Kr. 19. nbonnetnentS'RedtnsUngefi: TOonnemcnlS> Preis pränumerando! »icrteljährl. 3£0 BRt, monafl. 1,1V'.02!.. wöchentlich 28 Pfg. frei ins Hau«. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntag«. nunimer mit illuslrierter Sonntags» Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfg. Post. «Sonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post- Zeitung«. Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Mark, für das übrige Ausland 3 Mark pro Monat. PostabonncmentS i.chwen an: Belgien, Dänemark, Holland. Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz, CfMicint ISgllch»Etr lilontag*. 27. Jahrg. Vevlinev Volksblnkt. VIe sttseMong-Leboh? teirägt für die sechsgcspaltcne Kololle?« geile oder deren Raum 50 Psg., für polltische und gewerkschaftliche Dereins. und BersamnilungS-Anzeigen 30 Pfg. „Kielne Anreizen", das erste(feit> gedruckte) Wort 20 Pfg., jede? weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlas- stellen-Anzcigcn das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müsse« bis» Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition tjt bis 7 Uhr abend! geöffnet» Telegramm. Adresse: „SfziiimiMHnt ktt»»". Zentralorgan der fozialdemokrati fchen Partei Deutfcblands. Redahtiom 831. 68, Lindcnstrassc 69. Fernsprechert Amt IT, Nr. 1983. 6xpedit{on: 83!. 68» Lindcnetrasac 69» Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1981. Zteuewirwai'i' in Groß'tkrlln. Groß-Berlin! Vom kommunalpolitischen Standpunkt aus betrachtet, repräsentiert sich die Millionenstadt als eine Zu- sanimenfassung gemeindlicher Unzwecktnäßigkeiten. Schreiende soziale Mißstände und Nückständigkeiten wetteifern mit steuer- lichcn Ungerechtigkeiten und finanziellen Zweckividrigkeiten; sie mahnen dringend zu einer organischen, großzügigen Neuordnung der kommunalen Verhältnisse. Die Millionen erwerbstätiger Menschen, die zahllosen Produktionsstätten, kaufmännischen Bureaus, Läden usw. in diesem Häusermeer. das man in engerem oder weiterem Sinne als Groß-Berlin bezeichnet, bilden zweifellos einen einheitlichen wirtschaftlichen Organismus von gewaltiger Expansionskraft. Aber die Wirt- schaftliche Einheit wird durch kommunale Verschiedenheit zerrissen. In seinem Recken und Strecken erweitert der gewerbliche Organismus seine Grenzen. Für die zu seinem Betriebe erforderlichen Arbeitskräfte muß er die Wohnstätten immer Iveiter hinausschieben. Und den Menschen folgt teilweise die Industrie, die ihre Anlagen in steigendem Maße in Vororte verlegt. Gemeinden von grundverschiedener sozialer Struktur und iveit auseinander liegenden Lebensbedingungen bringt die wirtschaftliche EntWickelung in nahe Wechselbeziehungen. Die Existenzbedingungen und-Möglichkeiten der verschiedenen Gemeinden unterliegen damit revolutionierenden Veränderungen. Der einen Kommune werden Lasten aufgebürdet, der sie nicht gewachsen ist. während andere gewissermaßen im Golde schwimmen. Lawinenartig wälzen sich in der Frühe deS Tages von der Peripherie der Stadt Berlin und aus den Vororten die Massen der Erwerbstätigen heran, schieben sich hin und her, und lösen sich allmählich auf; die Fabriken, Werstätten, Bureaus usw. verschlingen die kribbelnden Haufen. Am Abend die umgekehrte Bewegung. In den Mittagsstunden dasselbe Hin und Her, nur etwas weniger stark, weil vielen Arbeitern die kurze Mittagspause nicht hinreicht, um die Mahlzeit in dem ent- fernten Heime einzunehmen, und in vielen Geschäften die sogenannte englische Tischzeit eingeführt ist. Den werktäglich herbeidrängenden und wieder verebbenden Massen erwerbstätiger Menschen eignet jedoch keine einheitliche Physiognomie. Die hauptsächlich von Süden, aus dem Norden und dem Osten heranflutende Menschenwoge setzt sich in weit überwiegendem Maße aus Proletariern zusammen, sie ist nur wenig durchsetzt von kapitalistischen Elementen. Umgekehrt enthält der von Westen kommende Menschenstrom nur einen kleinen Bruchteil von dem eigentlichen arbeitenden Element. Was sich nach den westlichen Vororten ergießt, ist die Masse der Besitzenden, der Rentner. Kaufleute, höheren Beamten und hoch entlohnten Geschäfts- und Fabrikleiter. Alle zusammen, die Rentennutznießer, die Leute mit Rieseneinkommen und die Lohnarbeiter schöpfen ihren Erwerb aus dem großen WirtschaftsorganismuL, der die gemeinsame Quelle sowohl der notdürftigen Existenzfristung als auch der Reichtumhäufung bildet. Das Unrecht bei der Verteilung des Arbeitsertrages wird durch kommunale Verhältnisse noch ver- schärft. Ein unverhältnismäßig großer Teil des Ertrages der Arbeit aller wird als Besitz weniger Glücklichen in den von diesen als Wohnsitz bevorzugten Gemeinden steuerpflichtig; was der großen Masse der wenig Erwerbenden als Ein- kommen zufällt, erlaubt der gemeindlichen Steuerernte jedoch keine große Ausbeute. Aber die Masse der Besitzlosen stellt an die kommunale Leistung teilweise erhöhte Anforderungen. Sie liegen vorwiegend auf dem Gebiete der Volksschule nnd des Armenwesens. Die boati possiclentos sind gewöhnlich mit dem himmlischen Gut des Kindersegens recht kümmerlich„be' glückt", während bei den Armen der Klapperstorch häufiger Nach den letzten Etats und der Zählung vom Oktober 1908 ergeben sich zum Zahlen: Es kommt ein Volksschüler in rund 7 Einwohner, in Schöncbcrg auf in Steglitz aus 18 Einwohner. Schon diese Zahlen lassen auf eine außerordentlich verschiedene Belastung der kommunalen Etats durch die Ansprüche der Volksschule schließen. Da die höhere Belastung gerade die Kommunen mit iveniger steuerkräftiger Bevölkerung trifft, haben sich Verhältnisse entwickelt, die nach Abhilfe geradezu schreien. Um einen orientierenden Ueberblick über die Bunt scheckigkctt auf steuerlichem Gebiete in Groß-Berlin zu geben, machen wir, an der Hand der Etats für 1909, die folgende Aufstellung. Daß die Jst-Summen sehr oft mit den Etats ausätzen nicht übereinstimmen, dürfte den Wert der Auf machung kaum beeinträchtigen; die Verhältniszahlen werden dadurch wenig oder gar nicht berührt. Einzelne Etats sind so wenig differenziert aufgestellt, daß sich die Volksschullastcn, weil mit anderen verquickt, nicht ganz genau ermitteln lassen Diese Fehlerquelle ist indes noch weniger belangreich als die vorgenannte. Bedauerlich dagegen ist das Fehlen des Nach weises über die Verwendung der Anleihen in den allermeisten Etats, so daß nicht ermittelt werden kann, wie groß die Summe des Ziuscndicnstes und der Amortisation für Volks schulbauten ist. Trotz dieser Mängel kann die Statistik wohl als ein ausreichend getreues Spiegelbild der in Betracht kommenden kommunalen Verhältnisse gelten. Es sieht so ans: Besuch abstattet. der Bevölkerung Beispiel folgende Lichtenberg auf 1 2,6 Einwohner, lemeinde Berlin..... Charlottenburg.. Rixdorf..... Schöneberg... Wilmersdorf. Lichtenberg... Boxh.- Nnnnnelsbg. Weißensee.... Pankow.... Reinickendorf... Tegel..... sxriedrichSfelde.. Steglitz.... Groß-Lichterfelde. riedenau.... reptow.... Tempelhof... Zchlendorf... Mariendorf... Britz..... Lankwitz.... Schmargendorf.. Nieder-Schöneweide Grunewald... Ein- wohner- zahl. Zählung Oktober 1908 2006 941 269 690 204 092 161 653 91485 73 540 47 050 40 301 33 353 27 270 17 811 17 529 49 800 38 870 25 004 19 003 15 780 15 518 12 209 10 244 3 485 6 840 5 264 5107 3207 309 Ausgaben für die Volksschule noch Abzug der eigenen Ein- iindmen.Ohne Zinsen und Amortisation s. Schulgebäude Mark 20 739 335 2 381 259 1 714 800 1 086 561 544 700 605 760 382 967 391 917 328 977 279 245 176 031 217 146 417 014 251 949 158 962 172 956 134933 113 900 93176 103 400 91400 48 600 38 200 31908 30605 096 Ausgaben für das Armen Wesen. (Ohne Kranken- Häuser.) Mark 11117 600 1 381 938 383 000 300 115 100 000 146 320 53150 90100 81000 67 650 15 400 32 396 83 543 59 950 45 550 10 090 15 710 21 300 15 030 15 400 10 950 8 500 6 400 2335 14073 472 Gemeinde- Einkommen- Steuer Mark Pro Kopf der Bevölkerung in Mark s u c g S Ä sß L 88 680 000 7 635 900 1424 000 3 108 318 2473 000 521 000 387 500 304 750 417 000 269 600 812 625 217 200 825 500 816 200 470 900 835 000 220 000 331 000 228 815 86 400 126 500 92 500 93 500 432 800 59 900 008 19,2 28,3 6,9 19.8 27,0 7.1 8,2 7,5 10,7 9,8 17,6 12,4 16,5 21,0 18,8 17,6 13,9 21,3 18,7 8,4 14,9 14.6 17,8 84,8 18,6 Ausgabe» für g 5 g'cj »£ 's■€■ £5� 10,3 8,8 8,4 6,7 5,9 8,2 8,1 9,7 8,6 10,2 9,9 12,4 8,3 6.4 6,3 9.1 8,5 7.3 7,6 10,1 10,8 7,7 7,2 6,2 9,5 6,5 5.1 1,8 1.9 1.1 1.9 1.1 2.2 2.1 2.5 0.9 1.8 1.7 1,5 1.3 0.5 1.0 1.3 1.2 1.5 1.3 1.3 1.2 0,47 4.4 AnSgaben für Volksschule in Prozent der Einkommen- steuer 53,6 31,2 120,4 34,0 22,0 116,3 98,8 128,6 78,9 103,6 56,3 99,9 50.5 30,9 33,7 51,0 61,3 84,4 40,7 119,7 72,2 62,5 40,8 7.4 50,9 Ausgaben für Armenwesen in Prozent der Einkomme»- steuer 23.7 18,1 26.9 9.7 4.0 23,1 13.7 29,6 19,6 25,1 4,9 14,9 10,1 7.3 9,7 3,0 7.1 0,4 6,6 17,8 8,6 9,2 6,8 0,55 23,5 Ausgaben für Armenwesen und Volksschuke in Prozent der Einkommen» steuer 82,8 40,3 147,3 43,6 26,0 144,4 112,3 158,2 08,5 128,7 61,2 114,9 60,6 38,2 43,4 54,3 68,5 40,8 47,3 137,5 80.9 61,7 47.7 7,92 74,4 Einzelne Gemeinden müssen demnach bedeutend mehr als die ganze Summe ihrer Einkommensteuer für die Volksschule auflvenden. Was die Ausgaben an Zinsen und Amortisation für Schulgebäude, die in den Zahlen nicht enthalten sind, aus- machen, dafür ein paar Angaben. Für Schöneberg erfordert diese Positton 328 944 M., gleich 10,3 Proz. des Einkommensteuersolls, für Lichtenberg dagegen 172 887 M., gleich 33,2 Proz. des Solls der Einkommensteuer. Ungleiche Steuer- höhe färbt das Bild weiter zuungunsten schwer belasteter Gemeinden. Wilmersdorf braucht zum Beispiel bei 90 Proz. Kominunalsteuerzuschlag nur 22,0 Proz. seiner Einkommensteuer für die Volksschule aufzuwenden, Weißensee dagegen erhebt 115 Proz., um mit seinen Volksschullasten nicht an 200 Proz. seiner Einkommensteuer heranzukommen. Der- gleichen Unstimmigkeiten sind noch viele vorhanden. Sie alle zu berücksichtigen verbietet der zur Verfügung stehende Raum. Die großen Unterschiede in der Steuerkraft der Einwohner in den verschiedenen Gemeinden und damit auch der Leistungsfähigkeit dieser, ergibt sich überzeugend aus einer Vergleichung der Gesamtdurchschnittscrgebnisse mit den für die einzelnen Gemeinden berechneten Summen und Prozentzahlen. Bei einem Durchschnitt der Einkommensteuer von 18,6 M. pro Kopf der Einwohner erfreut sich Grunewald des Höchstsatzes von 84,8 M., dagegen muß sich Rixdorf mit dem winzigen Sümmchen von 6,9 M. bescheiden. Während im Gesamtdurchschnitt der Bevölkerung an Volksschullasten — ohne Zinsen und Amortisation für Schulgebäude— 9,5 M. aufgebracht werdet) müssen, hat Wilmersdorf für diesen Zweck nur 5,9 M. Lasten zu tragen, Friedrichsfelde dagegen 12,4 M., Grunewald bedarf pro Kopf der Bevölkerung nur 0,47 M. für Armenwescn, Berlin dagegen 5,5 M. bei einem Gesamt- durchschnitt von 4,4 M. Recht sinnenfällig wird die steuerliche Ungerechtigkeit in der Vergleichung der Einkommensteuer mit den Volksschul- und Armenlasten. Im Gesamtdurchschnitt absorbieren die Aus- gaben für die Volksschule— ohne Zinsen und Amortisation für Schulgebäude— 50,9Proz. der Einkommensteuer; Grüne- wald ist für diesen Zweck aber nur mit 7,4 Proz. seiner Ein- kommensteuer belastet, wohingegen Weißensee 128,6 Proz. seiner Einkommensteuer für die Volksschule aufwenden mutz. Aehnlich verhält es sich mit der Inanspruchnahme der Ge- meinden durch die Armenlasten. Bei einem Durchschnittssatze von 23,5 Proz., nimmt diese Position in Grunewald nur 0,55 Proz., in Treptow 3,0 Proz., in Berlin dagegen 28,8 Proz. nnd in Weißensee gar 29,6 Proz. der Einkommensteuer in Anspruch. Die Armenpflege wird naturgemäß in den unter der Ungunst der Verhältnisse leidenden Gemeinden das am ärgsten vernachlässigte Stiefkind. Man begnügt sich vielfach damit, die schreiendsten Bedürfnisse zu befriedigen, geht in der sozialen Tätigkeit über den ganz engen Rahmen der direkten Armen- Unterstützung kaum hinaus. Dagegen können sich die reichen Gemeinden bessere soziale Einrichtungen leisten, ohne dadurch ihren Etat bemerkenswert zu belasten. Die Ausgaben für die Volksschule würden übrigens noch viel groteskere Verschiedenheiten ergeben, wenn nicht manche Genicinden auf diesem Gebiete einer bedauerlichen Sparsain- keit huldigten, unter Berücksichtigung der Verhältnisse huldigen müßten. So leiden auch die Kinder der Armen in den finanziell schwachen Gemeinden infolge der steuerlichen Un- gerechtigkeiten. Eine Färbung, die Licht und Schatten noch schärfer hervortreten läßt, erhält das Bild bei Wür- digung der übrigen Steucrquellen. Einige Angaben zur Illustration! Von der staatlich veranlagten Grund- und Ge- bäildesteuer erhebe» als Gemeindesteuer: Berlin 150 Proz., Schöneberg 167,71 Proz.. Lichtenberg 298 Proz., Friedrichs- felde 420 Proz., Britz 425 Proz. Die Gewerbe- steuern betragen: In Weißensee 205 Proz., in Schöne- bcrg 120 Proz. Die meisten Gemeinden erheben an Unisatz- steuer 1 Proz. von bebauten und 1'/» Proz. von unbebauten Grundstücken, einige 2 Proz., Lichtenberg 2Vz Proz. Die hauptsächlich von Proletariern betvohnten Gemeinden, in denen trotz der inangelhaften.Schulverhältnisse und sozialen Fürsorge die Ausgaben weit über die Einkommensteuer hinauswachsen. sind es auch, die zur Balanzierung des Etats hoher Bier- steuern und Betriebssteuern bedürfen. In Lichtenberg macht die Biersteuer beispielsweise 0.77 M. pro Kopf der Bevölkc- rung aus. Berlin, Charlottenburg, Schöneberg, Wilmersdorf. Friedenau, Schmargendorf und Grunewald haben keine Bier- steuern. Berlin erhebt einen Braumalzsteuerznschlag, der jedoch mit nur 625000 M. im Etat figuriert. So findet man überall gewaltige Verschiedenheiten, als deren Ursprung die ungleiche Verteilung des aus dem einen Sammelbecken Groß-Berlin fließenden Einkommens auf die verschiedenen Gemeinden angesehen werden kann. Dieser Quelle entspringen damit auch unerträgliche soziale Schäden und Un- gerechtigkeiten. Deren Abstellung bedingt die Schaffung eines kommunalen Groß- Berlins durch großzügige, plan- mäßige Eingcnicindung der Vororte. Würde diese zum Beispiel so gestaltet, daß die jetzt schtver bilanzierenden Gemeinden nur noch 60 Prozent ihrer Einkommen- steuer für die Befriedigung der Volksschulbedürfnisse auf- zutvendcn hätten, dann wären sie aus den schlimmsten Nöten heraus. Nicht nur die Volksschule, sondern auch andere soziale, jetzt stark vernachlässigte Gebiete würden dadurch ge- Winnen. Wenn in verschiedenen Gemeinden anscheinend bei den bürgerlichen Vertretern das soziale Verständnis besser ent» tvickelt ist als in anderen, wo unsere Genossen mit den Gegnern wegen der geringfügigsten sozialen Verbesserungen harte Kämpfe auszufcchten haben, dann ist das bessere Ver- ständnis dort, das weniger entwickelte hier, wenigstens zu einem guten Teile auf die geschilderten Verhältnisse zurück- zuführen. Die Armen und Aermsten sind es, die unter den ge- schilderten Uniständen am meisten leiden. Damm fordern »vir eine wenigstens den schlimmsten Ucbelständcn steuernde Reform._ Die Slawen In£ngland. (Privatdepesche des„Vorwärts".) v London, 22. Januar. Die Wahlen bedeuten eine Nieder- läge des englischen Liberalismus. Es sind jetzt 494 Wahlrcsultate bekannt. Die Konservativen zählen 217 Mandate und haben damit einen Reingewinn von 88 Mandaten erlangt. Die Liberalen verfügen nur über 180 Sitze, die Arbeiterpartei über 32, die Iren über 65. Es sind noch 176 Wahlen zu vollziehen. Heute finden davon 24 statt, von denen bisher die Konservativen vier, die Iren einen innehatten; die anderen waren liberal vertreten. Heute steht Lloyd George in dem walisischen Kreise Carnarvon zur Wahl. Von Mitgliedern der Arbeiterpartei wurden gestern ge- wählt: D. I. Shackleton in Clithcroe und der Berg- arbeiter W. Abraham in Rhondda. Die Konservativen hatten Chakleto» einen ihrer traurigen Arbeiterkandidaten gegcullber gestellt mit bcm Erfolg, daß unser Oeuosse mit der gewaltigen Mehrheit von 71-10 Stinunen gewählt wurde. Wie bei den Hottentottenwahlen von 19O7 iil Deutsch- land, so hat eS fkch jetzt auch in England gezeigt, daß die Arbeiterklasse allein dein chauvinistischen Sturnr standgehalten hat. Das erkennt auch die radikale Presse un- umwunden an, die die großen Verdienste hervorhebt, die sich das industrielle Proletariat um die Freiheit erworben hat. Das führende liberale Wochenblatt„Die Nation" schreibt heute: Die Rewnng unserer Verfassung werden wir der o»rg an isi erben Arbeiterklasse zu verdanken haben. In i-hr liegt die Stärke der britischen Demokratie; sie steht felsenfest gegen die Reaktion. Es braucht nicht erst gesagt zu werden, daß die Lage der liberalen Regjeru»g eine sehr prekäre geworden ist. Selbst die Unterstützung der Arbeiterpartei sichert ihr nicht die Majorität,, sie ist btö jetzt wenigstens ganz auf die Hilfe der Iren angeiviesen. In den wichtigsten Fragen aber, die zur Entscheidung kommen werden, sind die Iren unzuverlässig. In der Frage des Freihandels ist aus diese Partei, in der die agrarischen Interessen stark Vertretern find, durchaus nicht unbedingt zu zählen; noch weniger aber in der Budgetsrage. Haben doch die Iren, vornehmlich wegen der Erhöhung der GetrSnkbfteuein, in der zweiten Lesung gegen das Budget gestimmt, in der dritten sich der Abstimmung enthalten. Ihre ausschlaggebende Stellung werden sie jedenfalls rücksichtslos gebrauchen, um ftstr die irische Selbstverwaltuirq so viel als möglich zu erreichen. Die Abhängigkeit von den Iren aber hat noch immer die liberale Negieruua in Mißkredit gebracht und den Konservativen eine günstige Wahlparole gegeben. Dazu kommt, daß die große Einbuße, die die Liberalen an Mandaten und Stimmen erlitten haben, auch moralisch stark in die Wagcschale fällt und es ihnen außerordentlich schwer machen wird, den Kampf um das Budget uilü den Kamps gegen die Lords erfolgreich zu - Ende zu führen. Konservative Wahlknreinffussnngen. London, 2l. Januar.(Eig. Ber.j Bei diesen Wahlen macht sich ein TerroriSmuS geltend, der bisher in England noch nicht üblich war. Namentlich die Landarbeiter stehen unter dem Druck der wirtschaftlichen Ucbermucht. So berichtet ein Reisender, der viel in den Grafschaften herumkommt:„Die Landarbeiter müßten wahre Helden sein, wenn sie unter diesen Umstanden gegen den konservattiven Kandidaten stimmten." Ganze Trupps von Landarbeitern si»d entlasten worden. Ueberall hat man ihnen ihre Entlassung angedroht, falls der Kandidat der Liberalen oder der Arbeiterpartei geivählt werden sollte. Neben dem Einfluß der Gutsbesitzer wirkt auch die ungemein gehässige Agitation der anglikanischen Pfaffen, die durch die Kirche, die kirchliche Presse und als Vorsteher der zahlreichen Wohltätigkeitseinrichtungen einen großen Druck auf die Arbeitermassen ländlicher Wahlkreise ausüben. Nie zuvor ist die wirtschaftliche Uebermacht der Aristokratie und Plutokratie in England so mißbraucht worden. Auch aus den Städten laufen schon laute Klagen über die Vergewaltigung der Wähler ein. Die Maßregelungen politisch der- dächtiger Arbeiter steht an der Tagesordnung. In einzelnen Städten ist von den Konservativen eine planmäßige Äesimmngs- schnüffele! eingeleitet worden. Welcher Art die Stimmung ist, die sich der' konservativen Kreise Englands bemächtigt hat, ist aus einem Briefe zu ersehen, den der Pfarrer von PlmnStead an die Mitglieder seiner Kirche gerichtet hat. Plumstead gehört zu Woolwich, wo der Arbeiterparteiler CrookS durchgefallen ist. In dem besagten Briefe kündet der Pfarrer an, daß nächsten Sonntag in seiner Kirche ein Tedeum gesungen und dem Allmächtigen dafür ge- dankt werden soll, daß er Woolwich und Plumstead aus den Händen der Sozialisten und Sabbatschänder errettet habe.„Studiert daZ vierte Gebot I" fügt dieser würdige Nachfolger Jesu Christi hinzu. Dem Pfarrer selber wäre das Studium der Bergpredigt zu empfehlen. stlebrigenS ist dem Pfarrer bereits von seinem Bischöfe bedeutet worden, daß er zu weit gegongen ist.) Die Forderung der Ire». London, 22. Januar. Der Führer der irischen Partei Red» m o n d sagte gestern in einer Rede in Dublin, das irische Home R u l e sei das einzige Ergebnis der gegenwärtigen Wahl. Die Behauptung, daß A s q u i t h seine Zusage geändert habe, sei nicht ernst zu nehmen. Das wichtigste Moment der Lage feien feine Erklärungen, daß er die Homerule- Bill nicht einbringen werde, che er mit den LordS fertig sei, und daß er sein Amt erst dann wieder übernehmen werde, wenn das Vetorecht des Oberhauses abgeschafft sei. Sobald dieses Hindernis aus tftrn Wege geräumt sei, meinte Redmond, habe er wegen der Zukunft der irischen Frage keine Sorge mehr. Keine liberale Partei, wie stark sie auch sein möge, werde cS wagen, den Jrländcrn das Recht auf Homerule abzusprechen. Einzelresultate. London, 22. Januar. Die Liberalen haben den Wahl- kreis Ayrshire Nord mit 6180 gegen 6921 unionistische und 1891 Stimmen der Arbeiterpartei, für die der Bergarbeiter � J.Brown mit geringen Aussichten kandidiert hatte, gewonnen. Der ehemalige Minister AkerS-Donglas(Unionist) ist in Kent mit 6386 und der bekannte Protektionist Chaplin mit 6616 Stimmen Mehrheit wiedergewählt worden. Der Finanzsekretär im Kriegsamt A c l a n d ist in Richmond(Dork- shire) bei der Wahl unterlegen. Der Gegenkandidat erhielt 108» Stimmen mehr. Preßstimmeu. London, 22. Januar. Die koiiservative„Morning Post' schreibt:„In allen ländlichen Bezirken und sogar in einer ganzen Reihe städtischer Bezirke hat sich dir Bevölkerung in ihrem Urteil in entschiedener Weise gegen die Liberale» und ihre Verbündeten ge- wandt und führt eine Serie von vernichtenden Schlägen gegen die zerstörende Politik der Regierung. Das Schicksal deZ liberalen Programms, welches in der Alberthalle angekündigt wurde, ist be- siegelt; eS müßte denn fein, daß in den noch ausstehenden Wahlen die Resultate ganz verschiede» von den bisherigen Wahlergebnissen ausfielen." Die liberalen Blätter tun aber noch recht zuversichtlich. So die „Daily News":„Es ist wahr, die Liberalen haben in den beiden letzten Tagen Verluste erlitten, Verluste, die hier und da recht empfindlich sind. Trotzdem verzagen sie nicht. Es sind viele und große Gründe vorhanden, daß die Liberalen durch die in den beiden letzten Wahltagen erlittenen Verluste sich nicht niederschlagen lasten. Trotz der Siege der Uinonisten wird die Regierung nach be- endeten Wahlen mit einer fast ebenso großen Majorität als irgend ein anderes liberales Parlament in das linterhaus ein- ziehen."„Daily C h r o n i c l e" schreibt:„Obgleich zwei weitere liberale Verluste zu den bereits gestern gemeldeten Verlusten der Liberalen heute morgen zu verzeichnen sind, berechtigen die Ergeb- niste, so wie sie bis jetzt von den verflostenen Wahltagen vorliegen, absolut noch nicht zu dein ausschweifenden Jubel der Uniomsten. Trotz aller numerischen Feststellungen sind die letzteren doch die Besiegte» und ti bleibt nur festzustelle», wie sehr sie geschlagen find."—_ vor der Mlofung des ungarischen Reichstages. Aus Wien wird uns vom 22. d. M. geschrieben: Nach neunmonatiger Dauer ist die ungarische Krise„gelöst" worden, aber die Lösung ist eine solche, die den Beginn neuer und schwerer Kämpfe bedeutet. Nachdem sich alle Versuche der Krone, mit der gegenwärtigen Mehrheit des Abgeordnetenhauses zu irgend einem brauchbaren Ein- vernehmen zu gelangen, als fruchtlos erwiesen hatten, und gefehlt hat es an Versuchen sicherlich nicht, hat sich die Krone entschloffen, oder richtiger, sie ist dazu gedrängt»oorden, den Kampf gegen die Parlamentsniehrhcit auszunehme». Sie hat zum Ministerpräsidenten den Grasen Khuen-Hcdervary ernannt, den ehemaligen Banns von Kroatien, der sich ei» Kabinett aus den sogenaimten Altliberale», durchaus NichtParlamentariern, zusammengestellt hat, und, da er bei der Reichstagsmehrheit auf keinen Pardon rechnen kann, miztveifelhast zur Auflösung des Abgeordnetenhauses schreiten wird. Und in diesen Neu- wählen will man den ernstlichen Versuch wagen, die gesamte Unabhängigkeitsbewegnng. sei sie ans Koffuths oder auf Jusths Namen gerauft, zu Boden zu schlagen und eine neue und kämpf- fähige Sicbenmidsechzigermehrheü zu begründen. Nachdem die Krone mit den Parteien, deren letztes Aiel die Auflösung des Dualismus, also die Auflösung des Habsburger Reiches ist, durch vier Jahre Kompromiß um Kompromiß geschlossen, ihre Tendenzen damit gleichsam anerkannt und mit ihren eigenen Lebensbedingungen als verträglich bekräftigt hat, will sie sich nun zur Wehre setzen und deu'Bestrebungen auf Los- reißung Ungarns vom„Reiche" Halt gebieten. Hat das Unternehmen irgendwelche Aussichten? Daß die Bestellung Khuens zu diesem Kampf unaus- weichlich führen muß, leidet keinen Zweifel, obgleich sich im Augenblick vielleicht beide Teile, Khuen und die Mehrheits- Parteien, noch in Illusionen wiegen mögen. Zweifellos hoffe» die ParlamentSpartcien, die bis nun den Reichstag beherrscht haben, die neue Regierung noch beseitigen zu können: ent- weder in diesem Haufe durch ein solennes Mißtrauensvotum oder nach den Neuwahlen, in denen sie sich keine Mehrheit erstreiten med daher abzutreten genötigt sein wird. Und viel- leicht sind auch Khuens Pläne heute noch nicht weit gesteckt; vielleicht soll seine Ernennung nur eine Drohung sein, die das Parlament zum Einlenken bestimmt. Aber wie die Dinge liegen, wird der Kampf nicht zu vermeiden sein, und das Ministerium Khuen wird in jedem Betracht eine Wiederholung des Experiments Fcjervary werden, das sich für die Krone so gut bewährt hat. Der Graf Khuen-Hedervary ist ein skrupelloser Gewaltmensch, der sicher alle Minen springen lassen wird, um die„Unabhängigen" an die Wand zu drücken. Der Versuch ist gar nicht so aussichtslos, als er nach dem gegenwärtigen Kräfteverhältnis scheint; das ungarische Wahlsystem mit seiner geringen Zahl von Wählen:, die sich naturgemäß alle aus den besitzenden Klassen und den Beamten rekrutieren, mit seiner zentralisierten und öffentlichen Ab- stimmung, mit seinen Bestechungs- und Vergewaltigungspraktiken läßt ftir die nachdrückliche„Beeinflussung" und„Um- stimmmig.der Wähler des Spielraums genug, und Graf Khuen hat in solchen Methoden, auf die sein zwanzigjähriges Regieren in Kroatien aufgebaut war. auch Erfahrung. Ja selbst, wenn die Regierung nur die landesüblichen Vergewaltigungen gegen- über den nichtmagyarischen Wählern verhindert, so kann schon das genügen, daß es den magyarischen Chauvinisten übel er« geht. Denn die politische Situation ist heute von Grund aus anders als sie war, da die Unabhängigkeitspartei den„natio- nalen Widerstand" gegen Tisza und Fejervary organisiert hatte. Damals war das magyarische Ungarn wirklich in ihrem Lager, damals verkörperte sie die Ideologie der aufstrebenden Klassen, erschien schon da- durch, daß sie gegen den Wiener H o f kämpfte. als Trägerin der demokratischen Gedanken, als die Befreierin des Landes. Das hat sich seither gründlich geändert, vor allem darum geändert, daß sich die Krone zu der Notwendigkeit der Wahlreform bekannte, wogegen diese gerade von der Unab- hängigkeitspartei, die einstmal die energischeste Befiirworterin des allgemeinen und gleichen Wahlrechts gewesen war, nun wenigstens soweit sich der Unabhängigkeitsgedankc in der Person und Partei KossuthS kristallisiert. schmählich verraten ward. Die Koalitionsparteien sind durch die schändliche Wirtschaft während ihrens Regierens biS auf die Knochen kompromittiert worden, während die Krone anscheinend noch immer für die Wahlreform eintritt: daS ändert ihr Verhältnis vor den Wählern auch moralisch. Jener utopistisch staatsrechtlich-chauvinistischen Politik, die der Urgrund der zehnjährigen Krise dcS Dualismus ist. kann un- schwer eine Niederlage bereitet iverdcn. Fragt sich nur, ob es der Krone mit der Wahlrcform ehrlich und ernst ist, und auf welches Ziel die Gewalttätigkeiten KhuenS gerichtet sein werden. Denn erstens bietet die Partei, die Khuen galvani- siercn will, die einstigen Liberalen, die mit Tisza ruhmlos untergegangen sind. für die Erfüllung der Notwendig- keit der Wahlreform nur geringe Bürgschaften; und zweitens war und ist der Krone die Wahlreform nur Mittel zum Zweck: dafür das Mittel, die dualistischen Erfordernisse prompt und komplett geliefert zu erhalten. Aber wird sie bei der Wahlreform dann beharren. ivenn der eigentliche Zweck auch anders, etwa durch Erzielung einer Siebenundsechzigermchrheit oder durch ein neues Kom- pronliß mit den„Unabhängigen" erreichbar ist? Das ist die Frage, von der das Urteil über das Experiment Khuen vom demokratischen Siaudpunki abhängt. Wenn Khuens Wahlkünste dazu verwendet werden sollen, die feudale Oligarchie, die wie ein Schlinggewächs die organische EntWickelung des Landes ein- schnürt, aus ihrer angeniaßten Herrschaft zu vertreiben. könnte man über KhuenS Vergangenheit nämlich ebenso wegsehen wie über seine Zukunft. Jedenfalls hat daS Pro- letariat die Segnungen der Koalitionsherrschaft zu kennen und zu verabscheuen nun Gelegenheit gehabt; die angeschminkten Phrasen ihrer„volkstümlichen" Programme, die nur immer Programme bleiben, werden miemandcn mehr täuschen. Aber es wird auch scharfe Wacht halten müssen, damit Khuen und dem Hose kein doppelzüngiges Spiel mehr möglich sei. politifcke(leberliebt. Berlin, den 22. Januar IÖ10 Sydows Debüt. Der preußische Handelsminister Sydow, der bekanntlich auS dem Reichsschatzamt in das preußische Ministerium ab- geschoben ist, gab am Sonnabend seine erste BorsteNung im Dreiklassenparlament. Er beantwortete die Interpellation das Zentrums über den Zwangsarbeitsnachweis der Zechen im Ruhrrevier, und wenn er auch den Anschein zu erwecken bemüht war, als stehe er den wirtschaftlichen Kämpfen neutral gegenüber, so ging doch aus so mancher seiner Rede wendimgen nur allzudeutlich hervor, daß er im Grunde seines Herzens Sachwalter der einseitigen Unternehmer- interessen ist, ja daß er sich noch weit mehr zu den Arbeit- gebern hingezogen fühlt als sein diesen Kreisen entstammender Amtsvorgänger v. Möller. Kühlen Blutes erklärte er, daß der Zechenarbeitsnachweis keine Beschränkung der Freizügigkeit der Arbeiter oder gar eine Erschwerung der Verwertung ihrer Arbeitskrast bedeute; unbekümmert um die tatsächlichen Verhältnisse, stellte er die Behauptung auf, der Boden für einen paritätischen Arbeitsnachweis sei im Ruhrrevier noch nicht vorbereitet. Und wenn er auch nachdrücklichst betonte, daß sich die Regierung dem Zwangsarbeitsnachweis nicht anschließen werde, so war doch der Schluß seiner Rede, wo er die Verantwortung für einen etwaigen Streik den Arbeitern in die Schuhe zu schieben suchte, den Scharfmachern so aus dem Herzen ge- fprochen, daß sie ihm lebhaften Beifall zollten. Der Minister fand denn auch die unbedingte Anerkennung der konservativen, freikonservativen und nationalliberalen Ver- treter des Grubentapitals, deren Sprecher, die Abgeordneten v. Geschcr, Krause- Waldenburg und Hirsch- Essen, weidlich auf die Arbeiterorganisationen, vor allem auf den „sozialdemokratischen" Bergarbeiterverband, schinipften und den paritätischen Arbeitsnachweis, für den sich die Abgg. G y ß I i n g(frs. Vp.) und K o r f a n t y(Pole) ins Zeug legten, grundsätzlich bekämpften. Die ihm gebührende Antwort wurde dem Minister erst in später Stunde durch unseren Genossen L e i n e r t zu teil, der in groß angelegter, mit Aufmerksamkeit angehörter Rede die Verhältnisse im Ruhrrevier, die fortgesetzte Nichtachtung der Wünsche der Arbeiter durch die Unternehmer schilderte und das brutale Vergewaltigungssystem der Grnbenbaronc einer vernichtenden Kritik unterzog. Nicht genug damit ging unserer Redner auch mit den, System Sydow unerbittlich ins Gericht, indem er den schlüssigen Nachweis führte, daß das Handelsministerium heute tatsächlich nur ein Ministeriuni zur Wahrung der Unternehmerinteressen auf allen Gebieten ist. Wie die Abfuhr durch Leinert gesessen hatte, bewies der