Nr- 8- nbonncmentS'ßedingungeh: MonnementS- Preis pränumerando: Bierlcljührl. i>,so Mt., monatl. 1,10 MI,. wöchentlich 2s Pfg. frei tnä Haus. Einzelne swumier s Plg. Sonntags. nummcr mit illuslcierlcc Sonntags- Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfg. Poft- Abonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Pofl-ZeilungS. PretSIiftc. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungar» 2 Mark, für das übrige Ausland 3 Marl pro Mona». Poslabonncinents nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland. Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz, «7. Jahrg. vldsilnt iSglich außer montagi. � G. Verllnev Volksbl�kk. vle TnterflonS'6eb&!)r kelrägt für die sechsgespallene flolonet' geile oder deren Raum 50 Pfg., für politische und gewerlschastlicho Vereins- lind VersamniIungS-Anzeigen 30 Pfg. „Kleine Hnrcigcn", da? erste(feit« gedruckte) Wort 20 Pfg., jede? weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf- stellen-Anzeigen daS erste Wort 10 Pfg.» jede? weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen biS!» Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm-Adresse! »SoalalilimoMt Kerlio". Zcntralorgfan der rozialdcmohrati feben Partei Deutfehtands. Redaktion: SM. 68, Lindenetrassc 69« Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Dienstag, den 11, Januar 1910, Sxpeditton: SM. 68, Lindenstraeoe 69, Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1981. Zwischenspiel. Heuie treten der Reichstag und der preußische Landtag zusammen— das pscudoparlamentarische Jnter- mezzo des deutschen Regierungsabsolutismus beginnt. Ohne große Erwartungen sieht das deutsche Volk diesen Tagungen entgegen. Es weiß, daß es nichts von diesen Parlamenten zu envarten, daß es alles erst gegen sie zu erkämpfen hat. Die kurze Session des Reichstags vor Weihnachten hat schon gezeigt, daß in diesem Hause, wo sich der schwarz-blaue Block so wohnlich eingerichtet hat, das graue Elend herrscht, das die melancholische Figur des neuen Reichskanzlers so gut ver- körpert. Die völlige Ergebnislosigkeit, mit der die Jnter- Pellation über den Zwangsarbeitsnachweis im Ruhrrevier geendet hat, lieferte nur einen neuen Beweis, daß die Arbeiter- klasse von dem Produkt der Hottentottenwahlcn nichts zu er- ivarten hat. Alle Anstrengungen unserer Vertreter müssen sich so darauf konzentrieren, wenigstens zu verhüten, daß in der bevorstehenden Session den Interessen der Arbeiter- klasse neuer Schaden zugefügt werde. Namentlich die Beratung der Strafprozeßordnung und der Strasjustiz- Novelle wird reichlich Gelegenheit geben, Angriffen der Feinde der Arbeiterklasse, die den Machtbereich der volksfremden Klassenjustiz noch ausdehnen wollen, mit aller Unbeugsamkeit entgegenzutreten. Im übrigen aber wird in diesem Reichstag, der mit der schuld des Steuerraubzuges belastet ist, vor allem eins immer mehr in den Vordergrund rücken: die Angst oder die Hoffnung auf die nächsten Wahlen, in denen die Schuld des .Hottentottentruges ausgelöscht Iverden soll. Die Sozialdemo- tratie wird reichliche Gelegenheit haben, bei der Budget- beratung den herrschenden Klassen und ihrer Regierung ihr Sündenregister vorzuhalten. Verschleppung der Sozialreform, iinerträgliche Neubelastung durch die indirekten Steuern, steigende Verteuerung der Lebenshaltung durch die Zoll- Politik, das ist das unbestreitbare Ergebnis, dem dieses Parka- ment auch nicht eine nützliche Tat entgegenzusetzen hat. Und wie das Parlament, so die Regierung des Herrn v. Bethmann Hollweg. Für den Geist seines Systems ist nichts bezeichnender, als daß eine der ersten und dringendsten Angelegenheiten der neuen Session die Abrechnung mit der skandalösen Verletzung der selbstverständlichsten Staatsbürger- rechte wird bilden müssen. In der Interpellation über die Vorgänge in Kattowitz wird hoffentlich dem neuen Herrn mit wünschenswerter Deutlichkeit klargemacht werden, daß die Maßregelung der Beamten, die von ihrem Wahl- recht nach ihrer besten Ueberzeugung Gebrauch gemacht haben. ein abscheulicher Unfug ist. Freilich ist dieser Unfug kein Zufall; er ist vielmehr der Sinn des öffentlichen Wahlrechts, das nur deswegen besteht, um die Ausübung des Wahl- terrorismus der Regierung und den ökonomisch Herrschenden zu erleichtern. Deshalb haben auch nur jene ein Recht sich gegen diesen Terrorismus zu erheben, die entschlossen sind, seine Wurzel auszurotten und die öffentliche Wahl endlich überall zu beseitigen. Wenn das Zentrum, das in diesem Fall neben den Polen der leidtragende Teil ist. gegen den Regierungs- terrorismus sich auflehnt, so wird es daran erinnert werden müssen, daß es bisher nicht allzuviel getan hat. um dem Herrschaftsbereich des Terrorismus sein ergiebigstes Feld — Preußen— streitig zu machen. Die Energie, mit der das Zentrum in Preußen für das geheime Wahlrecht eingetreten ist, war bisher durchaus nicht imponierend. Der Herstellung verfassungsrechtlicher Zustände, auf die die Beamtenmaßregelungcn ein frecher Hohn sind, gilt auch die zweite Interpellation über Mecklenburg. Und auch bei dieser Interpellation wird sich sofort die in dem Vordergrunde der ganzen deutschen Politik stehende preußische Frage auswerfen. Ist doch das preußische Dreiklassenhaus im Grunde genommen ebensowenig mit konstttutionellen Zu ständen vereinbar wie der unverhüllre Absolutismus Mccklen burgs. Ausgabe des Reichstages des allgemeinen gleichen Wahlrechts wäre es fürwahr, in beiden Fällen dafür zu sorgen, daß innerhalb des einen Deutscken Reiches unbekümmert um die vermoderten historischen Rechte dem Volke endlich sein ivahres Recht, seine politische Selbstbestimmung werde. Mit allem Nachdruck muß der Grundsatz. Reichsrecht geht vorLandesrecht von allen verfochten werden, denen die demokratische Weiterentwickelung am Herzen liegt. Und wenn der Reichstag diesmal noch versagt, so wird doch die Debatte ihre günstige Wirkung auf den Wahlrechtskampf nicht verfehlen. Weil aber dieser Wahlrcchtskampf als die wichtigste Auf- gäbe der nächsten Zukunft erkannt ist, so wendet sich diesmal das größere Interesse der Eröffnung des preußischen Landtages zu. Endlich muß das unwürdige und erbitternde Spiel, das seit Wochen mit dem Preußischen Volke in der offiziösen Presse getrieben wird, ein Ende haben. Endlich muß die Regierung Farbe bekennen. Freilich, eine Wahlreform, die diesen Namen verdient, wird die Thronrede nicht ankündigen. Dies eine kann man der offiziösen Presse glauben, so unglaublich sonst ihre Mitteilungen klingen. Danach würde die Thron- rede eine Reform ankündigen, die als einzige Verbesserung die Einführung der direkten Wahl enthielte! Eine„Ver- besscrung" also, die eigentlich nur eine wahltechnische Verein- fachung wäre, den sozialen und politischen Eharatter des Wahlrechts aber völlig unberührt ließe. Nicht einmal das Selbstverständliche, über das man nicht mehr zu diskutieren nötig haben sollte, das man nur zu dekretieren brauchte, nicht einmal das geheime Wahlrecht soll die Thronrede bringen I Dagegen soll die Brutalität des Dreiklassenwahlrechts noch ergänzt werden durch die Infamien eines Plural- wahlrech tsl Das soll die Erfüllung des Königswortes von der organischen Fortentwickelung des Wahlrechts sein! Die Junker haben es nicht mehr notwendig, vom Himmel den Bruch des Königsversprechens zu erflehen, denn diese Erfüllung wäre ja schlimmer als der Bruch und man würde jetzt den Sinn der Worte verstehen, mit denen Herr v. Heydebrand in jener Rede, in der er die Ablehnung der Erbschaftssteuer und den Sturz Bülows zu erklären suchte. seine Bereitwilligkeit erklärte, an einer preußischen Wahlreform mitzuwirken. Die Junker haben die Thronrede, die das Wahlreformversprcchen enthielt, ihrem König zerrissen vor die Füße geworfen und eine neue diktiert. Aber es wird sich erst zu zeigen haben, ob dieser ein besseres Schicksal werden wird. Es gibt noch andere Mächte als Junkermacht. Freilich ganz sicher sind die Nachrichten über den Inhalt der Thronrede nicht, und diese Tatsache, daß nicht der Wille und die Macht politischer Parteien, sondern eine un Verantwortliche Regierung die Entscheidung alleo dings eine bloße Vorentscheidung— treffen kann, zeigt am besten, wie völlig ungebrochen der Absolutismus noch herrscht. Aber wie immer schließlich diese Wahlreform aussehen wird, sie wird endlich Klarheit schaffen und das preußische Volk vor die Entscheidung stellen. Daß vom preußischen Junkerparlament mehr zu erwarten wäre, als von der preußischen Regierung, kann kein Zurechnungsfähiger glauben. Daß von dem Dreiklassenwahlrecht, das so völlig den Bedürfnissen der Rechten angepaßt ist, je eine wesentlich andere Zusammensetzung dieses Unrechts- Parlaments zu erwarten ist, ebensowenig. Nur durch den Druck einer starken Volksbewegung, die den heute Herrschenden die Nachgiebigkeit als das kleinere Uebel erscheinen läßt, ist ein Fortschritt der Wahlrechtsfrage zu erzielen. Heute beginnt der Landtag und heute enden manche Illusionen. Der urreaktionäre Charakter der preußischen Regierung, den Fürst Bülow so ängstlich zu verhüllen bemüht war, wird sich auch dem Naivsten offenbaren. Die Vertröstungen und Hoffnungen haben ein Ende. Auf's neue, unerbittlicher und ernster als je wird die preußische und deutsche Frage gestellt sein und mit ernster Entschlossen- heit werden die deutschen Arbeiter sie zu beantworten wissen. Die schließliche Lösung kann nicht zweifelhast sein. Sie wird um so leichter gefunden werden und um so weniger Opfer erfordern, in je höherem Grade es dem deutschen Bürgertum Ernst damit ist, die Junkerdittatur abzuwerfen. Die Entschlossenheit, mit dem es den Fehdehandschuh auf- nehmen wird, den ihm die Regierung des Herrn v. Heydebrand hinwirft, wird sehr rasch die nötige Klarheit schaffen, die für den beginnenden Kamps unerläßlich ist. Sie czndesverszmmluvg der nztioaslllberslen jdeutichenj Partei Nürttembergz fand am Sonntag, den 9. Januar, in Stuttgart statt. DaS Haupt- referat batte, wie üblich, Reichstagsabgeordneter Profeffor H i e b e r. Er sprach über die politische Lage. Dem Block und dem Fürsten Bülow weinte er heiße Tränen nach. Daß Sozialdemokratie und Zentrum die Zertrümmerung des Blocks begrüßt hätten, sei verständlich. Aber nicht nur Konservative hätten über die Ver» nichtung des Blocks stohlockt, auch in den Kreisen der Demo- kratie habe man von einer„Erlösung" geredet. Er(Hieber) sei aber überzeugt, daß sowohl unter den Konservativen wie in der Demokratie es Taufende und Abertausende Männer gebe, die die Vernichtung des Blocks auftichtig bedauern. In der national- liberalen Partei sei das Urteil darüber, daß der Block segensreich gewirkt habe, wohl einstimmig. Mit Vehemenz verteidigte Hieber seine Partei gegen den Verdacht, als ob sie durch die Einwirkung der Jungliberalcn„radikaler" geworden, in der Politik eine Wendung nach links vorgenommen habe. Weiter freut sich der Führer der württembergischen Nationalliberalen königlich, daß bei der Fusion der drei linksliberalen Parteien so manches Stück Mt- väterhausrat der Demokratie über Bord gegangen ist. Herr v. Payer bekam ein besonderes Lob, weil die„Demokratie" die Forderung des allgemeinen, gleichenWahlrechtSfürdic Gemeinden aus dem Einigungsprogramm hat verschwinden lassen. Ueber die Maßregelung der Lehrer und Beamten in Kattowitz wegen ihrer Abstimmung bei der Stadtvcrordnetenwahl ist Herr Hieber hocherfreut. Die nationalliberale Partei heiße die Maßnahmen der Regierung ausdrücklich gut. Vom„G r 0 tz b l 0 ck" von Bebel bis Bassermann will Hieber nichts wissen. So lange die Sozialdemokratie eine.antinationale Klassenpartei" sei und bleibe und den Klassenkampf auf ihre Fahne geschrieben habe, so lange sie die Monarchie als Grundlage unseres Staatswesens grundsätzlich bekämpfe, werde an der grundsätzlichen KampfeSsicllung der nationalliberalen Partei gegen die Sozialdemokratie nichts geändert werden. Zur Wahlrechtsfrage in Preußen führte der Redner aus, die Nationalliberalen Württembergs wünschten, daß die nord- deutschen Freunde diese Frage„in einem anfrichtig liberalen Sinn" in die Hand nehmen möchten. Die preußische Wahlrechtsfrage lasse sich von den allgemein deutschen Fragen nicht mehr trennen. Die Liberalen würden es begrüßen, wenn die Freunde im Norden lernen würden auö der EntWickelung im Süden, daß es auch bei freiheit- licher Ausgestaltung der Konstitution gut gehe mit dem Schicksal des Volkes, und daß auch dann noch Platz bleibe für die Mitarbeit der nationalliberalen Partei. Nach Hieber sprach ReichZtagSabgeordneter Prof. Wetze! über staatsbürgerliche Erziehung, Landtagsabgeordneter Kübel über die Neckarkanalisation und Schiffahrtsabgaben. Wetzel stellte seinen Freunden die Werbearbeit der Sozialdemokratie unter der Jugend, bc- sonders daS Blatt der Jugend, die„Arbeiterjugend", als vorbildlich in bezug auf Agitation hin. Herr Wetzel möchte die Schule in den Dienst der bürgerlichen Parteien stellen. Der Lehrer soll die Jugend staatsbürgerlich„staatserhaltcnd" erziehen. Ein Vorschlag, der auf die Dauer für die b ü r g e r l i ch e n Parteien die fatalsten Folgen zeitigen könnte, wenn er je zur Durchführung gelangen sollte. So wenig die Sozialdemokratie etwas einzuwenden hat gegen die Einführung von„Bürgerkunde" als Lehrfach an den Schulen, so wunderbare„Erfolge" könnte die nationalliberale Idee erzielen. Der Redner zitierte zur Unterstützung seiner Ansicht sogar Bebel, der gesagt habe, die eigentliche Ursache der Mandats- Verluste der Sozialdemokratie bei der Wahl 1907 sei die Sozialistenfeindschaft deS deutschen Volks- schullehrers. Die Versammlung nahm die etwas konfuse Rede offensichtlich mit ziemlich gemischten Gefühlen auf. Zu den Schiffahrtsabgaben führte Landtagsabgeordneter Kübel aus, daß die württembergische Regierung und die Mehrheit der beiden Kammern dem Vorschlag der preußischen Regierung be- treffend Einstihrung von Abgaben auf den bisher abgabefreien Strömen und Verwendung der so gewonnenen Mittel zum Ausbau des Wafferstraßennetzes Deutschlands sympathisch gegenüberstehe. Selbst wenn Baden gcszeigt sein würde, für den Bau des Neckarkanals weit mehr zu leisten als bisher geboten wurde, sei der Vorschlag Preußens doch vorzuziehen, da er Württemberg weit mehr biete. Redner hofft, daß der Bundesrat den Vorschlägen Preußens zustimmen werde. Eine im Sinne des Neferais gehaltene Resolution wurde angenommen. Damit war die Tagesordnung easchöpst. Sie„korrMe" Polizei. Die eigentümliche Art, wie der Berliner Polizeipräsident nach den Aufsehen erregenden, kompromittierenden Gerichts- Verhandlungen wegen der Ferrer- Kundgebungen in der Köpenicker Straße mit drei Zeugenaussagen, die in den Polizei- kram passen, hervorgetreten ist, oder vielmehr, wie aus ihm die Existenz dieser drei„polizeiklassischen" Zeugenaussagen durch die Presse erst herausgeholt werden mußte, war von vornherein geeignet, Mißtrauen zu erwecken und die Vermutung wachzu- rufen, daß hinter der Sache noch etwas anderes, bisher Uneingestandenes stecke. Herr v. Jagow, der sich als korrekter Polizeipräsident mit Hand und Fuß dagegen wehrt, daß seine Polizei inkorrett gehandelt haben soll, obwohl diese In- korrektheit durch die beschworenen Aussagen einwandfreiestcr Zeugen vor Gericht glänzend bewiesen ist, sollte dem Ver- treter des„Berliner Tageblatts" auch gesagt haben, daß„seine" Zeugen, also die drei Anwohner der Köpenickcr Straße, sich „freiwillig als Zeugen angeboten" haben. Der Herr Präsident hat sich beeilt, diese Bemerkung, die ganz be- sonders auffällig erschien, als irrtümlich zu bezeichnen. Hiernach bleibt nur der Schluß übrig, daß die Polizei schon vor dem Stattfinden der Gerichtsverhandlung auf die Suche gegangen ist, nach solchen Zeugen, die die Polizeikostcn aus dem Feuer holen sollten. Weshalb hat die Polizei sich auf diese nach ihrer Plötz- lichen und nachträglichen Meinung für sie günstigen Zeugen nicht schon in der Gerichtsverhandlung berufen? Wer da weiß, wie solche Zeugenaussagen zustandekommen, dem ist die Beantwortung der Frage nicht sonderlich schwer. Die Polizei ist zweifellos nach günstigen Zeugenaussagen hausieren gegangenl Sie hat alle in Betracht kommenden Vorderhäuser abgeklappert, und die Bewohner, natürlich in erster Linie die als„loyal" bekannten ausgefragt. Denn daß sie ausgerechnet bloß jene drei Herren um ihre Ansicht gebeten haben sollte, erscheint vollständig ausgeschlossen. Warum tritt die„korrekte" Polizei nicht mit den Aussagen der übrigen ausgefragten Hausbewohner hervor? Weil diese offenbar die Vorgänge, soweit sie überhaupt den Kampf- platz übersehen konnten, in demselben Lichte bettachtet und geschildert haben, wie es die Eideszeugen an Gerichtsstclle taten I Die Polizei trug Bedenken, aus vielleicht zwanzig Aussagen von Hausbewohnern die günstigste für die Gerichtsverhandlung herauszugreifen und die übrigen einfach unter den grünen Tisch fallen zu lassen. Erst das Drängen der Presse hat den verunglückten polizeilichen Versuch, sich zu reinigen, auf- gedeckt und der Polizei die Zunge etwas gelöst, wodurch die Sache selbst für die Polizei nur in ein noch ungünstigeres Stadium getreten ist. Daß die Polizei trptz ihrer Umfrage nur mit drei„günsttgen" Aussagen aufwarten kann, ist fast schon ein Eingeständnis ihrer Schuld I Herr v. Jagow erklärt auch, er habe nicht gesagt, daß Herr v. Hoensbroech sich nach der Unterhaltung mit ihm „für befriedigt� erklärt habe. Worauf daT„Tageblatt" erklärt, diese Mitteilung sei versehentlich in die Erklärung des Polizeipräsidenten aufgenommen worden, sie sei seinem Mitarbeiter nicht vom Polizeipräsidenten, sondern von einem„unterrichteten h ö h e r e n" B e a m t e n des P o l i z e i- Präsidiums gemacht worden. Natürlich wird die total falsche Mitteilung selbst dadurch anch nicht um ein Atom richtiger l Die Regierung in Verlegenheit. Die Regierung sieht sich durch den in den Rcichslanden zwischen den Bischösen von Met; und Stratzbnrg und der Landesvcrwaltung ausgcbrochenen Konflikt in arge Verlegen- hcit verseht. Ans die Entgegnungen der Bischöse und die Drohungen der klerikalen Presse zu schweigen, das hieße die ohnehin schwächliche staatliche Autorität in den Augen aller Staatsbürger noch mehr herabzusetzen und dein Klerus einen billigen Triumph zu verschaffen: andererseits aber möchte es aber auch die Regierung nicht gern mit der katholischen Kirche, oder, lvas trotz aller angeblichen Jntcrkonfessionalität der Zentrumspartci dasselbe wäre, mit denr Zentrum verderben. So hat man denn nach langen weisen Erwägungen beswlosscn, vorläufig den Konflikt nicht als eine allgemeine Reichs- angclegenheit, sondern als eine spezielle elsaß-lothringische Landesangelegenheit zu behandeln und dem Staatssekretär voir Elsaß-Lothringcn, Freiherrn Zorn von Bulach, ganz allein die Antwort zu überlassen. Zweifellos eine sehr diplo- matische Entscheidung. Aber nicht nur die Regierung befindet sich in einer argen Klemnie, auch die altpreußischen Konservativen wissen mcht, wie sie sich verhalten sollen. Sie können nicht gut die Staats- autoritgt preisgeben, die Regierung im Stich lassen und sich den Unwillen der orthodoxen Protestanten in ihren Reihen sowie des Evangelischen Bundes zuziehen: andererseits aber möchten sie auch nicht ihren klerikalen Blockgefährten vor den Kopf stoßen und aufs neue ihre Machtstellung gefährden. In diesem Dilemma sind die konservativen Blätter teils auf deil Ausweg verfallen, nur kurz über den Konflikt zu referieren, teils nehmen sie ihre Zuflucht zu den possierlichsten journalistischen Eiertänzen. Besonders Amüsantes leistet auf diesem Gebiet der höheren Tanzkunst die„Kreuzztg.". Sie schreibt in ihrer Sonntagsnummer: «Der Brief des Staatssekretärs nahm zunächst nur Bezug auf eine„bisher von keiner Seite widerrufene" Darstellung des Vorganges in den„öffentlichen Blättern". Daß diese Darstellung als authentisch anzusehen wäre, kann nicht behauptet werden; es kommt alle Tage vor, daß Nachrichten unWiderrufen durch die öffentlichen Blätter gehen und doch falsch sind. Die erste authentische Aeußerung zur Sache liegt in den Briefen der beiden Bischöfe vor; auch erfährt man jetzt in weiteren Kreisen den Wortlaut des Artikels im„Schulfreund", den die Bischöfe den katholischen Lesern„zur Kenntnisnahme" haben vorlegen lassen. In diesem Artikel wird allerdings nur an das katholische Getvissen der Lehrer appelliert. Wir haben aber bereits darauf hingewiesen, daß dies in einer be- leidigenden Form geschieht: den zum Allgemeinen deutschen Lehrerverein übergetretenen katholischen Lehrern wird gesagt, sie seien feige, hätten ein unsittliches Band auf sich genommen. alle Würde männlicher Selbständigkeit von sich geworfen, gemein gehandelt und hätten ein Waschlappengesicht. Daß zwei katho- lische Bischöfe einen solchen Artikel von Amts wegen den Lehrern zur„Kenntnisnahme" vorlegen lassen, setzt sie ohne weiteres ins Unrecht. Da gibt es nichts zu verteidigen und zu beschönigen. Der Protest des Staatssekretärs erscheint also trotz seiner formell nicht ganz cinivandfreien Bc- gründun g als vollkommen gerechtfertigt, und man muß dringend wünschen, daß ihm jeder Nachdruck verliehen wird, bis die Bischöfe die beleidigende Form ihrer„Warnung" öffentlich wieder gut machen. Die religiöse Macht der katholischen Kirche über die Gemüter ist so groß, daß wir Evangelischen uns nur schwer eine richtige Vorstellung davon bilden lönncn. ES ist uns schlechterdings unfaßbar, wie ein gläubiger Christ seine persönlichen Be- Ziehungen zu Gott so ganz und gar abhängig sein lassen kann von der Vermittelung sichtbarer Stellvertreter Gottes und alle seine Gewissenssorgen vertrauensvoll dem Priester anheimgibt. Aber ob wir das verstehen oder nicht: die Tatsache besteht, und wir haben sie zu respektieren, da wir ebenso von den Katho- liken die Achtung vor unserer so ganz entgegengesetzten Auf- fassung de» Christentums verlangen. Anders verhält es sich mit der Ucberspannung der kirchlichen Gewalt im öffentlichen Leben. Sie führt unmittelbar zum Konflikt mit der Staatsgewalt, und da wir Evangelischen dann unbedingt auf deren Seite stehen, so geht allemal bei solchen Konflikten ein Ritz durch die ganze Nation. Schon deswegen muß aus beiden Seiten die äußerste Vorsicht angewandt werden, um die tausend Konfliktsgelegenhciten zu vermeiden. Plumpheiten der kirchlichen Oberen sind ebenso gefährlich, wie Eifersüchte» leien der staatlichen Behörden." Am interessantesten ist die Haltung der Zentrumspresse. Sie weiß, in welcher Verlegenheit sich die Regierung befindet und greift diese, vor allem den Reichskanzler, rücksichtslos an. So schreibt z. B. die„Märk. Volksztg." in einem„Das wahre Gesicht des Kanzlers" betitelten Artikel:„Von Beth- mann-Hollweg aber tritt dem Katholizismus mit jener griind- liehen Unbefangenheit entgegen, die z. B. auch Bismarck be- herrschte. Er lebt in dem Selbstbewußtsein des Prot?