nbonnementS'ßedingungeni StBonnementS- Preis pränumerando i Bierteljährl. S,M Mk, monatl. t.w W.. wöchentlich 28 Psg. frei ins Haus. Einzelne Nummer S Pfg. Sonntags. nuuuner mit illustrierter Soiuit�gS» Beilage„Die Neue Welt' 10 Psg. Post- Abonnement: t.io Marl pro Monat. Eingetragen in die Post.Zeiwngs- Preisliste. Unter Kreuzband sür Deutschland und Oesterreich- Ungarn L Marl, sür da» übrige Ausland 3 Marl pro Monat. Poslabonncments nehmen an: Belgien. Tänemarl, Holland. Italien, Luxemburg. Portugal, Rumänien. Schweden und die Schweiz. «»«Iii» tüjjHA auBw Bleotas«. Vevlinev Volksvlerkks Die TnleriionS'GebUljr bclrägt für die scchSgcspaltene Kolonek- geile oder deren Raum so Pfg., sür HoNilsche und gewerkschaftliche Vereins- Und AersammIungS-Anzcigcn SO Pfg. „Kleine Hneeigen", das erste(seit- gcdru-llc) Wort 20 Psg., jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf« slellen-Anzcigcn das erste Wort 10 Pfg.. jedes weitere Wort ö Pfg. Worte über lö Buchstaben zählen sür zwei Worte. Inserate für die nächste Nlilinncr müssen bis»Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm- Adresse: „SoziaWtmohraS Rcrüft", Zentralorgan der fozialdemokrati fehen Partei Deutfchlands. Jtr.«». 37. Jahrg. l�edakrion: SM. 68» Ltndcnstraaac 69» Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1S8Z. kkSNiMMcichdchUg »ad Nechjsaagslmch! Arbeiter Berlins! Der freche Ausspruch Olöen- burgs hat die unauslöschliche Feindschaft der in Preußen und Deutschland herrschenden Junker- sippe gegen das gleiche Wahlrecht enthüllt. Auf diese Provokation dürft Ihr die Antwort nicht schuldig bleiben! Erscheint darum massenhaft in den heute abend stattfindenden Protestvers ammlnngen! vepfassuogzbruch uns Partei- Politik. Der Entrüstungssturm, den am Sonnabend Herr V. Olden- burg-Januschau als Sprecher der Junkerfraktion im Reichstag entfesselte, findet in der ganzen deutschen Presse einen nach- haltigen Widerhall. Es gehört zu den Eigenheiten gewisser Redner der äußersten Rechten, den Kraftmenschen zu spielen und in gespreizter Heldenpose durch patriotische schnodderige Redensarten die Linke zu provozieren; aber in diesem Falle handelt cö sich nicht um eine jener alljährlich in den Land- bündler-Nersammlungen im Zirkus Busch geprägten politischen schnodderigen Witzworte, sondern um eine offene zynische Proklamicrung des Verfassungs- bruchs und des Staatsstreichs; denn der Reichstag besteht nicht minder als das Kaisertum auf Grund der Ver- fassung, und die von Herrn v. Oldenburg in Aussicht gestellte Aufhebung des Sieichstages durch militärische Gewalt wäre das Ende des durch die Verfassung garantierten RechtL: ein Gewaltakt, der durch Gewalt rektifiziert werden dürfte. Wohl mögen in einem großen Teil des oftelbifchen Junkertums im stillen Staatsstreichgelüste gehegt werden— der dritte in der Reihe der Reichskanzler, der Fürst Chlob>vig zu Hohenlohe-Schillings- fürst, spricht in seinen Denkwürdigkeiten wiederholt von den Verfassungsbruchshoffnungen der Agrarkonservativen, und er kannte deren schöne Ideale— aber bisher scheuten sich die politischen Wortführer der Junker, die gefährlichen Wünsche ihres Herzens offen im Reichstag und preußischen Abgeordnetenhaus auszusprechen. Im Gegenteil. mit ostentativer Aufdringlichkeit betonten sie ihre Ver- fassungstreue: spielt doch unter den Gründen, die sie gegen die Wahlrechtsreform in Preußen aus- spielen,' der Einwand eine Hauptrolle, daß an der prcußi- schen Verfassung nicht gerüttelt werden dürfe. Erst Herrn v. Oldenburgs zynischer Offenheit blieb es vor- behalten, das Bester zu öffnen, und mit der ihm eigenen prahlerischen Naturwüchsigkeil. angeregt durch die zwar vor- sichtigeren, aber trotzdem durchaus deutlichen Ausführungen des Üriegsministers General von Hceringen. ohne Rückhalt zu verkünden, daß der Kaiser nach ihrer Ansicht das traditio- n e l l e Recht besitzt, einfach einem Leutnant zu befehlen: „Nehmen Sic zehn Mann und schließenSie den Reichstag!" Und daß in diesem Ausspruch nicht nur eine Verhöhnung und Beschimpfung des Reichstags, sondern zugleich eine Ve- leidigung des Kaisers liegt, indem ihm kurzweg unterstellt wird, er sei fähig, ohne weiteres einen Verfassungsbruch zu begehen, das kommt den agrarkonservativen„Verfassungs- getreuen", die sich erst jüngst auf ihrem Kongreß als Sr. Majestät gehorsame Triarier bezeichneten, gar nicht mal zum Bewußtsein. Als Herr v. Oldenburg jene Be» merkung in den Sitzungssaal des Reichstags schleuderte, d a applaudierte ein Teil seiner Fraktions- genossen, und ein anderer Teil lachte vergnügt, als wollte er sagen:„Würde das eine vergnügte Hätz sein I" Und als dann die Linke gegen die freche Redensart des Herrn v. Oldenburg protestierte, lachte die äußerste Rechte höhnisch und Herr fttxth als berufener Interpret der junkerlichen Gemüts- stimmung rief nach dem Tierarzt. Die konservative Fraktion hat damit in der Aufregung des Augenblicks sich zu dem Oldenburgschen AuL- spruch bekannt, und sie in ihrer Gesamtheit bleibt für die Ausführungen ihres Fraktionsredners verantwortlich, selbst wenn sie— was ihr gar nicht einfällt— nachträglich Herrn v. Oldenburg abschüttelt. Und wenn noch ettvas fehlte, um zu beweisen, wie man beim Junkertum mit dem Staatsstreichgedankeu spielt, bann Dienstag» den 1. Februar ILUO. liefert es das Verhalten des sogen. Verlegen heits- Präsidenten des Reichstages, des freikonservativcn Prinzen Hohenlohe. Ruhig hört er der Aufforderung des konservativen Fraktionsredners zum Verfassungsbruch zu. Sie klingt ihm so unverfänglich, so natürlich— vielleicht hat er in junkerlichen Herrengesellschaften so oft ähnliche Worte gehört, daß er phleg- niatisch sitzen bleibt. Er steht nicht auf. um in scharfen Worten den Redner zurechtzuweisen und die Würde des Reichs- tags, dessen blauschwarze Mehrheit ihn zum zweiten Vize- Präsidenten erwählt hat, zu wahren. Er hat es in der Hand, dem Herrn v. Oldenburg einen Ordnungsruf zu erteilen oder ihn wegen der offenen schweren Beschimpfung des Reichstags von der Sitzung auszuschließen. Aber er schweigt. So schlimm ist doch so eine Drohung mit dem Staats- streich gar nicht I Und als er von der Linken stürmisch aufgefordert wird, seines Amtes zu walten; da erteilt er nicht dem Herrn v. Oldenburg einen Ordnungsruf, sondern dem Drängcr, der ihn an seine Pflicht erinnert. Nachher, als Genosse Singer die freche Rede- Wendung des Herrn v. Oldenburg als direkte Aufforderung zum Verfassungsbruch bezeichnete, dämmerte allerdings auch dem Erbprinzen zu Hohenlohe ein gewisses Verständnis für die Situation auf, und er versuchte es nun mit der Jnter- pretation, der Abgeordnete v. Oldenburg habe nach seiner Ansicht nur die Disziplin als das Höchste für den Soldatcnstand hinstellen und sagen wollen, daß der Soldat bis aufs äußerste dem Rufe seines obersten Kriegsherrn folgen müsse. Eine Erklärung, die niemand ernst- lich glaubt, denn wenn auch sicherlich der Erbprinz von Hohen- lohe kein Geistesheros ist, so tief darf man seine Auffaffungs- kraft doch kaum einschätzen, daß man annimmt, er könnte die Oldenburgschen Worte so mißverstanden haben. Freilich hinterher, nachdem sie in Ruhe die möglichen Folgen des Zwischenfalls im Reichstag erwogen, haben auch die Konservativen erkannt, daß es für sie besser sei, eine andere Taktik zu befolgen. Die„Konservative Korrespondenz" eignete sich sofort die Hoheillohcsche Interpretation an und suchte den ganzen Vorfall als nebensächlich hinzustellen. Und diese Anweisung wird, wie die letzten Nummern der konservativen Blätter zeigen, getreulich befolgt. Die„Krcuz-Ztg.", die am Sonntagmorgen noch meinte, Herr v. Oldenburg hätte sich„hinreißen" lassen und seine Zu- stimmung als A b s ch>v ä ch u n g bezeichnete, schreibt jetzt: „Da man die Art des Redners genau kennt, faßte man seine Parabel anfangs so auf, wie sie gemeint war und wie er sie später selber ausgelegt hat, nämlich als die äußerste Konsequenz der Tatsache, daß in Deutschland der Fahnen- eid der Person des Landesherrn geschworen wird und nicht etwa, wie der Beamteneid, auch auf die Verfassung. Den Eid auf die Verfassung leistet der oberste Kriegsherr selber und seine Sache allein ist es, in ruhigen und unruhigen Zeiten zu entscheiden, was politisch recht und gut ist, der Soldat kann also nicht durch seinen Treueid in politische Konflikte hinein- gezogen werden. Daß es so bleiben muß, das hat der Ab- geordnete v. Oldenburg sagen wollen und man hat ihn auch wohl allgemein so verstanden. Die große Heiterkeit, die der Parlamentsbericht als ersten Erfolg seines mit Absicht auf komische Wirkung gc« stellten Beispiels verzeichnet, verbreitete sich, wie uns unsere Gewährsmänner übereinstimmend sagen, gleich- mäßig über das ganze Haus— nur bei der Sozial- demokratie wurde man sofort stutzig. Und das mit Recht.... Diese Partei steht bekanntlich nicht auf dem Boden der Verfassung, sondern arbeitet an ihrer Beseitigung; sie mutz von vornherein den Konflikt mit der monarchischen Gewalt in Rechnung stellen, da sie die ParlamentSherrschaft aufrichten will. Der Witz des Herrn v. Oldenburg beleuchtete grell die Situation, die sich ergeben wird, wenn die Sozialdemokratie einst die Mehrheit im Reichstage hat und sich dem Auflösungsbeschluß deL Bundesrats widersetzen will.... Die künstliche Aufbauschung der Sache in der dann folgenden GeschäftSordnungsdcbatte findet in der Presse ihre Fortsetzung. Ob eö dem rosaroten Block gelingen wird, mit der heuchlerischen Ausnutzung einer in der Form etwas miß- glückten Wendung Geschäfte zu machen, wird von der oft gerühmten„politischen Reife" der liberalen Wähler abhängen." Dieselbe Art der Behandlung beliebte schon am Sonntag- morgen die„Deutsche T a g e s z t g. In einem„ U n- nötige Aufregung" übcrschriebenen Artikel meinte sie: „Die Sozialdemokraten suchten die gestrigen Vorgänge noch besonders auszubeuten, um den ihnen verhaßten Erbprinzen zu Hohenlohe zu steinigen. Genosse Ledebour, der einen OrdnungSrus vom zweiten Vizepräsidenten erhalten hatte, er- hob nämlich Widerspruch dagegen und appellierte an daS HanS. Die Abstimmimg darüber soll am Dienstage statt- finden. Wer der gestrigen Sitzung beigewohnt hat und nicht vorciiigenomnien ist, wird, zumal wenn er die Art des Abg. v. Oldenburg-Januschau kennt, sich verwundert fragen müssen: wie hat eine solche Aufregung entstehen können? Eine wirk- liche Ursache lag nicht vor." Auch die freikonservativen Blätter und ein Teil der nationalliberalen suchen die Acußerimg des Herrn v. Olden- bürg als ein„B 0 n m 0 t" oder bloßen„W i tz" erscheinen zu lassen. Aber diese lediglich aus Gefälligkeit gegen die Agrarkonservativen diktierten AbschwächungSversuche werden von anderen nationalliberalen Blättern selbst widerlegt. So schreibt z. B. die„Köln. Ztg.": Expedition: SM. 68» Oinäenstradse 69, Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1981» „Wenn der Vorfall in sehr unangenehmer Weise sich ausgewachsen hat, so trifft neben seinem Urheber in erster Linie die Schuld den Vizepräsidenten, Erbprinzen zu Hohenlohe. Seine mehr als schwächliche Jnterpretierung kann nichts an der Tatsache ändern, daß es unter seinem Präsidium einem Mit- gliede des Hauses gestattet war, von dem Reichstage in einer über alle Maßen wegwerfenden Weise zu sprechen und die Person des Kaisers in völlig unstatthafter Weise in die Debatte zu ziehen. Von dem Vorwurfe, es gestattet zu haben, daß die Würde des Reichstags gröblich mißachtet wurde. wird der Erbprinz zu Hohenlohe sich nicht frei machen können, ebensowenig von dem, daran die Schuld zu tragen, daß der Fall solche Bedeutung erlangen konnte. Er hatte es in der Hand, den Hern v. Oldenburg durch einen scharfen Ordnnngs- ruf in die Schranken zu weisen, oder auch, was geschäftsordnn 11 gS mäßig zulässig und in diesem Falle sachlich bei der Schwere der Beleidigung durchaus gerechtfertigt ge- Wesen wäre,� ihn von der Sitzung aus- zuschließen. Indem er beides unterließ, hat er die Würde des Reichstags nicht gewahrt, das ist der eine Vorwurf, der ihn trifft, der andere aber besteht darin, daß er. durch seine Haltung der Sozialdemokratie ein höchst erwünstßtes Agitationsmittel gegeben hat, das er ihr durch ein energisches und angemessenes Ver- halten sehr leicht hätte aus der Hand winden können. Das Ivar unseres ErachtenS bei dem Winde, der heute die sozialdemokratischen Segel schwellt, durch- aus nicht nötig." Eigenartig ist die Stellungnahme der Zcntruinspresse. Einige klerikale Blätter, darunter die„G e r m a n i a", be- schränken sich auf die Betonung ihrer Verfassungstreue; andere äußern sich zwar scharf gegen die Ausführungen des Abgeordneten V. Oldenburg-Januschau, wollen aber von einer Aufhebung des dem Genossen Ledebour erteilten Ordnnngs- rufes nichts wissen, uni keine„ P r ä s i d e n t e n k r4 s j 8" zu schaffen. Wie deutlich erkennbar ist, möchten sie ihren konscr- vativen Blockgenosscn keine ernstlichen Verlegenheiten bereiten; andererseits aber auch dem demokratischen Teil ihrer An- hängerschaft zu verstehen geben, daß sie an die Reichs- Verfassung nicht rühren lassen. Die„Köln. Volksztg." windet sich zum Beispiel aus diesem Dilemma in folgender Weise heraus: „Ein Protest der Sozialdemokratie und deS Freisinns gegen den Ordnungsruf für Ledebour will offenbar eine Präsidenten- k r i s i s konstruieren. Das geht zu weit. Niemand, selbst nicht die Konservativen, billigen die Aeußerimg des Abg. v. Olden- bürg. Wenn dieser auch ein Unikum in seiner Art und mit seinen Kraftausdrücken nicht allzu ernst zu nehmen ist, so mußte ihn bor dieser„Entgleisung" das elementar st e Gefühl des Taktes bewahren. Auch um ein Beispiel äußerster Disziplin zu konstruieren, durste er nicht eine solche Ungeheuerlichkeit wählen. Der Präsident mußte die Acußcrung rügen und hat fie auch später in bedingter Form zurückgewiesen. In dem Lärm und dem Durcheinander der Zwischenrufe, die ans ihn einstürmten, scheint er nicht scharf genug die Aeußerung v. Oldenburgs erfaßt zu haben. Aber deshalb seinen Rücktritt zu fordern, dazu haben gerade die Freisinnigen und Nationalliberalen keine Veranlassung." Energisch gegen die Staatsstreichdrohung des Herrn v. Oldenburg und das Verhalten des Erbprinzen von Hohen- lohe sprechen sich außer unseren Parteiorganen allein die linksliberalen Blätter aus. Wüßten die bürgerlichen Parteien die Rechte des Reichs» tages und der hinter diesem stehenden Wählerschaft zu wahren, sie würden mit den agrarkonservativen Staatsstreichlern und dem Vizepräsidenten, der seine Unfähigkeit so deutlich erwiesen hat, Fraktur reden und den erteilten Ordnungsruf aufheben, mag immerhin der Vcrlegcnheitsprinz darüber purzeln. Aber weniger als die Interessen des Volkes und das Ansehen des aus seinen Wahlen hervorgegangenen Reichstages gelten den Herren vom Zentrum und vom Nationalliberalismus die eigenen Parteiinteressen— und so ist fraglich, wie die heutige Abstimmung über den Ordnungsruf ausfallen wird. Nummer»! Mit der Wahl des Genossen Leber im Wahlkreise E i s e n a ch- Dermbach hat die Sozialdemokratie seit dem Sommer seit der Verabschiedung der Reichsfinanzrcsorm das vierte Reichs- tagsmandat neu gewonnen. Auf Neustadt-Landan, Koburg und Halle ist nun der 2. weimarische Wahlkreis gefolgt. Die sozialdeniolralische RcichStogSfraktion ist nun, da Schneeberg- S t 0 l l b e r g in der Nochwahl mit großer Stimmensteigerung ge» halten wurde, von 43 auf 47 Kopfe gewachsen. Den Gegnern ist dieser glorreiche Sieg im ersten Wahlgang durchaus unverhofft gekommen. Allgemein hatten sie darauf gerechnet, daß der Nationalliberale in die Stichwahl gelangen werde. Der AiuiseniitismuS, das wußten sie, halte ausgespielt; der vereinigte Liberalismus— der Freisinn ging mit den Nationalliberalen— mußte daher nach ihrer Rechnung den Wahlkreis, den er jahrzehute- lang iiiuegehabt hatte, wieder erobern. Sie hatten falsch gerechnet, lie hatten die große Lektion der NeichSfinanzrcform nicht berück- ichtigt, fie hatten deshalb daS Wachstum der Sozialdemokratie zu niedrig veranschlagt. Die Zerschmetterung des Antisemitismus überrascht nicht— sie wäre auch ohne die Triolcnaffäre des verflossenen Schock ver- ständlich. Eine Parle! von der geistigen Verfassung, wie die der Schack-Genossen kann niemals von festem Bestand sein.' Ihre grenzenlos verlogene demagogische Agitation kann eine Zeitlang rückständige Massen gefangen nehmen, sie wird es nie zu einer fest- geschlossenen Anhängerschar bringen. Die Zahl derer, die nicht alle werden, ist schließlich doch auf ein gewisses Maß beschränkt. Die frechen Verhöhnungen der Wahrheit, mit der die An!isvird. schwer rächen! Und zwar würde das Zentrum es ebenso schwer zu büßen haben, wenn es unter der Maske eines schlecht gemimten Patriotismus versäumt, jedes Zugeständnis, also auch das geheime Wahlrecht, zu sichern, wie es unerbittlich zur Rechenschaft gezogen werden würde, wenn es etwa dem Locken des Herrn v. Zedlitz folgen und sich mit der Gewährung des g e h e i nt e n Wahlrechts abspeisen lassen Ivollte! Sie llnveilchämtlstit der KolonlaikajHta- listen und die Dezimierung der(leger. A n s dem Reichstage, 31. Januar. Auf der Tages- ordnung des Reichstages stand zunächst die dritte Lesung des Nachtragsetats für die Kolonien wegen Regelung der Diamantenproduktion und des Baues der drei neuen Kolonialbahnen. Die kurze Debatte aus diesem Anlaß drehte sich ausschließlich um einen Versuch der Kolonial- gesellschaft für Südwcsiafrika, durch ein?tuslcgungSinanöver, das sie in der„Kölnischen Zeitung" hatte publizieren lassen, sür sich günftigere Bedingungen beim Abschluß eines Ver- träges über die Diainantenproduktion von, Reich zu erpressen. Allseitig wurde über dieses Manöver schroff abgeurteilt. Als auch der Genosse Lodebour namens der Sozialdemokratie erklärt hatte, daß wir alle Maßnahmen zur Abweisung der Anmaßung der Kolonial- gesellschaft unterstützen würden, meinte der Zentrums- abgeordnete Erzberger, das ließe sich am besten erreichen, wenn die Sozialdemokratie gleich für den Nachtragsetat ftiininen würde. Ledebour lehnte diese freundliche Ausfordc- rung dankend ab mit dem Hinweis ans unsere grundsätzliche Gegnerschaft gegen die Kolonialpolitit überhaupt. Würde unsere Partei auf Erzbergcrs Einladung eingehen, dann müßte sie obendrein auf eine Fülle falscher Auslegungen gerade seitens der Freunde des Herrn Erzberger draußen im Lande gefaßt sein. Der NachtragSetat wurde dann schließlich gegen die Stimmen der Sozialdemokratie bewilligt. Das Haus ging dam: zur zweiten Lesung des H a it p t e t a t s für die Kolonien über. In der Generaldebatte, die sich an den Titel Staatssekretär knüpfte, vertrat Genosse Noske den sozialdemokratischen Standpunkt. Auch er betonte scharf, daß die Sozialdemokratie jede Abwehr der Ueber- griffe der Landgcsellschaftcn nach Kräften unterstützen würde, um insbesondere der scheußlichen Ausbeutung der Neger in den Plantagen entgegenzutreten. Von der angeblichen kulturellen Hebung der Neger sei wenig zu spüren. Aber massenhaft würden sie durch die Weißen ausgerottet, nicht nur in Südwestafrika, sondern auch in Ostafrika, wo bei den Aufftändcn Tausende durch Maschinengewehre niedergemäht wurden. Auch bei den Bahnbauten gingen in dem ungesunden Klima die Neger massenhaft zugrunde. Noske erörterte dann noch die Arbeitsordnungen, durch die dm Farmern das Recht der Prügelstrafe zugesprochen wird, und wies auf die geringe Beständigkeit der weißen Bevölkerung hin, während eine starke Mischlingürassc dort hervorwachse. Daraus gehe hervor, wie haltlos die Hoffnungen der Kolonialenthusiasten auf Ent- wickclung eines Deutschlands über See sei. Morgen geht die Debatte fort. freies Wahlrecht für die Reichslande! Am 30. Januar hat Elsaß-Lothringen Wahlrechtssonntag gehabt. Ueber daS ganze Land tagten große Massen- Versammlungen, die daS gleiche Wahlrecht forderten, in den Haupt- orten fanden Riesenkundgebungen unter freiem Himmel statt, denen sich gewaltige Straßenumzüge an- schlössen. Polizeiattackcn hat eS dabei nicht gegeben. Die elsaß-lothriugischen Behörden sind so vernünftig gewesen, die Straßcimmzüge zu genehmigen und sich nicht, wie die preußischen, hinter angebliche» Befürchtungen für die öffentliche Sicherheit zu verkriechen. Weder haben sie die famose Vermutung ausgesprochen, datz die Demo»- stranten ihre Zusammenrottung zu ein bißchen Mord, Totschlag. Braudstiftung und Plünderung benützen würden, noch sind sie auf die Idee verfallen, datz die gutgesinnten Einwohner eine oppositionelle Kundgebung nicht vertragen könnten und ihren verletzten Gefühlen durch eine gefährliche Berprügclung der Demonstranten Luft zu macheu versuchen würden. Wie daS angeblich die Gutgesinnten in Preußen bei gleicher Gelegenheit täten, wenn man den diversen Herren AmtSvorstehcrn und Landräten glauben ivill. Wie immer, wenn die Polizei sich zurückhält, find auch die Demonstrationen der Elsatz-Lothringer würdig und ohne jede Störung verlaufen. Sie sind so eine eindrucksvolle Kritik, eine unzweideutige Verurteilung der sinnlosen, brutalen Polizeisäbelei. die ein paar Tage früher zu Brannschweig unter friedlichen Demonstranten ver- anstaltet wurde. Von allen bisherigen Wahlrechtsdemonstrationen in Deutschland unterscheiden sich die reichsländischen des letzten Sonntags durch einen bemerkenswerten Umstand. ES nahmen daran außer Prole- tariern auch Bürgerliche teil! Die Demokraten und in Stratzbnrg auch die Liberalen hatten sich entschlossen, in der Wahlrechtsbewegung Seite an Seite mit der Sozialdemokratie zu kämpfen I Elsatz-Lothringen liegt in Süddeutschland und hat das Grotz- Herzogtum Baden zum Nachbarn, wo in der Not auch die National- liberalen mit den Sozialdemokraten Stichwahlbündnisse schließen. Ueber den Verlauf der Demonstrationen wird uns gemeldet: In Mülhausen zählte die Versammlung, die gegen 11 Uhr auf dem Franklinplatz eröffnet wurde, rund 12 999 Teilnehmer. Die Polizei hatte große Rüstungen getroffen, ein Aufgebot von 199 Beamten war auf dem Platze. Der erste Redner war der Demokrat Beigeordneter Dietz, ihm folgte Genosse ReichStagSabgeordnetcr Emme l. Die Rednertribüne war ein Wagen, an Stelle der Klingel trat ein Trompetenssgnal. Beide Redner, die an den nichtssagenden Sätzchen, womit die Thronrede die VerfassungSreform streift, scharfe Kritik übten, ernteien stürmischen Beifall. Einstimmig wurde eine vom LandeSvorftand der sozialdemokratischen Partei vorgeschlagene Resolution angenommen, in der gegen die Rechtlosigleit des elsässii'chsn BolkcS protestiert, und dia Autonomio Elsaß- Lothringens und das allgemeine gleiche Wahlrecht gefordert wird. Dann formierten sich die Teilnehmer zum großen Demonstration?- zug. Trompeter und Trommler eröffneten ihn? in dichten Scharen folgte die Arbeiterschaft. Zahlreiche Musikabieilungon gaben da? Marschtempo, dagegen sah man im Zuge keine einzige Fahne, dafür aber viele Schilder mit demonstrativen Inschriften, wie:„Hoch das freie allgemeine Wahlrecht"„Ho ch die Internationale Sozialdemokratie!"„Auto- nonrie von Elsatz-Loihringen".„Wir wollen ein freies Elsatz-Lothringen!"„Mehr Arbeiter- schütz" usw. Berittene Gendarmen begleiteten den Zug auf seinem ganzen, ziemlich weiten Weg. Polizlstrfi in Zivil und Uni- form halten darauf acht zu geben, datz keine verbotenen Lieder undMärsche gesungen und gespielt wurden. Da die Marseillaise nicht gespielt werden durfte, so war die Musik auf das Spielen des„ S o z i a l i st e n m a r s ch e S" beschränkt, dazwischen ertönten Hochrufe auf die Sozialdemo- 9U kratie und d a S ollgemeine Wahlrecht. Ein nach vielen Taufenden zählendes Publikum bildete dem Zuge, der etwa 19 999 Teilnehmer gezählt haben mochte, zu beiden Seiten des WcgeS Spalier. Die zahlreichen Ordner, mit roten Armbändern gekennzeichnet, hielten auf strenge Ordnung und die Polizei hatte nicht die geringste Veranlassung zum Einschreiten. Rur am Schlüsse der Demonstration sollte eS noch zu einen, kleinen Zivischenfall kommen: ein berittener Gendarm, den- das Pferd scheu wurde, hatte ein Kind niedergerannt. Sofort um- ringte ihn zahlreiches Publikum und nahm eine drohende Haltung ein, aber durch das Dazivischentrete» eines Ordners wurde die Sache friedlich beigelegt.