»r.e. Bbonnemenfs-Bedin�ungcn: WonnementS- PrciZ pränumerando i Bierteljährl. 3,Z0 m., monofl. 1,10 Mk,. nöchentlich 28 Mg. frei WS Haus. Einzelne Slununcr B Pfg. SonnIagS- imnimcr mit illustrierter Sonntags- Beilage.Die Neue Welt' 10 Mg. Post- i'iSonnemenl: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitunas- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland Z Mark pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland. Italien, Luxemburg, Portugal. Numänien, Schweden und die Schweiz. CrWtlnt tigll» aufitr montist. 37. Jahrg. Vevlinev Volksblakt. vis Insertion;-Ledilhk- kclrägt für die sechsgespaltene Kolokiel« zeile oder deren Raum 60 P-'g., sllr politische und gewerkschaftliche Vereins« und Versammlungs. Anzeigen M Psg. „Kleine Hnzeigen", das erste(fett« gedruckte) Wort 20 Psg., jcdcS weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlaf« stellen-Anzcigcn das erste Wort 10 Psg., jedes weitere Wort B Psg. Worte über !5 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm-Adresse: „Sozlaldcmoftrat Neri!»-. Zcntralorgan der rozialdemokrat» feben Partei Deutfcblands. Rcdahtton: SM. 68, Ltndenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Sonnabend, den 8. Januar INIO. Expedition: SM. 68, Lindsnatraase 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1981. Sparlame Sparkalfen-Statiftikr. Der„Reichsauzeiger" veröffentlicht eine U e b e r s i ch t über die preußische 11 Sparkassen im Rech- 11 u u g s j a h r e 1 9 0 8, die nach den verschiedensten Rich- tungen hin außerordentlich interessant ist. Sie beweist zunächst, daß die schwere Krise, unter der das Wirt- schaftsleben des Volkes und namentlich die Lebenslage der n i ch t b e s i tz e il d e n Klasse zu leiden hatte, auch in der Statistik der preußischen Sparkassen seinen deutlichen Ausdruck fand. Betrug doch die Summe des Ueber- schusscs der Neueinlagen im Jahre 1998 nur 162,45 Millionen Mark, eine Summe, die nur im vorhergehenden Jahre 1907 noch niedriger war, sonst aber seit dem Jahre 1991 im Durch- schnitt um das Doppelte übertrofsen wurde! 0 Der Gesamtbetrag der Einlagen ergab am Schlüsse des Rechnungsvorjahres 1997 9 121 315 999 M., während er am Schluß des Rechnungsjahres 1998 auf 9 573 988 999 M. angewachsen war. Von diesem Zuwachs von 451 Millionen Mark bestanden aber 289 Millionen Mark aus'Zinsen, so daß der wirkliche Zugang aus dem Ueber- schuß der Einlagen über die Rückzahlungen hinaus sich nur auf die schon genannte Summe von 162 Millionen Mark belief. Daß unter der schweren Krise die nichtbesitzende Klasse am a l l e r s ch w e r st e n zu leiden hatte, so daß sie so gut wie gar keine neuen Spareinlagen im Jahre Z998 zu machen vermochte, geht aus den näheren Mittei« lungen des preußischen statistischen Landesamts zur Evidenz hervor. Ja, diese Mitteilungen beweisen sogar, daß die Spareinlagen der kleinen Sparer nicht nur keine Zu- nähme, sondern sogar eine ganz beträchtliche Verminde- rung erfahren haben I Im Jahre 1998 wurden 1 639 523 Sparkassenbücher neu ausgegeben und 1 273 786 Sparkassenbücher zurückgezogen, so daß sich die Zahl der Sparkassenbücher um 356 737 Stück ver- mehrte. Stach Größenklassen geordnet, verteilten sich diese 356 737 Bücher folgendermaßen: m-,« auf Einlagen Büchervermehrung � von in Proz. a) 173 458 bis zu 60 M. 5,38 ■ bj 18 120 60 bis 150„ 1,12 c; 10 599 150, 300„ 0,73 d; 14 223 300, 600„ 0,85 c) 98 738 600„ 3000„ 3,40 f 35 443 8000 5i3 10000„ 6,49 gi 7 314 über 10 000„ 10,42 Schon die Prozentzahlen der Büchervermehrung beweisen ja, daß nur eine ganz geringfügige Zahl von il e u e n Büchern für die geringeren Spareinlagen aus- gegeben wurde, während sich die Zahl der Sparer mit 3999 bis 19 999 M. und über 19 999 M. noch immer ganz erheblich vermehrte. Es ist deshalb schon eine ganz auffallende Schönfärbe rei, wenn es in dem vom„Reichsanzeiger" gegebenen Auszug heißt: .Aus diesen Verhältniszahlen könnte man zunächst den Ein- druck gewinnen, als sei die Zunahme im wesentlichen auf die größten und kleinsten Konten beschränkt gewesen; es ist dies aber einer der zahlreichen Fälle, in denen die Ver- hältniszahl allein irreführt und durch die ab- solute Zahl ergänzt werden muß.... Hier zeigt sich, daß die verhältnismäßig so große Zunahme der Bücher mit über 10 000 M. Einlage doch nur 7314, also viel weniger als bei allen anderen Klassen macht. Daß im übrigen nur die Bücher mit mehr als 600 M., diezu einem erheblichen Teile im Eigentum der besitzenden Klassen oder juristischen Personen und der- gleichen sein werden, sowie die ganz kleinen Bücher stark an Zahl zugenommen haben, sieht allerdings nicht besonders erfreulich aus." Hier wird also darauf hingewiesen, daß die Zahl der neuen Bücher für Einlagen von mehr als 19 999 M. ,.n u r" 7314 gegenüber insgesamt zirka 356 999 betragen habe. Das „nur" ist famos! Denn auf diese„nur" 7314 Bücher allein entfällt selbst dann, wenn die Einlage pro Buch nur 19 999 M. � betragen hätte, schon der Betrag von mehr vls 73 Millionen Mark! Also fast die Hälfte ver Summe, um die sich insgesamt die Sparkasseneinlagen in Preußen im Jahre 1998 vermehrten, wäre danach auf die Bücher mit mehr als 19999 M. Einlage ent- fallen! Nehmen wir vollends die Klasse k mit 3999 bis ! 9 999 M. Einlage hinzu und rechnen wir auf die Einlage die Durchschnittssumme von 5999 M., so macht das für 33 443 Bücher den Betrag von 177 299999 M. Also allein die Bücher mit mehr als 3999 M. Einlage er- gaben eine Mehreinlage von mindestens 259 Millionen Mark, das heißt mehr, als die ganze Zunahme der Sparkassen an reinem Neueinlagen- Überschuß betragen hat! Nehmen wir für sänitliche Kontenklassen eine Durchschnitsberechnung vor. so ergibt sich folgendes Bild: Zahl der Büch» Duich-chnittliche Gesamteinlage a) 173 453 30 5 200000 b) 18 120 105 1 900 000 c) 10 599 225 2400 000 , d) 14 222 450 6 400 000 c) 98 738 1500 148 100 000 f) 35 443 5000 177 200 000 g) 7 314 über 10 000 100 000 000 In Summa 441 200 000 Wir haben diese Summe rechnerisch zu ermitteln � suchen müssen, weil uns leider das statistische Landcsamt die genauen Zahlen nicht mitgeteilt hat! Daß unsere Durch- schnittsrechnung aber ziemlich genau stimmen dürfte, ergibt sich daraus, daß eine genau nach derselben Methode vorgenommene Berechnung der Verteilung der Spareinlagen auf sämtliche Sparkassenbücher überhaupt mit der von der amtlichen Statistik mitgeteilten Gesamt- summe im Endergebnis fast völlig übereinstimmt! Vor allen Dingen dürfen wir uns nicht daran stoßen, daß die Summe der auf die 356 999 neuen Sparkassenbücher ent- fallenden Einlagen in Höhe von 441,2 Millionen llllark sich so gar nicht deckt mit den 162 Millionen Mark, um die sich in Wirklichkeit die Summe sämtlicher Spareinlagen ver- mehrt hat. Eine solche Uebereinstimmung ist deshalb ganz unmöglich, weil ja während des Krisenjahres 1998»ickt nur eine Unzahl von Einlagen im ganzen abgehoben worden, ist, sondern auch von den Einlagen der nicht- gelöschten Sparkassenkonten ganz erhebliche Be- träge abgehoben worden sind. Daß trotz des Ueber- schusses von 356 999 neuen Sparkassenbüchern mit ihrer un- gefähren Einlage von 441 Millionen Mark der Gesamt- Überschuß aller Einlagen über die zurückgezahlten Beträge nur 162 Millionen Mark beträgt, beweist eben, wie erheblich der Rückgang der alten Einlagen gewesen ist! Unsere Aufmachung beweist ferner, daß höchstwahrschein- lich die Rückzahlungen auf kleine Einlagen relativ außer- ordentlich viel beträchtlicher gewesen sind, als der Rückgang der größeren Einlagen. Und diesem von der amtlichen Statistik gleichfalls leider nicht er- faßten Rückgang der Einlagensumme gerade der besitz- losen Klasse steht nur der lächerliche Zuwachs für die Klassen a, bis c von kaum 16 Millionen Mark gegenüber! Alle Schönfärbereien der amtlichen Statistik vermögen also die Tatsache, daß gerade die arbeitende Bevölkerung unter der Krise am schwersten gelitten hat, nicht zu ver- schleieru, sie verraten lediglich ein geradezu täppisches Bemühen, durch NichtMitteilung gerade öct; interessante st en Zahlen, durch Vermeidung gc- rade der wichtigsten Ermittelungen und obendrein noch durch förmlich absurde Komme ntierungs- versuche die tatsächlichen Verhältnisse tendenziös zu ent- stellen! Ebenso wie die Wahlrechtsstatistik des preußischen statistischen Landesamts ist auch die Sparkassenstatistik ein Zeugnis dafür, daß sich auch die amtliche S t a t i st i k den Wünschen und den Interessen der herrschenden und be- sitzenden Klassen zu unterwerfen hat? Das ergibt sich schließlich auch daraus, daß in der Statistik über die Sparkassen ängstlich jede Ermittelung darüber vermieden wird, welche Beträge denn überhaupt auf die einzelnen Klassen der Einleger entfallen. Wohl finden wir Mitteilungen darüber, wie groß die Zahl der Sparkassenbücher der Einzelklassen ist, aber darüber, wie groß denn eigentlich die auf die einzelnen Klassen entfallende Summe ist, schweigt man sich vorsichtig aus! Diese Vorsicht nützt freilich nichts, denn auch auf Grund der gegebenen Mitteilungen läßt sich mit fast absoluter Sicher- heit berechnen, in welcher Weise sich die 9� Milliarden der preußischen Sparkassenbücherbesitzer auf die einzelnen Klassen verteilen. Wenn wir nämlich dieselben Durchschnittsbeträge zugrunde legen, die wir bereits oben in Anrechnung gebracht haben— für die Klasse a den Durchschnittssatz von 39 M., für b von 195 M., für e von 225 M., 6 von 459 M., ei von 1959 M., eil von 2259 M., f von 5999 M., und den Betrag für g in der gleichen Weise abrunden wie bei unserer Berech- nung für die 356 999 neu hinzugekommenen Sparkassen- bücher— so ergibt sich folgendes Bild: �Kassenbücher Sinlage Gesamtsumme a) 3 395 184 bis 60 M. 102 Millionen b) 1 642 870 60-150. 173 c) 1454 477 150—300„ 327 d) 1691 132 300—600„ 764 ei) 2 071 545 600—1500„ 2175 eil) 927 572 1500—3000. 2083 f) 581770 3000—10000„ 2010 g) 77 478 über 10000„ 1000 In Summa 9534 Millionen Daß diese unsere Durchschnittsrechnung die Wirklich« keitfa st völligtrifft, geht ja daraus hervor, daß der Gesamtbetrag aller Sparkasseneinlagen nach der amtlichen Statistik 9 573 988 999 M. beträgt, von der errechneten End- summe unserer Durchschnittsberechnung also nur ganz unwesentlich abweicht! Was ergibt sich aber aus unseren Berechnungen? Daß auf die mehr als 8 Millionen Sparkassenbücher mit Einlagen bis zu 699 M. nur 1366 Millionen Mark Einlagen von ins- gesamt 3 573 Millionen Mark Einlagen entfallen! Wodurch ja wohl der törichte Schwindel, daß der größte Teil der Spar- kasseneinlagen sich in den Händen der nichtbesitzenden Klasse befinde, ein für allemal erledigt sein dürfte! Denn selbst wenn man noch die 2175 Millionen Mark der Klasse ei als Einlagen der n i ch t b e s i tz e n d e n Klasse in Anrechnung bringen wollte, ergäbe sich noch immer das Resultat, daß auf die mehr als 19 Millionen Sparkassenbücher der großen Masse des nichtbesitzenden Volkes nur 3541 Millionen Mark entfielen, während der Anteil der Besitzenden an den Spar- kasseneinlagen 5993 Millionen Mark betrüge? Nach diesen Ergebnissen begreift man, watunt das statistische Landesamt sich bis auf den heutigen Tag so älstistlid) davor gehütet hat, die Zahlen mitzuteilen, die wir hiWnit zur weitesten Verbreitung der Ocffentlichkcit iibergebeft!!!'�' Da;€nde einer Partei. Auno domini 1910, am Tage der Heiligen drei Könige, 6. Januar, wurde in Stuttgart die alte württcmbergis� Volkspartei zu Grabe getragen. Die Traucrfcicr,„Lau- desversammlung der württem belgischen Volke- Partei" benamst, war stark besucht. Die Grabrede hielt Herr v. P a h e r selbst. Mit Recht. Denn niemand hat wohl soviel dazu beigetragen, das Ende der alten Volkspartei zu beschleunigen, als gerade der Präsident des Württembcrgischen Landtags, Ritter hoher Orden, Reichs- und Landtagsabgeordneter Herr v. Payer. Bevor die eigentliche Trauerfeicr begann, mußte Redakteur Schmidt den Parteibericht von» letzten Jahr erstatten. Er redete einem Block der Linken mit Einschluß der Sozialdcmo- kratie das Wort,— weil bei den letzten GemeinderatSwahlen in Württemberg in«inigen Orten Volkspartei, Nationalliberale und Sozialdemokratie zusammengegangen sind.„Diese Konstellation liegt auch immer mehr in der politischen Notwendigkeit, je mehr sich Zentrum und Konservative zu ihrem reaktionären, selbstsüch- tigen Treiben verbinden," führte er unter starkem Beifall der Versammlung aus. Daß die Sozialdemokratie die Reaktion stets und mit aller Kraft bekämpft hat, ohne ans den„Großblock" zu warten, hingegen die Volkspartei sich oft genug als Schutzengel der reaktionären Parteien aufgespielt hat, verschwieg Herr Schmidt. Den Landtagsbcricht gab Abgeordneter L i e s ch i n g. Im Verlauf seiner Rede kam er auch ans das preußische Wahlrecht zu sprechen. Sehr richtig führte er aus, daß auch Preußen der Strömung auf Schaffung eines freiheitlichen Wahl- rechts zum Landtag auf die Dauer nicht werde widerstehen können, andernfalls der föderative Charakter des Reiches eher als Rückschritt, denn als Fortschritt betrachtet werden müsse. Die schwächliche, nicht selten rückschrittliche Haltung der Volks- Partei im Landtag, besonders bei der V o l k s s ch u l r e f o r m. suchte der Referent mit der nachgerade berüchtigten Ausrede zu begründen, daß halt die anderen Parteien auch einen Willen hätten, daß man das Mögliche nehmen müsse, und daß die Leute außer- halb des Parlaments im Grunde genommen nichts von der parla- mentarischen Arbeit und dem Kräfteverhältnis der Parteien ver- ständen. Daß die Sozialdemokratie nicht jeden Verzicht der Volks- Partei auf grundsätzliche Schulforderungen mitmachte, hat die Un- zufricdenheit des Herrn Liesching in besonders hohem Grade er- regt. Sparsamkeit in der Staatsverwaltung verlangte der Redner, eine Forderung, die sich im Munde eines Volkspartcilers ganz besonders merkwürdig ausnimmt, hat doch— um nur einen Fall herauszugreifen— die Vokkspartci z. B. den gänzlich überflüssigen Gesandtenposten in München in zweiter Etatslcsung gerettet, nach- dem die Ausgabe in erster Lesung mit großer Majorität(die Mehrheit der Volksparteiler eingeschlossen) gestrichen worden war. Reichstagsabgeordneter Kon r. Hauß mann gab den Reichstagsbericht. Der Block— so begann er— sei im Lauf der politischen EntWickelung zertrümmert worden. Er werde in diesem und auch im nächsten Reichstag nicht wieder auf- stehen.(Beifall.) Der Block sei zugrunde gegangen, weil seine Mehrheit nicht homogen war. Der Gedanke, der dem Block zu- gründe lag, sei aber konstitutionell, sei gesund gewesen. Es war die Absicht, eine feste Regierungsmehrheit zu schaffen. An Stelle des alten Blocks müsse nun etwas Festes und Solides geschaffen werden. Der Redner besprach weiter die auswärtige Politik, den Zwangsarbeitsnachweis für die Bergarbeiter, die Unterschleife auf der Werft in Kiel, die Reichsfinanzreform, die Neugruppiernng der Parteien nach der Durchpeitschung dieser Reform und kam schließ- lich auch auf den neuen Reichskanzler v. Bethmann Hollweg zu sprechen, den er sehr abfällig kritisierte. In Anspielung auf die Eosinfärbung der Gerste meinte Herr Haußmann zum Schluß. die neuen„Eosin-Stenern". die die Agrarier dem Volke eingegeben hätten, würden hoffentlich dazu führen, daß die Wähler inwendig rot würden(Beifall und Heiterkeit), aber nicht»feuerrot", sondern „Morgenrot".(Stürmische Heiterkeit.) Nun endlich konnte Herr v. Payer über die «Fusion der linksliberalen Parteien" reden. Die alte württembergische Volkspartei soll in der., deut» schen freisinnigen Volkspartei" aufgehen. Nicht nur die äußere Selbständigkeit muß die württembergische Partei auf- geben, sondern auch einen großen Teil ihrer prin- zipiellen Forderungen. Die Leichtigkeit, mit der diese Partei eine ganze Reihe alter bedeutungsvoller Programmpunkte über Bord warf, zeigte so recht deutlich, daß sie mit diesen Forde- rungen längst gebrochen hatte und sie nur als lästigen Ballast noch mitschleppte. Herr v. Payer führte etliche der abgelegten Programmsätze auf. Nicht aufgenommen in das neue Einigungs- Programm wurde die Forderung auf Abkürzung der Legislatur- Perioden, das Referendum(Gesetzannahme- und-Verwerfnngsrecht des Volkes), die Oeffentlichkeit der BundeSratssitzungen, Unentgclt- lichkeit der Lernmittel, Verantwortlichkeit tzer einzelstaatlichen Mi- nister, Trennung von Staat und Kirche usw. Letztere Forderung— so meinte Herr v. Payer— sei in ihre Einzelforderungen aufgelöst im Programm aufgenommen worden. Die Forderung ans Ab- schaffung der Todesstrafe ist ausgemerzt worden. Dafür ist ein „humanes Strafsystem" eingeflickt worden. Wenn man willj kann MM SavunTet auch di'e Abschaffung L« Todesstrafe verstehen, frozzelte Herr v. Paycr seine Zuhörer. Abgesehen habe man auch von der Aufnahme der Forderung des allgenicincn Wahlrechts für die Gemeinden inS Programm. Mit ätzendem Hohn behandelte Herr v. Payer die Forderung auf völligepolitischeGleich- bercchtigung der Frauen. Diese Forderung sei zwar von einem Frankfurter Delegierten vorher mit Erfolg vertreten worden, ob er aber in diesem Saale den gleichen Erfolg erzielen werde, möchte er(Payer) bezweifeln. Man habe noch jahrzehnte- lang zu ringen, um nur die Gleichberechtigung der Männer durch- zusetzen. Auch seien noch längst nicht alle seine Parteigenossen von der Berechtigung dieser Forderung der Frauen überzeugt. Sie müsse sich sozusagen erst von innen durchringen. Im Verein für Frauenstimmrecht habe man geraten, auf die alten Führer der liuksliberalen Parteien kein Vertrauen zu setzen, sondern aus die j ü n g e r c n. Er würde es auch so machen. Und nicht einmal den Jungen solle man vertrauen, sondern erst deren Kindern. (Stürmische Heiterkeit.) Die Frauen sollten sich an dem wescnt- lichcu Fortschritt genügen lassen, den das mue Programm aufweist. Damit war die Frauenfragc in Puyers Sinne und dem der volksparteilichcn Landesversammluug unter tosendem Gelächter er- ledigt. Herr v. Payer konnte in der Aufzählung der zum alten Gerümpel geworW��olksparteilichen Programinfordcrungcn fort- fahren: Fallen cw?a?eg. habe man auch die Forderung, daß die Volksvertretun�flffikWi» Festsetzung jjer Post- und Eisenbahntarife mitzuwirken k)äto>?iT>iÄ�hÄ>-�?�Entrüstilna vorläufig noch zurück; doch leistet immerhin auch sie sich schon eine recht heftige Sprache: „Der Fall ist wichtig genug, um die Solidarität der Katho- liken von ganz Deutschland, ja der ganzen Welt wachzurufen. Erstaunt fragt man sich im katholischen Lager, ob in Elsaß-Loth- ringen ein Kulturkampf der schimmsten Art im Anzüge sei. Und das unter einem laiholischen Staatssekretär, für de» gegen- über dem Kesseltreiben derHetzer von, Evangelischen Bund und vom All- deutschen Verband die katholischen Blätter so oft eine Lanze ge- brachen haben l Sollte sich auch in den Reichslanden bewahr- heitcn, was man im preußischen Kulturkampfe von einzelnen katholischen Beamten erfahre» mußte? Wir sind gespannt, zu welchen weiteren Taten das Schreiben de» Staatssekretärs an die beiden Bischöfe die Einleitung sein soll." Der Episkopat muß sicher auf die Nachgiebigkeit der Re- gierung rechnen, da sich seine Presse eine derartige drohende Sprache gestattet._ Postkonferenz. Unter dem Vorsitz des Staatssekretärs Kraetke ist heute mittag im Neichöpostamt eine Konferenz zur Erörterung verschiedener Be- schwerden und Klagen über das jetzige Postivefen z, nammengetreten. Außer Kraetke beteiligten sich daran Ministerialdirektor Kobelt, Ge- heimer Postrat Hofmann. Zur Teilnahme an der Konferenz ein- geladen waren, wie berichtet wird, insgesamt 26 Mitglieder des Deutschen Handelstages. Deutsche» Landwirtschaftsrats und Deutschen Handwerks- und GewerbekanimertagS. Auf der Tagesordnung stehen folgende Punkte: Die Gründe gegen eine Wiedereinführung deS AnkunftsstcmtSilS bei gewöhnlichen Briefen, die Mitwirkung deS PublilumS bei der Ausfüllung von PosteinlieferungSbescheinigungen für Pakete. Einführung von Post- lagerkarten, die Mißstände im Nachnahmeverkehr. Der Staatssekretär ist mit der freiwilligen Einberufung dieser Postkonferenz einem Beschluß deS Reichstages zuvorgekommen. Der bedauerliche Rückgang, in dem sich unser ReichSpostwesen besindet, hat im Reichstag den Antrag gezeitigt, einen ständigen Postbcirat zu schaffen, damit die Postbnreaukratie nicht auch fernerhin weltfremd weiter wirtschaften kann. Diesem Antrage wollte Herr Kraetke offenbar die Spitze abbrechen. Daß er die Aufgaben dieses Post- beirates nicht zu weit gesteckt wissen will, ergibt sich schon daraus. daß auf der Tagesordnung der jetzt statttfindenden Konferenz die Frage der Verteuerung der Telephongebühren nicht steht. Der Reichstag wird voraussichtlich trotzdem den ständigen Beirat für das Post- und Telegraphemvesen beschließen und auch gleich bestimmen, daß dieser Beirat bei allen Verkehrsfragen von einiger Wichtigkeit zu hören ist. Jedenfalls ist eS auch angebracht, nach dem Muster des Beirates für Arbeiterstatistik, einige Mitglieder des Reichstags in diesen Beirat zu delegieren. Die Steuerbctrügereien der Besitzenden. Professor Hans Delbrück hat am 6. Januar im Berliner„Bund der Festbesoldeten" einen Vortrag über die Veranlagung zur Einkommens- und Vermögenssteuer ge- halten, in dem er erneut ausführte, daß in Preußen nur 91'/z Milliarden Vermögen versteuert seien, 63 Milliarden wen i g er, als steuerpflichtig sind. Selbst diejenigen, die diese Eingabe als übertrieben bezeichneten, hätten zugeben müssen, daß diese Summe mindestens 50 Milliarden betrage. Das bedeute allein an Vermögenssteuer eine Ein- büße von 25 Millionen Mark, dazu kämen noch die schwerer nachweisbaren, aber vielleicht noch krasseren Minder- deklarationen bei der Einkommensteuer, so daß in Preußen 120Millionen, im Deutschen Reich über200Millionen Mark an Steuern zu wenig bezahlt werden.— Die Steuerhinterziehungen verteilen sich in gleicher Weise auf Stadt und Land, es sei nur Torheit der Agrarier gewesen, die Beschuldigungen auf sich allein zu be- ziehen. Ihre Haltung gegenüber der Erbschaftssteuer habe sie allerdings sehr verdächtig gemacht. Von agrarischer Seite wurde nun nachgerechnet, daß von 80 Milliarden mobilen Kapitals nur 88 versteuert seien. Das möge richtig sein, ent- laste aber die agrarischen Steucrdefraudanten nicht. Wer den Schaden trage, seien neben dem Staate die Beamten und Arbeiter, deren Einkommen bis auf den letzten Heller versteuert werde. Wenn schon die Anzeigepflicht der Arbeitgeber über die Einnahmen ihrer Angestellten dem Fiskus einen Gewinn von 15 Millionen gebracht habe, welche Summen würden dem Staate zufallen, wenn auch die Besitzenden ge- zwungen werden könnten, ihr Vermögen und Einkommen richtig anzugeben. Mittel dazu gebe eS. Delbrück verlangt, daß Sparkassen, Banken usw. ver- pflichtet iverden sollen, alle Depots anzuzeigen, und daß die Eiuschätzungskommissionen anders zusammengesetzt werden. Viel wirkungsvoller dürfte indessen sein, wenn den Steuer- deklarationen der Charakter eidesstattlicher Versicherungen bei- gelegt wird. Die Furcht vor dem Zuchthause dürfte die Steuerbetrügereicn der Besitzenden doch etwas eindämmen. Pimpell-Wichtig. Der freisinnige Abgeordnete Miiller-Meiningen, der wegen seiner besonderen unangenehmen Eigenschaft, sich in alle möglichen Dinge einzumischen, in parlamentarischen Kreisen„Pimpell-Wichtig" genannt wird, hat auch, wie wir bereits berichteten, bei der Kandidatensrage in» Eisenacher Kreise wieder eine unrühmliche Rolle gespielt. Er hat sich die größte Mühe gegeben, einen möglichst reaktionären „liberalen" Kandidaten ausfindig zu machen, der selbst dem im Eisenacher Kreis« gewiß nicht verwöhnten Freisinn zu weit rechts stand. Herr Miiller-Meiningen wird deswegen auch von der liberalen„Tagespost* in Eisenach bei den Ohren genommen. Das Blatt(»reibt: „Wir schätzen«nd kennen Herrn Dr. Müller- Meiningen als freisinnigen Abgeordneten. Wir b e d a n e r n aber— und»vir »nüsscn das endlich notgedrungen einmal ausspreche»»— seine fortgesetzte Eiinnischmig in die Angelegenheiten der Thüringer Wahl- kreise, ein Einmischen, das er leider Wiederholl zugunsten von uns politisch fernstehenden Persönlichkeiten und Bestrebungen m die Wagschale warf." Ob diese Abrüffelung bei der ausgeprägten Wichtigtuer»! deI Miiller-Meiningen viel helfen wird, ist recht zweifelhast. Die hohen Lustbarkeitssteuern. Die Sucht mancher Gemeindeverwaltungen, die sogenmmtcn Lustbarkeitssteuern immer mehr auszudehnen, stößt, wie eS scheint, selbst bei der Regierung auf Bedenken; denn in einem Ministerial- erlaß wird ziemlich dringend eine Beschränkung der Lustbarkeitssteucr befürwortet. Nach der«Schles. Ztg." ist ministeriell angeordnet worden, daß bei der Einführung neuer und der Aenderung bestehender Lustbarkeiic- steuerordnungen die zur Zustimmung berufenen Behörden eS sich ernstlich angelegen sein lassen sollen, darauf zu achten, daß die konm'.u- nalen Lustbarkeitssteuern nicht in einer Höhe bemessen werden, daß sie zu einer Unterdrückung der beteiligten Gewerbebetric'ae führen. Es soll auch seitens der Aufsichtsbehörden sorgfältig geprüft werden, ob die Steuersätze der bestehenden Lustbarkeitssteuer- ordnungen noch für angemessen erachtet werden können. Ge- gebenenfalls soll auf die Gemeinden eingewirkt werden. daß sie zu einer Aendcrung der Tarife sich ent- schließen. Dabei bemerkt der Minister, daß für den Betrieb von Orchestrions, Phonographen, elektrischen Klavieren usw. vielfach Steuersätze gefordert werden, die zu den AnichaffungS-, Verzinsungs- und Amortisationskosten in keinem Verhältnis stehen. In anderen Fällen werde die Darbietung von Klavier- und Gesangsvorträgen so hoch besteuert, daß dem Veranstalter die Möglichkeit ausreichenden Erwerbes ohne weiteres genommen werde. Der Kölner Polizeikampf gegen Kindergefang. Wir berichteten in der letzten Donnerstagsnummer, daß die königliche Regierung die Schulrektorcn in Köln ersucht habe, den Schulkindern die Teilnahme an den Gesangübungen des von dein Arbeitergesangverein„Lyra" eingerichteten KinderchorS zu verbieten. Die Kölner SSnlvcrwaltung ist gehorsam über den ibr von der Regierung hingehaltenen Stock gesprungen. Sämtlichen Schulen der Stadt Köln ist folgende Verfügung der städtischen Verwaltung zn» gegangen:„Polizeilicherseits ist festgestellt, daß der Arbeitergesangverein„Lyra", dessen Mitglieder der sozialdemokratischen Partei angehören, einen Kinderchor gebildet hat, dem zur- zeit etwa W Kinder im Alter von 8 bis 16 Jahren angehören. Dirigent dieses Chores ist der Gcsanglehrer P. Bader. Die Proben finden jeden Mittwoch von 4—6 Uhr in einem Saale des Volks- hauseS, Severinstraße 199, statt. Im Auftrage der königl. Regierung werden Sie hierdurch ersucht, den Kindern Ihrer Schule die fernere Teilnahme an den Gesangübungen des Kindel» chores des genannten Vereins unverzüglich aufsstrengsie zu verbieten." Auf welche Gesetzesbestimmungen sich die Regierung bei dieseni Eingriff in die Elternrechte zu stützen gedenkt, ist in der Verfügung nicht gesagt. Den Kinderchor zu einem politischen Verein zu stempeln. wird man wohl nicht wagen, obwohl in Köln mit dem 1. Januar die Karnevalssaison begonnen hat. Eine echte Köpenickiade hat sich auf dem Rat Hause in Gelsenkirchen abgespielt. Kam da vor einiger Zeit ein schneidiger Herr, stellte sich beim Oberbürgermeister Dr. MachenS als vr. jur. Reinharl i vor und bat um die Erlaubnis, sich in die K o m m u n a l v e r» waltung einarbeiten zu dürfen. Er wurde darauf den höheren Beamten vorgestellt und erhielt ein ArbeitSziuimer aiigewieicu. Dort hat er vier Wochen lang„gearbeitet". U-ber seine. Tätigkeit wird erzählt, daß ihm die Erledigung von Wirlschafl ,- konzessionSiachen und Steuerrcklamationen übertragen word»., ieien. Die betreffenden Gesuchsteller und Reklamanten soll er gehörig ge- schröpft haben, wodurch endlich die Sache ans Licht kam. Auch hohe Schulde» hat der Schwindler in Gelsenkirchen hinterlassen. Seine Verhaftung ist in Aachen erfolgt. Die Schädlichkeit des EostnS. Die Regierung macht die possierlichsten Anstrengungen, um zu beweisen, daß das Eosinrot den deutschen Borstemieren durchaus nichts schadet. Durch das Wölfische Telegr.