Nr. SS. AbsnnementZ-keäinglingen: Abonnements- Preis pränumerando! Btertcljährl. Z�io Wik., monatl, l.lv Mk,, wöchenllich 26 Pfg, frei ins HanS.. Einzelne Punimer 5 Pfg, Sonntags- nummer mit illustrierter SonntagS- Beilage»Die Neue Welt" 10 Pfg. Post» Abonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post-Zellunas- Vreiolifle. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für das Übrige Ausland 3 Wiurk pro Monat. PoslabonuemenlS »cbmen an; Belgien, Täuemork, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rmnänien, Schweden und die Schweiz. 27. Jahrg. Crfdltint iZzlllv außer montags. Verlinev Volksblatl. Sie �nserNonz-eebilhi' kelrägt sür die sechSgcspaltene Kolonet- zeilc oder deren Raum 60 Pfg,, sür politische und gewcrlschaftliche Vereins- und VersammlungS-Anzeigen 30 Pfg. „Kleine 3n:eigen", da- erste ssctt- gedrucktc) Wort 20 Pfg,, jedes weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlaf- ftellcwAnzeigc» das erste Wort 10 Psg,, jedes weitere Wort 6 Pfg. Worte über lö Buchstaben zählen sür zwei Worte. Inserate sür die nächste Nummer müssen bis S NhrnachmiltagS in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm-Adresse: „Sozialdtmolirat Berlin". Zcntralorgan der fozialdemokratt fehen Partei Deiitfchlands. Redaktton: 8Äl. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Sonntag, den 30. Januar 1910. Sxpcdttton: SM. 68, Lindcnstraaae 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. vrohling mit dem Staatsitreici)! Im Reichstag hat sich heute ein Vorgang abgespielt, wie er beispiellos ist in seiner Geschichte. Ein Abgeordneter hat sich beikommen lassen, es als möglich hinzustellen, daß der Kaiser einmal einem Lcntnant die Order geben könne, mit zehn Mann den Reichstag zu sprengen. Und diese Drohung mit dem Staatsstreich, diese Beschimpfung der Volksvertretung ist von dem amtierenden Präsidenten nu- gerügt geblieben. Jene ungeheuerliche Verhöhnung des Reichstages ging aus von dem konservativen Abgeordneten v. Oldenburg-Januschau, dessen junkerliche Frechheit schon manches Stück geleistet hat. Unsere Leser finden iin Reichstagsbericht die genaue Darstellung des Vorganges. Da nachher der Versuch gemacht wurde, die Bedeutung der Worte des Januschauers abzuschwächen, und da er selbst unmännlich genug war, hinter jener von anderer Seite ge- lieferten Auslegung seiner Worte Deckung zu suchen, muß zur Würdigung des Vorgangs seine Verhöhnung der Volks- Vertretung hier wiederholt ioerden: Nachdem Herr v. Oldenburg nämlich zunächst in verschiedenen Sätzen ausgeführt hatte, die altpreußische Tradition verlange, daß ein Leutnant auf den Reichstag absolut nichts geben dürfe, sagte er wörtlich: „Ja, meine Herren, daS ist auch eine alte preußische Tradition, und daß Ihnen diese Tradition nicht paßt, das glaube ich sehr gern. Der König von Preußen und der Tcutschc Kaiser muß jeden Moment imstande sein, zu einem Leutnant zu sagen:„Nehmen Sie zehn Mann und schließen Sir den Rnichstag Als diese frechen Worte in schnarrendem Gardeleutnantston in den Reichstagssaal yineingekrcischt waren, entstand zunächst ein wachsender Tumiilt; Gelächter, Rufe der Empörung wurden laut, auf de» konscrvativeu Bänke» rief man: Bravo l Sehr richtig! Herr V.Oldenburg selbst bekräftigte die aus- gesprochene Beschimpfung noch-, indem er mit höhnischeni Lachen sich weiter über seine Auffassung von der altpreußischen Tradition verbreitete und sogar hinzufügte: „Und wir von der Rechten hoffc», daß der preußische Herr Kriegsminister diese Tradition aiifrcchtrrhaltcu wird." In der Verhöhnung des Reichstages gefiel er sich so, daß er seine unverschämte Landsknechtsrede schloß mit den zur Linken gerichteten Worten:„Adieu, meine Herren!" Und wieder erschallte lebhafter Beifall rechts. Bei dieser ganzen unerhörten Szene hatte sich der amtierende- zweite Vizepräsident Erbprinz zu Hohen- lohe-Langenburg völlig passiv verhalten. Nach Olden- burgs Abtritt erhob er sich— nicht aber um die Staats- streichsdrohung zu rügen, sondern um einem anderen Redner daS Wort zu erteilen. Da trat Genosse Lcdebour vor und rief laut zur Präsidententribüne hinauf:„ W a s s a g t der Präsident dazu?!" Prinz Hohenlohe verbat sich das. Als Ledebonr nicht locker ließ mit seiner Aufforderung an den Präsidenten, gegen die Staatsstreichsdrvhung ein- zuschreiten, erteilte ihm der Prinz einen Ordnungsruf. Im Verlauf einer Geschäftsordnungsdebatte, die vom Genossen Singer mit kräftigen Worten eingeleitet wurde, er- läuterte dann der Vizepräsident seine Passivität damit, er habe Herrn v. Oldenburg dahin verstanden, daß er nur die Notivendigkeit der unbedingten Disziplin des Offizierkorps an einem bestimmten Beispiel habe erläutern wollen. Herr v. Oldenburg verkroch sich hinter diesen Beschönigungsversuch, ohne aber in irgend einer Weise seine Worte zurückzunehmen. Die Hohenlohe-Oldenburgschen Jnterpretationskünste waren selbst den Vertretern bürgerlicher Parteien zu kläglich. Nach einander erklärten die Herren Bassermann für die nationalliberale, Müll er-Meiningen für die freisinnige Partei und Gröber für die Zentrums- Partei, daß die Oldenburgsche Herausforderung ernster auf- zufassen sei als Prinz Hohenlohe das zugeben wollte. Bassermann wies noch ausdrücklich darauf hin. daß der Januschauer die kräftige Unterstützung seiner Partei- genossen sür die Staatsstreichandrohung gefunden habe. Singer wies gleichfulls namens der sozialdemokra- tischen Partei jene Auslegungsversuche zurück und kennzeichnete das Verhalten des frechen Junkers auS Januschau treffend als„Kneifen". Würden die preußischen Offiziere im Kriege nicht mehr Mut aufbringen. alS ihr prahlhansiger Wortführer v. Oldenburg-Januschau im Reichstag, dann lväre es schlimm bestellt um die preußische Kriegsehre. Nichts wäre törichter, als wenn man diese Heraus- forderung des Reichstages und des Volkes, diese Drohung mit dem Staatsstreich nicht ernst nehmen würde, weil Herr v. Oldenburg wie ein karncvalistischcr Harlekin spricht und agiert. Aus dem ganzen Zusamnienhang geht hervor, daß er das Experinient mit dem Leutnant und seinen zehn Mann als praktisches Auskunftsmittel zur Lösung etwaiger Konflikte zwischen Krone und Volksvertretung ins Auge gefaßt hat. Ja niehr noch; er fand dabei die kräftige Unterstützung seiner Parteigenossen, der Junker und Handlanger des Junkertums in der konservativen Partei. Dabei entsprangen die Oldenburgschen Worte nicht etwa einer plötzlichen Eingebung, die unvermittelt in die Debatte hineinplatzte. Sie wuchsen vielmehr heraus aus einer längeren Erörterung zwischen dem Kriegsminister und den Vertretern der Parteien über die B e z i e h u n g e n.d e s Offizierkorps zum Volke. Ja, ihre volle Bedeutung erhalten sie erst im Zusammenhang mit B e- merkungen des Kriegsministers selbst, die im Reichstage offenbar nicht sofort überall richtig gewürdigt wurden, die indes für Herrn v. Oldenburg das Stichwort zur Kundgebung seiner innersten Seelenwünsche abgegeben haben. Auf die Bemerkung eines Abgeordneten, daß die Offiziere ebenso wie die Beamten dem Staate und Volke zu dienen hätten, erwiderte nämlich der Kriegsminister General v. Hceringen: da bestehe doch ein wesentlicher Unter- schied. Die Beamten hätten den Eid auf die Verfassung geleistet, die Offiziere aber nicht. Sie seien nur ihrem König und Kaiser zum Gehorsam verpflichtet. Das sei aber sehr vorteilhaft, es Habesich im Laufe der Geschichte bereits wiederholt als nützlich erwiesen. Im Zusammenhang mit diesen Worten erhält die freche Drohung des westpreußischen Junkers erst ihre volle Wucht. Denn unter den geschichtlichen Beispielen, auf die der Haudegen im Ministersessel anspielte, tritt vor allem der Einmarsch der Wrangelschen Truppen in Berlin zur Sprengung der preußischen Nationalversammlung hervor. Es hieße die Ohren verstopfen und die Augen verschließen, wollte nian leugnen, daß der Januschauer tückische Pläne in alle Welt hinausgeschrien hat, die vorsichtigere Leute im Busen bewahren, bis sie glauben, sie straflos in die Tat umsetzen zu können. Uvd nun bedenke man: So wagen die Befürworter de monarchischen Absolutismus in Deutschland schon zu reden, ehe noch im Volke die Erregung völlig verhallt ist über die unheilvollen Betätigungsversuche eines persönlichen Regiments, die im November und Dezember vorigen Jahres die all- gemeine Verurteilung der Parteien und die Einbringung von Äerfassungsanträgen herbeiführten. ES stellte sich damals bald heraus, daß es nur der Sozialdemokratie wirklich ernst war mit Verfassungsänderungen, die ähnlichen Betätignngsver suchen des persönlichen Regiments einen Riegel vorgeschoben hätten. Die Mehrheit des Reichstages versagte völlig vor den Aufgaben, die ihr gestellt waren. Jetzt hat der Reichstag seine Antwort! Die Absolutisten drohen mit dem Staatsstreich! Eine Volksvertretung, die die Gunst der Umstände zur Festigung und Erweiterung der Volksrechte und des Einflusses der Volksvertretung nicht zu nutzen Iveiß, hat es sich selbst zuzuschreiben, daß ein Oldenburg-Januschau sie stech verhöhnen und nnt dem Staatsstreich bedrohen darf. Aber dieser Angriff auf die Ehre und das Ansehen der Volksvertretung, diese StaatSstreichdrohung, müßte aufrüttelnd wirken auf den Reichstag und ihn antreiben, wirksame Maß- regeln zu ergreifen, um den Plänen der Staatsstrcichler in der Wiege schon das Genick zu brechen. Zunächst ist der Reichstag in die Notwendigkeit versetzt, durch ein Votum Stellung in der Sache zu nehmen. L e d e b 0 u r hat von seinem Recht Gebrauch gemacht, gegen den vom Vizepräsidenten Prinz Hohenlohe erteilten Ordnungsruf an die Entscheidung des Hauses zu appellieren. Am Dienstag findet die Abstimmung über diesen Appell statt, nachdem die Mitglieder aus dem Stenogranim der Sitzung sich über die Vorgänge haben informieren können. Der Zweck dieses Appells ist, das Haus entscheiden zu lassen, ob es billigen will, daß ein Abgeordneter, der den amtierenden Prä- sidenten drängte, Stellung zu einer Staatsstreichdrohung zu nehmen, mit einem Ordnungsruf gestraft werden soll, während derjenige Abgeordnete, der den Reichstag nnt der Staats- streichdrohung beschimpfte, frei ausgeht. Um diese Entscheidung komnit das Haus nicht mehr henim. Hier gibt es nur ein deutliches Nein oder ein dcut- liches Ja. Aus dem Votum wird man erkennen können, ob die Mehrheit dieses Reichstages noch die Kraft und den Willen hat, ganz abgesehen von allen Parteidisferenzen und persön- lichcn Rücksichten, die Zurückiveisung eines solchen Attentates auf seine eigene Ehre als Volksvertretung, wie es Herr v. Oldenburg gewagt hat, zurückzuweisen. Aber damit ist es natürlich nicht genug. Die Januschauerei muß ein Ansporn sein für den Reichstag, die Erfüllung der im Vorjahre vernachlässigten Pflicht der Bekämpfung des persönlichen Regiments mit verdoppelter Kraft aufzunehmen. Wieder ist ihm die Unterstützung der übeNviegcnden Mehrheit des Volkes sicher. Nur wagen, zugreifen und konsequent handeln— und der Erfolg ist ihm gewiß I Der Erfolg ist ihm gewiß, da er das Volk mit sich haben würde. Deshalb ist es aber auch für das Volk notwendig, zu handeln, um den Reichstag vorwärts zu treiben, wenn er zagen und zögern sollte, und sollte er gar abermals versagen, dann gilt es, eine niachtvolle Bewegung zu entfesseln, um an die Stelle des gegenwärtigen Reichstages eine Volksvertretung zu bringen, die ihre Aufgabe als Vorkämpferin der Volks- rechte besser zu erfüllen versteht. Deshalb ist es hohe Zeit, den staatsstreichlüsternen Junkern und ihren feigen Hintermännern die Wucht eines mündigen, seine Rechte fordernden, seine Ehre wahrenden Volkes entgegen- zuwerfen, das nicht ruhen und rasten wird als bis jede Möglichkeit absolutistischer Zustände in Deutschland beseitigt ist und das Volk ein für alle mal sein Geschick selbst bestimmt. Junker Stellung nehmen und die Treibereien der„Edelsten der Nation" beleuchten. Nähere Bekanntmachungen erfolgen in der Dienstag- nummer des„Vorwärts". Wir bitten alle Genossen am Platze zu sein. Der geschäftsführende Ausschuß. Lleiches lüecht kür Zeclerman». Ende nächster Woche soll also her Schleier von dem Geheimnis der preußischen Wahlrcchtsvorlage gelüftet ioerden. Was dann zum Vorschein kommen wird? Eine scheußliche Fratze? Die Karikatur eines wirklichen Wahlrechts? Nun, das Proletariat ist auf alles gefaßt und entschlossen, den Kampf um ein wirkliches Wahlrecht nach Bekanntwerden der Vorlage erst recht mit vollster Energie aufzunehmen! Darüber ist ja kein Zweifel, daß die Regierung keine lieber- tragung des Reichstagsloahlrcchts auf Preußen vorschlagen wird. Hätte sie wirklich diese Absicht gehabt— die Haltung der bürger- lichcn Parteien hätte sie von einem Entgegenkommen abbringen müssen! Nicht nur die Haltung der ausgesprochenen Gegner eines solchen Wahlrechts, wie der Konservativen und Nationallibcralcn, sondern gerade auch der Parteien, die sich immer als Freunde eines freien Wahlrechts aufgespielt haben! Oder gibt es eine kräftigere Ermunterung der wahlrechtsfeindlichen Absichten der Regierung, als sie darin liegt, daß Zentrum und Freisinnige von vornherein erklärten, auf die Gewährung des Reichstagswahlrcchts sei ja natürlich auf keinen Fall zu rechnen; ja, daß sie sogar die Einführung der geheimen Abstimmung als eine kaum zu erhoffende Konzession hinstellten I? Eine famose Taktik I Da sind die Junker andere Kerle! Die Am Dienstag, den 1. Februar, wird die Berlincr Arbeiterschaft zu den unverschämten Absichten unserer schreien und schreien und stellen die maßlosesten Forderungen, um wenigstens eine gehörige Abschlagszahlung herauszuschlagen. Zcn» tcum und Freisinn aber warfen von vornherein die Flinte ins Korn, gefielen sich in einer wahrhast erbarmungswürdigen Bc- scheldenheit. Etivas Dümmeres und Kläglicheres ist schon gar nicht mehr auszudenken, als diese Haltung der bürgerlichen Wahlrechts- freunde! Immer freilich vorausgesetzt, daß diese Parteien es mit ihren Anträgen auf Ucbcrtragung des Reichstagswahlrcchts auch ehrlich gemeint haben! Denn lägen auch sonst nicht die geringsten Anzeichen vor, daß Zentrum und Freisinn ihre Anträge nur aus agitatorischen Gründen gestellt hätten, so bewiese allein ihre unsägliche Haltung seit Ankündigung der Wahlreform ihre Unehrlichkeit! Speziell das Zentrum schreckt ja, wie erst wieder der Sturz BülowS bewiesen hat, nicht vor den nachdrücklichsten Pressionen zurück, wenn es Interessen durchzusetzen gilt, die ihm wirklich am Herzen liegen. Am Herzen liegen ihm allerdings nur die agrarische Volksausplünderung und die pfäfsische Volksvci> dummung, nicht aber auch die Eroberung der fundamentalsten Bürgerrechte für die ungeheure Mehrheit des gesamten preußischen Volkes! Was Freisinn und Zentrum schmählich versäumen, hat die Sozialdemokratie um so energischer mit zu übernehmen. Der Stachel der Empörung über die Volksverhöhnung durch eine armselige Flickrcform kann nicht tief genug in die Volksseele gedrückt werden! Diese Empörung wird bei allen politischer Erwägung überhaupt Fähigen schon dadurch entfacht werden, daß man ihnen einfach klar macht, was i st. Wenn die Volksentrechtung, sei c» in der Form eines Klassenwahlrcchts, sei es auch nur in der eines Pluralwahlrechts, iveiter bestehen soll, so bedeutet das die Aufrecht» crhaltung der Vergewaltigung und Entmündigung der Nation! So bedeutet das die Verewigung der schnöden Bolksknebelung und VolkSuntcrdrückimg durch eine bevorrechtete Minderheit! Die Ver- cwigung des Zustandcs, den die Satire des Dichters durch die Verse gcbrandmarkt hat: Zwei Rassen gibt's, die eine wird mit Sporen, Mit Sätteln wird die andere geboren! Daß das wirklich die Ansicht nicht nur der Junker, sonderit sogar mancher Nationalliberalen ist, beweist die Aus- lassung des Abg. Schmieding, daß es stets„drei in der Natur bc, gründete Gesellschaftsklassen" geben werde. Die dritte Klasse, zu der Herr Schmieding die„Handwerker, Tagelöhner, Kleinbauern und Soldaten" rechnet— also die riesige Mehrheit des gesamten Volkes— ist eben die mit dem Sattel geborene Rasse, deren Weichen die Sporen der privilegierten Rasse wund scheuern! Sollte es wirtlich im preußischen Volke allzuviele geben, die sich als geborene Packesel fühlen? Die sich geehrt fühlen, wenn ihnen die Sporen in die Weichen dringen, die es für ein„in der Natur begründetes",„gottgewolltes" Los halten, wenn ihnen die Peitsche der Junker und Kapitalisten um die Ohren saust? Wir glauben es nicht! Und was fordert denn die Masse der Entrechteten? Verlangt sie etwas Ungebührliches? Etwas den Mitbürger Schädigendes? Nein, sie verlangt gleiche politische Rechte, für all el Nicht nur für den Proletarier, den Handwerker, den Kleinbauern, sondern auch für den Kapitalisten, den Großgrundbesitzer. Der Reiche soll ja in seinem Bürgerrecht nicht um ein Atom verkürzt werden. Seine Stimme soll ebenso viel gelten, wie die jedes anderen. Selbst der reiche Arbeitsscheue, der von seinen Renten lebt, der soziale Parasit, soll genau so viel Wahlrecht haben« wie der fleißige Kopf- oder Handarbeiter, dessen ehrliches Schaffen zum Gedeihen des Staatsganzcn beiträgt. Rehmen wir einmal an, es bestände ein Wahlrecht, daS die ehrliche Arbeit begünstige, das der Arbeiterklasse und dem gcwcrb- tätigen Mittelstände als dem eigentlichen staatserhaltenden Kerne tcS SSoIlrS ein ciT)dT)(c3 Wahlrechk bctlicljc, Wie ivürdcil sich die Besitzcndeli dcr empören, wie würden sie cm dem Umsturz dieses Wahlrechts arbeiten! Vor keiner hochverräterischen Handlung würden sie zurückschrecken, um sich größere Rechte zu erringen! Und doch wöge das ihnen zugemutete Wahlunrecht federleicht gegenüber der Wahlrechts- schwach, die man heute der Masse des Volkes zufügt. Denn sie wären ja nur die Minderheit des Volkes, sie— so könnte man sagen— waren durch ihren Besitz ja derart begünstigt, daß sie nicht im gleichen Maße des Schutzes der Gesetzgebung bedürften, wie die große Masse der Wenigbesitzendcn oder völlig Hablosen! Bekanntlich ist es ja in Preußen umgekehrt. Mehr als vier Fünftel des Volkes sind völlig rechtlos, während noch nicht c i n Fünftel kraft des unerhörten DreiklasscnwahlunrechtS nach Willkür schaltet und waltet! Und die vier Fünftel dcr Entrechteten sind die Nichtbcsitzenden, die cheS gesetzlichen Schutzes, dcr staatlichen Fürsorge am dringlichsten bedürfen, während die wenigen Prozent dcr Bevorrechteten Sic Reichen und wirtschaftlich Mächtigen sind, die sich ohnehin in dcr sozialen Uebermacht befinden! Und die große Masse der Rechtlosen, die gewaltige Mehrheit der Nation, sollte gewillt sein, sich noch länger ein solch ungeheuer- liches Wahlunrecht gefallen zu lassen?! Die Regierung darf sich nicht dem Wahne hingeben, daß es genüge, wenn ihre Vorlage den Beifall dcr Mehrheit des Drei- klassenhaUses findet. Das entrechtete Volk wird es sich nicht nehmen lassen, ein kräftiges Wärt- lein dabei mitzusprechen? vie englische» Wahlen. London, 29. Januar.(Privatdepesche des„Vorwärts".) Die Wahlen sind nun beinahe abgeschlossen; es sind 664 bereits bekannt, so daß nur noch 6 Wahlen zu vollziehen sind, die in der nächsten Woche stattfinden. Gewählt sind 273 Liberale, 271 Konservative, 40 Mitglieder der Arbeiterpartei, 80 Iren. Die Arbeiterpartei hat leider einen schweren Verlust zu verzeichnen. In Jarrow(Durham) ist Genosse Pete C u r r a n mit 4818 Stimmen gegen 4385 des Liberalen unterlegen. Der Konservative erhielt nur 4658 Stimmen. In Gloucestcrshire ist der bekannte Liberale Sir Charles Dilke wiedergewählt worden. *«# •» Einige Lehren ans de» englische» Wahlen. London, 27. Janucir.(Eig. Ber.) Die Wähler des vereinigten Königreichs baben gesprochen, aber nichts entschieden. Die Krise hat keine Lösung gefunden. Weder die Liberalen noch die Konservativen erhielten eine regierungsfähige Mehrheit. Die alten Streitfragen,, die das Jahr 1969 zu einem politischen Krisenjahre in England machten, sind geblieben, und sie geben dem öffentlichen Leben eine Unsicherheit, die wahrscheinlich innerhalb dieses Jahres wieder zu einem Appell an die Wählerschaft führen wird. Noch ist der Lärm des Wahlkampses nicht verhallt. Ter Beobachter und Deuter der letzten Ereignisse befindet sich in dcr Lage eines Kriegsberichterstatters, der inmitten des Kanonendonners die Lehren des Feldzugcs zusammenfaßt. Die Wahlen haben jedoch einige markante Tatsachen au die Oberfläche gebrocht, die schon jetzt hervorgehoben und koin- mentiert werden dürfen. Die erste Tatsache ist, daß die Interessenten der britischen Stapelindustrie an einen wirtschaftlichen Niedergang Eng- lands nicht glauben. Sie lehnen jede Aenderung der Handels- Politik ab. Sie befinden sich wohl unter dem Freihandels- system, jedenfalls aber erscheinen ihnen die angeblichen Vorteile des Schutzzollsystems nicht erheblich genug, um für Tarifreform einzutreten. Sie sind mit dem Fortschritt ihrer Industrie zufrieden. Diese Lehre geht aus den Abstimmungen dcr Wähler von Lancashire, Dorkshire, des ganzen Nordens von England, dcr Londoner Fabrikviertel, sowie der Wähler Schottlands hervor. Nur Birmingham und Umgegend bilden eine Ausnahme, ober diese Distrikte stehen ganz unter dem Einflüsse der Persönlichkeit von Chamberlain; es überwiegen dort imperialistische Motive j die Tarifreform hat für jene Gegenden nicht die Bedeutung einer Wirtschaftsreform, sondern die einer Aenderung der Reichsorganisation: dcr lto; Bebels Erinnerungen. Am 1. Februar gelangt der erste Teil der Bebelschen Memoiren{A. Bebel, Aus meinem Leben. 1. Teil) im Verlag von I. H. W. D i e tz Nach f. zu Stuttgart zur Ausgabe. Der Verlag hat uns daS Buch vor dem Erscheinen im Buchhandel zugehen lasse»; wir können daher hier ein Stück aus einem der ersten Kapitel wiedergeben. Leider geschah die Zusendung erst gestern, so daß diese Veröffentlichung nicht gleichzeitig mit denen einiger bürgerlicher Blätter erfolgen konnte. »* * Tie Lehr- und Wanderjahre. „Was willst Du denn werden?" war die Frage, die jetzt mein Vormund, ein Onkel von mir, an mich stellte.„Ich möchte das Bergfach studieren!"„Hast Du denn zum Studieren Geld?" Mit idicscr Frage mar meine Illusion zu Ende. Daß ich das Bergfach studieren wollte, war dadurch veranlaßt, daß, nachdem im Anfang der fünfziger Jahre die Lahn bis Wetzlar schiffbar gemacht worden war, in der Wctzlarer Gegend dcr Eisen- erzabbau einen großen Aufschwung genommen hatte. Bis dahin Natten Kaufen Eisenerze fast wertlos vor den Stollen gelegen, -weil die' hohen Transportkosten die Ausnutzung der Erze wenig rentabel machten. Da aus dem Bergstudium nichts werden konnte, «ntschloß'ck, mich, Drechsler zu werden. Das Angebot eines Kleiiipncrmeisters, bei ihm in die Lehre zu treten, lehnte ich ab; der Mann war mir unsympathisch, auch stand er im Rufe eines Trinkers. Drechsler wurde ich aus dem einfachen Grunde, weil ich annehmen durfte, daß der Mann einer Freundin meiner Mutter, der Drcchslermeister war, und der in der Stadt den Ruf eines süchtigen Mannes genoß, bereit sein werde, mich in die Lehre zu nehmen. Dies geschah auch. Die Begründung, mit der er meine Anfrage bejabte. war wunderlich genug. Er äußerte, seine Frau habe ihm erzählt, ich hätte mein religiöses Examen bei der Kon- ifirmation n der Kirche sehr gut bestanden, er nehme also an, ich sei auch sonst ein brauchbarer Kerl. Nun war ich sicher kein dummer Kerl, aber ich müßte die Unwahrheit sagen, ioollte ich behaupten, ich sei in der Drechslerei ein Künstler geworden. Es gab solche, »nd mein Meister gehörte zu ihnen, aber ich habe es trotz aller Mühe nicht über die Mittelmäßigkeit gebracht, was nicht vcr- hinderte, daß ich drei Jahre später, am Ende meiner Lehrzeit, für mein Gesellenstück die erste Zensur bekam. Meine physische Leistungöfäbigkeit wurde durch meine körper- liche Schwäche beeinträchtigt. Ich war ein ungemein schivächlichcr Junge, wozu wohl auch mangelhafte Ernährung beitrug. So be- stand unser Abendessen viele Jahre täglich nur in einem mäßig großen Stück Brot, das mit Butter oder Obstmus dünn bestrichen war. Beschwerten wir uns, und wir klagten täglich, daß wir poch Schutzzoll soll nu? gestatten, das MutteiTand mit seinen Töchternationen enger zu verbinden. Die zweite Tatsache ist, daß die ländlichen Distrikte Eng- lands überwiegend für Imperialismus und Tarifreform sind. Wir stehen vor einer englischen Agrarbewegung, die so- Wohl für Schutzzoll wie für Flottenrüstungen eintritt. Tie südliche Hälfte Englands mit ihren wirklichen oder vermeint- lichen� Agrarintcressen, ihrer jingoistischen Hochfinanz, ihrem „patriotischen" Privatbeamten- und Lakaienstand ist der Sitz dcr Reaktion. Hier sind die Elemente vorhanden, die zur Oligarchie treiben, eine starke Regierung verlangen und von einer unüberwindlichen, aller Welt trotzenden maritimen Suprematie träumen, deren Kosten die Voltsmasseu tragen sollen. �_ Die dritte Tatsache ist das demokratische Empfinden, die Friedensliebe, das sozialpolitische Verständnis des industri- ellen Proletariats fast ganz Großbritanniens. Wir haben noch kein sozialdemokratisches Proletariat im kontinental- europäischen Sinne, wohl aber eine demokratisch geschulte und nach einer systeniatischen Sozialreforni strebende Arbeiterklasse. Alle Wahlkandidatcn geben zu, daß in industriell- proletarischen Wahlkreisen von einer Furcht vor Deutschland, vom Flottenrummcl und von Tarifrcformgedaicken nichts zu verspüren war. Diese Wahlkreise waren die einzigen, wo die Reden über freie Verfassung, Oberherrschaft des Unterhauses, Fortsetzung der Sozialpolitik auf Beifall rechnen durften. In allen anderen Wahlkreisen trat die konstitutionelle Frage hinter Imperialismus, Flotte und Schutzzoll zurück. Die großen Verluste, die die Liberalen bei den Wahlen er- litten und die sie zu keiner festen Mehrheit kommen ließen, sind zum großen Teile der weitverbreiteten Ansicht zuzuschreiben, daß die liberale Regierung durch ihre laue Flottenpolitik es der deutschen Regierung gestattete, England in Neubauten von Kriegsschiffen zu überflügeln. In zahlreichen Unterhaltungen mit Engländern in London hörte ich stets als Hauptargument gegen die liberale Regierung:„Sie hat unsere Verteidigung geschwächt! Sie unterschätzt oder der- steht nicht die Seemacht und die Scemachtspläne Deutsch- lands!" Tarifreform stand im ganzen Wahlkampfe an zweiter Stelle. Für die Mehrheit der englischen Anhänger der Tarifreform handelt es sich nicht in erster Linie uin eine unmittelbare ökonomische Frage, sondern um eine mari- time. Der Schutzzoll soll die Mittel schaffen zu Flotten- rüstungen und zur militärischen Stärkung des Reiches durch eine Vereinigung Englands mit den selbständigen Kolonien. Ohne die Notwendigkeit dcr Flottenrüstungen als Antwort auf die deutschen Flottenrüstungen wäre die Tarifreform- chewegung längst zusammengebrochen'. Tie Frage aller Fragen ist jetzt für viele:„Wie ist England vor der deutschen Gefahr der Flottenrüstungen zu retten?" Aus dieser Frage, die viele„Patriotischen" Herzen guält, zieht die Tarifreform und die ganze imperialistische Reaktion ihre Kraft. Und in diesen Hcrzcnsbeklemmungcn gingen die besitzenden Klassen und ihre Anhänger an die Urne und stimmten für eine starke Regierung, die ihnen von den Imperialisten und Tarif- reformern versprochen wurde. Neben der Furcht vor Deutschland war auch die Furcht vor dem Sozialismus wirksam- Manche Steuern des Etats von Lloyd George hatten für viele einen sozialistischen Charakter. Das Wachsen der Arbeiterpartei und der sozia- listischen Agitation im allgemeinen war ihnen ein weiterer Beweis, daß der Sozialismus gefährlich wird. Sie sagten sich, ein finanziell oberherrliches Unterhaus, ein Etat in Händen von Sozialisten sind viel wirksamer als Barrikaden und Dynamit. Sie stimmten deshalb gegen die Radikalen, die ihnen als die Testamentsvollstrecker des Sozialismus er- scheinen. Aus diesen Gründen wurde die beispiellose liberale Mehrheit zermalmt. W a s n u n? Wahrscheinlich übernehmen die Liberalen die Regierung« denn nur ihnen werden die Arbeiterfraktion und die irischen Nationalisten beistehen. Die erste Aufgabe der Liberalen ist, den Etat nochmals anzunehmen und ihn den Lords zuzu- schicken. Diese werden ihn passieren lassen, da er doch eine Mehrheit erhalten hat. Dann aber wird die Schwierigkeit für die Liberalen beginnen. Hunger hätten, so gab die Mutter regelmäßig zur Antwort: Man muß manchmal de» Sack zumachen, auch wenn er noch nicht voll ist. Dcr Knüppel lag eben beim Hunde. Unter sotanen Umständen war eS erklärlich, daß wir uns heimlich ein Stück Brot abschnitten, wenn wir konnten. Aber daS entdeckte meine Mutter sofort und die Strafe blieb nicht aus. Eines Tages hatte ich wieder dieses Verbrechen begangen. Trov aller Mühe, die ich mir gegeben hatte, den gleichen Schnitt der Mutter nachzuahmen, wurde am Abend die Tat von ihr entdeckt. Ihr Verdacht fiel, ich weiß nicht warum, auf meinen Bruder, der sofort mit dcr breiten Seite eines langen Burcaulineals, das aus der Väter Nachlaß stammte, ein paar Schläge erhielt. Mein Bruder protestierte, er sei nicht der Täter gewesen. Das sah aber meine Mutter alö Lüge an, und so bekam er eine zweite Portion. Jetzt wollte ich mich als Täler melden, aber da fiel mir ein, daß das töricht wäre; mein Bruder hatte die Schläge weg, und ich bätte wahrscheinlich noch mehr als er bekommen. Damit tröstete ich auch meinen Bruder, als dieser nach- her mir Vorwürfe machte, daß ich mich nicht als Täter gemeldet hatte. Es ist begreiflich, wenn jahreiang mein Ideal war, mich einmal an Butterbrot tüchtig sattessen zu können. Meister und Meisterin ioaren sehr ordentliche und angesehene Leute. Ich hatte ganze Verpflegung im Hause, das Essen war auch gut, nur nicht allzu reichlich. Meine Lehre war eine strengt und die Arbeit lang. Morgens 5 Ilhr begann dieselbe und währte bis abends 7 Uhr ohne eine Pause. Aus der Drehbank ging es zum Essen und vom Essen in die Bank. Sobald ich morgens aufgestanden war, mußte ich der Meisterin viermal je zwei Eimer Wasser von dem fünf Minuten entfernten Brunnen holen, eine Arbeit, für die ich wöchentlich 4 Kreuzer(gleich 14- Pf.) bekam. Das war das Taschengeld, das ich während der Lehrzeit besaß. Ausgehen durfte ich selten in der Woche, abends fast gar nicht und nicht ohne be- sondere Erlaubnis. Ebenso wurde es am Sonntag gehalten, an dem unser Hauptverkaufstag war, weil dann die Landleute zur Stadt kamen und ihre Einkäufe an Tabakpfeifen usw. machten und Reparaturen vornehmen ließen. Gegen Abend oder am Abend durfte ich dann zwei oder drei Stunden ausgehen. Ich war in dieser Beziehung wohl dcr am strengsten gehaltene Lehrling in ganz Wetzlar, und oftmals weinte ich vor Zorn, wenn ich an schönen Sommertagen sah, wie die Freunde und Kameraden spa- zieren gingen, während ick im Laden stehen und aus Kundschaft warten und den Bauern ihre schmutzigen Pfeifen säubern mußte. Nur am Sonntag vormittag, nachdem ich die Sonntagsschule nicht mehr besuchte, ivurde mir gestattet, zur Kirche zu gehen. Dafür schwärmte ich aber nicht. Ich benutzte also die Gelegenheit, die Kirche zu schwänzen. Um aber sicher zu gehe,, und nicht über- rumpelt zu werden, erkundigte ick, mich stets erst, welches Lied ge- jungen werde und welcher Pfarrer predige. Eines Sonntags aber ereilte mich mein Geschick. Beim Abendessen frug der Meister, ob ich in der Kirche gewesen sei? Dreist antwortete ich: Ja! Er frug weiter: was für ein Lied gesungen worden sei?