DrS. nbonnemetitS'ßeditigunsen: Abonnements- Preis pränumerando! Wicrtcljähri. 3£0 SUl., monatl. 1,10 Mk„ Ivöchentlich 28 Psg, frei ins Haus. Einzelne Nummer S Pfg, Sonntags Eingetragen in die Post-Zeitungs- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland L Marl pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland. Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz, 27. Jahrg. CritfKin! täglich außer montags. Berliner Volksblnkl. Die Tniertions'Gcbübr beträgt für die scchsgespaltene Kolonel« geile oder deren Raum EO Psg., für politische und gewcrlschaftiiche Vereins- lind Lersammlungs-Anzeigen M Psg. „kleine Zn-eig-n". das erste fselt. gedruckte) Wort 20 Psg., jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf- stellen-Anzeigen das erste Wort 10 Psg., jedes weitere»ort 5 Pfg. Worte über IS Buchstaben zählen für zwei«orte, Inserate für die nächste Nummer müssen bis SUhrnachmittagsinder Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm- Adresse: „SoziailUDtohrat Berlin" Zentralorgan der fozialdemohratifcben parte» Deutfcblands. Redaktton: SRI. 68» Linden Strasse 69« Fernsprechert Amt IV, Nr. 1983. Freitag, den 7, Januar 19i0. Expedition: SM. 68, Lindenstrassc 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1981. Glossen zum niilitäretat. An die Spitze der Heeresverwaltung ist ein neuer Mann getreten, Herr Josias v. Heeringen. Bedeutet der Wechsel in den leitenden Persönlichkeiten anderer Ressorts wenig, so bedeutet der Personenwechsel im Kriegsministerium gar nichts. Die Leitung� der militärischen Angelegenheiten des Reiches hat ihren Schwerpunkt nach wie vor im Militärkabinett des Kaisers, und zu den wesent- lichsten Aufgaben des Kriegsministers gehört es, die Matz- nahmen des Militärkabinetts vor dem Reichstag so zu ver- treten, als ob er selber sie getroffen hätte. Unter diesen Um- ständen ist der neue Militäretat nach der alten Schablone aufgestellt worden. Den Löwenanteil der Ausgaben, die das Deutsche Reich zu machen hat, beansprucht wieder der Moloch Militarismus. Nicht weniger als 808 700 OVO M. Ausgaben, denen an eigenen Einnahmen 9 834 847 M. gegenüberstehen, erfordert allein das Reichsheer. Insgesamt betrachtet, sind die Aus- gaben um 27 265 914 M. niedriger als im Vorjahre. Diese Ersparnis ist aber blotz eine scheinbare. Wenn beim Militarismus in der Weise gespart werden soll, datz die auf dem Volke ruhenden ungeheueren Lasten vermindert werden können, dann kann das nur bei den fortlaufenden Aus- gaben geschehen. Diese Art der Ausgaben ist aber im preutzi- scheu Heeresetat um 10716807 M. gestiegen! Die ge- machten angeblichen Ersparnisse beim Reichsheere entfallen auf die einmaligen Ausgaben, und es darf rund heraus gesagt werden, datz die Heeresverwaltung ihren Etat in höchst bedenklicher Weise„frisiert" hat. Die ein- maligen Ausgaben sind im Bereiche der Preutzi- s ch e n Armee um 32 466 096 M. gesunken. Offenbar soll damit nach autzen der Eindruck erweckt werden, als sei die Heeresverwaltung unter ihrer neuen Leitung bestrebt, die enormen Ausgaben dauernd zu vermindern. Wir werden so- fort zeigen, datz daran ernstlich nicht gedacht worden ist. Die Verminderung der einmaligen Ausgaben ist lediglich dar- auf zurückzuführen, datz grotze, kostspielige Bauten fertiggestellt sind, deren weitere Unterhaltung nun zu Lasten des ordent- lichen Etats fällt, und ferner, datz für Bauten, die in An- griff genommen sind, niedrigere Raten als im Vorjahre verlangt werden. Einige Beispiele mögen das illustrieren. Der Neubau des Bekleidungsamts in Königsberg kostet 1 735 000 M., welcher Betrag vom Reichstag in Raten zu bewilligen ist. 1909 wurden bewilligt 400000 M.. für 1910 werden gefordert 300000 M., sonach 100000 M. weniger. Der Kasernenbau in Mülheim kostet 1 435 000 M. Es sind darauf Raten bewilligt worden von 300000 M., 250000 M., dieses Jahr werden blotz 100000 M. verlangt, demnach weniger 150000 M. Für einen Neubau in Graudenz sind im Vorjahre verlangt worden 230000 M., dieses Jahr werden verlangt 160000 M., also 70000 M. weniger. In einem Fall wird in diesem Jahre sogar 1000000 M. weniger verlangt, als im Vorjahre, auf das ganze Objekt müssen aber noch 10'/z Millionen Mark bewilligt werden. Auf diese Weise war es möglich, datz die einmaligen Aus- gaben in diesem Etat um mehr als 32 Millionen Mark ver- mindert erscheinen. In Wirklichkeit müssen diese Summen natürlich in den folgenden Jahren mehr bewilligt werden, und wenn die für 1910 bewilligte geringere Summe zur Fort- sührung der Bauten nicht ausreicht, so wird der Etat einfach überschritten. Die Heeresverwaltung weitz genau, datz sie bei der Mehrheit des Reichstages für Etatsüberschreituugen auf Indemnität rechnen kann. Die ganze sogenannte Spar- sainkeit ist sonach lediglich auf eine Irreführung der großen Masse der Steuerzahler berechnet.. Eine durchgreifende Verminderung der Heereskostcn ist nur zu erwarten, wenn entweder die D i e n st z e i t der Truppen weiter herabgesetzt oder wenn die Präsenz- stärke des Heeres vermindert wird. An beides ist vorderhand nicht zu denken. Die derzeitige Präsenzstärke des Heeres beträgt 25 722 Offiziere, 2288 Sanitätsoffiziere, 761 Veterinäre, 1082 Zahlmeister, 1230 Nnterzahlmeister, 1245 Sattler, Büchsenmacher, Wasienmeister usw., 487 Musik- meister, 85 259 Unteroffiziere und 504 446 Gefreite und Ge- meine, zusammen also 622 520 Mann. Von einer weiteren Herabsetzung der Dienstzeit will die Heeresverwaltung nichts wissen. In Frage kämen zu- nächst die berittenen Truppen, die noch die dreijährige Dienstzeit haben. Im Vorjahr hat der Kriegsminister in einer langatmigen Denkschrift dem Reichstag klar zumachen versucht, datz eine Herabsetzung der Dienst zeit bei den berittenen Truppen die Wehrkraft des Reiches erheblich schwächen mützte. Ueberzeugend waren seine Darlegungen nicht, und es steht zu er- warten, daß bei der diesmaligen Beratung des Militäretats nicht nur— wie selbstverständlich— von unseren Vertretern, sondern auch von einem oder dem anderen Angehörigen der bürgerlichen Parteien diese Frage wieder angeschnitten wird. Der neue Kriegsminister, Herr Josias von Heeringen, steht jedoch offenbar auf dem Standpunkt seines Vorgängers, und ihm dürste noch weiterhin der Rücken gestärkt worden sein durch die Versammlung der Heerführer, die am Neujahrstage in Berlin stattgefunden hat. Die kommandierenden Generale der deutschen Armee finden sich alljährlich am 1. Januar in Berlin ein. um dem Kaiser, ihrem obersten Kriegsherrn, zu gratulieren. Diese Gratulattons- eour der Generale ist zu einem Ereignis von poli- tischer Bedeutung geworden durch die Reden, die bei diesem Anlaß gehalten werden. Zwar ist ihr Anhalt nicht für die Oeffentlichkeit bestimmt, aber es ist gar nicht zu vermeiden, datz aus der Unterhaltung des Kaisers mit den Generalen eben doch manches in die Oeffentlichkeit dringt. Bei dem Neujahrsempfang am 1. Januar 1909 haben die Generale dem Kaiser versichert, datz die Armee fest und treu zu ihm stehe. Das sollte, wie unser Fraktionsredner, Genosse S t ü ck l e n, in der Sitzung des Reichstags vom 17. März 1909, ohne Widerspruch zu finden, feststellte, die Antwort sein auf die machtvolle Protestbewegung des entrechteten Volkes in Preusten gegen das Dreiklassenwahlrccht. Bürgerliche Blätter haben nun schon vor Wochen verlauten lassen, datz die weitere Verkürzung der Dienstzeit beim diesjährigen Empfang mit in den Kreis der Betrachtungen gezogen. werden solle. Datz aber die Generale von dieser Verkürzung nichts wissen wollen, steht jedenfalls fest. Bis jetzt ist von der gepflogenen Unterhaltung noch nichts in die Oeffentlichkeit gedrungen. Durch die im Vorjahre vor- gekommene Indiskretion gewitzigt, ist offenbar größere Vorsicht geübt worden. Bei der Veranstaltung dieser Generalzusammenkünfte merkt man deutlich die regieführende Hand des Militär- kabinetts, jener völlig unverantwortlichen mili- tärischen Regierung, der gegenüber die Tätigkeit des verantwortlichen Kriegsministers nicht einmnl die Bezeichnung Nebenregierung verdient. Das Kriegsmini st erium ist lediglich die Kulisse, hinter der ganz andere Ge- walten tätig sind I Kein Zweifel, datz die zweijährige Dienstzeit auch bei den berittenen Truppen kommt. Sie wird kommen, wenn das jetzige Militärgesetz im Jahre 1912 abgelaufen ist und durch ein neues ersetzt werden mutz. Dieses neue Militärgesetz wird eine wesentliche Vermehrung des stehenden Heeres bringen, und dann soll ganz offenbar die Ausdehnung der zweijährigen Dienstzeit auf die berittenen Truppen als Kompensations- 0 b j e k t dienen, um den widerstrebenden bürgerlichen Parteien die Zustimmung zu erleichtern. Aber auch im Rahmen des gegenwärtigen Heeresetats könnte ganz erheblich gespart werden. Nur hat die militärische Sparsamkeit höchst bedenkliche Schattenseiten, wenn man sich nicht entschließen kann, vom Militäretat einfach eine er- hebliche Anzahl Millionen Mark zu st reichen. Auf das dringende Verlangen der Budgetkommission des Reichstages hin hat die Heeresverwaltung die Zusage ge- geben, die Frage der Pferdegeld-, Rations- und Stallgcldgewährung anderweit zu regeln. Bestimmend dafür ist der unerhörte Zustand, datz Offiziere Futterrationen für Pferde beziehen, die sie in Wirklichkeit gar nicht besitzen. Für solche Rationen, die nicht gebrancht werden, erhalten sie eine Vergütung von 91 Pf. pro Tag, macht im Jahre 332,15 M. Eine ganze Anzahl Offiziere beziehen sechs bis acht Rationen, obwohl sie höchstens drei bis vier Pferde halten. Die Absicht der Budgetkommission ging dahin, keinem Offizier mehr Nationen zu gewähren, als er in der Tat Pferde besitzt. Es sollte gespart werden. Die Heeresverwaltung hat es nun niit dieser Sparsamkeit versucht und ist zu dem verblüffenden Resultat gekommen, datz die Durchführung der vom Reichstag ge- forderten Ersparnisse eine derart hohe, dauernde Mehrbelastung der Steuerzahler mit sich bringt, daß es bei den derzeitigen Finanzverhältnissen des Reiches nicht ratsam erschien, den ganzen Betrag in den vor- liegenden Etat einzustellen. Die Militärverwaltung steht nämlich auf dem ungeheuer- lichen Standpunkt, datz die Offiziere für den Wegfall der zu viel bezogenen Nationen entschädigt werden müssen und sie nimmt diese Entschädigung auf ganz seltsame Weise vor. Die Möglichkeit, sich für Pferderationen Geld geben zu lassen, besteht bloß für die nicht pferdegeldberechtigten Offiziere, denn die anderen Offiziere, die Pferde- geld beziehen, erhalten schon jetzt nicht mehr Rationen, als sie tatsächlich verbrauchen. Letztere Kategorie von Offizieren bezieht in einem Turnus von acht Jahren den Betrag von 1500 M-, für welches Geld sie sich ein Pferd zu beschaffen haben. Nach 8 Jahren erhalten sie wiederum 1500 Mark, ohne Rücksicht darauf, ob das Pferd noch dien st tauglich ist oder nicht. Kein Pferdegeld erhalten Generale, Offiziere der Kavallerie und reitenden Feld- artillerie, die aus diesen Waffen hervorgegangenen Offiziere in besonderen Stellungen, Sanitätsoffiziere, Veterinäroffiziere und eine Anzahl Militärbeamter. Der Etat für 1910 sieht nun die Gewährung von Pferdegeld vor für Generäle, Sanitäts- und Veterinäroffiziere und Beamte. Die Leutnants der berittenen Truppen sollen eine Entschädigung von 180 M. pro Jahr erhalten. In der ganzen Armee werden für ein Pferd für den Zeit- räum von 8 Jahren 1500 M. gezahlt. Für die Generäle soll jetzt eine Ausnahme getroffen werden. Die Heeresverwaltung bc- hauptet nämlich, datz die Pferde, die für Generäle notwendig sind, 2700— 3500 M. kosten, und lediglich im„Interesse der Sparsamkeit" sollen sich die Generäle mit einem Pferdegeld von 2400 M. begnügen. Die Zahl der Pferde, die für die Generäle als zuständig festgesetzt sind, ist natürlich wieder viel zu hoch angesetzt. Die kommandierenden Generäle sollen Pferdegeld erhalten für je 6 Pferde, macht auf einen Turnus von 8 Jahren 14 400 M. Außerdem hat jeder dieser Herren noch ein Automobil zur Verfügung. Die Heeres- Verwaltung bemerkt dazu, datz das Vorhandensein des Auto- mobils nicht als Grund dafür angesehen werden könne, den Pferdebestand der Generäle zu ermäßigen. So hat z. B. auch der Präsident des Reichsmilitärgerichts, der dienstlich überhaupt kein Pferd braucht, Anspruch auf Pferdegeld für sechs Pferde! Wenn die Generäle teure Paradepferde haben wollen, so besteht für die Steuerzahler nicht der mindeste Anlaß, den Herren diesen Luxus zu bezahlen. Im Ernstfall kommt es weniger auf die Schönheit des Pferdes als auf die strategischen Fähigkeiten des Reiters an. Dabei ist gar nicht gesagt, datz die Generäle auch tatsächlich fortwährend sechs Pferde halten müssen. Auf das Geld für eine solche Anzahl von Pferden haben sie jedoch unter allen Umständen Anspruch. Der Unterschied besteht dann lediglich darin, datz der Offizier stüher ein Nebeneinkommen aus den überflüssigen Rationen hatte, künftig wird er unter Umständen ein noch höheres Nebeneinkommen aus nicht verbrauchten Pfcrdegeldern haben I Die im Ausland befindlichen deutschen Offiziere erhalten Pferdegeld und Rationen auch dann, wenn sie überhaupt keine Pferde halten l Auch die diensttuenden Adjutanten des Kaisers sollen künftig Pfcrdegelder und Rationen ohne Rücksicht auf die Zahl der wirklich gehaltenen Pferde bekommen. Das wird damit be- gründet, datz die Adjutanten den Kaiser viel auf Reisen zu begleiten hätten, nicht immer Pferde mitnehmen könnten, und sich dann am Orte des Reiseziels beritten machen müßten. Bei den Generälen werden künftig an Rationen und Stallgeldern 243 332 M.„erspart" und dafür an Pferde- gelderu 347 604 M. mehr ausgegeben! Und das ganze nennt sich dann: Militärische Sparsamkeit! liisnnesmÄnnliche Stimmungsmache. „ES hat fast den Anschein, als sollte es zu einem Losungsioort aller vaterländisch Gesinnten werden, zu einem Kristallisierungskern, um den sich die durch die Ber- ärgcrung des letzten Sommers zersprengten Parteien an- sammeln und gruppieren. Eine jener Fragen, die an das nationale Ehrgefühl oder einen Wirt» schaftlichen Lebensiierv des deutschen Volkes rühren, ist wieder einmal blotz gelegt, und mit erfreu- licher Promptheit beginnt das Empfinden des deutschen Volkes darauf zu reagieren. ES ist eine Regung jenes Geistes, der damals nach Echterdingen in wenigen Tagen sechs Millionen zusammenbrachte, um dem greisen Helden des deutschen Volkes in treuer Hilfsbereitschaft bei- zuspringen, jenes Geistes, der nach den Tagen deS kolonialen JammerS die eigenwillige Mehrheit des Reichs« tages fortfegte und dem Kaiser einen Reichstag zur Ver- fügung stellte, der fiir vaterländische Notwendigkeiten ein lebendigeres VerantwortlichleitSgesühl haben sollte..." Das„es", von dem in diesen hochtrabenden„patriotischen" Phrasen die Rede ist, soll Marokko sein. Nichtiger aber ist eS, dafür die Konzessionen der Gebrüder Mannesman» u. Co. zu setzen. Zu ihrem Nutz und Frc inen ist die Broschüre geschrieben, aus deren Anfangssätzen wir die obigen Zeilen zitieren. In der Nr. 303 vom 2g. Dezember haben wir dieses von einem PseudonymuS„OSman" gezeichnete und von dem Pseudonymen Verlag Continent, G. m. b. H. zu Berlin verlegte Machwerk,„Eine deutsche Antwort" heitzt nütz- bräuchlich der Titel, bereits kurz erwähnt und summarisch gekenn« zeichnet. Es verdient indes noch eine etwas nähere Betrachtung, da es ein kganz instruktiver Beitrag zur Beurteilung der Methode des Mannesmann-Syndikats bei seiner Bearbeitung der öffentlichen Meinung ist. Wie das Zitat zeigt, arbeitet die Broschüre auSgiebig mit nationalen Kraftphrasen. Die chauvinistischen Instinkte deS deutschen Bürgers gegen daS böse Frankreich, dem die ungeschickte, irrlichternde Führung der deutschen Marokkopolitik zugute ge« kommen ist vom Standpunkt der Kapitalisten und Imperialisten gesehen, denn sonst lätzt sich natürlich irgend ein wirklicher Borteil in der Verwickelung in das marokkanische Abenteuer nicht erblicken— werden kräftig angeregt. Und dann wird beweglich geschildert, wie die braven Gebrüder Mannesmann, die deutschen Kulturpioniere, die „westfälischen Patrioten", in dem Lande, wo Deutschland nun in- folge der Schuld der deutschen Regierung keine politischen Ansprüche mehr zu machen hat, gearbeitet haben, um wenigstens noch Wirt- schaftliche Vorteile für ihr Vaterland herauszuschlagen. Sie haben sich denn auch die Geldnot der Sultane Abdul AsiS und Mulay Hafid geschickt zunutze gemacht, um ihnen gegen Vor» strecken verhältnismätzig geringer Summen Konzessionen abzu» knöpfen, die ihnen nahezu ein Monopol auf den gesamten Erzreichtum Marokkos geben und die nach der Broschüre der deutschen Industrie, vornehmlich der Eisenindustrie, ganz gewaltige Vorteile bringen sollen. Und alle diese Vorteile und diese wohlerworbenen Rechte will die deutsche Regierung auf den Einspruch der französischen Omon des rnines marocaines, der Konkurrentin des Mannesmanvsyndikats, dem zweifelhaften Spruch eines internationalen Schiedsgerichtes preisgeben! Es ist himmelschreiend! Wie wohlerworben diese Rechte sind, das geht aus ber Gegen« leistung, die die ManneSmann gegeben haben, hervor. Sie haben ungefähr dieselbe Methode angewendet, die die Kulturpioniere in Afrika gebrauchtest, wenn sie für ein Taschentuch oder anderen wert- losen Tand von den Negerhäuptlingen ganze Länder erwarben. GtloaS mehr hohen ja die Gehruder ManneZman» gehen müssen, denn die marokkanischen Sultane sind keine Negerhäuptliuge-- aber sicherlich haben sie die bedrängte Lage der maurischen Majestäten ausgc- nützt, um sich riesige Millioncn-Werte für einige Hunderttausende schenken zu lassen. Indes, so würden cS ihre Konkurrenten wahr- scheinlich auch gemacht haben, wenn ihnen nicht zuvorgekommen worden wäre— solche angenehme Methoden„ursprünglicher Kapitals- Akkumulation" machen ja die Kolonialpolitik zu einem so nutz- bringenden Geschäft für die Bourgeoisie. Zweifellos ist aber, datz die ManneSmänner nur für einen kleinen Teil der gewaltigen Minen- selber, die ihnen die Sultane auslieferten, die Vorarbeiten leisten konnten, die nach dem Bergrecht zivilisierter Nationen allein ernrög- lichen, einen Anspruch auf die Bodenschätze zu erwerben. Nun ist im Algecirasvertrag vereinbart worden, daß für Marokko ein Berg- gesetz nach europäischen Grundsätzen erlassen werden solle und die deutsche Negierung hat später besondere Anstrengungen gemacht, um einen Nachtrag zu dieser Bestimmung zu orreichen, wonach dieses Gesetz unter gemeinsamer Mitwirkung der Signatarmächte ausgearbeitet werden solle. Sic tat eS, weil sie fürchtete, daß der ganz unter französischem Einfluß stehende Abdul Asis sonst ein Berggesetz geben werde, das einseitig zugunsten der Franzosen gefaßt sei. Am 20. August gelang es ihr, mit dieser Forderung durchzudringen. Der Zweck dieser Bestimmung war also, zu verhindern, daß die Kapitalisten einer Nation oder irgendeiner Gruppe sich unbegrenzte Konzesstonen geben lassen