wege leitete. Die im Aufruf aus- gesprochene Hoffnung, daß der Vorschlag bei den deutschen Post- und Telegraphenbeamten aller Dienstgrade lebhaften An- klang finden werde, hat sich bei völliger Aufrechterhaltung der Freiwilligkeit der Gaben in erfreulichstem Maß» erfüllt. Es haiien sich an der Sammlung betheiligt: 20 606 Beamte, einschließlich der Postagenten und zahlreicher im Ruhestaude befindlicher Beamten, 27 875 Unlerbeamte. Privatbedienstete und Postillone, 1 000 Poithalter und Post- Fuhrunternehmer, sowie 441 Beamte und Unterbeamte bei der obersten Post- und Telegraphenverwalttmg und den derselbe» un- mittelbar unterstellten Anstalten einschließlich des Reichs-Postamts in Konstanlinopel. Im Ganzen hat sich somit der SammelkreiS auf nicht weniger als 49 922 Personen erstreckt. * Dank der allgemeinen Betheiligung an der Sammlung hat dieselbe den Gesammtbetrag von 55 708 Mark 75 Pfennig ergeben." Das genügt.— Mhtsr! MrteigmojftK! Liste steht. Heute, Sonntag, ist der vierte Tag, das die Mählerlisten emsgelegt sind. Versäume keiner nachzusehen, ob sein Name in der Wähler, Parteigenossen, thu! Wi&nn fiiv Mtmxn Enve Dfltcht. Tie„Sozialreform von Oben" schreitet von Triumph zu Triumph, sie sorgt dafür, daß die Gewerbe- Novelle bald der letzten Arbciterschutz-Bestimmung ledig sein wird. Wie die„Berliner Politischen Nach- richten" berichten, wurden am 20. Mai die Repräsen- tauten des„Deutschen Tabaksvereins", des „Vereins aller Interessenten der Zigarren- und Tabaks- brauche von Berlin und Umgegend von 1892", des„Vereins der Tabaksfabrikanten und-Händler von Berlin und Um- gegeud", sowie des„Vereins ver deutschen Tabaksfabrikanten und-Händler" vom Vertreter des Reichskanzlers, Staats- sekretär des Reichsamts des Innern, Staatsminister von Bötticher in längerer Audienz empfangen, in welcher es sich uni die Frage der Verlängerung der Ge- schäftsstunden an Sonn- und Feiertagen handelte. „Tie Unternehmer," heißt es,„überreichten ein« Petition, in welcher auf grund der bisher gemachten Eefahrungen die großen Schädigungen erörtert sind, weiche durch zu kurze Bemessung der Verkaufszeit die ganze Tabaks- drancbe erlitten hat, und die Ausfälle in den Jahrescinnahmen der Geschäfte ziffernmäßig zur Darstellung gebracht worden sind. Der Minister ging aus die mündlichen Auseinander- setzungen der Herren mit größter Bereitwilligkeit näher ein und bekundete sein lebhaftes Interesse für diese Frage. Wenngleich er nicht in der Lage war, Aussicht auf eine in absehbarer Zeit zu erwartende Abänderung des Gesetzes zu machen, so nahm er doch Gelegenheit, den Herren die Versicherung zu geben, daß die Frage zur Zeit seitens der Reichsregierung einer eingehenden Prüfung unterzogen wird, und daß seitens des Reichskanzlers, wenn diese Prüfung, wie nach den Darlegungen der Herren zu erwarten stände. im Sinne der Petition ausfiele, die I» i t i a t i v e ergriffen werden würde, um eine möglichst gleichmäßige Interpretation des Gesetzes zu gunsten der Ver- längeruug der Verkaufszeit etwa in dem Sinne, wie dies in Bayern, Württemberg und Bremen, auf welch« die Tabaks- interessenlen exemplifizirt hatten, geschehen, auch in den übrigen Bundesstaaten herbeizuführen. Es würde dies diejenige Aus- legung des§ 105 e der Gewerbe-Ordnung sein, welche seitens der Tabaksiuteressenten nnzestrebt wird und wonach der Tabal ein unentbehrliches Genußnffttel ist, so daß also eine Ver- längerung der Verkaufszeit für denselben als zulässig er- achlet werden könnte. In der Petition bitten die oben ge- nannten Vereine um eine Verlängerung der ver- laufszeit bis 5 Uhr Nachmittags." So wird die Sonntagsruhe im Handels- g e w e r b e, das Steckenpferd der christlichen„Reformer", Stück für Stück zerfetzt und durchlöchert. Wie sagte doch derselbe Herr von Bötticher zu den Großunternehmern: „Meine Herren, wir arbeiten nur für Sie!" Die Arbeiter, die Handclsgehilfen sollen die Zeche zahlen. Bei den Wahlen sei diese Thatsache den kaufmännischen An- gestellten recht gründlich dargelegt!— Ans der„Ferienkolonie". In Koblenz erhängte sich dieser Tage laut der„Koblenzer Volks-Zeitung" indem Wallgraben, hinter der Rheinanschluß-Kaserne ein Soldat der 8. Kompagnie des Königin Augusta Garde-Grenadier- Regiments Sir. 4. Der Mann ist aus Berlin, diente im dritten Jahre und wird als ein braver Soldat und guter Kamerad von seinen Kollegen geschildert. Gründe zu dieser That liegen nicht vor, und nimmt man an, daß der Un- glückliche„tiefsinnig" geworden sei. Es wäre sehr zu wünschen, daß die Ursache dieses neuesten Soldaten-Selbst- mordes festgestellt würde.— Die„bedingt Tauglichen" machen den Offiziösen viel Schmerzen. So behauptet das Pindterblatt, daß die Bestimmungen über die Beurtheilung der Körperbeschaffen- heit der Militärpflichtigen in keiner Richtung einen Nach- laß der au die Tauglichkeit zu stellenden Anforderungen gegen früher enthalten. Das ist Wortklauberei. Die Be- stimmungen sind nicht geändert, aber die Klasse der bedingt Tauglichen, aus deren Reihen früher nur ganz vereinzelt Einstellungen stattfanden, wird nunmehr durchweg für eine zweijährig« Dienstzeit ausgehoben.— Bankdirektor Schaust, ein Führer der bayerischen Nationalliberalen, ist am 19. Mai in München gestorben. Er war von 1871 bis 1879 Reichstagsmitglied. 1879 wurde er ausgesprochen schutzzöllnerischer BiSmärcker. Schauß gehörte zu den persönlich unsympathischsten und gehässigsten Gegnern der Sozialdemokratie. Er war einer der Nähr- väter des im dritten Münchener Geheimbundsprozesse entlarvten Lockspitzels und Zuchthäuslers Fürst. Die Münchener Liberalen verlieren in dem Vielgewandten, der von den Konservativen bis zu dm Demotraten den Mittler spielte, ihren fähigsten Führer. Tie österreichische» Sozialde»«okraten beschlossen, wie das Bureau„Herold" aus Wien meldet, eine aus- gedehnte Agitation für das allgemeine Wahlrecht eiuznleltcu. Zu diesem Zweck werden mehrere groß« Volks- Versammlungen einberusen mit der Tagesordnung des allgemeinen gleichen und direkten Wahlrechts. Außerdem werden massenhaft Broschüren unter die Arbeiter vertheilt, in welchen das ganze Aktionsprogramm zur Geltend- machung der sozialdemokratischen Forderungen entwickelt wird.— Jiakie». Wieder eine Ministerkrisis? In der ge Kammersitzung wurde das Gesammtbudget des Ministeriums bei der endgiltigen Abstimmung mit 139 gegen 133 Stimmen abgelehnt. Zunächst hat blas der Jiistizminister seine Entlassung genommen— das ganze Ministerium wird aber nachfolgen müssen. Der König soll wünschen, daß der unvermeidliche Giolitti ein neues Ministerium bilde. Andere sprechen von einem Ministerium Zanardelli. Das wäre dieselbe Couleur in Grün. So lange Italien im Dreibund bleibt und die auf die Dauer unerträgliche Dreibund-Militärlast tragen muß, und so lange die Panamisten Giolitti und Konsorten der Anklage- dank fern sind, kommt Italien nicht aus den Minister« krisen heran?.— Russisches. Am 19. Mai wurde das Gesetz amtlich veröffenilicht, wonach die körperliche Züchtigung von Frauen, die zur Deportation verurtheilt sind, abgeschafft wird. Bei uns will die lex Heinze den Lattenarrest und die Fasten- kost wiedereinführen, und diese Strasverschärfuug kann auch politische und Preß-„Sünder" treffen. In„Besserungs- Anstalten" ist außerdem das Prügeln noch immer üblich. Man denke nur an Ichtershausen. Man schreitet vor— in Rußland.— In der Redaktion des„Vorwärts" und in den Privatwohnungen sämmtlicher Redakteure, sowie des Redaktioussekretärs, des Verlegers und des Prokuristen des „Vorwärts", unseres Korrektors und eines früheren Redak- teurs, der soeben aus dreimonatlicher Festungshaft heim- gekehrt ist, erschienen heute Vormittag zwischen 8 und ValO Uhr je drei bis vierzehn Polizcibeamte— bei Liebknecht fünf und in der Redaktion vierzehn— um auf Veranlassung des Ersten Staatsanwalts von Breslau und eines Be- schlnsses des Amtsgerichts Breslau„eine Durchsuchung vor- zunehmen nach den„Origiualien oder Abschriften kriegs- gerichtlicher Urthcile über Militärgefangene, welche in der kgl. Gefangenenanstalt zu Breslau detinirt»vorden sind. Die „Durchsuchung"— einige der Redakteure mußten auch den In- halt ihrer Taschen vorweisen— wurde aufs Gründlichste vor- genommen und dauerte bei Liebknecht gegen drei Stunden. Gesunden wurde nichts. Ausdrücklich erkennen wir an, daß die Beamten sich ihrer Aufgabe mit möglichster Rücksicht entledigt haben. Wir machen also den ausführenden Beamten keinen Vorwurf. Ebenso wenig können wir bestreiten, daß der Erste Staats- anwalt zu Breslau und das Amtsgericht Breslau formell im Rechte waren, als sie die Haussuchung veraulaßten. Unbegreiflich erscheint es uns nur, wie man sich von einer solchen Maßregel einen Erfolg versprechen konnte. Jndeß gesetzlich war, was gethan ward. Und gerade dies giebt dem Vorgang seine politische Bedeutung. Die Thatsache, daß ein Beamter auf bloßes Vermuthen hin eine Anzahl Staatsbürger den Belästigungen und Unannehmlichkeiten einer Haussuchung aussetzen kann, zeigt, wie weit wir Deutsche in bezug auf den Schutz der persönlichen Freiheit hinter anderen Kulturvölkern zurückstehen— hinter den Eranzosen um hundert Jahre, hinter den Engländern um ahrhunderte. Weder in England noch in Frankreich, überhaupt in keinem Lande mit festbegründeter bürgerlicher Freiheit wäre derartiges möglich. Solches ist nur möglich in einem Polizei- und Militärstaat, wie Preußen- Deutschland es leider noch ist.— Die Reichstagswahleu. Offizielle sozialdemokratische R-ichstagS-Kaudidaturen. H o h e n z o ller n-H ech i ng e n: August Bebel. Einbeck- Northeim: W. Magnus in Hamburg. Oberbarnim: B. Bruns in Berlin. Usingen- Höchst-Homburg: v*** m» i/iuiiuutu-- vyicuuiyaijcu; lyuuucc xuuini Körsten in Berlin. Ueckermünde- Usedom- Wollin: Gastwirth Wilhelm Gründet in Berlin. Anklam-Demmin: Schriftsetzer Otto Ohl in Stettin. Greisswald-Grimmen: Zigarrenfabrikant Gnstav Wegncr in Wolgast. Stralsund» Franzburg- Rügen: Zimmerer August Rathmann in Hamburg. Greifenberg-Kammin: Metallarbeiter Alexander Kuntze in Steltin. Pyritz-Saatzig (Stargard): Kaufmann Franz Storch in Bredow. Naugard- Regenwalde: Stadtverordueler Hermann Borkmann in Grabow a. d. O. Kolberg-Körlin-Köslin: Kaufmann Hermann Lötz in Köelin. Belgard-Dramburg-Schievelbein: Hafenarbeiter August Steinweg in Stettin. Musteltin: Schirrmeister August Waschkau in Grabow a. O. Schlawe- Rummelsdurg- Bütow: Redakteur Karl Nathusins in Grabow a. O. Elolp- Lauenburg: Schiff- bauer Friedrich Bröker in Stettin. Bürgerliche Kandidaturen. Nieder« Barnim: Dr. Bachler, Redakteur der„Staatsbürger-Zeitung"(A). Rostock: AI. Meyer(Vg). Berlin 2—5: Fabrikant Frehse (Bodenbesitzresormer). Schleswig: Lorenzen(Bg), zugleich Kandidat der K und N. Koblenz: Amtsrichter Wellstein(Z). Aalen: Pfarrer Wengert(Z). Amberg: Landgerichts- rath Lerno-Weiden(Z). N e u m a r t: Oetonom Berger(Z). Neuenburg: Privatier Witzelsberger-Tham(Z). Neu- stadt a. W.: Amlsgcrichtssekretär Lehner(Z). Tilsit- Niederung: Gutsbesitzer Käswurm-Balgarden(St). Oldenburg-Plön: Gras Holstein(K). 1. württemdergischer Wahlkreis: Verleger Stübling-Ulm(A), b. Württemberg i s ch er Wahlkreis: Landwirth Lang(A.) Breslau-West: Virchow(FV). Breslau-Ost Re- dakteur Winckler-Tannenberg(FV). Wusitz• Schubin: Landrath von Davier(K). I. Trier: Amtsgerichtsrath Brockmann(Z). 1. Oldenburg: Enneccerus(N). Ueber die Wahlbeweaung in Arnstadt i. Tb. wird uns geschrieben: Am 16. Mai sprach im Saal« zum Kronprinzen unser Kandidat Bock über die politische Lage. Wir haben seit einiger Zeit keine so stark besuchte Versammlung gehabt. Ter Saal war bis auf den letzten Platz besetzt, eine große Zahl Personen stand dicht gedrängt an den geöffneten Fenstern und Thüren. Die Rede wurde oft von stürmischem Beisall unterbrochen. Unsere Gegner rührten sich nicht.— Gegnerische Kandidaten sind bis jetzt noch nicht bekanntgeworden. Wie verlautet, wollen die Nationalllberalen wieder ihren Dr. Pieschel aufstellen; die„Freisinnigen" wollen, wie es heißt, den Landtagsnbgeordneten Lerche-Nordhausen ausstellen. Warum das nicht schon geschehen ist? Auf alle Fälle werden die Herren die Trauben sehr sauer finden, da die„vernichtete" Sozialdemokratie die Situation beherrscht und kampsesmuthig und voll guter Hoffnung der Zukunft ins Aug« sieht. Der Grmeindevorstand in Wilkau(Sachse«) gestattet nicht, daß«in Wahlberechttgter die Wählerliste auch für andere Wahlberechtigte mit einsieht. Vielen Bergarbeitern, die erst nach 7 Uhr Abends von ihrer Arbeilsstälte im Ort« ein- treffen, ist die Selbsteinfichtnahme unmöglich, da dann die Ge- meinde-Expedition geschlossen ist. Das Verfahren der Gemeinde- beHördt verstößt offenbar gegen das Wahlgesetz, das die Einsicht- nadm« der Liste„jedermann" gestattet.— Wir erwarten, daß der gegen den Gemeindevorstand erhobenen Beschwerde noch rechtzeitig, d. h. in diesem Falle sofort Folge gegeben wird, damit den etwa nicht m die List« eingetragen«» Wählern das Wadirecht gesichert«erde» kann. Zu ith Breslauer ZeutrnmSkonventikel bemerkt treffend unser Breslauer Bruderorgan, die„Sch lesische Volks- wacht":„Am 13. Mai tagte eine Versammlung der Zentrums- Wähler im alten Saale des St. Vincenzhauscs. Man beschloß, um den Zentrumsrandidaten, eventuell wenn sie gewählt werden sollten, das Umfallen leichter zu machen, daß in der Militärsrag« vertrauensvoll dem Zentrumsvertreter freie Hand gelaflen werde. Wähler Schlesiens, wählt kein« Zentrumsmänner, denn sie werben im Reichstag dt« Volks- intereffen nicht vertreten." Gewehre, schreibt der Offenburger„Volksfreund", sind im badischen Musterlande kein« seltenen Gäste in den Wählerversammlungen. Wie aus Kappelrodeck und Achern gemeldet wird, mußte dort Apotheker Lutz vor den Flinte» sein Bürgerrecht ausüben; in Odenheim stand der Kan- didat Geck neben einem Gendarm, der krampfhaft den Hinter- lader zwischen den Fingern hielt, obschon Geck ihn höflich ersucht hatte, die Mordwaffe in einer Bürgerversammlung, wo man sich über die Beseitigung des Krieges beräth, bei feite zu lassen. Die Gendarmen berufen sich aus ihre Instruktion. Wir aber rufen dem großherzoglichen Ministerium zu, diese an barbarische Sitte und Unkultur erinnernde, außerdem gesetzlich nicht begründete Mordwaffe»- Demonstration in Wahlversamm- lungen schleunigst zu dem Zunstzopf zu hängen. In Karlsruhe, wo sich Sozialdemokraten nach Tausenden zu- sammenfinden, erblickt man niemals einen Hinterlader zum Schutze des Ministeriuins. Zu unserem Schutze sind blaue Bohnen nicht nöthig; denn unsere Gegner sind lauter Ordnungsmänner, denen em Wort eines Wachtmeisters schon so vielen Respekt einflößt, als ein achtmillimetrigeS Geschoß. Den Parteiaenosseu i« kleine« Städten empfiehlt der Offenburger„Volksfreund", nach dem Beispiel von Hornberg Abschrlften der Wählerlisten auszulegen, damit es den Wählern möglich ist, zu jeder Tageszeit sich zu übe rzeugen ob sie in die offiziellen Listen eingetragen sind. Die Freiberger Amtshauptmannschaft macht, wie die �Sächs. Arb.