- st a n t i s ch e n Stockpreußen, der dem KatholizismuL denkbar fernsteht, der ihm gar kein Verständnis entgegen- zubringen vermag, der sich, durchdrungen von liberalen Ideen, vielleicht gar einbildet, er sei der berufene Mann, „Roms Uebermacht ein Ziel zu sehen". Aus dieser Ent- Wickelung und ihrer Wirkung erklärt sich der harte Vorstoß in Kattowitz gegen Zentrum und Polen und das Experiment in Straßburg gegen die katholischen Bischöfe sehr leicht. Herr V. Bethmann-Hollweg ist eben vermöge seiner Abstammung und Erziehung unser entschlossener Feind und wird danach handeln." politische(lebersicdt. Berlin, den 10. Januar lvll). Roch ein Nationalliberaler über die Wahlrechtsreform. Auch der nationalllberale LandtagScibgeordnete Pfarrer Tackenberg hat sich jetzt in einer Versammlung über die preußische Wahl- reform geäußert. Herr Hackenberg forderte Beseitigung des i n« direkten Wahlverfahrens und die Einführung der geheimen Wahl. Seit er im praktischen Leben stehe, habe er die Erfahrung gemacht, daß eine unbeeinflußte Wahl bei öffentlicher Stimmabgabe trotz alles Mutes nicht möglich sei. Damit waren eigentlich die positiven Forderungen diese» nationalliberalen LandtagSabgeordnetcn erschöpft. Zwar nannte er die jetzige WahlkreiSeinteiluug eine„wunderliche", doch wußte er nicht zu sagen, IvaS denn eigentlich an ihre Stelle gefetzt werden solle! Vielmehr erklärte er, daß die Ncueinteilung„nicht s ch e in a t i s ch nach der Bevölkerungszahl" erfolgen dürfe, sonst würde das Parlament„einseitig städtisch" werden. Dieser wackere Nationallibcrale ist also nicht einmal für eine durchgreifende Neueinteilung der Wahlkreise zu haben I Wonach sich ganz von selbst versteht, daß Herr Hackenberg ausdrücklich erklärte, daß er anch für das allgemeine gleiche Wahlrecht nicht zu haben sei. ES sei auch töricht, einer solchen„Utopie" nachzujagen. Die Schlutzphrase de» Herrn Pastors: wenn die Vorlage komme, so werde sie die nationallibcrale Fraktion auf deni Posten finden im Kampfe um die Erweiterung der Volksrechte, paßte auf seine sonstigen Ausführungen wie die Faust aufs Auge. Der stärkste Teil des Liberalismus gibt also bereits jede ernst- liche Wahlrefonn preis, bevor noch die Regierung mit ihrer Vorlage herausgekommen ist!__ Tic liberale Einigung. Der weitere Ausschuß der Deutschen Volkspartei beriet, wie aus Stuttgart genieldet wird, gestern in vierstündiger Sitzung den Ent- wnrf des EinigungZprogramms und des Organisationsstatuts. Sämt- liche Bestimmungen wurden nach eingehender Erörterung einstiinmig gebilligt und wurde beschlossen, dem Parteitag die Annahme des Programm? und des Statuts zu empfehlen. Der außerordentliche Parteitag soll auf den 20. Februar nach Stuttgart einberufen werden. Zugleich hat gestern und vorgestern der Gesamtvorstand des Wahlvereins der Liberalen(Freisinnige Vereinigung) zu den Be- schlüssen des ViererauSschuß Stellung genommen. Abg. Neumann referierte über den Programmcntwurf, Generalsekretär Weinhausen über das Organisationsstatut. In der sich an(die Referate anschließenden Debatte bekämpften Dr. Cahn-Frankflirt und Landtogsabgeordneter Voß-Eutin die Einigung, während die meisten Redner, darunter vornehmlich die Abgeordneten Dove und Gothein, sich für diese aussprachen. Schließlich wurde folgende Resolution angenommen: „Der Vorstand des Wahlvereins der Liberalen stimmt der Einigung der drei linksliberalen Parteien zu und beschließt, dem möglichst im Monat Februar einzuberufenden Delegiertcntag zu empfehlen, den durch den ViererauSschuß vorgelegten Ent- Wurf eines Einigungsprogramms und eines Orgamsationsstatuts nebst Uebergangsbestimmungen anzunehmen mit der Maßgabe, daß in daS Organisationsstatut noch ein Absatz über die Rechte und Pflichten der Mitglieder aufgenommen, und daß die Zahl der Mitglieder des Geschäftsführenden Ausschusses von 16 aus 17 erhöht wird._ Lehrer und Militarismus. Sechzehn Volksschullehrer, die in M a g d e b u r g im Auftrage der Militärbehörde einen Unterrichtskursiis für Kapitulanten und Militäranwärtcr leiteten, sind in aller Form in den Streik ein- getreten. Sie erhielten bisher für die Stunde ein Unterrichts- Honorar von 2 M. Bei einer Regelung de» UnterrichtSwescnS wurden ihnen nun 2,50 M. pro Stunde in Aussicht gestellt. Dessen un- geachtet hielt das Generalkommando später den Satz von 2 M. für ausreichend, obwohl bei anderen Kursen die Lehrer ein Stunden- Honorar von 3 M. erhalten. Da nun außerdem eine Erweiterung de» LehrplaneS und eine Vermehrung der schriftlichen Arbeiten er- folgte, erklärten die sechzehn Lehrer, für den alten Honorarsatz den Unterricht nicht wieder zu übernehmen bezw. weiter führen zu wollen. Sie haben sich in einem Flugblatt an ihre Kollegen gewandt, in dem sie um Unterstützung und Solidarität ersuchen. Defizit im preußischen Etat. Der»ene preußische Etat schließt mit einem Defizit von g? Millionen Mark ab. Die BesoldungSreform hat volle 200 Millionen Mark erfordert— wesentlich mehr alö man an- nahm— und da auch aus den Eisenbahnen nicht so hohe Ueber- schüsse herauszuholen sind, haben alle Anstrengungen das Defizit nicht verhindern könne»._ Der metklenburgische Verfassungsstreit. Wie bürgerliche Blätter zu melden wissen, haben die mccklcn- burgischcn Regierungen bisher- beim Bundesrat keinen Antrag ge° stellt, daß das Reich in die mecklenburgischen Verfassungsstreitig- leiten eingreifen möge. ES kann also auch nicht, wie vor einigen Tagen behauptet wurde, ein solcher Antrag im Bunldesrat beraten worden sein. Dagegen ist es richtig, daß sich der Ausschuß des Bundesrats für Verfassung insofern nnt der mecklenburgischen Ver- fassungsfrage beschäftigt hat, als er sich über die Stellungnahme der Verbündeten Regierungen zu der am Dienstag im Reichstage zur Beantwortung und Besprechung gelangenden freisinnig-national- liberalen Interpellation wegen der mecklenburgischen Versassungs- frage schlüssig gemacht hat. Ob der Reichskanzler selbst diese Interpellation beantworten wird, steht noch nicht fest. Von einigen Blättern wird behauptet, er werde selbst zu einer ausführlichen Darlegung das Wort er- greifen, von amtlichen Blättern wird diese Absicht bestritten. Zur Reichstagsnachwahl in Mülheim-Wipperfürth- Gummersbach. Vor kurzem kennzeichneten wir bereits die Art, wie die klerikale „Wipperfürther Ztg", die Bevölkerung gegen die sozialdemokratischen Flugblattverteiler aufhetzt. Die von dem Blatte gebrachte Antwort auf sein„Rätsel": Was tut man mit den sozialdemokratischen Flug- schristen, durch die Eure Angehörigen vergiftet werden? lautete: Man verbrennt siel— In einer anderen Nummer drohte das Blatt den.Volksbeglückern" und„sauberen Helden", sie könnten sich leicht bei ihrer Wiederkehr>,eine Tracht Prügel holen". Diese Belehrungen sind von der fanatisierten zentrumsgläubigen Bevölkerung des Kreises Wipperfürth prompt befolgt worden. Als unsere Genossen aus dem benachbarten Kreise Solingen nach Er- scheinen des Hetzartikels ein Wahlflugblatt verteilten, wurden sie in der unflätigsten Weise beschimpft, bedroht und zum Teil mißhandelt. In der Gegend von Neschen wurden zu verschiedenen Malen Hunde auf die Flugblattverteiler gehetzt; zumal taten sich die Frauen im Beschimpfen unserer Leute hervor. In Groß-Grimberg wurden unsere Genossen von den Bauern verfolgt und bedroht. In Bechen entgingen die Flugblattverteiler nur mit Mühe den Mißhandlmige». In den meisten Fällen lvurden die Flugblätter sofort zerrissen oder verbrannt. Wiederholt wurde den Genossen in dem Gebiete von Dürscheid- Kürten Schläge angeboten. In der Gegend von Olpe und Delling wurden wiederholt Hunde auf die Verbreiter gehetzt. In der Gegend von Lindlar hatte man die Häuser verschlossen oder die Flugblattverbreiter wurhen hinauSgeworsen und man versuchte, ihnen die Flugbätter z u e n t r e i ß e n. In Linde verbrannte man die in einer Wirtichast ausgelegten Flugblätter. Anderthalb Stunden lang wurden unsere Genossen von Bauern verfolgt. Hätten unsere Leute nur ein Wort auf die Beschimpfungen erwidert, so wären sie sicher halbtot geschlagen worden. Auf dem Wege nach Mittel-Breitenbach wurde einem Flngblattverteiler mit- geteilt, der Pfarrer habe morgens gesagt, die Sozial- demolraten kämen; niemand dürfe ans die Straße gehen, alle Türen müßten geschlossen gehalten werden. Auf der Strecke Dohrgaul- Frielingsdorf waren denn auch vielfach die Türen verschlossen und zugleich hatte man d i e Hunde losgelassen. Aus der eigemlichen Wipperfürthcr Gegend wird ebenfalls das Zerreißen und Verbrennen der Flug- blättcr, das Nachhetzcn von Hunden u. dergl. gemeldet. Gewiß sehr schöne Erfolge der klerikalen Kulturarbeit I Tie Ientmmspresse hat ersichtlich allen Anlaß, sich der erzieherischen Tätigkeit ihrer geistlichen Parteiagitatorcn zu rühmen. Die christ- liche Gesittung bewährt sich vorzüglich. Die Ergebnisse der Postkonferenz. Am 7. und 3. Januar fand bekanntlich in Verlin eine Konferenz der Reichspostverwaltung mit Vertretern de» Handels, der Industrie und Landwirtschaft statt, der die Aufgabe gestellt war, einige strittige Fragen deS Postdienstes zu besprechen. Dem offiziösen Bericht über die Konferenz entnehmen wir das Folgende: Die von der Post gewünschte Mitwirkung deS Publikums bei der Ausfüllung von P o st e i n l i e f e r u n g S s ch e i n e n fand allgemeine Billigung. ES wurde für zweckmäßig und erwünscht erachtet, für die Geldeinzahlungen, sofern sie nicht mittels Postein- liefcnmgSbilcheS oder EinlieferungSlisten bewirkt werden, nur die neuhergestellten Formulare von Postanweisungen mit anhängendem Einlieferungsschein zu verwenden, und die Ausfüllung deS EinlieferungS- scheins wie bei den Zahlkarten im Postüberweisungsverkehr dem Publikum zu übertragen. Eine Aenderung des Preises der For- mulare wird aus diesem Anlaß nicht beabsichtigt. Ebenso wurde es als ein Fortschritt begrüßt, daß in geeigneten Fällen die AuS- fertigung von Posteinlieferungsscheinen dem Publikum überlassen werden soll. Es ist beabsichtigt, zu diesem Zweck besondere Post- einliefernngSscheine in Schwarzdruck herstellen und den Interessenten kostenlos zu überlassen. Die vom Publikum ausgefertigten Post- einliefernngSscheine beider Art sollen einen Abdruck des Tages- stempelS erhalten. Ferner wurde es als erwünscht bezeichnet, Absendern von Paketen ans besonderen Wunsch die Möglichkeit der Er- langung einer EinlieferungSbescheinigung zu schaffen. DaS von der Postverwaltung hierfür in Aussicht genommene Ver- fahren und die Erhebung einer Gebühr von 10 Pf. für jede Bescheinigung, die zutreffendenfalls mehrere zu einer Paketadresse vereinigte Pakete umfassen kann, wurde gebilligt. Einen weiteren Beratungsgegenstand bildete die Behandlung der Chiffrebriefe. ES wurde als nicht erwünscht bezeichnet. die Benutzung von Chiffrebriefen auszuschließen oder auf voll- jährige Personen zu beschränken. Die Einfühning von Post- lagerkarten zwecks Aushändigung von Chiffrebriefen an bc- stimmte Personen fand Zustimmung. Solche Postlagerkarten sollen bei jedem Postamte für dort abzuholende Briessendungen gegen eine Gebühr von 26 Pf. auf die Dauer eines Monats- Zeitraumes ausgestellt werden. Der Inhaber erwirkt die Berechti- gung zur alleinigen Empfangnahme von Sendungen, die unter der in der Karte angegebenen Adresse, zum Beispiel Postlagerkarte Nr. 42, Berlin W. 8, eingehen. Die Gültigkeit kann auf Wunsch gegen Ent- richtung einer weiteren Gebühr um den gleichen Zeitraum verlängert werden. Die Karten werden nicht auf bestimmte Namen ausgestellt, der Antragsteller braucht sicy über seine Person nicht auszuweisen. Eine längere Erörterung entspann sich über die im Post- nachnahmeverkehr hervorgetretenen Mißstände. Die Ver- treter waren in der Mehrheit der Ansicht, daß eS mit Rücksicht ans den Umfang, den der Postnackmahmeverkehr angenommen hätte, und auf die Schwierigkeiten, die sich in vielen Fällen der sofortigen Einlösung der Nachnahmen durch die Empfänger entgegenstellten, ohne schwere Schädigung berechtigter Jntereffen weder angängig sei, die Ein- lösungsfrist abzukürzen, noch die zweite Vorzeigung von der Entrichtung einer Gebühr durch den Empfänger abhängig zu machen. Dagegen bestand allgemeine Geneigtheit, die Arbeitsleistung der Postverwaltung da- durch zu erleichtern, daß für eine Einziehung von Nachnahmen und Paketen Fonnulare obligatorisch eingeführt würden, die aus der Nachnahmekarte bezw. der Paketadreffe und einer daran anhängenden Postanweisung bestehen. Zum Schluß behandelte die Konferenz die Wiedereinführung des PostankunftSstempelS; von der Geschäftswelt wird dringend verlangt, daß der Ankunftsstempel wieder eingeführt wird, während die Vertreter der Postverwaltung ausführten, die Aufhebung des Stempels sei von wesentlicher Bedeutung� für�die Beschleuni- gung und Sicherstellung der Aushändigung der Briefe gewesen. Die Beschleunigung habe bis 20 Minuten betragen. Bei vielen Postanstalten würden nunmehr Briefe in frühere Bestellungen hinein- genommen. Die Postverwaltung habe den Angaben der Handels- kammern, die den Ankunftsstempel insbesondere der Kontrolle wegen reklamierten, volle Würdigung zugewendet. Sie habe aber nicht weiter gehen können, als den Ankunftsstempel bei Einschreib- und Eilbriefsendungen, die sowieso einer besonderen Be- Handlung bedürften, wieder einzuführen. Die Reichspostverwaltung behielt sich nochmalige Prüfung und definitive Stellungnahme vor._ Patriotische Entrüstung. Der Ring der Brauereien in Braunschweig hat. um den zwölf- wockigen Bierboykott mit all seinen Schäden für die Brauerei- besitzer zu Ende zu bringen, mit der sozialdemokratischen Partei- leitung und dem Gewerlschaftskartell einen Vertrag abgeschlossen. nach dem daS Bier im Ausschank die alten Preise behält, die cS vor dem Bierstreik hatte, und femer die Brauereien sich verpflichteten, einer zu gründenden VolkShauS-Gesellschaft G. m. b. H. zur Erbauung eines großen VersammlmigSsaaleS 10000 M. Einlagekapital und 70 000 M. Baukapital zu zahlen. Darüber sind die„Nationalen" rein aus dem Häuschen. In der Braunschweiger bürgerlichen Presse heulten die ReichSverbändler förmlich vor Wut. Sie forderten die guten Bürger auf, das Bier der VertragSbrancreien zu boykottieren. Allein der Durst der Spießer ist größer als ihr Haß gegen die Arbeiter. Der Boykott zieht absolut nicht. Gleichzeitig drohten die reichSverbändlerischen Kämpen, die Aktionäre der Brauereien persönlich anzufassen. Soweit sie— Reserve-Offiziere seien, würde gegen sie als solche bor- gegangen werden, denn es könne doch nicht angehen, daß königlich- preußische oder herzoglich-braunschiveigische Reserve-Offiziere' un- gestraft die Sozialdemokratie unterstützen dürften. Tatsächlich er- hielten jüngst einige Aufsichtsratsmitglieder der Brauereien. die zugleich Reserve-Offiziere find, die Aufforderung, entweder aus dem AufsichtSrat der anrüchigen Brauereien auszuscheiden, oder eine« ehrengerichtlichen Verfahrens gewärtig zu sein. Krassester TerroriSmuS! DieAufsichtSratSmitglieder der Brauereien sollen von dem ReserveoffizierSrock befreit werden, nur weil sie der Not gehorchend, nicht dem eigenen Triebe, der Abschließung eines Vertrages mit den Arbcitem zustimmten, um den sonst unvenncid- lichen weiteren wirtschaftlichen Schaden durch den Bterkrieg von sich abzuwenden. Die Abmachung mit den Brauereien kann nur nicht rückgängig gemacht werden, denn die Volkshausgesellschaft ist längst gerichtlich eingetragen und daS Kapital der Brauereien ist bei einem Vankhaufe sichergestellt._ Eine Ofsiziersbelcidigung. Der verantwortliche Redakteur Hermann Müller von der „Leipziger Volkszcitung" wurde wegen Beleidigung des Regiments- kommandeurs Frh. v. O d e l e b e n und des Leutnants Barne- b o l d t zu 400 M. Geldstrafe oder 40 Tagen Gefängnis verurteilt. Am S. Juli v. I. brachte die„BolkSzeitung" aus der Aeder eines Landwehrmannes eine Schilderung der Kafernenfrcudcn, tu der die Beschränkung des Urlaubs, der Kirchgang, ganz besonders aber die Feuerlöfchübung, kritisiert wurde, die die Landwehrinannschaften in der letzten Nacht vor ihrer Entlassung zu machen hatten. Nach dieser Ucbung unterhielten sich die Leute noch im Schlafsaal, ein Leutnant gebot Ruhe und liest die Leute wieder aufstehen, um an- geblich Ruhe zu schaffen. Darüber sind die Mannschaften entrüstet gewesen. Das Regiment fühlte sich durch die Darstellung und Kritik dieser Dinge beleidigt und die Verhandlung endete, wie bereits bemerkt, mit der Verurteilung Müllers zu 400 M. Geldstrafe. Weitere Maftregelungen in Kattotvitz. Tic Maßregelungen ivegen polnischer Abstiinnumg greifen jcht auch auf Privatbetriebe über. Wie der„Ober- fchlesische Courier" meldet, wurde von den Hohenlohe-Wcrken dem Markscheiderassistenten Wenzel wegen seiner Ab- stimmung bei den Kattowitzer Stadtvcrordnetenwahlen ge- kündigt. Es sollen noch weitere drei Beamte der Hohenlohe- Werke gcmaszregelt werden; diese Beamten haben aber sechs- wöchige Kündigung, die erst am 15. Februar auf 1. April er- folgen kann._____ frankmeb. Für die Sonntagsruhe. Paris» 10. Januar. Gestern nachmittag veranstalteten die An- gestellten der Kolonialwarengeschäfte graste Kundgebungen wegen des Ladenschlusses. Eine Gruppe von zirka 30 Kundgcbcrn, welche versuchten, eine Kolonialwarenhandlung zu stürmen, mutzte von der Polizei zerstreut' werden. Hierbei wurden drei Personen verletzt. Eine andere Gruppe, bestehend aus mehreren hundert Kundgebern, muhte in der St. Antoincttestraste von. der Polizei zerstreut werden. Zahlreiche Verhaftungen wurden vor- genommen. Cnglanck. Die Anflösinig des Parlaments. London» 10. Januar. Der König unterzeichnete heute nachmittag in dem Ministerräte, der im Buckinghampalaste stattfand, die Proklamation, durch die das Parlament formell aufgelöst wird. Das neue Parlament wird am 16. Februar zusammentreten. Die Proklamation wurde gleich nach der Unterzeichnung durch den König der Kronkanzlci übergeben, welche sofort mit der Altsgabe der Parlamentswahlbefehle begann. Ein neuer charattenstischcr Zug bei dieser Zlusgabe war der Gebrauch von Motorivagen, welche die Wahlbefehle den um London gelegenen Bezirken übermittelten. Auf diese Weise wurden 88 Wahlbefehle befördert. Der Rest wurde durch die Post versandt. C h a m b e r l a i n wird als einer der ersten, da kein Gegenkandidat aufgestellt ist. als Vertreter des Wahl- kreise» Westbirmingham in das Parlament zurückkehren. Tie Wahlbewegung. Si.»6on, 9. Januar. In der vergangenen Woche haben in ganz England rund 20 000 Wahlversammlungen stattgefunden. Mit dem gestrigen Tage hat die Beteiligung der P e e rs am Wahl- kämpfe ihr Ende erreicht, da die Peers sich nach dem Erlast des Parlamcntswahlbefehls, der morgen ergehen wird, nicht mehr öffentlich am Kampfe beteiligen dürfen. Gestern haben noch zahl- reiche Peers öffentlich gesprochen. Viele von ihnen fanden dabei einen feindlichen Empfang, so der Herzog von Norfolk, der erste Peer Englands, der in Brixton durch fortwährende Unter- brechuugen am Sprechen verhindert wurde, und Lord Ron'ldshay in Hornsey(London), der unter polizeilicher Bedeckung sich zurück- ziehen mutzte, da die Menge die Rednertribüne stürmte. Parlllmcntssckretär in der Admiralität Macnamara sagte in Cambcrwell, er bedaure, daß die Lords nicht länger in der Oeffentlichkeit erschienen, da ihre Reden die Behauptung der Radi- kalen bewiesen, dast das Haus der Lords eine untaugleche Einrichtung sei.— Handelsininister Churchill hielt eine Rede in Leven, in der er ausführte, das Oberhaus habe aus- gespielt. Es sei veraltet, eS bilde einen Anachronismus, der nur noch den vernichtenden Schlag erwarte, um für immer beseitigt zu sein.— Staatskanzler Lloyd George sprach in Plymouth vor 11000 Personen. Er bewies, dast die Regierung im Jahre 1909 fast drei Millionen Mehrausgaben für die Flotte aufgewandt habe, und im nächsten Jahre noch viele Millionen mehr aufwenden werde. Nachdem er dann noch das englische und daS deutsche Steuersystem gegenübergestellt und die britischen und die deutschen Exporte und die britische und die deutsche Schiffahrt verglichen hatte, lieh er seine Rede in de» Ge- danken ausklingen, dast die Heimat von Sir Francis Drake nicht ein Land fei, in dem man sich vor den deutschen SchiffSbautcn fürchte. In einem anderen Orte sagte Lloyd George, seine Rund- reise durch daS Land habe ihm die Gewistheit gegeben, dast die Liberalen dem Siege entgegengingen. Die Fabier und die Wahle». London, 8. Januar.(Eig. Ber.) Die laufende Nummer deö Organs der Fabian Society enthält folgende Betrachtungen und Ratschläge betreffend die kommenden Wahlen: „Der Vorstand hält es für unnötig, einen langen Wahlaufruf zu erlassen. Er wünscht hauptsächlich, die Fabier davor zu warnen, die Wichtigkeit der Frage des HauscS der Lords zu unterschätzen. Die Sozialisten dürfen mit Recht den Anspruch erheben, dast sie e« konsequent abgelehnt haben, durch tonstitutionelle Pedanterien mih- leitet zu werden, und dast sie erkannt haben, die wirkliche Konstitution besteht in der Summe von Macht, die im Lande wirklich aus- geübt wird. Wenn da? Haus ber Lords fich erkühnt, den Etat abzulehnen und eine Parlamentsauflösung zu erzwingen, und wenn das Land durch die Wahlergebnisse die Handlungsiveise der Lords unterstützt, so wird schon durch diese Tatsache allein die Handlungsweise der Lords verfossungsmästig—- trotz aller papierueu Proteste der ge- schlagenen Partei. Die Dauerhaftigkeit unserer Einrichtungen oder die Oberherrschaft deS Unterhauses wurde zuerst in Frage gezogen, alS die Zanoarbeitcr im Jahre 1885 das Wahlrecht erhielten; und seit den letzten Wahlen (1900), seitdem eine wachsende Arbeiterpartei ini Unterhause erschienen ist, ist die Propaganda für die Rückkehr zur oligarchischen und auro- krattschen RegicrungSiveise ganz unverhüllt hervorgetreten und beliebt fieworden. Die Bewegung:„Zurück auf die Zeit von vor 133S" ist etzt in voller Entwickelung, und die Ablehnung des Etats durch die LordS ist ein Versuchsballon, um auSzufinden, wie weit diese Be- »veaung nach rückwärts gehen darf. Ist dieser Versuch erfolgreich. ist die Zusantmenfassung der Kräfte zur Verteidigung der Demokratie nicht entschieden genug, so wird die Reaktion so kühn werden, dast der Sozialismus ganz in den Hintergrund gedrängt werden wird von der Notwendigkeit, nicht nur das Wahlrecht zu schützen, sondern sogar die Freiheiten, die in der Revolution gewonnen wurden, zu verteidigen. Es ist deshalb tatsächlich wichtiger für die Sozialisien als für die Liberalen, dast die Lords bei den kommenden Wahlen geschlagen werden. Alle anderen Wahlfragen sind falsch. Aber die Frage, ob die demokratische Negierung deS Unterhauses oder die oligarchische Regierung des Lords den Mittelpunkt der Staatsmacht bilden soll, ist die wahre, wirkliche und entscheidende Frage. Unsere Schlustfolgerung ist, dast es die unabweisbare Pflicht jedes FabierS ist, eisrig dafür zu arbeiten, dast der Anspruch der Lordö und jeder Kandidat, der diesen Anspruch unterstützt, geschlagen lvcrdcn. Wo ein regelrecht aufgestellter Arbeiter- oder sozialistischer Kandidat aufgestellt ist, dort ist es selbstredend unsere höchste Pflicht, für dessen Sieg zu wirken. Wo aber ei» solcher Kandidat nicht aus- gestellt ist, dort soll der Wähler seine Stimme so abgeben, dast sie zur Niederlage der LordS beiträgt." Wahlaussichten. London, 9. Januar. Der konservative„Obserber" gibt eine Anzahl von Berechnungen wieder, die von Experten der beiden Parteien über die Wahlaussichten angestellt worden sind. Er weist dabei auf die bedeutenden Unterschiede in den Resultaten hin, zu denen die Verfasser gelangt sind. Ein Konservativer sage eine Majorität von neunzig, ein anderer eine von vierzig Stimmen für die Konservativen voraus, ein dritter berechne für die jetzige Regierung eine Majorität von sechzehn Stimmen. Ein Radikaler glaube, die Regierung werde zweihundert, ein zweiter, sie werde hundertzehn Stimmen Majorität bekommen, während ein dritter fürchte, dast die Konservativen mit acht Stimmen siegen würden. Der„Observer" schlicstt mit der Bemerkung, dast die öffentliche Meinung Englands sich am Vorabend der Wahlen niemals so im Unklaren über ihren Ausfall befunden habe, wie gerade jetzt. Ciirhei. Die Ministerkrise. Konstantinopel, 10. Januar. Nach dem gegenwärtigen Stand der Verhandlungen wird der Grast wesir Hakki Voraussicht- lich das Ministerium des Acustern, der Generalissimus Mahmud Schewket das Ministerium des Krieges und der jungtürkische Abgeordnete Emrullah das Ministerium des Unterrichts übernehmen. Die jungtürkischen Minister D s ch a w i d, T a l a a t und H a l a d i i a n dürften im Amte bleiben. Die offizielle Ministerliste wird morgen erwartet. Amerika. Die Arbeiterpartei gegen den Stahlttust. New Dork, 10. Januar.