Ur. 10. kbonnementz-NeMgungen- Abonnements- Preis pränumerando i xicrtcljährl. 3,ZÜ Ml, monall. t,10 Ml.. wöchentlich 28 Pfg> frei ins Saus. Einzelne lliunuxer S Plg. Sonntags- uummcr mit illuslrierlcr Sonntags- Aeilage..Die Neue ÜSell" 10 Psg. Post- Abonnement: 1,1» Marl pro Monat. tringetragen in die Post- Zcitungs- Preisliste. Unter«reujband(fit Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2 Wart, für das übrige Ausland I Marl pro Monat. Postabonnements »cfimen an: Belgien. Dänemart, Holland. Jtoi'en. Luxemburg. Portugal. Rumänien, Schweden und die Schweiz. S7. Jahrg. cMligt tiiglich illiLet ülsnlsg;. Vevlinev Volksblntt. vie Insertion!-Lediihi' beträgt für die scchsgespaltcne Kolonct- zcile oder deren Raum K) Psg, für politische und gewerkschaftliche Vereins- und Bcrsammlungs-Sliizcige» 30 Psg. „Kleine Hnreigen", daS erste(feit- gedruckte) Wort 20 Psg., jedes weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlaf- ftellen-Anzcigcn das erste Wort 10 Psg, jedes weitere Wort S Psg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends gcöffiict Telegramm-Adresse: „Sozialdtmolirat Rcrlin". Z�ntralorgan der Ibzialdemokrati feben partd Dcutfchlandd. Redahtion; 8 AI. 68, Ltndcnstraasc 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1983. Donnerstag, de» 13. Januar 1310. Expedition: 8AI. 68» Llndctistraoae 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1981. Die Löhne der CifenbaHoer. Für das Etatjakir 1910 sind in Titel 1, 2 und 3 der Betriebsausgaben 560 980 000 M. für Besoldungen. Woh� nungsgeldzuschüsse. Remunerierung von Hilfsarbeitern, Löhne und Stellenzulagen. Dienstklcidungszuschüsse usw. veranschlagt. Dieser Summe steht als wirkliche Ausgabe des Jahres 1908 gegenüber die Summe von 512 789 988 M. Es sind also für das Etatsjahr 1910 gegenüber der wirklichen Ausgabe des Jahres 1908 nur 18 190 012 M. mehr vorgesehen. Tie Zahl der Beamten. Hilfsbedienstcten und Arbeiter des Be- triebes(ausschließlich der Bahnunterhaltung s- und Werkstattarbeiter) betrug iin Durchschnitt des i ahres 1908 332695 und für das Etatjahr 1910 311168 Personen, also gegenüber dem Bedarf im Jahre 1908 11 173 mehr. Die Eröffnung neuer Bahnlinien, die Vermehrung der Personen- und Güterzüge sowie eine Reihe im Interesse des Verkehrs liegender sonstiger Maßnahmen erfordern eine Mehrbeschäftigung von Beamten und Arbeitern. Insgesamt kommen in Zugang 12 673 Köpfe, dagegen in Abgang rund 1200 Köpfe, die aus Anlaß der Einrichtung des deutschen Staatsbahnwagenverbandes und anderer iin Interesse der Wirtsckjastlichkeit getroffenen Maßnahmen erspart werden. Im ganzen ergibt sich durch die Mchreinstcllung von ins- gesamt 11 173 Bediensteten gegenüber der Ausgabe des Jahres 1908 eine Mehrausgabe von rund 13 903 000 M. Ter ver- bleibende Rest der Mehrausgabe mit rund 1 287 000 M. wird in der Hauptsache durch Steigerung der Einkommensbezüge des Dienstpersonals begründet, und zwar werden davon etwa 2 287 000 M. für Beamte und rund 2 000 000 M. für die Erhöhung der Löhne der Hilfsbedienstcten und der Betriebs- arbeiter in Ansatz gebracht. Von ciner allgemeinen Erhöhung der Löhne ist bei einer verhältnismäßig so winzigen Summe natürlich nicht die Rede, vielmehr ist diese Ansgabesteigerung in der Hauptsache darauf zurückzuführen, daß das vorhandene Arbcitsrpersonal mit dem zunehmenden Bcschästigungsalter in höhere Lohnsätze ausrückt. Unter den Begriff„Löhne" rechnet die Eisenbahnverwaltung aber auch folgende Ausgaben: die Belohniingen als Anerkennung für eine langjährige, vor- wurfsfreie Dienstzeit oder für sehr gut bestandene Prüfungen, für besondere Leistungen im Dienste oder im Interesse der von der Verwaltung geförderten gemeinnützigen Bestrebungen. als Reiseentschädigungcn an Vorstandsmitglieder der diesen Bestrebungen dienenden Vereine bei Teilnahme an deren aus- wärtigen Versammlungen, endlich als Entscksiidigung für die den Gehilfen und Hilfskrästeu im unteren Dienste bei Ver- sctzungen erwachsenden Unkosten. Weder aus dem Etat noch aus den Berichten der Eisen- bahnverwaltung über die Bctriebsergebnisse ist die Zahl der Betriebsarbeiter genau festzustellen. Die Gesamtzahl der Bediensteten, ausschließlich der Bahnunterhaltungs- und der Werkstattarbeiter, ist für 1910 auf 311 168 veranschlagt. Bringen wir davon sämtliche Beamte, 177 152 Köpfe, sowie die neuaiizustellenden 11 173 Hilfsbediensteten und Arbeiter in Abzug, so ergibt sich die Zahl von 155 513 Arbeitern, denen günstigstenfalls die zur Erhöhung der Löhne im Etat vor- gesehene Summe von rund 2 000 000 M. zugute kommen könnten. Da die Lohnerhöhungen nach festen Regeln in ein- und mehrjährigen Fristen erfolgen und im Minimum 10 Pf. pro Tag betragen, so ergibt sich, daß nur ein Teil der Bc- triebsarbeiter auf eine Lohnerhöhung aus den 2 090 990 M. rechnen kann. Auf den Durchschnitt berechnet, würde die Erhöhung 3y2 Pf. pro Tag betragen! Für die gewöhnliche Unterhaltung der baulichen Anlagen s d 88 399?lrbeiter mit cincni Lohnaufwand von 72 196 999 Mark veranschlagt. Im Jahre 1998 betrug die wirkliche Ausgabe an Löhnen, mit Einschluß der an Unternehmer ge- zahlten Lohnbeträge, bei einer Beschäftigung von 82 912 Köpfen rund 67 173 999 M. Für das Etatjahr 1919 sind sonach 5358 Arbeiter und 1933 999 M. Lohn mehr vor- gesehen. Eine Erhöhung der Lohnsäbc ist auch hier nur insoweit in Betracht gezogen, als sie sich aus dem Aufrücken der Arbeiter in den Lohnstufen des Lohnetats ergibt. D u r ch- s ch n i t t I i ch betrug der Lohn der Bahnunterhaltnngsarbeiter im Jahre 1998 pro Tag 2,71 M. und nach dem Voranschlag silr 1919 würde der Tnrchschnittstagelohn auf ganze 2,73 M. steigen! Also nach einer zweijährigen Frist eine Lohn- steigcrung von durchschnittlich 2 Pf. pro Tag! Für die Unterhaltung. Erneuerung und Ergänzung der Betriebsmittel und der maschinellen Anlagen sind im Etat 71558 Arbeiter(Werkstattarbeiter) und 95134000 M. Lohn vorgesehen. während im Jahre 1908 im Durchschnitt 69 808 Arbeiter beschäftigt wurden, die insgesamt 88 687 952 M. an Lohn erhielten. In den Eisenbahn- Werkstätten wird bekanntlich unter einen, eigenartigen Akkordsystem gearbeitet. Die dort beschäftigten Arbeiter sind eingeteilt in: 1. Handwerker, 2. Handwerks- mäßig ausgebildete Werkstattarbeiter und 3. Sonstige Werk- stattarbciter. Alle drei Gruppen teilen sich wieder in solche, die a) in Tagclohn, b) in Stücklohn arbeiten. Den höchsten D Ii r ch s ch n i t tj3 v e r d i c ii st erzielten im Jahre 1907 die Handwerker im Stücklohn mit 1,60 M.. den niedrigsten die sonstigen Werkstattarbeiter im Tagelohn mit 3,17 M. Im G e s a m t d u r ch s ch n i t t betrug 1907 der Lohn der Wcrtjiaitarbeiter 3,91 M. Räch dem Ergebnis für 1908 be- trug in diesem Jahre der Durchschnittslohn der Werkstatt arbeiter 4,23 M. und nach den: Voranschlag für 19l0 würde der TurchschnittStagelohn der Werkstattarbeiter auf 4,26 M. steigen. Ein Vergleich mit dem Jahre 1909 ist zurzeit nicht möglich. Im vorjährigen Etat waren 71 761 Werkstattarbeiter niit einem Lohnausivand von 90 123 000 M. veranschlagt, was einem Durchschnittslohn von 4,20 entspricht und einen Rück- gang des Durchschnittslohnes der Werkstattarbeiter um 3 Pf. pro Tag gegenüber dem des JahreS 1908 bedeutet. Ob das tatsächlich der Fall war, wird sich erst aus dem Betriebsbericht der Eisenbahuverwaltung für das Jahr 1909 ergeben. Fest steht aber schon jebt, daß die Eisenbahn arbeiter den Rückgang der Nebcrschnssr aus dem Betriebe der Staatseisenbahnen ganz besonders fühlen, und das um so mehr, als die Verteuerung der Lebensmittel und notwendigen Gebrauchsgegenstände eine erhebliche allgemeine Lohnauf besscrung erforderten? Statt dessen soll das im Etat ver anschlagte Mehr an Ueberschüsscn im Betrage von 23 662 331 Mark gegenüber 1909 auch wieder aus den Knochen der Arbeiter herausgewirtschaftet werden! Steigernie Flui. Aus dem R u h r b e ck e n wird uns geschrieben: Die rheinisch- westfälischen Grubenherren niachen entgegen ihren Aer sprechnngen und Beteuerungen jetzt alle Anstrengungen, um möglichst große Arbeitermassen in das Nuhrbecken zu werfen. Agenten, z. V. solche der„Eelseukirchencr Acrgwcrksgescllschast", reisen in den östlichen Provinzen umher, versprechen daselbst den Arbeiten» daS Blaue vom Himmel, nur um jenes Arbeiter- material zu erhalten, nach dem die Grubenherren ganz besonderes Verlangen haben. Ost- und Westpreußen sowie der nördliche Teil der Provinz Posen sind die beliebten Wcrbegebicte; besonders gern sucht man die masurischen Lande nach Arbeits kcäftcn ab. Hier sind die Arbeiter nach Anschauung der Werls gewaltigen noch nicht angekränkelt von dem bösen revolutionären Geist unserer Tage, der zum großen Leidweisen der WerkShcrren die Arbeiter anderer Gegenden Deutschlands und des Auslandes schon gepackt hat. Zu Hunderten sind neuerdings Arbeiter in den vorgenannten Provinzen durch Agenten angeworben und in das Nuhrbecken verschleppt worden. Das hat eine nicht geringe Erregung in der Ruhrbevölkernng hervorgerufen. Weiß man doch hier, daß diese Anwerbung nichts mehr und nichts weniger als eine P r o v o- kation der Ruhrbergarbeiter bedeutet. Fremde Arbeiter stehe» zu Dutzenden, und kommen die angeworbenen Arbeiter an, zu Hunderten vor den Arbeitsnachweisbureaus. Dahingegen haben einheimische Bergarbeiter durch den Arbeitsnachweis Arbeit vielfach nicht erhalten!! Hierfür einige Beispiele: Ein geniaßregclter Verbändler auS dem Essener Revier hat zwar einen Anlegeschein bekommen, konnte aber keine Arbeit er- halten. So lief er von einer Grube zur anderen, um auf den Zechen immer wieder zurückgewiesen zu werden. Dieser Arbeiter hatte die Abkehr ordnungsgemäß ausgestellt, also lag Kontrakt- b r u ch nicht vor! Ein anderer Bergarbeiter, ein Hauer, sollte dann erst Arbeit erhalten, wenn er Schlepperarbeit an- nehmen wollte. Ferner ist festgestellt worden, daß Arbeiter, die Gruben ordnungsgemäß verließen, aber auf Aachbargruben anfangen wollten, von den Betriebsführenr dieser Zechen zurückgewiesen wurden. Da mehrere derartige Fälle bisher und auS allen Bezirken des RtihrbcckeilS bekannt geworden sind, so scheinen die Abmachungen zwischen den einzelnen Zechen eines Bezirks. Arbeiter von einander nicht anzunehmen, immer noch zu besteben I Aeußerungcn der Be- triebsführer lasten auch daraus schließen. Die„Essener VolkSzeitung" weiß zu melden, daß am Sonnabend, den v. Januar, ö einheimische Arbeiter, die infolge des Fallissements ihres Arbeitgebers außer Arbeit waren und sich um Arbeit auf dem Arbeitsnachweis Gelsen- k i r ck> e n meldeten, Arbeit nicht erhielten, weil keine Arbeit vor- Hauben sein sollte. TagS zuvor aber war ein Trupp von mehreren hundert Mann aus dem Osten augelangt, die sämtlich untergebracht worden wären, hätten sie alle die Arbeit aufgenommen! Es handelte sich hier um die Angeworbenen für die Zechen Rhein«Elbe und Alma der Gelseiilirchener Bcrgwerksgesellschaft. Als die Leute aber erfuhren, daß die Lohnverhältnisse nicht dem ent- sprachen, was ihnen versprochen worden war, forderten sie in größerer Zahl ihre Papiere zurück, teils um nach ihrer Heimat zurück- zufahren, teils uni anderwärts unterzukomme». Nur ein kleiner Bruchteil der Angclvorbenen nahm die Arbeit auf. Alto war Be- schäftiguiig für die sechs Mann und für andere vorhanden, aber die Gr üben Herren wollen niöglichstfreni de Arbeiter, gute brave und sehr bescheidene Leute haben, nicht solche, die, wie gesagt, schon vom bösen revolutionären Geist unserer Tage an- gefressen sind. Mehr Glück hatte man auf der Zeche BonifaziuZ, wo kürzlich zirka 109 Aiigelvorbene aus Westpreußen anlangten. Diese fuhren vollzählig an. Da sie zum Teil aber früher städtische Arbeiter waren, gelang es, dicje Leute alö Mitglieder dem ergarbeiterverband zuzuführen! BönifaziuS gehört Gelsenkircheucr BcrgwcrkSgesellschaft. Wie wir erfahren, will diese Ge- sellschaft allein IVOOneueArbeiter aus ihren Schächten anlegen! Man sieht also, daß der Arbeitsnachweis wirklich nicht so loyal gehandhabt wird, wie es die Grubenherren der Oeffentlichkeit weiß machen wollen. Vielmehr trifft genau das ein, was toir von dem ZentralarbcitSnachwciS im Ruhr- becken erwartet haben. Nicht einmal die kühlen H ö f I i ch k e i t s f o r in c n werden in den Nachweisbureaus durch die angestellten Beamten gewahrt und es wird nicht lange danern, dann werden S ch u tz m a n n s p o st e n diese Bureaus zu bewachen haben— nach berühniten Mustern! Unter starkem Polizeiaufgebot sieht man jetzt angeworbene Ar« beiter durch die Straßen ziehen, ob zum Schutze der Angeworbenen oder aus Furcht, daß diese Betrogenen rebellisch werden, ist nicht recht ersichtlich. Fest steht aber, daß die Hunderte und Tauscnde Arbeiter, die aus dem Osten unseres Vaterlandes nach dem Westen hineiiigeschleppt werden, die Prätorianer der Werks« k a p i t a l i st e n sein sollen, nicht nur für den kommenden drohenden Kampf, sondern auch für andere Fälle. Um dieses Ziel zu erreichen, pfeifen die Grubenherren auf abgegebene Versprechungen und Be- teucningen.' Sie halten diese den Arbeitern ebensowenig wie der Oeffentlichleit, die man durch die Satzung ocs Arbeitsnach« weises täuschte, daß vom 1. Januar an das Anwerbe» von Ar- beitern aus dem Osten durch Agenten nicht mehr stattfinden solle. Wie wir aber sehen, geschieht daS Gegenteil. Es wird weiter angeworben! Interessant ist auch, lvie die An geworbenen unter» gebracht werden! Beamte und Kolonieärzte befehlen den von den Zechen stark abhängigen verheirateten Kolvniebe wohnern, einen oder mehrere fremde Arbeiter für ein bestimmtes LogiSgcld als Kostgänger aufznnchmen. Diesen Befehlen wagen sich nur wenige Bergarbeiter zu ividersetzcn. Dafür sind sie Kolouiebelvohucr, die sich daran gewöhnen müstcn, sich den mit Polizeigewalt ausgestatteten Beamten inid Vögten zn linterwerfcn. Wie lveit diese Polizeigrwalt geht, ist bekannt. Wird doch den Kolonie- bewohnern unter Umstände» befohlen, Besuche abzulehiicn. Es werden ihnen Musikiiistrumeiite vorgeschrieben, die sie spielen dürfen. Die„gnädige Frau" irgend eines silbalternen Beamten hat sich über die Posaune, daS Grammophon oder über daS bekannte BergtnaniiSklavier— die Ziehharmonika— beschwert. Prompt erfolgt das Verbot. Das sind nicht Scherze, sondern Tatsachen I Noch schlimmer ist, daß man ZeitiuigSboten, Vertrauensmänneni der Kewerlschaftc», Warcnhändlern nstv. verbietet, die Kolonie überhaupt � zu betreten. Arbeiter, die mit alledem nicht zufrieden sind, rönnen oder nüissen ihr Bündel schnüren, müssen Zeche und Kolonie verlassen. Maiiche Kolonien sind durch solche Praktiken in solch starken Verruf gekommen, daß ein halbwegs geradsinniger Arbeiter es ablehnt, diese Kolonien zu beziehen. Vor kurzem noch konnte der„Vorwärts" melden, wie eine Zeche mehreren Dutzend Koloniebewohnern die Wohnung kündigte, weil sie eS abgelehnt hatten, Z e ch e n k a n d i d a t e n bei Gemeinde- rats wählen ihre Stimme zu geben! Kommen noch Dinge hitizn, wie sie sich im R a d b o d k o l o n i e p r o z e ß offenbarten» sowie bei den Neichstagsverhandlungcn über die Zustände in den Kolonien der Zeche Deutscher Kaiser, dann kann man ermessen, warum Zechenkolonien berüchtigte Wohnplätze sind, die man nur dann in Anspruch nimnit, wenn eS nicht anders geht. Daher aber gehe» die Zechenherren daran, daS fremde Menschen« material möglichst in Kolonien unterzubringen. Und hier wieder kommen sie her und sortieren die Angehörigen der verschiedenen Nationen für die einzelnen Straßenzüge, lvie das auch einen Plakat» aufrltf der Zeche Victor an die Masurcn im Jahre 1008 zeigte. Hier konnte mau lesen: „Masurcn! ES koinmt der Zeche hauptsächlich darauf an, brave ordentliche Familien in diese ganz neue Kolonie hineinzubekommen. Ja, wenn cZ möglich ist, soll diese Kolonie nur mit masurischen Familien besetzt werden! So bleiben die Masuren ganz unter sich und haben mit Polen. Oester reichern usw. nichts zu tun. Jeder kann denken, daß er in seiner masurischen Heimat wäre. Es gibt Masuren, die bei der Zeche schon lauge tätig sind und sich bei der anständigen Behandlung wohl fühlen. Als Beweis wird in Masuren bald ein solcher Arbeiter als Zeuge erscheinen." So war eS 1908 und so ist eS noch heute. Nur langsam läßt sich der Masur bewegen, Organisationen beizutreten, die eS mit den Werkskapitalisten verdorben haben. Frisch angekommen, sind sie ein sehr empfängliches Material für werksfreundliche Vereine oder für Gelbe G e w e r k s ch a f t e». für die man in Gruben« besitzerlrcisen jetzt im Nuhrbecken starke Propaganda treibt! Alles daS wissen die Bergarbeiter. Ebenso erkennen sie die Gefahren, die sich an die Einschleppuiig ausländischer Arbeiter knüpfen. Wir haben diese Gefahren schon früher im„Vorwärts" besprochen. Es steigt natürlich die Erbitterung mit jedem Fremdcntransport, der ankommt und eS bedürfte mir des leisesten Anstoßes, dann hätte die Belegschaft Rhein-Elbe und Alma bei der Niikluift des»cuesten Transportes die Brocken hingeworfen! Die besonneneren Elemente hielten die Belegschaft vom Streik zurück. Es ist durchaus nicht zu verkennen, daß die Bergarbeiter« organisationen durch den Einzug der Fremden in ciue schwierige Situation geraten. Dennoch heißt eS; kaltes Blut zu behalte». In erster Linie kommt eS daraus an, die Angekommenen möglichst schnell für die Organisation zu gewinne». Und da die Einftelluiig der Fremden in heutiger Zeit dazu beiträgt, daß die Kohlenlager nicht kleiner werden, hat der Bcrgarbeitcrverband an die Bergarbeiter einen Aufruf erlassen, die Ueberschichten zu meiden, wie die letzte Nummer der„Bergarbeiterzeitung" auch den Wunsch ausspricht: die Arbeiterpresse, die Arbeitersekretariate und die Gewerkschaftskartelle des In- und Auslandes möchten den Fremdenzuzug nach dem.Nuhrbecken verhindern helfen. DaS kann geschehen, wenn man ans die drohende Lage im Riihrgcbiet hinweist. Hier schwillt nun cinmal die Flut an. Und je stärker die Anstreugungen sind, die die Grubenbesitzer und die Bcrgarbcttcrorganisativiien machen, um für de» kommenden Kampf gerüstet dazustehen, desto eher wird der Tag kommen, wo diese Flut die Dämme zerreißen wird. Dann haben wir den Streik! Zum NaiMchtskampf. Der„Kreuz-Zeitung" ist die Absicht der Sozial- dcmokratie, den Wahlrcchtskainpf ungesäumt mit aller Energie aufzunehmen, begreiflicherweise unbehaglich. Sie hätte es natürlich lieber gesehen, wenn die Massen der Entrechteten erst einnial schafsgeduldig die Bescherung der Regierung ab- gewartet hätten. Da das preußische Proletariat nun keine Lust verspürt, sich von der Regierung und den reaktionären Parteien am Rarrenseil herumführen zu lassen, versucht das weiland Hammcrsteinsche Organ, der Sozialdemokratie wenigstens Polizei und Gerichte auf den Hals zu hetzen: „Die„Entfesselung" dcS Sturmes soll nun von Berlin ans vor sich gehen. Das preußische Wahlrecht bildet dabei nur einen Vorwand, weil die Sonaldemokratie hosst, durch diese Parole auch einen Teil der Freisinnigen mit sich fort- reißen zu können. Wenn diese Aussaat des Sturmes üble Früchte zeitigen sollte, dann werden die s o z i a l d e m o- kratischen Führer die volle Verantwortung d a- für zu tragen haben." Die brave„Kreuz-Zeitung" braucht sich der Verantwort- lichkeit der sozialdemokratischen Führer ivegen. keine Sorge zu machcit! Wenn sie ihre Politik und Taktik so getrosten Mutes verantworten kann, Ivie die Sozialdemokratie die ihrige., kann sie sich gratulieren! Wie lvenig das Organ der agrarischen Kreuzritter allerdings an Gewissens- strupeln leidet, beweist folgende unverschämte Verhöhnung der Arbeiterschaft: „Bei allen sozialdemokratischen Veranstaltungen spricht für deren Teilnehmer stets ein bißchen Hoffnung auf Slandal mit. Insbesondere von den WahlrechtSversamnilimgen erwartet ein großer Teil des großstädtischen Proletariats Gelegen- heit zur Befriedigung der Lust am Randalieren. Wenn auch die sozialdemokratische Parteileitung nach wie vor mit „großein Ernst" mahnen wird, Straßcndeinvnstrationen zu unter- lassen, so liegt doch immer die Gefahr vor, daß die in den Per- sammlungslokalen durch die Agitatoren aufgereizten Massen von ihrem angeblichen„Recht auf die Straße" Gebrauch machen." Die Arbeiterklasse erfährt aus solchen Ergüssen wenigstens mit erfreulicher Deutlichkeit, welch wichtiger Kundgebungen es noch bedarf, um den Junkern und ihren Handlangern, der Regierung, den Ernst der Situation begreiflich zu machen! Ueber das VerkteeMpiei mit der Cttablreform schreibt die„ F r a n k f u r i e r Z e i t u n g": „Endlich, so wird auch der Politiker sagen, denkt man daran, die schon so lange zurückliegende Ansage einzulösen. Aber wie wird die Einlösung sein? Kein Wort sagt die Thron- rede darüber. Aengstlich wird jedes Wort vermieden, das schon ein Urteil ermöglichen könnte. Nicht« voin Inhalt, auch nicht einmal von der Tendenz der Vorlage, die nach der früheren Zusage eine organische Forlentwickelung sein sollte. Man will also offenbar die Kritik so lange wie möglich zurückhalten, und die Bermntung liegt nahe. daß die Vorlage diese Kritik nur zu sehr zu scheuen hat. Oder sollten im StaatSininisterium noch Meinimgsverschiedenheiten bestehen, die eS nicht zulassen, daß schon bestimnitcre Mitteilungen gemacht werden können? Man wird jedenfalls gut tun, die Er- Wartungen auf diese„Reform" nach dem. waS bisher verlautet hat. und vor allen, nach der zurechtgestutzten Statistik nicht allzu hochHu spannen. Je weniger aber die Regierung den berechtigten Wünschen der Bevölkerung entaegenkommt, um so entschiedener wird die Linke darauf bestehen müssen, daß ganze Arbeit gemacht wird." Wenn sich in, weiteren die„Frankfurter Zeitung" darüber ent- rüstet, daß einige sozialdemokratische Blätter dem tapferen Freisinn fälschlich vorgeworfen hätten, daß er bereits daö geheime Wahl- recht preisgegeben habe, so halten wir diesen Aufwand von Entrüstung für schnöde Kraftvergeudung. Denn daß der Freisinn schon im eigensten Interesse an der Forderung des geheimen Wahlrechts festhalten wird, will uns keineswegs als eine Tat besonderen freisinnigen Prinzipienheroismus erscheinen I Aber kann uns vielleicht die«Franlfnrter Zeitung" die bestimmte Zusicherung geben, daß der Freisinn ebenso entschieden für daS gleiche Wahlrecht kämpfen wird I Darauf aber kommt es an I Zentrum und KlalTenwab!. lieber dis voraussichtliche Haltung des Zentrums zur preußischen Wahlreform schreibt das Organ des Verbandes der Windthorst-Buude: „Das Zentrum wird an annehmbaren verbesse- r n n g e n de« geltenden Wahlrechts mitarbeiten. Mit ziemlicher Bestimmtheit kann aber vorausgesagt werden, daß eS für die jetzt angekündigte Lorlage nicht zu haben fein wird. Was die Vorlage bringen dürfte, nämlich das Plural- Wahlrecht, hat die ZenlrmnSpartci stets abgelehnt. Eine wirkliche Verbesserung wäre die Einführung der geheimen oder der direkten Wahl gewesen: sie hätte sich trotz der Bei- bchaltuiig des Klassensiiftcurs erwäge» lasse». Kann mm, aber vom Zentrum erwarten. daß eS an der Umwandlung des ver- alteten Klassensystems in ein ganz unerwünschtes Pluralwahliystem mitwirkt, ohne daß seine Reformsorderungen irgendwie berück- sichtigt werden?" Das Zentrum würde danach gegen die Bei- beHaltung des Klasse nsy st ems nicht allzuviel ein- zuwenden haben, wenn nur die geheime und direkte Wahl eingeführt wird I Das von allen bürgerlichen Parteien im Stich gelassene Proletariat ist also geztvungen, sich seine politischen Rechte selbst zu erkämpfe»!_ Der Begicrungtlcrrorismus in Kattowitz. 4 Aus dem Reichstage, 12. Januar. Wie die Katze das Mausen nicht läßt, läßt die Bureaukratie nicht den Terrorismus. Unterdrückung, Drangsalierung unbequemer Meinungen ist ihr Lebcnselemcnt. Die Betätigung dieses Dranges setzt sich bei ihr jederzeit durch, selbst dann, wenn die Bureaukratie damit den Jntcr- essen ihrer zeitweiligen?lnhängcrschaft entgegenarbeitet. Deshalb ist die Maßregelung der Kattowitzer Beamten, die heute auf Grund zweier Interpellationen, des Zentrums und der Polen, zur Ver- Handlung im Reichstage kam, so überaus bezeichnend für das Wesen unserer Bureaukratie. Denn in Kattowitz waren Beamte gemäß- regelt worden, die einer der zeitweiligen Regierungsparteien an- gehören, weil sie bei der Stadtverordnetenstichwahl für eine andere Partei gestimmt hatten, die gleichfalls eben erst der mämlichen Rc- gierung durch eine sehr freigebige Steuerbewilligung die Fort- existenz ermöglicht hatte. Die Vethmann u. Co. hatten unbekümmert «ach dem Grundsatz gehandelt; Ein echter Bureaukrak Mag keinen Polen leiden, Doch seine Steuern nimmt er gern- Namens des Zentrums begründete in sehr ausführlicher Dar- legung der Graf Oppersdorf die Interpellation, und zwar durchaus zutreffend, soweit er die willkürliche Beeinträchtigung der Wahlfrciheit der Beamten kennzeichnete und Verwahrung da- gegen einlegte. Er beeinträchtigte aber seine Argumente erheblich durch den Versuch, für die gemaßregelten Beamten„mildernde Ilmstände" geltend zu machen, weil sie sich im Kampf gegen die Simultanschule und gegen Liberale und Sozialdemokraten befunden hätten. Das war offenbar berechnet auf die Gemüter der maß- gebenden Personen in Negicrung-krcisen. Da aber der zweite Interpellant, der Pole Korfanty, darauf hinweisen konnte, daß sich der König von Preußen über diese Sache von dem Polizei- beamten Di ä d l e r hat informieren lassen, konnte der Minister jedenfalls ruhigen Mutes die Maßregelung verteidigen. Die Herren Delbrück und K r a e t k e machten sich diese Verteidigung denn auch sehr leicht. Der Beamte hat zu wählen, wie der„Staat", das heißt der Minister eS will. Für staatSge- fährliche Parteien darf er nicht stimmen. Die Polen sind aber staatsgefährlich, weil sie„sagen wir einmal" eine großpolnische Partei bilden, wie Herr Delbrück sich unter stürmischer Heiter- lest des Hauses auszudrücken beliebte. In der Diskussion zitierte Herr Gröber Aussprüche Bis- marckS und sogar P u t t k a me r s für die Wahlfreiheit der Beamten und konnte auch nachweise», daß der nationallibcrale Freiher v. B e n n i g s e n sich in gleicher Weise ausgesprochen hatte. Der Vertreter der nationalliberalcn Partei, der Wg. Heinze, bewies aber, daß die Nationalliberalen auch so völlig im HakatisinuS verkommen sind, daß sie die Maßregelung der Kattowitzer Beamten billigen. Daun lourde die Debatte auf morgen vertagt. politiscde CUbcrSicbt. Berlin, den 12. Januar 1910. Aus dem preustischcn Oberhanse. DaS Herrenhaus hat im Gegensatz zum Dreiklassenhauso sofort daS Bedürfnis positiver Mitarbeit an den Aufgaben der Gesetz- gebung verspürt. Zunächst nahm e» � gleich dem preußischen Unterhause— die Visitenkarte des Ministerpräsidenten, Majors v. Bethmann Hollweg. in Empfang. Der große Philosoph und Kanzler legte wiederum ein feines Gefühl für soziale Abstufung an den Tag, indem er seine Verbeugung vor den geborenen und berufenen Gesetzgebern durch eine tiefere Kopf- Neigung vollzog, als er sie vor dem Hause der immerhin doch ge° wählten Klassenvertreter für nötig befunden hatte. Dann nahm daS«hohe Hauö" ein paar neue Mitglieder in EidcSpflicht: alles Grafen, darunter einen Eulenburg mit dem schönen Beinamen Prassen! Schließlich machte sich noch der ungezügelte Arbeits- eifer in der Ueberweifung mehrerer Vorlagen an unterschiedliche Kommissionen Luft. Sogar eine— Debatte fand statt, in deren Verlauf der Generalfeldmarschall und Graf H a e s e l e r sich mit durchschlagendem Erfolg bemühte, sich vom Verdachte des Liberalismus zu reinigen, in der ihn feine Stellungnahme gegen Bülows Polen- enteignungSpolitik gebracht hatte. Graf Haefeler erklärte auch noch, daß ein Knecht nichts von Kali zu wissen brauche. Immerhin noch eine gewisse vornehme Fassung desselben Gedankens, den einstmals — ebenfalls im Herrenhause— ein Graf Schulenburg so ausdrückte: Unnütze Kenntnisse blähen die Knechte nur auf. Nachdem man so im Hause der Lords mit Gott für König und Vaterland drei Stunden im Schweiße des edlen und erlauchten Ant- litzes„gearbeitet" hatte, glaubte man mit Recht Anspruch auf auS- reichende Erholung zu haben und vertagte sich daher auf un- bestimmte Zeit, doch nicht ohne zuvor den Präsidenten und Triarierhäuptling v. Manteuffel bevollmächtigt zu haben, des Königs von Preußen Majestät die Geburtstagsgrüße feiner allergctreucstcn PairS zu Füßen zu legen..._ Prenstens Staatsschuld. Nach den Erläuterungen des Etats der Staatsschulden- Verwaltung für das Etatsjahr 1910 hat die preußische Staatsschuld sich für das Etatsjahr 1909 auf 8 770 149 764 M. belaufen. Davon kommen in Abgang durch Tilgung, Rückkauf usw. 28 378 945 M. Dagegen kamen in Zugang bei den Anleihen auf Grund der neuen Anleihegesetzo an 4prozentigcr konsolidierter Anleihe 