Kr.«4. BbonnmfntS'Bedlngungen: SBonnraitntS• Stets prSnumertmdo i Sierteljö�tl 8�0®it, monatl. 1,10 2R1, lrSchenIIich 28 Psg, frei Ins Haus. Einzelne Nummer k Pfg, Sonntags. Eingetragen in die Posl-Zeitungs- Preisliste. Unter Kreuzband sür Deutschland und Oesterreich> Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 3 Marl vro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, DOnemart, .Rolland. Italien, Luxemburg. Portugal. Rumänien, Schweden und die Schweiz. 37. Iahrgt Crffttot»glich aaBcr noitigt. Vevlrnev Volksblcttk. DU Tnlerflons'GebOfir beirägt für die sechsgespaltene Kolonel« zeile oder deren Raum 50 Psg., sür politische und gewerlschastliche Vereins und Versammlungs-Anzeigen 80 Psg. „Uteine Hn-eizen", das erste(fettgedruckte) Wort 20 Psg., jedes weitere Wort 10 Psg. Siellengesuche und Schlaf- siellen-Anzeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Psg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis H Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition tjt bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm-Adresse: „Sczialiltlnclint Rtrlln*. Zentralorgan der rozialdemokrati leben parte» Deutschlands. (Udahtlom SM. 68. Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IT, Nr. 1983. 6xpcdttion: SM. 68» Lindenstrasse 69, Fernsprecher: Amt IT, Nr. 1984. Das junkerliche Deutschland. Die in den reaktionären Blättern, besonders der„Kreuz- Zeitung", aufgestellte lächerliche Behauptung,„Deutsch- lands Ansehen im Auslande" werde durch die Kritik der oppositionellen und speziell der sozialdemokratischen Presse geschädigt, lästt es angezeigt erscheinen, aus einige historische Reminiszenzen zuruckzukoinmen, die die wirk- ltchen Ursachen des Sinkens des Ansehens Deutschlands im Auslande beleuchten. Zunächst konunt es auch darauf an, was man unter„Deutschland" oersteht-, denn das Ansehen des deutschen Volkes ist im Auslande resp. bei den anderen Völkern nicht gesunken. Wenn man dort auch weiß, daß bei uns noch breite Massen durch ein rücksichtsloses Unter- drückungsst)stem in Dunkelheit und Unwissenheit erhalten werden, so findet doch die Arbeit des Gedankens und der Hände, die unser Volk leistet, sowie seine geistige Fort- entWickelung die gebührende Anerkennung. Die reaktionäre Presse erdreistet sich aber, die oberen Zehntausend als „Deutschland" zu bezeichnen, und die Junker betrachten ihre Kaste als das wichtigste Element Deutschlands. Das Ansehen dieses angematzten und illusionären„Deutschland" ist aller- dings im Ausland, namentlich in den Ländern, die sich in demokratischer Richtung entwickeln, außerordentlich gesunken. Doch nicht durch die oppositionelle Kritik, die keine Geheim- nisse enthüllt hat. Im Ausland sieht und urteilt man selbst. Das junker- lichc Deutschland erscheint dort, wie einmal in Frankreich treffend gesagt wurde, als eine finstere Zwingburg, die sich inmitten der europäischen Kultur als ein Ueberrest des Mittelalters erhebt. Man weiß auch im Ausland, daß das in Preußen-Deutschland herrschende Junkertum alles mit seinem Hasse verfolgt, was nicht nach seinem eigenen Muster zugeschnitten ist oder sich nicht unter seine An- maßungen duckt. Namentlich die Staatsweisheit, die sich in der preußischen Polenpolitik, in der Behandlung der Nord- schleswiger und Elsaß-Lothringer ausprägt, ruft im Ausland die schärfste Verurteilung hervor. Die Art. wie sich preußische Staatsmänner mit dem großpolnischen Gespenst herumbalgen, muß im Auslande erheiternd wirken. Die altvaterische preußische Staatsweisheit kann sich eben von dem längst historisch gc- wordenen Begriff des alten„revolutionären" Polen, wie ihn Metternich und sein Nachahmer Bismarck kultivierten, nicht losmachen. Als Bismarck in den achtziger Jahren im Hochverratsprozesse gegen den berühmten polnischen Dichter Kraszewski als Zeuge auftrat, gab er an. in Paris befinde sich ein Generalstab von dreißig polnischen Offizieren, die alle revolutionären Bewegungen Europas genau beob- achteten, um sie im geeigneten Moment mit kriegskundigen Offizieren zu versehen. Wir wissen nicht, ob dieser General- stab damals wirklich bestand. Aber die letzten revolutionären polnischen Offiziere dieser Art sind vor fast 40 Jahren bei der Pariser Kommune-Erhcbung zum Vorschein gekommen, und die alte polnische Emigration ist wohl so ziemlich zu den Vätern versammelt. Dennoch hat sich die Auffassung der preußischen Staatsweiscn seither nicht geändert und sie tun noch gerade so, als ob in Paris immer noch ein polnischer Generalstab säße, der den Oberfeldherrn für die nächste groß- polnische Erhebung auf Lager hält. Auch der Kainpf gegen die polnische Sprache wird der preußischen Politik so wenig Bewunderung verschafft haben, wie die„Köllcrei" in Nordschleswig. Heute hat die poli- tische Welt vergessen, daß im Artikel V des Prager Friedens von»866 den Nordschleswigern das Zugeständnis gemacht war, sich durch Volksabstimmung darüber zu äußern, ob sie zu Preußen oder zu Dänemark gehören wollten. Der Ar- tikel wurde Nicht ausgeführt und willkürlich wieder aufge- hoben. Obwohl in diesem Vertrage das Recht auf Volks- abstimmung in einem solchen Falle prinzipiell anerkannt war, so wurde doch schon vier Jahre später jeder als ganzer oder wenigstens Dreiviertclsnarr behandelt, der während des deutsch-französischen Krieges verlangte, daß Elsaß-Lothringcn durch Volksabstimmung bekunden solle, ob es zu Deutsch- land oder Frankreich gehören wolle. Heute, nach beinahe 40 Jahren, hat dos preußische Völkerbeglücknngssystcm die Elsaß-Lothringer noch nicht für sich gewinnen können. Trotz- dem neue Generationen gekommen sind, hat man die fran- zösischen Snmvathien nicht zu ersticken vermocht., Blöde Nationalliberale ergehen sich in grimmigen Schimpfereien gegen die„Welschlinge" und wundern sich baß, daß diese ihr neuprcußisches Glück immer noch nicht begreifen wollen. Aber wer möchte nationalliberalen„Mannesseelen" zumuten, aus der Geschichte etwas zu lernen? Auch Ludwig XIV, hat seinerzeit dem alten heiligen rämischen Reich Deutscher Nation durch einsttche Gewalt linksrheinisches Gebiet abgenommen. Aber die französische Politik von damals, so verwerflich sie auch sonst war. belaß doch Einsicht � genug, den deutschen Elementen den Anschluß an Frankreich nicht allzu schwer zu machen: im Gegenteil war sie bestrebt, ihn möglichst zu erleichtern. In„patrioti'chen" deutschen Geschichtswerken findet sich durchtveg die erlogene Behauptung, man habe den„deutschen Geist" damals nicht zu unterdrücken vermocht. Im Gegenteil wurde das deutsche Wesen damals durchaus nicht so angefeindet, wie eS dem französischen in den Reichslanden widerfahren ist und noch widerfährt. Die deutsche Universität konnte weiter be- stehen. Man denke sich nur, es würde jemand heute den Vorschlag machen, in M e tz eine französische Universität zu errichten! Diesem..Welschling" würde es wohl nicht besser gehen, wie dem arnien alten A u f f e ß bei der Er- Öffnung der deutschen Straßburger Universität im Jahre 1872. Nach hundert Jahren kam dann die französische Revo- lution und schaffte den Feudalismus ab. Dennoch ist der i Bevölkerung von Elsaß-Lothringen ein demokratischer Zug � geblieben. Napoleon i. verstand es, die Elsässer noch mehr � an Frankreich zu fesseln. So kam das französische Wesen überall zum Durchbruch und damit erklärt sich die Anhänglich- kcit eines großen Teils der Bevölkerung der Zseichslande an Frankreich. Und in dieses Land, das die Epoche des Feudalismus 80 Jahre zuvor überwunden hatte, kam nun die preußische Junkerschaft und Bureaukratie und schaltete und waltete dort nach ihrem Geiste und nach ihren Traditionen. „Feste Hand im Elsasser Land— das ist das beste Band!" sagte einst ein Junker im Reichstage. Aber diese Politik der„festen Hand" hat im Elsaß fast noch mehr Mißerfolge gebracht als in Nordschleswig und in. den polnischen Landstrichen. Diese Politik zu bewundern, kann man vom Auslande ganz gewiß nicht verlangen, am allerwenigsten von den Franzosen, die mit begreiflicher. Schadenfreude auf die mißlichen Verhältnisse in Elsaß- Lothringen blicken. Die sozialdemokratische Kritik ist allerdings nicht müde geworden, die Fehler der preußischen Politik im Westen, Osten und Norden bloßzulegen. Daraus können wir stolz sein und können uns auch rühmen, daß wir in diesem Kampfe fast allein ausgehalten haben. Denn wenn das Zentrum den Polen oder Elsaß-Lothringcrn beisprang, so hatte es dabei seine Hintergedanken. Auch beim Freisinn gibt es Polen-, Dänen- und Franzofenfresser genug. Die sozialdemokratische Kritik hat das nicht zu unter- schätzende Verdienst, dem Auslande gezeigt zu haben, daß die zahlreichste Partei Deutschlands die reaktionäre Junker- Politik mit Stumpf und Stiel verwirft. Sonst würde Deutschland im Auslande noch geringer einge- schätzt werden, als es zurzeit geschieht. Die IPolizeUchlacht von Brannfchwelg. Ueber den Verlauf der Polizeisäbelei vom Mittwoch ent- nehmen wir dem„Braunscksweigcr Volksfreund" noch die folgenden Angaben: ..... Vom Steintvcge her ging eine Polizistenkette mit her- untergelassenen Schuppenketten vor und drängte die gewaltige Arbeitermasse langsam nach dem Hagenscharrn hinein und dem Hagenmarkte zu. DaS schien einigen„Schutzleuten" nicht schnell genug zu gehen. Denn plötzlich griffen zwei Polizeifäuste einen ihnen den Rücken zukehrenden, im Zurückgehen begriffenen Arbeiter von hinten an und schleuderten ihn zurück in die Polizistenkettc hinein. Selbstverständlich erregte dieses Benehmen des Polizisten böses Blut und Worte der Entrüstung flogen von allen Seiten. Die Arbeiter gingen wieder nach dem Stcinwege zu, gedrängt von der nachfolgenden Menge, die nicht sehen konnte, was in der vorderen Reihe vorging. Es war ganz unmög- lich, die Straße so schnell zu räumen, wie die Polizei es ver- langte. Da plötzlich wurde von der Polizei an der Ecke des Hinzeschen Bettfederngeschäfts ein Schuß abgegeben, der schräg nach oben in die Luft gerichtet war, wie der Feuerstrahl bewies. Dieser Schuß war zweifellos ein S i g n a l s ch u ß. Denn im Nu hatten alle Polizisten die Säbel heraus und hieben blindlings auf die zurückgehende Menge ein, die völlig wehr- und waffenlos war. Wahrlich eine Heldentat, auf die die Polizei stolz sein kann. Zahlreiche Personen wurden durch Säbelhiebe verletzt, besonders am Kopfe. Wie sinnlos dabei gewütet worden ist, wird uns von einer großen Anzahl Zeugen erzählt. Die Menschen, denen es ganz unmöglich war, so schnell zurückzugehen, wie die Polizei es forderte, stürzten übereinander weg. was die Polizei wohl nicht leugnen wird. Und in den Hansen der Gestürzten hieben die Polizisten blindlings mit ihren Säbeln hinein." Bitter bemerkt unser Braunschweiger Bruderblatt zu seinen Schilderungen: „Ihr habt blindlings auf die Arbeiter ein- zuhauen, so schien gestern die Parole der Polizei zu lauten. Und danach wurde gestern abend von den Polizisten gehandelt. Die Proletarier im Polizistenrock, die selbst früher ausschließlich Arbeiter waren, und die bei einem eventuellen Tritt wieder in das Meer der Arbeiter hineinfliegen, sie haben blindlings draufloSgeschlagen, ganz gleich, wen sie vor die Klinge bekamen, ganz gleich, wohin sie mit ihren Säbeln trafen. Die- selben Leute, die in politischer Beziehung ebenso rechtlos find, wie die Arbeiter, für die das Wahlrecht auch erst erkämpft werden mutz, sie wurden im Dienste ihrer Feinde, der Geldsacks- clique, losgeschickt, die Arbeiter niederzuschlagen, die das freie Wahlrecht. daS selbstverständlichste Menschenrecht forderten. Ge- wiß gab eS unter diesen Polizeiproletariern auch einige Männer, die nicht so blindlings drauflosgingen, die in höflicher Weise dem Publikum entgegentraten, aber der größte Teil der Polizisten, allen voran einige Wachtmeister, hieben auf die wehrjosen Ar- beiter ein, als wären diese keine Menschen, sondern rohe Feinde, die man. wie im Kriege, mit den blanken Waffen umbringt." Zum Schluß aber erklärt der„Volkssreund": „Man glaubt, durch Säbelrasselei die Arbeiter von den Demonstrationen abschrecken zu können. Das wird nicht �geschehen. Im Gegenteil. Je mehr Schwierigkeiten sich den Arbeitern in den Weg stellen, um so erbitterter und zielbewußter � werden sie den Kampf führen. Die Polizei ist uns am gestrigen Tage ein guter Bundesgenosse ge- wescn. Der Polizeisäbel ist Agitator für uns j geworden. Dieser zweiten Stratzendemonstration �werden weitere folgen, ob es den Dienern der be- s sitzenden Klasse recht ist oder nicht. Ter Sieg muß dem Volke in diesem Kampfe werden...." Sie ottallatiiche Pleite. Kiaulschou bedeutet soviel wie Lehmstadt oder, in noch besseres Deutsch übertragen, Drecknest. Wer sich nun die schönen Ansichten von Tsingtau beschaut, mit denen die neueste Denkschrift über die Entwickelung des Kiautschou- Gebietes von Oktober 1008 bis Oktober 1900 so ver- schwendcrisch ausgestattet ist, wird entschieden zugeben müssen, daß von dem Drecknest keine Rede mehr sein kann. Stadt, Hafen und die sie in weitem Bogen umkränzenden Berge präsentieren sich sogar recht stattlich und malerisch. Wobei man freilich nicht vergessen darf, daß sich mit den iveit mehr als tOO Millionen, die wir bereits in diesen Bülowschen „Sonnenplatz" hineingesteckt haben, schon etwas aus- richten läßt. Aber die Denkschrift zeigt uns nicht nur hübsche Photo- graphische Aufnahmen, sondern macht auch viel Rühmens von dein wirtschaftlichen Aufschwung Kiautschous. Die Krise, die nach dem rnssisch-japanischen Krieg über ganz Ostasicn herein- gebrochen, sei glücklich überwunden. Handel und Schiffs- verkehr hätten sich bcdeittend gehoben, die Eisenbahnen er- freuten sich steigender Frequenz. und auch das Kulturleben im engeren Sinne nehme in Gestalt von Schulen und sogar einer neu errichteten deutsch-chinesischen Hochschule eilten hoch- erfreulichen Aufschwung. Das ist alles wunderschön, nur hat die Denkschrift ver- gcsscn, uns den Wert dieser Eitüvickelung für Deutsch» land darzutnn l Denn nnsere Kolonialpolitik soll doch ein Geschäft sein, soll dem Mutterlandc etwas ein- bringen, nicht nur das alte China mit den Segnungen moderner Kultur beglücken! Welchen wirtschaftlichen Wert Kiautschou aber für Deutschland hat, das wird leider in der Denkschrift sorg- sam verschwiegen! Da wird uns vorgeführt, daß sich der gesamte Durchgangshandel über den Hafen von Tsingtau gegen das Jahr 1006/07 von 51552000 Dollar auf 65 010 000 Dollar gehoben hat, wovon auf die Einfuhr 88 560 000 Dollar, auf die AiiLfnhr 26 440000 Dollar ent- fallen. Unter einem Dollar ist allerdings, wie eine Fußnote besagt, nicht der amerikanische Dollar von 4,20 Mark zu ver- stehen, sondern der mexikanische Dollar von 1,70 Mark. Die gesamte Einfuhr betrug danach 60Va Millionen Mark. Davon entfielen aber 25 468 000 Dollar— 45 828000 Mark auf chinesische Einfuhr, so daß die gesamte Ein- fuhr aller übrigen Länder nur knapp 24 Millionen Mark betrug. Welcher Anteil von diesen 24 Millionen Mark auf Deutschlands Einfuhr entfällt, wird leider nicht mitgeteilt; offenbar scheute man sich, die allzu winzige Summe der Oeffeutlichkeit mitzuteilen! Um aber anderen Ländern günstige Handelsbeziehungen zu schaffen, hat Deutschland für Kiautschou schon mehr als 100 Millionen verpulvert, leistet es auch für das Jahr 1010 einen Zuschuß von S'/a Millionen Mark! Daß die Aufwendungen sür Kiautschou niemals, auch in fernster Zukunft nicht, Deutschland zugute kommen können, legt gerade in der letzten Nummer des Tag" ein Artikel von Otto Corbach dar. Corbach schreibt da: „Keine europäische Macht kann sich rühmen, seit dem Frieden von PortSmouth in Ostasten gute Geschäfte gemacht zu haben. Den etivaigen gelegentlichen Gewinnen stehen viel größere Verluste gegen- über. Rußland zieht bei Verhandlungen mit Japan wie China immer wieder den kürzeren. England macht gute Miene dazu, daß die chinesische Regieriing den Handel mit indischem Opiitm unter dem Vorwande, den Opiiimgenuß an und für sich unterdrücken zu wollen, zugrunde richtet, räumt Wei-hai-wei und läßt es geschehen, daß der fremde, voriviegend cngltsche Einfluß in der Seezoll» Verivaltung allmählich verdrjingt wird, und daß in London durch die Pekinger Regierung mit gutem Erfolge große Anleihen auf« gelegt worden, die flüssige Mittel zum Rückkauf von Eiseiibahne» liefern sollen, welche in englischem Besitz waren. Deutschland hat in Schantung seine Poststattonen eingehen lassen, die früher in Kaumi und Chinesisch» Kiautschou stationierten Truppen zurückgezogen, in Tsingtau eine K a i 0 r d n u n g. die der Verwallnng neue Einnahmen erschließen sollte, fallen lassen, als die chinesische Bevölkerung einen Boykott begonnen hatte. Soeben hat die Deutsche Gesellschaft für Bergbau und Industrie iin Auslände „mit Rücksicht auf innerpolitische chinesische Berhältnisse" ihre sämtliche it in Schantung belegenen Kon» Zessionen an die Provinzialregierung von Schantung verkauft, und eS ist fraglich, ob die Schaut ung-Eifenbahtt» und Bergbaugesellfchaft chinesischen, von einer starken Volksbewegung getragenen Angeboten noch lange zu widerstehen vermag. Frankreich sieht sich tn Südchina wachsenden Schwierigkeiten gegenüber und wird seine Stellung mit einem so großen" Kostenatlswande militärisch stärken müssen, daß alle Gewinnaussichten in nebelhafte Ferne rücken." Also nicht nur sür den deutschen Handel bedeutet Kiautschou eine verfehlte Spekulation, sondern auch für die beuischen Kapitalisten, die in Eisenbahnen und Berg- werken Geschäfte zu machen gedachten. Otto Corbach empfiehlt denn auch den Verzicht auf alle kolonialen Sonder- vorteile in Ostasien. Das bedeutet aber nur das Eingeständnis, das; Un- summen von deutschen Steuergroschen in Ostasien völlig sinnlos verwirtschaftet»vorden sind! Je eher sich Deutschland aus der ostasiatischen Pleite zurückzieht, desto besser!__ Sie öngefetzlichMt der Rixdorfer BlaMrechtsverichlechtenmg. Warum zögern die Behörden mit der Aufhebung des Rixdorfer Waylrechtslxrschlechtcrungsstatuts? Am 23. Mai teilten wir mit, daß der Bezirksausschuß der Klage des Genossen Conrad stattgegeben hatte, die die Gesetzwidrig- keit der vom Rixdorfer Magistrat im August 1908 aufgestellten Wählerliste auszusprechen verlangte. Diese Liste hatte der Rix- dorfer Magistrat nach dem Prinzip des Durchschnitts aufgestellt, während nach dem Gesetz das System der Drittelung hätte an- gewendet werden müssen. Die zugunsten des Genossen Conrad ergangene Entscheidung ist, wie unseren Lesern bekannt, am 18. Januar vom Oberverivaltungsgericht bestätigt. Durch diese Entscheidungen ist, wie wir nach ihrem Bekannt- werden betonten, der Wahlrechtsraub, den die Rixdorfer Stadt- verordnetenmehrheit am 17. Dezember 1998 an einem großen Teil der Rixdorfer Arbeiter beging, in der Praxis gegenstandslos geworden. Es ist durch sie auch indirekt anerkannt, daß das Wahl- rcchtsraub-Statut in dem Sinne, den seine Urheber ihm beilegten, gesetzwidrig ist. Tatsächlich freilich konnte, wie kaum ausdrücklich betont zu werden braucht, das Oberverwaltungsgericht nur über die vom Genossen Conrad gegen die Wählerliste vom Jahre 1998 erhobene Klage entscheiden. Als es den Rixdorfer Genossen trotz des durch die gesetzwidrigen Wählerlisten von 1993 verschlechterten Wahlrechts gelungen war, im Südbezirke noch drei Mandate zu erobern, beeilten sich die Bürgerlichen zu dem Wahlrcchtsraub am 17. Dezeniber 1998. Eile tat not, weil die bürgerliche Mehrheit nur noch kurze Zeit über die Zweidrittelmehrheit verfügen konnte. Dieser Stadtverordneten- beschluß setzte an die Stelle des einfachen Durchschnitts, wie er im Jahre 1993 zur Anwendung gelangt war, den anderthalbfachen Durchschnitt. Das Wahlrechtsraubortsstatut wurde im Juni 1999 vom Bezirksausschuß genehmigt. Der Magistrat legte dann die Wählerliste im August 1999 auf Grund des Prinzips des ändert- halbfachen Durchschnitts aus. Auch gegen diese Wähler- liste ist Klage im Verwaltung s st reitverfahren erhoben. Sie schwebt noch beim Bezirksausschuß. Nachdem das Obcrverwaltungsgericht in der Entscheidung vom 18. Januar festgestellt hat, daß nach dem Gesetz das System der Drittelung zur Anwendung gelangen muß, wäre es eigentlich Aufgabe des Magistrais und der Aufsichtsbehörden, nunmehr die Auf- Hebung der gesetzwidrigen Wählerliste von 1999 und des Wahlrechtsraub-Orts st atuts selb st in die Wege zu leit en. Indessen, wie schon der erste Prozeß gezeigt hat. scheren sich die bürgerlichen Behörden den Teufel um das Gesetz und überlassen die Durchführung des Gesetzes den Sozial- demokraten. Auch in diesem zweiten Prozeß muß ja das ungesetzliche Bor- gehen des Magistrats und der bürgerlichen Mehrheit festgestellt werden. Das Rixdorfer Orisstatut, das mit dem anderthalbfachen Durchschnitt rechnet, stellt also einen Schlag inS Wasser dar, selbst wenn es formell aufrechterhalten bleibt. Wenn das Orts- statut bestimmt, daß nur Wähler, welche den anderthalbfachen Durchschnitt zahlen, in die zweite Abteilung kommen können, so kann das nach dem Gesetz nur für den Fall gelten, daß solche anderthalbfachen Durchschnittsmänner bei Anwendung der Dritte- lung in die dritte Abteilung kämen. Nun müssen aber nach dem Gesetz und den übereinstimmenden Urteilen, die im ersten Prozeß ergangen sind, schon die Wähler, die unter dem Steuerdurchschnitt bleiben, der zweiten Abteilung eingereiht werden, soweit sie nach dem Drittelungsprinzip in die zweite Abteilung kommen. Das Wahlrechtsraub-Statut ist also p r a k t i s ch ein Schlag ins Wasser. Ist auch das Rixdorfer Ortsstatut nicht formell für ungesetzlich erklärt, sie ergibt sich doch aus den von uns ausführlich mit- geteilten Gründen des Bezirksausschusses und des Obervertvalwngs- gcrichts, daß die für 1999 aufgestellte Wählerliste unter klarem Berstoß gegen das Gesetz aufgestellt, und daß das Ortsstatut, s o, wie es von seinen Vätern gemeint ist, ein ungesetz- licheö ist. Für unsere preußischen Rechtszustände ist es bezeichnend, daß trotz dieser Rechtslage erst eine ztveite Klage unserer Genossen erforderlich ist, um auch formell die gesetzwidrige Aufstellung der Wählerliste von 1999 durch daS höchste Verwnltungsgericht fest- stellen zu lassen. Würden durch diese rechtswidrige Aufstellung der Wählerliste und den gesetzwidrigen Inhalt des Wablrechtsraub- Statuts nicht lediglich Rechte von Arbeitern gekränkt werden, so hätten wohl längst die zuständigen Behörden dem Spruch des Oberverwaltungsgerichts und seinen klaren Gründen durch Be- scitigung des Wahlrechtsraub-Ortsstatuts und der unter klarem Verstoß gegen das Gesetz aufgestellten Wählerliste Rechnung ge° tragen. So zeigt aber auch dieser Rixdorfer Streit: die Ungesetzlich- keit liegt klar auf feiten der„Ordnungsparteicn", für die Gesetzlich- keit traten allein die Sozialdemokraten ein. Sie belgischen Arbeiter gegen den französischen Zolltarif. AuZ Brüssel wird uns geschrieben: Der Protest, den die Deputation der Arbeiterpartei und der Gewerkschaften bei dem französischen Ministerpräsidenten erhoben hat, richtet sich vor allem gegen eine Bestimmung, die direkt die Existenz taufender belgischer Arbeiter bedroht. Der betreffende Artikel bestimmte in seiner ursprünglichen Fassung, daß sämtliche auf französischem Boden arbeitenden Ausländer, die ihren Wohnsitz außerhalb Frankreichs haben. einer Taxe unterworfen werden, die einem Fünftel ihres Tagelohnes gleichkommt. Dieser ungeheuerliche Antrag—- er stammt von dem„Radikalen" C i c c a l d i— wurde indes insoweit geändert, daß die neue Fassung die Kopfsteuer nur für jene Unternehmer vorschrieb. die mehr als fünf Arbeiter oder Angestellte beschäftigten. Die Höhe der Steuer selbst sowie die Bedingungen werden durch da« Finanzgesetz festgestellt werden. Nimmt sich diese gegen die belgischen Arbeiter gerichtete Absperrungsmaßregel gegenüber der Ursprung- lichen Fassung in der Tat nun etwas weniger ungeheuer- lich aus, schon weil an der enormen Höhe der Taxe nicht niehr festgehalten wird, so bedeutete sie nichts- destoweniger in der Praxis den Ruin des an der belgischen Grenze»v vhnende n Proletariats, das heute zu Tausenden jenseits der Grenze sein Brot verdient. Nach den Darlegungen des westflandrischen sozialistischen Deputierten D e b u n n e beziffert sich die Zahl dieser Wanderprolelarier, die tagaus, tagein auf den französischen Boden arbeiten geben, auf zirka 399 990. Die Arbeiterschaft der Fabriken des Departements du Nord z. B. setzt sich aus zwei Dritteln belgischer Arbeiter zu- sammen. Gegen diese Bestimniung, für die in der französischen Kammer die Konservativen, die Nationalisten und die Radikalen stimmten — die Minister B r i a n d und B i v i a n i stimmten dagegen— kämpften JauriS und Baillant vergeblich an. Jrnirds hatte ein Ameudement beantragt, wonach die Taxe die Differenz zwischen der Höhe der LcbenSkosten in Frankreich und den Ländern, aus denen der Arbeiter eingewandert ist, nicht überschreiten darf. Zu bemerken wäre übrigens auch, daß für den Artikel in der von uns mitgeteilten zweiten Fasiung auch zwei„Unifizierte", die Deputierten Dclory und Dürre gestimmt haben! lieber die Frage, ob diese Maßregel, mittels der man die belgischen Arbeiter von dem französischen Arbeitsmarkt absperren will, eine Rechtfertigimg darin finde, daß die belgischen Arbeiter die französischen verdrängen und durch Lohndrückerei eine gefahrdrohende Konkurrenz für diese bedeuten, haben sich eine Reihe von Partei- sichrem in der sozialistischen Presse Belgiens in verneinendem Sinne ausgesprochen. Ich erwähne da insbesondere die Ausfiih- rungcn des in dieser Frage besonders sachverständigen vlämischen Deputierten D e b u n n e, der auch im Geueralrat der sozialistischen Partei eine aufhellende Darstellung der Sache brachte. Debnnne negiert entschieden, daß von einer Verdrängung französischer Arbeiter durch belgische die Rede sein könne, ebenso, daß die Belgier in Frank- reich lohndrllckend wirken. Er erwähnt u. a. einen bereits drei Monate währenden Streik, einige Meter von der belgischen Grenze, der 4999 Arbeiter, Franzosen und Belgier umfaßt, und bei dem sich nicht der Schatten eines„Gelben" gezeigt habe. Die belgische Ge- werkschaft zahle vielmehr die höchsten Streikunterstützungen. Auch bei den übrigen Lohnkämpfen hätten sich die Belgier in jeder Beziehung mit ihren Brüdern solidarisch gezeigt. Womit er indes nicht leugnen will, daß sich Ausnahmen ereignen, zumal bei den aus den klerikalen Gegenden stammende» Arbeitern, die, mit ihrer christ- lichen Resignation vollgesogen, von den 22—24 Frank Wochenlohn so begeistert sind, daß sie für eine Verbesserung ihrer Lage nichts tun. Aber an solchen Resignierten, meint Debnnne, mangele es auch in Frankreich nicht und zudem sei ihr Eiufluß auf den Arbeitsmarkt gering, da, zumal in der Textilindustrie. daS Tarif- regime entscheidend sei. Fände aber eine systematische Verdrängung französischer Arbeiter durch belgische statt, so würden wohl die syndikalistischen Blätter Frankreichs auf daraus entspringende Krisen verweisen. In der Kundgebung der GewerlschaftSkommission. die in Tausenden von Exemplaren verbreitet und in den Siädten plakatiert werden wird, wird»as Prinzip der freien Arbeit und die Jnternationalität der Arveiterklasse angerufen. Mit Bezug auf die demagogischen Absichten derer, die für die Maßregel fremder Arbeiter stimmten, bemerkt da? Manuskript, daß hoffentlich die projektierte Kopfsteuer kein Mißverständnis im Ge- wissen der Arbeiter hervorrufen werde I Eine gesetzliche Fe st» l e g u n g des M i n i m a l l o h n e s und die g«uv e r t s ch a f t- liche Intervention gegen die Gefahre» der Einwanderung, wie sie in Deutschland geübt wird, sei daS Verfahren, dem die Arbeiterschaft ihre Zustimmung geben müsse. Behufs einer gemeinsamen Aktion hat sich der belgische Ge- werkjchaftssekrctär BergmauS auch mit der französischen Coiifödöration du Travail in Verbindung gesetzt. In der belgischen Kammer wird gleich nach ihrem Zusammentritt im Februar der Genosse Debnnne über die Angelegenheit interpellieren. Sie Kahlen in cvgland. Loudo», 28. Januar.(Privatdepesche des„Vor- wärts".) Die letzten Wahlen waren für die Liberalen gün- stiger. Die Differenz zwischen ihnen und den Konservativen ist momentan fast verschwunden. Bis jetzt sind gewählt 263 Konservative, 262 Liberale, 40 Mitglieder der Arbeiterpartei und 73 Iren, von denen 8 Anhänger O'BrienS und Gegner des Budgets sind. Es sind somit jetzt 640 Abgeordnete ge- wählt. Heute finden 19 Wahlen statt in Bezirken, die bisher von 9 Liberalen, 5 Konservativen, einem Arbeiter und vier Iren vertreten waren. Sonnabend steht der Bergarbeiter I. G. Hamcock in Mittel-Derbyshire zur Wahl: das Man- dat gilt für sicher. Montag finden dann wieder zwei Wahlen statt und die letzten am 8. und 9. ssebruar aus den Orkney- und Shetlandinseln und den schottischen Universitäten. In der City werden Wetten darüber abgeschlossen, ob die Re° gierungsmajorität mehr oder weniger als 100 und ob die Lebensdauer des neuen Parlaments kürzer oder länger als e i n Jabr betragen werde. Erregung unter den Bergarbeitern. London, 27. Januar. Die Lage in Norddurham gestaltet sich schwierig infolge zunehmender Unruhen, die teils auf die Wahlbewegung, teils auf den Kohlenarbeiter streik zurückzuführen sind. Die Streikenden demolierten die Haupt- quartiere der Unionisten und die Wohnung eines Grubenbesitzers. Der letztere feuerte auf die Menge und verwundete einen von den Streikenden. Auch das Automobil des Gruben- direltors wurde zerstört und einen Abhang hinabgeworfen. Ein starkes Polizeiaufgebot ist an den Schauplny der Unruhen gerufen worden. PoUtifcbc Qeberlicbt. Berlin, den 28. Januar 1910. Offizierlichev Familiensinn. AuZ dem Reichstag. 