Ar. 305. HbonnementS'Bedinsungen: Abonnements- Preis pränumerando i Licrtcljährl. ZLo Ml, monatl. 1,10 Ml, wöchentlich 2S Pig. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Psg, Sonntags- nummcr mit illustrierter Sonntags. Beilage„Die Neue Well" 10 P,> Post. AbonncinenU l,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitunas. Preisliste. Unter Kreuzband für Teutschland und Oesterreich° Ungarn ll Mark, für das übrige Ausland z Marl pro Monat. Postabonnements „ebmen an: Belgien, Dänemark, Holland. Italien, Luxemburg, Portugal, »umänien, Schweden und die Schweiz. Cfltfitint iZgiich außer filontaai. 36. Jahrg. T. Verlinev Volksblakt. vie Iilleriionz-eedtihr beträgt für die sechsgespaltenc Kolonek- zeile oder deren Räum SO flfg, SS; politische und gewerlschastliche Vereins- und Versanimlungs-Slnzeigen SO Pfg. „Aleinc Hnzcigcn", das erste(fettgedruckte) Wort 20 Pifl., jedes weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlaf- stcllen-Anzeigen das erste Wort 10 Pfg, jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ift bis? Uhr abends geöffnet, Telegramm-Adresse: „SozlaliUiMHrat Rcrlin". Zentralorgan der Ibzialdemokrati fchen Partei Oeutfchlands. Redaktion: 8M. 68» Lindcnstrasse 69, Fernsprecher: Amt IT, Nr. 1983. Freitag, den 31. Dezember 1909. Expedition: 8M. 68, Lindcnstraes« 69. Fernsprecher: Amt IT, Nr. 1981. Der Hufruf der vier Bergarbeiter' Verbände an die Bubrbergleute. Aus dem Ruhrbecken wird uns geschrieben: Am vergangenen Dienstag hat eine Konferenz der Vor- stände der vier Bergarbeiterverbände im Ruhrbecken beschlossen, den Kampf gegen den Zwangsarbeitsnachweis der Zechen- besitzer in energischer Weise fortzuführen. In einem in- zwischen durch die Presse bekannt gewordenen Aufruf der Vorstände an die Bergarbeiter werden kurz die Gründe dargelegt, die die Verbände veranlassen, selbst nicht vor dem äußersten Mittel, dem Streik, zurückzuschrecken, um so die Mitwirkung der Verbände in der Frage der Arbeitsvermittelung im deutschen Bergbau zu erzwingen l Die Konferenz glaubte, wie der Aufruf zeigt, trotz der bekannten Erklärungen und Einschränkungen des Zechenverbandes in der Frage des Zwangsarbeitsnachweises, die Befürchtungen, die die Verbände und somit die Bergarbeiter an dieses Institut knüpfen, nicht fallen lassen zu dürfen. Die Spuren, welche die schon vor- handenen Arbeitgeberarbeitsnachweise im Wirtschaftsleben ge° zeichnet haben, schrecken. Die Vorstände der Verbände haben in ihrem Auftuf gleichfalls einen Appell an die unorganisierten Bergarbeiter ge- richtet, mit Rücksicht auf die Auszahlung von Unterstützungs- geldern an die Streikenden sich den Verbänden anzuschließen, und schließlich haben sie gebeten, den Zuzug von Arbeitern in das Nuhrrevier streng fernzuhalten. Der Aufruf zeigt uns. wie e r n st und kritisch die Vorstände der Bergarbeiter- organisationen die durch die Zechenherren geschaffene Situation betrachten. Wenn es nicht schon in den nächsten Tagen zu einem Streik kommen wird, so liegt das an den Gründen. wie wir sie jüngst schon im„Vorwärts" dargelegt haben. Sobald die Zeit günstig für einen Streik ist. wollen die Berg- arbeiter zeigen, daß man sie auch nicht in der Frage der Tirbeitsvcrmittelnng wie kleine Kinder behandeln kann und darf. Man hat gesagt: W e n n der Zechenverband seinen Ar- beitsnachweis loyal handhabt, läge für die Bergarbeiter lein Grund zur Aufregung vor! ja, es sei frivol, das Streik- gespenst an die Wand zu malen. Wie wir aber sehen, stehen die Bergarbeiter dem Wenn sehr skeptisch gegenüber. Ab- gesehen davon, daß die Bergarbeiter- bisher nicht die besten Erfahrungen mit den von Grubenbesitzern abgegebenen „loyalen" Versprechungen gemacht haben, wollen wir hier feststellen, daß die Zechenherren und ihr Verband auch garnicht daran denken, den Arbeitsnachweis so zu handhaben, wie cS sich die breite Oeffentlichkeit denkt und wünscht. Das zeigt uns allzudeutlich die vor kurzem abgeänderte Satzung des Zechenverbandes. Diese abgeänderte Satzung iveist in seinen einzelnen Bestimmungen gegen, das frühere— im Ansang des Jahres 1908 beschlossene Statut eher Verschlimmerungen als Verbesserungen auf. Nach der neuen Satzung wird auch der Arbeitsnachweis nWter die Kontrolle des Zechenverbandes gestellt. Der Zechenverband hat dann in der neuen Satzung Bestimmungen über den Arbeits- Nachweis getroffen, die nicht in dem be» sonderen, zur öffentlichen Kenntnis ge- langten Statut) den Arbeitsnachweis be- treffend, enthalten, sind!!! Die Zechenherren wissen auch, warum sie nicht alles in den Bestimmungen über den Arbeitsnachweis offenbarten. Die neue abgeänderte Satzung liegt im Original vor uns. Aus ihr geht hervor, daß der Zechenverband wie früher die Wahrung der gemeinsamen Interessen der Zechen in Llrbeiterfragen bezweckt; ferner beziveckt er die Ein- richtung und Unterhaltung eines Arbeits- Nachweises. Der Zechenverband ist mit der Gnrichtung Vs Arbeitsnachweises einer Eingebung der bekannten Zentral- stC«c deutscher Arbeitgeberverbände gefolgt. Ächtglicd des Zechenverbandes kann ein Werk erst dann werden.>zenn es sich schriftlich verpflichtet, den Satzungen und den geH,ßß den Satzungen ergehenden Anordnungen des Verbandes Fc�e zu leisten, auch die zur D urchführung des A r b e i t s lig ch w e i s e s festgesetzten Bestimmungen inne zu halten. Das Werk unterwirft sich damit gleichzeitig allen von den Vcrbandsorganen früher gefaßten und noch gültigen Bestimmungen, soweit ihm davon Kenntnis gegeben ist. Selbst- verständlich ist auch die Frage des Arbeits- Nachweises Gegenstand früherer Beratungen und Gegenstand besonderer, bis jetzt noch unbekannter Beschlüsse gewesen. Diese Beschlüsse werden wie diejenigen über die Frage, wer als„aus- si ü n d i g e r Arbeiter" zu betrachten ist, in b e- sonderen Anlagen schriftlich oder gedruckt festgelegt und den einzelnen Mitgliedern und vielleicht auch den kommenden Arbeitsnachweisburcaus zur Kenntnis- nähme unterbreitet. Weiter heißt es in der neuen Satzung des ZecheuvcrbandeS wie früher, daß ein Werk aus dem Zechenver bände ausgeschlossenwerden kann. w e n n e s sich den Bestimmungen über den Arbeitsnachweis nicht unterwerfen will! Koinmtes auf einem Werk zum Streik, so ist hierfür die stuhere Bestimmung stehen geblieben, daß während der --aiier c i n e s A u s st a n d e s auf e i n e m V e r b a nd s- werke und während dreier Monate nach Beendigung des Ausstandes kein Arbeiter dieses vom Aus stände betroffenen Verbands- Werkes angenommen werden darf, für die gleiche Zeit darf ein vom Ausstand betroffenes Werk keinen Arbeiter von einem anderen Verbandswerk annehmen. Durch Beschluß des Vorstandes kann diese Aussperrung, während und nach einem Streik auch auf andere Bergbaubezirke aus- gedehnt werden. Auch die sogenannten Unternehmer— die auf Gruben auf eigene Rechnung arbeiten— werden zur Jnnehaltung vorstehender Bestimmungen verpflichtet I Wer zuwider handelt, wird, wie nach der alten Satzung, mit bis zu 1000 Mark Geldstrafe bedacht! Aus den zuletzt angeführten Bestimmungen ergibt sich, daß wegen Streiks ausgesperrte Arbeiter während des Streiks und drei Monate nach dem Streik Arbeit auf Verbandswerken nicht erhalten sollen. Es bleibt also beim alten: streikende und ausgesperrte Arbeiter erhalten keine Arbeit! Und daß die Aussperrung gründlichst befolgt wird, dazu erteilt der Vorstand des Zechenverbandes dem Arbeitsnachweis die nötigen Anweisungen. Es gab früher Betriebsführer, die sich nicht an die schwarzen Listen kehrten, jetzt aber sollen Beamte des Zechenverbandes in den Nachweis- stellen über diese früher noch obgewalteten Gewissensbisse und Menschenfreundlichkeit hinweghelfen. Das Werk, das nicht mitmacht, wird mit bis zu 1000 M. Geldstrafe bedroht. So wird die versprochene loyale Handhabung der Arbeitsnachweise in Wirklichkeit aussehen. Es bleibt dabei, der Zwangsarbeitsnachweis wird ein Matzregelungsbureau werden, nur wird es zwischen den durch Aussperrung aus der Arbeit herausgeworfenen und durch Streik kontraktbrüchigen Arbeitern einer- seits und solchen Arbeitern anderer» seits, die in Friedenszeiten„kontrakt- brüchig" geworden sind, einen Unterschied machen! Erstere werden auf viele Monate, vielleicht für immer, die letzteren auf sechs Wichen(gegen früher sechs Monate) ausgesperrt I Und dann wagt man noch in der Antwort des Zechenverbandes auf die Ein- gaben des Bergarbeiterverbandes auf Be- seitigung des Zwangsarbeitsnachweises hin zu schreiben, daß dieser sich nicht gegen die Organisation der Arbeiter richten soll! Nach der Satzung kann der Zechen- verband noch verschärfte Anweisungen den Nachweisbureaus erteilen, was er, wenn nötig, auch nicht umgehen wird. Die Verpflichtungen des Arbeitsnachweises zeigen uns die g r 0 tz c n G e f a h r e n, die in dieser Einrichtung liegen. Wie auch die Grubenbesitzer handeln mögen, ob sie aus Großmachtskitzel Aussperrungen vornehmen, ob sie durch schlimmste Bedrückung der Arbeiter einen Streik provozieren, alles das ist gleichgültig. Die bestreikten Werke werden durch den Zechenverband laut seiner Satzung kräftig unterstützt und der Arbeitsnachweis wird als Kampf- mittel ersten Ranges den Zechenherren zu dienen haben. Nur Ignoranten, verstaubte Bureau- kraten und Staatsmini st er können sich von den Zechenherren düpieren lassen! Die Berg- arbeiter wissen, was sie von den letzteren zu halten haben und jeder verständige andere Mensch auch. Die Vorstände der vier Bergarbeiterverbände haben darum mit Recht die Bergarbeiter zum Wider st ande gegen das Unterdrückungsinstitut aufgerufen, das zu einer großen Gefahr für die gesamte Bergarbeiterschaft auswachsen muß und schließlich für das gesamte Wirtschafts- leben. Wird da nicht der Kampf gegen das Institut zu einer Pflicht der Bergarbeiterschaft? Nicht anders kann es sein I In der Frage der Arbeitsvermittelung wollen die Berg- arbeiter nun einmal ein Wörtchen mitreden. Sie wissen so gut wie andere, daß derjenige, der den Arbeit s m a r k t beherrscht. auch die Regulierung der Lohn- und Arbeitsbedingungen in den Händen hat. Heute be- herrschen die Werksherren den Arbeitsmarkt im Bergbau. Was das bedeutet, zeigt uns der Raubbau, den sie an der Arbeitskraft des Bergmannes betreiben, zeigen uns die unsäglich traurigen Unfall- und Krank heits- zifsern im deutschen Bergbau und die Herab» drückung deS Lebensalters der Bergsklavcn! Wie kann nian da den Bergarbeitern das Recht abstreiten, wenn sie als Vertragskontrahcnten auf dem Warenmarkt der Arbeit bei Verwendung und Bewertung ihrer Arbeitskraft nicht ausgeschaltet sein wollen, wie das heute noch der Fall ist. Mit dem jetzigen Zustand muß sobald wie möglich aufgeräumt Iverden. Nicht die Lust zum Streik vcranlaßte die Bergarbeitcrsührung. ihren Aufruf in die Welt zu schicken. Es gilt, das heiligste Gut, die Arbeitskraft gegen unmenschlichen Raubbau zu schützen; es gilt, die Persönlichkeit zu wahren! Darum verlangen die Verbände Mitwirkung in der Frage der Arbcitsvermittelung. was am besten dadurch geschieht, daß die Grubenherren end- lich die Bergarbeiterorganisation anerkennen. Wenn nicht, dann wird um den Preis der An- erkenn ung der Be r g a r b e i t e r 0 r g a n i sa tion der Kampf zur Pflicht aller Bergarbeiter. Möge darum der Aufruf die gewünschte Wirkung bei den Berg- arbeitern hervorrufen und bei allen Menschen, die über Recht und Unrecht noch ihr Unterscheidungsvermögen behalten haben und dadurch zu Freunden der Bergarbeitersache geworden sind. Än„HMoriicher" Prozeß. Aus Wien wird uns geschrieben: Nach zwölftägiger Dauer ist der Ehrenbeleidigungsprozetz, den die kroatischen Landtagsabgeordneten gegen den Historikter Dr. Heinrich Friedjung vor dem Wiener Schwurgericht angestrengt hatten, mit einer Erklärung des Angeklagten zu Ende gegangen, die eine regelrechte Zurücknahme seiner Beschuldigungen war. Daß hierauf die Kläger die Anklage zurückzogen und die Angeklagten— neben dem Geschichtsschreiber war auch der Sitzredakteur der christlichsozialen „Reichspost" angeklagt— freigesprochen wurden, ändert nichts daran, daß der Prozeß mit der unverhüllten Blamage Friedjnngs und mit einer Brandmarkung seines Inspirators, des glorreichen Aehrenthal, ab- geschlossen ward, an die beide Herren noch lange zurückdenken werden. Dabei hat man auch in die Hexenküche der Diplomatie einen Blick tun können, der die unsauberen Treibereien dieses Handwerks auch dem Uneingeweihten entschleiert hat, so daß für die Folge jedermann wissen wird, was er von den Prahlereien dieser Herrschaften zu hallen habe. In jeder Hinsicht war der„historische" Ehreubeleidigungs- Prozeß also eine lehrreiche Sache. Herr Friedjung, der über die moderne Geschichte Oesterreichs manche gute Bücher geschrieben hat, leidet an einer verblendeten Vorliebe für Herrn von Aehrenthal. und in dem Reigen seiner publizistischen Lobklatscher ist er der Stimmführer, dessen der« herrlichendes Urteil doppelt geschätzt wird, weil es das Ansehen deS Gelehrten trägt— obwohl man schon erfahren hat, daß selbst die bedeutendsten Historiker für die augenblickliche Politik nur ein ge- ringes Verständnis offenbaren. Als nun, nach der Annexion, der Konflikt mit Serbien entbrannte und Ocsterreich-Ungarn vor der Gefahr eines Krieges mit den exaltierten Serben stand, veröfsent- lichte Friedjung im Auftrage Aehrenthals in der„Neuen Freien Presse" einen Artikel, der die Schuld Serbiens gleichsam vor Europa festzustellen und zu beweisen hatte, daß Serbien für die unglückseligen Verwickelungen die Verantwortung zufalle. Insbesondere die Hetzereien Serbiens im Innern der Monarchie fönten aufgedeckt werden, und Zwar berief sich Friedjung zum Er- weise dieser„Anstiftung zum Hochverrat" auf einen Bericht des serbischen Sektionschefs Spalajkowitjch an den Minister dcö Aeußern über seine„Agitationsfahrten" auf ungarischem Boden. Danach hätte der serbische Sektionschef mit einem Mitglieds der serbisch- kroatischen Koalition eine Unterredung gehabt, dem er, der Vertreter der serbischen Regierung, die„Erfüllungen der Ver« pflichtungen, die sie übernommen, zusagte"; aus das Drängen des Abgeordneten aus Kroatien habe er ihm überdies eine Subvention von 12 000 Franken zugesagt; und drohend wird in dem „historischen" Artikel erklärt, wenn die serbische Regierung„irgend eine dieser Angaben bestreiten würde, so könnte ihr mit näheren Einzelheiten gedient und die Namen bestochener Abgeordneter wie die Summe genannt iverden, mit denen sie an« den Geldern der serbischen Regierung beteilt wurden". Die Wirkung dieses Artikels. der so deutlich die offiziöse Marke trug und dabei als geschichtliche Enthüllung auftrat, war doppelter Art. Der serbische Sekiionschef stellte in einer Zuschrift an die„Neue Freie Presse" seinen angcb- lichen Bericht rundweg in Abrede und erklärte sich bereit, sich dar» über der Prüfung und dem Urteile eines unparteiischen Schieds- gerichts zu unterziehen und die Abgeordneten der serbisch- kroatischen Koalition erhoben gegen Friedjung(wie gegen die „Reichspost", die mit gleichen„Enthüllungen" schon ein paar Monate vorher aufgetreten war) die Ehrenbeleidigungsklage. Die kroatisch-serbische Koalition hat ihren Namen dackon, daß sie dem uralten Streite zwischen Kroaten und Serben, den zwei Nationen, die die gleiche Sprache sprechen und deren Gegensatz nur in der Reljgion besieht(die Kroaten sind katholisch, die Serben orthodox), ein Ende gemacht und das gesamte Land aus die Platt- form einer vernünftigen politischen Entwickelung, insbesondere auf die Erkenntnis von der Notwendigkeit einer durchgreifenden Wahlreform, geeinigt hat. Entstanden ist die Koalition als eine oppositionelle Bewegung gegen daS von den früheren ungarischen Herren gestützte Gewaltregiment Khnen-Hedervarys, und zwar in der Epoche des Kampfes der ungarischen Unabhängigkeitspartei mit der Krone, also in Anlehnung an diese selbst. Doch ging die Intimität der kroatischen Koalition mit der ungarischen bald in die Brüche, die Budapester Herren wollten die alte Unterdrückungspolitik, welche das ungarische System gegenüber Kroatien ist, nicht fahren lassen, und als die magyarische Sprache zur Staatssprache Kroatiens erhoben werden sollte— Kroatien ist staatsrechtlich ein autonomes Land, das nur gewisse Angelegenheit mit Ungarn gemeinsam hat—, wandelte sich die kurze Freundschaft rasch in glühenden Haß. Die Kroaten befinden sich nun in der komischen Situation, daß man sie in Budapest verdächtigt, es allzu sehr mit Wien zu halten, wogegen sie in Wien in Ungnade gefallen sind, weil sie sich mit den ungarischen„Rebellen" eingelassen haben. Und an allen entscheidenden Stellen, in der Hofburg sowohl wie im Belvcdcre (der„Residenz" des Thronfolgers) wurde die Stimmung gegen sie mit der Beschuldigung vergiftet, daß sie allzusammen Hochverräter seien, die mit Serbien konspirieren, als seine Agenten fungieren und eine gewaltsame Erhebung zugunsten des serbischen Königs planen und vor» bereiten. DaS ist das Milieu, aus dem der Agramer Schandprozeß erwuchs, und aus dem heraus Herr Dr. Friedjung auSersehen wurde, die Beschuldigung gegen das Königreich Serbien bor Europa zu erheben und die Hochverräter in Kroatien zu Boden zu schmettern. Aber es kam ganz anders als Aehrenthal und sein journalistischer Handlanger gewähnt hatten. Denn der Schwurgerichtsprozeß begann sofort mit einer regel- rechten Ueberraschung: der Historiker, der erzählt hatte. eS liege ihm der Bericht des serbischen SektionSchefS„wortgetreu" vor, besaß nicht ein einziges Dokument im Original und hatte kein einziges wirklich gesehen. Vielmehr produzierte er im Gerichtssaale lediglich ein gedrucktes Büchlein in deutscher Sprache, das neben jenem „Bericht" auch eine Anzahl von„Protokollen" des Belgrader Vereins „Slovenski Fug"(Slavischer Süden) enthielt, welcher Verein nach Herrn Friedjung der Herd der revolutionären Bewegung sein sollte, die sich von Belgrad über alle serbischen Lande ergicsit. In diesen Berichten und Protokollen war auch unaushörlich von kroatischen Abgeordneten die Rede: sie erscheinen in dieser Schilderung als die denkbar erbärmlichsten Gesellen, als Hochstapler und Hochverräter, denen es nur um Geld zu tun ist, und die von der serbischen Regierung im eigentlichen Sinne des Wortes ausgehakten werden. Zweifellos, die Dokumente wären niederschmetternd gewesen und Herr Friedjung hätte sich, ob- wohl derlei Beschäftigmigen zu den Aufgaben eines Geschichts- schreiberS just nicht gehören dürften, mit der öffentlichen Denun- ziation dieser hochverräterischen Umtriebe vielleicht sogar ein Ver- dienst erworben... wenn die Dokumente eben nur echt wären! - Aber in Wirklichkeit sind sie alle, ohne Ausnahme, Fälschuirgen, und zwar die denkbar plumpsten Fälschungen; Fälschungen, bei denen, wie der Anwalt der klagenden Abgeordnelen boshaft sagen konnte, die Fälscher„auf bc- sonders dumme Leute gerechnet haben". Zwar beteuerte Herr Dr. Friedjung in immerzu schrilleren Tönen, wie er ja überhaupt in dem Pro- zesse von patriotischer Bewegung geradezu überfloß, daß er Dokumente, ausgerüstet mit dem wissenschaftlichen Rüstzeug eines Mannes der Wissenschaft, aufs sorgfältigste und kritischste überprüft, sie keines- IvegS auf Sehrenthals Kredit übernommen habe; aber in Wahrheit find die Fälschungen so offenliegend, daß sie der gesunde Menschen- verstand, der durch diplomatische Ränke nicht verdorben ist, sofort hätte durchschauen müssen. Schon ihre abgeschmackte Breit- fpurigkeit ist ein Zeugnis gegen ihre innere Glaubwürdigkeit; zudem stehen sie mit den wirklichen Tatsachen im schroffsten Widerspruch. So erscheint der kroatischen Koalition eine Subvention für die„bevorstehenden" Wahlen bewilligt, als jene Wahlen schon lange vorüber waren; wird von dem baldigen Abschluß der französischen Anleihe erzählt, da diese Anleihe schon ein Jahr realisiert war; wird Hilfe vom Hofe für die Kroaten in ihrem Kanipfe mit Ungarn erbeten, als die Kroaten mit den Ungarn noch im besten Einvernehmen lebten; kurz es ist nickt anders, als ob sich der Fälscher nicht begnügt hätte, dem österreichischen Kabinett für sündhaft schweres, teures Geld wertloses Zeug anzuhängen, sondern dabei auch den diabolischen Mut gehabt hätte, sich über den berühmten Aehrenthal weidlich lustig zu niachen. Daß die wissenschaftliche Autorität des Herrn Friedjung da nicht un- lädiert blieb, ist auch wahr; denn wenn er die Dokumente wirklich geprüft und sie nicht erkannt hat, so kann es einen, um seine Metbode nur leid tun; hat er sie aber von Aehrenthal blindgläubig übernommen, so stellt das seine wisienschaftliche Zuverlässigkeit aufs ärgste bloß. Der entscheidende Schlag kam aber später. Jene Sitzungen des„Slovenski Jug", über welche die Dokumente berichten, sollen unter dem Vorsitz des Präsidenten Professors Bocidar Markowitsch stattgefunden haben, der in den„Protokollen" natürlich auch redend angesübrt war. Der Belgrader Professor kam nun nach Wien und wies schlüssig nach, daß er bei zwei Sitzungen und zwar bei denen während des höchsten Kriegsfiebers abgehaltenen, also gravierendsten, überhaupt nicht in Belgrad war, vielmehr sich während dieser Zeit in Berlin aufgehalten habe, wo er unter anderem»nit dem Strafrechtslehrer Liszt bei einen» Vortrage des Heidelberger Professors Lilienthal war. Damit waren diese zwei Dokumente als Fäschungen entlarvt, und da alle Doku- ments in einem untrennbaren Zusammenhange stehen, waren rigent. lich alle als Fälschungen erwiesen. Wobei die Unzahl anderer Be- lveise nicht mitgerechnet werden muß. wogegen Herr Dr. Friedjung für die Echtheit außer der Berufung aus sich und Aehrenthal auch nicht das bescheidenste Zeugnis vorbringen konnte. So blieb ihm nichts übrig, als beschämt einzugestehen, daß er die Be- hauptungen von der Echtheit der Dokumente preisgebe, worauf die Kläger natürlich nicht zögern mußten. ihre Klage zurückzuziehen. Die Enthüllungen der Enthüller war damit vollendet. Vollendet auch die Blamage des außerordentlichen Aehrenthal, des Musters und Meisters der diplomatischen Kunst, von dem die Welt nun weiß, daß ihm irgend ein beliebiger serbischer Haderlump die dümmsten Fälschungen als welterschütternde Enthüllungen an- hängen konnte. Er wäre ja, auch wenn die Dokumente echt gewesen wären, in einer kostbaren Lage gewesen: es werden wahrscheinlich auch andere Diplomaten im Auslande Dokumente stehlen lassen; aber, daß es einer von diesen Herren auf offenem Markte er- zählen würde, ist noch nicht erlebt worden. Doch handelt es sich keineswegs um das erkannte Defizit des Aehrenthalschen Scharfsinns, eS handelt sich daruni, daß Herr von Aehrenthal auf derlei Beobachtungen und Keiintnisse seine gesamte auswärtige Politik aufgebaut hat, welche Politik zum Schlüsse beinahe zu einem Welt- krieg geführt hätte. Da das Deutsche Reich bei diesem Abenteuer unter Umständen auch Leidtragender hätte sein können, ist auch für Deutschland nun reichlich Anlaß gegeben, über die Segnungen dieser mit falschen Rechnungen und gefälschten Dokumenten arbeitenden Staatskunst des Herrn v. Aehrenthal nachdenkliche Erwägunge» an- zustellen._ politische(leberlicht. Berlin, den 30. Dezember IVOS Die natlonaNiberale Rechtsschwenkung. Die„Magdeburg. Ztg.", die sich schon vor kurzem gegen alle liberalen Bestrebungen ausgesprochen hat, die das badischy Großblockabkommen auf das Deutsche Reich ubertragen und dem klerikal-konservativen Block eine liberal-sozialdemo- kratische Allianz entgegenstellen möchten, setzt in ihrer Morgen- ausgäbe vom 30. d. M. ihren Feldzug gegen die liberalen Großblockschwärmer fort, indem sie ihrer Anhängerschaft nach- zuweisen sucht, daß alle liberalen Hofsnungen auf eine Mauserung der Sozialdemokratie vergeblich seien. „Die Idee des Groschlocks," schreibt sie,„ist aus der gleichen gefühlsmäßigen, gedanken-unklaren Betrachtung des großen Menschheits-EntwickelungSprozesses unserer Tage erwachsen, wie die Fabel von der Mauserung der Sozialdemokratie. Wohin und warum soll sich die Sozialdemokratie mausern? Zu einer extrem linksstehenden bürgerlichen Reformpartei, so ist. die Hoffnung unklarer bürgerlicher Köpfe. Die Geschichte dür sozialistischen Bewegung in allen Ländern lehrt das gerade Gegenteil. Immer und überall hat die Arbeiterbewegung zu- nächst im Schlepptau einer radikalen Partei gestanden, sobald sie aber zum Verständnis ihrer sozialistischen Eigenart kam, hat sie solche Verbindung gelöst. Rur wer die Mühe scheute, sich über Art und Bedeutung der sozialen Bewegung ein eigenes Urteil zu bilden, kann glauben, daß eine so mächtige und er- folgreiche Bewegung zu ihrem Ausgangspunkte zurückkehrt.... In einer großen politischen Partei, in rapide wachsenden kapitalkräftigen Gewerkschaften, in Konsumgenossenschaften mit gewaltigen Umsätzen hat sich die Arbeiterschaft organisiert, von Erfolg zu Erfolg schreitend; warum sollte sie W„mausern"? Die Dinge sehen, wie sie sind! Mit Träumereien vom sozialen Frieden halten wir die EntWickelung der sozialen Bewegung nicht auf, bewirken aber Unklarheit auf feiten derer, die auf der anderen Seite in dem großen Kulturkampfe stehen, auf der Seite des Privateigentums. Hier heißt es, den Dingen ins Auge schauen und daraus seine Folgerungen ziehen. Privateigentum und Sozialismus sind Gegensätze und werden es immer bleiben..... Je umsichtiger und entschlossener, je freier von allen nervösen und gemütlichen Einflüssen wir die Verteidigung unserer Position führen, um so mehr werden wir der Ver- antwortung gerecht, die in diesem Prozeß auf uns liegt. Denn, daß aus dem Parallelogramm der Kräfte, des Privateigentums hüben, des Sozialismus drüben, sich als Resultante die Linie einer gesunden geschichtlichen Entwickelung ergebe, dafür trägt die Art und Weise unserer Haltung in dem Kampfe die Ver- antwortung. Aus diesen Erwägungen ergibt sich auch das Urteil über den Großblock. Die Sozialdemokratie wird niemals in eine Koalition mit bürgerlichen Parteien sich einlassen, wenn darin kein Vorteil für sie, für die soziale Bewegung läge. Diese soziale Bewegung aber geht aus auf die V e r n i ch t u n g der Gesellschaftsordnung, an deren Bestand und ruhiger geschichtlichen Weiterentwickelung besonders jene Schichten ein Lebensinteresse haben, die durch die Nationalliberalen in den Parlamenten zu Worte kommen. Ein Sich-Einlassen mit einem solchen, seiner Natur nach unversöhnlichen Gegner bringt nur Unklarheit über die Gefährlichkeit dieses Gegners in die eigenen Reihen und trägt das Urteil naturwidriger Unvernunft in sich selbst."