„Financial New?"»neidet: Die Führer der Arbeiterparteien haben den Präsidenten Taft in einer Petition gebeten, eine Untersuchung über die Manipulationen deS Stahltrusts zu veranlassen. Die Arbeiterfrage beunruhigt austerordcntlich. Man meldet, dast die Zuckerminen von Butte»nit dem Gedanken umgehen, ihren Betrieb wegen der bestehenden Schwierigkeiten mit ihren Arbeitern einzustellen. Em der Partei. Ein VolkShauS ist am Sonntag in Brandenburg eingeweiht worden. Das Lokal.Stadtpark" ist dort in den Besitz der' Arbeiterorganisationen übergegangen. Es ist im Herzen der Stadt gelegen und daS Grundstück bietet die Möglichkeit zur Errichtung weiterer Räumlichkeiten, wenn die jetzt in Benutzung genommenen einmal für den Verkehr der Arbeiterschaft zu klein werden sollten. Zunächst wird eine Herberge für die reisenden Genossen errichtet, in einigen Monaten soll sie voll- endet sein. Bei der Feier, die im überfüllten Saale des neuen Heims stattfand, sprach Genosse Brachlvitz im Na, neu der Geschäftsleitung; Genosse Redakteur Baron trug einen von ihm verfastten Prolog vor, Genosse Fischer sprach für das Gewerkschastskartell. als Redner der politischen Organisation traten Genosse Sydow und der Reichstags- tandidat Genosse PeuS auf. Außerdem wurden BegrüstungSreden gehalten von Vertretern deS Rathcnower WnhlveremS und der Ralhenower Gewerkschaften sowie vom Genossen Parteisekretär Richard Schmidt aus dem Provinzialvorstande. Ein SozialistenhcgräbniS in Oierschlesie». DaS Leichenbegängnis eine» verunglückten Proletariers in Schwientochlowitz gestaltete sich zu einer großen Demonstration. Die Direktion des Bergwerks, auf dem der Verunglückte beschäftigt war, stellte die Musik gratis und kommandierte die Belegschaft zur Teilnahme am Leichenzuge, machte jedoch zur Bedingung, daß keine roten Schleifen getragen werden. Als dennoch rote Schleifen am Friedhof auftauchten, hörte die Musik auf zu spielen und die kommandierte» Arbeiter kehrten uin. Außer ihnen folgten aber an 3000 Genossen und Genossinnen dem Sarge. Die Polizei benahm sich korrekt, auch alS ein Genosse die Grabrede hielt, erfolgte keinerlei Störung. „Korrespondent"- Neutralität. Im„Korrespondent für Deutschland« Buch- drucker" findet sich folgende liebliche Vriefkastennotiz: Feiger Anonymus in Dresden: Auf solche Schweine Wie Sie kann die Sozialdemokratie stolz sein. Legen wir'S zu den» übrigen. Partei und Gewerkschaften in Amerika. . Als ein erster Erfolg der neuerlichen Annäherungsversuch« zwischen Partei und Gewerkschaften in den Vereinigten Staaten kann es angesehen werden, dast eine groste Anzahl von Getverk- ichaftss'-ktionen um die Entsendung sozialistischer Redner ersucht hat. Diese Frage wurde daher auf der kürzlich in Chicago abgehal- tenen Konferenz des Nationalrats der sozialistischen Partei ein- gehend geprüft, und rs sind besondere Agitatoren für die Agitation unter den Gewerkschaften ftcigrstellt worden, und zwar zunächst unter solchen Gewerkschaften, denen die betreffenden selbst als Mitglieder angehören. Vielfach berufen die Gewerkschaften auch schon besondere Mitgliederversammlungen ein, in denen— ganz gegen frühere Gewohnheit— sozialistische Vorträge gehalten werden. � In verschiedenen Städten der Vereinigten Staaten h�den sich sozialistische Gruppen zur Errichtung und zum Betriebe von Kinc- matographcntheatcrn gebildet, in denen vornehmlich in agitatorischer und erzieherischer Weise im Sinne des Sozialismus auf die Be- sncher eingewirkt werden soll, ohne dast dabei das Unterhaltungö. bedürfnis zu kurz kommt. Einige fett mehreren Monaten bestehende Theater sollen in jeder Beziehung befriedigend arbeiten, Soziales. Heimarbeiter haben ei« gesetzliche» Recht ans Kündigungsfrist. ES klagte gestern vor der Kammer 1 des GewerbcgerichtS die Hosenstepperin H. gegen den Inhaber einer Arbcitsstube, JanowSky, auf Zahlung einer Entschädigung von 55,25 M., weil sie nach l'/stägiger Beschäftigung fristlos entlassen worden ist. Die bean- spruchte Entschädigungssumme soll ihrem bisherigen Durchschnitts- verdienst für 14 Tage entsprechen. Von» Beklagten wurde als Einwand geltend geinacht, dast er beim Engagement ausbedungcn habe, die Klägerin müsse täglich 0 bis 7 Hosen anfertigen; daS habe aber die Klägerin nicht leisten können. Ueberdies sei ex der Ansicht, dast Heimarbeiterinnen auf Kündigungsfrist keinen A>»- spruch haben und eine solche sei nicht vereinbart worden. Das Gericht unter Vorsitz deS Magistratsrats Dr. Leo verurteilte den Beklagten zur Zahlung von 19,20 M. Selbst wenn man der Ansicht ist, hietz es in der Begründung, dast Heimarbeiter nicht als gewerbliche Arbeiter im Sinne des Titels VII der Ge- wcrbeordnüng zu betrachten seien, so haben diese doch nach 8 623 des Bürgerlichen Gesetzbuches Anspruch auf eine ztvciivöchentliche Kündigungsfrist. Der Einwand der Nichterfüllung einer für dci» Arbeitsvertrag gestellten Bedingung(Lieferung von 6 bis 7 Hosen pro Tag) konnte als stichhaltig nicht erachtet werden, da sich nach Ansicht des Gerichts bei einer neu eintretenden Arbeiterin nach einer Beschäftigung von IIb Tagen bcstiminte Schlüsse in bezug auf ihre Leistungsfähigkeit noch nicht ziehen lassen. Ein Grund zur Entlassung war demnach nicht gegeben. Ebenso konnte aber das Gericht keinerlei Schlüsse auf den Verdienst der Klägerin ziehen; es konnte derselben deshalb nur eine Entschädigung für 14 Tage in Höhe des ortsüblichen Tagclohncs von 1,60 M. pro Tag— 19,20 M. zugesprocksui werden und mutzte die Mehrforderung abweisen._ Erfüllung der Wartezeit für AlterSrentner. Altersrentenanwärter. welche im Laufe des Jahres 1910 ihr 70. Lebensjahr vollenden, haben an Beitragswochen mindestens nachzuweisen, wenn sie nach Eintritt in die Versicherung beschäftigt waren: a) als Arbeiter, Gehilfen. Gesellen, Dienstboten. Handlung»- gehilfen, Betriebsbeamte.. 700—800 Beitragswochen, b) als Hausgewerbetreibende der Tabakfabrikation..... 720—700» c) als Hausgewerbetreibende der Textilindustrie mit Versiche- ruugspflicht vom Jahre 1894. 614—054» ck) als Hausgewerbetreibende der Textilindustrie mit Versiche- ruugspflicht vom Jahre 1890. 500—600» o) als Lehrer, Lehrerinnen, Er- zieher. Gesellschafterinnen. sonstige Angestellte, deren dienstliche Beschöftigmrg ihren Hauptberuf bildet u. dergl.. 400—440» Für verrückt erklärt! Di«„Stolper Neuesten Nachrichten" berichten über folgende geradezu empörende Behandlung einer Volksschullehrerin: «Im Jahre 1907 wurde die bis dahin bestbewährte Lehrerin Alice Hirn an die Volksschule in Hammermühle berufen. Das erste sei gewesen, dast die ihr zustehende Lehrerinnenwohnung ihr vorenthalten und einer Schwägerin des(damaligen) HauptlehrerS überlassen wurde. Als Wohnraum sei ihr der seitherige Schlaf- räum der Familie angewiesen worden. Nachdem der Hauptlchrer versetzt worden war und sein Amtsnachfolger die Dienstwohnung bezogen hatte, habe dieser verlangt, dast sie die Schlafstube räume, und erklärt, falls sie mit einer anderen ihr zu beschaffenden Wohnung fürlieb nehmen wolle, werde man dafür sorgen, dast sie recht bald die Teuerungszulage bekäme, wogegen sie jedoch pro» testierte. Es sei zu Reibereien gekommen; schliestlich sei Medizinal- rat Dr. Räuber aus Köslin zwecks Untersuchung ihres Geistes- zustandeS erschienen und habe erklärt, dast sie geisteskrank sei und an unheilbarer, chronischer Verrücktheit mit Wahnideen der Berin- trächtigung und Verfolgung leide. Die Regierung hat ihr nahegelegt, sie möge sich pensionieren lassen, was sie jedoch ablehnte, da sie gesetzlich noch nicht pensionsbercchtigt sei. Die illegierung habe ihr dann einen Pfleger bestellt, das Amtsgericht zu RummelSburg cS jedoch abgelehnt, dem Gesuch stattzugeben, da nach den vorauf- gegangenen Verhandlungen mit Frl. Horn„eine Verständigung mit dieser sehr wohl möglich sei". Das Landgericht Ttolp habe dagegen die Bestellung eincS Pflegers veranlatzt, wobei der Lehrerin aufgegeben wurde, sich zwecks Untersuchung ihres Geisteszustandes in eine Anstalt zu begeben. Sie habe sich in die psychiatrische Ab- teilung der Universitätsklinik in Leipzig begeben, die nach sechs- wöchiger Beobachtung das folgende Attest ausstellte: Leipzig, den 10. September 1909. AerztlicheS Zeugnis. Die unterzeichnete Direktion bestätigt, dast Frl. Alice Horn während der Dauer ihrer Beobachtung in der Psychiatrischen und Nervenklinik der Universität zu Leipzig keine Symptome einer akuten Geistesstörung gezeigt hat. Die bei ihr vorliegende Neurasthenie erscheint mit der Ausübung ihres Berufes nicht unvereinbar. Die Direktion der Psychiatrischen und Mervenklinik der Universität: gez. Flechsig. Professor Flechsig erklärte ihr zur Beruhigung noch persönlich ausdrücklich, sie brauche sich über ihren Geisteszustand keinerlei Sorge zu machen, sie sei vollkommen normal. Allerdings sei sie etwas neurasthenisch(nervenschwach), könne aber deshalb sehr wohl weiter unterrichten. Dieses Attest reichte Frl. Horn dem Amts- gericht zu RummelSburg ein, worauf es die Bestellung eines Pflegers nochmals ablehnte, da es die Lehrerin für gesund er» achtete. Gegen diese Entscheidung erhob die Regierung jedoch er» neut Beschwerde beim Landgericht Stolp, und dieses machte geltend, dast das Attest au» Leipzig für die Beurteilung des Geisteszustandes seitens des Mcdizinalrats Dr. Räuber nicht mastgebend sei, da diesem daS Mtenmaterial vorgelegen habe. Es wurde ihr nun wiederum empfohlen, sich nunmehr endlich pensionieren zu lassen, die Regierung wolle ihr die höchste Pension bewilligen. Schliestlich habe sie darin eingewilligt und darauf das nachstehende Schreiben vom Ministerium in Berlin erhalten: Berlin W. 64, den 1. November 1009, Unter den Linden 4. Sehr geehrtes Fräulein HornI Damit Sie sehen, wie unrichtig Sie die Königliche Regierung beurteilen, teile ich Ihnen auf Ihre Zuschrift vom 80. Oktober d. I. mit, dast die K. Regierung Ihre Pensionierung mit einem Gesamtbeträge an Pension und laufender Unterstützung von 960 M. jährlich warm befürwortet und der Herr Minister sie bereits ge- nehmigt hat. Die amtliche Nachricht dürfte in Kürze an Sie ge- langen. Mit dem aufrichtigen Wunsche, dast nunmehr alle Acngste und Sorgen von Ihnen genommen sein mögen, 'ergebenst Altmann, Geh...„er Obcrregierungsrat.". Der Lehrerin wird das u�c Zukommende vorenthalten. A ie ihren Anspruch erhebt, wird die geistig völlig gesunde Dam von einem Medizinalrat für verrückt erklärt und die geisti Gesunde schliestlich»noralisch gezwungen, sich pensionieren zu lassen. Nette prcustische Schulzustände. GewerkfcbaftUcbeB. Die Arbeitslosigkeit im Vucbciruckgewerbe hat einen derartigen Umfang erreicht, daß man sich auch in den Kreisen der Prinzipalität des Eindrucks nicht erwehren kann, den eine solche Tatsache in jedem fühlenden Menschen wachrufen muß Wir lesen darüber im„Korrespondent für Deutschlands Buch druckcr": „Die volle Ausnutzung der tariflichen Lehr ling-Zskala und die große Zahl arbeitsloser Gehilfen wurde in Nr. 103 der„Zeitschrift für Deutsckilands Buchdrucker" als nicht gut mit einander harmonierend bezeichnet. obwohl nach dem Buchsiaben des Tarifs gegen daS elftere nichts einzuwenden wäre. Diese einsichtige Stellungnahme der offiziellen Prinzipalszeitung in unserm Gewerbe verdient um so mehr Anerkennung, als nicht nur in den extremen Kreisen des scharf- macherischen ArbeitgeberverbandeS im Buchdruckgewerbe die volle Ausnützung der tariflichen Lehrlingsskala als eines der Hauptziele von jeher und auch neuerdings wieder genannt wird sondern auch in tariftrcuen Prinzipalskreiscn selbst da und dort der Wille sich kundgab, ohne Rücksichtnahme auf die außerordent lich hohe Konditionsloseuzahl in der Gehilfenschaft die Lehrlings einstellung bis an die Grenze deS tariflich Zulässigen vor- zunehmen. Daß man aber darüber in maßgebenden Prinzipals kreisen anders denkt, beweist die vorerwähnte Meinungsäußerung der„Zeitschrift", von der wir wünschen, daß sie in Prinzipals- kreisen nicht ungchört und unbeachtet Verhallen möge, denn die Arbeitslosigkeit ist im Jahre 1909 noch größer geworden." Im Interesse der Gehilfenschaft läge es unseres Erachten? auch. wenn die einsichtige Stellungnahme der maßgebenden Buchdruck Prinzipalskreise sie dazu führen würde, sich künftighin Forderungen auf Verkürzung der Arbeitszeit nicht mehr derart streng abweisend gegenüber zu stellen, wie dies bei den letzten Tarifverhandlungen zum schweren Nachteil der Buchdrucker geschah. Eine wirksame Verkürzung der Arbeitszeit hätte die Krise von der Schwelle des Buchdruck� gcwerbes nicht fernhalten, ihre Erscheinungen aber wesentlich mildern können und die Gehilfenschaft hätte dadurch Tausende und Abev tausende von Mark an Unterstützungen weniger aufzubringen gehabt, die sie jetzt den Arbeitslosen zuwenden mußte. veutlebes Keiefi. Zur Tarifbetvegung im Holzgewerbe Die einzelnen Bezirksverbände des Arbeitgeberschutzverbandes treiben ihr frivoles Spiel der Provokation der Arbeiter weiter. In allen Verhandlungsorten wird den Vertoaltungen des Holz� orbciterverbandes die vom Vorstand des Schutzverbandcs zu diesem Zweck vervielfältigte..Kaiserkeller-Resolution" übermittelt. In Oldenburg, wo die Arbeiter eine Lohnerhöhung von 4 Pf. pro Stunde(verteilt auf die dreijährige Vertragsperiode) und eine Stunde Arbeitszeitverkürzung pro Woche forderten, erhielt der Holzarbeiterveriband folgendes Schreiben: „Nachdem Ihre Forderungen der Generalversammlung des Arbeitgeberschutzverbandes unterbreitet worden, war die all- gemeine Ansicht der Versammlung, daß die Forderungen, wie Sie dieselben wünschen, nicht erfüllt werden können; auch von einer Arbeitszeitverkürzung muß auf alle Fälle abgesehen werden!— Sie werden daher ersucht, Ihre Forderungen zu reduzieren und dieselben umgehend dem Borstand des Schutzverbandcs mitzu- teilen." Es ist doch— gelinde gesagt— ein starkes Stück, was sich da die Herren Arbeitgeber leisten. Weil die Arbeitgeberversamm- lung der Meinung ist, daß die Forderungen zu hoch sind, werden die Arbeiter ersucht, ihre Forderungen zu reduzieren und die redu- zierten Forderungen umgehend einzureichen. Und das bei einer Forderung von 4 Pf. Lohnerhöhung, die vielleicht auf 3 Termine verteilt wird. Warum beschließen dann die Herren vom Schutz- verband nicht gleich, daß die Arbeiter auf jede Forderung zu ver- zichten haben? Die Oldenburger Holzarbeiter, wie auch diejenigen der anderen Orte werden den Herren die verdiente Antwort geben. In der bürgerlichen Presie wird inzwischen kräftig scharf ge- macht. Den Vogel schießt hierbei die„Elbinger Zeitung" ab, deren „geschätzter" Mitarbeiter ein Bezirksvorsitzender des Schutzverbandes ist. Si? schreibt in der Nummer vom 5. Januar: „Die Situation in der Holzindustrie ist zurzeit so, daß in 22 Städten die Verhandlungen vorläufig gescheitert sind, weil die Arbeiter keine bestimmten Vorschläge gemacht haben, und daß in 21 Orten die Arbeitgeber die Tarifborschläge der Arbeiter ab- gelehnt haben. Sie begründen das, wie uns unser dI?-Mit- arbeiter schreibt, mit den„exorbitanten" Forderungen der Ar- bciter, die neben einer Verkürzung der Arbeitszeit, Lohn« crhöhungen von 19— 17 M., Lohnsicherung bei Akkordarbeit, obli- gatorische Benutzung paritätischer Arbeitsnachweise, Fortfall aller Ueberstunden und Entlastung von Arbeitern nur nach Ver- ständigung mit dem Werkstattausschuß fordern. Der Arbeitgeber- bund für die Holzindustrie foroert seine Mitglieder auf, den Arbeitnehmern nur in bezug auf Lohnerhöhung entgegen- zukommen, sonst aber sich ablehnend zu verhalten, selbst auf die Gefahr hin, daß damit das Signal zu einer allgemeinen Aus- sperrung gegeben wird." Soviel Zeilen, soviel Unwahrheiten. In Wahrheit ist eS so, daß in 36 Orten die Forderungen der Arbeiter eingereicht sind; in den Städten, wo die Verträge am 1. April ablaufen, hatten die Arbeiter vor dem Kündigungstermin(1. Januar) gar keine Ursache, mit Forderungen zu kommen. Oder soll der Grund für dieses Verlangen der sein, daß der Schutzverband diese Verträge bereits am 19. November gekündigt hat? Ein ganzes Vierteljahr ist noch zu Verhandlungen Zeit und die Holzarbeiter werden ihre Forderungen so früh übermitteln, daß in Ruhe darüber verhandelt werden kann. Damit aber kein Unwesen damit getrieben wird, ist eine gründliche Vorberatung notwendig. Unwahr ist, daß der Fortfall aller Ueberstunden ver- langt wird und die Entlassung von Arbeitern nur nach Ver- ständigung mit dem Arbeiterausschuß vor sich gehen soll. Die Holzarbeiter lassen sich durch solche Albernheiten und Drohungen nicht aus der Ruhe bringen. Die Arbeiter richten sich auf den Kampf als etwas Unabwendbares ein. Eine Konferenz der Zahlstellen von Groß-Berlin und der weiter entfernten Vororte beschloß, den Verbandsbeitrag ab 1. Januar auf 1,59 M. wöchentlich zu erhöhen. Ferner haben die Orte Hannover, Köln, Hamburg, Magdeburg, Düsseldorf, München, Flensburg, Hadersleben, Leipzig, Königsberg, Bremen, Dresden, Frankfurt und eine große Anzahl weiterer Orte die Wochenbeiträge auf 1 M. und mehr erhöht. Auch die Mitgliedschaften in den zurückgebliebensten Gegenden haben Beiträge von 39 Pf. und mehr beschlossen. Dabei werden aber all Zahlstellen in den nächsten Tagen gemäß Aufforderung des Verbandsvorstandes aufs neue zur Beitragsfrage Stellung nehmen. und dann wird der Schutzverband sehr bald sagen:„Da haben wir durch unsere Beschlüste, welche die Arbeiter einschüchtern sollten, etwas Schönes angerichtet." Die Vorbereitungen zum Kampf gehen aber weiter. In Dresden haben Verwaltung und Vertrauensleute einstimmig be- schloffen, der nächsten Mitgliederversammlung den Antrag zu unterbreiten, daß im Falle eines Kampfes für die erste Woche Unterstützung nicht gewährt werden soll. Bei der Aussperrung im Jahre 1997 wurde dieser Beschluß auch in Berlin und anderen Städten durchgeführt. Auch gegenwärtig beschäftigen sich eine ganze Anzahl Verwaltungen der Vertragsstädte mit der Vorbereitrlng d'? gleichen Antrages._ Oertliche Tarifverhandlungen im Baugewerbe. Auf Veranlassung deS Unternehmerverbandes„Unterelbe" fand Vertretersitzung des Arbeiterverbandes und daß in allen Orten mit den Arbeitervertreiern Verhandlungen ge führt wurden, aber nur unter der Boraussetzung, daß die Unter nehmer von den bekannten Leitsätzen des ArbeitgeberverbandeS nicht abweichen würden. Dagegen erklärten sich die Arbeiter Vertreter.— ES wurde dann vereinbart, daß in dem Bezirk in der Zeit vom 7. Januar bis 31. Januar die örtlichen Verbandlungen stattfinden sollen.— Im ganzen Bezirk sind vorläufig zirka 27 Ver Handlungen festgesetzt._ Der Brauereiarieiterveriand erzielte ein sehr günstiges Ergebnis durch de» mit der Ziegler-Brauerei iu Dachau ab' geschlossenen Tarifvertrag. Die Lohnverbesserungen betragen 4 bis 5,59 M. pro Woche, zwei Stunden Arbeitszeitverlürzung pro Tag.— Bei der Tariferneuerung mit drei Brauereien in Lands- berg a. L. wurde Erhöhung der Löhne und der Ueberstundensätze erzielt,>/< Stunde tägliche Arbeitszeitverkürzung. Dazu kommen bei beiden Verträgen eine Reihe kleinerer Arbeitsvergiiiistigungen.