konnten, ohne durch bergmännische Bor- arbeiten sich einen Anspruch auf die Verleihung erworben zu haben. DaS Monopol einer Gruppe sollte verhütet werden, denn wenn nach Erlaß eines rationellen Berggesetzes erst durch Schürf- versuche ein Anrecht auf die Ausbeutung der Bodenschätze er- worden werden mutz, so ist der freie Wettbewerb gesichert. Gleich nach der internationalen Abmachung vom 20. August 1908 aber, die von deutscher Seite angeregt war, haben die Mannesmänner ihre Massenkonzessionen erreicht und also gerade das zu erzielen gesucht, was die Abmachung verhindern will. ES versteht sich von selbst, daß die deutsche Regierung ihren mannigfachen Marokkoblamagen eine neue und sehr schwerwiegende hinzufügen mühte, und daß sie die schwersten Konflikte leicht- sinnig provozieren würde, wenn sie die Rechtsgültigkeit dieser Kon- zessionen durch dick und dünn verfechten wollte. Die Broschüre bringt freilich einen ganzen Haufen von Gutachten, unterzeichnet von bekannten StaatSrechtlehrern und anderen Juristen, nicht bloß deutscher, sondern auch anderer Nationalitäten— sogar Franzosen sind darunter, was nicht so verwunderlich ist, wie es auf den ersten Blick erscheinen mag» da das ManneSmannsyndikat auch französische Teilhaber hat. Alle diese Gutachten versichern mit der absoluten Bestimmtheit, die solchen juristischen Aeußerungen stets eigen ist, daß die Rechte der ManneSmänner ganz unanfechtbar sind, daß der Sultan zur Vergebung der Konzessionen und zum Erlaß deö Berggesetzes, darauf sie fußen, als Souveräne des marokkanischen Staates absolut berechtigt war. Mit diesen juristischen Gutachten ist es indes hier eine eigene Sache. Wenn eine Sache nur irgend eine rechtlich zu vertretende Seite hat, so wird man immer Juristen finden, die diese eine Seite für die wesentliche und entscheidende halten; man wird aber ebenso sicher auch andere Juristen finden, die gerade die anderen Seiten für allein bedeutsam und ausschlaggebend ansehen. Viel wesentlicher als die Fragen, die diese Gutachten beantworten, ob nach dem Buchstaben der völkerrechtlichen Normen die Konzessionen rechts- gültig sind, ist die, ob sie mit dem Sinn und dem Zweck der inter- nationalen Abmachungen über Marokko vereinbar sind. Und das muß verneint werden. Bon der ehrlichen Jnnehaltung dieser Ab- machungen aber hängt weit mehr als der Profit einiger Kapi- talisten ab, hängt der Friede ab! Ist überhaupt das Manncsmann-Shndikat überhaupt eine deutsche Unternehmung und ist das Interesse der deutschen In- dustrie so gewaltig, wie die Broschüre es so beredt hinstellt? Die Frage nach der Zusammensetzung des Syndikats behandelt sie nur an einer Stelle und da heißt es: Nach einer Erklärung deö Marokko-Minen-Syndikats ist bei der Mannesmann-Gesellschaft die absolute Mehrheit des ' Kapitals in den Händen von Reichsdeutschen, die Dreiviertel- Mehrheit in den Händen von Deutschen und Deutsch-Oester- reichern. Es ist auch Vorsorge getroffen, daß das Verhältnis nicht zuungunsten der Deutschen verschoben werden kann. An dem deutschen Charakter des Unternehmens ändert der Umstand nichts, daß in der Minorität auch ausländische Interessenten daran beteiligt sind. Ebensowenig wie die Deutsche Reichsbank ei» ausländisches Unternehmen ist, obgleich Aktien der Deutschen ReichSbank sich in den Händen von Ausländern befinden. Die Majorität bestimmt die Nationalität und die Leitung der Ge- schäfte. Andererseits beträgt die deutsche Beteiligung an der „Union deö mines maroccaines" nach der„Rhetnisch-Westfälischen Zeitung" nur IS Proz. Daraus folgert: „Die deutsche Gesellschaft hat es kraft der deutschen Mehr- heit in der Hand, die großen Aufträge an Bergwerksmaschinen der heimischen Industrie zuzuführen; die französische nicht. Die deutsche Gesellschaft würde den Erzimport durch deutsche Reede- reien nach Deutschland leiten; die französische nicht. Die deutsche Gesellschaft würde einen großen Bedarf an deutschen Ingenieuren, Chemikern, Werkmeistern, Borarbeitern haben, die französische nicht. Alles käme Frankreich zugute. Ueberdics ist das französische Syndikat fast ganz in den Händen von Eigenverbrauchern, die das Erz vorzugsweise eigenen Betrieben zuführen würden, während die Ausbeute aus den ManneSmann-Minen bis auf die letzte Tonne der deutschen Ge- famtindustrie zugute käme." Genaue Zahlen über daS Verhältnis der deutschen Kapitalien zu den nichtdeutschen im Syndikat anzugeben, hütet sich also die Broschüre. Besonders glänzend mutz es in dieser Hinsicht nicht stehen, denn sonst brauchte die Erklärung nicht mit so blöden Argu- menten aufzuwarten, wie es der Vergleich mit der ReichSbank und die Anführung der Deutschösterreicher ist. Die Deutschösterreicher besagen nichts für das, was das ManneSmannsyndikat beweisen will, denn auf wirtschaftlichem Gebiet bedeutet das politische Bündnis sehr wemg und vom Kapital der Reichsbank ist natürlich. wenn überhaupt, nur ein ganz geringer Teil des Kapitals in aus- ländischen Händen. Vor allen Dingen aber ist die Gewalt der Aktionäre auf die Geschäftsführung der Bank sehr gering. Vom Kapital des Syndikats aber ist ein sehr großer Teil— es scheint fast die Hälfte— in ausländischen Händen. Und da soll der deutschen Industrie die gesamte Ausbeute der Minen und die ge- samte Lieferung für die Bergwerksbctriebe zufliegen? Die starken ausländischen Teilhaber sollten sich nicht gesichert haben, was die nur 15 Proz. des Kapitals der Union des mines maroccain stellen- den deutschen Teilhaber Krupp, Deutscher Kaiser-Gelsenkirchen sich dort gesichert baben? Um das zu glauben, müßte man schon ein alldeutscher Politiker sein! Noch viel tollere Urteilsunfähigkeit setzen übrigens jene AuS- führungen der Broschüre voraus, wo haarscharf bewiesen wird, daß die deutsche Eisenindustrie binnen einem Menschenalter dann zugrunde gehen muß, wenn nicht die ManneSmänner die Konzessionen erhalten werden. Denn, so wird da argumentiert, die deutschen Eisenerzgrubcn sind binnen 30 Jahren erschöpft, die ausländischen Bezugsquellen werden ihr inzwischen durch auSlän- dische Konkurrenz und durch Ausfuhrzölle und dergleichen ver- schlössen werden, mit Ausnahme der Minen des ManneSmannS- syndikat-, daS natürlich in edler patriotischer Entsagung nur für Deutschland liefern wird, und wenn das an den übrigen Quellen die Deutschen überbietende Unternehmertum des Auslandes auch noch soviel höhere Preise bieten würde. Es genügt, diesen frechen Unsinn anzunageln. Er hat indes bei diesen Handelskammern der Eisenbezirke Anklang gefunden und wird in den Eingaben, die sie und diverse Unternehmervereinigungen an den Reichskanzler richten, ernst- Haft angeführt. Von diesen Eingaben, die die Broschüre ab- druckt, ist eine bemerkenswert; sie ist nämlich eine angeblich von Arbeitern stammende! Natürlich nur angeblich. Ent- worfen auf einem Unternehmerbureau, ist sie gezeichnet von den bekannten Herren Ernert und Heuer mit der Firma der bekannten Unternehmerschutztruppe„Bund vaterländischer Arbeitervereine". Der Broschürenschreiber schreit natür- lich entzückt in die Welt hinaus, daß hinter ihr die Männer stehen, „deren harte, starke Fäuste sich nach dem deutschen Erze ausstrecken und eS zu des Reiches Nutz und Ehre in schwerer, mühseliger Arbeit schweißen und hämmern werden". In Wirklichkeit steht natürlich nicht ein Arbeiter dahinter. Als Probe aber, zu was alles diese Werkzeuge deS Unternehmertums sich gebrauchen lassen müssen, sei die folgende Stelle der Eingabe wiedergegeben: „Euer Exzellenz bitten wir, bei dieser Frage Hochgeneigtest berücksichtigen zu wollen, wie schwer es uns vaterländischen Ar- bcitern ist, gegenüber der beständig negierenden Sozialdemokratie den Standpunkt zu vertreten, daß die großen Ausgaben für Heer und Flotte, namentlich für die letztere, dem deutschen Volke und insbesondere der deutschen Arbeiterschaft toieder zugute kommen. Wenn jetzt, nachdem wir vor dem Sturze des französischen Ministers Delcasse den Krieg für unsere Marokkointeressen riskiert haben, gerade diejenigen Interessen geopfert werden sollen, an denen die deutsche Arbeiterschaft direkt interessiert ist, so werden wir in unserem Kampfe gegen die Sozialdemokratie nur schwer dann eine Antwort finden, wenn diese uns entgegen- halten kann, daß das Risiko eines Krieges schwindet und demzu- folge auch die großen Ausgaben für Heer und Flotte unproduktiv und überflüssig sind, wenn deutsche Interessen, trotz unserer starken Heeresmacht, im Aus- lande preisgegeben werden." Ein solch frivoles Spiel mit dem Kricgsgedanken wagt bezeich- nenderweise keine der direkten Unternehmereingaben. Wie auch hier der Sozialistenschreck der guten„nationalen" Sache dienen muß, ist nebenbei auf jeden Fall bemerkenswert. Sonst besteht die ganze Broschüre aus Ausschnitten aus der von den Mannesmännern geschickt bearbeiteten deutschen bürgec- lichen Presse und aus den Ausführungen der bürgerlichen Redner zur Affäre in der Etatsdebatte des Reichstags. Die bürgerlichen Parlamentarier stehen ohne Ausnahme zu den ManneSmänner», selbst der Sprecher des Freisinns, Herr Wiemer, hat sich nicht ge- scheut, gegen die Ueberweisung der Affäre an ein Schiedsgericht zu sprechen, obgleich der Freisinn sonst als Förderer und Freund der Schiedsgerichtsbestrebungen auftritt. Kein Wunder, daß die Broschüre diese einhellige Begeisterung der Bürgerlichen für die Interessen des ManneSmannsyndikat? zu dem Schwindel ausnützt, alle Parteien und die gesamte Presse Deutschlands seien in dieser Stellung einig. Die Sozialdemokratie, die sich natürlich nie und nirgends für den Mannesmannrunimel engagiert hat, wird ein- fach unterschlagen. Indes sie ist nicht aus der Welt zu schwindeln und wird das Ihre tun, um die Aufbauschung der Mannesmanninteressen zu einer„nationalen Angelegenheit", zu einer Sache der„nationalen Ehre" zu entlarven! Sie Polizei auf der Mlagebanli. Wie in Berlin die P o l i z e i sich als Herrin der Straße betätigt, das haben wir in den letzten Jahren wiederholt gesehen. Am 12. Januar 1908 hieben Polizisten auf W a h l r e ch t s d e m o n st r a n t e n mit der bloßen Waffe ein, am 21. I anuar 1903 wurde in gleicher Weise ein Zug Arbeitsloser attackiert. Aehnlich ist sie seitdem noch mehrfach vorgegangen. Einmal geschah's, daß auch gegen eine Veranstaltung bürgerlicher Kreise die Polizeifaust sich regte. In der Zeit der Ferrer-Proteste hatte ein Komitee bürgerlicher Frauen zum 19. Oktober 1909 eine Versammlung nach Kellers Philharmonie(Köpenicker Straße) einberufen, in der Frau Lily Braun referierte. Nach Schluß der Versammlung kam es aus der Straße zu Menschen- ansammlungen, die sich nicht so rasch zerstreuen konnten, wie die Polizei es wünschte. Es gab dann die gewohnten Attacken und eine Anzahl Verhaftungen. Gestern hatte das Amtsgericht Berlin-Mltte (Abteilung 141) nacheinander zwei der damals sistiertcn Personen abzuurteilen, denen die üblichen Strafmandate aufgepackt worden waren. Beide hatten Widerspruch er- hoben und richterliche Entscheidung beantragt, für die von dem Verteidiger Rechtsanwalt Kurt Rosenfeld durch Ladung wahrhaft„klassischer" Zeugen die rechte Grundlage geschaffen worden war. Verhandelt wurde zunächst gegen den Kaufmann Paul D ö l z, der an jenem Abend gegen 10 Uhr an der Ecke der Köpenicker und der Brückenstraße den Polizei- befehl weiterzugehen nicht befolgt und über- dies laut gejohlt haben sollte. D. b e st r i t t das. Nach Schluß der Versammlung habe er, um der bereits vor- rückenden Polizei aus dem Wege zu gehen, sich in ein be- nachbartes Lokal begeben, nachher sei er an der genannten Straßenecke an die Straßenbahnhaltestelle getreten, um heim- zufahren. Hier habe plötzlich ein Schutzmann ihn festgenommen, ohne ihn zum Weitergehen aufgefordert zu haben. Dieser S ch u'tz m a n n M e d i n bekundete als Zeuge, nach der Versammlung sei es zu einer Straßendemonstration gekommen. Auf deö Verteidigers Frage, was er darunter verstehe, antwortete M., es seien Taufende von Personen dagewesen. Sie seien von einem Wachtmeister allgemein auf- gefordert worden, sich zu entfernen. Er, Zeuge, habe Dölz nicht aufgefordert. D. aber, hinter dem er gestanden habe. ohne bemerkt zu tverdcn, habe gejohlt, da habe er ihn fest- genommen. ES sei unmöglich, daß er einen falschen ge- griffen habe. Um festzustellen, wie an jenem Abend die Polizei „gearbeitet" hat, hatte der Verteidiger auch einige Zeugen geladen, die den„höheren" Gesellschafts- schichten angehören. Der Herr Graf Hoensbroech und die Frau Schulrat Cauer sollten über die Ein- drücke berichten, die sie auf der Straße von dem Verhalten des Publikums und der Polizei empfangen hatten. Aussage des Grafen Hoeusbroech und der Frau Minna Caner. Graf Hoenbroech bekundete etwa folgendes: Ich habe dasselbe, was ich hier sagen will, schon vor einiger Zeit auch dem Polizeipräsidium in längerer Unterredung vor- getragen. Es ist schwer, über das Verhalten der Polizei zu sprechen, ohne eine formale Beleidigung zu begehen. Nie sah ich etwas Aehnliches von Brntalisierung einer Volks- menge, die sich durchaus ruhig verhielt. Ich sagte der Polizei: „Sie züchten Sozialdemokraten!" Vor Beginn der Versammlung standen Hunderte vor'der Tür und verhielten sich tadellos ruhig. Ich habe selten eine Versammlung gesehen, die so ruhig verlief, wie diese. Als»vir nach Schluß der Versammlung auf die Straße hinaustraten. waren da Tausende von Menschen, die selbstverständlich nicht aus einmal verschwinden konnten. Ich wollte ruhig zur nächsten Straßenbahnhaltestelle gehen, die am Denkmal von Schulze- Delitzsch ist. Ich ging auf das Denkmal zu, um dort zu warten. Ich stand vielleicht 10 Minuten, weil ich wegen der Menge nicht weiterkonnte. Aber ich hörte absolut nichts von irgend welchem Tumult oder Geschrei. Ich hörte nur. daß auf die Referentin. als sie heraustrat, ein Hoch ausgebracht wurde. Aber das geschali in gar nicht provozierender Weise. Während ich so stand und wartete, hörte ich auf einmal einen furchtbaren Spektakel, einen Ansturm von Leuten, und ich sah die Flucht einer Volks- menge. Neben mir stand ein Herr, der tat nichts und rief auch nicht. Da geht ein Polizeilieutenant auf den Mann los, packt ihn wie einen Verbrecher an der Gurgel und schmeißt ihn aufs Straßenplnster. Ich betrachte es als ein Glück, daß er nicht mich gepackt und hingeschniissen hat; es hätte mir aber ebenso gehen können. Mit solcher Brutalitat kann man eigentlich nur gegenüber einem Mörder handeln. Dann sprengte eine Kolonne berittener Schiii!- leute im Galopp auf uns ein und ritt auf den Bürgerstcig. Ein Polizeileutnant wollte mir einreden, es sei„Schritt" ge- wesen. Ich sagte ihm:„Verschonen Sie mich mit derartigen Darlegungen, ich weiß selber, was Schritt ist." Als die Schutz- leute auf den Bürgersteig ritten, gab es einen fürchterlichen Tumult, und dann entstand ein Johlen. Ich fürchtete für mein Leben, daher ging ich auf einen Leutnant zu und nannte meinen Namen.„Ich verlange", sagte ich,„Schutz für mein Leben vor Ihren Leuten I", Er antwortete:„Es tut mir leid, daß Sie hineingekommen sind, wir handeln auf Befehl." Ich er- widerte:„Die solche Befehle erteilen, sind nicht wert, an ihre» Stellen zu sitzen."— Der Zeuge schloß seine Bekundungen: Für nichts und wieder nichts wurden die Leute angegriffen. Ich wurde dann hinausgeteitet, ich fürchtete tatsächlich für mein Leben. Auf den Vorhalt des Verteidigers, daß der als Zeuge vernommene Schutzmann eine„Straßendemonstration" gesehen haben wolle, erklärte Graf Hoensbroech, von einer solchen habe er nichts bemerkt. Frau Schulrat Cauer. eine Dame von seht 68 Jahren, schilderte folgendermaßen die Eindrücke, die sie auf der Straße empfangen hatte: Ich war, als wir hinauskamei!, entsetzt über das Aufgebot der Schutzmannschaft, über die ungemeine Aufregung unter den Schutzleuten. Berittene sprengten hin und her, ein Schutzmann drängte uns an die Wand, so daß wir beiseite sprangen. Wir wußten gar nicht, ivas sich ereignet hatte. So lange ich da war, hörte ich nichts von Johlen. Alle gingen, aber sie wurden fortwährend provoziert, indem immerzu gerufen wurde:.„Machen Tie,' das: Sie wegkommen!" Bei so vielen kommt doch mal ein Gr- dränge vor. Wir fragten uns immer wieder, was denn geschehen sei. Und immer wieder fuhren die Schutzleute uns an:„Machen Sie, daß Sie wegkommen!" Dabei ritten sie mit den Pferden auf das Trottoir. Es war ja doch alles ruh tg, wir sind geradezu provoziert worden. Aufgefordert oder provoziert? Auf eine Bemerkung des Vorsitzenden, daß a u f g e» fordert worden sei, weiterzugehen, äußerte sich noch ein- mal Graf Hoensbroech: Die Aufforderung der Schutz- leute bestand darin, daß man einfach geknüppelt wurde. Nicht in anständiger Weise sind die Schutzleute vor- gegangen, die doch von uns bezahlt werden. Sie sind in so provozierender Weise vorgegangen, daßeincmdasBlut indenAdernheiß wurde. Ich bin ein loyaler Staats- bürger» aber für eine solche Polizei bedanke ich mich. Ter Vorsitzende wehrte ab:„Wir sitzen hier nicht zu Gericht über die P o l i z e i." Auch Frau Cauer fügte dann noch hinzu: Die Aufforderung der Schutzleute war barsch. Das Publi- kum war außerordentlich gehorsam, aber es konnte nicht so schnell weg, weil so viele da waren. Die erneute Frage des Verteidigers, ob man, wie der Schutzmann, von einer „Straßendemonstration" sprechen könne, wurde vom Vor- sitzenden abgeschnitten:„Er meint eben, daß eine Menge Menschen da waren."„Na, wie soll denn," fragte der Ver- teidigcr,„eine Versammlung sich leeren, ohne daß eine Menge Menschen rauskomnien?" Die Beweisaufnahme wandte sich dann wieder dem besonderen Fall Dölz zu. Ein Reisender Wüstenberg, der in Begleitung von D. die Versammlung besucht hatte und mit ihm an die Straßenbahnhaltestelle getreten war, sagte aus: Wir standen zusammen, da riß mit einemmal ein Schutzmann den D. weg und führte ihn ab. Ich ging hinterher, einige Zeugen meldeten sich, ich notierte sie. D. hatte nichts getan, nicht gejohlt, kein Wort gesagt. Wir hatten auch keine Aufforderung weiterzugehen gehört. Vorsitzender (zum Schutzmann):„Können Sie sich nicht irren?" Schutzmann:„Nein." Vors.:„Na, einer von Ihnen schwört doch falsch." Schutzm.:„Es ist ja möglich, daß ich einen Falschen herausgegriffen habe." Vors.:„Kamen Sie von hinten?" Schutzm.