Ur. IS. Hbonntments-Bedlngansen: MomiementS- Preis pränumerairdo i BiertcljShrl. 3£0 Ml., monatl. 1,10 Ml, wöcheTttlich 28 Pfg. frei inS HauS. Einzelne Nummer 6 Pfg. Sonntags- nummer mit illustrierter Sonntags- Beilage.Di- Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitungs- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn L Mark, für das übrige AuSImid 8 Marl pro Monat. PostabonnsmentS nehmen an: Belgien. Dänemarl, Holland, Italien. Luxemburg. Portugal. Rumänien, Schweden und die Schweiz. 27. Jahrg. Crfchcini»zu» auBer Osntagi. Verllnev Volksblnkk. Die Ttikrüflns- Gcböftr beträgt für die fechsgefpaltene Koloiiet- zcilc oder deren Raum 50 Pfg., für politische und gcwcrlschastlichc Vereins- und Bcrfamtnlungs-Anzcjgcn S0 Pfg. „Uteine �n-eigen", das crfie ffett- gedruiltc) Wort 20 Pfg., jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf- strllcn-Anzeigcn das erste Wort 10 Psg., jedes weitere Wort b Pfg. Worte über 1ö Buchstaben zählen für zwei Worte. Jnjeratc für die nächste Nummer müssen bis Z Uhr nachmittags in dcr Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends gevssnet. Telegramm-Adresse: „S»aislllknioli»i sterlia". 2entralorgan der rozialdernokrati fchcn Partei Deutfcblands. Rcdahtion; 8Äl. 68, Lindcnstrassc 69» Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1S8Z. Sonnabend, den 15. Januar 1910. Expedition: 86CI. 68, Lindcnstraasc 69. Fernsprecher: Amt IV» Nr. 1981. kechtloze! fordert LuerRecHt! Hm Sonntag wird Berlin in 62 Veriammiungen feinen Aahirechts- wiilen bekunden! Beweift durch tlfaffenbefuch Cure Kampf entfchioffenbeit! Der€tat des Dreililalleoparlaments. Ein recht unerfreuliches Bild über die Finanzlage Preußens rollt der dem Landtage zugegangene 4 Milliarden- Etat vor uns auf. Zwar haben sich die Verhältnisse insofern gebessert, als das Defizit, das 1908 292 Millionen betrug und 1999 voraussichtlich auf 195 Millionen sich bemessen wird. „nur" auf 92 Millionen veranschlagt wird, aber das Defizit ist doch immerhin noch so beträchtlich, daß man sich allen Ernstes fragen muß. ob in der bisherigen Weise weiter ge- wirtschaftet werden darf. Gewiß sind die Ueberschüsse der Betriebsverwaltungen, auf denen zum großen Teil die Einnahmen des Staates be° ruhen, abhängig von der Lage des Wirtschaftsmarktes. Um so größer ist jedoch die Pflicht, Sparsamkeit zu üben und nicht für unproduktive, kulturwidrige Zwecke das Geld zum Fenster hinauszuwerfen, wie es leider in Preußen geschieht. Fast jeder einzelne Etat weist Forderungen auf. die ein demo- kratisch zusammengesetztes Parlament der Regierung rund-, weg ablehnen würde, weil sie dem Gedanken der Demokratie direkt ins Gesicht schlagen. Es sei nur erinnert an die fast 40 Millionen für kirchliche Zwecke, an die etwa 50 Millionen. die das Volk Jahr aus Jahr ein für die Zwecke der Polen- Politik, für die Unterdrückung eines Teiles von Staats- bürgern zu zahlen hat und an die immer mehr anschwellenden Ausgaben für polizeiliche Zwecke. Hier und an hundert anderen Stellen ist reichlich Gelegenheit zur Erzielung von Ersparnissen gegeben, die dann für kulturelle und soziale Aufgaben Verwendung finden könnten. Aber auch die Einnahmen, insbesondere die Einnahmen aus den direkten Steuern, sind so gering veranschlagt, daß man den Eindruck gewinnen muß. als habe die Regierung die Absicht, von vornherein schwarz in schwarz zu mqlen, um den Landtag von Ansprüchen zur Erfüllung der Kulturauf- gaben zurückzuhalten. Neben den Ueberschüssen aus den Be- triebsverwaltungen sind es bekanntlich die Steuern, die zur Deckung der Staatsbedürfnisse herhalten müssen. Im Laufe des letzten Jahrzehnts hat sich nun das Anteilsverhältnis, in dem die Betriebsverwaltungen auf der einen und die Steuerverwaltungen auf der anderen Seite die Deckung der Staatsausgaben bewirken, völlig verschoben. 1899 lieferten die Betriebsverwaltungen einen Zuschuß von 315 Millionen, die Steuern einen solchen von 236 Millionen. 1999 dagegen belief sich der Zuschuß der Betriebsverwaltungen nur noch auf 216 Millionen, während der der Steuern auf 418 Millionen gestiegen war. Mit anderen Worten: 1899 deckten die Betriebsverwaltungen 57 Proz., 1909 nur noch 34 Proz. der Staatsbcdürfnisse. Wir erblicken darin einen erfreulichen Fortschritt, wir haben von jeher die Ueberschußwirtschaft be- kämpft, und wir sind auch heute noch der Ansicht, daß die Staatsausgabcn in erster Linie durch direkte Steuern be- stritten werden müßten, daß dagegen für die Benutzung staat- licher Betriebe oder ihre Produkte nur mäßige Gebühren er- hoben werden sollen. Namentlich aus der Einkommens- und der Ergänzunassteuer konnte weit mehr herausgeholt werden, wenn endlich mit aller Schärfe gegen die Steuerdrückerei vorgegangen würde. Ebenso gut wie die Arbeiter, müßten auch die anderen Klassen dcr Bevölkerung ihr gesamtes Ein- kommen versteuern. Wenn heute durch Steuerhinterziehungen allein an Vermögenssteuer 25 Millionen und an Einkommen- steuer schlecht gerechnet der doppelte Betrag dem Staat vcr- loren geht, dann ist die schlechte Finanzlage allerdings kein Wunder. Eine weitere Maßnahme zur Konsolidierung der Staats- finanzen wäre in der völligen Trennung dcr Eisenbahir- Verwaltung von der allgemeinen Staatsverwaltung zu er- blicken. Den Anfang dazu macht der neue Etat, allerdings in recht mechanischer Weise, indem er die über eine gewisse Grenze hinausgehenden Ueberschiisse der Eisenbahnen den übrigen Verwaltungen zu entziehen sucht und in den im Jahre 1903 geschaffenen Ausgleichfonds überführt. Will man zu wirklich gesunden Finanzverhältnisscn kommen, dann bleibt neben dcr Loslösung der Eisenbahnverwaltung von der all- gemeinen Staatsverwaltung nichts anderes übrig, als die alljährlich notwendigen Staatsausgabcn durch eine Quoti- sierung der Einkommens- und Vermögenssteuer aufzubringen, ein Vorschlag, der allerdings auf den lebhaften Widerstand der Besitzenden stoßen dürfte. Wenden wir uns zu verschiedenen einzelnen Etats, so fei zunächst an den 51 u l t u s e t a t erinnert, der, wie der Finanzminister in seiner Etatsrede hervorhob, in 10 Jahren von 152 auf 276 Millionen gestiegen ist. Die Tatsache an sich läßt sich nicht leugnen, aber man darf hierbei nicht über- sehen, daß in dem Kultusetat auch die oben erwähnten Aus- gaben für kirchliche Zwecke enthalten sind, und zweitens, daß gerade die Kulturaufgaben Jahrzehnte hindurch so vernach- lässigt wurden, daß es endlich an der Zeit ist, die Sünden der Vergangenheit gutzumachen. Wenn speziell die Aus- gaben für den Elementarunterricht von 85 auf 164 Millionen gestiegen, wenn in 10 Jahren 69 Seminare und 42 Präpa- randenanstalten gegründet' sind, so ist damit noch lange nicht gesagt, daß nun alles Versäumte nachgeholt ist. Nein, auch jetzt ist der Lehrcrmangel noch lange nicht beseitigt, auch jetzt laufen noch Kinder ohne jeden Unterricht uniher, auch jetzt steht die preußische Volksschule noch lange nicht auf dcr Höhe der Zeit. Das gleiche gilt von dem Medizinalwcsen, für das 5,3 Millionen ausgeworfen sind, eine lächerlich geringe Summe im Vergleich zu der hohen Bedeutung der öffent- lichen Gesundheitspflege. Ebenso stiefmütterlich wird die Gewerbeinspek- t i o n behandelt. Zwar sieht der Etat 5 neue Gewerbe- inspektionen(in Eharlottenburg, Sorau, Stolp, Osterode und Düsseldorf-Land) und außerdem unter Einziehung je einer etatsmäßigen Hilfsarbeiterstelle noch in Dortmund II, Witten und Saarbrücken neue Inspektionen vor; zwar werden für Berlin zwei weitere weibliche Assistenten gefordert, aber das entspricht auch noch nicht entfernt den Bedürfnissen. Der Ausbau der Gewerbeinspektion hat mit der EntWickelung der Industrie nicht Schritt gehalten. Einer größeren Fürsorge erfreut sich die P o l i z e i. Allein für die Polizeiverwaltung in Berlin und Umgebung wurden 2�j Millionen mehr gefordert, nicht weniger als 90 Beamtenstellen sollen neu geschaffen werden. Dazu kommen ferner 117 neue Beamte für die Polizeiverwaltung in den Provinzen, zwei neue Distriktskommissare für Posen und ein Vermehrung der Landgendarmcrie um 22 Köpfe. Auch die geheimen Ausgaben für Zwecke der Polizei, den bekannten mit 390 000 Mk. dotierten Spitzelfonds finden wir wieder, und zu allem Ueberfluß ist die Einrichtung einer Zucht- und Dressuranstalt für Polizei- Hunde in Grünhaide geplant, die an laufenden Ausgaben 9097 und an einmaligen 27 900 Mk. kostet. Für Zwecke der Fürsorgeerziehung sind 6 Millionen in den Etat ein- gestellt, 300000 M. mehr als bisher, weil die Zahl der Für- sorgezöglinge trotz aller Verfrommungsbestrcbungen sich gc- steigert hat. Trotz der traurigen Finanzlage denkt die Regierung gar nicht daran, an der richtigen Stelle-m sparen. Kostspielige Regierungsgebände, wie z. B. das in Düsseldorf für mehr als 31/*, Millionen werden errichtet, in Dresden, Hamburg, Karlsruhe, München, Oldenburg, Rom, Stuttgart, Darm- stadt und Weimar werden nach wie vor aus Kosten dcr Steuerzahler höchst überflüssiger Weise Gesandte bezw. Ministerresidentcn zu Repräsentationszwecken unterhalten. den Oberpräsidenteu werden wieder 214 Millionen zur Förderung und Befestigung des Deutschtums in Posen, Ost- und Wcstpreußcu. Oppeln und Schleswig-Holstein bewilligt. für Versuche zur Entschuldung des ländlichen Grundbesitzes werden 50 990 M. gefordert. Zur Begründung dieser letzten Forderung, die das erstemal im Etat erscheint, wird auf das Interesse des Staates an der Erhaltung eines leistungs- fähigen ländlichen Grundbesitzes hingewiesen. Ten zu cnt- schuldenden Stellen sollen Beihilfen zu den von ihnen für das Entschuldungsverfahren zu bildenden besonderen Sicher» hcitsfonds gewährt werden, und zwar werden die Beihilfen als zinslose, nach Ablauf von 30 Jahren rückzahlbare Dar» lehen gegeben. Es handelt sich zunächst zwar nur um einen auf 10 Jahre bemessenen Versuch, aber wer die Verhältnisse kennt, der wird wissen, daß die Einrichtung später zu einer dauernden wird, die ungeheure Summen verschlingt. So wird in geradezu unverantwortlicher Weise mit dem Gelde der Steuerzahler gewirtschaftet. Aber dem größten Teile des Volkes, vor allem den Arbeitern, die Verhältnis» mäßig das meiste zu den Staatseinnahmen beitragen, hält die Regierung und hält der Landtag die Rechte vor, auf die jedes zu politischem Leben erwachte, jedes reise Volk, einen nur allzu begründeten Anspruch hat. Das Volk ist gut genug, Steuern zu zahlen, alle Lasten zu tragen, aber wehe ihm, wenn es den ihm gebührenden Anteil an der Gesetzgebung und Verwaltung fordert! Auf die Dauer läßt sich kein Volk eine solche Zurücksetzung gefallen. Mögen die Herrschenden einlenken, ehe es zu spät ist! ..Da Kaudinlfche loch." Dcr Streit zwischen den reichsländischen Bischöfen und dcr Regierung Elsaß-Lothringens scheint in ein leeres Wort- geplänkel auszuarten, dessen schließliches Ergebnis höchst wahrscheinlich dasselbe sein wird, wie das des berüchtigten Hornberger Schießens. Die amtliche Straßburger Korrespondenz veröffentlicht soeben den Schriftwechsel zivischen dem Kaiserlichen Statt- Halter Grafen Wedel und dem Straßbnrger Bischof Dr. Fritzen, und zwar die Schreiben des Statthalters vom 9. Januar und vom 12. Januar und die Schreiben des Bischofs vom 10. und 13. Januar. In dem Schreiben des Statthalters an den Bischof Dr. Fritzen vom 9. Januar heißt es: „Nach den Ausführungen des in Elsaß-Lothringen geltenden Staatskirchenrechts erstreckt sich die amtliche Befugnis der geist» lichen Behörde ausschließlich auf die Angelegen» heiten, die dem religiösen und kirchlichen Ge- biete angehören. Mit diesem Grundsatz aber vermag ich die van Euer Gnaden an jeden einzelnen katholischen Lehrer gerichtete Mitteilung, die sich als eine in Ausübung des bischöflichen Amtes erfolgte Kundgebung kennzeichnet, nicht in Einklang zu bringen. Ich muß gegen die Behauptung einer solchen Befugnis um so er n st er Berlvahrung einlegen, weil ihre Anerkennung die katholischen Beamten des Landes bei der Ausübung ihrer dienst- lichen Pflichten und staatsbürgerlichen Rechte mir; zu leicht in Ge- Wissenskonflikte treiben könnte. Der Anschluß der elsaß-lothringischen Lehrer an den Deutschen Lehrcrvercin ist weder eine religiöse noch eine kirchliche Angelegen« hcit. Es handelt sich dabei um Fragen, die die Bcrnfsliitigkeit und die StandcSinteressen der Lehrerschaft alS solcher betreffe». Eine derartige Angelegenheit aber fällt in das Gebiet dcr Staats» Hoheit.... Im übrigen wird das Wesen der Schule nicht durch die Be» schlüsse eines irgendwie gearteten Lehrervereins bestimmt, sondern eS ist der staatlichen Gewalt vorbehalten, die Angelegenheiten des Unterrichts im Verein mit den verfassungsgemäß berufenen Faktoren zu regeln. Die grundsätzliche Auffassung, auf dcr die Aussührungen des dortseitigcn Schreibens beruhen, müßten meines ErachtcnS zu unhaltbaren Zuständen führen. ES würden die kirchlichen Behörden das Recht herleiten können, Lehrern und Beamten nicht nur in außerdienstlichen, sondern auch in dienstlichen Angelegenheiten, sofern nur ein mittelbares oder vermeintliches kirchliches Interesse geltend gemacht werden könnte. Verhaltungsmaßregeln zu erteilen, was ein direkter Eingriff in die dem Staate zustehende Disziplin über seine Beamten sein würde. Wie Euer Gnaden sich versichert halten dürfen, daß die Rc» gierung es stets als ihre Pflicht erachten wird, die durch das geltende Staatskirchenrecht gewährleisteten Rechte und Befugnisie der kirchlichen Behörden nicht nur uneingeschränkt anzuerkennen. sondern auch voll zu unterstützen, ebenso darf ich erwarten, daß die letzteren eS sorgfältig vermeiden werden, die Grenzen zu über schreiteir, die jenes Staatskirchenrecht zwischen der Kompetenz der staatlichen und kirchlichen Behörden gezögen hat. Dem erwünschten ungetrübten Frieden zwischen staatlicher>md kirchlicher Obrigkeit wird dadurch sicher am besten gedient sein." Was der Straßburger Bischof auf diesen Brief ge antivortet hat, das hat der offiziöse Draht bisher seltsamer weise noch nicht übernnttelt, doch ergibt sich aus dem Schreiben des Statthalters vom 12. Januar, daß der Straßburger Bischof sich nicht zur Zurücknahme irgend eines seiner schrift lichen Aeußerungen bewogen gefühlt hat; denn in diesem späteren Schreiben schreibt der Graf- v. Wedel: „Mit Euer Gnaden bin ich durchaus der Ansicht, daß etwaige gegensätzliche Auffassungen auf staatlicher und kirchlicher Seite durch beiderseitigen guten Willen und freundliches Entgegen- kommen in den einzelnen Fällen auf eine beide Teile zufrieden- stellende Weise gelöst werden können, und wird die Regierung dazu stets gern die Hand bieten. An ihrem in meinem letzten Schreiben entwickilten, auf die Gesetze und daS Staatskirchenrecht gestützten Standpunkt aber muß die Regierung nicht nur unbedingt festhalten, sondern sie wird denselben gegebenenfalls auch mit aller Entschiedenheit vertreten. Ich vermag daher auch nach wie vor nicht anzuerkennen, daß Euer Gnaden Kundgebung an die katholischen Lehrer in einer Angelegenheit, welche deren Berufs tätigkeit und Standesinteresscn betraf, die zwischen staatlicher und kirchlicher Gelvalt gezogenen Grenzen gewahrt." Der Statthalter erklärt dann noch, daß er bei Lage der Verhältnisse die Veröffentlichung des Briefwechsels für geboten erachte. Die Antwort des Bischofs vom 13. Januar schließt mit folgender Versicherung „Ich begrüße mit lebhafter Genugtuung die mit meiner Ansicht übereinstimmende Aeuherung Eurer Exzellenz, daß etwaige grund- sätzliche Auffassungen auf staatlicher und kirchlicher Seite durch beider- feitigen guten Willen und freundliches Entgegenkommen in den einzelnen Fällen auf eine beide Teile zufriedenstellende Weise gelöst werden können und die Regierung dazu stets gern die Hand biete. Wenn es dann weiter heißt:„An ihrem in dem oben erwähnten Schreiben entwickelte, auf die Gesetze und das Staatskirchenrecht gestützten Standpunkt aber niuß die Regierung nicht nur un- bedingt festhalten, sondern sie wird denselben gegebenenfalls mit aller Entschiedenheit vertreten", kann ich an dem bereits in meinen Zuschriften vom 4. und 10. Januar zur Genüge dar- gelegten Standpunkt festhalten. Ich kann nicht anerkennen, daß ich durch die Warnung an die katholischen Lehrer, bei der ich nur die religiöse Seite der Frage im Auge hatte, die Grenzen - der bischöflichen Gewalt überschritte» habe. Obwohl dieser beider- seitige wiederholte Meinungsaustausch bei der Verschiedenheit . unserer Gesichtspunkte schwerlich zu einem anderen Ergebnis i n der Theorie führen wird, hege ich trotzdem die Hoffnung, daß in der Praxis, wie es für die Vergangenheit der Fall war, so auch in Zukunft unserem Lande der Segen eines ungetrübten religiösen Friedens voll und ganz erhalten bleiben wird. An dieser letzten Antwort des Straßburger Bischofs ist nicht nur interessant, daß er wohlgemut auf seinem Standpunkt bcharrt, sondern auch mit überlegenem Humor zum Schluß dcnl Grasen v. Wedel den guten Rat gibt, dq die Angelegenheit sich doch auf theoretischem Gebiet nicht auS- tragen lasse, sich einfach zu fügen und weitere Schreibereien zu unterlassen, damit dem Lande der religiöse Frieden er- halten bleibe. S ,..Saltte«her. die Regierung nicht vorziehen, sich �zu fügen, dann sind, wie die ZcntrumSpresse ankündigt, Kirche und Zentrum bereit, den Kampf mit aller Rücksichtslosigkeit auf- zunehmen. So schreibt in ihrer letzten Nummer kampflüstern die„Germania": „Daß die Negierung von Elsaß-Lothringen, wie der Statt- Halter schreibt, gegebenenfalls ihren Standpunkt„mit aller Entschiedenheit vertreten" will, gewährt keine rosigen Aus- sichten. Eine solche Sprache kann man nur führen, wenn man der Deckung sicher ist. Zum Glück zieht die Kompetenzfrage direkt keine weiteren Folgen nach sich. Aver, wie die elsaß- lothringische Regierung sich in Zu kirnst zu dem ErzichungSrecht der Kirche stellen wird. dürfte für keine» Menschen zweifelhaft sein. D i e Strömungen in den NeichSlanden und in Preußen sind miteinander verwandt. Soll uns der Kampf beschieden sein, soll der neue Kulturkampf um die Schule, den schon Windthorst vorausgesagt hat. noch schärfere und deutlichere Formen annehmen als bisher, wir find bereit. Und für manchen Katholiken wird es eine Lehre fein, aus welchem Anlaß der Kampf in Elsaß° Lothringen— sei es für die Reichslande allein, sei eS für das ganze Deutsche Reich— hervor- gegangen ist." Es wird der Regierung in Anbetracht ihrer Schwäche kaum etwas anderes übrig bleiben, als sich unter daS„kaudimsche Joch" zu beugen._ Oernirnrgs Sieg über die Südwest- Afrikaner. Die Budgetlommission des Reichstages beschäftigte sich am Freitag während der ganzen Sitzimg nochmals mit der Diamanten- gewinnung in Südwestafrika. Bekannilich hat Staatssekretär Dem- bürg die Diamantfelder in unserer südwestastikanischen Kolonie zu einem Teil der Ausbeutung durch das private Kapital insofern ent- zogen. olS er das wichtigste Gebiet gesperrt und den Betrieb der Deutschen Kolonialgesellichast und der Deutschen Diamant- gesell schaft(einer Tochtergesellschaft der ersteren) übertragen und dem Reiche durch Einführung des BerwaltungSmonopolS einen erheblichen Anteil am Reingewinn gesichert hat.(vorausgesetzt innner, daß der Betrieb rentabel bleibt!) Durch diese Maßnahme sahen sich die n i ch t zu der genannten Gesellschaft gehörenden Ka- pitalisten und solche, die«S durch Ausbeutung der Diamantfelder so schnell wie möglich werden wollen, in„Südwest" geschädigt. Auf deren Betreiben berief der Bürgermeister Kreplin von der Stadt Lüderitzbucht eine Versammlung ein, in der man heftige Angriffe gegen Dernburg erhob und seine Entfernung vom Meichskolonialamt verlangte! Die Versammlung. die— nach einem Bericht der„Lüderitzbuchter Zeitung" vom 4. Dezember 1909— von 400 bis 500 Personen besucht war(eine tiir die dortigen Verhältnisse außerordentlich hohe Zahl), nahm ein- stimmig folgend« Resolution an: „Den Reichstag bei Zusammentritt zu bitten, eine Unter- suchungSkonmnssion einzusetzen zur Prüfung der Grün- . düngen der Dernburgsche» Diamantgeicllschaften und der Berhandlungc», welche zu Vertragsabschlüssen geführt haben. und namentlich zu bitten. daß der Bertrag mit der Diamantgesellschaft über den März 1311 hinaus nur unter an- gemessenen Bedingungen gegen wirkliche Gegenleistungen für den LaiidfiskuS verlängert werden darf, nachdem bis zu- ständigen Dienststellen im Schutzgebiete und Landesrat befragt und die Bedingungen für an- n e h m b a r gefunden worden sind." In längeren, zum größten Teil vertraulich zu behandelnden Ausführungen wies Staatssekretär Dernburg die gegen ihn er- hobenen Vorwürfe zurück und behauptete. daß er im Interesse der Gesamtkolonie nicht anders handeln durfte. Die Leute, die sich hier beschwerten, hätten schnell sehr reich werden wollen und fühlten sich durch seine Matznahmen verletzt. Es sollten übrigens der Kolonie keine Werte entzogen werden, fondern die auZ der Beteiligung des Fiskus an dem Diamantengeschäft erzielten Mehreinnahmen für die Kolonie, namentlich für den Lahnbau, verwendet werden. Die Kommission beschloß nach längerer Debatte auf Antrag des Referenten Dr. Semler einstimmig, über die Petition zur Tagesordnung überzugehen. Ein Antrag des Zentrums. wonach im Nachtragsetat eine Anmerkung gemacht werden solle, daß „Bergwerksberechtigungen und La ndkon Zessionen vorder Erteilung dem Bundesrat und dem Reichs- tag vorzulegen seien", wurde zurückgezogen, nachdem Staatssekretär Dernburg ihn, weil in vielen Fällen unausführbar bekämpft hatte._ Die britischen Ashle». London, 13. Januar.(Eig. Ber.) Englische Parlamentswahlen werden nicht an einem einzigen Tage zum Abschluß gebracht, sondern sie dauern ungefähr ztvei Wochen. In dieser Wahlzeit finden täglich vierzig bis neunzig Wahlen statt, so daß die Ergebnisse langsam einlaufen. Allein die ersten drei Wahltage zeigen deutlich die vorherrschende politische Strömung und lassen daS Gesamtergebnis voraussehen. Der erste Wahltag ist Sonnabend, der 15. Januar, der letzte Wahltag wahrscheinlich der 29. Januar. Selten wurden einer Wählerschaft ernstere und umfassendere Fragen zur Entscheidung vorgelegt als die. die in den nächsten ochen im Vereinigten Königreiche durch den Stimmzettel entschieden werden sollen. Demokratie oder Oligarchie, Fort- entwickelung oder Rückentwickelung, Freihandel oder Schutz- zoll,— das sind die Alternativen, vor die die britischen Bürger gestellt wurden. Das englische Volk steht am Scheidewege. Soll es im englischen Sinne vorwärts marschieren oder im preußischen Sinne rückwärts schreiten? Die Liberalen vertreten das englische, die Konservativen das preußische Ideal. Der Wahlkampf war recht lebhaft. Die Liberalen traten in ihn ein mit dem Rufe: Für die Verfassung I Für die Oberherrschaft des Unterhauses! Für Freihandel! Die Kon- servativen ließen das ganze konstitutionelle Problem aus dem Spiele und wandten sich wirtschaftlichen und äußerpolitischen Fragen zu: Tarifreform(Schutzzoll) und Flottenrüstungen gegen die deutsche Gefahr. Es ist außerordentlich schwierig zu sagen, welche dieser Parteiparolen am meisten eingeschlagen hat. PosMve Nach- richten liegen dem Beobachter dieses Wahlkampfes nicht vor. Bemerkenswert ist jedoch die Tatsache, daß die liberalen Wahl- rcdner sich immer mehr mit der Verteidigung des Freihandels. mit der Kritik gegen Tarifreform und mit der Zurückweisung der Angaben über die deutsche Gefahr beschäftigen mußten. Daraus darf geschlossen werden, daß die liberalen Führer die Agitation der Konservativen für wirksam hielten. Man be- kämpft doch nur das, was an Kraft gewinnt. Der hervorstechendste Unterschied zwischen den beiden Parteien läßt sich vielleicht am besten durch folgenden Gedanken bezeichnen. Für die leitenden Geister der Konservativen be steht die größte Tatsache des zeitgenössischen Lebens i m Aufstieg des Deutschen Reiches. Für die leitenden Köpfe der Radikalen besteht die größte Tatsache des zeit gcnössischen Lebens in der Loslösung der organi- sicrten Arbeiter vom Liberalismus und in der Gründung einer selbständigen Arbeiter- Partei. Für den sozialistischen Arbeiterpolitiker ist selbstredend letztere Tatsache ebenfalls die größte, während ihm der Auf- stieg des Deutschen Reiches als ein Ereignis zweiter Ordnung erscheint. Dennoch besteht ein großer Unterschied zwischen ihm und den Liberalen. Der sozialistische Arbciterpolitiker wünscht eine weitere Stärkung der Arbeiterpartei, während die Libe- ralen mit Besorgnis auf die Arbeiterpartei blicken. Welche der beiden alten Parteien hat bessere Aussichten auf Erfolg? Voraussagen sind schwierig, da eS unbekannt ist, wie weit die Agitation der Tarifreform die Masten gewonnen hat. ES ist wahrscheinlich, daß viele Wähler, die früher fiir die Libe- ralen gestimmt haben oder die— ohne die Frage der Tarif- reform— jetzt für die Arbciterkandidaten gestimmt haben würden, in den kommenden Wochen den Schutzzöllnem ihre Stimmen geben werden. Ebenso ist es wahrscheinlich. daß viele konservative Wähler jetzt— aus Liebe zur Konstitution— für die Liberalen stimmen werden. Allein über das numerische Verhältnis dieser Verschiebungen ist nichts genaues bekannt. Jedoch dürften in bezug auf unsere Frage folgende Erwägungen beachtenswert sein: Das Parlament, daS auS den Januarwahlen deS Jahres 1906 hervorgegangen war. hatte folgende Zusammensetzung: Liberale(Radikale)....... 899 Selbständige Arbeitervertreter... 2V Nationalisten(Iren)...... 83 Konservative(Unionisten)'.... 1S8 �. 070 die Liberalen eine ihre 168 Mandate behaupten und 167 neue Mandake ge- Winnen, uni in einem Hause von 670 Mitgliedern den anderen Parteien das Gleichgewicht halten zu können. Dann aber müssen sie mindestens noch 25 Mandate gewinnen, um eine kleine Mehrheit zu haben und die Regierung zu übernehmen. Diese Mehrheit wäre prekär genug, immerhin aber wäre sie eine Mehrheit. Alles in allem müßten die Konservativen nicht nur ihre alten 168 Mandate behaupten, sondern noch über 200 neue den Liberalen und Arbeitern abnehmen, un' wieder zur Regierung zu gelangen. Sie müßten an jedem Wahltage in ihren eigenen Wahlkreisen durchweg siegen und durchschnittlich 15 bis 20 neue Mandate gewinnen. Man wird zugeben, daß die Aufgabe der Konservativen außerordentlich schwierig ist. Tie Enttäuschung über die Leistungen der letzten libe- ralen Regierung und über die Haltung der Arbeiterpartei müßte schon sehr bitter sein, andererseits müßte die Be- geistcrung für Tarifreform viel sichtbarer hervortreten, um die Wähler in Massen ins konservative Lager treiben zu können. Und von einer derartigen Enttäuschung einerseits und einer allgemeinen Begeisterung andererseits ist nichts zu verspüren.— Die Arbeiterpartei stellte 77 Kandidaten auf, wovon 25 den Bergleuten gehören. Unter den 77 Kandidaten sind nur 4, die nicht strikte zum Proletariat gehören und unter diesen 4 gibt es nur einen, der den Doktortitel trägt. Die übrigen sind insgesamt gewerkschaftlich organisierte Arbeiter, die ihren Gewerkschaften als Sekretäre, Organisatoren usw. dienen. Es wurden in folgenden Wahlkreisen Arbciterkandidaten auf- gestellt: Arbeiterkandidat I. Poinier C. Duncan R. Gageby I. I. Siepbenion E. Hughes E. Sckepvard G. Lansbury G. N. BarneS A. H. Gill A. Henderson„ E. W. Jowett„ Blackburn...... Philipp Snowden„ Camlachin...... O'Connor Kessack konservativ u. liberal ahlkreis Attercliff(Sheffield)... Barrow-in-Fnrneß... Belfast(Nord)..... Birmingham(Ost)... BordeSley(Birmingham). Bristol(Ost)..... Bow u. Bromley(Land.