Nr. U. flbonnementS'Bedingunaea: fffionncmentä> Preis pränumerando Z Liertcljährl. SKt., mona». 1,10 Mk„ wöchentlich 28 Pfg, frei ins Haus. einzelne Nunrmcr S Pig. Sonntags« »ummer nüt illustrierter Sonntags» Beilage.Die Reue Welt" 10 Pfg. Post« Ztbonnement: 1,10 Marl pro Monat, Eingetragen in die Post-Zcitungs- Preisliste. Unter Kreuzband Jür Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Mark,(fit das übrige Ausland S Marl pro Monat. PostabonnementS nehmen an: Belgien, Dänemarl, Holland. Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. CrfiMit tZzN» inBtr mcntJ«. Vevlinev Volksblstk S7. Jähr«. vle Insertion!-Ledilhs- beträgt für die sechsgespaltene Kolonel- zcilo oder deren Raun: b0 Psg., für politische und gewcrlschastlichc Bercins- und VcrsammlungS-Anzcigen 30 Pig. „Kleine Zllnreigen", das erste fsett- gedruckte) Wort 20 Psg, jedcS weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf- slcllen-Anzeigcn das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort S Psg. Worte über lö Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate sür die nächste Nummer müssen bis S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Zclegramm-Adreffe: „S»IäIlIiiiioIikZl Rcrlln". Zentralorgan der fozialdemokratt fehen Partei Deutfcblande. Redaktion: SM. SS» Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Freitag, den 14. Januar 1910. Expedition: SM. 68, Lindcnstraasc 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1981. An die Sozialdemokratie in Urenßen. Parteigenossen! Der 3. Parteitag der preußischen Sozialdemokratie hat das Elend des nachmärzlichen Preußen vor aller Welt in helle Beleuchtung gesetzt und aufs neue jene überlebten Zu- stände bloßgelegt, die den ostelbischen Landjunkern und der mit ihnen verbündeten Großbourgeoisie die Aufrechterhaltung einer brutalen Klassenherrschaft ermöglichen, und eine diesen Klassen versippte Bureaukratie mit allmächtigen Vollmachten ausstatten. Der Parteitag begnügte sich nicht damit, die Unhaltbarkcit dieser Zustände wirksam darzutun, er zeigte auch, wie ein neues Preußen in Staat und Gemeinde nur durch die positive Arbeit einer tatenfrohen Sozialdemokratie geschaffen werden kann. Die gesamten Verhandlungen beherrschte die Wahl- rechtsfrage! Nahezu sechs Jahrzehnte hat die Wahlrechtsfrage geruht, bis die sozialdemokratischen Massen sich ihrer annahmen und sie durch gewaltige Demonstra- tionen in den Brennpunkt des öffentlichen Interesses rückten. Wohl oder übel mußte die Regierung den empörten Völksmassen Konzessionen machen. In der Thronrede vom 20. Oktober 1908 ist die organische Fortentwickelung der auf Grund der Verfassung erlassenen Vorschriften über das Wahlrecht als eine der wichtigsten Aufgaben der Gegenwart bezeichnet worden. Die zu diesem Zwecke nötigen Vorarbeiten sollten mit allem Nachdruck betrieben werden. Die vor kurzem endlich erschienene amtliche Statistik über die Ergebnisse der letzten Landtagswahlen hat aufs neue die Ungerechtigkeit des geltenden Drei- klassenwahlsystems unwiderleglich dargetan. Der Terrorismus der öffentlichen Abstimmung und der raffiniert ausgeklügelte Widersinn des indirekten Klassen- Berlin, den 14. Januar 1910. Dn MöslsMeode AnssW Bei luMW» CanoesMinlffion. Wahlsystems hat im Jahre 1908 zwei Drittel-der Wähler von der Wahl abgehalten. Das geltende Wahlunrecht verfälscht den Volkswillen: es hält eine Wahl- kreisgeometrie aufrecht, die die gewaltigen Bevölkerungs- Verschiebungen eines halben Jahrhunderts außer Betracht läßt und die Interessen des Volks einer Handvoll durch Günst- lingswirtschaft und Liebesgabenpolitik ausgehaltener Junker opfert. Mehr als 82 Proz. aller Wähler haben keinen Einfluß auf die Zusammensetzung des Abgeordnetenhauses. Die Ent- schciduug ruht bei einer kleinen Zahl Wähler 1. und 2. Klasse. Die Ergebnisse der königlich preußischen Statistik liefern noch aufreizendere Zahlen: Auf 418 000 konservative Urwähler entfielen 212 Abgeordnete, „ 598 000 sozialdemokrat.„„ 7„ Arbeiter, Handwerker, Kleinbauern! Wie lange wollt Ihr Euch solche himmelschreiende Ungerechtigkeit noch ge- fallen lassen? Am 11. Januar 1910 kündigte die Thronrede die von dem Volke in fieberhafter Spannung erwartete Wahlrechts- vorläge fiir die nächsten Wochen an. Wie wird die kommende Wahlrechtsvorlage aussehen? Die Thronrede schweigt sich über die Grundzllge des wich- tigsten Reform Werkes der deutschen Gegen- wart aus! Das ist der beste Beweis dafür, daß die preußische Regierung den herrschenden Klassen zuliebe das Volk mit einer Schcinreform narren will. Das alte Unrecht soll in neuer Form weiterleben. Die preußische Regierung wagt es nicht, mit der herrschenden Junkersippe anzubinden. Da ist es Zeit, daß das Volk auf den Plan tritt und seinen Willen nachdrücklich zur Geltung bringt. Mit allen Kräften muß dafür gesorgt werden, daß Preußen M foilolöemotiotiliBe Stnftion tes meiiMen Mmidnekemiises, endlich in die Reihe der Kulturländer eintritt. Unter ber Führung der Sozialdemokratie gilt es, dem preußischen Volke die volle staatsbürgerliche Gleich berechtigllng zu erkämpfen und Preußen von den Junkern und Junkcrknechten zu befreien. Es gilt, den reaktionären preußischen Staat zu demokratisieren. DasMittel dazu ist dieEroberung des all» gemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahlrechts für alle über 20 Jähre alten Staatsbürger beider Geschlechter auf Grund der Verhältniswahlen.- Parteigenossen! Nutzt die Zeit! Seit Monaten haben die„Niedergerittenen" den Parteien des Bülowblocks und dem Zentrum Niederlage auf Niederlage bereitet. Ein Gemeindcwahlsieg löste den anderen ab: ebenso ehrenvoll endeten die Landtagswahlcn in Siid- imd Mitteldeutschland und die Nachwahlen zum Reichstage. Tie Erbitterung des Volkes über seine Ausbeutung und Entrechtung ist grenzenlos. Das arbeitende Volk will nicht länger Packesel der herrschenden Klassen sein. Das Bewußt- sein dieser Situation in den Massen zu wecken und sie zu Kämpfern fiir ihre el e m en t a r c u M c n s ch e n r echte aufzurufen, ist unsere vornehmste Aufgabe. An dieser Aufgabe mitzuwirken, ist die dringendste Pflicht aller zum Klassenbewußtsein erwachten Frauen und Männer in Stadt und Land. Parteigenossen! Stärkt die Reihen für die kommen» den Wochen des Kampfes. Es gilt, alle Kraft aufzubieten. Nur so kann ein W a h l r c ch t s st u r m entfesselt werden, der alle reaktionären Widerstände bricht und dem Willen des Volks zum Siege verHilst. Hoch das freie Wahlrecht! Sei WetoorWO Bei Besme» SoüalBenoftofle. Cin neuer PolizeHtreicl). Die Berliner Jugendorganisation ist auf- gelöst worden! Am Donnerstag ging der Leitung die Ver- »ügung des Berliner Polizeipräsidenten zu, die in wenigen trockenen Sätzen die Schließung des Vereins an- ordnet. Die Begründung hat sich der Herr Polizeipräsident sehr leicht gemacht— sie ist im Grunde genommen nichts weiter als ein Hinweis auf jenen Entscheid, den der Brandenburger Oberpräsident aus Anlaß einer Beschwerde erteilt, die sich wider die unberechtigte polizeiliche Uebcrwachung einer Versammlung von Jugendlichen rickztete. Wir werden die Hinfälligkeit der in diesem Schriftstück nieder- gelegten Anschauung und der darauf gestützten Verfügung des Polizeipräsidenten morgen an der Hand der Dokumente nach- weisen. Der Jugendorganisation bleibt die Beschwerde und die Klage im VerwaltuugSstreitvcrfahren. Und so wenig wir von den preußischen Behörden halten, so halten wir es dennoch nicht fiir möglich, daß die Verfügung des Polizei- Präsidenten die Billigung der oberen Instanzen findet. Oder sollten sie gar nichts dagegen haben, daß vor aller Welt fest- gestellt würde, wie so ganz anders das Maß ist, womit sie die freien Jugendorganisationen messen. als das, welches sie für die»nationalen" und k i r ch- lichen Jugendvereine bereit haben? Wie der Nationale Jugendbund zu Potsdam seinen Mitgliedern über Weltpolitik vortragen lassen, die freie Jugendorganisation aber nicht über Jugendschutz und andere Themata reden lassen darf, die der Politik weit ferner stehen als„Weltpolitik", ohne>ur einen p oli- tischenVerein erklärt und a u f g e l ö st zu werden? Doch wie dem sei. jedenfalls muß alles versucht werden, um den Anschlag auf die freie Jugendorganisation zu vereiteln. Und wär's auch nur, i(Tn den höchsten Instanzen die Mit- Verantwortlichkeit für die blamable Maßregel aufzuladen! Mag die endgültige Entscheidung aber fallen wie sie will — vorläufig ist die freie Jugendorganisation lahmgelegt. Unser famoses„liberales" Vereinsgesetz gesteht weder der Be- schwerde noch der Klage eine aufschiebende Wirkung zu— die Polizeimaßrcgel tritt sofort in Kraft. So muß also die klassenbewußte Jugend vorerst ohne ihre Vereins- organisation auskommen. Umsomehr muß die Arbeiterschaft ihre Pflicht an der Jugend tun. Der Polizei und ihre Hinterniänner muß gezeigt werden, daß sie zwar die freie Jugendorganisation auflösen, aber die freie Jugend bewcgung nicht vernichten können. Zum Aahlrechtzßamps. Statt CClahlrcform Volhaverböbnung I Ein Mitarbeiter der konservativen„Sch lesischen Leitung" glaubt allerhand genauere Angaben über die voraussichtliche Ge- staltung der preußischen Wahlreform machen zu können. Diese Reform kennzeichnet er mit folgenden Etlichen: „Daß die Klasseneinteilung beibehalten tvird, ist selbstversläudlich... Den Ausgleich zwischen der Vorherrschaft des aroßen Geldbeutels oben und der Menge der(häufig steuersreien) Köpfe unten— um die mißliebigen Worte „Plutolratie" und„Demokratie" zu vermeiden I— sollen B e- g ii n sti g un g e n an den Mittelstand, an die höhere Bildung, an wirtschaftliche und soziale Rang- stellungen bewirken. Man braucht hierbei nicht notgedrungen an die Zuerkcnnung von Z u s a p st i m>n e n für solche Wähler- kategorien zu denken. Der Gedanke ließe sich auch durch eine entsprechende Klasseneinteilung verwirklichen. Ob die indirekte Wahl in Form der Einschaltung von Wahl- männern beizubehalten, findet in den Ergebnissen der Wahlrechts- statistik teilweise ihre Beantwortung. Da zumeist schon die Wahl- männer nach bestimmten politischen Gesichtspunkten ausgewählt und beauftragt werden, könnte hier eine Aenderung Platz greisen, die die Wähler direkt an die Wahlurnen beordert. Hingegen steht es fest, daß die öffentliche Wahl nicht aufgehoben werden wird." Die Wahlreform, die da? konservative Blatt dergestalt an- kündigt, wäre eine organische Fortentwickelung des bestehenden Wahl Unrechts, aber nichts weniger als eine Wahl r e f 0 r m. Die Begünstigungen pn den Mittelstand, die höhere Bildung, wirt- schaftliche und soziale Rangstellungen unter Beibehaltung der Klasseneinteilung wäre nicht etwa eine Abschwächung dcS unerhörten WahlunrcchtZ des Dreiklassensystems, vielmehr eine Vollendung der schmachvollen Entrechtung der nichtbesitzenden Klasse! Denn für die große Masse der Nichtbesitzenden, das Proletariat in Stadt und Land, also für die große Mehrheit des ganzen Volkes, der gesamten Wählerschaft, bliebe ja die vollständige Rcchtlosinachung bestehen I Die Vergünstigungen an den„Mittelstand" stellten ja nur die Gewährung von Scheinrechten an eine relativ kleine Gruppe dar. Das bisherige Wahlrecht, so absurd und empörend eS immer war, rächte sich wenigstens in manchen Fällen durch seinen eigenen Aberwitz an Angehörigen der besitzenden Klasse dadurch, daß eS Kapitalisten und akademisch Gebildete in die dritte Klasse der Recht» losen hinabstieß, während umgekehrt eine Anzahl von wirklichen Proletariern gelegentlich auch in der ersten oder zweiten Klasie wählen konnte. So belanglos das auch für den Klassen- charakter des jetzigen Wahlrechts war, so brachte diese Erscheinung doch immerhin auch manchen bürgerlichen Elemcnten die empörenden Abgeschmacktheiten des Dreiklassenwahlrechts zu Bewußtsein. Würde daaeaen nunmehr Borkehrung getrosten, durch die Elemente des Mitte)- standeS oder Personen mit staatlich attestierter höherer Bildung auS der dritten Klasse herausgehoben würden, so wäre das nichteine Verbesserung des Wahlrechts selbst, nicht eine Konzession an die Demokratie, sondern lediglich ein Schutzmittel für die privilegierten Schichten gegenüber den Tücken des jetzt bestehenden Dreiklassenwahlsystems. ES wäre eine Wahlrcform für die durch das Dreiklassenwahlsystem ohnehin begünstigten oberen Schichten und zugleich die brutalste Ballendung der absoluten Entrechtung der breiten Schichten der Nichtbesitzenden! Wir halten es deshalb trotz der Versicherung der„Schlesischen Zeitung" denn auch fiir vollständig ausgeschlossen, daß selbst die Negierung eines Bethmann Hollweg dem Volke mit einer solchen „Wahlreform" zu kommen wagen könnte. Wir glauben vielmehr, daß diese Ausstreuungen von konservativer Seite nichts sind, als bloße Fühler, um erst einmal die öffentliche Meinung zu sondieren. Die Arbeitcrklaffe Preußens wird die Reaktion nicht darüber im Zweifel lassen, wie sie über eine solche Bolksverhöhnnng denkt! Zentrum und KlaffenwaWmbt. Die„Kölnische Volkszeitung" gibt glxichfcills die Mit- teilung wieder, wonach die Wahlrechtsvorlage sowohl das D r e i k l a s s e n w a h l s y st c m als die öffentliche Ab- stimmung beibehalten ivolle. und knüpft daran die Frage:„Scherz oder Ernst"?! Eine solche Wahlreform müsse doch die Wahlrechtsbewegung erst recht entfachen, statt ihr ein Ziel zu setzen. Leider aber macht das cmfliiszreiche Zentrumsblatt auch nicht den schüchternsten Versuch, die Regierung, der es schon zutraut, daß sie den Pelz waschen wolle, ohne ihn nah zu machen, seinerseits vorwärts zu drängen. Vielmehr be gnügt sich das Blatt mit der Forderung des geheimen Wahlrechts, werde doch für die Beamten das Wahl recht ohne geheime Abstimmung zur Karikatur, lieber die ungleich wichtigere Frage des gleichen Wahl- rechts verliert es dagegeir nicht ein Worti Davon, sagt die„Kölnische Volkszeitung", rede sie absichtlich nicht, weil— mau noch keine Sicherheit dafür besitze, wie die Vorlage ausfalle! Welch oberfaule Ausrede! Weiß man denn etwas Sicheres über die Absichten der Regierung in bezug auf die öffentliche und geheime Abstimmung? Aber davon ganz abgesehen: wäre es gerade jetzt nicht die höchste Zeit, der Regierung klar zu machen, daß sie dem Zentrum nicht mit einer Wahlreform kommen dürfe, die die Klassenwahl konservieren soll?! Während aber die Konser- vativeu unausgesetzt Pressionen zugunsten der Dxeiklassen- schmach ausüben, verlegt sich das Zentrum seelenruhig solange aufs Warten, bis die Regierung von ihrer Wahlrechts- spoltgeburt glücklich entbunden wird! Ja, mehr noch! Die„Kölnische Volkszcitung" gibt der Regierung sogar deutlich zu verstehen, daß nur eine Wahl- reform auf Annahme im Landtage rechnen könne, die das D r e i k l a s s e n w a h l s p st e in b e i b e h a l t e! Dabei weiß das Zentrum, daß das grundfalsch ist. Es brauchte nur selbst gleich der Sozialdemokratie eine kraftvolle Agitation im Lande zu entfalten, um Konservativen und Nationalliberalen derartig einzuheizen. daß selbst sie dem Unwillen der Volksmassen nicht stand- halten könnten! Aber gerade, weil das Zentrum das weiß, inszeniert es keinen Wahlrechtssturm, redet eS vielmehr absichtlich nicht von der zn befürchtenden Volksverhöhmmg durch die Wahl- rechtsvorlage! Die Eutlarvung und öffentliche Stäupung der nltramontanen Wahlrechtshenchler muß deshalb eine der wichtigsten Aufgaben der sozialdemokratische» WahlrechtSbewcgnng sein! AiMbZiÄbchi» tmS Diamantenfelder. Nim hat die Budgetkommission trotz aller, namentlich von Herrn Erzberger mit der ihm eigenen inneren Ueber- zeugungskraft vorgetragenen Bedenken den Bau der ostafrika- nischen Eisenbahn nach Maschi und den Ausbau des Hafens in Tangu gegen die Stimmen unserer Genossen doch�ut geheißen. Dieser Beschluß wird dem Reich, wenn die Bahn erst im Betrieb ist, noch recht teuer zu stehen kommen: denn daß die Bahn rentieren wird, hat nicht einmal der Koloniab optimist Dernburg zu behaupten gewagt! Eine Renta- bilität würde nur bei einer dichteren Bevölkerung möglich zu machen sein: daß aber mit einer nennenswerten Zunahme der Bevölkerung in absehbarer Zeit zn rechnen fei, das haben selbst die Freunde des Bahnbaus nicht zu behaupten gewagt. Herr Erzberger warnte sogar ausdrücklich vor Klein- siedelungen, weil sonst ein weißes Proletariat geschaffen werde. Und Staatssekretär Dernburg erklärte ausdrücklich, es sei unmöglich, daß jemand niit einem Vermögen von KOOO M., wie in den Ostmarken, sich ansiedeln könne, dazu gehören mindestens 15 0 00 M.! Wer übrigens, so fügte der Staatssekretär noch hinzu, zu Hause nicht fortkomme. der werde auch in den Kolonien sein Glück nicht machen! Ter früher so warm propagierte Gedanke, die sogenannte „Ueberschußbevölkcrung" aus„nationalen" Gründen in den deutschen Kolonien anzusiedeln, um sie„dem Deutschtum zu erhalten", ist jetzt also vollständig aufgegeben! Genosse L c d e b o u r unterließ es denn auch nicht, diese Schwenkung in unserer Kolonialpolitik ausdrücklich zu konstatieren. *£ Durch den Nachtragsetat für Siidwestafrika ermäßigt sich der Neichszuschuß um 872 000 M., weil die eigenen Ein- nahmen aus Zöllen im Etat für 1909 nur mit 1 200 000 M. «ingestellt waren, aber voraussichtlich 3 Millionen Mark mehr ergeben werden. Die Gesamtdiamanten- Produktion stellte sich bisher auf monatlich 40 090 Karat. Und da für das Karat durchschnittlich 28 M. erzielt worden sind, so hat die Jahresproduktion einen Wert von reichlich 12 Millionen Mark. Hiervon fließt ein Drittel— gleich 4 Millionen Mark— in Form von Ausfuhrzöllen in die Kasse der Kolonialverwaltung. Nach diesen Darlegungen scheint die wasserlose Wüste, in der die Diamanten gefunden werden, kapitalistisch betrachtet, sich„rentieren" zu sollen. Ob die Herrlichkeit aber von langer Dauer sein wird, das ist allerdings eine andere Frage. Auf der anderen Seite haben die Diamanten natürlich ihren Hauptwert, wenn nicht ihren einzigen Wert, wegen ihrer Seltenheit. Ein starkes Angebot muß selbstverständlich die Preise drücken.„Auf die Dauer", so meinte denn auch Herr Dernburg selber,„hält der Markt das nicht aus!" Wäre Amerika, dieser gute Abnehmer, nicht gewesen, dann wären jetzt schon Absatzschwierigkeiten entstanden! Die von den Diamantgesellschaften in Südwestasrika «egen ihn gerichteten Vorwürfe, als ob er die Deutsche Kolonialgesellschaft bevorzugt habe, weist der Staatssekretär zurück. Er habe das Interesse des Reiches gegen die Jnter- essen einzelner Gesellschaften gewahrt: wollte man aber die Rechte der Deutschen Kolonialgesellschaft nicht anerkennen, so würden die Rechte aller Weißen zusammenbrechen: der Partikularismus, der sich in der Forderung ausdrückt: Süd- Westafrika den Südwestafrikanern, habe nicht die geringste Berechtigung, denn die Kolonien hätten uns schon genug Opfer auferlegt.... Die Beratung wurde noch nicht zu Ende geführt. der Beginn einer neuen Periode in der englischen Geschichte datiert werden wird. Das Jahr 1906, in dem das Parlament gewählt wurde. bezeichnet den Schluß einer zwanzigjährigen, kaum unter- brochenen reaktionären Epoche. Tie Frage der Selbst- Verwaltung Irlands hatte die liberale Partei zertrümmert deren rechter oder unionistischer Flügel unter Ehamberlaip nun mit den Konservativen die Ministerposten besetzte. Der chauvinistische Karneval der Burenkriege erneuerte im Jahre 1900 noch einmal das Mandat der Koalition. Dann kam die Katzenjammerstimmung. Der Krieg, der nur 200 Millionen Mark kosten sollte, kostete 5 Milliarden Mark. Das Fehlen des verschleuderten Geldes machte sich im Erwerbsleben recht unangenehm bemerkbar. Soldaten, die sich in Südafrika für das Vaterland geschlagen hatten, liefen arbeitslos in den Straßen Londons riftiher. Was aber das schlimmste war, war die empörende Tatsache, daß das einzige greisbare Resultat des südafrikanischen Krieges die Einführung der Sklaverei in den Randgruben, war. Das war es also, wofür sich die englischen Truppen geschlagen hatten! An die Stelle der freien weißen Arbeiter traten nun die wie Sklaven be- handelten chinesischen Kulis. Da packte das englische Volk eine helle Wut.„Die Briten werden niemals Sklaven sein", heißt es in dem Nationalliede: und hier wagt man es, mit Hilfe der englischen Waffen, die Sklaverei wieder einzu- führen.— Die Konservativen bekamen bei den Wahlen im Jahre 1906 einen Denkzettel, der sie sprachlos vor Erstaunen machte. Ihre frühere Majorität von 134 wurde in eine bisher unerreichte Majorität der liberalen Partei verwandelt. Die letztere Partei bildete niit den Jrländern und der Arbeiterpartei eine Majorität von 334 Stimmen und konnte selbst im Falle, daß sich die Jrländer und die Arbeiterpartei bei irgendeiner Frage mit den Konservativen verbündeten, noch immer eine Majorität von etwa 80 aufbringen. Tie liberale Partei war eigentlich recht unschuldig an dem Ausfall der Wahl. Sie war weder innerlich fest— denn noch intrigierten die liberalen Imperialisten—, noch hatte sie irgendein Programm, das dem Volke Vertrauen und Hoff- nung einflößen konnte. Aber so allgemein war die Erbitte- rung gegen die Konservativen, die den guten Namen der Nation besudelt hatten und allgemein für die Krise, aus der man sich eben erholt hatte, verantwortlich gemacht wurden, daß man der Gegenpartei die Stimmen gab, ohne sich sonder- lich um deren Können und Versprechen zu kümmern. Außer deni Mandat, die Sklaverei der chinesischen Kulis in den afrikanischen Goldgruben abzuschaffen, hatten die Liberalen somit keine Ordre erhalten, die darauf schließen ließe, was das Volk von ihnen verlange. Die übrigen Fragen des libe- Da; anfgelöite Parlament. Aus London wird uns geschrieben: Mit der Auf- lösung des Parlaments, die heute stattfand, kommt eine der wichtigsten Legislaturperioden in der Geschichte Englands zu Ende. Man braucht kein Prophet zu sein, um vorauszu- sagen, daß von diesem Parlamentsabschnitt an einmal rWTTTTTTfTT'fTPTT�rTTrTTTTTTVTYTTTTTTTW iAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAJ Arbeiter! Entrechtete! Auf zum Protest gegen die Verschleppung Eures Rechts! Bekundet Eure Eutschlosseuheit zum Kampfe, erneuert das Gelöbnis, nicht zu ruhen nnd zu rasten, bis das allgemeine, gleiche, geheime und direkte Wahlrecht in Preußen Wirklichkeit geworden! Erscheint in Massen am Sonntag zur erste» Wahlrechtsheerschan! IkAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAl ralen Programms, die Schulfrage, die Forderungen der Temperenzler und Jrländer, hatten bei der Wahl keine große Begeisterung im Volke ausgelöst. Nicht weniger überraschend als der gewaltige Zuwachs der liberalen Mandate war das Anwachsen der jungen Arbeiterpartei. Aus einer winzigen Gruppe von einigen Mit- gliedern war sie jetzt zu einer Partei von 30 Mann heran- gewachsen, die immer mehr Anhänger an sich zog und anfing, der liberalen Partei Kopfschmerzen zu machen. Es ist für den Grad der politischen Reife des englischen Libcralisnms bezeichnend, daß er sich gleich in die neuen Verhältnisse ein- zuleben verstand. Eine neue Kraft war entstanden, die sich anschickte, mit den beiden historischen Parteien, die über zwei Jahrhunderte das parlamentarische Leben Englands beherrscht hatten, um die Macht zu ringen. Eine neue Kraft, die Haupt- sächlich nur aus Kosten der liberalen Partei wachsen konnte, lahm zu legen oder, wenn möglich, ganz auszuschalten, wurde jetzt eine der ersten Aufgaben der liberalen Politik. Tie lange Reihe der für die Arbeiterklasse Englands berechneten Re- formen, die im letzten Parlament geschaffen wurden, kann nur auf den direkten und indirekten Einfluß der politischen Arbeiterbewegung zurückgeführt werden. Mit der Beseiti- gung der durch die Taff-Valc-Entscheidung entstandenen Zu- stände setzte die liberale arbeiterfrcundliche Politik ein. Dann folgte der Ausbau des Unfallentschädigungsgesetzcs, das Acht» stundengesetz für den Bergbau, die Alterspensionen und schließlich das Budget Lloyd Georges, das in den im nächsten Jahre zu erwartenden Ueberschüssen der Arbeiterklasse ein Handgeld für die versprochene Arbeitervcrsichcrung gibt. Das Fehlschlagen der für das liberale Bürgertum berechneten Politik, der Zusammenbruch der Schul- und Schankvorlagen, inachte es nur noch notwendiger, daß sich die Regierung auf die Arbeitermassen stützte. Das liberale Bürgertum allein war nicht stark genug, um den Lords und der konservativen Partei, die seine Politik vereiteln, erfolgreich die Stirn bieten zu können. Um die alte Frage der Lords mit Aussicht auf Erfolg anschneiden zu können, bedurfte es eines scharfen Kon- flikts zwischen den Interessen des Volkes und den im Ober- hause vertretenen Interessen. Wie Asquith den Feldzugs- plan gegen die Lords in seinem Budget des Jahres 1908 ent- warf und wie Lloyd George ihn im Jahre 1909 ausarbeitete, ist schon bekannt. Das alleinige Recht der Geld- und Steuer- bewilligung, das die Volksvertretung im 19. Jahrhundert erfolgreich gegen das Königtum behauptet hatte und das den Grundstein der englischen Demokratie bildet, wurde wiederum als Waffe gegen die Lords und die hinter ihnen stehenden plutokratischcn Elemente benutzt. Diese Tatsache allein läßt die Wichtigkeit des bevorstehenden Kampfes und die Möglich- ketten der künftigen Entwickclung Englands erkennen. Der Wahlkampf dürfte, soweit man ihn jetzt übersehen kann, keine großen Ueberraschungen bieten. Freilich kann einem der Zufall einen Strich durch die Rechnung machen. Es ist in Großbritannien bei dem veralteten Wahlsystem, das keine Stichwahlen zuläßt, sehr gut möglich, daß eine kleine Majorität oder gar eine Minorität der Wähler die Mehrheit im Parlament besitzt. Ten großen konservativen Majoritäten der Parlamente, die aus den Wahlen der Jahre 1895 und 1900 hervorgingen, entsprachen zum Beispiel nur ganz geringe Mehrheiten im Lande. Allgemein herrscht die Ansicht, daß die Liberalen mit einer reduzierten Mehrheit als Sieger aus dem Kampfe hervorgehen werden. Die Ansicht ruht auf der gut begründeten Annahme, daß die Liberalen eine Reihe der bei den letzten Wahlen mehr durch Glück eroberten Wahlkreise und besondersLondon nicht halten werden können. Denn London besitzt ein großes Heer undisziplinierter Arbeiter und ein Kleinbürgertum, das den Bauernfängern