„Ich weiß nicht." V e r t e i d i> g e r:„Das haben Sie ja vorhin selber gesagt!" Schutzm.: „Ich kam gerade vor." V e rt.:„Aber doch von hinten! Wie konnten Sie denn da sehen, daß er johlte!?" Auf die erneute Frage des Vorsitzenden, ob er sich nicht geirrt habe, lenkte der Schutzmann ein:«Ja, wo der Herr soviel Zeugen hat--" Somit fiel die Beschuldigung, gejohlt zu haben. Aber D. habe mindestens die Aufforderung weiterzugehen nicht befolgt, meinte der Amtsanwalt. „Ich kann doch an einer Straßenbahnbalte st elle stehen", warf der Vorsitzende ein, der offenbar in diesem Punkte noch nicht iible Erfahrungen gemacht hat. Der Schutz- mann sagte einsichtsvoll jetzt selber:„Die Menschenmenge war zu groß, da konnte niemand durch." Vernommen wurde noch ein Werkmeister Hagedorn, der gleichfalls an jener Straßenbahnhaltestelle gewartet hatte. D. habe absolut nichts gemacht. Ein Berittener habe gerufen:„Zum Donnerwetter, wenn die Leute nicht ans- einandergehen, dann bringen Tic sie zur Wache!" Vors. (zum Schutzm.): Tos haben Sie uns ja gar nicht gesagt!" S ch u tz ni.: Ich habe das nicht gehört. Hagedorn: ..Darauf stürzte sich der Schutzmann in die Menge und griff D. heraus." Vors.:„Warum denn den?" Hagedorn: „Ja. ich hätte es auch sein können." Vors.:„Fragte er nicht warum?" Hagedorn:„Da gab es keine Widerrede." Auch für den A m t s a n w a l t gab es jetzt keine Wider- rede mehr gegen solche Bekundungen: er beantragte selber Freisprechung, weil es gar nicht möglich gewesen, die Aufforderung zu befolgen, selbst wenn D. sie gehört haben sollte. Der Verteidiger schloß sich an mit folgender Be- gründung: Die Verhandlung hat wieder gezeigt, was heraus- kommt, wenn die Polizei erregt ist. Eine nervöse Polizei wird Zusammen st Lße auch niit der ruhig- stenMenge habem Daher versteht man es, daß der neue Polizeipräsident den Neujahrswunsch aus- gesprochen hat, das Einvernehmen zwischen Polizei und Publikum möge ein besseres sein. Daß es kein gutes ist, ist Schuld der Polizei, auch der oberen Beamten. Das ergeben im vorliegenden Fall die Bekundungen besonders des Zeugen Hoensbroech. Gegen Dölz hat der Schutzmann zuerst sehr bestimmt ausgesagt, nachher aber hat er seine Aussage stark eingeschränkt. Erwiesen ist, daß D. nichts begangen hat. Er ist nicht nur freizusprechen, auch die not wen- digen Auslagen, insbesondere die Vertei- digungskosten, sind der Staatskasse aufzubürden. Das Urteil lautete, gemäß dem Antrag der Ver- teidigung: Freisprechung und Ueber nähme der notwendigen Auslagen auf die Staatskasse. Die Begründung des Urteils hob nochmals hervor:„Wir sitzen hier nicht zu Gericht über die Polizei!" Fall Böhm. Und dennoch mußten sie gleich darauf zum zweitenmal über die Polizei zu Gericht sitzen. Sie hatte dem Ge- schäftsdiener Emil Böhm ein Strafmandat besorgt, weil er nach jener Versammlung skandaliert habe. daß man es straßenweit gehört habe. Die Verhand- lung gegen Böhm, der richterliche Entscheidung beantragt hatte, gestaltete sich sehr einfach. Böhm, dem als Ver- t e i d i g e r gleichfalls Rechtsanwalt Rosenfeld zur Seite stand, erklärte, nicht skandaliert zu haben. Schutz- mann Hof, der ihn sestgcnommen hatte, sagte aus: Wir sollten die Leute, die auf dem Bürgersteig waren, t weiter- weisen. Hauptmann Stephan befahl:„Nehmen Sie die Leute da sestl" Es waren zirka 20 Personen. Vors.: Alle, die da waren, sollten Sie festnehmen? Warum denn? Schutzmann: DaS weiß ich nicht. Vors.: Skandalierte der Angeklagte? Schutzmann: Das weiß ich nicht.(Nebenbei bemerkt: Dieser Hauptmann Stephan ist vermutlich derselbe Haupt- mann Stephan, der am 12. Januar 1908. dem Wahlrechts- sonntag, die Schlacht an der Friedrichtsgracht verschuldet hat.). Der Vorsitzende hatte genug. Er verfiigte in Ueberein- stimmung mit den Beisitzern Schluß der Beweisaufnahme. Der A m t s a n w a l t beantragte Freisprechung. Ihm schloß der Verteidiger sich an mit dem Ausdruck des Erstaunens darüber, daß ein Polizei- Hauptmann einfach alle sistieren lasse, die da stehen, und das Publikum das geduldig hinnehme. Selbstverständlich seien auch hier dem Angeklagten die notwendigen Aus- lagen zu ersetzen. Das Urteil lautete auch in diesen Fällen: Frei- sprechung und U ebernah me der notwendigen 'Auslagen auf die Staatskasse. In einem Rechtsstaat würden nun die Polizeibeamten, die die widerrechtliche Verhaftung angeordnet und vollführt haben, auf die Anklagebank gelangen und wegen schweren Amtsmißbrauchs und Freiheitsberaubung zu mehrjähriger Zuchthausstrafe und zu einer Buße verurteilt werden. In Preußen aber hat die Gerechtigkeit zu schweigen, zumal die herrschende Klasse auf Grund des Wahlunrechts Herrscherin und GesetzeLverächterin fein darf. polftilcbe acbcrficbt. Berlin. den 6. Januar 1910 Sie haben sich wiedergefunden. Nationalliberale und Freisinnige haben die Streitaxt im Wahlkreise Eisenach-Dermbach begraben. Die große Frage: „Wer soll Kandidat des liberalen ParteigemengselS sein?" ist entschieden. Herr Krug tritt zurück und an seiner Stelle wird der n a t i o na l li b era le Rechts- anwalt Appelius aufgestellt. Uns kann es gleichgültig fein, ob der liberale Gegen- kandidat Krug oder Appelius heißt. Ob etwas mehr oder weniger agrarisch, das ist ganz nebensächlich. Aber die kon- servativen Blätter geberden sich, als wollten sie aus der Haut fahren. Die„Deutsche Tagesztg." leistet sich in ihrem Aerger z. B. folgende Kapuziner-Epistel: „Dieser Rücktritt ist unmittelbar erfolgt, nachdem der Vor- fitzende der nationalliberalen Partei des Wahlkreises öffentlich er- klärt hatte, die Nationalliberalen mützten die Zumutung, den Kandidaten fallen zu lassen und einen anderen auszustellen, mit aller Entschiedenheit zurückweisen. Diesen grotzen Worten ist die kleine Tat auf dem Fuße gefolgt. Die national- liberalen„Männer" haben sich, nachdem sie, wie der Berliner sagt, eine Lippe riskiert hatten, ins Bockshorn jagen lasten und sich den freisinnigen Zumutungen bescheiden und löblich unterworfen. Es würde bösartig sein, wenn man sogen wollte, daß diese „männliche" Handlungsweise echt national- liberal sei. Man wird aber wohl sagen dürfen, daß sie den Kenner der nationalliberalen Seele nicht überrascht habe. Das Prächtigste an der ganzen Sache ist aber das, daß derselbe Herr, der 24 Stunden vor der Zurückziehung der Kandidatur die frei- sinnige Zumutung so scharf und so entschieden zurückwies, jetzt selber als liberal-freifin Niger Kandidat ins Auge gefaßt oder aufgestellt worden fein soll. Wenn die Frei- sinnigen einem solchen Kandidaten zustimmen, so kann man ihnen das nicht verdenken; der Gefügigleit dieses Herrn können sie sicher sei n.�_ Ein ungefügiger Bischof. Nachdem schon der Bischof von Metz das Schreiben des Staats- fckretärs der RcichSlande. deö Freiherrrn Zorn von Bulach, zurück- gewiesen hat. folgt nun auch der Bischof von Straßburg mit einer Zurückweisung— nur schlägt dieser Herr noch etwas schärfere Töne an als sein Bruder im Herrn. Herr Dr. Fritzen schreibt u. a.: „Die Frage, um die eS sich hier handelt, ist in erster Linie eine Gewiffensfrage für einen Teil, neiner Diozesanen. Dem Bischof als dem ordentlichen Träger der kirchlichen Hirten- und Lehrgowalt obliegt die Pflicht und steht das Recht zu, feine Diozesanen auf die Verpflichtung des christlichen SittcngesetzeS hinzuweisen, die sich aus den Verhältnissen deS Lebens für sie er- geben können. Durch den Umstand, daß diese Diözesanangehörigen als Beamte oder Lehrer einer staatlichen Behörde unterstellt sind, kann das bezügliche Verhältnis nicht geschwächt werden, in dem sie in bezug auf Glaubens- und GewifscnSsragen zur kirchlichen Hirten- und Lehrgewalt stehen." Die Verweisung auf den Dienstweg beantwortet der Bischof mit der Bemerkung, daß der Dienstweg' nur einzuhalten sei, „sofern es sich um Mitteilungen handelt, die in der staatlichen Kompetenzsphäre liegen und sich auf die durch die staat- lichen Gesetze geregelte Amtstätigkeit der Beamten und Lehrer beziehen. Außer den staatlichen Gesetzen haben aber die katho- lischen Beamten und Lehrer Glaubenspflichten zu erfüllen, in beziig a»s welche sie ncbstdem ihren kirchlichen Vor- gesetzten unterstehen. Wie ich eine diese Gewissenspflicht betreffende Mitteilung auf dem Dienstwege und durch staatliche Vorgesetzte an die Lebrcr gelangen lassen könnte, ist mir nicht ersichtlich, um so weniger, als der kaiserliche Oberschulrat selbst erklärte, daß der Anschluß an den Allgemeinen deutschen Lehrer- verein, um den es sich hier handelt, durch die staatliche Gesetz- gebung dem freie» Ermessen der Lehrer anhcimgestellt bleibt. Dementsprechend sehe ich mich veranlaßt, den gegen mich er- hobenen Vorwurf eines Eingriffes in den Bereich der staatlichen Befugnisie zurückzuweisen."_ Nochmals Nipplers Ende. Die„Tägliche Rundschau" liebt die Komik. Nachdem dieses un- freiwillig-politische Witzblatt noch vor wenigen Tagen mit größter Bestimmtheit bestritten hat, daß daS Bibliographische Institut in Leipzig mit irgend jemand über den Verkauf der„Tägl. Rundschau" unterhandelt hätte, schreibt es gestern: „Die Falschmeldung der„Hamb. Nachrichte n", daß die„Tägliche Rundschau" an die nationalliberale Partei zum Preise von 1 250 000 M. am 2. Januar verkauft worden sei, wird von einer Anzahl Blänern, insbesondere der„Deutschen Zeitung" aus durchsichtigen Gründen weiter kolportiert, obwohl wir sie auf daS unzweideutigste dementiert haben. Man beruft sich auf eine angebliche AuSrunst des Zentralbureaus der nationalliberalen Partei, wonach die Verhandlungen noch nicht zum Abschlüsse ge- bracht seien. DaS Zentralbureau der nationalliberalen Partei er- klärt unS aus unsere Anfrage, daß eS eine solche Auskunft nie- mals gegeben habe. Es kann sie auch nicht erteilt haben: denn Verhandlungen, die niemals stattgefunden haben, können nicht zum Abschlüsse gebracht werden." Bis so weit sieht auch diese zweite Notiz einer Bestreitung durchaus ähnlich! dann aber folgt hinterher folgender lustige Zusatz: „Wenn ein Besitzwechsel der„Täglischen Rundschau' statt« finden sollte, so ist die selbstverständliche Voraussetzung, daß das Blatt als unabhängige nationale Zeitung erhalten wird und jede irgendwie geartete Par'teiabhängigleit ausgeschlossen bleibt. Wenn die„Hamb. Nachr." sich noch einige Zeit gedulde» wollen, werden sie unsere Behauptung ein wandsfrei bestätigt finden." Daß diese Schlußsätze mit den obigen in Widerspruch stehen, scheint den Herren Rippler und Noumann gar nicht zum Bewußt« sein zu kommen. Um so kurioser ist die Zumutung, der Leser solle glauben, die„Tägl. Rundschau" werde auch unter dem neuen Be- sitzer ihren antisemitisch- antillerikal- alldeutschen Charakter bei- behalten. Darüber entscheidet doch nicht Herr Rippler, sondern der neue Besitzer._ Großgrundbesitzer und innere Kolonisation. In dem Organ des Deutschen Bauernbundes war behauptet worden, daß man noch nichts davon gehört habe, daß„fühlende Großgrundbesitzer jemals an der Ausführung der inneren Kolonisation mitgewirkt hätten". ES sollte damit bewiesen werden, daß die Agrarier für die Ansiedelung von Landarbeitern nichts übrig haben. Gegen diesen Vorwurf wende» sich die„Mit- teilungen der Zentralstelle der Preußischen LandwirtschaftS- kannnern" in einem Artikel, den die agrarische„Deutsche TageSzeiwng" nachdruckt. In diesem Artikel wird vor» nehmlich auf die„hervorragende Mitarbeit" des Freiherrn v. Wangenheim» Kl.-Spiegcl hingewiesen, der angeblich ein großer Freund der inneren Kolonisation sein und noch auf der Tagung des LandeSökonomiekollegiumS auch für andere Provinzen als Posen und Westpreußen Dtaatszuschüsie zu beregtem Zwecke ge- fordert haben soll. Wenn das dort Gesagte zutrifft, so scheint Herr v. Wangenheim seine Ansichten über diese Frage merkwürdig rasch geändert zu haben. Noch tü07 auf der 0. Generalversammlung sämtlicher der Landwirtickiaftvkammer für die Provinz Pommer» angeschlossenen Vereine stand dieser Oberagrarier auf einem ganz anderen Standpunkt. Er stimmte nämlicki mit dem durch seine ver- krachten agrarischen Gründunge» bekannten von Herzberg» Lottin völlig überein, der sich entschieden gegen die von dem Profesior Ehrenberg propagierte Airstedelnng von Landarbeitern auf HäuSlerstellen aussprach und schließlich wörtlich erklärte: Mit dem mittleren»nd kleinen Grundbesitz in Preußen müssen wir tadului-sku machen. W o kommen iv ir hin, wenn wir nur Stellenbesitzer schaffen? Dann haben wir in hundert Jabren nur K lei n b e i i tz. sSehr richtig I) Ein Herr von der Regierung sagte mir vor wenigen Jahren: Der große und mittlere Grundbesitz sind die Grundlagen des preußischen Staates! Mit diesen AuSfübrnngen erklärte sich Herr v. Wangenheinr damals wie gesagt einverstanden. Wenn also dieser Kronzeuge der „Deutschen Tageszeitung" heute anderer Meinung ist,- dann dürfte das wohl darauf zurückzuführen zu sein, daß er inzwischen entdeckt hat, die innere Kolonisation sei ei» probates Mittel, die Landarbeiter in dauernder Abhängigkeit zu erhalten. In dem erwähnten Artikel wird ferner auf die„vorbildliche" Tätigkeit der 190? von 22 Großgrundbesitzern gegründeten Pommerschen Ansiodelungsgesellschaft hingewiesen- Mit offenbarem Bezug auf diese erklärte aber damals Herr v. Wangenheim: Die innere Kolonisation werde nur auS Geldinteresse betrieben. Ans diesem Gebiete treibe man den größten Wucher usw. Die fürstlichen Postonkel. Neben den regierenden Fürsten genießt auch noch die fiirst- liche Familie Thurn und Taxis daS Vorrecht der Portofreiheit. Auf dieses veraltete Privileg aus dem 17. Jahrhundert lvill sie jetzt „verzichten". Wie das bayerische Verkehrsministerium erklärt, ist dieser Verzicht jedoch an die Gewährung einer AblöfungS- summe geknüpft, über deren Höhe der Landtag demnächst zu be- schließen hat. Da können ja die Herrschaften, die von einer ge- rechten Abfindung für die durch die„Finanzreform" brotlos ge- wordenen Tabakarbciter nichts wissen mochten, auch wieder mal in Großmut machen!_ Die„unpolitischen" Kriegervereine. Zu unserer Notiz„Kricgervereine und Sozialdemokratie" wird UNS geschrieben: Die Ermahnung der„Parole" an die KriegervereinSleiter, die Mitglieder der Kriegervereine bei den Wahlen gegen die Sozial- 1 demokratie scharf zu machen, ist wohl nicht neu. Jedenfalls ist in diesem Sinne schon seit je von den Kriegervereinsgrößen gehandelt worden. So auch bei der im Oktober vorigen Jahres in K o b u r g stattgehabten ReichStagSersatzwahl. Da versendete der Vorstand des Koburger KriegerverbandeS, an dessen Spitze ein Amts- gerichtSrat steht, folgendes vom 1ö. Oktober 1909 datiertes Zirkulär an die„Kameraden": „Unsere Satzungen verlangen von jedem unserer Mitglieder deutschnationale und monarchische Gesinnung, Vaterlandsliebe, Treue zu Kaiser und Reich, zu Fürst und Vaterland. Die Sozialdemokraten arbeiten diesen unseren Bestrebungen direkt entgegen, wie Ihr aus ihren Reden und Flugblättern er- sehen habt. Am 22. d. M. steht nun Herr RegierunaSrat Dr. Ouarck zur Stichwahl mit dem Kandidaten der sozialdemokratischen Partei. Es ist patriotische Pflicht eines jeden Kameraden, für diesen Kandidaten der Ordnungsparteien einzutreten. Wer nicht wählt, unterstützt unsere Gegner. ES erscheine daher jeder Kamerad zur Stichwahl am 22. Ok- tober und gebe seine Stimme unserem Kameraden im Verbandsvorstand, dem Euch bekannten Herrn RegiernngSrat Dr. Ouarck." Trotz dieses Appells, der den Kriegerbund zu einer Schntztruppe für den nationalliberal-bllndlerischen Kandidaten und Regierungörat stempelte, werden auch jetzt noch im Koburger Ländchen Entladungen zum Beitritt in die Kriegervereine versendet, in lvelchem behauptet wird, daß die Kriegervereine mit der Politik nichts zu tun hätten. Im übrigen fiel trotz der Wahlaufforderung an die Krieger- verleinler deren„belanntes Vorstandsmitglied" am 22. Oktober kläglich durch._ Das Ende des liberalen Blocks in Bayern. Die seit Monaten andauernde KrisiS im liberalen bayerifchm Block ist jetzt so weit gediehen, daß der Block dicht vor dem AuS- einanderfallen steht. Bekanntlich haben die Jungliberalen im vorigen Herbst scharfe Vorstöße gegen die Nationalliberalen, insbesondere gegen den Führer Dr. Casselmann, unternoinmen, die zu heftigen Kämpfen führten. Die Jungliberalen hatten eine Reihe von Forderungen gestellt, wie z. B. die Aendcrung der Blockorganisation, Einberufung eines liberal-demokratifchen DelegiertcntagcS und Schaffung einer BlockgefchäftSstelle in München, die mit Vertretern aller Richtungen besetzt werden sollte. Diese Forderungen wurden von einer Tagung der nationalliberalen Partei- leitung schroff abgelehnt, dagegen wurde die ausdrückliche Zusicherung verlangt, daß an dem bisherigen Organisationsstatut der vereinigten liberalen und demokratischen Parteien festgehalten und Genugtuung für die„jungliberalen Ansschreitungen' sowie die Zusicherung fach- licher Austragung etwaiger Meinungsverschiedenheiten gegeben werde. Bon der Erfüllung dieser Forderungen wurde daS Verbleiben der Nationalliberalen im Block abhängig gemacht. Mitte Dezember verhandelte der ZentralanSschuß der vereinigten Liberalen und Demokraten über die Streitfragen. Da inzivischen Dr. Toffel- mann von der nationalliberalen Parteileitung zurückgetreten und die Affäre des von der nationalliberalen Partei aus- geschlossenen jungliberalen Abgeordneten Hübsch durch eine Erklärung auS den Debatten ausgeschaltet war, hoffte man die Versöhnung um so leichter bewerkstelligen zu könne»! der sofortige Bruch konnte aber nur durch die Vertagung der Beschluß« fassung über die strittigen Fragen abgewendet werden. Nunmehr hat sich der LandesauSschuß der nationalliberalen Partei mit der Sache befaßt und ist, wie die liberale Presse meldet, zu dem Beschluß gekommen, darauf zu beharren, daß Garantien für ein zukünftiges gesittetes Verhalten der Jung« ibe raten gegeben werden, da sonst die Nationalliberalen aus dem Block ausscheide» würden. Cngianä. Die Kandidaten der Arbeiterpartei. London, 4. Januar.(Eig. Ber.) Der Vorstand der Arbeiterpartei veröffentlichte die Kandidatenliste, wie sie am 17. Dezember definitiv festgest.llt wurde. Die Arbeiterpartei umfaßt bekanntlich etwa 1,5 Millionen gewerkschaftlich orga- ntsierte Arbeiter, dann die sozialistische Jndependent Labour Party und die Fabian Society. Die Liste schließt also die Kandidaten aller dieser Organisationen ein. Die Zahl der Kandidaten ist 78, wovon auf London und Umgebung nur 3 cutfallen. Die Mehrheit der Kandidaten entfällt auf Lancashire und Aorkshire, dann folgen Schottland und Wales. Von den 78 Wahlkämpfcn sind 27 dreieckig, daS heißt, in 27 Wahlkreisen, werden die Arbeiterkandidaten sowohl Liberale wie Konservative gegen sich haben. In den übrigen 51 Wahl- kreisen haben die Arbeiterkandidaten nur gegen Konservative zu kämpfen. Ueber die Ergebnisse der Wahlen läßt sich nichts voraus« sagen, da sehr wenig positive Nachrichten über die Ansichten der Massen betreffend Tarifrcform vorliegen. Nächsten Montag wird das Parlament aufgelöst und die Wahlen ausgeschrieben. Der 15. d. M. ist der erste Wahltag. Unter den Wahl- kreisen, wo an diesem Tage gestimmt wird, befinden sich B u r n l c y. wo H y« d m a n gegen einen Konservativen und einen Liberalen kandidiert, und W e st- H a m, wo Th orne nur einen konservativen Gegenkandidaten hat. AuS der Wahlbewcgnng. London, S. Januar. Der Erste Lord der Admiralität M c Kenna sagt in einer Erllärung an seine Wähler, die wilden Uebertreibungen bezüglich der Flotte seien bloße Wahl» manöver und entbehrten jeder Begründung. So lange er im Amte sei, werde die Admiralität nicht vor der Pflicht zurückschrecken alle Maßregeln zu ergreifen, die nötig seien, um der Flotte die für den Schutz deS Reiches und seines Handels erforderliche Stärke zu bewahren.