28. Januar. Die neutrale Haltung des Generals v. Hceringcn gegenüber der Sozial- demokratie hat nicht lange vorgehalten. Sie ging schon heute in die Brüche, denn mittlerweile war offenbar sein osfizierlicher Familiensinn und Patriotismus gegen den Um- stürz mobil gemacht worden. Als Eclaireur in dem be- ginnenden Gefecht ging der frühere Husarenrittmeister v. B y e r n, jetzt Abgeordneter für Jerichow, ins Feuer. Genosse S t ü ck l e n hatte am Mittwoch die Kommandierung der Kriegervereine in Halle zur Stimmabgabe gegen die Sozialdemokratie als Beweis für den parteipolitischen Charakter der Kriegervereine gerügt. Herr v. Byern hat offenbar den Kern dieser Sache gar nicht erfaßt, denn er schmetterte in lauten Trompetenstößen die Erklärung in das Haus hinein: Damit hat der Vorsitzende des Vereins nur seine verfluchte Pflicht und Schuldigkeit getan! Der frei- sinnige Dr. M u g d a n suchte die Möglichkeit weiterer Er- sparungen beim Hecresetat nachzuweisen und machte das Zentrum für � das Anschwellen der Heeresausgabcn verant- wörtlich. Tann suchte er aber auch die sozialdemokratische Forderung des Milizheeres durch die wiederholt als falsch nachgewiesene Behauptung zu bekämpfen, daß ein Milizheer b e s s e r sei als ein stehendes Heer. Der Antisemit Lieber- mann v. Sonnen berg machte natürlich gleichfalls in Sozialistenbekämpfung, erregte aber allgemeines Lachen, als er dem militärfrommen, nationalliberalen Dr. Osann das bittere Unrecht antat, ihm nachzusagen, er habe sich von der Sozialdemokratie ins Schlepptau nehmen lassen. Ter Abge- ordnete Erzberger nahm das Zentrum gegen Mugdans Angriffe in Schutz und erging sich dann in allerhand Einzel» heiten aus den: Etat. Da verschiedene Redner der bürgerlichen Parteien die Bevorzugung des Adels vor dem Bürgertum im Offizier- korps gerügt hatten, nahm der K r i e g s m i n i st e r das Wort, um in der üblichen Weise diese offenkundige Tatsache. aus der Welt zu reden. Er führte dabei auch die Anhäufung der adligen Offiziere in gewissen bevorzugten Regimentern (Garde und Kavallerie) auf den osfizierlicheu Familiensinn zurück. Gewisse Familien ließen eben. in alter, schöner Tradition ihre Sprößlinge immer in die- selben Regimenter eintreten. Aber ein Unterschied zwischen Adel und Bürgertum oder gar eine Bevorzugung des Adels komme in keiner Weise vor. Die allgemeine Heiterkeit, die diese Auslegung auf der linken Seite erregte, wurde vom Genossen Noske noch besonders gerechtfertigt durch den Hinweis darauf, daß der Kaiser jedenfalls anderer Meinung sei, da er in seinen Ansprachen an die Gardcrekruten stets betone, daß sie in eine besonders bevorzugte Truppe eintreten. Eine bevorzugte Truppe sei die Garde aber doch nicht nur für die Rekruten, sondern auch für die Offiziere. Noske fragte denn auch direkt an: wie der Kricgsministcr sich dann zur Sozialdemo kratie stelle: seine Wendung, die Offiziere hätten Beziehungen zu allen staatserhaltenden Parteien, lasse darauf schließen. daß er die Sozialdemokratie als staatserhaltende Partei nicht anerkenne. Es sei doch interessant, zu hören, wie er das begründen wolle. Weiter rügte Noske sehr energisch, daß das Beschwerderecht der Soldaten noch mehr als bisher eingeschränkt wird durch die Verfügung des Ministers, daß alle Soldaten bestraft werden sollen, die später als fünf Tage nach einer Mißhandlung Beschiverdeu einreichen. Schließlich führte er aus, daß die Demokratisierung der Armee und deren Umgestaltung zu einem Volksheer trotz des Widerstandes der herrschenden Klassen durch die Verhältnisse selbst erzwungen werden würde. Der Kriegsminister suchte diese Ausführungen zu widerlegen, doch war seine Argumentation ebenso schwach wie am Mittwoch gegenüber Stückten. Die kaiserliche Betonung der Garde als bevorzugtes Korps glaubte er durch die laut heraus- geschmetterte Erklärung aus der Welt zu schaffen, daß der Kaiser keinen Unterschied zwischen bürgerlichen und adeligen Offizieren mache. Er kenne„nur preußische Offiziere". Der Erlaß über das Beschwerderecht bringe nur geltendes R e ch t in Erinnerung. Was aber die Sozialdemokratie angehe, so könne ein Sozialdemokrat im Heere keine Offiziersstellung bekleiden. iveil ein Offizier„für König und Vaterland" eintreten müsse. Schließlich versicherte Herr v. Heeringen den erstaunten Hörer:: noch, die Soldaten würden vom ersten Augenblick ihres Eintritts an in durchaus liebevoller Weise behandelt. Nach dieser Lobpreisung des offizierlichen und unterosfizierlichen Familiensinns im Verkehr mit den Familien- Mitgliedern aus dem Volke setzte sich der Kriegsminister in dem Bewußtsein, daß offenbar nur schnöde Nörgelsucht an dem herrlichen Kriegsheer noch etwas zu mäkeln findet. Abgeordnetenhaus. Nach den iiiteressanten Debatten der letzten Tage ist der übliche Geist der Langeweile in das Haus in der Prinz-Albrecht-Straßc eingezogen. Das zeigte sich am Freitag bei der Beratung des Etats der landwirtschaftlichen Verwaltung, die sich in tausend Einzelheiten verlor und für die Oeffentlichkeit so gut wie belanglos war. Eine längere Debatte rief eigentlich mir die Frage der land- wirtschaftlichen Lehranstalten hervor, besonders die Frage des läud- lichen FortbildungSschulunternchts. Es ist anzuerkennen, daß die Regierung jetzt größere Aufwendungen dafür macht, doch ist andererseits zü befürchten, daß die VerpfaffungS- und Vcr- ttommuiigsbestrebuiigen auch in diese Schulen ihren Einzug halten und daß den jungen Leuten statt der siir das praktische Lebe» notwendigen Kenntnisse der Kopf mi: Geboten und Gesangbuchversen vollgepfropft wird. Die Regierung bettachtet eben den Religionsunterricht als den wichtigsten Lehrzweig der Fortbildungsschulen. Auch über die Belastung der Gemeinden durch die Fleischbeschau, insbesondere durch die tierärztliche Nachbeschau, wurde wieder leb- hast geklagt und eine Aenderung diese« durch ReichSgesetz geregelten Zustandes gewünscht. Größeres Interesse dürfte die von national- liberaler Seile angeschiiitteiie Frage der Erfahrungen mit der Eosiu- färbung der Futtcrgerste beanspruchen. Nach der Auskunft des Ministers ist die Eosingerste natürlich nicht schädlich. Nachdem noch in der üblichen Weise eine schärfere Absperrung der Grenze. vorgeblich im gesundheitlichen Interesse der heiiirischcn Viehzucht, und eine Entschädigung der Landwirte für Verluste durch Biehlötungen bei Seuchen gefordert war, wurde der Etal bewilligt. Der nächste Etat, der Gestüts etat, rief die konservativen Freunde des RennsportS auf den Plan, die ihrer Befremduug darüber Ausdruck gaben, daß die Regierung die Staatspreise bei Pferderennen zu verkürzen gewagt hat; der Antrag auf Erhöhung dieses Fonds vom nächste» Jahre ab, für den sich auch der frei- sinnige Abgeordnete Dr. Müller- Sagan aussprach, fand die Zustimmung der Mehrheit des HauseS. Wann wird sich der preußische Landtag einmal mit gleicher Wärme für die Erhöhung der Kultur- zwecken dienenden Fonds ins Zeug legen? Die Wahlrechtsvorlage in Sicht! Wie das„Verl. Tagebl." als„zuverlässig" meldet, sind die Vorarbeiten für die neue preußische WahlrechtSvorlage so weit gediehen, daß die Einbringung der Vorlage im Landtag bereits Ende nächster Woche erwartet wird l Das Proletariat wird auf den Kampf gerüstet sein! Zollkrieg mit den Vereinigte» Staaten? In Jnttresientenlreisen herrscht jetzt vielfach die Auffassung, die auch von einem Teile der Presse geteilt wird, daß eS mit dem 7. Februar zum Zollkriege mit den Vereinigten Staaten kommen müsse, wenn bis dahin keine Verständigung erzielt wird. Diese An- ficht ist durchaus irrtümlich und muß unnötigerweise Beunruhigung hervorrufen. Allerdings wird der deutsche Generaltarif automatisch mit dem 7. Februar gegenüber der Einfuhr der Vereinigten Staaten in Kraft treten, wenii bis dahin eine Einigung nicht zustande kommt, und die deutsche Regierung bedürfte auf jeden Fall einer besonderen Emiächtigung durch den ReickStag, um den Vereinigten Staaten auch weiterhin den deutschen VertragStarij im bisherigen Umfange zu gewähren. Aber das Inkrafttreten deS deutschen Generaltariss bedeutet, wie die„Handelspolitische Kor- respondenz" schreibt, keineswegs den Zollkrieg. Denn der General- tarif ist nicht gleichbedeutend mit dem Kampfzolltarif. Dieser be- steht nach§ 19 de? Deutschen Tarifgesetzes in Zollzuschlägen, die bis zum doppelten Betrage des Generaltariss oder bis zur Höhe des vollen Wertes gehen können. Zollzuschläge würden aber erst dann in Frage kommen, wenn die deutsche Einfuhr den« amerikanischen Maximaltarif unterworfen wird. Dies kann nach dem amerikanischen Tarifgesetz nicht vor dem 1. April der Fall sein. Dazu kommt, daß gegen- wärtig dem Kongreß ein Antrag borliegt, der, wie es ljei{jt. mit Unterstützung der Regierung eingebracht ist, den Termin für daS Jntraft- treten des Marimaltarifs bis zum 3l. Dezember d. I. hinauszu- schieben. Auch wenn dieser Antrag nicht durchgeht, halten wir den Ausbruch eines Zollkrieges noch immer nicht für wahrscheinlich. Denn die allgemeine Stimmung in den Vereinigten Staaten ist einem Zollkriege mit Deutschland ebensowenig günstig wie mit anderen Ländern, und die republikanische Partei wird es kaum wagen, noch dazu um recht geringfügiger Differenzen willen, mit uns und gleichzeitig auch mit Frankreich, Kanada und Oesterreich- Ungarn einen Zollkouflikt zu provozieren. Die amerikanische Fleischbeschau. Die Berliner Amerikanische Botschaft macht folgendes bekannt: Um gewisse irrige Schlüsse zu berichtigen, die aus dem Bericht deö Chefs des Viehzuchtdepartements der Vereinigten Staaten, Dr. Melvin, bezüglich der Fleischbeschau in den Vereinigten Staaten gezogen worden sind, erlöstt daS Landwirtschaftsministerium folgende Erkläriuig: Alles Fleisch und die Nahrungsmittel, die in Etabliffements her- estellt werden, ivelche einen z iv i scheustaatlichen oder Exp orr- a n d e l betreiben, sind durch Gesetz einer Untersuchung u n t e r w o r f e n. Diese Untersuchung wird in einer sorgsamen und wissenschaftlichen Weise ausgeführt, die den Vergleich mit jedem anderen Lande leicht aushält. Manche kleine Städte haben noch keine Untersuchung für das zum lokalen Verbrauch bestimmte Fleisch; aber dieses Fleisch kommt nicht zur Versendung in andere Staaten oder ins Ausland. Nur auf dieses nicht untersuchte Fleisch hat sich der Chef des Viehzuchtdepartements bezogen. In dem oben erwähnten Bericht des Dr. Melvin, auf dm die Berichtigung Bezug nimmt, heißt es: „Die Hälfte des in d.en Vereinigten Staaten konsumierten Fleiscbcs ist ungesund, ist schlecht oder gar nicht inspiziert. Die Prüfungen der das Fleisä) untersuchenden Behörden sind durchaus unzulänglich. Von 2l'> Millionen Stück Vieh muh mehr als eine Million als krank zurückgewiesen werden. Von dem als gesund zugelassenen Vieh müssen von dem Fleische dann nochmals über 25 Millionen Pfund als gesundheitsschädlich abgewiesen werden."_ Württemberg und die Gchiffahrtsabgaben. Am Sonnabend, den 29. Januar, findet in Stuttgart eine Zu- sammenkunft württembergischer, badischer und hessischer Landtags- abgeordneter statt. Auf der Tagesordnung steht der Antrag PreuhenS an Bundesrat und Reichstag, die Erhebung von Schiffahrt s- abgaben auf bisher abgabenfreien natürlichen Wasser st rahen betreffend. Im Bundesrat sind die vier Stimmen Württembergs ausschlaggebend. Daß es so komme« würde, hat die badische Regierung anscheinend übersehen- Sonst hätte Baden wohl größeres Entgegenkominen in Bezug auf den Bau des Neckarkanals bewiesen. Württemberg— das steht fest— wird für den Vorschlag Preußens stimmen, wenn Baden sich weigert. Württemberg bezüglich des Neckarkanals annähernd die gleichen Vorteile zu bieten, wie sie der preußische Vorschlag in Aussicht stellt. Die Zusammenkunft der Parlamentarier der drei Bundesstaaten Württemberg, Baden und Hessen bezweckt, wenn irgend möglich eine Verfassungsänderung im Sinne der preußisch-agrarifchen Bestrebungen zu vermeiden. Württem- berg aber diejenige Hilfe beim Bau des Neckarkanals zu fichem» auf die Württemberg Anspruch machen muß. Klerus und Zentrum. Zum Kölner Fastenhirtenbrief wird der„Rheinisch-Westfälischen Zeitung" von ihrem Münchener Mitarbeiter geschrieben, daß die Forderung des Kardinals gegen die Juterkonfessionalität im Zentrum mit dem Inhalt eines Brieses übereinstimmt, den der Leiter der Römischen Kurie Merry de Val vor wenigen Wochen an Frei- Herrn v. Hertling geschrieben hat und in dem die von Hertling und den übrigen Mitgliedern der Fraktion des Zentrums unterschriebene Dezember-Erklärung einer scharfen und abfälligen Kritik unterzogen wurde. Hertling habe diesen Brief umgehend beantwortet und darin der römischen Hierarchie bittere Wahrheiten zurückgegeben. DaS werde aber den erbitterten Kamps nicht auf- halten, den das Zentrum in nächster Zeit innerhalb seiner eigenen Reihen auszufechteu haben werde. Die Richtung B i tt e r- R o e r e n ist borläufig eiwaS in den Hintergrtutd getreten, und man darf annehmen, daß die Rücksicht auf die kommenden ReichStagSwahlen dafür maßgebend war. Der Riß im Zentrumsturm ist datnit aber nicht verschwunden. Der unabhängige Richterstand. In der Sitzung der Hamburger Bürgerschaft vom Mittwoch- abend kam es anläßlich der Beratung eines neuen Gesetzes zur Aus- führung des Gerichtsverfassungsgesetzes zu einer interessanten Aus- spräche über die Unabhängigkeit dcS RichterstandeS. Wiederholt hat die Bürgerschaft sich ablehnend gegen das HilfSrichtertum aus- gesprochen, aber immer wieder kam der Senat mit Anträgen, den Assessor vertretungsweise mit der Funktion des Richter- omtes zu betrauen. Der Senat will den Assessor als Hilfsrichter„nur" noch zulajien in Zivilkammern usw., von der Mitwirkung in den Strafgerichten soll er ausgeschlossen sein. Ein Mitglied der Rechten, ein Landgetichtsdirektor, meinte, Zivil- Prozesse mit politischem Hintergrunde gebe es nicht, worauf ihm zu- gerufen wurde:„Holzarbeiterverband!" Der Herr nieinte, mich in diesem Sinne gebe es in Hamburg keinen Richter, der sich von politischen Erwägungen leiten ließe. Ein anderer Jurist erklärte aber zutreffend:„Durch das HilfS- richtertum wird die Unbefangenheit des betreffenden Richters ge- fährdet bis zur Erschütterung der Unabhängigkeit. Und deshalb dürfen wir im Interesse deS Publikum« nicht davon abgehen: Weitest- gehende Garantie für die Uiiantastbarkeit der Freiheit de? urteilenden Richters." Unter Hinweis auf daS Land de» AffefforismuS— Preußen— ersuchte der Redner dringend, das HilfSrichtertum ab- zulehnen. Genoffe Krause erbrachte den Nachweis, daß sogar auf Richter— Schöffenrichter— etnznwirken versticht«verde. Der Handelskammerbericht zetert nämlich über die zu milde Be- ftrafung desertierender Seeleute. Flugs hat der OberamtSrichterS Dr. TeSdorpf diesen Scharf- ntacherpassus den amtierenden Richtern zur , K e ii it t n i S" g e b r a ch t. Diese Mitteilung rief allgemeine Sensation hervor. Oberamtsrichter Dr. Te S d o rp f, der ebenfalls Mitglied der Bürgerschaft ist, suchte erregt seine Maßnahme zu verteidigen. Da- durch werde die Unabhängigkeit des Richters nicht berührt. fHeiter- lest.) Im Jutereffe der Justiz habe er so gehandelt. Bürgerschafts- und Landgerichtspräsideut Engel trat den Vorsitz an den„Vize" ab und erklärte, daß er zu dem Vorgehen Dr. TeSdorpfS keine Anweisung gegeben habe, worauf dieser meinte. eS handele sich um eine absolut tinausfällige Sackte. Bei der im Hause herrschenden Erregung gingen die weiteren Worte dieses Vertreters des„unabhängigeii Richterstandes" verloren. Diese Erklärung mag dazu beigetragen haben, daß in namentlicher Abstimmung der HilsSrichterparagraph mit SS gegen SS Stimmen in der Versenkung verschwand. Zur Essener WahlrechtSdemonstration. Der Polizeipräsident von Essen hat dem„Berliner Tageblatt" zu den Meldungen dieses Blattes über die Essener Wahl- reckitsdemonstration eine Zuschrift gesandt, die folgendes feststellt: l. Aus Anlaß der Demoilstration sind nirgendwo Steine gegen die Schutzleute geschleudert worden; 2. weder berittene nocb Sckuitzleute zu Fuß haben blank gezogen, es sind deshalb auck> keine Personen durch Säbelhiebe verletzt worden; 3. es sind 13 Personen zwecks Feststellung ihrer Personalien der Wache vorgeführt und alsbald entlasien worden, verhastet worden ist keine; 4. eine Perlon ist durch ein Schutzmannspferd zu Fall gekommen, ohne nennenswerte Ver- letzungen zu erhalten. Diese Zuschrift zeigt, daß gewisse Berichterstatter bei solchen Ge- legenheiten ihre Phantasie kräftig anstrengen, um möglichst gruselige Meldungen versenden zu können. Die eigentlichen Herren von Schlesien. Der Fürst zu Stolberg-Wernigerode hat die auS zwölf Rittergütern bestehende Herrschaft O t t o w a l d e an den Grafen von Tiele-Winckler verkauft. DeS letzteren Besitz ist damit ans 3SlZ(X> Hektar gestiegen. Fünfzehn Latifundien- besitzer sind Eigcnlümcr des sechsten Teiles der Provinz Schlesien. Ein„diensteifriger" Borgesetzter: Wegen Mitzhandliing eine« Untergebenen stand der Sergeant Ludwig vom 23. Feld-Artillerie-Regimente vor dem Kriegs- gericht in Dresden. Der Angeklagte hat eines Tags einen Kanonier, weil dieser nicht richtig Stellung vor ihm nahm und ein gleichgültiges Gesicht machte, mit Ohrfeigen und Fuß- t r i t t e n t r a k t i e r t. Er bestreitet die Mißhandlung. Nur an den Hals will er den Kanonier gefaßt und mit seinen Knien lcdig- sich eine Korreklnr der Stellung vorgenonmien haben. Der als diensteifriger Borgesetzler geschilderte Angeklagte erhielt unter An- nähme eines„minderschwerett" Falles— 8 Tage mittleren Arrostl „Kleptomanie" in der Kaserne. Ein seltsamer Kauz stand in der Person des Kanoniers Oelsen vor dem Kriegsgericht der königlichen Kommandantur. O. hat seine Vorgesetzten wiederholt bestohlen. Er eignete sich Gegen- stände an, die er zumeist schon selbst besaß oder die keinen Wert für ihn hatten. So entwendete er einem Sergeanten ein Koppel, einem anderen Unteroffizier ein Paar Handschuhe, einem dritten ein Paar Manschetten, dann Manschettenknöpfe usw. Auch eine Photographie einer jungen Dame, die für ihn gar keinen Wert hatte, entwendete er aus dem Zimmer eines Vargesetzten. Die Anklage legte ihm nickt weniger als elf Fälle von Diebstahl zur Last. Ferner wurde dem Angeklagten Ungehorsam vorgeworfen. Er hatte entgegen dem ausdrücklichen Verbot, krepierte Zünder vom Schießplatz fortzunehmen, einen solchen an sich genommen und in den Schrank versteckt. Da durch derartige leichtsinnige Handlungsweisen schon wiederholt Unheil angerichtet worden ist. so sind strenge Verbote in den KasemementS der Arsillerietruppen erlassen. Der Verteidiger deS Angeklagten beantragte, den Kanonier au seinen Geisteszustand hin untersuchen zu lassen, da er offenbar an Kleptomanie leide. Der Vertreter der Anklage beantragte, diesen Antrag abzulehnen, und betonte, daß man wohl in anderen Kreisen von Kleproinanie spreche, bei einem Kanonier heiße dies aber Dieb st ab l. DaS Gericht erkannte auf vier Monate Gefängnis und auf die Ehrettstrafe der Versetzung in die zweite Klasse des SoldatenstaitdeS. Es ist für die Anschauung gewisser„höherer" Kreise recht kennzeickttettd, daß sie, wie der Vertreter der Anklage in diesem Falle offen aussprach, der Ansicht sind, wohl könne»in Mitglied ihrer eigenen Kaste an Kleptomanie leiden, nicht aber ein Angehöriger der sogenannten unteren Volksschichten. Strafmandat gegen Wahlrechtskampf. In unserer Notiz unter dieser Uebersckirtft in der Nr. 13 ist der Name des Genossen, der als„Veranstalter" der Offenbacher WahlrechtSdemonstration mit dem Strafmandat bedacht wurde, verstümmelt worden. Er heißt nicht Lobö, sondern L a b b 6. oepterreick-dngarn. Ein MisttrauenSvotnui. Budapest, 28. Januar. Das Abgeordnetenhaus nahm mit großer Majorität einen MißtrauenSantrag gegen das Kabinett des Ministerpräsidenten Grafen Khuen-Hedervary an. Der Ministerpräsident erklärte hierauf, da der Regierung ein Mißtrauensvotum gegeben worden sei, so ständen ihr zwei Wege offen: entweder Demission oder Auflösung deSHauseS. Sotort könne er sich nicht entscheiden. Hierauf ließ der Minister- Präsident ein königliches Handschretbett verlesen, durch da« das Ab- geordnetenhans bis zum 24. Marz vertagt wird. Die Minister verließen unter großem Lärm des HauseS den Saal. Graf Batthany beantragte alsdann eine Resolution, welche besagt, die Regierung habe dadurch, daß sie Vertagung ein- treten lasse, ohne ein Budgetprovisorium erlangt zuhaben, die B er- sassung verletzt und dürfe weder Stenern einziehen noch Rekruten ausheben, noch Handelsverträge abschließen, noch Anleihen aufnehmen, noch Summen für gemeinsante Ausgaben ausfolgen. Die Resolution wurde von der gesamten Linken angenommen, nur die BersaffungSpartei stimmte dagegen. Die Sitzung verlief unter großer Erregung. Als der Minister- Präsident dem Präsidenten des Abgeordnetenhauses das königliche Handschreiben übermittelte, bemächtigte sich deS ganzen HauseS große Unruhe. Trotzdem die Abgeordneten die Vertagung erwartet hatten, schienen sie überrascht zu sein. Die Verlesung deS Hand- schreibens durch den Schriftführer vollzog sich unter großem Lärm. Als die Minister den Saal verließen, brach der Sturm los und einzelne Schmäh rufe ertönten. �onvegen. Die Ministerkrise. Kristiania, 28. Januar. Der König hat den S t o r- thingspräsidcnten Konow nnt der Bildung des Kabinetts beauftragt. Konow hat den Auftrag an- genommen. Grieckenlancl. Die Militärdiktatur. Athen, 27. Januar. Der Sturz des Kabinetts Mavro» m i ch a l i S ist erfolgt, nackidem die M i l i t ä r l i g a dem Minister- Präsidenten Unfähigkeit und Mangel an Anfriidtigkett vorgeiuorfen halte. General Z o r b a S teilte ihm mit, daß die Liga einstimmig die Demission der Regierung fordere. RhallyS und Theotokis wurden ersttcht, das neue Kabinett zu unterstützen, damit es die schwebenden Budget- und Anleihegcsetze verabschieden und zur Einberufung der Nationalversammlung schreiten könne. RhallyS und Theotokis schloffen sich den Vorschlägen der Liga an. DragumiS soll die Bildung des neuen Kabinetts mit ZorbaS als KriegSminister übernehmen. In NegiernngSkreiscit wird dagegen die Situation folgender- maßen dargestellt: Die Regierung bezeichnete dem König die Eiitberufuiig der Nationalversammlung als inopportun und gefährlich, worauf sich der König 24 Stunden Bedenkzeit ans- bat. Man glaubt, daß er diesen Aufschub zu Rücksprachen mit den Parteiführern benutzen»vird. Eue der Partei. Die badischen Organisationen zur Offenburger Konferenz. KreiSversammlungen zu St. Georgen und Bad. Rhein» f e l d e n erklärten, daß solch wichtige Dinge, wie zu Offenburg ver- handelt worden, vor einen Parteitag gehören. Zu Bad. Rheinfelden wurde folgende Resolution angenommen: Die heutige Generalversammlung des sozialdemokratischen Wahl- Vereins Bad. Rheinseldcn ist zwar im Prinzip mit den auf der Landeskonseretiz in Offenburg gefaßten Beschlüssen einverstanden, erachtet aber die Landeskonferenz nicht als die Instanz, welche über solche Fragen, die eine derartige Bedeutung haben, zu ent- scheiden hat. Die Versammlung zu St. Georgen setzte dm MonatS- beitrug aus 40 P s. fest. Personalien. Ans der Redaktion des Z v r i ch e r„ V o l I S- recht" tritt mit dem 1. April nach mehrjähriger erfolgreicher Tätigkeit der Genoffe Dr. T o b l e r ans, um zur Universität zurückzukehren und sich dem Studium der Medizin zu widmen. Umgelehrt verläßt Genosie Dr. Fritz Adler(Sohn unteres Genosien Doktor Adler in Wien) die Universität in Zürich, an der er als Privatdozent für Physik wirkt, um als Nachfolger Dr. ToblerS in die Redaktion des„Volksrecht" einzutreten. So2iales» „Tie Existenz deö Arbeiters ist gesichert bis ins Atter hinein." Im Kreise Biedenkopf— einem Hauptsitz der Christlich- sozialen— wohnte im Orte Puderbach ein Arbeiter, Bater von zehn Kindern. Die Mutter ist verstorben. Das jüngste Kind liegt seit zwei Jahren krank in der Universitätsklinik zu Marburg. Natürlich hat der arnie Teufel nicht die Mittel, um die Kosten bezahlen zu können. Die Klinik aber ver- langt Geld. Deshalb wurde kürzlich(wahrscheinlich auf An- ordnung der Heimatsbehörde) gegen den Arbeiter Beschlag- nähme eines Teiles seines Lohnes verfügt. Seit 2Q Jahren arbeitete der Mamr auf der Amalienhütte im Kreise Bieden- köpf. Nach Eingang des Lohneinhaltungsbefehls entließ sie ihn rücksichtslos. In der Gegend wird jetzt eine Bahn gebaut. Aber dabei konnte der Mann nicht ankommen. Denn«um die Kantinen der Unternehmer zu füllen", werden zurzeit nur Ausländer beschäftigt. Also Arbeitslosigkeit, die Mietczah- lung stockt: prompt folgt Exmission. Der Freigesetzte findet im Dorfe keine neue Wohnung. Man wollte ihn wohl„verforgen,". der Unterstützungsverpflichtung wegen. In Nicder-Laasphe findet der Mann eine Wohnung. Doch als er abends 8 Uhr mit Sack und Pack anrückt, hat der Gemeindevorsteher den Schlüssel und rückt ihn nicht heraus. Wohl oder übel muß der Mann seine Habseligkeiten auf der Straße stehen lassen, dabei die Kinderchen. Nachts 12 Uhr nahm ein Proletarier die armen Kinder gastlich auf. Am nächsten Tage ging der Vater zum Gemeindevorsteher, Amtsvorsteher und Landrat. aber nirgends hatte er Erfolg, nirgends Hilfe. Der hilfsbereite Proletarier behält die Familie 14 Tage, gibt ihr Obdach (Nachtlager natürlich auf Stroh) und Beköstigung. In- zwischen steht der kümmerliche Hausrat in einem Wagen auf der Straße. Als der Fuhrmann den Wagen braucht, wirft er die Möbel in eine Lehmgrube. Vom Regen durchweicht mögen sie dort faulen. Schließlich kann auch der hilfsbereite Prole» tarier nicht weiter helfen: auf seine Vorstellung erlaubt der Amtsvorsteher, daß die Kinder von Hans zu Haus sich ihr Brot erbetteln dürfen. Das Elend schreit zum Himmel. Der Staat und seine Organe leisten keine Hilfe. Aber doch er- innert er an sein Dasein: dem hilfsbereiten Proletarier, Otto Schntid heißt der Brave, flattert nämlich ein Straf» mandat über 3 M. ins Haus, weil er Leute beherbergt habe, ohne die erforderlichen Räume zu besitzen. Für den Arbeiter ist gesorgt bis in sein hohes Alter hinein: alle Mittel des Staats, Exekutor, Polizei, Gericht werden gegen den, der nur die Arbeitskraft sein eigen nemtt, mobil gemacht und auch die Verwertung seiner Arbeitskraft wird ihm durch Hcranzichung ausländischer Lohndrücker und andere Mittel nach Möglichkeit erschwert. Hilft aber ein Proletarier dem anderen, so sucht auch gegen ihn Vater Staat seine Machtmittel anzuwenden. Bon der Berufszählung. Tier Präsident des Kaiserlichen Statistischen Amtes in Berlin, Herr Dr. van der Borght, sprach über die soziale, gewerbliche und industrielle EntWickelung des Deutschen Reiches in einem Vortrag, den er im Auftrage der Gehestiftung zu Dresden vor einem meist aus Gelehrten und anderen Angehörigen der wissenschaftlichen Welt bestehenden sehr zahlreichen Auditorium hielt. Die Vorbereitungen zur letzten Zählung begannen schon 190t. Da in Deutschland noch vielfach zur Zählung Handarbeit verwandt wird, waren z. B. in Preußen zeitweise üfow 7000 nicht zum Statistischen Amt gehörige Personen damit beschäftigt. In den Bereinigten Staaten von Amerika arbeitet man lediglich mit Zähl-, Rechen- und Heft- Maschinen und anderen mechanischen Hilfsmitteln, wodurch man ein Zehntel an Zeit und ein Drittel an Kosten spart Die letzte Zay- lung kostete 6,2 Millionen Mark, von den Veröffentlichungen sind 14 Bände fertiggestellt, 4 im Druck und 7 in Vorbereitung. Bei der Berufszählung teilte man die zu Zählenden in 21S Berussarten ein. Die Erwerbstätigen haben sich von 39 aus 43,5 vom Hundert gesteigert, aber am meisten im Handel und Verkehr, während in der Landwirtschaft die Zunahme nur ein Fünftel betrug. Die Land- Wirtschaft umfaßt heute nur drei Zehntel gegenüber zwei Fünftel im Jahre 1895. Die gewerbliche Bevölkerung ist weit über die landwirtschaftliche hinausgewachsen. Die Grotzstadtbevölkerung hat ich seit 1882 um daS zweieinhalbfache erhöht, meist durch Zunahme der erwerbstätigen Bevölkerung. Bemerkenswert ist die rapide Zunahme der weiblichen erwerbstätigen Bevölkerung, obenan steht die landwirtschaftliche weibliche Bevölkerung. 14 vom Hundert der Gesamtbevölkerung, während im gewerblichen 6, im Handel 8 vom Hundert der weiblichen Bevölkerung tätig sind. Die Zahl der selb- ständigen Personen ist nur wenig, der Arbeitskräfte mäßig, der Be- triebs- und Kontorbeamten aber ganz wesentlich gestiegen, und zwar am meisten im Gewerbe. Arbeitskräfte hoben wir jetzt 5 Millionen mehr als 1895 und 12 Millionen mehr als Selbständig', Eminent ist das Anwachsen der weiblichen Hilfskräfte im Gewerbe, die von 2000 in 1882 aus 64 000 und im Handel und Verkehr von 3000 auf 80 000 angewachsen sind. Einer großen Vermehrung von Handels- und Verkehrsbetrieben sowie deS Gewerbes steht der Rück- gang einzelner Gewerbebetriebe, wie Spinnstoff-, Holz- und Schnitz- ltoffgewerbe, gegenüber. Ueberall aber zeigt sich ein großer Rück- gang der Alleinbetriebe, ein Beweis dafür, daß auch im Handel und Gewerbe die Selbständigmachnng immer schwerer wird. Diese Verschärfung im Kampfe ums Dasein wird noch erhöht durch die rapide Vermehrung der Großbetriebe. Fast ein Viertel der deut- chen Bevölkerung ist erwerbstätig. Di« EntWickelung der Groß- städte nimmt einen geradezu stürmischen Gang, besonders im Handel. Von der gesamten Reichsbevölierung lelst ein Fünftel in Glotzstadten, davon sind drei Viertel beschäftigt im Gewerbe, Handel und Verkehr. Ein Siebentel der Erwerbsstände lebt in Großstädten, ein Zehntel auf dem Lande. GewcrkrcbaftUcbes. Der Generalstreik vor dem rebwedifeben Reichstage, Am DienStag fand im schwedischen Reichstag die allgemeine Debatte über den Budgetvorschlag der Regierung statt, die wie immer mit einer Kritik der Regierungspolitik verbunden war. In der Zweiten Kammer stand der Generalstreik der schwedischen Ar- beiterschaft und das Verhalten, das die Regierung dabei an den Tag legte, im Mittelpunkt der Debatte. Nach einer Kritik der Finanzpolitik der Regierung, die mit einer Erhöhung des Kaffeezolles dem Volke 1,8 Millionen Kronen neuer Steuern auferlegen will, der Verschwendungen für milita- ristische Zwecke usw., kam unser Parteigenosse B r a n t i n g auf den Generalstreik zu sprechen und lieferte den Nachweis, daß die Regierung dabei unter dem Vorgeben, die Interessen der Allgemein- heit zu schützen, nur danach trachtete, den herrschenden Klassen zu >gao zunächst einen lieberblick über das nunmehr in tabellarischer Zusammenstellung vorliegende Abstimmungsresultat. Bekanntlich habe die Abstimmung im ganzen Verbandsgcbiet eine Mehrheit für die Annahme des Tarifs ergeben. Von den sieben Bezirken des Verbandes haben fünf den Tarif mit großen Mehrheiten ange nommen. Im ersten Bezirk, der Berlin und die ostelbischen Pro vinzen umfaßt, haben sich nur 41 Proz. der Abstimmenden und im dritten Bezirk, zu dem unter anderem Hamburg, Bremen und Kiel gehören, 39 Proz. für den Tarif erklärt. Die Kollegen der großen Städte, welche gegen den Tarif stimmten, mögen mit einem gewissen Recht unzufrieden darüber sein, daß ihre Forderungen nur zum Teil erfüllt ivorden sind. Doch für die kleinen Provinz- orte habe der Tarif entschieden Vorteile gebracht. Wenn man das gesamte Ergebnis der Tarifberatungen betrachtet, so könne man angesichts der gegenwärtigen allgemeinen Lage mit dem neuen Tarif zufrieden sein. Es müsse sich nun jeder Kollege zur Pflicht machen, streng darauf zu halten, daß alle Vergünstigungen, welche der Tarif den Arbeitern bietet, auch durchgeführt werden. Vor allem müsse der Lohnaufschlag von ö Pf. pro Stunde überall, wo er noch nicht gezahlt werde, gefordert werden. Der Zuschlag sei nicht nur auf den Minimallohn, sondern auf alle Lohnsätze zu gewähren dienen und demgemäß auch die im Interesse der Gesamtheit deS Wo der Zuschlag für die vergangene Woche noch nicht bezahlt n CO �~ A„;-- r�,r_____ V,-.'___".fr........«1. v;___ l____ e.... r_ v-„i.,____... or y r• Volkes gelegene Vermittelung zwischen den Parteien solange vcr hinderte, bis man sich einbildete, daß die Arbeiterklasse nun wirklich zu Böden geschlagen sei. Aeutzerte doch der Zivilminister, daß eine Vermittelung in jenem Stadium des Kampfes von den Streikenden als.ein Sieg im Kampf gegen die Gesellschaft auf- gefaßt werden könnte". Die Regierung wollte offenbar abwarten, daß ein großer Krach in der Arbeiterorganisation eintreten sollte. In dieser Hoffnung ist sie allerdings gründlich getäuscht worden. .Es steht nach meiner Meinung und nach der Meinung Hunderttausender schwedischer Bürger fest, daß die Regierung hier die Interessen des Landes den Arbeitgeber» geopfert hat," sagte B r a n t i n g.„Nicht einmal de» Schein der Unparteilichkeit hat die Negierung während der Dauer des Kampfes zu bewahren gc- sucht. Wenn Herr v. S y d o w(der Arbeitgebervorsitzende), nicht jener S Y d o w in der Regierung. Zivilminister gewesen wäre, er hätte nicht anders handeln können, auch nicht in der Frage der Ausweisung des Vertreters einer Zeitung in einem kleinen Lande." — Bekanntlich wurde Genosse Puntervold von Kristianias„Sozial- dcmokraten" während des Massenstreiks aus Schweden ausgc- wiesen.— Branting schloß seine große Rede mit den Worten: „Die Regierung hat sich als eine Regierung der Herren Aktionäre gezeigt. Sie hat sich an die Spitze der neuen Fcudalgewalt gestellt. die sich jetzt immer mehr zu entwickeln trachtet. Das ist die Sünde, für die die Regierung einmal von der Geschichte verurteilt werden wird, auch wenn eine Majorität in dieser Kammer ihr zehnmal ihr Vertrauen aussprechen sollte." Auf die wuchtige Anklagerede erwiderte der Zivilminister Graf Hamilton mit allerlei Ausflüchten. Er warf unserem Genossen vor, Aufhetzungspolitik betrieben zu haben, und verwies auf eine Rede des französischen Ministers und„Sozialisten" M i l l c r a n d als auf ein leuchtendes Gegenstück zu dem Verhalten Branting s. Im weiteren Verlauf der Debatte nahm auch der Genosse Lindquist. der Vorsitzende der Gewerkschaftszentrale, das Wort und beleuchtete scharf und sachlich die EntWickelung und den Verlauf des großen Kampfes, sowie die parteiische Haltung der Regierung. Er kritisierte schließlich auch die Auflösung des Arbeitsvertrags- komitees, das bekanntlich die Aufgabe hatte, eine Gesetzgebung auf diesem Gebiete vorzubereiten. Die Regierung, die die fast be- endeten Komiteearbeiten so jäh unterbrochen hat, will ja nun selb- ständig einen solchen Gesetzesvorschlag ausarbeiten. Hierzu be- merkte Lindquist:„Und wenn der zu erwartende Entwurf von diesem Reichstag auch zum Gesetz erhoben werden sollte, dann be- steht die Möglichkeit, daß sich auf dem Gebiete der Industrie ein Kampf von demselben Umfang entwickelt wie der im vorigen Jahr."