der Tartfreformliga ohne Mühe ins Garn läuft. Das Kampffeld, das sich die Liberalen ausgesucht haben, ist für die Arbeiterpartei kein sehr günstiges. Es kann nicht geleugnet werden, daß die Frage der Lords und der Tarifreform die sozialen Fragen in den Hintergrund ge- drängt haben. Dabei steht der Partei kein einziges Tage- blatt zur Versügung, das die Interessen des Proletariats inmitten des Geschreis der bürgerlickien Presse verfechten könnte. Schließlich ist auch zu befürchten, daß der Zweck der liberalen Sozialpolitik, die Arbeitennasien an sich zu fesseln, in einigen Wahlkreisen erreicht worden ist und daß mancher Arbeiter, der auf dem Wege zur Arbeiterpartei war, sich wieder zur Umkehr hat bewegen lassen. Werden sich auch die großen Hoffnungen, die man noch vor einiger Zeit hegte, wahrscheinlich nicht erfüllen, so ist es doch ziemlich sicher, daß die Arbeiterpartei bedeutend verstärkt ins Parlament zurückkehren wird. Eine 50 bis 60 Mann starke Arbeiter- Partei würde im künstigen Parlament eine ganz hervor- ragende Rolle spielen können. poUtifcbc ücbevficbt Berlin, den 18. Januar 1910. Um das Wahlrecht. Aus dem Reichstag, 13. Januar. Die Fort- führung der Debatte über die Interpellation wegen der Beamtenmaßregclungen in Kattowitz ent- wickelte sich zu einer allgemeinen Auseinandersetzung über das Wahlrecht. Zunächst ging der freisinnige Abgeordnete Schräder mit den Rcgierungsvertretern scharf ins Gericht wegen ihrer Versuche, den Beamten die Ausübung des Wahl- rechts zu verkümmern. Durchaus zutreffend verlangte er auch, daß der Reichskanzler in solchen Fällen vor dem Reichs- tag erscheine, um die Vertretung der Reichspolitik zu über- nehmen. Genosse S ü d e k u m arbeitete dann die Wahlrechtsfrage noch schärfer heraus. Zunächst rechnete er mit den Polen ab, weil sie in der letzten Session die Interessen der von ihnen vertretenen Bevölkcrungsteile so sehr mißachtet hätten, daß sie der Hakatistischen Regierung Beihilfe leisteten durch Be- willigung der geforderten indirekten Steuern aus den Taschen gerade des ärmeren Volkes. Für das Zentrum und die Polen sei die tapsige Beamtenmaßregelung in Kattowitz geradezu eine Rettungsaktion gewesen, da die Regierung damit ihren beiden Steuerverbündeten die Möglichkeit ge- geben habe, durch Verteidigung der bedrohten„Religion" und „Nationalität" das erwachende Mißtrauen ihrer Anhänger- schaft wieder einzuschläfern. Sndekum ließ aber auch keinen Zweifel darüber, daß die Sozialdemokratie jede Beeinträchti- gung des Wahlrechts der Beamten auf das schärfst� be- kämpfe, welche Partei auch davon betroffen werde. Er wies daiin deni nationalliberalen Herrn Heinze nach, daß er durch seine Verteidigung der hakatistischen Gewaltspolitik die fremden- und deutschenfeindliche Gewaltpolitik des Zaren in Rußland stütze, während obendrein die nationalliberalen Wcrksbesitzcr in Rheinland und Westfalen ihren deutschen Patriotismus durch Einführung polnischer Arbeiter zum Zweck der Lohndrückerei betätigen. Eine gute Wirkung habe jedenfalls die Kattowitzer Debatte in d e r Beziehung gehabt, daß sie aller Welt gezeigt habe, wie die öffentliche Abstimmung durch den Terrorismus der Regierung zur Fälschung der Wahlen mißbraucht werde. Insofern sei das also ein wert- voller Beitrag zu dem Wahlrechtskampf, der jetzt auch in Preußen geführt werde. Der Reichsparteiler Kolbe und der Antisemit L a t t- m a n n brachten darauf noch Neuauflagen der Hakatistenrede des nationalliberalen Herrn Heinze vor, wobei Herr Latt- mann, seines Zeichens Amtsrichter, durch einige plumpe Aus- fälle gegen die Sozialdemokratie hoffentlich das Wohlgefallen der Minister erweckt hat, denen ja sonst diese Debatten wenig vergnügliche Augenblicks bereitet haben. Der Pole v. Dziembowski-Pomian vertrat noch- mals den Standpunkt seiner Partei, wobei er die niedliche Enthüllung machte, daß Herr Heinze sich seine Informationen über die„großpolnische Bewegung" bei dem— Polizeirat M ä d le r in Oberschlesien geholt habe. Das rückte denn allerdings den nationalliberalen Polizeipatriotismus erst in das richtige Licht. Damit ging die Debatte zu Ende. In vorgerückter Stunde hielt dann noch der neue Staats- sckretär des Reichsjustizamts, Herr L i s c o, seine Antritts- rede zur Begründung der Justizgese tz e. Deni neuen Herrn geht der Ruf eines tüchtigen Juristen von liberaler Färbung voraus. Fiir parlamentarische Geschäfte ist er aber leider nur recht mangelhaft veranlagt. Er per- fügt nur über eine sehr schwache, dünne Stimme und konnte sich von seinem Manuskript so wenig emanzipieren, daß er mit gesenktem Haupte jeden Satz ablas. So war er kaum auf den vorderen Abgeordnetensitzen, auf der Tribüne aber gar nicht zu verstehen. Daß ein Minister sich verständlich zu machen versteht, ist jedoch eine zwar rein äußerliche, aber doch unumgängliche Vorbedingung für die Ausübung seines Amtes. Hoffentlich gelingt das Herrn LiSco demnächst besser. WaisenauSstcucr fiir die fortfallende Witwenrente. lieber die geplante Gewäbrmig einer WaisenanZstener im Nahmen der NeichSversicherungSordnung schreibt man dem.N. Pol. Korresp.": Wenn beide Ehegatten Sersicherungöbeiträge entrichtet hatten und die Witwe wegen deö auf ihrer eigenen Beitragsleiftnng beruhenden JnvalidenrentenansprnchS einen Anspruch ans Witwenrente nicht er- heben kann, so soll hierfür außer dem Witwengeld auch eine Zahlung an die Waisen geleistet werden. Abgesehen von dem Zeitpunkt mimittel- bar nach dem Tode de? Ehemannes, der für die Gewährung deS Witwen« geldeS entscheidend ist. entstehen für die Hinterbliebenen auch bei der Schulentlainmg der Waisen und ihrem Eintritt in eine Berufs- tätigkeit erhebliche bare Auslagen. Da nun zu diesem Zcitminkt auch regelmäßig der Bezug der WaisenrSnte endigt, so ist in Aus- ficht genommen, den Hinterbliebenen zur Deckung dieser Unkosten als weiteren Ersatz für die fortfallende Witwenrente eine einmalige Zuwendung als Waisenanssteuer zur Verfügung zu stellen. Für ihre Zubilligung wird ebenso wie beim Witwengeld da» Verfichmmgz- Verhältnis der Mutter beim Tode des Ehemanns maßgebend sein. Ent- weder muß die zu diesem Zeitpunkt noch erwerbsfähige Ehefrau durch ihre Beitragsleistung die Wartezeit für die reiifcSgesetzlichs Invalidenrente erfüllt und ihre Anwartschaft aufrecht erhallen haben, oder die Ehe- srau. die zu diefe-n Zeitpunkt schon Invalide ist, muh den Anspruch auf eine Invalidenrente erworben haben. Wenn aber die Witwe erst naÄ dem Tode des Ehemannes, aber vor Ablauf des fürsorge- bedürfligen Alters der Waisen die Wartezeit für die Invalidenrente erfüllt hat, weil sie beim Tode des Mannes die erforderliche Zahl von Beiträgen noch nicht entrichtet oder die Beitragsleistung erst nach diesem Zeitpunkt begonnen hat. so soll den Waisen auch in diesen Fällen die Waisenaussteuer gewährt werden. Ein gefährdeter Handelsvertrag. ES ist nicht mehr zu bestreiten, dah es. je länger unser Zolltarif besteht, desto schwerer wird, brauchbare Handelsverträge abzuschliehen. Gegen unsere stark prohibitiv wirkenden Lebensmiltelzvlle wendet auch das Ausland erheblich höhere Zölle an. die unserer Industrie das Leben sauer machen. Zwar werden fortgesetzt Handels- Verträge abgeschlossen, aber so recht befriedigt ist eigentlich kein Mensch davon. Das lehrt wieder der dem Reichstage vorgelegte Handelsvertrag mit Portugal, über den eine besondere Kommission beraten hat. Der Bertrag stellt insofern ein Novum dar, alS er neben der Meistbegünstigung zugleich eine von Portugal zugestandene Teiltarifbindung enthält. Eine Tabelle B enthält jene Artikel, für die eine Zollerhöhung für die Dauer deS Vertrages ausgeschlossen sein soll, eine Tabelle A dagegen enthält, jene Artikel, für die Portugal jederzeit eine Zollerhöhung eintreten lassen kann. Gerade diese letztere Tabelle enthält aber eine Menge Artikel, an deren Ausfuhr Zweige der deutschen Industrie erheblich beteiligt sind. Dazu kommt, dah Portugal in der letzten Zeit seine Zölle an sich erheblich durch Zuschläge erhöht bat. Unter diesen Umständen ist es begreiflich, dah einzelne deutsche Industrien, die sich besonders benachteiligt fühlen, lebhaft gegen die Zustimmung zu diesem Vertrag protestieren. Allerdings verlangen auch eine Reihe Petitionen das Gegenteil. Ob alle diese letzteren Petitionen einwand- frei zustande gekommen sind, steht, dahin. Bedenken nach dieser Richtung muh die Angabe des nationalliberalen Abgeordneten Merkel wachrufen, der erfahren hat, dah ein Attachö der deutschen Gesandtschaft in Lissabon den Weihnachtsurlaub. den er in Berlin der- brachte, dazu benutzt Hai, bei deutschen Im- parte nren eine Petition zu bestellen, die die Annahme deSHandelsv er träges alS im Interesse Deutschlands gelegen befüriv ortet. Diese Petition ist vermutlich noch unterwegs. Abg. Molke nbuhr erklärte auch mit aller Deutlichkeit. dah solche Verträge bei unseren Zöllen gar nicht anders ausfallen können. Wenn die Sozialdemokraten in der Kommission für den Vertrag stimmen, so nur deshalb, wejl er noch immer bessere Verhältnisse schafft, als sie unter einem ver- tragSlosen Znstand sich ergeben mühten.— Die Situation hatte sich derart zugespitzt, dah mit der Möglichkeit einer Ablehnung des Ver- träges gerechnet werden muhte, unter welchen Umständen eS ge- raten schien, die Abstimmung auf den 20. Januar zu verschieben, um den Fraktionen eine nochmalige Beratung zu ermöglichen. Die Zentrums-Durchlaucht. Große Freude herrschte seit Wochen im ReichStagSwahlkreise deS Herzogs v o n A r e n b e r g. Die von der Zentrumswählerschaft schon so lange vergeblich gehegte Hoffnung, endlich einmal ihren erkorenen Vertreter von Angesicht zu Angesicht zu schauen»nd Seine Durchlaucht zum Volke herabsteigen zu sehen, war der Erfüllung nahe. Der Ort Freckenhorst war als Schauplatz diese? denk- würdigen Ereignisses ausersehen, und von fern und nah strömten die Getreuen herbei. Aber eine bittere Enttäuschung wurde ihnen, der Herzog lieh sich entschuldigen, er hotte„dringende Geschäfte" in Belgien auf seinen dortigen Besitzungen. An seiner Statt erschien zwar auch ein Reichstagsabgeordneter, aber leine Durchlaucht, sondern ein einfacher Schulmeister, Herr Sittart aus Aachen. Die Rede, die dieser Herr nun hielt, war von Anfang bis zu Ende ein von Ehr- furcht strotzender HymnuS auf den durchlauchtigsten Vertreter des Wahlkreises und eine Auseinandersetzung über die hohe Gnade und Auszeichnung, welche nicht diesem Wahlkreise allein. sondern der ganzen Zentrumspartei dadurch, dah Se. Durchlaucht das Mandat anzunehmen gnädigst geruht habe. erwiesen worden sei. Unter anderem sagte Herr Sittart, der sich selbst als be- scheidenen, ehrsamen VolkSschnllchrer bezeichnete: „Genugtuung wird cS Ihnen auch bereiten, zu hören. dah ich schon wiederholt beobachtet habe, wie der Herzog des Nachmittags feine Taffe Kaffee in Gesell- schaft von Arbeitersekretären und Klein- Handwerkern trank und sich eingehend nach den Sonder- wünschen dieser Stände erkundigte. Dos war für mich ein um so erhebenderes Bild, als m einer anderen Partei. die ich nicht nennen will. Grafen uudBarone ihre Fraktionskollegen aus niederen Ständen in einer Weise von oben herab zu behandeln pslegen, dah es selbst den Kellnern im Lokale auffällt." Die frommen Schäflein des Zentrums, die anwesend waren, klatschten bei dieser Aeuherung hochentzückt Beifall. Selig sind, die geistig arm sind I_ Trübung im schwarz-blauen Block. In dem reichsläiidisch-n Streit zwischen Regierung und Klerus stellt sich jetzt die..Kreuzzeitung" auf die Seite der Regierung und übt an dem Bischof B-nzler eine recht unsanfte Kritik. Die„Ger- mania" ist darob ganz unglücklich; sie zitiert den Artikel der „Krenzzeituiig" und fährt dann, die Kraftstellen aus demselben wiederholend, fort: „Sprachrohr der Leidenschaften einer skrupellosen demokrati- scheu Klerisei",„das unsagbar plumpe Sidriflstück des Schul- freundes mit seinen groben Beichimpfungen",„übelberusener AmtSbrnder",„ein Bcnedektinermönch mit mönchischen An- schanungen" usw.— das wenigstens wird wohl„vornehm" sein in der.Form'! Das sollte einmal Prälai Nigetiet geschrieben oder einer der beide» Bischöfe sich„zu eigen" �einachi habe». Von dem Inhalt des Artikels wollen wir hier nicht reden. In ihrer Nummer 13 vom V. Januar hat dieselbe„Kreuz-Zeitung", nachdem sie sich des langen und breiten über den Konipetenzkcmflilt und daS Zentrum geäußert balte, folgendes Bekenntnis abgelegt: „So bleiot die Stellung der Konservativen allen staat- lich-kirchlichen Konflikten gegenüber genau die, die sie immer war: strenge aber nnnachaiebigc Defensive, Stärkung unserer lirchlickien und geistigen Macht in treuer Arbeit, Ablehnung aller Bundesgenossen von links, die niemals unsere Freunde sein können, und Vertrauen auf die sieghafte Macht des Evangeliums." Die„Germania" vermutet, daß die„Kreuz-Ztg." unter dem Evangelium den Protestantismus verstehe und die evangelische Kirche stärken wolle._ Arbeitslosenversicherung im sächsischen Landtage. DrcSdrn, 12. Januar. In der heutigen Sitzung der Zwesten Kammer begründete Ge- nosie Riem in wirkungsvoller Weise einen Antrag der sozialdeino- kratischen Fraktion auf S t a a t S u n t e r stü tz u n g für solche Ge- meinden, die Arbeitslosenfürsorge nach dein G e n t e r S h st e m eingeführt haben. Die Regierung solle die Gemeinden zur Errichtung solcher Arbeitslasenverstcherungen anhalten. Zur Unterstützung der Gemeinden wurden 200 000 M. gefordert. Der Minister Graf Vitzthum bestritt in einer Er- widerung, daß eine akute Notlage infolge Arbeits- losigkeit vorliege. Seine Ausfübrungen verrieten, daß er von der Frage der Arbeitslosensürsorge. ja von der ganzen Arbeits- losennot keine Ahnung Hai. Er operierte mit Zahlen ans einigen Städten, die nichts bewiesen, und zeigte so nebenbei, daß er nicht einmal weiß, daß durch das„Reichsarbeiksblatt" allmonatlich auf Grimd der Arbeitsnachweisergebniiie, der Umfang der Arbeitslosig- keit für ganz Sachsen zahlenmäßig festgestellt ivird. ES ergab sich auch, daß das Ministerium das„Reichsarbeits- blatt" gar nicht besitzt; als ein sozialdemokratischer Abgeordneter danach fragte, bekam er zur Antwort, es sei wohl bestellt worden, aber noch nicht eingetroffen. Der Minister erklärte schließlich, die Re- gierung müsse es mindestens zurzeit ablehnen, eine Arbeitslosenunterstützung auf Kosten der All« gemein heit durchzuführen. Als er gegen die Ausführung des sozialdemokratischen Redners, Sachsen sei daS M u tt e r l a n d der Arbeiterfeindlichkeit, die unglaubliche Behauptung aufstellte, in Sachsen würden die Jn'eressen aller Staatsbürger gleichmäßig vertreten, antworlelen ihm stürmische Protesirufe bei den Sozialdemokralen. Der nationalliberale Seminardirektor Sehfert führte mit Worten, die Wohlioollen für die Arbeitslosen verraten sollen, einen Eiertanz um den Antrag aus, während sich der freisinnige Bürgermeister Dr. Rasch mit einigen Einschräiikungen für den sozialdemokralischen Antrag erklärte. Der konservative Bürger- m-ister W i t t i ch hatte mit Fleiß Material znsammengelragen, das er gegen die kommunale Arbeitslosenversicherung ausspielte; die mit Erfolg durchgeführten Versuche mit dem Genter System über- ging er. Dabei mutete er dem Haufe noch zu, zu glauben, daß die Konservativen Wohlwollen für die Arbeitslosen hätten. Genosse Heidt ging mit satirischer Schärfe den Ausführungen der Bürgerlichen und besonders des Ministers zu Leibe, der noch eine schwächliche Abwehr versuchte. Der Nationalliberale Langhammcr und der Konservative Dr. Böhme sprangen ihm bei. worauf Genosse Riem die Schlußabrechnung hielt. Der Antrag wurde schließlich der RechsiiichaftSdeputation über- wiesen. Da Genosse Fräßdorf in dieser Deputation den Vorsitz führt, dürfte auf eine baldige Behandlung und Verabschiedung der wichtigen Sache zu rechnen sein. Bon der Regierung ist freilich nach den Erklärungen des Ministers nicht viel zu erwarten, wenn es nicht gelingt, sie in der zweiten Lesung zu einer besseren Einficht zu bringen._ Tie Tchiffahrtsabgaben in der sächsischen Kam,»er. Dresden, 13. Januar. In der Ersten Kammer kam eS heute über die preußischen Pläne bezüglich der Schiffahrtsabgaben zu längeren Erörterungen, in der der S t a a t s m i n i st e r Graf Vitzthum von E ck st ä d t darauf hinwies, daß die sächsische Regierung heute noch den gleichen ablehnenden Standpunkt ein- nehme wie in der Denkschrift. Er werde sich mit der Frage be- fassen, er sei aber jetzt schon überzeugt, daß durch eine Durch- sührung der Pläne Preußens die wirtschaftliche Ent- Wickelung Sachsens in bedenkliche Bahnen gelenkt werde und die sächsischen Interessen bedeutend gefährdet würden. Er sei ferner der weiteren Ueberzeugung, daß eine Aenderung der Reichsverfassung, wenn sie die Rechte ein- zelner Bundesstaaten einschränkt, nicht ohne die Zustimmung Sachsens und nicht gegen den Willen Sachsens beschlosien werden dürfte. Ein nettes Geständnis. In einem Bericht ihres Straßburger Korrespondenten über den Konflikt der Regierung der ReichSlande mit den Straßburger und Metzer Bischöfen, den die„Köln. BolkSztg." veröffentlicht, steht folgender Satz: „Hatte vor drei Jahren der UntcrstaatSsekretar den jetzt an- gezogenen Artikel ö der organischen Artikel vergessen, als er den Bischof von Straßburg dazu bewegen wollte. durch eine öffentliche Kundgebung zugunsten dös liberalen Reichstagskandidaten einzutreten?" Hierdurch wird klipp und klar bestätigt, daß die Liberalen durch die Regierung sich des Bischofs bedienen wollten, als sie bei der ReichstagSwahl 1307 in Straßburg im Kampfe gegen die Sozial- demokralen standen, für deren Kandidaten ReichStagsabgeordneten B ö h l e die Situation in der Stichwahl dadurch günstiger wurde, daß das Zentrum Wahlenthaltung proklamiert halte. Der Unter- staatsselretär, der damals den vergeblichen Versuch beim Bischof machte, ist der heute noch im gleichen Amte stehende Dr. Petri. AlS damals die Sozialdemokraten und ihre Presse in Straß- bürg auf das unehrliche Manöver der Liberalen hinwiesen, wurden sie als Verleumder beschimpft._ Ein Volksmann in des Wortes edelster Bedeutung. Herr von Gescher ist von seinein Amte als Regierungspräsident von Münster zurückgetreten, um sich als demnächstiger konservativer Parlamentarier ganz der Politik widmen zu können. Bei einer Abschiedsfeier, die von den Vertretern des Handels, der 5tommunen und des Gewerbes veranstaltet'wurde, hielt er eine Abschiedsrede. in der er seine Freude darüber zum Ausdruck brachte, daß die Bestrebungen des Unisturzes an der Bevölkerung des RegierungS- bezirks Münster machtlos abgeglitten seien. Er sei stolz darauf, daß der Bezirk der von der Sozialdemokratie der bestgehaßte im ganzen preußischen Staate sei. Wie„machtlos" das Abgleiten der sozialdemokratischen Ideen im Regierungsbezirk Münster ye- wesen ist, geht schon allein daraus hervor, daß bei der Wahl im Jahre 1907 rund 13 Proz. der abgegebenen Stimmen auf di� Sozialdemokratie entfielen. Ferner ist auch bei den Kommunal- wählen ein mächtiges Fortschreiten der Sozialdemokratie zu ver- zeichnen. Und dies alles hat sich unter der Regime von Geschers vollzogen, iviewohl er den Polizeiterror wie kein zweiter zu Hand- haben verstand.' DaS Vorgehen der Necklinghäuser Polizei hat von Gescher ausdrücklich dadurch gebilligt, daß er die diese Uebergriffe massenhaft eingelegten Beschwerden sämtlich zurück- wies, bis durch den aufsehenerregenden großen Reckling- Häuser Polizeiprozeß dies System gerichtet wurde. Die Zentrumspresse, voran der„Wests. Merkur", feiert von Gescher als einen„Volksmann in des Wortesedel st er Bedeutung". Worin diese Volkstümlichkeit bestanden hat. geht aus seiner Abschiedsrede hervor: die Bekämpfung der Sozialdemo- kratie mit dem Polizeiknüppel. Die Konservativen sind zu gratulieren. Herr von Gescher wird an der Seite derer um Kreth einen würdigen Kämpfer abgeben. Das Eosin als Mittel gegen Fieber. Im Gesundheitsamt in Berlin werden zur Zeit Schweine ge- füttert und gcschlachiet, um die Wirkung des Eosin feststellen zu können. Während mit der gefärbten Gerste ein Schwein pro Tag 0,l7 Gramm Eosin vertilgt, haben von den imReichSgesundheitSamt ver- pflegten Schweinen, eines 240 Gramm, ein anderes sogar 300 Gramm Eosin gefressen, ohne an ihrer Gesundheit Schaden gelitten zu haben. Ein fieberkrankes Schwein hat sich sogar wahrend der Fütterung mit Eosin-Gerfie wieder erholt. ES sind offensichtlich preußische Mnsterschweine, die im ReichSgesund- heitLamt als Verstichsobjekle nnicrgebracht sind. Tie Gewerkschaften unterm liberalen Reichsvcreinsgesetz. Neue Polizeimaßnahmen gegen die freien Gewerkschaften werden aus T h o r n bekannt. Kaum ist� das Urteil deS Ober- landesgerichts bekannt geworden, wonach die Zahlstelle der Töpfer in Thorn für politisch erklärt und der Borsitzende zu 18 Mark Geldstrafe verurteilt worden ist, so ist schon wieder eine große Aktion im Gange. Gleich nach Neujahr erhielt der Vorstand der Zahlstelle der Maurer von der Polizei die Aufforderung, ein Verzeichnis der Vorstandsmit- glieder einzureichen. Der Vorstand hat in diesem Fall aber der Polizei geantwortet, daß für ihn nach den Bestimmungen des Vereinsgesetzes keine Veranlassung vorliegt, dem Anfordern der Polizei nachzukommen. Mit denselben Mitteln setzte die polizeiliche Aktion gegen die Töpfer ein. Veraltete polizeiliche Versammlungsberichte aus der Zeit des alten Vereinsgesetzes bildeten die Unterlage zu dem Vorgehen bei den Töpfern. Jeden- falls kramt nun die Polizei die alten verstaubten Akten wieder vor. um auch gegen die Maurer in derselben Weise vorzugehen, in dem Bewußtsein, daß ihre Handlungsweise durch Gerichtsbeschluß bestätigt wird._ „Der bunte Hans". Für den Hansabund haben die Leute vom Bund der Landwirte eine Bezeichnung erfunden, die vermutlich bald von den Bündlern allgemem angewendet werden wird. Auf der Bündlerparade für SchleSwig-Holstcin sprach der bannöversche Junker v. Levetzow über den Hansabund, den er unter dem Gewieher der Agrarier „Der bunte HanS" taufte._ Ein militärischer«Turnlehrer'« stand am Mittwoch in der Person des Gefreiten Karl Krumpe von der 7. Kompagnie 71. Jiifanlerieregiments in Erfurt vor dem Kriegsgericht der 38. Division daselbst. Der Soldaten-„Erzieher" hatte die Aussicht beim Turnen, wobei er niehrere der Leute durch Fußtritte mißhandelte. Der gegen wehrlose Sol« baten so tapfere Herr Gefreite hatte vor dem Kriegsgericht allen Schneid verloren, nur zögernd gestand er sein Vergehen ein. Er wurde zu nur 14 T a g e li M i t t e l a r r e st verurteilt. Oeltemicb. Der obstruierte Landtag. Wien, 13. Januar.(W. T. B.) Die morgen erscheinenden Prager Blätter werden eine Mitteilung veröffentlichen, dcrzufolge vorerst in Prag der Versuch gemacht werden soll, eine kurze Session des Böhmischen Landtags sicherzustellen. Der Oberstland- Marschall und der Statthalter werden auf Grund von Jnforma- tionen des Ministerpräsidenten die Verhandlungen mit den Landtagsparteien Anfang der nächsten Woche eröffnen. franhrdcb. Das Wahlgeheimnis. Paris, 12. Januar.(W. T. B.) In der Deputiertenkammrr wurde über eine sozialistische Interpellation beraten. in der die Regierung nach den Mahnahmen gefragt wurde, die sie bei den Wahlen von 1910 zur Sicherung der Anwendung des Ge- setzcs über den Schutz des Wahlgeheimnisses zu treffen ge- denke. Der Ministerpräsident erwiderte, man könne die Beratung über das Altersversorgungsgesetz nicht unterbrechen, übrigens stände die angeregte Frage ja ohnedies nach dessen Erledigung auf der Tagesordnung. Als darauf mehrere Tagesordnungen eingebracht wurden, erklärte Briand, er könne nur die einfache Tagesordnung annehmen. Auf diese Weise werde die Kammer ihrem Vertrauen zur Regierung Ausdruck geben. Die Kammer nahm darauf mit 492 gegen 4 Stimmen eine Tagesordnung an, in der der Regierung das Vertrauen und die Billigung ihrer Erklärungen ausgc- sprachen wurde. Spanien. Demonstrierende Offiziere. Madrid, 13. Januar. Infolge von Kundgebungen, die eine Gruppe von Offizieren gestern abend vor den, Hause einer militärischen Zeitung wegen deren Kritik an den Auszeichnungen für die Teilnehmer an den Kämpfen in Marokko veranstaltete, hat die Regierung folgende Maßregelungen verfügt: Der General- k a p i t ä n von Madrid ist seines Amtes enthoben worden, alle Korpskommandeure sind, soweit ihnen unterstellte Offiziere an den Kundgebungen teilgenommen habe», zur DiSpositron ge- stellt worden. Mehrere Offiziere, die die Demonstranten an- führten, wurden mit Festungshaft bestraft; die übrigen Demonstranten soll dieselbe Strafe treffen, sobald ihre Namen fest- gestellt sind._ Amnestie? Barcelona, 13. Januar. Die Regierung hat angesichts des Konflikts, ivclcher möglicherweise anläßlich der für heute geplanten Kundgebung ausbrechen könnte, bereits vorher die A m n e st i e für die Verurteilten der Juli-Ereignisse z u- g e st a n d e n. Rußland. Diebische Offiziere. Kasan, 13. Januar.