— Austen Chamberlain widmete den größten Teil einer Rede, die er in Birmigham hielt, der Widerlegung der Be« Häuptling des Premierministers Asqnith, daß die Arb eitSlofig» keit in Deutschland größer sei als in England.— Italien. Eine Meuterei. Rom, 0. Januar. Mit Bezug auf die Gerüchte von einem Fall von Meuterei an Bord eines KriegSscbiffes stellt ein Communiquö deS Marine Ministeriums fest, daß eS sich nur um eine Verzögerung in der Befolgung eines Befebls an Bord deS TransportdampserS„Volta" handelt, dessen Bemannung zur Kriegs- marine gehörte, da der Dampfer für den Transport von Material zwischen einzelnen militärischen Stationen bereitgestellt war. Während des Löschcns in Neapel wurde der Mannschaft der nachgesuchte WeihnachtSurloub abgeschlagen. Daraus zögerte sie, de», Be« fehl zur Fortsetzung der Arbeit nachzukommen. Der Befehl wurde jedoch, als ein Offizier ihn kurze Zerr darauf wiederholte, sofort befolgt. Die strenge Untersuchung deS Falles hat ergeben, daß die Verzögerung in der AuSfübning des Befehls nicht aus vorherige Verabredungen unter der Mannschaft zurückzuführen ist, sondern lediglich auf die Unzufriedenheit über die Verweigerung des Urlaubs. ES sind disziplinarische Maßnahmen gegen den Kommandanten, die Offiziere, Unteroffiziere und die Mannschaften des Dampfers gc« troffen. Sie werden gruppenweise auf Kriegsschiffe verteilt. 6ewerkrchaftlichee. Gin gcfälfcbter Genchtsbericht. Die„Bergarbeiter-Ztg." schreibt: "t'?ci:"®ErgfnQbpe" hat bekanntlich das Stenogramm über den 30 000 Mark-Prozcst auf mehr als sechs Seiten des -ölanes tviedergegeben. Aus Seite 4(„Bergknappe" vom W. Dezember 1909) dritte Spalte heißt es im Gerichtsbericht: Sachse: Pokorny ruft mir eben zu, daß Spaniol sich ihm gegenüber gerühmt habe, das Flugblatt veranlaßt zu haben. � Sbaniol: Es ist mir nach boriges Jahr mitgeteilt worden, daß Pokorny selbst es geschrieben haben sollte. Diese Aeußerungen, die Sachse in den Mund gelegt werden, sind eigentlich vom Rechtsanwalt Wallach dem Gericht gegenüber gemacht worden. Doch das ist Nebensache. Das aber, was Spaniol ausgeführt haben soll, als ob Po- k o r in) der Verfasser des 30000 M a r k- F l u g- blattes sein soll, ist wrdcr von Spaniol noch von irgend jemand anders vor dem Gericht behauptet worden, auch nicht in ähnlichem Sinne. Es ist ein frei erdichtetes Pro- bukt des Stenographen selbst oder vom„Bergknnppcn"-Redak- tcnr hincingeschricbc» worden, um schließlich auch Po- kor ni) in die Affäre hineinzureiten. Aber es kommt ndch besser. Auf Seite 5 Spaltet sind die Zeugen- aussagen Pokornys sehr dürstig. Aji., sehen davon ab, daß die Aussagen Pokornys sehr dürftig wiedergegeben sind, wogegen wir aber Einspruch er- heben müssen, ist. daß dem Kameraden Pokorny das Gegenteil von dem in den Mund gelegt wird, was er gesagt hat. So heißt es iin„Bergknappen": Pokorny: Das kann ich nicht genau sagen; es genügt aber, daß ich von der Ursache(soll wohl heißen Herstellung) des 80 liM-Mark-Flugblattes erst durch Spaniol Kenntnis erhallen habe. Ich war während der Wahlbewegung im Ruhrrevier und bin einige Tage nach der Wahl wieder nach Zwickau gefahren. Pokorny führte hier weiter aus, daß er dem Flugblatt seinerzeit nicht die Bedeutung zugemessen habe wie seine Freunde in Westfalen, weil er in Sachsen war, als es erschien. Selbstverständlich mußte Pokorny auch vor der Wahl nach Sachsen abgefahren sein, was denn auch mehrere Tage vor der Wahl geschehen ist. Daß er nicht nach, sondern vor der Wahl nach Sachse il gefahren i st und er st später durch die Verbandszeitung von der Verbreit u ii g des 30000 Mark-Flugblattes Kenntnis erhielt, hat Pokorny unter seinem Eide wahrheitsgemäß ausgesagt! Der„Bergknappe" mußte aber Pokorny erst nach der Wahl abfahren lassen; wie könnte er sonst ihn„von Spaniol der Verfasserschaft beschuldigen lassen". Erst bczichtete man so quasi H u e als den Verfasser, Sachse als Verbreiter. Da man aber mit dieser Behaup- tung ins Wasser fiel, sucht man wohl einen anderen Sünden- bock, und was lag den Herren am„Bergknappen" auch näher, als sich Pokorny für diesen wohllöblichen Zweck aus- zusuchen. Wir danken jedpch dafür, wollen aber sagen, daß ein Stenogramm bezw. Bericht, das solch gröbliche Fälschungen enthält, sich selbst als unbrauchbares Dokument ausweist. Schade um die sechs Seiten Papier, die der„Berg- knappe" mit der Veröffentlichung des Berichts verschwendete. Berlin und Umgegend. Vom Arbeiterschutz der Blumengeschäftsangestellten. In den Blumengeschäften, die auf den Vertrieb von Naturblumen und aus Naturblumenbindereien eingerichtet sind, dürften zurzeit etwa 10 000 bis 12 000 Personen in Lohnarbeit stehen, davon wohl 80 Proz. weibliches Personal. Genauere Daten sind aus der reichSaintlichen Gewerbestatistik nicht erhältlich, weil ein Teil dieses Personals in der handelsgewerblichen Untergruppe„Handel mit Blumen und Samen", der andere Teil aber in der Gruppe„Kunst- und Handelsgärtnerei, einschließlich der damit verbundenen Blumen- und Kranzbinderci, Baum- schulen" gezählt worden ist. Das Personal dieser Blumengeschäfte wird in der Hauptsache mit der Herstellung von Bindereiarbeiten und nur aus- nahmsweise auch beim Verkauf beschäftigt. ES untersteht aber den- noch auch den Arbeiterschutzbestimmungen des Handelsgewerbes, da alle Bindereiarbeiten für die unmittelbare Verwendung, den Verkauf im Laden, angefertigt werden. Sträuße, Kränze und andere Arrangements von lebenden Blumen können im allgemeinen nicht längere Zeit im voraus auf Vorrat gearbeitet werden. In der Regel werden die Sachen auf Bestellung angefertigt, und diese Bestellung steht in Abhängigkeit von Familien- und anderen Festlichkeiten, wodurch wiederum zu Zeiten die Arbeiten sich häufen und die Angestellten dann weit über das Maß des Erlaubten hinaus beschäftigt werden. Die Gesetzesbestimmungen über die tägliche Mindestruhezeit, über die Mittagspause und über die Sonntagsruhe werden im allgemeinen so gut wie gar nicht be- achtet, nicht einmal die Bestimmung, die das Arbeiten während des sonn- und feiertäglichen Hauptgottesdienstes verbietet: in den Blumen- gefchäflen ist es eine alte Gewohnheit, die zwei Stunden„durch- zuarbeiten". Ferner mangelt eS vollständig an der Gewerbe- aufsicht, und demzufolge sind Arbeits- und Schlafräume vorhanden, die oft aller hygienischen Rücksichten entbehren. Wie die Gewerbe- inspektoren, so kümmern sich auch die Polizeiorgane nicht darum, ob in den Blumengeschäften die Arbeiterschutzbestinimungen beachtet werden. Das wurde zum erstenmal allgemein bekannt, als vor vier Jahren die Gärtnerorganisation eine Sektion für die Blumengeschäfts- angestellten schuf und in Berlin in bezug auf den Arbeiterschutz Nach« forschungen anstellte. Da wußten weder die Angestellten noch die Betriebsinhaber etwas davon, und sie waren aufs höchste verwundert, als die Gärwerorganisation sie darauf verwies. Aber auch im Polizeipräsidium war man so wenig unterrichtet, daß man anfangs unsicher war, ob die Angestellten den Bestimmungen über das Ge- werbe oder denen über das Handelsgewerbe unterstehen. Erst seit dem vierjährigen Wirken der Berliner Sektion der Blumengeschäfts- angestellten sind einige Besserungen eingetreten. Doch sind auch hier noch sehr große Mißstände vorhanden. Die Beteiligung an den Organisationsbestrebungen ist eine viel zu schwache; wenn nicht die Gärtner selbst die Ueberwachung in die Hand genommen hätten, dann stände es auch in den Berliner Blumengeschäften noch auf dem alten Flecke. Außerhalb Groß-Berlins ist unter den Blumengeschäftsangestellten von Organisationsregungen überhaupt noch nichts bemerkbar. Und doch wäre das auch hinsichtlich der Lohnverhältnisse sehr notwendig, denn diese stehen für weibliche Angestellte etwa niit den Löhnen der Verkäuferinnen im Handelsgewerbe auf gleicher Stufe; dazu kommt häufig noch der Kost- und Logiszwang. Das Personal der Blumengeschäfte ist, wie schon erwähnt, zu etwa 80 Prozent weib- liches; es rekrutiert sich zu einem Teile zwar aus Töchtern des bürger- lichen Mittelstandes, zum größten Teile aber aus den Arbeiterschichten. ES ist sogar anzunehmen, daß die Väter sehr vieler, d. h. einiger 1000 von Blumenbinderinnen gewerkschaftlich und politisch organi- siert sind. Warum unterlassen sie es daher, auch ihre Töchter der gewerkschaftlichen Organisation zuzuführen? Womit können sie es verantworten, daß sie ihre Töchter den Mißständen ihres Berufes schutzlos und wehrlos preisgeben? Abseits der freigewerk- schaftlichen Organisation ist bis heute noch von keiner Stelle ein Versuch gemacht worden, die Blumengeschäftsangestellten organisatorisch zusaminenznsührcn. Um so leichter müßte es darum sein, die im„Allgemeinen Deutschen Gärtncrverein"(Sitz Berlin, Metzer. Str. 3) eingerichtete Sektion der BlumengeschästSangestellten zu stärken. Möchten jetzt vor allem einmal die Gewerkschafls- und Verantw. Redakt.: Richard Parth, Berlin. Inseratenteil verantw.: Parteigenossen, deren Töchter Blumenbinderillnen sind, sich ihrer Pflicht bewußt werden und ihre in den Blumengeschäften tätigen Töchter dem Allgemeinen Deutschen Gärtnerverein zuführen. Die Tarifverhandlunge» der Maler. Die Sitzung am Donnerstag brachte eine lange Debatte über eine Meinungsverschiedenheit, die zwar eine nebensächliche An- gelegenheit betraf, an der aber die Fortsetzung der Verhandlungen zu scheitern drohte.— Nach Abschluß der im November statt- gehabten Beratungen des Reichstarifs haben sich die Parteien dahin geeinigt, daß der alte Tarif bis zum IS. Januar verlängert wird, weil es den Arbeiterorganisationen nicht möglich war, eine endgültige Beschlußfassung ihrer Mitglieder über das Ergebnis der Tarifberatungen so zeitig herbeizuführen, daß die weiteren Verhandlungen über Lohn und Arbeitszeit und die Beschluß- fassung hierüber noch bis zum ursprünglichen Ablaufstermin des alten Vertrages, dein 1. Januar, hätte erfolgen können. In- zwischen ist bekanntlich der im November zustande gekommene Neichstarif angenommen worden und die gegenwärtigen VerHand- lungen gelten der Festsetzung der Löhne und Arbeitszeit in den verschiedenen Orten. Nach Eröffnung der Sitzung fragte der Vorsitzende, Herr v. Schulz, die Parteien, ob sie Vorkehrungen getroffen hätten, um eine endgültige Entscheidung über Annahme oder Ablehnung des Tarifvertrages bis zum 15. Januar zu treffen. Die Arbeitgeber bejahten diese Frage.— Die Arbeitervertreter erklärten, sie würden nach Abschluß der gegenwärtigen Verhand- lungen wenigstens 8 bis 14 Tage Zeit brauche? um einen end- gültigen Beschluß herbeizuführen, so daß der f>. tgesetzte Termin nicht werde innegehalten werden können.— Diese Angabe be- zeichnete der Arbeitgebervertreter Kruse als die Absicht der Verschleppung. Die Arbeitnehmer, sagte er, wollten die Eni- scheidung hinausschieben bis zum Eintritt der günstigen Kon- junktur im Frühjahr. Die Arbeitgeber würden den alten Tart) nicht über den IS. Januar hinaus verlängern. Sollte der neue Vertrag bis dahin nicht zustande kommen, dann trete eine tariflose Zeit ein.— Nun folgte eine lange Auseinandersetzung. Die Arbeitgeber versuchten nach- zuweisen, daß die Arbeiter nur die Verschleppung beabsichtigten.— Gegen diese Unterstellung verwahrten sich die Arbeitervertreter mit aller Entschiedenheit. Sie betonten, daß sie keine Ver- schleppungstaktik befolgen, sondern daß sie nach Lage der Sache einen endgültigen Beschluß bis zum 15. Januar nicht herbeiführen können. Der Verband müsse zunächst in allen Zahlstellen Mit- gliedcrversammlungen veranstalten. Wenn diese nur eine schwache Mehrheit für den Tarif ergeben, dann sei der Vorstand durch Beschluß des letzten Verbandstages verpflichtet, eine außerordent- liche Generalversammlung zwecks endgültiger Beschlußfasiung einzuberufen. Das alles lasse sich nicht in so kurzer Zeit erledigen. Von dem Ergebnis der gegenwärtigen Verhandlungen würde es abhängen, ob die Mitgliederabstimmung so ausfällt, daß die Ein- bcrufung einer Generalversammlung notwendig sei oder nicht. Uebrigens werde ja die endgültige Beschlußfasiung dadurch kom- plizierter und zeitraubender, daß die Verhandlungen über Lohn und Arbeitszeit auf Verlangen der Arbeitgeber zentral geführt werden, während man ursprünglich angenommen habe, sie würden zwischen den Parteien in den einzelnen Orten geregelt werden. Die Unparteiischen gaben ihrer Ansicht dahin Ausdruck: Eine tariflose Zeit müsie vermieden werden. Sollte sie sich nicht ver- meiden lassen, so habe es keinen Zweck, hier weiter zu verhandeln. denn in einer tariflosen Zeit könnten Aussperrungen und Streiks ins Werk gesetzt werden und dann würden ja die hier gefällten Schiedssprüche völlig in der Luft schweben. Es müsse entweder ein Inkrafttreten des neuen Vertrages an dem vereinbarten Termin, dem 15. Januar, ermöglicht werden, oder die Parteien müßten sich auf einen späteren Termin einigen und den alten Vertrag bis dahin verlängern. Nach einer Sonderberatung der Arbeiter erklärten diese, es sei ihnen beim besten Willen nicht möglich, die Entscheidung ihrer Mitglieder bis zum 15. Januar herbeizuführen; sie ersuchen des- halb, den Termin bis zum 24. Januar hinauszuschieben.— Hierauf zogen sich auch die Arbeitgeber zu einer Sonderberatung zurück. Nach ihrem Wiedererscheinen verkündete ihr Vertreter Stolz folgenden Beschluß: Wir können einer Ver- längerung des alten Tarifs über den 15. Januar hinaus nicht zustimmen. Wenn die Annahme des ge- samten Tarifs seitens der Parteien nicht bis zum 15. Januar erfolgt, so erklärt der Hauptvorstand, an den Reichstarif nicht mehr gebunden zu sein und alle Zugeständnisse, die auf Grund des Reichs- tarifs gemacht worden sind, gelten als zurück- gezogen. Nach einer Beratung der Unparteiischen gab Herr v. Schulz deren Auffassung kund. Sie geht dahin: Nach den protokollarischen Abmachungen haben die Parteien bis zum 15. Januar eine end- gültige Beschlußfassung über Annahme oder Ablehnung des Ver- träges herbeizuführen. Hierdurch sind also die Arbeitnehmer vertraglich verpflichtet, bis zum 15. Januar ihren endgültigen Be- schluß zu fassen, um so mehr, als neue Gesichtspunkte für die Hinausschiebung des Termins nicht vorgebracht wurden. An- gefichts der bestimmten Erklärung der Arbeitgeber,.in eine weitere Hinausschiebung nicht zu willigen, legen die Unparteiischen den Arbeitnehmern dringend nahe, zu erklären, daß sie bis zum 15. Januar ihre endgültige Erklärung über Annahme oder Ab- lehnung des Tarifs abgeben werden. Nach einer nochmaligen Sonderberatung der Arbeitnehmer erklärte Tobler namens der drei Arbeiterorganisationen:„Wir sind bereit, bis zum 15. Januar eine end- gültige Erklärung über Annahme oder Ab- lehnung des Tarifvertrages abzugeben. Zu dieser Erklärung sirid wir genötigt, um einem gedeih- lichen Fortgang der Tarifberatung die Wege zu ebnen." In der NachmittagSsitzung wurden die Verhandlungen über den Tarif selbst wieder auf- genommen. Auf Anregung der Unparteiischen sollte der Versuch gemacht werden, für den einen oder anderen Ort eine Verständigung über Lohn und Arbeitszeit ohne Schiedsspruch zustande zu bringen. Dieser Versuch erwies sich aber als nicht ausführbar, weil die Arbeitgeber keine Vorschläge machten und ihr Vertreter Kruse wieder betonte, daß an der Arbeitszeit in keinem Orte etwa? geändert werden solle.— Hierauf bezeichneten es die Unparteiischen als die ihnen gestellte Aufgabe, die Löhne und Arbeitszeit generell zu regeln, obgleich das zu manchen Unzuträglichkeiten führen werde.— Nun wurde seitens der Unparteiischen die Frage aufgeworfen: Wenn die Löhne und Arbeitszeiten für alle Orte des Reiches durch Tarif generell festgelegt find, ist es dann zulässig, daß Lohn und Arbeitszeit für einen einzelnen Ort dadurch geändert werden, daß der betreffende Ort einem benachbarten Lohngebiet angegliedert wird mit der Wirkung, daß für diesen Ort alle Bedingungen des Lohngebietes Geltung haben und welche Instanz soll für solche Fälle zuständig sein.— Die Parteien verständigten sich dahin, daß auf rtz. Glocke, Berlin. Druck u, Verlag: Vorwärts Buchdr. u. BerlagSanftall Antrag der beiderseitigen Organisationen das Gautarifamt für die Abgrenzung der Lohngebiete zuständig und gegen dessen Beschlüsse Berufung an das Haupttarifamt zulässig ist.— Die weiteren Erörterungen bezogen sich auf die Verhältnisse in den Orten, die An- spruch erheben auf Lohnerhöhung als Ausgleich für gewisse Ver- schlechterungen, die ihnen der Reichs'tarif gebracht hat. Die Meinungen der Parteien über diese Angelegenheit gingen weit auseinander.— Hierauf begründeten die Vertreter der Arbeiter die von einer Reihe von Städten gestellten Forderungen auf Verkürzung der Arbeitszeit. � Die Arbeilgeber verhielten sich diesen Darlegungen gegenüber völlig passiv. Getreu ihrem Grundsatz: an Verkürzung der Arbeitszeit ist nicht zu denken, nahmen sie die eingehenden sachlichen Begründungen der Arbeiter mit demonstrativem Stillschweigen entgegen. Am Schluß der Sitzung erklärte Herr Kruse namens des Vorstandes der Arbeit- geber: Die Arbeitszeit im Malergewerbe betrage durchschnittlich 8 bis 8Vz Stunden täglich. Die Ausführungen der Arbeitervertrete, hätten die Arbeitgeber nicht überzeugt, daß eine Verkürzung der Arbeitszeit nolwendig sei, umsomehr, da der durch dieselbe ver- uriachte Lohnausfall durch eine Lohnerhöhung weit gemacht werden solle. Unter solchen Umständen würden die Arbeitgeber gezwungen sein, mehr uugelernte Hilfsarbeiter zu niedrigeren Löhnen ein- zustellen. Ani Freitag werden die Verhandlungen fortgesetzt. Veullebes Kelch. Achtung, Korbmacher! Die Firma I. M. W. He i t m a n n, Hamburg, Äntonistr. 