-Bureou läßt sie folgende Mitteilung verbreiten: „Bekanntlich schweben im Kaiserlichen Geinndheitsamt Unter» suchungen über die Frage der Gesundheitsschädlichkeit des EosiiiZ für Schweine. Die Versuche bestehen einerseits in der Berfütterung teilweise oder vollständig gefärbter Gerste, andererseits in der Verabreichung sehr großer Mengen von Eosin, nm auch die akute Einwirkung dieses SlofieS auf den tierischen Organismus fest- zustellen.' Während die Fütterung sich selbstverständlich auf eiucn längeren Zeitraum erstrecken muß, läßt sich auS den anderen Ver- suchen schon jetzt mitteilen, daß es nicht gelungen ist, selbst nur einer an einem nnd demselben Tage von dein Schwein an-- genommenen Menge von 800 G ramm E o s i n, also mit weit mehr als dem Tausendfachen dessen, was einen» Schwein bei normaler Fütterung mit gefärbter Gerste zugeführt wird, Krankheit oder gar eine tödliche Wirkung zu erzielen." Möglich, daß es Schwcinemagen gibt, die selbst ein halbes Pfund Eosin vertragen, wie es auch Menschemnagen gibt, die schäd- liche Stoffe in ansehnlichen Mengen verdauen; aber daraus folgt noch nicht, daß nun auch allen weiteren Schweinen das Eosin, und zwar die andauernde Aufnahme dieses Farbstoffs in ihren Körper. nichts schadet. Um diese Frage zü beantworten, sind jedenfalls viel weiter ausgedehnte, sorgfältigere Beobachtungen nötig. Zudem handelt es sich aber gar nicht allein darum, ob die Eokingerste gesundheitsschädlich ist, sondern auch zugleichsum die Feststellung, ob di: Schweine die Eosingerste willig fressen und bei diesem Futter ebenso gut gedeihen wie bei ungefärbter Futtcrgerste. Wohlfahrtskolonien der Kohlenbarone. Auf Veranlassung der Verwaltnitg der Zeche„Gennania" wurde 40 Familien die Kolonialwohnung gekündigt. Gründe wurden nickt angegeben. Es stellte sich aber bald heraus, daß sämt- liche Familienväter der Gekündigten bei der unlängst in Lütgen- dortmund stattgefundenen Gcmeinderatswahl nicht ,den von der Zcchenpartei aufgestellten Kolonievogt gewählt, sondern dem sozial- demokratischen Kandidaten ihre Stiminc gegeben hatten. Der Nutzen der sogenannten Zcchenwohnungen— für die. Zechenbesitzer wird dcsdnrch wiederum drastisch naöhgewiescn. OefterreickdnAarn. Die ungarische Krise. Budapest, 7. Januar. Don» Ministerpräsidenten von L u? a e z ist die Bildung des Kabinetts nahezu gelungen. Er selbst über» nimmt das Präsidium, das Finanzministerium und das Mini. sterium am Allerhöchsten Hoflager. Minister deS Innern wird der ehemalige Vizepräsident deö Abgeordnetenhauses Jakabffy, Staatssekretär Graf Szerenhi wird HandelSminisier und ve.- »valtct interimistisch das Ressort deS Ackerbaumini,'teriums. Honvcd. minister wird Generalmajor H a z a i; Justizminister der Senats» Präsident am obersten Gerichtshof Acta Vavrik. Falls sich da» Verhältnis des Miniilerpräsideutcu zu dem PnvUuueute und de» Parteien späterhin klären wird, werden die jetzt blas; provisorisch verwalteten Mimsterressorts endgültig besetzt werden. Der Minister- Präsident dürfte die Ministerliste am Sonntag dem Könige vor- legen. iteiM »mfSj etigland. Der Wahlkampf. ibotr, 5. Januar.(Gig. Sei.) Nach verläßlichen jungen werden jetzt etwa 4000 Versammlungen täglich nbe abgehalten. Gestern sprachen fast sämtliche Kory- Mäx« der bürgerlichen Parteien und außerdem an die dreißig Ämvd. Je näher die Wahlen heranrücken, desto mehr macht sich die Tendenz bemerkbar, an Stelle sachlicher Argumente Suggestionen, unkontrollierbare Meldungen und direkte Lügen .verwenden. Als Beispiel diene die von Chamberlain aus- f ende und von ihm mehr als einmal wiederholte Ve- ptung, daß in Deutschland die Schutzzollpolitik die Lebens- Haltung des Volkes nicht verteuert habe. Die Zeit der Argumeilte ist vorüber; man appelliert nur noch an das Gc- Whl der Wähler, was die beiden reichen bürgerlichen Parteien «in so leichter können, als ihnen eine mächtige Presse und ein unerschöpflicher Wahlfonds zu Gebote steht. 'Die großen Städte sind jetzt ein großes Bilderbuch. An allen Ecken sieht man Dutzende von politischen Karikaturen und anderen Vilderm in bunten Farben, die an den Humor, dao Mitleid und an die nationalen Vorurteile der Wähler- schall appellieren und die beständig von einer Menge Kinder, die gerade Schulferien haben, umlagert und bewundert tverden. Tie Tarifreformer haben in einigen Städten cn gemietet, in deren Schailfenstern sie ausländische � englische Produkte ausstellen, die erklären sollen, in ser Weise die englische Industrie von der ausländischen »»verboten wird. Während sich die konservative Presse bcBiülir, das Los der deutschen Arbeiter als ein ideales v-iiiziistellen, um dadurch für den Schutzzoll Propaganda M machen, befolgt die liberale Presse die entgegen- gesetzte Methode und schildert das Elend der deutschen Arbeiter in herzzerreißenden Worten. In dem Spiel der maßlosen Uebertreibuugen ist Deutschland der Trumpf. In der liberalen Presse erscheinen in großen fettgedruckten Buch- staben Mahnrufe wie zum Beispiel:„Die Tarifreform be- deutet eine Verringerung der Zahl der Pferde und Hunde!" Das soll natürlich bedeuten, daß die Einführung des Schutz- Zollsystems in England ähnliche Zustände wie in Deutschland hervorrufen würde, wo nach der Versicherung der liberalen Agitatoren die Arbeiter hauptsächlich von Pferde- und Hunde- fleisch leben. Die ersten Wahlen werden jedenfalls Sonnabend, den 40. Januar, stattfinden. Das ist für die Arbeiterschaft ein günstiger Tag; denn am Sonnabendnachmittag wird be- kanuilich in' England nicht gearbeitet. Für das meist fci.iservativ wählende Krämcrtum ist es hingegen der denkbar ungünstigste Tag, und man kann sich daher denken, daß die Konservativen über die Fest- des Tages der Parlamenlsauflösung sehr erbost sind. zpem ersten Wahltage wird auch in vielen Wahlkreisen ns gewählt werden. In London tverden die Kon- f«v»ativen wohl eine Reihe von Sitzen gewinnen. Im Gegen- srch zu anderen Hauptstädten Europas ist London mit seiner Masse des reaktionär gesinnten Krämertnms und seinem L von Handelsangestellten schon seit langem ein Hort der tion und dürfte seinen nicht beneidenswerten Ruf auch daeser Wahl nicht gefährden. In London interessieren uns ders die Wahlkämpfe der Genossen William Thorne in West Ham und Herbert B u r r o w 3 in Haggerston; der erstere»wird jedenfalls wieder mit großer Majorität gewählt iverden._ Gegen die konservative Wahldemagogie. Die englischen Konservativen machen verzweifelte Versuche, die Aufmerksamkeit der Wähler von der Steucrscheu der Großgrundbesitzer und Kapitalisten abzulenken. Sie müssen aber bemerken, daß ihre Versprechungen, der Schutzzoll würde eine neue Aera der Handelsblüte und eine Erhöhung der Lebenshaltung der Arbeiter herbeiführen, t«m«Swegs Glauben finden. So greifen sie denn zum letzten Mittel, die Mafien der Wähler einzuseifen, zur Erregung chauvinistischer und nationalistischer Stimmungen nach dem probaten Rezept, daö BiSwarck bei den FafchingS- und Bülow bei den Hottenroitenwahlen so erfolgreich angewandt haben. ES entbehrt nicht der geschicht- lichcn Ironie, daß dabei gerade Deutschland herhalten muß, um dem englischen Wähler die Angst einzujagen, die ihm baS gesunde Urteil über die Naubpolitik der konservativen Jmperia listeck verwirren soll. Dieser verlogenen Agitation— und das ist der Unterschied gegenüber Deutichland— tritt aber die liberale Regierung mit aller gebotenen Schärfe entgegen. Aus die Demagogie BalsourS, der die Kriegsgefahr drohend an die Wand gemalt hatte, haben gestern drei englische Minister geantwortet. In V a t h sagte der Minister Präsident A S q u i l h, alle Anstrengungen, die gemacht worden seien. um Schrecken vor Deutschland und dessen Marine heraufzu beschwören, seien recht matt ausgefallen. Balfour habe in Hanley mit gewohnter Naivität die Zunahme dieser Furcht geicbildcrt, ohne jedoch selbst eine Verantwortimg zu über nehmen. WaS die Behauptungen BalsourS betreffend die Meinung der Diplomaten der kleineren Mächte über die Unvermeidlichkeit eines Krieges betreffe, so sei eS sehr vorsichtig von Balfour gewesen. hinzuzufügen, daß er diesen Ansichten nicht zustimme. Denu leine einzige Macht, weder große noch kleine, rechne in ihrer Politik mit der Annahme, daß ein Krieg zwischen Großbritannien nnd Deutschland unvermeidlich oder auch nur wahrscheinlich sei. Auch könne er nirgend am politischen Horizont irgend etwa? finden, das direkt oder indirekt zu einem Streite zwischen England und der großen befreundeten Nation Anlaß geben könnte. ASquith kam dann auf Balfonrs Be hauplung zu sprechen. Deutsche— nicht Männer der Regierung, aber Leme an d,r Spitze bedeutender Unternchniungen— hätten gesagt: Glaubt Ihr. daß wir je zulassen werden, daß England eine Tarifreform annimmt? Wenn wirklich, fuhr ASquith fori, solche Unterhaltungen mit Balsoiir selbst stattgefunden haben, so ist eS seltsam, daß sein Sinn sür Humor so völlig eingeschlafen sein sollte, daß er nicht bemerkt hätte, daß seine deutschen Freunde ihm einen. Bären aufbanden. Warum sollte die öffentliche Meinung in beiden Ländern, die eifrig und aufrichtig bestrebt ist. ein bessere« gegen- seitiges Verstehen zustande zu bringen, dadurch erregt werden, daß ein hervorragender StaatSniaun öffentlich aller Welt Kenntnis von alberne a Drohungen gab. die, ob iin Scherz oder Ernst getan, nicht Werl waren,»auch nur einen Angenblick beachtet zu werden? Lssenbar wird Furcht vor Deutschland erregt zu Wahl- zwecken,,, sprach der Schatzkanzler Lloyd George i» äkfour. Er bezeichnete dessen Rede als letzte A u S» etz Berzwcifelten. der seine Sache verloren hohe gesehen, dast die Tarifreforin leine» Anklang uug aufgegeben, das Budget angreifen 311 können. «UN, Furcht vor Deutschland zu erwecken. Eö reden Europas«in gefährliches Spiel, und eS hrer einer großen Partei, in dieser Weise vor- Noch. Pcckham' flucht gebe. Ba' find« DeSha! sei diök zugehen. So, wie Balfour, uBer eine große europäische Macht zu sprechen, sei gefährlich für den Frieden der Welt und s ch m a ch voll für die britischen Politiker. Auch der Kolomalminister Eark of Crewe spottete über die konservativen KnegSinalereien. Dänemark. Sozialdemokratischer Wahlsieg. Nachdem der Genosse P. Knudsen infolge seiner Wahl zum Bürgermeister sein Folkethingsmandat niedergelegt hatte, fand am Dienstag im 10. Wahlkreise Kopenhagens die Ergänzungswahl statt. Gewählt wurde der Genosse Dr. Gustav Vang mit 3189 Stimmen der Sozialdemokraten und Radikalen gegen 1956 konservative Stimmen. Bei den allgemeinen Folkethingswahlen im Mai vorigen Jahres hatte P. Knudsen 3751, der Konservative 2691 Stimmen erhalten. Die Wahlbeteiligung war also jetzt, wie das in der Regel bei ErgänzungS- wählen der Fall zu sein pflegt, geringer als damals, für den sozial- demokratischen Kandidaten um 15 Proz., für den konservativen um 25 Proz. Bei unseren Parteigenossen ist aber der Rückgang der Stimmenzahl offen- bar darauf zurückzuführen, daßHunderte von Arbeiterwählern des Kreises gegenwärtig im Auslande ihr Brot verdiene», weil sie in der Heimat keine Arbeit stnden konnten. Im Verhältnis zur Gesamtzahl der abgegebenen Stimmen ist die Zahl der sozialdemokratischen gegen- über der Wahl im vorigen Jahre von 59 auf 62 Prozent gestiegen. Das ist ein gutes Vorzeichen für die allgemeinen Folkethingswahlen, die wahrscheinlich schon in diesem Frühjahr stattfinden werden, da das neue Ministerium, wenn es sein demokratisches Reforinprogramm zur Geltung bringen will, darauf bedacht sein muß, sich eine zuver- lässige Mehrheit im Parlament zu verschaffen. Rußland. Zur Borgeschichte des ostasiatische» Krieges. Paris, 7. Januar.(Privatdepesche.) Aus den in der„Monde JllustrSe" veröffentlichten Dokumenten über die Vorgeschichte des russisch-japanischen Krieges ist interessant ein Bericht des Grafen Lambsdorff, früheren russischen Ministers des Aeutzern, sowie Mitteilungen aus einem geheimen Gelbbuche. Das Gelbbuch enthält Auszüge von Dokumenten über die Verhandlungen mit Japan von 1903 bis 1904. Der Bericht Lambsdorffs ist ebenfalls ein geheimer. B u r tz e f f zufolge hat der Z a r in Person ohne Mitwissen seiner Minister und der Gesandten Verhandlungen mit Japan gepflogen so- wie dem Vizekönige A l e x e j e w geheime Befehle über die koreanische Frage erteilt. Das Blatt veröffentlicht hierüber mehrere Dokumente, unter anderen cinc Order an Alexejew, welche beweist, daß, wenn die Japaner nicht ihrerseits mit der Neberrumgelung begonnen hätten, die r u s s i s ch e R e- gierung dies in gleicher Weise getan hätte. Das interessante Dokument hat folgenden Wortlaut: Dokument Nr. 39. Von seiner kaiserlichen Majestät an den General Alexejew. Telegramm mit der eigenhändigen Unterschrift des Kaisers. St. Petersburg, 26. I. 1904. Es ist wünschenswert, daß die Japaner und nicht wir die Feindseligkeiten eröffnen. Deshalb dürfen Sie, falls die anderen nicht anfangen, die Ausschiffung japanischer Truppen im südlichen Korea oder an der Ostseite bis Henson inklusive uicht verhindern. Aber wenn ihre Flotte westlich von Korea mit oder ohne Truppentransporte den 38. Breite- gkad überschreitet, so ist es Ihnen gestattet, sie anzugreifen. ohne ihren ersten Schluß abzuwarten. Ich verlasse mich auf Sie. Gott helfe Ihnen._ Ein echt-russischer Streich. PetevSSurg, 7. Januar. In Odessa ist der R e d a k t e u r der Zeitung„GoloS Odesiy" verhaftet worden, weil er, ohne vorher die Polizeizensur um Erlaubnis gefragt zu haben, bekannt machen ließ, daß er die ganzen Bruttoeinnahmen vom Einzelverkauf seiner Zeitung zum Besten unbemittelter Studenten stifte. Die Einnahmen sind konfisziert. Türkei. Die Besorgnisse der Jnngtürken. Konstantinopel, 2. Januar.(Eig. Bericht.) Etwas böfi tragischer Stimmung liegt über Schicksal und Walten der jungtürkischen Partei. Sie sind Herren und Meister der Lage im ganzen Lande, ihre Parteigenossen stehen an der Spitze der Regierung, die auf dies« Weise als vollziehendes Organ des Komitees für„Einheit und Fortschritt" erscheint: dennoch möchten sie uns fast eines wehmütigen Mitgefühls würdig er- scheinen. Einst hofften sie, mit dem Sturze der Tyrannei Hamids und der Einberufung des Parlaments sei die Türkei gerettet. Doch verkünden die Tatsachen, daß die höchste Leistung nicht darin besteht, die Konstitution zu erobern, sondern darin, sie zu be- wahren. Und die Jungtürken, die so viele schwere Opfer für die Freiheit gebracht haben und deren redliche Gesinnung keinem Zweifel unterliegt, stehen nun erschreckt und zaudernd vor den Hindernissen, die sich der Vollendung ihres Werkes entgegentürmcn. Man denke nur an die sogenannten Kapitulationen. Sie verletzten die Türkei in ihrer Würde als selbständiger Staat und verursachten zugleich dem türkischen FiskuS schweren Schaden. Man denke an die von den ehemaligen Beherrschern der Türkei mit dem Ausland abgeschlossenen herabwürdigenden Handels» Verträge und an die ausländischen Gesellschaften gewährten Konzessionen, die einerseits dem Staate viele Einkommens- quellen entzogen haben, andererseits das Wachstum der Pro- duktionZkräfte des Landes aufhalten und dadurch die EntWickelung der nationalen Industrie verhindern. Zu all diesen von der Vergangenheit vererbten Uebelständen gesellt sich in letzterer Zeit auch die Ungewißheit deS morgenden Tages. Nach der Konterrevolution des 13. April, trotz ihres günstigen Ausganges, scheint es den Konstitutionalisten(und nicht ohne Grund), daß im Herzen des Landes ein Uebel reis wird, daS um so mehr gefährlich, als es unsichtbar und nicht faßbar ist, und das früher oder später hervorbrechen wird. Dann wird das ganze Reich als Opfer einer furchtbaren Erschütterung fallen. Und hier sind alle überzeugt, daß eine neue Empörung, welches auch ihr Ausgang wäre, für das neue Regime und überhaupt für daS Land verderblich sein wird. Entweder wird die Konstitution im Falle des Sieges der Reaktionäre zugrunde gehen oder es werden die europäischen Mächte, deren Interessen bei solchen Erschüttc rungen leiden, sich einmischen und über die Türkei ihr berüchtigtes Protektorat verhängen. Das ist's, wovor sich die türkischen Kon- stitutionalisten besonders fürchten. Sie wissen sehr wohl» die Großmächte werden der Konstitution niemals verzeihen, daß sie ihnen die Beute, den Nachlaß des kranken Mannes, sozusagen aus den Zähnen gerissen hat. ES kennen die Jnngtürken und ihre politischen Freunde die Tragik ihrer Lage sehr 100hl, aber sie sind vorläufig uiachtlos, die ganze Absurdität der Behauptung zu beweisen, die Türkei sei der Wiedergeburt unfähig. Sie sind machtlos, weil sie noch nicht das notwendige Kontingent der Staatsmänner besitzen, durch die sie die Beamken des siamidischen Regimes ersetzen könitten; weil es auch unter den Führern der Partei an solchen Persönlichkeiten fehlt, die Macht hätten auf die Phantasie des Volkes. Die türkische Revolution war das Werk eines engen Kreises und hatte ebensowenig gemein mit den Volksmassen wie die Leiter der Revo- lution selbst, die ihre Losungen aus Paris oder Aegypten aus- gehen ließen. DaS Volk, ihr eigenes Volk mit seinen Interessen war ihnen ganz fremd, sie hatten nicht den festen Grund, auf dem eine aus dem Leben der Massen hervorwachsende Partei ruht. So ist der innere Zerfall, der an der Partei für„Einheit und Fortschrit" immer sichtbarer wird, ebenso natürlich, wir daß sich neben den Progessisten im Lande auch wieder die Reaktionäre regen. Vor allem aber schwebt den Jungtürken stets die Gefahr vor, die vom Ausland droht. Darum die tiefe Aufregung über die Kretafrage, über die Machenschaften der Bulgaren in Mazedonien, über den Vertrag, der die Flußschiffahrt in Mesopotamien den Engländern ausliefert. Und die allgemeine Meinung ist hier, daß nur die Herausbildung eines starken kon- stitutionellen Kernes, den die intelligenten Schichten darstellen sollen, und die energische Propaganda der Idee der Konstitution unter den Volksmassen imstande wären, die Grundlage zu schaffen, auf der sich das neue Regime allmählich in haltbaren Formen auf- bauen könnte. Doch wenn hier ein Werk der Zukunft mit ausdauerndem Fleiß zu errichten wäre, so zwingen drängende Sorgen des Augenblicks zu rascher Abwehr. Die Ausschreitungen der Reaktionäre in Konstantinopel hören nicht auf. Neulich sind wieder einige geist- liche Personen verhastet worden, weil sie Flugblätter unter den Mohammedanern zu verbreiten versuchten, in denen sie aufge- fordert wurden, sich gegen die neue Ordnung im OSmanischen Reiche zu erheben. Die Regierung findet gegen die Ränke dieser Feinde der Freiheit keine besseren Mittel, als die mit solcher Pro- paganda getroffenen und erschütterten Militärabteilungen aus der Residenz ins Innere des Landes zu schicken und auf ihren Platz frische Abteilungen zu bringen. DaS Kabinett Hakki Bey. Konstantlnopel. Dem Drängen deS Komitees für Einheit und Fortschritt nachgebend, hat der Generalissimus Mahmud Schesket Pascha eingewilligt, das Kriegsporteseuille zu übernehmen. Das Kabinett Hakli Bey erhält dadurch eine vorläufige Befestigung. Amerika. Eine Botschaft des Präsidenten. Washington, 7. Januar. Die Sonderbotschaft des Präsidenten Taft an den Kongreß empfiehlt die Schaffung eines Handels» g e r i ch t s h 0 f e s für die Vereinigten Staaten(Uniteck states court of commerce) zur Behandlung aller Eisenbahn st reit» s a ch e n. die sich aus Verfügungen der zwischenstaatlichen Handels- kommiffion ergeben. Taft erklärt, die Notwendigkeit eines solchen Gerichtshofes sei durch die Jahresberichte der zwischenstaatlichen Handelskommission erwiesen, in denen festgestellt wird, daß die Wirksamkeit des zwischenstaatlichen Handelsgesetzes durch die Vcr- zögerungen beeinträchtigt wird, welche mit der gegenwärtigen Methode der Eisenbahnen, an irgend ein Bundeskreisgericht zu appellieren, verbunden sind. Der in Aussicht genommene Gerichts- hos soll aus fünf hierzu ernannten Richtern der Bundeskreisgerichte bestehen, gegen seine Entscheidungen soll nur noch der oberste Ge- richtshof der Vereinigten Staaten angerufen werden können. In der Botschaft wird ferner der Ansicht Ausdruck gegeben, daß gegen Tarifabmachungen zwischen den Eisenbahnen nichts ein» zuwenden sei. Präsident Taft schlägt ferner vor, der zwischenstaatlichen Handelskommission die Befugnis zu geben, Klagen gegen eine u n- billige Klassifizierung der zu befördernden Waren ein- zubringen, die Tarife festzusetzen, sobald die Klage eingebracht ist und die betreffenden unbilligen Klassifizierungen wieder gut zu machen. Die Kommission soll weiter das Recht erhalten, aufzu- schieben, zu verändern und ungültig zu erklären solche Verändc- rungen der Tarife oder anderweitigen Transportbcstimmungen, welche den Reedern eine ungebührliche Belastung auferlegen. Die Kommission soll ferner den zwischenstaatlichen Eisenbahnen vcr» bieten, Aktien von Konkurrenzbahncn zu erwerben und neue Aktien oder Bonds auszugeben, außer mit Genehmigung der zwischen- staatlichen Handelskommission. Ueberdics dürfen Aktien nicht unter pari und BondS nicht unter dem mittleren Marktw-,-»»<">?•, gegeben werden._ Die Berteuernng der Lebenshaltung. Der Senator Crawford von Süd-Dakota hat den Staats- sekretär für Gewerbe und Arbeitsangelegenheiten um die Feststellung der genauen Tatsachen hinsichtlich dererschreckendenVerteue- rung aller Lebensbedürfnisse ersucht. Sollte der Staats» sekretär die geforderte Auskunft nicht geben, so wird der Senator die Anstellung von Erhebungen durch die Arbeitslommission be» antragen. DaS statistische Amt de? Staates New Jersey hat eine Steigerung der Kosten des Lebensunterhalts seit 13 Jahren um 37.13 Proz. festgestellt. Sine Familie von vier Köpfen brauche für den bloßen Lebensunterhalt wöchentlich 11,17—15,93 Dollar. Dabei beträgt nach der„New Uorker Volksztg." der Durchschnittslohn eines Arbeiters dort nur 9.10 Dollar. Serickts» Leitung. (Siehe auch 2. Beilage.) Das vorschriftsmäßige AergcrniS spielte eine Rolle in einer Verhandlung wegen Gotteslästerung gegen den bekannten Genossen BoleSlauS Strzelewicz. die am 6. Januar vor der dritten Strafkammer des Landgerichts II der» handelt wurde. In der Wohnung deS Augeklagten war eines Tages ein Herr erschienen, der sich seiner Frau als Freund und Genosse deS Mannes vorstellte und bat, Strzelewicz möge in einem ge» schlossencn Vereine von Gesinnungsgenossen einige Lieder vortragen. Er bat sich ein Heft der in Betracht kommenden Texte aus und erhielt Heft 11 der von Strzelewicz herausgegebenen Sammlung von Liedern, Couplets usw. Mit einem Gruße an ihren Mann ber- abschiedete sich der Fremde von Frau Strzelewicz, ließ aber nichts weiter von sich hören. Nach einiger Zeit erfolgte eine Anklage wegen Gotteslästerung, weil ein Polizeisckretär Nanfft, in dessen Hände das Heft durch den geheimnisvollen Freund gekommen war. an drei Stellen Acrgernis genommen hatte. In der V e r h a n d» l u n g b e st r i t t der Angeklagte, sich schuldig gemacht zu haben. Der Staatsanwalt beantragte sechs Monate Gefängnis. Der Verteidiger Rechtsanwalt Wolfgang Heine führte ans. daß hier weder eine öffentliche Aeußerung, noch eine Be- fchinipfung und Lästerung Gottes vorläge. Spott fei noch keine Lästerung, dieser Spott aber wende sich auch ausschließlich gegen Menschen, die den Gotteöbczriff zum Deckmantel egoistischer Zwecke verweiideteii, und gegen ihre niedrige Anffafstmg. Das Gericht wollte aber doch in zwei Gedichten eine Gotteslästerung erblicken, nahm auch die Oeffentlichkeit der Handlung an und erkannte auf zwei Monate Gefängnis. 'Jim GewerhfcbaftUcbce. Cm neuer Huffchwung cker 6ew«rfcrcbaft9- bevvegung I Das„Correspondenzblatt" der Generalkommission kann in seiner neuesten Nummer einen Ueberblick über die zu er- wartenden Mitgliederzahlen der freien Verbände für das Jahr 1909 geben. Nach den vergleichenden Ziffern von 38 Gewerkschaften vom Schlüsse des 3. Quartals 1909, die insgesamt 1 418 283 Mitglieder zählen, ist der Rückgang auf gewerkschaftlichem Gebiete im wesentlichen als überwunden zu betrachten. Diese Gewerkschaften zählten Ende September 1908 1 409 031 Mit- glieder. Der Vergleich dieser Zahlen ergibt eine Zunahme von 9032. Von drei weiteren Verbänden liegen noch ver- gleichbare Ziffern vom Ende des 2. Quartals vor' hier wurden Ende Juni 1908 63 493, dagegen Ende Juni 1909 67 131 Mitglieder gezählt, was einer Zunahme von 1658 ent- spricht. Insgesamt 41 Verbände haben danach binnen Jahresfrist um 10 890 Mitglieder zugenommen. Da diese Verbände 1908(3. Quartal) 80,6 Proz. aller Gewerkschaftsmitglieder repräsentieren, so können wir für die gesamten Gewerkschaften für das Jahr 1909 mit einem Zuwachs von etwa 13 500 Mitgliedern rechnen. Es ist indes zu hoffen, daß die Gewerkschaften, deren Abrechnungen ausstehen, giinstigere Ergebnisse mitteilen können, sowie ferner, daß die Zunahme vom Jahresschluß 1908 bis zum Jahresschluß 1909 die aufsteigende EntWickelung noch schärfer hervortreten lassen wird. Ist dieser Zuwachs vorerst auch noch gering, so bildet er doch ein untrügliches Zeichen dafür, daß es wieder vorwärts geht. Dies geht auch aus der Tatsache hervor, daß es nicht bloß einzelne Gewerkschaften sind, die an dem Aufschwünge teilnehmen, sondern die Mehrzahl: von den 41 Ver- bänden, deren Angaben verwertet werden, weisen 23 eine Zunahme und nur 16 eine Abnahme an Mitgliedern auf. Die Gewerkschaften sind also über den toten Punkt hinweggelangt und nun werden sich mit dem neuen Regen aller Kräfte auch die Reihen derselben füllen und eine neue Periode geWerk- schaftlicher Erfolge wird ihren Einzug halten. Berlin und Umgegend. Die Tarifverhandlungen der Maler. Die gestrige Sitzung wurde ausgefüllt durch Erörterungen über die Forderungen der Arbeiter auf Lohnerhöhung. Die Bezirks- führer des Malerverbandes begründeten eingehend die von den Orten ihrer Bezirke gestellten Forderungen mit dem Hinweis auf die gesteigerten Ausgaben für den Lebensunterhalt, die Erhöhung der Arbeitsleistung und den Eintritt einer besseren Konjunktur, die es den Arbeitgebern ermögliche, die bescheidenen Forderungen zu bewilligen.— Die Vertreter der Arbeitgeber wandten sich gegen alle diese Forderungen. Sie verharrten auf ihrem Standpunkt, keine Lohnerhöhung zu bewilligen. Sie sagten, sie könnten nichts bewilligen, denn das Gewerbe befinde sich in einer so schlechten Lage, daß die Meister selber zu kämpfen hätten, um überhaupt zu existieren. Herr Wenner aus Barmen versicherte, in Rheinland- Westfalen werde keine Lohnerhöhung bewilligt. Die Meister wür- den auch vor den äußersten Konsequenzen nicht zurückschrecken. Die Angaben über die schlechte Lage des Gewerbes beant- wartete T o b l e r, der Vorsitzende des Malerverbandes mit der Bemerkung: Solche Klagen hätten die Meister schon seit jeher, auch bei allen früheren Verhandlungen erhoben. Trotzdem existieren dieselben Meister immer noch. Ja, einige von ihnen hätten es sogar soweit gebracht, daß man sie zu den Hausagrariern rechnen könne. Also die Möglichkeit einer Lohnaufbesserung könne nicht bestritten werden und ausreichend begründet sei sie auch. Im Laufe der Verhandlung stellten die Meister einen Antrag, dem auch die Arbeitervertreter zustimmten. Danach sollen in allen Orten, wo die Tarife jetzt noch nicht abgelaufen sind, aber in diesem Jahre enden, die Bestimmungen des neuen Tarifs in Kraft treten. Dasselbe soll auch für die Orte gelten, die sich erst während der Vcrtragsdauer der Organisation anschließen. In den Orten, wo noch keine Tarife bestehen, sollen die zu ermittelnden durchschnitt- Ilchen Löhne die Grundlage für die Festsetzung der tarifmäßigen Löhne bilden. Nachdem die Vertreter der Arbeitgeber sich während der ganzen Dauer der Sitzung bemüht hatten nachzuweisen, daß keine Lohn- erhöhung gewährt werden könne, bereitete einer von ihnen, Herr Hansen aus Hamburg, den Arbeitern kurz vor Schluß der Sitzung eine gewisse Ueberraschung. Er machte als Gauleiter des Arbeit- geberverbandeS das Angebot, den Malergehilfen in Osnabrück den Stundenlohn um— einen Pfennig zu erhöhen. Danach würde der Lohn in Osnabrück von 33 Pf. auf 39 Pf. steigen, und das soll nach Auffassung des Herrn Hansen ein Ausgleich sein zwischen dem Lohn in Osnabrück und dem Lohn in den benachbarten Städten Bielefeld, wo 4b Pf., und Münster, wo 48 Pf. gezahlt werden.