— Der Streik der Glogauer Brauereiarbeiter bei der Vorstadt- brauerei wurde nach mehrwöchentlicher Dauer mit vollem Erfolge für die Aiisstäudigen beendet. Der Unternehmer Berthold, Stadlrat und Hauptmann der Reserve, der anfänglich jede Verhandlung mit den Streikenden und deren Organisationsleiter ablehnte, stellt jetzt alle noch vorhandenen Streikenden wieder ein und verkürzt die tägliche Arbeitszeit um eine halbe Stunde. Die Abmachungen wurden tariflich festgelegt. Wesentlich zum Gelingen des Kampfes hat der von der Arbeiterschaft beschlossene Boykott deS Bieres der bestreikten Brauerei beigetragen. Die Nuhr-Bergarbeiter rüsten. Ain Sonntag, den 9. Januar hielten weit über 69 Zahlstellen deS Bergarbeiterverbandes im Ruhrgebiet Versammlungen ab, um zu dem vom Verbandsvorstand vorgeschlagenen Extrabeiwg Stellung zu nehmen. Soweit bis jetzt bei der Verbandsleitung bekannt ge- worden ist, ist der Vorschlag in allen Versammlungen einstimmig oder nahezu einstimmig gutgeheißen worden. Neuer Sklavenimport zum Jndustriebezirk. Kaum sind die ersten Anzeichen von der Belebung des Kohlen- und Eisenmarltes vorhanden, so beginnt auch schon wieder der Massenimport fremder Arbeitskräfte ins Jndustrierevier. Die Zeche„Rheinelbe" in Gelsenkirchen hat in Ost- und Westpreußen 409 Arbeitskräfte ange warben, die in nächster Zeit eintreffen werden. Die Kolonie' bewohner sind angewiesen worden, sich auf Kostgänger einzurichten. Für pünktliche Zahlung des Kostgeldes garantiert die Zechenber- waltung. Vielleicht hängt auch die Anwerbung der Arbeitskräfte mit der drohenden Streikgefahr zusammen, da die Zeche hofft, hierdurch„Willige" zu erhalten. In G e l s e n k i r ch e n kam es am Sonnabend auf Zeche Rheiu-Elbe der Gclseiikirchencr Bergwerksgesellschaft zu erheblichem Krakeel durch neu angeworbene Arbeiter. Den von dem Brand inspektor Poch aus Hohensalza abgeholten Arbeitern waren 5 M. Lohn versprochen worden. Nach ihrer Ankunft sollten sie aber nur 3,89 M. erhalten. Die Wohnungen, die man ihnen ver- sprachen hatte, waren auch nicht vorhanden, so daß sie bei Familien in der Kolonie untergebracht werden mußten. Zirka 199 Arbeiter rotteten sich zusammen und verlangten stürmisch ihre Papiere zurück. Die Polizei war in erheblicher Anzahl aufgeboten. In Posen sind noch 2 Abgesandte der Gclsenkirchener Berg Werksgesellschaft als Werbeagenten tätig. Charakteristisch ist, daß am Sonnabend 6 Bergarbeiter, die auf irgendeiner Zeche Arbeit haben wollten, vom Gelscnkirchener Arbeitsnachweis zurückgewiesen wurden, weil keine Arbeit vorhanden sei. Die von der Gelscnkirchener Bcrgwcrksgesellschaft aus dem Osten herbeigeschleppten Arbeiter sind— weil völlig enttäuscht— bereits zum größten Teile wieder abgereist. Kämpfe um den gesetzlichen Arbeiterinnenschutz. Die am 1. Januar in Kraft getretene Aeiiderung der Gewerbe- ordnung, die den Arbeitsschluß für Arbeiterinnen am Sonnabend auf 5 Uhr abends festsetzt und somit eine Verkürzung der Arbeits- zeit um Vz Stunde mit sich bringt, scheint noch größere Arbeits- kämpfe im Gefolge zu haben. Die Unternehmer wollen diese geringe Arbeitszeitverkürzung nicht widerspruchslos hinnehmen, sie versuchen, sie an anderen Tagen einzuholen. DaS werden die Arbeiterinnen nicht überall ruhig hinnehmen. In S a a l f e l d i. Th. ordnen die Unternehmer in den graphischen Betrieben an, daß am Freitag soviel länger ge« arbeitet werden muß, als die Arbeitszeit am Sonnabend gekürzt worden ist. Die Arbeiterinnen sind damit nicht einverstanden, und es ist bereits zu einer Reihe von Konflikten und Kündigungen ge- kommen. Eine am Sonnabend stattgefundene Versammlung der in den Saalfelder graphischen Betrieben tätigen Arbeiterinnen und Arbeiter beschloß einstimmig, dem Versuch der Unternehmer mit allen Kräften entgegenzutreten. Die den Verband noch fernstehenden Arbeiterinnen sind infolge der Vorgänge fast alle ihrer Gewerkschaft beigetreten. Im Laufe der kommenden Woche wird die Entscheidung allen. So müssen die Arbeiterümen erst mit Hilfe der Organisation dem Gesetze Geltung verschaffen. Der Verband der Hafenarbeiter schloß mit den R i s a e r Speditionsfirmen einen Kollekrivarbeitsvertrag ab, wonach sich die Akkordsätze für Ausladen von Getreide an der Elbe um 59 Pf. pro 19 999 Kilogramm, beim Spcicber und Elevator um 25 Pf. pro 19999 Kilogramm erhöhen. Für eine Reihe weiterer Akkordsätze ind Erhöhungen iu gleicher Höhe vereinbart. Die Stundenlöhne im Speditionsbetriebe erhöhen sich von 35 auf 49 Pf. und ab 1. Juli 1911 auf 45 Pf. Die Löhne erhallen Sonntags und an den Werktagen nachmittags vor den großen Festtagen einen Zuschlag von 59 Proz.; bisher wurden 25 Proz. gezahlt. Für Ueberstunden wurde der Zuschlag von 19 auf 25 Proz. erhöht. Der Vertrag wurde als Resultat friedlicher Verhandlungen bis zum 31. März 1913 — mit Wirkung vom 1. Januar 1919— abgeschlossen. Die Mit- lllieder des Hafenarbeiterverbandes verdanken diesen Erfolg ihrer Organisationsarbeit._ Eine Landeskonferenz der sächfischen Bergarbeiter (and am Sonntag in L u g a u im Erzgebirge statt. Sie war von 46 Delegierten aus allen Revieren Sachsens sowie von etwas über 1999 Bergarbeitern besucht. Anwesend war der Reichstagsabgeord- nete Sachse- Bochum, sowie die Genossen und sächsischen Land- tagsabgeordneten Krause- Lugau und Drescher- Gersdorf. Die Konferenz war eine wuchtige Anklage gegen die sächsischen Grubenbarone und die sächsische Regierung. Schwere Vorwürfe wurden gegen das brutale Vorgehen der Grubenbesitzer gegen die gesetzlichen Kassen- und Arbeitervertreter laut und verlangt man von der sächsischen Regierung Abhilfe. Der Landtagsabgcordnete Krause wurde beauftragt, den Minister des Innern zu fragen, ob er eme Bergarbeiterdeputation betreffs Vorbringen von Be- 'chwerden empfangen will. Das neue Berggesetz wird in der dem Sächsischen Landtag vorliegenden Form seitens der Bergarbeiter nicht anerkannt. Die Sicherheitsmänner sollen von den Berg- arbeitern selbst gewählt werden in geheimer Wahl. Zwei dement- sprechende Resolutionen wurden einstimmig angenommen. Tarifbewegung in der Buch- und Kartonnagenindustrie in Plauen i. B. Stark besuchte Versammlungen der Buchbinder und Kartonnagenarbeiter in Plauen und in F a l k e n st e i n be- schloffen, den Unternehmern am 11. d. M. einen Tarif einzureichen und um Antwort bis zum 21. d. M. zu bitten. Die Lohn- Verhältnisse sind in beiden Getverben dieses Industriegebietes sehr traurige. Bei einer Sstündigen Arbeitszeit werden jetzt je nach Altersklasse Wochenlöhne gefordert: für Buchbinder von 18,99 bis 24,39 M., für Kartonnagenarbeiter von 17,82 bis 22,63 M. Die ine Vertretersitzung des ArveiterverdandeS und Unternehmer- Verbandes statt. Die Unternehmer erklärten sich damit einverstanden. Berantw. Redakt.: Richard Part�'Aerlin. Inseratenteil ecrantw.: Ah, Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. BerlagtanstaU Gaul Singer L-Eo., Berlin LW, Hicrzu2Beilagen u.Uoterhiliungsb� Organisation, der Buchbinderberband, hat im Laufe Lee Zeit tüchtige Fortschritte gemacht; etwa vier Fünftel der Arbeiterschaft ist organisiert. Die Lederarbeiter von Erlangen sind in eine Tarifbewegung eingetreten. Sie verlangen Herabsetzung der Arbeitszeit von 69 auf 57 Stunden pro Woche, Festsetzung eines Lohnminimums für Aus- gelernte, Akkordzuschlag von 15 Proz., Zuschläge für Ueberstunden und Sonntagsarbcit usw. Im mittelfränkischen Baugewerbe fanden am Freitag zu Nürn« berg Verhandlungen über das bekannte Berliner Tarifmuster statt, die jedoch zu keinem Resultat führten. Die Arbeitervertretcr lehnten den Mustertaris ab, während die Unternehmer erklarten, daß sie sich weder aus eine Verkürzung der Arbeitszeit, noch auf eine Erhöhung der Löhne einlassen würden. Eine Erklärung, die wenigstens zurzeit bollständig überflüssig war. denn von den Ar- beitern sind bisher keinerlei Forderungen gestellt worden, vielmehr geht die Veranlassung zu den Unterhandlungen allein von den Unternehmern aus, die glaubten, eventuell ihren Mustertarif durch- drücken zu können. Es ist nicht richtig, daß, wie die bürgerliche Presse berichtet hat. der Tarif gekündigt sei; er läuft erst am 31. März ab und muß spätestens bis 31. Januar gekündigt werden; geschieht das nicht, so gilt er als verlängert. TZuslancl. Achtung, Leisteuvergoider! Wegen ausgebrochener Differenzetb ist der Zuzug von Lipto-Maluszina(Ungarn) fernzuhalten. Tie Zentralkommission der Vergolder. Artisten-Streik. Die gesamten Artisten und Zigeunermusiker von Budapest be» schlössen, am Montag in den Ausstand zu treten. Februar 1993 März„ Mai„ August Dezember„ fleisch fleisch 153 171 154 155 156 157 171 176 174 177 fleisch 164 155 155 163 171 fleisch 71 71 74 75 75 260 180 256 177 266 185 279 193 Huö Induftric und fiandd. Unheimliche Verteuerung des Fleisches. Nach den Zusammenstellungen der„Statistischen Korrespondenz" sind die Fleischpreise im Kleinhandel im vergangenen Jahre scharf hinaufgegangen. Nachfolgende Vergleichung veranschaulicht die nach oben treibende Tendenz. Es kostete ein Kilogramm im Gesamt- durchschnitt Pfennige RI»°. H-mm-I fleifdj flcifcc) geräuchert 164 154 71 260 178 163 164 170 165 Mit geringen Schwankungen schnellten die Preise ständig nach oben und sie haben nun einen Stand erreicht, der es ausschließt, daß arme Proletarier noch genügend Fleischnahrung zu sich nehmen können. Wenn das so weiter geht, wird man in mancher Arbeiter« familie den Fleischgenuß vollständig einstellen müssen, und dabei faselt die Agrarierpresse fortgesetzt von der gehobenen Lebenshaltung der breiten Masse. Der Fleischwucher wird wie der Brotwucher erst dann nachlassen, wenn wir über die Forträumung des unheimlichen politischen Einflusses der Junker und Heiligen, der Schnapsblöckler insgesamt, zu einer anderen Wirtschaftspolitik gelangen, zu einer Wirlschaftspolitik, die daS Allgemeininteresse als obersten Grundsatz anerkennt._ ElcktrizitStsverweudung in der Landwirtschaft. Im Kresse Breslau ist die Errichtung einer Ueberlandzentrale mit einem weiten Versorgungsgebiet vor einigen Monaten beschlossen worden. Nach dem Geichäslsbericht der Allgemeinen Elektrizitätsgesellschast baut diese zurzeit Ueberlandzentralen in Amsdorf und im Kreise Jülich. In der Generalversammlmig der Elektrizitäts-Aktiengesellschaft vorm. Schuckert u. Co. vom 7. Januar wurde mitgeteilt, daß diese Gesell« schast mit ihren Tochtergesellschaften zurzeit mit dem Bau von zehn Ueberlandzentralen beschäftigt ist. Der Geschäftskreis des Scbnckert« Werkes in Nürnberg und ihrer Tochtergesellschaften erstreckt sich Haupt» sächlich auf die süddeutschen Staaten. Der Osten Deutschlands bleibt, wie auf allen Gebieten, so auch auf diesen auffällig zurück. Auswandernde Industrien. Wie der amerikanische Generalkonsul in Frankfurt a. M. berichtet, herrsHt in Europa bereits Besorgnis, daß die europäische Seideuindustrie durch Uebersiedelung geübter Seidenweber und anderer erfahrener Fachleute nach Amerika Schaden erleiden werde. Die Lyoner Firma Gillet u. Fils hat durch Ankauf der großen Weidmaimschen Seidenfärberei in Paterson, N. I., in Amerika Fuß gefaßt, und sie trägt sich angeblich mit weiteren großen Plänen. Wie die„N. U. H,-Z." des ferneren zu melden weiß, will in Hart- ford, Conn., oder in Spriiigfield. Mass.. eine große englische Firma der Seiden« und Wollenbranche eine Fabrik erricvten, welche 3999 Arbeiter beschäfligen soll. Ferner hat ein Direktor des deut- scben Katisyiidikales einem Vertreter der„N. D. H.-Z." mitgeteilt, daß die Mögli-vleil nicht ausgeschlossen sei. daß daS Syndikat, um das große Geschäft mit Amerika nicht einzubüßen, dort Kunstdünger- abrikcn errichten werde. Das gleiche Motiv veranlaßt deutsche Post« kartenfabrikanten, in Amerika Zweigfabriken einzurichten. In Passaic. N. I,, will eine der größten Treibriemenfirmen Europas eine Fabrik errichten. Seit etwa l'/z Jahren ist vereits auch eine Fabersche Bleistiftfabrik in Jrvington be» Newark, N. I,, im Betriebe._ Zu dem deutsch-schweizerischen Zollkonflikt über den Mehlzoll ist nunmehr ein neuer über die Behandlung der Weine gekommen. Die schweizerische Presie führt seit einiger Zeit über die Unterbindung der schweizerischen Weinausfiihr nach Deutich« land Klage, da alle Sendungen kostspieligen chemischen Analyicn unterzogen würden, durch die sich der Preis des Weines derartig erhöhe, daß der Handel in einzelnen Fällen völlig verhindert werde. Wie jetzt bekannt wird, hat sich der schweizerische Bundesrat in dieser neuen Zollstreitigkeit an die deutsche Regierung gewendet. Letzte Nachrichten und Depefchcn. Drei Soldaten ertrunken. Antwerpen, 19. Januar.(B. H.) Sechs Soldaten der Festungs- werke hatten heute morgen um 2 Uhr ein Boot bestiegen, um sich auf das rechte Scheideufer zu begeben. Mit ihnen fuhr auch ein Briefträger. DaS Boot wurde einige Meter vom Ufer entfernt von einem holländischen Schleppdampfer entzweigerissen. Drei Soldaten ertranken. Die übrigen drei konnten schließlich auf» gefischt werden, ebenso der Briefträger, doch ist ihr Zustand >hr bedenklich._ Verurteilte Beamte. New Uork, 19. Januar.(W. T. B.) Vier ehemalige Angestellte der American Sugar Refincry Company wurden wegen Zollunterschlagung, die sie durch falsche Ge. wichtsangabcn begangen hatten, zu je einem Jahre Gefängnis ver» urteilt. Nr. 8. 27. Jahrgang. I KilW des Joteirte" 5itiis!«5, 11. Jdiitint 1010. 9er Krei$waf)lvereln von nkderbarnim na�m in seiner Generalversammlung, die am Sonntag in Rummelsburg abgehalten wurde, den Bericht seiner Delegierten vom preußischen Parteitage entgegen. Der erste Berichterstatter, Genosse Bühler, verbreitete sich über die Verhandlungen, die den Geschäftsbericht der Landes- kommission und den Bericht der Landtagssraktion betrafen. Der Bericht des zweiten Delegierten, Genossen M u t h, er- streckte sich auf das Kommunalprogramm und die Wahlrechtsfrage. Zur Wahlrechtsfrage sagte der Redner, die Verhandlungen hätten ihn enttäuscht. Er habe erwartet, daß uns klar und bestimmt an- gegeben worden wäre, was wir zu tun und welche Mittel wir anzu- wenden hätten, um den Wahlrechtskampf mit Erfolg zu führen. Es habe ihm nicht gefallen, daß der Parteitag, hypnotisiert durch die Begründung des Genossen Adler, gar nicht in eine Diskussion über die Rede des Genossen S t r ö b e l eingetreten sei. Die vorige Generalversammlung sei beseelt gewesen von dem Gedanken des politischen Massenstreiks zur Erringung des Wahlrechts. Davon stehe aber nichts in der vom Parteitage angenommenen Resolution. Sie sage zwar, daß wir im Wahlrechiskampfe alle uns zu Gebote stehenden Mittel anwenden wollen, und der Referent habe erklärt, daß man darunter auch Massenstreik und Straßendemonstrationen verstehen könne, aber die Ge.. offen, welche die Anwendung dieser Kampfmittel für geboten halten, seien durch die Resolution nicht befriedigt. Genossin M i r u s berichtete über den letzten Punkt der Ver- Handlungen des Parteitages: Die Verwaltung in Preußen. Hierauf gab Genosse Sonnenburg den Bericht der Mandatprüfungskommission. Anwesend sind 64 Delegierte, 21 Be- zirksleiter, 17 Mitglieder des Kreisvorstandes. Es fehlen 13 Dele- gierte, und zwar je 2 aus Bernau, Rummelsburg. Weißensee und Riederschönhausen(von letzteren ist einer entschuldigt). Je einer aus Friedrichsfelde, Lichtenberg, Neuenhagen, Reinickendorf-Ost, Tegel. Von den Bezirksleitern fehlen 4, und zwar aus Herzfelde, Rummelsburg, Waidmannslust und Weißensee. Da sich zur Diskussion über den Parteitagsbericht niemand meldete, so konstatierte der Vorsitzende Brühl, daß die Versamm- lung mit den Beratungen und Beschlüssen einverstanden sei. Auf Antrag des Vorstandes beschloß die Versammlung, in diesen, Jahre ein Sommerfest für den ganzen Kreis zu ver- anstalte». Zum Schluß verwies der Vorsitzende auf die Einmütigkeit, mit der der Parteitag seine Aufgaben gelöst habe. Zum Zweck der praktischen Durchführung des Kommunalprogramms werde der Vorstand eine Sitzung der Gemeindevertreter des Kreises ver- anstalten. Das beste Kommunalprogramm sei, wie Genosse Singer gesagt habe, daß jeder die an ihn herantretenden Fragen vom Standpunkte des Sozialdemokraten prüfe. Das treffe nicht nur für die Gemcindevertreter zu, sondern in diesem Sinne müßten alle Genossen handeln, die im öffentlichen Leben stehen.— Mit einem Hoch auf die Sozialdemokratie schloß der Vorsitzende die Versammlung. lMeiior 9r Rutzland gegen Professor Dr. Biermer. Der Beleidigungsprozeß des Professors Dr. Ruh I and gegen den Professor Dr. Biermer- Gießen gelangte gestern vor der neunten Strafkammer des Landgerichts I in zweiter Instanz zur Verhandlung. Den Vorsitz führte LandgerichlSdireklor Neuen feld, dem Privatkläger stehen die Rechtsanwälte Kurt U lr i ch- Berlin und Dr. Putz- München zur Seite, der Angeklagte wird durch Llechtsanwalt Leop. G o t t s ch a I k verteidigt. Als Zeugen sind gc- laden: Bureaudirektor P l a s k u d a, Frhr. v. W a» g e n h e i»,, Rittmeister a. D. v. K i e s e w e t t e r, Rittergutsbesitzer Dr. Roesicke, Abg. K ö h l er- Langsdorf, Gutsbesitzer Aus dem Winkel, Geh. Rcg.-ZIat Prof. Dr. v. Savigny. Als Sachverständige sind geladen: Prof. S o m b a r t, Wirkt. Geh. Rat Prof. Dr. Adolf Wagner, Prof. Dr. L e x i s- Göttingen, Prof. Dr. Gustav v. S ch m o l l e r und Geh. Reg.-Rat Dr. Elster. Letzterer legte ein Schreiben seines Chefs vor, wonach seine Ver- nebmung als Sachverständiger im dienstlichen Interesse nicht gestattet werde. Das Gericht beschließt, ihn als Zeugen zu hören. Professor v. S ch m o l I e r ersucht unter Ueberreichung eines kleines feuilleton. Der Kinematograph im Dienste der Wissenschaft und des Unterrichts. Schon seit längerer Zeit sind Bestrebungen im Gange, den Kinematographen als Unterrichts- und Bildungsmittcl frucht. bar zu gestalten. Die Direktion der Urania, die sich diesen Bc° s-rebungen angeschlossen hat, veranstaltete am 8. d. M. vor einem geladenen Publikum durch den Oberlehrer Dr. D r i e seit- Char- lottenburg, einem.Hauptvertreter der kinematographischen Lehr- Methode, einen Demonstrationsvortrag, der den Nachweis für den Wert des Kinematographen als Forschungs- und Unterrichtsmittel liefern sollte. 1Ini> wir müssen zugestehen, daß dieser Nachweis dem Vortragenden im allgemeinen voll gelungen ist. Als unbc- dingt geeignet und geradezu hervorragend sowohl als Mittel der Forschung wie auch des Unterrichts erwies sich der Kinematograph für alle jene Gebiete, die der Redner im ersten Teil seines Vor- träges behandelte, wie die Technik und Betriebslehre, die Medizin, die Physik, Botanik, Zoologie und Biologie, ferner� für die im zweiten Teil des Vortrages behandelten Gebiete: Erdkunde, Gc- werbelehre. soziale Hygiene und für das Militärwesen. Auf diesen Gebieten dürste die Verwendung des Kinematographen rein wissen- schaftlich von Werte sein, indem sie uns neue wichtige Erkenntnisse gibt. Man denke nur an die Untersuchungen über die Bewegung»- weise der Tiere und ähnliches. Hier ist sie zugleich auch die einzige Möglichkeit, den Unterricht wirklich anschaulich, lebendig und fruchtbar zu gestalten. Dagegen ist als geradezu verunglückt zu bezeichnen der Versuch, den Kinematographen auch in der Literatur- gcschichte zu verwenden. Die kinematographische Vorführung von Schillers Ballade„Die Bürgschaft" löste geradezu Lachsalven aus. Für dieses Unterrichtsfach ist es besser, man läßt den Kinemato- graphcn außer Spiel und das gleiche gilt, wenn vielleicht auch nicht so unbodingt, auch für die Geichichte und die Kunst. Wäre als Bei- spiel der Verwendungsmöglichkeit des Kinematographen für' die Geschichte nicht gerade Zeppelins Berlinfahrt behandelt worden, also ein Beispiel geivählt worden, das eigentlich dem Gebiete der Gc- schichte der Technik entnommen ist, so wäre wohl auch hier der Nachweis nicht so gut gelungen und auch das, was der Vortragende schließlich als Beispiel für die Verwendung des Kinematographen in der Kunst vorführte, dürfte manchen Zuschauer nicht befriedigt haben, mindestens war der zur Darstellung gebrachte Stoff nicht gut gewählt. L. Der Vesuv in Ferien. Der Vesuv hat in den letzten Jahren weit mehr als in früheren Jahrzehnten dafür gesorgt, seine Umgebung in Atem zu halten. Der große Ausbruch im Jahre lS66 scheint aber die Gesinnung de» Vulkans wesentlich geändert zu haben, wie immer nach einer starken Entladung eine Zeit der Ruhe einzutreten pflegt. Die Lava sinkt dann im Schlot des Kraters zurück, erkaltet und verstopft den Ausgang mit festen Massen. Dann nimmt im Innern des Berges die Spannung allmählich wieder zu bis sie sich früher oder später wieder gewaltsam einen Weg nach außen bahnt. Die ärztlichen Attestes, von seiner Vernebmung als Sachverständiger abzusehen, da der zweitägige Aufenthalt in dem kleinen Gerichts- zimmer bezw. auf dem Korridor ihm schädlich sein würde. Das Gericht beschließt, Herrn Professor Dr. v. Schmoller morgen als sachverständigen Zeugen zu vernehmen, und zwar mit Rücksicht aus die Eröffnung des Herrenhauses, dessen Mitglied er ist, gleich zu Beginn der morgigen Sitzung. Auf die Frage des Vorsitzenden nach der Möglichkeit eines V e r g l e i ck> s erklärt Professor Dr. Biermer, daß er bereit sei, verschiedene Ausdrücke in seiner Streitschrist, die in dem Urteil erster Instanz als zu weitgehend bezeichnet worden sind, zurückzunehmen, von dem materiellen Inhalt der Schrift aber nichts zurücknehmen könne. Der Privatkläger erklärt, auf dieser Grundlage zu einem Vergleich nicht bereit zu sein. Es wird daher in die Verhandlung eingetreten. Grundlage der Privatklage ist, wie unseren Lesern erinnerlich, die von Professor Dr. Biermer vor Jahren herausgegebene Streit- sckrift„R u h l a n d, K ö h l e r- L a n g s d o r f u. Co." In der- selben wird u. a. ausgeführt: In Preußen, insbesondere in der Nationalökonomie und Theologie gebe es Strafprofessuren, um aus de» Universitäten die freiheitlichen Regungen nicht aufkommen zu lassen, trotzdem sei es dennoch Prof. Ruhlaud noch nicht gelungen, in Preußen einen Lehrstuhl zu finden. Ruhland sei viele Jahre hindurch Freihändler, Goldwährmigsmann und Güter- zertrümmerer gewesen, der im Auftrage eines Großindustriellen, der auch Großgrundbesitzer werden wollte, zahlreiche Bauerngüter für diesen aufgekauft habe. Er habe seinerzeit der demokratischen „Frankfurter Zeitung" den Vorschlag gemacht, eine Antiagrar- l i g a zu gründen, sei aber mit diesem Vorschlag heraus- komplimentiert worden. Plötzlich sei er dann mit einer Broschüre über die Notlage der Landwirtschaft hervorgetreten, in welcher der Freihandel heftig bekämpft wurde, sei für Doppelwährung eingetreten und habe den Antrag Kanitz als unerläßliche Forderung seines Agrarprogramms bezeichnet. Bald darauf sei er dann als bezahlter Experte des Bundes der Landwirte tätig gewesen. Jene Broschüre Ruhlands sei ein Beweis des mgiigelnden Berständ- nisseS für das soziale Empfinden der Volksmassen. Professor Ruhland wird dann als wissenschaftliches Chamäleon behandelt, der eS fertig gebracht habe, obwohl er Protestant sei. eine Professur an der katholischen Dominikaner-Lehranstalt in Freiburg(Schweiz) zu übernehmen. Alle anständigen deutsche» Katholiken hätten sich von dieser Lehranstalt abgewandt, weil sie fortgesetzt das Deutsche Reich befehde. Der antisemitische hessische Landtagsabgeordnete K ö HI e r- Langsdorf gehe in der zweiten hessischen Kammer unter Berufung auf den Bund der Landwirte in der oufdriitglichsten Weise für eine Professur Ruhland an der Universität Gießen hausieren, es sei der Firma„Ruhland, Köhler-Langsdorf u. Co., G. m. b. H. für akademische Stellenvermittelung, aber noch nicht gelungen, einen Erfolg zu erzielen. Die ans Grund dieser Streitschrift angestrengte Privatklage endete im November 1963 damit, daß das Schöffengericht nach zweitägiger umfangreicher Verhandlung den Angeklagten der Beleidigung für schuldig, aber für st r a s f r e i erklärte und die gerichtlichen Kosten des Verfahrens jeder Partei zur Hälfte auf- erlegte. Das Schöffengericht erwog bei seinem Urteil, daß die Biermersche Streitschrift vom 7. Februar 1963 unmittelbar als Ent- gegnung auf die durch den Privatkläger in seinem Aufsatz in den „Gießener Neuesten Nachrichten" an demselben Tage erfolgte Be- leidigung in der durch diese Angriffe hervorgerufenen Erregung ge- schrieben sei. Gegen das schöffengerichtliche Urteil ist vom Privatkläger Be- r u f u n g eingelegt worden. Nach Verlesung der gesamten Streitschrift des Professors Biermer erklärt dieser die Gründe, die ihn zu der Abwehrschrift bewogen haben. Er behaupte, daß nur Zweckmäßigkeits- gründe den Professor Ruhland bewogen haben können, seine nationalökonomischen Ansichten so plötzlich ins Gegenteil um- zuwandeln, wie es Ruhland getan. Dieser sei von Herrn Köhlcr-Langsdorf als agrarischer Professor der Nationalökonomie sür Gießen lanciert worden, nachdem ein ähnlicher Versuch schon m München gemacht worden war. Ruhland sei der Zukunftskandidat für eine agrarische Professur, und dies sei ihm, dem Angeklagten, be- kannt gewesen, als er den plötzlichen