(W. T. B.) Vor dem hiesigen Militär- gericht kam heute ein Prozeß, der drei Wochen in Anspruch nahm und Mißbräuche bei der Intendantur zum Gegenstand hatte, zum Abschluß. Er endete mit der Ver- u r t e i l u n g von zwei Oberstleutnants und acht anderen Offizieren zum Ausschluß vom Dienst, zum Verlust der Rechte ihres Ranges und der Orden und zur Einreihung in die KorrektionS-Arrestanten- Abteilung. Außerdem sollen von den Verurteilten zugunsten der Krone 170 300 Rubel gerichtlich beigetriebcn werden. Ranada. Geerüstuugen. Ottawa, 12. Januar. Prcniienninister Saurier brachte heute im Parlament daS Gesetz über die Verteidigung zur See ein, in welchem die Aufstellung einer ständigen Flottenreserve und von Freiwilligentruppen vorgesehen ist. Für den sofort zu beginnenden Bau einer Flotte von elf Kreuzern sollen i», Rechnungsjahre 1913 drei Millionen Dollar ausgeworfen werden. Der Premierminister erklärte, Kanada ivürde, falls England mit irgend einer Macht Krieg führen sollte, seine Kriegsflotte dem König zur Ber- f ü g u n g stellen. Im Laufe der Beratung führte Borden, der Führer der Opposition, au», er halt« einen Krieg mit Deutschland für durchaus möglich. Deutschland habe die Suprematie zu Lande, wie Großbritannien sie zur See habe, und wenn die Deutschen sich als die größere Rasie eriviesen, wenn sie mehr Reichtum an Hilft- Mitteln, mehr Wissen, höhere» Organisationstalent, aufrichtigen Patriotismus und mehr Selbstaufopferung hätten als die Briten, dann seien sie auch berechtigt, die ersten zur See zu sein wie jetzt zu Lande. So lange aber, fuhr Borden fort, das Blut unlerer Vor- fahren rot in unseren Adern fließt, lvürden wir einer Heraus- forderung mit einen, Herzen entgegentreten, das nicht weniger fest wäre, als da» war, mit dem unsere Vorväter dem An- griffe der unüberwindlichen Armada standhielten. Die Suprematie Deutschlands zur See würde das Ende des britischen Reiches bedeuten. Wenn Kanada sich selbst treu bleibt, dann wird eS an dem Tage der Prüfung für da» britische Reich nicht fehlen, fanden» stolz, kraftvoll und entschlossen in vorderster Reihe stehen. Wir haben genügende Hilfsmittel und ich hege das Vertrauen zu unserem Patriotismus, daß wir ohne unnötiges Zögern eine Flotte oder wenigstens doch einen Tread« nought bauen; das ist unsere Pflicht gegenüber dem Lande und dem ganzen Reiche. GewerkfcbaftUcbee. Hrbeiterktiebclung durch Staatsbehörden! Der frühere erste Vorsitzende des Bundes der deutschen Telcgraphenarbeiter, V a l l e n t h i n, ist im September b. I. aus dem Dienst entlassen worden, weil er sich bei der Behörde mißliebig gemacht hatte. Die Behörde hat ihm beim Abgang ein gutes Führungszeugnis ausgestellt. Es wurde ihm aber sehr übel genommen, daß er in einer öffentlichen Versammlung, die am 19. September stattfand, die Wünsche der Telegraphenarbeiter und des technischen Hilfspersonals der Post erörterte. Diese Versammlung fand statt, weil die Arbeiter mit ihren Petitionen, Abordnungen und Gesuchen keinerlei Erfolg erzielten. Der Arbeiterausschuß hatte be- schlössen, sich an die Oeffentlichkeit zu wenden, wenn die Anträge auf Erhöhung der bei der herrschenden Teuerung ganz unzureichenden Löhne nur immer abgewiesen würden. Die Oberpostdirektion suchte zu verhindern,' daß die Ver- sammlung stattfand. V a l l c n t h i n wurde vorgeladen und aufgefordert, auf seine Kosten oder auf Kosten der Organu sation die Versammlung rückgängig zu machen. Ballen- t h i n lehnte ab. Darauf wurde ihm erklärt, daß die(sonst so sparsame!) Oberpostdirektion zur Tragung der Kosten bereit sei(!), nur müßte er dafür sorgen, daß die Versammlung nicht stattfände. V a ll e n t h i n machte geltend, daß er als einzelner dazu nicht befugt sei: der Arbeiterausschuß habe die Versammlung beschlossen. Am 19. September fand die Versammlung statt, in der Vallenthin referierte: am 29. September hielt die Direktion eine Konferenz ab und am 21. September wurde Vallenthin nach dem Telegraphen- bauamt gerufen. In einer Versammlung der Telegraphenarbeiter, die am Montag stattfand, berichtete er nun: „Dort wurde von mir gefordert, ich solle meine Ausführungen in der Versammlung vom lg. September widerrufen und in den Tageszeitungen erklären, meine Darlegungim seien unzutreffend gewesen! die Löhne der Telegraphenarbeiter, Vorarbeiter und Handwrker seien völlig zureichend, und wir hätten keinen Grund zur Klage über mangelndes Entgegenlommen seitens der Ver- waltung. Dies mußte ich ablehnen, da es der Wahrheit zuwider- laufen und ein Verrat an meinen Kollegen gewesen wäre. Die Folge der Ablehnung war, daß ich lueine Kündigung mit 11 Tagen Frist erhielt." Die Versammelten folgten den Äusführungen ihres ge- maßregelten Kollegen mit großer Aufmerksamkeit und gaben ihre Zustimmung lebhaft zu erkennen, wenn er von der Rc- formbediirstigkeit der Verhältnisse der Telegraphenarbeiter sprach. Auf Lohnerhöhungen von 5 bis 29 Pf. könne die Behörde nicht stolz sein, wo Löhne von 2,59 Mk., 2,79 Mk. und 3,29 Mk. bis höchstens 4,75 Mk. pro Tag bezahlt würden. Eine Pensionskasse sei dringend notwendig, damit die Ar- beiter nicht auf„Bettelgesuche" angewiesen seien, aber von einer Pensionskasse wollte der Staatssekretär Kractke ebenso wenig wissen wie von anderen Verbesserungen. K r a e t k e hatte sich im Reichstage gern auf die Arbeiter« ausschüsse berufen, aber der Redner meinte, dort gelte die Regel: Alles für die Verwaltung, nichts für die Arbeiter. Wo von dieser Regel abgewichen werde, da kämen Maßregc- lungen. Reichstagsabgeordnetcn habe Kraetke bei einer Be- ratung einmal zugerufen, das verständen sie nicht, wie die Verhältnisse bei den Telegraphenarbeitern lägen. Darum hätten die Arbeiter Versammlungen einberufen, damit die Abgeordneten sich unterrichten könnten, aber von solchen Ver- sammlungen wolle die Behörde nichts wissen. In den folgenden Resolutionen kam die Ansicht der Ver- sammelten zum Ausdruck: „Die am Mittwoch, den 12. Januar 1910, in den„Andrcas- Fcstsälcn" versammelten Telegraphenarbeiter, Vorarbeiter und Handwerker Berlins richten an den Reichstag das dringende Er- sucben, sich in diesem Jahre noch mehr als in den vergangenen Sessionen der Telegraphenarbeiterschaft anzunehmen. Die Versammlung erwartet von dem Hohen Hguse, daß es sich diesmal nicht damit begnügen wird, die Petitionen des „Bundes deutscher Telegraphenarbeiter usw." der Reichsregierung als Material oder zur Berücksichtigung zu überweisen, sondern hofft zuversichtlich darauf, daß aus der Mitte des Reichstages durch Initiativanträge die Gewährung einer durchgreifenden Lohnaufbesserung im Rahmen der Vorschläge des Bundes erwirkt und ferner die Regierung veranlaßt wird, die nötigen Schritte zu tun, um das Gesetz von 189S aufzuheben, durch das die An- rechnung der Arbeiterjahre auf das Besoldungsdienstalter der zur Anstellung gelangenden Telegraphenarbeiter, Vorarbeiter und Handwerker unmöglich gemacht wird. Die Versammelten bitten den Reichstag ferner, darauf hin- zuwirken, daß den beim Kaiserlichen Postfuhramt zu Berlin be- schäftigten Handwerkern(Schmieden wie Schneidern) ebenfalls die Möglichkeit gewährt wird, nach angemessener Dienstzeit in das Unterbeamtenverhältnis einzutreten. Die Versammlung ist überzeugt, daß bei einmütigem Ein- treten aller Fraktionen die Regierung bezw. das Reichspostamt sich bereitfinden lassen wird, endlich unseren bescheidenen Wünschen stattzugeben." Die zweite Resolution lautet: „Die heutige Versammlung richtet das dringende Ersuchen an den Reichstag, einstimmig dafür einzutreten, daß der frühere 1. Vorsitzende des Bundes deutscher Telegraphenarbeiter, Vor- arbeiter und Handwerker. Hermann Vallenthin, der von der Reichspostverwaltung im September 1899 entlassen wurde, wieder in den Postdienst berufen wird und ihm seine früheren Rechte unverkürzt zurückgegeben werden. Vallenthin ist als ein Opfer seines mannhaften, dabei aber durchaus loyalen Eintretens für die Interessen der deutschen Telegraphenarbeiterschaft anzusehen, und es ist unserer Ansicht nach unabweisbare Pflicht jedes Volks- Vertreters, dem das Recht der freien Meinungsäußerung mehr als eine Phrase ist, sich VallenthinS anzunehmen." Zwei Rdchstagsabgeordnete, Hagemann- Erfurt (natl.) und H o r m a n n- Bremen(fr. Vp.), waren er- schienen und hielten kurze Ansprachen, in denen sie das Ver- sprechen gaben, für die Forderungen der Arbeiter eintreten zu wollen. Die Sozialdemokratie hat die Sache der Reichs- arbeiter bekanntlich immer vertreten. 8erUn und Qmgegend. Achtung, Metallarbeiter! Da der Streik in den Vereinigten Jsolatorenwerken in Pankow. Wollankstraße 32. noch nicht bc° endet ist. so ist diese Firma für Metallarbeiter jeder Branche. auch für Hilfsarbeiter, gesperrt. Die Firma versucht auf alle mögliche Art und Weise Ersatz für die Streikenden zu be- kommen. Deshalb ersuchen wir. Arbeitsangebote dieser Firma �"�"�Deutsi�r Metallarbeiterverband. Ortsverwaltung Berlin. Wie die Wahle« in den Siemenswerken gemacht werden. In den Siemens-Werken findet heute, Freitag, den 14. Januar 1919, die Arbeiterausschußwahl statt. Direktion und Obergelbe bieten in den letzten Tagen alles auf, um eine für die Gelben günstige Wahl zu erzielen._ Verantw. Redakt.: Richard Barth, Berlin. Inseratenteil verantw.: Meister und Vizemcister gehen an die Mitglieder der Geiverk- schaften mit dem Ersuchen heran, diesmal nicht rot zu wählen, um sich keine„Unannehmlichkeiten" zu bereiten. Die Konsumwahl am 3. Dezember hat dem Metallarbeiter- verband solche Erfolge gebracht, daß der Direktion und den Gelben das Herz etwas tiefer gerutscht ist. Deshalb die große Agitation für die gelben Listen. Mißstände haben in so reichlichem Maße Platz gegriffen, daß die Arbeiterschaft alle Veranlassung hat, Leute in den Arbeiteraus- schuß zu wählen, die in energischer Weise Arbeiterintcressen ver- treten. Besonders hervor tut sich der Obermeister H ö f e r aus dem Blockwerk. Es ist auch ärgerlich, jahrelang gelbe Propaganda zu treiben, Geld über Geld für die gelbe Sache auszugeben und dann trotz alledem tausende roter Stimmen einheimsen zu müssen. Die Roten alle hinauszuwerfen, geht nicht; denn man braucht qualifi- zierte Arbeiter, und die sind in genügender Zahl nur zu haben. wenn man auf die Roten zurückgreift. Interessant ist es auch, wie von gelber Seite(das ist von einer durch die Firma bezahlten Seite) versucht wird, mit aller Macht den Arbeitern plausibel zu machen, daß durch die Tätigkeit der Gelben eine erhebliche Verbesserung der Löhne eingetreten sei. Was ist in Wirklichkeit geschehen? Als Lockvogel für die bevor- stehenden Wahlen sind einigen Lohnarbeitern die Stundenlöhne etwas erhöht. Darüber wird im gelben Lager ein großes Gegackere angestellt. In Wirklichkeit ist die Erhöhung und auch die Zahl der Arbeiter, die diese Erhöhung erhalten haben, so gering, daß es für das ganze Werk nichts bedeutet. Dazu kommt, daß dem Gros der bei der Firma beschäftigten Akkordarbeiter derartige Abzüge gemacht sind, daß das, was die Firma an mehr Lohn auf der einen Seite zahlt, auf der anderen zehnfach durch Ermäßigung der Akkord- preise wieder einkommt. Hoffentlich sorgen unsere Kollegen dafür, daß am Wahltage das gelbe Wahlmanöver vollständig versagt. Deutfdus Reich. Abermals Mansfelder Streikurteile. Wegen Verstoßes gegen den§ 153 der Gewerbeordnung hatten sich wieder drei Mansfelder Bergleute vor der Halleschen Straf- kammer zu verantworten. Alle drei waren vom Schöffengericht im Streikrevier zu erheblichen Gefängnisstrafen— anders tut man es dort nicht mehr— verurteilt worden und hatten Be- rufung eingelegt. Der Bergmann Paul Tille aus Heldra soll zu einem Arbeitswilligen gesagt haben:„Dich möchte man anspucken." Weder der angeblich Beleidigte noch ein als Zeuge auftretender Gendarm können den Angeklagten bestimmt als Täter bezeichnen. Nichtsdestoweniger wird seine Strafe von einer Woche Ge- fängnis bestätigt!— Der Arbeiter Wilh. Nickel hatte einen Trupp Arbeitswilliger den Ausdruck Pfui! nachgerufen und soll dabei ausgespuckt haben. Der Verteidiger, Rechtsanwalt Genosse Landsberg, macht mit Recht geltend, daß hier doch nichts weniger als eine Drohung im Sinne des ß 153 vorliege. Das Urteil lautet auf einen Monat Gefängnis!— Einen Arbeitswilligen, der nicht ermittelt worden ist, soll der Bergmann Ernst Förster mißhandelt haben. Nachgewiesen ist lediglich, daß der Angeklagte einem Arbeitswilligen gesagt hat:„Na, Du konntest doch lieber zu Hause bleiben!"— Ein Gendarm will gesehen haben, wie F. eben diesen Arbeitswilligen am Rockärmel hin und her ge- zerrt habe. Dieser selbst hat sich keineswegs belästigt gefühlt, sonst würde er sich doch gemeldet haben. Das Wort des Gendarmen je- doch ist heilig und also mutz der Bergmann seine„Tat" mit zwei Monaten Gefängnis büßen. Man muß sich schon die größte Mühe geben, um die Urteile auch nur vom Standpunkte der bürgerlichen Klassenanschauung zu begreifen. Restlos wären sie nur dann zu erklären, wenn man annehmen wollte, daß den Richtern der Auftrag geworden sei, unsere Agitation in der nachhaltigsten Weise zu unterstützen. Man glaubt gar nicht, wie diese Urteile die bisher so friedfertigen Mans- felder Knappen aufpeitschen!_ Achtung, Metallarbeiter, Dreher, Schlosser, Former, Schleifer usw.! Die sämtlichen 159 Arbeiter der Firma Hugo Lindner, Solingen, Gasstra�e-(Teltawerk), befinden sich seit dem 23. De« zember v. I. im Streik. Die Firma erlätzt in den verschiedensten Blättern Inserate, wie auch die„offiziellen" Arbeitsnachweise nach Möglichkeit Arbeitskräfte nach hier schicken. Wir ersuchen jeglichen Zuzug fernzuhalten. Deutscher Metallarbeiterverband. Ortsverwaltung Solingen. Lohnbewegungen im Tabakgewerbe. In den drei von der GroßeinkaufSgefellschaft deutscher Konsumvereine übernommenen Betrieben der früheren Tabakarbeitergenossenschaft zu Hamburg haben die Zigarrenarbeiter Forderungen gestellt. Sie verlangen eine tägliche Arbeitszeit von ü'ch Stunden, Sonnabends von 8 Stunden, und Lohnerhöhung um 25 Pf. bis 1,25 Mk., in einzelnen Fällen um 2,25 Mk. pro Tausend. In gleicher Höhe sind auch Lohnforde- rungen für die Tabakzurichtcr und Hilfsarbeiter gestellt worden. Die Forderungen wurden in Form eines Tarifes eingereicht. Die drei Betriebe der Großeinkaufsgesellschaft deutscher Konsumvereine befinden sich in Hamburg. Frankenberg i. Sachsen und Hockenheim i. Baden. lieber sämtliche Filialfabriken der Firma Th. Heinecke. Kirchlengern(Westfalen) in Eilshausen. Süd- lengern. Kirchlengern und Klosterbauerschaft ist wegen Maßregelungen der Arbeiter und Reduzierung der Löhne bei Einführung neuer Sorten vom Deutschen Tabakarbeite rver- bftnd. Christlichen Tabakarbeiterverband und dem Sortiererverband die Sperre verhängt worden._ Textilarbeiterbewegung in Westfalen. Im katholischen Münster- lande, in der Spinnerei Filermark bei Gronau sahen sich 198 Ar- beiter genötigt, die Kündigung einzureichen. Schlechte Lohn- und Arbeitsverhältnisse zwangen sie dazu. Die Firma hat jede Verhandlung abgelehnt.— Zuzug ist fern- zuhalten._ Neuer Protest angeworbener Bergarbeiter. Etwa 199 Arbeiter, die in der vorigen Woche aus der Danziger Gegend nach Zeche BonifaciuS in Kray geholt wurden, haben sich ebenfalls gegen die ihnen zuteil gewordene Behandlung empört. Auch ihnen waren 4,59 M. bis 5 M. Lohn versprochen worden; sie sollten jetzt aber nur 3.59 M. bekommen. Am Mittwoch verweigerten die Leute die Arbeit und begaben sich gemeinsam zur Polizei, wo man sie damit tröstete, daß der Arbeitsnachweis ihnen andere Arbeit besorgen werde. Daß das geschieht, ist aber nicht anzu- nehmen, da es sich doch um sogenannte kontraktbrüchige Arbeiter hanicrlt. Zur Tarifbewegung im Malergewerbe. Die Frankfurter Malergehilfen nahmen am Mittwoch- abend in sehr gut besuchter Mitgliederversammlung zu dem am Sonnabend von den Unparteiiscben gefällten Schiedsspruch S-tel- lung. Gauleiter Zimmermann schilderte die Berliner Ver- Handlungen und besprach eingehend den Schiedsspruch. Er ver» mied es aber, für Annahme oder Ablehnung des Schiedsspruches zu plädieren. In der Debatte sprachen sämtliche Redner für An- nähme deS Schiedsspruches, der für Frankfurt a. M. eine so- fort ige Lohnerhöhung von 2 Pf. pro Stunde und für nächstes Jahr eine wettere Lohnerhöhung um 1 Pf. bringen würde. Die Redner hoben diese Verbesserungen herbor und meinten, eS wäre doch zweifelhaft, ob bei Ablehnung des Schiedsspruches, bei einem Kampfe mehr erreicht würde. Eine Ablehnung wäre wieder nur Wasser auf die Mühlen der Unternehmer. In geheimer Abstim- mung wurde dann gegen wenige Stimmen dem Schieds- s p r u ch zugestimmt._ Ein terroristischer Stadtverordneter und Obermeister. Daß auch ein Obermeister oder ein sonstiger Obertcrrorist in die Maschen des§ 153 der Gewerbeordnung gerät, gehört wohl zu de» größten Seltenheiten im Lande der vollendetsten Rechts- garanticn. Außer dein Obermeister Schmidt von der Berliner Bäckerinnung ist, soweit uns bekannt, nur noch der Obermeister R u p p e r t von der Stellmacherinnung zu Altona wegen Vergehens gegen den genannten Paragraphen angeklagt worden. Das Schöffengericht verurteilte diesen Herrn, der auch das Amt eines Altonaer Stadtverordneten bclleidet, zu einer Gefängnis- strafe von fünf Tagen. Ganz glatt ist die Anklage gegen R. nicht zur Erhebung gelangt, es hat erst der Nachhilfe durch den Oberstaatsanwalt bedurft, der auf Beschwerde den ablehnenden Bescheid der Hamburger Aintsanwaltschast auf- gehoben hat. Ruppert legte Berufung ein, die am Mittwoch vor der Straf- kammer III des Landgerichts Hamburg zur Verhandlung gelangte- Als im vorigen Jahre die Stellmachergesellen von Hamburg- Altona um eine Lohnaufbesserung von 59 auf 55 Pf. pro Stunde stritten, faßten die Innungen der Städte Hamburg und Altona den Beschluß, diese„undurchführbare" Forderung abzulehnen. Als einige einsichtsvolle Arbeitgeber trotzdem bewilligten, wurde in Innung«- Versammlungen gegen die„Outsider" Stellung genommen. Namentlich hatte der Hamburger Wagenfabrikant Wiemann sich den Unwillen der JnnungSkrauter zugezogen, weil dieser Spezialartikel an Stellmachermeister liefert. Diesen Fabrikanten nahm Rnppert aufs Korn. Er verlangte von W.. er solle auf einen Meister Bannatz, der für W. Arbeiten lieferte, dahin einwirken, daß er seine Leute entlasse,„widrigenfalls seine, W.S. Artikel boykottiert werden würden. Auch würde er die Angelegen- heit auf dem Berliner Verbandstage der Innung zur Sprache bringen." Durch diese Drohung ließ W. sich bestimmen, in dieser Richtung tätig zu sein, und er hatte auch den Erfolg, daß Barmatz seine Leute entließ. Die erneute Verhandlung bestätigte den typischen Fall von Unternehmerterrorismus. Der Staatsanwalt beantragt die Be- stätigung des Urteils erster Instanz, da der ß 153 gegen beide Teile— Arbeiter wie Unternehmer— anwendbar sei. Der An- geklagte habe unter Boykottandrohung die Entlassung der Arbeiter erreicht und müsse daher bestraft werden. Das Urteil erster Instanz treffe das Nichtige. Das Gericht erblickt in dem Urteil erster Instanz keinen Rechtsirrtum und weist die Be- rufung kostenpflichtig zurück. Der Oberterrorist muß also fünf Tage brummen, falls ihn der Senat nicht zu einer Geldstrafe begnadigt. Zur Tarifbewegung im Holzgewerbe. Eine außerordentlich stark besuchte Versammlung der Holz- arbeiter in Dresden nahm am Mittwochabend zu den Tarif- Verhandlungen im Holzgewerbe Stellung. Die Versammlung er- klärte sich— bei den minimalen Zugeständnissen der Unternehmer — gegen ein« dreijährige Vertragsdauer: die Leitung soll aber weiter verhandeln.— Es wurde dann eine Erhöhung deS wöchentlichen Beitrages von 75 Pf. auf 1 M. beschlossen. Mehrere Redner verlangten eine noch höhere Beitragsleistung, um sich auf einen Kampf vorzubereiten._ Die Tarifbewegung im Holz- und Baugewerbe«ad die Bildhauer. Auch die Bildhauer sind an der schwebenden Tarifbewe» gung des Holz- und Baugewerbes beteiligt. Im Bildhauerberufe wurden bis 1993 32 Tarife für 1488 Gehilfen abgeschlossen; für die Stukk- bezw. Modellbranche allein 12 Tarife für 791 Gehilfen. In München kam ein Tarif für letztgenannte Branche ge, meinsam mit den Stukkateuren im Jahre 1998 zustande, dessen Ab- laufstermin der 31. März 1919, der für das gesamte Baugewerbe gültige, ist. Die Gehilfen beschlossen mit Zweidrittelmehrheit, den Tarif nicht zu kündigen; die freie Innung der Bildhauer- und Stukkateurmeister Münchens unterbreitete jedoch unterm 29. De- zember v. I. dem Vorstand der Verwaltungsstelle München des ZcntralvereinS der Bildhauer nunmehr ihrerseits die Kündigung. Unzweifelhaft im Auftrage deS ArbcitgeberschutzverbcmdeS für das Baugewerbe. Somit find auch die Bildhauer direkt in die Tarifbew�ung mit hineingezogen, was noch in einigen anderen Orten der Fall sein wird. An den meisten Orten"werden sie jedoch in Mitleidenschaft gezogen— in der Holz« wie in der Modell- und Steinbranche. Den Beitritt zum Zentralverein der Bildhauer sollte deshalb jeder Unorganisierte als eine zwingende Notwendigkeit betrachten. Ausland. Die Situation in den Kohlenbergwerke» von Nord- und West- cngland wird von Tag zu Tag kritischer. Am Mittwoch haben sich die Delegierten von 99 Gruben der Grafschaft Durham, welche. 59 999 Arbeiter beschäftigen, vereinigt und beschlossen, alle Ar- beiter zur sofortigen Einstellung der Arbeit aufzufordern. Die Zentralversammlung der Delegierten der. Gruben von North Cumberland, welche in Newcastle stattgefunden hat, ist ohne Be- schluß geblieben. Eine offizielle Geschichte deS schwedischen Massenstreiks vom 1999 wird gegenwärtig in der Äbteilung für Arbeiterstatistik des schwedischen Kommerzlollegiums ausgearbeitet. Es ist dazu eine ungeheure Masse Material gesammelt worden. Alle irgendwie wichtigen Mitteilungen über den Massenstreik selbst wie über seine EntWickelung und seine Folgen hat man von den Behörden im ganzen Lande sowie von den Arbeitgebern, den Arbeitern, ihren Organisationen und den Streikausschüssen herbeigeholt. Das alles soll gewissenhaft geprüft und� verarbeitet werden. ES wird wahrscheinlich das ganze Jahr darüber vergehen, bis die offizielle Geschichte des Großstreiks fertig vorliegt. Letzte Nacbricbten und vepefcken. Eine Liebestragödie in der Warschauer Strafte. In dem Hause Warschauer Straße k spielte sich gestern abend eine neue Liebestragvdie ab. Das sich dort in Stellung befindliche 17 jährige Dienstmädchen Eisner unterhielt mit dem 23 Jahre alten Bäcker Franz Hansel ein Liebesverhältnis. Gestern abend 7 Uhr wurde an der Wohnung des Dienst- mädchens geklingelt. Als diese öffnete, sah sie sich ihrem Lieh. Haber gegenüber. Dieser zog ohne jeden Wortwechsel einen Revolver aus der Tasche und gab einen Schuß auf das Mäd- che» ab. das sofort mit einem lauten Aufschrei zusammenbrach. Der Mörder stürmte die Treppe hinab in den Hausflur und jagte sich dort eine Kugel in den Leib. Ein sofort herbei, geholter Arzt konnte bei der Eisner nur noch den bereits ein- getretenen Tod feststellen. Hansel wurde in einem Kranken» wagen in bedenklichem Zustande nach dem Krankenhause Friedrichshain gebracht. d. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: vorwärts Buchdr. u. vxrlogSanftgl» Maul Singer � Co., Berlin SW, Hierzu 3 veilaaeu u. vaterh«lt«ng»bl. Nr. 11. 27. Zlthrglwg. 1. Kcilme Ks Jonuarts" Knlim NslksdlÄ. Fttllag. U. Januar 1910. Reichstag 15. Sitzung. Donnerstag, den 13. Januar, nachmittags 1 Uhr. Am BundeSratStisch: Delbrück. Kraetke, LiSco. Auf der Tagesordnung steht zunächst die Fortsetzung der Be- sprechung der Interpellationen des Zentrums und der Polen wegen der Maßregelung von Reichsbeamten wegen Ausübung ihreS lommunalen Wahlrechts in Kattowitz. Abg. Schräderens. Borsitzender: Hat diese Erfahrung nicht auch gelehrt, daß gerade Doppelsclbst- mörder Briefe und Abschiedsgrüße an ihre Angehörigen zurück- lassen? Sachv.: Das ist eine einfache statistische Frage. Es kommt allerdings zumeist vor, daß Doppelselbstmörder nicht nur Briefe, sondern sogar Testamente an ihre Angehörigen hinterlassen. Der Angeklagte selbst muß auS der Schranke heraustreten und vor dem Sachverständigen an der Zeugin Asfelder demonstrieren, wie die RakowSki angeblich gestanden haben soll, als er ihr das Messer ins Herz stieß. Er behauptet wieder, die RakowSki habe ihn ersucht, sie zu töten, sie hebe erklärt, ein Stich in das Herz fei der leichteste Tod und deshalb habe er das Messer zur Ausführung der Tat benutzt. Sie habe sich vor ihn gestellt, rückwärts mit ihren Armen seinen Nacken umschlungen und so habe er das Messer ihr ins Herz gestochen. Er sei vor und bei der Tat sehr aufgeregt ge- wesen und habe sich erst nachher beruhigen können. GerichtSarzt Dr. Strauch erklärt die Angaben de» Angeklagten nach dem gerichtsärztlichen Befunde für unglaublich, ja für direkt unmöglich. Medizinalrat Dr. Leppmann führt auS: Ich kann mich natür- lich nur ganz allgemein äußern, das eigentliche Urteil liegt ja doch bei den Geschworenen. Wenn ich mir ein Bild von dem Seelenleben der Rakowski nach allem, was mir hi?r mitgeteilt worden, machen soll, so kann ich nur sagen, daß ich bei ihr eine Aufforderung zur Tötung nicht für wahrscheinlich halte. Im Grunde genommen war doch die R. eine lebenslustige und dabei estvas phantastische Person, die in ihren Gemütsbewegungen oberflächlich war. Sic mochte im Moment wohl einmal vom Selbstmord gesprochen haben, aber eine so tiöse Niedergedrücktheit und eine solche Affektstärke hat sie wohl nicht gehabt, um einen anderen zu ersuchen, sie zu töten. Nach ihrem ganzen Seelenleben ist dies nicht wahrscheinlich. Das kann ich nur ganz allgemein sagen. Ich halte eS nicht für wahrscheinlich. 'daß eine solche Person einen so tief gehenden Entschluß auf Selbst. Vernichtung gehabt habe. Was die Ausführung der Tat betrifft, so muß ich sagen: Wenn auch Doppeltötungen durch Erstechen vor- gekommen sind, so ist es doch nicht wahrscheinlich, daß jemand zu solcher Doppeltötuug ein solches Brotmesser benutzt. Das nächst- liegende ist doch die Anwendung eines Dolches. Positiv unmöglich ist natürlich auch die Anwendung eines derartigen Messers nickst. Wenn darauf hingewiesen wird, daß die R. eine Abwehrbewegung mit der Hand gemacht hat und sich dabei verletzt hat, so kommru solche Abwehrbewegungen auch in solchen Fällen vor. Ivo die ernsthafte Absicht der Tötung bei der betreffenden Person vorlag. Auf- fällig ist es. daß die R. nicht die Brust entblößt haben sollte, lvenn sie durch ein?» Stich getötet sein wollte. Wenn der Äcrtei'istger gefragt hat, ob nicht der Zustand der Schivangerschaft die R. in eine"solche seelische Depression gebracht haben mag, daß sie den Wunsch nach dem Tode lmtte, so ist darauf zu erwidern: es gibt Schwangere, die unter sehr schwerer Depression leiden und wieder andere, die im gewöhnlichen Leben traurig und im Zustande der Schloangerschaft sehr ausgekratzt und lustig sind.— Staatsanwalt: Würde es nicht auffällig sein, daß die R., die doch nach allem, was von ihr berichtet worden, zu den Personen gehört haben dürfte, die „in Schönheit sterben" möchten, sich zweifellos kurz vor der Tat des Angeklagten die Anstecklocken abgenommen halte?— Sachver- ständiger: Bei der Erörterung dieser Frage würde man ins Uferlose kommön.— Verteidiger Dr. Alsberg: Die RakowSki hat doch aber zweifellos am Tage vor der Tat den Auftrag gegeben, einen Revolver zu kaufen und eine Freundin ersucht, ihr Morphium zu besorgen. Kann der Sachverständige nicht bestätigen, daß bei Per« scnell, die unter einer seelischen Depression leiden, die Depression besonders des Abends zunimmt?