_ Berlin und Qmgegend. Achtung, Metallformer und Gießereiarbeiterl Die Metall- former der Firma Niemann. Kommandantenstraße 16, haben wegen fortgesetzter Abzüge die Arbeit niedergelegt. Diese Firma ist bis auf weiteres gesperrt. Deutscher Mctallarbeiterverband. Ortsverwaltung Berlin. Achtung, Metallarbeiterl ES zirkulieren Listen zwecks Sammlung für einen angeblichen Streik von Werkzeugmachern. Da unS von einem derartigen Streik nichts bekannt ist und die Listen ohne unsere Zustimmung in Umlauf gesetzt sind, warnen wir die Kollegen davor, auf solche Listen etwas zu geben. _ Die Ortsverwaltuug. Die Forderungen der Möbclpolierer. Die Möbelpolierer, organisiert im Deutschen Holzarbeiterver> band, besprachen in ein»r Branchenversammlung, die am Donners tagabend im„Englischen Garten" stattfand, die gegenwärtige Tarifbewegung in der Holzindustrie und die Forderungen der Möbclpolierer. Der Referent Schreiber schilderte den bisherigen Verlauf der Tarifbewegung und führte aus, daß die Unternehmer im Prinzip einer Lohnerhöhung nicht mehr ablehnend gegenüber- ständen, daß ihnen die gcrinßen Forderungen der Arbeiter aber noch zu weitgehend seien. Für die Möbelpolierer, deren Arbeits- Verhältnisse sehr verbesserungsbedürftig wären, habe die Branchen- kommission einen Lohn- und Akkordtarif aufgestellt, der gründlich durchberaten worden sei und den der Referent den Versammelten zur Annahme empfahl. Nach diesen Aufstellungen wird ein Minimallohn von 30 M. für Grundierer und von 34, 50 M. für Möbelpolierer, Fertig- macher und Beizer verlangt. Für AuLgelernte im ersten Jahre, für Jugendliche unter 18 Jahren und für invalide Arbeiter wird der Lohn besonders vereinbart. Pei Aushilfsarbeiten unter einer Woche ist ein zehnprozentiger Aufschlag zu gewähren. Bei Be- schäftigung von Akkördarbeitern auf Zeit gilt der bei der Akkord- arbeit erzielte Durchschnittsverdienst als Lohn. Montagezuschlag und Fahrgeld bei Arbeiten außer dem Hause richten sich nach den allgemeinen Vertragsbestimmungen. In der Diskussion war man mit den Vorschlägen der Kommission einverstanden. Es wurde noch gewünscht, daß auf den Arbeitsnachweis größere Aufmerksamkeit gerichtet werde; man müßte darauf dringen, daß die Verpflichtung, die Arbeitskräfte nur vom Arbeitsnachweis zu beziehen, strikt befolgt werde. Die Vor- schlüge der Kommission wurden von der Versammlung angenommen. Der Vorsitzende gab dann das Resultat der Arbeiten der Kom- Mission in bezug auf den Akkordtarif bekannt; er verlas eine längere Preisliste, die ebenfalls die Zustimmung der Versammelten fand. Es wurde noch mit Nachdruck darauf hingewiesen, daß die beste Gewähr für bessere Verhältnisse im Beruf eine starke Berufs- organifation ist. Von den 3900 bis 3509 Möbelpolierern in Berlin stehen viele noch außerhalb des Verbandes und schädigen dadurch die Bestrebungen, die Arbeitsverhältnisse zu regeln und zu ver- bessern._ Der neue Tarif der Maler ist bekanntlich am 17. d. M. in Kraft getreten. Er enthält eine Reihe von Bestimmungen, die den Interessenten zum Teil noch nicht geläufig sind. Die Arbeiter des Berufes mit den Neuerungen des Tarises vertraut zu machen und sie zur strikten Durchführung desselben anzuhalten, war der Zivcck einer Mitgliederversammlung des Ntalerverbandes, die am Donnerstag in Kellers Saal tagte. Der Referent Jakobett Zuschneider, die eine Filiale des SchnciderverbandeS bildet, die- jenige Organisation ist, der alle Branchenangehörigen sich anzu- schließen haben, um ihre Interessen zu wahren. Achtung, Friseurgehilfen! Beigelegt sind die Differenzen bei B r Y ch, Adlershof, Bismarckstr. 18. Verband der Friseurgehilfen, Zweigverein Berlin und Vororte. OeittfeKes Reich. Die Liegnitzer Konfektionsschneider und-Schneiderinnen haben die Arbeitseinstellung ibeschlossen. In Betracht kommen zirka 199 Arbeiter und Arbeiterinnen, die im freien, im christlichen Verband und im Gewerkvercin organisiert sind. Die Verhandlungen mit den Arbeitgebern hätten schließlich wegen der Lohnhöhe zu einer Einigung geführt, wenn nicht die Arbeitgeber die Bedingung gestellt hätten, den Tarif erst ab 1. Juni zur Einführung zu bringen. Um diese Zeit ist sämtliche Sommer- und auch die meiste Winterarbeit angefertigt, so daß die Arbeiterschaft dann gar nicht in der Lage wäre, ihren Forderungen den nötigen Nachdruck zu verleihen. Der Kampf um die Arbeitsordnung in den graphischen Betrieben in Nürnberg-Fürth-Tchwabach spitzt sich immer mehr zu. Die Unternehmer wollen nicht von dem Versuch ablassen, die neue Arbeitsordnung, durch die die Bestimmungen der neuen Arbeiterschutzvorschriften außer Kurs gesetzt werden sollen, zur Geltung zu bringen. Die neue Arbeits- ordnung wurde in den Betrieben ausgehängt mit der Bestimmung, daß sie vorläufig Gültigkeit haben soll. Die Arbeiter und Ar- beiterinnen der Kunstanstalten protestieren gegen dieses Vorgehen. In einer Versammlung in Fürth wurde der Konflikt ein» gehend erörtert und das Vorgehen der Unternehmer auf daS schärfste verurteilt; die Versammlung bekundete aber ihre Friedens- liebe dadurch, daß sie das Kartell beauftragte, das Gewcrbegericht als Einigungsamt anzurufen. Sollte auch auf diesem Wege kein annehmbares Resultat erzielt werden, so behält sich die Ver- sammlung weitere Schritte vor. Ueberstunden werden so lange verweigert, bis das Ergebnis der Gewerbegerichtsverhandlungen vorliegt. HusUnd. Der Manrerstreik in Winterthnr. Die Wintcrthurer Baumeister, die nicht genug über die ver- fluchten Ausländer, die Hetzer und Wühler losziehen können, sind gegenwärtig wieder im Ausland auf der Suche nach Streikbrechern. Tatsächlich ist es ihnen bis dato trotz der wirtschaftlichen Krise und der damit verbundenen großen Arbeitslosigkeit nicht gelungen, brauchbare Bau- und Bauhilfsarbeiter zu finden; ihre Verlegenheit ist groß. In den letzten Tagen war es einem Streikbrecheragenten namens Grasser in Nürnberg gelungen, eine Anzahl Streik- brccher anzuwerben. In Winterihur wurden diese in den Ställen einer Baufirma einlogiert, woselbst es früher nicht einmal die auf einer sehr niedrigen Kulturstufe stehenden slovenischen und kroa- tischen Streikbrecher aushielten. Ein Anblick dieser traurigen Schlafstellen, die jeder Beschreibung spotten, genügte, um diese Leute zur sofortigen Rückreise zu bewegen. Sämtliche Bau- und Bauhilfsarbeiter werden dringend vor Arbeitsannnahme nach Winterihur gewarnt. Bei Gesuchen von Bauarbeitern nach der Schweiz, insbesondere nach Winterihur, ist größte Vorsicht angezeigt. Der seit dem 1. Juni 1999 andauernde Kampf der Maurer in Winterihur wird, wenn die Unternehmer ihre bereits angekündigten Gegenmaßnahmen wahrmachen, noch viel größere Dimensionen annehmen, indem sogar Arbeiter, die mit dem Maurerstrcik bisher nicht das geringste zu tun hatten� in diesen Kampf verwickelt werden sollen. Genossen, sorgt deshalb jeder an seinem Orte für die richtige Aufklärung und schenkt den Streikbrecheragenten die gebührende Aufmerksamkeit. Behufs weiterer Auskunft wende man sich an die lokalen Arbeitersekretariate oder an das Arbeitersekretariat Winterthur. Die Bruderorganisatione» sind gebeten, Annoncen der Streikbrecheragenten sofort mit Gegenannoncen zu beani« Worten. Arbeiterfreundliche Blätter sind um Nachdruck gebeten. Zentralverband der Maurer und Handlanger in der Schweiz, f Der Schwedische Kommunalarbeiterverband ist auf einem Kongreß, der Anfang dieser Woche in Stockholm stattfand, ge. gründet worden, nachdem, wie wir seinerzeit meldeten, der letzt« chivedische Gewerkschaftskongreß sich dafür ausgesprochen hatte, daß die Kommunalarbritcr des ganzen Landes einen besonderen Verband bilden sollten. Der.Kongreß beschloß auch, daß dm: Verband sofort der Landesorganisation der Gewerkschaften bestritt. Uebrigenö war der Anschluß an die Gewerkschaftszentrale für all« eine Selbstverstäindlichbeit. Unter den Zwecken des Verbandes wird in dem vom Kongreß beschlossenen Statut neben Regelung der Lohn- und Arbeitsverhältnisse, Gewährung von Unterstützung bei Lohnkämpfen und bei Arbeitslosigkeit usw. auch die Erringung eines gesetzlichen Maximalarbeitstages aufgeführt. Der Verband wird seine Tätigkeit mit dem 1. März d. I. beginnen. Der Sitz des Hauptvorftandes ist in Stockholm. Als Verbandsvorsitzender wurde F. L. N o r d g r e n gewählt. UebrigenS ist in dem Ver, bandsstatut auch bereits die Verbindung mit ausländischen Bruder» organisationen vorgesehen. Der Verband wird sich jedenfalls dem Internationalen Sekretariat der Arbeiter öffentlicher Betriebe an» schließen. Der internationale Sekretär Albin Moß in Berlin hatte dem Kongreß ein Begrüßungstelegramm gesandt. Letzte Nachrichten und Depeschen. Die Eröffnung des englischen Parlaments. London, 28. Januar.(W. T. B.) Nach amtlicher?e» kanntmachnng wird daS Parlament am 21. Februar eröffnet. Die Tarifverhandlungen in Amerika. Washington, 28. Januar.(W. T. B.) Die TarifbehSrde empfahl dem Präsidenten, Dänemark. Holland, Nor, wegen, Schweden, Belgien. Aegypten und P ersten die Mindestsätze einzuräumen, da sie Amerika keineswegs unterschiedlich behandelten.' Beim Rodeln verunglückt. Hagen, 28. Januar.(B. H.) Ein Musketier des Hagener Be» zirkskommandos wurde, während er dem Rodeln zusah, von einem Rodelschlitten angefahren, umgeworfen und lebens- gefährlich verletzt. Er starb auf dem Transport nach dem Kranken- hause._ Unwetternachrichten. Brüssel, 28. Januar.(W. T. B.) Infolge andauernden Regen» wetterS sind in Flandern große Ueberschwemmungrn einge- treten, Gent und Umgegend sind besonders schwer heimgesucht. Aus einzelnen Ortschaften flüchten die Bauern. Mehrere Fabriken müssen den Betrieb einstellen. DaS Wasser steigt fort» gesetzt. London, 28. Januar. kW. T. B.) Die in England herrschenden Schneestürme haben überall Störungen im telegraphischen Berkehr hervorgerufen. An den Küsten sind an verschiedenen Stellen Wracks angetrieben worden._ Elf Personen verschüttet. _ Perugia, 28. Januar.(2B. T. 58.) Infolge eines durch Regen» güsse verursachten Erdrutsches stürzten in Borgo San Barto, lomeo kProvinz Gubbio) drei Häuser ein und begruben 11 Per- sone» unter den Trümmern. Sieben konnten noch lebend herausgezogen werden, während die übrige» vbrr ____. bereits tot waren. Berantw. Redakt.: Richard Barth, Berlin. Inseratenteil verantw.: rh. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr.u.Berlag»anltall Gaul Singer är Co., Berlin 5 w. Hierzu 3 Beilagen o. Unterhaltongtbü worden sei, müsse er unbedingt nachgefordert werden. Auch bei den Meistern, die dem Arbeitgeberverbande nicht angehören, müsse ebenfalls die Durchführung des Tarifs gefordert werden.— Der Redner erläuterte auch die sonstigen Neuerungen des Tarifs und befürwortete den weiteren Ausbau der Organisation, damit die Kollegen nach Llblaus des Tarifs die jetzt nicht erfüllten Forde- rungen durchsetzen können. In der Diskussion sprachen außer einem Befürworter des Tarifs mehrere Redner, welche ihrem Unwillen darüber Ausdruck gaben, daß das, was der Tarif an Verbesserungen bringt, hinter dem, was gefordert und erwartet wurde, ivesentlich zurückbleibt. Die Versammlung nahm die Wahl der Mitglieder zu dem auf Grund des Tarifs einzusetzenden örtlichen Tarifamt vor. Gewählt wurden: Fischer, Kalivodan, Nicolai, Wendel, Grimmelshäuser, Stein, Haase, Klotz, Elsner, Mietz, Stolp, Henschke.— Die Wahl der Delegierten zu dem aus Anlaß der Tarifbewegung ausgeschriebenen Verbandstag. die ebenfalls in der Versammlung stattfand, hatte folgendes Er- gebnis: Mau, Nicolai und Patt haben die absolute Mehr- heit erhalten, die Besetzung der übrigen vier Delegiertenmandate muß durch Stichwahl entschieden werden. Die Tarifverträge in den Malzbierbranereien von Groß-Berlin zum 1. April zu kündigen, wurde in einer Ver- sammlung des Deutschen Transportarbeiterverbandes beschlossen, der seine Mitglieder aus den Malzbierbrauercien am Donnerstag- abend nach dem„Englischen Garten" eingeladen hatte. A l i s ch referierte: er bezog sich auf den Tarifentwurf der großen Brauerei- arbeiterversammlung vom Sonntag und erklärte, daß ebenso wie in den Lagerbierbrauereien auch in den Malzbierbranereien die Ar- bester bestrebt seien, ihre Lage zu verbessern. Es kommen hierbei etwa 13 Brauereien in Betracht. Fast alle Weißbierbrauercicn stellen Malzbier her, auch einige Lagerbierbrauereicn und die kleinen, sogenannten Jungbierbrauereien. Vielfach werden Jugend- liche beschäftigt, die der Verband gegen zu große Ausbeutung schützen müßte. Die bestehenden Arbeitsverhältnisse sind außerordentlich verschieden, so daß ein Hauptbestreben darauf gerichtet ist, eine größere Einheitlichkeit in den Arbeitsbedingungen für die Malz- bierbrauereien, ob groß oder klein, zu erzielen. Dieser Punkt wurde besonders in Erwägung gezogen in einer Vertrauensmännervcr- sammlung, die kürzlich stattfand, und die der Mitgliedcrvcrsamm- lung am Donnerstagabend empfahl, sämtliche Verträge zu kündigen und eine Lohnkommission zu wählen, die einheitliche Forderungen aufzustellen hat. Die Vorschläge fanden die volle Zustimmung der Versammelten und die Lohnkommission, in der die verschiedenen Malzbierbrauereien vertreten sind, wurde sofort gewählt. Der Vorsitzende U t h e s machte noch besonders darauf aufmerksam, wie notwendig es fei, die Jugendlichen für die Organisation heranzü- ziehen, und wie überhaupt eine lebhafte Agitation unter den Un- organisierten entfaltet werden müsse. Der Streik der Herrenkonfektionsschneider bei Adalbert Stier hat sich noch weiter ausgedehnt, indem gestern auch die Hosen- und ZVestenarbeiterinnen sowie die Bügler die Arbeit einstellten. Der Betrieb ist jetzt gänzlich stillgelegt. Nur von den Heimarbeitern, die sich ja in ihrer Gesamtheit von vornherein dem Streik ange- schloffen haben, sind einige wenige als Streikbrecher tätig. Doch das sind solche Leute, die mit ihrer Arbeit der Firma recht wenig nützen können. Uebrigens haben schon am Mittwoch Verhand- lungen zwischen den Parteien stattgeftinden. Das Angebot, zu dem die Firma sich an dem Tage bereit finden ließ, befriedigte jedoch die Streikenden so wenig, daß sie beschlossen, den Streik fortzu- setzen. Nun sind auf Ersuchen der Firma von neuem VerHand- lungen eingeleitet, die heute vormittag stattfinden sollen. ES bleibt abzuwarten, was dabei herauskommt. Tie Zuschneider und Zuschneiderinnen der Herrenkonfektion hielten am Donnerstag bei Schulz mn KönigSgrabcn eine öffentliche Versammlung ab, die vor allem dazu diente, die Organisation in dieser Branche des Schneidergewerbes zu stärken. Der Referent Kunze sprach über die Notwendig- keit des Zusammenschlusses der Berliner Zu- schneider und Zuschneiderinnen. Es ist in dieser Branche vor einigen Jahren zwar eine Tarifbewegung, soweit es möglich war, durchgeführt worden, und man hat sich damals auch alle Mühe gegeben, eine dauernde Regelung der Lohn- und Arbeits- Verhältnisse zu schaffen; äber infolge der Lauheit eines Teiles der Branchenangehörigen wurde dieses Ziel nicht in dem Maße erreicht, wie es dringend zu wünschen gewesen wäre. Unter den Zuschneidern herrschte und herrscht vielleicht jetzt noch hier und da die Ein- bildung, daß sie etwas Besseres seien als Arbeiter, daß sie deswegen die Organisation nicht nötig hätten und schon als Einzelpcrsoiren, gestützt auf ihre Fachkenntnisse, anständige Löhne erzielen könnten. Diese Einbildung führt dazu, daß hier und da Zuschneider für Löhne arbeiten, mit denen sich ein halbwegs tüchtiger Schneider- geselle oder Konfektionsarbeiter auf keinen Fall zufrieden geben würde. In fast allen Branchen des SchnciderverbandeS, mit Aus- nähme der Konfektion, marschiert Berlin an der Spitze der Schnciberbcwcgung, und die Herrenkonfektionsschneider iÖcrlins sind jetzt auch dabei, eine allgemeine Lohnrcgelung durchzusetzen. Wo ihre Forderungen nicht bewilligt werden, sind sie bereit, die Arbeit niederzulegen, und es zeigt sich, daß Firmen, die früher hochmütig über den Schneiderverband hinwegsahen, nun um Ver- Handlungen nachsuchen und bereit sind, Tarifverträge abzufchlietzen. So steht es jetzt auch bei der Firma Adalbert Stier, deren Kon- fcktionsschncider bekanntlich im Streik stehen. Uebrigens hat diese Firma vor einigen Jahren ihrer Geringschätzung der Zuschneider dadurch Ausdruck gegeben, daß sie ihnen eine Verpflichtung, nicht der Organisation anzugehören, zur Unterschrift vorlegte. Von den Zuschneidern der Firma fand sich damals tatsächlich ein Teil bereit, das Ding zu unterschreiben. Inzwischen werden wohl auch diese Zuschneider zu der Erkenntnis gekommen sein, daß sie ihre Menschenwürde nicht in solcher Weise preisgeben dürfen und nicht auf das Recht der Organisation, das die Arbeiter sich zu wahren wissen, verzichten können. Die Zuschneider und Zuschneiderinnen Berlins haben eine allgemeine Regelung ihrer Lohn- und Arbeits- Verhältnisse ebenso dringend nötig, wie die Konfektionsschneider, und was andere Branchen beS Schneidergewerbes, die Hcrrenmaß- schneider, die Kostümschncider und-schneiderinnen usw., erreicht haben, ist auch ihnen möglich, wenn sie wie jene sich fest und dauernd in der Organisation zusammenschließen.— In der Diskussion zeigte es sich, daß die Ueberzcugung sich nun auch in der Branche immer mehr Geltung verschafft. Einstimmig wurde eine Resolution angenommen, in der erklärt wird, daß die Vereinigung Berliner lt. 24. 27. Aahrzlwz. t Kküsge to Sfliuiftbfnb, 29. lannat 1910. Reichstag 25. Sitzung. Freitag, den 28. Januar, nachmittags 1 Uhr. Sm VundeSratStische: v. Heeringen. Aus der Tagesordnung steht die Fortsetzung der zweiten Beratung des EtatS für die Zerwaltung des NeichsHeereS; die Beratung wird beim Titel„Gehalt des KriegSminIsterS, 6V 000 M." fortgesetzt. Adg. v. Bycrn(k.): Sehr verwundert bin ich, dah Herr HacuSler die Zahl der Leutnants für zu bock hält: wir können gar nicht Leutnants genug haben! Ebenso bedauere iS, dcch Herr Haeusler iinmer noch das alte Stecceupfcrd der zweijährigen Dienstzeit der Kavallerie reitet. Die Kavallerie ist unentbehrlich für die RekognoS- zierung; die Luftswisis werden sie nie ersetzen köm'.en, ein bis', che» icharfer Wind— und die Lufikmffe sind vollständig unbrauchbar. Auch die Äavallerieattacken sind nolwendia; das beweist z. B. die Kavallerieallacke bei Viouville, die der Infanterie Luft machte. Herr Stücklen tadelte das Heranziehen der Soldaten zu Ernte- arbeiten. Nach langer Negenzei: ist das nötig, sonst würde ja eine starke Teuerung eintreten.— Die Sozialdemokraten wünschen ein Milizheer.(Mit erhobener Stimme:) Wohin sollte denn das führen'1 lSchallende Heiterkeit links.)— Getadelt wurde, dost den .Äiegervereinen Gewehre gegeben werden: sie müssen diese Gewehre bezahle», wie jeder Altwarenhändler: katholische Bereine werden dabei nicht zurü-kgeietzt. General v. Spitz ist ja selbst gläubiger Katholik. Her: Stücklen beklagte, dag den Mitgliedern eines Krieger- Vereins verboten wurde, einen Sozialdemokraten zu wählen; das ist doch ganz selbstverständlich(Widerspruch bei den Soz.), eS gebt gar nicht anders nach den Statuten der Kriegervereine.(Widerspruch iiei den Soz.) Dast die Ilebungeu der Reserveregimenler vermehrt sind, ist sehr erfreulich: doch sollte man hierbei auf die Bedürfnisse der Landwirtschaft Rücksicht nehmen und die Uebungen in die Zeit legen, in der die Leute nicht auf dem Lande gebraucht werden:(Sehr richtig! rechts.) Ein sehr dringender Wunsch, den ivir haben, ist: dafür zu sorgen, das: geeignete Stelle» für verabschiedete Offiziere geschaffen werden! Sehr nötig ist eine Einschränkung des Luxus bei den Einjädrig-Freiw.lligen(Abg. Dr. Müller- Meiningen sfrs. Lp.): Vor allem bei den Offizieren!) Gewiß, da auch: aber bei den Offizieren wird nicht allein und nicht am meisten Luxus getrieben; gehen Sie»ur nach der Tiergartenstraße und sehen Sie jich die Wohnungen Ihrer Froklionsgenoffcn an, Herr Müller- Meiningen, da werden Sie einen Luxus sehe», der den der Offiziere weit in den Schalten stellt.(Sehr gut! rechts. Widel sprach bei den Freikinnigrn.) Abg. Dr Mugdan(frs. Vp.): Die versprochenen Erhöhungen der Mannschnstslöhne müssen durchgeführt werden. Dafür könnten eine ganze Reihe Stellen vo» Generatadjutaiiten eingeben, die militärisch gar leine Bedeutung haben, lleberflüssig sind auch die ineisten Stadtkommalidainen. I» Breslau z. B. ist ein General Stadtkommandant: seine Geschäfte find so, daß sie bequem von einem Hauptmami oder auch von einem Feldwebel versehen werden können. Geiparl iverden kann auch bei der Mtlitärniusik. Eine große Anzahl Militärkapellen haben weiter keinen Zweck, als den Zlvilmufikern Konturrenz zu machen. Ueber die Pferdcgelder liegt eins Denkschrift vor, die absichtlich so abgefaßt zu fem scheint, daß man sie nicht verstehen kann. So viel scheint ans der Denkschrift Hervorzugeken, daß die Offiziere in den Glauben versetzt worden sind, daß die Pferderalionen eine Zulage zu ihrem Gehalt darstellen und daß man sie ihnen des- halb, obwohl sie ihnen zu unrecht gegeben sind, auch iveiier geben will!(Hört 1 hört!) Unverständlich ist auch, baß die Pserderationen für Generale höher sind; die Freßlust der Generalspferde ist doch mcht größer als die aiiderer Bferde I(Heiterieit.) Auch das Kapitel de» Pensionierungen ist ein oft besprochenes. Es ist absolut nicht einzusehen, warum ein Hauptmann, der zum Major nicht für geeignet gehalten ivird, nicht Hcmpimaim bleiben kann, sondern' pensiomerl werden muß.(Sehr richtig I bei den Freisinnigen.) Sehr wichtig sind die pensionierten Offiziere, ioeil sie am besten in der Lage sind, auf Mängel im Heerwesen aufmerksam zu machen. Damit dies mehr als bisher geschieht, muß ihre Stellung zu den Ehrengerichten gelöst werden. Die Herren vom Zentrum hätten es in der Gewalt, eine Acnderung in dem ganzen Ehrengerichts- und Duellwesen herbeizuführen, wenn es ihnen nur ernst damit wäre.(Sehr richtig! bei den Freisinnigen.) Der Kriegsmimster hat bestritten, daß der Adel in der preußischen Armee bevorzugt werde. Aber ganz unbestreitbar herrscht bei uns diese Bevorzugung.(Lebhaftes Sehr richtig! bei de» Freisinnigen.) Die Herren rechts werden vielleicht nachher bestreiten, daß es bei Rlsines fcuillcton. LucaS odrr Leonardo? Durch die englischen Wahlen find die von uns angeregten Nachforschungen über die F l o r a b ü st e in Soutbampton unterbrochen worden. Wir haben daS wunderbare Gutachten des Prof. Raehlmaiin, der haarscharf bewies, daß die Farben der LucaSbüste ihren Rohmaterialien und der Verarbeitung und), aus der Renaissancezeit stammen müßten, einstweilen zu den übrigen. Triumphen der Bodewisienschafrler gelegt. In- zwischen ist Dr. G. Pauli, der Direktor der Bremer Äunsthalle, der schon wiederholt mannhaft und offen gegen die vom Kaiser- Friedrich-Mnseum beliebte Taktik der Vertnschlmg aufgetreten ist. in England gewesen und hat mit Lucas jr. und Cookseh die neuesten Hypothesen und Argumente der Bodcpnrtei besprochen. Herr Pauli bestätigt in seinem Bericht darüber im.Berliner Tageblatt" in allem weientlichcn die Ergebnisse und die Eindrücke, die unser Londoner Korrespondent hier vor- gefÜbn bat. Vor allem hat er auch den Eindruck von der .»bedingten Ehrlichkeit und Zuverlässigkeit von Lucas jnn. empfangen. Die Aussagen der Zeugen— die für das Kaiser- Friedrich-Mnseum immer noch nicht existieren— stehen nach Dr. Paulis erneuter Prüfung inimer noch u n- erschüttert da. Und so lange lebende Zeugen vorhanden sind, die aussagen, daß vor ihren Augen die Florabüste entstanden ist. sollten alle ehrlichen Leute darin einig sein, daß diese Zeugen- ansiagen den Mittelpunkt jeder ernsthaften Untersuchung bilden müßten. Was die B e m a l n n g der Düste anlangt, so macht eS Herr Pauli wahrscheinlich, daß sie großenteils alle»neuesten Datum? ist. Die sehr ramponierte Büste wurde, che sie in den Handel gebracht lvurde, nachweisbar neu hergerichtet»nd stellenweise neu bemalt. Die Renaissoncefarben des Gutachters Raehlmann, die nach Pauli aus auch beute noch recht verbreiteten Materialien bestehen, wären danach vielleicht von vorgestern.(Eine hübsche Ironie!) Auch zu dem burlesken Zivischenspiel mit dein namenlosen Herrn, an den sich unsere Leier noch erinnern, bringt Herr Pauli neue Beiträge. Der famose X, der Herrn Bode die Palmerstouthcorie und den inzwischen still begrabenen„Zeugen" Tolfrce besorgte, soll nach Herrn Pauli Gretor heißen und der Inspirator eines ebenso unverschämten wie unrichtigen Neklanieartikels für die Lodesache im Pariser„Figaro" sein. Obwohl dieser Artikel nach Dr. Pauli ein „Bukett von Unwahrheiten und Ersindungen" ist, hielt das Kaiser- Friedrich-Musenm sich nach wie vor in engster Verbindung mit Herrn X.. und auf unsere Anfrage bin beging daS Kaiser-Friedrich- Museum sogar die Naivität, unsere Bedenlen über diesen Herrn mit der Versicheruiia beschwichtigen zu wollen, er gehöre eince.reichen, geachteten Familie" an. unS seine, weniger feine und ganz gewöhnliche Regimenter gibt. In ihren eigenen Kreisen werden Sie es aber zugeben, und der Uebelstand ist mit der Zeit schlimmer geworden.(Lebhafies Sehr richiig! bei den Freisinnigen.)— Herr v. Byern wandte sich gegen den Luxus. Der Wohlstand ist in Deutschland überhaupt ge- stiegen und damit der Luxus; schädlich aber ist beim Militär der erzwungene Luxus, die Ausgaben illr Bnlelts für die Komman- deuse und dergleichen.(Sehr ricdtig! bei den Freisinnigen.) Es gibt Regimenter, in denen man keinen Einjährigen annimmt, wenn er nicht über einen MonatSwechfel von mindestens 1000 M. verfügt. (Hört! hört! bei den Freisinnigen.) Plan klagt über den Mangel an Aerzten in der Armee, und man schließt die jüdischen Aerzce systematisch aus.(Sehr wahr I bei den Freisinnige».) Wir Frei- sinnigen haben auch ein Herz für die Arniec, aber gerade im Jmer- esse der Armee werden wir alles Tadelnswerte in ihr rücksichtslos kritisieren.(Bravo! bei den Freisinnigen.) Abg. Licberviann v. Sonneuberg(wirtsch. Vg.): Daß bestimmte Familien in bestimmten Regimentern dienen, ist Tradition, und diese Tradition ist werlvoll für die Armee.— Herrn Haeusler muß ich widersprechen, wenn er das dritte Dienstjahr bei der Kavallerie für überflüssig hält.— Herr Osann hat viel iveniger militärfrenndlich gesprochen, als frühere nationalliberals EtatSredner. Die national- liberale Partei wandelt eben stückweise die Wege der Sozial- demokratie.(Schallende Heiterkeit links.) Dabei kommen aber die Nationallibcralcn als die schwächeren Charaktere gegenüber den stärkeren Sozialdemokraten ins Hintertreffen. Ich werde jede Gelegen- heil benutzen, mn die Nationalliberalen ausziifordern. dem ersten Teil ihres Parteinamens Ehre zu machen.(Unruhe und Heiterkeit bei den Nationalliberalen: Beifall rechts.) Die Beseitigung de» Einjährigenprivilegs habe ich seit 20 Jahren gefordert.. Die Er- böhnng der OssizierSgehälter war notwendiger als die Erhöhung der MannschastSlöhne. Selbstredend ist aber die Erhöhung der Mann- schastslöhne zu wünslben; cö würde sich jedoch empfehlen, cineu Teil als Sparlohn cinzudchalten und ihn den Ausgedienten erst nach ihrer Rückkehr in die Heimat auszuzahlen. Das wäre auch ein Mittel gegen die Landflucht. Wenn die Maschinengewehre nebenbei als Friedens- instrument gedient haben, so kann das den Sozialdemokraten nicht schaden. Wir müssen festhalten an der altbewährten Grund- tage unseres Heerwesens und von diesem Standpunkte aus die nach Ablauf des Ouinquennats kommende neue Heeresvorlage prüfen. (Bravo! rechts.) KriegSmInister v. Hecringen: Herr Mugdan kam ans die Verabschiedungen zu sprechen. Wir nehmen jede Kritik dankbar entgegen. Aber, wenn ein Leutnant 16 Jahre zu Fuß gelaufen ist und sich nicht zum Kompagnicchef eignet, dann kann man ibm nicht zumuten, noch länger zu Fuß zu laufen, sondern dann muß er seinen Abschied nehmen. Seinen Knacks nach längerer Dienstzeit hat ja jeder weg; wenn aber auch die geistige Energie angegriffen ist, dann bleibt nur der Abschied übrig. Unter dem Ehrengericht stehen all« aktiven Offiziere, die das Recht haben, die Uniform zu tragen. Wer das Recht beansprucht oder annimmt, die Uniform zu tragen, der muß sich auch gefallen laffen. vor daS Ebrcugcrichl gestellt zu werden. ES geht nicht an, daß man in jedem Augenblick auf die Uniform verzichten kann, um sich dem ehrengerichtlichen Verfahren zu entziehen.— Herr Mugdan hat die Duelle alSUnfug bezeichnet. Aber man kann doch eine Erscheinung, die einen so geringen Umfang hat wie die Duelle im OfsizierkorpS nicht als Unfug bezeichnen.— Von einer Bevorzugung de« Adels kann keine Rede sein.(Lachen links.) Daß bestimmte Regimenter von bc stimmten Familien bevorzugt werden, gebört zu de» ieaensreich wirkenden Armeetradiiioncn. Ein Regiment ist kern Kaufmanns- geschäst, und eS kann dem jungen Offizier nicht gleichgültig sein, in lvelcheS Regiment er eintritt, während eS beim jungen Kaufmann nicht darauf ankommt, ob er in dies oder jenes Geschäft eintritt. Meine drei Söhne dienen in demselben Regiment, in dem schon mein Urgroßvater diente. Meine Herren, das ist gute attpreußische Tradition!(Bravo! rechts.) Im Generalstab fragt man nicht danach. ob einer drei Buchstaben vor dem Namen hat.(Na I na! links.) Kein Regimentskommandeur ist berechtigt, Einjährige wegen ihrer BermögeiiSverhältiiisse abzuweisen.— Im Gegensatz zum Vorredner halte ich das Institut des einjährig-frei willigen Dienstes für taum entbehrlich.— Luxus kommt in der Armee nur als vereinzelte Erscheinung vor.— Den Werzlcmangcl beklagen auch ivir. Weiter ist der Wunsch geäußert, die Armee solle sich nicht ab- schließen. Davon kann aber auch gar keine Rede sein. Die Offiziere haben Beziehungen zu allen staatserhaltendcn Parteien. Wenn ivir unS zusaimnenschließe», tun wir eS, um tüchsiger zu werden im Interesse der Armee.(Bravo I rechts.) Abg. Korfanty(Pole) schildert Da Herr T weder in Southampton noch bei uns seinen Namen genannt hat, wiffen wir nicht, ob er mit dem Herrn Gretor identisch ist. Sollte das aber der Fall sein, so wollen wir heute schon ver- raten, daß Herr Gretor(der nach Pauli in Verbinduilg mit Mnrray Marks, dem Verkäufer der Büste, stand), ein hochinter- esianter Zeitgenosse und nichts weniger als das Urbild von Wedekinds Marquis von Äeith ist. Herr Pauli wiedsrholt zum Schluß seines Artikels die zuerst von Lucas ausgesprochene und von uns längst unterstützte Forderung einer unparteiischen Untersuchung. Das Skelett deö ältesten Urmcuscheu soll nun ein italienischer Gelehrter. Prof. Amcghino, der seit Jahren in Südamerika seinen Forschungen obliegt, entdeckt habe». In der„Italic" macht Prof. Sergi nähere Mitteilungen über diesen bedeutsamen Fund, von dem bisher in Europa Einzelheiten nicht bekannt geworden sind. Die Auffindung des Skeletts gelang in Argentinien, in der Nähe eine« Ortes, der La Tigra genannt tvrrd. In der geologischen Schicht der Tertiärzeit fand hier der italienische Gelehrte inmitten der versteinerten Knochcnüberreste bisher unbekannter Tiergattungen dieses menschliche Skelett, das nach seinen Forschungen daS älteste ist, das bisher gefunden wurde. Der Schädel war unglücklicherweise stark beschädigt; man brachte das in Zusammenhang mit einem Brauche, der bei den Ureinwohnern AinerilaS geübt worden zu sein scheint und nach dem die Schädel der Toten künstlich zerstört lourden. Durch einen unerwarlelen Glücksfall fand die Entdeckung Professor AineghinoS eine unschätzbare Ergänzung; an anderer Stelle fand er in der gleichen geologische» Schicht ein zlveiteS Skelett, dessen Schädel ungleich besser erhalten war. Insbesondere die Gesichlöbildung ist genau zu erkennen und weist interessante Eigenheiten ans. Dieser Schädel des Homo Pam- pöuS ist außerordentlich breit und zeigt nahe Verwandtschaft mit den amerikanischen Affen; die Stirnentivickelung fehlt fast völlig, dagegen ist der Hinterschädel hochgewölbt; von der Seite nähern sich die Linien der Gestalt eines Dreiecks. Die GefichtSfläche ist groß, die Kiefer sind außerordentlich stark entwickelt; besonders auffällig sind die mächtigen Augenhöhlen, die man in solcher Größe und Höhe bisher bei keinem menschlichen TypuZ gefunden hat. Die Nasen- Partie ist ungewöhnlich stark entwickelt, dagegen stimmt die Gehirn- höhle mit der des lebenden Menschen iiberein. �„Dieses Skelett", so äußert sich Professor Sergi,„stellt unzweifelhaft den ältesten Menschentypus vor, der bis:ctzt entdeckt worden ist. und beweist, ivie der Mensch zu gleicher Zeit mit den riesigen Säugetieren der Tertiärzeit gelebt hat, deren Dasein ans rund eine Million Jahre zurückgeht." Mnfik. In der Volköoper gab cZ am Donnerstag eine„richtige"! »große" Premiere. Zwar: eine Novität ist sie ja langst nicht mehr. eine rohe Mißhandlung eines Grenadiers in Stettin, der auf Befehl des Unteroffiziers an den Füßen— mit dem Kops nach unten— aufgehängt wurde, bis er das Bewußtsein verlor. Der Redner bittet den KriegSnmsister um eine strenge Untersuchung de» Falles. Daß Soldaten zu Streikbrechern benutzt werden, ist aufs entschiedenste zu mißbilligen.