� Ich gab Sie können absolut»ichiS unternehmen, ohne vorher die Frage der Lords geregelt zu haben. Und die Regelung kann unter den vorherrschenden Verhältnissen nur ein Versuch sein, das Vetorecht der Lords in Finanzsachen abzuschaffen. Ohne diese Regelung rönnen die Liberalen an die den Iren vcr- sprochene Homerulevorlage nicht herangehen. Das verstehen auch die Nationalisten. Wird aber den Konservativen und den Lords die schwache liberale Mehrheit imponieren? Das ist sehr fraglich. Es ist deshalb wahrscheinlich, daß die Kon- scrvativen und die Lords eine Auflösung des Parlaments erzwingen werden, um das Land über die Reform der Lords befragen zu lassen. Also wiederum Parlaments- Wahlen. Inzwischen wird die Arbeiterfraktion eine Amendierung der Trade-Unionsakte zum Zwecke der Legalisierung dcr politischen Ausgaben der Gewerkschaften verlangen, um aus diese Weise das Urteil dcr Lords in«achen Osborne gegen Eisenbahnerverband zu beseitigen. Man darf annehmen, daß die liberale Regierung dieser gerechten Forderung der organisierten Arbeiter nachgeben wird.— Abgesehen von diesen allgemeinen mit den Wahlen der- knüpften Fragen dürfte uns alle das Schicksal dcr sozialdemo- kcatischen Kandidaten interessieren. Die Sozialdemokratische Partei hat nach ungefähr 25 Jahren energischer, unermüd- licher und aufopfernder Agitation diesmal 16 Kandidaten aufgestellt, die— kliit Ausnahme Thornes— durchgefallen sind. Hyndman in Burnley erhielt 4948 Stimmen, Gribble und Ouelch in Northampton 1792 und 1617 Stimmen, Hartley in Bradsord 1746, Kennedy in Aberdeen 1344, Burrows in Haggerston 761, Jowing in Rochdale 1755, Barrington in Carlisle 777, Layworth in Sheffield 516, Ben Tillett in Smansea 1451. Außerdem unterlag Grayson in seinem Wahlkreise Colne Valley. Der reine, von der Arbeiterpartei unabhängige Sozialismus hat nirgends einen W a h l c r f o l g erzielt. Hyndman hätte, siegen können, wenn die Sozialdemokratische Partei organisatorisch tüchtiger wäre. Anstatt ihre Kräfte in zehn Wahlkreisen zu zersplittern, hätte sie nur vier Kandi- baten ausstellen sollen, um Geld und Agitation in Burnley zu konzentriereil, wo nur einige hundert Stimmen nötig waren, um den geistigen Leiter der englischen Sozialdemo- kratie ins Parlament zu bringen. So wichtig indes der Sieg Hyndmans gewesen wäre, so ist es schließlich doch viel wichtiger nachzuforschen, warum der Sozialdemokranschen Partei überhaupt der Erfolg versagt bleibt. Au Rediiern lind Schrift- stellern hat sie keinen Mangel; an Aufopferung für die Sache des Sozialismus hat sie es nie fehlen lassen. Und doch dcr Mißerfolg! Diese merkwürdige Erscheinung kann nur dem Umstände zugeschrieben werden, daß die Sozialdemokratische Partei ent- schlössen ist, in keine innige Verbindung mit der Arbeiterpartei einzugehen. Ihre Auffassung des Sozialismus ist nicht organisch mit der Arbeiterbewegung verbunden. Sic kann nicht einsehen, daß der Sozialismus das Produkt dcr selbständigen Arbeiterbewegung sein muß. Vielleicht werden die Ergebnisse der letzten Wahlen die Sozialdemokratische Partei veranlassen, ihre Verhältnisse zur Arbeiterpartei zu revidieren. Tie englische Arbeiterklasse„ist wohl eine Messe wert". Das haben die Wahlen unzweifelhaft gezeigt.—__ poUtirche deberficht. Berlin, den 29. Januar 1910. Abgeordnetenhaus. Das Abgeordnetenhaus erklärte am Sonnabend die Wahlen der seit dcr letzten Session gewählten Abgeordneten, darunter die unserer Genossen B o r g m a n n, H e i m a n n und Hirsch, definitiv für gültig, da innerhalb der vorgeschriebenen vierzehmägigen Frist kein Protest eingelaufen war. Nur die Wahl des Abg. Dr. N u n z e wurde infolge des von sozialdemokratischer Seite eingereichten Protestes der WahlprüfungSkom Mission überwiesen. Hierauf wurde vor leereu Bänken— es waren kaum SO von den 433„Volksvertretern" zugegen— die Beratung dcS Etats fort- gesetzt. Aus dcr Debatte, die sich wieder völlig in Einzelheiten vcr- lor, ist die Besprechung eines ZcutrumSantrages K l o ck e hervorzu- die Nummer an, entdeckte aber zu meinem Schrecken, daß die beiden Töchter» die mit am Tische saßen, kaum das Lachen verbeißen tonnten. Als ich nun auf die dritte Frage: wer von den Pfarrern predigte denn? auch eine falsche Antwort gab, schlugen diese eine laute Lache auf. Ich war hereingefallen. Ich war zu früh an die Kirchcntüre gegangen, noch che der Küster die neue Lieder- uummer aufgesteckt hatte, und in bczug auf den Namen des Pfarrers war ich falsch berichtet worden. Dcr Meister meinte trocken: es scheine, daß ich mir aus dem Kirchenbesuch nichts machte, ich möchte also künftig zu Hause bleiben. So war ein schönes Stück Freiheit verloren. Ich warf mich nun mit um so größerem Eifer auf das Lesen von Büchern, die ich ohne Wahl las, natürlich meistenteils Romane. Ich hatte schon in der Schule meine Vorzugsstellung gegen Kameraden, denen ich beim Lösen der Aufgaben half oder ihnen das Abschreiben derselben erlaubte, dazu benutzt, sie zu veranlassen, mir zur Belohnung Bücher, die sie hatten, zu leihen. Dadurch kam ich zum Beispiel zum Lesen bon Robinson Crusoe und Onkel Toms Hütte. Jetzt verwandte ich meine paar Pfennige. um Bücher aus der Leihbibliothek zu holen. Einer meiner Lieb- lingsschriftsteller war Hackländev, dessen Soldatenleben im Frieden dazu beitrug, meine Begeisterung für das Militärwescn etwas zu dämpfen. Weiter laS ich Walter Scott, die historischen Romane von Ferdinand Stolle. Luise Mühlbach usw. AuS der Väter Nachlaß hatten wir einige Geschichtsbücher gerettet. So ein Buch, das einen ganz vortrefflichen Abriß über die Geschichte Griechenlands und Roms enthielt. Den Verfasser habe ich vergessen. Ferner einige Bücher über preußische Geschichte, natürlich offiziell geeicht, deren Inhalt ich so im Kopfe hatte, daß ich alle Taten in bczug aus brandcnburgisch-preußische Fürsten, berühmte Generale. Schlacht- tage usw. am Schnürchen hersagen konnte. Schmerzlich lvartetc ich auf das Ende der Lehrzeit, ich hatte Sehnsucht, die ganze Welt zu durchstürmen. Aber so schnell, wie ich wünschte, ging eö nicht. An demselben Tage, an dem meine Lehrzeit beendet war, starb mein Meister, und zwar ebenfalls an der Schwindsucht, die damals in Wetzlar förmlich grassierte. So kam ich in die seltsame Lage, an demselben Tage, an dem ich Geselle geworden war, auch Ge- schäftsführer zu werden. Ein anderer Geselle war nicht vorhanden, ein Sohn, der das Geschäft hätte fortführen können, fehlte; so ent- schloß sich die Meisterin, allmählich auszuverkaufen und das Ge- schäft auszugeben. Für die Meisterin, die eine auffallend hübsche und für ihr Alter ungewöhnlich rüstige Frau war, die mich stets gut behandelte, wäre ich durchs Feuer gegangen. Ich zeigte ihr jetzt mein« Hingabe dadurch, daß ich über meine Kräfte arbeitete. Von Mai bis in den August stand ich mit der Sonne auf und arbeitete bis abends 9 Uhr und später. Ende Januar 18ö8 war das Geschäft liquidiert, und ich rüstete mich zur Wanderschaft. Als ich mich von der Meisterin verabschiedete, gab sie mir außer dem fälligen Lohn noch einen Taler Reisegeld. Am 1. Februar trat ich die gleise zu Fuß bei heftigem Schneetreiben an. Mein Bruder, dep'dqs TijchlerhandMrk erlernte, begleitete mich ungefähr eine fjeBcit, der die berstärlte Uiiüvalidlung bonMoor- und Oedlaudereien in landwirtscbafilich nutzbares Land fordert. Für den Antrag, der allseitiger Sympathie begegnete und ohne Kommisstonsberatung an- genommen wurde, sprach sich auch Genosse Dr. Liebknecht aus. Hoffentlich wird die!>!egicrnng dem Antrage Folge leisten und in de» nächsten Etat entsprechende Mittel einstellen. Tie Frage der Neckarkanalisation. In der gestrigen Sitzung der Zweiten badischen Kammer- Würde über folgenden Antrag Ncbmaun(natl.) und Genossen ver- handelt: Die Regierung wolle die Frage der Neckarkanalisatioir durch bnndesfreundlicheS Zusammenwirken der beiden Regienuigen von Württemberg und Baden einer möglichst baldigen Lösung eutgegen- führen und zugleich ein Einverständnis in der Frage der Schiffahrt?- abgaben anstreben. Minister des Innern Freiherr v. B o d m a u n erklärte, daß die badische Regierung der württembergischen Regierung folgendes An- gebot gemacht habe: Baden erbaut drei Kraftwerke auf seine Rech- nuug, übernimmt eii; Drittel der Kosten der Kanalisation, setzt auf seinem Gebiet die Schiffahrtsabgaben fest und verwendet das Er- gebnis derselben zur Unterhaltung der Anlagen und zur Ver- zinsung des Anlagekapitals; etwaige Ueberschüsse sollen an Württemberg ausgezahlt Ivcrden. Die württcmbcrgische tliegierung habe geantwortet, in gegenwärtigem Zeitpunkt auf diesen Borschlag nicht eingehen zn können. Der Antrag Nebmann wurde schließlich mit 3g gegen 25 Stimmen deZ Zentrums und der Konservativen enge- nomine n. Württemberg und die Tchiffahrtsabgaben. Die heute in Sachen der Schiffahrtsabgaben und Nekarkanali- sierung in Stuttgart abgehaltene Konferenz süddeutscher Landtags- abgeordneter war von 20 badischen und 27 württembergischen Kammermitgliedern, zusammen 47 Teilnehmern besucht. ES nahmen daran Vertreter der nationalliberalen, volksparteilichen und sozial- demokratischen Partei teil. Nach mehrstündiger, sachlicher Aussprache wurde folgender Beschluß einstnnmig gefaßt: „Die Konferenz badischer und württemvcrgischcr Abgeordneter stellt als ihre nbereinstimmcitde Meinung fest, daß eine Kanali- sierung des Neckars eine notwendige, nicht aufschiebbare Wirt- fchaftliche Maßregel, und daß ein Znsainmenwirken der Regierungen von Württemberg und Baden hierzu geboten ist." Zur Erklärung dieses Beschlusses muß gesagt werden, daß die württembcrgische Regierung vor drei Tage« ein Angebot der badischen Regierung, den Neckar-Kaual ohne Anschluß an den von Preußen geplanten Verband zu bauen und damit die Einführung hon Schiffahrtöabgaben zu verhüten, brüsk abgelehnt hat. Durch diesen Beschluß wird nunmehr die württembergische Re- gierung von neuem aufgefordert, das Angebot der badischen Regierung sachlich zu prüfen, und mit ihrem Landtag genieinsam zu beraten. Gleichzeitig wurde die Erivartung ausgesprochen, daß in der am nächsten Mittwoch stattfindenden Bundesratssitzung eine Entscheidung über die Schiffahrtsabgaben noch nicht getroffen wird, sondern daß es infolge der zwischen Baden und Württemberg noch schwebenden Berhandlungen zn einer Vertagimg der ganze,» An- gelegenheit kommen wird._ Ter Landesausschtch für Elsah-Lothri»gen wurde am Freitag vom Statthalter Graf Wedel mit einer langen Thronrede eröffnet. Die Thronrede stellt zunächst die ungünstige Finanzlage fest: schon im Vorjahre mußten von der im Etat ein- gestellten Anleihe 2i/3 Millionen begeben werden. Noch lmgüiistiger werde das laufende Jahr fein, zumal da die fortdauernden Ausgaben um fast 5 Millionen Mark gestiegen sind. Ohne erhöhte Steuer werde eS nicht abgehen, und zwar müsse man an eine Steuerreform denken, die auch„zur Herbeiführuna, einer gerechten Steuerverteilung und im Interesse der Finanzen der Gemeinden dringend erwünscht sei." Die Vorarbeiten im Sinne einer„allgemeinen Einkommensteuer mit der erforderlichen ErgänzungSbesteuerung" seien soweit vorgeschritten, daß die Vorlage wohl in dieser Session dem LandeSausschuß noch zugehen werde.(Daß die„erforderliche" Ergänzungsbesteuerung die Vermögenssteuer sein wird, ist nach der allgemeinen Fassung des AnSdruckS kann, zn erwartet».) Auch die im vorigen Jahre bereits fixierte Viersteuererhvhung soll gesetzlich fest- gelegt werden. Die Thronrede kündigt ferner an ein Lotteriegesctz, eine Aende- rung des Stempelgesetzes und einen Gesetzentwurf über Wert- Stunde Weges. Als wir uns verabschiedeten, brach er in heftiges Weinen aus, eine Gefühlsregung, die ich nie an ihm beobachtet hatte. Ich sollte ihn zum letzten Male gesehen haben. Im Sommer 7859 erhielt ich die Nachricht, daß er binnen drei Tagen einem heftigen Gelenkrheumatismus erlegen sei. So war ich der Letzte von der Familie. Mein nächstes Ziel war Frankfurt a. M. Von Langgöns aus benutzte ich die Bahn und kam so noch an demselben Tage' den Abend in Frankfurt an, wo ich in der Herberge zum Prinz.Karl einkehrte. Arbeit wollte ich nock, nicht nehmen, so fuhr ich zwei Tage später mit der Bahn nach Heidelberg. Ter Zug, auf dem ich fuhr, hatte statt Glasfenster Vorhänge aus Barchent, die zugezogen werden tonnten. Damals bestand noch der Paßzwang, das heißt es bestand für die Handlverkoburschcn die Verpflichtung, ein Wander- buch zn führen, in das die Strecken, die sie durchwandern wollten, polizeilich eingetragen— visiert— wurden. Wer kein Visum hatte, wurde bestraft. In vielen Städten, darunter auch in Heidelberg, bestand weiter zu jener Zeit die Vorschrift, daß die Handwerks- burschen morgens zwischen 8 und V Uhr auf das Polizeiamt kommen mußten, um sich ärztlich, uamenllich aus ansteckende Haut- krankheiten, untersuchen zu lassen. Wer die Stunde für diese Visitation übersah, mußte mit der Abreise bis zum nächsten Tage Warten, er bekam kein Visum. So erging es mir, weil ich die Bor- schrift nicht kannte und aus das Polizeiamt zu spät kam. Von Heidelberg wanderte ich zu Fuß nach Mannheim und von dort nach Speicr, woselbst ich Arbeit fand. Die Behandlung war gut und das Essen ebenfalls und reichlich, schlafen mußte ich dagegen in der Wcrtstatt, in der in einer Ecke ein Bett ausgeschlagen ivar. Das geschah mir später auch in Freiburg i. B. In jener Zeit bestand im Handwerk noch allgemein div Sitte, daß die Gesellen beim Meister in Kost und Wohnung waren, ,md diese letztere war häufig erbarm- sich. Der Lohn war auch niedrig, er betrug in Spcier pro Woche 7 Gulden ti Kreuzer, etwa 2 M. Als ick, mich darüber beklagte, meinte der Meister: er habe in seiner ersten Arbeitsstelle in der Fremde auch nicht mehr erhalten. Das mochte fünfzehn Jahre früher gewesen sein. Sobald das Frühjahr kam, litt es mich nicht mehr in der Wcrkstätte. Anfang April ging ich wieder auf die Walze, wie der Knnstausdruck für das Wandern lautet. Ich mar- schierte durch die Pfalz über Landau nach Germersheim und über den Rhein zurück nach jkarlsruhc und landanfwärts über Baden- Baden, Offenburg, Lahr nach Freiburg i. B., woselbst ich wieder Arbeit nahm. In jenem Frühjahr lvar die Nachfrage nach Sckneidergehilfcn ungemein stark; und da ich sehr flott marschierte und im Aeußern der Vorstellung, die man sich von einem Schneider- gesellen machte, durchaus entsprach, wurde ich aus dieser Reise öfter schon vor den Torrn der Städte von Schneidermeistern angesprochen, die in mir ein Objekt für ihre Ausbeutung zu sehen glaubten. Mehrere wollten nicht glauben, daß ich dein Schneider sei, andere wieder entschuldigten sich, daß sie mich für einen solchen gehalten, «Weil ich ganz wie ein Schneider aussähe". In Freiburg i. B. verlebte ich einen sehr angenehmen Sommer. Freiburg ist nach seiner Lage eine der schönsten Städte Deutsch- ethöhungsbeiträge. Eine Wertzutvachssieuer wird»licht kommen, da der Gegenstand deS im vorigen Jahre unerledigt gebliebenen Eni- lvurfs„b innen kurzen» eine Regelung von Reichs- wegen erfahren wird". Die BcitragSpflicht des Reichs zu den Staats- lind Gemeinde- lastei» sieht ein Gesotzentwurs vor, den der Reichskanzler demnächst dem Bundesrat vorlegen wird. Ferner werden eine Reihe kleinerer Gesetzcntlvürfe angekündigt. Die Thronrede erwähnt noch den günstigen Fortschritt der Rheinregnlierungsarbeiten und bemerkt bezüglich der Wünsche nach Aenderung der reichsländischen Verfassuilg:„Die Verhandlungen über den weiteren Ausbau unserer Vecfasinng sind noch nicht ab- geschlossen, dauern aber fort. Ich gebe mich der Hoffnung hin, daß sie in nicht zu ferner Zeit zu einem befriedigenden Er- gebnis führen werden." Nach Eröffnung deS Parlaments wurde das frühere Präsidium wiedergewählt. AlSdann vertagte sich daS HanS auf die nächste Woche._ Christliche Nächstenliebe im Saarrcvier. Im vorigen Herbst verlegte der Genosse Hemmer, ein von den lothringischen Grubenkapitalisten mehrfach geinoßregelter, schließ- lich gänzlich ausgesperrter Bergmann, der sich mit Hausierhandel kümmerlich durchs Leben schlägt, seinen Wohnsitz nach Völklingen an der Saar, der industriellen Gemarkung der Firma Röchling, die sich init dem Klerus in die absolute Herrschaft teilt. Damals wurde beut Hausbesitzer von der Polizei sofort„mitgeteilt", welch„gefährlichem" Menschen er die Wohnung vermietet habe, ohne daß indes diese„Mitteilung" ans den unabhängigen Mann die „richtige" Wirkung ausgeübt hätte. War der Sozialdemokrat aber infolge der Anständigkeit des Vermieters vor einer Wohmnigs- exmission und der AnSweisimg aus dem gutkatholische» und über- patriotischen Völklingen geschützt, so sollten nun seine Kinder für die „schlechte Gesinnung" des Vaters büßen. In der Schule setzte der Lehrer den Kindern zu, noch mehr aber der Kaplan Brandenburger im Religionsunterricht. Nachdem ein Sohn sich mehrfach über schlechte Behandlung und Zurücksetzung durch Kaplan Brandenburger bellagt hatte, hielt Hemmer ihn anS dem Gottesdienst fern. Dafür bekam der Junge nachher, im Religionsunter- richt, einige Stockfchläge, und als er dennoch nicht in die Kirche kam, am 4. Oktober 13 Stockschläge auf die Hände auf- gezählt! ,,S o ," sagte der„Diener des Herrn",„jetzt h a st Du 13 Stockschläge. 15 solltest D n eigentlich er- halten. Sehe Dich also vor, daß es keine 15 werden." Darauf reichte Hemmer beim Bürgermeister zn Völklingen Be- schwerde ein, auf die von der Kreisschulinspektion folgende Antwort einging: Königliche Krcisschulinspeklion Völklingen. Saarbrücken, den 19. Januar 1910. I.-Nr. 1775. Auf Ihre Beschwerde bei dem Herrn Bürgermeister zu Völk- lingen gegen den Kaplan Herrn Brandenburger zu Völklingen vom 4. Oktober 1909. ES ist als festgestellt zu erachten, daß Herr Kaplan Branden- burger Ihren Solin Johann wegen. VersäunmiS des Gottesdienstes nur einmal bestraft hat, und zwar mit 3 Stockschlägen auf jede Hand, nach vorhergegangener zweimaliger Verwarnung. Zu dieser Bestrafung glaubte er ü» seiner Eigenschaft als Scel- sorger berechtigt zu sein. Tümmeler. An Herrn Nie. Hemmer zn Völklingen. Der Herr Kreisichnliiispektor hat also„festgestellt", daß nicht 13 Schläge, wie der Vater und der gemißhandelte Knabe und andere Kinder behaupten, sondern sechs� Schläge verabreicht worden»«nd daß der Knabe nur einmal bestraft wurde. Nehmen wir einmal an, daß die Feststellungen des Kreisschnlinspektors zutreffen, so bleibt immer noch eine Mißhandlung deS Knaben übrig, zu- der der Kaplan nicht berechtigt ivar. Denn wenn auch trotz der in der preußischen Verfassung pomphaft gewährleisteten GewissenSsreiheit die Eltern gezwungen sind, ihre Kinder am Religionsunterricht der Schule teilnehmen z» lassen, so besteht doch keinerlei gesetzliche Verpflichtung für sie, ihre Kinder zm» Gottesdienst in die Kirche zu schicken. Das weiß der Kreisschulinspektor natürlich ebensogut wie wir— aber er bringt es nicht fertig, das dem beschwerdeführenden, in seinen Rechten gckränktc» Vater zu sagen, sondern er begnügt sich mit dem Satze:„Zu dieser Bestrafung glaubte er sich in seiner Eigenschaft alö Seelsorger berechtigt". Das ist alles. Kein Wort darüber, daß der Glaube des Kaplans irrtümlich ist, lein Wert darüber, ob der Kreisschulinspektor Veranlassung genommen hat, dem Herrn Kaplan ans die Grenzen seiner Befugnisse aufmerlsam zu machen: Glaubt der Herr Kreisschulinspektor seiner und der Autorität der Kirche lands; seine Wälder sind bezaubernd, der Schwßberg ist ein Herr- licheö Stückchen Erde, und zu Ausflügen in die Ilmgegend locken Dutzende prächtig gelegener Orte. Aber was mir fehlte, war ent. sprechender Anschluß an gleichgrsinnte äunge Leute. Ein Zu- sammenhang mit Fachgenossen bestand zir jener Zeit nicht. Die Zunft war aufgehoben, und neue GcwerkSorganisationcn gab es noch nickt. Politische Vereine, denen man als Arbeiter hätte bei- treten können, existierten ebenfalls nicht. Noch herrschte überall in Deutschland die Reaktion. Für reine Vcrgnügnngsvcrcine hatte ich aber keinen Sinn und auch kein Geld. Da hörte ich von der Existenz des katholischen Gesellcnvcreins, der aist Karlsplatz sein eigenes Vcreinshaus hatte. Nachdem ich mich vergewissert, daß auch Andersgläubige Anfncih-ne fände,», trat ich, obgleich ich damals Protestant Ivar, demselben bei. Ich habe nachmals, solange ich in Süddoutschland und Oester- reich zubrachte, in Freiburg und Salzburg dem katholischen Ge- scllenverein als Mitglied angehört und habe es nicht bereut. Der Kulturkamps bestand zum Glück zu jener Zeit noch nicht. In diesen Vereinen herrschte daher auch damals gegen Andersgläubige volle Toleranz. Der Präses des Vereins war stets ein Pfarrer. Der Präses des Frciburger Vereins war der später im Kulturkampf sehr bekannt gewordene Professor Alban Stolz. Die Mitgliedschaft wurde durch den von den Mitgliedern gewählten Altgesellen re- präsentiert, der nach dem Präses die wichtigste Person war. Es wurden zeitweilig Vorträge gehalten und Unterricht in verschiedenen Fächern erteilt, so zum Beispiel im Französischen. Die Vereine waren also eine Art Bildungsvereine; wie diese Bereine später sich gestaltet haben, darüber vermag ich nichts zu sagen. In dem Ver- einszimmcr fand man eine Anzahl allerdings nur katholischer Zei- tungen, aus denen man aber doch erfahren konnte, was in der Welt vorging, i Das war für mich, der schon am Ende der Schuljahre und- nachher in den Lehrjahren, als der Krimkrieg entbrannt war, sich lebhaft um Politik bekümmerte, eine Hauptsache. Auch das Bedürfnis nach Umgang mit gleickalterigen und streb- samen jungen Leuten fand hier seine Befriedigung. Ein eigen- artiges Element im Verein waren die Kapläne, oie, jung und lebenslustig, froh waren, daß sie gleichalterigen Elementen sich an- schließen konnten. Ich habe einige Male mit solchen jungen Ka- Plänen die vergnügtesten Abende verlebt. Einen solchen Abend verlebte ich unter anderen in München, indem ich das Gesellen- Vereinshaus aus der Rückreise von Salzburg besuchte und darin wohnte, nnd zwar Anfang März 1860. Verließ das Gesellender- einSmitglicd den Ort, so bekam er ein Wanderbuch mit, das ihn in den Gesellenvereine» und bei den Pfarrherren, falls er bei diesen um- Unterstützung vorsprechen wollte, legitimierte. Ich bin»och heute Besitzer eines solchen Buches, in dem auf der ersten Seite der heilige Josts mit dem Ehristkindlein aus dem Arme abgebildet ist. Der heilige Josef ist der Schutzpatron der Gesellenvereine. Den Gründer derselben, Pfarrer Kolping, damals in Köln, der. irre ich nicht, selbst in seiner Jttgcnd Schnhmachergesellc war, lernte ich in Freiburg im Breisgau leniien,»voselbst er cineS Tages einen Vortrag hielt. etlvaZ zn vergehen, wenn er dem Beschwerdeführer zugibt, daß der Kaplan Unrecht getan hat? Wir glauben, daß dem Herrn das unangenehm ist. aber höher als ihre Gefühle steht die amtliche Psiicht und die gebot den, Herr» Kreisschulinipeltor, dem Beschwerde- führer eine klare, zufriedenstellende Antwort zu geben! Die Er- ledigtllia der Beschwerde ist ebenso bezeichnend für die Bureaukratie, wie das Verhalten des Kaplans für die Kirche! Ter Zollkrieg mit Kanadn. Wie aus Ottawa telegraphiert wird, erklärte der Premier« »ilinister auf eine Anfrage, ob Kanada eS ablehne, mit Deutschland wegen Beseitigung d e S Z o l l z u s ch l a g e S zu ver- -handeln, es hätten über diese Angelegenheit wohl un ver bind- liche Besprechungen, aber keine Verhandlungen osfiziellen Eharasters jtattgesunden.._ Ei» kricgervercinlichcr Theaterboykott. Die Politik der„unpolitischen" Kriegervereine treibt die kuriosesten Blüten. In Frankfurt a. M. hat der KreiS-Kriegerverband nun auch daS dortige alte Schinnamt-Theator boykottiert. Wie all- jährlich zu Kaisers Geburtstag hatte die Direktion des Theaters die Verbandsmitglieder und deren Familienangehörigen auch diesmal zu einer Freivorstellung nach der Parade eingeladen, worauf aber der Verband diesmal verzichtet hat. Der Grund zu diesem befremdlichen Beschluß ist das Verbot des Kyffhäuserbundes der deutschen Kriegervereine, lünstig nicht Lokale für Veranstaltungen zu benutzen, die auch von der Sozialdemokratie benutzt werden. Die Direktion des Theaters hat nämlich auch der sozialdemolratischen Partei das Theater gegen Entgelt wiederholt für Massenversantm- lungcn zur Verfügung gestellt. Sehr schmerzhaft wird dem Schumann-Theatcr dieser Boykott kaum sein, denn der größere Teil der Kriegervereinler geht nicht in eine Theatervorstellung oder ein Konzert— wenigstens dann nicht. wenn er dafür bezahlen soll—, sondern befriedigt sein Verlangen nach Musik und Theater durch Absingen von Soldatenliedern, militärischen Exerzitien, Paraden und Hurrarufen. Den Schaden haben lediglich jene Kriegervereinler, denen durch den von oben herab verfügten Boykott die Gelegenheit genommen wurde, auch einmal eine über das Niveau ihrer gewöhnlichen Vergnügungen huiansreichcnde Darbietinig zu genießen. Krank und doch gesund. Die„Nordd. Allg. Ztg." teilt amtlstl, mit: „Der Nachricht, daß der Gouverneur von Südwestafrika v. Schuckmann seinen Abschied eingereicht habe, liegt der folgende Sachverhalt zugrunde: Infolge einer im Herbste überstandenen schweren Influenza, deren Nachwehe»_ durch übergroße Anstrengung und klimatische Einflüsse verschärft worden sind, hat sich der Gouverneur genötigt gesehen, unter Einsendung eines ärzt- lichen Zeugnisses einen längeren Urlaub zu erbitten. Dieser ist ihm gewährt worden. Wir hoffen, daß der verdiente Beamte bald seine Dienstsähigkeit wieder erlangen wird." Die„Deutsche Tageszeitung" erklärt dazu, daß ihr erst in der letzten Zeit mitgeteilt wurde, daß der Gouverneur sich gesund- h e i t l i ch wohl und frisch fühle. Sollte der Gouverneur etwa telegraphisch leidend geworden sein? Drei betrügerische militärische Vorgesetzte. Von» Kriegsgericht Neiße(Schl.) wurden drei Arttllerie-Wacht- meister aus Grottkau, die im zwölften Jahre dienten, wegen Betruges zu je vier Monaten Gefängnis und Versetzung in die zweite Soldatenllasse verurteilt, weil sie die zu Landarbeiten kommandierten Artilleristen um den Lohn betrogen haben. Alle drei sollten in Kürze aus die Aivilbevölkerung losgelassen werde»._ Oertermeb. Die uiigarischc Krise. Budapest, 20. Januar. In der heutigen Audienz deS Grafen Khuen-Hedervary bei dem König lehnte dieser die Demission i>es Ministerpräsidenten ab und genehmigte den Vorschlag der An- ordnung von Neuwahlen, ohne daß über deren Zeitpunkt schon eine Entscheidung getroffen wurde. Das M a g n a t e n h a u s hat in der heutigen Sitzung be- schlössen, gegen die Vertagung des Reichstages zu p r o t e- stieren. Afraiihmcb. Die Steuer a»f belgische Arbeiter. Die Deputation der belgischen Arbeiter, die nach Paris ge- kommen war, um gegen die geplante Besteuerung ausländischer Arbeiter zu protestieren, hielt auch mit dem Nationalrat der sozialisti- schen Partei eine Besprechung ab. Vandervelde, Anseele und Debrunne legten dort die Auffassung der Belgier dar. Sie zeigten, daß eS falsch sei, die Belgier allgemein als Lohndrücker zu bezeichnen. Teilweise treffe das zu, wie es auch im Inland beim Zuzug aus billigeren Gegenden geschieht. Teilweise ober seien die Flämen. aus deren Agitation die französische Arbeiterpartei entstanden sei, an der Spitze der Gewerkschaftsbetvegung. Sie betonten, daß Belgien wohl Gegen maßregeln, namentlich durch Besteuerung des französischen Weines, anwenden könne. Sic lehnten aber diese Kampfpolitik ab nnd wollten sie durch die Betätigung der internationalen Arbeitersolidarität ersetzen. Die Franzosen erllärten, namentlich durch Renaudel, daß bei weiterer Verhandlrmg in der Kämmer die Sozialisten einmütig in der Ablehnung sein würdm. Sie forderten energische Maßnahmen der belgischen Partei gegen jede Lohndrücker«!. So kam man zu voller Einigung. Da auch ein Teil der bürgerlichen Politiker und Unternehmerorganisati oncn die seltsame Arbciterschntz- maßregel der Chauvinisten bekämpft, ist Hoffnung, daß die prole- tarische Solidarität über Augenblicks- und Scheimntcressen siegen wird. Vätietmrk. Alberti. Ropenhagc», 29. Januar. Die Voruntersuchung gegen den früheren Justizminister Alberti, der sich apl 3. September 1908 unter der Selbstbezichtigung, Betrügereien und Urkundenfälschungen verübt zu haben, der Polizei gestellt hatte, ist heute ab- geschlossen worden. Die Akten werden nunmehr dem Kriminalgericht zugehen. Durch die außerordentlich umfangreick« Untersuchung ist festgestellt worden, daß die Betrügereien Albertis sich auf fünfzehn Millionen Kronen belaufen. 