Ueberfall des Herrn Köhler- Langsdorf zurückweisen mußte. Es seien bei Prof. Ruhland zwei Perioden zu unterscheiden. Herr Ruhland, der iirsprünglich Landwirt gewesen, habe seinerzeit zweifellos in ernster wissenschaftlicher Weise zu den ökonomischen Problemen Stellung genommen. Es geschah die» in der zweifellos freihändlerischen und manchesterlichen Miß Veränderungen, die sich jetzt am Vesuv vollziehen, sind nur äußer licher Art. Der letzte Ausbruch hatte große Massen von Auswurf- stossen um den Kraterrand angehäuft, die zum Teil keinen sicheren Boden gewonnen haben und daher nun in mächtigen Lawinen in den Abgrund zurückstürzen. Ebenso wie die echten Lawinen ver- Ursachen sie einen starken Luftdruck, durch den ungeheure Staubwolken aufgewirbelt werden. Da diese von weitem wie Dampswolken aus- sehen, so entstehen immer wieder irrtümliche Gerüchte von neuen Eruptionen. Nach einer Schilderung von Frank Perret, einem Be- amten des Veiuv-Observatoriunzs, ist der Niedergang einer Lawine in den Vesuvkrater eines der großartigsten Schauspiele, die man sich denken kann. Die Ablösung der Massen erfolgt zuweilen ganz laut- los. häufiger aber mit einem scharfen Krachen. Da die Kraterwände fast senkrecht nach innen abstürzen, erlangen die Massen eine Be- schleunigung fast wie im freien Fall. Kolossale Blöcke, die von den Rändern der Lavaströme herstammen, schießen wagerecht durch die Luft, während die Hauptmasse der Lawine in wirbelnden Wollen mit einem donnerähnlichen Geräusch von Absatz zu Absatz stürzt, bis sie schließlich auf dem Kraterboden verschwindet. Die entstehende Staubwolke, die erst senkrecht wie eine flammende Fackel in die Höhe steigt, zerteilt sich dann in der Form eines mächtigen Blumenkohl- kopfes über dem Krater. Theater. Freie Volksbühne(im Herrnfeld-Theater):„ D e r Herr Senator". Von Schönthan und 5ia de Iburg. Zu der gehäuften Unwahrscheinlichkeit, zu der unbekümmerten, jede» sanfte Gemüt befriedigenden Harmlosigkeit dieser Kompagniearbeit sollte keinesfalls irgend welche trivial wirkende manierierte Ausfassung und Wiedergabe bei den Darstellern treten. In dieser Hinsicht taten Frida Richard und Poldi Ruß ivirklich allzuviel. So spital- mäßig läßt sich die Frau de» Senators denn doch nicht vorstellen; und die Agathe müßte ein jüngeres Aussehen haben und entweder, richtig hamburgerisch scheinen oder lieber darauf verzichten. Toni Willens einwickelte als Stephanie sprudelnde» Temperament. Indes trachte sie von vornherein danach, ihr Spiel zu verfeinern, statt durch billige Effekte verblüffen zu wollen. Sie hat das Zeug, bei ernstem Studium auf die Höhe wirklicher lüiffllerischer Leistungen zu gelangen. Wanda Treu mann(Sophie Petzoldt) bringt eine gewinnende Bühnenerscheinung mit. Fritz Junkermann(Mitlelbach) gab sich in seiner Zwitterstellung recht humorvoll. Fritz Kleinke könnte dem Dr. Gehring dreist noch einige keckere Nuancen geben; je forscher, desto besser. Brillant war Arnold Stange als Senator Andersen. Die Regie könnte mehr aus dem Lustspiel herausholen, namentlich dort, wo es schon ziemlich abgeblaßt erscheint. Anzeichen des Alters lassen sich gar wohl durch energische Netouche beseitigen. v. k. Mufik. Der Verein für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse hat mit seiner Konzertreihe im C h o r a l i o n- schen Zeitschrift, und darin wurden manchesterliche Gedanken in durchaus wissenschaftlicher Weise begründet. In dem 1894 er- schienenen„Leitfaden der Agrarpolitik" geschah dies neben anderen Schriften und Artikeln. Ruhland habe in dieser Periode antischutzzöllnerische und ansibimetallistische Ansichten ver- fochten und sich beispielsweise auch die„Frankfurter Zeitung" ausgewählt, um in einem Artikel die Berechtigung der bimetallistischen Anschauungen zu bestreiten. Ein Jahr später erschlen plötzlich die Schrift des Privatklägers:„Die internationale Notlage der Landwirtschaft", in welcher er den Antrag Kanitz„als eine unerläßliche Forderung seines Agrarprogramms" bezeichnete, während er ein Jahr vorher die Erhöhung der Getrcidepreise im Wege des Protektiv- nismus als total verkehrt erklärt hatte. In diese Zeit falle die wichtige Tatsache, daß Ruhland zu dem leitenden Chefredakteur der„Franks. Ztg.", Dr. Oeser, ging und in einer Unterredung vor- schlug, man möge eine Liga bilden in Siiddeutschland mit Tendenzen. die' das Gegenteil von dem darstellen sollten, was der Bund der Landwirte erstrebe. Wenn man keine andere Tatsache als diese Wandlung kennen lernen würde, so würde man sie auch schon als durch äußere Gründe erklärbar auffassen können. Der Angeklagte verweist in seinen weiteren Darlegungen auf die Tat- fache, daß angesichts des Exodus der acht Professoren aus der Dominikanerlehranstalt in Freiburg in der Schweiz der Privatkläger als Protestant sich nicht gescheut habe, einen Ruf an diese stiitnngS- mäßig katholische Hochschule anzunehmen— an dieser Hochschule, die eine Brutstätte polnisch-französischer Verhetzung gegen das Deutsche Reich sei. Die Wandlungen seien ganz überraschend und für ihn lägen mehrere Momente vor. die ihn zu der An- nähme berechtigen, daß äußere Gründe matzgebend für die Wandlung waren. Der Privatkläger Prof. Ruhland wies alle in der Biermer« scheu Broschüre gegen ihn erhobenen Vorwürfe entschieden als un« berechtigt zurück. Er habe fein ganzes Leben als ehilicher Kerl die- jenige» Ansichten vertreten, die er auf Grund seiner Erfahrungen als die richtigen erkannt habe. Aeußere Momente hätten aus die Ge- staltang seiner Ueberzeugungen niemals maßgebend eingewirkt. Er habe aus seiner praktischen Erfahrung heraus den Wertbegriff ge- funden, den er in seiner nationalökonomischen Methode vertrete. Er sei nie ein ausgesprochener Freihändler in dem Siiine gewesen, wie er von der Wissenschaft mit diesem Worte verbunden wird, er sei nie extrem für«Schutzzoll oder für Freihandel eingetreten, sondern habe immer eine mittlere Linie iiinegehalten. Er wollte den Freihandel der Grundstücke beseitigt wissen und die Ansicht vertreten, daß die Schutzzölle wohl einmal notwendig sein können, aber kein Heilmittel, sondern nur ein Linderungsmittel seien. Dies sei i» seinen Schriften stets zum Ausdruck gekommen. Eine Wandlung in seinen Anschauungen sei mit seinen Beziehungen zudem Bund der Landwirte keineswegs eingetreten. Er habe seiner Anschauimg. daß unter Umständen Zölle notwendig seien. vorher schon in ähnlicher Weise Ausdruck gegeben, insbesondere auch im Jahre 1388. als er von seiner Reise durch die Getreideländer der Welt zurückkehrt sei und in der„Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" eine» kurzen Bericht erstattete. Auch dort schon habe er sich für Schutzzölle ausgesprochen, als an den Bund der Landwirte noch nicht zu denken'war. Er habe seine wissenschaftliche Ucber- zeugung stets festgehalten, sich auch nicht für den Antrag Kanitz erklärt, sondern für den modifizierten Antrag Kanitz, der seinen An- schauungen entsprochen habe. Auch im Bunde der Landwirte habe er seine Anschauung in beziig auf die Frage der Gold- oder Doppel- Währung durchaus nicht aufgegeben. Der Privatkläger verwahrt sich ferner gegen den in der Broschüre erhobenen Vorwurf, daß er als Güterdirektor für Herrn Schmidtmann in Pinzgau bei der „ Güter schlächterei" desselben mitgewirkt habe. Es habe bei dem Schmidtmannschen Unternehmen ein Ausnahmefall vor- gelegen, der erste Versuch eines Großbetriebes, bei dem die Jnter- essen der Bauern durch uns nicht zu Schaden kamen, denn dabei kam es gleichzeitig darauf an, die Bauern aus einer drängenden Schuldenlast herauszureißen. Er habe sich bei dem Ankauf der Bauerngüter nur beteiligt, soweit die Waidinger Sümpfe in Frage kamen. Dabei handelte es sich darum, durch große Geldaufwendungen aus einem Sumpfgcbiet Wiesen zu schaffen. Aus der Stellung als Giiterdirektor sei er ausgeschieden, als er sich als Privatdozent etablieren wollte. Es sei auch ganz unrichtig, wenn behauptet werde, daß er nachträglich in mehreren Veröffentlichungen Herrn Schmidtmann bloßgestellt und damit einen Vertrauensbruch gegen diesen begangen habe. Für die„Frankfurter Zeitung" habe er nur landwirtschaftlich-technische Artikel geschrieben. Er habe sich niemals als Mitarbeiter einer sozialdemokratischen Zeitung angeboten, s a a l einen so guten Griff getan, daß selbst für den engen Rahmen unseres Referates eine Besprechung auch seines zweiten Konzertes sich lohnt, das am Sonntagnachmittag stattfand. Wieder war ein Fragebogen ausgegeben, dessen Beantwortungen ein Bild von den Eindrücken des Gehörten zustandebringen sollten. Diesmal hieß es. der Frageversuch habe zweckdienliche Resultate ge- zeitigt. Wir bedauern jedoch, daß die Ergebnisse des ersten Konzerts nicht bereits i» dem jetzigen Programm oder an einer sonstigen leicht zugänglichen Stelle bekannt gemacht wurden. Mit Recht bevorzugen die genannten Konzerte das kleinere und nicht allzu geläufige Material der„Kammermusik" Iveitesten Sinnes. Da steigen wir allerdings kaum jemals in tragische Tiefen hinein, bleiben vielmehr hübsch auf der Soimenseite des Kunstlebens und wandeln gemächlich im hellen Scheine dessen, was man„schön" im engeren Sinne nennt. Ganz kleine Zusammenspicle mit anderen als den heute gebräuchlichsten Instrumenten liegen besonders aus der Rokokozeit in so dankbarem Vorrate vor, daß eine Auswahl wie die des Hornkonzertes von Mozart nur freudigst be- grüßt werden kann. Die Gefahr liegt allerdings nahe, einen solchen Komponisten dann lediglich von der Seite des lieblichen TonspieleS au» zu betrachten; und sie tritt noch näher, wenn ein Werk wie die(zehnte) Violinsonate in B-ciur von Mozart nur als zartes Tongewebe vorgetragen wird. Darüber hinaus- zukommen, kann wohl auch als eine Aufgabe solcher nicht bloß nnter- haltenden Veranstaltungen betrachtet werden. sz. Notizen. — Eine Wilhelm H o l z a m e r Gedächtniö-Feier wird zum Besten der Kinder des so jäh verstorbenen Dichters am Sonnabend, den 15. Januar, nachmittags 4 Uhr im Saal der Kammerspiele(Schmnannstraße) veranstaltet. Ihre Mitwirkung haben Tilla Durieux. Harry Walde n. JulinS H'a r t, und für den musikalischen Teil Frau Fredrich-Höttges. Edmund Schmids und Hjalmar Arlberg zugesagt. Billetts sind jetzt an der Kasse der Kammerspiele und bei Ll. Wert« heim zu haben. — Freie Hochschule Berlin. Da der Bürgcrsaal in« folge de» Brandes im Rathause vorläufig nicht benutzt werden kann, findet der Vortrag von Dr. M. Apel über den Kampf um die Weltanschauung in der Gegenwart am 12. Januar, 8Vs Uhr, in der Aula des K ö l l n i s ch e n Gymnasiums. Jnselstr. 3/5(nahe Spittelmarkt) statt. — Die Berliner„Große O P e r", die am Kurfürsten- dämm erbaut werden soll, hat als Direktor den Leiter des Deutsche» LandestheaterL in Prag A» g e l o N e n m a n n engagiert. — Shackleton wird seine beiden öffentlichen Vorträge in Berlin am 14. d. M.(Singakademie), am 16. d. M.(Mozartsaal) in deutscher Sprache halten. Auf einem in Berlin ihm zu Ehren ge- gebcnen Festmahl kündigte Shackleton an, daß er einen zweiten Bor- stoß ins antarktische Gebiet zu unternehmen gedenke. aker schon in Zürich Hove er mit Sozialdemokraten uiib sogar mit Nihilisten verkehrt, unr deren Bestrebungen kennen zu lernen. Auch in München habe er mit Sozialdcnmkraicn verkehrt, insbesondere mit V o l l ni a r und den Redakteuren der sozialdenr akratische n „Münchener Post". Er habe keineswegs Mitarbeiter der „Münchener Post" werden Ivollen, sondern wollte nur daraus hinwirken, die„Münchener Post" in das revisionistische Fahrwasser zu bringen. Bon der Gründung einer„antiagrarischen Liga" sei keine Rede gewesen. Das Tivoliprogramm habe er nicht gebilligt. Er habe sich mit mehreren führenden Männern darüber unterhalten und da seien sie zu der Ansicht gekommen, das, es wichtig sei, wenn zu den Praktikern, die ihre Wünsche und Beschwerden vorgebracht, nun die Männer oer Wissenschaft treten müßten, die die Wünsche der Praktiker vertiefen sollten. Dazu sollten öffentliche Versammlungen dienen und die Presse veranlaßt«Verden, von diesen Notiz zu nehmen. Der Privatkläger läßt sich dann noch gegen den Vorwurf aus, daß er in Zürich nur die Professur angenommen habe lediglich zu dem Ztveck, um ein Relief für seine agitatorische Tätigkeit zu erhalten. Er habe ein Semester Vorlesungen gehalten und diese dann auf- gegeben, eS sei aber nicht richtig, daß ihm die venia legendi sEr- laubnis zu Vorlesungen) entzogen worden sei, vielmehr habe er die venia legendi selbst zurückgegeben. Durch lieber- nähme einer Professur an der katholischen Universität zu Freiburg habe er seinem protestantischen Glauben durchaus keinen Zwang angetan. Er fei Protestant, aber sei in katholischer Umgebung groß geworden. In dem Buche„Die Wirtschaftspolitik des Vaterunser" habe er seine wirffchaftspolitische Anschauung unter einer volkstüm- lichen Flagge in möglichst weite Kreise tragen wollen. Wenn ihm vorgeworfen werde, daß er in diesem Buche als ein Protestant dem Papste in wirtschaftlichen Fragen die oberste Entscheiduug habe zuspreche» wollen, so bemerke er hierzu: Die Nationalökonomie sehe er für etwas Ethisches an und wolle nicht den Profit, das Geld und die Sucht nach Reichtum, sondern den Menschen in den Mittelpunkt der Nationalökonomie stellen. Das Unfehlbarkeitsdogma des Papstes werde von ihm so aufgefaßt, daß der Papst in allen geistigen und sittlichen Fragen die höchste Entscheidung habe und die Nationalökonomie sei eine sittliche Frage. Er habe das Buch durchaus nicht geschrieben, um sich bei dem Zentrum lieb Kind zu machen, er habe auch nicht durch da? Zentrum die Er- langung einer Professur erstrebt, sondern fei schon seit 1879 bei allen Wahlen für das Zentrum eingetreten. Alle in der Biemerschen Broschüre gegen ihn erhobenen Borwürfe und Verdächtigungen feien völlig unberechtigt und die gegen ihn erhobenen Beleidigungen sehr schwere. In der Beweisaufnahme wird zunächst Reichstagsabgeordneter Köhler-LangSdorf als Zeuge vernommen. ES handelt sich bei ihm um den Antrag, den der Zeuge seinerzeit in der Zweiten Hessischen Kammer gestellt hatte. Dieser Antrag ging dahin, daß eine zweite Profcssur der Nationalökonomie in phhsiokratischem Sinne geschassen werden sollte. Gleichzeitig war in diesem Antrage auf Prof. Ruhland hingewiesen worden, dessen Schrift„DaS System der politischen Oekonomie" seinen eigenen Ansichten entsprach. Der Zeiige erklärt ans verschiedene Fragen, daß dieser Antrag seiner eigenen Jilitiative entsprungen sei und der Privatkläger ,hn nicht als Mittelsmann benutzt habe, um eine Professur in Gießen zu erlangen. Als Bauer sei er(Zeuge) an der Erhaltung des Bauern- standes interessiert und von diesem Gesichtspunkte aus scheine ihm eine Professur Ruhlands durchaus wünschenswert. Rittmeister a. D. V. Kiesewetter, Generalsekretär des Bundes der Landwirte bekundet auf Befragen, daß den, Privatkläger bei seinen Beziehungen zum Bund der Landwirte als Experte die Aufgabe seiner wlssenschastlichen Ueberzcuguug nicht zugemutet worden sei. In der Frage des Bimetallismiis habe Prof. Ruhland eine vorn Bunde der Landwirte abweichende Meinung gehabt und auch behalten. Der Zeuge schildert dann auf Wunsch deS PrwatklägerS die Reise des letzteren nach xÜesterreich-Ungarii, um mit maßgebenden agrarischen Kreisen Fühlung zu erhalten. Prof. Ruhland habe den Standpunkt vertreten, daß die Landwirte der verschiedenen Länder nicht Konkurrenten seien, sondern alle denselben Feind in dem internationalen Großkapital haben. Auf dem internationalen landwirtschaftlichen Kongreß in Budapest habe Pros. Ruhland eine hervorragende Tätigkeit entwickelt und an der Bildung de« internationalen landwirtschaftlichen Komitees zur Führung einer Statistik über Stand und Bildung der Getreidepreise hervorragenden Anteil gehabt. Zur Verlesung kommt sodann die kommissarische Aussage de» Großgrundbesitzers Schmidt mann- Grubhof und Pinz- gau über die Tätigkeit, die Ruhland seinerzeit als bei ihm angestellter GutSdjrektor bei dem Ankauf von Bauerngüter entwickelt Hai. Um eine„ G ji t e r s ch l ä ch t e r e i" habe es sich überhaupt nicht ge- handelt, diese Bezeichnung sei ganz unzutreffend, eS habe nur eine Maßnahn, e in Frage gestanden, die durchaus im Interesse der ver- schuldeten Bauern gelegen habe, und al» Ruhland seine Tätigkeit antrat, sei der Ankauf der Güter schon zum allergrößten Teil voll- zogen gewesen. Der Zeuge hat in zwei späteren Aufsätzen des Prihatstägers Indiskretionen erblickt, bestreitet aber, daß der Privatkläger Knall und Fall von ihm entlassen worden sei. Ab- gesehen von jenen Fällen der vermeintlichen Indiskretion könne er ühxr die Glaubwürdigkeit und den Charakter des Privatklägers Ungünstiges nicht bekunden. Die Verhandlung wird hierauf vertagt und soll heute g'/z Uhr fortgesetzt werden.__ Huö der frauenbewegung. Die proletarische Frauenbewegung marschiert. War im vergangenen Geschäftsjahr der Partei eine Zunahme der weiblichen Parteimitglieder von SSM» auf 62 000 erwachsen, so verspricht allen, Anschein nach ws laufende Geschäftsjahr einen noch größeren Fortschritt. An» fast allen Gegenden Deutschlands, aus dem Osten so gut wie aus dem Westen, aus dem Süden toie aus dem Norden, kommen die Nachrichten von einer rührigen Agitation besonders unter de» Frauen. Nur wenige Bezirke sind hiervon auszunehmen: und von überall her wird gemeldet, daß'diese Agitation nicht nur der Ver- breitung sozialistischer Ideen diente, sondern auch gleichzeitig eine starke Mitgliederzunahme, eine prächtige Stärkung unseren Organi- fationen brachte. Im Monsseldcr Revier, allwo wir solange nicht recht eindringen konnten, da hat die Brutalität der Bergherren, die Entsendung des Militärs und der Maschinengewehre ebenso auf- rüttelnd gewirkt, wie in anderen Gegenden die nnerträglich drückende Steuerpolitik, Fm Mansfelder Revier sind allein 1700 Frauen für die Partei AWonnen worden. Auf dem Parteitage für das westliche Westfalen wurde be- richtet, daß 1999 weibliche Mitglieder der Parteiorganisation des Bezirkes angehören. Eine Konferenz, die kürzlich im Bezirk Magdeburg tagte, meldete gleichfalls von großer Rührigkeit der Frauen bei der Agitation, wodurch die Mitgliederzahl erheblich ge- stiegen sei. Agitatjonstoure,,. die am Niederrhein, in Hannover, Oldeitburg, im Bremer Bezirk, in Pommern, Weftprsußen, Anhalt. Hessen, Niehcroarnim und anderswo stattfanden, waren von gutem. zum Teil sogar von glänzendem Erfolg begleitet. Ans dem mecklenburgischen Parteitage berichteten die Vertreter verschiedener Orte von der stetigen Zunahme weiblicher Mitglieder, und was besonders erfreulich ist. von einer fleißigen Mitarbeit der- selben bei allen vorkommenden Parteiarbeiten. Aus einem Ort« ward die fleißige und geschickte Mitarbeit der Frauen hei der Ka- lenderverbreftung besonders lobend hervorgehoben. Bei den letzten Lqntztagswahle» in Sachse» und den Nälh- tvahlen in Berlin zeigte» die Genossiiincii eine außerordentliche Rührigkeit. Desgleichen bei Pen Reichsiogstvahlen. So z. B. waren die Frauen in Halle und den zum Krris gehörenden Landocten Ms ermüdlich für die Wahl unseres Kandidaten tätig. Ueberall ein frisch pulsicrendeö Leben! Die wirtschaftliche» Verhältnisse und die Politischen Maßnahmen der Herrschenden machen es aber auch immer mehr zu einer Lebensfrage für die Arbeiterschaft, die Frauen und Mädchen des Proletariats für den Klassenkampf zu gewinnen und z» schulen. Steht doch die Arbeiterklasse gegen eine Welt von Feinden. Das Proletariat muß nicht nur jede kleinste Aufbesserung des Lohnes, jedes Quentchen Reform, die geringste Erlveiterung seiner Rechte in harten, mühsamen Kämpfen erringen, sondern auch das bereits gewonnene Terrain verteidigen und Front machen gegen beab- sichtigte Verböserungen sowohl auf dem Gebiete der Lohn- und Ar- bciisbedingungen, als auch auf dem Gebiete der Staatsbürgerrcchte, ves Arbeiterschutzes, der Arbeiterversicherung, der Steuergesetzgebung u. a. m. In einem solchen Ringen ist jeder neue Anhänger als Kämpfer nicht nur hoch willkommen, sondern auch unbedingt not- wendig. Bedingen somit die wirischaftlichen und politischen Verhältnisse die Gewinnung der proletarischen Frau für die Teilnahme an der Arbeiterbewegung, so erleichtern sie aber auch die Möglichkeit ihrer Gewinnung. Die Betätigung der Frau im Produktionsprozeß wird immer umfangreicher. Ihre Bedeutung für das Wirtschaftsleben der Völker wächst rapide. Und dieser Bedeutung wird sich die Frau in zunehmendem Maße bewußt. Die anders geartete Umwelt, die ander? Tätigkeit, alles wirkt ein auf sie, beeinflußt ihr Empfinden, ihr Denken und, sobald die Idee der Arbeiterbewegung ihr näher gebracht wird, auch ihr Wollen und ihr Tun. Durch das Hineinircien der Frau in die Erwerbsarbeit wird in ihrer Seele und in ihrem Geiste der Boden gelockert für den Samen der sozialistischen Idee. Aber auch jene Frauen, die nicht erwerbstätig, oft genug noch vermeinen, ihr Haus, ihre Familie sei„ihre Welt", werden täglich durch die verschiedensten Vorkommnisse daran erinnert, daß sie nicht unabhängig und unbeeinflußt von allen öffentlichen und politischen Einrichtungen und Maßnahmen sind, daß vielmehr tausend ver- schiedener Fäden sie mit diesen verknüpfen. Arbeitslosigkeit oder Unfall des Mannes, seine Einziehung zur militärischen Uebung, vor allein aber unsere Zoll- und Steuergesctz- gcbung, all das und noch so vieles mehr greift brutal in ihr Leben ein und zwingt sie, den Blick auf diejenigen Mächte zu lenken, die von außen her in ihr Familienleben, in ihre Häuslichkeit störend und oft vernichtend eingreifen. Tritt alsdann unsere Agitation an diese Frauen heran, um ihnen zu zeigen, worin die Ursachen der Misere zu suchen sind, unter der wir leiden, ihnen ferner zu zeigen, wie einzig durch den Zusammenschluß der in gleicher Lage� Befindlichen Besserung und schließlich gänzliche Befreiung zu erringen ist, so findet man auch hier ein williges Ohr und alsbald Ver- ständnis. Die Vorbedingungen für eine rasche und sichere Fortentwicke- lung der proletarische» Frauenbewegung, für die Einreibung der Arbeiterfrauen und Töchter in unsere Parteiorganisationen, für ihre erfolgreiche Schulung zur Mitarbeit«ud zum Kampfe im Interesse unserer Klasse sind also gegeben» nutzen wir sie! Sericbts- Deining. Zur Verurteilung des Journalistc» Plcißncr. Zu der von unS bereits gemeldeten Verurteilung des Leipziger Journalisten vu. jur. Artur Plcißncr zu sechs Wochen Gefängnis wird uns noch berichtet: Die Beleidigungsklage hatte der Re- dakteur Max Halfter gegen den Herausgeber des„nationalen" und antisemitischen Sensationsblatt-ö„Deutscher Kampf", vr. jur. Pleißner aus folgendem Grunde angestrengt: In den ersten vier Nummern des Deutschen Kampfs vom vorigen Jahr beschuldigte Pleißner den Redakteur Halfter, daß er seinen Berus«IS Rezensent ausnutze, um Kabarettdamen unsittliche An- träge zu stellen und ihnen dafür günstige Kritiken zu versprechen; H. habe sich sogar mit Kabarettdamen„befaßt", die gar nicht auf- traten, er habe sich mit ihnen hinter Sektkübeln verhalftert, sie un- sittlich attackiert. Auch sei H. ein Nassauer, der gern bei Er- öffnungsseiern aus anderer Leute Kosten Zechen mache. Einige zwanzig Zeugen hatte der Beklagte aufmarschieren lassen. Das Ergebnis der langen Beweisaufnahme war. daß auch nicht ein Jota der aufgestellten Verdächtigungen bewiesen wurde. Sämtliche Zeugen bekundeten das Gegenteil der Pleißnerschen Anwürfe. Der Angeklagte gab zu, daß nicht ein Jota seiner ohne jeden Grund und ohne die geringsten Unterlagen aus Sensationsrücksichten ausge- stellten Behauptungen bewiesen sei, bat aber als„nationaler" Held um Geldstrafe. Dem Wunsch kam das Gericht nicht nach, weil die Perfidien lediglich un, einen Mann, der den Angeklagten nichts angeht, durch Verdächtigungen ins Unglück zu stürzen, verbreitet waren. Die FranziskanerpatrcS von Panewnik als Kläger. Vor der Beuthener Strafkammer fand gestern die erneute Verhandlung in dein BeleidignngSprozeß der FranzsSkanerpatre« von Panewnik gegen den veranttvortlichen Redakteur der«Katto- witzer Zeitung", Dehler, statt. Die Gründung einer Niederlassung der Franziskanerpatres in Panewnik wurde zunächst vor jetzt etwa drei Jahren in einer Sitzung des preußischen Abgeordnetenhauses zur Sprache gebracht. Die Patres hatten eine künstliche Nachbildung der Grotte von LourdeS angelegt, hie eine starke Anziehungskraft als Wallfahrtsort namentlich auf die polnische Bevölkerung Ober- schlestenS, Polen? und Galiziens ausübte. Dieses starke Zu- sammenströmen von Polen aus den Nachbarreichen bezeichnete der nationalliberale Abgeordnete Boltz als eine Gefahr für daS Deutschtum: er forderte die Regierung aus, ein wachsames Auge auf die Niederlassung zu haben. Diesen Ausführungen trat der Vizepräsident des Hauses. Justizrat Dr. Porich, scharf enwege». der erklärte, daß die Patres lediglich den kirchlichen Bedürfnissen der polnischen Bevölkerung dienten, für die der preußische Staat nicht ausreichend sorge. Der Streit über die Niederlassung setzte sich auch in der Presse fort. Redakteur Dehler veröffentlichte drei Artikel in der„Kaitowitzer Zeitung", die sich mit dem von den Patres eingerichteten deutschen Gottesdienste beschäftigten. In den Arikeln wurde gesagt, daß der deutsche Gottesdienst nicht häufig genug abgehalten werde, daß er aus ungünstige Stunden gelegt sei, und daß die deutsche Predigt durch Gejohle von feiten der Polen gestört werde. Durch diese Auslassungen fühlten sich die Patres beleidigt und stellten Strafantrag gegen Dehler, der aber vom Schöffengericht Kattowjtz freigesprochen tvurhe. Aus Berufung der Patres gelangte die Sache vor der Beuthener Strafkammer erneut zur Verhandlung, die aber ebenfalls mit der Freisprechung Dehlers endete. Dehler wurde, wie schon in der schöffengericht- lichen Verhandlung der Schutz des s 199 zugebilligt. Das Ober- lan�sg-richt in Breslau hat nun das zweitinstanzliche Urteil auf- gehor.v.: u»d die Sache an die Beuthener Strafkammer zurück- verwiesen, so daß die Affäre also zum dritten Male die Gerichte ebschäftigen muß. Wir werden über das Ergebnis der VerHand- lungen berichten.