Umstand, daß sich der Minister sofort zu einer Erwiderung erhob, in der sich seine ganze Verlegenheit widerspiegelte. Herr Sydow irrt aber, wenn er glaubt, er könne sich mit ein paar Phrasen aus der Affäre ziehen. So leichten Kanfes kommt er nicht davon; bei der zweiten Beratung des Etats des Handelsministeriums werden wir von ihm Antwort fordern auf die Fragen, deren Beantwortung er heute aus dem Wege gegangen ist. Weniger unzufrieden mit dem Minister ist der Vertreter der christlichen Arbeiter, Abg. I m b u s ch(Z.), dem vieles von dem, was Herr Sydow sagte, beherzigenswert erschien. Es fragt sich nur, ob auch seine Wähler dieser Ansicht sind; einstweilen möchten wir es bezweifeln. Mit einer Verlegenheitsrede des Abg. B e u m e r(natl.), der sich darüber geärgert hatte, daß Leinert ihm aktenmäßig eine Unwahrheit nachzuweisen in der Lage war, schloß die Besprechung, die freilich ein positives Ergebnis nicht gezeitigt hat, aber doch Tausenden von Arbeitern wieder die Augen über die Arbeiterseindlichkeit der Regierung und deS Jflnker- Parlaments geöffnet haben dürfte. Montag: Kleinere Vorlagen und Etat der landwirtschaft- lichen Verwaltung._ Der Kölner Fastenhirtenbrief. Der Kölner Erzbischof Kardinal Fischer hat seinen üblichen Fastenhirienbrief erlassen, der diesmal besonders des- halb interessant ist, weil Herr Fischer darin zu der Frage Stellung nimmt, ob daS Zentrum sich eine interkonfessionelle Partei nennen darf, und in diesem Streit zwischen der Richtung der„Köln. Volksztg." und der Boonekamp- Richtung der Roeren und Bitter sich auf die Seite der letztgenannten Richtung schlägt, also das Haupt- blatt des des rheinischen Zentrums in schärfster Weise desavouiert. In dem Fastenbirtenbrief heißt es nämlich: „Die Forderung(der Jnterkonfessionalität) hängt zusammen mit dem leider immer mehr in unserem Vater- lande sich einbürgernden Unglauben, mit der Abneigung gegen Christentum und Kirche, die in weiten Kreisen Platz gegriffen hat. Darum geht sie vorzugsweise von solchen Leuten aus, die selber keine Religion mehr haben, geschweige eine Kenntnis oder auch nur eine Ahnung besitzen von der Bedeutung, der Macht und Wirkungskraft des katholischen Glaubens- Mit ihrer„Jnterkonfessionalität" wollen sie dem religiösen JndifferentiSmus, das ist der Gleichgültigkeit in bczug auf jede Religion, den Weg ebnen und dem deutschen Volke an Stelle eines positiv- gläubigen, lebenskräftigen Christentums den Absud einer sogenannten Bennmstreligion— wenn man solche? noch Religion nennen kann---- bieten, die keine Kraft und keinen Gast hat." Der Erzbischof führt dann weiter aus, daß zwar unter gewissen Verhältnissen und zu gewissen Zwecken die Katholiken mit andersgläubigen, aber auf„positiv- christlichem Stand- punkte" stehenden Parteien Hand in Hand gehen dürften, zum Beispiel um den Kanipf für die christliche Schule durchzuführen und dieser ihren konfessionellen Charakter zu erhalten, daß aber von einer Ausschaltung des konfessionellen Einflusses auf das politische Gebiet keine Rede sein könne. Wörtlich heißt es in dem Hirtenbrief: „Allein wenn von gemeinsamem Wirken gegen die Geister der Vemeinuiig die Rede ist, so bedingt solches wahrlich nicht die be- liebte Religio nS mengerei, die Ausschaltung des konfessionellenEinflusses auf denGebieten, wo er berechtigt und gefordert ist. DaS Gegenteil ist der Fall- Tritt die Konfession überall im öffentlichen Leben zurück«nd wird in den Hintergrund gedrängt, so ist dem religiösen In- differentiSmuS Tür und Tor geöffnet und die christliche Grundlage unseres öffentlichen Lebens in Frage gestellt. Leider scheinen auch einzelne der Unsrigen sich darüber nicht so ganz klar zu sein und erstreben, unter dem Einfluß deS Zeitgeistes, eine Jnterkonfesstonalierung oder vielmehr KonfessionSlosigkeit auch dort, wo sie bisher aus guten Gründen als ausgeschlossen galt. Geht man doch hier und da so weit, daß man möglichst schon den Namen„katholisch" vermieden wissen möchte und statt deS manu- und herzhaften BekenntniffeS zu unserem heiligen katholischen Glauben lieber von der sogenannten„christlichen Welt» ans ch au ung" spricht: als hätten wir uuS unseres heiligen Glaubens zu schämen l Ich hebe dabei noch besonders den heute gang und gäben Ausdruck„Weltanschauung" hervor, dessen sich manche zaghafte Katholiken mit einer gewiffen Bor- liebe bedienen und dadurch den Emdmck erwecken, als siebe der heilige, von Christus dem Herrn gelehrte, mit seinem Blute be-> siegelte, unter die Hut des Heiligen Geistes gestellte Glaube, der heilige Glaube, für den unsere Märtyrer in den Tod gegangen sind, der Glaube, der die Völker des Erdkreises, auch unser Vaterland, bekehrt und zivilisiert hat, auf gleicher Stufe mit den modernen sogenannten„Weltanschauungen", etwa gar der des Monismus oder Atheismus." Schärfer ist bisher kaum das neueste heilige Dogma des Zentrums, daß es eine zwar christliche, aber nicht konfessionelle Partei sei, als politischer Humbug gekennzeichnet worden. Die von der„Köln. Volksztg." geforderte Jtiterkoufessionalität des Zentrums zeugt, wie Kardinal Fischer als Interpret der katholischen Kirche erklärt, nicht nur von religiöser Gleich- gültigkeit. sondern bereits von tatsächlichem Unglauben, von einer Verleugnung der heiligen katholischen Kirche. Tie „sogenannte(dieses„sogenannt" ist vorzüglich) ch r i st, l i ch e Weltanschauung" sei Unsinn; für die Katholiken gebe es nur eine katholische Weltanschauung, die der Kirche. Selbstverständlich werden die Zentruinsorgane vom Schlage der„Köln. Volksztg." mit jesuitischen Gründen zu erweisen suchen, das} die Sätze des Fastenhirtenbriefes anders zu ver- stehen seien, als wie sie lauten; aber glauben werden solchen Interpretationskünsteleien höchstens die ganz besonders„Ein- fältigen im Geiste", die niemals alle werden. Der Wahlkampf in Mülhcim-Wipperfürth-Gummersbach ist jetzt in vollem Gange. Die beteiligten Parteien: Sozialdemo- kratie, Liberale und Zentrum arbeiten mit Aufgebot ihrer ge- samten Kraft. An den Sonntagen finden Dutzende von Versamm- lungen statt, wozu reichlich Redner aus den benachbarten Wahl» kreisen zur Verfügung stehen. Die Aussichten für unsere Partei sind gut. Es herrscht kein Zweifel, dag wir den Liberalen über- flügeln und mit dem Zentrum in die Stichwahl kommen. Seit ILO? sind unsere Organisationen auch in bisher uns verschlosiene Gegenden vorgedrungen; die Gelegenheit für Versammlungen hat sich vermehrt und bei der Flugblattverbreitung stehen uns die So- linger Genossen hilfreich zur Seite. Nur im schwarzen Kreise Wipperfürth, wo das Zentrum unsere Ilugblattverbreiter mit Steinwürfen, mit Knüppeln und Hofhunden empfängt, sind wir, was Versammlungen anbelangt, völlig mundtot gemacht. Am Sonntag gelang es unserem Kandidaten, in einer von liberaler Seite in der Stadt Wipperfürth veranstalteten Versammlung, die vorwiegend von Zentrumsleuten besucht war, zu Wort zu kommen. Nach seiner Rede, die sich mit den Sünden des Zentrums beschäs- tigte, erhob sich ein alter würdiger Herr, dankte nicht nur dem liberalen, sondern auch dem foziÄdemokratischen Redner für ihre Ausführungen und bat beide, recht bald wiederzukommen. Das „Wipperfürther Volksblatt"(ultramontan) speit Gift und Galle, daß der erste Beigeordnete der Stadt— das war der alte Herr sich dazu verstanden hatte, auch die Sozialdemokraten als Menschen zu betrachten, die gehört zu werden verdienen. Das Zentrum stattet seine Versammlungen stets mit drei oder vier Rednern aus, darunter stets ein christlicher Gewerkschafts oder Arbeitersekcetär, dem die Aufgabe zufällt, die Sozialdemo- kratie nach M--Gladbacher Anweisung zu behandeln und das zu sagen, dessen sich die anderen Redner schämen. Sozialdemokraten tverden in Zcntrumsversammlungen nicht zuWort gelassen; es kommt sogar vor, daß der Versammlungsleiter gleich zu Beginn etwa anwesende Sozialdemokraten auffordert, den Saal zu ver- lassen— alles im Namen von Wahrheit, Freiheit und Recht! Der ultramontane Kandidat, der Katholikentagsredner, Landtagsabge- ordneter und Oberlandesgerichtsrat Marx-Düsseldorf, bringt in seine Agitation einen anmutigen Zug durch die in Zentrumskreisen beliebte„Bähnchespolitik". Man weiß, daß in ländlichen Bezirken die Bedeutung des Abgeordneten danach bemessen wird, mit welchem Eifer er für das„Bähnchen", das denjjOrt dem Verkehr anschließen soll, eintritt. Herr Marx macht sVh diesen Umstand zunutze, indem er seinen Einfluß als Landtagsabgeord- neter in Aussicht stellt, um seinen ländlichen Wählern zu dem er- sehnten„Bähnchen" zu verhelfen. Die Liberalen sind boller Hoffnung, in die Stichwahl zu kommen und dann mit Hilfe der Sozialdemokraten den Wahlkreis zu«robern. Sie glauben, mit ihrem Kandidaten, dem Rechtsanwalt Falk-Köln, einen besonders guten Griff getan zu haben; sie mußten aber bald die Erfahrung machen, daß die Kandidatur im Kreise Gummersbach, der liberalen Domäne, auf Widerstand stieß. Den einen ist Falk als ehemaliger Jungliberaler zu„radikal", den anderen als Jude zu wenig„christlich" und„vaterländisch". Die Folge davon ist eine gewisse Zurückhaltung in den Kreisen der scharfmacherischen Industriellen und die Aufstellung eines Sonder, kandidaten von landbündlcrischer und christlichsozialer Seite. Gegen das Zentrum gehen die Liberalen scharf ins Zeug, der Sozialdemokratie gegenüber verhalten sie sich— aus Rücksicht auf die von ihnen erwartete Stichwahl— zurückhaltend, was die Jen trumSpresse veranlaßt, von einer„sozialistisch-liberalen Verbrüde rung" zu fabeln. Davon ist selbstverständlich auf keiner Seite die Rede und unsere Genossen lassen in ihrer Agitation keinen Zweifel, was von den Liberalen, die sich jetzt Wunders wie volksfreundlich zu drapieren lieben, zu halten ist. Alles in allem: unsere Leute sind auf dem Posten, voll Arbeitslust und Begeisterung. Und da kann uns der Erfolg nicht fehlen. Der Kaiser und die Journaliste». Vielfach ist in bürgerlichen Kreisen aufgefallen, daß Wilhelm II. nicht beim letzten Ordensfest auch einigen gutgesinnten Journalisten der vaterländischen Presse einen roten Adlerorden vierter Güte ver- liehen hat. Die Korrespondenz„Pol. Rdsch." weiß den Grund zu nennen. Sie schreibt: „Bei dem letzten Ordensfeste mag es aufgefallen fein, daß unter den Tausenden verliehener Ehrenzeichen kein» zu finden war, daS für einen Vertreter der Publizistik bestimmt wurde. Die» entspricht durchaus der Meinung, die der Kaiser augenblicklich von der deutschen Presse hat. Es hieße die Wahrheit auf den Kopf stellen, wollte man behaupte», daß der Monarch auf die Männer der Feder, auf die Publizistik über- Haupt gut zu sprechen ist. Im Gegenteil. ES ivird nicht ab- geleugnet werden, daß sich unter den zur Dekoriernng Vor- geschlagene!, auch einige Personen befanden, die im Mittelpunkt der Publizistik stehen. Der Kaiser nahm aber mit einer kurzen schristlicheu Randbemerkung von jeder Dekoration Abstand." Dieser Entschluß des Kaisers, von jeder„Dekoration" irgend welcher Journalisten Abstand zu nehmen, mag die Hoffnungen manches strebsamen Zeitungsmannes zerstört haben; aber wir finde» nach den schlechten Erfahrungen, die der Kaiser nicht nur mit so manchen in Patriotismus machenden deutschen Blättern, sondern auch mit englischen Journalen gemacht hat, daß er von dem indiskreten »Federvieh" nichts wissen will. Landbündler und Nationalliberale. Wie wir in gestriger Nmunier bereits berichteten, hat die Wahl- Prüfungskommission des Reichstages die Wahl des nationnalliberalen Abgeordneten Kleye(Wolfenbüttel-Helmstedt) für ungültig erklärt. Die Leitung des Bundes der Landwirte, die zurzeit in Hannover führt, benutzt diese Gelegenheit, um den Wahlkreis für die Agrarier zu rellan'ieren. Der Kreis Wolfenbüttel-Helmstedt, meint die„D. TageS- ztg.", fei ein ländlicher Kreis, in dem der Bund der Landwirte von Jahr zu Jahr mehr Einfluß gewonnen habe. Bei der SieichstagSwahl im Jahre 1903 hatte der Bund einen eigenen Kandidaten aufgestellt. Damals erhielt der Bundeskandtdat 5049 gegenüber 5810 national- liberalen, 4l4t welfischen und 8049 sozialdemokratischen Stimmen- Es hätten also nur wenige Stimmen gefehlt, um den Bundes- kandidaten in die Stichwahl zu bringen. „Bei einer Reichstagswahl", so erklärt daS Bündlerblatt,„wird man deshalb sehr vorsichtig in der Auswahl sein müssen. Der Bund der Landwirte wird ein kräftiges Wörtlein mitzureden habe n."_ Dem Abgeordnetenhause ist ein Gesetzentwurf betreffend Abände- rung der Gebührenordnung für Notare, der Gebühren der Rechtsanwälte und der Gerichtsvollzieher zu- gegangen. Ferner mehrere Gesetzentwürfe, die die Erweite- rung verschiedener Stadtkreise betreffen, und zwar der Stadt- kreise Kiel, Flensburg und Harburg. Der Landkreis Frankfurt a. M. soll mit dem 1. April dieses Jahres auf- gelöst und die Rechte und Pflichten des Kreiskommunalverbandcs auf den Stadtkreis Frankfurt a. M. übergehen. Aus dem badischen Landtage. In der Sonnabend vormittag stattgefundenen Sitzung wurde die B i e r st e u e r mit allen gegen 19 sozialdemokratische Stimmen angenommen. Ebenso fand die sozialdemokratische Resolution auf Unterstützung der Brauereiarbeiter, welche infolge eventuellen Rückgaiiges des Bierkonsums arbeitslos werden, Annahme. Die Regierung warnte vor Annahme des Antrages, da auch der württern- bergische Landtag eine Entschädigung nicht beschlossen habe. In der gleichen Sitzung legte die Regierung einen wichsigen Gesetzentwurf über die Abänderung der badischen Gemeinde- und Städteordnung vor. Darin werden die Rechte der Stadtverordneten- und Gemeindekollegien wesentlich er» wettert. Das wahlfähige Alter wird auf 25 Jahre(bisher 26 Jahre) festgesetzt. Ebenso können die Bürgermeister schon mit dem 25. Lebens jähre gewählt werden. Weiter hat bei den Wahlen zum Gemeinde- rate in den Gemeinden bis zu 2000 Einwohnern die Verhältniswahl einzutreten. Dasselbe gilt ebenso für die Wahl der Stadträte in den Städten der Städteordnung. Die wichtigste Aenderung ist die. daß künftig für die Stadtverordneten- und Gemeindewahlen die Sechstelung, statt der bis- herigen Neuntelung und Zwölstelung eintritt. Der Entwurf steht ferner eine Erweiterung der Initiative des Bürgermeisters und schließlich die obligatorische Einführung der Wertzuwachssteuer vor. Gleichfalls sollen die Beamten stärker als bisher zur Besteuerung herangezogen werden, und endlich ist die Beschlußfassung beim Bürgerausschuß und beim Stadtrat wesentlich vereinsacht worden. Politisches Potpourri. München, 21. Januar. Ein solches bringt die sich endlos htm schleppende Spezialdiskussion des M i n i st e r i u m S des Acußern: Lehrlingsausbildung. Hansabuud, Gewerbegerickte. Bewerbeförderung. Subiiiissionswesen, Handelsinspekloren, Lehrlingsheime, Gewerbeaufsicht, französischer Zolltarif, gesetzliche Regelung der Stellen verniitielung. Arbeitgebernachweise, Sonntagsruhe im Handelsgewerbe ui'w. Ministerpräsident von Podewils, der wegen seiner an- erkennenden Worte für die Soziatdemolratie soviel Angegriffene, geht auf die meisten Reden ausführlich ein, überall Prüfung und Entgegenkoninten zusagend. Die sozialdemolratischen Redner, Dorn, Schmitt und Dr. S ü ß h e i m. behandeln zumeist das ausgedehnte Gebiet der Sozialpolitik. Die Zustände in der Papier- und Brau- induslrie, den Steinhauereien und Steinbrüchen, der Mützen- und tandschuhindustrie werden einer scharfen Kritik unterzogen. Die ahl der Revisionen der Gewcrbeinspetlion ist immer»och un- genügend, trotzdem sie gegen das Vorjahr zugenommen hat. Das Revisionsversonal ist zu gering an Zabl, sodaß von zirka 21000 handwerksmäßigen Betrieben nur 4000 kontrolliert werden konnten. Die Zabl der U n f ä l l e im ganzen ist erfreulicherweise zurückgegangen, die Zahl der schweren Unfälle bei den jugendlichen Arbeitern aber sehr hoch. Die gewerblichen Krankheilen. Bleiweiß- und Milzbraudvcrgiftungen treten immer noch sehr häufig auf, so daß der bayerische Gewerbearzt noch ein reiches Feld der Tätigkeit findet. Einen ziemlich breiten Raum in der Erörterung nimmt die Stellung des. H a n s a b u n d e S" im öffeiitlichen Leben ein. In Bayer« sind vielfach die Handelskammern, die staatliche Unterstützungen erhalten, alS Korporationen dem„Bunde der Hansen" beigetreten. Zentrums- und BauernbundSredner konstatieren, daß der Hansabuud eine politische Organisation sei, dessen Hauptaufgabe in der Bekämpfung des Bundes der Landwirte bestehe. Ebenso entschieden wurde der politische Charakter von liberaler Seile geleugnet. Der Bund treibe keine Parteipolitik, sondern verfolge lediglich wirtschaftliche Ziele. Bon allen Seiten des Hauses wird verlangt, daß das wichtige Gebiet des gewerblichen UnterrichtswesenS von dem Kultusministerium losgelöst und der Ministerialabteilung fiir Industrie, Handel und Gewerbe angegliedert wird. Ein christliches Gelverkschaftsblatt gegen die preustische Wahlreform. DaS Blatt des christlichen Holzarbeiterverbandes will in unserem Essener Parteiorgan den Satz entdeckt haben, daß das, was der einen Klasse nütze, notwendigerweise der anderen schade. Im all- gemeinen wird sich gegen die Nichtigkeit dieses SayeS nichts ein- wenden lassen und auch daS christliche Gewerlschoftsblatt wendet nichts gegen den Satz ein. Aber eö leistet sich eine Schlußfolgerung, die von geradezu erstaunlicher Begriffsverwirrung zeugt. Das Blatt schreibt nämlich in Ankmipfting an vorstehende» Satz: „Mit anderen Worten: die Sozialdemokratie würde gar nicht daran denken, sich selbst, im Falle sie die Macht dazu hätte, durch die Beseitigung eines Wahlrechtes, das ihr nützlich sei, zu schaden WaS mau nun aber selbst nicht tut, soll man auch von keinem anderen verlangen. Es zeigt sich so auch hier. daß die Sozialdemokratie in völlig un- berechtigterweise nach einer Aenderung de« preußischen Wahlrechts verlangt. Die herrschenden Gewalten miiyten ja ein DummheitSpatent haben, wenn sie in eine Aenderung des Wahlrechts einwilligten aus dem Grunde, iveil es die Sozialdemokratie so haben will/ So widersinnig die Schlußfolgerung ist, die das christliche Gewerkschaftsblatt erlaubt, so berechtigt ist die Schlußfolgerung, daß derartige Darlegungen die Wirkung und den Zweck haben, die bürger- lichen Parteien scharf zu machen gegen die Erfüllung der sozial- demokratischen Forderung, das allgemeine, gleiche, geheime und direkte Wahlrecht in Preußen einzuführen. Dozenten auf Kündigung. Eine einschneidende Neiierimg für die Privatdozenten der Medizin an der Berliner Universität ist. wie ein hiesiges Mittagsblatt wissen loill, im Werke. Der medizinischen Fakultät liegt ein»euer Antrag über die Regelung der Habilitation vor. Die Privatdozentnr 'oll fortan auf fünfjährige Kündigung verliehen werden. Wenn der Dozent eS versäumt, binnen dieser Frist für eine Berufung nach außerhalb zu sorgen, so soll die Fakultät be- und Braunschweig einen heftigen Kampf gegen die Nosionalliberalen 1 rechsigt sein, ihm ohne weiteres die venia legendi zu entziehen. Sittlichkeitsverbrecher im Rock des KömgS. Vor dem Oberkriegsgericht in Saarbrücken als Nevisionsiirstanz fand dieser Tage eine Verhandlung gegen mehrere Unteroffiziere des TO. Infanterie-Regiments statt, die unter der Anklage von Vergehen gegen die Sittlichkeit standen. Die Affäre hatte schon Anfang Oktober v. I. das Kriegsgericht beschäftigt, das die Angeklagten Bizefeldwebel Harnack, die Sergeanten Hummel mtd Leim, den Unteroffizier Backhoff und den Vizefeldwebel Wolter wegen Bor- nähme unzüchtiger Handlungen an Mädchen unter 14 Jahren zu 6, bezw. 7, 6, 2 und 8 Monaten Gefängnis verurteilte. Außerdem wurde gegen Wolter, der verheiratet ist, auf Degradation erkannt. Strafinildernd kam m Betracht, daß die Mädchen bereits sittlich verwahrlost waren. Gegen dieses Urleil hatten Harnack und Hummel sowie der Gerichtsherr Revision eingelegt, die, wie die Verhandlung vor dem Kriegsgericht. hinter geschlossenen Türe» geführt wurde. Räch Anhörung von 2b Zeugen und 4 Sachveiständigen hob daS Oberkriegsgericht daS gegen Harnack ergangene Urteil auf und verurteilte ihn zu einem Jahr sechs Monaten Gefängnis, Degradation, Versetzung in die 2. Klasse deS Soldatenstandes und Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer eines Jahres. Die Revision des Sergeanten Hummel sowie die deS Gerichts- Herrn wurde verworfen._ „Gehorsamberweigcruug" im Lazarett! Ein bemerkenswerter Prozeß spielte sich dieser Tage vor dem Kriegsgericht in Dresden ab. Wegen angeblicher Ge- horsamsverweigerung, Ungehorsams und Achtungsverletzung war der Schütze Hennig vom Schützenregiment Nr. 103 angeklagt. Am 22. Oktober v. I. wurde der Angeklagte wegen eitriger Mandel- entzündung ins Lazarett eingeliefert. Als eines Tages ein Sani- tätsunteroffizier ins Krankenzimmer trat, wurde dem Kranken, dem Bettruhe verordnet worden war, befohlen, die Arme lang auf das Bett auszustrecken!! Es ist dies die sogenannte Ehrenbezeugung der bettlägerigen Kranken, wenn ein Vor- gesetzter eintritt. Weil Hcnnig glaubte, den Befehl nicht befolgen zu müssen, ließ er die Arme in gebeugter Stellung. Einige Tage darauf hielt der Sanitätsunteroffizier das Messer deS Angeklagten nicht für blank genug. Hennig wurde um das Bett gejagt und zum Messerputzen befohlen. DaS Putzen soll er in lässiger Weise getan haben. Täglich mußte nun tzennig sein Bett selbst machen. Eines Tages kam der Unteroffizier inS Zimmer und wollte kontrollieren, ob das Bett gemacht sei. Obgleich der Kranke erklärte, daß er das Bett eben gemacht habe, mußte er rauS und der Unteroffizier untersuchte das Bett!! Er fand dabei etwas an der Matratze nicht in Ordnung. Der Kranke mußte auf Befehl eine Reparatur an der Matratze vornehmen. Nach- dem Hennig die ihm aufgetragene Arbeit verrichtet und sein Bett wieder in Ordnung gebracht hatte, legte er sich hinein. Bald er- schien wieder der Unteroffizier und der Kranke mußte aber- mals aufstehen, worauf der Vorgesetzte daS Bett aber- malS revidierte. Dann erhielt der Kranke den Befehl, das Bett wieder zu machen. Er tat dies nicht, weil er daS Verhalten des Unteroffiziers als Schikane auffaßte, äußerte vielmehr:„Ich warte, bis der Stabsarzt kommt!" Weiter soll der Angeklagte einige Ehrenerweisungen unterlassen haben. Ein weiterer Ungehorsam wird darin erblickt, daß der Kranke bei der Unter» suchung-- nicht stramm stand!! Der Angeklagte erklärte vor Gericht, daß er schikaniert worden sei; vom Sanitätspersonal sei er„Du" genannt und patzig behau- delt worden. Eines Tages sei der Stabsarzt in das Kranken- zimmer gekommen und habe ihn„unverschämter Patron" und „Flegel" genannt. Das< Bericht verurteilte den Angeklagten mit Rücksicht auf die „Frechheit" und„Disziplinlosigkeit" zu der höchstzulässigen Strafe von— 4 Wochen strengen Arrest! Die„Notwehr" des Z�eldwebels. In der Nacht zum 4. Oktober 1909 kam eS in Rendsburg zwischen Zivilpersonen und dem Feldwebel Grahl von der 4. Kompagnie des 85. Jnfanterie-RegimentS zu einem Zusammenstoß, der in unterschiedlicher Belenchtnng dargestellt wird. G. hatte mit einem Sergeanten in einer Wirlschast gezecht, und in Begleitung beider Unterosfiziere befanden sich Mädchen. In bezng auf diese Mädchen soll der eine Zivilist von„Spinnen" gesprochen haben. G. behauptet, er sei von den Zivilisten zu Boden gestoßen worden, woraus er in Notwehr seinen Säbel gezogen, damit um sich geschlagen und aus Versehen die Frau des einen Zivilisten an der Schulter getroffen habe. Diese Darstellung wurde aber vor dem Kriegsgericht der 13. Division durch das Zeugnis der Zivilisten so stark erschüttert, daß der Feldwebel wegen fahrlässiger Körperverletzung unter Mißbrauch der Waffe zu einer Woche Gefängnis verurteilt wurde. Gegen dieses Urteil wurde von beiden Seiten Berufting eln- gelegt, vom GcrichtSherrn, weil nur fahrlässige Körperverletzimg angenommen worden ist, und von dem Angeklagten, weil er in Not- wehr gehandelt haben will. Das OberkriegSgencht des 1. Armeekorps sAltona) konzedierte dem tapferen Feldwebel auch das Notwehrrecht und sprach ihn fr ei.— franhreicb. Gegen die Strolche in der Armee. Paris, 22. Januar. Der KriegSminister wird die Novelle zum Rckrutierungsgeietz, die die Säuberung der Armee des Mutterlandes von„Apachen" bezweckt, dem heutigen Minister- rate unterbreiten. ES heißt, der neue Gesetzentwurf bcltimme unter anderem, daß ein wegen Zuhälterei bestrafter Rekrut, selbst wenn ihm das Gericht den bedingten Strafaufschub zugebilligt bat, auf jeden Fall bei den afrikanischen Disziplinar- bataillonen eingestellt werde. Ebenso sollen alle Rekruten, die wiederholt vom Znchtpolizeigericht verurteilt worden sind, den afrikanischen Straftruppen zugeteilt werden. ki-ulttancl. Der Prozeß Karpow. Petersburg, 22. Januar. Der Prozeß wegen der Ermordung deS Chefs der politischen Geheimpolizei, des Obersten Karpow. hat heute begonnen. Die Verhandlung findet unter Ausschluß der Oefsentlichkeit in der Peter-PaulS-Festung statt. Gegen den Mörder Pelrow«Woskressenski ist Anklage erhoben wegen Zugehörigkeit zu einer verbrecherischen Gesellschaft mit dem Zweck des Umsturzes der bestehenden Ordnung»ud der Errichtung einer demokratischen Republik sowie wegen Ermordung des Obersten Karpow. Petrow stellt nicht in Abrede, daß er Karpow mit Vor- bedacht ermordet habe. AuS den bei ihm gefundenen Briefen geht hervor, daß er seinerzeit auch ein Attentat auf den AmtS« Vorgänger SkarpowS, General Gerasfimow, geplant bat. Wie eine Depesche meldet, hat daS Kriegsgericht heute abend Woskressenski. der schuldig befunden wurde, den Chef der politischen Polizei, Obersten Karpow. ermordet zu haben, zum Tode durch den Strang verurteilt. Japan. Eröffnung deS Reichstags. Tokio, 22. Januar. Heute vormittag ist der Reichstag wieder zusammengetreten. Ministerpräsident Marquis Kathira legte dar. daß die Beziehnngen Japans zu den mit ihm durch Ver- trage verkuüpften Mächten harmonische seien und daß sich da» Bündnis mit Großbritannien noch fester gesialter habe. Alle zwischen Japan und China schwebende» Fragen seien Wechsel- seitig geregelt. Die Regierung habe daS Prinzip der offenen Tür in der Mandschurei immer geachtet. Ein neues Zolltarifgesetz, daS eine Herabsetzung der Baum- wollzölle enthalte, werde dem Reichstage vorgelegt werde». GcwerfefcbaftUcbcfl. CfmftUcbc CcrrorismuG-fabnhation, Ter letzte Tcnziger Klempnerstreik wäck)st sich in seinen Folgen immer noch mehr zn einem wahren Kabinettstück echt „christlicher" Heimtücke aus. Da es bald nach dem am 17. August beendeten Tanziger Klempnerstreik zugleich galt, auch den Unmut der Gewerkschaftschristen gegen die zentrümliche Steuerausraubung abzuwehren, so ließen der christliche Bezirksleiter Minier- Berlin und seine Freunde alle Minen gegen die„rote Bande" springe». Einen besonders tiefen Blick in das Geheimlaboratorium zentrumschristlicher Gewerkschaftsstrategie gewährte ein Prozeß, der sich am 17. Januar aus Anlaß des Streiks vor dem Danziger Schöffengericht abspielte. Von den Klempnern, die den Streik begannen, gehörten 113 zum Deutschen Metallarbeiterverbande und nur 4 zu dem Zentrumsverbändchen. Trotzdem wurde de» Christen Mit- bcstimmungsrecht gewährt und ihnen sogar zwei von den sechs Sitzen in der Lohnkommission eingeräumt. M i n t e r s Bestreben war es nun von vornherein, das Organisationsverhältnis nach der schwarzen Seite günstiger zu gestalten, ohne Rücksicht darauf, ob dabei mitten im Streik die Einigkeit der Arbeiter in die Brüche ging. Bei den Klempnern fand er damit keinen Anklang. Wie bei jeder Lohnbewegung waren aber auch bei dieser einige Leute beteiligt, die nicht im Deutschen Metallarbeiterverbande organi- siert waren, weil sie vorwiegend wegen unsolidarischen Ver- Haltens usw. ausgeschloffen waren. Ferner waren mehrere Hilfs- arbeitcr beteiligt, die im Klempnergewerbe nur vorübergehend tätig waren und die ebenfalls der Organisation nicht angehörten. Deshalb hatten sie natürlich auch keinen Anspruch auf die Streik- Unterstützung. Naturgemäß war ihre Stimmung dadurch keine besonders freundliche. Auf die Unzufriedenheit dieser Leute baute nun M i n t e r seine christliche„Taktik" auf. Er nahm sie alle in seinen Verband und zahlte ihnen ohne weiteres die Streik- Unterstützung; jedoch nur wegen einklagbarer Schuldscheine! Auf diese Weise glaubte er sich eine zu allem willige Schutztruppe ge- schaffen zu haben, die er mit Hilfe der Schuldscheine mehr an der Gurgel als fest an der Hand hielt. Wozu der Minier persönlich fähig ist, dafür ein Beispiel: Er behauptete unter anderem, daß der Verbandsbeamke F r ü n g e l die Klempner durch sein„verräterisches" Verhalten so gegen sich aufgebracht habe, daß man ihm die Mitgliedsbücher zerrissen vor die Füße geworfen habe. Minter hatte die Stirn, sich auf einen Schlosser Frantzius als den zu berufen, der das Buch empört gegen Früngel zerrissen haben sollte. Und tatsächlich wagte dieser Frantzius, wohl präpariert von seinem Herrn und Meister Minter, dies zu bestätigen. Das Lügengewebe brach erst zu- sammen. als Früngel festgestellt hatte, daß Frantzius noch niemals im Deutschen Metallarbeiterverband war, sondern den„C hri st lichen" angehörte! Wie Minter diejenigen präparierte, die er zu seinen Streichen miß- brauchen wollte, das konnte man von den durch ihn per Schuld. schein Ncubekehrten S ch w a l m und v. G l i n s k i erfahren. Um die„entrüstete Arbeiterschaft" gegen Früngel zu konstruieren, bewaffnete er jene beiden mit schriftlichen Gebrauchsanweisungen, nach denen sie an bestimmten Stellen Früngel niederschreien und ihm selbst Beifall rufen sollten! Schließlich erwies sich die Schuldscheinpresse doch nicht als der wirksame christliche Kitt. Wie so mancher andere verließen nach Beendigung des Streiks auch Schwalm und v. Glinski den Minter. Sie meldeten sich zum Uebertritt beim Deutschen Metallarbeiterverband, ohne aber die Mitgliedschaft durch Beitragszahlung zu erwerben. Es folgten dann recht bald gegen mehrere am Streik Be- teiligte die üblichen Anklagen aus§ 153 der Gewerbeordnung. Schließlich hatten sich der christlich organisierte Arbeiter Armanski, die ehemaligen Christen Schwalm und v. Glinski und die freiorganisierten Klempner Brotzki und Schulz deshalb gerichtlich zu verantworten. Sie sollten die Streikbrecher Ordowski, Jurzcick und Frischte be- leidigt und geschlagen haben. Mitangeklagt war der SektionS- leiter der Klempner, Schröder, der als Streikleiter fungiert hatte. Ihm wurde vorgeworfen, daß er den v. Glinski. Armanski und Schwalm, also ausgerechnet nur die mehr oder weniger Christlichen, durch Geld und Mißbrauch seines An- sehens zu der Bedrohung und den Tätlichkeiten veranlaßt haben sollte. Bezüglich des freiorganisierten Klempners Schulz wußte weder einer der vernommenen Zeugen noch der Staatsanwalt auch nur argend etwas einer Belastung ähnliches vorzubringen. Wie er auf die Anklagebank gekommen war, blieb ein ungelöstes Geheimnis. Die Angeklagten Brotzki. Armanski und Schwalm wurden durch die als Zeugen auftretenden Arbeits- willigen mehr oder minder belastet. Besonders auffällig war nun, allerdings nur für Uneingeweihte, die Art, in der sich die drei Angeklagten der christlichen Seite zu verteidigen suchten. Schwalm bestritt, geschlagen oder beleidigt zu haben. Dagegen erklärte er:„Wir wurden dazu aufgehetzt von Früngel und Schröder!" Der Christ Armanski erklärte nicht viel anders:„Schröder hat mir in der Herberge gesagt, der I. muß kriegen!" und Schwalm versicherte sogar:„Wenn wir nach Schröder und Früngel gehört hätten, so hätten wir die Menschen totschlagen sollen; das wurde mir und Armanski gesagt!" Diese Behauptungen wurden geradezu glänzend durch d,e eidlichen Zeugnisse dreier Streikender widerlegt, die mit aller Eindringlichkeit bekundeten, daß Schröder und Früngel bei jeder Gelegenheit und immer wieder zur friedlichen Ver- ständigung mit den Arbeitswilligen rieten und vor Ausschreitungen usw. aufs nachdrücklich st e warnten. Dann folgte der dramatische Mittelpunkt deS Prozesses. Früngel