— Der Kriegsminister sagte, in der Armee treibe man keine Politik. Damit stimmt nicht Uberein, daß polnische oldaten beständig schikaniert iverden. Auch die Kriegervereine sind nicht unpolitisch; bei uns sind sie weiter nichts als eine Schutztrupps des Hakatisinus. Die Kriegsgerichte sprechen drakonische Strafen aus, aber nur, wen» es sich um Untergebene handelt, nicht bei Vorgesetzten.(Zustimmung bei den Polen und Sozialdemokraten.) Kriegsminister v. Hecringen: Daß bei kriegsgerichtlichen Urteilen die Ebarge in Betracht gezogen wird, bestreite ich ganz entschieden: auch ist von drakonischen Strafen bei den Kriegsgerichten gar keine Rede.(Lebhafter Widerspruch bei den Sozialdemokraten und Polen.) Dem von Herrn Korfanty erwähnten Fall aus Stettin werde ich ilachgehc». Im übrigen wiederhole ich noch einmal, daß die Armee sich von Politik fern hält. Auch die Kriegervereine sollen keine Politik treiben, aber der Armee gehören sie nicht an. und ich kann für sie nicht verantwortlich gemacht werden.(Bravo! rechts.) Abg. Werner(Antif.): Die Mißhandlungen in der Armee haben erfrcnllcherweisc abgenommen. Die Dienstzeit kann nickt herabgesetzt werde», ohne die Schlagfertigkeit der Armee zu gefährden. Eine schlagfertige Armee aber ist in erster Linie ein Instrument des Friedens. Nachdem so viele neue Steuern bewilligt sind, sieht es merkwürdig aus, daß die Veteranen leer auSgeheu sollen; an dieser Stelle sollte man nicht sparen.(Bravo! rechts.) Abg. Lehinann- Jena(wild) beklagt, daß das Großherzogtum Sachsen- Weimar bei der Besetzung mit Garnisonen zurückgesetzt iverde. Abg. Erzberger(Z.): Von Sparsamkeit kann erst die Rede sein. ivenn die dauernden Ausgaben zurückgehen, aber diese sind wieder um 14 Millionen gewachsen. Der Abg. Stücklen hat unS vor- geworfen, daß wir, bevor die MannschaftSlöhne erhöht worden sind, für Erhöhung der Cbargenbczüge gestimmt haben. Aber weder in der Biidgelkommissivn noch in der Subkominisffon haben sich die sozialdemokratischeu Vertreter gegen die Erhöhung erklärt.(Hörtl hört! im Zentrum.) Ich möchte vorschlagen, die Mann- schastslöhne um den ganzen Betrag der von den Sozial- dcmokraten im vergangenen Sommer bewilligten Stenern zu erhöhen.(Heilcrkeil rechts und im Zentrum, Lachen bei den Sozialdemokraten.) Die Soldaten würden sehr schlecht dabei wegkommen, Es muß darauf bestanden werden, daß die Zusagen des früheren KnegSiniliislerS, jede Bevorzugung des Adels zu vermeiden, erfüllt werden. Das Duell ist und bleibt ein Unfug, auch wenn die Zahl der Duelle in der Armee, wie anerkannt werden soll, sich vermindert hat. Am wirksamsten wäre daS Duell durch Aufnahme einer Be- sttimnung in daS Militärpensionsgesetz zu bclämpsen. Aber zur Zeit war es gerade Herr v. Payer, der in der Kommiision die von u»S und de» Sozialdemokraten beantragte Einfügung einer solchen Bestimmung zu Fall brachte I(Hört! hört! im Zentrum und bei den Sozialdemokraten.) Aeußerst bedenklich ist die Ausdehnung der Ehrengerichtsbarkeit namentlich auf das Feld politischer Bc- tätigung.(Sehr wahr l im Zentrum und links.) So ist ein Reserve- offizier zur Verantwortung gezogen worden, weil er für einen Komprcmiükandidaten der Polen und des Zentrums gestimmt hat, (hört I hört I) ja ein Reserveoffizier ist zum Uebertritt zur Landwehr gezwungen worden, toeil er sich als Zentrumskandidat hat aufstellen lassen!(Lebhaftes Hört! hört l iin Zentrum.) Gespart könnte werden auf dem Gebiete der Dienstreisen. Unsere hohen Beamten reisen, wie eS scheint, niemals allein, sondern in ganzen Rudeln(Heiterkeit), jeder hat stets eine große Begleitung bei sich. Wird ein Leutnant wegen irgend einer Verfehlung zum Er- scheinen vor ein Kriegsgericht kommandiert, so werden ihm die Reise- kosten ersetzt. Ein Leutnant bekam in einem solchen Fall 105 M. Reisekosten, Strafe erhielt er nachher 5 M.. die Reise hatte ihn etwa 40 M. gekoster, er hat also trotz der Strafe ein recht hübsches Gc- schäst gemacht.(Große Heiterkeit.) Wie gewirtschaftet wird, sieht mau auch in Kleinigkeiten. Ein kommandierender General laßt sich einen runden Tisch für 1700 M. inachen, aber natürlich auf Kosten des Reichs! Sehr bald wurde der General versetzt und unter seinem Nachfolger war der Tisch überflüssig. DaS Reichs« fchatzamt sollte feste Erimdsätzc aufstellen für die AiiS« stattuiig von Ticustwohuungc».(Sehr richtig I im Zentrum.) Wir wünschen ein starkes Heer für die Aufrechtcrhaltung des Friedens; die Kosten dafür sind eine Versicherungsprämie gegen den unend- lichen Schaden selbst eines stegreichen Krieges.(Bravo l im Zentrum.) KriegSministcr v. Heeringen; Der Ersatz der Reisekosten an diese dreiaktige Oper„K le op at ra" von August En na(Text von Ejnar Christiansen, deutsch von Emma Klingenbcrg). Bor fast zwei Jahrzehuten entstanden, ward daS Werl vor einem Jahrzehnt an der htesigeu königl. Oper augenommen und ruhte nun den ungerechten Archimchlai, bis dem an gednldigeS Abwarten in einem entsagungsreichen Künstlerleöen längst gewöhnten Komponisten doch eines Tages die Geduld riß. Er reichte die Partitur der Volksoper ein, deren sachkundiger Direktor Dr. Alfieri sofort begriff, daß er da eine Ehrenschuld abtragen helfen müsse. Die Oper ward akzeptiert, fleißig einstudiert, neu inszeniert und bei ihrer Erstaufführung mit einem Beifall begrüßt, der ehrlich und warm anmutete. Und in der Tat! Wir haben es hier mit einem Werke au» einem Guß zu tun, gewiffermaßen in eine in Atem ohne Nach- lassen des inspiratorischen FenerS mit dem Herzblut ge- schrieben, voll innersten Anteils an dem Geschick der Helden un!» von einem verklärenden Idealismus übcrleuchtet, der alles Brutale mildert, alles Effektvolle dramatisch begründet.... Der Librettist hat es sehr wohl verstanden, nicht eine einfache Titelrollenoper zu schreiben, sondern auch die anderen Gestalten in den Vordergrund zu rücken. Der eigentliche Held der Handlung ist Harmaki, der letzte Pharaonenkönig. Ihm ist die heilige Mission zugefallen, die buhle- tische Königin Klcoparra, die ihre Herrschaft über Egypten nur ihrem Römlingtum verdankt, zu töten. Doch der Plan mißlingt. Charmion, die in Harmaki hoffnungslos verliebt ist, verrät der Königin die Verschwörung,»nd in einem glänzend gesteigerten Schlußakt ent» windet Kleopalra dein Pharaonen den Dolch. Die Verschwörer werden gesangen genommen, Harmaki aber gibt sich mit dem geweihten Dolch den Tod.... Die Glut dieser unnacksichtlich zur Katastrophe fortdrängenden Handlung muß eine leidenschaftliche Musik erst recht anzufachen wissen. August Enna ist diese Ausgabe so weit völlig gelungen, als es sein im Kerne lyrische? Gewissen zugab. Denn die Höhepiinkte seiner Partitur bilden meines Erachtens vor allen Dingen eben die lyrischen Momente, wenn sich das Empfinden der Helden in weich geschwungenen Arien oder süßen— nie süß- lichen— Licdcrcrgüssen entlädt. Und doch fehlt cS der Partitur, besonders dank der trefflich gegliederten Instrumentation, nicht an dramatischem Leben. Tie nordische Note tritt in gewissen seltsam rhhth- inisierten und harmonisierten Wendungen deutlich hervor und über- streut das Ganze mit einem Zauber von durchaus eigenartigem Dufte... Die Aufführung war augenscheinlich mit ganz besonderer Liebe vorbereitet. Darsteller. Kapellmeister(Herr Rudolf Schüller) und Regisseur wetteiferten um die Palme. Die Titelrolle wurde von Frau R. Fr ease« Green mit pompösem stimmlichen Glanz und viel Leidenschaft verkörpert. A. N. einen zum Erscheinen vor dem Kriegsgericht kommandierten Offizier beruht auf dem Gesetz. Ein von sozialdemokratischer und freisinniger Seite gestellter Bertagungsantrag wird abgelehnt. Abg. Noske(Soz.): Von verschiedenen Seiten ist mit Recht betont worden, daß von wirklicher Sparsamkeit in diesem Militäretat keine Rede''ein tonn. Amüsant war nur bei diesen Auseinandersetzungen, daß die ein- zelnen bürgerlichen Parteien sich gegenseitig vorwarfen, daß sie früher zu sehr auZ dem Vollen gewirtschaftet hatten. Herrn Mugdan, der dem Zentrum diesen Vorwurf machte, möchte ich darauf hinweisen, daß der Freisinn 1903 der Steigerung der Militärausgaben um 55 Millionen, ohne zu zucken, zustimmtet (Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Als er die Blockpolitik mitmachte, hat er sich nichts davon merken lassen, daß ihm an be- fonderer Sparsamkeit gelegen sei. Eine Reihe von Fragen müssen in jedem Jahre wohl oder übel von neuem berührt werden. So ist wieder auf dir Steigernng der Ausgaben für die Offizierspensionen hingewiesen worden. Ich gebe dem Herrn Kriegsminister zu, daß es mit den Pensionierungen nicht böser geworden ist, aber die ge- waltige Steigerung des Pensionsfonds zeigt uns doch, wie besorg- niserregend diese Art von Ausgaben ist. Andererseits müssen wir darüber Beschwerde führen, daß invalide gewordene Soldaten ohne Pension abgeschoben werden. So ist mir erst heute in einem Briefe mitgeteilt worden, daß ein Mann am L3. Tczember vorigen Jahres als untauglich entlassen wurde. Am 28. Dezember mußte er ins 5irankenhaus, und am 4. Januar konstatierte der Arzt Geistes- k rankheit. Sein Anspruch auf Entschädigung wurde von der Militärverwaltung abgewiesen, da er am 23. Dezember unter- schrieben habe, daß er irgendwelche Anforderungen an den Fiskus nicht zu stellen habe! Es ist eine grobe Ungehörigkeit, sich von einem derart�kranken Manne eine solche Bescheinigung ausstellen zu lassen.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Der Versicherung der Militärverwaltung, daß Verlegungen von Regimentern nur aus ganz dringenden militärischen Gründen er- folgen, müssen wir mit einigem Mißtrauen gegenüberstehen, nach- dem der Brief des Grafen Tiele-Winller an die Stadt Kattowitz bekannt geworden ist, in dem er betont, daß er es ein für allemal ablehnen müsse, sich weiter bei Seiner Majestät dem Kaiser für eine Garniso» in Kattowitz zu verwenden!(HörtI hörtl bei den Sozialdemokraten.) Die Militärverwaltung mache ich natürlich für diesen Brief nicht verantwortlich, aber es macht doch einen eigen- tümlichen Eindruck, wenn ein Bekannter des Kaisers, bei dem dieser wiederholt als Jagdgast geweilt hat, ein solches Versprechen glaubt glatt ablehnen zu können. Es ist ja möglich, daß Graf Tiele- Winkler nur renommiert hat. Die„StaatSerhaltenden". Der Herr Kriegsminister hat gesagt, daß in den Offizierkorps Angehörige aller staatserhaltenden Parteien vertreten seien. Er wollte also dadurch zum Ausdruck bringen, daß auch er der Ueberzeugung ist, daß Sozialdemokraten als staatserhal- tc» de Partei nicht angesehen werden können.(Sehr richtig! rechts.) Nein, das ist sehr falsch! Der Herr skriegsminister würde schwerlich in der Lage sein, zu sagen, wie er sich eigentlich die an- geblich staatsvernichtende Tätigkeit der Sozialdemokratie vorstellt. Ich behaupte, daß die kritische Tätigkeit, die wir hier im Reichstage entwickeln, viel mehr staatserhaltend wirkt als z. B. das Verhalten eines Herrn von Oldenburg.(Sehr wahr! bei den Sozialdemo- kratcn.) Wenn wir für die Beseitigung von Mängeln, unter denen die Bevölkerung zu leiden hat, eintreten, wenn wir seit Jahr- zehnten dafür wirken, daß eine wirklich brauchbare Erziehung der Jugend zur Wehrhaftigkeit erfolgt, wenn wir immer wieder dabei zum Ausdruck gebracht haben, daß es uns ganz fernliegt, das Vater- land wehrlos machen zu wollen, so— behaupte ich— ist diese Tätigkeit viel staatserhaltender als die der Herren, die bestehende Mängel beschönigen und sich gegen die Durchführung zeitgemäßer Reformen wehren.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Der Herr Kriegsminister wird zugeben müssen, daß der von ihm ge- wünschte Zustand, daß das Volk Liebe zur Armee empfinde, heute von seiner Verwirklichung noch recht weit entfernt ist. Der Kriegs- minister hat durch ein paar Aeußerungen in diesen Tagen bereits bewiesen, daß er eine rechte Borstellung davon, wie breite Volks- kreise denken, tatsächlich nicht hat. Das ist nicht sehr verwunderlich, da er natürlich seiner Erziehung nach zu den sogenannten unteren Volksschichten nur ziemlich lose Beziehungen hat. So meint« er bei der Mansfelder Interpellation, die Maschinengewehr« seien ein integrierender Bestandteil der Truppe und hätten deshalb mit- gebracht werden müssen. Nun, die scharfen Patronen sind auch ein „integrierender Bestandteil der Truppe". Der Herr Kriegsminister hatte gewiß recht mit seiner Bemerkung, aber er weiß offenbar gar nicht, wie eine solche Maßregel auf das Volk wirkt. Sie können sich nicht vorstellen, wie aufreizend gerade das Aufpflanzen der Geschütze auf die Bevölkerung gewirkt hat.(Sehr wahrt bei den Sozialdemokraten.) Ich gebe Ihnen die Versicherung, Sie dürfen eine solche Mahregel bei Streiks nur noch einige Male wiederholen. Erfreulicherweise ist es ja bisher ziemlich selten geschehen. Wir brauchten dann gar nichts dazu zu tun. sondern hätten die schönste antimilitaristische Agitation, die wir uns wünschen können. Das Volk hat eben lehr wohl Verständnis dafür, daß jeder wehrhafte Mann in den Zeiten der Not das Vaterland zu sckützen hat. nickt aber dafür, daß die Söhne des Volkes gegen da» eigene Volk mobil gemacht werden können, um so weniger, als wohl in keinem Lande der Welt die Arbeiterschaft so friedliebend ist wie gerade in Deutsch- land. Hauptsächlich dank der organisatorischen Arbeit der Gewerk- schaften.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Der Kriegsminister versprach am Mittwoch, den Wünschen des Reichstages Rechnung zu tragen. In Wirklichkeit aber find die Zu- geständnisse außerorventlich winzig. In der Arbeiterschaft wird es gewiß große Befriedigung erregen, daß er bündig erklärt hat. Soldaten als Streikbrecher sollen nicht mehr verwendet werden. Im verflossenen Jahre ist daS wiederholt geschehen. Ich wünschte die Erklärung aber dahin er» weitert zu sehen, daß Soldaten nicht mit Arbeiten beschäftigt werden sollen, durck welche sonst beschäftigungslosen Menschen Loh» und Brot vorenthalten wird. Aus dem Truppenübungsplatz bei Weißen- bürg sind Soldaten mit Maurerarbeiten beschäftigt worden, und als der Vorsitzende des Maurerverbandes beim Kriegsministerium um Remedur vorstellig wurde, hat er überhaupt keinen Bescheid erhalten; es scheint, daß das Kriegsministerium mit organisierten Arbeitern nicht in Verbindung treten will. Die Militärmusikcr. Im vorigen Jahre hatten wir in der Budgetkommission lange Auseinandersetzungen darüber, daß die Zahl der Musiker in den Militärkapellen verringert werden soll. ES liegt dies sowohl im In» teresse derSparsamkeit als auch im Interesse derZivilberufsmusiker. denen durch die Militärkapellen eine übermäßige Konkurrenz ge- macht wird. Die Militärverwaltung aber verhält sich den Wünschen de» Reichstags gegenüber ablehnend, und den Klagen der Zivil- berufsmusiker wird infolgedessen nicht abgeholfen. Am Mittwoch sprach der 5ftiegSministcr daS große Wort ge- lassen aus: Ein aktiver Offizier darf keine Politik treiben. Aber trotzdem fühlen sich viele Offiziere verpflichtet, als ihre Haupt- ausgäbe die Bekämpfung der Sozialdemokratie zu betrachten.(Sehr richtig! rechts.) Gerade bei der Militärbehörde ist solch ein Stand- Punkt am allerletzten zu verstehen, denn wenn im Fall der Not das Bolk aufgerufen wird, ist die Heeresverwaltung auch auf die Sozial- Demokraten angewiesen. Deshalb ist es gerade von der Militär- Verwaltung ganz verkehrt, eine politische Partei bekämpfen zu wollen.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.)! In bezug auf den Saalbohkott haben sich die Verhältnisse etwas gebessert. Die Herren rechts werden sagen: leider. Die Säle stehen uns zu Versammlungen zur Verfügung, weil der Militärboykott nicht mehr durchgeführt werden konnte. Aber die Vohkottierung von Geschäftsleuken durch die Militärverwaltung dauert fort. Ueber das Geschäft unseres Ge- nassen Böhle ist der Militärboykott seit 1891 verhängt, ohne daß ihm ein Grund angegeben wurde. Als er sich im vorigen Jahre um Aufhebung des Boykotts an das Ministerium wandte, wurde ihm geantwortet, das ginge nicht, weil in seinem Geschäft auch sozialdemokratische Zeitungen verkauft werden! Auch das ist nicht wahr. Uebrigens hat die Militärverwaltung kein Bedenken, bei den Manövern Soldaten in Häuser einzuauartieren, in� welchen sozialdemokratische Zeitungen ausliegen. Wie wollen«ie denn auch in hochindustriellen Gebieten, wo mehr als die Hälfte der Be- völkerung aus Sozialdemokraten besteht, die Soldaten von der Be- rührung mit Sozialdemokraten fernhalten? Der Militärboykott ist also eine ganz kleinliche Schikanier«rei, ebenso töricht wie über- flüssig.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Daß beim Militär auch ganz direkt Politik getrieben wird, hat sich bei der Ersatzwahl in Kobur� gezeigt. Dort wurde über eine Brauerei, deren Saal sämtlichen Parteien zur Verfügung stand, der Militärboykott verhängt, als die Sache für die bürgerlichen Par- teien anfing, brenzlich zu werden. Dieses Verfahren ist nicht nur eine Auflehnung gegen den Willen des Reichstags, der bei der Beratung des Vereinsgesetzes Bewegungsfreiheit für alle Parteien verlangte, sondern auch eine Auflehnung gegen die direkte An- Weisung des Kriegsministers, und ich darf wohl erwarten, daß er die Koburger Militärbehörden anweisen wird, derartige un- gehörige Eingriffe in die Wahlbewegung in Zukunft zu unterlassen. (Lbehafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) In bezug auf die Neueuniformierung haben mich die Erklärungen des Kriegsministers nicht befriedigt. Daß gewisse Zeichen aus Schönheitssinn beibehalten werden sollen, ist keineswegs zu billigen. Das Festhalten an derartigen Tra- ditionen in einzelnen Regimentern ist zum Teil auch die Ursache von Schlägereien unter den Soldaten verschiedener Regimenter— nicht gerade ein Zeichen von schöner Kameradschaftlichkeit. Herr Erzbergcr wies auf die Nichterhöhung der MannschaftslShne hin und wollte den Vorwurf, daß auch das Zentrum daran schuld sei, zurückweisen. Wir machen allerdings den bürgerlichen Parteien zum Vorwurf, daß sie bei der Finanzreform die Erhöhung der Beamten- und Offiziersgehälter, nicht aber auch die Erhöhung der Mannschaftslöhne durchgesetzt haben. AIS der Schatzsekretär mit der Erklärung kam, daß die Mittel für die Beamten nicht reichen, und daß dazu die für die Besoldungserhöhung bestimmten Beiträge genommen werden sollen, war ich in einer Weise empört wie selten. Ein Jahr vorher hatte der Zentrumsredner den Antrag gestellt, die Ofsiizersgehälter sollten nickt eher erhöht werden, bis auch die Erhöhung der Mannschastslöhne durchgefühlt sei. Sehr richtig sagte er damals: wenn erst die Offiziersg«HSIler erhöht seien. würden wir auf die Erhöhung der Mannschaftslöhne lange warten können. Und so ist eS ja denn auch gekommen!— In diesem Jahre hat der ZentrumSredner wesentlich anders gesprochen. (Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Wenn Sie schon 590 Millionen Mark für alle möglichen Ausgaben aufgebracht haben, dann häten Sie auch die Courage haben sollen, die Mittel zu schaffen für die Erhöhung der Mannschaftslöhne, und auch die Mittel, um endlich der Seiende ein End« zu machen, daß man die Kriegsveteranen auf die Armenpflege verweist, od«r daß man ihnen — wie in Sachsen— zwar die Steuer erläßt, sie aber dafür wie Leute behandelt, denen die bürgerlichen Ehrenrechte abgesprochen sind, indem man ihnen das Wahlrecht nimmt!(Lebhafte Zu- stimmung bei den Sozialdemokraten.) Die Neigung, über Soldatenmihhandlungen in diesem Hause zu sprechen, kann naturgemäß nicht groß sein. Der KriegSminister hat auch im vorigen Jahre scharf zum Ausdruck gebracht, daß er gegen diesen Mißbrauch auftreten wolle. DaS waren sehr schöne Worte, sie haben aber nicht gehindert, daß auch im letzten Jahre wieder eine Reihe von Scheußlichkeiten aufgedeckt worden sind. Daß die Mißhandlungen nicht verschwinden, rührt zum Teil von der außerordentlichen Milde her, mit der Soldatenschinder verurteilt werden.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemo- kraten.) Geradezu betroffen war ich über die Aeußerung eines Majors Hackenstedt, die er jetzt in einer Broschüre veröffentlichte. Er sprach von einer großen Nervosität gegenüber dem Soldaten» mißhandler! Er meinte, die Mannschaften würden— v e r w e i ch- l i ck e n, wenn man so scharf wie bisher gegen die Soldaten- mißhandler vorgeh«, und wenn man die Soldatenmißhandlungen, es koste, was es wolle, abstellen wolle.(Hört! hört! bei den Sozial» demokratcn.) In gewissem Grade liegt in diesem Worte ein«— (Zuruf bei den Sozialdemokraten: Aufforderung zur Miß- h a n d l u n gl). Das will ich nicht gerade sagen, aber es kommt doch darin eine Ansicht zum Ausdruck, gegen die mit aller Schärfe Stellung genommen werden muß. Zu meinem großen Bedauern hat auch der nationalliberale Redner Herr Osann in dieselbe Kerbe gehauen, da er die Miß- Handlungen unterscheiden will in solche, die aus üblem Willen, und solche, die bloß aus Diensteifer geschehen! ES kommt sehr häufig vor. daß in MißhandlungSprozessen Vorgesetzte auf- treten und sagen, der betreffende Unteroffizier habe nur au»„Diensteifer" gehandelt und sei im übrigen ein tüchtiger Soldat. Und waS besonders frappieren muß. ist der Umstand, daß Offiziere, die mit allem Nachdruck darauf sehen sollten, daß Mißhandlungen nicht vorkommen, selber systematisch Mißhandlungen begehen!(Hört! hörtl bei den Sozialdemokraten.) Im letzten Jahre ist zum Bei- spiel der Hauptmann Simon vom Jnsterburger Kriegsgericht wegen fortgesetzter Mißhandlungen bestraft worden! Wenn sich jetzt die öffentliche Meinung immer mehr gegen die Mißhandlungen wendet, so geschieht eS, weil jetzt nicht bloß die gemeinen Soldaten, sondern auch Einjährige beschimpft und mißhandelt werden. DaS Tollste. waS in der letzten Zeit vorgekommen ist. ist wohl der Fall des Rittmeisters v. Gersdorff in Mülhausen. Dort hat sich der Einjährige Bloch erschossen, weil er vom Ritt- meistcr mit antisemitischen Beleidigungen traktiert wurde und sich in seiner Menschenwürde verletzt fühlt« Der Rittmeister hat dafür zwei Tage Stubenarrest bekommen!(Hört! hört! bei den Sozial- demokraten.) Erst in der Berufungsinstanz wurde die Strafe etwa? erhöht, trotzdem die Beleidigungen nachgewiesen werden konnten. Bei der Verhandlung fiel der große Unterschied auf zwischen der Behandlung gemeiner Soldaten und der Behandlung dieses Herrn v. GerSdorff. der niemals mit„Angeklagter" eingeredet wurde, sondern immer mit ,.H e r r H a u p t m a n n", „Herr Graf haben die Güte" usw.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Die Ursache der Soldatenmißhandlungen ist zum Teil darauf zurückzuführen, daß auch die Lehrer an den Unteroffizierlchulen die Schüler schon miß- handeln. Wenn die jungen Leute dann später ausgebildet sind, dann sind sie nur zu leicht geneigt, sich zu rächen und Vergeltung für die ihnen zugefügte Unbill zu üben. Weiter kommt es immer noch vor, daß die älteren Käme» raden ihre jüngeren Kameraden mißhandeln. In einer ganzen Reihe von Fällen konnte daS gerichtlich festgestellt werden. Gerade in den Kavallerieregimentern sind die Mannschaften dritten Jahres am ehesten geneigt, sich als Paschas aufzuspielen. Das beweist, daß die über Gebühr lange Dienstzeit in moralischer Beziehung ungünstig wirkt. ES gibt aber nicht nur Offiziere. die selber nüßhandcln, eS gibt auch Offiziere, die sich nicht scheuen, ganz offen die Soldatenmißhandlungen zu verteidigen! In Dres- den erklärte ein Leutnant— allerdings in seiner Eigenschaft als Verteidiger—, daß das Vorgehen der alten Leute gegen die Sie- kruten eine g»nz wirksame und unentbehrliche Erziehung darstelle; dieses Verfahren werde überall beobachtet!(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Ich will gern zugeben, daß der Leutnant hier in seiner Eigenschaft als Verteidiger vielleicht etwas weiter ge- gangen ist, als er sonst gegangen wäre. Aber schon das bloße Aus- sprechen solcher Ansichten ist im höchsten Grade bedenklich, und es sollte deshalb nicht wieder vorkommen.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Bei der Militärarbeiterabteilung sind auch im letzten Jahre wieder wegen schwerer Ausschreitungen und böser Exzesse hohe Strafen verhängt worden. Die Leute in dieser Abteilung sind meist moralisch defekte und geistig minderwertige Menschen. Solche Menschen hält man am besten im Zaum, wenn man sie liebe- voll behandelt, aber nicht durch eine zu straffe Disziplin. Wir sind im Reichstage daran gewöhnt, daß die bürgerlichen Parteien der Heeresverwaliuna reichlich Lob spenden, und ich gebe zu, daß äußerlich auch alles klappt, gerade wie beim Parademarsch. Aber wie die Marineverwaltung ihren Kieler Werftskandal, so hat die Militärverwaltung fortgesetzt Prozesse auf Grund von Durchstechereien und ähnlichen Betrügereien. Ich habe aus den letzten paar Mo- naten eine ganze Reihe solcher Fälle zusammengestellt. So hat beim Trainbataillon in Königsberg die Militärkasse jahrelang nur einen Bruchteil des Geldes bekommen, das für ausrangierte Pferde erlegt wurde. An einem einzigen Tage sind zum Beispiel sechs Pferde unter der Hand von Nnteroffiziercn verkauft worden.(Hört! hört! bei den Sozialdemokralen.) Die Kontrolle mutz danach außer- ordentlich mangelhaft gewesen sein. Offenbar, um nicht öffent- lich festzustellen, wen die Schuld daran trifft, ist auch dieser Prozeß hinter verschlossenen Türen geführt worden! Auf dem Uebungsplatze in Jüterbog konnten große Mengen Hafer usw. an Privatleute verkauft werden. Allgemein ist die Annahme vertreten, daß bei Lieferungen für die Küche da» Schmicrgelderwesen einen ungeheuren Umfang angenommen hat. Die kleinen Ge- schäftsleute sind überzeugt, daß ohne Schmiergelder an solche Liefe- rungen nicht heranzukommen ist. Bei einem Infanterieregiment haben zwei Sergeanten jahrelang Betrügereien mit einem Kauf- mann verübt. Als diesem Kaufmann einmal vom Zuchthaus fünf Zentner Erbse» als unbrauchbar zurückgewiesen wurden, lieferte er sie einfach an die Kaserne!(Hört! hört! bei den Sozial- demokraten.) Der als Zeuge vernommene Vorstand der Küchen- Verwaltung bekundete, irgendwelche Klagen seien nie vorgekommen, der hauptbetrügerische Unteroffizier sei als besonder» sparsam be- kannt gewesen und von ihm dieserhalb wiederholt gelobt!(Hört? hört! bei den Sozialdemokraten.) Ein General, von dem ich im vorigen Jahre feststellte, daß er Gelder der Soldaten in ungehöriger Weise zu seinen Gunsten verwandt habe, ist noch heute in seiner Stellung.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Das erinnert doch bedenklich an russische Zustände. Dringend notwendig ist auch eine Reform des Beschwerderechts die der Reichstag wiederholt gefordert hat. Mir liegt ein Schreiben von einem Manne vor, der monatelang in der Kaserne in un- erhörtester Weife behandelt worden ist, der krank eingezogen und dann nach wenigen Monaten entlassen wurde. Er hat mir aus- einandergesetzt, wie es kam, daß er sich nicht beschweren konnte und erst nach"der Entlassung eine Beschwerde an daS Kriegsministenum gerichtet hat. Der Herr Kriegsminister hat in bezug auf das Beschwerderecht einen Erlaß veröffentlicht, der ernste Besorgnisse über die von ihn: sonst geplanten„Reformen" erweckt. Dieser Erlaß wird sicher die Wirkung haben, daß noch mehr Mißstände als bisher verschwiegen werden. Er hat angeordnet, daß in Zukunft ausnahmslos Mannschaften des Beurlaubtenstandes, die sich später als in der vorgeschriebenen Frist von fünf Tagen beschweren, bestraft werden sollen. Der Herr Kriegsminister will damit dem Mangel an Mut bei den Soldaten gegenübertreten. Nun. von besonders viel moralischem Mut kann wohl bei Leuten nicht die Rede sein, die vom ersten Tage an beim Milftär durch brutale Behandlungen eingeschüchtert werden. Es ist ein großes Unrecht, sie nachher zu bestrafen, wenn sie nach der Entlassung die Beschwerde einreichen. (Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Wenn dem Herrn Kriegs- minister wirklich daran liegt, was ich nicht bezweifle, daß den,Miß- Handlungen im Heere entgegengetreten wird und das Beschwerde- recht wirklich ausgeübt werden kann, so hoffe ich, wird er diesen Erlaß zurückziehen und darüber hinaus endlich für eine wirklich vernünftige Reform des Beschwerderechts sorgen. Der Herr Kriegsminister meinte, er könne nicht anerkennen, daß es Regimenter erster und zweiter Klasse gebe. Nun, der Kaiser denkt darüber ganz anders! Er hat wiederholt bei Vereidigung der Rekruten der Garderegimenter die jungen Leute dunlber belehrt, daß der Dienst im Garderegiment eine ganz besondere Ehre sei. Dadurch ist doch der Gegensatz zu den Linienregimentern gegeben!(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Daß die Offiziere von Gardcregimentern sich etwas Höheres dünken als irgend ein Offizier in einer kleinen Garnison, ist ja auch allgemein bekannt. Der Herr KriegSminister bezeichnete das Heer als„eine große Familie". Aber in dieser.Familie" scheint e» doch eine Anzahl recht verhätschelter Sprößlinge und andererseits eine große Menge von Stiefkindern zu geben.(Sehr gut! links.) Außer- ordentlich beklagenswert erscheint es mir, daß das ReichSmilirär- gericht einer Milderung der Militärjustiz selbst da entgegentritt, wo sie wirklich durchgeführt werden kann. ES ist im Reichstag wiederholt darauf hiitgewiesen worden, wie unfinnig eS fei. die Mannschaften deS Beurlaubtenstandes bei Kontrollversammlungen für den ganzen Tqaunte: das Militärrecht zu stellen. Erfreulicherweise haben einige Militär. gericht« im vorigen Jahre da« verständige Urteil gefällt, daß die Unterstellung unter das Militärrecht mit dem Augenblick der Beendigung der Kontrollversammlung aufhört. Leider hat nun daS Reichsmilitärgericht diesen vernünftigen Grundsatz über den Haufen geworfen. In der„Deutschen Juristenzeitung" weist ein OberkriegSgerichtsrat aus Hannover nach, daß diese Anschauung des Reichsmilitärgericht» der Absicht de» Gesetzgebers keineSioegs entspricht. Die Zahl fc:r Selbstmorde im deutschen Heer» ist leider höher als in vielen anderen Heeren. In einem einzigen Monat kommen ein« ganze Anzahl solcher Selbstmorde vor.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Besonders schrecklich ist der Selbstmordversuch deS Soldaten am Weihnachtsheiliga bcnd, weil er wegen irgend einer Kleinigkeit an diesem Tage verhaftet wurde. Hinweisen muß ich auch darauf, daß alle Forderungen in bezug auf die„Oeffeutllchkeit" der militärgerichtlichen Berhandluugen wirkungslos verhallen. Sowie Offiziere und Unteroffiziere vor Gericht stehen, wird die Oeffentlichkcit.im Interesse d«s D i e n st e s" ausgeschlossen, während doch gerade die Oeffentlichkcit die Wiederkehr von Vergehen am wirkst, nisten hindern kann.