__ Der verhängnisvolle Schneeball. Unter Aufficht des städtischen Ghmnasial-Obcrlehrers Knill in Neumünster hatten Schüler aus ihren Wunsch tvährend der Turn- Spielstunde eine Schneeballschlacht ausgefochten. Dabei wurde der Sohn des Fischhändlers Behning in Wcumünfter durch einen Schnee- ball am Ange erheblich verletzt. Später erließ das Provinzial» Schulkollegium der Provinz Schleswig-Holstein ein Verbot des Schneeballcns an den Lehranstalten. Der Fischhändler klagte für seinen minderjährigen Sohn gegen den Oberlehrer Krull. den Gyn,- nasialdirektor Schmidt und gegen die Stadtgemeinde Neumünster aus Schadenersatz. Das Provinzial-Schulkollcgium erhob zugunsten der beiden Schulmänner den Konflikt und beantragte Einstellung des Verfahrens, Begründend wurde ausgeführt, daß bis zn de», Unfall das. Schneeballwerfe» auf den Schulhöfen in Schleswig- Holstein amtlich nicht verbeten gewesen sei. Das Verbot sei erst unier dem Eindrucke des Unfalles ergangen. An sich fet ja das Schneebällen auch harmlos. Also eine Vorschrift habe der Lehrer Krull damals, als er das Schneebällen zuließ, nicht übertreten. Es frage sich darum nur, ob der Lehrer und der Direktor sich einer Außerachtlassung der amtlichen Aufsichtspflicht schuldig gemach. hätten. Das sei hier zu verneinen. 5.-.- Das Obervcrwaltungsgcricht hörte das Mcteorologilchc Institut in Berlin über die Witterungsverhältnisse, die am ftaglichen Tage in Neumünster herrschten, und hat nunmehr den Kimflikt_für begründet erklärt und entschieden, daß das Verfahren aus Schaden- crsatz endgültig einzustellen sei. Die Begründung des Urteils geht dahin: Die Frage sei. ob den Lehrern eine Ueberschreltung ihrer Amtsbefugnisse oder die Unterlassung einer Amtshandlung zur Last falle. Der Konflikt würde dann fiir unbegründet erklärt werden müssen, wem, das Schneebällen der Schuler schon damals ourch eine Verfügung der vorgesetzten Behörde oder infolge Konferenzbcschlusses verboten gewesen wäre. Kein? von beiden sei der Fall gewesen. Das spätere Verbot müsse ausscheiden. Es frage sich �dann, ob Lehrer oder Direktor sonst etwas außer acht gelassen hätten, was ihnen als Pflicht oblag. Selbst wenn der Direktor, wie behauptet werde, das Spielen angeordnet hatte, so wäre ihm daraus allein unter den obwaltenden Umständen kein Vorwurf zu machen. Selbst- verständlich müsse das Spiel überwacht und dafür Sorge getragen werden, daß das Spiel sich nicht so gestalte, daß nach menschlichem Ermessen von vornherein mit einer Gefahr gerechnet werden müsse. In dieser Beziehung könne gegen den Aufsicht führenden Lehrer ebenfalls nichts vorgebracht werden. Erstens sei die Zahl der Schüler keine große gewesen, so daß sie der Lehrer sehr gut über- wachen konnte, was er auch getan habe. Nun könnte m»rage kommen, ob es geboten gewesen wäre, wegen der Temperaiurver- hältnisse und der dadurch bedingten Härte des Schnees das Schnee- ballen nicht zu gestatten. Nach der Auskunft des Meteorologischen Instituts seien aber zu der Zeit die Temperaturverhältnisse der- artige gewesen, daß die Schneebälle keine besondere Härte gehabt haben können. Es bleibe nur übrig die Annahme eines Unglück- lichen Zufalls, der auch bei anderen Spielen möglich sei. Zum Schweibnitzer Thcaterkonflikt. Aus Schweidnitz wird uns geschrieben: Der hier auSgcbrochene Konflikt zwischen Theater und Presse, der darauf zurückzuführen ist. daß der Theaicrdircktor Fritz in unzulässiger Weise dem Theater- referenten des„Schlesischen Tageblatts" das Recht der Kritik bc- schneiden wollte, nimmt immer größere Dimensionen und wirst ein eigenartiges Licht aus die hiesigen Theaterverhältnisse. Mau erinnert sich, daß bereits einmal der jetzige Theaterdirektor in einer für ihn nicht gerade rühmlichen Weise die Oeffeiitlichkeit bc- schäftigte. Im Februar 1997 hatte er, der damals noch als Mit- glied des Schweidnitzer Stadttheaters tätig war. zu seinem Benefiz ein militärisches Lustspiel zur„allerersten Aufführung" gebracht. das er als sein eigenes Werk herausgab und..Jugendfieber" bc- titelte. Der Dichter und sein Werk erregten natürlich allgemeines Interesse, nicht zum mindesten in der Redaktion des„Schlesischen Tageblatts", dessen Kritiker, der Redakteur Lange, sich das funkel- nagelneue Stück einmal genauer ansah. Der Kritiker machte dabei die freudige Entdeckung, daß der Dichter„der Einfachheit halber' das Lustspiel„Der Prinzessinnentänzer" des bekannten Roman- schriftstellers Heinrich Lee abgeschrieben hatte. Lange wandte sich darauf sofort an ein Mitglied der städtischen Theaterkommlssion, um eine Aufführung des Plagiats zu verhindern. Die Schweid- nitzer dachten aber über den Fall recht'milde. Dem„Dichter" würde nicht nur die Aufführung des Stückes gestattet, sondern ihm duch bald darauf die Leitung des Stadttheaters übertragen. Lange veröffentlichte nun über die ganze Angelegenheit einen scharfen Artikel, in dem er sich über die unerhörte Dreistigkeit des Plagia- tors ausließ und von de», erschreckenden Leichtsinn eines eitlen Mimen sprach. Im weiteren Verfolg der Angelegenheit geriet Lange in Differenzen mit der Schweidnitzer Stadtverordneten- Versammlung und mit seinem Verleger, so daß er seine Redakteur- stell« aufgeben mußte. Vorher hatte er aber>wch bei der Staats- anwaltschaft den Antrag gestellt, gegen Fritz die öffentliche Anklage wegen Vergehens gegen das Urheberrecht anzustrengen. Auf Grund eines Gutachtens der königlichen Literarischen Sachverständigen- kammer wurde Fritz denn auch zu einer Geldstrafe von 39 Mark und zu einer Buße von ö9 Mark an den geschädigten Schriftsteller Heinrich Lee verurteilt. Andererseits strengte Fritz gegen den«n- bequemen Kritiker Privatklage wegen Beleidigung an und erreichte es auch, daß Lange wegen öffentlicher Beleidigung zu 25 Mark Geldstrafe verurteilt wurde._ Wegen schwerer Tierquälerei hatte sich gestern der Kutscher August Bluhm vor der 2. Strafkammer des Landgerichts II unter Vorsitz des Landgerichtsdirektors Liep- rnonn zu verantworten. Der Angeklagte war als Kutscher bei dem Fuhrherrn Bade in Rixdorf beschäftigt gewesen. Als der Ange- klagte eines Tages mit seinem Steinwagen auf den Hof zurückkam, war Bade über das Aussehen deS vor den Wagen gespannten Pferdes ganz entsetzt. Das Tier war über und über mit dicken blutigen Striemen bedeckt und blutete fast an jedem Körperteil. Wie sich sofort ergab, hatte der Angeklagte das Ticr mit einem Spaten geschlagen und zwar derartig, daß es längere Zeit im Stall stehen mußte und erst nach Wochen wieder eingespannt werden konnte. Der Dienstherr wie? den brutalen Tierquäler sofort von seinem GrunRtück. Ter Angeklagte entfernte sich jedoch nicht trotz wiederholter Aufforderung und mußte schließlich mit Gewalt ent- kernt werden. Das Schöffengericht erkannte auf eine Gefänguis- strafe von 4 Monaten. Hiergegen legt« der Angeklagte Berufung ei», Die Strafkammer verwarf jedoch die Berufung mit der Be- gründung. daß gegen derartig rabiate Menschen, die sich nicht scheuen, wehrlose Tiere zu peinigen, mit aller Schärfe des Gesetzes vorgegangen werden müsse. Denselben Grundsatz sollte das Gericht aber auch gegen Po- lizeibeamte, Lehrer und Fürsorgevätcr anwenden, die Wehrlose mißhandeln....... eingegangene Druck fcdrifren. Die soeben erschienen» Nummer 2 Ves„Poftillon"«ntbält an Boll- bilden» und Jllultrattonen: Schmarzblau ist Trumps.— Aus den Gi- heininissen eines Unternehinn-Urbeitsnachweiie».— Prometheus.— Be- trochlunn— Zu den englischen Wahlen.— Aus dem Texte erwähnen wir: Zur Eröffnung der preusischen Duma.-- Aus der Reichshauptstadt. V.— Die Antlagebank,— Familienglilck.— gabrikpascha. Leopold f.— Bauer Pröhl und sein Schwein.— Ehre da» Aller und set Höllich gegen die Greise- Rheinselden usw. Der Breis der Nummer ist 10 Ps. Probenummem find jederzeit durch den Perlag Paul Singer in Stuttgart sowie durch alle Buchhandlungen und Kolporteure zu beziehen. Die Berechnung des Mietöitempcls„ach dem neuen Stempel» steuergesetz von Trettin und F. Wege. 25 Pj. C. 3». F. SalzmaiN», Berlin NO. 05. Nochri/,3 Uhr, von der Halle des Wiiinersdorfer Friedhofes, Berliner Straße, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Kinderfräulein, Stützen, Jungsern. Hausmädchen bildet i» 3-~6 mvnatl, Stuvscii aus FrUbcl- Obcrlin• lastltn«, «ithelmftr. 10. Prolvett gratis. Beginn allmonattich zweimal. 182/3" EMlMMWM 6i9areffc$ Malerl Dienstag, den II. Januar 1910, abends'/zL Uhr. im Gewerkschastshaufe, Engel Ufer 15. Saal 1: Qeffentliche Versammlung aller im Beruf tätigen Personen« TageS-Ordnung: Neuwahl für die ausscheidenden Mitglieder des Gehiisen-AusschusseS. 'HVoIrlbeeeebtlgt sind l Besitze der bürgerlichen Edrenrechte im Besitze der bürgerlichen Ehrenrecht«.. � versasjungsgesetzeS): 3. im übrigen den Anforderungen de»§ 120 der Gewerbeordnung entspricht. Der JnnungS-Borstand: Der Gehilfen-AuSschus»« Fr. Rettlg. Obermeister. C., Joachimstr. 13. W. Wendel. Aitgchilje, SW,, Monumentenstr. 22. Nationale Kranken- und Slerbekasse d«r Droschkenkutscher u. verw. Berufsgenossen B. U. K. Ko. 73. Bekanntmachung. Mittwoch, den 26. Januar, nachmittags 2 Uhr, im GcwerkschaftShimsc, Gngeluser 15(Saal III): Anßnordkutliltse Gtiittlit-Ncrslimilitilug. TageS-Ordnung: Statutcnäuderung. Beratung event. gestellter Anträge. Anträge des Vorstandes: § 11 Abs. 1 deS VI. Nachtrages erhält folgende Fassung: Der lausende Beitrag eines Mitgliedes, der am erste» Tage der Woche zu zahlen ist, be- trägt wöcheiiilich 1 M. § 12 Siffer 2 des V. Nachtrages erhält folgende Fassung: tm Falle der Erwcrbönnsähigkeit vom Tage nach dem Tage der Erkrankung ab sür jeden Kalendertag, einschließlich der Sonn« und Feiertage, ein Krankengeld in Höhe von 2 M. Anträge der Ztziliale Dresden- § 11 Abs. 1 des VI. Nachtrages erhält folgende Fassung: Der laufende Beitrag eines Mitgliedes, der am ersten Tage der Woche zu zahlen ist, be> trägt wöchentlich 90 Ps. 21 Abs. 1, Das Sterbegeld aus 80 M. zu erhöhen, bei einer Mitglied- schaft von über 10 Jahre aus 120 M. -------.„ «trag der Filiale Halle a « 47 Zlbs. 2 den Zusatz zu geben: die Revisoren erhalten sür jede Sitzung je l M. Entschädigung. 3.: UnterstützungSkasse um- Die Kasse auszulösen und dieselbe in eine zuändern. ÜBT Die Abgeordneten werden zu dieser Versammlung hierdurch eingeladen und ersucht sämtlich pünktlich zu erscheinen. 281/7 B« r l i n, den 10. Januar 1910. ver Voeatnnd. V/. KnOtier, Vorsitzender, Komplette Wohnungs-EinricbfongBii! Kantor-JHUbel, Teppiche, Planoa,«eldschrllnUe, Klnbaeamel, I-eder-Solaa etq. erhalten solvente Personen jedes Standes von erster Firm» innerhalb Deutschland in erstklassiger Ausführung, auch nach Zeichnungen, zu Original-Preisen. smi* Auf Wunsch ZahlungserleichterungJeer�\Ä" Reisende sind ständig unterwegs, um geil. Angabe der Adresse bittet Berliner Industrie-Cesellschait w. b. H,, Eingang Kurzestr. 6|7, Aufg. IV I Si. Zegtfalvepliaiül der Tijplcr LeMIM. Flliiele Merlin. Nachruf. Olm Dienstag, de» 4. Januar, schied der Kollege Wiiiielm Sprenger (Bezirk Wchdina) Im Mter, von 55 Jahren freiwillig aus dem Leben. Ehre seinem Andenke»: 192/1 Mei- Vorstand. Für die vielen Beweise inniger Teilnahme, die mir beim Hin- elicbtrnSohues. Lt3b scheidk» meines g des Sisendrehers AtW Crieger erwiesen sind, sage ich hiermit allen im Namen der trauernden Hinterbliebenen meinen herzlichsten Donk. Aagaste ÖHcger geb. Gummlsh. Ktiunkn- nuö ßranibiildkrtl von Rober! Meyer,' nnr WiuiailNtll-Stloße 3. B.Pfau.o-iiWt Olrekseiislrslle 20 zwischen Bahnhos Aleeanderplatz und Polizeipräsidium.— Ölmt VII, 13799 Für Damen Frauen-Bedienung.• Lieferant für alle Kr»»keukass»R. + a Hygienische - BeaJUTsartiiMdi. Keuest. Kaialog Oi.Emp£©hl.vielA©r2t© u.Frol grat. uJs II. Cniw. Cumr.iwaiejiUl»üK Mw» riäedficlioixasso 01/9 Inventur- Ausverkauf beut nnd folgende Tage zu herabge.etztcn Preisen. Herren- An. ngstofte, Kammgarn-Qual., statt 0.50 jetzt 4,50 51. Herron-Paletotstofto, feines Fabrikat, n IL,",» n 8,50„ Main entnrhe, große Auswahl. 2,50, 1,75, »uiiien-KoHtiiniHtoffe, gestreift n. karr.„ 2,00» 1,35 n U nahen- Anzagstaffe, sehr baltbar,„ 3,50„ 1,50„ Koch& Seeland, Go.cllachart m. b. IV, Spuzial-Haua moderner Herren- und Damen-Stoffe Berlin C.. Ross-Str. 2. Sterbe- und Kranben-Unter- stntznngsltllsst Nr. 55 zu Berlin. Mittwoch, den 10. Januar 1310. abends 8 Uhr i Generalversammlung im Kassenlokal, Linienstr. 8. Tagesordnung- 1. Rechenschaftsbericht der Revisoren. 2. Kassenichrciberwahl. 3. Vorstcherwahl. 2 4. Revisorenwahl. 5. Besprechung Über§31 deS Statuts. L. Verschiedenes. Der Vorstand. Zigarrenlagcr.HcilieckeS Fabrikat, verlause zum allen Engros-Preise gegen bar. stoslaml 79„Thalon". 5500 not begl. Zeugnisse über HaiQPr'K Briiüt- Caramcllcn ""Idlil"beweisen de» vorzüglich. Erfolgbei Husten. Heiserkeit, Keuchhusten eto. Aerztl, erprobt. Paket 30 Pf. Dafür angebotenes weise man energisch zurück. Zu haben in Apotheken tmd Drogerien. Vertreter und Lager Itlcharil Thiele, Berlins. öS Bärwaldstr. 8. Tel.: IV. 19. 1 Dr. Simmel Spezial-Arzt* für Haut- und Harnleiden. Prinzenstr. 41, 10-2, 5—7. Sonntags 10—12, 2-4. Dr. Schüfiematm Spezlalarzl für Haut- und Harnleiden, Frauenkrankheiten,* Friedrichs«!-. 303, Ecke �chützeustr, Wochentags 10— 3. 5—7. «fglsnizobe �Äfi' llrogerle SEarcniba, Weinbergsweg 1, dir. a.Rolcnthaler To». � Villigst» Bezugsquelle I Versuch s. zur dch-erndcn Kundjchast, tlöcliste Anerkennung finden bei allen ksucdern Nanvli Lixaretten Spezialmarken: Dandy, Fix, Chic, Gibson Girl. Eingeführt von 8T84L* 1 den französischen a. italienischen staath Tabak-Regien. Oskar Voelker Besitzer und Direktor der Berliner Lichtheilanstalt, Berlin N, Invalidenstr. 130 hält wieder* Dienstag, II JanVaMW'«r HitÄ abends 8Vj Uhr, Bergmannstr. 5— 7, MIM, 12. Januar 1910, abends SVs Uhr, etraße 37— ib, Donnerstag, 13, Januar 1910,-'aiS,, S*"1 abends»'/, Uhr, Freitag, 14. Januar 1910, abends 8 Vi Uhr, 4 öffentliche Damen-Vorträge über Frauenkrankheiten deren Entstehung ihre Verhütung und ihre Folgen bei Vernachlässigung j unter Vorführung einer großen Anzahl Lichtbilder. 1 Zatrltt haben nur Verheiratete und Damen Gber 20 Jahre. Eintritt pro Person 50 PI. 1$� Die Vorträge finden bestimmt statt. Wiolefstr. 24, „Pracht-SSIe des Osten«- (großer Saal), Berlin O., Frankfurter Allee 101/32 Zucrft kommt Palmona, denn tie Ift reine Pflanzen-Butter-Margarlne, crfeöt die unerfebwinglich teure Kuhbutter voUkommen und übertrifft alle anderen Fette an Reinheit und Wohlgefchmadc H. Scblinck& Cie. nildnlge Produzenten von« Palmin» und «Palmona» J ttii Sonntags geOtfnet. gar Stiftungsfeste» Maskendüke, Zoinmersestt P de. giöktg M Treptows mit grossem Naturgarten zu sehr kulanten Bedingungen, auch noch zum Februar, zu vergeben. Näheres Partstrasse 3. Treptower Lustgarten. Verantwortlicher Siedakteur Richard Barth, Berlin. Für den gnleratenteil verantw: Th. Glocke, Berlin. Druck». Verlag: Vorwärts lvuchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co.. Berlin SW. W. WERTHEIM GM BH cnii���lO�llundli JWC| ::iv" IA '' Vi. FRlEI)PlCHSXR-,,0/.i2 fäiagejfä�aiü •��tCCK Dienstag, Mittwoch, Donnerstag EXTRA-PREISE Soweit Vorrat reicht Glas Kompotteller........... 4 Pf. Glasschalen verschied. Muster 13 his 55 Pf. Zuckerschalen �preßt. 9, 13, 18 Pf Butterdosen gepreßt..... 20, 30 Pf Käseglocken gepreßt..... 26, 45 Pf. Wassergläser geschliffen.... 18 Pf. Viktoriabecher gutt 10 Pf.. c"wr. 14 Pf. Viktoriabecher geschliffen, Goidr. 25 Pf. Gambrinustulpen...... 26 Pf. Perl-Sturzflaschen mit Goldrand 25 Pf- Toilette-Garnitur 6teUig... 90 Pf 1 Kammschale, 1 Puderdose, 1 Ringständer, 1 Seifschale, 1 Nadelschale, 1 Flakon Porzellan (dekoriert) TV___„ mit Untertassen mit blauem, rotem oder � � 1 assen grünem Rand......... JlO Tassen schjMfom 23 Pf. 25 Pf. T.». mit Untertassen, blaues Zwicbelmustcr, O£ 1 assen Meißener Imitation....... Dessertteller Dekor u. Goldrand 18, 25 Pf. Butterdosen ca. 1 Pfd. Inh., Golddck. 75 Pf. Kaffeeservice für 6 Pers., ytellig, ff. dekor. 2.10, 2.60, 3.50, 4.50 Kaffeeservice'1«;�" 8.00, 12.75 Kaffeeservice für 2 Personen, 5 teilig 1.50 Kaffeeservice f. 2 Per-.., eti?., m.Tabi. 2.50 Tafelservice 14.50 Ein Posten einzelner Tafelservice-Teile enorm billig: Terrinen, Kartoffelschüsseln, Bratenplatten, Teller etc. bedeutend unter Preis. Steingut Speiseteller«ach und tief..... 5 Pf. Dessertteller........... 4 Pf. Kompottschalen Latz zteiii?... 25 Pf. MÜchtÖpfe rot Fond........ 15 Pf. Kaffeebecher große Form.... 10 Pf. Eimer mit Einlage und Bügel, weiß... 2.40 Eimer»>>> gom- � Waschservice Form"' 2.60, 2.70, 3.25, 5.00, 6.00, 8.00 Waschservice-Kannen....70 Pf. Waschservice-Becken.... 95 Pf. Ein Foiten engl. Teekannen 15. 30. 35. 40. 50. 85 Pf. Kompottnäpfe gerippt, weiß Porzellan 6-70 pf. 10000 Tassen mit Untertassen Marke Rosenthal 20 pf. 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Eßbesteck mit sdiwarzern Griff.. Paar 40 Pf. Geflügelscheren.... 1.45, 2.25, 2.75 Tafelwagen x..,», _________ 7�5, 8.00, 9.75 Emaillierte Geschirre Wassereimer ff. dekor., ca. 28 cm...95 Pf. Toiletteeimer weiß, mit Deckel.... 1,10 Wannen oval...... 1.00, 1.30, 1.45 Mülleimer mit Aufschrift........ 95 Pf. Müllschaufeln gestanzt........ 35 Pf. Waschgarnitur ff. dekor., 5 teilig... 8.50 PETROLEUMOFEN 7.25, 9.25, 11.00 Schmortöpfe ohne Ring 35, 40, 50, 60 Pf. Schmortöpfe mit Ring 55, 60, 75, 90 Pf. Gaskochtöpfe vÄ«, 80, 95 Pf. 1.15, 1.35 Wasserkessel fl»ch... 1.10, 1.25, 1.40 Kaffeekannen....... 35, 55, 80 Pf. Kasserollen mit stiel. 25, 30, 35, 40 Pf. GASÖFEN 8.00, 10.00, 14.00 Konsolen Sand, Seife, Soda. T... 95 Pf. Semmelbehälter Deift oder weißgoid. 95 Pf. Zwiebelbehälter Deift oder weißgoid. 95 Pf. Topflappenbehälter Deift od. weißgoid 95 Pf. Löffelbleche............. 1.35 Petroleumkannen.......... 1.40 DAUERBRANDÖFEN 12.00, 13.25, 15.50 LEBENSMITTEL Ar. 8. 27. Jahrgang. 2. WM des Jotirärts" Wim Jlulbtilstt. Ditnskg, 11, löttünt 1910. Hm Mtwoch. 12. lanuar: Zablabend in den Bezirken Groß-ßerlins. Partei-?Znge!egenkeiten. Zweiter Wahlkreis, Friedrichstadt. Zahlnacht für Buch- d r u ck e r, Schriftsetzer usw. Mittwoch, den 12. Januar, abends ll'/z Uhr, bei Jul. Meyer, Oranienstr. 103. Gute Beteiligung er- wartet Der Vorstand. Wilmersdorf. Im Mittwoch-Zahlabend wird den Genossen das Resultat der Stadtberordnetenwahl übermittelt werden. Britz-Buckow. Heute abend VaÖ Uhr findet im Landhaus, Chausseestraße 97, eine öffentliche" Versammlung statt. Tages- ordnung: 1. Sozialdemokratische Gemeindepolitik. Referent Genosse E. Wutzky. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Grünau. Mittwoch, den 12. Januar, pünktlich abends 8Vz Uhr im Lokal„Zur grünen Ecke", Köpenicker Straße 88: General- Versammlung des Wahlvereins. Tagesordnung: Bericht des Vor- standes und der Funktionäre. Ergänzungswahlen. Beschlußfassung über wichtige Anträge. Der Vorstand. Französisch-Buchholz. Morgen Mittwoch, abends 8'/z Uhr, findet bei Kähne. Berliner Str. 39, die Generalversammlung des Wahl- Vereins statt. Tagesordnung: 1. Bericht der Bezirksleitung. 2. Neu- wähl derselben. 