6r!eckenlanck. Die Krise. Athen, 20. Januar. Das Exelutivkomitee der Militär» liga bezeichnete Dragumis als den künftigen Präsidenten eines revisionistischen Kabinetts. DaS Blatt„Skrip" meldet, Dragumis hätte als unerläßliche Bedingung der Annahme des Amtes die un- widerrufliche endgültige Auflösung der Militärliga ver- langt. VenizeloS, der politische Agent der Militärliga, mtier- handelte gestern nachmittag mit Theotolis, der die Erklärung abgab. daß seine Partei ihre endgültige Znstimmling zur Berufung der Nationalversammlung von der Zustiimnung des Königs abhängig mache. Die Theotokisten bewiesen auf solche Weise ihre Loyalität. GewerkfcbaftUcbe� Sine unwahre Schauergeschichte. Eine Zeitungskorrespondenz, die sich schon oft der Verbreikung kendenziös entstellter Nachrichten zur Verunglimpfung der Arbeiter- bewegung schuldig gemacht Hat, verbreitet auch jetzt wieder eine Notiz, durch welche streikende Arbeiter ohne jeden Grund gcwalt- tätiger Handlungen bezichtigt werden. Nach Angäbe der Korre- spondcnz soll es zwischen Streikenden und Arbeitswilligen der Schallplattenfabrik' von Grünbaum in der Schinkestraze an vcr- schiedencn Stellen in Nixdors und Berlin zu Tätlichkeiten gekommen sein, bei denen Arbeitswillige durch Streikende angegriffen, zu Boden geworfen, mit Füßen getreten, beschimpft und bedroht worden seien. Diese Darstellung ist nichts anderes als ein Phantasie- Produkt, wenn nicht des Zeitungskorrespondcnten, so doch seiner nicht genannten Gewährsmänner. Wir haben, nachdem uns die angeführte Korrespondenz zuging, Ermittelungen veranstaltet und dadurch festgestellt, daß Zusammenstöße zwischen Streikenden und Arbeitswilligen der Firma Grünbaum überhaupt nicht statt- gefunden. Die Polizei sorgt in bekannter Weise dafür, daß die Streikenden und die Arbeitswilligen nicht miteinander in Bc- rührung kommen. Uebrigens haben die Streikenden auch nicht die geringste Neigung, sich mit den nützlichen Elementen des Herrn Grünbaum zu befassen. Doch etwas haben wir ermittelt, was viel- leicht als das Körnchen angesehen werden könnte, aus dem die Phantasie eines Zeitungskorrespondenten das üppig wuchernde Un- kraut unwahrer Schauergeschichten cmporsprießen ließ. Etwas, was man bei starker Neigung zu llcbertreibungen vielleicht als einen„Zusammenstoß" bezeichnen könnte, hat sich in der Tat am Donnerstagabend in der Reichenberger Straße abgespielt. Auch war an diesem Zusammenstoß auf der einen Seite ein Arbeits- williger aus der Schallplattenfabrik von Grünbaum beteiligt. Doch die Streikenden hatten mit dieser Affäre nichts zu tun. Dieser Arbeitswillige soll sich in der Fabrik gebrüstet haben, er trage einen Revolver bei sich und werde jeden niederschießen, der ihn anzu- fassen wage. Auf dem Nachhausewege am Donnerstagabend wurde dieser revolvcrtragcnde Arbeitswillige in der Reichenberger Straße von einem, anscheinend ihm bekannten Manne, der jedoch mit den Streikenden keine Beziehungen hat und ihnen gar nicht bekannt ist, angesprochen. Dieser Mann machte dein Arbeitswilligen wegen seines Auftretens Vorhaltungen und verlangte, er solle den Revolver herausgeben. Dessen weigerte sich der Arbeitswillige. Daraus erhielt er von dem anderen einen leichten Stoß an der Schulter. oder, wie andere Augenzeugen angeben, eine Ohrfeige.— Damit war die Affäre zu Ende. Es gehört schon ein gut Teil bösen Willens dazu, wenn eS jemand fertig bringt, aus einer Ohrfeige, die ein Arbeitswilliger gelegentlich bekommt, Zusammenstöße— und gleich mehrere— zu machen, die man den Streikenden aufs Lionto setztl Berlin un«i ömgcgend. Achtung, Buchbinder und Bnchbinderciarvciteriunen! Die Firma Anton Bertinetti, Buch- und Steindruckerei, weigert sich, den von sämtlichen Buchdruckereien anerkannten Buchbindertarif an- zuerkennen. Verhandlungen mit der Organisationsleitung sind ab- gelehnt worden. Das Personal verharrt weiter einmütig im Ausstand. Folgende Arbeiten sind als Strcikarbeitcn zu betrachten:„Volkserzieher', Verlag Schwanitz, Schlachtcnsee.„Die Eiche", Organ der Holzarbeiter fHirsch-Duncker). Alle Arbeiten der Schokoladenfabrik Hildebrandt, der Neuen Pbotographischen Gesell- schaft-Steglitz. Hör Witz �Chemisches Laboratorium), Görtz (Optische Anstalt), W i s s i n g e r(Samen und Getreide Engros), Köpenicker Slraße, Chemische Fabrik Riedel, Gerichtstraße; alle Arbeilen, ivelche die Firma Bertinetti tragen, und die Monats« schrift„Pslanzenheilkunde"(Dr. Kahnt). Diese Arbeiten sind zu verweigern und ist dem Bureau vom Angebot derselben Mitteilung zu machen. Die OrlSverwaltung. Achtung, Maler! Die Bauten der Firma Leder, Bornholmer Straße 0, Steglitz, Sachsendamm, Ecke Bergstraße, und Reinicken- darf, Scharnwcbcrstraße, sind wegen Nichtinnchaltunz des Tarifs gesperrt. Die Ortsverwaltung des Verbandes der Maler usw. Lohnbewegung der Militärsattler. Die Militärsattler hielten am Freitag eine außerordcnt- lichc Branchenvcrsanimlung ab, die sehr gut besucht war. Riedel referierte über die Lage der Branche. Die Fabrikanten erklärten auf die von der Organisation gestellten Forderungen, sie seien zwar geneigt, höhere Preise zu bewilligen, und zwar zu Neujahr, aber keineswegs wollten sie mit der von den Gehilfen gewählten Tarif- kommission verhandeln. Die Berliner Fabrikanten hatten nun selbst einen Tarifentwurf ausgearbeitet, der auch minimale Verbesse- rungen aufweisen konnte, dem aber sofort anzusehen war, daß er einseitig, ohne Hinzuziehung der Arbeiter aufgesetzt worden war. Aber auch dieser Entwurf paßte den auswärtigen Fabrikanten nicht und sie lehnten denselben rundweg ab. Ein zweiter Entwurf, den hierauf die rheinischen Fabrikanten ausarbeiteten, wies nur sehr spärliche Verbesserungen auf, auch war er geringer an Umfang als der erste. Die Herren schienen von der Wertlosigkeit dieses Tarifs selbst überzeugt zu sein, denn sie zeigten ihn in den Werkstubcn nur sehr zaghaft, aus den Händen gaben ihn einzelne überhaupt nicht. Riedel erklärte, daß ein Tarif nur dann Wert habe und von den Arbeitern akzeptiert werden könne, wenn sie bei dessen Aus- arbeitung hinzugezogen würden. Die Tarifkommisfion des Ber- bandcs habe nun ui ihrem Entwurf so mäßige Preise festgesetzt, daß er mit jedem einzelnen Fabrikanten abgeschlossen werden könne. Riedel gab die einzelnen Positionen bekannt, die dann einzeln zur Diskussion standen. Aus den Reihen der Mitglieder wurden leb- hafte Einwendungen erhoben und mancherlei Aenderungen ge- fordert. Einzelne Positionen wurden dementsprechend geändert. Am nächsten Montag soll der Entwurf in seiner jetzigen Form den Fabrikanten zugestellt werden. Der Passus, nach dem Heimarbeiter unter 4ö Jahren nicht be- schäftigt werden dürfen, soll bestehen bleiben. Der Vertrag soll zwei Jahre laufen und geht dann ein Jahr weiter, sofern er nicht drei Monate vorher gekündigt wird. Die Petition von 1903 soll dein Kricgsminister in Erinnerung gebracht werden, besonders die Ausführungen des Vertreters des Kriegsministcrs in der Petitions- kommission, da sich die Verhältnisse in der Militärheimarbeit be- deutend verändert haben. Folgende Resolution fand einstimmige Annahme: „Die am 23. Januar 1919 tagende Versammlung der Militäreffektensattler Berlins ist mit dem von den Vertrauens- lenten aufgestellten Tarifvertrag einverstanden. Sie beauftragt die Tarifkommission, denselben unverzüglich den Herren Arbeit- gebern zuzusenden und erwartet von denselben, daß sie den be- scheidenen Wünschen der Arbeiter ein größeres Entgegenkommen bezeigen werden wie bisher. Desgleichen beauftragt die Versammlung die Tarif- kommission, den Tarifcntwurf mit einem die Verhältnisse in der Branche aufklärenden Begleitschreiben an das Kricgsministerium einzureichen." Achtung, Schuhinnchcr! Bei der Firma W. B r e i t s p r e ch e e, Neue Wilhelmstr. l3, dem größten Schuhwarenmaßgesckmft in Berlin, ruht seit acht Tagen die Arbeit. Die Arbeitsniederlegung erfolgte, weil ein Arbeiter der mehrere Male in seiner Eigenschaft als Mitglied des Wcrkstaitausschusscs bei dem Unternehmer vorstellig Verantw> um ihm die Beschwerden der übrigen Arbeiter dorzuirägen, angeblich wegen schlechter Arbeit entlassen wurde. Ein strikter Belvcis für die letztere Behauptung wurde nicht geführt, vielmehr jede Verhandlung in dieser Sache schroff abgelehnt. Auch die Ver- tretung des Schuhmacherverbandes wurde zurückgewiesen, obwohl der Arbeitgeber einige Wochen vorher in einem ähnlichen Falle den Wunsch äußerte, die Verbandsleiiung möge sich in allen solchen Fällen zuerst bei ihm erkundigen. Diese Zurückweisung jeder Vcr- Handlung in Verbindung mit der als ungerecht empfundenen Eni- lassung führte dann zum Streikbeschluß. Tie Herren Maßschuh- machermeister im allgemeinen sind noch nicht gewöhnt, Wünsche und Beschwerden ihrer Arbeiter durch einen Ausschuß entgegen- zunehmen und dieselben vorurteilslos zu prüfen. In solchen Fällen werden sie gewöhnlich nervös und ihr Groll cnilädt sich Haupt- sächlich gegen die Kollegen, welche den Mut haben, die Besckiverden anzubringen. Da man nicht offen zu Maßregelungen schreiten will, so wird die Arbeit solange getadelt, bis der Kollege selber geht oder sich eine passende Gelegenbeit findet, denselben unter einem Scheingrunde zu entlassen. Die übliche Heimarbeit er- leichtert ein solches Verfahren. Auch bei der vorliegenden Eni- lassung sollte nur die Tätigkeit als Ausschuß- und Verbandsmitglied bestraft werden. Er nachdem die Arbeit niedergelegt wurde, kam eine Vcr- Handlung zustande, und machte der Arbeidgeber das Zugeständnis, den Entlassenen zum 13. März, also erst in sieben Wochen, wieder einzustellen. Das wurde als Verhöhnung empfunden und daher von den Arbeitern verworfen. Nun hat der Arbeitgebcrverband, ohne erst eine Verhandlung abzuwarten, die Aussperrung in sämt- lichcn dem Arbeitgeberverbande angeschlossenen Maßgeschästen Berlins zu Montag angekündigt. Zwar ist es noch nicht aus- geschlossen, daß vorher noch eine Verhandlung stattfindet, doch muß mit der Ausführung des obigen Beschlusses gerechnet werden. Wir machen die Kollegen Deutschlands, soweit dieselben in Maßgeschäften tätig sind, hierauf aufmerksam. In diesem Falle wird wie in früheren Zeiten versucht werden, Strcikarbeit nach anderen Städten einzuschmuggeln, und ersuchen wir daher, jede verdächtige Arbeit zurückzuweisen. Die gesamte Arbeiterpresse wird um Abdruck ersucht. Zentralverband der Schrchmacher Deutschlands. Zahlstelle Berlin. Achtung, Lchiihnmcher! In der Schuhfabrik von I a c o b i u S Söhne, Jnh. Grünbaum, Bergstraße, haben wegen Loknabzug lämt- liche Arbeiter die Arbeit niedergelegt, da die Verhandlungen mit dem Ausschuß zu keinem Ergebnis führten. Zentralverband der Schuhmacher. DeutTcbes Reich. Achtung, Holzarbeiter! In der Küchcnmöbelfabrik von Berg- m a n n in Klosterfelde(Bez. Nieder-Barnim) ist es wegen 39 Proz. Abzug bei Einführung der Putzmaschine zu Differenzen gekommen. Der Zuzug nach dort muß ferngehalten werden. Achtung, Korbmacher! In der Stralauer Glashütlc, Abteilung Rüdnitz bei Crossen a. d. Oder, ist es wegen Einführung eines neuen Aktordtarifcs bei 2ö bis 39 Proz. Abzug gegen die in Stralau gezahlten Preise zur Arbeitseinstellung gekommen. Die Direktion lehnt jede Verhandlung ab. Vor Zuzug von Korbmachern nach Rüdnitz wird hierdurch gewarnt. Der Gauvorstand. Der Warwbranncr Holzarbeitcrstrcik in der Gräflich Schaffgott- schen Holzindustrie hat mit einem vollen Erfolg für die Arbeiter nach viertägiger Dauer sein Ende gcfniiden. Dein Direktor, wegen dessen Verhaltens den Arbeitern gegenüber der Streik ausbrach, wurde die Aufsicht über die Arbeiter entzogen. Der Streik bei der Firma Friedrich Boos, Solingen-Mangen- berg, über den der„Vorwärts" in seiner Nr. 391 vom vorigen Jahre berichtete, der vom Metallarbeiterverband und Industrie- arbeiterverband gemeinsam geführt wurde, ist durch Verhandlungen zwischen den beteiligten Organisationen und der Firma Boos bei- gelegt worden. Die Arbeit ist bereits wieder aufgenommen worden. Der.Streik, welcher über vier Wochen dauerte und von beiden Seiten mit der größten Hartnäckigkeit geführt wurde, hatte den Erfolg gezeitigt, daß mit der bestreikten Firma ein Tarif abgeschlossen wurde und mehrere sonstige Verbesserungen im Arbeitsverhältnis erzielt wurden. Die sämtlichen ausgetretenen Arbeiter wurden wieder an ihre früheren Arbeitsplätze gestellt, so- weit sie daraus Anspruch erhoben. Der Streik der Sensenschmiede in Schlebusch(Kreis Solingen) ist beendet. Die Streikenden haben während des langen Kampfes, über den der„Vorwärts" wiederholt berichtete, treu zusammen- gehalten und haben, nachdem für sie eine Weiterführung des Kampfes infolge des fortgesetzten Zuzuges von österreichischen Ar- beitswilligen einen direkten Erfolg nicht bringen konnte, ebenso ehrenvoll den Streik beendet. Von den Fabrikanten in Schlebusch wie in Kalk ist wiederholt erklärt worden, daß Lohnerhöhungen nach Prüfung in einzelnen Fällen eventuell eintreten könnten; erst sollten aber die Arbeiter wiederkommen, damit das alte Verhältnis wieder hergestellt würde. Dies haben die Arbeiter nun getan. ES wird sich in der folgenden Zeit herausstellen, inwieweit das Vcr- sprechen gehalten bezw. die Wünsche der Arbeiter erfüllt werden. Die Mainzer städtische» Arbeiter, denen wiederholt Lohn- erhöhungen abgeschlagen worden sind, sind neuerdings um Neu- regulierung ihrer Löhne eingekommen. Klasse I verlangt 31 M., steigend in S Jahren auf 39 M.. Klaffe II verlangt 26 M.. steigend bis 34 M., Klaffe Hl, die ungelernte Vorarbeiter umfaßt, 24 bis 29 M., Klasse IV ungelernte Arbeiter(amtlicher Betriebe 23 bis 28 M., Klaffe V Laieriienwärter monatlich 69 bis 79 M. Der Wochcnlohn gilt für 6 Arbeitstage. In den kontinuierlichen Betrieben fällt für die Schichtwechsclarbeiter die SonntagSarbeit mit unter den Wochenlohn. Zur Bewegung in den bayerischen Kunstanstalten nabm auch eine Maffenveriammlniig der Ardeiter und Arbeiterinnen in Nürn- berg Stellung. Um Klarheit zu gewiniien, ob der Schutz- verband der Unternehmer eine Aussperrung beabsichtigt oder geneigt ist, in Unterhandlungen einzutreten, wurde auch hier beschlossen, durch das graphische Kartell das Gewerbegericht als EiuigimgSanit anzurufen. Die Versainnilung beharrt darauf, daß der Arbeitszeit- ausfall. der bei den Arbeiterinnen an Sonnabenden und Vorabenden von Feiertagen durch die neuen Bestimmungen der Gewerbeordnung eintritt, nicht an einem anderen Wochentage nachgeholt iverden darf. Ueberstunden werden jetzt solange verweigert, bis ein NnterhandlungS- ergebniS vorliegt. lZuslanck. Amerikauischcs. Kapital und Arbeit fraternisieren. Unter dieser Ucberschrift lesen wir in der„Metallarbeiter- Zeitung": „Während tausend streikende Schneiderinnen in den eisigen Straßen der Hudsonmetropole gegen Hunger, Polizeiknüppel. Ge- fängnis und Unternehmer kämpfen, während die Sklaven der Eisenwerke zu Mc Kces Rocks ihre noch blutenden Wunden ver- binden, während die ausständigen Blecharbciter der Hungcrpeitsche der Stahltrustmagnatcn zu erliegen drohen, während Gewerkschafter in den pennsylvanischcn Eiscnstädten von den Werkzeugen des Kapitals unschuldig niedergeknüppelt, eingekerkert, verurteilt oder kurzerhand ins Wasser getrieben werden, findet im fashiouablen Astorhotel zu New Uork eine hoch solenne Verbrüderung zwischen Kapital und Arbeit unter de» Auspizien der Civic Federation statt. Beweist nicht die Möglichkeit derartiger Zusammenkünfte allein schon, wie recht die Apostel des Klassenkampfes haben? Im strahlenden Lichtcrglanz und bei vollen Tafeln fanden sich zusammen Ausbeuter im Dienst und Ausbeuter außer Dienst, Stahltrustdirektoren, Eiscnbahnkönige, Allcrwclts„rcformcr".„Ar- sieikerfreund'e", Zeitungsbesitzer, Tierschutzbereinler, Renommisten der Nächstenliebe, Tagediebe, gerissene Politiker, korrupte Richter und Apostel des Weltfriedens. Den Kitt für diese prächtig soliden Quadersteine der kapitalistischen Gesellschaft bildeten die Ver« treter der„organisierten Arbei t". Sie alle hatten sich zusammengefunden, um die Harmonie zwischen Kapital und Arbeit praktisch darzutun, um bei Gabel- und Gläserklang die Interessengemeinschaft zwischen Arbeiter und Kapitalist, die amcri- kanische Arbeit, die Intelligenz der Arbeitervertreter und noch andere Dinge zu feiern. Die Arbeiter warteten beim Fest auf, Arbeitervertreter durften auch reden, aber das Kapital dominierte. So etwas nennt man im Jargon der Civic Federation oder der unionistischen Harmonie- duselei: Kapital und Llrbeit berühren sich mit den Ellenboge n,oderauch:DieArbetterorganisation ist anerkannt. In einem obskuren, abgelegenen Winkel waren die kleineren Lichter der„organisierten Arbeit" placiert. An die große Tisch- reihe, genauer an die Tische fünf, sechs und siebzehn hatte man die berühmtesten der geladenen Männer der Arbeit gewiesen. Am Tisch fünf saß der Präsident der Maschinenbauer, O' C o n n e l l, mit August Belmont, dem„heiligen Patron" der organisierten Arbeiterbewegung. An Nummer sechs war der ehemalige Präsident der Bergarbeiter, Mitchell, in munterer Unterhaltung mit Henry Phipp, dem„Arbeiterfreund" und Direktor des S t a h l t r u st s. An Nummer siebzehn saß Samuel Gompers mit solchen edlen und unverdrossenen „Freunden" der Lohnarbeiter, wie: Elihu Rott, Low, Speyer, Selig mann und ihresgleichen. Die Buchdrucker Lynch und T o l a steckten die Köpfe mit Hermann Nidder von der„Staatszeitung" in solcher Vertraulichkeit zusammen, daß sie gar nicht gewahr wurden, daß die Gastliste nicht das Gewerkschaftszeichen trug, worauf man in amerikanischen Gewerkschaften doch so viel Wert legt. Auf dem„Juchhe" qualmten die weniger prominenten Sterne am Firmament der Arbeit. Drollig nahmen sich die Arbeitervertreter in ihren zu diesem Zweck ge» liehenen, nicht gentlemanlike sitzenden Frackanzügen aus, und er» hebend war es, wie sie die Manieren ihrer Herren Gastgeber nach- äfften. Auch eine typische Darstellung des Stückes Lakai und sein Herr war zu sehen: die Rauheit in der Stimme des Mister Root, ehemaligen Ministers und späteren Kiorporations- anwalts, machte Gompers viel Sorge. Er füllte Wasser ein und reichte es dem redenden Root. Dieser nahm keine Notiz davon. Nach Beendigung der Rede offerierte ihm Gompers wiederum Wasser. Diesmal gab's eine verteufelt bündige Abweisung. Aber solche Zwischenfälle waren zu unbedeutend, um bemerkt zu werden. Jedenfalls störten sie nicht den Redefluß und die Harmonie, noch beeinträchtigten sie den Zweck der ganzen Veranstaltung. Eins war gewiß: die Interessengemeinschaft zwischen Kapital und Arbeit war hier wiederum gefeiert und aufs neue feierlich bekräftigt worden."_ Ciienach-iZermbsch erobert! Eisenach, 29. Januar 1 Uhr.(Privatdepesche deS„Borwärts".) Leber(Soz.) erhielt 10181, Appelins(Natl.) 5716 und Hädrich(Ant.) 3740 Stimmen. Acht kleine Orte fehlen«och. Leber ist somit gewählt. Der Sieg des Genossen Leber in Eisenach-Dcrmbach schließt sich dm sozialdemokratischen Triumphen der letzten Zeit würdig an. Die rote Welle ist noch im Steigen be» griffen l Trotzdem beim 1. Wahlgang 1367 Nationalliberale und Antisemiten zusammen mehr als 13000, dt6 Sozialdemokraten dagegen nur 7875 Stimmen aufbrachten, ist es diesmal der Sozialdemokratie gelungen, schon im ersten Wahlgang die Mehrheit der abgegebenen Stimmen auf sich zu vereinigen I Der würdelose Schacher des Freisinns mit den National» liberalen, durch den diesen das Mandat zugeschanzt werden sollte, ist also vergeblich gewesen! Die Masse der Wähler hat nicht nur den Antisemiten, sondern auch dem Liberalismus den verdienten Fußtritt versetzt! Ueber die Entwickelung unserer Partei im Kreise gibt folgende Tabelle eine Uebersicht: �übeZl1' 3-ntr. Antisem. Soz. 199S: 1. Wahlgang 3585 2949 1313 2146 6918 8560 7835 2783 2693 1112 4949 6799 —— 1 0235 8621 6989—— 6985 7875 ——— 9834 9595 6716—— 3749 19181 Wie man sieht, hat die Sozialdemokratie in Msenach» Dermbach ständige Fortschritte gemacht. Besonders gewaltig ist indessen die Stinimenzunahme seit 1907. Möge dieser neue Sieg dem Proletariat ein Ansporn sein zu neuen, kraftvolleren Käntpfen! Stichwahl Ersatzw. 1. Wahlgang 1995: Stichwahl. 1997: 1. Wahlgang Stichwahl. 1919: Letzte Nacbncbten und DepeFcben. Aus der„göttlichen" Weltordnung. Gleiwitz, 29. Januar.(B. H.) Der Arbeiter Jochem Ezht suchte auf einer Aschenhalde bei Kattowitz Schutz vor Kälte. In- folge der ausströmenden Gase erstickte er. Seine Leiche wurde heute früh aufgesundcn. Ein Auswanderungsagent verhaftet. Budapest, 29. Januar.(B. H.) In Nagykanizsa wurde der deutsche Auswanderungsagent Eugen Klüger, der sich bei der Polizei als angeblicher Fuhrmann gemeldet hatte, von der Gen» darmcrie verhaftet, weil er für eine Hamburger Firma um 10 Kronen pro 5lops ungarische Bauern zur Auswanderung nach Amerika anwarb. Ein schwerer Eisenbahnunfall. London, 29. Januar.(W. T. B.) Als der Schnellzug von B r i g h t o n nach London hctttc abend init einer G e- s ch w i n d i g k e i t von 4 0 Meilen die Station Staats N e st durchfuhr, entgleiste er Plötzlich. Zwei Wagen wurden auf den Bahnsteig geschlendert und richteten große Verwüstung an. Soweit bis 7 Uhr abends festgestellt war, sind 19 Per- sonen getötet und 29 verwundet worden. Zum amerikanischen Zolltarif. Washington, 29. Januar.(W. T. B.) Präsident Taft hat gemäß dem Borschlag der Tarifbehörde Dänemark, Holland, Norwegen, Schweden, Belgien, Aegypten, Per- sien, ferner auch Portugal die Mindestsätze des Zolltarifs eingeräumt. Redakt..' Richard Barth, Berlin. Inseratenteil verantw.:Th.Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr.u.VerlagSanstaU Paul Singer L- Co.. Berlin LW, Hierzu 5 Beilagen, gt.25. 1 grillige k'9 Stllllltl IJollioliliilt. Reichstag 26. Sitzung. Sonnabend, den 29. Januar. mutag-Z 12 U h r. Am BundeSratStische: v. Heer in gen. Auf der Tagesordnung steht die Fortsetzung der zweiten Beratung des Etats für die Verwaltung des KricgshecrcS; sie beginnt beim Titel: „Gehalt des Kriegsministers 50000 M." Hierzu ist von den freisinnigen Parteien ein Antrag ein- gegangen: die Reform des gesamten Militärstrafrechts, des Be- ichwerderechts und des ehrengerichtlichen Befahrens gegen Offiziere in die Wege zu leiten. Ein weiterer Antrag derselben Parteien verlangt, der Reichs- kanzler solle erwägen, auf welche Weise den Militärpflichtigen, die eine hervorragende turnerische Ausbildung besitzen, Vergünstigungen bei der Erfüllung ihrer militärischen Dienstpflicht bewilligt werden löniicn. Abg. Dr. Wlüller-Meiningen sfrs. Vp.): Sparen kann man an vielen Stellen; so hat der Nommandant von Glogau nichts weiter zu tun gehabt, als darauf zu achten, dast vor ihm Front gemacht wurde. Seitdem dieses Fronlmachen beseitigt ist, hat der .Kommandant von Glogau gar nichts mehr zu tun(Heiter- teil links) und ist also ganz überflüssig geworden. Statt einer Erleichterung des Beschwerderechts, das geradezu zu einem Fangeisen für die Soldaten geworden ist, hat der Kriegs- minister es sogar noch verschärft. Nach der Verfügung des ZlriegsininisterS soll eine Abweichung vom Instanzenwege bei der Beschwerde als U n g c h o r s a m aufgefaßt werden l Das ist ein unzulässiger Eingriff in die Rechtsprechung.(Sehr richtig! bei den Freisinnigen.) Und was wird nicht alles als„Ungehorsam" auf- gesaßt I Bei einer Felddienstübung nahm ein Sergeant— entgegen dem Befehl eines Leutnants der gegnerischen Partei— eine Stellung ein; hierfür erhielt er 43 Tage Gefängnis!(Hört! hört! links.) stum mindesten durfte man doch dem Manne den guten Glauben nicht absprechen. Ein Soldat, der sich auf Befehl schon zweimal hatte operieren lassen, wollte dies zum dritten Male nicht tun; er erhielt wegen„Ungehorsams" sechs Wochen Gefängnis! (Hört! hört! links.) Die Bonner Borussen aber, die den Einjährigen- Unteroffizier Veith mißhandelten, wurden freigesprochen. Merkwürdigerweise hat das Zentrum diesen Fall nicht zur Sprache gebracht; will es jetzt— als Regierungspartei— nicht nach oben anstoßen? Der Kriegsminister sagte, die Frei« iprechung sei erfolgt, weil Veith nicht angeben konnte, wer ihn geschlagen. Aber eS kam doch auch in Betracht gemeinsamer Hausfriedensbruch, Gehorsams- Verweigerung, Beleidigung, Zusammenrottung und tätlicher Angriff gegen einen Vorgesetzten! Darauf steht mindestens 5 Jahre Gefängnis I Wir wünschen nicht, daß die jungen Leute in dieser harten Weise bestraft werden; es müßten dann aber solche Bestimmungen als vollkommen veraltet aus dem Militärstrafgesetzbuch beseitigt werden,(Lebhaftes Sehr richtig! links.) Sehr wunderbar war auch die Zusammensetzimg des Gerichts: Vorfitzender: Graf W., Saro- B o r u s s e aus Heidelberg, ein Mortis, das mit den Bonner Borussen im Kartellverhältnis ficht! Erster Beisitzer: Gras R., ausnahmsweise nicht alter Herr ein- KartellkorpS. Zweiter Beisitzer: ein Erbprinz und Inhaber der .�or,-schleife der Bonner Borussen!.Ankläger' war ebenfalls ein Angehöriger der»Botussia" in Bonn I(Hört! hört! links.) Der einfachste natürliche Rechrsinstinkt hätte eine solche Zusammensetzung verhindern müssen.(Lebhaftes Sehr richtig I links.) Jeder alte Herr der Borussen oder eines KartellkorpS hätte sich für befangen erklären müssen.(Lebhafte Zustimmung links.) Von Soldatenmißhandlungen kann man nur mit Ekel sprechen. Die feigste Art der Mißhandlung ist, sie durch Kameraden aus- üben zu lassen. Der liriegSminister meint, daS komme nur der- einzclt vor. Aber �HaL Oberkriegsgericht in Köln hatte an einem einzigen Tage schon drei solcher Fälle zu verhandeln! Straf- mildernd wurde fn Betracht gezogen, daß die älteren Soldaten sich für befugt gehalten haben, an der Erziehung der Rekruten teilzunehmen!(Lebhaftes Hört! hört I links.) Von einer Bestrafung der Vorgesetzten wegen mangelnder Kontrolle ist in keinem Falle die Rede gewesen, das aber ist der springende Punkt.(Lebhaftes Sehr richtig! bei den Freisinnigen.) Das Empfinden von der stanzen Niedertracht dieser Mißhandlungen fehlt eben der Militär- lustiz, ja, solche Urteile deuten lveit eher ein Bestreben an, die Dinge zu b e m ä n t e ln.(Sehr richtig I links.) Jni Auslande vcr- fährt man anders. Ju Frankreich mußte sich ein Rittmeister, der einen Mann deS Benrlaubtenstandes geschlagen halte, militärisch grüßend entschuldigen und erhielt ll Tage Arrest. In Italien erhielt ein Hauptmann, der einem Soldaten zwei Ohrfeegen gegeben hatte, zwei Monate Militärgesängnis! Wenn es bei uns ebenso gemacht würde, Herr Kriegsmiuificr, so werden Sie in sünf Jahren keine Militärmißhandlungcn wehr haben!(Sehr wahr l bei den Freisinnigen.) Der Kriegsminister bestritt auch, daß ein D u e l l u n f u g be- stehe, weil Duelle nur vereinzelt vorkommen. Wir dagegen meinen, schon die Blankenburger Affäre allein ist ein großer und grober Unstig.(Sehr richtig I bei den Freisinnigen.) Der Kriegs- minister sagte, das Erforderliche sei in streitigem Umfange veranlaßt. Was ist denn veranlaßt? Ist der zur Rechenschaft gezogen, der die beiden Sektionen Soldaten zum Kampfplatz kommandiert hat? Das muß geklärt werden.(Sehr richtig I bei den Freisinnigen.) Weiter verlangen wir eine Reform der Ehrengerichte. Gegen- über dem Militärkabinett muten nicht wir dem Kriegsminister eine unwürdige Stellung zu, sondern diejenigen, welche die Macht des Militärkabinetts zugelassen haben.(Sehr richtig! bei den Frei- sinnigen.) Seine Macht ist eine so gelvaltige, daß alle linsere Dekla- mationen vergeblich sind, wenn an seiner Stellung nickit gerüttelt und es nicht dem Kriegsministerium unterstellt wird. Der Grund- fehler ist, daß die Armee auch heute noch als ein persönliches Werk- zeug eines autokratischen Herrschers aufgefaßt wird.(Zuruf rechts: Mit Recht!) Herr V.Oldenburg gibt mir das zu und wird diese Auffassung nachher auch wohl zuin Ausdruck bringen. Aber sie ist s a l s ch. Der Offizier ist Beamter, genau wie jeder andere Beamte.(Lebh. Zustimmung links.) DerKriegsminister meinte, es sei eigentlich ein Ehrentitel, in kleinen Grenzgarnisonen zu stehe». Nun, er versetze einmal ein Garde- regiment von Potsdam nach Forbach, und er wird sehen, was das betreffende Regiment zu diesem„Ehrentitel" sagt!(Sehr gut! und große Heiterkeit linkssi Ich gebe die Verdienste des preußischen Adels auf militärischem Felde zu, aber sind denn etwa die bürger- lichcn Offiziere minder kriegstüchtig? Wir verlangen, daß der KricgSmi nister die Rechtsgleichheit vom Papier in die Praxis über- setzt und � dem Cliquenwesen ein Ende macht.— DaS Bildungsstreben in unserem Offizierlorps verdient unum- wundeub Anerkennung. Besondere Verdienste hat sich hier der lewer zu früh verstorbene baherische Militärbevollmächtigte v. Enders erworben. Wir legen dem neuen Kriegsminister die Pflege dieser Bildungsbestrebungen ans Herz und biilen ihn, namenltich auch der staatsbürgerlichen Erziehung der Offiziere seine Aufmerksam- keit zuzuwenden. Ob die Verkürzung der Dienstzeit eine Verbilligung bedeutet, mag zweifelhaft sein; daß aber die Verkürzung der'Dienstzeit bei Vermeidung des überflüssigen Drills sehr wohl möglich ist, scheint mir unzweifelhaft. Die Ausbildung der Körperkräfte hat bei den Schulen zu beginnen. Die Art und Weise, wie in Frankreich das Turnen gefördert wird, sollte uns zum Vorbild dienen. Die Armee soll sich bemühen, von den Sympathien aller Parreien ge- tragen zu sein. DaS kann sie nur, wenn sie ein Volksheer im besten Sinne deS Wortes ist.(Lebhaftes Bravo! bei den Frei- sinnigen.) Bayerischer Bevollmächtigter Gcbsattcl: Herr Dr. Müller- Meiningen behauptet, daß die Mißhandlungen der Rekruten durch ältere Jahrgänge in der bayerischen Armee sich vermehrt haben. DaS ist nicht richtig.(Zuruf des Abg. Müller- Meiningen). Herr Abgeordneter, Sie haben eine volle Stunde gesprochen, da können Sie mich auch schon zwei Minuten reden lassen.(Sehr gut! und Heiterkeit rechts.) Im bayerischen Landtag hat Dr. Müller-Meiningen ungefähr das G e g e n t e i l gesagt.