270 Millionen Mark und an 3'/zprozentiger konsolidierter Anleihe 310 Millionen Mark, ferner bei den unverzinslichen Schatzanweisungen 100 Millionen Mark, so daß sich der Gesamtzugang auf 680 Millionen Mark beläuft. Es kommen also zur Staatsschuld (551 621 054 M. mehr hinzu, als von ihr abgehen. Die Staatsschuld wird sich demnach für daS Etatsjahr 1910 auf 9 421 770 789 M. belaufen. Die Gesamtausgabe für die Staatsschuld beträgt für das Etatsjahr 1910 395 644 510 M.; davon entfallen auf Ver- zinsung 333909 868 M.. auf Tilgung 56 983 937 M.. auf Renten 3 361 500 M. und auf Verwaltungskostcn 1389 202 M. Drohender Zollkrieg mit Amerika. Wie dem„Lokal-Anzeiger" aus Washington gekabelt wird, sind die Verhandlungen mit den Vertretern Deutschlands über den Abschluß eines Handelsvertrages ins Stocken geraten, weil Deutsch- land sich nicht geneigt zeige, daS Einfuhrverbot für Schlachtvieh zu lindern. Unter diesen Umständen müsse ein Zollkrieg in den Bereich der Möglichkeit gezogen werden. Die Richtigkeit dieser Depesche wird im„Lokal-Anzeiger" von gut unterrichteter Seite bestätigt. Danach steht die ReichSverwaltuiig auf dem Standpunkt, daß die Ueberwachung der ausländischen Fleischeinfuhr ein Gebot der Veterinär- und nicht der handelspolitischen Gesetzgebung sei. Angeblich kann Amerika keine Garantie dafür bieten, daß amerikanische Fleischprodukte, die eingeführt würden, den in Deutschland geltende» Vorschriften entsprechen. In Wirklichkeit steht eS natürlich so, daß die Regierung nicht den Mut hat, den Agrariern den Fehdehandschuh hinzuwerfen. Seit Wochen schon hetzt die agrarische Presse gegen alle Zugeständnisse an Amerika. Wenn eS zu einem Zollkriege mit Amerika kommt, dann werden weite Kreise der deutschen Industrie kolosial geschädigt. DaS alles will die ReichSregierung anscheinend in den Kauf nehmen, bloß um es mit den Agrariern nicht zu ver- derben, die mit der schärfsten Opposition drohen, wenn eS zugelassen werden sollte, daß in Deutschland billiges Fleisch auS Amerika ein- geführt werde._ Klerikale Wahlrechtsfeindschaft. Die„Rheinische VolkSstimme", das in Köln erscheinende Organ deS Rheinischen BancrnvcreinS, bringt in seiner Numnier vom 11. Januar einen Leitartikel, der an dem preußischen Drei- klassenwahlsystem nicht daS mindeste auszusetzen hat. ES findet nicht nur die Einteilung in drei Klassen, sondern auch die indirekte Wahl vortrefflich und preist die Arbeiten des preußischen AbgcorduetenhauseS gegenüber denen des Reichstages. MS einen „gar nicht genug zu schätzenden Lorteil" deS jetzigen Systems bc- zeichnet es die. Bevorzugung des Landes gegenüber der Stadt, zwischen denen„niemals eine Zahlengleichheit" walten dürfe. Schließlich fragt das Blatt:„Worin fallen eigentlich die schreckhaften Nachteile und Ungerechtigkeiten dieses Wahlrechts beschlosien sein?" Wenn wieder behauptet werden sollte, die„Rheinische Volks- stimme" sei lein richtiges Zeutrumsblatt, so ist demgegenüber fes:- zustellen, daß das Blatt unter seiner jetzigen Redaktion stets mit de,:: Zentrum in allen Fragen durch dick und dünn gegangen ist, was sich insbesondere auch jetzt bei der ReichStagsnachwahl in Mülheim- Wipperfürth-Gummcröbach zeigt. Und überdies steht die„Rheinische Volkssiimme" mit ihrer Wahlrechtsfeindlichkeit durchaus nicht allein im Zentrum, daS sich allerdings im allgemeinen hütet, seine reaktionären Instinkte so unverhüllt zu zeigen, wie daS Kölner Baucrnblatt._ Psychologisches aus dem heiligen Köln. Die Künstler der vier Kölner Bühnen hatten ein großes Bühneu- fest geplant, dessen Ergebnis zum Besten der Genosieuschast deutscher Bühnenangehöriger dienen sollte. Wie es in den Nnkündigungeu hieß, war die Veranstaltung in einer Art geplant, wie man eS bisher in Köln noch nicht gesehen hatte; vor allem war ein k ü n st- lerischcS Programm erlesenster Art vorbereitet. Am Morgen des 11. Januar erschien aber eine Mitteilung in der Presse, daß daS Fest nicht abgehalten werden könne, weil die Beteiligung zu gering sein werde. Es waren nämlich in der Halbmillioncnstad: Köln ganze 88 Eintrittskarten im Borverkauf erworben worden. Köln steht zurzeit im Zeichen des Karnevals. Fast allabendlich sind die Säle der Stadt gefüllt mit Karnevalsnarren. Zwischen Neujahr und Aschermittwoch werden in Köln wohl hundertrauiend Flaschen Sekt getrunken. Aber für ernste Kunst und wirkliche geistige Erhebung hat daS zahlungsfähige Bürgertum Kölns keine Zeit uns kein Geld. Kein Wunder, daß die Metropole Westdeutschlands immer noch den spaßigen Trimborn in den Reichstag send et!— Tie Breslaucr Polizei wird seit einiger Zeit von einem merkwürdigen Mißgeschick verfolgt. Vor einigen Monaten verschwand plötzlich der Schutz- mann Ludwig und ward als Leiche wiedergefunden. Aus „unbekannten Gründen" soll er sich das Leben genommen habei', wie die Behörde annimmt. Kurze Zeit darauf wurde Polizei- kommifsar John plötzlich im Zimmer seines Vorgesetzten, m'i dem er Streit und heftige Äuseinandersctzungen gehabt, von einer.! „Schlaganfall" betroffen und starb. Nun ist am Montag ein neuer merkwürdiger Fall passiert: Der Schutzmann Karst ist im Bette seiner Geliebten tot aufgefunden worden. Zunächst nahm die Polizei einen Mord an. Aber die Verhaftctcn wurden bald wieder freigelassen, da sich folgendes bei der Untersuchung ergab: Der Schutzmann Karst war ein ganz gemeiner Kuppler gewesen und stand deshalb unter Anklage'— natürlich, ohne vom Dienste dic,.- pensiert zu sein. So genau nimmt man eS in Breslau nicht. Sozialdemokraten fehlt Ivohl die sittliche Befähigung. Turnunterricki zu erteilen und in der Schuldeputation zu sitzen, aber ein dc> Kuppelei angeklagter Polizist entbehrt nicht der Fähigkeit und Würde, aufs Publikum losgclassrn zu werden. Dieser saubere Ehrenmann hatte nämlich seinem„Verhältnis" Männer zugeführt, um sich vor den Alimenten tdas Mädchen wurde schwanger) drücken zu können. Am Montag sollte er seiner borge- wtztcn Behörde Zeugen und Beweise für seine Behauptung er- bringen, daß daS Mädchen noch mit mehreren anderen Männern Vcrkchr gehabt habe und er nicht der Vater des zu erwartenden Kindes sei. Da der Kuppler aber einsah, daß er trotz„Zeugen" und„Beweisen" verurteilt werden würde, weil er ja selbst andere zu dem Mädchen geführt hatte, ging er allem aus dem Wege, indem er sich in der Wohnung eines anderen„Verhältnisses" das Leben nahm. Interessant ist der Polizeibcricht darüber.� Er, lautet: „Schutzmann K. begab sich nackts zu nichtdiensilichen Zwecken in ein Wohnhaus, wo er am anderen Morgen tot aut- gcfundcn wurde. Ein Herzschlag hatw seinem Leben ein Ende gc- macht._ Zentrumsgetverkschaften. Bei der ReichStagSersatzwahl in Mülheim- Wipperfürth-Gummersbach betätigen sich neben den katholischen Pfarrern besonders die Angestellten der christlichen Ge- werkschasten als Agitatoren im Dienste der ZentrmnSpnrtei, obwohl diese Herren sonst nie nachdrücklich genug ihre„politische Neutralität"- in Gegensatz zu den„sozialdemokratischen" Gewerkschaften stellen können. Immerhin war eö bisher neu, daß eine christliche Gewerkschaft geradeswegS eine ZeutrumSversammlung einberief. Und bemerkenswert ist. daß darin als Hauptredner der General- sekretär der christlichen Gewerkschaften Deutsch- l a n d S. Herr A. Stegerwald- Köln auftrat. Wie da? in Engelskirchen. Kreis Wipperfürth, erscheinende ZentrumSblait „Bergische Wacht" auS Frielingsdorf berichtet, hat Herr Stegerwald dort in einer vom christlichen Steinarbeiterverbande ei» berufenen Versammlung„überzeugend" nachgewiesen, daß das Zentrum mit feiner volksfeindlichen Steuerpolitik bei der Reichs- finanzreform völlig im Recht war. Dann hielt ein anderer Ee- werkschastSbeamter. Breddemann, eine Rede gegen die Sozialdemo- kratie, und nach ihm empfahl der OrtSpfarrer die Wahl des ZeiitrumSkandidaten, deS OberlandeSgerickttSratS Marx. In seinen: Schlußwort trat nochmals Herr Stegerwald. wie das Blatt schreibt, „warm für die Kandidatur Marx ein". Der bayerische Perkehrsminister zu den Schiffahrts- abgabcn. München, 10. Januar. Bollständig überraschend für daS Hau? kamen in der heutigen Kammersitzung die Ausführungen eines ZcntrumSabgeordnetcn über die Frage der SchiffahrtSabgaben. Niemand dachte daran, daß diese für das Reich und auch für Bayern außerordenllich bedeutsame Frage so nebenher mit ein paar Sätzen gelegentlich der Besprechung des Etats der Mainichiffahrt abgetan werden sollte. Noch überraschender aber war eS, daß der BerkehrSminisier so- fort mit einer fcrtigpräparierten Erklärung zur Hand war. Offenbar war sie bestellte Arbeit, weil zurzeit die ablebuende Haltung zweier großer Bundesstaaten zu den Schiffahrtsabgaben, die in der Ocffent- lichkeit nicht ohne Eindruck geblieben ist, eifrig diskutiert wird. Das fast leere Haus halte abends um'/z8 Uhr wenig Lust, die Frage noch eingehend zu behandeln, und so blieb auch der au- erkennenSwerte Protest des Demokraten Dr. Ouidde ohne besondere Wirkung. Einige abfällige Bemerkungen diese« Abgeordneten über daS rücksichtslose, wenig bundesfreundliche Vorgehen Preußens in dieser Frage gegen die kleineren Staaten veranlaßte den bayerischen Veriehrsminister zu einer überschwänglichen Lobrede auf Preußen. Daß Preußen im Jnteresie der Agrarier diese SchiffahrtSabgaben erheben will, ist danach ein Märchen. Daß Preußen durch sein Wirt- schastlicheS Uebergewicht einen Druck auf die übrigen Bundesstaate» ausübt, um sie seinen Wünschen gefügig zu machen, ist eine böö- willige Erfindung. Daß Preußen insbesondere auf Bayern einen Zwang auszuüben versucht habe, ist eine Fabel. Wahr ist nach dem bayerischen VerkehrSmüiister, daß Preußen ein großzügig gedachtes undnationaleS Programm aufgestellt habe und z» verwirklichen sucht. Die SchiffahrtSabgaben werden eingeführt zum Heile des Deutschen Reiches und Preufcen erwirbt sich ein großes nationales Verdienst. Daß er mit diesen patriotischen Phrasen zugleich Baden und Sachsen den unfreundlichen Vorwurf der Reichsfeindltchlcit machte, schien der Verkehrsminister nickst zu bemerken. Auch die Behauptung kam wieder, daß die Schiffahrtsabgaben den Interessenten unmittelbar wieder zugute kämen, da sie zur Wer- besserung der Flußläufe verwendet würden. Von einem Verkehrs- minister sollte man annehmen dürfen, daß er weiß, wie Frachtsätze auf die Preise der Waren einwirken. Er könnte tvissen, daß ain letzten Ende wie immer die Konsumenten die Zeche, also auch die SchiffahrtSavgaben zahlen müssen. Die Frage der Schiffahrtsabgaben wird im Haufe nochmals be- sprachen werden. Dann dürfte der Minister so leichten Kaufe» nicht davonkommen._ Das Finanzgesetz im badischen Laudtag. Am Dienstag trat das b a d i s ch e„V o l k s p a r l a m e n t" in das Stadium der allgemeinen Diskussion über das Finanz- g e s e tz. Der Minister, gegen den sich wegen seiner Ausgabenerspar- niste auf Kosten der Gesundheit und Stellung der niederen und mittleren Beamten ein vollgerütteklcs Maß der Empörung im Lande angehäuft hat, erschien vom Krankenlager. Er trug seinen rechten Arm in einer schwarzen Binde. Finanzminister Dr. Hansell will nur heute reden, da ihm seine Krankheit nicht gestatte, aus die in der Finanzdebattc fallenden Anklagen gegen die Regierung in einem späteren Stadium einzugehen. Auf der Tribüne saßen viele Beamten, welche die Finanzrede Hansells am liebsten mit Pfeifen begleitet hätten. Auch die Hofloge lxirg viele Neugierigen. Ein nationalliberalcr Regisseur, Herr R e b m a n n, der Prä- sident der Budgetkommission, übernahm das Schrittmachcn für den Finanzmünster. An dem traurigen Zustand des Landes hatte der Führer der Natioimkliberalcn keinen ernsthaften Tadel. Er tat, als lebten wir unter der Finanzreform höchst behaglich. Rebmann jammerte über den Rückgang der badischen indirekten Steuern. Er hofft aber aus eine bessere Zeit, wo man das Unglück mit doppelten Gaben wieder gutmachen werde. Herr R e b m a n n ficht als grotzherzoglichcr Oberschulrat in dem heutigen badischen Staat schon den Anfang des sozialen Staates, zu dem wir unS entwickeln und dessen nächste Aufgabe die Verstaatlichung der ge- samten Gesundheitspflege sein werde. Unsere Zeit mit der schweren, hauptsächlich den Mittelstand treffenden Depression verziehe sich, so meinte er, und die gesunde Kraft des Volkes führe zu einer Zeit des Gedeihens. Die großen Bauerngüter des Schwarz- Wäldes, welche ihre Existenzmöglichkeit verlieren, sollten vom Staate übernommen werden, der eine vernünftigere Waldwirtschast zu be- treiben habe. Finanzminister Dr. Ho n s e l l konnte sich also trösten; die Rebmannsche Kritik tat ihm kein Leid. So hielt er denn eine trockene Rede. Er sah seine früher geäußerten pessimistischen Prophe- xciungen als erfüllt an; machte in neuem Pessimismus, um die Bierstcuer zu empfehlen, und erklärte die Ersparnis am unteren Beamtenapparat aus finanztechnischcn Gründen für notwendig. Besonders bekämpfte er den Gedanken der Staatsanlehenstheori«; Baden habe nur eine Eisenbahnschuld, die es immerhin verank- warten könne. Alles in allem eine langweilende Rede, die gar keine Stimmung hervorrief: es sei denn ein gewisses Bedauern nnt dem Manne, der feine„Finanzreform" mit einem solchen Fiasko abschließt. Kon sozialdemokratischer Seite spricht Genosse K o l b. Neues Tiätcngesetz in Baden. Dem badischen Landtag ist ein Gesetzentwurf zugegangen, der eine Bauschalienmg und Erhöhung der Diätenbeziige der Abgeordneten fordert. Jetzt erhalten die Abgeordneten, soiveit sie in Karls- ruhe wohnen, S Mark und die auswärts wohnenden 12 Mark für jeden Tag während der Tagung einschließlich der Sonntage. In Zu- kunst sollen die in Karlsruhe wohnenden 2000 und die auswärts wohnenden 8000 Mark erhalten. Die Beträge sollen jeweils zu einein Achtel monatlich ausgezahlt werden. Dauert die Sitzung keine 8 Monate, so wird der verbleibende Restbewag am Schlüsse mit ausgezahlt. Wer einer Sitzung fernbleibt, dem werden 15 Mark und wenn er in Karlsruhe wohnt,' 10 Mark abgezogen, Krankheit oder Abwesenheit i», Interesse deS Landtags entschuldigt. Die Mit- glieder der Ersten Kammer sollen, da sie nicht halb so viele Sitzungen halten wie die de? Zweiten Kainmer, 1000 und 1500 M. erhalten. Die Bedingungen find die gleichen wie für die Mitglieder der Zweiten Kammer._ „Erfolge" der Dänenpolitik. Durch die in den letzten Jahren stark betriebenen Hofankäufe der Regierung war der Domänenbcsitz in Nordschleswig zu An- fang des Jahres 1009 auf 4>4 Millionen Mark gestiegen. Davon waren aber zwei Drittel aus deutschen und nur ein Drittel aus dänischen Händen erworben. Im Jahre 1900 wurden für weitere 000 009 M. Hofankäufe von der Regierung gemacht und wiederum weit über die Hälfte von deutschen Besitzern erworben. Dazu kommen noch bedeutende Ankäufe durch die Klosterkammer in Hau- uover, die nur von deutschen Besitzern gekauft hat. Tie Ver- preußung der Nordmark durch Domäncnbildung bringt also den Agrariern Nordschleswigs schönen Profit, denn die Preise sind bedeutend gestiegen. Andererseits decken die Dänen den Verluit dadurch, daß sie nach Kräften Land von deutschen Besitzern taufen. So erwarb jüngst ein dänisches Konsortium das Gut„Stenderup- hos" für 200 000 M., obwobl die Regierung mit dem Besitzer eben» falls unterhandelt hatte. Die Dänen boten mehr und so ging der Patriotismus des Besitzers in die Brüche. Staatssekretär v. Schoen amtsmüde. In einem ftanzösifchen Blatt wird behauptet, daß Herr v. Schorn amtSniüde sei und sich um den Bolschafterposten in Paris bewerbe. Daß die Angriffe, die in der letzten Zeit gegen den Staatssekretär von alldeutscher Seite gerichtet wurden, ihm nicht angenehm waren, kann man verstehen. Wenn er tatiächlicb an seinen Rücktritt denlen sollte, dann dürste er diese Absicht sicher erst dann auSsührcn, wenn Aufklärung über die zurzeit strittigen Fragen geschaffen ist. Bon der proufsifch-russischen Grenze. Ein an der russischen Grenze wohnender Gutsbesitzer im Kreise Wr eschen geriet nachts aus Versehen über die Grenze. Kaum hatte er die Grenze überschritten, als drei russische Grenzsoldaten über ihn herfielen, ihn mit den Gewehrkolben schlugen und seiner Barschaft beraubten. Dann sperrten sie den Ueberfallencn ein, der erst am nächste» Tage seine Freiheit ohne weitere Förmlichkeiten wieder erhielt, da der Kommandeur der Grenzwache ihn persönlich kannte. Deutscherseits wird man natürlich jetzt wieder langivierige um> fangreiche Erhebungen anstellen, und schließlich läuft die ganze Sache au» wie da? Hornberger Schießen. Derartige Vorfälle haben sich in den letzten Fahren stark gehäuft, und nur selten einmal hat man gehört, daß die russischen Soldaten zur Verantwortung gezogen worden find.__ Bürgerliche Steuerpolitik in Lübeck. Die Eiusühning einer G e w er best euer verbuuden mit der Warenhaus- und Kons urnvereinö st euer, beschäftigt gegenwärtig die. gesetzgebenden Körperschaften Lübecks. Die Gewerbesteuer soll von allen Gewerbetreibenden mit einem Einkommen von mehr als 2000 R. erhoben und nach Maßgabe des Einkommens progressiv gesteigert werden. Die Warenhaus- st c u e r soll dagegen"U Prozent deS Jahresumsatzes betragen. Den Konsumverein der A r b e i l e r sucht man da- durch zu erdrosseln, daß man ihn neben der Gewerbe st euer noch mit der Warenhaussteuer be- legt. Um die Borlage durchzudrücken, hat der Senat die Er- höhung der Beamten geh älter sowie die Errichtung einer Ruhelohuklasse für die staatlichen Arbeiter von der Bewilligung der Gewerbesteuer abhängig gemacht. Ein nicht gerade origineller, aber doch schlauer Trick. Nur daß er nicht viel nützen wird. Daß die Sozialdemokratie innerhalb und außerhalb der Bürgerschaft Lübecks diese ungerechten Steuern entschieden bekämpft, ist selbstverständlich.'_ Der Konflikt der Regierung mit den Metzer und Straflbnrger Bischöfen. Der Statthalter der Rcichslande, Graf Wedel, erläßt in bezug auf sein Schreiben an die Metzes und Straßburger Bischöfe ein Dcincnti. Ter offiziöse Draht meldet nämlich aus Straßburg: Gegenüber verschiedenen Zeitungsnachrichten wird festgestellt, daß eine Mißbilligung der Veröffentlichung deS Schriftwechsels zwischen Staatssekretär und Bischöfen in der amtlichen Straß- burger Korrespondenz durch den Herrn Statthalter in keiner Weise erfolgt ist. Auch ist festzustellen, daß eine Meinniigsäußeruiig des Herrn Reichskanzlers in dieser Angelegenheit bisher nicht erfolgte. Der letzte Satz ist zweifellos richtig. Es ist nicht nur glaubhaft, daß der Kanzler bisher über den Konflikt keine Meinung geäußert, sondern sogar, daß er sich darüber noch keine Meinung gebildet hat — und auch so bald keine bilden wird. Bom Kölner Umsturz mit Gesaug. Köln, 12. Januar.(Telegramm.) Ter Arbeitergesangverein„Lyra" wendet sich in einem Zirkular au Arbeiter und SangeSfreunde gegen die von der Regierung an die Schulrektoren erlassene Verfügung, wonach Schullindcrn die Teil- nähme am Kinderchor der„Lyra" untersagt wird. Der Verein wird Beschwerde erheben. Am 17. Januar findet eine außerordentliche Mitgliederversammlung statt, worin die Uebergriffe der Lehrpersoncn festgestellt und der sozialdemokratische» Landtagsfrnktion zwecks Vor- gehenS im Landtage zur Verfügung gestellt werden sollen. Der Berein ersucht die Angehörigen des KinderchorS, sich durch keinerlei Drohungen von Lehrpersonen bestimmen zu lassen, ihre Kinder vom Probcubesuch zurückzuhalten._ Ein meineidiger Kaplan. Der katholische Kaplan F a n r in O b e r i i r ch(Baden), ein gehässiger Bekämpfer der sozialdemokratischen Partei, ist am Freitag in einem Privatprozeß als Zeuge des Meineides überwiesen worden. Er leugnete, mit der Frau eines Werkmeisters allzu liebenswürdig verkehrt zu haben. Die nach ihm als Zeugin vernommene Frau leugnete ebenfalls, wurde aber durch eindringliche Warnungen zum G e st ä n d n i s getrieben. Der Kaplan blieb auf freiem Fuß und verschwand.— Faur bestritt in einer Klage gegen das sozialdemo- kratische..Volksblatt" in Offen bürg die Anfertigung anonymer Schmähbrief«, die ihm die Widerklage vorwarf. Sie wurde ihm in erster Instanz nachgewiesen! in der Berufungsklage ließ er durch einen Zeugen Aussagen machen, dereiwcgen die Strafkammer Offenburg ihn freigesprochen hat. Jetzt ist da» Wiederaufnahme- verfahren möglich._ Militärische Rechtspflege! Ein bemerkenswerter Prozeß wurde vor dem Kriegs- geeicht in Dresden verhandelt. Wegen Mißhandlung, vorschriftstvidriger Behandlung und B e l e i d i- g u n g eines Untergebenen war der Unteroffizier Giese und lvegen Fahnenflucht der Rekrut Zinz, beide vom Grenadierregiment Nr. 101, angeklagt. Zinz wurde im Herbst vorigen Jahres beim Militär eingestellt, zwei Tage darauf aber im Lazarett untergebracht, wo er bis Anfang November verblieb. Bei der Truppe hatte er mehrfach unter Mißhandlungen, Schikanen usw. seitens des Unteroffiziers Giese zu leiden. So wurde cr eines Tages angepackt und beiseite„geschoben", daß er gegen den Tisch flog und schließlich noch Lump gc- nannt. Bei einer anderen Gelegenheit erhielt er einen kräftigen Stoß mit der Faust in die Seite, daß cr gegen den Schrank fiel. Hierbei wurde cr Lump, Vagabund und Lausejunge genannt...Scher Dich weg. Du Lause- jung e", war der übliche Ausdruck des LOjährigen Unteroffiziers. Als Z. wieder mal scharf herangenommen worden war, reifte in ihm der Gedanke, sich zu entfernen. Dazu kam, daß cr bald darauf vom Unteroffizier arg schikaniert wurde, indem cr den Putzkastcn 5— vmal auL- und einräumen und gleich danach zirka 1 0 m a l hintereinander die Stube durchlaufen mußte! Schließlich wurde er wegen einer Lappalie gemeldet, und der Hauptmann drohte ihn mit Arrest und Festungsgefängnis l Alle diese Umstände führten dazu, daß sich Z. am 22. November früh aus der Kaserne entfernte. Am 2. Dezember wurde er aber verhaftet. Llls Grund der Entfernung gab er die schlechte Behandlung seitens des Unteroffiziers an und brachte obige Fälle vor. Der angeklagte Unteroffizier erklärte vor Gericht, daß er den Soldaten nur einige..Hebungen" habe wiederholen lassen, um diesem mehr„Fertigkeit" und„Lebhaftigkeit" beizubringen! Auf Mißhandlungen könne er sich nicht besinnen; nur einmal habe er Z.„beiseite geschoben"! Der Soldat schilderte in der Verhandlung im weinerlichen Tone seine Leidensgeschichte, erzählte die Mißhandlungen usw. und erklärte schließlich, daß er wie ein Gefangener behandelt worden sei. Wenn er sich etwas kaufen wollte, habe er immer erst den Unteroffizier fragen müssen! Vom Hauptmann wurde Z. als unglaubwürdig bezeichnet. Er blieb dann auch unvcreidetl Einen sonderbaren Einwand leistete sich der Verteidiger des Unteroffiziers, indem er meinte, daß man den Angaben Z.'S schon deshalb keinen Glauben schenken könne, weil fast jeder fahnenflüchtige Soldat diesem oder jenem Vorgesetzten etwas anhänge. Z. erklärte schließlich noch. daß er sich nicht dauernd entfernen, sondern nur für einige Zeit den Mißhandlungen und Schikanen entziehen wollte. Nach längerer Verhandlung fällte das Gericht folgendes Urteil: Der Unteroffizier wurde— freigesprochen(weil die Angaben Z.s unglaubwürdig seien!) und Zinz zu 3 Monatco 1 Woche Gefängnis verurteilt._ Sngland. Ter englische Wahlkampf. London, 12. Januar. Ter Wahlkampf wird in der heftigsten Form fortgesetzt. In einer Rode, welche B a l f o u r hielt, betrachtete er die Lage sehr optimistisch. Nach seiner Auffassung könnten sich die Konservativen auf einen großen Sieg gefaßt machen, die Libe- ralen würden im nächsten Parlament nicht über 300 Mitglieder zählen. Asquith hielt seinerseits zwei Reden in Aberdeen; er begnügte sich, darzulegen, daß die große Wohlhabenheit Deutschlands nicht eine Folge de» Schutzzolles sei, sondern eine solche der besseren Erziehung des Volkes und der Organisation. Belohnte Trene. Als vor kurzer Zeit Herr Bell, der Generalsekretär der Gc- werkschaft der englischen Eisenbohncr, sein Amt niederlegte, waren die englischen Arbeiter nicht unangenehm überrascht. Man glaubte nach den Vorgängen deS letzten Jahres allgemein, daß sich dieser sonderbare Arbeitervertreter, den der Harmoniedusel so iveit getrieben halte, baß er schließlich für die Arbeit« gebcr und gegen die Mitglieder seiner eigenen Gewerkschaft Partei ergriff, so lange wie nur eben möglich auf seinem Posten halten würde. Die plötzliche Demission hat nun ihre Er« klärung gefunden. Der brave liberale Arbeitervertrcter, der im Parlament als der Vertreter der Eisenbahner galt, die meist sozio- listisch gesinnt sind und die auch der Arbeiterpartei angehören, ist für seine der liberalen Partei geleisteten Dienste belohnt worden. Der Minister E h u r ch i l l hat ihm einen fetten Posten an den neuen Arbeitsbörsen gegeben, auf dem cr ein Gehalt von 8000 M. jährlich bezichen wird, daS allmählich bis auf 12000 M. erhöht werden wird. Herr Bell wird cS also künftig nicht mehr nötig haben, nach der Pfeife seiner Klassengenoffen zu tanzen; die soziale Frage ist für ihn gelöst. Das Schicksal Bells steht in der politischen Geschichte Englands nicht vereinzelt da. Es eignet sich aber vortrefflich dazu, die von den englischen Liberalen so meisterhaft beherrschte Methode, Arbeitervertreter dadurch an sich zu feffeln, daß man ihnen Honig ums Maul schmiert und sie hernach fürS Leben versorgt, durch ein Beispiel zu erläutern. In dem Parlament, das im Jahre 1900 aus der chauvinistischen Hochflut hervorging, gebürdete sich Bell ziemlich radikal. Der Genosse Kcir Hardie hatte damals die Absicht, das kleine Häuflein der Arbeitervertreter zu einer aktionsfähigen Arbeitcropposition zu gestalten, und meinte, gerade in Bell einen verläßlichen Bundesgenossen gesunden zu haben. ES stellte sich aber bald heraus, daß der Generalsekretär viel mehr geneigt war. den Sircuenrufen der Liberalen, die damals anfingen den Bemühungen der englischen Arbeiter, sich eine eigene politische Partei zu bilden. kräftig entgegenzuwirken, zu folgen. Im Parlament deS Jahres 1906 sehen wir denn Herrn Bell auch in der Reihe der liberalen Arbeitervertreter vom Schlage der Maddison und Vivian, die ihre Hauptaufgabe darin sahen, zu zeigen, daß sie nicht seien wie die von den Sozialisten verführten Mitglieder der Arbeiterpartei. In ihrem HaustnechtSeifer, mit dem sie die die liberale Partei kritisierenden Mitglieder der Arbeiterpartei am Kragen faßten. wurden sie ihre», Herrn und Meister aber, der die Arbeiter- Partei mit der vollendeten Kunst deS Diplomaten zu behandeln wünschte, manchmal recht unangenehm. Bei einer solchen gegen die Arbeiterpartei gerichteten Aktion vergaß sich nun Herr Bell so weit, daß er im Parlament offen für die Eisenbahngesellschaften und gegen einen Teil der Eisenbahnangestellten, deren OrganisationS- recht in Frage stand, Stellung nahm. Das schlug dein Faß den Boden aus. Die Gewerkschaft der Eisenbahner, die sich auf Betreiben des starken sozialistischen Teiles der Arbeiterpartei angeschlossen und die schon durch die Weigerung Dells, sich der Arbeiterpartei anzuschließen, gereizt worden war, geriet in hellen Auftuhr. Auf der letzten Generalversammlung nahm man ihm die Befugnis, die Forderungen der Eisenbahner fernerhin im Parlament zu vertreten und gleich darauf untersagte man es ihm auch, feine Dienstzeit für die Zwecke der liberalen Partei zu mißbrauchen. Bell hat den Wink verstanden. Der treue Knecht ist belohnt worden. Qämimrk. Die Furcht vor sozialistischen Ministern. Ter Ministerpräsident Zahle hat jüngst in einer Versamm- lungsrede davon gesprochen, daß Äie radikale Regierung nur eine zeitweilige sei und eines schönen Tages von einer anderen Regie- rung werde abgelöst werden; sei eS von einer radikal-sozialdemokratischen. sei es von einer gemäßigt-konservativen. Er glaube frei» lich nicht, daß es eine konservative Regierung sein werde, denn dazu sei die Politik der Konservativen zu schlecht. Daß die Regierungen unter dem parlamentarischen System beständig wechseln, sei übrigens ein großer Vorteil, denn da wüßten die Männer, die an der Spitze der Verwaltung stehen, daß andere kommen, und daß sie einen reinen Tisch hinterlassen müßten. Diese Aeußerungen werden nun von'den antisozialistischen und „liberalen" Gegnern des Ministeriums, denen eS ganz und gar an einer zugkräftigen Wahlparole fehlt, clusgenutzt, um den Wählern vor sozialdemokratischen Ministern bange zu machen. Unter der Parole des Kampfes gegen den Sozialismus möchte man vor allem eine Sammlung der durch die verräterische Politik ihrer Führer ä la A l b e r t i arg mitgenommenen Reformpartei und ihres mehr oder minder konservativen Anhangs zustande bringen. Deshalb gibt man Zahles Aeußerungen so wieder, als hätte er ganz bestimmt den Rücktritt des Ministeriums, und, wenn die Wahlen danach ausfallen, die Bildung eines sozialdemokratisch-radikalen Ministe- riumS in Aussicht gestellt, wogegen sich Zahle jüngst verwahrt hat. „Socialdemokraten" aber schreibt, daß, solange der Parteitags- bcschluß von 1903 in Kraft bleibe,'die dänische Sozialdemokratie nicht an der Bildung einer Koalitionsregierung teilnehmen werde.