schilderte als Zeuge unter seinem Eide die Situation des Streiks und die stets zum Frieden mahnende Tätigkeit des stets ruhigen und besonnenen Schröder. Darauf ersuchte ihn der Rechts- anwalt Rosenbaum, als Verteidiger der freien Verbändler. um Auskunft darüber, wie er es sich erkläre, daß die Christlichen, trotz der vorliegenden gegenteiligen beschworenen Bekundungen einwandfreier Zeugen, behaupten könnten, daß sie von Schröder und ihm aufgehetzt wären? Früngel erteilte darauf folgende die Situation blitzschnell aufklärende Antwort: Schwalm und v. Glinski kamen während oder gleich nach dem Streik zu mir ins Bureau und erklärten mir in Gegenwart von Zeugen: Sie seien von Minter und dem Stadtverordneten Arbeitersekretär Klawitter in ein Bureau geladen Dort seien sie von diesen beiden nach allen Richtungen ausgefragt. ob nicht S ch r ö d e r auf sie eingewirkt habe. Man wollte sie auch dazu bewege», mich zu beschuldigen. Sie wollten aber trotzdem erklärt haben, daß Schröder und Früngel auf sie nicht zu Un- gesetzlichkeiten eingewirkt hätten. Für mich ist eS nicht auS- geschlossen, daß die Leute von jener Seite beeinflußt sind." Auf diese für gewisse Gewerkschaftschristen geradezu vernichtende eid- liche Bekundung wagte niemand etwas zu entgegnen! Glinski und Schwalm bestätigten schweigend das heim- tückische Zentrumswerk, das ausgeheckt war, um zwei Ehrenmänner hinterlistig zu verderben. Der Justizrat Reiß, der Verteidiger sieS Christen ArRSsiSki. schwieg ebenfalls! vnd e» schwieg vor allem der vom Beginn der Verhandlung im Gerichts- saal anwesende Patentchrisl Minter! Erst eine Weile nach der unwiderleglichen Festnagelung der von ihm und seinem gleich- wertigen Bundesbruder Klawitter betriebenen Geheim- inquisition besaß Minter die Stirn, auf der Zuhörerbank „Kautsky zu zitieren":„Dem Genossen muß man helfen; dem Gegner gegenüber hat man die Pflicht zur Wahrheit noch nie anerkannt." Der Staatsanwalt beantragte ohne jede Begründung die un- heimlich hohen Strafen von 3 bis 4 Monaten Gefängnis. Stach etwa einhalbstündiger Beratung sprach daS Gericht vor allem die denkbar schärfste Verurteilung des Minter und seines Klawitter aus, indem es Schöder, obgleich der Staatsanwalt gerade ihm 4 Monate Gefängnis zugedacht hatte, freisprach! Auf Freisprechung wurde auch gegen Schulz und v. Glinski er- kannt. Brotzki erhielt dagegen 4 Wochen Gefängnis, Schwalm und Armanski jeder 6 Wochen. So sehr die Verurteilten wegen dieser ungemein harten Strafen zu bedauern sind, so besteht nach dem ganzen Verlauf der Dinge kein Zweifel darüber, daß sie diese nur den„christ- lichen" Friedensaposteln ganz allein zu verdanken haben. In ihrem fanatischen Haß gegen die ehrlich kämpfende wirkliche Ar- beiterbewegung haben diese die Fuchseisen gelegt, durch die ihre eigenen Freunde gefangen wurden. Berlin und Nmzcgenck. Tarifabschluft der Fliesenleger und Hilfsarbeiter. In einer sehr gut besuchten öffentlichen Versammlung nahmen die Fliesenleger und Hilfsarbeiter am Donnerstag im„Neuen Klubhaus" zu dem Ergebnis der bisherigen Tarifverhandlungen Stellung. Der letzte vor zlvei Jahren zustande gekommene Vertrag hat am 31. Dezember sein Enoe erreicht. Die neuen Forderungen der Arbeiter erstreckten sich im wesentliche» auf Erhöhung des Stundenlchnes und auf die Beseitigung der Einrichtung eines Teils der Arbeitgeber, die Arbeiten an Subunternehmer weiter zu ver- geben. Gerade diese Einrichtung hatte besondere Schädigungen der Arbeiter zur Folge. Die Arbeitgeber dagegen versuchten, die Tarifverhandlungen zu bedeutenden Verschlechterungen materieller und ideeller Art aus- zunutzen. Ohne die seit dem letzten Tarifabschluß eingetretene Veränderung in den Preisen aller Lebensbedürfnisse zu berücksich- tigen, lehnten sie jede Lohnerhöhung für die nächste Vertragsdauer ab. Für die infolge Alters und Invalidität in ihrer Leistungs- fähigkeit beschränkten Fliesenleger sollte sogar eine Herabsetzung des Lohnes eintreten. Die bisherigen Sätze des Akkordtarifes sollten durchgängig eine Verschlechterung erfahren und von der Praxis, daß bei Akkordarbeiten der Arbeitgeber den Hilfsarbeiter zu entlohnen hatte, sollte jetzt abgegangen werden. Zu den Ob- liegenheiten der Hilfsarbeiter gehört das Ausfugen und Ausgießen usw. Wenn der Fliesenleger in Zukunft für diese Tätigkeit den Hilfsarbeiter in Anspruch nehmen wollte, so sollte er ihn für dies: Zeit selbst entlohnen, wofür ihm nur eine Erhöhung der Akkord- preise von 25 Pf. pro Quadratmeter zuteil werden sollt:. Dazu kam das Verlangen auf Einführung folgender schikanösen Agitationsklausel: „Jede Agitation ist während der Arbeitszeit verboten. An- ders- oder Nichtorganisierte Arbeiter dürfen in den Paus:», vor oder nach der Arbeitszeit auf der Arbeitsstelle nicht belästigt werden. Der Zutritt zu den Arbeitsstellen ist anderen als den dort beschäftigten Personen ohne Erlaubnis des Arbeitgebers nicht gestattet." Am 11. Januar fand eine zweite Verhandlung statt, und die am 12. Januar tagende Versammlung der Arbeiter lehnte die An- geböte der Arbeitgeber als unzureichend ab, beauftragte aber die Kommission zu weiteren Verhandlungen, die dann auch am 15. Ja- nuar stattfanden. Der Referent Wald he im erstattete wiederum den Bericht. Danach haben die Verhandlungen folgendes Ergebnis gezeitigt: 1. Nach langem Sträuben haben sich die Arbeitgeber bereit erklärt, vom 1. April 1311 ab bei Zeitlohnarbeit eine Lohn- erhöhung von 3 Pf. pro Stunde eintreten zu lassen und verpflich- ten sich außerdem für den Fall, daß die Arbeitgeber des Bau- gewerbes(der Maurer, Zimmerer und Bauhilfsarbeiter) schon früher eine Lohnerhöhung zugestehen, diese ebenfalls sofort zu ge- währen. 2. Die angebotene Lohnherabsetzung für durch Mter und Invalidität in der Arbeitsleistung beschränkte, ist zurückgezogen. 3. Desgleichen sind die Verschlechterungen des bisherigen Akkordtarifes zurückgenommen; und 4. sollen die Hilfsarbeiter auch in Zukunft für alle bisher üblichen Arbeiten vom Arbeitgeber entlohnt werden. 5. Ebenso verzichten die Arbeitgeber auf die Einführimg der verschlechterten Agitationsklausel.' 6. Außerdem verpflichten sich die Arbeitgeber. Zwischen» meister(Subunternehmer) als solche nicht zu beschäftigen, wo- gegen die Arbeitnehmer die Verpflichtung zu übernehmen haben, dafür zu sorgen, daß Mitglieder ihrer Organisationen bei diesen Zwischennieistern nicht in Arbeit treten. Mit diesem Angebot ist eine der wichtigsten Forderungen der Arbeiter erfüllt. Der Vertrag soll bis zum 31. Dezember 1012 Gültigkeit haben. Di« Diskussion war eine eingehende und zeitweise recht leb- haste. Die Versammlung dauerte von 6 Uhr bis nach Mitternacht. Die Zugeständnisse der Arbeitgeber befriedigten einen großen Teil der Anwesenden nicht, insbesondere erachteten die Hilfsarbeiter die Lohnerhöhung für unzureichend. Nach Beendigung der Dis» kussion einigte sich die Versammlung auf folgenden AbstimmungS- modus: Die Angebote der Arbeitgeber und damit der neue Vertrag sollen als abgelehnt gelten, wenn drei Viertel der Abstimmenden sich gegen die Annahme erklären. I Es wurden 455 Stimmen abgegeben, wovon 173 Fliesenleger und 24 Hilfsarbeiter für die Annahme votierten und 171 der elfteren und 82 der letzteren dagegen. Somit 232 dafür und 253 dagegen. Nach dem vereinbarten Abstimmungsmodus ist der Ver- trag angenommen, da an der erforderlichen Dreiviertelmajo» rität 86 Stimmen fehlten. Der formelle Abschluß de? Vertrages ist am 22. Januar vor dem Berliner Gewerbegericht erfolgt, und sind daran beteiligt der Zweigverein des Zentralverbandes der Maurer, der Zentralver- band der Bauhilfsarbeiter, die Abteilungen der Fliesenleger und Hilfsarbeiter der Freien Vereinigung der Fliesenleger und de: Christliche Bauarbeiterverband. Der Vertrag tritt im 31. Januar in Kraft. Achtung, Töpfer k Der Neubau Rixdorf Emser Straße 54 ist von den Töpfern zu meiden. Die Verbandsleitung. Achtung, Schuhmacher! In der Schuhfabrik von Unger. Krautstr. 52, sind Lohndifferenzen entstanden. Wir ersuchen dieses zu beachten. Schuhmacher-Verband, Ortsverwaltung Berlin. Oeutfcheo Reich. Ein Streik der Draschkenfllhrer ist dieser Tage in Neiße (Schlesien) vorläufig beigelegt worden. Die Polizei verlangte von jedem Droschkenbesitzer, daß, wenn er nicht anfahren könne, er dies in jedem Falle der Polizei zu melden habe. Gegen diese Polizei- liche Bevormundung wehrten sich die Droschkenführer mit Recht durch Arbeitseinstellung und hatten den Erfolg, daß die Behörde nach eintägigem Streik schleunigst in Unterhandlungen mit den Ausständigen treten mußte. Auch die Holzarbeiter Nordbayerns rüsten angesichts der ernsten Lage in der Tarifsrage eifrig, um in einem eventuellen Kampfe dem Uniernehmertum in größerem Nachdruck die Stirn bieten zu können. In allen Zweigorganisotionen wird einhellig die Notwendigkeit an» erkannt, den KriegSfonds durch außerordentliche Beiträge zu stärken. nirgends wird einer zeitweisen Beitragserhöhung Widerstand ent« geoengesetzt. Dieser Tage wurde in Hof der wöchentliche Beitrag auf 80 Pf. in Nürnberg und Fürth auf 1 M. erhöht, auch in einer ganzen Reihe kleiner Jndustrieorte ist bereits eine Bettragscrhöhung beschlossen. Ausland. Schadenersatzklage aus dem schwedischen Generalstreik. Die gegen den schwedischen Buchdruckerverband wegen seiner Beteiligung am allgemeinen Massenstreik der schwedischen Arbeiter- schast erhobene Schadenersatzklage stand, soweit die Zeitungsunter» nehmer Stockholms in Frage kommen, an, Donnerstag vor dem Rarhausgericht in Stockholm zur Verhandlung, wurde jedoch noch nicht entschieden, sondern ein neuer Termin für den 3. März angesetzt. ES sind sieben Zeitungen, die Ersatzansprüche gestellt haben, und unter ihnen fehlen auch die freisinnigen Blätter wie„Dagens Nhheter" und„Stockholms Tidningen" nicht. Die Schadenerfatzforderungen der verschiedenen Blätter belaufen sich im ganzen auf nicht weniger als 187 250,58 Kronen. Außerdem fordern noch sieben Buchdruckerei» bcsitzer rund 13(XX) Kronen. Unter den Forderungen der ZeitungS- Unternehmer sind über 21 300 Kronen für Bewächung durch das bürgerliche„Schutzkorps" und für„Präsente", also Trinkgelder und dergleichen Geschenke aufgeführt. Besonders merkwürdig ist unter anderem die Spezifizierung der Schadenersatzansprüche von„Nya Daglight Allahanda", worin neben machem anderen ein Posten von 232,83 Kronen für Betten der Streik- b r e ch e r, für elektrische Taschenlampen, für Revolver und Munition enthalten ist. Der Buchdruckerverband, der in seiner Verteidigungsschrift vor dem Gericht von vornherein überhaupt bestreitet, daß der Tarifvertrag eine solche rechtlich bindende Kraft haben sollte, daß die Unternehmer wegen der unter so außerordentlichen Umständen erfolgten Arbeitsnieder- legung berechtigten Anspruch auf Schadenersatz erheben können, bemerkt zu jenen Forderunge» etwas spottend:„Wir wissen das Angebot der Zeitungen, daß wir die Revolver übernehmen sollen. die während des Streiks gekauft wurde», um gegen uns angewandt zu werden, die elektrischen Taschenlampen, mit denen man unseren Mitgliedern ins Angesicht leuchten wollte, wenn man sie bei Mord- anschlagen ertappte, wie schließlich auch die Betten und Polsterkisien, worauf unsere Vikare neue Kraft zum Kampf für die unterdrückte Prcßfreiheit sammelten, wohl zu würdigen, obwohl wir uns genötigt sehen, das Angebot abzulehnen." Die italienischen Landarbeiter-Organisationen im Jahre ISOS. Rom, 20. Januar.(Eig. SSet.)1. Tie gewerkschaftliche Organisation der Landarbeiter, die be- kanntlich in Italien höher entwickelt ist, als in irgendeinem anderen Lande, zeigt auch die Zeichen leichten Rückschritts, die sich in den industriellen Gewerkschaften bemerkbar machen. Das Reichsarbeitsamt veröffentlicht soeben eine Statistik über den Stand der Landarbeiterorganisationen im Januar des Jahres 1333. Zu diesem Zeitpunkt bestanden in Italien 1773 Land- arbeitergewcrkschaften mit 436 945 Mitgliedern; am 1. Januar 1938 war die Zahl der Gewerkschaften 1839, die der Mitglieder 425 983� Noch bedeutender als der Rückschritt in der Zahl der Mitglieder ist der, den die Arbeitskammern zu verzeichnen haben. Von den gewerkschaftlich organisierten Landarbeitern waren im Januar 1938 198 423 gleichzeitig bei der Arbeitskammer ihres Ortes organisiert, welche Zahl im nachfolgenden Jahre auf 127 388 zurückgegangen war. Dagegen ist die Zahl der dem Zenhalverband der Landarbeiter angehörenden Organisierten stetig im Wachsen: sie betrug 64 333 im Jahre 1936, 138 330 im Jahre 1907, 123 330 im Jahre 193« und 163 330 bei der letzten Statistik. Es ist übrigens zu bemerken, daß keineswegs°cln Widerstreit zwischen der lokalen Organisation der Arbeitskammern und dem Zentralverband der Föderation besteht. Ueberall. wo die Organisation stark ist. gehören die Gewerkschaften glkcchzeitig ihrer Arbeitskammer und dem Zentralverband an. Was die verschiedenen Regionen Italiens betrifft, so zeigt die Emilia den Höchsten Organisiertenbestand mit 170 000 Landarbeitern. Es folgt Apulien mit 71 333. die Lombardei mit 50 303, Sizilien» mit 33 303, Venetien mit 33 330 und der Piemont mit 13 030.? Alle anderen Landschaften haben weniger als 13 303 Organisierte. Die niedrigste Organisiertenzahl zeigt Sardinien mit 373 Mitgliedern. Wie in der Gesamtzahl der Organisierten nimmt die Emilia auch in der des Anschlusses an höhere Organi. satwnseinheiten die erste Stelle ein: 70 333 ihrer Landarbeiter sind auch bei den Arbeitskammern und 133 330 beim Zentral- verband organisiert. Die katholischen Landarbeiterverbände sind in dieser Statistik nicht einbegriffen. Das Arbeitsamt beabsichtigt, allen kon- fessionellen Berufsverbänden unter dem ländlichen wie unter dem industriellen Proletariat eine besondere Beröffentlichuna zu widmen._ Zum Kampf gegen den Stahltrust. Der amerikanische Arbeiterbund hat Beschwerde über den Stahl« trust beim Präsidenten Taft erhoben und um eine sofortige Unter» suchung der Methoden deS Trusts gebeten. Ein Komitee, geführt von Samuel GomperS, übergab dem Präsidenten ein Dokument, das in 14 Punkten den Trust de« gesetzwidrigen Ver» halten» beschuldigt. Unter anderem wird angeführt, wie der Trust die Arbeiter tyrannisiert, ihnen Rede- und Versammlungsfreiheit raubt und sie daran hindert sich zu organisieren. Der Trust ver- stoße gegen das Antitrustgesetz seiner ganzen Zusammensetzung nach, er bedrohe nicht nur die Arbeiterwelt, sondern auch dre kleinen Unternehmer, er boykottiere amerikanische Arbeiter und gäbe „Syriern, Polen und Rumänen" den Vorzug. Bei zwölf- stündiger Arbeitszeit pro Tag zahle er niedrige Löhne und lasse an allen sieben Tagen der Woche arbeiten. Wenn die Bundesbehörden gegen den Stahltrust verfahren würden wie gegen den Oeltrust oder den Tabaktrust, so müßte eine gerichtliche Ensicheidung gegen ihn ausfallen.— So verklagte der Arbeiterbund den Teufel be, Beelzebub, und Beelzebub oder Präsident Taft versprach allen Ernstes, daß er— die Angelegenheit in Er» wägung ziehen werde. Das Komitee war entlassen. Den, Oeltrust und dem Tabaktrust tun übrigens die gerichtlichen Verurteilungen durchaus nicht weh, die Trusts blühen und gedeihen dabei. Verantw. Redatt.: Richard Barth, Berlin. Inseratenteil vcrantw.:«H. Glucke. Berlin. Druck u.«erlag:«orwärt»Buchdr. u. VerlagSanstall Maus Sing-r Sc Cp,. Berlin SW. Letzte Nachnchten und Dcpefcben, Zweimal zum Tode verurteilt. Kaiserslautern, 22. Januar.(W. T. B.) Das Schwurgericht Zweibrücken hat den 26jährigen Fabrikarbeiter Schlindwein aus Beilheim, der die 21jährige Anna Schiefer und deren Stief, mutier zu Ludwigshafen ermordet hat, nach zweitägiger VerHand» lung heute zweimal zum Tode verurteilt. Für die Opfer der Hochwasserkatastrophe. � Pari«, 22. Januar.(W. T. B.) Der M i n i st e r r a t beschloß heut«, vom Parlament einen Kredit von 2 Millionen Frank zu ver» langen, der zur sofortigen Hilfeleistung für die Opfer der Hochwasscrkatastrophe dienen soll. Ein Eisenbahnuufall. Brüssel, 22. Januar.(W. T. B.) Ein von Picton nach C h a r l e r o i fahrender Personenzug ist auf dem Bahnhof Cour. celles mit einem Güterzuge zusammengestoßen. Zehn Personen wurden verletzt, darunter zwei lebensgefährlich. Hierzu 5 Beilagen.� 9t. 19. 27. IahtMg. L Stilnje des Joniiärts" Knlim Jollislilatt Der preuliilche Staat als Arbeitgeber. Der preußische Staat ist der größte Arbeitgeber der Welt. Kein Unternehmer besitzt in dem Matze wie er die Möglichkeit und auch die Mittel, die Lage der von ihm Beschäftigten mustergültig zu ge- stalten, sowohl was die Behandlung als auch was die Arbeitszeit und die Entlohnung anbetrifft. Doch diesen Ehrgeiz hat der preußische Staat nicht, darf er nicht haben. Im Gegenteil: die Arbeitsbedingungen in den staatlichen Betrieben stehen hinter denen der Privatindustrie zurück, sind ein Hemmschuh für den Aufstieg der Arbeiterklasse. Die Arbeiter in den Staatsbetrieben werden nicht als gleichberechtigte Staatsbürger angesehen und behandelt, sondern als Menschen, die mit ihrer Arbeitskraft zugleich ihre politische und wirtschaftliche Bewegungsfreiheit verkauft und in allen öffentlichen und nicht wenigen privaten Angelegenheiten unweigerlich nach der Pfeife ihrer Vorgesetzten zu tanzen haben. Wie die Behandlung, so auch die Arbeitszeit, so auch die Ent- lohnung. Das zeigt ein Blick in den Bericht des Ministers der öffentlichen Arbeiten v. Breitenbach, der sich mit den„Ergebniflen des Betriebes der vereinigten preußischen und hessischen Staats- eisenbahnen im Rechnungsjahr 1908" befaßt und dem Dreiklassen- Parlament zur Kenntnis gebracht ist. Hiernach läßt die Arbeits- zeit in diesem Riesen-Staatsbetriebe noch sehr zu wünschen übrig. Von der Gesamtzahl der„Bediensteten"— 461 113— beträgt bei 73 907 Bediensteten„die Dauer der Dienstschicht eines Tages" nach Abzug der planmäßigen Dienstpausen von mindestens V2 Stunde überlObisll Stunden, bei 57 094 über 11 bis 12 Stunden, bei 10 473 über 12 bis 13 Stunden, bei 0259 über 13 bis 14 Stunden und bei 1597 über 14 bis 15 Stunden. Also Dienstschichten bis zu Ibstündiger Dauer! Das sind An- forderungen an die Arbeitskrast, die in zwiefacher Richtung nicht scharf genug verurteilt werden können: sie überschreiten nicht nur hinsichtlich der Gesundheit der Betroffenen das Maß des Zulässigen in ungehöriger Weise, sondern es wird auch durch sie die Sicherheit des Betriebes zweifellos nachteilig beeinflußt, zumal da ja das eigentliche Betriebspersonal von der übermäßig langen Arbeitszeit hauptsächlich betroffen wird. Daß ein so anstrengender Dienst nicht ohne nachteilige Folgen auf die Gesundheit des Personals bleibt, das versteht sich von selbst. Bei den 332 700 Mitgliedern der Eisenbahn-BetriebSkrankenkassen betrug denn auch die Anzahl der Erkrankungsfälle, für die Kranken- geld und Verpflegung gezahlt werden mutzten, 131051 mit 2 973 858 KrankheitStagen(einschließlich der 27 568 Unfälle mit ihren 601 945 Krankheitstagen). Und nun erst die Löhne! Die amtliche Statistik über die preußischen Landtagswahlen von 1908 nennt Arbeiter mit einem Jahreseinkommen von 900 bis 1050 M.„leidlich bezahlte Arbeiter"! Der preußische Staat beschäftigt aber Zehntausende von Eisenbahnern, auf die nicht einmal diese Bezeichnung an- gewendet werden kann, weil ihr Jahreseinkommen den Betrag von 900 bis 1050 M. nicht erreicht! Die an die Gehilfen, die Hilfskräste im unteren Dienste, die Handwerker und Arbeiter gezahlten durchschnittlichen TageS- Vergütungen und Löhne schwanken zwischen 2,50 M. und 4,65 M. Selbst unter Hinzurechnung des Durchschnittsverdienstes der tech- nischen Bureaugehilfen, der 7,21 M. betrug, und allerdings auch der der 2955 Lehrlinge mit 1,10 M. betrug der gesamte Durch- schnittslohn 3,24 M., sage und schreibe: drei Mark und vier- und zwanzig Pfennige! Den niedrigsten Durchschnittslohn erhielten abgesehen von den Lehrlingen— die Hilfskräfte im unteren Bahnbewachungs- und Bahnunterhaltungsdienste(Hilfs- bahnwärter, Schrankenwärter usw.) mit 2,50 M.; ihnen folgten die Hilfskräfte im Zugdienst und die Bahnunterhaltungsarbeiter mit 2,71 M. Auch die Hilfskräfte im Lokomotiv-, Maschinen- und Wagenmeisterdienst erhielten noch nicht 3 M.; sie mutzten sich mit 2,97 M. begnügen.— Diese vier Kategorien— darunter die Bahn- Unterhaltungsarbeiter allein 81538 Mann stark— zählen also nicht zu den„leidlich", sondern zu den nicht einmal leidlich, also schlecht bezahlten Arbeitern! Von diesen Löhnen— auch von den natürlich ganz beson- ders niedrigen Anfangslöhnen— gehen nun noch die nicht geringen Beträge für die Krankenkaffe usw. ab! Die so kärglich be- zahlten Eisenbahner müssen wahre Künstler sein, wenn es ihnen ohne ftemde Beihilfe gelungen ist, noch dazu angesichts der durch die Mitschuld der Regierung gesteigerten Lebensmittelpreise, ihren Haushaltsetat im Gleichgewicht zu erhalten. Nicht unerwähnt wollen wir lassen, daß Vater Staat noch ein Uebriges tat: er hat den Arbeitern, die ihm 20 Jahre und länger treu dienten, eine„Belohnung" von insgesamt 284 320 M., das macht auf den Kopf 36 M., zukommen lassen... Welch rührende Fürsorge! Der preußische Staat hat nun mal nicht den Ehrgeiz, die Lage der von ihm beschäftigten Arbeiter mustergültig zu gestalten, ja er will das gar nicht. Beweis: Als bor Jahren Arbeiter auf den preußischen Bahnhöfen in Leipzig um eine Erhöhung der Löhne, um Verkürzung der Arbeitszeit usw. einkamen, wandte sich die Eisen- bahndirektion Halle an Leipziger Unternehmer in einem„vertrau- lichen" Schriftstück, in dem es u. a. heißt: „Wir glauben in dieser Angelegenheit mit den übrigen Arbeitgebern um so mehr Fühlung nehmen zu sollen, als bei der großen Anzahl der von uns beschäftigten Arbeiter eine Erhöhung der Löhne unserer Arbeiter über den in Leipzig üblichen Durchschnittslohn hinaus zweifellos eine all- gemein« Forderung auf Lohnerhöhung hervorrufen würde."(!) Und vor noch nicht zwei Jahren, nämlich am 14. März 1908 führte der„höchste Eisenbahnarbeiter", der Minister der öffent- lichen Arbeiten v. Breitenbach u. a. aus, daß die Eisenbahnverwal- tung bei der Lohnfestsetzung Rücksicht nehmen müsse auf di« Ver- Hältnisse in Industrie und Landwirtschaft, wenn sie sich nicht die allerlebhaftesten Beschwerden aus diesen Kreisen, und wie er meine,„berechtigte Beschwerden" zuziehen wolle!— Lediglich aus Rücksicht auf den Unternehmerprofit also bleiben die Staatsbetriebe kapitalistische Musterbetriebe, und das von den Junkern und Scharfmachern beherrschte Dreiklassenparlament gibt selbstverständlich seinen Segen dazu. Je mehr aus den Staats- betrieben herausgewirtschaftet wird— im Eisenbahnbetriebe waren es im Vorjahr 99,2 Millionen Mark—, um so besser für den Staats- säckel und für den steuerscheuen Geldsack. Geldsacksinteressen be- herrschen das Parlament und die Regierung, Geldsacksinteressen bestimmen das Matz königlich preußischer„Arbeiterfürsorge". Abgeordnetenhaus. 7. Sitzung, Sonnabend, den 22. Januar, vormittags 11 Uhr. Am Ministertisch: Sydow. Zunächst werden einige kleinere Etats in zweiter Lesung de battelos erledigt. Beim Etat der Münzverwaltung kritisiert Abg. v. Strombeck(Z.) die neuen 25-Pfennigstücke. Abg. Dr. Arendt(frkons.) empfiehlt die Durch lochung deö 2ö-Pfennigstücks und begrüßt die neue Prägung von Dreimark stücken. Der Etat wird bewilligt, ebenso eine Reihe weiterer kleiner Etats. Ein Gesetzentwurf, betreffend Aenderung der Land gerichtsbezirke Krefeld, Kleve, München-Gladbach, geht an die I u st i z k 0 m m i s s i 0 n. Hierauf wird die Verhandlung der Interpellation über den Zechenzwangsarbeitsnachweis im Ruhrrevier fortgesetzt. Handelsminister Svdow: In der Beschaffung der Arbeitskräfte im Ruhrrevier herrschte bisher, man kann sagen, völlige Anarchie. Dem Agentenwesen kleines feuilleton. SandaliSmu» bei Polarexpeditionen. Die Polargebiete sind, wie man erwarten kann, nicht gerade reich an Tierarten. Dafür sind in der Arktis wie in der Antarktis einige sehr ansehnliche Säugetiere, die sonst auf der Ende nicht zu finden sind, in erheblicher und zuweilen erstaunlich großer Zahl vertreten oder— vertreten gewesen. Leider haben unter den Robben, See- clefanten, Walrossen usw. habgierige Menschen schon furchtbar ge wütet und ganze Hekatomben dieser merkwürdigen Geschöpfe zur Strecke gebracht, um von ihren Körpern Pelze und Tran zu ge� Winnen. Immerhin haben diese Verwüstungen sich auf die Ge- biete beschränkt, die verhältnismäßig leicht aus Schiffen zu erreichen sind. Seit einiger Zeit aber ist auch eine andere Art von„Jagd- Expeditionen" nach Nordpolargegenden beinahe Mode geworden. Dr. Emil Böse macht in Petermanns Mitteilungen darauf auf- merksam, daß diese Unternehmungen eine wirkliche Gefahr des AuS- sterbens über wertvolle und bereits selten gewordene Tierbestände heraufbeschworen haben. So soll die Expedition von Peary über 100 Moschusochsen umgebracht haben, ohne daß ein Nahrungs- mangel als Veranlassung oder Rechtfertigung anerkannt werden kann. Dafür hat der Bericht eines Begleiters von Peary, George Borup, Zeugnis abgelegt. Was dort von der Jagd auf Moschus- ochsen erzählt wird, ist allerdings nicht besser als eine Schlächterei, und doch handelt es sich um eine Tierart, von der jetzt vielleicht nur noch einige Hundert am Leben sind und zu deren künstlicher Erhaltung bereits Schritte getan worden sind. Von diesen außer- dem noch schönen Geschöpfen tötete die Expedition Peary auf vier Jagdzügen allein 47 Stück, und dann lourden aus reiner Mordlust noch in weiteren vier Tagen 72 Walrosse umgebracht. Sollte es wirklich wahr sein, daß Peary diese„Jagd" begünstigt habe, um späteren Forschern die Reise nach dem Nordpol zu erschweren?— Theater. Kammerspiele d e S Deutschen TheaterS: Der natürliche Vater. Lustspiel von Herbert Enlenberg. Die formlos. Zerfahrenheit, die die früher aufgeführien Dramen Eulenbergs, den„Münchhausen", den„Ritter Blaubart" und den „Fürsten Ullrich" so unerquicklich machte, ist in diesem„bürgerlichen Lustspiel" noch gesteigert. Wie seine Sprache tnmulwariich nach Gleichnissen und Bildern hascht, die, wähl- und zwecklos angehäuft, die Phantasie der Hörer durch Uebersättigung lähmen, würfelt seine dra- malische Komposition betäubend Einfälle und Motive durcheinander. Er improvisiert in einer Art Gedankenflucht, mag dann der Hörer sehen, loie er sich aus dem Wirrwarr einen Sinn herausbuchstabiert. Dabei stößt man überall auf literarische Reminiszenzen; der Dialog scheint von dem outrierten Wortschwall der Sturm- und Drangperiode inspiriert, die Mischung von Alltagstrivialität und spukhaft grotesker Phantastik gemahnt an Hebbels wunderlichen„Diamant"! Der„natürliche Vater" im Stück ist gar keiner— sondern ein Ausreißer, der seine legitime Gattin und seinen legitimen Sohn dabei mit reichlichen Legaten bedacht hat. Der Herr benimmt sich von Ansang bis zu Ende wie ein Tollhäusler. Er posiert den Fanatiker persönlicher Freiheit, den grimmig radikalen Verächter der Ehe, will sich aber zwanzig Jahre, nachdem er seinem Weibe ent lausen, um jeden Preis mit einem jungen hübschen Ding ver- heiraten. Die gute Laune, in die ihn diese Aussicht versetzt, äußert sich unter anderem darin, daß er Vögel vergiftet. Als er von der Angebeteten einen Korb erhält und obendrein von dem verlassenen Sohne auf- gespürt wird, mimt er in großspurigen Reden den Selbstmord kandidaten, um gleich darauf bei der Nachricht, daß seine Frau sich gerichtlich von ihm scheiden ließ, in jubelnde Freude auszubrechen. Schließlich verliebt der Sohn sich in das schöne, arme Mädchen, die, von Haus und Höf vertrieben, mit einem verrückten Lehrer als Harfensängerin umherzieht, und der Alte, der in eifersüchtiger Wut das Pärchen pfänden lassen wollte, bezahlt wie ein richtiger Komödienonkel am Hochzeitsfeste die Schulden. Da zwischen gibt cS zu endloser Breite ausgesponnene HauSknechtSszenen von hahnebüchener Humorlosigkeit. Gespielt wurde in einen, lärmenden, stark parodistischen Tone, der für die Dauer auf die Nerven fiel. Doch ivar ein solcher Stil der Darstellung offenbar der einzig mögliche und dem Charakter des Stückes angemessene. Das Publikum lehnte das Experiment höflich, aber entschieden ab. ckt. Humor und Satire. Die höchste Echtheit. Die famosen Gutachten der Sachverständigen, die die Echtheit der F l 0 r a b ü st e mit einer fabelhaften Sicherheit beweisen, be sonders die Farbenuntersuchungen des Weimarer Prof. Raehlmann, werden in einer Weimarer Zuschrift an die„Münch. N. Nachr." 1 übel wie folgt verspottet: Ein Weimarer Kunsthistoriker glaubt den Streit um das Werk durch eine Untersuchung beenden zu können, die sich auf folgenden Erwägungen aufbaut: Der betreffende Fachmann hat vor Jahren an Leonardos Mona Lisa im Lonvre zu Paris bei einer technischen Untersuchung des Gemäldes an verschiedenen Stellen der Malerei deutliche Abdrücke von Fingern, vornehinlich wohl solche von Daumen, festgestellt, wie sie nur in die noch frische Farbe übergehen konnten, also ohne Frage vom Maler des Bildes, von Leonardo selbst, herrühren müssen. Langwierige Untersuchungen darüber haben dann ergeben, daß sich'S dabei wirklich um Fingerspuren des Meisters handelt. Gelegentlich einer Besichtigung der Wachsbüste im Kaiser-Friedrich-Museum kam nun dem Gelehrten der Gedanke, seine Untersuchungen über jene Fingerspuren für die Feststellung des Wertes der Florabüste nutzbar zu machen. Mit Hilfe von Schweiß- r ü ck st ä n d e n, die man bei eingehender Untersuchung jener Finger- abdrücke feststellen konnte und die in ihrer chemischen Zusammen- setzung mit Bestandteilen der Wachsoberfläche an der Büste gewisse Uebereinstimmungen zeigten, hat man denn auch Spuren von Finger- abdrücken an der Wachsbüste gefunden, wie sie, physikalisch und chemisch untersucht, aller Wahrscheinlichkeit nach auf Leonardo zurück- gehen, zumal die Oberfläche der Büste teils unstreitig auS der Zeit des Meister? stammt. Diese Untersuchung soll nun eine Messung nach der kriminalistischen Methode von Berthelot krönen, auf der einen Seite stand das Umschauen der Arbeiter auf der an- deren Seite gegenüber. Daneben suchten sich die Zechen gegen- seitig die Arbeiter abspenstig zu machen. Daher mußte jede er- trägliche Aenderung der Organisation des Arbeitsnachweises als ein Fortschritt begrüßt werden. Mit dem Arbeitsnachweis wird kein anderer Zweck verfolgt als: einerseits den Arbeitern geeignete Arbeitsgelegenheit, andererseits den Arbeitgebern geeignete Ar- beiter zu verschaffen. Nun verlangen die Arbeiter, daß der Ar- beitsnachweis paritätisch sein soll, sei es gemeinnützig, sei es ein paritätischer Facharbeitsnachweis, weil nur auf diese Weise zu verhüten sei, daß der Arbeitsnachweis als Machtmittel zu anderen Zwecken verwandt werde. Der GeWerk- schaftskongreß von 1895 war darüber bekanntlich anderer Ansicht. Worauf es mir anzukommen scheint, ist, daß ein Arbeitsnachweis nicht an Bedingungen geknüpft wird, die vor der höheren Gerech- tigkeit und Billigkeit nicht bestehen können. lSehr richtig!) Nach diesen Gesichtspunkten lag es mir ob, die Absichten zu prüfen, mit denen im Oktober vorigen Jahres der Zechenvervand an die Oeffentlichkeit trat. Zwei solche Bedingungen kamen in Betracht: erstens war dem Arbeiter die Möglichkeit genommen, sich, bevor er gekündigt hatte,»ach anderer Arbeit umzusehen, und zweitens war gesagt, daß Arbeitern, die sich an den Arbeitsnachweis wenden, „soweit als möglich" ein« Beschäftigung an dem Orte, den sie wünschten, gewährt werden würde. Das konnte die Auffassung hervorrufen, als sollte es dem Nachweis vorbehalten bleiben, Ar- beiter auch an Orte zu stellen, die ihnen selber nicht erwünscht waren. Ich habe Wert darauf gelegt, daß vor allem diese beiden Bestimmungen ausgemerzt würden, und das ist ja auch geschehen. Damit sind die Bedenken beseitigt, als ob der ZechenarbeitSnach- weis eine Beschränkung der Freizügigkeit der Arbeiter oder eine Erschwerung der Verwertung ihrer Arbeitskraft bedeutet.