— Mit einem Hoch auf daS allgemeine Wahlrecht trennten sich die Demonstranten. In Stratzbnrg hatten sich cttva 8999 Personen am alten Bahnhof versammelt, die von hier aus einen Umzug durch die Stadt unternahmen. Der größte Teil der Demonstranten bestand auS Sozialdemokraten, der Rest auS Demokraten und Liberalen. In Metz, Colmar und vielen anderen Orten der Reichslande wurden ebenfalls große, stark besuchte Versammlungen lind Umzüge abgehalten. Die WahlrechtSbewrgnng ist in den ReichSlande» in lebhasteren Flntz gekommen. Immer lauter wird der Ruf nach dem freien Wahlrecht und der freien Verfassung für Elsatz-Lothringen sich er- heben I Sie engiilchen Wahlen. London, 31. Januar. Heute wurde nur die Wiederwahl des Mitgliedes der Arbeiterpartei Hancock in Mid- Derbtsshire gemeldet. Die Konservativen haben bis jetzt 211, die Liberalen 212, die Arbeiterpartei 41 und die Nationalisten SO Mandate. Es sind nun noch in dieser Woche weitere sechs Wahlen und am 3. und 9. Februar die Wahlen der Vertreter von Orkney und Shetland zu erledigen. Diese Mandate tvarcn bisher im Besitz Volt 4 Konservativen und je einem Liberalen und Iren. An diesem Besitzstand werden die Wahlen tvarschcinlich nichts ändern. Die Frage, die die politischen.Kreise am meisten bewegt, geht dahin, ob Asquith dem Rate der Radikalen folgen wird, die sich über die Abschaffung des Vetorechts der Lords auf keinerlei Vergleich einlassen wollen und nötigen- falls die Ernennung von einigen hundert PVcrS verlangen, um den Maßnahmen gegen das Oberhaus zur Annahme zu verhelfen, oder ob der Premierminister den von den Gemäßigten vorgeschlagenen Weg wählen wird, der zu einer Reform des Oberhauses in dem Sinne führen soll, wie die Unionisten und die Mehrheit des Oberhauses sie selber billigen._ poUtifcbe GcberHcbt Berlin, den 31. Januar 1910. Abgeordnetenhaus. Auch am Montag wurde wieder vor leeren Bänken verhandelt. Es scheint beinahe, als ob die Herren von der Rechten jetzt, wo alle Wünsche der Agrarier erfüllt sind, an dem Etat der landwirtschast- lichen Verwaltung kaum Interesse mehr haben. Nicht nur dir schlechte Besetzung des Hauses, sondern auch der Inhalt der Reden lätzt darauf schließen. Nur einmal schien es, als ob die Debatte sich etwas lebhafter gestalten würde. Der freisinnige Abg. Dr. C r ü g e r übte Kritik an den zur Förderung der inneren Kolonisation ergriffenen Matz- nahmen und protestierte gegen die Verquickung der inneren Koloni- sation mit politischen Zwecke». Ganz gegen seine sonstige Gewohn- heit versetzte er dabei den Juniern einige wohlgezielte Hiebe; er bezeichnete die Junler als rückständig und bezog sich zum Be- weis dafür nicht nur auf die Geschichte, sondern vor allem auch auf die ReichStagSrede Oldenburgs vom letzten Sonnabend. Die Konservativen schickten zur Rechtfertigung des Januschauers zunächst den Abg. Graf v. d. Groeben vor, aber da dieser Abgeordnete sich bemühte, sachlich und verhältnismäßig ernst zu reden, mutzte nach ihm noch der berüchtigte Herr K r e t h. der Konkurrent Olden« burgS auf dem Gebiete unfreiwilligen Humorö und clownhaltcr ZirkuSspätze, in die Bresche springen. Seinen Freunden hat Herr Kreth dadurch freilich keinen Dienst erwiesen, in ihrem Interesse hätte er klüger getan. zu schweigen, dem, durch feine „Verteidigung" hat sich die Lage de? Oldenburg nur noch verschlimmert. Von den Freifinnigen trat Abgeordneter Dr. Pach nicke den Ausführungen des konservativen Redners entgegen. Für die Beurteilung der veränderten politischen Situation ist eS nicht ohne Interesse, zu beobachten, wie jetzt nach der Sprengung des Bülow-BlockS die Freisinnigen von Zeit zu Zeit ein- mal auch gegen ihren früheren Bundesgenossen austreten, derselbe Freisinn, der in der vorigen Session den Kampf grundsätzlich nur nach links führte. Wer weiß, wie es iin nächste» Jahrs sein wird?— Die weitere Debatte drehte sich um die kn den Etat erstmals eingestellte Summe von 59909 M. für Versuche zur Entschuldung des landwirtschaftlichen Grundbesitzes. Unsere Genossen hatten be- reitS bei der Generaldebatte zum Etat und auch bei der all- gemeinen Besprechung des Landwirtschaftsetats gegen die Absicht, solche Summen zum Fenster hinauszuwerfen, energisch Protest ein- gelegt. Diesem Protest schloffen sich nunmehr auch die Redner de» Freisinns an, während die Rechte natürlich wenn irgend möglich die Summe noch erhöhen will. Ein wertvolles Zugeständnis ent« schlüpfte dabei dem Zentrumsagrarier Grase» Strachwitz, der die Verschuldung der Landwirtschaft mit auf die Ausgaben für sozial- politische Zwecke zurückführte I Wir werden uns dieses Zugeständnis merken, ivenn das Zentrum sich wieder einmal als Arbeiterfreund aufzuspielen erdreistet. Der Titel selbst wurde schließlich bewilligt. Am DienStag wird die Beratung fortgesetzt. Das gesalzene Stenogramm und der ordnungswidrige Ordnungsruf. Am Schluß der MontagSsttzung im Reichstage kam eS noch fu einer längeren GeschäftsordnungSdcbatte darüber, ob die Ab- timmnng über den Widerspruch Ledcbvurs argen den vom Vize- Präsidenten Prinz Hohenlohe ertciltenOrdnungSrufmorgen oder erst später vorgenommen werden solle. Genosse Bebel begründete den Antrag aus Absetzung damit, daß das vorgelegte amtliche Stenogramm völlig unklar lasse, wofür und gegen wen der Ordnungsruf enteilt sei, da im Stenogramm nur steht:„Ich rufe Sie zur Ordnung". Obendrein sei in das ursprünglich fertig gestellte unkorrigiertc Stenogramm ein Einschiebsel gemacht worden. nämlich zwei Zwischen- rufe, aber ohne Angabe, von wein sie herrühren. Dadurch würde die Geschichte aber noch unklarer gemacht. In der Geschäftsordnung stehe ausdrücklich, daß der Ordnungsruf unter Namensnennung zu erteilen sei. Diese Ausfassung, daß überhaupt gar kein ordirnngS- gemäßer Ordnungsruf ergangen sei, wurde kräftig unterstützt von verschiedenen Freisinnigen. Dagegen gaben namens der Nationalliberalcn Herr Bassermann und namens des Zentrums Herr Erzberger dem Sinne nach gleichartige Erklärungen ab, daß der Ordnungsruf der Form nach völlig korrekt sei. well der Vizepräsident einige Zeit vorher den Abgeordneten Lcdebour genannt und sich verbeten habe, daß Ledcbonr ihm die Frage vorgelegt habe, was er(der Vizepräsident) gegenüber dem Verhalten des Herrn v. Oldenburg zu tun gedenke. Der Ordnungsruf gehöre trotz der daraus erfolgten Zivischcnrufe zu den vorher unter Namensnennung gegen Lcdebour gemachten Aus- sührunarn. Diesem fadenscheinigen AuSlcgungsversuch sieht man es an sich schon an, daß er nur dem Wunsche entstammt, den Prinzen trotz seiner Ungeschicklichkeit zu decken. Aber zum Unglück für die Auslegungskünstler wurde ihre Aus- rede völlig zerfetzt durch den ahnungslosen Erbprinzen selbst. Nach wiederholtem Drangen kam endlich der Prinz mit dem Eingeständnis heraus, er habe den Ordnungsruf in der Form:„Ich rufe Sie zur Ordnung" zwar ohne Namens-- nennung, aber doch in der?lbsicht, den Abg. Ledebour damit zu treffen, erteilt, weil nach den vorher von ihm gesprochenen Worten:„Ich verbitte mir eine solche Kritik" infolge fort-- gesetzter, von verschiedenen Personen, darunter auch den, Abg. Ledebour, gcniachter Zurufe, die er s c l b st gar nicht verstanden habe, da ein drin Abg. Osann am Sprechen hindernder L ä r m entstanden sei. Damit ist also erstens die AnSrcde zerstört, daß der Orb- nungsruf ein integrierender Bestandteil der gegen Ledebour vorher gerichteten Zurückweisung seiner Kritik gewesen fei. Zweitens ist damit erklärt: Es ist ein Ordnungsruf er- gangen ohne Namensne n n u n g, weil viele Leute laute Zurufe gemacht habeil, ohne daß diese Zurufe verstau- den wurden und doch soll der Ordnungsruf auf einen be- stimmten Abgeordneten gemünzt gewesen sein. Der so konstruierte und gerechtfertigte OrdmingSnif kann als Schulbeispiel dafür gelten, wie ein Ordnungsruf nicht erteilt werden kann und darf, denn es haften ihm alle Mängel an, etwa wie dem mit allen Fehlern behafteten Pferde in anatomischen Lehrbüchern. Würden die Parteien des Reichstags sich nach Gründen objektiver Gerechtigkeit bei der niorgigen Abstimmung richten so müßten sie einmütig sich für die Nichtigkeit dieses ordnungs- widrigen Ordnungsrufes aussprechen. Wie es nach der heutigen Debatte den Anschein hat, wird aber die Mehrheit anders entscheiden, um den Erbprinzen zu decken. Will die Mehrheit sich so mit Hohenlohe und Oldenburg identifizieren, so wird sie die Folgen zu tragen haben. Zum deutsch portugiesischen Handelsvertrag. In einer Zuschrift an den HandelZvertragöverein stellen eine Anzahl in Lissabon ansässiger deutscher Kaiisleute fest, daß in Portugal keine Aussicht auf eine Revision de» PertrageS vorhanden sei. Die portugiesische Regierung habe überdies offiziös verlauten lasten, daß die Ablehnung des Vertrages im Reichstag eine dcutschseindliche Strömung auslosen und den Boykott deutscher Waren herbeiführen würde._ Das Inkrafttreten des amerikanischen Maximaltarifs. Wie dem Handelsvertragsverein von der Botschaft der Ver- einigten Staaten in Berlin mitgeteilt wird, soll der neue ameri- konische Maximaltarif am gl. März automatisch gegenüber ollen Ländern in Kraft treten, denen nicht durch eine auSdrück- liche Bekanntmoäumg de? Präsidenten der Weitcrgenutz deS amerikanischen Minimaltarifs gewährt worden ist. Demnach be- dürste eö also keiner besonderen Kiuidgebung deS Präsidenten gegenüber den Ländern, deren Einfuhr vom 3l. März ab dem Maximallarif unterworfen werden soll, wie daS bisher vielfach an- genonnnen wurde. Auf eine vorherige Anlündigung des Präsidenten haben vielmehr nur die Länder Anspruch, denen der Weitergenuß des amerikanischen Minimaltarifs über den Zl.März hinaus ausdrücklich zugestanden ist, wenn sie sich nach der Auffassung des Präsidenten und der Tarifkomiimsion in Zukunft einer„ungebührlichen DiS- kriminieriing" der Aereinigte» Staaten schuldig machen sollten. Diesen Ländern kann der Minnnaltarif nach Sektion 2 deS amerikanischen TarifgesctzoS erst nach einer Frist von 00 Tagen vom Tage i>er Kundmachung gerechnet entzogen iverden. Sachsen und die Schiffahrtsabgabc». Zur Frage der SchiffahrtZabgaben schreibt das„Dresdener Journal", daß die Vertretung des ablehnenden Standpunktes der königlich sächsischen Regierung bei den bevorstehenden Beratungen in Berlin in Gemäßheit der von dem Staats- minister Grafen Vitzthum am t3. Januar in der Ersten Stände- kammer im Anschluß an die bckannte Rede des Wirkl. Geh. Rats Dr. Wach gemachten Ausführungen erfolgen werde. Das amtliche Blatt bringt den Wortlaut der Erklärung deS Ministers nochmals zum Abdruck und fährt dann fort: Die königlich sächsische Regierung ist hiernach ent schlössen, gestützt aus das gute Recht, getragen von der Zw stnnmmig des ganzen Landes and im Bewußtsein des Wertes der in Frage siehenden Jrnerestcn den ablehnenden Standpunkt gegenüber der geplante» Einführung von Schiffahrtöabgaben in bimdeSfreandlicher Weise, aber auch mit aller Entschieden- heit zu vertreten. Die königlich sächsische Regierung ist aber auch erfüllt von dem aufrichtigen und wahlberechtigten Ver- tränen, daß es dem Herrn Reichskanzler im Einvernehmen mit der königlich preußischen und der königlich bayerischen Regierung ge- lingen werde, zur Vermeidung iveiterer Komplikationen einen gang- baren Ausweg aus den bestehenden ernsten Schwierigkeiten voc- zuschlagen._ Wasserbauten iu Bayern. München, 80. Januar. ES tut ordentlich wohl, wenn nach wochcnlanger Behandlung uninteressanten Krimskrams ein Projekt zur Tagesordnung steht, das aufs ganze geht, daS nicht nur verständnisvollen Einblick in die Verhältnisse und Bedürfnisse der Gegenwart, sondern auch weise Vor- sorge für die Zukunft verrät, Das bayerische«taatSministerium deS Innern hat eine Gesetzes- vorläge gemacht, nach der rund 14 Millionen Mark für systematische Flußkorrektionen und Wildbachverbanungen aus- gewendct werden sollen. Man hat bisher in Bayern schon viel Geld, 117 Millionen, für diese Zwecke verbraucht, aber nie planvolle und gründliche Arbeit geleistet. Viele Korrektionen sind nur aus leichtem Material hergestellt und darum der Gefahr der Zerstörung auS- gesetzt: sie solle» jetzt durch Stein und Beton eine» soliden Ausbau erfahren. Um der Volksvertretung einen Einblick in die Berhältniste zu gewähren, wurde eine„Denkschrift über den gegen- w artigen Stand der Wasserbauten in Bayern" ausgearbeitet und vorgelegt; sie fand daö Lob aller Parteien des Hauies. Die jetzt geforderten 14 Millionen sind mir ein Teilbetrag. Die vollständige AnSiübrung des Projektes erfordert eine Summe von 75 Millionen Mark. Zugleich mir den Flußkorrektionen werden Ar- bciten der Bodemnelioraiion ausgeführt werden. Auch stehen mit diesen Wajserbauie» aufs engste in Verbindung die Anlagen zur Ausnutzung der Wasierkräste. Man kann also dem Minister zu- stimmen, wenn er sagt, daß mit der Ausführung und Vollendung deS ganzen Projektes Bayern eine Kulturarbeit ersten Ranges geleistet habe. Alle Redner sprachen ihre Genugtuung über die Denkschrift und die Regierungsvorlage aus. Besonders ist es unser Parteigenosse Müller, der die m der Denlschrist entwickelten Grundsätze als richtig anerkennt. Er verweist darauf, daß die Sozialdemokraten im Landtage stets die bruckstückartige Korrcktionöarbeit als unzweckmäßig bezeichnet haben. Genosse Müller gibt auch der Erwartung Ausdruck, daß die V e r h ä lt ui ss e der bei de» Arbeiten zu beschäftigenden Arbeiter mu st ergültig ge- regelt werden und daß der Volksvertretung von Zeit zu Zeit Mitteilung über den Stand dcc Arbeiten gemocht wird. Der konsternierte Bethmau». Bei dem Diner— erzählt das„Verl. Tagcbl."—, da? der Reichskanzler v. B e t h m a n n H o I l w e g am Sonnahendahcnd dem Präsidium des Abgeordnetenhauses gab, war der Exzeß des Herrn v. Oldenburg allgemeines Gespräch. Wie heute in den ReichStagScouloirs erzählt wurde, war der Reichskanzler über den Vorfall geradezu konsterniert und er machte vor den an- wcsenden Abgeordneten auS seinem Bedauern kein Hehl. Herr Bethinann fühlt wahrscheinlich, daß es seine Pflicht wäre, die freche Verhöhnung der deutschen Vcrsasstmg, deren Organ wie der Reichstag, so der Reichskanzler und der Deutsche Kaiser ist, mit gebührender Schärfe z u r ü ck z u w e i s c n. Andererseits bebt er davor zurück, eS mit seinen Vorgesetzten, den preußischen Junkern, zu verderben. In diesem Zwiespalt der Natur bleibt ihm nur Kon- sternation und ihre Berlautbanmg in einer Pressenotiz übri�. Freisinnige Arbeitgeber. Die„Frankfurter Zeitung" brachte letzte Tage folgende Notiz „Hof. Der freisinnige ReichötagSabgeordnete Dr. Erwin Goller in Münchberg, Vertreter deS Wahlkreise-? Hof, bat für die An gestellten und Arbeiter seiner im Fichtelgebirge gelegenen Granit- werke eine jährliche Gcwimtbeteiligung eingeführt. Ein Teil der Zuwendungen kommt allen Arbeitern ohne Unterschied zu. Ein iveiterer Teil wird den Arbeiten» progressiv nach der Daner ihrer Tätigkeit im Betriebe als eine kleine Altersversicherung gut- geschrieben und nach LSjährigcr Tätigkeit, spätestens aber mit dem SO. Lebensjahre ausbezahlt. Diese letztere Zuwendung bleibt den jenigen Arbeitern vorbehalten, die der sozialdemokrati- schen Gewerkschaft nicht angehören." Der freisinnige Held, Dr. Goller, führt also eine sogenannte „Gewinnbeteiligung" ein, die aber beileibe nicht den fleißigen Ar beitern unterschiedslos ausbezahlt, sondern zun, Teil„als eine kleine Altersversicherung gutgeschrieben" wird und nach Löjähriger Tätig keit immer noch als eine„kleine" Summe angesehen werden muß. Die„sozialdemokratischen" Gewerkschaftsmitglieder werden aber von dem„freisinnigen" Helden extra b e st r a f t, weil sie von einem gesetzlichen Rechte Gebrauch gemacht haben, für welches ja be- lanntlich der liebe Freisinn immer so„kräftig" eintritt. Wären sie Mitglieder der gelben Streilbrecherorganisationen, würde dann Herr Dr. Goller mit sich reden lassen? Merkwürdig ist eS, daß die gute Franlfurtcrin bis jetzt noch keine Silbe dazu geschrieben hat und die Notiz ohne jeden Zusatz aufnahm. Oder hält sie den Dr. Goller nicht mehr für echt frei- sinnig, seitdem er den»„Deutschen DeportationSverbande" angehört, welcher sich zur Aufgabe gemacht hat. die entlassenen Strafgefangenen nach den Inseln der Südsee. insbesondere nach der Insel„Neu- Pommern" zu deportieren, damit sie dort eher zugrunde gehen? Der Vertreter des Wahlkreises Hof ist also eine edle Freisinns- seele, mit der man Staat machen kann. Landtagsersatztvahl in Landau(Pfalz). Bei der am Sonntag vollzogenen LandtngSersatzwahl im Wahl- kreise Landau(Pfalz) siegte der Kandidat der Liberalen mit 2660 Stimmen über die verbündeten SckmapSblockparteien, Zentnim und Bund der Landwirte, die 2575 Stimmen auf sich vereinigten. Einen erfreulichen Erfolg trug bei dieser Wahl die Sozialdemokratie davon. Ihre Stimme» stiegen von 326 bei der Wahl im Jahre ISO? auf 1001 Stimmen._ Ein Selbstmord in der Kaserne. Ueber den am Freitag bei der Beratung des Etats der Heere? Verwaltung von den» sozialdemokratischen Redner, Genossen Noske, erwähnten Selbstmord in der Kaserne des Infanterieregiments Nr. 53 in Kalk bei Köln, der am Weihnachtsabend vor sich ging, erfährt jetzt die„Rheinische Zeitung' näheres:„Der Unterosfizicr R ü ck e r hatte sich einer Neinen Unkorrektheit bei der Eintragung rn den Wackitrapport schuldig ge macht. Dafür diktierte ihm der Bataillonskommandeur fünf Tage Mittelarrest, eine außerordentlich hohe Strafe zu. Zur Verbüßung sollte der Unteroffizier am Weihnachtsabendantreten. Vergebens bemühte sich der Kompogniechef zu seinen Gunsten, Während sich die Kameraden um den Tannenbaum scharten, sollte Rückert in den Arrest. Der durch die hohe Strafe erbitterte Mann geriet nach und nach in eine verzweifelte Stimmung. Er bat. vor seinem Straf- antritt nochmals auf seine Stube gehen zu dürfen. Dort schrieb er AbichicdSworte an seine Lieben, und als das„Stille Nacht, heilige Nacht" in den oberen Korridoren ertönte, krachte der Schuß durch die Kaserne, der Rücker tödlich verletzte. Um 10 Uhr starb er an den Folgen der Verletzungen, die ihm die Platzpatrone in der Lunge beigebracht hatte." Der Regimentskommandeur ließ sofort eine Uniersuchung einleiten und die Sache soll noch daS Kriegsgericht be- chäfligcn._ Qngarn. Vertagnng deS ungarischen NeichStageS. Die Entscheidung über die Schiffahrtsabgaben AuL Wien wird uns vom 28. Januar geschrieben: soll im VimdeSrat bereits am zweiten Februar fallen. Welche„ Vertagt ist der ungarische Reichstag bereits, und die Wichtigkeit de» Verhandlungen veigemesien wird, erhellt daraus, daß Auflosung ist nur noch eine Frage der Zeit. Das Ab- die leitenden Minister der Einzelstaaten in Berlin eingetroffen sind, geordnctenhails hat der Regierung Khuen- Hedervary gestern um ihren Standpunkt persönlich zu begründen.'ein papriziertes Mißtraucnsvotum versetzt und Ähue» hat cö mit der sofortigen Vertagung bcaukw ortet; er hakte daS R» sktipt, das vom 20. Januar datiert ist, schon mit seiner Er- nennung mitgebracht. Scheinbar ist es nur eine Vertagnng. aber da sie bis 24. März dauern soll, so ist es klar, daß das Schicksal des Hauses bereits entschieden ist: es wird nicht mehr zusammentreten und im Juni sollen die Neuwahlen sein. Aber besteht die geringste Wahrscheinlichkeit, daß sich in den Wahlen solche Veränderungen vollziehen können. die die parlamentarische Krise ernstlich zu beeinflussen vermögen? Die Wahrscheinlichkeit ist sehr gering. Um in dem Schlamm des Privilegienwahlrcchtcs zu wirken, bedürfte es einer großen und zielbewußten Persönlichkeit und eines groß- zügigen, fortreißenden Programms. Aber der Herr Graf Khuen-Hcdcrvart) ist ein vulgärer Gewaltpolitiker, dessen staatSrnännischc Künste damit beschlossen sind, daß er keine Skrupel kennt. Er wird auch unzweifelhaft den Versuch machen, die Wähler mit den landesüblich ungarischen Praktiken, Regicrnngsdruck und Bestechungen, der Unabhängigkeitsbewegung abzutreiben und für seine „neue" Partei zu gewinnen, und in der Korruption der ungarischen Verhältnisse und angesichts des zur Verfälschung so zweckdienlichen Wahlsystems mag es auch glücken, seinen Altuberalcn, die schon ganz begraben waren, eine gewisse Position zu verschaffen. Aber gegenüber festgewurzelten politischen Formationen ist mit bloß mechanischen Mitteln nichts auszurichten: dem Kern der oppositionellen Kraft werden Gewaltmittel nichts anzuhaben vermögen. Zumal der Graf Khuen eine so üble Vergangenheit hat und, da er auf die Bahn der VerfassuugSwidrigkeit gedrängt ist, auch bald eine üble Gegenwart haben wird, daß feiner Person und seiner Politik jede Anziehungskraft versagt bleiben wird; als Exponent einer volkstümlichen Politik erscheint er zu unwahrscheinlich, um Glauben zu finden. Und was das „Programm" der neuen Regierung anlangt, so� steckt eS tief im Nebel der Zweideutigkeit. Auf der einen Seite versichert Khuen, er sei ein Anhänger des allgemeinen und gleichen Wahlrechts und werde die Wahlreform ohne Pluralität durch- führen; auf der anderen scharwenzelt er um die Tiöza und Ändrassy herum, will seine Partei auf ihre Zustimmung und Unterstützung ausbauen, obwohl die zwei edlen Herren, die magyarischen Kraplinski und Waschlapöki, die wütigsten Wahl- reformfeinde sind, von Volksfeindschaft bis auf die Knochen durch- tränkt, und überhaupt als Politiker nur mit den letzten der Ost- elbier zu vergleichen. Der Verdacht ist geradezu zwingend, daß es Khuen mit der Wahlreform nicht Ernst ist, die demokratische Parole nur emsgesteckt wird zum Zwecke des Wählerfangcs, die aber, wenn sie ihre Dienste getan, ohne Bedenken wieder fallen gelassen wird. Wenn es aber kein ethischer Zweck ist. für den die unmoralischen Mittel aufgeboten werden, so weiß man wahrlich nicht, was die nichtmagyarische Welt an dem Experiment Khuen interessieren soll. Wenn nun die Wahlen keine durchgreifende Veränderung zeitigen werden, so wird der Ausgang der sein, wie er in Ungarn immer ist: ein fauler Frieden für kurze Zeit. Die Unabhängigkeitöpartei wird mürbe werden und in Sachen der Bankgemcinschaft nachgeben: dann wird man so weiter rc- gieren lassen, bis wieder ein neuer Konflikt die chronische Krise des Dualismus akut machen wird. Von oben wird die Wahlrcform nicht kommen; sie muß auch in Ungarn von unten aus durchgesetzt iverden. Italien. Di« Stellung der Mohammedaner. Delhi, 80. Januar. Bei der JahrcSversammlunz der In« dischen Mohammedanerliga wurde, nachdem der Präsident Aga Khan an alle Anwesenden den dringenden Appell gerichtet halte, die Regierung zu unterstützen, eine Resolution an- genommen, in der der Regierung für die von ihr dnrchgefühncn Refornien der herzlichste Dan! ausgesprochen und ferner dem Ab- scheu der Liga vor allm anarchistischen Bcsircbmigcn Ausdruck gegeben wird. Ciirhd. Beruntreuuogen. Koustantinopcl. 31. Januar. Wie die Blätter melden, sind in dem V a k u f m i n i st e r i u in große Veruntreuungen entdeckt worden. Srieckenlanci. Einberufung der Nationalversammlung. Athen, 31. Januar. Die Militärliga hat den König nun doch gezwungen, seine Zustimmung zur Einberufung einer National- Versammlung zu geben. Die Nationalbersammlung ist eine voll- kommen souveräne Körperschaft und nach ihrem Zusammentritt sinkt die Stellung des Königs, der jetzt schon der Gefangene der Militärliga war, erst recht gänzlich zur Bedeutungslosigkeit herab. Der König hat versucht, sich wenigstens einigerniaßen dadurch zu sichern, daß der Nationalversammlung nur ei» ganz bestimmtes, eng begrenztes Programm vorgelegt werde. Aber auch dieser Versuch ist niißlnngen. An die Spitze des neuen Kabinetts wird Dragomis treten und der Führer der Militärliga, Oberst iZorbaS, wird das Kriegs- Portefeuille erhalten. Fünf Offiziere, die als Gegner der Militärliga betrachtet werden, sind verhaftet worden. ENva hundert Studenten ver« anstaltetcn heute eine Kundgebung zuginistcn der Einberufung der Nationalversammlung. Die Stadt ist ruhig. perlien. Vernichtung der Reaktionäre. Konstantmopel, 31. Januar. Die hiesige persische Kolonie erhielt Telegramme, die die völlige Vernichtung der letzten persischen 5le- aktionäre bestätigen. Der Sohn des reaktionären Führers Räch im Khan wurde bei Tschamlapat von Efrem, dem Armeechcf der Liberalen, aufs Haupt geschlagen, und von seinen tausenden Soldaten entkamen nur ein paar Dutzend in die Berge. Rachim Khan ist tot. Fast alle Festungen und die gesamte Artillerie der Gerfasinngsfeinde sind bereits im Besitze der liberalen Machthaber, die nun durch unbarmherzige Hinrichtungen aller Ver- dächtigen auch mit den heimlichen Anhängern des«taws quo ante aufräumen wollen. In Teheran herrschte anläßlich der letzten und entscheidenden Siege EfremL unbeschreiblicher Jubel. Clrina. Die VcrfassungSfrage. Peking, 31. Januar. Ein E r l a ß des K a i s e r s be- scheidet das Gesuch der Provinzialdcputicrten, das Parlament vor dem festgesetzten Termin e i n z u- berufen, abschlägig. Als Grund des abschlägigen Be» scheides wird angegeben, daß die Bevölkerung noch nicht genügend vorbereitet sei. Japan. Eili Aufstand i« Korea. Doli», 31. Januar. AuS der koreanischen Provinz Snd-Phoengcm wird der Ausbruch ernster Unruhen gemeldet. 