— Dieser.Ausgleichsvorschlag- rief bei den Arbeiter- Vertretern Heiterkeit hervor. Die Arbeitgeber aber nahmen das Angebot ihres Kollegen Hansen so ernst, daß sie sich zur Beratung darüber zurückzogen und mit dem Beschluß wieder in den Saal traten: der Hauptvorstand des ArbeitgeberverbandeS kann die Erklärung des Herrn Hansen nicht vertreten, sein Antrag besteht für den Haupt- vorstand nicht.— Hierauf zog Herr Hansen seinen Antrag zurück. Also selbst den einen Pfennig, der auf die 33 Pf. in Osnabrück zugestanden werden sollte, um die OSnabrücker Maler ihren mit 4b und 48 Pfennig entlohnten Kollegen in den Nachbarstädten näher zu bringen, gönnt der Haupt- Vorstand der Arbeitgeber den Arbeitern nicht. Hiernach darf man gespannt darauf sein, wie sich die Arbeitgeber zu einem SchiedS- spruch stellen werden, der doch vielleicht Lohnerhöhungen in gewiffem Maße für recht und billig erklären könnte. Die Verhandlungen sind nunmehr zu Ende. Am Sonnabend soll der Schiedsspruch verkündet werden. Die Lohnbewegung der Fliesenleger. Am I. Januar ist der Tarifvertrag für das Fliesenlegergewerbe Berlins abgelaufen, ohne daß ein neuer zustande gekommen war. Die Arbeitnehmer hatten sich frühzeitig genug um die Erneue- rung des Tarifverhältnisses bemüht, aber die Arbeitgeber fanden sich erst am 31. Dezember zu einer Verhandlung oder vielmehr nur zu einer Besprechung bereit, die zu nichts anderem führte, als zu einer vorläufigen Verlängerung des alten Vertrages. Am Donnerstag hielten die Fliesenleger und ihre Hilfs- arbeiter im Klubhause in der Kommandantenstraße eine öffentliche Versammlung ab, um über die Lage zu beraten. Sie waren außer- ordentlich zahlreich erschienen, die Fliesenleger wie die Hilfs- arbeiter; der große Saal war gefüllt bis auf den letzten Stehplatz. und die Versammlung bot ein Bild ungetrübter Einmütigkeit, ob- wohl nicht weniger als vier Organisationen vertreten waren. Der Streit über die Organisationsform ist für die Dauer der Lohn- bewegung gänzlich ausgeschaltet. Der Referent H. Waldheim gab zunächst einen Rückblick auf die verflossene Vertragsperiode. Der abgelaufene Vertrag ist vor ungefähr 2 Jahren zustande- Berantro. Redakt.: Richard Barth, Berlin. Inseratenteil verantw.: gekommen, zu einer Zeit, wo die Arbeitnehmer, wollten sie nicht einen wenig aussichtsvollen schweren Kampf riskieren, sich ge- nötigt sahen, ihn anzunehmen. Er brachte zwar den Achtstunden- tag für das Fliesenlegergewerbe, aber die außerdem erzielte Er- höhung der Stundenlöhne von 8S Pf. erst auf 87% Pf., dann für das zweite Vertragsjahr auf 90 Pf. für die Fliesenleger, vermochte den Ausfall, den die Verkürzung der Arbeitszeit zur Folge hatte, nicht auszugleichen. Man hatte also trotz der steigenden Teuerung mit geringerem Wochenverdienst zu rechnen. Auch der Umstand, daß durch den Vertrag die früher übliche Frühstückspause in Weg- fall kam, wurde von den Arbeitern, namentlich wenn sie einen weiten Weg zur Arbeitsstätte hatten, als ein schwerer Uebelstand empfunden. In einem Teil der Geschäfte hielten die Arbeitgeber allerdings nicht so genau auf die strikte Durchführung dieser Be- stimmung, wohl in der richtigen Erkenntnis, daß der geringe Zeit- Verlust beim Frühstückessen durch erhöhte Leistungsfähigkeit bei der Arbeit reichlich wieder ausgeglichen wird. Einzelne Firmen waren aber dieser Erkenntnis nicht zugänglich und wollten es nicht einmal dulden, daß bei der Arbeit ein Stückchen Brot gegessen wurde. Auf Arbeitgeberseite sind mancherlei Vorstöße gegen den Tarifvertrag vorgekommen. Man hat es auch fertig gebracht, hier und da Sondervcrträge abzuschließen, die mit dem Tarifvertrag nicht im Einklang standen. Das Subuntcrnehmertum entwickelte sich dermaßen, daß die Arbeitnehmer sich genötigt sahen, im letzten Sommer eine kräftige Bewegung dagegen zu entfalten, die guten, wenn auch nicht durchschlagenden Erfolg gehabt hat. Lohnklagen wurden innerhalb der Vertragsperiode 38 anhängig gemacht; davon endeten 16 mit, 2 ohne Erfolg für die Arbeiter und in 26 Fällen steht die Entscheidung noch aus. Es ist selbstverständlich, daß die Arbeiter mit Rücksicht auf die Verteuerung aller Lebensbedürfnisse in ihren Vorschlägen zum neuen Vertrag Lohnerhöhungen ver- langen. In der Hauptsache find ihre Forderungen: Erhöhung des Stundenlohnes der Fliesenleger auf 1 M., des Stundenlohnes der Hilfsarbeiter, der jetzt 65 Pf. beträgt, auf 75 Pf. An Subunternehmer sollen künftighin keine Arbeiten mehr übertragen werden. Die Frühstückpausc soll wieder eingeführt werden. Die Forderungen, die nun den Unternehmern vorliegen, sind in der Weise zustandegekommen, daß zunächst in den verschiedenen Or- ganisationen des Berufs darüber beraten wurde, dann die Tarif- kommission da» Ergebnis zusammenstellte und die so erzielte Vor- läge AezirkSversammlungcn zur Begutachtung überwiesen wurde, so daß alle Berufsangehörigen ohne Unterschied der Organisations- form ihre Meinung geltend machen konnten. Auf Anfrage an den Arbeitgcberverband, wann die Tarif- Verhandlungen stattfinden sollten, hatte dessen Vorsitzender Herr K u s l e r zunächst die Zeit vom 19. bis 26. Dezember in Aus- ficht gestellt, als aber bis zum 22. Dezember noch keine Einladung zu einer Sitzung eingelaufen war, wurde auf wiederholte Anfrage der 31. Dezember, also der letzte Tag des Tarifvertrages, zur Ver- Handlung bestimmt. Die Arbeitnehmervertreter waren pünktlich zur Stelle, wurden aber von Herrn K u s I e r allein empfangen. Später kamen noch zwei Arbeitgeber dazu. Die Besprechung ver- lief, wie ja schon bei der unzureichenden Vertretung der Arbeit- gebcr und dem späten Termin zu erwarten war, ergebnislos. Der Arbcitgebervorsitzende hatte den Maurervertrag vor sich, als ob dieser zur Grundlage der Verhandlungen dienen sollte, was nicht auf ein Entgegenkommen der Arbeitgeber schließen ließ, denn die Fliesenleger haben ja schon lange bessere Arbeitsbedingungen, höhere Löhne und kürzere Arbeitszeit als die Maurer. Die Ar- beitgeber erklärten denn auch, daß an eine Lohnerhöhung nicht gedacht werden könne; höchstens sei es möglich, wenn ein drei- jähriger Vertrag abgeschlossen werde, im zweiten oder dritten Jahre einen kleinen Aufschlag zu gewähren. Auch sollten die Ar- beiter nicht daran denken, daß die Arbeitgeber die Subunternehmer ohne weiteres beiseite schieben würden. Wenn die Arbeitnehmxr die Frühstückspause wieder haben wollten, so müßten der Neun- stundentag und die alten Löhne wieder eingeführt werden.— Das Ende der Besprechung war, daß der abgelaufene Vertrag bis zum 15. Januar verlängert wurde. Am 12. und 13. Januar soll weiter verhandelt werden. Die Arbeitgeber erklärten, früher keine Zeit zu haben. Eine Verschleppung wollten sie nicht herbeiführen. Die Arbeitnehmervertreter hatten zunächst höchstens einer achttägigen Verlängerung des Vertrages zustimmen wollen, sich jedoch schließlich mit dem Vorschlage der Arbeitgeber in dieser Sache einverstanden erklärt. Der Referent ließ keinen Zweifel darüber, daß die Ar- beiter einer weiteren Verzögerung nicht zustimmen können. Die Versammlung nahm nach reger Diskussion folgende Resolution an: „Die Versammlung nimmt Kenntnis von dem gegenwärtigen Stand der eingeleiteten Verhandlungen. Die Tatsache, daß sei- tens der Arbeitgeber nicht rechtzeitig die nötigen schritte getan wurden, um vor Ablauf des alten Vertragsverhältuisses ein neues anzubahnen und zum Abschluß zu bringen, berechtigt zu der Annahme, daß die Absicht vorliegt, die Angelegenheit bis zu einem für die Arbeitnehmer ungünstigen Zeitpunkt hinzu- ziehen. Nur aus den seitens unserer Leitung angeführten Grün- den wird die in der Verhandlung vom 31. Dezember vereinbarte Tarifverlängerung gebilligt, der Tarifkommission jedoch anHeim- gegeben, eine weitere Verlängerung entschieden abzulehnen. Sollten die in der nächsten Woche angesetzten Verhandlungen über unsere Forderungen kein befriedigendes Resultat ergeben, so ist in möglichst kurzer Zeit wiederum eine öffentliche Ver- sammlung einzuberufen, die über die weiter zu unternehmen- den Schritte zu beraten und zu beschließen hat. VeirtfcKeg Reich. Der„gro�e Unbekannte" als Terrorist! Während deS Tischlerstreiks in Rathenow streifte der streikende Holzarbeiter W. beim Borübergehen einen auf der Straße stehenden Arbeitswilligen. Obgleich der Arbeitswillige durch die Berührung nicht den geringsten Schaden erlitten hatte, wurde gegen W. Anklage wegen körperlicher Mißhandlung erhoben, die am 5. d. M. vor dem Schöffengericht in R a l h e n o w zur Verhandlung kam. Daß der Angeklagte den Arbeitswilligen absichtlich gestreift hatte, wurde nicht festgestellt. Der Vertreter der Staatsanwaltschaft bemerkte in der Verhandlung, daß die Anrempelei an sich eine ganz gering- sügige Sache sei, so daß erst die Absicht bestand, den Strafantrag- steller aus den Weg der Privatklage zu verweisen. In Verbindung mit anderen Tatsachen sei ober dann ein öffentliches Interesse für vorliegend erachtet worden. Diese.anderen Tatsachen' bestanden in einer Behauptung des Arbeitswilligen, er sei von den Streikenden öfter belästigt und einmal von einem Unbekannten in? Gesicht geschlagen worden, worauf er sich genötigt sah. seine Arbeit wieder aufzugeben. Da« beantragte Strafmaß lautete auf 20 M. Geldstrafe. DaS Gericht ging darüber hinaus und erkannte auf S0 M. Es unterstellte dem Angeklagten, daß er, weil der Arbeits- willige nicht mitstreikte, diesen.mißhandelte". Lohnbewegungen im Holzgewerbe. Die Luckenwalder Tischlermeister suchen durch die.Verl. VolkS-Zeitung" wieder Arbeitswillige, nachdem während der Feier- tage eine größere Anzahl dieser Elemente den Ort verlassen haben. Auch in anderen Orten werden die Unternehmer versuchen, Streikbrecher zu fangen. Die Holzarbeiter werden darum ersucht, Obacht zu geben. Die Bautzener Waggonfabrik hat jetzt Streikbrecher- agenten nach Böhmen geschickt, um dort tüchtige Arbeiter anzuwerben, nachdem die Firma mit Auguste Müller und den Berliner Raußreißern böse Erfahrungen gemacht hat. Ein größerer Trupp böhmischer Arbeiter wurde bereits an der Grenze zur Rückkehr veranlaßt. Die Agenten müssen nun aufs neue sich im Schweiße ihres Angesichts abmühen, die nötige.Ware" zu finden. Die Arbeiter allerorts. insbesondere unsere böhmischen Parteigenossen, werden dringend gebeten, ihr Augenmerk darauf zu richten, daß eS diesen Leuten nicht gelingt, Stellmacher, Tischler und Holzarbeiter nach Bautzen zu ver- schleppen._ Ttz.Gl»cke. Berlin. Druck u. Verlag: Borwirt» ivuchdr. u. B«lag»S noch nicht ermittelter Ursache in der Pankstrasse 82 an der Wcddingstrasse nahe der Panke zum Ausbruch und beschäftigte die 4. Kompagnie längere Zeit. Als der 16. Löschzng aus der Pankstrasse 1 an der Brandstelle ankam, stand der Dachstuhl des Hauses, das von vielen Parteien bewohnt wird, schon in grosser Ausdehnung in Flammen. Dichter Qualm füllte die Bodenräume und Treppe na uf, g ä n g e. Ueber diese und eine grosse mechanische Leiter wurde der Angriff mit mehreren Schlauchleitungen Don einer Dampfspritze eröffnet. Die Flammen, von dem Jahalt der Bodenverschläge genährt, konnten erst nach längerkr Löscharbeit erstickt werden. Die Entstehung kotlyte flicht er- mittelt werden. Der Schaden ist erheblich. Wegen Unterschlagung verhaftet! Trier, 7. Januar.(B. H.) Im lothringisi lingen wurde der Postagent Hammelmann und Unterschlagung amtlicher Gelder und Fälschun sungen verhaftet. Die unterschagene Summe tragen. Maul Singer Sc To., Berlin L1V. Hierzu 3 Seilage» m v it. 6. 27. IahtMz. 1. Kkillige kg Jonuärls" Jctliiitt Pollislitl. 5«>i»»bt«d> 8. Imme 1910. Oerurtdlnng des HsndelswIMei's. Die Gesetzlichkeit, deren sich insbesondere durch Sozialdemo- kraten verwaltete Ortskrankenkassen befleißigen und das durch- aus gerechtfertigte Bestreben, die Krankenkassengesetzgebung im sozialen Sinne anzuwenden, wurmt insbesondere die Gattung bürgerlicher Reaktionäre, die die Krankenkassenversicherung zu einer Versicherung von Militäranwärtern, Bureaukraten und Aerzten umgewandelt wissen wollen. Die Selbstverwaltung der Krankenkassen ist ihnen verhaßt. Da gegen die Verwaltungs tätigkeit der Krankenkassen sich nichts einwenden läßt, so greifen die Gegner einer Verwaltung durch Arbeiter zu haltlosen, leicht. fertigen Verdächtigungen und wiederholen sie. auch wenn ihre Unwahrheit gerichtlich konstatiert ist. Das sicherlich den Sozial- demokraten nicht wohlgesinnte Oberverwaltungsgericht hat uiw endlich häufig rechtswidrige, von den Aufsichtsbehörden getroffene Anordnungen als mit dem Gesetz unvereinbar aufheben müssen. Tut nichts. Der Entwurf zur Reichsversicherungsordnung plant bekanntlich die Ausschaltung des Oberverwaltungsgerichts und Ersetzung seiner Rechtsprechung durch die sogenannten Aufsichts- organe, deren die Interessen der Arbeiter schwer verletzende Gesetzwidrigkeiten so häufig durch das höchste Vcrwaltungsgericht haben konstatiert werden müssen. Bis dahin bleibt es bei der Wiederholung von Verdächtigungen der Art, wie sie bei der Krankenkassennovelle von 1903 vom Vertreter des preußischen Handelsministeriums und bürgerlichen Abgeordneten erhoben, spater von einem Mugdan, einem Eickhoff und dem Bergmeistcr Engel in ein System gebracht und von dem früheren Reichskanzler von Bülow unter tönendem Beifall der Junker nachgebetet sind. Dieser Haß gegen die Ortskrankenkassen macht es erklärlich, daß die auf Aufhebung des Selbstverwaltungsrechts der Krankenkassen gerichteten Bestrebungen des ärztlichen Leipziger Verbandes und der Hausbesitzer auch da, wo sie klar gegen das Gesetz verstießen, von den höchsten Behörden, vom preußischen Handelsminister an der Spitze, Unterstützung finden konnten. Eine solche ministerielle Unterstützung ist am Donnerstag als dem Gesetz zuwider vom ObervcrwaltungSgericht aufgehoben. Es handelt sich um den Versuch des Handclsministcrs, den Kranken- lassen bei der Erfüllung der sozial- und kulturell so wichtigen Aufgabe hemmend in den Arm zu fallen, der Wohnungsmisere auch von feiten der Krankenkassen zum besten der Arbeiterklasse zu steuern. Der jetzt zuungunsten des Handelsministers vom Ober-Ver- waltungsgericht entschiedene Fall liegt folgendermaßen: Seit Jahren veranstaltet die OrtSkrankeukasse für den Ge- Werbebetrieb der Kaufleute, Handelsleute und Apotheker in Berlin Erhebungen über die Wohnungsverhältnisse der erkrankten Mit- glieder. Die Ergebnisse werden in jährlichen Berichten, welche der Geschäftsführer Albert Kohn im Auftrage des Vorstandes bc- arbeitet, auf Kosten der Kasse gedruckt und herausgegeben. Durch die Feststellung der Wohnungsverhältnisse, die durch Kontrollcure vorgenommen wurde, sollte Material beschafft werden für die etwa notwendig werdende Acnderung des Heilverfahrens, wie Unterbringung eines Kranken in einem Krankenhaus oder in einer Heilstätte. In verschiedenen Berichten wurde die Notwendigkeit von Wohnungsenqueten betont. Zum Beispiel wurde ausgeführt, daß die Krankenkassen der Ausbreitung der Volksseuchen am zweck- mäßigsten durch Feststellung und Beseitigung der Wohnungsmisi- stände begegnen könnten. Die Krankenkassen hätten die Pflicht, tatkräftig mitzuwirken an einer Wohnungsreform. Ein Bericht polemisiert gegen die Gegenbestrebungen der Hausbesitzer und be- zeichnet als Waffe dagegen die Aufdeckung aller Mißstände, welchen man in den Behausungen der erkrankten Mitglieder begegne. Auch im Bericht für 1993 wird das hervorgehoben und gesagt, die Sorge für gesunde Wohnungen sei eine logische Konsequenz der Arbeiter- verstcherung. Die Tendenz, die die Kasse mit ihren Arbeiten ver- folge, sei einzig darauf gerichtet, dem Wohle der Mitglieder zu dienen. Es müsse auf die Schädigungen hingewiesen werden, die kleines Feuilleton. Die neuesten„Beweise" deS Herrn Bode. Seit einigen Tagen prahlt die Bodepresse bereits mit neuen„Beweisen", die für die Echtheit der Florabüste erbracht sei» sollen. Wir konnten die Echt heit ihrer Angaben bisher nicht nachprüfen, da die„Amtlichen Be richte aus den königl. Kunstsommlungen", denen sie entstammen, erst Freitag zur Ausgabe gelangten. Herr Bode hat wieder das alte Btanöver angewendet, der von ihm kontrollierten, wegen ihrer treuen Dienste zu belohnenden oder durch Informationen günstig zu stim- inenden Presse amtliche Berichte mehrere Tage früher zuzustellen, olS sie der übrigen Presse zugänglich sind. Wir haben dies Ver- fahren bereits früher als eine einer öffentlichen Anstalt nnwiirdige und zur Korruption der Presse beitragende Methode bezeichnet und wiederholen diesmal unser Urteil mit aller Schärfe. Im Abgeord- nelenhause werden unsere Vertreter Herrn Bode klar zu machen baben, daß er nicht der Nachrichtenlieferant der„Voss. Ztg.", die in Sachen der Flora vom Kaiser-Friedrich- Museum redigiert zu werden scheint, nocki des„Lokal- Anz." strotz der Freundschafi des Herrn Bode mit dessen Chefredakteur), noch der„Franks. Ztg.". die ihrem Berliner Feuilleton-Korrespondenten die Annahme derartiger Beeinflussungs- gcickienke verbieten sollte, zu sein hat. Vorläufig scheint uns Herr Bode wenigstens noch der auS öffentlichen Mitteln besoldete An« gcstellte des preußischen Staates zusein, für den es keine Unterschiede in der Behandlung der Presse zu geben hat. Nu» zu den neuen„Beweisen". Zunächst ist auch hier zu wiederholen, daß die ganze Unter- snÄimg nicht von eiiienr unabhängigen Komitee, sondern teils von den Angestellten des Kaiser- Friedrich-MnienmS, teils von den von Herrn Bode ausgesuchten Gutachtern geführt wird. Sodann wird die ganze Frage von vornherein verschoben, indem man die klare», positiven Behauptungen von Lucas jun. in der ganzen Untersuchung ignoriert, als od sie gar nicht vorhanden wären. Das nennt Herr Bode eine amtliche und objeltive Untersuchung! Diesmal kommt Prof. M i e t h e mit der Feststellung zu Wort. daß die noch an der Büste feststellbare Bemalung größtenteils auch ans der Photographie von sca.) 1399 nachzuweisen sei. Gut. Herr Miethe hütel sich, daraus weitere Schlüsse zu ziehen. I» seinem ersten Gutachten war Prof. Miethe leider weniger vorsichtig, denn er behauptete, daß der Nachweis der Riff- auf der Lncas-Photographie ei» Beweis für das hohe Alter der Büsle sei. Bis heute ist Herr Miethe allerdings jeden irgendwie fundierten Nachweis für diese An- »ahme schuldig geblieben. Das zweite Gutachten ist von Prof. Naehlmann(Weimar) erstattet und befaßt sich mit der mikroskopischen und mikrochemischen Untersuchung einiger vom Museum zugestellter Farbeteilcheu. Herr Raehlniann komnit zu dem Resultat, daß die Maltechnik für das 15. und 16. Jahrhundert charakteristisch sei.und daß einzelne der verwendeten Materialien in den letzten anderthalb Jahrhunderten scines Wissens in der Malknnst nicht mehr Verwandt feien. Leider hat Herr Raehlmann gänzlich vergessen zn unter- suchen, ob Lucas, der ein sehr geschickter Imitator alter Methoden war, nicht imstande war, dieselbeTechnikaa-� � sich im Laufe der Jahre nicht nur für das Proletariat, sondern > für die gesamte Bevölkerung Berlins herausgebildet haben. Die Aufsichtsbchröde hatte nie etwas eingewendet, obwohl die I Berichte ihr zugingen. Den Hausbesitzern waren sie aber ein Dorn > im Auge. Der preußische Landesverband der Haus- und Grund- besitzcr richtete, wie unseren Lesern erinnerlich, ein Gesuch an die Aufsichtsbehörde, der Kasse die Verwendung von Kassenmittcln zum Zwecke derartiger Enqueten zu untersagen. Der Berliner Ma- gistrat lehnte unter dem 24. August 1997 den Antrag ab. Auch der Oberpräsidcnt ließ die Hausbesitzer abfallen. Der Handelsminister ordnete jedoch unter dem 26. August 1998 die Uuterfagung der Verwendung von Kassenmitteln für die Zwecke der Wohnungs- cnquetc an. Darauf erließ einer Anweisung des Oberpräsidenten gemäß der Magistrat eine Berfügung, durch die die einzelnen Mit- glieder des Kassenvorstandcs unter Androhung einer Ordnungs- strafe aufgefordert wurde», die Verwendung von Kasscnmitteln für die Zwecke von Wohnungsenquete» in Zukunft zu unterlassen. Der Magistrat nahm lediglich Bezug auf die ministeriellen Aus führungen, die dahin gingen, daß die Aufnahmen von Wohnungs enqueten nicht zu den Aufgaben der Krankenversicherung gehörten und somit die Aufwendungen für diese Zwecke nicht Vcrwaltungs- kosten im Sinne des g 29 des Krankenversicherungsgesetzes seien. Die Borstandsmitglieder klagten und erzielten, daß der Be- zirksansschuß die angefochtene Verfügung außer Kraft setzte. Die getroffene Anordnung sei rechtlich nicht begründet und die Vor- standsmitglieder würden durch sie in ihren Rechten verletzt. Der Bezirksausschuß habe nicht die Ilcberzeugung zu erlangen ver- mocht, daß die hier in Rede stehenden Aufwendungen der Kasse zu einem Zweck gemacht seien, der über den Nahmen der rechtmäßigen Befugnisse der Kasse hinausgehe. Vielmehr sei anzuerkennen, daß die Veranstaltung sowohl, wie die Veröffentlichung der Enqueten mit den gesetzmäßigen Zwecken der Kasse in engstem Zusammenhange stehe, so daß die dadurch erwachsenen, im Verhältnisse zu den notorisch sehr erheblichen Einkünften der Kasse nur gering- fügigen Kosten eine ungesetzliche oder auch nur mißbräuchliche Ver- Wendung des Kassenvermögens nicht darstellten. Der Magistrat legte, wohl auf Anweisung des Handels- »nnisters, Revision ein. In der Verhandlung vor dem Ober-Bcr- waltungsgericht am ki. Januar waren die Vorstandsmitglieder durch Rechtsanwalt Dr. OSkar stöhn vertreten. In längeren Rechts- ansführungen machte er geltend, daß die Kasse sich durchaus im Rahmen ihrer Aufgaben gehalten habe. Die Kasse mache jene Auf- nahmen über die Wohnungsverhältnisse zur Bekämpfung der Krank- heilen ihrer Mitglieder. Da sich die gleichen Verhältnisse in zahl- reichen Fällen wiederholten, so würden die Mitglieder durch die Herausgabe der Berichte in den Stand gesetzt, sich Kenntnis zu verschaffen. In erster Linie seien es die Mitglieder der Kasse (beziehungsweise ihre Delegierten zur Generalversammlung), welche die Berichte zur Nachachtung in die Hand bekämen. Ferner seien Hauptkonsumenten der Berichte die Kassenärzte. Jeder von ihnen erhalte den Bericht zugestellt und jeder von ihnen werde veranlaßt, auf die Wohnungsverhältnisse zu achten, um die große Frage nach der Anwendung der Heilmittel zu entscheiden:„Läßt man den Kranken in der Wohnung oder schickt man ihn in ein Krankenhaus oder in eine Heilstätte?" Es komme hinzu, daß bei den Kranken, die nicht hauskrank seien und selbst den Arzt aus- suchen müßten, der Arzt nicht die Wohnungsverhältnisse ansehen könne. Bei beginnender Tuberkulose z. B. sei es aber äußerst wichtig, zu wissen, wie die Wohnungsverhältnisse seien. Es sei auch eine ganz außerordentliche Erleichterung des ärztlichen Dien- stcs der 5lasse, also eine Ersparnis für sie, wenn durch Uebersen- düng der Publikation, die jetzt auch photographische Aufnahmen enthalte, der Arzt in zahllosen Fällen besonderer Mühen überhoben werde. Dadurch, daß der Vorstand die Berichte den Mitgliedern und Aerzten in die Hand gebe, übe er eine Berwaltungstätigkeit aus, ja verbillige er diese.— Der Anwalt verwies im Laufe seiner Ausführungen noch darauf, daß das Verfahren der Kasse von der höchsten Behörde eines Bundesstaats den dortigen Kassen als nach- ahmungswert empfohlen sei. Und der vormalige Präsident Pfarrius vom ReichsversicherungSamt habe dankend den Empfang eines Berichts mit den Worten quittiert, daß sich die Kasse im hohen Grade verdient gemacht habe durch die Anordnung der Woh- mmgsenqueten. Der 3. Senat beS Ober-Berwaltungsgerichts bestätigte da« Urteil deS Bezirksausschusses mit folgender Begründung: Sicherlich sei die Feststellung der Wohnungsverhältnisse der erkrankten Kassen« Mitglieder, um die Einwirkung der Wohnung auf den Kranken festzustellen, eine zulässige Tätigkeit der 5wssenorgane. Ferner sei anzuerkennen, daß die Mitteilung der Ergebnisse der Untersuchung an die einzelnen Kaffenmitglieder auch in den Zielen enthalten sein könne, die den Krankenkassen oblägen, denn durch diese Mit- teilung werde die Belehrung und bessere Behandlung der bestehen- den Krankheitsfälle ermöglicht. Und auch alle die Kosten, die auf- gewendet würden, um diese Mittel zur Erreichung der Kassenzwecke zu beschaffen, wären zulässig. Es wäre nichts dagegen zu er- innern, wenn die Feststellungen bezüglich der einzelnen Krank- hcitsfälle zusammengestellt würden und bei der großen Zahl der Delegierten durch Druck veröffentlicht und bei den Generalver- sammlungen verteilt würden. DaS würden dann lediglich Teile der VcrwaltnngSkosten sein, was aufgewendet werde. Als darüber hinausgehend aber müßte es der Gerichtshof ansehen, wenn diese Feststellungen benutzt würden, um eine allgemeine wissenschaftliche Arbeit über jene Fragen daraus zu machen und sie zu benutzen. um auch noch ganz andere Zwecke zu erreichen. Es sei nicht Aus- gäbe der Krankenkassen, in dieser Weise allgemeine Kampfschriften zu verfassen und zu veröffentlichen, die über die dargelegten Ziele hinausgingen. Es sei nicht Aufgabe der Krankenkassen, das, was sie in ihrer Praxis feststellten, zu anderen als den gekennzeichneten Zwecken zu benutzen. Zweifellos sei das in einigen der vorliegen- den Schriften geschehen. Die Anordnung der Behörde sei aber uiit Recht aufgehoben worden, weil sie allgemein die Aufwcn- düngen„für Zwecke der Woh»»»gSenqueten" verbiete, was nach dem Dargelegten nicht zulässig sei. Sie gehe hinaus über das, was hätte verboten werden können. Es erübrigt sich eine Polemik gegen die Gründe deS Ober- Verwaltungsgerichts, die annehmen, der Rahmen der Aufgabe der Schrift werde überschritten, wenn sie einen allgemeinen wissen- schaftlichcn Charakter erhielte. Mit uns wird die weit über- wiegende Zahl der Kenner der Wohnungsenqueten ihren wissen- schaftlichen Charakter als einen Vorzug ansehen und annehmen, eine Gesetzgebung, die etwa den wissenschaftlichen Charakter einer Arbeit hindere, sei wert, übertreten zu werden. Das Erhebliche an der Entscheidung des höchsten preußischen Verwaltungsgerichts- Hofs liegt in der glatten Verurteilung des durch die Hausagraricr zu gesetzwidrigem Vorgehen gegen die Aufgaben der Kasse ani- mierten preußischen HandclsministerS. Bei der Beratung der Neichsversicherungsordnung wird dieses Erkenntnis für die Not- wendigkeit einer ausdehnenden Gestaltung des ß 29 des Kranken- versichernngsgesetzes und für die Zurückweisung des Versuchs deö Entwurfs zu verwenden sein, an Stelle eines Gerichts für Klagen der Kasse, den Minister oder die geplanten bureaukratischen In- stanzen zu setzen. Eue der Partei. zuwenden, die für die Renaissance charakteristisch sein soll. Herr Raehlmann hat auch unterlassen, andere, unbestrittene Werke von Lucas, oder überhaupt neuere farbige Wachswcrke zum Vergleiche zu untersuchen. Seine Beweise entscheiden also in keiner Weise, ob Lucas nicht ebenso nialen konnte. Lucas jun. hat bereits zu Beginn des Florastreites genaue Kw gaben über die Farben der Florabüste gemacht. Herr Raehlmann weiß offenbar nichts davon. Sonst hätte er sie widerlegen oder be stäligen inüffeu. Da Herr Bode keine objektive, die Behauptungen der Augen zeugen bcrücksicknigende Untersuchung vornimmt, müssen wir ihm bei der Erforschung der Wahrheit wieder einmal helfen. Wir werden in einigen Tagen diese Untersuchungen durch englisches Material ergänzen. Solange mögen seine neuen„Beweise" bei seinen Anhängern in Geltung bleiben. Münchener bildende Kunst. Der Zeitgenosse, der Zeit und Geld, Bildung und künstlerische Empfängnis genug besitzt, die Werke der bildenden Kunst zu genießen, der kann wirklich jetzt in München von Begier zu Genutz taumeln und eine volle Woche lang die ver- schiedensten Eindrücke malerischer Persönlichkeiten und Rassen auf sich wirken lassen. Er wird ratlos vor den primitiven Farbflecken- stimmungen stehen, die in der„Modernen Galerie" die sezessio- nistische'Malkultur des I u» g- V a l ka n S aufweisen: er wird erfrischt und hingerissen sein von der erdfrischen Kraft und selbstsicheren Unverbildetheit, die von den Landschaften des Schweden Anders Zorn in der Galerie Heinemann strahlt. Welcher Abstand von diesen reifen Malereien, die den innigen Zn- sammenschluß von Natur und Seele, von Realität und„innerem Gesicht" verkünden, an den unruhigen Impressionen Max Feld- bauers, des Schollenmalers, der seine grellfarbigen Plakate in größerer Anzahl im Salon Brackl aufgehängt hat! Im Kunst- verein zeigt eine im„Deutschen Künstlerverband" organisierte Gruppe von autoritäthassenden Heißspornen, wie weit man ohne das lästige Institut der Jury kommt. Die erste juryfreie Aus- stellung, die Bilder unter anderen bringt von Weich hart, Hoofs, Pol, Pilliet, Fricke, Hans Faber du F a u r hat in der Tat die Existenzberechtigung dieser iiciiestm Reformbcwegung gegen de» profesioralen Unsehlbarkeits- dünkel und gegen die von tausend Rücksichten eingeengte Kontrolle des JurhlvesenS vollkommen bewiesen. Sic hat eine Reihe von Talenten ans Lickt gebracht, die tatsächlich bisher von den Jurys der zahlreichen Münchener Gruppen in den Hintergrund gedrängt wurden. Freilich die eigentliche zukunftsträchiige, weltenstiirniende Jugend fehlt bei einer fortschrittlichen Sache, die doch ganz Sache der Jugend ist, vollständig. Es scheint, in der Malerei gibt es seit 29 Jahren keine Jugend mehr? Höchstens Snobs und künst- lich Naive, die die fehlende Kindlichkeit und Einfalt durch gesuchte Primitivität der Mittel und Llusdrucksformen ersetzen wollen.