(Wider- spruch bei den Sozialdemokraten.) Für berechtigt halte ich die Be« stimmung, daß der Arbeiter 14 Tage von dem Nachweis ausge- schloffen wird, wenn er Kontraktbruch begangen hat oder eine ange- nommene Arbeit nicht antritt. Von der Zugehörigkeit zu einer Gewerkschaft darf die Erteilung eines Arbeitsnachweisscheines nicht abhängig gemacht werden. Eine andere Frage ist natürlich, ob der Arbeitgeber Leute annimmt, die den Arbeitsnachweisschein haben. Dazu können die Unternehmer ebensowenig gezwungen werden wie die Arbeiter dazu, eine ihnen nachgewlesene Arbeit anzunehmen. Der Boden für einen paritätischen Nachweis ist im Ruhrrevier nach meiner Meinung noch nicht vorbereitet. Das leugnen, hieße den Kopf in den Busch stecken. Nun hat man im Reichstag gesagt, die Arbeiter haben nicht das Vertrauen zu den Zechenbesttzern, daß diese die Bestimmungen des Nachweises so handhaben werden, wie sie festgelegt sind. An sich würde ich es ablehnen, Leuten, die in der Industrie eine so angesehene Stellung einnehmen, ohne die allerzwingendsten Be- weise zuzutrauen, daß sie ein gegebenes Versprechen nicht halten. Aber ich muß sagen, auch die Klugheit zwingt die Bergherren dazu, denn die Regierung ist in der Lage, die Herren, wenn es nötig wäre, darauf aufmerksam zu machen, daß sie seinerzeit diese beruhigenden Versicherung abgegeben haben. Es würde ja auch sonst ein Sturm der Entrüstung gegen die Bergbesitzer entfesselt werden, den zu verhüten sie selber das allergrößte Interesse haben. (Sehr richtigl im Zentrum.) Zu der Annahme, daß der Zechen- verband das Mannheimer Personalkartensystem einzuführen ge- denkt, liegt kein Grund vor. Also die Regierung wird mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln darauf halten, daß der Ar- beitsnachweis in dem Sinne ausgeführt wird, wie es der Re- gierung gegenüber festgelegt worden ist. Die Frage, ob im Stellen« vermittelungsgesetz bestimmt werden soll, daß die Regierung eine gewisse Kontrolle über alle solche Arbeitsnachweise erhält, unter« liegt zurzeit dem Bundesrat zur Erörterung. Ich persönlich würde keine Bedenken gegen die Schaffung einer solchen Kontrolle haben; wer rechtschaffen handelt, hat sie nicht zu fürchten.(Bravo!) Die Regierung als Vertreterin des staatlichen Bergbaues wird, ihrer bisherigen Haltung entsprechend, sich dem ZwangsarbeitSnachweiS nicht anschließen. Der Mahnung des Herrn Trimborn an die Zechenbesitzer, sie möchten alles vermeiden, um nicht den vorhandenen Zündstoff zu vermehren, kann ich mich anschließen. Aber die Ge- rechtigkeit erfordert, denselben Appell auch nach der anderen Seite zu richten.(Sehr richtig! rechts.) Ich erinnere an die Aeußerung des Herrn Effert:„Der Kampf bleibt nicht aus, auch wenn die Grubenherren den Arbeitsnachweis, wie sie sagen, loyal handhaben."(Hört! hört! rechts.) Wenn man die gefährliche Mei- nung verbreitet, der Streik müsse wie ein Naturgesetz unter allen nämlich unter Zuhilfenahme stark vergrößerter Photographien der. Fingerspuren auf den alten Teilen der WachSollste und anderer unzweifelhaft von Leonardo herrührender Fingerabdrücke. Die Er» gebnisse sollen dann in Verbindung mit dem bisher erschienene» und sonst vorhandenen Beweismaterial in einer Denkschrift ver« arbeitet werden._ Notizen. — Prof. A u g u st Meitze» ist im Mer von 87 Jahren' in Berlin gestorben. Sein Name ist mit einem großen Sammel- iverke verknüpft, das als Materialsammlung dauernden Wert besitzt; einer Darstellung des„Bodens und der landwirtschaftlichen Ver- Hältnisse des preußischen Staates"(erschienen 1868—1909). Meitze», der lange im Verwaltungsdienst und auch im preußischen statistischen Bureau tätig war. hat mit großem Sammeleifer die SiedelungS-, Anbau- und Wirtschaftsverhältnisse der Germanen und benachbarter Völker erforscht. Besonders die Dorf- und Fluranlagen, die bis in die neue Zeit hinein ihr altes Gepräge erhalten haben, wußte er diesem Studium dienstbar zu machen. — D ic Liliencron-Spende, für die von großnamigen Geldmännern, Gelehrten und Künstlem gesammelt wurde, hat 26 017 M. ergeben(wozu 10 000 M. Ehrengabe des Hamburger Staates kommen). Die reichen Patrioten, die Lilienermi für sich reklamierten, haben sich ihre Begeisterung nicht allzu viel kosten lassen. — Der Theaterkritiker-Streik in Kopenhagen ist beendet. Die Theaterdirektoren haben um Verhandlungen mit den Vertretern der Presse nachgesucht und dabei ihr Bedauern darüber ausgesprochen, daß ihr Vorgehen gegen de» Redakteur der Zeitschrift„Teatret" als ein Angriff auf die Äeußerungöfteiheit der Presse aufgefaßt worden ist. Das gegen den Redakteur jener Zeit« schrift erlassene Verbot ist zurückgezogen. Die Presse Kopenhagens hat mit ihrer einmütigen Haltung in dieser Sache bewiesen, daß sie sich das Recht der freien Kritik nicht beschneiden läßt. — Deö großen Mathematikers Leonhard Euler Werke werden in einer Gesamtausgabe von 43 Ouartbänden im Verlage von B. H. Teubner in Leipzig erscheinen. Die Mittel dafür sind zum Teil durch Subskription aufgebracht. — Der neue Komet wurde Freitag nachmittag 5 Uhr 15 Minuten auf der EreSlauer Sternwarte gesehen. Er war auch mit bloßem Auge sichtbar und bot eine besonders schöne Er« cheinung. Der Kern gleicht einem Stern zweiter Größe und der Schweif konnte trotz deö hellen Hintergrundes über eine» Grad weit verfolgt toerden. Der Schweif war fächerartig gestreift, bildete einen Oeffnungswinkel von 11 Grad und war senkrecht nach oben gerichtet. Der Komet hat fast die gleiche Lichtstärke wie der Halleysche Krnnet in der Zeit seiner besten Sichtbarkeit. Er ging nach 6 Ilhr abend» unter. — Vorträge. Ein vom Monistenbtind veranstaltet« Vortrag von Prof.«. D r e w S über die. ChristuSmythe" findet Montag. den 31. d. MtS., abends 8!/t Uhr, im Restaurant Zoologischer Garten tatt. Am 1. Februar schließt sich ein DiSkussionsabend an, für den eine Reihe Berliner Professoren und Pastoren ihre Beteiligung zu- gesagt haben. Umständen kommen, dann kommk es allerdings zu einer so ge- spannten Situation, dafc ein kleiner Funke genügt, um eine schwere Entladung herbeizuführen.(Sehr richtig! rechts.) Ein solcher Streik würde nicht nur unser ganzes Wirtschaftsleben schwer schä- digen, sondern auch den Sieger nicht ohne brennende Starben aus dem Kampfe ziehen lassen. Und die Aussicht, Sieger zu bleiben, wird für die Arbeiter um so geringer, je ausgedehnter ein solcher Streik wird. Das beweift die Erfahrung in Crimmitschau und in Schweden. Je weitere Kreise der Bevölkerung von den Belästi- gungen, die mit jedem Streik verbunden sind, betroffen werden, desto eher wendet sich die öffentliche Meinung gegen den Streit, und gegen eine starke öffentliche Meinung ist kein Streik durchzuführen. ,Sehr gut! rechts.) Die Regierung wird sich jedenfalls leiten lassen von den Grundsätzen der Gerechtigkeit und Billigkeit sowohl gegen- über den Arbeitern wie auch gegenüber den Unternehmern.(Bravo! rechts.) Abg. v. Gescher(k.): Die Erklärung der Regierung können wir nur billigen; sie konnte nach der Sachlage gar nicht anders ausfallen. Die Bewegung im Ruhrrevier ist übrigens geichürt worden von denen, die jetzt ihre Kassandrarufe ausstoßen. Wenn der Streik ausfichtsvoll erscheint, wird die Sozialdemokratie alles tun, um ihn in die Wege zu leiten. Auf den Grund wird es ihr dabei nicht ankommen. Wenn der Arbeitsnachweis auch noch so loyal gehandhabt wird, wird er von gewissen Seiten doch immer bekämpft werden, solange er einseitig bleibt und solange nicht die Organiiationen bei seiner Errichtung mitwirken und damit ihre Anerkennung als legitime Vertreter der gesamten Bergarbeiter- schaft erreichen. Von dem christlichen Verband will ich das nicht behaupten, wohl aber von dem sozialdemokratischen Verband. Von einer gesetzlichen Regelung der Arbcttsnachweisfrage kann bei der Flüssigkeit der ganzen Materie zurzeit noch keine Rede fein. (Bravol rechts.) Abg. Hirsch-Essen(natl.): Die Zahl der Kontraktbrüche ist doch großer als Herr Trimborn es hingestellt hat. Das Hamburger System hat sich durchaus bewährt.(Lachen bei den Sozialdemo- traten.) Die Nervosität, die auch in bürgerlichen Kreisen bei der Ankündigung des Zechenarbeitsnachweises im Ruhrrevier Platz griff, war ganz unverständlich. Die Zechenbesitzer dürfen nichts weiter, als von ihrem Koalitionsrecht Gebrauch machen. Von einem Verstoß gegen die Gewerkschaften kann bei diesem Arbeitsnachweis keine Rvöe sein. Eine solche Abficht wäre bei der Verbreitung der Organisationen und dem Arbeitermangel im Ruhrrevier auch gänzlich aussichtslos. Wie auch sogenannte paritätische Arbeits- nachweise im einseitigen Interesse der Arbeiter ausgenutzt werden, beweist die schon im Reichstag zitierte Aeußemng der„Holzarbeiterzeitung". Wir sind überzeugt, daß die Handhabung oes Arbeits- nachweiseS im Ruhrrevier eine durchaus loyale sein wird. Nach den bisherigen Ersahrungen ist daran auch nicht zu zweifeln; er hat bis jetzt bei sehr großer Inanspruchnahme durchweg ordnungs- mäßig funktioniert. Zur Einführung einer gesetzlichen Kontrolle über solche Arbeitsnachweise liegt gar kein Anlaß vor. zumal sie der Kontrolle der Oeffentlichkeit unterliegen. Man sollte erst die Erfahrungen abioarten, ehe man berechtigte Empfindlich. keiten stört.(Bravol bei den Nationalliberalen.) An der Er- rcgung im Ruhrrcvier hat nicht der Zechenarbeitsnachweis als solcher, sondern haben lediglich die aufhetzenden Artikel der sozial- demokratischen Presse schuld.(Sehr richtig! bei den National- liberalen.) Was will man mit den Drohungen auf sozialdemo- kratischer und christlicher Seite eigentlich erreichen? Soweit sind wir noch nicht, daß rein« Rechtsfragen im Wege des Streiks durch Druck auf die Parlamente erledigt werden könnten.(Bravo! bei ben Nationalliberalen.) Abg. Gilßling(frs. Vp.>: Der Herr Minister hat Licht und Schatten gleichmäßig verteilt auf Arbeitgeber und Arbeitnehmer, und das ist in der Frage, die uns heute beschäftigt, besonders not- wendig.(Sehr richtig! links.) Für uns hängt die Arbeitsnach- weisfrage eng zusammen mit der Frage der Arbcitslosenversiche- rung. Der ArbeitSnachlveis darf nur wirtschaftlichen, nicht poli- tischen Zwecken dienen und darf nicht irgendwie tangieren die Frei- zügigkeit, die Vertragsfreiheit, das Koalitionsrecht. Daraus folgt, daß er paritätisch sein muß. Als Ziel müssen wir den Paritätsarbeitsnachweis nach wie vor im Auge behalten. Ob er lim Ruhrrevier schon eingeführt werden kann, will ich dahingestellt sein lassen. 20s Mittel zur Förderung der ArbeitSvermittelung sehen wir die Schaffung von A r b e i t S k a m m e r n an. Not- wendig wäre ferner eine Reform der Kg lSS, lSZ der Gewerbe- Ordnung. Alle privaten Unternehmungen, die Kommunen und der Staat sollten zusammenarbeiten, um das wichtige und schwie- rige Problem der ArbeitSvermittelung einer befriedigenden Losung zuzuführen.(Bravol links.) 2lbg. Korfanty(Pole) sieht in dem Arbeitsnachweis eine Be- schränkung der Freizügigkeit der Bergleute. Im einzelnen bleiben seine Ausführungen auf der Tribüne unverständlich. Abg. Krause-Waldenburg(frk.): Den Zechenbesitzern kann eS nur angenehm sein, wenn der Herr Minister dem Arbeitsnachweis seine dauernde Aufmerksamkeit widmen wird, denn auch sie zweifeln nicht daran, daß die Bestimmungen durchaus loyal gehand» habt werden werden. Von dem angeblich paritätischen Arbeits- Nachweis im Holzgewerbe ist schon die Rede gewesen. Von ihm werden fortwährend Unternehmer boykottiert. So ist erst vor kurzem von ihm boykottiert worden die Parkettfußbodenfabrik Hannover.(Abg. Leinert: Wegen Tarifbruch I) Der Re- gierungsrat Dominikus hat die Einrichtung öffentlicher Arbeits- nachweise verlangt, denen die Befugnis obliege» soll, Mindestlöhne festzusehen usw. Ich bitte den Herrn Minister, seinen ganzen Einfluß aufzubieten dahin, daß unsere Industrie von solchen ge- setzgeberischen Maßnahmen füralleZukunft verschont bleibt! i(BravoI rechts.) 2lbg. Leinert(Soz.): Siach den Ausführungen der Vorredner scheint es, als ov der Arbeitsnachweis im Ruhrrevier eingeführt ist aus reiner Liebe zu den Arbeitern und gewissermaßen eine Machtentäußerung der Ar- beitgeber darstellt. So steht die Sache nun in Wirklichkeit nicht. Herr Trimborn hat eine objektive Schilderung des Nachweises gegeben. Man stellt es so dar, als ob der Arbeitsnachweis lediglich ein Arbcitsvermittelungsbureau sei und nicht die geringsten San- derbcstrebungen dabei in Frage kommen. Wenn das der Fall wäre, so frage ich, warum man denn gerade diese Form des Arbeits- Nachweises gewählt hat, lvarum man dann nicht auch die A r b e i- t«r daran beteiligt hat, und warum man den Arbeitsnachweis, »yne vorher die Ocffcntlichkeit darauf aufmerksam gemacht zu haben, so plötzlich eingeführt hat. Das ist geschehen, weil tm Ruhrrevier die Arbeiter nicht als Menschen geachtet werden.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Die Unternehmer wollen keine Verständigung, sie wollen den Kampf, um— wie sie hoffen — die Arbeiterorganisationen dort auf Jahrzehnte derart zu schwächen, daß sie nicht imstande wären, irgend etwas gegen die Zechenbcsitzer zu unternehmen. In diesem Kampf: soll der Ar- bdtsnaohweis ein Machtmittel sein. Zu welchen Zwecken auch solche Arbeitsnachweise gegründet werden, beweist der Nachweis in Mannheim-Lnvwigshafen und die Ewführnng des Hamburger Systems an den allervcrschiedensten Orten. Von diesem System heißt eS in vem Rundschreiben, das mein Freund Bömelburg im Reichstag er- wähnt hat:„Am besten erfüllt eS die Aufgabe, die Arbeiter an der Durchführung von Streiks zu hindern."(HörtI hört! bei den So- zialdemokraten.) Es ist dort auch initgeteUt, daß das Hamburger System Persoualakten besitzt von mehr als 200 000 Arbeitern! Solche Personalakten werden auch binnen kurzer Zeit für die 350 000 Arbeiter im Ruhr- revicr eingerichtet tverdcn. Einen solchen Arbeitsnachweis mit Per» sonalakten stellt die eigene geheime politisch« Polizei dcS Unter- nehmcrtums bar(Sehr richtig! bei den Sozialdenlokraten). und eS fehlt nur noch die Verbindung dieser Geheimpolizei mit der Ge- Heimpolizei des preußischen Ministeriums des Innern.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Durch diesen NgMeis haben die Um ternehmer die Herrschaft erhalten über mehr als 2 Millionen Men- schon. Die Absicht, solche Nachweise zu errichten, hat schon lange bestanden, und der Zechenverband hat es auch schon seit langem verstanden, den Arbeitern die Freizügigkeit zu nehmen dadurch. daß man Arbeiter von den Nachbarzechen nicht genommen hat. Es ist übrigens bereits urkundlich nachgewiesen, daß im Sacrrgebiet der fiskalische Bergbau genau in derselben Weise vorgeht, daß die von den privaten Hütten entlassenen Arbeiter vom Fiskus nicht an- genommen werden, und umgekehrt. Diese Bestimmung muß der Minister aufheben, wenn ihm wirklich daran liegt, ausgleichend zu wirken. Durch solche Bestimmung wird der Arbeiter an die Scholle gefesselt. Weil diese Bestimmung anscheinend nicht genügend funk- tionierte. hat man schon seit Jahren überlegt, wie man den Ar- beitern besser zu Leibe gehen könnte. Im Jahre 1005 erklärte Herr Kirdorf die Freiheit der Ablegung als nachteilig für den Be- trieb. Die Freizügigkeit werde jetzt bereits durch gegenseitige nach- barliche Verständigung beschränkt.(Hört! hört! bei den Sozial- demokraten.) Das Verhandeln mit den Arbeiterorganisationen müsse unter allen Umständen abgelehnt werden. Dieser Stand- punkt des Herrn Kirdorf ist matzgebend für die ganzen Zechen- besitze?. Auf der Arbeitsnachweiskonferenz in Leipzig 1900 hat der Sekretär des Vereins Berliner Metallindustrieller erklärt: Ich möchte nochmals besonders betonen, daß nur eine in den Händen der Arbeitgeber befindliche Rachweisstelle einen erzieherischen Ein- sluß zu üben vermag; sie bildet eine Waffe, der auf die Dauer krin Arbeiter widerstehen tan»!(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Also die Abficht, den Arbeitsnachtoeis zu einem Machtmittel in den Händen der Arbeitgeber zu machen, bestand schon seit langem. Die ganze Entwickelung der Arbeitsnachweis: scheint dem Handels- Ministerium überhaupt nicht bekannt gewesen zu sein, sonst wäre die Antwort des Herrn Handelsministers an die Arbeiter nicht verständlich. In der Debatte hat man eS allgemein als großen Segen ange- sehen, daß jetzt die Zeit der Aussperrung kontraktbrüchiger Arbeiter von 6 Monaten auf 14 Tage herabgesetzt ist. Dadurch soll jede Be- fürchtung, den Arbeitsnachweis zum Lohndruck zu benutzen, be- seitigt sein! Interessant war, daß der Herr Minister sagte: Nicht infolge der Eingaben der Verbände, fondern infolge der Mittmlun- gen in der Presse habe er sich an den Zechenverband gewandt. DaS wird übrigens jedenfalls auch nickst in der Weise geschehen sein, wie man mit den Arbeitern zu verkehren pflegt, daß man einen Schutzmann abschickt, der dann das mitbringt, was ihm von den Arbeitern mitgeteilt wird. Die permanente Sperre ist vom Han- delsministerium nicht verurteilt, sondern sogar begrüßt worden. Der Arbeitsnachweis ist nun gerade ein Mittel, diese Sperre noch wirksamer zu machen. Man sagt, die Arbeitgeber machten nur von ihrem Rechte aus§ 152 der Gewerbeordnung Gebrauch. Das sagen die Herren, die sich keinen Augenblick besinnen, einer Rechts- beugung zuzustimmen, wenn es sich um die Wahrung deS Koa- litionsrechts der Arbeiter handelt. Es trifft übrigens gar nicht zu, daß Arbeiter und Arbeitgeber praktisch gleiche Rechte besitzen. denn das gleiche Recht der Arbeitgeber wird immer dazu führen. daß sie im Uebergewicht sind.(Sehr richtig! bei den Sozialdemo- traten.) Aber die Arbeitgeber erkennen noch nicht einmal an, daß die Gleichberechtigung für die Arbeiter vorhanden sein muß. Ton- angebend in dieser Beziehung ist der Zentralverband deutscher In- duslrieller. Gleichberechtigt können die Arbeiter nur sein, wenn Sie die Idee deS Zulunftsstaates verwirklichen, die Sie ja für eine Utopie halten. Von Bedeutung ist der Umschwung im Handelsministerium. Im vorigen Jahre sagt« Herr Delbrück, sein Streben gehe dahin, die Seele der Arbeiter einzusaugen, und jetzt, nachdem der von den Bergherren in Aussicht gestellte elegante Abzug erfolgt ist, kommt man von einer anderen Seite. Jetzt tritt daS Handels- Ministerium völlig auf die Seite der Arbeitgeber. Ohne jede Be- rücksichtigung der Interessen der Arbeiter zeigt eS sich als aus- führende Behörde der Wünsche der Großkapitalisten im Bergwerk. Die Arbeiter wissen nun genau, woran sie sind. Die Harmlosig- keit, mit der der Minister die Unternehmerverbände ansieht, dürfte ihm noch den Beinamen als „Minister der Harml-stgkeit" einbringen, falls er sich nicht für die Arbeiter noch zum Mmiiier der Scharfmacher entwickelt. Neuerdings hat Herr Shdow das Verbot des Ministers Möller an die Innungen, sich Arbeitgeber» verbänden anzuschließen, weil sie dadurch verhindert würden, für ein friedliches Zusammenwirken zwischen Arbeitgebern und Ar- beitnehmern zu sorgen, aufgehoben. Herr Sydow spricht in dem be- treffenden Erlaß die Erwartung aus, daß die Innungen sich Kampf- organisationen der Arbeitgeber nicht anschließen würden, ein Ver- trauen, das kaum gerechtfertigt werden dürfte.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Die Folgen haben sich bereits im Bau- gewerbe gezeigt, wo jetzt die Innungen die Praktiken der Arbeit- gebervcrbände nachmachen. Durch diesen Erlaß hat der Minister die Verantwortung übernommen für die schweren Kämpfe um den Arbeitsnachweis, die im Baugewerbe bevorstehen.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Die Arbeitgeberverbände sind nicht harm- loser, sondern brutaler geworden.(Sehr richtig! bei den So- zialdemokraten.) Die Absicht der Unternehmer geht dahin, die Löhne herabzusetzen, wie das Herr Bueckh im Zentralverband aus- gesprochen hat. Herr Beumer hat im vorigen Jahre diese meine Behauptung als Erfindung bezeichnet. Ich hatte mich auf die „Post" berufen und habe inzwischen auS dem stenographischen Be- richt des Zentralverbandes ersehen, daß Herr Bueckh am 20. April 1000 gesagt hat:„Ich muß mit Bedauern feststellen, daß nichts übrig bleiben wird als eine Herabsetzung der Löhne, die natürlich verbunden sein wird mit einer Herabdruckung der Lebenshaltung unserer Arveiter. DaS wird aber notwendig sein, wenn wir dem Wettbewerb auf dem Weltmarkt standhalten wollen."(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Herr Bueckh sagte dann weiter, bei dem gewaltigen Rüstzeug der Arbeiter sei anzunehmen, daß die Herabsetzung der Löhne unter harten, das ganze Wirtschaftsleben schwer schädigenden Kämpfen durchzuführen sein werde. Sllso es wird vom Zentralverband mit Bewußtsein auf einen solchen Kampf hingearbeitet.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Daß der Arbeitsnachweis in den Dienst der Bekämpfung der Arbeiter und insbesondere der Herabsetzung der Löhne gestellt werden soll, ist auch gesagt worden auf der Versammlung des Verbandes der westfälischen Arbeitsnachweise im Jahre 1005. 2llso bekannt ist das längst. Nun sagt man, die Statuten deS ZechenarbeitSnach- weise« enthalten von all dem nichts. In seinen Statuten ist aller- dings nichts Derartiges gesagt, aber der Herr Handelsminister sollte sich auch einmal das Statut des Zechenverbandes ansehen. Dort heißt es, daß die Verbandsorgane den Anordnungen in bezug auf die Durchführung deö Nachweises Folge zu leisten haben. Im § 8 dieses Statuts wird die Verpflichtung der Verbandswerke dahin festgelegt:„Während der Dauer eine? Busstande» und 3 Monate nach Beendigung desselben darf kein Arbeiter der vom Ausstand betreffenden Berbandswerke angenommen werden, und für die gleiche Zeit darf ein solches Werk keinen Arbeiter von einem an- deren Berbandswerk annehmen."(Hört! hört! bei den Sozial- demokraten.) Und das ist bestimmt, auch wenn der Ausstand ohne jeden Kontraktbruch vor sich geht. Von dieser Bestimmung werden die Zechenbarone dem Herrn Minister jedenfalls nichts mitgeteilt haben? Ferner kann der Vorstand ohne weiteres Anweisungen er- teilen, durch die da» schöne Nachweisstatut ohne weiteres über den Haufen geworfen werden kann, ohne daß der Zechenverband die Verpflichtung hätte, diese Anweisungen dem Handelsministerium mitzuteilen. Wenn die Arbeiter solche Bestimmungen auf- nehmen würden, würden die Unternehmer über TerrvriSmuS schreien.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Die Arbeit- geber aber führen durch diesen Arbeitsnachweis einen Absolutismus, eine Schreckensherrschaft über Millionen von Arbeitern herbei, denn auch ganz Unschuldige, wie die Frauen und Kinder der Arbeiter, werden durch solche Bestimmungen, wie die Aussperrung auf 14 Tage, dem Hunger, einer Strafe, die wirksamer ist als jede Polizeistrafe, preisgegeben. Reuerdings hat man nun auch angeregt. Arbeitgeberverbände für die Land vir tschaft und für daS Handwerk einzuführen, für bke bann natürlich auch solche Arbeitsnachweise geschaffen werden. Wir verlangen demgegenüber ein.dichtmaschiges Netzt von paritätischen Arbeits- nachweisen. Natürlich wehren sich die Arbeiter gegen diese Ausbeutung. Der erfreulichste Erfolg des Vorstoßes der Zechenbesitzer ist das gemeinsame Vorgehen aller Bergarbeiterverbände im Ruhrrevier. Die Arbeiter kämpfen um ihr Selbstbestimmungsrecht, und diesen Kampf werden sie durchführen, mag kommen, was will. 2luch ich bin überzeugt, der Streik wird kommen mit und ohne Arbeits- Nachweis. Im Ruhrrevier wird eine solche Fülle von Zündstoff von den Unternehmern aufgehäuft, daß es wirklich nur eines Fünl- chens bedarf, um den Brand losbrechen zu lassen. Wenn sogar ein Führer der christlichen Gewerkschaft, wie Herr Effert, erklärt hat, daß es dann den Arbeitern ganz gleich sein werde, ob dadurch das Wirtschaftsleben ungeheuren Schaden erleidet, so können Sie daraus ersehen, wie tief und gewaltig die Unzufriedenheit der Bergarbeiter im Ruhrrevier bereits sein muß. Daher sollte man, statt die Un- Zufriedenheit zu schüren, endlich einmal Einrichtungen schaffen, mit denen auch die Arbeiter zufrieden sein können. Wir verlangen paritätische Nachweise aus Notwehr gegenüber den Uebergriffen der Arbeitgeber. Der Kampf der wirtschaftlich und politisch zu Heloten herabgedrückten Arbeiter wird ein furchtbarer und das ganze Wirtschaftsleben erschütternder werden. Abzuwenden wird er nur sein, wenn der Zechenverband sein provokatorisches Bor- gehen gegen die Arbeiter unterläßt, wenn er in dem Arbeiter auch einen M en s ch e n erblickt, nicht nur eine War», mit der gehandelt werden kann. Es gibt eine Grenze für Tyrannenmacht. Man ist nahe daran, sie zu überschreiten und einen Kampf im Ruhrrevier lzervorzurufen. der alle bisherigen Kämpfe in den Schatten stellen wird.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Ha«delsminister Sydow: Die Bestimmungen des K 8 der Satzungen de» Zechenver- bandes über Maßregeln bei einem Ausstand haben mit dem Arbeitsnachweis nichts zu tun. Ich habe bereits betont, daß in der Annahme der Arbeiter den Arbeitgebern vollkommene Freiheit innerhalb der gesetzlichen Bestimmungen gewahrt bleiben muß. Was die besonderen Anweisungen anbetrifft, von denen in dem Statut deS Zechenverbandes die Rede ist, so haben die Vertreter des Zechenverbandes mir gegenüber erklärt, daß der Zeckenverband dadurch in keiner Weis« von der Verpflichtung befreit ist, die Ver- sprechungen, die er mir gegenüber eingegangen ist, zu halten. Mein Erlaß an die Innungen gehört nicht zu dem Gegenstand der Tagesordnung, ich werde darauf bei der zweiten Lesung de» Etats zurückkommen. Dann hat Herr Leinert gesagt, ich sei entweder harmlos oder ein Scharfmacher. Ob ich harmlos bin, wird er ja mit der Zeit merken, jedenfalls bin ich nicht harmlos genug, um nicht zu er- kennen, daß unter dem Mantel der Arbeiterfreundlichkeit der Herr Vorredner die Absicht verbirgt, die politischen Zwecke der Sozial- demokratie in erster Linie zu fördern.(Lebhaftes Bravol rechts. Unruhe bei den Sozialdemokraten.) Wenn er mich einen Scharf- macher nennt, so heißt das im Deutsch seiner Partei: einen Menschen, der einseitig die Interessen der Arbeitgeber verfolgt ohne Rücksicht auf die Interessen der Arbeiter. Ich kann eS wohl ruhig dem Urteil dieses hohen Hauses überlassen, ob diese Mei- nung nach den Ausführungen begründet ist. die ich in Bcantwor- tung der Interpellation gemacht habe.(Bravol rechts.) Abg. Jmbnsch(Z.): Wir erwarten im Gegensatz zu der Sozialdemokratie, daß der neue Nachweis loyal durchgeführt wer- den wird. Wenn im Ruhrrcvier eine schwüle Stimmung herrscht, tz sind auch die Arbeitgeber und ihre Presse daran nicht schuldlos. Abg. Dr. Beumer(nat.): Herr Bucck hat die Herabsetzung der Arbeiterlöhne nicht befürwortet, wie es Herr Leinert hinstellte. iondern ihre Notwendigkeit bedauert. Die Arbeitgebernachweise haben viel besser gewirkt als die paritätischen. Der Tyrannei der Gewerkschaften sind die Arbeitgeber müde. Auch der Mittelstand mutz vielfach im Interesse seiner Existenz gegen die Gewerl- 'chaslcn Front machen. Ein Schlnhantrag wird hierauf angenommen. DaS Haus vertagt sich auf Montag, 11 Uhr.(Kleinere Vorlagen; Fortsetzung der zweiten Etatberatung beim Landwirtschaft Setat.)) Schluß Uhr._ Hus der partei» Costas Beisetzung. Sv», 22. Januar.(Privatdepesche deS.Vorwärts".) Die Be« stattung Costa» wurde mit unvergleichlicher Feierlichkeit vollzogen. Hunderte von Parteisektionen und Gewerkschaften, die Vertreter von 275 Kommunalverwaltungen. der Ministerpräsident Sonnino sowie die Regierung der Republik von San Marino nahmen teil. Der Leiche folgten der Parleivorstand. die Parteifroktion, zahlreiche Ab- geordnete und eine unübersehbare Volksmenge unter den Klängen der Rathausglocke. So wurde der Sarg zur Sialion geleitet, um in Bologna verbrannt zu werden. Am Sarge sprachen der Kammer- Präsident Marcora, Genosse Zkella für die Stadt Jmolo, Bis so» l a t i für die Partei. Um 12 Uhr wurde die Leiche, begleitet von Angehörigen und Delegierten, nach Bologna übergeführt. Die Schulen und Theater der Slädte Jmola und Bologna waren wegen der Leichentrauer geschlossen und dir mit einem Trauerflor umkleideten Laternen angezündet. ES war eine Trauerdemonstratton ohne- gleichen. S-ziaNsttsche«NndenNteratm. Soeben ist erschienen:„Die Neue Zeit", Organ zur Pflege sozialistischer Weltanschauung unter den Blinden deutscher Zunge. Die Nr. 2 hat folgenden Inhalt: Blindenbewegung und Politik, von Nemo. Der wissenschaftliche Sozialismus. Von P. R. Wie ich meinen besten Freund verlor. Bon Martin Jäger.— Bücheranzeige.