20 japanische Ansiedler sollen ermordet worden sein. Gcwcrkfcbaftlkbc� Vom Zwangsfembelnadweiö der Bergarbeiter. Bei der Verhandlung der Interpellation über den Zwangsnach- weis im Ruhrrevier hat sich die Regierung wieder völlig und aller Welt offenbar als getreuer Fridolin des Kapitalismus gezeigt. Keine Rede mehr von den famosen Seelenrettungsversuchen; mit dreister Stirn wurde der Knebelnachwcis zur Wohlfahrtseinrichtung für die Arbeiter umgelogen. Im Parlament blieben die Regie- rungsvertretcr wie die Unternehmerknechte ja völlig ernst bei diesem frechen Taschenspielertrick, wenn sich die Herren im stillen Stübchen später auch schön ins Fäustchen gelacht haben werden. In welcher Richtung die„Wohlfahrts"anstalt wirken wird, darüber ist ja in jüngster Zeit schon einiges bekannt geworden. Ein neues Stückchen teilt die Düsseldorfer„Westd. Post" in ihrer letzten Nummer mit. Danach wünschte ein Bergmann, auf Zeche Hardenberg Beschäftigung zu erhalten. Der Betriebsführer konnte ja nicht mehr„Herr im Hause? sein und schickte den Mann zum Zwangsnachweis in Dortmund, um einen Schein zu holen. Dort angekommen bringt der Mann sein Gesuch vor mit dem Wunsche, auf Zeche Hardenberg beschäftigt zu werden. Auf dem Nachweis hatte man aber allerlei Ausflüchte und wollte den Mann nach Nachbarzechen. Kaiserstuhl oder Minister Stein, schicken. Da- mit war der Kumpel nicht einverstanden, worauf er dann endlich gar keinen Schein für Hardenberg, wohl aber eine Mitteilung an— den Pastor in Lindenhorst bekam. Vom Pastor wurde der Kumpel regelrecht examiniert und zunächst gefragt, ob er organisiert sei, worauf die Antwort erfolgte:„Ja, im alten Verban d." Worauf der Pastor:„D a n n s i n d Sie wohl Sozialdemokrat?" Der Bergmann verneint. Pastor:„Aber aus der Landeskirche sind Sic wohl ausgetreten?" Auch dies verneint der Knappe. Nachdem das scharfe Verhör endlich beendet, erhielt der Kumpel wieder eine Bescheinigung an den Zcchennachweis. Hier erhielt er nun endlich den Schein, womit er nach Zeche Hardenberg gehen konnte, um dort in Arbeit zu treten. Die Leidensgeschichte eines anderen Bergmannes wird uns wie folgt geschildert: Auf einer Zeche des Essener Reviers arbeitete der Hauer— nennen wir ihn H. Dieser erhielt am ersten Wcihnachtstage von seinen Familienangehörigen aus Ostpreußen ein Telegramm mit der Mitteilung, daß die Mutter schwer erkrankt wäre und ihn vor ihrem Tode noch einmal sehen möchte. H. reiste sofort ab und ließ seine Abreise durch einen Arbeitskameraden auf der Zeche melden. Am 3. Januar kehrte er wieder zurück, holte sich ein Anlegeattest, wofür er 3 M. zahlen mußte und wurde auf seiner Zeche vorstellig zur Anfahrt. Der Betriebsführer nahm das Attest an sich und beglückte dafür H. mit der Abkehr! Diese Abkehr war auf den 7. Januar ausgestellt, nicht auf das Datum, wo H. die letzte Schicht verfahren hatte. Am 13. Januar begab sich H. nach dem Arbeits» nachwcisburcau in Gelsenlir�en. Daselbst wurde ihm bedeutet, daß er als Kontraktbrüchiger anzusehen sei, mithin vor dem 21. Januar von keinem Arbeitsnachweisbureau Arbeit zu- gewiesen erhalte. H. ging wieder nach seiner alten Zeche zurück und verlangte einen ordnungsgemäßen Abkehrschein. Der Betriebs- führer war so entgegenkommend, in die Abkehr einzutragen:«Letzte Schicht verfahren am 23. Dezember 1339." Am 11. Januar ging dann H. wiederum zum Arbeitsnachweis nach Gelsenkirchen hin und wurde von hier aus nach der Zeche D 3, 4 und 6 überwiesen. Auf dieser Zeche wurde H. abgewiesen, weil keine Arbeit für ihn vorhanden sei, was dann auch auf dem Anlegeschein vermerkt wurde. Auf dem Nachweisbureau schickte man ihn jetzt nach der Zeche F. E., gleichfalls im Essener Revier, aber auch hier wurde er uicht angelegt.„Von der Zeche(wo H. früher gearbeitet) werden keine Leute angenommen." Wieder eilte H. nach Gelsenkirchen, um vom Arbeitsnachweisbureau nach der Zeche F. I.(Essener Revier) hingeschickt zu werden. Beinahe hatte er Glück. Er wurde angenommen. Als er aber die Papiere vorlegte, hieß es:„Solche Leute können wir nicht gebrauchen. Gehen Sie nach Ihrer alten Arbeitsstelle zurück." Was blieb H. übrig, als zu folgen. Er der- langte auf der alten Zeche entweder Arbeit oder einen ordentlichen Abkehrschein(auf den 1. des Monats ausgestellt), oder aber man solle ihm einen Krankenschein ausstellen. Alles das wurde ihm ver- weigert. Zufällig war neben dem Betriebsführer ein höherer Bc- amter im Zechenbureau anwesend, der sich die ganze Leidens- geschichte erzählen ließ und der sich schließlich des H. erbarmte. H. solle sich auf einem anderen Schacht der Zeche melden. Aber er solle sich erst auf dem Nachweisbureau in Essen den Anlegeschein holen, den er aber hier nicht erhielt. Um den Schein zu erhalten, muhte er wieder nach Gelsenkirchen hin und erhielt hier dann end- lich die langersehnte Arbeit. Vorerst aber mußte er hier ein neues Anlegeattest 3 M. und für ein Wurmattest gleichfalls 3 M. zahlen. Diese Darstellungen zeichnen uns allerliebste Bildchen für die späteren allgemeinen Betätigungsmöglichkeiten und wohl auch -Wirklichkeiten des Zwangsnachweises. Wenn der Ortsgcndarm keine Sozialdemokraten, wenn der Geistliche keine Freidenker im Dorf leiden mag, wofür hat man dann die„Wohltat" des Knebel- Nachweises. Neben dem allmächtigen Betriebsführer mutz auch der Gendarm. Amtmann oder Geistliche den arbeitslosen Kumpel mikroskopisch untersuchen, ob er auch staatS- und kirchenpolitisch stubenrein ist, ehe er tn den Pütt darf. Werden staats- oder kirchen- feindliche Bazillen entdeckt, folgt zeitweise oder dauernde Quaran- täncl Die Vorgänge im Ruhrrevier sind eine treffliche Illustration zum Thema: Abschwächung der Klassengegensätze! Berlin und Umgegend. Die Tarifbewcgung i» den Weistvierbrauereien. Die Mitglieder des Deutschen TranSportarbeiterverbandeS aus den Weißbierbrauereien Groß-BerlinS versammelten sich am Sonntag- vormittag im„Englischen Garten", um den Bericht ihrer Lohn- kommisston zu bören. Die Kommission wurde eingesetzt, als am b. Dezember v. I. eine Versammlung der Weißbierfahrcr beschloß, den Tarif zum 1. April zu kündiget: und eine Verbesserung der Ar- beitsbedingungen anzustreben. Von diesem Beschluß setzte die Kom- Mission den Vorstand des Vereins der Wcißbierbrauercien in Kenntnis. der darauf durch seinen Vorsitzenden Herrn Gabriel erwiderte, daß den Mitgliedern des Vereins empfohlen worden sei, die Tarife auf zwei Jahre zu verlängern, da man keine tariflose Zeit wünsche. Von Lohuzulagen wollte man nichts wissen.— Außer dem Verein der Weißbierbranereien ist mit einigen Brauereien einzeln zu ver« Handel»: in Betracht kommen etwa 12 Betriebe mit 231 Arbeitern, die zum größten Teil organisiert sind. Die Lohnkommission hatte nun einen Tarif ausgearbeitet und unterbleitete der Versammlung die darin vorgeichlagenen Verbesse- rungen zur Beratung, besonders in bezug auf Lohn und Arbeitszeit. Die Faßfahrer(für halbe Tonnen) sollen nach den: Entwurf 33 M. Wochenlohu und für jede umgesetzte halbe Tonne sowie sür .Ersaybalben" 33 Pf. extra erhalten. Faßfabrer, die einen Mit- fahrer beschäftigen— bei einem Mindestumsatz von 110 halben Tonnen ist ein Mitfahrer zu beanspruchen— erhalten einen Zuschuß von IS M. pro Woche. Die Faß Mitfahrer erhalten von: Faß- fahrer einen Wochenlohn von 34 M. und werden bei Entlassung durch die Fahrer wegen Mangel an Arbeit in der Brauerei be- schäftigt, soweit offene Stellen vorhanden sind._ Berantw. Redalt.: Richard Barth, Berlin. Inseratenteil verantw.: Die Flaschenfahrer verlangen einen Lohn von 22,30 M. pro Woche und eine Provision von 20 Pf. auf je 3 M. des Um- satzes sowie für je 1033 zurückgebrachte leere Flaschen 1,30 M. Der Flaschenfahrcr, der täglich 30 Kasten Bier verrauft, hat einen Mit- fahrer zu beanspruchen. Muß der Fahrer die Arbeit allein niachen, so erhält er pro Tag 3 M. Vergütung, die aber wegfällt, sobald er es ablehnt, einen Mitfahrer anzunehmen. Die Flaschenbier Mitfahrer erhalten einen Lohn von 30 M. pro Woche, außerdem für jeden vollen Kastei: eine Provision von 2 Pf. Werden zum Missahrerdienst innere Betriebsarbeiter herangezogen, so erhalten dieselben an solchen Tagen 1,30M. Lohn- Zuschlag bezahlt. Die Reservcfahrer und Stalle ute erhalten 36 M. Wochenlohn. Wird Wohnung gegeben, so wird dieselbe bei dem Lohnsatz berechnet. Der wöchentliche Lohn für die im inneren Betriebe beschäftigten Arbeiter beträgt: a) für Biersieder 38 M., b) für Gärkeller-, Sud- Haus- und Pmnphausarbeiter 36 M., c) für Flaschenkellerarbeiter 33 M., d) für jugendliche Arbeiter im Alter von 16—13 Jahren 18 M.. e) für jugendliche Arbeiter im Alter von 18—20 Jahren 23 M. Die Arbeitszeit zu regeln, ist besonders notwendig geworden. sie soll für den Fahrer dauern bis zur Erledigung aller Arbeiten. die das Bierausfahren speziell für seine Kunden betrifft. Zur Leistung anderer Arbeiten, Ivelche außerhalb der regulären Touren liegen, sind die Fahrer und Mitfahrer nicht verpflichtet. Für Reservefahrer und Stalleute beträgt die tägliche Arbeitszeit 9 Stunden innerhalb 11 Stunden. Kutscher, welche Prozente nicht beziehen, erhalten bei Touren. welche so liegen, daß der hiermit Beauftragte sich in der üblichen Mittagszeit zwischen 12—2 Uhr in seiner Behausung nicht beköstigen kann, 1 M. Wenn die Tour einen ganzen Tag dauert, 2 M. Spescngeld. Die Arbeitszeit der inneren BetriebZarbeiter beträgt täglich 8Vz Stunden innerhalb 10 Stunden. Uth es und A l i s ch erläuterten die einzelnen Bestimmungen und machten darauf aufmerlsam, daß die Vertrauensleute bereits Stellung dazu genommen haben und die Annahme des Entwurfs empfehlen. Einige Anträge auS der Mitte der Versammlung wurden noch in den Tarif aufgenommen: so sollen den Fahrern die Lieferungen von Bier in größercn Aufträgen, die zu einer Tour gehören, nicht entzogen werden. Auch wurde für die Privatfahrer ein fester Lohn von 22,30 M. nebst Provision von 23 Pf. pro Achtel verlangt. Die Provision für umgesetztes Bier an solche Kunden, die in Raten an die Brauerei bezahlen, soll jedem Fahrer wöchentlich milberechnet und zur Auszahlung gebracht werden. Unter den allgemeinen Bestimmungen im Tarif wird verlangt, daß die Fahrer nicht mehr verpflichtet sein sollen, Fässer, Wagen oder Geschirre zu reinigen, Pferde zu putzen oder beschlagen zu lassen, und daß an Sonn- und Feiertagen das Fahrpersonal nicht zu Arbeiten in der Brauerei herangezogen werden darf.— In bezug auf Leistung und Sicherheit heißt eö: Jeder Fahrer hat eine Kaution bis zur Höhe von 300 M. bei der Kasse der Brauerei in bar zu deponieren, eventuell werden pro Monat 20 M. von seinem Gehalt eiubehaltcn, bis die Kaution erreicht ist. Die Verzinsung beträgt 3 Proz. für volle 130 M. Für Außenstände der Kundschaft sind d:e Fahrer nicht haftbar. Viele Bestimmungen decken sich mit denen des Tarifs für die Lagerbierbrauereien, wenn auch manche Forderung sich in noch be- scheideneren Grenzen hält, in Berücksichtigung der Geschäftslage der Weißbier- gegenüber den Lagerbierbrauereien. Die Versammlung beschloß einstimmig, daß dieser Entwurf den Weißbierbrauereien eingereickt werde. A l i s ch erklärte nock, daß die Bewegung gemeinsam mit dem Kartell geführt werden soll und daß in der Kartellvertretersitzung auch die Forderungen der Handwerker noch berücksichtigt werden müßten._ Erfolgreicher Abschluß des Streiks bei Adalbert Stier. In dem Streik der Konfcktionsschneider und-Schneiderinnen der Firma Adalbert Stier ist es durch die Verhandlungen am Sonnabend, die gestern fortgesetzt und beendet wurden, zu einer Einigung gekommen. Tie Streikenden haben durch ihr einmütiges Zusammenhalten einen schönen Sieg errungen. Einer Vcrsamm- lung der Streikenden, die am Sonntag in den„Musikersälen" statt- fand, wurde bekanntgegeben, daß die Firma sich zum Abschluß eines Tarifvertrags bereit gefunden hatte, der eine Lohnerhöhung von 13 bis 2 3 Proz. mit sich bringt. Darüber, wann der Tarif in Kraft treten sollte, sowie über die Löhne der Hosen- und Westennäherinnen usw. sollte am Montag ver- handelt werden. Die Versammelten erklärten sich mit dem vorläufigen Ergebnis der Verhandlungen einverstanden. Die Wiederaufnahme der Arbeit konnte am Sonntag selbstverständlich noch nicht beschlossen werden. Gestern nachmittag fand eine neue Versammlung der Streikenden statt. Sie füllte den Saal I des Gewerkschaftshauses. Aus dem Bericht, den der Referent Kunze gab, ist zu entnehmen, daß die weiteren Verhandlungen dazu führten, daß der Zeitpunkt für das Inkrafttreten des Tarifver- träges der Herrcnkonfektionsschneider aus den 1. April dieses Jahres vereinbart ist. Für die Hosen- und Westcnnäherirmen ergaben die Verhandlungen einen Ausschlag von 13 Proz. auf die bisherigen Stücklöhne. Die Wochenlöhne der Tagfchneidcr wurden um 3 Mk. erhöht, und ein Mindestlohn von 33 M. wurde für sie vereinbart. Ferner erhalten die Tag- schneider nach einjähriger Tätigkeit bei der Firma 3 Tage, nach zweijähriger Tätigkeit 8 Tage S o m m e r f e r i e n. Es ist durch die Vereinbarungen mit der Firma auch dafür gesorgt, daß Maßarbeit immer als solche behandelt und bezahlt wird, und nicht mehr, wie es bisher vielfach üblich war, von Konfektionsschneidern zu geringeren Löhnen, als sie für Maßarbeit gelten, angefertigt wird. Das dient zur Beseitigung des Uebelstandes, daß die Konfektionsschneider, oft ohne Wissen und Wollen, zu Schmutz- konkurrcnten ihrer Kollegen von der Maßbranche gemacht werden. Der Referent wies darauf hin, daß die Arbeiterschaft der Firma Stier gleichsam die Avantgarde in der allgemeinen Lohn- bewegung der Herrenkonfektionsschneider Berlins bildete. Sie hat diesen Kampf gut bestanden und hat nun dafür zu sorgen, daß das Errungene in vollem Umfange durchgeführt und aufrecht- erhalten wird, sowie auch an ihrem Teile dazu mitzuwirken, daß eine allgemeine Lohnregelung in der Herrenkonfektion erzielt wird, wozu selbstverständlich vor allem ein festes Zusammenhalten in der Organisation notwendig ist. Die Versammlung erklärte sich mit den Vereinbarungen ein- verstanden und beschloß einstimmig, die Arbeit heute. Dienstag- vormittag, wieder aufzunehmen.— Ter Tarifvertrag gilt auf unbestimmte Zeit mit dreimonatiger Kündigungsfrist. Achtung, Schuhmacher! Bei der Firma F. Sternkicker. Charlotlenburg. Helmholtz-Straße 22 sind Lohndifferenzen ausgebrochen. Die Kutscher und Lagerarbeiter der Firma A. Gntschow, Frie- drichstraße 234, haben gestern früh die Arbeit niedergelegt wegen unberechtigter Entlassung ihres Vertrauens- mannes und schwebender Lohndifferenzen. Der entlassene Kol- lege, welcher bereits über 3 Jahre im Betriebe beschäftigt war, hatte die Wünsthe seiner Kollegen auf Verbesserung der Löhne vor einiger Zeit bei der Geschäftsleitung vertreten. Die Versprechung, die die Firma bei der Verhandlung dem Vertrauensmann gab, hat dieselbe nicht gehalten. Am 27. Januar erfolgte die Entlassung. Die Arbeiter forderten die Zurücknahme der Entlassung. Dies lehnte die Firma ab, darauf erfolgte die Arbeitsniederlegung. Die 32 in Frage kommenden Streikenden sind sämtlich Mitglieder des Tiansportarbcitervcrbandes. Die Kutscher und Lagerarbeiter Berlins werden ersucht, ihren kämpfenden Kollegen die größte Solidarität zu erweisen._ Ttz-Glockc, Berlin. Druck u.Verlag: Vorwärts Buchdr. u. verlagSanstall Oeutfehee Reless. Gfiitn vollen Sieg errangen die freien Geiverkschasten lrt A r n st a d t(Thür.) bei der Gewerbegerichtswahl. 386 Stimmen vereinigten sich auf ihre Liste, während es der„Deutsche Arbeiter- verein", ein Glied vom Bund vaterländischer Arbeitervereine, auf 31 Stimmen brachte.— Durch die Wahl ist aber ein kompletter Schwindel aufgedeckt worden. Der Verein wurde im April 1937 vom Vorsitzenden der Ortsgruppe des Reichsvcrbandes zur Be» kämpfung der Sozialdemokratie ins Leben gerufen unter der Teil- nähme der Fabrikanten. Den Vorsitz übernahm ein ehemaliger Genosse, Mitbegründer des Arnstädter Gewerkschaftskartelles, der inzwischen vom Tischlergesellen zum„Saalmeister" einer Papier- fabrik avanciert war. Sehr bald war der Verein aus„über 133 Mitglieder" angewachsen und seit dieser Zeit, 2?» Jahre, steht zu jeder Monatsversammlung„Aufnahme neuer Mitglieder" auf der Tagesordnung, und bei einer geheimen Wahl bringt der Verein 31 ganze Stimmen auf. So ist dieser ganze Schwindel in sich selbst zusammengefallen, wie der yanze Reichsverbandsschwindel über- Haupt. Auch das reaktionäre Schwarzb.-Sonderhausener Mi- nisterium hat zum zweitenmal erleben müssen, daß seine Be- mühung mit der Einführung des Proportionalwahlshstems mit ge- bundencn Vorschlagslisten umsonst war, um es als Mittel gegen die Arbeiterbewegung ins Feld zu führen. Die Arbeiterschaft hat aber bewiesen, daß sie mit der Vertretung der Gewerkschaften ein- verstanden ist und daß Ministerium und Reichsverband nichts daran zu ändern vermögen. Oertliche Tarifregelung im Malergewerbe. Für die Lohngebiete Frankfurt a. M., Offenbach, Darmstadt, Friedheim-Nauheim, Hanau, Wiesbaden, Worms, Mainz, Höchst und Gießen fanden Bezirkövcrhandlungen statt mit dem Arbeit. geberverband für Hessen-Nassau und das Grotzherzogtum Hessen- Die Vertreter der Arbeitgeber- wie Arbeitnehmerverbände nahmen daran teil. Gegenstand der Verhandlungen war die Festsetzung der Arbeitszeit und der Pausen, des Arbeitsschlusses an den Sonn- abenden, Stellung des eigenen Handwerkszeuges und Festsetzung des Geltungsbermchs für die einzelnen Lohngebiete. Zu gleicher Zeit wurden die Stundenlöhne für diejenigen Orte, wo Diffe- renzeu nicht bestanden, festgesetzt. Für Darmstadt. Gießen, Fechen« heim und Mainz wurde Anspruch aus den vierten Pfennig Lohn- crhöhung erhoben. Eine Einigung hierüber war aber nicht zu erzielen, und werden sich die Orts- oder Gautarifämter mit der Frage weiter zu beschäftigen Haben. Die laut Schiedsspruch vom 17. Januar zu erfolgende Lohnerhöhung von 2 bezw. 3 Pfennig pro Stunde ist noch nicht überall durchgeführt. Die Arbeitgeber wurden zur Einhaltung des Schiedsspruches angehalten. Den Schiedssprüchen nicht zugestimmt haben die Arbeitgeber in Ho m» bürg; diese wollen sogar auS dem Arbeitgeberverbande austreten. Ferner haben bisher auch die Wiesbadener Arbeit- geber den Schiedssprüchen, soweit sie sich auf die Lohnfrage bc» ziehen, nicht zugestimmt. Für das ganze Lohngebiet haben nunmehr auf Grund der ?lbmachungen in der nächsten Woche die Lohnzuschläge zu erfolgen. Auch die unorganisierten Arbeitgeber sind dazu verpflichtet. Wo Unstimmigkeiten weiter bestehen, ist es umgehend den örtlichen Vorständen des Verbandes anzuzeigen. Kampfanzeichen im niittelfränkischen Baugewerbe. Vom Arbeitgeberverband für das Baugewerbe in Mittel« franken ist an die Organisationsleitungen der Bauhandwerker ein Schreiben ergangen, worin der Tarif zum 3l. März 1913 ge» kündigt wird. Zu gleicher Zeit wird erklärt, daß für den Neu- abschluß eines Tarifvertrages das bekannte Tariftuuster des Deutschen Arbeitgeberverbandes vorgelegt wird. Hinsichtlich der der örtlichen Regelung unterliegenden Punkte werden die in den Unterhandlungen vom 7. Januar vom Unternehmerverband ge- machten Vorschläge wiederholt. Die erwähnten, von den Unter- nehmern verlangten Unterhandlungen haben sich gerade wegen dieser Vorschläge zerschlagen. Die Unternehmer verlangten, daß auf der Grundlage der bisherigen Lohn- und Arbeitsverhältnisse der Vertrag nach dem Tarifmuster abgeschlossen werde, worauf dio Arbcitervcrtreter nicht eingingen, zumal die Unternehmer auch jede Auskunft darüber verweigerten, ob der zukünftige Lohn Ein» heits-, Durchschnitts- oder Staffellohn sein, ob das Wort„tüchtig" des Vertragömusters stehen bleiben solle usw. Die Ankündigung ist allen Organisationen des Baugewerbe? zugegangen, auch den christlichen, obwohl mit diesen gar nicht einmal ein Tarif besteht. Versammlungen. I» einer Bersainmlung der Eisen-, Metall- und Revolver- dreher sprach Genosse Rechtsanwalt Dr. Hcinemann über den Z 133 der Gewerbeordnung. Der beifällig aufgenommene Vortrag löste eine längere Diskussion aus, in der manch einer seine diesbezüg» lichen Erfahrungen zum besten gab und sein Wissen durch an den Referenten gerichtete Fragen zu erweitern suchte. Bereitwilligst kam der Referent diesen Bestrebungen entgegen. Nachdem nahmen die Versammelten zu einem Vortrage der Branchenlommission, die eine bessere Regelung der Arbeitsvermittelung erstrebt, Stellung. Die von dieser vorgeschlagene Resolution, durch die sämtliche Dreher verpflichtet werden, alle vakanten Stellen sofort der Nachweisstelle des Deutschen Metallarbeiterverbandes, Eharitestr. 3. zu melden. damit dem Unwesen der privaten ArbcitLvermitbelung gesteuert wird, wurde angenommen. Nach Erledigung einiger die Allgemein- heil weniger interessierenden BerbandSangelegenhciten schloß die Versainnilung._ Letzte Nachricbten und vepelcben. Stadtverordneten-Wahlsieg. Landsbcrg(Warthe), 31. Kanuar.(Privatdepesche des „Vorwärts".) Bei den heutigen Stadtverordnetenwahlen wurden für die Liste der Sozialdemokraten 884 Stimmen, für die vereinigten bürgerlichen Parteien 534 und 538 Stim- men abgegeben. Die fünf sozialdemokratischen Kandidaten sind somit glatt gewählt._ Das neue griechische Ministerium. Athen, 31. Januar.(W. T. B.) Das n e u e M i n i st e r: u m setzt sich wie folgt zusammen. Ministerpräsident und Minister dcS Innern Dragumis, Aeußcres Callergies, Justiz Fikie- r: s, Krieg Z o r b a s, Marine M i a u l i s, Kapitän zur csec. Unter» richt Pa n u j e t o p o u l o s: die Finanzen übernimmt wahrschein- lich Valaeriteö, Vizegouverneur der Nationalbank, eventuell Dra» gumis selbst. Unter den Ministern sind nur Dragumis und Pa» nujetopoulos Deputierte._ Eine verhängnisvolle Verwechselung. idudapest, 31. Januar.(B. H.) In Deva verwechselten die Arbeiter Lukacz und Dahn, als sie sich ihr Abendessen bc- reiten wollten, eine Tyuamitbüchse mit einer Konservenbüchse. Das Dynamit explodierte am Feuer und beide Arbeiter wurden in Stücke gerissen. Ei«» Familicndrama. I-Viioon, 31. Januar.(B. H.) In einer Dachwohnung der City-Road, welche von dem Arbeiter Hill und seiner zahlreichen Familie bewohnt wird, hat sich ein furchtbares Drama abgespielt. In Abwesenheit der Eltern spielten die ö Kinder mit Streich- hölzern, wobei die Kleider Fcucr finge». Die herbeigerufene Feuerwehr drang in die mit Rauch gefüllte Woh» n u n g ein, fand jedoch bereits zwei Kinder tot vor, die anderen wurden in hoffnungslosem Zustand ins Spital gebracht. Gaul Singer& Co., Berlin S W. Hierzu 3 Beilagen«. Uatcrh-ltungSbl. Hr. 26. 27. Jahrgang. 1. StilM im Jotniittf Klllimr Pollislilutt. Zitltskg. 1. Februar 1910. Reichstag 27. Sitzung. Montag, den 31. Januar, nachmittags I llhr. Am BundeSratstische: Dernburg. Zunächst werden einige koloniale Rechnungssachen debatteloS erledigt. D.mn folgt die dritte Beratung der Nachtragsetats für Südwest- und Ostafrika. Abg. Erzbcrgcr(Z.): Das Wort habe ich heute ergriffen, weil jetzt ein Novum eingetreten ist. nach welchem alle Matznahmen in der Diainantenfrage in der Luft schweben. Die Deutsche Äolonial- gesellschaft bat am 29. Januar in der„Kölnischen Zeitung" einen Artikel veröffentlicht, wonach der Vertrag von 1908 nach Form und Inhalt zweifelhaft ist, er sei auch nicht notariell beglaubigt und keinesfalls babe die Gesellschaft irgendwie auf ihre Rechte verzichtet. Demgegenüber muffen wir aus unserer Rechtsauffassung besteben. und wir können dem Nachiragsetat irur zustimmen unter dem Vor- behalt, daß diese Rechtsauffassung festgehalten wird und zur Geltung kommt. Abg. Dr. Urning lnatl.): Die Rcchtsauffaffung des Mg. Erz- berger teile ich und die meisten meiner Freunde. Abg. Dr. Arendt iRp.ft Ich schliefe mich der Auffassung deS Abg. Erzberger an i ich finde den Artikel geradezu unerhört. Wenn die Gesellschaft sich daraus beruft, daß der Vertrag von 1998 nicht notariell beglaubigt ist, so verstötzt sie geradezu gegen Treu und Glauben, und eine rücksichtslose Handhabung der Gesetzgebung gegen sie wäre am Platze. sSchr richtig I rechts.) Staatssekretär Dernburg: Auch ich teile die hier zum Ausdruck gekommene Rechts- auffasiung. Aber die Frage, ob der Bertrag mit der Gesellschaft notariell abzuschlietzen war oder nicht, ist eine juristische Frage. Unsere Juristen meinen, datz dazu keine Veranlassung war. Jeden- falls bildet der Vertrag vom 28. Februar 1993 die Gnindlage der AuS- einandersetzung des Fiskus mit der Kolontalgesellschaft. Abg. Dr. Görcke(natl.): Wäre die Auffaffung der Kolonialgesellschaft auch nur m ö g- l i ch e r w e i s e richtig, so könnten wir den NachtragSctat heute nicht annehmen. Da aber der Reichstag auf dem Standpunkt steht, datz der Rezetz vom 28. Februar 1998 gültig ist, so werden wir dem Rachtragsetat zustimmen. Abg. Frhr. v. Richthofen sk.): Die Veröffentlichung in der „Kölnischen Zeitung" kann nur als eine Manipulation aufgefatzt toerden, um einen besseren Boden für künstige Verhandlungen zu bekommen. Solche Winkelzüge sind zu verurteilen, und weder der Reichstag noch der Staatssekretär wird einer solchen Pression nach- geben.(Sehr richtig I rechts.) Dem Nachtragsetat werden wir zu- stimnien. Abg. Ledebour(Soz.): Den ablehnenden Standpunkt meiner Partei gegenüber dem btachtragsetat habe ich schon bei der zweiten Lesung begründet. Bei dem erwähnten Schriftstück war das Erstaunlichste für mich, datz die Kolonialgesellschaft sich noch einmal darauf beruft, datz sie zum Unterschied voit den übrigen afrikanischen Landgesellschaften ihren Erwerb auf den ursprünglichen Erwerb de» Herrn Lüderitz von den Einwohnern zurückführt. Ich erinnere, daß meine Freunde gerade gegen diese Auffassung Stellung genommen haben. Ich glaube be- wiesen zu haben, datz das damals eine fraudulente(betrügerische) Erwerbung war, weil die Rechtsunkenntnis der Einwohner ausgenutzt wurde, um ganze Königreiche für 509 Gewehre und 10 000 Mark zu erschwindeln. Deshalb haben wir das Recht der Gesellschaft von vornherein bestritten. Doch sind wir damit nicht durchgedrungen, denn Herr Dernburg meinte, man würde damit die kapitalistische EntWickelung der Kolonie zurückdämmen. Ich habe dann anerkannt. datz der Staatssekretär und die bürgerlichen Parteien, nachdem sie einmal die Erwerbung als rechtsgültig anerkannt haben, von diesem Standpunkt aus sachlich richtig gehandelt haben. Dieser Stand- punkt selbst war eine Konzession an die Gesellschaft, die wir be- dauern. Datz diese Leute nun aber noch versuchen, durch Manöver der schon geschilderten Art dem Fiskus und dem Reicbe noch mehr abzuknöpfen, das ist für sie bezeichnend, mtd gegen diese Manipu- lationen mutz mit aller Schärfe Front gemacht werden. Ich mutz auch meiner Verwunderung darüber Ausdruck geben, datz ein Mann wie der ftühere Gouverneur von Bennigsen, der später Direktor dieser Gesellschaft geworden ist, dieses Schriftstück verfatzt oder doch seine kleines feuiNeron. Herrenrcchte. Der Stetrincr Polizeipräsident v. Wuthenau hat die Aufführung des Schauspiels„Herren rechte", das am 4. Februar im SIettiner Bellcvuetheater gegeben werden sollte. „wegen der unsittlichen und aufreizenden Tendenz" verboten. Das Verbot ist erst erlassen, als durchsickerte, datz der Verfasser de? Stückes, der unter dem Pseudonym Friedrich Heinrich in der Ankündigung figurierte, unser bekannter Parteigenosse Fritz Herbert ist. Das Stück behandelt die Herren- rechte des Junkertums zur Zeit der Hörigkeit und lehnt sich an die Schilderung an, wie sie der ponimersche Dichter Ernst Moritz Arndt, dessen Vater noch als Höriger geboren war, von diesen Verhälmissen gab.