— SackMrständiger Dr. Leppmann: Es ist ja gar nicht der Beweis erbracht, daß die R. einen soaenannten schweren Charakter hatte, sondern einen oberflächlichen Charakter.— Rechtsanwalt Dr. Alsberg: Ist es nicht richtig, da-ß solche Personen sich gerade deshalb ins Vergnügen stürzen, um ihre Depression zu überwinden?— Sachverständiger Dr. Lcppmann: Ich kann nur wiederholen, daß der Herr Verteidiger da etwa? suppomert, was aus der Erörterung der Sachlage nicht hervorgeht. Man hat nichts davon gehört, daß die Li. etwa an Melancholie oder Schlaflosigkeit gelitten Hab?. Ter Erundzug ihres Wesens ist doch der gewesen: Sie war eine lebenslustige Bäckermamsell, die mit Herren anbandelte und recht aufgeräumt war. Eine Depression war ihrem innersten Charakter fremd. Was die größere Depression in den Abendstunden betrifft, so ist das im Leben auch anders. Solche Leute sind gewöhnlich des Morgens nach dem Erwachen trübe gestimmt, aber des Abends lustiger, wie es schon im Volks» munde heißt:„Des Morgens hektisch, des Abends elektrisch."— Betteidiger: Würde eS nicht notwendig sein, den ganzen Lebens- lauf der R. zu erforschen, um sich ein genaues Bild von ihrem, Seelenleben zu machen?— Dr. Leppmann: Ich kann dazu nur sagen: Ich bin hierher gerufen worden, meine Anwesenheit hier ist aber eigentlich ganz überflüssig, denn was ich gesagt habe, ist nur eine Schätzung allgemeiner Lebenserfahrung.— Präsident: Wen» nun ein Mädchen von dem Schlage..Himmelaufjauchzend zu Tode betrübt" ihrem Freunde sagt:..Nun töte mich"— ist dieser dann berechtigt, das für ernst zu nehmen, wenn er weih, dah sie in der nächsten Viertelstunde vielleicht ganz anderer Meinung fft?— Medizinalrat Dr. Leppmann: Psychologisch wäre es für mich auch denkbar, dah der Angeklagte auch so kalkuliert haben könnte: sie hat ja doch so wie so gesagt, sie wolle sterben, also verübe ich die Tat. Positive Behauptungen will ich aber keineswegs aufstellen. Hierauf wird die Beweisaufnahme für geschlossen erklärt. Die zehn an die Geschworenen gerichteten Schuldfragen lauten auf Totschlag. Mord, Tötung auf ausdrückliches und ernstliches Ver langen, schweren Raub, Diebstahl, Hehlerei und Betrug. Staatsanwalt Dr. Müller schildert den Angeklagten als einen Menschen mit recht gemeinen Charakterzügen. Als junger unerfahrener Mensch hat er sich mit Lektüre beschäftigt, die er nicht verdauen konnte. Durch die Lektüre wäre der Angeklagte unzu- frieden geworden und mit sich und der Welt zerfallen. Er sei sich als zu etwas Höherem geboren vorgekommen, während er in Wirk- lichkeit verkommen ist. Anstatt bei seinem Handwerk zu bleiben. beschäftigte er sich mit allerlei zweifelhaften Geschäften, die ihn schließlich auf die schiefe Ebene brachten. Er hatte schliehlich zwei Geliebten, in denen er den Glauben erweckte, daß er sie heiraten werde. Einen schweren Vorwurf müsse man dem Jünemann des- halb aber machen, weil er von beiden Geld genommen hat. Als er dann die eine getötet hatte, ging er zu der anderen und antwortete ihr auf eine Frage, daß er mit der Rakowski„Schluß" gemacht habe. Dieser Zynismus ist so recht bezeichnend für die Charakter- eigenschasten des Angeklagten.— Der Staatsanwalt sucht sodann au der Hand der Beweisaufnahme darzulegen, dah nicht Tötung auf Verlangen der Getöteten vorliegt und beantragte die Schuld- fragen nach Naubmord. Diebstahl und Betrug zu bejahen. Rechtsanwalt Dr. Alsberg hielt hingegen nach dem ganzen Er- gcbnis der Beweisaufnahme für erwiesen, daß der Angeklagte und die Rakotoski den Plan gefaßt hatten, gemeinsam aus dem Leben zu scheiden. Nach eingehender Würdigung der einzelnen in der Beweisaufnahme getroffenen Feststellungen nach juristisches wie auch tatsächlicher Richtung hin kommt der Verteidiger zu dem Schluß, dah die Anklage wegen lvtordes und Raubes unhaltbar ge- worden sei und nur die Schuldfrage aus 8 216 St.-G.-B.(Tötung aus ansdrückliches und ernsthaftes Verlangen) bezw. nach Diebstahl und Betrug von den Geschworenen zu bejahen sei. Nach längerer Replik und Duplik des Staatsanwalts bezw. des Verteidigers und der Nechtsbelehrung durch Landgerichtsdirektor Goebel zogen sich die Geschworenen in später Nachmittagsstünde zur Beratung zurück. � Das Urteil. j Die Geschworenen bejahten die Schuldfragen betreffend Mord und Diebstahl in 2 Fällen. Der Staatsanwalt beantragte die Todesstrafe und Jahre Gefängnis. Der Gc- richtshof verurteilte den Angeklagten zum Tode, zu S Monaten Gefängnis und Ehrverlust. Huö Induftrie und Handel. Katholischer Profit. Ein Praktikus, der jedenfalls die KonfessionSmarke als gute? Geschäft schon kennen gelernt hatte, kam auf den ingeniösen Ge- danken, eine katholische Bankgenossenschaft zu gründen. Der kühnen Tat ist anscheinend der Erfolg nicht versagt geblieben, denn der Gründer beglückt Glaubensgenosien nun mit folgender Einladung: Berlin C. 25, Gontardstr. 5, I. Nachdem ich die Rückständigkeit der Katholiken in Deutschland gründlich studiert, veranlaht durch Herrn Dr. Rost usw., sann ich aus Abhilfe und kam zu der Ueberzeugung, dah wir Katholiken unbedingt in der Finanzangelegenheit Veranstaliungen treffen müsien. um daS zur Gründung von Existenzen benötigte Geld nicht beim Juden, sondern bei uns Katholiken selbst beschaffen zu können... Die Neue Spar- und Creditbank Zentrum, eingetragene Ge- nosienschaft mit beschränkter Hastpflicht, hat in dem ersten Jahre ihres Bestehens schon 80 Genossenschastsmitglieder gewonnen und ist schon weit über IM Katholiken nützlich gewesen. Nach dem ersten Jahresabschluß habe ich vor. in allen grohen Städten Deutschlands ähnliche Jnstitule zu gründen, und wäre eS mir sehr erwünscht. Ihre Ansicht hierüber zu hören. Hochachtungsvoll und ergebenst Neue Spar- und Creditbank Zentrum Eingetragene Genossenschaft mit beschränkter Haftpflicht. I. Rieger. Die.Köln. Volksztg." wendet sich gegen das Projekt, bezeichnenderweise aber nicht grundsätzlich, weil die Religion mit dem Geschäfte nichts zu tun habe, sondern weil eS in Deutschland Hunderte von Bankiers, darunter solche ersten Ranges, gibt, welche Katholiken sind; auch scheint er nicht zu wiffe», dah an der Leitung unserer allerersten deutschen Bankinstitute Katholiken hervorragend beteiligt sind". Muh der Himmel seine Freude an der braven katholischen Arbeit haben.._ Der Stahlwerksverband im Jahre 1909. Den größten Versand hatte der Stahlwerksverband seit seiner Begründung im Jahre 1806 mit 5 738 902 Tonnen aufzuweisen. Im Jahre 1907 betrug im Vergleich zum Vorjahre der Minder- Versand 154 302 Tonnen, dem im Jahre 1908 ein weiterer Rückgang deS Versandes um 819 708 Tonnen folgte. Das Jahr 1909 brachte gegen das ungünstige Jahr 1903 wieder einen Mebrversand von 20l 182 Tonnen. Im Vergleich der letzten Jahre stellte sich der Versand der verschiedenen Erzeugniffe an Produkten A für die Gruppe I(Halbzeug). II(Eiienbahmnaterial) und III(Formeisen) in Millionen Tonnen, wie folgt: 1905 1906 1907 1908 1909 Gruppe I. 1,9106 1,8619 1,5579 1,3907 1,5034 n. 1,6315 1,9368 2,3274 2,0708 1,8474 . III. 1,6733 1,9402 1,6989 1,3029 1,6147 Insgesamt. 5,2154 5,7389 5,5841 4,7644 4,9655 Der Versand von Halbzeug, der seit dem Jahre 1905 ständig stark zurückgegangen war, hat im vergangenen Jahre wieder eine Vermehrung erfahren. Der Rückgang des Halbzeugversandes, der für das letzte Jahr rund 407 200 Tonnen im Vergleich zum Jahre 1905 betrug, wird mit dadurch bedingt, dah sich in der Veriandzahl des Stahlwerksverbandes immer weniger der gesamte Verbrauch von Halbzeug dokumentiert. Der Ausbau der Walzwerke der gemischten Betriebe führte zu einer immer größeren Verwalzung von Halbzeug zu Produkten B, sodaß das starke Zurückbleiben der Bersandziffern von Halbzeug zum Teil auf den Erweiterungen der Walzwerke der gemischten Betriebe beruht._ Die württembergischen Eisenbahnen erzielten im Jahre 1908/09 eine Gesamteinnahme von 74 637 701 M., die Betriebsausgabe betrug 58 207 104 M., der BetriebSüberfchuß 16 430 567 M. Das Gesamt- anlagekapital der württeinbergischen StaatSbahn betrug am 31. März 1909 746 650 442 M. ES verzinste sich zu 2,40 Proz. (im Vorjahre 2,47 Proz.). Bei Hinzurechnung des Aufwandes aus Betriebsmitteln zum Kapital hat sich letzteres nur zu 2,25 Proz. verzinst Hinter dem Zinsenbedarf mit 19 376 780 M. ist der Betriebs- Überschuß um 2 946 183 M. zurückgeblieben. Zur Deckung deS Auf- wandes für die Tilgung der Eisenbahnschuld mit 4 80 t 823 M. hat der BetriebSüberschnß keine Mittel geboten. Dieses schlechte Ergebnis ist zum Teil mit durch die schikanöse Eisenbahnpoliitik der Nachbarstaaten Bayern und Baden verursacht. Ein suspendierter Bierboykott. Der am 7. September v. I. in Mülhausen i. E. vom Sozial- demokratischen Verein und Gewerkschastskartell verhängte Boykott über alle Biere ist bis auf weiteres aufgehoben worden, nachdem der Elsässtsche und der Oberbadische Brauereiverband sich der Boykott- kommisfion gegenüber verpflichtet haben, gemeinschaftlich mit den beiden in Mülhausen bestebenden Wirtevereinigungen und der Boykottkommissio» eine Eingabe an den Gemeinderat auf Herab- setzung des jetzt 4,80 M. betragenden Oktroigesetzes für Bier auf 3 M. zu richten, und im Falle des Erfolges dieser Ein- gäbe den Bierpreis pro Hektoliter um 2 M. zu ermäßigen. Die W'ederverhängung des Boykotts ist für den Fall vorbehalten, daß der Gemeinderat das Gesuch ablehnen sollte, oder daß Brauereien und Wirte den versprochenen Preisabschlag nicht eintreten lassen. Der Preisabschlag von 2 M. pro Hektoliter würde die vor der so- genannten Reichsfinanzresorm bestandenen Bierpreise wiederherstellen. Bei der Verhandlung teilte Gcmeinderatsmitglied Jnnungsobermeister Keim mit, daß der Bierboykott während seiner vier- monatigen Dauer der Gemeinde einen Oktroi- einnahmenverlust von rund 50000 Mark ver- ursacht habe._ Ueder den Berliner Liehhandel im Jahre 1909 berichtete in der letzten Sitzung des Zentralausschusses Berliner kaufmännischer, ge- werblicher und industrieller Vereine Handelskammermitglied Gustav Spanholz. Bei Erörterung der Preise hob der Referent besonders hervor, daß für Schweine im Durchschnitt 9,74 M. pro Zentner für Primaqualität mehr als im Vorjahre gezahlt wurden— ein Beweis, daß Deutschland nicht genügend mit Viehmaterial versorgt sei. Sollte dieser Znstand mehrere Jahre hindurck, andauern, so sei eine empfind- liche Fleischnot unabwendbar, falls sich Deutschland nicht dazu ent- 'chließt, die Grenzen für die Viehzufuhr zu öffnen. Vom amerikanischen Eisemuarkt berichtet„Jron Age":„Die Eisenbahnen halten mit Aufträgen zurück. das Geschäft in Schienen enttäuscht. Besonders in Roheisen herrscht noch mäßige Nachfrage. Die Eisenvorräte im Süden werden auf 150000—175 000 Tonnen geschätzt." kommunales. Aus der Stadtverordnetenversammlung. Der bekannte Konflikt in der 120. Armen» kommisfion, deren bürgerliche Mitglieder ihre Rotscheu nicht zu überwinden vermögen.-hat den Berliner Stadtfreisinn nicht etwa auf den Gedanken gebracht, den Einfluß der Stadtverordnetenversammlung auf die Besetzung der kommunalen Ehrenämter möglichst noch zu stärken, sondern auf den pfiffigeren, gerade den Kommissionen wieder einen größeren Einfluß zu gewähren. Welche Absichten man dahinter zu suchen habe, das wurde in der gestrigen Sitzung der Stadtverordneten, die über diese Angelegenheit zu be- schließen hatte, von drei Rednern der sozialdemotratischcn Fraktion— den Genossen Borgmann, Singer, Ewald — vor aller Oeffentlichkeit einmal rückhaltlos ausgesprochen, Die Debatte bedeutete für die freisinnige Mehrheit eine so nachdrückliche Brand niarkung, daß Herr Cassel einen verzweifelten Abwehrversuch unternahm, der ihm kläglich mißlang. Im weiteren Verlauf der Sitzung kam es noch bei mehreren Gegenständen zu mehr oder minder langen Erörte- rungen. Die Gehaltsaufbesserungen für die Feuerwehr sind beifällig zu begrüßen, aber niit Recht rügte es hier Genosse Leid, daß man es lange genug den Feuerwehrleuten nicht erspart habe, in ihrer dienstfreien Zeit sich noch Nebenverdienst verschaffen und Arbeitern das Brot nehmen �u müssen. Stadtrat M u g d a n konnte erfreulicher- weies mitteilen, daß das inzwischen untersagt worden sei. Der Petitionsausschuß berichtete über etliche Petitionen, die er dem Magistrat zur Berücksichtigung bezw. Erwägung über» wiesen wissen wollte. Eine Petition der D r o g i st e n um Zulassung zu Lieferungen für die Armenver» w a l t u ii g gab dem Stadtv. T h i e m e Veranlassung, sein warmes Herz für die Armen zu betätigen, die man vor den angeblich minderwertigen Waren der Drogisten schützen müsse. Genosse Wey! stellte fest, daß Krankenkassen mit den Drogisten allerbeste Erfahrungen gemacht haben. Als berücksichtigungswert erschien dem Ausschuß auch die Petition eines S ch u l d i e n c r s, der einen ihm vorenthaltenen Teil des ihni zukommenden Gehaltes nachgezahlt haben wollte. Hier geißelte Genosse Singer das vom Magistrat beliebte Verfahren, einen Angestellten Jahre hindurch geringer zu bc- zahlen, als er nach der Gehaltsordnung hätte bezahlt werden müssen. Gegen den Plan, die 85. Knaben-Gemeimde, schule in der Wrangelstraße aufzulösen, erhob die sozialdemokratische Fraktion Einspruch. Genosse Borg- mann wies nach, daß die Ausführung dieses Planes durch nichts zu rechtfertigen sei und nur zu bald zur Wiederkehr einer Schul not in Berlin-Slldost führen könnte. Stadt- verordneter Jden, der in diesem Stadtteil zu Hause ist und als Mitglied der Schuldeputation einen unheilvollen Einfluß auf die Gestaltung der Schulverhältnisse gerade in Berlin-Südost ausgeübt hat, tat die an Tollheit grenzende Aeußerung, es sei ein Werk im Interesse unserer Kinder, wenn man die Schule— auflöse. Stadtschul, rat Fischer verabreichte das übliche Beschwickstigungs» Pulver, das aber die minderbemittelte Bevölkerung des Stadt« teils schwerlich über die Wirkungen der Schuleinziehung hin« wegtäuschen dürfte. Borgmann schnitt dann noch die Frage an. ob nicht Ersparnisgründe mitsprechen, und auf dieses Stichwort meldete sich selbstverständlich sogleich Herr C a s s e l und sagte sein gewohntes Sprüchlein he». Die Schulsreundlichkcit des Freisinns wurde am treffendsten ge- kennzeichnet durch den Zwischenruf des in der Schuldeputation sitzenden freisinnigen Stadtverordneten Schulze:„Wer soll denn das bezahle n?" Der Antrag unserer Gendssm, die der Versammlung nur zur Kenntnisnahme überreichte Vorlage in einem Ausschuß näher zu besehen, wurde ab« gelehnt._ «mtlicher«DlorflberUfi» der ftidttlchen Narktballen-DtreM»« Uder den Krotzbandel in den ginlral-Marktballem Marktlage: Fleisch, Zuwdr stark, Geschäsl rege. Preise für Schweinefleisch nachgebend, sonst nn- oerändert. Wild: Zufubr mäßig, Meschäst schleppend. Preise safi rnt» verändert. Geslügel: Zufubr genügend, Geschäsl still, Preise wenig verändert. Fische: Zusuhr mäßig, Geschäsl etwas I-bhaster. Preise befriedigend. Butter und Käs«: Geschält nihig, Preise unverändert. G-müle. Obst und Südfrüchte: Zufuhr genügend. G-Ichält flau, Preise gedrückt., l.elF'ZlQLk? STRASSE ALEXANDERPLATZ FRANKFURTER ALLEE Nur Freitag, Sonnabend: Lebensmittel soweit Vorrat Feine Leberw. 90*. Landleberw.*- 80 Kailescho Leberwurst»» I00 Jagdwurst-»95� Burg. Schinken-» I05 Cervelat u. Salami.....»» I10 ThDr.Cervelai u. Salami-»l23 Braunschwi Art Pld, i Teewurst............»» I'3 aussergewöhnlkh preiswert Zwiebelwurst.-» 42» Rotwurst-»42, 60» Dei.-Fieischrofwurst-».78» Sülzwurst.........-». 68» Cassier Rippespeer.. 85 pt. Pökelzungen.....-»I03 Süppenhülinefstocl45!60!90 Grosse Brall!äfines»k.200w.250 Junge Enten 225 275 325 Schneeliiiliner 05 i Waggon Tiroier-Äepfol~ 45 pf. I Waggon Apfelsinen � 20, 30,40 pt. Verantwortlicher Redakteur Mmd Var'h. Vcrlin. Für Mßnselälcntcil vcrgntw-: Tht<»l»ckk,Berlin7Tnick«. Serlagtvvrwartt Lugdeuckecei L. Perlagsgnjtall Paul Singer& So« Berlin SW. Ar. II. 27. Jahrgang. 2. W!lP tes Jmiüätlö" Kerlim Freitag. 14. Jannar 1910. 5ÄSS23 Stadtverordneteii'Ueriammlung. 2. Sitzung v o m Donnerstag, den II. Januar, nachmittags 5 Uhr. Der Vorsteher Michclet eröffnet die Sitzung um•ftö Uhr mit einem ehrenden Nachruf für den vor einigen"Tagen verstor- denen früheren Stadtrat und Stadtsyndilus Weis e. Tie Vcr- sammelten hören die Worte des Vorstehers stehend an. Vor der Sitzung haben sich die ö Abteilungen konstituiert(eine derselben bat den Stadtv. TolkSdorf zum Vorsitzenden gewählt) und mehrere Ausschusiwahlen vorgenommen. In dem Ausschuß z'.r Vorberatung der Vorlagen betr. erhöhte und neue Zuwen- t.ngcn an gemeinnützige Anstalten, Vereine und dergleichen, und uctr. Gewährung von 3000 M. an die Heilsarmee ist die sozial- demokratische Fraktion durch die Mitglieder H o f f m a n n, Rosen- selb. S t a d t h a g e n, Wehl; in dem Ausschuß zur Vorbereitung der Neuwahl der ständigen Ausschüsse usw. durch Bruns, Hei- m a n u, Singer, Zucht, in demjenigen für die Angelegenheit betr. die Krananlage der Ziegcltrans'port-Akticngescllschast am Hafcnplatz durch Glocke, K e r f t n. Wurm, Z u b e i l vertreten. In gemeinschaftlicher Sitzung mit dem Magi- st r a t und unter dem Vorsitz des Oberbürgermeisters K i r s ch n e r findet zunächst die Wahl von 28 Mitgliedern und 16 Stellver- tretern der E i n k o m m e n st e u e r- B c r u f u n g s k o m m i s- s. i o n statt. Darauf tritt die Versammlung in die Erledigung ihrer eigenen Geschäfte ein. Zluf dem�städtischen Grundstück zwischen dem Warschauer Platz und der N a g l e r st r a ß e soll eine höhere Webe- schule errichtet werden. Die Ausschußanträge gelangen ohne Debatte zur Annahme. Stadtv. Jacobi(A. S.i berichtet namens des Ausschusses, der die Frage der Berechtigung der Mitglieder der 120. Armenkommission zur Niederlegung ihrer A e in t e r geprüft hat, über dessen Vorschläge auf Llenderung des Verfahrens bei der Wahl von unbesoldeten Gemeindebcamten. Diese Vorschläge gehen dahin, zu der früheren, seit einein Jahre verlassenen Praxis zurückzukehren, daß dem Ausschuß für Unbesoldete auch die Wünsche der betreffenden Kommissionen bekannt gegeben werden sollen. Die Angelegenheit selbst ist materiell in geheimer Sitzung beraten worden und steht auch auf der Tagesordnung der heutigen geheimen Sitzung. Das neue Verfahren hat sich nach einer Auskunft des Magistratsvertreters nicht bewährt; so sei einmal ein 4 Treppen hoch wohnender Schneider zum stellvertretenden Bezirksvorsteher bestellt worden. Stadtv. Borgmann(Soz.): Der Antrag des Ausschusses, der uns jetzt vorgelegt wird, ist durchaus nicht neu. Schon früher ist von den Antragstellern beklagt worden, daß die recherchierenden Stadt- verordneten oft Personen vorschlügen, die die nötige Qualifikation nicht besäßen, weil sie nicht die Beziehungen zu dem Bezirk hätten. in dem sie recherchieren sollten; es wären Personen vorgeschlagen worden, die irgend etwas auf dem Kerbholz hatten. Es wurde dann der Ausschuß für die Prüfung der Qualität eingesetzt. Es stellte sich aber bald heraus, daß dieser Ausschuß für die Aufgabe auch nicht genügte, und es wurden dem Ausschuß die Akten der betreffenden Persönlichkeiten zur Verfügung gestellt. Später hat der Magistrat noch einmal den Versuch gemacht, bezüglich der An- stellung unbesoldeter Gemeindebeamten einen größeren Einfluß zu erlangen; dieser Versuch ist aber zurückgewiesen worden. Aus den Verhandlungen geht also deutlich hervor, daß der Ausschuß eine ganz klar begrenzte Aufgabe hat. Bis zum vorigen Jahre hat der Ausschuß ein Verfahren eingeschlagen, wonach die betreffenden Kommissionen das Recht hatten, Vorschläge oder— wie man es jetzt nennt— Wünsckie zum Ausdruck zu bringen. Für dieses Per- fahren bietet die Geschäftsordnung nicht die leiseste Unterlage, und die Einbürgerung dieser Praxis hat eben zu den jetzigen Diffe- renzen geführt. Der verstorbene Vorsteher Langerhans hat in dem AeiSschussc selbst erklärt, daß jene Praxis nicht aufrecht erhalten werden könne. Der Referent hat hier nicht mit der nötigen Treue referiert.(Der B-rsteher rügt diesen Ausdruck.) Ich werde das sofort beweisen. Der Referent hat kein Wort darüber gesagt, daß die ganze Verhandlung im Ausschusse dadurch entstanden ist. daß die Borgeschlagenen und von der Versammlung Gewählten nicht in ihr Amt eingeführt worden sind, oder daß die Kommission sich geweigert hat, diese auszunehmen, weil sie nicht auf ihrem politischen Standpunkt stehen! Der Ausschuß für Un- besoldete wie die recherchierenden Stadtverordneten haben lediglich Vorschläge zu machen; die Wahl selbst steht der Versammlung zu. Es bleibt bestehen, daß hier politische Motive eine Rolle spielen, und das ist äußerst bedenklich. Nun wurde im Ausschuß gesagt, der alte Friede sei erst gestört worden, seit die Sozialdemo- kratie in der Versammlung sei. Ja. wir befinden uns von Recht? wegen hier und werden uns unser Recht nicht nehmen lassen. Noch 1883 hat der Ausschuß einen Beschluß gefaßt, wonach seine Nachrecherchen sich auch darauf zu erstrecken haben, ob die Betreffenden nicht als sozialdemokratische Hetzer bekannt seien.(Hört! hört!) Das ist äußerlich ja seit 1884 inilder geworden, aber im Wesen ist es dasselbe geblieben; noch heute haben wir 300 sozialistenreine Armenkommis- sionen! Wollen Sic sich den Beschluß des Ausschusses zueigen machen, dann müssen Sie die Geschäftsordnung ändern; mit einem so gelegentlichen Antrage kann man das nicht nebenher machen. Wenn einzelne Kommissionen es wa!)en, die Beschlüsse der Vcr- sammlung einfach auszuschalten, so muß die Versammlung solche Ilcbcrgriffe energisch zurückzuweisen, nicht ober diesen Uebergriffen sich fügen. Wenn die Vorschläge des recherchierenden Stadtverordneten abgelehnt werden und die von der Kommission Vorgeschlagenen auch nicht geeignet sind, wie soll dann verfahren werden? In manchen Fällen kennen die recherchierenden Herren ihren Bezirk gar nicht; ich weiß auch Fälle, wo die Betreffenden durch Zahlung einer Summe an den Bezirk sich von ihm die Borschläge machen lassen. (Große Unruhe.) Regen Sie sich nicht auf; das steht fest. Es handelt sich hier nicht bloß um Sozialdemokraten, sondern auch darum, daß in einer Reihe von Kommissionen Inden und Frauen nicht aufgenommen werden. Solchen Kommissionen noch weitere Rechte zubilligen kann doch nur der wollen, der eine mißliebige gegnerische Partei ausschalten will. Lehnen Sie den Ausschuß- antrag ab!(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Stadtv. Gericke(Fr. Fr.): Wir werden f ü r dew Ausschuß- antrag stimmen. So heiß, wie sie uns Herr Borgmann dargestellt hat, ist die Sache nicht. Im Lause der Zeit hat sich Berlin so ausgedehnt, daß es notwendig ist, daß wieder mal eine Erneuerung stattfindet; der Ausschuß kann diese Sachen nicht mehr übersehen. Wollen Sie den Kommissionsvorsitzendcn nicht gestatten, sagen zu dürfen:„Wir wünsche» hetzt an Stelle des verzogenen Schultze Herrn Müller?" DaS müssen Sie ihnen wie bisher gestatten, um unserer Selbstverwaltung willen. Selbstverständlich behält jeder Bezirksstadtverordnete das Vorschlagsrecht unter allen Umständen. Wir wollen zur Gesundung der Sache erfahren, ob nicht auch die Kommission Vorschläge zu machen habe.(Lebhafte Unterbrechungen bei den Sozialdemokraten. Stadtv. B a s n e r ruft dem Stadt- verordneten Solmitz zu:„Sie können nach Palästina auswandern!" Großer andauernder Lärm. Rufe bei der Mehrheit:„Verkappte Antisemiten!" Tie Unruhe dauert geraume Zeit, so daß der Redner nicht fortfahren kann, und legt sich nur langsam.) Die Aufnahme einer Statistik würde ergeben, daß schon eine große Anzahl von Ihren Genossen mit- arbeitet, und sie arbeiten gut, sie arbeiten ebenso tüchtig wie die anderen. Der von'der Versammlung Gewählte muß und wird auch eingeführt werden, und ist auch bisher eingeführt worden. Stadtv. Solinih(Fr. Fr.): Während der letzten Rede hat sich in auffallender Weise der Kollege Basner hier vorgedrängt, und als ich ihn auf das Unpassende seines Verhaltens aufmerksam machte, rief er mir zu:„Wandern Sie doch nach Palästina aus!" Ich überlasse das weitere dem Herrn Vorsteher. Borsteher: Sie werden dem Wunsche doch nicht Folge leisten! (Stürmische Heiterkeit.) Stadtv. Rofenow(N. L.): Wenn die ungeheuerliche Be° hauptung wahr sein lollte, daß die recherchierenden Stadt- verordneten sich um ihre Bezirke nicht kümmern, so ist es doch um so wünschenswerter, daß wenigstens die Kommissionen sich darum kümmern. Ich beantrage eine ander weiteFassung, welchedcn Kommissionen den Irrtum benehmen soll, als ob ihre Vorschläge auch durchaus respektiert werden müßten. Stadtv. Singer(Soz.): Ich möchte meinen, daß die Frage nur von dem Gesichtspunkte aus behandelt werden sollte, o b d i c Versammlung ihre Rechte auf andere Körper- schafte�n delegieren soll. Das ist der Kernpunkt dieser ganzen Streitfrage.(Widerspruch.) Kollege Rosenow beabsichtigt, ganz genau dasselbe zu präzisieren. Mit dem Ausschußvorschlage würden Sic einer außerhalb der Versammlung stehenden Körper- schaft das Recht zugestehen, solche Vorschläge zu machen; es würde sich um ,.W ü n s ch e" von Amtsstellen handeln, die eben nicht als bloße Wünsche gelten können. Mit all dem übrigen Brimborium will die Mehrheit nur den eigentlichen Vorsatz bemänteln, zu verhindern, daß die Sozial- demokratie in diese gemeindlichen Ehrenämter eintritt. Herr Gericke hat die Tätigkeit unserer Genossen anerkannt; ich bin dank- bar dafür, aber nicht überrascht davon, denn es ist ganz selbstverständlich, daß die Betreffenden tüchtig arbeiten. Die Verteilung der Bezirke selbst ist in ganz überwiegendem Maße den Stadtverordneten anderer Parteien, nicht den sozialdemokratischen, zugute gekommen; also auch diese Einteilung ist schon nach politischen Gesichtspunkten erfolgt. Das Gros der Kollegen, namentlich meiner P a r t c i k o l l e g e n, hat nur je einen Bezirk zugeteilt erhalten, während andere ei» halbes Dutzend und mehr Bezirke haben. Daß jetzt die erste Armenvorsteherin hat eingeführt werden können, verdanken Sie auch dem recherchierenden sozialdemokratischen Stadt- verordneten. Denn die Herren Kommissionsmitglieder wollten mit einer Frau nicht zusammenarbeiten, sie sind ausgeschieden und durch andere ersetzt worden, und mit einer gewissen Feier- lichkeit hat Stadtrat Münsterberg die Einführung der Vorsteherin vorgenommen.