— Notizen. Das Blatt hat in der kurzen Zeit feines Bestehen» in allen Kreisen der Blinden eine Verbreitung geftmden, wie sie von den Herausgebern nicht annähernd erwartet wurde. Diese Tatsache, sowie der Umstand, baß der Redaktion zahlreiche zustimmende, ja zum Teil begeisterte Zuschriften von Blinden auS allen Teilen »Deutschlands und Oesterreichs zugingen, beweisen zur Genüg«, daß eine sozialistische Zeitschrift für Blinde ein Bedürfnis und eine Not» wendigkeit ivar. Um aber die sozialistische Propaganda unter den Blinden noch planmäßiger und wirksamer gestalten zu können, ist eS dringend nötig, daß die Parteigenossen die Arbeit unter den Blinden unterstützen, indem sie alle ihnen bekannten Blinden aus die neue Zeitschrist aufmerksam machen, und dadurch nach Möglichkeit zur Vergrößerimg de» Leserkreise» beitragen helfen. Der jährliche AbonnementSpreiS beträgt bei viermaligem Er» scheinen 2.40 M. für Deutschland und Oesterreich-Ungarn, für die übrigen Staaten 3,— M. Bestellungen und«nstagen sind zu richten an A. Mendt, Berkin lis. 30, Sprengelstraße t. Bon dort tonnen ebenfalls w Brailleschem Punktdruck hergestellte Propagandaflugblätter bezogen werden. Die Maifeier-Bezirksfonds. In der letzten Versammlung des Sozialdemokratischen Vereins Otfenbach a. M. wurde über die Bildung eines Maifeier-BezirtSfondS verhandelt. Der LandeSfelretär für das Großherzogtum Hessen hatte vorgeschlagen, die finanzielle Grundlage de» Unterstütznngsfonds für Maifeiermaßregelungen sollte auS den vei der Maifeier 1S09 abgeführten Tagelöhnen ge» bildet werden und der Fonds durch die von den Angestellten der Partei und Gewcrlschaften abzuführenden Tagegelder vom 1. Mai, durch freiwillige Beiträge und Sammlungen bezw. durch die lieber» schüsse von Maifeiern gespeist werden; als das vom Leip- ziger Parteitagsbeschlutz zusan, menhängende Wirtschaftsgebiet für den Fonds sollte das ganze Grotzherzogtum Hessen erklärt werden. Entgegen diesem Borschlage und der weiteren Anregung der Frank- furter Funktionäre, die Provinz Hessen-Rafsau und daS Grotzherzogtum Hessen zu einem Maifeier« bezirk zusammenzuschlietzen, hatten die Offenbacher Parteileitung samt dem Kartellvorstand beschlossen, als diesen Bezirk den Wahlkreis Offenbach-Dieburg zu empfehlen. Urber diese verschiedenen Vorschläge entspann sich eine sehr rege Diskussion. Genosse Orb begründete seinen Vorschlag, den Bezirk aus das ganze Land Hessen zu erstrecken. Das Grotzherzogtum sei allerdings kein zusammenhängendes Wirtschaftsgebiet, das sei aber auch der Wahlkreis Offenbach-Dieburg nicht; wolle man ein solches Wirtschaftsgebiet, dann müsse man sich schon aus den Boden der Frankfurter Anregung stellen. Für seinen Vorschlag spreche vor allen Dingen der Gedanke der Solidarität, nach welchem die Offen- bach-Dieburgcr Parteigenossenschaft als � den Kopf der gesamten Grotzherzogwms-Sozialdemokratie die schwächeren Kreise Unterstützen mützie. Die folgenden Redner, die Genossen Heilmann, BruhnS, Grün ni eher und E itznert wandten sich gegen den Vorschlag Orbs und befürworteten die Beschränkung auf den Wahlkreis, weil Offenbach-Dieburg keinen wesentlichen Einflutz auf die Gestaltung der Maifeier im übrigen Hessen ausüben könne, die finanziellen Folgen für den Kreis aber unabsehbar sein könnten. Die drei letzten Redner hätten Zusammenschluh mit Fraiikfurt a. M. gewünscht, der aber bisher von den Frankfurtern abgelehnt worden sei; so bleibe nur die Beschränkung auf den eigenen Wahlkreis. Schlietzlich wurde folgende Resolution angenommen:„Die... Parteiversammlung schlietzt sich in der Frage— Abgrenzung des Wirtschaftsgebietes— der Ansicht des GewerbchaflskartellS Offenbach an, datz als Wirt- schaftsgebiet der Kreis Offenbach-Dieburg in Betracht kommen solle. Zur Schaffung eine6- Maifeierfonds für Ausgesperrte empfiehlt die Versammlung, datz die abzuführenden Tagegelder von Parleigenoffen nach dem Nürnberger Parteitagsbeschlutz in diesen Fonds fliehen, autzcrdem sollen alljährlich in den Monaten März und April Marken a 20 Pf. mit dem Aufdruck„Maifeiersonds' an die Partei- genossen wie Gewerkschaftsmitglieder abgegeben werden.' In der„Frankfurter Volksslimme' erklärt GewerkschaftSsekretär D o r s ch u zu den Ausführungen in der Versammlung, datz die Redner von einer irrigen Voraussetzung ausgehen. An die Zusammenfassung der ganzen Provinz Hessen-Nassau, wie eS in Offenbach dargestellt worden sei, glerchviel ob mit oder ohne daS Grotzherzogtum Heffen, denke in Frankfirrt überhaupt niemand. Auch die Provinzialkonferenz der Partei hat daraus verzichtet, eine Be- zirkSabgrenzung in dieser Weise vornehmen zu wollen. Die mit der Angelegenheit betrauten Frankfurter Genossen denken sich die Regelung ebenso, wie BruhnS und Grünmeyer sie in der Offenbacher Versammlung als einzig zweckmätzig hingestellt haben. Voraussetzung ist dabei selbstverständlich, datz man sich über den Begriff der Um- gebung einigt, fest steht jedoch, datz weder diHganze Provinz Hessen- Nassau, noch oer Regierungsbezirk Wiesbaden unter diesen Begriff fallen._ Aus den Organisatioae». Eine außerordentlich« KreiSkonferenz für den Wahlkreis Lennep« Remscheid' Mcttmann, die sehr stark besucht war. tagie diese Woche in Elberfeld. Nutzer den Delegierten waren anwesend als Ver- treter des AgitationskomitecS die Gcnosien Böllens und Gewehr, für die„Frew Presse' in Elberfeld Genosse Stehr, für die Rem- scheider.Arbeiter-Zeitung' Genosse Bcatz, ferner daS KreiSkomitee und der RcichstagSkandidat Genosse Dittmann. Parteisekretär Faure gab zunächst einen kurzen Bericht über daS erste Geschäft« Halbjahr. Die Mitgliedcrzahl betrug am 1. Oktober lSvS 240S männliche und 412 weibliche. ES ist das eine absolute Zunahme von 87 männlichen und 82 weiblichen Mitgliedern. Das Verhältnis der zahlenden Mit- fsiieder ist 91,93 Prozent. Wie der Parteisekretär hervorhob, mutz ür die Organisation der Frauen mehr alS bisher geschehen. Flug- bläiter wurden insgesamt rund 93 000 Exemplare verbreitet; außerdem gelangten 19 350 Voltskalender zur Verteilung. Die in diesem Jahre vollzogenen GemeindcratSwahlen brachten der Partei einen ansehnlichen Zuwachs an Vertretern. Sie ist mit den 11 neu- gewonnenen Sitzen heute durch S9 Genoffen in den Gemeindekollegien des Kreises vertreten. Ein eigenes Gebäude für die Parteidruckerei soll in Bremen errichtet werden. In der letzten Versammlung des Sozialdemokratischen Verein? teilte Genoffe Pieck als Borsitzender der Pretzkommission mit, in dieser herrsche Einmüiigkeit darüber, datz eine Etage des BetriebSgebäudeS für Versammlungszwecke her- gerichtet werde. Auf diese Weise Uetze sich ein zentral gelegenes und vorzüglich geeignetes Lokal für eine ganze Reihe von Ver- anstaltungen. z. B. des BildungSausschusseS, deS Arbeiter-Männer- gesangvereinS usw., beschaffen. poliieilicbe», Oeridmiches ulw. Dortmund, 22. Januar. Der frühere verantwortliche Redakteur der sozialdemokratischen„Arbeiterzeitung' Adolf Nottebohm wurde bekanntlich vor einiger Zeit unter dem Verdacht verhaftet, ein Sittlichkeilsverbrechen begangen zu haben. Später stellte es sich heraus, datz der Verdacht falsch war. Es erfolgte deshalb die Auf- Hebung des Haftbefehls. Heule ist Nottebohm wegen tätlicher Beleidigung zu sechs Wochen Gefängnis verurteilt worden. Soziales* Ausschreitungen eines GrißbäckermeisterS. Ein krasser Fall menschenunwürdiger Behandlung eines Weib- liehen Angestellten beschäftigte gestern die 1. Kammer des Berliner Kaufmannsgerichts. Die Verkäuferin Berta W. erhob Klage gegen den Grotzbackermeister Moritz Dobrin, in dessen Hauptgeschäft sie tätig war, der aber unter der Firma„Karlsbader Feinbäckerei' eine ganze Anzahl Filialen unterhält. Am letzten NeujahrStage war die Klägerin, die beim Beklagten in Kost und Logis stand, spät aufgestanden und erschien erst zehn Minuten vor 12 Uhr zum Mittagessen, als die anderen Verkäuferinnen schon fast abgegessen hatten. Kaum hatte sie sich zum Essen hingesetzt, als der Be- klagte D. im Küchenraum— dort werden die Mamsells ab- gespeist— erschien und die Klägerin anschrie:„Sie hören sofort auf! Jetzt gibt's nichts mehr zu essen!" Frl. W. erhob sich auch sofort vom Platze, bat aber den Chef, er möchte sie noch essen lassen, sie hätte so großen Hunger. Als Antwort packte D. die Klägerin, stieß sie heftig in? Kreuz und setzte sie eigenhändig auf die Straße. Im Hausflur rief er ihr noch die Worte nach:„Wenn Sie noch was wollen, dann haue ich Ihnen ein paar herunter, Sie dreckiges Frauenzimmer!' Nicht einmal ihr verdiente? Gehalt von 22 M. wollte ihr der Beklagte geben, wenn sie nicht eine Aus- gleichSquittung unterzeichne; die Klägerin war aber standhaft genug, sich ihre? Rechtes nicht zu begeben, wenn es ihr auch schwer genug fiel. Vor dem Asyl für Obdachlose wurde sie nur durch ihre Schwester bewahrt, die, obgleich selber eine arme Näherin, ihr Unterkunft gewährte. Unter heftigem Schluchzen bekundete diese Schwester, wie schwer es ihnen als alleinstehenden und an- ständigen Mädchen fiel, die drei Wochen auszuhalten, und wie die bitterste Not bei ihnen herrschte.— Die Beweisaufnahme er- gab im großen und ganzen die Richtigkeit der von der Klägerin aufgestellten Behauptungen, und auch ein Beisitzer bestätigte, daß D. ein sehr aufgeregter Herr sei. Die Klägerin wollte sich schon mit 7b M. einigen, aber der Vertreter deS Beklagten lehnte jeden Vergleich ab. DaS KaufmannSgericht verurteilte den Beklagten, 2b M. sofort, 90 M. am Ende dieses Monats und weitere 90 M. am Ende Februar zu zahlen, falls Klägerin bis dahin keine andere Stellung gefunden hat. DaS Gericht ist der Ansicht, daß D. Frl. W. zu Unrecht in dieser Weise behandelt hat. Bocholter Aerztekrieg. Eine von dem Generalsekretär des Leipziger AerzteverbandeS, Herrn Dr. Kuhn?, in einer Anzahl Blätter veröffentlichte Er- klärung erregte Aufsehen. Herr Kuhns unternahm eS, daS„be- rühmte" Telephongespräch nach Möglichkeit umzudeuten; er hat damit aber in Bocholt kein Verständnis gefunden. Der Kranken- kassenverband bezeichnet die Ausführungen des Generalsekretärs öffentlich als Verdrehungen und Ausreden. DaS Ergebnis des Rechtfertigungsversuche» ist aber um so mehr gleich Rull, weil der Krankenkasscnverband wiederholt die eidliehe Zeugenaussage an- bietet und um die Erhebung der Beleidigungs- oder VerleumdungS- klage bittet. Inzwischen ist ein Verbot der Aufsichtsbehörde, daS dem Krankenkassenverbande Veröffentlichungen in dem Aerzte- kriege untersagte, nach nur kurzem Bestehen auf Anordnung höherer Stelle, an die man sich telegraphisch gewandt hatte, wieder aufgehoben worden. Auch war der Verband in der Lage, der Re- gierungsverfügung, die ihm die Anstellung eines fünften Kassen. arzteS vorsehrieb, zu entsprechen. DaS Ergebnis der Zählung der Kassenmitglieder und deren Angehörigen hat dagegen der Er- Wartung der Regierung nicht entsprochen. ES wurden nämlich rund 16 700 Personen(einschließlich Holländer)' ermittekk, Sie Anspruch haben, von Kassenärzten behandelt zu werden, während die früheren Aerzte über 20 000 angaben und in ihrer lobenswerten Sorge für das Wohl der Kassenmitglieder die Zahl der jetzt hier praktizierenden Aerzte als zu gering erachteten. Da die Regierung für je 4000 Personen einen Arzt beanspruchte, würden also nach Abzug der Holländer vier Aerzte genügen. Die Aerzte haben übrigens wieder einen kleinen Erfolg zu verzeichnen, da es ihnen gelungen ist, neben vier holländischen Aerzten in Aalten und Dinxperlo auch noch vier WinterSwijker Aerzte zum Anschluß an ihre Bewegung zu veranlassen. Hiergegen machten nun mit Recht die in der Bocholter Industrie beschäftigten holländischen Arbeiter Front. Für diese ist die gegenwärtige Kriegslage besonders des- halb«rnst, weil sie damit rechnen müssen, entlassen zu werden, falls eine Verschiebung zu Ungunsten des Krankenkassenverbandes eintritt. Um dies zu verhüten, veranstalten sie in Holland Protest- Versammlungen gegen daS Vorgehen der holländischen Aerzte. Eine solche Versammlung fand z. B. am letzten Sonntag in Aalten statt, wo ein eingehender Bericht an die holländische Regierung be- schlössen und um deren Eingreifen gebeten wurde. Der Bocholter Aerztekrieg hat also bereits die schwarz-weiß-roten Grenzpfähle überschritten und wird auch jenseits derselben die Gemüter er» regen. Und alles dies um acht Aerzte, die in rechtsgültiger Weise gekündigt wurden!_ Hus Induftnc und ftandet Grundbesitz und Hypotheken. In dem soeben erschienenen Jahresberieht deS„Vereins Bev- liner Grundstücks, und Hypothekenmakler zu Berlin" wird das Ge- schäst im Jahre 1909 wie folgt charakterisiert: „Die Hoffnung, welche wir Ende vorigen JahreS auf die Ent- Wickelung des JmmobilienmarktcS setzten, haben sich nur teilweise erfüllt, und wenn wir an ein« lebhafte Bautätigkeit von Frühjahr 1909 ab glaubten, so hat sich diese unsere Ansicht durch die teilweise in Kraft getretenen, teils noch schwebenden gesetzgeberischen Maß- nahmen als irrig erwiesen. Wie nachfolgende Zahlen beweisen, ist zwar eine kleine Besserung auf dem Gesamtmarkte eingetreten; doch wenn man unsere Tabelle mit den Ergebnissen des Jahres 1907 vergleicht, so ist der Rückgang dagegen auch dieses Jahr noch ganz gewaltig. Einen absoluten Rückschlag gegen das Vorjahr, welches doch hauptsächlieh unter den Vorgängen auf dem internationalen Geldmarkte litt, hatte die Bautätigkeit zu verzeichnen, trotzdem die Geldbeschaffung inzwischen viel leichter geworden ist.' Als Hemmungsfaktoren werden angesproehen: daS Gesetz über die Sicherung von Bauforderungen, die Reichsumsatzsterler, Talon- steuer, Erhöhung des Effektenstempels für Wertpapiere und Wert- zuwachssteuern. Nach der beigcgcbenen Statistik wurden in Groß- Berlin im letzten Jahre 3629 Bauscheine ausgestellt, 3169 im Vor- jähre; Gebrauchsabnahmen erfolgten 1446, 1641 im Vorjahre; der Gesamtumsatz stellt sich auf 940� Millionen Mark gegen 793 Mil- lionen Mark im Jahre 1908. Der Zwangsversteigerung unter- lagen 808 bebaute und 293 unbebaute Grundstücke gegen 921 resp. 226 im Vorjahre._ Fleischboykott. Die kleinen Jleischhändler von New Dork fangen an, sich über einen großen Stillstand in ihren Geschäften zu beklagen. Die Arbeiterverbände in den verschiedenen Stadtteilen haben hier und da Versammlungen einberufen, in denen ein Fleischboykott beraten und vorbereitet wird. Eine Frau BroocS hat ein Programm ungefähr einer Million Hausfrauen im ganzen Lande zugestellt, die sich vereinigen sollen, um die Fleischpreise mit Erfolg zu drücken. Rochester hat den Kampf aufgenommen. Durch einen erst einige Tage glücklich durehgeführten Boykott sind die Preise bereits niedriger geworden. Auch in Boston ist die Be- wegung gegen daS Fleischessen in bestem Gange. Hier haben sich 40 000 Personen verpflichtet, kein Fleisch zu genießen. In Washington haben in ungefähr 20 Versammlungen 30 000 Per- sonen daS Gelübde abgelegt, bis zum 1. März fleisch weder zu kaufen noch zu essen. In Conneeticut hat ebenfalls eine starke Bewegung gegen den Genuß deS Fleisches und der Butter ein- gesetzt. In Baltimore tragen 2000 Bürger in den Knopflöchern Medaillen mit der Inschrift:„Ich esse kein Fleisch." In Virginia hat eine Bewegung begonnen, die sämtliche Nahrungsmittel- Verkäufer boykottieren will. Durch die ganze östliche Hälfte der Vereinigten Staaten ist ein Generalausstand mit seltener Ein- mütigkeet gegen die hohen Nahrungsmittelpreise besonders für Fleisch und Eier im Entstehen. Auch in Cleveland haben weit über 30 000 Personen eine Verpflichtung unterzeichnet, sich 40 Tage lang jedes Fleischgenusses zu enthalten. Wie aus Washington gemeldet wird, soll die Bundesregierung beabsichtigen. gegen den sogenannten Beeftrust, dessen Hauptsitz Chicago ist, auf Grund des AntitrustgesetzeS klagbar vorzugehen. (il'IImBötMMl. (Obtrtwtt, Untttbrtf, S.. mit dDPPcligmtmgtcn rfutn Bat- febttn, befltr« Betten 15. 19,«4'Dit: l-/,I»l. Betten 15, 20, 23.£9, 39 Ml. ufto. Bexlanb geg. Nachnahme. Brei»- liftfc Proben. Verpackung roftenfrei, .Gustav Lustig, KÄ «ebbt Spezlal.Geichüft Deuiichl. '•'•*:V BuiUf Im Baer > Ecke I Prlni.-Allee [Herren, und Knaben- Moden, Beruftkleldung. Joppen. 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Nachdem der AusfichtSrat unserer GcseNschast auf Wunsch einer Anzahl ............. Umwandlung der bisherigen Bor- m wir in AuS- Keiieralversammlung unfcicr Gesellschast vom 18. Dezember 1909 unsere Herren BorzugSaltionäre er« neiit aus, ihre BolzugSaflicu nebst Dividendenbogen mid Talon» in der Zeit vom LS. bis spätestens»t. Januar b. I. einschließlich mit einem doppelte» NummeniverzeichuiS oiaiporm ver«uiiilvisrat unierer iscicuimaii a»! WUNiw von PorzugSaklionären die Frist(iir die Umwandlung der bis »ugSaktien in BorzugSaktien lät. A verlängert hat, fordern sühiuna der vcichlüsse der auszcrordentlichen Keiieralversamni ..... W..» und unter alelchzeitiger Zu- zabluiig von 400 M. aus jede znsammenaelegle BoizuaSame tu Berlin bei Herren Bricht u. Sohn, verlin MW., Nvonstr. 3, "erm G. Lillruthal, Berlin W., Jngerstr.«7, HO., Köprnicker , der Kasse der Gesellschaft, Berlin Strafte 154, in Frankfurt a. M. bei Herren Iaevb Wolss u. En., sisrankfnrt a. M.. Reue Mainzer Strafte HZ I, einzureichen, an welchen Stellen auch die Formulare sür die Rummern« Verzeichnisse erhältlich sind. ~ i I tM..... Von je drei dergestalt mdenslf eingereichten Vorzugsaktien wird eine Vorzugs- le» und Talon zurückbehalten und vernichtet, die Verden nach Aiifbilnaung folgenden Stempel- f Syphilis- Nachweis in allen Irlach, n. veraltet, zweifelhaft. Fäll durch wissenschastl. Untersuchung. fosort; desgl. Harn-(spez. aus Go- norrhoc-Fäden) u. Spulum-Aiialysen. Dr. Homejrer& Co., Spezlal-Laborat, Kriedrichslr. 189, gm. Kronen- und Mohrenstratze), l. 8724. Pcrs. Rückspr. diSkr. u. kostcnl. Geöffnet von 8—8. Somitag» von 12—1.* S Tifchler- Werkstätte» mit ivampfvelzang, Holzgclaft und Küvrkjnia sofort zu verpaibten Fräserei im Haus«.» »chwedter Strafte St&S Teilzahlung monatlich 10 M. liefere Herren-Gar derode„ach Matz(billigste Preise). Liudenftr. 11V, S. 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Wie in allen Zweigen der Heimarbeit, so est es auch hier: Die Arbeiterinnen haben keine Berührung miteinander; sie stehen der Organisatioil fern und sind deshalb der Ausbeutung durch den Unternehmer schutzlos preisgegeben. Wenn Unternehmer darüber klagen, daß sie nicht Arbeiterinnen genug bekommen können, so liegt das nicht daran, daß zu wenig Arbeiterinnen da sind, sondern die Ursache ist die, daß die geringen Löhne zum Lebensunterhalt nicht aus- reichen und die Arbeiterinnen, wenn sie eine Zeitlang vergebens versucht haben, sich mit Krawattennähen durchzubringen, diesen Versuch aufgeben und sich anderen Erwcrbszweigen zuwenden. In den Reklamen der sogenannten Krawattenakademien wird den Leuten vorgespiegelt, sie könnten später 30 M. pro Woche verdienen. Das ist natürlich nicht wahr. Durch ibre eigene Arbeit verdient seibst die geübteste Arbeiterin nicht so viel. Nur die Damen, welche als Zwischenmeisterinnen fungieren, erzielen solche Einkünfte. Aus- gelernte Arbeiterinnen verdienen durch ihre eigene Arbeit oft nicht mehr wie 5 bis 6 M. in der Woche. Wenn eine Zuarbeiterin mehr: wie lO M. verdient, so sind das Ausnahmen. Wenn die Löhne so niedrig gehalten werden können, so liegt das zum Teil auch daran, daß Frauen. Töchter von Beamten und sonstige Damen aus bürger- lichen Kreisen sich mit Krawattennähen ein Taschengeld verdienen und dadurch den Arbeiterinnen, die von ihrem Verdienst leben müssen, eine drückende Konkurrenz bereiten. Auf solche Damen aus bürgerlichen Kreisen rechnen in der Hauptsache die Krawatten- akademien. Diesen Geschäften ist es natürlich nur um das Lehr- geld zu tun. Daß die Ausgelernten auf die versprochene Zu- Weisung von Arbeit vergebens hoffen, ist schon oft genug, auch vor Gericht, bewiesen worden. Eine bekannte Krawattenakademie be- ruft sich in ibren Anzeigen darauf, daß der Verein.Frauenerwerb" das Krawattennähen als eine leichte und angenehme Arbeit emp- fiehlt. Der Verein„Frauenerwerb" sollte aber auch nicht unter- lassen, darauf hinzuweisen, daß für diele leichte und angenehme Arbeit elende Löhne bezahlt werden, uns daß die Damen, welche sich mit der leichten und angenehmen Arbeit einen Nebenverdienst schaffen, den Arbeiterinnen der Branche dadurch das Brot nehmen. — Auch die Korsettindustric neigt dazu, in der Hausindustrie auf- zugehen. Diese Arbeit ist nicht so leicht wie die Krawattenarbeit, wird aber trotzdem ebenso schlecht bezahlt. In Göppingen, einem der Sitze der Korsettindustrie, wird für ein Dutzend Korsetts, welches 40 Stunden Arbeitszeit erfordert, ein Lohn von 6,84 M. bezahlt. Davon gehen noch 40 Pf. für Auslagen ab, so daß der Arbeiterin für eine zehnstündige Arbeitszeit ein Lohn von l,6l M. bleibt. In OelLnitz im Vogtlande wird ein Dutzend, wozu 26 Ar- beitsstunden erforderlich sind, mit 6,52 M. bezahlt, wovon 85 Pf. für Auslagen abgehen. Eine andere Sorte erfordert pro Dutzend 24 Stunden Arbeitszeit und wird mit 3.36 M. entlohnt, ja es kommt sogar eine Sorte vor, wo das Dutzend mit einem Arbeitslohn von 60 Pf. bezahlt wird, was allerdings nur 4 Stunden Arbeitszeit er- fordert. Man sieht, daß auch die Lage der Korsettarbeiterinnen eine äußerst gedrückte ist, ob sie nun in der Großstadt oder in der Provinz beschäftigt ist. Um die Verhältnisse zu bessern, ist es zunächst notwendig, die Arbeiterinnen zu organisieren. Zu diesem Zweck müssen sie in ihrem Heim bei der Arbeit aufgesucht werden. denn in Versammlungen kommen diese Arbeiterinnen nicht; dazu fehlt ihnen die Zeit. Eine Erhöhung der Löhne, die den Arbeite- rinnen einen ausreichenden Verdienst gewährt, würde sowohl in der Korsett- wie in der Krawattenbranche das Produkt so wenig verteuern, daß es für die Käufer nicht ins Gewicht fällt. Dem beifällig aufgenommenen Vortrage folgte eine rege Dis- kussion, in der Arbeiter und Arbeiterinnen der Branche durch Dar- legung persönlicher Erfahrungen die Ausführungen der Rcferentini ergänzten und bestätigten._ ßHcfhaftcti der Expedition. Patienten in Beelitz, Buch usw. Diejenigen unserer Wonneiiteit, die noch während des ganzen nächsten Monats in der Heilstätte bleiben, wollen uns wegen der Ucbcrwcitung von Frcieremplaren sofort ihre Adresse einsenden, da bei verspäteter Bestellung die ersten Nummern des neue« Monats von der Post nicht geliefert werden. Alle Adressen müssen jede» Monat neu eingesandt werden. BSttterungStidersicht vom ZZ. Januar moraenS 8 Nkr. Stationen Setter pwmemde 753 N pamdurg 755 SO ßerlir 754 SW frankl.a M 754 NW München 753 N W'en 752 N 1 bedeckt 2 Dunst 1 bedeckt 4 wolkig Lbedeckt 1 bedeckt »'! E? Hto 1 —3 1 0 -3 0 Stationen £ 3 s 5 8? i Vetter t- ÜÄ Hcwaranda 754 Still] Nebel—21 Petersburg 754 WNW 1 wolkenl—19 Scilla 763 NNW 4 wolkig i 7 stderdeeu 76 1 NNW, 3 Schnee � 0 Paris j 757 N 1 wolkenl—8 Wetterprognose kür Sonntag, den 23. Januar 1910. Ein wenig kälter, zeitweise aufklarend, vorwiegend trübe und nebelkg mit leichten Schnecsällen und meist schwachen wechselnden Winden. Berliner Wetterb u res it. cooOoooOoooOoooOoooOoooOoooOoooOoooOoooooooooooOoooOoooOoooOoooOoooOoooOoooOoooOoooOoooOoooOoooOooOoooOooo O 9 O ö o o 9 8 O o 5 O o 5 O o o o o o •9 o 8 O o 6 O o 8 o o 8 o o o 9 o o 9 o o 0 o o 6 o o 8 o o 6 o c 6 o 6 O o 6 O o 6 o o o o 9 o o 9 Grosser Inventur-VerKauf vom 24. Januar bis 5. Februar inHl. Verkauf nur Jerusalemer Str. 38-39 SmiS Nach beendeter Inventur bringen wir grosse Ppsten Schuhwaren, sowie Restbestände jeder Art aussergewöhnlich billig zum Verkauf und wir können deshalb allen denjenigen, die gegenwärtig oder auch später für diesen und jenen Artikel Verwendung haben, nicht dringend genug empfehlen, von dieser hervorragend vorteilhaften Kaufgelegenheit den ausgiebigsten Gebrauch zu machen. Alle Waren bestehen durchweg aus bewährten Qualitäten Herren- u. Damen'Stiefel in allen Oberledersorten, schwarz u. farbig Viele Fassons— Verkauf zu nachstehenden Serien- Preisen: >.75 M. Serie I früherer Preis.. 12 ,50 M. Herren- und Damen-Stiefel 11 Serie II .75 früherer Preis..... 15 M.'' ,50 M. Herren- und Damen-Stiefel 13 Serie III � .75 früherer Preis...... 18 Herren- und Damen-Stiefel Rationelle Kinder- Stiefel in den bekannt guten Qualitäten Boxcalf Serie II Chevreau 25-27 28—30 31-35 38-39 41? C.80 J M. 6Ä 7.80 M. 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Abtctlnng d, o, 3. Abt. o, c. d: Vater und Sohn. Thalia-Theater. 10. Abteilung o und 1l. Abt. a. d, o: Jugend. Montag, den 24. Januar, 8 Uhr: 17.(IV.) Abendabteilung im Neuen Schauspielhaus: Ihr letzter Brics. Reue Freie Volksbühne. 23. Jan., nachmittags 2';, Uhr. im Deutschen Theater: Kabale und Liebe. Kammcrspielhaus: Major Barbara. Nachm. 3 Uhr: Neuen Theater: Ackermann. Neuen Operetten- Theater: Der Zigcuncrbaron. t ebb-'. Theater: Revolutionshochzeit. e....ier Theater: Dr. Eisenbart. Schiller- Theater 0.: Der Herr Ministerialdirektor. hillcr- Theater Charlottenburg: Ler Meineidbauer. Fricdr.-Dilhelmslädt. Schauspielhaus: . Othello. Metropol. Theater: Lumpacivaga- VUnduS. Kleinen Theater: Moral._ LiessinfC'Thoater. 3 Uhr: Der König. 8 Uhr: DaS Konzert. Montag, 8 Uhr: Dantrts d.Narr. DienStag, 8 Uhr: Das Konzert. öerliner Tliester. Nachm. 3 Uhr: Doktor Eisenbart. Heute 8 Uhr: �gCbötK. Neues Theater. Abends 8 Uhr: Don Juans letztes Abenteuer. Freitag zum erstenmal: Der Philosoph von Sanssouci. Theater des Westens. Nachm. 31/« Uhr: Oer fldele Bauer. AbendS 8 Uhr: Die geschiedene Frau. frlstlsiv�WIIuMMoligZ Schauspielhaus. Sonntag, 23. Januar, nachm. 3 Uhr: Othello. Abends 8 Uhr: Die Großstadtluft. Montag: FlachSmann als Erzieher. Xeoo« Opei-e-tten-DiieiUvi'. Schissbanerdamm 25, a. d. Luisenstr. Nachm. 3 Uhr: De r Zigeunerbaron. Heute und solgcnde Tage 8 Uhr: Der Gras von Lnxeinburg. Lustspielhaiis. Nachmittags 3 Uhr: Man soll keine Vriefe schreiben. AbendS 8 Uhr: Der dunkle Punkt._ Volks-Oper. SW., Belle.Alliance.Strasii Nr. 7/8, Nachm. 31/, Uhr bei bedeutend er- mäßigten Preisen: Der Trompeter von Säckingen. Abends 8 Uhr: Oer Troubsdoiir. (Gastspiel Bockmann.)_ Residenz-Theater Direktion: Richard Alexander. AbendS 8 Uhr: Im Taubeuschlag. Morgen und solgcnde Tage: Tieselbe Vorstellung. Sonntag, den 23. Januar, nachm. .8 Uhr: Eine Hochzeitsnacht. Luisen-Theater. Nachmittags 3 Uhr: Gib m i ch frei. AbendS 8 Uhr: Die Nibelungen. Montag: Die Reise um die Erde w 30 Tagen._ OSE=TnEATE 1 B Große Franksurter Str. 132. Nachmittag 3 Uhr zu halben Preisen: Ider Vizepapa. Lustspiel in 3 Akte» o. Zl. Richards. Faust. Tragödie non Gdethe. I. Teil. Montag: Die Herren Töhne. Keiedshaüen-Theater. 8tetltner8änger Der Nachtwächter von Zerpenschleuse. v.E. Ke/»el 'Ansang: Wochent.' 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. Billetts ftetö 8 Tage vorher. Urania. Wissenschaftliches Theater. Abends 8 Uhr: Im Firnenglanz des Oder- Engadin. Montag 8 Uhr: Im Firnen glänz des Ober- Engadln. Gastspiel-Theater. Ktfpenlcker Straße 67/68. Täglich 81/, Uhr abends: Eady Florcnce Der Folizeihnnd. Kriminalschauspiel._ Metropol-Theater Nachmittag 3 Ubr: LumpaeiTagabuttdos Abends 4 ühr: Hallo!!! Die grobe Revue! Rauclien Uberall gestattet. Halbe Preise. Der junge Papa, Operette und die grosjen Spezialitäten. Abends 8 Uhr: Henry Heilder als Prinz Pinne. Lotte Sarrow i ihr. Mimodrama „Die Ehebrecherin". In beiden Vorstellungen: Tvkimpsnsv Kouanl James Great. Heute nachmittag» 3'/, Uhr(kleine Preise) und abends 8 Uhr 2 Vorstellungen 2 mit Olga Desmond, die Berühmtheit der„ScbSobelts- Abende" sowie die von Publikum und Presse glänzend beurteilton Januar-Attraktionen! Kommandanteuftr. 57. T. A. 4, 5083. Dilchschlagendfler Eifolg! „So muß man's machen" Burleske mit Gesang in 2 Akten, Musik uon L. Jtal, mit den Autoren Anton und Donat Herrnfeld in den Hauptrollen. Hierzu: Bin Rettungsmittel Komödie o. L. Huna. Ansang 8 Uhr. Vorverkaus 11 bis 2 Uhr. Palast-Theater. Direktion: Robert Dill& Karl Pirnau. Burgstraße 24, am Bahnhos Börse. Das sensationelle Januar-Programm. Kapit. Frehns dress. Seelöwen. Eiu unvorsichtiger Heitkttuftter. Ansang 7 Uhr. Enlree ä« Pf. bis 2 M._ Scliiller-Tlieafer. W.Koacks Theater Snuineimr 16, am Roscnthaler Tor Abends>/z8 Uhr: Elirlillst Arbeit. Nachmittag 3 Uhr: OtbvHo. Montag: Ehrliche Arbeit._ 1- AU-Honbit 47/418. Sonntag, den 23. Januar 1910: Zum erstenmal wiederholt: Der Walzerköuig. Große GcsangSposse in 4 Akten von W. Mannstäht.� Mpstk o. G. Stessens. Sob»Ior-7hoater D.(Dallner-THeat.). Sonntag, nachm. 3 Uhr: vor Herr Ministerialdirektor. Lustspiel in 5 Auszügen v. Alerandre Bisson und Fabrice Carre. MBl Ende 5'/, Ubr. Sonntag, abends 8 Uhr: vor Prawei» v. St. Georgen. Schculspicl in 5'Auszügen von Wclckcr. tinrich Well nde 10'/, Uhr.-MW Montag, abends 8 Uhr: Gezpenster. DienStag, abends 8 Uhr: Her Pfarrer v. St. Georgen. Schiller-Theater(Charlottenburg). Sonntag, nachm. 3 U h r: Her Helneldbaner. Volksstück in 3 Akten von Ludwig Anzeiigrubcr. Ende a'/j Uhr.-MU Sonntag, abends 8 Uhr: Geseblitt int Geoebllkt. Schauspiel in 3 Alien van Octave Mirbeau. Deutsch v. Max Schönau, Zf0r End- 10-/. Uhr.*7*® Ai o n I a g. abendS 8 Udr: Viel Lärmen um nichts. DienStag, abends 8 Uhr: Geschäft ist Geschäft. Castan's Panopticum Frledrichst. 165, Pschorrpal. D-Vorstellung x Bockbierfest mi»"� Großes MaljneB-Kouzert„Stümper: Heute Sonntag 2 Vorstellungen. Heitere Künstler-Abende x Großer Humoristen-Wettstreit. Härchen X Indische Wltwenverbrennnng. 1 )» tt | lO. St 1 flu ii«s lest • am Sonntag, 30. Januar, im gr. Saale des Gewerkschaftsbaases, ®_ Engelufer: H Konzert.# Festrede: Kedaktgur Genosse IVermath.— Musik; Berliner Sinfonie-Orchester(Dirigent: Herr Kapellmeister Maximilian Fischer).— Auftreten des Berliner Clk-Trio, sowie turnerische Auttührungen.— Von 6 Ubr ab in den unteren Sälen Tanz. Bröftnung 4 Uhr. Anfang präzise 5 Uhr. Eintritt 86 Pf., an der Kasse 46 Pf. Billettvorvcrkaut bei Borsch(Gewerkschaftshaus) und in allen durch Plakate kenntlichen Lokalen. 282/3* Sonntag, den 23. Januar, abends 7� Uhr� Bunter Hbend' Leitung: Hargarete Walkotte im großen Saale des Gewerkschaftshauses, Engelufor 15. Mitwirkende: Amalie Birnbaum, Violinvirtuosin, Lucy TJmllch- Behm, Sängerin, Ernst Schmidt, Tenor, Anton Hildach, Komiker, Bernhard Nitzsche, Kapellmeister, Margarale Walkollo. Entree 50 Pf. 223b* Abendkasse 60 Pf. Vorverkauf bei Herrn Paul Horsch, Engelufer 15. f 1£ ♦Wl Brauerei Friedrichshain am Königstor. Größte Sehenswürdigkeit Berlins. Äto««Auf der Alm". Größter Bock- Jabel and Trabcl. Sehorseli Elireogruber mit seiner Truppe(60 Mitwirkende) aus Mllnchen. Aufstieg des lenkbaren LustschisscS.Zeppelin IV-.— Schönste Ottginal-Dekaralion. Ueberraschungen usw. Gewitter in den Alpen. Humoristisches Schneetreiben. Die Ricsen-Amme(6 Meter groß).— 8 Kapellen. GratiSverlosuna von Svö Wertgegensländen Jeder Besucher erhält ein LoS gratis, -----atree 56 P,. Anfang 4 Uhr. Arnold Scholz Kette Welt Hasonheide 108/114 Heute Sonntag, den 23. Januar 1910: iGroßes Bockbier-Fest in den bayerischen Alpen. Anfang 4 Uhr. Entree 50 Ff. Dienstag, den 25. Januar 1910: | Prämiierung des höchsten Stehkragens (nicht Stehumlegekragen). Preise H. 56.—» 86.—. 26.—.===== f Prachl-Säle des Ostens, '' Im weiße» Saale: Ii ♦ § ♦ ♦ ♦ ! so'nntTg: Tanz-Reunion bei stark besetzt. Orchester. Anfang 4 Uhr. sJoenn": Cr. Konzert, Theater- und Spezialitäten-Vorstellung Auf. d. Konz. 5'/,, Vorst 6 Uhr. Nach d. Vorst.: Tanzkränzchen. unter Eeitung des Kapellmeisters W IUI Schönbarg. Konzert d. Humoristischen Bauera-Ensembles„Fidelltas". Anfang wochentags 7 Uhr. Entree frei I Sonntags 4 ühr. VorzflgT. X liehe, Ausschank von Patzonhofer hell, echt Pilsenor und Mfinchener Bürgerbräu ▼ ; ♦ ❖ uiisr neu,»vi.»■ iibd.iv. � iu. 4082 L � IV' alhaila Variete �Theater Weinbergsweg 19-20, Rosenth.Tor. teilte: 3 Vorstellungen, nachm. Uhr(jeder Bes. 1 Kind frei) und abends 8 Uhr. In beiden Vorstellungen: Svvvrii» Schacffer und die übrigen Spezialitäten. Tnnnel: Vodblcrfest. RcgiinentSkapclle, Schrammel». Theaterbesuchern freier Eintritt I Theaterkasse ununterbr. geöffnet. X olj» t-Thea ter Gesundbrunnen Badstr. 68. Sonntag, den 23. Januar 1910, nachmittags 3 Uhr: Der Glöckner von Notre-Dame. Schauspiel in 9 Bildern von CharL Birch-Pseisser. AbendS 7 Uhr: Die goldne Eva. Lustspiel in 3 Alien von Schönthan. Montag, den 24. Januar 1910: König Heinrich nnd Katharina Sotvard oder: Ein Opfer d. Liebe. chauspicl in 7 Bild. v. R. v.Gollschall. Kasfeneröffnung 7. Anfang S" Sonnlag, den 23. Januar: 2 gr. brillante Vorstellungen Nachmittags 3'/, Uhr bat jeder Besucher ein Kind frei, weitere Kinder zahlen halbe Preise außer Galerie. Nachm. und abends ungekürzt: Die drei Rivalen oder das mysteriöse Schloß in der N o r m a ii d i e. Große Feerie in 5 Akten. Der kleinste komische Reiter der ZÄclt Orisinal-Bagonghi. Sergeant Krennan, der vmzügliche Diabolospiclcr. Dcr Froschmensch de Harlow einzig in seiner Art. Austreten dcS KommisfionSratS (iustav Stensbeck als Gast mit t. neuen hervor- ragenden«chulpserden. 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Januar: FraOlavolo. Vaudcville in 3 Akt von Schmidt. Ansang 7 Uhr. Montag, den 24. Januar: Künstler- lohen. Schauspiel in 4 Akten von Hochjeldt. Ansang 8 Uhr._ Folies Caprice. Sicher ist sicher. Bunter Deik. Ver Kann meiner Trau.! Ans. 8'/. Uhr. Voroerkaus 11—2 Casino-Theater Lothringer«traße 37. Täglich 8 Uhr: Sensationeller Lacherfolg! Der Obergauner. Lnstspicl in drei Alien von MiSkL Vorher: Das erstklassige bunte Programm.- Sonntag, nachm. 4Uhr: Drudchens Souiincrreise. T rianon»Tlieater. AbendS 8 Uhr: Kuridans Efel. Srrlintt prater-Thrnttr Kastanienallee 7— 9. led Sonntag u. Mittwoch Große Striree der Apollo-8änger Sonntag: Ans. 7 Uhr. Mittwoch: 8'/, Uhr. Nach dcr Vorstellung: Tanzkrlnzchen. Jeden Donnerstag Elitr-Ball. Heute Sonntag, den 23. lonuar 1910 2 gr.aaßerord.Gala-Vorstell. 2 nachm. 3'/. Uhr u. abends 71/, Uhr. Um S'/jUhr zahlen Kinder unter zehn Jahren auf allen Sitzplätzenhalbe Preise.(Galerie volle Preise.) Nachmittags S'l, Uhr; Farmerleben In beiden Vorstellungenj ISPSistersCurtis�SI Luftserpentin-Akt Die Ifiorandinis. ? Frl. Krembser? Vorführen und Reiten der best dressierten Schul-, Frei- heits- und Springpferde. Sämtliche Clowns mit den neuesten Witzen und Späßen. Abends Tl, Uhr: Die russ. Sensations-Pantomime: „Marja". Außerdom: Herr Heinrich Fillls, Schulreiter. Sanssouci, s'rXe' Direktion Wilhelm Reimer. Heute, Sonntag: Neues Programm. Elite-Soiree von kränzchen Zum erstenmal: Der Messerschmied. Burleske in 1 Akt Total neues Progr. k Beg. Sonnt. 5. woweni. 