„Unsittlich und aufreizend" ist nicht da« Siück noch dessen Tendenz, sondern die Tatsache, datz ein gut Stück dieses Herrentums in unserer preutzischen Junkerherrlichkeit noch weites besteht. In Süddeutschland dürfte eine Polizeizensur gegen das Stück unmöglich sein. Hoffentlich beschreitet der Verfasser den Verwaltungsstreitweg. Trügerische Frühlingsboten. Der milde Winter hat in zahl- reichen Zeitungen Betrachtungen über abnorme Vegetationserschei- uungen hervorgeruftn. Jedes Gänseblümchen, das ein wandernder Naturfreund auf seinen winterlichen Sparziergängen fand, mutzte als Beweis für den überaus milden Winter dienen, und wie das Gänseblümchen, so sollten manche andere Erscheinungen dafür herhalten, den unglaublichen Beweis zu führen, datz in diesem Jahre die Natur auf den Kopf gestellt seil Nun beiveist aber das Gänseblümckien, so wenig wie der„große Fuchs", den irgend ein glücklicher SchmetterliilgSsammIcr in dein erlvärmten Wäscheraum gesunden hat, denn beide— das Blümlein wie der Falter— überwintern in dem Zustand, in dem wir sie finden, ob der Winter nun kalt oder warm ist. Es wird wohl jedem aufmerk- samcn Frühlingswai, derer schon aufgefallen sein, daß er im ersten Lenze, wenn noch Schnee fällt und Nachtfröste die junge Vege- lation gefährden, auf der frischgrünenden Wiese, am Wegrain, am «tabuster langstielige Gänseblümchen findet. Sie waren mitten im Winter da, nur hat sie der Schnee unseren Augen verborgen. Sie sind also keineswegs durch die Wärme zu vorzeitiger Entwicke- lung gekommen, gerade wie manche überwinternden Falter frisch iiud munter losflattern, wenn zufällig der Raum erwärmt wird, in dem sie sich für die Wintermonate einguortiert hatten. Im allgemeinen brauchen die Pflanzen eine ganz bestimmte Zeit zur inneren Entwickdung, vor der sie nickt ausschlagen, mag es auch noch so warm sein. Tie srühzeitige Wärme kommt nur in ganz beschränktem Maße zur Geltung, nämlich nur insoweit sie die inneren«toffumwandlungen in etwas fördern kann. Bei den Schneeglöckchen z. B. gelingt es auch dem geschicktesten Gärtner ii cht, cme frühere Blüte herbeizuführen, mag er die Pflanze, deren Zustimmung dazu gegeben hat. Der Herr von Bennigsen war früher Mitglied der Landkommission zur Prüfung der Rechte der Kolonial- gesellsckaft und hat da einen sehr entgegenkommenden Standpunkt für unsere Auffassung eingenommen. Als ich meinen Antrag stellte. wurde er von Herrn von Bennigsen unterstützt, und das führte in der Kommission zunächst zu seiner Annahme. Datz gerade dieser Herr jetzt seine Zustimmung zu diesem Schriftstück gegeben hat, mutz das grötztc Erstaunen hervorrufen. Man kann nur sagen, seitdem er in der Verwaltung der Gesellschaft ist. hat er alles vergessen und nichts zugelernt.(Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Dbg. Erzberger(Z.): Der Herr Staatssekretär muh bestätigen, datz die einzige Quelle für die Rechte der Kolonialgcsellschaft sowohl für die Bergboheit als für ihr Bergwerkseigentum das Abkommen vom Februar 1993 ist. Andernfalls müßten wir anregen, ob wir nicht das Initiativrecht der Gesetzgebung ergreifen müssen, um den Uebermut der Gesellschaft ein für allemal zu brechen.(Bravo! rechts und ini Zentrum.) Ob der Vertrag gültig ist oder nicht, darf für uns keineswegs eine juristische Frage sein, wie der Staatssekretär meinte, sondern der Vertrag ist für uns die feste gegebene Gnindlage, an der kein Jurist rütteln kann. Ohne den Vertrag schweben ja alle unsere Matz- nahmen in Südwestaftika in der Lnst, und der ganze Kolonial- etat, deffen Einnahmen mit 39 Millionen auf den Diamanten basiert sind, würde auch vollständig in der Luft schweben. Deshalb sollte das HauS den Etat einstimmig annehmen, auch die Herren Sozial- demokraten sollten ihre Zustimmung geben, damit die Rechts- auffasiung des Reichstages klar zum Ausdruck gebracht wird.(Bravo! im Zentrum.) Abg. Dove(frf. Vg.): Namens meiner Freunde habe ich zu er- klären, datz wir keinen Anlatz haben,»ach der Erklärung der Deutschen Kolomalgesellschaft unsere Auffaffung von der Gült'gkeit des Vertrages, der die Grundlage aller unserer Matznahmen gebildei hat, aufzugeben. Die Erklärung der Deutschen Kolonialgesellschast ist nur eine einseitige Parteierklärnng. Wir sehen auch keine Gefahr darin, jetzt für den Etat zu stimmen: denn wenn die Gesellschaft ihren Standpunkr geltend machen wollte, so hätte— abgesehen von der rechtlichen Aussicktslosigkeit dieses Vernichs— die Kolonial- Verwaltung es w der Hand, ihre weiteren Matznahmen danach zu treffen. Staatssekretär Dernburg: Der Vertrag von 1998 ist die Gnmd- läge für alle wie immer abgeleiteten Rechte der Gesellschaft. Aber abgesehen davon, bekommen wir die Einnahmen dieses Nachtrags- etats nicht nur auf der Grundlage dieses Vertrages, sondern auf der Grundlage unserer Hoheitsrechte in bezug auf die Zölle und Steuern. Abg. Ledebour(Soz.): Der liebenswürdigen Aufforderung des Herrn Erzberger, für den Etat zu stimmen, können wir nicht Folge geben. Diese Auf- fordernng. zeigt, wie schwierig es den Herren ist, unsere sozialistische Auffassung zu verstehen, aus der heraus wir unS auf Ihre kapitalistische Kolonialpolitik nickt einlassen können. Ich will die Begründung unseres Standpunktes nicht noch einmal wieder- holen. Diesen Nachtragsetat lehnen wir ab, aber wir werden alles unterstützen, was die Mehrheit des Reichstags etwa beschließen sollte, um der unaeheuerlichen Zumutung der Land- gesellschaft, der Kolonialgesellschast entgegenzutreten. Wenn Sie etwa eine Resolution einbringen, welche den ablehnenden Standpunkt des Hauses gegenüber dieser Zumutung zum Ausdruck bringt, so werden wir ihr zustimmen, und ein solches einmütiges Votum wäre dann viel wirksamer als ein einmütiges Votum hier beim Etat, da« allen möglichen falschen Auslegungen zugänglich ist und das sicher auch falsch ausgelegt werden würde von den Parteifteunden des Herrn Erzberger, natürlich außerhalb des Hauses.(Heiterkeit und Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Damit schließt die Diskussion. Der Nachtragöelai für Südwestafrika wird angenommen und darauf debattelos der Nachtragöetat für Ostafrika. Es folgt die zweite Lesung des Etats für die Schutz- gebiete für 1919. Auf Antrag des Berichterstatters Dr. Gocrcke(natl.) wird folgende von der Budgetkommission angenommene Resolution, nachdem der Staatssekretär feine Zustimmung erklärt hat, an- genommen: „Die Verbündeten Regierungen zu ersuchen, in das vor- zulegende Kolonialbeamtengesetz die den Kolonialverhältnissen ent- sprechenden Bestimmungen des Besoldungsgesetzes vom 13. Juli aufzunehmen." Die Besoldungsordnungen für die Schutzgebiete werden abgelehnt. Zwiebel ja schon im Herbste vorher völlig ausgebildet ist, nun in Treibhaustemperatur bringen oder nicht. Andere Gewächse frei- lich blühen unter der Hand des Gärtners den ganzen Winter über — so die Maiblumen. Auch blühende Erdbeerstöckchen hat man als Beweismittel für den„überaus milden Winter" angezogen. Auch hier liegt durchaus kein Naturwunder vor. Solche Beispiele werden sich immer finden, ob der Winter streng oder mild ist. TaS ist nicht seltsamer als die regelmäßig im Herbste beobachtete Zweit- blüte gewisser Obstbäume oder des Weinstocks, oder das Wieder- ausschlagen der schon im Sommer wohlcntwickelten Blattknospen, die den sonst völlig entlaubten Baum an einzelnen Zweigen wieder grünen lassen. Im großen und ganzen will die Pflanzenwelt im Winter ihre Ruhe haben. Diese Tatsache besteht, wenn wir auch die Einzelheiten der inneren Vorgänge noch nicht erschöpfend kennen, die nötig sind, um die Zell- und Nährsäfte so zu gestalten, daß in ihnen die Triebkraft erwacht. Theater. Neues königl. Operntheater.(Sonderborstellung der Akademischen Bühne):„Der Amerikafahrer", Fast- nachtsschwank von Majj Halbe. Datz Väter ihre ungeratensten Kinder oft besonders zärtlich lieben und unbelehrbar alles Mißgeschick, das diesen widerfährt, dem bösen Zufall aus das Konto setze», ist auch in der Welt der geistigen Zeugungen nicht selten. So hegt Max Halbe, dem ein prächtiges Drania wie„Jugend" und manck anderes respektable Werk gelang, für seinen unglückseligen„Amerikafahrer", der gleich nach der Geburt einen berühmt gewordenen Theater- darchfall in Berlin erlebte, eine anscheinend unausrottbare Vorliebe Er glaubte offenbar, die Leute würden in den anderthalb Jahr- zehnten seither an Einsicht und Geschmack so weit gefördert sein, datz sie die verborgenen Trefflichkeiten deS Stückes nun selbst erkennen und das ungerechte Urteil revi- dieren müßten. Indes, die Leitung der Akademischen Bühne, deren Wunderlichkeiten sckon so manches Kopfschütteln er- regten, hat dein verdienten Dichter mit dem Expermient der Neuaufführung einen üblen Dienst geleistet. Die Geschichte von dem girrenden, hinkenden Schneiderlein, das von seiner schmucken Ehe- Hälfte unter Beihilfe zweier Liebhaber als Auswanderer zur Bahn spediert wird, um dann am nächsten Tage wieder zu erscheinen und die beiden Konkurrenten bei der Wankelmütigen siegreich auszustechen, wird so erfinduiigSarm, so ohne jede feinere Pointierung. so alt- backen-nüchlerii in redseligen Knüttelversen von Hans Sachsschein Anstrich vorgetragen, datz auch der abgehärtete Zuschauer etwelche Zeichen von Langeweile und Ungeduld schwer unterdrücken kann. Dazu kam allerhand gefährlich provozierend: Komik in der äußeren Inszenierung. Der Vorhang zeigte rätselhafte Launen i wenn die im Zettel an- gekündigte höchst primitiv und schüchtern exekutierte ZlvischenaktS- musik begann, erhob er sich verheißungsvoll uin einige Fuß und ver« harrte, bis der letzte Ton verklang in dieser neckisch spaimenden Schwevestellung. In abgeschwächter Auflage, entsprechend den Sodann wird in die Generaldebatte über sämtliche Schutzgebiete eingetreten. Abg. Erzbcrgcr(Z�i Der Unfug der horrenden Ueberbezahlung der Reisekosten sollte auch nicht ein Jahr weiter existieren. GS ist doch wirklich nicht nötig, datz sogar ein mittlerer Beamter bei einer Versetzung nach Südwestafrika 1299 M. an den Reisekosten ver- dient.(Hört! hört!) Die Gemeindefinanzen in den Kolonien müssen auf gesunde Grundlagen gestellt werden. Es mutz aushören, datz die Gemeinden alles andere besteuern, nur nicht sich selbst. Es soll das auch bei uns vorkommeir.(Abg. v. Bollmar: Siehe Erbschaftssteuer!) Die Erbschaftssteuer sollte auch zur Abwälzung aus andere Schultern dienen.(Zustimmung im Zentrum. Lachen links.) In Ostafrika wird noch immer ein schwunghafter Handel mit Braniilwein betrieben; der Staatssekretär möge seineAufmerksamkeitauf diesen Mitzstaud hinlenken.— In Neu-Guinca mutz den Mißständen ent- gegengetrelen werden, welche die Vermehrung der Bevölkerung hemmen. Eins der wichtigsten Mittel zur Hebung der Eingeborenen ist der Sckulbesuck; den von den Missionaren eiligeführlen Schulunterricht kann der Bezirksamtmann sehr leicht in wirksamer Weise unterstützen und geradezu den Schulzwang herbeiführen. Sehr mangelhaft ist die Besetzung der Gerichte z. B. in Samoa, wo die Gerichtsbarkeit von einem Gerichtssekretär ausgeübt wird. Auch soll der �dortige Gouverneur es zur Aufreckterhalrung seiner Autorität für notwendig halten, einen ganzen Rattenkönig von BeleidigungS- Prozessen anzustrengen I Gegen einen Mann, der gegen de» Gouverneur klagt, leitet man einfach ein Entmündigungsverfahren ein und erklärt ihn für verrückt, alles in Abwesenheit der ordentlichen Richter!(Hört! hört!) Abg. Dr. Arning(natl.): In Neu-Guinea klagt man über zu hohe Zölle auf Nahrungsmittel; in der Tat sollte man versuchen, sie herabzusetzen. Die hohen Zölle schädigen gerade den Handel mit Deutschland. Auch die hohe» Ausfuhrzölle wirken hemmend auf die CopraauSfuhr. Erfreulich ist, datz Togo einen Neichszuschutz nicht mehr braucht. Sehr wichtig ist die Baumwollenfrage, die hoffentlich mit der Zeit auch die Sozialdemokratie veranlassen wird, ihre ab- lehnende Haltung gegenüber den Kolonien aufzugeben; sie sollte sich ein Muster nehmen an den englischen Arbeitern, die Geld � aufbringen, unr die englische Bauinwollknltur in Ostafrika zu stärken. (Hört! hört! bei den Nationalliberalen.) Redner sucht zum Schluß das Verhalten der Lüderitzbuchter wenn nicht zu rechtfertigen, so doch zu entschuldigen: Man soll nicht zu streng urteilen. Denken wir daran, welch einen Radau wir am Sonnabend hier im Reichstag gemacht haben.(Heiterkeit.) Staatssekretär Dernburg: In der Angelegenheit der Missions- schule in Samoa ist Herr Erzberger falsch unterrichtet. Die Unter- drückung ist erst erfolgt, als der katholische Geistliche von der Kanzel aus seinen Katecheten den Besuch der Regierungsschule untersagte! (Hört! hört!) Die Ausbreitung des Islams i» Afrika ist nicht wunderbar; er liegt den Negern näher als das Ehristentum, da er die Polygamie nicht verbietet; auch ist für den Uebertritt zum JSlanr nicht der lange katechetische Unterricht wie beim Uebertritt zum Christentum nötig, es genügt, wenn der betreffende„Allah il Allah" sagen kann.(Heiterkeit.) Mit Gewalt dieser Bewegung entgegenzutreten, wäre bei der fanatischen Art deS JölamS das Aller» verkehrteste. Abg. Dove(stf. Vg.): Die öffentlichen und privaten Rechts- Verhältnisse in den Kolonien sollten in einer außerparlamentarischen Kommission geprüft werden. Das Vorgehen der katholischen Geist- lichkeit in Samoa erinnert stark an Elsatz-Lothringen. Solchen Kulturkampfgelüsten mutz von vornherein mit Energie entgegen- getreten werden.(Bravo! links.) Abg. Frhr. v. Richthofen(k.) hofft, datz die BesoldnngSordnnng noch in diesem Jahre mit Wirkung vom 1. April ab zustande kommt. Jntereffant wäre es zn erfahren, wie weit die Kodi« fizierung des Eingeborenenrcchts gediehen ist. Abg. NoSke(Soz.): $u meinem lebhaften Bedauern bin ich noch zu später Stunde zu längeren AuSsührungen genötigt. Nachdem wiederholt darauf hingewiesen worden ist, datz wir Sozialdemokraten zu einer Aende- rung unserer Stellung zur Kolonialpolitik gezwungen seien, nmtz ich darlegen, weshalb wir nach wie vor der kapitalistischen Kolonial- Politik ablehnend gegenüberstehen müssen. Bei den Debatten über die D i a m a n t c n f r o g e hat der Herr Staatssekretär eitel Lob für seine Politik einheimsen können, und auch wir Sozialdemokraten haben anerkannt, datz er mit Umsicht milderen Sitten von heute, wiederholte sich der Theaterskandal von Achtzehnhuildertvierundiieunzig. Der offizielle Applaus, der Halbe auf die Bühne rief, wurde von lautein Zischen zeitweise völlig über- tönt. Das redliche Bemühen der Schauspieler um ihre undaiikbaren Rollen vermochte nichts zu retten. clt. Berliner Theater:„Pension Schöller'. Posse nach einer Idee von W. Jacoby bo» Karl Laufs. Bor 29 Jahre» war die„Pension Schöllcr" ein Zugstück ersten RangeS. Der Schauspieler mit dem Zmigeufehler lockte das lachlustige Publikum hekatombenweise ins Theater, und über den langmähnigcn Jüngling, den vergnügungS- süchtigen Gutsbesitzer, daS romanschnftstellenide Mannweib, den explosiblen Major a. D. und die übrigen Schöller-Pensionäre ivurde so viel und so herzlich gelacht, datz die I d e e der Jacoby-Laufsschen Posse in die Versenkung ging. Genau so wie vor 29 Jahren war'S am Sonnabend im „Berliner Theater". Der tiefere Sinn des lustigen UnsinnS ertrank im Uebernmt der schnell wechselnden burlesken Szenen und in dem gut besetzten Hause werden kaum zwei Dutzend Lacher daraus der- fallen sein, datz die Posse ihnen zeigen will: der sogenannte„sinnige" Mensch unterscheidet sich vom sogenannten„verrückten" oft nur da- durch, datz jener frei herumlaufen darf, während man diesen in „Pensionen" und Zwangsjacken steckt. Eine Posse wie diese nmtz flott heruntergespielt werden, und da» Tempo lietz auch nichts zu wünschen übrig, nnr am Schluß, wo Laufs recht hudlig gearbeitet hat, sollte der Regisseur ein wenig stoppen lassen, damit nicht der Vorhang unten ist, ehe daS Publikum weiß, ob ,nan den Knoten aufgeknüppert hat oder nickt. Den Lölvenerfolg heimste, wic's recht und herkömmlich ist in diesen« Stücklein, Rünipel mit der sckivachcn Zunge und der starken Lunge(Artur Bergen) ein. Der alte Klapproth(Oskar S a b o) ivar passabel, und den braven Schüller(Hermann P i ch a) unter- stützten seine„verrücklen" Pensionäre—- Josefine D o r a. Gustav B o tz, Albert Heine— recht wacker. Der lachende Dritte ist— hoffentlich— der PensionSfondS der Genossenschaft Deutscher Bühnernrngehöriger, für den die Borstellimg als„Benefiz" angesagt war. GK v Notizen. — Wilhelm B ö lsch e hält am 13.. 16. und 29. Februar in der Singakadeinic einen Vortragszyklus über„drei Geheimnisse in unserer inodernen NaturerkeimtuiS" ab. — Der Stein heil-Prozetz auf der Bühne. Das Berliner Polizeipräsidium verbot aus ordnungSpolizeilichen Gründen die Aufführung deS dramatischen Steinheil-ProzesseS. Derartige Dramatisierungen aktueller Sensationsstoffe haben zlvar keinerlei Kulturwert, aber die Polizei könnte cö ruhig dem Publilum über- lassen, sie abzulehnen und für seine Sittlichkeit zu sorgen. und Erfolg in der Diamantenpolitik zu Werke gegangen ist. Ader im Gegensatz zu jenen Debatten, die von einer gewissen vergnüg- lichen Stimmung getragen wurden, stehen tvir heule auf einem anderen Standpunkt. Der Etat bildet gewissermaßen die unangenehme Kehrseite der Medaille der 5kolonialpolitik. Die Kolonien sind dem Deutschen Reiche leider furchtbar teuer geworden. Wenn man auf die Besserung der Handelsbilanz der Kolonie» verweist, mutz dem- gegenüber betont werden, datz wir erst 100 Millionen darauf ver- wendet haben, rim die spärlichen Resultate zu erzielen, auf die wir jetzt h iub lirken lönnen. Wir haben nicht weniger als 788 247 953 M. für koloniale Zwicke geborgt und haben in diesem Jahre eine Zinsenlast von 33 Millionen Mark zu zahlen. Dazu kommt, datz ständig mit der Möglichkeit eines Ausstandes in der einen oder anderen Kolonie gerechnet werden mutz, was dann immer zu einen: rasenden Emporschnellen der Kosten führt. Es wäre eine gefährliche Illusion, wenn man annehmen wollte, datz wir in irgend einem Stadium der Kolonialpolitik die Eingeborenen versöhnen können. Unsere Freunde werden sie niemals werden, sondern sie werden sich nur so lange fühlen, als sie das Gefühl haben, die schwächeren zu sein. In dem Augen- blick, wo sie glauben stark genug zu sein, das VerHatzte Joch ab- zuwerfen, werden sie immer wieder zu Aufständen greifen, lind der Hätz, das Auflehnungsgesnhl der Eingeborenen gegen ihre Herrschaft wird in dem Matze wachsen, als ihnen eine höhere Kultur zugänglich gemacht wird. Der Etat fordert einen Reichszuschuh' von' 22Vz Millionen. Er ist erfreulicherweise abermals etlvaS niedriger als im Vorfahre und wir erkennen gern an, datz eS den» Herrn Staatssekretär gelungen ist, den Zu- schütz soweit herunter zri drücken. Voll kommt der Zuschutz im Etat übrigen? nicht in die Erscheinung. Das Kriegsschiff, das in Samoa infolge der Unruhen stationiert werden mutzte, gehörte mit seinen Unterhaltungskosten auch zu Lasten des Kolonialetats, ebenso wie die Kosten der Danipfersubventionsvorlage für Neu-Guinea im vorigen Jahre. Alles zusammengenommen erwachsen nnS für die Kolonien in diesem Jahre 60 Millionen Mark an Kosten. Diesem grotzen Betrage stehen irgendwelche nennenswerten Vorteile nicht gegenüber. An dem Diamantensegen hat das Reich keinen Anteil, dagegen hat er schwere moralische«chäden hervorgerufen: in den Kolonien einen tollen Gründungsschwindel, bei uns tolle Börsen- treibereien, die schwere Rachivirkungen für die Kvlonialpolitik haben werden. Der Herr Staatssekretär hat in der Kommission selbst zugegeben, datz seit dem kalifornischen Gründungsschwindel ähnliche Treibereien nock nicht vorgekommen seien. Die grotze Reklame, mit der eine ganze Reihe von Papieren von neu gegründeten Kolonial- gesellschafteil bei uns auf den Markt gebracht werden, rufen die schwersten Bedenken hervor. Eine besonders unangenehme Er- scheinnng ist es, datz im öffentlichen Leben stehende Männer mit an- gesehenein Ramcn diese Gründungen bis zu einern gewissen Grade decken, trotzdem sie wissen müssen, datz Leute, die solche Papiere kaufen, auf daS schwerste geschädigt werden. Tritt der Krach in den kolonialen Werten dann ein, so wird der Staatssekretär der Leidtragende fein. Und auf keinen Fall darf durch Reichsgesetz die Zuläsfigkeit der Verausgabung von kleinen Kolonialaktieii be- schloffen werden. Der Finanzwelt wäre damit natürlich gedient, sie könnte ihre kolonialen Engagements von der dünnen Schicht der reichen Leute auf die breiten Massen der weniger kapital- kräftigen Leute abwälzen. Das Zugeständnis der kleinen Aktie» soll wohl ein Ersatz für das Grotzkapital fein dafür, datz mit der Kon- zessionS- und SchenknngSwirtschaft ein Ende gemacht ist. Von einem Handel mit de» Kolonien zu reden, lohnt sich kaum. Der Gesamthandel aller Schutzgebiete im Jahre IVOS betrug in Ein- und Aussuhr nur 58'/« Millionen, war also nicht einmal so hoch wie die Summe, die aus der Tasche des deutschen Volkes in die Kolonien gesteckt ist. Ein schlechteres Geschäft kann ich mir nicht vorstellen.(Sehr wahr I bei den Sozialdemokrulen.) Diesen SS'/« Millionen steht gegenüber die Riefeniumme von 6752 Millionen unseres Welthandels überhaupt l Zur Belebung unseres Wirtschaftslebens hat die Kolonialpolitik nichts beigetragen. Wenn man heute daran erinnert, datz bei den letzten Wahlen ernsthaft davon die Rede gewesen ist, datz die Arbeiter auch Vorteile von unserer Kolonialpolitil haben würden, begegnet man tiur schallendem Gelächter in Arbeiterkreisen. Ein erheblicher Teil der Einfuhr in die Kolonie» stammt übrigens� gar nicht aus Deutschland, sondern die Ansiedler und Händler kaufen natürlich da. wo sie die Sachen am billigsten und bequemsten bekommen. Ebenso würde es gehen, wenn es ge» lätige, in den Kolonien in erheblichein Matze die Produktion von Rohstoffen zu fördern. Auch dann würden die Leute ohne Rücksicht auf vaterländische Jntereffen ihrem Profit nachgehen und da ver- kaufen, wo sie die höchsten Preise bekommen. Der Bau von Eisenbahnen trägt sicher zur EntWickelung der Schutzgebiete bei. aber wen» wir die Dlitzende von Millionen, die verwendet werden, um im unwirtlichen Südwestafrita Eisenbahnen zu bauen, für die innere Kolonisation verwenden würden, so be« kämen Taufende und Abertausende in Deutschland eine Existenz, und die Arbeiterschaft hätte in der Tat vermehrte Arbeitsgelegenheit. (Sehr wahr l bei den Soz.) Man spricht jetzt viel weniger davon, datz unsere Industrie und unser Handel unmittelbare Förderung durch unsere Kolonien er- fahren, als vielniehr davon, datz wir im Interesse unserer Industrie in den Kolonien die Rohstoffproduktion fördern müssen, lieber die Bedeutung einer billigen Rohstoffbeschaffung für unsere Industrie find wir Sozialdemokraten uns durchaus im klaren. Aber wir verlangen solche Förderung der Rohstoffprodnktionen in den Kolonien unter Vermeidung jeder Unterdrückungspolitik gegen die Eingeborenen. sSchr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Darüber sollte man sich eigentlich keinen Illusionen hingeben, datz vielleicht in verhältnismätzig rascher Zeit, etwa in fünf Jahren, grötzere Mengen Baumwolle in unseren Kolonien zu gewinnen wären. Ob zum Beispiel Togo für eine grötzere Baumwollproduktion geeignet ist, ist noch sehr zweifelhaft. Die Niederschlagsverhältniffe sind nach der Meinung vieler Sachverständigen dazu z» schwankend, und ebenso steht es mit Ostafrika. Jedenfalls gibt es zu denken, datz die Kapitalisten, die doch eine feine Witterung dafür haben, wo Geschäfte zu machen sind, bisher nicht geneigt waren, in solchen Ge- schästen Kapitalien anzulegen., Erfreulicherweise tft voil Kolonialschcußlichkciten in neuerer Zeit keine Rede gewesen. Aber man mutz ja auch darauf hinweisen, datz viele Dinge nicht verfolgt werden. So hat ein früherer Kameruner Beamter gegen einen Hauptmann— Namen will ich absichtlich nicht nennen— Beschuldigungen erhoben, doch wurde sein Antrag, ein ErniittelungSversahren zu eröffne», a b- gelehnt. In dem ablehnenden Bescheid beitzt eS, es sei nicht unzulässig. Weiber als Geitzeln fortzuschaffen I Auch das sei kein Anlas; zu einer Strasverfolgnng, datz bei einem nächtlichen Gefecht Weiber und Kinder erlchossen seien: auch könne nicht strafrechtlich vorgegangen werden, weil den, Hauptmami kein Vorwurf daraus zu niachen sei, datz er Träger gepretzt hat und daß er. als sie desertierte», auf sie feuern lietz, wobei einer von ihnen t o tg e s ch o s s ew wurde. Ebenso sei es nicht un- berechtigt gewesen, datz ein zehnjähriges Mädchen mit schweren Rutenstreichen gezüchtigt wurde, weil sie des Abends noch laut sang. (Hört! hörtl bei den Sozialdemokraten.) Auch das sei kein Bor- Wurf, datz zwangsweise Proviant stir die Truppen und für die Angestellten der Gesellschaft Südkamerun eingetrieben wurde. Alles das sollen „durchaus nottvendtge Maßregeln" gewesen seinl sHört! hört! bei den Sozialdemokraten.— Der Staatssekretär tritt zu de», Redner, um den Bescheid einzllsehen. Abg. Nosle übergibt das Schriftstück de», Staatssekretär.) Sie sehen also, datz man in gewisser Beziehung sehr nachsichtig ist. Man rühmt den kulturellen Weg. den die Kolonialpolitik stir die Eingeborenen habe. Aber aus Idealismus tvird doch für die Kolonialpolitik kein Pfennig ausgegeben! Die Iördenmg der Neger durch Unterricht geschieht doch nur deswegen, weil sie auf eine ge- wisse Kiilturstuse gebracht werden müssen, ehe sie ein gutes kapitalistisches Ausbeutnngsobjekt abgeben.