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Sehr frappiert war ich. als der Kriegsminister die Summ« von Strafen vorlas und über die große Zahl sehr hoher Strafen einfach hinwegging, als sei da» eigentlich nur eine Kleinigkeit. Bei dieser Auffassung deS Kriegs- Ministers dürfen wir unsere Hoffnungen, daß eme vernünftle Reform des Wilitärstrafgesetzbuchcs recht bald ,n Anariff ge- nommen werde, nicht hoch spannen. Aber trotzdem sollte der Kriegsminister darauf sehe», beim das Rechtöbewuhtscin des Volkes wird schiver verletzt, wen» immer wieder Strafen von 5. tl und 7 Jahren wegen ganz geringer Vergehen über junge Leute vor- hängt werden, und geradezu aufgepeitscht wird jedes gesunde Rechtsempfinden, wenn daneben bei außerordentlich schweren Ber- gehen von Offizieren andauernd auf ganz milde Strafen erkannt wird. Die Kriminalstatistik zeigt, daß die Zunahme der Bestrafungen im Heere im letzten Jahre wieder sehr groß war. In Preußen betrug sie Proz.. in Bayern 4�- Proz., nur in Sachsen war eine Abnahme von 8 Proz. zu konstatieren. Das ist jedenfalls darauf zurückzuführen, daß wir in Sachsen eine große sozialdemokratische Bewegung haben. (Lebh. Sehr richtig! b. d. Soz.. lcbh. Widerspruch rechts.) Sie werden doch zugeben, meine Herren(nach rechts), daß, wenn die Sozialdemokratie wirklich demoralisierend wirkte, daß dann gerade in Sachsen sich eine Zunahme der Kriminalsälle gezeigt hätte. Nicht erfaßt werden von der Kriminalstatistik die disziplinaren Strafen, und sehr viele Offiziere sind damit rasch bei der Hand. Es ist ganz falsch, anzunehneen, daß durch solche dnakonischen Maß- regeln die Disziplin aufrecht erhalten wird. Viele jüngere Offiziere verfolgen mit Interesse des Wirken von sllork. Von Uork aber ist be- kannt, daß er meinte, guter Geist und Mannszucht werden nicht durch Strafmittel, sondern durch strenggeregelten Dienstoetrieb er- zielt. Gegen grobe Ausschreitungen ging er aufs scharfite vor, schonte dann allerdings auch nicht die O f f i z i e r e. In anderen Ländern, deren Armeen auch auf Schlagfertigkeit halten, sind in bezug auf die Ausbildung weitgehende Reformen vor« genommen, bei uns dagegen werden auck die allerdringendsten Reformen nur ganz langsam erreicht. Wieviel Tinte ist ver» schrieben worden, bis es endlich gelungen ist, den Stechschritt zu beseitigen! Immer wieder wird in der militärischen Fachpresse, selbst von hochstehenden Offizieren, die Meinung vertreten, daß am Parademarsch und ähnlichem Drill festgehalten werden müsse. Das sind traurige Ueberblcibsel aus der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts. (Unruhe rechts.) Das fiige nicht nur ich, das hat auch Prinz Friedrich Karl geäußert! Der Kriegsminister sprach von unserem„VolkSheer*. In Wirklichkeit sind wir von einem Volksheere noch himmelweit entfernt. Das Volk stellt nur die Masse der Soldaten und ist im übrigen fast rechtlos. Es fehlt jede gleichmäßige Heranziehung zum Dienst. Wir haben eine Benachteiligung weiter Bevölkerungskretse. Leute, welche die Mittel haben, ihren Sohn lange genug auf der Schule sitzen zu lassen, brauchen ihn nur t i n Jahr dienen zu lassen, während tüchtige, intelligente junge Leute, die das Geld nicht haben, zwei und drei Jahre dienen müssen. Nichts hätte doch näher gelegen, als solche tüchtigen jungen Leute nach kürzerer Dienstzeit zu entlassen. Ein Volksheer darf nicht kastenmäßig gegliedert sein, sondern muß ein Heer mit demokratischen Einrichtungen sein! Der Kriegsminister sagte, jeder wirklich tüchtige Mann könne bei uns in die Höhe kommen. Nun ja, ein Buchhalter kann bei uns Bankdirektor werden und unter Umständen auch Staatssekretär gyeiterkeit). Wie aber«in Mann proletarischer Herkunft bei uns auch nur Leutnant werden kann, das soll mir der Herr Kriegsminister einmal zeigen!(Sehr gut! bei den Sozialdemo- traten.) Aus dem Wege zum Volkshoer sind wir, das gebe ich zu. Ich lege keinen besonderen Wert auf das Wort Miliz. Wenn Herr v. Byern aber gegen unsere Forderung der Miliz polemisiert, so sollte er sich vorher doch etwas besser unterrichten über das, was wir eigentlich wollen. Von einer einfachen Uebertragung der schweizerischen Verhältnisse auf unsere deutschen kann natürlich keine Rede sein. Daß z. B. ein Kavallerist sein Pferd mit nach Hause nimmt, hat kein Mensch verlangt. Was wir wollen, ist eine fortschreitende Demokratisierung deS Heeres.(Aha! rechts.) Ich begreife nicht, wie Sie sich darüber aufregen. Ich denke doch, wir haben daraus nie ein.Hehl gemackk.(Sehr richtig! bei den Sozial- demokraten.) Und von allen Seiten wird doch wenigstens mit dem Munde ein Volksheer gefordert! Ein wirkliches Volksheer aber und Demokratisierung der H. ereseinrichtungen sind identische Begriffe. Sie mögen sich sträuben gegen die Eni- Wickelung, sie wird, weil sie n a t u r n o t w e n d i g ist, über Sie hinweggehen! Gerade wir Sozialdemokraten fordern und haben stets gefordert: die Wehrhaftigkeit des ganzen Volkes! (Lachen rechts.) Ich sollte denken, auch dieser Programmpunkt sollte allgemach bekannt werden. Ich erinnere auch daran, daß zahlreiche Verbesserungen, die in den letzten Jahrzehnten am Militärwescn vorgenommen worden sind, auf sozialdemokratische Anregungen zurückgehen! Die Militärverwaltung legt im Wetteifer mit den übrigen staatlichen Autoritäten unserer Jugendbewegung Hindernisse in den Weg. Dagegen soll die Jugend durch Zulassung zu Kasernenhöfen, Paraden usw. zum Hurrapatriotismus erlogen werden. Die Be- fruchtung des jugendlichen Geistes durch diese militärischen Schau- spiele wird nicht gerade eine günstige sein. Die schlimmsten Rauh- deine im Zivil sind wahre Waisenknaben im Vergleich zu den aliersansiesten Unteroffizieren, die auf den Kasernenhöfen ihrer volkserzieherischen Tätigkeit obliegen.(Sehr gut! und Lachen bei rn Sozialdemokraten.) Die Staaten Europas geben für militärische Zwecke 8500 Millionen Mark im Jahre auS. Das macht 33 Proz. des Gesamtbudgets I Wie Deutschland sind alle übrigen Staaten in finanzieller Bedrängnis. Ueberall sind die Schulden gestiegen. Die Hälfte unserer Reichsschuld ist auf das Konto des Reichsheeres zu setzen. Da müssen sich die Völker dem Gedanken zuwenden, daß das nicht so weitergehen kann. Ich habe die feste Zuversicht, daß die Regierungen endlich zu einer Politik des gesunden Menschenverstandes kommen werden. Völker und Regierungen müssen einsehen lernen, daß der Krieg weiter nichts ist als ein Mittel der Torheit und Barbarei.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Kriegsminister v. Hecringen: Der Brief, den Graf Tiele-Winkber geschrieben haben soll, ist längst als apokryph nachgewiesen worden. Das Saalverbot in Koburg hat nach meiner Meinung mit der Wahlfreiheit nichts zu tun.(Widerspruch bei den Sozialdemokraten. Zuruf: Da sind wir anderer Meinung!) DaS französische Militärstrasrecht ist minde- stens in manchen Punkten drakonischer als das deutsche.— Das Gericht hat festgestellt, daß der Selbstmord des Einjährigen Bloch in keinem ursächlichen Zusammenhang mit seiner Behandlung durch den Rittmeister v. Gersdorff steht. Die Behandlung des Ein- jährigen Bloch ist vielmehr eine außerordentlich milde gewesen. (Hört! hört? rechts.)— Ich protestiere dagegen, daß behauptet wird. die Militärbehörden veranlassen die älteren Jahrgänge zur Miß- Handlung der Rekruten; sie treten vielmehr diesen Ausschreitungen aufs schärfste entgegen.— Der Vorredner hat Fälle von Unter- schlagungen angeführt. Solche kommen überall vor.(Rufe rechts: Auch bei sozialdemokratischen Parteikassen!) Die an- geführten Fälle sind alle zur gerichtlichen Aburteilung gelangt. Mebr kann man doch nicht verlangen.— Der Generalmajor Maschke, dessen Fall Herr Noske voriges Jahr vorbrachte, hat Gelder wohl vorschriftswidrig, aber nicht zum eigenen Vorteil verwandt. — Mein Erlaß soll in keiner Weise das Beschwerderecht be- schränken.— Die Kriminalität in der Armee folgt denselben Ge- Uolerem Reierenten, dem Genossen i J W. Zimmoraian J»n ketaet Hochzeit die herzlichsten J Glückwünsche I 434b£ < Der Fmen-Leseabeed der 9. Abi.> Deutseher Bolzarbeiter- Verband Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Tischler �sxnus Lchlicktiax am 27. Januar gestorben ist. Ehre seinem Andenke«? Die Beerdigung findet em Sonntag, den 30. Januar, nachmittags 4 Uhr, von der Halle des Ltchtenrader Friedhofes aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 78/11 Die Ortsvemaltung Dank«a|;anK. Für die Beweise herzlicher Test- nähme bei der Beerdigung meines lieben Mannes, des Zimmerers lkmtl sage ich den Kollegen des Bezirk« 20 und der Firma Otto Jäckel, Rixdors, meinen herzlichilen Dank. 13/18 H»nufaktur- Waren, kanlenH« am besten. auf KREDIT.S*- Ld.xrose.KauibauB j � Für alle WoltL. Schöneberg,'y; 19 Hauplctruse 19 an Kaiser rv ilbelmpl. GUnstigste Zehlungsbedingiingei I ' Man werde uneer 1 Kunde il eammle die Annoncen. Aniklarunf epaier. Sipotheker Sachmc« Käferpulver oertugt R«ssen. Seliwaiien. Ameisen usw. Sicherer Ersolg.. Vers, gegen 60 Pf. in Marken durch 3913L Schwane»-Drogerie. Osnabrück. 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Hermann PurpS nebst Kindern. vis-a-vis Schmöckwitz— Ami Köpenick 227. 4...» IlteK fit„ i ,rt t*1.- C*.___ r.' • alvptlliU MM I• Empfehle den werten Vereinen und Gesellschaften mein herrlich inmitten von Wald, Wasser und Bergen belegenes Ausflugslokal. 4 Säle für 100-3W1 Personen. 2 große Naturgärten für mo Per- ionen, am Langen See und der Großen Krampe. Eigene Spiel- Waldungen. Voltsbelustigungen aller Art. Nllte f Allen werten Gästen, Freunden und Gönnern die ergebene nvi?! Mitteilung, daß ich die bekannt« ly Morgen große Insel Seddin-Wall gen. Märkisch-Rügen im>veddin-Gee übernommen habe, sowie ein Ausflugslokal auf meinen eigenen Gosener Bergen bei Zwiebusch im Frühjahr 1010 eröffne und bitte ich auf diese herrlich gelegenen Lokale bei Ihre» Ausflügen zu berücksichtigen. Billigste Vennkinng von Dampfern lind Mororbooten..Hochachtimasvoll Ködert Voigt. setzen und Schwankungen wie in der Zivilbevölkerung.— Seine Majestät der� Kaiser kennt kernen Unterschied zwischen den Ossi- zieren. Dafür stehe ich Ihnen einl(Lachen bei den Sozialdemo- traten.)— Den Angehörigen aller staatsbürgerlichen Parteien steht der Offiziersberus offen. Aber Sozialdemokraten können wir als Vorgesetzte nicht gebrauchen.(Bravo! rechts. Zuruf bei den Sozialdemokraten: Warum denn als Soldaten?) ES ist nicht wahr, daß Schimpfwörter, Knüffe und Püffe auf den Kasernen- Höfen herrschen.(Heftiger Widerspruch bei den Sozialdemokraten.) Sie kennen das nicht.(Laute Rufe bei den Sozialdemokraten: Doch! doch!) Nun, dann sehen Sie die Sachen eben durch eine gefärbte Brille an.(Lebhafte große Heiterkeit bei den Sozial- den Sozialdemokraten.) Engeil sind wir ja nicht.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Uird man muß auch bedenken, daß das Mannschaftsmaterial auch nicht besser geworden ist. Vielleicht tragen Sie, meine Herren Sozialdemokraten, auch etwas Schuld daran.(Lebhafte Zustimmung rechts, Lachen bei den Sozial- demokraten.)— Das deutsche Volk läßt sich die Liebe zu seinem Heere nicht nehmen!(Lauter Beifall rechts.) Hierauf vertagt das HauS die Weiterberatung auf Sonnabend 12 Uhr. Schluß m Uhr._ parlatmntanfcbeöe Bndgetkommifsion de» Reichstagetz. Zu Beginn der Freitags-Sitzung teilte der Vorsitzende v. Gamp mit, daß der Seniorenkonvent de« Wunsch ausgesprochen habe, die Kommission möchte weniger allgemeine Fragen behandeln, sondern sich mehr mit den rein budgetären Fragen beschäftigen. Dieser Anregung wurde widersprochen, weil man im Plenum der Oefient- lichkett wegen bei verschiedenen Fragen sich eine gewisse Beschrän- hung aufzuerlegen gezwungen sei.... Um mit dem Kolonialetat bald zu Ende zu kommen und um Arbeit für das Plenum zu schaffen, soll— entgegen allgemeiner Uebung— auch heute(Sonnabend) eine Sitzung abgehalten werden. Die Kommission lehnte die Besoldungsvorlage über das Dienst- einkommen der Beamten in den Kolonien mit großer Mehrheit in- sofern ab, als sie beschloß, in den Etat die alten Gehaltssätze ein- zustellen. Nach Ostern soll bei der Beratung des Kolonialbeamten- gesetzeS die Frage der Beamtenbesoldung von neuem erörterr werden, in der Erwartung, daß die Negierung mehr Vergleichs- material aus den Kolonien anderer Länder beibringt. Anträge der sozialdemokratischen preußischen LanbtagSfraktion. (Zur zweiten Beratung des Etats der Forst ver- waltung für das EtatSjahr 1910.) 1. Die Königliche StaatSregierung zu ersuchen, dem Hause bis zur dritten Beratung des Etats Mitteilung darüber zugehen zu lassen, in welcher Weise beim Abtrieb der durch Nonnenfratz ge- littenen Wälder in Ostpreußen für die Arbeiter Borsorge getroffen war. 2. Die Königliche StaatSregierung zu ersuchen, die ad- ministrierten Jagdbezirke in Zukunft an den Meistbietenden zu verpachten. 3. Die Königliche StaatSregierung zu ersuchen, in Zukunft Forstverkäufe erst dann zum Abschluß zu bringen, wenn der Land- tag seine Zustimmung dazu erteilt hat. » Pordara Sie Muatarbneh V Sie flocken daria Abbildungen von Salamanderetieleln für jeden Zweck. B? POr Damen und Herren Einheitspreis,,. M. 13.80 Loxns-Auilühmng M. 16.50 SALAMANDER Scbubgei. m. b. H, Berlin. W. 8 Friedrich- Strasse 183 C. König-Stresse 47 SW. Friedrich- Strasse 331 C. Rosentha'.er Tor W. Potsdamer Strasse 5 NW. Wilsnacker Strasse Ecke Turm-Struse t W. Tauenisien-Strasse 15 N. Bad-Straace 30 Spandan, Breite Straut 80 Partei-Speditionen: Zentrum: Albert H ab»is ch. August sw 60, Eingang Joachimstrasse, S. Wahlkrelw, Wellen: Gustav Schmidt, Kirchbachftr. 14. Hoch. parterre. » Süden und Südweste»: Hermann Werner, Gtieisenaustr. 72, Laden. ». Wahlkrelii: St. Frip, Vrinzenstr. 3t, Hos rechts Part. 4. Walilkrelii: Ost e n: Robert W e n g e l s, Andreasstrasse 17, Wilbelm Mann, Pelersburgerplatz 4(Laden). 4. tzVoIiIKrele, Südosten: Paul Böhm, Lausttzerplatz 14/15 (Ladens. 5. Wahlkrei«: Leo Zucht, Jmmaniielktrchstr. 12(Hof). 8. Wahlkreis(noablt und Hansavlertol): Karl A nbertz, Salzivedelerstr. 8, im Laden. Weddinx: Karl Weisse, Nazarethkirchstrasse 4». Kosenthaler und Ornnienbarger Vorstadt: Hermann Raschle. Bernauerstr. 9, vorn Part. Kesnndbrunneni F. Trapp. Itettinerftr. 19. Krhsinhnuser Vorstadt: Karl Mar», Lychenerstr. 125. ddlersbot: Karl Schwarzlose, Hossmannstr. 9. V It-UIIenieke: Wilbelm Dürre, Rudowerstr. 83 II. Raunisehnlenn eg: H. Hornig, Marientbalerstr. 13, I. Benian, ItUntgeiital, Zepernick, Schönow und Sehtzb- brück; Heinrich B r o I e, Hohesteinslr. 74, pari. Bohnsdorf und Falkcnberg: Alois Laus, Bohnsdorf, Ge- nossenichaslsbauS.Paradies". Cbarlottcnhurg;(SuitaD Schernberg, Sesenhelmerftrasse 1, Ecke Goelbeilrasse, Laden. Elchwaldc, Zeuthen, ntersdorf und Hanbels Ablage: Fritz Oldenburg, Etchwalde. Kronprinzenstr. 81. Brkaer; Ernst Hossmann, Friedrichshagener Chaussee. Vrledeaau-hitcglltn-Nödeade: H. B e r n i e e. Schlohftr. IIS, Sos I, in Sieglitz. Bestellungen nehmen entgegen in«tcglltn: H. Mohr, Dnvpelftr. 32, und Fr. Schellhase, Abornftr. Iba Zrledrlcbsbagea: Ernst W e r k m an n, Friedrichstr. 67. Cirtinan: Franz Klein, Bahnhosstr. 6 III. Hohen-Kenendort: Wilhelm Tcntscher, Stolperftr. 501. Johannisthal: Pielide, Kaiier-Wilhelm-Platz 4. Karishorst: Richard Stüter, Rödelstr. 9, II. Könlgs-W nsterhausen: Friedrich B a u m a»t n, Bahnhosstr. 13. K öpenick; Emil W i ss l e r, Kietzerstr. 6. Laden. Eilcntenherg, Criedrlchsfclde, Wllhelmsberg; Otts S e i k e i, Kronprinzenstrasse 4, L S, r'' und Kaalsdorf: Huao Scheid», MahlSdors. Walderieestt. l4. Bariendorf: August Letp. Cbausseestr. 298. Hos. Ncu-tzVeiUensee: Kurt Fuhrmann, Scoanstr. 155, parterre. Meder-dichöneweide: Max Priebfc. Britzerstr. 14 IL X o« awes; Wilhelm I a p p e, Friedrichstr. 7. Ohc-dschönenelde: August H e n j e S, Lausenerstr. 2, l. raiikow-kledersohönhunsen: Otto Riss mann. Mflhlen« strasse 30. ttelnickendorf• Ost, Wllhelmsrah und Sehönhola: P. Gursch, Kameteslr. 12, I. Hixdorf: M. Heinrich, Neckarstrasse 2, im Laden. Hainmelsburg, Hoxhagon: A. Rosenkranz. Mt-Voxhagen 5S. Schmargendorf: Gustav K a in i n S k y, Cuno strasse 2. Schöneherg: Wilhelm Bäumler, Martin Lulheritr. 51, im Laden. hpnndau: Noppen. Jagomstr. 9. Tegel, llor»)g%valde, Wittenan, Waldniann«la«t. tierniMdorr und Koinlckendorf• Weat: Paul Ktenajt. Borsigwalde. Räuschstrasse lv. Velion: Wilhelm B v n v w, Teltow, Zehlendorfer Stt. 4. lernpelhof: Albert Tbiel, Friedrich WitHelmstr. 20 Vi-cpto«: Rod. Grame»,. Kteshoi, strasse 412. Laden. tzb Umerttdorf-Ilalcnsce: Wittnebel, Gasteiner Stt. 4. Sämtliche Parlcilitemwr sowie alle wisseulchastliche» Werke werden geliesert Annahme von Inseraten fir den„Uormärts«. Bitte aasneliaeldea. 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Anträge zum Provinzial-Sängertest sind bis zum Februar an den Vorsitzenden Paul Kupfer, 0. 34,1 Petersburger Straße 36, zu richten. 17/1 Der Vorstand. !» M üliiicitvitiiciituctc-: Hoj l. Zimt 3, 1230. Aerwaltungsücllc Berlin. Hautirdureau: Olisrittstraüe 2. Hoi III. Amt 3. 1087. LV Montag, den Zt. Januar, abends« Uhr, int Gcwerkschaftshause, Engelufer 15(Saal IV); l'res*saiaiuiluug/ d. Metailformer u. Berufsgenossen. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Rcichstagsabgcordncten Seoering über:„Streif. lichter aus dem Reichstage". 2. DiSkusston. 3. Verbands- und Branchenangelcgenheitcn. 4. Verschiedenes. III/Z Montag, den Zt. Januar tstv, abends 8V2 Uhr, Bezsrks-Versammlung des Bezirks Moabit ia de» Prachtsälen„Nord-West", Wiclefstr. 2i. Tages-Ordnung: 1. Vortrag deS Reichstagsabgeordneten G. N 0 S k e über:„Der Stillstand in der Sozialpolitik". 2. Neuwahl der Bezirksleitung. Zahlreichen Besuch erwartet IMe Orts Verwaltung. ooooooooocooooocxooooooo 00000< llpantracSitsii Allgemeine Kranken- u. Sterbekasse der deutschen Drechsler und deren Berufsgenossen(E. H. 86 Hamburg). Witglieder-Uersammlnngen finden statt: RpTirlf A am Donntag. den 30. Januar, liormtttags 101;.. Uhr, Li C All IL."V im Gewcrkschaftshans,«aal 0. B am Sonntag, de« 30. Januar, vormittags lO1!, Uhr, hei frOE».�frefep 9?v bei feltilcrt, Wiener Straße 25. Com Sonntag, den 30. Januar, vormittags AO'/z Uhr, bei hselruls. Alte Jakobsir. 18/10. n am Sonntag, den 30. Januar, vormittags 10 Uhr, »-» bei lliimntel, Sophicnstr. 5. Tages-Ordnung: I. Geschäftliches. 2. Vierteljährlicher Kassenbericht pro 4. Quartal 1060. 3. Verschiedenes. 282/11 Die Lrtsverivaltungen. i» >, London. f so »».. �"OLLLS 0fLot0~ ,'C| ionseofLoröS ••••••••••»••••* Generaldepot M. BuUe, Berlin N., Brunnenst. 27. Tel. III. 8229. Von der Hrbeiter Gefundhcits Bibliothch sind bisher erschienen: Die erste Hilfe bei Unglücksfällen. Von Dr. Ehristeller. Das erste r'ebensjahr. Von Dr. Siwerstew. Gesundheitspflege des Nervensystems. Von Dr. Hirschlaff. Der Achtstundentag. Von Dr. Zadel. Alkohoifrage und Arbeiterklasse. Von Dr. Fröhlich. Das Schulkind. Von Dr. Silberitcin. Geschlechtsverkehr und Geschlechtskrankheiten. Von Dr. Gebert. Nahrung und Ernährung. Von Dr. ChajeS. TSie solle» wir uns kleiden? Von Dr P. Bernstetn. Der Arbeitcrschutz. Von Dr. M. Epstein. Feänciilelde» und deren Verhütung. Von Dr. I. Zadel. Mit ciiiem Anhang: Die Verhütung der Schwangerschaft. (Tcxt-Jllnstration.) Von, medizinischen Aberglauben. Von Dr. E. Thesing. Dos BLosierheilverfahren in der Gesundheitspflege des Arbeiters. Bon Dr. S. Munter. Verhütung und Heilung des Stotterns. Von L.Jordan. Geschlechtliche Erziehung in der Arbeiterfamilie. Von Dr. I. Markuse. Zähne und Zahnpflege. Von Gertrud Rewald. Van und Levrn-dtätigkeit des menschlichen Körprrö. Von Dr. Christeller. Ter Geschlechtstrieb. Von Eduard Bernstein. Tie Krankenpflege im Hanse. Von Ich. Ranker Mannheim. Tie Proletarierkrankheit. Von Dr. I. Zadel. Atemgymnastik. Von Otto Rühle. Hanl- und Haarpflege. Bon Dr. ChajeS. ttst 12. -st 13. Hest 14. H-It 15. H-st 16. Heft 17. Hell 18. Hest 19. Hest 20. Hest LI. Hesl 22. Tiroler Loden-Joppen mit früncra Kragen..IX. 5.25 mit grQnem Eicfaenleub* Vbjeichrn M. T.— guter Satin.Loden M. 12.— 11.— 1 0.~— Tiroler Hosen iwit. Leder mit Kurbel« und Perpoil U. 3.25 Imitiert Leder mit Seide gekurbelt. M. 4.50 imitiert Leder mit Lederpaapod,, M. 5.50 Pusterthaler-Anzug...... 18.— Altenburger-Anzug..... u.30.— Meraner-Anzug........ m. 22.50 Passeyer-Anzug........ m 27.— Alt-Zillerthaler-Anzug.. u 24— Steiermark-Anzüge..... u. 25— Knaben-Tiroler-Anzüge. für 2-3jä�rige Knaben...... M. O.60 Jede» altere Jahr 20 PL wtehr. Tiroler Hute.,. iu verschiedenen Fassons M. 2.25 1.75 1.50 Pusterthalcr Hüte...... m. 5.50 Passeyer Hüte.......... m. 4.— Alt-Ziilerthaler-Hüte...... 6.— Steiermark- Hüte....... m. 2.25 Altenburger Hute...... m. 3.25 Mcraner Hüte..........«. 2.25 Tirol. 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M i ch a e I ki r ch st r. 23a. Sonntag. 13. Februar 1910, vorm. 9 Uhr bei Rothe. Michaelkirchstr. 24: —-— Ordentliche■ Generäi-VersBüimlung. Tagesordnung: 1. Vor legung der Bilanz. 2. Wahl'des Vorstandes und Auf» fichtsrateS. 420b 3. Anträge. 4. Verschiedenes. Ter Vorstand. Ü- Rudorf. T ZentralMeokasseiManreretc. iruniisteiii zur Einigkeir. Sonntag, den 30. Januar 1910, vormittag» 10 Uhr: Im Lokale von WollT, Kirchhof« straste 41. Tagesordnung: 1. Abrechnung vom 4. Quartal 190V und JahreSberichL 2. Wahl der örtlichen Verwaltung. S. Verschiedenes. 143/1 Aiiglisilsdneh legitimiert I Um zahlreiches Erscheinen ersucht Die örtliche Verwaltung. I. A.: Willi. Kraft._ i r und verwandten Gewerbe. Bekanntmachung. Die in der Gencrawersammiimg vom 14. Oktober 1909 beschlossene Statutenänderung der§§ 12(2. Ab» änderung), 13 Absatz 2, 37 Absatz 3 hat vom BezirlSausschuh durch Bc» schluss vom 30. Dezember 1903 ihre Genehmigung erhallen und tritt am 1. Januar 1910 in Kraft.(270/16 I»or VorMtand. J. 81.: Richard Schöbe), ißovflgaihac. _ Admiralslr. 20, 2 Tr. Bekanntmachung. Der von derordentlicheu General» Versammlung am 89. November 1909 beschlossene l£. Nachtrag zum Statut ist vom BezirkSausschug zu Potsdam genehmigt und tritt am ersten Montag nach der Ber« öffentlirvung tu Kraft. Der Nachtrag ist im Kassenlokal. den Meldestellen sowie beim Magistrat Dt.-Wi!mcrSdors einzusehen. 270/17 Dl.-WilmerSdors, 27. Januar 1910. llie ÜMMAM Ürt�rMenhW« kür ljl.-ViiiüeÄörk u. h%mi Der Vorstand. XUWi}? Kohlen-Brikettzroßhandlung Gcgrtlndct 1893. Haupt-Kontor Berlin 0. 34. Petensbnrg-ei* Straße 1 (gegenüber Warschauer Straße). Fernspr. Amt 7 Nr. 3010 n. 3096. kaltrrpjäjteu.zikrkallfskrükt! I. O. 81. Ostb.- Güterbahnhof, Eiiig. Nüdorsdorfcr Sir. 71. fr. Osibalinpark. II. O. 17. Ostb.- Güterbahnhof. Fruchtftr. 13. Hl. Weistcnkoe. Güterbahnhof, Greirswalder Strasse SOa. IV. N. 113.»cbnifirnfce 188-34, Ecke Schivi lbriiicr Strasse. V. hl. 03. Antonflrasse 30—11, Ecke stkuheptalistrasse. 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Berg- mannst.rabe) veranstaltet am Sonnabend, den 5. Februar, in der „Odd.-Fellow-Loge*, Alte Jalobstr. 128, seine»„Dritten Kinderball". Der Verein sucht hierzu in Arbeiterkreisen BillettS umzusetze». wir weisem deshalb daraus hin, daß das Lokal Partei und Gewcrk- schaften,-icht zur Verfügung steht. Die Lokalkommijsion. Rixd>irf. Den Mitgliedern deS Wahlvereins hiermit zur Kenntms, dast die Generalversammlung am Dienstag. 1. Februar, in Hoppes FestsSlen, Hermannitratze 49 stattfindet. Tagesordnung: 1. Geschäfts- und Äafienbericht. 2. Diskussion. 3. Wahl eines weiblichen Vorstandsmitgliedes. 4. Vereinsangelegenheiten. Ver- schiedenes.— Mitgliedsbuch legitimiertl Der Vorstand. Zernsdorf. Am Sonntag, den 30. Januar, nachmittags 3 Uhr, findet im t?okal deS Herrn Julius Knorr die Generalveriammlung des Sozialdemokratischen Wahlvereins für Zernsdorf und Umgegend statt. Der Vorstand. Zossen. Ain Sonntag, den 30. Januar, nachmittags 3 Uhr, findet im Äokale des Genossen Paul Kurzner unsere General- Versammlung statt. Tagesordnung: 1. Aufnahme neuer Mit- glieder. 2. Jahresbericht des Vorstandes. 3. Bericht der Funktio- näre. 4. Kassenbericht vom vierten Quartal, ö. Wie feiern wir unser Stiftu»gsfest? 6. Verschiedenes. Der Vorstand. Nicder-Schönhausen-Nordcnd. Am Sonntag, den 30. Januar. früh 8 Uhr, findet eine Flugblattverbreitung von den bekannten Stellen auö statt._ Die Bezirksleitung. Berliner J�aebriebteno Die Armenküchen Berlins haben in den letzten Jahren eine ganz außerordent- liche Zunahme ihrer Benutzungsziffer gehabt, und es ist zu befürchten, daß diese aus der Not der Zeit zu erklärende Frequenzsteigerung auch in dem laufenden Winter noch nicht zum Stillstand kommen wird. Dem Verwaltungs- bericht der Nrmendirektion, der kürzlich für das Etatsjahr 1908/09 veröffentlicht worden ist, entnehmen wir, daß im vorigen Winter die Frequenz der Armenküchen, obwohl man sich von vornherein auf einen besonders starken Andrang ein- gerichtet hatte und die Küchen schon vom 1. Dezember ab für vier Monate offen hielt,„noch die gehegten Erwartungen überstieg". Im Winter 1908/09 mußte die Armendirektion 'bei den 16 Küchen nicht weniger als 749 250 Suppenportionen bestellen, die für die Notleidenden bereitgehalten und gegen Vorweisung der ihnen von den Armenkommissionen bewillig- ten Suppenzettel ausgehändigt wurden. Dagegen waren im Winter 1907/08 nur 581 100 Portionen und im Winter 1906/07 nur 363 700 Portionen bestellt worden, so daß im Laufe von zwei Jahren die Benutzung der Armenküchen sich reichlich verdoppelt hat. Die Genüsse, die dort den Darbenden geboten werden, sind nichts Apartes: es gibt Linsensuppe, Bohnensuppe. Graupen- fuppe usw., deren Wert(unter Berücksichtigung aller Aus- gaben für Materialisn, Feuerung. Arbeitslöhne, Miete. Ver- waltungskosten) in Höhe von 11 Pf. pro Portion den Küchen von der Armendirektion ersetzt wird. Nur die bitterste Not ist es. die den Armenküchen ihre Kostgänger zuführt, und so ver- steht man es, daß gerade in den letzten Jahren, die eine ganz ungewöhnliche Zunahme der Arbeitslosigkeit brachten, die Nachfrage nach diesen Bettelsuppen so außer- ordentlich gesttegen ist. Im Winter 1908/09 wurden durch- fchnittlich 6121 Portionen pro Tag ausgegeben, während im Winter 1907/08 nur 5233 und im Winter 1906/07 nur 3643 Portionen pro Tag ausgegeben worden warem Geringer ist die Benutzung zu Beginn des Winters, stärker wird sie im Januar und besonders im Februar: im vorigen Winter ent- fiel die Mindestzahl mit 2569 Portionen auf den 1. Dezember (Eröffnungstag), die Höchstzahl mit 7901 Portionen auf den 19. Februar. Von den 749 250.bestellten Portionen des Win» ters 1908/09 wurden 8627 nicht abgehoben, das sind diesmal nur 1,15 Proz. gegenüber 3,6 Proz. in 1907/08 und 9 Proz. in 1906/07. Vor einigen Jahren hatte die Armendirektton in der auffallend hohen Zahl der nicht abgehobenen Portionen einen„Beweis" dafür gesehen, daß von den Hilfesuchenden die Suppenzettel„vielfach nur entgegengenommen waren, um nicht den Anschein zu wecken, daß sie diese Form der Unter- ftützung verschmähten". Inzwischen hat sich herausgestellt, daß die Höhe jener Zahl aus der Unzweckmäßigkeit des Be- stellungsverfahrens zu erklären war. Die Armendirektion bestellt jetzt nicht mehr darauflos, ohne sich um den Wechsel des Bedarfs der einzelnen Küchen zu kümmern, sondern sucht in kurzen Zwischenräumen immer wieder den jeweiligen Be- darf annähernd zu ermitteln. Ueber vermeintliche„Kiesätig- keit" der Hilfesuchenden sich zu beklagen, hat sie im letzten Winter wirklich keinen Grund mehr gehabt. Ueber die Notlage der städtischen Krankenschwestern veröffentlicht Justizrat Wegner in der„Täglichen Rundschau" einen längeren Artikel, in welchem er folgende Forderungen aufstellt und begründet: 1. Eine erhebliche Herabsetzung der Dienstzeit. 2. In jeder Woche eine Llstündige Ruhepause. !.!. Erhebliche Einschränkung des Nachtdienstes. 4. Abschaf- f»ng der groben Arbeiten. 5. Abschaffung des Tischdienstes. 6. Freie Verfügung über dienstfreie Zeit. 7. Angemessene ZBehandlung. Für die nach jeder Richtung hin weit schlechter olls die Schwestern gestellten Pfleger und Pflegerinnen hat der Herr Justizrat kein Wort. Diese Kategorie von städti- sthen Angestellten entstammen auch nicht den besser situierten Kreisen. Die Neuregelung der Personen- und GepSckabfcrtignng von und wach den Berliner Borortstationen wird, wie wir hören, schon mit Beginn der Sonuner-Fahrplanperiode— ab 1. Mai d. I.— in Zkvaft treten. Eine BerkehrScrlcichteruug hat die Hoifibahngesellschaft auf ihren Bahnsteigen geschaffen. ES sind an den Bahnsteigsperren besondere Kesten für Fahrgeld-Nachzahlungen angebracht worden. Wie die Kirche ihre Arbeiter entlohnt. •Die Frage wurde dieser Tage in einer Versammlung christ- licher Arbeiter erörtert. Nach einem Bericht über die Versammlung führte Herr Tremmel-Aschaffenburg folgendes aus:„Die Berliner Frhedhofsarbeiter, von denen im Winter 7— 800, im Sommer bis 2000 auf den Friedhöfen der Kirchengemeinden beschäftigt sind, haveit verschiedene Lohn- und Arbeitsbedingungen, da die einzelnen Gemeinden bei der Bemessung der Löhne sich nach ihren Finanz- Verhältnissen richten. So kommt es, daß die Arbeiter in armen Gemeinden weit schlechter entlohnt werden als die in reichen Ge- meinden, obwohl die Arbeitsleistung, dieselbe ist. Schon seit langem ist es das Bestreben der Friedhofsarbeiter, eine einheitliche Rege- lung durchzuführen, wie sie dort mit bestem Erfolge besteht, wo, wie in Baden, die städtischen Gemeinden das gesamte Beerdigungs- Wesen selbst verwalten. Auch die Höhe der Löhne selbst entspricht in keiner Weise den jetzigen Zeitverhältnissen. In vielen Ge- meinden Berlins beträgt der Anfangslohn 3,25 M. pro Tag. und der Lohn von 4 M. wird erst nach jahrelanger Tätigkeit erreicht. Der Lohn für nichtständige Friedhofsarbeiter beträgt sogar nur 3 M. Dabei werden von der Stadtsynode noch Abstriche an den Löhnen gemacht, um die in ihrer Verwaltung vorgekommenen großen Unterschlagungen auszugleichen. In der Andrcas-Gemeinde sind in diesem Jahre nicht weniger als 12 0 0 M. a n den Löhnen abgestrichen worden. Es sei nicht zu billigen, wenn für die durch die mangelhaste Verlvaltung bei der Stadtsynode vorgekommenen Unterschlagungen die schlecht bezahlten Arbeiter büßen sollen. Auch die Löhne der Arbeiter auf demselben Friedhof sind sehr verschieden. So beziehen auf einem Friedhof bei sieben- stündiger Arbeitszeit die Vorarbeiter 28 M., ein Arbeiter 26 M., zwei 25,77 M., vier 22.75 und einer 21 M. Wochenlohn. Vielfach sei der Küster in der Lage, eigenmächtig die Bezüge der Leichen- träger herabzusetzen. Besonders verurteilte es der Referent, daß christliche Kirchenbehörden noch immer nicht die christliche Forderung der Sonntagsruhe für die Friedhofsarbeiter verwirklichen. Selbst während des Hauptgottesdienstes müssen die Arbeiter auf dem Friedhof arbeiten.