-Ztg." mittheilt, die Gemeindevorftände ihres Bezirks darauf aufmerksam, daß sie eine ganze Reihe früher vorgekooi- mener Verstöße gegen die Bestimmungen des Wahlgesetzes diesmal vermeiden möchten. Auch wird noch besonders daraus hin« gewiesen, daß Wahlvorsteher. Beisitzer und Protvkolljührer rein unmittelbares Staatsamt bekleiden dürfen.' Pelvleinackrichketl. Die angekündigte Broschüre:„Die Thätigkeit des Deutschen Reichstags von 18va bis 189?" ist nebst einem Anhange soeben erschrenen. Sie kostet 20 Pf. Die Besprechung des Inhaltes finden die Leser unter„Literarischem". „Mutter, wa» läuft der Herr Gendarm so?" lautet der Titel eines für die Landbevölkerung bestimmten Flugblattes, dessen Schicksal es zu sein scheint, durch ganz Deutschland beschlag- nahmt zu werden. Die erste Beschlagnahme ist erfolgt aus der Insel Rügen, die zweite in Stargard. Wochenlang haben die Staatsanwälte sich abgequält einen strafbaren Inhalt herauszu- destilliren, beide Male aber haben die Gerichte schon im Vor- verfahren die Untersuchung niedergeschlagen. Und nun erhalten wir heute aus Stendal wieder per Draht die Nachricht, daß dort das arme Ding von Flugblatt auf's Neue — nun also zum dritten Mal«, beschlagnahmt sei. Daß ein anderes Resultat, als in Stargard und auf Rügen, in Stendal er- zielt werden könnte, ist bei dem Inhalt des Flugblattes einfach ausgeschlossen. Aber für unsere rechtlichen Zustände ist der Bor- ang charakteristisch und deshalb widmen wir ihm diese paar euen. » Eine hochinteressante WLHler-Bersammlnng fand am Donnerstag Abend in Posen statt. Der bisherige Abgeordnete Eegielsti hielt eS für angezeigt, den Wählern Bericht über seine parlamentarische Thätigkeit zu erstatten. Diese hatten sich aber viel zahlreicher eingesunden, als den polnischen Wadelstrümpflern lieb war. Das Lokal war gefüllt biS auf den letzten Stuhl und Angehörige aller Klaffen, mcht zum wenigsten Arbeiter, waren anwesend. Di« Versammlung aestaltete fich in einer Weise lebendig, wie es in Posen noch nicht erlebt worden ist. Der schnöde Ver- ralh, den die polnischen Abgeordneten bei der Militärvorlagr an ihren Wählern geübt haben, hat dies« in einer Weise empört, von der fich die Wadlstrümpfler Admiralski, Eeaielski ic. wohl keine Vorstellung gemacht hatten. Die Versammlang am Donnerstag war ein Beweis dafür. Zwischenrufe. wie sie bei der Gelegenheit laut wurde«, hat wohl noch kein polnisch- nationaler Abgeordneter von seinen Wählern zu hören bekommen. So zum Beispiel als Eegielsti sich über die Biersteuer aussprach und meinte, daß dai Glas Bier statt jetzt 10 dann 11 Pfg. kosten würde, erscholl der Rus: Gieb uns mehr Lohn; mit 6 und 7 M. können w« nicht«xistiren und mehr Steuern zahlen. Als er weiter bemerkte, welche Verantwortung ein Abgeordneter habe, da wurde ihm entgegengerufen: Du kannst ruhig zu Hause bleiben, wir schicken Dich nicht mehr hin. Nur unter fortwährenden Unterbrechungen konnte der schließlich vollständig erschöpfte Redner zum Schlüsse kommen. Redakteur Dr. Szymanski trat ihm zuerst entgegen, trotzdem wurde auch er niedergeschrieen. Ein ehemaliger Arbeiter Cegielski's krilisirte dessen zur Schau getragene Menschensreundlichkert. Die schlichten Worte wurden von der Masse mit Jubel ausgenommen. Der Schornsteinfegermeistcr Andrzeiewski ging mit Eegielski ins Gericht in Betreff der Mtlitärvorlaae:„Ihr seid Berräther, aber keine Vertreter des Volkes. Alle Achtung, alleEhr« z o ll e n wir d cn eu, die g e gen die Militärvorlage gestimmt haben. Pfui!(er wendet sich gegen Eegielski) Euch allen, die Ihr dafür gestimmt habt." Stürmisch wurde ihm applaudirt. Als Eegielski wieder das Wort ergriff, wurde gerufen: Genug, genug— weg mit Dir— weg mit dem gekauften Komitee. Ein Geistlicher wollte die Massen beschwichtigen, aber auch er kam nicht zum Schluß. indem man ihm seine Körperfülle und seine a,istre»gun Chaussee» Strasse 58. Täglich: Concert» Mochentago Entr ee frei. Bei ungünstiger Witterung im Saal. SßF" Die neu eingerichtete Kattee- Küche ist den geehrten Gästen von 2 bis 6 Ubr geöffnet!_ 4146L,, Parteigenossen empfehle mein schön eingerichtetes Lokal zum gefälligen Be- such. Vereinszimmer als Zahlstelle für 40 Personen. Edmund Renter, 36521,' Swinemünderstr. 4S. G p a 4 w e i l'sche Biephalleii9 Kommandanten st raße 77—79, Inhaber Carl Koch(früher zum Gambrinus). Im schön dekorirten Garten, bei ungünstigem Wetter im Saal:"MSI Wich: Spezialitäten-Vorstellung, Künstler 1. Ranges, sowie grosses Konzert von der Hanskapelle. Anfang Wochentags 71/2 Uhr. Entree frei. Sonntags 6 Uhr. Entree 30 Pf. Gr. PrühstUchs» und Nlittaystisch, sowie reichhaltige Abendkarte. Säle für Versammlungen und Festlichkeiten. 42S4L Vom 1. Juni ab täglich: Anitreten der Leipziger Sänger vom Erystallpalast. Vereinsiirauerei Rixdorf. 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Nachmittags: Grosses Concert und Spezialitäten-Vorstellung, Auftreten des beliebten Volkshumoristen Herrn Pritz Sydow, sowie sämmtlicher Spezialitäten ersten Ranges. Gntree frei. Rermann Otto. Treptow.„ Kümpers Restaurant zum Park- Sc bloss" Grösster Garten. 11 Kegelbahnen. Tanz. Volksbelustigungen aller Art. Jeden Sonntag: Konzert.— NB. Der neuerbaute Saal, 1000 Personen fassend, ist zu Feülichkeiten jc. an Vereine und Gesellschaften zu vergeben. ff* Lagerbier 0,4 Liter 15 pf., Llfnugstiidter 0,4 Liter S5 Pf. T reptow Restaurant W. Jacob Köpnicker Landstr., a. d. Verbindnngsb. __ Ausschank der Berliner Bockbrauerei. ff. Lagerbier 0,4 Lit. 15 Pf., Münchener 0,4 Lit. 20 Pf. 6 Kegelbahn. Katteeküche. Spandauerberg-Brauerei Westend bei Charlottenbnrg. Militär-Concert (Garde-Artillerie.) Donnerstag, den 25. Hai: Erstes Monstre-Feuerwerk. Volksbelustigungen aller Art Friedrichshage« RestamantKidkatw Am I. Pfingstfeiertag 1 Grosses Frei-Konzert. 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Ws-Tmi-g, 21. Iii; Heginn der Haupt-Saison ? n l, i,» Concert, Theater- und & U ,h 1 1 UJ. Spezialitäten-Vorstellung. Donna, kö[ißiiöiicn=!M. Geschwister Rigoli, Familie Carlo, Hr. Famera, Max Grabor, Gebr. Dissenato, Troupe Columbia, Emma Lucas und Gebr. Vernoa. Am 1. u. 2. Feiertag: 0 iijCtt-nö- ��lioorSellans. Im Saale: Nolksbelustiguuge». BALI». ftlöSI.' rneuv Hasenhaide. Bergschloss- Brauerei, Am 1., 2., 8. Festlag: N.ch»m.U'.»: Linstrrbnsch-Courrrt. Kall SR Geschw. Neiss, Tanzseil. Geschv. Blanche, Luftreck. s«»Als EU? As Alison-Vruppe, Akrobaten. Elly u. Emmx, Min. Tänzer. Klaras, mus. Kom. Geschv. Richards, Leitern. Hr. Vach, Jongleur. FzsssÄseeszÄSsEv Lntree am 1. u. 2. 30 Pf., Rinder 5 Pf. r euer-weröts am Z Festtag 25 Pf., Kinder 5 Pf.[243M Am 2. Festtag: Früh-Concert und Ball, tn Mittwoch, den 24. Hai: Erstes Kinderfest mit Gratisverloosung. Hasenhaide, Bergmannstrassen- Ecke. Am I, 2. und 3. Fiingstfeiertage, Morgens 5 Ubr: 51/11 Th. Keller's Hofjäger, Am 1, 2. und 3. Fiingstfeiertage, Morgens Grosses Fräh-Doppel-Coucert. Am I, 2. a. 3. Feiertage, Nachmittags 4 Uhr; Großes Gorten-Conrert. Harionetten-Theater. Volksbelustigungen aller Art. Am 2. u. 3. Feiertage Bali. Entree für jedes Concert 15 PL, vorher in den mit Plakaten belegten Handl. 16 PL Die Katteeküche ist täglich von Morgens 4 Uhr ab geöffnet Mittwoch, den 24. Mai cr.: Erstes grosses Kinderfest. A. Froelich. Welmann's Uo!ksgarten> S8a�rarÄUn""a"e'25. Am 1., 2. und 3. Pfingstfeiertag, Nachmittags 4 Uhr: Große Gala-Fest-Borstellung BV Otto Köhler, der beliebte Berliner Volkshumorist. TJM Mr. Ciermont, dressirte Menagerie. Miihelm Lother» Kolossalmensch. Doppel-Militar-Conrcrt. Volksbelustigungen aller Art Am 2. und 3.: Kall. ® ttf.""' Concert und Gesangsfest der Vereine Haiglöckchen, Schildhorn. Ä&: Erstes Kinder-Fest. Entree an allen Festtagen 25 Pf. 244M Ma» Mkoimann. Bs�bskn- Park(am Küstriner Platz) (Hermann Imbs) 71 RUdepsdopffepstr. 71, am Ostbahnhof. !-Smtiß.««i ZI. Mi: Nachmittags ebenfalls Konzert und Vorstellung. WB-Müti«, de» II Mi; No» Nachmittags 2 Uhr an Kaffeeküche. Beginn der Vorstellung Nachmittags 4 Uhr. Entree 30 Pf. Sperrsitz 50 Pf. täglich: Konzert, Theater und Spezialitäten-Vorstellung. Volksbelustigungen jeder Art. 4 Kegelbahnen zur Veriügung. Im Saale: Ball. iktien- Brauerei Friedriciishain, Königsthop. Sonntag, den 21. Mai 1893, I. Pfingsttag, % u"":0 Gr- Instrumental- Konzert. Dirigent W. Böhme. Eintritt 30 Pf.— Kinder frei.— Programm unentgeltlich. Montag, den 22. Mai 1893, 2. Pfingsttag, Grosses Militär-Früh-Konzert, 2. Garde• Ulanen. Eintritt 20 Pf.— Kinder frei.— Programm unentgeltlich. �v.'uh?? Gr. Instrumental- Konzert. Dirigent W. Böhme. __ Eintritt 30 Pf.— Kinder frei.— Programm unentgeltlich. Dienstag, den 23. Mai 1893, Nachmittags 5 Uhr« Gr. Instrumental- und Vokal-Konzert de» Kerli«»» Vereinigung des Märkische» Käugrrdundes unter gefälliger Mitwirkung de» Ktäferchor». � Gintritt 30 Vf. welssmee. Zum Stemecker. Zügstf-wwg-! Tag- uud Nacht-Doppel-Vorstellung der F2z»>Mss Min zs-?» mm«»(Wiechmann), preisgekrönte Champion« IHIIlSNSU'S Thurmseilkünstler. Um 6 u. O'/, Uhr. Goneert. Lall. VolksdelnstiAnnZen. Heul Ballon cagtiw, Rotations-Maschine. Columbus Schiff. Rcit-Arenal im Freien 300 Meter lang. a. Fi.«.,: Früh-Concert. 1 SÄ Früh-Ball. Pferdebahn zum Früh-Concert hin 15 Pf., zurück 15 Pf. Illumination sämmtlicher Jlluminationskörper der Fontaine Lumineuse, des Teiches, der Idylle re. 42371. Anfang Nachmittags 4 Uhr. Entree 1. u. 2. Feiertag 40 Pf., vorher 30 Pf., __ 3. Feiertag 80 Pf., vorher 25 Pf._ J. Fuchs' Restaurant, Wulmg,|gt;[lri|( Nr. L. Am 1. und 2. Feiertag: Gr. humoristisches Gesangskonzert u. Vorstellung Auftreten bedeutender Spezialitäten. Im Saale Grosser Ball. Gntree frei. Anfang 4 Zlhr. VV Gntree frei. Um zahlreichen Besuch bittet 50b Julius Fuchs, Restanrateur, Verantwortlicher Redakteur: Wilhelm Schröder in Berlin. Druck und Verlag von Max Badiug in Berlin. SW, Beuthstraße 2. Hierzu zwei Beilagen. 1 Beilage zum„Vomiirts" Berliner Bolksblatt. Nr. l18. Sonntag, den AI. Mai 18i>3. 1V. Jahrg. Lokales. Aufgepaßt! Hinsichtlich der etwa erforderlichen Stich- oder Nachwahlen werden die Angehörigen oder Freunde der zu militärischen Uebungen Einberufenen aufgefordert, dafür zu sorgen, daß deren Namen jetzt in die Wählerliften eingetragen werden, damit sie wenigstens an den Stich- oder Nachwahlen theilnehmen können und somit möglichst keine Stimme der großen Sache des arbeiten- den Volkes verloren geht. Unterlaßt eS auf keine» Fall, dieser Aufforderung schleunigst nachzukommen. Achtung! Parteigenossen. Wie durchaus noth- wendig es ist, die Wählerlisten einzusehen resp. einsehen zu lassen, ergiebt sich aus der Thatsache, daß von 38 Wahlberechtigten, für welche der Zigarrenfabrrkant W i l h. Börner im Lokal für den dritten Kreis in der Schmidt- straße 38 die Durchsicht vornahm, 6(sechs) Personen nicht eingetragen waren. Parteigenossen! Benützt d,e Feiertagezur Durchsicht der Wählerlisten, da- mit auch nichtEiner durch eigene Schuld um sein heiligstes Recht kommt. An den beiden Pfingstfeiertagen sind die Lokale, in denen die Listen auslieaen, von 12— 5 Uhr geöffnet. So mangelhaft wie im dritten Kreise, dürften schließlich auch die Listen der übrigen beschaffen sein. Darum thut Eure Pflicht ehe es zu spät ist. Die Auslegung der Wählerlisten betreffend, schreibt uns ein Leser: Heute Mittag zwischen 12 und 1 Uhr habe ich in dem Lokal des 3. Wahlbezirks, Turnhalle der Gemeindeschule Ackerstr. 67, die Wahllisten aus die richtige Aufnahme meines Namens geprüft. Der ganze Vorgang nahm volle 30 M i n u t e n in Anspruch. 2S Minuten allein muhte ich an dem mit III bezeichneten Tische warten. Entweder lag dem dort thätigen Beamten die Bearbeitung eines großen Bezirks ob, oderaber e r k o n n t e s i ch n i ch t z ur e ch t f i n d e n, er wußte in seinen Wahlli st en nicht Bescheid. Mir schien dies letztere der Fall zu sein, denn die Abfertigung ging nicht von statten. Aber sehr viele Arbeiter haben noch länger wie 25 Minuten dort warten müssen, denn ich kam ausnahms- weise früh an die Reihe. So lange auf die bloße Feststellung der Richtigkeit der ein zelnen Eintragung zu warten, ist der Mehrzahl der Arbeiter nicht möglich, da ihnen nur eine kurze Mittagspause zur Ber fügung steht. Es ist deshalb unbedingt nothwendig, daß in den Mittags st unden die dort thätigen Beamten- kräfte vermehrt werden. Will der Magistrat dies jedoch nicht, so mag er für die nüthigen Stühle sorgen. An die Wähler des 4. Berliuer Reichstags-Wahh kreiseS. In allen Fällen, wo den Wählern, die ihre Stimme dem sozialdemokratischen Kandidaten geben wollen, die nölhige Zeit zur Einsichtnahme der Wählerlisten mangelt, find die nach- stehend verzeichneten Parteigenossen bereit, dieses zu besorgen: Für den Osten: W. Lock, Friedrichsbergerstr. II. O.Zabel, Frankfurter Allee 90. Krause, Landsberger Allee 152. A. Böhl, Rüdersdorferstr. 8. E. Böhl, Frankfurter Allee 74. Roggendorf, Posenerstr. 5. Ungering, Breslauerstr. 27. Tempel, Langestr. 65. Henke, Blumenftr. 33. Radtke, Krautstr. 53. Zippke, Grüner Weg 14. Wagner, Königsbergerstr. 33. Für Südost: Spindler, Reichenbergerstr. 113. Schayer, Reichen« bergerstr. 54. G. Schulz, Kottbuser-Platz. Fr. Zubeil, Naunyn- straße 36. S. Tolksdorf, Görlitzerstr. 53. K. Scholz, Wrangel- straße 32. R. Ulrich, Wrangelstr. 34. Christian Geyer, Oranien- straße 202. B. Stabernack, Pücklerstr. 49. Ais Legitimation wolle man die letzte SteuerquiUung oder den Miethskontrakt mitbringen. Parteigenossen in Nieder-Schönbausen, welche keine Zeit haben, die Wählerlisten nachzusehen, wollen sich an Hempcl, Buchholzerstraße 8 oder an Otto Rißmann, BtUthstraße 6, wenden. Parteigenossen, welche in den Pfingstfeiertagen und später nach Freienwalde gehen.wollen dort denLokalboykott.nament- lich deshalb genau beachten, weil den Freienwalder Genossen kein einziges Versammlungslokal zur Verfügung steht. Zu empfehlen So»rnksssplaudevet. R. C, Nun sind die Häuser mit Maien geschmückt und duftender Flieder prangt überall und an den Straßenecken steht die hoffnungsvolle Jugend und piept an dem Kalmus. Das ist die Signatur von Pfingsten, und junge Damen wallen mit frischgewaschenen und geplätteten Kleidern dem Frühkouzert zu und Maikäfer und andere Käfer werden gesangen, und von den Kanzeln verkündet man die Mär von der Ausgießung des heiligen Geistes. O, heiliger Geist: sonctus spiritus! Was in unserer heutigen sturnidurchwehten Zeit nicht alles unter diesem Artikel verstanden wird! Wählen die Mafien einen Reichstag, der die Militärvorlage bewilligt, so sind die Wähler vom heiligen Geist erleuchtet, thun sie das Gegentheil, so sind sie vom Teufel besessen. Bewilligt man der Re- gierung- alles, was sie will und noch etwas mehr, so ist man liebes Kind und Hahn im Korbe, und reitet ein General im Thiergarten und knöpft sich die Taschen nicht sorgsam zu, so erhält er eine Nase, daß sich ein kleiner Affe darauf schaukelu kann. Das sorgsame Späherauge der Polizei aber wacht über den Staatsbürgern, und bevor man sich des Morgens noch zum Ausgehen ge- rüstet hat, sieht man eine Anzahl von Herren bei sich, die höflich aber entschieden um die Erlaubniß bitten, nachsehen zu dürfen, was man in den geheimsten Fächern seiner Konlmode den Augen der Obrigkeit zu verbergen sucht. Und unter Aufsicht der Polizeibehörde sich seines Besitz- standes freuen zu dürfen, ist gewiß ein harmloses Ber- gnngen, und schließlich findet man bei solcher feierlichen Veranlassung einige alte, vergessene und vergilbte Liebes- bliese, die man dann unter gänzlichem Ausschluß der Oeffcntlichkeit dem Flammentod überliefert. So hat alles sein Gutes, und es kommt ganz darauf an, von welcher Seite aus man eine Sache betrachtet.