(Hört I hört I rechts.) Einzelne Ausschreitungen dieser Art kommen bei uns vor, aber sie werden unnachstchtlich bestraft und unterdrückt. Abg. Sachse(Soz.): Bei der Besprechung der Mansfelder Interpellation behauptete der Kriegsminister, daß, als die Soldaten in Hettstedt anrückten, Tausende von Mensche» auf dem Marktplatz gewesen wären. Ich wiederhole, daß ich, kurz bevor das Militär die Arbeitswilligen zurücktransportierte, über den Marktplatz gegangen bin und alle Streikenden mitgenommen habe. Die Tarnende von Männern und Frauen waren also sicher keine Streikenden! Ferner bestritt der Kriegsminister, daß das Militär ein Dienst« mädchen und eine Frau verhaftet habe. Der Frau Helfert wurde Qnfcr Missen von den Korncten- fch weifen. Wenn die Kometen bei sonst gleichen Eigenschaften keinen Schweif besäßen, der ihnen in Wirklichkeit doch nur selten fehlt, so würde ihnen ganz sicher eine weit geringere Aufmerksamkeit geschentt werden, und außerhalb der Wissenschaft würde man sich um sie vielleicht überhaupt nicht bekümmern. Aber auch dann stünden sie noch unter den Gestirnen einzig da, weil sie von weit her aus dem Weltraum der Sonne zueilen, sie umkreisen und dann meist auf Nimmerwiedersehen verschwinden. Dies Verhalten zeigt keine andere Art von Weltkörpern, und nur die periodischen Ko- metcn, die irgendwann einmal von der Anziehungskraft der Pla- netcn ftir das Sonnensystem eingefangen worden sind, um weiter- hin in einer regelmäßigen Bahn um die Sonne zu laufen, lassen sich in dieser Hinsicht mit den Planeten in eine Linie stellen. Zu loelchcr bts beiden Gruppen ein Komet aber auch gehören mag, unrner bloibt der Grad des ihm gewidmeten Interesses von der Entwietqlung seines Schweifs abhängig. Erregt dieser bei Unauf- geklärten noch jetzt vielfach abergläubische Vorstellungen und nichtige Besorgnisse, so reizt er auch die Wißbegierde des Natur- forschers m äußerstem Grade, und wenn jetzt von fachmännischer Seite.darüber Klage geführt wird, daß unser Wissen von de» Kometerrschweifen eigentlich kaum vom Fleck gekommen ist, so liegt darin ein Ausdruck für die Ungeduld, mit der die Naturwissenschaft der Lösung der mit dieser Aufgabe verknüpften Rätseln entgegen- sieht. In der Tat pflegen die neuen Entdeckungen, die man an den Kometenschweifen gemacht hat, eigentlich immer nur neue Fragezeichen heraufzubeschwören, und heute kann man höchstens von Vermutungen, ober noch nicht einmal von Theorien über das Wesen der Kometenschweife sprechen. Im allgemeinen lassen sich die Kometenschweife in drei Arten einteilen. Ihre Verschiedenheiten sind wahrscheinlich bedingt durch einen Unterschied des Stoffs, auf den dann auch die mutmaßliche Stoßkraft der Sonnenstrahlen, der die EntWickelung der Schweife zugeschrieben wird, in besonderer Weise wirkt. Tie erste Art be- jicht der Annahme nach aus Wasserstoff und wird von der Sonne mit einer Kraft fortgetriebe», die it- bis lOnial stärker ist als die Schwerkraft. Was ist das aber überhaupt für eine Wunderkraft, He von der Sonne in dieser Weise ausgeübt wird? Das ist viel- leicht das größte Rätsel, das die Kometenschweife dem menschlichen Scharfsinn aufgeben. Man muß sich in dieser Hinsicht überhaupt mit Andentungen begnügen. Die Grundlage für diese Hypothese ruht in der Feststellung, daß vom Licht, so körperlos diese Form der Natürkrnft zu sein scheint, doch ein gewisser Druck ausgeht. Weil nun die Stoffe, ans denen ein Komet, und besonders sein Schweif, besteht, von einer ganz unvorstellbaren Feinheit sind, so daß bekanntlich auch die lichtschwächsten Sterne durch den Körper des Kometen hindurch mit unvermindertem Glanz sichtbar bleiben, so nimmt man an, daß die von der Sonne ausgehenden Lichtstrahlen auf den Kern des Kometen einen genügenden Druck ausüben, um ihn zu Ausströmungen seiner feinen Materie auf ungeheure Eni- fernunge» hinaus zu veranlassen. Diese Ausströmungen sind eben die Kometenschweife, und so würde es sich erklären, daß die Schweife fast in allen Fällen nach einer dem Sonnenstand entgegengesetzten Richtung von dem Kometenkern ausgehen. Der Wasser st off, nächst dem Helium das leichteste aller Elemente, wird, wie einige Astronomen meinen, mit einer Geschwindigkeit von 0 bis 8 Kilo- meter in der Sekunde von dieser Stoßkraft des Lichtes bewegt. In welcher Weise dies aber geschieht, darüber bestehen sehr verschiedene Vorstellungen. Wie dem aber auch sei, sogleich trifft man auf eine llnghencrlichkeit. Denn welch unvorstellbare Mengen von Wasser- stoff müßte ein Komet beherbergen, um mit einer derartigen Ge- schwindigkeit dies Gas bis aus viele Millionen und zuweilen Mil- liarden von 5lilometer in den Weltraum hinauszustrahlen I Man muß doch bedenken, daß in einem solchen Kometenschweif eine unablässige Strömung mit jener angegebenen Geschwindigkeit von 6 bis 3 Kilometer in der Sekunde stattfindet, und der Kern des Kometen müßte also imstande sein, einen Schweif von so enormer Länge und von einer Breite, die gleichfalls oft nach Millionen von Kilometer zählt, dauernd gewissermaßen neu aufzufüllen oder zu ernähren, und das nicht etwa für eine kurze Zeit, sondern für Wochen und Monate innerhalb eines einzelnen Umlaufs, und weiterhin für eine mehr oder weniger große Zahl aufeinander folgender Umläufe. Es ist doch gar nicht einzusehen, wie so außer- ordentliche Massen von Wasserstoff in dem 5lometen enthalten sein sollen, während doch die Gesamtmasse des Kometen im Vergleich zu allen anderen Weltkörpcrn verschwindend klein ist. In freiem Zu- stand kann sich der Wasserstoff unmöglich befinden. Eine Einhüllung in andere Stoffe kann man sich auch nicht vorstellen. Es bleibt also nur die Annahme übrig, daß der Wasserstoff in einer Verbindung vorhanden wäre, und als eine solche würde sich das Wasser zu- nächst darbieten. Nun kann Wasser freilich leicht in Dampf der- wandelt werden; zu seiner Zerlegung in Wasserstoff und Sauer- stoff aber gehört eine sehr bedeutende Hitze. Ta� wir aber die Kometen mit einem zuweilen sehr bedeutenden Schweif noch in großem Abstand von der Sonne sehen, so kann die Sonnenhitze auf diese Entfernung keinesfalls noch genügend stark wirken, um Wasser auch nur in Dampf zu verwandeln, geschweige denn in seine Be- standtcile zu zerlegen. Dieselben Ueberlcgnngen wenden sich gegen die Annahme eines aus Kohlenwasserstoff bestehenden Schweffs, den man als zweite Gruppe vermutet hat. Was sollte man aber nun gar von der dritten sagen, die angeblich einen Schweif besitzt, der wesentlich aus Eisendampf zusammengesetzt sein soll? Unter einem kalten Eisendampf vermag man sich überhaupt nichts vorzustellen, und auch sonst widersprechen alle Erscheinungen in der EntWickelung des Kometenschweifs einer so gewaltsamen Erklärung. Der Laie mag nun einwenden, daß die Naturwissen- schaft doch seit Jahrzehnten über das wunderbare Hilfsmittel des Spektroskops verfügt, das uns über das körperliche Wesen auch der fernsten Fixsterne bis zu einem getvissen Grade aufzuklären im- die Verhaftung nur zweimal angedroht, insofern stelle ich meine frühere Behauptung richtig. Bei dem Mädchen aber liegt die Sache anders, als der Kriegsminister es darstellt. Richtigstellen n'.uß ich, daß es kein Dienstmädchen war, sondern ein Ladenmädchen, eine Verkäuferin; sie ging in der Mittagspause aus dem Ge» schäst deS Herrn Goldstei»»iit einer Kollegin nach Hanse. Ein Soldat patrouillierte nrit anfgepslanzienr Bajonett und machte eine Schwenkung, wobei er das Mädchen beinahe verletzt hätte. Da sagte das Mädchen in zieuilich freundtichem Tone:„Nehmen Sie sich doch in acht, Sie können einem ja ins Gesicht stoßen woraus der Soldat antwortete: „Halt's Maul, Du Dreckschwein!" (Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Der Herr KriegSminister heißt das hoffentlich nicht gut. Jedenfalls zeigt es, welche Aus« drucksweise die Soldaten haben. Eine Ansdrucksweise, die wohl daher rührt, daß auf den Kasenienhösen solche Ausdrücke nicht selten sind. Das Mädchen verbat sich das und schimpfte ebenfalls, sie sagte:„Tu Rotzjunge, Du denkst wohl, weil Du in Uniform steckst, kannst Du mit uns so was machen?" Darauf meldete der Soldat das dein Unteroffizier, und dieser erklärte das Mädchen für verhaftet!(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Als das Mädchen ihm den Hergang schilderte, erklärte der Unter- offizier, es bleibe bei der Verhaftung! Und als das Mädchen sich weigerte mitzugehen, befahl er fünf Soldaten scharf zu laden und das Mädchen mitzunehmen.� Erst als der Fahrsteiger Wagner dazu kam und dem Unteroffizier gut zuredete, hat dieser das Mädchen laufen lassen. Man kann also nicht sagen, daß gar nichts passiert ist. Der Unteroffizier hat auch versucht das Mädchen zu transportieren und hat es an den Arm gefaßt und das Mädchen hat sich— leider kann ich es nicht ans deki Tisch deS Hauses niederlegen(Große Heiterkeit)— blaue Flecke werden sich heute auch kaum mehr feststellen lassen. Jedenfalls hat das Mädchen sich be- schwort, ihr ganzer Arm sei blau gewesen. Weiter hat der Kriegsminister bestritten, daß ein Junge vor- haftet sei und daß dabei vom Schießen gesprochen lvurdc. Ich kann unter Beweis stellen, daß der Junge, weil er Flugblätter vcr- breitete, unberechtigterweise verhaftet werden sollte, daß als er aus- riß und der diensttuende Leutnant den nachlaufenden Soldaten zurief: Schiehen Sie doch! Schießen Sie doch! (Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Der Kriegsminister sagte, das Militär habe große Besonnenheit an den Tag gelegt und deshalb sei es nicht zum Blutvergießen ge- kommen. Ist das Besonnenheit, wenn ein Schneidermeister vom Militär von seinem Grundstück Vertrieben wird und wenn nun, als er noch einen Augenblick unter der Haustür steht, nicht ein dummer Soldat oder Unteroffizier, sondern der H a u p t in a n n rief:„Schafft den Kerl in sein Lokal!"(Heiterkeit.) Wenn ein anständiger Bürger von einem gebildet sein wollenden Hauptmann so angerufen wird.(Zurufe rechts.) Nun, Herr v. Oertzen, Sie würden sich auch nicht freuen, wenn Ihnen solche Titulatur an den HalS geworfen würde. Weiter hat der Kriegsminister bestritten, daß unsere Ordnungs- männer gestört wurden. Ich halte vollständig aufrecht, daß den Ordnungsmännern die lveiße Armbinde abgerissen wurde und daß sie mit Fußtritten regaliert wurden. Sie sehen also, daß eS nicht der Besonnenheit des Militärs, sondern der der Streikende n und der des Publikums zu danken ist, daß es nicht zum Blutvergießen kam.(Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Ich will den Ge- richtsurteilen nicht vorgreifen, aber nach den bis jetzt vorliegenden Urteilen war die Heranziehung des Militärs ganz unnötig, und einige Gendarmen wären ganz gut mit der ganzen Sache fertig geworden. Wenn Dr. Fleischer die Heranziehung des Militärs für notwendig gehalten hat, so hat er sich damit keinen Denlslein gesetzt, wohl aber das Lob der Scharsmacher eingeheimst. Vizepräsident Dr. Spahn: Die Heranziehung von Acußerungen des Dr. Fleischer bei der Manöfelder Interpellation gehört wohl nicht zur Sache. Abg. Sachse(fortfahrend): Weiter hat der Kriegsminister gesagt, eS wäre keine Beschwerde eingegangen vom Kloster ManSfeld, ivo die Biidnhofstrafie vom Militär besetzt war und Passanten nicht zu den Zuge» durchgelassen wurden. Daß keine Beschwerde ein- gelaufen ist, beweist für die Richngkeit der Behauptung des Kriegs- Ministers gar nichts. Ich Halte meine Behauptungcu vollständig aufrecht. Der Kriegsminister hat auch verteidigt, daß der Koinmandciir von Magdeburg auf meine telegraphische Beschwerde keine Antwort gegeben hat, weil sie unterzeichnet war:„Streikleiter Sachse". Wenn stände gewesen ist. Da brauchte man doch wohl nur das Spektroskop auf den Kometenschweif zu richten und nachzusehen, tvas für Linien sich in dem entstehenden Spektrum zeigen und welchen Körpern diese entsprechen. Daraus müßte sich der sichere Schluß ergeben. welche Stoffe in dem Kometen vorhanden sind. Selbstverständlich haben die Astronomen von dem Spektroskop auch in dieser Hinsicht jeden mÜHlichen Gebrauch gemacht. Das dadurch entdeckte Spektrum gleicht fast völlig dem einer Gasflamme des bekannten Bunsen« brenners und besteht danach in der Hauptsache auS Kohlenwasserstoffen. Man hat darauf die Anschanmig aufgebaut, daß diese Kohlenwasserstoffe bei der Annäherung des Kometen an die Sonne gleichsam aufgebrochen Iverden und sich einerseits in Wasserstoff, andererseits in Kohlenwasserstoffe von höherer Widerstandsfähigkeit gegen die Wärme zerlegen. Je größer die Hitzewirlung der Sonne wird, desto weiter geht dieser Zcrsetzungsvorgang, und man ist cnd- lich sogar zu dem Schluß gelangt, daß der Komet freien Kohlen» stoff in der Gestalt von unvorstellbar fcinverteiltem Ruß ausscheidet. Da iin Weltraum keine Luft und auch kein Sauerstoff vorhanden ist, so kann dieser Kohlenstoff auch nicht verbrennen, sondern er muß in diesem feinvertcilten Zustand bleiben. Es ist ausgerechnet worden, daß diese Teilchen unter dem Druck des Sonnenlichtes mit einer Geschwindigkeit von etwa 1 4M 000 Kilometer in der Stunde von der Sonne fortgctrieben werden würden, wenn der Durchmesser des einzelnen Teilchens die Hälfte von einem tausend- siel Millimeter besitzen würde. Es ist aber angenommen worden, daß die Teilchen der Kometenmasse noch viel kleiner sind, bielleicht nur ein Achtzehntel dieser Größe, und dann würden sie dieselbe ungeheure Strecke in nur 4 Minuten zurücklegen. Alle diese Be» rechnungen stehen aber auf sehr schwachen Füßen, und wenn man alle Mutmaßungen von hervorragenden Fachleuten über das Wesen der Kometen zusammenstellen wollte, würde man auf die größten Gegensätze stoßen. So hat Professor Newton gemeint, daß ein Komet aus Teilchen von der Größe eines Stecknadelkopfes bestehe, und diese Teilchen wären mehrere 100 Meter voneinander entfernt und als Ganzes von einer Gashülle umgeben. Selbst in diesem Fall aber wäre es gar nicht zu begreifen, daß ein Komet auch für die kleinsten Sterne durchsichtig wäre, wenn er aus Kohlenstaub bestünde. Beachtenswert ist ferner die Berechnung, die der Astronom Babinct über die Riasse des berühmten Enckeschen Kometen auf» gestellt hat. Danach würde dieser 45 000 Billionen mal weniger dicht sein als die Lust unserer Erdatmosphäre im Meeresniveau. Unter dieser Voraussetzung würde dieser Komet immerhin noch 24 000 Zentner wiegen, und diese Ziffer entspricht ungefähr der Schätzung, die auf anderen Grundlagen gemacht worden ist. Mit dieser außerordentlichen Feinheit verbindet nun aber ein Kometen- schweif die Eigenschaft, das Sonnenlicht wiederzuspiegeln, und diese Fähigkeit ist mit einer so geringen Dichte des Stoffs gar nicht vereinbar. Man müßte vielmehr annehmen, daß der Kometen- schweif dann überhaupt unsichtbar bleiben würde.— Man sieht, daß man überall ungelösten Rätseln begegnet, und daß die Natur- Wissenschaft noch große Aufgaben zu lösen haben wird, ehe sich das Geheimnis lichten kann. X schon diese Unterschrift dem Herrn Krieg-Zmmister genügt, um eine Depesche nicht zn becintworten. so ist das einfach eine Mißachtung. sSchr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Was halten Sie den» eigentlich für Ihre Pflicht oder für die Pflicht der Offiziere? sSehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Jeder anständige Bürgersmann iviirde eine anständige Antwort erteilen, der KriegSminister aber verteidigt es noch, wenn Militärbehörden auf eine in anständigem Ton gehaltene Depesche keine Antwort geben. Jeder Arbeiter«nd Bürgersmann, der sich beschwert, hat das Recht, von Zivil- uiid Militärbehörden eine Antwort zu bekommen. Das ist einfach Pflicht und Schuldigkeit. fLeb hafte Zustiniinung bei den Sozialdemokraten.) Ich bitte den Kriegsminister, darauf zu achten, das; in Zukunft die Bürger von Mlitärbehörden eine a u st ä n d i g e Behandlung er- fahren. �Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Kriegsminister v. Hreringen: Der Abg. Sachse scheint eine Neuauflage der doch erledigten Mansfelder Interpellation veranstalten zu wollen.(Unruhe bei den Sozialdemokraten. Sehr richtig! rechts.) Es bleibt bestehen, das; es in Hetlstedt um Haaresbreite zu einem Zusammenstoß zwischen der Volksmasse und dem Militär gekommen wäre. Ob die Volksmasse aus Streikenden bestand, weiß ich nickt. Streiter tragen doch kein besonderes Abzeichen. Jedenfalls synipathisierte die Menge mit den Streikenden.— Es bleibt bestehen, das; keine weibliche Person der- haftet worden ist. Jedenfalls ist keine solche Verhaftung zur Anmeldung gekommeit. Es kann ja sein, dag ein- mal ein Unteroffizier ein weibliches Wesen auf fünf Minuten in seine Obhut genommen hat.(Schallende Heiterkeit.)— Die Sache mit dem Jungen, den man hat laufen lassen, verhält sich so. wie ich sie neulich dargestellt habe.— Abg. Sachse erzählte von einem Bürger, der mit.Kerl" angeredet worden ist.„Kerl" ist ja kein schöner Aiisdrnck, aber aUS dem Garten bei dem Hause ist auf die Truppen mit Steinen geworfen worden l(Hört! hört I rechts, be- tvegte Zurufe bei den Sozialdemokraten, Rufe rechts: Ruhet Ruhe! Unruhe im ganzen Hanse.)„.,.5... Was die Ordnungsmänner betrifft, so ,st nach den mir gewordenen Mitteilungen die Ordnung immer dann eingekehrt, wenn die Ordnungsmänner ihre weixe Binde ablegten und verschwanden.(Heiterk. rechts, stürmische Zurufe bei den Sozialdemokraten.)— Der Abg. Sachse hat mich weiter auf meine„Pflicht" aufmerksam gemacht. Meine Pflicht ist, Ordnung zu schaffe».(Lautes Bravo! rechts: große Unruhe bei den Sozialdemokraten. Ruherufe rechtS: Zurufe von den Sozialdemokraten nach rechts: Halten Sie nur den Mund! Lärm im ganzen Hause.) Das Telegramm war unterzeichnet: Sachse. Weif) ich denn, wer das ist„Sachse"?(Heiterkeit rechts, erregte Zurufe bei den Sozialdemokraten: Aber Bogclsang kennen Siel) Redner polemisiert sodann in längeren Ausführungen gegen den Abg. Müller- Meiningen und geht namentlich auf den Zall des Bonner Unteroffiziers Beith ein: Es kann keine Rede davon sein, daß das katholische Bekenntnis des Veith oder der Umstand, dafl er keine Satisfaktion geben wollte, be- stimmend bei den bekannten Vorgängen war. Die jungen Leute haben sich ja unartig benommen.(Lachen links.> aber militärische Vergehen liegen eigentlich nicht vor. Der einzige Nichtunter- Offizier hat sich an der nächtlichen Affäre nur mit S i n g e n beteiligt. (Lachen links.) Dah frühere Borussen im Standgericht über diesen Fall urteilten, war nicht Schuld dcS Gcrichtshcrrn!-- Es ist nicht wahr, daß die Militärgerichte gegen Offiziere milder vorgehen als gegen Soldaten!(Heiterkeit und Widerspruch links). Die Ernennung der Offiziere ist Sache des Monarchen. Die Kommandogewalt steht ausschließlich dem Monarchen zu. Wollen Sie das ändern, dann niiifien Sie die Verfassung ändern. Ich frei- lich kann eine solche Verfassungsänderung nicht besürworten.(Bravo! rechts.) Der Offizier steht anders zum König als der Beamte. Er schwört nur zum König, nicht auf die Verfassung. Und ich halte das für einen Segen.(Lebhastes Bravo I rechts.) Redner bestreitet in weiteren längeren Ausführungen, von der Littken mit ungläubigen Zwischenrufen unterbrochen, die Bevorzugung des Adels in der Armee.(Beifall rechts.) Abg. v. Oldenburg-Januschau(k.) (von der Linken mit Aha!°Rufen empfangen): Wenn die Mansfelder Streikenden solche Lebensformen an den Tag gelegt baben wie der sozialdemokratische Abgeordnete, der eben der Reckten zugerufen hat:.Halten Sie das Maul!" dann ist man mit ihnen viel zu milde umgegangen.(Lathen bei den Sozial- demokraten, lebhafter Beifall rechts.) Die Paraden. Tritt- fassen, Frontmachen erfreuen das alte Prcußenheer. Schade, daß sie en, geschränkt werden.(Lachen links.) Wenn frühere Offiziere kritische Sachen schreiben, so muß man an Bismarck denken, der, als ini Herrenhaus ein früherer Finanzminister Opposition machte, sagte: .Ach, lassen Sie ihn doch reden; wenn er'was verstanden hätte, so wäre er heute noch Finanzminister l'(Stürmische Heiterkeit.) Es ist ja bedauerlich, daß frühere Offiziere in Blättern schreiben, die selbst wir im Reichstag, die wir an starken Tobak gewöhnt find (Heiterkeit), mit Widerwillen in die Hand nehmen. Ebenso bedauer- lich ist es, daß Offiziere sich an Abgeordnete mit Gehalts- wünschen wenden. An mich hat sich bloß einmal ein Leutnant gewandt.(Große Heiterkeit.) Die frühere Militärjustiz war viel besser als die jetzige.(Lachen links.) Der Bonner Fall ist mir nicht ganz klar. Ich habe nicht studiert(Sehr richtig l links, Heiter- I Kleines feuilleton. Theater. Neues Theater:„Der Philosoph von Sans- S 0 u c i", Zeitbild in vier Akten von F. Hol m. Friedrich II. scheint eine Art Spezialität des Neuen Theaters. Zu Zeiten, da hier noch Reinhardt dirigierte, verirrte sich eine öde Dramatisierung der alten Paradeaneidote von dem wackeren Sans-Soucier Müller auf die Bretter. Dann gab es unter Schmieden Fräulein von Momberts schreckensvolle patriotische Enilgleisung: das„Meißner Porzellan", und nun marschiert der Vicljitierte in dem Holmschen Stücke unter der schmeichelhaften Bezeichnung eines Philosophen gar als Titelheld einher. Die Verfasserin, irgendeine Gräfin von so- undso, die ihr Pseudonym keineswegs davon abhielt, bei dem üb- lichen Applaus sich den Verehrern ihrer Muse zu zeigen, trieb eS nicht ganz so schlimm wie die Vorgängerin, doch immer schlimm genug. Ihr Friedrich strahlt natürlich in den hellsten Rosenfarben der Legende. Der loyale Zuschauer bekommt zu seiner Freude Schlag auf Schlag jene bekannten Epigramme: daß die Gazetten nicht genieret werden sollen, vom Rechte eines jeden, nach eigener Fasson selig zu werden usw., wie eine fulminante königliche Abkanze- lung des ungerechten Richters in dem Müll-rprozesse vorgesetzt. Alles was, losgerissen von dem Hintergründe des hart-despotischen friderizianischen Regiments des Herrschers, hübsch modern-humani- tär in Ohr klingt. Friedrichs Adlerblick durchschaut das Große wie das Kleine. Der hochmütige Mcnschenverächter fließt über von Geduld und Wohlwollen, der Verächter deutscher Literatur prophe- zeit als Moses, welcher das gelobte Land nur aus der Ferne schauen darf, deren künftige Größe. Die Konflikte zwischen ihm und seinem weltberühmten Gaste Voltaire werden in einer Weise dargestellt, daß auf den König alles Licht, auf den Franzosen aller Schatten fällt. Der schnöde Gallier quittiert für Friedrichs lautere Herzensgute damit, daß er am preußischen Hofe für die Pompa» dour herumspioniert und einen jungen Landsmann— den obligaten edelmütigen Licbhavcr— zum Diebstahl für Friedrichs Briefschaften anzustiften sucht. Dieser gute Junge, der in dem ersten Akte als Anbeter der übrigens im Gegensatz zu Voltaire recht gnädig be- handelten Pompadour dramatisch debütiert, avanciert dann in« weiteren Verlauf zum Bräutigam einer braven preußischen Komtesse und tritt in Friedrichs Dienste. Die Aufführung war sorgsam vorbereitet. Alma Renk er brillierte in der Rolle der Pompadour. S ch>n i d t h ä ß l c r spielte den Prcußenkönig, N c u ß den Voltaire.in sehr markanter Maske. du kert), aber man muß solche Dinge doch nicht so tragisch nehmen. Es ist doch besser, nnsere jungen Studenten hauen mal etwas über die Schnur, als daß sie gar nichts tun.(Heiterkeit.) Herr Müller-Meiningen lobte es, daß in der französischen Armee ein Rittmeister vor versammelter Schwadron Abbitte leistet. Bei dieser Nachricht hat jeder Offizier bei uns Gott gedankt, daß er nicht in der französischen Armee dient.(Sehr richtig I rechts.) Wir wollen ja sehen, wie weit die französische Armee damit kommt. 1 Bravo 1 rechcs.) Herr Müller-Meiningen hat wieder vom Militär« kaßinett gesprochen. Sie, mein verehrter BundeSbruder(Stürmische Hciierkeit). haben ja gar keine Ahnung von der preußischen Geschichte! Zur preußischen Geschichte gehört die Armee mit dem Militär- kabinett und ihren vielen adeligen Offizieren. Ist es denn ein Zufall, daß gerade der Adel so stark in der Armee vertreten ist?(Gewiß nicht! links; Heiterkeit.) Der alte Fritz hat den Adel geradezu gezwungen, seine Söhne in die Armee zu stecken. Einmal schrieb er einem Adligen, dessen Sohn Künstler werden ivollte:»Unsinn, er muß bei die Husaren I"(Schallende Heiterkeit.) Aber von einer Bevorzugung des Adels ist keine Rede. lLachen links.) In diesen langen Friedenszeiten geht eS mit dem Avancement nichts vorwärts. Wenn einer 15 Jahre Leutnant und 15 Jahre Schwadronschef war. dann ist die beste Bouillon abgeschöpft.(Große Heiterkeit.) DaS ist es aber nicht allein. waS vielen die Lust am Osfiziersberuf verdirbt. Früher, da pfiss ein Leutnant darauf, was die ganze Presse, der ganze Reichstag zu seinem Tun sagte. Was scherte mich als junge» Leutnant, was der Reichstag sagte? Ich fragte nur: Ist mein SchwadronSchef mit mir zufrieden? Wie ist es.aber jetzt? Wenn ein Leutnant in einer Ecke laut hustet, bat er die Besorgnis, daß es im Reichstage zur Sprache kommt. lGroßs Heiterkeit.) Das ginge ja noch, aber wir wollen doch dafür sorgen, daß er nicht die Besorgnis haben muß. daß nun auf das Urteil des Reichstags ein Gewicht gelegt wird(Oho I und Zurufe links. Sehr richtig! rechts), was früher nickt der Fall war. Meine Herren, darunter leidet der Offizierssland und muß darunter leiden, ein Stand, der persönlich mit dem allerhöchsten Kriegsherrn zu- sammenhüngt und den im übrigech die Ocffentlichkeit nichts angeht. (Sehr richtig! rechts. Zurufe links.) Ja, das ist eine alte preußische Tradition, und daß Ihnen diese Tradition nicht paßt, das glaube ich sehr gern. Oer König von preuKen und der deutfebe Kaiser muß jeden JMoment imstande fein, zu einem Leutnant zu sagen:„J�ebmen Sie zehn jVlann und schließen Sie den Keicbotig!" (Große Heiterkeit, Unruhe und Zurufe links. Sehr richtig ljemcht». Wiederholte Unruhe und Zurufe. Langandauernde Unnlh»i!ii:cko.t Meine Herren, wir haben uns ja über diesen Fall schon irfnmeA unterhalten." Ich will ihn nicht länger ausführen, ich'WWU Ihnen aber die Freude machen.(Heiterkeit, Unruhe und Ztmufr links.) Alles in allem kann man nur den Wunsch bnbtti, daß die Tradition in unserem OffizicrkorpS. die das Offizier« korpS groß gemacht hat. die die Armee groß gemacht hat, erhalten bleibt.(Zurufe, wachsende Unruhe links.) Und wir von der Rechten hoffen, daß der preußische Herr KriegSminister diese Tradition aufrecht erholten wird, aucti in der Zusammensetzung des Osfizierkorps, in der Homogenität des Offizierkorps die alte, die königlicbc, die preußische Tradition. Adieu, ineine Herren!(Leb- haner Beifall rechts, stürmische Zurufe und Unruhe links; wieder- Holter Beifall rechts, große andauernde Unruhe und wiederholtes Zischen links.) Vizepräsident Erbprinz zu Hohenlohe: DaS Wort hat der Herr Abg. Dr. Osann. Zuruf deS Abg. Lcdcbour: „Was sagt der Präsident dazu?" (Sehr richtig I und Zurusl links.) Vizepräsident Erbprinz zu Hohenlohe: Herr Abg. Ledebour, ich habe verstanden, daß Sie gesagt haben, was ich dazu sage! Abg. Ledebour: Jawohl! Was sagt der Präsident dazu?(Sehr richtig I und Zurufe bei den Sozialdemokraten.) Vizepräsident Erbprinz zu Hohenlohe: Ich verbitte mir eine Kritik in dieser Form.(Große Unruhe und Zurufe links, Rufe rechts: Ruhe I) Ich rufe Sie zur Ordnung!(Stürmische Zurufe und Unruhe links, Bravo rechts.) Ich bitte um Ruhe für den Herrn Redner.(Andauernde Unruhe: Glocke des Präsidenten.) Ich bitte um Ruhe für den Herrn Redner. Abg. Osann(natl.)(bei der andauernde» Unruhe im Hause bleiben die Ausführungen unverständlich. Man hört nur einen Satz): In nationalen Fragen werden wir Nationalliberalen stets den Opfermut betätigen, den wir immer gezeigt haben.(Bravo l bei den Nationalliberalen.) Abg. Schräder(frs. Vg.): Wir können Herrn v. Oldenburg dankbar sein, daß er uns in feiner Rede ein klares Bild seiner absolut rückständigen Nnfchaunngen Siotizen. — Berliner Kunstausstellungen. Die französische graphische Kunst des 18. Jahrhunderts ist auf der Ausstellung in der Akademie keineswegs genügend vertreten. DaS Kupferstich- kabinett beabsichtigt, zur Ergänzung Farbenstiche(besonders sittengeschichtliche) und Zeichnungen, darunter auch Studienblätter von Watteau uud Lancret, ferner buchgewerbliche Entwürfe u. a. von Gravelot und Porträtaufnahmen auszustellen.— In der Sezession wird im Februar eine Ausstellung moderner ungarischer Maler eröffnet. — Das München er Tonkünstlerorchester, das seinerzeit sich aus dem Kaim-Orchester bildete und ein Beispiel solidarischen Zusammenhaltens gab. legte in zwei Konzerten in der Philharmonie Proben tüchtigen Könnens und guten Zusammenspiels ab. DaS Orchester steht auf eigenen Füße». Sein Leiter ist Kapell- meister Iwan Fröbe, der sowohl klaisische wie moderne Tonstücke mit bemerkenswerter Individualisierung dirigierte. — Mozart-Oper. Zivischen dem Besitzer deS Gastspiel- TheaterS und der Direktion der Mozart-Oper wurde ein Pacht- Vertrag abgeschlossen. Die Opernvorftellungen werden am 5. Fe« brnar er. mit einem klassischen Werke bei niedrigen Eintrittspreisen eröffnet. — Vorträge. Sven Hedin wird am 8. Februar in der Singakademie einen Vortrag über seine Landreise von Rußland über Persicn nach Indien und Tibet halten. Der Vortrag wird durch zahlreiche unveröffentlichte Lichtbilder und durch einen 700 Meter langen kinematographischen Film erläutert werden. Prof. O st w a l d hält am g. Februar einen von der»Freien Hoch- schule" veranstalteten Vortrag über Goethes»Faust", II Teil. im Bürgersaale des Berliner Rathanses; am 10. Februar spricht er im Saale des Zoologischen GartenS über»Unentgeltlichkeit der Bildungsmittel". — Von der Entdeckung des Löschblattes, das in kurzer Zeit den Streusand, dessen sich die Menschheit jahrhunderte- lang bedient hatte, verdrängte, plaudert„T. P.'S Wcekly". Das erste Löschblatt wurde in einer englischen Papierfabrik in der t�raf- schaft Berkshire hergestellt. Der Nachlässigkeit eines Arbeiters vcr- dankt die schreibende Welt die Entdeckung: Der Arbeiter vergaß zu- fällig, der rohen Papiermnsse den nötigen Leimzusatz zu geben. Der Fabrikbesitzer war außer sich, und der unfreiwillige Entdecker des Löschblattes wurde zur Strafe für seine Nachlässigkeit entlassen. Später bemerkte der Fabrikant, daß das mißratene Papier die Eigen- schaft hatte. Tinte aufzusaugen, ohne die Schrift zu verwischen. Der kluge Gcschästsinann schlug die Rellamctrominel und fabrizierte von dieiem Tage an nur noch Löschpapier, das ihn in kurzer Zeit zum reichen Mann mochte. gegeben hat, die den heutigen Zuständen vollkommen verständnislos gegenüberstehen.