-Ost) Blackfriars(Glasgow).. Bolton....... Barnard Castle.... Bradford(West) Gegenkandidaten konservativ konservativ u. liberal konservativ konservativ u. liberal konservativ Creive. Cockcrmouth...... Cbalham....... Clitheroe....... Chcster-le-Street(Durham) Dundee....... Derbh. E. H. Rooic I. P. Whitehead I. H. JenkinS D. I. Sbackleton I. W. Tahlor Alex. Wilkie I. H. Thomas konservativ Dcptford....... C. W. Bvwerman EccleS- Gorton.'.,.. Gower..... Hhde Holmfirih.... Huddersfield... Halifax..... Jarrow..... Liverpool(Kirkdale). Liverpool(West).. Lecds(Ost).... Leith...... Menhyr..... Manchester(Nordost). Manchester(Südwest) Middlesborough.. Newrastle.... Norwich..... Newton..... PortSmouth. ©. H. Stuart I. Hodge I. T. Brownlie W. C. Anderson 88. PicklcS H. Snell I. Parker P. Curran A. G. Cameron I. Sexton I. O'Grady W. Waller Steir Hardie I. R. ClyneS I. M. Maclaylan P. Wall« W. Hudson G. H. Roberts I. A. Seddon W. S. Sanders Presto»....... I. T. Macpherson Slockport G. I. Wardle Snnderland...... I. Summberbell Sycn Wallet) Tcwkßbury.... Wokefield..... Woollvich.... Wolverhampton(West) West Ham(Süden). Westhoiighton».. Atzrshire....... Chastersteld...... Derbyshire(Nordost)... Derbpshire(Mittel)... Bishop Auckland(Durham) Eise(West)...... Gateshead...... Glamorgan(Süd)... Gower....... Hanlel)....... Hallamshire...... Jiice........ Stephan Malsch Leigh T. G rennall Lanark(Mittel) I. R. Williams C. H. Fox Dr. S. Coit W. Crooks T. F. Richards W. Thorne W- T- Wilson Bergleute. I- Brown I. Haslam M. E. Harvey I. G. Hamcock W. House SS. Adamson I- Johnson W. Brace I. Williams E. Edwards I. Wadsworth konservativ u. liberal konservativ konservativ u. liberal konservativ konservativ u. liberal konservativ u. liberal konservativ konservativ u. liberal konservativ konservativ«. liberal konservativ konservativ u. liberal konservativ konservativ u. liberal konservativ konservativ u. liberal konservativ konservativ u. liberal konservativ konservativ u. liberal konservativ konservativ u. liberal JnSgcsamr. Gegenüber den Konservativen hatten Mehrheit von 241 Stimmen. In den meisten Fällen stimmten die Arbeiter und die Nationalisten mit der Regierung, die demgemäß auf eine Mehrheit von 353 Stimmen rechnen durfte� Im Laufe der letzten Legislaturperiode fanden eine Anzahl Nachwahlen statt, bei denen die Konservativen 12 Mandate, die Arbeiter und Sozialisten 3 Mandate den Liberalen abnahmen. Bei Auf- lösung des Parlaments zeigte das Unterhaus folgende Zu- sammensetzung: Liberale(Radikale)...... 334 Selbständige Arbeitervertreter... 32 Unabhängiger Sozialist..... 1 Nationalisten(Iren)...... 88 Koniervanve(Unionisten).... 168 Unerledigte Nachwahlen..... 8 Insgesamt.. 670 Die liberale Mehrheit gegenüber den Konservativen betrug immer noch 214. Da die Konservativen weder auf den Beistand der Arbeiterpartei noch auf den der Iren rechnen können, so müssen sie— wenn sie siegen sollen-> vorerst Lanark(Nordwest) Manchester(Ost). Morley.... Normanton.. Nuneaton... Monmouth... Rhondda.... Stafford(Nordwest) St. Helens... Wiaan.... Whnehaven... konservativ konservativ u. liberal konservativ konservativ u. liberal T. Greimall R. Smillie R. Small I. E Sultan H. Smith F. Hall W. Johnson T. Richards W. Abraham A. Stanley T. Glower H. Twist A. Sharp In Colne Valley kandidiert Victor Grayson gegen einen Konservativen und einen Liberalen. Die Sozialdemokratische Partei hat folgende Kandidaten: H y n d m a n in Burnley, wo ihm ein Konservativer und ein Liberaler entgegenstehen: Queich und Gribble kandi- dieren in Northamptoir, Herbert Burrows in Haggerston(Ost-Lpndon): Kennedy in Aberdeen: Pureell in West-Salford: Hartley in Bradford: Thorne in West-Green. Letzterer ist auch Kandidat der Arbeiterpartei. In Hydmans Wahlkreis wird am Sonnabend gestimmt, das Resultat wird aber erst spät in der Nachi be- kannt sein. Man darf annehmen, daß von den 77 Kandidaten der Arbeiterpartei etwa 50 erfolgreich sein werden. Von den sozialdemokratischen Kandidaten hat nur Hyndman einige Aussichten auf Erfolg. Thorne wird selbstredend gewählt, da die Arbeiterpartei hinter ihm steht und da er nur einen Gegenkandidaten— einen Konservativen— zu bekämpfen hat.— Die Wahlkosten der Arbeiter- und sozialistischen Kan- didaten werden sich auf mindestens eine Million Mark belaufen.— Am 15. Januar(Sonnabend) werden 74 Wahlen vor- genommen: 12 in Londoner Gemeinden, 62 in den Provinz- städten. Von diesen 74 Wahlkreisen gehörten 37 den Lilie- ralen und den Arbeitern und 17 den Konservativen. Sollten letztere einige Aussichten auf einen endgültigen Sieg haben, so müßten sie an diesem Tage ihre 17 Mandate behaupten und etwa 23 Mandate den Liberalen und den Arbeitern ab- nehmen. Unter den Städten, in denen am Sonnabend ge- wählt wird, befindet sich Birmingham, Manchester, Salford, Wolverhampton, Southampton, Oxford, Cambridge, Burnley und Derby. Nächsten Montag finden S2 Wahlen statt. An den beiden ersten Wahltagen wird der vierte Teil des Unterhauses ge- wählt sein. q- Tie ersten Abgeordneten. London, 11. Januar. Die Parlamcntswahlen begannen heute mit der Wiederwahl von Joseph Chamberlain in West-Birmingham. Ein Gegenkandidat war dort nicht aufge- stellt. Ebenso wurde in Durham und Bury St. Edmonds je ein U n i o n i st— gleichfalls ohne Gegenkandidaten— gewählt. Politische(leberlickt. Berlin, den 14. Januar 1910. Juristische Flickarbeit. Aus dem Reichstag. 14. Januar. Die beiden Justizgesetze, die als Erbschaft aus der vorigen Session dem Hause neu vorgelegt sind, das Gerichtsverfassungs- g e s e tz und die Strafprozeßordnung, kamen heute in erster Lesung zur Verhandlung. Bewundernde Auer- kennung fanden die Entwürfe bei den zünftigen Juristen konservativer Observanz. Der konservative Landgerichtsrat Wagner aus Sachsen und der freikonservative Amts- gerichtsrat Varenhorst aus der Lüneburger Heide quollen über vor loyalein Entzücken ob des großen Werks. Herr Wagner hatte allerdings noch einige Erweiterungs- wünsche. Selbst dieser Berussrichtcr redete der Einführung der Schöffen auch in zweiter Instanz das Wort. Weniger enthusiastisch war der nationalliberale Abg. H e i n z e, gleich Herrn Wagner ein sächsischer Richter, doch hatte auch er keine prinzipiellen Einwendungen gegen den Entwurf zu machen. Auch Herr Gröber vom Zentrum war im großen und ganzen zufrieden, ging aber in Einzelheiten dem Entwurf schärfer zu Leibe als sein Vorredner. Auf Grund seiner Erfahrungen trat er entschieden für die Ausdehnung des Laienelements in der Rechtspflege ein, forderte auch, daß in der Voruntersuchung größere Rechtsgarantien gegeben werden sollten. In der Rede des freisiningen Mg. Müller- Mei° jungen trat dann die schärfere Opposition zu Tage. Offenbar hat 4>er Herauswurf aus dem Block das kritische Vermögen dieses freisinnigen Stimmungspolitikcrs günstig beeinflußt. Er kennzeichnete den Entwurf als ein Werk ohne jeden schöpfe- rischen Gedanken, mit dekorativem Fassadcnputz, und meinte, sobald wir an die unvermeidliche Reform des S t r a f r e ch t s kämen, inüsse doch wieder von neuem die Strafprozeßordnung umgearbeitet werden. Namens seiner Partei erklärte er bann auch, daß der Entwurf, wenn an ihm in der Kom- jnission nicht erhebliche Verbesserungen zustande kämen, für die Freisinnigen unannehmbar sein würde. Auch, der Pole v. D z i e m b o w s k i- P o m i a n nahm eine merklich ab- lehnende Haltung ein. Zwischendurch hatte der preußische Justizministcr Herr B e s e l e r das Wort zur Verteidigung des Entwurfs er- griffen. Dabei verstieg er sich zu der Behauptung, daß die größere Beteiligung des Laicnelements an der Rechtsprechung große Bedenken habe wegen des Mangels an Ver- antwortlichkeitsgefühl ini Volke. Herr Müller erwiderte darauf, dieser Mangel rühre her von der Polizei- licheu Bevormundung der Deutschen. Er rief dem Minister zu: Geben Sie dem Volk mehr Rechte! Es ist dem Abg. Müller also doch noch nicht klar geworden, daß ein Volk sich Rechte nicht schenken lassen kann durch die Bureaukratie, sondern daß es sich diese Rechte erobern muß im harten Kampf, wie unsere Partei es erstrebt. Morgen kommt die Sozialdemokratie zum Wort. Bündler-Perfidie! Das Jntelligeuzblatt der Landbüudler, die„Deutsche T a g e s z t g." leistet sich in ihrer letzten Nummer wieder eine seiner bekannten Perfidien gegen die sozialdemokratische Arbeiter- schaft. Sie zieht aus dem gestern von uns veröffentlichten Aufruf„An die Sozialdemokratie in Preußen" die Folgerung, daß die Sozialdemokratie Krawalle zu ver- anstalten gedenke, und fordert mit verschmitztem Lächeln die Polizei zum Dreinschlagcn auf. .Man wird also", meint daS ehrsame Blatt,„darauf vor- . bereitet sein müsse», daß die Genossen in den nächsten Wochen Krawalle zu veranstalten versuchen werden. Die Polizei wird sicher auf dem Posten sein und ihre Pflicht tun. Das mögen sich die roten Herren gesagt sein lasten." Vielleicht will das alberne Bündlerblatt durch diese Notiz beweisen, wie sehr nicht nur die bekannte Intelligenz, sondern auch die sittliche Bildung seiner Anhängerschaft diese zur Herr- schaft im Kulturstaat Preußen befähigt. Ter Erfolg der Agrarzölle. In welchem Maße durch die letzten Erhöhungen der landwirt- schasllichen Schutzzölle die Preise der Landgüter und der Boden- pachten gestiegen sind, dafür liefert die dem preußischen Abgeordneten- hause von dein LandwirtschaftSministerium zugestellte Uebersicht über die Domänenpacktungen interessante Belege. Nack dieser Uebersicht sind in, Jahre lv09 in Preußen im ganzen 28 Domänen mit einer Fläche von»721 Hektar neu verpachtet worden. Sie waren bis dahin in der Anfang der S0er Jahre beginnenden Pacht- Periode zu einem Pachtpreis von 447 580 M. verpachtet gewesen; ergeben aber jetzt bei ihrer Neuverpachtung einen Pachtzins von 491 734 M., also 441S4 M. mehr als in der abgelaufenen Pachlperiode. Nur 6 von diesen 26 Domänen brachten bei der Neu- Verpachtung einen geringeren Pachtzins. Dabei muß noch berück- sichtigt werden, daß der Flächeninhalt der neu verpachteten Domänen jetzt um 431 Hektar kleiner ist als in der vorigen Pachtperiode. Zu Johannis 1010 läuft für weitere 27 Domäne» die bisherige Pachtperiode ab, die 1802 begann. Auch diese Domäne» sind bereits wieder neu verpachtet worden. Sie ergeben gegenwärtig eine Pacht von zusammen 631 693 M. und sind von Johannis 1310 ab zum Pachtpreis von 506 462 M. verpachtet worden. Sie liefern also einen um 6 4 760 M. oder 12 Pro- z e n t höheren Pachtzins. Folgen des Kieler Werftprozesses. Die Niederlage der Anklagebehörde im Kieler Werftprozeß hat jetzt zur Versetzung aller drei daran beteiligte» Staatsanwälte geführt. Nachdem StaatZanwalt Neils nach Glatz und Staatsanwalt- schaftörat Marschner nach Frankfurt a. M. versetzt worden ist, wird heute bekannt, daß der Erste Staatsanwalt Greffrath nach Neuwied versetzt wurde._ Tie preustische Regierung hat Zeit! Die Korrespondenz W o t h meldet: „Die preußische Wahlreformvorlage wird, wie wir hören, vor Mitte Februar aus keinen Fall an daS Abgeordnetenhaus gelangen, wahrscheinlich ist sogar ein späterer Termin. Unter diesen Umständen ist an eine erste Lesung der Vorlage vor Ostern Im Plenum schon mit Rücksicht auf die übrige GeichäflSlage des Hauses nicht zu denken. Die Stimmung innerhalb der Parteien geht schon heute dahin, die Vorlage erst der vffeullicheii Kritik zu unterbreiten und sie nach Erledigung des Etats zu beraten. Die EtatSveratung wird aber, obgleich sie wieder wie in den Vorjahren kontingentiert werden soll, vor Ostern nicht zu Ende geführt werden können, i o daß die Wahlvorlage er st Ende April zur Ve- ratung kommt. Für den Fall, daß diese Wahlvorlage eine Verfassungsänderung vorsieht, müssen sowohl im Abgeordnetenhause wie im Herrenhause zwei Abstimmungen statlfindeii. die 21 Tage voneinander zeitlich getrennt sein müssen. Wenn die Wahlreform also noch im Sommer 16l0 verabschiedet werden soll, so dürste sich die Session sehr in die Länge ziehe»." Mit anderen Worten: die preußische Regierung will das Volk wieder einmal in den April schicken! Das Bekenntnis eines Zentrumsabgeordneten. München, 12. Januar.(Eig. Ber.) Lei der Beratung des Entwurfs des Malzaufschsoggesetzes stellte die sozialdemokratische Fraktion den Antrag, daß die Brauerciarbeiter im Falle ihrer Arbeitslosigkeit infolge KonsumrückgangeS eine Entschädigung erhalten sollten. Der Reichs- und LandtngSabgeordnete Speck sprach sich namens seiner Freunde gegen den Antrag aus und bemerkte: Seine Fraktion im Reichstag habe sich bei Beratung der Reichs- finanzreforiu grundsätzlich auf den Standpunkt gestellt, daß Ent- schädignngcn an Arbeiter, die infolge der Slcucrgcsctze arbeitslos werden, nicht gewährt werden sollen. Bei den T a b a k a r b e i t e r n habe man eine Ausnahme ge- mackt, weil es sich zumeist um kränkliche, schwächliche und halb- invalide Menschen handele. DaS Zentrum werde für weitere AuS- nahmen uickit eintreten. DaS Interessante dabei ist noch weiter, daß schon seit Wochen ein Antrag auf Entschädigung der Brauereiarbeiter vorliegt von— Dr. H e i in, dem Fraktionskollegen des Abgeordneten Speck. Es ist eine feine Steuermoral, durch Steuergesetze Arbeiter arbeitslos zu machen und sie dann im Elende liegen zu lasten I ES ist eine saubere christliche Sozialpolitik, die das Zentrum bei dieser Gelegenheit wieder treibt._ Uebersichten über die Arbeiterverhältnifse in den Betrieben der Heeres- und Marineverwaltung sind dem Reichstage zugegangen. Die Uebersichten geben Aufschluß über Arbeitszeit, Arbeitslohn, Versicherungen und über die Stärke deS ArbeitSperionalS. Bei der Marineverwaltung betrug die Arbeitszeit 0 Stunden, Usberstunden wurden, wie es heißt, möglichst vermieden. Der Tageslohn bewegte sich zwischen 5,60 M. und 6,40 M. siir den Handwerker. Der Hilfshandwerker bezog 4,00 M. Die Monats- löhne betrugen 102 bis 113 M. Arbeiterinnen erhielten 2,50 M. pro Tag. Insgesamt wurden 33 080 210 M. an Arbeiterlöhnen aus- gegeben bei etwa 22 000 Arbeitern. Bei der preußischen Heeresverwaltung betrug die Arbeitszeit 7 bis 10 Stundeu, der Arbeitsverdienst 2,60 bis 8,00 M. nach der Arbeiterkategorie._ FreifinnS-Sittcn. Der„fortschrittliche" Verein„Waldeck" ließ gestern sFreitag) abend den freisinnigen Abgeordneten Dr. Ablaß über:„Die Einigung der Linksliberalcn" reden. Dieses Thema interessierte die Waldcck-Jünger dermaßen, daß sich ganze 25 Mann- lein und zwei oder drei Weiblein eingefunden hatten, um dem Vor- trag zu lauschen. Bevor oer Referent daS Wort erhielt, wurde vom Leiter der Versammlung erst eine„freisinnige" Exekution vollzogen. ES hatten sich nämlich drei Herren eingefunden, die nicht dem neu und linkslibcral vereinigten Parteigcmisch angehören. Das war ruchbar geworden, und die„Gegner" wurden ersucht, die Tür von draußen zuzumachen! Als Handhabe für diese Maßregel benutzten die„Freisinnigen" den Umstand, daß sie laut Säulenplakat nur „Parteigenossen" eingeladen hatten I Die Hinauskomplimentierten empfahlen sich, und mit ihnen gingen noch ein paar Personen, denen die Geschichte zu„freisinnig" war. Darauf konnte Dr. Ablaß, dem die Rabiathcit seiner Freunde gar nicht recht zu gefallen schien, vor knapp 20 Personen seinen Bortrag halten.__ Die liberale Einigung in Thüringen hat zu einem Wahlkartell geführt, das in der Aufstellung der Kan- didaten zur nächsten Reichstagswahl zur Ausführung kommen soll. Die beiden liberalen Gruppen respektieren zunächst den Besitzstand ihrer ReichStagsmandate im Herzogtum Meiningen sowie in den Fürstentümern Schwarzburg und Reu ß. Den Wahlkreis We im a r- Ap o ld a. den zurzeit der Antisemit Graes vertritt, haben die Nationalliberalen den Freisinnigen überlasten. wofür diese auf eine eigene Kandidatur in Eisenach-Dermbach zu- gnnsten der Nationalliberale» verzichten müssen. Ueber den Wahl- kreis I e n a- N e u st a d t ist eine definitive Entscheidung noch nicht getroffen. Die Freisinnigen beanspruchen die Kandidatur für sich. Daftir soll Koburg den Nationalliberalen überlassen werden. Armennnterstützung und Wahlrecht. Im Meininger Landtag wurde gestern ein neues Gesetz ange- nommen, da« Leslimniungen darüber trifft, wie weit durch Armen» Unterstützungen öffentliche Rechte beeinträchtigt werden. Das einstimmig aiigeiiommene Gesetz, das gegenüber den» bis- herigen Znstand einen wesentlichen Fortschritt bedeutet, lautet: ES gilt künftig nicht als Armenunterstützung: 1. Die Kranlen- Unterstützung, 2. die einem Angehörigen wegen körperlicher oder geistiger Gebrechen gewährte Aiytaltöpflege, 3. lliiterstiitzungen zum Zwecke der Jugendfürsorge(einschließlich der Kosten für Zwangs- erziehnng), der' Erziehung oder Ausbildung für einen Beruf, 4. sonstige Unterstützungen, wenn sie nur in der Form vcreinzeller Leistungen zur Hebung' einer augenblicklichen Notlage gewährt sind, 5. Unterstützuugeu, die erstattet sind. Die loyale Handhabung des Bereinsgefetzes in Hauibueg. Einige Monate nach Inkrafttreten des Reichsvereinsgefetzc» fand in Hamburg eine öffentliche Versammlung der Handlungsgehilfen statt mit der Tagesordnung:„Der Reichstag mid die Forderungen der HandlungSgehilfenschaft". Diese Versammlung hielt die Polizei- behörde für eine politische, die angemeldet oder in der ortS« � üblichen Weise vekanntgemacht werden müsse. Gegen daS polizeiliche j Strafmandat über 6 M. erhob der Einberufer Einspruch, der aber. vom Schöffen« und Landgericht zurückgewiesen wurde.\ Auch bei Strafsenat deS hanseatischen OberlandeSgerichtS er-| blickte in der Entscheidung der Borinstanz leine Verletzung von Rechtsnormen und wies die Revision zurück. In der langen Urteils« begründung wird angenommen, daß alle nach Politik riechenden Versammlungen, ob gewerkschaftlicher oder sonstiger Natur, der An« Meldepflicht unterliegen. Bei Beratung des ReichSvereinSgesctzeS erklärte bekanntlich der große Philosoph Bethmami Hollweg: „Die verbündeten Regierungen bezweckten mit der Borlage gerade die Beseitigung aller dehnbaren mid nicht gebotenen Be- schränkungen, und eS bestehe ihr fesler Wille, allen Versuchen einer kleinlichen Auslegung oder Ausführung der Vorschriften ent- gegenzutreten." Doch auf solche ErklSrugen pfeifen die Gerichte. Das Defizit der Zentrmnsparade. Wie die„Schl. VolkSzlg." mitteilt, hat der vorjährige BreSkauer Katholikentag mit einem vagen Defizit abgeschlossen. Die Zeichner des Garanriefonds werden jetzt mit 15 Prozent der gezeichneten Summen zum Blechen herangezogen. Eine gerettete„Fraktion". Die aus dem Rechisanwal» O. H. Schmidt bestehende „Fraktion" des Bundes der Landwirte in der Zweiten badn'chen Kammer, ist am Donnerstag in der WahlprükungStoinmission gegen die beiden sozialdemokratischen Stimmen gerettet worden. Der mit nur 13 Stimmen Mehrheit in der Stichwahl gewählte badische Oertel war der letzte der beanstandeten Landtagssitzinhaber: somit sind jetzt alle Wahlen für gültig erklärt. Soldaten als Landarbeiter. Wie der„Breölauer Bollswacht" gemeldet wird, wurden in der vorigen Woche auf einem Bauernhofe in Grüningen, Kreis Brieg, drei Soldaten aus der Brieger Garnison beim Dreschen mit einer Dampfmaschine beschäftigt. Anstandslos hatte die Militär- behörde dem Besitzer auf sein Ersuchen drei Mann geliefert. Dabei sind die Arbeiter auf dem Lande im Winter durchaus nicht knapp. Bermehrnng der Seligen. Die Schaar der Seligen mehrt sich. Nach der Jungfrau von Orleans gedenkt Papst Pins X. noch eine zweite Französin selig zu sprechen. Es ist Bernadette SoubirouS, das Mädchen, dem die Jmigfrau in LourdeS erschienen ist. Der Bischof von Revers fordert in einem Hirtenbrief auf, es möchten alle Besitzer von Briefen und schriftlichen Aiiszcichmmgen der Bernadette diese der UntersuchungS- kommisnon zur Verfügung stellen. Zwar wird gleich dazu bemerkt, daß sich wohl nicht viel vorfinden wird, da Bernadette in LourdeS und später im Kloster zu NeverS nicht viel geschrieben habe, aber vielleicht ist dieS für die Vereinfachung dieser Seligsprechung besonders förderlich._ Belgien. Wo bleibt der moderne König? Brüssel, 12? Januar.(Eig. Ber.) Das offiziöse„Journal de Bruxelles" dementierte gestern die kürzlich vom„Peuple" gebrachte Nachricht, daß die Regierung ihren bisherigen„prinzipiellen W i d« r st a n d" in der Frage der Ernennung sozialistischer Bürgermeister ausgegeben habe. Die Nachricht knüpfte an die Thronbesteigung AlbertS I. an, dessen„moderne" Gesinnung man. wie eS scheint, überschätzte. Tatsächlich ernennt nämlich der ! König die Bürgermeister und eS ist bekailnt, daß die Maßregelung sozialistischer Bürgermeister auf den persönlichen Einfluß Leopolds znrückziiführen war. Das offiziöse Blatt meint, für die Re- � gierung bestehe kein Grund, eine andere Haltung alS bisher einzu- � nehmen. DaS würde also heißen, daß Alvert gleich Leopold II. keine i sozialistischen Bürgermeister will. Das wäre jedenfalls eine nette > Anlüiidigung von AlbertS Sozialismus. Spanien. Die militörischen Demonstrationen in Madrid. Paris, 14. Januar. Die französische Presse stellt fest, baß die gestrigen militärischen Demonstrationen in Madrid. welche unter dem Vorwande der Auszeichnungen der Truppen in Melilla erfolgten, in Wirklichkeit ein Komplott gegen daS Kabinett darstellen. ES handelt sich um daS Werk politischer Agitatoren, welche Lacierva zum Führer haben. Minister- Präsident Moret drückte die Hoffnung auS, daß die Gefahren der augenblicklichen Lage beseitigt sind. Sie Strafmaßnahmen seitens der Regierung gegen die Korpskommandeure und die Armeeführer in Madrid dauern fort. Zwei Obersten der Garnison Madrid sind ihres Postens enthoben worden. Verschiedene Kommandanten und Hauptleute find mit Festungshaft bestraft worden. Die Regierung hat bisher noch keinen Beschluß wegen einer Strafe gefaßt, welche gegen den Prinzen Pignatelli verhängt werden soll. Der Prinz ist Rittmeister in einem Kavallerieregiment und hat sich in offener Weise bei den Kundgebungen beteiligt, ist aber in seiner Eigenschast als konservativer Abgeordneter immun; eine Entscheidung gegen ihn wird jedoch unverzüglich getroffen werden. In ganz Spanien herrscht absolute Ruhe. In Madrid hat die militärische Bewegung lebhafte Befürchtungen verursacht. Die allgemeine An« ficht ist. daß die Lage eine sehr ernste sei, da zahlreiche Offiziere sehr unzufiieden sind._ Soziales« (Siehe auch 3. Beilage.) Handel mit weißen Sklaven. Der RegenSburger Stadtmagistrat hat kürzlich einem Herrn S. Lichtenstein die Konzession zur Errichtung einer Arbeitsnach- weisstelle für Land-, Forst- und Industriearbeiter erteilt. Daß eö sich dabei um ein wirkliches Sklavenbureau handelt, geht aus dem Prospekt dieses Instituts hervor, der an die„verehrlichen Herren Gutsbesitzer" versendet worden ist. Herr S. Lichtenstein liefert den Herren Gutsbesitzern billiges ausländisches Arbeiter» Material. In dem Prospekt sind ganz preiskurantmäßig die an- gebotenen Arbeitssklaven nach Nationalitäten geordnet: Galizier, Russen, Ruthenen, ruthcnische Stallmügde und Knechte usw. Bei jeder Kategorie ist auch zugleich festgesetzt, welchen Lohn die be- treffenden Arbeiter zu bekommen haben, wie sie zu verköstigen und zu beherbergen sind usw. Da heißt eS z. B., daß Männer und starke Burschen, die zu jeder Arbeit tauglich sind, täglich, je nach der Jahreszeit, einen Lohn von 1,16 bis 1,46 M.(letzteren nur vier Wochen lang während der Ernte), Frauen, Mädchen und Burschen 75 Pf. bis 1,20 M. zu erhalten haben! An Naturalien sind pro Woche und Person zu liefern: Der Mann 10. daS Weib oder der Bursche 8 Pfund Brot, außerdem je 1 Pfund ReiS, 1 Pfund Graupe, 1h Pfund Erbsen, 1 Pfund Schweinefett, 25 Pfund Kar- toffeln, 5% Liter Magermilch, V- Pfund Salz, Pfund Mehl, 60 Pf. Fleischgeld, dann freie Wohnung und Feuerung und für jede Person eine Strohmatratze und eine wollene Schlafdecke. Die Ar- beitszeit währt von morgens 7 Uhr bis abends 7 Uhr. Von dem Lohn darf der Arbeitgeber entgegen dem Gesetz wöchentlich L M. zuritckbehalten, die erst veim ordnunaSmäßigen Abgang auszu- zahlen sind. Das ist nahezu die Hälfte des kärglichen Wockien- lohncS!