(Sehr richtig I b. d. Soz.) Der Kolonialsekretär sagte, seine Regerpolink sei darauf gerichtet, die Superioritäl der weitzen Rasse zu sichern. Aber die Inferiorität der schwarzen Rasse ist noch keinesw'gs erwiesen. Die Ersahrungen in Amerika beweisen dafür nichts, t eil die Schwarze» dort von ihrer Heimat losgelöst sind. Für ihre Bildungssähigkeit legen die Berichte aus Südafrika Zeugnis ab. Sie haben einen grotzen Drang, sie aus den Schulen zu fördern. In Togo schickt die Verwaltung sich an, eine Fortbildungsschule mit gehobenen Klassen für die Eingeborenen einzurichten. Was den Eingeborenen mit der einen Hand gegeben wird, tvird ihnen mit der anderen ge- nommen. Man rübmt, datz Laudsriede geschaffen ist; aber er ist mit Maschine, tgrwrhre» geschaffen, die in einein einzigen Gefecht mehr Opfer forderten als Hunderte von Stammesfehden. Beim Ausstand in Ostasrika wurden in geradezu grauenhafter Art die Neger in ganzen Scharen uicdergemäht. (Sehr wahrl bei den Sozialdemokraten.) Man bekämpft die Lepra und die Schlafkrankheit. Wir begrützen das und wir werden eS auch erreichen, datz Hunderte von Regern am Leben bleiben. Dafür reitzen wir aber Taufende zu den Bahn- bauten aus ihre» Lebensgewohuheiten, zu Arbeiten, denen sie nicht gewachsen sind, wobei der gesundheitliche Vorteil wieder ausgehoben wird. Dazu kommt der schädliche Elufluß der Schnapsemsulir; übrigens wird in den englischen nnd frauzösischen Kolonien erheblich mehr für dir Erhaltung der Gesundheit der Eingeborenen aufgewendet. Unser Etat weist einen erheblichen Posten für Maschinengewehre auf. statt dessen sollten wir lieber Aerzte hinanSsenden. (Lebhaftes Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Man fördert- die Neger, indem man ihnen höhere Ackerbaumethoden beibrintzs, dafür belasten wir sie aber mit Stenern, die sie zwingen, ihr« eigene Scholle zu verlaffe» und Beschäftigung beim Bahnbau zu suchen. Der vorfährige Bericht hebt dabei selbst hervor, datz nichts so lehr geeignet ist, Liese Leute zu proletarifieren. Es soll anerkannt werden. datz in einzelnen Kolonien durch die Besetzung seitens Deutschlands die Eingeborenen mehr als bisher vor der Fuchtel ihrer Häuptlinge bewahrt werden. Dafür find sie aber unter die Fuchtel unserer Gesetze gestellt.(Abg. Arning(natl.): Unter dieser Fuchtel stehen wir auch I) Ich glaube, Herr Arning, datz Sie sich dafür bedanken würden. wie ich Ihnen noch zeigen werde. Der Staatssekretär ist sich klar darüber, datz die Art der Rechtspflege in den Kolonien dringend einer Reform bedarf. Aber nicht nur die Rechtspflege gegenüber den Weihen, sondern vor allem resorm- bedürftig ist die Recktspflege gegenüber den Ein» geborenen. In Togo sind IVOS 1701 Eingeborene zu Ge- fängniS verurteilt, 1618 zu Geldstrafen, 020 wurden geprügelt, und zwar.von Rechts wegen"! lHört l hört I bei den Sozial- demokraten.) Aber die Kultur in Togo schreitet fort; im vorigen tahre wurden.nur' noch 434 geprügelt!(Hört! hört! bei den ozialdemokraten.) Im BiSmarck-Archipel wurde 16 mal geprügelt, in Samoa wird nicht mehr geprügelt, dafür hat'sich das Bedürfnis nach Erweiterung der Gefängnis- anlagen herausgestellt l Die Bemerkung im Etat, datz .aus politischen Gründen' dort nicht mehr geprügelt wird, bedeutet: daß China dagegen Einspruch erhodrn hat! I» Ostafrika hatten wir im Jahre 1903 63 Hinrichtungen, 9032 Verurteilungen zu Gefängnis und 1173 mal die Verhängung der Prügelstrafe, wozu noch 2375 von denen kommen, die zu Gefängnis verurteilt waren. In Süd- Westafrika wurde 703 mal geprügelt, in Kamerun 1787 mal. Im vorigen Jahre sagte der Staatssekretär, datz gegen die Eingeborenen besonders human verfahren werde I Damit vergleiche man, datz mehr als 6000 mal in de» Schutzgebieten die Prügelstrafe»rrhängt istl(Hört! hörtl bei den Sozialdemokraten.) In den englischen und französischen Kolonien wird weit weniger geprügelt. Und »un. Herr Arning, werden Sie wohl zugeben, datz Sie keine Neigung haben, unter dieser Fuchtel deutscher Gesetze zu stehen. (Lebhaftes Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Wenn soviel Prügelstrafen verhängt werden, so kann man sich eine Vorstellung davon machen, wie ausgedehnt das System der Mißhandlungen seitens der Farmer ist. Dabei braucht man gar nicht zu derartigen Strafen zu greifen. ES gibt Oifiziere und Beamte, die darauf hin- weisen, datz auch der Neger Ehrgefühl hat und datz bei diesem anzusetzen ist.(Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Die Sklaverei wird bekämpft, aber das System, das an ihre Stelle tritt, ist nur Sklaverei uiiter einem andere» Namen. Auf den Anschein einer gewissen Humanität wird gehalten; ich erkenne das an; es werden Verordnungen erlassen, Arbeitskommiffare an- gestellt. Sehr gut I Nur datz das meiste auf dem Papier steht. Schon datz, wo keine Arbeitskommissare angestellt werden, die B e« zirkSleiter an ihre Stelle treten,«st bedenklich. Diese beziehen ihre Informationen durchweg von denselben Leuten, gegen die sie die eingeborenen Arbeiter schützen sollen.(Hörtl hörtl bei den Sozialdemokraten.) Die Kameruner Arbeitsordnung lätzt gegen Arbeiter, die ihre Pflicht nicht erfüllen, nicht nur Stockprügel, sondern auch Ketten- trafen zu.(Hört I hört I) Für unsere nach krimineller Ahndung des Kontraktbruchs lechzenden Agrarier mag das ja ein idealer Zustand sein, aber human ist das nicht.(Sehr gut I bei den Sozialdemo- kraten.) Das Trucksystem steht in Blüte, und die Bestimmungen über Lösung des Dienstverhältnisses sind in völlig einseitigem Arbeit- geberinteresse gehalten. Aus den Lastern der Eingeborenen sogar wird Kapital geschlagen; ich erinnere daran, datz man den Opium- Handel als ergiebige Einnahmequelle betrachtet I Also unser Kolonialsystem ist nach kapitalistischen, aber nicht nach humanen Gesichtspunklen zugeschnitten. Betrachten wir es einmal vom Gesichtspunkte des wirtschaftlichen Interesses der Weitzen. Da scheiden für die lveitze Bestedelung Neuguinea, Tvgo. Kamerun völlig aus. Neuerdings wird nun mit allem Nachdruck die weitze Be- siedelung der Hochländer Ostafrikas gefordert. Ich halte diese Besiedelungsidee für auherordentlich verhängnisvoll.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Die Regierung hebt in ihrer Denkschrift selbst hervor, datz weite Gebiete des Landes außerordentlich ungesund sind. Die Sterblichkeit, die Zahl der Erkrankungen ist ungeheuerlich. Weiter kommt in Betracht, datz der Herr Staatssekretär selbst gesagt hat. datz, wer nicht 50000 M. in der Tasche habe, keine Aussicht habe, in Ostafrika Ansiedler zu werden. Für Südwestafrika wurden 20 000 M. als mindeste Kapitalanlage bezeichnet. Wir haben ja nichts dagegen einznwende», datz Leute, die die Tasche voll Geld haben, in die Kolonien gehen, aber die im Lapde bleibenden Prole- tarier haben keine» Anlatz, dafür grotze Lotten aus sich zu nehmen. (Sehr wahr! bei den Sozialdemoklaten.) Im übrige» haben wir auch keinen Anlatz, große Latifundien dort für einen Pappenstiel in die Hände von Grotzkapitalistei, zu geben.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Nun zu Südwestafrika. ES ist doch geradezu grauenvoll, datz von de» 30000 Soldaten, die nach dort gesandt wurden, 700 Offiziere und zirka 6000 Soldaten invalide zurückkehrten.(Hört! hört!) Das wirft einen grellen Blick auf den dortigen Gesundheitszustand. Die amtlichen Berichte be- stätigen ja die Gefährlichkeit auch des südwestafrikanischen Klimas. 20 Jahre besitzen wir nun die südwestafrikanischell Gebiete. Und heute noch überwiegt dort die Zahl der Beamte», Offiziere, Sol- date» die der Farmer.(Hört I hört!) Bon den Farmern ist ein großer Teil Nichtdeutsche: Buren, Engländer usw. Der Staatssekretär selber hat ja ein recht trübes Bild von den dortigen Verhältnissen entworfen. Alkoholmißbrauch in erschreckender Höhe, unverhältnismätzig hohe Zahl der Prozesse, alles das läßt recht trübe Blicke in die Zukunft tun. Geklagt wird auch über die grotze Zahl der M i s ch li n g e. Unsere Chauvinisten fürchten auch die weitzen Mischlinge: die Mischlinge von Deutschen eincrseitS und Buren oder Engläiidern andererseits: sie fürchten, datz bei dem schlechten Zustand der dortigen Schulen diese Mischlinge zu einer schnellen Entgermanisierung 5er Kolonie führen werden. Beachtenwert ist der grotze Wechsel der Bevölkerung im Schutzgebiet. Es wäre interessant zu wissen, ob die Buren, die Kapengländer oder die Deutschen am meisten flukuiieren. ES fehlt den deutschen Ansiedlern an der erforderlichen Zähigkeit, und sie machen daher forlgesetzt An- sprüche aus Unterstützung durch das Reich. Zur Viehzucht soll die Regierung Geld geben, zur O b st z u ch t der G o u V erneut usw. Wenn die Viehzucht sich dort einwickeln soll, mutz die Ausfuhr nach Deutschland eine nennenswerte sein. ES ist auf die Doner unmöglich, datz die Ausländer von der Selbstverwaltung ausgeschlossen werden. Der Landesrat kann zur- zeit nur beratende Stimme haben, beschließende erst dann, wenn wir Gewähr für die Besserung der dortigen Elemente haben. Es war übrigens interessant, datz in Südwestafrila bereits mit Abfall von dem Mutterlaude gedroht worden ist, wenn dieses den Ansiedlern nicht allen Willen tut. Herr Erzberger hat auf das gewiß nicht unbedeutende Moment der Ausbreitung des Islams in Ostasrika hingewiesen. Biel wichtiger noch ist die äthiopische Bewegung. Die Reger beginnen sich ihrer Solidarität bewußt zu werden. Ein so guter Kenner der Berhältniffe wie der Graf Götzen, der noch dazu die Neger eher unterschätzt als überschätzt, hält die äthiopische Bewegung für eine außerordentlich bedeutsame und für die europäische Herrschaft außerordentlich gefährliche.(Hört l hört!) Wir Sozialdemokraten können die kapitalistische Kolonialpolitik nicht hindern. Wir lehnen aber auch alle Veranlwortmig für fic ab. Dagegen werden wir olles daran setzen, der Humanität einen Einfluß in den kolonialpolitüchen Dingen zu sichern.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Hierauf vertagt sich das HauZ. Geschäftsordnungsdebatte. Bizeprästdent Spahn beraumt die nächste Sitzung au guf DienStag 1 Uhr und schlägt als Tagesordnung vor: 1. Beschlußfassung über die Einsprache des Abg. Ledebour gegen den ihm am Sonnabcnd erteilten Ordnungsruf. 2. Beratung des Vertrages zwischen Portugal und dem Deutschen Reiche. 3. Fortsetzung des Kolonialetats. Abg. Bebel(Soz.)(zur Geschäftsordnung): Ich möchte bitten, den ersten Gegenstand der Tagesordnung für morgen auf die Sitzung vom Donnerstag zu vertagen. Der Grund, der mich zu diesem Antrage bestimmt, ist folgender: Als am Sonnabend der Herr Vizepräsident Erbprinz zu Hohenlohe den Abg. Ledebour zur Ordnung gerufen hat, sah sich der Abg. Ledebour veranlaßt, zu fragen, ob dieser Ordnungsruf i h m gegolten habe. Das wurde ihm bestätigt. Darauf bat der Abg. Ledebour den Herrn Vizepräsidenten, er möge ihm daS Stenogramm der Rede zukommen lassen, damit er einen Antrag formulieren könne, um an das Haus zu appellieren. Das wurde bewilligt. Nu» stellt sich aber heraus, daß das Stenogramm, das Herrn Ledebour uuter- breitet wurdr, sich in einem wesentlichen Punkte von dem Stenogramm unterscheidet, das im offiziellen Bericht abgedruckt ist!(Lebhaftes ort! hört! links.) In dem Originalstenogramm, das zunächst errn Ledebour zur Verfügung gestellt wurde, heißt eS: Vizepräsident Erbprinz zu Hohenlohe: DaS Wort hat der Abg. Oiann.(Zuruf des Abg. Ledebour: Was sagt der Präsident dazu?— Sehr richtig! und Zurufe links.) Herr Abg. Ledebour, ich habe verstanden, daß Sie gesagt haben, was ich dazu sage. (Abg. Ledebour: Jawohl, was sagt der Präsident daz» k»» Sehr richtig I und Zurufe bei den Sozialdemokraten.) Ich verbitte mir eine Kritik in dieser Form.(Große Un» ruhe und Zurufe links; Ruf rechts: Ruhe!) Ich rufe Sie zur Ordnung!(Stürmische Zurufe link«! Bravo I recht?.) Ich bitte um Ruhe für den Herrn Redner.(Andauernde Unruhe.) Zunächst ist zu bemerken, datz in diesen Ausführungen des Herrn Vizepräsidenten der Name des Redners, der zur Ordnung gerufen werden sollte, nicht genannt ist.§ 61 der Geschäftsordnung schreibt vor, datz, wenn ein Mitglied die Ordnung verletzt, er vom Präsidenten mit Nennung des NomenS darauf hingewiesen wird. In dem vorliegenden Stenogramm, das heute verteilt worden ist, bekommt nun die Sache noch einen ganz anderen Charakter, wo« durch der Ordnungsruf noch verwirrt er wird. Es heißt da: .Herr Abg. Ledebour. ich habe verstanden, datz Sie ge- sagt haben, was ich dazu sage.(Abg. Ledebour: Jawohl, was sagt der Präsident dazu?—(Sehr richtig l und Zurufe bei den Sozialdemokraten.)) Ich verbitte mir eine Kritik in dieser Form. (Grotze Unruhe und Zuruft links: Sie haben dt» NrichStag besudeln lassen! Skandal.") von diesen Worten enthält da« erste Stenogramm gar nicht« I (Lebhaftes Hört! hört! links.) Sie sind nachträglich hincinkorrigiett. Dann geht es weiter: (.Rufe rechts: Ruhe!) Ich rufe Sie zur Ordnung!' Es scheint hiernach also, daß dem Herrn Vizepräsidenten die Zurufe:.Sie haben den Reichstag besudeln lassen! Slandall' veranlaßt haben, den Ordnungsruf ergehen zu lasten. Ader gegen wen? Wer hat die Zurufe gemacht, die jetzt hier stehen? Das wird nirgends gesogt. So find wir in einer ganz merkwürdigen Situation. Wir wollen über einen Ordnungsruf ab- stimmen, während nach dem jetzt vorliegenden Bericht, der nunmehr vom Präsidium als offizieller Bericht anerkannt wird, mit keinem Worte gesagt wird, gegen wen sich der Ordnungsruf richtet. Ich glaube also, datz mein Antrag vollständig korrekt ist, und bitte den Herrn Präsidenten, ihn zur Avstiinmung zu bringen. Vizepräsident Dr, Spahn: Wenn das Haus so beschließt, habe ich gewiß nichts dagegen zu erinnern. Zur Sache selbst mutz ich die Auffastung vertreten, datz eine Diskussion über den Antrag des Herrn Abg. Ledebour hier nicht stattfinden kann. Wenn Herr Ledebour aus Grund des stenographischen Berichts zu der Ansicht kommt, daß der Ordnungsruf überhaupt nicht ihm erteilt worden ist, dann ist er ja in der Lage, seinen Antrag zurückzuziehen. (Sehr richtig! und Heiterkeit rechts. Unruhe links.) Abg. Mommscn: Datz eine Geschäftsordnungsdebatte über die Frage der Zuläsfigkeit des Ordnungsrufes nicht erfolgen kann, ist mir bekannt. Aber ich meine, wir haben doch nach dem offiziellen Stenogramm und nach dem, was Herr Bebel dazu ge- sagt hat, die Frage an den Präsidenten zu richten, wegen welcher Aeußernng der Ordnungsruf erfolgt ist. Ist er erfolgt wegen der ersten Aeutzernng:.Jawohl, was sagt der Präsident dazu?' oder wegen der jetzt im Stenogramm befindlichen Zwischenrufe. bei denen im Stenogramm nicht vermerkt ist, wer sie getan hat? Nur diese Frage möchte ich an den Herrn Präsidenten stellen. denn die dann kommenden Worte:„Ich rufe Sie zur Ordnung!' zeigen weder, wer den Ordnungsruf bekommen hat. noch gegen welche Aeutzerung er gerichtet ist.(Lebhafte Zustimmung links.) Vizepräsident Dr. Spahn: Nach meiner Auslegung der Geschäftsordnung bin ich nicht berechtigt, diese Frage zu beantworten.(Widerspruch links.) Abg. Dr. Miillcr-Mciningen:(frs. Vp.): Diese Auffassung kann ich-nicht als richtig anerkennen. Die Auffassung des Präsidenten wäre nur dann berechtigt, wenn wir jetzt die Eni- scheidung zu treffen hätten, ob der Ordnungsruf berechtigt war. DaS wollen wir nicht, sondern wir wollen nur die Vorfrage be- andeln, ob wir im Hinblick auf den nicht aufgeklärten Tat- estand überhaupt eine Entscheidung treffen können. Datz oer Tatbestand nicht feststeht, geht aus den Ausführungen der Abgg. Bebel und Mommse» hervor, und wir sehen ja. datz auch der Präsident ihn nicht aufklären kann.(Lebhafte Zustimmung links.) Bizepräsident Tr. Spahn: Ich mutz bei meinem Standpunkt verharren, weil in diesen Ausführungen auch in dix Diskussion eingetreten wird. Abg. Basscrmann(nall-l: Tnrch diese Diskussion wird clgent- lich die" Bestimmung der Geschäftsordnung, dag die Entscheidung über die Berechtigung oder Nichtberechtigung deS Ordnungsrufes ohne Diskussion erfolgen soll, einfach illusorisch ge- ina cht.(Lebhaftes Sehr richtig! rechts und im Zentrum.) Mast- gebend für diese Beurteilung der Sache ist für uns das vor- liegende Stenogramm. Denn wo kämen wir hin, wenn in münd- licher Beanstandung gesagt wird:„Was in dem Stenogramm steht, ist falsch!" Solauge das Stenogramm nicht geändert ist, muh es für uns maßgebend sein. Das Stenogramm stellt auch einen ganz klaren Sachverhalt dar. Der Vizepräsident hat danach drei Sätze gesagt:„Herr Abgeordneter Ledebour, ich habe verstanden, daß S>e gesagt haben, was ich dazu sage." Tann den zweiten Satz: «Ich verbitte mir eine Kritik in dieser Form", und drittens:«Ich rufe Sie zur Ordnung." Das bezieht sich auf den Abg. Ledebour, wenn man nicht künsteln will.(Lebhafte Zustimmung rechts und im Zentrum.) Es ist klar, daß der Ordnungsruf auf einen Zwischenruf von Herrn Ledebour erfolgt ist, gleichgültig, ob der Zwischenruf im Stenogramm steht oder nicht! Daß der Name des Herrn Ledebour nicht genannt ist, ist gleichgültig, denn sehr häufig ist bei der Erteilung des Ordnungsrufes der Name nicht ausdrücklich wiederholt worden. Abg. Erzbcrger(Z.): Ich schließe mich Herrn Bassermann in allen Teilen an. Die Geschäftsordnung erklärt ausdrücklich, daß ohne vorhergehende Diskussion entschieden wird. Das bedeutet: auch ohne Diskussion zur Geschäftsordnung. Wenn jetzt deduziert .wird, daß die Ausführungen des verehrten Herrn Vizepräsidenten durch Zwischenrufe unterbrochen sind, so ist zu erwidern: Wären die Herren ruhig gewesen, so hätte der Herr Vizepräsident hinter- einander gesprochen, und der Ordnungsruf lväre Herrn Ledebour sofort erteilt. Zwischenrufe kennt ja die Geschäftsordnung über- Haupt nicht. Maßgebend ist natürlich das amtliche Stenogramm. Für das, was Herrn Ledebour gezeigt worden ist, hat kein Mensch eine Garantie übernommen. Abg. Bebel(Soz.): Herr Bassermann meinte, es sei beabsichtigt, durch diese De- batte die Bestimmung der Geschäftsordnung, daß ohne Debatte ent- schieden werden mutz, illusorisch zu machen. Wir würden gar nicht mit der Debatte gekommen sein, wenn wir nicht durch das Steno- gramm, nachdem wir am Samstag das Originalstenogramin gesehen hatten, auf diese Einfügung aufmerksam gemacht worden wären. Nach dem ersten Stenogramm konnte man des Glaubens sein, der Ordnungsruf fei erlassen wegen der Frage: Was sagt der Präfi- dent dazu? Also gegen den Abgeordneten Ledebour, aber nicht legal, weil gar keine Veranlassung dazu war. Jetzt dagegen steht die Sache so. daß sich aus dem offiziellen Stenogramm nicht ersehen läßt, gegen wen der Ordnungsruf erlasse» ist.(Lebhafte Rufe: Ohl Ohl rechts und im Zentrum.) Geben Sie doch das Stenogramm irgend jemand außer dem Hause zu lesen, so wird er fragen müssen: Wer ist den» mit den, Ordnungsruf gemeint? (Lebhafte Zustimmung links.) Der Abgeordnete Ledebour ist toeder genannt, noch ist die Aeußerung ersichtlich, für welche der Ordnungsruf erteilt ist. Die Zwischenrufe kamen von ver- schiedenen Seiten. Ob Ledebour unter den Zwischenrufern war, weih ich nicht. Aber wenn er mit dem Ordnungsruf gemeint war, so hätte da» ausgesprochen werden müssen. Wir befanden uns im Jahre 1872 in einer ähnlichen Situanon, die meine Person detraf. In dem nachträglich geänderten Stenogramm ist der Sache ein ganz anderer Sinn gegeben als sie im ursprünglichen Stenogramm hatte.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Wg. Mommken(frs. Vg.): Wenn das Stenogramm so aus-, gelegt werden müßte, wie Herr Bassermann es getan hat, so hätten meine Freunde und ich keine Veranlassung gehabt, die Frage zu stellen. Das Stenogramm enthält jetzt, wen» ich so sagen darf, zwei Reate(Anschuldigungen). TaS erste ist der Zwischenruf LedebourS:«Jawohl, was sagt der Präsident dazu?" Das zweite ist ein namenloser Zwischcnrufer:«Sie haben den Reichstag be- sudeln lassen! Skandal!" An diesen schließt sich der Ordnungsruf an. und ich meine, wenn überhaupt Zweifel auftauchen, fiir welchen der Zwischenrufe der Ordnungsruf erteilt ist, so ist doch die Frage berechtigt, für welche« Reat und gegen wen er gerichtet war. Wenn der Präsident das beantwortet, haben wir keinen Anlaß, die Debatte fortzusetzen. Abg. Freiherr v. Richthofen(k.): Die heutige Geschäftsord- nungsdcbatte ist nichts anderes als eine Vorbereitung der Ent- scheidung(Lebhafte Zustimmung rechts und im Zentrum), und auch zu einer solchen Vorbereitung der Entscheidung darf nach unserer Geschäftsordnung eine Debatte nicht stattfinden. Ich schließe mich Herrn Bassermann an, daß für uns nur das vorliegende Steno- gramm maßgebend sein kann, nicht aber mündliche Mitteilungen, wie es etwa hätte lauten können. Ich bitte daher, den Antrag Bebel abzulehnen und dje Abstimmung morgen vorzunehmen. Abg. Bebel(Soz.): Mit der Aeußerung des Präsidenten„Ich verbitte mir eine Kritik in dieser Form" war der Abg. Ledebour abgefertigt. (Lebhafter Widerspruch rechts.) Ganz sicher! Nun kommt:„Gr. Unruhe und Zurufe links: Sie haben den Reichstag besudeln lassen! Slandal!" und darauf:„Ich rufe Sie zur Ordnung!" Dieses „Sie" bezieht sich auf die Zwischenrufer, und es ist nicht gesagt. daß der Abg. Ledebour der Zwischenrufcr war.(Sehr richtig! links.) Abg. Momnisen(frs. Bg.): Es scheint, daß der Präsident die Frage, die ich an ihn gerichtet habe, nicht beantworten will. Nach der Auffassung der Herren Vasscrmann und Erzberger wären die drei Aeußerungen des zweiten Vizepräsidenten im Zusammen- hang zu lesen, und dann kann der Ordnungsruf nur erfolgt sein ivcgen der Aeußerung:„Jawohl, was sagt der Präsident dazu?" Tann ist aber wegen der Zwischenrufe„Sie haben den Reichstag besudeln lassen! Skandal!" ein Einschreiten des Präsidenten und ein Ordnungsruf nicht erfolgt!(Lebhafte Zustimmung links, große Unruhe rechts.) Jawohl, das kommt nach Ihrer Ausfassung heraus. Abg. Erzbcrger(Z.): Wir haben über die Beschwerde deS Kol- legen Ledebour abzustimmen. Diese Beschwerde liegt vor, und deS- halb sehe ich nicht ein, weshalb hier eine weitere Debatte stattfinden soll. Ich muß Widerspruch dagegen erheben, daß die Debatte weiter fortgeführt wird. Was Herr Mommsen ausgeführt hat. war eine sachliche Kritik des Ordnungsrufes(Lebhafte Zustimmung rechts und im Zentrum) und gerade das soll nach der Geschäftsordnung ausgeschlossen sein. Abg. Dr. David(Soz.): In die sachliche Erörterung will ich nicht eintreten, nachdem der Abg. Bebel den SackprerHalt schon klar dargelegt hat. Ich will nur protestieren gegen die Auffassung des Herrn v. Richthofen, daß eine Diskussion über die Berechtigung des Ordnungsrufes bei der Vorbereitung der Entscheidung nicht zulässig sei. Wäre das richtig, so hätte der Präsident diese Diskussion nicht zulassen dürfen. Da er es aber getan hat, so muß er eben anderer Meinung sein. (Lebhafter Widerspruch rechts und im Zentrum.) Bizepräsident Dr. Spahn: Der Abg. David irrt. Ich habe erklärt, daß ich über diese Frage eine Debatte nicht zulassen kann. Ich habe die Debatte darüber zulassen müssen, ob die Frage mor» gen oder am Donnerstag abgestimmt wird. Abg. Dr. Pachnicke(frs. Vg.): Eine Debatte darüber, ob der Ordnungsruf berechtigt war oder nicht, hat bisher nicht stattgefunden(Lebhafte Zustimmung links) und darf nach der Geschäftsordnung auch nicht stattfinden. Wir wollen eine solche auch nicht auf Umwegen erreichen. Wir wollen lediglich eine Feststellu ng des Tatbestan des. Es bestehen Zweifel darüber, worauf der Ordnungsruf sich bezieht: ob aus die erste Aeußerung oder auf die Zwischenrufe, die in dem Lärm gefallen sind, ohne daß man weiß, von wem sie ausgingen. Dieser Zweifel besteh», und«r muh gehoben werden, wenn wir ciucn sachlich begründeten Aeschluh fassen wollen.(Sehr richtig! links.) Nun gibt es nur eine P-rsog im Hause, die diesen Zweifel lösen kann und das ist der zweite Vizepräsident, der damals das Prä- sidium geführt hat, und es liegt doch nahe, daß er sich dazu äußert. oamit wir in die Lage versetzt iverden, eine Entscheidung auf Grund eines gesicherten Tatbestandes zu treffen.(Lebhaftes Sehr richtig! links.) Aber er will scheinbar nicht sprechen. Unruhe rechts.) Abg. Erbprinz zu Hohenlohe-Langenburg(Rp.): Ich habe mich zunächst mit dem Präsidenten ins Benehmen ge- setzt: ivelches seine Auffassung über die Geschäftsordnungslage dieser Debatte ist. Wir haben uns dahin geeinigt, daß ich nunmehr als Abgeordneter die Aufklärung des Tatbestandes gebe, wie ich ihn erlebt habe oder erlebt zu haben glaube. Ich habe die Worte des Abg. Ledebour zunächst in der im Stenogramm angegebenen Weise gerügt. Dann kamen sehr lebhafte Zwischenrufe, und Herr Ledebour beteiligte sich an diesen Zwischenrufen, obgleich ich ihn durch meine Rüge bereits zur Ruhe aufgefordert zu haben glaubte. Ich hielt diese Kundgebungen des Abg. Ledebour— die einzelnen Worte konnte ich bei dem Lärm nicht verstehen— für eine uner- krubte Unterbrechung der Verhandlungen, die e» ganz unmög- lich machte, daß der Redner, der bereits zum Worte aufgerufen war, seine Rede fortsetzen konnte. Deshalb rief ich in Fortsetzung des vorhin Gesagte» Herrn Ledebour zur Ordnung. Das ist, glaube ich. die Antwort auf die Frage, die die Herren an mich gestellt haben.(Unruhe links.) Vizepräsident Dr. Spahn: Durch die Erklärung des zweiten Vizepräsidenten will ich kein Präjudiz entstehen lassen, aber da er selbst den Wunsch hatte, die Erklärung abzugeben, so wollt« ich ihn nicht daran hindern. Abg. Dr. Müllcr-Meiningen(frs. Vp.): Ich konstatiere, daß der zweite Vizepräsident nach seiner eigenen Erklärung Herrn Ledebour angeblich wegen einer allgemeinen RuhestSrung zur Ordnung gerufen hat. nicht wegen seiner speziellen Bemerkung.