_ Der Glaube als Verschönerungsmittel. Der klerikale„Oöerschles. Kurier" hat in seiner frommen Ein- falt entdeckt, daß der katholische Glaube ein probates Mittel der Körperversckiönerung ist. In dem Bericht über den Vortrag eines „Plycho-Phhsiognomikers" schreibt das Blatt: „Es ist ein außerordentliches Verdienst der katholischen Kirche, daß sie die Kunst zu aller und zu jeder Zeit gepflegt hat. So brachte sie in diesen Meisterwerken den Mcnschen auch fichtbar die Ideale der Götilichkeit, Schönheit und Weisheit zum Bewußtsein, damit der Mensch sich danach bilde und veredele. Tat- sächlich findet man sonst nirgends, als unter guten, gläubigen Katholiken, besonders auch in hiesiger Laiidgegend und unter Frauen, solche herrlichen Körper-, Gesichts-, Augen- und Schädelformen. Hierin liegt etwas Großes, das soll man ehren und hochhalten." Warzen, Sommersprossen, Leberflecke: gegen alle hilft der Glaube._ Herr Trott zu Solz. Der neue Kultusminister Trott zu Solz scheint über die Auf« gaben seines Amtes etwas sonderbare Ansichten zu haben, denn weil die Stadt Schwelm verlangt, daß die Regierung zu ihrem Neubau eines Realgymnasiums 8000 Mark beitrage. droht er der Stadt- verordnetenversammlung, er werde seine Genehmigung zur Ab- Haltung der diesjährigen Abiturientenprüfung verweigern. Der „Boss. Ztg." wird daniber aus Hagen gemeldet: Eine eigenartige Auffassung über daS kommunale Selbst- verwaltungSrecht läßt eine Verfügung des Kultusministers er- kennen, welche an die Stadt Schwelm gerichtet ist. Hier beschlossen die Stadtverordneten vor längerer Zeit einen Neubau für das städtische Realgymnasium auszuführen unter der Bedingung, daß die Regierung ihren jährlichen Zuschuß für die Anstalt um rund 8000 M. erhöhe. Auf ein diesbezügliches Gesuch verlangt nun der Minister die bedingnngslose vlu»tlihrung des Neubaues, da er anderenfalls die Genehmigung zur Abhaltung der dies- jährigen Abiturientenprüfung verweigern müsse. Die Stadt- verordneten kritisierten das Verhalten des Ministers in den schärfsten Ausdrücken. Sie haben eine Deputation gewählt, die zunächst beim Provinzialschulrat und dann beim Unterrichtsminister die Erlaubnis zur Abhaltung der Abiturientenprüfung erwirken soll, ohne daß städtischerseitS ein Beschluß über die Ausführung des Neubaues gefaßt wird. Höchst seltsam! Weil die Schwelmer Stadtverordneten einen staatlichen Zuschuß zu ihrem Realgymnasium verlangen, sollen die Schwelmer Gymnasiasten nicht zur Abiturientenprüfung zugelassen werden. Sie sollen also als Prügeljungen dienen in einer Sache, die sie nicht das geringste angeht. Eröffnung des preuhischen Landtages. Der preußische Minister deS Innern teilt im„Preuß. Staats- cinzdiger" mit, daß die Eröffnung de« auf den 11. Januar 1910 ein- berufenen Landtags an diesem Tage, mittags 12 Uhr, im weißen Saale des hiesigen königlichen Schlosses erfolgen wird. Zuvor wird, wie üblich. Gottesdienst um 11 Uhr im Dom für die evangelischen und um 1l'/z Uhr in der St. Hedwigskirche für die katholischen Mitglieder stattfinden._ Die Landtagswahlen in Altenburg. Die Neuwahlen für den Landtag des Herzog- tu ms Sachsen- Zllten bürg, die zum ersten Male nach dem neuen Wahlgesetz stattfinden, sind auf den 14. April n. I. angesetzt worden. Vom«gesicherten" Koalitionsrecht. Wie das vielgeriihmte„freie" Koalitionsrecht.in Preußen-Deutschland aussieht, dafür liegen bereits so viele Bewerse vor. daß es eines neuen eigentlich nicht mehr bedarf. Trotzdem wollen wir unseren Lesern den Wortlaut einer Ver- fügung nicht vorenthalten, die von den Eisenbahndirektionen an die Inspektionen und Vorsteher der Bureaus und Dienst- stellen gelangt ist, und die sich gegen den Deutschen Trans- Portarbeiterverband wendet: „Bekanntmachung betreffend den Deutschen Transportarbeiterverband. Der Deutsche Transportarbeiterverband und dessen Reichs- sektion der Eisenbahner entfaltet eine lebhafte agitatorische Tätigkeit, um auch die Eisenbahnbediensteten zum Anschluß an seine Organisation zu verleiten und sein Verbandsorgan„Weck- ruf der Eisenbahner" unter ihnen zu verbreiten. Der Verband verfolgt ordnungsfein dlichc Be- strebungen und hat sich zum Ziel gesetzt, den Frieden zwischen der Eisenbahnverwaltung und ihren Arbeitern zu stören. Die Einladungen zu seinen Versammlungen läßt er in der Regel durch Zuschriften und gedruckte Karten ergehen, die harmlose Unterschriften, wie z. B.„Klub Fidelitas". tragen, um die Eingeladenen über den wahren Charakter der Veranstaltung zu täuschen. Auch schickt er unaufgefordert Mitgliedskarten zu und sucht deren Annahme dadurch zu erleichtern, daß er für die erste Zeit keine Beiträge fordert. Nach K 2 Abs. 3 der gemeinsamen Bestimmungen für die Arbeiter aller Dienstzweige der Preußisch- Hessischen StaatSeisenbahnverwaltung ist die Teilnahme an ordnuiigSfeindlichen Bestrebungen und Vereinen verboten. Wir fordern daher diejenigen, welche sich schon zum Beitritt haben verleiten lassen, auf, sofort ihr Ausscheiden auS dem TranS- portarbeiterverband herbeizuführen. Bedienstete, die trotz des Verbotes an dem Transportarbeiterverband teilnehmen, ihn fördern oder unterstützen, haben, da derartige Bestrebungen mit der Beschäftigung in der Staatseisenbahnverwalkung vn- vereinbar sind, unnachsichtlich Auflösung des Dienstverhältnisses zu erwarten. Eine verbotene Unterstützung ist auch in dem Halten dcZ Verbandsorgans„Weckruf der- Eisenbahner" zu erblicken. Be- dienstete, denen Mitgliedskarten oder Exemplars des„Weckrufs" unaufgefordert zugehen, werden diese zweckmäßig an die Dienst- Vorsteher abgeben, um nicht fälschlicherweise in den Verdacht der Teilnahme an den Bestrebungen des Verbandes zu geraten. Wir vertrauen der Einsicht unserer sämtlichen Angestellten und Arbeiter, daß sie sich von dem Transportarbeiterverband und ähnlichen ordnungsseindlichen Organisationen fernhalten, und uns keinen Anlaß geben, von der Strafandrohung Gebrauch zu machen. Diese Bekanntmachung ist in den Werkstätten. Aufenthalt?- räumen der Arbeiter und anderen, dem Publikum nicht all- gemein zugänglichen Stellen ohne Verzug zum Aushang zu bringen. Auf kleinen Stationen kann der Aushang unter- bleiben, die Bekanntmachung ist dann durch Umlauf zur Kenntnis zu bringen. Die Dicnststellenvorsteher haben dafür Sorge zu tragen, daß jeder Arbeiter von der erlassenen Anordnung Kenntnis erhält; auch jeder neueintretende Arbeiter ist über das bestehende Verbot zu unterrichten. Exemplare der Bc- kanntmachung sind bei Mehrbedarf bei dem Zentralbureau an- zufordern." Gerüffelt. Das nationalliberale„Siegener Volksblatt" hat kürzlich allerlei versteckte Verdächtigungen ausgesprochen, die meist auf die christlich- sozialen Abgeordneten Behrens und Burckhardt bezogen wurden. Diese Art der Kampfesweise, durch ehrenrührige, unbestinimte An- Deutungen den Gegner zu bekämpfen, wird jetzt von der Leitung der eigenen Partei des„Siegener VolksblatteS" energisch zurückgewiesen. Die„Nationall. Korresp." schüttelt ihr Schwesterblatt mit folgenden Worten ab: „Das„Siegener Volksblatt" hat vor einiger Zeit Mtteilungcu gebracht, die bei den christlichsozialen Abgeordneten Burckhardt und Behrens den Eindruck erweckl haben, als ob ihnen ehrenrührige Vorwürfe gemacht würden. Ob diese Auffassung richtig ist und ob jene Mitteilimgen überhaupt irgend eine Grundlage haben, wissen wir nicht, wünschen wir auch gar nicht zu wissen. Wir haben von den Aus- führungen des„Siegener Volksbl." keine Notiz genommen, weil e« uiiZ grundsätzlich widerstrebt, den politischen Kampf durch da» Herein- ziehen persönlicher Momente vergiften zu lassen, und wir nehmen zu dieser Angelegenheit auch jetzt nur daS Wort, um diesen. unseren Standpunkt wiederholt zum Ausdruck zu bringen. Wobei wir keinen Unterschied machen, ob wir das der gegnerischen oder der eigenen Presse gegenüber betonen müssen." Keine alten Kleider zu verkoofen? Die„Nordd. Allgem. Ztg." bringt in ihrer letzten Mittwochs- nummer folgende allerliebste Annonce: Eine gut erhaltene Staatsmini st er-Uniform mit vollständigen Zubehörteilen zu verkaufen. Offerten unter O. T. 5079 an Haaseustein u. Vogler A.-G., Berlin W. 8. Welcher„gegangene" Staatsminister ist es denn, der auf diesem bisher noch etwas ungewöhnlichen Wege die glitzernde» UeberbleibsK seiner einstigen Würde so pielätloS zu verwerten sucht? Bielleicht findet sirt, ein AttttriderhKndler, der das Prunlstück für die heran- nahende MaSkcradenzeit auskauft. So vergeht die Herrlichkeit der Welt. Lex Heinze-Bes�eöungcu i« der Hamburger In ihren Sitzungen vom 1.. 15.. 22. und 29. Dezember beschäftigte sich die Hamburger Bürgerschaft mit dem Bericht de? Aus- schusseS zur Prüfung der Frage, durch welche Maßregeln die Jugend auf öffentlicher Straße vor Schrift- und Bildwerken, welche die Sittlichkeit gefährden. bewahrt werden kann. In seinem Eifer, gründliche Arbeit zu liefern, ist der Ausschuß auf Abwege geraten, wie sie der Reichs- tag seinerzeit bei Beratung der Lex Heinze nickt zu betreten wagte. Der Zentrumsabgeordnete Roeren dürfte seine Freude haben an der Arbeit deS Ausschusses. Der Ausschuß verlangt nämlich, daß die— Straßenordnuiig um folgende Paragraphen erweitert werde: „Schriften, Abbildungen oder Darstellungen, die' in sitt- licher Beziehung Aergernis zu geben oder durch Ueberreizung der Phantasie die gesunde Eni- Wickelung der Jugend zu gefährden geeiget sind, dürren weder auf öffentlicher Straße, noch im Schaufenster oder sonstigen Auslagen an öffent- licher Straße ausgelegt werden. Eine Sckirist. Ab- bildung oder Darstellung kann nicht wegen ihres politiscken,«li- giösen oder konfessionellen Charakters als unter diese Bestimmung fallend angesehen werden." Fünf Mitglieder dieses AnSschiisseS beantragten folgendes „Sicherheitsvemil": „Ob die Voraussetzungen de? Absätze? I vorliegen. ist aus Ersuchen der Polizeibehörde durch einen Ausschuß festzustellen. Dieser Ausschuß besteht aus fünf. Personen, die von der Bürger- schaft auf sechs Jahre gewählt werden." Gegen beide Anträge wendeten sich zwei hervorragende Juristen: Dr. Wolffson und Oberlandeögerichtsrat Dr. Philipp!, welche die Bürgerichost dringend davor warnten, der Polizei- behörde solche Befugnisse einzuräumen, zumal diese gegen oaS Reichsstrafgesetzbuch als auch gegen die ReichSaewerbeordnung verstieße». ReickSrecht geht vor Landesrecht l Dieser Grundsatz dürfe nicht verletzt werde». Unter Hinweis auf die Lex Heinze unseligen Andenkens warnten sie daö Parlament,„schwarze" Pfade zu betrete». die damals nicht einmal die Nationalliberalen zu beschreiten wagten. In bezug auf da»„Sicherheitsventil" führte Dr. Wolffson aus: „Die Sache mit der Instanz ist ja ganz schön. Was nützt mit aber eine solche, wenn die Polizeibehörde zunächst einschreiten darf. Das kommt mir so vor, als wenn jemand, der seine 14 Tag« verbüßt hat, sich nachträglich beschweren darf." Die Aiilräge wurden mit großer Mehrheit abgelehnt, doch wurde ein Antrag angenommen,„den Senat z„ ersuchen, an zuständiger Stelle(Bundesrat) dahin zu wirken, daß zum Zwecke eines besseren Schutzes der Jugend die Be- stimmungen der§§184 und 184» und b des Straf- gesetzbuches und§§ 66 13 und 42a der Reichs- gewerbeordnung ergänzt und entsprechend er- weitertwerden". Ferner gelangte ein Antrag von Dr. Philipp, zur An- nähme: „Die Bürgerschaft ersucht den Senat, es veranlassen zu wollen. daß die schulpflichtige Jugend und deren Eltern bei jeder geeigneten Gelegenheit vor der Schmutz- und Schundliteratur eindringlich gewarnt werden; daß der Jugend von feiten der Schule gute Bücher in reicklichem Maße zur Verfügung gestellt werde», und daß die Schulbibliotheken mit den hierfür erforderlichen Mitteln versehen werden; daß die privaten Vestrebungen zur Berbreltung guter Literatur unter der Jugend, insbesondere die Unter- nehmungen des Jugendschristenausschusses und die Kinderlesc- zimmer der Patriotischen Gesellschaft in jeder Weise, namentlich durch Gewährung öffentlicher Räume und durch Geldvcihilfe gefördert werden." Die Industrialisierung Badens schreitet riesig vorwärts. Nach dem soeben festgestellten Ergebnis der Betriebszählung von 1907 ist seit 1895 die Zahl der gewerb- lichen Hauptbetriebe mit 51 und mehr Personen von 318 auf 1460, also um 624 Betriebe oder 78 Proz. gestiegen Die Zahl der m diesen Betrieben besckiäftiaten Personen betrug 1SSS 110904, 1907 aber 208 141. mehr: 97 237 oder 88 Proz. Unter diesen Großbetrieben steht obenan die Metallbranche. 1895 waren davon 91 Betriebe mit 11 1ö4 Beschäftigten, dagegen 1907 204 Betriebe mit 28 376 Beschäftigten in Baden vertreten. Die Textilindustrie beschäftigte 1895 22 636 Personen, 1907 aber 32 203 Personen. Davon sind zwei Drittel der Beschäftigten weib- lichen Gescklechts. In der Holzindustrie stiegen die Großbetriebe von 25 ans 84 oder 236 Proz. Die beschäftigte Personenzahl stieg von 314? auf 10 241 oder 377 Proz. Oeltermcb. Die ungarische Krise. Wie», 30. Dezember. Heute wurden der designierte ungarische Minifterpräfident L u k a c S und der Führer der Unabhängigkeits- Partei Justh vom Kaiser in Audienz empfangen. Nach der Audienz erklärte Justh. daß infolge der großen sachlichen Gegensätze die Verhandlungen wegen Bildung eines Kabinetts gescheitert seien. Budapest, 30. Dezember. Der von Wien zurückgekehrte designierte Ministerpräsident von L u I a c S hat den Vertretern der Presse mit- geteilt, seine Stellung als designierter Ministerpräsident habe sich nicbt verändert. Da die Kombination einer Kabinettsbildung mit Justh gescheitert sei, so werde er nunmehr mit anderen Parteien in Verbind»>tg trete». Ueber die A u d i e n z I u st h s beim König verlautet, I u st h habe als Grundlage seiner Kabinettsbildung die grundsätzliche Zustimmung de§ Königs zur Zoll- und Banktrennung gefordert, was der König ablehnte. Schweiz. Kapitaliftische Klassenpolitik in der Demokratie. Bern, 27. Dezember.(Eig. Ber.) Die Bundesversammlung hat in ihrer verflossenen Dezember- session sich wieder als das ausgesprochen kapitalistisch-agrarifche Klassenparlammrt bewährt. Sie hatdieSubventionenandie 9l g r a r i er vermehrt durch die Bewilligung des Kredits, der zur Ucbernabme eines 2oprozentigen Anteils an den Kosten deS Kupfersalzes zur Bekämpfung des falschen Mehltaues in den Weinbergen dienen soll. Je ein weiteres Viertel sollen die Kantone und Gemeinden übernehmen, so daß den Wcinagrariern selbst nur noch ein Viertel der Gesamtkosten verbleibt. So kommt man dem idyllischen Zustande immer näher, in dem die Gesamtheit die Kosten der Landwirtschaft trägt und die Agrarier nur noch die Wucher- preise für ihre Produkte einzusacken brauchen. ES wird bald die fünfte Million von Bundessubvcntioncn an die Landwirtschaft voll werden. Ganz anders werden die Arbeiter behandelt. Die Bundes- Versammlung bewilligte abermals, wie seit einigen Jahren, Teue- rungSzulagen an das Personal der Bundesbahnen und zwar im Betrage von 5 958 000 Frank. Davon erhalten die Angestellten und Beamten je 200 Frank, die Arbeiter aber nur 120 Frank und die Barrierenwärterinncn gar nur 60 Frank. Die Schlechdest- bezahlten erhalten also am wenigsten, wahrend sie im Gegenteil am meisten erhalten sollten. Vergeblich bemühte stch unser Genosse E u g st e r im Nationalrat um eine gerechte Regelung dieser Frage. Ebenso geht es mit der B e so l d u n g s rc so r m für die Eisen- bahner, die eine jährlich� Mehrausgabe von 8 117 000 Frank zur Folge haben wird. Die Eisenbahnerorganisationen verlangten für oic unterste Klasse ein M-inimum von 1500 Frank, es wurden aber nur 1400 Frank beschlossen. Für die oberen Klassen mit den höheren Gehältern erhöhte der Ständerat über die Vorlage hinaus zum Teil noch die Maxima, während alle Anträge auf Verbesserung der Besoldungen der unteren. Klaffen abgelehnt wurden. Das ist unverfälschte kapitalistische Klassenpolitik! Dazu patzt das neue bundesrätliche Attentat auf� die Freiheit de r Kritik, insbesondere auf die Preß- frciyeit vnrch ein« Ergänzung des Bundes st raf- x e ch t s zum Schutze desMilitarismus. Es handelt sichdabei um den zlvcitcn Versuch der Reaktion, denn die erste derartige Vorlage wurde im Jahre 1903 unter der Führung der sozialdemokratischen Partei in der Volksabstimmung mit 263 862 gegen 117 725 Stimmen verworfen. Der Bundesrat will aber das Stück schändlicher Sioaktion absolut erzwingen und darum kommt er jetzt mit seiner neuen Vorlage, die sich im wesentlichen mit der vor 6 Jahren ver- worfenen deckt und nur noch mehr verschärft ist. Danach soll die �Anstiftung" oder„Aufreizung" zu �nilitärischcn Vergehen oder Verbrechen durch die Verbreitung von Schriften oder Bildern mit Gefängnis nebst Geldstrafe geahndet werden, selbst wenn sie erfolg- los geblieben ist.. Also eine Beschneidung der Preßfreiheit, der Freiheit der Meinungsäußerung. Und diese Freiheit wird gerade angesichts des Uebcrwuchcrns des Militarismus immer notwendiger und unentbehrlicher. Dem neuen reaktionären Wechselbalg erwuchs denn auch aus den eigenen Reihen der herrschenden freisinnigen Mehrheitspartei ernstgemeinte und energische Opposition, während der Demokrat Professor Dr. Zürcher von Zürich dafiir eintrat. Sehr wirkungsvoll bekämpften dw Vorlage unser Genosse Dr. S t u d e r- Winter- thur und der St. Galler Demokrat S ch e r r e r- Füllemann. Be- zeichnend ist wohl auch i>er Umstand, daß in der zweiten Sitzung die Beratung vor fast leerem Hause stattfand, indem von 167 Ab- geordneten nur zirka 50 anwesend waren. Diese Massenabwesen- heit bekundet nicht nur die völlige Interesselosigkeit, sondern man kann darin auch eine Demonstration erblicken gegen die Hundes- rätliche Presston aus die Abgeordneten. Die Weiterberotung wurde schließlich auf die nächst« Früh» jahrssession verschoben. Unser Genosse Dr. S tu der hat aber bereits erklärt, daß die sozialdemokratische Partei wiederum gegen ldas„Maulkrattengesetz", falls«s wirklich beschlossen werden sollte, das Referendum ergreifen und es zu Fall briirgen werde. franhrcich. Elemenceau schwenkt recht?. George? Eleme»«au, der Er-Ministerprästdent. hat in einem «rief an den Prästdenten deS BollztehungSauSschusseS der radikalen un�radikal-fozialistischen Partei seinen Austritt aus dieser Partei erklän. Als Grrind gibt er an, daß die Partei bei den jüngsten Gem et,, dewahlen in Toulon die Liste der ver- einigtetKSozialisten offiziell unterstützt habe. Dabei standen die Sozialisten, die bei der Wahl übrigens unter- lagen, einer reattjonären Koalition gegenüber, die nicht einmal ehr- Nch-republikanifch»ipr und den Beistand der Klerikalen genoß. Dt« Erklärung Clcmenceaus ist de,, Radikalen um so un« angenehmer, als die Kammerwahlen nahen. Während der andere radikale Expremier, TombeS, den Anschluß„ach llnks, die gemein- sam« Fron, nach rechts predigt, erklärt sich Clemenceau gegen diese Taktik. UebrigenS ist er dabei nur konsequent. Er behält die Haltung bei, die er als Ministerprgjjdent einnahm— er sah be- kaiuitlich seine Hauptaufgabe t» der Bekämpfung der Sozialisten. Lelgien. Die Lohnforderung de? König». AuS Brüssel schreibt man uns: Nach dem. FesteSrausch des FürsteneinzngS stellt sich die Prosa einer Rechnung ein. Monarchen kommen und gehen— ober die Zivilliste bleibt. Sie beträgt in Belgien seit Leopold ll. 3300000 Frank jährlich und wird vom Parlament beim Regierungsantritt des Monarchen für Lebenszeit bestimmt.— Bei der Festsetzung der Zivilliste für Albert I. hat der sozialistische Deputierte Roher in der Kammer eine Betrachtung voll witz,gster Dialektik über die Be- rechtigung der.Lohnforderung" des neuen Regenten angestellt. Denn auch wenn«s sich um einen König handelt, meint Royer. dars man füglich von Lohn reden, ohne einer beleidigenden Absicht ge> zwhen zu werden. Jede Entschädigung für eine Müh-leistung sei ein «-ohn. gleichviel ob sie einem Maurer, einem König oder einem Ad- vokaten gilt— eine andere Benennung sei ein Klassenvorurteil. Inwiefern rechtfertigt sich also die Lohnforderung, die die Regierung an das Parlament stellt I fragt Royer. Ist die konstitutionelle Beschäftigung des Königs ungesund, gefährlich und lebenabkürzend, wie die vieler Industriearbeiter? Die Gewerbe- inspektoren, meint Royer, werden wohl kaum bei Albert zu inter- venieren haben... Wie daS Beispiel Leopolds zeigt, haben die Herrscher genügend Muße und erreichen ein hohes Alter. Oder bandelt es sich um eine Arbeit, die besondere Fähigkeit erfordert? Sicherlich nicht, sonst würde man sich die Wahl deS Geeigneten vorbehalten.— Will man aber einwenden, daß das Land doch nur einen König zu erhalten hat und die Summe auf die Gesanitheit der Staatsbürger entfällt, so ist darauf zu erwidern, daß diese Summe mehr als ein Prozent der gesaniten Steuern ausmacht. Rechnet man die Arbeiterfaniilie zu fünf Köpfen, so entfällt auf diese ein Beitrag von 2,50 Fr. für die ZivUliste, so daß nach den belgischen Lohnverhältiiissen jeder Familienvater in Belgien jedes Jahr ungefähr einen Tag für den König zu arbeiten hat.— WaS die Ueberlassung der Schlösser und sonstigen Güter an den neuen König betrifft, so sei dies unzulässig in einen, Lande, in den, Taufende von Arbeiterfamilien bloß über ein Zimmer, oft nur über einen Kellerraum oder eine Mansarde verfüge». Allenfalls wäre es gerechter und vernünftiger, einen von diesen Grundbesitzen für ein Tuberkulose„heim für Frauen zu adaptiren.