_ Preußische Kultur. In ber oberfränkischen bürgerlichen Presse ist folgend« Notiz zu lesen:„Verlassen. Gestern abends kamen von Norddeutschland vier allein reisende Kinder im Alter von 2 bis 11 Jahren hier durch, die von Preußen ausgewiesen waren, nachdem sie von Vater und Mutter verlassen worden. Ihnen eine Begleitung mitzugeben fand man nicht für nötig. Hier haben sich mitleidige Leute ge- sundeu, die den Kindern zu essen und zu trinken gaben und für Weiter- befördenmg sorgten. Ihr Reiseziel ist ein Ort im bayerischen Allgäu." Aas nennt man preußische ftinderfürsorget 6ewerkrcbaftUcb€e* Die Lutterick pubUrbing Company führt bekanntlich einen hartnäckigen Kampf mit der Union der New Aorker Buchdrucker: sie steht an der Spitze eines Teiles der nordamerikanischen Druckereiunternchnier, die die Anerkennung der Gewerkschaften ablehnen und dieselben mit allen Mitteln bekämpfen. Die Firma vertreibt ihre Erzeug nisse in der ganzen Welt. Das Hauptgeschäft wird durch Verkauf von Kleider-Schnittmuster gemacht. Um für ihre Schnittmuster Reklame zu machen, gibt die Firma in Deutsch land mehrere Zeitschriften heraus. Es sind dies:„Moden Revue",„Buttericks Moden-Album", und„Buttericks Moden der Hauptstädte Die Buttcricks Publishing Company versucht jetzt eine Ausdehnung ihres Geschäftsbetriebes dadurch herbeizuführen. daß sie mit Warenhäusern und großen Spezialgeschäften Verträge abschließt, wodurch dieselben den Vertrieb von Buttericks Schnittmustern übernehmen. So hat z. B. die Firma Steiger Wald und Kaiser in Frankfurt a. M., Holzgraben 4, im Dezember v. I. den Verkauf von Buttericks Schnittmuster übernommen. Die Reklame wird durch„Buttericks Moden blatt", Monatsausgabe der Firnia Steigerwald u. Kaiser, Frankfurt a. M., betrieben. Das Blatt kostet pro Jahr 1,50 Mark und wird dafür franko gesandt. Es kann auch durch die meisten Buttericks Agenturen oder auch direkt durch die Aktiengesellschaft für Buttericks Verlag, Berlin W. 8, bezogen werden. Der geringe Preis, für den das Modenblatt abon- niert werden kann, läßt erkennen, daß es sich um eine billige Volksausgabe handelt, die besonders unter den der Arbeiter klaffe angebörigen Frauen und Mädchen verbreitet werden soll. Die Firma Steigerwald u. Kaiser hat außer in Frank furt a. M. auch in Leipzig, Magdeburg, Dresden und Chemnitz eigene Geschäftshäuser. Es ist anzunehmen, daß die Firma überall in gleicher Weise wie in Frankfurt a. M. das Buttericksche Modenblatt und die Schnittmuster vertreibt. Die deutschen Arbeiter und Arbeite rinnen werden von neuem daran erinnert, daß alleFabrikate derButterickPublishing Company von Streikbrechern hergestellt werden Der Kampf, den die amerikanischen Buchdrucker um die Anerkennung des Organisationsrechts führen, wird mit einem Siege der Arbeiter enden, wenn die gewerkschaftlich organl sierte Arbeiterschaft Deutschlands Solidarität übt und die amerikanischen Klassengenossen in ihrem schwierigen Kampfe nach besten Kräften unterstiitzt. Besonders die Arbeiterfrauen und-Mädchen mögen deshalb nach wie vor den Butterick- fabrikaten die nötige Beachtung schenken. Die Arbeiterblätter, die diese Mahnung weiter verbreiten, werden ersucht, zwei Belegnummern zu senden an: New Jork Typographical Union, Nr. 6, I. Jole, 74—76 La Fayette Street._ Berlin und Umgegend. Die Tarifbewcgung der Maler. Der Schiedsspruch der Unparteiischen in der Tarifbewegung der Maler lag am Donnerstagabend vier Mitgliederversammlungen des Verbandes zur Abstimmung vor. Die Versammlungen waren außerordentlich stark besucht; jedes Mitglied wußte, daß es sich um eine sehr wichtige Entscheidung handelte. Die Ablehnung des Schiedsspruches müßte einen Kampf entfesseln, der gegenwärtig den Unternehmern nicht ungelegen kommen würde. Die Referenten in iicn Versammlungen betonten dies, aber sie stellten den Mitgliedern anHeim, die Sachlage selbst zu prüfen und nach gründlicher Ucbcr- lcgung ihre Stimmen abzugeben. Sie gaben eine Darstellung des Verlaufs der Bewegung und erläuterten den vorliegenden Schieds- spruch. Die Diskussion darüber wurde mit großer Lebhaftigkeit, oft mit heftiger Erregung geführt. Viele waren mit dem Ergebnis der Bewegung unzufrieden und sie erklärten, daß die Vorlage den Berliner Malern Verschlechterungen bringe, die sie sich nicht ge- fallen lassen sollten. Zahlreiche Stimmen erhoben sich auch für die Annahme des Schiedsspruches, die geboten sei aus Rücksicht auf die Kollegenschaft außerhalb Berlins. In vielen kleinen Orten würden die Verhältnisse im Rdalergewerbe etwas bessere werden, wenn der Tarif zur Anerkennung gelange. Diese Stimmen blieben aber in der Minderheit, die Mehrheit billigte die Gründe nicht, die für die Annahme des Schiedsspruches ins Feld geführt wurden. Der Schiedsspruch wurde mit 1265 gegen 78ö Stimmen abgelehnt. Der Reichstarif der Unternehmer' im Jsolierergewerbe. Der Arbeitgeberverband für das Jsolierergewerbe Deutschlands möchte einen Reichstarif einführen und will das offenbar in der Weise machen, daß die Unternehmer zu einer Zeit schlechten Geschäfts» ganges den einzelnen Isolierern und HilsSarbeilern das Ding ein- fach ausnötigen sollen. Friß Vogel oder sterb. soll es da heißen. Der Verband der Isolierer soll dabei gar nicht gefragt werden. Diesen netten Plan haben die Unternehmer zuguterletzt am IS. Dezember auf ihrem außerordentlichen Verbands- tag in Kassel ausgeheckt. Das war im verflossenen Jahre schon in ihr dritter Verbandstag; im November waren sie in Hannover, im Juli in München zusammengekommen. Sie haben also nicht an Geld gespart, um sich zum Kampf gegen die Arbeiter zu rüsten. Auch dem Unternehmerkartell für da? Baugewerbe sind sie bei« getreten und die Führer dieses Kartells spielen zugleich die Ober- scharfmacher im Jsolierergewerbe. Am Donnerstag kam ihr Reichstarif in einer gemeinsamen Mitgliederversammlung der Isolierer und Steinholzleger Berlins zur Sprache, die bei Wille in der Brunnen- straße stattfand. Natürlich ist man im Verbände der Isolierer und Steinholzleger längst auf ein derartiges Vorgehen der Unternehmer gefaßt— besonders nachdem der ziemlich langwierige Kampf in Berlin nicht zum Abschluß eines neuen Tarifvertrages geführt hat— und sorgt auch dafür, daß es, wenn der Kampf unvermeidlich werden sollte, nicht an den nötigen Mitteln fehlt. Die Geschäftsleitung des Verbandes hatte zu diesem Zweck an alle Zahlstellen ein Rundschreiben gerichtet, durch das sie aufgefordert werden, zu beschließen, daß alle für die Beiträge ein- gehenden Gelder bis auf lveitereS an die Gefchäftöleitung. also an die Verbandskasse abgeliefert werden und zur Deckung der örtlichen Unkosten Extrabeiträge erhoben werden. Die meisten Zahlstellen haben sich bereits mit dieser Sache befaßt und dem Wunsche der Geschäftsleitung entsprechend beschlossen. In Dresden erklärt man sich sogar bereit, zur Stärkung der Verbandskaffe wöchentliche Extrab'eiträge von 1 M. zu zahlen. Die Berliner Isolierer und Steinholzleger zeigten nun ebenfalls, daß sie den Ernst der Si- tuation begriffen haben. Die Versammlung beschloß zu diesem Punkt, den Wochenbeitrag auf 75 Pf. zu erhöhen und davon 66 Pf. der Geschäftsleitung zu überweisen. Ucbcr oie Absichten des Zentralverbandes der Jsoliererfirmen Deutschlands mit dem Reichstarif, sprach der Verbandsvorsitzende Hermann Lange. Die Unternehmer halten ihren Tarif- cntwurf geheim und haben es nicht für nötig befunden, dem Jso- liererverband irgend welche Mitteilung darüber zu machen. Aber der bekannte günstige Wind hat der Geschäftsleitung den„Reichs- tarif" samt einem an die Firmen gerichteten Rundschreiben zu- geführt. Die Hauptpunkte des Untertarifes sind: Die Arbeitszeit foll täglich 9 Stunden betragen. Ter Lohn lvird durch die einzelnen Bezirksverbände der Arbeitgeber festgesetzt. Sonnabends soll uin 5 Uhr, an den Vorabenden der hohen Feste um 3 Uhr Feierabend I sein.-» Bisher findet um diese Zeiten die Lohnzahlung statt. Die Unternehmer wollen also offenbar den alten Zustand wieder ein führen, wobei der Isolierer, der in weiterentfernten Vororten ' arbeitet, an den Sonnabenden besonders spät, manchmal erst um 7, 8 ja Uhr nach Hause gehen konnte.— Für Nacht- und Sonn tagsarbeit..kann höchstens" ein Zuschlag von 56 Proz. �geleistet werden. Alle Arbeiten unter 26 Quadratmeter können in stunden- lohn ausgeführt werden; darüber hinaus iverden alle Arbeiten im Akkord ausgeführt. Für das Gerüst hat im allgemeinen der Auf traggcber zu sorgen. Wo das nicht geschieht, hat der Isolierer nach Möglichkeit selbst für Gerüst zu sorgen. Für besonders schwierige Gerüste wird besondere Vergütung gezahlt. Für den Gerüstbau, namentlich für die Sicherung, ist der Isolierer selbst verantwortlich.— Diese Bestimmungen sind ganz besonders merk würdig, um so mehr, als die Unternehmer noch vor kurzem in der„Volkszeitung" bekannt gaben, daß das Jsolierergewerbe leicht zu erlernen sei. Wer auch nur einigermaßen mit Gerüstbauen vertraut ist, weiß, daß zu dieser, mit Rücksicht auf Leib und Leben so verantwortungsvollen Arbeit eine gewisse Kunstfertigkeit gehört, die sich, ebenso wenig wie die Arbeit des Jsolierens, in ein paar Tagen erlernen läßt. Der Unternehmer, der in den meisten Fällen gar nicht Fachmann ist, sieht sich die übernommene Arbeit nicht einmal an, berechnet nur die Zahl der Quadratmeter, und ob der Isolierer ein zuverlässiges Gerüst hat oder ob er das Genick dabei bricht, das geht die Herren nichts an.— Bei Reisen soll die Stunde mit 56 Pf. vergütet werden und das Fahrgeld 3. Klaffe. — Bis jetzt wird selbstverständlich für die Zeit des Reifens der volleLohn bezahlt, ebenso wie es bei der Wartezeit üblich und selbstverständlich ist. für die die Unternehmer jetzt ebenfalls nur 56 Pf. und diese nur dann zahlen wollen, wenn der Isolierer nachweist, daß er ohne eigenes Verschulden warten mußte. Isolierer, die schon drei Monate auswärts arbeiten, sollen zu Ostern, Pfingsten und Weihnachten berechtigt sein, nach Hause zu fahren, wenn sie die„E r la u b n i s" der Firma dazu haben. sagt der Reichstarif.— Das Rundschreiben, das in der vorigen Woche an die Firmen versandt wurde, verpflichtete jeden Unternehmer, seinen Arbeitern den Tarif am 8. Ja nu>-. r vorzulegen und ganz energisch darauf zu dringen, daß er von jedem Isolierer und Hilfs- arbeiter unterzeichnet wird. Dieser Verpflichtung ist aber bis jetzt keiner der Unternehmer, nicht einmal ihr Vorsitzen der, nachgekommen. Es ist selbstverständlich damit zu rechnen, daß sie das nachholen werden, vielleicht an diesem Sonnabend, viel-- leicht später.— In der Versammlung gab es über die Zumutung der Unternehmer nur eine Meinung. Alle Redner sprachen sich dahin aus, daß kein Isolierer oder Hilfsarbeiter das Ding unter zeichnen kann oder darf. Wo die Zumutung an sie gestellt wird, haben sie das sofort der Organisationsleitung zu melden. Am Mittwoch findet eine Mitgliederversammlung statt, die sich weiter mit der Angelegenheit befassen wird. oeutsebea Reich. Achtung, Verband der Hafenarbeiter! tBretterträger!) Der Volksversammlungen wegen findet unsere Mitglieder- Versammlung erst am 23. Januar statt. Der Vorstand. Die Lohnbewegung der Sticker in Plauen i. B. ist durch ein- stimmig gefaßten V ersammlungsbeschluß am Donnerstagabend nach sechswöchiger Dauer abgebrochen worden. Ueber 1166 Sticker arbeiten schon seit Wochen zu den von der Organisation vor- geschriebenen Tarifbedingungen. Im Streik standen, nachdem in den letzten Tagen eine ziemliche Anzahl Ausständiger zu Streik- blechern geworden sind, nur noch 166 Sticker. Mit den Erfolgen können die Sticker zufrieden sein, wurde doch der Kampf geführt von Arbeitern, von denen über dreiviertel erst kurze Zeit einer gewerkschaftlichen Organisation angehören nd infolgedeffen das erstemal im wirtschaftlichen Kampfe standen.— Den noch Aus- ständigen wurde durch Versammlungsbeschluß zur Bedingung ge- macht, nicht unter 18 Pf. Sticklohn die Arbeit wieder aufzunehmen. Ebenfalls muß den Unternehmern zur Bedingung gemacht werden, den Textilarbeiterverband als maßgebende Organisation der Sticker.anzuerkennen. Nach der in der Versammlung herrschenden Stimmung soll der Lohnkampf im nächsten Frühjahr, eventuell -chon in diesem Herbst— je nachdem die Konjunktur eine günstige ist— wieder aufgenommen werden. In der Margarinefabrik„Margarinewerke Jan C. Uhlen- breek in Krefeld sind sämtliche organisierte Arbeiter«nt- lassen worden. Die Firma hatte vor kurzer Zeit einen Tarif- vertrag mit den Arbeitern abgeschlossen, welcher aber auf aus- drückliches Verlangen des Chefs„nur für die im Fabrikarbeiter- verband organisierten Arbeiter" gelten sollte. Bald nach Abschluß des Tarifes wurden nun die organisierten Arbeiter geschurigelt und gegen die Unorganisierten zurückgesetzt. Als die Sache endlich zu bunt wurde, wurden diese Zustände in der„Niederrh. Arbeiter- ribüne" besprochen. Dies gab dem Unternehmer Veranlassung, ämtliche Mitglieder des Verbandes zu entlassen. Die Verhanv- jungen zwischen dem Gauleiter des Fabrikarbeiterverbandes und der Firma Hatte» keinen Erfolg,„weil die Unorganisierten nicht wünschen, daß die Verbändler wieder eingestellt werden". Der Betrieb ist deshalb gesperrt. Die Erzeugnisse des Herrn U. werden nunmehr ausschließlich von Streikbrechern hergestellt. Der Streik der Sensenschmiede in Kalk ist nicht aufgehoben. Der diesbezügliche Bericht ist durch einen Irrtum in die Presse gelangt. Der Streik bei der Firma Wippermann erstreckte ich nicht auf sämtliche Sensenarbeiter, sondern nur auf einen Teil. Als diese die Arbeit niedergelegt hatten, wurden die übrigen Ar» bester von der Firma ausgesperrt. Nun war es dieser durch Agenten gelungen, vier Arbeitswillige aus Oesterreich herbeizu- chasfen; die Firma hat dann die Aussperrung auf- gehoben und den Betrieb eröffnet. Nach Lage der Sache konnte zie Verbandsleitung einem Teil der Ausständigen es freistellen, die Arbeit aufzunehmen. Der Streik ist dadurch keineswegs auf- gehoben. Es ist lediglich eine Frontänderung, die bei diesem Kampf erforderlich wurde. Die streikenden Sensenschmiede sind nicht ge- willt, in Anbetracht ihrer durchaus bescheidenen Forderungen, dem Ansinnen des Unternehmers, bedingungslos in den Betrieb hinein- zugehen, Folge zu leisten. Dies mögen auch die Sensenschmiede an anderen Orten wohl beachten. In der Möbelfabrik zu Reistenhausen a. Main(Unter- franken) wurde sämtlichen Tischlern, Maschinenarbeitern und Hilfs- arbeitern(88 Mann) gekündigt. Beim Abschluß eines Tarifes auf zwei Jahre verlangten die Arbeiter eine Stunde Arbeitszeitver- kürzung. für dieses Jahr eine Lohnerhöhung von 2 Pf. und 2 Pf. für 1911. Die Unternehmer wollten nur einen Pfennig zugestehen, und als sich die Arbeiter weigerten, diesen Vertrag zu unter- schreiben, erfolgte die Kündigung. Die Firma wird versuchen, in anderen Gegenden Arbeiter zu suchen, weshalb um Fernhaltung des Zuzuges gebeten wird. Ausland. Die Wiener Hofopernchoristen sind unzufrieden, weil ihnen feit längerer Zeit zugesagte Teuerungszulagen nicht gezahlt werden. Die Blätter beginnen sckon von einem drohenden Streik derselben zu berichten. Die Choristen hoffen jedoch, daß die Direktion ihnen entgegenkommen werde. Das Lhorpersonal des Opernhauses zu Budapest streikt schon seit einigen Tagen. Das Theatergcricht verurteilte das Männer- chor zur sofortigen Entlassung. Durch den Streik ist für das Opernhaus eine kritische Lage-entstanden, so daß es für die Tauer dieses Chorstreiks gesperrt werden muß. Das Personal ist in größter Aufregung. Täglich werden Bersamnilungcn abgehalten. Der Märmerchor der Oper erklärte der Direktion, daß er das Urteil des Theatergerichtcs nicht zur Kenntnis nehme und sich in Verhandlungen mit der Direktion nicht einlassen werde. Falls keine Einigung erhielt werde, erhalten alle Mitglieder des Männerchors ihre Kündigung. Die Bewegung der englischen Bergleute. 25 o I f f s Bureau meldet: London, 11. Januar. Der zur Beratung über das Achtstunden« arveitsgefetz eingesetzte Ausschuß deS Northumberlandes Bergarbeiter- Verbandes und verschiedene Ortsvertreter hielten gestern in New Castle eine Versammlung ab, bei der bekanntgegeben wurde, daß die Lage unverändert sei, daß keine weiteren Zugeständnisse erreicht worden seien und keine weiteren Bergwerke ihren Betrieb eingestellt hätten. Für morgen wurde die Abhaltung einer Konferenz mit den Bergwerksbesitzern vereinbart und beschlossen. daß jedes feiernde Bergwerk noch vorher einen Vertreter entsenden solle, um vor dem Ausschuß die Streitpunkte bei jedem einzelnen Werk klar- zulegen. Aus einer Generalversammlung de? Verbandes der Kohlen- bergwerlsbefitzer von Durham wurde gestern bekannt gegeben, daß 68 Proz. der dortigen Bergwerke im Betriebe seien. Eine am Mittwoch in Durhain abgehaltene Bergarbeiterversammlung hat unter dem großen Publikum die Befürchtung wachgerufen,_ daß ei» allgemeiner Streik für das ganze Land bevorstehe. Zu dieser Be- fürchtung dürste zurzeit aber kein Grund vorliegen. Em Induftne und Kandel. Schlachtviehauftrieb im Jahre 1909. Die amtliche Statistik über den Austrieb der bedeutenderen Schlachtviehmärkte Deutschlauds zeigt für 46 Marktplätze(für sieben derselben find die Angaben in den ersten Jahren lückenhaft) folgendes Jahresergebnis: Rinder Kälber Schafe Schweine 1966 1 249 183 1 354683 1 246 551 3 863 573 1901 1312131 1426 144 1 298 426 3 626 666 1962 1 275 212 1 348 872 1 205 873 3 335 443 1963 1 237 160 1 298 194 1 695 749 4 688 266 1904 1 255 269 1 369 871 1 124 516 4 592 821 1965 1281 533 1319 931 1 195 621 4154 983 1966 1331651 1307 967 1183 341 4 184 218 1967 1346 511 1389 614 1 167155 6 482 194 1968 1 466 757 1 448 993 1179 968 5 343183 1909 1 516 623 1491359 1258 857 5 612 949 Unter Berücksiwtigung des Bevölkerungszuwachses muß speziell der Austrieb von Schweinen im letzten Jahre als unzureichend be- zeichnet werden._ In der Streichholzindustrie bereiten sich jetzt die Unternehmer darauf vor, im Herbste nochmals eine Preiserhöhung eintreten zu lassen. Sie bemühen sich, die schon bestehende deutsche Zündholz- konvention in ein Syndikat umzuwandeln. Es soll dies durch Gründung einer G- m. b. H. gesckehen, die dann natürlich mit dem Berkauf auch die.Preise„regelt". Die drei größten Zündholz- fabriken Deutschlands, Zündholzfabrik Union. Augsburg, Stahl u. Nölke, Kassel, und Laue»burg a. d. Elbe, sind schon für das Syndikat gewonnen. Die drei Fabriken stellen 86 Proz. der deutschen Er- zeugung dar! Mitte Januar sollen in Berlin die entscheidenden Verhandlungen stattfinden. Nun wird schon mitgeteilt, daß im Herbst,„in Rücksicht auf die stark gestiegenen Selbstkosten", eine Preis st eigerung zu erwarten sei. Nach dem Staat kommen also die Kapitalisten nochmal, um die Konsumenten zu kchrögfen. Die Börse freut sich schon wieder der kommenden fetten Dividenden; sie steigerte die Kurse der in Frage kommenden Aktien- gesellichaften. Hohe Schlachtgebühren. Aus Metz wird berichtet: Es soll hier nicht nur der Ausfall an Oktroi durch Schlachtgebühreu gedeckt werden, sondern noch hierüber hinaus 256 666 Mark durch erhöhte chlachthofgebühreu eingebracht werden. Die Fleischerinnung hat beschlossen, kein Mittel unversucht zu lassen, um diesen Streich ab- zuloenden, eventuell will man den Prozeß anstrengen oder gar außerhalb einen Schlachthof bauen und das Fleisch geschlachtet ein- führen. Biel Lärm um wenig. Als ein besonderes Ereignis wurde die Mitteilung verbreitet, daß von deutscheu Werken eine Lieferung von 26 666 Tonnen Roheisen für Belgien übernommen worden sei. Ob- wohl das nicht einmal einer Wochenleistung der deutschen Hochofen- werke einspricht, sollte der Anschein erweckt werden, als ob durch diesen Austrag unter den Lagerbeständen geräumt werden könne. Nachher stellte sich heraus, daß die Menge nicht sofort, fondern innerhalb 6 Monate lieferbar sei. Großkapitalismus in Kanada. Auch Kanada hat längst auf- gehört, rein landwirtschaftliches Kolonialland zu sein. Wie hoch eine industrielle EntWickelung steht, geht hervor aus der Ver- schmelzung der Jron and Steel Company(Eisen- und Stahlgesell« schaft) und der Coal Company(Kohlengesellschaft). Erstere arbeitet mit einem Kapital von 34.4 Millionen Dollar, letztere mit 23 Millionen, zusammen rund 24t Millionen Mark. Die Kohlen- gesellichaft(1893 gegründet) besitzt rund 275 Ouadratmeilen gleich 71 606 Hektar Kohleuselder mit einem Kohlenvorrat, der auf 1436 Millionen Tonnen geschätzt wird. Sie fördert jetzt S1� Millionen Tonnen im Jahre, sie betreibt 166 Kilometer Eisenbahnen und ist an anderen beteiligt, hat 16 Binnendanipfer, Hafenanlagen usw. Die Eisen« und Stahlgesellschaft(gegr. 1899) soll über 260 Mill. To. Erz verfügen. Sie betreibt 4 Hochöfen, 10 Stahlöfen, 500 Koksöfen usw. und wird ihre Leistungsfähigkeit bis Ende d. I. verdoppeln. Nach der„Monetary Times" find über 904 Millionen Mark von Kapita» listen der Vereinigten Staaten in Kanada angelegt. Die Ein- Wanderung aus den Vereinigten Staaten betrug bisher 560 000, davon über 254 000 in den letzten drei Jahren, 260 Millionen find in Bergwerlcn, ebensoviel in Mühlen und Holzhandlungen angelegt. Letzte JVacbncbtcn und Dcpelcbcn. Das Zündholzsyndikat perfekt. Berlin, 14. Januar. Der überwiegend größte Teil der beut- chen Zündholzfabriken ist heute unter dem Namen Deutsches Zündholzspudikat, G. m. b. H., zu einem Verkaufs- yndikat zusammengetreten. Das Syndikat wird seine Tätigkeit am 1. April dieses Jahres aufnehmen und seinen Sitz in Dresden haben. Vom Automobil getötet. Altenburg, 14. Januar.(Privatdepesche des„Vorwärts".)) Heute nachmittag verunglückte das vom Bergrat Böhnisch in Altenburg gesteuerte Automobil in der Zeitzer Straße daselbst da- durch, daß es infolge der Glätte des Weges ins Rutschen kam und in den Chausscegraben stürzte. Während sich Bergrat Böhnisch und sein Begleiter am Wagen festhalten konnten, wurde der Chauffeur herausgeschleudert und kam unter den Wagen zu liegen, wobei ihm der Brustkasten völlig eingedrückt wurde, so daß der Tod in wenigen Minuten eintrat. Er hinterläßt Frau und drei Kinder._ Folgen des provozierenden Unternehmertums. London, 14. Januar.(W. T. B.) Die nordöstlichen Stahl» werke am Teeö, die über 2066 Arbeiter beschäftigen. erklären, daß sie wegen KohlcnmangelS morgen den Betrieb ein- tellen werden._ Ein dreister Ueberfall. Chalon-sur-Saöne(Departement Saone-et-Loire). 14. Januar. (2& T. B.) Auf Schloß Roussillon ist das Ehepaar Morot von drei Burschen im Alter von 18, 26 und 21 Fahren mit Knüppeln erschlagen worden. Die Mörder wurden verhaftet. Gegen die militärischen Demonstranten. Madrid, 14. Januar.(W. T. B.) Infolge der vorgestern von Offizieren veranstalteten Kundgebungen hat die Militärbehörde den Armee- und Marineklnb geschlossen.! Verantw. Redakt.: Richard Barth. Berlin. Inseratenteil verantw.: UH.Glocke, Berlin. Druck u.Vcrlag:VorwärtsBuchdr.u.verlag»anstal» Maul Singer& Co., Berlin SW, Hierzu 3 Beilogro u.UntrrhaltungSbÜ Nr. 12. 27. Jührgang. l. Knltze In.Amlick" Kkllim MKsdlM §otlliabend, 13. AmkIM i Reichstag. 16. Sitzung am Freitag, b:n 14. Januar, nachmittags 1 Uhr. Am BundcsratZtisch: Lisco. Beselrr. Ein schleuniger Antrag Albrecht u. Gen.(Soz.), ein gegen den Abg. Albrecht(Soz.) wegen Uebertretung schwebendes Strasver- fahren für die Dauer der gegenwärtigen Session einzustellen, wird debattelos angenommen. Es folgt dann die Fortsetzung der Beratung der Strafprozeßordnung in Verbindung mit Aenderungen des Gcrichtsverfassungsgefetzes. Abg. Dr. Wagner-Sachsen(!.): Besonders erfreulich an der neuen Strafprozeßordnung ist ihr Deutsch, das ich anderen Ressorts zur Nachachtung empfehle. Sachlich bringt der Entwurf eine Erweiterung der Heranziehung des Laienelementes zur Recht- sprechung. Zweifellos ist der Berufsrichtcr dem Laienrichter über- legen, schon weil er von wirtschaftlichen Gegensätzen unabhängig ist. Aber das Vertrauen in die Rechtsprechung wächst durch die Zuziehung von Laien, sie hat sich bisher bewahrt und wir stimmen ihrer Erweiterung zu. Der Entwurf will die Laien aber nicht in der Berufungsinstanz zuziehen. Ein Teil meiner Freunde stimmt dem zu, ein anderer dagegen und zwar, wie cö scheint, der größere, kann nicht einsehen, warum man mit der Zuziehung von Laien beim Berufungsgericht Halt machen soll. Weiter bringt der Entwurf die Berufung gegen die Urteile der Straflammern, die wohl jeder hier im Hause begrüßt. Um so sonderbarer erscheint es, daß bei den schwersten Fallen, bei den Urteilen der Schwurgerichte, eine Nachprüfung ausgeschlossen sein soll! Wir hätten es gern gesehen, wenn das Schwurgericht durch das große Schöffengericht ersetzt worden wäre. Doch werden wir bei dem Vertrauen, welches das Schwurgericht genießt, von Anträgen in dieser Richtung absehen. Die Bestimmung des Eni- lourfs, daß die Urteile eine Begründung dafür, weshalb eine Tat- fache für bewiesen angesehen wird, nicht zu enthalten brauchen, halt« ich nicht für annehmbar.— Das Verlangen, den Beschuldigten in alle EinzeUjeiten der Untersuchung cinzmveihen, ist unerfüllbar, das würde zur Verdunkelung führen. Die Forderung nach Beschleunigung des Verfahrens ist berechtigt, doch hat sie zu Vorschlägen in betreff des summarischen Verfahrens geführt, die uns zu weit gehen. Eine sehr lebhafte Diskussion hat die Einschränkung des Le- galitatsprinzips hervorgerufen! uns geht sie zu weit, doch werden wir an der richtigen Abmessung gern mitarbeiten.— Heftig angegriffen ist die Erleichterung des Ausschlusses der Oefsentlichkeit in Beleidigungsprozessen; sie soll nach dem Entwurf schon nach freiem Ermessen des Gerichts eintreten können. Wir halten jene Angriffe für nicht gerechtfertigt. Vor allem aber vermissen wir Bestimmungen, durch welche verhindert wird, daß über Verhand- lungen unter Ausschluß der Oefsentlichkeit in voller Oeffcntlich- keit berichtet wird. Wir haben, wie Sie sehen, auch einzelne Wünsche, im ganzen aber halten wir den Entwurf für eine gute und geeignete Grundlage für eine Justizreform. Wir beantragen seine Ueberweisung an eine Kommission von 24 Mitgliedern. (Bravo! rechts.) Abg. Dr. Heinze(natl.): Prinzipielle Aenderungen bringen die Vorlagen nicht; sie ändern nur vieles im einzelnen. Vor allem sollen Laien zu den Strafkammerurteilen hinzugezogen werden. Ueber diese Frage wie auch über die Einführung der Bc rusung sind die Ansichten der Juristen geteilt, aber politische Gründe sprechen unter allen Umständen dafür. Es sollten Laien aus allen Ständen hinzugezogen werden. Die deutsche Justiz hat nichts zu verbergen und kann jeden aus jedem Stande hinter ihre Kulissen blicken lassen. Diejenigen Juristen, die noch gegen die Hinzuziehung von Laien sind, mögen sich damit trösten, daß es nicht allein auf eine gerechte Rechtspflege ankommt, sondern darauf. daß die Rechtspflege Vertrauen im Volke genießt. Die Strafprozeßreform bringt wesentliche Verbesserungen. Zu begrüßen ist die Einschränkung des Legalitätsprinzips, das heute die Staatsanwälte zwingt, gegen jede, auch noch so unbedeutende Kleinigkeit einzuschreiten. Sehr notwendig ist eine befriedigende Regelung der Untersuchungshaft. Ob hier der Entwurf die richtige Lösung bringt, wird näher zu prüfen sein. Zweifellos werden eine Reihe der neuen Bestimmungen auch eine Beschleunigung des Strafverfahrens bewirken, die dringend nottut. Schließlich ist mit Freuden zu begrüßen das neu eingeführte Verfahren gegen Jugend- kleines Feuilleton. Ei» Protest der Berliner Mediziner gegen die Bibliotheks- gebühren. Es war eine Zeitlang still geworden von dem neuesten preußischen Kulturattentat, der Steuer auf die Bildung, die man mit der famosen Bibliotheksgebühr in der königl. Bibliothek ein« führen wollte. Wer indes gehofft hatte, daß die zahlreichen Proteste den Weivselbalg erstickt hätten, oder die Furcht vor der unauSbleib- lichen Blamage(in den Augen der kultivierten Menschheit) die Väter dieser Kultursörderung abgeschreckt hätte, täuschte sich gründlich. So etwas mag anderswo möglich sein, in Preußen nicht. Die öffentliche Meinung, die Interessen der Allgemeinheit lassen unsere Beherrfcher und Bureaukraten völlig kalt. Der Fall Bode hat uns ja eben erst zum Gaudium Europas bewiesen, daß eine preußische Behörde sich nie irrt, daß sie einen begangenen Fehler nie eingesteht oder wieder gut macht. Herr Hamack, der Generaldirektor der königlichen Bibliothek, der den dem Abgeordnetenhaufe zu unterbreitenden Etatansatz zu„begründen" be- rusen ist, scheint nach ähnlichen Lorbeeren zu geizen.— Wenn das hohe Ziel erreicht ist, durch Besteuerung der Bibliothekbenutzer einen Teil der Mittel aufzubringen, die die geborenen BildungSseinde. die Junkerkanaille, notwendigen Bedürfnissen der staatlichen Bücher» fammlung vorenthalten, so wird Preußen wieder auf einem Gebiete in der Welt voran fein. Indes es scheint auch im bürgerlichen Lager unter den Akademikern gegen die neueste Schmach eine Opposition wach zu werden. Die Berliner Medizinische Gesellschaft, die neben den llniversitätSprofcssoren und den anerkannten Forschern und Praktikern so ziemlich die ganze regsame medizinische Welt Berlins umfaßt, widmete ihre letzte Sitzung am Mittwoch einem Antrage ihres Mitgliedes Dr. Chajes, gegen die kulturwidrige Gebühr Protest zu erheben und bei der Bibliotheksverwaltung gegen sie vorstellig zu werden. Trotz dem Rechtfertigungsschreiben'des Herrn Harnack, das zur Verlesung gelangte, wurde dieser Antrag(gegen eine Stimme) in der amendierten Form zum Beschluß erhoben, daß er als Petition anZ Abgeordnetenhaus gerichtet werde. ES wäre wünschenswert, daß den in Preußen herrschenden SpirituSproduzenten die Besteuerung des nutrimontum Spiritus (geistige Nahrung) durch weitere Proteste verekelt würde. Die Fortschritte der Photographie in den letzten 26 Jahren. Die Freie Photographische Vereinigung, die die Förderung der Photographie auf wissenschaftlichem und künstleri- schein Gebiete mit Eifer und Erfolg betreibt, feierte am Donners- tag ihr LOjähriges Bestehen durch eine Festverfaininlung in der Aula der Technischen Hochschule. Bei dieser Gelegenheit hielt Professor M i e t h e einen Vortrag, der die Entwickelung der Photographie in den letzten Jahrzehnten anschaulich charakterisierte. Die letzten 26 Jahre waren für die Entwickelung der Photographie die wichtigsten feit ihrem Nestehen. Zwgr tigp in Riefet Zeit liche. Wünschenswerter wäre vielleicht an sich, die ganze Frage der Behandlung der Jugendlichen im Strafprozeß, im Strafrecht und in der Verwaltung durch ein besonderes Gesetz zu regeln. Aber das würde die notwendige Reform unendlich weit hinausschieben. Dem Antrag aus Einsetzung einer LSjjliedrige» Kommission schließen wir uns an.