8U. Der nächste Mittwoch-Dheatcr- Abend sällt wegen großer Privat- Festlichkeit ans. k<3rl Haverland Ansang Theater, präz. 8 U. 77/79 Kommandanlcnstraße 77/79. Das glänzende erstklassige Januar-Programm. Schlager auf Schlager! i£5n i g« tn il t- Ka* i no. Holzmarkistraße 72.,, Täglich: Konzert, Theater- u> Tpeziaiitäten-Vorstellnng. Franz Sobanski, Ella MalthtaS, Ella Goltz, Viklor Ritter. Millyni. Oskar Tnol, Mtlr. Boston, Mind, Neumann. Gregg und Schefsiclu Kramcr-Trio usw. Mamille Knoppe Volksstück in. Gesang v. O. Nichter. Ans. 8 Ubr. �onntagS�S� Udr. lUMMMIl-: | hjp"»» Morihpläl: Im oberen Saale: Die glänzenden Spezialitäten. Heute 9'/, Uhr ringen: Th. Schibilski Laube Berlin Bromberg Leon de Wolf P. Schibilski Belgien Berlin Aug. Schneider Stoizenwald Nürnberg Essen Petitjean Meier Berlin Bei litt Morgen 91/, Uhr ringen: Roepeli Apoiion le Goiosse Tanzig Lüttich L. Gambier Ferigo Frankreich Italien Altmann Gebhardt Berlin Rixdorf Entscheidnngskampf» Tb. Schibilski JHa Berlin Kuba. Im unteren Saale: Alta Germanisches Bockbier- Kellertest mit Hoppel-Konzcrt. IM- Heute Beginn 6 Uhr.'MM m\\]m- rann Saal Sonntag, den 23. Januar, 7'/, Uhr: Populärer Wagner-Abend des BlUtbner- Orchesters. Dirig.: F. Neisser. Solist: Lamblnon. Karten bei Bote& Book, Worthelm eto. Orchester• Büro LQtzow- Straße 78, Tages- und Abendkaste. Für den Inhalt»er Jnierate übernimmt die Redaktion de« Publikum gegennber(cinectet Verantwortung. »n dar JannowitzbrUckc. Deutsclilantls Riösste und yomuhmste Lichlbiiline 630 Sitzplätze Feenhalt« Ausetattung Beginn: Wochentags 4(Jbr. Sonntags 8„_ N., Chausseestr. MO. Karl Richter. Heute Sonntag: Paul Mantlieys lustige Sänger. »m�anz 6 Uhr. Eintritt 50 Ps. Nachdem: Faniillen- Kränzchen. Im weihen Saale von S Uhr ab: (Zroker Lall. Alilon öoellsls Feslsi Weberstr. 17. flel. Amt 7 13114.) Mein lleiner Saal mit Neben- räumen, 150 Pe: Ionen lassend, ist Sonnabends und Montags noch zu vergeben. 3737L' Anton Boeker, Weberstr. 17. Hagerkeit schwindet durch Haufes Nährpulver„Thilossia". Preisgekrönt Berlin 1904. In 6 Wochen 24 Pfund ärztl. kontrollierte Zunahme. Gar. unschädL Viele Anerk. Karton 2 M., bei Postversand Porto und Nachnahmespesen extra. H. Haufe, Berlin N., Greifenhagenerstr. 70. 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Man verlange aber und nehme leinessallS \ ausdrücklich Marke andere Füllungen.| erantworllicher Redakteur Richard Larth, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Icrlirn Truck u7VerIag?Vorwärtö Duchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. Dr. 19. 27. Jahrgang. I KcilM its Jotwtls" J etliiift Jloltiöliliitt. Än«>ag, 23. In«»« 1910. €!n Redeturnier für und wider den Reviiieaismus. Tie von uns mitgeteilten Vorgänge im sogenannten„Keher- klub" in Hamburg haben dazu geführt, datz der Parteiverein für den ersten Hamburger Wahlkreis eine theoretische Aussprache über „Revisionismus" und„Radikalismus" in der Partei herbeigeführt hat, die drei volle Abende in Anspruch genommen hat. Die Aus- führungen des Genossen Dr. A. Müller(Referent) und des Genossen Dr. Laufenberg(Korreferent) haben wir im Ex- trakt wiedergegeben. In der zweiten Versammlung sprachen von revisionistischer Seite die Genossen v. Elm, Laufköttcr und Lorenz(Geschäftsführer der Grosieinkaufsgesellschast), deren Asichten stark divergierten, v. Elm erklärte, Marx sei nach wie vor sein großer Lehrmeister und die von Dr. Müller erhobenen Einwände gegen die Mehrwcrttheorie könne er durchaus nicht unterstreichen, wie er auch mit der Art der Kampfesweise dieses Redners nicht einverstanden sei. Man könne ein guter Marxist sein und„revisionistisch" handeln, d. h. alle Vorteile für die Ar- beiterschaft herauszuschlagen suchen mit Hilfe der von den Ar- beitern geschaffenen Einrichtungen. An eine friedliche Lösung der Endziele des Sozialismus glaube er nicht. Deshalb müßten die Arbeiter durch Schulung und Ausbau der Organisationen darauf hinwirken, daß der Tag der Verwirklichung des Sozialismus in möglichste Nähe gerückt werde. Laufkötter redete drum herum, während Lorenz meinte, man könne ein guter Sozialist sein, ohne vom Marxismus etwas zu verstehen. Am dritten Abend(Freitag) kam als erster Redner Genosse Kaufmann(Sekretär des Verbandes deutscher Genossenschaften) zum Wort. Er führte unter anderem aus, solche Streitfragen ließen sich nicht in Versammlungen erschöpfend behandeln. Die Aussprache trage zur Milderung der Gegensätze innerhalb der Partei bei. Wenn von der Diktatur des Proletariats gesprochen werde, so könne das nur in demokratischem Sinne verstanden werden, daß das Proletariat die Mehrheit hinter sich habe. Be- züglich der Verelendungstheorie habe man sich auf radikaler Seite von der absoluten auf die relative Verelendung der Massen zurück- gezogen. Die Konzentration des Kapitals, z. B. des Bergwerks- kapitals, werde nicht in unbeschränkter Weise vor sich gehen dürfen, indem hier der Staat im Interesse der Gesamtheit werde ein- greisen müssen. Die Differenzen zwischen Revisionismus und Radikalismus seien durchaus nicht so groß, wie hier und dort an- genommen werde. Denn alles sei in ständiger Wandlung be- griffen. Er erinnere nur an die frühere Stellungnahme der Partei zu den Stadtverordneten- und Landtagswahlen. Ein englisches Sprichwort sage:„In kleinen Dingen Freiheit, in großen Dingen Einigkeit, in allen Dingen Verträglichkeit und Wahrheit." Genossin Steinbach ist auch nicht in allen Teilen mit Dr. Müller einverstanden, aber im übrigen findet sie dessen An- sichten„nicht so schlimm". Die weitereu Ausführungen der Rednerin riefen wegen ihrer persönlichen Noten zum Teil leb- liaften Widerspruch hervor, so bei ihren Angriffen gegen die Genossin Lureinburg und Genossen Mehring. Ein österreichischer Genosse brachte die Debatte wieder auf das theoretische Niveau zurück und zerpflückte die von revisionistischer Seite gegen Marx und Kautsky erhobenen Einwände. Dr. Müller(Schlußwort) hebt hervor, der Genosse v. Elm, dem er in mehreren Punkten widersprechen müsse, mache auf ibn den Eindruck eines Eklektikers, der den Revisionismus und den Radikalismus verbinde. Wenn v. Elm meine, daß die Katastrophe, der Kladderadatsch doch komme, so könne er, Redner, sich damit nicht befreunden, weil gerade die Gegenwartsarbeit, die Eni- Wickelung der Dinge die Katastrophe in den Hintergrund dränge. Je mehr Gegenwartsarbeit, je geringer die Aussicht der Kata- strophe. Redner unterscheidet� zwischen Marx und den Marx- Epigonen. Nun kamen die„Sisyphusarbeit" der Gewerkschaften, die Generalstreikdebatte usw. sowie Genossin Luxemburg an die Reihe, womit der Referent den Beweis für die Feindlichkeit radikaler Gruppen erbracht zu haben glaubt. Es gebe Radikale, die zwischen den Gewerkschaften und deren Beamten Zwietracht zu tragen suchen, was er aus einigen Artikeln radikaler Blätter herausgelesen haben will. Die Marxsche Werttheorie hält Dr. M. für reformbedürftig; es stecke zu viel Abstraktion darin. Der Sozialismus könne nur von«Sozialisten verwirklicht werden, aber der Weg führe über die sozialen Reformen, weshalb man sich nach Hilfe umfchen müsse. Gegen die Grundgedanken des Marxismus habe er nichts einzuwenden, was aber nicht ausschließe, daß"man mit Einzelheiten nicht einverstanden zu sein brauche, weil unsere Anschauungen nicht zum Dogma erstarren dürfen. Dr. Laufenberg wendet sich zunächst gegen die in Dr. Müllers gedrucktem Bortrag enthaltene taktische Behandlung der Präsidentenfrage. Die Angelegenheit dürfe nicht unter dem österreichischen, sondern unter deutschem Gesichtswinkel betrachtet werden. Gegen die Besetzung des Präsidiums durch Sozialisten habe kein Genosse etwas einzuwenden, stellen wir doch selbst die Forderung nach einer Besetzung des Reichstagspräsidiums, nur auf das Drum und Dran komme es an. Dann nahm Dr. L. die kritischen Einwände des Referenten gegen den Marxismus unker die Lupe und hob hervor, daß der Klassenkampf des Proletariats sich in evolutionären und revolutionären Bahnen abspiele; das eine schließe doch das andere nicht aus. Genossen Dr. Müller gehe es wie so vielen anderen Marxkritikern, die Marx nicht kennen und nicht verstehen und doch absprechend über ihn urteilen; seine Auffassung von dem Mehrwert und der Profitrate bewege sich in falschen Bahnen, die Funktion des Geldes in der Formel G— W— G(Geld— Ware— Geld) habe er nicht begriffen, daher der fundamentale Irrtum in diesen Dingen. Hinsichtlich der Taktik wolle Dr. M. zwar an den Formen des Klassenkampfes fest» halten, aber im Grunde genommen laufe seine Ansicht darauf hin- aus. die Arbeiterschaft zum Sprungbrett für den neuen auf- strebenden Mittelstand zu machen. Dafür werden die Gewerk- schaffen und deren Führer nicht zu haben sein. Sympathischer seien ihm die Ansichten v. Elms, während Laufkötter mit Witzen so ernste Fragen behandelt habe. In glänzender Weise räumte Dr. L. mit den gegen die bisherige Taktik und prinzipielle Auf- fassung vorgebrachten Argumenten auf und schloß unter dem großen Beifall der großen Mehrheit der Versammelten um 1 Uhr nachts seine Rede._ eingegangene Dnichfcbnften. Handbuch der sozialdemokratischen Parteitage RSKZ—>909, bearbeitet von Wilhelm Schröder, komplett in 18 Lieferungen a 30 Ps. zu je 32 Seiten. Verlag von G. Birk u. Co. m. b. H., München. Vorkämpfer deutscher Freiheit. Dokumente liberaler Vergangen« heit. Herausgegeben vom Alad. Frcibund, München. München-Gern 1910, Buchhandlung Nationalverein. Heft t— 6 zu Preisen von 0,20 bis 1,23 M. Hcsl t. SN. Kant �„Was ist Aufklärung?"— Heft 2. I. F. Fries: Zivei politifche Flugichriiten 1814 und 1817.— Heft 3: Vom Hainbacher Fest.— Heft 4: Staat und Kirche in den Debatten der PaulSlirche t>48.— Heft 5: Die Grundrechte des deutschen Volkes in den Debatten der Paulskirch« 1848— Heft 6. Rud. 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Kreis Altes Schutzenhans» Fillituflraße Tagesordnung: 1. Bericht vom Preußischen Parteitag. 2. Diskussion. 3. Partei- und Vereinsangelegenheiten. 5. «. Kreis Kranere» Königstadt, Schö»haufer Allee 19. Tagesordnung: 1. Berichterstattung vom Preußischen Parteitag. 2. Diskussion. 3. Neuwahl deS zweiten Vorsitzenden. Nixdorf Hoppes Kobal, Hermavustr. 49. Tagesordnung: 1. Berichterstattung vom Preußischen Parteitag. Ref.: Gen.Dr.Stlberstetn. 2. Diskussion. 3. Partei- und Vereinsangelegenheiten. Wilmersdorf Gesellschastshans» Wtlhelmsaue Nr. U». Tagesordnung: 1. Bericht vom Preußischen Parteitag. 2. Diskussion. 3. Partei- und Vereinsangelegenheiten. I« allen Versammlungen legitimiert das Mitgliedsbuch des betreffenden Wahlvereins. Zahlreichen Besuch erwarten Die Vorstände. Zehlendorf Miekley, Potsdamer Straße 25. Tagesordnung: 1. Bericht vom Preußischen Parteitag. 2. Diskussion. 8. Vereinsangelegenheiten. Zo�ialltemoKratischer Aahlverein im fünften IMe. Heilte, Sonutag, 23. Jannar, abends O Uhr: Versammlmig» Männer«d Tranen in den SophleitsSälen, Sophienstraße 17/18. Vortrag des Genossen Dr. Alfred Kerastein. Darauffolgend: 223/3* Geselliges Beisammensein und Tanz. Zahlreiche Beteiligung erwartet Der Vorstand. ■ I nontas, den 7. Febrnsr: Voranzeige! Mareen Salzer-Abend ■■BBaHMMBMHHBBBaBBBfflKSB im 5. Kreise in de«»Topyten-PSlen-'. Sophien sie.>7/18. _ BillcttS a 60 Pf. snNufive Aarderobi. deutscher Qanspottarbeiter-Verbanll »> � Lektloa verlin I... Vureau: Engeluser 14/i» ll, Zimmer 33. Telephon i Stmi 4. 2382 u. 4747. Arbeitsnachweis i Alte Leipziger Straße 1.— yerusprecher: Amt I, 2032. Lsosflieoef, pAeller. llslUsbk'e«'. 8edslloer. Portlers, Fahrsluhlführer, Jugendliche, Chauffeure usw. aus den Kauf- u. Warenhäusern Berlins. Mittwoch, den SS. Januar liSIV. abends 8'/, Uhr: LnoU« öffentliche Versammlung in den„Armin-Hallen". Kommandantenstraste 58— SV. TageS- Ordnung: 1. Wie ist das Verhalte» der Firma Jandorf gegenüber ihren HauSdientM usw. seit dem Boykott von 1307? Referent: Kollege Fritz Wapplcr. 2. Diskussion. vi« Iioolivtoktltr« Taee.-Ordnnng macht es Jedem Kollegen znr strengsten Pflicht, In dieser Yersauiniluns jbu erscheinen. 68/12______-»er DektionSIeiter. Oeffenllicher Vortrag: Diechristlicfinationale von Reinhard Mumm Dlenstai;, 25. Januar, 8'/, Uhr, im großen Saale dos tiewerksciiaftNhaases, Engelufer 18. Freier Eintritt für jedermann. 3721b Kirchlich-soziale Konferenz. Sterbekaffe Nr. 56. Mittwoch, de» 26. Jannar, abends 8 Uhr, im Lokal von Wille. Müllersir. 7, Hos Part.: Goncral-Teraamniliing. Taaeserdnuiigil Kassenbericht. 2. Wahl von drei Revisoren. 3. Be- schästllcheS, Bericht über die Statuten- änderung. 282/6 Ter Borstaud. I. A.: S. B a b st. Allgemeine Orts- Krankenkasse für Nixdorf. Bekanntmachung. Kemäh 9 67 deS KassenftatuS geben wir hierdurch bekannt, dah der Bor. stand sich seit dem t. Januar d, I. aus solgendcn Personen zusammen- fett: 270/13 Jakob Neuweier, Vorsitzender. Paul Biester, ftellveitr. Vorsitzender. Karl Exner, Schrllljahrer. Karl tusch, Beisitzer. Paul Lindner, Karl Hirtmann» Fritz Hoppe Robert Walter, Marie Pieiter. Rirdors, den 20. Januar 1910. ver KasHciivorattund. ZAng! Tapezierer. Mittwoch, den 26. Jannar. abendS 8 Uhr: OeffentUche Versammlung bei Wendt /Jndustrie-JestsSle), Brnthstr. 21. LageS-Vrdnnng: 1. Wahl der Zlrbcitnrhmer.Beitiher zum Schiedsgericht deZ Innung?- Ausschusses. 2, Neuwahl de» Kehilsen-AuSschusseS. m/8 Oer OehilfensAusschnfi. g. A.! n. Bdnlcbe,. SMgehilse, Orts- Krankenkasse Friedenau. Der in der Generaloersammlnng vom 0. November 1909 beschlossene VI. Statutennachtrag ist vom Bezirks- aus schuh zu Potsdam in seiner Sitzung vom 28, Dezember 1S0S genehmigt und tritt mit heutigem Datun, in Kraft. 270/12 Fnedenau, den 21. Januar 1310. vor Vorstand. Buth, Seeliger, Borsitzender Schriftführer. WKlÜSENER�lks-KüinÄTist Ctiilhtiiifi, Terzett, Stcitror. aScliiriwiHrilr.S3. Scherz-, Vereint-, Verlesung,-, Bockbier- Artikel, Masken la snsscnjewohnlleh reicher Auswahl. Vereins erhalt auf die pohnehtn schon 5?hr billigen Preise Uahatl Bernhard Kciiioh, Spielwarenbans:: IS Schaufenster Grosse Hamburgers tr. 21.SS. Sozlaldemokraüssher WaMvsvein Seitöneberg. Dienstag, den 25, Januar 1910, abends 8 Uhr, in den Neuen Nathaussälcn, Mciuiuger Str. 8. General-Verfauimlttiig. TageS-Ordnung: t. Bericht de? Vorstandes und der Funltionäre. 2. Neuwahl deS Vorstandes. 3. Verschiedenes. Als Lrgtiimatio» ist daS Mitgliedsbuch mitzubringen. Oer Vorstand. SozialdemoMscher Wahbereln Rummelsburg;. DicnStag, den 25. Januar, abends 8'/, Uhr. bei Söitiuc Wclgel, Dürrfchmidstrahe 15: Untglieder-Versammlnng. TageS-Ordnung! 8/1 1. Vortrag des ArbeitcrsekretärS Genossen llllcrniaun Alttllcc über:»Slletne Reiseeindriicke von Slmerika.« 2. Kassenbericht. 3. Wahl von Delegierten sür den KreiS und für Ervtz-Berliir 4. Per- schiedene«. Erscheinen aller Mitglirder ist Pfiichil Mitgliedsbuch legitimiert. Der Vorstand. Filiale Berlin JL■ Bureau: Sebastianftr. 37—33, H, r, II. Tel.: Amt IV. 9737. ' Herrenkonfektion. Am Montag, den 24. Jannar. abend» 8'/, Uhr, tu den.Musiker, Sälen», Kaiser-Wilhelmftr. 18m: Versammlung'HW sämtlicher bei der girma A. Stier beschäftigten Kollegen. Sage«. Ordnung: Die Antwort der sstrma auf unsete am 17, Januar eingereichten Forde- rungen und unsere wettere Stellungnahme. 162/1 Kollegen! Da in dieier Versammlung vorauSfichlich Beschlüsse von grSHIer Tragweite aesatzt werden, so erwarten wir, dah kein bei obiger Firma beschasligter Kollege sehit. Darum sorge ein teder sür vollzählige» Erscheinen. Die Kommission. t Zahlstelle Berlin. Bureau: Blankcnfeldestr. 10. Mittwoch, den 26. Jannar, abends 8'/z Uhr» in BoekerS Festsälen, Weberstraße 17: General- Versammlung. TageS-Ordnung: 1. Kassen- und Geschäftsbericht. 2. Neuwahl der OrtSverwallung. 3. Bericht der Deschwei delommission und Neuwahl derselben 4. Vorschläge sür die Wahl des GesellenauSschusseS und der JimungSschiedSgerichtöbeisitzer. b. Disseienzen in der Echohbranch-. 6. Verschiedenes. Wir ersuchen um vollzähliges und püntlliches Erscheinen.— Unsere Kollegen und Kolleginnen oerwelsen wir nochmals aus die statistische LohunachwelStarte und blilen, dieselbe gewissenhaft auSzusüllen. Wer noch nicht im Befitze einer solchen Karle ist, kann dieselbe aus dem Oureau erhalten. Der MaSkenball findet am IS. Februar im Schweizer garten statt. 169/2_ Die Ort«.verwaltHng. f der Bcutschlanda. Zwelgvereln Berlin n. Umgegend. (Sektion der Fiieseßleger-Hilfsarbeiier.) Sonntag, den 23. Jannar 1910, vormittags 10 Uhr: jlußerordenll. Kitglisder-Versammlnng im Lokale oonllnth, Michaeltirch- u. Wusterhausener Strichrn-Ede. TageS-Ordnung: Keschlnßfllssung über die Unterzkilhuvilg dks Tarifvertrstgts. Vollzähliges und PünliiicheS Erscheinen erwartet 29/2 Der ZweigveretnSvorstand. ZV Mitgliedsbuch legltimierl. ohne dasselbe kein Einlast. lud mmm (S. H. Nr. 2 Hamburg.) vrrtliche Benvaltung verlin. Dienstag» den 25. Januar 1916, abends 8'/, Uhr, im Gewertschaftshanse, Engelufer IS. Saal 6: Mtglieäer-Verfammlung. Tage»-Ordnung: 1. Abrechnung vom IV. Quartal 1909. 2. Wahl von Kassierern sür den 6. und 7. Bezirk. 3. Wahl der Revisoren. .......'..■ i Mitgliedsbuch legitlmlarl. i Der Borstaud. 853/1* I. A.: Richard Schräder, Berlin Ö., Tllfitrr Strafte 7, vorn IV. M Brauerei Karl Gregory Aktiengesellschaft Berlin Hochstraße 21/24 Lager« Pilseners Münchener« Amt m 1008 and 8183. Biere Ringfrei! ■■ Sophien-Säle Sophienstraße 17/18 Querstralle der Rosenthaler StraS»— am Hackeschen Markt* •<"m< 1 Inhaber: Paal Baatz>»■ empfiehlt seine ven«0—2000 Personen fassenden Säle zu Versammlungen Vortrag»-«. Kunstabenben usw. Bcrzügl. Aknstit. Kulant. Snigegentommen Achtung z Brauereiarbeiter I Achtung! Sonntag, den A3. Januar 1910, mittags lÄ Uhr, im Palasttheater(Feenpalast), Knrgßraße- vlld St. WolfpngstMßtll-EiKe: Große öffentliche Versammlung «bk i« dt» Lagerbicrbrailcttikn, MiIKliriKt»«»d Kiermtderlligeii m-Wt» ArbriimlMer. TageS-Ordnung: i. Kericht der LohnKommislion. 2, Keichlullfailung Ober den an die Unternehmer einzureichenden Tarifvertrag. Die hochwichtige Tagesordnung macht es jedem Kollegen zur strengsten Pflicht, in dieser Versammlung zu erscheinen. Brauereiarbeiter! Erscheint in Massen! Die Ortsverwaltungen Berlins der nachstehenden Organisationen: Srsusreisrdetter-Verdanll. Verdank! der Böttcher. Verband der Kupfers ohmiede. Transportarbeiter-Verband. Idetallarbeiter-Verband. Verband der Rialer und Verband der Rlasehinisten und Kolzarbeiter-Verband. Saekierer. Ketzer. Verband der Sehtniede. Verband der Sattler. NB. Da der Saal«m Z'/z Uhr geränmt werden must, ist pünktliches Erscheinen dringend notwendig.__ allgemeiner Deutscher Gärtner- verein. Verband der Jflaurer. Verband der Zimmerer. Dentseher Holzarbeiter- Verband Verwaltung Berlin. Montag, den 24. Januars Mitglieder- llersammiungen in allen Bezirken und Branchen. Tagesordnung: 1. Wahl der Delegierten zur Generalversammlung. 2. Bericht über die gegenwärtige Tarifvertragsbewegung in der Holzindustrie nnd die Beschlüsse der Generalversammlung. 3. Berbandsangelegenheiteu. Mitgliedsbuch legitimiert. Die Delegierten-Kandidaten müssen in den Versammlungen anwesend sein, wo sie als Kandidaten aus gestellt sind. Wer ohne Entschuldigung fehlt, kann nicht gewählt werden. Jedem Mitglieds steht es frei, nach dem ihm am bequemsten gelegenen Versammlungslokal zu gehen. DersanunlungSlokale und Beginn der Versammlungen: Tischler. SällVCStöH um B'i, Übt bei Habel, Bergmannftr. 5-». Süden um 6 Uhr in Märkischen Hof. Admiralstr. 18». Südosten I um&>/, Uhr w den Rannyn-yestsäle». Naunynstr.S. HNiiaotan II um 5'l,»he im Relchenberger Hof, Reichen. dUQOSieD 11 berger Strafte U7. Osten I mn S'l, Uhr w de» Aadreaö-gestsSleu,»ndreaSstr. gl. Osten 11 um S'/i Uhr bei liltfln, Memelerstr. 65. ncfati III um»>/, Uhr in den Prarbtaillen de« Osten., USieD III Frankfurter Allee 151/153. Oeslllche kororte■»■'''ÄiVÄUÄ« Norden(Rosenllialer und Scliönhauser Torstadl) um 5'/, Ubr bei«btUl», Schwedter Strafte 23. Uedding und llonmi"WKsÄ"." Bautischler. BeZ. i um 6 Uhr bei Baabe, Fichte, tr.»». B6Z. 8 um 6 Uhr bei Zlot*. Warschauer Str. 61. B6Z. 8 um 6 Uhr bei OUesehe,«opcnhagcner Str. 74. Bez. 4 um 6 Uhr bei Baabe,«olberger Strafte 23. MSdelpoUerer, Ssissr und SRagazinarbeiter Südosten um e Uhr im Märkischen Hof. Admiralstr. 18» Osten um S'l, Uhr im Judustrlepalast. Gr. Frankfurter Str. 137. Borden um 6 Uhr bei Brame?, Hufsttr.str. 46. Öreeksler, Ireppeilgelsnöer- um! Luxusmöbelbranche mn 8'/. Uhr bei Bocker, Weberftrafte 17. Maschinenarbeiter um S'l, Uhr in den AudreaS-Feftfäleu, AndreaSstr. Iii. Klavierardeiter um 8'l, Uhr im Gewerk.cbaftsbaa.e(gr. Saal), Engelufer 15. Vergolder na 8 Uhr in den Arminhallen. Kouimmidantenstr. 58/5V. Modelltischler um 8 Uhr bei Wllke, Brunnenstr. 188. Stockarbeiter am 6 Uhr in den Bltter-SiUen, Ritterstr. 75. Kisten- und Koffermacber um S'l, Uhr bei Borsmann, AndreaSstr. gl. Korbmacher ran S'l, Uhr im OewerkBcbaktabause, Eugelufer 15. Saal 4. Ushmsumsolisr mn 6 Uhr im GewerkfchaftShaufe. Engelufer 15. Saal 5. Perlmutt-, Ooru-n. SteinnußarbeUer am 6 Uhr im Gewerkschaftshauf« lGaal II), Eugelufer 15. dalouslearhelter um 8 Uhr b» Aorker. Weberstr. 17. Bürstenmacher um 8'/. Uhr bei 1'ren0(Hilfebein- Ausschank). Holzuiarktstr. 65. Bodenleger um 5 Uhr im 6!eHrerk»ebalt»ban»e(Saal l) Eugelufer 15. ! il! Mr Stistvngsfestt, Maskenbälle, Sommerfeste m b« gsöllle M Treptows------ mit groftem Naturgartea zu sehe lulenten vedingiingen, auch noch zum Februar,»u vergeben. Näheres Parkstrafte S. Treptower«ustgarteu. 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G Die Herstellnng; unserer Fabrikate erfolgt in£& eigenen Betriebswerkstätten unter den von unserer Organisation festgelegten Bedingungen. Lieferanten 103/1* der Konsum-Genossenschaft Berlin n. Umgegond, des Cbarlottenburgcr Konsum-Vereins sowie des Arbeiter- Kadfahrerbundos. NB. Wir weisen besonders darauf hin, daß wir nur für eigenen Bedarf fabrizieren and unsere Waren in keinem anderen Geschäft zu haben sind. •seseeoseseeeeesseee Z s I )ugenbruehs Kantabak Ist der Beste, nnr CCht mit Flrmenzottcl |„Hngo Carl Baffenbrneb, Kautabakfabrik, Hühlhausen 1. Th." I Vertreter: Aug;. Kleine» t. Berlin 8VV. 47, Vmwb Amt 6, 10660. GroShaercnstraße 39. Weshalb haben allein Stötten- Doulllou- Würfel eitlen dauernden Plötz in Zeder Mche? Well die Qualität unerreicht ist und ständig gleich bleibt. Lassen Sie sich nicht durch biltigere Angebote täuschen, es handelt sich dann immer nur um minderwertige ts Nachahmungen:: Rixdorf, Seiehowerstr. 13, 3 Zimmer und Küche« preis oa. boom. 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Januar verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 24. Januar. nachmittags l'L Uhr, vom Auguste-Viltoria-KrankenhauS in Schöneberg aus nach dem neuen Schöneberger Gemeinde-Frtedhoj, Blanke Hölle, statt. Um rege Beteiligung ersucht 78/S Die QrtSvertvaltnng. Söziaitakrat. WabMn Mixdorf. Am 21. Januar verstarb unser lmigjähriges Mitglied, der Arbeiter Leinried Wendelborn (10. Bezirk.) Ehre seinem Andenken i Die Beerdigung findet am Dienstag, nachmittags 2'L Uhr, von der Leichenhalle dcS Rirdorscr Kemeinde-FnedhosS am Marien- dorser Weg aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 234/3 Der Vorttand. l Völdsnr! lies fsdsiilgsbeitös DeuisekianliZ. Am Donnerstag, den 20. Januar, ncrstarb an den Folgen einer Blinddarmentzündung unser lang- jährige? Mitglied Willielm Räder. findet am nachalle Die Beerdig Sonntag, den 23. Jamiar, mittags 4 Uhr, von der Halle de» Tegeler Friedhofes auS statt. Am Freitag, den 21. Januar, ist unser langjähriges Mitglied Gustav Stabe an der Lungenschwindsucht ver- starben. Die Beerdigung findet am Wontag. den 24. Januar, nach- mittags 3'/, Uhr. von der Halle des Nazareth- Friedhofes, Rei- nickendors-Wcst, anS statt. Am Freitag, den 21. Januar, ist unser langjähriges Mitglied Heinr. Wendelborn nach kurzem Krankenlager ver- ftorben. Die Beerdigung findet am Dienstag, den 25. Januar, nach- mittags 2'/, Uhr, von der Halle des-Rixdorser GcmeindcjricdhoscS, Martc>ic«rscr Weg auS statt. Ehre ihrem Andenken! Rege Beteiligung erwartet S3/4 Die Oiisverwaltung. Deutsctisr Transporfarbeiter- Verband. Orttverwaltung GroB-Borlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, das; unser Kollege, der Droschken- sührer Otto Ammst am Mittwoch, den 19. d. M.. im Alter von 47 Jahren an Leber- leiden gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Sonntag, den 23. d. M., nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- Halle des neuen Johannis-Fried- ose» in Plötzen�ee aus statt. SS/ll Venralluiig. ISeziaMemoMeberWaiilvefeiD Bezirk Weißensee. Den Parteigenossen zur Nach- ' Mitgiied,' unser der richt, daß Schlosser Ulbert Hoenicke am 20. Januar verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Soimtag, den 23. Januar, nach- mittags 2'/, Uhr, von der Halle des Weistenseer Gemcindc-Fried- hoses statt. Um rege Beteiligung ersucht 18/2 Der Borstand. Qeuieeber Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berti». To d es- Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, das; unser Mtglied, der Schlosser Albert Hönicke am 20. d MtS. an Lungenlciden gestorben ist. Ehre seinem Andenke«! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 23. Januar, nach- mittags 2'/, Uhr, von der Leichen- Halle des Weitzenseer KtrchhoseS, Rölkestrahe, aus statt. Rege Beteiligung wird erwartet. Naelirnr. Den Kollegen zur Nachricht, bah unser Mitglied, der Klempner Georx Pruscheit am 19. b. Mts. an Nervenleiden gestorben ist. 110/16 Ehre seinem Andenke«! Die Drtereiwlluiig. Deotseber Verwaltung GroB-Berlln. Den Mitgliedern zur Nachricht. das; unser Mitglied, der Kollege Wilhelm Herrholz am 20. Januar im Alter von LI Jahren gestorben ist. Ehre seinem Andenke«! DI« Beerdigung findet am Montag, den 24. d. M.. nach- mittag« 3>/, Uhr, von der Leichen- Halle des Heitigkreuz-Kirchhoses in Mariendors aus statt. Sb/10 Die Verwaltung. Am 21. d. M.. früh S>/, Uhr. entschlief nach langem, schwerem Leiden mein lieber Mann, unser guter Vater, Buchbindcrmeister Pritsch. Die Beerdigung findet am Man- tag, den 24. d. M., nachmittags 2 Uhr, von der Leichenhalle des Zentral- Friedhofes, Friedrichs- selde, aus statt. 36öb Die trauernden Hinterbliebenen. Hugo Zentral-Krankenkasse der Buchbinder Verwaltungsstelle Berlin. Den Mitalledern zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Buchbinder und Pretzvergolder Hugo Frltsch am Freitag früh verstorben ist. Ehre seinem Andenkenl Die Beerdigung findet am Montag, nachmiitagS 2 Uhr, vom städtischen Fnedhose in Friedrichs- selde auS statt. Um rege Beteiligung ersucht 23/5 Die Ortsverwaltung. Zentralverband deutscher Textilarbeiter. Filiale Berlin. Todes-Anzelge. Am Donnerstag den 20. d. M. verstarb unser Mitglied, der Posa- montier EimÜ Löschner im 47. Lebensjahre. Ehre seinem Andenke«! Die Beerdigung findet am Montag, den 24. Januar, nach. mittags 3>Z, Uhr. von der Leichen- Halle des HimmeisahrlS-Ktrchhos w Nieder»Schönhausen« Nordend auS statt. Um rege Beteiligung ersucht 197/1 Die Orlsvcrwaltung. Danksagung. Für die vielen Beweise herzllcher Teilnahme bei der Beerdlanng meines lieben ManncS imd guten BaterS. des Malers �osei Krehiner sage allen Verwandten und Bekannten sowie dem Zcntralverband der Maler und auch der Gruppe III des Sozial- dcmokratischcnWahlvereinSCHarlotten- bürg meinen innigsten Dank. Die traoerndeo Hinterbliebenen. Verband der Maler, Falbierer, Anstreicher ufic. Filiale Berit«. Den Kollegen zur Nachricht, dah unser Mitglied, der Maler Otto Metzing am 19. Januar verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 23. d. Mts., nach- mittags 3 Ubr, aus dem neuen Johannes- Kirchhos w Pötzensee statt. 128/8 Die DrUverwaltung. Allen Freunden und Bekannten I die traunge Nachricht, dah mein lieber Mann, der Gastwirt Gustsv ösrnsee nach kurzem, schwerem Leiden im Alter von L4 Jahren plötzlich vei- starben ist. 3ö5b Dies zeigt tiesbetrübt an die trauernde Witwe tzatbiide Barntee geb. Marx. Die Beerdigung findet am Dienstag, den 25. Januar, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- halle des zweiten städtischen Fried- böses. Blanke Hölle, aus statt. Deutscher Tabakarbeiter-Verband. flablstelle Berlin.) Todes• Anzeige. Den Mitgliedern zur Nachricht, dah unsere Kollegin, die Zigaretten- arbeiierin Frau �si-tbs Hinter am Freitag, den 21. Januar nach langen Leiden verstorben ist. Ehre ihrem Andenkenl Die Beerdigung findet am Montag, den 24. d. M., nach- mittags 2 Uhr, von der Leichen- balle des Sebastian-KirchhoseS, Reinickendorf West, Humboldt- Strahe, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 187/3 Die Ortöverwaltung. Danksagung. Für die herzliche Teilnahme und Kranzspenden bei der Beerdigung unseres lieben SohneS Ott» Brettachneider sagen wir allen Verwandle« und Bekannten, sowie dem Holzarbeiter- verband unseren herzlichsten Dank. Die tieftrauernden Elter« 373b und Geschwister. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben ManneS, des TiichlerS Lmil Sekulz sag« ich allen meinen Verwandten und Bekannten, insbesondere dem Personal der Firma Lade, den Mit- gliedern des Holzarbeiter-VerbandeS sowie deS WahlvoreinS meinen herz- lichsten Dank. Witwe Schal«. Extra-Abtcllnng; I. Geschäft: Berlin W., Mohren- StraBe 37a(2. Haus von der Jerusaleiner StraSe). II. Geschält: Berlin NO., GreBe Frankfurter Str. IIS(2. 