— DaS Bedeutendste,_ was der Münchener Malwinter gezeitigt hat, ist zweifellos die W i n t e r- A u S st e llun g der Sezession. Sie bringt Lebenswerke oder doch organisch geschlossene Kolleltionen von drei untereinander durchaus verschiedenen Künstlern süddeutschen Wesens. Zunächst 75 Bilder und Studien von dem 1909 viel zu Eine neue Polizeiblamage in Oberschlesien. Mit einem kläglichen Fiasko endete die mit großem Geschrei eingeleitete Polizeiaktion gegen den von der sozialdemokratischen oberschlesischen Agitationskommission herausgegebenen polnischen Obcrschlesischen Bolkskalendcr für 1919. Im November vorigen Jahres wurden in der Druckerei unseres polnischen Bruderblattcs, der„Gazeta Nobotnicza" in Kattowitz auf Veranlassung des bc- kannten oberschlesischen Grenzkommissars Mädlcr 12 099 Kalender beschlagnahmt,„weil die ins Polnische übersetzten„Grundsätze und Forderungen" von KautSky und Schocnlank staatsgefährlichen In- Halts sind". Tatsächlich wurde auch Anklage wegen„Aufreizung zum Klassenhatz" gegen den Herausgeber, Genossen Mieczkowski, erhoben. Am Mittwoch fand vor der Beuthener Strafkammer die Verhandlung statt. Ein als Zeuge vernommener Polizist hielt den beschlagnahmten Kalender deshalb für gefährlich und aufreizend. weil die polnische Bevölkerung zu ungebildet sei, und weil sich das Polnische immer aufreizender lese als das Deutschet— Ein anderer Zeuge, ein Lehrer Höhn(Borsigwerk), fand den Inhalt des Kalenders so aufreizend, daß er ein Exemplar sofort früh verstorbenen Stuttgarter Otto Reiniger, in dem die moderne deutsche Landschaft einen ihrer besten Meister verloren hat. In fünf Sälen sieht man 132 Werke von Hugo v. H a b e r m a n n, dem populärsten der Münchener Bildnisinaler. Man überblickt des Meisters Werdczeit von den Fesseln der Pilolyschule bis zur Gegen- wart. Endlich noch der bekannte Münchener Bildhauer Hermann Hahn, einer der begabtesten Hildebrand-Schiiler. Die Zunahme der Krebskraukheit. Während fast alle Krankheiten unter dem Einfluß der modernen Hygiene und dank den Fortschritten der Heilkunst eine Abnahme und eine günstigere Gestaltung des Verlaufs erfahren haben, macht die bösartige Geivebeneubildung, genannt Krebs, hiervon eine Ausnahme. Die Zahl der an Krebs zugrunde Gegangenen ist in beständiger Zunahme begriffen. So starben nach den„Medizinalstatistischen Nachrichten" des Kgl. Preuß. LandeSaintö in Preußen an Krebs im Jahre 1997: 28 934 Personen gegen 29 439 in 1999, 19 919 in 1886 und 6971 in 1877. Von allen überhaupt Gestorbene» entfielen ans das Jahr 1877: 1,94, 1836: 1,47, 1896: 2.65. 1909: 2.74, 1995: 3.54. 1997: 4,12 Proz. Dabei ist das weibliche Geschlecht von dieser Krankheit, die hier hauptsächlich die Brust und die inneren Geschlechtsorgane heim- sucht, bedeutend stärker bedroht als daS männliche. Von den 1997 in Preußen an Krebs Verstorbenen waren 12 726 Männer und 15 398 Frauen. Beachtenswert ist ferner die Tatsache, daß die Häufigkeit der Krebskranlheit in den einzelnen Landesteilcn sehr verschieden ist. Es starben 1997 von je 19999 Lebenden an KrebS im Regierungsbezirk Schleswig 9,85, Sigmaringen 9,18,— dagegen Stralsund 12,95, Berlin 12,99, Oppeln 4,59, Trier 4,36, Münster 4,85. Also ganz gewaltige Differenzen! ES wäre indessen voreilig, auS dieser Tatsache einen Schluß auf die von manchen Aerzlcn behauptete Uebertragbarkeit des Krebses zu ziehen, da dies verschieden häufige Austrete» auch durch andere Ur- fachen bedingt sein kann. Ebenso ist es der Wissenschaft auch noch nicht gelungen, die Gründe für die allgemeine Zunahme der Krebskrankheit festzustellen. Ob es sich dabei im wesentlichen um eine bessere Erkennung der Krankheit handelt, ob heute mehr Menschen in das krebsfähige Alter gelangen oder ob die häufige Berührung mit der KrebSnrsache die Schuld trägt, ist noch gänzlich unanf- geklärt._ Notizen. — Musikchronik. Das Blüthner-Orchester bringt am dritten Sinfonischen Mnsikabend unter Stranskys Leitung Felix Draesekfcs große L�mplroiiisi tragica zur Aufführung, die seit langen Jahren in Verlin nicht gehört worden ist. Der Abend bringt außerdem die Uraufführung von Paul ErtelS neuestem Werk, dem Vorspiel zur Oper„G u d r u n" —© k) o i! t c t o n in Berlin. Der erfolgreiche Erforscher de? SüdpolkontinentS hielt Freitag abend in einer von der Ge- scllschaft für Erdkunde im Krollschen Etablissement veranstalteten Versammlung einen Vortrag über seine Expedition. Der Vorsitzende der Gesellschaft, Professor Penck, faßte hierauf die wissenschaftlichen Ergebnisse der Reise zusammen und überreife Shackleton die höchste Auszeichnung seiner Gesellschaft: die Nachligalmedaille.(Da die Gesellschaft f. E. es nicht für nötig erachtete, unsere Redaktion ein- zuladen, verzichten wir auf einen ausführlicheren Bericht.) Sem Krle'gttvereinsvorfißend'en sandte und dann die VerKalkung des Borsigwerks davon in Kenntnis setzte. Die Verwaltung wiederum forderte den um die Sicherheit des Vaterlandes besorgten Lehrer auf, zur Abwehr der drohenden Gefahr-- Vorträge im Kriegerverein über den staatSgefährlichen Kalender zu halten I Der Hauptmann des KriegervereinS gab Order, dah der vom Lehrer als staatsgefährlich bezeichnete Kalender an die Vorsitzenden der Vec- eine zur Information geschickt werde. Auf Befragen des Ange- klagten mußte dieser Zeuge schließlich zugeben, daß er gar nicht einmal den beschlagnahmten Kalender in der Hand gehabt hat, sondern einen anderen! Als sodann ein aus dem Kalender über- nommener und ins Deutsche übersetzter Artikel zur Verlesung kam, wurde festgestellt, daß viele Sätze in der bei den Akten liegenden und zur Anklage stehenden llebersetzung fehlten.... Trotzdem hielt der Staatsanwalt die Anklage aufrecht: Die Broschüre von Kautsky und Schoenlank, so führte der Anklagever- treter aus. sei zwar eine wissenschaftliche Arbeit, es sei aber nicht ausgeschlossen, daß sie gegen die besitzenden Klassen wirke und zu Gewalttätigkeiten aufreize. Er beantragte-- 300 M. Geldstrafe. Das Gericht konnte sich nicht davon überzeugen, daß das, was Tag für Tag in sozialdcnwkratischen Zeitungen zur Propa- ganda für den Sozialismus unbeanstandet abgedruckt wird, jetzt auf einmal in polnischer Uebersetzung strafbar sein soll. Es sprach den Genossen MieczkowSki frei. So hat denn also durch diese große Staatsaktion, die unter Führung des tüchtigen Polizeirats Mädler gerade in der Zeit vor- genommen wurde, als die Polenhetze aus Anlaß der Kattowitzer Stadtverordnetenwahlen am höchsten war, mit einer geradezu kläg- lichen Niederlage für die Polizei- und Anklagebehörde geendet. Eine Ausstellung für sozialistisches BildimgSwesen in Kopenhagen. Es wird unS geschrieben: Nachdem der Versuch, die Bildungsfrage auf die Tagesordnung des Internationalen sozialistischen Kongresses 1010 zu setzen. als gescheitert gelten muß. da ein bezüglicher Antrag auf dem deutschen Parteitage abgelehnt worden ist und mich bei der Sitzung des Internationalen Bureaus nicht wieder auf- genommen wurde, könnte vielleicht doch noch etwas Nützliches nebenher, inoffiziell, geleistet werden, wenn alle beteiligten Organisationen, die etwas zu zeigen haben, ein möglichst vielseitiges. der Bildung und der Propaganda dienendes Material rechtzeitig nach Kopenhagen senden; hier könnte es dann in der Weise, wie die Zeitungen in Stuttgart, später eine ähnliche Sammlung auch in Essen beim Partei- tag, den Kongreßteilnehmern vor Augen geführt werden. Es braucht ja, das gilt nicht nur für diese Veranstaltung, sondern für Museen und Ausstellungen überhaupt, kein sehr reichhaltiges Material zu sein, sondern immer nur einige wenige Proben: e? bringt ein jeder, was er mag; in Amerika wird beispielsweise mit Lichtbildern, welche die sozialen Gegensätze vor Augen führen, sozialistische Propaganda ge- trieben; es genügt, daß dies in einem gewissen Umfange eben tat- sächlich geschieht, um die eventuelle Vorführung in Kopenhagen zu rechtfertigen, unabhängig davon, wie der einzelne Parteigenosse über diese Methode denken mag. Ich selbst mache allerdings kein Geheimnis daraus, daß meiner Ansicht nach wir Sozialisten kein Mittel unversucht lassen sollten, um an da? Publikum heran- zukommen, das nicht liest und das sich nicht mit öffentlichen An- gelegenheitenlbefaßt, umsomehr, als auch die bürgerliche Welt durch die Vorführung von Königsbegräbnissen und darauf folgenden Krönungen jetzt, leider mit großem Erfolg, für Patriotismus wirkt.— Die erste Zusammenkunft unserer Parteijournalisten in Stuttgart hatte ja wohl auch keinen.amtlichen" Charakter, und trotzdem haben ja bereits zwei weitere ähnliche Ver- sammlungen stattgefunden: wenn das unmittelbar greifbare Ergebnis dieser Aussprachen zunächst und auch bis heute nicht sehr be- deutend war und ist, so ist doch unter allen Umständen eine nähere Berührung und Bekanntschaft mit den Ge- nossen anderer Länder, die doch alle dasselbe wollen, und ihren Kampfesweisen ein erwünschtes Ziel. Gibt es auf der einen Seite Nationen, die vielleicht auf dem einen oder anderen Gebiete Ursache zu der Annahme haben, daß sie hier von anderen nichts mehr lernen können, so ist dafür ihre Verpflichtung aus der anderen Seite um so größer, die Länder, in welchen die sozialistische Propaganda noch weniger entwickelt ist. einmal, wenn man so sagen darf, hinter die Kulissen blicken zu lassen. Insbesondere sollte auch bei dieser Ausstellung das Bibliothek- Wesen durch Kataloge und Vorführung der Verwaltung in Gestalt der verwendeten Vordrucke zur Geltung kommen. Der Eifer unserer Kopenhagener Genossen sowie die Nachsicht der Besucher, die auch mit einer weniger eleganten Aufmachung zufrieden sein müssen, werden schon das Nötige tun. um unserer Bewegung die Vor- teile zu sichern, die ihr aus einer derartigen Veranstaltung über- Haupt erwacksen können. Inwieweit eine zwanglose, gewiß ebenfalls wünschenswerte Aussprache der beteiligten Personen dabei zustande kommen kann, muß einer späteren Erörterung vorbehalten bleiben. Morgaris Widerlegung der Anklagen Ferri?. Rom, S. Januar.(Eig. Ber.) In seiner Rede zu seinen Wählern hat Ferri, wie bekannt, die sozialdemokratische Partei- fraktion beschuldigt, das Ministerium Giolitti nicht mit der Energie bekämpft zu haben, die seiner zweideutigen Haltung gegenüber Pflicht gewesen wäre. Diese Anschuldigung widerlegt der Sekretär der Parte, fraktion, Genosse Morgari, im„Avanti" vom 2. und 6. Januar, indem er Sitzung für Sitzung die Stellungnahme der Fraktion durchgeht. Am 2. April brachten die Sozialdemokraten eine Motion gegen die Wahlpolitik der Regierung ein, bei ber Ferris Unterschrift fehlte. Am 20. Mai legte die äußerste Linke auf Anregung der sozialistischen Fraktion eine Tagesordnung gegen die innere Politik des Ministeriums vor. Auch hier fehlte die Unterschrift von Ferri. Bei der FraktionSsitzung, die zur Ver- werfung der Giolittischen Refornrentwürfc durch die Partei führt, ist Ferri nicht zugegen. Ebenso bei der namentlichen Abstimmung über die Militärausgaben. Im Auftrag der Fraktion hat Turati gegen die Proletariermetzeleien. Bissolati, Turati, Casalini und Morgari gegen die neuen Militärausgaben gesprochen usw. Ferri hat dagegen, obwohl er in Rom lebt, seit Eröffnung der Kammer bis zum Fall des Kabinetts Giolitti nur viermal das Wort ge- nomine,,. Er sprach im Juni über die Italiener in Amerika, im Juli über die Marinekonventionen und im November, um Lom- broso einen Nachruf zu widnien. AuS diesen Angabpn geht deutlich hervor, daß Ferri zu allerletzt das Recht hatte, der.Parteifraktion Indolenz und Giolittifreundlichkeit vorzuwerfen. Parteiliteratur. Im Verlage der Buchhandlung Vorwärts, Berlin, er- schien: Atcmgymimstik von Otto Rühle. Heft 21 der Arbeiter- Gesun dheitS- Bibliothek. Zunächst werden in einen, Kapitel:„Atmen und Atmungsorgane" die Grundlagen für eine rationelle Atemgymnastik gewonnen. Darauf gibt der Verfasser an der Hand zahlreicher— mehr als zwei Dutzend— selbstentworfener Figuren eine anschauliche Anleituug zur Ausführung der Uebungen: zur Ventilation der Lungenspitzen, nach dem Ablauf von Luftröhren-, Lungen- und Brustsellentzündungen, bei chronischer Stuhlverstopfung, bei Asthma, bei Freistiftbehandlung von Lungen- kranken usw. Im Verlage der Wiener Volksbuchhandlung(Jgnaz Brand u. Co.) erschien soeben: Sozialistische Bewegungen und Systeme bis zum Jahre 1848. Von Elisabeth Luzzatto. 400 Seiten. Preis gebunden 4 M. Das Buch schildert das Entstehen kommunistischer Strömungen, Ideen und Zukunftsbilder, wie sie das Altertum, das Mittelalter und die Neuzeit gebracht haben. Das allmähliche Reifen vom un- klaren Sehnen nach einem goldenen Zeitalter sozialen Friedens bis zum Eintritt in den modernen, bewußten, auf Klassenkampf beruhenden und zur Aufhebung der Klassen führenden Sozialismus wird Schritt für Schritt verfolgt. Der in Aussicht genommene zweite Band der Arbeit, die den Gesamttitel führt:„Geschichte und Wesen des Sozia- I i s m u s", soll sich mit dem eigentlichen Marxismus, der dritte Band mit einer kurzen Skizze der seitherigen EntWickelung be- schäftigen. poHecilichca, Gmchtlichea ukw. Die Korrektur eines unverständlichen Urteils. Vor ewiger Zeit sah sich der Vorstand des Sozialdemokratischen Vereins Dortmund genötigt, das Mitglied Oberhaus in der Mitgliederliste zu löschen. Es ergab sich die Notwendigkeit, der Oeffentlichkeit zu zeigen, wer Oberhaus eigentlich ist. Die„Arbeiter- zeitung" deckte sein Sündenregister auf: Streikbruch, Denunziation, merkwürdige Intimität mit der Polizei usw. Oberhaus klagte gegen Genossen Beyer, den Verantwortlichen der„Arbeiterzeitung", mit dem Erfolg. daß B. zu einer Woche Gefängnis verurteilt wurde. Jetzt ist in der Berufungsinstanz das Urteil ausgehoben worden. Dem Genossen Beyer wurde der Schutz deS§ 163 voll zugebilligt. Beyer habe sagen dürfen, daß Oberhaus nach seiner Ueberzeugung ein Denunziant sei, ein Judas, dem das Handwerk gelegt werden müsse. Dagegen durste Beyer nicht von einem„Burschen" sprechen. Wegen dieser formalen Beleidigung wurde Beyer zu 5 0 Mark Geldstrafe verurteilt. Der Kläger Oberhaus muß'/« der Kosten tragen. Die Anarchofozialisten, an die sich Oberhaus heranzumachen suchte, haben den Herrn nun auch preisgegeben. Soziales« Wie die Firma Wolf Werthcim mit ihren Arbeitet» Lereinbarunge» trisft! Gestern klagte vor der Kammer? des GewerbegerichtS gegen die Firma Wolf Wertheim der Hausdiener Schenavki. Der Kläger ist am 27. Dezember fristlos entlassen worden. Der Lohn wurde ihm bis einschließlich 3. Januar gezahlt. Kläger forderte aber noch für weitere acht Tage 21 M. Lohn. Der Vertreter der Firma wendete ein, daß eine achttägige Kündigungsfrist mit dem Kläger vereinbart worden ist. Hierüber wurde nun eine umfangreiche Beweisaufnahme vorgenommen. Der als Zeuge vernommene In- spektor Chynowski» der die Einstellung und Entlassung der Arbeiter im Geschäfte der Beklagten bewirkt, bekundete, am 1. Dezember habe er beim üblichen Morgenappell, an dem etwa 300 Leute teil- genommen haben, erklärt: es haben alle diejenigen, die am 15. Ok- tober beziehungsweise 1. November eingetreten sind, von«un ab eine siebentägige Kündigungsfrist: bei denen, die nach dem 1. November eingetreten sind, bleibt die eintägige Kündigungsfrist bestehen und bei denjenigen, die bereits eine besondere, hiervon abweichende Kündigungsfrist haben, bleiben diese Vereinbarungen in Geltung. Die Leute hätten diese Bekanntmachung in Ruhe an- gehört, und auf seine Frage, ob sie jemand nicht verstanden hat, habe sich niemand gemeldet. Der Kläger bleibt dabei, daß er nicht gehört hat, daß für ihn eine siebentägige Kündigungsfrist gilt. Die weiteren Zeugen machten Bekundungen über den Raum, in dem sich der Vorgang abspielte und über die Entfernung, in der sich der Kläger vom Inspektor befand. Ein Zeuge, ein Kolonnen- führet, bekundete, daß er von mehreren Leuten nochmals gefragt worden sei, weil diese den Inspektor nicht verstanden hatten. Das Gericht unter Vorsitz de? Magistratsassessors Dr. Lehmann empfahl dem Vertreter der Beklagten, nachdem es von der Be- ratung zurückkam, sich mit dem Kläger zu einigen, da es das Vor- liegen einer ordnungsgemäßen Vereinbarung nicht annehmen konnte. Denn wenn verschiedene Kategorien von verschiedenen Arbeitern zusammengerufen und ihnen so verschiedene Be- dingungen gesagt werden, so muß damit gerechnet werden, daß dies von vielen Arbeitern nicht verstanden wird. Der Inspektor hatte juristisch gänzlich ungebildete und ungewandte Leute vor sich. DaS Wjesirn einer Vereinbarung bestehe aber darin, daß sich der Er- klärer und der Erklärungsempfänger unzweifelhaft klar über solche Erklärungen und mit ihnen einverstanden sind. Das Gericht konnte hier nicht annehmen, daß eine gültige Kündigungsverein- barung zustande gekommen ist. Diesen Ausgang des Prozesses mußte wohl der Inspektor nicht erwartet haben, denn der offensichtlich nur nach seinen Wei» sungen handelnde Vertreter der Beklagten lehnte eine Einigung ab und lehnte nunmehr auch einen Arbeitnehmerbeisitzer wegen Be- sorgniS der Befangenheit ab! Dieser hatte beiläufig den In- spektor befragt, ob er nicht früher in Düsseldorf gewesen sei, was von diesem bejaht wurde. Der Inspektor will darauf bemerkt haben, daß der Beisitzer eine, vermutlich auf die dortige Tätig- keit Bezug habende Notiz machte, die er an den Nachbar wettev- gab. Die Wahrnehmung des Herrn Jnspeltors erwies sich sofort als unzutreffend, so daß sich der Vertreter der beklagten Firma genötigt sah, den AblchnungSantrag zurückzuziehen. Einen Antrag auf weitere Beweisaufnahme lehnte daS Gericht als überflüssig ab. Der Kläger hatte seine Forderung, weil sie noch nicht in voller Höhe fällig war, auf 15 M. ermäßigt. Die Beklagte wurde dem Antrage entsprechend verurteilt. Wir vermögen nicht anzunehmen, daß der Firmentrager mit dieser eigenartigen Aenderung von Vertragsbestimmungen, wie sie der Inspektor für gut hielt, einverstanden ist. Vertragsverein- barungen können nicht, wie hier versucht wurde, kommandiert werden, sondern müssen eben verabredet werden. Dazu ist aber in erster Linie erforderlich, daß die Offerte der Vertragsänderung den einzelnen in Betracht konimenden Arbeitern bekannt gemacht wird. Wird für diesen Zweck nicht der Zweifel ausschließend: schriftliche Weg gewälstt, so muß die Aenderung deS Vertrags- inhaltS doch mit den einzelnen vereinbart werden. DaS ist bei einem Morgenappell unmöglich. Ueberdies müssen Abweichungen von der gesetzlichen vierzehntägigen Kündigungs- fr ist in der Arbeitsordnung Aufnahme finden.(§ 134b Ziffer 3 G.-O.) Solche Abänderungen erhalten nach s 134a, letzter Absatz, und s k34e G.-O. erst frühestens zwei Wochen nach ihrem Erlaß Geltung und müssen vor ihrem Aushang den Arbeitern bekannt gemacht werden und der unteren Verwaltungsbehörde eingereicht sein. Der Firmenträger möge aus diesem Rechtsstreit Veran- lassung zur Revision darüber nehmen, ob den gesetzlichen Vor- schriften über den Arbeitsvertrag Genüge geschehen ist. Ihre Nichtachtung müßte den Ruf der Firma schädigen. Hartnäckiger Ungehorsam. Wie leicht auf Grund des Ausnahmegesetzes gegen ländliche Arbeiter und Gefinde vom Jahre 1854 Strafbefehle zustande kommen können, dafür lieferte wieder eine Verhandlung vor dem Stolper Schöffengericht den Beweis. Bekanntlich wird nach Z 1 des Gesetzes Gesinde und eine Reihe ländlicher Arbeiter bestraft, wenn es sich hartnäckigen Ungehorsam zuschulden kommen läßt. Am 30. Oktober waren auf dem Gute Bilgelow die Hofgängerinnen Anna.und Marie Papenfnh mit Kartoffelansnehmen beschäftigt. Da sie Nun nicht so schnell sammeln konnten, blieben sie hinter den andern zurück und die„vorschriftsmäßige Reihe" war zerstört. Da nun eine tadellos: Reihe der Kartoffelsammler der Stolz der In- spektoren ist, so forderte der Inspektor Peter sie auf, schneller zu sammeln und in der Reihe zu bleiben. Sie kehrten sich nicht daran, sondern sammelten ruhig weiter. Das wurmte den Inspektor und er erstattete Strafanzeige, mit dem Erfolg, daß sie ein Straf- Mandat in Höhe von 3 M. erhielten. Ferner hatte Anna Papen- fuß am 1. November mit ihrem Rechtsanwalt in Stolp wegen einer Klage Rücksprache zu nehmen, sie verließ die Arbeit am Nachmittag und schickte ihre 14 Jahre alte Schwester als Stell- Vertreterin. Diese wurde nicht angenommen. Die Anna Papen- fuß erhielt einen zweiten Strafbefehl in Höh: von 2 M. wegen unberechtigten Verlassens des Dienstes. Gegen die Strafbefehle er- hoben die Arbeiterinnen Widerspruch. Sie erzielten Freisprechung von der Beschuldigung„hartnäckigen Ungehorsams". Das Gericht führte aus: in der Nichtbefolgung der Aufforderung, schneller zu sammeln, liegt kein Ungehorsam, geschweige hartnäckiger. Denn die Arbeiterinnen haben gesammelt. Wenn es nicht schneller ging, dann konnten sie nichts dafür. Dagegen mußte wegen unbercöz- tigten Dienstverlassens eine Verurteilung erfolgen. Sie hätte es eben melden müssen. Wie das Gericht zu diesem Schlüsse kommt, ist unbegreiflich. Denn durch die als Vertreterin erschienene Schwester war doch die Meldung erfolgt. Jedenfalls ist dieser Vorfall wieder ein Beweis, wie notwendig eine Beseitigung des Ausnahmegesetzes ist._ Gegenüber dem drohenden Milchkrieg in Nürnberg hat sich die Stadtverwaltung bisher vollständig untätig verhalten, obwohl die Milchproduzenten seit Monaten von Sendlingen deS Bundes der Landwirte systematisch aufgehetzt werden, mit einer Preis- erhöhung vorzugehen, die derart bemessen sein soll, daß die Milch dem Konsumenten mindestens 25 Pf. pro Liter(bisher 20 Pf.) kosten soll. Es ist nötigenfalls in Aussicht genommen, die ganze Milchzufuhr einzustellen, wenn die Preiserhöhung nicht ange- nommen wird. Die zurückgehaltene Milch soll verbuttert werden. Man hofft, die Konsumenten tu wenigen' Tagen mürbe gemacht zu haben. Nun hat die bayerische Regierung der Sache auch ihre Aufmerksamkeit zugewendet und den Stadtmagistrat ermahnt, sich um die Milchversorgung zu bekümmern und u. a. das Zustande- kommen von genossenschaftlichen Milchsammelstellen in der näheren Umgebung der Stadt sowie die Einführung des Stratzenverkaufs durch große Milchwagen zu erwägen. Anfangs wollte man über- Haupt kein Bedürfnis für irgendwelche Schritte anerkennen, da noch keine Milchnot bestehe, aber auf sozialdemokratisches Drän- gen wurde wenigstens erreicht, daß ein Ausschuß mit der Er- örterung der Frage beauftragt wurde. Bezeichnend ist wieder das Verhalten der freisinnigen Agitatoren, die zum Teil gegen ein Eingreifen der Stadt Front machten, weil dabei viele kleine Existenzen auf dem Spiele ständen. Ein freisinniger Metzger- meister brachte es sogar fertig, die Schuld an der Milchnot den Städtern selbst zuzuschieben, weil sie kein Kuhfleisch mehr essen wollten und die Landwirte daher gezwungen seien, statt Kühe Ochsen zu halten!— Die Zahl der Ochsen scheint wirklich in der Zunahme begriffen zu sein._ Amtliche Erhebungen über die Arbeitsverhältnisse der Anwalts- angestellten will nunmehr die Regierung veranstalten. Schon vor zehn Jahren hat der Reichstag eine Resolution angenommen, in der die Regie- rung ersucht wurde, tunlichst bald einen Gesetzentwurf zuiü Schutze der Bureauangestellten vorzulegen. Sodann hat am 4. No- vember 1903 der Reichstag einem Kommissionsankrage entsprechend— dem Reichskanzler eine Reihe Petitionen, betreffend die Regelung der Rechtsverhältnisse und der Lohnverhältnisse, zur Berücksichtigung überwiesen. Ende November wandte sich nun der Staatssekretär Lisco an den Anwaltsverein in Leipzig mit einem Anschreiben, in dem er den Verein ersucht, ihm einige Nechtsan- walte namhaft zu machen, mit denen er als Vertreter dp? Anwalts- standes sich in mündlicher Verhandlung über Inhalt und Umfang der Erhebungen besprechen könnte, um beurteilen zu können, ob gesetzliche Maßnahmen in der Tat angezeigt seien. Daraufhin hat der Vorstand des Verbandes der Bureaucmgestellten und Vor- waltungsbeamten der Krankenkassen und Berufsgenossenschaften an den Staatssekretär das schriftliche Ansuchen gestellt, auch Ber- treter der Angestellten der Rechtsanwälte zu hören; denn würden die Rechtsanwälte in dieser Sache allein gehört, so wären sie tat- sächlich Richter in eigener Sache. Zu solcher selbstverständlichen Ansicht kann sich die deutsche Regierung bei amtlichen Erhebungen über Arbeiterverhältnisse anscheinend von vornherein nicht auf- schwingen. Erst auf das Anschreiben von feiten der Bureauange- stellen erteilte der Staatssekretär den Bescheid, daß auch die Bureauangestellten einen Vertreter stellen können. In einer Be- sprechung dieser Angelegenheit weist daS Organ der Bureauangestellten mit Recht darauf hin, daß gerade vom Reichsjustizamt er- wartet werden mußte, daß es die Grundsätze der deutschen Rechts- pflege auch hier anwendet und mit den Parteien kontradiktorisch verhandelt._ Hus clei* frauenbcwcgung. Der Streik der Blusenarbeiterinnen in New Aork, über den im„Vorwärts" berichtet wurde, hat zu einer großen Menge von Verhaftungen streikender Mädchen geführt. In den ersten füi'.s Wochen des Streiks wurden 2500 Mädchen verhaftet und es galt als eine Ausnahme, wenn ein Mädchen vom Polizeirichter frei- gesprochen wurde, wenn die Anklage auch noch so haltlos war. 2000 Sünderinnen wurden verurteilt. Entweder schickte der Richter die Mädchen ins Arbeitshaus oder sie mußten Geldstrafen von 2 bis 20 Dollar bezahlen. Unsere Genossinnen belehren die Streikenden, daß das Klasseninteresse und als Ausfluß dessen die politische Rechtlosigkeit der Frau die Richter so rücksichtslos macht und die Streikenden so hilflos. Die Richter werden vom Volke ge- wählt, das heißt, vom männlichen Teile des Volkes. Männern gegenüber halten sie gewöhnlich noch darauf, den Schein des formalen Rechts zu wahren, aber ganz rücksichtslos wahren sie das Klasseninteresse der Herrschenden, wenn eS sich„nur" um Fronen handelt, um Arbeiterinnen. Die Arbeiter schätzt der Politiker immer noch etwas höher ein als Arbeiterinnen, weil die ersteren daS Stimmrecht haben und gegen ihn zur Anwendung bringen können. Ein Komitee von Frauen hat sich in New Uork gebildet, um Gelder zur Unterstützung der von der Polizei fo arg bedrängten Mädchen zu sammeln._ Eine Organisation österrcichischer Staatsarbeiterinnen. Der österreichische Staat beschäftigt in 30 Tabakfabriken 35 000 Arbeiterinnen und 4000 Arbeiter. Bis bor etwa acht Jahren herrschten in diesen staatlichen Betrieben die ärgsten Mißstände. Mißhandlungen brutalster Art wurden häufig ge- meldet. Die Löhne waren schlecht, die Arbeitszeit in jeder Fabrik anders und die Vorgesetzten herrschten despotisch. Jeder ge- bürdete sich als ein kleiner Herrgott. Ende der neunziger Jahre entstanden einige lokale Fach- vereine der Tabakarbeiterschaft, die mehr ein Sammelpunkt für die sozialistisch denkenden Arbeiterinnen dieser Orte waren; etne zewerlschastliche Macht konnten sie noch nicht ausüben. Erst 1902 kam eS zur Gründung einer ReichSorganisation, und nun ging es von Jahr zu Jahr vorwärts. Die besten Elemente sammelten sich in der Organisation. Wohl bilden in den meisten Fabriken die Organisierten noch die Minorität, aber man weiß aus Er- fahrung, daß in der Wirkung eine gut geleitete Organisation immer stärker ist. als es iZrer Mitgliederzahl entspricht. Und diese fast nur auS Frauen bestehende Organisation ist gut, um- sichtig, taktisch klug geleitet. An der Spitze der Zentralorgani- sation steht ein besoldeter Obmann. Dem Vorstand gehören tn der Mehrzahl Frauen an, und auch die Vertrauenspersonen in den Fabriken sind Frauen. Die Provinzortsgruppen werden fast immer von Frauen geleitet. Ausgezeichnete Kräfte haben sich für die Arbeiterbewegung entwickelt. Vielfach sind die leitenden Genossinnen der Gewerkschaft auch die Vertrauenspersonen der politischen Organisation. Tie Tabakarbeiterinnen haben es nicht leicht. Ueberau arbeiten ihnen die Christlichsozialen entgegen. Diese haben auch eine Fachorganisation gegründet und sie besitzen ein eigenes Fach- blatt. In einigen Orten steht der Kaplan an der Spitze der Organisation christlicher Tabakarbeiterinnen. Manche Fabrik- vorftehungen begünstigen unverhohlen die christlichsoziale Organ:- sation. So oft die sozialdemokratischen Tabakarbciterinnen Er- folge erreichen, versuchen die Christlichsozialen es so hinzustellen, als wäre das Erreichte ihr Verdienst. Dennoch geht die Organi- sation vorwärts und schreitet von Erfolg zu Erfolg. Ein Haupt- gewicht wurde immer auf die Verkürzung der Arbeitszeit gelegt. Die 48-Stundcnwoche ist das Ziel und es ist nicht mehr sehr weit entfernt. Seit Neujahr besteht die bl-Stundenwoche und am Sonnabend ist um m2 Uhr mittags Arbeitsschluß. Der freie Sonnabendnachmittag ist also für die österreichischen Tabakarbeiterinnen erreicht. Die Jnvalidenver sorgung ist wesentlich verbessert worden. Seit die Organisation besteht, l Sozialdemokrat. Wablverein Acllersliof. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Genosse Schuhmacher Uictoix Eulitz am Mittwoch, den S. Januar, plötzlich verstorben ist. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 8. d. M., nach- mittags 8 Uhr, von der Wohnung des Verstorbenen, Hackenberg- straße 23. aus statt. Die Genossen, die sich an der Beerdigung hetciligen, treffen fich >/,3 Uhr im Lokal von R. Kaut, Bismarckstratze 16. Um rege Beteiligung ersucht 232/3 Dv? Torstand. Zentral-Verband der Zimmerer Deutschlands. Zahlstelle Berlin und Umgegend. Bezirk 5. Den Berussgenossen zur Nach- richt, dag unser Mitglied Lrast Kuske am 6. d. MtS. verstorben ist. Ehre seinem Andenke« k Die Beerdigung findet heute Sonnabend, den 8. Januar, nach- mittags 2'/, Uhr, vom Trauer- Hause Eisenbahnstr. 32 aus nach dem Emmaus-Äirchhoj in Rixdors, Hermannstratze, statt. Um rege Beteiligung ersucht 251/1 Ter Borstand. BeerdigungsTerein Berliner Zimmerleute. ?lm 5. d. M. starb im Alter von 56 Jahren unser Mitglied, der Zimmerer Lraist Kuske. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet am Sonnabend, nachmittags 2'/, Uhr, vom Trauerhause, Eisenbahn- stratze 32, aus statt. Um rege Betefiigung ersucht 181b Der Borstand. Achtung, Iterche! Die Beerdigung des Sanges- bruders Kranskopf findet Montag 2'/, Uhr statt. Am Mittwoch verstarb im Krankenhause Buckow unser lieber Sohn, Bruder, Schwager und Onkel, der Kutscher 173b �einkold Spiller. Die Beerdigung findet Sonntag- nachmittagt'/zUhr vonderLcichcn- Halle des Iiixdorser Friedhofes am Maricndorser Weg aus statt. Bie trauernden Hinterbliebenen. Dr> Simmel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzenslr. 41, m*», 10— 2, 5— 7. Sonntags 10— 12. 2—4. Wer-Stoff-hatü Fertige Herrenanzug oder Paletot von 20 M. an, sctnfte Zutaten auf Roßhaar, zwei Anproben, für guten Sitz bekam gold. Medaille. Bitte zum Maßnehmen um Ihren Besuch, da keine Vertretung. Lindwte Engel, Prenzlauer Str. 23, II, Alexanderplatz. Gegr. 1832. Siehe auch Adreßbuch I. Teil, 1310, Seile bv2, unter E. 8/1 Enorm billiger Verkauf elegant. Monatsgarderoben früher 50—90 M., jetzt 13-28 M. Deutsches Bekleidungshaus, I Grosse Frankfurterstratze 89. l rr 1 Treppe, kein Läden. Fahrgeld wird vergütet. Deotscher taportarheitep-VerliaDd. Ortsverwaltung GroB-Berlln. Nachruf. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Omni- buskutscher ttennann Wetze! am Montag, den 3. Januar, im Aller von 42 Jahren gestorben ist. Ehre feinem Andenken: 85/5 Oie Verwaltung. Für die herzliche Teilnahme sowie für die zahlreiche Beteiligung bei der Beisetzung des MaschinenarbeitcrS Kran/. HoflTmann sagen wir hiermit allen herzlichen Dank, insbesondere den Kollegen von der Firma Otto. Liegnitzer Str. 8, sowie dem Wahlvcrein Grünau und demGesangverein Sängerlust, Grünau. Für die Hinterbliebenen: Martha Nieleboit und Sohn. sind die Arbeiterinnen wiederholt bei der k. k. General- direktion der Tabakregie und auch beim Finanzminister vorstellig geworden, um zu erreichen, daß die höchste Dienstzeit zum vollen Bezug der Jnvalidenversorgung von 40 auf 35 Jahre herabgesetzt werde. Das ist jetzt erreicht. Und schon nach fünfjähriger Dienst- zeit kann die niedrigste Invalidenrente bezogen werden. Auch eine Witwen- und Waisenversorgung wurde ein- geführt, die aber auf dem barbarischen Standpunkt steht, die unehelichen Kinder schlechter zu behandeln als die ehelichen. Ein guter, ausreichender Wöchnerinnen schütz steht ebenfalls im Vordergrund der Bestrebungen der Tabakarbeiterinnen. Da für sie auch nur die vierwöchentliche Schutzfrist gilt, die durch dle Gewerbeordnung vorgeschrieben ist, so hat die Generaldirektion vor einem Jahre probeweise einen zwölftägigen bezahlten Urlaub für jene Wöchnerinnen eingeführt, die nach ärztlichem Zeugnrs noch erholungsbedürftig sind. Durch diese bedingte Urlaubs- gewährung ist es aber zu argen Mißständen gekommen. Bei einer Konferenz, die am 1. und 2. Januar d. I. getagt hat und bei der 24 Fabriken vertreten waren, wurde berichtet, daß manche Aerzte keiner Wöchnerin den Urlaub gewähren, weil sie finden, daß, „wenn eine Urlaub bekommt, ihn jede haben will". Andere wieder haben in hundert Fällen nur dreimal den Urlaub für notwendig befunden. Andere wieder haben den Standpunkt eingenommen, daß jede Wöchnerin die zwölf Tage Urlaub notwendig hat. Die Arbeiterinnen verlangen nun, daß vor und nach der Niederkunft zwölf Tage bezahlter Urlaub obligatorisch gewährt werde. Sie verlangen weiter, daß im Anschluß an alle Fabriken Säug« lingsheime errichtet werden, wo stillfähige Mütter die Kinder stillen können und wo geschulte Wärterinnen die Kinder tagsüber betreuen. Bei zwei Fabriken bestehen schon solche Säuglingsheime und werden mustergültig geleitet. Weiter verlangen die Arbeite- rinnen die Anstellung von weiblichen Aerzten, mindestens in den großen Städten. Tann sollen Kindergärten errichtet werden, damit die Kinder der Tabakarbeiterinnen nicht in klösterlichen An- stalten untergebracht werden müssen. Schwere Anklagen wurden gegen die dort herrschenden Mißstände erhoben. Bei den Betriebskrankenkassen wollen die Arbeite- rinnen Einfluß und wirkliche Rechte haben. Heute werden die Interessen der Arbeiterinnen in den Krankenkassen selten gewahrt, weil nur die Hälfte der Vorstandsmitglieder gewählt werden, die andere Hälfte wird ernannt, und das sind fast immer Christlich- soziale. Diese haben dann zusammen mit d?r Fabrikvorstehung die Mehrheit und:„die Christlichen verlangen nichts". So erklärten die Arbeiterinnen. Sie streben jetzt die Gründung eines Verbandes sämtlicher Krankeninstitute der Tabakfabriken an. Davon erhoffen sie sich mehr Einfluß. Sie wollen die Gründung eines Tuber» k ulo s en h e i m es für die Tabakarbeiterschaft durchsetzen und eine Besserung des Aerzteverhältnisses. Den Verhandlungen der Tabakarbeiterinnenkonferenz hat auch ein höherer Beamter als Vertreter der k. k. Generaldirektion beigewohnt. Das sagt wohl, daß es den Dabakarbeiterinnen gelungen ist, sich die Beachtung des staatlichen Arbeitgebers zu erringen. A. H> Km., kPirl.-a*«•*>-. 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Stettin, Schillerstr. 10. ßemsanie Orls-Meites für Nowawes u. ümgeg. Hiermit ergcbenst zur Nachricht. daß die Beamten- sowie die Boten» stelle beseht sind. 270/2 Der Borstand. Geldschrankschlojser, junge, intelligente Kraft, wird von österreichifchcr Gcldschrankfabrik in Wien als techküschcs Aussichtsorgan ausgenommen: bei guter Verwendung sichere Lebensstellung. Gest. Anträge nebst früherer Verwendung und An- sprüche an die Firma* öeeke�üilligsliöilil.�j.''�' Wien VII, Bnrg�asse 33. Händler| 34 für Vanille und Muskatnüsse ges. d Wer über 10,— M. verfügt, kann 4 . schon bezichen. Hoher Verdienst I l g Willlelm Jung, Gewürzmüblen, « Düsseldorf, Schirmerstr. 12. Achtung! Holzarbeiter Wegen Streik und Diffcrenzc» fiub gesperrt: Knopf- uitbPerlmuttfadrik Hinze» Schiukostr. 8/9. Tischlerei und Bodenlegeret Schlichtlng. KotzkowSkystr. 7. Ti'chlcrei und Bodeulcgerci Timme, Wilmersdorf, Gafteincr Straste 6. Partettbodengefchäfte und derc» Bauten: Firma Kampmcyer. 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Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. VerlagSanjtalt Paul Singer Lc Co« Berlin SW. Nr. 6. 27. Jahrgang. 2. Dkiltzk ko Jonuiifö" Sctliiitt WltzM Sonnabend. 8. Jannar lM. liochmsk die(Polizei vor Geriebt.[ Gestern konnten wir über zwei Gerichtsverhandlungen bc- richten, welche das unberechtigte, gewalttätige Vorgehen von Polizeibeamten gegen harmlose Versammlungsbesucher grell be- leuchteten. Auch am gestrigen Freitag wurde vor den Schranken des Schöffengerichts Verlin-Mitte wieder ein Fall derselben Art er- ortert, der das Bild, welches am Donnerstag vor Gericht von der Behandlung des Publikums durch die Polizei entworfen worden, ergänzte und vervollständigte. Wie in den beiden vorgestrigen Prozessen, so handelte es sich auch in dem gestern verhandelten um Worgängc, lvelche sich nach Schlust der von bürgerlichen Frauen am 19. Oktober v. F. in der„Neuen Philharmonie" abgehaltenen Ferrer-Versammlung auf der Straße abspielten. Airgeklagt war der Tischler Weidingcr. Er wird beschuldigt, Anordnungen der Polizeibeamten nicht Folge geleistet und ihnen bei rechtmäßiger Ausübung ihres Slmtes Widerstand geleistet zu haben.— Zu den Versammlungsbesuchern gehörte der Angeklagte nicht. Er kam in Begleitung seiner Frau vom Bahnhof Jannowih- brücke und war auf dem Wege nach seiner Wohnung in der Schmid- stratze. An der Ecke der Köpenicker Straße kreuzte den Weg des Angeklagten eine Menschenmenge, die aus der Versammlung kam. Als die Menge vorüber war, überschritt der Angeklagte die Köpe- nicker Straße. Auf der anderen Seite blieb er einen Augenblick stehen, um sich nach seiner Frau umzusehen, die nicht an seiner Seite geblieben war. Was nun folgte, das stellt der Angeklagte so dar: Als ich stehen geblieben war, kam sofort ein Polizeileutnant auf mich zu und sagte:„Gehen Sie weiter." Ich sagte:„Jawohl, Herr Leutnant, ich gehe schon" und wollte grüßend an meinen Hut fassen. Da stieß mich der Leutnant mit beiden Händen vor die Brust und rief:„Gehen Sie Weiterl" Ich sagte:„Aber, Herr Leutnant, worum stoßen Sie mich?" Darauf sagte der Leutnant: „Wenn Sie nicht sofort weitergehen, kriege» Sie noch mehr." Der Leutnant stieß mich von hinten in den Rücken und gab den Schutz- leuten den Befehl, mich nach der Wache zu bringen. Sofort packten mich zwei Schutzleute, jeder an einem Arm. Ich ersuchte die Schutz- leute, mich loszulassen, denn ich würde ruhig mitgehen. Aber sie ließen nicht los, sondern hielten mich gepackt und brachten mich so zur Wache. Nach Feststellung meiner Personalien wurde ich wieder entlassen. Eine in allen wesentlichen Punkten entgegengesetzte Darstellung gaben die als Zeugen vernommenen Polizcibeamten, die mit dem Angeklagten zu tun hatten. Polizeileutnant Altroggc sagte, er habe einen Menschenknäuel, der sich an der Ecke der Köpenicker- und Neanderstraße gebildet hatte, höflich gebeten, fortzugehen. Alle seien dieser Aufforderung gefolgt. Nur der Angeklagte sei stehen ge° blieben und habe dadurch der Aufforderung„passiven" Widerstand entgegengesetzt. Diese Ansicht, daß ein Mann, der einen Augen- blick auf der Straße stehen bleibt, um seine hinterher kommende Frau zu erwarten, dadurch f et Polizei passiven Widerstand leiste, wollte selbst dem Borsitzenden beS Gerick-ts nicht einleuchten, denn er bemerkte, unter solchen Umständen würde auch er stehen ge- blieben sein.— Polizeileutnant Altrogge will den Angeklagten nochmals zum Weitergehen aufgefordert haben, und als er dann noch nicht ging, habe er, der Zeuge, den Angeklagten zurückgeschoben. Als sich dann der Angeklagte unwillig geäußert habe, sei er im Auftrage des Zeugen Altrogge durch einen Schutzmann zur Wache gebracht worden. Daß er den AngeNagten gestoßen habe, bestritt Polizeileutnant Altrogge mit großer Entschiedenheit.„Stoßen und schlagen tue ich nie", sagte Polizeileutnant Altrogge mit großem Nachdruck.„Ich bin"— sagte er weiter—„da das Gewerkschafts- haus in meinem Revier liegt, bei den Arbeiterführern als ein sehr ruhiger Beamter bekannt." Ter Verteidiger, Rechtsanwalt Dr. Kurt Rosenfeld, wollte, nachdem Polizeileutnant Altrogge mit so großer Bestimmtheit seine große Ruhe und nie versagende Korrektheit betont hatte, feststellen, daß nach jener Versammlung unter den Polizeibeamten, die auf der Straße Dienst hatten, eine urrgewöhnliche Aufregung herrschte, die zu Ausschreitungen gegen das Publikum führten.— Der Vor sitzende schnitt diese Beweisführung ab mit der Begründung: Was andere Beamte getan haben und ob andere Beamte aufgeregt waren, das habe für den vorliegenden Fall keine Bedeutung. Der Zeuge Schutzmann Schröder ist einer der beiden Beamten, die den Angeklagten auf Anordnung, des Leutnants Altrogge nach der Wache brachten. Schröder behauptet, er sei allein an den An- geklagten herangetreten, habe ihn zunächst noch mehrere Male auf- gefordert, fortzugehen, und ibn, da er der Aufforderung nicht folgte, abführen wollen, Ter Angeklagte habe aber so heftigen Widerstand geleistet, daß ein zweiter Schutzmann zu Hilfe kommen mußte, um den Angeklagten zur Wache zu bringen. Nachdem auch Polizeiwachtmeister Müller die Angaben der Vor- zeugen im allgemeinen bestätigt hatte, trat eine unbeteiligte Zeugin, Dentistin Frau Leonard!, vor die Schranken. Ihr Auftreten und ihre Aussagen machten den Eindruck einer gebildeten Frau, die in hohem Grade die Fähigkeit besitzt, Vorgänge ruhig zu beobachten, sicher aufzufassen und objektiv daxzustellen. Diese Zeugin be- kündete: Als ich, aus der Versammlung kommend, nach der Neander- straße zu ging, hörte ich, daß reitende Schutzleute hinter uns her galoppiert kamen. Alles stob vor ihnen auseinander. Ich dachte: Das kann hier bös werden. Um unangenehmen Erlebnissen aus dem Wege zu gehen, wollte ich in die Neanderstraße einbiegen. Da sah ich den hier anwesenden Polizciosfizier sAltrogge) in großer Erregung. Sein Gesicht war vor Aufregung verzerrt. Als ich einige Schritte weitergegangen war. hörte ich hinter mir rufen: „Machen Sie, daß Sie weiter kommen." Ich drehte mich um und sah, daß der Polizeilcutnnnt einen Mann lden Angeklagten) stieß, und als dieser dagegen Einwendungen machte, rief der Leutnant: Wenn Sie nicht geben, kriegen Sie noch mehr! Dann sah ich, daß zwei Schutzleute gleichzeitig den Angeklagten packten und ihn auch nicht losließen, nachdem er sie darum ersucht und versichert hatte. er werde ruhig mitgehen, denn er wisse ja, daß er mitgehen müsse. Widerstand hat der Angeklagte nickt geleistet. Die beiden Schutz- leute hielten ihn ja so fest, daß es ihm gar nicht möglich war. eine Bewegung des Widerstandes zu machen. Ich hielt eS für meine Menschenpflicht, mich dem Manne, der so von den Beamten be- handelt wurde, als Zeugin zur Verfügung zu stellen. Ich wollte dem Manne mein« Starte geben, aber der Polizeileutnant riß mir die Karte mit großer Gewalt auS der Hand und warf sie auf die Straße. Polizeileutnant Altrogge bezeichnete diese Angabe der Zeugin als eine grobe Entstellung. Er habe sich mit der Dame gar nicht beschäftigt. Sie habe, wie er gesehen habe, versucht, dem Ange- klagten ein Blatt Papier zu reichen, was aber, da der Angeklagte es nicht erfassen konnte, auf die Erde gefallen sei. Die Zeugin Leonardi blieb bei ihrer Darstellung und der- sicherte, daß ein Irrtum auf ihrer Seite ausgeschlossen sei. Da die Aussage dieser Zeugin geeignet war, das Gebäude der Anklage in seinen Grundvesten zu erschüttern, so hatte natürlich der Vertreter der Anklagcbehörde ein Interesse an ihrer Diskredi- tierung. Er richtete deshalb die Frage an sie, ob sie Sozialdemo- kratin sei.— Der Vorsitzende wies diese Frage als nicht zur Sache gehörig zurück. Doch hatte die Zeugin die Frage sofort mit nein beantwortet.— Ob die Zeugin eine Animosität gegen die Behörden habe, wollte der Staatsanwalt wissen. Auch das wurde verneint. Dann kam der Staatsanwalt mit dem Einwand, die Zeugin habe doch aus Furcht den Schauplatz der Handlung verlassen wollen. Damit stimme es doch nicht überein, daß sie sich durch Angebot ihres Zeugnisses in eine für sie unangenehme Angelegenheit gemischt habe!— Gewiß!— sagte die Zeugin— gehe ich unangenehmen Dingen gern aus dem Wege, aber hier handelte es sich um die Er- füllung einer Menschenpflicht. Für Recht und Gerechtigkeit lasse ich mein Leben, wenn es sein muß. Die folgenden Zeugen, Frau Goldschmidt und Waschanstalts- bcsitzer Gutsche haben den Vorgang nur teilweise beobachtet. Soweit sie Angaben darüber machten, stimmen sie mit denen der Zeugin Leonardi vollkommen iibercin. Frau Minna Cauer macht allgemeine Angaben über das Ver- halten der Polizei. Sie sei erstaunt und entsetzt gewesen, als sie beim Heraustreten aus dem Versammlungslokal so viele Schutz- leute erblickte. Das Publikum sei völlig ruhig gewesen, es habe kein Grund zum Einschreiten der Polizei vorgelegen, aber unter den Beamten schien Animosität gegen das Publikum zu herrschen. Ohne Grund seien die reitenden Schutzleute unter das Publikum auf den Bürgersteig geritten. Sie, die Zeugin, habe zu einem Polizei- offizier gesagt: Sie provozieren ja das Publikum.— Da die Zeugin keine unmittelbar mit dem Verhalten des Angeklagten in Beziehung stehende Angaben zu machen hatte, so schnitt der Borsitzende die Fortsetzung ihrer Aussage ab. Rechtsanwalt Dr. Rofenfeld hielt es jedoch für unerläßlich, daß, um ein richtiges Bild des vorliegenden Falles zu gewinnen, auch über das Verhalten der Polizei an jenem Abend Beweis erhoben werden müsse. Er beantragte deshalb die Ladung des Grafen Hocnsbrocch, der auch an dieser Stelle seine Wahrnehmungen über das Vorgehen der Polizei, die er in den beiden Vorprozessen machte, wiederholen solle.— Das Gericht aber lehnte de» Beweisantrag ab, weil sich die Tatsachen, die Graf Hoensbroech bekunden solle, nicht auf den vorliegenden Fall bezögen. Somit war die Beweisaufnahme geschlossen. Der Staats- anwalt bezeichnete die Angaben der Polizeibeamten als nicht wider legt und beantragte, den Angeklagten mit 19 M. zu bestrafen. Rechtsanwalt Dr. Rofenfeld begann sein Plädoyer mit der durchaus zutreffenden Bencerkung, daß auch in diesem Falle ein Unrichtiger auf die Anklagebank gekommen sei. Die Polizei gehöre auf die Anklagebank. Denn auf ihr Eingreifen, auf ihre ungesetz- lichen Maßnahmen sei es zurückzuführen, daß im Publikum Er- regung Platz griff. An der Hand der Zeugenaussagen wies der Verteidiger nach, daß die Beamten keinen Grund hatten, gegen den Angeklagten einzuschreiten, daß sie sich nicht in berechtigter Aus- Übung ihres Amtes befanden und der Angeklagte schon aus diesem Grunde nicht bestraft werden könne, selbst wenn er Widerstand ge- leistet haben sollte. Daß er dies aber nicht getan habe, sei ja durch einwandfreie Zeugen festgestellt worden. Der Verteidiger bean- tragte, den Angeklagte» nicht nur freizusprechen, sondern auch die Kosten der Verteidigung der Staatskasse aufzuerlegen.— Das Ver- halten der Polizei sei sowohl in diesem wie in den beiden Vor- Prozessen in einer Weise beleuchtet worden, daß er beabsichtige, Strafantrag gegen die betreffenden Beamten zu stellen. Er wünsche, daß alle Leute, welche Angaben machen können über Ausschreitun- gen der Polizeibeamten nach der Ferrer-Versammlung in der Neuen Philharmonie", so handeln, wie Frau Leonardi, das heißt, sich als Zeugen für das Strafverfahren gegen die Polizeibeamten melden, damit festgestellt werden könne, daß, wenn Zusammenstöße stattfänden, es immer die Schutzleute seien, welche die Zusammen- stoße verschuldeten. Das Gericht sprach den Angeklagten frei, weil die entgegen- stehenden Angaben der Zeugen kein klares Bild der tatsächlichen Vorgänge ergäben und der Vorgang deshalb als nicht aufgeklärt gelten müsse. Da das Gericht zu einem nc>n liquet(bleibt unauf- geklärt) gekommen sei. habe die Frage, ob die Beamten rechtmäßig handelten, nicht geprüft werden brauchen. Deshalb sei dem An- trage, die Bcrteidigungskostcn der Staatskasse aufzuerlegen, nicht stattgegeben worden. Daß nicht nur Polizeibeamte in Ausübung ihres Amtes, son- der» auch Richter nmnchmal nervös werden können, bewies ein Zwischenfall, der sich während der Verhandlung ereignete. Der Verteidiger tvandte sich zu dem Angeklagten, um leise mit ihm einige Worte zu wechseln. Der Vorsitzende, Amtsgcrichtsrat Lossau, untersagte ihm das, weil es die Verhandlung störe. Der Vor- sitzende verlangte, der Verteidiger solle, wenn er mit dem An- geklagten sprechen wolle, eine kleine Pause beantragen, die ihm ohne weiteres, gewährt werde.— Rechtsanwalt Roscnfeld bezeichnete es als sein unzweifelhaftes Recht, jederzeit, auch ohne Pause, mit dem Angeklagten zu sprechen. Die Verhandlung werde dadurch nicht gestört.— Als sich der Verteidiger bald darauf wieder zu dem Angeklagten unnvandte, wandte sich der Vorsitzende an den Staats- anwalt. Dieser beantragte, den Verteidiger in eine Ungebührstrafe von 29 M. zu nehmen, die das Gericht nach längerer Beratung auch verhängte. Beschwerde gegen diesen Beschluß ist natürlich so- fort eingelegt. Auch gegen das Urteil legt hoffentlich der freigesprochene Ange klagte Berufung ein, weil nicht auch die ihm erwachsenen notwen- digcn Auslagen der Staatskasse auferlegt sind, ß 499 Str.-Pr.-O. gibt freilich dem Gericht nur die Befugnis, legt ihm also nicht die Pflicht auf, auch diese Lasten im Fall eines Freispruchs der Staats lasse aufzuerlegen. Aber der Gerechtigkeit und Billigkeit ent> spricht es zum mindesten, in all den Füllen auch die dem Angeklagt ten erwachsenen Auslagen der Staatskasse aufzuerlegen, in denen die totale Unschuld des Angeklagten so wie hier sich evident heraus gestellt hat. Der Vorfall zeigt, wie außerordentlich bedenklich es ist, auf Grund der Angaben von Polizeibeamten, die infolge der höchst überflüssigen unter dem Titel„zur Aufrechterhaltung der Ordnung usw." erteilten Befehle naturgemäß aufgeregt sind. An klage zu erheben. Hielt das Polizeipräsidium das Massenaufgebot an Schutzleuten aller Gattungen für erforderlich, so hätte es die nicht gar so große Mühe nicht scheuen sollen, durch Aufstellung von Kinematographen und Phonographen die Vorfälle selbst zu fixieren. Diese objektiven Zeugen hätten dem Präsidium selbst das von den Zivilzeugen gezeichnete Bild so klar präsentiert, daß auch dem an- klagedurstigen Polizeipräsidenten und Staatsanwalt die Lust zur Erhebung einer Anklage gegen die Mitglieder der Zivilbevölkerung wohl vergangen wäre. Die Verhandlung hat wie die am Donners- tag stattgehabte reichliches Material zur Anklage und Verurteilung der Polizei beigebracht. Zurzeit beklagt sich der Polizeipräsident und mehrere Polizeikommissare. wie wir neulich bereits erwähnten, darüber, daß das Publikum auch in nichtpolitischen Fällen, in denen es sich um polizeiliches Vorgehen gegen Einbrecher, Zuhälter usw. handelt, so selten zugunsten der Polizei einschreite. Vielleicht belehrt der gestrige und vorgestrige Prozeß auch die Polizeibeamten über die Gründe zu dieser Abstinenz. Werden harmlose Bürger polizeilich so attackiert und provoziert, wie die Verhandlungen zeigten,— wer soll annehmen, daß die danach so gemeingefährliche Polizei auch einen Kampf gegen wirklich gemeingefährliche Ele- mente führt? Partei- Angelegenheiten. Die Kreisgeneralversammlung für Niederbarnim findet am Sonntag, den 9. Januar 19t9, mittags l2 Uhr, in Rummelsburg,„Caf6 Bellevue", statt. Auf der Tages- ordnung steht:„Berichterstattung vom„Preußischen P a r t e i t a g". Für Mitglieder, die den Verhandlungen beiwohnen wollen, dient als Legitimation das Mitgliedsbuch. Vritz-Buckow. Dienstagabend 3A9 Uhr findet im Landhaus, Chausseestraße 97, eine öffentliche Versammlung statt. Tages- ordnung: 1. Sozialdemokratische Gemeindepolitik. Referent: Genosse E. Wutzky. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Sonntag früh L Uhr findet von den bekannten Stellen aus eine Flugblatt- Verbreitung statt. Der Vorstand. Stralau. Die Generalversammlung des Wahlvereins findet am Sonntag, den 9. Januar, vormittags 9� Uhr, im Lokal von Steinigke, Alt-Stralau 5, statt. Tagesordnung: 1. Bericht der Be- zirksleitung und der Funktionäre. 2. Neuwahl der Bezirksleitung und der Funktionäre. 3. Vereinsangelegenheitcn. Mitgliedsbuch legitimiert. Die Bezirksleitung. Adlershof. Dienstag, den 11. Januar, abends S1/» Uhr, im Lokal von Wöllstein, Bismarckstr. 24: Oeffentliche Versammlung. Tagesordnung:„Warum sind wir für die Eingemeindung nnt Köpenick?" Referent: Genosse H. Hildebrandt. Der Vorstand. Friebrichshagen. Den Genossen und Genossinnen zur Kenntnis, daß die Bibliotheksstunde am Sonntag, den 9. Januar, vormittags von 19—11 Uhr, stattfindet. Die Bibliothekskommission. Reinickendorf-Ost und West. Sonntag, vormittags 8 Uhr: Flugblattverbreitung von den bekannten Stellen aus. Die Bezirksleitungen. Lerlmer /Nachrichten. Blindenarbeit und Blindenverdieust. Für Blinde unterhält die Stadt Berlin einige Fürsorge- einrichtungen. Zu ihnen gehört eine Beschäftig ungs- a n st a l t, die den Blinden Gelegenheit gibt, durch Arbeit ihr Brot zu verdienen. Die Beschäftigungsanstalt für Blinde ist untergebracht im Hause Oranienstr. 26. Die Blinden müssen täglich zur An- statt kommen, um dort die ihnen zugewiesene Arbeit aus- zuführen. Für ihre Führung nach und von der Anstalt haben in der Regel sie selber zu sorgen, doch kann denen, die in entfernteren Stadtgegenden wohnen, aus Stiftungsnnttcln ein Führer gestellt oder Fahrgeld gewährt werden. Die Arbeit, die durch Vermittelung dieser Anstatt gegeben wird, besteht für männliche wie für weibliche Blinde hauptsächlich im Stuhl- und Korbflechten und im B ü r st e n- und Besen- binden; mit Nadelarbeit und mit Blindenschrift» druck werden nur einzelne Personen beschäftigt. Im Etats- jähr 1908/09 hatte die Beschäftigungsanstalt zu Beginn des Winters 175 Teilnehmer. 90 männliche und 85 weibliche. 