__ Be- theucrst Du, freundlicher Leser, daß Du während der Zeit der Strafthat hinter den dicksten Mauern und hinter Schloß und Riegel saßest, so lächelt Dich der Polizist mit jener seelenvollen Geniüthlichkeit an, die selbst auf den verstocktesten Sünder nie ohne Wirkung bleibt. Es ist ein alter Tric gewiegter Kriminalisten daß sie den Verbrecher ist dort nur das Lokal von Raddatz, Kaualstr. 3, und das von Eleischmann, Neustädter Vorstadt. Auskunft ertheilt Robert chiele, Alt Kietz 4. Die Parteigenossen von Adlershof werden ersucht, sich darum zu kümmern, ob sie in der Wählerliste eingezeichnet stehen. Dieselbe liegt im Gemeindeamt(Schule) aus. Eventuell über- nimmt der Unterzeichnete, bei dem vom 23. d. M. die Liste eben- falls einzusehen ist, deren Durchsicht. Der Vertrauensmann H. Bökert. Alle Genossen Charlotteubnrgs werden hiermit noch einmal an ihre unbedingte Pflicht erinnert, die Wählerlisten nachzusehen. Denn schon jetzt hat sich herausgestellt, daß ganze Häuserreihen in den Listen fehlen. In denjenigen Fällen, wo es den Genossen an der Zeit fehlt, sich selbst von der Richtigkeit der Eintragung zu überzeugen, übernehmen dies folgende Ge nossen: Beyer, Wallstr. 43, vorn 3 Tr.; Wernicke, Schankwirth, Krnmmestr. 19; Krause, Schankwirth, Bismarckstr. 80; Wolter, Schankwirth, Magazinstr. 15; Fr. Lück, Schankwirth, Sophie- Charlotten- u. Christstr.-Ecke, Hoppe, Zigarrengeschäft, Cauerstr.23; C. Henn, Potsdamerstr. 43, Fr. Dietrich, Krummestr. 27, Sellin, Zigarrengeschäft, Scharrenstr. 16.. Diejenigen Genossen und Genossinnen welche gewillt sind bei Vertheilung von Flug: blättern u. f. w. mitzuwirken, werden ersucht, ihre Adresse» recht zeitig dem Unterzeichneten mitzutheilen, spätestens aber bestimmt am 22. Mai, 2. Feiertag, Morgens von 6—7 Uhr bei H. Wernicke, Krummestr. 19, sich einzufinden. DieWählerlisten liegen werktäglich bis 25. Mai von 9—3 Uhr, die beiden Psingstfeier- tage von 9—1 Uhr im Rathhause, Berlinerstr. 73, vorn pari. aus. Das Lokal-Wahlkomitee. I. A.: G. Beyer, Wallstr. 43 v. 3 Tr. An die arbeitende« Frauen und Mädchen. Genossinnen! Während die herrliche, allgülige Natur im Blüthenschmuck prangt und goldener Sonnenschein und Maienluft zum Voll- genuß des Lebens einladen— seufzt die breite Masse, das Proletariat, das kaum im stände, seine Blößen zu decken und seinen Hunger zu stillen, unter dem schweren Druck der Lasten Von allem was die freigiebige Natur hervorbringt, nimmt vorab erst der Staat und der Kapitalist in Gestalt von Zoll und Prosit sein Theil. Dem Volke bleibt kaum mehr übrig wie die Sorge»ms tägliche Brot und die Sorge wie es seine Blöße be- decken soll. Und selbst dies wenige soll jetzt noch geschmälert werden. Millionen und abermals Millionen werden vom Volke verlangt, doch muß bei den heutigen Verhältnissen, wo Mann, Weib und Kinder bei angestrengter Arbeit kaum soviel erschwingen können, um sich satt zu esse», ein energisches Halt geboten werden. Das Volk muß etnmüthig gegen eine weitere Vermehrung der Lasten Verwahrung einlegen, denn es trägt nicht allein die Geldsteuer, nein es soll ja noch sein Blut, seine Söhne in vermehrter Zahl dem Moloch Militarismus opfern. Genossinnen, wir, die diese Opfer an Gut und Blut gleich schwer empfinden wie unsere Männer, haben auch gleich unseren Männern die Pflicht uns aufzuraffen. Darum Genossinnen, erhebt auch Ihr Eure Stimme, tretet auch Ihr ein in den Kamps für die Befreiung des Volkes. Betheiligt Euch an den Ver- sammlungen sowie an den Arbeiten, helft Flugblätter verbreiten, kurz scheut keine Arbeit, damit der Sieg unser wird! Mit soziald. Gruß: Die Berliner F ra u en-A g i t ati ons- koni Mission. Neber die Einftellnng der militärischen Uebungen aus Anlaß der Reichstagswahlen lesen wir in einem hiesigen Lokal- blatte:„Bei jedem Jnfanterie-Regiment gelangen ungefähr 800 Landwehrleute zur Einziehung, die in der Zeit vom 24. Mai bis 6. Juni üben müssen. Ferner sind diejemgen ehemaligen Ein- jährig-Freiwilligen, die nicht Offizier- Aspiranten sind, zu einer bei der Infanterie stattfindenden achtwöchentlichen Uebung vom 24. Mai bis inkl. 18. Juli, sowie die Lehrer, Telegraphisten:c. zu Uebungen von 4 bis 6 Wochen einberufen worden. Alle diese Mannschaften hatten die Gestellungsbefehle bereits erhallen und sollten sich am 3. Pfingstseiertage früh zum Abmarsch bereit Halle». Für Berlin allein sind über 4000 Mann einberufen worden. Diejenigen Einberufenen aus Berlin, die am heutigen Sonn- abend Vormittag nach dem hiesigen Bezirkskommando ihre Ge- tcllungsbefehle persönlich zurückbringen, brauchen, was besonders bemerkenswerth ist, nach dieser neuesten Verfügung am dritten Festtag gar nicht mehr auf dem Abmarschplatze anzutreten." durch besondere Liebenswürdigkeit zu umgarnen versuchen, daß der Missethäter, faszinirt durch gewinnende Höflichkeit, wie der kleine Vogel durch das Auge der Klapperschlange, sich zu Geständnissen hinreißen läßt, aus welchen man ihm 'päter mit freundlichen Lächeln den Strick zum Galgen dreht. Mit einer Haussuchung fängt gewöhnlich ein ge- richtliches Trauerspiel sehr humoristisch an, das später im Maskeuflügel von Plötzeusee seinen tragischen Abschluß findet. Dabei handelt die Polizei meist sehr unvorsichtig. Kündigte sie vorher ihren Besuch an, so würde ein höflicher Mensch alle die Schriftstücke sorgsam georduet zurechtlegen, weil man der Behörde nicht gern unnütze Gänge verursacht. Andererseits aber findet die Polizei sofort alles, wenn es ihr gelingt, emanden dazu zu bewegen, ihr mitzutheilen, wo die ge- suchten Schätze verborgen liegen. Aber gerade am Psingsttage will man sich nicht mit den Schattenseiten des Daseins befassen, sondern lichtvoll und freundlich, wie uns die Welt enlgegenstrahlt, wenn der Gott des Regens nichts dagegen einzuwenden hat, sollen heute unsere Gedanken und Empfindungen sein. Ist Dir ein Wermuthstropfen in den Freudenbecher gefallen, so verzieh Dein Gesicht zu einer schrecklichen Grimasse, würge die bittere Pille hinunter und bete mit dem rechtgläubigen Christen: „Vater, vergieb ihnen, denn sie wissen nicht, was sie thun!" Die Welt ist nämlich so schön und so weit, und nur der versteht des Daseins Würze mit dem nüthigen Verstand zu genießen, der, wenn er aus einen blühenden Apfelbaum steigt, unten auf der weiten Welt nichts mehr zu suchen hat. Blickt der Erdenbürger von seines Daches Zinnen in die öde Leere eines ungefüllten Portemonnaies hinab, so kann er sicher sein, daß er eine Unzahl von Ge. nossen hat, strotzt ihm aber das Geld in der Westen, so erregt er nur allzuleicht den Neid weniger gut Gestellter, und daher kommt auch einzig die meuterische Auflehnung gegen die von Gott gewollte Ordnung. Daher soll man sich tcls in geziemender Bescheidenheit den Entschlüssen höherer Weisheit fügen, und nur der ist«in unheilbarer Schafs- köpf, der nicht von� der ehernen Wahrheit des alten Spruches überzeugt ist:„Wen der Herr lieb hat, den züchtigt er!" So ist nun das liebliche Fest gekommen. Bei den bürgerlichen Parteien ruhen die Waffen für diese Tage. Wie weit die letztere Angabe richtig ist, werden jene Mann- schaften, ivelche ihre Gestellungsordres zurückgebracht haben, auf dem Bezirkskommando wohl erfahren haben. Die übrigen Ein- berufene» werden aber gut thun, zur verlangten Zeit am Platze zu sein, um sich Unannehmlichkeiten zu ersparen. Die Berliuer Wählerliste« sind am ersten Tage ihres Ausliegens von 2269 Personen eingesehen worden. Zu Wahlkommiffarien für die am 15. Juni stattfindenden Reichstagswablen in Berlin sind, nach einer Bekanntmachung des Magistrats, ernannt worden: Für den l. Wahlkreis Stadt- rath Mugban, für den 2. Stadtv. Zabel, für den 3. Stadtv. Beelitz, für den 4. Stadtv. Mielenz, für den 5. Stadtrath Mam- roth, für den 6. Stadtrath Heller, und zu Vertretern im Falle der Behinderung eines der Wahlkommissare die Stadträthe Bail und Tourbiö. Beschlagnahme. Auf Anordnung des Amtsgerichts I sind heute die Nr. 58 des„Volksblatt für Teltow, Ober- und Nieder- barnim" und Nr. 20 des„Volksblatt für Ost- und Westpreußen" wegen des Leitartikels„Fort mit dem Militarismus" beschlag- nahmt worden. Gefunden wurden vom ersteren 7, vom letzteren 17 Exemplare. Ueber den dunkle» Ehrenmann Tchwennhagen, der, jetzt ein Haupllicht bei den Antisemiten, sich mit der„Staats- bürger- Zeitung" überwarfen hat, bringt diese folgende pikante Mittheilung:„Hat Herr Schwennhagen vergessen, daß er in einen: an die„Staatsbürger- Zeitung" gerichteten Briefe selbst zugiebt, der Polizei Material gegen die Partei, der er damals angehörte, die Sozialdemokratie, geliefert zu haben, um sich den Vortheil zu verschaffen, als Einjahrig-Freiwilliger dienen zu dürfen, was er als unsicherer Kantonist ver- scherzt hatte?" Hat Herr Schwennhagen seine Parteigenossen nicht angelogen, was wir vorläufig annehmen, dann würfe dieser Vorgang ein recht interessantes Licht auf die Wege, durch welche man in Preußen zum Genüsse von Privilegien gelangen kann. Hoffentlich äußern sich die schwer angeschuldigten Behörden vorher, andern« falls wird sicher im nächsten Reichstag Auskunst verlangt. Für den Pfingstverkehr auf der Stadtbahn sind diesmal die ausgedehntesten Maßregeln getroffen, um eine einigermaßen geordnete Beförderung der Ausflügler bewirken zu können. Morgen, Sonntag Bormittag wird auf der Stadtbahn der 3 Minuten-, von 1 Uhr Mittags ab der 3 Mmutenverkehr«in- gerichtet. Die Züge nach Johannisthal werden am ersten Feier- tage viertelstündlich, am'Montag nach Bedarf auch alle 10 Mi- nuten verkehren. Nach Grunewald wird der 10 Minutenverkehr für beide Feierlage gellen, zur Erleichterung des Allgemein- Verkehrs werden die außerdem eingelegten zahlreichen Extrazüge nach Grunewald von verschiedenen Stationen der Stadt- bahn und der Ringbahn so z. B. von Rixdorf, Gesundbrunnen und Potsdamer Bahnhof abgelassen werden. Für den Vororts- verkehr sind die Spezialwagcn in den Stand gesetzt, für den Nothfall sollen Waggons zweiter Klasse durch Abzeichen als olche dritter Klasse bezeichnet werden. Wir bemerken noch, daß bei ungünstiger Witterung Extrazüge nicht abgelassen werden. In Rücksicht auf die Frühkonzerte werden au beiden Feiertagen die. Züge der Stadtbahn von 5 Uhr Morgens an verkehren. Zur Verbreiterung der Mühlenstraße hat der Magisttat beschlossen, daS eisenbahnfiskalische Terrain dort zu erwerben und die Genehmigung der Stadtverordneten- Versammlung nach- »suchen; zur Verbreiterung der Rosenthalerstraße soll nach Magistratsbeschlnß das Grundstück an der Ecke der Gormann-, Rosenthaler- und Weinmeisterstraße angekauft werden; eine Bor- läge wird der Stadtverordneten-Versammlung zur Zustimmung zugestellt werden. Der Privatdozent Or. ehem. B. mußte vorgestern. Freitag, wegen Geistesumnachtung der Charilee eingeliefert werden. Der Bedauernswerlhe wurde früh im Viktoriapark ge- »nden, wo er die Nacht zugebracht zu haben schien. Sein Wunsch war, den Kaiser zu sprechen. Unter dem Vorwande, ihn dorthin zu führen, folgte er auch willig. Diphtherie-Jmpfnug. Bei den im Koch'schen Institut für Infektionskrankheiten zu Berlin mit dem von Professor �ann der Spießer seinem Vergnügen nachgehen, ohne daß chm der Sozialdemokrat über die Schulter jjuckt, so entzieht er sich gern politischen Sorgen, mag später die Sink- luth hereinbrechen, so hat er wenigstens noch den Augen- zlick genossen. Sitzt die Freisinnige Vereinigung heute noch hoch zu Roß, so wird es ihr ohne Zweifel passiren, daß sie bald im Chausscegraben liegt, aber das hindert selbst Herrn öinze nicht, bei den Nationalliberalen Unterschlupf zu uchen. Kommt er nicht in den neuen Reichstag, so ist es mit seiner Herrlichkeit wahrscheinlich zu Ende, und Herr Baumbach wird sich durch seine hartnäckige Wasserstiefelei die Aussicht auf den einstigen Oberbürgermeisterposten von Berlin in unabsehbare Ferne gerückt haben. So steht man überall Unheil und Unglück, und wäre nicht Eugen Richter, der wie eine alte, glucksende Henne seine Küchlein unter seine manchesterlichen Fittige vor dem drohenden Sturm zu schützen sucht, so wäre es überhaupt kein Idyll in dieser politisch so sehr bewegten Zeit. Denn Herr Schweinhagen und die„Staatsbürger- Zeitung" reizen auf die Dauer auch den Neugierigsten nicht. Liegen sich die Spitzel in den Haaren, so erfährt man die Wahrheit deswegen doch noch laiige nicht, denn schließlich wird auch Lügen so zur ziveiten Natur, daß Wahrheit und Dichtung bei solchen Leuten überhaupt nicht mehr zu unter- cheiden sind. Der Eine spitzelt für baares Geld, woher die innigeBczeichnung Achtgroschenjunge stammt, derÄndere thut es, uin sich seiner Militärpflicht zu entziehen, der Dritte viel- leicht, um sich von der Zahlung von Alimenten zu drücken. Bei Herrn Schweinhagen trafen vielleicht alle drei Voraus» etzungen zu— leider standen seine Erfolge mit seiner Nothlage nicht in dem erforderlichen Zusammenhang. Jedenfalls aber kann die arische Welt nicht untergehen, wenn sie solche Vorkämpfer findet, wie die schärfere Tonart der Antisemiten in ihren» Schweinhagen. Leider hat man bisher.noch nicht gehört, daß sich diese Perle für den neuen Reichstag gemeldet hat, und kommt Herr Schwein Hägen nicht hinein, so fehlt einer der Hauptmatadore und das Geldjudenthum darf sich vorläufig immer noch ruhig seines Besitzes freuen. Die gute Sache schreitet rüstig weiter, mehr wie bis auf den Schweinhagen kann sie nicht sinken...» Dr. Behring und Dr. W e r» i ck« hergestellte» Diphtherie- Heilserum angestellten Heilversuchen gegen Diphtherie ist, der„National'Zeitnng" zufolge, die technische Vervollkonimnung der Methode jetzt so weit gediehen, daß Prof. Behring in seiner neuesten Publikation behauptet, das Diphtherie-Heilserum, wie er es jetzt von diphtherie-immunisirten Schafen herstellt, sei für den Menschen vollkommen unschädlich, mache die Diphtherie zu einer vermeidbaren und ungefährlichen Krankheit und gewähre, ähnlich wie die Schutzimpfungen gegen Pocken, den Kindern Krankheitsschutz gegenüber der Diphtherie. Das Diphtherie-Heilserum ist bis jetzt versuchsweise im Koch'schen Institut und einigen Kliniken angewendet worden. Infolgedessen sind von Aerzten und privaten Personen zahlreiche Bitten um Ucberlassung von Diphtherie-Heilserum an das Koch'sche Institut gelangt. Professor Behring bringt indessen vorsichtigerweise zur Kenntniß,„daß Diphtherie-Heilserum