„Nur wenn die Soziaidemokratie bei den kommenden Wahlen eine rein sozialdemokratische Mehrheit erringen würde, könnte also von sozialdemokratischen Ministern die Rede sein. Die Sozialdemokratie wünsche übrigen? nicht, daß das Ministerium Zahle zurückträte, bevor eS seine Aufgaben— die Austilgung der Alberti-Korruption, die Wahlkreis- reform und die BerfassungSrcform— gelöst habe. Onkei. Das jungtlirkische Kabinett. Konstantinopel, 12. Januar. Nach Verhandlungen, welche bis nach Mitternacht dauerten, haben in dem neugebildeten Kabinett Mavrocordato das Ackcrbauportefeuille. der jungtürkische Deputierte E m r u l l a h das Unterrichtsportefeuille und der Groß- Wesir interimistisch das Evkafministerimn übernommen. Im übrigen entspricht die Ministerliste der bereits gemeldeten. In dem neuen Kabinett befinden sich acht Jungtürken. Die Presse beurteilt das Kabinett günstig._ Neue armenisch-türkische Konflikte. Konstantinopel, 12. Januar. Das armenische Patriarchat er- hielt aus A l a s ch g e r d in A r m e n i e n die telegraphische Mit» teilung, daß dort soeben eingetroffene größere türkische Truppenabteilungen in Ermangelung einer Kaserne im Orte einfach alle Armenier auf die Straße gesetzt und ihre Häuser als Winterquartiere in Be» schlag genommen haben, obwohl einem Gesetze zufolge den Truppen verboten ist, sich in Privathäusern osmanischer Unter- tanen einzuquartieren und das Familienleben osmanischer Untertanen zu stören. Die Bevölkerung von Alaschgerd erklärt. sie sei samt und sonderö zur Auswanderung ge» zwangen, wenn der Gewaltakt nicht sofort repariert werde. Die Beziehungen zwischen Armeniern und Türken sind jetzt wieder stark gespannt.— Amerika. Die mandschurischen Eiscndahnen. New Dirk, 12. Januar. Der Korrespondent deS„New Fork Herald" in Washington erklärte, daß der Staatssekretär Knox gegenüber den Protesten der japanischen Regierung zu seinen Vor» schlagen betr. der mandschurischen Eisenbahn sehr gleichgültig bleibe. Er beabsichtige unwiderruflich an seinen Propositio.ien festzuhalten. zumal er dabei der Zustimmung des Präsidenten Taft gewiß sei. Außerdem glaube Knox, auf die Anerkennung seiner Vorschläge durch England, Deutschland und China rechnen zu können. GewerkfcbaftUcbee. JMansfcldcr StreikjulA-. Erbarmlingslos wütet jetzt die Justiz des Klasscustaates im Mansfelder Revier. Fast Tag um Tag sitzen die Hüter der„Gerechtigkeit" über Streiksünder und Streiksünderinnen zu Gericht, um ihnen darzutun, welch eine treffliche sache cö ist, der sie als„Reichstreue" huldigten. Die Staatsanwälte des Eislebener Gerichts reichen nicht mehr aus, nm alle die „Fälle" durchzuarbeiten, die Hallesche Staatsanwaltschaft muß einspringen. Und sie sendet ihre„besten Kräfte". Am Montag wurde gegen mehrere Frauen ver- handelt, die gegen den Landfriedoisbruch- Paragraphen gesündigt haben sollten. Die der Ver- Handlung zugrunde liegenden Vorgänge spielten sich am 2t. Oktober vorigen Jahres in Hettstedt ab. Arbeitswillige, die von einer Menschenmenge begleitet wurden, fühlten sich stark, griffen unter dem Schutze der Gendarmerie zu Stock und Dolch, um sich ihrer Kanieraden und deren Frauen zu„erwehren". Die Streikenden wollten nichts anderes. als die vorläufig Stehengebliebenen zur Teilnahme am Streik überreden. Erst durch die Haltung der Streikbrecher und der bewaffneten Macht geriet die imnier sich vergrößernde Menge in Erregung. Es ist wohl nicht weiter verivuuderlich, wenn in einer Zeit des schärfsten Klassenkampfes harte Worte hüben und drüben fallen. Die Streikenden, die ihr gesetzliches Recht verfochten/ wurden von den Arbeitswilligen und deren Frauen Faulenzer genannt. Die Frauen, welche auf die Arbeits- willigen einzuwirken suchten, wurden von diesen ge- schlagen und beschimpft. Arbeitswillige hingegen, Aufseher, Gendarmen usw. sagten aus. daß sie bespuckt und mit Kies und Steinen beworfen worden seien. Hauptangeklagte in dieser Sache war Frau Hartmann aus Hettstedt. Von dieser behaupten die Arbeitswilligen, daß sie sich wie ein Tier gebärdet habe(?). Sie habe mit Totschlag gedroht, habe ge- schimpft und gespuckt und sei mit aufgelöstem Haar herum- gelaufen. Andere haben von alledem nichts bemerkt. Auf Gnind der Zeugenaussagen der Arbeitswilligen beantragte der Staatsanwalt ans Halle sechs Monate Gefängnis gegen die Frau, die gewußt habe, daß es zu Gewalttätigkeiten kommen mußte! Der Verteidiger Rechtsanwalt Genosse Landsberg aus Magdeburg weist diese Anschuldigung zurück und hebt hervor, daß höchstens§ 158 der Gewerbe- ordnung in milder Form in Anwendung gebracht werden dürfe, keineswegs aber§ 127 des Strafgesetzbuches(Land- friedeirsbrnch). Tie Strafkammer verurteilte die Frau zu fünf Monaten Gefängnis! Ein wahres Schrcckensnrteil, wo- gegen sich das Volksempsinden mit aller Entschiedenheit auf- lehnt. Nach diesem Opfer der Streikjustiz betraten zwei andere Frauen die Aurlagebank, Berta M a ch e m e h l und Anna Michael. Ihnen wird vorgeworfen, eine ganze Nacht hin- durch(!) ruhcstörcnden Lärm verursacht zu haben, indem sie die Arbeitswilligen bedrohten mit„Knochen kaputschlagen" usiv. Kein Mensch außer den belastenden Gendarmen hat die Worte gehört, niemand hätte auch eine solche Aeußerung, wenn sie gefallen wäre, ernst genommen. Die Frauen selbst behaupten, es müsse eine Persoirenverwechselnng vorliegen, es sei ihnen nicht eingefallen, iin Oktober eine Nacht im Freien zu verbringen. Der Staatsanwalt beantragte nichtsdestoweniger sechs respektive zwei W o ch e n G e f ä n g n i S. Erkannt wurde auf eine Woche respektive d r e i T a g e! In der Begründung hieß es: Die Frauen seien„gefährliche Akteure im Theater des Streiks(!!)" und nicht zum erstenmal sei ein Unglück durch Frauen veranlaßt worden!— Tann kamen die Männer daran. Der Bergmann Fiedler aus Augsdorf erhielt drei Tage Gefängnis und fünf Mark Geldstrafe, weil er— nicht schnell genug die Straße verlassen hatte, als dies durch Gendarmen angeordnet wurde. In Wirklichkeit hat der Mann Streikposten gestanden und flüchtete bei Ausübcmg dieses gesetzlichen Rechts, als die Gendarmen angesprengt kamen, hinter einen Baum. — Den Bergmann Schulze aus Heldra nannte nach dessen Angabe ein auf der Chaussee postierter Unteroffizier„Lause- lümmcl", während der Unteroffizier und ein Gefreiter aus- sagten. Sch. habe sie„Dreckschweine" geschimpft. Der Mann kam niit 13 Mark Geldstrafe davon. Der Staatsanwalt wollte ihn einen Monat eingesperrt wissen.— Ein anderer Bergmann wurde auf Grund einer Verordnung aus dem Jahre 1798, die von der Anmaßung eines öffent- l i ch e n AmteS handelt, zu neun Mark G e l d- st rafe verurteilt. Er hatte— die weiße Binde der O r d n u n g s m ä n n e r des Bergarbeiter- Verbandes getragen!— Freigesprochen wurden zwei Bergleute, gegen die die Belastungszeugen der Staats- anwaltschaft niit dem bösesten Willen nicht ausreichten. Der eine soll geschinipft haben gegen einen Streikbrecher, der andere hat in einem Kaufladen in Hettstedt mit Bezug auf den Streik gesagt:„Wenn wir nicht durchkommen, kann es an allen Enden Hettstedts brennen". Es hat sich aber niemand bedroht gefühlt. Der Staatsanwalt hatte auch hier je einen Mo» at Gefängnis beantragt! So endete ein„großer Tag" der Mansfelder Streikstistiz. Aus seinen Verhandlungen ergibt sich, daß die Streikenden im allgemeinen gute Ordnung gehalten haben, daß von schweren und gefährlichen Ausschreitungen, die daL Heran- ziehen der bewaffneten Macht rechtfertigen sollten, nicht die Rede war. Nur in einem Falle wurde eine größere Gefängnis- strafe verhängt, über deren Berechtigung die nicht auf den Unteruehinerstandpunkt Eingeschworenen durchaus anderer Ansicht als das Gericht sein müssen. In allen anderen Fällen haben selbst die Richter, die im ersten Fall so außerordentlich hart urteilen konnten, trotz der energischen Anstrengungen der Staatsanwaltschaft nur gering- fügige Strafen zu verhängen vermocht. Und auch diese erscheinen denen, die in der Ausübung des Koalitionsrechts nicht ein Verbrechen sehen, sehr schwach begriindei. Erfreulicherweise sind die Opfer, die jetzt die Klassenjustiz fordert, nicht umsonst, das beweist der tüchtige Fortgang der Arbeiterbewegung im Mansfeldischcn. Mit der stumpfen Waffe der Streikjnstiz wird man sie ganz gewiß nicht mehr ersticken. Die Arbeitsbedingungen der Gemeindearbeiter in deutschen Städten. Unter Berücksichtigung der Arbeitsverhältnisse in 33 deutschen Städten zeigt sich in der Zeit von 1902 bis 1907 eine äußerst starke Zunahme der Arbeiter in städtischen Diensten. In jenen Städten stieg nämlich die Arbeiterzahl in den fünf Jahren von 37 363 auf 53 963 oder um rund 39,5 Proz. Die Zahl der gelernten Arbeiter stieg bei der ständigen Aufnahme des Betriebes von Gas-, Wasser- I und ElektrizitätSiverken durch die. Gemeinden von LS, 7 Proz. im Jahre 1992 auf 39,8 Proz. im Jahre 1907. Ter Durchschnittslohn ' aller Arbeiter betrug im Jahre 1902 3,23 M. und besserte sich im Lause der fünf Jahre um 0,18 M. oder um 11,6 Proz. Die größte Zahl oder 21,5 Proz. aller ungelernten Arbeiter bezog im Jahre 1907 einen Tagelohn von 3,50—3,75 M., während 17,3 Proz. einen Lohn von 3,25—3,50, 11,0 Proz. von 3.00—3,25 M. pro Tag erhielten. Im Jahre 1002 war die letztere Lohnstufe von 3,00 bis 3,25 M. mit 3-1,6 Proz. aller ungelernten Arbeiter die am stärksten besetzte, während den häufigsten Tagelohn von 3,50—3.75 M. dcS Jahres 1007 nur 12,0 Proz. aller Arbeiter im Jahre 1902 erhielten. Einen Lohn von 3,75—1,00 M. pro Tag erhielte» 1907 rund 13.1 Proz. der ungelernten Arbeiter gegen 2,3 Proz. iin Jahre 1902. während 1,00—1,50 M. an 15,8 bezlv. 2.1 Proz. gezahlt wurden Die Lohnstufen von 4,50—5,00 M. und über 5,00 M. pro Tag umfaßten 1902 nur 0,8 bezw. 0,3 Proz. gegen 3.3 bezw. 0.9 Proz der ungelernten Gemeindearbeiter im Jahre 1097, von denen ins gesamt 82,6 Proz. einen Tagelohn von 3,00 bis 1,50 M., 10,1 Proz. von 2,50 bis 3,00 M.. 1.6 Proz. von 2,00 bis 2,50 M.. 1.2 Proz unter 2,00 M. und der Nest von 1,2 Proz. über 1,50 M. erhielten Bei den gelernten Arbeitern ist die am häufigsten bezahlte Lohnstufe die. gleiche von 4.00 bis 4,50 geblieben, nur daß 1002 rund 23.1 Proz. gegen 25,3 Proz. aller gelernten Gemeindearbeiter im Jahre 1907 ihr angehörten. Einen Loh» unter 3,00 M. erhielten 1907 noch 3,8 gegen 7,2 Proz. der gelernten Arbeiter im Jahre 1902, während für den Tagelohn von 3,00 bis 4,00 der Prozentsatz von 63,3 auf 39.6 herabging Den Lohnsatz von 1 Di. bis 5 M. erhielten im Jahre 1902 nur 23,6 und im Jahre 1907 rund 43,3 der gelernten Arbeiter, lieber 5 M. Tagelohn erhielten im Jahre 1902 nur 5.3 gegen 13,3 Proz. der gelernten Arbeiter im Jahre 1907. Es hat sich mithin bei den ungelernten Arbeitern eine größere Steigerung der Löhne vollzogen als bei den gelernten. Die Arbeitszeit ist im allgemeinen von 10— 11 auf 9— 10 Stunden zurück gegangen. Eine Arbeitszeit von nur 8 Stunden hatten 1902 die FeuerungSarbeiter in den Betrieben von 9 und im Jahre 1907 von 19 S�dten oder 1902 rund 0,6 und 1907 zirka 2,1 aller Arbeiter. Sind die von Unternehmerverbänden festgesetzten Konventionalstrafe» zu zahle»? Im Dezeniber 1003 wollten die Scharfmacher der Hanauer Edelmetalliiidnstrie eine Verschlechterung der Arbeitsverhältnisse herbeiführen. Die Tarifgemeinschaft sollte beseitigt und ver Arbeiter- schaft eine einseitig erlassene drakonische Arbeitsordnung auf erlegt werden. Ten Widerstand der Arbeiter wollte man durch eine allgemeine Aussperrung brechen. Der saubere Plan wurde aber durch festes Zusammenhalten der Arbeiter und durch das geschickte Operieren deSMelallarbeilerverbande» vereitelt. Weil nun auch zwei Firmen des Arbeitgeberverbandes während des Kampfes erklärt battcn, sich nicht an der Aussperrung zu beteiligen und aus dem Arbeitgeberverbande austreten zu wollen, verlangte der Verband von den beiden eine Konventionalstrafe von 1300 bezw. 1800 M. als Sühne. Tie beiden Firmen halten sich auch bereits im Vergleiche bereit erklärt, vor der Hanauer Kammer für Handelssachen 100 bezw 600 M. für einen gemeinnützigen Zweck zu zahlen. Nachträglich haben sie es sich aber anders überlegt und ein Urteil von der Kammer für Handelssachen verlangt. Dieses lautet auf Abweisung der Klage. Sämtliche Kosten muß der Arbeitgeberschntzverband für die Edel- Metallindustrie tragen. Berlin und llmgegend. Tie Tarifbcwcgung der Maler. Nach einem Beschluß des letzten VerbaudstageS der Maler ist das Ergebnis der nunmehr abgeschlossenen Tarifberatung einem außerordentlichen Verbandstage zur endgültigen Beschlußfassung zu unterbreiten, falls sich an den Abstimmungen, die zunächst durch die Mitgliederversammlungen der einzelnen Filialen vor- genommen werden, nicht mindestens die Hälfte aller Mitglieder be> teiligen. Der Verbandsvorstand hat bereits die Wahlen zu einem außerordentlichen VerbandStage ausgeschrieben. Für Berlin fand am Dienstag eine sehr stark besuchte Mitgliederversammlung statt, welche 18 Kandidaten für die Delegiertenwahl ausstellte, von denen in einer am 27. d. MtS. ftattsindenden Wahlversammlung sechs Delegierte zu wählen sind. Einen siebenten Delegierten wählt die Sektion der Lackierer. Zu den Tarifberatunge» nahm die Versamnilung nicht Stellung. Zu diesem Zweck werden am Donnerstag, den 13. d. MtS., vier Versammlungen in Berlin abgehalten. Postkartenbranche. In der Luxnspapierwarenfabrik von Heinrich Roß, Alerandrinenslr. 110, sind Differenzen ausgebrochen. Zuzug von Preffern, Pcesserinnen und Arbeiterinnen der Postkartenbranche ist streng fernzuhalten. Die Ortsverwaltung. Buchbinderverband. Oeutfebes Reich. Die Tarifbewegung im Holzgetvcrbe. Die„Fachzcitung", das Organ de? ArbeitgebrrschutzverbandeS, behauptet i» ihrer neuesten Nummer, daß der Holzarbcitcrverband dieselbe Taktik verfolge wie bei der früheren Tarifbewegung, nämlich, daß er die Schuld auf die Arbeilgeber schiebt!— Daß der Arbeit- geber-Schutzverband die Tarife gekündigt hat und damit die aggressive Stimmung in die Tarifvcrhandluiigen hineintrug, davon wird im ganzen Artikel nichts erwähnt. Dafür kann doch aber der Holz- arbeiterverband nicht verantwortlich gemacht werden. Auf die Fest- stellung, daß der Schutzverband seinen Mitgliedern erzählt hat, die gegenseitige freundschaftliche Kündigung aller Verträge sei mit den Arbeiterorganisationen vereinbart, geht die.Fachzeitung" vorsichts- halber nicht ein. Damit wird stillschweigend zugegeben, daß den Arbeitgebern die Unwahrheit gesagt worden ist. Es sei noch einmal konstatiert, daß die Holzarbeiterorganisationen die gegenseitige Kündigung der Verträge abgelehnt haben. Auf was die Unternehmer abzielen, geht ans einein vertraulichen Schreiben deS Südwestdeutschen ArbeitgeberverbandeS hervor, in dem den Unteritehmern dringend angeraten wird, einen gemeinsamen Endtermin für alle Tarifverträge durchzusetzen und zwar das Jahr 1913; jeder fernere Kampf um das Ziel eines gemeinsamen Ablaufs- termineS wäre vergeblich, da die kleineren Verbände nicht in der Lage feien, allein einen solchen zu erkämpfen. Das geht als Antrag an die Zentrale Berlin und soll auf der Generalversammlung der Verbände beschlossen werden. Glücklicherweise bestimmt auch ein Verbandstag des Arbeitgeber- schutzvcrbandeS nicht allein darüber, welchen Ablaufstermin die Ver- träge haben sollen, sondern die Holzarbeiter reden mit. Stettiner KonfcktionSschneider referierte. Zu dieser Versammlung ivollte die Organisation der Schneider durch Plakatanschlag einladen. Neben dem Tag, Versammlung und Tagesordnung stand noch folgendes auf dem Plakat:„Die Stettiner Kollegen stehen seit fünf Wochen in einem Abwehrstreik, hervorgerufen durch das brutale Verhalten der Arbeitgeber." Aus Furcht vor der Polizei gestattete der freisinnige Unternehmer des Anschlagwesens nicht die Bekannt- machnng an den städtischen Plakatsäulen. Die Worte„brutal" und .Abivehrstreil" waren der freisiimigeii ManneZseele zu staatS- gefährlich. Jlllslanck. Eine amerikanische„Arbeiterpartei". Anfang Dezeniber fand ein außerordentlicher Kongreß dcS Staatsverbandes der Gewerkschaften P e n n s y l v a n i e n s. die dem amerikanischen Gcwerkschastsbunde angehören, statt, der sich für die sofortige Bildung einer besonderen Arbeiterpartei aussprach, auch einige Programmpunkte aufstellte. Dieser Beschluß wird von nicht zu unterschätzendem Einfluß auf die derzeitige Diskussion der Frage der politischen Beteiligung der Gewerkschaften sein, die in der ge- samten sozialistischen und gewerlschastlichen Presse in letzter Zeit wieder besonders lebhaft war._ Zentralisation der Gewerkschaften in Anstralien. Der im November 1909 stattgefundene Kongreß der Berg» arbeiler-Föderation, einer losen Verbindung der lokalen Bergarbeiter- Gewerkschaften?ieu- Seelands, beschloß die Schaffung einer straffen Zeniralorgauisalion, die alle im Bergbau beschäftigten Arbeiter um- fassen soll. Einen ähnlichen Beschluß faßte der Gewerkschaftskongreß von Viktoria, der in Melbourne tagte und dem 117 Delegierte beiwohnten. Die bestehenden Gewerkscvaften sollen möglichst zu zentralisierten Jndustrieverbänden vereinigt werden, vornehmlich, um dadurch besser wie bisher jeden Angriff auf einen Teil der Arbeiter- schaff gemeinsam abwehren zu können. /Jus der Frauenbewegung. Die Frauenwahlrechtsfrage in Schweden. Die schwedische Landesvereinigung für das politische Frauen» Wahlrecht hat zu Anfang dieser Woche in Jönköping ihre Jahres» Versammlung abgehalten. Die Vorsitzende. Dr. Lydia Wahlström, berichtete unter anderem, daß der geschäsiSführende Ausschuß der Landcsvereinigung aus eine Anfrage beim Ministerpräsidenten die Antwort erhalten habe, daß dem diesjährigen Reichstage kein Re- gierungsvorschlag über daS Frauenwahlrecht vorgelegt werde. Jedoch glaube er, daß die seinerzeit beschlossenen Erhebungen, das Frauen- Wahlrecht betreffend, noch innerhalb der gegenwärtigen Legislatur- Periode dem Reichstage vorgelegt werden könnten. Wenn es nach der gegenwärtigen konservativen Regierung geht, wird eS also gewiß noch lange Weile haben, bis die schwedischen Frauen als wahlberechtigte Staatsbürger anerkannt werden. Mittler» iveile haben nun aber die Frauen, offenbar gegen den Willen der Ersten Kaminer und der Regierung, in ziemlich weitem Um- fange daö kommunale Wahlrecht erhallen. Ein sehr be- schrankteS kommunales Franenwahlrecht besteht in Schweden schon seit dem Jahre 1862; es gilt nur für die selbständigen Steuerzahlerinnen, das heißt, für unverheiratete Frauen in guten ErwerbSverhältnissen. Für die Ehefrauen war bisher der Mann steuerpflichtig. Jetzt hat jedoch ein Beschluß des vorigen Reichstages Geltung erlangt, wonach verheiratete Frauen, die selb- 'ländiges Einkommen haben, hierfür extra zur Steuer herangezogen iverden. Als selbständige Steuerzahlerinnen erlangen sie aber auch das Kommunalwahlrechr. Zudem sind die Frauen nach den nun in Kraft getretenen Kommunalordnnngen auch wählbar zu den kommunalen Vertrauensämtern, als Gemeindevertreter in Stadt und Land, als Schul- und Kirchenräte usw. Ueber die dadurch erlangten und zu erzielenden Fortschritte sprach aus der Jahresversammlung Frau Bugge-Wickhall. Sie erflärte, daß auf Grund der" neuen Steuerordnung die verheirateten Frauen sich jetzt mit einem äußer st geringen Einkommen das kommunale Wahlrecht verschaffen könnten. Wenn z. B. daS Jahres- einkommen deS Mannes 190 Kronen beträgt und daS der Frau nur 10 Kronen, so haben bei der Kommunalwahl sowohl die Frau als auch der Mann je eine Stimme. Hat aber die Frau kein Ein- kommen und der Mann 500 Kronen, so ist nur der Mann und auch nur mit einer Stimme wahlberechtigt. Die Stenerleistung bleibt in beiden Fällen dieselbe. Bei solch niedrigem Einkommen sind 150 Kronen steuerfrei und nur 50 nach dem festgesetzten Prozentsatz zu versteuern. Es können sich demnach iin allgemeinen auch die Arbeiterfrauen, wenn sie fich nur IE M. selbständiges Jahres» einkommen verschaffen, ba-S Gemeindewahlrccht erwerben.— Daß die Sache sich so verhält, ist eine unangenehme Ueberraschung für: die Gegner des allgemeinen FranenwahlrcchtS und versteckten An» Hänger eines Damen wahlprivilegiums. Sie hatten nicht erwartet, daß die verschiedenen vorsichtig erwogenen Reformen zu solchen Jfolgen führen würden. Wie„Socialdemokraten" mitteilt, haben bereits mehrere hervorragende Juristen, unter anderen der frühere Ministerpräsident Staaff, die Sache geprüft und im dargelegten Sinne für richtig befunden.— Die Jahresversammlung der Landes- Vereinigung beschloß, Flugblätter zu verbreiten, um im ganzen Lande die Frauen über ihr Kommunalwahlrecht aufzuklären. Streik nicht beendet. Die Meldung von der Beendigung des Streiks der Senfcnschmiede in Kalk war verfrüht; der Kampf geht weiter. Der Streik der Handschuhmacher bei der Firma Bondh in Arnstadt ist mit einen) Erfolge für die Streikenden beigelegt worden. Die Hälfte der Forderungen sind bewilligt nnd treten im Juni d. I. in Kraft. Im Sommer kommt dann der in Amerika wohnende Inhaber der Firma, Herr B o n d y, nach Deutschland und soll dann mit ihm über den Rest der Forderungen persönlich weiter verhandelt werden.__ Das„staatsmnstürzendc" Plakat. In Breslau fand am letzten Montag eine Schneider- Versammlung statt, in der Gauleiter Schärtl über den Kamps der Letzte JVachricbtcn und Depcfcbcn. Ucb erfahren und sofort getötet wurde am Mittwochabend ein anscheinend dem Arbeiter, 't a n d e a il g e h ö r i g e r Mann ini Alter von ctwa 40 Jahren vor dem Hanse Elbinger Straffe 89 am Friedrichs- Hain. Der Mann wurde an der Ecke der Braunsberger Straffe von einem Triebwagender st ädtischenStraffen- bahn erfaßt und kam unter die Plattform, wobei ihm die Brust eingedrückt wurde. Der Schwerverletzte wurde nach dein Krankenhanse am Friedrichshain gefahren. Dort konnte aber der anwesende Arzt nur noch den Tod feststellen. Die Leiche wurde, da kein Ausweis bei ihr gefunden, nach dem Schau- Hause gebracht. Folgenschwere Explosion Rüsselsheim, 12. Januar.(B. H.) Heute morgen e x p l o- vierte in der Opelschen Fabrik an einem Dampfkessel das Ventil. Durch die ausströmenden Dämpfe wurden zwei Monteure und ein Heizer in schrecklicher Weise verbrannt. Die lebensgefährlich Verletzten wurden in das Spital nach Mainz gebracht._ Nachklänge zu den Jnliwirrcn. Madrid, 12. Januar.(B. H.) In Barcelona erscheinen dem- nächst vor dem Kriegsgericht 49 Einwohner der Vorstadt Horta wegen der bekannten Juliwirren. Die An- klage beantragt gegen 10 Personen die Todesstrafe. Krieg im Frieden. Delhi, 12. Januar. iW. T. 23.) Beim Geschützcxerzieren im Truppenlager von Tughlahadad explodierte heute eine Granate. Ein Offizier und ein Kanonier wurden getötet, drei Mann der Bedienung schwer verletzt. Bxrantw. RLdgkt.� Richard Barth» Kerlin. Znseratentxil vergntA.: AH, Glocke, Berlin, Dryck y.VerlpgtDorwärtSBuchdr.u.VerlggSgnstgtt MaulSigger Sc Co., Berlin Hierzu 3 Beilagen u.NnterhaltungSbfl BQ Reichstag 14. Sitzung. Mittwoch', den 12. Januar, nachmittags 1 Uhr. Am BundeSratStisch: Dr. Delbrück, Kraetke. Auf der Tagesordnung stehen die Interpellationen deS Zentrums und der Pole» wegen der Maßregelung von Reichsbeamten wegen Ausübung ihres kommunale» Wahlrechts. Die des Zentrums fragt: Was der Reichskanzler zu tun gedenkt, um solchen Beschränkungen in der Ausübung der bürgerliche» Rechte entgegenzutreten. Die Polen fragen: Wie der Reichskanzler solchen Borgängen, wie sie sich in Äattowitz ereignet haben, vorzubeugen gedenke. ?luf die Frage des Vizepräsidenten Dr. Spahn erklärt Staatssekretär Dr. Delbrück sich zur sofortigen Beantlvortung der Interpellationen bereit. Zur Begründung der Interpellation des Zentrums erhält das Wort Graf v. Oppersdorff(Z.): Es handelt sich bei der heutigen Interpellation nicht um den Gegensatz zwischen christlicher und liberaler Weltanschauung(Heiterkeit und Widerspruch links, Zuruf links: Das ist gar kein Gegensatz!), es handelt sich auch nicht um den Gegensatz der Parteien, sondern um die freie Betätigung der bürgerlichen Rechte, an der alle Parteien interessiert sind. Den in Mattowitz gemahregelten Beamten ist schweres Unrecht geschehen. Weder das Beamtengesetz noch die Kaiserliche Botschaft von 1881 verwehrt den Beamten die freie Ausübung ibres Wahlrechts. In Freiburg, Dortmund und Essen haben Liberale und Nationalliberale für die Stadtverordnelenwahlen Wahlbündnisse mit iWr Sozial- demokraten geschlossen und zahlreiche Reichsbeamte haben für die Sozialdemokraten gestimmt. Dort haben aber der Reichskanzkdr und der Staatssekretär des Reichsposlamtes nicht so gehandelt wie in Kattowitz. Ich will Ihnen das Material gern zur Verfügung stellen, wenn Sie hier das Versprechen abgeben, daß den belresienden Beamten wegen ihrer Abstiminung nichts geschehen wird (sehr gut); ich glaube, dah ein Ratiowitz für Deutschland gerade genug ist.(Lebhaftes Sehr richtig! links und im Zentrum.) Nach Kattowitz sandte der Staatssekretär des Reichspostamts ein hektographiertes Schreiben: dah er iir Zukunft eine gewissenhaftere Ausübung des Amtes erwarte, und dann folgten sofort die Ver- sctzungen. Es waren dies aber keine„Strafversetzungen"(Hört! hört I), sondern Versetzungen„im Interesse des Dienstes". (Grosie Heiterkeit im Zentrum und links.) Ich mutz dein Reichs- kanzler meine ungeteilte Verwunderung aussprechen über eine der- artige Ausübung der Verwaltung.(Sehr richtig! im Zentrum.) Auch moralisch ist den Beaniten schweies Unrecht geschehen. In Kattowitz besteht seit 187ö eine Simultanschule. Jedoch halten die Katholiken und die gläubigen Protestanten an der konfessionellen Schule fest. Die Mehrheit m der Stadtverordnetenversammlung ist liberal und eine Aenderung der Schulverhältnisse kann nur durch eine Aenderung der Zusammensetzung der Stadt- verordnetenvcrsammlung herbeigeführt werden. Wie sehr die Katholiken die gegenwärtigen Schulverhältnisse als ungehörig empfinden, zeigt unter anderem der Umstand, daß das Kruzifix seit Jahren ans dem Schulzimmer in die Rumpelkammer �gewandert ist. tHört! hört! im Zentrum.) Dazu kam die grofie Spannung der politischen Verhältnisse im vorigen Sommer. In liberalen Blättern wurde von der„ultramontanen Schweinebande" gesprochen. An der Finanzreform hatten auch die Polen mitgearbeitet.(Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten. Grohe Heiterkeit.) Kein Wunder. ivenn die Anhänger der Ultramontanen unier den Beamten sie auch bei den Sladtverordnetenwahlen nicht im Stiche lieszen. Zwei Ereignisse fielen noch in die politische Spannung hinein und velmebrien sie. Vom 3. bis 6. Septeniber fand in Kattowitz ein D e u t s ch e n l a g statt, auf dem starke Kränkungen der Lehrer- schaft verübt wurden, die sogar Proteste des Simultanlehrervereins hervorriefen. Sind daS nicht mildernde Umstände für die Beamten, die sich mit den beleidigten Lehreni solidarisch fühlten? Das zweite Ereignis war eine am 19. Oktober in Kattowitz ab- gehaltene F e r r e r- B e r s a in m l u n g. in der ein sozialdemo- lratischer Festredner sprach und in der auf dem Podium zusammen mit einem sozialdemokratischen Gewerkschaftösckrelär ein königlicher Gymnasialoberlehrer und ein Realschullebrer saßen.(Lebhailcs Hört! hört! im Zentrum.) Der Festredner sagte: Wenn die Volksfrcihcit gewahrt werden soll, so kann das nur geschehen durch Stärkung der Sozialdemokratie.