162 davon arbeiteten täglich von morgens 8 Uhr bis nach- mittags 4 Uhr in den verschiedenen Betrieben der Anstalt, 13 wurden nur an drei Tagen jeder Woche für einzelne Arbeitsstunden beschäftigt. Diese 13 Blinden, nur weibliche, leisteten Nadelarbeit. Die anderen 162 wurden in folgender Weise beschäftigt: mit Stuhlflechterei 30 männliche und 23weib- liche, mit Korbflechterei 33 männliche, mit Bürstcnbiuderei 5 männliche und 23 weibliche, mit Besenpicherci 22 mann- liche und 24 weibliche, mit Blindenschriftdruck 2 weibliche. Wie viel verdienen die Blinden mit diesen Arbeiten? Im Etatsjahr 1908/09 wurden den Teilnehmern 55 874 M. Lohn ausgezahlt, für 53 Stuhlflechter 8434 M., für 33 Korbflechter 11 043 M., für 28 Bürstenmacher 8880 M., für 46 Besenpicher 25 956 M., für 13 Handarbeiterinnen 388 M., für 2 Druckerinnen 1174 M. Die Lohnbeträge wurden dem Erlös vom Verkauf der gefertigten Waren entnommen. Bei gleichmäßiger Verteilung auf alle 175 Teilnehmer ergübe sich für jeden ein Lohn von nur 26,60 M. pro Monat, bei gleichmäßiger Verteilung innerhalb der verschiedenen Arbeits- betriebe ergäbe sich als durchschnittlicher Monatslohn: für jeden Stuhlflechter 13,45 Mar!, für jeden Korbflechter 29,78 Mark, für jeden Bürsten- mach er 22,86 Mark, für jeden B e s e n P i ch e r 44,26 Mark, für jede Handarbeiterin 7,46 Mark, für jede Druckerin 58,70 Mark. Die 13 Handarbeiterinnen konnten, wie schon gesagt, immer nur für einige Stunden pro Woche beschäftigt werden. Dagegen verweilten alle anderen Arbeiterinnen und Arbeiter in der Anstatt täglich 8 Stunden. wovon nach Angabe des Verwaltungsberichts der Blinden- depntation 7 Stunden als Arbeitszeit anzusehen wären. Selbstverständlich haben nicht alle das v«lle Jahr hindurch zu den Teilnehmern gehört, auch wird vielleicht nicht immer für alle Teilnehmer Beschäftigung vorhanden gewesen sein. Der Bericht sagt leider nichts hierüber. Manche Teilnehmer der Beschäftigungsanstalt für Blinde werden gewiß noch privatim sich nach Arbeit umtun. Es ist indes zu vermuten, daß durch Vermittelung der Anstatt es ihnen erleichtert wird, regelmäßigere Beschäftigung zu finden. Wie wir hören, sollen die Bezüge der Blinden für ihre Tätigkeit im kommenden Etatsjahre eine Besserung erfahren. Das tut auch dringend not. Die Arbeiter-BildungSschule beginnt am morgigen Sonntagvormittag um 19 Uhr in ihrem eigenen Schullokal, G r e n a d i e r st r. 3 7. mit der National- Ökonomie die Kurse dieses neuen Unterrichtsquartals. Dem Sonn- tagskursuS in Nationalökonomie, den wieder Genosse G r u n w a l d abhält, folgt am Montag der 5wrsus in Naturerkenntnis des Genossen Wurm, am Mittwoch Gesetzes» künde vom Genossen Oskar Cohn, am Donnerstag die Rednerschule des Genossen Grunwald, am Freitag Ge» werkschaftSwesen vom Genossen Dittmer und Sonn- abend Geschichte vom Genossen Block. Außerdem hält die Schule wieder einen FortschrittLkursuS in National. ö k o n o m i e durch den Genossen Julian B o r ch a r d t ab, der erst am 27. d. M. beginnt, und in Lichtenberg-Rummelsburg einen Kursus über Geschichte durch den Genossen Katzen st ein, der am 13. d. M. anfängt. Wie dieser Lehrplan zeigt, hat sich die Schule auch in dem neuen Quartale aus guten und oft erprobten Gründen wieder auf das wesentlichste und notwendigste Wissen für die klassenbewußte Arbeiterschaft beschränkt. Die Schule hat damit auch in steigendem Maße ihre Aufgabe erfüllt und sich den Dank der Arbeiterschaft von Groß-Berlin immer wieder reichlich verdient. Dieser Dank öll aber nicht so sehr in der innerlichen Anerkennung sich betätigen, als vor allem in einem immer stärkerenBesuch derSchule. In dieser Hinsicht ist noch manches zu bessern, und das neue Quartal gibt Gelegenheit, Besserung durch noch stärkeren Besuch zu zeigen. Der Besuch der Schule wird in dem jetzt beginnenden Quartale auch um deswegen wohl mit Recht einen solchen stärkeren Umfang annehmen, als die Berliner Genossen und Genossinnen in diesem Quartal Vicht so sehr von Wahlen und anderen politischen und gewerkschaftlichen Aufgaven in Anspruch genommen sind. In dieser Erwartung und mit diesem Wunsche begrüßen auch wir den Schul- beginn._ Die GljarUe wird in diesem Jahre ihr zweihundertjähriges Bestehen begehen. Im Jahre 1710, als in der Mark die Pest zu wüten begann, ließ König Friedrich I. auch in Berlin Vorkehrungen gegen die Epidemie treffen und draußen, an der Peripherie Berlins ein Peithaus errichten. Es lag an dem, vom Unterbaume aus an- gelegten Kanal, der seit Einführung der Treckschuyten in Berlin ür den Hof den Weg nach dem Lustschlosse Schönhausen bildete. luf Stadtplänen aus den S0er Jahren des vorigen Jahrhunderts ist dieser Kanal, die Neue Panke, noch zu finden; er verschwand erst in neuerer Zeit und ist noch jetzt teilweise in dem Kanal er- kennbar, der den Nordhasen mit dem Humboldthafen verbindet. Das Pesthaus hat glücklicherweise bei seiner Gründung nicht in Funktion zu treten brauchen. Die Pest verschonte Berlin und das Gebäude wurde kurz nach Beseitigung der Gefahr zu einem Hospital und Arbeitshaus bestimmt. Im Jahre 1726 richtete triedrich Wilhelm I es unter dem Namen„Charite" als allgemeines rankenhaus und zu einer Schule für angehend« Aerzte ein. Dieser Bestimmung ist das Gebäude bis jetzt erhalten geblieben, wiederholt durch Anbauten und Umbauten vergrößert, sodaß es bereits 1735 gegen 1666 Kranke aufnehmen konnte. In dieser Zeit war der erste königliche Leibarzt gleichzeitig der Chefarzt der Charite. Zwei Aerzte wohnten außerdem im Gebäude, während der Krankendienst von einem Stabs- und drei Pensionärchirurgen sowie einer Wteilung der Pepiniere versehen wurde. Die Arzneien lieferte die Hofapotheke. Alle übrigen Beamten der Charite unter- standen dem Polizeipräsidium. Bei der Neugründung im Jahre 1726 hatte der König ein Kapital von 166 000 Taler für die Anstalt ausgesetzt und ihr als besondere Einnahme den Erlös auS den Lehr- briese» der Handwerker zugewiesen. Zu gleicher Zeit schenkte Graf Wartensleben dem Hause große Ländereien in der Nähe, später Freiherr von Groppendorf 36 000, Graf Arnim 12 000 Taler. Vom Bankier Negelin erhielt die Charite zwei Häuser in Charlotten- bürg, vom König Friedrich Wilhelm III. die ehemaligen Güter der Gräfin Lichtenau, sodaß also die finanzielle Lage des Instituts stets eine gesicherte gewesen ist. Gleichzeitig mit der Charite ist auch die Charitestraße ent- standen. Ursprünglich ein Zugang zu dem alS Pesthaus errichteten Gebäude, bewahrt sie in ihrer Form noch die Richtung der alten Stadtmauer, hinter der sie entlang führte. Erst im ersten Drittel des vorigen Jahrhunderts ist indessen der ganze Stadtteil um die Charite zur Blüte gelangt. Die eigentliche Erschließung der Gegend, die als Stadtviertel den Namen Friedrich-Wilhelmstadt erhielt, erfolgte durch den Seifensieder Schumann, der 1823 zwischen Charite, Tierarzneischule und Schiffbauerdamm die ersten Häuser baute und nach dem die Schumannstraße benannt ist. Die Einuahmen der städtischen Straßenbahnen im Dezember be- trugen 81 165,30 M. gegen 66 388,25 M. im Dezember 1908, d. i. eine Tageseinnahme von 2618.25 M. gegen 2139,94 M. im Dezember 1908. Es wurden insgesamt 836 129 Personen gegen 710476 Per- sonen im Vorjabre befördert. Die Anzahl der im Dezember ge- sahrenen Wagenkilometer sMotorwagen und Anhängewagen) ist von 126 012 des Vorjahres auf 146 563 gestiegen. Die Einnahme für das Wagenkilometer beträgt 55,33 Pf. gegen 52,64 Pf. im Borjahre. Bürgerlicher Weihnachtspräsentschwindel. UnS wird geschrieben:„August Scherl, der sich um die deutsche Volksbildung schon manches„Verdienst" erworben hat, offeriert den Lesern seiner bekannten Jm'eratenplantage seit Jahr und Tag zu Weihnachten die Früchte der deutschen Literatur. In welcher Ver- stümmelung da die großen Geister der deutschen Literatur dem Volke geboten werde», mag ein Beispiel an seinen diesjährigen Weihnachtspräsenten geben. Unker anderen Werken war auch Lenau wochenlang in ausgiebigster Reklame im.Lokal-Anzeiger' offeriert worden. Natürlich mußte man glauben, daß Lenaus Werke in der Originalform geboten wurden. Hatte man das Buch gekauft, so konnte man beim Nachschlagen die schönste Enttäuschung erleben. Daß einzelne Sachen wie„Ziska" und„Don Juan" fehlten, war schon schlimm genug, schlimmer war, daß vielfach die kräftigen Ausdrücke, die Lenau belieble, abgeschwächt waren und einem zahmen deutschen Spießerausdruck Platz gemacht hatten. Geradezu unerhört aber ist es, wenn im„Savonarola", jener Dichtung, wo Lena» mit der Pkaffenbrut so energiich ins Gericht geht, nahezu 30 Verse fehlen. So fehlt der Absatz„Das Gelage" in jenem Werke ganz. Ohne diesen Absatz ist aber der ganze„Savonarola" nicht verständlich. Also weil der Dichter hier den pfäsfifchen Heuchlern gründlich die Wahrheit gesagt hat und speziell das Verhältnis Papst Alexanders VI. zu der Borgia iatirisch geißelt, wird seine Dichtung in gemeiner Weise verftüinmelt. So sehen Scherls„Verdienste" um die deutsche Literatur und Bottsbildung aus. Wie sagt doch Lenau selbst:„DaS Licht des Himmels läßt sich nicht versprengen durch Purpurmäntel oder dunkle Kutten." Christliche Sozialistenbekämpfer. Daß die Diener der Kirche sich als eifrige Bekämpfer der Sozial- demokratie betätigen, ist nicht? Neues, obivohl die frommen Herr- schaften immer so tun, als könnten sie kein Wässerchen trüben. Daß sie diesen Kampf vielfach mit unlauteren Mitteln führen, ist gleichfalls bekannt. Einen Beitrag zu diesem Kapitel liefert folgendes Inserat, das wir im„Lokal-Anzeiger" finden- es lautet: „Für ein zuverlässiges Ehepaar, welches ein klemes Geschäft hatte, aber durch Bohlott von feiten der Sozialdemokratie voll- ständig ruiniert ist, suche ich zum 1. April, eventuell früher eine Stellung als Portier, Kassenbote und dergleichen. Pfarrer lio. Dr. Dietrich. Berlin NW., Wiclesstr. 10." Hoffentlich erreicht der Herr Pfarrer Dietrich seinen Zweck, dem Ehepaar, das sich seiner bedient, zu helfen. Wenn in solcher Weise Klagelieder angestimmt werden, so ist daS immer eine Einpfehlung. DaS muß vor allem ein Prediger wissen und weiß er a»ch. Eine andere Sache ist eS. ob die Behauptung des Herrn Dietrich stimmt. Wir bestreiten die Nichtigkeit der Pastoralen Behauplung so lange. bis der Herr uns nicht Gelegenheit zur Nachprüfung gibt. Wir wollen zugunsten des Herrn Pastors einstweilen an- nehmen, daß er sich hat beschwindeln lassen»nd darauf hineingefallen ist, obwohl man nack der Form des Bittgesuchs ihm nur schwer de» guten Glauben zubilligen kann. Ein Strahenbahnunglück. Ein heftiger Zusammenstoß, bei dem eine Frau getötet, zwei Männer schwer und ein dritter leichter, aber auch erheblich verletzt wurde, ereignete sich in der vergangenen Nacht gegen 1 Uhr vor dem Hause Müllerstr. 163, an der Burgsdorffstraße. Dort stieß der Straßenbahnwagen 1768 der Linie 25, Charlottenstraße— Tegel, der nach Tegel hinausfuhr, mit dem Kraftomnibus 1397 der Linie Hallesches Tor— Müllerstraße so heftig zusammen, daß beide Wagen schwer beschädigt und viele Insassen verletzt wurden. Die meisten Fahrgäste kamen mit unbedeutenden Wunden davon. Am schlimm- sten erging es der KaufmannSfrau Elise Welzin aus der Müller- straße 163-». Sie erlitt lebensgefährliche Quetschungen und das linke Bein wurde ihr fast abgerissen. Die Verunglückte ist im Virchowkrankenhause bereits gestorben. Der Tapezierer Albert KorSke aus der Turiner Straße 4 erlitt einen Beckenbruch. Der Arbeiter Paul Zerniko aus der Buchstr. 5 starke Verletzungen am Schienbein und äm linken Knie, der Tischlermeister Adolf Mertin aus der Müllerstr. 139 leichtere Verletzungen an der linken Hüste. Alle drei wurden ebenfalls nach dem Virchowkrankenhause gebracht. Merlin konnte, nachdem sr einen Verband erhalten hatte, nach Hause entlassen werden. KorSke und Zerniko sind so schwer verletzt. daß sie in der Anstalt bleiben mußten. Die Schuld an dem Un- glück wird beiden Fahrern zugeschrieben. Bon seinem eigenen Wagen überfahren und getötci Kurde gestern der Müllkutscher Hugo Elsner aus Weißensee. Der Mann stieg während der Fahrt an der Ecke der Scydlitz- und Lehrter Straße auf die Deichsel, um an den Zügeln etwas in Ordnung zu bringen. Er verlor das Gleichgewicht und fiel so unglücklich auf das Pflaster, daß ihm ein Vorder- und ein Hinterrad über Kopf und Brust gingen. Die Hinterbliebcncnversicherung in der Reichsversicherungs- ordnung wird am Montag, den 10. Januar, abends 8'/? Uhr, auf einem Vortragsabend der Gesellschaft für Soziale Reform, Orts- gruppe Berlin, zur Erörterung kommen. Referieren werden Herr Dr. Brunn, Vorstandsmitglied der Landesversicherungsanstalt Berlin, und Frl. Dr. Margarete Bernhard. Einladungen zu dem im Gewerbegericht(Zimmerstraße 90/91 1) stattfindenden Vortragsabend versendet die Geschäftsstelle der Ortsgruppe, Berlin SW. 11, Hafcnplatz 6 III. Ein gefährlicher Schlafstellenschwindler treibt gegenwärtig im Norden Berlins und in den nördlichen Vororten sein Wesen. Der Gauner sucht zumeist Zimmervermieterinnen auf, die Witwen sind und mietet nur solche Schlafstellen, die schon bewohnt werden. Er läßt sich von der Vermieterin gut bewirten, um dann am nächsten Tage unter Mitnahme von allerlei Gegenständen zu ver- schwinden. Mit Vorliebe eignet sich der Verbrecher Kleidungsstücke seiner Scklafgenossen und deren Papiere an. Derartige Manöver hat der Schwindler in der Brunowstraße, Schloß- und Bahnhof- straße in Tegel, in Reinickendorf und in der Müller- und Pank- straße in Berlin verübt. Der Gauner ist etwa 22 Jahre alt und macht einen vertrauenerweckenden Eindruck. Er ist etwa 1,70 Meter groß, hat dunkles Haar und einen kleinen hellblonden Schnurr- bart. Bekleidet ist er mit braunem Jackettanzug, schwarzem Winterüberzioher, schwarzem steifen Hut und schwarzen Schnür- stiefeln. Allem Anschein nach ist der gefährliche Schlafstellen. schwindler der aus Jnsterburg gebürtige, 20jährige Schlosser Wilhelm Neumann, in dessen in dem Verbrecheralbum der Krimi. nalpolizei befindlichen Photographie einer der Geschädigten seinen verschwundenen Schlafgenoffen erkannt haben will. Fcuerwehrnachrichten. Gestern früh um 7 Uhr kam in den Werkstätten der Holzbearbeitungsfabrik von Mindbrodt u. Co., in der Liesenstraße 4, Feuer auS. Angeblich waren dort Späne durch Fahrlässigkeit in Brand geraten. Die Flammen hatten bei An- kunft der Feuerwehr eine solche Ausdehnung erlangt, daß kräftig gelöscht werden mußte, um ein Ueberspringen der Flammen auf die übrigen Betriebe zu verhüten. Der 5. Zug hatte in der Wrangelstr. 118 zu tun, wo in einer Fahrerstube Möbel brannten. Am Weidenweg 20 mußte ein Kellerbrand gelöscht werden. Wegen , aes Schornsteinbrandes erfolgte ein Alarm nach der Zimmer- straße 90 und wegen eines Zimmerbranpes nach der Neuen König- straße 12. Bereits über 70 Alarme hat die Berliner Feuerwehr im neuen Jahre zu verzeichnen, das in dieser Beziehung„gut" ange- fangen hat. Ein sehr gefährlicher Brand kam gestern früh um 9 Uhr in der Sebastianstraße 5 zum Ausbruch und verursachte der Feuer- wehr viel Arbeit. Als das Feuer bemerkt wurde, stand die Rahmen- fabrik von H. Schachtmeyer auf dem Hofe deS Grundstück? nahe der Prinzenstraße schon in geraumer Ausdehnung in Flammen. Die schnell alarmierte Feuerwehr fand bei ihrer Ankunft bereits einen großen Brandherd vor. Der Brandinspektor ließ deshalb gleich mit drei Schlauchleitungen von Dampfspritzen kräftig Wasser geben, konnte aber trotzdem nicht mehr verhindern, daß zwei Stock- werke ausbrannten. Der erhebliche Schaden soll durch Versicherung gedeckt sein. Die Abteilung der Fabrik für Bierdruckapparate, Metallwaren, sowie das Billardlager und das Lager für Billard- Utensilien blieben erhalten. Erst gegen 8 Uhr war daS Feuer gelöscht._ Vorort- JVadmchtem Weihensee. Die erste Sitzung der Gemeindevertretung in diesem Jahre war von sehr kurzer Dauer. In der Hauptsache wurde ein Straßen- regulierungsvertrag mit den Backschen Erben gegen drei Stimmen angenommen, der eine Regulierung und Weitersührung der Straßen Lindenallee und Metzstraße vorsieht. In der ersten Lesung wurde dieser Vertrag von einzelnen Vertretern auf daS heftigste bekämpft und in den Hausbesitzerversammlungen und den Ortsblättern sehr stark kritisiert. Man war deshalb verwundert, daß in der erneuten Verhandlung der ziemlich ausgedehnte Bertrag fast ohne Debatte angenommen wurde. Nieder-Schönhause». In der ersten Gemeindevertretersttznng im neuen Jahre gab der Bürgermeister bekannt, daß er die Wünsche der letzten Sitzung be» zllglich der Verkehrsverbesserungen in den Morgen- und Mittagstunden aus der Siemensbahn der Direltion persönlich übermittelt habe. Die Betriebsverwaltung habe erklärt, daß sie gerne bereit sei, einen zweiten Anhängewagen in den angegebenen Stunden mitzu- führen, jedoch habe sie dazu noch nicht die Zustimmung deS Polizeipräsidenten erhalten. Bürgermeister Abrahani hat sich nun be- reit erklärt, in der Angelegenheit persönlich beim Polizeipräsidenten vorstellig zu werden, sollte auch dies ohne Erfolg sein, dann müsse von der städtischen Slraßenbahngesellschaft die Einführung eines FünfminutenverlehrS verlangt werden. Der Plan des neuen Fried- hofeS im Schönholzer Forst wurde in der vorgelegten Fassung ge- nehmtat, zugleich gelangten die bisherigen Friedhofsbestimmungen und Gebührensätze, an denen nur wenig geändert wurde, zur An- nähme. Für die Beisetzung von Aschenresten in die neu zu er- richtende Urnenhalle werden noch besondere Bestimmungen erlassen, Auf dem neuen Friedhof sind 2514 Grabstellen vorgesehen. Als Stellvertreter für den ArmenbezirkSvorsteher des zweiten Bezirks wurde Herr Rentier Schlabowsk gewählt. Hierauf folgte«ine nicht- öffentliche Sitzung. Spandau. Stadtverordnelenversammlnng. Die erste Sitzung im neuen Jahre am Donnerstag beschäftigte sich zunächst mit der Einführung oon 16 neu- resp, wiedergewählten Stadtverordneten; darunter befinden sich auch die Genossen August Beiler und Fritz Götze. Gleich die zweite Vorlage, die Vorstandswahl, brachte eine Ueberraschung, welche aus da« deutlichste beweist, daß der Spandauer kommunal- freist»«, der einstmals eine so große Rolle hier spielte, vollständig schlafen gegangen und sich mit den reaktioiiSreii Konservatien ganz verschmolzen hat. Der bisherige langjährige Vorsteher Schröder, ein Freisiimsmann, wurde nicht wiedergewählt. trotzdem der Alterspräsident Stadtv, Schob noch«ine Lanze für ihn einlegte und seine Wiederwahl empfahl. Diese Emvfehlung mutete allerdings an wie eine Satire. denn der Stadtv, Schob ist der Verleger des konservativen„Spand. Tageblatts". Der alte freisinnige Borsteher Schröder, welcher der älteste Stadtverordnete ist und der neun Jahre den Vorsitz führte, vereinigte von 46 abgegebenen Stimmen nur 14 auf sich, 31 Stimmen fielen auf den konservativen Landtagsabgeordneten und Vorsitzenden des konservativen„Neuen Wahlvereins", Rechtsanwalt Lud icke. Er wurde zum ersten Vorsteher gewählt und damit hat die Versammlung dokumentiert, in welchem Fahrwasser sie jetzt segelt. Konservativ bis auf die Knochen. Verdient hat ja der Freisinn diesen konservativen Nasenstüber in vollem Maße, denn bei allen Wahlen, wo er zwischen Konservativen und Sozialdemokraten den Ausschlag gab, hat er sich mit Haut und Haaren den Konser- vativen verschrieben. Zum stellvertretenden Vorsteher wurde der Maurermeister Hülsebeck gewählt. Bekannt ist dieser Herr als ein Soziiöler. Erster Schriftführer wurde der konservative Kriegervereinler Krempf und zweiter Schriftführer der konservative Obermeister der Geschützgießerei Hanne mann. In den sechsten Ausschuß, der die Vorschläge zu den verschiedenen Deputationen zu machen hat, wurde u. a. auch der Genosse Pieper gewählt. Gleichfalls wurde Genosse Pieper in die gemischte Kom- Mission zur Beratung der Rebiflon der LustBarkeitssteuer gewählt. Von den sonst noch zur Beratung stehenden Borlagen sei nur er« wähnt, daß die Versammlung 107000 M. zur Herstellung einer unterirdischen Feueralarm- und Fernsprecher-Einrichtung bewilligte. Die Ausführung der Arbeiten wird der Firma Siemens u. Schuckert A.-G. freihändig übertragen. Einige Nummern der Tagesordnunf wurdeu vertagt. Gerichts-Zeitung, (Siehe auch Hauptblatt.) Zu Tode gefahren. Wegen fahrlässiger Tötung verhandelte die 8. Strafkammer des Landgerichts I unter Vorsitz des Landgerichtsdirektors Lieber gegen den Kutscher Ludwig Klündcr.— Am 27. Oktober vorigen Jahres fuhr der Angeklagte mit einem KieSwagen durch die Acker« straße. Als er einen vor ihm fahrenden KieSwagen überholen wollte, schlug er ein unsinniges Tempo ein. Da der Angeklagte außerdem auch noch angetrunken war, achtete er nicht darauf, daß ihm der Arbeiter Hermann Thimm mit einem Handwagen en£« gcgenkam. Er fuhr vielmehr drauflos und peitsche noch auf die abgehetzten Pferde loS, als er den Arbeiter schon umgestoßen hatte. Der Unglückliche geriet unter die Räder und wurde zu Tode ge- quetscht. Als der Angeklagte sah. was er angerichtet hatte, ver- suchte er die Flucht zu ergreifen. Er wurde jedoch von Passanten angehalten und einem Schutzmann übergeben.— Mit Rücksicht auf die grobe Fahrlässigkeit des Angeklagten beantragte Staats» anwaltassessor Kempner eine Gefängnisstrafe von zwei Jahren. um für derartig leichsinnige Kutscher ein Exempel zu statuieren. TaS Gericht erkannte diesem Antrage gemäß auf zwei Jahre Ge- fängnis, da derartige unvernünftige Kutscher als eine öffentliche Gefahr anzusehen sind. Sie sind, fügen wir hinzu, nicht minder eine Gefahr für die übergroße Anzahl verständig fahrender Kutscher, weil solche nicht genug zu verurteilende Ausschreitung«» einzelner ein durchaus ungerechtfertigtes Vorurteil gegen diS Kutscher im allgemeinen wachrufen. Urteil im Prozeß Fricbberg. DaS Reichsgericht verwarf gestern, wie uns ein Telegramm aus Leipzig meldet, die Revision des Bankiers Friedberg gegen das Urteil des Landgerichts I Berlin vom 1. Mai, hob aber auf die Revision des Staatsanwalts das Urteil auf, soweit Friedberg von der Anklage wegen Vergehens gegen ß 313 Slbs. 3 deS Handels. gesetzbucheS freigesprochen worden ,st. Im übrigen wurde die Revision de? Staatsanwalts gegen die teilweise Frcisprechunß Friedbergs und Lohns verworfen. Vermischtes. Schlotzbrand in Athen. Ein großer Brand hat vorgestern abend bis in die Rächt hinein den königlichen Palast in Athen verheert. Nach offiziöser Angabe ist seine Entstehung auf«wen Zufall zurückzuführen. Ein um Mitternacht in Athen aufgegebenes Telegramm berichtet; Zur Bewältigung des Brandes im königlichen Palaste sind Truppen herangezogen worden, die versuchen, daS Feuer auf daS obere Stockwerk zu beschränken. Buch die Mann« schaften der in der Bucht von Phaleron ankernden fremde» Kriegsschiffe sind zur Hilfeleistung herbeigeeilt. Um 11 Uhr abends schien es, als ob das Feuer auf das obere Stock« werk des Mittelbaues beschränkt sei. Man hofft, die königlichen Gemächer zu retten. Die Entstehung des Brandes wird von den einen auf Kurzschluß zurückgeführt, andere sagen, daS Feuer sei in der Kapelle ausgekommen. Um 1'/« Uhr war daS Feuer fast gelöscht, Die Seitenflügel deS Schlosses konnten gerettet werden, aber der Mittelbau, der den Trophäen«, den Thron- und den Empfangssaal enthielt, ist eingeäschert worden. Die kostbaren Erinnerungen an den UnabhängigleitSlrieg, mit denen diese Säle geschmückt waren. sind jedoch geborgen worden. DaS Schloß war gegen Feuerschade» nicht versichert, wohl aber das Mobiliar in Höhe von 1 200 000 Fr, i Tödlicher Absturz eines Kapitäns. Einer Meldung au» Wittenberg zufolge ist gestern abend im Hafen der Kapitän des Eildampfer»„Weser" namenS Seidel aus Borstelwitz in Sachsen, als er im Begriff war, sich nach dem Dampfer zurückzubegeben, ab- gestürzt und hat sich dabei das Genick gebrochen. Er stürzte vom Laufsteg auf einen darunter befindlichen Kahn und dann ins Waffer. Hier wurde er bald herausgezogen, doch war der Tod inzwische» eingetreten. Mit den Rettungsarbeiten beschäftigt, stürzte ein Heize» des Dampfers ebenfalls in die Elbe. Er konnte aber gerettet werden. Seidel war im Begriff, sich zur Hochzeit seiner Tochter nach Berlin zu begeben. Opfer d«S Eises. Wie eine Meldung au» veuthen besagt, brach aus dem Lampkeschen Ziegeleiteich die Eisdecke ein. Während die meisten Schlittschuhläufer gerettet werden konnten, wnrden zwei lüjährige Knaben und ein löjahrige» Mädchen nur als Leichen ge» borgen.! Unfall bei« Brückenbau. Beim Bau der großen Verladebrücken der Llionaer Tee- und Lagerhausgesellschaft wurden, wie von dort gemeldet wird, durch einen abgleitenden Balken zwei Arbeiter ge- troffen. Der eine wurde in 20 Meter Höhe zwischen dem Gerüst und dem Balten eingeklemmt. Die Feuerwehr barg ihn nach zwei« einhalb Stunden als Leiche. Der andere wurde schwer verletzt i» daS Krankenhaus geschafft. Tragik einer FamiNr. In Csanadpalota, wo eine Diphtherilisepidemie herrscht, starben Budapester Meldung zufolge in der Familie des Grundbesitzers Valent BlaSko alle fünf Söhne im Alter von 12 bis 19 Jahren an einem Tage in Zwischenräumen vo» je einer Stunde. Rätselhafter Millionenfund bei einer Leiche. Au« Budapest wird gemeldet: Arbeiter fanden auf dem Wege nach Oderberg und Leutschau an dem Haken einer Telegraphenstange die Leiche eines Mannes aufgehängt. Es ist noch nicht festgestellt, ob es sich um einen Mord oder Selbstmord handelt, jedenfalls kann aber kein Raubmord angenommen werden, denn in seiner Handtasche, die neben dem Toten lag, fand man 1'/, Millionen Rubel. Folgenschwerer Eisenbahnzusammcnstoß. Au» Foggia wird gemeldet: Bei dem hiesigen Bahnhof stieß Donnerstag abend ein Schnellzug mit einem Güterzuge zusammen! drei Personen wurden getötet und fünfzehn verletzt. Opfer des Schneesturms. Londoner Meldung zufolge haben die ungeheuren Schneestürme der letzten Tage zahlreiche Opfer ge» fordert. So berichtet man aus Waievtheheae, daß 42 Menschen im Schneesturm ihr Leben verloren haben. Sehnliche Nachrichten kommen auS zahlreichen anderen Orten. Die Mannschaften von 25 Fischerbooten sind jetzt in Sicherheit, nachdem sie furcblbare Strapazen und Gefahren durchgemacht hatten. Sie waren zwei Tage von aller Welt abgeschnitten. Trotz Hunger und Kälte beloahrten sie den größten Mut und die größte Kaltblütigkeit und arbeiteten sich mit übermenschlicher Anstrengung auS den Schneebergen heraus, Sie wurden vollständig erschöpft aufgefunden. Man hofft, sie sämft lich am Leben erhalten zu können. Glatteis In Netö Dort. Nach einer Meldung aus New Dort war gestern die ganze Stadt mit einer Eisdecke belegt. Von 6 Uhr abends fiel ein starker Regen, der bei der großen Kälte sofort fror und das Gehen in den Straßen vollständig unmöglich machte. Der Verkehr stockte gänzlich; viele Fußgänger gebrauchten Schlittschuhe, um nur vorwärts zu kommen. Hunderte von Unfällen fanden statt und 283 schwerer Verletzte wurden in die Hospitäler geschafft, um dort behandelt zu werden. Das Glatteis währte glücklicherweise nur eine Stunde, schon nach 7 Uhr trat ein starler Tau ein. Tie sOTistiiche Eprechsiunde dritter Eingang,»irr Treppen, LrUfKaftoi der Redaktion. findet Linden st raße 3, iwelter Hof. _ F a? r st« d l"TSiß wochcntügUch abends Don 7 Vi bis g>i Übe statt. Geöffnet 7 Uhr. Sonnabends beginnt die SpeechNnnde um 6 Uhr. Zeder Anfrage ist ein Buchstabe und eine Zahl als büerlzetchi» beizufdgi». Briefliche Antwort wirb nicht ertrllt. Bis j»r Lrantwortung im Briefkasten ISnne» 1t Tage vergehen. Eilige Fragen trage mau tu»er Sprechstunde vor. E. Z. 100. Eine Unterbrechung Im angesragten Sinne ist unznlässig. — Lehmann, Treptow. Offenbacher Krankenlasse für Frauen und Mädchen, Vrinzcnstr. öS bei Hinz.— Alter Slbonneut 100. Zu einer Abbandlung der erbetenen Art eignet fich der Brieskasten einer Tageszeitung nicht. Im II. Test des Berktner Adreßbuches finden Sie Fachzeitschrtsten angegeben, die Ihnen gewiß sachgemäße Belehrung angedeihen lassen.— Kuß. Er- nntteln Sic zunächst den Ausenthalt des angefragten Tieres und teilen Sie uns denselben dann mit.