(Bravo! bei den Nationalliberalen.) Preußischer Justizminister Beselcr: Der vorliegende Entwurf wurde bei seiner Veröffentlichung im ganzen nicht unfreundlich aufgenommen. Er schließt sich histo- risch an das geltende Recht an, wobei er Mängel, die seit Jahren als solche erkannt wurden, zu beseitigen sucht. Die einzelnen Fragen, die der Entwurf regelt, müssen daher historisch be- trachtet werden. Das Laienelernent ist in größerem Umfange in Deutschtand erst seit 1879 zur Rechtsprechung herangezogen, und das hat sich gut bewährt. Klagen über die Schöffengerichte sind nicht in gleichem Matze laut geworden wie über die Strafkammern. Freilich erklärt sich das wohl nicht daraus, daß am Schöffengericht Laien mitwirken, sondern daraus, daß gegen die Urteile der Schöffengerichte die Berufung möglich war. Die Vorwürfe, die gelehrten Richter seien weltfremd, sind ganz unbegründet. Wenn aber die Bevölkerung auch in den Strafkammern in erster Instanz Schöffen wünscht, haben wir keinen Anlaß, dem entgegen- zutreten. Anders liegt es bei der Berufungsinstanz. Hier Laien- richter zuzulassen, wäre ein Schritt, den noch kein Volk gemacht hat, ein Experiment, das große Gefahren in sich birgt und das die Verbündeten Regierungen nicht mitmachen können. Der Berufungs- richter hat eine weit mehr kritische Tätigkeit als der Richter erster Instanz, und ob Schöffen dieser Aufgabe gewachsen sind, darüber existieren noch nirgends Erfahrungen. Auch die notwendige Zahl von Schöffen würde man nicht finden können, wenn sie auch in zweiter Instanz mitwirken sollten. Abg. Gröber(Z.): Zu meiner Freude hat sich Dr. Wagner namens der Mehrheit der Konservativen und Dr. Heinze im Namen der Nationalliberalen für Zuziehung der Laien in zweiter Instanz ausgesprochen. Die Laien haben vor dem Berufungsrichtcr die größere Vertrautheit mit dem praktischen Leben sowie vielfach ein besseres Verständnis für die Gedankenwelt der Zeugen und Angeklagten voraus; auch sind sie nickt der Abstumpfung ausgesetzt, der der Berufsrichler nur zu leicht verfällt. ES besteht im Volke un- leugbar ein Mißtrauen gegen die gelehrten und ange st eilten Richter. Daher kräftigt die Zuziehung von Laien die Autorität der Rechtspflege.— Man sagt nun, um die Pflichtzuziehung von Laien zur Berufungsinstanz zu rcchlfsltigen: Die Berufungsinstanz hat wesentlich Rechtsfragen zu enlscherden und dazu sind die Laien weniger geeignet. Aus meiner langjährigen Praxis heraus muß ich das bestreiten. Bei der größten Zahl der Berufungen handelt es sich um Tatsachenfeststellung. Strafmaß usw. Es liegt also kein Grund vor, die Laien hier nicht zuzuziehen. Zu wünschen wäre, daß die Verlesung des Urteils erster Instanz mit Begründung vor der Verhandlung der Berufungsinstanz wegfallen würde. Diese Beriesung beeinflußt von vornherein die ganze Verhandlung zuungunsten de» Einlegers der Berufung.— Fraglich scheint es zu sein, ob wir genug und geeignetes Material für die Besetzung der Berufungsinstanz mit Laien haben. Aber die Uebertragung der Bagatellentscheidungen an die Amtsrichter ohne Laienzuziehung macht viele Kräfte für die Berufungsinstanz frei und die Diätenzahlnng ermöglicht die Zuziehung weiterer Kreise als bisher. Dir vom Reichsjustizamt niedergesetzte Kommission hat sich einstimmig für Zuziehung der Laim zur Berufungsinstanz aus- gesprochen.(Hört! hört!) Die Frage der Beibehaltung der Schwurgerichte beantworten wir im bejahenden Sinne. Auf daS allercntschiedenste ist davor zu warnen, die Entscheidung darüber, ob Anklage erhoben werden soll oder nicht» in die Hände des Staatsanwalts zu legen. Den Staats- anwälten würde damit eine Macht gegeben, die ihnen selbst vcr- Verblich werden könnte. Unvermeidlich würde die Nichterhebung der Anklage als Parteilichkeit ausgelegt werden. Das sicher wünschenswerte Ziel, daß nicht wegen jeder 5kleinigkeit Anklage erhoben wird, läßt sich besser auf anderem Wege bei der Revision des Strafgesetzbuchs erreichen. Wir müssen sehr ernst erwägen, ob wir nicht im Gesetze selbst bestimmen wollen, daß mehr als bisher die richterliche an die Stelle der polizeilichen Voruntersuchung tritt. Den Polizeiorgaiten fehlt es oftmals an der genügenden Bildung. Im allgememen sollte namentlich angesichts der erweiterten Kompetenz der Amtsgerichte die Amtsanwaltsckaft mit Juristen besetzt werden. Die Zuziehung der Frauen zur Rechtspflege ist entschieden abzulehnen.— Wenn die Oeffentlichkeit ausgeschlossen wird, dürfen auch keine Pressevertreter zugezogen werden. Eines von beiden: entweder völlige Oeffcntlich- keine glänzenden Entdeckungen gemacht worden, aber das Erbe der Väter, die Erfindungen früherer Zeit, wurden ausgebaut und verbessert in einer Weise, wie man es zu Beginn der Epoche nicht erwarten konnte. Eine wesentliche Verbesserung hat das photo- graphische Handwerkszeug erfahren. Vor 26 Jahren stand die photographische Optik in einer gärenden Entwickelung. Ihr größter Feind, der eS unmöglich machte, ein ausgedehntes, scharfe» Bildfeld zu erhalten, war besiegt. Durch die wissenschaftlichen Arbeiten Abbes und die praktischen Arbeiten der Firma Zeiß ist in den neunziger Jahren in dem Doppelanastigmat ein Objektiv entstanden, das die weitgehendsten Ansprüche an ausgedehnte Bild- schärfe erfüllt. Dem Doppelanastigmat sind eine Reihe von Objektiven für die verschiedensten Spezialarbeiten gefolgt. Ebenso wie die Linse, ist auch die Kamera verbessert worden. Durch die Handkamera ist die Photographie erst populär geworden, nachdem durch die Erfindung der Trockenplatte die Möglichkeit gegeben war, die Photographie überall auszuüben.— Der Kopierprozeß lvar vor 26 Jahren aus zwei bis drei Papiersorten angewiesen. Heute haben wir eine größere Reihe ausdrucksvoller Kopierverfahren. Auch die Jllustrationstechnik hat durch die Entwickelung der Photographie, besonders durch den Dreifarbendruck, eine wesentliche Bereicherung erfahren. Die Voraussetzung des Drei- farbendruckes war die farbenempfindliche Platte, die Professor H. W. Vogel in die Praxis einführte. Die Photographrc in natürlichen Farben galt vor 26 Jahren, ebenso wie das lenkbare Lustschiff und die Flugmaschine, als ein unlösbares Problem. Beide Probleme sind heute gelöst. Die Farbenphoto- graphie liefert durchaus befriedigende Resultate. Allerdings wird es noch lange dauern, bis man ausschließlich in Farben und nicht mehr in Schwarz photographiert.— Wichtiger als die Photographie selbst ist ihre Anwendung auf den verschiedensten Gebieten des Wissens und der Forschung. Bis zum Jahre 1896 kannten wir nur den sichtbaren Teil des Spektrums. Durch die Entdeckung Röntgens ist es möglich geworden, durch die Photographie auch das Unsichtbare zur Erscheinung zu bringen. Auch die M i k r o- Photographie zeigt uns Dinge, die dem Auge nicht wahr- nehmbar sind, denn die Empfindlichkeit der photographischen Platte für kurze Lichtwellen liegt auf zwei Oktaven tiefer als d:e Empfindlichkeit unseres Auges.— Unsere Kenntnisse vom Weltall sind durch die Photographie wesentlich bereichert worden. Welt- körper, deren Licht so schwach ist, daß sie vom menschlichen Auge niemals wahrgenommen werden können, werden auf der Photo- graphischen Platte aufgezeichnet, wenn sie stundenlang dieser schwachen Lichtwirkung der weitentfernten Gestirne ausgesetzt wird. Auch im Dienste der Länder- und Völkerkunde hat die Photographie wesentliches geleistet, und auf künstlerischem Gebiet hat sie sich zu einer Technik entwickelt, die die ganze Kunst durchdringt. keit oder vollständiger Ausschluß der Oeffentlichkeit. Die Beseitigung de» journalistischen Zeugniszwanges ist zu begrüßen: sie hätte aber schon früher kommen sollen.(Sehr richtig!)— Die Frage nach den Vorstrafen ist nicht immer zu vermeiden, mutz aber milde und verständig gehandhabt werden. Ich hoffe, daß es zur Verständigung über strittige Punkte und zu einem gedeihlichen Ergebnis kommen wird.(Lebhafter Beifall im Zentrum.) Abg. Dr. Müllcr-Meiningen(frs. Vp.): Auch wir erksnneti Ott, daß in sehr zahlreichen Einzelheiten erhebliche Verbesserungen vor» liegen. Charakteristisch für die Arbeit ist aber die Angst vor allen grundsätzlichen Aenderungen. Reformiert ist das prozessuale Recht vielfach sehr weitgehend, während das m a t e r i e l l e Recht meist ganz unreformiert bleibt.(Sehr richtig! links.) Erfreulich ist die Uebereinstimmung aller Parteien mit der juristischen Vorkommission darin, daß auch in der zweiten Instanz das Laienelernent hinzugezogen werden muß. Der preußische Justizminister meinte, die Laien seien nicht kritisch genug. Tatsächlich sind in viel schwierigeren Zivilsachen heute schon Laien in der Berufungsinstanz tätig. Mich sollte e» nicht wundern, wenn die Schöffen der ersten Instanz bald in einen Generalstreik eintreten würden, wenn sie eS erleben, daß stets ihre Urteile an demselben Gericht von gelehrten Richtern wieder umgestoßen werden. Also wir verlangen Berufung an das Oberlandesgericht und Zuziehung von Laien auch in der BerufungS» insianz. Die Beibehaltung der Schwurgerichte begrüße ich, doch müßte ihre Zuständigkeit erweitert und ihre Organisation verbessert werden. Die Geschworenen müssen auch an der Strafzumessung teilnehmen. Vielfach sprechen die Geschworenen frei, weil sie sich sagen:„Wir wissen nicht, was im Falle der Verurteilung die ge» lehrten Richter für ein Strafmaß festsetzen werden." Ich er« innere an den Steinheil- Prozeß, wo die Geschworenen sich darüber vergewissern wollten. daß im Falle der Verurteilung auf das Minimum der Strafe erkannt würde. Materiell mutz die Zuständigkeit der Schwurgerichte auch auf Preß« Prozesse und politische Prozesse ausgedehnt werden, wie eS in Süddeutschland schon der Fall ist. Die Gewährung von Diäten an die Schöffen und Geschworenen begrüßen wir; nicht nur Handwerker und Arbeiter, vor allem auch Lehrer müssen zu diesem Amt zu- gezogen werden, ich persönlich halte auch die Zuziehung von Frauen bei der Aburteilung Jugendlicher für Wünschens« wert. Bei dem Strafversahrcu sind sehr bedenklich die Attentate gegen die Oeffentlichkeit, diese größte Garantie unseres Strafverfahrens. In diese stärkste Festung bürgerlicher Rechts« garantien will man jetzt unter allerlei Redensarten Bresche legen.(Sehr gut! bei den Freisinnigen.) Der Ausschluß der Oeffentlichkeit bei Beleidiguiigsprozessen sollte nur stattfinden, wenn alle Prozeßüeteiligten damit einverstanden sind. Der Entwurf stärkt die Macht des Amtsanwalts in ganz unannehmbarer Weise. Mit der Einschränkung des LegalnätsprinzipS bin ich im allgemeinen einverstanden, doch muß die Entscheidung, ob eingeschritten werden soll, das Gericht treffen, nicht der Staatsanwalt. Wir dürfen dem Staatsanwalt nicht noch mehr Macht geben, wir müssen sie vielmehr einschränken, ebenso wie die Polizeigewalt. Die Staatsanwälte sind keineswegs objektiv, sondern lassen sich vielfach von politischen Rücksichten leiten; je nach der politischen Situation nehmen sie ein öffentliches Interesse an oder nicht. Das hängt auch mit der Abhängigkeit der Staats- anwälte von der vorgesetzlen Verwaltungsbehörde zusammen. Hier sind gründliche Garantien notwendig. Ganz unzureichend sind die Bestimmungen über das Vorverfahren. daS für das Hauptverfahren so überaus wichtig ist; die Vorsitzenden richten sich viel zu sehr nach den Akten des Borbet fahrenS, so daß Feuerbach mit Recht sagen konnte:„WaS die Kirchhöfe den Aerzten, das sind die Registraturen den Richtern."(Heiterkeit.) Wir müssen verlangen, daß im Vorverfahren der Angeklagte genau so gestellt wird wie der Staatsanwalt. Eine Verhaftung sollte nur nach mündlicher Verhandlung mit dem Angeschuldigten möglich sein. Eine Verschlechterung liegt in der Bestimmung, daß die Verhaftung auf jeden Fall berechtigt ist, wenn anzunehmen ist, daß auf über 1 Jahr Gefängnis erkannt werden wird. Das Bedenklichste in dem ganzen Entwurf ist die Verschlechterung der Beweisführung im Hauptverfahren. Jeder unangenehme und zeitraubende Beweis kann vom Gericht willkürlich abgelehnt werden. Hier müssen Rechtsgarantien gegeben werden. DaS Recht der Zeugnisverweigenmg muß auch gewährt werden in bezng auf den Gebrauch des geheimen Wahlrechts, sonst ist daS Recht ganz illusorisch.(Sehr richtig! lmks.) Der ZengniSzwang der Presse muß als unmoralisch bis auf den letzten Rest beseitigt werden. Ebenso müssen Abgeordnete aller Art daS Recht haben, in bezug auf Dinge, die sie in ihrer Eigenschaft als Abgeordnete erfahren, daS Zeugnis vor Gericht zu verweigern.(Sehr richtig! links.) Wir Humor und Satire. Helgoland. Unsere Zukunft liegt auf dem Ozean, drum kauften wir uns eine Insel an. Germania, da hältst du dein Pulver trocken wider fremdes Geläuse in deinen Locken. Der Vetter John Bull hat für alt sie verkauft. che sie ihm unter den Füßen versaust. Der Vetter Michel hat ja so viel Moneten, damit kann er selbst Aegir daS Astloch verlöten! DaS Meer ist gefräßig, da« Eiland auS Ton, zu blechen Ehrenpflicht für die Station. Gepanzert das Land, gemauert der Rand, daS herßt ein Zustand von Helgoland. Nun beiße, du Brandung, nur auf Granit. Wenn's nischt hilft, wir schaffen schon neuen Kitt. Einmal rum mit Bolldampf die Steuerschraube, „daö Volk hat'S bewilligt", fertig ist die Laube. Ich finde das poplig, das bißchen Flicken, wir müsien einfach die Nordsee überbrücken, noch besser ein fester Damm wird errichtet, von Proletarierhänden sorgsam geschichtet. Dann wird Helgoland an Balboist verkloppt und mit dem Reddes den Junkern die Taichen gestoppt. Und was dann noch fehlt zum guten Leben, das wird uns— ftunäs oft I— Onkel Edward geben l> _ Flez. Notizen. — Der W e t t l a u f der neuen Oper naründun gen. Die Theaterplcite, die Berlin heimsucht, schreckt die Operngründer nicht ab. Außer der„Großen Oper" in Charlottenburg wird ein Richard-Wagner-Volkstheater. das Gura leiten will oder soll, am Schiffbauerdamm geplant. Und der Berliner Opernverein der wird jetzt auch kühn und will sein Richard-Wagner-Theater bauen. Der Direktor der Komischen Oper, Gregor, soll es leiten(also ein» Filiale). Pläne kosten nichts. — Das englische Theater, da» die SchauspieleriK Meta Illing ins Leben gerufen hatte und das durch ihren ToL unterbrochen wurde, ist jetzt endgültig aufgelöst worden. — Neue B ü ch e r. Otto R n r h e S' lürzlich im Neuen Theater aufgeführte» Drama:'„Don Juans Ich res Abenteuerist in der Buchausgabe im Verlage von E. Fleische! u. Co., Berlin, erschienen(Preis 2 M.). — E i n literarischer Fund wurde im Staatsarchiv zu M ü n st e r gemacht. Man entdeckte auf dem Umschlag einer alten Rechnung drei Lieder Walt Hers von der Vogel weide so» wie ein Bruchstück eines anderen Minnesänger». Das Manuskript, dgt- gpch die Noten enthalt, soll aus dem 14. Jahrhundert stammen. müssen das unbedingte PolizeihanSrecht des Parlaments bei dieser Gelegenheit festlegen. WaS über die Jugendgerichtshöfe hier bestimmt ist, ist sehr dekorativer Art. Gegenüber dem, ivas in anderen Ländern erreicht ist, ist es vollkommen unzureichend. Es fehlt vor allem das Institut der bedingten Verurteilung und die Aussetzung der Strafvollstreckung. fSehr richtig! links.) S< lange noch die Möglichkeit besteht, daß Jugendliche zn sammen mit alten Verbrechern, Dirnen und Zuhältern in- haftiert werden, sind all solche Bestimmungen umsonst. Der Strafvollzug muß möglichst individualisrert werden, sonst bleiben unsere Gefängnisse nach dem Worte eines der hervorragendsten Juristen Brutstätten des Lasters und der moralische» Bergistung. Wir nehmen das Gebotene an als Abschlagszahlung. Die Hauptsache ist doch der G e i st, in dem die Gesetze angewandt werden. Dazu brauchen loir ein erstklassiges Nichtertum, das nach oben und nach unten unparteiisch ist.(Bravo I links.) Abg. Dr. Barenhorst(Rp.): Die Kritik des Vorredners an den» Entwurf kann ich nicht als berechtigt anerkennen. Der Entwurf hält den richtigen Mittelweg ein, das beweist der Umstand, daß die Tagung der Anwälte nach der e i n e n, die der R i ch t e r nach der anderen Seite über den Entwurf hinausgehen will. Die Schwurgerichte sind für mich und den größten Teil meiner Freunde ein Noll me tangere(dürfen nicht angetastet werden). Wohl aber sind wir dafür, ihnen gewisse Delikte zu entziehen und an die Strafkammern zu übertragen. Redner schließt sich dem An- trag auf Kommissionsberatung an.(Beifall rechts.) Abg. Dr.». Dzicmdowsky-Pomian(Pole): Der Justizminister hat die Richter gegen den Vorwurf der Weltfremdheit in Schutz ge- nommen. In den polnischen Landesteilen verstehen sie das Empfinden des Volkes sicherlich nicht, wenn sie aus anderen Landesteilen dorrhin versetzt werden. Einigen Schutz dagegen gibt die Mitwirkung der Laien in der Rechtsprechung: zu erwägen wäre auch, ob das Recht der Ablehnung von Richten, nicht erweitert werden soll» Die Ausschließung von Laien an der Berufungsmstanz läßt sich in keiner Weise rechtfertigen, wenn man die Laien nicht überhaupt vom Richteramt aus- schließen will. Wir werden daran mitarbeiten, daß aus der Kom- misston etwas wirklich Brauchbares herauskommt.(Bravo! bei den Polen.) Hierauf vertagt das Haus die Weiterberatung auf Sonn- abend 11 Uhr.(Nachher: Interpellationen betreffend Ver- sicherung der Privatangestellten und Interpellation Albrecht £Soz.) betreffend die Entschädigungen der Tabakarbeiter.) Schluß Ö'/a Uhr.________ parlamentarisches. Aus der sozialdemokratischen RcichStagöfraktion. Die sozialdemokratische Fraktion bestimmte am Freitag- abend die Redner für die zweite Lesung deS Etats. Es werden sprechen: Zum Titel„Reichskanzler": Ledebour und Bühle; zum Auswärtigen Amt: Scheide in ann und Dr. David; zum Reichsamt des Innern: Fischer und Hoch; zur Marine: Bebel und S ü d e k u m: Reichs- iverften: S e v e r i n g und Legten; Justizetat: Stadt- Hägen und Heine; Kolonialetat: Eichhorn und N o s k e; Schutzgebiete: Ledebour und Stolle; Reichs- eisenbahnamt: Lehmann und Z i e tz s ch; ReichSeisen- Lahnen: E m m e l und Bühle; Postetat: Singer, Zubetl, Eichhorn; Militäretat: Stücklen und Noske. In die Kommission zur Vorberatung der Justizgesetze wurden delegiert die Genossen Frank. Frohme, Hoch und Stadthagen._ Die Wahlprüfungskommission des Reich»- tage«, die nach Schluß der vorigen Session neugewählt worden ist, beriet über die Geschäftslage. Es liegen im ganzen noch 2ö Wahlprllfungen vor. von denen bereits 19 für die Arbeit der Kommission bereitliegen. Die Kommission wird darum wöchent- lich am Mittwoch, Donnerstag und Freitag Sitzungen abhalten. *•#' Pin Ingenieur hat eine rotierende Wahlurne gebaut und sie empfohlen. Man stellt eS ihm frei, sie der Komiiiission zur Prüfung zuzuführen._ Hus der Partei. Bebels Erinnerungen. Am 1. Februar, so gibt der Verlag I. H. W. D i« tz bekannt. wird zur Versendung gelangen der erste Teil deS Werkes:„Aus meinem Leben". Von August Bebel. Der Preis ist für da« broschierte Exemplar l.öO, für das gebunden« 2 M. Unsere Toten. In S o n n e n b u r g(Wahlkreis Ost- und West- Stern- 5 e r g> ist am Mittwoch der Genosse Albert Schmidt gestorben. Ueber den Wahlkreis hinaus ist er in der Partei bekannt geworden als Angehöriger und Vertreter der Landarbeiterschast. Ursprünglich war Genosse Schmidt allerdings Weber, als indes die Weberei in Sonnenburg einging, war er gezwungen, andere Arbeit zu nehmen und so wurde er Landarbeiter und brachte es bald zum Borschnitter. Als solcher erfreute er sich einer etwas größeren Bewegungsfreiheit als der gedrückte Tagelöhner und das landwirtschaftliche Gesinde und diesen Umstand hat er eifrig für die Sache de» Landproletariats genützt. Als Mitarbeiter von Partciblättern, als Redner in Ver- sammlungen und auf Parteitagen der Brandenburger Genossen ist er als beredter Fürsprecher der ländlichen Arbeiter aufgetreten. Auf dem ersten preußischen Parteitage hat er in einer trefflichen Rede die Beschwerden und Forderungen des Landproletariats mit der packenden Beredsamkeit und dem heilige» Eifer des ganz mit seiner Sache Verwachsenen und aus eigener Erfahrung und Anschauung Schöpfenden dargelegt. Mehrfach ward er um dieser Tätigkeit willen gemaßregelt, noch im letzten Jahre mußte er als Wald- arbeiter sein Brot suchen, da er bei den Gutsbesitzern weit und breit keine Arbeit mehr erhielt. Nie hat ihn das bestimmen können, in seinem Eifer für die Sache seiner Arbeitsbrüder und des ge- samten Proletariats nachzulassen. Viele Jahre ist er Vertrauens- mann des Wahlkreises gewesen, und in der letzten Zeit bekleidete er daS Amt des Wahlkreisvorsitzenden; seit einem Jahre war er auch als Neichstagskandidat des Kreise» ausgestellt. Jetzt ist er in noch verhältnismäßig jungen Jahren an den Folgen einer unglücklich verlaufenen Blinddarmoperation gestorbm. Ehre seinem Andenken! Zum Beigeordnete» gewählt wurde in dem oberelsäsfischen Krei»- städtchen G e b w e i l e r unser Genosse A u g u st S t e S. Die Wahl erfolgte im Gemeinderat mit IS gegen 7 Stimmen. Die liberal- demokratische Presse im Reichslande spricht die Erwartung aus, daß die Regierung den Bruch mit dem System Köller, unter dem im Jahre 1902 die Bestätigmig des sozialdemokratischen Beigeordneten in Mülhausen versagt wurde, durch eine andere Stellungnahme im jetzigen Falle aussprechen werde. Jugendbewegung. Eine Schnüffelei nach freien Jugendorganisationen. Die Pfälzische Handwerkskainyter versendet folgendes Zirkular; Pfälzische Handwerlskammer. Zirk. Nr. 8/1010. Kaiserslautern, 10. Januar 1910. An die gewerblichen Korporationen! Der Ausschuß des Deutschen Handwerks- und Gewerbe- kammertages hat in seiner Sitzung vom S. November 1900 über die Frage der sozialdemokratischen Verhetzung der Jugend und über die Mittel zu ihrer Bekämpfung verhandelt. Insbesondere handelt es sich darum, ob sogenannte Jugend- oder Lehrlings vereine bestehen, die unter Umgehung des Vereinsgesetzes gleichwohl politische Ziele verfolgen, sowie um die außcrordent- lich schwierige Frage, inwieweit solchen Organisationen ihr wahres Gesicht entlarvt und dieselben unwirksam gemacht werden können. Die Frage hat für das Handwerk ein ganz besonderes Interesse, weil es sich hier um die Zukunft des Handwerkes handelt, die durch Beeinflussung des handwerkerlichen Nach- Wuchses schwer gefährdet werden kann. Die Frage soll auf dem nächsten Deutschen Handwerks- und Gewerbekainmertag in Stuttgart verhandelt werden. Es wird daher um Beantwortung umstehender Fragen bis 20. Januar 1910 höflich ersucht. Pfälzische Handwerkskammer. Der Vorstand. A. Heil, Vorsitzender. Bern ad» Sekretär. .. Fragebogen betr. sozialdemokratischeJugend- und Lehrlingsvereine. 1. Bestehen am dortigen Platze Jugend- oder Lehrlingsvereine. welche unter sozialdemokratischem Einfluß stehend an- gesehen werden können? 2. Welche Bezeichnungen führen dieselben?(Junge Garde usw.) 3. Wurde beobachtet, mit welchen Mitteln für den Beitritt ge- worden wird? 4. Werden z. B. an die fortbildungSschulpflichtige oder fort- bildungsschulentlassene Jugend Flugschriften verteilt oder zirkulieren besondere Zeitschriften, die besonders für den gewerblichen Nachwuchs zugeschnitten sind?(„Junge Garde" usw.) S. Wenn ja, bitten wir. wenn solche habhaft gemacht werden können, dieselben mit einzusenden! Sa. Wurde bereits gegen die Verteilung feiten» der Schul- behörden durch Strafanzeige mit Erfolg eingeschritten? Wer leitet die Vereine? Wo und an welchen Tagen und in welcher Folge finden die Vereinsversammlungen statt? 8. In welcher Weise betätigt man sich in den Versammlungen? 2) Werden Borträge gehalten? d) Von wem? 0) Werden turnerische Hebungen abgehalten? d) Bestehen Diskutierabende mit Rednerschulen? c) Bestehen Bibliotheken? f) Findet Unterricht in Buchführung, Rechnen und sonstigen Fächern statt? g) Wer erteilt diesen Unterricht? ti) Werden Ausflüge und Exkursionen als Lockmittel ver- anstalte? i) Finden Gesangs- und Mustkabende usw. statt? 9. Wie viele Mitglieder zählt der betreffende Verein zirka? ............ den... Januar 1910. (Name der Korporation:) 6. 7. (Unterschrift des Vorstandes:)' Die Gegner sind also eifrig an der Arbeit, die freien Jugend- organisationen zu zerstören. Daß es ihnen nicht gelinge» muß die Sorge der gesamten Arbeiterschaft sein. Bluq der frauenbeweefung. Frauenarbeit im Mittelalter. Gar viele Leute zitieren bei den verschiedensten Anlässen das Schlagwort von der„guten alten Zeit". Besonders häufig müssen die vorwärtsstrebenden Frauen solche Stoßseufzer von Unwissenden oder Gegnern anhören. Aus jener Evochc. die von bürgerlichen Moralisten als wohlgeordnete und ideale für die Frauen bezeichnet wird, geht vom Standpunkte der kulturhistorischen Forschung schlüssig hervor, daß die Frauenfrage als wirtschaftliche Frage, als Lebensfrage für einen großen Teil der Frauenwelt, auch im Mittelalter eine große Rolle gespielt hat. Ein Artikel„Frauennot und Frauenarbeit im Mittelalter"(„Gleichheit, 3. Januar d. J.). dem wir die folgenden Tatsachenangabcn entnehmen, zitiert den Ausspruch des bekannten Kulturhistorikers Lamprecht:„Nie ist die Frauenfrage brennender gewesen als in den Städten des 14. und IS. Jahrhunderts." Der Ueberschuß an Frauen war im Mittelalter noch stärker al» heute. In Nürnberg entfielen z. B. im Jahre 1449 auf 1000 Männer 1207 Frauen. Bei den Frank- furter Juden stellte sich das Verhältnis um dieselbe Zeit wie 1000 zu 1400. An» besonderen sozialen Gründen wurde der Frauen- Überschuß noch verstärkt. Ein großer Teil der ewig wandernden Kaufleute heiratete zum Teil gar nicht oder erst sehr spät. Daß gandwerkSgesellen, die bei ihrem Meister wohnen mußten, irateten, war selten. Ganz besonder» aber trug zur Verstärkung dvS Frauenüberschusses die sehr große Zahl der Zolibatäre(Ehe- losen) bei, zu denen nicht nur die amtierenden Geistlichen, son- dem der ganze Schwärm von Welt- und Klostergeistlichen gehörte. Vikare, Kuraten und auch viele Stadtbeamte, im IS. Jahr- hundert in Lübeck auch alle Stadtschreiber. All diese Verhältnisse ver- schärften die Frauenfrage des Mittelalters. Die Verweisung, „daß die Frau an den Herd de» Hauses" gehöre, war zu damaliger Zeit genau so deplaziert wie sie es heute ist. Auf die Frage, was das Rittelalter für sein« vielen allein. stehenden Frauen getan habe, wird zuerst auf die große Anzahl loohltätiger Stifte, Klöster und dergleichen hingetviesen. Dadurch allein konnte natürlich die Not nicht gelindert, die mittelalterliche Frauenfrage nicht gelöst werden. Meist waren diese Stifte und Konvente Bersorgungsanstalten für die weiblichen Angehörigen der wohlhabenden Stände, indem für die Aufnahme eine Em- zahlung von 3000 bis sogar 20 000 M. heutigen Geldwertes Be« vingung war. Viele Mädchen wurden auch gegen ihren Willen inö Kloster gesteckt. Die Forschungen haben weiter ergeben, daß die Frauen, allen städtisch-zunftlerischen Ordnungen und Anschauungen zum Trotz, sich aus ihrer wirtschaftlichen Not einen Ausweg durch Erwerbs- arbeit gesucht haben. Die Mädchen und Frauen der ärmeren Handwerker und der Bevölterungsschichten, die man als das städtische, handweikliche Proletariat bezeichnen könnte, stellten das größte Kontingent zu der Zahl der berufstätigen Frauen, die als weibliche Gesellen und Lehrlinge bei den Badern, Bernstein- drehern, Malern und Nidlcm und vor allem bei den Haardecken- und Lakenmachern und den Leinewebern als Spinnerinnen und Weberinnen Beschäftigung fanden. Die Frauen drangen auch in viele zünftige Handwerke ein. und besonders im Te�tilgcwerbe war ihre Zahl größer als die der tätigen Männer. Die berufstätigen Frauen waren in zünftigen Handwerken teils Meister, teils Arbeiterinnen. Weibliche „Meister" sind auf Grund der lübischen Zunftrollen nachgewiesen bei den Badern. Bäckern. Barbieren, Bernsteindrehem, Brauern, fischhändlern. Goldschmieden, Kistenmachern, Leinwandhändlern. ohgerbern, Rademachern. Rußfärbern, Senklern(Schnallen- machem) und Schneidern. Es wurden auch zünftige Lehen an Frauen vergeben. So war 1667 neben zwei männlichen auch ein weiblicher Perlsticker„mit den perlen Kräntzen und Kröhnck>sn verlehnt". Außerhalb der Zünfte gab es noch häufiger erwerbs- tätige Frauen. So z. B. auch viele Schentloirtinnen(„Krogerschcn" von«Krug".), Nach den Überlieferungen scheint das Nint des Ratskuchenbäckers im 15. und 16. Jahrhundert stets von Frauen verwaltet worden zu sein, auch die<-tadtwage von Lübeck ist 1453 an eine Witwe verlehnt worden. Daß es Lehrerinnen seit langem gegeben habe, wird bestätigt. Tchulmeisterinnen waren teils Bürger- töchter, teils Handwerker- und Scemannssrauen. 