— Die Herren wider st reden dem Ein- dringen unserer Genossen in die Kommissionen, weil diese 5lommissionen neben den Bezirksvereinen Dependancen Ihrer Parteiorganisation sind.(Unruhe.) Leugnen Sie doch nicht, was ganz klar offen liegt, ich stelle ja nur eine Tatsache fest. Die Herren fürchten, daß ihre Vorherrschaft in der Stadt dadurch herabgedrückt werden kann. Das mußte hier ausgesprochen werden; darum habe ich den Vorsteher gebeten, diesen Teil der Angelegenheit in öffentlicher Sitzung zu verhandeln. In den Ge- schäftskreis dieser Armen- und Schulkommissionen und Waisenrats- kommissionen treten doch wesentlich Angehörige der minderbemittel- ten Volksklassen. Wir können Ihre Beschlüsse nicht hindern, aber wir können und müssen den e n t s ch i e d e n st e n P r o t e st dagegen erheben. Ter Magistrat wird einen solchen Beschlutz nach seiner Zusammensetzung nicht beanstanden. Der Beschluß wird aber un- gerecht sein, den bestehenden Vorschriften nicht entsprechen und in der Bevölkerung nur Unzufriedenheit, Groll und Mißmut erregen. Ob der eingesetzte Ausschuß überhaupt die vorliegenden Vorschläge zu machen berechtigt war, ist streitig; gegenüber der Eile, mit der diese so wichtige Frage vor das Plenum gebracht wird, muß auch darauf hingewiesen werden. Wenigstens müßte ein Ausschutz die Frage gründlich prüfen. Sofortige Beschlußfassung kann Ihnen nur den Vorwurf eintragen, daß Sie parteipolitisch ver- fahren und terroristisch die Macht, die Sie in Händen haben, aus- nutzen. Vorsteher Michclet: Für das grobe Versehen, das Herr Basner begangen hat, rufe ich ihn jetzt, nachdem ich von dem Vor- gang unterrichtet worden bin, zur Ordnung! (Stadtv. Basner bittet ums Wort zur Geschäftsordnung.) Stadtv. Ewald(Soz.): Daß ich hinter einem Fraktion?- genossen reden mutz, liegt an einer Aenderung der Rednerliste, an der ich unschuldig bin. Von den über 400 Armenkommissionen sitzt in ungefähr SSO kein Sozialdemokrat.(Widerspruch.) Ich kann das besser beurteilen als Sie. Mehr als 3 Kommissionen sind keinem von uns zur Recherche überwiesen; Ihre Kollegen haben bis zu neun Kommissionen. Wir haben, wo es sich um Neubesetzungen handelte, selbstverständlich von dem Recht Erdrauch gemacht, unsere Partei- genossen hineinzubringen; das können Sie uns nicht verdenken, schon weil wir die stärkste Partei in Berlin sind und wohl ein Recht darauf haben, in den Kommissionen vertreten zu sein. Bis ungefähr vor 2 Jahren erhielten wir bei der betreffenden Piece ein Schreiben mit den Wünschen der Kommission. Das hat zu Streitigkeiten geführt; der frühere Vorsteher Langerhans griff ein und veranlaßte, daß diese Unsitte des Beilegens des Schreibens an die Versammlung abgeschafft wurde. Jetzt auf einmal soll das, weil eine Kommission ihre Aemter niedergelegt hat, wieder anders werden! Wie die Wünsche aussehen, dafür einen eklatanten Bc° weis. Ich hatte für eine Schulkommission einen freisinnigen Partei- mann vorgeschlagen, die Kommission, die ihre Leute wohl nicht kannte, zog den vor, der zufällig ein Parteigenosse von mir war. Als ich nachweisen wollte, daß die von mir vorgeschlagene Person besser qualifiziert sei, wurde dagegen protestiert, im Plenum bin ich überstimmt worden und der von der Kommission Vorgeschlagene ist gewählt worden.(Hört, hört!) Diese„Wünsche" gehen alle darauf hinaus, zu verhindern, daß von unseren Leuten jemand hineinkommt. Wenn Sie Frieden haben wollen, lehnen Sic den Antrag ab und erniedrigen Sie nicht die recherchierenden Stadtver- ordneten zu Statisten und Briefträgern. Stadtv. Cassel(2l. L.): Ich bestreite den sozialdemokratischen Vorrednern das Recht, der Mehrheit Parteipolitik zu unterstellen. (Rufe bei den Sozialdemokraten: V o r st a n d s w ach l!) Ich gehe als Gegenkandidat des Herrn Singer auf diesen Zwischenruf nicht ein. In den Ausschüssen und Deputationen sitzen zahlreiche Sozialdemokraten. Mit dem Ausschußantrag wird die Geschäfts- ordnung gar nicht berührt; das Vorschlagsrecht der Stadtverord- neten und des Ausschusses bleibt unverändert. Um den Preis des Verzichts auf unsere eigene Meinung können wir keinen Frieden schließen.(Unterbrechungen und Zurufe bei den Sozial- demokraten.y Diese Unterbrechungen haben gar keinen Zweck; ich werde von dieser Stelle nicht auswandern, bis ich meinen Gc- dankengang zu Ende geführt habe.(Heiterkeit.) Wir werden auch für den Antrag Rosenow stimmen. Den Vorwurf des Kollegen BorgMPin gegen den Referenten muß ich für absolut unberechtigt erklären; die betreffende Angabe gehk't in die geheivv Sitzung. Damit schließt die Diskussion. Der Antrag auf Zurückver» Weisung an den Ausschuß wird abgelehnt, der Ausschußvorschlag mit dem Amendement Rosenow angenommen. Für die Einrichtung der Kochkllche des Ratskellers sollen außer den schon früher bewilligten 43S00 M. noch©eitere 26 000 M. bewilligt werden. Die Vorlage wird in. die geheime Sitzung verwiesen. Die Borlage wegen Aufbesserung der Besoldungen des Exekutiv- Personals der Feuerwehr beantragt Stadtv. Barth(A. L.) an einen Slusschuß zu verweisen. Stadtv. Leid(Soz.) bringt die Verwendung von Feuerwehr- leuten zu privaten Zwecken zur Sprache. Feuerwehrleute sind in den letzten Jahren oft verwendet Ivordcn, Ilmzüge von Privat- Personen zu vollziehen. Eine solche Unsitte sollte beseitigt werden. ES sind Arbeiter genug vorhanden, nicht nur ungelernte, sondern auch gelernte Transportarbeiter, die sehr gern diese Umzüge vollziehen würden, die Privaten brauchen sich bloß an den Arbeitsnachweis zu wenden. Feuerwehrleute sollten zu(ulchen Leistungen nicht herangezogen werde»., sie sind dazu nicht da. Einspruch gegen diese Gepflogenheit muß schov im In- tereffe der Feuersicherheit Berlins erhoben werden. Entweoer haben wir zuviel Feuerwehrleute, oder die Leute werden ihrem eigentlichen Dienst entzogen. Tie dienstfreie Zeit sollen die Feuerwehrmänner zur Ruhe gebrauchen, um ihrem schweren Dienst um so mehr gerecht werden zu können. Mit diesem Unfug sollte endlich einmal aufgeräumt werden; der Magistrat sollte sich mit den« Polizeipräsidenten darüber verständigen. Stadtrat Mngdan gibt eine anscheinend entgcgeiftommcnde Erklärung ab, deren Einzelheiten aber nicht verständlich lvcrden. Die Vorlage geht an einen Ausschuß. Es folgen Berichte des PctitionsausschusseS. Die Petition der Berliner Drogisteninnung um Zu» lassung zur Lieferung für die Armendirektion beantragt der AuS« schuß dem Magistrat zur Berücksichtigung zu überweisen. «tadtv. Thieme(A. L.) hält Uebcrweisuug zur Erwägung für hinreichend. Stadtrat Münsterbcrg macht einige Bedenken geltend. Stadtv. Dr. Wehl(Soz.) tritt für die Berücksichtigung der Drogengeschäfte ein. In den 0 Jahren, seit die Krankenkassen sie berücksichtigen, ist keine einzige Klage laut geworden. Die Herren Apotheker wie Drogisten beziehen die Waren aus denselben Quelle»». Herr Thieme will es mit den Apothekern nickst verderben. Er hätte aber auch seine Behauptung beweisen müssen, daß die Drogen- geschäfte nicht amtlicher Revision unterliegen»vie die Apotheken. Jedes Drogengeschäft wird mindestens einmal jährlich durch den betreffenden Kreisarzt und den amtlichen Apotheker unvermutet revidiert. Die Abrechnung mit den Drogisten ist ebenso bequem wie mit den Apothekern, man braucht nicht mit jedem der 600 Drogisten einzeln abzurechnen; sie haben ein Bureau. Wir müssen einer Abschwächung des Ausschußantrages durchaus Wider». sprechen.. Stadtv. Cassel pflichtet Wehls Ausführungen vollständig bei.> Der Ausschußantrag wird angenommen. Zur Berücksichtigung überwiesen wird fcn»er die Petition dcL Schuldiencrs F e n tz kc an der Viktoriaschule um Nach- zahlung des Differenzbetrages zwischen dem Grundgehalt der Schuldicner an den Gcmeindeschulcn und dem der Schuldiener an den höheren Lehranstalten, nachdem sich in der Debatte auch Stadt- verordneter Singer des Petitums warm angenommen und gegen das Verfahren des Magistrats als etatswidrig protestiert hat. Der Schlosser Michael Koslakowitz, Voigtstr. 41, petitioniert bei der Versammlung um E r st a t t u n g des Wertes(16 M.) des seinem Sohne in der 243. Gemeindeschulc gestohlene« Ucberzichcrs. Der Petitionsausschutz empfiehlt, ohne einen Rechtsanspruch anzuerkennen, im vorliegenden Falle aus Billigkeits- gründen das Petitum dem Magistrat zur Berücksichtigung zu über- »veiscn. Die Versammlung beschließt demgemäß ohne Debatte. Die 85. Gemeindeschulc in der Wrangelstrnhe soll nach einer Vorlage zur Kenntnisnahme»vcgen Rückganges der Zahl der schul- Pflichtigen Kinder in jener Gegend eingezogen und allmählich ab- gebaut»verde». Stadtv. Borgmann: Die Vorlage befleißigt sich außerordent- licher Kürze,»vährend eine so wichtige Sache,»vie die Auflösung einer Volksschule, doch eine ausführliche Begründung erfordert. Die Zahl der schulpflichtigen Kinder in der Gegend ist nicht zurückgegangen, sondern gestiegen. In der Gegend stehen zahlreiche Wohnungen leer, was natürlich auch einen Rückgang der Bevölkerung mit sich bringt. Die Zahl der schulpflichtigen Kinder ist aber keineswegs im Verhältnis zu der Steigerung der Zahl der leerstehenden Wohnungen, die 1006 646 betrug, zurückgegangen. In den benachbarten Schulen stehen allerdings zirka 11 Klassen leer; die Frequenz unserer Schulen ist aber, wie»vir stets behauptet haben, namentlich in den Aufnahmeklassen zu hoch, und das ist auch in allen diesen Schulen der Fall. Auch eine Frequenz von 55 ist für die Aufnahmeklassen noch viel zu hoch. Stadtschulrat Gerstenberg hielt das Maximum bei 40 schon für erreicht. Hier sollte doch die Schulverwaltung das Experiment einer»virklichen gründlichen Durchführung des achtklassigen Schulsystems inachen, anstatt eine Gemcindeschule einfach zu beseitigen. Wir bean- tragen Ausschußberatung. Stadtv. Iben(A. L.) bestreitet, daß BorgmannS tatsächliche Angaben zutreffen. Die leeren Klassen seien schon seit Jahren vorhanden. Die Schüler könnten in viel bessere Räume gebracht werden. Stadtschulrat Dr. Fischer: Wenn sich herausstellen sollte, daß bei besserer Konjunktur wieder mehr Leute dort hinziehen, würden wir immer noch beantragen können, die Schule beizubehalte,», denn sie soll ja nur allmählich abgebaut werden. Die Herabsetzung der Klasscnfrequenz auf 40 würde gerade die Durchführung der Acht- klassen-Schule verhindern. Stadtv. Borgma»»» widerspricht dieser Auffassung. Wenn man 120 Kinder statt in 2 Aufnahmeklassen a 60 in 3 ä 40 unterbringe»» würde, so würden die Kinder von drei Lehrern viel gründlicher und besser und erfolgreicher unterrichtet werden können.(Lebhafte Zustiminung bei den Sozialdemokraten.) In Leipzig besteht das Achtklassen-Schulsystcin seit Jahrzehnten, und dort erreichen 75 Proz. der Kinder daS Ziel.(Zuruf.) Herr Schulze ruft mir zu:„Wer soll denn das nachher bezahlen?" Ja, das liegt's, an- geblich fehlen die Mittel. Wenn sich die Sache selbst durchgesetzt hat,»oerden sich auch die Mittel finden. Stadtv. Cassel: In Leipzig wird Schuljpeld erhoben, und dort gibt's auch gehobene Volksschulen, die ich für geradezu gefähr- lich halte. Stadtschulrat Fischer: 120 Schüler lassen sich in 3 Klassen sicher besser unterrichten als in 2. Unsere Schulgebäude haben aber durchschnittlich 18 Klassen, und wo sollen wir da den Raum für die dritte Aufnahmeklasse herbekommen? Stadtv. Iben hält zede Aussicht auf Zunahine der Frequenz in jener Gegend für ausgeschlossen und erklärt es für e»nen. Gewinn, wenn man die Schule frei bekäme, um eine FortbildungS- schule dort unterzubringen. St«dtv. Borgmann: Wir wünschen durchaus ebenso die Fort» bildungsschulen in eigenen guten Räumen untergebracht wie der Vorredner. Der Antrag auf Ausschußberatung wird abgelehnt, die Vorlage zur Kenntnis genommen. Nach Erledigung einer Reihe weiterer Vorlagen schließt die Sitzung um �10 Uhr._ Soziales» Hebet de» Vocholter Aerztekrieg wird uns auS Bocholt ge- schrieben: Wie in den hiesigen Zeitungen festgestellt wird, hat der Generalsekretär deS Leipziger Aerzteverbandes, Herr Dr. K»>hnS (nicht Kunz, wie zuerst gemeldet), anfänglich ensschieden in?lb- rede gestellt, das sensationelle Gespräch mit einem hiesigen Arzt ?eführt zu haben. Erst später, als die Wirtin hinzugerufcn wurde, at er wenigstens zugegeben, überhaupt zu der kritischen Zeit tele- phoniert zu habe». In einer Dö Zeilen langen Erklärung be- schäftigt sich dann Herr Dr. Drietzen, mit dem das Gespräch statt- gefunden hatte, mit der Angelegenheit. Er meldet sich eingangs als derjenige hiesige Arzt, mit dein das Gespräch wahrscheinlich stattgefunden habe, bestreitet dann, daß es in der angegebenen Form erfolgt sei, will sich des genauen Wortlauts nicht erinnern und Andeutungen von„Hinterhalt" und„scheinbarem Eingehen" nicht wahrgenommen haben. Er schreibt dann:„Ter Verwurf, der den, Generalsekretär gemacht wurde, als er ursprünglich die Tat- fache der telephonischen Gesprächsführung ableugnete, sich aber später derselben erinnerte,— dieser Vorwurf kann auch dem Unterzeichneten gemacht werden, da es ihm geraoeso ergangen ist." Der Herr Doktor schützt also— Aergchlichkeit vor, was bei einer so wichtigen Angelegenheit allerdings sehr fatal ist. Er mutz sich bann auch von den betreffenden Ohrenzeugen des Gesprächs eine gründliche öffentliche Widerlegung gefallen lassen. Die Zeugen halten ihre Behauptung wörtlich aufrecht und erklären sich bereit, dieselbe eidlich zu erhärten. Der Krankenkassenvorstand macht Herrn Dr. Drietzen ebenfalls öffentlich auf einige Widersprüche in seiner Erklärung aufmerksam. Aus dieser Entgegnung verdient besonders folgende Stelle Beachtung:„Der Krankenkassenverbands vorstand ersucht die früheren Kassenärzte, den Kampf doch in etwas lohalerer Weise zu führen, u. a. die neuen Kassenärzte nicht in gesetzwidriger Weise zum Vertragsbruch zu verleiten, sowie die Acrzte, welche von uns angestellt worden sind, und deren Familien angehörige nicht zu belcistigen."— Letzteres ist in so merkwürdiger Weise geschehen, datz der Bürgerschaft schlietzlich die Sache zu bunt wurde. Ilm die Wiederholung solcher Vorkommnisse zu verhüten, fungierten schlichlich mehrere Bürger vor bezw. in der Wohnung des am meisten belästigten neuen ArzteS als freiwillige— Posteu. DaS half. Nu» konnte der betreffende Arzt ungestört seines Amtes walten. Wenn aber die Arbeiterschaft bei Streiks auch so verfahren dürfte, wie die früheren Bocholter Kassenärzte, dann Säbe es höchstwahrscheinlich keine verlorenen Streiks mehr. übrigens handelt es sich in dem Bocholter Aerztekrieg seit dem l. Januar keineswegs um einen Streik, und auch vorher konnte von einem Streik nicht die Rede sein, weil die Herren ja bis zum Ende de» Jahres 190g ihres Amtes walteten. Sie sind, wie ge- richtsseitig festgestellt wurde, rechtsgültig am 1. Juli 1909 zum I. Januar 1910 gekündigt worden. Am genannten Tage war ihr Vertrag abgelaufen; sie hatten also mit den Krankenkassen nichts mehr zu tun._ Ei» Kampf»m die Unsallrente. Der Gärtner Z. erlitt in seinem Arbeitsverhältnis bei der der Stadt Frankfurt a. M. gehörenden Taubstummen-Erziehungs- anstatt in Frankfurt a. M. einen Betriebsunfall. Beim Ausputzen von Bohnenstangen glitt ihm daS Schnitzmesser aus und fuhr ihm ins Knie. Diese Verletzung führte zu ei»ier Blutvergiftung. Es wurde zweimal operativ eingegriffen. Der Patient blieb nahezu ein halbes Jahr in KrankcnhauSbehandlung. Als dauernden Schaden behielt der Gärtner ein steifes Bein. Die Hessen-Nassauische landwirtschaftliche Berufsaenossenschaft lehnte den Antrag auf Ge- Währung einer Unfallrente mit oem Hinweis ab: der in Frage kommende Gartenbetrieb unterstehe nicht der Unfallversicherung. Dieser Auffassung schloß sich auch das Schiedsgericht für Arbeiter- Versicherung in Wiesbaden an. Das NeichSversichmingsamt erklärte aber den Rechtsanspruch seinem Grunde nach für berechtigt und verurteilte die Bcrufsgcnossenschaft zur Zahlung einer Rente, die ihrer Höhe nach noch festzusetzen war. Die Berufsgenossenschaft schätzte den Grad der bis dahin be- ktandenen Erwerbsunfähigkeit auf 33� Proz. ab und berechnete die Rente nach dem durchschnittlichen Jahresarbeitsverdienst land- und forstwirtschaftlicher Arbeiter. Nach dem Gesetze sollen aber Gärtner und Gärtnereigehilfrn zu den„Facharbeitern" zählen, für die die Rente nach dem Jndividuallohn zu berechnen ist; dieser betrug im vorliegenden Falle rund das Doppelte des Durchschnitts- lohnes. Die Berufsgenossenschaft stützt sich auf ihr Statut, das den im Gesehe enthaltenen Facharbeiterbegriff(„Gärtner und Gärtnereigehilfen") auf„Kunstgärtner" eingeengt hat. und sie be- hauptet. die Tätigkeit des Z. jdi eine knnstgärtnerischc nicht ge- Wesen. Der unfallinvalide Gärtner hat, nachdem seit Eintritt feines Unfalles bis zum schlietzlichen Entscheide des Reichsversiche- rungsamts 2% Jahre vergangen, nunmehr in einem neuen Klage. verfahren erst noch um die Anerkennung seines Facharbeitercharak- terS zu kämpfen, zugleich natürlich auch um Anerkennung der gröberen Erwerbsunfähigkeit. Der Streit um Anerkennung des Charakters als Facharbeiter ist von grundsätzlicher Bedeutung. Unseres ErachtenS ist eine Berufsgenossenschaft nicht berechtigt. durch ihr Statut den Facharbeiterbegriff so einzuengen, datz da- durch, wie das Reichsversicherungsamt in seinem Musterstatut selbst sagt, die Absicht des Gesetzes illusorisch gemacht wird. Krankenkasse und GewerkschaftShauS. Die Verderblichkeit des Bestrebens, in Zukunft durch die Ge- sitzgebung das Verwaltungsstreitverfahren in einer Reihe von Krankcnkassenangelcgenheiten nicht mehr zuzulassen, wird auch durch folgenden Rechtsfall beleuchtet. In Wald bei Solingen besteht unter dem Namen„Kranken- und Sterbcauflage bei Kaspar Jäger" eine Krankenkasse mit einem Statut, das älter ist als das Krankenversicherungsgesetz und alö das Hilfskassengesetz und das genehmigt wurde gemäß einer Kabinettsorder vom 29. September 1533. Der Minister für Handel und Gewerbe hat dann später auf Grund des§ 7öo des Kranken- Versicherungsgesetzes bescheinigt, daß die Kasse vorbehaltlich der Höhe des Krankengeldes den Anforderungen des§ 75 genüge. Als Aufsichtsbehörde ist seinerzeit für die Kasse„die Ortsbchörde unter Oberliufstcht des RegieningsprSsidenten in Düsseldorf" bestimmt worden, was im Statut Ausdruck findet. Die Kasse, die immer ihre Generalversammlungen usw. im Lokal von Kaspar Jäger abgehalten hatte(daher der Name), siedelte nun vor einiger Zeit nach dem Gewcrlschaftshaus in Wald über. Einigen Mitgliedern, die schon immer gegen die Leitung mit Denunziationen vorgingen, patzte das nicht. Sie machten sich wieder an den Bürgermeister als Aufsichtsbehörde heran und behaupteten, es sei ihnen nicht möglich, in das Gewerkschaftshaus zu gehen. Durch die Abhaltung der Versammlungen im Gewerkschaftshaus seien sie behindert, an den Versammlungen teilzunehmen. Ter Bürgermeister ließ sich dadurch irritieren und erließ, nachdem er sich mit dem Regiei rungSpräsidcnten ins Einvernehmen gesetzt hatte, eine Verfügung an den Borstand, wodurch er den Wechsel des Lokals untersagte. Man kehrte sich aber nicht daran, sondern hielt die Generalver- sammlung im Gewerkschaftshause ab. ES folgten weitere Ber. sügungen, datz ein einwandfreies Lokal zu nehmen sei, und es wurden Zwangsstrafen auf Grund des ß 132 des Landesverwal- tungsgesetzes angedroht. Bemerkt wurde, datz jedes andere Lokal, rur nicht das Gewerkschaftshaus genommen werden könne, weil dies ein Verkehrslokal der Sozialdemokraten sei und einen beson- deren politischen Anstrich habe. Er. der Bürgermeister, habe si-ü nicht zu überzeugen vermocht, datz durch die Abhaltung der Haupt- Versammlungen im Gewerkschaftshaus die Interessen aller Kassen- Mitglieder gewcchrt sein mögen. Der Bürgermeister erklärte im Anschluß an seine letzte Verfügung zugleich die in einer Haupt- Versammlung im GewerkschaftShauS gefaßten Beschlüsse für un- gültigl Der Borsitzende E. Weck focht die Verfügung im BerwnltungS- streitverfahren durch Klage beim Bezirksausschuß an und betonte, daß das Gewerkschaftshans durchaus einwandfrei sei. Ter Bezirksausschuß und das preußische ObemrwaltungS- geeicht als letzte Instanz wies die Klage ab, weil die BerwaltungS geeichte für die Klage dieser Kasse gegen die als Aufsichtsverfügung ergangene Verfügung unzuständig seien, da die Kasse keine der unter das Krankenversickerungsgesctz fallenden Kassen wäre, son der» eine auf Grund höherer Bestimmung(Kabinettsorder von 1833) gegründete Kasse. Das Verwaltungsstreitverfahrcn sei nicht gegeben.— Hier bleibt es also mangels des Berwaltungsstreit- Verfahrens bei der die meisten Mitglieder geradezu ins Gesicht schlagenden Aufsichtsverfllgung, während derselbe Senat als zu- standiger Berwallungsrichter im Oktober 1999 die Wahl des Ge- werkschaftshauses in Frankfurt a. O. zu Ortskrankenkassrnver- sammlungrn für durchaus zulässig erklärt hatte. Die Wahl der Arbeitervertreter zu der unteren BerwaltungS« behörde hat in der Stadt Braunschweig mit einem vollen Siege der frei- organisierten Arbeiter geendet. Die von den Unternehmern auf- gestellte Kandidaienliste für die Arbeiter unterlag. In Wolfenbüttel nahmen unsere Genossen den Gegnern zwei Mandate ab. Die Kreisdirektionen haben im Stillen für die gegnerischen Kandidatenlisten gearbeitet. So kam eS, datz im Kreise Gandersheim sogar— ein Schutzmann als Arbeitervertreter ge- wählt wurde._ Begriff des Haus- und Ziergartens im Sinne ber Unfall, Versicherung. Nach Z 1?1bsatz 7 des Unfallversicherungsgesetzes für Land- und Forstwirtschaft ist„die ausschließliche Bewirtschaftung von Haus- und Ziergärten" nicht unfallvcrsicherungspflichtig. Diese Bestimmung wurde früher vielfach so aufgefaßt, als fielen dar- unter auch sämtliche herrschaftlichen Privatgärtnereibetriebc, die nur der Eigenbedarfsproduktion des Besitzers dienen. Später jedoch sind die größeren dieser Betriebe in die Versicherungspflicht einbezogen worden. Für kleinere Betriebe dieser Art blieb die Frage strittig. In einem Urteil vom 18. September 1909 spricht sich nun das Reichsversicherungsamt hierzu wie folgt aus:„Der Begriff des Hausgartens setzt im allgemeinen voraus, datz die Erzeugnisse des Gartens lediglich für den Bedarf des eigenen Haushalts d«S Unternehmers verwendet werden, daß der Um- fang der gärtnerischen Anlagen nicht zu bedeutend ist und datz nicht zu erhebliche fremde Arbeitskräfte für die Bewirtschaftung erforderlich sind, diese vielmehr im wesentliche» allein von dem Besitzer und dessen Angehörigen oder den regelmäßig als HauS- gesind« beschäftigten Personen, und zwar von den letzteren neben- her, besorgt wird." Aus dieser Auslegung folgt, daß besonderes Gärtnereipersonal in allen Gartenbetrieben der Unfallversiche- rungspflicht untersteht. Im strittigen Falle war bis dahin dcr Betrieb zur Beitragsleistung noch nicht veranlagt worden; die Be- rufögcnossenschaft wurde dennoch zur Rentenzahlung verurteilt. Eue der frauenbeivegung. Zum Streik der Blusenarbeiteriuue« in New Jork. Unser englisches Parteiorgan in New Jork,„The Call", hak sich besonders in der Unterstützung der Streikenden hervorgetan. In einer Extraausgabe, deren Erlös aus dem Stratzenverkaus dem Streikfonds zufloß, brachte„The Call" zur Information des Publikums eine genaue Darstellung des Streiks und seiner Ursachen. Ein Teil des Textes war in italienischer Sprache, ein Teil in Hebräisch gedruckt und der Agitation unter den Streiken- den gewidmet, von denen viele Italienerinnen und noch mehr jüdischer Abstammung— aus Rußland eingewandert— sind. Mit der polizeilichen Willkür gegen die streikenden Mädchen'hat sich auch die bürgerliche Presse beschäftigen mühen, weil große Protest- Versammlungen die allgemeine Aufmerksamkeit erregten. Das Vorgehen der Polizei fand auch in der Oeffentlichkeit scharfe Miß- billigung und die Verhaftungen wie auch die Verurteilungen hörten plötzlich auf.— Diejenigen Mädchen, welche von den Richtern nach dem Arbeitshaus geschickt wurden, haben von ihrer Gewerkschaft besondere Ehrenzeichen erhalten, in Ancrken- nung geleisteter wertvoller Dienste für die Sache dcr Arbeiterschaft. Eine große Zahl von Unternehmern hat bereits Frieden mit der Gewerkschaft geschlossen.„The Call" veröffentlicht eine Liste von etwa 309 Firmen, iiij die Forderungen der streikenden Mädchen bewilligt haben._ Bund für Mutterschutz. Der Bund für Mutterschutz hat sich die Aufgabe gestellt, ledigen Müttern nicht nur augcnblickliche Hilfe angedeihen zu lassen, sondern vor allem auch ihnen in jeder Beziehung durch Nachweis von Beschäftigung im Haushalt, Bureau, Fabrik, Filialen, Anfertigung von Schreibmaschmenarbeiten, Er- teilen von Unterricht in Sprachen, Malen, Musik, als Hausdame, Reisebegleiterin usw., bei der Gründung einer neuen Existenz zur Seite zu stehen. Er bemüht sich ferner, den Müttern die in Berlin so schwierige Wohnungsfrage zu erleichtern und bittet alle, die gc- neigt sind, eine Mutter mit Kind geßen Haushalt und geringes Entgelt aufzunehmen oder auch nur ein Kind als Pflegling, ihre Adressen und Bedingungen dem Bureau des Bundes mitzuteilen. Sprechstunden täglich von 9—1 Uhr, außerdem Dienstags und Freitags, abends von 7—9 Uhr. Briefe sind an Frau Franziska Schultz, Wilmersdorf, Trautenaustratze 20, zu richten. Gleichzeitig spricht dcr Bund für Mutterschub die Bitte um Unterstützung an Geld, Wäsche, Kleidung aus. Bei dem großen Andränge der Hilfesuchenden ist jede Gabe sehr willkommen, Eingegangene vruckfckriften. Von der»Neuen Zeit«(Stullgart, Paul Singer) ist soeben das IS. Hest deS 28. SahrgangS erfchlenen. ES hat lolgcnden Inhalt: Paranoia prolsssoris maxistra.— Der preutzische Parteitag. Von Hans Block.— Das Ministerium Briand. Zur Naturgeschichte de» „sozialistischen Ministeriums". Von Eh. Nappoport-Pari».— Die soziallstisihe Arbeiterbewegung in Bulgarien. Bon D. Blagoew.— Literarische Rund- schau: Paul Pflüger. Einsührung in die soziale Frag«. Von M. N. Verhandlungen des ersten deutschen Iugendgerichtstaas. Von Kr. M. Grulew, Da» Ringen Rußlands und Englands in Mitlelasten. Von Karl Rädel.—• Notizen: Ehmcjische Löhne. Von@. Eckstein.