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten. Große Heilerkeit.) In der Versammlung wurde zum Schluß zu einem Mafienaustritt aus der katholischen Kirche aufgefordert. Das ist noch schlimmer als die Verspottung der Kirche, die als Ver- d'u m m u n g s a n st a l t hingestellt wurde. Wenn jemals, so tonnten bei der Stadtverordnetenwahl in Kattowitz katholische kleines fcuillcton. Bersinkenbe Ortschaften. Der Einsturz des Krankenhauses von Rarbl in Kärnthen, das mit seinen Insassen in einem sich öffnenden Erdschlund versunken ist, ist ein Ereignis, das in allen vom Berg- bau unterwühlten Gegenden nicht zu den Seltenheiten gehört. Der ursächliche Vorgang ist dabei immer derselbe. Ter vorschreitende Abbau der Mineralien in den Grubenfeldern schafft fortgesetzt große Hohlräume unter der Erde, die in absehbarer Zeit zu Bruche gehen und bedeutende Senkungen an der Oberfläche nach sich ziehen müssen, sobald die eben nicht für die Ewigkeit berechneten berg- männischen Zimmerungen vermorscht sind. Der rationelle Bergbau läßt deshalb in jedem Bergwerkshorizont ausreichend starke Gesteinspfeiler stehen, die das Hängende tragen und füllt die Hohl- räume mit taubem Gestein an. Der Raubbau in vergangenen Zeiten «und bei mangelnder Kontrolle auch in der Gegentvarts sieht dem Kommenden tatenlos zu, in der Hoffnung, daß die den Hohlräumen uberge.'agerten Schichten schon in sich selbst genügende Tragfähigkeit haben werden. Besonders gefährliche Verhältnisse entstehen, wenn im Salinen- betriebe in die erbohrten Salzlager Wasser gepumpt wird, das später als gesättigte Lange wieder gehoben und der Verarbeitung zugeführt wird. Selbstverständlich sind die dabei entstehenden Hohlräume nach Lage und Größe unberechenbar und brdchen häufig auch erst nach Jahrzehnten und Dkenschenaltern zusammen. Diese unverant- wortlickic Betriebsart, die in der Umgebung von Staßfurt und Leopoldshall noch in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts geübt wurde hat die schweren Beschädigungen zur Folge gehabt, die zuletzt im Winter von 1993 auf 1994 in Staßfurt eintraten und die Stadt mit einem angewissen Schicksal bedrohen. Auch in Schneidcmühl im Kreise Kolmar in der Provinz Posen wurden im Jahre 1893 durch das Hervorbrechen einer starken Salzquelle und nachfolgende Bodensenkungen schwere Verwüstungen angerichtet. Gänzlich un° gewiß ist ferner das einstige Schicksal der 7999 Einwohner zählenden galizischen Stadt Wieliczka bei Krakau, aus dessen berühmtem Salzbergwerk schon seit mehr als 1999 Jahren Salz heraufgeholt wird, und Ivo seit alter Zeit Höhlen und Gänge bestehen, in die sich nie- wand mehr hineingetraut. Der deutsche Kohlenbergbau in West- folen, Oberschlesien und in anderen Kohlenbecken ist schon lange so vorsichtig, die bäuerlichen Anwesen anszulaufen, unter denen sich Flöze befinden. Sehr arg halben Bodensenkungen vor wenigen Jahren dem Bergstädtck'cn Motbcrwcll in Schottland mitgespielt, wo die Türme und mehr als 79 Häuser versanken und sämtliche Oisenbahnlmicn unfahrbar wurden. t. Wähler ihre Weltanschauung und ihre Religion nicht verleugnen. Dieser 19. Oktober allein entschuldigt den 9. November. Ich frage den Staatssekretär und den Reichskanzler: Haben Sie diese Umstände gekannt und finden Sie, daß solche Vorkomin- nisse die Stellungnahme der Gemaßregeltcn in einem anderen Lichte erscheinen lassen oder nicht? Die beiden Herren, die in Kattowitz Kandidaten des Zentrums und der Polen waren, waren für das Stadtverordnetcnkolleginm sehr geeignet, Der eine bekennt sich in dem Wahlaufruf sehr entschieden zur christlichen Weltanschauung und als Gegner aller staalszerrülleiiden Tendenzen: der andere, Fleischer- meister Pachulla, bekleidet zahlreiche Ehrenämter in seinem Berufe und in der Gemeinde. Ich bitte den Reichskanzler und den Staats- sekretär, mir bessere Kandidaten namhaft zu inachen.(Große Heiterkeit.) Ich kann nieine Ausführungen über Ltnttowitz nicht schließen, ohne dem Reichskanzler ein Vergißmeinnicht in seinen Nolizkalender zu legen. Der Vertreter des Ostmarkenvereins, Amtsrichter Danein. sagte 199S in einer Wählerversainmlung:„Die Ostmärker haben die patriotische Pflicht, für den Polen gegen das Zentrum zu stimmen, denn der Pole ist das kleinere Uebcl."(Große Heiterkeit.) Ich bitte festzustelleu, ob diese Tatsache nicht spätestens bei der Erörterung der SÄuidhasiigkeit der Kaltowitzcr Beamten dein Reichskanzler und Staatssekretär mitgeteilt ist. Meine politischen Freunde wenden sich dagegen, die grundverkehrte Polenpolitik Preußens auf die Sphäre der Reichspolilik zu übertragen, wie es schon wieder- holt geschehen ist— ich erinnere nur an das Vereinsgesetz und an die Enteignung. Die preußische Polevpolitik geht von einer falschen Grundlage aus, die Herren scheu Gespeusterkarawanen imd wollen die preußischen Chausseen dagegen sperren.(Heiterkeit und Sehr gut! im Zentrum.) Ist es eine richtige Politik, die Polen, die jüngst dieser Regierung einen sehr wesentlichen Dienst geleistet haben(Große Heiterkeit links), in so schnöder Weise aus der Kommunalpolitik zu beseitigen? Der Reichskanzler sollte sich an- gelegen sein lasse», richtige Kenntnisse über die Verhältnisse in den Ostmarken zu verbreiten. Man soll dort auch nicht immer mit der Geheimniskrämerei arbeiten. Es wird von der Re- gierung eine Uebersicht der polnischen Korrespondenzen gesammelt und in„Nebersetzungen" aufbewahrt. Ich habe bei den verschiedensten Behörden— beim Regierungspräsidenten, beim Oberpräsidenten, beim Reichskanzler— gebeten, mir Einsicht in diese Käfersammlung zu gestalten(Heiterkeit) und bin überall abschlägig beschieden! Wir haben ein starkes Interesse daran, daß diese„Uebersetzungen" der Oeffentlicbkeit vorgelegt werden.(Lebhafte Zustimmung im Zentrum, bei den Polen und links.) Entgegen den klarsten Versicherungen der polnischen Abgeordneten behauptet man, die polnischen Vereine, vor allem der Sokolverein, bereiten eine LoStrennung von Preußen vor. In Oesterreich hält der Sokolverein große Feldübnngen ab, bei denen der Statthalter und kommandierende Generale erscheinen I (Hört! hört! im Zentrum und bei den Polen.) Wir verlangen, daß das an den Beamten verübte Unrecht gut gemacht wird und daß Maßnahmen getroffen werden, daß solche Vorgänge sich nicht wieder- holen.(Lebhaftes Bravo I im Zentrmn und bei den Polen.) Abg. Korfanty(Pole): Ich habe als Kattowitzer Bürger die ganzen Ereigniffe mit« gemacht. Die Vorgänge haben in ganz Deutschland Aufsehen erregt. Daher haben wir ein Recht, den Herrn Reichskanzler zu fragen, was er zu tun gedenkt, um derartig skandalöse Vorgänge in Zukunft zu vermeiden. ES handelt sich hier um die Ehre der deutschen Nation. (Sehr richtig! bei den Polen.) Die Nationalliberalen und Konser- vativen sind dort die Schleppenträger der Grubenbarone und daher sozialpolitisch rückständig im höchsten Maße. Die abhängigen Beamten und Arbeiter werden von diesen Vertretern des Hurra- Patriotismus gezwungen, für die Kandidaten der Gruben- und Hültenbarone zu stimmen. Diese pscudo-liberalen hakatistischen Kapitalistenvertreter haben in allen oberschlesischen Gemeinden daS Heft in der Hand. Mit Hilfe der Regierung und des Terrors der Grobkapitalisten hat nian der überwiegend katho- lischen Bevölkerung die Simultanschule aufgezwungen. So kam eS. daß die katholische Arbeiterbevölkerung und der Mittelstand sich ent- schlössen, zur Selbsthilfe zu greifen und daß sich die Katholiken ohne Unterschied der Nationalität zur Vertretung ihrer Weltanschauung zusammenfanden, um die Herrschaft der Pseudoliberalen zu stürzen. Mit diesem Augenblick begann von der Gegenseite die Nationalitäten- hetze, und der philosophische Reichskanzler hat es für angebracht ge- halten, die gewerbsmäßigen Hetzer noch zur Ausdauer in ihrer destruktiven Tätigkeit anzufeuern.(Hörtl hört! bei den Polen.) Danach konnten die Hakatiste» sich natürlich alleS erlauben. Im Wahlkampfe gab eö kein Verbrechen, das man den Polen nicht vorgeworfen hätte. Der Vorwurf des Boykotts deutscher Kausleute war der geringste, aber auch er ist unwahr. Wir boykottieren den deutschen Kaufmann nicht. Täten Ganz andere Ursachen waren bei den zahlreichen Katastrophen wirksam, von denen die Kantonshanptstadt Zug in der Schweiz im Lause der Jahrhunderte betroffen wurde. Hier war das un- sichere Vorland am Gestade des 209 Meter tiefen Sees der Anlaß zum Unheil. Hier versanken schon am 4. März 1435 die„Niedere Gasse" der Altstadt mit 26 Häusern und 69 Personen, 1594 stürzten wieder einige Häuser nach, am 5. Juli 1887 endlich versank aufs neue eine Fläche von 9999 Quadratmetern mit mehr als 29 Ge- bänden in der Borstadt in den Fluten, wobei elf Menschen um- kamen. Der giftige Kometenschweif. Am 18. Mai d. I. wird der Halleysche Komet die Eidbohn kreuzen und somit unserem Planeten so nahe wie möglich kommen. Allerdings bedeutet das immer noch eine Emfernung von 21 oder 22 Millionen Kilometern. Aber man meint, daß sein Schweif so lang oder noch länger sein kann. Der Professor Pickering am Lick- Observatorium in Kalifornien Hot nun auf spektroskopiscbcm Wege in dem Kometenschweif Blausäure entdeckt, und ängstliche Leute meinen, daß die Erde oder vielmehr alles Leben auf ihr von dem giftigen Schweif vernichtet loerden könnte. Aber Pickering selbst und andere Gelehrte, wie neuerdings auch die Stockholmer Professoren ArrheniuS und Bohli» stellten fest, daß die Blansäure im Kometenschweif so verdünnt sein werde, daß man auf der Erde gewiß nichts davon merken könne. Bohlin nimmt ferner an, daß die Blau- säure vielleicht nur im Kern des Kometen vorhanden sei, und im übrigen zweifelt er daran, daß der Schweif lang genug sei, um die Erde zu treffen. Arrhenius hat Stockholms „Aftonbladet" gegenüber geäußert:„Socialdemokraten" kann ruhig sein, denn der Halleysche Komet wird»nS lange nicht so viel Un- annehmlichkciten bereiten wie der Großstreik." Man könnte danach annehmen, daß das Zeniralorgan der schwedischen Sozialdemokratie in der Bevölkerung Furcht vor einem nahenden Weltuntergang erregt habe. Demgegenüber ist festzustellen, daß„Socialdemokraten" schon gleich nach Bekanntwerden der Pickeringschen Entdeckung schrieb, daß irgend ein Grund, solche Gefahr zu befürchten, nicht vorliege. Die Kometenschweife seien inDder Regel so dünn, daß man sich gar lernen Begriff davon machen könne. Nur eine zufällige Verdichtung des Schweifes könne vielleicht eine Vergiftung der Erdatmosphäre mit sich bringen. Es ist also wieder einmal nichts mit der bevorstehenden„Ver- mchtung aller Sünder", die auch General Booth kürzlich prophezeit hat. So interessant sie wäre, wir werden sie nicht erleben. „Drahtlose Konzerte". Aus New Jork wird berichtet: Die «aison der„drahtlosen Oper" beginnt; von Mittwoch ab werden wir es, er könnte sich dort nicht halten.(Sehr wahr! bei den Polen.) Man sagt, die Deutschen hätten den Polen die Kultur gebracht. Aber was wäre heute die oberschlesische Industrie, wenn sie nicht die fleißigen, intelligenten, polnischen Arbeiter zur Verfügung gehabt hätte?(Sehr qutl bei den Polen.) Als der Kaiser� in Neudcck war, soll er sich mit dem Polizeirat Mädler über die Kattowitzer Wahl miterhalten und von ihm über die dortige politische Lage haben„aufklären" lassen. So berichtet das Kattowitzer Regierungsorgan. Es ist skandalös, daß, wo es sich um das Wohl und Wehe von 299999 Einwohnern handelte, ein Feld« w e b e l genügt, um das Staatsoberhaupt über die politische Lage aufzuklären.(Sehr wahr! bei den Polen.) Und dann hat, wie berilbtet ist, der Kaiser dem Regierungspräsidenten von Oppeln sein Bild geschickt mit der Unterschrift: usmo me impune lacessit(nicraaud reizt mich ungestraft)! Es war die zweite große Taktlosigkeit, daß diese Tatsache aus der Umgebung des Kaisers in die Oeffentlichkeit gelangte. Aach der Wahl wurde dann unter den Beamten fürchterliche Musterung gehalten. Lehrer wurden öffentlich vom Schulrat ge- rüffelt und dann nach entlegenen Orten versetzt. Exzellenz Kraetke konnte natürlich nicht zurückbleiben. Postbeamten, die ihre Kinder in Kattowitz in eine höhere Schule schickte», wurden nach Orten ver- setzt, wo es keine höhere Schule gibt I(Hört! hört! bei den Polen.) Ein Beamter, der gewohnt war, Tag für Tag die Frühmesse zu besuchen, wurde nach einem Ort ohne katholische Kirche versetzt. (Hört I hört I und Pfui-Rnfe bei den Polen und im Zentrum.) Darf die Regierung überhaupt verlangen, daß die Beamten so wählen, wie sie es ihnen vorschreibt? Das steht im Widerspruch mir der Verfassung!(Sehr wahr! bei den Polen.) Dieselben Patrioten, die gegen die Polen austreten, sind in Rheinland-Wcst« salen für den Sozialdemokraten eingetreten, bis der„Vorwärts" schrieb:„Weit ab von dieser Dcnunziantenbande!" Wir klagen die Regierung an, daß sie sich auf die Seite der volksvergiftcnden Hakatisten geworfen, daß sie bei der Maßregelting der Beamten gegen die Verfassung verstoßen hat. Wir verlangen ein geheimes Wahlrecht, damit solche Vorgänge sich nicht wiederholen können. Beim Kampf um das allgemeine, gleiche und geheime Wahlrecht werden Sie die Polen auf dem Platze finden. (Lebhaftes Bravo! bei den Polen.) Staatssekretär Dr. Delbrück: Bei den letzten Stadtverordnetenwahlen in Kattowitz ist«S zu einem Wahlkompromiß zwischen dem Zentrum und den Polen ge- kommen. ES sollten zwei Abgeordnete der Zentrumspartei gewählt werden und zwei Abgeordnete— sagen wir einmal: der groß- polnischen Richtung.(Lebhaftes Oho I und Gelächter bei den Polen und links. Abg. Ledebour(Soz.) ruft: Sagen wir einmal. das ist ecbt burcaukratiicb I) Es haben eine große Anzahl von Be» amteuwerscbiedener preußischer Ressorts sowie 8t Bemme der Reichs-, Post- Wid Telegraphenverwnltung und ein Beamter der ReichSbank für diese Kandidaten gestimmt.(Zuruf: Das war ihr R e ch t l> Darauf werden wir nachher kommen. In der Stichwahl am 29. November haben 1t Postbeamte und der erwähnte Reichsbankbeamte wiederum für die beiden polnischen Kandidaten gestimmt. Diese 1t und der erwähnte Bankbeamte sowie ein weiterer Postbeamter, der noch nicht wahlberechtigt war, aber sich durch seine Agitation hervorgeton hatte, smd alsbald in andere Orte versetzt worden. Dieses Verfahren deckte sich mit den Maßnahme» der preußischen Behörden gegen die ihnen unterstellten Beamten und hat die Zustimmung deS Reichskanzlers gefunden.(Lebhaftes Hört I hört!) Es sind nur solche Beamte versetzt worden, die in der Stichwahl wiederum den polnischen Kandidaten ihre Stimme gegeben haben, obwohl sie durch ihr« Vorgesetzten mündlich darüber belehrt worden waren,(Stürmisches Hört! hört! und bis zum Lärm sich steigernde Unruhe bei den Polen und links) welcher Partei die polnischen Kandidaten angehört haben und in welcher Weise sie sich politisch betätigt haben und ob- wohl sie darauf aufmerksam gemacht waren, daß es mit der Pflicht eines Beamten unvereinbar sei, die Bestrebungen der grobpolnischen Partei zu unterstützen. Die Versetzungen tragen nicht den Charakter diszipkinarischer Bestrafung, sondern sie sind erfolgt „im Interesse dcH DienficS". iSlürtniiches� Lachen.) Wenn Sie mich«in Auskunft bitten, dann lassen Sie mir auch die Möglichkeit, Auskunft zu geben. Also diese Beamten sind versetzt in ein Amt mit gleichem Rang und gleichem Gehalt und in Orte, in denen sie nicht Gefahr laufen können, mit der BcamtendiSzipli» in Konflikt zu kommen (Erneutes Lachen bei den Polen, links und im Zentrum) und in der nationalgesinnten Bevölkerung Verwirrung und Unwillen zu erregen, wie es in Kattowitz der Fall war. Im übrigen gehören die der Reichspost» und Telegraphenverwaltung angehörigen 14 Beamten, die versetzt sind, zu derjenigen Klasse von Beamten, die nach ß 1 des Reichsbeamtengesetzes zwar Reichsbeamte sind, die aber nach Artikel 15 als Landesbeamte angestellt sind. Infolge dessen alle Privatleute, die in ihrer Wohnung einen drahtlosen Empfangs- apparat besitzen, bei sich zu Hanse die Genüsse großer Opern- nufsührungen besitze» können. Am Sonnabend legte Dr. Lee de Ferest die letzte Hand an das große, iveittragcnde Radiophon, das er auf der Spitze des Gebäudes der Metropolitan Oper gebaut hat. Nach der Aussage des Erfinders ist es nur noch eine Frage der Zeit, Ivamr Musik, Theateraufsührungen, Vorträge und Predigten allen Menschen in ihrem eigenen Heime oder auf Reisen zugängltch sein werden. An der Bühne der Metropolitan Oper sind die Ansiiahmeapparate schon aufgestellt, die durch Draht mit dem großen Radiophon auf der Kuppel des Baues verbunden sind. Von hier aus werden dann Schalllvellen weitergegeben und überall aufgefangen, wo Aufnahme- apparate aufgestellt und abgestimmt sind.„Alle, dir Empfangs- apparate haben, werden die Musik hören. Es ist leicht, die Ueber- lragung so zu gestalten, daß nur die Abonnenten, die ihre Apparate mit dem geheimen System deS großen RadiophonS abgestimmt haben, die Musik aufnehmen können. In allen großen Hotels wird man den erste» Vorführungen folgen können, denn überall sind Aufnahmeapparate anqcbracht worden." Dr. de Forest ist überzeugt, daß von der Höhe des DacheS der Metropolitan Lebensversicherung die Stimme Carusos in einem Umkreise von 200 englischen Meile» drahtlos übermittelt werden könne. Diese technische Errungenschaft, die geeignet wäre, den Genuß einer Opernaufführnng großen Massen zugänglich zu machen, wird nur wenigen zugute kommen, weil im kapitalistischen System weder der Nutzen der Allgemeinheit noch die technische Möglichkeit, sondern der Profit daS entscheidende Wort spricht. Notizen. — Kunst ab ende. Im S ch ille r- S a a l. Charlottenbnra. findet Sonntag, den 16.. abends 8»/« Uhr. ein Richard Strauß. Abend statt. Den einleitenden Vortrag hält Dr. Max Burkhardt. — Astronomie mit Hindernissen. Die nächste voll- stündige Sonnenfinsternis, die am 8. Mai stattfinden wird, kann nur auf einer der Südsee-Jnseln wirksam beobachtet werden. Eine astronomlsche Expedition wird von England ans nach Tasmanien cntjandt werden, um dort da? Naturereignis zu verfolgen. Kurze Zeck nachher, nämlich am 18. Mai, soll denn auch der Vorübergang deS HaNeyschen Kometen bor der Somienscheibe beobachtet werden. Wo das geschehen wird, läßt sich freilich noch nicht sagen. Auch die ferne Insel TaSmamen ist noch kein hinreichend günstiger Platz für diese Arbeiten. Der Astronom wird zu Schiff eine Kreuzfahrt um etwa 190 Seemeilen südwärts unternehmen müsien, um eine günstige Beobachtungsstelle vielleicht auf irgend einem Felsenriff ausfindig zu haben fle zunächst den Charakter bon Landesbeainien und sie haben den Diensteid der preußischen Beamte» geleistet worin sie dem König von Preußen Treue und Gehorsam gelobten Schon aus diesem etlvas mehr fsrmalen Grunde konnten die Reichs beamten nicht anders behandel: werden, als es mit den preußischen geschehen ist. Die Beamten stehe» grundsätzlich in der Ausübung ihrer staatsbürgerlichen Rechte� den übrigen Staatsbürgern gleich sJronisches Sehr gut! bei de» Sozialdemokraten.) Ihre politische Be tätigung erfährt gewisse Cinschränkäingen durch staatliche Erwägungen Diese Einschränkungen sind nicht durchweg im einzelnen fest um- schrieben, sie sind zum Teil Folgerungen des Treueides der Beamten aber sie sind für den Takt und das Pflichtgefühl der Beamten un schwer erkennbar, und sie im vorliegenden Falle zu erkennen, war auch gewiß nicht schwer. Es kann keinen, Zweifel unterliegen, daß es mit der Stellung eines Beamten unvereinbar ist, wenn er Besirebimgen unterstützt, die in ibrem letzten Ziele gegen den Bestand des Staates gerichtet sind. sGroße Unruhe bei den Polen.) Bei dein schweren Ringen das Preuße» in seinen Ostmarken zurzeit zu bestehen hat, handelt es sich darum, ob diese LandeStcile, die in harter Arbeit vieler Menschenalter zu lulturell ebenbürligen Gliedern des deutschen Staates geworden find, der polnisch-slawischen Kultur an- heimfallen und darum auch ihrer schlietzlichen äußeren Lösung vom preußischen Staate entgegengeführt werden sollen Wenn Preußen in diesem Falle nationaler Notwehr von seinen Beamten unbedingte Heeresfolge verlangt, so ist das sein gutes Recht und ein Akt der Selbsterhaltung. Die Beamten des Reiches aber, desien Glieder sich zu einem ewigen Bunde zusammen- geschlossen haben zum Schutze des Bundesgebiets und zur Erhaltung des in demselben geltenden Rechts, Verlasien den Boden, auf dem die Reichsverfassung beruht, wenn sie Preußen in diesem Kampfe in den Arm fallen.(Bravo! rechts. Stürmisches Zischen im Zentruni und bei den Polen.) Auf Antrag des Abg. Horn(Z.) findet eine statt. Besprechung der Interpellationen Abg. Gröber(Z.): Der Staatssekretär hat sich die Antwort sehr leicht gemacht. Er bezeichnete die Stadtverordnetenkandidaten, für die gestimmt zu haben den Beamten als Verbrechen angerechnet wird, als„Anhänger, sagen wir'mal(Heiterkeit.): der großpolnischen Bewegung." Dabei haben die betreffenden ftandidatcn sich aus drücklich als Gegner großpolnischer Bestrebungen bezeichnet (HörtI hörtl) Der Staatssekretär sprach von„Belehrungen", die zwischen der Haupt- und Slichwahl den Beamte» von ihren Vor gesetzten zuteil geworden seien. Solche„Belehrungen" brauchen die Beamten nicht, wohl aber diejenigen, die die staatsbürgerliche Freiheit der Beamten antasten.(Sehr gut! im Zentrum, bei den Polen und Sozialdemokraten.) Dann sagt der Staatssekretär ES Ware» keine Strafversetzungen, sondern„Versetzungen im Interesse de? Dienstes"? Was heißt das? Was hat der Postdienst damit zu tun, wie der Postbeamte bei Stadtverordnetenwahlen stimnit?(Sehr gut! im Zentrum und bei den Polen.) Uebrigens trifft es nicht zu, daß keinem der Betroffenen wirtschaftliche Nachteile erwachsen sind Diese Leute werden nicht hinaufgemaßregelt wie die Kanal- rebellen(Sehr gut I und Heiterkeitp, deren Matzrsxjelung ich natürlich ebensowenig billige. In keinem Gesetz, nicht im Wahlgesetz, nicht in der Verfassung steht, daß die Beamten ihr Wahlrecht nur»ach dem Wohlgefallen ihrer Vorgesetzten aus- zuüben haben.(Sehr wahr l im Zentrum, bei den Polen und Sozialdemokraten.) Dann wäre es besser, den Beamten überhaupt kein Wahlrecht zu geben. Ein Wahlrecht ist nichts ohne Wahl- frei h ei t!(Lebhafter Beifall im Zentrun,, bei den Polen und Sozialdemokraten.) Wenn Privatunternehmer ihren Untergebenen vorschreiben, wie sie zu wähle» haben, so bezeichnet man das mit Recht als schamlos! (Lebhafter Beifall im Zentrum und bei den Sozialdemokraten.) Sollen die Beamten allen Schwankungen der Regierungspolilik folgen Z Wir kennen doch den Z i ck z a ck k u r s. Es ist gerade eine Untergrabung der Beamtenautorität, wenn man ihnen zumutet. alle Schwankungen und Wendungen der RegierungSpolittk mechanisch, willenlos mitzumachen.(Sehr gut! im Zentrum.) Wenn der jetzige Reichskanzler die Kattowitzer Borgänge gut- heißt, dann geht er noch hinter die schlimmste preußische Reaktion« zeit zurück. Selbst der verrufene Minister des Innern von West- p h a l e n in den SOer Jahren des vorigen Jahrhunderts gab wenigstens noch Wahlenthaltung zu. In den 60er Jahren war es der bekannte Landrat, nachherige Mnister v. P u t t l a m e r. der alle Beamten, die für die Fortschrittspartei stimmen würden, als „Feinde des Königs" bezeichnete und mit Disziplinarstrafen bedrohte I(Lebhaftes Hört I hört I im Zentrum und bei den Soziab demolraten.) So war es im Preußen der schlimmsten Reaktion. Im Reiche dagegen hat bisher eine andere Auffasiung geherrscht. Bismarck hat in offener ReichStagssitzung erklärt, daß er niemals die Hand dazu bieten werde, die Ausübung deS Wahlrechts seitens der unpolitischen Beamten zu beeinträchtigen und daß auch den politischen Beamten nur die Agitation gegen die Regierung verboten sei.(Lebhaftes Hörtl hörtl im Zentrum.) Und der Minister des Inner» v. Puttkamer erklärte, daß er den jungen Land- rat v. Puttkamer gern preisgebe(Heiterkeit) und daß sein da- malige» Vorgehen ungesetzlich gewesen seil(Lebhaftes Hört! hört!) Jetzt aber maßregelt man Beamte sogar bei unpolitischen Kommunal. wählen und beweist damit, daß auch oei Kommunalwahleu die öffent liche Stimmabgabe abgeschafft werden muß.(Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Herr Dr. Heinze hat in der Etatsdebatte die Maßregelungen von Kattowitz gebilligt. Herr v. Bennigsen hat üble Nachfolger gefunden (Heiterkeit und Sehr gut! im Zentrum), denn Herr v. Bennigsen mißbilligte solche Maßregelungen, wobei freilich nicht zu ver- gesien ist, daß damals die Erinnerung an die eigenen Maßregelungs leiden der Liberalen noch frisch war. Nicht ein zu Leibeigenen oder zu Bedienten herabgedriickter, zur Heuchelei und Strcberei erzogener, sondern nur ein selbstbewußter, seine staatsbürgerlichen Rechte frei betätigender Beamtenstand kann seilten hohen Ausgaben gerecht werden.(Bravo I im Zentrum.) Daher glauben wir, den Interesse» des Vaterlandes und der Monarchie am besten zu dienen, wenn wir den Reichskanzler auffordern, die rechtswidrigen Maßregelungen rückgängig zu»lachen.(Stürmischer Beifall im Zentrum.) Abg. Heinze(natl.): Der Staatssekretär sagte, es habe sich in Kattowitz um großpolnische Agitation gehandelt(Zurufe:„Sagen wir mall" Stürniische Heiterkeit.) Das polnische Reich ist Ende des 18. Jahrhunderts untergegangen.(Zurufe: Gott, wie neu! Heiterkeit.) Damit müssen die Polen sich abfinden. Trotzdem fühlen sie sich in erster Linie nicht als Russen, OestcrreiÄer, Deutsche, sondern als Polen, als Angehörige eines unter diese drei Reiche verteilten Reiches. Das zeigt deutlich ihre Presse in Posen, in West. falen, in, in...(Zuruf bei den Polen: In A m e r i k a!). ja auch in Amerika.(Stürniische Heiterkeit bei den Polen und den Sozial- dcinokraten.) Ucberall finden sich die Angriffe der polnischen Presse vornehmlich gegen das Deutsche Reich. Die Zertrümmerung des Deulschen Reiches ist die Hoffnung der Polen.(Hu! hu! bei d. Soz.) Wer ein offenes Auge hat, der muß von der Gefährlichkeit der polnischen Agitation überzeugt sein.(Sehr wahr! bei den National- liberalen.) Wir können unter keinen Umständen dulden, daß an unserer gefährdeten Ostgrenze Millionen von Menschen Tag für Tag in solcher Weise gegen das Deutschtum ausgehetzt werden. Ober- schlesien hat sich in den letzten Jahrzehnten aus einem rückständigen Lande zu einem stark induftiellen entwickelt. Damit haben sich dort starke soziale Gegensätze entwickelt, und künstlich sind dann noch seitens der Posener Polen nationale Gegensätze hinein» getragen. Angesichts all dieser Zustände ist eS Pflicht jedes national Gesinnten, in Oberschlesien zum Deutschtum zu halten' Der Fehler des Zentrums in Kattowitz war, daß es ausgesprochen polnische Kandidaten auf seine Liste nahm und dadurch feine An- Hänger zwang, für Kandidaten zu stimme», die im innersten Grunde Feinde deS preußischen Staates sind. Aus diesem Grunde trägt das Zenttum die Hauptschuld an den Maßregelungen.(Lachen im Zentrum.) Wir begrüßen eS. daß diese Interpellationen Klarheit im Volke verbreiten werden über die Ziele der Polen und die Hilfe, die das Zentrum ihnen gewährt.(Lebhaftes Bravo! bei den National. liberalen, Zischen im Zentrum und bei den Polen.) Abg. Henning(k.): Wir haben mit dem Zentrum viele Be- rührungspniikte in wirlschaftlicher und Äristlicher Beziehung und bedauern sehr, daß es sich in Kattowitz in ein Bündnis mit den Pole» eingelassen hat. Wir werden nach wie vor alle Regierungs- maviiahmeff unterstützen, die auf eine energische Vertretung der Interessen des Deutichtums hinzielen. Es sind auch früher schon Maßregelungen vorgekonimen. Konservative höhere Beamte sind gemaßregelt worden.(Große Heiterkeit im Zentrum und bei den Sozialdemokraten. Rufe: Hinaufgemaßregelt!) Es ist auch die Frage erlaubt, ob Kattowitz ein solches Paradies ist, daß eS so eine große Strafe ist, von dort wegversetzt zu werde»?(Heiterkeit. Rufe: Unglaublich!) Staatssekretär des Reichspostamts Kraetkc: WaS soll denn daraus werden, wenn Beamte ungestraft für groß- polnische Kandidaten stimnien dürfen? Da muß doch olle Autorität schwinden!(Große Heiterkeit beim Zentrum und den Sozialdemo kratcn.) Beamte, die für das Zentrum gestimmt haben, sind nicht versetzt worden, sondern nur solche, die für polnische Kau didaten gestimmt haben.(Zuruf vom Zentrum: Aber im Westen dürfen Postbeamte sozialdemokratisch wählen I) Daß Postbeamte in Freiburg, Dortmund usiv. sozialdemokratisch gewählt haben, ist mir amtlich"nicht bekannt.(Lachen ini Zentrum.) Die betreffenden Leute sind durchweg nach sehr schönen, angenehmen Orlen(Lachen im Zentrum) mit katholischen Kirchen und Schulen versetzt worden. Nur zwei Beamte haben sich in Ein- gaben gegen die BersetzungSorte gewandt. Die Beamte», die von Kattowitz»ach anderen Orlen versetzt worden sind, find verletzt worden, weil das Interesse deS Dienstes es so verlangte.(Beifall rechts und bei den Nationalliberalen. Unruhe, Lachen und Zische» bei den Polen, im Zentrum und bei den Sozialdemokraten.) Staatssekretär Delbrück: Das Recht der absolut freie» Betätigung der Beamten auf politischem Gebiete findet seine Beschränlimg in den Rechten, die dem Staate zustehet» auf Grund des� öffentlich-rechtlichen Dienstverhältnisses, in das der Beamte zum Staate tritt. Das Aufsichts- reckt deS Staates erstreckt sich auf die gesamte dienstliche und außer- dienstliche Tätigkeit des Beamten, soweit sie in Beziehung tritt zu den Aufgaben des Staates. Diese Beschränkungen werden dem Be- amten nicht willkürlich auferlegt, der Beamte wird nicht wie der Staatsbürger als solcher geboren, er tritt freiwillig in sein Dienstverhältnis ein(Lachen links. Sehr richtig I rechts) und unter- wirft sich damit selbstverständlich den ihm bekannten Beschränkungen. Er übernimmt sie auch nicht umsonst, denn das Beaintenverhältnis bringt für ihn eine Reibe äußerer Ehren mit sich, eine vorteilhafte Stellung im öffentliche» Leben und eine gesicherte materielle Stellung. TaS gilt für unmittelbare und mittelbare Beamte grundsätzlich. Wie weit im einzelnen Falle mit dieser Beschränkung zu gehen ist, das hängt davon ab, ob die Tätigkeit im einzelnen Falle gegen den Staat gerichtet ist.