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Und die Hand- habung des Gesetzes durch die Behörden nimmt die Jnteresien der Kinder so wenig wahr, datz es nur auf dem Papier steht, wenn nicht die organisierten Arbeiter, insbesondere die Genossinnen für der tatkräftigen Schutz derer eintreten, die sich selbst zu schützen nicht imstande sind. Die Geschichte der Kinderschuhgesetzgebung ist zugleich die Ge- schichte der maschinell-kapidalistischen EntWickelung, die im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts begann und die Marx gekennzeichnet hat mit den Worten:„Jede Schranke von Sitte und Natur, Alter und Geschlecht, Tag und Nacht wurde zertrümmert... Das Kapital feierte seine Orgien...." Und die Opfer jener Orgien, das waren die Kinder der Armen, deren Mörder vor keinem Gericht der kapi- talistisch entarteten Welt je zur Rechenschaft gezogen wurden. Das kapitalistisch und industriell am weitesten fortgeschrittene England wirkte vorbildlich auf Deutschland, sowohl was die Aus. beutung wehrloser Kinder anbetrifft, wie auch in der späten und mangelhaften Gesetzgebung zu ihrem Schutze. Die Jahre 1820— 1840 waren auch in Deutschland die Zeit der schlimmsten Kinderausbeutung. Kinder von 8 Jahren wurden in elfftündiger Nachtarbeit beschäftigt, oder arbeiteten für 2— 8 Silbergroschen von 7 Uhr früh bis 8 Uhr abends. Damals genau so wie heute behauptete das Unternehmertum, die deutsch« Industrie könne die Konkurrenz mit dem Auslände nicht aushalten, wenn die Kinderarbeit mit ihren billigen Löhnen verboten werde. Die Macht des Kapitals reichte weiter wie der Schrei der mistbrauchten Kinder. Erst als Ende der zwanziger Jahre von der Militärbehörde fest- gestellt wurde, dast„die Fabrikgegenden ihr Kontingent zum Ersatz der Armee nicht mehr vollständig stellten", da finden die Leiden der Kinder an höchster Stelle endlich ein geneigtes Ohr. 183g wurde das erste Kinderschutzgesetz erlassen, das die Fabrikarbeit für Kinder unter ö Jahren verbot und die Arbeitszeit bis zum 16. Jckhre auf 10 Stunden beschränkte. Aber nach englischem Muster blieb dieses, ebenso wie die später folgenden Gesetze, auf dem Papier stehen, denn eine Ueberwachung gab es nicht; d. h. diejenigen, denen sie oblag, Bürgermeister oder Landrat, sahen nichts, was den Herren Kapitalisten irgendwie unangenehm gewesen wäre. Das änderte sich nur wenig mit der Einführung der obligatorischen Fabrikinspektion im Jahre 1878, die ja allerdings bis zum heutigen Tage noch sehr verbesserungs- und ausdehnungsbedürftig ge- blieben ist. Wie die Sozialdemokratie für sich den Ruhm in Anspruch nehmen darf, dast sie die erste war, die für das erwachende Prolc- tariat schon in den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts die Forderung gesetzlichen Arbeiterschutzcs erhoben hat, so war sie es auch, die 1867 durch Schweitzer zum ersten Male einen Entwurf einreichte, der das Verbot der Kinderarbeit für alle Unternehmungen mit mindestens 10 Lohnarbe i- tern in Fabriken, Hausindustrie, Verkehrsge- werbe und Landwirtschaft vom Norddeutschen Reichstag forderte. Dieser Entwurf kam nicht einmal zur Verhandlung und bis heutigen Tages ist unsere, nun mehr als 40 Jahre alte Forderung unerfüllt geblieben, kraft des Einflusses der Junkerkaste im preu- stisch-deutschen Reich. Noch heute ist das Kinderschutzgesetz nicht ausgedehnt auf Kinder, die beschäftigt sind in: Land- und Forst- Wirtschaft, Gesindedicnst und anderen persönlichen Dienstleistungen. Gartenbau, Fischerei, häuslichen Diensten und künstlerischen Darbietungen. Und erst durch das Kinderschutzgesetz von 19 0 3 mit der Novelle vom Dezember 1908 hat die schlimmste Ausbeutung der Kinder eine Einschränkung erfahren. Zu einem völligen Verbot jeder gewerbsmästigen Kinderarbeit, wie wir schon 1891 gefordert hatten, kam es auch diesmal nicht. Wenn auch die Beschäftigung volksschulpflichtiger Kinder in Fabriken, Bergwerken und in einer ganzen Anzahl von Betrieben und Werkstätten verboten wurde, so bleiben doch neben den bereits otKn angeführten die in der HauS- industri« beschäftigten Kinder ungeschützt, soweit sie nicht tn einer Werkstatt, sondern als Helfer der Eltern beschäftigt werden, und deren Zahl ist Legion, und die teils aus Not, teils aus Unverstand um ihre Kindheit betrogen werden. Aber nicht nur vor diesen Kindern, sondern vor den e i g e n e n Kindern überhaupt hat das Kinderschutzgesetz ein bedenkliches„Halt" gemacht in sonst ungekanntor Rücksichtnahme auf die Rechte der Eltern, in die einzugreifen die deutsche Reichsregierung und sämt- liche Ordnungsparteien sich in diesem Falle nicht berechtigt fühlten, selbstverständlich nur, um die Kinder besser ausbeuten zu können. Und so sehen wir denn nach wie vor in frühster Morgenstunde Kinder mit Frühstück- und MilchauStragen treppauf treppab ge- hetzt werden, und trotz des Verbots der Arbeit volksschulpflichtiger Kinder vor Schulbeginn findet sich kein sonst so scharf blickender Ordnungshüter, der Unternehmer und Eltern auf das Ungesetzliche dieses Tuns hinweist. Eine neuere Statistik über die Beschäfti- gung eigener und fremder Kinder liegt leider nicht vor. Zum hat die Regierung im Jahre 1902 auf einen Antrag unserer Reichs- tagSabgeordneten versprochen, eine genaue Untersuchung über die Aescbäftigung der Kinder' mit landwirtschaftlichen Ar- beiten zu veranstalten, doch bis heute ist irgend ein Resultat dieser vor 3 Jahren in Aussicht gestellten Untersuchung nicht bekannt ge- worden, ebenso fehlt jede zahlcnmästige Unterlage für die heute in der Hausindustrie beschäftigten Kinder. Nach den im Jahre 1898 veranstalteten Erhebungen, die nicht genau sind, da sie nicht in allen Bundesstaaten nach derselben Methode gemacht wurden, waren austerhalb der Fabriken und ohne Landwirtschaft und Gesindedienst in allen Bundesstaaten auster Preußen inSge- samt 644 283 Kinder beschäftigt, in Preustcn allein, wo alle ge- werbSinästig tätigen Kinder mit Ausnahme von Landwirtschaft und Gesindedienst gezählt wurden, betrug ihre Zahl 269 598, und das, obwohl die Fabrikarbeit volksschulpflichtiger Kinder in Preußen also bis zum 14. Jahre seit 1891 verboten war. Nach den Be- richten der Gewerbeinspektion betrug die'8ahl der in Fabriken beschäftigten Kinder im Jahre 1905: 10245, 1906: 10 847 und 1907: 13 054, also in zwei Jahren eine Steigerung um nahezu 3000. Dabei koumien aber nur diejenigen Bundrsstaaten, hauptsächlich Bayern, in Betracht, in denen die Volksschulpflicht mit dem 13. Jahre aufhört. Solange ein Verbot jeder gewerbsmäßigen Kinderarbeit nicht durchgesetzt werden kann, müssen die Kindcrschutzkommissionen, ohne dieses unser Ziel aus den Äugen zu verlieren, ihr Haupt- augenmerk richten auf die ungesetzliche Beschäftigung von Schul- lindern in der Hausindustrie sowie in Handel und Verkehr. Ge- Witz, diese Aufgabe ist nicht leicht, sie ist gerade dortvürde, so lange in das be- stehende politische Koterienivesen nicht Bresche gelegt ist. Am heitersten mutet wohl an der ganzen Sache der Umstand an, daß im Zentralverband deutscher Arbeiter- und Schrebergärten die Kaiserin das Ehrcnprotektorat und die Frau Staats- minister Freiin von Rh ei nbaben den Vorsitz innehat I... Der Berliner Lehrerverein beschäftigte sich am letzten Freitag mit der beabsichtigten Reform der preußischen Schul- Verwaltung. Die Leitsätze, die dem Vortrage und der Be- sprechung zugrunde lagen, haben folgenden Wortlaut: „1. Die Klagen über die Rückständigkeit der preußischen Schul- Verwaltung haben ihre Ursache zum guten Teil in der einseitig straffen Zentralisation der Dienstgeschäfte und in der streng burcaukratischcn Regicrungswcise der Unterrichtsbehörden aller In- stanzen. Unter diesen Mängeln der Verwaltung hat das gesamte BildungSwcsen zu leiden, in besonderem Maße aber die Volks- schule, weil den Behörden auf diesem Gebiete infolge des Mangels an gesetzlichen Bestimmungen weitgehende Befugnisse zustehen. 2. Die Schulverwaltung wird ihren Aufgaben nur dann gerecht werden können, wenn sie in eine organische Verbindung mit den petschiedeuen Bildungsveranstaltungcn und den an ihrer Eni- Wicklung interessierten Kreisen gebracht wird. Eine Reform der Schulverwaltung auf Grundlage einer wahren und wirksamen Dezentralisation und unter gleichzeitiger Heranziehung der frei- Willigen Kräfte der Selbstverwaltung ist daher dringend zu wünschen. 3. Das Präsidial- und Präfektursystem, das die Königl. Staats- regierung in. die Schulverwaltung einzuführen beabsichtigt, wider- spricht der Grundidee einer volkstümlichen, gerechten und freien Schulverfassnng und würde die weitere Entwicklung der Volksschule «rnftlich gefährden. 4. Der Berliner Lehrerverein stellt für die Reform der preußi- schen Schulverwaltung folgende Forderungen auf: D>e Schulverwaltung wird aus der Verbindung mit der allgemeinen Landesverwaltung gelöst und wird in allen In- stanzen selbständigen Behörden überwiesen. �, b) Das gesamte höhere und niedere Schulwesen einschließ- sich des Fach- und Fortbtldungsschulwesens wird nach chnheit- lichen- Grundsätzen verwaltet und untersteht in der mittleren und oberen Instanz denselben Behörden. c) In allen staatlkchcn Schulbehörden ist dem fachmännischen Element ein maßgebender Einfluß zu gewähren. d) In jeder Instanz tritt neben die staatliche Schulbchörde ein aus freier Wahl der Jntereffentengruppen hervorgegangener Beirat mit selbständigen Kollegialrechten. e) Größeren leistungsfähigen Landgemeinden und selbständi- gen Stadtkreisen ist die Schulverwaltung nach den allgemeinen Grundsätzen der Selbstverwaltung zu übertragen. {) Die untere Instanz ist innerhalb des Kreises— KreiS- schulamt. Kreisschulvertretung— zu organisieren. Der Kreise schulbehörde werden alle auf die Grenzen ihres Gebietes be- schränkten Angelegenheiten überlassen, für dereni Zuwchsung an eine höhere Behörde nicht besondere Gründe vorliegen. g) Die Schulverwaltung jenseits des Kreises ist in der Provinzialinstanz— Provinzialschulamt, Provinzialschulver- tretung— zu organisieren. h) Die Zentralbehörde ist ein besonderes Unterrichtsmini- steriumz ihm tritt die LandeSschulvertretung beratend an die Seite. 5. Der Berliner Lehrerverein�erklärt, daß�auch die bestorgani- flerte Verwaltung nur dann der Schule zum Segen gereicht, wenn sich ihre Organe jedes Eingriffs in die unveräußerlichen Rechte der persönlichen Freiheit enthalten und freie Bahn schaffen für die Entfaltung der Lehrerpersönlichkeit."' Schwesternschaft und Wartepersonal. Für die Pflegeschwestern des Virchow-Kranken- Hauses haben aus Anlaß der Gänsebraten-Affäre sich in der bürgerlichen Presse zahlreiche Fürsprecher gefunden. Kranken- Wärter, die z. B. in der„Morgenpost" und im„Lokalanzeiger" die Ausführungen all dieser eifrigen Verteidiger gelesen haben, ver- sichern uns, daß sie soviel verzeihende Nachsicht gegenüber einer streng verbotenen Ungehörigkeit bisher nicht für möglich ge- halten hätten. Mancher fragt, ob mit gleichem Maß ge- messen worden wäre, wenn Wartepersonal das getan hätte, was den Schwestern zur Last gelegt worden ist. In der Tat ist nicht zu bezweifeln, daß von denselben Blättern, die jetzt so warm sich der Schwestern annahmen, dem Wartepersonal kaltherzig vorgehalten worden wäre, wie verwerflich ein solcher Vertrauensbruch ist. Die bürgerliche Presse hat sogar diese von Schwestern begangene Ungehörigkeit zum Anlaß genommen, den Spieß umzudrehen, und gegen Wartepersonal zu richten. Entrüstet teilte sie mit, daß die Anzeige geegn die Schwestern von einem Wärter ausgegangen sei und zwar von einem, der selber sich eines derartigen Vergehens schuldig gemacht habe. Ein Wärter, dem von einer Schwester die Entwendung eines Restes Butter verwiesen und Meldung angedroht worden sei, habe daraufhin die Schwestern wegen Entwendung von Gänsebraten angezeigt, obwohl es sich eigentlich nur um Gänseknochen gehandelt habe. Von unterrichteter Seite wird uns gesagt, die Sache liege denn doch etwas anders. Aufrecht erhalten wird die Be- hauptung, daß nicht lediglich Gänseknochen abgeknabbert, sondern Gänsefleisch gegessen worden sei. Nicht aus Rache habe jener Wär- ter das der Krankenhausleitung mitgeteilt. Er habe sich beim Inspektor Krause darüber beschwert, daß eine Schwester ihn zu Unrecht der Entwendung von Butter beschuldige und trotz seiner Aufforderung das nicht zurücknehmen wolle. Bei dieser Gelegen- heit sei auch zur Sprache gekommen, daß gerade von Schwestern eine Ungehörigkeit wie die ihm vorgeworfene begangen worden sei. Auf Veranlassung des Inspektors habe der Wärter den Fall nunmehr dem Verwaltungsdirektor Ohlmüller vortragen müssen. Ohlmüller habe daraufhin eine Untersuchung eingeleitet, in der dann von Stationsmädchen, die über das Etzbedürfnis der Schwestern vernommen wurden, noch mehr„ausgepackt" worden sei. Mit Verwunderung hat das Wartepersonal auch gelesen, was bürgerliche Blätter über die Lage der Schwestern zu mel- den wußten. Da wurde erzählt, den Schwestern werde zuviel zu- gemutet, zu schwere Arbeit, und man gewähre ihnen zu wenig dafür, im besonderen zu schmale Kost. Gewiß, daran ist manches Wahre. Aber wenn das für die Schwesternschaft gilt, so gilt es noch mehr für das W a r t e p e rso na l. das ja noch schwerer zu arbeiten hat und bekanntlich mit noch ge- ringerer Kost vorlieb nehmen mutz. Den Unterschied in der Be- köstigung kann man daran messen, daß im Virchow-KrankenhauS z. B. im Etatsjahr 1907/08 für den Tisch der Schwestern pro Kopf und Tag 1,94 M., für den Tisch des Wartepersonals pro Kopf und Tag nur 1,36 M. aufgewendet wurden. Verblüffung ist in den Kreisen des Wartepersonals hervorgerufen worden durch die An- gäbe der„Morgenpost", daß Schwestern des Virchow-Kranken- Hauses geradezu zu wenig zu essen bekommen und daß dieS bei der Beurteilung der an sich sträflichen Handlung der entlassenen Schwestern denn doch berücksichtigt werden müsse. Das Blatt fragt: „Weshalb haben die Schwestern das getan, wodurch wurden sie dazu verleitet?" und läßt mehr als deutlich durchblicken, daß sie aus Hunger„einer solchen geringen Versuchung nicht zu widerstehen vermögen". Ob in gleichem Fall auch dem Warte- personal der Hunger geglaubt würde? Als vor Jahren die Krankenhausverwaltung der Stadt sich entschloß, die Verwendung von Schwestern immer weiter aus- zudehnen, ließ sie sich wesentlich von dem Gedanken leiten, daß so das männliche Personal vermindert werden könne, das stets zu„Nörgeleien" /oder gar zur„ U n b o t m ä ß i g k e i t" bereit sei. Na, wir finden, daß die Schwesternschaft ihren Vor- gesetzten auch nicht zu knapp zu schaffen macht. Die Erwartung, daß sie„minder begehrlich" und dabei um so„gefügiger" sein werde, hat sich nicht erfüllt. Wir wollen hier ausdrücklich hervorheben, daß wir die letzten sind, die den Schwestern das verübeln wollten. Nur wünschten wir, daß man eS auch dem Wartepersonal nicht ver- übelte, wenn es so„anspruchsvoll" ist. ausreichende Beköstigung und angemessene Behandlung zu verlangen. Die oben behandelte Angelegenheit beschäftigte gestern auch die städtische Krankenhausdcputation. Der Magistrat gibt folgende Darstellung:„Gelegentlich der Untersuchung gegen einen der Un- redlichkeit verdächtigten Wärter hatte dieser am 12. Januar zur Kenntnis der Direktion gebracht, daß am 30. Dezember Gänse- braten, der als Zulage für Kranke ausgegeben werden sollte, im Sckuvesternzimmer von drei Pflegerinnen lzwei Probeschwestern und einer Schülerin) verzehrt worden ist. Die inzwischen so tragisch geendete Schwester Herta Rosenkranz, die an jenem Tage die ausgegangen Oberschwester vertrat, war später hinzugekommen und hatte dann noch von der Sauce genascht. Daß sie von dem Gänsebraten, der für die Patienten bestimmt war, gegessen haben, geben die drei Pflegerinnen zu, nur die Meng« des Verzehrt'.n wird von ihnen nachträglich immer geringer angegeben. Nun war es verschiedentlich vorgekommen, daß Eßwaren, die für die Kranken bestimmt waren, von den Schwestern verbraucht warben sind. Da hatte eine Schwester einmal eine für einen Schwerkranken be- stimmte Taube gegessen. Zu wiederholten Malen war von den Schwcsteril auf der Station Kuchen gebacken worden, deren Zu- taten sie selbst gekauft haben wollen, während gleichzeitig die für die Kranken gelieferte Butter nicht ausreichte. Alle diese Vor- kommnisse haben den Verwaltungsdirektor der Anstalt bestimmt, im vorliegenden Falle die drei pflichtvergessenen Pflegerinnen nach Rücksprache mit �dcr ihm darin beistimmenden Oberin sofort zü entlassen. Der Schwester Herta dagegen hat er nach Rücksprache mit öcn beiden ärztlichen Direktoren in Gegenwart der Oberin nochs am 12. Januar einen Verweis erteilt; das ist in keineswegs schroffer Form erfolgt, von einer Versetzung auf eine andere Sta- tion hat der Verwaltungsdirektor auf die Bitte der Schwester Ab- stand genommen und die Unterredung mit den Worten geschlossen: „Arbeiten Sic weiter so brav wie vorher, dann werden wir wieder gute Freunde sein." Der Verweis hat die Schwester Herta dem -äußeren Anscheine nach nicht tief getroffen. Sie hat am Donners- tag und Freitag vormittag ihren Dienst versehen, ist am Freitag nachmittag und abend ausgegangen— sie gab an, daß sie ins Theater gehe— und auch ihr Schwager, mit dem sie über den Vorfall gesprochen hat, hat in einem Brief an den Verwaltungs- direktor seiner Ueberzeugung dahin Ausdruck gegeben, daß das Ver- halten des Direktors zu dem tragisihen Ausgange auch nicht in d'r geringsten Weise Anlag gegeben habe. Er schreibt weiter:„Meiner Ucbcrzeugung nach hatte sich Schwester Herta über den Verweis, den sie von Ihnen, Herr Geheimrat, empfangen hatte, vollkommen getröstet." Es müßten erst am Donnerstag oder Freitag Klatsche- rcien, abfällige Aeutzerungcn und so weiter gegen die Schwester gefallen sein. Außerdem hat die Sektion ergeben, daß gerade damals ein physiologischer Vorgang eintrat, der aus das Gemüt der Frauen erfahrungsgemäß erregend wirkt. Schwester Herta wurde am Sonnabend früh schwer röchelnd in ihrem Bett ausgefunden. Der bald hinzugerufene Arzt konnte den Tod nicht wehr verhindern. Sie hatte sich, wie die Untersuchung ergab, mit Morphium ver- giftet. Von den drei entlassenen Pflegerinnen lag der Deputation ein von einer Anzahl Schwestern unterstützter Antrag um Wieder» einstellung vor und ferner ein Gesuch der Oberin, über ihr Ver» halten in dieser Angelegenheit eine Untersuchung einzuleiten. In der eingehenden Erörterung innerhalb der Deputation war man darüber einig, daß von den drei entlassenen Pflegerinnen und auch von der mit ihrer Aufsicht betrauten Schwester Herta unzweifelhaft gegen die Ordnung stark gefehlt worden ist und daß gerade mit Rücksicht auf die Größe des Betriebes und die vorangegangenen Vorkommnisse dafür gesorgt werden müßte, daß Ordnung herrsche. Der Verweis an Schwester Herta war notwendig; er könne nicht der Anlaß zu dem tragischen Ausgang des Falles gewesen sein. Man könne und müsse den Vorgang herzlich bedauern, müsse aber doch anerkennen, daß die Direktion hierin durchaus korrekt verfahren sei. Die drei entlassenen Schwestern könnten auch keinesfalls etwa im Rudolf Virchow-Krankenhause wieder angestellt werden. Ob aber die mildernden Umstände, die sie jetzt anführen, etwa recht» fertigen, sie in einem anderen Krankenhaus wieder anzustellen, soll eine Untersuchung des ganzen Vorfalles ergeben, mit der eine Kommission von 5 Mitgliedern der Deputation betraut worden ist. Die Kommission wird bereits am Montag zusammentreten. Die bei dieser Gelegenheit über die Behandlung der Schwestern in der Qeffentlichkeit verbreiteten Darstellungen wurden als durchaus unrichtig zurückgewiesen. Es ist absolut unwahr, daß eine zu spät zu Tisch erscheinende Schwester kein Essen bekommt. Es sei immer reichlich schmackhaftes Essen vorhanden. Wenn eine Schwester nicht zu Tisch kommen kann, wird ihr das Essen von dem von ihr zu beauftragenden Stationsmädchen auf die Station gebracht. Ab» solut unwahr ist auch, daß das Essen kalt sei." Wie unsere obigen Ausführungen zeigen, decken sich unsere eigenen Ermittelungen teilweise mit denen des Magistrats, nur mit dem Unterschied, daß wir noch besser informiert sind, wie die Verwaltung und die Angelegenheit anders beurteilen. Durch eine ausgedehnte Lichtstörung wurde am Sonnabend» abend ein Teil des Zentrums Berlins in tiefes Dunkel gehüllt. Durch die Elektrizitätsfirma Emil Große, Neue Schönhauser Sratze 12 wird ein großer Teil der Fabriken und Geschäftsbetriebe in der Neuen Schönhauser, Münz-, Noch-, Dircksen- und Rosen- thaler Straße mit elektrischer Kraft und Licht versorgt. Die ganze Krafterzeugungsanlage wird mittels Gasmotoren betrieben. Gestern abend gegen 6 Uhr entstand plötzlich an dem größten der Motore ein Defekt infolge Bruchs des Luftzuführungsventils. Sämtliche Geschäfte, die an das Wer! angeschlossen sind, konnten deshalb nicht mit elektrischer Kraft resp. Licht versorgt werden und waren plötzlich in tiefes Dunkel gehüllt. Mehrere Kinemato» graphentheater mutzten geschlossen werden. In den offenen Ge- schäftsräumen, die in Anbetracht des besonders regen Sonnabend- Verkehrs ganz empfindlich unter der Störung zu leiden hatten, half man sich mit Petroleumlampen, Lichtern usw. aus. Um den Defekt zu beseitigen, mutz ein neues Ventil in den Motor ein- gebaut werden, eine schwierige Arbeit, die sich im Laufe des gestrigen Abends nicht mehr bewältigen ließ. Die Störung kann daher erst am heutigen Sonntag behoben werden. Die Sklaven der Großen Berliner Straßenbahn. Wie das gelbe Vereinswesen geradezu tolle Blüten treibt, zeigt folgendes Schreiben: „Sehr geehrter Herr! Aus der Zeitung„Die Straßenbahn", offizielles Organ deS Vereins der Angestellten der Großen Berliner Straßenbahn, werden Sie ersehen haben, daß uns das allleinige Recht übertragen wurde, mit den Angestellten der Straßenbahn Lebensversicherungs- sowie Sterbekassenversiche- rungsanträge der„Friedrich-Wilhelm" entgegenzunehmen. Wir bedürfen zu diesem Zwecke der Vermittelung geeigneter Persön- lichkeiten bezw. Vertrauensleuten, die solche Aufträge für uns ausnehmen. Ihre werte Adresse verdanken wir dem Herrn Redakteur Martin Sochaczewski. der uns auf Sie als die in jeder Weise geeignete Persönlichkeit hinwies. Wir dürfen eS mit Freuden begrüßen, wenn Sie unsere Vertretung übernehmen würden und bitten wir Sie um Ihren werten Besuch in unserem Bureau behufs näherer Besprechung, auch außerhalb der ange» gebenen Sprechzeit. Für letzteren Fall bitten wir um recht- zeitige vorherige schriftliche oder telephonische Anmeldung. Wir bemerken noch, daß wir außer den Vergünstigungen, die wir durch unser Inserat den einzelnen Mitgliedern zuge- billigt, für Sie eine angemessene Provision angesetzt haben, die Ihre Bemühungen zu einer auch pekuniär lukrativen ge- stalten soll. Wir dürfen Sie wohl frdl. bitten, uns mit beiliegender Frei- karte gefl. Bescheid zukommen zu lassen und zeichnen Hochachtungsvoll Wer hat dieser Firma nun das Recht übertragen, nur allein mit dem Personal der Großen Versicherungen abzuschließen? Sind die Angestellten mit Haut und Haaren verkauft? Wer hat dem Herrn Sochaczewski das Recht erteilt, Adressen der Vertrauens- niänner einem Geschäftsunternehmen mitzuteilen, die er nur als Redakteur der gelben Vereinszeitung erlangt haben kann. Ob die Direktion von diesem unerlaubten Treiben Kenntnis hat? In Konkurs geraten ist wieder eine kleine Bank, die„Berliner Bank, eingetragene Genossenschaft mit beschränkter Haftpflicht", die erst seit zwei Jahren bestand und in der Friedrichstraße 171 5 Zimmer für 5000 M. Jahresmiete innehatte. Ein Bankier Knoll leitete sie. Am 1. Oktober v. I. konnte die Bank, die nur vier Personen beschäftigte, die Miete nicht mehr bezahlen. Ihre Räume wurden geschlossen. Wiederholt kamen seitdem noch Kunden, anscheinend kleine Beamte und Handwerker, um ihre Ersparnisse zurückzuholen, mutzten aber mit leeren Händen wieder umkehren. Jetzt ist über das Vermögen der Bank das Konkursverfahren er- öffnet worden. Die Passiva werden vorläufig auf 60—70 000 M. geschätzt. Aktiva sind so gut wie gar nicht vorhanden. Todessturz auS dem vierten Stockwerk. Die Verzweiflungstat eines Lebensmüden rief gestern in der neunte» Abendstunde in der Dragonerstratze Anflehen hervor. Aus dem vierten Stockwerk des Hauses Dragonerstraße 49 stürzte sich ein Mann auf die Straße hinab; mit zerschmetterten Gliedern blieb er auf dem Bürgcrsteig liegen. Der Schädel war dem Unglückliche» fast vollständig zer» malmt worden, so daß der Tod sofort eintrat. In dem Lebens» müden wurde der 39 Jahre alte Fabrikarbeiter Karl Scholtz, Thomasstraße 8 wobnhaft, ennittelt. Die Leiche wurde nach dem Schauhaiise übergeführt. Angeblich soll Sch. wegen Not und Arbeitslosigkeit die Tat verübt baben. Nur noch einige Pfennig« fand man in den Taschen der Leiche auf. Unter zahlreicher Beteiligung wurde Genosse Wilhelm Eber» Hardt gestern zur letzten Ruhe geleitet. Die Beerdigung erfolgte von der Leichenhalle des Rixdorfer Gcmeindefriedhofs am Marien- dorfer Weg auS. In der Halle hielt Genosse Z u b e i l eine von Herzen kommende Gedächtnisrede. Er schilderte das Leben und Wirken des Verstorbenen für die Partei und seine Tätigkeit im Teltower Kreise und gab eine Charakteristik des verstorbenen Genossen als Mensch, dem er, Znbeil, in langen Jahren ganz be- sonders nahe gestanden. An der Gruft legten zahlreiche Delegierte einzelner Ortsvereine der Tcltower Organisation, sowie viele engere Freunde prachtvolle Kränze nieder. Nach Absingen der Trauerweise:„Wenn sich zwei Herzen scheiden" schloß der einfache, schlichte Trauerakt. Im Sturm in den See gestürzt und ertrunken. Von einem beklagenswerten Geschick ist der Schiffseigner Woike auS Kalkberge- Rüdersdorf betroffen worden. W. hatte in den letzten Tagen mit seinem Fahrzeug auf dem Stienitzsee vor Anker gelegen. Gestern versuchte er infolge des herrschenden Sturmes den Anker sicherer zu befestigen; hierbei wurde er durch die Gewalt des Sturmes über Bord gerissen und in den See geschleudert. Der Vorfall wärfleider von niemand beobachte! worden und so mußbe der Verunglückte In den wilden Fluten hilflos ertrinken. Eine russische studentische Lesehalle ist dieser Tage in der stiovalisstr. 1d eröffnet worden. Der Zoologische Garten hat kürzlich seine aus über 30 Arten bestehende Antilopensammlung um ein Paar persische Gazellen vermehrt, die vorläufig im Antilopenhausc neben den Gnus untergebracht sind, später aber ein Gehege neben den anderen Gazellen am Kamclhause erhalten sollen. Das Gehörn des wohl erst vorjährigen Böckchens ist in der Entwicklung begriffen, das Weibchen ist ungehörnt. Zeugen gesucht. Mittwochnachmittag%5 Uhr wurde eine alte Frau an der Schönhauser Allee, Ecke Franseckistraße, von einem Omnibus(Linie 27) Übersahren. Zivilpersonen brachten die Schwerverletzte per Droschke nach der Rettungswache und von dort nach dem Virchowkrankenhaus, wo ihr das rechte Bein abgenommen werden mutzte; außerdem hat die Bedauernswerte noch einen doppelten Armbruch und Quetschungen am linken Oberschenkel er- litten. Zeugen dieses Vorfalls werden gebeten, sich zu melden bei P. Struse, Korbmacher, Berlin N. 58, Oderberger Stratze 13 H. I. Im wissenschaftlichen Theater der Urania wird der neue Vor- trag„Im Firnenglanz des Qber-Engadin", der nicht nur die Schön- heit und Pracht des Ober-Engadin schildert, sondern auch die von lauter Fröhlichkeit erfüllten Tummelplätze des Wintersports mit seinen verschiedenen Zweigen bringt, in dieser Woche am Sonn- tag, Montag, Donnerstag und Sonnabend zur Darstellung ge- langen. Am Dienstag, abends 8 Uhr. und am Sonnabend, nach- mittags 5 Uhr. hat sich Herr Dr. Driesen bereit erklärt, seinen Vortrag„Der Kinematograph im Dienste der Wissenschaft und des Unterrichts" noch einmal zu wiederholen, am Mittwoch findet der 16. Vortragsabend des Wissenschaftlichen Vereins statt, an welchem Herr Geheimer Regierungsrat Professor Dr. Kurlbaüm sprechen wird über„Die Energie der Sonne" und am Freitag hält Herr Dr. Berger seinen Vortrag„In Afrikas Wildkammern" noch ein- mal. Außerdem findet am Mittwoch, nachmittags 4 Uhr, eine Nachmittagsvorstellung zu kleinen Preisen statt und zwar wird der Vortrag„Die Erdbebenkatastrophe von Messina" wiederholt. Im Hörsaal werden nachstehende Vorträge gehalten: Dienstag, Prof. Dr. Eckstein„Tiere als Feinde der Kultur"; Mittwoch, Kon- struktionsingenieur A. Ketzner„Eisen- und Stahlgießerei"; Donnerstag. Dr. W. Berndt„Der praehistorische Mensch"; Sonn- abend. Dr. Gehlhoff„Thermische und chemische Stromquellen". Deutsche Naturwissenschaftliche Gesellschaft. Eine kon- stituierende VerscXamlung zur Begründung einer Berliner Orts- gruppe der D. N. G. findet am Montag, den 24. Januar, abends 8(4 Uhr, im Seitensaole(1. Stock) des Lehrervereins- Hauses(Restaurant Saeger), Alexanderplatz, statt. Gäste sind willkommen. Brbeiter-Samariter-Kolonue. Montagabend 9 Uhr: 2. Ab- teilung Brunnenstratze 154, Vortrag über Ertrinken— Ersticken. Daran anschließend praktische Uebungen. Am Donnerstag Monats- sitzung der diensttuenden Abteilung im„Dresdener Garten". Vorort- JNtacbncbten. Rixdorf. Sin Bauunfall ereignete sich gestern früh in der Liverda». Ecke Monittusstraße. Dort führt die Grunderwerbs- Gesellschaft .Terra" aus Friedenau einen Bau aus, der zum Teil bis zur Rüstungshöhe der ersten Etage gediehen ist. Gestern früh sollte mit der«ufmauerung des in der Liberdastraße belegenen Teiles der Vorderfront begonnen werden. Die Steinträger hatten den be° treffenden Teil der Rüstung fast vollständig mit Material beworfen. MS gleich nach S Uhr der letzte der fünf Steinträger seine Mulde mit Steinen ausgeworfen hatte, ging die Rüstung plötzlich ab, die fünf Steimräger und einen Maurer mit in die Tiefe nehmend. Die verunglückten Personen wurden im Keller aus den Trümmern hervorgezogen von mittels Krankenwagen nach dem Krankenhause ge« bracht. Sie konnten nun dort nach Anlegung von Verbänden aber bald entlassen werden. Gegen 10 Uhr fanden sich— bis auf einen— alle mit verbundenen Köpfen auf der von vielen Neugierigen um« lagerten Baustelle ein. die Auszahlung ihres Lohnes erwartend. Di« Ursachen der Katastrophe sind nach Ansicht der auf dem Bau beschäftigt gewesenen Arbeite' in der geringen Widerstandskraft des zirka 70 Zentimeter breiten, aus weißen, sehr von Regen durch- näßten und folgedeffen mäßig bindefähigen Kalksandsteinen her- gestellten Eckpfeilers zu suchen. Durch die Belastung der Rüstung drückten die Balken auf den auf dem Eckpfeiler ruhenden gewölbten Fensterbogen. Der Pfeiler, jetzt von oben nach unten geborsten, gab nach und der Bogen siel aus- einander, so daß die Rüstung ihren Halt verlor und in die Tiefe stürzte. Wenn auch der angeführte Umstand viel zu dem Unglück beigetrogen haben mag, so muß doch bemerkt werden, daß auch grobe Fahr- lässigkeit dabei mitgewirkt hat. Der Bogen-Anker ist einige Schichten höher in die zweite Schicht von oben gelegt, so daß der Splint den Druck des Bogens im Eckpfeiler nicht aufnehmen konnte. Hinzu kommt noch, daß dieser Splint sehr kurz ist und zudem nicht genügend fest vermauert worden war. Seine Länge erstreckte sich über nur sechs Schichten und in diesen sechs Schichten sind in dem an und für sich schwachen und durch das Bogenwiderlager noch mehr geschwächten Pfeiler nur zwei Steine in zwei Schichte» gegen den Splint gesetzt worden, so daß es kein Wunder nehmen kann, daß der Pfeiler nachgab. Der Anker hätte regelrecht verlegt und dazu ein recht langer Splint benutzt werden müssen, welcher recht solide zu vermauern war. Der Bau wird von Akkordmaurern hochgeführt; das Verlegen der Anker und das Vermauern derselben ist immer ein Schmerzenskind für diese, denn bei dieser Arbeit lassen sie sich immer die meisten Verstöße gegen die Regeln der Baukunst zuschulden komme». Unterlassen aber können wir auch, nicht, der Baupolizei einen Vor- Wurf zu machen. Hätte sie auch das Unglück nicht. verhindern können, so hätte sie doch darauf achten müssen, daß der§ 18 der Uissall« verhütungsvorschriften von der bauausführenden Gesellschaft respektiert wird. Die Kellerträgerlage, die nach dem angezogenen Paragraphen hätte abgedeckt sein müssen, war nicht zugedeckt, so daß herabfallende Personen zwischen den Trägern hindurch bis in den Keller fallen müssen. Auch dieser Unfall zeigt, daß die Forderung der Arbeiter auf Anstellung von Baukontrolleuren aus ihren Reihen eine un- bedingte Notwendigkeit ist. Der Magistrat beschloß in seiner letzten Sitzung die Einführung der Berussvoliuundschast nach Maßgabe der Vorlage des Dezer- nenten.— Die gemäß K 19 der Gaslieferungsbedingungen zu hinterlegenden Barkautionen sollen in' Zukunft unverzinit bleiben, sobald die Abhebung vor Ablauf von sechs Monaten erfolgt.— Der Oberlehrer Wilhelm Essel« orn aus Burgsteinfurt wurde zum Oberlehrer an der hiesigen Realschule zum 1. Oltober 1910 gewählt. Ehnrlottcnbnrg. Eltcrnverein für frcle Erziehung. Auf den am Montag, den 24. Januar, im VoltSliause, Rosinenstraße 3. stattfindenden öffent- lichen Vortragsabend sei nochmals hingewiesen. Die Tagesordnung lamet: l. Vortrag des Herrn Dr. Tischler:«Der Einfluß von Krank- heften auf das Vorwärtskommen der Kinder in der Schule". Freie Aussprache. Schöneberg. Bei der gestern stattgefundeilen Wahl der Gewerbegerichtsbeisitzer wurde die Liste der freien Gewerkschaften mit 1319 Sliinmen ge- wählt. Eine gegnerische Liste war nicht vorhanden. Friedenau. Tic Gemcindcwählcrliste liegt im Gemeindeamt, Fcurigstr. 8. Dienstzinnner Nr. 2, w o ch e n t ä g l i ch von 8— 3 Uhr, sowie auf unsere» Antrag auch an den Sonntagen, vorinittags von 9—12, zur öffentlichen Einsicht ans. Zur Einsichtnahme sind außer den mit Plakaten versehenen Inhabern von Lokalen und Handlungen Otto Meyer, Handjerystr. 60/61, und Ludwig Putsch, Albes.r. 22, Gartenhaus, gern bereit. Boxhagen-Nnuimelsburg. Der Jugcndausschuß veranstaltet am heutigen Sonntag, abends 6 Uhr, im Cafs Bellevue einen Unterhaftnngsabend. Außer einem Vortrage des Genossen Karl Lüpnitz wird der Zitherklub„Edelweiß 1901" mitwirken. Des Weiteren finden noch deklamatorische Vor- träge statt. Die Mitglieder des Niederbaniimer WahlvereinZ und deren Angehörige sind freundlichst eingeladen. Eintritt frei. Das Jugendheim ist heute von 4 bis 6 Uhr geöffnet. Köpenick. Aus der Stadtverordnetenversammlung. Eingeleitet Wurden die Verhandlungen mit der Einführung des zum Stadtrat ge- wählten Herrn Streichhan. Bei der Konstituierung der Versamm- lung wurde der bisherige Vorsterher Stadtv. Lucht mit 32 Stimmen wiedergewählt; Stellvertreter wurde Stadtv. Noack(Fr. B.); Schriftführer Stadtv. Tauchert(Soz.). In den einzelnen Kom- Missionen sind unsere Genossen für das laufende Jahr wie folgt vertreten:' Kassenkuratorium: Tauchert, Kiehl, Weber; Gas- kommission: Hein, Gabriel, Woik; Stratzenbahnikommission: Nieke, Stippekohl, Woik; Elektrizität: Nieke. Tauchert, Woik;. Wasser- werk: Nieke, Tauchert, Woik; Bau: Lier, Weber, Nieke; Straßen- bau: Nieke, Gabriel, Hein; Forst: Zeidler, Nieke. Tauchert; Armen: Herbst, Nieke, Woik; Gesundheit: Herbst, Woik; Verschönerung: Kiehl, Zeidler, Wißler; Beleuchtung: Hein, Gabriel, Woik; Ver- kehr: Nieke, Stippekohl, Woik. Im Kuratorium der Städtischen Sparkasse wie auch in dem der gewerblichen Fortbildungsschule: Woik; Steuerausschutz zur Veranlagung der Geiueindcgrundsteuer: Hein; Krankenhausbau-Kommission: Herbst, Woik, Lier; Aus- schütz zur Veranlagung der Gemeinde-Einkommensteuer: Taucherl, Nieke; Ausschutz für Beaintenansprüche: Herbst, Weber; Etats- ausschutz: Herbst, Lier, Witzler; Volksbücherei: Wißler. Als Beisitzer für den Wahlvorstand für alle in diesem Jahre stattfindenden Stadtverordneteirwahlen wurden unsere Genoffen Gabriel und Witzler delegiert.