— Gewerkschaftssekretär Neumann ging als zweiter Redner näher auf die Berliner Friedhofsverhältnisse ein. Auf eine Eingabe an die Stadtsynode sei e r st nach einem halben Jahre die Antwort erfolgt, daß die Arbeiter sich an die einzelnen Gemeinden wenden sollten. Die Gemeinden aber erklärten wieder, daß die Stadtsynode ihnen die höheren Lohn- summen streiche. Bei den Kirchen unter königlichem Patronat be- stehe eine Pensionskasse. Ueber die Satzungen und die Rechte der Arbeiter sei aber keine Auskunft zu erlangen. Ueber die Grund- sätze, nach denen die Unterstützungen verteilt werden, hätten die Arbeiter keine Kontrolle, und so werde hier eine Günstlings- Wirtschast groß gezogen. Die Löhne ständen in keinem Ver- hältnis zu den Gebühren, die die Kirchengemeinde für die Gräber- pflege von den Gemeindcmitgliedern erhebt. Ein solcher Wucher mit der Arbeitskraft entspreche wenig den Lehren der christlichen Kirche. Die Gemeindevertretungen wären sozial rückständig im höchsten Maße. Hier müsse ein anderer Geist einziehen, wenn die Arbeiter nicht noch mehr erbittert werden sollten. Lange genug hätten die Arbeiter sich die Ablehnung ihrer bescheidenen Forde- rungen gefallen lassen. Wenn sie zur passiven Resistenz greifen würden, so treffe die Verantwortung dafür nicht sie, sondern die Kirckienbehörden. Der Redner begründete zum Schluß folgende Resolution, die einstimmig angenommen wurde: „Die Versammelten erklären die jetzt für die Friedhofsarbeiter bestehenden Löhne als den Zeitverhältnissen in keiner Weise ent- sprechend. Sie fordern, daß den Friedhossarbeitern ein Mindest- john von 25 M. pro Woche, steigend von Jahr zu Jahr um 1 M. pro Woche, bei vollständiger Sonntagsruhe gewährt werde. Sie beauftragen den Zentralverband christlicher Staats- und Gemeinde- beamten, diese Forderungen den Kirchenbehörden zu unterbreiten." Patriotenzüchtmig. Es ist Sitte, daß auch die Unterbeamten mancher großen Staatsbehörden und Staatsbetriebe sich zu gemein- samer Kaisergeburtstagsfeier, bei der viele Reden vom Stapel ge- lassen und noch mehr Seidel Bier geschmettert werden, in öffentlichen Lokalen versammeln. Wer nicht eine ganz' plausible Entschuldigung vorbringen kann, muß mitfeiern, obwohl die Geschichie Geld kostet. Sonst gerät er mindestens in den Verdacht, kein Patriot zu sein und darf sich auf allerlei Schikanierungen gefaßt machen. Vielfach nehmen auch die Frauen teil, namentlich wenn sich ein Tanzvergnüge» anschließt. In diesem Jahre war min bei verschiedenen Behörden von oben herab der sehr dringende Wunsch, der in solchem Falle natiir- lich so gut wie Befehl ist, geäußert worden, auch die schulpflichtigen Kinder mitzubringen. Der Zweck der Uebung ist so sonnenklar, daß man sich weitere Worte dazu sparen kann. Ob aber wohl die über- patriotischen Drahtzieher auch daran gedacht haben, daß sie mit dem Hineinziehen von jungen Kindern in rauichende Vergiiiigungen. die sich erfahrungSweile bis weit in die Nacht ausdehnen, die Gesund- beit der Jugend aufs Spiel setzen? Man soll doch die gewaltsame Patriotenzücbterei nicht zu weit treiben. Sonst wird sie, von der gesundheitlichen Gefahr mal abgesehen, lächerlich. Dinge, die sich zielbewußt und folgerichtig im Bolksempsinden entWickel», lassen sich durch künstliche Einwirkung auf die Schuljugend ja doch nicht aufhalten. Erschossen hat im Grllnerlinder Forst bei Kalkberge Rüdersdorf der im Dienste des Generalleutnants v. Bothe zu FrederShof stehende Privalförster Rusche den Arbeiter Gustav Augat. Ueber den Vorfall wird berichtet: Der Privat förster Rusche hatte schon seit längerer Zeit Anlaß zu der Annahme, daß in der Forst des Generals v. Bothe auf Kaninchen gewildert werde. Als er gestern in der fünften NachmittagSstunde im Walde patrouillierte, begegnete ihm der Arbeiter Augat in Begleitung eines anderen Arbeiters namenS Hinze. Beide Männer trugen auf dem Rücken schwere Rucksäcke. Rusche trat auf beide zu und forderte sie auf, ihre Rucksäcke auS- zupacken. Hinze folgte ohne weiteres der Aufforderung, während der Förster den Augat,»ach Befühlen deS Rucksackes von außen her, seines Weges gehen ließ, da er seine Venmitung nicht bestätigt fand. Kaum hatte sich der Förster gewendet, als Augat mit den Worten: »Jetzt schlage ich dich tot, du Hund I" auf ihn gestürzt und ihn ge- würgt haben soll. Der Förster hatte das Gewehr noch über der Schuller und konnte sich daher vorerst nur mit seinen Fäusten gegen den Angreifer wehren, der ihm an Größe und Kraft überlegen war. In einem Augenblick, wo er freie Hand hatte, griff er nach hinten. um sein Gewehr von der Schulter zu ziehen. In diesem Augenblick krachte ein Schuß, und die Kugel drang dem Augat von unten her in den Hinterkopf. Der Getroffene war auf der Stelle tot. Der Förster stellte sich nach der Tal alsbald der Polizei. Die Staats- anwaltschaft hat bereits mit der Untersuchung des Falles begonnen. Der Förster behauptet in Notwehr gehandelt zu haben. Ein„empfehlenswerter" Hauswirt. Zu diesem Thema schreibt man uns:„Obwohl das Verhälinis der leerstehenden Wohnungen zu den bewohnten für die Mieler nicht mehr so ungüiistig ist, wie es vor Jahren, nanienllich zur Zeil der Wohnungsnoi war, gibt es trotzdem nocb immer Hauswirte, ivelche glaube», sich alle?»»gestraft hcrailSnehmen zu können. Ein solcher Herr ist der Besitzer der Häuser Putbuser Straße 40/41 und K o ch h a n n st r a ß e 25. In dem letztgenaiiiiten Hause wohnten seit l'/g Jahren die E.schen Eheleute, die pünktlich jedesmal an. Ersten die Miete zahlten, früher an die VerwalterSleute, in letzter Zeit durch die Post an den Besitzer. Im Wege gütlicher Vereinbarung waren die Leute von dem noch aus längere Zeit lautenden Kontrakt entbunden worden und mittels Postkarte hiervon benachrichtigt, daß die Wohnung anderweitig ver- mietet ist und demnach spätestens am 1. Oktober, mittags 12 Uhr, dem Nachfolger übergeben werden inüsse. Dieser Postkartenbescheid war am 30. August eingelaufen. Obwohl es sich, wie schon gesagt. um pünktliche Mjetezahler handelte, trat durch Behinderung der Frau, die verreist tvar, der Fall ein, daß die Miete anstatt am 1. erst am 2. durch die Post bezahlt wurde; der Wirt mußte also spätestens am 3. September früh im Besitze der Miete sein. Nichtsdestoweniger strengte er unter dem 3. September die Klage auf Zahlung der Miete und Räumung der Wohnung am | Am 7. September erfolgte die Zustellung der Klage an die E.sschen Eheleute, und am 13. September fand die Klage vor dem Amts- geeicht statt. Der Wirt mußte nun dem Richter gegenüber von vornherein erklären, daß der Punkt Zahlung der Miete erledigt sei, doch bestand er auf die Frage des Richters, was er dann noch tvolle, auf Räumung der Wohnung,„da die Frau soviel vor der Türe stehe" II Wer da weiß, wie sich solche Termine abspielen und be- denkt, wie unbeholfen einem so gewandten Kläger gegenüber sich einfache Leute benehmen, die zum erste» Male aus dem Gericht sind, der wird sich nicht wundern, daß das Gericht die Räumung der Wohnung anordnete, und zwar wurde Frist bis zum 20. September gegeben, obwohl die Miele biS 1. Oktober bezahlt war. Mit Mühe war es den zur Räumung Verurteilten durch Entgegenkommen des neuen Wirtes gelungen, die Sachen in einer anderen als der gemieteten Wohnung unterzubriiigen, sonst hätte Herr Arnold S ch l e y— so heißt der Besitzer der drei genannten Häuser— sich von der allerbesten Seite zeigen können. Den Leuten waren die Sachen zu schade, um sie bei Wind und Wetter auf die Straße setzen zu lassen. Im„Vorwärts" ist des öfteren die Schärfe einiger HauS» besitzer bei Exmissionen gerügt worden, aber in solchen Fällen handelte eS sich häufig darmn. daß Miete für Monate sällig war, hier aber wird aus Räumung geklagt und dieselbe auch durchgesetzt, obwohl die Miele bezahlt ist. Eine solche Handlungsweise eines Wirtes verdient besondere Beachtung der Mieter. Wenngleich der Vorfall etwas zurückliegt, glaubten wir doch nach Lage des Falles die Angelegenheit weiteren Kreisen mitteilen zu sollen. Der Luftkreuzer M Hl unternahm gestern vormittag einen längeren erfolgreiche» Aufstieg. Der Kreuzer, in dessen Gondel sich mehrere Personen befanden, fuhr znnächst von Tegel über Charlotten« bürg nach Berlin. Hier, kreuzte er längere Zeit in verschiedenen Höhenlagen und war bei dem prächtigen Wetter, besonders von den Plätzen aus, sehr gut zu beobachten. Ueber dem Dönhoffplatz. Hausvoigteiplatz und in der Gegend der Straße Unter den Linden, beschrieb der Kreuzer in ruhiger Fahrt und geringer Höhe ver- schiede»? Male sogenannte Achten. Erst gegen 2 Uhr wurde die Rückfahrt angetreten. Der Kreuzer landete glatt nach etwa vier- stündiger Fahrt. Ein Zopfabschneider wurde Donnerstagabend am Zeughaus festgenommen. Als zwischen 7l4 und 7%. Uhr der Kaiser nach dem Opernhaus fuhr, gab es zwischen Schloß und Schloßbrücke ein großes Gedränge. Einer der vielen Kriminalbeamten, die sich unter das Publikum gemischt hatten, sah nun, wie in der Nähe der Schloßbrücke ein junger Mann sich mit aufgeknöpftem Ucbcrzieher auffallend an Tanten heranmachte. Plötzlich schnitt der Mensch einem jungen Mädchen den halben Zopf ab und suchte dann mit großem Geschick in der Menge zu verschwinden. Der Beamte rief dem Mädchen, das wohl einen Ruck verspürt hatte und sich mit dem Ruf: Mein Zopsl Mein Zopfl umdrehte, zu, es solle eine Anzeige inachen, weil er keine Zeit hatte, es nach dem Namen und der Wohnung zu fragen. Er verfolgte den Uebcltäter und nahm ihn am Zeughaus fest. Der Verhaftete nennt sich Joseph Fodor und stammt aus Ungarn. Er behauptet, daß er vor drei Wochen nach Berlin gekommen sei, um zu studieren, und daß er sich nebenbei mit Adressenschreiben beschäftige. Obwohl er den Ueberzieher rasch zugeknöpft hatte, fand man von dem Zopf nichts mehr bi-i ihm. Wohl aber hatte er in der Ueberziehertasche eine Schachtel und ein scharf geschliffenes offenes Messer. Ter Verhaftete, ein Mann von 27 Jahren, wurde nach dem Polizeipräsidium gebracht. Er spricht nur wenig Deutsch. Das Mädchen hat bisher noch keine Anzeige gemacht. Es wird ersucht, sich umgehend bei der Kriminalpolizei zu melden. Die Landesversicherungsanstalt Berlin schreibt unS: „Die in Nr. 20 enthaltene Notiz betreffend den angeblichen mysteriösen Todesfall in der Lungenheilstätte Beelitz, ersuchen wir er- gebenst dahin richtig zu stellen, daß aus Anlaß de« Ablebens eines schwer erkrankten lungenkranken Pfleglings Verdächtigungen gegen einen der Heilstättcnärzte ausgestreut wurden. Die sofort ein- geleitete Untersuchung bat erst ergeben, daß weder von einem mysteriösen Todessall»och von einer Schuld des Arztes an diesem Todesfall die Rede fein kann." Wir hatten die Notiz dem„Berliner Tageblatt" entnommen. Bon einem Lastkahn in die Spree gestürzt und ertrunken. Die VerzweiilungStat eines Lebensmüden rief abends am ReichslagSufer Aufsehen hervor. Ein unbekannter etwa 40jähriger Mann kletterte über das Ufergeländcr hinweg, sprang auf einen vor Anker liegenden Lastkahn und stürzte sich von diesem in die kalten Fluten. Man unter- nahm sofort Rettungsversuche, die aber vergeblich waren. Der Selbst« mörder war bereits untergegangen und ertrunken. Wcchselfallen-Schivindlcr brandschatzen seit einiger Zeit Zigarren« gcschäste in Berlin und Rixdorf. In Berlin arbeiten sie in der bekannten Weise mit einein 20 Markstück. Es sind hier zwei Männer, die sich gegenseitig helfen. Der eine ist etwa 40 bis 45 Jahre alt, 1,80'Meter groß und stark gebaut. Die Rixdorfer Schwindler lassen stets nur ein Fünfmarkstück wechseln. Wagendiebe treiben es wieder sehr arg. Ergriffen wurde gestern abend einer, der in der Frankfurler Allee 26 einen verschlossenen Stall erbrochen und ei» Psero, das er darin fand, vor einen auf dem Hof stehenden Obstivagen der Frau Henriette Schmidt auS der ProSlauer Straße 37 gespannt hatte. Der Dieb, ein früher bei Frau Schinidt beschäftigt gewesener 43 Jahre alter Arbeiter Otto Sternberg hatte den Wagen in der Secstraße und das Pferd an einen Roßschlächter bereits verkauft. Als er, wie Diebe eS oft tun, »ach dem Tatort zurückkehrte und dort umher schlich, wurde er fest« genommen. Der Verhastete legte ein Geständnis ab. Er ist schon wiederholt bestraft.— Noch immer»icht ennittell ist daS Doppelgespan» deS Kartoffelgroßhäiidlers Janischelvski, daS vom Stettiner Güterbahnhof weg gestohlen wurde. Ueber einen neuen Erfolg seiner Agitation kann der Vor- stand des Arbeiter-Sängerbnndes berichten, indem sich die Vereine „Liedeshort",„Liedcsfrciheit Ost" und„Vereinigte Sänger" zu einem 130 Mitglieder zählenden Cbor vereinigt haben. Der Verein führt den Namen„Männerchor Ost" und tagt Freitagabend von 9—11 Uhr bei Mann, Strausberger Straße 3, großer Saal. Fern- stehende Sänger des Ostens, sowie Vereins, welche gewillt sind, sich zu verschmelzen, werden ersucht, sich dem ncugebildeten Chore an» zuschließen. Arbeiter-BildungSschnle. Wir machen auf den morgen, Sonnlag, abends 7 Ubr, stattfindenden Lichtbilder-Vortrag des Herrn Hillig-Hambnrg in den Prachtsälen Nord-West sMoabit), Wiclefstr. 24, nochmals besonders anfmerksam. Das gewählte Thema: ,K u n st- pflege— ein Massenproble in" verspricht einen äußerst inleressanten Abend. Zahlreicher Besuch wird erwartet. Jugendkursus. Am Montag, den 31. Januar, abends 8 Uhr, findet im„Jugendheim", Brunnciistr. 115, für die arbeitende Jugend ein Vortragsknrslls über„Praktische Nationalökonomie, Taliachen der Wettwirlscbafl" statt. Vortragender ist Genosse G r u n w a l d. Da dieser Kursus für Anfänger bestimmt ist und keinerlei Vorkeimt- nisse vorausgesetzt werden, wird zahlreiche und pünktliche Teilnahme erwartet. Der Jugendausschuß. Der Lese- und DiSkutierNnb„Südost" hält am Sonntag, den 30. Januar, im großen Saale des Gewerkschaftshauses sein 19. Stiftungsfest ab, bestehend aus Konzert, Auftreten des Berliner Ulk-Trios, Festrede und turnerischen Aufführungen, wozu er Freunde des Vereins einladet. Der Kreis des BillettS ist auf 20 Pf. im Vorverkauf festgesetzt. Wegen eines gefährlichen und schwierig abzulöschenden BrandeS wurde die Hauptwnche am Donnerstagabend nach 8 Uhr nach der Lindenstr. lv/N alarmiert. Als die Feuerwehr mit dem 17. Zuge dort ankam, brannten in der Möbelfabrik von W. Schröder und zwar im 4. Stock des Seitenflügels, wo im vorigen Jahre die Feuer- wehr schon zweimal tüchtig zu tun Hatto, Vorräte von Werg und andere Polsterinaterialien unter mächtiger Qualm- entWickelung. Der Rauch wurde in den Hos und die Bodenräume gedrückt, so daß er sich recht unangenehm bemerkbar machte und die Rohrfühier mit Nauchschutzapparaten ausgerüstet werden muhten. Um Luft zu machen wurde eine grohe mechanische Leiter aus dem Hos aufgerichtet, das Dach erstiegen und dann ein- gehauen. Da« Feuer war bald abgelöscht. Die AnfräumungS- und anderen Arbeiten mit der vollständigen Ablöschung der Wergballen gestalteten sich recht zeitraubend. Die Entstehungsursache war nicht zu ermitteln. Eii»en tödlichen Betriebsunfall erlitt auf dem Kabelwerk in Ober-Schöneweide der hier Bismarckstr. 3 wohnhafte Arbeiter Fritz Paul. Eine stählerne Matritze löste sich auS der Bleipresse und drang dem Arbeiter in den Unterleib. Mittels Krankenwagen wurde derselbe dem KreiSkrankenhause in Britz zugeführt, wo sofort eine Operation vorgenommen wurde. Trotzdem erlag der Verunglückte der Verletzung. Vorort- �acdricbten. Die Gemeindewählerliste liegt nur noch heute, Sonnabend, den iiv. Januar, und in einer größeren Anzahl Gemeinden auch morgen Sonntag, vormittag, in den Gemeindebnreaus z« jedermanns Einsicht aus Ueberzenge sich jeder davon, ob er auch in der Liste steht. Wer in der Liste nicht verzeichnet ist, geht seines Wahlrechtes verlustig. Bernau. Die unentgeltliche RechtSauSlunftfielle ist mit dem heutigen Tage eröffnet. Eine Schaffung des Brrnaner GcwerkicbnftSkarlells, soll dieselbe vornehmlich allen gewerkschaftlich und politisch organisierten Arbeitern dazu dienen, ihren Ansprüchen auf deni Gebiete des Arbeiterrechts, der Arbeiterversicherung, de» bürgerlichen Rech», de» Sivil- und Strafrcchts Geltung zu verschaffen. Aber auch allen der rbeitcrbeivegnng»och fernstehenden Proletariern soll sie zu ihrem Recht, verhelfen. Neben mündlichen Auskünften soll auch die AuS- fertigung von Schriftsätzen erfolgen, und zwar vollständig unent- geltlich. Die AuSknnftfistelle befindet sich beim Genossen E. Knöschke, Wallstr. la, 2 Treppen, und ist Montags. Mittwochs und Freitags, abends von 8—9 Uhr, geöffnet. Ausgiebige Jnmispruchnahine wünscht Die Aussichtskommission des Bernauer Gewerkschaftskartells. Spandau. Stadtverordnetenversammlung. Bor Eintritt in die Beratung der Tagesordnung gab der Vorsteher bekannt, dah der durchgefallene Stodtverordnetenkandidat Schirmbeck wegen der Gültigkeitserklärung der Wahlen der Stadtverordneten Dr. Kantorowicz und Schreiber gegen die Stadtverwaltung Klage erhoben bat. Es soll in nächster Versammlung Stellung dazu genommen werden.— Eine sehr auS- gedehnte Debatte entwickelte sich bei der Vorlage über Herstellung einer Kohlentransportanlage auf der Gasanstalt, zu welcher die Ber- sammlung 150 000 M. bewilligen soll. Diese Vorlage ha» die Ber- sammlung schon wiederholt beichästigt und war trotz der eifrigen Vertretung des früheren Stadtverordneten Genoffen Pieck wieder- holt abgelehnt worden. Die Beschlußfassung hierüber wurde zu- nächst bis zur Erledigung der folgenden Vorlage ausgesetzt. Nach dieser Vorlage soll sich die Versammlung damit einverstanden erklären, daß von 4 vorgeschlagenen GaSfirmen Projekte für die Aufstellung von fünf Kammeröfen eingefordert werden. Die Kosten hierfür belaufen sich aus 1800 M., pro Projekt 400 M. Die Versammlung stimmte nach längerer Debatte einem Antrage zu, daß neben der Projekte für Kammeröfen auch ein Projekt für Bertikalöfen eingefordert wird. Infolge dieses Beschlusses zog der Magistrat die Vorlage betreffs Herstellung einer Kohlentransportanlage, deren Beschlußfassung aus- gesetzt war. einstweilen zurück.— Des weiteren ist die Errichtung einer königlichen Maschinenbauschule in Spandau vom Mogistrat beantragt. Wie der Referent ausführte, soll die Stadt das Gelände umsonst hergeben, die dazu gehörigen Gebäude errichteil und einen ährlichen Zuschuß von 5000 M. zahlen, während der Fiskus die Kosten der Unterhaltung Übernehmen will. Unter diesen entgegen- kommenden Anerbietungen des Fiskus, welche der Stadt eine jährliche Ausgabe inkl. Verzinsung und Amortisation von zirka 30 000 M. auferlegt, verzichteten die Stadtverordneten aber auf die Ehre, eine königliche Maichiiienbauschule in ihren Mauern zu er- halten und lehnten die Vorlage schlankweg ab.— Der Schuletat für 1910, welcher alsdann zur Beratung gestellt wurde, balanziert in Einnahme und Ausgabe mit 1 170 978.97 M. Gegen das Vor- jähr ein Mehr von 117 921,18 M. Der Zuschuß auS der Stadtkasir beträgt 865 030,03 M. Gegen das Vorjahr ein Mehr von 155107.51 M. Der städtische Zuschuß für die einzelnen Schulen stellt sich wie folgt: 1. Realschnle..... 2. Höhere Mädchenschule 8. Mittlere, 4, 1. Gemeindeschule. ß. 2. 0. 3,*. 7. 4. 8. 5.„• 0. 6. 10. 7. 11. 8. 12. 0. 18. 10. 14. 11. 15. 13 16. Fortbildungsschttle.... 17, Schule für schwach besähigte Kinder..... . iNonnendamm) 66 353,09 TO. pro Schüler 22725,60„„, 28 534,99.., 38 579,77.. 4t 015.42.., 39 482,66 33 205,77., 35 183,67.„ 56 983.86 45 416,17.„ 62 506,67.„ 62 848,36,. 82 890,42 14 331,67 40 893,16 19 699,00 Slaalszusch. 150.84 TO. 86.17. 105,04. 81.92. 104.40, 74,78. 70,97„ 96,99. 63,64. 77,90. 75.95. 68.60, 85,85, 145,67. 77,00. 17 000. 8 490,00. Genosse Pieper beantragte zu diesem Etat. 3000 TO. zur An« ftellung von Schulärzten einzustellen. Dieset Antrag wurde an- genommen. Gegen den Antrag stimmlen u. a. auch die Stadtvo. Simon<111. Abt.) und Dr. Baumerl<1. Abt.). Ein weiterer«nirag des Genossen Pieper, in Form einer Resolution sich dafür auszusprechen, daß bei jedem neuen Schulhausbau Brausebäder ein- gerichtet werden, wurde abgelehnt.— Der Brennmaterialien- etat schließt ab in Ausgabe mit 43 56!, 90 M.— Der Straßenrein i g u n g S etat schließt ab mit einer Ausgabe von 141313 M. und einer Einnahme von 45 175 M. Der städtische Zuschuß beträgt 06 198 M.— Der Gparkassenetal weist eine Summe von 50 800 M. auf.— Der Stift ungStassenctat wird in Ein- nähme und Ausgabe mit 14 164,99 M. und der FriedhofSetat mir 11.343 M. Einnahme und 1565 M. Ausgabe festgesetzt. Zwei weitere EtatS wurden vertagt. Nachdem die Verfammlmig noch 75 000 TO. zur Herstellung eine« TrennungsdammeS im HafengelSnde bewilligt halte, wurde in die Beratung der geheimen Sitzung ein- getreten. In der letzten Sitzung»er GewerkschnftSkommiffivn wurde als Vorsitzender der Genosse Karl Ritzmann. BiSmarckstt 5, als Kassierer Eenoffe Friedr. Schmidt und al« Schriftführer Genoffe Max Kujath einstimmig wiedergewählt. Alle Anfragen und Sendungen find an den Vorsitzenden zu richten. Weiter wurde beschloffen, die Sitzungen jeden Donnerstag nach dem IS. im Monat beim Genossen Fritz Huth, Lindenufer 17, abzuhalten. Lichtenrade. In einer imposanten Volksversammlung referierte Eenoffe Adolf Hoffmann am 24. d. M. über daS Thema:„Staat. Kirche, Schule." Trotzdem gegen Abend ein heftiger Schneesturm ein- setzte, war schon länge vor Beginn der Versammlung der Saal bis auf den letzten Platz gefüllt, denn auch aus den Nachbarorte» waren die Genossen mit ihren Frauen erschienen. In überzeugen- der Weise entwarf der Redner ein Bild über daS Verhältnis der Kirche zum Staat und zur Schule; er zeigte einerseits die Eni- Wickelung der Kirche und ihrer Macht im Staate, auf der anderen Seite die Abhängigkeit, den Druck, welcher namentlich die Geistlich- keit zwinge, die Interessen des Staates sowie die der heutigen Gesellschaft zu fördern, und sich so im weiteren Sinne zur Magd des Kapitals herabwürdigen. So erscheine selbst vom christlichen Standpunkt die Trennung von Kirche und Staat geboten. Für die Schule machte der Redner geltend, daß sie vor allem eine Bildungs- stätte sei, geschaffen, die Jugend im heutigen Konkurrenzwettstreit der Völker zu erziehen und zu stählen, keineswegs aber zur Pflege und Uebung der Religion in dem Maße, wie es gegenwärtig ge- schieht, berufen sei. Von den anwesenden, schriftlich eingeladenen Pastoren erklärte in der darauffolgenden regen Diskussion Herr Pfarrer Klein- Lichtenrade sich rn vielen Punkten mit dem Referenten einverstanden; auch er trete für die vollkommene Trennung der Kirche von Staat und Schule ein. denn nur so könne sich die Kirche freier, unabhängiger und kräftiger gestalten, fiel doch ihre Glanzzeit in jene Periode, als sie Gegnerin des Staates war. Herr Pastor A I t h a u s e n jedoch glaubte für da? jetzt bestehende Verhältnis auf Grund seiner in Rußland ge» wonnenen Erfahrungen eintreten zu müssen, während ein Herr Teuerkaus dem Referenten und den Versammelten daS eifrige Studium der Bibel empfahl und für das herrschende System ein- trat. In seinem Schlußworte war es dem Genossen Hoffmann ein leichtes, die in der Diskussion vertretenen Gegenauffassungen ?iu widerlegen. Am Schlüsse forderte der Redner die noch Fern» tehenden �um Anschluß an die Gewerkschaften sowie zum Eintritt in die Rethen der Sozialdemokratie auf, welch letztere allein be- rufen sei, die Ziele und Bestrebungen des großen NazarenerS zu verwirklichen. Hierauf wurde die imposante Versammlung unter begeisterter Stimmung geschlossen. Vermischtes. Das Zerstörungswerk der Seine. Die Hoffnung auf ein baldiges Fallen des Wasser? hat sich nicht erfüllt. Wie auS einer von gestern früh 2 Uhr lautenden Pariser Meldung hervorgeht, hat sich die Lage bis gestern Mitter- nacht noch weiter verschlimmert. DaS Wasser ist bis dahin noch um etwa zehn Zentimeter gestiegen. Dabei herrscht strenge Kälte, und wo das Wasser nicht tief ist, ist eö gefroren. DaS 12. Arrondissement, eines der größten von Paris, steht völlig unter Wasser, seine Straßen sind ganz in Dunkel gehüllt und die Ber- bindung mit der übrigen Stadt läßt sich nur noch durch die Rue Roquette aufrechterhalten. Trotz der späten Stunde drängen sich die Neugierigen an den hauptsächlich bedrohten Punlten zu- sammen, so besonders an der Pfahlbrücke, deren Pfosten abgesägt werden, weil das auf der Seine treibende Holz sich an ihnen staut. Eine Pariser Meldung um 6 Uhr früh besagt: Die Schrecken der vergangenen Nacht, in der die Ueberschwemmung ihren Höhe- punkt erreicht haben dürfte, wurden vermehrt durch den Mangel an Beleuchtung, der sich auf große Teile der Stadt erstreckte. Das Wasser er- reichte in der Nacht allenthalben den Scheitel der Brückengewölbe und stieg mehrfach bis zur Höhe des Brückenbelages. Der Verkehr über die Brücken wurde darauf auch für alle Straßenbahnen und Omnibusse gesperrt. Die Place de la Concorde ist durch Infanterie abgesperrt, die auch einen Graben durch den Jardin de Paris gezogen hat. Im Palais Bourbon sind alle KommifsionSsitzungS- säle der Deputiertenkammer in Schlafräume für das Personal umgewandelt worden, da die Wohnungen unter Wasser stehen. Von der oberen Seine, der Uonne und der Marne sind im Laufe der Nacht Meldungen eingetroffen, wonach das Wasser zu fallen begonnen hat. Bei der Marne ist der Rückgang schon sehr er- heblich. Weiter liegen noch folgende Meldungen vor: Paris, 28. Januar, 9 Uhr vormittags. Die Hoffnung auf ein Sinken des Wassers scheint sich nicht zu erfüllen, da neuerdings Regenwetter eingetreten ist. Um 2 Uhr früh erreichte das Hoch- Wasser die Brustwehr des Louvrekais; man macht verzweifelte Anstrengungen, die Brustwehr durch Zewentsäcke zu erhöhen und durch Balken zu stützen, da ein Nachgeben des Mauerwerks für die ganze Umgebung des Louvre, der Place de la Concorde und der ChampS ElyseeS eine Katastrophe bedeuten würde. Am bedroh. lichsten ist die Lage am Bahnhof St. Lazare, wo das aus den Sammelkanälen heraustretende Wasser rasch steigt. Die Reisenden können nur noch durch die zwei Seitentore zum Bahnhof gelangen. Auch in daS Stadthaus sind im Laufe der Nacht große Wasser- Massen eingedrungen, da die zwei Seitenkanäle unterhalb des Stadthausplatzes geborsten sind.— Der Oberste SanitätSrat hat über die zu ergreifenden Vorsichtsmaßregeln beraten. Dem Publikum wird dringend ans Herz gelegt, alles Wasser vor dem Genuß zu kochen; auch vor dem Genuß rohen Gemüses wird ge- warnt, und bei der Desinfektion der vom Hochwasser betroffenen Häuser besondere Sorgfalt empfohlen. Untergrundbahnhof unter Wasser. Ein gestern nachmittag Shi Uhr von Paris eingelaufenes Telegramm lautet: Der Untergrundbahnhof TuilerieS ist fast ganz unter Wasser. Die Flut drang auch in die Keller der in der Rue de Rambuteau gelegenen Markthallen, so daß die dort lagernden Waren heraufgebracht werden mußten. Der Tunnel zwischen CourcelleS und LevalloiS ist überschwemmt, der Zug. verkehr zwischen Paris und Auteuil eingestellt. An der Place Pereire ist der Sammelkanal geborsten. Die Wassermassen er- gössen sich so schnell in die Arbeitsstätten der im Bau begriffenen Untergrundbahn, daß diese von den Arbeitern in aller Hast ge- räumt werden mußten. Auf den ChampS ElysäeS verschwand ein Kutscher mitsamt dem Pferde in einer Erdsenknng. Der Kutscher konnte gerettet werden. Paris, 28. Januar. 10 423 Tclephonabonnenten sind vom Verkehr abgeschnitten. Der Pariser Telegraphen zentrale droht ein Eindringen deS Wassers. In den Kellerräumlichkeiten, wo sich auch die Kabelleitungen befinden, ist daS Wasser im Heiz- räum bis zu einer Höhe von vier Meter gestiegew und hat in der Abwickelung des Dienstes große Verwirrung hervor- gerufen. Zahlreiche Linien sind gegenwärtig unbrauchbar. Die direkten telegraphifchen Verbindungen mit Oesterreich. England, Holland und Dänemark, sowie mit zahlreichen Städten in Frank- reich sind unterbrochen. Paris, 23. Januar, abends. Daß anfangs als über trieben bezeichnete Wort, daß Paris das Bild einer belagerten Stadt biete, scheint sich allmählich bewahrheiten zu wollen. Aus den Voxorten strömen massenhaft Menschen noch Paris, um hier Sa« flucht zu finden, während andererseits zahlreiche vermögende Leute die Stadt zu verlassen beginnen; namentlich die Frernden beschleunigen ihre Abreise, Im Geschäftsleben ist eine sdsMere Stockung eingetreten und in der Bevölkerung greift eine tiefgeihende Besorgnis Platz. Die Hoffnung, daß die Ueberschwemmung. heute ihren Höhepunkt erreicht hat, scheint zunichte zu werden. Seit mehreren Stunden regnet cS in Strömen. Außerordentlich groß ist die Gefahr, welche den bisher verschonten Stadtteilen durch die Untergrundbahn erwächst; die Lage wird im allgemeiner, als sehr ernst angesehen. Der Polizeipräfekt hat. einen Aufruf erlassen, in welchem er unter Hinweis auf die. unzu» reichenden Rettungsmittel an alle Personen, die Wagen, Boote oder irgendwelches Fahrzeug besitzen, die Bitte richtet, düeselben ihm zur Verftigung zu stellen. Die Polizeikommissare wurden übrigens angewiesen, im Slotfalle die Wagen zu requiriechn. AuS den Kriegshäfen treffen ununterbrochen Rettungsboote esin. Da viele Straßen teils wegen der Senkungen abgesperrt, tefls über- flutet sind, steht für den Wagenvcrkehr, namentlich im Zentrum der Stadt, nur eine beschränkte Anzahl von Straßen �ur Per- fügung. Viele Lohnkutscher drohen, daß sie unter diesen Umständen lieber zu Hause bleiben wollen. In die Kcllerräume"der öfter- reichisch-ungarischen Botschaft ist heute vormittag Wysser ein- gedrungen. » Paris, 28. Januar. Infolge der Verkehrsschwierigkctten waren die verhältnismäßig wenigen Abgeordneten, die heute z« der Vor- inittags- und der Nachmittagssitzung der Kammer erschienen, «um großen Teile in hohen Stiefeln gekommei» In den Wandelgängen wurde lebhaft darüber gestritten, ob man writer sitzen solle. Man machte dagegen geltend, daß man haS Budget auch später erledigen könne, wenn man solche Reden, die nur für die Wahlkreise der betreffenden Redner Interesse hätte«», vermeide. und daß das Personal der Kammer jetzt beim Rettungsdienst« besser am Platze sei._ Feuer in einem AutomobUwarenlager. Einer Meldung aus Bielefeld zufolge brach gejtern früh in der Automobilreparaturwerkstätte und in dem Aubomobilwaren- lager der Firma Türkopp u. Co. eine FeuerSbrunst aus, die eine große Ausdehnung annahm. Die durch Türen verbundenen Ab- teilungen standen sofort in Flammen und daS Feuer mußte mit zehn Schlauchleitungen bekämpft werden, ehe es gelang, der Flammen Herr zu werden. Nach Mitteilungen der Direktion der Firma Dürkopp ist der größte Teil der Reparaturwerkstätte den Flammen zum Opfer gefallen, der Betrieb erleidet aber keine Störung._ SchifsSunfiille werden auS den verschiedensten Hafenstädten gemeldet. Der Stettiner Kohlendampfer»Kurt Retzlaff" stieß ainer Meldung auS Cuxhaven zufolge gestern nacht in der Nähe dcS 5. Feuerschiffes mit dem ausgehenden englischen Dampfer„Marion Lee" zusammen. Die„Marion Lee" ist gesunken und liegt im Fahr- Wasser. Die Mannschaft ist gerettet und dort gelandet. AuS Cannes wird berichtet: DaS Torpedoboot 192 strandete gestern bei der Insel Ete. Marguerite. Das Schiff ist wahr» scheinlich verloren, die Besatzung ist gerettet worden. Londoner Meldung zufolge wurde gestern früh der Torpedo- bootszerstörer„Eden" bei Dover während eines heftigen Sturmes auf den Strand getrieben und durch die Brandung zertrümmert. Schlepper sind behilflich, die Besatzung zu retten. Nach einer neueren Meldung ist di« vierzig Mann zählende Besatzung gerettet worden. Zehn Fischer ertrunken. Eine Meldung auS Viga besagt: Ein Fischerdampfer ist gestern bei dem bereit» seit drei Tagen hier herrschenden Sturm gescheitert. Die aus zehn Mann bcstch.nde Besatzung ist umgekommen._ Der Dank Messina» an Catania und de Felice. In einer feierlichen Weise wurde, wie tu» au« Rom berichtet wird, am 23. d. Ml«, von einer Vertretung der Stadtverwaltung Messinas dem Stadtrat von Eawnia ein DankeSzeichen für die Hilsstätigkeit nach dem Erdbeben überreicht. Eine weitere An- erlennung war für den Genossen de Felice bestinuut, der in aufopfernder Weise sein Leben aufs Spiel gesetzt hat, um Verschüttete zu retten. Diese Kundgebung zeigt am deutlichsten, waS von den Nerikaien Verleumdungen zu halten ist, die de Felice als einen Verschwender von Geldern auS dem Erdbebenfonds darstellten und über Orgien berichteten, die er im Rathaus von Catania mit Dirnen gefeiert haben sollte, während in Wirklichkeit daS RathauS damals ganz von Verwundeten und Flüchtigen überfüllt war. lleler Sturmwetter und Schneefälle gehen fortgesetzt Meldungen ein: In Hamburg und Umgegend herrscht seit Freitagmittag ein heftiger Schneesturm, durch den der Schiffahrtsverkehr stark behindert ist. Auf der Unterelbe ist der kleine Perionendampfer„Borstel" mit dem englischen Dampfer „Albatros" zusammengestoßen und gesunken. Die Paffagiere konnten gerettet werden, jedoch ist der Maschinist schwer verletzt.— In der Provinz SchleSwig-Holstein hat der Sturm ebenfalls Schaden an» gerichtet. Die Hilfsexpedition Ben Lmthal ist. wie«ms Amsteg gemeldet wird, gestern früh in der Huefidütte eingetroffen und hat dort int Hüttenouch die Notiz gefunden, daß die beiden oennißteu Touristen am 22. Januar die Hulte Verlasien haben, um sich wiever nach der Claridenhütte zurückzubegeben, und daß sie schon drei Tage ohne Nahrung seien. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, daß sie auf dem Rückweg nach Linthal zwischen der Huefi- und Claridenhütte umge» gekommen sind. Flugunfall LathamS. wie au» Cairo gemeldet wird, stürzt» während seiner gestern unternommenen Flugversuche der Aviarile« Lotham au» einer Höhe von vierzig Metern mit seinem Apparc� zur Erde. Dieser wurde vernichtet, Latham selbst blieb unverletzt. Höhlen für Menschen und Gärten für Tiere. Der bekannte Archäologe Giacomo Boni hat an den italienisch«» Ministerpräsidenten Sonnino einen Brief gerichtet, den der „Avanti" veröffentlicht, und in dem der Schreibende über däe schmachvollen Höhlen klagt, in denen die Obdachlosen Roms vor den Toren der Stadt in den antiken Tcmpelbauten und Aquädukt»» hausen müssen. Er weist darauf hin, daß zahllose Familien M, Grotten hausen, die sie in den Tuffftein gegraben haben, und frcygt sich, ob eS unter diesen Umständen nicht wichtiger wäre, Arbeiter- Wohnungen zu bauen, als Geld für einen zoologischen Garten zu geben und die Villa Borghese durch eingesperrte Tiere zu vor- unstalten. Wie soll sich aber Sonnino eine Vorstellung von dem Leben der Obdachlosen unter den Aquädukten und in den Grotsten machen, wenn er. wie die meisten Menschen, sich nie die Mühe ge- geben hat. diese nächste Umgebung der Hauptstadt zu besuchen? Be- schreiben lassen sich diese Wohnverhältnisse nicht. Fünfzehn Millionen Mark für Arieiterwohiiungen. Wie uns aus Rom berichtet wird, hat die Sladt Neapel«im Summe von 1b Millionen für dm Bau von Arbeilcrwohiiutmm ausgeworfen. »reireligiöie Gemeinde. Tonnlag, den ZV. Sammr, vonnlttazs 9 vhr. Pappel.?llle- 15—17: Freireligiöse Vorlesung. Vormittags U Udr: Meine Frankfurter Str. 6: Bortraa von Herrn t3l H.