— Gleich- gültig sei es auch, ob der König am Ende einen Teil seines Ein- lommens den Armen zuwenden wird. Mit dieser Verweisung auf deS Königs Bettelpfennige zahlt das Land nicht seine Schuld an die kranken und arbeitslosen Proletarier. Schließlich aber findet Royer, im Vergleich mit den Zivillisten der anderen Kleinstaaten und der ftanzösilche» Republik die Forderung für das kleine Belgien zu hoch. Aber un« bleibt, io schließt er. mich nach Ihrem Beschlüsse eine Korrektur seiner lebenslänglichen Wirksamkeit möglich und das ist unser Trost: die Revision der Verfassung, die demokratische und soziale Republik. Aber nur die 29 Sozialisten stimmten für dieses republikanische Bekenntnis. Hundert Stimmen aller bürgerlichen Parteien weihten den neuen dynastischen Frühling mit dem Millionen- opfer ein. Rumänien. Verdächtigung der Arbeiterbewegung. Die gewerkschaftliche Landeszentrale Rumäniens berichtet, daß von der Regierung und ihren Agenten der Versuch gemacht wird, die gewerkschaftliche und politische Organisation zu berdächiigen durch die Behauptung, der Mann, der das Attentat auf den Minister verübte, fei nicht nur Mitglied der politischen und gewerkschaftlichen Organisation, sondern in' ihr auch herrvorragend agitatorisch tälig. Diese Behauptung ist erfunden, und zwar zu dem Zweck, den aus i, ahmerechtlichen Zustand, der über die Arbeiterschaft des Landes verhängt ist, zu rechtfertigen. In willkürlicher Weise sind die Organe der Behörden in die Bureaus der politischen und gewerkschaftlichen Organisationen eingedrungen und haben die Bücher und Korretpondenzen beschlagnahmt. Die Arbeiter des Auslandes werden gut tun, die Nachrichten, �dte aus den offiziellen Quellen stammen, und die durch die bürgerliche Presse weiter verbreitet werden, mit größter Vorsicht aufzunehmen. Die politische und gewerkschaftliche Arbeiterbewegung Rumäniens verfolgt die gleichen Tendenzen und die gleiche Taktik, wie die Ar- beiterichaft in allen Kulturländern, sie steht deshalb solchen Gewalt- alten, wie Attentaten auf Personen in hervorragender Stellung voll- kommen fern. OfrKei. Die mazedonischen Zustände. Saloniki, 30. Dezember. Das bulgarische Organ„Oteschestwo" fordert in einem Aufruf angesichts der fortdauernden Un- gerechtigkeiten der Regierung auf, wieder mit Banden- organisationen zu beginnen. und dem zivilisierten Europa zu beweisen, daß die Türkei einer Verfassung un- würdig und die türkische Regierung niemals gerecht fei. Die Behörden wollen die strengsten Sibritte gegen„Otefchestwo" einleiten. Die Lage in Mesopotamien. Konstantinopcl, 29. Dezember. Die Gerückte über blutige Vorfälle in Bagdad sind falsch. Nach Dcpeichen von Ab- geordneten aus Bagdad sind»ur große Versammlungen abgehalten worden, die die Abseudung von Protesten an die Pforte »nd die Kammer gegen die Konzessioiiierlmg der Lynch- Gesellschaft beschlossen haben. Die Ordnung ist nicht gestört. Ei« Bombenattentat in Jaffa. Konstantinopcl, 30. Dezember. Nach einer von der Regierung verheimlichten Meldung des BizegouverneurS von Jaffa wurde dort von unbekannt gebliebenen Attentätern eine Bonibe gegen das GouvernemeiitSgebäude geworfen. Das Attentat geschah um Mitter- nacht und diesem Umstände war eS zu danken, daß kein Menschen- leben zu beklagen ist._ Der Gonvernenr von Uemen ermordet? Konstantiiiopel, 30. Dezember. AuS Aemen wird gemeldet, der General und Gouverneur Hassan T a h s i m wäre gestern ermordet worden. Nähere Einzelheiten fehlen noch, auch wird in offiziellen Kreisen die Meldimg nicht bestätigt. Di? Tat soll vollbracht worden sein, nachdem Hassan Tahsim die Hauptstadt Sanaa verlassen hatte, auf dem Wege zur Küste des Noten Meeres, als er seinen Urlaub antreten wollte. Indien. Ein Attentatsversuch. Lahore, 30. Dezember. Vor dem Tore des Hauses de» stell« vertretenden Regierungskommissars fand dessen Diener ein an den RegierungSkominissar adressiertes Paket. Als er es öffnete, explodierte eine darin enthaltene Bombe und zer- schmetterteihm dieHand. Eue der parteis Ferri» Rechtfertiaun» vor seine« Wähterm Rom, 27. Dezember.(Eig. Ber.) Am 26. Dezember hat Ferri in einer Wahlkreisversammlung in Suzzara seinen Wählern die angezeigte große Rede gehalten. Sehr befremdend ist, daß Ferri hierbei den Versuch machte, die Presse auszuschließen, was«r als Journalist am allerwenigsten hätte tun dürfen. Die Mehrheit des Kongresses sprach sich denn auch gegen diese Form der Geheimverhandlung aus. Dieselbe Mehrheit ließ freilich den Genossen R o m e i, der die Anklage gegen Ferri formulieren wollte, nicht zu Worte kommen. In der Rede Ferris hat es wirklich den Anschein, als hätte der Redner die Anklagepunkte selbst aus dem Auge verloren. Diese sind zweierlei Art: einmal wirft man ihm bor. seine plötzliche und unvermittelte Bekehrung zum Ministerialismus sei aus opportu- nisttschei, Gründen erfolgt, dann kann man die Ehrenerklärung nicht verstehen, die er so ganz plötzlich dem Admiral Bettolo aus- gestellt hat, nachdem er ihn früher in der heftigsten Form an- gegriffen hatte. Statt auf diese Heiden Punkte einzugehen, drückte Ferri zunächst seine Befriedigung darüber aus, daß ihn seine Wähler zur Rechtfertigung aufgefordert hätten und begrüßte diese Tatsache als eine Frucht der von ihm lFerri) erteilten politischm Erziehung. Dann legte er dar, daß man ihn zu Unrecht de? Ehr. geizcs bqchuldige. Wenn er ehrgeizig wäre, hätte er außerhalb der Partei eine glänzende Karriere machen können; eine Er- klärung, die absolut nicht in Zweifel gezogen werden kann. Weniger ernst zu nehmen ist das, was Ferri über seine Anerken» nung der Disziplin sagte, denn als disziplinierter Parteigenosse hat er sich in dieser Angelegenheit, besonders durch seine Weigerung, der Fraktion Rede zu stehen, nicht gezeigt. Entgegen seiner son. stigen Gewohnheit hat dann Ferri in heftigster unv ausfallendster Weise die Reformisten angegriffen. Er hat sie giftige Schlangen genannt, Genossen Treves einen Kläffer, hat von Dolchstichen in den Rücken gesprochen, die ihm zuteil geworden wären, hat die Genossin Kulischoff beschuldigt, die gehässige und unerbittliche Be- rateri» Turatis, der böse Dämon der Mailänder Partei zu sein und solche Dinge mehr. Dann hat er seine Anklagen gegen einige Mitglieder der Parteifraktion formuliert. Hier wirft er Turati vor, seit 1898 seine Haltung Giolitti gegenüber ganz und gar geändert zu haben, vor einigen Jahren Giolitti in seinem Land« aufenthalt besucht zu haben, ohne über diesen Besuch den Partei- kreisen die geforderte Auskunft zu geben, seinen Gesetzentwurf gegen die Prolctariermorde Giolitti zuliebe verschleppt zu haben usw. Der Fraktion als solcher wirft:! oie Mandatsniedcrlegung vor. die Sonninos Fall zur Folge hatte und so Giolitti wieder zur Herrschaft brachte, ihren geringen Kampsmut, ihre schlaffe Haltung bei der letzten Diskussion über die HeeresauSgaben. ES handelt sich um Dinge, die, mit Ausnahme der Anklage der Verschleppung des Gesetzentwurfs Turati, objektiv richtig sind, aber sie sind alt und bekannt und können absolut nicht Ferris Gesinnungswechsel, der ganz neuen Datums ist, erklären helfen. Von Epthüllungen kann beim besten Willen nicht die Rede sein. Geschlossen hat Ferri mit einem Appell an die Arbeiter seines KreiseS, die ihn seit 23 Jahren kennen:„Sagt Ihr jetzt, Freunde und Genossen, ob Ihr mich für fähig haltet, die sozialistische Partei zu verraten?" Man fragt sich unwillkürlich, was denn diese ganze Rellb mit den Anschuldigungen zu tun hat, die gegen Ferri erhoben worden waren. Kein Mensch hat ihn des Parteiverrats beschuldigt: sich selbst verraten zu haben, das war es, was man ihm vorwarf. Seinen Uebergang zum Ministerialismus sollte er erklären und seine veränderte Haltung Bettolo gegenüber. Statt dessen hat er nur dem Ministerialismus unter Giolitti seinen Ministerialismus für Sonnino gegenübergestellt, hat den einen für verwerflich und den anderen für heilsam erklärt, ohne irgend eine Begründung für diese Qualifikation zu geben. Noch unvollständiger sind seine Er- klärungen in der Sache Bettolo. Hier hat er zunächst Turati vor« geworfen, 1898 vor dem Kriegsgericht seine Ucberzeugung ver- leugnet zu haben; dafür hätte man ihm keinen Vorwurf gemacht, während man dem Redner gar nichts vergeben wolle. Dann hat er weiter die Reformisten angeklagt, ihn in dem Prozeß Bettolo nicht unterstützt zu haben, und hat schließlich die EHreiierklärulig für den Marineminister wiederholt, aus der doch eigentlich hervor- ginge, daß die Reformisten recht hatten, seine Angriffe nicht zu unterstützen. In dieser Sache stehen wir ganz auf dem Stand- Punkt, den Genosse Pauloni im„Sempre Avanti" einnimmt, indem er sagt:„Wenn Du glaubst, daß die gestrige Anklage gerecht war, dann laß Dich ins Gefängnis werfen; laß Dich umbringen, aber nimm sie nicht zurück. Glaubst Du dagegen, daß die Anklage gegen Bettolo ungerecht war, dann hast Du die Pflicht, öffentlich Abbitte zu tun, aber unter einer Bedingung, nämlich, daß Deiner Abbitte der endgültige Verzicht auf das öffentliche Leben und auf politische Wirksamkeit folge. Denn Dein Irrtum war so schwer- wiegend, wegen der Tribüne, deren Du Dich bedientest, wegen Deiner Stellung und der des Beschuldigten, wegen der moralischen Verantwortlichkeit Deiner Partei, die Du in den Irrtum hinein- zogst, wegen des unermeßlichen Schadens, den das Eingeständnis Deines Irrtums der Partei bringt, der Du angehörst, der Idee, die Dir die Solidarität der Massen sicherte, und schließlich wegen der politischen Vorteile, die Dein Irrtum Dir und anderen ver- schafft hat." Trotz dieser und ähnlicher Erwägungen, die von verschiedenen Seiten gemacht werden, nahm die Wählerschaft eine Tages- ordnung an. die Ferris Erklärung, sich der Parteidisziplin unter- zuordnen, zur Kenntnis nimmt, die Frage des Ministerialismus dem nächsten Parteitag überweist, die Ueberzeugung ausspricht, daß Ferris Tätigkeit lediglich auf die Verteidigung der Klasseninter- essen der Arbeiterschaft gerichtet sei und ihm schließlich daS Vertrauen seiner Wähler bestätigt. Um sich eine Vorstellung von dem Gaudium der bürgerlichen Presse zu machen, genügt es zu sagen, daß das konservative „Giornale d'Jtalia" nicht weniger als 6 Spalten, und zwar seine ganze erste Seite, mit dem Breittreten der unerquicklichen An- gclegenheit ausfüllt. Man kann gespannt sein, auf tvelche Weise Ferri der Forderung seiner Wähler, sich der Parteidisziplin unterzuordnen, nachkommen wird. Er hat sich ja aus der Fraktion ausschließen lassen und sich somit gerade der Instanz entzogen, der er bei der heutigen Organisation der italienischen Partei allein verantwortlich ist._ Die schwedische Sozialdemokratie im höchsten Norden. In Kiruna, in dem ieiiieits deS Polarkreises gelegenen schwedischen Bergwerks- distrilt, fanden am Sonntag die Kommuiialwahlen statt. Es waren zimächst neun Mitglieder de« Kommmmlamt» zu wählen, das das ausführende und verwaltende Organ der Gemeinde bildet. Hierbei siegte die rein soztalde in akratische Liste mit 79 000 von 653 Wählern abgegebenen Stimmen über die Kandidatenliste des bürgerlichen Kartells, für die von 157 Wählern 57 000 Stimmen abgegeben wurden. Es waren nun noch fünf Mitglieder und sechs Ersatzmänner der Gemeindevertretung sowie der Borsitzciide und der Vizevorsitzende deS Kommunalamts zu wählen. Da jedoch der bürgerliche Mischmasch gesehen hatte, daß er troy deS plutokratischen, nach der Steuerleistung abgestuften Wahl,», rechts nicht zu siegen vermochte, verzichtete er' auf die Wahlbeteiligung und die für diese Posten aufgestellten sozialdem akratische n Kandidaten wurde», dann einfach per Akklamation ge» wählt. Die Wahlhandlung selbst wurde von einem sozial- demokratischen Volköschullehrer geleitet, der zum Vorsitzenden der Wählerschaft mit 45 909 von 3."» Wählern geg 45 243 von 110 Wählern herrührenden Dkimmen gewählt worden Ivar. Dieser Schullehrer S t e m„ n g ist auch Vorsitzender in der kommunalen Armenpflege. Die Gemeindeverwaltung KirunaS befindet sich nun in Händen der Sozialdemokratie, was freilich nicht allzuviel besagen will, da eS mit der Selbstverwaltung der Gemeinden nicht weit her ist. Aber das Wahlergebnis ist auch ein neuer Beweis dafür, daß e» nichts als Schwindel ist, wenn das schwedische llntcrnehinertum im In- und Auslände die Meinung z» verbreiten sucht, daß die Ar- beiterschaft Schwedens durch den Generalstreik diesen Sommer zer- splittert und der Sozialdemokratie abwendig geworden sei. Soziales. (Siehe auch 1. Beilage). Die Arbeitslosenversicherung beschäftigte am 28. Dezember daS Nürnberger Gemeindckolllegium in einer langen Sitzung. Es hatte zu einem Magistratsbeschluß Stellung zu nehmen, wonach der von einer Kommission ausgearbeitete Entwurf einer Arbeits- losenversicherung(freiwillige Versichcrungskasse mit Zuschüssen an die Mitglieder der Gewerkschaften) vorerst überhaupt nicht beraten, sondern bis 1. Oktober n. I. vertagt werden solle. DaS bedeutet nach den bisherigen RathauSgepflogenheiten so viel als ein an. ständiges Begräbnis. Im Gemcindekollcgium beantragten nun die Sozialdemokraten, an den Magistrat das Ersuchen zu richten, er möge die Vorbereitungen so treffen, daß die Versicherung schon am 1. April n. I. in Kraft treten könne. Hier trat nun die Feindschaft der Bürgerlichen gegen eine durchgreifende Arbeits- losenversicherung noch unvcrhülltcr zutage, als es schon im Ma- gistrat geschehen war. Besonders die Freisinnigen schütteten ihr Herz recht freigebig aus. Der freisinnige Hauptführcr Hcinrichsen bekämpfte den Antrag, tvcil er die Kampforganisationeii der Ar- heiter nicht durch Zuschüsse an die Arbeitslosen unterstützen Willi Ein anderer meinte, es müsse einmal offen ausgesprochen werden. wozu bisher noch niemand den Mut fand: wir brauchen überhaupt keine ArbeitSlosenversicherungl Die Arbeiter sollen ihre Arbeits» losen selbst unterstütze». Der Antrag wurde zuletzt gegen die Stimmmcn der Sozialdemokraten, der beiden Demokraten und eines bürgerlichen Eingängcrs abgelehnt. Der Nürnberger Frei- sinn sieht zurzeit keine Wahlen vor sich, da kann er sich ungeniert gehen lassen; er bekommt immer erst dann sozialpolitische An» Wandlungen, wenn es ihm an den Kragen geht. Hier wie überall. 6ewerfercbaftUcbee. Sine Scbarftnachcr-fanfare! Die Tarifbewegung in der deutschen Holzindustrie ist in ein neues Stadium eingetreten. In den letzten Tagen hat in Berlin eine Versammlung des A r b e i t g e b e r s ch u tz> Verbandes für das deutsche Holzgewerbe statt gefunden, an welcher die Vertreter von 42 an der Bewegung beteiligten Verbände teilgenommen haben. Man hat dort über„die ungeheuerlichen Forderungen der Holzarbeiter" ge zetert, diesen die Schuld dafür aufgebürdet, daß die Vev Handlungen an den Orten so langsam vorwärts gehen und den Beschlutz gefaßt, das zwischen den beteiligten Zentral vorständen vereinbarte Schiedsgericht unter dem Vorsitz des Staatsministers a. D. Berlepsch abzulehnen Z Die Willensmeinung der Versammlung wurde in folgender Re- solution niedergelegt: „Die Vertreter der in Frage kommenden 42 Verbände stellen mit lebhaftem Befremden fest, daß die Arbeiterverbände im direkte» Gegensatz zu den Vereinbarungen der Zentralvorstände voni 26. und 27. Oktober 1909 fast auf der ganze» Linie die örtlichen Vertrageverhandlungen in unverantwortlicher Weise hinzu gezogen haben. Weiter nimmt die Versammlung mit Entrüstung Kenntnis von den bisher bekannt gewordenen, geradezu ungeheuer- lichen Forderungen, die ohne jede Rücksicht auf die ungünstige wirtschaftliche Lage des Holzgewerbes gestellt sind, und welche gar nicht ernst genommen zu werden verdienen. Nach der Ueber- zeugung der Versammlung ist dieses eigenartige Verhalten der Arbeiterverbände von der Erivartung diktiert, daß das verein-- barungsgemätz nur für den äutzersten Notfall vorgesehene Schieds- gericht den Arbeitern einseitig unberechtigte Vorteile bringen soll. wenn es entgegen den Abmachungen von vornherein als General- schiedsgericht tätig sein würde. Aus obigen Gründen lehnt die Bersammlung das Schieds- gericht mit aller Entschiedenheit ab und fordert im Interesse einer friedlichen Lösung den schnellsten Fortgang der örtlichen Verhandlungen." Was die auf der Tagung der Holzindustriellen gegen die Holzarbeiter erhobenen Beschuldigungen anbelangt, so dürfte der Holzarbeiterverband den Herreil gehörig dienen. Hat der Vorstand des Holzarbeiterverbandes doch erst vor wenig Tagen dem Schutzverband eine Reihe konkreter Fälle beschwerde- führend vorgetragen, in denen die Arbeitgeber die Ver- Handlungen verzögerten. Die Ablehnung des Schiedsgerichts bedeutet aber die Kriegserklärung. Die Holzarbeiter Deutschlands wissen nun, woran sie sind, wenn"bisher noch hier und da ein Zweifel bestand. Mit allen Kräften mutz am Ausbau des Verbandes gearbeitet werden. Den Herren Holzindustriellen mutz zum Bewußtsein gebracht werden, daß die Forderungen der Holzarbeiter immer ernst genommen werden müssen. Oeutkckes Retdn Lohnbewegungen im Holzgewerbe. Die Aussperrung der Arbeiter der Waggonfabrik in Bautzen ist noch nicht beendet. Die Direktion versucht mit allen Mitteln Arbeitswillige zu kapern, hatte aber bisher wenig Glück damit, denn die ergatterten Leute können die Arbeiten nicht ausführe», so datz diese an andere Firmen vergeben werden mutzten, wo sich dann aber die Arbeiter weigerten, die Streikarbeit auszuführen: sie mutzte infolgedeffen zurückgesandt werden. Der städtische Arbeitsnachweis, ja sogar der Stadtrat in Bautzen, versucht sich in der Vermittelung von Arbeitswilligen, allerdings ohne Erfolg. Vor den Feiertagen hat eine ganze Anzahl Arbeitswilliger Bautzen den Rücken gekehrt. In Posen wurde ein Tarifvertrag für die Drechsler ab- geschlossen und zwar mit AölaufStermin am 12. Februar 1913. Der Vertrag bringt eine Verkürzung der Arbeitszeit von 60 auf SS Stunden pro Woche und Anerkennung eines von den Arbeitern vorgelegten Akkordtarifs, der im Laufe der Vertragsperiode eine Erhöhung von 5 Prozent erfährt. Neben diesem werden die Auf- schlage für Ueberstunden usw. durch den Tarif geregelt. Als kleiner Scharfmacher fühlt sich anscheinend der Holzwaren- fabrikant Höh mann in Oberneubrunn«.Thür. Er ent- lietz zum Fest der Lieb- 20 Arbeiter, wovon 18 verheiratet find, weil sie dem Holzarbeiterverband angehören. Für den Geist, der diesen Herrn beseelt, ist folgender Passus aus seiner Arbeitsordnung bezeichnend:« „Alle Arbeiter sind ihren Vorgesetzten zu unbedingtem Ge- horsam verpflichtet. Ungehorsam und Widersetzlichkeit gegen die Vorgesetzten berechtigt zur sofortigen Entlassung." Lohnbewegungen in Solingen. Die Differenzen bei der Firma Hugo Linder(Deltawerk), Solingen, über die der„Vorwärts" in seiner Nummer 295 be- richtete, haben zur Arbeitsniederlegung geführt. Am Weihnachtsabend verliehen über 100 Arbeiter die Fabrik und stelllen die Arbeit ein. Am Dienstag nach Weihnachten war für die letzten bei der Firma beschäftigten Arbeiter die Kündigungszeit abgelaufen, die dann ebenfalls die Fabrik verlietzen. Wohl selten dürfte ein Streik mit dieser Einmütigkeit geführt worden sein, wie in diesem Falle. Die streikenden Arbeiter sind zum Teil im Metall- arbeiterverband, zun« Teil im Jndustriearbeiterverband organisiert. Die Streikleitung hat sofort Posten ausgestellt; aber auch die Polizei hat einen ständigen„Streikposten" an der be- streikten Fabrik stehen, der aber sicherlich nichts zu tun bekommen wird. Arbeitswillige dürften sich schwerlich finden, denn die Firma Linder, die Garten- und Rebscheren fabriziert, ist unter der Arbeiter- schaft zu bekannt. Wohl oder übel wird auch die Firma Linder ihren bisherigen, der Arbeiterschaft gegenüber eingenommenen Standpunkt noch einmal revidieren müffen und dieser Zeitpunkt dürfte nicht zu fern sein. Zu einer plötzlichen ArbertSeinstellung kam eS am letzten Dienstag früh in der Fabrik Hermes in Solingen. Gaeftratze. Die in der Abteilung für Fahrradbau beschäfligten. bisher unorganisierten Arbeiter reichten Lohnforderungen ein und verliehen dann die Fabrik. Die Leitung des Betriebes erlannte die Forderungen an, so datz die Arbeiter mittags die Arbeit wieder aufnahmen, aber nicht, ohne sich vorher der Organisation an- geschloffen zu haben._ Der vogtländischc Stickcrstrcik hat nun auch auf die Orte autzerbalb Plauens übergegriffen. In Falkenstein streiken 300, in Treuen gegen 50 Sticker; am Freitag werden noch weirere Arbeitseinstellungen erfolgen. Dabei werden jeden Tag von Unternehmern die Forderungen der Arbeiter bewilligt. In Plauen arbeiten gegen 1109 Sticker z» den neuen Bedingungen. Die Situation ist demzufolge günstig für die Arbeiter. Erhöhung der Löhne städtischer Arbeiter.» Räch mehrmaligen Versuchen ist eS am Mittwoch endlich den sozialdemokratischen Stadtverordneten Leipzigs gelungen, einen An- trag turchzubringen, wonach der Rat der Stadt ersucht wird, eine Erhöhung der Löhne der städtischen Arbeiter vorzunehmen. Der Stadrbnnrat PeterS sowohl wie auch der Oberbürgermeister Dr. D i t t r i ch liehen es nicht an wohlfeilen Versprechungen, die Sache„im Auge zu behalten", fehlen. Aber unsere Redner, vier an der Zahl, liehen diesmal nicht locker. Einen schlechten Dienst leistete der Mittclständler, Banrat Enke, dem Rat, der klipp und klar forderte, die Stadt dürfe nicht durch Gewährung hoher Löhne die Privatindustrie zwingen, ebenfalls höhere Löhne zu zahlen. Dieses Argument war für den Rat so kompromittierlich, datz ein Vertreter der Grotzbourgeoisie, Professor Meyer, den Rat gegen diese Insinuation in Schutz nahm und es als einen Segen bezeichnete, wenn gute Löhne gezahlt würden. Er wies darauf hin, datz der höhere Verdienst der Arbeiter wieder durch zahlreiche Kanäle dem Gemeinwesen zugeführt würde, denn wenn der Arbeiter Geld habe, so habe es die ganze Welt.— Der sozial- demokratische Antrag wurde schlietzlich gegen 14 Stimmen an- genommen. ZZusland. Gesetzliche Maßnahmen zur Vermeidung von Streiks und Aussperrungen in Dänemark. Als im Sommer 1908 in Dänemark der große Kamps in den graphischen Gewerben stattfand, der die Oeffentlichkeit uni so mehr aufregte, als auch die Zeitungssetzer und-drucker die Arbeit all- gemein eingestellt hatten, da wurde in den Kreisen des Bürger- tums das Verlangen nach Einführung obligatorischer Schieds- gerichte für Arbeitsstreitigkeiten laut. Die Arbeiterschaft konnte dieser Forderung, die ja in ihrer Konsequenz eine Vernichtung des Streikrechts herbeiführen würde, nicht zustimmen; erklärte sich aber wohl bereit, über Matznahmen zur Vorbeugung großer Lohnkämpfe, soweit dies bei dem bestehenden Gegensatz zwischen Kapital und Arbeit möglich ist, zu verhandeln. Nach Beilegung jenes Kampfes wurde dann auch ein gemeinsamer Ausschutz von je 10 Vertretern der dänischen Arbeitgebervereinigung und des Verbandes der dänischen Gewerkschaften eingesetzt, um über solche Maßnahmen zu beraten. Dieser Ausschutz hat kürzlich seine Vor- schlage veröffentlicht. Es sind drei. Der erste, der von den Ver- tretern beider Parteien einstimmig gutgeheitzen ist, enthält be- stimmte Regeln, die in der Hauptsache besagen, datz, bevor ein Streik oder eine Aussperrung durchgeführt wird, Vermittelungs- versuche gemacht werden sollen, es sei denn, datz Zahlungs- einstellung oder Rücksicht auf Leben, Wohlfahrt oder Ehre einen zwingenden Grund für die Arbeitseinstellung bilden. Wird keine Einigung erzielt, so soll die Angelegenheit, soweit es sich um Streitigkeiten über bestehende Tarifverträge oder Uebereinkommen handelt, einem Schiedsgericht zur Entscheidung überwiesen werden, wenn eine der Organisationen dies verlangt. Bei Streitigkeiten über neu abzuschließende Uebereinkommen soll das Sckziedsgerichts- verfahren jedoch nicht obligatorisch sein.— Diese Regeln können, wenn sie von den Organisationen der beiden Parteien gutgeheißen werden, ohne weiteres in Kraft treten. Bei den beiden anderen Vorschlägen handelt es sich um Gesetzentwürfe, die also nur durch die gesetzgebenden Körperschaften des Landes verwirk- licht werden können. Der eine, über den die Vertreter beider Parteien sich auch einig sind, besagt, datz durch Gesetz ein per- manentes Schiedsgericht errichtet werden soll, das so- wohl über Streitigkeiten, die das nach der Massenaussperrung von 1899 geschlossene Uebereinkommen betreffen, als auch über Tarif. streitigkeiten der einzelnen Arbeiter- und Arbeitgeberorganisationen zu entscheiden hat. Das Schiedsgericht soll das gesetzliche Recht zur Vernehmung von Zeugen, wie auch das zur Lerhängung von Geldstrafen über die schuldig befundene Partei haben.— Gegen- wärtig ist es in Dänemark so, datz gegen Gewerkschaften sehr häusig Ähadenersatzilagen wegen, nach Meinung der Arbeitgeber, ungerechtfertigter Streiks geltend gemacht werden, die dann von den in diesen Dingen sehr wenig sachverständigen ordentlichen Gerichten entschieden werden, in der Regel zum Schaden der Arbeiterorganisation..— Der andere Gesetzesvorschlag verlangt die Einsetzung eines staatsangestellten Vermitte- l u n g's b e a m t e n, der entweder auf eigene Initiative oder aus Wunsch einer der Parteien bei Arbeitsstreitigkeiten eine Ver- Mittelung anstreben soll. Bevor die Arbeitseinstellung ausgebrochen ist, soll der Beamte jedoch nur dann bestimmte Vermittelungs- Vorschläge machen, wenn beide Parteien es wünschen. Diesem Vorschlag, der ja einer Institution entspricht, die in Schweden schon besteht und in ähnlicher Form auch in Norwegen angestrebt wird, haben im Ausschutz nur die Vertreter der Arbeiter und der unparteiische Vorsitzende, Obergerichtsassessor U s s i n g, zu- gestimmt, aber nicht die Arbeitgcbervcrtreter.'