12, hat, wie wir erfahren haben, in den letzten Tagen des Dezember während mehrerer Tage im„Vorwärts" annonciert, daß sie Korb- macher suche und besonders darauf hingewiesen, daß die Tarife mit dem Holzarbeiterverband vereinbart seien. Nun trifft letzteres ja zu, jedoch möchten wir die Kollegen darauf aufmerksam machen, daß wir bei der Firma Heitmann alle Augenblicke Differenzen haben, auch während des letzten Jahres einen neunwöchentlichcn Streik durchkämpfen mußten, trotzdem aber keine Ruhe hatten, da bei jeder sich bietenden Gelegenheit, speziell bei neuen Sorten und Geschoßkörben, versucht wurde, Abzüge zu machen. Wir waren leider nicht immer in der Lage, dieselben ganz zurückzuweisen, da die Konjunktur für uns keine günstige war und wir bei Anwendung von Machtmitteln wohl auch nicht mehr erreicht hätten. Die Vermutung liegt nun nahe, daß versucht werden soll, mög- lichst viel Korbmacher nach Hamburg zu ziehen, um. unterstützt durch ein Ueberangebot von Arbeitskräften, einen Schlag gegen uns zu führen. Hier in Hamburg ist das Umschauen für Korbmacher verboten und erfolgt die Arbeitsvemnittelung nur durch unseren Arbeits- Nachweis, Eimsbütteler Straße 12. Den hatten wir aber für die Firma gesperrt, weil wieder einmal Differenzen vorlagen; daher die Annonce im„Vorwärts". Wir raten nun allen Kollegen, ehe sie blindlings hierher fahren, um vieleicht schon nach ein paar Wochen wieder aufs Straßenpflaster zu fliegen und das Heer der Arbeitslosen zu ver- mehren, in ihrem eigenen Interesse dringend, sich zuvor bei der hiesigen Verwaltungsstelle zu erkundigen, um nicht, um eine Er- fahrung und Enttäuschung reicher, den Staub Hamburgs wieder von den Pantoffeln schütteln zu müssen. Die Sektionsleitung Hamburg. Die Tarifbewegung im Baugewerbe zieht weitere Kreise. Der zwischen dem Verbände des Baugewerbes für München und dem Zentralverband der Glaser, Zahlstelle München, im August 1908 abgeschlossene Tarifvertrag, der bis 31. März 1910 Gültigkeit hat, ist von den Unternehmern gekündigt worden., Ausland. Schiedsgerichtsverfahren in Arbeitsstreitigkeiten. Die sieben Schlichtungsbeamten Schwedens, denen die Ver« Mittelung bei Arbeitsstreitigkeiten obliegt, hielten gegen Ende des verflossenen Jahres eine Konferenz ab, von der das Protokoll jetzt veröffentlicht worden ist. Sie haben sich auf Grund ihrer Erfahrungen über verschiedene Fragen ihres Tätigkeitsgebietes ausgesprochen und unter anderem die Errichtung eines perma» nenten Schiedsgerichts für äußerst wünschenswert er- klärt, das in Rechtsstreitigkeiten, also hauptsächlich in solchen, wo es sich um Auslegung oder Anwendung bestehender Tarifverträge handelt, obligatorisch entscheiden soll. In anderen Arbeitsstreitig- leiten, die zu Streik, Aussperrung, Boykott oder Sperre führen können, soll nach dem Wunsche der Schlichtungsbeamten die An- Wendung dieser Kampfmittel verboten sein, solange nicht eine un- parteiische sachverständige Institution ihr Urteil über die betref- sende Streitfrage abgegeben und den Parteien zur Begutachtung vorgelegt hat. Dieselben Gedanken hatten die in dem großen Massenstreik vorigen Jahres tätigen Schlicht ungsbcamten schon in ihren Vor- schlügen zu einer allgemeinen Verbandlungsordnung zur Bei- legung von Arbeitsstreitigkeiten ausgesprochen, und bereits vordem, im September 1907, erklärte eine Konferenz der Schlichtungs- beamten sich für die Errichtung eines ständigen Schiedsgerichts, das als ein weiterer Ausbau der durch die Anstellung der Schlich- tungsbeamten geschaffenen Institution zu betrachten wäre. Jeden. falls wird sich der schwedische Reichstag demnächst mit dieser Frage zu befassen haben. Selbstverständlich werden die Arbeiterschaft und ihre Vertreter genau erwägen, ob der zu erwartende Gesetz- entwurf für sie annehmbar fein wird oder nicht. Ans der geheimen Vorgeschichte des nMch-jspsnlichen Krieges. Paris, 6. Januar.(Privatdepesche des„Vorwärts.) Die„Monde illuströe" und der„Matin" bringen morgen bedeutsame Dokumente zur geheimen Vor- geschichte des russisch-japanischen Krieges. die ihnen von B u r tz e f f geliefert wurden. Es gehe daraus hervor, daß die vom Zaren begünstigte Kamarilla, die Alexiejeff, Besobrusoff und andere Vertrauens- männer des Hofs bildeten, eine Politik auf eigene F a u st trieben, ohneWissen der Minister und Bot- schafter. Besonders wichtig ist eine Depesche des Zaren an Alexiejeff vom 26. Januar, die wenige Tage nach der Versicherung des Zaren erging, daß er unter keinen Umständen Krieg wolle. Diese Depesche lautet: Es wäre wünschenswert, daß Japan die Offensive ergriffe. Wenn die japanische Flotte, mit oder ohne Truppen an Bord, an der Westküste Koreas den 38. Parallelkreis nach Norden überschreitet, haben Sie die Erlaubnis, ohne das japa- nische Feuer abzuwarten, sofort anzugreifen. Paul S inger Lc Co., Berlin LW, Hierzu 2 Beilagen«. ttnterhältungsbll 5. 27. mm i. Ktilllge des Dmiirts" Kerliller PslksdlM 7?«-»»• Stadtverordneten»verlammlung. !. Sitzung vom Donnerstag, den 6. Januar 1910 nachmittags 5 Uhr. In der heutigen ersten Sitzung des Kalenderjahres hat sich die Versammlung neu zu konstituieren. Zuvor erfolgt die E i n f ü h r u n g der im November v. I. wieder- bezw. neu gewählten Mitglieder. Der Vorsteher Viichelet eröffnet die Sitzung nach 5l/a Uhr und cutbietet der Versammlung einen Neujahrsgrust. Darauf'veranlaßt er zunächst den Eintritt der Neu- oder Wiedergewählten, die vom Oberbürgermeister K i r s ch n e r mit einer Ansprache begrüßt und iodann auf die Städteordnung verpflichtet werden. Von insgesamt 49 Eingeführten sind 41 wiedergewählt, darunter die sozial demokratischen Sladtvv. Borgmann, Bruns, Dupont Ewald. Ritter, Schneider, Singer, Stadthage n 8 sind neue Mitglieder der Versammlung, darunter die sozialdemokratischen Stadtverordneten Zigarrenhändler Börner Nechtsanwalt Dr. Oskar Cohn, Restaurateur K e r f i n Maurer Metzle, Rechtsanwalt Dr Kurt R o s e n s e l d, Zeitungs spediteur Zucht. Zu den Neugewählten gehören ferner der Rats Maurermeister Bäsell und der Töpfermeister Hildebrand. Unter den wiedergewählten bürgerlichen Stadtverordneten befinden sich u. a. die Sozial-Fortschrittler Marggraff, Dr. Nathan, Dr. Prcufr Dr. Friedemann. In seiner Ansprache verweist der Oberbürgermeister auf die bedeutungsvollen Aufgaben, die für das Gemeinwesen in den nächsten sechs Jahren zu lösen sein werden, vor allem auf die Organisation von Groß-Berlin, ohne deren Schaffunc die gedeihliche Entwickelung der Verwaltung auf allen Gebieten äußerst erschwert, wenn nicht unmöglich gemacht werde(Zustimmung), ohne welche nicht nur die wirtschaftliche Entwickelung der beteiligten Gemeindewesen leide, sondern auch die Selbstverwaltung bedroht sei. Nachdem die Regierung den früher von ihr selbst gewiesenen Weg für ungangbar erklärt habe, dürfe man von ihr erwarten, daß sie einen gangbaren Weg zeige, um ein gedeihliches Ziel zu erreichen. Ebenso bedeutungsvoll sei die Aufgabe der dauernden Rege- lung der Berlehrsverhältnisse, die hoffentlich in einer Weise erfolgen werde, daß die Stadtgemeinde den Einfluß auf die VerlehrSverhältniffe neu erwerbe, ohne den eine zielbewußte Verwaltung unmöglich sei.(Erneute Zu slimmung.) Daneben gehe die Arbeit an der Ausgestaltung des Volks schulwesens und des Schulwesens im allgemeinen, an der EntWicke- lang der Krankenpflege, an der Förderung aller Hilfsbedürftigen; auch die weitere Entwickelung der Erwerbsverhälwisse, die immer zahlreicher und wichtiger herantretenden Aufgaben auf sozialem Gebiete und nicht zuletzt die Ausgestaltung des Städtebildes stelle die Stadt vor neue bedeutsame Probleme. Mögen sie gelöst werden im Geiste der Städteordnung, der nicht auf das Trennende, auf Konfession, Partei, Stand und Berus blicke, sondern auf das Verbindende, der den Blick über den Bezirk hinweg auf das Ganze, über die Gegenwart hinweg auch in die Zukunft richte.(Beifall.) Die Eingeführten werden hierauf auch vom Vorsteher Michelet warm begrüßt und nehmen sodann ihre Plätze ein. Hierauf schreitet die Versammlung zur Wahl des Vorstehers. Den Vorsitz übernimmt der bisherige Stellvertreter Cassel. Stadtv. Bracke(N. L.) spricht als Alterspräsident im Namen der Versammlung dem bisherigen Bureau, den Vorstehern Michelet und Cassel und den Beisitzern Gericke, Frick und Liebenow für die um- fichtige und gewissenhafte Führung der Geschäfte den besten Dank aus und knüpft den Wunsch an, daß die Genannten noch recht oft wiedergewählt werden mögen. Auf seine Aufforderung- erhebt sich die Versammlung zum Zeichen der Anerkennung von den Plätzen. Der Vorsteher- S t e llv e r t r et er spricht der Versammlung namens des Bureaus den Dank für diese Anerkennung aus. Ein Vorschlag, die Wahl durch Zuruf vorzunehmen, wird nicht gemacht, die Wahl erfolgt also durch Namensaufruf und Abgabe von Stimmzetteln. Der bisherige Vorsteher Michelet wird mit 12ö gültigen Stimmen einstimmig wiedergewählt.(6 Zettel sind unbeschrieben.) Er nimmt die Wahl mit Dankesworten und mit dem Versprechen kleines feiiilleton. „Lucas oder Leonardo?" Unser LondonerKorrespondent schreibt uns: Mr. C o o k s e h, der meinen im„Vorwärts�-Feuilleton unter obigem Titel abgedruckten Bericht über das Interview mit ihm und mit Lucas in einer englischen Uebersetzung gelesen hat, schreibt mir aus Southampton, er fei mit der Wiedergabe des Interviews zufrieden, nur seien einige kleine Unrichtigkeiten unterlaufen, die berichtigt werden müßten:„Murray Marks kaufte die Büste nicht für einige Mark, sondern für 150 Pfund Sterling (9009 M.) von Sprinks.— Ich(Cooksey) habe den Begleiter Dr. Passes nicht von der Tür des Hauses von Lucas jun. zurück gestoßen. Der genannte Begleiter lehnte sich an die Tür, die ich nicht ohne Kraftanwendung zumachen konnte, bis er ging.— Beim zweiten Besuche in Southampton war der Begleiter nicht mehr mit; seine Stelle swien von„Miß NcynoldS* eingenommen zu sein.— Whilburn war wohl mir(Cooksey) unbekannt, aber nicht der Lucas- familie.— Die Büste wurde in London repariert, nachdem sie letzten Sommer Southampton verlassen hatte." Wenn das Kaiser-Friedrich-BiuseuM deutsch versteht, wird es ja wohl aus dieser Korrespondenz entnehmen können, daß Cooksey von seinen Bemerkungen über den fragwürdigen Herrn, mit dem„das Museum sich nach wie vor in engster Verbindung hält'(wie es der „Voss. Ztg.' schrieb) nichts zurückgenommen hat. ES wird Zeit, daß Herr Bode seinen Gewährsmann. oer von einem unbescholtenen englischen Bürger für einen Schwindler und Hochstapler erklärt wird, in anderer Weise rechtfertige oder sich rechtfertigen lasse als durch ein unverbindliches Verlrauensvotum. Herr Bode möge 1ich auch nicht länger hinter dem billigen Vorwand verkriechen, daß der „Vorwärts' den oder die Namen des Herrn X nicht genannt hat. Wir lassen uns durch Herrn Bode keine Vorschriften machen. Für heute wollen wir dem Kaiser- Friedrich- Museum einige Fragen vorlegen, deren Beantwortung ihm die Rücksichten auf seineu Gewährsmann, Dolmetscher oder Einkäufer, hoffentlich nicht der- bieten. 1. Ist dem Kaiser-Friedrich-Museum bekannt, daß die ge- samte Lokalpresse von Southampton, als Herr Poffe mit Herrn X dahin kam, gleichlautend meldete, daß der deutsche Botschafter mit Dr. Posse in Southampton eingetroffen sei? 2. Will das Kaiser- Friedrich-Museum darüber Auskunft geben, wieviel und wofür in Southampton Geld ausgegeben wurde? Das sittliche München. Der Lebewelt, die nach hergebrachtem Brauch auf den Münchener Faschingsredouten und Bal Paros zu liebeln und zu schnäbeln pflegt, hat die auf höheren Zentrumswink sittlich scharf gemachte Polizei ein hübsches Neujahrsgefchenk ge- macht. Sie hat nämlich eine im greulichsten Polizeideutsch verfaßte Verfügung erlassen, wonach bei Redouten die gefährlichen Orte, in denen sich Bacchus und Venns bisher zu umarmen pflegten, nam- lich die Separees, kleinen Wcinsalons und ähnliche abgeschlossene Räume in Zukunft dem Späherauge der öffentlichen Sittlichkeit ungehindert zugänglich zu niachen sind. Sie dürfen keine Vorhänge mehr haben, müssen hell beleuchtet sein,„die lichte Weite des Eingangs muß sich mit der Breite des Abteils decken"; die Rück- � an: wie bisher bestrebt sein zu wollen, die Geschäfte unparteiisch und gewissenhaft zu leiten.(Beifall.) Es folgt die Wahl des Borsteher-StellvertreterS. Stadtv. Borgmnnn(Soz.) schlägt für diesen Posten den Kollegen Singer, Stadtv. M o m m s e n(Fr. Fr.) dagegen den bisherigen Stellvertreter(Cassel) vor. Auf Cassel fallen 80. auf Singer 46 Stimmen; Cassel ist wiedergewählt und nimmt die Wahl dankend an. Hierauf wird die Wahl von drei Beisitzern vorgenommen. Die Wahl erfolgt in einem Wahlgange. Stadtv. Singer schlägt als einen der Beisitzer den Kollegen mann vor. Gewählt werden Gericke(Fr. Fr.), Frick(N. L.) und Liebenow(A. L.) mit 87, 80, 80 Stimmen; Borgmann erhält 43 Stimmen. Zu Beisitzer-Stellvertretern werden die bisherigen In haber dieser Posten, die Stadtvv. Bracke(N. L.), Alt(A. L.) Albert Schulze(A. L.) wiedergewählt; der von Singer vorgeschlagene Stadtv. Borgmann bleibt in der Minderheit. Der Vorstand ist hiermit konstituiert. Der Vorsteher bringt ein Dankschreiben des Kaisers als Antwort auf die Neujahrs grattilation der Versammlung zur Verlesung und bringt im An schlnß daran ein dreifaches Hoch auf den Kaiser aus. Die sozial demokratischen Mitglieder bleiben sitzen und stimmen in das Hoch nicht ein. Das Andenken des in diesen Tagen verstorbenen früheren Mit gliedes Drechslermeister Törmer wird in üblicher Weise geehrt. Die in Sachen der Anfechtung des Mandats des ausgeschiedenen Stadtv. Dr. M u g d a n ergangenen verwaltungsgerichtlichen Er� kenntniffe sollen gedruckt werden. Die Verlosung der Mitglieder in die fünf Abteilungen wird dem Bureau übertragen. Die ordentlichen Sitzungen der Versammlung finden auch im Jahre 1910 an den Donnerstagen von 6 Uhr ab statt Die Vorbereitung der Neuwahl der ständigen Aus s ch ü s s e, der Abordnung der Mitglieder in die Deputationen und Kuratorien und der Zuteilung der Stadtbezirke an die Mitglieder behufs der Ausführung von Recherchen wird einem besonderen Aus schusse von 15 Mitgliedern übertragen. Die„Heilsarmee" beabsichtigt in Berlin ein Männerheim für Gesunkene Arbeits- und Obdachlose zu errichten und hat sich um Zu- Weisung eines Grundstücks oder um Gewährung einer finanziellen Beihilfe an den Oberpräsideuten gewandt. Dieser hat die Eingabe an den Magistrat zur Prüfung weitergegeben: ob nicht Berlin ebenso wie Hamburg und andere Großstädte sich zu einer Unter stützung des Unternehmens bereit finden lasten möchte.„Auf Grund der von diesen Kommunen eingezogenen günstigen Auskünfte' be antragt der Magistrat, dem Hauptquartier der Heilsarmee zu Berlin zunächst für 1910 eine Beihilfe von 3000 Mark zur Be. gründung eines derartigen Asyls zu gewähren. Stadw. Nelke(A. L.) beantragt Ausschußberatung. ES handle sich nicht um die 3000 M., sondern um die Konsequenzen auS einer Zuwendung an die Heilsarmee. Man wünsche noch nähere Aufklärung, vor allem über die Organisation der Heils- armee. Stadtv. Hoffmann(Soz.): Ein kurioses Weihnachtspräsent hat uns der Magistrat da unter den Weihnachtsbaum gelegt, allerdings nicht vom Magistrat ausgesucht, sondern vom Großpapa Oberpräsident.(Heiterkeit.) Was wird bei der Zuwendung heraus- kommen? ES wird vielleicht auf nichts anderes herauskommen als aus Socken ohne Fußende, die man höchstens als Pulswärmer ver- wenden kann.(Heiterkeit.) Es handelt sich nicht um die 3000 M., sondern um Unterstützung einer Gesellschaft Kvie die Heilsarmee, es handelt sich darum, welches Relief wir dieser Gesellschaft durch eine städtische Subvention geben. Der Magistrat, besonders der Kämmerer hat wohl das Präsent init gemischten Gefühlen uns vorgelegt, mir scheint, es ist nichts weiter als eine Verbeugung vor dem Oberpräsidenten. (Heiterkeit.) Wenn auf andere Städte und ihre guten Erfahrun- gen exemplifiziert wird, so stimmt das nicht ganz übcrcin mit dem, was aus den betr. Gründungen berichtet worden ist. Me jene Städte, London einbegriffen, haben weder städtische Asyle noch Asyle wie unser Vereinsasyl. Da dort keine städtischen Obdache wände, Box genannt, dürfen nicht höher wie 1,40 Meter sein. Was sollen aber die armen Liebespörchen in solch hell erleuchteten cbsmbrss söparöes, deren lichte Weite so breit ist wie das ganze Abteil, über deren Rückwand jeder Münchener gucken kann, der höher ist wie 1,40 Meter, noch anfangen? Wird aber doch ein sehr lustiger Fasching werden, da alle Liebeleien und unehelichen Sentiments, die ja auch die schärfste Polizei nicht verbieten kann, sich im Lichte hellster Oeffentlickikeit abspielen werden. Also auf zum Fasching nach München. Vielleicht erwischen wir den Abgeordneten Filser mit einer kanonischen Köchin auf dem Schoß hinter einer Box I Bom unsterblichen Embryo. Aus Paris schreibt man unS: „Chantesler", das famose zoologische Drama, womit Edmond R o st a ir d zur Erheiterung Frankreichs seit einigen Jahren schwanger geht, ist knapp vor der Entbindung, die am 15. Januar endlich in, Theater der Porte Saint Marlin vonstatten gehen soll, einer neuen Reklame teilhaftig geworden. Der Mailänder„Secolo" hat nüm- lich eine Inhaltsangabe und einige Strophen des wie ein Staats- geheimnis gehüteten Theaterstückes veröffentlicht und zwei Pariser Blätter,„Eclair" und„Paris- Journal", hatten die Verrücktheit, daS entschleierte Bild in schnödem Nachdruck auch dem französischen Publikum zu präsentieren. Der Verlag der „Illustration" aber, der das Veröffentlichungsrecht vom Dichter um teures Geld erworben hat, ließ in den Kiosken von ganz Paris die genannten Zeitungen von der Polizei konfiszieren und erhebt Klage. Die Indiskretion ist, wie es heißt, das Werl eine? entlassenen Schauspielers und auch ein Deutscher soll dabei die Hand im Spiele haben, der schon vor einiger Zeit einem englischen Blatte solche Auszüge aus„Chantesler" an- geboten hat. Wie man sieht, handelt es sich förmlich um eine internationale Verschwörung. Dnber sind auch Polizei und Untersuchungsgericht in einer fieberhaften Tätigkeit, um die Uebel- täter zu entdecken, und die Pariser Raubmörder genießen einstweilen erhöhte Sicherheit. Die ganze Familie Rostand aber ist schrecklich aufgeregt. Denn Rostand junior hat die jetzt vorzeitig ge- druckten Strophen sogar noch vorher in einem Kabarett auf Montmartre vortragen hören. Es wird nichts übrig bleiben, als den vorlauten Minien der Sicherheit wegen hinzurichten. Die Familie Rostand versichert auch einstimmig,„Chantesler" sei in der unerlaubten Veröffentlichung barbarisch entstellt und in Wirklich- keit unvergleichlich schöner. Man soll also die drei Zeitungen strafen, weil sie sich erstens des unerlaubten Abdrucks des epochalen Werkes 'chuldig gemacht haben und zweitens, weil das, was sie gedruckt haben, gär nicht das epochale Werk ist. Ein dritter Ncandertalincusch. Nachdem daS Jahr 1908 unsere Kenntnis von den ältesten Diluvialbewohnern Europas durch die Funde der beiden Skeletirefte und Schädel von Mouftier und Chapelle-aux-Saiuts auf das glücklichste bereichert hat, kommt. wiederum aus Südfraukreich, die Kunde von der Entdeckung eines neuen Urmenschen, dessen Skelett, fast vollständig und mit größter Sorgfalt geborgen, ein Dokument ersten Ranges zu werden ver- pricht. Es stammt ans Ferrassie, uiuveit Bugne in der Dordogne, wo cS unter einem ehemals als Höhlenwohnung dienenden Fels- dach lagerte. Hier befand eS sich, umgeben von zahlreichen Tier- vorhanden sind, mag es ja eine Gcwissensberuhigung sein, daß man sich durch eine Gabe an die Heilsarmee der sozialen Ver- pflichtung entledigt. Wir haben ein städtisches Obdach; es mag Fehler haben, aber es kann ausgebaut werden. Wir haben ein Vereinsashl, für dos sich Männer aller Stände interessieren. Aus Mainz wird uns das Gegenteil von dem berichtet, was in der Vorlage steht. Da wird direkt davor gewarnt, sich bezüglich der Obdachlosenversorgung mit der Heilsarmee einzulassen! Die dortige Heilsarmee läßt sich die Quote von der Stadt zahlen, spannt dann aber die Leute.von morgens bis abends ins Arbeitsjoch(Hört! hört!) und gibt ihnen wöchentlich 59—190 Pfennig Lohn! Das ist nackte Ausbeutung der Armen! Die Behandlung unter- scheidet sich nicht von der im Zuchthaus; Offiziere und Beamte schnauzen die Leute an, als ob sie Verbrecher wären. Die Sen- düngen mitleidiger Meirschen an Schuhen, Kleidern usw. werden einfach an den Althändler verkauft, wie ja überhaupt die ganze Einrichtung aui Geldmachen hinausläuft. Das Geld aber Wandert nach London in die Kasse des„Generals", der keine Rechen- schaft schuldig ist!