(Lebhafte Zustimmung links.) Er hat in seiner Rede dem allerhöchsten Herrn Handlungen zugeschoben, die er absolut nicht begehen kann und nicht begehen wird. Ist das der Respekt gegen den Kaiser, daß er ihm zumutet, gegen Gesetz und Verfassung den Reichstag durch Soldaten aufzulösen?(Lebhafte Zustimmung links, wachsende Unruhe rechts.) Das sind Aeußerung, die aus der Armee gewiß nicht hervorgegangen sind! Unsere Armee kennt die Verfassung; sie kennt die Rechte des Kaisers, sie hat aber auch Respekt vor den Rechten des Reichstages! Dieser Respekt vor dem Reichstag ist durch die Aeußerunge» deS Herrn v. Oldcuiurg auf das schwerste verletzt worden.(Lebhafte Zustimmung links. Lärm rechts.) Herr v. Oldenburg sagt, daß der Offizier von niemand abhängig sei als vom König, daß ihn der Staat nichts angehe. Aber dieser Staat bezahlt ihn(Sehr richtig l links), und er gehorcht dem König nicht als P e r s 0 n, sondeni als Chef des Staates! Er hat dem Staat mit derselben Treue wie jeder andere Beamte zu dienen, und der König wird und darf ihm nicht zumuten, WaS mit der Verfassung nicht im Einklang steht.(Lebhafte Zustimmung links.) Ihnen(nach rechts) kommt alles darauf an, Ihre privilegierte Stellung zu behaupten, und Sie meinen, daß Ihnen am besten dazu die Armee dient. Aber auch in der Armee weiß man, daß die alten Zustände nicht mehr bestehen, und ich vermute, daß selbst Ihnen die Armee reckt schlecht gefallen würde, wenn sie noch nach altem Muster eingerichtet wäre. Da wurden die Truppen gewaltsam zusammengebracht und der Offizier mußte eine Stellung haben, die ihm heute nicht mehr gebührt. Er soll auch heute noch der Vorgesetzte sein, aber er braucht nicht besondere Privilegien. Glauben Sie wirklich, daß die Disziplin verletzt wird, wenn jemand für eine öffentlich begangene und zu verurteilende Handlung öffentlich Genug- tnung gibt?(Sehr richtig! links.) Es gibt Zeiten, wo die Offiziere die Kameradschaftlichkeit der Soldaten brauchen, das find die Zeiten des Krieges. Heute ist die Trennung des Offiziers vom ge> meinen Soldaten viel zu scharf. Der Reichskanzler, den wir heute wieder hier vermissen müssen, sollte deni Kaiser die verantwortlich- keit für daS Militärkabinett abnehmen.(Lebhafter Beifall links.) Abg. Singer(Soz.)(zur Geschäftsordnung): M. H.. ich muß aus den Vorfall, der fich vorhin hier abgespielt hat, zurückkommen. Ich stelle fest, daß der Herr Abg. v. Oldenburg in seiner Rede die Worte gebraucht hat. der Kaiser müsse zu jeder Zeit in der Lage sei», einem Leutnant zu sagen:„Gehen Sie mit , 12 Mann(Zuruf: zehn Mann!) mit 10 Mann und schließe» Sie den Reichstag! Ich enthalte mich, an dieser Stelle, im Rahmen einer geschäftsordnungSmäßigen Bemerkung über die Niedrigkeit der Auffassung zu sprechen, die dein Reichstag mit diesen Worten zugemutet wird. (Sehr gut! links.) Ich rede auch in diesem Augenblick nicht davon, daß diese Redewendung als eine direkte Aufforderung zum Verfassungsbruch zu bezeichnen ist.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten. Oh! oh I recht«.) Ich frage den Herrn Pröfidentcn, der während der Rede nicht eingegriffen hat, ob er die Aeußerung gehört hat? Hat er sie gehört, dann würde tS eine Beleidigung für ihn sein, wenn ich annehmen würde, daß er sich mit drm Inhalt dieser Rrde identifiziert uud de» Redner nicht darauf verwiesen hat, daß er eS der Achtung und der Würde des Reichstags schuldig ist. folche Redensarten zu unterlassen.(Sehr richtig! links.) Hat dtt.'Herr Präsident diese Redewendung nicht gehört, so nehme ich an, daß er nunmehr seines Amtes, den Reichstag vor Beschimpfungen zu schützen, walte» wird.(Stürmischer Beifall links.) itSF*!., Vizepräsident Erbprinz zu Hohenlohe: Ich habe die Aeußerung des Abg. v. Oldenburg gehört und habe sie so verstanden: Er sprach von der Disziplin, als er seine Aeußennig tat, und ich hatte die Auffagtm�tzaß er damit nur sagen wollte, daß der preußische Soldat bis aufö äußerste dem Rufe seines obersten Kriegsherrn folgen müA., zBiwbol recht«. Stürmische Unruhe linls. Zwischenrufe.) Ich glaube nicht, daß der Herr Redner etwas anderes gemeint hat. Hütte ich angenommen, daß er im Ernst geglaubt habe oder aussprechen wollte, daß die preußische Armee dazu da sei, einen Leutnant mit zehn Mann in den Reichstag zn schicken und ihn auseinander zu sprenge», so würde ich diese Aeußerung ohne Zweifel auf daL schärfste gerügt haben. Abg. v. Oldcnbnrg-Januschau---»1 3.50 T.1_ 1 Stick.-Ein-O tlr\ Stiek.-Aniats O Stick-Ein-u. Amatz<5 ci /*\ agnemau. Ansatz u. Banddrcbz. äv.Ov/, u.Banddurcbzug,. D.dLr Beinkleid passend 2.60, dazu passend 2,3»), dazu passend 4.23 Nacktkemd pa... 4.23, dazu passend 4.73, dazu passend 3.7 3 Nacktjacken Barcbeot mii Besatz 1,60 Nacktjacken fÄ'-vln. 2.15 Nacktjacken �Äe! 2.50 Nacktjacken Croisd, mit Stickerei 2.55 Nacktjacken 2.10 bi.2.90 Nacktjacken E»x�iekerel-3.75 \Vei3se Stick.-Röcke. 7c 7 oft mit Ein- und Ansatz 4. t»/ b a ,ZD mit Ein- und Ansatz und Q AA, Q CA Bsnddurchzug Ö.UU und O.Jll Weisse Stickerei-Röcke q on mit Einssu, Spitzes und Benddurcbzuj»lAr Weisse Barck.-Röckc., Qfl mit Langetten X.ÖU mit Stickcrei-Volant 2.50, 2.85 Ein Tosten Farbiger Krepp- Matinees Gci.ha-Form 4.23«. 4.30 Ein grosser Posten Schweizer Wäsche-Stickereien sowie Stickerei-Reste„„ zu aussergewöknlick billigen Preisen. 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Für dd-o Inseratenteil verantSei Glocke, Berlin. Druck u, Verlag: Vo.rsärt»Buchdruckxrci jj, Vc.riagSgnjtalt Kaul Kingrr Sc Berlin SÄ# Hr. 25. 27. Jahrgang. 2. KilM Ks Jiriirts" Kkllim AIKsdlM Sdinfnj, 80. Im« 1910. Die StrafprozeBordnanas-lisvelle im Berliner Rnwaltsverein. Am Freitagabend hielt der Berliner Anwaltsverein eine sehr stark besuchte außerordentliche Versammlung ab..Auf der Tages- ordnung stand die dem Reichstag jetzt vorliegende Novelle über Acnderungcn deS GcrichtsverfaffungögesetzeS und der Strafprozeh- ordnung. Sechs Referenten sprachen zu diesem Thema: Professor Dr. v. Lilienthal-Heidelberg, Professor Dr. v. LiSzt, Landtags- abgeordneter Justizrat Dr. Rewoldt, Rechtsanwalt Sonnenfcld, Justizrat Leonhard Friedmann und Rechtsanwalt Dr. Hcincmann. Aus sämtlichen Referaten klang eine lebhafte Unzufriedenheit mit der Regierungsvorlage heraus. Unter lebhaftestem Beifall be- tonten die Redner, lieber möge die Reform deS Strafverfahrens auf fünf oder sieben Jahre verschoben werden, ehe die vorgelegte Novelle Gesetzeskraft erhält. Nach vielen Richtungen hin enthalte sie eine ganz erhebliche Verschlechterung gegenüber dem bestehende» NcchtZzustand. Die schon jetzt mangelhaften Garantien der Ver- !eidig»ng seien vielfach beseitigt. Lieber keine Berufung, als eine Verschlechterung der ersten und auch der zweiten Instanz. Die Br- rufung auch der Staatsanwaltschaft zu erteilen, bedeute eine er- hcbliche Verschlechterung de» Schutzes der Verteidigung. Unbedingt müßten Laien auch in der Berufungsinstanz mitwirken. Unter einen Umständen dürfe in der Berufungsinstanz das verfemte Treimännerkollegium wieder auftauchen. Eine Beschränkung der Zuständigkeit der Sck>wurgcrichte sei abzulehnen. Gegen das all- gemeine Interesse spreche der Vorschlag, den Amtsrichter ohne Zu- ziehung von Schöffen bei Uebertretungen und leichten Vergehen entscheiden zu lassen. Die Leffentlichkcit dürfe nur eingeschränkt werden, wenn der Angeklagte dem Antrag auf Ausschluß der Oeffentlichkeit zustimmt. Die Disziplinargewalt des Gerichts müsse gegenüber der Staatsanwaltschaft die gleiche sein, wie gegenüber den als Verteidiger tätigen Rechtsanwälten. Die Rechtsprechung de? Reichsgerichts habe dazu geführt, daß die„S»ll"-Vorschrifte!i der Strafprozeßordnung völlig wertlos seien. An ihrer Stelle müßten durchweg„Muß"-Vorschriften treten. Die Kollusionshaft müsse ganz beseitigt werden. Zum mindesten dürfe sie aber immer nur dann zugelassen werden, wenn der Verdächtige versucht hat, die Zwecke der Untersuchung zu vereiteln. Dem wegen eines Vergehen? oder Verbrechens Verhafteten sollte auf seinen Antrag ein Verteidiger gestellt werden. Ueber einen Widerspruch gegen einen Haftbefehl müsse in kontradiktorischer Verhandlung unter Erhebung aller zugänglichen Beweise entschieden werden. Der Angeklagte müsse über die ihm zustehenden Rechtsmittel belehrt werden. Die Möglichkeit der Verhängung einer NnterfuchungShaft wegen Fluchtverdachts, ohne daß Tatsachen, die diesen Fluchtver- dacht rechtfertigen, vorliegen, müsse beseitigt werden. Entgegen- zutreten sei einer Durchbrechung deS LegalitätSprinzipS, abgesehen von den Fällen, in denen den Verletzten ein Privatklagerecht zu- steht. Die Rechte der Verteidigung imBorverfahren müßten erheb- lich erweitert werden. Absolut unannehmbar fei der Versuch, die Beweiserhebung und Revision zuungunstc» deS Angeschuldigten noch mehr einzuschränken, insbesondere von der Benutzung der zur Stelle gebrachten Beweismittel abzusehen. Gegen Urteile de-Z Schwurgerichts müsse nach Maßgabe ausländischer Gesetzgebung Revision wegen fehlerhafter Rechtsbelehrung der Geschworenen zu- lässig sein. Ueberslüsfige Berufungen ließen sich dadurch ver- ringern, daß man in den Fällen, in denen nur die rechtliche Würdi- gung eines Urteils angefochten werden soll, das Rechtsmittel der Revision sofort zulasse. Wenn wegen einer Nebertretung Frei- spruch erfolge, solle lediglich Revision zulässig sein. Ausgeschlossen müsse auch die Möglichkeit einer Berufung zuungunsten des Verdächtigten werden, zum mindesten in den Fällen, in denen es sich nur um das Strafmaß handle. Di- geforderten Erschwerungen deS Wiederaufnahmeverfahrens feien abzulehnen. Das sogenannte beschleunigte, summarische Verfahren dürfte höchstens mit Zu- stimmung deS Verdächtigten zugelassen werden. Das etwa sind die Grundsätze, die nach den Vorträgen der Referenten Niederschlag in einer an den Reichstag gerichteten Petition deS Anwaltsvereins Aufnahme gefunden haben. Wieder- holt wurde betont, daß das in der Petition Geforderte das Mindeste sei, um eine Verschlechterung des bestehenden Strafverfahrens zu hindern. Der Vorsitzende glaubte auch ohne Abstimmung über 19 vom Rechtsanwalt Dr. Heinemann vorgelegte Thesen konstatieren zu können, daß die Grundgedanken, die die Referenten ausgc- sprachen und die die Kommission des AnwaltsvereinS in der Ein- gäbe an den Reichstag fixiert hatte, die Zustimmung der Ver- fammlung gefunden hätten, und ferner daß eine Reform, die diesen Mindestforderungen nicht Rechnung trage, von dem Anwaltsverein alö eine bessernde Reform nicht angesehen werden könne. Hus der Partei. Bebels Memoiren. Am 1. Februar erscheint im Verlage von I. H. W. Diitz üiockif, zu Stuttgart: Bebel, Aus meinem Leven. 1. Zeil. Preis gebunden 2 Mark. Wir geben an anderer Stelle einen Absckmitt aus dem Buche. Hier sei das Vorwort wiedergegeben, das Genosse Bebel seinem Werk mitgegeben hat: Der Wunsch vieler meiner Parteigenossen, ich möchte meine Erinnerungen schreiben, trifft mit meinem eigenen Wunsche zu- sammcn. Ist man wie ich durch die Gunst der VerhäUnisse in eine einflußreiche Stellung gelangt, dann hat auch die Allgemeinheit ein Recht, die Umstände kennen zu lernen, die dazu führten. Aber auch die Mnege falscher Anklagen und schiefer Urteile, mst denen ich so oft überschüttet wurde, lassen eL mir gerechtfertigt erscheinen, der Oeffentlichkeit zu zeigen, waS daran Wahres ist. Dazu find Offenheit und Wahrheit die ersten Erfordernisse, andernfalls hat es keinen Ziveck, über fein Leben Veröffentlichungen zu machen. Der Leser meiner Aufzeichnungen, einerlei auf welcher Seite er steht oder zu welcher Partei er sich zählt, wird mir nicht den Vorwurf machen können, ich hätte vertuscht oder schön gefärbt. Ich habe die Wahrheit gesagt auch dort, wo mancher denken wird. ich hätte besser getan, sie zu verschweigen. Diese Ansicht teile ich nicht. ES gibt keinen fehlerlosen Menschen, und manchmal ist es das Bekenntnis eines Fehlers, daö den Menschen am lebhaftesten interessiert und zur ridWigen Beurteilung am besten befähigt. Wollte ich nach Möglichkeit die Wahrheit schreiben, si konnte ich mich nicht auf mein Gedächtnis verlassen. Nach einer Reihe von Jahren Jäßi einen das Gedächtnis im Stich, selbst Vorgänge, die sich einem tief einprägten, erlangen im Laufe der Jahre unter allerlei Suggestionen eine ganz andere Gestalt. Ich Hab« diese Erfahrung häufig nicht nur bei mir, sondern auch bei anderen ge» macht. Ich habe nicht selten im besten Glauben Vorgänge früherer Jahre im Kreise von Bekannten und Freunden erzählt, die sich nachher, zum Beispiel durch aufgefundene Briefe, die unmittelbar! unter dem Eindruck der Vorgänge geschrieben wurden, ganz anders 1 darstellten. Das hat mich zu der Ansicht geführt: Kein Richter sollte über wenige Jahre eines Vorfalls hinaus einem Zeugen einen Eid abnehmen. Die Gefahr des Falschcides ist groß. Um die Richtigkeit meiner Angaben und auch der Auffassungen, wie ich sie zu einer bestimmten Zeit hatte, festzustellen, habe ich nach Möglichkeit Briefe, Notizen, Artikel usw. benutzt. Aber eS gab Abschnitte in meinem Leben, in denen es gefähr- lich war, Briefe aufzubewahren, wollte ich nicht zum Denunzianten an anderen oder an mir selbst werden. Das war ganz bewwders die Zeit unter der Herrsckxcht des Sozialistengesetzes, tvährend welcher ich jede Stunde Gefahr lief, einer Haws- und körperlichen Durchsuchung unterworfen zu werden, sei es, um Material für einen Prozeß gegen mich oder gegen andere zu gewinnen. Ich stand lange Zeit bei Polizei und Staatsanwälten in dem Rufe, ein gc- fährlicher Mensch zu sein, dem man nicht über den Weg trauen dürfe. Vielleicht nicht mit Unrecht. Ans denselben Gründen ver- bot sich aber auch die Führung eines TagcSbuches. In der vorliegenden Veröffentlichung ist namentlich in bezug auf die antisozialistischen Arbeitervereine in den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts ein Material enthalten, das bisher nur teilweise bekannt war. Nachdem Ende Oktober letzten Jahres in Frankfurt w M. 2. Sonnemann gestorben ist, lebt außer mir keiner mehr, der die Geschichte jener Zeit so kennt und miterlebte wie ich, und dem auch das Material zur Versiigung stand. Ich hoffte, mit der Arbeit weiter zu kommen, als ich gekommen bin. Aber Krank- heit, die mich fast zwei Jahre lang zu jeder anstrengenden Geistes- arbeit unfähig machte, ließ es nickt zu. Behalte ich die nötige Ge- sundhett, so soll dem ersten in nicht zu langer Zeit ein zweiter und vielleicht ein dritter Teil folgen. Schöweberg-Berlin, Neujahr 1919. A. Bebel. Sozialee* Vertretung vor dem Gcwcrvegericht. Die vom KaufmannSgericht geübte bedauerliche PrvxiS. die insbesondere in der vierten und fünften Kammer fast konstant ge worden ist, Angestellte von DerufSverbänden als Parteivertreter nicht zuzulassen, gab in der letzten Sitzung der Kammer 7 des GewerbcgerichtL Anlaß zu längeren Erörterungen. Es klagte der bei der beklagten Firma Täuber Nachf. be- schäftigt gewesene Futtermeistcr Zeise, der jedoch nicht selbst im Termin erscheinen konnte und sich durch einen Herrn Grabert, der Mitglied des deutsch-nationalen Handlungsgehilfcnverbandes ist, vertreten ließ. Die Klage war beim KaufmannSgericht anhängig gemacht und ist erst von diesem an daS Gewerbcgericht abgegeben worden. Im Termin vor dem KaufmannSgericht war der Ver- treter deS Klägers nicht als solcher zugelassen worden, weil er nach Ansicht des KaufmannSrichters das Verhandeln vor Gericht„gc- schäftsmäßig" betrcibel Im Termin von dem Geweckbcgericht er- klärte G., daß er daS Verhandeln vor dem Gewerbegericht ebensowenig wie die Angestellten deS Verbandes geschäftsmäßig betreibe. Er erhalte weder feine Bemühungen bezahlt, noch seine Auf- Wendungen ersetzt. Di« Gepflogenheit deS KaiifmannSgerichtS habe dahin geführt, daß anstatt der Angestellten de» Verbandes jetzt Mitglieder deS Verein? mit der Vertretung von Klagesachen be- auftragt werden. Da ihm seine Stellung hin und wieder ein Ab- kommen vom Geschäft erlaubt, hat er bereits wiederholt solche Vec- tretungen übernommen. Das Gcwerbegrricht erachtete mit Recht, daß weder eine ge- wohnheitSmäßige, noch eine geschäftsmäßige Vertretung vorliege und lieh den Vertreter deS Kläger» als Bevollmächtigten zu. In der Sache selbst kam es zu einem Vergleich. Vom Achtuhr-Ladcnschluß. Die§§ 139e und k der Gewerbeordnung sollte der Kaufmann Pitschel übertreten haben, indem er den in Friedenau geltenden Achtuhr-Ladenschlutz nicht beachtet habe. Es wurde folgendes fest- gestellt: Am 29. März 1999 bemerkte ein Polizeisergeant, daß ein junges Mädchen erst 19 Minuten nach S Uhr den Laden des An- geklagten verließ. DaS Mädchen hatte Einkäufe gemacht, und zwar schon v o r 3 Uhr. Auf ihren Wunsch hatte der Kaufmann aber die War« aufgehabe», bis sie noch einen Gang erledigt hatte. Auf dem Rückwege holte sie sich den Korb mit den gekauften Waren ab. Inzwischen war eS nach 8 Uhr geworden. DaS Landgericht sprach den Angeklagten frei und führte auS: Die 139« und k der Gewerbeordnung schrieben allerdings für den Achtuhr- und Ncunuhr-Ladenschluß vor, daß die offenen Berkaufs- stellen außerhalb der zulässigen Zeit„für den geschäftlichen Ver- kehr geschlossen sein mußten, daß zedoch die beim Ladenschluß schon Anwesenden noch bedient werden dürften". Wenn nun auch da? Mädchen erst nach Eintritt deS Ladenschlusses wieder in den Laden zurückgekehrt sei, so könne darin doch keine Uebcrtretung des Ge- setze» gesehen werden. Um die offene Verkaufsstelle für den ge- schäftlichen Verkehr zu schließen, genüge eS, daß dem Publikum gegenüber klargestellt fei, daß von einer bestimmten Stunde ab kein geschäftlicher verkehr mehr stattfinden solle. Das sei ge« nügend geschehen. Außer dem jungen Mädchen, das nur schon gekaufte Ware abholte, sei nach 3 Uhr niemand mehr in den Laden gekommen. Deshalb müsse Freisprechung erfolgen. Die Staatsanwaltschaft legte gegen dieses Urteil Revision ein. Da? Kammergericht gab vor kurzem der Revision statt und verwies die Sache zu nochmaliger Verhandlung an das Landgericht zurück. Im Gegensatz zum Landgericht stellte sich das Kammcrgericht auf den Standpunkt, daß da? Abholen von bereits vorher gekauften Waren noch unter den Begriff des geschäftlichen Verkehrs im Sinne der angezogenen Paragraphen der Gewerbeordnung gehöre. Da» Landgericht müsse nunmehr über die Bestrafung des Angeklagten befinden._ Bm Industrie und na«del Lose-VertriebS-Gesellschaft. Die Veröffentlichung d-ö Briefes an die L.-V.-G. in Nr. 22 des„Vorwärts" scheint an verschiedenen Stellen unangenehm auf- gestoßen zu sein. Zwei Zuschriften sind nnS zugegangen, die sich gegen unsere Schlußfolgerungen wenden. Herr Leo Joseph z. V. schreibt: „Die Bildung einev Syndikats der Generaldebitenre sollte übrizen» nicht die Aufgabe verfolgen, den Lotteriefpielern höhere Preise aufzunötigen, sondern sollte gerade das Gegenteil bezwecke». Durch Einigkeit der Gcneroldebiteure— daS heißt durch eine Syndikatsbildung— wäre eine Unterbirtung bei der Emissio- nierung ganzer Lotterien vermieden worden, wodurch die Heber- nehmer in die Lage versetzt worden wären, den Händlern bessere Bedingungen bewilligen zu können, so daß diese dem Publikum die Lose zum Originalprcise— ohne Aufgeld— verkaufen könnten. Die in der Lose-VertriebS-Gesellschaft— die nicht Mitglied de» Verbandes ist— gemachten Vorwürfe sind bereits vor längerer Zeit vom Vorstand eingehend geprüft worden und haben deren Hinfälligkeit ergeben. Daß der Verband der Ansicht ist, er habe die Hinfälligkeit der Vorwürfe nachgewiesen, glauben wir. aber ob seine Ansicht richtig ist, steht doch auf einem anderen Blatte. Wir begrerfen cS auch, daß Herr Paul Dteinberg ebenso wie Herr Joseph erklärt, di: Gründung des Syndikats solle den Zweck haben, den Losehändlern bessere Bedingungen zu gewähren. Dolche Begründung hört man bei jeder SyndilatSgründung und nachher merken die Konsumenten, daß sie geschoren werden. Wir können unseren guten Rat. die Zahlung der indirekten Steuer zu verweigern, nur wiederholen. Gerichts-TeiUmg. Die Kiichengcheimnisse deS Restaurants Zander in der Bsilowstraße beschäftigten gestern nochmals die 3. Strafkammer des Landgerichts Berlin II. DaS Schöffengericht hatte die Angeklagte Maria Zander, die Leiterin der Restaurantküche, am 19. Oktober wegen sortgesetzter Nahrungsmittelverfälschung zu 1999 M. Geldstrafe verurteilt. Die gegen die Angeklagte vorgebrachten Beschuldigungen, die im wesent- lichen darauf hinausgingen, daß in verschiedenen Kesseln, in welchen Speisen gekocht werden, auch schmutzige Wäsche gewaschen wurde und auf Tellern der Speisegäste zurückgebliebene Neste wieder anderen Gästen vorgesetzt worden seien, rührten von früheren Dienstmädchen her, die sich von der Angeklagten schlecht behandelt fühlten. Die Strafanzeige ist unmittelbar nach dem Erscheinen des Zeitungsartikels über die Gerichtsverhandlung gegen den Gast- Wirt Ziekow in Heiligensce erstattet worden. Ein entlassenes Dienst» mädchen war durch diesen Bericht angeregt worden, die Unter» schriften verschiedener ehemaliger Dienstmädchen zu der gemeinsamen Strafanzeige zu sammeln. Gegen das schöffengerichtliche Urteil hatte die Angeklagte zunächst die Berufung eingelegt, sie aber wieder zurückgezvgcn, dagegen hat der Staatsanwalt wegen der zu geringen Höhe der Strafe Berufung eingelegt. In der gestrigen Verhandlung stand der Angeklagten Justizrat Dr. Sello als Verteidiger zur Seite. Zur Auftlärung des Sachverhalts war eine große Anzahl von Zeugen und Zeuginnen vorgeladen worden. Die Angeklagt« bestritt mit aller Entschiedenheit, die ihr vorge- worfenen unappetitlichen Maßnahmen getroffen oder irgendwelche Unsauberieit gelitten zu haben. Ihr wesentlich von Gcheimräten besuchtes Restaurant werde streng reell betrieben und wenn Un» sauberkeiten vorgekommen sein sollten, so würde es sich um tadelnS- werte Eigenmächtigkeiten der Dienstmädchen handeln. Ter Staats- anwalt glaubte auf Grund der Aussagen der fünf BelastungL- Zeuginnen eL auch diesmal für festgestellt erachten zu können, daß in der Küche der Angeklagten skandalöse unsaubere Zustände herrschten. Er beantragte außer den 1999 M. Geldstrafe noch zwei Monate Gefängnis. Justizrat Dr. Sello bedauerte, infolge des Zurückziehens der Berufung nicht auf Freisprechung plädieren zu können und beantragte eine erhebliche Herabsetzung der Strafe. Das Gericht hob das erste Urteil auf. In der zweiten Instanz habe eine ganze Reihe von Zeugen denn doch bekundet, daß der Betrieb in dem Lokal nach ihrer Ansicht tadellos gewesen sei. Des- halb erscheine die erkannte Strafe viel zu hoch. Der Gerichtshof habe letztere auf 199 M. Geldstrafe herabgesetzt und auch die Publikation des Urteils in Wegfall gebracht. Tie Erörterung des Falles Dr. Zickel im„Berliner BIlhnenklub" hat einen Beleidigungsprozeß zur Folge gehabt, der gestern unter Vorsitz deS Amtsrichters Fenwarth vor der 149. Abteilung des Schöffengerichts Verlin-Mitte zur Verhandlung gelangte. Als Kläger traten die Mitglieder des RcchtsschutzbureauS der Deutschen Bühnengenossenschaft auf, an deren Spitze die Schauspieler Emanuel Reicher und Gustav Rickelt standen. Beklagter war der Direktor des Lursen-TheaterS. Ludwig Nosenfcld. Die Kläger wurden vom biechtsanwalt Dr. Schlesinger, der Beklagte wurde vom Rechts- anwalt Dr. Friedländer vertreten. Gegen den Kläger Nickelt war von dem Beklagten Rosenfeld Widerklage erhoben worden. Der dieser Beleidigungsklage zugrunde liegende Vorfall spielte sich am 23. November vorigen Jahres in den Räumen des Berliner Bühnenklubs ab. Gegenstand der allgemeinen Erörterung war der Fall Zickel", mit dem sich auch ein Zeitungsartikel am Abend vor» her beschäftigt hatte. In diesem Artikel, der gewisse Angriffe gegen das Slechtsschutzbnreau enthielt, wurde der Name einer Schau- spielerin F. in kompromittierender Weisse preisgegeben. Zwischen einzelnen Mitgliedern des Bühnenklubs kam eS hauptsächlich wegen dieses Artikels zu erregten Auseinandersetzungen. Besonders war dies bei dein Kläger Rickclt und dem Beklagten Rvsenfeld der Fall. Rosenfeld vertrat die Ansicht, daß das Rechtsschutzbu rea u in dem Fall Zickel nicht richtig gehandelt habe. Rickelt widersprach dieser Ansicht und versuchte, dem Beklagten eine rein sachliche Darstellung des Verhaltens deS Rechtsschutzbureaus zn geben. Wie Rickelt be- hauptet, soll Rosenfeld ihm jedoch erregten Tones zugerufen haben: „Das ist Verleumdung Ihrerseits; das RechtSschntwurrau kämpft mit schmutzigen, vergifteten Waffen!" Rickelt äußerte darauf, wie behauptet wird und er auch selbst zugibt:„Nachdem ich Ihnen den Sachverhalt jetzt zweimal erklärt habe und Sie trotzdem bei Ihrer Behauptung bleiben, so erkläre ich Ihnen, daß Sie ein elender Verleumder sind."— Diese Szene, der mehrere Zeugen beiwohnten, bildete den Gegenstand der jetzigen Privatklage und Widerklage. Vor Gericht versuchte der Vorsitzende, die Angelegen- heit durch einen Vergleich aus der Welt zu schaffen und machte dahingehende Vorschläge. Emanuel Reicher gab für das Rechts- schutzbureau folgende Erklärung ab: Das der Deutschen Bühnen- gcnossenschaft angegliederte Rechtsschutzbureau, welches große und heilige Interessen des gesamten deutschen Schauspielerstandes zu schützen hat, wird seit einer Reihe von Jahren von gewisser Seite in scharfer und durchaus ungerechtfertigter Weise angegriffen. Jede gerechtfertigte Kritik wird stets angenommen werden. Hier handelt eS sich aber um eine sehr scharfe ungerechtfertigt« und beleidigende Kritik von feiten deS Direktors Rosenfeld. Wenn das Rechtsschutz- buveau diesen Angriff unerwidert läßt, so würden wir weiter von rechts und links angegriffen und beleidigt werden. Wir können nur dann die Privatklage zurückziehen, wenn Herr Rosenfeld seine Aeußerung für völlig ungerechtfertigt erklärt und sie mit dem AuS- druck des Bedauerns zurücknimmt!" Der Beklagte Rosenfeld er- klärte hierzu, daß die.Kläger mit diesem Verlangen jede Kritik ad- schneiden und unmöglich machen wollen. Die Vergleichsverhand- lungen zerschlugen sich schließlich. Der Beklagte Rosenfeld erklärte, daß er daS Rechtsschutzl?ureau selbst mit seiner Aeußerung nicht habe treffen wollen, er sei tatsächlich völlig mißverstanden worden. Gesagt habe er nur, daß daS Verhalten des RechtSschntzbureauS in der Zickel-Affäre in der Zukunft der Denunziation Tor und Tür öffnen werde. Rickelt habe ihm dann das Wort„Verleumder" ins Gesicht geschleudert.— Die von der klägerischen Partei geladenen Zeugen Sternberg und Dr. Boley bekundeten, daß in jener Rede- Alacht, in der es„hie Zickel"„hie Rechtsschntzbureau" hieß, der Beklagte Rosenfeld in erregtem Tone dem Privatkläger Rickelt zu» gerufen Habe:„Das ist Verleumdung Ihrerseits, das Rechtsschutz- bureau kämpft mit schmutzigen und vergifteten Waffen." Erst darauf habe Rickelt dem Beklagten das Wart„Verleumder" zu- gerufen. Eine etwas abweichende Tarstellung des Sachverhalts gab der Zeuge Herz, der bekundete, daß die Aeußerung des Direktors Rosenfeld den Sinn gehabt habe, daß der Denunziation Tor und Tür geöffnet werde.— Das Gericht billigte beiden Parteien den Schutz deS§ 193 zu, hielt aber aus der Form eine Beleidigung für erkennbar. Das Urteil gegen Rosenfeld lautete auf 49 M. Geldstrafe. Auf die Widerklage wurde auch der Kläger Nickelt zu 49 M. Geldstrafe verurteilt._ Peter Ganter? Revision. DaS Reichsgericht verwarf, wie uns ein Telegramm meldet, die Revision des Verl-gerS Peter Ganter, Herausgeber der„Doppel» ten Moral" und Verssender der Blauen Briefe. Am 27. Juli v. I. war er vom Landgericht T München wegen Urkundenfälschung, ver- suchten Betruges und Vergehen gegen daS Postgesctz zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. Auch die Revision deS Mitangeklagten Kauf- niamrs Karl Hamburg, der wegen Beihilfe verurteilt worden ist, verfiel dem Schicksal der Verwerfung. □da Theaker und Vergnügungen (Eiche Woche»- Spielplan.) Sonntag, den 30, Januar, nachmittags Z llhri Freie Volksbühne. Neues Schau- ipiclhaus, ti, Abteilung a, d, o, 6: Traumulus, Thalia- Theater, S, Abteilung o, S, « und 10, Abteilung a, b, o, d: Jugend. Montag, den 31, Januar, 8 Uhr: 14,(I.) Abendabteilung im Neuen Schauspielhaus: Der große Tote. Rone Freie Volksbühne. 30, Jan,, nachmittags Uhr, im Deutsche» Theater: Kabale und Liebe. Kainnierspielhaus: Frühlings Er- wachen, Nacht«, 3 Uhr: Neuen Theater: Ackermann, Neuen Operetten- Theater: Der Zigcunerbaron. .vcbbcl. Theater: RevolutlvnShochzeit, berliner Theater: Dr, Eisenbari, Schiller- Theater O,: Der Herr Ministerialdirektor. Schiller- Theater Charlottenburg: Der Meineidbauer, Friedr.-Wilhelmstädt. Schauspielhaus: Othello, Metropol> Thealer: Lmnpacivaga- bunduS. Kleinen Theater: Moral. Sonntag, 3 Uhr: Die Frau vom Meere. 8 llhr: Das Konzert. Montag, 8 Uhr, zum 25. Male: Das Konzert. berliner TKestee. s-utr: Ptnßllll Schötlkr. 8 Uhr, Nachm. 3 Uhr: Doktor llizondsrt. lieues s'tsesler. AvendS 8 Uhr: Der pkilosopk von Lsnssoucj. Morgen und solgende Tage: Ver pdiloszpd von Sanssoucl. bester äes We5teu8. WendS 8 Uhr: Die geschiedene Fran. Sonntag 3'/, Uhr: Der ftdelcBauer. Vo!lls-0pei'. Belle-Alltance-Straße Nr. 7/8. Nachm. 3'/, Uhr bcl bedeutend er» mäßigten Preisen: Aleeanndro Stradclla. Nbends 8 Uhr(Gastspiel Beckmann): Vis Vuzenotten. lVcues Öpercttcn-Thcatep. Sckistbauerdaimn 25, a. d, Lutienftr, Nachm. 