1512 unter- richteten in Lübeck 3 Holländerinnen. Daß im Mittelalter Aerz- tinnen praktizierten, ist seit langem bekannt. Sehr ausgedehnt war die Frauenarbeit in der Hökerer und Kramerei. Bereits um 1300 wurde, der wirtschaftlichen Not gehorchend, das alte die Frauen im Handeln vom Manne oder Vormund abhängig machende Recht akaeschafft und den Frauen gleiches Recht mit den Männern ge- geben. Bei den gewerblich selbständigen Frauen waren nicht nur Witwen, die nach der Zunftordnung das Geschäft ihres Mannes fortsetzten, es gab auch ledige Meisterinnen, sowie Ehefrauen, die allein oder mit ihrem Manne oder auch mit Dritten zusammen ein Gewerbe betrieben. Wie ersichtlich kam man zu jener Zeit den Frauen im Berufs- leben vorurteilsfreier entgegen, als es zum größten Teil heute der Fall ist. Die Hunderte und Tausende von alleinstehenden,� über- schüssiaen Frauen, die damals in den weltlichen Beginenhäusern Unterkunft fanden, haben ihren„natürlichen Beruf".„Hausfrauen und Mutter" zu sein, auch im Mittelalter nicht nach Wunsch er- füllen können. Nach den wirtschaftlichen und geistigen Um- wälzungen, die in dem Zeitraum der Jahrhunderte sich vollzogen, beansprucht die Frau, ebenso wie der Mann, ihr volles Recht, im Berufsleben sowohl wie auch in der sozialen Gesellschaftsordnung. Noch ist sie auf allen Gebieten entrechtet. Wer mutig vorwärts schreitend werden sie, trotz Reaktion, schließlich ihre vollen Menschen- rechte erkämpfen. Jeder Arbeiter, jeder Handwerker sollte zur Hrbcit die Lederbo*» Herkules - Unerreichte: Leletangsfählohelt Allein•Yerka.al. Sehr starkes Leder in grauen u. braunen Streiken, auch einfarbig. Arn Bund ans einem Stück ge- arbeitet, wodurch besondere Haltbarkeit bedingt ist. Sehr feste Kappnähte m. stark. Garn. Schwere Leder-PNot-Taschen. Große Flicken umsonst rroti dieser vielen und anderer VorzQce kostet M die Herkules-Hose für£1 ti en normale Mannes- Größe• 0\) Berufs- u. Schutzkleidung (Or alle Zweige der Oewerke u. Industrie, Sanitätsdienst usw. BAERSOHN Spezial• Hans größten Maßstabe« CbnuiiMStr. ao-ao— Brückenstr. II Gr. Prnnkturtcrstr. ao Schöneberg, Hauptstr. 10. Haaps-Hwtmoc ffrstln o frank«, Hachdr. verbat Kunstgeigenbauer E. Toussaint BERLIN 0. Joachimstraße HC, liefert Reparaturen. aus Wunsch zugleich mii vorzgl. Tonverbesserung. 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MGnden. ===== Eratklasslgen Fabrikat......■= Hauptniedorla �e: Max Ziegenhals, Berlin~ _ Aitrt VII, 3047. JeueKönigsir.TO Sonntag, den 16. Januar, in„Liidtkes Vereinshaus� Dresdener Strafte 116: (iroöe llienstboten-vei'lammlung. Vortrag:„Ausschaltung der Polizei tu Streitfällen und Forderung von Zoitdergertchtcn«. Referent: ArbeitersetretSr Adolf Ritter. Saalöffnimg 6 Uhr. Ansang 7 Uhr. 281/11 Die Einbcrnferln. Anna Joppich, Lietzensee-User 1. Steinarbeiter. Sonntag, den 16. Januar, vormittags 16 Uhr: 2u>ei filitglicdcr-Vcrfamralungcn Sektion 1 in den„Musikersälen" Kaiser- Wilhelm-Straße 18m. Sektion 11 im Verbandslokal Seydelstr. 30. TageS-Ordnung: 1. Bericht der Sektionsicitung, 2. Neuwahl derselben. 8. Branchen» «Mgelegenheiten. 4. Verschiedenes. jgGT Mit Rücksicht auf die WahlrechtSversammlungen"WW werden beide Versammlungen präzise 10 Uhr eröffnet. ES ist deZhaw Pflicht jedes Kollegen, rechtzeitig zu erscheinen. 171/1» _ Die OrtsverwaUnns. f » Zahlstelle Groß-Berlln. Bureau: Linienstr. 21S. Geöffnet von S— 1 u. 4—8 Uhr. Telephon: 111,938. Bezirks- Versammlungen Sonntag, den 1«. Januar, vormittags v'/g Uhr: Gruppe der Kunststeinarbeiter im Roaenthaler Vereinshanse, Rosenthalerftr. 67. Sonntag, den 10. Januar, vormittags O'/a Uhr: Für Adlersliof bei Hanl, Bismarckstr. 16. Sonntag, den 16. Januar» nachmittags S'/a Uhr: Für löstöllöl im Stackttheater(Kl. Saay, Friedrichstrasse. Sonntag, den 10. Jannar, nachmittags 3 Uhr: Für T6{)6l bei Kaklea, Berliner Straffe 92. Mittwoch, den 19. Januar, abends 8 Uhr: Für Sp&Dll&D bei Gottwald, Schönwalder Straffe 80. Mittwoch, den 19. Januar, abends 8'/» Uhr: gllr Mldort bei Geliert, Steinmenstr. 96. Mittwoch, den 19. Jannar, abendS 8'/z Uhr: Für 5vd05t ll. Llldeo bei Hahn, Laufiffer Platz 8. Donnerstag, den»6. Januar, abendS 8'/, Uhr: Für Horden bei Kramer, Hussitcnstr. 49. Donnerstag, den 26. Januar, abendS 8'/, Uhr: Für Nordwest bei Klrachkowakl, veussclstr. 9. Donnerstag, den 26. Januar, abendS 8'/, Uhr: Für CbariOttenbarg im Voltshause, Rostneustr. 8. Donnerstag, den 26. Januar, abends 8 Uhr: Für Ober-Scböoeweide t«l Babe, Wtlhclminenhofstr. 13. Donnerstag, de« 26. Januar, abendS 8'/, Uhr: Für Scbönoberg Bei Frans, Tempelhofer Strafte 18a. Donnerstag, den 26. Januar, abends 8'/, Uhr: Für gslen bei Zleta, Warschauer Str. 61. Donnerstag, den 26. Januar, abends 8'/, Uhr: Für Veibellsee bei vontent. Lehderstr. S. Sonntag, den 23. Jannar, vormittags 9'/, Uhr: Für RamiBelSbUrg Sri Blnme, Alt-Boxhage« 66. Auf allen TageS-Ordnungen stehen u. a. Berichte und Neu- Wahlen, und wird zahlreicher und pünktlicher Besuch erwartet. WP- Die Bcrbandsbücher dienen alS Legitimation und findet Abstempelung derselbe« statt. 63/2 Die Dealrkaleltnngken. Nowawes and Umceaend. Am Montag, den 31. Jannar. abendS 8 Uhr, findet im Restaurant Singer. Priesterstr. 31.«ine statt, zu welcher die Mitglieder der Generalversammlung hierdurch er» gebenst eingeladen werden. Wahl eines Arbeitgeber» zum Bor» stände. Wahl eines Arbeitnehmers zum Borsland«. 270/10 Die Wahlen finden getrennt statt. NowaweS, den 13. Januar 1910. Der Vorstand. Kersten, Vorsttzend. Will«, Schristführ. Orts-Krankenkasse ia» Goldschmitde- Gewerbt annar geiuser IS, zu Berlin. Am Sonnabend, den LS. Ja, 1916. abendS 8 Uhr, findet im werkschoftShause. Saal 3, die Drdentllehe General'Versammlang statt. 270/6 1. Wahl von vier Arbeitnehmern in den Vorstand tür die Jahre 1910/ i SU. 2. Wahl von zwei Arbeitgebern in den Vorstand sür die Jahre 1910/t911. 3. Wahl von drei Revtsorm»ur Prü- sung der Jahresrechnung für 1909. 4. Verschiedenes. Der Voratnnd. F. A.: Otto Almendlngor, Vorsitzender. Hill! Vorortparcelle 360 M. an öffentlichem Weg. Brunn- holer, Berlin, Nolltndorfitr. 3. Besenleger nnd i&lfsarbeiter! Sonntag, den 16. Januar, mittags 12 Uhr, Kommandantenstr. 72, VeiisntUeke Versammlung. Tagesordnung: MF Keschlußfafluug über das Ergebnis der Nerhandlungeu. .«. o Kollegen und Genossen! Zu dieser überaus wichtige« Frage ist es Pflicht l�j��luzelne«. pünktlich zu erscheinen und auf den Baustellen hierfür kräftig zu Alle ÄrAaudswitglikdtt«nd Fllnktioniire m 10 KP im Arbeitsnachmis! Kpäiikea- ünd Siertjekasse aller gewerlilichen Arbeiter dir Schöneherg und Berlin. (Eingeschriebene HilsSlaffe Nr. HS.) Sonntag, den 33. Januar 1916, . � vormittags 9'/, Uhr. «»«rosserts neuen Rathaussäleu. Memmgeritr. 8(Tunnel): Genera!-Versammlang. Tagesordnung: 1. Bericht des Vorstandes. 2. Jähr- >cher Kassenbericht. 3. Neuwahl deS ..efonUen Vorstandes. 4. Verschiedene »ia/senangelegenheilen. 281/2» Miigliedsbnch legitimiert. Um zahlreiches und pllnMicheS Er. scheinen der Mitglieder ersucht Ter Borstand. I.A.: 6. Jaenioke. HIBI Enorm_ billiger Verkauf elegant. Vconatsgarderoben früher 30-90 M., jetzt 13-88 M. . Beutscbes Sekleidongshans, ZiG raffe glraiikfiirterstraffe 89 L Rur i Treppe, kein Laden. H> Fahrgeld wird vergütet. Die Tarlfkommlsalon. I. A.: G. 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Januar, nachmittags 3'lf Uhr, von der Leichenhalle des Friedrichshagener Kirchhofes in Friedrichshagen aus statt. Rege Beiciligling erivartet Die OrtSverwaltung. Für die herzliche Teilnahme und Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben unocrgetzlichen Mannes, deS Arbeiters 24gb Kerl Drews sagen wir allen Verwandten und ve« kannten, sowie dem Wahlverein von chöneberg unseren herzlichsten Dank. Oio trauernde Witwe nebst Kindern. W�Hmri Berlin, Die Tour Nteder-SchSnhanse« — Hohen-Schönhaufen findet nicht am IS,, sondern am SS. Januar statt. 1/1 Deutscher Iransportarhelter- Verband. Ortsverwaltung GroB-Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Mtglied, der Arbeiter Mixust Kühne am 9. b. Mt». im Aller von 50 Jahren gestorben ist. Ehre seinem Andenke« i Die Beerdigung findet heute Sonnabend, den 15. d. M., nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- Halle des EmmauS- Kirchhofes, Rixdors, Hermannsttaße, aus statt. Um reg« Beteiligung wird ge- beten. 95/7 Oio Verwaltung. Verband der Fabrikarbeiter Deutschlands. Zahlstelle Berlin. Am Dienstag, den t I.Januar, verstarb unser Mitglied �Ift-ed Maywald. Ehre feinem Andenke« k Die Beerdigung findet am Sonntag, den IS. Januar, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- hall« deS Neuen Jakobi. Kirch. hoseS in Rixdors, Hermamistraffe, aus stakt. Rege Beteiligung erwartet öS/3 Oio Ortsverwaltung. Danksagung. Betetllgung, hen Kranzspenden und ergreisenden uft bei der Beerdigung unseres Für die zahlreiche reichen Kr Nachrufe lieben kudolk Proeis sagen wir allen Verwandten und Freunden, insbesondere den Genossen deS 4. Berliner ReichStagSwahUreifeö, dem Verein der Berliner Buchdrucker und Schristaieffer, dem Gefangverein „Typographia- und allen seinen Kol» legen unseren ttesgesllhltesten Dank. vis trauernden Hinterbliebenen Mutter. Schwester« und Sohn. Danksagung. Fllr die vielen Beweise �herzlicher Teilnahme aus Anlaß des Hinscheidens meines lieben Manne«, unseres guten BaterS. de» Gastwirts Albert Horch agen wir hiermit dem sechsten Berliner IteichsiagS-WahIkretS. unseren lieben Stammgästen, den Kollegen der Ad- tellungen Kuhn und Czarley, Held und Spiegel, sowie dem Verein .Usedom», serner allen Verwandten, tr runden und Bekannte» unseren esinntgsten Dank, Besä Horch geb. JSkel _ nebst Kindern, tawAwtOhraag M. 16.80 Jede» Wort tat«u viell Du Saiamsndersiiefel spricht Istr sieb Fordern Sie MusteibucbV Salamander W. 8 Friedrich-Strasse 183 C. König-Stresse 47 SW. Friedrich Strasse 321 C Rosenthaler Tor W. Potsdamer Strasse 8 Schungei. o. d. Berlia V NW Witanaetcer Struie Sek« Turn-ütraas« 9 W Tau.ntsleo-Strasse 15 N. Bad St raste 20 Spandau, Breite Str«MC 80 _/ d u ii�ereJs hatte e.„ Besser Älsrurfogjue;";;: amanlee A. T. u., Berlin»V.«6, llnmer • Spittelmarkt Belle-Alliancestr. Grosse Frankfurterstr. Brunnenstr. 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Wiegemesser 1 Gewürzetagere mit 6 Tönncben 1 Servierbrett ca. 44 cm lang 1 Spülbürsten- 7 garuitur�in 9 lackierter Bleobrück-»M wand 1 Rosshaarbesen 30 mit Stiel bezogenes Plättbrett"euto"" Kccbenhandtnch- heiter mltiuMSel- © a © P a. Sr 2. 10 Ol ? Z w < © © CT © jr c Kleiderbürste n.l Hutbürste auf Brett Holzkohlenkasten ün" Aufschrift IKüchenstnhl 3 Blakerzünder für Gas im Karton 1 Küchenlampe mit grosser Sp.egel- blende n. dekoriertem Bassin 1 Petroleum- kanne 12 Gaszylinder mit Goldstempel mit Metallfuss n. llSChlampe farbigem Bassin Man verlanoe bei Einkäufen Rabattmarken— Jeder 95 Pfennig— Man verlange bei Einkäufen Rabattmarken ÖetautoüiUicfjet Redakteur Richard Barth, Berlin. Für den Lnseratenteilveraniw..: Th.Gt»ilr, Berlin, Druck».Versag: Vorwärts Buchdruckerei u, Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SÄ. 21. mm 3. Atülljt iltö„Ullmarts" Dtllllttl Mllllislllllü. Partei- 5Zngelegenkeiten. 2. Wahlkreis, Friedrichstadt. Zahlmorgen für Buchdrucker«!- Nochtarbeiter am Sonntag, den 16. Januar, bei Jul. Meyer, Oranwnstr. 163. Tagesordnung: I. Geschäftliches. 2.„Der Kampf der Arbeiter um politische und wirtschaftliche Freiheit!" Referent Genosse Emil Günther. Recht rege Beteiligung erwartet Der Vorstand. Sechster Wahlkreis. Sonntag, den 16. Januar, abends 6 Uhr, bei Bernhard Raabe, Kolberger Strohe 23: Oeffentliche politische Versammlung für Männer und Frauen. Tagesordnung: Vortrag des Stadlverordneten Genossen Karl Leid über.Fürsorge- erzieh ung". Nach der Versammlung: Gemütliches Beisammen- sein mit Tanz. Groß-Lichtcrfelde. Die Versammlung am Sonntag findet um 12 Uhr miliags stalt und nicht wie gestern irrtümlich gemeldet um 2 Uhr. Zehlendorf. Wannseebahn. Die Genossen werden auf die morgen, Sonntag, den 16. Januar, stattfindende Flugblattverbreitung aufmerksam gemacht. Der Vorstand. Schmargendorf. Am Sonntag früh 8 Uhr findet von PöttscherS Restaurant aus eine Handzettelverbreitung zwecks Einsichtnahme in die Gemeindewählerlisten statt. NiederschSneweidr. Am Sonntag, den 16. Januar, vormittags 11 Uhr, treffen sich die Genossen beim Restaurateur Neumann, Grünauer Strohe 4 und gehen dann zur öffentlichen Versamm- lung nach Johannisthal. Der Vorstand. Karlshorst. Parteigenossen? Zur Teilnahme an der Wahl- rechtsversammlung in Rummelsburg bei Tempel— Bellebue— treffen sich die Genossen und Genossinnen am Sonntag vormittags 11 Uhr im„Fürstenbad". Abmarsch pünktlich 11% Uhr.— Morgens Flugblattverbrcitung. Am Dienstag, den 18. Januar, abends%8 Uhr, Generalversammlung im„Fürstenbad". Biesdorf. Sonntag vormittag.%8 Uhr Flugblattverbreitung vom Lokal Gustav Berlin aus. Der Vorstand. Britz. Sonntag früh 8 Uhr von den bekannten Stellen aus Flugblattvcrbreitung. Dienstag, den 18. Januar, abends Uhr, findet bei Zilz, Werder- Ecke Rungiusstratze, die Generalver- sammlung statt. Tagesordnung: 1. Bericht des Vorstandes und der Funktionäre. 2. Bericht der Gemeindevertreter. 3. Er- gänzungswahl von drei Funktionären. 4. Verschiedenes. Der Vorstand. Schöneiche und Umgegend. Die Genossinnen und Genossen treffen sich am Sonntag zum Besuche der Wahlrechtsversammlung in Friedrichshagen(Lokal von Lerche, Rundteil) mittags 12.66 Uhr am Bahnhof Rahnsdorf. Grünau. Sonntag, den 16. Januar, Flugblattverbreitung zu der am 16. Januar stattfindenden öffentlichen Versammlung. Ma- terialausgabe morgens%8 Uhr im Lokal des Genossen Franz, Köpenicker Strohe 88. Die Genossen, welche an der Demonstrations- Versammlung teilnehmen, treffen sich um 11 Uhr ebenfalls bei Franz, Nachzügler in der Versammlung. Der Vorstand. Friedrichsfclde. Die Parteigenossen versammeln sich am Sonntag um 11 Uhr im Lokal der Genossin Bartholain, Prinzen- Allee 59, zum gemeinsamen Besuch der WahlrechiSversammlung in Lichtenberg. Die Bezirksleitung. Rieber-Schönhausen-Rordend. Die Wahlrechtsversammlung am morgigen Sonntag findet gemeinschaftlich mit den Pankower Genossen in Pankow bei Rozyli, Kreuzstr. 3/4, mittags 12 Uhr, statt. Die Bezirksleitung. ZldlerShof. Dienstag, den 18. Januar, abends 8>/z Uhr, findet im Lokal von R. Kaul Generalversammlung statt. Tagesordnung: t. Aufnahme neuer Mitglieder. 2. Bericht des Vorstandes und der Funktionäre. 8. Neuwahl des Vorstandes. 4. Parteiangelegenheiten und Verschiedenes. Der Vorstand. Tegel. Morgen, Sonntag, früh 8 Uhr, findet von den be- kannten Bezirkslokalen aus eine Flugblattverbreitung zu der mittags 12 Uhr in W. Trapps Festsälcn stattfindenden öffentlichen Wahlrechtsvrrfammlung statt. Die Bezirksleitung. Borsigwalde-Wittenau. Am Sonntag, den 16. Januar, vor- mittags 8 Uhr, findet eine Flugblattverbreitung statt. Die Ge- nassen des 1. Bezirks bei Zülecke, des 2. Bezirks bei W. Schulze und die Wittenauer Genossen bei Alb. Schulze. Hauptstrahe. Die Bezirksleitung. WilhelmSruh-Rosenthal. Am Sonntag, den 16. Januar, mittags 12 Uhr, findet im Lokal von Kollmann die Generalver- fammlung des Wahlvereins statt. Tagesordnung: Bericht des Vor- standes und der Funktionäre. Neuwahl. Verschiedenes. Spandau. Dienstag, den 18. Januar, abends 8% Uhr, findet im Lokal von Fritz Bohle, Havelstr. 26, die ordentliche General- Versammlung des Sozialdemokratischen Wahlvereins statt. Tages- ordnung: 1. Jahresbericht des Vorstandes und des Kassierers. 2. Neuwahl des Gesamtvorstandeß. An den Vorstand gestellte An- träge. 4. Verschiedenes. Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. Des- gleichen weisen wir auf die am Sonntag, den 16. Januar, statt- findende Flugblatwerbrcitung hin. Die Genossen, welche im Be- sitze eines Fahrrades sind, werden ersucht, sich recht rege daran zu beteiligen. Treffpunkt morgens 6% Uhr beim Genossen Schubert, Kurstr. 21._ Der Vorstand. Berliner JVadmehten* Polizeihunde und kein Ende. Es vergeht kaum ein Tag, ohne daß in der Polizei- beflissenen Presse ein Loblied auf den Polizeihund gesungen wird. Offenbar sieht man das am Alexanderplatz sehr gern und spielt gewisse Register mit entsprechend gefärbten Nach- richten, die ans das leichtgläubige Publikum losgelassen werden sollen. Ob indes die Polizeihunde, deren Zahl jetzt in Berlin schon ein Viertelhundert beträgt, wirklich den hohen Wert haben, den man ihnen polizcilicherseits beimißt, ist noch sehr fraglich. Man liest alle Augenblicke von sensationell auf- geputzten Erfolgen der Polizeihunde, aber die zahlreichen Ermittclungsfälle. in denen der Spürhund versagt hat, werden wohlweislich vcrichwicgcn. Mit Vorsicht ist auch die von der Polizei lancierte Meldung aufzunehmen, daß seit der Ver- Wendung von Polizeihunden im Patrouillendienst die Raub- anfälle und Sittlichkeitsattentate auf weibliche Personen in den öffentlichen Anlagen erheblich abgenommen haben und daß ebenso die Sicherheit in den noch wenig bebauten Grenz- bezirken, vorzugsweise in den Laubenkolonien, ganz erheblich besser geworden ist. Zu solchem günstigen Urteil ist die Zeit, seit der überhaupt bei uns Polizeihunde benutzt werden, denn doch wohl zu kurz. Wahrscheinlich sollen alle diese Loblieder Stimmung machen, um den Polizeiminister zur Errichtung der geplanten Staatsanstalt für die Züchtung von Hunden zu be- wegen. Wird der Polizeihund durch systematische Dressur seiner eigentlichen Aufgabe dienstbar gemacht, nämlich der Er- Mittelung von Verbrechen und der Verhinderung von Ver- brechen, so kann er für die Sicherheit des Publikums zweifcl- los von Wert sei. Es muß aber erneut und mit aller Schärfe dagegen protestiert werden. daß Polizeihunde auch außerhalb dieser Bestimmung verwendet werden. Bei Razzien auf Obdachlose die aus den Anlagen aufgestöberten Unglücklichen von Polizeihunden wie eine Herde Hammel um- kreisen zu lassen, ist eine Roheit. Noch viel ungehöriger ist es, daß Kriminalbeamte bei politischen Volksversammlungen in der Nähe der Versammlungslokale mit Polizeihunden herum- lungern und diese ohne dringenden Anlaß auf Versamnilungs- teilnehmcr Hetzen. Eine derartige Bevormundung durch Polizei- Hunde muß sich die Bevölkerung ganz energisch verbitten. Ein großer Teil des Bürgertums ist natürlich von den vierbeinigen Gehilfen der Polizeier äußerst entzückt. Man wird erst mal später einsehen, was dabei herauskonunt, wenn jeder dritte Kriminaljchutznlann außer dem Schießprügel auch einen Blut- Hund bei sich hat._ Nochmals vom Berliner Junungswesen. Zu der Beschwerde des Gesellenausschusses der Bäcker- innung„Konkordia" betreffend die Zulassung von Gesellen bei der praktischen Lehrlingsprüfung in Verbindung mit einer entgegengesetzten Entscheidung der Handwerkskammer von Berlin, über die wir in Nr. 9 deS„Vorwärts" unter der Stichmarke„Vom Berliner Jnnungswesen" berichteten, sei mitgeteilt, daß auf die erhobene Beschwerde vom Ober- Präsidenten der Provinz Brandenburg diese Antwort ein- getroffen ist: Der Oberpräsident der Provinz Brandenburg. 0. P. 24616. „Der Vorstand der Berliner Handwerkskammer hat den An- sprnch des GcscllenausschusseS auf Hinzuziehung der Ge- sellenbeijitzer zu dem praktischen Teil der Ge- sellenprüf ung als berechtigt anerkannt. Er wird den Borsitzenden deS JnnungSprüsungSausschusseS ersuchen, in Zukunft die Gescllenbeisitzer auch zu der praktischen Prüfung zu laden. Hiermit sehe ich die Beschwerde als erledigt an." Was sagt denn nun der Herr Ehrenobermeister und Vor- sitzender der Handwerkskammer Berlin, Herr Bernard, zu dieser Geschichte? Wird es ihm nunmehr klar sein, auf welcher Seite das Recht in dieser Streitfrage lag? Es war vernünftig von der Handwerkskammer, von einer Entscheidung des Oberpräsidenten abzusehen und gleich von vornherein die Rechtmäßigkeit des Anspruchs der Gesellenbeisitzer anzu- erkennen. Den Arbeitern im allgemeinen und den Jnnungs- fnnktionären im besonderen zeigt aber dieser Fall, wie auf Schritt und Tritt gegenüber den Jnnungskrautcrn das klare gesetzliche Recht verfochten werden muß. Nachnahmekarte» als Drucksache. Zur Einziehung von Geld- betragen werden neuerdings mehr und mehr Nachnahmekarten ver- wendet, die nach der Drucksachentaxe frankiert werden. Solche Karten kosten nur 13 Pf.. 3 Pf. Porto und 16 Pf. Vorzeigcgebühr. Natürlich müssen dann solche Karten den Vorschriften für die Druck- fachen entsprechen. Häufig tragen solche Karten einen Vordruck wie „Zur Faktura oder Anzeige vom... über... M.", der dann handschriftlich ausgefüllt wird. Einem Bescheide des Reichspost- amtS gemäß ist die Beförderung derartig ausgefüllter Drucksachen nicht zulässig. Die Angabe des Betrages in dem Vordruck stellt eine briefliche Mitteilung dar. Etwas anderes ist es aber, wenn in dem Bordruck nur aus die Faktura oder die Anzeige Bezug ge- nommen und das Datum handschriftlich ausgefüllt wird. Dies ist auch bei Drucksachen zulässig. Vordrucke für Abrechnungen über verschiedene Rechnungen, Porto usw. werden von der Post ebenfalls als briefliche Mitteilung angesehen, so daß solche Karten nicht als Drucksachen befördert werden dürfen. Auch Vordrucke wie„Mit- gliedsbeitrag für 16.. einschließlich Porto" dürfen auf Druck- sachenkarten handschriftlich nicht ergänzt werden, da sie keine kurzen Hinweise ans den Inhalt ober auf Vorgänge, die die Sendung veranlaßt haben, bilden. Die Post am 27. Januar. Für den Geburtstag des Kaisers am 27. Januar hat die Ober-Postdirektion Berlin folgende be- sondere Anordnungen getroffen. An diesem Tage werden bei sämt- lichen Postanstalten im Bezirk die Schalter von 8 bis 9 Uhr vor- mittags, 12 bis 1 Uhr und 5 bis 6 Uhr nachmittags für den Ver- kehr mit dem Publikum geöffnet sein. Die Bricfbestellung findet nur zweimal vormittags, die Geld- und Paketbcstellung einmal vormittags statt. Wiedervcrlängerung einer Straßenbahnlinie. Die Straßen- bahnlinie 8 der Berlin-Charlottenburger Straßenbahn, die plan- mäßig vom Kupfergraden zum Ringbahnhof WilmerSdorf-Friedcnau geht, mutzte wegen Straßenbauarbciten in Wilmersdorf seit länge- rer Zeit unterbrochen werden. Sic ging dort nur bis zur Wilhelmsauc. Die Arbeiten sind jetzt beendet, so daß die Linie 8 von Sonnabend, den 15. Januar, an wieder durch die Augusta- Straße auf dem fahrplanmäßigen Wege bis zu ihrer Endhaltestelle am Ringbahnhof Wilmersdors-Friedenau geführt werden kann. Ans dem Reiche KraetkeS. Vor wenigen Tagen schrieb ein in Schönebcrg wohnhafter Bürger an einen Bekannten, der in einem kaufmännischen Geschäft in Hamburg tätig ist, einen Brief. Umgehend kam der Brief zurück mit der lakonischen Bemerkung: Empfänger ist gestorben I Darauf telegraphierte der hier wohnende, in Kenntnis gesetzte und zu Tode erschrockene Vater sofort nach Hamburg, worauf vom Sohne eine Depesche einlief deS Inhalts, daß er noch wohl und munter herumlause. Ein anderer Fall beleuchtet die Bummelei der Post in recht krasser Weise. Ei» Maschinist L., Markgrafendainm wohnhaft, war bei einem Herrn Z. in Charlottenburg beschäftigt und machte am 17. Dezember vorigen Jahres Feierabend. Herr E. wollte die Papiere wie Jnvalidenkarte und Krankenkasienblich am anderen Tage (18. Dezember) zusenden. Z. wartete bis zum 22. Dezember, und als er bis dahin seine Papiere noch nicht hatte, erinnerte er in einem Einschreibebriefe Herrn E. an die fehlenden Papiere, weil Z. ohne Papiere keine Arbeit erhalten konnte. Am 27. Dezember erhielt Z. vom Postamt 4 Charlottcnburg ein Formular zugestellt mit dem Er- suchen um Ausfüllung und Angabe des Verlustes. Die Frau des Z. gebt damit nach dem Postamt 17 am Schlesischen Bahnhof, und als sie von da nach Hause kommt, steckt im Vrieskasten der sehnlichst er- wartete, von Hern, E. am 18. Dezember abgesandte Brief, der also vom Postamt 4 Charlottenburg bis Berlin 0., Postamt 17, zehn Tage gebraucht hat. Dem Z. teilte schließlich noch das Postamt 4 Charlottenburg mit, daß sich über den Verbleib deS Briefes nichts habe ermitteln lassen. Kommentar ist wohl überflüssig! Durch einen Sprung auS dem Fenster hat sich gestern morgen die unverehelichte, 56 Jahre alte Arbeiterin Elise Graffcnruth, die bei ihrem verheirateten Bruder in der Manteuffelstr. 16 im dritten Stock des Hinterhauses ivohnte, das Leben genommen. In einer Albumfabrik in der Ritterstraße hatte sie vor sechs Wochen auf- hören müssen, weil es an Beschäftigung fehlte. Dazu kam Kränk- lichkeit, die ihre Nervosität noch steigerte. In einem Anfalle sprang die Unglückliche gestern morgen aiB Uhr, während ihr Schwager und ihre Schwägerin Kaffee tranken, aus dem Fenster ihrer Stube auf den Hos hinab und fiel der Pförtnersfrau Siewert vor die Füße. Hausgenossen trugen sie behutsam in die Wohnung hinauf. Dort starb sie nach einer halben Stunde unter den Händen eines Arztes. Im Untersuchungsgefängnis erhängt hat sich der 41 Jahre alte Maschinist Albert Küß aus der Schlegelstr. 