(Zuruf:„Woher stammen die Berichte?") Aus dem Mainzer sozialdemokratischen Blatt(Rufe:„Aha!) und aus den übrigen Mainzer Blättern.— Ich werde Ihnen übrigens auch noch andere Beweise bringen, ich habe sämtliche Organisations- und Agitationsbücher der Heilsarmee hier.(Große Heiterkeit.) Wir brauchen dringend ein Obdach für Groß-Berlin. wir brauchen den Umbau unseres Asyls in der Fröbelstraße. Glaubt der Magistrat, es ist ein größeres Opfer notwendig, so muß diel K o m m u n e eintreten. Die 3000 M. aber geben Sie lieber dem Oberinspektor i« Obdach; der wird dadurch in die Lage kommen, viele Tränen zu trocknen und manchem auf die Beine zu helfen; geben Sie sie eventuell dem Vereinsashl oder dem Komitee für Jugendliche. Unbedingt muß es uns zur Heiterkeit stimmen, wenn der Magistrat sagt, es sei die Zusage gegeben, daß bei der Aufnahme in das projektierte Berliner Heim Unterschiede des Religions» bekenntnisses nicht gemacht werden und daß eine Agitation für Zwecke der Heilsarmee ausgeschlossen ist. Lebt denn der Magistrat auf dem Mond?(Stürmische Heiterkeit.) Kennt er die Heils- armee so wenig, daß er solche Behauptungen und Versicherungen im Ernst glauben, sie als wahr hinnehmen kann? Die Ziele der Heilsarmee gehen ja ganz aus in religiösem Allotria; einer solchen Gesellschaft zuzumuten, daß sie keine religiöse Agitation treibe — da will ich Ihnen ein Lied aus ihrem Liederbuch zum Besten geben.(Zahlreiche Zurufe:„Singen!" und große Heiterkeit.) Das würde ja vielleicht noch wirkungsvoller sein, aber ich habe als gewissenhafter Sozialdemokrat meine Stimme bei der letzten Wahl abgegeben.(Stürmische Heiterkeit.) Das Lied beginnt: „Wir ziehen hin nach Kanaan, Was zieh'n wir da für Kleider an? Ja, jal(Heiterkeit.) Weiße Kleider, goldne Schuhe, Ja. ja, ja, ja!(Erneute Heiterkeit.) Auf alle Melodien werden diese Lieder gesungen, von„Heil Dir im Siegerkranz" bis:„Wir woll u nach Pankow zehn".( Stür» mische Heiterkeit.) Wer diese Gesellschaft jemals näher beobachtet und betrachtet hat, wird zugeben müssen, daß es unmöglich ist, daß die Stadt Berlin zu ihr jemals in nähere Beziehungen tritt. Pflege des religiösen Fanatismus, Erziehung zum religiösen Wahnsinn in Reinkultur— dazu darf Berlin auch nicht 5 Pf. beitragen, weil es damit der Gesellschaft ein besonderes Ansehen gäbe. Schon heute rückt jeder Gebildete mit Scham von der Heils- armee ab. In erster Linie möchte ich bitten, daß der Oberbürger- meister oder der Kämmerer sich einmal in diese Vorträge hinein- begäbe, vielleicht auf der Bußbank Platz nimmt.(Große Heiter- keit.) Ein Bericht der„Frankfurter Zeitung" über die Vorhand» lungen des Trade-Unions-Kongresses von 1907 ergibt, daß das Parlamentsmitglied O'Grady nachwies, daß bei der Heilsarmee das Truck- und Schwitzsystem im Schwange ist. Die Tischler- arbeiten aus den Werkstätten der Heilsarmee würden zu Schund- preisen vertrieben, die Löhne betrügen in manchen Fällen nur Vs der Londoner Löhne für Tischlergesellen. Auch in London wird — nach derselben Quelle— aus der Wohltätigkeit ein Geschäft gemacht, indem man den Arbeitern noch Abzüge für Kleidung, Stiefel usw. macht, obwohl diese vielfach Gaben von mitleidigen Spendern sind! Nicht nur die Arbeiter, sondern auch besonders gebeinen, ganz in ungestörter Lage, völlig erhalten bis auf die Knochen des rechte» Fußes und der rechten Hand, die vermutlich schon von einem Tiere verschleppt sind, bevor die Bedeckung des Leichnams erfolgt war. Es handelte sich auch hier, wie in den beiden oben genannten Fällen, um ein förmliches Begräbnis, wie sich aus der sorgfältigen Lagerung ergibt. Jedoch war kein Grab angelegt, sondern die Leiche wurde im Schutze des Felsdaches niedergelegt und dann wahrscheinlich mit Erde und anderem Material überschüttet. Kllcheniiberreste und andere Abfälle bildeten in der auch weiterhin bewohnten Grotte eine regelmäßige Schicht von mehr als 3 Meter Dicke, die das Skelett bis auf unsere Zeit geschützt hat. Zahlreiche Steinlverkzeuge aus den Perioden des Aurignacien, Moustörien und Acheulsen lassen eine Zeitbestimmung zu; das Skelett lag auf dem Grunde der Moustörienschicht._ Notizen. Kunstchronik. Im S a l o n Schulte ist zurzeit eine ehr umfassende Ausstellung von Werner Anton Grafss zu sehen, die einen sehr gute» Begriff von diesem vielbeschäftigten uud tüchtigen deutschen Porträtisten des 18. Jahrhunderts gibt. — Cooks Papiere im Kriminal museum? Die Kopenhagener Professoren wollen die Cookschen Papiere weder in der Universität noch in der königl. Bibliothek aufbewahren, sondern wollen sie(wenn daS englische Sensationsblatt„Daily Mail" recht hat) der Polizei übergeben, damit diese sie im kriminalistischen Museum unterbringe.— Der Beschluß wäre ja verständlich, aber haben die gelehrten Herren amb die Konsequenzen bedacht? Ge- hören nicht die Papiere des verfloffenen dänischen Ministers, der ein viel größerer Betrüger als Cook war und vieler anderer großer Diebe und Schwindler, die niemand entlarvt, auch dahin? Die bürgerliche Gesellschaft kann ohne Schwindel und Gaunerei nicht leben, es muß nur honett und im großen getrieben werden, und man darf sich dabei nicht fassen lassen. — Radiumgewinnung in Oesterreich. Aus Joachimsthal wurde nach der„Wiener N. Fr. Presse" vor kurzem ein Gramm Radium an die Wiener staatliche Berkehrsstelle gesandt. Mit dem Verkauf konnte indes erst nach längeren Versuchen über die beste Verpackung smethode begonnen werden. Ein Milligramm(ein Tausendstel Gramm) kostet 325 M. In Joachimsthal, wo inzwischen wieder ein neues Gramm hergestellt ist, werden auch noch andere radioaktive Produkte gewonnen, wie Polonium und Aktinium, deren Strahlungsvermögen rn einer Richtung stärker ist als Radium. — Eine Bronzebüste eines alten Germanen ist in Ungarn aufgetaucht. Wie die neue Zeitschrift„MannuS" berichtet, befindet sich die Büste in einer Privatsammlimg in Komorn und tellt einen bärtigen Mann mit länglichem Gesicht dar und läßt die Brustpartie und die beiden Schultern aus einem breiten Blattkelch emporwachsen. Sie zeigt die charakteristische Haartracht der Ger- manen: hinten kurz geschnitten, vorn lang gewachsen, nach der rechten Seite hinübergelämmt und über der Schläfe zu einem dicken. wulstigen Knoten geschlungen. Die Aehnlichkeit des Kopfes mit den Germancndarstellungen am Tropaion von Adamklissi macht eine Datierung der Büste ins erste Jahrhundert n. Chr. wahrscheinlich. ite kleinen Geiverbelreibenden haben sich in London mit Macht liegen diese Schmutzkonkureenz empört. Die Heilsarmee ist aber nicht nur im Gewerbe, sondern auch in dr'r Landwirtschaft tätig, und in ihren Landkolonien wird die Ausbeutung und Schinichkonkurrenz noch schlimmer betrieben. Die Heilsarmee ist eine religiöse Bettelarmee, denn nicht weniger als 40 000 Personen werden in diesen Landkolonien beschäftigt. Solche Schmutzkonlurrenz musz ja doch immer wieder neue Scharen von Arbeitern auf die Straße werfen und zu Bettlern machen. Und was geschieht mit den Ueberschüjsen, die diese Gesellschaft heraus- wirtschafte!� Sehen Sie in der Gertraudtenstratze sich das reklamehafte Hauptquartier an; das allein kostet schon mehr Miete als 3000 ML Die bedeutenden Ueberschüffe werden— das Buch des Generals Booth„Frage und Antwort über die Heilsarmee" bestätigt es— dem General übergeben; der Nachfolger wird von dem General ernannt und hat nachher die Zügel des Heilswagens weiter zu führen. sZurufe.) Ja, Sie finden sich in der Sprache der Heilsarmee noch nicht zurecht!(Stürmische Heiterkeit.) Eine Kontrolle gibt es nicht, denn der General selbst ernennt sich die Rebisoren! Wären Sie wohl geneigt, einer Organisation in Berlin mit solchen Grundsätzen auch nur einen Pfennig zu geben? Was für die Stadt notwendig ist, muß und wird die Stadt selbst aus- führe», dazu bedarf sie nicht der Mitwirkung einer religiösen Ge- fellschaft mit so geschäftlichem Beigeschmack. W i e das Geld aufgebracht wird, das spottet jeder Beschrei- bung. In dem Buche:„Regeln für die Soldaten der Heilsarmee" von General Booth ist aufgeführt, was die Soldaten für die Heils- armee an sich abgeben muffen. In Berlin hat eine arme Stepperin von ihrem kärguchen Verdienst, mit dem sie noch mehrere Kinder ernähren mußte, noch 2 Ml. an die Heilsarmee abgeben müssen! Die Broschüre von Neitzke„Hinter den Kulissen", verfaßt von einem ausgetretenen Offizier der Heilsarmee, Angehörigen des Vereins ehemaliger Offiziere der Heilsarmee(Große Heiterkeit), sollte von Ihnen genau studiert werden, namentlich aber von den Herren, die in den Ausschuß hineingehen. Die Heilsarmee gibt ihren Offizieren nichts, sondern drängt sie. tvenn sie krank und hilfsbedürftig werden, heraus, damit sie der Armenpflege anheim fallen! (Redner verliest aus der Broschüre die Darstellung von einschlagen- den Einzelfällen.) Die Kontraktsnnterschrift wird verlangt. we,l die Heilsarmee sich um Kranken-, Alters- und Jnbalidenverficherung herumdrückt. und das gibt Berlin zu und will noch Geld darauf legen! Der Magistrat hätte am allerwenigsten Ursache, zu solchen Dingen die Sand zu bieten, viel weniger noch die Versammlung als solche. (Zurufe.) Es ist keineswegs überflüsfig, das mitzuteilen, auch nach außen hin, damit das Volk draußen weih, was von den Dingen zu halten ist. Wir sollen die Stadt und den Magistrat davor schützen. Anhängsel der Heilsarmee zu werden und den Obcrbürger- meister und Kämmerer davor schützen, daß sie zu ihren schweren Orden und anderen Lasten noch die schwere Last eines Ehren. offiziers der Heilsarmee tragen müssen.(Stürmische Heiterkeit.) DaS Richtigste wäre, schon heute jene Zumutung als der Stadt Berlin unwürdig abzulehnen.(Lebhafter Beifall bei den Sozial- demokraten.) Oberbürgermeister Kirschner: Der Vorredner hat sich auch mit meiner Person beschäftigt und eS so dargestellt, als ob ich zu den Besuchern der Heilsarmee gehörte und die Stellung eines Ehren- offiziers begehrte.(Heiterkeit.) Ich bin vor einigen Jahren, als hier im Zirkus Busch der General Booth austrat, einer Einladung gefolgt und war au einem Sonntag eine Stunde dort. Ich habe das getan, weil ich von der Sache möglichst eine eigene Anschauung gewinnen wollte. Ich hatte dabei die Freude, plaziert zu werden in einer Loge zusanunen mit einem Fraktionsgenossen des Vor- rednerS.(Große Heiterleit.) Ich kann nicht sagen, daß das, was ich da sah und hörte, auf mich einen besonders günstigen Eindruck gemacht hat(Hört, hört), aber ich habe auf anderem Gebiete doch Erfahrungen gemacht, die zeigen, daß eL der Heilsarmee gelungen ist, die unglücklichen Personen, die für die Gesellschaft verloren zu sein schienen, durch persönliche Beeinflussung zu heben und ihnen wieder zu einer Existenz zu verhelfen. Vor einer solchen Tätigkeit habe ich Achtung, auch dann, wenn sie mit einem Beiwerk ausgeübt wird, das ich nicht billige; und ich glaube in der Tat, daß es wohl der Stadt Berlin würdig ist. wenn sie sie angemessen unterstützt, denn auf diesem Gebiete kann nicht genug geschehen. Das Ergebnis unserer Erkundigungen hat mich veranlaßt, mit für die 3000 M. zu stimmen. Stadtrat Fischbeck: Der Oberpräsident konnte gar keinen anderen Weg gehen. Die Heilsarmee protestiert aufs entschiedenste gegen die Behauptung, daß da? Geld ins Ausland geht. Nach den Statuten muß das in einem Lande aufgekommene Geld diesem auch wieder in voller Höhe zugute kommen. Für die Heidenmission (Rufe: Judenmission I) sind 30 000 M. verwendet. Aber mit dieser religiösen Seite der Sache haben wir nichts zu tun. In der Presse hat man sich über den Fortfall des„WeihiiachtsinanneS" im Obdach entrüstet. Im nächtlichen Obdach hat nie eine Bescherung statt- gesunden; früher hat man am Heiligabend Stollen verteilt, aber auf Wunsch des Kuratoriums ist da? fortgefallen, well Hinidertc niifa Aberhunderte aus diesem Anlast hinkamen, die sonst nicht bei nns verkehren(große Unruhe und Pfuirufe bei den Sozialdemo- kraten), weil es greuliche Auftritte und Prügeleien gab— wäh- rend in der Silvesternacht plötzlich 800—1000 Mann weniger ein Obdach nötig haben. Soviel zur Steuer der Wahrheit. Direkt ge- geben wäre bei diesen Elementen jeder Pfennig weggeworfen. Hier muß eben die Privattätigkeit eingreifen, die die Stadt überall nach Kräften unterstützt und jetzt auch hier unterstützen will. Daß die Heilsarmee Borwürfe in der Presse erfährt, ist doch nicht so auffallend; ich könnte Herrn Hoffmann ans anarchistischen Blättern ganz ähnliche Angriffe gegen die Wirtschaft im Gewerk- schaftshause vorlesen.(Zurufe bei den Sozialdemokraten.) Stadtv. Gallaud(A. L.): Bewiesen hat Herr Hoffmann von seinen Borwürfen nichts. Alles Material, das er vorbrachte, ist tendenziös gefärbt.(Zurufe bei den Sozialdemokraten: Auch die Schriften des General Booth?) Zur Ablehnung kurzerhand haben wir keine Veranlassung. Stadtv. Hoffman(Soz.): Ich beurteile auch meinerseits die Aeußerungen Ausgetretener sehr skeptisch. In der Hauptsache stütze ich mich auf die von der Heilsarmee selber herausgegebenen Schriften. Die„eigentliche BekehrungStätigkeit" ist nur die Re- klame für das Geldmachen. Die Vorlage geht an einen Ausschuß. Die Errichtung einer Krananlage am Hasenplah durch die Ziegeltransport-Aktiengesellschaft soll nunmehr nach- träglich genehmigt werden, da der Magistrat die hervorgetretenen Bedenken gegen eine etwaige Monopolisierung des Steinhandels nach Anhörung aller Interessentenkreise als beseitigt ansieht. Stadtv. Tove(A. L.): Der Kran hat ein dringendes Bedürf- nis erfüllt. Die Vorlage will diesen technischen Fortschritt unter. stützen. Die Opposition fürchtet nun die Gefahr einer Monopoli- sierung des Steinhandels. Davon ist aber gar keine Rebe. Selbst- verständlich geht der wirtschaftliche Fortschritt über Leichen, und dec Rückständige muß weichen. Stadtv. Wurm(Soz.): Ein technischer Fortschritt, der aus- genutzt werden kann von einer Privatperson oder-Gesellschaft zu- gunsten einer kleinen Clique, wird stets die Interessen der Gesamt- heit schädigen. Liegt dieser Fall hier vor? Leider ist der trmirige Zustand vorhanden, daß die Stadt auf Schritt und Tritt gelähmt wird durch die Staatsbehörden, wenn sie etwas in eigener Regie betreiben will. Im vorliegenden Falle wird der Gesellschaft die Möglichkeit gegeben, jede Konkurrenz fern zu halten. Dadurch wird der Gesellschaft eine Macht weit über das eigentliche Ein- und Aus- laden von Ziegeln gegeben. Wer die Transportmittel in Händen hat, hat auch das Ziegelgeschäft in der Hand, kann Syndikate, Trusts bilden und die Preise in die Höhe treiben, zumal da das Ziegeleigewerbe dicht davorsteht, syndiziert zu werden. Wir wünschen und fordern den technischen Fortschritt aber nicht zum Zweck der Förderung des kapitalistischen Profits, sondern als Weck- 1 zeug der Förderung der Interessen der Gesamtheit. Wir wollen deshalb nicht etwa die Anlage verboten wissen und hindern, aber wir müssen dafür sorgen, daß ihre Vorteile nicht einer kleinen Clique zufallen. Die Kleinschiffer stehen auf demselben Stand- Punkt; fie wollen deshalb die Anlage als eine städtische, wie sie Charlottenburg, Stettin, Hamburg schon haben. Die Privat- gesellschaften wollen lediglich Dividenden; ihnen ist der technische Fortschritt als solcher ganz gleichgültig. Wir haben hier den Unter- gang eines Kleingewerbes vor Augen, und es ist die konservative Regierung, die diesen Untergang beschleunigt! Die Kleinschiffer müssen sofort nach Ausladung Berlin verlassen, während Char- lottenburg sie vor Anker liegen läßt, ebenso Danzig und andere Städte. Sogar jetzt in den Weihnachtstagen sind Schiffer von der Polizei mit ihren Schiffen direkt weggejagt worden! Aus der.Ziegeltransportgesellschaft" ist ja auch schon die „Steinhandelsgesellschaft" geworden.(Zunehmende Unruhe, die das Verständnis der Ausführungen des Redners sehr erschwert)... Auch die Aelteften der Kaufmannschaft haben sich in einem Bericht, gez. Kämpf und Weigert, für eine städtische Anlage erklärt. (Hört! hört!) Das sollte doch auch gerade Herr Dove wissen! Im Interesse der Gemeinde, im Interesse der Kleinschiffer erwarten wir, daß der Ausschuß diese Frage reiflich prüft und zu dem Schluß kommt, die Anlage in eigene städtische Verwaltung zu nehmen. Stadtrat Alberti: Soweit die städtische Verwaltung beteiligt ist, ist der Vorwurf unbegründet, daß die Schiffer weggetrieben werden; sie dürfen im Urbanhafen gegen ein ganz geringes Entgelt liegen bleiben. Die Krananlage ist seinerzeit vom Magistrat genehmigt worden unter dem Vorbehalt, daß sie eventuell nach einem Jahre wieder beseitigt werden müßte, wenn die Zustimmung der Ver- sammlung nicht erfolgt. Stadtv. Deutsch(soz.-fortschr.): Herr Wurm hat übersehen, daß hier auch die„Hagener Akkumulatorenwerke" mitsprechen und daß wir es mit einem geschlossenen Zirkel zu tun haben, der faktisch das Monopol an sich bringen wird. Nochmalige Aus- schußberatung ist dringend geboten. Stadtv. Dr. Paul(N. L.) halt das nach der eingehenden Vor- Prüfung der Sache nicht mehr für nötig. Stadtv. Dove ist bezüglich der Monopole durchaus einer Mei- nung mit Wurm, hält ober auf Grund der Prüfung ein Monopol für ausgeschlossen; das sei auch der Standpunkt der Aeltesten und der Handelskammer, sogar des Vereins der Steinhändler. Die Vorlage geht an einen Ausschuß. Zu Beisitzer-Stellvertretern sind wiedergewählt: Bracke. Alt, Schulze mit 81, 80 und 71 Stimmen; Borgmann hat 47 Stimmen erhalten. Die übrige Tagesordnung bleibt unerledigt. Schluß �10 Uhr._ Hue der Partei. Barteiliteratur, Die Kommunale Praxis" begann mit dem 1. Januar den 10. Jahrgang. Wir erwähnen aus dem Inhalt der ersten Nummer: Was lehren Arbeiterbudgets für die Gemeindepolitik?— Beamtenmaßregelungen wegen staatsfeindlicher Stimmabgabe bei Stadtverordnetenwahlen. Talonsteuer.— Wertzuwachssteuer.— Darlehen statt Obligationsanleihen,— Die Ernährung der deutschen Schulkinder.-- Volks« und Jugendspiele.— Lehrergehälter.— Er- richtung einer Arbeitslosenversickerung.— Zur Reform des Armenpflegekosten* TarifeS.— Strafrecht und Armenwesen.— Landüberweisung an Arme.— ArmenunterstützUng und öffent» liche Rechte.— Berliner Rundschau.— Badewesen.— Aus den Berliner Vororten.— Ein Kommunallonflikt.— Aus Baden.— Stadtverwaltung und Arbeitsnachweis.