3 Uhr: Her Zligsunordaeon. Heute und solgende Tage 8 Uhr: Der Graf Von Luxemburg. Friedrich-WühelmsMciies Schsospieltiaus Sonntag, den 30. Januar, 3 Uhr: Othello. Abends 8 Uhr: Halali. Montag: Die Grobstadtlust,_ Luisen-Theater. Nachmittags 3 Uhr: Die Reise nm die Erde i» 8V Tilgen. Großes Ausstattungsstück in 14 Bild, von A. Cnnery u. Jules Berne. cwends 8 Uhr: Der Beilchenfrefser Lustspiel in 4 Akten von(ä. v, Moser, Montag: Gib mich srci. Dienstag, Mittwoch, Donnerstag, Freilag: Gasispicl Frl. Lucie Bienia: Heimat.__ LustspseSfiaus. Nachmittags 3 Uhr: Man soll keine Vriefe schreiben. lllbcnds d Uhr: Der dunkle Punkt. ResilnzJheater Direltioin Richard Alexander. Ahcnds i> Uhr: Im Taubeufchlag. Schwant in 3 A.'ien voit Henneguin und Beber, Morgen und solgende Tage: Dieselbe Vorstellung. Sonntag, den 30, Januar, 3 Uhr zu ermäßigten Preisen: Gretche«. OSi=THEATE Große Frankjurter Str. 132. Nachin. 3 Uhr, b>>lbe Preise: Faust. Tragödie von Goethe, t.Teil Abends 8 Uhr- Die Herren Söhne. Bollsstück in 3 Akt, v, Walther u. Stein, Montag: Deborah,_ Trianon-Theater. Abends 8 Uhr: Kuridans Esel. Casino-Theater Lothringer Straß- 37. Täglich 8 Uhr: Sensationeller Lacherfolg S Der Oberyauner. Lustspiel in drei Akten von M t S k i. Vorher: DaS erstklassige buuie Programm. Sontilag, tiachnt, 4 Uhr: »rndchens Sommerreise. Urania. Wissenschaftliches Theater. Sonntag 8 Uhr: Im Firnenglanz des Ober« Engadin. Montag 8 Uhr: Int FlrnenKlHiiz dp» Ober- Ku�adin. Berliner jlpariutn Unter den Lindeir.(l8a__ Eingang Schadow-StraB»e ITo.14 Heute Sonntag Einlritteptpis Pf- 25 Pf.-W? JteicbbaUigstc Ausstellung der Welt an lobenden Seetieren, Reptilien etc._ 13/1? Weh 11 ler-T lieater. Schiller-Theater 0.(Wallner-Theai,), Sonntag, nach m, 3 U h r: vor ilerr dilnisierlaldlreßtor. Lustspiel in 5 Auszügen v�Alerandre Bissen und Fabrice Carrä, Sonntag, abends 8 Uhr: Viel I-ilrnicn ntn nicht«. Lustspiel in 5 Alten v, W, Shakespeare. Montag, abends 8 Udr: «cschiUt ist Geschäft. DienStag, abends 8 Uhr: Der prarpcrv.St. Georeen. Schiller-Theater(Charlsttenburg). Sonntag, nachm. 3 Uhr: ]>cp Hctncldbnner. Volksstück in 3 Alten von Ludwig Anzengruber. Sonntag. abends 8 Uhr: 3Iapl« Stuart. Trauerspiel in süns Aufzügen von Friedrich Schiller. Montag. abenssZUHr: Der Meineidbaacr. Dienstag, abends 8 U h r: Viel I-ännen nn> nicht«. Psssage-Panoptikiiin Senegal in Berlin! RgMiläs Weiber Männer, Kinder. Drei Negerdörler Ohne Ext*a-Entpeet Passage-Theater. • Heute finden 2 Vorstellungen ( statt. Nachmittags 3—7(ihr I kleine Preise. Abends 8 Uhr. I Hfi {Schneider Mtie. Farfalla und das sansaiionalle Januar- Pr o g ramm. Hetropol-Theater Nachmittag 3 Uhr: Lumpacivagabandas Abends 8 Uhr: Hallo!!! Die große Revue! In 8 Bildern von Jul. Freund. Musik v. Paul Lincke. In Szene gesetzt vom Dir. Rieh. Schultz. Rauchen überall gewtattet. 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Blllettvorverkaat bei H o r s c h(Gewerkschaftshaus) und in allen durch Plakate kenntlichen Lokalen. 2S2/3* Trio, ... :ähftus) Ä »2/3�■ Ausstellung von Hunden oller Rg�sjerx Ausstellungshallen am Zoo 19-30 Jan us» W chrnnürsir* lUhrAHk*» IMaA jbtttiShä I io3 Utm�orführuaC derpramiirter.Huode ••* Castan's Panoptlcum Frledrichst 168, Psehorrpal. D-Vorstellung x Bockbierfest mmaugh.r: Großes Matlflee-Konzert H.Vre°ÄN'.„Slöoiper" Heute Sonntag 2 Vorstellungen. Heitere Künstler-Abende x Großer Humoristen-Wettstreit. Härchen X Indische Witwenverbrcnnun*. Leiiter Sonntag! Nachm. 3'/z Uhr: Halbe Preise! Operette und die grosten Spezialitäten. LldendS 8 llhr: Henry Bender als Prinz Pinne. Lotte Sarrow in ihrem Mimodr.: Die Ehebrecherin. I» beide» Borstellungen: SchimpanseKonsui James Great. DienStag, 1.-Februar Premiere der Operette: Der Liebeswalzer mit Konrad Dreher a. G. ItLGuigMtadt-K asino. Hotzmarltstraße 72. Täolich: Konzert, Theater, u. Spezialitäten-VorfteUung. Franz Sobausti, tflla Matthias, Ella Goltz, Viktor Ritler,' Mtlly u. Oskar Tuol, Mstr. Bostoii, Mini Neuman», Gregg und Schessield, Kratner-Trio usw. Eniniii« Bnoppc Pollsstück in. Gesang V.O.Richter. Ans. 8 Uhr. Sonntags 6'/. llbr. Volgt-Tlieater Gesundbrunnen Ladstr. 58. Sonntag nachmittag3 Uhr: I»ic goldene Eva. Lustspiel in 3 Alien von Schönthan. MendS 7 Uhr: Katharina Howard oder: Ein Opfer der Liebe. Schauspiel in 7 Bildern von Gottschall. Montag, den 31. Januar: Geneti? für Hedwig Kraiimer; Der Mlkiibcsihtt. Schauspiel in 5 Aufz. v. George Ohnet. Kasseneröffnung 7 Uhr. Ans. ö Uhr. IV.ZikoaokL Tkssier «rnnn-iim 1ö, am Roienthaler Tor Nachm. 3 Ubr: Ehrliche Arbeit. Preise 50. 30 und 20 Ps. Abends'/,3 Ubr: Das grobe Hemd. Gastspiel Käthe Wille-Bach. Nach der Porstell.: Danzträuzche«. Montag: Das grobe Hemd. berliner Nrntkr-Tiikatkl Kaitanienallee 7— 9. Jed Sonntag u. Mittwoch Große Solree der Apollo-Sänger.' Sonntag: Ans. 7 Uhr. Mittwoch: VI, Uhr. Nach der Vorstellung: Tanzkränzchen, Jeden Donnerstag Elite-Ball. Breiuee'SB Friedpichsliain am Königstor. Gräßte Sehenawlirdlskclt Berlin«. «Sät 99 Auf der Alm". Größter Bock-Jubel und Trubel Der berühmteste Feftwirt Zedorsed Lstrellgriidei' niit seiner Truppe(«0 Mitwirkende) aus München. Gratisverlosung von 200 Wertgeaeustäuden. SM- Jeder Besucher erhall ein Los gratis.-Mp Zunang 4 Uhr. Entree 5« ff. Arnold Scheit Kciie Welt Hasenheide 108 114! Täglich im großen Saal: Großes Bockbier-Fest == in den bayerischen Alpen.-------- U. a.: DI» beiden Orlglnal-Goasbuain PatschgorigSrgl und Schltebuoklkaspal. SWF* Voranzeige! Voranzeige!-Dag Dienstag, den l Februar 1910: Prämiierung des schwersten Vereins. Anfang: Sonntags 4 Uhr. Entre e: Senntags 50 Pf. „ Wochentags 7„ Wochentags 30 PI Blüilmer-'» o' Saal Sonnlag, den 30. Januar, �iL Uhr; Koözert des Bliiter- Omers. Dirig.: F. Neisser. Solist: E. Bocker. Karten bei Bote& Bock, Wert- heim etc. Orchester■ Büro LDtzow straBa 76, Tages- und Abendkasse. Heute Sonntag: den 30, Januar, nachin. 3'/. und 71/, Uhr: ZMp- S grosse Vorstellungen 2 Nachmittags 3'/. Uhr bat jeder Erwachsene i Kind frei, weitere Kinder unter 10 Jahren zahlen halbe Preise außer Galerie. In beiden Vorstellungen ungekürzt Sie drei RWalen Große Feerie in 3 Allen. Außerdem: Der kleinste komische Reiter der Welt. Original-Bagonghi. Sergeant KreiiRan, der beste Diabolospieler. DerFroschmensch de Barlotv sowie die übrigen Kuustkapazitälen. Abds.: Auslr. d. kommisstouSratS Gustav itztcnahccll als Gast mit seinen neuen hervor- ragenden Ichnlpferden. l\M Colombo Straße: All-Boxhagen 38/40, Eleiir., Hoch- u. Stadibahnverbindg. Neu erbauter mai-iver 3 Personen sassender Zirkus m. Zentral- u.Damps- Heizung. Sonntag, de» 30. Januar: Nachmittags 4 und abends 8 Uhr: Die gröBte Sensation v. 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Drama in 3 All. v. Stilgebauer. 'lii.'MllLl''!! im Morihpleii 7 Uhr. Im oberen Saale: Die glänzenden Spezialitäten. Heute O'/i Ehr ringen: L. de Wolf-Belgien gegen Stolze«- wald-Esien. P. Schibilski- Berlin gegen Max Schneider-Luckenwalde. (Sambier- Frankreich gegen Hetz- Bade». Jlla-Kuba gegen Barkowski-Lerlt» Im uoterea Saale: �It-iZerinsniseke»" öoeklrisr- Wertest mit Doppel Konzert. Beginn 6 Uhr. Am Hontag 91/, Ehr ringe»: Eriklen- Kopenhagen gegen �letit- jean-Betlin. Stolzentvald- Essen gegen Kietz- Dresden. Max Schueider-Luckenwalde gegen W. Altmann-Berlin. Fortsetzung d. Entsctieldungskamptes: Jlla• Kuba tiein- Berlin. Dieselben ringen als erstes Paar. bis die endgültige (Entscheidung herbeigeführt ist. Reichstialien-Tbeater. StettinerSänger Der Nachtlv achter von Zerpenschleuse. v.r. Me/sel Anfang: Wochent. 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. BillettS stets 8 Tage vorher. Ssnssczuoe, Direktion Wilhelm Reimer. Heute, Sonntag: SrsElile-So!reekÄ. v. Kosfmanns Kordd. Sänger. iÄ: Biß iustige Witwe. Posse in 1 All. Beg. Sonnt. 5. wowent. 8U. Morgen Mont.g: Boissüännz ülirdi!. Dünger. Mittwoch: Theaterabend: Uraussührung: MadaiiieSteinheil. F kl., Chausseastr. 110. Karl Richter. Heute So n ntng: Paul �Mantlieys lustige Sänger. Anfang Cl/j Uhr. Eintritt 50 Pj. Nachdem: Familien> Kränzchen. Im weißen Saale von Älhr ab: Großer Ball. Für den Inhal« der J»icr.»e überuimmt die Redaktion de» Publikum gegenüber teiuerlet Berantivortung. t-1 Alt-Hoabit 47/48. Sonntag, den SO. Jannar 1910: Die Grille. Ländliche? Charakterbild in 5 Akten _ von Ch. Birch- Pseiffcr._ Weinhergsweg 19-20, Rosenth.Tor. Heute: S Borstellungeu. nachi», 3ll, Uhr(jeder Bes. 1 Kind frei) und abends 8 Uhr. In beiden Vorstellungen: Slevern« Scliaeffer und die übrigen Spezialitäten. Tunnel: Voübiersest. RegnueniStapells, Schramme!».« Tbeaterbesuchern freier Eintritt! B Theaterkasse ununterbr. geöffnet. D kUBeslSs-KinsmZtogsZpk vsrm. Lrotsrjan.?!nhub.: llud. kilsrz, SchänhauserAllee I.Ä9. 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Hie tranien Hitilerhliebm Johannes Raatmann. Zentralverband deutscher Textilarbeiter. Verwaltung Berlin. Die Beerdigung unseres ver- storbcnen Kollegen kraiu Feder Weber, findet am Dienstag, den 1. Februar, nachmittags 2 Uhr, von der Leichenhalle des Zentral- FricdhoscS i» Frirdrichsfelde aus statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht Der Vorstand. Am 23. Januar, früh 1 Uhr. verstarb nach kurzem schwer c» Krankenlager unsere liebe Mutter, Schwieger« und Groffumttcr pauline Bnmaert geb. Beruicke. Die? zeigt tiesbetrübt an im Namen der trauernden Hinter- bliebenen 41322 Richard Brnnnert Graunstraffe 19. Die Beerdigung findet am Dienstag, den 1. Februar, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- halle des Georgen- FriedhoseS, Landsberger Allee ans statt. Am 25. d. MtS., abend« U Uhr. verstarb plötzlich meine liebe Frau, unsere gute Mutter, Tochter, Schwester und Schwägerin Klara porster geb. Heina im Alter von 31 Jahren. Um stilles Beileid bitten Die trauernden Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet heute nachmittag 4>/, Uhr. auf dein neuen Jakobt-Kirchhose, Rtxdors, Hermannstraffe 33 statt. Danksagung. Für die innige Teilnahme und über! an» reichen Kranzspenden bei der Beerdigung metner unvergefflichen Gattin, unserer guten Mutter Anna Stege geb. Grimm sagen allen Beteiligten herzlichsten Dank. Der tieftranernde Witwe» 4ß0b nebst Kindern. Für die meinem lieben Manne von seinen Kollegen und Freunden am Giabe erwiesene Ehre sage ich meinen herzlichen Dank Witwe II. Hllusler nebst Kindern. Donliftgmg. Allen Freunden und Bekannten, die bei der Beerdigung meines lieben Mannes mitgewirkt haben, besonders dem BeerdigungSverein Berliner Zimmerer sowie dem GastwIrtSoerein Nordost sage ich hiermit meinen innigsten Dank. vi'. Simmel Spezi al- Arzt* für Haut- und Harnleiden. Prinzenslf. 41,„X"., 10— 2, 6— 7. Sonntags 10—12, 2—4. Die Harnleiden Ihre Oefohren, Verhlllung und Oeselflgung von Dv. med. üchoper, BERLIN- Preis t Mark. 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Januar, nachm. 4 Uhr, von der Leichenhalle des Markus. Kirchhofes in Neu-Hohenschön- Hausen auS statt. Um rege Beteiligung ersucht 215/3 Her Vorntanck. Transportapheiler-ferbanl Ortsverwaltung OroB-Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daff unser Kollege, der Hausdiener Lvong Paulich am 27. Januar im Alter von 23 Jahren an der Proletarier» kranlhett gestorben ist. Die Beerdigung findet am Montag, den 3t. d. MtS., nach. mittags 4 Uhr, in Wilhelmsberg statt. Den Mtgliedern zur Nachricht, daff unser Kollege, der Hausdiener Dliusrä Stuekmann am Montag, den 24. Januar, im Alier von 23 Jahren plötzlich gestorben ist. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 30. d. M., nach- mittags 3'/, Uhr, von bei Leichenhalle des Rummclsburger Fried- hoses, Lückftraffe, aus statt. Ehre ihre». Andenke«! Um rege Beteiligung ersucht Oio Verwaltung. SozialdemokratisclierWaJilvepeln Charlottenburg. Den Mitgliedern zur Nachrichi, datz unsere Genossin ilims Brückner, geb. Hinze (Gruppe II) verstorben ist. Ehre ihrem Andenke»! Die Beerdigung findet heute, Sonntag, nachmittag« 3 Uhr, aus dem taihollschen Kirchhos in Staaken statt. DieGenosscn werden gebeten, der Verstorbenen die letzte Ehre zu erweisen. 250/3 Her Torstand. Deutseher I Buchbinder- Verband. Todcw- Anzeige. Nach langem, schwerem Leiden > oerstarb am 28. d. M. unser lang» | jähriges Mitglied, der Buchbinder Roberl Scbabert. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am j Moniag. den 21. d. WiS., nach« i mittags 2 Uhr, von der Leichen- ! lalle des Nixdorscr KirchhoseS am ! Maiieiidorser Weg aus statt. Um zahlreiche Beicillgung ersucht >23/3 Die Ortsverwaltuqg. Dmtksagnng. Für die freundliche Beieiliaung bei Ner Beerdigung meines lieben ManneS, unseres Bruders und SohucS, drS Maurer» Otto Sdwensow sagen wir allen, besonders dem Ge- jangverein der Putzer, dem Zentral. verband der Maurer sowie den Parlcigcnoff 1 des 6. NeichslagS» Wahlkreise« unseren ansnchtigsten Dank. Im Namen der Hinierdliebenen llvrninnn Sivknrennonf. .'innnnnnnfwinnnnnnnnnnnnnnmnnnnnmnnr HERMANN UETZ LEIPZIGER STRASSE ALEXANDERPLATZ FRANKFURTER ALLEE k&smgß® htfäsw wam aMas' ßitä zu enarm billig eh Preisen zum Verkauf. RcüWtiiliiStWer Gt-rsienkorn, 48X100 cm �50 Dutzend..... � KECüenhandtiliüier grau, reinleinen Oreilf JfQO Dutzend.........■f1 Outzd. Wäschestoffe Elsasser Hemdentuch 0___.___ 82 cm............ Ueter OU,00,40,%)U FL Elsasser Renforce ork ,0.q felufäd. Qualität, 82 cm Meter OU, OO, 4�, 40 PL MaccotuchÄSStJ: 55,60. 65, 70 pl LouisiaratuchM�mM�r 28,30, 38,48 pl Louisianatuch 38, 42, 48 pl Louisianatuch liäo�e!,wÄ 70,80, 85 pl BettSatin geetrelft, 82 cm. Meter 60, 58, 80 Pf. Bettsatin geetrelft, IZV cm Meter 80, 90 PL Bettdamast Mau'£; 56, 75. 85, 95 pl Bettdamast 130 em. Meter 80 PL l,a l25 I40 Bttt-InlettrÄÄC75l 90 plI™ Bett-Inlett 20 I55 l80 2'° Piqu6 Barcnent Meter 40, 55, 65 dt. 95 pl Köper-Barchent Meter 42, 50, 60»i. 90?>. Laken-Dowlas ca. ISO cm breit. 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Dekorati nswaften etc. unter dem regulären Preis Biai& Freund Breslau 304 d »» 3. SküU ks Jotmätts" Inlinct IMItüMiitl.«***-1* SeGer Wahlkreis. Dieustag, den I.Februar, abends M/zNhr: Oesfentliche Frauen- Versammlung im Berliner Pratcr, Kastanien-Allee 7—9. Tagesordnung:!?/!!<) Die preußischen Frauen im Wahlrechtskampfe. Relcremin: Frau Luise Zictz. Freie Diskussion. Ter Borstand. 3. A.: Frau Miniin Lohse, Oderberger Sw S0 LosisiSemskrAtiLeksr V?sklvsrsin Zixüorf. TienStag, den 1. Februar 1910, abends S'/a Uhr, in Hoppes Festsäle«, Hcnnemnstr. 49: General-Versammlung. TageS-Ordnung: 1. KeschäsiS» und Kassenbericht. 9. Diskussion. S. Wahl eines Weib- lichcu Vorstandsmitgliedes. 4. VereinSangelcgenhciten. Verschiedenes. ===== Mitgliedsbuch legitimiert.===== Zahlreiches und pünktliches Erscheinen erwartet. 234/� Der Torstoml. Verwaltung Berlin. Mittwoch, den 2. Februar: UeckMtllSMMMchlWllllM In sllen Kranchen unck Bezirken. Die Bersammluligslokale werden in der Dienstag- Nummer bekanntgegeben. � Grdrntlilije Gelmal-NersalMlung findet iu der vierten Woche des Februar statt. Anträge für diese Verl sammlung müssen bis zum 7. Februar im Äureau eingegangen sein. 78/12 IHc Ortsvorwaltnng, Ballschuhmacher! Montag, der 31. Januar, abends S'/a Uhr» in Boekers Festsälcn» Weberstr. 17: Kranchen- Uersamminng Taaes-Ordnung: 1. Vortrag: Rechte und Pflichte» der Arbeiter im Mittelalter. Referent Kollege Hamacher. 2. Diskussion. 3. Branchenangelegenheiten 4. Wahl von zwei Brmichenvcrtretcrn. S. Verschiedenes. Mitttvoch, 2. Februar, abends 8'/z Uhr, im Englischen Garten, Alexandcrstr. 2? c: Fortsetzung der General- Uersamminng. TagcS-Ordnung: I. Bericht der Beschiverdekoinwission und Neuwahl derselben. 2. Der Llreik bei der Firma Breitsprechcr und seine Ursachen.— 3. Dissercnzen in der Schohbranche. 4. Verschiedenes. Alle Kollegen in der Schohbranche sind ganz besonders ein geladen. Wir ersuchen um vollzähliges und pünktliches Erscheinen.— Unsere Kollegen und Kolleginnen verweise» wir nochmals aus die statistische LolurnachweiSkarte und bitten, dieselbe gewissenhast auSznsllllc». Wer noch nicht im Besitz einer solchen Karle ist. kann dieselbe aus dem Bureau oder vom Hanskassieeer erkalten.— Der Jluskenhall findet am 10. Felirnar Im Schwelzer-tiarten statt. Ullletts a SO Pf. sind im Bureau zu haben. 169/4 Tie Ortsvcrwaltung. Deutscher Buchbinder-Verband. Zahlstelle Berlin. Montag, den SI. Januar, abends 8 Uhr. im Gowerbschatta- hnnse(Saal 1), Engelufer 15: Kranchen Urrsammlung der in förfdjäftahüiljrrfnliniirn* Finiieranstlllten u. ver- iDßiiiitfu Ketrikben beschäftigten Kollegen n. Kolleginnen. TagcS-Ordnung:, I. Bericht der Branchen- VcrtrauenSPersoncn über ihre Tätigkeit. L. Neuwahl derselben. 3. Wahl eines Beisitzers zu» Orisverivaltung. 4. Wnbl von zwei Beisitzern zum Tansschiedsgertcht. ö. Verschiedenes. Zahlreichen Besuch erivartct s23/8/ Tie Ortsvcrwaltung. Verband ha Ballier liniiMleuiller. ■■ Ortsverwaltung Berlin.• Die nächsten Branchemiersammlullgen sinden an vachsolgendcn Tagen statt: Gkschirr-Kronche l Donnerstag, den 3. Februar, abends s>/, Uhr, im Englische» Hof, Neue Nohstr. 3. porteftnillkr- n. Keistartibklbrnnche: bei Oraumann, Nauminstr. 27. Finoltnmleger n. Teppichnäher: bei IVelhnacbt, Grünstr. 21. Wngkn-Ktanche: Mittwoch, dm 2. Februar, abmdS S-/, Uhr, im Gewcrkschaftöhause, Engeluser 14/15. Eisenmöbkl- u. Lkdechihlpolllttkr: Zontta�f S bei Paul Walter, Adalbertstr. 62. Sfliiinn �hntlotlknbnkg! Mittwoch, 2. Februar, abends 8'/, Uhr, im Bolköhause. Rosincnstr. 3. Zahlreichen Besuch dieser Versammlungen crivarien 156/0 Die Branchenlcltnngen. - Achtung! Um den iu Rixdorf wohnenden Mitgliedern die Beitragszahlung zu erleichtern, haben wir im Lokal von Frltz Hoppe, H e r m a n n st r. 49, eine Z a b I fl e I l e eingerichtet. Beiträge werden jeden Sonnabend von 8— 10 Uhr dort ent< gegeugenommru. Bor Vorstand. Zentral-Verband der laarer Sentscblands. Zweigverein Berlin. Sektion der Putzer. mttwoch, den s. Februar, abends 6 L'br, ,, Arm Inhalten", Kommandanienstrafie 58,59: General-VersammBung. TageS-Ordnung: 1. Slbrechiuing vom 4. Quartal 1909 und Jahresabrechnung. 2. Ausstellung und Diskussion über die vorgeschlagenen Kandidaten zur Wahl deS Vorstandes und der Revisoren. 3. Wahl eines Zentral-WahlkomiteeS. 4. Anträge. S. Verschiedenes. 133/3 Mitgliedsbuch legitimiert. Zahlreichen Besuch erwartet Der Borstaud. I. A,: 5. Scdulre. Zur Beachtung! Zu dem heutigen Sesuch der Sternwarte in Treptow haben nur Mitglieder mit ihren Ehefrauen durch Vorzeigung des Scheins und Mitgliedsbuchs freien Eintritt. Alle anderen Augedörigen der Mitglieder über 14 Jabre u.(Aäslc habe» nurZulritt durch Bezahlung einer Eiutritlstarte. Kinder niit. 14 Jahre zahl. d. Hälfte. 0. 0. klrbetter-KilclWgzlchule. Heute, Sonntag, de» 60. Januar 1U1U, abends 7 Uhr, in de» PrachtsUlcu XW., Wiciefftrahe LI: Lichtbilder«V ortrag des Herrn liiIlig=Hamburg «ta.„IKunftpflege- ein liianenproMero". Nachdem: Gtiiiimilhts Kfisamnif uffiu und Can;. Eintritt IS Pfeuutg. 6/6* Garderobe frei. TteuStag, den 1. Februar, abends 8'/- Uhr, im SehuUokal, Grcnadierstrahe lt7: General- Versammlung. TageS-Ordnung: 6/7» 1. Bericht deS Vorstandes, des LehrerlollegistinS und der Revisoren. 2. Schulangelegenheiten. 3. VerschiedeucS. Mitgliedsbuch legitimiert. Beiträge werden entgegengenommen. Sonntag, de» 30. Januar 1010, abends 0 Uhr, im Alte» Schützeuhause, Lulienstraße ö: .Jumik]- Versammlung. Vortrag dos MeiterseMrs Robert Schmidt über: „Die deutsche Gewerkschaftsbewegung." Nach dem Vortrage: Geselliges Beisammensein. Alle Lehrlinge, jugendlichen Arbeiter und Arbeiterinnen sind zu dieser Versammlung freundlichst eingeladen._ 282/8r Md der ImpteDte« ü 1er smIW ieiteo Der Kraekeiasseii o. UposnlalleD Deutschlands.— Ortsgruppe: L roll Kerl in. Mittwoch, den L. Februar Ivl». abends präzise 8 Uhr, in den Musttersälen. Kaiser-BSilhelm-Strasie 18 rn �llKvMvllRv Mitglieder- Versammlang. TageS-Ordnung: 1. Vortrag deS Echriststellers Herrn Max Gruuwald über:„Saud- und Forstwirtschaft-'. 2. Bericht vom Bezirlstag in Franlfurt a. O. Wahl von drei Beisitzern. 3. Kasseubcncht. 4. VerbandSangelegenheiteti. Des überaus wichtigen VorlrageS ivegen bitten wir um zahlreiches und besonders pünktliches Erscheine» aller Kollegen. 45/1 _ Mit kollegialem Grutz_ Die Ortsverwaltung. Sonntag, den 6. Februar 1910. vormittags II Uhr, im Saale der Brauerei Friedrichsbaio: UebungS' Stunde. Geübt werden folgende Lieder: Feafgesanfl von Uthmann. Liedeilusi von Sucbsdorf, Frühlingastürme von Schulken, Zum 1 1. Mai von Hayne._ 1 Vi�nÄ?teng"ich AusschußsSitzung.| Tages-Ordnung: 1. Aafnahme von Vereinen. 2. Wahl der Kontiolleore und| llevisorea. 3. Buudesangolegenheitea. NB. AntrSge zum Provinzial-Sängerfest aind bis znm] 5. Februar an den Vorsitzendon Paul Kupfer, O. 34, Petersburger Straße 56, zu richteu. 17/1 Der Vorstand. Sophien-Säle Sophienstraße 17/18 QuerstraBe der Rosenthaler StraBe— am Hackeschon Markt* Inhaber: Paul Baatz----- empfiehlt seine von 60—2000 Personen sassendcii Salt zu Versammlungen Vortrags« n. Kunstabendcn usw Vorzügl. Alustik. Kulant. Entgegenkommen Kriuilltu- u. Ktgrabmskaffe der Seifensieder uud Berufsgeuosieu sEIngeschr. Hilsslasse Ar. 17. Berlin). Tonntag, den C. Februar 1910, vorm. 10 Uhr, iu Alhainbra, Wallnertheateritr. 15: Ordentl, General-Yersaminiung Tagesordnung: 1. Jahresbericht. 2. Bericht der Revisoreii. I. Vortrag deS Ren- danien Herrn K. Atzmänn:»WaS haben wir von einem RcichSkranlen- versichernngSgeietz zu erivarten?» 4. Wahl des Vorstandes. 5. Acnde- rung des tz 4. 6. Verschiedenes. De Verstand. 232/9 I. A.: Kar! Leisler. Köpcnickerstr. 123. Gürlerwerkstatt Alexander Str. 32 per sos. oder Allgemeine Orts- Krankeukafse für die vereinigten Gewerbebetriebe Charlottettbnrgs. LluS dem Kasienvorstande sind aus- geschieden die.Herren Becker, Gehring, Pilhauer, Arbeit n e h m c r, und Koppen. Arbeit g e b e r. Die Delegierten Iverden hierdurch zun: Zwecke per Vornahme der Ersatzwahlen zum Kasjenoorslande an Stelle der benannten anSgeschiedcncu Lorflaiidsmilglieder aus Dienstag, de» 8. Februar er.» abends 8 Uhr. nach dem llcinen bezw. nach dem Büjcttiaal deS BolkshauieS in Charlottenburg. Rosiiicnstrl 3, mit dem Bemerken eingeladen, dag der Wablakt iür beide Teile eine Stunde nach Eröffnung geschlossen ivird. Die wahlberechtigten Delegierten erhalten antzerdem eine schriftliche Einladung, die als Legitimation giit und die bei dem Eintritt in das Wahllokal abzugeben ist. Das Wahlrecht der Delegierten, die inzwischen aus der Kasse ausgeschieden sind, ist erloschen. Charloltenburg, d. 26. Januar 1910. Der jtassenvorstaud. 270/18 gez. Ahrens. Bf' J*J Monall. 10 M. liefere D S B f'' l �eg. Herrengmderobe All VWAA».Matz(billigste Preise) I. Tompoiiiwski, -------- Kasse 10 Proz. Rabatt-------- Zriltriilmliliild der Milsihillifttii Ii«d Htiler ssiiilk Lcilifggcliiisst» Dclltslhliiilds Verwaltungsstelle Groll• BerUn. Sonntag, den 30. Januar, nachm. pünktlich L Uhr im„Eugltfchen Garten, Alexanderstrabe 27o: Kenersl-Verssmmwng. TageS-Ordnung: Rechenschaftsbericht. Kassenberichte. Bericht der Revisoren. Bericht der Delegierten oer GcwerkichastSloinmission. Wahl der Delegierten zuni Ver- bandslage Hamburg. Anlräge der Zahlstelle Berlin und zum Berbandstag. Die Kollegen werden gebeten, zahlreich und pünkllich zu erscheinen, da der Saal um 6 Uhr geräumt werden mutz. 145/1 I. A.: H. Schwittau. s Brauerei Karl Gregory Aktiengesellschaft ,"WVU«»1 HMV«1/*,-* 1008 und 3188. Berlin Hochstraße 21/24 A,nt m Lager« Pilsenera Münchenera Ringfrei I■■■ Biere Restaurant zum Oder-Spree-Kanal. 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Als Anzahlung sind 10—20 pCL der Gesamtsumme erwünscht Ort:--- Datum:, Vor- u. Zunamen:___ Straße u. Hausnummer:. Stand:. Seit Jahren trinkt man in allen Bevölkerungsschichten Amerikas und Englands zu allen Mahlzeiten Tee, eine Gewohnheit, die auch in Deutschland immer mehr Boden gewinnt. Wir haben es unternommen, unseren Saman Tee allen Kreisen Deutschlands zugängig zu machen. Schon seit vielen Jahren ist ja die Schädlichkeit des Kaffeegenusses jedermann bekannt. Die Ärzte haben seit langem auf die nervenzerstörende Wirkung des Kaffeetrinkens hingewiesen, aber es hat sich bis jetzt noch kein Qenußmittel geboten, das imstande gewesen wäre, den Kaffee zu ersetzen. Das hat sich vollkommen geändert. Der Tee war bis jetzt in Deutschland wenig verbreitet, weil man der Meinung war, für billiges Geld bekäme man nur schlechten und wenig Tee. Seit die Allgemeine Teeimport Gesellschaft den Saman Tee in Deutschland eingeführt hat, erhält man heute zu den billigsten Preisen den vorzüglichsten Tee von einer Ergiebigkeit, wie sie bisher ein derartiges Genußmittel noch nicht erreicht hatte. Kaffee schmeckt bekanntlich gut nur in ganz starken Aufgüssen, Saman Tee ist aber von dem herrlichsten Aroma und Geschmack, selbst noch in der stärksten Verdünnung. Die heutige Finanzlage zwingt zudem noch die meisten Familien, ihren Kaffee mit Zuhilfenahme von Kaffeezusatz und künstlichen Kaffeesorten zu bereiten, ganz abgesehen von dem riesigen Quantum der verfälschten Kaffees, die dem harralosen Käufer ohne sein Wissen für schweres Geld verkauft werden. Wer heute reinen Kaffee trinken will, muß einen großen Luxusaufschlag bezahlen. Die Allgemeine Teeimport Gesellschaft hat es sich zur Aufgabe gestellt, dem deutschen Publikum vor Augen zu führen, welche Kosten es spart und welche Vorteile es gewinnt, wenn es statt der Planscherei mit schlechtem Kaffee Saman Tee trinkt Jede Hausfrau und jeder Familienvater muß sich ausrechnen, wie ungeheuer die Ersparnisse sind, wenn Saman Tee getrunken wird. 1 Pfand Kaffee----- 50 bis 60 Tassen kostet M. 1.10, also 1 Tasse Kaffee............. ca. 2 Pfg. 1 Pfund Saman Tee------ 1500 Tassen kostet M. 3.—, also 1 Tasse Saman Tee.......... 0.2 Pfg. Eine Familie von 5 Personen braucht wöchentlich 75 Tassen----- /1/a Pfund------ M. 1.65 für Kaffee Eine Familie von 5 Personen braucht wöchentlich 75 Tassen----- Vao Pfund----- M. 0.15 für Saman Tee Cl � n MM a�so nachweisbar ganz außerordentlich viel hilliger iy? Uli ädLi II JÜ und sparsamer als selbst der schlechteste Kaffee. Die berühmte deutsche Fabrik für Waffen und Werkzeugmaschinen Ludwig Loewe& Co. hat seit dem Jahre 1899 anstatt einer Kaffeekäche eine Teeküche eingerichtet. Der Bericht der Firma über die Resultate dieses modernen Unternehmens lautet wörtlich: „Kaffeo betäubt das Hunger- und Müdigkeitsgefühl und spiegelt dem Arbeiter Sättigung vor, denselben so dazu verleitend, mehr Kräfte auszugeben, als den aufgenommenen Nährwerten entspricht. Tee ist zunächst ein sehr billiges Getränk, jedenfalls viel billiger als Kaffee von gleicher Qualität, und lässt sich leichter in grossen Mengen gleichmässig gut herstellen. Dm sich aber vor minderwertigen Sorten zu schützen, empfiehlt es sich, nur garantiert echte Tees in Originalpackungen wohlbekannter Firmen zu kaufen. Gerade die billigen Sorten unbekannter Herkunft, welche den Namen Tee kaum verdienen, tragen die Schuld daran, dass man bei uns, zumal in minderbemittelten Volksschichten, dem Tee ein grosses Vorurteil und Misstrauen entgegenbringt. V In Wirklichkeit ist Tee aber ein ausserordentlich durststillendes Getränk, welches infolge seines Alkaloidgehaltes blutreinigend und verdauungs fördernd wirkt, indem es die Tätigkeit der Nieren in günstigster Weise beeinflusst. Das im Tee enthaltene ätherische Oel regt die Gehirntätigkeit und Arbeitslust an, ohne die schädlichen Nebenwirkungen des Kaffees zu besitzen." Diese Firma verkaufte im Jahre 1908 in der Werkzeugmaschinen- Abteilang 597187 Flaschen Tee an ihre Arbeiter. ist eine indische Teemischung, die nach vielen Versuchen für den deutschen Geschmack besonders zusammengesetzt wurde. ist schon in den kleinsten Packungen für 10 Pfg. erhältlich. Wenn man früher ein lO-Pfg.-Päckchen Tee kaufte, erhielt man zwar viel Teeblätter, aber nur 6 bis 8 Tassen schlechten Tees. Von einer lO-Pfg.-Packung Saman Tee erhalten Sie bis zu 30 Tassen des köstlichen Getränks. ist in seiner Zubereitung einfach, man braucht nur eine Kanne und kochendes Wasser. ist kein Tee wie jeder andere, lassen Sie sich vom Händler keinen anderen Tee verkaufen! Verlangen Sie Saman Tee, denn er ist der einzige, der alle Vorzüge der BilligKeitu. Güte besitzt. Nur echt mit untenstehender Schutzmarke in Packungen von 10 und 20 Pfennig, 1|s nnd 1|« Pfund und in modern dekorierten Metallbüchsen von � Pfund in zwei Qualitäten. Allgemeine Teeimport Gesellschaft Fernsprecher.Al. T. Somon Tee Amt TV, 602 n. 10823 G. m, b. H. Berlin SO 36 Harzer Straße 33 Trinkl Srnnon Tee! In Berlin in 1500 durch Plakate kenntlichen Geschäften erhältlich. Wo nicht zu haben, liefern wir direkt, eventuell erfolgt Mustersendung gegen Voreinsendung des Portos. Verantwortlicher Redakteur Richard Barth, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: TH.Blscke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärt« Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co. Berlin SW& Sovntllg, 30. loattor 1910. Partei- Angelegenheiten. Erklärung. An dcr letzten Generalversammlung des 3. Kreises gab Genosse Pohl eine Darstellung des Streitfalles, welcher wegen Benutzung der„Zieucil Welt" zwischen der Organisatin in Rixdorf und dem 3. Kreise schwebt. Genosse Pohl vergaß aber hinzuzufügen, daß seine Auf- fassung bereits in der letzten Sitzung des Aktionsausschusses von allen anderen Kreisvertreteni als irrig festgestellt wurde. Es berührt uns nicht angenehm, daß der recht bedauer- liche Streit bereits in der erwähnten Dienstag- Versammlung ausgetragen wurde. Genosse Pohl tveiß, daß der geschäfts- führende Ausschuß in die nächste Generalversammlung des 3. Kreises delegiert ist, um dort über den Fall mit den Ge- »rossen des Kreises zu verhandeln. Die auf Grund einseitiger Darstellung erfolgte Beschluß- fassung erschwert eine Beilegung der Angelegenheit, welche doch sicher im Interesse der Partei geboten erscheint. Der geschnftsführende Ausschuß. Erster Wahlkreis. Sonntag, den 13. Februar, nachmittags 4 Uhr; Urania-Vorstellung.