— Anträge der Lehrer sowie der Gemeinde- beamten auf Gehaltsaufbesserungen resp. Ortszuschläge wurden den zuständigen Kommissionen überwiesen.— Zu einer längeren Debatte führte die Wahl eines Mitgliedes zuin Kuratorium der Realschule. Der in der letzten Sitzung zum zweiten Male ge- wählte Genosse Herbst ist wieder nicht bestätigt worden. Stadtv. Woik(Soz.) schlug als Protest gegen dieses Verfahren erneur den Nichtbestätigten vor. Das Rückgrat der Liberalen werde hoffentlich noch so stark sein, dieser Brüskierung entgegenzutreten. Stadtv. Pfitzner(Lib.) bedauerte die Nichtbestätigung; n z- E ii g e n- S t r. b bei G u m z verlegt. Treptow-Baiimschulenwcg. Der Leieabend am Montag fällt aus. Friedenau. Für olle Bezirke: Genieiiisamrr Leseabend Montag, 9 Uhr, im Lokale von Gustav Schönefeldl. Nheinftr. 31. CQocbcn-öpUlplan d er BerUr.cr Cbeater. KSnigl. Opernhaus. Soinitmn Marlc. die Tochter des Regiments. DI- Puppensee. tÄniang?>/, Uhr.)» ontag: Die Meiste, fingn oo» Nürn. berg.(Ansimg 7 Uhr) D enslag: Sinnson und Dalila Mittwoch: Looi tan tutto. DomierStaa: Nienzi.(ila.fQiifl 8 Uhr.) Freitag: La Traviatn. Sonnabend: Der Freischütz. Sonnlag Das Rhcingold.(Ansang 8 Uhr.) Moniag: Die Wai.üre.(Ansang 7 Uffc). m König!. Jchai-spielhous.(Son ntag; Die Rabenitemerw. Montag: Die versnnkeiic Glocke. Dienstag: Strandkindrr. Mittwoch: Der ei». gebildete Kranke. Donnerstag: Der deutsche König. Freitag: Strand. linder. Sonnabend: Der deutsche König. Sonntag: Strandkinder. Montag: Faust.(Ansang 7 Uhr.) � �, Neues königl. SPern-Theater. Sonntag: Mlgnon. Montag bis Freitag: Geschlossen. Sonnabend: Der Awcrikasabrer. Sonntag: Bajazzi. Cavoilena rusticana Montag: TO ig no tu(Ansang 7«/, Uhr.) Deutsches Dbeatrr. Sonntag: Der gute König Dagobert. Montag: Don Cai los�(Anfang«'/, Ubr.) DienStag: Der Wideripenstigen Zähmung. Mittwoch: Dcr� gute König Dagobert. DemnerSiag: Der Widerlpeniiigen Zähmung. Freitag: Hamlet. Sonnabend«nd Sonntag: Der gute König Dagobert. Montag: Der Widerspenstigen K-hmung.(Ansang 7»/, Uhr.) Deutsches Theater(K a m m- r I p i e l e). Sonntag: Der natürliche Vater. Moniag: Der Kansmann von Vcmedig. Dienstag: Der Arzt am Scheidewege. Mittwoch: Der nalürliä,e Vater. Donnerstag: Da» Heim. Freiiag: Der Arzt am Scheidewege. Sonnabend: Frühling» Erwachen. Sonntag: Der Kansmann von Venedig. Montag: Das Heim.(Ansang 8 Uhr.)' Lesstiig- Theater. Sonntagnachmiitag T Uhr: Der König. Abends: Das Konzert. Moniag: Tantris der Narr. DienStag bis Donnerstag: Das Konzert. Freitag: Tantris der Narr. Soiinabend: Das Konzert. Somttagnachmitlag 3 Uhr: Die Frau vom Meere. LtbendS uild Montag: Da« Konzert.(Ansang 3 Uhr. t. rliner Theaters Sonntagnachmittag 0 Uhr: Doktor Eisenbart. AbnidS: Macbeth. Moittag: Hohe Politik. DienStag und Mittwoch: Macbeth. Donnerstag»nd Freitag: Hohe Politik. Sonnabend: Penüon Schöller.(Anfang 7>/, Uhr.) Sonntagnachmittag 3 Uhr: Dokior Eisenbart. Abends: Pension Scholler. Montag: Macbeth.(Ansang� 8 Uhr.) Von Sonntag bis DonncrZiag: Don Juans letztes bis Montag: Der Philosoph von Sanssoucl. Neues Tsteater. Menteuer. Freitag (Ansang 8 Uhr.)< �- � JL NeueS Schauspielhaus. Sonntag: Der grohe Tote. Montag: Ihr letzter Brics. Dienstag: Alt< Heidelberg.(Ansang 71/, Uhr.: Mittwoch nachmittags 3 Uhr: Julius Cäsar. Abends: Der grutze Tote Donnerstag: Ihr letzter Brief. Freilag: Juliu» Cäsar. Sonnabend biZ Montag: Der grotze Tote.(Anfang 8 Uhr.) Hebbel- Theater. Sonntag: Der Skandal. Zkontag und Dienstag: Frau Warrens Gewerbe. Mitlwoch und Donnerstag: Der Skandal. Freitag: RevolutionShochzeit. Sonnabend bis M«-ntaz: Der Skandal. (Äniang 8'/. Uhr.) Komische Oper. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Hossmtums Erzählungen. Abends: Tosco. Moniag: Hofimaim« Erzählungen Dienstag: Tleslaiid. Mittwoch: DaS Tal der Liebe. Donnerstag: Die g ledermaus. Freitag: Da» Tai der Liebe. Sonnabend: ToSka. Sonntrignachmittag 3 Uhr: Die Fledermaus. AbendS: DaS Tal der Liebe. Montag: Der polnische Jude(Ansang 3 Udr.j Kleines Theater. Sonntagnachmiitag 3 Uhr: Bioral. Allabendlich: Der grotze Name. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Moral(Ansang 8 Uhr.) Thealer des Westens. SouiiiagnaHnittag 3'/, Uhr: Der sidcle Lauer. Abends und Montag bis Freitag: Die geschiedene Frau. Sonn- abendnachmittng 3'/, Nhr: Struwwelpeter. Abends: T«:e geschiedene grau. Sonnlaguachniitlag 3'/t Uhr: Der sidcle Bauer. AbendS: Die geschiedene schiedenc Frari Montag: Die gcschiedeire Frau.(Ansit.ng 8 Uhi) Schiller, Tlieaier«. Sonntagnachmittag 3 Uhr: D er Herr Ministertal direltor. AbendS: Der Pfarrer von St. Georgen. Montag: Gespenster. Dienstag: Der Pfarrer von St. Georgen. Mittwoch: Nachzitz. Donnersiag Der Pfarrer von St. Georgen. Freitag: Biel Lärm um Nichts. So, in« abend: TOife HobbS. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der Herr Ministeriai direltor. Abends: Viel Lärm um Nichts. Montag: Keschäst ist Geschäft. (Ansang 8 Uhr.) Sciiiller- Theater Gharlottenburg. Sonntaana.chmiltag 3 Ubr Der Meineidbauer. Abends: Geschäft ist Geschäft. Moeiiaa: Viel Lärm um Nichts. Dienstag: Geschäsl ist Geschäft. Mittwoch: Viel Lärm um Nichts. DonnerSlag: Geschäft ist Geschäft. Freilag: itzer Meineidbauer. Sonnabend: Der Psarrer von St. George». So»nlagliachniiltag 3 Uhr: Der Meineidbauer. Abends: Maria Stuart. Moniag: Aar Meineidbauer. (Ansang 8 Uor.) Friebried WllstelinstädiischeS ZichansPtelhaaS. Sonntagnachmittag 3 Ubr: Othello. AbendS: Globstadtiult. Montag: FlachSmann als Erzieher.(Ansang S'/t Uhr.) Dienstag; Halali Mit twoch: Halali (Ansang 8'/« Uhr.) DoiinerStag: Grobstadtlust. Freitag: Halali, sonn- abend: Im bunten Rock. Somilagnachmiltag 3 Uhr: Olhsllo. AbendS: Großstadtluft. Montag: Großstadtliist(Aiisaiia 8'/« Uhr.) Volks oprr. Sonntagnachmittag S'/, Uhr: Der Trompeter von Gückingen. Abend«: Der Zronbadoiw.(Anfang 8 Uhnn Montag: Stradclla. DienStag: Die Asrikancrtn. Mittwoch: kka Traoiata. Donnerstag: Cleopatra.(Tlnsang 8 Uhr.) Freitag: Der iDroinpeler von Säckingen. Eonnabend: Cleopaira. Gonittaanachmitlag 8'/, Uhr: Stradclla. AbendS: Die Hugenotten.(Ansang S Uhr.) Montag: Undtne. (Anfang 8',. Uhr.) Lniien-Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Gib mich srei. AdendZ: Die Nibelungen. Montag: Die Ne'se um die Erde fn 80 Ta gen. Von DienStag d-S Ficitag: Heimat. Sonnabend: LolaS Vaicr. Sonntag: Der Beilchensresser. Mmilag: Gib mich srei.(Ansang 8 Uhr.) Nose> Theater. Gonnlagnachmitiag 3 Uhr: Der Bizc.P.rpa. AbendS Faust Montag: Dir Herren Söhne. Dienstag: Faust. MitniZvch: Der Vize-Papa. Donnerstag: DI« Herren Söhne. Freitag; Fauh!. Sonnabend und Sonntag: Die Herren Söhne Montag: Deborah.(Ansang 8 Ubr.) NeneS Operetten- Theater. Sonntagnachmittag g v'hr: Der Zigcuuerbaron. Allabendlich: Der Gras von Lnpcmbirrg. Sormtagnach- Msttag 3 Uhr: Der Zigeunerbaron.(Anfang 8 Uhr.) Luftspielha»». Sonntagnachmittag 3 Uhr: Man soll kehre Briefe schreiben. Allabendlich: Der dunkle Punkt. SonntagiiachmittMg 3 Uhr: Man soll keine Brief- schreibe».(Ansang 8 Uhr.) Thalia- Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Di« ewig« Lampe. Allabendlich: Die Dollarp: inzeisin. Residenz-Theater. LonniagnachmIItag 3 Uhr: Eine Hochzntsnacht. 3 Uhr: hiretchen. Trranon- Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Pariser Witwen. Allabendlich: BiiiidanS Esel.(Ansang 8 Uhr.)_ ztasiiio-Theatcr. Sonntagnachmittag 4 Uhr: Trudchens Sommerreise. Allabendlich: Der Obergauner.(Ainang 8 Uhr.) »Ivollo- Tlieaier. Somitagiurchmittag 3'/, Uhr: Spezialitäten. Allabendlich: Svezialiläien(Ansang 8 Uhr.) Wint, rgartrn. sonntagnachmittag 3'/, Uhr: Spezialitäten. All abendlich: Speziatiiätc».(Ansang 8 ubr.) Paüage. Tvcaier. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Spezialitäten. All- abendlich: Svozialitäten.(Ansang 8 Uhr.) BöirlboNa- Tbearcr. Sonntagnachmittag 31/, Uhr i Spezialiläten. Allabendlich: Spezialitäten.(Ansang 8 Uhr.) Palast-Throter. Allabendlich: Spezialiläten.(Anfang 8 Ubr.) Gedr. Herrnseld-Toeater. Allabendlich: So muß man's machen. Ein RettiingSmittel.(Ansaiig 8 Uhr.) Folies(Lolprire. Allabendlich: Sicher ist sicher. Der Mann meiner Fla».(Ansang 8'/, Ubr.) Biiggenlingrn. Täglich Spezialiläten.(Ansang 8 Uhr.) Meirovvl- Thraier. Allabendlich: Hallohl Die große Revue I (Ansang 8 Uhr.) Neickisliatten- Tbenter. Allabendlich: Stettiner Sänger.-(Ansang 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr.) Karl Hnberband- Theater. Allabendlich: Spezialitäten. Ilronia-Tvewirr. Tanbenstr. Sonnlag und Montag: Im Firneiigianz des Ode, engadin. Dienstag: De, Kinematograpb im Dienste der Wissenichait. Mittwoch: Die Energie der Soimc. Donnersiag: Im Nruenalanz des Obcrengadin. Freitag: In Afrikas Wildkammern. Sonnabend und Sonntag: Im Firnenglanz des Oberengadiu. Montag: Uubestünmi.(Anjaing 8 Uhr.) Sternwarte. Jnvalidenstr. 57—62. Allabendlich: Im Taubenschlag. Sonntagnachmiitag Abend«: Im Taubenschlag. lAntang 8 Uhr.) NoackS Theater. Sonutagnachmillag 3 Uhr: Othello. �kbendS: Ehrliche Arbeit. Montag: Ehrliche Arbeit. DienSIag: Der Hütten besitzer. Mittwoch: Di« lustigen Weiber von Windsor. Donnerstag: Bu ichliesl. Freitag: Die lustigen Weiber von Wiudsor. Sonnabeudimchmittaa ä' Uhr: Frau Holle. Abeuds: Da» grobe Hemd. Sonnlagnachmittag 3 Uhr: Die mstiaen Weiber von Windsor. AbendS und Montag: Das grobe Hemd. (Ansang 8 Uhr.) Vermischtes. Die verschütteten Bergleute gerettet. Nach langer, gefahrvoller Arbeit ist es gestern nachmittag kurz vor 2 Uhr gelungen, die sechs verschütteten Bergleute zu retten, nachdem sie über 75 Stunden von der Außenwelt ab- gcschliittcu waren. Ein Telegramm aus Gelsenkirche» hierüber besagt: Gegen 1 Uhr 40 Minuten ist es gelungen, die sechs Verschütteten zu bergen. Die Leute sind sämtlich gesund nnd konnten zum Teil zu Fnß zur Waschkane gehen. Einer von ihnen hat einen Armbruch erlitten. Sie werden gleich ins Knappschaftskrankenhaos gebracht werden. lieber die RcttungSarbcitcn während der Nacht berichtet ein Korrespondent aus Wattenscheid folgendes: Gegen 2 Uhr morgens, als ich, müde dcS Harrens, meinen Wachtposten am Lusischacht in Leithe verließ, führte mir der Zufall einen Fahrhauer in den Weg, der bis in die tiefe Nacht hinein an der RettungSarbeil mit beteiligt gewesen ist. Die neue Oeffnung, die man bis zu dem Aufenthaltsort der Ver schütteten getrieben hat und deren letzter Durchbruch für die nächsten Stunden bevorsteht, ist nach seiner Angabe etwa ein Meter breit. Wegen des beengten Raumes können immer nur zwei Leute gleich- zeitig mit dem Wegräumen der Schuttmassen, Holz- und Eisenteile beschäftigt werden. Vielfach mußten einzelne Holzstücke, die nicht ohne weiteres zu beseitigen waren, abgesägt werden. Die Ver» ständigung mit den Verschütteten war nach Mitteilung meines Ge- wäbrSmanneS den ganzen Abend hindurch ausgezeichnet. Während der Arbeit konnten die NettungZmannschasten hören, daß die Ein» gekerlerten sich miteinander unterhielten. Die Eingeschlossenen erzählen: MS die Verständigung erreicht war, fragten sie, welcher Wochentag und welche Tageszeit es sei. Man gab ihnen Auskunft. Wie die Verschütteten weiter berichteten, haben sie während der ganzen 76 Stunden, die sie bisher in ihrem unterirdischen Gefängnis haben zubringen müssen, in voller Finsternis gesessen. Als der Schacht einstürzte, entglitten die Lampen ihren Händen. Sie werden wohl mit den Trümmern nach unten gerissen sein. Die Ein- geschlossenen verloren aber nicht den Mut. Unter dem Mangel an Nahrung haben die Leute weniger gelitten, dagegen machte sich das Fehlen von Wasser unangenehm fühlbar. Zum Schachteinsturz ans dem Kohlentergwerk Hausham wird noch aus MieSbach(Bayern) gemeldet: Dem gestern bei dem Schachteinsturz auf dem Kohlenbergwerk Hausham verschütteten Berg- inann Haager gelang eS heute nacht, sich selbst aus den Schutt- Massen zu retten und durch einen anderen Schacht über Tag zu kommen. Der ebenfalls verunglückte Bergmann Stadler dürfte kaum noch am Leben sein. Die AufräumungSarbeiten haben be- gönnen._ Die Ueberschwemmungen in Frankreich. Die Meldungen, die aus Frankreich infolge des durch andauernde Ncgenfälle verursachten Hochwassers kommen, lauten immer trostloser. Aus Paris wird berichtet: Von allen Seiten werden noch immer Ueberschwemmungen gemeldet, In Tonnerre führt der Fluß Tier» leichen und Möbelstücke mit sich und der Verkehr muß in einem Teil der Stadt mit Kähnen ausrecht erhalten werden. Im Lrron» disiement Auxerre find hunderte von Häusern eingestürzt. Die NettungSarbeiten gestalten fich schwierig. AuS Trotzes, Rheims, Chalons für Marne, Lyon, Düke, BourgeS, Chamböry und Dijon wird gemeldet, daß die Flüsse über ihre User getreten, die Eisenbahn- linien teilweise zerstört, mehrere Züge enlgleist und telegraphische und telephonische Verbindungen unterbrochen find. Ein weitere» Telegramm aus Fontaineblcau besagt: In dem zur Gemeinde Chateau London gehörigen Weiler Loroy, der aus Kreideboden steht, sind infolge eines durch die lleberschwemmung hervorgerufenen WassereinbruckS unterirdische Aushöhlungen«in- gesunken, wodurch mehrere Häuser zusammenstürzten. Zahlreiche Personen wurden mit in den Abgrund gerissen. Fünf Leichen sind bereits geborgen und zehn Schwerverletzte ins Krankenhaus ge- schafft worden. Man befürchtet, daß noch weitere Personen ver» unglückt find. Außerdem liegen noch folgende Meldungen vor: PariS, 22. Januar. Im Laufe des gestrigen AbendS überflutete das Hochwasser der Seine die im Bau begriffene Strecke Place de la Concorde�-Trimilö der Untergrundbahn. Der angerichtete Schaden ist so groß, daß die Wiederherstellungsarbeiten mehrere Monate dauern werden. Pari», 22. Januar. Wie aus Trotzes gemeldet wird, ist die über den Aubefluß führende Brücke an der Eisenbahnlinie Paris— Belsort gestern abend eine halbe Stunde vor Ankunft des Pariser Schnell- zuges vom Hochwasser weggerissm worden. Der Verkehr wird durch Umsteigen ausrecht erhalten. Paris, 22. Januar, 9,/j Uhr abends. Die Seine ist noch immer im Steigen begriffen. Die Uferanlagen sind zum Teil überschwemmt. Aus den Gebieten der Rhone, der Loire, der Marne, der Aube und der Maaß kommen immer neue Meldungen über Hochwasser» schäden. Die Straßen vieler Städte stehen unter Wasser, zahlreiche Fabriken sind überschwemmt. Tie Bewohner erhallen den Verkehr mit Booten notdürftig ausrecht. Mehrere Eiseichahnlinien sind unterbrochen._ Vermißte Touristen. Von drei Touristen, die am vergangenen Sonntag von Linthtal aus eine Tour über den Claridenfirn ins Maderaner Tal unternommen haben, werden, wie auS Bern gemeldet wird, zwei vermißt, während der dritte noch am selben Tage um- gekehrt und Montag in Zürich eingetroffen ist. Der eine der Ver- mißten ist der Ingenieur Walter Spohr aus Leipzig: der Name deS anderen ist noch wchekannt. Von Linthtal ist eine Hilfslolonne ab- gegangen._ Eisenbahnkatastrophe in Amerika. Einer telegraphischen Meldung auS New Darf zufolge entgleisten bei North Bay(Oulario) vier Wagen eineS Personenzuges der Canadian-Pacific-Bahn und stürzten dir steile Böschung hinab in den Spanischen Fluß. Ein fünfter Wagen geriet in Brand.'Die Zahl der ertrunkenen und verbrannten Personen wird auf 30 bis 40 au- gegeben. Eine Meldung aus Toronto lautet: Ueber das Eisenbahnunglück auf der Conadian Pacific-Eiseiibahn laufen die Nachrichten nur spärlich ein. Um Mitternacht wurde gemeldet, daß der verunglückte Zug auf einer Böschung in der Nähe von Webbwood 37 Meilen westlich von Sudbury(Ontario) am gestrigen Nachiniltag von der Katastrophe betroffen wurde. Ein Wagen ist gänzlich, ein zweiter teilweise im Spanischen Fluß versunken. Die Angaben über die Zahl der Toten schwanken zwis-ben 10 und 40; eS werden immer neue Namen von Verwundeten bekannt. Eine weitere Meldung besagt, daß ein Wagen in Flammen aufgegangen sei, wobei eine Anzahl Personen verbrannten. Sonder- züge mit Aerzten und Krankenpflegerinnen find von verschiedenen Orten an die UnqlückSstelle abgegangen. Nach weiteren Meldungen auS North Bay(Ontario) sind bei dem Eisenbahnunglück auf der Canadian Pacific-Bah» 48 Personen ums Leben gekommen; die Zahl der Berichten beträgt 92. Folgenschwerer Neubaneinflurz. Einer Meldung auS Charleroi zufolge sind bei dem Einsturz eines Neubaues dort fünf Arbeiter getötet und fünf ver- letzt worden._ 15 Arbeiter getötet. Bei Fish kill Landing im Staate New Dock wurden, wie eine Meldung aus New Dork besagt, infolge einer vorzeitigen Dynamit- explosion in einem Tunnel, der einen Teil einer für New Dort be- stimmten Wasserleitung bildet, 15 Arbeiter getötet. Die Leichen wurden völlig zermalmt unter den Trümmern einer Felsmasse ans- gefunden. Man nimmt an, daß ein Arbeiter mit einer brennenden Fackel gestrauchelt und niedergestürzt ist, wodurch die Explosion her- vorgerufen wurde._ Nachträgliches über de» Brand des türkischen ParlamentSgrbäudcs. AuS K o» st a n t i» o p e I wird voin gestrigen Tage gemeldet: Die Kammer hielt auch heute im Klub der Delegierten ihre Sitzung ab. Nack Verlesung von 140 aus der Provinz eingegangenen Depeichen, in denen der Kammer der Schmerz der Bevölkerung über den Brand des ParlamemsgebäiideS ausgedrückt wurde, beantragte ein Depu- tierter. den Provinzen zu telegraphieren, es sei kein Anlaß zur Be- unrnhigung vorhanden, da das Feuer lediglich durch einen Zufall entstanden sei. Der Präsident erwiderte, eine derartige Erklärung abzugeben sei unangängig. solange das Ergebnis der Untersuchunz noch nicht bekannt sei. Die Kammer beschloß, die Ausschreibung fiir den Bau eineS neuen ParlamentSgebäudeS bei der Regierung zu beantragen._ Kaufmännische Kranken- und Sterbekasse von 1885.(E. H. 71.) Neon de, str. 4. DienSIag, den 25. Januar, abendS 9 Uhr, Im Restaurant A. Landrs, SIralauer Sir. 36/37: Sitzung. Zlllgemeine Familten-Sterbekasse. Heute Sonnlag Zahltag l>ci Wernicke. Ackerstr. 123 und bei Reuman». Mariannenstr. 4S von 3— ö Uhr. Zentral-Kranken-»nd BegräbiiiSkassc für Frauen und Mädchen Deutschland«(®. H. 20), Ossenbach a. M. VcnvaltiingSstelle Berlin Tl. Heule Sonntag abends 6 Uhr: Vierteljährlich« Mitgliederversammlung bei saß, Hornstr. 2.________' Bmfharten der Redahtion. Sie luriftlsche evrechlinnde finde« Linden n ratze 3, zweiter Hot. dritter«Ingang.»irr Trl»»en, ü/tf tz a d r st» tz l-Huzz wochentitgUli adends ooa TA tis 9% Ubr statt,«eitssnet 7 Ubr. Sonnabend» beginn» die Sorrchstnnde um C Ubr. Zeder Antrage ist ein Buchstadr und etne iJabl als Mrrlzrtchen betzafttgen. vrtrNiche Antwort wir» nicht rrtetlt. Bis znr Brun, Wartung im Brteflastc» lbaaea 14 Tage oergetzc». Eilige Fragca trage »an tu der Sprechstunde vor. H.(f. 500. Aerztiiche Fürsorgeftelle für Tuberkulose, Unterbau:» straße 7. Sprechstunden Moniag und Freitag 4— 7'/, Uhr. Sonntags g— 12 Uhr.—®.®. I. Da die geogr-phiichc» Grenzen der Deutschen Reiches tm Osten und Nordosten beträchtliche Einbuchtungen und Zungen darstelle». so kann eigentlich von einem Mittclpunll nicht die Rede sein. Eislebcn dürfte ober eher als solcher anznlehcn sei», als der von Ihnen angegebene Ort. Bei diesem spielt wohl eine Tyll Eulenspiegelei eine Rolle, wonach derselbe als Mittelpunkt der Erde bezeichiicl wurde.— B. K. 28. Dtrc'! durch da» ReichslagSkartenbiireau 40 Meldungen beim Kastellan. Portal S, am besten einige Tage voiber. Indirekt durch Präsidium. Schristsüiirer und Abgeordneie l8l>. Erhältlich durch Bcrmittelnng Weier Herren.— ZA.(£. 1910. Wenden Sic sich an den GeschäsiSsützrer der Freien Voltsbühne, Herrn Gustav Wintler, Rixdors, Kirchhojsw. 46— R. K. 40. Ihrem WissenSdrange kann in dicjem Umsange im Brieskalte» leider»ich! Geniige geschehen. Forschen Sie w dorijgen größeren Bibliolheken. hauptsächlich auch Stadtbibliothek, nach, ob Werke über das Berliner Verkehrswesen in derselben vo> Händen sind Andernsalls müßten Sie schon hierher kommen, um in der Bibliothek der Stadt Berlin die belressendcn Stutisliken durchzu- sehen. Einige Tage würden Sic daraus allerdings verwenden müssen.— B. A. 13. Wenn Sie rechtzeitig von Aachen abgemeldet waren, so würde ein Antrag an die Aachener Gemeinde, den aus diese Zeit entfallende» Teil der Steuern zurückzuzahlen, Aussicht aus Ecsolg haben.— — I. Dt. 11, 1. Allgemeine Schwächlichkeit— ohne anderweilige körperliche F-HIer— tnsolge zurückgebliebener körperlicher Entwickeinng. 2. Brust- umsrnig alle!» ist ntemais die entscheidende Grundlage jür Beurteilung der Taiiglichteit.— G. 2. 100, Jalvobi, diese Möglichkeit ist vorhanden.— O. K. 19. Auslunsl über jeweilige Aiistellniigs- und ArbcitSverdällnisse der Kellner erhallen Sie beim Verband der Gasitvirisgehillen. Große Hain- buraeislr 19.- Lübdener 10. 1. Liebknecht» Flenidivörterbuch. zu be- ziehen durch unsere Buchhandlung, Lindcnstr. 69. 2. Stettiner Bahnhos.— Fritze 589k. Eine solche Rezeptur werden Sie wohl in unserem Biaite nicht gesunden haben.— 50 R. F. AnsstchlStiistanz hiersür ist die Ge» we> bedcputatton de« Magistrats, Stralaucr Str. 3/6. Dorlhin find Bc- Ichwerden zu richten._ Wasserftands-Nnchrtchtrn ta Landes aittiail istr iitewäisertunde, mitgetellt vom Berliner WeNerbureau. 0 4- bedemet WiichS.— Fall.•) UMerpegel.•) EiSstand. 4) eisfrei. DaS Hochwasser de«?! b e i n S ist etwas mehr als mittelgroß, aber bei Kehl und weiter oberbalb schon im Fallen. Bei Maximiliansau. wo der Wasserstand heute morgen 7>0 Zeniimcter betrug, hat er seine AuSuserungShöhe um einen Halden Meter überschritten, bei Mannheim sie aber noch nicht erreicht. An beiden Pegelstellen stieg der Strom nur noch weutg, stärker an den solgenden Strecken, doch ist unterhalb Mannheims die AuSuserungshöhe nur an der Moseluiündung bei Koblenz überschritten worden. Von den größeren Zuflüllen des Rheins ist die Mosel der einzige mit g> ößcrcm Hochlvasker, doch ist sie ebenso wie Oberrhein, Neckar und Main bereits im Fallen. Verantwortlicher Redakteur Richard Barth, Berlin. Mr den gnscratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Berlagsanstalt Paul Singer& Co.. Berlin SW. Ar. 19. 27. Zahrgang. 5. WIM ks Jitmörts" Knlim MksM SomtMZZ.Zm«« IM Nirtichsstllcher Nochenbericht. Berlin, 22. Januar 1210. Handelspolitische Differenzen.— Schutzzollbestrebungen.— Rußland als Industriestaat.— Aufwärtsbcwcgung am inländischen Markt. Während die Verhältnisse am Arbeitsmarkt eine Gestaltung erfahren, die einer optimistischen Auffassung über die weitere Wirt- schaftliche Entwickelung größere Berechtigung geben, ziehen am handelspolitischen Himmel einige Gewitterwolken herauf. Von der Neuordnung der Verträge mit Portugal befürchten verschiedene Industrien großen Nachteil, das gleiche gilt von dem neuen fran- zösischen Zolltarif; die handelspolitischen Verhältnisse zwischen Teutschland und den Vereinigten Staaten geben gar zu ernsteren Befürchtungen Veranlassung. Die Amerikaner verlangen eine Er- leichterung �ir die Einfuhr ihrer Fleischwarcn in Deutschland. Unsere Agr«»„« setzen solchen Wünschen aus den belannten Grün- den iratu�ich heftigen Widerstand entgegen. Ein Zollkrieg mit Amerika schreckt sie nicht. Im Gegenteil, sie erwarten davon noch Vorteile. Die Jnduftriefeindschaft der Junker kommt in einem Geständnis, das der Bundeshäuptling Dr. Diederich Hahn dieser Tage in einer agranichen Versammlung in Münchingen ablegte, schön unverfälscht zum Ausdruck. Die Leuchte agrarischer Wissen- schaft ließ sich also vernehmen:„Der Untergang der deutschen In- dustrie ist kein Schaden, sondern nur ein Nutzen für die Landwirt- schaft.... Wenn es nur der Landwirtschaft gut geht, können wir sagen:„Lieb Vaterland, magst ruhig sein!"— Nur krassester Egoismus kann zu solch wahnwitziger Leichtfertigkeit der Gesinnung führen. Wenn weite Kreise des Volkes von Arbeitslosigkeit, Not und Elend heimgesucht werden, wenn in den von Unterernährung geschwächten Kreisen der Tod furchtbare Ernte hält, die Junker kümmert's nicht! Fließt für sie nur die Lvebcsgabenquelle, sichern ihnen Brot- und Fleischwucherpreise glänzende Einnahmen, dann ... lieb Vaterland, magst ruhig sein! Und leider muß man mit der Tatsache rechnen, daß die Zollschutzseuche mit ihren verheeren- den Wirkungen noch weiter um sich greift. In allen Ländern, wo man an die Frage der Tarifrevision herangeht, zeigt sich das Bestreben, die eigenen Zollmauern zu erhöhen. Auch in England finden die Schntzzöllner für ihre Pro- paganda einen immer breiteren Resonanzboden. Vielleicht werden die nächsten Wahlen die Entscheidung für ein extremes Schutzzoll» system bringen. Das wäre natürlich für unsere Junker und indu- striellen Hochschutzzöllner das Signal, die deutschen Zölle noch weiter hinaufzutreiben. Die anderen Staaten blieben dann ebenfalls mit dieser Arbeit nicht zurück. Jed'S Land will �"ch das Höhcrziehen seiner Zollmauern den früheren Status, der infolge der Zollrevi- sion eines anderen Landes gestört worden ist, wieder herstellen. So bewegt man sich in emcm cirr.ulus vitiosus. Der Effekt bleibt immer nur der, daß die„Sckwtzer der nationalen Arbeit" den eigenen Volksgenossen Monopolpreise diktieren können. Und doch liegt in dem widersinnigen, volksfeindlichen Zollwettrüsten ein Teil von jener Kraft, die Gutes schafft. Die Umwälzung der weltwirt- schaftlichen Verhältnisse wird dadurch befördert, es werden latente Kräfte ausgelöst, die dem Jndustriealismus in Europa neue Bahnen öffnen, die Rußland in mancher Beziehung industriell zu einem europäischen Amerika werden lassen können. Die Vom- dingungcn dazu sind in den Boden- und Naturschätzen des Landes gegeben. Je eifriger die modernen Industriestaaten sich der Arbeit hin- geben, fremde Einfuhr zu verhindern, um so mehr findet auch das internationale Kapital Anreiz, in seinem Interesse die Erschließung der Bodenschätze in Nußland, die Entfaltung einer Großindustrie I in diesem Lande zu fördern. Trotz der Rückständigleit der großen t Masse seiner Bevölkerung bildet Rußland heute schon einen bedeu- tcnden Absatzmarkt für industrielle Erzeugnisse. Es importierte ' beispielsweise im Jahre 1ül)7 für 235 Millionen Mark Textilwaren und für Il)7 Millionen Mark Maschinen, lieferte andererseits an den Weltmarkt für 232 Millionen Mark Bau- und Nutzholz. Wie aus der amerikanischen Wildnis industrielles Leben schnell emporblühte, so kann sich auch Rußland, von den zollpolitischen Maßnahmen anderer Länder begünstigt, in einem Jahrzehnt zu einem achtunggebietenden Industriestaat entwickeln. Jedenfalls dürfte damit eine wesentliche Verschiebung der weltwirtschaftlichen Verhältnisse eintreten. Rußland beherbergt in reichen Lagern die Rohmaterialien, Kohle und Erze, so daß es von anderen Ländern darin vollständig unabhänglg werden kann. Dazu kommt ein an- derer Umstand! Die Frachtlosten spielen bei der industriellen Pro- duktion eine immer größere Rolle. Und auf diesem Gebiete liegen die Verhältnisse für Rußland äußerst günstig. Seine natürlichen Verkehrsweg«, die Wasserstraßen, die noch ausgebaut»Verden können, und das Zusammenwvhnen der Rohmaterialien ermöglichen es, hier die Frachtkosten niedriger zu halten als in den meisten anderen Ländern. Natürlich wird man auch nicht mit veralteten Einrich- tungen beginnen, sondern gleich die letzten technischen Errungen- schaften ausnutzen. Die EntWickelung, die sich in den jetzt domi- nierenden Industrieländern vollzog, war schon sehr verschieden; Amerika brauchte zu seinem industriellen Hochkommen nur einen Bruchteil der Zeit, an den die heutige Leistungsfähigkeit in Deutsch- land und England gebunden war. Rußland wird noch schneller als Amerika eine Eisenindustrie groß werden lassen können. Infolge der entwickelten Technik spielt die manuelle Arbeitskraft in der Rohmaterial- und Halbzeugherstellung lange nicht mehr die Rolle wie früher, wo von der Erfahrung und Geschicklichkeit der Arbeiter die glückliche Abwickelung des Produktionsprozesses vollständig ab- l hängig war. Und wenn Rußland planmäßig und in großem Matz- stabe damit beginnt, feinen Holzreichtum nicht mehr durch Raubbau zu verschleudern, sondern ökonomisch auszunützen, und man in der Weiterverarbeitung Fortschritte macht, dann wird es auch mif diesem Gebiete ein gewichtiger Konkurrent auf dem Wellmarkt. Das ist natürlich nicht das Resultat einer EntWickelung von heute auf morgen, auch haben wir diese nicht zu fürchten, denn sie wird der entwickelten Verfeinerungsindustrie der alten Industrieländer Arbeit und Aufträge zuweisen, für diese der Anstoß zu höherer Blüte sein. So wirken die hemmenden Zollschranken indirekt als Hebel industriellen Vorwärtsdrängens. Daß die wirtschaftliche EntWickelung ihre eigenen Gesetze hat. das zeigt sich in den augenblicklichen Verhältnissen am Weltmarft. Bereits vor einem Jahre wurde der Anbruch einer neuen Hoch- konjunftur als unmittelbar bevorstehend angekündigt. AI» sicher- stcr Beweis dafür sollte die Kursbewegung am amerikanischen Effenktenmarkt gelten. Schließlich brachte es auch die europäische Börse zu teilweise kräftigen Kurssteigerungen, aber in der Waren- Produktion blieb es still. In den letzten Wochen stand Amerika im Zeichen rückläufiger Effektcnkurse und bei uns hob sich am Arbeits- markt die Nachfrage, wenn auch gerade nicht stürmisch, so doch in nicht unerheblicher Weise. Die Warenproduktion wird lebhafter, die Preise gehen hinauf! Die Grobblcchkonvention erhöhte den Preis ab zweites Quartal 1910 um 21h M. pro Tonne, der Roh- eisenpreis wurde von den Vereinigungen um 1 bis 3 M. hinaufgesetzt, die rheinisch-westfälischen Sckweißeisenwerke beschlossen eine Erhöhung der Grundpreise um 5 M. auf 130 M. Nicht nur in der Preisbewegung kommt die optimistische Auffassung zur Geltung. Das Kohlenshndikat ermäßigte, wie gemeldet, die Einschränkungs- quoten. Allerdings weiß man nicht, in welchem Grade bei diesem Beschluß die Rücksicht auf die Differenzen mit den Arbeitern be- stimmend war, jedenfalls jedoch ist in der letzten Zeit der Abruf etwas flotter gewesen. Der Versandnachweis des Kohlensyndikats läßt das erkennen. Hier die Zahlen: In tausend Tonnen Zu den vorstehenden Zahlen des Gesamtversandes an Kohlen und Koks ist zu bemerken, daß von einigen Hüttenzechen bis ein- schließlich Dezember 1008 die Lieferungen zum Selbstvcrbrauch der eigenen Hüttenwerke für Kohlen und Koks nicht getrennt an- gegeben, sondern die für die gelieferten Koksmengcn verwendeten Kohlen unter Kohlenversand aufgeführt wurden, während in den Angaben für das laufende Jahr die den eigenen Hüttenwerken gc- lieferten Koksmengen unter Koksversand erscheinen. Nach der früheren BerechnungSwcise würde sich im November 1900 der Gc- samtversand in Kohlen um 195 504 Tonnen, im Dezeniber 1909 um 187 323 Tonnen und im Jahre 1909 um 2 298 435 Tonnen höher, dagegen in Koks im November 1909 um 102 900 Tonnen, im De- zeinber 1909 um 156 444 Tonnen und im Jahre 1909 um 1 732 964 Tonnen niedriger stellen als vorstehend angegeben ist, und der ar» beitstägliche Gesamtversand betragen in Tonnen: Kohlen November 1909 gegen 1908 4-11 745= 6,29 Proz. . Dezember 1909, 1908--17 960= 9,97, . im Jahre 1909„ 1908-- 2144= 1,15„ KokS November 1909„ 1908+ 4 432=13,46„ ,' Dezember 1909„ 1903 4- 6 639= 20,28„ » im Jahre 1909. 1903+ 210= 0,60, In der letzten Zeierstrabe3(Kottbusertor). Abonnenten Rabatt l i 14651* Bücher de» deutschen HauseS. Eine Sammlung guter Erzählungen, Geschichlen, Novellen usw. Gut auS- gestattet, zlrla 300 Seiten umiassciid, zum Teil illustriert und gebunden. 90 Pfennige pro Band. Expedition, Lindenstraste 69. Laden. Gasbronzckronen!!! 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