(Leb- hafter Widerspruch rechts und im Zentrum.) Vizepräsident Dr. Spahn: Wir kommen nunmehr zur Ab- stimmung über den Antrag des Abg. Bebel. Abg. Graf Westarp(k.)(zur Geschäftsordnung): Ich bezweifle die Beschlutzfähigkeit des Hauses. Abg. Bebel(zur Geschäftsordnung): Ich ziehe meinen Antrag zurück. Vizepräsident Dr. Spahn: Dann bleibt eS also bei dep von mir vorgeschlagenen Tagesordnung, Schluß 8 llhr._ Hus der Partei. Parteiliteratur. Arbeiter-Gesundheits-Bibliothek. Als Heft 22 erschien soeben im Verlage der Buchhandlung Vorwärts, Berlin SW. 68: „Haut- und Haarpflege" von Dr. C h a j e S. Die kleine Schrift schildert„Bau und Funktionen der Haut". Die wichtigsten Haut- krankheiten und ihre Ursachen und die Mittel der Hautpflege, sowie Preis�bv Pf.; Volksausgabe SV Pf. Zu bezichen durch alle Buchhandlungen. Handbuch der sozialdemokratischen Parteitage 1863— 1909, bearbeitet von Wilhelm Schröder, komplett in 18 Lieferungen a 30 Pf. zu je 32 Seiten. Verlag von G. B i rjt u. Co. m. b. H.. München. Soeben ist die 3. Lieferung des Handbuches erschienen. ES werden darin behandelt: Bant, Ba>)ern, Beamte der Partei, Bergarbeiterschutz. Berichterstattung von Parteitagen, Bernstein- Debatten, Bildungsbestrebungen, Boykott, Braunschweig, Briefver- kehr, Buchhandlung Vorwärts. Aus den Organisationen. Die Generalversammlung des Sozialdemokratischen Verein? für Königsberg, die am Sonntag. den 30. Januar im Etablissement„Ludwigshos" abgehalten wurde. beschloß einstimmig, vom 1. April 1910 einen Parteisekretär für die Stadt Königsberg anzustellen. Ferner wurde die Gründung eine« eigenen Wahlsondö mit obligatorischer Beitragsleistung(pro Monat 10 Pfennig) beschlossen. Dieser Be» schluß wird gleichfalls am 1. April d. I. in Kraft treten. AuS dem Tätigkeitsbericht deS Borstandes ist hervorzuheben, daß die Zahl der Mitglieder in der ersten Hälfte deS Jahre« 1909 um rund 300 P e r s osn e n gestiegen ist. Der Antrag, nach dem Be- sitzhiß des Leipziger Parteitags den Mindestbeitrag für weibliche Mitglieder auf 1ö Pfennig pro Monat festzusetzen, fand gleichfalls einstimmige Annahme._ Der christliche Bater im seinen sozialdemokratischen Sohn. Der Karlsruher«Volksfreund" veröffentlicht den untenstehenden Brief, den ein Parteigenosse in Hausen im Wiesental von seinem Vater erhielt. Er ist typisch für die Wirkung, welche die Hetze der Zentrunispartei gegen die Sozialdemokratie hat. Eines Kommentars bedarf der Bnes nicht. Er lautet: Schönau, 1. Januar 1010. Lieber Sohn! Ich danke Dir für deine Karte und wünsche dir auch ein glücklich neues Jahr in Christus durch seinen Segen, wen du überhaupt noch in die Kirche gehst und hoffentlich wirst du dich nicht ganz in die Arme der Sozi werfen, die an keinen Gott glauben und den Himmel auf Erden wollen wie sie die bethören, aber es ist ihnen nicht Ernst damit, sie wollen blas die Gewalt in Händen haben um Ihre Arbeiter noch viel ärger zu knebeln, das sehn wir in Frankreich ja Minister von Sozi regieren und wie siehts dort aus Abscheulich ohne Religion, und wie sieht eS aus jezt in Baden seitdem die Wahl vorbei ist im badischen Landtag wo Sozi und Liberale mit Ihren Krücken in Landtag gewakelt sind, indem sie schon ein Gesetzentwurf einreichten ivodurch die drei konfessionellen Schullehrerseminare in Simultan- schulen bezwek Seminare umgewandelt werden sollen lies Tagespost vom Freitag 293 und das hat ein jeder Sozi auf dem Gewissen die den Sozi bei den lezten Wahlen beigestimmt haben eben- fals das zeigt also deutlich, daß die Sozi sowohl wie die Liebe- ralen Kulturkämpferisch gesind sind und keine Religion kennen und keine wollen und leben al§ RcligionShasser und Revolutionär. Es ist ihnen nicht nur um die Religion zu zerstören, nein nachher kommt auch der Thron die Monarchie an die Reihe daS ist so sicher als 2 X 2---- sind. Darum rathe ich dir ernstlich meide wo möglich diese verführerische Partei den eS ist leine Wahrheit in Ihnen, sie lügen wie der Teufel selbst und nur mit Lügen haben sie die Mehrheit erlangt bei den Wahlen, geh weg von dieien Genossen die dich anlügen und verführen, den Ihre Rede ist Lug. und sind keine Christen und kommen sie aber zum sterben dan machen sie eS wie eS noch alle Ungläubige getan haben, sie fürchten sich vor dem Teufel dan soll geschioind der Her Pfarer kommen und sie in den siebeiilne Himmel tragen, aber unser Hergott laßt sich seiner, wen er schon Langmütig ist doch nicht späten. Darum be- sinne dich eines bessern und laß dir deine Religion nicht rauben, den Haft diese verloren hast du alles verloren und die Ruhe mit Ihr. Dein Dich liebender _ Vatter. Kirchlicher Bannfluch gegen die Sozialdemokratie. In der holländischen Provinz Limburg, Ivo mit der Ent- Wickelung des Bergbaues und der Industrie auch die sozialdemokra- tische Aufklärung der Arbeiterschaft immer mehr Fortschritte macht, ist die Geistlichkeit in großer Besorgnis um das Seelenheil ihrer Schäflein, das ihrer Meinung nach verloren gehen mutz, wenn das Volk sich vermißt, etwas mehr irdische Gerechtigkeit zu fordern. Darum hat der Bischof von Roermund dieser Tage im„Limburger Kurier" eine Warnung au die gutgläubigen Katholiken veröffent- licht und sie von den Kanzeln verlesen lassen,„eine Warnung gegen die Gefahren, die dem heiligen Glauben vor allem von feiten des Sozialismus drohen". Es heißt in diesen« priesterlichcn Erlaß, daß es Lüge und Betrug sei, zu behaupten,«in guter Katholik könne Sozialist sein.„Wer sich dem Sozialismus anschließt, wird seinem heiligen Glauben untreu und kann nicht mehr zu den heiligen Sa- kramenten zugelassen werden, so lange er Mitglied einer sozia- listischen Vereinigung ist. Hieraus folgt, daß der Katholik, der ohne Not und gesetzlichen Grund regelmäßig die Schriften der So- zialisten liest und ihre Versammlungen besucht, die nächste Ge- legenheit wahrnimmt, seinen Glauben zu verlieren und also Tod- sünd« begeht." Die hohe Geistlichkeit von Limburg, die offenbar ganz ver» gesscn hat, daß die ersten Christen und ebenso einige der alten Kirchenväter auch starke sozialistische Anwandlungen gehabt haben, wird selbstverständlich mit ihrem Bannfluch den in der kapita- listischen Entwickclung begründeten Fortschritt der Sozialdemo« kratie nicht aufhalten können. Eine sozialistische Revue i» Frankreich. Von den verschiedenen sozialistischen Revuen, die im Laufe der letzten Jahrzehnte gegründet worden sind, hat die von Benoit M a l o n gegründete„Revue S o z i a l i st e" die längste Lebens- dauer auszuivcisen. Sie hat soeben das Jubiläum ihres 2ö jährigen Bestandes gefeiert. Im Sinne ihres Gründers pflegte sie zumeist einen eklektischen Sozialismus, zuletzt unter der Leitung des auf der äußersten Rechten des Reformismus stehenden Professors Fourniäre. halte aber wenig Leser, wobei nicht nur der hohe Preis— 18 Frank jährlich— von Einfluß gewesen sein dürfte. Nun», ehr wird sie mit der von Albert T h o in a ö seit fünf Jahren geleiteten„Revue Syndicaliste", die seit dem vorigen Jahre auch die gcwerkichastliche Bewegung behandelt und ihrem Titel ein«otz co- operative" angehängt hat, verschmolzen und soll„Üovuo socialisto, syndioaiiste et coopsrative" heißen. Der Preis tvird auf 12 Frank herabgesetzt. Die Revue soll keiner bestimmten Tendenz innerhalb der sozialistischen Bewegung dienen, sondern nur»dem Studium und der Jnforniation"._ Hus Industrie und HandeL Die Produzentenverbände rühren sich. In den Kreisen der Unternehmer wird eS immer lebendiger. 10 Bitter felder Braun kohlenwerke gründeten einen Verkaufsverein. Der Zweck ist, höhere Preise zu erzielen. Aus einem anderen Wege will es das Lausitzer Kohle nshndi- k a t machen. Es kämpft jetzt durch einen Preisnachlaß von 2,S0 bis 3 M. für 10 Tonnen gegen Outsider. Die Konvention der Grobblechwalzwerke vergrößerte daS Gebiet ihrer Tätig. keit. ES hat jetzt auch Grobbleche für glußschiffbau mit ein- bezogen und Mindestpreise festgelegt. Das deutsche GaS- und Siederohrsyndikat beschloß als Kampfmaßregel eine Preisermäßigung um 3 bis 4 Proz. Alle oberschle fischen Stahl for in guhwerke, im oberschlesischet» Stahlformguß- Versand organisiert, beschlossen, die Vereinigung bis zum Oktober 1910 zu verlängern. Die Ziegeleien von Hof und Um, gebung gründeten eine G. m. b. H.. die die Verkaufsgeschäfte ihrer Teilhaber regeln soll. Die vereinigten sächstschen Wäschefabrikanten beschlossen„wegen der allgemeinen Verteuerung der Rohstoffe" für alle Wäschefabrikate einen Preis- aufschlag von 6 Proz. Die Bromsilberkonvention wurde kürzlich auf weitere drei Jahre verlängert. DaS sind nur einige Fälle von den vielen, die jetzt alle Tage darauf hinweisen. wie sich die Unternehmer auf eine kommende bessere Zeit vorbc- reiten. Die Arbeiter müssen ganz gründlich dahinter her sein, wenn sie nicht zurückbleiben wollen. Verzollung der amerikanischen Einfuhr nach dem 7. Februar d. I. Da gegenwärtig mit der Möglichkeit zu rechnen ist, daß mit dem 7. Februar d. I. der deutsche Generaltarif für die Einfuhr aus den Vereinigten Staaten zur Anwendung kommt, so ist es von Wichtigkeit, zu wissen, ob die in Zollniederlagen und in Privat- transitlägern mit amtlichem Mitverschlutz vor dem 7. Februar ein- gelagerten Waren amerikanischen Ursprungs nach dem deutschen Vertragstarif verzollt werden, wenn sie erst nach dem 8. Februar aus den Lägern entnommen Iverden. Wie der Handels- Vertrags ver ein mitteilt, ist für die Entscheidung dieser Frage maßgebend§ 9 de« VereinSzollgesetzeS vom 1. Juli 1869. Danach ist der Zoll nach denjenigen Tarifsätzen und Borschriften zu entrichten, welche an dem Tage gültig sind, an dem die zum Eingänge bestimmten Waren zur Verzollung, zur Abfertigung auf Begleitschein II oder zur Anschreibung auf Privatkreditlager an, gemeldet und zur Abfertigung gestellt werden. Für die Berechnung deS Zolles ist also der Tag der Gestellung der Ware zur Verzollung maßgebend, und nicht der Tag des Ein- bringens auf eine öffentliche Niederlage oder ein unter amtlichem Mitverschluß stehendes Privatlager. VcrkchrSverteuerung. lieber die Wirkungen der VerkehrSverteuenmg berichtet di« „Franks. Ztg." auS Württemberg: Es entfielen von der Gesamtzahl der beförderten Wagenklassen auf die verschiedenen Wagenklassen: im Jahre 1. Klasse 2. Klosse 3. Klasse 4. Klasse 1906 0.26 Proz. 5.L6 Proz. v,.81 Proz. 42.73 Proz. 1907 0.14„ 3.23„ 27.44„«9.19„ 1908 0,14« 2.76. 19.99.. 77,12„ Die vierte Klasse ist seit Oktober 1906 eingeführt, die Personen- tarifreform trat am 1. Mai 1907 in Kraft, und mit ihr steigerte sich die Benutzung der 4. Klasse. Wie auS den Zahle» des Jahres 1908 hervorgeht, hat sich die Erwartung einer baldigen Rückströmnng nicht erfüllt, vielmehr»ahm die Benutzung der 2. und 3. Klasse noch weiter zugunsten der 4. Klasse ab. Dieses Ergebnis ist allerdings ein sehr sprechender Beleg für daS Wort des Ministerpräsidenten v. Weizsäcker,«daß sich das württembergische Boll als von Standes» Vorurteilen überraschend frei erwiesen hat". Fusion. Nach einer Meldung der„K. Ztg." schweben zurzeit Verhandlungen zwecks Verschmelzung de» Eschweiler Bergwerks« Vereins mit den Eschweiler-Kölner Esienwerken. Offcnbachcr Lederwaren werden teurer! Mit der Begründimg: Die Lederpreise sind enorm gestiegen!— manche Sorten 20 bis 30 Proz.— bat die Vereinigung der Portefeuilles- und Reiscartikel- fabrikanten Ossenhachs beschlossen, die Preise für Lederwaren aller Art sowie für Reisekoffer zu erhöhen. Krisen-Tividenden. Die DitterSdorfcr Filz- und Tuchfabrik verteilt für das letzte Jahr 29 Proz. Dividende. Die Baumwoll- spinncrci Uerdingen 12 Proz., die Franz Hartmann A.-G. 16 Proz.. die A.-G. Wegelin u. Hübcner, Halle, 12 Proz., die Chemnitzer Aktienspinnerei 10 Proz., die Sächsische Kartonnagen A.-G. II Proz., die Lcinengarn-Spinnerei vorm. Renner u. Co. 9 Proz., das Lederwerk Spicharz in Offenbach 7 Proz. Die Vertrustung der schweizerischen Braumle». Im Inn dieses Jahres werden sich die schweizerische» Brauereien zu einer „Genossenschaft schweizerischer Brauereien"(daS heißt, zu einem Brauereitrust) zusanimenschließeii. Bereits liegt ein Vertrags- enlwurf vor, der die Brauereien in zwei Gruppe» einteilt, in soche, die mitmachen(Trustbrauereien), und solche, die nicht mitmachen(Outsiderbrauereien). Jeder Trustbrauerei wird ihr Bier- absatz gesichert und die Abtretung einer Bierabsatzstelle an die Kon- kurrenz ist an schwere Bedingungen geknüpft. Von de,» Vertrage sollen nicht nur die Wirte betroffen werden, sondern auch alle Depots, genossettschaftlich organisierte Verkaufsstelle», Konsumvereine. Fabrikkantinci, und selbst Arbcitcrvereinigimgcn auf Bauplätzen. Geht eine Vierabsatzstelle an eine Outsiderbrauerei verloren, so darf die Trustbrauerei die crstere mit den Preisen willkürlich unier- bieten und erhält noch Prämien auS der Genoffenschaftskaffe. Hus der frauenbewegung. Zuviel Arbeiterinnenschuh i« Holland. Nach dem neuen holländischen Arbeitsgesetz, das zu Anfang borigen JahreS in Kraft getreten ist, dürfe» in de» industriellen Betrieben Personen unter 16 Jahren soivie Arbeiterinnen nur in der Zeit vo» morgens S Uhr bis abends 7 Uhr beschäftigt tverde», jedoch kann die Behörde Ausnahmen zulas'en. Eine solche AuS nahnie wurde durch RegierungSbeschlust vcnr 12. Juli 1909 für die Bekleidungsindustrie in der Weise festgelegt, dost die Arbeiterinnen in dieser Industrie, während der Saison, 1ö Wochen lang im Jahre bis 8 Uhr abends beschäftigt werde» dürfen. Den Unternehmer» ist das jedoch noch nicht weitgehend genug 2i5 Firinen der Bekleidungsindustrie haben nun ein Gesuch an die Regierung gerichtet, ihre Arbeiterinnen auf die Dauer von 20 Wochen im Jahre bis 9 Ubr abends beschäftigen zu dürfen. Die organi- sierten Konsektionsarbeiterinnen und Näherinnen protestieren scharf gegen die abermalige Einschränkung des geringen Schutzes. Der Verband der Arbeiter und Arbeiterinnen der Bekleidungsindustrie Hollands verbreitet im ganzen Lande Flugblätter gegen die Ver- längerung der gesetzlich zulässigen Arbeitszeit und hat zu demselben Zweck auch eine Massenpetiiion in Umlauf gesetzt. Zudem werden Versammlungen veranstaltet, um überall Aufklärung über diese An- gelegenheit zu verbreiten._ Auch eine Frauenbewegung. Nelv Dorker Frauenrechtlerinnen haben eine P r o t e st- bewegung gegen die Fleischvertenerung inszeniert. In einem Massenmeeting beschloß»tan, dem deutschen Kaiser ein G l ü ck w u n s ch t e l e g r a m m zu senden, in dem die deutsche Re gierung aufgefordert wird, an ihrer bisherigen Politik festzuhalten, damit es dem Fleischtnist nicht ermöglicht werde, die Produlte, die er seinem Lande nicht verkaufen kamt, nach Deutschland abzustoßen und dadurch die hohen Preise in Amerika auftccht zu erhalten. DieieS Vorgehen wirft ein eigentüinlichcS Licht auf die Ver- worrenheit der amerikanischen Frauenrechtelei. Mau vergegenwärtige sich nur folgende Tatsachen: Bis zum Inkrafttreten des neuen Zolltarifgesetzes und des Fleischbeschaugesetzes war das deutsche Volk lange Zeit hindurch zum Teil von den Vereinigten Staate» mit frischem Fleisch, Büchten- fleisch, Speck, Pökelznngen. Würsten usw. zu verhältnismäßig niedrigen Preisen versorgt worden. Jur Zollkanipfjahr 1902 haben die agrarischen Nimmersatte» durch Aufrichtung hoher Zollschranken tzasür gesorgt, daß die Einfuhr billigen Fleisches nach Deutschland außerordentlich erschwert, bezw. unmöglich gemacht wurde. Dadurch sollten die Fleischpreise bei uns in die Höhe getrieben werden, was bekanntlich auch prompt eintraf. Die Agrarier strichen schmunzelnd die fetten Profite aus dem Fleischwucher ein, während unser armes Volk mit verzweifeltein Ingrimm den Hungerriemen enger schnallen mußte. Unsere proletarstchen Hausmütter wissen ein Lied zu singen von den neuen bitteren Sorgen, die der erschwerte Kampf gegen die Unterernährung ihnen auferwgte... Jetzt, wo Amerika eine Erleichterung der Fleischeinfuhr nach Deutschland anbahnen möchte, kommen die amerikanischen Frauen- rcchtlerinnen zur Freude von Diederich Hahn, Knuten-Oertel u. Co. und petitionieren bei Wilhelm II. um Fortdauer dieser für ihre .Schwestern", für die deutsche Arbeiterklasse immer unerträglicher werdenden Zustände, mn den ainerikanischen Fleischtrust zu ärgern. Sehr bequem mag eine solche Agitation gegen einen unliebsamen Bedränger, wie es der Fleischtrust ist. sein, aber von halbwegs an- ständigen Grundsätzen zeugt sie nicht. Sie beweist vielmehr von neuem, wie wenig an dem emphatischen Gerede von der„einen großen internationalen Schwesternschaft" ist, das man auf jedem internationalen Fraueurechllcriniienkoiigreß zu hören bekommt. Das alte Bancrnwort: Lieber, heiliger Florian, verschon mein Haus, zünd' andere an,— hier ward'S zum Grundsatz. DaS Unzuläug- liche, hier ward'S Ereignis._ Versammlungen. Zentralverbanb der Glasarbeiter und-Arbeiterinne«. Die Ortsverwaltung Berlin hielt am Donnerstag ihre General- Versammlung ab. Ernste Differenzen mit den Unternehmern sind nach dem Jahresbericht aus dem letzten Jahre nicht zu verzeichnen, abgesehen von dem Streik bei Reder u. Meier. Kleinere Konflikte kamen dagegen an verschiedenen Stellen vor, jedoch gelang es dem Eingreifen der Organisation, in allen Fällen eine Verständigung herbeizuführen. Die Abrechnung vom vierten Quartal 1999 ergab folgendes Resultat: Gesamteinnahme 3828,78 M., Ausgabe 3395,73 Mark, bleibt Barbestand 23 M. Aus der Vorstandswahl gingen hervor: 1. Vorsitzender: Paul Welkirch, Glasschleifer: 2. Vor- sitzender: Otto'Hecht, Glasbläser; 1. Kassierer: Paul Reis, Glasbläser; 2. Kassierer: HugoMüller, Glasbläser; 1. Schrift» führ«: Gustav Böhme, Glasschleifer; 2. Schritführer: Schmitmeicr, Glasbläser; als Revisoren: Hermann Eich- Horn, Glasbläser, Moritz Zwicker, Glasschleifer, H. Krüger, Glasschleifer.— Tann referierte Girbig über die Verschmelzungsfrage, indem er gleich eingangs seiner Rede bc- tonte, daß die Notwendigkeit des Zusammcnarbeitens mit anderen Organisationen schon im Hinblick auf die koalierten Unternehmer bedingt sei. Allein die Erfindung der Flaschenmaschine werde zum Beispiel den großartig betriebenen Genossenschaften in Italien ein Ende bereiten. Dort bestehen zurzeit noch 7 Organisationen. Er, Redner, sei sprachlos darüber, wie exakt und wunderbar diese Maschine arbeitet. Dadurch wird die" bisherige Kcrntruppe der Organisation ein Hemmschuh für diese. Im Unterstützungslvesen habe die kleine Organisation der Glasarbeiter großes geleistet, doch gehe das in Zukunft nicht so weiter. Die Krise habe in diesem Berufe enorme Verheerungen angerichtet und diese Krisen kehren in gewissen Zeiträumen immer wieder. Darunter litten dann die anderen Aufgaben der Gewerk- schaft. Deshalb müsse man nach neuen Mitteln und Wegen sinnen, zumal das Unternehmertum sich immer mehr zusammenschließt und rücksichtsloser denn je zuvor vorgeht. Die Kosten müssen auf breitere Schultern verteilt werden. Durch große Kämpfe in einem Gewerbe werden auch andere Berufe in Mitleidenschaft gezogen. Nun herrscht innerhalb der Kollc�enschaft die Meinung, daß die gut ausgebaute Arbeitslosenunterstützung durch die Verschmelzungs- frage nicht gefährdet werden dürfe. Es wird sich auch da ein Weg finden zur Verständigung. Das trifft auch für die Töpfer zu, die bei der Verschmelzung in Betracht kommen. Die Saisonarbeit wird eben eine andere Regelung finden müssen wie die fortlaufende Arbeit. Auch die übrigen Bedenken dürften kein unüberwindliches Hindernis bilden. Ebenso werde die Krankenuntcrstützung sich regeln lassen. Zu bedauern würden es die Kollegen nicht haben, wenn der Verschmelzungsgedanke greifbare Gestalt erhielte. In zwanzig Jahren, meint der Redner, werden vielleicht nur noch zehn oder zwölf Organisationen bestehen. Ter Einwand, was die Glasarbeiter mit den anderen Branchen zu tun haben, ist schon längst von anderen großen Verbänden entkräftet. Redner schließt mit dem Ausdruck der Hoffnung, daß Berlin dem Verschmelzungs- gedanken nicht widerstreben wird. Welkirch hielt das Korreferat, indem er die Bedenken der Berliner gegen die Verschmelzung zum Ausdruck brachte. Aus den Ausführungen Girbigs hat der Redner nicht die unbedingte Not- wendigkeit ersehen können, sich mit anderen Branchen zusammen- zuschließen. Man sehe an großen Organisationen, daß sie bei Fest- sctzung der Lohn- und Arbeitsbedingungen völlig ausgeschaltet seien. Auch sei keine Gewähr, daß die Interessen einer kleinen Branche in einem großen Verbände genügend gewahrt bleiben. Die Bild- Hauer hätten den Anschluß an den Holzarbeiterverband aus der- selben Befürchtung abgelehnt. Auch sei die größere Organisation nicht unbedingt das Allheilmittel. Durch nichts sei bewiesen, daß diese mehr erreichten wie eine festgefügte kleine Organisation. Nicht die Größe und Masse, sondern der Geist und die Verhältnisse gäben den Ausschlag. Man solle vorsichtig sein und nichts übers Knie brechen. Vor allem aber müßte die Gewähr gegeben werden, daß der Uebertritt ein einheitlicher würde und keine Zersplitterung eintrete. Die kleinen Gruppen würden auch in den großen Ver- bänden nicht immc» so berücksichtigt, wie es erforderlich sei. Man solle auch nicht so sehr auf die finanzielle Seite bauen, große Ver- bände brauchten auch viel Geld. Es müsse ein Entwurf vorliegen, erst dann könnte man zu einem positiven Urteil gelangen über den Wert deS Zusammenschlusses. Di« Bewegungsfreiheit müsse auf jeden Fall gewahrt bleiben. Er lege dem Zentralvorstande ans Herz, daß es besser ist. wenn der Glasarbeiterverband seine Gruppe zusammenhält und alle Kräfte sammelt. Dann brauche er die Verschmelzung nicht und bleibe selbständig. Der Glaserverband komme noch eher in Betracht als die Töpfer, die übrigens auch noch nicht in dieser Frage einig seien. Girbig: Er sei der Anficht, daß Welkirch mehr für als egen die Verschmelzung gesprochen habe. Redner geht näher auf ie Einwände des Korreferenten ein. Bezüglich des Verlustes der Selbständigkeit sage er: Der Teufel sollte uns holen, wenn wir uns das gefallen ließen. Daran sei gar nicht zu denken. Wer Voraussicht nach werde der Glascrverband sich mit dem Holz- arbeiterverband verschmelzen. Was den einheitlichen Uebertritt der Gruppen in den Verschmelzungsverband anbelange, so werde dies natürlich strikte zur Bedingung gemacht werden. Alle diese Einwände können die Verschmelzung nicht in Frage stellen. Welkirch: Er habe nicht gesagt, daß er gegen jede Ver- schmelzung sei, sonder» nur gegen Zusammenschluß bestimmter Gruppen. So einheitlich, wie Girbig es sich denke, werde sich auch die Verschmelzung nicht vollziehen, das bewiesen Fälle auS der Gewerkschaftsbewegung. Die weitere Debatte wird vertagt. Mit dem Hinweis des Vorsitzenden Welkirch auf die politische Organisation und die Parteipresse schloß die Versammlung. Der Allgemeine deutsche Gärtnervercin, Ortsvcrwaltung Groß. Berlin, hielt am Donnerstag in Dräsels Festsälen seine Generalversammlung ab. Ter Geichäftsleiter für Groß-Berlin, Kollege Walter K w a s n i k, erstattete zunächst den Jahresbericht. Hervor- zuheben ist, daß trotz ungünstiger Konjunktur die Beitragslcistung gestiegen ist. Und zwar betrug der Markenumsatz im Jahre 1993 11929 Marken, im Jahre 1999 45 513 Marien; das bedeutet einen Mehrumsatz von 4523 Marken. Die Mitgliederzahl betrug am Schlüsse des Jahres 1999 1978. Ter Kassenbestand beträgt 2789,15 Mark. In der Vorstandswahl wurden gewählt als 1. Vorsitzender R. Bäckers- Pankow, 2. Borsitzender P. A u r a s- Oranienburg, Schriftführer G. Falk- Charlottcnburg, Beisitzer A. L e ch n e r- Lichtenberg, F. F a h r e u h o l z- Eharlottenburg, I. P o k r a n d t- Berlin. Als angestellter Geschäftsleiter fungiert wieder Walter K w a s n i k- Berlin. Bon der Luxuspapierfabrik Alfred Silbermann erhalten wir folgende Zuschrift: Unter der Rubrik„Versammlungen" bringen Sie in der Heu» tigen Nummer Mitteilungen über verschiedene Luxuspapier» falriken. Darin ist auch der Passus enthalten, welcher anfängt: „Die Arbeiterinnen der Firma Alfred Silbcrmanii beklagten sich", diese Angaben beruhen auf einem Irrtum. Die Firma, um die ! es sich handelt, ist die Firma Alfred Silbcrmann u. Co., Köpe- ' nicker Straße, und nicht meine Firma. Ich möchte Sie höfl. bitten, � eine Berichtigung darüber doch bringen zu wollen. Hochachtend Alfred Silbermann._ Cinffegangcne Druchrcbnften. Die Fafinachtsiiummer des„Wahren Jacob» ist soeben, 16 Seiten stark, ei schienen. Aus ihrem Jnbalt erwähnen wir: Bilder: Reichsdeutscher Mummenschanz.— Enttäuscht.— lieber- trumpst— Rom und Germania.— Allerhöchster Geburtstag.— In Kiel. — Die Wahlrcsorm.— Das blaue Blut.— Die polipsche Angströhre.'— Beamteutreue.— Der russische Bär.— Das nationalliScrale Mauerblümchen. — Besorgnis.— Prinzessin Luises Trauer.— Praktische Wohltätigkeit.— Hoffnungsvoll.— Väterchen Zar.— Gleich und Gleich.— Jentrumsjammer. Text: Michels Fastnacht. Von J. S.— Notizbuch eines gebildeten Schutzmanns.— Faschmgsereignisje.— Diamantenzeit. Von H. FI.— Die flüchtige Luise. Von J. S.— Lieber Jacob! Von Jotthils Rauke.— Fasching. Von?. F.— Gedanken eines Narren.— NarvemveiSheit.— Der gläubige Bäckermeifter. Bon 3. 3.— Der agrarische Generalstreik. Ein Zukunslsbild. Von J. S.— Eine sillvolle Antwort.— Wie erzeugt man Patrioten? Ein Rat sür junge Ehemänner. Von Uno.— Aus de» Statmeu des HansäbundeS.— Wohl möglich.