- Auf Dienstag hatte nun der Verband der dänischen Gewer!- schaften eine Repräsentantschaftsversammlung ein- berufen, die sich aus zirka 150 Vertretern der angeschlossenen Ge- werkschaften und den 13 Mitgliedern des geschästsführenden Aus- schusses zusammmensetzt. Hier bildeten jene Gesetzcsvorschläge den wichtigsten Punkt der Tagesordnung. Sie wurden von der Re- präsentantschast nach mehrstündiger Debatte mit 143 gegen vier Stimmen in der vorgelegten Form gutgeheitzen. Hus Induftne und Handel Der Arbeitsmarkt tu Berlin. An« ArbeitSmarkt machte sich in Berlin schon im November ein starkes Abflauen bemerkbar. Die Arbeitsnachweise buchten insgesamt 4451 offene Stellen für gewerbliche Arbeiter, denen 5226 angebotene Arbeitskräfte gegenüber standen. Während im Oktober auf je 100 offene Stellen 108 Angebote entfielen, stieg der Andrang im No- vember ans 117 Angebote. Im November v. I. war die Relativzahl allerdings noch höher— 130 Angebote auf 100 offene Stellen—, aber die Bewegung im Mitgliederbestande der Krankenkassen gibt für dieses Jahr im Vergleich mit dem November 1908 ein unerfteulicb'eres Bild. Während z. B. im November 1998 der Mitgliederbestand nur um 299 sich ermätzigte. trat im November dieses Jahres eine Verminderung um 4761 Versicherte eil«. Das ist eine gerade nicht hoffnungsstark stimmende EntWickelung. Steigerung der Zuckerpreise. Eine Preissteigerung für Zucker setzte im August ein; die an drei der wichtigsten Marktorte gezahlten Großhandelspreise für Rohzucker und Raffinade stellten sich für de«« Doppelzentner wie folgt: Rohzucker Raffinade Juli Okt. Nov. Juli Okt. Nov. Köln... 22.05 23,11 25,02 42.60 44.25 45,87 Magdeburg. 20,40 21.60 23,73 41.— 42.58 44,22 Stettin.. 20,70 22,50 24,40 41,85 43.50 45,50 Die Rohzuckerpreise beziehen sich mlf Robzucker von 83 Proz. Ausbeute, ohne Sack, reine Tara, 3 Monate Ziel und stir Raffinade ohne Faß. Im Vergleich zu den beiden Vorjahren stellt sich der Novemberpreis für den Doppelzentner Rohzucker in« Durchschnitt gegen 1908 um 4«md gegen 1907 um 6 M. höher. Die Steigerung der Zuckerpreise ist auf die Haushaltungskosten von nicht unbedeutendem Einfluß._ Kapitalskonzentration in Amerika. Man schreibt uns aus New Dork: Innerhalb weniger Monate hat der kapitalistische Jentrali- sationsprozetz in den Vereinigten Staaten wieder einige Riesen- schritte vorwärts getan. Im November wurde gemeldet, datz die„American Telephon and Telegraph Company" auf dem schmerzlosen Wege des Akticnankaufs die Western Union Tele- graph Company verschluckt habe und die völlige Verschmelzung der beiden Gesellschaften bevorstehe. Diese Verschmelzung müßte aber unmittelbar zur monopolistischen Vereinigung des Geschäfts im Telephon- und Telegraphenverkehr überhaupt fuhren, da die einzige leistungsfähige Gesellschaft im Delegraphcnverkchr außer der „Westen, Union" die Mackaysck>e„Poswl Telegraph Company" die mächtigste Aktionärin der»A. T. and T. C." ist. Von dem Riesen» maß der Verhältnisse kann man sich einen Begriff machen, wenn man erfährt, datz von der„W. U." schon jetzt Aktien und Schuld- verschreibungcn in Höhe von zusammen 138 165 800 Dollar aus- stehen und von der„A. T. and T. C." gar solche zur Summe von 529 475 800 Dollar. Das gäbe zusammen schon über 800 000 000 Dollar Kapital;�? wird aber angedeutet, daß die neue Gesellschaft Genickstarre«n der bayrischen Infanterie. München, 30. Dezember. sB. H.) In einem hicsiqen Infanterieregiment ist die Genickstarre ausgebrochen. Einige .....................................................__.............. Soldaten fone�anJuftr ��t bmüAgeftorbtn Verantw. Redakt.: Richard Barth, Berlin. Inseratenteil verantw.: IH. Blocke, Berli««. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr.u.BerlagSanstalt Paul Singer 3c Co., Berlin Hierzu 2 Beilagen u.U«»terha nag mit einem Kapital von 31.5 Milliarden Mark gegründet werden solle, und auch ohne wesentliche Äapitalerhöhung würde der Millmrden-Trust fertig, wenn sich noch die„Postal T. and T. C." als dritte dem Bunde anschließen würde, denn diese verfügt ihrer- seits wieder über ein Aktienkapital von rund 100 000 000 Dollar. Die„W. II." war einmal Gegenstand einer parlamentarischen Untersuchung, bei der fteilich weiter nichts herauskam als die Tat- fache, daß ihr Kapital zur Hälfte Wasser, das heißt durch keinen materiellen Gegenwert gedeckt sei. Trotzdem hat sie im letzten Jahre bei 99 871 100 Dollar Aktienkapital(die fundierte Schuld von 38 645 000 Dollar hier nicht mitgerechnet) 7 347 107 Dollar Reineinnahme erzielt. War doch auch der größere Teil der Milliarde. womit Morgan und seine Leute den Stahltrust gründet:,,, pures „Wasser", und das Wasser hat sich in der Zwischenzeit in solide, zinsheckende Papierchen verwandelt, die ungefähr nach dem Pari- Wert gehandelt werden, und seitdem sind noch enorme Kapitalien in neuen Anlagen des Stahltrustes riskiert worden, dessen Gesamt- kapital heute 11,2 Milliarden beträgt. Daß es bei der Vereinigung von Telephon und Telegraph auf eine absolute Monopolisierung dieser Verkehrsmittel abgesehen ist, bestätigt eine amerikanische Zeitungsmeldung vom 16. Dezember, wonach Morgan die beiden bedeutendsten der noch bestehenden „unabhängigen" Telephongescllschaften an sich gebracht hat. Mehr Beachtung wegen ihrer möglichen einschneidenden direkten Folgen für das Wohl und Wehe zahlloser kleiner Leute findet aber eine andere Erwerbung Morgans, nämlich sein Ankauf der Aktien- Mehrheit einer der größten Versicherungsgesellschaften des Landes, der„Equitable". Das Kapital der Versicherungs- und Treuhand- gcsellschaften, das Morgan heute beherrscht, schätzt man auf 1 749 000 000 Dollar. Dazu kommt der von ihm kontrollierte Eisen- baynbesitz von 1 164 349 000 Dollar. Zuzüglich der IV2 Milliarden Stahltrust-Aktien ergibt das die Bagatelle von 4 314 349 000 Dollar, das sind über 18 Milliarden und 120 Millionen deutsche Reichsmark! Und dieser Kapitalsberg ist noch lange nicht am Ende seines Wachtums angelangt, sollen doch unter der Leitung Morgans Ver- Handlungen im Gange sein, alle größeren Kupfergesellsckjaften, insbesondere die Kupferbergwerke der Colo-Ryan-Gruppe. die„Amal- gated Copper Comp." mit ihren Tochtergesellschaften und die Kupferbergwerke der Cuggcnheims zu einer Monster-Gcsellschast nach Art des Stahltrusts zusammenzuschließen, und die Geschichte des Morganschcn Stahltrustes 4chrt, daß es töricht wäre, wegen der vorhandenen zahlreichen kleinen Kupfcrminen-UnPrnchmer von der Undurchführbarkeit des Prosetts zu reden. Schlietzlich taucht am kapitalistischen Horizont noch d.'r Plan eines Riesenmonopols der amerikanischen Expretz-Gesellschaften aus. deren märchenhafte Profite bekannt sind. Di«„Adams" und die„Wells Fargo" haben zlvar eine Zeitlang nur 6 Proz., die„American" 4 und die„United States" sogar nur 3 Proz. Dividende gezahlt, aber alle diese Ge. sellschaften haben fabelhafte Bonds-Dividenden und Extraprofite verteilt, und das alles, obwohl ihr Kapital kolossal verwässert ist. Wurde doch schon im Jahre 1898 nachgewiesen, datz von dem Gesamt» kapital dieser Gesellschaften in Höhe von 55 Millionen Dollar nicht mehr als 10 Proz. tatsächlich einbczahlt„nd der„Rest" einfach Wasser war. Die ursprünglich ganz wertlosen Aktien tragen heute alle ihre rechtschaffenen Zinsen, die dem Publikum in Gestalt un- verschämter Expretzraten geraubt werden. Speziell die„Wells Fargo" hat ihr eingezahltes Kapital von 750 000 Dollar auf 6 250 000 Dollar verwässert und diese Gesellschaft kann jetzt ihre Aktionäre mit der Verteilung von 300 Proz. Dividende erfreuen, unter gleich, zeitiger Erhöhung des Aktienkapitals auf 24 Millionen Dollar! Die Zeit ist abzusehen, daß eine Handvoll Milliar- däre alle Industrien der Vereinigten Staaten besitzen oder beherrschen werden. Letzte JVacbricbten und Depelcben. Jaurös gegen den Minister des Acusteren. Paris, 30. Dezember.(88. T. SB.) In ber heutigen Sitzung verhandelte die Deputiertenkammer u. a. über die Frage der äthiopischen Eisenbahnen. Villebois-Mareuil(k.) und Ja u res(Soz.) erhoben gegen Pichon den Vorwurf, er habe im vergangenen März erklärt, daß der Vertrag zwischen der fran- zäsischen und der äthiopischen Regierung über die Eisenbahnzession für eine neue französisch-italienische Gesellschaft abgeschlossen sei. Dennoch sei es nicht zum Abschluß des Vertrages gekommen, da die äthiopische Regierung schlietzlich das Verlangen gestellt habe, diese Gesellschaft solle einez« neuen Vertrag unterzeichnen, der den auf äthiopischem Gebiet belegenen Teil der Bahn der Kon- trolle des französischen Staates entziehen sollte. JaureS warf Pichon in heftigen Worten vor, er habe die Zinsgarantie des Staates bestehen lassen und jede Kontrolle unmöglich gemacht. Zudem sei dies der Kammer verheimlicht worden, eine Tatsache, dir für daS parlamentarische Leben von schwerwiegender Bc- deutung sei. Pichon legte gegen die Vorwürfe Jaures Ver- Wahrung ein und sagte, datz er die Kammer von dem Tatbestand unterrichten werde. Jaures beklagte sich weiter darüber, datz Pichon der Kammer nicht gesagt habe, daß er von seinen Beauf, tragten getäuscht worden sei. Er werde den Minister darüber interpellieren, ein Tadel«votum gegen Pichon einbringen. Auf die Ausführungen des Abgeordneten Jaurss erwiderte der Minister für die Kolonien T r o u i I l e t. Minister deS Aus- wältigen Pichon versicherte dann, die von ihm seinerzeit in« Parlament abgegebenen Erklärungen seien begründet gewesen, hätten aber nicht in das Spiel derer gepatzt, die auS unlauteren Gründen Gegner des Vertrages seien, und die geglaubt hätten. der Vertrag werde nicht genehmigt werden- Die Kontrolle des französischen Staates über die äthiopische Eisenbahn sei so voll- stäirdig wie möglich. Die Regierung sei bereit, die Organisation der Kontrolle in die Hände der Kommission für auswärtige An- gelegenheiten zu legen. Hierauf lehnte die Kammer JaureS' Tadelsvotum mit 435 gegen 81 Stimmen ab und nahm mit 435 gegen 54 Stimmen eine Tagesordnung an, in welcher die Er- klärungen der Regierung gebilligt werden. Darauf erklärte �er Ministerpräsident die Tagung des Parlaments für geschlo/sen. Das Budgctprovisorium. Paris, 30. Dezember.(28. T. B.) Die Deputierten- kammcr hat mit 448 gegen 54 Stimmen Iwei prov'sonsche PugdetzwSlftel bewilligt. Auch der Senat hat in seiner heutigen Sitzung zwei provisorische Budgetzwölftel einstimmig bewilligt. Weiter stimmte der Senat dem von der Deputiertenkammer bereits �angenommenen Gesetzentwurf zu, nach welchem. dw Stadt Paris zur Aufnahme einer Anleihe von 900 Millionen Frank er» mächtigt wird.__ Das Los der Grubensklaven. Saargcmiind. 30. Dezember.(B. H-) In Oberhausbergen stürzte ein Wasscrwerkschacht ein. Zwei Arbeiter wurden 30. Dezember.(W. T. B.) In einem.Bergwerk bei Charleroi sind bei Sondierungsarbeiten mehrere deutsche Arbeiter verunglückt. Zwei Arbeiter wurden lebens, gefährlich, drei weitere schwer verletzt. 1. 305. 26.?«�.«?. i.§ti\m dts Jonuärlö" f ftliiift PoUiolilnlt. m-j, 31.5�.1909. „Zar Krttift der christlichen Gewerh- kchssten." DaS gentium konnte das gewagte Spiel. daS es mit der Finanz- reform getrieben hat, nur riskieren, indem es mit der Unerschütter- lichkeit der Grundlage des festen ZentrumSwrms. der dicken Dummheit der gentnimsarbeiterwähler, auch für Gegenwart und Zukunft rechnete. Die ganze bisherige Geschichte der Zentrumspartei gab diesem Calcul ja auch eine gewisse Berechtigung. Aber auch nur eine geWiste, umgrenzte. Und diese Umgrenzung scheinen die Zentrumsdrahtzieher bei der Finanzreform doch zu weit abgesteckt zu haben, wenigstens deuten eine Anzahl bisher zutage getretener Anzeichen darauf hin. „Verkümmert stets, doch nie zu scharf, Dem Volk den sinnlichen Bedarf. Dann ist Regieren ein Vergnügen.' Diese Worte des MephistopheleS in LenauS„Faust" find ja der Inbegriff des M.-Gladbacher Zentrumskarechismus. Bei der Finanz- reform war nun die ekle Machtgier deS Zentrums derart fieberhaft gesteigert, dafi die Verkümmerung deS sinnlichen Bedarfs gar zu hahuebücheu fühlbar und offensichtlich wurde. So kam das geriebene Zentrum arg ins Gedränge. Hinzu kam ein weiteres. Die Liberalen haben nach den bisherigen Anzeichen recht wenig Neigung, sich von den ultramontanen Junkerfrenuden, die das liberale Bürgertum von der Blockfutterkrippe verdrängt haben, zur linken Hand mitschleppen zu lassen, sondern sie spucke» dem Zentrum ernsthaft in die Suppe. Auch nach dieser Richtung hin haben sich die Zentrumsjesuiten heuer wohl bei ihrer Rechnung geirrt. Man glaubt die Liberalen bald ivieder mit der Furcht vor der S«zialdeinokratie kirre machen zu können, wie früher so oft schon. Wie lange die jetzige Kräfte- und Parteikonstellation anhält und welche Folgerungen aus ihr entstehen mögen, ist ja nicht leicht einigermaßen sicher zu beurteilen; wahrscheinlich ist aber, daß sich der antiklerikale Zug der Zeit verstärken wird. In der Feindschaft zum Zentrmn, der Heuchlerpartei par sxcolloucs, kommen sich denn ja in der Gegenwart Sozialdemokratie und Liberalismus etwas näher. Die Stadtratswahlen der letzten Zeit standen in einer Anzahl Orte in Rheinland-Weftfalen direkt unter dem Zeichen des Kampftnfes: Nieder mit dem Zentrum I Und dabei ist die Partei deS permanenten Volksverrats ja eklig unter die Räder gekommen, so daß ihr wohl schon oft die„nationale Tat" der Finanzreform sauer genug aufgestoßen sein mag. In den letzten Tagen zum Beispiel noch erlitt das Zentrum bei den StadtratSwahlen in Duisburg und in Dort- mund gehörige, recht fühlbare Schlappen. In Dortmund hatte daS Zentrum sechs Mandate zu verteidigen und verlor bei der Doppel- Parole der Sozialdemokratie und der Liberalen gleich alle sechs, davon vier an die Sozialdemokratie. Den Liberalen gefällt am Zentrum dessen Janusgesicht so wenig ivie der Sozialdemokratie. Den Liberalen ist ein„Flügel" des Zentrums zu„radikal", woran nur wahr ist, daß das Zentrum ja, um seine Arbeiterwähler weiter am Narrenseil führen zu können, ab und an etwas„arbeiterfreundlich" scheinen muß. um es nicht sein zu brauchen. In Wirklichkeit ist die ultramon.ane Partei seit jeher bei allen reaktionären Matznahmen beteiligt und meist mit vorn an der Spitze gewesen. Die Liberalen wollen aber kein „zwiespältiges Zentrum". Ihnen ist. wie eS in letzter Zeit öfter hieß, der offene, ehrliche, sozialdemokratische Gegner nach dieser Richtung hin nicht so zuwider. Das Zentrum kann aber nicht anders. DaS Zentrum muß zwiespältig, doppelzüngig sein, oder eS wird nicht sein. In der sozialdemokratischen Arbeiter- bewegung hat eS schon lange der Stimmen übergenug gegeben, die dem verlogenen Zentrmn die schwersten Schläge auch speziell deshalb ehrlich vergönnten, um Klar- heit in der Politik und offene Feinde zu haben. Kleines feuilleton. Die Gewährsleute des Herrn Bode. Mit den englischen Ge- währSleuten, die seiner Palmerston-Theorie zur Stutze dienen, hat Herr Bode sehr viel Pech. Der famose Tolsree ist von seinem Landsmann Cooksey in den„Times" in einer Weise charakterisiert ivorden, daß er wirklich nicht mehr benutzt werden kann. In unserem Artikel vom 24. Dezember haben wir dann— als erste und einzige deutsche Zeitung— weiteres authentisches Material zur Beleuchtung dieser Frage aus England beschafft. Die Bode-Presse hat wohlweislich diesen wichtigsten und gründlichsten Beitrag zu der Streitfrag«(wie ihn ein Kollege des Herrn Bode charak- tcrisierte) unterschlagen._ Auch das„Beil. Tagebl.", das sonst wacker mitkämpft, schweigt sich aus. Der„Vorwärts" darf offenbar nickt in den Mosse-Blättern als besser orientiert er- wähnt werden.(Als ob's die Leier nicht doch ersühren I) Aber es ivar klar, das Kaiser-Friedrich-Museum konnte die Angriffe von Lucas und Eooksey, die beide mit ihrem ehrlichen Name» bürgen, nicht ignorieren. Und so erschien denn am Mittwochnachmiltag Herr Dr. Posse in unserer Redaktion in Begleitung eines älteren Herrn. um über verschiedenes mit uns zu reden. D-r andere Herr, dessen Namen wir bei der Vorstellung nicht verstanden hatten, mischte sich in aufdringlicher Weise ins Gttyräch und bewies starkes Interesse für„den be- rüchtigten Abenteurer", von dem Cooksey in unserem Artikel gesprochen hi»tte. Er wollte durchaus, daß dessen Namen im„Vor- wärls" genannt würde. Wir verbaten uns schließlich die Ein- Mischung de» geheimnisvollen Herrn X.. der auf unscr Vorhalten bOtt Herrn Posse al» sein Berater oder dergl. bezeichnet wurde. Da die Herren schließlich nichts Sachdienliches mehr zu sagen wußten, hoben wir das Gespräch auf. Nack einer Weile kehrte aber Herr X. nochmals allein zurück und stellte sich als den„berüchtigten Abenteurer" vor. und verlaugte wieder, mit Namen im„VorivärtS" genannt zu werden. Als wir ihn aber fragten, wie er denn eigentlich heiße und warn»' er keine Karte ab- gebe, weigerte er sich(in Gegenwart unseres Sekretärs), seinen Namen zu nenne,,. Wir machten seinem Gerede hierauf ein Ende, nachdem wir mit stillem Behagen die kleinen Bluffs dieses merkwürdigen Herrn genug ausgekostet hatten, sich durch seinen Gehrock und Zylinder als Nichtabenteurer hinreichend erwiesen zu haben. Also das war nach seiner eigenen Behauptung(Herr Posse hatte ihn ja nicht agnosciert) der„Abenteurer", mit dem Cooksey nichts batte zu tun haben wollen. Wenn anders die beiden abenteuerlichen Personen wirklich identisch sind, begreifen wir das vollständig und teilen nach geschehener Kostprobe durchaus Cookseys Geschmack. Wir hatten den bestimmten Eindruck, daß Herr X. beileibe nicht seinen Namen genannt wissen will und imS eine kleine Komödie vorspielte. Die Komödie wird indes öffentlich weitergespielt. Denn wir lesen in der„Boss. Zeitung" eine Zuschrift ohne NamenS- »ennung. worin der Herr ohne Namen, der seinen Namen gc- nannt wisse» will, uns auffordert, seinen Name» bekannt zu geben. So fanden sich zu begrenztem Zweck bei den Stadtratswahlen Sozialdemokratie und Liberale in ihren Interessen im Kampfe gegen das verlogene Zentrum, die Inkarnation der politischen Schäbigkeit und Unehrlichkeit. Bei der vielfachen Verschlingung der Politik mit anderen Ge- bieten, insbesondere mit der Wirtschaft, entsteht auch die Frage, ob und wie die veränderte Konstellation sonst weiter wirkt. Da hat nun der Generalsekretär der nationalliberalen Partei in Dortmund, Dr. O. Hugo, in der„Dortmunder Zeitung", dem liberalen Amts- und llnternehmerblatt, zwei Artikel veröffentlicht,„Zur Kritik der christlichen Gewerk- s ch a f t e n" überschrieben, die interessant genug sind, um kurz ge- würdigt zu werden. Im allgemeinen sind bis jetzt die„christlichen" Gewerkschaften gegenüber den sozialdemokratischen von den Liberalen herausgestrich-n worden, sei eS als das bekannte„Bollwerk" gegen die Sozialdemo- kratie, sei eS als„kleineres Ucbel". Der Verfasser der Artikel in der „Dortmunder Zeitung" macht sich zunächst lustig über den„christ- l i ch e n" Charakter der Zentrumsgewerkichaften und zitiert den „Bergknappen", das Organ des christlichen Bergarbeitergewerk- Vereins, der geschrieben habe, der christliche Charakter der Ge- werkschastsbewegung sei notwendig, weil man„mit der Leugnung Gottes, der unsterblichen Menschenseele und eines Weiterlebens im Jenseits"„den Boden deS Rechts und der Sittengebote verliere". DaS nationalliberale Blatt beziehungsweise der Sekretär bemerkt dazu sehr richtig: „Was soll man sich dabei auch denken? Wäre die Logik richtig, so müßten, um auf dem Boden des Rechts und der Siltengebote zu stehe», doch auch alle anderen wirtschaftlichen Organisationen sich ch r i st l i ch firmieren. Man denke sich aber nur einmal einen Verein christ- licher Kleineisen Warenfabrikanten oder christ- licher Automobilbesitzer. Der lächerlichen Wirkung können solche Kombinationen nicht entgehen." Der nationalliberale Generalsekretär charakterisiert die „christlichen" Gewerkschaften dann als Zentrums gewerkschaften und meint, auch wieder mit Recht, daß auch die Christlichen sich dem Banne des Klassenkampfes nicht entziehen könnten. Die Sozial- demokralie beeinflusse auch die christlichen Gewerkschaften, die Partei- politische Neutralität der„Christen" sei nur ein Aushängeschild. Aus parteiegoistischen Wahlinteressen habe das Zentrum die„christlichen" Gewerkschaften ins Leben gerufen: „Und man mutz sagen, bis heute hat das Zentrum seine großen Wahlerfolge in den arbeiter- reichen Wahlkreisen des Westens wesentlich der ultramontanen Zuverlässigkeit derchristlichen Gewerkschaften zu danke n." Mit der weiter andauernden gespannten Haltung der Liberalen zum Zentrum ist aber damit auch die Stellungnahme deS Liberalismus zu den Zentrumsgewerkschaften zum Teil gegeben. Und was wären die„christlichen" Gewerkschaften, wenn sich das Unter- nehmertum ihrer Heuchelei wegen überall offen gegen sie wenden würde?! Bange Frage— für das Zentrum und seine Zentrumsgewerk- schaften. Jedenfalls haben die sozialdemokratischen Arbeiter, be- sonders im Westen DemschlandS, Anlaß genug, die EntWickelung der Dinge mit Interesse zu verfolgen und nötigenfalls mit Geschick einzugreifen. Wohin die Fahrt nach den Artikeln des nationalliberalen Sekretärs gehen soll, zeigt deutlich der Schluß derselben: „Die(christliche Gewerkschafls-) Beivegung gibt vor, parteipolitische Neutralität zu üben und steckt dabei vollends in ultra mbntaner Hörigkeit. Sie krankt an inneren Widersprüchen, wohin man auch schaut, und nur daS fortwährende Verschärfen des Klassengedankens einerseits und die P r o tekti o u des organisations- gewandten Zentrums andererseits vermögen den sachlichen Bankrott zu verhindern, der eines Tages aber unbedingt kommen muß. Und besser ist's schon, wir kommen zu klaren Verhältnissen in den Arbeiter- organisalionen. Zu Berhältnisse», die jeder Politiker erkennen und richtig bewerten kann, ohne erst hinter die Kulissen steigen zu Er verspricht für diesen Fall eine authentische Darstellung deS Sach- Verhalts. Wir beglückwünschen die„Boss. Ztg." zu ihrem neuen Mit- arbeiter und danken ihr, daß sie endlich von unserem Artikel wenigstens in der Form dieser lächerlichen Zuschrift Kenntnis gibt. Vom Kai ser-Friedrich- Museum aber erwarten wir, daß es schleunig st darüber Auskunft gibt, »wieweit es sich mit diesem Gewährs manne noch solidarisiert. Neujahr in Japan. In Japan ist daS Neujahrsfest das größte und ivicktigste aller Feste des ganzen Jahres. Es wird offiziell an drei Tagen, dem 1., 3. und S. Januar gefeiert, aber im Volk be- ginnt die Feier eigentlich schon am 13. Dezember, und selbst die Behörden gehen über die wirkliche Feier weit hinaus. Die Festlust erklärt sich daraus, daß nicht nur der Beginn eines neuen wichtigen Zeitabschnittes, sondern auch der Anfang des heiteren, alles neu belebenden Frühlings gefeiert lvird. Es ist daS eigentliche Frühlings- fest Japans und reitzt darum Alt und Jung mit sich. Aus diesem alten und volkstümlichen Jubel heraus ist es auch ein Fest des Schenkens, das es vor 20(1 Jahren auch noch bei uns war. lind zwar ist das Schenken im fernen Osten»och viel weitgehender als bei uns zu Weihnachten. DaS Neujahrsfest zeigt in Japan ein auffallendes und eigenartiges äußeres Gepräge. Auf den Straßen läßt die liebe Jugend an zahllosen Fäden zahllose Drachen steigen; zu beiden Seiten des Hauses steht Fichte und Bambus, und diese grünen Säulen werden durch ein Strohseil verbunden, so daß das Ganze eine Art besonderen Eingangslores bildet. Ter letzte Tag im Jahr ist in der Regel ein äußerst kritischer Moment für den Japaner, da alle Schuld in bar beglichen werden muß. Zwischen Gläubiger und Schuldner entsteht oft eine form- liche Jagd, die bis zur zwölfte» Stunde währt. Gelingt es dem Schuldner, sich bis nach zwölf Uhr unsichtbar zu mache», so ist er gerettet. Nach dieser Zeit wird selbst der Gläubiger dem Ge- hetzten freudetrunken seineu Glückwunsch darbringen gleichviel ob er bezahlt hat oder nicht. Die Hauptbeschäftigung dieser Tage sind die NeujahrSgratulationen. Bei uns in Europa findet man diese NeujahrSgratulatiouen vielfach lästig und übertrieben. Aber was bei uns geschieht, ist nichts gegen daS in Japan gebräuchliche Gratulieren. Die ganze Bevölkerung