weder an private Personen und Acrzte, noch an Krankenhäuser abgegeben werde, da vor der Hand die Mittel nicht vorbanden sind, um die Heilserum» Gewinnung für die Bedürfnisse der Praxis zu betreiben. Der vorhandene Vorrath an Heilserum wird ausschließlich in schon jetzt bestimmten Krankenanstalten verbraucht; in Berlin auf der Kinderstation des Instituts für Infektionskrankheiten, wo diphtheriekranke Kinder, soweit die verfügbare Bettenzahl aus- reicht, aufgenommen werden." Es geht aus dieser Erklärung hervor, daß Professor Behring selbst das Stadium der Versuchs- weisen Anwendung seines Heilserums noch nicht für be- endet hält. Durch den Gennft in Zersetzung begriffener gekochter Krebse sind mehrfach Personen zum Theil lebensgefährlich er- krankt. Das Polizeipräsidium weist daher wiederholt darauf hin, daß bei gekochten Krebsen, Krabben und anderen Krusten thieren nach längerein Stehen, und zwar bereits vor dem Auftreten eines Fäulnißgeruches, gesundheitsschädliche Stoffe sich entwickeln können, zumal wenn die Thiers erst nach erfolgtem Absterben gekocht worden sind. Uebrigens pflegt bei derartigen Krebsen die Schwanzflosse nicht unter den gekrümmten Hinterleib gezogen zu sein. Das Publikum wird daher vor dem Ankaufe gekochter Krebse wie sonstiger Krnstenthiere bei unbekannten Personen, z.B. herumziehenden Händlern, dringend gewarnt. Maie» und KalmuS, hie grünen Symbole des Pfingst- festes, wurden schon heute in großen Mengen in die Stadt ge- schafft, um an Hänsern und Geräthen, an Thüren und Fenstern, in den Wohnungen und auf den Hosen während der Pfingsltage zum Schmuck zu dienen bis zum Verwelken. Uebrigens ist ein Verkäufer von Maien in Konflikt mit der Polizei gekommen. An der Weidendammer Brücke hielt heute srüt> ein Wagen mit Maien, die der Handelsmann Gabron. Müllerstraße 114. verkaufte. Zur Feststellung des rechtmäßigen Erwerbes ließ sich ein Schutzmann das vorgeschriebene Ursprungs- zeugniß vorzeigen und ermittelte, daß G. im Besitze einer unter dem heutigen Datum von dem Major und Artillerie-Ojfizier vom Platz U. in Spandau ausgestellten Erlaubniß war. die dem Mzefeldwebel Höger das Schlagen von Maien gestattet. Datum und Jahreszahl waren augenscheinlich ausradnt und gefälscht worden. G. will den Schein so erhalten haben. Die Unter- snchung ist im Gange. Zum Schutze der Birken sind auch in diesem Jahre zu Pfingsten in der Umgebung Berlins besondere Vorkehrungen gegen die Ausplünderung dieser Baume getroffen. So wird die prächtige Birkeinvaldung zwischen Potsdam und Templin, welche sich au; den Userhöhen längs der Havel hinzieht, von den auf den Schießplätzen in der Nähe thätigen Soldaten durch Patrouillen milüberivacht. TaS Laub der Bäume hat sich in diesem Jahre bereits gut entwickelt und liefert prächtige Maien. Uebrigens verdient bemerkt zu werden, daß die in Wasser gestellten Birken- zweige, wenn das Wasser öfter erneuert und von Zeit zu Zeil von der Schnittfläche des Zweiges ein dünner Streifen abgeschnitten wird, sich länger frisch erhalten als ohne diese Be- Handlung. Nnknus von Knnstwerken durch die Stadt. Auf Er suchen der Stadtverordneten- Versammlung hatte der Magistrat einen voin Stadtverordneten Kyllmann in Her Versammlung ge- stellten Antrag, in den städlischen Etat und zivar im Extra- ordiuarium pro 1383/94 190 000 M. für Kunstzwecke einzusetzen, einer Subkomimssion zur Vorberathnng überwiesen. Die Kommission hat ihre am letzten Donnerstag in dieser Angelegenheit gefaßten Beschlüsse in der gestrigen Magislratssitznng dem Kollegium unterbreitet. Mit Rücksicht darauf jedoch, daß der Etat pro 1893/94 bereits festgestellt und genehmigt ist, hat das Magistratskollegium beschlösse», im lausenden Etatsjahre über jeden einzelneu Fall, in welchem ein Kunstmerk seitens der Stadtgemeinde augekauft werden soll, einen besonderen Gemeinde- btschluß herbeizuführen und die hierzu erforderlichen Mittel aus dem Fonds für unvorhergesehene Ausgaben zu entnehmen. Dagegen sollen für 1894/95 und bis auf weiteres auch für die fol- genden Jahre 100 000 M. in den Etat für Kunstzwecke eingestellt werden. Zum selbständigen Ankauf von Kunstwerken soll eine gemischte Kommission ans fünf Magistratsmitgliedern und zehn Stadtverordneten niedergesetzt werden mit der Ermächtigung, selbständig Ankäufe, ohne vorherige Einholung eines Gemeinde- behördebeschlnsses, abzuschließen. Eine dahin zielende Vorlage wird der Stadtverordnelen-Versammlung zur Zustimmung unter- breitet werten. Ter Eisenbahnminister Thielen hat jetzt in Sachen der Monatskarten-Resorm im Vorortverkehr das entscheidende Wort gesprochen, indem er eine Eingabe des Zehlendorfer Ortsvcreins bezüglich der Abänderung dieser neuen, schwer schädigenden Be- stiinimliigen in allen Punkten ablehnend beantwortete. Der Minister hebt hauptsächlich zwei Gründe hervor, die ihn zur Beibehaltung der neuen Bestimmungen veranlassen: Die im Jntereffe des Publikums gewünschten Aenderungen würden große Umständlichkeiten und Erschwerung der Kontrolle herbeiführen, und andererseits sei die eingetretene Schädigung der Fahrgäste durch die Erhöbung des Preises eine so„geringfügige", daß sie niemanden besonders belaste. Die vielfach geforderte Wieder- einsührung der alten Jahreskarten neben den neuen Monats- karten lehnt der Minister unter der Motivirung ab, daß diese Wiedereinführung den Zweck der Reform vereiteln würde und deshalb nicht stattfinden kann.— Bon Herrn Thielen war auch uichts anderes als ein solcher Bescheid zu erwarten. Auch ein Menschenfreund. Der S3jährige Dachdecker Gicrschke aus Ollersdorf hat, wie andere alte Arbeiter, das Un- glück, nur noch selten Arbeit zu bekommen, die ihn nähren kann. Er schlägt sich durch, indei» er. von Ort zu Ort ziehend, bald hier, bald da„ein Bischen Hilst". Wenn es nicht anders geht, muß er, wie so viele andere, die Mildthätigkeit der Bessergestellten in Anspruch nehmen. So kam er auch am 29. April in das Nestauranl Sadowa bei Köpenick und sprach den Wirth um etwas übrig gebliebenes Mittageflen an. Freundlich sagte ihm dieser, das könne er haben, und entfernte sich. Eine kleine Weile daraus erschien anstatt des ersehnten Essens ein Gendarm in bequemer Zivilkleidnng aus der Bildfläche, dessen Beamteneigenschast nur die Coldatenmütze auf dein Haupte verrieth. Der freundliche Wirth überlieierte besagtem Herrn de» G. mit den Worten:„Da haben Sie einen brühwarm, er hat soeben gebettelt." Auf Veranlassung des Gendarmen und des Nestaurateurs hielten drei handfeste Männer den Armen so lange fest, bis ersterer sich in Uniform geworfen und ihn zum Transport in Empfang nehmen konnte. Ter Protest gegen diese Art Verhaftung blieb unerhört. G., der „dem Paterlande treu gedient hat", indem er die Feldzüge von t>4, 06 und 70 mitmachte, wofür er als Ehrenzeichen das eiserne Kreuz 2. Klasse erhielt, wurde zu 14 Tagen Haft mit Anrechnung von 10 Togen Untersuchung verurtheilt. Der Ämtsanwalt hatte 4 Wochen Haft und Ueberweisnng an die Polizeibehörde be- antragt. Ties« kurz wiedergegebene Episode aus dem Leben eines alten Arbeiter» beleuchtet mehr wie lange theoretische Aus« einandersetzungen den ganzen Widersinn der kapitalistischen „Kultur". In der Umgegend Berlins hat das Gewitter am Freitag Nachmittag, welches in der Stadt selbst nur kurze Zeit währte, arg gewüthet. So wird uns aus Freienwalde gemeldet, daß gegen S Uhr Nachmittags der Blitz in eine 80 Fuß lange Scheune des Herrn v. Jena gehörigen Gutes Dannenberg geschlagen und dortselbst gezündet hat. Das Feuer griff mit solcher Gewalt um sich, daß sowohl die Scheune, wie auch der daranstoßende große Ochsenstall ein Raub der Flammen wurde; beide Gebäude sind bis auf die Umfassungsmauern niedergebrannt.— Aus den Vor- orten geht uns übereinstimmend die Meldung zu, daß der Hagel- stürm den Obstbäumen sehr geschadet hat. Auch an Ueber- schwemmungen hat es in Berlin während des Gewitters nicht ge- fehlt; so wurde der Keller des Hauses Müllerstraße 57a fußhoch durch die einströmenden Regenmassen unter Wasser gesetzt, so daß die Hilf« der Feuerwehr angerufen werden mußte, welche beinahe eine Stunde mit dem Auspumpen beschäftigt war. Einer Körperverletzung mit tödtlichem Ausgang« hat sich ein achtjähriger Knabe in Charlottenburg schuldig gemacht. Der am 14. Dezember 1835 geborene Sohn Karl des Pferde- Eisenbahnkutschers Lehmann spielte am 13. d. M. mit dem in demselben Hause, Wormserstr. 9, wohnenden, neun Monate älteren Knaben Walter Rüffer, einem Sohne des Kaufmanns R. Der erstere hatte dabei eine eiserne Schaufel in der Hand, während der letztere einen an eine Schnur gebundenen Slein als Schleuder benutzte. Wie es bei Kindern häufig vorkommt, gefiel Rüffer die Schaufel besser als seine Schleuder, und er nahm sie seinem Spielkameraden fort. Der Knabe Lehmann hielt sich dafür an der Kopfbedeckung Rüffer's schadlos, und beide standen sich bald feindlich gegenüber. Plötzlich erhob Rüffer die Schaufel zum Schlage und traf damit seinen Gespielen mitten auf den Kopf. Dann gebrauchte er auch seine Schleuder, indem er den Stein auf den Kopf Lehmann's herabsausen ließ. Der Verletzte mußte nach Hause gebracht werden, wo er infolge einer Gehirn- erschütterung in Fieber verfiel und am 17. d. M., Abends halb 9 Uhr starb. Ter Kutscher Lehmann hat die Angelegenheit der Kriminalpolizei unterbreitet. Am GebnrtStage ertränkt. Die Leiche der 58 Jahre alten Pächterfrau Auguste Raschke, geborene Straube aus Erfurt, wurde am Freitage, dem Geburislage der Todlen, um 9 Uhr Abends durch den früheren Wachtmeister Hesse an der Plötzensee- brücke aus dem Kanal gezogen und auf Veranlassung des Gendarmen R. noch dem Schauhause gebracht. Da an dem Leichnahm keine Verletzungen wahrnehmbar sind, so muß Selbst- mord angenommen werden. Etwaige Beweggründe zur That sind um so weniger zu ermitteln, als der hiesige Ausenthallsort der Raschke bis jetzt unbekannt geblieben ist. Selbstmord eines Knaben. Der 13 Jahre alte Lausbursche Wege, der seit einiger Zeit in dem Zigarrcngeschäit von I. m der Jerusalemerstraße beschäftigt war, erhielt gestern. Sonn- abend, von seinem Herrn den Auftrag, aus der im zweiten Stock belegenen Privalwohnung etwas in den Laden herunterzuholen. Als er nach einer halben Stunde nicht zurückgekehrt war, forschte I. in der Wohnung nach, und fand den Jungen an der Thür in knieender Siellung mittels eines Handtuckes erhängt vor. Ein Grund für die That ist bis jctzr nicht erfindlich gewesen. Der 41 Jahre alte Bankier Karl Ellina aus Ebers- walde, der seit dem 25. v. Di. vermißt wurde, ist heute in dem Gasthause Märkischer Hof in der Koppenstraße, wo er unter dem Nomen Schröder wohnte, mit durchschnittenen Pulsadern in einem Bknle liegend aufgefunden und in ein Krankenhaus über- geführt worden. Ueber den Grund seiner Entfernung aus der Heiinalh hat er seines Zustaudes wegen noch nicht vernommen werden können. Spurlos verschwunden ist aus Nowawes seit Sonnabend voriger Woche das 14jährige Mädchen Amelang, Mählenstr. ö wohnhaft, ohne daß bisher irgend eine Spur von dem Vervleib der Kleinen zu entdecken gewesen wäre. Das Kind hat hellblondes langes Haar, war mit einer schwarzen Jacke und be- drucklcm Rock bekleidet und lies barfuß. Anfsehen verursacht der Selbstmord des seit 16 Jahren in einem hiesigen Exporigeschöfl angestellten Buchhalters I., Oranienburgersiraße wohnhaft, an dessen Tod sich allerhand Ge- rüchte knüpfe». I., welcher Wittwer ist, wirthschaftete mit seiner 16jährigen Tochter und der Mnlter seiner verstorbenen Frau zusammen und lebte in durchaus guten Verhältnissen. Am Donuerstog Abend kam I. aus dem Geschäft und erklärte seinen Angehörigen, daß er noch eine dringliche Arbeit vorhabe; er begab sich nach seinem Zimmer, und wenige Atinuten daraus erdröhnte aus demselben ein Schuß. Tie Angehörigen fanden I. todt mit einem Schuß durch die Schläfe auf dem Sopha liegen. Die Ursache des Selbstmords ist noch nicht ermittelt. Ter Knabcnmörder Erust Kappler dürfte aller Wahr- 'cheinlichkett nach nicht unter Anklage gestellt werden, da sich herausgestellt hat, daß bereits früher gegen Kappler das Ent- mündigungsverfahren wegen Irrsinns eingeleitet war. Nixdorf. In der am Donnerstag abgehaltenen Gemeinde- Bertreler-Sltznng theilte der Borsitzende, Amlsvorsteher Boddin, zunächst mit, daß das verflossene Rechnungsjahr mit einem Defizit in Höhe von 44 231 Mark abgeschlossen habe, hervor- gerusen durch Mindereinnahmen der iliiltergulsverwaltung Waß- manusdorf und erhebliche Mehrausgaben für Schule und Armen- pflege. Tie Vertretung beschloß, das Defizit aus den bei Schul- hausbauten und bei der Kapctalverwaliung gemachten Ersparnissen zu decken. Tie Gemeinde-Bertretnng hatte kürzlich eine Kom- Mission zum Regierungspräsidenten nach Potsdam entsandt, um verschiedene Angelegenheiten zu besprechen. So hatte die Regie- Nlng vor kurzem die Genehmigung versagt, auf zwei von der Gemeinde erworbenen Grundstücken Doppel- Schulhäuser zu 24 Klassen zu errichten, weil die betreffenden Grund- stücke angeblich zu klein seien. Ter Kommission ist es ge- iungen, die Bedenken der Regierung zu beseitigen, nur muß für das in der Nähe des Kottbuscr Dammes belegene Grundstück das Bauprojekt abgeändert werden. Ans die Beschwerde der Kommission, daß der Kreisausschuß des Kreises Teltow die nachgesuchte Gewährung einer Beihilfe zum Schulhausbau in Rixdorf abgelehnt habe, ohne dem Kreistage Vorlage zu machen, dagegen für die Kaiser Wilhelm-Gedächtnißlirche ohne Weiteres 30 000 M. bewilligen konnte, erklärte der lltegierungsprasident, daß er in die Kompetenz des Kreisausschusses nicht eingreifen könne. Die antheiligen Kosten für zwei hier stationirle Kriminalbeamte muß die Gemeinde dieses Jahr übernehme», da eine Klage gegen diese Verfügung beim Ober-Verivaltungegericht zu spät ein- gegangen ist, auch erfolglos gewesen sein würde. Die in höchst traurigem Zustande befindlichen Hauptstraßen des Ortes: Berliner-, Berg- und Herniannstraße, sollen im nächsten Jahre mit Reihensteinen vierler Klasse nach Berliner Muster neugepflailert und das erforderliche Steinmatcrial, etiva 40 0u0 Quadratmeter, von der Gemeinde und zivar direkt vom Bruchbesitzer, beschafft werden, so daß nur die Ausführung der Pflasterung selbst an einen Unternehmer vergeben werden wird. Eine Erhöhung der Gemeindesteuern wird voraussichtlich durch diese Neupsiasterung nicht erforderlich werden. Gleichfalls soll auch die Schinkestraße umgepstasterl werden. Die näheren Be- dingungen der Neupflasierung»vurden einer Kommission zur Be- rathung überwiesen, welche auch die AnSführungju überwachen hat. In diese Kommission wurde auch Genosse Schenk gewählt. — Während der Sommermonate sollen die Schulhöse, um einer Staubeutivickeluiig vorzubeugen, täglich gesprengt werden.