« a e g e über- ..EnlwiaclungSgeschichte der Gollesidee.» Herren und Damen ftnd als (Säfte sehr willkommen. Gäste sehr Allgemeine Kranke», und Sterbekasse der Metallarbeiter Sonntag, den 30. Januar, sewalker- Januar, (9. H. 29, Hamburg). Filiale Berlin 7. Sonntag, den 30. vormittags 10 Uhr: Mitgliederversammlung bei Hoffniann, P stratze 3.— Filiale Baumschulenweg. Sonnabend, den LS. abends 8'/, Uhr: Mitgliederversammlung bei Käding. Bauuischulenslr. 67. Sozialdemokratischer Zentralwahlveret» für den itteichStagS. wabltreis Atuswalde- Friedederg, OrlSverem Berlin. Sonntag, c«n 30. Januar, nachm. 3 Uhr: Generalversammlung bei Thimm, Tilsiter. jtraße 7g. Zentral-Kronken. und Begräbniskasse der Sattler und Berufs, genossen Teutschlonds„Hoffnung» lE. H. 64), Verwallung Berlin. Sonnabend, den 29. Januar, abends 9 Uhr: OuarlalSversautmlung bei Weihnacht. Grünstr. 21. Amtlicher Marktbericht der städttichen Marttballcn. Direktion über den Grotzbandel w den Fentral-Marttballen. Martilage: Fleiich� Zusubr reichlich, Geichäsl schleppend, Preise unverändert. Wild: Zufuhr reichlich, Geichäit schleppend, Preise nachgebend. Ge Hügel: Zusubr reichlich, Geschäft ziemlich lebhaft, Preise befriedigend. Fische: Zufuhr ge« nügend, Geschäft ruhig. Prelle wenig verändert. Butter und käse: Geschäft ruhig, Preise für Butter anziebend. Ä e m ü i», Obft und Südfrüchte! Zufuhr genügend, Geschäft sehr kill, Preise wenig ver- ändert._ tvttternnqSüberiieii» vom 88. Januar It»10. moraen« 8»br. £11- S*1 « E Ä ff l«S! iSai B ff 5 Settel 'Sc; 8° ff CT. immtmbt 756 W Sanwurg 754 OSO Perftr 757 W .irantf.a SR 755 SO iRmiibe« 760 SO Wien 76033 t»K «et tt Wte 6tatton«n £ 2.» 's' c§'S-' aa-ti** igx» s s ä»cöa Sc, V?.5 «=1' i®. I 2 wolkig—3 3 Nebel—9 2 wölken!—6 j 3 6fllb bb.-~4 3 heiter—6 3 wölken!— 8 Huoaraiidu 750 NO Petersburg 750 SO Scilld tlderoeen Part» 2 Schnee—3 2Schne»— 2 734 38533»bedeckt 6 742 53 746 SO 1 woliciil—14 5 bedeckt,» BSettervrog»ole für Sonnabend, den 89. Januar 1910. Neue Erwärmung bei sehr lebhasten südlichen Winden, zunehmender Bewölkung und Niedelschlägeii. 8?«if»rstatt»S.?ka«ii rieten vasierftond Kemel, TilM Brezel, Jnsterdurg Weichsel, Iborn Oder, Ratibor , iiroffen , Frantlurt Sa r t h e. Kckrinim , SandSberg Netze, vordamw Elb«, Lettmeritz , Dresden , Bardo » Magdeburg am 27. l. 'ett 26. 1. r.iu l> 468')—22 41')+13 120«)—10 147 i+5 BUS');-15 227«):-10 126«)'—4 118«)-2 16')-15 42 -74 275 829 -19 -17 -17 vals erstand Saal«, Grochlitz Havel, Svandau») , Natbenow'l Spree, Svremberg'j , veeSkow Weier. Münden , Rinden Si h e i n, Matzi miluoiSa« , Kaub Köln Neckar, Heilbron» Main. Weribeun Mosel. Trier am! leit 27 l. 26. l. am üid') 195 124 148«) 04 166 36 155 670 489 573 178 —11 -4 _ 2 0 —6 —18 —13 -80 —57 -28 —19 283-28 1 4 bebeinet iSinft«.— SaO.•> lliiterveael.•) EiSstand.*) halb der Brücke EiSstand.«) EiStrelben. H Grundei». Aus der Elb« bei Wittenberg und To auf der Eber Treibet«. Ober« lorgau schwache» Treibeis, auch Theater und Vergnügungen Honoabend, 29. Januar. Ansang TU Uhr. KSnigl. Lpernhau». Der Freischütz. Königs. Stimuspielhau«. Der deuffche König. Nene« königl. Opern. Sheater. Geschloffen. Deutsches. Der gute König Dagobert. Kammersplele. Frühlings Erwachen.(Ans. 8 Uhr.) verliaer. Pension Schöller. Ilniang 8 Udr. Lesfing. Das Konzert. Neues. Der Philosoph von Sanssouci. Neues SchauipielbauS. Der große Tote. Nachm. 3 Uhr: Juliu» Tifar. Komische Oper. ToSka. Hebbel. Der Skandal htSefien. Die geschiedene Frau. Nachm. 4 Uhr: Struwwelpeter. Neue» Ov erettcn. Der Graf von Luxemburg. Drianon. Buridans Efel Kleines. Der grosie Name. Nefidenz. Im Taubenschlag. Thalia. Die Dollarprwzesstn. Schiller«». iWullnei»+»«a»«r.) Miß HobbS. Schu., Charlottenbnrg. Der Pfarrer von Ct. Georgen. Friedrich> iSilhelmftüdt. Im bunten Rock. Vokksoper. Cleopatra.(Ansang 8% Uhr.) Luisen. LoloS Dater. Nachm. 4 Uhr: Hänfel und Grete! Roie. Die Herren Söhne. Nachm. 4 Uhr: Schneewittchen«md die sieben Zwerge. Snfiipiethans. Der dunkle Punkt. Metrouot. Halloh II— Die groß« Revue. FolieS Caprice. Sicher ist sicher. Bunter Teil Der Manu memer grmt.(Ans. 8'/, Uhr.) P'nsino. Der Obergamier. Gebr. Herrnfeld. So muff man'» machen. Ein ReitmigSmmel Gaftfptel. Der Poltzeihimd.(Anf. 8>/. Ubr.) Sioalts. Das grobe Hemd. Stadttcheater Moabit. Die Grille. üipJiiu. Spezialitäten. Btintergarten. SvezialttStrn. ifieichsballen. Stcitiner Säug«. Palast. Spezialitäten. !l«a',»ge. socziasilälen Bnggenhagen. Spezialitäten. Kart Havelland. Svezialitäten. KSalllalla. svezialltaien Urania. 8,>>>»,e>>nr»lle»K/49» Im Wiffenschastsichen Theater: Nachm. b llhi: Der Kinematogiaph im Dienste der Wissenschast und dcS UnteirichtS. Abends 8 Ubr: Im Fiinenglanz des Ob«-Sngadiii. Im Hörsaal: Abend» S Uhr: Thermische und chemische Sttom» quellen. Steruiourte» Jtivalldenttr. 57— 82. Urania. Wissenschaftliches Theater. Sonnabend 5 Uhr: Dr Dnesen: Der Klnematograpb im Dienste der Wissenschaft und des Unterrichts, Abends 8 Uhr; Im Flrnenclanz de« Ober- Engradln. Hörsaal 8 Uhr: Dr. OehlhoS: Thennisohe u. chemische Strom- qnellea. I.euulnff-Tlieatep. Sonnabend, 8 Uhr: Das Konzert. Sonntag, 3 Ubr! Die Frau vom Meere. 8 Ubr: Das Konzert. Montag, 8 Uhr, zum 25. Male: Das Konzert.__ Berliner Theater. ÄIÄ Pension ScMHcr Morgen: Pension Schöller. Heues Theater. Abend» 8 Uhr: Der Philosoph von Sanssouci. Morgen und folgende Tage: Der Philosoph von Sanssouci. Theater des Westens. Abend« 8 Uhr: _ Die geschiedene Fran._ Lustspielhaus. Abend« 8 Uhr: Der dunkle Punkt. hyrieli-WilliöWiMai Schauspielhaus. Sonnabend, den 29. Januar, 8 Uhr: Im bunten Nock. Soimtag nachm. 3 Uhr: Othello. Abend, 8 Uhr: Halali. Montag: Die GiosisladNusl Xen«« OpcreUen-Thoater. Schiiibaiierdamm 25, a. d. üuiienftr, Heute und folgend« Tage 8 Uhr: Der Graf von Luxemburg. Sotttit 8 Uhr: Oer Zlgeunerbsren. Residenz-Theater Dttettion: Rtchard Alexander. Abend» 8 Uhr: Im Taubenschlag. Schwant K 8 Akten von Hennequin und Beber. Morgen und folgende Tage: Dieselbe Porftellung. Sonntag, den 30. Januar, 8 Uhr zu eimäsiigten Preisen: Gretchen. \ Volksoper. 8W, Velle-Alltance-Slrasie Nr. 7/8. Ansang'/,9 Ubr: Lleopatrs. Tliisen-Iheater. Nachm. 4 Uhr Kwder.Porstcllung: Hansel und Gretel. Abend« 8 Uhr: Lolos Vater. Sonnlog nachm. 3 Uhr: Die Reise um die Erde w 80 Tagen. 8 Uhr zum erstenmal: Der Veilchensresser. i�viUn lvr-TIasate»'. Schiller-Thealer 0. iDollner-Theat.). Sonnabend, abend» 8Uhi: ZI!« Hobb«. Lustspiel In 4 Auszügen von Jeiome K. Jeiome. Deutsch von D. Wolters. Ende>0'/, Uhr. Senntag. nachm 3 Uhr: Der fierr ZUnIsterlaldirelitor. Sonntag, abend« 8 Ubr: ¥lel l.Hriaen am nicht«. M o» i a g. a b e n o 4 8 Udr: Gc«cbtitt int Biocbtikt. Sehiller-Theatsr lDharloNenhurg). Sonnabend, abend» 6UHr: Itzcr I'Taccci-v.Gt. �lcvi-scn. Schauspiel in 5 Auszüge» von Heinrich Wclcker. Ende l0'/. Uhr. Sonntag, nachm. 3 Uhr: Iber Jlelneldbauer. Sonntag, ade ii d« 8 Uhr» Maria Stuart. Montag, adeno» 8 Uhr: Her Mclacldbaucr. �anopticum K-dl A.K ö Frlsdrlchst 168, Pschorrpal. Täglich 7'/» Uhr abends. X Senntags rwei Vorstellungen. Heitere Künstler-Abende. Bockbierfest. GroBer Humoristen- Wettntreit. Indlscbe Wltwcnverbronnnng X Hbrcheil. Morgen Sonntag, 12 Uhr mittags: Großes Mallneekonzert N1�Äis„Stümper". Brauerei Friedrichshain am Königstor. Grüßte S e Ii.-n» Würdigkeit Berlin«. Ä«B":„Auf der Alm". Größter Bock-Jubel und Trubel Der berühmteste Frstwirt Scdorsell Ehrengruber mit seiner Truppe(60 Mitwirkende) auS Münchsn. GratiSverlosuug vo» 100 Wertgegenständen. SM" Jeder Besucher erhält ein LoS gratis.-Mi» Amang 4 Uhr. Enttee 5« Pf. Jteue Welt OSE=THEATE Ars ge Fraicksurler Str. 132 Rachmtitag» 4 Uhr: Schneewittchen und die firben Zwerge. AbdS. 8 Uhr: Die Herren Söhne. Sonntag nachm. 3 Ubr: Fauir.— Abends 8 Uhr: Die Herren Söhne. Rur noch ii Dage l 8 Uhr. Henry Bender al» F r i n« Finne. 9 Uhr 15: Lotte Sarrowi ihr. Mimodrama „Die Ehebrecherin". 9 Ubr 45: Schi m pause Kontml James Great. Dienstag, 1. Fediuar Premiere der Operette: Der Liebeswalzer mit Kom-ad Dreher a.®. IJa»enheldoJh08/m j Täglich: Großes Bockbier- Fest In den bayerischen Alpen. Baron Muokl* Bauernkapelle.— Andreas Hofar-Truppo. k Anfang 7 Uhr. Bntre« SO Pf. 3 Sonnabend, d. 29. 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Sonntag«»„ it«i Ben Juuai» die der Ji.>er„re «ihernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keiuerlei Verantwortung. Verantwortlicher Redakteur Richard varth, Berlin. Für den Jnscratenteilverant».: Th. Glocke. Berlin. Druck u. Verlag! VörwStt» Buchdruckerei u. verlag�nstalt Paul Finger» Sä.' Verlin&W Erscheint 2 mal wöchentlich. Bezngsqnellen-Verzeiclmls B Die hier verzeichneten Firmen empfehlen bei Einkäufen Ihre Geschäfte. Abzahlungsgeschäfte Credit-Haus Moabit Tnrms'.raSc 55, Ecke WaldstraBe gewählt jedam bei spielend leichter An- und Abzahlung mehrjährigen Kredit aui Waren und Möbel. ____ I CreclitHzius Dan Gebr. Weber, Neue Königstr. 68. kbascher,S,SSS BßSEoBEiinEr,M.,�r.9™fcn0gb": Weber, Herrn., Danzigerstr. 781. WolMrliÄr Zuinmii&Co. �e o°Sv.18 best, s. 1887. Möbel- u. sämlllclia Warm. �AlkvhelfrsleKetrSnlle� Binalco(Bilzbrause) Gen.-Vertreter QttO St&FiCk KO, Landsberger Allee 6/7. — Fernruf VII. 1666 und 1564-- Krüger, E., Q. m. b- H., Höchsterat. 28. 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In seinem Bericht über den Arbeitsmarkt im Dezember macht daS„NeichS-ArbeitSblaU" u. a. folgende Angaben: Die Arl>eitslosenziffern der Fachverbande im 4. Vierteljaljre 1000 zeigen im ganzen eine rech» wesentlickie Verbesserung gegen- über dem gleichen Zeiträume des Vorjahres. Sie betrugen bei den gleichen Verbänden für Ende Oktober 2,0 Proz. gegen 2,0 Proz., für Ende November 2,1 Proz. gegen 3,2 Proz., für Ende Dezember 2.7 Proz. gegen 4.4 Proz. Die Berichte der Arbeitsnachweise lauten im Bergleiche zum Borjahre günstig: zwar lassen sie in dem gegen den Vormonat ein- getretene» Rückgange der offenen Stellen ebenfalls eine Verminde- rung der Beschäftigung erkennen, jedoch war daS Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage befriedigender als im Dezember 1003. Für weibliche Arbeiter war dasselbe auch hinsichtlich des November 1000 der Fall. Bei der Gesamtzahl der berichtenden Ar- beitSnachweise, für welche vergleichbare Zahlenangaben vorliegen, kamen im Dezember aus 100 offene Stellen für männliche bezw. weidliche 2(50 bezw. 107 Nachfragen gegen 200 bezw. 120 im Vor- monat und 330 bezw. 112 im Dezember 1008. Auf dem Berliner NrbeitSmarlte flaute die Lage nach Beendigung der Wcihnachts- saisun im allgemeinen wesentlich ab und stellte sich Ende Dezember ungünstiger als im Vorjahre. Im Regierungsbezirk Düsfeldorf war fast ausnahmslos das der Jahreszeit etitsprechende Abflauen bemerkbar. Das Baugewerbe war noch gut beschäftigt. In Hessen, Hessen-Nasfau und Waldeck brachte das WeihnachtSgeschii'rt zwar eine intensivere Bejck>äftigung der vorhandenen Arbeiter, aber wenig« Neuanstellungen. Sehr gut beschäftigt waren die Leder» und die Schuhindustrie. Bei den übrigen Gewerben liest die Be- schäftigung nach. Die Lage auf dem Münchener Arbeitsmarkte war günstiger als im Vorjahre; die Zahl der Stellenbci'ctzungen war»oesentlich höher. In Württemberg war der Beschäftigungs- grab ebenfalls günstiger als im Vorjahre. Dank der günstig n Witterung hatten Baugewerbe, Landwirtschaft, teilweise auch Me- tall- und Maschincnindustrie und die Beileidungsgewerbe gut zu tun. Die Einnahmen aus dem Gütcrvcrkehre deutscher Eisenbahnen waren im Dezember 1000 um 1b 0K7 704 M. höher als im gleichen Monate des Vorjahre». DaS bedeutet eine Mchreinnahme von SSV M. oder 10,72 Proz. auf 1 Kilometer. Ncberlandzcntralen. AuS Oldenburg wird gemeldet, die StaatSregierung habe mit der A. E.-G. einen Vorvertrag über Ver- sorgung des Herzogtum» mit elektrischer Energie abgeschlossen. Ueber die Höhe der Kosten ist angeblich noch nicht» festgesetzt. Ein« später dementierte Nachricht gab an, die Kosten würden 10 Millionen betragen. Baedeker» Jahrbuch für den OberbergamtSbezirk Tirtmund. Ein Führer durch die rheinisch-westfälischen Berg- und Hüttenwerke und Salinen in wirtschaftlicher und finanzieller Beziehung. 0. Jahrgang(10O»/»>. Mit mehreren farbigen UebersichtSkarten. Preis gebunden in Ganzleinwand 12 M. Essen, G, D. Baedeker, Verlagsbuchhandlung, 1010. Unter der einschlägigen Literatur kann Baedeker» Jahrbuch als Materialienquelle«inen ersten Platz beanspruchen. Hier findet man, wie sonst nirgends, detaillierte Angaben über Produktion, Löhne usw. von jedem einzelnen Werk. Neben den Einzeldar» stellungen bringt c» aber auch Uebersichten, die einen Einblick ge- währen in die©«schästStätigkeit der in Betracht kommenden Pro» duzentcnorganisationen. Das Gegenstück zu den Einzelabschnitten bilden die beiden anderen Teil« des Jahrbuches mit ihrer ein- gehenden Statistik der Produktion, Preise. Löhne. Ein» und Au». fuhr usw. nicht nur im O.-B.-B. Dortmund, in Preusten und im Deutschen Reich, sondern aller Kohlen» und Eisen-Jndustrie auf» weisenden Staaten der Erde. Diese Statistik umsaht vielfach auch weiter zurückliegend« Jahre, so namentlich die interessante Tabelle über die Kohlengewinnung der Erde, welche der Herausgeber nach den ihm vorliegenden eigenen Quellen auf I.ObS Milliarden Tonnen tn 1008 gegenüber 582 Millionen Tonnen in 1895 berechnet, die Eisenerz», die Roheisen» und die Stahlgewinnung der Erde in den Jahren 1000, bezw. 1890 und 1005— 1908. Unter anderem finden wir da auch eine Zusammenstellung, die manches bisherige Urteil über den Einfluß der Krise im Eisen» gewerbe wohl dock, korrigieren dürfte und gleichzeitig einen Bei» trag zu dem Kapitel.Industrielle Konzentration" liefert. Der Ver» faster macht nämlich Angaben über die Anzahl der Werke und Arbeiter, denen wir folgende» entnehmen. Di« Zahl der Hoch-, ofenwerkc in Deutsckiland stieg von 09 mit 254 in Betrieb befind» lichcn Hochöfen im Jahre 1003 auf 101 Werke mit 280 betriebenen Hochöfen im Jahr« 1008. Die Zahl der Eisengießereien ging von 1821 im Jahre 1004 aus 1560 im Jahre 1008 zurück. Die Scktveih. eisenwerke verminderten sich in derselben Zeit von 130 auf 108, wahrend die Flusteisentverke sich um 14 auf 223 vermehrten. Die Zahl sämtlicher Arbeiter bei der Eisenverarbeitung(Eisengiesse» reien, Fluh- und Schweißeisenwcrkc) schnellte von 247 889 im Jahre 1903 auf 367 582 im Jahre 1007 hinauf; im nächstfolgenden Jahre trat dann ein Rückschlag ein, der die Gesamtbelegschaft um 57 031 ans 310 551 reduzierte.— Das 798 Textsciten umfassende „Jahrbuch" ist für Natioualökonomen sowohl wie für Arbeiterführer ein sehr wertvolles Nachschlagewerk. Zur Nachahmung empfohlen. Zur Verteuerung des Lebensunterhaltes in Amerika meldet man aus Washington: Im Hinblick auf die allgemeine Preissteige- rung brachte das Mitglied des Kongresses, Sabbath, eine Gesetzes- vorläge ein, wonach die Einfuhr der notwendigsten Nahrungsmittel zollfrei erfolgen soll._ Die Großindustie und der amerikanische Handelsvertrag. Die Handelskammer in Bochum verlangt in einer Eingabe an da? ReichSamt des Innern, datz von Amerika eine Herabsetzung der fsollsätze und eine Milderung der Zollabfertigungsvorschriften ge- ordert werden. Dazu wird bemerkt: „Selbstverständlich bestehl aus allen Seiten der dringende Wunich, daß ein Zollkrieg mit den Veremigien Staaten»ach Möglichkeit vermieden wird, aber auch diejenigen unserer Werke, welche einer Verständigung mit den Bereinigten Staaten das Wort reden, wollen— vielleicht mit einer Ausnahme— diese Ver- stä»digii»g nicht um jeden Preis haben. Mit unseren Werken sind wir der Ansicht, daß Deutschland den Vereinigten Staate» gegenüber sich keineswegs in einer ungünstigen Handels- politischen«ituation befindet. Denn die Vereinigten Staaten haben mindestens daS gleiche Interesse, sich den taiifkräsligen deutschen Markt zu erhallen, wie Deutschland das Bestreben haben muß. seine Handelsbeziehungen mit de» Bereinigten Slaatei, in Ruhe weiter zu entwickeln." JJiis der Frauenbewegung. Ist eine Frauenkonferenz erforderlich? Zu dieser Frage schreibt Genossin Grünberg in der„Gleichheit": Sind Frauenkonferenzen noch notwendig, nachdem das Ver- emSgesetz bw Schranken weggeräumt hat, die uns bi» dahin künst- lich von der Parteiorganisation trennten? Diese Frage kann wohl von allen tätigen Genossinnen kurzerhand bejaht werden. Die Parteitage, die mit den vielerlei Tagesaufgaben der Sozialdemo- kratie und mit Fragen der allgemeinen Theorie und Taktik mehr als ausgefüllt sind, werden kaum Zeit haben, eingehend di« ver- fchiedenen Seiten der Frauenfrage zu erörtern, die für die Jnter- essen der Proletarierinnen und damit für die Arbeit der Ge- nofsinnen in Betracht kommen. Die Behauptung: für uns gibt cS kein« Frauenfragc, weil die Frauen in der Partei gleichberechtigt sind, besagt nichts dagegen, sie wird für jeden Einsichtigen zur Redensart, sobald wir die LeolnSverhältnisse de» weiblichen Prole- tariat», die soziale Stellung de» weiblichen Geschlecht» überhaupt untersuchen. Nur ein Beispiel: Während die Männer— sofern nicht Beschränkungen zugunsten de» Geldsack» vorliegen— da« Wahlrceht zu allen Volksvertretungen, zu allen öffentlichen Körper- schaften hauen, sind die Frauen ihrem Bürgerrecht nach noch immer Waisenkinder. Bekämen sie aber über Nacht dag Wahlrecht, so würden e» sehr viele dank ihrer Unwissenheit in der ersten Zeit nicht zum Wohle der arbeitenden Massen ausüben. Wie die Ge- nossinnen die Aufgabe haben, in den ersten Reihen de» Kampfes für die volle politische Gleichberechtigung des weiblichen Geschlecht? zu stehen, so sind sie auch verpflichtet, durch intensive Agitation und Kleinarbeit die Frauen für den richtigen Gebrauch des Wahl- rechts zu erziehen, mit anderen Worten, sie der Sozialdemokratie, der Arbeiterbewegung zuzuführen. Auf der Frauenkonferenz, die in diesem Jahre stattzufinden hat, müßte besonders die Frage der Mitarbeit der Genossinnen an allen Aufgaben, auch in der Verwaltung und auf Vertrauensposten erörtert und zur Regelung vorbereitet werden. ES schlummern in den Frauen viele Kräfte, die nur der Gelegenheit zur Betätigung ivarten, um sich zum Nutzen der Partei zu entfalten. Wenn die Genossinnen bestimmte Arbeiten zugewiesen erhalten, so werden sie diese ebenso umsichtig und gewissenhaft erledigen wie die Männer. In allen Städten dürft« die Mitarbeit der Genossen auf den ver- fchiedenen Tätigkeitsfeldern der Partei geregelt sein. Die Wahlen zu den einzeliren Posten vollziehen sich glatt. Es werden auch Frauen mit in den BerivaltungS- und Arbeitsapparat hineinge- wählt, doch dürfte ihre Zahl alle» in allem keine besonders große sein, sondern wird im Verhältnis zu derjenigen'der weiblichen Mitglieder stehen. Die Zahl der Genossinnen, die zur Mitarbeit herangezogen werden, mug aber dem vorliegenden großen Arbeit»- selb unter dem weiblichen Proletariat entsprechend eine große sein, wenn systematisch gearbeitet werden soll, wenn wir schnell vorwärts kommen wollen. Aufgabe der Fraucnkonferenz wäre es mit, nach eingehender Prüfung der Sachlage dem Parteitag einen Antrag über die Regelung der Mitarbeit der Genossinnen zu unterbreiten. Die Wahl eines weiblichen Vorstandsmitgliedes allein genügt noch nicht, um die höchste Betätigung der Genossinnen zur Aufllärung und Organisierung der Arbeiterinnen und Arbeiterfrauen zu sichern. Dem weiblichen Vorstandsmitglied müssen zahlreiche Helferinnen zur Seite gestellt werden, damit praktisch mit Erfolg gearbeitet werden kann. Die Helferinnen bedürfen besonderer Schulung, die ihnen die Lcseabendc angedeihen lassen müßten. Auf diese Weise würden wir tüchtige Kräfte erhalten, die der Arbeiter» bewegung, der Sozialdemokratie beträchtlichen Nutzen brächten. Wenn gesagt wird, man solle die Regelung der systematischen Mit» arbeit der Genossinnen den einzelnen örtlichen Parteiorganisationen überlassen, so tritt ein vages Belieben an Stelle einer festen Ver» pflichtung. und die Folge davon?— es bleibt beim alten. Also Erörterung dieser Frage auf einer diesjährigen Fraucnkonferenz. Vielleicht wird der Forderung einer Frauenkonferenz entgegen- gehalten: Warum soll die Partei besondere Tagungen der Ge» nossinnen abhalten? Die Gewerkschaften kennen solche ja auch nicht. Darauf ist wohl mit Fug und Recht zu antworten: Da» hat sich auch schon als Mißstand sehr fühlbar gemacht. Wenig Frauen beteiligen sich kider an den gewerkschaftlichen Tagungen, und innerhalb der einzelnen Gewerkschaften gibt eö wenig weibliche Mitglieder. die für die eigene Organisation agitieren können. Und doch sind auch unter den organisierten Arbeiterinnen viele Kräfte vorhanden, die dem Dienste der Arbeiterbewegung nutzbar gemacht werden könnten. Es fehlt aber an ihrer Heranziehung und AuS- bildung. Vielleicht nimmt die Generalkommission diese Sache in die Hand. Die enorme Zunahme der Frauenarbeit und die niedrigen Löhn« der Arbeiterinnen(laut Statistik der Ortskrankenkassen haben z. B. in München 75 Proz. der Arbeiterinnen einen Wochenlohn unter 10 Mk.) wirken der mühseligen Arbeit unserer Gewerkschaften entgegen, wenn die weiblichen Arbeiter nicht in stark steigendem Maße ihr«r Berufsorganisation zugefiihrt werden. Praktische Ge- sichtSpunkte werden sicherlich künftig dazu zwingen, zu der Frage gewerkschaftlicher Arbeiterinnenkonferenzen Stellung zu nehmen. Auch für die Getverkschaften ist die Heranziehung und Schulung tätiger weiblicher Kräfte ein brennendes Bedürfnis geworden. Die in diesem Jahre nötige Frauenkonferenz wird ja nicht allein die in vorstehendem hervorgehobene Frage zu behandeln haben. ES warten ihrer noch viele andere Gegenstände der Be- ratung, di« kaum minder wichtig sind. Da ich aber annehme, daß noch mehr Genossinnen zur Frauenkonferenz das Wort nehmen werden, so begnüge ich mich damit, die eine der Fragen zu Prä» zisieren, auf die eine baldige Antwort dringend not tut:„Was muß geschehen, damit die Genossinnen in umfangreichster Weise zur Mitarbeit in der Partei herangezogen und für diese Arbeit geschult werden?" Diese Frage gehört unbedingt auf die Tagesordnung der Frauenkonferenz, die hoffentlich vor trcm diesjährigen Parteitag zusammentritt._ Für Witwenversorgung und Kinderspeisung. Der dänische Reichstag hat sich in letzter Zeit mit einigen von der sozialdemokratischen Fraktion eingebrachten sozialen Gesetzent» würfen befaßt. Der eine Gesetzentwurf verlangt die Bersor» gung der armen Witwen und vaterlosen Kinder au» öffentlichen Mitteln. Diese Forderung hat das Folketing schon einige Male beschäftigt. Offenbar sind jetzt die Aussichten für die Durchführung des Entwurfs besonders günstig, nachdem in Dänemark durch die Gesetzgebung für die unehelichen Kinder und ihre Mütter in ziemlich weitgehende? Weise gesorgt ist, sie jetzt weniger Gefahr laufen, der öffentlichen Armenpflege an- heimzufallen, als Witwen mit unversorgten Kindern. Dieser Um- stand hat auch viel dazu beigetragen, daß die bürgerlichen Parteien und selbst die Konservativen dem Entwurf sympathisch gegenüber- stehen. Ein FolketingSausschuß beschäftigt ihn nun zunäckssi. Ein zweiter Gesetzentwurf, den unser« Genossen schon zum vierten Mal« eingebracht haben, verlangt, daß die Kommunen ver» pflichtet werden, hungrige Schulkinder zu speisen. Der Staat soll den Kommunen die Hälft« der dadurch entstehenden Kosten ersetzen. Nur in 31 von den 1100 Kommunen des Landes wurden Schulspeisungen als Einrichtungen auf privater Grundlage ermittelt und nur in 22 Fällen werden kommunale Zu» schüsse gegeben. Die Stadt Kopenhagen leistet jährlich einen Zu- schuß von 25 000 Kronen. Ueberall dauert die Speisung der Schul- linder höchsten? 50 bis 60 Tage im Winter. Unser Gcnosf: Stauning, der den Entwurf im Folketing begründete, berechnete die Kosten der allgemeinen Speisung hungernder Kinder auf 320 000 Kronen im Jahr« und wie» treffend darauf hin, daß. wenn man nur ein einzige» Kriegsschiff zu 3 Millionen weniger bauen würde. für das Geld 20 Millionen Portionen beschafft werden könnten. Damit sei die Frage gelöst. Auch dieser Entwurf fand ein« günstige Aufnahme im Folketing. er wurde ebenfalls einem AuS- fchuß uberwiesen.____ «Versammlungen— Veranstaltungen. Spandau. Dienstag, den 1. Februar- 8?H Uhr, im Lokal von Fritz Bohle, Havelstr. 20, öffentliche Frauenversammlung. Vortrag Genossin Berta Lnngwitz:„Die Finanzreform im proletarischen Haushalt." Der Leseabend fällt dieser Versammlung wegen aus. Ausnalnne- Angebot für die Leser des„Vorwärts". erhalten, solanxs der Vorrat reicht: Alle Leser des„Vorwärts" HENRIK IBSEN : ausgewählte dramafische Werke: deutsch von Wilhelm l-ange, eingeleitet von Thoma» Schäfer, in je drei reinleinenen eleganten Oettchenb- einbänden gebunden, drei Bände für nur 5 M. Beste und billigste dreibändige Ausgabe. Während diese I.angesehe Ivsen-UebnT- setzung■onst Im llnchhandel ION. hostete, ist es uns gelungen, durch Abschluß diese Ausgabe in drei reinleinenen Gesehenkbänden gebur�en fllr nnr 5 M. zn liefern. Henrik Ibsen, der geniale nordische Dichter hat sich die Gunst des deutschen Publikums und die deutsche Bühne im Sturme erobert, so daß wir mit Recht behaupten kfinnen; Diezer Slnuu ist der anitcrljre, und wie die Werke Shakespeares, so gehören auch die Dichtungen eines Ibsen in die Bibliothek Jede« feolldeten Deutschen. Kein anderer ehriftstellar hat una unsere moderne Zeit Innerhetk mit ihren mannigfachen brennenden Kragen inncrnaiD\Jj2y so wie Ibsen tief erfassen nnd verstehen 12 Monaten gelehrt. Wir glauben unseren I-eeem gerade ZUM Exemplare(94 200 Bände)«bgeselzl. SwÄ Kreise siehern wird. Durch sehr große Auflagen, die von einem großen Teil deutscher Zoitungsvcrleger bestellt sind, ist es gelungen, diese Prachtausgabe zu einem Bruchteil des Preises, welchen ein derartiges Werk in dem gewöhnliohen Buchhandel kosten würde, und zwar zum Prämienpreis toh nur 5 31. für drei Bände an die Leser des„Vorwärte" abzugeben. Wir bitten die verehrliohen Leser, um Mißbrauch zu verhindern, den nebenatehenden Bezugs; v erlag direkt einzusenden. Die Bestellungen werden der Reihe nach erledigt. Je ein Exemplar Ii« Maxim Gorki's NACHTASYL Drama in 4 Akten, übersetzt von August Scholz. - s Einzige deutsche Ausgabe mit 20 Einzelphotographien und S' IS szenischen Original-Darstellungen. In rein Leinen gebd. itiip< Kfl U während die gebd. Ausgabe, zum Vorzugspreise v.UUI l-WU M», ohne Illustr., bish. 3 M. kostete. Zu den ersten Bühnenwerken gehört auch Maxim Gorkis„Vachtnayl". Man kennt die Lebensgeschiohte dieses russischen Schriftstellers, der heute als Verbannter fern von der Heimat im Auslande weilt. Hier nur zwei von den vielen Hundert glänzenden Urteilen über„Xachtaeyl'4. Jnliua Hart, der berühmte Literaturhistoriker, schrieb über Gorkis Stück: „Es war der echteste Erfolg dieser Spielzeit.— Maxim Qorki siegte vollkommen über Maeterlinck wie überHauptmann. Er reigte mit unwiderleglicher Beatimratheit, wie eine Poesie, die im Menschlichen wurzelt, alle Knnststüoko wie Kartenhäuser umweht und alle dramaturgisohe Sebulmoisterei hinwegfegt. Bs war ein großer Sieg, den Gom erfochten hat." Und der bekannte Kritiker Philosoph Stein äußerte sich wie folgt; „Man steht anter dem Banne eines wunderreiohen Dichters, der uns die Herzen und den Geist seiner Menschen, der Mühseligen und Beladenen erschließt Der ungemeine nnd künstlerische Wert dieses schönen Werkes ist seine Milienschildening, die tief eindringliche Charakteristik, der liebenswürdige, herzensechte Humor, die An- schaaliehkeit der Schilderung nnd die bezwingende Kraft der Stimmung— da gibt es Schönheiten bewundernswertester Art Es war gastern der stärkste und verdienteste Erfolg des„Kleinen Theatsrs". schein ausznscbneiden, auszufüllen und an den Hnmboldt- egt in der Expedition zur Ansicht aus. Bezugsschein für die Leser des „Vorwärts� � HIAMI' Bouillon-WDrfel. 5' allein echt mit dem Namen MAGGI und dem Kreuzsternt ""*- I» V> I-• S2L.'»C*.''*.'., i/.-f �\ V«'-..' Ksu�skakv— s Pfg.-Ronen der Firma Fischer& Herwig, Hann. 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Jahrg. ScilM i>cs„Kmiick"> Mchni ftr Nh«. Zöde«, Wen. 29. Januar l9ttt. Jugenäbeicvegung. Arbeiter-Jugend Nr. 3 hat folgenden Inhalt: Die Notwendig- Teil deS Selbststudiums für unsere Arbeiterjugend.— Die politischen Parteien. Was heigl liberal? Von Julian Borchardt.— Aus meiner Kindheit. Bon Otto Krillc.— Photographien des Kleinsten.(Mit 7 Abbildungen. i— Vor fünf Jahre». Von Karl Böttcher.— Gewerkschaftliche Massenlämpfe.— Vom Kriegs- fchauplatz.— Die Gegner an der Arbeit.— Des Lehrlings Leidens- chronik usw. Beilage: Der Geib-Chrislelli.(Schluh.) Erzählung von Ernst Zqhn.— lind sie bewegt sich doch' Gedicht von Ludwig sfUlda.— Eine Reise nach Island.(Mit Illustrationen.) Von Heinrich Schulz.— Das Bild. Von HannnerSdorff.— ReumannS Anna. Von Emma Doly.— Interessantes von der Sprache.— Wir drei. Gedicht von Karl Büste n. a. m. Vorort- l�ackricdten. Tchöneberg. In der Generalversammlung dcb Wahlvereins erstattete Genosse Kuter den Jahresbericht. Nach den Ausführungen des Berichtenden hat sich die Mitgliederzahl um 66 auf 2430 erhöht, darunter be- sindcn sich 334 Genossinnen. Die Zahl der Abonnenten des„Vor- wärtS" beträgt 2020. die der„Gleichheit" 78.— Die WahlrcchtS- bewegung und die Stadtverordnetenwahlen bedingten lv öffentliche und t0 Mitgliederversammlungen.— Der Kassenbericht weist eine Einnahme von 73lö.38 M. auf, der eine Ausgabe von 7237,80 M. gegenübersteht. Der Kreiskasje tonrden Sl36,60 M. zligesührt. Bon der im SpeditionSladen untergebrachten 718 Bände um» fasienden Bibliothek wurden 1010 mal Bücher ausgeliehen. Nach dem Bericht der Lokalkommission stehen alle am Orte bc- findlichc» Säle der Arbeiterschaft zur Verfügung. Ausgenommen hiervon ist der Mozart-Saal, der überhaupt nur zu künstlerischen Veranstaltungen hergegeben tvird. Der Gciamtvorstand wurde dann, da gegen die Tätigkeit des- Selben keine Einwendungen gemacht, entlastet.— Von einer Ncnioahl icS Vorstandes wurde abgesehen und derselbe mit der Weitersührung der Geschäfte bis zum 30. Juni betraut, um dann laut OrganisationS- ftatut mit dein neuen Geschäftsjahr zu beginnen. Charlottenburg. Der Märchennachmittag für die Charlottenburger Jugend, der am Sonntag im Volkshause stattfand, kann als ein in jeder Be- giehung erfolgreicher bezeichnet werden. In dichten Scharen waren die Kleinen angetreten und schon lange vor Beginn war der Saal bis aus den letzten Platz gesüllt. Mit gespanntester Aufmerksamkeit folgte man den Darbietungen von Frau I o h a n n a M e y c r, die eS meisterhaft verstand, durch Märchenvortesungen(mit Lichtbildern) und allerlei Kurzweil die Kleinen zu fesseln. ES dürste bei dieser Veranstaltung wohl jeder Besucher aus(eine Kosten gekommen sein, und dem Wunsche vieler Kinder, die„Märchentante" möge recht bald wieder einmal nach Charlottenburg kommen, soll bei passender Ge- legenheit entsprochen werden.— Bei der stattgefundenen Verlosung Sind vier Bücher nicht abgeholt worden; die Gewinner können die- elben gegen Vorzeigung ihrer Nummer bei Emil Müller, Rosinen- ftraste 3, in Empfang nehmen. Rixdorf. Der vierte Vortragsabend deS Genossen Engelbert Graf über: »Die Geschichte unserer Erde' findet am Montag, den 31. Januar, pünktlich 8-/2 Uhr abends, in Hoppes Festsälen, Hermannstr. 49. statt. — Sonntag, den' 6. Februar, nachmittags S Uhr, gelangt in der Urania. Taubenstr. 