ist auf den Beinen zur gcgeuseitigen Beglückiviiuschuiig. Die Straßen wimmeln von Menschen, die sämtlich aus dem Besüchspfade wandeln. Die Verpflichtung hierzu gilt für jeden Beruf oder Stand ohne Unterschied— und die Besuche beginnen schon, wenn es dämmert. Das macht um so weniger Schlvierigleiten, als man in der Silvester- nacht überhaupt nicht zu Bette zu gehen Pflegt. Der NeujahrSglück- wünsch lautet zumeist:„Ich wünsche Ihnen Glück zum neuen Jahr und haben Sie besten Dank für Ihre Güte, die Sie mir im vorigen Jahre erwiesen haben". Zur Feier des Festes gehört unbedingt ein Reiskuchen, der in Form und Farve etwa einem großen Schweizer- käse ähnelt. Die abnorme Wittennig in Deutschland. In ganz Deutschland herrscht seit mehr als einer Woche ein sehr unbeständiges und ab- normales Wetter. Das Wetter vo» so ausgesprochen ozeanischem müssen. Für den großen sozialen Kampf, der ja kaum zu»erhinder» ist, sind Schleiertänze, die das wahre Gesicht durch schöne Theorien verhüllen, durch- aus nicht am Platze. Und in der Tat führen die christ- lichen Gewerkschaften gegenwärtig einen solchen Schleiertanz ans, der geeignet ist, die politische Oeffentlichkeit über den wahre» Charakter der christlichen Gewerkschaften hinwegzutäuschen." Wir meinen, daß nicht nur„gegenwärtig" die„christlichen" Gc« werkschaften einen„Schleiertanz" aufführen, sondern schon seit langen Jahren. Aber auch hier sind die sozialdemokratischen Organisationen einig mit dem iiationalliberalen Sekretär in dem Bestreben,„zu klaren Verhältnissen" zu kommen, so verschieden die Standpunkte sonst auch sind. Wir kämpfen nicht sowohl gegen das radikale Scheinen, als vielmehr gegen das reaktionäre Sein des Zentrums und der Zentriimsgelverkschaften. Wenn die Sachlage sich dahin ent- wickelt, in der Arbeiterbewegung die wünschenswerte Klarheit zu schaffen und alles auszumerzen, Ivas anders scheinen lvill, al.» seine Natur ist, so liegt auch das im Interesse der Arbeiter- bewegung. Jedoch würde selbstverständlich auch damit an unserer grundsätzlichen Stellungnahme gegen- über dem liberalen Kapitalismus gar nichts ge- ändert werden, vielmehr würde Klarheit ent» stehen nach derRichtung hin, daß auch der letzte Arbeiter die Scheidung der moderneu Gesell« schaft in zwei große feindliche Heerlager— Kapital und Arbeit— offen erkennen und sich ins Lager seiner Klasse, der Sozialdemokratie. schlagen würde. Und lvuchtiger noch und lauter nur würde der Kampfruf gellen bis zum Sturz der Klassenherrschaft: „Der Birkenbaum steht noch ungefällt, Zwei Lager heute zerklüften die Welt, lind ein Hüben und drüben nur gilt" Soziales. Zur Kapitulation des Staatssekretärs Delbrück vor dcu Zlcrzten. Vor einer Woche meldeten wir auf Grund einer Mit- teilung der„Franks. Ztg." über die Regelung der Aerztefrage in dem Entwurf einer Reichsversicherungsordnung die Kapi- wlation Delbrücks vor den Aerzten. Einige bürgerliche Blätter suchten die Mitteilung zu bestreiten. Demgegenüber hält der offensichtlich gut informierte Gewährsmann der„Franks. Ztg." seine Angaben voll aufrecht und fügt diesen noch folgendes hinzu: Die Vorschläge über die Beziehungen der Aerzte zu den Krankenkassen hat, wie ich zuverlässig erfahre, der neue Staatssekretär des Innern selb st aufgestellt. Sie sind noch nicht in dem für den Entwurf der RcichSversichc» rungSordnuug zuständigen Bundesratsausschuß verhandelt worden. Auch werden sie wohl noch nicht dem Reichskanzler unterbreitet worden sein. Endgültige Entschließungen sind es. wie ja auch nicht behauptet worden ist, also nicht. Andere Stellen im ReichSamr des Innern, darunter diejenigen, die sich speziell mit der Aerztefrage beichäftigt haben, haben eine vom Staats- sekretär abweichende Auffassung; sie lehnen in der Hauptsache die Forderungen der Aerzteverbände ab und halten im wesentlichen an der im ersten Entwurf vorgeseheneu Regelung fest. Den gleichen Standpunkt nimmt wohl auch noch der Reichskanzler ein. Der neue Staatssekretär wollte denAerztekoalitionen entgegen kommen. Er scheint den Drohungen und den Vorbereitungen des Leipziger AerzteverbandeS für ein Einstellen der ärzt- lichen Tätigkeit bei den Trägern der Krankenversicherung, loeim die Arztfrage in der zunächst vorgesehenen oder in ähnlicher Weise geregelt würde, große Bedeutung beizumessen. Dann möchte er sich nicht den scharfen persönlichen Au- griffen aussetzen, die dem Reichskanzler als ----- Charakter ist um diese Jahreszeit nur an den Küsten in Frank» reich, Irland und Schoitland anzutreffen. Die ungewöhnliche Wärme, von der Mitte voriger Woche der Westen Europas heimgesucht wurde und Morgentemperaturen bis zu 16 Grad, Höchsttemperaturen bis zu 21 Grad brachte, hat nunmehr auch Deutschland heimgesucht, während in Amerika außer- ordentlicher Frost eiuficl, wie er schon seit vielen Jahren daselbst nicht zu verzeichnen war. Gleichzeitig stellte sich ergiebiger Schneefall ein. NcbrigenS scheint zwischen der in Amerika aufgetretenen Kälte und dem fast gleichzeitig über Finnland eingefallenen strengen Froste ein Zusammenhang zu bestehen. Soweit über die eingetretenen Wetterexzesie sich ein Ueberblick gewinnen läßt, scheint die ganze nördliche Erdhälfte von schweren atmosphärischen Störungen heim- gesucht worden zu sein, deren Einwirkungen sich in Nordamerika und im Norden Europas durch winterliche Extreme, in Mitteleuropa durch den Einbruch ozeanischen Wetter» geltend machen. Die uugewöhn- liche Wärme über ganz West- und Mtteleuropa hält noch immer an und die Regenzonc erstreckt sich über ganz Frankreich, England. Deutschland und die Sudctenläuder bis zur Bukowina. In Süd- rußland herrscht Schneefall. Für die nächste Zeit ist eine Aendcrung in der Witterung nicht z» erwarten. Notizen. — DaS Hebbel-Theater steht vor einer unaufhaltsamen Pleite, die vielleicht nicht in der Form des Konkurse« in die Erscheinung treten wird, weil eS an einer Konkursmasse fehlt. Die Darlehe» des Pumpdramaturgen(diese Abart des Dramaturgen ge- schaffen zu haben, bleibt das unbestrittene Verdienst des Hebbel- Theaters) und die Versuche mit Kassen stücken haben die Gründung des Dr. Robert nicht retten können. Das Theater, das keine andere Notwendigkeit ins Leben rief, als daS Bedürfnis seiner Unter- nehmer. hat auch während seines Bestehens sein Dasein nicht zu rechtfertigen gewußt. — Eine neue Methode Eier zu konservieren, die eS ermöglicht, Eier monate- und jahrelang ohne Beeinträchtigung deS Wohlgeschmacks zu erhallen, bringt nach„Politiken" die größte Eierstrma der Welt in Hull(England) zur Anwendung. Sie hat ein Patent erworben, das darauf beruht, die Eier luftloS zu machen und in einem lustleeren Räume aufzubetvahren. Die Eier werden im Frühling, wenn sie billig sind, in Dänemark und Rußland auf- gekauft und jetzt im Winter wieder teuer verkauft. — Automob illinieu durch die Wüste Gobi. Die öde sandige Steppe, die als Wüste Gobi bekannt ist, soll künftig regelmäßig von großen Lastautomobilcn durchzogen werden. Die chinesische Regierung hat, nach dem„Globus", beschlossen, von Urga nach Kalgan einen Automobildienst einzurichten, der bestimmt ist, die großen Teetransporte zu bewerkstelligen, die bisher nur durch Kamelkarawanen bewirkt wurden. Binnen kurzem wird auch Kalgan mit dem»ach der chinesischen Hauptstadt führenden Schienenstrang verbunden sein; damit schafft die chinesische Regierung nicht nur be- deutsame Handelserleichterungen, sondern sie gewinnt zugleich eine wesentliche Stärkung ihrer strategischen und politischen Stellung in der Mongolei. Staatssekretär durch die Aerztekoalitionen widerfahren sind. Wenn berichtet wird, dab nicht beab- sichtigt sein soll, die freie Arztwahl gesetzlich fest- zulegen, so könnte diese Sinnesänderung des Staatssekretärs erst in den lehren Tagen eingetreten sein. Entweder hätte sich dann der Staatssekretär von der Uninöglichkeit seiner Pläne über- eugen lassen, oder er hätte seine Absichten auf Vorstellungen von oberer Seite hin geändert. Die Ansicht, daß der von uns wiedergegebene Vorschlag Delbrücks eigenstes Geisteswerk sei. stimint zwar mit der anti- sozialen Richtung dieses Staatssekretärs gegen Sozialpolitik durchaus überein. So wie der Staatssekretär beim Zechen- arbeitsnachweis fürsorglich für die„armen" Aktionäre der Bodenschätze und gegen das Recht der Arbeiter auf Arbeits- gelegenheit eintrat, so mag er auch bei einem mit der Etikette „Versicherung der Arbeiter in Krankheitsfällen" beklebtem Gesetz die Geldinteressen der in den Leipziger Verband ge- zwckngten Acrzte wahrnehmen. Was tut's, daß dieser Verband durch erpresserische Manöver zu hindern gesucht hat, daß Arbeitern ärztliche Hilfe werde, und daß er den Kranken- kassen die Erfüllung ihrer Pflichten zu unterbinden sucht? Gerade das mag den Staatssekretär zum Entgegen- kommen auf das Verlangen bestimmen, die A e r z t e auf Kosten der Arbeiter durch die Versicherungsordnuug zu der- sichern. Dennoch glauben wir, der Gewährsmann der„Franks. Ztg." irrt in dem an sich nicht erheblichem Punkte, wer der Autor des Vorschlags ist. Ministerialdirektor Caspar war zum mindesten einem ähnlichen Vorschlage durchaus nicht abgeneigt. Der jetzige Reichskanzler neigte als Staatssekretär des Innern' der Idee zu, an Stelle ärztlicher Behandlung Erhöhung des Krankengeldes eintreten zu lassen. Das hieße den Zustand wie er unter den alten Hilfskassen möglich war, wieder aufleben lassen. Will man den Zweck der Kranken- Versicherung der Arbeiter durchführen, so genügt aber dieser Weg nicht, weil das erhöhte Kraukengeld die ärzliche Hilfe herbeizuführen nicht vermag. Der Zweck, dem erkrankten Arbeiter baldmöglichst die Gesundheit unter ärztlicher Beihilfe wiederzugeben, läßt sich nur durch einen gesetzlichen Zwang der Aerzte zur Annahme der Behandlung erreichen. BundtSratsverordnungrn und Arbcitcrschntz. Die Zahl der BundeSratsverordnungen, die auf Grund der ZU 120e und 139 der Gewerbeordnung zum Schutz der Arbeiter und der allgemeinen Sicherheit erlassen worden sind, ist recht ansehnlich. Aber leider sind eine große Anzahl von ihnen nur solche, die Frist- Verlängerungen oder Dispensationen von der Befolgung neuer Be- stimmungen gewähren, die von der Aufsichtsbehörde zum Schutze der Arbeiter für nötig befunden waren. Entweder wurde die eigentlich für unzulässig erklärte oder beschränkte Beschäftigung von jugendlichen Arbeitern oder von Arbeiterinnen in gewissen Betrieben noch für weitere Zeit zngelaflcn oder für BetriebSänderüngen, die aus demselben Grunde für notwendig erkärt waren, wurden weitere Frist- Verlängerungen zugelassen. Solche nur im pekmtiären Interesse der Betriebsunternehmer, aber nicht im gesundheitlichen Interesse der Arbeiter liegenden Fristverlängerungen wurden wiederholt aus Borstellungen des Zentralverbandes deutscher Industrielle» oder anderer Unternehmervcreinigungen in betreff des Betriebes in Walz- und Hammerwerken, in Zink- Hütten, in Hechelräumen und in anderen Betrieben vom Bundesrat genehmigt. Auch zum Schutze der Gesundheit der in Thomas schlackenmühlen und beim Vertriebe von Thomaß- schlackenmehl beschäftigten Arbeiter sind wiederholt Schutz. vestimmungeu vom Bundesrat erlaffen worden. War es doch wiederholt vorgekommen, daß vorher bei der ärztlichen Untersuchung gesund befundene Arbeiter im Alter von 24 und 26 Jahren, die mit dem Laden von Schlacke oder dem Sahren von Säcken mit Schlackenmehl beschäftigt wurden, schon 3 oder 6 Tage nach ihrer Einstellung zu einer solchen Beschäftigung an Lungenentzündung hinstarben. Der GewerbeauffichtSbeamte in Königsberg war entsetzt von dem dicken Schlackenmehlstaub. in dem die Arbeiter beim Trans- Port von Säcken mit solchem Mehl vom Schiffe nach dem Lager arbeiten mußten, er überzeugte sich von der schlechten Be- schaffenheit der Säcke, er machte seine vorgesetzte Behörde auf diesen Uebelstand aufmerksam. Zwar sind diese Transportarbeiter gegenüber den in den Schlackenmühlen selbst beschäftigten Arbeitern in der verhältnismäßig glücklichen Lage, daß sie nicht dauernd und nicht längere Zeit ausschließlich mit den, Transport und den» Lagern solcher Säcke mit Thomasschlackenmehl zu arbeiten haben, sondern daß sie abwechselnd auch mit weniger gefährlichen Arbeiten be- schäftigi werden und daß infolge dessen die Lungeneckrankungen bei ihnen allgemein nicht so schwer und tödlich sind, als bei den in den Mühlen selbst beschäftigten Arbeitern. Daß aber auch für ihre Gesundheit dieser durch schlechte Beschaffenheit der Säcke verursachte Staub nachteilig ist. kann von keiner Seite in Abrede gestellt werden. Der Bundesrat hatte auch in Rücksicht darauf am 2b. April 1899 eine Bekanntmachung erlaffen, welche anordnet, daß vom I. Juli 1899 ab Thomasschlackenmehl nur in Säcken transportiert und in Stapeln gelagert werden dürfe, die keine geringere Stärke und Dichtigkeit haben, alö diejenigen die im Handel mit dem Gewicht von 14 Unzen bezeichnet werden, resp. solche von IS Unzen, tvenn das Mehl in mehr als 3,5 Meter hohen Stapeln gelagert werden soll. Aber die höhere Verwaltungsbehörde konnte doch in einzelnen Betrieben diese Frist um ein Jahr verlängern. Das ist auch mehr- fach geichchen. Dann wurde durch Bekanntmachungen vom 1ö. November 1903 und von, 3. Juli 1909 diese Frist hiö zum 1. Januar 1910 verlängert. Nun hat, wie wir bereits mitteilten, kurz vor Ablauf dieser Frist wiederum eine Bekanntmachung deS Bundesrates die Berweirdung von Säcken zum Transport von Thomasschlackenmehl bis zum 1. Januar 1911 zugelassen, auch wenn sie nicht die Stärke und Dichtigkeit besitzen, die§ 9 Absatz 1 der Verordnung vom 3. Juli 1909 vorschreibt. Des geringen Borteils wegen, den die Untemehmer durch die weitere Verwendung der eigentlich unvorschriftsmäßigen Säcke haben, wird also Gesundheit und Leben zahlreicher Arbeiter weiter aufs Spiel gesetzt. Demselben Entgegenkommen auf Wünsche von Unternehmern zu Ungunsten der Arbeiter begegnen«vir auf dem Gebiete der Stein- industrie. Die gesiiiidheitSgesährliche. insbesondere die AtmungS- organe schwer angreifende Arbeit der Sandsteinarbeiter wurde von der Gewerkschaft und im Reichstage von den sozial- demokratischen Rednern klargelegt. Gegen 37 Proz. der Saiidstein« arbeiter sterben an der Lungenschwindsucht. Das unaufhörliche Betonen der unbestreitbaren gesundheitsschädlichen Folgen der Arbeit in der Steinindustrie führte zu der BundeSratSverordnung vom 20. Mai 1902 über die Errichtung und den Betrieb von Steinbrüchen und Steinhauereien. Diese Verordnung wurde durch Verordnung vom»1. Mai 1909 verbessert. Diese Verordnung trat am 1. Juli 1909 in Kraft. Diese Verordnung schränkte. waS wir seinerzeit als Fortschritt hervorheben konnten, die Beschäftigung von Ar- beiterinnen in Steinbrüchen und Steinhauereien in erheblichem Maße ein. Jetzt hat der Bundesrat infolge der Be- hauptung insbesondere der schlesischen Großindustriellen, die Ar- beiterinnen würden keine andere Beschäftigung finden, die Verordnung vom 31. Mai verschlechtert. Er hat der höheren Ver- walwngsbehörde die Befugnis eingeräumt, für ihren Bezirk oder Teile desselben zu gestatten, daß Arbeiterinnen, die vor dem 1. Juli 1909 bei Abräumungsarbeiten sowie beim Transport oder Verladen von Abraum oder Abfall verwendet wurden, bis zum 31. Dezember 1911 mit diesen Arbeiten weiter beschäftigt werden. (Siehe auch Hauptblatt.)! Uns der frauenbcwec[ung. Agitation im Kreis Niedervarnim. Das Parteisekretarlat von Niederbarnim veranstaltete im November und Anfang Dezember eine planmäßige Agitation unter dem weiblichen Proletariat des Kreises, die von sehr gutem Erfolg begleitet war. Versammlungen waren arrangiert in den Orten: Llarlshorst, Tegel, Reinickendorf-Ost und-West, Friedrichsfelde, Schöneiche, Mahlsdorf, Wilhelmsruh, Borsigwalde, Weißensce, Stralau, Bernau. Hermsdorf, Pankoio, Oranienburg, Friedrichs- Hägen, Lichtenberg, Erkner und Oberschöneweide. Die Genossinnen Lungwitz und Zietz hatten die Referate übernommen, außer- dem sprachen die Genossinnen Köhler und Schulte in je einer Versammlung.„Die neuen Steuern und die Stellung der Frauen dazu" war das Thema, das in allen Versammlungen zur VerHand- lung stand. Wo die Vorbereitung der Versammlungen eine gute, war auch der Erfolg zufriedenstellend. Im ganzen brachte die Versamm- lungStour der Partei 374 neue Mitglieder, der«Gleich- heit" und dem„Vorwärts" eine Anzahl Abonnenten. Der Streik der Blusenmacherinuen in New Nor?. Der großartigste Maffenstreik weiblicher Arbeiter, den Amerika bisher gesehen hat, wurde in den letzten Novembertagen durch eine Reihe Riesenversammlungen der Blusenmacherinnen in New Fork, in deren größter Samuel Gompers als Hauptredner auftrat, eingeleitet. Von etwa 43 000 in der New Horker Blusenkonfektion tätigen Arbeiterinnen legten 40 000 die Arbeit nieder. Fast wie ein Blitz aus heiterem Himmel kam den Unternehmern die Erhebung dieser als landfremde Auslände- rinnen, als Frauen und Arbeiterinnen dreifach unterdrückten und verachteten Maffe, und auch in ihrem Verlauf ist diese un- vergleichliche Bewegung reich an erhebenden Kundgebungen des SolidaritätsgefühlS. Ter Generalstreik dieses Frauenheeres ist urwüchsig hervorgegangen aus einem Arbeiterinnenausstand in einer der zahlreichen kleinen Werkstellen der Stadt, � und in der von zirka 8000 Mädchen aller Nationalitäten, hauptsächlich aber russischen Jssraelitinnen, zusammengesetzten Versammlung in der„Cooper Union" waren es die elektrisierenden Worte einer neunzehnjährigen russischen Näherin, Klara Lemlich, die den Stein ins Rollen brachten. Die Forderungen lauten auf Ibprozentige Lohnzulage für die Tagesarbeiterinnen, Lvprozentige Aufbefferung für die Stücklohnarbeitcrinnen und b2stündige Ar- beitswoche. Außerdem verlangen die Mädchen, und zwar in erster Linie. Anerkennung ihrer Organisation. Wegen dieser letzteren Forderung streiken auch die Arbeiterinnen solcher Firmen, die im Punkte der Löhne, der Arbeitszeit wie der sanitären Arbeits- bedingungen keinen Anlaß zur Unzufriedenheit geben. Natürlich ist das nur eine geringe Minderzahl der Geschäfte; die über- wiegende Mehrheit der Arbeiterinnen hatte nur allzu berechtigten Grund zur Unzufriedenheit, trug sie doch kaum 8 Dollar nach Hause, wenn sie am Ende einer Arbeitswoche ihre oft schauderhaft überfüllten und schmutzigen Werkstätten, wahre Brutstätten der Tuberkulose, verließ. Es verdient aber hervorgehoben zu werden, daß es gerade die besser entlohnten Mädchen, und unter ihnen wieder die gescheitesten und tüchtigsten, sind, die in jedem Geschäft als die eifrigsten Agitatorinnen und Streikkührerinnen wirkten und jetzt als Streikposten die hingebungsvollsten Dienste leisten. Als der Streik begonnen wurde, waren nur etwa 1000 Arbeite- rinnen organiffert; kein Wunder, daß die Unternehmer sich ver- maßen, die Mädchen ironisch zum Streiken zu ermuntern, indem sie darauf pochten, daß genug Nicht-Union-Arbeiterinnen zur Ver- fügung standen. Aber am Tage nach den großen Versammlungen mußten die Ausbeuter, die jedes Zugeständnis ablehnten, erleben. daß die Mädchen, einerlei, ob organtsiert oder nicht, auf ein ge- gebenes Zeichen„wie ein Mann" abrückten. In den ersten fünf Tagen des Ausstandcs gewann dann die Organisation 19 000 neue Mitglieder, und die Verbandsbeamten konnten die Mädchen nicht schnell genug einschreiben und ihre ersten Beiträge entgegennehmen. Die Massenaufnahmen in die Gewerkschaft haben noch nicht auf- gehört, und jetzt wissen die Unternehmer. waS los ist. Ein Teil von ihnen hat bereits alle Forderungen unterschrieben, worauf schon 14 000 Arbeiterinnen als Siegerinnen wieder an die Arbeit gingen; aber andere Blusenfabrikanten haben sich bis zum letzten „Blutstropfen" gegen die Arbeiterinnen verschworen und gefallen sich in der den Scharfmachern der alten Welt nachgeplapperten Phraseologie der„Herren im eigenen Hause", indem sie gleichzeitig die Streikforderungen als„unamerikanisch" denunzieren. Eine von unparteiischer Seite angeregte schiedsgerichtliche Beilegung des Streiks scheiterte an dem Herrendünkel dieses Teiles der Fabrikanten, und der Kanipf wird jetzt mit der Begeisterung und unbegrenzten Aufopferungsfähigkeit, die gerade dem hier in Frage kommenden Menschenmaterial eigentümlich ist, weitergeführt. Fast alle großen Versammlungssäle der proletarischen Ostseite sind in Streikquartiere verwandelt. Hier treffen sich die Mädchen aus jedem einzelnen Geschäft, um ihren KriegSplan zu beraten. die Streikposten für die Woche zu bestimmen usw., und man kann da oft Szenen aufopferungsvoller Kameradschaftlichkeit erleben. die noch über das LicbeSgebot des NazarenerS hinausgeht, der be- kanntlich nur von dem Glücklichen, der zwcen Röcke hat, verlangte, den einen dem zu geben, der keinen hat. Bemerkenswert ist auch die fast absolute Weigerung der Mädchen, Unterstützung von ihrer Organisation zu fordern. Selbst Näherinnen, die Familien- angehörige zu ernähren haben, widersetzen sich der Annahme einer jeden Streikunterstützung. Der Enthusiasmus der Mädchen be- währt sich auch in ihren tapferen Diensten als Streikposten, wobei S: nicht nur der Brutalität der brutalsten und korruptesten Polizei r Welt, sondern auch den organisierten Anrempelungen und Roheiten der eigens zu diesem Zweck von manchen Unternehmern gedungenen„echt amerikanischen" Strolche ausgesetzt sind. Tag für Tag erscheinen Mädchen mit Spuren körperlicher Mißhandlung, oft genug mit blutenden Wunden als Gefangene vor den Richtern, und obwohl die höheren Instanzen das Recht des Streikposten- stehens anerkannt haben, werden die Streikposten von den schuftigen Polizeirichtern ausnahmslos in Geldstrafen genommen, unter Androhung des Arbeitshauses für den Wiederholungsfall; der körperliche Zustand der mißhandelten Mädchen wi-'o dagegen immer ignoriert, und die feigen Polizeirowdys erfahren nicht den geringsten Tadel. Gegen die Geincinheiten der Polizei demon- strierten die Näherinnen am 3. Dezember in großartigster Weise. Gegen 10 000 Mädchen marschierten just um die Mittagszeit, von Kameradinnen geführt, die persönlich den Gewalttätigkeiten der Knüppelschwinger preisgegeben waren, durch die Hauptverkehrs- straßen der Stadt nach dem Rathause, wo die Führerinnen an das Stadtoberhaupt appellierten und Schutz gegen die Schutzleute verlangten. Seitdem ist es etwas besser geworden. Nicht ver- schwiegen sei das rühmliche Eintreten eines Teiles der bürger- lichen StimmrechtSkäinpferinnen für die Schöpferinnen ihrer Blusenpracht. Die Frau des Multimillionärs B e l m o n t mietete den Streikenden den Hippodrom zu einer Monsterversamm- lung, in der außer den bürgerlichen Suffragetten und den reinen Gewerkschaftlerinnen auch unsere Genossinnen Rose Pastor- S t o k e s und Leonora O'Reilly zu Worte kamen und die Klaffenkampfnote erklingen ließen. Frau Bclmont hat sich auch dazu aufgeschwungen, unter ihren Klassengenossinnen einige tausend Dollar für die Streikkasse zu sammeln. In einer von der Streikleitung einberufenen Massenversammlung vom 13. De- zember redeten John Mitchell und Genosse Morris Hill- quitt. Mitchell brandmarkte die Unausrichtigkeit der Fabrikanten, die anfänglich einwilligten, alle Streitfragen einem Schiedsgericht zu unterbreiten, dann aber die Forderung der An- erkennung des Verbandes davon ausgenommen wissen wollten. um den von keiner Union geschützten Mädchen später ungestraft alles entreißen zu können, was ihnen etwa heute bewilligt würde. Genosse Hillquitt enthüllte aber eine diabolische Verschwörung der ihrerseits selber organisierten Fabrikanten, oie Sonntags vorher in geheimer Versammlung tückische Pläne gegen die Ge- werkschaft geschmiedet, die sie zerstören wollen, indem sie Miß- trauen zwischen den Mädchen und ihren Führerinnen und Führern säen, und zwar entweder durch Bestechung oder, falls das nicht gelingt, durch Verunglimpfung eines der Streikführer. Gleichzeitig wollen die Unternehmer eine Konkurrenzgewerkschaft ins Leben rufen, und ein„prominenter" Arbeiterführer soll bereits erbötig sein, zu dieser traurigen Arbeit die Hand zu leihen, wenn ihm die Fabrikanten für Einberufung der ersten Versammlung die Kleinigkeit von 500 Dollar und bei weiterem Erfolg 2500 Dollar zablen. Genosse Hillquitt teilte in der Versammlung noch mit, daß die Kapitalisten jetzt auch dabei seien, einen gerichtlichen Einhaltsbefehl gegen die Fortsetzung des Streiks zu präoarieren. Wegen„Mißachtung" dieser famosen Erfindung der Klassenjustiz in einer Boykott sacke find bekanntlich Gompers und Mitchell zu Gefängnisstrafen verurteilt worden. Der freche Versuch, der Arbeiterschaft auf diesem Wege sogar die Waffe des Streiks aus der Hand zu schlagen, fehlte gerade noch, um die revolutionierende Rolle der Klassenjustiz in der amerikanischen Arbeiterbewegung zur vollen Geltung kommen zu lassen. Serickrs-Geltung. Die beleidigte Kirche. In einer am 26. Oftober in Adlershof abgehaltenen Ver- sammlung, welche der Agitation zumAuStrittauSder Landeskirche diente, machte ein Diskussionsredner Renn- eisen eine Bemerkung, die eine Anklage wegen B e» schimpfungderchristlichenKirche zur Folge hatte. In der Verhandlung, die gestern vor der ersten Strafkammer de» Landgerichts II stattfand, bekundete Gendarm Rttit, der Angeklagte habe mit Beziehung auf die Kirche gesagt:„Heraus aus der VerdummungSanstalt."