— Dr. alkohol. Von P. E. — Gedanken eines Kultusministers.— Der srumbe Schutzmann. Vo» P. B. Usw. Der Preis der Nummer ist 19 Pf. Probenummern flnd jederzeit durch den Verlag Paul Singer in Stuttgart sowie von allen Luchhandlungen und Kolporteuren zu beziehen. Von der„Gleichheit", Zeitschrist für die Interessen der Arbeiterinnen lSluttgart, Verlag von Paul Singer), ist uns soeben Nr. S des 20. Jahr» ganges zugegangen. Sie hat solgcnden Inhalt: Zur Frauenkonsereuz. 1. Von Kate Duncker. II. Von Helene Grünberg.— Vom Haushalt der Arbeitersamilien. II. Don gh.— Deutschland«n Jahre 1909. IL Von H. B.— Die FrauenrcchtSsorderungcn im Emigungsprogramm der Links- liberalen.— Bürgerliche und proletarische MitleidSmoral. Von Otto Awrecht.— Das Nachspiel deS Mansselder Bergarbeiterstreiks vor dem Gericht. Von ed.— Vom Kamps der New Horker Blusennäherinncn. Von oll.— AuS der Bewegung: Bon der Agitation.— DaS politische Erwache» der Frauen im Mansselder Bergrevier.— Jahresbericht der sozialdemokratischen Frauenorganisation in Tssenbach.— Bon der Dresdener Kinderschutzkommissson.— Politische Rundschau. Von H. B.— Gewerk- schastliche Rundschau.— Zur Tarisbewegunz in der Holzindustrie.— Tarif» bewegung des Verbandes der Buch- und Steindruckereibilssarbeiter und -arbeiterinnen.— Notizenteil: Dienftbotensrage.— Arbeitsbedingungen der Arbeiterinnen.— Sozialtstische Frauenbewegung im Ausland.— Fraucnltimmrecht.— Die Frau in öffentlichen Aemtern.— Verschiedenes. Für unsere Mütter und Hausfrauen: Höchstes Gebot. Von Friedrich Hebbel.— lieber unsere Kraft.'IL— Jägervölker in der Gegenwart. Von Hannah Lewin-Dorsch.— Aphorismen. Von Karl Hohm. — Für die Hausfrau.— Feuilleton: Aus: Ueber unsere Kraft. Von Björnstierne Björnjon(Schluß) Für unsere Kinder: Lieb der Freundschaft. Von Gottfrieb Herder.(Gedicht.)— Der Grobe und der Feine. Von Robert Grötzsch. — Im Winter. Von Johann Geier.— Im Eismeer. Von Herm. Lingg. (Gedicht.)— Die schwarze Rosse. Eine wahre Geschichte von Hebe. (Fortsetzung.)— Warum die Blaumeise einmal im Jahre den Verstand verliert. Von Ernest Selon Thompson.— Kurze Tage. Von Emma Döltz. Die.Gleichheit» erscheint alle 14 Tage einmal. Preis der Rümmer 19 Ps., durch die Post bezogen beträgt der Abonnementspreis vierteljährlich ohne Bestellgeld 55 Ps., unter Kreuzband 85 Ps. Jahresabonnement 2,60 M. Lehrbuch für Frauenschulen. Mathematische Unter- 1. Bd. Preis geb. 7.50 M. — Vluteugeheimiiisse. Eine Blütenbiolögie in Einzelbildern. Von Georg Worgitzty. 2. Auflage, Breis ged. 3 M.— Turnen und Spiel w der preußischen Volksschule. Bon Emst Strohmeher. Preis geh. 2,89 M.— liolonl italiane. Kurze pralttsche Anleitung zur Vervollkommnung in der italienischen Sprache. Von A. Seanferlato. Preis ged. 2,40 M. Vo» B. G. Teubner, Leipzig. Dienstag, den 1. Februar, abends 8 Uhr: � Schnegelsberg* Festsäien, Hasenheide 21. Keller* Festsälen, Koppenstr. 29. Pharus-Sälen, Mailersir. 149. TagesaOrdnung: 1. Junker und Reichstag. 2, IMskussloii. Referenten die Reichstagsabgeordnetens Ii®slei»onp, Slnsrer KuboiE. Zi?cra7tiwortl!cher Redakteur Richard Barth, Berlin. Für de» Kriseratenteil veravtw,: TH.Gleckr, Berlin, Druckli. Verlag: Vorwärts Buchdruckcrei u. Vcrlagkanstalt Pc>ul'!>!». vom£lend der Füriorgecrzieljung. Nach„B l o h m e s Wildnis" daS„F ü r s o r g e st i f t Mielcghn", nach einem Colander ein Breithaupt— das war selbst der bürgerlichen Klasse zuviel der Fürsorgeerziehungsgreucl. Auch ihr drängte da die Frage sich auf: Wie kann eine Wieder- hslung solcher Ausschreitungen verhütet werden und was soll geschehen, um die Fürsorgeerziehung aus einem Fluch in einen Segen zu verwandeln? Von diesem Gesichtspunkt aus berief die„Deutsche Z e n- trale für Jugendfürsorge" eine Konferenz zu- sammen, die der Erörterung von„Problemen der Für- sorgeerziehung" galt. Männer und Frauen, die auf dem Gebiet der Jugendfürsorge und im besonderen der Fürsorge- erziehung sich betätigen, kamen aus allen Teilen Preussens und anderen deutschen Bundesstaaten nach Berlin. Die Staatsregierung bekundete ihr Interesse durch Entsendung von Vertretern des Mini- stcriums des Innern, des Justizministeriums, des Unterrichtsmini steriums und mehrerer Provinzialverwaltungen; von den Ge meindebehörden Berlins waren Mitglieder des Magistratskolle giums und der Stadtverordnetenversammlung erschienen, die der Waisenverwaltung und der Schulverwaltung angehören. Am Sonn- abend sahen die Teilnehmer der Konferenz, an zweihundert Per fönen, im Herrenhaus beieinander und erwogen mit vielen Reden. von 6 Uhr abends an bis über die Mitternacht hinaus, was zu tun sei. Pädagogen und Pastoren, Aerzte und Juristen, Verwaltungs- beamte und Mitglieder von Fürsorgevereinen tauschten ihre Er- fahrungen aus. Und das Ergebnis? Gerade diejenigen, auf deren Belehrung es ankam, die Vertreter der althergebrachten Zwangs- und Gewaltpädagogik, liehen sich nicht einen Schritt breit von ihrem„bewährten" Standpunkt abdrängen. Die Verhandlungen wurden eröffnet durch Staatsminister z. D. Heutig, stellvertretenden Vorsitzenden der„Deutschen Zentrale für Jugendfürsorge", mit einem ausdrücklichen Hinweis auf jene beiden Anstalten und die dort vorgekommenen Mitzgriffe von denen eine aufrüttelnde Wirkung ausgegangen sei Dem Wunsch nach abhelfenden und vorbeugenden Mahregeln bietet als Nächstliegendes sich der Gedanke dar, die zweckmässige Ausfüfy rung der Fürsorgeerziehung durch wirksame Beaufsichti- gung und geeignete Beschwerdeinstanzen zu sichern. Amtsgerichtsrat Köhne, Vormundschafts- und Jugendrichter am Amtsgericht Verlin-Mitte, der über diese Frage referierte, will den mit der Ausführung der Fürsorgeerziehung betrauten Behörden ihre weitgehende Verfügungsmacht über die Zöglinge nicht nehmen Er wünscht aber, dah den Aufsichtsinstanzen eine besondere S a ch berständigenkommission aus Lehrern, Geistlichen, Rich» tern, Verwaltungsbeamten beigeordnet und den Zöglingen sowie ihren Angehörigen eine unparteiische Prü fung ihrer Be- schwerden gewährleistet werde. Nach den heute geltenden Bestim mungen entscheide über eine Beschwerde schliesslich immer wieder der Anstaltsvorsteher, der sie meist für unbegründet erkläre und bielkelcht noch ein paar ungünstige Bemerkungen über den Zögling hinzufüge. Köhne erklärte, aus seiner Erfahrung heraus dürfe er sagen, dassdieVorkommnissein.BlohmesWildnis" und im„Fürsorge st ist Mielczyn" keine Einzel- fälle seien. Als er hinzufügte, die Oefsentlichkeit habe nur von ihnen als den vermeintlich einzigen erfahren, aber andere Fälle seien jedem Kenner der Verhältnisse bekannt, wurden einige der Zuhörer nervös und antworteten mit erregtem Protest. Es folgte ein Referat, das mehr Mitarbeit der Aerzte forderte. Professor Weygandt lFriedrichsberg-Hamburg) sprach über arztliche Beurteilung der Grenzen der Erziehungsmöglichkeit bei abnormen Fugendlichen. Abnorm seien fast die Hälfte der Zü# linge, in der Anstalt Lichtenberg habe man sogar 58 Proz. Abnorme gefunden. Der Arzt habe ihre körperliche und seelische Eigenart zu ermitteln, eine dementsprechende Behandlung anzuordnen, das Erzieherpersonal zu belehren usw. Nach dem Untersuchungsergebnis seien die Zöglinge zu sondern, manche werde man zunächst in Be- obachtungsstationen geben müssen, andere in ärztlich geleiteten Au palten unterbringen müssen. Bei richtiger Behandlung sei für viele scheinbar Unverbesserliche noch eine Er- ziehungsmöglichkeit vorhanden. Die Forderung„mehr Individualisierung" wurde von Oberlehrer Z i e r S- mann(Steglitz) begründet in seinem Referat über Grundzüge der Erziehung. Nach dem Gesichtspunkt der Erziehbarkeit seien die Zöglinge zu trennen und unterzubringen: Erziehbare in Familien oder zweckmässigen Anstalten, geistig Abnorme in Heil erziehungsan st alten, sittlich Abnorme in gefängnisartigen Sicherungsan st alten. Die Ausbildung der Zöglinge müsse auch geeignete Unterweisung für einen Beruf geben. Die Aus wähl der ri cht igen Behandlung soll ermöglicht werden durch Beobachtungsstationen, über die Professor Klümker (Frankfurt a. M.) sprach. Nicht auf Akten, sondern auf per fön- liche Beobachtung des Zöglings habe der Erzieher sich zu stützen. Die erste Unterbringung an richtiger oder unrichtiger Stelle sei oft entscheidend für die Erfolge der Fürsorgeerziehung und für das Schicksal des Zöglings. Aus der Diskussion wollen wir nur die bemerkenswertesten Ausführungen von einigen der Redner wiedergegeben. Leider mussten viele der zahlreich Gemeldeten aufs Wort verzichten, damit hauptsächlich die von ausserhalb gekommenen Teilnehmer der Konfe- renz gehört werden könnten. So blieb es den Vorstehern gewisser Anstalten erspart, z. B. einen ihrer unbequemsten Gegner, den Direktor Platz vom Urban-Erziehungsheim zu Zehlendorf, anhören zu müssen. Unter dem Beifall dieser Herren warnte Landesrat Vi er egge(Berlin) davor, allzuviel Gewicht den Stimmen der Unzufriedenheit beizulegen, die gegen die Fürsorgeerziehung aus Anlass der paar Fälle vorgekommener Missgriffe laut geworden seien. Schon werde geklagt, dass in manchen An- stalten kein Erzieher mehr scharf zuzugreifen wage, weil jeder das Gefühl habe, aufeinem Pulverfass zu sitzen. Wichtiger als Sachverständigenkommission und Beschwerdeinstanz sei die Aus- bildung tüchtigen Erzieherpersonals, und gerade nach dieser Richtung hin dürfe man schon in nächster Zeit zweckent- sprechende Massregeln erwarten. Pastor Seiffert(von der Provinzialerziehungsanstalt Straussberg) bezeichnete selber sich als „einen der angegriffenen Anstaltsdirektoren". Das Misstrauen gegen die Fürsorgeerziehung sei unberechtigt, sie habe nicht Fiasko gemacht, sondern bringe Segen. Schon jetzt habe man Revisionen mehr als genug, und von allzuviel Be- schwerderecht sei Schädigung der Erzieherautorität zu befürchten. Fräulein Dr. D u e n s i n g. Geschästsführerin der„Deutschen Zentrale für Jugendfürsorge", zeigte an einem Beispiel aus der Praxis die völlige Ohnmacht der Eltern gegenüber den Instanzen, die die Fürsorgeerziehung ausführen, und selbst nach eingetretener Aenderung der Verhältnisse schwer einen Zögling frei- geben. Aehnlich wie Pastor Seiffert klagte auch Pastor Rohr(von der Fürsorgekolonie Sieversdorf), dass schon zu viel beauf- ficht igt werde. Er bringe feine Zöglinge alle in Familienpflege, da fehle es dann auch nicht an Einmischung lieber Nachbarn und anderer Mitleidiger. Ihn selber habe sogar ein Amtsbruder der Misshandlung eines Zöglings zu Unrecht beschuldigt. Pastor Rohr wetterte unter dem Beifall von seinesgleichen gegen„jene Presse, die nur die Kluft zwischen den einzelnen Ständen immer noch weiter macht". Er meinte die sozialdemokratische Presse; seinen Grimm gegen sie glauben wir ihm gern. Landesrat Augustin(Wiesbaden) findet, das Recht der Beschwerde werde schon jetzt genug ausgeübt. Sympathisch berührten die Aus- führungen des Pastors Backhausen(Provinz Hannover), der die beste Kontrolle seiner Anstalt davon erwartet, den Eltern reichlich Besuche zu gestatten, reichlich auch den Zöglingen Urlaub zu ge- währen und so der Oefsentlichkeit Einblick zu crmög- lichen. Die Diskussion schloss mit einem Dr. Hammer, der sich als Irrenarzt einer besonders einsichtigen Richtung vorstellte. Die Fürsorgezöglinge seien meist geistig gesund, bis 35 Proz. von ihnen, das sei„einfach festgestellt durch ihre— Verurteilung". Er sprach von den Mitteln der Einzelhaft, der Prügel usw., bei deren An- Wendung man nur die Maximaldosis nicht überschreiten dürfe. Die Krankheit der meisten Zöglinge sei die, von der die gesamte Mensch- heit infiziert sei; man nenne sie gewöhnlich— Sünde. Es wurde nicht allen Zuhörern sogleich klar, was von diesem wunder- lichen Prediger wider die Sünde zu halten sei. Anfangs weckte er bei einigen Heiterkeit, später schwieg man betroffen. Dah aber in der Debatte just er sozusagen das letzteWort behalten mutzte, war eine böse Ironie des Zufalls. Schlutzbemerkungen der Referenten Klümker und Köhne und des Vorsitzenden drückten die Hoffnung aus, dass die Fürsorge- erziehung, zweckmässig ausgestaltet, bessere Erfolge bringen werde. Ehe es hierzu kommt, wird es, fürchten wir, noch mancher„Auf- rüttelung" bedürfen. Und die sozialdemokratische Presse, die gewissen Anstaltsvorstehern so sehr verhässt ist, wird noch so manches Mal als geeignetste Aufsichts- und Beschwerdein st anz fungieren müssen und pflichtgemäss hineinzuleuchten haben in das Elend der Fürsorgeerziehung. Soziales. Unfallzeugen. Die BerufZgenossenschaften legen oft sehr grossen Wert darauf. dah auch die Zeugen eines Unfalls festgestellt und amtlich ver- nommen werden. In der Praxis wird von der Ortspolizeibehörde ein Unfallprotokoll aufgenommen, der Unternehmer, der Verletzt« wenn möglich und die Zeugen hierzu geladen. Die Zeugen sollen und müssen, ivenn sie die Rechte der Ver letzten nicht schmälern wollen, zu diesem Termin erscheinen. Für den dadurch en tga n g en en Lo h na us sa l I erhalten sie jedoch keinenErsatz. Nun wäre es den Polizeibehörden niöglich, darauf Rücksicht zu nehmen und die Unfallzeugen zu einer Zeit zu laden, in welchen diese keinen Lohnausfall zu beklagen haben. Dies geschieht aber nicht. Gewöhnlich lautet die„Vor- ladung", dass der Zeuge um 9 oder 10 Uhr vormittags auf dem Polizeirevier usw. sich einzufinden habe. Die Formulare sind sehr einfach gehalten und können auch für jede Strafsache benutzt werden:„In der Ermittelungssache wegen-- eines Unfalles werden Sie als Beschuldigter— Zeuge hierdurch geladen usw." Das Wort: Unfallsache wird einfach schriftlich eingefügt und das Wörtchen„Beschuldigter" durchgestrichen. Wird nun schriftlich noch hinzugefügt, dass„für Wahrnehmung des Termins keine Gebühren gezahlt werden", so weiss der Zeuge wenigstens Bescheid und kann sich darnach richten. Kundige Zeugen werden dann einfach nicht zu der angesetzten Stunde auf dem Polizeirevier oder Bürger- ineisteramt erscheinen, sondern diesem erklären, dass sie in der Mittagsstunde usw. nur abkommen können und dann ihr« Aus- sage zu Protokoll geben. Wird aber der Zusatz von dem Polizei- beamten vergessen, so kann es vorkommen, dass die geladenen Zeugen alle Arbeit im Stiche lassen und zur bestimmten Stunde sich zu ihrer Vernehmung einfinden. Gross ist dann ihr Erstaunen, dass sie für ihre versäumte Arbeitszeit keine Entschädigung erhalten 'ollen. Ihr Protest nützt nichts. Sie werden darauf verwiesen, >ass sie ja keine Zeugen vor Gericht seien usw. und der Polizei- behörde auch keine Mittel zur Verfügung stehen, um dirse Verluste an Lohn usw. zu erstatten. Die Zeugen können sogcir grösseren Schaden haben, wenn sie nicht aufpassen. Dies sollte ein Unfall- zeuge erfahren, welcher von seinem Beschäftigungsorte abgereist war. Die Polizeibehörde von Frankfurt a. M. schickte ihm die übliche Ladung zu, welche allerdings den Zusatz trug, dass„Ge- bühren nicht erstattet werden". Die Ladung wurde dem abgereisten Arbeiter von seiner Logiswirtin per Post nachgeschickt und eilte sich der unkundige Mann zur rechten Stunde in Frankfurt a. M. zu seiner Vernehmung als Zeuge«inzutreffen. Als ihm von dem Polizeibeamten erklärt wurde, dass ihm keine Gebühren gezahlt werden könnten, glaubte der Zeuge, dah er doch dann wenigstens Anspruch auf Erstattung seiner Reisekosten habe. Auch diese wurden ihm verweigert. Auf seine Beschwerde hin wurde ihm vom Polizei-Präsidenten jetzt eine„Erwiderung" zu- gefertigt, welche folgenden Wortlaut hat:„Ich bin nicht in der Lage, Ihnen eine Vergütung für Wahrnehmung des Unfallfcst- stellungötermins in der Unfallsache..... zu gewähren, da in Preussen Zeugcngebühren bei polizeilichen Unfallvernehmungen nicht gezahlt werden und ein diesbezüglicher Fonds nicht zu meiner Ver- fügung steht." Zum Schlüsse heisst es dann noch, dass der Zeuge die Reise gar nickt zu machen brauchte:„Sie durch das Bürgermeister- amt Ihres Wohnortes vernommen worden wären". Richtig ist, dass sich der Zeuge die Reisekosten sparen konnte. Damit ist aber die Hauptfrage noch nicht erledigt, dah„in Preussen" der Polizei keine„diesbezüglichen Fonds zur Verfügung stehen". Welch ein Armutszeugnis stellt sich die Behörde hiermit selbst aus. Arme Arbeiter müssen Lohnverluste ertragen, weil der Polizeibehörde in Preussen keine Mittel zur Verfügung stehen, die Gebühren zu zahlen. Richtig ist, dah das Unfallgcsetz infolge Ablehnung eines sozial- demokratischen Antrages keine klaren Bestimmungen über diese Frage enthält. Im§ 64 des Gewcrbe-Unfallversicherungsgesctzcs ist der Ortspolizeibehörde zur Pflicht gemacht, festzustellen: 1. die Veranlassung und Art des Unfalls; 2. die getöteten und verletzten Personen; 3. die Art der borgekommenen Verletzungen; 4. den Verbleib der verletzten Personen usw. Woedtke schreibt nun in seinem Kommentar zum Unfallver- icherungsgesetz wörtlich:„Die Kosten einer Untersuchung im Rahmen des§ 64 einschliesslich Gebühren für Zeugen und Aerzte, öwie der Kosten für Beschaffung von Geburtsurkunden usw. fallen der Polizeibehörde zur Last" usw. Also die Kosten fallen der Polizeibehörde zur Last, die aber den Unfallzeugen erklärt, dass ihr keine Mittel zur Verfügung tehcn, auch keine Fonds vorhanden sind usw. Wird man nun end- lich den Behörden diese Mittel zur Verfügung stellen? In der Reichs-VcrsicherungSordnung sollte endlich dieser die Arbeiter 'chwer schädigende Zustand beseitigt werden. Zum vocholter Aerztekampf. Unter Bezugnahme auf die in Nr. 9 unter„Aerztlicke Hinterhältigkeit" gegebene Schilderung der Bocholter Delegiertenversammlung teilt uns der Syndikus des Leipziger Aerzte- Verbandes mit, dass der Generalsekretär dieses Verbandes, Herr Dr. Kuhns, dem von dem Vorstand des KrankenkassenverbandeS des Aufsichtsbezirks der Stadt Bocholt geäusserten Wunsche entsprochen und das Privatklageverfahren gegen den Vorstand de? Bocholter Äassenverbandes wegen öffentlicher Verleumdung eingeleitel hat. Dadurch ist die Möglichkeit gegeben, den Sachverhalt in vollster Ocffentlichkeit klarzustellen._ Die Wiener Aerzte für Arbeitcrschutz. Die österreichische Regierung hat einen Gesetzentwurf beke. Aenderung des§ 74 der Gewerbeordnung ausgearbeitet, der, ent- sprechend der im§ 120e der deutschen Gewerbeordnung dem Bundesrat erteilten Befugnis, dem Handelsministerium das Recht geben soll, hinsichtlich einzelner Arten von gefährlichen oder gesund- hcitsschädlichen gewerblichen Verrichtungen Schutzvorschriften zu erlassen. Der Handelsminister soll auch die Besugnis erhalten, im Einvernehmen mit dem Minister des Innern in Gewerben, in denen durch übermäßige Dauer der Arbeitszeit die Gesundheit der Arbeiter gefährdet wird, die Länge der täglichen Arbeitszeit festzusetzen. Da diese bescheidene, in anderen Ländern längst durch- geführte Verbesserung des Arbciterschutzes in den Kreisen der Unternehmer auf hartnäckigen Widerstand gestoßen ist, hat die sehr angesehene Gesellschaft der Aerzte in Wien in einer Eingabe an Regierung und Parlament Stellung zugunsten der Vorlage ge- nommen und zugleich die weitergehenden Forderungen der medi- zinischcn Wissenschaft dargelegt. Die Denkschrift ist in Nr. 3 der„Wiener Klinischen Wochenschrift" abgedruckt. � Das Schriftstück rügt die allgemeine Rückständigkeit des öfter- reichischen Arbeiterschutzes, verlangt dessen Ausdehnung auch auf das Kleingewerbe und wünscht, dass neben den Unternehmerkammern auch der Oberste Sanitätsrat vor dem Erlaß von Verordnungen solcher Art gehört werde. Es bemängelt, daß der Entwurf nur von einzelnen Verrichtungen, die durch Vorschriften zu regeln sind, spricht, da es doch ganze Gewerbe gibt, die wegen Gefährlichkeit eine Regelung erheischen(Bleiweissfabrikation, Verarbeitung von Roßhaar usw.). Es hebt hervor, daß zwar die Regierung und in begrenztem Masse auch die Unterbehörden im Unternehmerinterefse einzelne Schutzbestiminungen betr. der Arbeitszeit sollen außer Kraft setzen können, daß ihnen aber kein Recht eingeräumt wird, dem besonderen Bedürfnis einzelner Arbeitergruppcn nach Schutz der Gesundheit durch Verkürzung der zulässigen Arbeitszeit zu entsprechen. Im einzelnen wird dargelegt, welche Betriebszweige in beson- derem Masse eine Verkürzung der Arbeitszeit erfordern: 1. solche, in denen mehrere schädigenden Ursachen zusammenwirken, so Hüttenwerke(Anstrengung, Hitze, Nachtarbeit), Verarbeitung giftiger Stoffe(Blciindustric, chemische Fabriken verschiedener Art):„Je kürzer hier die Arbeitszeit ist, um so geringer die Menge des täglich aufgenommenen Giftstoffes, um so grösser die Möglichkeit für den Organismus, durch Ausscheidung der geringeren Gift- menge deren Anhäufung im Körper zu verhindern. Dasselbe gilt von allen Betrieben und Verrichtungen, bei denen der Arbeiter größere Mengen Stanbrs einzuatmen gezwungen ist, z. B. Metall- schleifereien, Stcinmetzbetriebe." 2. Verrichtungen mit besonderer Unfallgcfalir(z. B. Steinbrüche),„da Untersuchungen gezeigt haben, dass eine längere Arbeitszeit zu ungemein grösserer Häufung von Unfällen führt". 3. Betriebe, auch klcingewcrblicher Art, hei denen übermäßig lange Arbeitszeit, vielfach unter besonders ungünstigen Bedingungen, die Gesundheit angreift(Gast- und Schankgewerbe, Bäckerei). Weiter wird gezeigt, wie zwar die Selbsthilfe der Arbeiter« schaft vielfach eine Verkürzung der � Arbeitszeit unter den vom Fäbrikgesetz vorgeschriebenen Elfstundentag bewirkt hat, dass aber gerade in einer Reihe besonders ungesunder Betriehszweige dies noch nicht gelungen ist. Hervorgehoben wird die mit Nachtarbeit verhundene ununterbrochene Arbeit an Ofcuanlagrn.„Ein grosser Teil dieser schwer arbeitenden und starker Hitzewirkung ausgesetzten Arbeiter hat eine hohe, manche eine ganz ungeheuerliche Arbeits- zeit." Zahlenmässig wird das auch dargetan für so gefährliche Industrien, wie Steinbruch und Steinbearbeitung, Naoelfabrikaticnl usw. Arbeiten doch 72 Proz. der Steinbrucharbeiter 10—11 Stunden, ebenso 66,3 Proz. bei der sehr schädlichen Herstellung der Nadeln. Aus diesen Erwägungen tritt die Gesellschaft der Aerzte ent- schieden für die von der Regierung geforderte Gesetzesänderung und deren Ausbau ein. Zur Durchführung der Verordnungen aber verlangt sie eine intensive lleberwachung der Betriebe. Das er» fordert nicht nur eine erhebliche Vermehrung der Aufsichtsorgane, sondern auch, zumal der Arheiterschutz über die Abwendung äusserer Schädigungen hinaus zum planmäßigen Gesundheitsschutz entwickelt werden soll, die Heranziehung von Aerzte» zur Gewerbeaufsicht. Auch hierin trifft die Denkschrift der Aerzte mit den Forderungen der Arbeiterschaft überein. Möchte ihrem Programm, das ebenso von Sachkunde wie von menschlichem Empfinden Kunde gibt, der Erfolg nicht fehlenk Gericdts- Leitung. Verstößt der nichttarifmäßige Verkauf von Markenartikekit gegen die guten Sitten? Gegen das Kaufhaus Brühl in Leipzig hatten vier Firmen deS Markenschutzverbandes, die Parfümeriefabrik Ferd. MühlcnS in Köln, Georg Dralle in Altona, Wolf u. Sohn, Berlin, und die bekannte Lilienmilchseifefabrikantin Bergmann u. Co. in Radebeul bei Dresden Antrag auf Erlaß einer einstweiligen Verfügung ge» stellt, die dem Kaufhaus den Verkauf ihrer geschützten Waren unter» sagt. Begründend machen die Antragsteller geltend, dass das be» klagte Kaufhaus alle Markenartikel unter den festgesetzten Tarif- preisen verkaufe und damit die breite Absatzmöglichkeit'der Klägerinnen unmöglich mache. Denn die kleineren Geschäftsleute, wie Barbiere, Branche-Dctaillisten, würden dadurch veranlasst, den Verkauf ihrer Artikel einzustellen. In Betracht komme auch. daß die beklagte Firma alle Waren der Klägerinnen auf Unrwegen beziehe. Das Landgericht Leipzig erließ eine einstweilige Verfügung, die der Beklagten untersagte, die Waren der Klägerinnen billiger als zu den festgesetzten Mindestpreisen anzubieten oder zu ver- kaufen. Durch das Oberlandcsgericht Dresden ist diese Verfügung beseitigt worden. Das Obcrlandesgericht erklärt, dass in dein Herabsetzen des Preises noch kein Verstoss gegen die guten Sitten liege. Der freie Gewerbebetrieb gestatte jedem, die Waren zu den Preisen zu verkaufen, zu dem es ihm beliebt. Der Umstand, dass er billiger verkaufe, um die Kunden an sich zu locken, sei weiter nichts als die Ausübung des freien Wetthewerbes. Die Preis- Herabsetzung sei auch nicht eine solche, die als Schlcuderei bezeichnet werden könnte. Die Herabsetzung der Preise betrage nur einige Pfennige unter den Tarifsatz und übersteige immer noch bcträcht» lich die Engrossähe.