„Im Firnenglan� dc-S Ober-Engadin." LiUctls a 70 Ps. mit Garderobe sind bei den Funktionären und dem Kassierer Bittner, Feilnerstr. 11, zu haben. Der Vorstand. Eichtcuierg. Heute früh von den bekannten Lokalen aus Kuvert- Verbreitung. Wilhelmsruh-Niedrr-Schiinhausen-Wcst. Dienstag, 1. Februar, abends 8 Uhr, findet im Lotal von Kollmann, Kronprinzenstr. L, die Mitgliederversammlung des Wahlvereins statt. Genosse Dülvell referiert über.Der Nutzen dcr Wertznlvachssteuer". _'Die BezirlLlcitung. Berliner JVaebriebten. Straßtnjugcnd, Schnaps und Schutzmann. In der Großstadt ist es leider keine seltene Erscheinung, daß schon am hellen Tage total betrunkene, ihrer Sinne und ihrer Beine nicht mehr mächtige Menschen zum Gespött über die Straße torkeln. Die Hauptschuld trägt neben inneren sozialen Verhältnissen, die den Menschen auf die schiefe Ebene nud zur Betäubung durch Trunksucht treiben, fast immer die Teuselsuatur jenes elenden Gesösss, das die volksverderbenden und volksausplündernden Reichsschnapsbrenner auf den Markt werfen. Niemals wird irgendein anderes, mit Maß genossenes alkoholisches Getränk eine so unheilvolle Wirkung ans Geist und Körper ausüben als konservativ-agrarischer Fusel, der den unglücklichen Trinker oft dem Tiere gleich- »nacht. Die moderne Bewegung gegen die Branntweinpest steht nun sehr richtig auf dem Staudpunkte, daß auch der scheinbar unverbesserliche Trinker nicht ein lasterhafter, sondern ein unglücklicher, ein kranker Mensch ist, der dcr Hilfe der Viitmenschen bedarf, um ihn den mörderischen Klauen der SAmapsbaroiie inöglick)st für immer zu entreißen. Deshalb verdient arich die Art und Weise, wie sich ein großer Teil unserer Straßenjugcnd betrunkene Menschen zur Zielscheibe von Spott und Hänselei auscrsieht, den schärfsten Tadel. Der Betrunkene auf dcr Straße, der mit schlotternden Pedalen seiner Wohnung zustrebt, tut in dcr Regel niemandem etwas, solange er nicht gereizt wird. Dieses Reizmittel gibt aber, wenigstens in sehr vielen Fällen, die Straßenjngend ab. Sie verfolgt scharenweise den Trunkenen straßenweit, bewirft ihn mit Schmutz, erniedrigt sich durch Stoße aus dem Hinterhalt, heult und johlt, daß bald ein beträchtlicher Auflauf entsteht und der Schutziiiann herbeigeholt wird. Wird dann der Be- trunkene wild und geht er auf die Ltinderschar los, so nimmt das Publikum gegen ihn Partei, anstatt den Kindern ihren II»fug energisch zu verbieten. Das Ende vom Liede ist die Sistierung des Mannes und ein Strafmandat wegen Er- regung eines öfsentlicheu Auflaufs, wenn es nicht wegen Widerstandes gegen die Staatsgewalt noch zu einer Anklage mit Gcfängilisstrafe kommt. Am widerlichsten wirkt der Straßenauflauf, wenn den Mittelpunkt ein betrunkenes Weib bildet, was auf Berliner Pflaster keineswegs ein so seltener Anblick ist. Wir haben wiederholt gesehen, daß .■solcher unglücklichen Frau, die zu schwach ist, sich aus eigener Kraft moralisch wieder aufzirrichten. und nun im Fusel Ver- gcsscuhcit sucht, von dcr Straßenjugend die Kleider förmlich vom Leibe gerissen wurden. Wie verhält sich diesen häßlichen Straßenszenen gegen- über Publikum»md Polizei? Der größte Teil dcr er- wachsenen Passanten sieht ziemlich gleichgültig dem Treiben zu, lacht womöglich über das Sittenbild und bestärkt dadurch die Jugend in ihrer Unvernunft. Verhältnismäßig selten tvird jemand aus dem Publikum so einsichtig sein, dem Be- trunkenen Ruhe zu schaffen und die Kinderschar zu verjagen. Es kommt sogar vor, daß sich Erwachsene an der feigen Hetze mitbeteiligen. Erscheint endlich der Schutzmann aus der Bild- fläche, so mißt er gewöhnlich mit zweierlei Maß. Es ist für unsere polizeiliche!» Verhältnisse höchst charakteristisch, daß viele Schutzierite. erfreulicherweise nicht alle, den dürftig gekleideten Betrunkenen wie einen Strolch behandeln und zur Polizei- wache bringen. Ja, man bat es mehr als einmal erlebt, daß sie den Unzurechnungsfähigen an Händen und Füßen nach der Rcvicrwache schleiften oder ihn gar wie ein Stück Vieh über das Pflaster zerrten. Gewöhnlich gehört dann nicht allzu viel dazu, um in dem so hundsföttisch Behandelten das Moment des Widerstandes auszulösen. Sehr selten kann man beobachten, daß ein solcher Betrunkener mit der einem Besinnungslosen und Kranken gegenüber gebotenen Riicksicht angefaßt und entweder nach seiner Wohnung oder in Sch»»tz- hast gebracht tvird. Warum wendet man denn dieses Höf- kichere Mittel stets gegen Betrunkene an, die ihrer Kleidung nach nicht den alleruuterstet» Ständen angehören? Da ist dcr Schutzmann sehr schnell bereit, den Betrunkenen als Menichen zu behandeln und eine Droschke zu beordern. In unseren Schnlen wird die Jugend heutzutage auf manches recht Nebensächliche hingewiesen. Vorliegend bietet sich der Anlaß zu einer moralischen Erziehnngskur. Wir be- schölligen wahrlich nicht die Trunksucht, so oft sie sich auch aus den unglücklichsten Lebensverhältnissen heraus einnisten mag, sind aber ganz damit einverstanden, daß der Schul- fugend, übrigens auch derjenigen höherer Lehranstalten, ans das strengste untersagt wird, an Betrunkenen ihr Ueber- mütchen zu kühlen. Wer sich nicht in Gefahr begeben und dann umkommen lvill, wird natürlich den Schnaps so viel wie möglich meiden._ In der SäuglingSfürsorgestelle l., Blumenstr. 78, findet im Februar je einmal möcventlich Unterricht in Säuglingspflege mit praktischen llebuiirgen statt. Meldungen hierzu schriftlich oder mündlich an das Bureau des Kniderhauses, Blumenstr. 78, vorn links parterre, von 2—-1 Uhr Wochentags. Obdachlofen-Asyl für Groß-Berlin. Auf Einladung deS Charlottenburger Magistrats tvird am Mittwoch, den 9. Februar, im Rathanfs zu Charlottenburg eine Beratung von Vertretern sämtlicher Gemeindeverwalttmgen von Grotz-Berli» stattstnden über die Frage, ob es sich nicht empfiehlt, einen Zweckverband innerhalb Groß- Berlins zur Errichtung eines gemeinschaftlichen Asyls für Obdachlose anzustreben, in welches obdachlos gewordene Ledige ans ganz Grotz-Berli» Aufnahme finden können. Kirchliche Barmherzigkeit. Die Kommission für die Armen- pflege der Gethsemane-Gemeinde im Schönhauser Viertel geht, wie das andere Kirchengemeinden auch tun, schriftlich für ihre Armen bei den„lieben" Gemeindenntgliedern(Katholiken, Juden und Dissidenten natürlich eingeschlossen) hausieren und läßt sich dabei, da ja der Zweck die Mittel heiligen soll, mworsichtig lief in die Karten sehen. Sie gibt die anhaltende Arbeitslosigkeit zu, durch welche weite Kreise in Mitleidenschaft gezogen seien, und bedauert, daß bei einer Gcmeindeseelenzahl von 45 000 die Sammlungen an den Ausgängen der Kirche und auf dein Kirchhofe jährlich nur etwa 800 M. ergeben. Die bei Gelegenheit von Taufen, Konfirma- tionen, Traunugen und Begräbnissen gespendeten Liebesgaben, welche nicht den Geistlichen(überall??), sondern zur Hälfte der Krankenpflege, zur anderen Hälfte den Armen zugutekommen, bringen eine Jahreseinnahme von höchstens 150 M. Deshalb wird jetzt von der Kommission, dcr u. a. vier Pastoren angehören, um die Zeichnung von Jahresbeiträgen gebettelt. Was es mit Armenunterstützungen durch die Kircha auf sich bat, ist sattbekannt. Nicht die schlimmste Rot wird in erster Linie bedacht, sondern die scheinheilige Frömmigkeit, das Wcttkriechen vor Altar und Geistlichkeit. In der Gethscmancgemeindc erreichten die gesamten kirchliche» Armenmiterstützungen für das vergangene Jahr die Riesensumine von 2500 M. Das ist weniger als die vier Pastoren für dasselbe Jahr als Gehaltszulage bekommen haben. Vielleicht schickt der ausgerückte Schuldenpastor Werkenthin, der jetzt in Mexiko in brillanten Verhältnissen leben soll, seinen „lieben" Gemeindemitgliedern einen fetten goldenen Happen. Der Wcitcrbau der Untergrundbahn voni Spittelmarkt nach dem Alexanderplatz wird, wie wir hören, gegen Ende März in Angriff genommen»verde». Der Tuimel erstreckt sich in der Wallstratze bekanntlich schon bis»»ah« an die Notzstratze; von da an bis zur Jnselstratze müssen dann zunächst die Kanäle verlegt werden, welche dem hier ziemlich tief liegenden Bahnbau im Wege sind; während der Frostperiode dürfen die Kanäle nicht nnigelegt werden, weil sonst das Kanalioasisr gefrieren und gefährliche Stauungen im Entwässerungsnetze hervorrufen könnte. Wegen der Unter- führ»»lg der Spree, zivischen Neu-Kölln a. W. und der Kleinen Stralauer Straße, wird die Sohle deS Untergrundbahnhofs .Jnselstratze", dessen oberer Zugang an der gleichnamigen Straße angeordnet ist, erheblich tiefer liegen als die Haltestelle Spittel- marlr. Jni Spreebctt erreicht die Tminelsohle eine beträchtliche Tiefenlage: der mittlere Wasserstand hat hier die Ordinale 32.20 Nieter über!4Ns die Tunnelsohle dagegen 23,70 Bieter, so datz die letztere S'/a Meter unter dem mittleren Spree- niveau liegen wird. Es ist dabei zu berücksichtigen, datz die Tmmelwände unter dem Wasserlaufe sehr reichlich be- messen werden müssen, namentlich in der Ucberdeckung, aus welche noch eine starke Steinschicht aufgebracht tvird, damit der Tunnel dem Gewicht eines etwa gesunkenen Lastkahnes genügenden Widerstand bietet. Das Spreebett selbst soll bei Gelegenheit des Bahnbaues, entsprechend dem zunehmenden Schiffsverkehr, vertieft werdet». Jenseits der Spree steigt die Bahn wieder auf einer Rampe empor, so datz die nächste Haltestelle,„Stadthaus", aus normaler Höhe liegt. Die Zugäuge zu der letzteren werden sich an der Parochialstratze bezw. an der K u n st s ch u l e befinden, welch letztere in der Richtung der Grunerstratze unterfahren werden mutz. Schön ist das Soldatenleben! Auf dem Exerzierplatz zur Ein- samcn Pappel an der Schönhauser Allee werden jetzt trotz des über dein ganzen Gelände liegenden Schnees kräftig Rekruten gedrillt. Dabei kann man beobachten, datz die jungen Soldaten gezwungen werden, längere Zeit im Schnee zu knien oder sich gar lang in den Schnee zu legen. Wie mancher mag sich da einen Knax für das ganze Leben wegholen I Wähnend der Militärjahre stellen sich ja vielleicht die gesundheitlichen Nachteile noch»licht ein. Aber es wird wohl niemand behaupten wollen, daß das Liegen im Schnee mit geflickten Uniforme» letzter Garnitur der Gesundheit besonders zuträglich ist. Oft erst»ach Jahren zeigen sich die rheumatischen Beschwerden, ohne daß es möglich ist, den Militärstaat hierfür verantwortlich und tributpflichtig zu machen. Den Offizieren und Unteroffizieren fällt es selbstverständlich nicht ein, die Rücksichtslosigkeit imtzumachen. Die jammern schon, daß sie auf höheren Befehl überhaupt im Schnee stehen müssen. Weniger„Auönahmrtage" im Geschäftsverkehr. Eine Korrespon- denz weiß zu melde»: In den letzten Wochen haben bei den Berliner Polizeirevieren vielfach Erhebungen darüber stattgefunden, inwieweit eine Ausnutzung dcr bisher bestehende» Ausnahmen vom Achtuhr-Ladenschlutz bezw. von de» Borschriften der Ge- iverbeordnung über die M i n d e st r u h e z e i t und die Mittags- pause der Angestellten erfolgt und ob ein Bedürfnis, diese Aus- »ahinetoge beizubehallen, anzuerkennen sei. Die Reviere baben zu diesem BeHufe in umfangreichem Matze die Ansichten dcr Gewerbe- treibenden über diese Fragen eingeholt. Auf Grund der Ergebnisse dieser Erhebungen dürfte, wie wir erfahren, für das Jahr 1910 dcr ausnahmsweise Zehnuhr- Ladenschlutz überhaupt fortfallen und an seine Stelle der N e u n u h r- Ladenschlutz treten; zugleich dürfte eine wesentliche Einschränkung der Ausnahmetage sowohl hinsichtlich des Ladenschlusses wie auch hinsichtlich der Mindestruhezeit und Mittagspause der Angestellten erfolgen. Es wird also künftig auch an den Ansnahmetag-n um 9 ll hr abends Geschäslsschlutz gemacht werden müsse«, wie bisher schon allgemein an den Soimabende», und außer diesen dürften dann nur noch sieben Tage— vor dem Weihnachtsfest— freigegeben werden, an denen die Läden bis 9 Uhr abends offen gehalten iverden dürfen. In gleicher Weise sollen auch die Ausnahmetage bezüglich der Ruhezeit»c. der Allgestellten entsprechend vermindert iverden. Es wird damit die für den OrtSpolizeibezirk Berlin unter dem 14. Januar 1905 erlassene Bekanntmachimg, solveit sie die offenen Verkaufsstellen— außer Blumen-, Spielwaren- und Buchhandlungen— betrifft, aufgehoben; für die Blumen- usw. Handlultgen dürften die bis- berigen Vorschriften über den Ladenschlutz uslv. einWeilen noch be- stehen bleiben." Für uns war es schon längst eine ausgemachte Sache, daß die diele» Ausnahmeiage vollkommen überflüssig lvareu._ Sie raubten den Angestellten ihre freie Zeit und machten den meisten Geschäfts- leuten nur viele überflüssige Unkosten. Ein tödlicher Strasicnbnhnmifall ereignete sich gestern abend in der Schönhauser Allee. Gegen 9 Uhr versuchte an der Ecke der Milastratze dcr 83jährige Invalide Gottfried Günther, dcr in dem Männersiechenhaus in der Schönhauser Allee 59 wohnte, den Fahr- dämm der Schönhauser Allee zu überschreiten, ohne darauf zu achten. daß ein Straßenbahnwagen der Linie V herannahte. Unmittelbar vor dem Waggon betrat der Greis das Gleis und»vurde, obwohl per Führer des BahuwagenS sofort die Gefahrbremse.anwandte, um« gestotzen. G. erlitt einen schweren Schädelbruch und Bruch des rechten Oberschenkels und wurde, nachdem er in der nahen Unfall« stativn Notverbände erhalten hatte, nach dem Krankenhaus Friedrichs» Hain übergeführt. Hier ist der Verunglückte in der Nacht an den Folgen der erlittenelr schweren Verletzungen verstorben. Selbstmordversuch eines KrankcnPftegerS. In bewußtlosem Zu- stände aufgefunden wurde gestern in der Lkaiier-Friedrich-Stratze in Charlottenbnrg dcr 22 jährige Krankenpfleger Wilhelm SebbeS. S. war bis zum 26. d. Mts. im Rudolf-Virchow-Krailkenhause angestellt gewesen, an diesem Tage aber entlassen worden. DaS hat sich der junge Mann anscheinend so zu Herzen genommen, datz er sich daS Leben nehmen ivollte. Er trank auf offener Straße Benzin und wurde in schwerkrankem Zustande nach dem Krankenhause Westend übergeführt. Ein tödlicher Betriebsunfall hat sich gestern morgen gegen 9 Uhr auf dem Gelände der städtischen Gasanstalt in der Danzigcr Straße zugetragen. Dort»verde» gegenwärtig an dem Gasbebälter Nr. 8 Rohrlegungsarbeiten ausgeführt, bei denen auch der 23 jährige Rohr- leger Franz Sachs beschäftigt war. S. arbeitete auf einem etwa fünf Meter hohen Gerüst und stürzte plötzlich, wahrscheinlich infolge eines Fehltrittes, herab. Er schlug so heftig mit dem Kops auf den gepflasterten Boden auf, datz er einen komplizierten Schädelbruch erlitt und den Folgen desselben erlag, bevor der herbeigerufene Arzt zur Stelle war. Die Leiche des Verlmglückten wurde polizeilich beschlagnahmt. Das Berliner Aquarium hat unter seinen Tierbeständen außer denjenigen Arten, deren ungewöhnliche Größe und Störte schon durch den Beinamen„Riesen" angezeigt wird, so den Riesen- schlangen, Niesenkröten, Riesensalamander u. a. noch eine Anzahl anderer Bewohner, die ans diese Bezeichnung Anspruch machen dürfen. In den rechtsseitigen Glashäusern der Reptilieugalerie sind mehrere gewaltige vierbeinige Schuppenträger untergebracht, die ihrer Größe nach an die Krokodile erinnern, jedoch zu den Echsen oder Sauriern gehören, und zwar zu den Teju- oder Schicneneidechsen, welche die echten Eidechsen und auch die Varane in Südamerika vertreten und dort an Eiern und Junggeflügcl auf den Hühnerhöfen Schaden anrichten, während ihr saftiges, weißes, von den Einwohnern sehr geschätztes Fleisch selbst wiederum dem der Hühner ähnelt. Arbeiter-Dilettanten-KunstauSstellnug. Gewerkschafts. haus, Engelufer 15. Die Ausstellung ist heute von 11 Uhr vormittags bis 9 Uhr abends zu besichtigen und wird dann uu« widerruflich geschlossen. Es empfiehlt sich des Andranges wegen, die Vormittagsstunden zum Besuchs der Ausstellung zu benutzen. Arbeiter-Samariterkvlonne. Montag abend 9 Uhr: 1. Abteilung Dresdener Str. 45: Vortrag über Ertrinken und Ersticken niit nach- folgenden praktischen llebungen. UebimgSstunden finden noch in folgende» Abteilungen statt: Mittwoch 5. Abteilung, Donnerstag 3. Abteilung und Freitag 4. Abteilung. Vorort- I�aclmcbten. Zur Frage der Arbeitslosenverficherung in Schöneberg. Bekanntlich gehört Schöneberg mit zu den Gemeinden Groß» BerlinS. die sich seit längerer Zeit mit der Einführung einer kommunalen Arbeitslosenversicherung beschästigen. Bereits im November 1907, gelegentlich der Beratung eines sozialdemokrati» scheu Antrages wegen Schaffung von NotstandSarbeiten, wurde in der Stadtverordnetenversammlung augeregt, der Ein» führung der Arbeitslosenversicherung näher zu treten. Die Angelegenheit wurde damals einem Ausschuß überwiesen, dcr in der Stadtverordnetenversammlung am 2. Dezeniber 1907 Bericht erstattete und einen Antrag unterbreitete, der neben verschiedenen Anregungen zur Beschaffung von Not- standsarbeiten in seinem letzten Teile das Ersuchen an den Magistrat richtete,„baldmöglichst über die bisherigen Erfahrungen mit der kommunalen Arbeits- losenversicherung Mitteilung zu machen". Dcr Antrag wurde damals nach der Befürwortung durch den Stadtv. F r i tz s ch(Soz.) ohne Widerspruch angenommen. Der Magistrat ließ jedoch lange auf sich warten, che er dcr Stadtverordnete, wersammlung die gewünschten Unterlagen lieferte. Ein Jahr später, am 21. Dezember 1908, richtete die sozialdemo- kratische Fraktion in der Stadtverordnetenversammlung die An- frage an den Magistrat,„wie weit die Arbeiten bezüglich dcr kommunalen Arbeitslosenversicherung gediehen sind". Der Magistrat blieb mit seiner Auskunft jedoch immer noch aus. Darauf richtete die sozialdemokratische Fraktion am 22. Februar 1909 mit Unterstützung der übrigen Mitglieder der Stadt- verordnetenversammlung die bestimmte Anfraae an den Magistrat, ob er die Einführung einer kommunalen Arbeitslosenversicherung beabsichtigte. Erst im Mai 1909, also nach fast 1% Jahren, kam dcr Magistrat mit seinen Unterlagen in Forin einer Denkschrift heraus. Er gab zunächst in dieser Denkschrift ein Bild über die verschiedenen Systeme der Arbeitslosenversicherung, daraus den Schluß ziehend, daß dieselben für die Verhältnisse Groß-BerlinS ungeeignet sind. So käme seiner Meinung nach bei dem Genter System(Gewährung von Zuschüssen an die Arbeiterorganisationen) der Nutzen der Einrichtung nur den gewerkschaftlich organisierten Arbeitern zugute. Der Magistrat sagte dann weiter in dieser Denkschrift, daß die Schaffung eines neuen Versicherungsträgers und damit einer neuen Organisation (z. B. im Anschluß an den städtischen Arbeitsnachweis) wohl an und für sich ein verdienstliches Werk wäre, weil es zu neuen Er» fahrungen führen würde, aber auch dieser Weg wäre ebenso wie die Einführung des Genter Systems nur ein Experiment und würde nur einem kleinen Teile der Arbeiterschaft zugute kommen. Für die Arbeitslosenversicherung müßte Groß-Berlin als Wirt- schaftliche Einheit betrachtet werden, und es könne kein praktischer Erfolg erzielt werden, wenn man in einem wirtschaftlich Ganzen eine solche Einrichtung nur für einen Teil einführt, während die von der Einrichtung Betroffenen sich über das ganze Gebiet ver- streuen. Der Magistrat hielt somit in dieser Denkschrift die Ein- führung einer kommunalen Arbeitslosenversicherung in Echö»»e- berg für unmöglich. Am 3. Juni 1909 beschäftigte sich die Stadtverordneten- Versammlung mit dieser Denkschrift. Der Verfasser derselben, Stadtrat Walger(jetziger Gemeindevorsteher in Friedenau), betonte unter anderein: Schöneberg könne sich nicht darauf ein» lassen, ein solches Experiment zu machen, von dem man von vorn- herein wisse, daß es mißlingen werde. Die Mehrheit der Stadt- verordnetenversammlung ließ sich aber ans die Schlußfolgerungen der Denkschrift in keiner Weise ein, sondern inachte enischieden dagegen Front. Von der sozialdemokratischen Fraktion sowohl wie von der liberalen Fraktion wurde betont, daß eS sehr wohl möglich wäre, in Schöneberg an die Einführung einer kom» munalen Arbeitslosenversicherung heranzugehen. Die große Mehr- Zeit der KerjammlitNg stimmte einem Antrage zu, der die Ein» setzung einer gemeinsamen Deputation deS Magistrats und der Stadtverordnetenversammlung zwecks Einführung einer Arbeitslosenversicherung verlangte. Diesem Beschluß ist der Magistrat beigetreten. Die Deputation bestand aus 5 Magistrats- Mitgliedern und 10 Stadtverordneten. Als Vorsitzender der Deputation wurde nicht der Verfasser der Denkschrift, sondern der Stadtrat Leidig vom Oberbürgermeister bestimmt. Seit dieser Zeit hat die Oeffentlichkeit über den Gang der Dinge wenig oder gar nichts erfahren. Die sozialdemokratische Fraktion war durch die Stadtverordneten Daum ig und M o l k e n b u h r in der Deputation vertreten. Der Leiter des statistischen Amtes wurde ebenfalls zu den Sitzungen mit bc- ratender Stimme hinzugezogen. Es muß anerkannt werden, daß die Deputation mit großem Ernst an die Erledigung ihrer Auf- gaben herangegangen ist. Mehr als ein Dutzend Sitzungen wurden abgehalten. Die Deputation sprach sich für die Einführung der kommunalen Arbeitslosenversicherung in Schvneberg aus, un- abhängig davon, ob diese auch in anderen Gemeinden Grotz-Berlins zur Einführung kommt. Die Deputation war davon überzeugt, daß endlich einmal der A n f a n g gemacht werden müsse. Die Mehrheit entschied sich für die Einführung des Genter Systems. Es wurde sogleich ein Statut ausgearbeitet, das sich im wesentlichen mit dem Straßburger Statut deckt. Für die unorganisierten Arbeiter sollte die Sparkasse als Ausweg dienen. Die Deputationsmitglieder schieden in ihrer letzten Sitzung voneinander mit der festen Voraussicht, daß die Einführung der kommunalen Arbeitslosenversicherung in Schöne- berg als gesichert gelten und Schöneberg in dieser Be- ziehung den anderen Gemeinden Groß-BerlinS vorangehen könne, zumal die in der Deputation vertretenen Magistrats- Mitglieder versprachen, ihr möglichstes im Magistrat für die Durchführung der gefaßten Beschlüsse zu tun. Ganz überraschend kam nun am vergangenen Montag ein Schreiben des Vorsitzenden der Deputation, worin er den Mit- gliedern mitteilte, daß der Magistrat in seiner Sitzung am LI. Januar beschlossen habe,„in eine Erörterung oder Beratung der von der Deputation aufgestellten Entwürfe noch nicht einzutreten. Der Magistrat hat die Angelegenheit ver- tagt, bis der Vorstand des Deutschen Städte- tageö über die von ihm in dieser Sache zu er- greifenden Maßnahmen Beschluß gefaßt hat". Dieser Beschlutz des Magistrats hat unter den Mitgliedern der Stadtverordnetenversammlung lebhafte Entrüstung hervor gerufen. Der nächsten Stadtverordnetenversammlung ist daher der folgende Antrag unterbreitet worden: „Die Stadtverordnetenversammlung ersucht den Magistrat ohne Rücksicht auf die zukünftigen VerHand- lungen des Deutschen Städtetages, eine Vor läge über Einführung der.Arbeitslosen Versicherung in Schöneberg zu machen.� Die übergroße Mehrheit der Stadtverordnetenversammlung� die sozialdemokratische Fraktion sowohl wie die liberale Fraktion. steht hinter diesem Antrage; sie kann die Verschleppungstaktik des Magistrats keineswegs billigen. Hoffentlich bleibt diese Mehr- heit auch den Gründen des Magistrats gegenüber fest. Gerade Schöneberg, das schon bittere Erfahrungen gemacht, hat alle Ursache, sich keinen überschwenglichen Hoffnungen dem Deutschen Städtetage gegenüber hinzugebem Es ist einfach unverständlich, wie der Magistrat seine Hoffnungen auf den Deutschen Städte tag setzen kann. Die Stadtverordnetenversammlung muß diesem Vorgehen entschieden entgegentreten. Die kommunale Arbeits losenversicherung kann in Groß-Berlin nur an Boden gewinnen. wenn wirklich einmal von einzelnen Vororten damit der Anfang gemacht wird._ Lchöneberg. „Fürstliche" Bezahlung. Es ist kaum zu glauben, welch' mise rable Bezahlung oft dem Aufwartepersonal geboten wird.>Kn Fall besonders elender Entlohnung wird uns aus Schöneberg berichtet. Danach beschäftigt ein Zahnarzt KaSper in der Alazienallee 7a eine Auswärterin, die pro Monat IS Mark Lohn ohne Essen erhält. Die Angestellte wohnt bei dem Zahnarzt und muß tagaus tagein ihre ganz« Arbeitskraft in den Dienst ihres Arbeitgebers stellen. Mit den IS Mark soll nun die Aermste sich und ein Kind ernähren. DaS ist natürlich kaum möglich und so muß jetzt die Armenverwal« t u n g e i n g r e i f e n und der Angestellten deS Zahnarztes Essen verabfolgen, damit sie bei der Arbeit nicht verhungert. Auf dir Unzulänglichkeit der Bolksbadeanstalt wurde bei den jetzt stattfindenden Etatsberatungen hingewiesen. Die Anstalt ist an den letzke» Tagen der Woche sowie Sonntags stets überfüllt, so daß eine größere Anzahl Personen, die baden wollen, unverrichteter Sache wieder umkehren müssen. ES wurde hierbei der Rat gegeben, daß die Arbeiter einmal mehr baden gehen und sich außerdem die ersten Tage der Woche auswählen möchten, an denen der Besuch der An- stall ein geringerer ist. Damit wäre dem Uebelstande in etwas ab geholfen. Es soll jedoch dafür gesorgt werden, daß die bereits ein- geleiteten Vorarbeiten zur Errichtung einer Schwimnibadeanstalt nach Möglichkeit beschleunigt werden. Steglitz. Zu aufregenden Szenen kam eS vorgestern nachmittag in dem Hause Bahnstraße 6, in desien Dachgeschoß der Zimmermann Hermann Baelhke mit feiner Familie_ wohnt. Baethke ist seit längerer Zeit nervenleidend, da ihm bei der Arbeit ein schwerer Mauerstein auf den Kopf fiel. Sein Zustand verschlimmerte sich, bis vorgestern nachmittag bei ihm der Jrsinn zum Ausbruch kam. Baethke fing in der Wohnung an zu toben; er demolierte Möbel- stücke und zertrümmerte die Fensterscheiben. Plötzlich sprang er auf sein dreijähriges Töchterchen zu und legte ihm eine Schlinge um de» Hals, mn es aufzuhängen. Die Mutter eilte zu Hilfe und befreite das Kind aus den Händen des Tobsüchtigen. Inzwischen hatten andere Hausbewohner die Polizei benachrichtigt. ES gelang nur mit Mühe Eingang in die Wohnung zu erhalten und den Tobenden zu bändigen. B. wurde noch im Laufe desselben Abends nach der Provinzialirrenanstalt in Teupitz geschafft. Groft-Lichterfelde. Die in einigen Wochen fiattfindenden Gemeindewahlcn werden nm i», östlichen Bezirk zu einem heftigen Kamps zwischen Sozial- demokraiie und der besitzenden Klasse führen. ES ist nur in diesem Bezirk ein Vertreter der 3. Klasse in daö Gemeindekollegium zu wählen, der nicht Angesessener zu sein braucht. Im übrigen kommt nur die 1. und 2. Wählerklassc in Betracht, in der natürlich eine Beteiligung der Sozialdemokratie aussichtslos ist. Umsomehr müssen unsere Genossen all ihre Kraft auf die Agitation im Ostbezirk verwenden. Die beiden großen Wahlbezirke umfassen ca. 8000 Wähler; sie hätten aus praktischen Gründen längst geteilt werden müssen. Warum dies nicht geschieht, ist offenes Geheimnis: man will den auS der Vermehrung der Bezirke sich mit Sicherheit ergebenden Sieg der Sozialdemokratie verhindern. Von einer Wahlbewegnng in den bürgerlichen Kreisen ist noch wenig zu spuren, da? meiste spielt sich dort ja hinter den Kulissen ab. Da? soll natürlich lein Anreiz für die Genossen sein, etwa die Hände in den Schoß zu legen. Auch der von Grundbesitzern ge- o t uu� geleitete„Mieter"-Verein hat noch kein l-ebens zeiche» von sich gegeben. Diese kommunalpolitische Miß- gevurt ,st. wie«s schemt. bereits verendet und vielleicht schon 'in SpirituS gesetzt. Nur ein Mitglied des Hansabundes fordert in einem Artikel der Ortspresse in bombastischen Worten den Bund zur Beteiligung an den Getneindewahlen auf. Der Jünger Merkurs ist im übrigen'sehr bescheiden: seine Wünsche an die Kommunal Verwaltung sind im wesentlichen mit der„Einführung kaufmännischer Grundsätze" und„Ersatz der kameralischen durch die doppelte Buch sührung" erfüllt. Bon den eigeniliche» Kulturaufgaben einer Gemeinde. ihren wirtschaftlichen Bedürfnissen und insbesondere der so not' wendigen Demokratisierung auch der Gemeinden scheint er entweder keine Ahnung zu baden, oder er schwsigt sich nur aus bestimmten Gründen deS Klasseninteresses darüber aus. Seit dem Skandal auf der Kieler Werft ist ja„der Schrei nach dem Kausinann" eine stehende Phrase aller liberalen Blätter. Ueber diesen einen Leisten sollen mm alle Stiefel geschlagen werden. Die Anfänge der bürgerlichen Wahlbewegung find also nicht sehr tief gründig; sie wird auch nicht tiefgründiger, s andern nur heiterer werden, wenn am Schlüsse derselben alle stavtserhaltenden und monarchischen Elemente um Hilfeleistung gegen die sozialdemolralische Gefahr angebettelt werden. Lichtenberg. Gewerbegerichtswahl! Mittwoch, den 2. Februar, nachmittags von 3—8 Uhr, finden die Wahlen für die Arbeit nehmerbeisitzer zum hiesigen Gewerbegericht statt. Wahlberechtigt ist jeder LS Jahre alte Arbeiter, der entweder am Ort arbeitet oder wohnt. Als Legitimation dient eine Bescheinigung des Arbeit' gebers oder des Einwohner-Meldeamts, Steuerzettel oder Miets kontrakt. Zur schnelleren Abfertigung bei der Wahl empfiehlt es sich, daß die Arbeiter eines Betriebes möglichst geschloffen zur Wahl kommmen und alsdann als Legitimation eine vom Arbeitgeber ausgestellte Liste für sämtliche Wahlberechtigte vorlegen. Ferner sei noch darauf hingewiesen, daß diejenigen, welche am Ort wohnen und arbeiten, in dem Bezirk wählen, wo ihre Arbeitsstelle gelegen ist. Alles Nähere ist noch aus den in jedem Arbeiterverkehrslokal aushängenden Plakaten ersichtlich. Berliner Gewerkschaftskommission, Abteilung Lichtenberg. Am Dienstag, den 1. Februar er., abends 8'/z Uhr. tagt bei Gebr. Schwarz, Möllendorfstraße, eine Versammlung zwecks Kon- stituierung eines Vereins Jugendheim. Genosse Redakteur P. John hat das Referat übernommen. Alle Jnteressenlen, und jeder Genosse und Gewerkschaftlicher sollte Interessent sein, werden zu dieser Ver- sammlung dringend eingeladen. Wildau-Hoherlehme. Aus der Gemeindevertretung. Die von unseren GeNcflen im Jahre 1908 beantragte Einführung der Wertzuwachssteuer wurde in der am Dienstag ftattgefundenen Sitzung angenommen. Und zwar betragen die Sätze 4 Proz. bei einer Wertsteigerung von 5 bis 10 Proz., steigend bis zu 20 Proz. bei einer Wertsteige- rung von 160 Proz. und darüber. Als gemeiner Wert gilt, bei Grundstücken, bei denen sich der Erwerbspreis nicht feststellen läßt, der bei Einführung der Grundsteuer im Jahre 1907/08 an- gegebene Grundwert. Dies ist für die Gemeinde um so vor- teilhafter, als ein großer Teil des Grund und Bodens, welcher als landwirtschaftlicher Wert angegeben ist, bereits als baureif in bedeutend höherem Werte steht. Der Voranschlag für das Steuerjahr schließt mit der Summe von 128 928 M. gegen 126 529 M. im Vorjahre. Trotzdem die Gemeinde im verflossenen Jahre einen Ueberschuß von 14 000 M. zu verzeichnen hatte, beschloß die Vertretung, die Steuern zu den alten Sätzen wie im Vorjahre zu erheben: Zuschlag zur Einkommensteuer 120 Proz., Grundwertsteuer 0,2 Proz., Gewerbesteuer L10 Proz., Betriebssteuer 100 Proz. Für das kommende Jahr stehen auch größere Ausgaben, z. B. für den Bau einer Bade- anstalt sowie für die Ortszulagen der Lehrer und Gemeinde- beamten, bevor. Das vom Lehrpersonal im August 1909 an die Gemeinde gestellte Gesuch um Zahlung von Ortszulagen wurde nach längerer Verhandlung genehmigt. Die Zulage zum Grund- gehalt beträgt 150 M., ferner wird zu jeder Alterszulage eine Ortszulage von 60 M. bis zum Höchstbetrage von 600 M. gezahlt. Die vom Rektor beantragte Erhöhung der Amtszulage von 700 M. auf 1000 M. wurde abgelehnt. Die erhöhten Ortszulagen werden vom 1. Oktober 1909 zugezahlt. Wildau. Ei» Betriebsunfall ereignete sich Freitag ftüh 8 Uhr in der Lokomonvfobrik von Schwartzkopff. Der dort beschäftigte Stoßer August Sckön, Sickingenstraße 1 wohnhaft geriet mit der rechten Hand in den Schlitten der Stoßmaschine, wobei ihm sämtliche fünf Finger zerquetscht wurden Tegel. Heute Sonntag, vormittags von 10—12 Uhr. liegen die i meindewählerlisten im hiesigen Gemeindebureau, Zimmer 3, zum letztenmal aus. Oranienburg. Der politischen Organisation gehören, wie auS dem Bericht deS Vorstandes in der letzten Wahwereinsversammlung hervor geht, am hiesigen Orte 100 männliche und 38 weibliche Mitglieder an. Die Versammlung nahm, nachdem sie noch den Kassenbericht sowie den Bericht der Bibliothektommission entgegengenommen, noch einige ErgänzungSwahlen vor. Jugendveranstaltungen. Charlottenbura. Der UnterhaltungSabend der freien Jugendoiganisalio» Charlottenburg findet heute abend von S— 10 Uhr im Bollshause, Nosmeiistr. 