5. Küß Ivohnte sieben Jahre lang bei dem verheirateten Zimmermann Wolter in der Tieck- straße 4. Am 23. Juni schoß er aus Rache aus seine Wirtin und traf sie an der rechten Backe und an der rechten Brustseite so schwer, daß sie acht Wochen lang im Krankenhaus liegen mußte. Sie ist noch jetzt nicht ganz gebeilt. Küß wurde, da auch er sich verletzt hatte, zunächst nach der Charitö und dann unter der Anklage des versuchten Mordes nach dem Untersuchungsgefängnis gebracht. Dort machte er seinem Leben gestern ein Ende. Eine Wahttsinnstragödie hat sich im Norden Berlins ab» gespielt. In der vergangenen Nacht richtete der Arbeiter Gehricke, Prinzenallee 25, seinen 22jährigen Sohn, den Arbeiter Ernst Gehrickc durch Messerstiche übel zu. Der alte Gehricke war bereits viermal in der Irrenanstalt Dalldorf. Erst vor einiger Zeit war er entlassen worden, da es schien, er sei wieder so weit hergestellt, daß er niemand mehr gefährlich werden könne. Aber diese Hoffnung hat sich nicht bestätigt. Gestern hatte der junge Gehricke, der in einer Fabrik auf dem Gesundbrunnen arbeitet, Nacht- schicht. Als er gegen ein Ubr heimkehrte und das Wohnzimmer betrat, stürzte sich im Dunkeln plötzlich ein Mann über ihn her und stach tvild mit eine», mächtigen Taichenmesier auf ihn ein. Blutüberströmt brach der Ueberfallene zusammen. Er stieß laute Hilferufe auS, worauf Nachbarn und auch die Mutter herbei- eilten. Zum allgemeinen Entsetzen der Retter gewahrten diese in dem Täter den eigenen Vater des jungen Gehricke. Mit empor- gehaltenem blutigem Messer stand der Mann, bei dem plötzlich wieder der Irrsinn zum Ausbruch gekommen war, mitten im Zimmer. Der junge Gehricke wurde schnell aus dem Zimmer herausgeschafft und der Vater überwältigt. Der junge Mann hatte vier tiefe Messerstiche in den Kopf und mehrere Stiche in die Brust erhalten. Der Vater wurde nach der Irrenanstalt zurückgebracht. Vorort- FfodmcKten. Charlottenbnrg. Eine Herabsetzung der Fortbildnngsschulpflicht von S'/j aus 3 Jahre will der hiesige Magistrat der Stadtverordnetenversammlung vorschlagen. Bestimmend für den Magistrat sind folgende Gründe: Bei einer großen Zahl von Lehrlingen dauert die Lehrzeit nur drei Fahre, so daß sie als Gesellen oder Gehilsen die Fort- bildungsschule besuchen müssen. Dadurch droht ihnen eine Einbuße an Arbeitsverdienst, zuweilen sogar der Verlust ihrer Stellung. Diese Schüler bilden im Unterricht ein sehr widerwilligeS, störendes Element. Nötig werdendeBcstrafnngen vergrößern noch die Unlust. Auch aus Arbeitgeber- kreisen ist wiederholt der dringende Wunsch auf Herabsetzung der Schulzeit vorgetragen worden. Die Bestimmung, daß die Schulpflicht bis zum Beginn des Schulhalbjahres dauert, in welchen, das 18. Lebensjahr vollendet wird, soll fortan nur für solche Schüler Geltung behalten, welche erst ein Halbjahr nach Erfüllung ihrer gesetzlichen Schulpflicht oder noch später in die Lehre treten. Groh-Lichterfelde. Ucber grobe Ausschreitungen des hiesigen Polizeiwachtmeisters Haucke berichteten wir in der Nummer des„Vorwärts" vom 3. Dezember 1909. H. faßte einen bekannten Parteigenossen ohne jeden Grund unter Schimpfreden am Genick und brachte ihn unter Assistenz eines von ihm herbeigerufenen Schutzmannes zur Wache, wo er mit neuen Beleidigungen aufwartete und jede Auf- forderung des Sistierten, den Grund für seine ungesetzliche Handlungs- weise anzugeben, unbeantwortet ließ. Wir haben ferner damals mitgeteilt, daß gegen diesen OrdnungSinann Strafantrag gestellt werden würde, was inzwischen auch geschehen ist. Der Wackitmeister suchte nun nach bekanntem Muster den Spieß umzudrehen und erstattete gegen den Genossen Pints Anzeige wegen groben Unfugs und ruhestörenden LärmS. Die Verhandlung, die am 11. Januar vor dem Schöffengericht in Groß-Lichterfclde stattfand, hatte für den Herrn Wachtmeister ein vernichtendes Ergebnis, abgesehen von den anderen Folgen, die sie für ihn noch nach sich ziehen dürfte. Von der Anklagebehörde waren nicht weniger als fünf BclastungS» zeugen geladen außer dem Kronzeugen Haucke, vom Angeklagten zwei Entlastungszeugen. Sämtliche Zeugen ohne Ausnahme be- kündeten, daß Pints weder groben Unfug noch ruhestörendcn Lärm verübt, sondern sich wie ein anständiger Mensch betragen habe. Der Polizist Haucke selbst und der herbeigerufene Schutzmann Loh- müller konnten nichts bekunden: letzterer erklärte nur, auf Befehl seines Vorgesetzten Haucke gehandelt zu haben. Auf die Frage des GerichtSvorsitzcnden an Haucke, warum er denn eigentlich den PintS zur Wache gebracht hätte, gab er als Grund an. weil er seiner Ans- forderung fortzugehen nicht nachgekommen seil Während H. unter seinem Eide verschwieg, den Angeklagten mit„verdammte Bande" angeredet und in Abrede stellte ihn angefaßt zu haben, erklärten die anderen Zeugen unter ihrem Eid das Gegenteil. Nach' dem Verlauf dieser Zeugenvernehmung blieb natürlich dem öffentlichen Ankläger nur eines übrig: die Freisprechung deS An- geklagten zu beantragen, die natürlich auch erfolgte. Was sagen nun die vorgesetzten Behörden zu diesem Musterbeamten? Was endlich gedenkt die Staatsanwaltschaft zu tun? Wird sie sich ver- anlaßt fühlen, die Aussage des Zeugen Haucke zum Gegenstand einer genaueren Untersuchung zu machen oder will sie auch in dieser Beziehung weitere Anträge abwarten? Mit einem Arbeiter würde man wohl wenig Federlesens gemacht haben. Wilmersdorf» Der Schauplatz einer aufregenden Szene war in der gestrigen Nacht da? Eckhaus Uhlandstraße 94/95- Berliner Straße. Seit l'/e Jahren wohnt dort im zweiten Stock die Privatiere Urania Dragkissiwis mit ihrer jüngeren Schwester. Beide Damen sind Griechinnen und gelten als sehr reich. Sie beschäftigen sich viel mit Malerei und besaßen auch in Berlin ein besonderes Atelier. Gestern nacht kurz nach 12 Uhr wurden plötzlich in dem Haufe laute Hilferufe hörbar. Die beiden Griechinnen standen, nnr notdürftig bekleidet, auf dem Balkon ihrer Wohnung und schrien auS Leibeskräften, da sie sich verfolgt fühlten. Polizcibeamte des achten Reviers forderten die Damen auf, in die Wohnung zurückzugehen, indes vergeblich. Als dann niehrere Schutzleute gewaltsam in die Wohnung vordrangen, setzten sich die Griechinnen mit einem R e v o l ve r und einem Dolch zur Wehr. Es krachten z w e i S ch ü s s e. die aber beide fehlgingen. Mit großer Mühe konnten schließlich die Wahnsinnigen überwältigt werden. Ein Schutzmann verletzte sich dabei«nit dem Dolch an der Hand. Die Damen wurden zunächst„ach der Unfallstation in der Feuerwache gebracht und dann mit einen, Krankenwagen nach der iUaisvu äs santö in Schöneberg transportiert. Die Wohnung ist einstweilen polizeilich geschlossen worden. Zehlendorf(Wannseebahn). Gegen die freie» Jugendorganisatiencn. Hier werde» seit einiger Heit die ersten Versuche zur Bildung eines Vereins„Freie Arbeiterzungend" gemacht. Dem soll, wie es scheint, vorgebeugt werden. Der hiesige Dezernent für das FortbildungSschülwesen, Geh. Oberrcgierungsrat v. Seefeld, hat dieser Tage im Verein zur Förderung des Gcwerbefleiszcs mitgeteilt, daß im Anschluß an die Fortbildungsschulen Jugendunterhaltungen eingeführt werden sollen. Man plant musikalische und deklamatorische Abende sowie gemeinsamen Besuch von Museen, Turnübungen, Ausslüge usw. Mit allen Mitein will man die jungen Leute in ihrer freien Zeit zu fesseln suchen, um sie der sozialdemokratischen Jugendorganisation zu entziehen. Die Aufnahme der Bürgerkunde in den Lehrplan soll verallgemeinert und der Unterricht dem Ver» ständnis der gewerbstätigen Jugend angepasit werden. Das heißt. man wird diesen Lehrstoff so gestalten, daß die arbeitende Jugend die Notwendigkeit der Erhaltung der kapitalistischen Gesellschaft erkennt. Auch Exzellenz Delbrück wird eingreifen, um die Ge- meinden zur weiteren Errichtung von Fortbildungsschulen an- zuhalten. Zu welchem Iweck, das haben die Debüts dieses Herrn der Oeffentlichkeit hinlänglich bewiesen. Wir fürchten nur, die terren sind etwas zu spät aufgestanden. Der Befreiungsdrang der ugend wird sich auch durch die schönsten Teeabende nicht mehr aufhalten lassen. Aber die Arbeiterschaft sollte aus diesen Be. strebungen erkennen lernen, wie notwendig es ist, ihren Nachwuchs der freien Jugendorganisation zuzuführen. � Hierzu bietet sich Gelegenheit am heutigen Abend aus Anlaß einer bei Mieck, Karlstr. 12, stattfindenden Jugendversammlung, m welcher Herr Emtl Unger über Jugendschutz und Jugend- aufklärung referieren wird. AdlerShof. � Weshalb sind wir für die Eingemtinbung in Köpenick? Mit dieser Frage beschäftigte sich eine überaus gut besuchte öffentliche Versammlung, an welcher auch die bürgerlichen Vereine zahlreich beteiligt waren. Genosse Hildebrandt referierte als Gr- meindevertreter hierzu. Er begründete die Stellungnahme unserer Parteigenossen im Ortsparlament. Da diese Frage erhebliches Interesse hat, geben wir die Ausführungen des Redners etwas ausführlicher wieder. Hildebrand sagte unter anderem folgendes: Der Beschluß der Gemeindevertretung, die'Eingemeindung nach Köpenick zu betreiben, hat die Gemüter Adlershofs in nicht geringe Aufregung versetzt. Besonders ist dies in denjenigen bürgerlichen Kreisen der Fall, die durch ihr angelegtes Kapital, sei es als Grundbesitz oder als Gewerbetreibende, an der Gestaltung des Ortes lebhaft persönlich interessiert sind. Aber auch die Ar- beiter haben das größte Interesse an dieser Frage und zwar in zwiefacher Art: 1. kommt die wirtschaftliche Seite der Frage in Betracht, L. die politische Seite. Die Eingemeindung einer kleinen in eine größere Gemeinde wird zur wirtschaftlichen Notwendigkeit, wenn die räumlichen Ver- fältnisse ein Jneinandergehen herbeigeführt haben, also offensicht» iche Grenzen nicht mehr vorhanden sind und gleichartige kommu. nale Bedürfnisse ihrer Erledigung harren. In der Gemeinde Adlershof haben sich Bedürfnisse eingestellt, deren Befriedigung un- gcltture Lasten mit sich bringen würde. Gerade die Erkenntnis, daß diese Bedürfnisse befriedigt werden müssen, hat ja auch den Beschluß herbeigeführt. In erster Linie kommt dabei die Ausgestaltung unseres höheren Schulwesens in Betracht. Die höhere Schule, die gegen oiv Stimmen unserer Vertreter beschlossen wurde, erfordert heute schon einen Genreindezuschuß von 7670 M. und in den nächsten Jahren 13 966, 14 726, 15 365 und im Jahre 1313: 19 666 M. Bei diesen Austven- düngen rechnet man im Jahre 1913 mit 126 Schülern und Schüle. rinnen, so daß jedes die höhere Schule besuchende Kind der Gemeinde 156 M., während jedes die Gemeindeschule besuchende Kind heute der Gemeinde 83,31 M. kostet. Die Wünsche der Schöffen, der Vertreter der 1. Abteilrmg und eines Vertreters der 2.?tbteilung, die damit die Majorität der Ge- meindevertretung bildeten, gingen aber dahin, die Schule zu einem vollklaisigen Rcalgymnasinnr auszubauen, auS welchem die Schüler mindestens mit dem Einjährigenzxugnis die Schule verlassen können. Dadurch würde aber der Gemeinde ein jährlicher Zuschuß von mindestens 56 666 M. erwachsen sein. Eine derartige Be- lastung des Gcmeindeetats hätte aber unbedingt zum Bankerott d'r Gemeinde führen müssen. Die Kosten für jedes die Schule be- suchende Kind würden aber auf 335 M. zu stehen kommen. Als zweite Hauptausgabe mußte der notwendig werdende RathauSbau in Betracht gezogen werden. Dieser Bau hätte wiederum min- dcstenS ein Kapital von 356 666 M. erfordert, wofür eine Ver- zinfung und Amortisation von 18 256 M. im Jahre entstanden wäre. Dann kommen noch die weiteren Projekte, wie eigenes Gas- oder Elektrizitätswerk, welche bei weiterer Selbständigkeit der Ge- mcinde nicht lange auf sich warten lassen würden. Schon allein diese Fragen lassen es an der Zeit erscheinen, der EingemeindungS» frage näherzutreten. Durch die Eingemeindung würden die ver- schiedenen Ausgaben in Fortfall kommen, da Köpenick eine höhere Schule auch ausreichend für Adlershof besitzt, ein selbständiges Rathaus, das Gaswerk, ein eigenes Elektrizitätswerk, seine eigene elektrische Straßenbahn, welche Anstalten von Köpenick nickt voll ausgenutzt werden können, aber durch die Schaffung des größeren ©emeindewefenö lukrativere Verwendung finden würden. In weiterer Verbindung mit der Eingemeindung steht auch die bevor- stehende Gemeindevorsteherwahl, tvelche durch die Eingemeindung ül�rflüssig loürde und damit der Gemeinde jäürlich zirka 6666 M. erspart blieben. Hinzu kommen diejenigen Forderungen, welche wir als Sozialdemokraten als Gegenwartsforderungen an die Kommunen stellen. Das alles find wirtschaftliche Fragen, die Geld kosten und die nur große Kommunen lösen können. Di« zweite Seite der Frag« ist, welche Rechte genießen wir als Arbeiter in einem Gemeinwesen, welche» der Landgemeindeord- nung unterliegt? Dt« ganze Landgemeindeordnung zeigt ja. wie da» preußische Junkerparlament eS verstanden hat, in den sieben östlichen Provinzen den Einfluß auf die Gemeinden den preußischen Junkern resp. Grundbesitzern zu erhalten. Bei allen denselben lln- gerechtigkeitrn der Städteordnung verbleibt aber uns gegenüber der Vorteil, daß die Städteordnitng nur die Hälfte der Sitze den Ansässigen zuspricht, also uns immerhin die Auswahl einer besseren Vertretung verbleibt. Nach der Städteordnung hat auch die Be- völkerung wenigstens soweit Einfluß auf die Polizeiverwaltung. als der Etat für diese Verwaltung zu genehmigen ist und auch «ine Kritik von Polizeiwillkürakten denkbar ist. Wir haben nicht» zu bewilligen und nichts zu kritisieren, da die Amtsverwallung außerhalb des SiahmenS der Gcmemdeverivaltung liegt. Wir dürfen bejahen, sonst aber haben wir zu schweigen. Interessant ist, tvaS uns die Amtsverwaltung kostet. Die Gemeinde hatte als Beitrag zu den Amtsunkosten zu zahlen im Jahre 1896: 1812 M. bei 5591 Einwohnern, 1966: 4364 M. bei 8666 Einwohnern, 1965: 5466 M. bei 9114 Einwohnern, 1969: 16 827 M. bei 10 305 Einwohnern. Da» bedeutet eine prozentuale Steigerung der Einwohner- zahl von nicht ganz 166 Proz. Die Amtskosten erhöhten sich aber um 666 Proz. In der Protestversammlung wurde von dem bekannten Herrn .Hansen behauptet, dap unsere Amtsverivaltung gegenüber der Polizeiverwaltung in Köpenick noch äußerst billig wäre und würden die Kosten auf die Einwohner verteilt in AdlerShof 1 M. und in Köpenick 2 M. betragen. Demgegenüber möchten wir darauf hin- ivcrsen, daß Adlershof noch außer den Kosten für den Amtsbezirk für den Sicherheitsdienst 8411,50 M. für zwei Nachtwächter und drei Gemeindediener aufzubringen hat und damit dieselben Kosten pro Einwohner wie Köpenick hat. Wenn wir uns alles klar vor Augen führen, dann können wir uns sagen, daß die Eingemeindung in Köpenick eine Notlvendigkeit ist und wir nur wünschen können, den Zeitpunkt der Eingemeindung recht bald zu erfahren. An unS mutz es aber auch liegen, nack außen zu erkennen zu geben, daß wir ganz auf dm Standpunkt unserer Vertreter im Ortsparlament stehen. Das können wir am besten durch jede Art von Agitation, sei es durch unsere Presse, unsere Organisationen oder durch die Agitation für die nächste Ge- meindevertreterwahl. Rechne jeder damit, daß durch die Heranziehung des Fiskus als Steuerzahler eine vollständige Verschiebung der Abteilungen eintritt und das; uns in diesem Jahre ein schwererer Kampf bevorsteht, als wir ihn in den Vorjahren gewohnt waren. Dem Vortrage, dem allseitiger Beifall zu teil wurde, folgte keine Diskussion, trotzdem auch zahlreiche Bürgerliche aus Köpenick anwesend waren. Folgende Resolution wurde einstimmig cmge- nommen; „Die heute in Wöllsteins Lustgarten tagende Volksversamm- lung erklärt sich nach dem Referate des GenicindevertreterS Ge- nassen Hildebrandt mit der Beschlußfassung der sozialdemokra- tischen Gemeindevertreter im Ortsparlament in der Angelegen- Veit der Eingemeindung Adlershoss in Köpenick cinverstanben. Sie erblickt in dieser Beschlußfassung den einzigen Weg, um Adlershof zur größeren Selbständigkeit zu verhelfen und das Ansehen des Ortes nach außen zu festigen. Die Anwesenden versprechen, bei der im März bevorstehenden Gemeindevertreter- wähl voll und ganz ihre Pflicht zu tun und dafür einzutreten, daß der sozialdemorkatische Kandidat mit überwältigender Majorität aus der Wahl hervorgeht." Ober-Tchönetvcide. Gemcindcvertrctersibung. Die von der Vertretung vorzu- nehmende Auslosung der 1916 auszuscheidenden Ver- treter ergab folgende? Resultat: In der 1. Klasse scheidet Herr Fabrikbesitzer Engel, in der 2. Klasse der Malermeister Müller und in der 3. Klasse der von den Katholiken gewählte Hausbesitzer Whrzick aus. Die Frage der E r r i ch t u n g e i n e r R t ch t s a u s- k u n f t S st e l l e beschäftigte zum zweiten Male die Vertretung. Erstmalig lag der Vertretung ein Antrag vor, durch Bewilligung anteiliger Kosten mit Nachbargemeinden eine Auskunftsstelle zu schaffen. Ein Antrag unserer Genossen, die Angelegenheit zwecks Erwägung eigener Ausführung zu vertagen, wurde seinerzeit an- genommen. Die Verwaltung konnte sich jedoch hierzu nicht auf- schwingen und legte jetzt ein Angebot des gemeinnützigen Vereins für Rechtsauskünste vor, welcher sich erbietet, gegen Stellung eines Raumes und einer Schreibkraft wöchentlich zwei Auskunftstage in Oberschöneweide zu veranstalten. Die Vertrekung willigte hierin ein und gab damit zu erkennen, daß sie sich ihrer Aufgaben nicht voll bewußt ist, die darin bestehen, daß solche Einrichtungen nicht in die Hände von Privaten gegeben werben sollten, sondern unzweifelhaft der öffentlichen Verwaltung und Kontrolle unterstehen muffen. Eine Verbindung dieser Sache mit dem zu errichtenden Gewerbegcricht ließe sich wohl in die Wege leiten.— Die Niederschlagung nicht beizutreibender Steuerreste wurde von der Ver- tretung gutgeheißen.— Dem Antrag der Vertretung, ihrem Ober- Haupt, dem Gemeindevorsteher, den Titel Bürgermeister zu ge- statten, ist die Aufsichtsbehörde beigetreten. ES geht doch nichts über einen schönen Namen und eventuell die nötige Knopfloch» dekoration. Ein tckwerer Unglücksfall, dem ein vierjähriges Kind zum Opfer fiel, trug sich vorgestern an dem Haufe Rathenaustraße 33 zu. Dort befindet sich in der vierten Etage ein Frontspieß, hinter welchem der Trockenboden liegt. Die Fenster liegen hier fast in gleicher Höhe mit dem Fußboden und sind leicht herauszunehmen. Als vorgestern die in dem genannten Hause wohnhafte Frau Grubcr den Trockenboden benutzte, nahm sie die beiden Fenster- flügel heraus, um dem Luftzug besseren Eingang zu verschaffen, und lehnte die beiden Teile nur leicht an. Kurz darauf erhob sich ein heftiger Wind, wobei der eine schwere Fensterflügel umgerissen wurde und auf die Straße hinabstürzte. Unglücklicherweise gingen in diesem Augenblick die zwei- resp. vierjährigen Söhne des Ar- beiters Bielisch vorbei, die von dem herabstürzenden Fenster ge- troffen wurden. Während der kleinere Knabe mit einer un- bedeutenden Kopfverletzung davonkam, erlitt der vierjährige Paul B. eine schwere Gehirnerschütterung, an deren Folgen er bald nach seiner Einlieferung im Karnkcnhause Bethanien verstarb. Köpenick. Durch einen Wasserrihrbruch wurden vorgestern empfindliche Störungen hervorgerufen. Gegen 2 Uhr stellte sich in der Nähe der Eichhornstraße infolge fehlerhaften Materials in der Leitung ein Rohrbruch in der Wasserzuführung ein. Die Wassermengen strömten so stark aus der Bruchstelle heraus, daß Ueber- schwemmungen herbeigeführt und in der Bahnhofstraße Keller überflutet wurden. Die Bewohner mußten flüchten. Erst nach etwa zehn Stunden konnte der Schaden wieder behoben und die Einwohner wieder mit Wasser versorgt werden. ftfriedrichsfclde. Ein schwerer Strassrnvahnunfall ereignete sich vorgestern gegen 6 Uhr in der Frankfurter Allee. Der Arbeiter Wilhelm Hanne aus der Berliner Straße 39 in Friedrichsfelde hatte einen Wagen der Straßenbahnlinie 69 zur Fahrt nach seiner Wohnung benutzt und stand auf dem Vorderperron des Anhangewagens. An der Ecke der Eckertstraße stürzte Hanne plötzlich vom Wagen herab und blieb besinnungslos und blutüberströmt auf dem Straßen- Pflaster liegen. Der Verunglückte wurde nach der Sanitätswache geschafft, wo ein komplizierter Schädelbruch festgestellt wurde, und von dort nach dem Krankenhaus« übergeführt. Reinickendorf. Au» der Gemeindevertretersitzung. Zunächst erfolgte durch den Bürgermeister die Auslosung eine» Gemeindevertreters aus der Reihe der vor zwei Jahren infolge Verstärkung der Zahl der Ge- meindeverordnete» Gewählten. Da» Los fiel auf den Genosse» Köhn. Es entscheiden infolgedessen au» der dritten Klasse vier Vertreter auS, für die im März ein« Neuwahl zu erfolgen hat. Ge» nosse Köhn benutzte die Gelegenheit, den Bürgermeister wegen der Abschrift der Gemeindewählerliste zu interpellieren. Bisher wurde diese Abschrift verweigert, da eine OberverwaItung»gerichtSent- scheidung sowie ein Ministerialerlaß vom 1. September 1962 dem entgegenstehen soll. Mehrfache Anfragen an den Minister des Innern im Abgeordnetenhause veranlahten diesen jedoch, zu er» klären, daß er angeordnet habe, daß die Abschrift der Wählerlisten gestattet werden soll. Da auf einen diesbezüglichen Antrag der örtlichen Bezirksleitung des Wahlverein» eine Antwort nicht er- gangen war, ersuchte Genosse Köhn um Auskunft. Die Antwort de» Bürgermeisters zeigte, wie entgegen den klaren Worten und der Anordnung de? Ministers doch die Abschrift der Wählerliste ver- eitelt werden kann.„Weil die in dein Gesuch de» WahlvereinS angeführten Gründe— also die Worte des Ministers und seine Auslegung der Obcrverwaltungsgerichttentscheidung und seine? eigenen Erlasses— nicht dem Wesen der OberverwaltungSgcrichtS- entscheidung gerecht werden, habe ich daS Gesuch der Aufsicht?- behörde zur Entscheidung übergeben", war die klassische Antwort de» Bürgermeisters. Da dies ja nicht sofort nach Einrcichung des Gesuche»— 1. Januar— geschehen sein braucht, der Landrat ja wohl sicher auch seine Entscheidungen nicht so schnell wird fällen können, und Fälle bekannt sind, in denen die Beförderung von Briefen von Berlin nach den Vororten wochenlang dauerte, ist aller Grund zu der Annahme vorhanden, daß in diesem Jahre die Ab- schrift der Listen nicht mehr erfolgen kann, da ja die Listen„nur" bi» zum 86. Januar auslicgen. Man steht— es geht auch so. Nun, die Arbeiterschaft wird bei den im März stattfindenden Mahlen auf diese Machinationen die Antwort finden, die den Anstiftern gebührt. Unbedingt erforderlich ist nun, daß jeder Wahlberechtigte sich davon überzeugt, ob er in der Wählerliste steht, oder einen der auf dem am Sonntag Verteiljen Flugblättern verzeichneten Gc- nassen mit der Einsichtnahme betraut. Für das vom Zwcckverband Reinickendorf, Tegel, Rofenthal und Wittenau zu erbauende Krankenhaus wird bereits zum zweiten Male eine NachtragSforde- rung vorgelegt, die diesmal 264 706 M. beträgt, nachdem erst vor zirka einem Hakben Jahre 236 666 M. nachbewilligp worden waren. Die Gesamkbaukosten, exklusive de? Grund und Boden?, aber in» klusivc der Inneneinrichtung, betragen nunmehr 1966 666 M. Ur« sprünglich waren nur 1 465 366 M. veranschlagt. Das Kranken» Haus dürfte etwa im Herbst in Benutzung genommen werden können. Es ist ursprünglich auf 146 Betten berechnet gewesen, jetzt auf zirka 266 erweitert und so gebaut, daß alle zentrale Einrichtungen für eine Belegung bis 466 Betten-Fassungsoermögen nach völligem Ausbau ausreichen. Zum Ausbau der Sonntagstraß« sollen dazu erforderliche, den Eigentümern Gilka und Jonas gehörige Flächen enteignet werden. Von der Aufsichtsbehörde ist der T'lgungssatz der aufzunehmenden Anleihe in Höhe von 1 466 666 M. auf 2 Proz. pro Jahr festgesetzt worden. Die bei der Herstellung der Straße 7 von den Anliegern gezahlten Beiträge übersteigen die Selbstkosten der Gemeinde. Diese Beträge sollen dem Erneuerungsfonds zu- geführt und auf der Reinickendorfer Sparkasse angelegt werden. Auf der Tagesordnung der nichtöffentlichen Sitzung stand die Be» ratung eines mit den sizilianischen Asphaltwerten abzuschließenden Vertrages. Von unserem Genossen Ohl wurde beantragt, diesen Punkt in öffentlicher Sitzung zu verhandeln. Das wurde jedoch, nachdem der Bürgermeister und der Schöffe Dr. Kühnemann da- gegen gesprochen hatten, abgelehnt. Spandau. Ter Sitzung �ver Stadtverordneten am Donnerstag ging eine gemeinschaftliche Sitzung des Magistrats und der Stadtverordneten vorauf, in welcher der Eisenbahnbau- und Betriebsinspektor Biedermann einen etwa zweistündigen Vortrag über den Anschluß der Hafenbahngleise an die Staatsbahn hielt. An der Hano von ausgehängten Plänen und Zeichnungen erläuterte der Vor- tragende die im Auftrage der Stadt ausgeführten verschiedenen Projekte. Zwei Anschlußlinien sind es, die in Frage kommen. Eine östliche, die vom Hafen aus in die Ausziehgleife bei Ruh- lebe» in die Staatsbahn eingeleitet wixd, und eine westliche Linie, welche vom Hafen aus zunächst einen großen Teil von Ge- lande, westlich der Stadt gelegen, erschließt und beim östlichen Güterbahnhof in die Staatsbahn eingeleitet werden soll. Der Vortragende hält beide Linien in finanzieller wie in Wirtschaft- licher Beziehung für gleichwertig. Die Kosten für beide Linien- iührungen sind ebenfalls ziemlich gleich, sie stellen sich auf etwa je eine Million Mark. Wenn nun auch die westliche Linie be- deutendes Gelände erschließt, was die Vorbedingung für die Rentabilität gewesen wäre, so haben sich doch die Unterhaltungs« kosten für diese Linie, weil sie die längere ist, so hoch gestellt, daß diese Kosten aus dem reinen Umschlagsverkehr nicht auf- gebracht würden; außerdem haben sich die Verhältnisse bei der Em- führung in den örtlichen Güterbahnhof als nicht günstig heraus» gestellt. Infolgedessen sei die östliche Linie für den Anschluß in Aussicht genommen. Für diese östliche Linie sind vier selbständige Entwürfe ausgearbeitet, von denen der Vortragende, nachdem er sie eingehend erläutert, dem vierten Entwurf, welcher die Ueber- führung von Straßen, namentlich der Charlottenburger Chaussee, mittels eiserner Viadukte den Vorzug gibt. DaS dritte Projekt, welches eine Ueberführung der Straßen vorsah, glaubte der Vor» tragende nicht empfehlen zu können, weil die Gleise ziemlich tief in daS Grundwasser gelegt werden müßten, was beinahe un- möglich fei. Die Projekte 1 und 2 sehen Dammschüttungen vor; auch sie müssen zurückstehen, weil das Gesamtbild dadurch zu sehr beeinträchtigt würdd. Redner erklärt, daß die Erschließung des westlichen Geländes durch eine Industriebahn, welche, im Niveau liegend, nach dem Hafen einführe, doch ermöglicht werden könnte; nur für einen Anschluß an die StaatSbahn eigne sich diese West- liche Linie, auch wegen der Tarifstationen, die zweckmäßig in Ruhleben gedacht sind, nicht. Ein fünftes Projekt, das auch his östliche Linie vorsieht, ist vom hiesigen Stadtbauamt ausgearbeitet und wird vom Stadtbaurat Brugsch erläutert. Ties Projekt steht eine Unterführung der Anschlußlinie unter die Strahenzüge vor. Er hält die Einbauung eines Tunnels in da? Grundwasser keines- wcgs für unmöglich. Außerdem verfckstvinde dadurch das be» einträchtigende Gesamtbild, wie es eine überführte Bahn, fei es durch Dämme oder durch Viadukte, mit sich bringe.— An diese Ausführungen knüvfte sich eine anregende Debatte, in welcher überwiegend der Wunsch ausgedrückt wurde, wegen der westlichen Linie als Anschlußbahn zu verhandeln und weitere Projekte vor» zulegen, da die Erschkießung von Gelände als den Interessen der Stadt am dienlichsten angesehen wird.