— M. O. 50. Vorsitzender ist Herr Aibert iiiegge, Berlin, Barnwislr. 21.— Vormündl. Die VereinstnÄerei ist in Berlin so groß, daß wir wirklich nicht wissen können, ob auch noch.Arbeiter-Billarv» spielvereine' existieren.— E. K. KS. Deutscher TranSportarbeiterverband, Sektion Geschästsdiener uiw, Berlm, Alte Leipzizerstr.— L. 2-. 41. 1. Setzen Sie sich mit dem Rektor der Schule in Verbindung, die Ihr Sohn zurzeit besucht, und mit dessen Empsehlmig wenden Sie sich- an daS Kuratorium des betreffenden Gymnasiums. 2. In der Regel wird der„Taufschein� bei der Aufnahme gefordert.— O-uestion 1. Die Bezugsbedingungen der Zeitung werden am Kopfe derselben zu finden sein. Uns nicht bekannt— L. H. S5. Der üble Geruch kann so verschiedene Ursachen haben, daß wir Ihnen empfehlen, einen Bausachverständigen zu befragen.— P. S. 1. Wie unS die Buchhandlung mitteilt, kommt Willes Roman„Die Abend. bnrg" in den„Freien Stunde»' ungekürzt zum Abdruck.— Die literarischen Zkritiken im Unterhallungsblatt sind von denen der ,32. Zeit' ganz unabhängig. — L. 88. Sie würden zunächst Ihre Forderung emklagen und dann die Beschlagnahme beantragen müssen. Dem letzteren Antrage kann stattgegeben werden.— L. R. lS. Das neue MietSstciierslempelgesctz ist am 1. Juli 1303 in Krast getreten. Dies haben wir, ebenso wte die wesentlichsten Be- stimmungen des Gesetzes, am 1. Juli mitgeteilt und seitdem wiederholt, so im Briefkasten vom 25. Dezember, nochmals die Bestimmungen dargelegt.— M. D. 46. Wenn das Gesinde am l. Februar»och nicht ein Jahr im Dienst war, ja.— Musi. Die Kosten richte» sich nach der Höhe des Objektes. Nur Ihre Tochter, nicht Sie als Vater, haben für die Kosten auszukommen. — AK. 000. Zu Lebzeiten können die Eltern über Ihr Vermögen ver« fügen wie sie Wösten. Unter Mtenteilverlrag versteht man einen Bertrag, durch den ein Grundstück verkauft wird, dem Käufer aber die Verpflichtung auferlegt ist, bis ans Lebensende des Verkäujers diesem einen Altenteil (Wohnung. Beköstigimg, Taschengeld usw.) zu gewähren.— R. H. 1. Ja; die GeburlSurkunde ergibt ja diese Tatsache. 2. Rein.— H. IZ. Nach dem Inhalt des Vertrages haben allein sie die Steuer zu zahlem. Die Bestimmung des Vertrages ist gültig.— Lausitzer Strafte. Di» Mutter allein ist in Ihren, Falle berechtigt, darüber zu verfügen, n« weicher Religion das Kind getauft und erzogen werden soll.— Zl. B. L. Stein. — St. P. 85. 1. Innerhalb eines Jahres nach der Heirat kann die junge Ehefrau Rückerstattung der Hülste der Jnvalidenmarkcn beantragen, wenn vor der Heirat mindestens 200 Marken geklebt waren. Erfolgt Rück. erstattung. so erlöschen alle weiteren Rechte aus der Versicherung. Diese wird schon dadurch ermöglicht, daß mindestens 40 Marken innerhalb je zwei Jahre geliebt werden. Durch die Welterversicherung erhält die Versicherte das eventuelle Anrecht aus Invalidenrente, Altersrente, Invalidenrente auch für den Fall der 2ö Wochen übersteigenden Krankheit sowie aus Aufnahme � 2. Ein Recht aus Naturalisierung bat ein Nichtdcutscher nicht. Dle Behörde 5ann dem Antrag stattgeben, ist aber nicht daui otx* pflichtet.— K. L. ProbSzeller. 1. uns 2. Nein. 3. Ja. evttternngönberllckit vom 7. Januar mo, morgen» 8 Ul»r. «latlanen Bf i Setter i 1 I I Swmembe 776WNW 2Nebel Hamburg l773WSW 3 bedeckt »erlin 1 777«till— Nebel Franks.» M 778 NO I l Wolken! ünchev 1780 D 3 Nebel WK di II ui 3 2 4 4 — 1 «tattonen Setter Ä aparanda 7S9 Still— Nebel— 7 etersburg 772 SSO 1 Schnee—19 Sctlly.774 OSO 1 4 wolkig 8 Aberdeen i 771 SSW t heiter S BartS j 777 ONO| k wolkenls 1 Wien I779W I 1 bedeckt s 0 Wetrerprognose für Sonnabeub, den 8. Januar 1910. Ziemlich mild, zeitweise ausklarend. vielfach nebelig bei meist schwachen westlichen Winden; keine erheblichen Niederschläge. Berliner Wetterdurea» :<»: Thealer und Vergnügungen Sonnabend. 3. Januar. Ansang 7*1, Uhr. Könlgl. Opernhaus. Sin MaSken- ball. Königl. Schauspielhaus. Die Journalisten. Nachmittags 2'/, Uhr: Dt« OnitzowS. Neues königl. Opern-Tvearer. Geschloffen. TenricheS. Der Widerspenstigen Zähmung. K a m m erspiele. Da» Helm. Neues Schauspielhaus. All-Heidel» berg. Ansang S Uhr. Komische Oper. DaS Tai der Liede. Steves. Don Juan» letztes Aden- teuer. Westen. Di« geschieden« Frau. Nachm. 4 Uhr: Etrnwweipeler. Neues Operette«. Der Graf von Luxemburg. Nachm. 3'/, Uhr, Die goldene Märchenwelt. Trlanon. Buridans Eid. Berliner. Hohe Politik. tileineS. Der große Name. Residenz. Im Taubenschlag. Thalia. Die süß« Sora. Nachm. 4 Uhr: Sneewsttche». Sefslng. Tantr!» der Narr. .Hebbel. Der Skandal. Schiller«». ittuantt« Xbtaict.) Der Meweidbauer. Sch'Ue« tthariottenburg, viel Lärmen um nichts. Friedrich> WtihetmftSbt. gm bunten Rock. Luisen. Dl« Stesse um die Erde in 80 Tagen. Nachm. 4 Uhr t Hänsel und Settel tzivte. Faust. Nachm. 4 Uhri Tausendundctnr Nach«. LvstsPtelhauS. Der dunkle Punfl. ANetrui-ai. Hallohll— Die große Sievue. Folie««Kaprice. Sicher ist sicher. Bunter Teil Der Mann meiner Frau.(Ans. 8>s, Uhr.) Stp-.,,». Epeztalitäten. Wintergarten. Spezialttätev. K asino. Der Obergauner. Gebr. Herrnfeld. So muß man'» machen. Mn RetlnngZmMel Eastsptel. Der Polizeihund. Bn"»ge. Speziaütäten Sloacks. Die lustigen Weib« Von Wwdsor. Volksoper. Dte Asrikanerin. piachm 4 Uhr: Der Kamps um Schneewittchen. Biiggenhagcn. Spcztalltäten. Karl Haverland. Svezialttäten. Walhalla. Lveziaiilälru Palast. Spezialitälen. »tetchsbatlen. Stetttner Sänger. Urania. Ta>i»e>.'>>->fte»»4!». ?lbends 8 Uhr: In den Dolomiten. Etecniaarre. Jnoalideiuu>7—62. t-easlntzr-Tlieater. 8 Uhr: Tantris de» Narr. Sonntag, 8 Uhr: Da» Konzert« Montag, 8 Uhr: Da» Konzert. Urania. WiBsenBchaftliches Theater, Abends 8 Uhr: In den Dolomiten. Sean» Operetteo-Theator. Schistbauerdamm 25, o. d Luilenitr. 8% Uhr: Die goldene Märchenwelt. Abends und solgende Tage 8 Uhr: Der Graf von Luxemburg. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Der Zigeunerbaro». Residenz-Theater Direktion: Richard Alexander. AbendS 8 Uhr: Im Taubenschlag. Morgen und folgende Taget Dieselbe Vorstellung. Sonntag, den 9. Januar, nachm.: Kümmere Dich um Bmelie. Volks-Oper. 8W, velle-Alltance�strahe Nr. 7/8. Nachmittag 4 Uhr bei bedeutend er» mäßigten Preisen: Oer Kamp! m Stlmeewittehen. AbendS'/,» Uhr: Die Afrikanerin. Luisen-Theater. l Uhr: Grofte Kindervorstellung. Hansel und Grete!. Kindennärchen in 5 vlldern. AbendS 8 Uhr: Die Reise m die Erde in 80 Tagen. Sonntag nachm. 3 Uhr: Gib mich frei. 8 Uhr: Die Reis« um die Erde m 80 Tagen. Montag Premiere, Lolo» Vater. S*«MUSi'-rrttK«»t.vr. Schiller-Theater 0.(Wallner-Theat.). Sonnabend, abends llUhr: v«r Melneldbaner, Vollsstück In 3 Wttrn von Ludwig Anzengruber. mar End- n«ihr.-qm Sonntag, nachm 3 Uhri ver lterr äliniste: islckli eklar. Sonntag, abends 8 Uhr: Der neineltlbaaer. Montag abends 8 Uhr: Dvdl»». Schiller-Theater(Charlotten bürg). Sonnabend, abend» 8Uhr: Viel I.äE-n, am nichts. Lustlsükt in 5 Akten v W. Shakespeare. ÄV End« 10«/, Uhr.-T&S Sonntag, nachm. 3 Uhr: Macbeth. Sonntag, abenbS 8 Uhr: Viel I.Urm am nichts. Montag, abend» 8 Uhr: Ocspenster. r'yicf Panopticum fcS' AJ7 U- CÄ£ 5? Frledrlchst. I6S, Ptchorrpal. iVKSpcheii Indische Witwen-Verbrennung Täglich 7'/, Uhr abends. X Sonntags zwei Vorstellungen. Heitere Kfinstler-ibende. ---------- Vom lO. d. n. ab:, BOCKBIERFEST. Arnold Scholz Neue Welt Hasenheide 108-124. Berliner Theater. %\& Rehe Politik. � �kargen: Hohe Poltet t» Heues Theater. Abend» 8 Uhr: Don Juans letztes Abenteuer. Morgen imb solgende Tage: Don Juans letztes stldeuteuer. Theater des Westens. Abends 8 Uhr: Die gefchir! Sonntag 3'/, Uhr: rdenc K Ose f»! ran. dele Baute. Lusispieihauss Abends 8 Uhr: Ter dunkle Punkt. Trisdrioh-WIIhsImsfödtisoim Scbaiispielhaos. Sonnabend, 8. Januar, Ans. 8 Uhr: bunten Rock. Im Sonntag nachm. 3 Uhr: Othello. Abends 8 Uhr Die Haubenlerche. Große Frankfurter Str. 132. Ans. 8 Uhr. Ende 11-/, U. Faust. Tragödie von Goethe 1. lest. Nachm. 4 Uhr: 1000 und eine Nacht. Sonntag 3 Uhr: Michael Kohl» Haas. 8 Uhr: Faust. Ab Sonntag« den 9. Januar 1910 s Gr. Soekbierfest in den bayerischen Alpen. Bar. Muckt's Bauernkapells Neue Welt- Orchester »: 8868Ii* Andr. Hofer-Truppe, P8Ä Die beld.Original-Boasbuani Vollständig neae Dekoration. Dienstag and Donnerstag: Clltetage Anfang: Sonntags 5 Uhr. Bntree: Sonntags 60 Pf. V—- s- /oohentags Sonnabend, 8. Januar 1910, abends 7-/, Uhr: Extra- OalaTorstollnng. Austreten des Kommissionsrat Dustav Stensbeck als Gast. Direktor des Berliner Tattersall», mit seinen neuen her- vorragenden Schulpserden Eisen- herz, Ten Drugi, Black Duke. Orlixliial-Itagongslii, der kletnste komische Reiter der Welt. Llereonnt Brennan, der beste Diabolospieler. D. Zlmerikaner d«»arloHr in seinen unerreicht, Produktionen. Um 9 Uhr Ende 11 Uhr vle drei Rivalen. Große Feerie tu 5 Akten. Morgen: Zwei Vorstellungen. AltrlHoabU 47/48. Sonntag, den 9. Januar 1910: Die Toehter des Kommerzienrats. Lustspiel tn 4 Auszügen v. Fr. Slahl. Reperlotrslück d. tgl. Schauspielhauses. SsÄssiisI-IiigzfSk. BOponlckvr Stralio 07/«8. Heute Sonnabend 8 Uhr: Premier». I.ady Florcnce Der Polizeihund. Kriminalschauspiel. Morgen und solgende Tage 8 Uhr: Der PoiliKclhand. Die neuen Hpexlnllittten. I.otte Narrow in ihrer ameiU Sketch: „Die Etiebrecherln". rProlonelert! chimpanse Konsal damos Oreat. Prinz Pinne, Burleske mit _ Menry Bender._ ReietishalleD-Theater. StettinerSänger Der Nachtwächter von Zerpeuschleuse. Swlieatoadild O.P. May sei Anfang: Wocheut. 8 Uhr. Sonntag» 7 Uhr. tzeuot Programm lZIffll Uesmond. die Berühmtheit der«Schönheit»- Abende" tewle die sensationellen Januar-Ältraklionen! Sloreen Nachmittags-Vorstellung. Kleine Preise. Anfang 3st, Uhr. AM>W Kommanbanrenstr. 67. T. 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Für den Juhalt der Inserate «ibernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber ketuerlet ---------■»—----—.— y,,.....-, Vrrautwortung. verantwortlicher Redakteur Richard varth, Berlin. Für den Lnferatentcilverantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Vorlag: Vorioäci?Buci,'dcuckei.ei u, BerlagZaustalt Pgul Singer& Co., Berim SW> Kn Sie eine Ii;?? ton Louis Feulliarde Musik von Ad. Stanielas. 4/19* Casino-Theater Lothringer Straße t37. Täglich 8 Uhr: Sensationeller Lacherfolg k llsr Obergauner. Lustspiel in drei Alien von M i» M. Vorher: DaS erstklassige bunte Programm. Sonntag, nachm.4Uhr: Trudchrns Aommerreife. Karl kTsverlsnä Ansang Vhcatcr präz. 8 N. 77/79 Kommandantenstraße 77/79. Da» glänzende erstklassige Jauuar-Proqramm. Schlager auf Schlager! Voliia-Iisealer. Rlxdorf, Hermannstrafte 30. Sonntag, den 9. Januar: Gie Grille, Volks bück in& Alten von Charlotte Birch-Pseisscr Ansang 7 Uhr. Montag, den lS. Januar: Gie Ehebrecherin, Schauspiel in 3 Akten von Schaumberger. Ansang 8 Uhr. 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Frankfurterstr. 20 a Schöneberg, Hauptstr. 10 ine?? mm. 3. Pfilöjif ilfa JoriDärtf f frliiifr DolWlntt. München Januar November 62, 2ö 57,00 56,20 68,25 67,20 73,75 Hua Industrie und Handel. Schweiuepreise. Von allen Viehpreisen sind die Preise für Schweine im Jahre 1909 am stärksten gestiegen und haben sich für die breite Masse der konsumierenden Bevölkerung höchst unangenehm bemerkbar gemacht. Ende des Jahres 1909 standen die Preise nicht allein beträchtlich höher als zu Jahresbeginn, eZ ergibt sich auch ein starker Vorsprung gegen Ende 1903 und ein noch viel stärkerer gegenüber Ende 1907. Der Preis für 50 Kilo Lebendgewicht stellte sich im MonatS- durchschnitt auf Mark: Berlin Januar November 1907.. 59,00 54,40 1908... 64,56 64,37 1909... 65,78 70,50 Der Berliner Preis steht demnach im November um zirka 10 Proz. höher als im November 1908 und um 30 Proz. höher als 1907. In München steht der SchweincpreiS um rund 9 Proz. höher als 1908 und um 29 Proz. höher als im November 1907. Von Januar ans November ist in beiden Städten eine erbebliche Steigerung eingetreten. AuS diesen beiden Stichproben lägt sich ohne weiteres ein Schluß auf die Preisbewegung auch in den meisten anderen Landesteilen DeuischlandS ziehen. Durchweg ist das Preisniveau deS Vorjahres weit überschriuen worden; fast allgemein standen die Sch>oeinepreise im Jahre 1909 auf einem bisher noch niemals erreichten Niveau. Denn die höchsten Schwcinepreise hatte bisher das Jahr 1906 aufzuweisen! ein Vergleich mit 1906 aber ergibt, daß in den meisten deutschen Städten die Schweinepreise im Lause des Jahres 1909 noch über die vom Jahre 1906 hinausgegangen sind und Ende des Jahres höher stehen als damals. Für einige wenige Städte sei der Preis angeführt, wie er sich im Durchschnitt des November 1909 im Vergleich zu November 1903 und 1906 stellte. Der Preis für 50 Kilogramm Lebendgewicht betrug in Mark: Breslau. Magdeburg Dresden. Hamburg. Dortmund Mannheim Stuttgart. 1906 55,35—59,75 58,05—66.50 65,50—72,25 58,10-64,10 53,35—59,25 70,25-71,25 61,15-70,85 1903 58,00—62.60 58,00—68,35 64.50-70,10 60,50--65,85 59,10-67,40 70,00—72,00 65,35-72,60 1909 72,15—76,90 67,10—76,00 74,00-78,30 68,75-73,45 70,90-73,60 76,60- 77,80 75,90-78,40 Im Jahre 1909 ist nun allerdings in der Art der Preisnotierung eine Aenderung eingetreten, die den Vergleich mit den Vorjahren einigermaßen modifiziert. Aber trotzdem darf als Ergebnis festgehalten werden, daß das Jahr 1909 an den meisten Plätzen seit 1906 die Höchstpreise gebracht hat._ Zunahme deS KohlcnversandeS. Sämtliche deutschen Zechen erzielten im Dezember 1909 einen Versand von 947 305 Waggons Kohlen, Koks und Briketts gegen 818 711 Waggon« im Monat Dezember 1908. Von der Gesamt- menge entfielen auf den Ruhrbezirk 618 273 Waggons gegen 523625, auf Oberschlesien 213 509 gegen 195 373, auf Niederschlesien 37 785 gegen 32156, auf den Saarbezirk 72758 gegen 67457. Gefehlt haben fünf Wagen im Saarrevier. -Z Fleischbeschaugcbühren. Die Stadtgemeinde Ravensburg hatte— wie viele andere Städte— beschlossen, den Ausfall der Fleischsteuer durch Erhöhung der Schlacht- und Fleisch- üeschaugebiihre» zu decken. Gegen diesen Beschluß hatte die Fleischerinnung Beschwerde eingelegt, worauf die Kreis- regierung zu Ulm die Stadtgemeinde auf die Bestimmungen des würltenibergischen AuSführungsgesetzeS zum Reichsfleischbeschaugesetz verwies, wonach die Schlachthofgebührcn die Kosten der Unter- Haltung und deS Betriebes der Anlage sowie zur Verzinsung und Amortisation nicht übersteigen dürften, und zwar dürsten höchstens 5 Proz. für Verzinsung und 2 Proz. für Amortisation eingesetzt werden. Die Stadl mußte deshalb von ihrer Absicht abgehen, be- wog indes die Metzger, einer geringeren Erhöhung der Schlachthof- gebühren zuzustimmen, um ein Anschlußgleis anlegen zu können. Aber auch diese Gebühren hat die Kreisregierung nur auf 3 Jahre genehmigt und sich eine erneute Prüfung ihrer Zulässigkeit vor- behalten. Terminhandel mit Getreide. Durch eine Verordnung des Bundesrats wird demnächst der Termiuhandel mit Getreide an der Mannheimer Getreidebörse zugelassen werden. Bekanntlich ist im Jahre 1896 auf Betreiben der Agrarier das Börsen-Termingeschäft an den deutschen Börsen im großen und ganzen beseitigt worden, waS zur Folge hatte, daß der Handel mit Effekten unter Umgehung des Börsenmarktcs stark zunahm, zum Teil von Bank zu Bank sich abspielte, zum Teil an die ausländischen Börsen überging. Die Londoner Börse verdankt der agrarischen Politik Deutschlands in erheblichem Matze ihre große Bedeutung. Durch die Aenderung des Börsengesetzes vom Jahre 1903, die neben der Schaffung des Reichs- vercinsgesetzcs so ziemlich die einzige Blockfrucht darstellt, ist der Terminhandel bei der Effektenbörse wieder gestattet. Das Termingeschäft aber auch für Produkte freizugeben, trugen Rc- gierung und Agrarier Bedenken, weil sie davon eine Förderung der ©infuhr und damit einen Preis druck auf die Agrarprodukte befürchten. E« wurde in das Gesetz lediglich eine Bestimmung aufgenommen, wonach der Bundesrat den Zeithandel gestatten kann. Mann- heim soll demnächst die Vergünstigung genießen. Der Hauptgrund dürfte in der für die Volksernährung und für den Fall einer Mobil- machung sehr bedenklichen Tatsache zu suchen sein, daß die Vorräte an Getreide in den Mannheimer Lagerhäusern sehr zurückgegangen sind. So betrugen die Wcizenvorräie nach den Jahresberichten der Handelskammer am Schlüsse des JahreS 1905: 19 225 Doppel- zentner, 1906: 23 944 Doppelzentner, 1907: 29 479 Doppelzentner, 1903: 14 589 Doppelzentner. Diese EntWickelung hat den Bundesrat veranlaßt, durch Zulassung des Zeithandels die Einfuhr etwas zu begünstigen. Eine Aenderung zum besseren würde ohne Zweifel die Aufhebung der freien Verwendung der Einfuhrscheine herbeiführen. Da aber nicht das Allgemeininteresie entscheidet, sondern der ost- elbischen Agrarier Sonderinteresse, so besteht keine Hoffnung auf Maß- nahmen nach der Richtung. Welche Bedeutung Mannheim namentlich für die Einfuhr von Weizen hat, erhellt daraus, daß die Anfuhr 1907: 6 231460 Doppelzentner und 1908: 5 198 979 Doppelzentner betragen hat. Während die Einfuhr zurückgegangen ist, stieg die Ausfuhr nach der Schweiz in den beiden Jahren von 470 960 Doppel- zentner auf 515 000 Doppelzentner. Die Zahlen lassen erkennen, daß die Gestaltung des Getreide- und Zeitgeschäftes die künstlich geförderte Ausfuhr nicht ausgleichen kann— und sicher auch nicht soll. Zahlen betrug Die überseeische Auswanderung. Jetzt liegen die für die Auswanderung im vergangenen Jahre vor. ES betrug danach die Beförderung von Personen in 1909 gegen 149 647, während im Jahre 1908 nur 73 378 Personen auswanderten. Die Auswanderung über Bremen hat sich in etwa der gleichen Weise wie die über Hamburg gehoben. Der Ziffer von 95 798 für das Jahr 1903 steht pro 1909 eine AuSwandererschar von 166 690 gegenüber. Der Hauptstrom der Auswandernden stammt nicht auS Deutschland, sondern auS den östftwrn Ländern, vor allem aus Rußland. Die Bestrebungen, den russischen Aus- wandererverkebr über die rufsischen Häfen und auf die russischen Schiffe zu leiten, sind wieder aufgenommen worden. Man hofft, jetzt mit größerem Erfolg, als vor zwei Jahren. Noheisenproduktion in den Vereinigten Staaten in 1909. Die Roheisenprodukuon in den Vereinigten Staaten von Amerika betrug im Dezember 1909 insgesamt 2 636 000 Tonnen gegen 2 548 000 Tonnen im November 1909 und 1 741 000 Tonnen im Dezember 1908. Während der letzten drei Jahre stellten sich die Produktions» ziffern wie folgt: 1907 1908 1909 Tonnen Tonnen Tonnen 25 310 000 15 642000 25 385000 Im Monat Dezember 1909 wurde die höchste Produktionsziffer während der drei letzten Jahre erreicht. Die Produktion des JahreS 1909 geht um rund 76 000 Tonnen über die von 1907, um fast 10 Millionen über die des Krisenjahres 1903 hinaus. Berliner Arbeiter- Schachklub. Abt. Weddlng bei Schulz, Mar- strotze 13 b. Abt. Rirdors bei Stahrmarnt, Reuterstr. 46. Abt. Rüd-rs. dorser Straße bei Böhl, Rüdersdorfer Str. 2S: jeden Dienstag 0,9 Uhr.— Abt. Lichtenberg bei Blume, Mt-Boxhagen 56: jeden Montag'/i? Uhr.— Abt. Moabit bei Piclekc, Zwinglistr. 25. Abt. Schönhauser Allee bei Kelsch, Schönhauser Allee 134»: jeden Donners- tag V,9 Uhr.— Abt.Nord-West- bei Lamprecht, Putlitzstratze 10. Abt. Drontheimer Stratze bei Fritsch, Drontheimer stratze 4: jeden ftr etta a V-O Uhr.— Abt. Wattstratzc bei Wöhrenhofs, Watt- und Usedom» strahen-Eae: jeden Sonntag ö Uhr. In allen Abteilungen Sonn- abends Schachverkehr. WaüerftandS-Nachrtchtrn der LandeSanftalt für Kewäücrtunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau. Wasserstand M e m- 1. Tllstt P r e g e I, Jnsterbmg Weichsel. Thorn Oder. Ratibor , Krassen , Frantturt Wa r t h e. Schrimm , Landsberg Netz«, Vordamm Elbe, Leitmeritz , Dresden , varbh , Magdeburg Wasserstand Saale, Grochlltz Havel, Svandauft , Rathenow') Spree, Soreoiberg') , Beeskow Weser, Münden , Minden Rhein, MaftintlianSau , Kaub Köln Neckar, Hellbronn Main, Wertheim Mosel, Trier l')+ bedeute,«uch«.— Fall.•) IlMerpeget.•) EiSstand.*)«iSftet. An die arbkiteildk Ziigrud! Der JugendauSschuft für Gros?-Berlin veranstaltet für die arbeitende Jugend Sonntags»Versammlungen mit belehrenden Vorträgen. Diese Versammlungen sollen aber auch der Unterhaltung und fröhlichen Geselligkeit dienen. Im Anschluß an die Bor« trSae findet daher ein geselliges Beisammensein mit Rezitationen heiteren und ernsten Inhalts, Gesangsvorträgen, Konzertoorsührungen usw. statt. Folgende Veranstaltungen sind geplant: Sonntag, den Iii. Januar 1910, abends S UHr, in den Union- Fests Sien, Grefiswalder Ztr. Wl/223: Vortrag von Frau Therese Schlesinger- Ectfteln:.Die Zukunft der Jugendbewegung». Sonntag, de» SO. Januar 1910, abends S Uhr, im SchützenhauS, Limcnstr. 5: Vortrag des ArbeitersekretärS Robert Schmidt:»Die deutsche Gewerlschastsbewegung». Sonntag, den LO. Februar 1910, abendS K Uhr, bei Raabe, Fichtestr. 23: Vortrag des Rechtsanwalts Dr. Ludwig Frank:»Die Ursachen der sranzösijchen Revolution». Sonntag, den 0. März 1910, abendS S Uhr, in den Prachtsälen Nordwest, Wiclcsstr. 24: Vortrag deS Herrn Prosessor Dr. Blaschko: »Jugend und Gesundheit». Sonntag, den«0. März 1910, abendS S Uhr, in den vrmtnhallen, Kommandanlenstt. 58/56; Bortrag. Sonntag, den 3. April 1910, abends 5 Uhr, im„VIvrvvi-K- BChaftHhanti", Engcl-Ujer 15, aus Anlaß der Schulentlassung: � Iugenct feier. Der shllemalisch-n Einführung in einzelne Wissensgebiete sollen solgende Vortragskurse Sonntag: Einführung in die theoretische Nationalökonomie lFort- schrittoknrsuöj. II. Teil. Wiederholung des I. Teiles. Be« griff und Inhalt de: Nastonalökonomie.— Entwickelung und Wesen der kapitalistischen Wirtschaftsordnung.— Ware.— Wert.— Geld.— Preis.— Die Verwandlung von Geld in Kapital.— Fortsehuug (11. Teil). Die Erscheinungssormen des Kapitals.— Mehrwerl.— Die Akkumulation und Konzentration des Kapitals.— Arbcitslrast und Arbeitslohn.— Die Eniwickclungstcn denzen in der kapitalistischen Pro- duktionsweise.(Mit mündlichen und schristlichen Uebungen der Test. nebmcr. Einige neue Teilnehmer werden noch zugelassen.) Vor- tragender: Max Grunwald. Lokal: Berliner Arbeiter-BildungS- schule, 0. 54, Grenadicrslr. 37. Beginn: Sonntag, den 3. Januar, um 12 Uhr mittags. Montag: Praktische Nationalökonomie. Tatsachen der Welt' wtrtschafl. Die EntWickelung zur Weltwirtschast.— Produktion und Konsum der wichtigsten Nahrungs- und Genußmittel und der wichtigst, n Rohstoffe: Getreide, Fleisch, Zucker. Salz, Kaffee, Tabak, Bier, Kohle, Eisen, Baumwolle, Wolle.— Handel und Verkehr: Schiffahrt, Eisen- bahnen, Post, Tclegraphie, Telephon, Lustschifsahrt.— Deutschlands Stellung aus dem Weltmarkt. Vorwagender: Max Grunwald. Lokal:.Jugendheim», Brunnenstr. 115. Beginn; Montag, den 81. Januar, abends 8 Uhr. MenStag: Schöne Literatur(10 Vorträge). Lesfing.— Goethe.— Schiller. Vortragende: Frau Wally Zepter. Lokal: Starck, bIVk., Waldstr. 8. Beginn: Dienstag, den 1. Februar, abends 8 Uhr. Donnerstag: Die deutsche Geschichte deS 19. Jahrhunderts. Die Ursachen der Märzrevolution.— Der Verlaus und die Folgen der Märzrevolution.— Nationallricge.— Die Ansänge der Arbeiter. bewegung.— DaS neue Deutsch« Reich. Vortragender: Heinrich Schutz. Lokal: RaabeS Festsäle, Fichlestr. 29. Beginn: Donnerstag, den 13. Januar, abends 8 Uhr. Sonnabend: Gewerkschaftsbewegung. Theorie und Bedeutung der Gewerkschaftsbewegung.— Arbeiterorganisationen in früherer Zeit.— DaS---■----—*~-v- Werts: Werks:. � � Kampsesmittel der Gewerkschasten(Streik, Aussperrungen, Boykott, Sperren).— Entwickelung Der Gewerlschastsbewegung von 1890 bis 1908.— Die Zukunft der GewerklchajtSbeweg mg. Vortragender:/ R. Wiffell. Lokal: Gewerklchastshaus, Engeluser 15, Zimmer 0! Beginn: Sonnabend, den 5. Februar, abends 8 Uhr. 281/8* Im Anschluß a« die Kurse solle» Wanderungen durch die Museen, unter wissenschaftlicher Leitung, unternommen werde». Die Teilnahme an den Kursen ist unentgeltlich. Ausschank von Ge- tränken findet nicht statt. Einer besonderen Anmeldung bcdars eS nicht. Der Jugendausichuß erwartet, daß die arbeitende Jugend Berlins durch recht zahlreiche Beteiligung an den Kursen und SonntaaSoeranstaltungen den Beweis erbringt, daß sie Bildung und Wissen zu schätzen weiß. �ccomulotoren- und Electricltäts-Werke-Actiensesellscbaft vormals W. A. Boese& Co., Berlin. In Ausführung der Beschlüsse der außerordentlichen Generalversannn- lung unserer Gesellschast vom 18. Dezember 1909 sordern wir hiermit unsere Herren BorzugSaktionäre aus, ihre VorzugSaktion nebst Dividenden- bogen und Talons in der Zeit vom S. bis 19. Januar d. I. einschließlich mit einem doppelten NummernocrzcichniS und unter gletchzelttger Zu» zahlung von 400 M. aus jede zusammengelegte Vorzugsaktie tu Berlin bei Herren Bercht u. Sohn, Berlin NW., Roonftr. 8, , Herrn G. Lilicnthal, Berlin W., Jägerstr. 27, , der Kasse der Gesellschaft, Berlin SO., Köpenicker Str. 154, In Frankfurt a. M. bei Herren Jacob Wolff u. Co., Franksurt a. M., Neue Mainzer Str. 82 I, einzureichen, an welchen Stellen auch die Formulare für die Nummern» Verzeichnisse erhältlich find. Für diejenige» Einzahlungen, welche vor dem 19. Januar b. I. geleistet werden, werden S Proz. Zinsen vom Tage der Zahlung bis zum>9. Januar d. I. vergütet. Bon je drei dergestalt eingereichten Vorzugsaktien wird eine Vorzugsaktie nebst Dividendenjcheinen und Talon zurückbehalten und vernichtet, die beiden anderen dagegen werden nach Ausbringung folgenden Stempel- aujdrucks.Laut Generalversammlungs-Beschlutz vom 18. Dezember 1909 in VorzugS-Altie lät. A umgewandelt» den Einreichern baldtunlichst zurück- gegeben. Von den Nummernverzeichniffen wird das eine auittiert zurückgegeben, und gegen Umtausch desselben werden die Vorzugsaktien Lit. A seinerzeit ausgehandigt. Berlin, den 4. Januar 1910. Accamulatoren- and Electriclläts-Werke-Acflengesellscbatt vormals W. A. Boese& Co. Verband der Lederarbeiter Filiale Berlin I. Sonntag, den 9. Januar, vormittags 10 Uhr: 11� Versa in ui Inn;»' 35 bei Schmidt, Prinzen-Allee 03. Tages-Ordnung: 1. Dortrag des Genossen Brückner über: Juvalidengesetz. 2. Vereins- angelegenheiten. 3. Verschiedenes. 144/1 Zahlreiches Erscheinen erwartet_ Der Borstand. Deutscher Hoizarheiter- Verband. = Zahlstelle Rixdorl.- Sonntag, den 9. Januar, vormittags 10 Uhr: General'Vcrfamtnluna bei Hoppe, Hermannstr. 49. TageS-Ordnung: Wahl der Delegierten zur Generalversammlung in Groft-Berlin. 77/5* Bie OrtaverwaUnng. Bekautttmachuttg. Nachdem die von der Krankenkasie der Personen-Lohnsuhrwcrks-Jnnung aus den 15. November d. Js. ein- berusene Wahl- und General« Ver- sammlung infolge deS Nichterscheinens der Kaffenmilglieder ergebnislos ver- lausen war, wird aus Freitag, den LI. Januar 1910, abends 8>/z Uhr, nach dem Prälaten. Dtrcksenstraße, Stadtbahnbogen 110, abermals eine Versammlung einberufen, in der die Wahl von 15 Delegierten der Kranken- kassenmitglieder stattfinden soll. Nach ersolgter Wahl der Delegierten findet um 9 Uhr abends die Drdentl. General-Versammlung der Delegierten statt. 270/3 Erscheinen zu der Versammlung die Kassenmitglieder nicht, so wird die Wahl als verweigert angesehen werden und werden die Delegierten von uns als AufstchtSbehördc ernannt werden-(§ 39 des K.-V.-G.) Tagesordnung: 1. Wahl deS Krankenkassen- Vor- standes st§ 37 und 38 des Kranken- kassen-SlatutS. 2. Wabl der RichnungS-PrüsungS- Kommission. 3. Konstttuierung des Krankenkassen- Vorstandes. 4. Statutenänderung§ 11, 12 und 29 des Statuts. Wahlberechtigt find alle diejenigen, welche das 25. Lebensjahr erreicht, sich im Besitze der bürgerlichen Ehren- rechte befinden und bei einem In- Nungs-Mitgliede bcschästtgt find. Berlin, den 4. Dezember 1909. Magistrat der Residenzstadt Berlin. gez. 3 Unterschristen. 7938. Gew. 11/09. Getragene eleg. BaiöenpriJepobe spottbillig. Reicnenberoerstr. 104, et. �AlKoch� Kohlen-Brikettgroßhandlung Gegründet 1808. Haupt-Kontor Berlin 0. 34, Fetersburger Straße 1 (gegenüber Warschauer Straüe). Fernspr. Amt 7 Nr. 3010 u. 3095. Fagerpliitzku. Nerkaufsgelltu 1. O. 84. Ostb.