— Zum Schluß der Sitzung brachte Genoffe Schenk eine An- gelegenheit zur Sprache, welche berechtigtes Aussehen Hervorries. Vor kurzem wurde in der Hermannstraße ein Arbeiter von einem Zivilisten und zwei Gendarmen derart mißhandelt, dag er zur Zeit im Krankenhaus am Urban schwerkrank darniederliegt und voraussichtttch dauernd invalid iverden wird. Die Nennung der betr. Gendarmen ist von der Behörde abgelehnt worden. Genosse Schenk verlangte nun über diesen Fall Ausklärung. Amtsvorsteher Boddin erwiderte, daß diese Angelegenheit nicht vor die Gemeinde-Vertretung gehöre, doch sei er bereit, die Sache zu untersuchen und unserem Genossen dann Auskunft zu geben. Hoffentlich wird in der Angelegenheit Klarheit geschaffen. Die Sitzung wurde alsdann geschlossen. Polizeibericht. Am 19. d. M. Morgens wurde in einem Gasthof ein seit dem 1. d. M. dort wohnender Bankier von außerhalb mit Verletzungen an den Armen aufgefunden und nach der Charit« gebracht. Er hatte sich mittels eines Küchenmessers die Pulsadern zu öffnen versucht.— Auf dem Caniianplatze entstand Nachmittags zwischen dort beschäftigten Arbeitern eine Schlägerei, bei der ein Arbeiter durch einen Schlag mit einem Mauerstein am Kopfe so schwer««letzt wurde, daß seine Ueber- führung nach der Charit« erforderlich wurde.— An der sogenannten Plötzeiiseerbrücke sprang Abends«ine Frau in den Spandauer Schifffahrtskanal und«trank.— Im Lauf« des Tages fanden zwei kleine Brände statt. Gerirliks-Äettung. � Nuter Ausschluß der Oeffeutlichkeit verhandelte das Schwurgericht.des Landgerichts I gestern gegen den Zigarren- arbeiter Hermann S ch r o e r, welcher angeklagt und durch den Spruch der Geschworenen für schuldig erachtet wurde, mit seiner leiblichen Tochter von ihrem 14. bis zum 17. Jahre ein unsitt- liches Verhältniß unterhalten zu haben. Der unnatürliche Vater hatte seine Tochter durch Drohungen schwerst« Art gezwungen, ihm willfährig zu sein. Der Staatsanwalt hatte acht Jahre Zuchthaus beantragt, der Gerichtshof«kannte auf vier Jahre Zuchthaus und fünfjährigen Ehrverlust. Die Sitzungsperiode des Schwurgerichts des Landgerichts l schloß gestern mit der Verhandlung einer Anklage wegen Raubes. Der auf der Anklagebank befindliche Arbeit« Heinrich B o s s o w aus Mecklenburg ist trotz seiner 21 Jahre bereits sieben Mal, darunter dreimal wegen Diebstahls vorbestraft. Am Abende des I.April traf er, auf einer Vagnbundentour begriffen, iu Berlin ein. Mit einem Pfennig in der Tasche schlenderte er gegen 10 Uhr durch die Jnvalidenstraße. Er traf einen etwas angetrunkenen Mann, den er bat, ihm eine billige Schlafstelle nachzuweisen. Der Angeredete war gefällig genug, ihn nach einem Hause in d« Rosenthalerstraße zu führen. Er begleitete ihn nach dem Hofe und eigte ihm den Eingang zu einer sogenannten„Penne", wo er ür 5 Pfennige während der Nacht Unterkunft finden würde. Der Angeklagte erklärte nun, daß er völlig ohne Geld sei. Sein gutmüthlger �Führer zog das Portemonnaie, um ihm 5 Pf. zu geben. In diesem Augenblick entriß der Angeklagte seinem Wohl- lhäter mit raschem Griff das Portemonnaie, versetzte dem Ueber- raschten gleichzeitig einen Stoß, daß derselbe zn Boden siel und rannle mit der Beute davon. Er wurde eingeholt und zur Hast gebracht. Die Geschworenen sprachen den Angeklagten, der im Wesentlichen geständig war, schuldig, worauf derselbe zu einer Zuchthausstrafe von drei Jahren und den üblichen Nebenstrafen verurtheilt wurde. Glück bei jungen Mädchen, namentlich bei solchen, die schon„aus dem Schneider" sind, hat der Buchhalter Fritz A 1 b r e ch t, welcher sich wegen wiederholten vollendeten und versuchten Diebstahls vor der 2. Straflamm« hiesigen Land- gerichts I zu verantworten hatte.„Seines Auges sinnlich Strahlen" übte einen seltsamen Einfluß auf alle diejenigen späten Mädchen aus, welche von der Seligkeit der Ehe träumten. Er hatte nicht blas drei, sondern weit mehr Bräute ans einmal, zur Hochzeit kam es aber mit keiner, denn in dieser Beziehung war er ein unsicherer Kantonist, der seine Ausgabe für erfüllt ansah, wenn er den Mädchen, denen er einen Talmi-Verlobungsring an den Finger gesteckl, ihre Ersparnisse abgenommen hatte. Drei solcher Fälle sind zur Kenutuiß der Anklagebehörde gekommen. In dem einen Falle halte der Angeklagte' seiner„Braut" 270 M., in einem andern 300 M., in dem dritten 400 M. abgejagt und diese Skala wäre in aufstrebender Richtung wohl noch wettergegaugen, lvcu» die Polizei diesen Bräutigam sn rnasse nicht schlienlich kalt gestellt hätte. Selbst auf der Anklagebank verließ den Schwereuöther sein Damenglück nicht. Die eine der verlassenen Bräute war seiner kaum ansichtig geworden, da warf sie ihm einen vielsagenden Blick zu und gestand dem Gerichtshöfe schämig ei», daß sie den Mann noch immer liebe. Erst auf wiederholte Vorhaltung gestand sie zu, daß sie dem Angeklagten ihre Spar- Pfennige nichl gegeben haben würde, wenn sie gewußt hätte, daß derselbe gar nicht ans Heirathen dachte und sein Herz gleich- zeitig auch noch an andere verschenkt hatte. In einem anderen Falle hatte der Angeklagte die Dreistigkeit so weit getrieben, mit sein« Braut aufs Standesamt zu gehen und das Aus- gebot zu bestellen. Dann aber verschwand er. Neben diesem frivolen Spiel, welches er mit empfänglichen Frauenherzen ge- trieben, hat der Angeklagte auch noch eine«folgreiche Thätigleit auf dem Gebiete des Stellenvermittelungs- Schwindels entwickelt. Gegen ihn traten 17 Hausdiener, Aroeiter, Schreiber und Professionisten der verschiedensten Art aus, denen er auf ihm in den Zeitungen veröffenl- lichte» Stellengesuche die aussichtsvollften Versprechungen gemacht hatte. Stellung haben die Betreffenden durch ihn nicht erhalten, wohl aber hatten sie sogenannte Ein- schreibegebllhren in Höhe von 3, 6 M., bis hinauf zu 20 M. zahlen müssen.— Der Staatsanwalt hielt den An- Angeklagten für einen besonders gemeingefährlichen Menschen und beantragte gegen ihn 6 Jahre Zuchthaus. Der Gerichtshof erkannte auf3Jahre Zuchthaus unv 3000 M. Gelbbuße, eventuell noch 200 Tage Zuchthaus. Soziol» TkLbevNlv». Zur Beilegung des AusstandeS der Brauer in Mainz hat eine Zusammenkunft der Brauereibesitzer mit dem Ausschuß der Gewerkschaften stattgefunden, die damit endete, daß die Brauereibesitzer die Forderungen d« Brauergehilfen und besonders die Wiedereinstellnng der Ausstänoischeu als unannehmbar ablehnten. Als Antwort darauf hat der Aus- schuß der Mainzer Gewerkschaften eine Bekanntmachung erlassen, worin er erklärt, er habe in der Verhandlung die Ueberzeugnng gewonnen, daß lediglich die Direktion der Mainzer Aktienbierbrauerei die Schuld daran treffe, daß die Bei- legung des Ausstände» gescheitert sei. Infolge dessen hebe er den Boykott über sänuntliche Brauereien auf und wende sich an die Arbeiter und Bürger von Mainz, den Boykott gegen diese eine Brauerei aus das strengste dnrchzujühren. In der ganzen Stadt wird, wie man uns schreibt, die» Borgehen aus das freudigste begrüßt. In Essen a. d. Ruhr streiken, wie das„Zentralorgan der deutschen Brauer" berichtet, seit Freitag 22 Arbeiter der Aktienbrauerei, weil Maßregelungen vorgekommen waren und man gedroht hatte, e? sollten sämmtliche dem B«band an» gehörige Arbeit« entlassen werden. Tie Flensburger Brauerei-Arbeiter haben ihren Streik gewonnen. Die Korbmacher des Hof» KorbmachermeiflerS Schur ig in Dresden haben am Sonnabend die Arbeit nach voraus- gegangener Kiindigung eingestellt, sofern es nicht noch in letzter Stunde zu einer Einigung gekommen sein sollte. I» ihrer ganze« Glorie der Rücksichtslosigkeit gegen die Arbeiter zeigte sich die Unternehmerklasse auf der Chikagoer Weltaus st ellung. Wie Herold's Telegraphenbureau berichtet, sind von den am Bau der Gebäude beschäftigten Personen bereits 1000 Arbeiter ums Leben gekommen. Die Ausstellung soll ein getreues Bild der bürgerlichen Weltwirthschaft bieten. In bezug auf Rücksichtslosigkeit gegen das Leben der arbeitenden Klassen ist das thatsächlich der Fall. iDetTiamutUtuacn; a"enM"6J( St»l>(kafr«(S. 8. 71). .....(in BUfiautant um, pational» kausmännifch,(kranken IDoiiianMfUsunfl am ZUentiog, den 23. Mai, P. Bodenburg, ftommantantcnftc. 10 II. lievcniigunaactrcin„Luftige Ingen»», Skgung am Sonntag um in Elach.l'S PlaMna-SroNe, Raupachitr. S. kourtften- und Mandrrlilud„Zllaldeogriiu". Montag(». Feiertag) bei Knoll, Andreaistr. 8, FibetttaS mit Damen. Anfang 7 Uhr. privat abeakergereUschnst un» Artiftenklub„Äumor". PftngstparNc nach Schlagmühle bei Bahnhof Strausberg am Montag f». Feiertag). Treff- vuntl Schlestfcher Bahnhos« Uhr, villeifchaller für Borortjüge. Abfahrt«,«2. VerttriMzkes.' „Preußische Freiheit." Unter dieser Stichmark« schreibt d!e Breslauer„Bollswacht": Eine Präsidial-Berordnung räumt den PolizeibehSrden die Befugniß ein, bei Tanzvergnügen, Hoch- Zeiten 2c.|bcii Gastwirihen.in deren Lokalitäten diese Feste stattftnden, den Lolalvcrbältnissen entsprechende Beschränkungen aufzuerlegen. So ist es beispielsweise in«inigen Landgemeinden den Gastwirlhen zur Pflicht gemacht, der Polizeibehörde ein Berzeickniß sämmt- licher geladener Gäste, welch» bei den Hochzeiten erscheinen wer- den, einzureichen. Tie Organe der Polizei überwachen nun diese Vergnügungen und weisen jeden, dessen Name sich nicht auf der Liste befindet, aus dem Lokale. Kürzlich fand auch in Lipine eine Hochzeit statt, an welcher sich mehrere Gäste betheiliglen. In der fidelsten Stimmung schien der B r a u t v a t e r zu sein, welcher sich etwas laut benahm. Der Amtediener trat deshalb an ihn heran und fragte nach seinem Namen. Da derselbe sich nicht auf der Liste befand, machte der Amtsdiener kurzen Prozeß und entfernte den Brautvater. Das Brautpaar hat eS jedenfalls für selbstverständlich gehalten, daß der Vater der Braut an der Hochzeit theilnehmen dürfe. Der Amtsdiener aber mag der Ansicht gewesen sein, daß der Brautvater nicht zu den Gästen gehöre. Vielleicht erfahren wir auch einmal, bemerkt die„Ober- fchlesische Grenzzeituug", daß der Bräutigam, weil dessen Name sich nicht auf der Liste der Gäste befindet, an die Luft gesetzt wird. DeztsNhsnl meldet. (Wolsf's Telegeapheu-Bureau.) Leipzig, L0. Mai. Wie der„Generalanzeiger" wurden gestern sieben wegen Hochverraths angeklagte Personen aus Duisburg hier eingeliefert. Der Prozeß vor dem Reichs- geeicht werde am 7. Juni beginnen und voraussichtlich drei Tage währen. Vviskft allen dev Dedakkton. E Adler. Sprechen Sie bitte am Dienstag Abend auf der Redaktion vor„ oder lassen Sie uns sonst nähere Mitlheilungen zugehen. Zech. I. Der Eidesleistung wird gleichgeachtet, wenn ein Mitglied einer Religionsgesellschaft, welcher das Gesetz den Ge- brauch gewisser Betheuerungsformeln an stelle des Eides ge- stattet, eine Erklärung unter der Betheuerungsformel dieser Religionsgesellschast abgiebt. Zu diesen Religionsgesellschaften gehören die Mennoniten. 2. Vom Militärdienst waren die Mennoniten früher befreit, heutzutage nicht mehr. Horstm. Wenn jemand als Soldat von seinem„Mädchen" Geld zur Unterstützung erhält und erklärt,„später werde ich dir alles wiedergeben", so liegt auch dann ein Darlehn vor, wenn er darunter nur„Wiedergabe durch Heirath' verstanden wissen wollte. Der Eid,, lein Darlehn erhalten zu haben, wäre ein Meineid. Nother gegen Freisinn. Ein Geheimpolizist begeht einen Hmis�rßedensmuch, jroenn er trotz Aufforderung des Vorsitzenden verläßt. Landwehr 83. Die Kündigungsfrist läuft i n der Uebungs» zeit ab. A. Fischer. Der Wirth hat leine« Anspruch aus Be- zahlung der Spielwaaren. Vviefkapken dev Expedikiom In unserer Expedition gingen zum Wahlfouds ferne» folgende Beträge mn: 1 Zigarrenmacher und 2 Wickelmacher 2,—. Buchdrucker F. und N. 3,—. Werkstatt von Böhm. Blumenstr. 30, 7 Mann, 6,50. Kons. B. u. H., Z. u. A. 10,—. Eitzer der R. Gensch'schen Druckerei 7,60. Landau 1,—. Lederwaareu- Fabrik Jul. Deutz 1,80. Von den Steinmetzen, Platz Schilling 4,—. Einige Formmacher aus der Ackerstraße 3,50. Heldig 1,50. Die Rethen der Buchdruckcrei®. H,, 1. Rate, 8,76. Vom aufgelösten Rauchklub „Ringelwolke" 4.50. E. Braun, Brandenburgstr. 1,50. Arbeiter« Stenographenverein„Eintracht", Berlin, 4,—. P. H., Luxus- papier-Fabrit 3,75. 6 Lithographen der Firma Fromm u. Holz 3.—. Flatow 10,—, Von den Putzern Wiesner, Gulöemetsttr, L. Beyer, Schießner, Petrik 14,—. E. Lindenberg Handlung. Reichenbergerstr. 134, 10.—. Behrendt 2.—. Dr.M. 10,—. Gesangvcrein�Georginta 1879 4,10. Gerhardt 50,—, Drei Rohrleger 1,50. H. Behling 0,50. Bihrenstraße 3,—. Leseklub der Freunde 7.50. Flicktischler 1,—. Dr. L. Arons 200,—. Ueber- schuß einer öffentlichen Kellnerversammlung 9,—. F. B. 4 2,—. Porzellanmaler, gesammelt am 13. Mai 7,90. Erste Ratte S. F. 3,40. Von den Arbeitern der Produktivgenossenschaft 3,—. Tanz- lebrervcrein„Solidarität" 10,—. Gürtler der Firma Kalm und Bender, Waldemarstraße 40», 6,50. Rothe B. 5,—. Stauchklub Waldesgrün, Reichenbergerstraße, 10,—. S. R., Südwest 3,—. Bürstenhölzerfabrik Ackerstraße und einer, der schon viel gegeben, 2,75. Hansen 1,—. 12 Genosse» aus der Waldemarstr. 27 8,—. M. Müller, Fürbringerstraße, 1,—, G. Baer, Fürbringerstr., 1,—. Gesammelt d. W. Lütke aus dem Bau Exerzierstr. 9 5,—. AuS der Doring'schen Werkstelle, Lindenstr. 25, mit Ausnahme des Nachlmusikanten und den beiden 4,50. B. und L., Alte Jakob- straße, 1.—. F. Lutz 1.—. Möbelfabrik I. E. Pfaff Saal. 3 5,70. Genossen der Aron'schen Werkstatt, Lützowftr. 6, 13,25. Von Anschlägern Thiergartenstraße 3,—. Ges. von der G. Barth-l- scheu Maleriverkstatt, Frobenstraße, 17,80. Neusilberwaaren- fabrik von P. Wmkelsesser, Admiralstr. 18a, 4,45. Summa 509.25 M. Bereits quittirt 2895,30 M., in Summa 8405,15 M. — i. WAikWWHM MMWlWWMDs vuLkre 3 MMwe 8wä önvuKv, TonnKsg, gällÄied ge schlössen, morgen, Montag, von 7-10 imä von 12-2 Uhr geöffnet. länser Baer Sohn, Herren- und ICnahen-Bekleidung« 1. Geschäftshans: 2. Geschäftshans: 3. 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L l. 69b Brauerei Bötzow Prenzlauer-Allee 247. Am Prenzlauer Thor. Am 2. Pf ingstf eiertag: Großes Fruh Konzert veranstaltet vom llnimaeher vesanljvereln„Llniijhelt".(M. d. A.-S.-V.) Während des Konzerts im Saat: Tanz, 3872b Eintritt 30 Pf., im Vorverkauf 20 Pf. Unlang S Ohr, Killet» sind in den mit Plakaten belegten Handlungen zu haben. Paul TeKaffert, Oekonom. _ An allen 3 Feiertagen, Nachmittags: Großes Konzert. Entree 10 Pf. Schneider's Salon und Garten _ Proskanerstr. 37— 38, Ecke Frankfurter Allee. BV* Montagi den 22. Mai 1893(2. Pf ingstfeiertag) i_ Großes Krüh Conrert zum Besten arbeitsloser und gemaßregelter Kollegen, veranstaltet vom Gesangverein„Deutsche Eiche", Dirigent: F. Patsclian. Die Musik wird von der Freien Vereinigung der Zivil-Berufsmusiker ausgeführt. Während des Concerts Tanz. Herren, welche daran theil- nehmen, zahlen SO Pf. nach, dnfang früh 5 Uhr. Enfree 20 Pf. Zu recht zahlreichem Besuch ladet die Genossen freundlichst ein 70b Das Komitee. Pape s Salon, Colbergerstr. 23. Colbergerstr. 23. Dienstag, de» 33. Mai 1893(3. Pfingstfeiertag): Gr. Mal- u, MnlmiltMWttt veranstaltet vom Lese- u.Diskutirklub„Gesundbrunnen". Gefangsvorträge des Gesangvereins Vlüeh zu(Mitgl. d. Arb.-Sängerb.). Das Konzert wird von Berufsmusikern ausgeführt. Der Ueberschup ist zum Wahlfonds bestimmt. 