3, statt. Den Vortrag über das Thema'„Caspar Sauser, daS jugendliche Opfer einer verbrecherischen Hofmlrige", hast Frl. Ida A l t m a n n. Während der übrigen Zeit werden Zimmer- und GesellschastSspiele veranstaltet.— Das Februarprogramm gestaltet fich solgenderrnatzen: Dienstag, den L, abends 8 Uhr, im kleinen Saale des VoltshauseS: Fortsetzung der Generalvettammlung.— Sonntag, den 6.. 2Y, Uhr: Mitgliederversammlung. Bortrag des Schriilstellers Mai; Grün- wald:„Deutschlands Stellung aus dem Weltmarkt".— Sonnabend, den 12., 8 Uhr, Berliner Str. 130 I Borlragskursus:„Biologie". Vortragender: Dr. Richard Sutzmann.— Freitag, den 4. und 18. 8 Uhr: VortragsknrsuS: „Aeltere deutsche Geschichte». Vorwagender: Schriststeller Simon Katzen. stein.— Sonniaa, den 20.; Besichtigung der Nationalgaleric. Treftpunkt: 10 Uhr morgens Wilbclmplatz.— Abends 6 Uhr im Bolkshause: Vortrag von Frau Mathilde Wurm:„Die Geschichte des Handwerks».— Sonntag den 6., 13., 20. mid 27., nachmittags von 3 bezw. 6—10 Uhr: Spiel- und UnterhalwngSabende.— Jeden Dienstag und Freitag, abend» 8—10 Uhr im VolkShause: Zusammenkunft dn Mitglieder.— Zimmerspiele' Lesegclegenheit und Unterhaltung.— Alle Veianstaltungen der Jugend- organisation finden ohne Trinkzwang im VolkSbause, Rofinenstr. 3. statt. Rixdorf. Die Freie Jugendorganisation Rixdors veranstaltet heute abend präzise S Uhr bei Felsch, Knesebeckstratze 48/49. einen„Fritz-Reuler- Abend", bestehend auS Konz-rt. Vortrag und Rezitation. Mitwirkende find das„Reue Berliner Tonkünstler-Orchester" und Herr Emil Grosche(Re- Itatton). Nachdem: Gemütliches Beisammensein mit Tanz. Eintrttt frei. Sie Arbcitereltern werden ersucht, ihre Töchter und Söhne zu dieser Ber- anstaliung zu schicken. Schöneberg. Heute Sonntag, nachmittag» 5 Uhr. findet im Restaurant „Schwarzer Adler", Hauptstraße, eine Jngendseier statt, bestehend aus Fest- rede, turnerischen Aufsöhrungen usw. Nachdem: Gemütliche» Beisammen- ein. Wir bitten um recht rege Beteiligung der Jugendlichen und Er-. wachsenen. Zur Deckung der Unkosten wird von den Erwachsenen ein Entree von 20 Pi. erhoben. Garderobe frei. Tempelhof-Mariendorf. Der Jugendausschnß veranstaltet«wen Kursu» von tüns Vorträgen über:„Der Mensch und seine Stellung In der Natur«. Vortragender ist Herr Dr. E. Bab. Die emzeliien Vorträge lauten:„Der Bau de» menschlichen Körper»",„Die Gewebe des menscii! lichen Körper»",„Der werdende Mensch",„Die Abstammung de» Menschen", Gehirn und Seele".— Miltivoch. den 2. Februar, 8 Uhr, beginnt der erste Vortrag im Restaurant' Apelt, Tempelhof, Berliner Strasje 41/42. Der zweite Vortrag am Mittwoch, den 16. Februar.' Die anderen Vor- trage an jedem Mittwoch der solgenden Woche. Die Teilnahme ist unent- geliltch. Wir cisttchen die Parteigenossen, daß fie sllr die Vorträge rege agitieren, damit die Veranstaltungen des Lugendaqsschusseö von der Jugend besser besucht werden als bisher.-X.. Lichtenberg- Friedrichsfelbe. Heule nachmittag pünktlich 2 Uhr findet im Lokale von Bube, Friedrichsfelde, Prinzenallee 30, eine Jugend» seier stall. Außer einem Vorirag des ReichStagsabgeordneteu Genosse» Eichhorn über:„Zur Geschichte de» Bürgertums und der Arbeiterklasse in Dculschland" hat Herr Emil Kühne, Mitglied des Residenz-Tbeaters, die Rezitation üvernommeu. Ebenso wirke» die Solisten des neue» Tonkünstler- Orchesters mit. Klavier: Herr Oskar Kupsernagel. Violine: Herr Peter U'chniann. Cello: Herr Franz Hollselder. ES wird ersucht, daß die Gc» nossinnen und Genossen jür diese Veranstaltung rege agitieren. Das Billett kostet 10 Pf._ lt Uhr: Der fidel« Bauer. Abends und Montag bis Sonnabend: Die geschiedene Frau. Sonntagiiachintttag 3'/« Uhr: Der fidele Bauer. Abends: Di« geschieden« Frau. Montag: Die geschiedene Frau.(Ansang 8 Uhr.) Schiller-Tbeater<». Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der Herr Mnisterial» direktor. AbendS: Biet Lärmen um Nichts. Montag: Geschäft ist Geschäst, DienStag: Der Pfarrer von St. George»». Mittwoch: Ei« Lotlsjewii. Donnerstag: Der Pfarrer von St. Georgen. chäst. Sonnabend: Biel Lärmen mn Nichts. Der Herr Mint stcrialdirektor. Abend» und St. Georgen.(Ansang 8 Uhr.) Schiller. Theater Eharlottenburg. Der Memetdbauer. Abends: Maria Stuart. Dienstag: Biel Lärmen um Nicht«. Mittwoch: tag: Miß Hobbs.~"-— iiachmulag 3 Uhr: Freitag: Geschäst ist Ge« Sonntagnachmittag 3 Uhr: Montag: Der Pfarrer von Sonntagnachmittag 3 Ubr» Montag: Der Meineidbaucr. .: WallensteinS Tod. Donners» Frettag: Der Pfarrer von St. Georgen. Sonnabend- Wallensteins Lager. Die Piccolomini. Abends: Der Pfarrer von St. George». Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der Meineidbaucr. Abends: Die Well, in der man fich langweilt. Montag: Miß Hobb». (Ansang 8 Ubr.) Fraidritti-WtlhelmstädtischeS Schauspielhan». Sonntagnachmitt»» 3 Ubr: Othello. AbendS: Halali. Moniag: Großstadtluft.(Anfang 8'lt Ubr.f Dienstag: Im bunten Rock. Mittwoch: Halali. Donnerstag: Flachsmam.' als Erzieher. Freitag: Großftadtlust. Sonnabend: Halali. Sonntag: psm bunten Rock. Montag: Großftadtlust.(Anfang 8'/« Ubr.) VolkSope.". SonMaguachmittag 3% Uhr: Stradella. Abends: Die .Hugenotten.(Ansang 8 Uhr.) Montag: Undine. Dienstag: Der Frei- slvütz. Mittwoch: Die Hugenotten. Domierstag: Cleopatra. Freitag: Zar und Zimmermann. Sonnabend: AhaSver. Mari«, die Tochter de» Regiments. Sonntag: Der Freischütz. Cleopatra.(Ansang v Uhr.) Montag: Der Trompeter»on Säckingen.' Ansaug 8'/, Uhr.) Luisen-Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Die Reise um die Erde in 80 Tagen. Abend«: Der vellchensresser. Montag: Gib mich frei. Dienstag bis Freitag: Heimat. Sonnabend: Unbestimmt. Sonntag: Die Reise um die Erde m 80 Tage». Moniag: Heiniat.(Ansang 8 Uhr.) Rose- Theater. Eomitagnachmiitag 3 Uhr: Faust. Abends: Di« Herren Söhne. Montag: Deborab. Dienstag: Die Herren Söhne. Miti» woch: Deborab. Donnerstag: Die Herren Söhne Freitag: Der Bize» Papa. Sonnaheitd bis Montag: Deborah.(Anfang 8 Uhr.) Neues Operette»- Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der Zigeunerbaron. Allabendlich: Der Graf von Luxemburg. Soimtagnach- mittag 3 Ubr: Der Zigcunetbarou.(Anfang 8 Uhr.) Lustspirlhaus. Somnagnachmittag 8 Uhr: Man soll keine Briese schreiben. Allabendlich: Der dunkle Punkt. Somltagnachmittag 3 Uhr, Im Klubsessel.(Ansang 8 Ubr.) Thalia- Theater. Allabendlich: Die Dollarprinzesfin.(Anfang 8 Uhr.) Restdenz-Theater. Sonniazmtchmittag 3 Uhr: Gretche». Abends: Allabendlich: Im Taubenschlag. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Eine Hochzeit«» nacht.(Ansang 8 Uhr.) Noacts Theater. Sonnlagnachtnittag 3 Uhr: Ehrliche Arbeit. Abends und Montag bis Mittwoch: DaS grobe Hemd. Donnerstag und Freitag: Straßeiibmhnsahrer Krause. Sonnabendnachmittag 3 Uhr: Frau Holle. Sonntagaachmittag 3 Uhr: DaS grobe Hemd. AbendS VjS Uhr und Montag: Htraßenbahnsahrer Krauser. Trianon- Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Pariser Witwen. Allabendlich: BundanS Esel.(Ansang 8 Uhr.) Kasino, Theater. Smmtagnachmittag 4 Uhr: TrudchenS Sommerreise. Allabendlich: Der Obergauver.(Ansang 8 Uhr.)• Slpotlo- Tdearer.«Sonntagnachmittag 8'/, Uhr: Spezialilätm. Allabcndttch: Spezialitäten.(Ansang 8 Uhr.) Wintergarten. Sonrttagnachmittag 3st, Uhr: Spezialitäten. All- abendlich: Spezialitäten.(Aiijang 8 Uhr.) Pasiag«- Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Spezialitäten. All- abendlich: Ipezialttöten.(Ansang 8 Uhr.) Walhalla> Theater. Sonntagnachmittag 3'/, Uhr: Spezialitäten. Allabendlich: Speziaiiiäte».(»nsang 8 Uhr.) Palnst-Theatcr. AllobeiMich: Spezialttälen.(Ansang 8 Uhr.) Gedr. Herrnfeld-TKeateah. Sonniagnachmiitag 4 Uhr: Die beiden Btndelbands. Allabendlich: So muß maus machen. Ein ReltungSmittel. (Ansang 8 Uhr.) Folios Caprice. AllabendLch: Sicher ist sicher. Der Mann mewer Frai:.(Anfang 81/, Uhr.) Bnggrnhagen. Täglich Spezialitäten.(Anfang 8 Uhr.) Melropoi< Thealer. Allalwnttich: Halloh i Die große Revue l (Ansang 3 Uhr.) Reickisballen- Theater. Allabendlich: Stell uier Säuger.(Ansang 8 llbr. SonntagS 7 Uhr.) Karl Haberland- Theater. Allabendlich: Spezialitälen. Ilranin-Thearer. Taubenftr. 48/49. Sonntag und Montag: Im Firnenglan» des Oberengadin.(Ansang g Uhr.) Sternwarte, Jnvalidenstr. 57—62. TcrmifchtcSo Die HochwafserkatastTophe in Paris. Endlich laufen Nachrichten aus Paris ein, die von einem. wenn auch langsamen Sinken der Seine Kunde bringen. Immer- hin ist die Situation in Paris noch lfme überaus schlimme. Wie aus einer Pqriser Meldung von gestcry 8 Uhr vormittags hervzr. geht, haben die Schrecken der Neberschwemmung die ganze Nacht unvermindert angedauert. In der Rue Jeannicot erreichte das Wasser die Höhe von zwei Meter, und man mußte mit ver- zweifelten Anstrengungen Frauen und Kinder retten.— In einem Teil der Rue St. Dominique verhindert der Zustand der Straße die Versorgung der Einwohner mit Lebensmitteln, so daß sie seit Mittwoch an allem Mangel leide»; sie rufen aus den Fenstern nach Brot. In derselben Straße sollte ein Schutzmann den Tod einer vor drei Tagen gestorbenen Portiersrau, deren Leiche auf dem Bett in der Portierwohnung schwamm, feststellen; er ließ sich von einein lianolarbeiter dahin tragen, sie fielen aber beide in das Wasser, imb konnten nur mit Mühe gerettet werden. Justizminister Barthou und seine Familie, deren Wohnung in der Avenue Antin überschwemmt wurde, mußten sich teils in einem Boot, teils auf dem Rücken von Männern ins Justizministerium flüchten. Am Quai Tournelles ist infolge eindringenden Wassers ein Kalklagcr in Brand geraten. Im Polizeikommissariat des Stadtviertels St. Germain-Auxerrois hatte ein Kanzleidiener einen Kampf mit einem Heer von Ratten zu bestehen, die durch das Wasser aufgejagt worden waren; er suchte sich der Tiere durch Stockhiebe und durch Revolverschüsse zu erwehren, wurde aber in die Hand gebissen. Auf der Ankunfts- seite des Bahnhofs am Quai d'Orsay, dessen Gewölbe einen un- geheuren Wasserdruck auszuhalten haben, ist das Trottoir vor dem Gebäude der Ehrenlegion geborsten. Der Verkehr auf der Avenue Alexander III. ist infolge der Aushöhlung der Straße unterbrochen. Die gesperrten Brücken Mirabeau, Grenelle und Passy stehen unter Wasser. Eine weitere Meldung aus Paris besagt: Räch den letzten Kachrichten steigt die Seine nicht mehr, so daß Hoffnung besteht, daß das Hochwasser allmählich abnimmt. Die Sammelkanäle der Untergrundbahnen füllen sich immer mehr mit Wasser, das in den Kanälen so lange steigen wird, bis es den Wasserstand der Seine erreicht hat. Einer der Ingenieure, welche die Aufführung der Notdämme zwischen der Invaliden, und Almabrückc überwachen, erklärte einem Berichterstatter um Uhr nachts, daß die Gefahr von der Flußseite vorüber sein dürfte. Viel schlimmer sei es, daß der Boden unter den Füßen sich jeden Augenblick senken könne. Dann würde das Wasser an zahlreichen Stellen hervor- dringen und in wenigen Augenblicken die Place de la Concorde und die benachbarten Straßen überschwemmen. Der Chefarchitekt der Stadt gab einem Mitarbeiter des„Echo de Paris" die be- ruhigende Erklärung, daß gegenwärtig kein einziges Gebäude in Paris vom Einsturz bedroht sei. Trotz der beruhigenden Mit- teilung der Behörden bezüglich der Lebensmittelversorgung macht sich jetzt auch in dieser Beziehung unleugbare Besorgnis geltend. Aus Toulon find gestern abend mit Sonderzug 60 Rettungsboote mit 75 Matrosen abgegangen. Aus St. Malo wird gemeldet, daß eine Anzahl Neufundlandfischer aus eigenem Antriebe mit einem Dutzend Rettungskähnen nach Paris abgereist sind. Wir registrieren noch folgende Meldungen: Paris, 29. Januar, 6 Uhr früh. Das Hochwasser ist im Laufe der Nacht um dreizehn Zentimeter gesunken. Um 2 Uhr früh drang das Wasser in die Keller der Großen Oper und in die Werkstätten des Münzgebäudes ein. Das Stadthaus und der dort gelegene Untergrundbahnhof sind mit Abzugsgräben um- geben worden. Am Untergrundbahnhof an der Rue Danton und dem Boulevard Saint Germain, fünfhundert Meter von der Seine entfernt, hört man das furchtbare Tosen eines unterirdischen Stromes; man fürchtet, daß die Caissons im Tunnel unter der Seiue ge- brachen sind. Paris, 29. Januar, 8 Uhr 45 Min. vormittags. Eine neue amtliche Wasserstandsnachricht liegt bisher nicht vor; es ist aber unverkennbar, daß das Wasser in schnellem Sinken begriffen ist. Auch zeigt es eine weniger lehmige Farbe. Plünderungen von Läden. Paris, 29. Januar. In der Vorstadt Temple plünderte das Publikum gestern den Laden eines Gemüsehändlers, der seine Waren zu übertriebenen Preisen verkaufte. Während des hierdurch hervorgerufenen Auflaufs wurden aus einem Fenster fünf Revolverschüsse auf die Menge abgegeben, wo- durch eine Frau leicht verletzt wurde. In derselben Straße zer- störte die Menge aus dem gleichen Motiv die Auslagen eines Kolonialwarenhändlers und zertrümmerte die Schaufenster des Ladens. Die Hilfsaktion. Paris, 29. Januar. Die Sammlung, die aus Anlaß der Hochwasserkatastrophe eingeleitet wurde, hat den Betrag von 1 414 936 Frank erreicht. Von den 35 999 Gebäuden, die Paris zählt, ist ein einziger Schuppen in der Rue Chevalleret ein- gestürzt. * Paris, 29. Januar. Die Zahl der im ehemaligen Priester- seminar St. S u l p i c e untergebrachten Opfer der Ueber- schwemmung beträgt mehr als 599. In der Nähe des Bahnhofes St. Lazare stcl t das Wasser 45 Zentimeter hoch und erhält aus den für den Bau der Untergrundbahn angelegten Schächten fortwährend n�ucn Zufluß. Am Pont d'Austerlitz betrug der Wasserstand nachmittags 2 Mzr 8,53 Meter, die Seine ist also seit Mittag 2 Zentimeter gefallen. Paris, 23. Januar. Die Deputiertenkammer setzte heute nachmittag zunächst die Beratung des Etats der öffentlichen Arbeiten fort, beschloß dann aber angesichts des Fehlens zahlreicher Abgeordneten, die Beratung des Budgets auf acht Tage auszusetzen. — Im S e n a t wurde ein Antrag, weitere zwei Millionen Frank für die von der Ueberschwemmung Betroffenen bereitzustellen, eine« Kommission überwiesen, was den Arbeitsminister Viviani zu der Bemerkung veranlaßte, die Regierung bedürfe keines Ansporns, um ihre Pflicht zu tun. Zu dem Totschlag auf der Kremmener Chaussee, über den mehr« fach berichtet wurde, wird mitgeteilt, daß der Arbeiter Augustin geständig ist, den Arbeiter Emil Leonhard in den Chausseegraba« geworfen zu haben. Augustin gibt an, er habe 6 Wochen lang rtnt Leonhard auf dem Gut Johannisthal gearbeitet. In dieser Zeit habe er von ihm Geld geborgt, das er nicht zurückzahlen konnte. An dem verhängnisvollen Tage, Mittwoch vor 8 Tagen, hätten sich beide in einer Gastwirtschaft betrunken. Auf dem Heimwege habe Leonhard ihm an seine Schuld gemahnt. Darüber sei es zu einem Streit gekommen, der damit endete, daß er Leonhard in den Chausseegraben beworfen habe. Die Absicht, seinen Begleiter zu töten, habe er nicht gehabt._ Eine furchtbare Familientragöbie hat sich in der Sommerfrische Ferdinandsthal im Jsergebirge abgespielt. Es wird hierüber aus Reichenberg in Böhmen folgendes gemeldet: In der Sommerfrische Ferdinandsthal im Jsergebirge hat der Gastwirt Bergmann offenbar in einem Anfall von Geistesstörung seine beiden Kinder mit Beilhiebcn erschlagen, seine Frau schwer verwundet und sich selbst durch Ocffnung der Pulsadern verletzt. Schneesturm in Dänemark. Aus Kopenhagen wird vom gestrigen Tage gemeldet: Seil gestern abend herrscht in ganz Dänemark ein heftiger Schnee- stürm, der die ganze Nacht über anhielt und viele Verkehrs- störungen zur Folge hatte. Auf Seeland war der Eisenbahn- betrieb gänzlich eingestellt, ist jedoch seitdem an einigen Stellen wieder aufgenommen worden. Die Hauptlinien nach Deutschland über Warnemünde und über Korsör— Kiel werden bis heute abend wieder freigelegt sein, so daß die Züge planmäßig abgehen können. Tot aufgefunden wurden vorgestern abend, wie aus Genf ge- meldet wird, im dortigen Hotel„Minerva" der Direktor deZ Privatdetektivbureaus Veritas in Genf, Haas, und Frau Berta Donzel auS Berlin, die erst kürzlich in dem Hotel eingetroffen war. Durch die Untersuchung konnte noch nicht festgestellt werden, ob Selbstmord oder Mord und Selbstmord vorliegt. Bon der Anklage wegen Mord freigesprochen. DaS Schwurgericht in Krakau hat nach vierzehntägiger Verhandlung Frau Dr. med. B o r o w s k a von der Anklage, ihren Anwalt Dr. Lewicki am 5. Juni vorigen JahreS ermordet zu haben, heute frei- gesprochen._ Zentral-Kranken- und Begriibniskasse für Frauen und Mädchen Deutschlands(E. H. 26), Ofsenbach a. M. Verwaltungsstelle Berlin l. Montag, den 31. Januar, abends 8'/, Ubr: Hauptversammlung im Gcwcrkichastshause, Saal 3, Engeluier 15. Afur noch bis Sonnabend, den 5. Februar oooooooooooooooooooooooooo Unser Inventur-Verkauf zu aussergewöhnlich billigen Preisen nur Jerusalemer Strasse 38-39 erfreut sich in weitesten Kreisen �rosster Beachtung. Niemand sollte es daher versäumen, noch in dieser Woche von der wirklich günstigen Kaufgelegenheit Gebrauch zu machen, auch wenn zurzeit kein Bedarf vorliegt. Des grossen Andranges wegen empfiehlt es sich, den Einkauf möglichst auch in den Vormittagsstunden zu besorgen. 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Duftig und frisch soll stets die Wäsche sein, dabei von blOten weisser Reinheit und schimmerndem Glanz, 000000 Pflege der Wäsche p ifuCi Dazu bedarf es allerdings grösster und sorgfältigster Behandlung beim Waschen. Ein ausgezeichnetes Mittet hierfür bietet sich Ihnen In das z. Zelt beliebteste, überall eingeführte und bestbowährteste Waschmittet. Während das durch die alte Waschmefhede bedingte Reiben und Bürsten der Wäschestücke das Gewebe rauh macht und es mit der Zell vollständig zerstört, wird die Faser beim Waschen mit Persil nicht im geringsten angegriffen, wall kein Reiben und Bürsten erforderlich. Parsit wäscht gewissermassen von selbst und zwar lediglich durch einmaliges, etwa halbstündiges Kochen, wodurch der der Wäsche anhaftende Schmutz sich vollkommen löst und von der Wäschefaser abfällt; die Wäsche ist alsdann vollkommen rein und schneeweiss geworden und besitzt den Irischen Geruch dar Rasenbleiche. Trotz dieser geradezu wunderbaren Wirkung, die ihren Grund In der ausserordentlich grossen Wesch» und Bleichkraft dieses ausgezeichneten Waschmittels llndet, Ist Persil absolut unschädlich für die Wäsche und völlig ungefährlich Im Gebrauch, well es gänzlich frei ist von scharfen oder giftigen Stoffen, wie Chlor, Chlorverbindungen etc.; hierfür leisten wir weitgehendste Garantie. Auch für Wollwäsche eignet sich Persil ganz vorzüglich! Die Ersparnis bei Anwendung von Persil ist bedeutend, schon durch dessen Mindergebrauch gegenüber dem sonst gewohnten Quantum Waschmaterial und Feuerung, sowie Fortfall aller sonstigen Waschzutaten, abgesehen von der wesentlichen Ersparnis an Zeit und Arbeit. Sehen Sie sich die Wäsche vor und nach dem Waschen mit Persil an; erst dann merken Sie den hohen Waschwerl und die unvergleichlich gründliche Reinigungskraft dieses unerreichten Waschmittels. Bei ganz besonders schmutziger Wäsche kann die glänzende Wirkung von Persil durch vorheriges Einweichen In Henkel's Bleich-Soda noch unterstützt werden. Auch zum Reinigen von Küchen-Utensilien, zum Hausputz etc. wird dieses seit Ober 33 Jahren weltbekannte Waschmittel von Millionen Hausfrauen mit Vorliebe verwandt. Alleinige Fabrikanten; Henkel& Co., Düsseldorf. 8 trn/iTjrr X(c Fabrik-Niederlage für Berlin und Vororte: Job. Scbmaloi*, Berlin N. 4, Tieckstraße 11. SkrantlDortlidjet Redakteur Richard Barth, Berlin. Für den Lnseraienteilvcranw7:�ThVGloite, �Berlin, DruckTt7Bcrlag: Vorwärts Buchdruckerei u. VerlageanstultHauFSinger Lc Co„ Berlin SWT Dr. 25. 27. Iaiirgavg. 5. jpfitaf drs Jmiittü" Knlim PiilWIatt Sonutag, 30. Jauullr 1010. Hus der Frauenbewegung. Die Notwendigkeit einer Frauenkonfercnz. Genossin Käte Dunter äußert sich zu der aufgeworfenen Frage also: „Daß überhaupt die Frage aufgerollt wird, ob in diesem Jahre eine Frauenkonferenz stattfinden soll oder nicht, wird viele, wenn nicht die meisten Genossinnen überraschen. Der Brauch, alle zwei Jahre dem Parteitag eine solche Konferenz vorangehen zu lassen, hat sich seit einem Jahrzehnt eingebürgert und ist so ge- wiffermaßen ein Faktor geworden, mit dem man ohne weiteres rechnet. Nun führt zwar der Leitartikel jn Nr. 8 der„Gleichheit" aus, daß die bisherige Gepflogenheit allein noch kein Grund sei, ihr auch dieses Jahr zu folgen. Das mag ja gewiß richtig sein. Besser wäre es aber meines Erachtens, die allzweijährlichen Frauen- konfcrenzen gehörten nachgerade genau so gut zum„eisernen Be- stand" der Partei wie die alljährlichen Parteitage. Gehen wir einmal von diesem Brauch ab, dann werden sich sofort die Stimmen derer mehren, die die Frauenkonferenzcn— ohne Berücksichtigung ihrer besonderen Ausgaben und der durch bewirkten Entlastung der Parteitage— in das Reich der berühmten Extrawurst verweisen möchten. Außerdem ist in verschiedenen Parteiorren bei den Per- einbarungen über„weibliche Delegationen" von vornherein mit dem zweijährigen Turnus der Frauenkonferenzen gerechnet worden. Neben diesen rein äußerlichen Gründen sprechen aber auch wichtige sachliche für die Abhaltung einer Fraucnkonferenz. Wie steht es zum Beispiel mit dem Arbeitsfeld dieser Konferenzen? Hat eS sich nicht von einem Male zum anderen so vergrößert, daß aus der eintägigen Tagung eine anderthalb- und worden ist? Sind wir nich Tagesordnung fertig gewor! äußerste beschränkt haben? Wie wollten wir erst die Arbeit be- wältigen nach einer dreijährigen Pause? All das, was auf der nächsten Frauenkonferenz erörrert werden sollte, nochmals aufzu- zählen, erscheint nach der ausführlichen Besprechung in der vorigen Nummer überflüssig. Nur einen Wunsch möchte ich aussprechen: Die Tagesordnung möge nicht wieder so sehr überlastet werden, daß die Diskussion gar nicht zur Geltung kommen kann; statt der zahlreichen langen, prinzipiellen Referate, die sonst fast ausschlieh- lich die Tagesordnung ausgefüllt haben, möge einmal die Praxis erörtert und diskutiert werden. Nicht als ob ich den Wert jener ng eine anderthalb- und zweitägige ge- richt in Nürnberg nur dadurch mit der »orden, daß wir die Diskussionen aufs Referate unterschätzte— sie waren sehr notwendig, um zunächst einmal Anregungen zu geben und die Richtlinien für unsere Tätigkeit festzulegen. Aber nun sollte einmal geprüft werden, was auf Grund jener Baupläne an praktischer Arbeit geleistet worden ist. Ich will dies an einem Beispiel erläutern. IL04 ist ein Referat über Kinderschutz gehalten worden. Eine ganze Reihe von Resolutionen haben es seither den Genossinnen zur Pflicht ge- macht, an der Durchführung des Kinderschutzes mitzuarbeiten. Was ist bisher auf diesem Gebiet geschehen? In etwa einem halben Dutzend Großstädten sind Kinderschutzkommissionen ge- gründet worden, von denen einzelne gewiß recht Anerkennens- wertes geleistet haben. Aber das ist doch erst ein Tropfen auf einen heißen Stein! Auch in allen anderen größeren Parteiorten müßte die Gründung solcher Kommissionen in die Wege geleitet werden. Zu diesem Zwecke sollten Genossinnen aus den Orten, wo Kinder- schutzkommissioncn bestehen, kurz über Entstehung, Einrichtung und bisherige Leistungen dieser Veranstaltungen Bericht erstatten, um so den Genossinnen anderwärts praktisch den Weg zu ähnlicher Arbeit zu weisen. Dasselbe gilt auch von anderen Institutionen, die sich die Genossinnen bisher geschaffen haben, so von den Arbeite- rinncnbeschwerdekommissionen, von den Diskussion»- und Lese- abenden usw. Mit einem Worte: die nächste Frauenkonferenz möge einmal der gründlichen Diskussion der„praktischen Arbeit" gewidmet werden. Jedenfalls aber sollten allenthalben die Genossinnen schleunigst Besprechungen darüber veranstalten, ob dies Jahr ein Frauen- konfcrenz stattfinden soll und womit sie sich hauptsächlich zu be- schäftigen hat. An der Entscheidung über Einberufung und TageS- Ordnung derartiger Konferenzen mitzuwirken, haben alle Ge- nossinnen das Recht und die Pflicht. Dafür sind wir eine demo- kratische Partei."_ Versammlungen— Veranstaltungen. Spandau. Dienstag, den 1. Februar, Uhr, im Lokal von Fritz Böhle, Havelstr. 20, öffentliche Frauenversammlung. Vortrag Genossin Berta Lungwitz:„Die Finanzreform im proletarischen Haushalt".— Der Leseabend fällt dieser Persammlung wegen aus. Amtlirticr Marktdertch» der städtischen Marstballen-Direttion über den Grohhandel in den Zenwal-Marttballen Marktlag«: Fleisch: Zusubr schwach, Geschält still, Preise unverändert. Wild: Zufuhr reich- lich, Steschäst nicht lebhast genug. Preise nachgebend. Geflügel: Zusubr Zusuhr genügend, Gejchäjl rege, Preise fast unverändert. kSttternnqsnberstch: vom 29. Januar 1910. moraenS 8 llfir. IlUill «-tt-n-n Ii*- s« Iii»Z:S _»fl Setter rwineinde 746 pamburc 741 ZW ßerlt, 748 DSD frantl.a l'i 748 S® vtünchen 754 S® Wien 756 N 7 wolkig 6 Regen 3 wältig 6 woltm 4 bedeckt 1 heiter »S dü »II i? tri* i s« iii Iii»! Ii n-» »II h 0 I» 2 P lUvarandn 756 S .elersburg 763 S® iScillv 756 WNW !"cheween 73g N i�OnnJ j| 2 Nebel—6 1 bedeckt— 8 4 bedeckt i 5 bedeckt «vettrrprognote für Sonntag, den 30. Januar 1910. Ziemlich milde, jcitwcifc heiter, aber veränderlich mit geringen Nieder» schlagen und lebhajtcn südöstlichm Winden, Berliner Wetterburea«. L?nsserstanos.«adilliflten der LandeSanstnit tüi Gewösterlunde, rnitgetettt vom berliner Wettcrbureau 9 4- dedeinel Wuchs.- ,4a ll. 9 llmerveaei>) Etsstand. � Oberhalb der Brücke EtSstand,•) Eisbewegung,•) GrundeiSgang, Auch Fulda, untere Ed er und Weser führen Gründels. vllser bekszmier, glljaMcd nur einmal stattfindender Inventur Verlcsu bietet diesmal eine ganz besonders Sfliisfgie Selegcnheif zu enorm büliflcii Etahäiiieii Dieser Bäunmiigsverkaui um laset ausser den bei der Inventur cum grossen Teil im Preise ganz bedeutend herabgesetzten Warenbeständen auch noch weitere vorteilhafte GelegenheltepoeteD, Unsere Verkaufsräume waren zwecks Herabsetzung der Preise zwei Tage geschlossen. Für Brantansstattnngen! Hemdtn- u. Louisianatucn von s» M.ur. 5.90 Fertige Bettbezüge D.okb.tt nna a Kopiki.»a.. 3.35 Weisse Bettlaken od». N.ht... 95 fi Fertige Bettinletts«>•»«>» entnitt....... 2.95 BettdamaSt w a»---«-- B.ttbrdt«...... Meter 90 PI Dreiiservietten»«-»'»-">......... 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ZIebwalde, Zcutlicn, Ullersdorf und Hanbel. Ablage: Fritz Oldenburg, Sichwalde, Kranprinzenstr. 81. Ürkner: Enist H o s 1 m a n n, Friedrichshagener Chaussee. Friedeuau-Steslltr.-Südeude: H. B e r n s e e, Schlohstr. 119, Hos I, in Sieglitz. Bestellungen nebmen entgegen in Stexllta: H. Mohr. Düppeistr. 32. und Fr. Schellhaie, Ahornstr. loa. Friedrlelinbaxen: Ernst W e r Im a nn, Friedrichslr. 57. Grüna»: Franz Klein. Bahnhosftr. 5 III. Boben-Xeuendort: Wilhelm T e n 1 s ch e r, Stolperftr. 50 l. JobanniHthal: P i e Ii ck e, Kaiier-Wilhclm-PIatz 4. Barlütboz-at: Richard K ü 1 e r, Rödelftr. 9, II. GönigH-W aHterhauxen: Friedrich Baumann, Bahnhosftr. 13. Gönrulek: Emil W ihlet, Äietzerjtr. 6, Laden. Eilrntenbcrg, Frledrlebxfelde, Wllhclmaberg: Otto .©eitel, Kronprinzenitrahe 4, L UahlHdorf und lianladorf: Hugo Scheid», MahlSdors, Walderieestr. t4. Barieudorf: August Letp, Tbausseestr. 295. Hos. h en-WeiüeaBee: Kurt Fuhrmann. Sevanftr. 105, parterre. 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