— geitschristenschau. Von Oda Olberg. Die.Neu« Zelt' erscheint wöchentlich einmal und ist durch alle Buch. Handlungen, Postanstalten und Kolporteure zum Preise von 8.35 M. pro Ouartal zu beziehen; jedoch kann dieselbe bei der Post mir pro Quartal abonniert werden. DaS einzelne Hest kostet 35 Pf. Probenummem stehen jederzeit zur Bersügung. «SlNerungSüberNckn vom 13. Januar IMK. morgen« b Ubr. t? Mi 1 0 g — 1 3 CUttontn s! !■ L» s« "v Haparanda 739 N Petersburg 743 3 Scillh 773919» tlberdeen PariS 762 W I 2 bedeck» 1 Schnee 4 wolkig 1 heiler Lwollenl 1 "f ts* II —7 0 7 -1 -1 Wetterprognose für Freitag, den 11. Januar It»1v. Ziemlich trübe und nebelig mit geringen Niederschlägen, mäßigen nord- westlichen Winden und wenig veränderter Temperatur. Berliner Wetterbureau. Dio ßeordigunff meines liebon, unvergeßlioiieö iltmnes und guten Onkels, des Zeitungsspedit�ura Hermann Raschke findet am Sonntag, den 16. Januar, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalla des Friedhofes der Freireligiösen Gemeinde, Pappolallee 15/17 aus statt. Um stille Teilnahme bittet die tieftranerndo Witwe Aujnsle Raschke nebst Nichte. Verbami der Sattler und Portefeulller. Zahlstelle Berlin. Den Kollegen hiermit zur Nach- richt, daß mistr Mitglied, der Porteseuiller Johann Breitenfeld (Werlstatl O. Malern) am lg. d. M- verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den IS. Januar, nach« mittags 4 Ubr, von der Leiche». halle deS SmmauS- Kirchhole». Hermannstratze, aus statt. Zahlreiche Betciliguiiz eripartet 156/2 via Orisverwaltung. Sozialdemokralisclier Waterein Köpenick. Den Genossen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Gastwirt Vllhelm Pultlitz verstorben ist. Ehre seinem Andenkens Di- Beerdigung findet am ireiiag. nachmittags 3 Uhr, vom Trau-rhauje. Wilheiwstr. S, aus statt. zoz/S Der vorstand. Unier Genosse und treuer Mit- arbeit«, der ZeitungSspedtteur Hermann Raschke ist am Dienstag plötzlich ver- schieden. Wir werden dem Pstichteisrigen, gewissenhasten Manne dauernde Erinnerung dewahre». Ehre setnem Andenke» k Zeitirngs-Speiion Jrwärts" A. Hlutze& Co. Msl-wW der Maarer Deolsclilantis. Zweisvcretn Berlin. üim tl. Januar verstarb uns« treue« Mitglied Hermann Raschle (Bezirk Oranienburger Vorstadt). «hre seinem Andenken k Die Beerdigung findet am Sonntag, den IS. Januar, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- Halle de» Freireligiösen Fried- Hose«, Psppel-Allee lö/l?. aus statt. Um zahlreiche Beteiligung er« sucht »ie veebaudSlcitung. des Tode«-An»otce. Am 11. Januar verstarb uns« Beztrttsühr«, her Zeiiungs- spediteur Hermann Haschile (Bernau« Str. 9) im Mer von SS Jahren. Der Berstorbene war seit seiner frühesten Jugend»nunierbrochen für die Partei tätig. In den schwerst«» Zeiten deS Ausnahme- gelctzes, als BertraueuSmann und BezlrkSsllhrer hat er mit seiner ganzen Persönlichkeit die Interessen der Sozialdemokratie oertreten; er mar im» ein Vorbild treues!« Pflichtersüllung. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 16. Januar, nach- mittags 3 Uhr, von der Leiche». hatte de» Freireligiösen FriedhoseS. Pappelalle«, auS statt. Um rege Beteiligung ersucht 234/6 Ber Vorstand. waren jeder Art vom einfachsten btS feinsten Genre direkt 7« Fabrik. Einrslusrkaufi. Engrosprslsen. Kemmandantei» StraBa IS, I. Kein Laden. Teleph. l. 3917. ! Verkauf nur Im Fabrlkccbdade! I M Sie sparen Geld sä."■ � En8:rospreisen? in der Möbelfabrik � Willi MaaB,"ä 35 1 IWIMMMJ Tel. AiIlji5157w I * Ml WdlTßr HE; VI im ITIddUl ko'" i-aden. ■" Tel.: A. III, 5157® H kaufen. Verkauf nur im Fabrikgebttnde— nur ■ eigenes Fabrikat.---» Aul Wunach Teilzahlung. 35 an Permanente Musterzimmer-Aussfellong. ggg 35 Sophien-Säle 1.......—■■ Inhaber; i empfiehlt seine von SO— 2000 Personen, Vortrags- u. Kunstabcnden usw. vorzügl. Sophienstraße 17/18 OuerstraBe dar Rosenthaler Sirafle— am Hackeechen Mark!* Inhaber: Paul Baata===== senden Säle zu Perlammlungen istik. Kulant. Entgegenkommen Danksagnttg. Da es unmöglich ist, jede», einzeln zu danken, so sprechen wir aus diesem Wege allen Perwandten, Freunden und Bekannten, insbesondere den Arbeiten, der Retallglctzerel d« Ziemen» n. Schuckert-Werle. Nonnen- dämm und dem Lotterieverein Nord- West, für die reg« Beteiligung und reiche Kranzspende bei der Beerdigung „nseres liebe» Sohne» und Bruders Paul Leiteritz unseren tiefgefühltesten Dank auS. Die Hiilterbtiebene«. mm»o. ta, Telephon! Billigste und heslsorlierte Einkaufsquelle in: Zigaretten, Zigarren«nd Tabaken. Qrdfite Niederlage von: G. A. HanewackerT Hordhansen, =3 nur echt in 10 Pfg.sRollen. 5 Pfg.aStangen— und Tvlst mit Kopf. Jede Rolle nur echt mit Firmenzettel? jrauen Groß- am Freitag, den 14. Januar, abends 8 Uhr, in Kellers 7estsälen(3nh. Treyer), Koppenstr. 29. TageS-Ordnung: Die Kran im Klajfeukampf. Referentin: Genossin Schlesinger-Eclcstein aus Wien. Freie Diskussion. ■2m* Genossinnen! Erscheint in Massen! __ Der Ginberufer: Eugen Ernst. Wöhtertstr. 9. Verllsnck äer Atalsr, Lssklerer, Anstreicher Mtlchiorstraße 28, Part. Male Berlin. U5V. Fernsprecher Amt lV Nr. 4787. Die Abstimmung über den Schiedsspruch der Unparteiischen betreffend Lohn und Arbeits zeit findet für Groß-Lichterfeldr und Steglitz heute Freitag, abends 8 Uhr, im„Birkeu- Wäldchen", Schützenstrafie, in Steglitz statt. Für die Vororte Köpenick, AdlerStzof und Frledrichshagen findet die Abstimmung heute Freitag, abends 8 Uhr, im Lokak„WilhelmSgarten" von Scheer in Köpenick statt. mT Die Kollegen werden dringend ersucht, an den Versammlungen sich re zu beteiligen. _ Die Ortsverwaltung. Besenleger und Hilfsarbeiter! Sonntag, den 16. Januar, mittags 12 Uhr, Kommandantenstr. 72, Oeffentliche Versammlung. Tagesordnung! Kefchltchfassung aber das Ergebnis der Nerhandlnngen. Kollegen und tvenossen! Zu dieser»Iberans wichtigen Frage ist es Pflicht jedes Einzelnen, pünktlich zu erscheluen und auf den Baustellen hierfür kräftig zu agitieren! Alle NorSluidsmitglikdkr und FunktisiiSre nm 10 Uhr im Arbeitsiiluljweis! ltlv I. A.: S. lVeliikolm. „Lüdtkes Bereinhaus HMö«- ußi! SlLkbellSW sllei' gevekhlicließ Mi? für Sciiöoeiiers und Berlin. (Eiagelchrlebcne Hllftlaffe Rr. 115.) Sonntag, den 23. Januar 1910. vormittag« 9", Nhr, in Grofierts neuen Rathaussäte», Meiningerstr. 8(Tunnel): Levefsi'Vei'SSMMjung. Tagesordnung: .1. Bericht deS Vorstandes. 2. IZHr> sicher Kassenbericht. I. Neuwahl des gesamten Vorstandes.».Verschiedene Kassenangelcgenheilen. 281/2* Mitgliedsbuch legitimiert. lim zahlreiches und pünktliches Er- scheinen der Mitglieder ersucht Der Borstand. I.A.: S. tasniek«. 44 eigene Dampfer Iii dieser Woche empfehlen wir als besonders sehSn u. preiswert! ff. großer fetter Gabliau p. Pfd. 30 Pf. ff. Iieller Dorsch, r|2-4pfdg.„„ 30?!. i ft. He-goi. Schellfisch,1|2-3j4 M„„ 30?!. Schollen ltooben u. lZaclien„„ 43?f, sMlIÄZll.WM" Größte Hochseefischerei Deutschlands Hanptgescäit: Leriin C., Bahnhof Börse. Terkantssteile»: Cbarlottcnbni's; Wibnsrs- dorfer Straße III. fipandaar bei Herrn Albert Aßmus, Breite Str. 54. Schöiiebpcs: bei Herrn Paul Haber, Äkaaienstr 31. Stexlttx: bei Herrn Karl Bollhagon, Schloßatr. 121. C.: Bahnhof Börse, Bog. 3-10. : Invalidenstraße Ißt. WO.: Landiberger Str. 52-53. O.; Gr, Frankfurter Str. 85. o.i Madai Straße, Bogen 8-9 (Fruobtetraße gegenüber� 8.; Prinzenstraße 94. W.: Potsdamer Str. tl2a. Kehlendort: bei Herrn Karl Schön. Eigene Elsenbahnkühlwagen Ohne jede Anzahlung verkaufe ich Pianos L Sonntag, den lö Dres anuar, in euer Strafte „Vor»»" ewgetragme Genossenschast Urft beschränkter Hastpsiicht. Am Freitag, den 21. Januar. abends 9V, lIHr,»im gfosenthaler BereiuShau»". Rosenthalerstr. 57: Lenersl-Verskinmiung. Tagesordnung: 1. Geschästsbcricht. 2. Beschluß sassung über Auflösung der Genossen schast und Wahl der Liquidatoren. Die Bilanz liegt sür die Mitglieder bei dem Genossen Lanauer, St pische Straße 8, vorn III, zur Sin» sicht auZ. 21" Der Borstand. Paul T iere. OUoWcrmke, .InliiiM I.augner. 116: Große nienstboten-veriammllilig. Sovlrag:»AuSichaltnng der Forderung von Sondergertchteu«. Saalöflnung S Uhr. Polizei t» Streitfällen und Rrserent: Arbeitersckretär äiieli Kitter. Ra» dem i Uhr. Ansang 7 Uhr. Vortrage.. GtMÜflilfjtS KtlsllMlllkvstlN. SKT Die Arbcllerschast tplrb ersucht, alle ihr bekannten DlenflSoten aus oicse Versammlung ausmerksam zu machen. 281/11 Die Elnbcrulerlii. Abm Joppich, Liedenste-Ustr 1. Steinarbeiter. Sonntag, den 16. Januar, vormittags 10 Uhr: Zwei tiiitgiieder'OersanimlungeD Hektlon I Sektion II in den„Musikersälen" im Verbandslokal Kaiser- Wilhelm-Straße l8m. Seydrlstr. 30. Tages-Ordnnng: 1. Bericht der Sektionslciliing. 3. Neuwadl derselben. 8, Branchttt- aiigelegeichciten. 4. Verschiedenes. aät~ Mit Rüetsicht auf die Wahlrechtsversammlnngen-M« werden beide Vcrlamnilunge» präzise l0 Uhr erössnet. ES ist deshalb Pflicht jedes Kollegen, rechtzeitig zu erscheinen. 171, t« _______ Ple OrtsverwaUnwy. ir nn Heute Freitag, abds. 8'/, Uhr, im Gewerkschaftshause, Engclufcr 14/1.0, " Saal 4(Ardritslosensaalt» Sitzung der Ortsverwaltung. Am Montag, den 17. Januar 1910, abends 8V« Uhr, findet im .Englischen Garten«. Alexanderstratze»7c. die Wahl des Gesellenausschnsses und der Beisitzer zum Jnnnngsschiedsgericht statt.— Um rege Agitation zur Beteiligung«sucht 77/11 Ol« Ortsverwaltiuff. erstklassiges Fabrikat (9mal prämiiert Staads- medaille) in allen Holz- und Stilarten von wunderbarer Tonfülle. ,i(Flflgelton) gegen kleine monatliche Tellzahl■■ n�, di ohne Jeden PreiMaufNchlag. 95/15* � Für jedes Instrument gewähre ich ßOjäbr. achriltl. Garantia. [ Conrad KraiJSO Ncflfg,, Eck?KurVu"ste�s"r ��e�Chfr�lWlO.■ WWWWWWWM Auch Sonntag» getfiTnet. SmnHUH Inventur• Ausverkauf~ heut and folgende Tage xn herabgee taten Preisen. Herren- AnzugHtorfo, Kammgarn-Qual., statt 6. SO jetzt 4,50 M. Hcrren-PMletotstotte, feines Fabrikat�„ 12.50. 8.50. Dnmentoche, große Auswahl„ 3.50. 1,75, Damen-KoMtaiiiNtulte, gestreift u. karr.„ 3.0«„ 1 32 Knaben- Anzagotoffe, sehr haltbar,„ 3,50, 1,50. liock&i Gesellschaft m. b. II, Spezial-Haos moderner Herrea- and vamen Stolle Berlin C., Ross-Str. 2. Sonntags gcUtfnet.• Ajfg.Krlttllieil-n.Zttrbrhlisse der Metallarbeiter. »amhnrg.(S. H. 29.) Plllale Tegel. Sonntag, den 1«. Januar 191». vormittags!)>/, Uhr. im Lokale des Herrn F. KakieS, Berliner Str. 92: 222b Mifglieder-ItrslimmiRng. Tagesordnung: I. Dortlag des So Segen S. Warnst über:.NnjallversicherungSwesen 2. Kaffenbericht. 3. Verschiedenes. Tischler«Verein (E. H. 89.) Sonnabend, den 15. Januar er., abends 8'/, Uhr, Mrlchtorstrasie 12: Leiere!-lersemmlully. TageS-Ordnung: 1. Bericht vom 4. Quartal t909. 2. Jahresbericht. 3. Wahl des LluS- schufles. 4. Snlschädlgung sür den Vorstand. 5. Festsetzung deS Sterbe eldes sür tvll). if Bejchlusttassung lber die Dampferpartie. 7. Billett» ausgäbe zu dem am 2S. Februar in »Sanssouci- stattfindenden Masten- ball. 8. Verschiedenes. lW/t_ Der Borstand. f Versuchen Sie 1 „Ozonit" c modernstes Waschmittel 3 Dr. Simmel Spezial-Arzt• für Haut- und Harnleiden. Pflnienslr. 41, ää, 1°— 2, 6—7. Sonntags 10—12, 3—4. ■fr Hygionlscho»erXT Drogerle Zarcinba, Weinbergs, ucg I. dir. a.Rosenthal-r Tor. � Billigste Bezugsquelle! Verluch s. zirr dauernden Knndlchast. Kliiiiitn- ulld Ktattiluiihtrn von Roberl Meyer,' ur MnnallUtU'Sfraße 2. Vösbslill ilös HiilöNsliöltgs liistl vemglillieli LSlckgilillWeil ö«lii81!illgllll8. — Mitgliedschaft Berlin.»—»—»»»»» Sonntag, den 1«- Januar, vormitiagS Iv'i, Uhr, im„Königstadt- Kasino«. Holzmarktstrafte 7S8 i imtglieder'Ver Sammlung. TageS-Ordnung! 1. Aufnahme neuer Mitglieder. 2. Abrechnung vom 4. Ouarial 1909- 3. VerbandSaiigelegenheiten. Ausstellung eines Kandidaten zum U. B«> bandStag. Antrage dazu. 4. Verschiedene«. Die Kollegen werden ersucht, recht zahlreich und pünktlich zu erscheinen. IS/z Der Vorstand. Brauerei Germania Aktien• Gesellschaft BERLIN O. 112, Frankfurter Allee 53/55. m** Ringfrei In sämtlichen Ausschanklokalen. nach wie vor .. Bayerisch- LMi Caramels Bier 10 pi. Zsbn Ausnahme-Tag 95-Pleiiiiis Einmaliges, selten wiederkehrendes Angebot Nur vom 10.-13. Januar. mit Fils- u. Ledersohle OK -— na Pf für Kinder 1 I Paar Dameii-nizseliiilie, qe m. Filst- u. Ledcrsohle Pf. 1 Paar für Kinder 1 I Paar für Herren/' 95 K Pf Pf 1 Paar für Kinder 1 Paar für Drnnen 1 Paar la Plüsehpantonel mit starker Ledersoble, warm refütt, f. Damen«v"■ 1 Paar relntarliiye Neltonpantoüel, mit Filt- n. Ledersohle, Qc gepolstert, für Damen vd Pf- 4 Paar JltprtrtWÄS» gvl 1 Paar f. Kinder) 8 Paar f Dameft} zus. flö Pf. t Paar f. Herren I Pin Paar la Filz- od. Pißseb-Oliren SCtlütie, mit Fils- und starker Ledersohle, Leder-«E spitze, bis Größe 30«0" 2 Paar la Cordpanioflel, mit füz- u. Linoloumaohio, warm ß-sfütt., 1 Paar für Kinder) QC 1 Paar für Damen/ z"0' f- Paar felnlarljjge Filz-Iiederireter m. Filz- u. Ledersoble, QC 0. für Kinder bis Große 35 00 � Paar HlZJianiOilBl, mit weißer Filzsohle und Absata- Ar flook, für Herren.. vö Paar fiizpanioilel mit qc p, Filz- u. Leders., f. Dam.®' Paarniz?antofteltmoieurnT,d l Paar für Kinder t_ AC 1 Paar für Damen/ ÜÖ Pf- PaarIelD!arli.Kliiilef-Sclinilrs(l8!el mit Filz- n Ledersohle 05 Pf Standard- Schuh und Stiefel. Verkaiiftmtellen: 1. SchBnha-.iscr Alles 82, unmittelbar am Ringb. Sohöuh. AUeo. BurgsiraBc 29, unmittelbar am Bahnhof Börse. 180/19» Warschauer Str. 33, unmittelbar am Bahnhof Warsohauer Str 4. Tempelhof, Berliner StraSe 40. Sonntag, den 16. Januar, 12 Uhr mittags. Tages-Ordnung: Diskussion. Berlin. 1. Kreis: S. Kreis: 3. Kreis: 4. Kreis: Feenpalast, Wolfgangstr. i. Kliems Festsäle, Hasenheide 13/15. Bock-BrauereL, Tempelhofer Berg. Nistles Festsäle, Dennewitzstr. 13. Gewerkschastshaus, Engelufer 15. Armin-Hallen, Kommandantenstr. 58/59. Elystum, Landsberger Allee 40/41. Lipps Brauerei, Am Friedrichshain. Boekers Gesellschaftshaus, Weberstr. 17. Kelters Festsäle(Freyer), Koppenstr. 29. Litfins Festsäle, Memeler Straße 67. Andreas-Festsäle(Bergmann), Andreasstr. 21. 4. Kreis: Drachenpurg, Vor dem Schlesischen Tor. Sanssouei, Kottbuser Straße 6. 5» Kreis: Musiker-Säle, Kaiser-Wilhelm-Str. 18 m. Altes Sthützenhaus, Linienstr. 5. rs Jotiüärlo" Kerlim Polkslilalt. Freitag, 14. Jannar 1910. Genossen! Agitiert für guten Kersammlungsbesnch! Heute Freitag, den 14. Januar, 8 Uhr abends, findet in Kellers Festsäleu(Jnh. Frcycr). Koppenstr. 29, eine öffentliche j�rauenversammlung statt, in welcher die Genossin Therese Schlesinger- Eckstein aus Wien über das Thema:„Die Frau im Klassen- kämpf" referiert. Wir erwarten, daß keine Genossin der Versammlung fernbleibt. Zu den bevorstehenden Gemeindewahlen, die in vielen Gemeinden des Kreises Teltow und Nieder- Barnim im März dieses Jahres stattfinden, sind unverzüglich die nötigen Vorbereitungen zu treffen. Es ist zunächst Pflicht eines jeden Wahlberechtigte», sich davon zu überzeugen, ob er auch in der Wählerliste steht. Wer nicht in die Liste eingetragen ist, darf nicht wählen. ES erhellt hieraus, daß die Einsichtnahme in die Wähler- liste eine sehr dringende Pflicht eines jeden Wahlberechtigten ist- Ist jemand verhindert, sich selbst davon zu überzeugen, ob er in der Liste steht, so wende er sich vertrauensvoll an einen im Orte auf Plakaten oder im„Vorwärts" bekannt ge- gebenen Parteigenossen und beauftrage diesen nach. Ans- bäudigung einer Legitimation mit der Einsichtnahme in die Liste. Wahlberechtigt ist jeder selbständige Gemeindeangehörige, welcher 1. Angehöriger des Deutschen Reiches ist, 2. die bürgerlichen Ehrenrechte besitzt. 3. seit einem Jahre in dem Gemeindebezirk seinen Wohnsitz hat, 4. keine Armenuntcrstütznng aus öffentlichen Mitteln empfängt. 5. die auf ihn entfallenden Gemeindeabgaben bezahlt hat und außerdem a) entweder ein Wohnhaus in dem Ge- meindebezirk besitzt oder b) von seinem gesamten innerhalb des Gemeindebezirks belegenen Hausbesitz einen Jahresbeitrag von mindestens 3 M. an Grund- und Gebäudesteuer entrichtet, oder c) zur StaatSeinkommcnsteuer veranlagt ist oder zu den Ge- nieindeabgaben nach einem Jahreseinkommen von mehr als 660 M. herangezogen wird. Als selbständig wird nach vollendetem 24. LebenS- jähre jeder betrachtet, welcher einen eigenen Hausstand hat. Chanibregarinsten sind wahlberechtigt, Schlafburschen ist das Wahlrecht abgesprochen worden. Besonders sei darauf hingewiesen, daß man zur Ausübung deS Genieindewahlrechts— im Gegensatz zu den Städten— nicht Preuße zu sein braucht: es ist erforderlich, daß man die deutsche Reichsangehörigkeit besitzt. Die Liste» liege» ans vom 13. bis 39. Januar, und zwar in: AdlcrShof. Im Gemeindeamt, ViZmarckstr. 1. Zimmer S. von von 8 Uhr vormittags bis 8 Uhr nachmittags. Aufträge zur Einsicht- nähme werden im Laden der Konsunigenoffenschaft, BiSmarckstr. 11. entgegengenommen. Britz. Im Rathause, Zimmer 6. an Wochentagen von 8 Uhr vormittag» vi» 1 Uhr mittag», sowie an den Sonntagen von 19 bis 12 Uhr vormittags. Buckow. Im Gemeindebureau. Dorsstr. 8. Eichwalde. Im Gemeindebureau, Grünauer Str. 48, an den Wochentagen während der Dienststunden von 8—1 Uhr. Friedrichshagen. Im Rathaus, Zimmer 13. Folgende Genoffen find bereit, die Listeneinsicht zu übeniehmen: Franke. Konsum- genosseuschaft. Kehrmann, Scharnweberstr. 110, S i n g u h r, Scestr. 38 und Tiniu». Wilhelmstr. b3. Groß-Lichterfelde. Im Gcmeindebureau, Schillerstraße, während der Amisstunden. Die Einsicht in die Liste übernehmen: Für den Westen: Pin«. Zigarrengeschäft. Dürerstr. 42; Wahrendorf, Bäte- straße 22: Richter. Chausstestr. 104; LenSli, Chanffeestr. 55. Für den Osten: Ra», Kaiierhof, Kranoldplatz; Link. Osdorfer Straße; Scheeler. Barbiergeschäft. Jägerstraße. Grünau. Während der Dienststunden im Gemeindebureau. Zimnier 2. Johannisthal. Im Gemeindebureau, Zimmer 2, während der Dienslsinnden von 8 Uhr vormittags bis 3 Uhr nachmittags. Äauisdorf. Im Restaurant Bobey, am Bahnhof, und H. Schmidt, Adolfstr. 28. Lankwitz. Im Gemeindebureau, Hrniptstr. 18, Einwohnermeldeamt. während der Dienststunden von 8 Uhr morgens bis 3 Uhr nach- �"Ännendorf. Während der Dienststunden im Rathaus parterre, Zimnier Nr. 11. Marienfelde. Während der Dienststunden von S bis 8 Uhr im Steuer- und Mcldebureau der hiesigen Gemeindeverwaltung. Berliner Straße 51. Mahlsdorf- Süd. Im Restaurant Meier, Köpenicker Allee 25; in der Kolonie bei A. Giese, Grunowstr. 51. MahlSdorf-Ort bei R. Oertel, Bahnhofstt. 13. II, und O. Franz, Lemkeßraße...... Ntcdcr-Schöneweide. Im GcmeindegeschastSzimmer. Grünauer Straße 1 I. während der Dienststunden. Nieder-SchSnhmisen J,n Einmohnermeldeamt. Blankenburger Straße 10, Hof park., an den Wochentagen von 8 Uhr vormittags bis 3 nachmittags, an den Sonntagen von 11—1 Uhr. Pankow. Im Rathaus, Breitestr. 25—26, Zimmer 25. von 8bi» 3 Ubr. Am Sonntag, den 16.. 23. und 30. Januar, sowie am Donnerstag, den 27. Januar, liegen die Listen von g bis 1 Uhr aus. RiihlSdorf. Im Gemeindebureau. Schmargendorf. Im Raihause, Zimmer 8(Polizeiwache), Wochen- tägliw von 8 bis 3 Uhr und Sonntags sowie am 27. d. MS. von 10 bis 12 Uhr. Stegliu. Im Rathause. Die Einsichtnahme übernehmen: Schell- Hase, Ahornstr. 15 a; Kurzhdei», Herderstr. 80; Rohmann, Sckloß- slraßc 117; Clement. Düppelstr. 7; Rüther. Marksteiustr. 1; Moser, Potsdamer Straße 1. Schmöckwitz. Im Gemeindebureau von V bis 8 Uhr. Tcmprlhof. Im Gemeindebureau. Dorfftr. 42, Zimmer 8. während der Dienststunden von 8 Uhr vormittags bis 3 Uhr nach- mittags. Treptow-Bauuffchulenweg. Im Amtshause. Neue Knig-Allee 5, S[immer 15, wochenlagS von S bis 3 Uhr, Sonntags von 9 bis 0 Uhr. Die Einsicht übernehmen die Genossen Max Miekley, Bounu'chuleiuveg, Maricntbaler Str. 22 II; Otto Ehm, Treptow, Beermannstr. 0a, 2. Hof HL Waimfce. Im Gemeindebureau, Zimmer 5. Zrhlendorf. Im Gemeindeamte, Hauptsir. 83, Zimmer 8, während der Dienststunden. Am Sonntag, den 13., am Sonntag, den 23., und am Sonntag, den 30. Januar, wird die Wählerliste vormittag» von 10—11 Uhr und am Freitag, den 21., und Freitag, den 28. Januar, nachmittags von 5—8 Uhr. ebenfalls zur Einsicht offen gehalten. Zeuthen. Im Gemeindeamte, Knrfürstenstr. 1. in den Dienst- 'stunden von vormittags 3 bis nachmittags 3 Uhr. Partei- Angelegenheiten. Nchtung! Die von den Vororten Berlins bestellten Plakate sind von heute, Freitag, nachmittags 4 Uhr a n, in der Druckerei des„Vorwärts", Lindenstr. 69, 2. Hof 2 Tr., abzuholen. An Orten, in welchen der„Vorwärts" nicht Publikations- organ ist oder wo rechtzeitiger Säulenanschlag nicht erfolgt, sind die Versammlungen anzumelden. Das Verbandsburcau. Zweiter Wahlkreis, Friebrichstadt. Zahlmorgen für Buch- druckerei-Nachtarbeiter am Sonntag, den 16. Januar er., bei Jul. Meyer, Oranienstr. 103. Tagesordnung: 1. Geschäftliches. 2.„Der Kampf der Arbeiter um politische und wirtschaftliche Freiheit I" Referent Genosse Emil Günther. Der Vorstand. Charlottenburg. Sonntag früh soll von den bekannten Stellen aus ein Flugblatt verbreitet werden, das sich mit den am 20. d. M. stattfindenden Gewerbegerichtswahlen beschäftigt.— Sonntag mittag finden zwei öffentliche politische Versammlungen im „Volkshause" statt.— Am Dienstag, den 18. d. M.: General- Versammlung. Auf der Tagesordnung steht unter anderem ein Referat des Reichstagsabgeorbneten Genossen Emil Eichhorn über „Deutsche Kolonialpolitik. Friedenau. Heute, Freitag abend: Handzettelverbreitung für die am Sonntag stattfindende Wahlrechtsversammlung von den be- kannten Bezirkslokalen aus. Grofi-Lichterfclde. Zur Agitation für die am Sonntag, mittags 2 Uhr, bei Richter, Chausseestr. 104, stattfindende Wahl- rechtsversammlung finden sich die Genossen heute, Freitag abend, in den Bezirkslokalen zu einer Handzettclverbreitung ein. Der Vorstand. Zehlendorf(Wannseebahn). Sonntag, den 16. Januar, früh (48 Uhr: Flugblattverbreitung von den Bezirkslokalen aus. Es ist Pflicht aller Parteigenossen, zu erscheinen, da wir mit diesem Flugblatt zugleich in die Wahlbewegung für die im März statt- sindenden Gemeindcwahlen treten. Der Vorstand. Trcptow-Baumschulcnweg. Sonntag, den 16. d. M., 8 Uhr früh, von allen Bezirkslokalen auS: Flugblattverbreitung zur Ge- meindewahL Der Vorstand. Johannisthal. Sonnabend, den 15. d. M., abends 7(4 Uhr: HandzcttelverteUung. Treffpunkt bei A. Gobin, Roonstr. 2. Der Vorstand. Ober-Schöneweibe. Heute abend 7 Uhr findet von den Be- zirkslokalen eine Handzettelverbreitung statt. Der Vorstand. Wannsee. Sonnabend, den 15. d. M., abends 8 Uhr, im „Fürstenhof": Generalversammlung des Wahlvereins. Ter Vorstand. Tcmpelhof. Heute, Freitag abend: Handzcttelverteilung zu der Sonntag, den 16. d. M., mittags 12 Uhr, im Schmidereitschen Lokale stattfindenden Volksversammlung. Nächsten Dienstag bei Apelt: Generalversammlung. Elchwalde, Zeuthen, MierSdorf. Die WahlrechtSdemonstrationS- Versammlung findet gemeinschaftlich mit den Königs-Wusterhausener Genossen bei Wedhorn mittags 12 Uhr statt. Alt-Glienicke. Am Sonnabend, den 15. Januar er., abends 8 Uhr. findet im Terrassengarten(Inhaber A. Troppens, Rudower Straße 54) die Generalversammlung des Wahlvereins statt. Tagesordnung: I. Bericht des Vorstandes und der Funktionäre. 2. Wahl des 1. Vorsitzenden. 3. Bericht vom Wintervergnügen. 4. Aufnahme neuer Mitglieder. 5. VereinLangelegenheiten und Verschiedenes. Der Vorstand. Lichtenrade. Am Sonnabend, den 15. Januar, 8�4 Uhr abends, findet im Lokal von Rudolf Deter, Bahnhofstraße, die ordentliche Generalversammlung des Wahlvereins statt. Tagesordnung: 1. Jahresbericht des Vorstandes. 2. Wahl des Vorstandes. 3. Auf- stellung des Kandidaten für die nächste Gemeindevertreterwahl. 4. Verschiedenes. Bezirk WaidmannSlust. Sonntag, den 16. Januar, mittags 12 Uhr, veranstaltet der Wahlverein in WaidmannSlust im „Schweizerhaus" eine Volksversammlung. Thema:„Der Wahl- rechtskampf in Preußen".— Die Generalversammlung des Be- zirks findet Sonntag, den 23. d. M.. in Hermsdorf im„ForsthauS" statt. Die Bezirksleitung. Niedcr-SchSnhauscn-Nordend. Am Sonntag, den 16. Januar. früh 8 Uhr, findet von folgenden Lokalen aus eine Handzettel- Verbreitung statt: 1. Bezirk: Reuß, Platanenstraße, Ecke Kaiserweg; 2. Bezirk: Gappa, Eichenstraße. Ecke Waldstraße; 3. Bezirk: Babst, Beuthstraße, Ecke Waldemarstraße; Nordend: Schiißler, Blankenfelde!: Straße. Die Bezirksleitung. Neinickendorf-Ost. Heute abend findet von 7 Uhr ab von den bekannten Stellen aus eine Flugblattverbreitung zu der am Sonntag, mittags 12 Uhr, im„Schiitzenhause" statt- findenden öffentlichen Versammlung statt. Die Bezirksleitung. Spandau. Am Sonntag, den 16. Januar, findet in den uns unterstellten Landbezirken eine Flugblattvsrbreitung statt. Die Genossen, welche im Besitz eines Fahrrades sind, werden ersucht, sich recht rege daran zu beteiligen. Treffpunkt morgens 6(4 Uhr beim Genossen Emil Schubert, Kurstr. 