— Um 614 Uhr endlich wurde die gemeinschaftliche Sitzung beendet; es begann nunmehr die eigentliche Stadtverordnetensihung. Von den zur Beratung stehenden Vorlagen wurden zunächst zwei sehr wichtige zurück- gestellt, weil sie noch nicht genügend aufgeklärt und erläutert sind. Es sind dies erstens die Bewilligung von 156 666 ZR. zur Her- stellung einer KohlentranSportanIage auf der Gasanstalt und zweitens die Errichtung von fünf Kammeröfen zu je 4666 Kubik- rneler auf der städtischen Gasanstalt. Bon den übrigen Vor- lagen sind noch zu erwähnen: die Wahlen von sechs ständigen Aus- schüssen. Von den sozialdemokratischen Stadtverordneten gehört nur der Genosse Pieper dem ersten und sechsten Ausschuß an; in die übrigen Ausschüsse wurde keiner der Genossen gewählt. Ferner genehmigte die Versammlung debattelos den ersten Nachtrag des Ortsstatuts für das Gewerbcgericht. welcher die Verhältniswahlen vorsieht. Dieser Nachtrag muß zunächst der Regierung zur Be- stätigung vorgelegt werden, und dann erst können die Wahlen selbst stattfinden. ES kann Mörz werden, und müssen die alten Gewerbegerichtsbeisitzer, deren Amtsperiode schon mit Schluß des Jahres 1669 abgelaufen war, so lange weiter amtieren.— Der vom Genossen Pieper gestellte Antrag über Benutzung der städtischen Friedhofslapelle durch Redner der freireligiösen Ge- meinde soll einer in nächster Sitzung zu wählenden gemischten Kommission überwiesen werden. Man getraute sich nicht sofort dem Antrage zuzustimmen, obwohl doch die Sachlage so einfach und gerecht ist. Der einzige bürgerliche Stadtverordnete, der für sofortige Zustimmung und Erledigung des Antrage» eintrat. war der erst neu eingetretene Dr. med. Kantorowicz. Ge- nosse Pieper, der einsah, daß es ohne die Beratung in ge- mischter Kommission nicht abgehen würde, stimmte schließlich zu mit dem Ersuchen, ihn in diese Kommission mit zu wühlen, waS man auch versprach._ Vermischtes. Die GeLchteten. An einem Festspiel der„Freien Sänger" in Altwasser bei Waldenburg, das am 2. WeihnachtSfeiertag statt» fand, haben eine Anzahl von Kindern mitgewirkt. Daraufhin hat Pastor Schäfer den Bannstrahl gegen sie geschleudert und ihnen mitgeteilt, daß sie wegen ihrer Teilnahme an der„roten" Weih- nachtsfeier von der Konfirmation ausgeschlossen seien. Der Vater eines der Konfirmanden, der sich deshalb persönlich an den Pastor wandte, erhielt zur Antwort, daß der Umgang der Kinder mit den freien Sängern sündhaft sei und er sie von der Konfirmation aus- schließe, weil er bezweifele, daß die Kinder biete Sünde bei der Beichte aufrichtig bereuen würden. Umgestürzter Postwagen. Der zwischen Galling und Abdenan verkehrende Postwagen ist, Salzbnraer Meldung zufolge, während der Fahrt plötzlich umgestürzt. Die Passagiere des Wagen», zumeist Geschäftsreisende, erlitten mehr oder minder schwere Verletzungen. Der Untergang der„Czarina". In der Nähe von San Francisco ging, wie berichtet, wenige hundert Meter von der Küste entfernt, der Union- Pacificdampfer„Czarina" unter. Dabei sind, wie aus Marshfield berichtet wird, im ganzen 66 Mann ertrunken,»nr einer wurde gerettet. Gestern abend wurden von sechs Schiffbrüchigen, die sich im Takelwerk festgeklammert hatten, drei von schiveren Sturzwellen fortgerissen, die anderen drei zogen ihre Kleider au» und sprangen ins Meer, kamen ab» nicht wieder zum Vorschein. CtcfttteflW) verfolgter Betrüger. Aus Budapest wird gemeldet: Aach Veriibung betrügerischer Schulden in Höhe von 100 000 Kronen wird der hiesige Advokaturkandidat Dr. Ludwig Mandoki steckbrieflich verfolgt._ Ei» großer Brand in London. Eilt Telegramm aus London meldet: Die Gebäude der Tuch- händlerfirma EvanZ in der Borstadt Kilburn sind durch ein Feuer, das iusolge der Explosion einer Lampe unter den Waren eines Schaufensters ausbrach, vollständig zerstört worden. Der Schaden wird auf 100 000 Pfund Sterling(2 Millionen Mark) geschätzt. Da die Gebäude wegen des freien halben Tages leer waren, ist niemand bei dem Brande verletzt worden. Freireligiöse Gemeinde. Sonnlag, den IS. Januar, vormittags P Uhr, Pappel-Allee 15—17: Freireligiöse Vorlesung. Vormittags tt Uhr: Meine Franksurter Slr. 6: Vortrag vo» ftcmt Dr.©. Wille:. C h r i st u s nor Christi Geburt. I. Bei den Heiden". Daoien und Herren als (Käste sehr willkommen. Sozialdemokratischer Wahlverein Landsderg- Saldi«.(Orts. verein Verlin.) Sonnabend, 15. Januar, abends 8>lt Uhr, im Lokale de« Genossen Herm. Strehlow, O. 112, Schrcinerstr. 3: MonalSversamm- lung. Gäste willkommen. Allgemeine«ranken- und Sterbekasse der Metallarbeiter iE. H. 29, Hamburg). Filiale Berlin 2. Sonntag, den lö. Januar, vor- niitlags 10'/, Uhr, im»Märkischen Hos", Admiralstr. Ivo: Mitglieder. Versammlung.— Filiale Berlin 3. Sonnabend, 15. Januar, abends b'l, Uhr. bei I. Kayser Reichenbcrger Str. 151: Mitaliederversaminlung. — Filiale Berlin 4. Sonnabend, 15. Januar, bei MerkowSli, Andreasstrage 26: Mitgliederversammlung.— Filiale Berlin 10; Sonntag, 10. Januar, vormlttogs 10 vhr, bei M. Favcr, Stephanstraße 11: Vcr- sammlung. Charlottenburg. Die Geueralversammlnng der freien Jugend- organisation findet ihre Fortsetzung am DtenStag, 18. Januar, abends 8 Uhr, im Ilcinen Saale des BolkSbauseS. Rofinenstr. 8. Tagesordnung: , Aelter c deutsche Geschichte' KnrsuS statt. Katzensteu Kri�fkalten der Redahtion. Sit saristlsche eprcchNunde findet Linbensteage 3,»welier Hot. dritter Singang,»ier Treppen, Mx- Fahrftabl"Mg wochrntägll« ade»»s von IM bis 914 Uhr statt. Gcöii»« 7 Uhr. eonuabrndZ drainnt die Sprechstunde um S Uhr. Jeder Nnfrage Ist ew Buchstabe und eine Zahl al» Merkzcichrn deizusiiae». vrietliche Aniwor» wird nicht erteilt. Bis zur veaniwortuug im vrieftaftia töuneo 1t Tage vergehe«. Eilige Fragen trage ma« ia»er Sprechstunde vor. B. I. SÄ. Oefientliche Sammlung bat nicht stattgefunden, daher auch keine ösfentliche Quittung: da» Ueberivlcseue ist aber aus alle Fälle dem gewünschten Zweck zugute gekommen. Der Goldwert dieser Münze oerhält sich zum Nominalwert wie 400 zu 40t. Jede Münze kann man zu seinem eigenen Schaden vernichten, also auch zu anderen Zwecken umschnielzen.— D. 8ö., Hamburg. Darüber holen Sie sich am besten Rat bei einem Jbnen persönlich bekannten Sprachkenner.— Mir oder mich. Die richtige ÄiisdruckSwetse Ist»mich".— W. B. 80. Die Redaktion hat init dicscu Angelegenheiten nicht» zu tun. Vielleicht wenden Sie sich durch Ihren Bc- »IrtSsübrer an die«peditionSkommission.— öiosa und Carl. Die höheren Lehransialte» Berlins gewähren Freistellen nur an Schüler, deren Eltern am Orte wohnen.— ivtufierschnst. Das Arbeltersekrctariat Stuttgart, Sulinger Str. l7/l9 wird Ihnen das Ersorderliche gern vermitteln.— f. K. 16. Die Vennittelung von Rezepten und Heilniitiel lehnt der ricslastcnonkel ab.— C. S. 1. l. Ich spreche Dich von Deinen Sünden los. 2. Ich spreche Dich los.— P. 7. Transportarbeiterverband, Engeluser 15, Seition sür Portier», HauSreiniger und Fahrltublsührcr.— — Licht 8. I.Ja. 2. und 3. Eriahrcn Sie am besten bei der Leitung einer Fa-rschule oder eine» Technikums. 4. Sebr verschieden und hängt weienllich von Kemltnissen und Leistung ab.— G. W. öt. Dagegen ist nichts zu machen.— A. B. 100. Heirn Güterdirektvr Schröder, Neues Stadlbaus, Eingang Stralauerstr. tt.— E. V. 84. Ist seinerzeit aus Veranlassuug ieiner Verwandten entmündigt und in eine Heilanstalt gebracht worden. Ucber seinen jetzigen Zustand find wir nicht unterrichtet.— I. Z. 150. Biederfee-Stiftung, Vereinigtes Bureau, Berlin, Rathaus Zimmer 21.— euttteningallfterflcfit vom 14. Januar l!Uo, moraen« S Illir, Stationen Ii »-i iv js »f Setter swincmde 765(3© Camfcutg 768 SSW Ptrliti 767« tanff.a M 771 SW tünchen 1774© Wien'771©51© & 3 bedeckt »bedeckt 3 wölken! 6 bedeckt «halbbd. 3 halb bd. tdK ti% a1' Ii «tattonen «4 Wetter «!- tf HZ Haoaranda 754 D Petersburg 753 NW Scillp 760 SW Aberveen.749$® Varl» 1771£<3® 2 bedeckt 2 Schnee »bedeckt 1 bellet 3 bedeckt -10 2 8 6 8 Wetterprognose kür Sonnabend, den IS. Januar 1010. Wärmer, veränderlich, vorwiegend trübe mit Regensällen und ziemlich starken südwestlichen Winden. verltner Wetterbureau. Thealer und Vergnügungen Sonnabend, 15. Januar. Ansang 7>s, Uhr. Lönial. Opernhaus. Marie, die Tochter des Regiments. Berfiegelt. Königl. Sruauipielhauö. Der deutsch« König. Nene» königl. Opern-Dheater. Geschlossen. Deutsche«. Der Widerspenstigen Zähmung. Kammersplel«. Der Kaus» mann von Venedig.(Ans. S Uhr.) Neues SchauspielyanS. Ali- Heidelberg. Aiitang S Übe. Komische Oper. Da» Tal der Liebe. Hebbel. Der Wirrwarr.(Anfang 8'/. Uhr.) Neue». Don Juans letzte» Abenteuer. Westen. Die geschiedene Frau. Nachm. 4 Uhr: Sttuwwelpeter. Neue» Operette«. Der Gras von Luxemburg. Triano». Buridan? Esel. Berliner. Hohe Politik. «leine». Der grotze Name. Nestvenz. Im Taubenschlag. Thalia. Die Dollarprinzessin. Bessing. DaS Konzert. Schiller U. ifruiiiier. Theater.) Die Braut von Mesfina. Sch«er Cvarlottenvurg. Viel Lärmen»in nichts. Nachm. 3 Uhr: Da» Kälhchen von Heilbromi. Friedrich- Wilhelmftädt. Groß- stadllus». Nachm. 3 Uhr: Die Nibelungen. I. und IL Voltsoper. Stradella. Nachm. 4 Uhr: Der Kamps UM Schneewittchen. Luisen. Die Reise um die Erde w 80 Tagen. Nachm. 4 Uhr, Goldhärcheni Himmelfahrt. Skoke. Faust. Nachm. 4 Uhr: Die sieben Raden. Liiftspielhau«. Der vunlle Punlt. Ater-ovol. Hallohll— Die groge Revue. Folie» Caprire. Sicher ist ficher. Bunter Teil Der Mann meiner Frau.(Ans. 8'/« Uhr.) Casino. Der Obergauner. Gebr. Herrnfeld. So muh man'» machen. Ein RettunaSmittel. Gastspiel. Der Polizeihmid.(Ans. »>,« Ubr.) Noaek«. Geschloflen. Nachm. 3 Uhr: Aschenbrödel. 'Zip.ni). Spezialitäten. Wintergarten. Spezialitäten. V»«»«».«peziaMälen Vuggenhagrn. Spezialitäten. «art Havelland. Spezialitäten. Walpalla. Svczmltlältlr Äatast. Spezialiläten. nkeichSdaUe«. Sleltwer Sänger. Urania. T»»i>r»»r,>t>e«e» 10« Abend« 8 Uhr: Im Firnenglanz de» Lber-Enaadi». Nachmittags 4 Uhr: Die Erdbeben- taiastrophe von Mesfina. Sterilivarir, Jupatidelinr 47—62. K-eantnc-Theater. 8 Uhr: Das«onzert. Sonntag. 3 Uhr: Nora, s Uhr: Da» Konzert. Montag. 8 Uhr: Da» Konzert. Verliner Tüester. Me WH Morgen: Hohe Politik. Neues Theater. AbeudS 8 Uhr: Oon Juans letztes Abenteuer. Morgen und folgende Tage: Don Juan» letzte» Abenteuer. Frisilrich-WiliieifflstäiltiSGiies Schauspielhaus. Sonnabend, 15. Jan., nachm. S'U Uhr: Die Nibelonien I. and II. Teil. Abends 8 Uhr: Die Gr-hstadttllft. 7de»ler Ses«esleiis. Abends 8 Uhr- Die geschiedene Fsra«. Sonntag 3llt Uhr: Der ildel« Bauer. Lustspielhaus. Abends 8 Uhr: Der dunkle Punkt. Rssillsirc-Ihsatss Direktion: Richard Alexander. Abends 8 Uhr: Im Taubenschlag. Morgen und solgende Tage: Dieselbe Vorstellung. Sonntag, den 16. Januar, nachm. 3 Uhr: Schlafwagenkontrolleur. Nene. Qperetten-Thentep. Schifibauerdamm 25, a. d. Luitenftr. Heute und solgende Tage 8 Uhr: Der Graf von Luxemburg. Sonntag 3 Uhr: vor Zjgeunerbaren. Volks-Oper. SW., Belle-Alliance-Strah« Nr. 7/8. Nachm. 4 Uhr bei bedeutend er- mähigien Preisen: M Kampf um Sebneewittehen. Abends'/,0 Uhr: Alessandro Stradella. _(Gastspiel Bocliniann.)_ Luisen-Theater. Nachmittag 3 Uhr: Goldhärchen» Himmelfahrt. Abend» 8 Uhr: Die Ktise m die Erde in 89 Tagen. Grohes SluSstattungsstück In 14 Bild. von d Emmery u. Julea Berne Sonntag nachm. 3 Uhr: Gib mich frei. 8 Uhr: Die Reise um die Erde u, 80 Tagen.__ OSE=THEATE| Grotze Na rantsurter Str. 132 Mlittag 4 Uhr: _J Die ßeden Kaben. Ä* Faust. Tragödie von Goethe. 1. Teil. Sonntag nachm. 3 Uhr: Kabale »nd Liebe. Abend» 8 Uhr: Der Vizcpapa. Montag: Faust. Oszkiiisl-Itiösles. liOponlelevr Vtraile 07/08. Täglich 8'/« Uhr abend»: I-Nll)- 4'IoU.N«!« Her koliieihullä. _ Kriminalschauspiel._ Abends 8 Uhr: Prinz Pinne, Burleske mit Henry Bender. 9 Ubr«0 1 Das Tagesgespräch von Berlin! Lotte Harrow i. ihr. Mimodrama „Die Ehebrecherin". 0 Uhr 45: 0 Uhr 45: Schimpanse Konsul James Qreat. Ferne,: HIB Annle Miller, lltnts usw. tu alhalla »le-The ler | Welnbergsw.g 16-20, Rosenth.Tor. Da» ganze Programm Ssverus Sedoektsi' UN» die übrigen Spezialiläten. Tunnel! NegiinenlSkapelle, f Theaterbesuchern sreier Sinlntl I S»«hiH c-T hSutSr. Schiller-Theater 0.(Wallner-Theat.) Sonnabend. abends 8Uhr Ble Braut tou He.ntna. Ein Trauerspiels mit Ehören von Friedrich Schiller. SV Ende IG/. Uhr.-&Q Sonntag, nachm. 3 Uhr: Der Ilerr biiolsterlslckireluor. Sonntag, abend» 8 Uhr: vor Helnelddaner. Montag, abends 8 Uhr:! Der Helueldkauer. Schiller-Theater(Charlottenburg). Sonnabend, nachm. 8 Uhr: Bas K U1 liehen v. Heilbronn (ärobcS historische» Rilterschauspiel in ö Zllten von Heinrich v. Kleist. BW Ende 6 Uhr. Sonnabend, abends OUhr: Viel Ltirnien nn» nleht». Lustlviel w 5 Akten v W. Shakespeare. BW End« 10'/, Uhr.-TYeg Sonntag, nachm. 3 Uhr: Hneheth. Sonntag, abend» 8 Uhr: Her Wchwnr der Treue. Ul/oniag, abenv» 8 Ubr: Viel Lilrmen am nleht«. 1! Panopticum 8»6Sää KP Frledrlohst. 163, Peehorrpal. Tftglioh 7'/, Uhr abends. X Sonntags zwei Vorstellungen. Heitere Künstler-Abende. Bockbierfest. Crollcp Humorlaten-Wettntreit. Indische WltwcnvorbrennaiiK X Httrchen. Morgen Sonntag, 12 Uhr mittags: Großes Matineekonzerl N�eÄil,„Stömper" Arnold Hoholz Usus Welt IlaHenhetde 108/114 Großes Bockbier- Fest. Einzig! Original I Atriang 7 Uhr. Enerrrleht! Entree»O Pf. »GO»O»vS00OSO»0OG Urania. Wissenschaftliches Theater. Nachmittags 4 Uhr: Dia Erdbabenkatastrophs v. Metslna. AbendsBühr: Im Firnenglanz des Obcr- Eugadin. Hörsaal 8 Ubr: Hr. Georg Gehlhoff: Der elektrische Spaiinungszastand. WH r Hetropoi-Theater Uulloü! Die große Revue! In 8 Bildern von Jul Freund. Musik v. Paul Idnoke. In Szene gesetzt vom Dir. Rieh. Schnitz. Anlang g Uhr, Rauchan c<■'«iallet. SARRASANI AlkrBofan.Garien Eingang Grunewaldstr Täglich abends 8 Uhr: GalB- | Verstellung.— Mittwoch, Sonnabend, Bonntag und Festtags: | S Vorstellungen mit durchaus i frieiohhaltigem Programm- 1 Mnobm. 4Übrn. abends M Uhr. Zu den Naohm.-Voratell. zahlen | Kinder unter 14 Jahr. o. Militär b. z. Feldwebel halbe Preise. Olga Desmond, die DerObmlheK der„Schönheits- Abeode" sowie die von Rubliktm» ond Fresse glänzend benrteilten Janaar- Attraktionen! Blorgen: Nachmittagsvorstellung Kleine Preise. Anfang 8 Uhr. Üäsino-Theater Loibrlnger Slrane 87. Täglich 8 Uhr: Sensationeller Lacherfolg! Ler Lherganner. Lustspiel in drei Alien von M t S k i. Vorher: Da» erstklassige bunte Programm. Sonntag, nachm.»Uhr: Trudchcu» Sommerreise. Hättii I gntudt-»4 uniiuo. Holzmarklstrafie 72. Gänzlich neue» Programm mliPraur. Hobanahl, Mlnni Slciimnnn, Fritz Griineck, Lina Goltz, Neubert und Ree, Viktor Ritter, Gcsehw Wels», Akrobat., Fridolin schwank In 4 Akten von Vlumenthal und Kadelbura. Sonntag nachm. 3 Uhr: Othello. Abend» 8 Uhr: GrotzftadÜust._____—____-—__ Trn-TTlr�p-�_!lr�pT-r-lrri--3-_- ri_■■inu-- Lrrantwortkicher Redakteur Richard Barth» Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Ttz. Glocke, Berlin. Druck«. Verlag: Vorwärt» Buchdruckerei u. Berlagsanstail Paul Singer 6c Co., Berlin SVk I König, Salon-AthlcL Fannys W'ltwcnzcbmorz Schwank in 1 Akt von O.Richter. esken Kommandaiiienstr. 57. T. A. 4, 5083. Dllllhschtagtndjier Etfolg! „So muß maiTs machen" Burlesk« mit Gesang In 2 Akten, Musik von L. Jtal, mit den Autoren Anton und Oonal Herrnfeld tu den Hauptrolle». Hierzu: Lin l�ettunxsmtttel Komödie v. L. Huna. Anfang 8 Uhr. Vorverkaul 1t bis 2 Uhr._ Palast-Theater. Direktion: Robert Ollif. Uhr Ende 11 Uhr Die neue russische Pantomime ggl Mar ja, Sonntag: Gr. Galavorstellungen. rmw............■■■im Volks-Theater. Bixdort, Hermannstrafte 20. Sonntag, den 16. Januar: Die Waise aus Loweod, Schauspiel in 4 Alten von Charlotte Birch-Pfeiffer. Montag, den 17. Januar: Ein Fa- mlllendrama, Schauspiel in 3 Akten von Schultz. ReiehshaHen-Theater. StettinerSängor Der Stachtwächecr von Zorpeuschlcnse. Studentenbild V.F. Ke/sel Ansang: Woche»!. 8 Uhr. Sonntag» 7 Uhr. »» der Jannowiiibrüoko. Dsulsclilaßds iiössls und vornBlnnsta LioliibOline ASO Sitzplätze FocihaH* Avs.tadung Besinn: Wochentag. 4 Uhr. Sonntag* K n Sanssouci, gf 4 Direktton Wilhelm Reimer. Sonntag, Montag und Donnerstag: Neues Programm. IWÜ-Mm kränzt» von HoRmannsM.SUiipi Morgen Sonntag: SM klitö-8tiisga Sltz-Bonblt 47/48. Sonntag, den 10. Januar 1910: Schuldig. Schanfplel in 3 Akten v. Rtch. voh. I'rianon-'k'lieater. Abend» S Uhr: Knridans Esel. b�ar! klaverlsnä Ansang Theote* Präz. 8 U 77/79 Kommandaiitenstraze 77/79 DaS glänzende erstklassige fanuar-Programm. lager auf Schlager l SM Morihjilssi 8 Uhr Im oberen Saale: Dia glänzendan Spezialitäten. «/,10 Ubr; Beginn der internationalen Bingkilmpfe nm die Iffel�oFachnre Ton Dent.obland 10X0. Im unteren Saale: Alt> Germanisches Boekbier-Ketlerfest mit»oppel-Konzcrt. Öttt den JnUait der Inserate tzbernimmt'die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung. Erscheint 2 mal «rSchentiich. Bezngsqnellen-VerzeiGlmls. Die hier verzeichnete! Firmen empfehlen bei Einkäufen Ihre Geschäfte. f» Abznhlunosgeschäfts Credit-Haus Moabit TunnstraBe 55, Ecke WaldstraSe gewählt jedem bei spielend leichter An- und Abzahlung tnelirjährlgen Kredit auf Waren und Möbel. Lubascher,S,i Oredittiaus■BBB Gebr. Weber, Neue Kdnisrstr. 58. SpandaUjPots- damerstr. 25 1. ' koiüantesies» FL RflSEflti?im5r,f/!.,s8?zSfengÄ' Weber, Herrn., Danzigerstr. 781. 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Von dem besteuerten Kläger K. wurde die Wertzuwachssteuer als ungültig angesehen, erstens, weil sie nach seiner Ansicht eine direkte Steuer sei und eine tzerschiedenartige Belastung der be- bauten und unbebauten Grundstücke mit direkten Steuern dem kommunalen Abgabengesetz widerspreche, zweitens, weil die Steuer- ordnung sich in unzulässiger Weise rückwirkende Kraft beigelegt habe, indem sie als Ausgangspunkt für die Berechnung der Wert- zuwachssteuer auch solche Rechtsgeschäfte erfasse, welch« vor dem Erlaß der Ordnung liegen, drittens, weil Weißensee durch die Art der Ilmlcgung von Eemeindegrundstcucrn bereits«ine Besteuerung des Wertzuwachses vornehme und die Wertzuwachssteuer daher eine Doppelbesteuerung zur Folge habe. Nach kurzer Beratung des Gerichtshofes wurde der Beschluß auf Zurückweisung der Revision des Besteuerten folgendermaßen begründet: 1. Die Wertzuwachssteuer ist eine indirekte Steuer, die sich stützt auf den Akt des Eigentumüberganges von Grundstücken. Daß die Wertzuwachssteuer neben der Umsatzsteuer gefordert wird, ist dabei unerheblich. Die Umsatzsteuer ist eine für alle Eigentums- Übertragungen gleicke Abgabe, während die Wertzuwachssteuer, die besonders ertragsfähigen Steuerquellcn belasten will, ähnlich wie in Preußen die Ergänzungssteuer neben der Einkommensteuer das fundierte Vermögen besonders belastet. 2. In der Bestimmung, daß bei der Berechnung des steuerpflichtigen Wertzuwachses auch dann von dem letzten steuerpflichtigen Erwerbswert auszugehen ist, wenn letzterer bor dem Inkrafttreten der Steuerordnung festgestellt wurde, kann eine rückwirkende Kraft der Steuerordnung nicbt ge- funden werden. Es kommt nicht auf den unmittelbaren Anlaß für die Berechnung des Wertzuwachses, sondern auf den Gegen- stand der Besteuerung an. Hat sich der Eigentumsübergang nach dem Inkrafttreten der Steuerordnung vollzogen, so unterliegt er der Sleuerpflicht. „Die Gemeinden können", so lautet der Beschluß ferner,„in der Bemessung des Wertzuwachses nach ihrem Gutdünken verfahren und die Grenzen für die Berechnung bestimmen; denn häufig würde die stärkere Belastung besonders ertragreicher Steuerquelleu im Interesse der Steuerpolitik der Gemeinden geradezu zur Not- tvendigkeit." Die Art der Nmlegung von Gcmeindcgrundsteuern in Weißen- see läßt den Einwand, die Wertzuwachssteuer stelle in Verbindung mit der Gemeindegrundsteuer eine Doppelbesteuerung dar, nicht zu. Die Grundsteuer ist eine laufend zu erhebende direkte, die Wert- zuwachssteuer dägegen eine indirekte Steuer. Beide Steuerarten können überhaupt nicht in Verbindung gebracht werden. Masurische Verhältnisse. Ueber die Verhältnisse im Masurischen, wo jetzt Werbeagenten für die Zechenbarone sich aufhalten, wird uns geschrieben: „Masuren, das Land der Wälder, der 1000 Seen, das Land der Steuerzuschlage, die. wie wohl nie mehr in einer anderen deutschen Gegend, die unerhörte Höhe von 300 bis 340 Proz.. er- reichen, ist fast durchweg königstreu. Kein roter Schreihals stört die Herren Agrarier, Fabrikanten und Handwerksmeister in ihrer idyllischen Ruhe. Sie schalten und walten nach ihrem Ermessen; ein Arbeiter, ein Untergebener überhaupt, der bei ihnen in Brot steht, gilt nichts. Abgesehen von den durchaus»»zureichende» Löhnen, welche gezahlt werden— ein Arbeiter erhält die Stunde 22— 28 Pf., je nach Leistung und dairn 340 Proz. Stenern—, haben sich seit dem Sommer die Herren Unternehmer in Scnsburg. um der immer näherkommenden„roten Gefahr" zu begegnen, zu einem stillen Ring vereinigt, nach dem jeder Arbeiter, der ohne triftigen Grund seine Arbeit verläßt(ein triftiger Grund ist nur Todesfall oder Fortzug), bei Konventionalstrafe von keinem anderen dem Kreise angehörigen Unternehmer beschäftigt werden darf. Sind diese schwarzen Listen ein Hohn auf das Gesetz unserer vorgc- schrittencn Zeit, so werden dieselben noch übertrumpft durch fol- gendes Vorkommnis anläßlich der Delenicrtenneuwahl zur OrtS- krankenkasse in EenSbnrg im Dezember 1000. Um zu verhüten, daß in den Vorstand der Krankenkasse sozialdemokratisch gesinnte Ar- beiter kämen, ließ man die Arbeiter zusammenkommen und gab ihnen auf, bei Strafe der Lohnkürzung oder eventueller Arbeits- ausschließung am folgenden Tage, einem Sonntage, nachmittags zwischen W und 4 Uhr vollzählig ihrer Wahlpflicht zu genügen und nur diejenigen zu wählen, welche auf den bereits zur Per- teilung gelangten Wahlzetteln verzeichnet waren. Das Wahl- crgebnis war denn auch, dem Drucke folgend, für die Unternehmer ein durchaus günstiges. Hatte man doch vorsorglich nur solche ge- wählt oder wählen lassen, die zu allem ja sagten. Ein Modell- tischlcr, der die Stunde 33 Pf. bekommt und ebenfalls Delegierter ist. sagte mir:„Was soll ich da. wenn ich etwas sage, heißt es. ach, das verstehen Sie nicht, das muß so sein." Wenn man so etwas hört, muß man da nicht die Frage aufwerfen: Wie ist so etwas in einem geordneten Stoate nur möglich, kann so etwas geschehen, ohne daß es an die Oeffentlichkeit dringt, soll der Ar- beiter weiter vergewaltigt werden und nur Mittel zum Zweck sein? DaL ist Wahlbeeinflussung schlimmster Art. wie man stc sich ärger kaum denken kann, und die wieder einmal in ihrer ganzen Größe die Unzulänglichkeit, um sich mild« auszudrücken, beleuchtet, die dem veralteten, längst überwundenen Wahlsystem anhaftet. Kann man sich bessere und schlagendere Beweisführung wünschen, um die Forderungen nach einem geheimen Wahlrecht zu begründen?"....... Diese Unterdrückung der Arbeiter ist möglich, weil e» im Masurischen fast ganz an Organisation mangelt. Diese Zustände erkläre» es auch, tveshalb die Zechenbaronie ihre Sendboten nach dem Masurischen entsendet. Kommunale Jugendfürsorge. Die Stadtverordnetenversammlung zu Magdeburg beschloß Donnerstag, de» 13. Januar, auf Vorschlag dcS Magistrats die Errichtung eines städtischen Jugendfürsorgeamtes. Das Amt soll ein- mal die Bestrebungen der rund sechzig Jugendfürsorgevereine>n Magdeburg in einheitliche Bahnen lenken, dann aber die gesetzlichen Aufgaben dcS GemeindewaisenrateS. die Berussvormundschaft, die nock, zu erweiternde SäugiingSfürsorge, das gesamte Fürsorge- erziehungSwesen, die Arbeiten zur Unterstützung des Jugend- gerichteS. sowie die Sorge für die Jugend— auch d« schulentlassene — überhaupt nebmen, soweit nicht schon die vorerwähnten Einrich- tungen sie umfassen. DaS Amt ist als selbständige Abteilung inner. halb der Armendirektion gedacht. Zum Leiter wurde— mit einem AnfangSgehalt von 8000 M. — der Volks ichiillehrer Dusch gewählt, der bisher schon privatim auf diesem Gebiete eine umfangreiche Tätigkeit entfaltet hat und gang besonders geeignet sein soll. Hiiö der frauenbenvegung. Die Kiiiderschutzkommission für Berlin hatte am Donnerstag ihre Kontrolleurinnen und Helferinnen aus allen acht Wahlkreiscu Groß-Bcrlins zu einer Versammlung»ach dem Gcwerkschafts- Hause berufen, um ihnen sachkundige Jnsormationen über ihre Ausgaben zukommen zu lassen. Dieser Aufgabe unterzog sich Ge- nosse Adolf Ritter in einem eingehenden Referat über die Be- stinimiiiigen des Kindersckutzgesetzes. Einleitend führte der Redner aus: Es ist eine der wichtigsten Aufgaben eines Kulturvolkes, sich darum zu kümmern, unter welchen Verhältnissen die Nachkommen- schaft aufwächst. Diese Aufgabe sucht gegenwärtig die Arbeiter- klaffe zu erfüllen, indem sie sich die Kontrolle über die Durch- führung der Kinderschutzbestimmungen angelegen sein läßt. Wir legen Wert darauf, daß die jftnmende Generation an Körper und Geist so gestähll wird, daß sw den Kampf für die Ziele der Ar- beitcrbewcgung mit Erfolg führen kann. Um die Sache der Ar- bciterklassc handelt es sich bei der Kontrolle des Kinderschutzes. Je mehr eS gelingt, ihn durchzuführen und die soziale Gesetzgebung in unserem Sinne zu beeinflussen, desto größer ist unser Erfolg, der sich natürlich nickt sogleich, sondern erst in der Zukunft bemerk- bar machen kann. Von diesem Gesichtspunkt aus muß die Arbeit der Kiiiderschutzkommission betrachtet werden. Die in der Kam- Mission tätigen Genossinnen werden manchmal mit Frauen und Männern zu tun haben, die nicht begreifen, daß die kindliche Ar» bcitskraft geschont werden muß, denn sonst wird sie verbraucht, che sich die Leistungsfähigkeit des junacn Menschen recht entivickelt hat.— Der Redner besprach in ausführlicher Weise die Beftim- mungen des Kinderschiitzgcsetzeö und besprach an der Hand desselben die Aufgaben der Genossinnen, die in der Kinderschntz- kommission tätig sind. Schwer«verde es meistens sein, die ge- werblichen Betriebe, in denen Kinderarbeit nach den Bestimmungen des Gesetzes zulässig ist, auf die Jnnehaltung der gesetzlichen Vor- schriften zu kontrollieren, da nian in die geschlossenen Betriebe nicht hlneinkommc. Unter diesen Verhältnissen werde sich die Tätigkeit der Kommission hauptsächlich auf die Kinderarbeit beim Austragen von Zeitungen, Mich und Backware erstrecken müssen. Hier könne die Kommission eine wirksame Tätigkeit entfalten. Wo lieber- tretiingeli des Gesetzes bemerkt werden, sei zunächst zu versuchen, die Beteiligten durch gütliche Vorstellungen zur Jnnehaltung des Gesetzes zu bewegen. Wenn aber gütliche Vorstellungen nicht helfen, dann müsse die Behörde benachrichtigt und auf diesem Wege Abhilf« grsck)affen werden. Vor dem Inkrafttreten des Gesetzes seien in Preußen 135 000 Kinder beim Austragen von Zeitungen beschäftigt worden. Eine nach dem Inkrafttreten des Gesetzes vor- genommene Erhebung habe ergeben, daß die Zahl der Zeitungen austragenden Kinder auf 45 000 herabgegangen sei, die den An- fordcrungen des Gesetzes entsprächen. DaS Gesetz habe also schon geholfen. Doch eL fei anzunehmen, baß auf diesem Gebiet immer noch Kinder in gesetzwidriger Weise beschäftigt würden. DicS zu ermitteln und Abhilfe zu schaffen sei die Aufgabe der Kominission. Auch auf die Arbeitsstätten der Konfektion müsse die Kommission ackt geben. Leider sei es nicht selten, daß Eltern, die hauSindustriell beschäftigt sind, die eigenen Kinder zur Arbeit mit heranziehen. Doch auch sür solche Fälle habe das Gesetz gewisse Einschränkungen geschaffen. Die eigenen Kinder, wenn sie»och nicht 10 Jahre alt sind, dürften im Betriebe der Eltern nicht beschäftigt werden. Wenn sie über 10 Jahre alt sind, dürfen sie nicht vor 8 Uhr morgens und nicht nack 8 Uhr abends und auch nicht Sonntags beschäftigt werden. Nicht immer sei eS die Not, welche die heim- arbeitenden Eltern veranlasse, ihre Kinder zur Hilfe bei der Arbeit heranzuziehen. Ost sei nur das selbstsüchtige Interesse der Eltern für die Beschäftigung der Kinder maßgebend. Es sei eine der sckwcrsten Aufgaben der Kommission, solchen Fällen nachzugehen, wo Eltern in unverantwortlicher Weise mit der Gesundheit ihrer Kinder wirtschaften, indem sie sie in der hauSindustriellen Kon- stkiion beschäftigen. Doch mich diese Aufgabe müsse erfüllt werden. Es gelte, die Kinder vor Ausbeutung zu schützen und sie in den Stand zu setzen, sich körperlich und geistig zur Vollkraft zu cnt. wickeln.