- Güterbahnhof, Eing. Nndersdorfer Str. 71, sr. Ostbahnpark. N. O. 17. Ostb.-Güterbahnhof, Fruchtstr. 13. Hl. Weißensee, Güterbahnhof, Grcisswnlder Straße 80a. IV. N. 113. Behmstrafte S8— 34. Ecke Tchivelbeiner Straße. V. 05. Antoustraße 30—41, Ecke Ruhcplaßstraße. Preise für nur la Marken ab Platz von 10 Ztr. an: Prima Halbsteine Ferdinand/ albsteine Slkw. j erdinand-Brik. J Anna und Watd- mannsheil. , Pfännerschaft j , laDinmaut-Salon gesetzlich geschützt (pr. Ztt.tl0.I20St.) Ztr. 105 Ps. , Ilse u. Anhalt. Kohlenwerke Ztr. 105 Ps. , la Anthrazit-Cadb Ztr. 2.30 Koks, Holz. Steinkohlen usw. zu den billigsten Vages- u. Konventions- preisen. Anlieserung frei Keller je nach Quantum pr. Ztr. 10—15 Ps. mehr.— Bei OriginalwaggenS und größeren Adschlüffen verlangen Sie mewe Spezial-Offerte. Ztr. 88 Ps. Ztr. 95 Ps. Ztr. 90 Ps. Ztr. 97 Ztr. 99 sÄl" Räferpulver »ertiigt iiiisseD,Sebvabeo, Ameisen usw. Sicherer Erfolg. Vers, gegen 60 Ps. in Marken durch 39t3L S chwanen> Drogerie, Osnabrück. *•••••••••••••••* Generaldepot M. Lutze, Berlin N., Brunnenst. 27. Tel III. Etautabake der Firma Flsclier& Herwig, Hann. Münden. — Erstklassiges Fabrikat.===== Max Zie�etihais, Berlin NO-, Neue Königstr.70 _ Amt VII, 3047. Arbeiter-Bildungsschule Berlin. Sclmllokal: Grenadicrslr. 37, Hof geradezu l. Lehrplan für das I. Quartal 1910. Montag: Katurerkenntnis.(Zweiter Teil.)_ Die Entstehung der Erde. Die Erdzeitalter. Die Entwickelnng des Lebens und die Urzeugung. Darwin und der Darwinismus. Die Entstehung der Arten. Die Beweise für die Abstammungslehre. Die Entwickelung des Menschen. Vortragender: EmanuelWurm. Mittwoch: Gcsetaesknnde(Strafrecht, Strafprozeß und die jetzigen Keforrabestrebongen). 1. Aufgabe des Strafrechts. Strafrechtstheorien.— 2. Aus der Geschichte des Strafrechts und des Strafprozesses.— 3. Verbrechen. Vergehen. Uebertretungen im allgemeinen.— 4. Strafe. Strafverfahren. Strafzumessung.— Vollziehung der Strafe.— 5. Staatsanwalt.— Verteidiger— Volksgerichte.— Gelehrte Richter.— Klassenjustiz.— 6. Straftaten des politischen und wirtschaftlichen Kampfes. Vortragender: Dr. Oskar Cohn. Donnerstag: Kednerschnle. 1. Die Bedeutung und Notwendigkeit der freien Rede. Die Grenzen der natürlichen Beredsamkeit. Die Redekunst. Die Rede nach Form und Inhalt. Dispositionslehre.— 2. Technische Hilfsmittel: Das Manuskript. Die Registratur. Die Naohschlage-Bibliothek.— 3. Das Vereins- und Versammlungswesen. Die Geschäftsordnung.— 4. Praitisohe Uebungen im Reden und Diskutieren. Vortragender: Max Grunwald. Freitag: Gewcrkschnftswescn.(Aus Theorie und Praxis der Gewerkschaftsbewegung.) 1. Geschichtlicher Rückblick auf die Gewerkschaftsbewegung in Deutschland. 2. Grundsätze der modernen Gewerksohafts- Organisation.— 3. Demokratie und Disziplin im Gewerkschaftsleben.— 4. Taktik.— 5. Kartelle und Unternehmerverbände.— 6. Tarifverträge.— 7. Die Gewerkschafts-Intemationale.— 8. Gewerkschafts-Literatur. Vortragender: Emil Dittmer. Sonnabend; Geschichte.(Geschichte des 16. Jahrhunderts.) 1. Der politische und wirtschaftliche Zustand Deutschlands zu Ausgang des 15. Jahrhunderts.— 2. Die Städte.— 3. Die Kirche und die geistigen Strömungen.— 4. Die Anfänge der Reformation. Luther, Zwingli.— 5. Sickingen und Hutten.— 6. Thomas Münzer.— 7. Calwin. Beginn der Gegenreformation. — 8. Spanien und die Niederlande. Frankreich. Italien.— 9. England.— 10. Deutschland am Ausgang des 16. Jahrhunderts. Vortragender: Hans Block. Sonntag: Sfatlonalitkonomle.(Die Grtmdbegrifie der theoretischen Nationalökonomie. I. Teil.) Die Nationalökonomie als selbständige Wissenschaft, ihr» Einteilung und Objekt— Die Entwickelang zur kapitalistischen Weltwirtschaft; Entstehung und Wesen der kapitalistischen Wirtschaftsordnung.— Die Ware als Elementarform der kapitalistischen Produktionsweise.— Der Gebrauchswert und der Tauschwert der Ware.— Gold, Preis.— Die Verwandlung von Geld in Kapital— Die Erscheinungsformen des Kapitals.— Die Grundrente. Vortragender: Max Grunwald. Portschrittskursus* Donnerstag; KatlonalUkonomle.(Gemeinsame Lektüre von Marx':.Theorien über den Mehrwert.'1) Vortragender; Julian ßorchardt. LichtenbergsRummelsburg, Donnerstag: Geschichte.(Geschichte der gebung und der Sozialpolitik.) 1. Die Verfassungen von 1867 und 1871. Die Beichsgesetz- gesetzgeb enden Gewalten.— 2. Bürgerliche Rechte. Staatsangehörigkeit, Frei- ~ rbef Versicherung.— 9. Vereins- und Versammlungsrecht Presse- recht.— 10. Strafrecht Vortragender: Simon Katzenstein. Der Unterricht beginnt in Natlonalttkonomte: am Sonntag, den 9. Januar; Natarerkenntnis: Montag, den 10. Januar; Geuctzeaknnde: Mittwoch, den 12. Januar; Rednerachale: Donnerstag, den 13. Januar; Gewerkachaftaweaen: Freitag, den 14. Januar; Geachlchte: Sonnabend, den IS. Januar. Fortachrlttakarana: Donnerstag, den 27. Januar; 2. Abend: Montag, den 3t. Januar. Dieser Kursus findet bei Ii. liier, Grcnadleratr. 35, statt Jeder neue Teilnehmer muß eine schriftliche Arbeit über die Mehr- Werttheorie bis zum 8. Januar an den Vorsitzenden eingereicht haben. Der Unterricht in Rnmmelabnrg-lilchtenbere findet statt im Lokal von Gebrüder Arnhold, Franklurter Chanaaec 5/6. Beginn; Donnerstag, den 13. Januar. Jeder Kursus erstreckt sich auf zehn Abende und beginnt pünktlich um 8'/, Uhr und endet pünktlich um 10 Uhr. Der Sonntagskursus beginnt pünktlich um 10 Uhr und endet pünktlich um II'/, Uhr. In Lichtenberg-Rummelsburg beginnt er Punkt 9 Uhr. Die reichhaltige Bibliothek ist an diesen Abenden von 7'/,— 8'/, Uhr geöffnet. Der Mitgliedsbeitrag beträgt pro Monat 25 Pf.; das Unterrichtsgeld für jedes Fach pro Kursus 1 Mark und ist spätestens am zweiten Abend zu zahlen. Die Aufnahme neuer Mitglieder und Schüler erfolgt am besten bei Beginn jedes Kursus im Schullokal Grcnadleratr 37, Hot geradezu 1 Treppe, und in nachstehenden Zahlstellen: GottFr. 8chnlz, Admiralstr. 40a; Real, Bamimstr. 42; Vogel, Lortzingstr. 37;%V, Kaczorowakl, Ravenöstr. 6; Horach, Engelufer 15. 6/1 Alle Zuschriften sind an den Vorsitzenden Rermann lianimg, Berlin-ltixdort, Stclnnictzatralie 51 III, Geldsendungen an den Kassierer H. HUnlga, Berlin S. 59. Hasenheide 5b, zu senden. Der Vorstand. Keizt Kocht mit Seleuehtet 99 DAPOL" aaraiiUert rein amerikanisches yetrolemn. DAPOL rußt nicht! DAPOL gibt eine helle Flamme! DAPOL verbrennt geruchlos! Erhältlich la allen Cleschttften, wo das nebenstehende Plakat mit dem Indlancrkopt anabangt. DEUTSCH-AMERIKANISCHEPErROLEUM-GESELLSCHAFI Keine Verwechslung mit österreichischem(galiziscb) Petroleum. 258/1* Verantwortlicher Redakteur Richard Barth, Berlin. Für den gnieratenteil verantw»' Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Borwärt» Buchdruckerei u. BerlagSanstalt Paul Singer& Co. Berlin SW. Nr. 6. 27. Jahrg. KtilM Ks Jmröls"- APklW ftl Oßt«. MG Wrllr». 8. Janaar 1910. Vorort- l�ackrickten. Rixdorf. Eine Beschönigung ihres am 17. Dezember 1908 unter- «ommenen Wahlrechtsraubes leisten sich die Bürgerlichen in dem gegenwärtigen Stichivahlkampf gegen die Kandidaten der demo- kratischen Partei der zweiten Abteilung im Nordbezirl. Die Stich- wähl findet bekanntlich am Montag, den 10. Januar, statt. Nach- dem sie die Kandidaten der Demokraten der kommunalen Unkenntnis geziehen, fahren die Wahlrechtsräuber in einem«Die vereinigten Bürger- und HauSbefitzervereine" unterzeichneten Flugblatt fort: „Zuletzt kommt das Hauptgeichiitz, der Wahlrechtsraub vom 17. Dezember 1908. Man betrachte einmal diese Angelegenheit ganz objektiv, und man wird finden, daß die Abänderung des Wahlrechts nicht eine Verschlechterung, sondern eine Verbesserung der Rixdorfer kommunalen Verhältnisse zur Folge haben muh. notabene, wenn sich die Bürger nicht durch Vorspiegelung aller möglichen falschen Tatsachen zur Wahl eines der Vertreter der sogenannten demokratischen Partei verführen lassen. Die Stadtverordneten,>oelche am 17. Dezember für die Ab- Änderung des Wahlrechts stimmten, befanden sich auf durchaus gesetzlichem Boden. Keinem Wähler ist sein Wahlrecht geraubt. ES ist nur bei manchem abgeändert. Das Dreiklafien- Wahlsystem hatte im Laufe der Zeiten in gröheren Städten mit vorwiegend Arbeiterbevölkerung Begleiterscheinungen angenommen, die befürchten lassen muhten, dah sämtliche Stadtverordneten- mandate der zweiten und dritten Abteilung in die Hände einer Partei kommen könnten." Klar und deutlich geht aus vorstehendem hervor, in welcher heillosen Verlegenheit sich die WahlrechtSräuber befinden. Sie fürchten aus diesem bisher innegehabten Bezirk durch Leute verdrängt zu werden, die eine andere Auffassung über die schamlose Entrechtung der Rixdorfer Bürger haben wie die vereinigten Bürger- und Haus- besitzervereine. Für letztere bedeutet die Abänderung des Wahlrechts die Ver- längererung ihrer einseitigen Jnteressenpolitik in der Kommune, während die grohe Masse der Wähler durch jenen Gewaltakt zur kommunalpolitischen Einfluhlosigkeit verurteilt worden find. Und so etwas noch beschönigen wollen, heißt die Wähler einfach bcgankeln. „Geldschrankknacker" an der Arbeit. Durch den Kellerschacht nahmen Geldschrankeinbrccher, die der Kartonagenfabrik von Racke, Berliner Str. 92, einen nächtlichen Besuch abstatteten, ihren Weg. Die Täter drangen in den unter dem Bureau belegenen Keller ein und stiegen durch einen Schacht nach den Parterreräumlichkeiten hinauf. Von dort gelangten sie nach den« im zweiten Stock liegenden Bureau der erwähnten Fabrik. Sie bohrten nun den großen Geldschrank an. brachen zwei Löcher in die Panzerplatte und nahmen das Schloß heraus. SSV M. bares Geld und für nahezu S0 M. VersicherungS- und Briefmarken sollten den Einbrechern zur Beule fallen. Die Geschäftspapiere streuten die Täter wild auf dem Fußboden umher. Charlottenburg. AuS dem Eheleben der Charlottenburger Bevölkerung erzählen die Zahlen des Statistischen Amts über Eheschließungen und Scheidungen nianche interesiante Intimität. So lassen die ver- gleichenden Ziffern zuerst erkennen, daß sich die Lust in der Ehe „rosene Fesseln" zu sein, vergrößert hat. Im Jahre 1900 wurden in Eharlottenburg 1659 Ehen vor dem Standesbeamten ge- schlössen. so daß auf das Tausend der Bevölkerung 18,03 Eheschließungen zu rechnen waren. Für 1908 dagegen sind 2596 neue Ehebündnisse eingetragen, so daß die Promillezahl auf 19,41 stieg.— Die größte Heiratslust machte sich iinmer in den Monaten April und Oltober geltend. Doch dürfte auch hierfür der Grund in den, wirtschaftlichen Umstand der günstigen Wohnungs- einzugSgelegenheiten zu suchen sein. In diese» Monaten machten die Eheschließungen im Jahre 1908 32.43 und 36,51 pro Tausend der Bevölkerung aus. Am seltensten wird das Standesamt im Januar »on Heiratslustigen aufgesucht. Zumeist heirateten die Frauen im Alter von 20 bis 25 Jahren. und fast die Hälfte aller im Jahre 1908 stattgehabten Eheschließungen wurden von Frauen in diesem Alter eingegangen. Aber auch zwischen dem 25. und 30. Jahr herrscht bei den Mädchen ein lebhafter Drang zur Ehe, der sich freilich in 202 Fällen schon so stark zeigte, daß der weibliche Ehegatte bei der Heirat erst 15 bis 20 Jahre zählte. Andererseits schreckt aber auch das Alter manche Frau nicht von der Heirat ab. Und io gingen 1908 noch 26 Frauen, die bereits über 50 Lenze zählten. die Ehe ein. Auch 77 Männer heirateten erst nach dem 50. Jahre. Doch nur in 21 Fällen waren diese Heiratslandidaten Anfänger in der Ehe; es nahmen vielmehr in 48 Fällen Witwer die zweite Frau und acht geschiedene Ehegatten über 50 Jahre versuchten ihr Glück nochmals in der Ehe. Die geschiedenen Ehegatten spielen überhaupt eine immer bedeutendere Rolle in den statistischen Zahlen des Standesamtes. Mcht allein, daß die Ehescheidungen an sich anwachsen, was ja durch die größere Zahl der Eheschließungen verständlich ist. auch die Prozent- zahl der Ehescheidungen zu den Eheschließungen steigt. So wurden 1905 106 Ehen geschieden, das sind 4,79 Proz. der in diesem Jahre geschlossenen Eheverbindungen. 1908 aber wurden 150 Ehen aufgelöst, und die Prozent- zahlstieg aus 5,79.— Die Mehrzahl der geschiedenen Frauen befindet sich im Alter von 25 bis 30 und von 30 bis 35 Jahren, während die geschiedenen Männer zumeist zwischen 30 und 40 Jahren zählen. Vielfach hatten die geschiedenen Eheleute keine Kinder. So waren 1908 60 geschiedene Ehen kinderlos gewesen, in 40 Fällen der Ehe- scheidung war 1 Kind, in 21 waren 2 Kinder, in 19 3 und in 10 Fällen 4 bis 5 Kinder da. Auffallend jedoch ist, daß die ver- hältmsmäßig größte Zahl der Ehetrennungen Ehen betraf, die be- reits 15 bis 20 Jahre gedauert hatten. Ja selbst nach 30jahriger Dauer wurden noch zwei Ehen getrennt. Freilich kann das Ent- weder-Oder auch schon früher gestellt werden, lind so hielt es denn ein Ehepärchen nicht ein Jahr zusammen aus, während 8 Ehe- gesponste es doch für die Dauer über ein Jahr versuchten. Natürlich ist zumeist„Er" der schuldige Teil, der zum Bruch ge- trieben hat. Das ergeben schon die Zahlen über die Arten der schweren Ehesünden. So entfällt in 80 Fällen von den 150 Ehescheidungen im Jahre 1908 der Grund aus die eheliche Untreue. Für 48 Ehe- trennungen bildeten grobe Mißhandlungen den Grund zur Aufhebung der Ehegemeinschaft und in 12 Fällen hatte ein Ehegatte de» anderen dauernd im Stich gelassen. Sechsmal lag Ehebruch und Mißhandlung des Gatten oder der Gattin vor und in 4 Fällen begründeten un- heilbare Krankheiten die Ehescheidung. In den 80 Fällen des Ehe- bruchs konnten sich 43 Männer mit der Einehe nicht begnügen, während auch 25 Frauen deswegen schuldig gesprochen wurden und in 12 Fällen beide Ehegatten sich mit den gleichen 8 schuldignngen die Ehe„versüßen" konnten. Die Mißhandlungen fielen in 36 Fällen den Männern zur Last, in einem Falle aber traktierte„Sie" den Vertreter des„starken" Geschlechts so, daß der Richter ihn in Schutz nehmen und von der„schlagfertigen" und „zarten" Ehehälfte befreien mußte. In 11 Fällen verprügelten sich d,e Ehegatten gegenseitig. Dagegen ivar in den 4 Fällen der Ehe trennuug wegen unheilbarer Krankheit der weibliche Teil schuld. Es mischt sich in den trockenen Zahlen statistischer Aufzählung der Ehe Freud und Leid in bunter Menge. Groft-Lichterfelde. I» der Generalversammlung deS Wahlvereins gab Genosse Wenzel den Bericht des Vorstandes. Danach fanden elf Mitglieder- Versammlungen, vier öffentliche Versammlungen, neun Vorstands- fitzungen, davon vier mit den Funktionären, und fünf Agitations- touren statt. Der Mitgliederbestand ist 250 männliche und 45 weib- liche. Die Agitation am Orte ist seiner geographischen Lage ivie auch seiner BevölkerungSzusammensetzung lvcgen eine äußerst schwere. Der Kassierer berichtete, daß der Ort nach Abliekerung der zwei Drittel an den Kreis im Jahre an Zuschuß zirka 50 M. erforderte. Die Diskussion war eine recht lebhafte; eS wurde allseitig der Wunsch ausgesprochen, mehr belehrende Vorträge in den Mit- gliederversammlungen halten zu lassen. Der Vorstand habe in dieser Beziehung manches versäumt; Sparsamkeitsrücksichten dürften ans keinen Fall geltend gemacht werden, der Kreis müsse eben Zuschuß leisten. Die Neuwahl des Vorstandes ergab folgendes Resultat: Erster Vorsitzender: Einil Schindler; zweiter Vorsitzender: Emil Ziege; Kassierer: Edmund Balkow; Schriftführer: Ernst Krappatsch; Beisitzer: Julius Mertens: Revisoren: Kloos und SlrascS; Bezirks- sührer: Fillok, Hcunig, Neinhold. Osburg. Leben, Noack, Brederek, Menzel und Pohle; Bildungsansschuß: Kaliski, Brauer, B. Pints. Eine längere Debatte entspann sich über die Lokalfrage. Die vom Bildungsausschuß arrangierten Kunstabende usw. fanden allseitigen Beifall; es wurde gewünscht, in dieser Weise weiter zu verfahren. Lankwitz. In der letzten Grmeindcvertretersitzung wurde der Errichtung eines Wochenmarktes zugestimmt. Derselbe soll Montags und Donnerstags in der Schulstraße neben dem Gasttvirt Ebel, und Dienstags und Freitags in der verlängerten Luiscnstraße, an der Kaulbachstraße abgehalten werden. Sodann wurde zur Auslosung von Gemeindevertretern geschritten. Da seit 1903 die Gemeinde- Vertretung um drei Mitglieder vermehrt wurde, so mußte das Los entscheiden, aus lvelcher Klasse jetzt und 1912 ein Mitglied auszu- scheiden hat. Genosse Teurig als einer der zuletzt eingetretenen Ge- meindevertreter wurde vom Vorsteher bestimmt, das Los zu ziehen; er zog gerade die Herren heraus, denen es nicht gerade angenehm zu sein schien. Es hat jetzt auszuscheiden ein Gemeindevertreter der II. Klasse und 1912 einer der I. Klaffe. Dadurch behalten unsere Genossen ihr Mandat bis 1914. Da ein Gemeindevertreter der II. Klasse sein Mandat wegen Verzug niedergelegt hat, so sind bei der nächsten Wahl im März zu wählen: em Gemeindevertreter in der I. Klasse, drei Gemeindevertreter in der II. Klasse, und ein Ge- meindevertreter in der III. Klaffe. In geheimer Sitzung wurde über einen Vertrag verhandelt. Steglitz. Die heutige Gemeindevertretung von Steglitz sprach sich gegen eine Namensänderung, wie sie der Gemeindevorstand beantragt hatte, aus, worauf der Gemeindcvorstand seinen Antrag zurückzog. Zwecks Erleichterung des Uebergangs der Gemeindeschüler auf die höheren Lehranstalten sollen die Lehrpläne der Vorschulen mehr denen der Volksschulen angepaßt werden. Ober-Schöneweide. Die Freie Jugendorganisation veranstaltet am Sonntag, den 9. d. M.. nachmittags 3 Uhr, bei Warnecke, Wilhelminenhofstr. 18 sNähe Brückenstraßej, eine Versammlung. Der Jugendgenosse Künstler wird sprechen über:„Jugend, wache auf!" Zu dieser Versammlung sind alle jugendlichen Arbeiter und Arbeiterinnen von Ober- und Nieder-Schöneweide. Johannisthal, Treptow-Baumschulen- weg und Berlin, sowie Erwachsene eingeladen. Adlershof. Hat der Schöffe Bach sein Amt seit Mai 1908 rechtmäßig aus- geübt? Das ist die Frage, welche die am Donnerstag stattgesundene Gemeindevertretersitzung hauptsächlich beschäftigt hat. Durch die Anfrage des Herrn Dr. Saling in der vergangenen Sitzung war bekannt geworden, daß der Schöffe Bach mt Mai 1998 in seinem Schreiben an den Gemeindevorsteher sein Amt als Schöffe niedergelegt, aber nach vier Tagen widerrufen hatte. Beide Schreiben waren vom Gemeindevorsteher als Privat- äußerungen angesehen und die Amtsniederlegung der Gemeinde- Vertretung vorenthalten worden. Zur Klarstellung dieser An- gclcgenhcit hatte der Gemeindevorsteher in vergangener Sitzung versprochen, im Falle diese Schreiben vorhanden sind, sie der Ge- rneindcvcrtrctung in nächster Sitzung vorzulegen. Um eine schnelle Klarstellung dieser Angelegenheit herbeizusühren, lvar von den Ver- tretern der zweiten Abteilung niit Unterstützung unserer Genossen ein Dringlichleitsantrag eingereicht worden. Die Erledigung des- selben war jedoch laut Tagesordnung in den nichtöffentlichen Teil verlegt. Die Beteiligten glaubten einer Erörterung dadurch aus dem Wege gehen zu können, daß der Schöffe Bach am 2. Januar sein Amt niedergelegt hat und sämtliche Schöffen und Vertreter der ersten Abteilung in der Hoffnung der Sitzung fernblieben, daß für die Beschlußfähigkeit von den Vertretern der ziveitcn und dritten Abteilung nicht genügend Personen anwesend sein würden. Die Beschlußfähigkeit konnte auch nur erzielt werden, indem sämtliche Vertreter der zweiten und dritten Abteilung anwesend waren. Auf jeden Fall liefert die Abwesenheit dieser Herren den Beweis, daß sie ihre Macht, toelche sie im Ortsparlament besaßen, nicht derart ver- wandt haben, um jetzt ihre Handlungsweise vertreten zu können. Vor Eintritt in die Tagesordnung stellte Genosse Hildebrandt den Antrag, diesen Punkt in öffentlicher Sitzung an erster Stelle zu ver- handeln, da hierbei keine persönlichen Interessen, sondern nur sachlich öffentliche Interessen in Frage kommen, über die die Einwohnerschaft die weitgehendste Ausklärung wohl verlangen könne, während durch die nichtöffentliche Behandlung selbst den Gemeinde- Vertretern der Mund verschlossen werden soll. Dieser Antrag tvurde denn auch von den Erschienenen einstimmig angenommen. Zur Sache selbst teilte dann der Gemeindevorsteher mit. daß er beide Schreiben wohl erhalten habe, dieselben aber als Privatbriefe erachte und sie auch deshalb der Vertretung nicht zur Kenntnis überweise. Im Verlauf der Diskussion ergänzte er seine Ausführungen noch dahin, daß seiner Auffassung nur das Interesse der Gemeinde zugrunde lag und sollte er sich geirrt haben, er ja auch die Konsequenzen zu tragen habe. Von allen Rednern wurde der Standpunkt vertreten, daß die Amts- niederlegung eines unmittelbaren Staatsbeamten, wie es die Stellung eines Schöffen mit sich bringt, nicht als Privatangelegenheit des ersten Gcmeindebeamten erachtet lverdcn darf. Besonders gcbrand- markt wurde aber die Handlungsweise derjenigen Herren, welche aus der ihnen so angenehmen Ausfassung des Gemeindevorstehers, der Brief sei eine Privatangelegenheit, einundeinhalbcs Jahr den Nutzen und die Macht iin Ortsparlamentc besessen haben, nunmehr aber den Gemeindevorsteher im Stiche lassen und sämtlich durch Abwesenheit glänzen. Als Ergebnis der Verhandlung wurde folgender Antrag des Genossen Hildebrandt angenommen: „Der Herr Landrat wird ersucht, eine Untersuchung darüber herbeizuführen, ob der Schöffe Bach sein Amt noch rechtmäßig ver- waltet hat oder dieses im Mai 1903 schon niedergelegt hatte. Der Herr Landrat wird weiter ersucht, die Untersuchung besonders dahin- gehend zu führen, ob die von, Herrn Gemeindevorsteher in dieser Angelegenheit erhaltenen Schreiben Privatbriefe oder amtliche Schreiben ivaren." Bezüglich der umgcpflasterten Bisniarckstraße tvurde die Abnahme ausgesetzt: es soll eine nochmalige Besichtigung der Straße bei günstiger Witterung stattfinden. Zur Genehmigung der beschlossenen Hundesteuer- und Wertzuwachssteuerordnungcn waren nur kleine redaktionelle Aenderungen vom Kreisausschuß verlangt worden, welche angenommen wurden, um die recht schleunige Verabschiedung dieser Ordnungen herbeizuführen. Der Wortlaut der Ausschreibung für die Stelle des Gemeindevorstehers wegen Ablauf seiner Wahlperiode wurde festgestellt. Nowawes. Der zweite Vortrag deS von den vereinigten BildungSauSschüssen Nowawes und Potsdam veranstalteten wissenschaftlichen Lichtbilder- Vortragskursus über die Geschichte unserer Erde findet am kommenden Dienstag im Restaurant„Volksgarten"(Inhaber Max Singer) statt. Der erste Vortragsabend des Genossen Engelbert Graf war gut besucht. Es ist der Arbeiterschaft auch nur zu empfehlen, die Vorträge zu besuchen. Karten zu den noch folgenden drei Vor- trägen sind zum Preise von 50 Pf. im Volksgarten, Engelhard. a 20 Pf. an der Kasse zu haben. Potsdam. Die Massenkündigung bei der Potsdamer Feuerwehr ist vom Magistrat zurückgenommen worden, nachdem die gekündigten Feuer- Wehrleute ihren Austritt aus dem Verbände deutscher Feuerlvehrleute erklärt haben. Die von den Mannschaften bis jetzt gezahlten Verbaiid-Zbeiträge will der Magistrat zurückerstatten. Außerdem soll ein ArbeiterauSsckmß gebildet werden, welcher voll und ganz unter Aufsicht des Magistrats steht. Vorher halte man geplant, auch di: Müllkutscher und-arbeitcr mit in diesen Ausschuß aufzunehmei. Dies hat man jetzt falle» lasten, weil man mit diesen Leuten nicht so leicht wie nrit der Feuerwehr umspringen kann, da sie teils fester organisiert sind, aiidernteilS nicht so leicht zu ersetzen wären. Vermildbres. Am Ncnjahrsmorgen. In der„Muskete"(Wien) erzählt Franly folgende Geschichte von einer Fainilie und unverhältnismäßig viel Kanalräuinern. Der Papa sitzt beim Schreibtisch und sichtet den Post- einlauf, der sich vor ihm türmt. Jeden Augenblick fährt er auf, wirft eine Karte auf den Nachbartisch und ruft:„Du, Fritz, denen müssen wir auch noch schreibeul" Fritz uud Mizzi, seine Kinder, schreiben, daß ihnen der Schweiß über die Stirn rinnt. Versprochenes Honorar je eine Krone. Die Mama ruft zur Tür herein:„Ich gehe jetzt fort. Sollte der Kaualräumer kommen, so gebt ihm 60 Heller." Der Papa, Fritz und Mizzi nicken und fahren in ihrer Beschäftigung fort. Eine Viertelstunde später. Es läutet. Der Papa eilt hinaus uud öffnet:„Was wünschen Sie?" Der Klingler:„Ich bittens schen, ich bin der Kanalrame und wünschen? glicklix neix Jahr." Der Papa: „Schon gut!" Er gibt ihm 60 Heller. Beide ab. Eine Viertelstunde später. Es läutet. Der Papa:„Fritz, geh' hinaus und schau, wer es ist!" Der Fritz geht hinaus und öffnet:„Was wünschen Sie?" Der Klingler: Ich bitte, ich bin der Kanalräumer I Ich wünsche ein glückliches neues Jahr!" Der Fritz:„Schon gut!" Er gibt ihm 60 Heller. Beide ab. Eine Viertelstunde später. ES läutet. Der Papa:„Du. Fritz, schau nach, wer draußen ist!" Der Fritz:„Jetzt soll die Mizzi geh»; ich lvar schon einmal!" Der Papa:„Also die Mizzi." Die Mizzi geht hinaus und öffnet:„Sie wünschen?" Der Klingler;„I bitt» i war da Kanäulrania. I wünsch a glick- liches neuches Jahr l" Die Mizzi:„Ich danke I" Sie gibt ihm 60 Heller. Beide ab. Eine Viertelstunde später. Die Mama tritt auf. Die Mama:„Na, Ihr habt es ja recht ruhig gehabt. Den Kanalräumer habe ich auf der Stiege getroffen und habe ihm gleich die 60 Heller gegeben." Der Papa, der Fritz, die Mizzi(ein- stimmig):„Was, Du! Ich habe doch auch dem Kanalräumer 60 Heller gegebeir I" Allgemeines Staunen. Es läutet. Alle vier stürzen hinaus. Der Klingler:„Ich biu'S Kanalrame und wünschens ganze Familie glicklix neix Jahrl" Alle vier fallen über ihn her, prügeln ihn durch und werfen ihn über die Stiege hinunter. Er packt sich zusammen und geht fluchend ab. Er war der wirkliche Kanal- räumer. Vom Schlachtfclde der Arbeit in Japan. Der amerikanischen Presse entnehmen wir eine Nachricht, die durch einen Dampfer vom Lande der aufgehenden Sonne überbracht wurde und die ein grelles Schlaglicht auf die kapitalistische Entwickelung Japans wirst. Bei einem entsetzlichen Grubenunglück in Onoura, in der Provinz Fukupa, einem der größten Kohlenbergwerke des südlichen Japans, 7 verloren 762 Mann ihr Leben. Nur 43 entgingen diesem Schicksal. Insgesamt beschäftigt die betreffende Grube 4755 Arbeiter. Eingegangene Druchfcbriften. Elektro-Jngeuieur-Kalender 1910. Herausgegeben von A. tz. HIrlch und F. Wckkina. 2,50 M. O. Coblentz, Berlin IV. 30. ttniverkal- Tafchenatlas 1910. Von Prof. A. L. Bickmann, Geographisch- ZtatistijcheS Nachschlagcbuch. 3,86 M. G. Frehtag u. Berndt, Wien VIl. Bericht deS Verbandes der GenossenschaftSkrankenkassen Wiens samt der Statistik der Verbandskassen 1908. Verlag: Verband der Ee« uosscnschastskrankcnkassen Wiens. Köuigseggasse 10. Eine Nachlese. Von St. Lindau. Eigenes und Fremdes. Verlag E. Fl-ischel u. Co.. Berlin W. Gehl 3,50 M, Heinrich Heine. Noch ein Denkmal von C, Krah, 75 Ps. G. Neuner, Riga, Suworowstr. 40. „März«. Halbmonatzschrift für deutsche Kultur. Herausgeber: L. Tronin, H. Hesse. K. Aram. Erstes Januarhcst 1910. Preis 1,20 M. A. Langen in München. Luftige Blätter. Nr. 1. 1910. Jublläumsnummer 50 Ps. 25. Jahrg. Verlag, Berlin SW. 12. F. Kupka, Album. Lieserung 3— 6. Eilizcllieseruug 30 Ps. B. Kock, Prag._ Amtlicher Marktbericht der städtischen Marklballeii-DIrektion über den Großhandel in den Zeiilral-Marktballen. Marktlage: Fleisch: Zufuhr reichlich, Gcsckiäst schleppend, Preise unverändert, Wild: Zusuhr genügend, Gelchäst schleppend, Preise fest. G e s l ü g c I: Zusubr genügend, Geschäft nicht lebhaft genug. Prelle bcsricdlgend, F j s ch e: Zusuhr etwas reichlicher. Geschält ziemlich lebhaft, Preise wenig verändert, Butter und Käse: Geschäst ruhig, Preise unverändert. Gemüse, Obst und Südfrüchte: Zusuhr genügend, Geschäft schleppend, Preise wenig verändert, Bnidi-Polimgiili empfiehlt sein Lager in öriiok- bandagen, Leibbinden, Go- radolialtern, Spritzen, Suspensorien sowie sämtliche Artikel zur Krankenpflege. Eigene Werkstatt. Lirserant für Orts- und Hilts-Krankentassen. »vi-tln* jrtzt liOthrlnecr StrnBe 60. 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