21. Der Vorstand. Berliner j�aebriebten. Besuch im Krankenhause. Die villenartig zerstreut liegenden einstöckigen Pavillons sehen so wunderhübsch ans, als ob ewig nur die lachende Sonne in die hellglänzenden Fenster hineinschauen soll. Im Sommer der weiche, grüne Rasenteppich rings um die vielen blühenden Blumenbeete, das Jubilieren der Vögel in Baum und Strauch, die idyllisch versteckten Ruhebänke und Lauben — es scheint ein Bild köstlichen Erdeufriedens. Die ganze Natur der freundlichen Oase mitten im Weltstadtgetriebe atmet pochendes Leben... und im Innern der rotleuchtenden Pavillons hält unerbittlich Freund Hein tagtäglich seine grause Ernte. Die mächtige Uhr am turmgezierten Haupt- gebäude schlägt die dritte Rachmittagöstunde. den sonst so stillen Gängen zwischen den Schmuckanlagcn wird es lebendig. Hunderte von Menschen mit ernsten, sorgenvollen Mienen wandern in langer Linie eilenden FußeL über den knirschenden KieS, verschwinden in den heute wcitgeöffneten Türen, über deren jeder eine schwarze Nummer prangt. An den Fenstern huschen ein paar hellgekleidete, blasse Gestalten hin und her. Der eine hat den Arm w der Binde, auS dem Kopfverbande des anderen sehen nur die Augen hervor, ein anderer stützt sich mühsam ans Stock und Krücke. Hier hat jeder einzelne sein Päckchen Unglück mit Geduld und Würde zu tragen. Heute ist Feiertag. Besuchstag für das Heer der Kranken, und sehnsüchtig schauen die ans Bett Gefesselten vom Schmerzens- lager nach dem Eingang, ob wohl ein Freund, ein Familien- Mitglied sich ihrer im Leid erinnere. lieber dem langgestreckten Saal liegt ein merklicher Hauch von Karbol und Jodoform. In schnurgerader Reihe, in fast pedantischer Ordnung stehen zu beiden Seiten die blüten- lvcißeil Lagerstätten. Hier sind alle gleich oder sollen doch alle gleich sein. Der Arzt darf und soll keinen Unterschied machen zwischen Arm und Reich. Seine Kunst gehört nur dem nackten Menschen, der den Tod in greifbarer Nähe sieht. Und als ob mich die Besucher die Nähe des Allerbarmers fühlen, erstirbt ihre beredte Sprache zum Flüstern. Für die kurze Spanne einer flüchtigen Stunde Iveilen die Eltern beim Kinde, die Kinder bei den Eltern, der Freund beim Freunde. Menschen, die sich jahrelang nicht gesehen, sich jahrelang befehdet haben, werden hier an der Schwelle des Todes sich wieder nähergebracht und denken daran, daß das große Mysterium allen Natursterbens auch sie jeden Tag er- eilen kann. Herzige Szenen, die dem Weichherzigen die Tränen in die Augen treiben, spielen sich ab. Da drüben die abgehärmte Frau im schlichten Kleide steht hoffnungslos, im innersten Schmerz wie erstarrt, aki der Bettstatt des schon halb hinübcrgeschliimmerten Gatten. Sie findet keine Träne, nur ihr Herz kranipst sich unsagbar zusammen. Und vielleicht nicht so wahrhaft echt ist der Schmerz der elegant gekleideten Mit- schwester, die sich aufschluchzend über den Kranken wirft. Leise, wie erstaunt und gelangweilt, wehrt der ab. SoUhe aufdringliche Liebe kannte er doch früher nicht?... Aus dem Bettrand sitzen zwei prächtige Kinder. Sie ahnen noch kaum, was hier vorgeht, schauen neugierig und lebensfroh auf das ihnen seltsame, allzu stille Treiben. Mit sanfter Hand streicht die Mutter dem Vater die Kissen zurecht, mischt ihm kühlenden Trank, drückt seine Hand innig an ihr wild schlagendes Herz. Wenn er, der Ernährer ihrer Kinder, ihr in der Blüte der Jahre verloren ginge! Nicht ausdenken mag sie es. Wie zum Schutz gegen die lauernde Gefahr hält sie dem treuen Lebensbegleiter beim Abschied beide Kinder entgegen, und aus den leuchtenden Augen seines Buben, seines Mädels schöpft der Kranke neue Kraft zum Kampfe mit dem Sensen- mann. Kühl und scheel, mit häßlichem Lächeln um den harten Mund, blickt von jenseits die schwarze, schlanke Dame, deren Equipage vor der Tür hält, auf das liebliche Bild. In ihrem Herzen findet daS Gefühlvolle keinen Widerklang. Kalte Be- rcchnung, krassester Egoismus führt sie zu fast jedem Besuchs- tage an das Krankenlager deS wohlhabenden OnkelS. Er hat immer eine Schwäche für sie gehabt... da muß man noch in letzter Stunde das warme Eisen schmieden. Seine Uhr ist ab- gelaufen, und ihr, der Schönen, Verwöhnten, der das Geld unter den Fingern zerrinnt, gehört das lachende Leben---- Aber dort hinten, ganz in derEcke, sehe ich im Düster desKrankensaals wieder ein helles Licht. Der im männerschönen Antlitz so seltsam durchgeistigte Kranke steht mutterseelen allein, und doch scharen sich um sein Lager bald ein Dutzend Freunde. Ein Pracht- mensch, um den es jammerschade wäre. Mit seinen, hoch- strebenden Geist, seiner edlen Wahrhaftigkeit, seiner selbstlosen Liebe zum Menschengeschlecht, geehrt und geachtet von dm Genossen des harten Kampfes um Recht und Freiheit... und ehrlich betrauert von treuen Mitkämpfern, wenn gar bald die grausame Proletarierkrankhcit den dünnen Lebens- faden zerreißt. Man kann hier lernen am Krankenbett, unendlich viel lernen aus dem großen Buche des Lebens. Zögernd schreite ich an das Lager des mir Unbekannten.„Vergebung... haben Sie denn niemals lieben Besuch? Ich sehe Sie stets so einsam I" Fast feindselig blitzt er mich an, wie zerfallen mit sich selbst und mit allen Menschen. Und dann ringt es sich stoßweise hervor aus der keuchenden Brust:„Was fragen Sie mich... wenn Sie es wissen? aber recht haben Sie, tausendmal recht. Nein, ich will keine Liebe mehr... ich hasse die Menschen. Ja früher, als ich noch im Glück saß. da fanden sie mich, die guten Freunde. Heute, nachdem man mich krank und sterbenselend in Lumpen hergeschleppt hat, ... bin ich vergessen I"_ Polizei und HokuSpokuS. Neber gewerbsmäßigen Schwindel läßt sich ein Berliner Kriminalkommissar im„Berliner Tageblatt" hören. Er kommt dabei auch auf die Kartenlegerinnen zu sprechen und dementiert die vor einem halben Jahre durch die gesamte Presse gegangene Mitteilung, daß die Kriminalpolizei mit aller Schärfe gegen den Wahrsageschwindel vorgehen wolle. Nach seiner Erklärung kann gegen das Unwesen der Kartenlegerinnen, Wahr- sagerinnen, Sympathieheilcrinnen usw. überhaupt nicht ein- geschritten werden, weil sich niemand findet, der vor Gericht aus- tagt, daß er den ihm vorgemachten Hokuspokus geglaubt habe. Alle Betroffenen wollen nur„zum Spaß" hingegangen sein. Auf der Brust getragene Pergamentstreifen mit sinnlosen Zeichen, an- gcbliche Falkenaugen im Portemonnaie, die die Treue des Ge- liebten verbürgen, und ähnliche Blödsinnigkeiten seien„harmlose Scherze". Aber gemeingefährlich werde der Unfug, wenn ein solches Schwindelweib einer krebskranken Frau zwei lebendige Krebse auf den Leib bindet mit dem Versprechen, die Krankheit werde verschwinden, sobald die Krebse abgestorben sind, oder wenn eine Frau nachts auf dem Kirchhof abgefaßt wird, wie sie ein mit Nägeln gespicktes Pferdeherz vergräbt, damit das Herz deö treu- losen ManneS von Gewissensbissen zerfleischt werde. Herr Kommissar Krüger— so heißt der kriminalisttsche Publizist— gibt damit ein für unsere Strafrechtspflege überaus beschämendes Zugeständnis ab., Gerade hier, wo der berüchtigte und so oft mißhandelte Paragraph vom groben Unfug am Platze wäre, wird er merkwürdigerweise nicht angewendet. In aller Ocffentlichkeit kann ein„gemeingefährlicher" Schwindel, mit dem alljährlich Hunderttausende von Mark erbeutet werden, weiter- blühen. Und die Polizei sieht gemütlich zu, weil sie der Ansicht ist, daß nicht der gewerbsmäßige Schwindel, sondern die Dumm- heit, die auf ihn hineingefällt, bestraft werden muß. So etwas ist auch nur in Preußen möglich, wo man die harmloseste Ueber- tretung unter Anklage stellt und mit oft borrenden Strafen ahndet, aber den regelrechten Betrug duldet. Ein Soldat in die Spree gesprungen. Gestern früh um 0 Uhr sprang der Soldat Walczak deS in Swinemünde stationierten 2. Fußarlillerie-RegimentS vom Schlüter- steg in die Spree und versank sofort in den Finten. Seine Leiche wurde noch nicht aufgesunden. AuS seiner aus der Brücke zurück- gelassenen Mütze wurde sei» Name ermittelt. Im Elisabeth-Krankenhaus e spielte sich dieser Tage ein LemerkenZ> werter Vorfall ab. Ein ansckieinend Fieberkranker stürzte sich aus dem Fenster des zweiten Stockwerks und fiel ans die Fliesen des Mittelweges. Passanten gingen in den zum Krankenhaus führenden Vorgarten und machten durcb Rufen das Personal auf den Unglück- lichen aufmerksam. Eine Schwester, die erschien, verbat sich in energischem Tone.diese Störunge durch den Rnfer mit den Worten: „Was ist das hier für ein Lärm?" Der sich nicht mehr Regende wurde nun schleunigst aufgehoben und die Zeugen des Vorganges schnell aus dem Vorgarten hmauskomplimentiert. Abgesehen von der nicht gerade schönen Behandlung der auf daS Unglück aufmerksam machenden Beobachter ist nicht recht vcr- ständlich, wie der Fieberkranke die Möglichkeit hatte, aus dem Fenster zu stürzen. Eine» nuheimlichen Fund machten vorgestern zwei Arbeiter auf dem Wolfschen Müllabladeplay am Spandauer Schiffahrts- jkanal. Als sie dort einen Aschenhanfen auseinanderkratzten. siiesten sie auf den Kopf eines kleinen Kindes. Sie stellten ihre Arbeiten sofort ein und benachrichtigten das 12. Polizeirevier in Charlottenburg. Dieses ließ den Platz alsbald absperren und dann sorgfältig weiter absuchen. Dabei fand man in der Asche weiter den größten Teil eines Kindesrumpfes mit dem rechten Arm, und den größten Teil des Unterleibes mit dem rechten Bein. Die Leichenteile waren in die Asche hineingesteckt und unbemerkt auf- und abgeladen worden. Schulter und Arm weisen einige Brandstellen auf, die aber wohl von der noch heißen Asche her- rühren mögen. Die anderen Teile des Körpers wurden nicht gefunden. Der Fund wurde nach dem Charlottenburger Schauhause gebracht und dort von dem zuständigen Kreisarzt unter- sucht. Nach besten Gutachten handelt es sich um ein neugeborenes Kind. Ob dieses gelebt hat und lebensfähig gewesen ist, läßt sich aus den vorhandenen Leichenteilen nicht feststellen. Ebensowenig, ob das Kind eines gewaltsamen Todes gestorben ist, oder ob es sich nur um die Beiseiteschgffung eines totgeborenen Kindes handelt. Die Ermittelungen der Kriminalpolizei ergaben, daß ein Kutscher aus der Eichendorffstraße erst vorgestern die Asche weggefahren und abgeladen hat. In dem Haufen fand man Fetzen von Zeitungspapier, Speisekarten und dergleichen niehr. Diese stammen aus einem großen Restaurant im Norden der Sfadt. Ob sie jedoch zur Einwickelung der Leichenteile gedient haben, steht noch nicht fest. Ein neues Liebesdrama hat sich in einem Hotel in der König- gpcitzer Straße zugetragen. Dort wurden gestern morgen ein Ingenieur Paul Berg aus Hannover und eine Studentin dex Medizin Fräulein Naufert, die sich als„Berg und Frau" ins Fremdenbuch eingetragen hatten, in besinnungslosem Zustande aufgefunden. Es scheint Morphiumvergiftung vorzuliegen. Fräulein N., die fast leblos war, wurde nach dem Krankenhause Am Urban gebracht, während dem B., der Morphinist ist, das Gift nicht allzuviel geschadet zu haben scheint. B. wurde in Haft genommen- Eine aufregende Szene spielte sich gestern mittag in Plötzensee ob. Die Leiche des Lokomotivführers Lucht, der im Irrsinn erst seine Frau zu erschießen versuchte und. als ihm das mißlungen, sich selbst erschoß, sollte gestern mittag vom Leichenschauhaus in Berlin Sur Beisetzlliig nach Spandau übergeführt werden. Fn Plöyensee (beuten aber die Pferde und gingen durch. Zuerst rasten sie gegen einen Baum, wobei das Verdeck des Wagens in Trümmer ging. Dann rannten sie mit dem Wagen weiter und stießen gegen einen des Weges kommenden Lastwagen. Der Anprall war so heftig, daß der Leichenwagen in Trümmpr ging und der Sarg vom Wagen gc- schlendert wurde, so daß er zerbrach und die Leiche noch ein Stück weiter geschleudert wurde. Eine Abteilung des LnilschifferbmaillonS. die gerade die Unfallstelle passierte, hielt die Pferde an, ehe sie weiteres llnbeil anrichten konnten. Die Leiche wurde in einen inzwischen besorgten anderen Sarg gebettet und ihrem Bestimmungs- ort zugcsührt. Warnung vor dem Beitritt zur„Fortuna". Die Königliche Polizeidirektion München warnt vor dem Beitritt zur ein- geschriebenen Hilfskasse„Fortuna", Kranken- und Sterbekasten- AerilcherungSanstalt zu München, Kapiizinerstraße 31(hiesige Vertreter Emil Billett, Kommandantenstraße 02, Robert Valeske. Ebertystrahe 23, und G. A. K a m p m a n n, Steglitz, Schloßstraße 28). Eine interessante Gesangsprobe fand am Sonntag in der Brauerei Friedrichshain statt. Es hatten sich gegen löOO Sänger zusammengefunden, die unter Leitung verschiedener Gesangs- dirigenten, die zum Zwecke der Wahl eines Bundesdirigenten aus der Liste der Bewerber um diese Stelle zur engeren Wahl ge- kommen waren, das Probelieo„Herbstseier" von Schulten sangen. Zur Direktion tvar den Herren Dirigenten je eine halbe Stunde Zeit vorgeschrieben. Jeder aufmerksame Sänger konnte seine Freude haben an dem Können, das die ausgewählten Herren einsetzten. In der Ausschußsitzung wurde nach längerer Debatte Herr Diesbach an Stelle des verstorbenen Dirigenten Blobel zum Bundesdirigentcn gewählt. Der Gewählte hat bisher die „Thpographia" und den„Arbeiter-Sängerbund" in Heidelberg dirigiert. Wer sind die Toten? Biit dem Revolver haben in der vor- vergangenen Nacht drei unbekannte Männer ihrem Leben ein Ende gemacht. Im Hulnboldthain ward der eine von einem Schutzmann tot aufgefunden. Er scheint ein Arbeiter zu sein, ist etwa 3b bis 40 Jahre alt und 1.70 Meter groß, hat dunkel- blondes volles Haar, einen rotblonden Schnurrbart und trug einen schtvarzgrau gestreiften Jackettanzug, ein blaues Oberhemd, einen braunen, modefarbenen Selbstbinder und einen schwarzen, weichen Filzhut.— Im Tiergarten erschoß sich ein Mann von etwa 35 Jahren in der Nähe des Schweizerhäuschen. Dieser trug einen grauen Jackettanzug, eine wollene Jacke, einen schwarzen, steifen Filzhut und Schnürstiefel. Bei ihn, fand man einen Abschieds- brics an eine Frau in der Friedbergstraße, die Anna Sommer oder ähnlich heißt. �Der dritte Unbekannte tötete sich durch einen Schuß in die rechte Schläfe vor dem Hause Neue Wilhelmstraße 2 in einer Droschke. Der Kutscher hörte den Schuß fallen, stieg vom Bock und fand seinen Fahrgast im Wagen in seinem Blute schwimmen. Er brachte ihn gleich nach der Charit-, der Mann verschied aber schon auf dem Wege dorthin. Der Verstorbene trug unter anderem einen dunkelgranen Winterüberzieher und einen oben eingedrückten Hut. Eine Postkarte, die der Mann bei sich hatte, ist an einen BezirkSschnlinspektor Franz Scheirl in Wien gerichtet. Eine» erhebliche» Verlust hat Mitttvochabend ein ö3 Jahre alter Arbeiter erlitten, indem er in der Großen Frankfurter Straße etwa vor den Häusern Nr 57 und 58 sein Porleinonnaie mit seinen ganzen 3S M. betragenden Ersparnissen verlor. Er bitt-t den eventuellen Finder, da er durch dieien Verlust in die größte Notlage geraten ist, um Abgabe an den Graveur August Jriucr, Große Frankfurter Straße 86._ Vorort- JNaebnebtem Eharkottenl'nrg. Märchrniilichmittag für die Charlottenburgrr Jugend. Am Sonn- tag. den 28. Januar, nachmittags 3 Uhr, findet im Volkshanse, Rosinenstr. 3, eine Märchenvorlesung mit Lichtbildern statt Für diese Beranstaltling ist die bekannte ReziiatoriN Frau Johanna Meyer ge- Wonnen worden, die auch den Mnrchcnnachinittag im Berliner Ge- werkschaflSvause im Dezember v. I. erfolgreich geleitet hatte. Neben der Vorlesung von Märchen soll»och gemeinsamer Gesang von Kinderliedern und allerlei Kurzweil den Kleinen den Nachmittag zu einen, recht vergnüglichen machen. Der Eintrittspreis beträgt für Kinder 10 Pf. für Erwachsene 20 Pf. Wir hoffen, daß die Cbar- lottenburger Genossen recht lebhaft für den Besuch dieser Ver- 'anftaktung Propaganda machen werden. BilletiS sind zu haben bei den Bezirks- und Gruppenführern des Wahlvereins sowie bei Emil Müller, Rosinenstr. 3, A. Weisheit, Nettelbeckstr. 1l, und W. Gaudtke. Schillcrftr. 33. Der Vorstand des Wahlvereins. Mariendorf-Tempelhof. Der Jugcndauöschiiß veranstaltet am Sonntag, den 16. Jamiar, im Restaurant Löwenhagen, Martendorf, Chausseestr. 27. eineil Unterhaltungsabend. Beginn 6 Uhr. Genosse W. Deinert, Marien darf, hält einen Vortrag über:„Heinrich Heine". Es schließen sich Rezitationen und GcsangSvorträge an. Danach geselliges Bei sauunensein. Köpenick. Bei der PersoneiistaildSanfnahme zur Stenerverankagung sind 30 025 Einivohner gezählt worden; 1003 betrug die Zahl der Ein- wohner 29 782. Nieder-Schönhausen. In der heute. Freitag, stattfindenden Gemeindevertretcr sitzung steht unter Punkt 3 der Tagesordnung der Antrag des sozialdemokratischen Wahlvereins auf Erhöhung der Zahl der Gemein deVertreter von 15 auf 18 zur Beratung. Die Parteigenossen werden ersucht, soweit es ihnen möglich ist, recht zahlreich in dieser Sitzung zu erscheine,!.. Dieselbe beginnt nachmittags 6 Uhr und findet im Hause Kaiser- Wilhelm-Straße 5, 1 Treppe, statt. Tegel. Der Streit um das Tegeler Seenfcrgelände hat jetzt durch die Verhandlung vor dem fünften Zivilsenat des Reichsgerichts sein Ende gefunden. Der höchstes Gerichtshof erkannte auf kostenpflichtige Zurückweisung der Revision der Kläger Ziekow und Müller gegen das vor einem Jahre vom Kammergericht seitens der Gemeinde im Restiintionsklageverfabren erwirkte Urteil. Damit bleibt nun end gültig daS Seenfergelände Eigentum der Gemeinde und es dürste nunmehr mit den, Ausbau' der Uferpromenade sofort begonnen werden. Sericdts- Leitung. Und nochmals: die Polizei vor Gericht. Die Polizei unserer Haupt- und Residenzstadt Berlin mußte gestern vor dem Amtsgericht Berlin-Mitte(141. Slbteilung) wieder ein paar der Strafmandate nachprüfen lassen, die sie aus Anlaß der Ferrer-Protcstversammlungen zahlreichen Personen auferlegt hat. Diesmal handelte es sich um die ProtestversammlunHen. die von der sozialdemokratischen Partei am 17. Oktober 1969 veraw lallet worden waren. An jenem Sonntag glaubte unsere übernervöse Polizei wieder einmal die öffentliche Ordnung bedroht, weil nach Schluß der in Kellers Festsälen(Koppenstraße) veranstalteten Versammlung die dichten Scharen der heimgehenden Teilnehmer ihr als ein„Zug" von„Stratzendcmonstranten" erschienen. In der Umgebung des Gewerkschaftshanses kam es zu den üblichen Manövern des in großer Stärke bereit stehenden Polizeiaufgebotes, zu den Versuchen einer„Ablenkung" durch vorrückende Schutzmannsketten, zu dem maßvollen Drängen" gegen die nicht rasch genug zurückflutende Menge und schließlich auch wieder zu Sistierungen von Passanten. Dieses Schicksal widerfuhr unter anderen einem Kutscher Lange in der Adalbertstraße nachmittags um VzS Uhr und einem Tischler Zittkowski am Engelufer nachmittags um 3 Uhr. Gegen beide wurde von Schutzleuten die Beschuldigung erhoben, daß sie an einer Strahendemonstration teilgenommen und die Polizeibcamten als„Bltithniidc" beschimpft hätten. Die beteiligten Beamten, an der Spitze der Polizeileutnant Altrogge, kamen überein, daß sie — der Vorsitzende des Gerichts hob das in der Verhandlung hervor — sich nicht für beleidigt erklären und demnach nicht Strafantrog tellcn wollten. Vom Polizeipräsidium wurde dann gegen beide wegen groben Unfugs, der durch die Teilnahme an einer Straßen- demonstration und durch die Rufe„Bluthunde!" verübt worden sei, Strafmandate festgesetzt, die aber nun jedem sogleich 14 Tage Haft zudiktierten. Beide forderten Entscheidung durch ein Gericht und kamen so zusammen auf die Anklagebank. Da die Polizei, wie gesagt, diesmal sich nicht für beleidigt halten wollte, so mußte die Verteidigung von vornherein abstehen von dem Versuch, durch Beweisanträge über frühere Taten der Polizei Berlins dem Gericht klarmachen zu wollen, auS welcher Vorstellung heraus eine Volksmenge sich wohl zu dem Ruf„Blut- Hunde!" veranlaßt fühlen mag. Die Verhandlung konnte sich nur auf die zur Anklage stehenden Vorgänge erstrecken, und vernommen wurden lediglich die nächstbeteiligten Polizeibeamten. Der An- geklagte Lange hatte zu seinem Schutz keine eigenen Zeugen bei- bringen können; das war ihm unmöglich gomacht worden durch die Eile, mit der der ihn sistierende Schutzmann wegführte. L. trat auch ohne Verteidiger vor das Gericht hin. Dem Angeklagten ZittkowSki stand als Verteidiger der Rechtsanwalt Dr. Kurt Rosenfeld zur Seite, der durch das Zeugnis Familienangehöriger Z.'s nachweisen wollte, daß Z. nicht an der angeblichen Demonstration teilgenommen habe, sondern von Hause gekommen sei. Beide An- geklagten versicherten, ganz zufällig in die Menge hineingeraten zu sein und nicht geschimpft zu haben.„Bluthunde!" sei von anderen gerufen worden, und die Polizei habe dann Falsche heraus- gegriffen. Der Vorsitzende meinte:„Einer Demonstration muß man bekanntlich auS dem Wege gehen, wenn man sich nicht strafbar machen will." f Gegen Lange bekundete Schutzmann Freyer, L. habe sich in einem Menschenknäuel befunden, habe mit anderen zusammen „Bluthunde!" geschimpft und seiner Festnahme sich dadurch wider- seht, daß er Freyer vom Rad zu stoßen suchte. Schutzmann Pelka konnte nur aussagen, daß er geholfen habe, den sich widersetzenden L. festzunehmen. Der Vorsitzende hatte Pelka ermahnt, er solle nicht fick, verleiten lasten, etwa im Hinblick auf die Zeitungsberichte über kürzlich verhandelte Prozesse ähnlicher Art hier mit der Wahrheit zurückzuhalten. Dieselbe Mahnung richtete er nachher auch an die übrigen als Zeugen geladenen Schutzleute, immer mit dem Hinweis auf jei/e Prozesse und die Zeitungsberichte. Gegen Zittkowski sagte der berittene Schutzmann Wendt aus. der habe an der?ldatbertbriicke„Ihr Bluthunde!" geschrieen und sei dann nach dem Gewcrkschaftshaus weggelaufen. Der Angeklagte �be- stätigte, er habe in der Tat nach dem Gcwerkschaftshaus gehen wollen, er fei aber auS seiner in der Gegend des Kottbuser ToreS gelegenen Wohnung gekommen. Der Zeuge Wendt. der zunächst ziemlich bestimmt die Meinung ausgesprochen hatte, daß Z. in dem von der Köpenicker Straße kommenden„Zug" gewesen sei. wurde unsicher, als der Verteidiger und mit ihm der Vorsitzende ihm vorhielt daß das die genau entgegengesetzte Richtung sei. Die Frage des Verteidigers, ob Wendt wisse, daß bei jenem Znsammenstoß in der Adalbertstraße jemand von der Polizei geschlagen worden sei, wurde von ihm verneint. Mit Nein beantwortete W. auch die Frage, ob nach seiner dienstlichen Vernehmung über die Vorgänge vom 17. Oktober etwa noch bei späterer Gelegenheit, vielleicht aus Anlaß der erwähnten Prozesse, irgendein Vorgesetzter mit ihm über diese Dinge gesprochen habe. Verteidiger:„Nicht in den letzten vierzehn Tagen?" Zeuge:„Nein." Verteidiger:„Weder ein Wachtmeister, noch ein Leutnant, noch ein Hauptmann?" Zeuge: „Nein, nein!" Schutzmann Jauer bekundete, am Gewerkschaftshaus sei Leutnant Mtrogge„völlig machtlos" gewesen. Ueber Z. wisse er, daß auch er„Bluthundel" gerufen habe. Zeuge hat bei der Festnahme geholfen. Es blieb nun noch die Vernehmung des Polizeileutnants Alt- rogge. Der Staatsanwalt war es, der ihn hatte laden lassen. Noch kurz vor der Sitzung schien er auf diesen Zeugen großen Wert zu legen; im Warteraum sah man den Herrn Staatsanwalt zehn Minuten hindurch mit dem Herrn Leutnant eifrig konferieren und sich Notizen machen. Jetzt aber galt ihm der Zeuge Altrogge für überflüssig, und er verzichtete aus die Vernehmung. Desto cnt- schicdener forderte sie der Verteidiger, der den Herrn Leutnant Altrogge fragen wollte, ob es wahr sei, daß er bei Gelegenheit jener angeblichen Strasiendemonstration an der Adalbcrtbrücke einem Passanten eine Ohrfeige gegeben habe. Taraus könne auf große Erregung der Polizei geschlossen werden, und der auS der nun gleichfalls erregten Menge etwa gefallene Ruf„Bluthunde!" werde dann anders zu beurteilen sein. Der Staatsanwalt hielt das für„nicht zur Sache gehörig", und das Gericht beschloß Ab- lehnung der Vernehmung des Leutnants. Verzichtet wurde auch auf Vernehmung von Familienangehörigen Z.'s, weil als wahr angenommen wurde, daß er von Hause gekommen sei. Der Staatsanwalt beantragte, gegen beide Angeklagte auf 14 Tage Haft zu erkennen. Die Schimpfworte seien evtviesen, er- wiesen sei auch Beteiligung an einer Demonstration, mit Sicherheit wenigstens gegen Lange, der nun nach dem Worte:„Mitgcfangen. mitachangen!" gegen sich verfahren lassen müsse. Für Zittkowski forderte der Verteidiger die Freisprechung, weil nichts erwiesen sei. Wendt sei in seiner Aussage schwankend geworden. Aussagen von Polizisten seien überhaupt mit Borsicht aufzunehmen, weil sie bei angeblichen Straßendcmonstrationen in Erregung zu geraten pflegten. Gesehen habe man das wieder aus den lehren Prozessen, aber leider stehe nicht auch für die Vorgänge vom 17. Oktober ein Graf Hoensbroech als Zeuge zur Verfügung. Unmöglich dürfe daS Gericht urteilen nach dem vom Staatsanwalt empfohlenen Grund- satz:„Mitgefangen, mitgchangenl" Das Urteil lautete: für Lange eine Geldstrafe von 36 M. (eventuell 6 Tage), weil er geschimpft und auch am„Zug" teil- genommen habe, für Zittkowski eine Geldstrafe von 16 M.