— Dem anregenden Vortrage folgte eine ebensolche Dis- kussion, in der verschiedene Rcdnerinnen über ihre Erfahrungen aus der Praxis des Kinderschutzes berichteten. Gericdts- Leitung. Mißhandlung durch Edelste der Nation. Vor der Padcrborncr Strafkammer standen am Mittwoch Freiherr von Brinke» zu Wemer und Freiherr Klemens v. Rombcrg unter der Anklage der schweren Körperverletzung. Im März vorigen Jahres waren die beiden Herren auf Schloß Wemer und hatten bis spät in die Nacht hinein gezecht. Um zwei Uhr begaben sie sich zum Schlafzimmer des Bedienten, den sie beschuldigten, das? er nicht hinreichend geheizt Hütte. Als der Diener nicht öffnen wollte. traten sie die Tür ein und mißhandelten den Diener dermaßen, daß er schwerverletzt auS dem Schlosse flüchtete und im Dorfe Wcmcr Unterkunft suchte. Er war nur notdürftig bekleidet. Am folgenden Tage wurde er nach Göttingen zur Klinik geschafft. Dort befindet er sich noch jetzt und wird wahrscheinlich für immer ein Krüppel bleiben. Die Staatsanwaltschaft beantragte für v. Brinke» sechs Monate Viefängnis, für v. Nomberg TVj Monate Gefängnis. DaS Gericht erkannte für v. Blinken auf zwei Monate, für v. Romberg auf zweieinhalb Monate Gefängnis und auf gemeinschaftliche Kostentragung. Wie milde ist da» Urteil im Vergleich zu den gegen Arbeiter gefällten! Wir erinnern unsere Leser nur an die auS Anlaß des Mansfelder Streiks verhängten Strasen. Die Bluttat in der GcrichtSstraßc, welche, kvie bereits mitgeteilt, am nächsten Montag unter Vorsitz des Landgerichtsdirektors Gocbcl vor dem Schwurgericht dcZ Land- gcrichtS I zur Verhandlung kommen wird, wird voraussichtlich an die Nerven der Geschworenen recht starke Anforderungen stellen. Vom königlichen Institut für SaatSarzneikunde wird nämlich den Geschworenen der von dem Körper getrennte Kopf der getöteten Berta Schneider vorgelegt werden, der einen wahrhaft grausigen Anblick bieten soll. Der kunstgerecht präparierte Kopf, welcher sich in einem luftleeren Glasbehälter befindet, ist völlig kahl geschoren und weist nicht weniger als 44 Wunden auf, so daß die eigentlichen Gesichtszüge, Augen usw., nur noch eine unkenntliche Masse dar- stellen. Rechtsanwalt Dr. Puppe will deshalb als Verteidiger des Angeklagten. Stallmann Ernst Wulff» gegen die Vorzeigung des Kopfes vor Gericht protestieren, da dieser einen so grausigen Ein- druck macht, daß derjenige, der einen solchen Anblick noch nicht gehabt hat, Gefahr läuft, ohnmächtig zu werden, und ferner auch die Zurschaustellung vom menschlichen Standpunkt aus als un. ästhetisch und überflüssig erscheine. Auf Antrag deS Staatsanwalts Carl findet in dieser Sache übrigens auch am Tatorte ein Lokal- tcrmin statt.'_ Wahrnehmung berechtigter Interessen durch GcwcrkschaftSbramte. Bei Gelegenheit eines Streiks bei der Firma Hein, Lehmann und Co. in Reinickendorf im Sommer 1003 kontrollierten die Ge- »offen Bchrcnd vom Metollarbciterverband und Siering vom Schmiedeverband die dort aufgestellten Streikposten. Sie kamen gerade hinzu, als die Streikposten von den Schutzleuten aufgefordert wurden, diejenigen Stellen zu verlassen, von denen aus das Streik- postenstehen allein Zweck und Sinn hatte. Deshalb sagte Behrend den Streikposten: Seid keine Hasenfüße, Ihr dürft hier stehen, die Beamten haben Euch gar, nichts zu sage». Nack der Anklage soll Behrend auch zu den Beamten gewendet erklärt haben: Lassen Sie die Leute hier stehen, Sie Halen denselben gar nichts zu sagen. Wegen dieses Vorfalls wurde Bchrcnd, wie wir am 12. November vorigen Jahres berichtet haben, wegen Beleidigung, der Beamten zu 50 M. Geldstrafe verurteilt. Gegen dieses Urteil legte Behrend Berufung ein, die gestern vor der Strafkammer des Land- gcmchts III verhandelt wurde. Behrend erklärte, daß er auS seiner langjährigen Erfahrung wisse, daß die Polizei das Streikposten- stehen überaus erschwere. Er habe früher auch gerode in Reinicken- darf bei der vorgesetzten Behörde Beschwerde mit Erfolg geführt. Als Leiter des Streiks und Mitglied des Vorstandes des Metall- arbeiterverlxrndes sei es im Interesse einer erfolgreichen Durch- führung deS Streiks seine Pflicht gewesen, den unberechtigten Maß- nahmen der Polizei gegen die Streikposten entgegenzutreten. Die sehr umfangreiche Beweisaufnahme drehte sich hauptsäch- lich darum, ob Behrend die Beamten oder dies« Behrend, als er mit den Streikposten verhandelte, angesprochen hätten und ob Bchrcnd nur den Streikposten gegenüber, lvie die Entlastungszeugen be- kündeten, die Aeuherung getan habe, daß die Beamten den Streik- Posten nichts zu sagen haben oder ob, wie die Polizcibeamten bekundeten, sie auch selbst mit diesen Worten von Behrend angefahren wurden. Der Verteidiger BchrendS, Rechtsanwalt Dr. Heinemann, wies in längeren juristischen Ausführungen nach, daß die Worte, vie Behrend den Streikposten und den Beamten zugerufen habe, keine Beleidigung seien. In jedem Falle aber stehe dem Behrend der Schutz des§ 103 zur Seite. Er sei als Gcwerkschaftsbeamter be- rcchtigt und verpflichtet gewesen, habe sich zum mindesten für be- rcchtigt und verpflichtet gehalten, die Rechte der Streikenden gegen- über den Begriffen der Polizeibeamten auf das Koalitionsrecht d-.r Arbeiter zu wahren. Die Strafkammer sprach Behrend unter Auf- Hebung des Urteils des Schöffengerichts frei. Zwar sei es eine Beleidigung, wenn den Polizeibeamten zugerufen werde: Sie haben hier gar nichts zu sagen. Behrend habe aber in Wahr- nchmung berechtigter Interessen gehandelt. Ihm habe nicht die Absicht der Beleidigung innc gewohnt. Er habe vielmehr lediglich die Interessen der Streikenden wahrnehmen ioollen und dazu sei er in seiner Eigenschaft als Gewerkschaftsbeamter berechtigt ac- Wesen. TvShakb sei auf Freisprechung zu erkennen. In tatsächlicher Hinsicht nahm das Gericht entgegen den schwankenden Aussagen der Polizeibcainten an, daß Behrend nur zu den Streikposten gesagt habe: Die Beamten haben Euch nichts zu sagen, daß er da- gegen nicht auch den Beamten selbst diese Worte zugerufen habe. Lehrling und Lehrmeister auf der Anklagebank. Der Töpfer Willi Lehmann war vor einigen Jahren Lehrling bei dem damaligen Töpfermeister, jetzigen Rentier Grap. Während seiner Lehrzeit hat er— seiner Angabe zufolge auf Geheiß des SohncS seines Meisters sowie des Poliers KrakiS— eine Rolle Stahlband, die in der Nähe des MilAärbahnhofes in Schöneborg auf der Straße lag, nach dem Geschäft des Meisters mitgenomincu. Didser Vorfall führte zu einer Anklage wegen� Diebstahls gegen Lehmann, sowie wegen Anstiftung gegen den jungen Grap und Krakis. Gleichzeitig war Grap sen. mitangeklagt, weil er seine Lehrlinge veranlaßt haben soll, Fensterglas auf einem Bau zu eiitiveiidrn und damit die Kellerfenster seines Hauses zu verglasrn. Bor dem Schöffengericht Berlin-Schöneberg, wo diese Sache gestern verhandelt wurde, sagte Grap sen., die Lehrlinge hätten die Keller- fenster zerschlagen, und er habe dann von ihnen verlangt, für Wer- glasung der Fenster zu sorgen, anderenfalls werde er ihnen die Kosten der Scheiben vom Lohn abziehen. Die Scheiben seien darauf von den Lehrlingen eingesetzt worden. Woher sie das Glas hatten, darum habe er sich nicht gekümmert.— Die Angeklagten Grap jr. und Krakis wollen an der Entwendung des Stahlbandes nicht be- teiligt gewesen sein. Das Gericht hielt Grap sen. nicht für überführt, ebenso wenig die Angeklagten Grap jr. und Krakis, die nur durch ihren Mit- angeklagten Lehmann belastet wurden. Bezüglich Lehmanns nahm das Gericht an. daß er sich bei Mitnahme des anscheinend herrenlos auf der Straße liegenden Stahlbandes, welches«cur einen geringen Wert repräsentiere, der Rechtswidrigkeit seiner Handlung nicht bewußt gewesen sei. Alle Angeklagten wurden deshalb frei- gesprochen._ Der Diebstahl ans der Zeche Gladbeck. Die Diebstahlsaffäre auf den fiskalischen Möllcr-Schächten in Gladbeck, die«m November v. I. so großes Aufsehen erregte, fand gestern, wie uns tclegraphisch gemeldet wird, vor der Essener Straf- kamnrer ein gerichtliches Nachspiel. Unter der Anklage des Dieb- stabls haben sich der Steiger Wilhelm Opel und der Maschinen- meister Heinrich Neuß zu verantworten. Die grstohlene Summe bclief sich auf 270 500 M. Die Ermittelung nach den Tätern hatte gleichzeitig zur Entdeckung von großen Verurtreuungen geführt. Wegen dieser Unterschlagungen schtvcbt die Untersuchung noch. Neben den beiden.Hauptangeklagten sind noch wegen Beihilfe und Hehlerei mitangeklagt die beiden jüngeren Brüder des Maschinen- incisters Neuß, Schichtmeister Friedrich Neuß und Lampenmerster Hermann Neuß. Der Angeklagte Heinrich Neuß gibt an. daß er 1304 in Kopcn- Hägen geboren sei. Ivo sein Vater als Maschinenmeister tätig war. Er hat die Realschule in Barmen bis Untertertia besucht, 1803 wurde er von der Zeche Gladbeck als Maschinennleister engagiert und 1801 fest angestellt.— Vors.: Sie wurden damals als tönig« licher Maschinensteiger und auch als Beamter vereidigt?— Angeil. Neuß: Ja.— Vors.: Sie sind vorbestraft?— Angekl. Ja. Während meiner Militärzeit wurde ich bestraft und auch auf der Wandcr- schaft wegen Bettelns. Als Matrose bin ich einmal in Hamburg in ein schlechtes Haus geraten und habe mich an einem Zuhälter vergriffen. Sonst bin ich nicht bestrast.— Ter zweite Haupt- angeklagte Steiger Friedrich Opel ist 1865 geboren. Er war ur- sprünglich Landwirt und zwölf Jahre beim Militär. Dann wurde er zunächst Gerichtsvollzieher in Köln.— Vors.: Angekl. Opel. wie sind Sie nun zu dieser Tat gekommen? ES scheint ja, als ob auf Ihrer Seite eine gewisse Habgier vorhanden war, während bei Neuß der Hang zum Wohlleben vorherrschte. Sie sollen zuerst an Neuß herangetreten sein.— Angekl. Opel: Nein, Neuß hat mich zuerst veranlaßt, die Schichtzettel»ud Lohnlisten zu fälschen. Er hat das doch auch in der Untersuchung zugegeben.— Vors.: Sie sollen sich dann aber bereit erklärt haben, die Lohnlisten zu fälschen. — Angekl. Opel: Die Lohnlisten mußten,«vcn» Lohnzcttel vor- Händen waren, auch gefälscht werde». Die eigentlichen Unterschla- gungcn hat aber Neuy veranlaßt. Er schrieb mir, daß er Leute an der Hand habe, mit denen sich etwas machen lasse.— Die Sachdcr- ständigen haben berechnet, daß die Unterschlagungen 17 000 M. be- tragen.— Auf Befragen gibt Angekl. Opel an. daß diese Unter- schlagungen bom Frühjahr 1003 vor sich gingen. Diese Summen sind größtenteils durch Beschlagnahme von Sparkassenbüchern und auf andere WLise gedeckt. Die zur Verdeckung der Unterschlagungen gefälschten Lohn- liste» bildeten die Unterlage für die halbamtlichen Feststellungen über die angeblichen Lohnhöhen der betreffenden Arbeiter. Das Urteil lautete gegen den Steiger Friedrich Opel und Ma- schinenmeister Heinrich Nenß auf je vier Jahre Zuchthaus und fünf Jahre Ehrverlust wegen schweren Diebstahls unter Bersagung mildernder Umstände. Der Schichtmeister Friedrich Sieuh und der Lampenmeister Hermann Neuß erhielten unter Zubilligung mil- dernder Umstände wegen Beihilfe und Begünstigung je ein Jahr drei Monate Gefängnis. Dandorf&G Belle-AIIiancestrasse Grosse Frankfurterstrasse Brunnenstrasse Kottbuser Damm Soweit Vorrat Lebensmittel Cervelatwurst............. Pfand 1.20 Salamiwurst................ Pfand 1.20 Teewurst..................... Pfand 1.20 ThOringer Knoblauchwurst........ Pfand 1.20 Schinkenwurst............ Pfand 1.20 ff. Leberwurst............. Pfand 1.05 Landleberwurst......... Pfand 95pf. Leberwurst(Hallesche Art).. Pfand 1.10 Mettwurst 95 pt Rotwurst I.................. Pfand 7 5 Pf. Rotwurst II................. Pfand 48 pt Zwiebelleberwurst....Pfand 48pt Schinkenspeck......... 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Verlagsanstalt Paul Singcr& Co.. Berlin SWT Ar. 12. 27. Jahrg. ßfilojf iirs Jutmirtö"- AytW ßr Gßw. WkßU 15. Jaunar 1910. Li» Sringencles KeckiirfnK. Zu der im„Vorwärts" bereits angeschnittenen Frage der Ein- Berufung einer Frauenkonfcrenz nimmt die„Gleichheit" in ein gehender Weise Stellung. Unter anderem schreibt sie: „Vis seht sind die Frauenkonfcrcnzen alle Lwci Jahre zusammen- getreten. Wird der alte Modus beibehalte», so wäre für dieses Jahr eine Frauenkonfcrenz nach Magdeburg einzuberufen, da die letzte dem?!ürnbcrger Parteitag vorausgegangen ist. Die Partei -lud mit ihr in erster Linie die Genossinnen stehen daher vor der Frage: Toll in diesem Jahre eine Frauenkonfcrenz tagen? Unseres Dafürhaltens ist diese Frage nicht schematisch nach der seitherigen Gepflogenheit zu beantworten, sondern lediglich auf Grund einer Prüfung der Verhältnisse. Bejahung oder Verneinung hängt davon ab. ob diese das praktische Bedürfnis nach einer besonderen Tagung der Genossinnen erweisen oder nicht. Wir stehen nicht an, unter diesem GesichtSivinkel daS Stattfinden einer Fraucnkonfercnz nach- drücklich zu befürworte».... Aber gerade der Erfolg der einschlägigen Bestrebungen ist einer der Umstände, die zu der Einberufung einer Fraucnkonferenz in diesem Jahre drängen. In der Tat: mit der zunehmenden Zahl und«Schulung der Genossinnen steigt ihre Verpflichtung nach allen Seiten. Nach Umfang und Wert müssen ihre Leistungen bedeuten- der werden. Erhöhte Beteiligung air dem inneren Leben, an allen rlktioncn der Partei! Regeres, planmäßigeres Wirken, um die Maflen des weiblichen Proletariats zu erwecken, der politischen und gewerkschaftlichen Organisation, dem Klassenkampf zuzuführen! Energischste Vertretung der proletarischen und weiblichen Interessen dieser Massen auf allen Gebieten des gesellschaftlichen Lebens! Das find Losungen, die den Genossinnen um so stärker, zwingender er- klingen, je kraftvoller sich die sozialistische Frauenbewegung cnt- wickelt. Damit werden dieser aber so mancherlei verantwortungS- reiche Aufgaben zugewiesen, daß es ausgeschlossen erscheint, sie mit der erforderlichen Gründlichkeit im Rahmen des Parteitags zu er- örtern. Man vergesse nicht, wie überlastet dessen Tagesordnung jedes Jahr ist— ganz gleich, welche Einzclfragen sich jeweilig für die Partei in den Vordergrund schieben—, weil das von der Eni- Wickelung der Frauenbewegung Gesagte erst recht von der Sozial- demokratie gilt: ihr kraftvoll blühendes Sein erweitert und vertieft ihre Aufgabe». Ueberblickt man die politische Situation und das Leben der Partei, so braucht man wahrlich kein Prophet in Israel zu sein, um vorauszusagen, daß der Parteitag zu Magdeburg ein mehr als reiches Arbeitsprogramm zu bewältigen haben wird. Es ist mithin nur ein Gebot praktischer Zweckmäßigkeit, daß eine Frauenkonferenz Vorarbeit für ihn leistet, indem sie das Material berät, das sich auf die Betätigung der Genossinnen bezieht, und es zu Anregungen und Vorschlägen verdichtet, über welches dann die Vertreter der Gesamtpartei entscheiden. Die unabweisbare Notwendigkeit dieser Vorarbeit ist auch in anderen Verhältnissen als den bereits hervorgehobenen begründet. Die Ergebnisse der Berufs- und Gcwcrbezählung von ISO? stellen wie die Berichte der Gewerbeinspektion den bedeutenden und rasch anschwellenden Umfang der berufsmäßigen Frauenarbeit auf allen Gebieten fest. Diese Tatsache lost in uns mehr aus als das Ge- fühl tiefer, zukunftssicherer Befriedigung darüber, daß unaufhalt- sam wirkende Kräfte die wirtschaftliche, die gesellschaftliche Eni- Wickelung in der Richtung dem Ziele zu vorwärts treiben, wie dies die sozialistische Auffassung lehrt. Sie bringt uns scharf die Pflicht zum Bewußtsein, die in den Kamps für Lebensunterhalt und Lebensinhalt geschleuderten Frauenmassen aufgeklärt und organi- sicrt zur Verteidigung ihrer Interessen zu führen; sie nicht als bloßen Kulturdünger zerstampfen �u lassen, sie vielmehr als bc- wußte Mitträgerinnen des geschichtlichen Werdens, des Kulturauf- stiegs der arbeitenden Klassen zu sammeln.... Die General- ?ommission der Gewerkschaften hat im„Correspondenzblatt" eine wertvolle statistische Bearbeitung des einschlägigen Materials vcr- öffcntlicht, das die offizielle Erhebung von 1907 ergeben hat. Sie hat damit auf die Bedeutung, die Größe der vorliegenden Aufgabe hingewiesen. Ihre Veröffentlichung zeigt den Genossinnen, daß auch auf dem Gebiet der Gewerkschaftsbewegung erhöhte Ansprüche an ihre tatkräftige, einsichtsvolle Mitarbeit herantreten. Solche Mitarbeit anzuregen, planmäßig zu gestalten, durch die Erörterung der ihr dienenden Mittel und Wege zu befruchten, scheint uns eine wichtige Aufgabe der nächsten Frauenkonferenz. «Zweierlei versteht sich dabei am Rande. Daß es sich um die Mit- arbeit der Genossinnen innerhalb der Gewerkschaften und gemäß der von diesen gezogenen Richtlinien handelt. Daß in den betreffenden Fragen in erster Linie die Genossinnen ausgiebig zum Wort kommen, die das Schwergewicht ihrer Betätigung auf gewerkschaft- lichem Gebiet haben. Eine zweckentsprechende Vorbereitung der Konferenz— die natürlich die Verständigung mit den Führern dec Gewerkschaftsbewegung in sich begreift— könnte das ermöglichen. Mit der Ilmsetzung unserer Anregung in die Praxis würden die bisherigen Grenzen des Wirkungsgebiets der Fraucnkonfcrenzen erweitert. Diese Erweiterung halten wir aber nicht allein für nützlich, sondern für notwendig auch noch unter anderen Gesichts- punkten als den aufgezeigten. Sic wird Bausteine zu der breiten Grundlage jenes brüderlichen Zusammenarbeitens von unten auf beitragen, das die stolze Einheit von Partei und Gewerkschaften trägt, von der Genosse Bömelburg gesprochen hat. Sie zieht die Konsequenzen deS gemeinschaftlichen Zusammenwirkens auf sozial- politischem Gebiet, auf dem der Genossinnen gleichfalls eine stärkere Betätigung wartet. Das Kinderschutzgesetz, die Novelle zur Gewerbeordnung mit ihrem dürftigen Mehr au Arbeiterinnenschutz, die in Aussicht stehende Reorganisation der Arbeiterversicherung, die die Ansätze zur Mutterschafts-, Wittvcn- und Waisenfursorge in sich begreift, stellen die Genossinnen vor große praktische Aufgaben.... Die aus der Initiative der Genossinnen hervorgegangenen Äinderschutz- kom Missionen können sich nicht darauf beschränken, die proletarischen Kleinen gegen die gesetzwidrige Ausbeutung ihrer Arbeitskraft, gegen Mißhandlungen und Verwahrlosung zu schützen. Sie müssen durch"Nutzbarmachung der festgestellten Tatsachen, durch Anrufung der Oeffcntlichkcit der durchgreifenden gesellschaftlichen Fürsorge für die Kinder vorarbeiten. Dazu bedarf es einer Zentrale, welche das zuströmende Material sammelt, sichtet, verarbeitet, vor die Gesetzgeber und die breiteste Ocffentlichkeit bringt, es der Agitation nutzbar macht. Von dem Wirken der Beschwcrdekommission für Arbeiterinnen gilt das gleiche. Unseres Erachtcns wäre das Frauen- bureau zusammen mit der gewerkschaftlichen Frauenagitations- kommission in Berlin die Instanz, der die Fraucnkonfercnz die diesbezügliche Aufgabe zuweisen sollte. Darin läge die Bürg- schaft, daß sie in engster Fühlung mit der Partei und den Gcwcrt- schaften gelöst würde. Wir brauchen kein Wort zu verlieren über die praktische Tragweite einer kraftvollen Agitation unter dem weiblichen Proletariat für Mutterschafts- und Säuglingsfürjorge, für Witwen- und Waifenunterstützung, kurz für Rcformsorde- rungen, deren schwächlicher Abklatsch bald den Reichstag beschäftigen wird. Ein anderer Gegenstand drängt sich in Zusammenhang mit den sozialpolitischen Fragen den Genossinnen zur Beratung auf: die gründliche Ausnützung dcZ aktiven und passiven Wahlrechts der Frauen zu den Ortskrankenkassen. Wohl haben bereits in einigen Städten die Genossinnen das Ihrige getan, damit die weiblichen Kassen'.nitglicdcr ihr Recht verständnisvoll ausübten. Das Frauen- bureau hat in einem besonderen trefflichen Flugblatt auf die Bc- dcutung dieses einzigen Wahlrechts hingewiesen, das den Frauen in Deutschland eignet. Von der allgemeinen Ausübung des Rechts sind wir jedoch noch weit entfernt, und es wäre an der Frauen- tonferenz, das Signal zu einer entsprechenden planmäßigen Agi- tation und Kleinarbeit zu geben. Wenden wir uns nun den politischen Aufgaben der Genossinnen zu, so zeigt sich das nämliche Bild: eine Situation, die von den verschiedensten Seiten aus zu einer gesteigerten Betätigung treibt, mehr Initiative, mehr Kraft und Planmäßigkeit des Handelns fordert. Die oben gekenzeichncte EntWickelung der Frauenarbeit beweist sinnenfällig, daß Millionen Frauen dem engen, umfriedeten Bannkreis des häuslichen Lebens entrissen sind.... So stellt der Kapitalismus mit seinem Um und Auf millioncnköpfige Scharen von Arbeiterinnen und Arbeiterfrauen bereit, die von der Sozial- demokratie gesammelt, geschult und für den politischen Kampf mobilisiert werden können. So pflügt er im weiblichen Prole- tariat ein Neuland von riesiger Ausdehnung um, das mit der sozialistischen Jdeensaat bestellt werden muß. Auf den tief durch- furchten Boden hat aber in den letzten Monaten die Finanzreform mit ihrer schonungs- und schamlosen Massenausplünderung wie ein lockernder, befruchtender warmer Gewitterregen gewirkt. Es gilt für die Genossinnen, mit der äußersten Umsicht und Tatkraft diese Situation zu nützen. Wie kaum eine seit langer Zeit trägt sie in ihrem Schöße die Möglichkeit, mit unserer Agitation große Kreise bisher noch schlummernder Frauen des werktätigen Volkes zu erfassen, ihre brütende Verzweiflung und dumpfe Gärung zu klarer sozialer Erkenntnis zu läutern, ihre Einsicht zu zielbewußtem Handeln reifen zu lassen.... Die angedeutete intensivste politische Arbeit der Genossinnen ist im Hinblick auf die nächsten Reichstagswahlen von besonderer Wichtigkeit. Man wende dagegen nicht ein, daß diese erst 1912 be- vorstehen. Zunächst gilt von der Stimmung der Massen, was Goethe von der Begeisterung sagt:„Sie ist keine Heringswarc, die sich einpökeln läßt viele Jahre." Wir wissen aus Erfahrung, daß die Massen leider nur zu rasch die Tat- und Unterlassungssünden der ausbeutenden und herrschenden Klassen vergessen. Wir müssen das Eisen ihrer Empörung schmieden, solange es beiß ist. wir müssen es durch unsere Arbeit möglichst dauernd heiß zu halten suckcn. Die Erfahrung hat uns außerdem gezeigt, daß die Ge- Uossinnen als Frauen, die meist einem zwiefachen Pflichtkrcis ge- recht werden müssen, eines größeren Zeitraums als die Genossen bedürfen, um sich für ibre Aufgaben im politischen Kampfe wohl zu rüsten. Die Fraucnkonfercnz muß die nächste Wablarbeit der Genossinnen vorbereiten, muß selbst schon ein wichtiges Stück solcher Wahlarbeit sein. Das ist um so nötiger, als wir in Deutschland, dem klassischen Reiche der halbabsolutistischcn Plötzlichkeiten, keine Garantie dafür haben, daß dieser Reichstag eines natürlichen Todes sterben wird. Wenn die Wahlrcchtsfragc in Preußen eine kraftvolle Massenbewegung in Fluß bringt, so müssen wir mehr als je mit allen Möglichkeiten rechnen. Der Kampf für das Wahlrecht selbst aber fordert von den deutschen Genossinnen: bereit sein, und das in der weitcsttragenden Bedeutung des Wortes. Ter preußische Parteitag hat es mit wünschenswertester Bestimmtheit hervorgehoben, daß dieser Kampf ein Klassenkampf ist, in welchem das Proletariat alle reaktionären Mächte im ganzen Reiche gegen sich bat. Er hat erneut zum Aus- druck gebracht, daß das Ringen auch der Eroberung vollen Bürger- rechts für das weibliche Geschlecht gilt. An den Genossinnen ist es nun, darüber zu beraten, wie sie die Einsicht, Energie und Opfer- frcudigkeit großer Frauenmassen dem Wahlrcchtskampf dienstbar machen können, wie aber auch umgekehrt der Wahlrcchtskampf die Forderung politischer Gleichberechtigung für die Frau ihrem Siege entgegen tragen muß. Der verfügbare Raum verbietet es. heute all die anderen Fragen zu würdigen, die infolge der Mitarbeit der Genossinnen in den Parteiorganisationen Behandlung �durch eine Frauenkonfc- renz heischen, und deren A und O lautet: Steigerung der Leistungs- tüchtigkeit der sozialdemokratischen Frauenbewegung. Es sei nur noch die besondere Bedeutung zweier von ihnen stark unterstrichen. Es ist die Frage der Interessen, welche die Frauen an der Kommunalpolitik haben, und ihre Betätigung im Gemeinde- leben.... Die in Vorbcratung begriffene Reform des Strafrcchts ruft die Genossinnen ebenfalls zum Kampfe auf den Plan. Als Arbeiterinnen und Angehörige von Arbeitern haben die Prole- tarierinnen dazu Forderungen zu stellen, als Glieder des weib- lichen Geschlechts nicht minder. Der veröffentlichte Vorcntwnrf zum neuen Strafgesetz trägt nicht nur das Brandmal eines Klassen- rechts der Besitzenden gegen die Nichtbesitzendcn, er stampft auch über außerordentlich wichtige Interessen des weiblichen Geschlechts achtlos hinweg. Im Zusammenhang mit den Forderungen, welche die Proletarierinnen als Frauen erheben müssen, tritt ihr weiteres Verlangen in den Vordergrund: Bahn frei für die Betätigung der Frau auf allen Gebieten des Rechtswesens und der Rechtspflege. Wie bedeutsam es für die Genossinnen ist, im Interesse des weib- lichen Proletariats auch in dieser Beziehung den Kampf aufzu- nehmen, wird ein Sachkundiger demnächst in der„Gleichheit" dar- legen.... Angesichts dieser Sachlage ist es die nächste Pflicht der Ge- nossinnen, in den Parteiorganisationen die Frage zu erörtern: Soll in diesem Jahre eine Fraucnkonferenz stattfinden oder soll sie hinausgeschoben werden? Eine Antwort auf die Frage drängt, wenn die Tagung rechtzeitig und gut vorbereitet werden soll. Die Diskussion darüber anzuregen und in die Wege zu leiten— auch in den Spalten dieses Blattes— ist der Zweck unserer Aus- führungen." WasserstaudS-Nachrtchte» der LandeZanftalt für Wewäss erkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau. Wasserstand M e m e l. Tilsit P r e g e l. Jniterburg Weichsel. Thorn Oder, Ratibor . idrossen , Frankturt Wa r t h e, Schrimm . LandSberg Netze, Vordamm Elbe, Leitmeritz , Dresden . Bardo . Magdeburg ') st- bedeutet Wuchs.— Ran.•) Unterpegel,") Eisstand. M Blumenfeld ■■■■ WWW W gegenüber dem Rathau«. Zu dieser 90 Pf.-Woche bringen wir, wie allseitig bekannt, nur mit grösster Sorgfalt ausgewählte Artikel weit unter Preis zum Verkauf. Seit Monaten haben wir unsere Lieferanten dafür interessiert, uns für diese 90 Pf.-Woche die vorteilhaftesten Artikel anzufertigen. Diese besondere Ueronstollung müssen Sie besueben! Besichtigen Sie unsere Schaufenster! Ans der I