(Zuruf bei den Sozialdemokraten: Was ist der Staat?) Der Staat hat die Aufgabe, die Interessen der Gesamt- heit nach Maßgabe deS bestehenden Rechts zu vertreten und die Tätigkeit der Beamten zu beschräilken, wenn sie im Widerspruch steht mit den öffentlichen Interessen. Ist die Verfehlung der Beamten eine schwere, so ist auf disziplinarem Wege gegen sie vorzugehen. Liegt der Fall milder, so ist der Beamte in 'einer jetzigen Stelle nicht mehr zu verwenden, so wird er ver- e tz t im Interesse des Dienstes.(Lebhaftes Lachen im Zentrum und bei den Sozialdemokraten und Polen.) In dieser Per- etzung liegt kein Nachteil für die Bcamteii, in der Mehrzahl der Fälle vielmehr ein Vorteil. Es ist darauf hingewiesen, daß die preußische Regierung weit- herziger und milder gewesen sei als die Reichsregierung. Da» ist nicht richtig. Das kann ich versichern, der ich eine 3l)jährige Beamten- tätigkeit hinter mir habe.(Zuruf bei den Sozialdemokraten: Das merkt man! Gr. Heiterk.) Ist nun die polnische Bewegung für den Staat 'o gefährlich, daß er zu den geschilderten Maßnahmen greifen muß? Wenn man die wachsende Animosität der polnischen Bevölkerung gegen das Deutschtum verfolgt, so kommt man zu dem Ergebnis, daß man im polnischen Lager das nationale Kulturbewußtsem auf- reckit erhalten und fördern und das nationale Band, das die Be- völlerung des eheinaligen Königreichs Polen umschlingt, nicht Ichwächen, sondern stärken will. Nun zu der Kattowitzer Frage; sie kann nur im Zusammenhang mit der ganzen politischen Situation beurteilt werden. Auf die kommunalen Behörden sind weitgehende staatliche Rechte übertragen, und in Zeiten hochgehender Erregung kann die Regierung Wert daraus legen, daß in den staatlichen Kollegien Männer mit nationaler Ge- innung sitzen.(Unruhe im Zemrum und b. d. Polen.) Die beiden lolnischen Herren, um die eS sich handelt, sollen großpolnische Agitation nicht betrieben haben. Aber beide gehören B e r e i n e» an. welche Hauprträger der Agitation sind, und deshalb werden Sie da« Recht der Staatsregierung zu ihrem Eingreifen nicht bestreiten können.(Lebhafte Zustiinmung bei den Nalionalliberalen und rechts.) Herr Korfanly behauptete, die Polen würden geknechtet. zurückgedrängt und zu Heloten gemacht.(Sehr richtig I bei den Polen.) Die Polen arbeiten viel mit der Geschichte, sie über chlagen aber die 13» Jahre, die zwischen der Okkupation und der heutigen Zeit liegen.(Abg. Korfanty: Die haben wir sehr wohl im Gedächtnis I) Auf Oberschlesien gehe ich nicht ein, das ist altes deutsches Land, da« außerhalb der großpolnischen Bewegung gestanden hat; erst seit Anfang der 80er Jahre ist sie dorthin übertragen. West- vreußen und Posen sind die Herde dieser Bewegung. Westpreußen war vor der Okkupation ein verwüstetes Land mit verfallenen Städten, heute sehen wir dort lachende Fluren, blühende Dörfer und Städte. Die preußische Verwaltung hat diesem Lande Gesetze und Freiheit, Ruhe und Bildung gebracht.(Bravo! rechts.) Wenn die Polen diese Ruhe jetzt benutzen, um Waffen, gegen ihren Wohltäter zu schmieden, so hat der preußische Staat das Recht und die Pflicht. ich dagegen zu schützen. Preußen würde seine Traditionen auf- geben, wenn es die Früchte seiner Arbeit in den Ostmarken aus der Hand geben würde.(Lebhafter Beifall rechts und bei den National- liberalen.) Hierauf vertagt sich das Haus. Spahnsche Geschäftsordnung. Abg. Dr. Müller- Meiningen(Frs. Vp. zur Geschäftsordnung): Um kein Präjudiz eintreten zu lassen, muß ich gegen die ganz aus- fallende ungewöhnliche Redeordnung, welche heute zur Einführung (elangt ist, namens meiner Parteigenossen Widerspruch erheben. Sie teht in schärfstem Widerspruch zu der Redeordnung. die seit vielen Dezennien hier üblich gewesen ist. Es war bisher Gepflogenheit, daß bei Interpellationen nach dem Interpellanten erst alle anderen Parteien zum Wort kamen, während heute Herr Gröber zuerst in der Diskussion sprach. Wir haben alle Ursache, gegen diese auf- 'allende neue Praxis schon jetzt zu protestieren.(Bravo! links.) Abg. Bassermann(natl.): Auch ich»nöchte namens meiner poli- tischen Freunde den Herr» Präfidenten bitten, tunlichst die frühere Gepflogenheit wieder herzilstellen. Nach der Geschäftsordnung sollen ja die Redner nach der Reihenfolge der Meldung das Wort er- halten. Das ist schwer zu handhaben und ist auch nickt gehandhabt worden. Es hat sich das Gewohnheitsrecht herausgebildet, daß die Meldungen bei den Schriftführern erfolgen und der Herr Präsident numeriert die Redner, und zwar so, daß meist bei wichtigen Fragen stets die Fraktionen der Reihe nach gemäß ihrem Stärkeverhältnis zu Worte kommen. Diese Gepflogenheit entspricht auch durchaus der Billigkeit und Gerechtigkeit.(Sehr richtig I links.) Abg. Gröber(g.): Es ist ein Irrtum. daß immer nach der Starke der Fraktion das Wort erteilt wurde. Ich erinnere an die Interpellation über die mecklenburgische Berfassung. 1 | Wg. Singer: Wenn Herr Gröber sich auf die mecklenburgische Interpellation bezieht, so ändert das nichts an der Tatsache, daß früher Jahre hindurch die von den beiden Herren Vorrednern geschilderte Ge- pflogenheit geherrscht hat. ES mag ja sein, daß bei der neuen Block- fiihrung die Sache anders geworden ist.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten. Lachen rechts.) Jedenfalls bezweifle ich, daß für den Fall, daß der alte Block noch bestände, ebenso ver- fahren worden wäre.(Sehr richttg! bei den Sozialdemokraten.) DaS Haus hat aus jeden Fall ein dringendes Interesse daran, daß der früheren Praxis zurückgelehrt wird. Wenn eine Fraktion in der Weise begünstigt wird wie heute, ist das eine Ungerechtigkeit ersten Ranges(Sehr richtig! bei den Sozial- deniokraren), zumal angesichts der Tatsache, der beschränkten Dis- kusfion— man hat ja früher auch nie daran gedacht, daß Jnter- pellanoneu an einem Tage erledigt werden muffen, das ist auch erst eine Frucht der letzten Jähre. Ich bitte also den Herrn Präsidenten, die beiden anderen Herren Prändenten von unierem Wunsche zu unterrichten: daß zu der allen Gewohnheit zurückgelehrt wird.(Bei- fall bei den Sozialdemokraten.). Abg. Müller-Meiningen(fts. Vp.) zur Geschäftsordnung: Der Angriff des Abg. Singer gegen den alten Block war unzeitgemäß. Wir haben nur protestiert, um kein Präjudiz schaffen zu lassen. Es besteht die feste Gewohnheit im Reichstag, daß hinter den Jnter- pellanten alle Parteien zu Wort kommen, ehe wieder ein Vertreter der Partei des Interpellanten das Wort ergreist. Abg. Mugdan(frs. Vp.): Ich mache den Abg. Singer darauf aufmerksam, daß die Interpellationen nicht stets nur einen Tag be- am'prucht haben, z. B. hat die Interpellation wegen der Berg- arbeiter zwei Tage gedauert. Abg. v. Dzicmbowski(Pole) widerspricht der Auffassung von Müller-Meiningen, da dann der Interpellant keine Gelegenheit habe, auf die Antwort der Regierung zu antworten. Abg. Baffcrmann(natl.) bemerkt, daß Graf Ballestrem die Auf- faffling Dr. Müller-Rkeiningens geteilt habe, und bittet, zu dieser Gepflogenheit zurückzukehren. Abg. Gröber(Z.) bittet die Frage der Geschästsordnungs- kommiifion zu überweisen. BizeprUident Dr. Spahn: Als mir die Wortmeldungen über- geben wurden, standen dort nur die Namen Henning. Gröber, Heinze, Lattmann. Zugleich wurde mir mitgeteilt, daß die Herren Heinze, Gröber und Henning sich darüber verständigt Fitten, daß zuerst Herr Gröber, dann Herr Heinze und dann Herr Henning prechen. Da ich damals»och gar leine anderen Wortmeldungen hatte, konnte ich nur so Verfahren wie geschehen. Ich bitte die Herren Abgeordneten, welche sprechen wolle», sich so zeitig zu melden. daß die Feststellung der Rednerliste erfolgen kann, ehe von dem Präsidenten bereits irgend eine Zusage an einen der Herren er- teilt ist. Abg. Heinze(natl.): Dem Herrn Präsidenten muß ein Miß- Verständnis unterlaufen sein: ich habe ihr» nur mitgeteilt, daß Herr Henning und ich sich verständigt hätten. Mit Herrn Gröber habe ich gar nicht gesprochen.(Hört! hört!) Abg. Henning(k.): Ich muß das bestätigen.(Wiederholtes Hörtl hört!) Vizepräsident Dr. Spahn: Dann ist allerdings eine Inkorrektheit vorgekommen, aber das Ergebnis dieser Besprechung war, daß die Neihenfolge so festgesetzt wurde wie geschehen. Nächste Sitzung: Donnerstag 1 Uhr.(Fortsetzung der Be- prechung der Julerpellation. Justizgesetzes.) Schluß 7 Uhr._ parlamentarilcbes. Aus dem Seniorenkonvcnt des Reichstages. Der Seniorenkonvent des Reichstages entschied sich am Mittwoch über die Kontingentierung der Geschäfte, damit der Etat noch vor Ostern zur Verabschiedung gelangen kann. Die früher festgesetzten Ferientage werden beibehalten. Die ersten sitzungsfteien Tage werden vom 22. bis 24. Januar reichen/ Für die Beratung aller Angelegenheiten bis Ostern stehen dem Reichstage 50 Tage zur Verfügung. Davon sind berechnet: Auf die vorliegenden Interpellationen sowie aus die Strafprozeß- ordnung, die Novelle zum Strafgesetzbuch und das Gesetz über die Haftung der Beamten acht Tage. 35 Tage werden auf die zweite Beratung des Etats gerechnet. Von diesen 35 Tagen sind neun Tage für die Beratung des Reichsamts des Innen» vorgesehen. Bleiben für die dritte Lesung deS Etats zwei Tage und sür Unvorhergesehenes fünf Tage. Die Strafprozeßordnung soll an eine Kommission von 28 Mit- gliedem gehen._ Die Usambarabah». In der Mittwochsitzung der Budgetkommission wurde über die von der Reichsregierung geforderte Weiterführung der Eisenbahn von Boiko nach Moschi in Lstafrika beraten, die das Kilimandscharo- und Merugebiet erschließen soll. Die Baukosten sind auf 12Vi Millionen veranschlagt, wozu noch anderthalb Millionen für den Ausbau des Hafens in Tonga kommen. Die Mittel sollen, wie üblich, durch Anleihe aufgebracht werden. Tic Bauzeit ist so veranschlagt. daß die Eröffnung der 173 Kilometer langen Strecke am 1. April 1913 erfolgen kann. Staatssekretär Dernburg versuchte in längerer Rede nachzuweiseil, daß die Bahn notwendig und daß sie auch rentabel sein würde. Durch den Bau der Bahn würden viele Landstrecken dem Verkehr erschlossen werden. Zur Prüfung der für den Bau und die Rentabilität in Frage kommenden Verhältnisse hat unter der Führung des Unterstaatssekretärs vonLindequist eine Kommission die Strecke bereist und ist angeblich zu der Ueber- zeugung gelangt, daß die Verhältnisse für den Bau und Betrieb sehr günstig liegen. In einer der Forderung beigegebenen Denk» s ch r i f t wird jedoch zugegeben, daß weder in B r i t i s ch- O st- a f r i k a, noch in den deutschen Schutzgebieten hinreichend lange Erfahrungen über die Einflüsse des tropischen Höhen» klimas auf die weiße Bevölkerung und die EntWickelung ihrer An- siedclungen vorliegen I Was die wirtschaftliche Seite der Frage anbetrifft, so ist auch hier natürlich alles auf das Beste bestellt. Der Betrieb wird an die Privatgesellschaft Lenz, die auch die bereits in Betrieb befindliche jetzige Stammstrecke in Pacht hat, verpachtet. Die Gesellschaft ver- pflichtet sich, in den ersten fünf Jahren jährlich mindestens 700 000 Mark Pacht zu zahlen. Bleibt aber der Betriebsreingewinn der Gesellschaft unter dem Mindestpachtzins, so zahlt das Reich den fehlenden Betrag darauf. Herr Dernburg tröstet sich damit, daß die zu deckenden Fehlbeträge durch die erhöhten Zolleinnahmen wieder einkommen werden, und daß durch die stärkere weiße Besiedelmig der militärische Schutz, der heute gegenüber den Ma ssa i notwendig sei, dann etwas vermindert werden könne. Am Donnerstag wird in der Kommission die Entscheidung fallen. Daß sie nach dem ihr vorgelegten mehr als dürstigen„Matc- rial" und nach den zum Teil recht widerspruchsvollen Begründungen glatt zustimmt, halten wir für ausgeschloffen. Klus der Partei. Sozialdemokratischer Gemeindevorsteher. In dem koburgischen Dorf Hasienberg ist ein Parteigenosse zum Gemeindevorsteher gewählt worden. Wenn Sozialdemokraten gewählt werden... In Merseburg sind beiden letzten Stadtverordneten- to a h l e» zum erstenmal in der dritten Abteilung vier Sozial- demolraten ins Stadtparlament gewählt worden. Um diese ..Schmach' von der recht„feudalen' Stadt abzuwenden, sannen die Bürgerlichen darauf, wie die Mandate zu kassieren seien und mit Unterstützung der freisinnigen Stadtväter kam man bald auf den rechten Weg� Seit vielen Jahren geschah in Merseburg die Aus- legung der Listen nicht nach Abteilungen, sondern insgesamt. Nie- mand nahm daran Anstosz, also arbeitete man auch diesmal nach diesem Muster. Nun aber die Roten gewählt wurden, ist das Plötz- lich der Stein des Anstoßes. Mit allen gegen eine Stimme wurden von den freisinnigen Stadtvertretcrn die sämtlichen Wahlen kassiert, denn die erste und zweite Abteilung sind natürlich „sicher". Bei der Ungültigkeitserklärung bedauerten die freisinnigen Mandatsräuber, so handeln zu müssen. Natürlich! Unsere Tote». Am Montag früh starb in Gießen der langjährige Kreis- Vertrauensmann der Partei, der Drechsler Aug» st Bock. Der Verstorbene kam Ende der 70er Jahre nach Gießen, wo er sicki während der Wahlbewegung von 1878 der Partei anschloß, für die er seitdem unermüdlich tätig war, ebenso für die Gewerkschafts- bewegung. Lange Jahre war er Vorsitzender des Gewerkschafts- kartells. poli-etlkkes, Omchtticbes ukw. Die rote Fahne auf dem Hambacher Schloß. Am Abend der Stichwahl in Neustadt-Landau wollte Parteisekretär Genosie Profit aus Anlaß des errungenen Siege« eine rote Fahne auf den Turm der Ruine hissen. Er und einige andere Genossen, die mit ihm auf das Schloß hinaufgewandert waren, wurden überrascht. Die Folge war eine Anklage wegen er- schwerten Hausfriedensbruchs. Profit wurde von dem Schöffen- gericht Neustadt zu 8 T a g e n. die anderen sechs Angeklagten zu j e 7 Tagen Gefängnis verurteilt. In der gestrigen Verhandlung vor dem Landgericht Franken- t h a l als Berufungsinstanz behielten die Genossen Profit und Scharfenberger ihre Strafe von 8 resp. 7 Tagen, die anderen Angeklagten wurden freigesprochen. �iigendbewegiing. Wird der„Nationale Jugendbund" für politisch erklärt werden? Da die freie Jugendorganisation Berlins vom Polizeipräsidium für politisch erklärt wird, so darf man gespannt sein, was dem „Nationalen Jugendbund" zu Potsdam geschehen wird. In diesem Verein, der eine Gründung der Konservativen ist, hielt der Gymnasiallehrer Dr. Rassow einen Vortrag über„Welt- Politik". Zu dem Vortrag waren besonders„höbere" und Fort- bildungSschüler eingeladen. Es entsteht nun die kniffliche Frage, ob Weltpolitik— Politik istl Die Antwort ist keineswegs so selbstverständlich, wie der verehrte Leser denken mag. Denn die Leitung deS„Nationalen Jugendbundes" hat das BortragSthema offenbar nicht für politisch gehalten, denn nach ihrer Versicherung bei der Gründung soll im Verein keine Politik getrieben werden. Und die Polizei ist vielleicht derselben Meinung wie die Bundes- leitung, denn sonst wäre sie doch rechtzeitig dreingefahren. Oder sollte sie erst nachträglich einschreiten? Nun, wir werden ja sehen und also wohl auch noch ersahren, ob nach der matzgebenden Ansicht der Polizei Weltpolitik Politik ist oder nicht. /Zus Inclultrie und Handel Die Scharfmacher und der gefährdete Profit. Der Zentralverband Deutscher Industrieller hat an seine Mit- glieder ein Schreiben gerichtet, in welchem er darauf hinweist, datz Behörden bei Submissionen die Ausstellung eines Reverses ver- langen, worin die an der Submission sich beteiligenden Firmen erklären, datz sie weder einem Kartell, noch einem Syndikat an- gehören, und ferner, daß sie keine Abmachungen zum Schaden der Staatskasse mit anderen Konkurrenten getroffen haben. Der Zentral- verband wünscht nun, datz ihm die Mitglieder, an die solche Forde- rungen gestellt worden sind, schleunigst Auskunft geben, damit zu der Sache Stellung genommen lverdcn kann. Wenn die Behörden solche Bestimmungen in die SubmissionS- Verträge einfügen, so handeln sie damit im Interesse der Kasse des Reiches, die nicht dazu da sein kann, von einer Anzahl prosit- lüsterner Unternehmer einfach ausgebeutet zu werden. Allem An- schein nach wollen die Zentralvcrbändler jedoch„oben" daraus hin- wirken, datz den Behörden verboten wird, solche Reverse vorzulegen. Und da die Herren in Wirklichkeit kommandieren, wird da§ von ihnen verlangte Verbot wohl nicht lange auf sich warten lassen. Getreidepreise. Die Getreidepreise sind im Jahre 1000 noch sehr kräftig in die Höhe gegangen. Der Weizenpreis stellte sich im Durchschnitt pro Doppelzentner auf 2J,48 M.. während er im Jahre lv03 20,4g, im Jahre 1g07 20,46 M. betragen hatte. Im Jahre 1906 betrug der durchschnittliche Weizenpreis nur 17,72 M. Der Umsatz an Weizen stellte sich im Jahre 1909 an den kleineren deutschen Fruchtmärkten aui 1 078 148 Doppelzentner. Bei Spelz belief sich der Durchschnitts- preis im Jahre 1909 auf 23.59 M. pro Doppelzentner; er hatte im Jahre 1908 21,62, im Jahre 1907 21,53 M. betragen. Der Umsatz betrug im Jahre 1909 130 288 Doppelzentner. Bei Roggen stellte sich der Durchschnittspreis im Jahre 1909 bei einem Umsatz von 1865 320 Doppelzentnern auf 16,63 M. gegen 17,75 M. im Jahre 1903. Somit hat der Jahresdurchschnittspreis eine kleine Ermäßigung erfahren. Der Umsatz an Hafer bezifferte sich im Jahre 1909 auf 999 808 Doppelzentner, der DurchschmttspreiS für den Doppelzentner betrug 17,91 M., während er im Jahre 1908 15,99 M. betragen hatte. Der Durchschnittspreis für Gerste belies sich im Jahre 1909 auf 16.39 M. pro Doppelzentner: er hatte im Jahre 1908 16,24 M. betragen. Dem Durchschnittspreis von 1909 lag ein Umsatz von 425 470 Doppelzentnern zugrunde. Kalilager in China. Nichts konnte zu den schwebenden Verhandlungen über die Zu- kunft der deutschen Kaliindustrie gelegener kommen, als die Nachricht, daß in China Kalilager gefunden seien, deren Beschaffenheit einen Abbau lohnen soll. Die Phrase von der Verschleuderung der Kali- schätze wird dadurch hinfällig. Die Kalilager bieten, genau so wie die Kohlenlager, den größte» Nutzen, wenn sie so schnell als möglich abgebaut werden. An eine Erschöpfung ist bei ihrem Umfange in absehbarer Zeit gar nicht zu denken. Der Wert solcher Naturschätze hängt lediglich von ihrer Verwendungsmöglichkeit ab. Diese ist aber großen Schwankungen ausgesetzt. WaS lvürden wir für ein Urteil über unsere Vorfahren fällen, ivenn diese vor hundert Jahren Wal- fische gezüchtet oder nur die lebenden gehegt hätten, in der weisen Voraussicht, die Beleuchtung auf Jahrhunderte mit Traulampen zu ermöglichen? Aebulich wird die Memmig unserer Nachfahren lauten. wenn sie erfahren, datz wir die Kalischätze gespart haben, um sie nutzlos in der Erde_ zu lasten. SS ist sehr wahrscheinlich, datz im Laufe einer hundertjährigen weiteren Entwickelung billigere Dünge- mittel entdeckt werden. Dann liegt daS Kali wertlos in der Erde. Verbilligung des Kali verschafft oestere Ernteerträge und erweitert den ArbeitSinarlt. Der AufsichtSrat deS Kalisyndikats hat in einer Sitzung am Dienstag beschlossen, die Fortsetzung der Verhandlungen mit den Verantwortlicher Redalteur Richard Barth. Berlin. Für dens amerikanischen Interessenten in New Jork abzulehnen und den Delegierten des Syndikats die Heimreise anzuempfehlen. Versand des Stahlwcrksvcrbandcs. Der Versand an Produkten A betrug im Dezember 1909 409 840 t Rohstahlgewicht gegen 390 355 t im November 1909 und 358 491 t im Dezember 1908. Der Versand ist also 19 485 t höher als im November 1909 und 51 349 t höher als im Dezember 1908. Von dem Dezemberversaud entfallen auf Halbzeug 152 673 t(130 480 t im November 1909 und 108 753 t im Dezember 1908), auf Eiseubahnmaterial 156 315 t(153 265 t im November 1909 und 183 479 t im Dezember 1908) und auf Formeisen 100 852 ti(106 610 t im November 1909 und 66 259 6 im Dezember 1903)., Preissteigerung. Den Streik der englischen Bergarbeiter haben die dortigen Kohleuvcrschleißer schon zu einer ansehnlichen Ver- teuerung der Breirnmaterialien benutzt. Den deutschen Kohlen- baronen würde es sehr in den Kram passen, wenn sie gerade jetzt ebenfalls einen Streik provozieren könnten. Eine bessere Gelegen- heit, trotz der enormen Kohlcnvorräle, eine mächtige Erhöhung der Preise zu erzielen, könnte es für sie gar nicht geben. Milchkrieg in Stuttgart. Der Milchpreis, der in Stuttgart bisher 20 Pf. für das Liter betrug, sollte auf 21 bezw. 22 Pf. gesteigert werden. Die Versuche der Partei und der Gewerkschaften, die Milckihändlervereinigung zu einem genieinsamen Vorgehen gegen diese vom Bund der Landwirte inszenierte Preissteigerung zu bewegen, schlugen fehl. Die Händler machten gemeinsame Sache mit den Agrariern. Die Stadlverwaltung, von der Arbeiterscbaft zum Eingreifen aufgefordert, ließ durch den Mund des Oberbürgermeisters erklären, datz sie eine Pflicht dazu nicbt anerkennen könne. Aber ein Referat über die Frage könne gehalten werden. Auf das stadträtliche Referat wartet die Be- völkerung heute noch. Die Partei und Gewerkschaften sahen sich gezwungen, selbständig vorzugehen. Eine Einschränkung des Milchverbrauchs wurde empfohlen und durchgeführt. Sodann gelang es, größere Mengen Milch bester Qualität anderweitig zu be- schaffen. In Verbindung mit einem Grvtzunternehmer wurde der Vertrieb organisiert. Jetzt schon erhält ein großer Teil der Partei- und Gewerkschaflsgenosicn die Milch zu 19 Pf. das Liter, also billiger als früher. Durch Erschließung neuer Milchquellen ist eS möglich geworden, den Vertrieb auf ein immer größeres Gebiet der Stadt auszudehnen. Die Milchhändlervereiiiignng hat bereits den Milch- aufschlag wieder rückgängig machen müsse». Ein Teil liefert bereits unter dem alten Preis, auch zu 19 Pf. Die anderen werden nach- folgen müssen, ob sie wollen oder nicht. Die von der Partei und den Gewerkschaften besorgte Milch steht unter scharfer Koiurolle betreffs Qualität und Reinheit, so datz mit der Verbilligung zugleich eine Oualitätsvcrbesserung erzielt, der Milchpantscherei Ivirksam eilt- gegengearbeitet wurde. Die Milchproduzenten erleiden nun, statt der erhofften 800 000 M. Mehrgewinn jährlich, um die die Stuttgarter Bevölkerung neu geschröpft werden sollte, eine Mindereinnahme von 400000 M. Die Stuttgarter Bevölkerung aber ist mit diesem AuL- gang des Milchkrieges sehr zufrieden. Hiia der frauenbewec�nc� Eine Drohung, die sich schrecklich anhört, hat die Gründerin und Führerin der „liberalen Frauenpartei", Frl. Maria LischnewSka, in einer Berliner Versammlung ausgestoßen. Mit Bezug auf die verächtliche BeHand- lung der bürgerlichen Frauen in dem liberalen Einigungsprogramm rief sie emphatisch aus:„Die Frauen verlangten alle politischen Rechte, sonst würden sie— man denke I— zur sozialdemo- kratischen Partei übergehen."— Die Haltung der Libe- ralen den modernen Frauenforderungen gegenüber ist heute dieselbe, die sie immer war. Nichts hat sich geändert. Frl. LischnewSka aber hat eS noch kürzlich bei den Schöneberger Stadt- verordnetenwahlen fertig bekommen, sich mit aller Macht für einen liberalen Kandidaten ins Zeug zu legen, der für ihre Bestrebungen nur offenen Hohn und Spott übrig hatte. Wenn sie jetzt mit einmal die sittlich Entrüstete mimt, so macht sich das höchst komisch. Die Liberalen kennen überdies ihre frauenrechtlerischen Pappenheimer, denen sie schon unzählige Fußtritte versetzten, ohne den immer erneuten Liebeswerbungen der Damen entrinnen zu können. Der waschechte Liberalismus begegnet deshalb auch der Drohung seiner bisherigen allergetreuesten Schleppträgerin er- klärlicherweise nur mit dem Gefühl absoluter Wurschtigkeit. Die Drohung ist übrigens nichts weiter als ein„Blnff" frei nach Ruprecht von Ransern, der. wenn„oben" nicht alles nach dem Willen der Agrarier ging— gelegentlich auch mit dem Sozialdemokratisch werden drohte, womit es ihm natürlich ebenso wenig ernst war wie seiner Jmitatorin. Inzwischen hat Fräulein LischnewSka? Aufregung sich merklich abgekühlt, wie aus ihrer neuesten„Kundgebung" an die Vorstände der drei liberalen Parteien hervorgeht. Da versichert sie im Schluß- passus, datz sie und ihre sogenannte Partei dem Liberalismus treu ergeben seien, wie sie stets und vor allem in so manchem Wahl- kämpfe bewiesen hätten, ferner: datz sie der Wiedergeburt deS Liberalismus als Hoffende gegenüberständen. Ihre mündliche Drohung aber hat sich auf dem Papier jiu der schüchternen Be- schwörung verflüchtigt, datz sie aufs eindruiglichste vor der neuen Fassung des Programms warne,„weil eS jede denkende und sich selbst achtende Frau von der Schwelle der Partei sortweise". Da« schrieb die Führerin der liberalen Frauenpartei kurz, nachdem Herr v.Payer auf der Stuttgarter Parteikonferenz der Volkspartei unter tosendem Gelächter der Versammelten(Siehe„Vorw." Nr. 6, 1. Seite,„Das Ende einer Partei") die Gleichberechtigungsforderungen dee bürgerlichen Frauen grausam verhöhnt und dem Papierkorb überantwortet hatte. Wenn die liberalen Frauen nun noch weiter hoffen, datz der Liberalismus ihre Wünsche erfülle, so ist ihnen nicht zu helfen, sie erhalten nur die Behandlung, die sie verdienen. Humanität und Geschäft. Aus New Aork wird nach einer Mitteilung des„New Uork fournal" berichtet, daß„Fräulein Anna Morgan, die Tochter des >ekannten Millionärs Morgan, infolge ihrer während des Streiks der Blusenarbeiterinnen gemachten Erfahrungen sich entschlossen habe, eine Fabrik zur Anfertigung von Blusen zu errichten. Der Betrieb in dieser Fabrik soll in jeder Hinsicht mustergültig sein. Fräulein Morgan, die eine führende Rolle im Streik gespielt hat, ist davon überzeugt, daß es diesen Arbeiterinnen sehr schwer fällt, sich ehrlich durchzuschlagen. Sie hat eine große Anzahl Damen ihrer Gesellschaftsklassen für daü Projekt einer Musterfabrik für Blusen interessiert, in der Mädchen, die der Union angehören, beschäftigt werden sollen. DaS Kapital der neuen Gesellschaft wird 5 Millionen Mark betragen. Da die Streikenden die besten Blusenarbeiterinnen des Landes sind, so sind die Organisatoren fest davon überzeugt, daß sie mit dem neuen Etablissement, das sich gegen die unionierten Blusenarbeite- rinnen richtet, konkurrieren können." Die Spekulation des Fräuleins, das anscheinend von seinem Vater neben diversen Millionen auch eine gute kaufmännische Ver- anlagung geerbt hat. dürfte sich als eine durchaus gute erweisen. Mit den besten, eingearbeiteten Spezialarbeiterinncn, bei einem ge- nügend grotzen Anlagekapital wird die Fabrik sicherlich konkurrenz- fähig sein und ganz nette Gewinne abwerfen. Auch ein Fortschritt der Frauenbewegung. Wie sich in den Köpfen mancher Amtsblatt-Redaktenre der Fort- schritt der Frauenbewegung ausmalt, davon folgender Beweis. Die in Duisburg erscheinende„Rhein- und Ruhr-Zeitung" schreibt in ihrer Nummer 14 vom 10, Januar 1910:_ jnseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts „Die Frauenbewegung macht auch in Duisburg er» freuliche Fortschritte. Von Duisburger Juristenfrauen wird für den 27. Januar eine Kaisersgeburtstagsfeier geplant, die bei Kaffee und Kuchen im Kasinohotel vor sich gehen soll. Wir wünschen der patriotischen Veranstaltung einen har- manischen Verlauf." Wenn der Fortschritt der Frauenbewegling gekennzeichnet würde durch die Menge des konsumierten Kaffees und Kuchens bei Kaisers- geburtstagsfeiern, dann dürften die Damen der oberen Zehntausend allerdings schon recht Erkleckliches geleistet und den Rekord des Fort- schrfttS geschlagen haben._ Lescabende. Mariendorf. Donnerstag, den 13. Januar(8 Uhr), bei Loewett« Hagen, Chausieestr. 27. Vortrag des Genossen Heinig. Sericdts- Leitung. Verdorbene Pfcrdcwurft Vom Landgericht II in Berlin ist am 8. September v. I. der Schlächter Ernst G r e m S wegen Vergehens gegen§ 12, 1 deS NahrungsmittelgesctzeS zu 0 Monaten Gesänguis' verurteilt worden. Wegen ähnlicher Straftaten ist er bereirs dreimal vorbestraft. Im letzten Winter betrieb er in Lichlenberg eine Fleischwarenhandlung. Im November und Dezember 1908 kaufte er täglich bei einem Roß- schlächter Pferdefleisch und verarbeitete es zu Wurst. Sein Gehilfe Köhler, mit dem er in Uneinigkeit geriet, erstattete Anzeige, als dec Angeklagte auf dem Markte in Köpenick Fleisch waren feilhielt. Der Tierarzt Dr. N. nahm beim Angeklagten eine unvermutete Durchsuchung vor und beschlagnahmte auf dem Tische des Verkaufsstandes faulige Salamiwurst. Die Polizei nahm nun eine Haussuwung vor und fand den Arbeitsrnum des Angeklagten in einem höchst unsauberen und ekelerregenden Zustande. Den Polizcibeamten schlug beim Betreten der Werlstatt, in der auch das Bett stand, ei» pestilenzialiicher Fänlnisgeruw entgegen. Vorgefunden wurden 150 Würste, vier Kübel mit Fleisctsttückcn, ein Kübel Därme und ein Kübel Wurstfett— alles verdorben.