— Stettiner Schulwesen.— Wahlkampf in Elberfeld-Barmen.— Kommunale Fragen in Zeitschriften und neuen Büchern.— WahlterroriSmuS in Westdeutschland u. a. m. Durch ein jährlich erscheinAides Inhaltsverzeichnis sowie Sach« register wird die.Kommunale Praxis' zu einer brauchbaren Materialquelle für die Genossen, die in der Gemeindeverwaltung tätig find. Abonnements zum Preise von 3 M. pro Quartal nehmen alle Postanstalten, Buchhandlungen und Zeitungsspeditionen entgegen. Probenummern sendet gratis und franko der Verlag Buchhandlung Vorwärts, Berlin SW. 68. Sozialed. Ein Tarifentwurf ist unverbindlich. Der Brauereigehilfe Johann Leyle klagte vor dem Gewerbe» gericht Augsburg am 4. Januar gegen die Brauereibesitzerin Pfeiffer wegen kündiaungSloser Entlassung auf eine Entschädigung in Höhe von 63,12 Ml. Bei seinem Eintritte war von einem Ausschlüsse der Kündigung keine Rede, trotzdem wurde er nach Weihnachten plötzlich entlassen. Die Arbeitgeberin berief sich dabei auf einen unter den Brauereibrsitzern festgesetzten Tarifentwurf, in dem jedwede Kündigung ausgeschlossen war. Der Kläger führte aus, in den Jahren 1S0S bis 1907 habe ein gegenseitiger Tarif im Braugewerbe bestanden, derselbe sei jedoch 1907 beiderseits gekündigt. Der einseitig unter den Arbeitgebern vereinbarte Tarifentwurf habe keine Rechtsverbindlichkeit. Durch Urteil wurde aus den vom Kläger angeführten Gründen dem Klageanträge statt» gegeben und die Brauereibesitzerin verurteilt, an den Kläger den Betrag von 54,30 M. zu bezahlen. SchlieAt widerspruchslose Annahme der Kündigung Eni- fchädigungsansprüche aus? Der Werkmeister Claasen forderte von der SelaS Bclcuch- tungsgesellfchaft noch 200 M. Lohn für März 1909. Er ist am 28. Februar entlassen worden, nachdem ihm mit monatlicher Frist gekündigt worden ist. Die Kündigung hatte C. ohne Widerspruch angenommen, auch bei der Entlassung keinerlei Forderungen geltend gemacht. Dem Kläger ist erst später bekannt geworden, daß daS Gesetz für Werkmeister eine sechswöchentlichc Kündigungsfrist zum Vierteljahresschlutz vorsieht. Er wurde gegen die Gesellschaft klagbar. Diese wendete ein, daß sie mit allen ihren Arbeitern und Angestellten die kürzeste Kündigungsfrist, die das Gesetz zu« läßt, vereinbart habe. So bestehe bei den Arbeitern Kündigungs- ausschluß und bei den Werkmeistern und kaufmännischen Ange- stellten monatliche Kündigung. Dies sei dem Kläger bekannt ge- wesen. Dieser erwiderte, daß mit ihm nichts über die Kündigung vereinbart worden ist. Das Gewerbegericht erklärte sich gestern für unzuständig, da deS Klägers Jahresgehalt 2000 M. übersteigt und empfahl die Klagerücknahme. Dem kam der Kläger nach. Der Vorsitzende riet dem Kläger auch davon ab. die Klage beim Amtsgericht anhängig zu machen, denn sie sei aussichtslos. da die Beklagte nach Treu und Glauben hätte annehmen dürfen, daß er mit der Kündigung einverstanden>var. Dieser Rat des Vorsitzenden widerspricht dem Gesetz und den Grundsätzen über Treu und Glauben auf das energischste. Auf die Kündigungsfrist für Werkmeister kann dieser überhaupt nicht verzichten. Ueberdics schlägt aber die Praxis dem Gesetz und der Wirklichkeit ins Gesicht, anzunehmen, ein Arbeiter„verzichte" aus seine gesetzlichen Rechte, weil er sie nicht bei der Entlassung geltend gemacht habe. Eue Industrie und Kandel. Bom Wohuungsmarkt tu Berlin. Aus einer Arbeit des Herrn Professors Dr. Silbergleit über „Bautätigkeit und Wohnungsmarkt in Berlin 1906 bis 1908/09" veröffentlicht die„Vossische Zeitung' Auszüge, denen wir einige An- gaben entnehmen. Die EntWickelung der Bautätigkeit veranschaulichen diese Zahlen: Jahr 1902 1903 1904 190S 1906 1007 1908 Neubauten....... 853 997 1062 1091 1053 821 603 Um- u. Erweiterungsbauten. 330 350 420 488 605 779 715 Rohbau-Abnahmen.... 1183 1347 1482 1579 1658 1600 1317 Für den WohnungSmarkt maßgebend ist die Zahl der leer- stehenden Wohnungen. Die Zahl der Grundstücke mit wenigstens einer leerstehenden Wohnung betrug anfangs 1907: 5606, 1903: 7146, 1909: 9523. Die Zahl der unvermieteten Wohnungen belief sich 1909 auf 25 352, davon 28 871 ohne Gewerberäume, Hiernach ist seit Anfang des Jahrzehnts eine fortdauernde Steigerung des WohnnugsangeboteS zu verzeichnen, die besonders in den letzten Jahren an Lebhaftigkeit zunabm. Eine Senkung der Mietspreise als Folge deS stärkeren Wohnung?- angebotS läßt sich nicht lonftatieren. In den letzte» Jahren sind die Wohnungsmietcn vielmehr teilweise noch recht kräftig gestiegen. Be- scheidenbeit ist den Hansagrariern mindestens ebcnio fremd als den Junkern; beide verstehen es ausgezeichnet, die Konsumenten zu schröpfen._ Kapitalskonzentration. Wenn auch nicht in besonders großem Umfange, so doch in ziemlich bemerkenswerter Weise hat>m vergangenen Jahre der Zu- sammenschluß von Banken angehalten. Nach einer Zusammen- stellung in der„Bankbeamten-Zeilung" sind im vergangenen Jahre 60 Firmen zu 38 vereinigt worden. 22 Banken erhöhten in dieser Zeit ihr Kapital um 123 Millionen Mark. Konkurs. Die Berliner Holzfirma Curt Vallentin Komm.-Ges., die sich feit Mitte vorigen JahreS in Zahlungsschwierigkeiten befindet, ist nunmehr in Konkurs geraten. Ermäßigung deS Bankdiskonts. Die Bank von England hat am Donnerstag die offizielle Mindestrate um Va Prozent, auf 4 Prozent, ermäßigt. Die Leitung des englischen Zentralnoteninstituts glaubt, leine erneute Geld- Versteifung befürchten zu müssen. Klus der Frauenbewegung. Eine Lehre. Noch immer glauben viele Frauen, eS fei ganz gleichgültig für sie, welche Partei bei den Wahlen unterliege und welche siege. Die Frauen erkennen noch immer viel zu wenig, daß die Politik eine direkie Magensrage ist. Ein neues Beispiel dafür bieten Vorkommnisse in Graz. Dort gelang cö den vereinigten Deutschnationalen und Christlichsozialcn, sechs Sozialdemokraten aus der Gemeinde- Vertretung hinauszuwählen, obwohl die Sozialdemokraten einen Zuwachs von 300 Stimmen erhielten. Die erste Tat der teutschcn Herren war die Einführung der Zahlungspflicht eines besonderen Schulgeldes. Alle armen Teufel, die ihre Kinder in die Schule schicken, weil es das Gesetz verlangt, sollen nun noch für die Volks- schule eine Krone und für die Bürgerschule zwei Kronen zahlen. Im Vorjahr wurde die Mehrheit durch die 12 Sozialdemokraten in der Gemeindeverwaltung an dieser volksfeindlichen Reform gehindert. nun hatten die Herren leichtes Spiel. So manche Frau in Graz mag nun wohl denken: es wäre besser gewesen, wenn ich mich bei den Wahlen auch um die Sache gelümmert hätte, dann wäre mir das Schulgeld erspart geblieben. Aus dieser kleinen Angelegenheit sollen die Frauen lernen. Geridns-�eining. Klassenjustiz gegen Manöfelds Bergknappen. Am Dienstag mußte sich bor der Strafkammer in Halle der Hüttenarbeiter Karl Schulze aus Burgörner (ManSfeld) wegen angeblichen Vergehens gegen den berüchtigten K163 der Gewerbeordnung in sogenannter Jdealkonkurrciiz mit Bedrohung verantworten. Schulze war bereits vom Schöffengericht in Hettstedt(Streikrevier) zu z w e i M o n a t c u Gefängnis verurteilt worden. Er hatte Berufung gegen daS Urteil eingelegt. Während des Streiks traf der mitfeiernde Sch. den arbeitswilligen Hüttenmann Kilchberg, dem er nach der Frage: wohin? zurief:„Wenn ich dich mal allein fasse, schlage ich Dir die Knochen kaput!" Tätlichkeiten kamen jedoch nicht vor. Der Angeklagte gab die Aeußerung zu, führte jedoch aus, daß er sich bei ihr durchaus nichts Gefährliches gedacht habe. Mit einer solchen Redensart nehme man es dort nicht so genau. Der Verteidiger Rechtsanwalt Landsberg legte dar. daß im vorliegenden Falle nur Bedrohung, nicht aber ein Vergehen gegen ß 158 der Gewerbeordnung zu erblicken sei. Der Streik war nicht entstanden, um günstige Lohn« und Arbeitsbedingungen zu erzielen, sondern um weiteren Maßregeln der Gewerk- s ch a f t, die rund vierzig Kameraden deö Angeklagten wegen Aus- Übung ihres gesetzlichen Koalitionsrechtes entlassen hatte, vor- zubeugen. ES handelt sich also um einen Sympathiestreik. Das Reichsgericht hat in solchen Fällen nur Bedrohung als vorliegend anerkannt. Im Schöffengerichtsurteil ist ausdrücklich zugegeben, daß der Angeklagte keine flihrcnde Rolle im Streik gespielt habe; er hat nur das gesetzliche Recht zum Streiken ausgenutzt. Er ist ferner uu- bestrast und handelte doch ganz offenbar in begreiflicher Erregung. Diese Gründe hat das Schöffengericht vollständig übersehen. Der Terrorismus ist hier von der entgegengesetzten Seite ausgeübt worden. Daö Reichsgesetz gewährt den Arbeitern das KoalitionSrecht, ein starker Unternehmer, hier die ManSfelder Gewerkschaft, verbietet es ihnen einfach. Sie sagt, die freien Gewerkschaften sind sozial» demokratische Einrichtungen. Abgesehen von der Richtigkeit oder Unrichtigkeit dieser Behauptung, was geht das die Gewerkschaft an? Was würden bürgerliche Leiter sagen, wenn die Arbeiter von ihnen verlangten, daß sie auS ihren konservativen oder anderen Organi- sationen austreten? In allen Klassen steckt ein gewisser Korpsgeist, den man auch den Arbeitern zuerkennen muß. Angesichts all dieser Gründe sei die im SchöffengerichtSurteil zum Ausdruck gebrachte Entrüstung über die Tat nichts weniger als angebracht. DaS Gericht möge die horrende Gefängnisstrafe in eine Geldstrafe umwandeln. Die Hallcsche Strafkammer verwarf die Berufung. Das allem Rechtsempfinden hohnsprechende Klassenurteil auf zwei Monate Gefängnis bleibt also bestehen. Mit Einschluß dieser Strafe sind bislang in Streiksachen au? Mansfeld 9 Monate Gefängnis, 1 Woche Haft und verschiedene Geld- strafen verhängt worden. Zahlreiche Bestrafungen stehen aber noch in Aussicht. Die klassenbewußte Arbeiterschaft wird dem opferreichen Kampfe der ManSfelder Bergsklaven ihre Anerkennung nicht ver- sagen: in der Art und Höhe der Strafen spiegelt sich das schlechte Gewissen der herrschenden Klasse über ihr rechtswidriges Verhalten im ManSfelder Kampfe wieder. Der Diebstahl an einem Perlenkollier im Werte von 2�000 M., der kurz vor Weihnaöbten 1907 im Juwelengeschäft von Werner in der Friedrichstrnße ausgeführt wurde, beschäftigte gestern zum zweiten Wkale die 19. Strafkammer. Wie noch erinnerlich sein wird, betraten zwei aus Rumänien hierher ge- kommene Leute am 16. Dezember 1907 das genannte Juwelier- gefchäft, feilschten um mehrere Schmuckgegenstände und entfernten sich, nachdem ein ganz unbedeutender Einkauf gemacht war. Nach ihrem Fortgange konnte festgestellt werden, dag ein kostbares Perlen- kollier im Werte von 24 090 M. verschwunden und dafür ein äußer- lich ähnliches unechtes Kollier untergeschoben war. Das Pärchen— es wurde später als die Chanteuse M i ch a l e s c u und der angebliche Student Alexander L o p a s c u festgestellt— dampfte von hier schleunigst nach Wien, wo es ihnen gelang, vier Perlen zu ver- kaufen. Als sie in Czernowitz versuchten, weitere Perlen zu ver- äußern, wurden sie festgenommen; in dem Augenblick der Festnahme verschluckte aber die sehr resolute Michalescu die Perlen und diese konnten erst unter Anwendung künstlicher Mittel wieder ans Tageslicht befördert werde». Die Michalescu ist seinerzeit zu drei Jahren Gefängnis verurteilt worden, nachdem sie im Termin zugegeben hatte, daß sie zusammen mit L o p a s c u den Diebstahl geplant und daß letzterer der eigentliche Dieb gewesen sei, mährend sie selbst nur Hilfe geleistet habe, indem sie die Ber- käufer beschäftigte. Die Verhandlung gegen Lopascu mußte aus- gesetzt werden, weil dieser inzwischen in Wien wegen schweren Dieb» stahls zu l'/e Jahren schweren Kerkers verurteilt worden war und diese Strafe erst verbüßt. Gestern sah sich das internationale Verbrecherpaar zum ersten Male im Gerichtssaale wieder: er als Angeklagter, sie als Zeugin. Frau Michalescu zeigte sich auck> in dieser Rolle sehr resolut: sie ver- weigerte jede Aussage gegen ihren ehemaligen Geliebten und be- harrte dabei, daß sie nur in Gegenwart des Konsuls sprechen würde. Im übrigen protestierte sie lebhaft gegen ihre eigene Verurteilung. — Der Angeklagte bestritt, irgend etwas mit dem Diebstahl zu tun gehabt zu haben und versuchte es mit einem Alibibeweis, der aber mißlang. Das Gericht hatte nach der Beweisaufnahme nicht den geringsten Zweifel an der Mittäterschaft des Angeklagten und ver- urteilte auch ihn zu drei Jahren Gefängnis. Unterschlagungen in Höhe von 68 000 M. hat der Buchhalter Franz Härder verübt, gegen den gestern die vierte Strafkammer des Landgerichts I unter Borsitz des Geheimen Justizrals P e l t a s o h n verhandelte.— Der Angeklagte, welcher verheiratet und Vater zweier erwachsener Kinder ist, trat im Jahre 1887 bei der Firma Paulentz als Expedient ein. Nachdem er sich in zwölfjähriger Tätigkeit bei der Firma daS vollste Vertrauen seines Chefs erworben hatte, wurde er von diesem /zum Kassierer und später zum Buckhalter befördert. In dieser Position leitete er bald alle Zweige des Geschäfts und arbeitete völlig selbständig. Unglücklicherweise machte er die Bekanntschaft eines Herrn, der sich mit WechseldiSkoutgeschäften befaßte. Der An- geklagte ließ sich verleiten, einem Fräulein G. verschiedene Wechsel über höhere Beträge zu diskontieren, die von einem Herrn Jüdel, der zu der jungen Dame in Beziehungen stand, akzeptiert waren. Diese Wechselgeschäfte deS Angeklagten erreichten schließlich die Höhe von 72 900 M. Da der Angeklagte sich hierbei einen großen Gewinn ver- sprach, weil der Akzeptant Jüdel angeblich Millionärseinsollte, griff er, da sein eigenes kleines Vermögen nicht ausreichte, die ihm anvertrauten Geschästsgelder an. Die Unterschlagungen verdeckte er dann durch falsche Buchungen. Erst durch einen Zufall kamen die Verfehlungen zu tage, als die Unterschlagungen bereits die Höhe von 68 999 M. erreicht hatten. Staatsanwalt Dr. Ludwig beantragte eine Gc- fängnisstrafe von drei Jahren. Das Gericht erkannte auf e i n Jahr und sechs Monate Gefängnis. Vermischtes. Sturmschäden. Wie au? Halifax berichtet wird, sind während eines heftigen Schneesturmes 17 Schiffcrbarken mit 26 Mann an Bord auf hohe See getrieben worden. Von den 17 Booten find nur 8 aufgefunden worden; mehrere Dampfer sind mit Nachforschungen nach den übrigen beauftragt worden. Die Temperatur ist auf 23 Grad unter Stull gesunken. Nach einem Telegramm aus Madrid wütete in den Bezirken von Cadix und Almeria em furchtbarer Sturm. Mehrere Schiffsunfälle sind zu verzeichnen, auch sind zahlreiche Personen zu Schaden gekommen. Furchtbare Regengüsse richten weiteren Schaden an. Ei» Kaplan steckürieflich verfolgt. Gegen den flüchtig gewordenen Kaplan S ch u lte aus Lü ch- t r i n g e n im Kreise Höxter ist ein Steckbrief erlasse» worden. Kaplan Schulte soll verhaftet werden wegen SittlichkeitS- verbrechen. Schulte war früher Kaplan in Bochum und be- kleidete dort den Präsesposten im katholischen Arbeiter- verein.__ LauernliebeSdrama in Ungarn. In Kartonvasar hat daS Bauen:- Mädchen Lydia Sarkadi, wie eine Meldung ans Budapest besagt, ihren Geliebte» Georg Buli, der sie Verlaffen und eine andere hei- raten wollte, noch eiinnal zu sich gelockt und ihm dann im Schlaf mit einem Rasiermesser den Kopf abgeschnitten. Hierauf machte sie auch ihrem Leben durch eine» Revolverschuß ein Ende. Untergang eines Vergnügungsdampfers. AuS Wellington in Neuseeland wird gemeldet, daß der Vergnügungsdampfer„Wmkare" mit 200 Past'agieren und 70 Mann der Besatzung in Dusky Sound auf einen Felsen stieß und sank. Die Passagiere sowohl als auch die Mannschaft konnten gerettet werden. Gestrandeter Dampfer. Nach einer in Hamburg eingegangenen Meldung ist der Dampfer Fürst Bismarck der Hamburg-Amerika- Linie. von Mexiko nach Hamburg unterwegs, gestern nachmittag bei der Einfahrt nach Havre bei Oeteville gestrandet. Das Leben der Passagiere und der Besatzung ist nicht gefährdet. Schlepper leisten Hilfe. Eine Frauenleiche in einem Koffer gefunden. Einer Meldung aus Lüttich zufolge wurde gestern in einer Dachstube eines dortigen Gast- Hofes in einem Koffer eine Frauenleiche entdeckt, welche fast in Ver- wesung übergegangen war. Vor zwei Monaten hatte ein Mann zwei Gastzimmer gemietet und mehrere Koffer mitgebracht. Er hatte die Miete für zwei Monate bezahlt und erklärt, seine übrigen Möbel würden später nachfolgen. Eine Untersuchung ist eingelertet worden. �., ,,,., Nach einer neueren Meldung aus Brüssel verhaftete dre Polizei in Möns den Lithographen Rothenburger unter dem Verdacht des Mordes. Rothenburgcr gestand nach kurzem Verhör, daß die in einem Koffer verpackte Leiche diejenige seiner Frau sei, Er habe sich im Oktober mit seiner Frau in Antwerpen aufgehalten, dort sei er mit ihr in einen Wortwechsel geraten, in deffen Ver- lauf er seine Frau getötet habe. Er habe alsdann die Leiche zer- stückelt und in zwei Koffern nach Lüttich gesandt. Schiffsbrand auf hoher See. Der Dampfer„Norse Prince". der auf der Fahrt von New Jork nach Kapstadt begriffen ist, wurde in der Nähe der Insel AScension in Flammen stehend gesichtet. Das Feuer brach am Montagabend um 6 Uhr aus. Am Dienstag verließ die 34 Mann starke Besatzung mit dem Kapitän Campbell daS brennende Schiff in den Booten. 17 Mann der Besatzung sind in Ascension zurückgeblieben, während die übrigen mit dem Postdampfer „Cuelph" die Weiterfahrt antraten. DaS 19 Meilen von der Küste entfernte Schiff steht noch in hellen Flammen. Deutscher Arveiter-Abftinentcn-Bund. Ortsgruppe Berlin. Heute Freitag, den 7. Januar, abends 8'/, Uhr. im Gewerklchastshause. Engeinser 15, Saal VIU: Vortrag des Genossen Davidsohn über „Des Pastors Ricke- von Erich Schlaikjer. Kein Gcwänkeausschank. Gäste willkommen. Zrntralvervand derHandlungsgehilfen und Gehilfinnen Deutsch- lands, Bezirk Rixdors. Heute abend fe1/. Uhr Bürgersäte, Bergstr. 147: Vortrag des Genossen Dr. Grumach. Gäste lvillkommem CingegAngene Druck rchriften. Von der„Neuen Zeit«(Stuttgart. Paul Singer) ist soeben daS 15. Hest des 2«. Jahrgangs erschienen. Es hat soigenden Inhalt: An ehrlicher Galgen—.— DaS Knli-Zwangsslindlkat. Von M. Nachimson.— AuS einem süddeutschen„Musterstaat-. Von Julius BruhnS.— Unterfee- boote in der deutschen Marine. Von Karl Radek.— LebcnSverhaltmfse der unteren Schichten in China. Von Chagri»(Stutigart).— Literarische Rundschau: Pros. Dr. August Fournier, Wie wir zu Bosnien kamen. Von Karl Radek. Alexander Bergengrün, August Freiherr von der Heydt. Von Hermann Wendel.- Notizen: JugcndauSschüsse oder Jugendorganisationen? Von Franz Krüger, Königsberg i. Pr.— Zeitschristenschau.„„ m, Die„Nette ycit* erscheint wöchentlich einmal und ist durch alle Buch« Handlungen, Postanstalten und Kolporieure zum Prelle von 8.SJS M. pro OuarlaI zu bezichen; jedoch kann dieselbe bei der Post nur pro Quartal abonniert werden. Das einzelne Hest kostet 23 Ps. Probenunmiern stehen jederzeit zur Bersügung. Sozialistische Bewegungen und Systeme bis zum Jahre 184» von Elisabeth Luzzatto. 