— Zeuge Horlitz, der die Ver« sammlung leitete, hat diese Aeußernng nicht gehört, aber eine Be» merkung Renneisens gerügt, welche für eine anwesende Pastors- gattin verletzend war.— Der Staatsanwalt beantragte eine Gefängnis st rase von s e ch s W o ch e n.— Der Verteidiger Rechtsanwalt Dr. Weinberg führte aus, die betreffende Bemerkung fei keine Beschimpfung der Kirche, sondern mir ein Aus- druck der Meinung, die der Angeklagte über die Lehren der Kirche habe. Diese Lehren hätten nach Ansicht des Angeklagten eine ver- dummcnde Wirkung. Eine solche Aeußerung könne ebensowenig als Beleidigung der Kirche angesehen werden, wie etwa die im Streit um da§ humanistische Gymnasium nicht selten ge- brauchte Bemerkung, das Gymnasium sei eine verdummungS- anstatt, als Beleidigung des Lehrkörpers angesehen werden könne. Aber selbst wenn man die Aeußerung des Angeftagten auf die Kirche beziehen wollte, so fehle ihr doch der gemeine Charakter, der nach der herrschenden RechtSauffassung die Voraussetzung bilde zu einer strafbaren Beschimpfung der Kirche. Aus diesen Gründen beantragte der Verteidiger prinzipaliter die Freisprechung des Angeklagten, eventuell eine milde Bestrafung.— Als der Verteidiger versuchte, die unbedachte Aeußerung deS Angeklagten zu erklären und dabei auf dir Erbitterung gegen die Kirch« hiuwi:�. welche zu jener Zeit wegen der Ermordung FerrerS herrschte,' unterbrach ihn der Vorsitzende, Landgerichtsdirektor Forstmann mit der Bemerkung: Sie haben nicht das Recht, zu erklären, daß das Gericht eines ftemden Staates einen Angeklagten ermordet habe. Das Gericht verurteilte den Angeklagten zu einer Woche Gefängnis mit der Begründung, es komme nicht nur auf die beleidigende Aeußerung an. sondern auch auf die Umstände, unter denen sie gefallen sei. Diese ließen erkeiinen, daß der Angeklagte die Absicht gehabt habe, die christliche Kirche zu beschimpfen. Wegen Entführung einer Minderjährigen ist am 26. Juli vom Landgericht I in Berlin der Buchdrucker Jakob S t e i n f e l d zu einem Monat Gefängnis verurteilt worden. Er hatte die siebzehnjährige Else K. kennen gelernt und ihr die Ehe versprochen. Ihr Bater verbot ihr aber streng den Berkehr mit den: Angeklagten. Trotzdem kamen beide öfter wieder zusammen. Eines Tages machten beide einen Ausflug und schließlich verführte der Angellagte daS Mädchen in seiner Wohnung. Einige Tage später erwartete er sie auf der Straße und überredete fie, statt zur Arbeit zu gehen, sich ihm anzuschließen. Beide durchzogen dann vier Tage Berlin und wohnten nacht» zusammen in einem Hotel. Schließlich kehrte das Märchen in die Elternwohnung zurück.— Die Revision des Angeklagten wurde am Dienstag vom Reichsgerichte ver- worfen._ Eiu ungetreuer Bormund. Untreu hat der Tapezierer Erich R e i d i ck e, der gestern vor der Strafkammer des Landgerichts II stand, seines Amtes als Vormund gewaltet. Ihm war die Vormundschaft über ein uneheliches King übertragen, dessen Vater für die Erziehung deS Kindes monat- lich 2l M. zahlte. Von den in den ersten Monaten an ihn ab- gesandten Beträgen hat der Angeklagte nur 2t M. ihrer Bestimmung gemäß abgeführt, die Suinme von 79 M. aber für sich verbraucht. Die Wiederhollen Aufforderungen zur Rechnungslegung ließ er un- beachtet, selbst auf die Androhung von Strafen bis zu 100 M. kam er seiner Pflicht nicht nach. Schließlich wurde ihm die Pflegschaft genommen und als sich dann das Fehlen des für das Mündel be- stimmt gewesenen Geldes herausstellte, wurde die Anklage wegen Untreue gegen ihn erhoben. Der Angeklagte stellte mm eine Rechnung auf, die beweise» sollte, daß er das Geld nicht im eigenen Nutzen, sondern im Interesse des Mündel» verwendet habe. Was er da als Ausgaben für allerlei Konferenzen, Erkundigungen, Rücksprachen, Fahrkosten usw. in Anrechnung bringen wollte, sah das Gericht als rechnerische Kunststücke an und verurteilte den An- geklagten wegen Untreue zu zwei Monaten Gefängnis. Der Anonymus aus de» ReichSwarincamt. Wegen verleumderischer Beleidigung deS Sekretär» im Statistlschen Amt Benno BcyerhauS zu Schmargendorf hatte sich gestern vor dem Charlottenburger Amtsgericht der Geheime Kanzlei sekretär im Reichs marineamt Herr Richard Mrowetz zu verantworten. Die Beleidigung war in einen, Briefe an den Präsidenten des Statistischen Amres enthalten, der mit dem Namen Voigt unterzeichnet war. Die Be- weisaufnahme ergab folgenden Tatbestand: Beyerhans befand sich während seines SommerurlanbS im August in einem Ostseebade und erwirkte von dort unter Beibringung eines badeärzilichen Atteste» bei seiner Behörde einen Nachurlaub von drei Wochen. Fünf Tage vor Adlaus desselben kehrte er nach Schmargendorf zurück und wartete hier das Ende des Urlaubs ab. bevor er sich zum Dienst meldete. In diesen Tagen erhielt der Präsident des Statistischen Amts den mit Voigt unterzeichneten Brief, in dem BeyerhauS beschuldigt wurde, er sei nie krank und deshalb deS Nachurlaubs nicht bedürstig ge- wesen, er verstelle sich vielmehr und mache ganze Nächte hindurch Schmargendorser Lokale»msicher. ES wurde sestgestellt. daß der Name Voigt fingiert war. Der VerdaSt des Beleidigten richtete sich gegen den Angeklagten und fand feine Bestätigung, als der Präsident des Staliftischen Amts denvcrleumderischen Brief herausgab. DieHondschrift des Briefichreibers erschien mit der des Angeklagten identisch. Diese Feststellung traf der Beleidigte auf Grund mehrerer Briefe. die er aus feinem früheren freundschaftlichen Verkehr mit dem jetzt Angeklagten besaß. In der gestrigen Verhandlung bestritt der Angeklagte aupbas entschiedenste, der Briefschreiber zu sein. Hin- gegen bekundeten zwei Schreib sachverständige überein- stimmend, daß als Schreiber des betr. Briefes nur er in Betracht kommen känne. Das Gericht kam zu einem freisprechenden Urteil. ES führte in der Begründung aus, daß man dem An« geklagten eine derartig niedrige Handlungsweise nicht zutrauen lärme, zumal ihm hierzu jedes Motiv gefehlt habe. Voraussichtlich wird die Affäre noch die Berufungsinstanz be- fchäftigen._ Um welche» Dreck sich die Eiscniahnverwaltung kümmert. Dem„Weckruf", Organ für die Jntereffen der Eisenbahner Deutschlands, entnehme» wir folgenden Bericht: „Die Bahnarbciter 1. Gottfried Müller. 67 Jahre alt. un» bestraft und seit 27 Jahren bei der Bahn beschäftigt, 2. Anton Pritzel, 68 Jabre alt, unbestraft und seit 18 Jahren an der Bahn beschäftigt, S.August Nücker, 66 Jahre alt. un- bestrast und seit 20 Jahren an der Bahn beschäftigt, standen vor kurzein als des Diebstahls Angeklagte vor dem Schöffengericht. Ihre Beschäftigung besteht darin, daß sie auf den, Schlesischen Güter- bahnhof in Berlin die Abfälle und den Schmutz zwischen den Gleisen forträumen. Am 18. September vorigen Jahres sah der Eisenbahnpraktikant Meyer, daß die Angeklagten sich unter einen auf dem Gleis stehenden Wagen bückten, etwas auf- nahmen und in ihren Müllwagen warfen. Er ging ihnen nach und sah, daß die Angeklagten drei Weißbiergläscr im Gesamtwerte von etwa 1 M.. die teilweise in Stroh eingewickelt waren, auf ihren Wagen warfen. Er meldete dies und die Eisenbahn- Verwaltung zeigte die drei Leute wegen Dieb- st a h l s an. In der Verhandlung bekundete der Vorarbeiter der Angeklagten. daß daran gar nichts Auffälliges und Verdächtiges sei. daß die Bahnarbeiter die Gläser beim Reinigen des Gleises aufgehoben und weggefahren hätten. Das käme alle Tage vor, daß dergleichen Dinge beim Ausladen der Waggons auf die Schienen gerieten und e» fei die Pflicht der Arbeiter, dergleichen Sachen vom Gleise wegzunehmen und fortzuschaffen. Die Angeklagten wurden darauf freigesprochen." Gegen drei im Dienst ergraute Leute auf Grund solchen Tat- bestandes eine Strafanzeige zu erstatten, ist ebenso unerhört wie die Erhebung der Anklage wegen solchen Drecks. Nicht ein Funken Be- weis dafür lag vor. daß die Leute sich etloas rechtswidrig aneignen wollten oder daß sie daS Bewußtsein der Rechtswidrigkeit hatten, selbst wenn sie den alten Kram sich hätten an- eignen wollen. Und dennoch: erst hochnotpeinliche Anzeige des Herrn Eifenbahnpraktikanten Meyer über feine Wahrnehmung, daß Arbeiter Fahrhinderniffe beseitigten. Denn statt einer fürsorg- lichen Belehrung des Praktikanten darüber, daß Bahnfreimachen nicht durch Liegenlaffen von Gläsern auf dem Gleise geschieht— in der Eisenbahnverwaltung Entgegennahme der Anzeige, fein säuberliche Protokollierung, stunden« vielleicht tagelange Schreibereien, bis der Fall zm Weitergabe an die Staatsanwaltschaft gehörig installiert ist. Bei dieser Behörde abermals aktenmäßiges Ar- Zeiten, so daß auch das Gericht Arbeit bekäme. Wie weltfremd muß der Staatsanwalt sein, der solche„Anklage' gegen drei un- bestrafte, bejahrte Arbeiter nicht sofort in den Papierkorb wirft und die Eisenbahnverwaltung darauf hinweist, daß Arbeiter doch nicht lediglich deshalb als Diebe angeklagt werden können, weil sie ihre Pflicht getan haben! Und solch' leicht- fertigem Walten des heiligen Sankt Bureaukratius gegenüber will der Entwurf des Strafgesetzbuchs Beamte noch mehr der Mög- lichkeit fernhalten, wegen fahrlässigen Verhaltens unter Anklage gestellt zu werden! Herr Eisenbahnpraktikant Meyer und die weiter in dieser empörenden.Diebstahlsaffäre" verwickelten Beamten werden hoffemlich nicht vor ihrer Ernennung zu Eisenbahnchefs oder Justizministern auf einem Zuge entgleisen, unter dem Arbeiter aus Furcht, wegen„Diebstahls" angeklagt zu werden, Steine, Flaschen und dergleichen liegen ließen._ Zum Kapitel„Eigentumsvorbchalt bei Maschinen". Tie Aktiengesellschaft Sch. u. Co. in Chemnitz lieferte laut Vertrag vom 17. Februar 1904 für eine Wollspinnerei in Neu- Münster 1 Reiszkrempcl, 1 Pelzkrempcl. 1 Vorspinnkrempel, 1 Schmirgelschleifwalze, 60 Vorgarnspulcn, 10 Pelzwickelstäbe. Diese Gegenstände wurden dem Eigentümer leihlvcise mit der Vereinbarung überlassen» daß dieser berechtigt sein sollte, sie gegen Zahlung des Preises von 7780 M. zum Eigentum zu erwerben, daß sie aber bis dahin Eigentum der Lieferantin bleiben sollten. Auf Antrag des Maurermeisters R. wurde wegen einer vollstrech- baren Hypothekenfordcrung die Zwangsversteigerung des Grund- stücks eingeleitet. Hierbei entstand Streit darüber, ob die ge- lieferten Gegenstände wesentliche Bestandteile des Fabrikgebäudes geworden waren; denn die Lieferantin wollte sie zurück haben, da der Kaufpreis noch nicht gezahlt war. Die Vorderrichter erkannten nach dem Antrage der Liefe- rantin auf Rückgabe resp. Auszahlung des hinterlegten Versteige- rungserlöses von 8400 M. Die vom Beklagten gegen das Urteil des Oberlandesgerichts Kiel eingelegte Revision hatte keinen Erfolg und wurde vom V. Zivilsenat des Reichsgerichts zurück- gewiesen. In den EntscheidungSgrünben des erkennenden Senats wird ausgeführt, daß die betreffenden Maschinen teilweise lose auf Unterlagen in dem ungeteilten Fabrikraum standen, einzelne gar nicht befestigt gewesen seien und die anderen Sachen wieder nur lose Teile der Hauptmaschinen waren. Daraus ergebe sich zunächst, daß der Berufungsrichter mit Recht angenommen habe, es sei keiner der Gegenstände mit dem Grund und Boden im Sinne des§ 94 Abs. 1 des Bürgerlichen Gesetzbuchs festverbunden gewesen. Ohne Rechtsirrtum erkläre der Berufungsrichter auch ferner, daß die Gegenstände nicht zur Herstellung des Gebäudes im Sinne des Z 94 des Bürgerlichen Gesetzbuchs eingefügt gewesen seien. Denn sie seien nicht in das größere Ganze deS Gebäudes zwischen andere Teile hineingebracht und in«ine für sie bestimmte Stelle eingepatzt(N. G. E. Z. Bd. S6, S. 290), sondern sie seien im Innern des Gebäudes ohne Zusammenhang mit diesem auf dem Fußboden aufgestellt gewesen. Endlich seien die Gegenstände auch nicht im Sinne des 8 93 des Bürgerlichen Gesetzbuchs, wie der Berufungsrichter ebenfalls mit Recht annehme, etwa Teile einer Sache, die ihrerseits wesent- licher Bestandteil des Grundstückes gewesen, gleichviel, wie weit man den Begriff der Sache, also eines körperlichen Gegenstandes (§ 90 des Bürgerlichen Gesetzbuchs) erstrecken und selbst wenn man eine Baulichkeit zusammen mit der zu einem Fabrikbetriebe bestimmten inneren Einrichtung als eine Sache auffassen wollte. Denn nach der ständigen Rechtsprechung des erkennenden Senats werden körperliche Gegenstände dadurch, daß sie zu einem anderen körperlichen Gegenstände hinzugebracht werden, nur dann Teile dieses Gegenstandes(Sachbestandteile), wenn sie durch Ber- einigung mit diesem anderen ihre körperliche Selbständigkeit der- gestalt verloren haben, daß sie fortan, solange die Vereinigung dauert, mit dem anderen zusammen nach allgemeiner Verkehrs- anschauung als eine einzige Sache erscheinen-.(Alt. Z. V. 493/03.)_ Bmfhartcn der Redaktion. Tie juristische Sprechstunde findet Ltnde« st ratze 3,«weNer Pos, driiicr Eiiigaug, vier Treppen, Fahrstuhl ___ Enorti_ billiger Verkauf | elegant. MonatSgarderodcn her 50-90 M., jetzt 13-38 M. (Srotze Frankfurierstraste 89. Rur 1 Drrppe, kein Laden. Fahrgeld wird vergütet. Husten bovsi- �giyar�n ßnist- tigen IVfliöol o Caramellen. Aeratl. erprobt bei llotten, Hoisop- kelt, Keuch- EKflfl not, begl.Zong- husten etc. OOUU nisse beweisen den sicheren Erfolg. 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Dezember, nach- mittags 3 Ubr, von der Leichen- Halle des Michael-Kirchhoses in Rixdorf, Hermannstratze, aus statt. Ehre ihrem Andenken! Rege Beteiligung erwartet Tie Ortsverwaltuug. Verband der Steinsetzer, PHasterer und Berulspossen Deutschlands, Filiale OroB-Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, dag unser idollege Otto Nackelbusch am 28. d. SR. gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet an, Sonntag, den 3. Januar 1910, nachmittags 3 Uhr, aus dem Ge- melnde-Friedhos in der Rölkestraße in Weigensce statt. Um rege Beteiligung ersucht 176/18 Ter Borstand. Deiil8eher I Holzarbeiter-Verband Ten Mitgliedern zur Nachricht, dag unser Kollege, der Tischler Stephan Pvspies/ny am 28. Dezember' gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Freitag, den 31. Dezember,»ach- mittags 1 Uhr, von der Leichen- Halle des Zentrnl-FriedhoseS in FriedrichSjelde aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 9417 Die Ortsverwaltung. ArMter- Radlate- Verein _„Vorwärts" Alt-Glienicke Mitgl. deS Arbeiter- Radjahrer- bundeS„Solidarität"), Den Mitgliedern, Freunden und Bekannten zur�tachricht, dag unser Bereinsmitglied und Bundes- genossin 72/18 Berta Fischer geb. Renske am 28. Dezember verstorben ist. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet morgen Sonnabend, den 1. Januar, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- Halle aus statt. Um rege Beteiligung bittet Der Vorstand. tiermit die traurige Mitteilung, unser lieber Vater Gottlied Stinke plötzlich verstorben ist. Un, stilles Beileid bitten Tie trnuerndeu Kinder. Die Beerdigung findet am Montag, dc»t 3. Januar, mittags 1 Ubr, von der Leichenhalle des Kemeinde-FriedhosesinFriedrichs- selde aus statt. �- Am 29. Dezember, früh 3 Uhr, entschlummerte sanft nach nur lltägigem Leiden unsere gute Mutter, Schwiegermutter, Groß- mutter, Urgrojzmuttcr und Tante, die verwitwete Frmjobanua Ejf geb. Tschepe nach vollendetem 85. Lebensjahre. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen Paul Ey. Die Beerdigung findet morgen Sonnabend, den 1. Januar llllO, nachmittags 4 Uhr, von der Halle des neuen Luisenkirchhoses(Char- lotleudurg) am Fürflenbrnnuer Weg, aus statt. Todes-Anzeige. Am 28. d. Mts. verstarb meine liebe Frau, unsere Mutter, Grog- mutter und«chwiegermuttcr Anna Meyer geb. Eeander. Dies zeigen tiefbetrübt an Tic Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet am 31. Dezember, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des Frei- religiösen Friedhofes, Pappelallee, aus statt. Danksagung. Für die Teilnahme anläßlich der Beerdigung meines Paters(«eorg Strecker sage ich allen, ins- besondere der Firma Erich u. Graetz sowie den Sängern meinen herz- licheii Dank. 766 Klara Heinrich geb. Strecker Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines unoergefilichen liebe» Mannes und guten Vaters 69b Anxtist Stein sprechen wir allen Freunden und Bc- kannten unseren herzlichsten Dank aus. HVitwe Stein und Sahn. Allgemeine Orts- Krankenkasse für Tempelhof. Einladung zu der amMontag. de» 10. Januar 1910, abends S'/z Uhr, in Tempel- hos im Restaurant Kaiserin-Augusta- Straße 1 stattfindenden 297/00 Außerordentlichen General- Versammlung Tages-Ordnung: 1. Statutenänderung.§§ 30, 31, 52 und 56. 2. Genesungsheim.(Wahl einer Kommission.) 3. Berfchiedenes. Ter Vorstand der Allgemeinen Ortskrankenkasse für Tempelhof. iaood Stieg, l. Vorsitzender. Offeriere in nur frischer, schöner Ware, solange Vorrat reicht: 139/19 Fette junge Gänse 70 Pl- nnr allererste O.ualitätcn, Gänserümpfe, halbe Gänse, grosse Rehkeulen von M. 6,50 grosse Rchrülte»,. 7,50 Hasen, sauber gespickt, auch geteilt, sette Suppenhühner, ige. Bralhubner, ige. Enten in riesiger Auswahl. 'Wegner, S0.Marianncnstr.Zti Partei- Sped itione»: Zentrinn: Albert Hahnisch, Auguststr. 50, Eingang Joachimstraße s. Wahlkreis, Westen: Gustav Schmidt, Kirchbachstr. 14, Hoch- parterre. , Süden und Südwesten: Hermann Werner, Gncisenaustr. 72. Laden. S. Wahlkreis: St. Fritz, Prinzenstr. 31, Hos rechts pari. 4. Wahlkreis: Ott e»: Robert W e n g e I s, Andrcasstraße 17.— Wilhelm Mann. Pelersburgerplatz 4(Laden). 4. Wahlkreis, Südosten: Paul Böhm, Lausitzerplatz 14/15 (Laden). 5. Wahlkreis: Leo Zucht, Jmmaimelkirchstr. 12(Hos). ß. Wahlkreis(Hoahlt und Hansaviertel): Karl Anders, Salzwrdelerstr. 8, im Laden. Weddinjj; Karl Weiße, Nazarethkirchstraße 49. Hosenthaler und OraaieahnrAer Vorstadt: Hermann Raschle, Bernauerstr. 9. vorn Part. (lesnndhraaaeii: F. Trapp, Stettin erstr. 10. SchOnhaaser Vorstadt: Karl Mars, Lychenerstr. 123. -»dlershof: Karl Schwarzlose. Hossmannstr. 0. Alt-ftllenickc: Wilhelm Dürre, Rndowerstr. 83 II. Hauniselinlentveß:: H. Hornig, Marientbalerstr. 13, I. Hernaa, Köntgental, Zepernick, Schönow und Schön- brück: Heinrich Brase, Hohesteinstr. 74. Part. Hohnsdorf und Faikcnberg: Alois Laus, Bohnsdorf, Ge» noffenschajtshaus»Paradies-. Charlottenbor«: Gustav Scharnberg, Sesenheimerstratze 1, Ecke Goetheslraße, Laden. Eieh,valde. Zenthen, Miersdorf und Hankeis Ablage: Fritz Oldenburg, Eichwaldc, Kronprinzenstr. 81. Erkner: Ernst H o s s m a n n, Friedrichshagener Chaussee. Friedenan- Steglitz-Südende: H. B e r n s e e, Schlotzstr. 419, Hos I, in Steglitz. Bestellungen nehmen entgegen in StegUta: H. M o h v, Düppelstt. 32, und Fr. s ch e 1 1 h a s e, Zlhornstr. 15». Friedrlehshage»: Ernst W e r k m an n, Friedrichstr. 67. «-.riinan: Franz Klein, BaHnHosstr. 6 III. ilohen-Xenendort: Wilhelm T e n t s ch e r, Stolperstr. 50 I. »lohanaisthal: P i e l i ck e, Kaiser-Wilhelm-Platz 4. Karlshorst: Richard Kütcr. Rödelilr. 9, II. I»öalgs-W nsterhansen: Friedrich Laumann, BaHnHosstr, 13. Höpen ick: Emil W i ß l e r, Kietzerstr. 6, Lade». Eicntcnbcrg, Frlcdrichsfeide, Wilhelmsberg; Otto S e i k e l, Kronprinzenstraße 4, I. Mahlsdorf und Kanlsdorf: Hugo Scheibe, MahISdors, Walderseestr. 14. Mariendorf: August L e i p. Cbausseestr. 296. Hos. h'eii-Welücnsee: Kurt Fuhrmann, Sedanstr. 105, parterre. Xieder-Sehöaen eide: Max P r i e b k c, Britzerstr. 14 II. �iowa\% en: Wilhelm I a p p e, Friedrichstr. 7. <»ber-Schöae,veide: August H e n j c 5, Lausencrstr. 2, I. Pankow- h'iederschöahaasen: Otto Riß mann, Mühlen» straße 30. Hcinlckcadorf- Ost, WUholmsrah und Schönholz: P. G u r s ch, Kamekestr. 12, I. Hixdorf: M. Heinrich, Neckarstraße 2, im Lade». Hninmelsbarg, Boxhagen: A. R o s e n t r a» z.'All-Boxhagen 56. Schinargcndorf: Gustav K a m i n s k y, Eunostraße 2. Schöneberg: Wilhelm Baumlet, Mactin Lutherstr. 51, im Laden. Spandau: Koppen, Jagoivstr. 9. Tegel, Borsigwalde, Wittenau, Waldmannslnst, Hermsdorf und Heinlckendorf-West: Paitl Kienast, Borsigwalde. Räuschstraße 10. Teltow: Wilhelm B o n o lv, Teltow, Zehlendorfer Str. 4. Tenipclhof: Albert Thiel. Friedrich Wilhelmstr. 20. Treptow: Rod. Gramenz, Kiesholzstraße 412, Laden. Wllniersdorf-Halensec: W i t t n e b el, Gasteiner Str. 4. 