— Die Revision des Angeklagten wurde am Dienstag vom Reichsgerichte als un- begründet verworfen._ Eine Ehcirrung in der Lanbcnkolotlie bildete den Ausgangspunkt einer Bluttat, die den unbestraften Maler Emil Fabian gestern vor die Strafkammer des Landgerichts III führte. Der 25jährige Angeklagte, dem das Zeugnis eines fleißigen, ruhigen Arbeiters gegeben wird, halte in der Lauben- kolonie„Heimat" in Weißensee in der Nähe des jüdischen Kirchhofes eine Laube häuslich eingerichtet. Sein Nachbar daselbst wurde der Arbeiter Oberüber, dem er bei der Errichtung einer Laube behilflich war. Er trat mit dem Ebepaar in freundschaftliche Be- zichungen, unterstützte den O. mehrfach mit Geld, wenn dieser ohne Arbeit war, und Frau O. kochte für ihn das Mittagessen mit. Die freundschaftlichen Beziehungen wurden zu der Frau O. bald sehr intim. Diese mußte im gestrigen Termin zugeben, daß Fabian seit ihrer Eheschließung der dritte war, mit dem sie in intimem außerehelichem Verkehr gestanden. Ihre Ehe mit ihrem Ehemann ist nach ihrer Behauptung recht unglücklich gewesen und er soll sie wiederholt geschlagen haben; übrigens behauptet sie, daß ihr Mann, so lange er keine Arbeit hatte, über ihre Besuche in der Fabianschen Laube milde hinweggesehen habe. Am 7. Juli kam es zwischen ihr und ihrem Manne zu einer lärmenden Szene; der Mann miß- handelte sie wieder und wies sie aus der Laube. Sie ging zu Fabian und dieser brachte sie am nächsten Tage während der Ehe- mann auf Arbeit war, zu seiner Schwester. Abends ging er in die Klarsche Kantine, wo sich auch Oberüber befand. Dieser herrschte ihn mit der Frage an:„Wo hast Du meine Frau gelassen" und als Fabian antwortete:„WennDuDeineFrau'rausschmeißt. dann suche sie Dir doch I" schlug ihn O. mit der Hand ins Gesicht. Als Feierabend geboten war und Fabian seiner Laube zugehen wollte, trat O. w,eder an ihn heran und fragte nochmals nach seiner Frau. ES kam zu einer lebhaften Auseinandersetzung. Fabian wußte, daßO. ein Messer bei sich führte und schon seiner Ehefrau angekündigt hatte, daß etwas passieren würde, und nicht übel Lust halte, diese Drohung wahr zu machen. Er hielt es daher für das beste, zu flüchten. O. verfolgte ihn und gab ihm einen Fußtritt, wobei beide über einen Schutthaufen fielen. Fabian kam unten zu liegen, er gebot dem O., von ihm abznlasscn, und als dieser keine Folge lei st ete, zog er seinen R e« v o lv er aus der Tasche und gab zwei Schüsse auf seinen Gegner ab. Dieser brach stark blutend zusammen und mußte von Laubenkolonisten in das Augusta-Viktoria-KrankenbauS ge- bracht werden. Dort wurde festgestellt, daß der erste Schuß in den Oberschenkel, der zweite in die Bauchhöhle gedrungen war. den Darm neunmal durchschlagen hatte und in das Gekröse eingedrungen war, so daß eine schwere Operation nötig wurde. Diese ist glücklich verlaufen. Der Augeklagte gab de» Tatbestand zu, behauptete aber, daß er sich vor den Augriffen des D. nicht anders habe retten können.— Staatsanwalt H o o tz beantragte ein Jahr Gefängnis.— Rechtsanwalt Dr. Max Kantorowicz hielt e« dagegen nach dem Ergebnis der Beweisaufnahme für zweifellos, daß der An- geklagte sich in der Notwehr befunden, zum mindesten aber ge- glaubt habe, daß eine augenblickliche Gefahr für ihn vor- läge.— Das Gericht war derselben Ansicht und sprach den Angeklagten frei. Autoritiitsuntcrgrabung. Sonderbare Ansichten von Untergrabung der Autorität der Vor- gesetzten der Landarbeiter kamen in einer Schöffengerichts- sitzung in Stolp am 10. Januar d. I. zur Sprache. Wegen Be- l e i d i g u n g des W i r t s ch a f t S e l e v e n Neumann i» Damerkow hatte sich der Deputant Eduard Kautz aus BeWersdorf, früher in Damerkow. zu verantworten. Die Beweisaufnahme ergab folgenden Sachverhalt: Am 8. November war der Angeklagte damit beschäftigt, auf einen Wagen Kohl zu laden, als der WirtschaftS- eleve Neumann auf den Wagen stieg und den Kohl mit den Füßen feststampfte. Darüber wurde der Angeklagte erregt und tadelte dieses Treiben. Auf die Antwort, „datz der Herr eS befohlen habe", begann der An- geklagte mit einigen drastischen Worten diese Handlungen zu rügen und mit dem Forkenstiel zu drohen, denn durch das Festtreten der Kohlköpfe wurde die Arbeit des Aufladcns verlängert. Ob dieses Frevels wurde nun von seitcn der Staatsanwaltschaft Anklage im öffeiitlichen Interesse erhoben. Nach Schluß der Beweisaufnahme, in der der Angeklagte geständig war, begründete der A in t s a n>v a l t seineit Strafantrag in Höhe von LI Mark damit, datz die Autorität der Vorgesetzten auf dem Lande geschützt werden mutzte. Dem schloß sich das Gericht unter Vorsitz eines Assessors an, erkannte auf die beantragte Strafe und begründete dieses Urteil damit,„datz An- geklagter keinen Grund zum Schimpfen habe". Der Amtsauwalt ist nebenbei Gutsbesitzer, die beiden Schöffen waren ein Hofbesitzer und ein Stalionsassistent a. D. Lese- und Diskutierklub„Wilhelm Liebknecht». Heute Donners- tag, abends g Uhr, Sitzung bei K. Eichhorn, Danziger Straße 93. Gaste willkommen. Kranken- und Sterbekasse der Tabakarbeiter Berlins.(E.H. Nr. 83.) Heute Donnerstag, abends 8'/, Uhr, bei Lutter, Weinstr. 11: Außerordentliche Generalversammlung. Freie Jugendorganisation Berlin Südost. Heule Viertels- v e r j a in ni I n ii g eu!«tottbuscr und Oranicnvicrlcl: im GewerlschastS- Hans: Forster Viertel: bei Schulze, Förster Str. 17: Schlesijches Viertel: bei Neidhardt, Görlitzer Str. 58; Lansiyer Viertel: bei Mix, Sknlitzcr Str. 5». Themen-„Deutschland von 1315—1846" und„Modernes Christentilm und heutige Wirtschaftsweise".__._ Buchdruckerei».VerlagSanstait Paul Singer& Co.. Berlin SW. A.WERTHEIM G. m. b.H. LEIPZIGER STR. ROSENTHALER STRASSE Extra-Treise Stangenspargel.. Vi v°-° 1.65 Stangenspargel II 0°»- 1.30 Stangenspargel III... 1.00 �rnelispargel... v, vo-- 1.25 Ab scknitt Spargel 0°-- 43 pl Scbnitt- u. Brecbbobnen v°-. 27 Pf. Junge Schöten II... Vi v°-- 52 pf. Junge Schoten III...»/» v°.- 45 pf. Kohlrabi in s-l.-ii.-n...... v. v°°- 27 pf. Steinpilze.. v. vo-- 98 pk.. y, vo-- 55 pk �.ote I�üben vo» 39, DioPhn-mburg, Besenbinderhos 57. Kommissionsverlag„VorwättS", Berlin W. 68.__ ßriefkaften der Redaktion. Sie larlstische Tprechstunde findet Ltndeasirage g, zweiter Hof. drittee Eingaiiz, vier Treppen, gpV* Sahrftubl-Mxz n>»ihe»wgltch obcnoS von 7H bis 914 Uhr statt. Geöffnet 7 Uisr. ZonnabrndS beginnt Vit eprechstunde um 5 Uhr. tz-dcr Anfragt ist ei» Buchstabe und eine Zahl als Merkzrichru beizufLgr». Brieflich« Antwort wird uicht rrtrilt. Bis zur Beantivortuug im Brteskastrn tiinucn tt Tage«crgchca. Silige Frag«» trag« «an in der eprrchstuude vor. H. St. 86. Kerne vom ProSkauer Pfirsich führen die Samenhand- mngen nicht, einjählige Pflanzen erhallen Sie aber zu 1.25 bis 1,50 in Späths Baumschule, Station Baumschulenwcg. Aus Wunsch gibt Ihnen der Verfasser unserer Artikel für Laubentolonisten im September einige sirche Kerne, auch ganze Früchte, kostenlos. Den genetzten Somincrrcllich „Sedatl" hat die Gärtneret I. Lambert u. Söhne in Trier«ingciährt. Schicken Sic 30 Pf. nach � dort für Uedcrfendung des Samens als Muster ohne Wert.— G. P. 76. 1.„Kammeripielc" sind eine Bezcichnmig sür besonders intime Theatcrauffühnuigen. die in einem besonderen Räume des Deutschen Theaters stattfinden. Der Ausdruck ist gebildet»ach dem Worte „Kammermusik". S. Anastasius Grün hieß w Wirklichkeit Alex. Graf von AuerSperg. Amtlieher Marktbericht der städtischen Marktballen-Dlreklion über de» Grohbandel in den ZcnUai-Marttballen. Marktlage: Fl ei ich: Zuiubr schwach, Geschätt still, Preise unverändert. Wild: Zufuhr ge« nügcnd, Geichäit rege, Presse gut. Geflügel: Zufuhr genügend. Geschäft ziemlich lebbast, Presse befriedigend. Fische: Zufuhr reichlicher, Geschäft ruhig, Presse wenig verändert. Butter und Käie: Geschäft ruhig, Preise unverändert..Gemüse, Odn und Südfrüchte: Zu- fuhr reichlich, Geschäft still, Preise mehrfach verändert. Wtttorunqsi'iberficbt vom 12. Januar 1610, morgens 8 Uhr. etattonen Setter vi« »II £f Hi Slvniemde Mamburg Franfl.a M München Wien 750 SSW 747 WSW 752 SW 753 SW 760 eoW 762 SO 4Schnce 3 beiler 4 bedeckt 5 Regen 2 bedeckt 2 Nebel 2 3 4 5 4 _ 2 LS El ä= ig Stationen SJ S J| x Iii � 11 S Setter rfK t* tavaranda 733 SSW eterSburg 746» Scilla 756 W tlberdeen 743 WSW Paris i 757 WSWf > l 2wvlkenl— 6 2 bedeckt 5 molkig! 2 wölken! 3 wollig M�mI' Wetterprognose für Donnerstag, den 13. Januar 1910. ElwaS kühler, zeitweise heiter, jedoch sehr unbeständig mit Nieder- schlagen und ziemlich starten westlichen Winden. lSerlii, er Wette rbureau. WaficrstandS-Nachrickiten der LandeSanstalt für Gewässerkunde, mitgelellt vom Berliner Wetterbureau. Wasserstand M e m e l. TUM P r e g e l, Jnstcrburg Weichsel. Thon, Oder, Ratibor , Krassen , Frankfurt Wa r t h e, Schriinm . Landsberg Netze, Vordamm Elbe, Leitmeritz , Dresden , Bardo , Magdeburg *)+ bedeutet Wuchs.— Fall.•) Unterpegel.•) EiSstand. Brauerei Königstadt Akt.-Ges. Bilanz per 30. September 1909. AUtSva. SR. Grmldstücks.Lonto. 12167679,12 Gebäude-Konto... 3110 300,— Jmmolssl-Konto.Hobel. 3 458 000,— Anteil-Konto Habel.. 785 000.— Gruiidstück- Konto Wriczen 55 400,— Grundstück- Konto Zebdenick..... 47 300,- Maschinen- u. Mevfilien- Stonto...... 396 000,— Kühl-Anlage-Konto.. 55 200,— Elektrisch« Anlage- Konto...... 36 000,— Lager-Fafiagcn-Konto. 94 400,— Versand-Faslagen-Konto 35 100, Pserde-Konto.... 62 000,— Wagen- u.Geschirr-Konto 15 500, Eisenbahnwagen-Konto 13 800,— Mobilien-Konto... 100,— KmidschastS-JnvenIar. 48 200,— Ausschank-Inventar.. 16 800,— Bcteiligunas-Konto.. 37 900,— FlaschengeschästS-Einrich» tunaS-Konto.... 9000,— VcrjichcrungS-Prämien- Konto...... 8 015,75 Kassa-Konto..... 20 079,03 Wechsel-Konto.... 5 950,— Psandbrief-Amort.-Konlo 1 27 037,40 Psandbries-Amort.-Konto II 12 352,30 Hypotheken-ForderungS« Konto...... 50 600,— Vorräte...... 760 177,02 Konto-Dubiose... 10,— Konto-Korrent Debitoren inkl. Guthaben b. Habels Brauerei,.. ■»aernlva. Aktien-Kapital-Konto. Hypotheken-Konko.. tzypothcken-Konto " Wriczen..... Hypolhelcn-Konto Zehdenick..... RcservesondS-Konto.. Dividendcn-Konto.. Konto-Korrent der Bier- sahrcr...... Konto-Korrent-Kredit. Gewinn- u. Verlust-Konto Vortrag 4 381,71 Gewinn 24t 474,43 773 663,73 11 150 764,37 M. 5 700 000,— 4 000 000,— 28 050,- 0 000,— 570 000,— 5 454,— 26 830,— 567 574/23 215 856,14 Verteilung vom Gewinn: Tanttemen u. Gratistla- ttoncn., 15610,— 4 Prozent Dividende 228000,— Vortrag per 1909/10 2 246.14 245 856,14 11150764,37 & Arbeiter- WZ'MOtt Geb. 50 Pf. Porto 10 Pf. Sin nsthtiiher Ratgeber, ein un- entbehrliches Rachschlaaebuch ür alle tn Partei und«»werk- «haften organisierten Arbeiter. er diesjährig- Kalender eil«. ■is hält u. a.: Die Reichstags- wählen 1907 und die Rachwahlen. — Stimmenzahl der einzelnen Parteien bei derletztenWahl und Stärke der Stattionen.— Ätogr. Nvtt,«n unserer Reichstag«»». aeordnelen.— Die bürgerlichen Parteien Deutschland«.— Au« den sozialdemotrattsche» Or- ganisatlonen.— Pretosteige. rung und Arbeitslohn.— Was die Berufszählung lebrt.— Sozlaldemotratische»nd Sewer«. schaft«presse.— Die Gewert. schaften Deutschlands.— Inter. nationale Streit- und Gcwert- schafksdewegung im Jahre 1908. — Adressen der Arbeiter-Tetre» tariate und der Vorstände der Zentralverbände.— Adressen der deutschen sozialdemolranschen Verein« tm Äuslande.— Die deueschen Gewerbeinspettoren.— Kalendarium und Geschlcht«. talendor.— Portotaxe.— Viel» seilige« Adressenmaterial. Aufierdcm entbäl« der Kalen- der ein Ninstlertsch ausgeführte« Vedelvorträt sowie dtePorlräte der inNachwahlen geiväblten Ge. nassen Vii!der,!>uderu.Schöpflin. Zu beziehen durch sed« Partei. buchbandlung und bei den Kol» Vorteuren. Der Vertagt Buchhandlung Vorwärts Berlin SW. 63. mmmmmimt J. Baep talslriSM£Si„. . Herren- und Knahen- ! Moden, BerufskleidunB. » Joppen. Elegante I Paletote und Pelerinen. :: Großes Stoftiager:: zur Anfertigung n. Maß. Allepbllllgste, streng koste Preise. ....... I I I I i i Mi e Soeben erschien: Die Frau und der Sozialismus von August Bebel. 50. Anflöge. Bcrbcsscrt, vermehrt und neu bearbeitet. JubiläumssAussabe mit Umschlagzeichnung von Ewlcl» Schilling. Preis: Brosch. 2,50 M., geb. 3»- M. LxpetlZtioa„Vonvarts" Berlin SW. 68, Lindcustr. 69(Laden). 111111 111 N H I I I □□□ Faust. (Anfang Anfang Vlt Uhr. König!. cvernhauS. Tamibäufcr. nönigl. Schauspielhaus. Dollar ÄlauZ. Neues königl. Lperu-Tcheater. Geschloffe.t. Tciitiches. Der Widerspenstige» Zähmung. Kamme rfpiele. Das Heim. (Ansang 8 Uhr.) Neues Schauspielhaus. i. Teil. Anfang 8 UBt. .«»mische Lper. Tiesland Hel'bcl. Der Wirrwarr. S'U Mr.) Sleues. Don Juans letztes Mcn- teuer. Zwesten. Die geschiedene Frau. Neues corretten. Der Graf von Luxemburg. Triauon. Buridans Esel. Perliner. Hohe Politik. Kleines. Der arohe Name. Nteiidenz. Im Taubenschlag. ?halia. Die sünc Lora. ikriiing. Das iionzert. Schiller«».>»altner. Theater.) Die erste Geige. Schil.'� Charlottenburg. Gc- svcnster. Jrlearich> Wtlhelmstädt. Im bunten Rock. Volksopcr. Lucia von Lammer- moor. Luisen. Die Reise um die Erde in 80 Tagen. Note. Der Bizepapa. Luftspielhaus. Der dunkle Punkt. Ntetrouol. Halloh!!— Die große Revue. JolicS lkaprice. Sicher ist sicher. Bunter Teil. Der Mann meiner Frau.(Ans. 8-,« Uhr.) «asino. Der Obergauner. tziebr. Herrnfeld. So muh man'S machen. Ein ReltunaSmittel. ltlastspiel. Der Polizeihund.(Ans. 8'/. Ubr.) Sloacks. In russischer Lelbelgmschast. Ansang 8'/, Uhr.) Voigts Theater. Der Glöckner von Siotre-Dame. Npollo. Spezialitäten. Br-intergarre«. EvezialUäten. 't»asiagr. Evezialitäten Buggenhagen. Spezialitäten. t:arl Haverland. Svezialttäten. S'.taldalla. Soezialitärel». hsalalt. Spezialitäten. »tcichSdallcu. Stelliner Sänger. itrauia. Taudeniiruhe ribendS S Uhr: In den Dolo mite». Hörsaal 8 Uhr: Dr. Wilh. Berndt: 'Die Einordnung des Menschen in das allgemeine System der Organismen. Steriuuarer, Znvalidenstr. i?— 62 LeoHlnzr-Theater. 8 Uhr: TaS Konzert. Freitag, 8 Uhr: Tantrts d.Rarr. Sonnabend, 8 Uhr: Das Konzert. berliner l'keater. 7W Kohe Politik. Morgen: Hohe Politik._ Neues Theater. Abends 8 Uhr: Don Juans letztes Abenteuer. Morgen und folgende Tage: Ton Juans lehteS Abenteuer. Tbeater des Westens. Abends 8 Uhr: Tie geschiedene Fsra«. Sonntag 3'/. Uhr: vor iidele Bauer Friedrich-Wi-helmstädtisches Schauspielhaus. Donnerstag, 13, Januar, Ans. 8 Uhr: Im bunten Rock. rcitag z. erstenmal: Grohltadtluft. Sonnabend nachni. 31/. Uhr: Die Nibelungen I. und II. Teil. Abends 8 Uhr: Grohsladtlust. Sonnlag nachm. 3 Uhr: Othello. LV. Volks-Oper. Belle-Alliance-Strabe Nr. 7/8. Zum erstenmal: (Gastspiel Bockmann.) Lucia v. Lammermoor Tragische Oper in 3 Aufzügen von Gaewn- Donizetti. Ansang 8 Uhr. Lusispielhaus. Abends 8 Uhr: Der dunkle Punkt. Besidenz-Theater Direktion: Richard Alexander. Abends 8 Uhr: Im Taubenschlag. Morgen und solgende Tage: Tirselbe Vorstellung. Sonntag, den 16. Januar, nachm. 8 Uhr: Schlafwagenkontrolleur. IOSE:THEATE Grog« Frankfurter Str.>32. Ans. s Ubr. Ende'/xll U. Der Vizepapa. Li Luilsvicl tn 3 Akten v. St Richards. Freitag, Sonnabend, Sonntag: Joust« �issovsolialtUckes Llrestor. sncks 8 Olrr: lo»len ldoloiitltvlt. Löroaal 3 Uhr: Dr. Wilh. Berndt: Die Einordnung des Menschen i» das allgemeine System d. Organismen. Neuen Operetten-Thratcr. «chistbauerdamm 25, a. d. Luiienitr. Heute und solgende Tage 8 Uhr: Der Gras von Luxemburg. Sonntag 3 Uhr: Oer Zigeunerbaren. Luisen-Theater. Abends 8 Uhr: Die Reise um die Erde in 80 Tagen. Großes Ausstattungsstück in 14 Bild. von d Emmery u. Jules Vcrre Freitag: Die Reise um die Erde in 80 Tagen. Sonnabend nachm. 4 Uhr: Gold- Härchens Himmelsahrt. 8 Uhr: Die Reise um die Erde in 80 Tagen. Sonntag nachm. 3 Uhr: Gib mich frei. 8 Uhr: Tie Reise um die Erde in 80 Tagen._ Gastspiel-Tlieater. Köpenlcker Strafie 07/68. Täglich 8'/, Uhr abendS: Florence Der Polizeihund. _ Krimmalschauspiel._ AbendS 8 Uhr: Prlns Pinne, Burleske mit Henry Bender. 9 Uhr«0 t Das Tagesgespräch von Berlin t Lotte Harrow i. ihr. Mimodrama „Die Ehebreciierin". 9 Uhr 43: 9 Uhr 45 1 Sc himpanse Kon Mal JamoM Grent. Ferner: Mi» Annle Miller, lltaSe usw. Hetropol-Theater Hallo!!! Die große Revue! In 8 Bildern von Jut Freund. Musik v. Paul Linoke. In Szene gesetzt vom Dir. Rieh. Schultz. Anfang 8 Uhr. Rauchen gestattet die Berühmtheit der„SchSnbelts- Abeode" sowie eine Kette ! Passage-Theater. J Abends 8 Uhr: ra Schneider Ouncker | Mite. Farialla ! und das sensationelle L!ES2LLfI!K!5!!L Passage-Panoptikum. Senegal in Berlin! BQ wilde Weiber Männer, Kinder. Drei Negerddrfer Ohne Extra-Entree! iL alhalla- Vwefe-TheaNr | Welnbergsneg 19-20, Resentli.Tor.| Das ganze Programm Severus Schaeffer 1 and die übrigen Spezialitäten. I I Tnnnel: RegimentSkapellt, I | Theaterbesuchern freier SmUAt l Schlller-Thsaisr 0.(Dallncr-THeat.). Donnerstag, abends 8 Uhr: IHe erste Geige. Lustspiel in 4 Akten v. Gustav Wied und Jens Petersen. POT Ende 10-/« Uhr.-»S Freitag, abendS 8(ihr: Her Helneldbaaer. Sonnabend, abends 8 U h r: Hie Hrant von HeM»lna. Schlller-Ttiealer(vharlotisnburg). Donnerstag, abendS 8 Uhr: GeMpennter. Ein Familiendrama in 3 Auszügen von Henrik Ibsen. DG- Ende 11 Uhr. Freitag, abendS8 Uhr: Viel Lftrmcn nm nichts. S on n abend, nachm. 3 Uhr: Das K llthchcn v. Heilbronn Sonnabend, abends 8 Uhr: Viel Litirmen nm nicht«. imolii m Neue Welt Hasenheide 108-114. TSgllch: kr. Sockbierfest in den bayerischen Alpen. Donnerstage den 13. Januar 1910: Prämiierung der größten Damengttrtelseimalle. Barpreise 50 M.« 30 51., 20 M. Anfang 7 Uhr. Entree SO Pf. Brauerei Friedrichshain am Königsfor. Größte SebeuswQrdigkeit Berlins! Heute sowie täglich: (Troßer Bock-Jubel und Trubel. Der berühmteste Festwirt Sehorsch Ebrengrnber mit«einer Trupp«(zirka 60 Mitwirkende). Ansang 8 Uhr. Entree 80 Pf. MP* Morgen Freitag: Gratis-Verlosung J'Znen Köcheneinrichtung. Sanssouci, sSV. Direktion Wilhelm Reimer. Svtmiag, Montag und Donnerstag: Neues Programm. Elite-Soiree Jä« von BoßmannsKordil. Sängern Grober Erfolg von Ter Kürassier im Feuer. Lustspiel w i Alt. 01« neueeten Schlager in Lied u. Wort. BcglnnS onntags o, wochentags 8 Uhr. Trianon-Theater. AtendS 8 Uhr: Kurldans Esel. Sonnabend, den 22. Januar, abends 8'/, tThi, in den Eonzertsälen der Branercl KOnlgotadt. Schönhauser Allee 10/11: 20. Stiftungsfest der Freien Volksbühne. � 17 a» va«.# GcsangsTortrUge Rezitation JULtUl�ei t- Prolog Fcstvortrag 1 Sie Ewanzigiährige humoristisch-satirisches Festspiel in Szene gesetzt von Fritz Witte-Wild.( Konzer tlcitnng: Clemens 8chmalstlch. mitwirkende: Frau Berta Broonsgeest, Fron Frida l Richard, Frau Wanda Trenmann, Fräuloin Toni Wilkens, FrBnlein Margarete Müller; Herren: Fritz Jankermann, I Fritz Kleinke, Karl Wilhelm, Gustav Banrepaire u. a. m. Ballmnslk ausgeführt von zwei Kapellen. Feetmarkei» inklusive Programm a 60 Pf. in allen Zahlstellen. Neues Schauspielhaus: Traumulus. Abendabteünngen: Ihr letzter Brief. Leasing-Theater: Hanneies Himmelfahrt. Residenz-Theater: Musette Eermfeld-Theater: Vater u. Sohn Thalia-Theater: Jugend nr/fnpr.QtfTienr* am Sonnabend, 15. Januar, 8'/« Ubr, uruner-ouzung im Gewerkschaftshause.| 240/2 Bor Torstand. I. V.: G. Winkler. ÄAÄÄÄÄÄÄÄÄeÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄ WwwwWwWwweWwwwwWWww MSN Kommandimtenstr. 67. T- A. 4, 6083. Amchschlagtndstrr Eifotg! „80 rnnli man'S machen" Burleske mit Gesang in 2 Akten, Musik von L. Jtal, mit den Autoren änton und Donat Herrnleid in den Hauptrollen. Hierzu: Bin �sttunxsmkttel Komödie v. L. Huna. Ansang 8 Uhr. Vorverkaus 11 bis 2 Uhr. i- Alt-Hoabit 47/48. Donnerstag, den 13. Januar 1910: Schuldig. -chaufpiel In 3 Akten v. RIch. Bog. Polles Caprice. Sicher ist sicher. Bunter Deik. ver Kann meiner 7m. �M�UHr Vorverkaus 11—3 Reicbsiiallen-Tiieater. SteltinerSäoger Der Nachtwächter von Zerpenschleuse. Studsnteovlld o.F. Mejrsel Anfang: Wochent. 8 U6r. Sonntags 7 Uhr. Karl Haverland Anfang Theater präz. 8 U. 77/79 Kommandantenstrasie 77/79. DaS glänzende erstklassige Januar-Proaramm. Schlager auf Schlager! WiKöscks Theater vrimiieilitr 16, am Rosenthaler Tor. Grefte Extra�lorstellnng. In rusßschkrFeibtigrnschafi. SensationSschausPtel in 4 Akten. Ans.'/.9 Uhr. Entree SV Ps. Freitag: Dieselbe Borstellnug. Sonnabend 3 Uhr: Aeohenbridel. Palast-Theater. Direktion: Robert Dill& Karl Pirnau. Burgstrafte 24, am Bahnhof Börse. Das brillante JaDaar-Programm! Rnth St, Rahdo, Hiudutenipelpanlomime. Otto HOIler-Röm.tr, Brothcr« Sandermann, llkcto HIB Jenny, Hr. Kreton mit seinem rechnenden Wunderhund usw. usw. Donnerstag, 13. Januar 1910, abends Vit Uhr: Auftreten des KommtssionSrot Qustav Ltensbeck als Gast mit f. neuen hervor- ragenden Schulpferden Ten Drugi, Black Tule und Eisenherz. Origliial-Bagonehi, der kleinste komi,che Retter der Welt. Serxennt Hrcnnun» der beste Diabolospieler. Madin. venville au» Paris mit ihren Freibeiispferden. Der Nroschinenschd« Harlovv unerreicht in seinen Produktionen. Zum 80. Male: Um 9 Uhr Ende 11 Uhr Die drei Rivalen Große Feerie in 5 Alten. Tanz der Weine. Die Wildschweinjagb. Sinhus Busch. Heute Donnerstag, den 19. Januar, abends 7 st. Uhr präz.: Gr. Gala-'VorMteliang. Herr James Fillle, Schulreiter, auf Winthrop, engl. Vollblut v. Halma a. d. Maggie Gray. Mon». Colons Affendressuren. Herr E. Schumann, Nondress. Keiterfamilie Proserpi. Gigerlclown Alfred Daniels usw. 9'/, Uhr Ende 11 Uhr DI« neue russische Pantomime Z5 Mar ja. Vorher das groBe Galaprogramm. Voigt-Theater Gastspiel im ArtuShof, Moabit, Peileberger Straße 26. Tonnerstag, den 13. Januar 1910: Ost Glöckner von Notre-Damo. Schauspiel in 9 Bildern von Eharl. BIrch.Pseiffer. Kaffeneröffnung 7, Ansang 8 Uhr. Hotzmarftsirasie 72. Gänzlich neues Programm mitErnn« Mobannkl. Mnini Aeumann.Frih Grüneck. Una Goltz, Neubert und Reo, Viktor Gitter, Geeehw. Welse, Akrobat., fridolin König, Salon-Athirt. Fanny» Wltwcnarhrnerz Schwank in 1 Akt von O. Richter. Vasiuc-Theater Lothringer Straße 37. Täglich 8 Uhr: Sensationeller Lachersolg! Der Dderg»u»er. Lustspiel in drei Allen von M i S k 1. Vorher: Das erstklassige bunte Programm. Sonntag, nachm. 4Uhr: Trudchens Sommerreise. miuEbis11 Morihplefz Anf. 8 Uhr JUt-Oermanisehes Bockhier-Kellerfest Die Dekoration ist aus dem Atelier„Hermann der Cherusker" ans Teutoburg. Im oberen Saale; Tägliol»; Die glänzenden Spezialitäten. RP9EÜW" •S.O. BRÜGkEDsrR.Z' an der JannoTltjl.-Ueke. Osulsdilands pösste unil fornehmsle Llcliiblllina «so Kl tzpiatze Feenhelte Ajnlathing Besinn: Wochcntas* 4 dir. Sonntas«»„ UNr de» Inhal» der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber verautworlung. tetNerlei f ♦ ♦ ch t i ♦ ♦ : Sonntag, den 16. Januar 1910, in Freyers Festsälen, Koppenstraße 29: 19. Stiftungs• Fest bestehend in KOHZeft SXSÄ'.rS Kulturhistorischer Gedenkrede. Mitwirkende: Holländisches Trio: Herren Jacques van Lier (Cello), M.»an Gool(Klavier), Max Bonys(Geige).— Gesang: Herr kgl. württembg. Hofopemsänger Max GieBwein(Tenor). ; Festbail. Beginn 7 Uhr. Kassenöfinung « Uhr. Nachher Eintrittskarten ä 60 Pf. sind zu haben im Sohullokal GrenadierstraBe 37; Liehr, Grenadierstr. 35; Gottfr. Schulz, Admiralstr. 40a; Beul, Bamimstr. 42; Vogel, Lortzingstr. 37; M. Kaczorowski, Eaven�str. 6; Mörsch, Engelufer 15- Paul Eisner, Kastanienallee 85, Hof II; H. Königs, Haseuhejde 56, Portal 3, H. An der Kasse 70 Pf. 6/4* f ♦ ♦ t : ♦ ♦ ♦ ♦ ♦ ♦ ♦ : f Sonntag, den 23. Januar, abends 1% Uhr lUunter übend' Leitung: Margarete Walkotte im großen Saale des Gewerkschaftshauses, Engelufer 15. Mitwirkende: Amalie Birnbaum, Violinvirtnosin, Lucy Tömllch- Behm, Sängerin, Ernst Schmidt, Tenor, Anton Hildach, Komiker, Bernhard Nitzsche, Kapellmeister, Margarets Walkotte. Gntrcc 50 Pf. 228b* Abendkasse OO Pf Vorverkauf bei Herrn Paul Mersch, Engelufer 15. Bekamttmachttng. KraBken-D-Sterliekassß ilerFir- berrsn, Rctscbef mi verwaaiilsn Berülsgenossen„Eintracht" ((f. H. Nr. 80) zu Berlin. Freitag, 28. Januar 1910, abends S'/j Uhr, in Schulz's Festsälen, Königsgrabcn 14 a: lllljentl. lZöNksgl-VösSWinIllng t'tir«Ue Mitglieder. Tagesordnung: 1. Jahresbericht jür das Verwaltungs- jähr 1909. 2. Wahl des Vorstandes und der Kassenreoisoren. 3. Anträge aus Aenderung der ZI 3, -6, 8, 9 und 14 a des Statuts. 4. Verschiedenes. Ber Vorstand. I. 81.: Suhr. 229B Krankenkasse derHutmacher- gescllcn zu Berlin.(E.H. 67.) Dienstag, 18. Januar 1910, abends 9 Ubr, Graste Hamburger Str. 18/19: General-Versammlung. Tagesordnung: 1. Kassenbericht. 2. Statutenänderung. 3. Wahl des Vorstandes. 4. Wahl des ZlusschusseS und der Kraulen- kontiolleure. 5. Verschiedenes. Um zablreiches Erscheinen der Mit- glieder ersucht 281/9 Der Norstand. 0. Tschoppe. �Hygienische . Meueot. Kiualoj) j. üinpffthLvielAerzte a.Prof. grat. uäl B. ünger, eummlwaranfabrßt Berlin NW- Friedrichs traas n 01/9 | Vororfparxelle 350 M. an öffentlichem Weg. Brunnhafer, Berlin. Nollendorfstr 3. Filiale Berlin. Freitag, den 14. Januar 1910, abends 6 Uhr, im Gewerkschaftshanse, Engelufer 13, Saal 1: Kauvertrauensmänner- Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Arbeiterselretär Dose 75 Pf. FRISCHE FRÜCHTE Mandarinen......... Pfd. 15 Pf. Apfelsinen,. Dtz. 30, 40, 50 Pf. Feigen.......... Kistchen 33 Pf. Datteln.......... Karton 34 Pf. Schalmanaeln........ Pfd. 70 Pf. Traubenrosinen....... Pfd. 60 Pf. BACKOBST Californische Birnen Pfd. 50 und 70 Pf Californ. Pfirsiche• Pfd. 55 Pf. Californ. Aprikosen Pfd. 60 und 70 Pf. Französ. Pflaumen• Pfd. 45, 55, 70 Pf. Entsteinte Pflaumen Pfd. 35, 45 Pf. Ringäpfel...... Pfd. 55, 65 Pf. Italien. Prünellen>■ Pfd. 65 Pf. Gemischt. Backobst Pfd. 30, 40, 55 Pf FISCHE Kabeljau• Pfd. 20 Pf, im Aussdin. 25 Pf- Seelachs->• Pfd. 20 Pf-, im Aussdin. 25 Pf. Schellfisch....... Pfd. 25 u. 35 Pf. Prima Lachs Pfd. 75 Pf-,>"> Ausschn. 80 Pf. Forellen........ Pfd. 2.75 u. 3.00 GEMÜSE-KONSERVEN Prima Stangenspargel I riSS 1.45 Prima Stangenspargel II rpÄ« 1.40 Riesenbruchspargel... 2 pfd-Dose 1.25 Kaiserschoten la...... 2 Pfd-Dose 1.00 Schoten II........... 2 pfd. Dose 50 Pf Gemischtes Gemüse(Ka'52™eda.DoL 1.15 Plefferlinge.......... 2 pfd.Dose 50 pf Rote Rüben......... 2 pfd. Dose 30 Pf. 1 et Hasen z/estTeikt........... Stück Schneehühner________ 330 Stuck 1*10 !a geräuch. Sprotten 2'?� 45 F ISChfllet bratfertig........... Pfund 55 Pf. Pf. 'Herantwvctllchex Redakteur Richard Barth, Berlin, Zur Wn gnserateuteil verantlv,: Th. Glocke, Bcrlin. Druck«.BerlagtBorwärt» svuchdruckcrei«.Berlagsanstglt Paul Singer& Co.. Berlm ä-W." Dr. 10. 27. Jahrgang. 3. LtilM KS„ Dountisiag, 13. Jannar lM Partei- �lngelegenkeiten. Erster Wahlkreis. Heiterer Abend am Sonntag, den 16. Januar, abends SV, Uhr. in Dräsels Festiälen, Neue Friedrichstraste 35. Billetts a 30 Pf. sind bei den Funktionären und dem Kassierer Bittner, Feilnerstr. 11. zu haben. Steglitz. Zu der am Sonntag im Birkenwäldchen stattfindenden öffentlichen Versammlung findet Freitagabend eine Handzettelver- teilung von allen Bezirkslokalen aus statt. Neucnhagcn, Fredersdorf, PcterShagrn, Bnichmühle, Eggersdorf. Am Sonnlag. den 16. Januar, nachmittags 4 Uhr findet im Lokal »Zum alten Dessauer", Petershagen die Generaltzersammlilug des Wahlvereins statt. Tagesordnung: Bericht des Vorstandes und der Funktionäre. Neuwahl. Verschiedenes. Der Vorstand. Mohlsdorf fOsttahn). Am Sonntag, den 16. d. MtS., abends (5Va Uhr, hält der Wahlverein seine Generalversammlnng im Lokale deS Herrn Werner LBadeschlosiche»*). HellerSdorfer Weg, ab. TageS- ordinmg: t. Jahresbericht der Bezirksleitung. 2. Bericht der Ge- meindevertrcter. 3. Die bevorstehenden Gemeindevcrtreterwahlen. 