47b Uach dem Konzert: Tanz. Herren, die daran theilnehmen, zahlen SO Pf. nach. Anfang S Uhr. Einlaßkarte 20 Pf. Achtlllig, Cchiieiiier«. SliteiiimitiKii! Dienstag, den 23. Mai(3. pfingstfeiertag), Uorm. 10 Uhr, im Lokale des Herrn Martens, Friedrichstraße Nr. 33V: Große öffentliche Bersammlnng Tages-Ordnung: I. Die bevorstehende Reichotagswaht nnd die Stellung der Sozialdemokratie. Referent Reichstags-Kandidat Kollege Aug. Tät-rom. 2. Diskussion.— In Anbetracht der wichtigen Tagesordnung ist es Pflicht aller Kollegen und Kolleginnen, zu erscheinen. 391/20_ Die Agitationskommifstoir. BMT Achtung l Am Nachmittag des 3. Pfingst-Feiertages gemiith- liches Keifammensei» in Peinhold Urösehs's Kartei, lokal, Hasenhaide, Fichtestraße 29. Die Kasfeeküche ist von 2 Uhr an geöffnet. irbeiter-Biltagssehule(Nord). Oeffentliche Versammlung am Montag, 22. Mai(2. Pfingstfeiertag), Ab. öVe Uhr, in Pape's Salon, Kolbergerstr. 23. Tages-Ordnung: 1. Vortrag über: Ursprung des Götterglaubeus. Referent Hr. l-ütgonaa. 2. Diskussion. 402/9 Nachdem: vsmütdliobos Loisammonssiu. Herren, die am Tanz theil- nehmen, zahlen SO Pf.— Um recht rege Betheiligung bittet _ Die Kchulkommisfio»._ Arbeiter-Sängerbund Berlins und Umgegend. Sonntag, den 28. Mal, Tormittags präzise 9 Uhr, in den„Armin-Hallen", Kommandantenstr. 20: 105/17 . AusMiuK Sitzung."W Tagesordnung: 1. Aufnahme von Vereinen. 2. Arrangement zum Sängerfest. 3. Antrag der Kreuzberger Harmouie. 4. Verschiedenes. ItS. Die Sitzung wird laut Befchlup der letzten Ausschuß-Sitzung Funkt 10 vdr eröffnet.— Während der Wahlperlode findet keine Uebongs- stunde statt.— Ausgabe des ersten Liedes von der Liedergemeinschaft:„Wir glauben an der Freiheit Sieg." Der Vorstand. Zentraiverlmnd d. Maurer Deutschlands Zahlstelle I Berlin(Putzer). Die Hilfskassirerstellen befinden sich in folgenden Lokalen und kassiren daselbst die Kollegen: D. Behrens, Andreasstr. 36, bei Zastrow, jeden Sonntag Vormitt. 10—12. SD. Raschle, Lausitzerplatz, bei Bieberstein, jeden Montag Abend 8—10. SSf. Kurzrock, SolmL- und Mariendorserilraßen-Ecke, bei Grube, jeden Sonntag Vormittag 10—12. Riosten und Schöneberg. D ai t er, Haupt« und Akazienstraßen-Ecke, bei Papier jeden Sonnabend vor dem ersten im Monat. II. Weißende ig, Swinemünderstr. 129, Restaurant, jeden Sonnabend.' Vfedding. Körb er, Müllerstr. 174, bei Gleiuert, jeden Montag Abend von 8— 10. 244/18 Moabit. Hierse, Stephanstr. 38, bei Bachstein, jeden Sonntag Vormittag von 10—12. Vereinigung aller in der Tljmiederei besPsligte» Persanen. Zahistrlle Krrlin. 280/4 Montag, den 33. Mai<3. Pfingstfeiertag): M o nt m e rs mit zu Ehren der anwesenden Delegirten in den LonoonUis-Pestsslen, Andreasstraße 64, bestehend in Vokal- und Jnstrumeutal-Konzert unter'gütiger Mitwirkung der Gesangvereine Borax, Mollegia I, Freie Glocken und Unverzagt unter Leitung ihres Dirigenten Hrn. hange. Aufführung lohender Bilder. Hcrrenbillet SO Pf. inkl. Tanz. Anfang S Uhr. Damenbillet 2ö Pf. Von 3 Uhr an ist der geräumige Garten und die Kaffeeküche geöffnet. Ethische Grjrtlschast. Sonntag, de» 21. Mai« Abends 8 Uhr, Uosenthalerstraste Ur. 38: Bortrag iles ßerru l'li. Mefzner über: llnfcre Wugsteu. Nach dem Vortrag gemöthliches Beisammensein. Herren und Damen als Gäste stets willkommen. 141/20 DV' Die Kremferpartie nach Kirleenwcrder findet am 11. Juni statt. Billels sind in den Versammlungen zu haben. Rummelsbitrg. Allen Freunden und Genossen zur Nachricht, daß mich meine liebe Frau am Freitag Morgen mit einem kräs- tigen Proletarier beschenkt hat. E. Müller nebst Frau geb. Reddin. Ethische Gesellschaft. Montag, den 22. Mai(3. Feiertag): Ausflug nach Friedrichshagen- Grünau, verbunden mit Maidvergnügen(Hahnenschlagen, Wettrennen u. f. w.) Nachdem, Abends, Andreasstr. LI, bei doel: Geselliges Beisammensein und Tanz.— Genossen und Genossinnen als Theilnehmer herzlich willkommen. Abfahrt Schlesischer Bahnhof morgens 8 Uhr. Für Nachzügler Nachmittags Ii/s Uhr im Müggelschlößchen. Bei ungünstiger Witterung Abends 6 Uhr bei lloel, Andreasstr. 21 Abendnntrrhaltung. 141/19 Große öffentliche Versammlung aller in der KupscKnvi»- Branche beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen am Dienstag, den 23. Mal(3. Pelertag), Vorm. 10 Uhr, im Brauerei-Ausschank Bötzow, Prenzlauer Allee 242—247. Tagesordnung: 1. Unsere diesjährige Forderung in der Pelz- und Mützenbranche. 2. Verlesung sämmtlicher Werkstellen. 3. Gewerkschaftliches. Der hochwichtigen Tagesordnung wegen ist es Pflicht der Kollegen und Kolleginnen dahin zu wirken, daß sämmtliche Werkstellen Berlins zahlreich vertreten sind. 190/11 Nach der Versammlung findet gemeinschaftlicher Ausflug statt. Die bohnkommission. Achtung!($til0j[f!R! Achtung! Vorläufige Anzeige. Am 23. Juli Slb Grosse Gedaehtulssteler für August Gelb. Näheres später durch Plakateu. Inserate, Her sosialdem. Lese- nnd Disknürklnb „August Geib". Aufforderung! Die Mitglieder der Fr. kranken- u. Begräbnisskasse d. Schuh- maclier und Berufsgenossen Berlins(E. H. 27) werden ersucht, de»(3. Feiertag) 23. Mai, Abends 3 Uhr, ihre lausenden Beiträge im Kassenlokal, Fischerstr. 2S, zu bezahlen. im Interesse der Kasse. SSb Der Vorstand. I.! E g e, Haerling, Schulze. Möllekpotirer! Am 3. Feiertag: KemllM'thie nach Tcgelort bei Spandau. Treff: Früh 7 Uhr Schles. Bahnhof, Abfahrt um 7 Uhr 2S Min. mit Nord- ringzug nach Bahnhof Moabit, von da über Plötzensee. Saatwinkel. Ueber- sahrl nach Tegelort nach dem Restaurant zum Lenchtthurui, woselbst die Nach- zügler bis 2 Uhr erwartet werden. Alle Mitglieder, Kollegen, Freunde ic. ladet ein Der Vorstand. Erklärung. Die von uns gegen den Genossen G. F. 51 lein, Kottbuscrstr. 18, in Nr. SS dieser Zeitung, unter der Ueber- schrist: Warnung, erlassene Erkärung nehmen wir hiermit zurück, da die Sache durch beiderseitigen Vergleich geregelt ist. 63b Gesaugverelu Sängerkette. I. A.: Zeitsch. Achtung! Am Montag, den 1. Mai, sind in den Concordia-Fcstsälen, Andreas« straße, verschiedene Sachen bestehend in Heften und Noten, darunter eine Par- titur von bedeutendem Werth entweder verloren gegangen oder absichtlich mit- genommen worden; sämmtliche Sachen tragen den Namen Paul Graf. Es wird dringend gebeten, obige Sachen gegen Belohnung entweder bei dem Genossen Paul Graf, Adalbertstr. 95 vorn 4 Tr., oder bei Zubeil» Naunyn- straße 86, abzugeben. 64b Damen n. Herren, welche Lust haben, einem Gesangverein beizutreten, sind freundlichst willkommen. 66b Vmhl„Memem" (gem. Chor). Uebungsstunde: Donners- tag 9— 11 Uhr Abends, Rost. A. Knapp, Berlin bl., Kastanien-Allee 95/96. Lrauerei Uetidmg. 48 Urinickendorferstr. 48 empfiehlt feinstes Werdersch«, Weiß-, Weizen« und Malzbier in Flaschen und Gebinden: Vre T. ä 1 Hk., Vs T. ä 2 Kk.[42552* Bestellungen frei ins Haus. Berliner Weißbier der � 42448* Weissbier-Brauereien Hilsebein&Landre. 40 Flaschen ä ca.'/a Liter 3 Hark. Grnofienschaften Ansnahinrprrise Flaschenbier Kellerei, Ändreas-Str. 63. Telephon VII. 5356. Luge's Vereinshaus S3«snBdrmAP(froher ranKOW Borchardt.) Großes Konzert und Kall in den Feiertagen. 2b ff-ml u. Zimmer für Vereine, Arbeits� >»/UUt nachweis, Telephon- Anschluß, schöner schattiger Garten, Gipsstr. 3. Säle zu Privat-Festlichkeiten u. Ver sammlungen Oranienstr. 180. 8551b Klncherstraße Ur. 11. W O C7T CO vls-ä-vls der Krenz-Kirch» Wilhelm Böhm. A«W Kitt"m*.*?."11' Großes Lager in Schirme». Meinen geehrten Freunden und Genossen empfehle mein gut assortirtes, von nur rein amerikanischen Tabaken fabrizirtes 40611.* Cigarren-Kager. Sämmtliche Maare ist mit Kontroll« marke versehen. Gerlach, 32. Kastanien-Allee 30. Wichtig für Anhänger der Notar Heilkunde, selbstdenkende Aerzte und alle jemals mit Q.uecksilber behandelte Laie»! In unserem Verlage erscheint soeben: Die Gueckstlberkur ist ein Verbreche» au der gesammten Menschheit. Von Dr. Josef Hermann, Primararzt in Wien 8 Bog. gr. 8°. Preis Ml. 2,00. Von demselben Verfasser erschien be- reits: f245M Cs giebt feine ffliilitiitinaettf Syphilis. Ein Trostwort für die gesummte Menschheit. 7 Bog. gr. 8<>. Preis Mk. 1,50. Gegen Einsendung obengenannter Beträge nebst 20 Pfennig Porto er- folgt Franko-Zusendung durch Uermauu Hisel& Co., Verlagsbuchhandlung, Hagen i n W e st f. Arbeitsullirkt. LrtS-KriülkellkO der Maurer. Bin tücht. Bureauarbeiter findet sofort oder zum 1. Juni Stellung. Gesuche sind schriftlich an den Unter- zeichneten einzusenden(Mitglieder be- vorzugt). 255/10 A. Dähne, Vorsitzender, Demminerür. 66, III. Tüchtige Stuckateure(Ansetzet) werd. im Arbeitsnachweis, Weinmeisterstr. 19, verlangt._ 48b Tüchtige Korbmacher-Gesellen werden verlangt Langestr. 7. 421 lL' Montz- Ltahlissemcnt Moritz- Platz. P�tz Täglich: Inkrnmental-Konzert. Großer Frülillücks- u. Mittags« tisch. Spezial-Ausschauk von paben- hofer Lagerbier, hell und dunkel. SBg" An Sonn- und Felttagen findet das Konzert in den obere» Sälen statt. Entree Wochent. 10 Pf. Sonnt. 25 Pf. Säle für Versammlungen, Kommerse, _ Festlichkeiten:c._ M. üoack's Concert- und Gesellscliafls-Säle Bruunenstraße IG. Sonntag, 21. Mal(1. Pfingst-Feiertag): Eröffnung der Saison. Täglich: Konzert, Theater und Spezialitäten-Vorstellung unter Leitung des Musikdirektors Herrn Faul Seniler. Anfang 6. Zkhr. Entree 30|lf. Uesrrvirtrr Platz 50 pf. Am Ä. und 3. Zlfinglt-Feirrtage: Grosser La!!. tOV Bei ungünstiger Witterung findet Konzert und Vorstellung im Saale statt. 36b W. Hoack. Gründer s Festsäle (früher Mündt) Köpenickerstrasse 100. Jeden Sonnabend, Sonntag, Montag und Donnerstag: Grosser Ball. NB. Meine 5 Vereins-Säle von 50 bis 200 Personen halte ich Vereinen, Gesell- schaslen ze. bestens empfohlen. 41311.* Fortuna-Säle 3. Stranfiberger-Straffe 3. Jeden Sonntag: Grosser Ball. Jeden Donnerstag: Groß« Gefell- schaftofiunde. Empfehle meine Säle zu allen Privat« Festlichkeiten und Versammmlungen; auch sind einige schöne Vereinszimmer zu haben._ 36701.* Eftarkischcr Hof. Admlralstr. 18 c. Am 2. u. 3. Pfingstfeiertag: Grosser Festball. Anfang 4 Uhr. Meine beiden Säle sind noch mehrere Sonnabende und Sonntage im Juli und August an Vereinen zu vergeben. 42S9L RhtiillSnhijlhec Tiniiltl genannt: Die fidrie Dagrlkille. Berlin N, Elsasserstrasse 73. Neu! Heul Die Möbel-Polonaise! oder: 4070L* Meber hat» Keber, a« de Lunge, an de Zunge, an de Leder! Vorträge der berühmt. Gesang- vereine„Ifalhe Lunge" und „Keuchhusten"« Dorzugliches Lagerbier der , Schöneberger Schlogbrauerei* ä Seidel 10 Pfennige. Q. Schnitze(iiüfn|)« (Notiz: Mang uns mang rs keener nich mang, der nich mang uns mang jehört.) i Otte's Eisschlößchen Plötzensec. | Alle 3 Feiertage: Früh-«. Nach- 3 mi ttags-Fre i kouzert. Gr. Kaffee- z küche und 2 Kegelbahnen. 67b* Empfehle den Genossen u. Bekannten mein Vleissm und Bairisch- Bier-Lokal. Zimmer für Vereine mit Pianino zu 60 Personen. Der Garten ist eröffnet. 4257L* Benno Stabernack, Pücklerstr. 49, _ 2. Haus von der Wrangelstr. Empfehle den Genoffen und Freunden des Südostens meinen reichhaltige» Frühstück-, Mittag- n. Abeudtisch. Vereinszimmer noch mehrere Tage frei. Franz Gittler(früher Buder), 41978 Mariannenstr. 43. Ernofien empfehle meinen Früh- Rucks-, Mittags- und Abeudtisch. Vereinszimmer mit Piano. Für gute Getränke sorgt stets 36131.* Fritz Fröhlich, S" T Vereinszimmer auch Zahlstelle zu verg. Liegnitzerstr. 13, Knoll. 62d Verantwortlicher Redakteur: Wilhelm Schröder in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin SW., Beulhstraße 2. 2. Beilage zum„Bommrts" Berliner Volksblalt. Ar. 118. Sonntag, den ZI. Mai 1893. 1V. Jalst-g. Uom Mnstrrnngsgrschäst. „Nur Leute, welche auch schon in den früheren Jahren als brauchbar vorgemustert wurden, sind auch in diesem Jahre als solche zu behandeln gewesen. Es liegt also in dieser Richtung keine Verschiedenheit zwischen den Vorjahren nnd dem laufenden Jahre vor. Der Unterschied wird erst beim Ober-Ersatz- geschäst insofern in die Erscheinung treten, als das durch die Militärvorlage bedingte Mehr an Rekruten nicht wie früher wegen Ueberschusses in Berücksichtigung kleiner, die Tauglichkeit aber in keiner Weise beeinträchtigender Fehler(Anlage 1 der Heerordnung) der Ersatzreserve überwiesen, sondern zur Ein- stellung in den Dienst verfügbar gestellt. d. h. ausgehoben werden wird.... Es kann deshalb konstatirt werden, daß bei Aufbringung des durch die Militärvorlage beanspruchten Rekruten-Mehrbedarss der Ersatz in keiner Weise geschädigt werden wird." .„Nvrdd. Allg. Ztg." vom 19. Mai 1893. * ♦ „Pah! pah! gut genug zum Aufspießen; Futter für Pulver, Futter für Pulver; sie füllen eine Grube so gut wie bessere. Ha, Freund! sterbliche Menschen! sterbliche Men- schen!" Shakespeare, Heinrich der Vierte, Erster Theil, Akt 4, Szeii. 2. Falstaff. Herren, habt schafft? Ichaal. nicht setzen? Falstaff. Schaal. Daß Ihr dich, das ist mir«in halb heiße Witterung.— Meine Dutzend tüchtige Leute gc- Freilich haben wir das, Herr. Wollt Ihr Euch Laßt mich sie sehn, ich bitte Euch. Wo ist die Liste? wo ist die Liste? wo ist die Liste?— Laßt sehn! laßt sehn! laßt sehn! So, so, so, so,— ja, was wollt' ich sagen, Herr:— Rolf Schimmelig,— daß sie vortreten, so wie ich sie ausrufe; daß sie mir's ja thun, daß sie mir's ja thun!— Laßt sehn! wo ist Schimmelig? Tchimmelig. Hier, mit Verlanb. Ichaal. Was meint Ihr, Sir John? Ein wohlgewachs'ner Kerl, jung, stark, und aus einer guten Familie. Falstaff. Dein Name ist Schimmelig? Tchimmelig. Ja, mit Verlanb. Falstaff. Desto mehr ist es Zeit, daß Du gebraucht wirst. Tchaal. Ha ha ha! ganz vortrefflich, wahrhaftig! Dinge, die schimmelig sind, müssen gebraucht werden. Ganz ungemein gut!— Wahrhastig, gut gesagt, Sir John, sehr gut! .FalstaffviU nach besten Kräften thun, Herr, Ihr könnt nicht mehr verlangen. Falstaff. Wohl gesprochen, guter Frauenschneider! Wohl gesprochen, beherzter Schivächlich! Du wirst so tapfer sein, wie die ergrimmte Taube, oder allergroßmülhigste Maus.— Gebt dein Fraueuschneider einen guten Strich, Herr Schaal; tüchtig, Herr Schaal! Schwächlich. Ich wollte, Warze wäre initgegangen, Herr. Falstaff. Ich wollte, du wärst ein Mannsschneider, damit du ihn könnlest flicken und geschickt machen, mitzugehen. Ich kann den nicht zinn gemeinen Soldaten machen, der der Anführer von so vielen Tausenden ist. Laß dir das genügen, allergewalligster Schwächlich. Schwächlich. Ich lasse es mir genügen, Herr. Falstaff. Ich bin dir sehr verbunden, ehrwürdiger Schwach- lich.— Wer kommt zunächst? Tchaal. Peter Bullenkalb von der Wiese. Falstaff. Ei ja. laßt uns Bullenkalb sehen. ivnllcnkalb. Hier, Herr. Falstaff. Weiß Gott, ein ansehnlicher Kerl! Kommt, streicht mir Bullenkalb, bis er noch einmal brüllt. Bullenkalb. O Jesus! bester Herr Liapirän— Falstaff. Was? brüllst du. ehe du gestrichen wirst? Bullenkalb. O Jesus. Herr ich bin ein kranker Mensch. Falstaff. Was für eine Krankheit hast du? Bullenkalb. Einen verfluchten Schnupfen, Herr; einen Husten, Herr; ich habe ihn vom Glockenlänten in des Königs Geschäften gekriegt, an seinem Krönungstage, Herr. Falstaff. Komm nur, du sollst in einem Schlasrock zu Felde ziehen, wir wollen deinen Schnupfen vertreiben, und ich will es so einrichten, daß deine Freunde für dich läuten sollen.