3. Verschiedenes. Die Bezirksleitung. Lerlmer j�admektm Von unserer Steuerdureaukratie. Wenn ein preußischer Staatsbürger Steuern zu zahlen hat, ist die Steuerberwaltung pünktlich zur Stelle, um den Steuerbetrag einzuziehen. Und wenn etwa nicht gleich gezahlt werden sollte und auch die Mahnung erfolglos bleibt, findet sich der Vollziehungsbeamte ein, um zu pfänden; bei Arbeitern, deren Arbeitsstätte bekannt ist, wendet man kurzerhand die Lohnbeschlagnahme an. Anders steht es, wenn Leute aus irgend einem Grunde zu Unrecht zu hoch veranlagt sind und wenn die Rückzahlung des zu viel gezahlten Betrages angeordnet ist. Dann geht es außerordentlich langsam. Uns liegt ein Fall vor, nach welchem ein lange Zeit Arbeitsloser gegen die Entscheidung der Veranlagungskommisston reklamierte und infolgedessen von der Zahlung der Staatseinkommensteuer für das Jahr 1909 befreit wurde. Um der Pfändung zu entgehen, hatte sich der Arbeitslose Geld beschaffen müssen, um die Steuer zu be- zahlen, zu der er veranlagt worden war, da bekanntlich Reklamationen die Zahlung der Steuer nicht hint- anhalten. Der Tapezierer H. wurde in einem vom 30. No- vember datierten, ihm am 8. Dezember zugestellten Schreiben der Einkommensteuer-Veranlagungskommission benachrichtigt, daß er die bereits gezahlte Steuer zurückerhalten werde. Aber bis gestern, am 10. Januar, war es ihm nicht möglich, sein Geld zurückzubekommen, das er ein halbes Jahr vorher bereits hatte bezahlen müssen. Dieses langweilige Verfahren unserer Steuerverwaltung in der Zurückzahlung von Steuern ist um so unerhörter, wenn man bedenkt, wie schnell die Steuern er- hoben werden und wie langsam außerdem die Beruftmgs- komniissionen arbeiten._ Männerstolz vor Königsthronen. Der Berliner Kommunalfreisinn hat sich durch seinen von Unterwürfigkeiten triefenden Adreffenstil bereits einen Namen ge- macht. Daß es mit den Jahren aus diesem Gebiete nicht beper ge- worden ist. beweist der Wortlaut der an den Kaiser gerichteten NeujahrLaidresse. Sie lautet: „Allerdurchlauchtigster, Großmächtigster Kaiser und König! Allergnädigster Kaiser, König und Herr! Euer« Kaiserliche und Königliche Majestät bitten wir, als Vertreter der Berliner Bürgerschaft, unsere treuen und auf- richtigen Glückwünsche beim Jahreswechsel entgegennehmen zu wollen. Große Kulturaufgaben auf geistigem wie auf wirtschaftlichem und sozialem Gebiete sind den deutschen Fürsten und dem deutschen Volke zugefallen, an denen mitzuarbeiten Euerer Kaiserlichen und Königlichen Majestät Haupt- und Residenzstadt Berlin eifrig bemüht ist. Diese hohen Aufgaben aber können nur gelöst werden, wenn der Segen des Friedens über ihnen waltet und die geistigen und materiellen Kräfte der Nation einer freien Entwickelung ent- gegenführt. Mit freudigem Danke, aber auch mit Stolz und Genugtuung hat cS daher das gesamte deutsche Volk erfüllt, daß, als im Früh- jähr des verflossenen Jahres dunkele Wolken sich am politischen Horizont aufzutürmen schienen, das kraftvolle und entschloffene Eingreifen Euerer Kaiserlichen und Königlichen Majestät und Euerer Majestät Regierung fiir die mit Deutschland so engver» bündete Oestcrrcichisch-Ungarische Monarchie diese Wolken zer- streute und allen Völkern von Neuem zum Bewußtsein brachte, eine wie sichere Bürgschaft des Friedens in der Macht des Deutschen Reiches begründet ist. Mit gleichem Danke an die Vorsehung erfüllt es uns, daß Euerer Majestät und dem Kaiserlichen Hause im abgelaufenen Jahre Tage der Freude und des Glückes beschieden gewesen sind in der Geburt des dritten Sohnes Seiner Kaiserlichen und König» lichen Hoheit, des Kronprinzen. Wir vereinigen unsere Wünsche mit denen des gesamten Volkes, daß es Euerer Majestät beschieden sein möge, bis in ferne Zukunft in voller Kraft und Gesundheit sich eines ungetrübten Glückes in der Kaiserlichen Familie zu erfreuen, und von diesem Glücke getragen, gleich gesegnet zu sein in der Erfüllung der hohen Aufgaben des erhabenen Herrschers«ineS mächtigen Reiches. Berlin, den t. Januar 1910. � Eurrer Kaiserlichen und Königlichen Majestät treugehorsamste Stadtverordnete zu Berlin. M i ch e l e t." Die Bauchrutscherei ist echt freisinnig! Dir erste Armenkommisfionsvorsteherin wurde in der gestrigen Sitzung der Armendirektion in ihr Amt ein- geführt. Frau Ottilie Gerndt ist vor kurzem von der 81. Armen- kommission, deren Mitglied sie war, zur Vorsteherin gewählt worden. Der Vorsitzende Stadtrat Münsterberg bezeichnete mit dem Hin- weise auf die Wahl einer Frau an die Spitze einer Armenkomnrission die Sitzung als eine denkwürdige Stelle in der Geschichte der Berliner Armenpflege. Wenn auch im Hinblick auf die Zusammensetzung der die Armenpflege in Anspruch nehmenden Bevölkerung die Wahrnehmung der Geschäfte eines Annen- kommissions Vorstehers wohl besser von Männenr erfolge und wenn auch nicht wünschenswert sei, daß die Wahl einer Frau zur Leitung einer Armenkommissio» viel Nachahmung finde, so sei doch der Wunsch äußerst lebhaft, daß immer mehr Frauen als M i t- g l i e d e r der Armenkommission sich betätigen. Es sei zu hoffen, daß das Vorurteil immer mehr schwinden möge, daß Frauen nicht in diese Geschäfts hineingehören. Wenn überhaupt, dann feien gerade bei der Armenverwaltung Frauen zur Mitarbeit berufen. Der Vorsitzende schloß mit der Hoffnung. daß die neuen Vorsteher mit warmem Herzen an ihre Tätigkeit herantreten mögen. Ob es besonders geschickt war von Herrn Münsterberg, der die Mtarbeit von Frauen in der Armenpflege zu fördern beabsichtigt, zu betonen, daß cS nicht gerade wünschenswert sei, Frauen zur Leitung einer Armenkommission zu berufen, sondern nur als Mitglieder zuzulassen, möchten wir besireiien. Schließlich kommt es doch einzig und allein auf die Qualifikation an. Zugunsten des Herrn Stadtrats nehmen wir einstweilen an, daß er die Herren Armenkommissionsvorsteher beruhigen wollte, die sich gegen die Mit- arbeit von Frauen in der städtischen Armenpflege sträuben. Wieder eine„überflüssige" Gcmeindeschule! Die Schulverwaltung der Stadt fährt fort in ihrem Bestreben, möglichst jede Gemeindeschule einzuziehen, in denen eine nennenS- werte Minderung der Frequenz sich bemerkbar macht. Jetzt soll gar schon in Berlin-Südost eine Gemeindeschule überflüssig sein, die 3b. Knaben-Gemeindeschule, die im Schulhause Wrangelstraße85 untergebracht ist. Der Magistrat teilt den Stadtverordneten zur Kenntnisnahme mit, daß er beabsichtigt, auch diese Schule nach und nach aufzulösen und mit ihrem Abbau im April 1910 zu beginnen. Er nieint, daß Schwierigkeiten irgend- welcher Art sich aus dieser Auflösung nicht ergeben werden. Der Stadtteil habe, so führt er zur Begründung auS, in den letzten Jahren einen„anhaltenden Rückgang in der Zahl der schulpflichtigen Kinder" gehabt, der„die Füllung der Schulen jener Gegend immer schwieriger" gestalte. Uns war schon vor mehreren Jahren bekannt geworden, daß daran gedacht werde, über kurz oder lang auch die Schule in der Wrangelstraße für überflüssig zu erklären. Auch der jetzt vom Magistrat gegebene Hinweis aus die Verwendung des freiwerdenden Schulhauses zur Unterbringung einer Fortbildungsschule tauchte schon damals andeutungsweise auf. Es ist nun nicht uninteressant, zu sehen, welche Frequenzziffern die Schuldeputation und den Magistrat schon zu der Ueberzeugung gebracht haben, daß die Schule sich nicht mehr recht„füllen" lasse. In diesem Winterhalbjahre hatte die 85. Knaben» Gemeinde- schule in der Wrangelstraße bei der Frequenzermittelung vom 1. November in ihren beiden achten Klassen 40 und 42 Schüler. Sollen wir annehmen, daß das der Schnlverwaltung als eine un- zulässig schwache Besetzung gilt? Uns fällt da ein, daß der ver- storbene Stadtschulrat Gersienberg kurz nach seinem Amtsantritt in einem Vortrag, den er im Berliner Lehrerverein hielt, es als wünschenswert bezeichnete, die Frequenz der achten Klasse durchgängig auf 40 herabzusetzen. Seine Zuhörer be- antwoneten dieses Geständnis mit so stürmischen Aeußerungen des Beifalls, daß er erschrocken aufschaute. Er fürchtete offenbar, daß die Berliner Lehrerschaft ihn beim Wort nehmen würde. Wie mag der jetzt amtierende Siadtschulrat Fischer über die 40 denken? Wird die 8S. Knabenschule aufgelöst, so muß selbstverständlich in den benachbarten Knabenschulen fortan die Frequenz um so höher werden. Sehen wir nach, wie höchste dort noch ist. Wir finden simmer bei der Frequenzermittelung vom 1. November) in der 114. Knabenschule(Köpenicker Straße 2) zwei achte Klassen mit 46 und 60 Schülern, in der 177. Knabenschule(Görlitzer Straße bl) zwei achte Klaffen mit 62 und 62 Schülern, in der 261. Knabenschule(Görlitzer Ufer 16) zwei achte Klassen mit 60 und 63 Schülern. Auch die übrigen Klassenstufen sind in allen vier Schulen noch recht hübsch„gefüllt", und selbst die ersten Klassen der vier genannten Schulen sind mit 39, 36, 39, 36 Schülern besetzt. AuS solchen Zahlen gewinnt der Magistrat die Ueberzeugung, daß „dieFüllung der Schulen jener Gegend immer schwieriger" werde._ Eine Stadtverordnetenersatzwahl für den fünften Gemeindewahl- bezirk zweiter Abteilung findet heute statt. Diesen Bezirk vertrat bekanntlich der Stadtverordnete Dr. Mugdan, der zu Unrecht von der Majorität der Stadtverordnetenversammlung als gewählt prokla- miert worden war. Das ObervcrwaltungSgericht erklärte aber die Wahl für ungültig. Dr. Mugdan kandidiert nicht wieder. An seiner Stelle ist vom Kommunalsreisinn Dr. Herzberg aufgestellt worden, während von sozialfortschrittlicher Seite Professor Dr. Max Wolff kandidiert._ AuS dem Reiche des Herrn Kraetke. Die Klagen über verspätete Briefbeslellungen mehren sich in unheimlicher Weise. Das liegt weniger an den Briefträgern als an dem im Schwange befindlichen Sparsystem. Im Bereiche des Post- amtS 16, Köpenicker Straße, kam die erste Postbestellung wiederholt erst gegen 10 Uhr in die Hände der Empfänger. Früher war die erste Bestellung in der Regel schon um 8 Uhr spätesten? 8'/, Uhr vormittags erledigt. Es wäre ungerecht, den unteren Beamten einen Vorwurf zu machen, da die Briefträger überlastet sind. Wie wir erfahren, sind im Bereiche des genannten Postamtes die einzelnen Bestell- bezirke vergrößert worden. Früher waren es 36 Bestellbezirke, heute sind eS nur 32. Dadurch werden sechs Briefträger gespart. Das ist die bekannte rückschrittliche Reform im Reiche Kraetke. Die Post- Verwaltung soll mehr Ueberschüffe abwerfen, damit das Loch im Reichssäckel nicht zu groß wird und die neue Reichsfinanzreform bis nach der nächsten Reichstagswahl hinausgeschoben werden kann. DaS alte Lied. Die Geschäftswelt hat den Schaden und den Prole- tariern im Postrock wird mehr Arbeit aufgebürdet. Ein anderer kaum glaublicher Fall ist folgender: Ein Brief mit einer Todesnachricht(Kuvert mit Trauerrand) ist abgestempelt am 26. Dezember 2—3 Uhr nachmittags Postamt 17 und war adressiert nach der Siemensstraße 6. Dieser Brief ist nach einem auf dem Kuvert befindlichen Vermerk des Postbeamten am 30. Dezember zwischen 1—2 Uhr nachmittags in den Brief- kästen des Empfängers gelegt worden. Der Brief enthielt die Nachricht vom Tode der Mutter. Als der Sohn am 30. Dezember vormittags seine Mutter besuchen wollte, erfuhr er zu seinem Schreck, daß die Mutter nicht nur bereits gestorben war. sondern schon drei Tage unter der Erde lag. Die Post trifft durch ihre unerhörte Bummelei die Schuld, daß im vorliegenden Falle dem Adressaten es unmöglich gemacht wurde, seiner Mutter die letzte Ehre zu erweisen._ „Herr Wachtmeister". Man schreibt uns: Seit Fahr und Tag trägt ein Teil des bürgerlichen Publikums, das jetzt endlich auch nach Schutz vor Schutzleuten schreit, redlich dazu bei, in diesen be- helmten..Gesetzeshütern" den Machtkitzel und Polizeidünkel zu er- höhen. Man braucht nicht im geringsten vom., Blaukoller" be- fallen zu sein, um es einfach widerlich und lächerlich zu finden, wenn Kleinbürger vor jedem Revierschutzmann einen Kratzfuß machen und es sich gewissermaßen zur Ehre anrechnen, daß ein Polizeibcamier sie überhaupt der Privatunterhaltung würdigt. Am besten ist das bei gewissen Geschäftsleuten zu beobachten, die Ursache zu haben glauben, sich auch mit den untergeordneten Rcvicrbeamten auf einen guten Fuß zu stellen, da sie sonst Schikanierungen und Straf- anzeigen wegen kleinster Ucbertretungen befürchten. Regelmäßig wird dann der simpelste Schutzmann mit„Herr Wachtmeister" tituliert, was jeder einzelne dieser Unterbeamten mit wohlgefälligem Grinsen einsteckt. Keinem wird es einfallen, darauf hinzuweisen. daß er nicht Wachtmeister, sondern einfacher Schutzmann ist, der auf der Polizeiwache mit ihrem militärischen Drill vom wirklichen Wachtmeister recht oft fast genau so behandelt wird wie derRekrut auf dem Kasernenhof. Auch die intimen Beziehungen, welche sonst noch zwischen Geschäftsleuten, namentlich Restaurateuren, und manchen Revierschutzleuten bestehen, sind ja allgemein bekannt. Wir meinen nun, daß das Publikum nicht den mindesten Grund hat, aus Be- sorgnis vor dem aintlichen Walten des Schutzmanns diesen zuvor- kommender und devoter zu behandeln, als jeden nichtuniformiertcn Sterblichen. Es ist gewiß nicht nötig, auf jeden einzelnen Polizei- beamten die berechtigte Animosität, welche gerade jetzt sich gegen das gesamte preußische und speziell das Berliner Polizeishstem in weitesten Kreisen durchsetzt, zu übertragen, denn vielfach sind sie nur Werkzeuge ihrer Vorgesetzten. Wer aber ein reines Gewiffen hat nnd alles, was er tut oder läßt, verantworten kann, soll die Freund- schaft des Revierschutzmanns, die im Ernstfall doch versagt, nicht suchen. Insbesondere weg mit dem kriecherischen Anreden:„Herr Wachtmeister!" Ein merkwürdiger Philanthrop. In der„Vossischen Zeitung" finden wir folgendes schnurrige Inserat: ..Adelserhöhung sucht Freiherr. 40cr, ungemein r?ich. allbekannte hochgeachtete Persönlichkeit, der sich hohe Verdienste um seine Mitmenschen erworben hat, großer Philanthrop und bc- rühmter Aphorist, auf irgendeine Weise durch Adoption, Heirat oder irgendwie anderes. Gen. Pos. Offerten befördert unter „Aufwärts" usw." Der Grafentitel soll also erkauft werden. Das ist in den Kreisen der Rückwärtser nichts Neues. Aber ein netter Philanthrop (Menschenfreund) muß das sein, der durch seinen ungemeinen Reich- tum und durch eine Standeserhöhung Vorteile für sich selbst heraus- schlagen will. Wie sagte Flora Gaß, die Geliebte des seligen Freiherrn von Hammerstein? Komödianten seid ihr doch alle! Vom Automobil des Polizeipräsidenten totgefahren. Ein bedauerlicher Automobilunfall, bei dem der 70jährige Post- schaffner a. D. Heinrich Rückert aus der Muskauer Straße 70 seinen Tod fand, ereignete sich am Sonntagnachmittag Unter den Linden, Ecke Charlottenstraße. Das Automobil des Polizeipräsidenten kam vom Brandenburger Tor her die Südseite entlang. An der Ecke der Charlottenstraße bog eine andere Automobildroschke in die Straße Unter den Linden ein und eS drohte ein Zusammenstoß zwischen beiden Automobilen. Der Chauffeur des polizeilichen Automobils riß in letzter Minute seinen Wagen nach links herum und vermied hierdurch die Kollision. Im selben Augenblick über- schritt der Postschaffner Rückert den Straßendamm. Der Unglückliche wurde von dem Automobil erfaßt und überfahren. Mit schweren Verletzungen blieb er liegen, so daß er in einer Droschke nach der nahen Klinik in der Ziegelstraße geschafft werden mußte. Aber schon einige Minuten nach der Einlieferung starb Rückert. Der Polizeipräsident v. Jagow drückte noch am Abend den Angehörigen sein Beileid aus._ Für Angler. Alle Gesuche der in verlin wohnhaften Personen um Erteilung der Erlaubnis zum Angeln mit der Rute während der wöchentlichen Schonzeit sind unter Beifügung der für das Jahr 1910 gültigenAngellarte direkt bei dem Polizeirevier anzubringen, in dessen Bezirke der Antrag- steller wohnt. Gesuche ohne Beifügung der Angelkarte für das Jahr 1910 find zwecklos. Nicht in Berlin wohnende Personen haben ihre Anträge bei der Polizeibehörde ihres Wohnortes einzureichen. Eisenbahnzusammenstoß auf dem Lehrter Hauptbahnhos. Sonntag kurz vor Ö'/a Uhr früh stieß der nach Hamburg ausfahrende Eilzug 2 vor der Bahnhofshalle mit einem ausfahrenden Leerzug zusammen. Dabei erlitten zwei Passagiere Verletzungen, die Lokomotive des Eilzuges und drei Wagen des Leerzuges wurden beschädigt. Die Abfahrt des Hamburger ZugeS verzögerte sich dadurch um nahezu eine Stunde._ Die Bluttat eines Wahnsinnigen. liebet ein Familiendrama wird aus der Romintener Straße 23 berichtet. Dort erschoß gestern nachmittag in seiner Wohnung der 60 Jahre alte Bildhauer Karl Jäger im Seitenflügel des ersten Stockwerks keinen 2'/, Jahre alten Enkelsohn Werner Werner, ver- wundete seine 49 Jahre alte Ehefrau Klara schwer, aber nicht lebenS- gefährlich durch einen Schuß in den Kops und erschoß dann sich selbst. Die verwundete Frau wurde von Hausbewohnern nach der gegenüber» liegenden Privatklinik gebracht. Die Leichen brachte, nachdem ein Arzt den Tod festgestellt und die Kriminalpolizei den Befund auf- genommen hatte, die Revierpolizei nach dem Schauhause. Nach den bisherigen Ermittelungen hat Jäger die Tat in einem Anfall von Schwermut begangen, die durch längere Nervenkrankheit hervor- gerufen worden war._ Tragischer Abschluß eines Liebesverhältnisses. Auf dem Lauben« gelände an der Seestraße wurde Sonntagabend gegen 19 Uhr der 43 Jahre alte Galvaniseur Karl Justinsky auS der HcnnigSdorfer Straße 1 tot aufgefunden. Neben ihm lag auf dem Erdboden befiimungSlos und schwer röchelnd eine weibliche Person, die später als die 41 jährige Frau Anna Erdmann rekognosziert wurde, die in der Weddingstraße 9 wohnte. Beide hatten Zyankali zu sick ge» nommen. Die Leiche des I. wurde nach dem Schauhause über- geführt, während man Frau Erdmann nach dem nahen Rudolf- Virchow-Krankenhause brachte, wo ihr sofort der Magen ausgepumpt wurde. Der Tat liegt ein Liebesverhältnis zugrunde, das beide nicht zusammenkommen ließ. Ein entsetzlicher Unglücksfall, der den Tod eine? Kinde? zur Folge hatte, ereignete sich auf dem Grundstück Liebigstr. 3. Dort ipielten auf dem abschiiffigen, asphaltierten Hofe mehrere Kinder, unter ihnen auch die 13jährige Tochter Elsbeth deS Weidenweg 68 wohnhaften Tischlers Wendt. Plötzlich geriet ein auf dem Hofe stehender Milchwagen ins Rollen und das Mädchen wurde von dem schweren Gefährt mit solcher Kraft gegen den Brunnen gedrückt, daß es bestimntigSloS und blutüberströmt zu Boden sank. Auf der Unfall- station in der Warschauer Straße wurde festgestellt, daß die Bedauernswerte außer einem Bruch des rechten OberarMeS und einer klaffenden Kopfwunde eine Gehirnerschütterung und eine schwere Zerreißung der Lunge erlitten hatte. Nachdem der Verunglückten die erste ärztliche Hilfe zuteil geworden, wurde die kleine Wendt nach dem Krankenhause Friedrichshain übergeführt, wo sie in der ver- flosscnen Nacht den Folgen der Verletzungen erlag. Erschossen hat in der vergangenen Nacht in der Marienssurger Straße der Kaufmann Walter Gronau den Kutscher Artur Wich- mann aus der Prenzlauer Allee 34. Gronau behauptet in Notwehr gehandelt zu haben. Der Spamrein„Einigkeit", tagend Schnlstr. 74 und gegründet am 7. Februar lSöt, bittet uns mitzuteilen, daß er mit dem Spar- verein gleichen Namens, bei dem Unterschleife stattgefunden haben, nicht identisch ist. J» einem Straßenbahnwagen verstorben ist vorgestern abend der Kaufmann Adolf Prause, Wetgandufer 11 wohnhaft. P. hatte am Wildenbrnchplatz den Anhängewagen Nr. S31 eines Zuges der Straßenbahnlinie Sv bestiegen und im Innern desselben Platz ge- nommen. Kaum hatte sich der Waggon in Bewegung gesetzt, als der Kaufmann plötzlich leblos von seineni Sitze stürzte. Der hinzu- gerufene Arzt konnte nur noch den infolge Herzschlages eingetretenen Tod feststellen. Zwischen den Puffern. Gestern früh 12 Uhr SV Minuten geriet auf dem Schlesischen Güterbahnhof, Mühlenstr. LL— 30, der Schaffner im Probedienst Ernst Paul zwischen die Puffer zweier Wagen und wurde sofort getötet. Verloren gegangen ist am NeusahrStagc mittags Ill'/g Uhr anf der städtischen Straßenbahn am Baltenplatz ein Paket, enthaltend ein altes Jackett, eine K'inderschiirze und„Laffalles Tagebuch". In der Jackettasche befanden sich u. a. Mitgliedsbücher zum Sozialdemo« kratischen Äahlverlin Berlin IV. die letzten Monate abgestempelt KarlShorst, und zur Arbeiter-BildnngSschule, beide lautend auf den Namen Paul Lcnzncr. Der Finder wird gebeten, die Sachen ab« zugeben in der Buchhandlung des Arbciter-Abstineiitenbundes, Engel- ufer 19. Beim Stiftungsfest des Sängerblindes bei LiprZ lFriedrichshain) ist ein Portemonnaie mit ungefähr 26 M. und bei der Ausschuß- fitzung am Sonntag im gleichen Lokal ein Portemonnaie mit ungefähr 32 M. Inhalt verloren gegangen. Mitteilungen werden erbeten an Paul Becker, Elisabethufer 27, bei Kortz. Vorort- IVackricdten. Rixdorf. Stadtverordneteu-Stichwahl. Bei der gestern im Nordbezirk stattgesundenen Stadtverordneten-Stichwahl her zweiten Abteilung wurden die Kandidaten der WahlrechtSräuber mit 2S4 gegen 209 Stimmen» die auf die demokratischen Kandidaten entfielen, gewählt. Der Etatentwurf für das Rechnungsjahr 1910 weist eine Steigerung von nicht weniger als 112S2 817 M. gegen das Vor« jähr auf. Während der gesamte Etat 1909 mit rund 20 000 009 M. abschloß, erreicht er diesmal«inen Abschluß von 31 421 377 M. Im einzelnen befinden sich in dem Etatentwurf u. a. folgende Ziffern: Armen« und Waisenpflege, Fürsorgeerziehung S6SS00 M., Krankenpflege 5«3 000 M.. öffentliche Straßen und Plätze 864»00 M.. Kapital- und Schuldeuverwaltung 2 929 000 M., Gemeindesteuem: Einnahme 0 172 000 M., Ausgabe 35 000 M.. Schulverwaltung 2 556 500 M.. Fortbildungsschule 42973 M., Gasanstalt: Ordinarlmn 4 322 000 M., Extraordinarium 1 841 000 M. Der Ueberfchuß der Gasanstalt beziffert sich auf 1 236 990 M., 315 990 M. mehr als im Vorjahre. Die Abgabe der ElektrizitätS- werke stieg um 10000 M. von 63 000 M. auf 73000 M.— Die Einnahme aus den Märkten beträgt 136100 SD?., der eine Ausgabe von 13100 M. gegenübersteht.— Die Gemeinde- einkommensteuer soll auch wie im Vorjahre auf 100 Proz. Zuschlag zur Staatseinkommensteuer belassen werden. Die Wertzuwachs- st euer soll neu eingeführt werden, 130000 M. find bereits als Ein- nähme in den Etat eingestellt. Als wettere neue Steuer ist die Schankkonzessionssteuer vorgesehen, die 70000 M. Einnahme ergeben soll. Stach langen Debatten ist diese Steuer im vergangenen Jahre abgelehnt worden. Wie die Wertzuwachssteuerordnung im einzelnen aussieht, wissen außer dem Magistrat wahrscheinlich nur noch die Könige vom Richard- platz. Schon im Frühjahr 1909 wurde auf Veranlassung des Magistrats eine Kommission gebildet, die die Steuerfrage vorberaten sollte. Diese ist jedoch bis heute noch nicht zu einer Sitzung zu» sammengetreten,«s sei denn ohne die Vertreter der Sozialdemo- kratie? Wegen fortgesetzter Mißhandlungen ihreS Kindes sind die Ka»f« mann M i t t m a n n s ch e n Eheleute, Tellstraße 9. verhaftet worden. Die Ehekrau M. hatte fich im Juni v. I. mit M. verheiratet, dem sie einen jetzt 2°/« Jahre alten Knaben mit in die Ehe brachte. Vordem war das Kind in Pflege, zuletzt bei einer in Britz wohnenden Frau untergebracht gewesen. Der Knabe soll häufigen Mißhandlungen seiner Elter» ausgesetzt gewesen sein; er starb eines plötzlichen TooeS und der herbeigerufene Arzt stellt« an dem kleinen Leichnam ver- dächtige Beule» und blaue Flecke fest-. Die gerichtsärztliche Untersuchung ergab als Todesursache eine Quetschung des Gehirns. Daraufhin erfolgte die Verhaftung des M.schen Ehepaares, das ein- räumte, den Knaben mir einem Rohrstock geschlagen, ohne aber daS Züchrigungsrecht überschritten zu haben. Wilmersdorf. Zur Stadtverordnctenwahl. Während unsere Partei in Ermangelung eines Hausbesitzer» Kandidaten im 3. Bezirk Wahlenthaltung übt. ist im 7. Bezirk, wo ein Nichtangesessener zu wählen ist Gcwcrkschastsbeamter OSkar Riedel, Berliner Straße 39, als sozialdemokratischer Kandidat aufgestellt. Der 7. Wahlbezirk setzt sich aus folgenden Straßen zusammen: Aschaffenburger Straße, Bamberger Straße, Barbarossastraße, Fasanenstr. 