4. Verschiedenes. Ferner findet am Sonntag, den 16. d. MtS. eine Flugblatt- Verbreitung statt, an der sich alle Genossen und �Genossinnen be- teiligen müfien. Treffpunkt morgens 8 llhr in Drägers Nestaurant, Bahnhofstratze. FriedrichShagen. Sonnabend, den 13. Januar, abends 8 Uhr findet von den Bezirkslokalen auZ eine Handzettel- Verteilung für die zum Sonntag, den 16. Januar, nach- mittags 1'/« Uhr bei Witwe Lerche, Nuudteil, einberufene Wahl- r e ch l S v e r s a»i in l u n g statt. Zossen. Wir machen die Parteigenossen darauf anfmerksam, das? Sonntag, den 16. Januar, u a ch i» i r t a g S 4 Uhr im Lokal de» Genoffen P. Kurzner eine öffentliche Wahlrechts- versa man l u n g stattfindet. Der Vorstand. Lerlmer rfocbncbtcn. Der Lbsthandel auf der Spree. Ein wichtiger und eigenartiger Gewerbezweig wird in Berlin auf den Gewässern der Spree betrieben. Es ist dies der Handel mit Obst, der sich vom Herbst bis zum Frühjahr auf den Obstzillen abwickelt. Wenn die ersten Blätter fallen, trifft der Aeppelkahn ein und legt an einer Stelle der Spree. meist in der Nähe einer stark belebten Brücke, an. Bald hämmert und sägt der Schiffseigner und unter seinen ge- schickten Händen entsteht ein Verkaufsstand, an dem die Früchte in verlockender Frische sich auftürmen. Bis m den Spätherbst hinein findet man neben den Aepfeln noch andere Früchte: Birnen, Pflaumen. Mirabellen usw. Ein reger Verkehr von der Straffe aus den Kahn und wieder zurück cnüvickelt sich hier. Früh, vor acht, wenn end- lose Scharen arbeitsamer Menschen den Kontoren, Waren- hänsern, Fabriken zusteuern, haben die Zillenbesitzer vollauf zu tun. um alle Käufer rasch zu befriedigen. Weiblein und Männlein trippeln schnell noch die Stufen zum Kahn hinab, um für den langen Arbeitstag sich mit einem„Fund" Obst zu versehen. Der Kleinverkauf geht meist ziemlich flott von statten. trotz der vielen seffhaften Obsthandltingen und der „fliegenden" Obsthändler. Dasselbe gilt auch abends. wenn Frauen mit groffen Markttaschen beim flackernden Schein der Lampe Obst einkaufen. Dann und ivann schleicht auch ein armes Weiblein oder ein blasses Kind an den Stand, um bescheiden nach„angepufften" oder„mulmigen" Früchten zu fragen, von denen sie dann, wenn solche gerade vorhanden lind, für weniges Geld eine ganze Menge erhalten. An der Spitze des Obsthandels steht der Apfel. Je weiter die Jahreszeit vorrückt, um so mehr beherrscht er den Markt. Hasenköpfe, Borsdorfer, Gravensteiner und Rennet, allcS Namen von gutem Klang. Jede Sorte findet ihre Käufer, die nach Geschmack und Preis auswählen. Das Hauptgeschäft vollzieht sich im Groffhandel. zivischen dem Schiffseigner und den Kunden aus der Markthalle. Man unterscheidet in Herbstladungen und Winterladungen. Die letzteren führen Dauerware. Keine LandcSkinder sind die präch- tigen Früchte, die den Berlinern so trefflich munden, sondern Aus- länder, die schon eine tüchtige Fluffreise hinter sich haben, wenn sie hier anlangen. Jawohl, eine Wassersahrt von geivöhnlich vier Tagen, denn die Zillen bringen ihre duftende, wohlschmeckende Ware auS dem schönen Böhmerlande, und in Aussig findet eine richtige Obstbörse statt, wo gehandelt, spekuliert und auch verspekuliert wird. Schon frühzeitig sind die Interessenten in den Obstgegenden umhergcstöb>.rt, um ein Bild von der voraussichtlichen Ernte zu gewinnen. Die Zillen werden in der Gegend von Tetschen hergestellt und kosten ungefähr 4000, manchmal auch bis 2000 M. ES ist noch gar nicht so lange her, da sahen die Zillen ihre Heimat kein zweites Mal wieder. Da waren sie aber auch leichter gebaut und der Preis schwankte zwischen 2000 und 3000 M. Kollegen aus anderen„Branchen" kauften sie auf und nutzten die„Aeppelkähne" noch so lange ans, als sie eben hielten. Das geschieht auch heute noch, nur daß die Kähne nock? einmal nach Böhmen zurückkehren, um eine zweite Ladimg zu holen. Die Zeiten sind schlechter geworden und die Zillen teurer. Angefüllt mit Ware stellt ein solches Fahrzeug ein kleines Vermögen dar, da eS bis 2000 Zentner Obst im Werte von 10—15 000 M. enthält. Allein die Schleppkosten vom Abgangsort bis zum Endziel betragen zirka 500 M. Der Jnnenraum ist eingeteilt in Kojen, in denen die Früchte je nach Sorte und Qualität aufgestapelt sind. Nur ein schmaler Engpaff gewährt dem Schiffer und seinen Angehörigen den Dnichgang. So überwintern die Kähne auf der Spree, bis der Frühling einzieht und der riesige Bauch des Fahrzeugs sich geleert hat. Dann wird der Verkaufsstand abgebrochen. der schwere Koloß erhebt sich auS seiner trägen Ruhe und eines TageS ist die Stelle, an der er gelagert, leer. Von einem gravitätischen Schleppdampfer gezogen, schwiniint er dem schönen Böhmerlande zu, wenn ihn nicht hier ein Schiffer aufkauft._ Unnötig. Am Montag gegen 1 Uhr bemerkten Passanten der Friedrichstraße, daß fortgesetzt Schutzleute sich in daS Hans Friedrichstr. 105a nach dem linken Seitenflügel begaben. Es war ein ununterbrochenes Kommen und Gehen, und manche Leute zerbrachen sich den Kopf über die Ursache dieser Schutz- mannSansamnilung. Anfänglich glaubte man, eS sei ein Mord passiert, bis einige Neugierige feststellten, daß das Ziel der Schutzleute ein zivei Treppen rechts belegener Fabrikrauni mit sieben Fenstern Front war. Hier saßen die Leute einträchtig beieinander. Einige erzählten sich etwas, während andere Karten spielten und sich so die Zeit vertrieben. Von einer Dame wurde Kaffee herumgereicht, damit die Herren sich etwas stärken konnten für ihre bevorstehende Arbeit. Die Zahl konnte nicht genau festgestellt werden, allein schon an den Fenstern konnte man gegen 30 zählen, es waren aber erheblich mehr. Vor dem Hanse stand ein Schutzmann, das Auge auf einen zweiten Schutzmann gerichtet, der auf der rechten Seite der Weidendammer Brücke stand. Beide lugten von Zeit zu Zeit nach Norden aus, um zu warten auf die Dinge, die nicht kamen. Die Wahlrechtsdemonstranten, die man erwartet hatte, ließen sich nicht blicken und schließlich blieb nichts weiter übrig, als die Schutzleute unverrichteter Sache wieder nach Hanse zu schicken. Man hatte sie gänzlich unnötigerweise bemüht._ Die Vichziilstimg von 1909 hat ergeben, daß in ganz Berlin auf nur noch 6710 Grundstücken und von nur noch 10 789 HanS- Haltungen größeres Vieh gehalten wurde. Die Zahl derartiger Grundstücke bezw. Haushaltungen ist in den letzten Jahren beträchtlich zurückgegangen, noch 1907 halte die Zählung 8384 Grundstücke und 13 549 Haushaltungen mit größerem Vieh ergeben. Am 1. Dezember 1909 tvurden ermittelt 49 917 Pferde und— wenn der Vick- und Schlachthof ausgeschaltet wird— 11 442 Rinder. 34 Schafe, 1633 Schweins. Bei den Pferden wird es zwar mit dem„Aus- sterben" noch lange Weile haben, aber eine Zunahme ist für sie in Berlin nicht mehr zu erwarten. In 1907 waren noch 52 577 Pferde gezählt worden, eS ist also in zivei Jahren eine Verminderung u in 2660 eingetreten. Von dem vorhandenen Bestand entfällt ein sehr bedeutender Anteil auf das Militär, woraus es sich erklärt, daß in den Stadtteilen mit Kasernen für Artillerie und für Kavallerie die weitaus meisten Pferde gezählt wurden. Die noch recht große Zahl Rinder— 11442� sogar noch um 79 mehr als vor zwei Jahren— läßt erkennen, daß für die Milchversorgnng Berlins die sogenannten Stadt Molkereien immer noch von erheblicher Bedeutung sind. Naturgemäß wurden in den äußeren Stadlteilen besonders viele Rinder vorgefunden, am meisten mit 1099 in der westlichen Hälfte Moabits, am wenigsten mit 49 in der Friedrichstadt. Die Schafe haben sich in den letzten zwei Jahren von 112 bis auf jetzt 34 vermindert; sie kommen kaum mehr in Betracht. Dagegen haben in demselben Zeitraum die Schweine sich noch um III auf jetzt 1633 vermehrt, immer abgesehen vom Viehbestand des Vieh- und Schlachthofes. Selbstverständlich waren eS auch hier wieder die äußeren Stadtteile, in denen noch am häufigsten Schweinehaltung festgestellt wurde. Das Maximum fand sich aus dem Gesimdbrumien, noch 336 Schweine, während anderer- seits in der Friedrichstadt längst nicht ein einziges Schwein mehr gehalten wird. ZlnS der BerkehrSdcPutation. In der gestrigen Sitzung der VerkehrSdepiitation wurde die Besprechung des Verhältnisses zur Großen Berliner Straßenbahn fortgesetzt. Gegen die vorliegenden Verständigungspläne wurden von allen Seiten erhebliche Bedenken erhoben. Ehe über diese Vorschläge Beschluß gefaßt wird, sollen daher noch andere außerhalb der VerkchrSdeputalio» stehende Sach- verständige gehört werden._ Aus Berlins Grundstücks- und Wohnungöstatislik werden von der Steuerverwaltung der Stadt in ihrem JahreS- bericht über das Steuerjahr 1908/09, den der Magistrat jetzt bekannt- gegeben hat, wieder einige bemerkenswerte Hciuptzahlen veröffentlicht. Die Zahl aller benutzten G r i» n d st ü ck e hat diesmal sich nur um ein Winziges erhöht, von Ende 1997 bis Ende 190? von 28 369 auf 28 375. Unter diesen 28 375 Grundstücken waren 27 824 bebaute und 551 unbebaute, wobei den unbebauten auch solche Grundstücks zugezählt sind, die als Lager-, Holz-, Kohlen-, Zimmer- platze usw. benutzt werden und etwa mit Schuppen, Koinorgebäiiden usw. besetzt sind. Der gesamte I a h r e S n u tz n u g 6 w c r t aller be- mitzten Grundstücke betrug iu 1908/09 volle 468 Millionen Mark. daS sind wieder um reichlich l5 Millionen Mark mehr als im vorhergehenden Jahre. Der durchschnittliche JahrcSertrag pro Grundstück ist weiter gestiegen; er war diesmal 16 496 Mark, wieder um 525 Mark mehr als ini Vorjahre. I» dem Jahrzehnt zwischen 1398/99 und 1908/09 mehrten sich die Grundstücke von 24 970 ans 28 375, ihr gesamter JahieSnutziingöivert von 323 Millionen Mark auf 468 Millionen Mark, der dnrchschnitlliche JnbreS- ertrag pro Grundstück von 12934 Mark auf 16 496 Mark. Auch über den gemeinen Wert der Grundstücke, der ja jetzt gleichfalls die Steucrverwaltung interessiert, finden wii in ihrem neuesten Jahresbericht zum erstenmal eine An- gäbe. Er ivurde in 1908/09 für sämtliche Grundstücke auf reichlich S'/2 Milliarden Mark geschätzt. 'Man sieht, welches gewaltige Kapital in dem Berliner Grund- besitz steckt und welchen ansehnlichen Profit es abwirft. Die HanSagrarier, denen kürzlich in der Stadtverordneten- Versammlung von dem Frcisinnssührer Cassel bescheinigt wurde, daß sie eine„nützliche Klasse von Mitbürgern" seien, haben besonders in dem letzten Jahrzehnt den Ertrag und Wert ihrer Grund st ücke durch inimer wiederholte Mietesteigerungen z u erhöhen gewußt. Da von >898 99 bis 1908/99 die Zahl aller Wohnungen(einschließlich Geschäfts-, Arbeits-, Lager-, Diensträuine) von 503 240 auf 636 895 stieg, so ergibt sich für denselben Zeitrauni anS den oben mit- geteilten JahreSmitzmigSwerten und ihrer Zunahme eine Steigerung der durchschnittlichen JahreS miete pro Wohnung usw. von 642 M. aus 735 M. Speziell im letzten Jahr mehrten sich gegenüber dem vorletzten die Wohnungen usw. um 11 330, die dnrchschnitlliche JahreS- imele pro Wohnung usw. wieder noch um 11 M. Die letzte Periode der Wohimugskiiapphcit, die niit den Jahren 1899, 1900, 1901 über Berlin hereinbrach, liegt ziemlich zehn Jahre hinter uns. Obwohl seitdem die Zahl der unvermietet bleibenden Wohnungen andauernd gestiegen ist, st e i g t noch immer auch der Tribut, den die Mieter zu leisten haben, um den HauSagrariern und ihren etwaigen Nutznießern, den Banken und sonstigen Hhpothekengläubigern die Taschen zu süllen._ Schlafstellenschwindlcr. Den Schlafstellendiebsteihl im groffen betrieb ein 27 Jahre alter Kaufmann Bruno Pretsch, der gestern festgenommen Ivurde. Pretsch stellte sich den Vermieterinnen als Monteur oder Mechaniker aus Bremen oder Hainburg vor und er- zählte ihnen, daß er auf Arbeit nach Berlin geschickt lvordcn sei. Seine Sachen lägen noch auf dem Bahnhof. Ein Gepäckträger werde sie bald bringen. Der neue Mieter ließ sich dann Waschwasser bringen, um sich zu säubern, weil er sich uuvcrziiglichst bei der Firma, für die er zu arbeiten habe, melden müsse. Er gab irgend- eine Gegend an und ließ sich als angeblich Fremder den Weg dort- hin genau beschreiben. Während er allein im Zimmer war, öffnete er die Schränke, packte sich Kleidungsstücke der WirtSleute oder anderer Mieter und was er sonst noch mitnehmen konnte unter den Ueberzieher, verschwand damit und kehrte nicht wieder zurück. Erst nach und nach gewann die Kriminalpolizei ans den vielen Anzeigen eine genaue Personenbeschrcibung. Tann ermittelte sie, daß ein Mann, auf den diese Beschreibung paffte, jeden Tag zu einer be- stimmten Zeit eine Schänkwirtschast im Zentrum der Stadt aus- suchte, dort aß und trank und sich dann zu einem Schläfchen in eine Ecke seßic. Gestern weckt" ihn ein Beamter aus dem NkittagLschlas und nahm ihn fest. Er fand bei ihm ein ganzes Paket Pfandscheine über gestohlene und versetzte Sachen aus dem Monat Dezember allein. Andere Scheine hatte er bereits verkauft. Pretsch hat nach seinem eigenen Geständnis in Berlin 66 Diebstähle dieser Art ver- übt, in Lichtenberg, Nixdorf, Schöncberg und Eharlottenburg min» bestens noch ebenso viele._ Schon wieder eine LiebeStragiidle. Mit einem Mordversuch und Selbstmord endete in der vorder- gangenen flacht ein Liebesverhältnis, das ein 39 Jahre alter aus Peru gebürtiger Dr. jur. Alfredo NenhauS mit der 17 Jahre alten Näherin Margarete Kusseck aus der Jakobikirchstr. 4/5 unterhielt. Dr. Nerihaus, der sich auch Major nannte und in einem Pensionat in der Neustädtischen Kirchstraffe wohnte, lernte' Margarete Kusseck, die mit ihrer Mutter, einer Tischlerswitwe, die Wohnung teilt und in einem Blusengeschüst arbeitet, im Juni v. I. in einem Theater kennen und verkehrte seitdem mit ihr. Die Mutter des Mädchens war gegen diesen Umgang, konnte ihn aber nicht hindern. Ihre Tochter ließ sich nicht einreden, daß Dr. Neuhaus sie doch niemals heiraten werde. Zumal da dieser selbst der Mutter wiederholt schrieb, daß er seiner Geliebten die Ehe versprochen habe und sein Versprechen halten werde. Das Paar traf sich stets nach Verab- redung irgendwo auf der Straffe. Das hatte auch eine Freundin der Margarete beobachtet. Sie ward eifersüchtig und schrieb kürzlich, ohne ihren Namen zu nennen, an Dr. Neuhau o, datz seine Geliebte auch mit anderen Männern verkehre. Darüber kam es zwischen dem Paar wiederholt zu heftigen Auseinandersetzungen. Das Mädchen ging vorgestern abend um 7 Uhr gegen den Willen der Mutter wieder aus und traf sich mit Dr. Neuhaus Unter den Linden, lim 1 Uhr nachts begleitete es ihn in seine Wohnung. Nachdem beide sich schlafen gelegt hatten, griff Dr. NeuhauS plötzlich zum Zievolver und schaff seiner nichtsahnenden Geliebten, die ihm den Rücken zu- kehrte, hinter dem linken Ohr eine Kugel in den Kops. Gleich darauf tötete er sich selbst durch einen Schuß in die rechte Schläfe. Ein Arzt aus der Nachbarschaft verband das leicht verletzte Mädchen und ließ es in einer Kraftdroschke nach Hause bringen. Die Leiche des Selbstmörders wurde nach dem Schauhause gebracht. Tie Vcr» wundete begab sich gestern vormittag nach einer Klinik, um sich daS Geschoß aus dem Wundkanal herausziehen zu lassen. Grössere Verkehrsstörung am Schlossplatz. Ein Defekt an der erst kürzlich ausgebesserten Schleusenbrücke in der Nähe des Schloßplatzes führte gestern zu einer halbstündigen Verkehrsstörung im Straßen» bahnberkehr. Die Wagen der Linien 17, 60, öl, 70, 73, 80 und 81 wurden über de» Spittelmarkt umgelenkt, bis die Brücke wieder in ordnungsmäßigen Zustand gebracht worden war, was etwa eine halbe Stunde wählte. Zwei schwere Automobilunfätte, bei denen drei Personen er- heblich verletzt wurden, haben sich am Dienstag ereignet. Gegen Vt9 Uhr abends wollte die 22jährige Verkäuferin Berta Reusa, Kaiser-Friedrich-Stratze 33 wohnhaft, in der Nähe der Tauentzien- stratze den Kurfürstendamm überschreiten. Sic beachtete dabei nicht, daß in diesem Augenblick ein Privatautomobil herannahte, wurde angefahren und zu Boden gerissen. Die N. schlug so heftig auf das Stratzenpslaster aus, daß sie eine klaffende Kopfwunde und eine Gehirnerschütterung erlitt. In bewußtlosem Zustande wurde die Verunglückte, der auf der Unfallstation Zoologischer Garten die erste Hilfe zuteil geworden war, nach dem Krankenhause Westend über- geführt. Der zweite Automobilunfall trug sich in der Nacht gegen 12 Uhr am Lützow zu. Hier fuhr eine Lirajtdroschke infolge VcrsagenS der Steuerung mit großer Gewalt gegen einen Baum. Der Anprall war so heftig, daß die beiden Insassen, der Bufsetier Artur Herzte aus der Gleimstr. 64 und der Maurer Julian Rischke, Perleberger Straße 34 wohnhaft, gegen die vordere Wagenscheibe gestoßen und in weitem Bogen auf den Fahrdamm geschleudert wurden. Während der Chauffeur, der ebenfalls von seinem Sitz siel, mit unerheblichen Kontusionen davonkam, erlitten die beiden Fahrgäste erhebliche Ver» lchungen. Herzte trug mehrere tiefe Kopfwunden und Schnitt- wunden im Gesicht, sowie eine Gehirnerschütterung davon und mußte in besinnungslosem Zustande nach dem Krankenhaus Westend über- geführt werden. Rischke erlitt eine blutende Wunde am Hinterkopf und am Schienbein und wurde auf seinen Wunsch nach seiner Woh- nung gebracht, nachdem er auf der Feuermache Am Lützow durch den Arzt der Unfallstation XVIII einen Notverband erhalten hatte. Albert Wasewitz. Der Tod hält in den Reihen unserer älteren tätigen Genoffen reiche Ernte. Aus Giisiebiese in der Neumark kommt die Nachricht, daß der Genosse Albert Wasewitz gestorben ist. Genosse Wasewitz war in den Kreisen der Berliner Genossen, vor allen unter denen des vierten Wahlkreises kein Unbekannter. Bon Beruf Schuhmacher, stellte er sich schon ftühzeitig in den Dienst der Partei. Auch er war einer derjenigen, die sich schon unter dem Sozialistengesetz der so mühevollen, aber unsere großen Erfolge ver- bürgenden Kleinarbeit in der hingebensten Weise unterzogen. Im Jahre 1337 war Wasewitz Mitglied des damaligen C. C.(Zentral- komiteeS). Später gehörte er lange Jahre der Agitationskoinimssion der Provinz Brandenburg an und zeichnete lange Zeit„Die Fackel" ver- antwortlich. Dann bekleidete er das Amt eines VerlrauenSmanneS für den 4. Wahlkreis(Osten). Viele Genossen werden sich vielleicht noch ent- sinnen, wie Wasewitz, der eine Zeit lang eine Gastwirtschast betrieb, einen in seinem Lokale eingesirndenen Spitzel zur Wache brachte und feststellen lassen wollte. Unserer verstorbener Genosse gehörte zu jener großen Zahl von denen, die uneigeiinützig für unsere Sache arbeiten, obgleich sie wirtschaftlich nicht auf Rosen gebettet sind. Erst ver- suchte er seine zahlreiche Familie als Bicrabzieher, denn als Gastwirt durckizubringen, bis er vor einigen Jähret» als Konsum- Verwalter nach Güstebiese ging. Obgleich seit 4 Jahren an einer unheilbaren Krankheit leidend, sehen wir unseren Wasewitz in den vordersten Reihen als eifrigen und pflichttreuen Parteigenossen. Noch auf dem vorige Woche hier stattgefundeiisn preußischen Parteitage, auf dem er als Delegierter des Kreises Königsberg in der Nemnark anwesend war, konnten wir ihn begrüßen. Bon diesem Parteitag kehrte er aber schwerkrank heim und ist nun seinen Leiden erlegen. Wasewitz hat sich durch seine Tätigkeit für die Partei verdient gemacht und sich ein dauerndes Andenken in den Berliner Partei- kreisen erworben. Seinen Berletznnzen erlegen ist der Invalide Martin Günther ans der Eberihstr. 42. der am Montag beim Ileberschreiten des Fahrdamms in der Elbinger Straße vor dein Hanse Nr. 15 von einer Kraftdroschke überfahren wurde. Er starb ini Krankeilhause am Friedrichshain au den Folgen eines Schädelbruchs. Wegen des Preises für Aiiglcrkartcii für das Jahr 1910 haben Vertreter von Anglcrvcreiniguugcu mit den beiden Fischerimiiingen von Köpenick und Rahnsdorf verhandelt; eS soll am Sonnlag, de» 16. Januar, nachmittags ll/a Uhr, in Köpenick, Restaurant Zippon, Grüiiancr Straße 3l. Bericht über daö Ergebnis erstattet werden, ivorauf Anglcrintcressenten aufmerksam gemacht werden. Wer ist der Tote? Ein unbekannter Mann wurde vorgestern abend um 10 Uhr a» der Zcntralmarkthalle an der Ecke der Kaiser- Wilhelm- und Dirckscnstraße regungslos aufgefuudcn. Ein Arzt stellte fest, daß er tot war. Wahrscheinlich hat ein Herzschlag dem Leben des Unbekannten ein Ende gemacht. Die Leiche wurde nach dem Schauhause gebracht. Abslincitteubmid. Ada Negri, die allen Proletariern wohl- bekannte sozialistische Dichterin, ist der nächste UnterhaltungSabend, htm der Deutsche ÄrVeiter-Nbstineniendiind(Ortsgruppe Berlin) der- answltet. gewidmet. Die. Beranstaltung findet in der Neuen Philh-irmonie, Köpenicker- Str. S7. am Sonntag. den 16. Januar statt.— Den«ortrag hat� der Genosse Ernst Kreowski, den rezttatonschen Teil Frau E. Kühne übemommen. Der Eintritts- preis beiragt nur 10 Pf. Einlahkarten sind nur bei den Mitgliedern W. Pteleke, Lustenstr. 18, E. Gc.sler, Äuglerstr. il, U, I. Michaelis. Engelufer IV. zu haben. Seuettocfirnadjriditen. Der 20. Zug wurde am Dienstagabend nach der Breitenstr. 4 alarmiert, wo in einem Kontor ein Schrank mit Papieren u. a., sowie die Einrichtung in Brand geraten war. Es gelang, die Flammen mit einer Schlauchleitung zu löschen. P>egen eines Wohnungsbrandes wurde die Feuerwehr nach der Dresdener Straße 20 alarmiert. Möbel usw. brannten dort. Um me Flammen zu löschen, mußte tüchtig Wasser gegeben werden. Dem Kaufmann Erich Reinhardt mußten Notverbände angelegt werden. Er hatte Brandwunden zweiten Grades an den Händen und Kops erlitten� Längere Zeit hatte der 3. Löschzug in der Pappelallee 27 zu tun, wo im Borderhause in einer Wohnung Möbel usw brannten, so daß tüchtig Wasser gegeben werden mußte. Der 6. Zug wurde nach der Köpenicker Straße 108 alarmiert, wo ein Mann in einem Fahrstuhl eingeklemmt war. Es glückte, ihn unverletzt herauszuholen. Wegen eines Ladenbrandes erfolgte ein Alarm nach der Alten Jakobstr. 44. Vorort- JVadmcbtem Ehnrlottendnrg. UcBtt die am 20. Januar er. stattfindenden Neuwahlen der Bei- sitzer zum hiesige» Gewerbegericht wurde in der am 3. d. MlS. ab- gehallciien Sitzung der Charlotienburger GewerlichaftSkoinmission aber- mals verhandelt und die Nominierung der Kandidaten zu den Wahlen vollzogen. Das einlestende Referat über die Materie hielt der Genosse Flemniing. Er bedauerte am Eingänge seiner Ausfnhruligen, daß in manchen Gewerkschaften noch rein gar nichls über die Wahlen gesprochen worden sei. Es fei notwendig, die noch kurze Spanne Zeit bis zu den Wahlen nützlich an- zuwenden und für eine intensive Wahlbeieiligung zu sorgen. Die Wahlen selbst vollziehen sich in der Zeit von vormittags 10 Uhr bis mittags 1 Uhr und von nachmittags S Uhr bis abends 8 Uhr. Der Magistrat hat sich wiederum nicht aufschwingen können, einen Sonntag, wie er von der Arbeiterschaft lebhaft gewünscht, als Wahl- tag zu bestimmen. Die jetzt festgesetzten Wahlstunden werden wieder daS alte Bild zeitigen: In den Vormittagsstunden ist die Wahl- beteiligung eine äntzcrst flaue und in den wenigen Abendstunden drängt sich die Wählerschab, namentlich in manchen Bezirken, sehr dicht zusammen. In Verbindung mit der sozialdemo- krntische» Stadtvcrcrdnctenfraklion müsse in Zukunft dahin Siestrebt werden. daß die Wahlen an einem Sonnlagc tatifinden, wie solche schon seit längerem in Berlin und anderen nanihaflcn Orten vor sich gehen. Ebenso sei in Erwägung zuziehen, ob daS Kammersyslem dem bisher geltenden allgemeinen System vorzuziehen sei. Ei» dringender Wunsch der Arbeiterschaft Ehar- lottcnburgö würde damie erfüllt werden.— Ein Flugblatt zu den Wahlen wird am Sonntag, den 16. Januar er., verbreitet werden. Der hiesige Wahlvcrei», welcher die Vcrbreilnng der Flugblätter übernommen hat, stellt aber an die einzelnen Gewerkschaften daS Ersuchen, daß sich an der Verbreitung auch die nur- gewerkschaftlich Oraauisiertcn beteiligen sollten. Diesem Ersuchen des Wahlvereinsvoritandes soll Rechnung getragen werden; essollen sich die Gewerkschaftler am Sonntag, den 16. Januar, morgens 8 Uhr. in folgenden Grnppenlokalc» einfinden: Gruppe I: bei Tietze, Nehringstr. 4; Gruppe ll: bei Ehrhardt, Äiiodelsdorststr. 60; Gruppe Hl:„Volkshans"(Ttchbierhallc). Rofinenftr. 3 und Olm, Reuchliustr. 6; Gruppe IV: bei Mertens, Krumineftr. 43; Gruppe V: bei Schulz. Wallst r. 60; Gruppe VI: bei Kuncrt, Sefenheiiner Straße 1 1; Gruppe VÜ: bei Thunack. Wielandsir. 4 und Gruppe VIII: bei Weisheit. Ncttclbeckstr. 11. Ferner sei es von Wichtigkeil. daß die Wähler sich schon einige?age. vor..den Wahlen eine Legitimation besorgen. Wähler sind solche Arbeiter, welche da« 25. Lebensjahr am Tage der Wahl vollendet und in Cbarlotteiiburg Wohnimg. oder Beschäftigung haben. Als Legitimation gilt ein Zeugnis des Arbeitgebers oder der Polizei- behörde, durch welches bestätigt wird, daß der Arbeiter in Ehar- lottenburg in Arbeit steht oder wohnt. Redner richtet zum Schluß an die GcwerlfchaftSverlretcr den Appell, bis zum Tage der Wahlen fleißig für diese z» agitieren und am Tage der Wahlen selbst dem Ausschuß in der Wahlarbeit behilflich zu sein. In der nunmehr folgenden Diskussion, an der sich die Genosien Emil Lehmann. Huxol, Richter, AhrenS, Schiller. Wilde und Tobias beteiligten, wurde in der Hauptsache die Kandidaten- frage besprochen. Das Resultat der Aiisstellimg der Kandidaten in den einzelnen Wahlbezirken war folgendes: l. Wahlbezirk: Eduard Hossmann, Maler, und Paul Liiidenblatt, Kunst- und LandschaftS- gärtner; 2. Wahlbezirk: Wilhelm Rosenkranz, Kassenbote, und feinrich Woschke, Putzer; 3. Wahlbezirk: Albert Billian, Gürtler, aul Ey. Schlosser, Franz Knobel. Zimmerer, und Emil Lehmann, Maurer; 4. Wahlbezirk: Johann David, Maurer. und Paul Drusche. Lagerarbeiter: 5. Wahlbezirk: Wilhelm Dermietzel, Kellner, Rudolf Müller. Tischler, und Wilh. Steltcr. Zimmerer; 6. Wahl- h?zirk: Karl Gräber. Bauhllfsarbeitex, und August Lukas, Asphall- arbeiter; 7. Wahlbezirk: August Hammel, Tischler, und Rudolf Handke. Baiihilfsarbelter; 8. Wahlbezirk: Franz Huxol, Schneider. Am Schluß wurde noch ans die am Sonntag, den 13. Februar, von nachmittags 3 Uhr ab im Bolksbaus(kl. Saal) vom hiesigen Konsumverein arrangierte WarenauSstellung aufmerksam gemacht. Die Präsenzliste ergab die Nichtanwesenheit der Bäcker. Friseure Und Transportarbeiter. Ein Brand entstand gestern mittag IL'/,, Uhr in der Chemischen Fabrik Westend. Gutenbergftr. 