— Sind das alle? Schaal. Es sind schon zwei über die Zahl aufgerufen: Ihr bekommt hier nur viere, Herr. Shakespeare, König Heinrich der Vierte, Zweiter Theil, Akt 3, Sc. 2. vevsolttinluitge»». Eine gntbesnchte öffentliche Wählerversammlung für den erste» Wahlkreis tagte am Freitag in den Arminhalle». An stelle des durch 5krankheit verhinderten Reichstagskandidaten Täterow sprach Timm in anderthalbilündiger, oft von Beifall unterbrochener Rede über die bevorstehende Reichstagswahl. Gegner meldeten sich trotz der ergangenen Aufforderung nicht zum Wort. Unter Verschiedenem wurde in der Versammlung noch von Hausdienern über die Verkürzung der Sonntagsruhe in den größeren Geschäften, sowie auch der Maugel völliger Sonntagsruhe bei den Postbeamten zur Sprache gebracht. Nach ergangener Anfforderung an die Wähler, die Listen nachzusehen, wurde die Versammlung mit einem Hoch auf die Sozialdemo- kratie geschlossen. Eine imposante Wählerversammlung für den zweiten Wahlkreis tagte ain Freitag in der Bockbrauerei. Gegen 1200 Per- sonen, darunter auch Frauen, hallen sich eingefunden. Mit ge- spanntestsr Aufmerksamkeit folgten die Zuhörer den Darlegungen des Reichstagskandidaten R i ch a r d F i s ch e r, welcher in fast zweistündiger, oft vom lebhaftesten Beifall unterbrochener Rede eine treffliche Kritik des Kapitalismus und seines Zwillings- bruders, des Militarismus, gab. Seiner Aufforderung, auch im zweiten Wahlkreise die Mahl des Kandidaten irgend welcher kapitalistischen Partei dadurch zu verhindern, daß die Vertretung des Kreises der Sozialdemokratie gesichert werde, folgte anhaltender, stürmischer Applaus.' Es wurde beschlossen, keine regelrechte Debatte stattfinden zu lassen, sondern nur Gegnern das Wort zu verstatten. Der Slufforderung des Vorsitzenden, die Gegner möchten ruhig ihre Ansichten vertreten, kam jedoch niemand nach. Folgende Resolutionen wurden dann einstimmig aygenommen: '„Die Versammlung erklärt sich mit den Ausführungen des Referenten einverstanden und appellirt an die gesammte Arbeiter- schafl des 2. Berliner Reichstags-Wahlkreises. nur dem Genossen Fischer am IS. Juni ihre Stimme zu geben." „Die anwesenden sozialistischen Frauen und Mädchen erklären sich ebenfalls init dem Referenten einverstanden und ge- loben, nicht eher zu ruhen, bis auch die Frauen politische Rechte, wie das allgemeine Wahlrecht, erreicht haben. Sie versprechen, mit Muth und Lpscrsrcndigkeit die Männer beim Wahlkampf zu unterstützen und Jndifsereute anzufeuern, nur einem Sozialdemo- kraten an» lS. Juni ihre Stimme zu geben." Der Vorsitzende»nachte dann darauf ausinerksam, daß an» nächsten Donnerstag eine große Wählerversammlung aus Tivoli stattfindet, in»velcher Genosse A u e r sprechen»vird. Hiernach gingen die Versaunnelten mit einem Hoch aus die internationale revolutionäre Sozialdemokratie und unter Abfingung der Mar- scillaise auseinander. Der Verein zur Wahrung d e r I„ t e r e s s e»» der Z i n k g i e ß e r und S t n r z e r B e r l i n s u n d U m g e g e»d hielt am 9. Mai er. seine ordentliche Generalversammlung ab. Bevor in die Tagesordituug eingetreten»viirde, erstattete Lücke den Bericht des Schiedsgerichts in Sachen Weber,»vorauf die Ausnahme desselben beschlossen wurde. Gleichzeitig wurde der Kollege Carl Gerstmanu in die Organisation ausgenomnien. Nach den» Bericht des Kassirers beliefcn sich die Einnahmen im letzten Vierteljahr auf 23,0» M., die Ausgaben ans 19,25 M., der Kassenbestand beträgt 138,S0 M. Die Einnahme von» letzten Bkaskeuball betrug 172,50 M., die Ausgabe 69,75 M., der Bestand des Verguügungssoiids ist 116,30 M. Dem Kassirer»vurde Decharge ertheilt. Der Antrag, den Vergnüguugssouds dem allgemeinei» Fonds zu überiveisen,»vurde gegen 5 Stimmen abgelehnt. Nach- dem Max Schulz de» Bericht des Vorstandes erstattet hatte, ivurde Karl Lücke als 1., Rud. Wagner als 2. Vorsitzender, Hern». Kühn als I., Otto Kausfmann als 2. Kassirer, Heinrich Weber als l., Fritz Rube» als 2. Schriftführer, Wilh. Lavatschcck, Wilh. Elsncr»md Adolf Klar als Revisoren geivählt. Zmu Arbeitsvermittler wurde der Kollege Rud. Wagner gewählt. Die nächste Versammlung findet au» 6. Juni er., bei Schröder, Reichen- bergerstr. 24, statt. Ter Zelttralverband der Maurer Deutschlands hatte am 7. Mai eine Bersainnilung, in»velcher die Siegelung der Zahlstellen beschlossen ivurde. Es kassirt für den Osten Kollege Behrens bei Zastrow, Andreasslr. 36, jeden Sonntag Vormittag; für den Südosten Kollege Raschle bei Biebersrein, Lausiger Play, jeden Montag Abend; für den Südivesten Kollege Kurzrock bei Grube, Mariendorfer- und Solmsstraßen- Ecke, jede» Sonntag Vormittag; für den Westen Kollege Daiter bei Papier(Schöne- bcrg), Akazien- und Hauplstraßeu-Ecke, jeden Sonnabend vor dein ersten Abends von 8—10 Uhr; für Moabit Kollege Hierse bei Bachstein, Stephanstr. 38, jeden Sonntag Vormittag; für den Norden Kollege Körver bei Gleincrt, Müller- straße 174, jeden Montag Abend von 8—10 Uhr. Die Abrechnung über das erste Quartal ergab einen Bestand von 106,37 M. Der Kassirer»rnlrde. nachdem die Revisoren die Ab- rechnung bestätigt hatten, von der Versaminlnng entlastet. Hieraus »vurde», ihre>n Antrage gemäß, die Kollegen Roth und Röhden zu Ehrenmitgliedern ernannt. Nachdem noch beschlossen worden »var, ein größeres Versammlungslokal zu mielhen, gab H. Gräschke bekannt, daß auf der Matinee ein Ueverschuß von 33,70 M. er- zielt, vorden ist. Sodann erfolgte Schluß der Versammlung. Eine öffentliche Bersamniluug der Ttellinncher be- schäftigte sich am 19. Mai mit den» Arbeitsnachv eis. Brüst legte zunächst nochmals die Gründe klar,»velche Veranlassung gaben, daß sich die Gesellenschgft einen eigenen Nachiveis in der Veteranenstr. 4 bei G e i s l e r errichtet hat. Den Meistern, welche den Werth der Arbeitsverinittlung in den Händen der Geselle,»»vohl zu»vürdigen wüßten, sei dieser schon längst ein Dorn im Auge. Zar Erhaltung des Arbeitsnachiveises hätten die Kollegen ihre ganze Kraft einzusetzen; man möge daher zu- nächst der Innung eine Resolution unterbreiten, in der dieselbe aufgefordert wird, den Arbeitsuachiveis der Geselle» anzuerkennen und die Arbeiter nur von diesem zu entnehmen. Anden»- falls will man diese Forderung durch allgemeine Arbeitseinstellung lung erzwingen und gleichzeitig»nit ihr die einer 15 prozentige» Lohnerhöhung verbinden. Die Versammlung beauftragte nach längerer Debatte die Kollegen Schivarz, Brüst und Cäsar, die Resolution dem Obermeister Franz zu übermitteln und nach gepflogenen Verhandlungen in kürzester Zeit darüber in einer öffentlichen Versammlung zu berichten. Ferner»vurde be- schloffen, bis auf»veiteres»vöcheutlich 1 M. für den Streikfonds zu zahlen und den Vertrieb der Zehupfennig-Marken für den Agirationsfonds fortzusetzen. Die Gelder soll der Kassirer Schivarz Sonnabends in der Herberge»ind Sonntags Vor- mitags in seiner Wohnung Rathenowerftr. 46 gegen Quittung in Empfang nehinen. Nachdem noch zum Anschluß an den Fach- verein ermuntert war, schloß die Versammlung mit einem Hoch aus die moderne Arbeiterbewegung. Die hiesige Filiale des Kraukeu-NnterstiitzuiigöbuiideS der Schneider und Berufsgenosseii hielt am 9. Mai eine Versammlung ab. Vor Eintritt in die Tagesordnung erhoben sich die Anivesenden zu Ehren der verstorbenen Mitglieder Höhnisch und Tülle von ihren Plätzen. Alsdann ivurde die Abrechnung vom 1. Quartal verlesen, welche eine Einnahme von 8834,19 M. und eine Ausgabe von 8102,71 M. aufwies. Es ist mithin ein Bestand von 731,43 M. vorhanden. Hierauf»vurden Zilm und Zander zu Delegirten für die Vereinignng freier eingeschriebener Hilfskassen gewählt. Ferner ivurde folgender Aiitrag an- genommen: Die Mitgliedschaft wolle beschließen, daß in Zukunft alle weitgehenden Anträge auf der Tagesordnung zu setzen vor- her an die Lokalverwaltung schriftlich einzusenden sind. Nach Erledigung einiger inneren Angelegenheiten Ivurde die Versaniln- lung geschlossen. Die hiesige Filiale der Bergolder-Orgauisatio» hatte am 15. Mai eine Versainmlltiig, in ivelcher die Mitglieder zu- nächst ersucht»vurden, sich an der Statistik rege zu betheiligen. Die ausgefüllten Fragebogen müssen spätestens am I. Juui beim Ausschuß eingeliefert sein. Hierauf hielt Herr Dr. Weyl einen beifällig ausgenommenen Vortrag über Prolctarierkrankheiten. Eine Resolution,»velche sich»nit den Ausführungen des Redners einverstanden erklärte uild die Kollegen zum Anschluß an die Organisation verpflichtete, fand einstimmig Annahme. Sodann »vurde zu dem an» 25. Juli stattfindenden Stiftungsfest ein Ver- gnügungskoinitee gewählt. Auch bewilligte die Versammlung der Slgilatiouskommission 25 M. Zum Schluß wurde bekannt ge- geben, daß die bei Strohmelier geivesene Zahlstelle sich jetzt bei Günther, Josephstr. 11, befindet. Die Geueralversautittluilg des Fachvereins der Marmor- und G r a n i t a r b e i t e r von» 14. Mai be- schäftigte sich mit der Frage der Tarif-Erneuernng. Der Vor- sitzende Kollege Zickert leitete die Versaniniluna ein mit dein Hiniveis darauf, daß sich diese Maßregel sehr nöthig mache, da in mehrere» Werkstätten überhaupt kein vom Fachverein auf- gestellter Tarif befinde und infolge dessen viele jüngere Kollegen gar nicht»vissen, was sie für die einzelnen Stücke zu verlangen haben. In der hierauf folgenden Diskussion waren die Mei» nungen sehr gethcilt, da der bis jetzt sich noch in Händen einzelner befindliche Tarif vom Jahre 1836 von feiten der Fabri« kanten nicht anerkannt ist. Nachdem einige Aenderungen daran vorgenommen»varen, beschloß die Versammlung 200 Exemplare des Tarifs drucken zu lassen. Alsdann folgte die Neuwahl des gesamniten Vorstandes, aus der folgende Kollegen als gewählt hervorgingen: Stoop, 1. Vorsitzender, Jähnert, 2. Vorsitzender, H. Fleischer, I. Schriftführer, Hense, 2. Schriftführer. Heideinann, I. Kassirer, Thiemann, 2. Kassirer, Janköwsky»md Thi'eß, Revisoren, Pohl nnd Schuchard, Beisitzer. Nach Erledigung einiger interner Bereinsangelegenheiten»vurde die Versammlung geschlossen. ttebev das KrankeuvevstchernngS-Gesetz, wie auch über das Jnvaliditäts- und Slltersversicheruiigs-Gesetz hielt der Rechts- amvalt Herr Dr. M a r c u s e am 15.' Mai in der freien Ver» einigung der Zeitnngsspediteure»»nd-Verkäufer einen lehrreichen Vortrag. An der Hand seiner Darlegungen fährte der Redner den Nachiveis, daß in betreff der Ainvendung des Krankenkassen- Gesetzes ans die Angestellten im Zeitungsspcditionsivesen ein Ziveifel nicht mehr bestehen könne; sobald Arbeiter länger als eine Woche in einem derartigen Beruf beschäftigt seien, unter- ständen sie auch diesem Gesetz. Das Jnvaliditäts- und Alters- versicherungs-Gesctz komme dagegen auf die Angestellten im Zcitnngsspcditioiis-Geiverbe nnr»,, soweit in Anwendung, als diese Personen ihre» Berus nicht alS Nebenbeschäftigung betreiben. An de>» Vortrag knüpfte sich eine lebhaste Debatte, an der sich die Kollegen Kleinert, Schönstein, Röster und Schäfer im Sinne des Referenten betheiliglen. Unter Verschiedenen»»vurde ein An- trag angenommen, in nächster Versammlung eine Kommisston zu wählen,»velche sich mit der Umgestaltung des Rechtsschutzes zu beschästige» hat. Zur Ausnahiuo meldeten sich: Herr Kirsch, Ritterstr. 107 und Herr Rettig, Jennstr. S. Der Kraiikcn-Niiterstützungö- und Begräbnißverein der Bau- und gewerblichen Hilfsarbeiter Berlins beschloß am 14. Mai in einer außerordentlichen Mitglieder-Nersammlung fast einftiminig, ein Stiftungsfest abzuhalten, und zwar, wenn mög- lich, Mitte August. Von der Wahl eines Festkomitees wurde Abstand genommen und die Leitung dem Vorstände übertragen. Ferner ivurde über eine Beleidigung,»velche ein Mitglied dem Verein zugefügt hat, diskntirt; durch die freie und offene Er- klärung des betreffenden Mitgliedes, daß es die Beleidigung zurnckiiimnit n»d dem Vorschlage der Versaunnlung nachkonimt. binnen 14 Tagen im„Vorivärls" eine Ehrenerklärung zu ver- öffenllichei», ivurde diese Sache als erledigt betrachtet. Außerdem »vnrde noch einem kranken Mitglied?,»vclches gegen 8 13 des Statuts verstoßen hat, durch Abstimmung das eimvöchcntliche Krankengeld inhibirt. Es muß immer»vieder daraus hingewiesen werden, sich strikte an das Vereinsstatut zu halten, uin solchen Unannehmlichkeiten aus dein Wege zu gehen. Die Arbeiter> Vildnugsschnle hatte am 14. d. M. eine öffentliche Versaunnlung in den Konkordia- Festsälen, Andreas- straße 64,»velche gut besucht»var. Herr Dr. Lütgenau hielt einen interessanten Vortrag über den Ursprung des Eötlerglaubens, an welchen sich eine kurze Diskussion schloß,»vobei von den Rednern der Anschluß an die Arbeiter-Bildungsschule befürivortet wurde. Das darauf folgende geinüthliche Beisammensein mit Tanz hielt die Theilnehmer noch lange beieinander. Eine amerikanische Auktion erzielte einen Ueberschuß von 4,40 M., welcher zu gleichen Theilen den» Wahlfonds und der Arbeiter-Bildungsschule überiviesen wurde. Im Berein zur Wahrung der Interesse» der Berliner Knopfarbciter sprach am 14. d. M. Herr Dr. Joel über:„Die moderne Naturanschauung". Der Redner erntete für seine Aus- führungen großen Beifall. Der Vorsitzende bedaiierte, daß die Versaminlnng gerade bei solch interessante»» Vortrag so schivach besucht sei und gab seiner Meinung dahin A»lsdruck, daß»veniger die»virthschastlichen Verhältnisse als die Jnteressenlosigkeit und der große Jndifferentismns daran schuld seien. Dann schritt man zur Wabl des 2. Vorsitzenden und eines Revisors. Gewählt »vurden Scroka und Haak. Auf Antrag wurden dem Ausschuß der Geiverbegerichts- Beisitzer(Arbeitnehmer) 20 M. überiviesen. Ferner»vurde beschlossen, an» 18. Juni eine Herrenpartie nach dem Grnncivald zu machen, und Ende Inn» eine öffentliche Ver- sammlung mit Frauen abzuhalten. T«r TvrtcftOf rein der Tiuckateure Berlins mid Uiugegend bielt nm IS. Mai seine regelmäßige Mitgliederversammlung ab. Tieselbe war schwach besucht, und konnten aus diesem Grunde die einzelnen Punkte der Tagesordnung nicht erledigt werden. Zum Schluß wurde der Antrag angenommen, der bevorstehenden Reichstagswahl halber die nächste Versammlung aussallen zu lassen. Die 5kollegen wurden aufgesordert, sich rege an der Wahl zu betheiligen. Zuschriften und Anfragen sind von jehl ab zu richten an Liollegen Kossinski, Bartelstr. La. Die Freie Vereinigung der Getreidetriiger und Speicherarbeiter berieth am 14. Mai über die Frage: Ist der Beschluß der Generalversammlung vom 9. April aufrecht zu er- halten? Nach längerer Diskussion wurde der von Schlößner ge- stellte Antrag, der Agitalionskommission der Geschäftsdiener, Packer ec. den Betrag von L0 M. zu bewilligen, von der Ver- sammluiig abgelehnt. Hierauf wurde für das Stiftungsfest ein aus 9 Mitgliedern bestehendes Komitee gewählt. Nachdem noch zur Einsichtnahme der Wählerlisten aufgefordert