(eventuell 2 Tage), weil er geschimpft habe. Hochstapelei gegen eine Erblindete. Ein erschütterndes Drama wurde gestern vor der 139. Ab- teilung des Schöffengerichts am Amtsgericht Berlin-Mitte ent- rollt. ES dürfte den Lesern noch erinnerlich sein, daß vor einiger Zeit ein Referendar auf seine Geliebte schoß und sich alSdann selbst das Leben nahm. Die Geliebte, namens Betty Wassermann, wurde nicht tödlich verletzt, jedoch lediglich ihres Augenlichtes beraubt. Da sie gänzlich mittellos war, so öffneten sich infolge öffentlichen Aufrufs viele mildtätige Hände, so daß die junge Dame vor Not geschützt war. Dies erfuhr der 21jährige Hand- lungsgchilfr Robert Schulze. Er stellte sich Fräulein Wassermann als Romanschriftsteller vor und bat sie, ihm in ausführlicher Weise ihr Lebensschicksal zu erzählen, er wolle es zu einem Roman verwerten. Fräulein Wassermann entsprach dieser Bitte. Außer- dem entwickelte sich sehr bald zwischen dem jungen Mann und der Wassermann ein intimes Liebesverhältnis, zumal der angebliche Romanschriftsteller der jungen Dame die Ehe versprach. Unter diesen Vorspiegelungen gelang es dem Schulze, von der Erblindeten ein Darlehen von 1153 M. zu erhalten. Erst nach längerer Zeit sah Fräulein Wassermann ein, daß sie einem dreisten Schwindler in die Hände gefallen war. Auf Anzeige wurde gegen Schulze die Anklage wegen Betruges erhoben. In der Verhandlung ergab sich, daß Schulze niemals Schriftsteller war und nicht im mindesten die Befähigung hat, einen Roman zu schreiben. Der Amtsanwalt beantragte drei Wochen Gefängnis. Nach längerer Beratung des Gerichtshofes verkündete der Vorsitzende, AmtsgerichtSrat Dr. Pranst: Der Gerichtshof hat einen Betrug im Sinne des§ 263 des Strafgesetzbuchs für vorliegend erachtet und auf 3 Monate Gefängnis erkannt. Der Gerichtshof hat aus der Verhandlung die Ueberzeugung gewonnen, daß der Angeklagte, dem aus den Zei- tungen bekannt war, daß mildtätige Menschen der unglücklichen Er- blindeteu Unterstützung gewährt haben, die Bekanntschaft mit dieser nur zu dem Zwecke angeknüpft hat, um ihr das Geld abzu- nehmen. Der Gerichtshof sieht in der Handlungsweise des Angeklagten eine ganz gefährliche Hochstapelei, die von einer bodenlos gemeinen Gesinnung Zeugnis gibt. Es mutzte daher auf eine hohe Strafe erkannt werden. Nur die große Fugend und der Leichtsinn des Angeklagten und der Vorsah, daß er ernsthaft be- trcbt ist, das Darlehen nach und nach zurückzuerstatten, hat den Gerichtshof von einer weit höheren Strafe abgehalten. Staatliche Anreizung zu Eigentumsvergehen. Ein Hilfsbeamter der Eisenbahn, namens Otto Riedel, hatte ich am 13. Januar vor den Geschworenen in Wiesbaden wegen einer Reihe von Unterschlagungen zu verantworten, die er im letzten Jahre begangen hatte. In der Verhandlung kam heraus, daß Riedel seit 12 Jahren bei der Eisenbahn angestellt ist, zuletzt in Erbach im Rheingau. aber nur 83 M. Monntslohn bezog, wovon er seine Frau und seine Kinder ernähren sollte. Da ihm dies nicht möglich war, fälschte er hin und wieder Fahrkartenbelege. Die Geschworenen sprachen ihn der Urkundenfälschung frei und nur der Unterschlagung schuldig. DaS Gericht verurteilte ihn zu 8 Monaten Gefängnis. Der Staatsanwalt hatte 9 Monate beantragt. In der Verhandlung wurde klar und deutlich ausgesprochen, daß es unerhört sei, einen Beamten, der 12 Jahre bei der Eisen- bahn beschäftigt ist, mit 83 M. monatlich abzulohnen, was doch Wirklich auf eine Anreizung zu Unterschlagungen herauskomme. VerrnileMes. Raubmord in Hamburg. AuS Hamburg wird gemeldet: Die in der Poolstraße wohnende Pfaudlriherin Merkli wurde gestern ermordet in ihrem Geschäftslokal uigefunden. Der Mörder hat Frau Merkli anscheinend durch Hammerschläge betäubt und ihr dann mit einem Messer den Hals d u r ch s ch n i l t e n. Ans dem geöffneten Geldschrank ent- wendete er Gold und Juwelen. Von dem Mörder hat man keine Spur. DaS zur Tat benutzte Rasiermesser wurde am Talorte vor- gefunden. Die Polizeibehörde hat für die Ergreifung de? Mörder? eine Belohnung von tausend Mark allSgesetzt. Der Mörder hat alle wert- volleren Psaudgegcnstände sowie 1300 M. Bargeld geraubt. Ein neuer Höhenrekordflug. AuS New Dork wird gemeldet: Nachdem kürzlich die Welt durch den verwegenen Höhenflug Hubert Laihains auf dem Lagcrfclde von Chalon in Staunen gesetzt wurde, als er im kühnen Fluge eine Höhe von 1000 Metern erklonun, sind gestern auf dem Flugfclde von Los AngeloS alle bisherigen Höhenrckorde durch den französischen Aviatiker Louis Paulhan geschlagen worden. Während der Flug LathamS offiziell nicht anerkannt werden konnte, da er wohl von Osfizieren, aber nicht von Benachrichtigten und vom Komitee beauftragten Inspektoren nachgeprüft wurde, hatte Paulhan schon tag« zuvor an daS Komitee die Mitteilung gelangen lassen, daß er den Höhenflugrekord LathamS. an dem er übrigens nicht zweifle, zu schlagen gedenke. Vor einer vicltauscnd» köMgen Z»schauerm«nge stieg er mit seinem Fannan-Zweidecker biZ zur Höhe von 1380 Metern in stetem Kreisen empor und stellte somit einen neuen Höhenrekord auf, der noch dazu offiziell kontrolliert morden ist. Der prächtig gelungene Flug dauerte 80 Minuten -LS Sekunden. Paulhan hatte erst im Dezemder v. I. den Höhen- rckord auf 600 Meter gebracht, tvelchen ihm Latham am 7. Januar durch seinen Höhenrekord von 1000 Meter schnell wieder abgenommen hatte. Der kiidne Aviatiker wurde nach glücklich vollbrachter Landung von den Zuschauermajscn mit ungeheurein Jubel empfangen. Zur Affäre Hofrichtcr. Auf dem Friedhofe in Leitmeritz i ger Meldimg zufolge, gestern der Leichnam der 1901 verstorbem 'st. Prager Meldimg zufolge, gestern der Leichnam der 1901 verstorbenen Braut de-5 Oberleulnautö Hofrichter exhumiert und photographiert luorde»: Proben des Erdreichs und Teile der Leiche wurden»ach Wien gesandt._ Ein Schiffsunfall. Nach einer Meldung all» Marshfield(Oregon) ist der der Southern Pacific Railway gehörende Damprer„Czarina" Mittwoch abend bei schweren» Seegang in der Coosbah auf einen Halendamm aufgelaufen. Dreißig Mann der Besatzung sollen ertrunken sein.— Nach einer Lloydmeldung au-Z Sau Francisco ist die„Czarina' wieder flott geworden und liegt jetzt im Hafen sicher vor Anker._ Sturmschaden in England. Londoner Meldung zufolge herrscht seit einigen Tagen erneut an der Westküste von Irland schweres Wetter. Besonders die Insel Adran hat durch die Zyklone stark ge- litten, seit einer Woche sind alle Verbindungen der Insel mit dem Fcstlande abgeschnitten. Die Nahrnngsvorrnt- gehen bald au». Man befürchtet, daß eine ernste Not unter der Bevölkerung ausbrechen wird, da die vorhandenen Nahrungsmittel nur noch für einige Tage dauern. In der Nähe von Ballitoi ist eine Barke gesunken. WallerstaudS'Nachrkchte« vaflersland M e m e l, Tilsit P r c g e l, Juiterburg Weichsel. Tborn Oder, Ratidor , ilrossen Frcuikiurt Warthe, Zlbrimm . Laudsbcrg Netze, Bordamm Elbe, Leiimeritz , Dresden , Bardo , Magdeburg Wasserstand Saal«, Grochlitz Havel, Spandau') , Rathenow') Spree, Svremberg') „ Lccskow Weser, Münden Minden Rhein, MaxiaülmnZau # Kaub , Slöin Neckar, Heilöronn Main. Wertheim Mosel, Trier am 12. 1. om LVS 12! 138 92 108 30 12S 408 227 261 07 193 150 seit 11. 1. cro1) +16 +3 0 0 +2 +10 +8 0 —5 —7 —5 +17 ■1+ bedeutet Auch».— Sali.•) Unlerpeael.') Eiöllaud. Theater und Vergnügungen Freitag, den 11. Januar. Anfang 71/, Uhr. Königl. Opernhaus. Madame Buticrfly. Nöuigl. Schauspielhaus. Strand- tinder. LicucS köntgl. OPern-Tcheater. Fidclio. Ansang 8 Uhr. Deniichrs. Der Widerspenstigen Zähmung. SV a m in erspiele. Da» Heim. (Ansang 8 Uhr.) Neues SchauiPielbauS. Justus Cäsar.(Ansang 3 Uhr.) Auiaug 8 Uhr. Komische Oper. DaS Tal der Liebe. Hebbel. Der Skandal.(Zlnfang 8-/. Uhr.) Neues. Do» Juans letztes Aden- teuer. Westen. Die geschiedene Frau. Neues Operetten. Der Graf von Luxemburg. Trianou. Buridans Esel. Nerliner. Hohe Politik. ttleines. Der große Name. Rrstdrnz. Im Taubenschlag. Thalia. Die sä«« Cora. Leist»«. TantriS der Narr. Schiller<>. kauner. Theater.) Der Meineidbauer. Sch»er Ehartottenburg. viel Lärmen um nichts. Friedrich> vitlhelmftädt. Groß- stadllust. Boltsoper. Die Jüdin. Luisen. Die Reise um die Erde w 80 Tagen. iKuir. Faust. LuftsplelhauS. Der dunlle Punkt. Aletrupot. Halloh II— Die große Revue. FolieS«aprice. Elcher ist stcher. Bunter Teil Der Mann meiner Frau.(Ans. S'l, Uhr.) (vasino. Der Obergamicr. Gebr. Herrnkcld. So muß man'S mächen. Ein ReNmigSmlttel Gastspiel. Der Polizeihund.(Ans. 8'/, Mr.) Noaits. In russischer Leibeigenschast. (Ansang'/z9 Uhr.) SloigtS Theater. Der Glöckner von Notre-Dame. Apouo. Spezialitäten. LLiutergarlcu. Spezialstite». a>»i.n«r. Spezialitäten Buggenhagcn. Spezialitäten. Karl Hnverland. Spezialitäten. LLalvalla. Svezmlitälen. Palast. Spezialitäten. vicichSbalU». Stcltmer Sänger. Urania. T>»«pri>>irostr<"19. Abends 8 Ubr: Im Firnenglaaz der Ober-Engadin. Sternn.urre,.Viwandenktr.»7—62. Lcttsins-Tbeater. 8 Uhr: TantriS der Narr. Sonnabend, 8 Uhr: Das Konzert. Sonntag. 8 Uhr: Nora. 8 Uhr: Das Konzert._ Berliner Theater. ?S' Kolie yolitik. Morgen: Hohe Politik._ Heues Theater. Abends 8 Uhr: Don Juans letztes Abenteuer. Morgen und folgende Tage: Tou IuauS lesttes Abenteuer. fdekiler kies �eslellL. Abend» 8 Uhr: Tie«eschikdeue Frau. Sonntag 3°/, Uhr: Der iidela Bauer. Friedricti-Wilhelnistddtisclies Sctisusoieittaus. Freitag, den 14. Januar, Ans. 8 Uhr: Zum ersten Male: Die �Großstadtluft. Schwank in 1 Akten von Bluinenlhal und Kadelöurg. Sonnabend nachm. 3'/, Uhr: Die N.helungcii I. und H. Teil. Abends S Uhr: Großstadttnlt. eronmag nachm. 3 Uhr: Othello. Uusispiv�sus. AbetidS 8 Uhr: Der dunkle Punkt. Besidenz-Theater Direktion: Richard Alexander. AbcndS 8 Uhr: Im Taubenschlag. Morgen und folgende Tage: Dieselbe Borftellnng. Sonntag, den 16. Januar, nachm. v Uhr: Schlaswagenkontrolleur» Opcpctten-Tht-ater, Schistbaucrdamm 25, a. d. Lniienstr. Heute und folgende T>:ge 8 Uhr: Ter Graf von Luxeinbur«. Sonntag 3 Uhr: Her Zigeunerbaron. Volks-Oper. f., Bclle-Alliance-Straße Nr. AbendS l!2Q U h r: Die Jüdin. Luisen-Theater. Abends 8 Uhr: Die Keise nnt die Erde in 80 Togen. Große» Ausstattungsstück in 11 Blld. von d Emmery u. Jules Verre Sonnabend nachm. 1 Uhr: Gold« Härchens Himmelfahrt. 8 Uhr: Die Reise um die Erde in 80 Tagen. Sonntag nachm. 3 Uhr: Gib mich frei. 3 Uhr: Die Reise um die Erde in 80 Tagen._ OSE=THEATE Große Franksurtcr Str. 132. Ans.» Uhr. Ende II1/, H. Faust. Li Tragödie von Goethe. I. Test. Sonnabend, Sonntag: Faust. Lssksiiel-Iliesles. Kttponlcker Straße 67;C8. Täglich 81/, Uhr abends: Lady Florcnce Der Polizeihund. Kriminalschauspiel._ Abends 8 Ubr: Prlna Pinne, BurleSke mit Uenry Bender. 9 Uhr 20: Das Tagesgesprich von Berlin! Lotte Sarrow i. ihr. Mimodrama „Die Ehebrecherin". 9 Uhr 45: 9 Uhr 45: Schi m pause KonMnl James Great. Ferner: Mi8 Annie Hiller,«ISnSe usw. Metropol-Theater Hallo!!! Die grobe Revue! In 8 Bildern von Jul. Freund. Musik v. Paul Lincke. In Szene gesetzt vom Dir. Rieh. Schultz. Anfang 8 Uhr. Rauchen gestattet. die Oerülimtheit der„Scbönheits- Atende" sowie eine Kette i Palast-Theater. Dircltion: Robert Olli& Karl Pirnau. Burgstraße 24, am Bahnhof Börse. Dss driiiante Januar-Programm! Rath St. Kaiida, Hindutempelpantomime, Otto SlHIIer-RUiner, Brothers Sandern, ann, llkete MIO Jenny, 91 r. Kreton mit seinem rechnenden Wundcrhund usw. usw. Schiller-Theater 0.(Wallner-Thcat). Freitag, abends 8 Uhr: Der?lelneldhaner. Bollsstück in 3 AI hm von Ludwig Anzengrubcr. M?" Älde 11 Uhr.-N!S Sonnabend, abends 8Uhr: Bio Brnnt von Zle««lna. Sonntag, nachm. 3 Uhr: Der tierr Ministerialdirektor. Sonntag, abends 8 Uhr: Bor Itictneidhaaer. Schiller-Theater(Charlottenburg). Freitag, abends 8 Uhr: VI«! l.iirmen nin niehtu. Lustspiel in 5 Allen v. W. Shalcspearc. . VSP- Ende 10-/. tlhr. S o n n a b e n d,:> a d> m. 3 U h r: DasHIlthehcn v. Ii eil brenn Sonnabend, abend» L U h r: Viel U.tlrinen nin nle.ht». Sonntag, nach m. 3 Uhr: Zlaeheth. Sonntag, a b c n d S 8 Uhr: Her Schwur der Treue. Brauerei Friedrichshain am Königstor, Größte Sehenswürdigkeit Berlins! Heute Freitag: Pllte-Tns: lZialiZ-VklIoxtiffg modernen KlidllLIlkillsitidlUDg. Dockbier-Jludel und Trubel. Sehcrsch Ehreng ruber Der berühmte Fcftwirt mit sewer Tnis'pe(60 Miltvirkeiide) aus"«linchen. Ansang 8 Uhr. Entree Lv Ps. Passepartouts haben Gültigkeit. Urania. Wissenschaftliches Theater. Abends 8 Uhr; Im Firnenglanz des Ober- _ Engadin. Passage-fiieater.] Abends 8 Uhr: ra Schneider Dunckers Mite. FaiTalla und das sensationelle 1 Januar- Programm.[ Passage-Panoptikum. Senegal in Berlin! gn wilde Weiber Männer, Kinder. Drei Negerdörfer Ohne Extra-Entreo! W.Koaeks Theater Srnnnenm 16, am Roscnthaler Tor. Abends'/,9 Uhr: In ruslisdier Ftibtigensdiast. ScnsationSschauspicl in 4 Akten. Sonnabend nachm. 3 Uhr Kinder. Vorstellung l Gratisverlosung I Aecheii- brädel oder: Der gläserne Panloffel. Täglich ohsnds 3 Uhr: Gäia- Vorstellung.— Mittwoch, Sonnabend, Sonntag und Festtags: Z Vorstellungen mit durchaus erleichwertigem Programm. STachm. 4 Uhr u. abends 8 Uhr. ZudonNachm.-Vorstell. zahlen Kinderunter 14 Jahr. a. Militär b. z. Feldwebel halbe Preise. Freitag, 11. Januar 1910, abends 71/, NHr: Große brillante Vorstellung. Austreten des Kommtssionsrat (justav 8tensbec!c als Gast mit f. neuen hervor. rngeiiden Schnlpfcrdcn Eisenherz, Ten Drugi, Black Duke und. Ofijxiniil-Biig-onglti, der kleinste komische ttieiter der Welt. iSereennt ItfonnatR, der vorzügliche Diabolospielcr. Der Froschmcusch do Rnrlow unerreicht tu seinen Leistungen. Um 9 Uhr Ende 11 Uhr vis drei Rivalen Große Fccrie in 5 Akten mit der sccnhasten Schlnßapothcose. Sonntag: L Borst llniigeii. Nachm. hat jed. Bes. ein Kind frei. follss KspliliB. Zum SO. Male: Sicher ist Sicher. Bunter Toll. DerMannmcioelFrau. Anlang OVa Uhr. Vorverk.>2—2. m AU-Hoabit 47/18. Sonntag, den 10. Januar 1910: Schuldig. Schauspiel in 3 Akten v. Rich. Boß. llsMM-j'l! Moritzplssi Anf. 8 Uhr. jUMtermamsches Soehbier- Kellerlest Die Dekoration ist aus dem Atelier„Hermann der Ohoruskor" aus Teutoburg. Im oberen Saale: Täglich: Die glänzenden Spezialitäten. aihaila yarlefe-Thealer | Weinbergsweg 19-20, Rosonth.Tcr.| Das ganze Piograini» Severus Sckaekker I lliid die übrigen Spezialitäten I Tnnnol: biegimentSkapclle, f | Theaterbesuchern freier Eintritt 1 Ii«» itri»!« d t- lä nxllt«. Oolzmarltilraße 72. Gänzlich neues Programm mitErauz MobaiiKki. Minni Neumaim. Fritz Grün eck, Vins t-oltz, Neubcrt und Ree, Vikior Rittor, Goschw. Weise, Akrobat., Fridolin Känig, Salon-Atblet. Pnnnj» H'ltwcnNchoiorK Schwank in 1 Akt von O. Richter. Sanssouci, Ä'V. Direktion Wilhelm Reimer. Sonntag, Montag und Donnerstag: Neues Programm. M-Sm*an von z- fränyrfjen HoHinannsHcnli!. Sängern Stets neues, hoch. aktuelles Programm. Bcg. Soniii.Q. wocheni. 8U. Sozlialdewshratlicher �entrawahlverew für reltotv-Reeshotv�Stsrhotv-dlharlottendurg. 1 |ß™asas Sonntag, den 16. Januar, im„Volkshause", Charlottenburg, Rosinenstraße 3:]l Stiftungsfest 1 zur Feier des zehnjährigen Bestehens des Zentralwahlvereins bestehend in Konzert(Berliner Sinfonie-Orchester)— Gesangsvorträgen (Charlottenburger Liedertafel)— Berliner UlkaTrio— Ball. Festrede gehalten vom Reichstagsabgeordneten FrifZ Zllbeil. Eintritt Ä5 Pfennig. Tanz 50 Pfennig(für Herren). Anfang nachmittags 4 Uhr. GSSI Billetts€€€© 202/5 sind bei den örtlichen Wahlvereinsvorständen und bei den Bezirksführern zu haben. Zirkus ßuschTg Heute Freitag, den 14. Januar.■> Heute Freitag, den 14. Januar, abends 7'/, Uhr präz.: I Gr. Gala-VorMtcIIuagr. 1 Herr James Fillis, Schulreiler, auf I Winthrop, engl. Vollblut*. Halma| a. d. Maggie Gray. Mens. Colons Affeni'reGSuren. Herr E. Schumann, Neudress. EeiterfomiUe Proserpl. Gigerlclown Alfred Daniels usw. 9!/, Uhr Ende 11 ühr| Die neue russische Pantomime Mr Marja. � Vorher das große Galaprogramm.! Thealcr Kominandantenstr. 57. T. A. 4, 5083, Duichslichgtiidiitr Echlg! „So muß man's maciien" Burleske mit Gesang in 2 Akten, Musik von L. Jtal, mit den Autoreu Anton und Oonal Hcrrnfeld in den Hauptrollen. Hierzu: Bin l�etttmgsznZtLel Komödie v. L. Huna. Ansang 8 Uhr. Borverkaus 11 bis 2 Uhr. Voigi-TIaeater Gesundbrunnen Badstr. 68. Freitag, den 11. Januar 1910: Der Glöckner von Notre-Dame. Schauspiel In 9 Bildern von Charl. Birch-Pseisfer. Kassciieröffumig 7, Ansang 8 Uhr. "D risnon'-l'iiester. AbcndS 8 Uhr: Snridntts Gsel. Lothringer Straße 37. Täglich 8 Uhr: Sensationeller Lachcrfolg! Der Ddergminöf. Lustspiel in drei Atlrn von MtSki. Vorder: DaS rtstklasiige bunte Programm. Sonntag, nachni 4Uhr: Trudchcus Tomincrrcisc. Keirl kl�veiilinc! Ansaug Dlioator' präz. 8 U. 77/79 Kommandantcnstraße 77/79.| TaS glänzende erstklassige Jntlitar-Pronvitlitm. Schlnflev auf Schinder? De!ehLj'.A!l8D-7!;eA!si'. 8tst!niel'8ä»gei' Ter Nachtwächter »ou Zeipeuschlcuse. ztudontonbild v.F. hloysel Ansang: Wocheut. 8 Uhr. SomitagS 7 Uhr. der Jannowllebelloke. Oeiilsdisaids«lössle und miÄmls Liciilliülins 650 Sllzpllltzo Feenhalls Aa;s!i'.tunj Beginn: Wochentags 4 Ehr. Sonntags S M Jur vcu Int, al« der Inserate «ibernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keiuerlei Verantwortung. aMftfaAMBai f k& Cloppenburg Größtes Spezlal-Geschäft in Aflpent rächte ni Alpentrachten für Damen. Ausstellung: Gertraudtenstraße 25. Wenn sich eine ßgarette tn verhältnismässig kurzer Zeil in •o«asserordentlichem Masse die Gunst aller Raucher erwirbt, wie unsere wie unsere__<« joseV' m CIGAlETTt, dann tnoss sie unbedingt sehr erhebliche Vorzüge besitzen, die«e anderen Marken überlegen sein lässt Dass dies wirklich der Faß. wird nach gewissenhafter Prüfung Überzeugung eines jeden Rauchers, der sich ein auf Sachkenntnis beruhendes Urteil über Qualität und Güte von Cigaretten bilden kann. Joseui Vera m. u. o. M. 10 St 30 Ff. 11 Üf)__ O fferiere in nur frischer, schöner| Ware, solange Borrat reicht: 7/18* junge 6lUlff a Psd. 68 Ps. nur allererste Qualitäten» Gänserumpfe, halbe Gänse. srische Gänsepötel-Brust u. Keule, mild und sehr pikant, pro Psd. SZ Ps., gro�e wilde Kaninchen von 1 iUC, Hasen, sauber gespickt, auch geteili. Rehrücke«, Rcblrule«, heule billigst, seile Siippenhähiicr, ige. Bralhühner, ige. Enten in riesiger Auswahl. Wegner, 80.Marta««enftr. 34. «.„iTorortparaelle 350 SI. NPI! an östenilichem Weg. llrunn- HM. hofer, Berlin, Nollendorfslr. S. Brauerei Kappoldt Kaseuheide 82/38, S. 58. ■ Tfigllch:: Bockbier-Ausstoß in Flaschen und Gebinden. Dieses vorzügliche Gebräu kann man als den stärksten Bock Berlins bezeichnen. Vollmundig und außerordentüch bekömmlich,• 81 Jedes Wort 10 Pfennig. Das erste Wort(fettgedruckt) 20 Ptg. Stellengesuche und Schlafstellen-Anzeigen S Pfg.; das erste Wort (fettgedruckt) 10 Ptg. Worte mit mehr als IS Buchstaben zahlen doppelt. ] Kleine Anzeigen ANZEIGEN lür die nlchste Nummer werden In den Anaahmestellen für Berlin bis I Uhr, für die Vororte bis 12 Uhr, in der Haupt- EApedltlon, Llndcnstrasse 69, bis 5 Uhr angenommen. Verkäufe. Teppiche i(seblerhaste) in allen Grüben sür die Hälsle de» Wertes Teppichlager Brunn, Hackeicher Marli 4, Labnboi Börse.(Leser dcS .Vorwärts' erhalten 5 Prozent Slabatl.) Sonntags geösfncN_» Klassiker-'Aus gaben. Goethe.Hetne, Reulcr, Schiller, Shakeipeare, je biet Bände ü.— Mark. Eichendorss, Hauff, je zwei Bände 3,50 Marl, Burger, Kleist, Lenau, Ubland, Wieland und andere, je ein Band 1,75 Mark. Expedition, Lindenitraiie 09, Laden. Borwärtsleser erhallen ö Prozent Exirarabail selbst bei iiachstebend aus- oejübrle» GclegeiibrilSläiijen. Teppich. TbomaS. Ltaincnitrage Ivo, Oranien- Play-____ Teppiche, mventurhalber bis 30 P> ozent herabgesetzt._ Gardinen. Stores Künstler, gardiuen, Restpartien für halben Wert Läuferreste spottbillig. �Sosastoffrcste ipottbillig. Ziorwärtslcser, ftebenbe b Anzeigen. beachtet vor- 75K' Psnndlribstans Krebber. Küstriner- Pia? 7, spottbilliger Bkltenoertuus, Gardlneuverlaus, Wäscheoerkauj, Nbrenvertaus. Deckenoerkatis, Schmuck- fachen. Goldlachen, Stlbersachen, ver- allenc Pfänder. 24g2K Möbel, Taschenuhren, Schuh- waren, Gelegenheit Palisaden- strage-lS._ Hrriiiaiiitplach 6 Erstklassigster, extrabilligcr Waienoerkaus, Riesen- auSwahl, Psänderverlättje. Winter- paletolS, Sackettanzüge, Geörock- anznge, Herrenbolen, Damensachen. Pclzstolas, prachtvolle Brautgeschenke, Brautbettcn, Vermirtungsbelt, Bett- stücke, Bettwäsche. GarbiiienauSwahl, TcppichaiiSwahl, Plütchlllchdcckeii, Steppdecken, Rähma'chinen, Wand- Uhren, Taichenubrcn, KeltenauZwahl, Zllingcauswahl, Kuiistbildcr..Selbst- verständlich" allerbilligste Einkaufs- quelle Grosibcrlins, Heruianuplah 0. Sonntags cbciisalls gcösfnct. flOS* Littauer» Rädmalchtnen Jbne flu. zablung, gebrauchte spetibtllig, Ska< Utzerftrage 99, Warschauerstrage«7.* Verantwortlicher Redakteur tviessen zu Ave» Guyot« und Sigismund Lacrolx'.Di« wahr« Ge- stall des CbrlftentitmS", von August Bebel. Preis 75 Ps., billige Ausgab« 30 Ps, Expeditton Lindenstrasie SS, Laden. Teppiche(Farbcnsehleri, '' aen. Tischdecken. Tüll- .. M„. I■pewjg decken, Gardinen. Tischdecken, TUll beltdecken, Nebcraardinen, Soja stosireste spottbilltg Fabriklager Mauerboss, Große Franklurterstrage 9, Flureingana. Vorwärtslesern sechs Prozent Sonntags geöffnet 248811* MonatSanzuge und WinterpalciotS, Joppen von 5 Marl iowte Ho>ei> von 1.50. Gebrockanzüge von 12.00, Fracks von 2.50. sowie sür torvulenie Figuren. Reue Garderobe zu ftaunenb billige» Breiie», aus Ptandletbe» ocriallene Sachen laust man am billigsten bei Ran. Mulackstran« 14 Humboldtleihhaus existiert nur Brunneniiratzc 58 Spottbilligster NäumungSverkaus verfallener Psänderl Neue Aussteucrwälchel Allerbilliaster Betteiioerkausl Steppdecken! Gar- dilieiianSwahl l Prachlteppiche l Herrenubrenl Damenubrenl Wand- uhren I Hochelegante Herrenaarderobe extrnbillig l Lerkaus täglich, auch Sonntag».__ ItxK* Vorjährige bockielcganle Anzüge und Paletots, atiS seinstcn MaNstossen. früherer Preis SO— SO. jetzt 20— 40, werden täglich im Kavalier-Klub, Unter den Linden Ol U v et taust.• Taschenbuch für Gartenfreunde. Ein Ratgeber sür die Pflege und lachgemäge Bewirtschaftung des häuS- lichen Zier-, Gemüse- und Obstgartens von Max Hcsdörser. Zweite vermehrte Auflage. Mit 137 Text- abblldungen. Preis S,50 Mark. Expe- dition Borwärls. Lindensir. SS. Damenhemden mit handgesttcktcr Passe 1.15, Herrenhemden 1,15, Nor- niniwäsche, Arbriterhemden sowie elegante Neisemuster bis zur Hülste des Werte». Wäschesadm Salo- monsty, Dtrcklenslraße2l, Alexander- platz._ 231/1 Kinderwagen. Kinderbett vertaust billig Phiebig, Kottbuserdamm t2a.• Gescbäftsverkäufe- Rnuchrrwaren- und Hering»« geschäst verkäuflich. Dennewitzstr. 12. s/ausgegend. FlOS Alte», gutgehende» Parteilokal, Südost, Zahlstellen und Bereine, 2500«rsorderlich. Zu erfragen Admlralstratze 30. Heinroth. 232b* Griinkraiiigeschäft, anderen Unter- nehmen» billsg zu verkaufen. Näheres Spedition Nazarelhkirchstrahe 4g. Existenz! Zigärrengeschäst, lang. jährig eingeführt, vestaust billigst Masur, Ebeitystraße 18._ 2436 Obst- und Gemüsegeschäft, Holz- und Kohlen sosort zu verkausen EberSwalderstrahe 20.___ f74 Ziutschcrlnejpe, floltgchend, sosort zu verkausen. Schade, Landsbutrr- ftratze 8. f130* fllödei. MSbelgelegrnbett! Wenig ge- brauchte, guterhastene Möbel, auch neue,«insachste. eleganteste, belieben gewesen, verfallen, spotlbllltg. Riesen- lager. Lagerspeicher, Neu« König- slrage S/S, Fabrikgebäude Sonntags geöflnet.(Zahlungserleichieruiig.)* �Gelegenheitskauf. Bettiko. echt nnjzbaum, sourntert 39,—, Kleider- spind dito 39,—, Wachsluch-AuSzieh- tisch 1SF0, billige Busett», Schreib. tische, Sofa» usw. Spezialität! Bür. gerliche kleine WohnungSeinrichUmgen. Möbelsabrik, Graesestrahe 34. Fabrik- gebäude. 02K*' Kleiderspind 25.00. Patent- plüschsoia 38.00, Muichelsplegel 7,00. Rohrstühle 2,50 verkäuilich Kotlbnser- strasje 18, parterre._ 231/3* Alle Brautleute staunen l über melne Rteseniagei in zwei Fab lt. gebäuden und sechs Etagen, mehr noch über meine ausfallend billigen Preise. Um zu räumen verkaufe so- weit Vorrat einen grohen Posten TrumeanS mit Stufen von 30.— an. Möbelsabrik M. Htrschowstz, Skalitzcr- stratze 25, an der Hochbahn. 8SK Violinunterricht(neue, doppelt fördernde Methode bt» zur Bolletidung) gibt erladrener Künstler wöchentlich, auf tSunlch auch nur eine Lettion a 1.25 M., vei zwei Schülern je 75 Ps. Offerten unter D. 2 Expedition des .Vorwärt»*.[• Verschiedenes. Englischen Unterricht sür Anfänger und Vorgeschrittene, Einzelstniiden und lm Zirkel erteilt G. Swienly, Slböncberg. Eedanstratze 57. III.* Patenianwati Weitet Guiatmer» sttatte»4a Kuniiiiovfrrci von Frau Kotoskh Schlackteniee. Kurstratze 8. M �lusik. Keine Mietskaserne, sondern ge» müllich geschmackvolle Helme und doch billig l 2 und 1 Zimmer mit und ohne Balkon und Bad. Eharlottenburg, Guerickestrake 11, neben Ecke Eauer- straite. Rixdors, Kaiser Friedrich« urahe 78/79._ 280/11* Aslershos, Bismarck-, Ecke Hand- jerhstrasze, srenndliche Wohnungen, 3 Slnben, Küche, Keller, Boden, ma« nailich 30 Mark, 2 Stuben, Küche, Keller. Boden 20 Mark. Zu erstagen —-------_ v................... im Bäckerladen. 13311* Richard Barth, Berlin, gür den Inseratenteil veraniw.: Th. Micke, Berlin. Druck U.Verlag: Vorwärts� Pianino(Gelegenheit) für 275,— sosort zu verkausen Warschauer- ftrafle 68, Quergebäude I. 9/5* Tprechmaschinen mit Bügelion. arm, 22.00, Garantie, Schallplatten. (Teilzahlung). Reichenbergerstr. 127. Zahnet Zement, Porzellan, Gold- Plomben. Zahnntelier Gucket Sta- «tzerslrahe 60, Telephon,_* Tingerbobbin- Rlngschifsgesuch. Zieme, Jnselstratze Ib.__ 1426* Platina, alt« Goldsachen. Bruch- aold, Silber. Gebisse, kebrgold, Goldwatlen, Oueckfllber, Staniol, Treflen sowie fäiuiiiche gold- und silberballigen Rückstände kaust Broh, Goldichmetze, Köpentckerftrafle 29. Telephon lV, 6958._ 6/10* " Kaufe gebrauchten, größeren Kinder'« leiterwagen eoent auch nur Räder- geftell. Goltz, Görlitzetstrafle 40 III. Klöstergarten, Plötzensee. Mein Riesen-Tatiziaal unter günstigen Be. dingungen sosort zu verpachten. 235b Vermietungen. Wotmungen. Zimmer. Deiknehmer filr möblierte» Zimmer sosort gesucht. Frau Jaeobey, Wiesen- straße 10, vorn II._ 2481b* Ungeniert, elegant möbllertcs Vorderzimmer, Flurclngang, gute Betten, 18 Mark, allein oder zwei Herren oder Damen, eventuell bessere Schlafstelle. Witwe Gursch, llfer- strage 18. rechter Ausgang IV, Nähe Paukstrafle. 2426 Leeres Zimmer, sauber, sosort sür einzelnen Herrn Zorndorserstrafle 21. Schlafstellen. Schlafstelle, Herrn, vorn eine Treppe, Grüncrweg 03, Miclitz. F4l �Möblierte Schlasstelle, separat, sosort. Thiele, Liegnitzcrstraße 34. vorn HL fS Arbeitsmarkt. Stellenangebote. Silberarbeiter, tüchtig inHammer- und korpusarbeil suchen Ivörner u. Proll, Prinzesstniienstrafle 10. 241b' Werkfübrer sür eine Glühlampen- sabttt lm Auslände gesucht, der auch mil den Sttomvethältmssen verlrant ist. Offerten 3. 3. Expedition diese» Blattes._ 24 OB Tüchtigen Rahmenmacher perlangt Paul Ticckc, Dorolheeiisti age 00. 244b �Künstliche Biümcn- Kröserlnnen und-Kleberinnen verlangl tn und autzerm Hause A. Theile, Köpenicler- straho 113, 234b Im Arbettoinarkt durch besonderen Druck hervorgehobene Anzeigen kosten SO Pf. die Zeile. Für eine umfangreiche Gnindlererei und Bclcgeret nach augerdalb wird ein zuverläsfiger, sehr ersahrener Wkrilmrißkr gesucht. Meldungen nnt. C. O. 07SÜ an Rudelt Mosse, Königsberg t, Pr. Achtung! Holzarbeiter TSegen Streik und Differenzen stud gesperrt: Knopf- nndPerlmuttfabrik Hinze, Schinkostr. 8/6. Tischlerei nnd vodenlegerci Schlichtlng, GotzkowSkystr. 7. Tifchlerci und Bodenlegeret Timme, Wilmersdorf, Gastewer Strafle 0. Partettbodengefchäfte und bereu Bauten: Firma Kampmeher. Holstewer User 15/10, und deren sämlliche Bauten. Nordb. Porkettfabrlt Hannover. Zwischenmeister Elaste» u. Hübne.r, Firma Butterweich, Zwischetuueisier Dwododn. Firma Rosenfeld«. Eo., Bau Eharlottenburg, BiSmarckstrahe, Ecke Schlotzstrage. Firma Heine(BreSlati), Bau Nastauische Str., Ecke Berliner Str. Firma Lesser. Sämtliche Betriebe ist den Oelc» Luctenwalde, Sommerfeld. Höchst. Gleichzeitig eriuchen wir die Kollegen aller Branchen der Ho!-- lnduitrie da» Bernultelungsburean de» gelben.Handwerkerschu�- Verbandes" streng zu meiden. Tie Ortöperwaltung. Alljtmig! saulirdtiter! Biegen Streik in Luckenwalde sind folgende Bauten für Ein- scher gesperrt: Firma Xcnmisnn: Eharlottenburg. Btiudener Str. i-IrSemana. shirma»ilii«: » Trritbnrgsir. SO. , Wihlebeu-tr. 1.». SS. 38. Berlin, Sencietder Str. Pabl. Virina Genossenschaft. Urckermünber Strasse, Bau Ärke. Luckenwalde: irm a II Odin.-«. er C! an vor stand. «5 Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co.. Berlin SW.