48/40.Die Insel Rügen" zur Aufführung. BillettS a 65 Pf. inklusive Garderobe sind noch in beschränkter Aw zahl bei den Funktionären erhältlich. Der BildungsauSschusz. Wilmersdorf. Den Bericht vom preußische« Parteitag nahm die letzte Mitglieder «ersammlung deS Wahlvereins entgegen. Vor Eintritt in die Ver- Handlungen gedachte der Vorsitzende zweier verstorbener hiesiger Genoffen sowie des Genosien W. Eberhard» mit ehrenden Worten. Hierauf berichtete Genoffe Groger-Rixdors über die Verhandlungen deS PreufcenlageS. Von solcher Einmütigkeit, so betonte der Redner, wie der preußische Parteitag angefangen und geendigt habe, mutzten alle unsere Tagungen sein. Nach einer gritidlichen Würdigung aller auf dem Parteitage gehaltenen Referate und Beschlüsie verweilt« Groger des längeren bei der Wahlrcchtsfroge. Die treibende Kraft in dieser Frage müsse aus der Masse deS Volkes kommen; allerdings sei. um erfolgreich vorgehen zu können, noch eine große Aufklärungsarbeit notwendig. Nachdem der Redner noch auf ernsthaftes Studium des Protokolls vom Preußentag hingewiesen. schloß er mit einem feurigen Appell an die Zuhörer im Sinne des- selben zu agitieren und zu propagieren. Daß Genosse Groger im Sinne der Versammelten gesprochen, bewies der reichhaltige Beifall. Eine Diskussion fand nicht statt. Unter Geschäslliclicrn gab Genosse Schröder bekannt, daß zum 1. April d. I. der Spediteur seinen Posten gekündigt habe. Ein Antrag der Speditionskommission wünscht eine baldige Neuregelung der Spedition. Dem soll Rechnung getragen werden, indem man an geeigneter Stelle vorstellig werden will. Genosse Hitbig beantragte, das Verhältnis der Spedition wie bisher zu belassen. Ein Antrag deS Vorstandes lautet: die Kündigung als geschehen zu betrachten und bis 15. Februar die BcwerbungSfrist festzusetzen. Dieser Antrag wurde mit 38 Stimmen gegen 25 angenommen. Friedenau. Die Gemeiiidewählerliste liegt nur noch heute im Gemeindeamt, Feurigstr. 8. Dienstzimmer Nr. 2, von 8—3 Uhr, sowie morgen Eonniag. vormiliags von 0-12, zur öffentlichen Einsicht auö. Zur Einsichlnahme sind außer den mit Plakaten versehenen Jnhabenr von Lokalen und Handlungen Otto Meyer, Handjerystr. 60/61, und Ludwig Putsch, Sllbestr. 22, Gartenhaus, gern bereit. Ober-Schöneweide. Eine Spieierafföre verursachte vor einiger Zeit am hiesigen Ort einige Ausreguna- Die Polizeibehörde eröffnete vier Gastivirten, welche in ihren Lokalen das Spielen duldeten, daß sie ihre Lokalitäten um 8 Uhr abends zu schließen hätten. In einem Weigerungsfälle wurde dies sogar zum Gaudium de? Pnblikiims durch die Polizei selbst beiorgt.'In dem in dieser Angelegenbeit vor dem Landgericht ftatlgesinidenen Termin wurden sowohl sämtliche beteiligten Gast- wirte als auch die Spieler freigesprochen. Adlershof. Die letzte Genicindevertreteisitzuns hatte über drei Einsprüche zu der am 4. Januar stattgefundciien Wahl des Herrn Kaufmann Bart Beschluß zu fassen. Der erste Einspruch beniängeltc die Fonn der Ausschreibung der Wahl. Der Gemeindevorsteher konnte aber ans den Akten nächweisen, daß auch bei den bisherige» Ausschreibungen von Ersatzwahlen diese Form eingehalten wurde. Der zweite Einspruch beschäftigte sich mit der Bollmacht der Regiening in Potsdam. welche der Amtivorsteher erhalten und ans Grund derselben als einziger Wähler seine Stimme abgegeben hatte, wodurch die Wahl oucy lütt zustande gekommen ist. In die Wählerliste ist der Forstfiskns. der Eisenbahnsiskus und der Steuer- fiSknS als gemeinsamer Wähler eingetragen. Der Einspruch bemängelt aber, daß die Regierung in Potsdam nur für den Forstftskus die Vollmacht crtcrlt hat. während nach d« Laichgemeindeordnung alle drei Abteilungen dein FiskuS hätte» di? Bollmacht erteilen miiffeir. Diese! wurde auch von keiner Seite in Zweifel gezogen, nur behauptete der Gemeindevorsteher, daß die Wahl dennoch gültig wäre, da der Wahlvorstand die Vollmacht entgegengenommen und den Bevollmächtigten zur Wahl zugelassen habe. Der drilte Einspruch stützt sich auf§ 59 der Landgemeinde- ordnnng, nach'welchem Schöffen nicht Gemeindevertreter sein dürfen und da am 4. Januar noch nicht bekannt war, daß der Schöffe Bach sein Amt am 2. Januar niedergelegt habe, so hätte derselbe auch nicht als Gemeindevertreter gewählt werden dürfen. Die an der Diskussion beteiligten Gemeindeverordneten stellten sich zum zweiten lind dritten Einspruch auf den Standpunkt, daß die Richtigkeit der Einsprüche nicht bestritten werden könne, aber selbst im Zweiselöfalle eine Klarstellung unbedülgt angebracht sei. Diese Klarstellung sei aber nur im Klagewege herbciznführeit, weshalb die Ungültigkeit der Wahl ausgesprochen werden muffe. Der Einspruch 1 wurde öllseitig als nicht zuneffend zurückgewiesen. Der Antrag des Gemeindevorstehers auf GiittigkcitSerklärung der Wahl wurde ab gelehnt, vielmehr die Wahl als ungültig erklärt.— Ein Verkauf weiterer Teil« des nördlich der BiSmarckstraße liegenden Feldweges an die Anlieger konnte nicht stattfinden, da dieselben sich über die Ver teilung nicht einigen konnten. Der Gemeindevorsteher soll nochmals mit deil Anliegern verhandeln, vielleicht sind dieselben nun einer Einigung zugänglicher, nachdem sie die Ansicht der Gemeinde- Vertretung gehört haben. Durch Verhandlungen mit dem Kreise wird aus Beschluß die RechtSauSknnft in Zukunft durch einen Regierungsassessor erteilt werden, für welchen die Kreise Teltow und Sttederbarnim die Kosten tragen werden. Die Gemeinde- verivaltnng ist verpflichtet, eine Schreibhilse, Bureauräume, Licht und Heizung zu stellen. Die Auskunft wird an zwei Togen in der Woche erteilt und zwar abwechselnd vormittags und iinchmiltags. Nach längeren, Streit, in welchem die Gegensätze bezüglich der Gemeindevorsteher- wähl wiederum in heftigster Weise zum Ausdruck gelangten, wurde der eingesetzten Konimission zur Erledigung der Vorarbeiten weitgehendste Vollmacht erteilt. Auf Antrag von Vertretern der zweiten und dritten Abteilung erstattete der Geiiicindevorsteher über die bis jetzt in der Eingemeiiidungsfrage erfolgten Schritte Bericht. Danacv ist am 19. Januar der Magistrat in Köpenick zu einer persönlichen Aussprache aufgefordert worden. Das Steuerjahr 1008 hat der Ge- meindekasse eine verminderte Einnahme von 34 500.87 M. gebracht, welche aus dem hinterlegten Fonds von 125 000 M. gedeckt werden sollen. Auch in"dieser Sitzung glänzten die Schöffen durch Abwesenheit(sie streiken, um die Gemeindevertretuiig arbetts unsähig zu machen), wodurch die Besetzmig von Kommissionen sehr erschwert wurde. Auf Anfrage unserer Genossen erklärte sich der Gemeilidevorsteher bereit, beim Landrat vorstellig zu werden, daß dieser Anweisung zur Reuivahl des dritten Schöffen erteile, damit die durch die wiederholte Abwesenheit der beiden anderen Schöffe» für Erledigung der Gemeindcaufgaben herbeigeführte Kalamität endlich beseitigt werde. Köpenick. lieber unsere nächsten Aufgabe« referierte in der letzten Wahl- vereinsvcrsanniilung Genosie Dr. Bruno Borchardt. Vor Eingang in die Tagesordnung wurde das Ableben der Genossen Wilhelin Eberhardt, Hübner und Puttlitz geehrt. Zur Ausnahme gelangten 17 männliche und 3 weibliche Mitglieder. Der Kasienberichl weist eine Einnahme von 1026,56 M. und eine Ausgabe von 894,65 M. auf. Die Bororbeilen für die Maifeier wnrden einer Konimisfioii von 14 Mitgliedern überwiesen. Ans dem Bericht über die Tätig- kcit der Kinderschutzkonimission ging hervor, daß die Genossinnen in ihrer Tätigkeit mehr wie bisher unterstützt werde» müßien. Start gerügt wurde die Entnahme des„Vorwärts" auS der bürgerlichen Spedition. Eine rege Beteiligung wird erwartet zu dem VoriragS� kursus des BildnngSausschuffeS am 2., 8., 16., 23. Februar im Stadt- Theater, kleiner Saal. Thema: Die Theorien und Programme der bürgerlichen Parteien in Deutschland. Referent: Genosse Julian Borchardt. Teilnehmerkarte 40 Ps. Schmargendorf. Einen warm empfundenen Nachruf widmete in der letzten Generalversammlung deS Wahlvcrcins der Vorsitzende dem ver- storbenen Genossen Eberhardt. Sodann gab er den Tätigkeitsbericht vom verflosiencii Jahr. Abgehalten wurden vier Gcncralversainm- luiigen, füns Mitglieder- und zwei Volköversanimlnngen. Die Zahl- abende wurden zum Teil mit ledhaften Diskussionen über die wichtigsten Tagesereignisse ausgefüllt. Die Zahl der Gemeinde- Vertreter wurde im Herbst von 9 auf 12 erhöht, nachdem der Wahl- verein und der hiesige Bürgerverein diesbezügliche Anträge an das Gemeindeparlament gestellt hatten. Sonst hatte ja die Gemeinde- Vertretung bei ihren Gesamileistungen für die arbeitende Bevölke- rung wenig getan. Daher ist es Pflicht der hiesigen Arbeiterschatt, bei den nächsten Wahle» den wahren Arbeiterverlrciern zum Siege zu verhelien. Die Mirgliederzahl stieg von 82 ans 95, darunter 12 weidliche Mitglieder. Die Neuwahl der Fnnktionäre ergab folgendes Resultat: 1. Vorsitzender: Kullmann, 2. Vorsitzender: Leh- inann, Kassierer: Hildebrandt, Beisitzer: Schuichenk; Bezirksführer: Kriesten, Prehm und Karl Schmidt; Lokalkoinmission: Reck: Revi- ioren: Paul Sprinz und Kipping; Bibliothekar: Nitschle; ZeitungSspcditeur: KaminSki, Cnnostr. 2. Die Wahl deS Schrift- fiihrers und eines BezirksführerS wurde bis zur nächsten außer- ordentlichen Mitgliederversammlimg am 9. Februar vertagt. Nolvalves. Die Ausbefferung der Beziige der Lehrer. Beamten„nd Ge- meindcnrbeiter bildete den Hauptpunkt der Tagesordnung der letzten Gemeindevertretersitzung. Der Bürgcrincistcr machte den Vorschlag, diesen Punkt in der nichtösfentlichen Sitzung zu ver- handeln, da wahrscheinlich auch Personensragcn mit in die Debatte gezogen würden. Auf Antrag des Genossen Gruhl wurde die An- gelegenheit öffentlich verhandelt. Zur Begründung der Vorlage betonte hieraus der Bürgermeister, daß die den Lehrern zu ge- währende Ortszulage, die nach 31 Dienstjahren 750 M. beträgt. nach dem Verhältnis unserer Nachbargeincinden bemessen sei. Die durch Ortszulage und Erhöhung deö Grundgehalts von 1350 aus 1400 M. verursachte Mehrausgabe der Gemeinde für 1910 im Bc- trage von 23 332 M. würde eine Erhöhung der Einkommensteuer nicht herbeiführen. Durch die Verbesserung der Lehrer- und Staats- beamtengchälter sei auch eine anderweitige Regelung resp. Er- höhung der Bezüge der Kommunalbeamten notwendig geworden, wodurch der Gemeinde nach der Vorlage eine jährliche Mehrausgabe von 9514 M. erwachse. Im Anschluß hieran habe es die Finanz- kommission auch für zweckmäßig gehalten, die Löhne der Gcineindc- arbeiter anderweitig zu regeln, denselben, bestimmte Anfangs- und Höchstlöhne zu garantieren, sowie zur Regelung des ArbeitSver- haltnisseS eine Arbeitsordnung zu schaffen. Welche Mchrausgaben durch die Erhöhung der Arbcitcrlöhne der Gemeinde entstehen, lasse sich jetzt noch nicht feststelle», doch ersuche er uin Annahme der Vor- läge.— In der nun folgenden Debatte nahm zuerst Gemeinde- Vertreter Wohl, Rektor der höheren Mädchenschule, da? Wort und erklärte sein Einverständnis mit der vorgeschlagenen Regelung der Beamten- und Arbeitervcrhältnisse. Bezüglich der Ortszulagen für die Lehrer führte er hingegen ans, daß dieselben nicht den Wün- schcn der letzteren entsprächen, da die Zulagen in den Nachbar- gcmci»dc>- zum Teil hohe- und Vesser verteilt seien. Er gab der Befürchtung Ausdruck, daß bei Annahme der Vorlage bald ein Mangel an tüchtigen Lehrern in der Gemeinde eintreten werde; er schlage dabcr vor, daß die Zulagen in derselben Weise wie in Potsdam geregelt werde».— Genosse Gruhl, als Mitglied der Finanzkommission, erklärte, daß dieselbe nicht nur die Lehrer, sondern auch die Beamten und Arbeiter berücksichtigen mußte; der Standpunkt Röhls sei ein recht einseitiger. Vergleiche man die Aufbesserungen der Lehrer mit denen der Bcauitcn. fo stelle sich heraus, daß die crstcrcn bedeutend besser abschneiden; um aber eine zufriedene Lehrerschaft zu erhalten und den Wünschen der- selben entgegenzukommen, seien die Sozialdemokraten bereit, dem Antrag Nohls auf Einführung der Potsdamer Ordnung zuzu- stimmen. Betreffs der Gemcindearbeiter beantrage er, die in Aussicht genommene Lohnerhöhung bereits rückwirkend mit dem 1. Januar und nicht, wie vorgeschlagen, mit dem 1.?lpri! in Kraft treten zu lassen, da ja auch den Lehrern die bereits gewährten Vorschußzulagen in Höhe von 9775 M. auf die vorgeschlagenen Ge- haltSausbesserungen nicht in Anrechnung gebracht werden sollen. Ter vorgeschlagenen Arbeitsordnung könnten die sozialdemokra- tischen Vertreter nicht zustimmen; um jedoch die Arbeiter möglichst bald in den Genuß der Lohnerhöhungen zu bringen, wollen er und seine Genossen von einer cingehenden Kritik Abstand nehmen, da- gegen in"einer der nächsten Sitzungen die nötigen Abändcrungs- antrüge zu der Arbeitsordnung stellen.— Daß auch der Humor bei der Beratung nicht fehlte, dafür sorgte der folgende Redner. Herr Vorschullehrer Reifs, der allen Ernstes unter allgemeincl: Heiterkeit den Sozialdemokraten die Weisheit verkündete, daß das Verhältnis der Arveiter zu den Arbeitgebern ein grundverschiedenes sei gegenüber den Beamten, da ersterc es jederzeit in der Hand hätten, durch Wechsel der Arbeitsstätte usw. ihre Lebenshaltung zu verbessern, während die Beamten und Lehrer auf das Wohl- wollen der Gemcindevertretung angewiesen seien. Wenn diese die Wünsche der Lehrer nicht erfülle, raube sie ihnen die Liebe zu ihrer Tätigkeit, worunter die Kinder der Gemeindeangehörigcn zu leiden hätten. Räch der Vorlage würde fast die Halste der Lehrer gar keine oder nur eine geringe Zulage erhalten; er beantrage deshalb eine Regelung der Zulagen, die auch die jüngeren Lehrer berück- sichtige.— Genosse Reumann trat ebenfalls für cine andere Rege- lung der Zulagen und der Einführung der Potsdamer Ordnung ein, da der finanzielle Effekt bei Einführung derselben für die Ge- meinde nicht allzu erheblich sei. Im übrigen betonte er, daß die vorgeschlagenen Aufbesserungen weit über diejenigen hinausgehen, die für die Gemeindearbeiter vorgeschlagen seien, so daß die Klage- lieber des Herrn Reiff nicht berechtigt seien. Wenn letzterer übrigens bedauerte, daß in unserer Gemeinde eine gewisse Eni- fremdung zwischen den Beamten und dem übrigen Teil der Be- völkerung Platz greise, so tragen die Beamten und Lehrer selbst daran die Schuld, da ein Teil derselben in Hausbesitzer- und ande- ren Vereinen eine Politik treibe, die den Interessen des Gemein- Wohls direkt zuwiderlaufe.— Herr Nathan beantragte, nachdem er sich nochmals des längeren über die Vorlage verbreitet hatte, die Zurückvcrweisuna der gesamten Vorlage an die Finanz- kommission.— Der Bürgermeister erklärte in seinem Schlußwort, daß er von der Debatte sehr enttäuscht sei; die Kommission habe in weitgehendster Weise alle Wünsche berücksichtigt und jetzt werde von allen Seiten die schärfste Kritik an der Vorlage geübt; er fühle sich deshalb veranlaßt, die gesamte Vorlage zurückzuziehen. Damit war der öffentliche Teil der Sitzung erledigt. Serickts- Leitung. Die eifrige Staatsanwaltschaft. Bekanntlich ist die„objektivste Behörde" sehr schwer in Bewegung zu setzen, wenn es sich um terroristische Unter- nchmer handelt. In Berlin bedurste es erst des Eingreifens des Kammergerichts, um zwei Bäckeriimnngsgrößen, die gegen den§ 153 der Gewerbeordnung gefrevelt hatten, auf die An» klagebank zu bringen. In Hamburg wurde zunächst von der Staatsanwaltschaft abgelehnt, gegen Obermeister Nuppcrt wegen des gleichen Vergehens einzuschreiten. Erst auf die eingelegte Beschwerde beim Oberstaatsanwalt wurde Anklage erhoben, die mit. der Verurteilung des N. endete. Einen größeren Eifer entwickelt die Staatsanwaltschaft in folgendem Falle: Als das preußische Kammergericht die Erhebung der Anklage gegen die beiden Berliner Bäcker» meister anordnete, wurde bald danach in dem in Hamburg er» scheinenden Organ des Bäckerverbandes der dies anordnende Beschluß des Gerichts mitgeteilt. Da dieser Beschluß in nicht öffentlicher Sitzung ergangen sein soll, wurde der ver- antwortliche Redakteur dieses Organs. Genosse Wcidlrr, wegen frühzeitiger Veröffentlichung dieses Beschlusses auf Grund des Preßgesetzes angeklagt. Schöffengericht wie Landgericht erkannten auf Freisprechung, letzteres mit der Begründung, es liege nur cine formale Verletzung des Preß- gesetzcs vor. Die Staatsanlvaltschaft trieb diese„wichtige" Sache in die Revisionsinstanz und hatte auch die Genugtuung, daß das hanseatische Oberlandrsgcricht die Sache in die Vor- instanz zurückverwies, weil geprüft werden müsse, ob cine fahrlässige Verletzung materiellen Rechts vorliege. Tie Angelegenheit beschäftigte also zum vierten Male das Gericht. Ter Angeklagte wendete ein. er habe geglaubt, daß der Beschluß des Kammergerichts in öffentlicher Sitzung bekanntgegeben worden sei. Die Strafkammer IV des Land- gerichts Hamburg stellte nun die fahrlässige Verletzung materiellen Rechts fest und verurteilte W. zu einer Geldstrafe von 20 M. Der§ 17 des Preßgesetzes, auf Grund dessen dies" Ver- urtcilung erfolgte, bedroht mit Strafe, die„Anklageschrift oder andere amtliche Schriftstücke eines Strafprozesses" durch die Presse zu veröffentlichen, bevop dieselben in öffentlicher Verhandlung iundgegebcn sind oder das Verfahren sein Ende erreicht hat. Diese Vorschrift mag dem Schutze deS Angeklagten gegen Preßscherereien durch Polizei und Staats» anwalt bei politischen Dingen iin alten schriftlichen Verfahren vielleicht hier und da haben dienen sollen. Tatsächlich nutzte sie auch da nichts, weil ja Polizei und Staatsanwaltschaft niemals gegen sich selbst eingeschritten sind, wenn sie die ihr ergebene Presse mit Artikeln versorgten. Und das durften diese Behörden, weil die vorbereiteten Polizcinachrichten der Wahrheit nicht entsprachen. Wir erinnern beispielsweise an den angeblichen Bombenfund in der Pankstraße. Jedenfalls ist der 8 17 im Rahmen unseres Prozeßverfahrens durchaus veraltet, seine Beseitigung liegt im Interesse aller Parteien. Wie lange noch soll jemand lediglich deshalb bestraft werden dürfen.>veil er die Wahrheit durch Mitteilung amtlicher Schriftstücke verbreitete?_ Verbotenes Peitschenknallen. Der Kutscher Schneider hotte auf einer bergan steigenden Straße seine Pferde durch Peitschenknallen anzutreiben gesucht. Er wurde deshalb wegen Uebertrelung der Polizeiverordnung von, 12. März 1005 angeklagt, welche eö für Herne verbietet, auf den öffentlichen Straßen innerhalb der geschlossenen Ortschaft mit der Peitsche zu inallen. Das Landgericht B o chnin sprach ihn frei. DaS K a m m c r g e r i ch t hob jedoch das Urteil auf und verurteilte Sch. zu einer Geldstrafe von einer Mark. Die Bestimmung der Polizeiverordnung sei gültig. Slkustische Gründe kümitel, sie allerdings nicht stützen. Sie sei aber gültig, weil sie bezwecke, die Ordnung und Sicherheit deS Verkehrs aufrecht zn erhalten. Das Peitschenmallen wirke leicht auch aus andere Pferde ein, als auf die, denen cS gelte, und könne leicht jene Pferde scheu machen, so daß eine Berkehrsstörung cintrct?» könne. Tumult im GerichtSsaal. EtwaS aufregend war die Einleitung zu einer Gerichts- Verhandlung, die gestern vor der Strafkammer des Landgerichts III stattfand. Auf der Anklagebank hatte eine neunköpfige DiebeS- bände Platz zu nehmen, zu denen sich ein Kaufmann Fritz Krüger aus der Kleinen Frankfurter Straße als Hehler gesellte. Einige der größtenteils in Haft sitzenden Angeklagten zeigten sich schon beim Eintritt in den Anklageraum äußerst unruhig und machten nach der Art der„wilden Männer" allerlei Gesten nach dem Zu- schauerraum hin. Als die Belastungszeugen aufgerufen wurden, begann der mehrmals vorbestrafte Angeklagte Arbeiter Franz Böttcher zu toben, dann ergriff er plötzlich ein auf dem Per- teidigertische stehendes Tintenfaß und schleuderte es unter Schimpfworten nach der Richtung der Zeugen, wobei der Saal durch herauSfließende Tinte beschmutzt wurde. Trotz ernstester Warnungen des Vorsitzenden unterließ er es nicht, auch fernerhin in lärmender Weise die Zeugen zu schmähen, so daß nichts übrig blieb, als ihn gewaltsam zum Untersuchungsgefängnis zurückzuführen und die Verhandlung gegen ihn zu vertagen. Gleich darauf wurde be- merkt, daß ein anderer Angeklagter etwas hastig in die Tasche steckte. Es stellte sich heraus, daß es einige Zigaretten waren, die dem Angeklagten von irgendeiner befreundeten Seite zu- gesteckt waren. Er mußte zu seinem Leidwesen diese Liebesgabe wieder herausgeben. Endlich wurde der wegen gewerbs- und gewohnheitsmäßiger Hehlerei angeklagte Krüger auf kurze Zeit in das Beratungszimmer geführt und dort einer Leibesvisitation unterworfen. Dem Vorsitzenden war nämlich gemeldet worden, daß der Angeklagte auf dem Gange nach dem Gericht Gift zu sich gesteckt habe, um sich vor den Augen der Richter zu vergiften, falls ihm etwas passieren sollte. Es wurde in seinen Taschen auch wirklich ein kleines Quantum Arsen gefunden, welches ihm weggenommen wurde. Erst nach Erledigung aller dieser Zwischen- fälle konnte in die eigentliche Verhandlung eingetreten werden. In allen Fällen der Anklage handelt es sich um Schaufenster- einbrüche, die von den Angeklagten in verschiedener Gruppierung ausgeführt wurden, ein allgemeines Interesse aber nicht dar- bieten. Eine wüste Nevolverfchieszerci und Massenprügelei» die sich in einem„Speisesalon" abgespielt hatte, lag einer Anklage wegen gemeinschaftlichen Hausfriedensbruchs und Körperverletzung mittels gefährlichen Werkzeuges zugrunde, die vor dem Schöffen- gericht Berlin-Mitte zur Verhandlung kam. Angeklagt waren: der Arbeiter Hans Lange, der Hausdiener Smirpalski, der Arbeiter SmirpalSki, der Schleifer Lange, der Arbeiter Hain, der Speise- Wirt Leonhardt und dessen Ehefrau Alma L.— Am 13. September vorigen Jahres kam der Angeklagte Hans Lange in den Speise- keller des Angeklagten Leonhardt in der Landsberger Straße. Zwischen ihm und L. kam es zu Streitigkeiten, die mit einer wüsten Prügelei endeten, an der sich auch die Frau L. unt einem Gummischlauch beteiligte. Lange wurde schließlich gewaltsam an die frische Luft gesetzt. Er äußerte nach der Prügelei auf der Straße, daß er mit einem Dutzend„kesser Jungens" wiederkommen und„die ganze Bude in�Klump schlagen" werde. Diesen Plan brachte L. auch am LS. September zur Ausführung. Er rückte abens mit zwölf Gesinnungsgenossen an. in der Absicht, seine Drohung wahr zu machen. ES kam auch. bald zu einem wüsten Krawall in dem Keller. Einer der Genossen des L. hatte die Lampe zertrümmert, so daß völlige Dunkelheit herrschte. Leonhardt zog, als er von allen Seiten mit Bierseideln und Stühlen bom- barbiert wurde, seinen Revolver und gab ins Blaue hinein mehrere Schüsse ab. Der Radau wurde immer größer, da die Helfershelfer des Lange schließlich infolge eines kleinen Mißverständnisses unter sich aufeinander losschlugen. DaS Tohuwabohu wurde hin und wieder, ganz wie in ernem„saloon" im Wild-West, von dem Krachen des Revolvers übertönt. Das Ülesultat dieser Szene war, daß Lange einen Schuß in daS Gesicht, ein anderer einen Schuß in den Hinterkopf erhielt.— Das Gericht sprach die Leonhardtschen Eheleute frei, da Notwehr als vorliegend angenommen wurde. Im übrigen lautete das Urteil gegen HanS Lange auf 3 Monate und gegen die anderen Angeklagten auf je einen Monat Gefängnis. Versuchter Totschlag. Unter der schweren Anklage deS versuchten Totschlage« stand gestern der Tischler Wilhelm Georg vor dem Schwurgericht deS Landgerichts I. Die Sache hatte ursprünglich das Schöffengericht beschäftigt, wurde aber an da? Schwurgericht verwiesen, weil daS seiner zweiten Frau noch ein Knabe geboren. Der Angeklagte scheint im allgemeinen ein fleißiger Arbeiter gewesen zu sein. Manchmal trank er aber auch; es kam zwischen den Eheleuten mehrfach zu Zank und Streit und der Angeklagte ließ sich zu Miß- Handlungen seiner Ehefrau hinreißen. Ende Dezember faßte diese kurzen Entschluß, verließ den Ehemann und nahm ihr Kind mit. Sie war nach Köpenick verzogen, der Angeklagte konnte aber ihren Aufenthalt nicht ermitteln. Er wurde dann krank, lag zu Hause, hatte keine Pflege und wußte nicht, was er anfangen sollte. Nun wußte er, daß seine Frau sich mit ZeitungSaustragen Geld ver- diente, er erforschte ihre Tour und stellte sich am 30. Januar 190? vor einem Haus auf, wo sie gegen KVa Uhr früh die Zeitungen abtragen mutzte. Als er ihrer gewahr wurde, trat er auf sie zu und bat um eine Aussprache. Die Frau lehnte dies wiederholt schroff ab, der Angeklagte wurde dringender und verlangte, daß er sein Kind sehen dürfe, und als auch hierauf eine abweisende Ant- wort erfolgte, stach er plötzlich mit einem Taschenmesser nach dem Halse der Frau. Der Stich ging durch daS Halstuch und brachte der Frau eine oberflächliche Wnnde bei, die stark blutete, aber böse Folgen nicht hatte. Der Angeklagte versicherte unter Zeichen einer tiefen Reue, daß er nicht wisse, wie er zu der Tat gekommen. Er habe große Sehnsucht nach der Frau und nach dem Kinde gehabt, und als ihm alles schroff abgelehnt wurde, seien ihm die Sinne geschwunden und er wisse nicht, was alsdann geschehen sei. Der Angeklagte gehört nach dem Gutachten des Gerichtsarztes Dr. M a r x zu der großen Zahl der Minderwertigen. Die Geschworenen bejahten nur die Tchuldfrage nach gefährlicher Körperverletzung und billigten mildernde Umstände zu. Der Angeklagte wurde zu sechs Monaten Gefängnis unter Anrechnung von einem Monat Untersuchungshaft verurteilt. geklagten zur Last gelegt wird, bildete den Schlußakt einer ungluck- lichen Ehe. Der Angeklagte hatte nach neunjähriger Ehe seine Frau verloren, die ihn mit vier Kindern zurückgelassen hatte. Bald Frau nach derem Tode heiratete er eine Freundin der Verstorbenen und siedelte von Liegnitz nach Berlin über. Drei seiner Kinder kamen in Pflege, das vierte blieb zu Hause. Dem Angeklagten wurde von Versammlungen. Dir Buchbinder und Buchbindereiarbeiterinnen hielten am Mittwoch in BerchtS Rittersälen ihre Branchcnversammlung ab. Herzog, der Qbmann der Agitationskommission, erstattete den Tätigkeitsbericht für das verflossene Jahr. Der Geschäftsgang im Berufe war gegenüber dem Vorjahre ein noch stillerer. Soweit es die Kommission ermitteln konnte, ist die Arbeitszeit im Jahre 1008 um etwa 127 000 Stunden verkürzt worden; im verflossenen Jahre sind bei den ständig beschäftigten Arbeitern und Arbeite- rinnen zirka 228 000 Arbeitsstunden ausgefallen. Hierzu kommt eine bisher nicht dagewesene Arbeitslosigkeit, die im ersten Viertel- jähr ihren Höhepunkt hatte. Jetzt ist aber bereits eine merkliche Besserung eingetreten. Nicht selten ist während der Krise ver- ucht worden, die Tariflöhne herabzudrücken. Dies war die lrsache unzähliger Differenzen und oftmals mußte die Branchen- leitung deshalb eingreifen. Auch einige Streiks mutzten geführt werden. In 70 Fällen wurden Differenzen durch Verhandlungen zu beheben gesucht, und zwar handelte es sich in 32 Fällen um tarifliche Differenzen, llmal um Maßregelungen tätiger Ver- banosmitglieder, in 6 Fällen um berufliche und sanitäre Miß- stände und in 12 Fällen um Beschwerden verschiedener Natur. Gegen die Firmen Albrecht Nachf., Bosse, Gahl und Ludwig muhte die Gewerbeinspektion angerufen werden, und zwar deshalb, weil die gesetzlichen Arbeiterschutzbestimmungen nicht beachtet wurden. Ihre Geschäfte entledigte die Agitationskommission in 48 Sitzungen. Des weiteren wurden 308 Betriebsversammlungen und 11 Ver- traucnSmännerversammlungen abgehalten. In 0 Branchen- Versammlungen wurden bildende Vorträge gehalten und 2 öffent- liche Versammlungen hatten sich mit wichtigen Berufsangelegen- heilen zu beschäftigen. An der Maifeier beteiligten sich durch Arbeitsruhe 390 Mitglieder gegenüber 290 im Jahre 1908. Be- schäftigte Personen wurden in 105 Betrieben 2901 ermittelt, wovon 2534 organisiert sind. Die neuen gesetzlichen Bestimmungen über die Arbeitszeit der Arbeiterinnen veranlaßten Auseinandersetzungen mit dem Arbeitgeberverbandc. Dieser versuchte, den Tarifamts- beschlutz der Buchdrucker auf das Buchbindergewerbe zu über- tragen, wonach die ausfallende Stunde am Sonnabend an den übrigen Tagen wieder nachgearbeitet werden soll. Da der Buch- bindertarif jedoch eine üstündige Arbeitszeit vorsieht, sielen die Arbeitgeber mit ihrem Verlangen ab. Somit sind die Buchbinder- versonale jetzt in bezug aus die Arbeitszeit günstiger gestellt als die Buchdruckerpersonale. Die gesetzlich festgelegte Maximal- arbeitszeit für die Arbeiterinnen von 10 Stunden an den übrigen Tagen wird in mehreren Betrieben auch noch überschritten. Hieran seien aber die Arbeiterinnen zum Teil mitschuldig; das veranlaßt die Branchenleitung, in den nächsten Tagen ein auf- klärendes Flugblatt unter den Arbeiterinnen zu verbreiten. Anschließend an diesen Bericht berichtete Wienicke über die Tätigkeit der Tarifkommifsion. Diese hielt 03 Sitzungen ab und 5 gemeinsame mit der Agitationskommission. Sie besuchte 8 Sitzungen des Tarifschiedsgericht«, in denen 22 Klagen erledigt wurden. Die Zusammensetzung des Tarifschiedsgerichts seitens der Prinzipale ist eine dem Tarifgedanken keineswegs förderliche. Während bei den, verstorbenen Vorsitzenden desselben, Herrn Probst, eine Objektivität, die stets angenehm berühren mußte, anzutreffen war. kann daS von dem gegenwärtigen Vorsitzenden, Herrn Zenner, von der Firma H. Sperling, nicht gesagt werden. Die Prinzipale sind stets bemüht, den Bestimmungen des umfangreichen AkkordtarifeS eine für die Arbeiter ungünstige Auslegung zu geben. Zu dem kommt, daß die Herren R. Schneider und A. Ludwig zwei Beisitzer sind, die den Tarif und auch die Entscheidungen der Tarifinstanzen nicht be- achten, so daß die klagenden Arbeiter oftmals gezwungen sind. ihre Ansprüche auf dem ordentlichen Rechtswege geltend zu machen. In einer gemeinsamen Vorstandssitzung der beiden Verbände beschäftigte man sich mit der Tariffeindsckaft der Berliner Buch- binderinnung. Es sollten Mittel und Wege gefunden werden, mit denen die Jnnungsmeister zur Anerkennung des Tarifs ge- nötigt werden sollten. Das beste Beispiel, wie es in tariflicher Hinsicht bei den Jnnungsmeistern aussieht, gibt der Obermeister Richter. Von sämtlichen bei ihm beschäftigten Gehilfen erhielt nicht ein einziger, trotz der teilweise jahrelangen Tätigkeit bei ihm, den Minimallohn. Der Vorsitzende des Arbeitgeberverbandes hatte sich schriftlich und telephonisch mit ihm in Verbindung ge- setzt, um ihn zur Anerkennung des Tarifs und dem Erscheinen vor dem Schiedsgericht zu bewegen. Herr Richter erklärte ihm aber, daß er sich dem Schiedsgericht nicht unterwerfen und nach wie vor ohne den Tarif auskommen wird. Bei einer persönlichen Verhandlung, die die Vertreter des Duchbinderverbandes mit ihm hatten, sagte er diesen, daß er die Tariflöhne deshalb nicht zahlen kann, da er fast ausschließlich für Behörden arbeitet und die Be- Zahlung der Arbeiten durch diese ihm das nicht erlaubten. In der Sitzung der beiderseitigen Vorstände der Verbände gelang es, den Arbeitgeberverband zu veranlassen, auch seinerseits für die Ausbreitung der Tarifgcmeinschaft zu sorgen. Es wurden ge- meinsame Eingaben an die hiesigen Behörden beschlossen, in denen letztere ersucht wurden, ihre Arbeiten nur an tariftreue Buch- bindercien zu vergeben. DaS hatte den Erfolg, daß die Behörden vom Arbcitgeberverband ein Verzeichnis solcher einforderte, und seitdem entlohnt auch der Obermeister Richter keinen Gehilfen mehr unter dem Minimallohn. Ob nun auch die Behörden höhere Preise für die von ihm gelieferten Arbeiten zahlen, entzieht sich der Kenntnis der Arbeitervertreter. Der Bericht löste eine fast dreistündige Diskussion aus. Be» sonder Swurde über den anscheinend immer mehr um sich greifen- den Uebelstand, daß Gehilfenarbeiten von Arbeiterinnen angc- fertigt werden, lebhaft geklagt. Eine Resolution, durck, die die Tarifkommission ersucht wird, diesem tarifwidrigcn Zustand mit aller Schärfe, eventuell auch mit dem letzten zu Gebote stehenden Mittel zu Leibe zu gehen, wurde einstimmig angenommen. In die Agitationskommission wurden Grund, Herzog, Lüdecke, Sck>neew«itz, Weisel, Frl. Kolberg und Frl. Preuß gewählt; als Vertreter zur Ortsverwaltung Bier« mann, Herzog. Jünemann und Frl. Schallert. Emgegsansene vrucksckriften. Reformbliitter. Illustrierte« MonatsdlaU für alle hygienischen Re. formen Nr. 1. IS. Jahrg. Pro Jahr S M. Einzelnummer 30 Pj. Refoimblätter Verlag. Hannover-Wülsel. 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