worden war, erledigte die Versammlung noch einige Bereinsangelegenheiten. Neinicfeiidorf. Am 14. Mai hielt der Arbeiter- Bildungsverein für Reinickendorf eine Vcrsamm- lung ab, in welcher Knauf über den Kamps gegen die Sozial- demokratie reserirte. Der Redner erntete reichen Beifall. An der Diskussion, in welcher hauptsächlich die Wahlorganisation im Kreise Nieder-Barnim besprochen wurde, betheiligten sich mehrere Genossen in« Sinne des Referenten. Zu Verschiedenem stellte Knauf den Antrag, die nächste Vereinsversammlung der Wahl- bcwegung wegen ausfallen zu lassen. Dieser'Antrag wurde einstimmig angenommen. Darauf wurden die Genossen aus» gefordert, die Wählerlisten rechtzeitig einzusehen. Zum Schluß wurde bekannt gemacht, daß am 1. Feiertag in Böttcher's See- schlößchen ein von der Liedertafel Weiße Rose arrangirtes Früh- konzert stattfindet, dessen etwaiger Ueberschuß dem Arbeiter- Bildungsverein überwiesen werde. Die Versammlung schloß mit einem Hoch aus die Sozialdemokratie. Jiummelsbnrg. Am Freitag fand hier in Borchinann'S Lokal eine Wählerversanimlung statt. Die den Saal dicht ge- drangt süllenden Zuhörer begleiteten mit stürmischen Beifalls- rufen den Vortrag unseres Genossen Stadt Hagen, und nahmen eine Resolution an, durch welche sie sich zu kräftiger Agitation für die ReichStagswahl und für die sozialdemokratischen Ziele verpflichteten. In der Diskussion meldeten sich als Gegner ledig- lich einige Unabhängige aus Berlin. Ihre lang ausgesponnenen Darlegungen stellten die Geduld der Zuhörer auf eine harte Probe.'Aus den Hinweis, daß es auffalle, daß sie in bürger- lichen Versammlungen sich nicht zeigen und daß sie mühelos das Recht preisgeben wollen, zu dessen Entreißung die Bonr- geoisie alle Kräfte ansetze, ivurde ihrerseits erwidert, daß sie nur in sozialdemokratischen Versammlungen nach ihrer Art agitircn wollen. Darauf wurde ein von Stadthagen befürworteter Antrag dahin angenommen, in Wähler Versammlungen denen, die überhaupt gegen Be- t Heiligung an der Wahl sind, allerdings den Zutritt, nicht aber das Wort zu gestatten. Die lediglich der Schädigung der Ar- beitcrinteressen dienenden langathmigen„unabhänigen" Dckla- «Nationen gehören so wenig zur Sache in Wä h lerversainm- lungen, als etwa Sprachübnngen über Kleister in eine Debatte über die Militärvorlage. Schließlich«vurde ein ans ö Genossen bestehendes Loknl-Wahlkomitce gewählt und die Versammlung nach 12 Uhr Mitternachts geschlossen. Köpenick. Ter hiesige Arbeiterverein hatte am 16. d. Mts. seine Vereinsversaminlung im Lokale des Hrn. Held. Th. Mehner hielt einen beifällig ausgenomnienen Vortrag über das Thema: Was lehrt lNls die Schule,«vas lehrt uns das'Leben? Es wurde dann zur Einsichtnahme der Reichstags-Wahllisten aufgefordert, «velche von» 16. Mai an ausliegen. Rachdem noch die Lokalsrage erörtert war, theilte der Vorfitzende niit, daß die nächste Ver- fammlnng an, 20. Juni im Lokal« des Herrn Schulz stattsindet. Kiterarisches. Di« Thätigkeit deS deutsche» NeichStags von 18KZ. Mit einem Anhang. Preis 20 Pf. Berlin 1893. Verlag der Erpeditio» des„Vorwärts". 176 Seiten. Dieses soeben erschienene Schriftchen lönuen«vir nur ans das«värinste einpfchlen. Allen denen, die agitatorisch in den Wahlkamps eintreten, ist die äußerst«vohlfeile, handliche und übersichtliche Broschüre ein vortrefflicher Leitfaden. Das Büchelchen, daS in volksthümlicher, knapper. Darstellung die parlamentarische Geschichte der letzten drei Jahre bietet, giebt über die brennenden Fragen, um die es sich jetzt handelt, sachkundigen und sachlichen Ausschluß. Militarismus, Zölle, indirekte Steuern, Eozialresorm, moderne Produktion und Handwerk, das Wahlrecht, die bürgerlichen Parteien, die Sozialdemokratie«verde«, gut und schlagend abgehandelt. Was der verflossene Reichstag gesetzgeberisch„geleistet", wie er zu den politischen Rechten und zum Arbeiter- schütz Stellung genommen, die Materien der Versicherungs- gesetzgebung u. f. w. werden erörtert. Sehr nützlich ist auch der'Anhang, über die Kontrolle der Wahlen seitens unserer Genoffen, Über die gesetzlichen Vorschriften betr. des Wahl- rechts, über Agitation(Flugblattvcrthcilung, polizeiliche Uebergriffe u. s. w.), bündigen Ausschluß giebt, gestützt ans die Entscheidungen des Reichstages. Zun« Schluß sind Wahlgesetz ui«d Wahlgesetz- Reglement abgedruckt. Wir empsehlen die Broschüre, die größte Verbreitung ver- dient und schon wegen ihres»vohlfeilen Preises für den Massenvertrieb geeignet ist. Jeder Wähler, der sich politisch bethätigt, möge von dieser schneidigen Waffe Gebrauch machen. Sozialpolitisches Zcntralblatt, herausgegeben von Dr. Heinrich Braun(CarlHegmanns Vcrlagin Berlin, vierteljährlich 2,59 M.) Die soeben erschienene Nr.'34 hat folgenden Inhalt: Zur Dienstboteufrage. Von I. S i l b e r u« a n n.— Statistik der jugendlichen und ivciblichen Arbeiter in Bayern.— Zur Statistik des Arbeitsnacknveises iu Stuttgart.— Die über- seeische Auswanderung über deutsche Häfen im April 1893. — Zur Zwangserziehung verivahrloster Kinder in Preußen. — Laildivirthschaftliche Arbeit iu den Vereinigten Staaten von Amerika.— Zur Methodologie der Haushaltsstatistik. Von Pfarrer Dr. E. H o fman«i.— Arbeitslosigkeit im Münsterlande. Von Pnvatdozeul Dr. Karl O l d e n b e r g. — Der durchschnittliche Jahres-Arbeitsverdieust erivachsener land-««««d forillvirthschaftlicher Arbeiter in Deutschland.— — Städtische Arbeilerverhältnisse in Mainz.— Zur sozialdemokratischen Bewegung in England.— Streikbewcgnnge» in Wie».— Englische Geiverlschastsstatistlk— Ende des Tockardeiterstreiks i» Hnll.— Zur Beschränkung der Arbeit jugendlicher Arbeiter und Frauen in Oesterreich.— Zur Be- schästignng schnlpflichtiger Kinder bei öffentliche» Bor- ste lluiigc».— Zur'Arbeitslosenversichernng in Zürich.— Die Berlisiverhällnisse der rnssischen Frauen. Aon S. Wer- b l«« n s k i.— Frauentag ,» Wiesbaden.— Lan-Ordnungen für städtische In- und Außenbauten.— Gesetzentwurfs be- tressend die Wohnungspflegs in Hamburg.— lieber Zustände der Schnlvenvaltmig in Preußen.— Literatur: Jastroiv, Drückt die Militärlast? Ter russische Bauer. Von Stepniak. lleberseht von Viktor Adle r. Stuttgart, bei I. H. W. Dietz. 1393. Gedichte für jüdische Christen und christliche Inden. Ein Blumenslrans! den Antisemiten, gebunden von Otto Wichers von Gogh. Wytikoi»-Zürich 1893. Schilde's Verlagsanstalt. DviefhaVeu vev NedsKttan. L. W. Pr. Noch nicht druckreif. Gruß! Striesen- Dresden. Wenn Striesen und Strehlen bisher zum 6. sächsischen Reichstags- Wahlkreise gehört haben, so ver- bleiben sie auch diesmal bei diesein Kreise,«veil eine r e i ch s- gesetzliche Abändening der Wahlkreise nicht erfolgt ist. Die von Ihnen envähnte angebliche amtliche Bekanntmachung des Dresdener Magistrats,«vonach Strehlen und Striesen diesmal mit dem S. Wahlkreise verschmolzen sein sollen, erscheint uns daher ungesetzlich, und wir rathen Ihne», sofort beim Ministerium Befchiverde zu führen. Eine etwaige kommunale Einverleibung der Vororte bebt,«vie das Beispiel Leipzig zeigt, die Reichstags- Wahllreiseintheilung nicht aus. kiurfürstcustraße. Reichstags-Abgeordnete erhalten kein Gehalt, keine Diäten. Reserve-»»d Landwehriibung sN. B. 553 und andere). Die Familien der ans der Reserve oder Landivehr zu Friedens- Übungen einberufenen Mannschafte» erhalte» nur aus Ver- langen aus öffentlichen Mitteln Unterstützungen. Durch Ge- «vährung dieser Unterstützungen geht das Wahlrecht nicht ver- loren. Der Anspruch auf Unterstiitz«lng«nuß bei der G e- uieindehörde(nicht Bezirkskommando oder dergl.) desjenigen Ortes angebracht werden, an»velche«,« der Einberufene zur Zeit des Beginns der Uebung seinen gewöhnlichen Aufenthaltsort hat und erlischt,«venn der Anspruch nicht spätestens binnen vier Wochen nach Beendigung der Uebung geltend gemacht ist. Ein derartiges Gesuch lautet etiva dahin:„An die Gemeindebehörde (Magistrat, Gemeindevorsteher u. dergl.) Hierselbst. Vom..... bis..... bin ich als Landivehrmam« einberufen. Ich bin ver- heirathet und habe.... Kinder. Hiermit beantrage ich mir die volle gesetzliche Unterstützung für die Dauer der Uebuugszeit zu gewähre««/' Die täglichen Unterstützungen betragen: für die Ehe- srau 30pCt., für die Kinder je 10 pCt., nie aber über 60 pCt. des ortsüblichen Aufenthaltsortes des Einberufenen. 2. Auch derjenige, der das 32. Lebensjahr überschritten hat,«vird zur Uebung herangezogen, falls er die Dienstpflicht nicht mit 20 Jahren begonnen hat. 3. Irgend«velche Atteste(Geburt-- scheine u. dergl.)«n üssen den» Gesuch nicht beigesügt«verde««. A. F. Sie haben,«vie es scheint, 2 Wohnsitze, können also in Köpenick wählen, müssen aber dafür Sorge trage««, daß Sie in der Wählerliste eingetragen sind— Fristablauf 25. Mai. W. Crcfeld. Sie sind nicht wahlberechtigt, da Sie Armen- Unterstützung erhalten haben. 12. Ziehung der 4. Klasse 188. Königs. Preuß. Lotterie. Zlehnug Dom 20. Mai«803, BormittagS. Kur die Geuiluiie über 210 Mark sind den beirehcndeu Nummer« in Barmlhese beiacfiigl. tObne Gewähr.) 60 117«58 50t 606 60 IZ000I 735 918 46 82 1121 274 76 424 713 843 53 HöO 2)21 149 496 504 7 41 73(50(,0) 776 939 8034 139 364 84 439 542 608 33 943 929 52 4)75 79 297 3:1 513 95 633 41 42 77 723 821 5037 238 464 74 5i)0 756 92 810 12 75 939 79«303 93 317 50 661 720 900 7002 14 127 61(500] 267 410 1500 54 59 66 94 633 823 960 8012 21 117 26 64 74 280 430 515 öl 771 90 963 89 9125 «21 522 651 770 10062 162 291 458 65 591(15001 783 802 44 11038 403 44 76 224 339 432 87 ö'ö 638 1500] 30 756 75 13001 811 1*036 52 73 181 395 461 1151)01 674 739 42 835 932 13145 325 30 81(15001 82 4 5 69 541 64> 803 28 33 965 1 4104 337 545 700 1 913 65 15039 128 30 39 71 352 90 768 130001 803 91 902 1 6021 38 59 117 216 39 44 347 423 68 537 743 847 17121 37 462 514 88 601 742 1»013 104 52 327«18'29 60 727 804 192.12 757 824 *«063 216 60 503 663 910 24 42 50 91030 144 50 70 312 469 70 600 671 716 823 75 937**133 215 417 69 544 610 723 844*6017 138 370 546 636 66 962*4019 53 211 325 98 520 40 733 41 4t 1300] 876 907 25066 07<50 81 96 215 88 11500) 303 530 83 Uli 712 16 31 33 858 69 915 20154 222 48 54 65 332 416 76 608 43 1500) 772 936 27106 59 315 409 513 35 90 725 63 84(300] 885 13J0J) 976 13001*8294 302 859 945»9369 462 537 82 611 14 738 56 1300] 880 970« »«Sil 65 777 830 45 58 985 92»1260 83 316 54 56 67 90 538 72 910 69»*»11 78 611 37 738 78 84 806 919»»172 299 320 401 883 11500) 921 43 62 1500)»1045 92 119 50 oll 300(15001 12 33 432 627 713 979»7.013'.6 237(300) 385 827 93 t 74 80082 126 60 345 73 92 651 722 80 826»7015 133 473 1.00) 611 99 763 97 817 »8012 173 200 20 309 21 29 420 47 635 740 854 9j4 26»9088 357 400 90 516 46 933 1500) 4«J41 183 461 500 45 6)0 7 51 730 40 76 841 937 42029 37 172 241 410 36 66 509 642 733 1500) 890 4*)48 74 2»! 69 739 77 43103 90 223 32 478 728 89 8)5 37 92 952[30001 44075 123 43 377 13000) 453 74 721 53 97 8)7 957 45078 202 42 43 66 332 476 505 618 11500) 60 802 940 40108 222 62 317(1500/ 500 26 6 ,1 65 9« 753 90 839 946 91) 47432 sl) 517 676 96 734 855 48017 95 134 46 285 875 405 43 519 II« Ott«) 02 605 83 700 71 965 49202 43335 188 04 13000, 731 5« 121 289 322 610 43 51009 172 274 90 302 53 436 997 5*500 201 20 36 326 85 6-2 53 87 t 77 83 921 84 5»0S9 lOo.-7 219 336 569 87 662 67 82 hiü 64 905 24 33.1 5403t 15, 262 305 82 446 63 l 30001 69 537 88 677 723 00 82- 54 82 98 55025 294 512 150,) 80 621 724 55 966 50021 93 241 4„8 64 609 92 745 1350) 6.- 954 5 7034 108 44 4-«<55 1 266 73 418 2. 41 751 57 808 24 583.8 42 78 loO,] 91 458 703 928 86&U111 64 76 94 290 427 5'JO 9/ 6od 708 46 95 848 1350) 950 54 ««677 702 43 949 01103 62 269 331(30001 613 603 35 722 822 44[loOOJ 0* 12 152 89 267 68 ,-3 530 53 65 6 ,4 723 878«»017 137 43 390 406 45 53 69 580 6o2 727 79 850«40 ,3 118>0 229 7'J 337 63 435 60 636 52 759 928«5017 126 33) 602 29 706•14 983«60-6 55 110'203 35 7 9 301 4 7 12 44 13005/ 63 439 06 520 47 6 43 761 844 966 OJül'i 84 112 96 263 78 86 430 084 705 71 854 1300/ 932 94 08036 loa 93 243 187 115>/0) 597«9165 99 209 36 319 81 17,05/ 456 57 94 6*4 7ÜOJ9 143 66 J 730 921 64 7Io3) 15! 245 374 85 449 510 86 811 1305) 20 919 04 7*092 209 32 539 87'.'7 724 7.181 207 339(500) 4) 03 538 782 875 74ol2 34 94 370 413 568 87 l.000/ 622 49 be/re/fe/ideii Num/nerii ii. 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Als vorzügliche Agitationsmittel für den bevorstehenden —= Wahlkampf~ empfehlen wir den Parteigenossen folgende Erscheinungen unseres Verlages: tadpife uli Iniittiiiigdi d» SiMmMie. Erläuterungen zum Erfurter Programm von Iiai>I Asutslr» und vnuno SoliSnIsnIr. Groß-Oktav 64 Seiten. Zweite durchgefrliene Auflage. Preis geheftet 10 Pf., in Partieen zum Massenvertrieb Rabatt. Im ersten Thcil ist die P r i n z i p i e n- E r k l ä r u n g des Programms behandelt. In den Kapiteln— Kleinbetrieb und Großbetrieb, iiapi talist und Proletarier, Privatmonopol und Staatsmonopol, die Erhebung des Proletariats, der Sozialismus — sind die grundlegenden sozialdemokratischen Lehrsätze populär- wissenschaftlich niedergelegt, während im zweiten Theil unsere Programm-Forderungen, die von dem klassenbewußten Proletariat als Mittel aufgefaßt werden, um das schlicßliche Ziel, die sozialistisch organisirte Gesellschaft, zu erreichen, er- läutert sind. Es handelt sich bei dieser Broschüre darum, allen Parteigenossen, die sich in den Dienst der Partei-Organisation gestellt haben, den„ M a s s e n- B e r t r i e b" besonders zu empfehlen, da mit dieser Schrift die Möglichkeit gegeben ist, immer neue, ungezählte Anhänger für unsere gemeinsame Sache zu gewinnen. Der Preis ist aus dem Grunde so niedrig gestellt worden. Sozialpolitisches Handbuch. Von Hr. H. Iiiix-Magdeburg. Groß Oktav, XX und 336 Seiten mit einer Tabelle: Vergleichende Zusammenstellung der Arbeiterschutz-Bestimmungen in den einzelnen Ländern. P»'«i»» twoschirt 1,50 M., in Kädeckrrbnnd geb. L M. Auch in Lieferuugr» ä 30 Pfennig. 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In einem Anhange dazu»Verden das Wahlgesetz nebst Reglement sonne die Entscheidungen der Wahlprüfungskommission beigegeben werden. Das Schriftchen»vird ferner Winke für die Agitation, vor allen» auch für die Flugblattvertheilung auf dem Lande, enthalten, und somit jedem Reichstagswähler ein will- kommenes Handbüchlein für den jetzigen Wahlkampf sein. Parteigenossen! Benutzt und verbreitet das oben ange- kündigte Schriftchen fleißig, es wird in diesem Wahlkampfe »vesentlich dazu beitragen, die Genossen unseren Gegnern gegen- über schlagfertig zu machen und die Arbeit der Agitation zu erleichtern. MF~ Wir ersuche»» um sofortig« Angab« des Bedarfes."WS Alle Buchhandlungen, Kolporteure und Zeitungsspediteure nehmen Bestellungen entgegen. Bei Austrägen von außerhalb er- suchen wir um gleichzeitige Einsendung des Betrages(Porto ejstra). H. Richter, Wk-r, |Berlin, C. Spittelmarkt,(Wallstr. 1) und Weinbergsweg 15b, nahe am Rosen thaler Thor. 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