4 M. I. Brand u. Co.. Wien. Gumpendorser Straße 48. Mm Wege. Roman. Von H. Bang. Fischers Bibliothek zeit- genössijcher Romane. Bd. 4.(S. Fischer, Verlag, Berlin). Geb. 1 M. Wetterprognose für Freitag, den 7. Januar 1919. An wenig kälter bei meist schwachen nordwestlichen Winden und veränderlicher Bewölkung, ohne erhebliche Niederschläge. Berliner Wetterbureau. Heute früh sanft nach schweren. 6'/. Uhr entschlies aber in Ge- duld ertragenen Leide» mein ae- liebter Maim und herzenoamer Vater Otto Kühnelt im vollendeten 33. Lebensjahre. DieS zeigen tiesbcirübt an die trauernden Hinterbliebenen Eltaabsid Kühne» geb. Bleu! nebst Kind. Die Beerdigung findet morgen Sonnabend, den 8. Januar 1919, nachmittags 3'/4 Uhr, von der Leichenhalle des St. Georgen- Kirchhofes, Landsberger Allee, aus statt. VeM der Bueh- und Steiiidruekerei-fiilfsarlieiter n. Meiterioiien DeuMlaüds. ------ Ortsverwaltung Berlin.- Am 5. Januar starb an der Proletarlertrankheit tisch langem, schwerem Leiden unser Kollege, der Falzer- Otto Kühnelt. Ehre seinem Andenke» Z Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 8. d. M., nachm. S'/i Uhr, von der Leichenhalle des Georgcii-KirchboseS auS statt. 27/1 Der Borstand. Deutscher Transportarbeiter-Verband. Ortsvenwaltung Groll-Borlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Arbeiter �.ldert Kandal am Montag, den 3. d. M., im Alter von 69 Jahren an Schlag- ansall gestorben ist. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet am Freitag, den 7. d. M., nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- Halle des Heilig Kreuz-KirchhoseS in Martendorf aus statt. 65/4 Die Verwaltung. Zentralvereii) aller in der Hiit- u. Filzwarenindustrie besehE ÄMer u. IrlieitsrimieD. Am 4. Januar 1910 verstarb im Alter von SS Jahren an Blind- darmentzündung unser Kollege, der Invalide Karl Kuhnert. Die Beerdigung findet Heute Freilag, den 7. Januar, nach. mitiags 2'/, Uhr, von der Leichen- Halle deS städtischen Friedhofes in FriedrichSselde auS statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 76/1 Die Orteverwaltung. Deutscher Metallarbeiter-Verband BerwaltungSstelle Berlin. Tode«- Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Dreher /Mfreä Grieger am 5. d. M. au Lungenlciden ge< starben ist. Ehre seinem Andenke» k Die Beerdigung findet am Sonnabend den 8. Januar, nach- mittags l1/, Uhr, von der Leichen- Halle des DankeS-KirchhoseS in Reinickendors au« statt. 119/3 Rege Beteiligung erwartet Die OrtSverwaltnng. ?ishllNg 5. Februar. Werde- lotteri« -Schiesische I nea. 1 /, N Lose- 10 Mark. L05o 4 X Porto u.Liste 25 Pf. SS42 Gewinns. Gesamtwert Hark 60000 8pec. 48 Pferde ued 6 EquipagWi lUrk 40000 and 3800 SUbergcwiuaa Hark 20000 1. Hauptgew.; Bqulpagem. Pferden Mark 10 000 Lose empfehlen und versenden Lud.Müüer&Co. Binkgesohift BsrliD C., Breiteatr.6. mm Telegr.-Adx.: Glücktmliller. Los» auch in allen Lotteriegeschäften u. allen durch Plakate kenntlichen Verkaufsstelion. 68 Offeriere in nur frischer, schöner Ware- solange Vorrat reicht: 7/18" wng- Glilisc.» nur allererste Qualitäten. Gänserümpfe- halbe Gänse, srische Gänsepökel-Bruft it. Keule, mild und sehr pikant, pro Pfd. 95 Pf., große wilde Kaninchen Am 4. d. M., abends 9 Uhr. verschied nach kurzem Leiden meine innigst geliebte Frau, unsere Tochter, Schwiegertochter und Schwester Hedwig Adam geb. Wietiko im Alter von 32 Jahren. Um stille Teilnahme bittet Ott» Adam, Acker str. 70. Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 8. Januar, nach- mittags 2 Uhr, von der Leichen- Halle des Elisabeth- Friedhosz, Prinzenallee, aus statt. löSb von Wr-m�MMWWWWWWW Rehrücken, Rehkrulen, beute billigst, ictte Suppenhühner, ige. Brathühner, jge. Enten in riesiger Auswahl. fVe/fnor. 39 Martanucnstr. 34. Todes- Anzeige. Allen Belannleu und Freunden die waurig« Nachricht, daß meine liebe Frau und gute Mutter Meta Richter nach langem, schwerem Leiden am Mittwoch, den 6. Januar, sanft enlschlasen ist. 39002 Um stilles Beileid bitten Oie trauernden Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet ain Sonnabend, nachmittags 2 Uhr, von der Leichenhalle des Zentral- Friedhofes in FriedrichSselde auS statt. Ohne Mike Anzahlung <& orstklaseigea Fabrikat 1'-»-5- Irj/inAC „ ich«ja K ijj4 a U*3 und Stil arten von „ ai W wunderbarer Xonfülle. r§(Flllgelton) gegen kleinemomatllcheXellasahlung:, ä ohne jeden l'rciHauftiehlag. 95/16- <3 Für jedes Instrument gewähre ich 2Qjiihr. scnriftl. Garantie. Conrad Krause üchtg., Eok"kurVur8ien«"rHbaTeVcharipiMio. Ancb SonntitgH geil/ITnet. Danksagung. Bewerte Amukn- und üriurilimderti von Roberl Meyer,' uur MamnutU-Sttnßt 3. Für die vielen Beweise der Teil- nähme anläßlich der Beerdigung meiner lieben Frau, unserer guten Mutter Selm» Fcndler gcb Lemke agen wir hiermit unser» herzlichilcn 'ank. 156b Emil Pendler und Kinder. l« D. Danksagung. Für die zahlreiche Beteiligung und herzliche Teilnahme bei der Be- erdigung meiner Tochter sage hierfür allen meinen besten Dank. 3399L A. 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Prima Essäpfel■...... � 14 p« la Apfelsinen Dtzd.20,30, 40 pt. Mandarinen 85 p' Prima Datteln 3"� 33» Tafelfeigen 35 p»- p»und 30 p Geräucherte Sprotten x'— 50 p». Nordseekrabben....°°,. 7 5 p». Prima Räucherlachs pMnd 85 p». Prima Räucheraale..... Pfund I35 Brie-Kase............ pfund57 p». Tilsiter Käse........ Pfund 58 p». Deutsch. Camembert k.«. 23 p,. Schweizer Käse....pn,nd 30 Prima Cerveiat........ Pfd.115 Prima Salami............ Pfd.115 Feine Leberwurst....?« 95 pf. Landieberwurst...... Pfd. 90 n. Deiikateßfleischwurst p«. 90 p». Prima Teewurst........... pfd l«o Geräuch. Gänsebrust.... Pfd. I60 MettWUrSt Braunaebw. Art...Pfd. 95 Pf. Ardeitsnochweis: Berwalfungsttelle Berlin. Hnuptburrau: Hos l. Amt 3. 1239. Charitistrafie 3. Hos Öl. Amt S. 1087. AMg; KMllsihijigkr! Alhwls! Sonntag» den 9. Januar 1919, vormittags 19 Uhr: Monatsversainmliiiig im Gewerkschastshause, Engelufer 15, Saal 1. Tages. Ordnung: 1. Jahresbericht der Agitationskommisston. 2. Bericht des Kassierers und Bericht der Revisoren über den BranchensondZ. 3. Neuwahl der AgiiationStommisswn. 4. Branchenangelegenheiten und Verschiedene?. Zahlreicher Besuch wird erwartet. AeMttttgl Vertrauensleute! Die Vertrauenspcrsonen und Verbnndsfunktionäre, die nach dem Ortsstatut Zutritt zur Generalversamm- lung haben» tuerden darauf aufmerksam gemacht» dast die Legitimationskarten für das Jahr ISItt verschickt werden. Wer biS zum IS. Januar noch keine Legiti- mationskarte erhalten hat» wird ersucht» fie unter An- gäbe seiner Personalien und des Betriebes» wo er als Vertrauensmann fungiert, im Bureau» Charitvstraste 3, zu reklamiere«. 110/2_ Die Ortsverwaltung. Deutscher Holzarbeiter-Verband. Zahlstelle Charlottenburg. «onntag. den 9. Januar 1910» vormittag« 10 Uhr. im Voltshause. Roiinenstrasie 3- General-Versammlung. TagcS. Ordnung: t. Die gegenwärtige Lage in der Holzindustrie und die Wahlen der Delegierten zur Generalversammlung von Grosi-Berlin. 2. Jahresbericht und Wahl der gesamten Ortsoerivaliung. 3. Ausstellung l--■ . der Kandidaten 4. Wahl der Delegierten zur Gewerlschasts- de? GesellenausschusseS. 6. Gewerkschaftliches und Verschiedenes. 77/7 Zu dieser Versammlung ist daS Erscheinen sämtlicher Kollegen notwendig. Mitgliedsbuch legitimiert._ Ple Orts Verwaltung. zum Gewerbegericht. tommission. 5. Wahl Deutscher Hetzarbeiter-Verband. - Zahlstelle Rixdorf.- Sonntag» den 9. Januar, vormittags 10 Uhr: General-Verfairnnlung bei Hoppe» Hermannftr.<19. TageS-Ordnung: Wahl der Delegierten zur Generalversammlung in Grost-Berlin. 77/6*_______ Ple Ortsverwaltnng. �eSSSämSSSSSSSSSmSSSSSSmmmmmmm—mmmmmmmmm—m—�ma�ammmimmam�m�� Gesundheit ist Reichtum!' gagr Bade BerllH-Oat-WW Im „Bad Frankfurt" Große Frankfurter Str. 136. Medizinische Bäder aller Art % in werktäglich ununterbrochen geöffneten Sonder-Abteilungen für Damen 46öL und Herren. X Wannenbader. mit je 2 Handtüchern 75 Pf.(40 Minuten Badezeit.) 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Januar, abends 8 Uhr: Gemeinsame Generalversammlung für die Orte Min. GI)arlottenburg, Rixdorf, SchSnederg und ülelßenfee im Gewerkschaftshaus, Engelufer 14/15. Bi« Ortsverwal taugen. Einsetzer. Sonntag» den 9. Januar, Vormittags 10 Uhr, finden die Sezirks-Versammlungen in folgenden Lokalen statt: 1. Bezirk: Mcrkowski» Andreasstr. 26. .»» Gliesche» Kopenhagener Str. 74 ,» Lamprecht, Putlitzstr. 1V. ,» Preil, Rixdorf» Rosenstr. 24. »» Wiemer, Bülowstr. 58. »» Mix, Skalitzer Str. 59. „ Charlottenburg, Rosinenstr. 3. „ Melzer» Wiesenstr. 29. 2. und 6. Bezirk: Bezirlsleiterwahl. Adresse der Obleute. G. Franz, P. SomalSke, 77/S Markgrasendamm 30. Echlefische Str 31. ». ». 4. 5. V. 7. 8. Im Urler Baupossensebalt „Ideal". Elnladnn« zur General-Versammlung. Am Montag, den 24. Januar 1910, abends 8 Uhr, findet im Saale der VercinSbrauerei Rixdors, Hermann- strafie 214, die Generai-Versammlung statt, zu welcher die Mitglieder hier» durch ergebenst eingeladen werden. Tagesordnung: 1. Geschästsbericht. 2. Genehmigung der Bilanz und Entlastung des Vorstandes und Auj- fichtsrateS. 3. Verteilung deS Reingewinnes. 4. Wahlen. 103/3 5. Statuienänderulig. 6. Verschiedenes. Zahlreiches und pünltiichcS Er- scheinen erwarbt »er Auffichtörat. I. A.: Bruno Fiedler. Krauken-Mkrstütznugs- und KtgrüdnisKaffe der Lkbkyurilhtkr Zrrlms. (E. H. Nr, 50.) General-Versammlüng am Sonntag, den 16. Januar, oormiltagS 10 Uhr, im GcwrrkNohartHhaaMf Eiigeiuscr 15, Saal 11. TageS-Ordnung: 1. Rechnungslegung vom 4. Quartal 1909. 2. Bericht der Revisoren. 3. Ab. ändcrung des tz 7(Rachtrag VI) Slbs. 3 deS StatutS: Erhöhung der Beiträge der Stufe I von 55 Pf. aus 65 Pj. pro Woche. Abänderung deS S 8«Nachtrag V) Abs. 1 des Statuts: Erhöhung des llranlengeldeS der Stufe I aus 1,75 M. täglich oder 10.50 M. wod/cntlicki. 4. Vorstands- Wahl: a) ein erster Vorsteher, b) ein Schristsührer, c) ein Beisitzer, d) sechs Ersatzmänner. 5. Geschästlichcs. 155b Der VorMtand. I. A.: Gustav Busse. Lcralitwortlichcr Redakteur Richard Barth, Berlin. Für den Inseratenteil vcrantw.: TH.Glockr�Berlin. Drucku.Bcrlag: BorwartSAuchdruckerei u, BerlagSanftalt Paul Singer Lc Co., Berlin SW, «a 2. KtilM ilfü Dwiick" KtlÜM ÖOlllülllfltt................" SllMlistische presse Dentschlands. I. Quartal 1910. Zentral-Organ. .vorwärts" vrrliner volksdlatt, SW. 68, Llnden- ftrofee 69. Täglich erscheinend. Ludwigsbafcn a. Rk>..Pfälzische Post" Maxstr. 65. Lübeck„Lübecker Volksbolc" siobannisslr. 46. Lüneburg„Lüneburgcr Volksblatt" Ritterstr. 46. Magdeburg„Volkssümme" Giojje Münzstr. 3. Mainz.Vottszcitung" Zanggasse 13. Mannheim„Volksstimmc" Ii 3, 14. Meisten.Volkszeitung" Poststratze. Mühlhausen i. Th..Volls-BIatt" Zicgclstr. 49/59. Mülhausen i. E.„Mülhauscr Volkszeitung" Drei« königsstr. 37. München.Münchener Post" Mhcimereck 19. Nordhause».Nordhäuscr Volkszeitung" Wolsstr. 14. Nürnberg„Fränkische Tagespost" Breitcgasse 35—27. Offcnbach a. M.„Ossenbacher Abendblatt" Große Marktstr. 25. Pforzheim„Psorzheimer Freie Presse" Oestliche Karl- Friedrichstr. 37 I. Regensburg„Nene Donau-Post" Dreimohrenstr. B. 5. Remscheid„Remscheider Arbeiterzeitung" Neustrngc 2. Rostock„Mecklenburgische Voltszeitung" Dobcranerstr. 6. Saalfeld a. d. Saale„Volksblatt" Rosmaringasse 15. „Kommunale Praxis". Wochenschrist sür Kommunal- z°li»gen. Bergische �'ierstimme- Hohegasle?� Politik und Gemelnd-sozialiSm«». Berlin 8V. GS.:*0""'?/™ Schachtel-Plonz-Rott gegen Ziethen-Koch-Kloster I Unsere Partei- genossen in der Versaminlung des liberalen Bürgertums werden beschämt in der Ecke stehen I Trebbin(Kreis Teltow). In der ersten Stadtverordnetenversammlung im neuen Jahre er« folgte die Einführung der neugewählten Stadtverordneten, Herren Köppen, Schulze. Haase, Moaß. Kargel und Richter. Zum Stadt- verordnetenvorsteher wurde Herr Köppen, zu seinem Stellvertreter Herr Haase gewählt. Als Schriftführer fungiert Herr Tenger, als Stellvertreter Herr Buchner. Weiter wurden gewählt als Protokoll- führer Herr Jüitner, Stellvertreter Herr Samuel. In die Ab- teilungSkommissionen wurden in der 1. Abteilung die Herren Büchner und Tenger, in der 2. Abteilung die Herren Haase und Ribbek und in der 3. Abteilung die Herren Schöiisee und Hiebsch gewählt. Als Tag und Zeit des Beginns der öffentlichen Sitzungen wurde Donnerstag, abends 7 Uhr. bestimmt. Thealer und Vergnügungen Freitag, 7. Januar. Ansang Vj, Uhr. Königl. Opernhaus. Die Meister- singer von Nürnberg.(Ansang 7 Uhr.) Königl. SchausPielhanS. Der deutsche König. Neues königl. Opern-Theater. Geschlossen. Deutsches. Don TarloZ.(Anfang «'/, Uhr.) Kamm erspiele. Major Bar- bara.(Ansang 8 Uhr.) Neues. Don Juans letztes Aden- teuer. Neues Schauspielhans. Faust. 1. Teil. Ansang 6 Uhr. Komische Oper. ToSca. BSesteu. Die geschiedene Frau. Neues Operette». Der Graf von Luxemburg. Trianon. Buridans Berliner. Hohe Politt! NleineS. Der große Name. Restden». Im Taubenschlag. Thalia. Die sitae Tora. Lessing. Das Konzert. Hebbel. Der Slandal. Schiller«.-«allner- Thea»«.) Ein Volksfeind. Schill e, Charlottenburg. Wallen- steinS Tod. Friedrich. WtlhelmstSdt. Der Bibliothekar. Luisen. Die Reise»« die Srde in 80 Tagen. iltoir. Der Vize-Papa. Luftspielhans. Der dunkle Punkt. Metrovol. Halloh II— Die große Revue. Foltes Eaprice. Sicher ist sicher. Bunter Teil. Der Mann meiner Frau.(Ans. S'/. Uhr.) Apolt«. Spezialitäten. Tiiintergane«. Spezialitäten. Casino. Der Obergauner. Gebr. Herrnfeld. So muß man's machen. Ein RettungSmittel. Gastspiel. Der Hüttenbefitzer. Bot- nge. Spezialitäten Stoacks. Die Posttarten-Frida. Bolksover. La Traviata. Buggenhagen. Spezialitäten. Kart Haverland. SvezialUäten. Walhalla. Svezialitären. Pala«». Spezialitäten. Utrichsdallen. Stelttner Sänger. llrauia. Tn»vr»i>r»ise IN'4tt. Abends 8 Uhr: In den Dolomiten. Steruivaree. Ji-vaildenM.-'I— 62. Urania. Wissenschaftliches Theater. Abends 8 Uhr: In den Dolomiten. Residenz-Theater Dtreltion: Richard Alexander. Abends 8 Uhr: Im Taubenschlag. Morgen und folgende Tage: Dieselbe Borstellung. Sonntag, den S. Januar, nachm.: Kümmere Dich um Amelie. Toiks-Oper. ZV., Belle-Alliance-Stratze Nr. 7/8 A n f a n g stzg U h r. La Traviata. Luisen-Theater. Abends 8 Uhr: Die Reise m die Erde in 80 Tagen. Gr. Ausstattungsstück in 14 Bildern. Sonnabend nachm. 4 Uhr große Kindervorstellung: Hänsel u. Grete!. 8 Uhr: Die Reffe um die Erde in 80 Tagen. Sonntag nachm. 8 Uhr: Gib mich frei. 8 Uhr: Di« Reise um die Erde in 80 Tagen. Montag Premiere: Lolos Vater. »..«(talng.'I'Il«»««?. 8 H: Das Konzert. Sonnabend. 8 Uhr: TantrtS der Narr. Sonntag, 8 Uhr: DaS Konzert« IZerliner TKeater. nr Zloiie fWk. Morgen: Hohe Politik._ Heues Theater. Abends>/,8 Uhr zum erstenmal: Don Juans letztes Abenteuer. Morgen und folgende Tag«: Ton Juan« letzte« Zlbentener. Ttiealer des Westens. Abends 8 Uhr: Die geschiedene Frau. Sonntag 3'/, Uhr: 0«e tlöel» Saiibe. ' Lusisplelhaus. Abends 8 Uhr; Der dunkle Punkt. Ryrieh-WilhgMdtlsehgs Schauspielhaus. Freitag, den 7, Januar, Ans. 8 Uhr: Der Bibliothekar. Sonnabend: Im bunten Rock. Sonnlag nachm. 3 Uhr: Othello. Abends 8 Uhr Die Haubenlerche� »neu Operptten-Tlu-ater. S ckiftbanerdamm 25, a. d. Luiienstr. Heute und folgende Tage 8 Uhr: Der Graf von Luxemburg. Sonnabend nachm. 3*/, Uhr: Die golden« Kflrchenwel». I0SE=THEATE R| Große Frankfurter Str. 132. l Anf. S Udr. Ende>/,« U. _jDer Vizepapa. Lustspiel m 3 Akten v. A. Richards. Sonnabend nachm. 4 Uhr: 1001 Nacht. AbendS 8 Uhr: Faust. Hchlller-Tlieatep. Schiller-Theater 0.(Wallner-Thtat.) Freitag, abends 8 Uhr: Ein Vol hsfeind. Schaufpiel in 5 Ausz. v. Henrik Ibsen. Deutsch von W. Lange. Bmr Ende 10'/, Uhr."99 Sonnabend, abends OUHt: Der fflelneldbaaer. Sonntag, nachm. 3 Uhr: ver Herr Ministerialdirektor. Sonntag, abends 8 Uhr: Der nfelneiObauer. Schiller-Theater(Charlottenburg). Freitag, abends 8 Uhr: HV»IIoi>8teln«, Tod. Trauerspiel in fünf Auszügen von Friedrich Schiller. SM" Ende H Uhr."9« Sonnabend, abends 8 Uhr! Viel EArm am nichts. Sonntag, nachm. 3 Uhr: Ilachcth. Sonntag, abends 8 Uhr: Viel E&rm am nichts. Brauerei Friedrichshain am Heute sowie täglich: Gr. Münch. Bockbicrfeste. VSt* Scliorsch Ehrengruber mit seiner Truppe(60 Miiwirkcndc) auS München. Heute Freitag: S. Elitetag: Zwei gr. Pferde- Wettrennen 6 Geldpreise— IVO M. bar— 2. Sieg— 4. Platz. Die Teilnehmer daran werden an demselben Abend aus dem Publikum gelost. Ansang 8 Uhr. Entree SO Ps. _ Passierkarten haben Gültigkeit. Arnold Scholz Neue Welt Hasenheide 108-124. Ab Sonntag, den 9. Januar 1910: Qr. Soekbierfest in den bayerischen Alpen. U. a.: 3866L* Bar. Muckrs Bauernkapelle Neue Welt-Orchester Andr. Holer-Truppe, PSÄ Die beid. Original-Goasbuarn Vollstandls neue Dekoration. Dienstag und Donnerstag: Clitetage. Anlang:: Sonntags 5 Uhr. Entree: Sonntags 50 PI. Wochentags 7„ Wochentags 30, Gastspiel-Theater. Kttpenlcker Stratte 67/68. Morgen Sonnabend, 8. Januar: Premiere: Her sioliieihlllld. Kriminalschauspiel w 3. Akt. v. Oliver. Die neuen(üpczlulltktcn. liotte 8arruw in ihrer amerik. Sketch: „V!e Ebedreeberlif. DW- Drolonzrlertl"TSllCä Schi m pause lioni.nl Jamea Drrut. Prinz Finne, Burleske mit Henry Bender. Olga Desmond, die Berübmtheit der„ScbSobeits- Abende". S Fncorls, Trapez. Deorg; llartmaiin, Zanberk. I.es NounlofTM, akrobat. Tänze. Cnpt. Woodward» Seelöwen. Max Wossely-Troup«, Jongleur-Pant Durg-nH Illusion: Das flieg Piano The 4 liCttmy«, Luftakc. Fr. L. Gregory-Truppe, amer. Reikenr. Merlans Schlicrtcer Bauern- Hunde- Theater: ,.Ein treuloses Weib." ,,Kineniaoolor"lbiosk.Frojektionen. Biograph._ Sanssouci, KV. Direktion Wilhelm Reimer. Sonntag. Montag und Donnerstag: Dokkmsnns und Tanzkrünzchen. Beg. Sonnt. 5. wowem. 8U. Heues hochakb Programm. Z. Schluß: Tanzkränzchen. Jeden Mittwoch: Theaterabend. fheale Kommandanleristr. 57. T. A. 4, 5083. man's machen" Burlesle mit Gesang in 2 Akten, Musik ven L. Jtal. mit den Autoren änten und Donat Herrnfeld in den Hauptrollen. Hierzu: Ein Rettun�smittel Komödie c. L. Huna. Ansang 8 Uhr. Vorverkauf 11 bis _ 2 Uhr Theaterkasse. Reiciishalien-Theater. Stettiner Slllnxer Zum Schluß: De» Nachtwächter von Zerpenschlense. Studenlonbild v.r. Meysel Ansang: Wochent. 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. MetropDl-Thesler Kailoh!! Dia große Revue! In 8 Bildern von Jul. Freund. Musik v. Paul Lincke. In Szene gesetzt vom Dir. Rieh. Schultz. Sonnabend, den S.Januar 1910: 1. großef lilatropol- Theater-Ball. Passage-Theater. Abends 8 Uhr: Macara-Rossi Schneider Dunckerl Ms. farfalfa und das sensationelle Januar- Programm. Passage-Panoptikum. Senegal in Berlin! gn wiide Weiber Männer, Kinder. Drei Negerdörfer Ohne Extra-Dntree! Karl Haverland Ansang Theator präz. 8 ll. 77/7» Kommandanteiistraße 77/7». DaS glänzende erftklasstge Januar-Programm. Schlager auf Schlager! Freitag, den 7. Januar 1310, abends VI, Uhr: Gr. Oaln-VomteUnng. 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