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Januar, gc- s ch l o"s s e n bleibt. Wiedereröffnung Montag, den 3. Januar, abends 7 Uhr. Die Bibliothekkommission. Tegel. Am heutigen Freitag(Silvester): Gemütliches Bei- sammensein und Tanz im Lokale von Julius Klippenstein. Spandauer Strohe 4, Beginn 8Vs Uhr abends. Die Mitglieder haben gegen Vorzeigung ihres Mitgliedsbuches freien Tanz. __ Die Bezirksleitung. Berliner JVacbricbten. Silvester. Wie man dem Volke an der Spree mit der Aushebung des Weihnachtsmarktes die echteste, urwüchsigste Weihnachts- freude beschnitt, damit es beim vielen Lachen das Beten nicht verlernt, so hat man seit genau derselben Zeit auch den öffent- lichen Silvesterulk in Acht und Bann getan. Es war ja nicht iinmer schön, nicht immer ganz harmlos, wie die Silvester- stimmung sich an der Jahreswende in gewissen Berliner Gegenden äußerte, aber mit dem rücksichtslosen. nicht wählerischen Draufgehen der Polizei ist auch so mancher frische charakteristische Zug des Berliner Silvestertreibens verloren gegangen. Die zu jeder Jahreszeit massenhaft bei uns weilenden Fremden, welche in der Silvesternacht aus den Hotels fluten, um den berühmten Berliner Neujahrs- radau kennen zu lernen, kommen nicht mehr auf ihre Rechnung. Selbst der frisch gebügelte Zylindcrhut kann sich heute ziemlich unbesorgt in dieses Treiben hineinwagen. Seinem eingetriebenen Schwarzglanz würden im Zentruni an jeder Straßenecke Dutzende rächender Polizeiarnie erstehen. Unter dem Einfluß der in jedem der letzten Jahre nach der Straße Unter den Linden und ihrer Umgebimg in größerem Umfange aufgebotenen Polizeimacht hat der seit Jahrzehnten üblich gewesene Zuzug animierter Silvester- schwärnier nach dem Stadtinneni sehr bedeutend nachgelassen. Man tut der Polizei nicht mehr den Gefallen, ihr ins Garn zu gehen. Waren doch vor Jahresfrist rings um den Lust- garten im dunklen Hintergrunde, bei Hofpunsch und Schloß- tuchen- Pfannkuchen, die an kritischen Tagen erster Ordnung bei uns schon zur stehenden Einrichtung gewordenen fliegenden Wachen etabliert, als ob man hoffte, daß das Volk dem Gottes- gnadcnwm seine Neujahrsreverenz machen werde. Die treuen behelmten Schloßhüter brauchten die lose sitzende Plempe ebenso wenig zuziehen, wie ihre Kollegenschast in der Friedrich- straße. Aber nervös ist Frau Hermandad in zwölfter Stunde --euch in aller Oeffentlichkeit doch noch immer, nervöser als die aus den Lokalen strömende, zum Ncujahrsulk aufgelegte Menge. Dem Ausländer wird es sicherlich auch heute um Mitternacht wieder riesigen Spaß machen und ein halb mitleidiges, halb sarkastisches Lächeln entlocken, wenn zehn Minuten vor dem sehnlichst erwarteten Glockenschlag wuchtige Schutzmannspedale den Engpaß von der Kranzler-Ecke bis zu Eastans Panoptikum absperren, berittene Alexanderplatzhelden ihre Hühneraugengäule in Trab setzen und im hohen silbev geschmückten Halskragen vor Kommandos fast erstickende Polizeioffiziere aufgeregt hin und her jagen. Aber die rumorenden Volksmassen aus den Vorstädten, die da kommen sollten, blieben schon im vorigen Jahre aus, was auch sehr vernünftig ist. In den Hotels, Theatersälen, Restaurants und Cafös der Innenstadt geht es natürlich hoch her. Hierher, wo�-die goldene Jugend und die leichtlebige Halbwelt Orgien feiert, hat sich von der Straße der nioderne Ncusahrsradau konzentriert. Herr Roeren mit dem Heiligenschein tänn seine helle Freude dran haben, wie auf den Silvesterfeiern der sogenannten vor- nehmen, das heißt im Golde wühlenden Berliner Welt, die sich nimmer langweilen will, die Sektkorken knallen und die halbnackten Tanzbeine mit den zotigen Redensarten um die Wette fliegen. Was man hier, wo die jugend- lichen und noch mehr die bejahrten Helden der Gesellschaft in lauschigen Nischen oder in Extrakabinetts der holden Weib- lichkeit mit blauen Lappen huldigen, zu sehen und zu hören bekommt, hält mit dem volkstümlichen Silvestertreiben in den Festlokalen der unteren Stände keinen Vergleich aus. Fröh- liche, punschbegeisterte Menschen sind natürlich trotz aller Polizei in der Berliner Neujahrsnacht allenthalben noch genug auf den Straßen. Man findet nun mal ein unschuldiges Vergnügen daran, dem Wildfremdesten sein„Prosit Neujahr" ins Gesicht zu brüllen, ihm evne harmlose Papierschlange um den Kopf zu winden und hahnebückene Berliner Neujahrswitze, die freilich für Pfaffcn-Hren nicht geprägt sind, zu verzapfen. In den Vor- städten g:t>t es sogar gemütliche Schutzleute, die solchem Ulk tatenlos zusehen. Hier und da tvird von übermütiger Schul- jugend eine Anschlagsäule angezündet, aber im großen und ganzen zeigt beute Berlin, daß es auch in der Neujahrsnacht, von den unvermeidlichen Ausnahmen einer Zweimillionenstadt abgesehen, weit besser ist als sein Ruf. Um einen Hund. Zu seinem vollen Recht kam der Humor in der letzten Sitzung deS PetilionsnusichusseS der Siadtverordnetcnverfummlung. Grund hierzu gab die Petition einer Frifeurin um Erlaß der Hundesteuer für ein halbes Steuerjahr. Die Friseuse hat einen Hund, der am 10. September zwei Monate alt geworden ist. Nach der neuen Steuerordnnng müssen zwei Monate alte Hunde versteuert werden, und die Friseuse mußte deshalb für das Halbjahr April- Oktober zehn Mark berappen, obwohl sie ihren steuerbaren Hund nur zwanzig •e-pge im alten Steuerjahre im Besitz hatte. Das fand sie hart und eriuchte, ihr die zehn Marl für die zwanzig Tage zu erlassen. Sie legte dar, daß sie tagsüber außer dem Hause frisiere und der Hund ,n threr Abwesenheit ihre schwerhörige Mutier beschütze. Es sei be- kannluch zulässig, daß Schwerhörigen auf ihren Antrag ein Freischein für einen Hund erteilt werde. Das wolle sie nicht, sie wolle Stetier bezahlen, aber für die 20 Tage vom 10. September bis 80. September 10 M. zu zahlen, sei ungerecht. Was war da zu machen? Der Steuerstadtrat bezog sich' auf die Steuerorduung. nach der zwei Monate alte Hunde versteuert werden inüßten. es muffe also geblecht werden. Dazu komme, daß doch die Friseuse die I Hundehalterin sei und nicht die schwerhörige Mutter; die Friseuse �könnte deshalb gar keinen Freischein beantragen. Das sei richtig, wurde von anderer Seite eingewendet. Wenn die hundehaltende Friseuse aber von der Steuer hätte ganz befreit sein wollen, hätte sie einfach ihren Hund der schwerhörigen Mutter„untergeschoben" und ihn als den Hund der Mutter angemeldet. Die Friseuse müsse nur zahlen, tveil sie in Unkenntnis der Sachlage ehrlich geivcsen sei und erklärt hätte. der Hund sei i h r Hund und nicht der Hund der Mutter. Nochmals wies der Steuerstadtrat auf die Konsequenzen hin, die sich ergeben würden, wenn dem Gesuch stattgegeben würde, aber der PetilionSausschuß erblickte nach Lage der Sache in der Beranlagung des Hundes für die 20 Tage eine Härte und beschloß, die Petition dem Magistrat zur Berücksichtigung zu überweisen. Ob der Magistrat dein statt- geben wird, steht dahin. In Steuersachen versteht er keinen Spaß. Es ist vorgekommen, daß Leute zn unrecht zu einer Steuer veranlagt worden waren, zu der sie laut Gesetz gar nicht veranlagt iverden durften— beispielsweise dürfen bestimmte Bcamtenkategoricn nur zur Hälfte ihrer Einkommen veranlagt iverden— aber weil die so Veranlagten nicht rechtzeitig reklamiert hatte», wurden sie ab- gewiesen, obwohl die verkehrte Veranlagung auf ein Versehen der Behörde zurückzuführen war. Nutzte alles nichts, es muhte gezahlt werden. Ob der Magistrat anders denkt, wenn es sich um einen Hund handelt, muß abgewartet werden. Magistrat und Wahlrecht städtischer Arbeiter. Zu der unter obiger Ueberschrift in unserer Mittwoch numiner veröffentlichten Notiz erhalten tvir vom Magistrat folgende Mitteilung: � „In Ihrer Nr. 303 vom 29. Dezember geben Sie unter der Ueberschrift„Magistrat und Wahlrecht städtischer Arbeiter" eine an die städtischen Verwaltungsstellen gerichtete Verfügnng des Ma gistrats vom 20. Dezember 1909 nach dem Abdruck in Nr. ü2 des „GemeindeblatteS" wieder. Sie knüpfen daran selbst die Annahme, daß in der Bekanntinachung im letzten Absatz das Wörtchen„nicht" fehle. Diese Annahme trifft zu: das nicht ist durch ein Druckversehen ausgefallen. Der letzte Absatz der Verfügung lauter: „Für den Fall notwendig werdender Beurlaubung tritt eine Kür- zung der Dienst- oder Lohnbezüge nicht ein." Die Berichtigung der Bekanntmachung lvird in der nächsten Nummer des„Gemeinde- blatte-" erfolgen." Damit erledigen sich unsere an den veröffentlichten Wort laut geknüpften Bemerkungen. Die juristische Sprechstunde heutigen Freitag ans._ des„Vorwärts" fällt nni Eine spcitdavlc Firma ist die Berlin- Anhaltische Maschinenbau-Aktiengesellschaft. Im Gegensatz zu anderen Firmen, die ihrer Arbeiter zu Weihnachte» nicht besonders gedenke», hat die genannte Firma ihre Angestellten am Heiligabend mit einer Weihnachtsüberraschung beglückt. In einem Kuvert fein säuberlich verpackt erhielt jeder Arbeiter— ein Dutzend Neujahrskarten. Diese Karten stellen sich als N e kl a m e karten für das Bamag-Licht der Gesellschaft heraus. Die Freude der Arbeiter über dieses Weihnachtsgeschenk ist nicht zu beschreiben I Ihren MietSkontrakt genau durchlesen sollten alle diejenigen, die einen neuen Kontrakt abzuschließen genötigt sind. Vor allem ist die im Kontrakt festgesetzte Kündigungsfrist genau zu beachten. Vielfach werden Kontrakte unterschrieben ohne genaue vorherige Durchsicht auf den Inhalt. Wenn es später zu Differenzen mit dem Hauswirt kommt, ist immer der Buchstabe des Vertrages maßgebend. Das Gericht stützt sich bei Streitigkeiten auf den Inhalt des Vertrages, der fast alle Rechte dem Hausbesitzer gibt, dem Mieter aber nur Pflichten auferlegt. Auf den städtischen Straßenbahnen wird in der Silvesternacht der Betrieb jeder Linie um je eine Stunde verlängert, so daß die letzten Züge der Linie„Virchow-Krankenhous— Zentral-Viehhof" vom Virchow-KrankenhauS t2.47, 1.07, 1.27, 1.47, vom Zentral-Viehhof 12 12. 12.22, 12 32. 12.42, 12.52, 1,02. 1.12 abfahren; und auf der Linie„Stettiner Bahnhof— Zentral-Viehhof" vom Stettiner Bahn- Hof 12.41, 12.51. 1.01, 1.11, 1.2t. 1,31, vom Zentral-Viehhof 12.17, 12.27, 12.37, 12.47, 12.57, 1.07, 1.17 die letzte» Züge ab- gehen. FischkeckS Weihnacht-Zfreude. Im Berliner Nachtasyl an der Fröbelstraße brannte nach einer Zuschrift an das„Berk. Tagebl" diesmal kein Weihnachtsbaum. Tausende von Obdachlosen hatten sich gefreut auf den Schimmer der Weihuachtskerzen, auf den bisher üblichen Weihuachtskaffee und Kuchen, aber wie an jedem anderen Tage gab es Mehlpanipe mit Schwarzbrot. So war denn das städtische Obdach am Heiligabend die einzige öffentliche Institution im weiten Berlin, wo man für unglückliche Menschen auch nicht ein Fünkchen Nächstenliebe übrig hatte. Wer noch zweifeln will, daß die abgestumpften Nerven der Obdachlosen für das Weihnachtsfest immer noch einen letzten Rest Gefühl haben, der konnte durch den hell und klar aus den Schlafsälen erschallenden Gesang von Weihnachtsliedern eines Besseren belehrt werden. Böse Menschen haben keine Liederl Wir erblicken natürlich in der Maßregel eine herzlose Maß- regelung und die bekannte Handschrift des Obdachkurators, Stadtrats Fiichbcck, der sich zur selben Stunde, als die Obdachlosen ihre Mehlsuppe schlürflen, an kräftigerem flüssigen Stoff gütlich getan haben wird. Jede etwaige Entschuldigung, daß der frühere Weihnachtsfonds zur festlichen Belvirtung der Obdachlosen nicht mehr zur Verfügung steht, ist hinfällig. Tausend Mark extra für solchen Zweck können im Millionenetat Berlins, dessen Magistrat zur Ab- fütterung exotischer Gäste im Rathause so oft Zehntausende hergibt, gar keine Rolle spielen. Die Stadt Berlin hat sich mit dieser sogar von den preußischen Gefängniffen und Zuchthäusern abstechenden lieblosen Bewirtung der Obdachlosen wieder mal ein Gedenkbäumchen gepflanzt, das seine Früchte tragen wird. Die Meldung desselben Blattes, daß die Obdachleitung beabsichtige, im nächsten Jahre zu Weihnachten auch die Brotrationen wegfallen zu lasten, weil die Obdachlosen in Berlin so viel Kuchen und Braten zusammenbetteln, ist wohl nur satirisch aufzufassen. Ueber die durch den Sturm am Mittwoch im Betriebe der Straßenbahn verursachte ausgedehnte Störung gibt die Direktion der Großen Berliner Straßenbahn folgende amtliche Darstellung: In der Kaiserin« Augusta- Allee stürzte infolge des heftigen Windes ein hölzerner Baufahrstuhl um, der auf die Oberleitung fiel und diese zerriß. Die Kontakldrähte gingen zur Erde und eS entstand Kurzschluß, wobei die Speisepunkte 20a und 20b stromlos wurden.(Wir haben gestern bereits Über den Gerüsteinsiurz berichtet. D. R.) Ferner wurden durch den Sturm drei Masten verbogen. Speise- Punkt 20b wurde mit Speisepunkt 20 zusammengeschaliet, wodurch die Störung in der Huttenstraße nach einer Dauer von zwanzig Minuten um 3.l0 Uhr nachmittags behoben war. Im Bereiche des Speisepunktes 20 dauerte die Betriebsstörung von 2.50 bis 4.35 Uhr nachmitlags, und erstreckte sich auf die Kaiserin« Augusta- Allee, Tauroggener Straße, Luisenplatz, Osnabrücker Straße, Tegeler Weg. Die Wagen der Linien 5, 8 und 18 legten zunächst in der Beussel- straße um und wurden später durch den Tiergarten über Großen Stern, Charlottenburger Chaussee und Berliner Straße in Charlotten- bürg umgeleitet. Stephan Pospicszny. Am 28. Dezember d. I. starb im Krankenhause am Urban der Klavierarbeiter Stephan Pospieszny an Magenkrebs. P. war einer der letzten, die seinerzeit im Posener Sozialistenprozeß 1888 zu Ee« fäiignisstrafe verurteilt wurden. Er hat die ihm zudiktierte Strafe von sechs Monaten wegen Verbreitung von Flugblättern in der Bastille am Plötzensce verbüßt. Die Beerdigung findet am 31. Dezember d. I., nachmittags 1 Uhr, von der Leichenhalle des städtischen Friedhofes in Friedrichsfelde aus statt. Wir bitten um rege Beteiligung. Zwei Bilder- und Biicherschwiudlcr treiben seit einiger Zeit in den von bessergestellten Kreisen bewohnten Stadtgegenden mit Erfolg ihr Unwesen. Eine Zeitlang vertrieben sie einen Roman„Der Herr Patron", den sie irgendwo für 25 Pf. antiquarisch gekauft hatten, zu einem teueren Preise. Jetzt benutzen sie zu demselben Schwindel ein Bild Moltkes, eine Gravüre nach Lenbach, die überall für 10 Pf. zu haben ist. Die Schwindler passen auf, wo eine Herrschaft an-- gegangen ist, und wenden sich dann an das Dienstpersonal. Diesen, legen sie eine Quittung bor, nach der auf den Roman oder das Bild eine Mark angezahlt ist und 3,50 Mark noch rückständig sind. De» Rest lassen sie sich von der Dienerschaft auszahlen. Wenn dann die Herrschaft nach Hause kommt, so ergibt sich, daß die Ouittiing gefälscht ist. Mit dem Bilde Moltkes werden besonders Offizier-- Wohnungen aufgesucht. Der Kriminalpolizei ist eS noch nicht ge- lungen, die Schwindler zu ermitteln. Große Hafcrdicbstähle sind auf dem hiesigen Nordbahnhof an der Bernauer Straße entdeckt worden. Dort waren große Lasten Hafer in Säcken auf einem Speicher untergebracht. Jetzt hat sich herausgestellt, daß eine Menge Säcke fehlen. Man nimmt an. daß an dem Diebstahl mehrere Personen beteiligt sind, weil es schwer halten dürfte, die gestohlene Ware ohne Mithilfe von Gespannen usw. fortzuschaffen. Der Diebstahl ist angezeigt und eine Untersuchung eingeleitet worden. Zwei schwere Straßenvahminfälle haben sich am gestrigen Donnerstag ereignet. Der L9jährige, in der Prinzenstr. 45 wohnhafte Handlungsgehilfe Joh. Hick versuchte gegen ll.ß Uhr vor dem Hanse Prenzlauer Allee 222 den Straßenbahnwagen Nr. 1862 der Linie 72 (Richtung Schöneberg) während der Fahrt zu besteigen, glitt jedoch vom Trittbrett ab lind stürzte zu Boden. Er fiel so»u- glücklich, daß er mit dein linken Bein unter den seitlichen Schutzrahmei, geriet. Mittels mitgeführter Winde» wurde der Waggon angehoben und der Verunglückte innerhalb 3 Minuten ans seiner entsetzlichen Lage befreit. Dem jungen Mann war der linke Fuß über dem Knöchel durch das Rad deS Straßenbahnwagens glatt abgetrennt worden. In besinnuiigslosem Zustande wurde Hick nach der Unfall« station in der Alten Schützenstraße und von dort»ach dem Kranken« hause Friedrichshain übergeführt. Der zweite Unfall trug sich in der Oranienstraße zu. Dort mußte der Führer eines Straßenbahnwagens der Linie 11 die Gefahr« bremse anwenden. Infolge des dabei entstandenen Ruckes stürzte der auf dem Hinterperron stehende Zigarrenhändlcr Kurt Kegel, Oranieu- straße 201 wohnhaft, mit der linlen Hand so unglücklich in die Tür« scheide, daß diese zertrümmerte. K. erlitt schwere Schnittwunden an Unterarm und Hand und erhielt ans der Unfallstation in der Kommandantenstraße Notverbände. Dann wurde der Verunglückte mittels Droschke nach seiner Wohnung gebracht. Die Generalversammlung des Schiller-Thratcrs, die statuten- mäßig zwischen Weihnachten und Neujahr stallfinden muß, wurde gestern in den Räumen des i-chiller-Theaters Eharlotteuburg ab- gehalten. Der Borstand Dr. Löwenfeld erstattete den Bericht. Er gedachte der geringfügigen Erhöhung der Preise für die besseren Plätze und der entsprechenden Herabsetzung der Preise für einige geringere Plätze. Die Abschreibungen sind im verflossenen Spiel» jähr gegen das Vorjahr erheblich erhöht worden, der Reservefonds ist auf die gesetzlich vorgeschriebene Höhe von 10 Proz. des Altien- kapitals aufgefüllt morden. Der verhältnismäßig bescheidene Ge« wiunn des Geschäftsjahres(18 780 M.) lvird in der Weise verteilt, daß alle Aktionäre, die Inhaber von Stammaklien sowohl wie von Vorzugsaktien, eine fünfprozcntige Dividende erhalten, bekaimllich die höchste, die das Statut des gemeiimützigen Instituts gestattet, und daß die Mitglieder, die länger als fünf Jahre dem Institute an« gehöre», mit einer entsprechenden Quote an den Gewinnen de? JahreL beteiligt werden. Eine lleine Summe wird dem Reserve- fonds zugeführt, ein kleiner Betrag dem nächsten Geschäftsjahr als Gewinn vorgetragen. Im Wiffenschaftlichen Theater der Urania in der Taubcnstraße finden am NeujahrStag und in der kommenden Woche die letzten Wiederhoklingeil des Vortrages„In den Doloiniten" statt. Am Dienstag wird der Vortrag„An den Seen Obcritaliens" noch einmal zur Darstellung gelangen. Am Ncnjahrötag nachmittag, ebenso am Montagnachmittag wird noch einmal der Vortrag„Ans den Trümmern MessinaS" gehalten werden und am Somitagnachmittag der Vortrag „Rom und die Eampagna" zu kleinen Preisen. Im Hörsal spricht am Montag Herr Ansbert Vorreiter über„Fluguiafchiiien(Zweidecker und Eindecker)" und am Dienstag hält Herr H. H. Kritzinger im großen Hörsal der Urania-Sternwarte in der Jnvalidenstraße einen Vortrag mit Lichtbildern„Der Stern der Weisen". Treptow- Sternwarte. Am Neujahrstage spricht Direktor Dr. Archenhold auf der Treptow-Sternwarte, nachmittags b Uhr, über:„Astronomie und Kalenderwesen". Hierbei wird auch der verschiedene Lauf der Sonne, am Aequator, an den Polen und in unseren Gegenden vorgeführt. Am Sonntag, den 2. Januar, spricht Dr. Archenhold um 5 Uhr über:„Das Geheimnis des Welten- baues" und um 7 Uhr über die Frage:„Kann die Erde unter» gehen?" Am Montagabend 9 Uhr über das Thema:„Die Be- wohnbarkeit der Welten". Alle Vorträge sind gemeinverständlich und mit zahlreichen Licht- und Drehbildern ausgestattet. Mit dein großen Fernrohr wird jetzt allabendlich die Venus, der Saturn und und der Halleysche Komet gezeigt. Feuerwchnmchrichtcn. Am Donnerstag hatte die Feuerwehr früh um 6 Uhr in der Woldeuberger Straße 5 zu tun. Dort brannte das Zwischengebälk auf einem Korridor. Wegen eines Schaufensterbrandes mußte der 7. Zug nach der Passauer Straße 46 ausrücken. In der Alexandrinenstratze 47 brannten Papier, Ab- fälle und anderes und in der Kleinen Präsidcntenstraße 7 die Decke und der Fußboden über einer Durchfahrt. Einige kleinere Brände wurden schnell gelöscht._ Vorort- JVacbncbteiK Schöneberg. Die letzte Stadtverordnetenversammlung überwies zunächst die Vorlage des Magistrats betreffend Mietung von Räumen im Hause Belzigerstraße 46/47 zur Unterbringung der Säuglingsfürsorge- stelle, der Auskunfts- und Fürsorgestelle für Tuberkulose sowie der Schulzahnklinik an einen Ausschuß. Eine längere Debatte brachte der Bericht des AusschuffeS über die dem„Schöneberg er Tageblatt" zu gewährende Ent« schädigung für Aufnahme der amtlichen Bekanntmachungen. Während der Magistrat beantragt hatte, die jetzige Pauschalsumme von 800 auf 2500 M. pro Jahr zu erhöhen, empfahl der Ausschuß, einen Zeilenpreis zu zahlen und zwar 8 Pf. pro Zeile. Stadtv. Woller- mann(Soz.) wandte sich ganz entschieden gegen den Borschlag des Ausschusses. ES müsse doch in Betracht gezogen werden, dab das„Schönefcerger Tageblatt" seine Existenz lediglich dem Um- stände verdankt, dah eS amtliches Publikationsorgan ist� Der Hinweis, daß in Wilmersdorf an das dortige Lokalblatt 5000 Mark jahrlich für Aufnahme der amtlichen Bekanntmachungen gezahlt werden, könne unS in keiner Weise veranlasien. in Schöneberg m der aleichcn Weise mit dem Gelde der Steuerzahler zu wirtschaften. Es Uegt nicht die geringste Veranlassung vor. daS„Gchöneberger Tageblatt" in der verlangten Weise zu subventionieren. Andere Blätter nehmen die Bekanntmachungen sogar unentgeltlich auf. Redner be- antragte, eine Pausckalsunime von höchstens 1500 Mark jährltch an das„Schöneberger Tageblatt" zu zahlen. Die Redner der„liberalen Fraktion" traten für den Antrag des Ausschusses ein und suchten die Zahlung einer höheren Summe zu rechtsertiaen, während der Oberbürgermeister Wilde sich im wesent- lichen den Ausstthrmigen des Stadtv. Wollermann aiischlok Nachdem dann auch noch die Stadtvv. Molken buhr und M a g n a n sSoz.) für den sozialdemokratischen Antrag eingetreten Maren, wurde derselbe mit großer Mehrheit angenommen unter Afr lchmuig des AuSschußantrages und der Magistratsvorlage. Die Bcrsammlimg stinimte sodann der Vorlage des Magistrats zu. im Südostgelände ein städtisches Obdach zu errichten. dessen Herstellungskosten auf 165 500 M. veranschlagt sind. Der Ausschuß empfahl jedoch, von der vom Magistrat vorgesehenen Zentralheizung Abstand zu nehmen und Ofenheizung vormsehen. Stadtv. Hoffmann sSoz.) trat für Beibehaltung der Zentral Heizung em. In, Ausschuß sei die Zentralheizung mit den Worten abgetan worden:„Man soll eS den Leuten, die im städtischen Obdach »ntcrgel rächt werden, nicht zu bequem machen." Die Mehrheit lebnte jedoch den sozialdemokratischen Antrag, die Zentralheizung beizubehalten, ab._ Das OrtSstatut gegen die Verunstaltung von Straßen und Plätzen wurde nach den Vorschlägen des Ausschusses genehmigt. Die Vergütung für die H i l fS l e h r e r- und U e b e r st u n d e n an den städtischen Schule» wurde auf 144 M. jährlich für die Wochenstunde festgesetzt. �. Der Vorsteher schloß sodann die letzte Sitzung ,m alten Jahre. inbei» er den Stadtverordneten, die mit Ablauf des Jahres aus der Stadtverordnetenversammlung ausscheiden, den Dank der Versam»,- lung für ihre Pflichterfüllung aussprach. Die erste Sitzung.im neuen Jahre findet am?. Januar statt. Die letzte Versammlung de« Gewerkschaftskartells beschäftigte sich mit der bevorstehenden Gewerbegerichtswahl und der Normierung der Kandidaten, die in der öffentlichen Versammlung in Vorschlag gebracht werden sollen; deS weiteren mit der Wahl einer Kommission für die Gründung eines Jugendheimes. Ge- nosse Wardin gab zunächst als Obmann der Gewerbcgerichts- bei sitzer über d,e Geschäftstätigkeit des Gewerbegerichts Bericht. Tie Berichterstattung erstreckt sich in der Hauptsache nur auf daS Jahr 1908, da ein Bericht des Magistrats für 1909 noch nicht er- schienen ist. Der Bericht von 1903 ist den Beisitzern erst im November dieses Jahres zugegangen. Die Zahl der im Jahre 190« anhängig gemachten Klagen be- trägt 579. hierzu traten aus dem Vorfahre die unerledigt ge- bliebenen 28 Sachen; es waren demnach 607 Streitsachen zu er- ledigen. Vor Abhaltung des ersten Termins wurden hiervon 13 Sachen zurückgenommen, so daß 594 Klagen verblieben. Die Zahl der Streitsachen hat gegenüber dem Vorjahre um 33. d. h. um 5,55 Proz. l1908 594. 1907 62? Klagen), abgenommen. Von obigen 594 Streitsachen sind erledigt 561 und auf das folgende Jahr übernommen 83. In 45 Fällen haben mehrere Kläger durch gemeinschaftlichen Antrag Klage erhoben, hierbei betrug die Höchstzahl der zu einer Streitgenossenschaft vereinigten Kläger 32. die Zahl der Kläger überhaupt 707. Hierunter befanden sich 536 männliche Kläger und 171 Klägerinnen. An den im Jahre 1908 anhängig gemachten Klagen sind be- tetligt: a) Das Baugewerbe. Maurer und Putzer 67, gtmmerer 16, Steinträger, Gerüstbauer und Bauarbeiter 23. Steinmetzen. Bild Hauer, Stukkateure 19. Klempner. Rohrleger 19. Installateure für elektrische Anlagen. Zentralheizung und dergleichen 14, Tischler, Einsetzer 8, Töpfer 2. Maler und Anstreicher 19. Tapezierer 3. Schlosser. Anschläger, Schmiede 8. Parkettfußbodenleger 1. Stein- setzer 3, Erdarbeiter bei Tiefbauten 18, zusammen 220. b) Fabriken aller Art 18. c) Das übrige Gewerbe. Artisten 1, Backer 25, Barbiere 10. Blumenhändler 4. Buchbinder 1. Buchdrucker. Litho- graphen, Graveure 10. Fuhrleute. Spediteure 16, Handelsgärtner 2. Krankenpflegerpersonal 2, Mechaniker. Uhrmacher. Optiker 1, Molkereigewerbe 3, Photographen 1, Putzmacherinnen 8, Gast- und Schankwirte 56, Schlächter 12. Herrenschneider 21. Damen- schneider 56. Schuhmacher 1. niedere Theaterangestellte 10. Wäscherei 27, Techniker. Ingenieure. Zeichner usw. 10, Arbeiter und andere Angestellte in Handelsbetrieben 33. sonstige Gewerbe- betriebe usw. 31. zusammen 341. Von den Klagen sind erhoben worden: s) von Arbeit- nehmern gegen Arbeitgeber 568; b) von Arbeitgebern gegen Ar- beitnehmer 5; c) von Arbeitnehmern desselben Arbeitgebers gegen- einander 6. In den 579 Klagen wurden geltend gemacht: a) Ansprüche auf Zahlung rückständigen Lohnes, Herausgabe von Kautionen und andere Leistungen aus dem Arbeitsverhältnis 439; d) An- sprüche auf Schadenersatz wegen unrechtmäßiger Lösung deS Ar- beitsverhältnisses bezw. wegen Einbehaltung von Arbeits- papieren usw. 235; c) Ansprüche auf Ausstellung oder Aenderung von Zeugnissen, Arbeitsbescheinigung usw. 21; ck) Ansprüche auS unrichtiger Berechnung und Anrechnung von Krankenkassen. beitrügen 3; e) Ansprüche auf Auflösung oder Fortsetzung deS Arbeitsverhältnisses 1; k) Ansprüche auf Herausgabe von Arbeits- papieren, Handwerkszeug. Sachen 20; zusammen 719. Mehr als ein Anspruch wurde in 140 Klagen erhoben. Der Wert des Streitgegenstandes betrug: Bis 20 M. einschließlich in 231 Fällen; mehr als 20 M. bis 50 M. in 145 Fällen; mehr als 50 M. bis 100 M. in 132 Fällen; mehr als 100 M. in 71 Fällen. Wogen Unzuständigkeit des GewerbegerichtS sind 17 Klagen zurückgenommen oder durch Urteil abgewiesen worden. Termins- tage wurden abgehalten vor dem Vorsitzenden allein 48, vor dem Spruchgericht 13. Die Zahl der an den einzelnen Gerichtstagen zur Verhandlung gelangten Streitsachen betrug vor dem Vorsitzenden insgesamt 651, vor dem Spruchgericht insgesamt 194. Die Hochstzahl der an einem Tage verhandelten Sachen war vor dem Vorsitzenden 85, vor dem Spruchgericht 22; die Mindestzahl war 6 bezw. 11. Durchschnittlich standen an jedem Terminstage vor dem Vorfitzenden 13--14, vor dem Spruchgericht 15 Sachen zur Verhandlung. Von den im Berichtsjahre anhängig gewordenen Klagen sind 108 in brauchbarem Zustande schriftlich eingereicht worden, der Rest von 471 zu Protokoll deS Gerichtsschreibers. Bei der Prüfung der im Berichtsjahre vorliegenden Klagen hat sich ergeben, daß auch jetzt wieder viele Klagen von Winkel- konsulenten vorbereitet waren und daß Arbeitnehmer äußerst schlecht informiert vor dem Gericht erschienen und demzufolge ihre Klagen entweder zurückzogen oder mit ungünstigen Vergleichen sich zufrieden gaben, wo Ihr Recht klar auf der Hand lag. Es muß daher auch bei dieser Gelegenheit darauf hingewiesen werden, daß die Gewerkschaftskommisston eine eigene Auskunftsstelle in Echönederg, Meininger Straße 8 bei dem Genossen Kosanke, unter- hält. Weiter wurden Klagen laut, daß von den Beisitzern zu viele Streitfälle beim Gewerbegericht an einem Tage zu be- arbeiten waren. In der Diskussion deS Berichtes wurde besonders immer wieder zum Ausdruck gebracht, welchen großen Wert das Gewerbe- gericht für die Arbeiter hat und dag daher bei der Ausstellung der Kandidaten nicht vorsichtig genug zu Werke gegangen werden kann. Da Kammern nicht bestehen, muß bei der Aufstellung der Kandi- baten Wert darauf gelegt werden, daß möglichst alle Berufe Verl treten find, damit die Beisitzer sich Berufen vertraut machen können. mit den fremden ie Verteilung der Kandidaten auf die verschiedenen Berufe war eine Einigung schwer zu erzielen. Die Mehrheit deS Kartells stand auf dem Stand- punkt. daß aus oben angeführten Gründen möglichst alle Berufe vertreten sein müßten, während einige Gewerkschaftsvertreter glaubten, die Interessen ihrer Gewerkschaften zu beeinträchtigen, wenn sie zugunsten einer anderen Gewerkschaft einige ihrer Bei- sitzerkandidaten streichen ließen. Mit den Vertretern der Metall- arbeiter war eine Einigung nicht zu erreichen. Nach Schluß der Diskussion wurde gegen 2 Stimmen angenommen, daß folgende Gewerkschaften je einen Kandidaten stellen, der in der öffentlichen Versammlung in Vorschlag zu bringen ist: Verband der Bauarbeiter, Sektion der Putzer, Ga st wirtS- gehilfen, Maurer. Stukkateure, Zimmerer, städtische Arbeiter. Transportarbeiter, Schmiede, Maler, Metallarbeiter, Schneider und Gärtner. In die Kommission zur Gründung eines Jugendheimes wurden gewählt: die Genossen Karei, Kosanke und Henkel. Ein Automobil gestohlen. Ein dreistes Diebesmonöver hat ein bisher noch nicht ermittelter Bursche ausgeführt. Ein dem Fuhr- uuternehiner Klappe, Elsaßstr. 