3. Die Feuerwehr, die in zwei Zügen sofort zur Stelle war, hatte längere Zeit zu tun, um den Brand, der durch Ucberkochen von Chemikalien cntstandcn war, auf seinen Herd zu beschränken. Erst nach 1>/z stündiger Tätigkeit konnte die Wehr die Brandstelle verlasieu, wo die AufräunuingSarbeite» noch längere Zeit fortdauertcii. Wilmersdorf. Di« gestrige Stadtverordnetenersatzwahl endete im 7. Bezirk mit einem Siege deö demokratische» Kandidaten. Oberleutnant a. D. Moll, auf den 155 Stimmen entfielen, während für unseren Genossen, GewerkfchaftSbeamten Riedel 55 Stimmen und für den Mifchmaschkandidaten Dr. H e f s e 60 Stimmen abgegeben wurden. Im 8. Bezirk, wo bekanntlich unsere Genossen wegen Fehlens eines Hausbesitzerkandidaten an der Wahl nicht teilnahmen, siegte der Mischmaschkandidat Wenzel. Grosz-Sichterfelde. Richtfcicr verbunden mit Ncubaueinstnrz. In der Nacht vom Sonnabend zum Sonntag ist, während die Bauarbeiter eines Neu- baue« vergnügt uns guter Dinge der Richtfeier oblagen, ein Teil desselben eingestürzt. Der Neubau liegt in demjenigen OrtSteil Von Groß-Lichlerfelde, in welchem Hochbau gestattet ist und in welchem sich infolgcdesien auch daS sogenannte Bauspekulantentum besonders breit macht. Erleichtert wird diesem Baulöwentum, so wird uns berichtet, ihr Pfuschhandwerk noch dadurch, daß eine fach- kundige Baupolizei nicht zu bestehen scheint. DaS bewies wenigstens eine am Montag, den 3. Januar, auf Ber- anlassung des hiesigen GewerkschaftSIartells veranstaltete Bauten- kontroll e. Von 22 kontrollierten Bauten entsprachen nur drei einigermaßen den Anforderungen, welche in bezug auf Arbeiierschutzeinrichtungen gestellt werden. Die beiden die Kontrolle vornehmenden Genossen waren sich nach Beendigung derselben einig darin, daß auf dem eingestürzien Neubau die polizeilichen Vorschriften am wenigsten befolgt waren. Schon gleich beim Eintritt koniite man sehen, daß hier eine wahnsinnige Arbeits- Methode herrscht. Letztere hat es auch nur verschuldet, daß dieser Bau. der, nebenbei bemerkt, von unorganisierten Maurern aufgeführt wurde, einstürzte. Neben diesem vom Maurer- meister Köhler und Zimmermeister Datow aufgesührten Bau fand sich noch einer, für welchen Unfall- BerhütungSvorschriflen auch nickt vorhanden zu sein schienen. ES ist dies ein Villaneubau in der Ulmenstraße. Von den drei Balteulagen war auch nicht ein Feld weder ausgestaakl noch abgedeckt. Oben in schwindelnder Höhe balanzierten einige Maurer auf einzelne» Rüstbretleni. Der Dach- decker verrichtete halsbrecherische Arbeit ohne jegliche Schntzrüstung. Daß bei diesen Zuständen nicht schon ein größeres Unglück passiert ist. ist geradezu als ein Wunder zu bezeichnen. Eine Besserung wird aber nicht eher eintreten, als bis Kontrolleure aus Arbeiter- kreisen derartigen Unternehmern gewissenhaft auf die Finger sehen. Lichtenberg. Tie sogenannte WertzuwachSsteuer wurde in der am DienS- tag stattgefundenen außerordentlichen Stadtverordnctcnsitzuug nach dreistündiger Verhandlung unter Dach und Fach gebracht. Selbstveritändlich, wie nach den letzten beiden Sitzungen nicht anders zu erwarten war, mit allen die Magistratsvorlage ver- srfilechternden Abänderungsanträgen der Jnteressentcngruppe Schachtel, Plonz u. Co., und zwar stimmten die Bürgerlichen ge- ichlossen für diese einer WertzuwachSsteuer geradezu höhn- sprechenden Mißgeburt. Interessant war bei dieser Gelegenheit, daß, als der Magi- stratsvertreter, der Zweite Bürgermeister Dr. Unger, von der Magistratsvorlage noch zu retten suchte, was zu retten war, hier- bei auch von unsereni Redner Genossen Düwell lebhaft unter- stützt ward, er von den Herren Schachtel und Röder so unflätig an- gegriffen wurde, daß der Erste Bürgermeister diese Angriffe als un- anständige Redensarten zurückweisen mußte. Wie unangenehm diese Steuer gerade diesen Herren ist, konnte man überhaupt an der Schärfe ihrer Angriffe ersehen, und speziell Herr Röder war es, der das Vorgehen des Magistrats sowohl wie das der Re- gierung in Steucrfragcn unter anderem mit folgenden Aus- drücken bezeichnete:„räuberisch, unmoralisch, frivo l". Das beste an der ganzen Affäre war jedoch, daß unser so st r e n g unparteiischer Stadtverordnetcuvorsteher Plonz, der bei Ausdrücken unserer Genossen geradezu jungsrauenhafte Empfind- samkeit an den Tag legt, seinen eigenen Freunden gegenüber ein Einschreiten nicht für nötig hielt. Erst als Herr Röder die Ausführungen des Magistratsvertreters als Unsinn bezeichnete, hielt es Herr Plonz für nötig, dies freund- schaftlich zurückzuweisen und ihn, um weitere Entgleisungen zu verhüten, sofort bat, als Stadtverordnetenvorsteherstcllverlreter in Funktion zu treten. Nun mußte notgedrungen Herr Röder seine Angriffe einstellen, da er als Leiter der Versammlung ja zum Hüter des guten Tones und der guten Sitte verpflichtet war. Zum Schluß sei noch bemerkt, dass der Magistrat trotz des Vorgehens der Majorität ihm gegenüber der in der vorigen Sitzung von der bürgerlichen Mehrheit beschlossenen Verschlechte- rung der Geschäftsordnung zugestimmt hat. Zu der Berichtigung des Herrn Dr. Bokofzer, so schreibt unser Berichterstatter, ist zu bemerken, daß in dem betreffenden Zitat allerdings irrtümlich«in Zwischensatz fortgeblieben ist. ES mutzte richtig heißen, daß, weil die Wahl durch unmoralische Mittel zustande gekommen, es eine Schande sei, unter solchen Umständen mit dein Gewählten in der Stadtverordnetenversammlung, zu- sammen zu arbeiten. Herr Bokofzer gab dabei der bestimmten Er- nmrtung Ausdruck, daß Herrn Plathen, dem durch die gerügte Wahlmogelei das in Frage kommende Mandat verschafft worden ist, von den Vorgängen nichts bekannt sei und er die Annahme des Mandats nach Kenntnisnahme des Protestes ablehnen werde. Da der Herr Plathen dieser Erwartung des Herrn Bokofzer nicht entsprochen hat, ergeben sich die Äoniequenzen seiner damaligen Rede von selbst. ijehlendorf(Wannseebahn). Vor eiuigcn Wochen hat. wie wir berichtet, die Gemeinde- Vertretung eine Vermehrung der Vertretung von 18 auf 24 Vertreter beschlossen. Schon damals gaben wir der Befürchtung Ausdruck, daß man schon Mittel und Wege finden wird, den einigen tonnngebenben Personen im Dorsparlameiit unangenehmen Beschluß wieder zu be- seitigen. Wie verlautet, ist nun auch gründlich hinter den Kulissen gearbeitet worden, so daß die Aushebung schon perfekt ist. Aber man bat nicht den Mut, die Aufbebung des jnibere» Beschlusses in voller Oeffenllichkeit zu bewirken, sondern zieht sich i». die Finsternis der nichtössentiichcn Sitzungen zurück. ES ist die-Z nur einer lieb ge- wordenen Tradiiion entsprechend. Und diejenigen Gemeinde- Mitglieder, die erfahren dürfen, was in der nichtöffentlichen Sitzung vorgefallen ist, weil man von ihrer Seite keine absprechende Kritik in der Oeffeiitlichkcit befürchten braucht, wissen ja, wohin fie sich zu wenden haben. Wozu hat denn schließlich da« Burgrestanrant Telephon?— Wie uns erst jetzt bekannt wird, hat am 7. d. MtS. eine nichtöffentliche Sitzung stattgefimden, in der beschlossen wurde, die Vermehrung nicht von 18 auf 24. sondern nur auf 21 vorzu- nehmen. Der Antragsteller war Herr Thornton. Sein Mannesmut hatte ihn veranlaßt, als die Frage im Dezember zur Beratung stand. die öffentliche Verhandlung durchzudrücken. Charakteristischerweise hat ihn dieser ManncSmut diesmal im Glich gelassen. Durch den neuen Beschluß kann man schon jetzt überblicken, wieviel Vertreter diesmal neu zu wählen sind. ES sind im ganzen elf Wahlen im März dieses Jahres zu vollziehen. Je zwei Ersatzwahlen in jeder Klasse, zwei Nackwahlen, eine in der zweiten und dritten Wähler- klaffe, und drei Neuwahlen. Es enlfallen also auf die erste Klasse drei, auf die zweite und dritte Klasse je vier Bertrcterwahlen. Noch scheint es so, als weim sich die sogenannten nupolitischen Vereine gar nicht»in die ganze Angelegenheit kümmern. Dadurch darf sich die Arbeiterschaft aber nicht düpieren lassen. Wir erinnern daran. daß schon vor einigen Monaten in jenen Vereinen die WahlkomiteeS bestimmt wurden. Daraus geht hervor, daß man stark bei der Arbeit ist. Augenscheinlich wird jetzt darum gehandelt, wer daS Fell des Bären erhalten soll. Die Herren betrachten eS natürlich als selbstverständlich, daß ihnen die Vermehrung zugute kommt. Selbst dem„gehleudorfer Anzeiger" dämmert es jetzt schon auf, daß es sich bei der ganzen Angelegenheit der Vermehrung nur darum handelte, die Jntcresienvertretung einiger kommunaler Vereine zu verstärken. Die Arbeiterschaft Zehlendorss hat daher alle Ursache. sich jetzt schon zu rüsten. Es gilt für sie. das Erstliiigsrecht, um daS sie bisher betrogen worden ist, sich endlich zu erobern. Mit dem neue» Jahre ist im hiesigen Orte eine wesentliche Ber- änderung eingetreten. Allerdings zunächst nur als Provisorium. Der bisherige Aintsvorstehcr Milinowsky, der seinen Posten zwanzig Jahre verwaltete, ist in den Ruhestand getreten. Natürlich geschah dies mit dem üblichen Pomp, der bei solchen Gelegenheiten im Musterstaate Preußen entfaltet werden muß. wo das Publikum nur der vielen Beamten wegen da ist. Das Leib- und Magenblatt aller Zehlendorfer Spießer hat pflichtschuldigst gemeldet', welch pflichttreuen und über die Maßen verdienten Beamten Zeblen- dorf in Herrn Milinowsky verliert. Selbst der Landrat, Herr v. Achenbach, hat persönlich einen Orden übcrbracht. Die Arbeiterschaft Zehlendorss weint Herrn Milinowsky keine Träne nach. Hat er es doch mit seiner AmtSführimg vereinbaren können, in schärfster Weise gegen die Arbeiterschaft Partei zu nehmen. Wir erinnern nur an den Fnrstenhosboykott, Ivo infolge seiner Maßnahmen der be— rühmte EinhaltSbesehl gegen 16 Zehlendorser Arbeiter erlassen wurde, die nur von ihrem Recht Gebrauch machten, die ankommenden Ans- flügler darüber aufzuklären, daß der Saal des dicht am Bohnhos liegenden im Besitz der Gemeinde befindlichen Restaurants Fürsten- Hof der Arbeiterschaft nicht zur Verfügimg steht. Die AnttSgeschäste sind provisorisch dem Gemeindevorsteher übertragen worden. Von ihm wird sich die Arbeiterschaft in dieser Hinsicht auch nichts ver- sprechen brauchen. Hält er doch die Hand über den Fürstenhof- vertrag, worin steht, daß daS Lokal der Sozialdemokratie verweigert werden muß. Ein Zeichen seines BerständnisseS der Gieichberechii- gung der Gemeindemitglieder. Eine öffentliche Jugcndversammlung findet am Sonnabend, den 13. Januar, abends 8 Uhr, im Restaurant von Miel, Karlstr. 12. statt. Zahlreichen Besuch der erwachsenen Arbeiterschaft und der Jugendtichen erwartet Die Freie Jugendorganisation für Steglitz und Umgegend. Köpenilt. Der Haushaltsetat der Stadt für 1910 ist bereits öffentlich aus» gelegt worden. Die Steuerzahler dürften denselben mit gemischten Gefühlen ciitgegennehlncn. denn die Zuschläge zur Einkommensteuer tollen von 170 auf 197 Prozent erhöht werden. Der Etat selbst balanziert in Einnahme und Ausgabe mit 1 694 344,70 M. gegen 1 606 457 M. im Vorjahre. Der Ueberschuß des ElektriziiätSwerkcZ ist anstatt auf 100 ÖOO M. ans 65 000 M. gestellt worden. Ei» �i», Vorjahr eingestellter Ueberichuß der Stadlkasse in Höhe von 57 718 Mark fehlt diesmal: auch bei der Städtischen Straßenbahn ist in diesem Jahr eine Mehreinnahme nicht zu verzeichne». Aus Vor- stehendem erklärt sich die Zm'chlagSsteigerung zur Einkommensteuer. Bei der Gewerbesteuer. Klasse I und II, irill eine Erhöbung des Zu- schlageS von 250 auf 280 Prozent ein, bei Klasse Hl und IV von 180 auf 200. Die am 1. April in Kraft tretende WertzuwachSsteuer ist mit 10 000 M. Ertrag eingestellt. Die Krcissteuer. welche 135 000 M. beträgt, ist bekanntlich in den Zuschlägen mit ein- begriffen. Boxhagen- Rummelsburg. Am Montag, den 10. Januar, ist von Alt-Boxbagen 59, Lokal Blume, bis nach RummelSburg Kantstr. 9, ein Portemontwie verloren worden. In demselben waren enthalten 4.60 M. Bargeld, 20 Marken vom Frauenverein a 20 Pf., sowie 20 Marken a 30 Pf. vom Sozialdemokratischen Wablverein RummelSbnrg. Der Finder wird gebeten, das Gefiindene in der Vorwärts-Spedition. All-Box- Hägen 26, oder bei Pfühl, Rummelsburg-Boxhagen, Kantstr. 9. vorn IV, abzugeben. Neu-Zittau(Kreis Beeskow). Ueber BolksauSplünderung durch neue Steuern referierte Genosse Z u b e i l in einer öffentlichen, sehr stark besuchten Versammlung. Ein Teil der Gäste mußle während des Referats stehen. In großer Spannung folgten die Zuhörer den Ausführungen de§ Redners. Zum erstenmal waren auch Gegner anwesend, aber der brausende Beifall nach Schluß des Referats nahm selbst dem Vorsitzenden des RriegervereinS den Mut, sich zum Wort zu melden. In der Dis- kussion wies Genoffe Fiedler auf die Bedrückungen hin. welche Gast- wirte zu erleiden haben, sobald sie der Arbeiterschaft ihre Lokale zur Verfügung stellen. Auch hier scheint jetzt ein anderer Wind zu wehen, hatte doch der Amtsvorsteher das bescheidene Tonzkränzchen der Neu-Zitlauer Genossen verboten. Genosse Schulz zeichnete mit kräftigen Strichen das Bemühen der Arbeiterpresse um Volks- aufklärung; Redner forderte deshalb zum Abonnement auf den „Vorwärts" oder die„Märkische Bolksstimme" sowie zum Eintritt in den Wahlverein auf. Bei der begeisterten Stimmung, die auch die Aussührnngen in der Diskussion auslösten, suchten die tapferen Krieger das Weile. Unsere Genossen waren so boshaft, da« Verbot des Amtsvorstehers zu ignorieren. Bis nach der Geislerstunde schwenlten sie, wie wir hörten, das Tanzbein. Senzig.(Kreis Teltow.) Ein« öffentliche Versammlung hörte am Sonntag im Curtschen Lokal einen Bortrag des Genossen Thurow-Rixdorf über„Die Brand- schatzung des Volkes durch indirekte Steuern". Der Bortrag, in welchem der Redner in großen Zügen ein Bild der sozialen Lage der niedrigen Volksschichten entwarf und zugleich die fortgesetzte starke Heranziehung derselben zu den SlaalSlosten betonte, wurde mit regem Interesse entgegengenommen. Eine Diskussion fand nicht statt. Nach einer Aufforderung an die Versammelten zum Beitritt in die gewerkschaftliche und politische Organisation hatte die von begeisterter Sttmmung beseelte Versammlung ihr Ende erreicht. Pankow. In der Gemeindevertrctersitzung am 11. Januar erfolgte vor Eintritt in die Tagesordnung die Auslosung zu den nächsten Ge» meindevertreterwahlen. Es sind zu wählen in der dritten Ab- teilung 2 Angesessene und 2 Nichtangesessene, in der zweiten Ab- teilung 2 Angesessene und 1 Nichtangesessener, in der ersten Ab- teilung 1 Angesessener und 2 Nichlangesesscne. Zum Bau einer Bedürfnisanstalt an der Ecke der Berliner und Mühlenstraße wurden 10 000 M. bewilligt. Der betreffende Platz wurde der Gemeinde von der Deutschen Bodengesellschaft übereignet. Letztere bat das Terrain parzelliert und bestimmt, daß der Platz mit Schmuckanlagen versehen werde. Zweifellos steht dieser Bestim» mung nicht die Erbauung einer Bedürfnisanstalt entgegen. In Pankow sind nur zwei Bedürfnisanstalten mitten im Orte er» richtet, während für die Tauseiide von Fußgängern, die nament» lich im Sommer an den Sonntagnachmittagen von der Schönhauser Allee nach Pankow und zurück wandern, auf der ziemlich weiten Strecke keine Bedürfnisanstalt vorhanden ist. Der Höhe der Bau- kosten entsprechend ist eine architektonische und zugleich nutz- bringende Ausgestaltung der Anlage vorgesehen; eS sollen nämlich Verkaufsstände(für Zeitungen usw.) angebaut und vermietet werden. Da der Wirt des Rathauskellers von dem Pachtvertrage zurücktreten will, wurde beschlossen, alsbald die Ncuverpachtung in die Weg« zu leiten. Die Bausumme für den Schulhausneuban an der Kaiser-Friedrich-Straß« ist um 16 000 M. überschritte»; diese Ueberschreitung wurde nachträglich bewilligt. Ferner wurde der Gemeindevertretung von einer langersehnten Mitteilung des Berliner Magistrats, betreffend die Berliner Straße, Kenntnis gegeben. Von einem endgültigen Beschluß ist zwar noch nicht die Rede, doch soll„demnächst" weiterer Bescheid folgen. Der klag- liche Zustand der Straße scheint nun zur Eile zu mahnen. Bisher sind offenbar selbst die notwendigsten Ausbesserungen zurückgestellt lvordcn, da die Uebereignung der Straße an Pankow immerfort nahe bevorstand. Nun nimmt die Frage der Haftpflicht für etwaige Unglücksfälle immer mehr eine ernste Bedeutung an; denn bei dem jetzigen Zustand der Straße muß die Zahl der Unglücks. fälle zunehmen. Im Anschluß daran wurde lebhaft Klage über die Straßenbahnbetriebe. die Große Berliner sowie die Siemensbahn Pankow— Mittelstrahe geführt. Ter Beschwerde über die Siemens- bahn lag der Tatbestand zugrunde, daß in de» späteren Bor- Mittagsstunden die Wpgen bereits am Rathaus in Pankow be- setzt waren; angeblich fahren dann nur Motorwagen ohne An- hängewagen. Das ist gewiß ein sparsamer Betrieb, dem Verkehr ist damit aber nicht gedient. Das Publikum, das sich in Pankow niederläßt, braucht genügende Verkehrsmittel nach Berlin. Wird der Verkehr von der Bahn nicht bewältigt, so verliert sie die Fahr- gaste und die Gemeinde die Steuerzahler— durch falsche Sparsamkeit. Von der Großen Berliner sollen Umsteigebilletts für die Linien von dem Schönhauser Tor nach Pankow gefordert werden, da es meist nicht möglich ist, von dort mit den direkt nach Pankow oder Niedcrschönhausen fahrenden Wagen mitzukommen. Das ist vielmehr erst in der Nähe der Berliner Weichbildgrenze der Fall. Wenn die Große Berliner ein wenig entgegenkommend wäre, so würde sie die Benutzung der Wagen einer an der Weichbildgrenze endenden Linie und die Weiterfahrt nach Pankow mittels Um- steigebilletts freistellen. Wie die Dinge jetzt liegen, kann die Fahrt nur in der Weise beschleunigt werden, daß man für jede Linie den üblichen Fahrpreis zahlt. Der Vorschlag, in dieser Angelegen- hcit das Berliner Polizeipräsidium anzurufen, wurde verworfen. da letzteres z. B. die Verlegung der UnglückShaltestelle an der Binz Straße nun auch schon zum dritten Male abgelehnt hat. Ferner wurde hierbei bemerkt, daß zufolge von Zeitungsnachrichten bei der Uebernahme der Großen Berliner durch die Stadt Berlin vrrauösichtftch die Fahrpreise auf den Vorortlinien erhöht werden würden. Ter Gemeindcvorfiand und die Gemeindevertretung sollen rechtzeitig dagegen Stellung nehmen. Todes- Anzeige. Allen Bekannten und Freunden I mr ArnntnkSuahme. daß mein! Manu, unser guter Vater �lbeft Wssewt? nach kurzem Leiden beule am 11. Januar verstorben ist. Die Beerdigung findet am Freitag, den 11. Januar, nachmittags 2 Uhr, vom Vereins- Hause aus statt. 2Sl/g Um stilles Belleid bitte» 6!Utsd!«»o, 11. Januar 1910 Die Hinterbliebenen. ISozialileiiiokFafechErWalilYerein für den It. Den Mitgliedern zur Nachricht. [ daß unser alter Genosse Ulbert>Vasewit? sin Güslebiese gestorben ist. Wasewitz wirkte ein Menschen- ! alter im 1. Berliner Reichstags- 1 Wahlkreise für die Partei. EHre seinem Zlndcnke» l Die Beerdigung fand ani I Freitagnachmiltag 2ll, Uhr in 1 Güsiebicse statt. j 215/4 Der Torstand. SozIalileinokFatlsElierWalilYereln für den i BeFliner Heichstags-WÄ-eis. Frankfurter Viertel. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß mrser Genosse, der Schrift- setzcr �uäolk proeis Große Franksurtcr Straße 17 gestorben ist. Ehre feinem Andenken: Die Beerdigung findet am Freitag, den 14. Januar, nach- mittags 1 Uhr, von der Leichen- Halle des Zentral-Friedhojes in FricdrichSselve aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Ter Vorstaud. Ivaola Kurrom lrr-mksnla»cr versolüsd am 11. ü. ilts., vormittags, nnsgr lieber Kollege und Mitarbeiter Rudolf Proeis im 49. Lebensjahre an der Lungcnschwindsnchfc. Sein Andenken wird stets in Ehren haiton Berlin, den 12. Januar 1910. 27/2 Die Verwaltung des Vereins der Berliner Buchdrucker u. Schrittgietier, vr... A-.•• Deutscher Transportarbeiter-Verband. Ortsvorwaltung GroS-Berlin. Den Mitaliedern zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Geschäfts- kutscher Karl Gummel am Sonntag, den 9. d. M., im Sllter von IL Jahren an Lungen- leiden gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet ain Donnerstag, den 13. d. M., nachmittags L'/, Uhr, von der Leichen- balle des Bartholomäus- Uirch- Hose», Weigensce, auS statt. Um rege Beteiligung wird gc- bete».(55/0 Ole Verwaltung. Am Dienstag verstarb nach kurzem, schwerem Leiden der Schriftsetzer Rudolf Proeis im 49. Lebensjahre. Um stilles Beileid bittet im Rainen der trauernde» Hinter- blicbcnen tiieorg Procls als Sohn. Die Beerdigung findet am Freitag, den 14. d. Mts., nachmittags 1 Ubr, ans dem slädti- I schon Zentral, Friedhofe in Fried ....... 396 richsselde statt. 1642 Typographia. Den Mitgliedern die betrübende Nachricht, daß unser langjähriges Milgtied, Kollege Rudolf Proeis nach kurzem Krankenlager ver- schieden ist. Sein allzeit rege« Interesse sür unseren Verein sichert ihm ein ehrendes Andenk«». Beerdigung stehe vorstehend. Zahlreiche Beteiligung nament- lich seitens der aktiven Mitglieder erwartet vor Vorstand. veulzeiiep Holzarbeiter- Verband I Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß uilscr Kollege, der Tischler Hnxo Bauer am 10. Januar gestorben ist. Ehre seinem Audenkcn! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 13. Januar, nachmittags 4 Ubr, von der Leichenhalle des Heilig- Kreuz- KirchhoseS in Maricuoors anS statt. s Iuinen-Q.Kranzfaindei'ei Aug. Krause, Wiener KtraBe 7, liefert Bereinskränze usw. billigst. Am 10. Januar starb unser Kollege, der Tischler �osepk Küdiler. Ehre seinem Andenken I Die Beerdigung findet am Freitag, den 14. Januar, nach- mittags 3 Ubr, von der Leichen- Halle deS Scbastiau-KirchhoscS in Rcinidendorj, Humboldlslraßc auS statt_ Am 10. Januar starb unser Kollege, der Tischler Hermann Magnus. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute, Donnerstag, den 13. Januar, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des FriedenS-Kirch- Hofes in Niederschönhausen-Rord- cud aus statt Um rege Beteftigiing ersucht 77/10 0>e Ortsverwaltung. Am Diciistagmittag l1/, Uhr I verstarb plötzlich nach- kurzem I schweren Leiden an Lungen. I cntzündung unser langjähriger ( Spediteur, Genosse Hermann Rasdike. Wir werden fein Andenken stets in Ehren halten. Tie Botenfrauen der Rosenthaler Vorstadt. Am 11. Januar starb nach 1 langem Leiden unser lieber Kollege, der Schriftsetzer Otto Bischof im 35. Lebensjahre. Wir vcriieren in ihm einen aus- richtigen Mitarbeiter und werden sein Audeiilen in Ehren halte». Berlin, 12. Januar 1910. Die Kollegen des „Berliner Tageblatt". Die Beerdigung findet am Freitag, nachm. 3'/, Uhr, aus dem Zioiis-Kird>hos in Niedcr-Schön- Hausen-Nordend statt. L33b i Herl ieichstagswahlkreises. j Teiles- Anzeige. Am Montag, den lO. Januar,-, I verstarb unser Mitglied, der 1 Schlosser August Grimm Huttcnsts. 11. Ehre seinem Al.de.ikrn k Die Beerdigung findet am I Donnerstag, den 13. Jamiar. i ilachmittagS 3 Uhr, von der I Leichenhalle des Heilands- Kirch. Hofes in Plökciiscc aus statt Um rege Beteiligniig ersucht >224/5 I»er Vorstnnck. I ZenrFal-KFankEn- u. StEPbekassc! der deulscfien Wagenbaaer. FII. Berlin 12. Am 10. Januar starb unser Mit- | glied, der Schlosser August Grimm. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet heute Donnerstag, na-bmittagS 3 Uhr, I von der Leichenhalle des Heilands- ! Kirchhofes in Piötzcnsce auS statt. i230b Tie LrtSvertvaltnng. tso, Danksagung. Hiermit sprechen wir allen Freunde» und Vcrlvaildtcn, im besonderen meinen Sangesbrüdern sür die rege Teilnahme bei der Beerdigung meiner lieben grau unseren innigsten Dank auS. August Rieck«Ä. ilrrbmib der Mnlcr, Llidiitrer.Ankirriltirriisiv. Filiale Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, daß uilscr Mitglied, der Maler B. Niemczyk | am 8. Januar verstorben ist. Ehre seinem Andeukcn l Die Beerdigung findet am l Donnerstag, den 13. Jamiar, 1 nachmittags 1'/, Uhr, aus dem I Schvueberger Kirchhos, Priester- >vcg, statt. 1 128/4 Die Ortsverwaltung. Kilimrn- tinb(uanrbinbrrfi Dun Robert Meyer, nur Mnmnntn-Zlraßt 2. Deutscher EMetallarbeiter-Verbandl Bertualtungsstellc Berlin. To<1 es- An zeige. Den Kollegen zur Nachricht, daß| uilscr Mitglied, der Schlosser August Grimm am 10. d. M. a» Nervenleiden ge- storben ist. Die Beerdigung findet hrntc 1 DoiinerSIag, den in. Januar, I nachmittags 3 Uhr, von der Leichen» I Halle des Heilands-Kirchhoses in k Plöheusce aus statt.' 110/7 1 Rege Beteiligung wirb erwartet. A'aclirnf. Den Kollegen zur Nachrickt. I daß unser Mitglied, der Metall- I arbcitcr �oliauues Zeyer j vm 8. d. M. an Luttgeiiiltllzündung| | gestor&cu ist. Ehre ihrem Aiidenken k Tic Ortöverwaltuult. üeüsiigvei'eig„gechel'klilvg". Mitglied d.-S.-B. Am 10. Jaimar verstarb nach schwerem Leiden unser Mitglied Ludolf �uiilke im 35. Lebensjahre. Durch sein ausopscrndcs, liebevolles Wclcn hat er sich bei allen ein dauerndes Andenken erivorben. Die Beerdigung findet am Freitag, den 14. Januar, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- Halle bei Lichienberger Gcmeinde- FriedhoscS in Marzahn statt. im iimiim—»ihm— i mm...... Rauch-Klub„Osten" B (M. d. A..R..B.) Am 10. d. M. verstarb infolge einer Verletzung durch Mordbiibcn- Hand herrührend unser treues Mitglied Rudolf Zühlke. Ehre seinem Audciikeu! Die Beerdigung findet am Freitag, den 14. d. M., nachmittags 3 Uhr. in Marzahn.statt Um rege Beteiligung ersucht 22(5b Der Vorstand. 2. Ziehung 1. KI. 222. Kßl. Preuss. Lotterie. Ziehung vom 12. Januar 1910, vormittags. Kui die Gewinne über 50 Mark sind den betreff«». den Kummen» in Klammern beigefügt. (Ohne Gewähr.)(Kacbdruek verboten.) 3« 61 11« 277 118 570 625(»00) 8S.1 915 1250 S36<09 fc:» 670 2118 SO« 428 65 582 061 709 7 2 85 3lI8 656 810 •18 607 4318 813 581 750. 91 lluO) 95 985 5lWl 64 81 UCKll 93 662<91 Ä57 723 2» 98 839 6197 226.357<63«26<« 7074 92 123 90 281 559 635 856»33 8100 56« 607 18 925 97 9113[200] 27 828<19 611 810 80 998 102-84 551 1100] 690 870 959 1122« SIS'[20«) 608 <5 920 1 2121<4[100] 747 944 13676 822 910 55 1 4020 55.8 Sil 65 864 956 1 5003 151 60 20« 16203 29 7 7 540 «35 859«2[200] 17071 112 444«50 33 59 86 771 883 «3« 18509 68 1 9169£63 410 5«! 87 769 897 20218 96[100].875 979 2 1 994 66 151 238<70 680 989 22165 206 373 73 618 939 2 3 209 29 395 507 2 4915 156 240 706 831 25011 134 221 041 853 2 6134 90 440 777 2 7024 98 250 07 53« 73 98 065 820.'8 95 931 83[190] *9 28285 SSO 4« 95 503 94 67» 843 923 2 9116[100] 55 «9 43 91 545 475[190] 806 50 30826«2[IM]»76 3 1 082 65« 32058 15« 259 403 frobl 643 3 3 090 173 432 636«37 760 79 565 3 4559 657 22 62 732 72 87[30!>]»::« 35158 584«74 915 36 45 545 «05 80 7.80 909 60 3 7 424 97 890 947[100] 38157 444 534 «1-6. 905 3 9 022 54 282 511»98 75« 851 996 40150 253 305 447 91 64« 805 22 4114 8 854 495 515 731 920 88 4 2 039 182 530 650 713 73 890 024 4 3 212 404 91 773 9» 44:47 50 325 774 545 929 45075 157 27» 441 7?3 857 75 913 4 6258 358 453 Ml 51 017 7t 47039 297 E31«10 40 7!S[200] 48037 190[100] 332 405 29 37 89 M 612 880 905 40«4 49199 205 SSO 410[100] 32 812 5O03:'. 100 253 41 60» 053 723 949 31192 93 280 40« S O 610 52202 52 305 12«57 72 640 45 53123 293 513 ,50 79[IM] 54»° 1 195 S3S 7« SO« 513 873 910[100] 55fl»9 60 91 02 1200) 772 5 6006 121 5«(160) 452 77« 81« 79 57051 139 341«41«07 738 914 58348 ISO 411 533 81[100] 071) 90 993 5 9105 59 59 C3 260 306 55« 735[100] 69065 131 423 84 579 6 1 013 259 32 53« 30 0 2285 518 21 71«03 752 9«5 62 85 63172 288 31««26«20 77« «04022 401 583 013 801 03 07 6 5181 67 290 409 375 «6201 63 591 723 6 7 437 709 6 805» 244 412 19 21 90 731 38 810 14 67 913 6 9063 181 205 358 534 797»58 70120 819 931 711««[100] SSO 428 49 520 708 89« 95»[100] 7237« 545«03[800] 74«[100] 73137 620 03 74476 61»6 631 56 735 928 S« 7 5 225 295 552 640 66 608 7 6062»38 578[100/ 627 850 99 7 702» 118[100] 36 9? 232 322 506«31 8» 709 2««« 942 78932 19? 387 679 tSI 79155 300 411 601 SO 828 80022 92 358 90«93 566 657[IM] 85 783 839 93« 81105 277 85 381 627 951 87 8 2263 668 702 15 8315» 367 632 39 690 879 84136 9« 331 485 59« 833 75[500] 8 5 001 232 388 581 625[100] 790[100] 823 86140 56 228 44 519 422 533 55[100] 611 54 73[200] 894(154 87755 830 912 88135 72 419 4««0 609 319 89302[100] -50 645 02 807 90275[ZOO) 380 418 502 770 815 OS 919«6 98 91172 47» 82 581 719 949 9 2 213 387 499 503 921 93150 •18 312 50«[400] 29 93 607< 2 837 92« 97 94108 98 207 «1 468 552 712 9 58»! 6«(100) 769[100] 875[100] 96023 203 65« 001 59 97391 765 908 98061 418 73 99302[100] » 663 691___ 100351 477 502 53.637 945 1 9 1 402 714 971 102025 •96 474 524 672 781 103039 64 88[IM] 147 390 422 90 592 763 1 04035 102 276 370 443 507 72[100] 105069 0',7 88 1 0 6028 42 45 166 97 367 427 06» 953 1 07425 M3«28 75 759 883 1 08265 8« 94 420 573 98 1 09141 Sk) 411 75 527 89«41 733 llOll" 88 239 438 5 i 698 871 111138 238 348 503 112015(100) 24 70 226 36 43[100] 422 539 613 14 711 «■> 856 113064 133 350 79»»16 Ii 4097 516 SO 714 54 115169 209 9 2 615 GS 88 819 116011» 101 245 301 838 '200] 117050 02 405 568 640 038 06 118093 204 09 37« 608 97 043 752 031 50 119072 129 37 42 332 445 912 12011» 225 31« 27 87 406 665 708 807«46 92[IM] 13 1 055 107 0?»« 310 434»35[100] 914 54 122311 436 «36 69 72 800 1 23 174 7« 445 59 547 677 1 24209 538 58 6?3 809 1 25038 377 87 511 6» 744 032 1 2 6 408 58 78 604 818 78 085 1 2 7311 85 505 659 722 60 813 42 925 89 128057 193 2:0[300] 49« 603 849 1 2 9 21« 82 310 19 413 620 70 873 983 139003 156 263 378 436 509 682 93 724 1 31108 803 4>, 872 1 3 2 251 704 4 4 830 1 3 358» 403 45 7 0 557 7 34134.270 500 042 60« 997 1 3 5231 559 81 87 438 570 «72 700 4.V 836 42 1 36104 74 293 433 858 908 13729« 322 35[100] 460 029 733 825»»2 1 3 8059 310[«00) 45 98 507 752 883[130] 974 1 3 9002 59 63 172 261 306 12001 72 757 928 140172 205 18.4»[100] 819 45« 831 79 983 1 4 1 98« 142345 4SI»11 143020 3» 83 297 324 9« 899(200) 144182 92 JOS 3(0 552 61 676 93 885 1 45130 67 0« [300) 473 637 351 59 1 46123 53 85 690 762 1 470(5 364 «27 87(190]«3« 93 1 49 54[200] 79[100] 97 148159 217 53 324 739 810 149213 44 754[200] 83« 922[200] IbOnt 75 356«75 59 516 Mi 715 925[ipO] 15113; 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Ziehung I. KI. 222. KrI. Preuss. Lettcrie, Ziehung vom.12. Januar 1910, nachmittags. Rur die Gewinne Uber 50 Mark eind den betreuenden Nummern in Klammern beigefilgl. (Ohne Gewähr.)(Nachdruck verboten.) 132 880 1.019[100) 43 6! 09 267 540 07 517 982 2««9 328 536 42 801 3110 504 9 4 61« 629 4283 593 921 509.1 716 [100] 41 57 808 6052 114 803 60 429 SO Sil 68 612 43 6.19 7118 258 890 536 8183 468 93[100] 556 013 7(0 903 9021 122 28 57 406 33 54 60 530 60( 90 SOS 75 OM 93 19122 4U 05 417 700 832 51 59 110(9 319 619 84 80 79S 9X4 56 83 12106 70«89 581 657 929 00 1 3381 545 72 829.16 1 4089 108 11 89 210 613 730 4 2 907 48 1 5021 2.1[100] 68 975 1 6239 494 722 910 1 72-59 55 349 663 793 990 1 8016 90 623 724 82«11 12026 104 404 703 13 29025 397 21110 05 224 436 90«16 610 2 2 523 008 81 735 23007 8 41 tUS 77(1 93 831 68 24152 7 1 417 523 33 800 45 61 007 2 5059 150 213[4M] 58 68 437 558 7(5 SO 9.13 2 8022 35 62.119 422 539 4 5 99? 27)09 97 327 4.1 l-il 812 99 991 28117 67 420 OOi[300] 619 03 2906' 150 603 811 15 39106 62 65 511(l 809 909 30 42 59[IM] 94[500] 31.103 414 517 UM] 26 881[200] 929 58 32616 9u» 33002 160 277 410 62 720 3 4 222 325 423 593 3 5 003 7» 144 218 80 351 4(6[200] 072 850 3 6202 383 616 23 773 654 3 700« 100 365 120 30[ 200] 637 839 3 8102 70 2S0 417 Ol 759 61[400] 39127 43 89[lOO] 201 414 97 919[200] 49012 51[100] 69 91 164 317«31 677 41193 420 23 «9 925 937 4 2091 153 58« 723 34 4 3 253[100] 4SI 813 4 4076 167 242 92<25[100] 38 04 501 712 41 502 52 039 4S150 252.'59 554« 75 4 6318 462 82«20 9Z 747 4 7127 72 200[IM] 300 468 82 757 803 88 4 8153 67 57 0 893 49021 51[IMI 316 93 506 607[ 500] 885 913 66 59050 111[200] 219 66 301 CO 484 517 821 940 51065 271 587 602 795 9S7 89 5 2395 449 83 611 36 751 66 974 86 53097 174 317 607 739 631 54191 2(9 430 523 50 701 78 805[100] 55183 293 333 518 7 9 89 996 5 6357 4.15 6,11 50 54 89 857 5 7118 432 5 1 981 5 8270 82 310 415 00 029 714 5 9084 86 217 320 3 7 636 830 03 85 045 60 92 93 69011 42 4 9 247 727 87? 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