52—86, Güntzelstr. 2—18, Helmstedterstr. 1—6 und 28 bis Ende, Hohenzollerndamm 1— 8 und 202 bis Ende, Jenaer Straße 1-4 und 27 bis Ende, Kaiserallee 14-30 und 192-209, LandhauSstr. 1—7 und 48 bis Ende, Motzstraße, Nachodstraße. Nafiauischestr. 33 bis Ende, Nilolsburger Straße, Nitolsburger Platz, Pariser Str. 36 bis Ende, Prager Platz, Prager Str. 10—27, Prinzregentenstr. 1—10 und 114 bis Ende, RegenSburger Str. 19— 29, Trautenaustraße. Die Wahlhandlung geht Mittwoch, den 12. Januar 1910, im Restaurant L i n d st e d t, Motzstr. 44, vormittags von 11 bis L Uhr und abends von 3 bis 8 Uhr vor sich. Wie bekannt, wird es der angestrengtesten Arbeit bedürfen, wenn im 7. Wahlbezirk ein Erfolg erzielt werden soll. Es ergeht daher an die Parteigenossen und Genossinnen da» dringende Ersuchen, sich so zahlreich wie irgend möglich im sozialdemo» kratischen Wahlburau, Restaurant Schmidt, Trau« tenauer Str. 4, zur Verstlgung zu stellen. Parteigenossin und Genossinnen, bedenkt, daß es gilt, Bresche zu legen in die Hochburg der Reaktion; sorgt dafür, daß endlich wieder ein Sozialdemokrat in die Wilmersdorfer Stadtverordneten-Verfammlung gewählt wird 1 Lichtenberg. In der letzte» Stabtverorbnctensstzung standen auch 2 Jnter- pellationen unserer Genossen auf der Tagesordnung und zwar wurde in der einen an den Magistrat die Anfrage gestellt, ob und in welchem Umfange er Vorsorge zur Beschäftigung von Arbeitslosen getroffen hat. Begründet wurde die Interpellation vom Genossen Rösler. Derselbe wies unter anderem darauf hin, daß, obwohl von den sozialdemokratischen Vertretern zu wieder- holten Malen verlangt worden sei, in Anbetracht der bei den Ar- beitslosenzählungen im letzten Winter festgestellten geradezu er« schreckend hohen Zahlen doch endlich einmal aus dem Gebiete der Arbeitslosenfiirsorge etwas zu schaffen, der Magistrat bisher noch nichts getan habe. In seiner Beantwortung der Interpellation be- schränkte sich der Bürgermeister Ziethen lediglich darauf, daß man in diesem Winter von einer besonderen Arbeitslosigkeit noch nichts habe feststellen können, im übrigen sei es zurzeit nicht möglich, noch eine nennenswerte Zahl Arbeitsloser für städtische Arbeiten ein- zustellen. Als Verhöhnung konnte man es auffassen, daß Herr Ziethen an diese Antwort noch die Bemerkung knüpfte, beir.i letzten großen Schneefall sei es der Stadt gar nicht einmal möglich gc- Wesen, die erforderliche Zahl Arbeiter zu erhalten. Mit Recht wurde ihm daraus von unseren weiteren Rednern geantwortet, daß, wenn dies wirklich der Fall gewesen ist, es lediglich auf die rück- ständige Ardeitsvcrmittelung der Stadt zurückzuführen sei. Man solle doch endlich das wiederholt von uns geforderte statistische Amt schaffen, dann könne laufend die genaue Zahl der Arbeitslosen fest- gestellt werden. Weiter aber wurde an den Bürgermeister die direkte Anfrage gestellt, wie weit denn die Arbeiten für das bereits im borigen Jahr beschlossene Krankenhaus gediehen seien. Zweifellos müssen dieselben dock bald die Einstellung einer größeren Anzahl Arbeiter ermöglichen. Sonderbarerweise lehnte der Bürger- incister die Beantivortung dieser Frage kurz ab, was die berechtigte Befürchtung entstehen läßt, daß sich da hinter den Kulissen wieder einmal Dinge abspielen, die zu» zeit noch das Licht der Oeffentlichkcit scheuen. Eine von uns in der nächsten Sitzung einzubringende Interpellation wird jedenfalls Klärung schaffen. Die andere Interpellation ersuchte den Magistrat um Auskunft darüber, welche Maßnahmen getroffen sind, um eine geregelte Kinderspeisung in den Schulen durchzuführen. Genosse Heckert wies zur Begründung darauf hin, daß, nachdem eS unseren Genossen bei der Etatsberatung gelungen war, die geringe Summe von 1900 M. hierfür in den Etat hineinzubekommen, man bis zur Stunde noch keinerlei Nachweisuna über die Verpflegung der hungernden Schulkinder erhalten habe, trotzdem dies doch vom Ma» gistrat seinerzeit in baldige Aussicht gestellt worden sei. Auch hierbei mutzte der Magistratsvertreter zugeben, daß diese Summe bei weitem nicht genüge; er schlug deshalb bor, daß die Bürgerschaff mehr wie bisher mildtätig sei. Auf der einen Seite zahlt die Stadt also für die Kinder der Besitzenden immer höhere Zuwen- düngen, auf der anderen Seite verweist man die Kinder des Volkes auf— Almosen. Weiter wurde die Verpachtung des Anschlagwesens an den Kaufmann Otto Holzhauser zu Charlottenburg auf 10 Jahre gegen eine Pachtsumme von insgesamt 31 000 M. beschlossen.— Ein Antrag auf Streichung eines in der neugeschaffenen Dienst- und Be- wldiingsordnung für die mittleren und Unterbeamten der Stadt Lichtenberg enthaltenen Paragraphen, welcher ein? unnütze Härte für die noch nicht geprüften Assistenten enthält, wurde an eine Kommission von 9 Mitgliedern verwiesen. Die hieraus— bereits im vorigen Bericht besprochene— Be» chlosfene Aendcruna der Geschäftsordnung enthält die Bestimmung, xih in Zukunft außerordentlich« Sitzungen sowie namentliche Ab- 'timmungen nur von mehr als 16 Stadtverordneten beantragt werden können. Bemerkt muß hierzu werden, daß unsere Fraktion von den 16 Sitzen der 3. Klasse zurzeit 14 inne hat, von den 2 übrigen ist einer durch Verzug eines unserer Genossen nach außerhalb freigcworden und bei dem anderen ist es seinerzeit den Bürgerlichen gelungen, einen Beamtenvertreter mit wenigen Stimmen Mehrheit durch zu bekommen. Man glaubt also, uns durch diese Aenderung der Geschäftsordnung, so lange wie wir nur die 3. Klasse innehaben, in der vollen Ausübung der Geschäftsord- nung stark zu beeinträchtigen. Die schon wiederholt die Stadtverordnetenversammlung be- chäftigte Friedhofsordnung wurde wiederum zu einer Aenderung vorgelegt. Diesmal beantragte der Magistrat, daß Leichenfeiern in der Halle nicht länger als 1 Stunde dauern dürfen; dem wurde auch einstimmig zugestimmt. Die Trrrainvrrläufcr und deren Sachwalter in der Stadtver» ordnetenvcrsammlung sowohl wie im Magistrat wollen durchaus nicht mehr länger die Fmanznot der Stadt dulden sondern auch ihrerseits„Opfer" bringen. Sie drängen mit aller Macht, daß von dem kärglichen Gewinn, der bei dem mühseligen und durck>auS ehrenhaften Gewerbe, genannt Spekulation in Grund und Boden, abfällt, auch die Gemeinde reichlich Anteil erhält. Nachdem die bösen Sozi nun schon in zwei Sitzungen den guten Willen dieser Uneigennützigen durchkreuzt haben, soll heute, Dienstag nachmittag 6 Uhr, im Rathause, Möllendorfstraße, in voller Oeffentlichkeit dargetan werden, daß die Stadtverordnctemnajorität und der Magistrat einig sind und nur die Sozialdemokraten eS waren, die die durch die Kommisston unter dem Vorsitz des größten Baulandverläufers, Herrn Roeder,„verbesserte" sogenannte Wert- zuwackissteuerordnung bisher nicht zum Beschluß erheben ließen. Es steht nur der Erlaß einer Wertzuwachssteuerordnung aus der Tagesordnung der heutigen außerordentlichen Sitzung. Friedrichöhagen. Aus der Gemeindevertretung. In der am 7. Januar abg» haltenen Sitzung widmete der Gemeindevorsteher Bürgermeister Dr. Stiller dem am 21. Dezember v. I. verstorbenen Vertreter Conrad einen warmen und ehrenden Nachruf.— An Stelle des verstorbenen Bürgermeisters Klüt wurde Bürgermeister Dr. Stiller zum K r e i s t a g s a b ge o r d n ete n für die bis zum Jahre 1913 laufende Amtsperiode gewählt.— Von der durch den Gemeindevorsteher vorgenommenen Anstellung des prakt. Arztes Dr. Richter als Schularzt nahm die Vertretung zustimmen? Kenntnis.— Für die Instandhaltung der Wege, die gärtnerische Ausschmückung, die Aufstellung von Bänken und die Errichtung eines Bollwerks auf dem am Müggelsee gelegenen Gemeindegrund» stück Seestr. 82(gegenüber der Kaiserstraßc) bewilligte bie Ve» tretung die Summe von 1300 bis 2000 M. Mit der näheren Aus- führung und Beaufsichtigung der Arbeiten wurde die Wegebau- kommission betraut.— Bei der Wahl einer Kommission zur Vor- Beratung der in Aussicht genommenen Erhöhung der Lehrer- und Gemeindebeamtcngehälter beantragte Genosse Sonnenburg als «ine dringende Notwendigkeit, gleicbzeitiy der Kommission auch die Neuregelung bezw. Erhöhung der Gemeindearbeiterlöhne zu übe» weisen. Nach Befürwortung de« Antrages durch den Bürge» meister Dr. Stiller wurde derselbe einstimmig angenommen. In die Kommission wurden gewählt außer drei Mitgliedern des Gemcindevorstandes die Vertreter Glöde. Harcke, Kunzke und Stephan(Soz.)— In die EtatsberatimgSkommission wurden gewählt die Vertreter Barth(Soz.), Glöde, Gesel- bracht. Grau(Soz.) und Lehmann. Potsdam. Stadtverordnetenversammlung. Gelegentlich der Einführung der neugewählten Stadtverordneten entwickelte der Oberbürgermeister da» Programm für das neue Jahr. Zur Balanzierung des Achtmillionen- etatS sind neue Gebühren nötig. Während andere Städte zur gerechten Verteilulig neuer Lasten auf die Allgemeinheit die Er- fjöhimg der Einkommensteuerzuschläge vorziehen würden, seien die Verhältnisse Potsdams durch das Beamtenprivileg so eigenartig, daß dadurch nicht alle Kreise getroffen würden. Außerdem stehe die Aufnahme einer neuen Anleihe bevor, die hauptsächlich für Ballten höherer Schulen Verwendung finden wird, da deren Gebäude alle auf einmal ersatzbedürftig sind. Der Neubau des Rathauses würde vielleicht auch schon auS dieser Anleihe mit gedeckt werden können. Weiter würden Fragen der Ver- kehrspoliiik(Auöbau der städtischen eleltriscken Straßenbahn) und der Eingemeindung erörtert werden müssen. Die Wahl des Vorstandes ergab: Stadtv.Bolle.Vorsteher, Pauli, stellv. Vorsteher, Stadtv. Krause, Schriftführer, Stadtv. Schmüser Beisitzer. Der liberale Stadtv. KeimcS frug an, ob die Ersatzwahlen zur Ver- sammlung nicht zu Ende geführt werden, da ein Stadtverordneter. der zweimal gewählt ist, kein Mandat angenommen hat. einer während der Wahl verstorben ist und ein dritter Stadtrat geworden ist. Redner begründele dieS mit OberverwaltungLgerichtS-Enischeiden. Nach Aeußeningen deS Oberbürgermeisters hat sich der Magistrat mit der Rechtsfrage noch nicht beschäftigt(seit Ende November!) und gibt zu bedenken, ob eS ratsam ist, den großen Apparat in Verbindung mit großen Kosten deshalb in Bewegung zu setzen! Auch ein Stand» punkt! Die Entscheidung wurde zur nächsten Sitzung ver» tagt. Von den weiteren Vorlagen ist noch der Ausbau der elektrischen Straßeiibahulinie A nach Wildpark von Interesse. Trotz- dem seit sehr langer Zeit alles Material an Ort und Stelle lagert, kann die Ausführung nicht stattfinden, weil das Ober-Hof- m a r s ch a I l a m t in letzter Stunde die Führung bis nach der Station Wildpark nicht gestattet und die Eisenbahnverwaltung wegen eilies dann abzutretenden Geländestreifens unannehmbare Be- dinguiigrn stellt. Bon einigen Stadtverordneten wurde ein Bittgang des Oberbürgermeisters zum Kaiser vorgeschlagen. Zum Achtuhr-Ladcnschluff hat die vor kurzem vorgenommene Ab- stimmung der Geschäflsinhaber 373 Stimmen für und 190 Stimmen dagegen ergeben. Die Einführung dürfte daher zum 1. April d. I. zu erwarten sein._ Vermifcktes. Folgenschwerer B anunfall in Köln-Ehrenfeld. Wie auS Köln gemeldet wird, stürzte gestern nachmittag in dem Vororte Ehrenfeld ein Dachdeckergcrüst ein. Der Dachdeckermeister wurde getötet, ein Lehrling starb auf dem Transport ins Kranken- Haus, ein Geselle wurde lebensgefährlich verletzt., Ii» OSdorf Sei Altona erschoß gestem nachmittag, wie aus Hamburg gemeldet wird, der öljähiige Fährmann John Eggerstedt seine Schwägerin und dann sich selbst. Beide sollen ein Liebesverhältnis unterhalten haben._ lieber die Einsturzkatastrophe in Raibl werden aus Wien noch folgende Einzelheiten gemeldet: Der Platz, auf dem das Spital gestanden hatte, bildet einen kreisrunden Trichter mit einer Weite von etwa 60 Meter. Der Trichter ist bis wenige Meter unterhalb de« Randes mit Wasser gefüllt. Da» von der Festung an, Predtl zur Hilfeleistung gerufene Militär warf sofort einen Graben auf, uin mit Hilfe elektrischer Pumpen da? Wasser in den nächsten Bach zu leiten. Wie lange diese Ab» leinmgsarbeiten dauern werden, läßt sich noch nicht be« rechnen. Man vermutet, daß das Haus vierzig bis sechzig Meter tief eingesunken sein mag und fast ebenso hoch mtt Wasser bedeckt ist. Räch Entfernung des Wassers müßten dann die Seitenwände des Trichters gestützt werden, bevor mit den Grabungen nach den Verschütteten begonnen werden könnte. Nach dem Ausspruch der bcrgtechnischen und bergpolizeilichen Kommission erscheint jede weitere Gefahr für den Ort ausgeschlossen. Unterhalb deS Bergspital« befand sich ein bereit» seit Jahrzehnten nicht mehr tn Betrieb befindlicher Bleistollen. Durch Sprengarbeiten in der Nähe ist wahr» scheinlich das Erdreich derart erschüttert worden, daß der Einsturz erfolgte. Die sieben Opfer der Katastrophe sind nach Anficht der Sachverständigen zweifellos sofort erstickt. Dyuamitexplosion i« der Deutschlandgrube. Amtlich wird aus Schwientochlowitz gemeldet: Auf der 430 Meter- sohle deö HauptquerschlagS der Deutschlandgrube erfolgte am Freitass- abend um die zehnte Stunde eine Dqnamitexplofion, durch die ein Mann getötet und vier leicht verletzt wurden. Als EntstehungS« Ursache wird angenommen, daß beim Bohren von Bohrlöchem rin Bohrer abgesprungen und an eine Dynamitpatrone geraten ist. Abgestürzter Tourist. Aus Freiburg i. Gchw. wird gemeldet: Am Sonntag unternahmen zwei junge Leute einen Aufstieg auf den Moleson(in den Voralpen, 2003 Meter). Bei der Heimkehr ist der 23jährige Buchdruckergehilfe Max Dette aus Berlin ab- g e st ü r z t und heute morgen seinen Verletzungen im Spital von Riaz erlegen. Die Pest. Einer Meldung au« Djeddah zufolge ist dort amtlich Ausbruch der Pest festgestellt worden. Gasexplosion in einem Knebenpenfionat. Aus London wird gemeldet: In dem Knabenpensionat Klepko fand gestern nachmittag eine Gasexplosion statt. In der Nähe be- fanden sich in einem Lesezimmer zwanzig Schüler unter Aufsicht einiger Lehrer. Durch die Explosion, die in einem Nebenraum des Lesezimmers stattfand, wurden die Türen und Fenster zertrümmert ünd sämtliche Schüler durch Glassplitter mehr oder minder schwer verletzt. Die meisten von den Kindern erlitten zudem noch Brand» wunden. Zwei, die besonder« schwer verletzt wurden, mußten nach dem KraiikenhauS geschafft werden. Die übrigen weniger schwer Verletzten wurden an Ort und Stelle verbunden und ver- blieben im Pensionat. Trotz sofort angestellter genauer Nach- forswung ist eS bisher nicht gelungen, die Ursache der Explosion zu ermitteln. ein< von ihnen erlitten erhebliche Verletzung,.... Selbstmord oder Verbrechen? In Le ob schütz wurde tu ihrer Wohnung die Hausbesitzerin S. am Fensterkreuz erhängt auf- gefunden. Die ganze Wohnung war ausgeraubt. Anscheinend liegt ein Verbrechen vor.__ «mtttche» Marktderich» der ttfldJilchm Markldallen.DtreMon über den Grotzbandel in den Zrntrnl.Mnrktballen. Marktlag«: F l« H ch- Zusutn liark, Geschast reger, Preile sür Hammelfleisch anziehend, sonst un. verändert. Wild! ZuNibr genügend, Äelchäsl flau, Preise wenig ver- ändert, Keslügel: Ziimbt genügend, Beichäst still, Preise sest. Fisch«: Zusuhr gering, Gcschäsi ziemlich lebhaft. Prelle wenig verändert. Bult er und Käse: Geschäs« ruhig, Preise unverändert,«emüse, Obst und S ü d s r ü ch t e: Zufuhr genügend, in Blumenkohl über Bedais, Preise fast unverändert.__ WttteriinaSiiverNch, vom 10, Januar 101». morgens» Ildr. Stationen Ii Bf Setter Swtnemde Hamburg Berlin 762 SSW 761 IZD 765 BO (jtanfl.a M. 770 Sä© Wünajui 1776 3© Wien 776 3 6 bedeckt 7 bedeckt 5 bebeckt bbedeckl 6 Nebel 1 Nebel aiiS 4% 9 11 mS> 7 9 6 6 -2 _2 Stationen s Haoaranda 734 3$® Petersburg 758 T$W Sctllh.764 SS rtdetßttn Baris 746»$» 770 SSW 6 bedeckt 3 bedeckt 6, volkig 4 heiler 4 bedeckt I e- »U h t 0 9 3 10 «Nettervrognole für DirnStag. den 11. Januar 1910. Ziemlich warm, veränderlich, vorherrschend wollig mit leichlen Regen» sällcii und viclsach starken westlichen Winden, Berliner Wetterburea» ßrUfftaften der Redafttfon. Sie surisiische Sprechstunde findet Linde» strafte S, zlr iiier Hos, driitcr Cingang, vier Treppen, Fahrstuhl ivochentäglich adcnds don 7� blp gsj Uhr statt. GeSfstiet 7 Uhr. SoniiabcildZ beainnt die Eprrchstnnde um L Uhr. Jeder Ztnsrage ist ein Buchstabe und eine Zahl als bilerkoetchcn beizufüoen. Briefliche Antwort wird nicht erteil». Bls zur Beantwortung im Briefkasten können 1t Tage vergehen. Eilige Frage« trage man in der Sprechstunde vor. R. C. 40. 1. Ja, wenn innerhalb deS DienfijabreS daS Dienst. Mädchen ohne Grund kündigt: Sstjo wenn der Dienst am 1. April begonnen hat, kann höchstens bis zum t. April die Rückgabe ver« «ngt werden. 2. Stets.— H. T. 2. 1. Wenn die Wechsel, die selbst verjährt sind, an ZahlunySstatt und nicht nur zur Sicherung der Schuld ausgestellt waren, so verjährt die Warclischuld in Ihrem Fall in vier Jahren, vom Neujahrstage des Jahres an gerechnet, der ans den Fälligkeitstag talgte. 2. Sie müsiten in der Schweiz verklagt werden. 3. Wenn inzwischen reine Handlung des Richters gegen den Täter vorgenommen ist, liegt Ber- j ihrung vor.— St. W. 42. Die Kündigung ist verspätet. Wenn im Vertrage drei Monate drei Tage alS Kündigungsfrist vereinbart waren, so Muhl« spüfesteitä am SS. Dezember die Künd Kündigenden sein. Wegen der Mängel Amtsgericht aus Descingung''" una i» den Händen deS zu der Wohnung mügten Sie beim „ derselben klagen.— M. W. SÄ. Nein. 444. Für die Ausnabine in eine Erholungsstätte ist daS Kieben einer bestinimten Anzahl von Marken nicht vorgeschrieben. Ein Recht aus Ansiiahme steht aber dem Antragsteller nicht zu. Der Bescheid hängt von dem Ermessen der Versicherungsanstalt ab.— E. W. 30. DaS Mädchen müßte selbst den Antrag stellen.— Hans Sachs 2ö. Ja.— W. W. 2. Nein.— Virneburg. I. Ihre Mutter müßte mindestens 76t Marken nach- weisen. 2. New. Die ErwerbSunsähigteit muß bewiesen werden. 3. Ja. — I. H. 110. Da Sie nichts bestellt haben, brauchen Sie weder etwas anzunehmen, noch zu bezablen. Eine Miiteilung an die Firma entspricht gcschästlichein Anftand.— F. I. 00. Die Schuld ist nicht einklagbar, da sie eine Spielschuld ist.— ÜÄ. T. in C. DaS Kausmannsgcricht ist nicht inständig. Den Anspruch selbst halten wir für gerechlscrllgt. Bestimmte Anwälte zu empsehlcn, lehnen wir grundsätzlich ab.— A. Nein. — Stempel 18. Der Verlrag müßte vor einem Notar oder bei dem Amtsgericht geschlossen werden. Die Kosten und Stempel und die Höhe deS Stempels richten sich nach der Höhe des Objekts. Der Vertrag ist aber nur soweit gültig, als er nicht beabsichtigt, vorhandene Gläubiger zu de- nachteiligen.— W.®. 35. Leider gilt der Vertrag in vollem Umsange. Sie müssen ihn rechizeltig ründlaen.— H. 36. 20. Unseres Erachten» ja, und zwar mit einer Mark.— X. V. 2. Nur mit polizeilicher Gcncbml« gung.— E. T. 88. 1. Ein Anspruch steht Ihnen leider nicht zu. 2. Das richtet sich nach dem Inhalt des AersichermigSvertraacS. In der Regel sind sie dahin abgeschlossen, daß die Verpsilchtung nur für die Zeit des Arbeits« verhällnisses gilt.— A. 433. Der Versuch, die Einwilligung deS Vaters zu erhalten, müßte gemacht werden. Ist er insbesondere wegen Nnausftnd» barkeit des Vaters unauSsührbar, so kann sich die-Mutter mit Ersolg an das Amtsgericht wenden, ihr die Rechte des Vaters zu übertragen. — A. I. 81. Sie müßten sich an daS Gericht tvenden, daS die Akten zugesandt hatte. Wahrscheinlich ist eS das Amtsgericht Graudenz. Dort müssen Sie Ihre Ansprüche darlegen.— H. M. 233. 1. und 2 Ja. 3. Nein.— P. K. 1883. Das Inf tarnen t ist gültig. Der zweite Gatte hätte lediglich das Pstichltei! auszuzahlen und kann mit dem übrigen Ber« mögen machen waS er will.— K. 10. Die MietSvcrträgc werden nicht gestempelt, sondern von dem Vermieter in ein Verzeichnis eingetragen, wieviel Stempel gezahlt ist. Auch mündliche MictSverträge sind slempcl- psllchlia. Ebenso besieht Stenipelpflicht»ach wie vor, auch wenn der Ber« trag nicht daS ganze Jahr hindurch gedauert hat, sondern nur etwa einen Atonal oder ein Vierteljahr, der Lahresbetrag aber über 360 M. beträgt. beim Einkauf von Bouillon-Würfeln stets ausdrUcklieh x IlStr Bmiillon-Wttrfel. i*. » Für Liter Der Name MAGGI bürgt für vorzüglicliste ttualltät! G�wk. AM- ■i '..■- ä.-- >.'.■'-t.•'■ Theater und Vergnügungen nun GOD Dienstag, den 11. Januar. Ansang 71/, Uhr. Opernhaus. Zar und Der Känigl, Zlmnrerman. »»uiol. Schauspielhaus. emgeblldcte Kranke. Neues königl. OPcrn-Xheater. Geschlossen. Deutsches. Der Widerspenstigen Zähmung. Kammerspiele. DaS Heim. (Anfang 8 Uhr.) Neues SchauspteihanS. Mt-Heidel- berg. SInfang 8 Uhr. Komische Oper. ToSca. Neues. Don Juans letztes Avm- teuer. Westen. Die geschiedene Frau. Neues Operetten. Der Gras von Luxemburg. Trianon. Buridans EseL �Berliner. Hohe Politik. Kleines. Der große Name. Nrsidenz. Im Taubenschlag. Thalia. Die süße Cora. pessing. TautriS der Narr. Hebbel. Der Stmidal. Schiller«.«auner- Theater.) Der Meineidbauer. Schate» Ehartottenburg. Biel Lärmen um nicht». Friedrich- Wiihclmstädt. Im bunten Rock. Luisen. LoloS Vater. •Moit. Faust. Lustspielhaus. Der dunkle Punkt. Nteteovo». Halloh!I— Die große Revue. Faktes Eaprice. Sicher ist sicher. Bunter Test. Der Mann meiner Frau.(Ans. 8'/, Uhr.) Zlpeno. Spezialitäten. Wintergarten. Spezialitäten. (kasino. Der Obergauner. Gebr. Hrrrnfeld. So muß man'S inachcn. Ein RetlungSmutel. Gastspiel. 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Mittwoch: Flachsmann als Er« sicher. Donnerstag Mozart« Oper: Die lustigen Weiber von Windsor. W AbendS S Uhr: DetllunlilöM!. Residenz-Theater Direktion: Richard Alexander. Abends 8 Uhr: Im Taubenschlag. Morgen und folgende Tage: Dieselbe Vorstellung. Sonntag, den 16. Januar, nachm. 3 Uhr: Schkaswagenkontrollenr. ?o!Ik5-eper. SW., Belle-Alliance-Straße Nr. 7/8. Abend»'1,9 Uhr: Die ifrikanerin. (Außer Abonnement.) Luisen-Theater. Abend» 8 Uhr: Lolos Vater. VoikSslück in 4 Akten v. A. L'Arronge. Dienstag, Mittwoch: Lolos Vater. OSE=THEATE Hclililer-Theater. Sohlller-Theater 0.(Wallner-Theat.). Dienstag, abend» 8 Uhr! Der illelneldbaaor. VoikSslück in 8 Alten von Ludwig Anzengruder. Btr Ende 11 Uhr.-M« Mittwoch. abendS 8 Uhr: Der Delaeltliiiauer. DonnerStag, abendSSUHr: Dlv vr�te«4elzre Lodliler-Ideatsr(Charlottenburg). DienStag, abendS 8 Uhr: Viel lilirni am nlchtü. Lustspiel in 5 Akten v W. Shakespeare. MT Ende 10«,, Uhr.-W» Mittwoch, abend» 8 Uhr: Der SotiHvar cker Dreue. 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