26 zu Weißensee gehörige« Droschken« automovil hatte für eine» kurzen Augenblick ohne Aufsicht in. der Hauplstraße gehalten. Ein Dieb benutzte die Gelegenheit dazu, um den Krafiwage» zu entführen. DaS Automobil, daS die Nummer 1611 trägt, hat einen Wert von mehr als 10000 M. Rixdorf. I» Lebensgefahr geriet gestern der drei Jahre alte Sohn Benno des Kontoristen Schmidt aus der Fuldastr. 60 durch einen Stuben- brand. Der Kleine spielte mit seinem Baukasten am Fenster. Nach- dem seine Mutter aus einen Augenblick weggegangen war, hatte er das Unglück, eine brennende Petroleumlampe umzustoßen. Sie platzte, und das brennende Oel entzündete die Fenstervorhänge. Zum Glück hörten NachbarSleute daS Geschrei des KindeS, erstickten die Flamme«' und retteten es. Die Stadtverordnetenversammlung hat vorgestern in außer- ordentlicher nicht öffentlicher Sitzung der MagistratSvorlaae über die Weiterführung des Schiffahrtskanals zugestimmt. Nach jahrelangen Verhandlungen mit der Gemeinde Britz und dem Kreise Teltow ist nunmehr auf Grund vertraglicher Vereinbarungen die Durchführung dieses wichtigen Projekts gesichert. Der Kanal soll Über die Rixdorf« Britzer Grenze hinweg bis zum Teltowkanal sBritzcr Hafen) ver- längert werden, so daß eine direkte Verbindung vom Berliner Land- wehrkanal bis zum Teltowkanal entstehen wird. Die Stadtverord- netenverfommlung hat prinzipiell ihre Zustimmung, auch zum Ankauf der erforderlichen Grundflächen, erteilt. Gleichzeitig ist der Erwerb ausgedehnter Ländereien östlich vom Kanal beschlossen worden. Auch die Britzer Gemeindevertretung hat dem Projekt zugestimmt, so daß nunmehr seine Ausführung gesichert ist. Marienfclde. Der Arbeiter-Radfahrervercln Marienfelde veranstaltet heute abend eine Silvesterseier im Lokal des Genossen Adolf Berg er, Berliner Str. 114, bestehend in Theater, Verlosung und Ball. Anfang 8 Uhr. Da der Verein bei Flugblattverbreitungen stets mitwirkt, werden die Genoffen um rege Beteiligung«sucht. Friedrichshage«. Festnahme rineS Sittlichkeitsverbrechers. In den letzten drei Monaten wurden in FriedrichShagen und Umgegend mehrere Sitt- lichkeitSattentate auf kleine Mädchen verübt, ohne daß es gelingen wollte, des TäterS habhaft zu werden, der in allen Fällen derselbe zu sein schien. Namentlich im Kurpark wurden wiederholt Mädchen im Alter von 4 bis 10 Jahren verschleppt und mißbraucht. Vor- gestern endlich gelang eS, den gefährlichen Burschen auf frischer Tat zu überraschen und dingfest zu machen. Gegen 8 Uhr abends wurde in der Scharnweberstraße ein junger, gutgrkleideter Mann dabei überrascht, als er sich an einem fünfjährigen Mädchen vergehen wollte. Er wurde von Paffanten der Polizei zugeführt und als ein SSfährtger Kaufmann D. au« yrirdrtrbshagrn erkannt. Der ver- haftere hat bereits in mehreren Fällen seine Täterschaft ein- gestanden. Bernau. Dir letzte Ttabwerordnetenversammlung beschäftigte sich mit der Errichtung einer Wasterleiwng. Durch den Vertreter des Ingenieurs Prinz, welcher mit den Vorarbeiten zum Bau einer Wasserleitung für die Stadt Bemou betraut ist, wurden die einzelnen Pofitioneii des Voranschlages, der die Höhe von 340000 M. erreiwen soll, durchgegangen und an der Hand von Zeichnungen erläutert. Zur Beförderung des Wassers sollen Maschinen von 18 Pferdekräsien zur Anwendung kommen. Darüber, ob Dampfmaschine, Leuchtgas-, Saug-, Elektro- oder Dieselmotor angewendet werden soll, konnte sich die Versammlung noch nicht entscheiden. ES sollen erst Anfragen bei anderen Gemeinden gemacht werden. Nach längerer Diskussion erklärte sich die Versammlung im Prinzip mit der Errichtung eines Wasserwerkes einverstanden; die gesamten Anlagekosten sollen durch eine Anleihe gedeckt werden. Ferner soll der Magistrat ersucht werden, wenn von der Regierung die Genehmigung zurück ist, der Versammlung eine Vorlage betreffs Verausgabung zum Bau deS Wafferwerkes zu unterbreiten. NownweS. Der Bericht über die gewerbliche Fortbildungsschule für daS Schuljahr 1908.09 verzeichnet eine gedeihliche Entwickelimg der« selbe». Die Ausgaben für die Schule betrugen 10 885 M, wozu der Staat einen Beitrag von 6832 M., der Kreis einen solchen von 300 M. leistete, so daß die Gemeinde 3753 M. für Unterhaltung der Schule zu zahlen hatte. Dieselbe wurde im Sommerhalbjahr von 324, im Winterhalbjahr von 367 Schülern besucht, welche wöchent- lich sechs Stunden Unterricht erhalten. Die Verlegung der Unter- richtSzeit für die Maschinenbauer und Metallarbeiter hat sich als sehr fördernd für den Unterricht erwiesen; die Schüler«rbalten an den Vormittagen von iU7—tl2i hintereinander Unterricht. Der Schulbesuch ist nicht befriedigend'gewesen, da nur 87 Schüler, daS find 23,7 Proz., den Unterricht regelmäßig besucht haben. Der Grund der Versäumnis war meist Krankheit und geschäftliche Ver- Hinderung. Die Sitzung b»S SewerlfchaftSkartellS beschäftigte sich mit der letzten Baukontrolle, bei welcher wieder verschiedene Mißstände ent- deckt wurden. Kontrolliert wurden 28 Bauten mit 172 Arbeitern und 21 Lehrlingen. Bei sämtlichen Bauten fehlten die Schutzdächer unter den Leitern, welche zum Transport von Material dienen, bei 19 fehlten die Geländer an Treppe» und Gerüsten ganz oder teil- weife. Baubuden fehlten bei drei Bauten gänzlich; drei waren obne dichte Seitenwände, zwei ohne Fenster. Verbandskästen fehlten bei 14; bei allen fehlte die Anlenung zur ersten Hilfeleistung bei Unglücksfällen. Aborte fehlten bei zwei, bei drei tonnt, man von der Straße oder vom Nachbargrnndstück hineinsehen. Pissoir- anlagen fehlten bei 25. Auf einem Bau arbeiteten die Töpfer ohne Fenster. Im übrigen wurde noch für die Bibliothek ein einmaliger Beitrag von 30 Mark und für die Jugendorganisation pro viertel- jähr 15 Mark bewilligt. Eine Meldung aus Erfurt besagt: Orkanartige Wirbelstürme, die von elektrischen Entladungen, Schnee und Hagelschauern begleitet waren, hausten heute nacht im Thüringer Walde und richteten be- deutenden Schaden an. Viele alte Baumriesen wurden wie schwache Tälme geknickt. Telcphonleitimgen in großer Anzahl zerstört, so baß der Fernsprechverkehr empfindliche Unterbrechungen erleidet. Die Gebirgsbäche sind stark angeschwollen. Die Temperatur ist nach dem Sturme merklich gesunken. Au» Oporto liegt folgende Meldung vor: Die Eisenbahnlinien nach Oporto sind vielfach stark beschädigt, so daß die Züge nur lang- sam voiwärtS kommen. Die Bahndämme sind durch Pfähle provisorisch gestützt, einige Brücken müssen die Passagiere zu Fuß passieren und den Zug folgen lassen. DaS Land ist meilenweit über- schwemmt; überall irrt herrenloses Vieh umher. Einige Ortschaften werden von Wölfen belästigt, die sich von den Kadavern deS ge- fallenen Viehes nähren. Prager Meldungen zufolge wüteten dort und in einem großen Teil Böhmens vorgestern abend schwere Gewitier, verbunden mit orkanartigem Sturm und heftigem Hagelschlag. Der Blitz schlug in das Gebäude deS Prager israelitischen Krankenhauses, zerstörte die Telephonleitung, richtete aber sonst keinen besonderen Schaden an. Aus Dresden wird amtlich gemeldet: Als gestern der v-Zug 125 den Wald hinter Kleinschirma passierte, schlugen die Aeste mehrerer durch den herrschenden Sturm umgebrochener Fichten gegen die Fensterscheiben des l>-ZugeS, so daß 21 große Wagen- fensterscheiben deS DurchgangSwagenS und 13 kleine Scheiben des Speisewagens zerschlagen wurden. Verletzt wurde niemand, da die beschädigten großen Fenster sämtlich an der Gang'eite lagen. Die beschädigten Wagen wurden auf Dresden-Hauptbahnhof aus- gewechselt._ Doppelter Mord und Selbstmord eines Geistesgestörte». Aus Köln wird vom gestrigen Tage gemeldet: Heute nacht erschoß der in geordneten Verhältnissen lebende Prokurist Joseph Schmitz an- scheinend in einem Anfall von Geistesstörung seine Frau und seinen vierzehnjährigen Sohn und verüble alsdann Selbstmord. 23 Personen ertrunken. Ans Agram wird gemeldet: In einer Ortschaft in der Nähe von Karlowitz wollten, wie jetzt bekannt wird, am WcihnachtStage 35 junge Leute zur WeihnachtSniette gehen, wobei sie üb« einen Fluß setzen mußten. Der Kahn geriet inS Schwanken, lief voll Wasser und sank. 23 Personen fanden den Tod in den Wellen, die übrig«» wurden gerettet._ Ein englischer Dampfer gestrandet. Der englische Dampfer Shannon" aus Cardiff, der mit einer Ladung Weizen von Odessa kam und nach Hamburg bestimmt war. ist einer Meldung auS Hamburg zufolge vorgestern abend 7�/. Uhr aus den Ostklippen von Helgoland gestrandet. Es herrschte fchr schwerer Seegang. Bei dem scharfen Nordnordostwind, der in einer Stärke von neun Sekunden» meter wehte, trieb der„Shannon" aus dem Kurse, da gleichzeitig die Maschinen defett geworden waren. Er wurde soweit� auf die Ostklippen geworfen, daß an eine Rettung deS Schiffes nicht mehr zu denken war. Die schnell herbeigeeilien Rettimgs- und Fischer» boote konnten gerade noch die an« 25 Mann bestehende Bewvung in Sicherheit bringen. Das Schiff legte sich darauf aus die Seite. Eine Rettung erscheint ausgeschlossen. Furchtbare Bluttat. In der Ortschaft Tebecewhc erschoß einer Meldung aus Belgrad zufolge der reiche Grundbesitzer Radojevic, der wegen seiner zweiten Frau mit seiner Familie in Streitigkeiten geraten war, seinen eigenen Sohn, desseu Frau, sein Kukcltiiid von neun Jahren und seinen Schwiegervater. Schließlich tötete er sich selbst. Vernrifcbtea. Eingegangene Druchfchnftai. DaS Schiff In der Flasche. Von Heinrich Vogel Preis SM.-. Thaos, Roman. Von Alberl Helms. Preis 3 M.— Michael Dorn, Roman. Von Wilhelm Scharrelmann. Preis SM.— DeS Reiches Kommen. Von Timm Kröger. Preis 2.50 M.— JanSfenS Jahrbuch 1910. 64 Seiten. Verlag von Aisted Janssen, Hamburg. Das Banner der Freiheit. Monatsschrtst von G. Schwarz. Jährl 3 M. Selbstverlag Karlsruhe 1 B. Gegen das Zentrum und feine Berbündeten k Rede des Zw- geordnelcn Dr. L. Frank. 15 Ps. Mannheimer Aktiendruckerei Der HauSlclirer. Dochenschrist sür den geistigen Verkehr mit Kwdern. Herausgegeben von V. Otto. Vierteljährl 1,60 M. Groß-Lichterfelde.— Rur etue Magd. Novelle von L. Malten.(Unwerfal-Ltbliothek 5150.) 20 Ps. PH. Reclam, Leipzig. Karl May. Ein- Analyse seiner Reiseerzählungen. Von Dr. A. Droop. 2,50 M. I. Franken, Köw-Weiden. Amtlicher Marktbericht der NSdNlchen Marktballen-DtreMon über den Grotzbandel in den Zentral-Marttballen Marktlage: Fleisch: Zulubr stark. Gelckiäil rege, Presse für Mastlämmer und Schweinefleisch nach. gebend, sonst unverändert. Wild: Zufuhr etwas reichlicher, Geichäst ruhig, Presse sest G e l> ü g« l: jZuiubr genügend, Kcschast nicht lebhait genug, Presse nicht ganzbcsriedlgend. Fische: Zufuhr genügend. Gcsliiäst rege. Presse wenig verändert. Butter und Käse: Geschäst rudig, Presse unverändert, tüemüie, Obst und Südfrüchte: Zufuhr reich- lich, besonders in Blumenkohl Kelchäst auffallend still, Lstuuenkohl jast unverkäuflich, Preise wenig verändert. «vNternnqsiiverltt«" vom Zv. Dezember»909, moraen« 8 Ndr. Ii s. il I fnrainnbe 76491 Hamduro>769 NNW Perliti 765 WRW Frankl.a vi 770 NW Mirnchev 760 NW Wien 759® Setter 6bedeckt 4 bedeckt 5 wolkig 3 wolkig SSchnee—1 3 Schnee i 1 tos ck» »i> i? «t-tl-ae-i Ii *1 5 «s Hararwibo 765 Still Petersburg 755 Still Seillv ,772® '»erdeen 765 SSW Paris Setter "S — w okkenl■ --Schnee| 1 wolkig 3 feitet i- n' tov«j• Slvlynee i Iii «wttervrognoke für Freitag,»en 31. Dezember 1099. Zunächst ziemlich heiter, ruhig und trocken, gelinder Frost; später wieber lebhaste iildlich« Wind«, zunehmend««rwärnmnz, Trübung und gering» Niederschläge. L,rliner W-»»- r b u r» a U. eva«erstan»S.RaMrt,, Uhr.) Komische Lpcr. DaS Tal der Liebe. Westen. Die geschiedene Frau. Sieaes Lveretten. Der Gras von Luxemburg. Trianon. Buridans Estl. Ansang Tl, Uhr. Köuigl. Schauspielhaus. Der«in- gebildete Kranke. Nachm. 2'l, Uhr: Die Jungsrau von Orleans. Neues konigl. Opern-Dhearer. beschlossen. Berliner. Hohe Politik. Neues. Ein königlicher Späh. LUeines. Der große Name. Aesivenz. Im Taubenschlag. Thalia. Die süße Cor«. Lolkooper. Der Kamps um Schnee- wittchen. Anfang 8 Uhr. Lessing. DaS Konzert. Sicnes Schauspielhaus. Ihr lehter Vricj. Hebbel. Der Skandal. Schiller«»-e>>»uner- Theater.) Das Opferlamm. Sch Charlottenburg. Miß Hobbs. Friedrich- Wilhelmitädt. Schau- sptelhans. Der Ehrenrat. Luisen. Vergnügte Kindtause. iltoie. Der Bize-Papa. Luftspielhaus. Der dunkle Punkt. Sfietrunol. Halloh l!— Die große Revue. Folirs(kaprice. Sicher ist sicher. Bunter Teil. Der Mann meiner Frau.(Ans. 8'/« Uhr.) Ap�»». Spezialitäten. Wintergarten. Spezialitäten. (Lafiuo. Der Obcrgauner. Gebr. Herrnfeld. So muh man'S machen. Ein RetlmigSmittcl. Karl Haverland. Svezialiläten. Wallialla. Spezialitälen Gastspiel. Der Hüttenbcfitzer. Vabagr. Spezialitäten SloackS. LumpacivagabunduS. Palast. Spezialitäten. Liebchens Trick. Keichsbaklen. Stettiner Sänger. Buggenhagen. Spezialitäten. llra-.ja. Tmiuriiurnste IM/4D. Nachmittags i Uhr; Sizilien. Abend» 8 Uhr: In den Dolomiten. Sie,»»-aru, Jnvabdenm-7— 82. l.eMsine-Tlicater. 8 Uhr: Das Konzert. Sonnabend, 8 Uhr: DantrtS der Roer. > �.uliitag. 8 Uhr: Dia versunkene Glocke. 8 Uhr: Das Konzert. Berliner Theater. Wr: Kohe Politik. Sorgen: Hohe Politik._ Heues Thealer. Abend« ll,9 Uhr: Ein königlicher Spaß. Sonnabend und Sonntag: Ein königlicher Tpast._ Theater des Weslens. Abends 8 Uhr: Die geschirdtne Frau. Heute« Uhr: Strunnelpelee. Sonnab. 3ll, U.: Die lustlfl« Wltw». Uleaes ÖpePftten-Thcaier. Schisibancrdamm 25, a. d. Luisenstr. Heule Ansang 1 Uhr. Der Gras von Lurciuburg. Connabind und Sonntag 8 Uhr: Her Zigeunercharon, Friedricb-WiihelmMschss Schauspielhaus. Freitag, den 31. Dez.. Aas. 8 Uhr: Der Ehren rat. Sonnabend nachm. 3 Uhr'.Othello. «lbends 8 Uhr Im bunten Zlock. Sonntag nachm. 3 Uhr: Othello. Abend« 8 Uhr: Im bunten Rock. Abends 8 Uhr: Dev dunkle Punkt. Residenz-Theater Direktion: Richard Alexander. Silvester Ansang Uhr: Im Tanbenschlag. Morgen und folgende Tag»: Ansang 8 Uhr: Dleseldr Borstellung._ Volks-Oper. SW.) Bellc-Alltance-Strahi Nr. Iß. Zum ersten Male: Der Kampf n Schoeevitteben. Märchcnipicl in 4 Bildern nebst einem Vorspiel vo» Aich. Wolff. Ans.>/,» Uhr. Ende vor 10 Uhr. iOSE=THEATE| Groß« Fraatsurter Str. l32. Ans. 8 Uhr. Ende'1,11 U. Zum erstenmal: vo? Lustspiel>n 8 Akten v a, Richards. Sonnabend 8 Uhr: VI» e»logiorlon Llvllevl»«. ö Uhr: 5»li»t. Urania. Wissenschaftliches Theater. Nachmittags 4 Uhr; Sizilien. Abends 8 Uhr; In den Dolomiten. Hozarl-Oper. Gastspiel-Theat., Küpenicker Str. 67/68 r iloeftcr; Zar und Zimmermann. (Bedeutend ermäßigte Preise. An» sang 7 Uhr.) Sonnabend, 1. Jan.: Fra Diavolo. » onntag, 2 Jan.: vlo lustigen Weiber von Windaor. Luisen-Theater. Anfang'/,S Ubr: Novität I Novität l Eine uerpiustt f.indtaufk oder: Die Reichstagstvahl. Posse in 3 Akten von Rich. Selfing. Nach der Vorstellung: Silvesterball. Einheitlicher Preis aus allen Pi. 75 Pj. Sonnabend nachm. 3 Udr: Gib mich frei. 8 Uhr: Eine vergnügte Kindtause oder: Die Reichstagswa.1. Sonntag nachm. 3 Uhr: Geier- Wally. 8 uhr: Die Reise um die Erde in 80 Tagen. Passage-Theater. I Hentc:{ yerIJMalleamMpolt Berlins größte Süvesterfeiep» der vereinigten Etablisiements Pasiage-Theater, Linden» Kabarett, Bierkabnrett. Ejntrittsprtis S Mark für sämtliche Borftellungeu und Darbietungen. Beginn 9 Uhr. Einlaß 8 Uhr. Pasaage-Paaaplihiiiii. Senegal ia eellin! kttwilSv Vksidsr ****0 Männer, Kinder. Drei Negerdörfer Ohne Extra-Entree! Vom 22. Dezbr. bis Inkl. 4. Januar; Volks tage! Letzter Tag dt» kolosialen Dezember- Prag». u. a.: Bellt Roberto, Schi m panse Konsul James Groat. Morgen, 1. Januar Premiere; Ijotte Sarrow In ihrem amerik. Sketch.Die Ehebrechers«». Prolongiert I Sehlmpan»« Konaul James Great. Hetropol-Thealer Hallo!!! Die große Revue! In 8 Bildern von Jol Freund. Musik v. Paul Linoke. In Szene gesetzt vom Dir. Rich. Schult« Anfang 8 Uhr. Hauchen gestaltet. Sllfester-Vorslellung! --- Anfang; 8 Ehr. Letztes Auftretens Otto Reutter und die 15 Sterne 15 am DezembercHimmel des Wintergartens. 5EÄÄ Robert Sleidl. I-M Alt-iloablt 47/48. Freitag(Silvester), 31. Dezember: Ulfiljnndjtfn in Feindtslaod. Nach der Vorstellung: Lllvoaterball. Sonnabend, den 1. Januar 1910: Der Walzerkönig. Sonntag, den 2. Januar lSlst i Die Grille. ssehiiler-'liieater. Sehlller-Theater 0.(Wallner-THeat.) Freitag, abends 8 Uhr: Da« Opferlamm. Schwank in 3 Auszügen von Oskar Walt» er und Leo Stein. ___ Ende 101/« Uhr. qpiy Sonnabend, nachm. 3 Uhr: Der Herr Ministerialdirektor. Sonnabend, abends 8 Uhr: Viel I.iirm um nichts. Sonntag, nachm. 3 Uhr: Der Herr Ministerialdirektor. Sonntag, abends 8 Uhr: Die Veit, in der man«ich langweilt, iiiniiiifii Schiller-Theater(Charlottenburg). F r e t t a g, abends 8 Uhr: HIB Hobbs. Lustspiel tn 4 Auszügen von Jerome K. Jerome. Deulsch o. W. Wolters End- 10'/. Uhr."WS Sonnabend, nachm. 3 Uhr: IHacbeth. Sonnabend, abends 8 Uhr: Der Helneidbanee. S o n nl a g, nachm. 3 Uhr: llaebeth. Sonntag, abends 8 Uhr: Die von Hoebsattel. CASTAN's P AMOPTICUM Friedrlchstr. 185(Pschorrpalaat). Familientage! Jeder Besucher kann 1 Kind frei einführen! Grofie Weihnacht«- AuMstellung;! Aschenbrödel X DornrSschenX Schneewittchen Indische Wltwenverbrennnw�! Täglich VI, Uhr abends X Heute und morgen S Vordellungen. □ □ Heitere Künstler- Abende. GroBcr Hamorlsten- VFottstreU."W □ □ -Z- /, Uhr: Große Tilvestervorstellung. DehBt! Deh»« I Oriclmtl.Baflroiiffhf, der fletnste koniische Reiter der Büelt. Sergeant Hrennnn, der beste DIabololpieler. Henrz- Valdorf, hebt ein drebenbe» Karussell. Hlngbompr zwischen den Clowns Jim-Jam und Collrell The Dnrvval Heother». Zum 64. Male: Die drei Rivalen oder daS myftettäse Schloß w der Normandte. Grotze geerie in 5 Akten. Sonnabend und Sonntag se zwei graste Vorstellungen. Nachmittags ein Kind frei. Trlsnori»Tlieater. Abend» 7 Uhr: Kuridans Esel. Folies Capriee. Sicher ist sicher. Bunter De». Der Zllsnn meiner 5rsv.! Sirkus Busch. Freitag(Siimlerahand). 31. Dez., abonds 7,/i Uhr präz.: Gr. Galavoralellung. Möns. Colon, dressierte Alfen I Herr E. Schumann, Meisterdross Reitorfamilie Proserpi. Frl. Wardia Beketow, Schalreiterin Gebr. Karolis, ung. Roitkünstl. 9-/, Ohr zum 0. Male: Die neue russische Pantomime ££ Marja. � Vorher das grobe Galtprogramm. Sonnabend und Sonntag, nachm. 3'/, Ubr; Farmarleben W.Koacks Theater «nmnsnrti 18, am Rosenlhaler Tor Gr. Silvester- Feier Dheater. Vorträge, Gesang. ■MO: Ein Abenteuer auf d. Witwenball. Tilvesterdall m, Ueberraschungen. Ansang 9 Uhr. Siiire« 50 Pf. Morgen: S gr. Feftvorstelluugen. iMMj»' srn Morikplsiz mit(Jebcrra.chnngen. Für Theater- und Konzort-Saal Gesamlcinbelhtprela 1 IL Wo verbringen wir den Silvester? ssssssS� In den Pharus- Sälen Mollerstr. 142. Telephon: II, B4S.»es.; btni l.udw!g. Im Empire-Saal, 1 Treppe: Gr. Silvester- Bai! bei groSem Orchester und vielen Ueberraschungen. Wen! LlbellasTanZ Ifen!"ME ausgeführt von 2 Damen und 2 Herren in Kostümen. Im Titanen-Saal, 2 Treppen: Afl-i#»nAS* Lrolls Ulk-Silvester- Vorstellung oprCC 3-» 11 IwlICl. mit darauffolgendem Tanz. Im Wllhelm-Bn.ch-RcBtaarant: Großer Silvester-Trubel mit UeberraschungeR. Empfehle allen Freunden und Bekannten meine Fe.t- Stllo von zirka 100— 1500 Personen fassend, zu Ver- samrolangen und Festlichkeiten zu den kulantesten Bedingungen. Um gütigen Zuspruch bittet Max Ludwig:. Koaunaiidanlenftr. 67. T. A. 4, 5083. Von S Uhr abends bis 4 Uhr lrllh: Groke Silvesterfeier Riesen- Lach- Programm originellster Art. Eine Darbiet, einzig in dies. Genre. Zum 60. Maie: So muß man's machen! Ferner; Ein Rcttnngsmlttel. UM" Punkt 12 Ubr: Der Anbruch einer neuen Zeit. Gruß an das neue Jahr v. Hugo PoIIak unter Fanfaren-Jubelklängcn vom Trompeier-Korp» b. Garbc-Kiir.-Reg. Gr. allgemeiner GratulatiunSakt. ffW Um 2 Uhr früh:-igaß vcster-Habar ott unter Mitwirkung des gesamten Schau- splelpersonals d. Herrnleid. Theaters. Die StllettS für die Porstellung am Slloestcr berechtigen zur Teilnahnic a. d. gesamt. Siloesteiseiei ohne Nach- zahlung.— Aoroerk. 11—2(Theater- fasse und bei Wertheim). WiiiiLeiieo unsere« Publikums Rechnung tragend, beginnen unsere Vorstellungen von heute ab um Uhr! Casino-Theater Lothringer(Strafte 37. Ab. 8 Uhr: l>©r Oberfrauner. erga d, 1. Ja: Sonnabend, 1. Fan., nachm. 4 Uhr, Sonntag, 2. Jan., nachm. 4 Ubr: N c u I Trudchen» Sommerreist. Palast-Thealer. Direktion: Robert DIU 4 Karl Plrnau. Burgsilahe 24, am Bahnhoi Bölse. Kroke 8!!?e8ter- zbsekieöz-Vorsleiiung der eratlilanaigcn Allen Freunden Bekannten und Gönnern senden aus diesem Wege dt« herzlichsten Glückwünsche zum Neuen Jahre I DI» de. PIrnan. i m i n ü Viriffe-THpaler Weinbergsweg 19-20, Hosenth.Tor. Heute Auf. ÖVj Uhr. SilTester-Vorsteliung Spezialitäten- Bali. Regtmenfsfapelle». w» 4 Orchester.- Grschenke. I GesamtewiriltSprelS* 3«orl Thcalcrkasse heute ununterbrochen geöffnet._ Sanssouci, Diveftion Wilhelm Reimer. Heute Silvester-Abend: Extra- SilvEstep- Olk-Vorst. v. Hotlmanns NordlSäng. Fest-Programm! Zum ersten Male: Kleinstädters Silvcster-Erlebnisse Posse in 1 Akt. Petanais'e SilVEStEP-Ball. Begritstnng des neuen JastreS. GvvLcr Sllvc-tcr-lilk. Jed. Teiln. erh. gratis Punsch u. Psannf. Morg.: Fest-Loircs. fleujahrskränzol«. Mittwoch, 5. Jan.: THeater-Zlbenb. Reievskaiien-Ikeatek'. Heute: MeSilvester- Oik- Soiree d°r Stettiner Sänger. „Der Nachtwächter v.Zerpenschleuse". Ansang 8 Uhr. Nach ber Soiree; Tanzkränzchen. Ballmusik: Das gesamte Orchester deS 3. Garde-Feldartillerie-Regimts. Fiir den Ball ist nichls nachzuzahlen. Toägt-Thvntvr Gesundbrunnen. Badstraste 58. Freitag, den 31. Dezember 1909; Grolle Mllvestcrfelep. Je toller, je besser. Burleske mit Gesang in 5 BUdeM von Rosen. Kasseneröffnung 7 Uhr. Ansang 8 Uhr. Karl Hsveriarul Ansang Theater präz. 8 U. 77/79 Kommandautenstraste 77/79. Jubel-«. Trubel-Vorstellnug. Von 11 Ubr ab: Gr. Silvesterball. Punll 12 Uhr: Begrüftung des neue» Jahres. Besitzer: Gtto Ernort. SW., Kreuzvergstraüe 48. Heule Freitag: Gr. Silufftrr» gflll. Ansang 8 Uhr. 75b Gratis Pfannkuchen u. Punsch-Polonaise. I eihnachts- Messe OresdenerStr. 34.351 Luisenhof I i älteste u. größte) Täglich! KONZERTa Eröffnung: Wocheulags 5 Uhr, SoniitagS 3 Uhr. Entree DonulagS 20, wochentags 10 Pf. gnrgtlleater-7e8t5ä!e Grotcrjan. ■NM Im Thealersaal: Ofl Vorstellung ledenber Bitber. Billige Prelle. Silvester unb 1. Neusahrstag; Großer Bali im vbersaal von 6—2 Uhr nacht». 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