(Die Beklagte behauptet hierzu, noch zirka 40 Proz. an den Waren zu verdienen, während die Klägerinnen über 100 Proz. verdienen.) Nur wenn sich die Beklagte die von den Klägerinnen nicht mehr gelieferten Artikel auf eine gegen die guten Sitten verstoßende Art verschafft haben würde, könnte eS in Frage kommen, ob ihr Verkauf nicht zu untersagen gewesen wäre. Das sei aber nicht erwiesen. Die Täuschung über die Person bei dem Ankauf könne nicht als solcher Verstoss angesehen werden: es sei das eine Kriegslist, aber nicht die Verletzung eines Treue- Verhältnisses. Auch eine Schädigung der Klägerinnen durch Unter- bindung des Detailhandels liege nicht vor. denn diese brauchten ihre Waren nur zu denselben niedrigen Preisen zu verkaufe» oder verkaufen lassen, wenn sie wirksam gegen die Massnahme der Beklagten operieren wollten. Das Reichsgericht wies die Revision der Klägerinnen dieser Tage zurück. Seschiuivfung der Sircht. Der itakbestand des§ 16S wird vom Reichsgericht immer weiter ausdehnend interpretiert. Ties« Jnterpretations- künstelet zieht völlig nutzlose Urteile groß, die einer kräftigen Kritik Einhalt gebieten wollen, tatsächlich doch aber bewirken müssen, daß die Ueberzeugung in immer weiteren Kreisen Platz greift, die Kirche— richtiger daL Wirken der Kirchengewaltigen— steh« auf f» törnernen Füßen, daß sie eine Kritik nicht vertragen könne. Das zeigte sich wieder an«inem am Freitag vor dem Reichsgericht verhandelten Fall. Wegen Beschimpfung der christlichen Kirche ist am lä. Lktobcr v. J. vom Landgericht Dresden der Produktenhändler Richard Klemm zu einem Monat Gefängnis verurteilt worden. Am 20. Juli v. I. wurde im BolkShause zu Dresden ein freidenkerischer Vortrag gehalten. Ter Angeklagte sprach in der Diskusston und nannte dabei die Kirche eine„Berdummungsanstalt". Tiefer Aus- druck bezog sich, wie der Gang der Verhandlung ergeben hat, auf dl« christliche Kirche. Tie Revision des Angetlagten kam am Freitag vor d«m Reichsgericht zur Verhandlung. Der Verteidiger führte oruS: Es ist nicht festgestellt, daß in dem gewählten Worte gerade «inle Beschimpfung liegt. Zur Anwendung dcS Gesetzes ist eine besonders verletzende rohe Form erforderlich. Ter Gedonle. der ausgedrückt werden sollte, konnte sehr Wohl ohne Absicht der Bc- schimpfung so ausgedrückt werden. Es mutzte festgestellt werden, dah der Angeklagte noch mehr Möglichkeiten hatte, den Gedanken zum Ausdruck zu bringen, ohne in rohe Beschimpfung auszuarten. — Das Reichsgericht verwarf jedoch die Revision, da die rechtliche Würdigung des Tatbestandes zwar sehr knapp ist, aber einen Rechtsirrtum nicht erkennen läßt. Wie viele hundert Jahre Gefängnis würden Luiher, wenn er heute lebte, aufzupacken sein falls d«S Reichsgerichts Jnter- pretation zutrifft! Ein Bankbeamter als Falscher. Eine große Fingerfertigkeit muh in dem Strafsall in An» wiNiduny gebracht worden sein, der gestern den Bankbeamten Wil- Helm Luthe vor die Strafkammer d«S Landgerichts III führt«. Der Angeklagte war in einer Filiale einer hiesigen Großbank angestellt. Dort gab ein Hauseigentümer B., der verreisen wollt«, neben anderen Papieren auch sein Scheckbuch ins Depot. Mit der Rege- lung dieses Auftrages war der Angeklagte betraut, der das Scheck- buch in beständiger Anwesenheit des Herrn B. in den dazu be- stimmten Depotkasten legte. Als B. von seiner Reise zurückkehrte. konnte er feststellen, daß aus den: Chcckbuch ein Formularblatt fehlt«, und cS ergab sich bei näheren Nachforschungen, daß ein Scheck über 2000 M., der die gefälschte Unterschrift des Herrn B. trug, i» der Zwischenzeit präsentiert und bezahlt worden war. Der Verdacht lenkte sich aus den Angeklagten, der, als er die Katastrophe kommen sah, plötzlich aus dem Geschäfte wegblieb. Nachdem der Schreibsachverständige Obersckretär Drogolin sein Gutachten dahin abgegeben hatte, daß die Schrift auf dem Scheck von der Hand des Angeklagten herrühre, erfolgte die Verhaftung des letzteren, als er im Restaurant im Freundeskreise bei einer gemütlichen Skat- Partie saß. Er wurde zu 8 Monaten Gefängnis unter Anrechnung von 1 Monat Untersuchungshaft verurteilt. Gleiches Recht für jedermann. Kürzlich wurde berichtet, daß Bonner Studenten, Angehörige der feudalsten Korps, Edelste und Beste der Nation, ein Vergnügen sich daraus gemacht hätten, einen Eisenbahntransport zu gefährden, Eisenbahnwagen und Gleise zu demoliere» und das Dahnperfonal zu mißhandeln. Jedoch habe sich bislang kein Staatsanwalt ge- stmden, um gegen die vomehmen Herren Anklage zu erheben. Da? mag wohl noch kommen. Denn, daß nachsichlige Milde bei Transportgefährdungen in Dentfchland nicht üblich ist, möge durch folgende zwei Lorkoinnmisse aus dem letzten Jahre in Erinnerung gerufen werden. Objekte dieser Strasversahren waren freilich nicht erwachsene Adelige wie in Bonn, sondern zwölfjährige Proletarier- kinder: I.»Die Strafkammer zu Hohensakza berurteille den zwölfjährigen Schulknaben DziamSli zu einen,/ Jahr und einerWocheGefängniS und den vierzehnjährigen Schüler Jasinski zu einem Jahr Gefängnis. Die beiden hatten im April v. I. auf die Eisenbahnschienen der Strecke Stralau— Kraschwitz einige größere Steine gelegt. Vor Gericht gaben sie an. daß ihnen das Zermalmen der Steine durch den Zug Spaß gemacht haben würde. Da der Bahnwärter die Steine recht- zeitig bemerkte und entfernte, wurde ein Unglück verhütet. Der zwölfjährige 5knabe erhielt eine Woche mehr, weil er als der An- führer angesehen wurde." II.„Tie B e u t h e n e r Staskammer verurteilte den dreizehn- jährigen Schulknaben Schulz imd dessen zwölfjährige Schwester für einen Dumiuenjnngenstreich zu je einem Jahre Gefängnis, weil sie unweit der Myslowitzgmbe Steine auf die Straßenbohngleise gelegt hatten(um zu sehen, wie„der Zug hopst"), wodurch die Entgleisung eines elektrischen Wagens herbeigesührt wurde." Wie sagte doch Herr v. Schönstedt?„Wenn zwei dasselbe wn, ist'S noch längst nicht dasselbe I" Eine gemeingefährliche Rouberbaude wurde gestern von dem Schwurgericht des Landgerichts II auf mehrere Jahre unschädlich gemacht. Unter�der Anklage des gemeinschaftlichen schweren Raubes bezw. der räuberischen Erpressung mußten sich sechs polnische Gelegenheitsarbeiter vor den Ge- schworenen verantworten, und zwar waren dies die Arbeiter Josef Jahnas. Johann Pawlick, Anton Wietwiecki, Andreas Molodowiez, Leon Adamowski und BolrslauS Schmidt. Die zum Teil schon er- heblich vorbestraften Angeklagten waren Stammgäste in einem Polen guarricc am Echlesischen Bahnhof. Hier machten sie die Sc- kanntschast von eben aus der Heimat angekommenen Landsleuten, denen gegenüber sie sich alt Slellenvermiitler ausgaben und ihnen verspram-n, daß sie ihnen schon am nächsten Tage gut bezahlte Arbeit in Johannisthal besorgen würden. Wenn dann die Arbeit- suchenden hocfcrfteut«uf die Vorschlags ihrer heimtückischen Landsleute eingingen, wurden sie von den Angetlagten bei Johannisthal und auch in Grünau in den Wald verschleppt, hinter- rücks überfallen und völlig ausgeraubt. Im Sommer vorigen Jahres gingen mehrere derartige Anzeigen von Beraubten bei der Ärinnualpolizei ein, bei denen es sich im einzelne» um folgendes handelte: Ter Arbeiter Joses Polucha war Mitte Juli aus seiner galizischen Heimat auf dem«chlesischcn Bahnhof angekommen. In der Polcnhcrberge in der Krautstraßc wurde er von den Auge- klagten Jannas und Powlick angesprochen, die ihm eine gute Ar- beftsstelle in Johannisthal versprachen. Polucha ließ sich auch der- leiten, mit den beiden„liebenswürdigen" Landsleuten nach Johannisthal zu fahren. Als sie einen Wald passierten stürzten plötzlich mehrere Leute, die sich wie die Strauchräuber hinter den Bäumen verborgen gehalten hatten, auf ihn los und schlugen ihn zu Boden. Einer der räuberischen Gesellen setzte ihm ein Messer auf die Brust, während ihm die übrigen seinen Ledergurt mit 80 M. Inhalt und die Uhr entrissen. Nachdem die Banditen den Unglück- lichen Polen bis auf das Hemd ausgeplündert hatten, zog einer von ihnen einen Revolver hervor und befahl dem Ausgeplünderten, so schnell toie möglich davon zu laufen und sich nicht umzudrehen, da er sonst schießen würde. Polucha lief natürlich, so schnell ihn seine Füße tragen konnten, davon, um aus dem Schutzbereich zu kommen. Aehnlich erging es am folgenden Tage dem Arbeiter Zureck. Selbst in der Polenherberge bekamen es die Angeklagten fertig,«inen ihrer Landsleute unter Anwendung von Ehlorofonn zu berauben. Es war dies der Arbeiter Kwasisur, dem sich Schmidt als Stellenvermittler ausgegeben hatte. Als beide in der Herberge saßen, sagt« Schmidt zu K.:„Deine Füße riechen ja'." Zugleich holte er«ine Flasche mit Chloroform hervor, welche er dem ahnungslosen K. als Einreibungsmitiel für seine Füße empfahl. Er riet ihm, recht kräftig an der Flasche zu riechen, da dies gut tue. Kwasisur tot dies auch und wurde dadurch betäubt, so daß Schmidt ihn in aller Gemütsruhe ausplündern konnte. Vor Gericht schoben sich die Angeklagten die Haupttäterschaft nseitig zu. Die Geschworenen billigten nur dem minder- ilrgten Angeklagten Wietwiecki und Molodowiez mildernde Um- stände zu. Gegen dies« lautete das Urteil nur auf je einen Monat Gefängnis. Dagegen hielt cS das Gericht für angebracht, die übrigen Angeklagten auf möglichst lange Zeit unschädlich zu machen. Das Urteil lautete: gegen Jannas auf 7 Jahre Zuchthaus, gegen Pawlick auf 6 Jahre Zuchthaus und je 10 Jahre Ehrverlust und Stellung unter Polizeiaufsicht, gegen Adamowbki auf l Jahr und gegen Schmidt auf Jahre Zuchthaus und Nebenstrafeu. Ein recht raffinierter Trick. Karl Albrecht, Kuovelsdorfstr. 43 wohnhaft, ersucht unS um Feststellung, daß seine Frau mit der wegen Schwindelei verurteilten Frau Emma Albrecht(vergl. Bericht vom 27. v. M.) nicht identisch ist. Diesem Wunsch kommen wir gern nach. Vermilekres. Das Wasser fällt. Di« seit Sonntag aus Paris eintreffenden Telegramme berichten zum Glück sämtlich über ein ständiges Sinken der Flut. Eine Pariser Meldung vom gestrigen Tage lautet: Die Seine war bis heute vormittag seit ihrem Höchststände um 00 Zenti meter gesunken. Ein Teil des StraßendannneS am Bahnhof St. Lazare ist eingesunken. Bei der Untergrundbahn macht sich da» Sinken des Wassers besonders bemerklich. Die nach der Sein« hinausgehenden Fenster der OrleanSbahn beginnen loieder sichtbar zu werden. Der Verkehr auf dem Quai d'Orsay ist wieder hergestellt. Ueber die Ru« de Bourgogne ist ein Steg gebaut, um de» Zugang zum Palais de Bourdon zu erniög- lichen. In den Stadtvierteln Champs ElysveS, de? Invalides und Passy hat dos Wasser sehr abgenommen. Wo eS noch steht, ist es mit einer leichten Eisschicht bedeckt. Viele Avenue» in Groß Caillon find dem Verkehr wieder freigegeben. Auf der Esplanabe deS Invalides stehen nur noch kleine Wasserlachen. Lllenlhalben arbeiten Pumpen an der Entleerung der Kellerräumlichkeiten der Häuser, man geht daran, Schutzwehren und Notstege zu beseitige». Eisenbahnonfällr infolge der Nederschwemmung. Die Fernzüge der OrleanSbahn werden infolge der Ueber- schwemmung auf den Gleisen der Pariser Vorortbahnjgesührt. Vorgestern abend S'/z Uhr stieß der von Toulouse kommende Expreßzug mit einem Vorortbahnzug« in der Nähe von Juvish zusammen. Der Zusammenstoß erfolgte mit ungeheurer Heftigkeit. Die Passagiere sprangen, obwohl ihnen seitens der Eisenbahnbediensteten Ruhe anbefohlen wurde. auS dem Zuge ins Wasser. Eine furchtbare Panik entstand. II Personen wurden verletzt, darunter eine schwer. Der Zug kam mit einer Verspätung von einer Stunde in Paris an.— Unter denselben Umständen ereignete sich wenige Minuten später an derselben Stelle ein weiterer Unfall. Der Expreßzug von Vour- deaux fuhr auf eine» Zug der Vorortbahn auf. Bei dem Zusammenstoß wurden fünf Personen verletzt, darunter zwei schwer. Der Expreßzug traf mit vierstündiger Verspätung in Paris ein._ Bei der Eisenbahnkatastroph« in England. über die wir in der SonntagSnumnier unter„Letzte Nachrichten' be- richteten, sind, wie aus London gemeldet wird, nach amtlicher Fest- stellnng sieben Personen geötet und sechsundzwanzig verletzt worden._ Schneestürme in England. Seit vorgestern nacht wüten, wie an? London gemeldet wird, in der Umgebung von Derbyshire Schneestürme, infolgedessenviele Dörfer und kleine Städte von jedem Verkehr abgeschnitten sind. Die Regierung hat große Dampfschneepsliige nach de» bedrohten Gegenden geschickt. das Arbeiten mit diesen Schneepfliigm ist jedoch völlig nutzlos, da der Schnee an den meisten Stellen über zehn Fuß hoch liegt. Hier und da sind Menschen, die sich nach einem Nachbarorte wogren, umS Leben gekommen. In Lincolnshire ist eins große Schafherde im Schnee stecken geblieben und elend umgekommen. Hirt und Tier» hat man bisher noch nicht geborgen. Ein grosieS Schadenfeuer zerstört« in Solingen die großa Bandfabrii von Eduard Johann in Höhrath. Ter Schaden ist er, heblich, zahlreiche Arbeiter sind beschäftigungslos geworden. Von eknem Leutnant ermordet. In Szilaghsomlho(Ungarn) versetzten auf einem Ball der eifersüchtige Nonns Michael Kripoczk» dem Gendarmericleutnant Ludwig Nagy, weil dieser die Braut des Kripoczky zum Tanz- aufgefordert hatte, einen Schlag ins Gesicht. Ter Leutnant zog seinen Säbel und streckte den Beleidiger mit einem tödlichen Hiebe zu Boden. Cmgegangene Druck Icdrifreu. Veruiögen erwerben— Geld verdienen. Von L. Fried en-Gould. Preis g M.(Porto 20 P(.) Verlagsanstalt Emil Adtgt. Wiesbaden 35. Methler, Auskunft. Kalender. Für den dcuilchen und inter- nationalen Handelsverkehr. Verlag Meihler u.?o., Berlin W. 35. Preis 3 M. Di« dazugehörigen Aissrngezettel in Blocks zu l M. Eelbstverlag. Entweder— oder?! Kritische Gedanken von Reinhold Hollack. 1 M. VcilagSanstalt Teichmann u. Co., Leipzig. Für oder wider die Todesstrafe. Sin« Umfrag« bei den führenden Geistern unserer Zeit. l. bis 3. Taufend. Mit einem Titeibstde. Von Lovis Eorinth. 117 Seiten. Verlag der Neuen Gesellfchafllichen Korrefpondenz. Berlin V7. S. Eichhonrstr. 6. Tie Rechtsverhältnisse im Pomonagebtet in Südwest-Afrika. Ein Gutachten von Dr. Fr. Andrö, Professor in Marburg. Mit 1t An« lagen(dabei 2 Karten). Preis 2 M- Verlag von Dietrich Reimer(Ernst Vohsen), Berlin. Tie Gewerkschaftsbewegung in Bulgarien 1304—190?.(Bericht deS ZentralauSichuffeS be» allgemeinen GewerkfchastSverbande» an da» internationale Sekretariat der gewerkschaftlichen LandcS-Zcntr.cken). Sofia. Jnterrffante Wörter. Nach ihrer Herkunft allgemeinverständlich er- klärt. Von S. E. W-rthenau. Preis kart. 1,20 M. Freier Literarischer Verlag. Berlin— Tempelhos._______ WttternnaSüberstck,» von, 31. Januar 1910. mar««»» 8 Uhr. ffottenm Seilet Swmenid, 7693® Hamburg 76033® ?erstn 762 WS® Franks. a M 765 Sffi Rünchro 767 Sffi Wien 765 NW 4bed?ckt 5 Schnee 2 bedeckt 3 Dunst 2 wolkig 2 bedeckt u« ü» »U 1 0 1 — 1 —3 1 Stationen Isl S« -a Saparanba 741 SD eterSburg 756 S Sem? i 761 Sffi e Setter Ü* »II «lberdeen Parti 752 SSW 766 G I 2 Nebel 3 wolkig. »bedeckt 1 wolkig 1 bedeckt -4 — 1 7 3 -2 Wetterprognose für Dienstag, den 1. Februar 1910. Ei» wenig wärmer, vorherrschend wolkig mit geringen Niederschlägen und ziemlich lebhasten südwestilcheu Winden. Berliner W e tt erb o r«a«t. SozialdeniDMeberWaliiyere!!] für dsn Stralauer Viertel. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Gastwirt Emil GumlicSt Libauer Straße 4 gestorben ist. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 2. Februar, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- halle des EmmauS-Kirchhosö in Rixdors, Hermannsw., auS statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. impOMnts Auswahl Mielstoffe (allerlciete Xcuhelten) abgcpaBl und mcterwelu. Muster■ Kollektion bei näherer Angab« franko! Teppich-Spezlatliaas 5ml! Lestvre B<ä'"° Oianisnstr. izg. ? FOehentllrhe Teil» zohlunfl liefere etc. gante tcrtlge Herren-». Knaben- Garderobe Ersatz fNr MaB. MaU-Aofertlfeang. Eclaele Verarbrltg. unter I,oItung crstUias- •iffer Schneidermeletci z. Kurzberg 46 l|osen}halerStra40 I. Etage, direkt am Hackescheo Markt Kein Waren-Hrctiit-Hniisi Bei Barzahlung 10% Rabatt Volkssänger. Gelellschast„Anke". SwinemündersUaß« 17.>62* J. S aer Bällslr. 2 Sprint- Alle» Herren- and Knaben- Moden, Beruf skleidunj, Joppen. Elegante 1 Paletots und Pelerinen. Grobes Slofdager zur Anfertigung n.MaB. Alterbllllgate,«treng feste Prelee. Carl Ernst (Inhaber Willi Ernst} jcht: KSpenioker Sir. 55 b, I, Amt IV. 14089. Gr. Auswahl! Bill. Preise k ! Vorzciger dieser Annonce er- bältlOProz Preisermäßigung. Torzugsangebot für die Leser des „Vorwärls" s— Die Wunder der Urwelt ÜTÄ Kaoh den Ergebnissen der nenesten Forschungen bearbeitet und herausgegeben von Gnstnv A. Hlttep. Ganzleinen• Prachtband.— 700 Selten mit mehr als 500 original- JItastrationen.— Lexikon• Format* Das Werk wird au dem äuCerst niedrigen Preise von nur 3Hk. für die Leser des Vorwärts" abgegeben. In klarer, jedermann verständlicher Sprache zieht hier die Schöpfungsgeschichte von den Uranfängen bis zur Gegenwart an uns vorüber. Wir sehen nicht nur den Erdball selbst entstehen, sondern auch die organische Welt, die auf demselben lebt, Pflanzen sowohl wie Tiere, sich von den unvollkommensten organischen Körperohen, durch Zeiträume von Jahrmillionen bis zu immer vollkommeneren Gestalten entwickeln, bis sie in dem Menschen, als dem höchstorganisierten und vollendetsten Wesen ihre höchste Schöpfnngslcraft zeigt.— Was Kopernikus, Kepler, Kowton, Kant, Laplaco, Alexander v. Humboldt, alle die vielen Forscher als richtig erkannt and zu einem mächtigen Geistesbau zusammengefügt haben, das wird in diesem Buche in großen Zügen entwickelt. Oer eeerig billige Bengeprete«teilt in keloen Verbiltnii zu dem fnnereo irad iuBeren Werte diese, hemrregtnden Werket. Bestellungen stehenden Bezugsscheines zusenden an sind unter Benutzung des nebenmöglichst umgehend ein- Willibai d Wende5 Verlag Berlin Lfitzowstraße 31. Sklhßer Mahlkreis. DirnStog» de» 1. Februar, abends 8'/, Uhr i Oeffeutliche Frauen- Versammlung im Berliner Prater. Kastantcn-Allce 7—!>. Tagesordnung: 15/30 Die preußischen Frauen im WahlrechtSkampfe. Relcrenti»: Krau Luise Zirtz. Freie Diskussion. Ter Borstand. 2f. A.; Frau Minna Lohse. Oderverger Str. M. Partei- Speditionen: Z??ntrHni: SITfxrt H a d ni s ch. Nuguiistr. 50,(Singang Ioachimstrasie s. Wahlkreis, Westen: Gustav Schmidt, Kirchbachstr. 14. Hoch parterre. , Süden und Südwesten- Hexmann Werner Gncisenaustr. 72. Lade»-. S. Wahlkreis: St. Fritz. Prwzenstr. 31, Hos rechts pari. 4. Wahlkreis: Ott« n: Rodert Wen gel S, AndreaSftrasie 17. Wilbelm Mann, PeterSburgerpIatz 4 fladen). �Wahlkreis» Südosten! Paul Böhm. Lausttzerplatz 14/15 (Laden). S. Wahlkreis: Leo Zucht, F-mnannelkirchstr. 12(Hof). «. Wahlkreis(Tfoabit und Hanwavlertcl): Kart AnderS Ealzwcdclerstr. 8, im Laden. w eUUinx: Karl Weiße. Slazarethkirchstrasie 43. Itokenthaler und Oranienburger Vorstadt: Hermann R a I ch k e. Bernauerstr. 9. von» Part. tZesnnribrnnnen: F. Trapp, Stettlnerstr. 10. «rhUnhaoser Vorstadt: Karl ÄarS. Lychenerftr. 123. �dlershof: Karl Schwarzlose, Hosimannftr. 9. �lt-4»Ile»leke: Wilbelm Dürre, Rudowerltr. 83 ll. Iln»n»sehnlenn ex:£>■ Hornig, Marientbalerstr. 13, I. Ucrnan, Rbntxental, Zepernick, Schünow und SehOn brück; Heinrich Bros». Hohesteiiistr. 74. Part. Vohnsdorf und Valkenberx» Alois Lauf, Bohnsdorf, Ge» nosienschastShauS.Paradies'. (.'harlottenbnrx; Gustav. Scharnberg, Sesenheimerftrab« 1, Eck« (Noetbestratze, Laden. tllchnnlde. Zenthen, Sflersderf und Hanbels Ablaxe Fritz Oldenburg, Eichwalde, Kronprinzenstr. Sl. Erkner: Ernst H o f fm a n n, FriedrichSbagener Chaussee. Eredcrsdart-Eetershaxen: E. Höselbarih, PelerShagm (.'riedcnnu-Stezllts-Sildendc: H. Berns t«, Schlotzftr. 119, Hvj I, in Steglitz. Besteltunge» nehmen entgegen in StexlltM H. Mohr, Duppelstr. 32. und Fr. S ch e I l b a I e. Nhornstr. lo». Erledrlchshaxen: Ernst Werimann, Friedrtchstr. 67. Ortinan: Franz Klein, Bahnhosstr. 6 III. Hohen-Xenendorf: Wilhelm T« n t I ch e r, Stolperstr. 50!. Johannisthal: P i e I i ck e, Kaiier-WilHelm-PIatz 4. Ilarlshorst: Richard K ü t e r, Rödelstr. 9, N. liänlxs-W nsterhansen: Fnedrich L a u m a N», BaHnHofstr. 13. Nbpenlck: Em» W i b l e r. Kietzerstr. 6, Laden. Ldchtenheri;, Erledrlchsfelde, W ilbolmsberc: Otto Settel, Kionprinzenslrasie 4, I. .Rahlsdorf und Knnlsdorf: Hugo Scheid«, MahISdors, Walderseestr. l t. ?la>-lendort'i August L eip. Tbausseestr. 296, Hos. lVicder-Scbünetvelde: Max P r i e b t e, Britzerflr. 14 II. Xowawes: Wilhelm I a p p e. Friedrichstr. 7. Ober-Schiinenelde: August Henje«, Laufenerstr. 2, k Eanhon-Kiodcrschtinbauson: Otts R i si m a n n, Mühlen« flrasie 30. Reinickendorf. Ost, Wllhelmsmh und SchOnboIr P. Gursch, Kamelestr. 12, I. lUlzrdorf: M. Heinrich, Neckarftrahe 2, im Laden. Rnn»n,elshnrx, Roxhaxen:Si. Rosenkranz, Alt-Boxhagen 56. �chniargendorf: Gustav K a m i» S k y, Cunostrasi« 2. Scbüneber«: Wilhelm BSumler, Marlin Lutherstr. 51, tm Laden. Spardan: K ö p p e n, Jagowstr. 9. '.Tegel, Borsigwalde. Wittenau. Waidmnnnslnst licrntsdorf und Belnlckendorf• West: Paul Kienast Borsigwalde. Räuschstraze 10. Teltow: Wilhelm B o n a w, Teltow, Zehlendorfer Str. 4. Tempelhof: Albert Thiel, Friedrich Wilhelnistr. 20.- Treptow: Rod. Gramenz, Kieiholzistrasie 412, Laden. W elliense«: K. Fuhrmann. Ssdanstr. 105. parterre. W Ilmersdorf. Ißalensee: D i t t n« d e 1, Gasteiner Str. 4. Sämtliche Parleilileratur sowie alle wlsienlchaltilchen Werte werden gelleserl Annahme von Inseraten für den„Porwärts". Ritts anssehneldon. 245/1 f: li.&P. Uder, InÄtJ Tabak-Großhandiang und Tabakfabrik. iSF" Kauch-, Kau-, Schnnpilabake, Zigarren, Zigaretten."WS A Vorteilhalteste ßcangsqnelle für Wioderverk&ufer. k Größto Auswahl gelagerter Zlgnrren in allen Preislagen, w l�Unntln Marken NgSrSttSN � Orlglnalprciscn � Heiserkeit, Katarrh, Keuchhusten beseitigen Kaisers Brnst-Caramellen. 5500 not. begL Zengn. bew. den sich. Erfolg.... Paket 30 Pf. !! Dafür angebotenes weise energisch zurück!! Zu haben in Apotheken und Drogerien. Vertreter u. Lager: Rieh. Thiele, Berlin S. 53. i Bdrwaldstr. 8. Tel.-4, 10. Höchste Anerkennung finden bei allen Rauchern Manoli Cigaretten Spezialmarken: Dandy, Fix, Chic, Gibson Girl. Eingeführt von 3784L*| den traneösischen o. italienischen staatL Tabak-Regien. Dentseher Holzarbeiter- Verband Verwaltung Berlin. Rlittwoch, den 2. Februar, abends Uhrs Verfratiensmänner-Versammlutigeti der Bezirke und Sranehen. Tagesordnung: 1. Tätigkeitsbericht des Obmannes. 2. Bericht der Werkstattvertrauensmänner. 3. Berbandsangele.qenHeite». Alle Werkstätten müssen vertreten sein. = Mitgliedsbuch legitimiert. Die in den Bororten arbeitenden Mitglieder sind ebenfalls verpflichtet. Vertrauenslente zu senden. Dieselben besuchen die Vertrauensmännerversammlung ihrer Branche oder die ihrer Werkstatt am nächsten liegende Bezirks» Vertrauensniännerversamnilling. Für die Arbeitslosen geben die Arbeitsvermittler VerttauenSmännerkarten am Mittwoch miS. Versammlungslokale sind folgende: Tischler. Süd-Westen bei Habel, Bcrgmaunstr. 5/7. Süden bei Ollesing, Waifertorftr. 68. Südosten I U. Ii bl de« Xannyn-Feststtlcn, Slantchnflr. 6. OSten I bei Borgmann, AndreaSstr. 31. OSten 11 b-i Flrnan, Frankfurter Allee 106. OSteil III bei Bergmann, Boxhageuer Strafte 36. IleÄlIelie s/ororle M HOrdOSten bei HUUer, Grofte Frankfurterstr. 137. Jede Sargtischlerei muh einen Vertrauensmann nach dieser Dersamm- bmg fendem Nosentüsiei' n.SeiiSniisusei'Vol'stsdt Z4*eb°nitr%3. V edding n. Moabit bei Kaczorawskl, Navcncstr. 6. Bautischler. Bez. I: Südwesten, Süden, Südosten BeZ. 2l Ostens Zlcts, Warschauer Straft« 61. Bez. 3: Korden n. nördl. Vororte aoÄÄ«k 74. Bez. 4; Gesundbrnnnen, Wedding and Moabit irt Sachse, Lindower Strafte 36. Jlföbel- und Sfuhtpolierer Xagazinarbeiter OSten bei Bochcr, Weberstr. 17. SUdOSten im.MSrttsche» Hof-, Ndmiralstr. 18 o. Norden bei GOntber, Brunucnstr. 90. Drechsler, Treppengeländer- und Luxnsmöbelbranehe NOrden bei OOhllnr, Brunnrnstr. 7V. OSten bei Schneider, Frtedenstr. 67. SUdOSten 0. Südwesten bei Stramm, Rittcrstr. 133. Xnsikinsfrnmentenarbetter um 8 Uhr abends im«eworkschaltshaase, Engclufcr 15, Saal 3. Sonnabend, den 5s März 1910: Großes Kostümfest � der �e?®�iJeWe,t Maschinenarbeiter im Gewerkschaftshanse. Engelnfer 14/15(Saal 7). ModeU- und Vskrikttsokler um 8 Uhr Set Aghten, Vflugstr. 5. Einsetzer im SewerkschaftShanse. Sngclofer 14/15(Saal 11). Bockenleser im«ewerkschaftshause, Engelnfer 15. Stellmacher bei Hahn,»Rosenthaler BereinihanS-. Rosentyaler Strafst 57. Kistett- und Kofsermacker bei Boadaeb, Brrtzlauer Strafte SS. Korbmacher bei Eichhorn, Koppenstrafte 47. Bürstenmacher bei FrenD(Htlse»ei«-A«Sschank)» Holzmarktsir. 65. Kammacher Set Lehmann, Neue Friedrichstr. 1. Vergolder bei Klage, Langestrafte 53. Jalousiearbeiter bei Walter,«dalbertstr. 53. Perlmntt-, Born- SteinnnOarbeiter um 0 Uhr bei Ernst Thomas, Melchiorstr. 5, Bilderrahmenmacher um 6 Uhr bei Kattoroth, Ritter ftr. SS. Stockarbeiter um 5'/, Nhr bei Ochmann, Neue Friedrichstr. 1. 78/14 Octsvcrwaltnne Berlin. Bureau: BerNn K. 54. Brunnenstr. 188, Restaurant Wilke. Amt M, 4835. Wir rmpiehlen bei Veranstaltung von Vergnügen usw. den geehrten BvrstSude», Komitees und Saalinhabern unseren kosteulosen Arbeitsnachweis, Brunnenstratze 188. Geschiiftszrit täglich von 19'/,-1 Uhr mittags. Kapellen vom grösiien bis Neinsten Orchester stehen jederzeit zur Verfügung. Der Borstand. KR Unsere Mitglieder sind im Besitz einer Kontrollkarte Dieselbe Ist sür daS l.Ouartal weiß und muh mit dem Berbundsstempel versehen sein. Alle andere Legitimation ist ungültig und ist sosort anzuhalten- Allgemeine Orts- Ltrankenkasse für Rixdorf. Bekanntmachung. Dir bringen den Kassenmstgliedern und Arbeitgebern Hierdurch zur Kennt. nIS, daß der BeztrkSauSschutz zu Potsdam die in der General- Versammlung vom 26. November 1999 beschlossene Statutenänderung Hinsichtlich der§§ 6. 13, 14, 16, 24, 29, 32, 37, 48, 98, 59, 60, 61, 62, 63, 6-1, 65, 67 de» KassenstatuIS genehmigt bat. en ist der beabsichtigten Aende» rmig des§ 10 die Genehmigung ver« lt worden. Sir bringen serner zur Kenntnis, daft der Magistrat«IS Ausficht«- behörde den Antrag der General. Versammlung aus tmderweiiige Fest- fetzungen der Mahngebühren wiesoigt genehmigt hat: ES sind zu berechnen Mahngebühren für rückständige Beiträge bis zum Betrag«: a) von ö Mk. mit 10 Pf. außer b), 30,. 20, dem c)„ 150., 40, Porto. ck) über ISO.. 75. Sämtliche oben näher bezeichnet» Abänderungen treten mit dem Tage der Verössentlichung in Kraft. Druck- rxemplare werden sofort nach ihr« Fertigstellung verausgabt werden.' "lixdors. den 1. Februar 1910. I»cr Knasonvorstand. gez. Neumeler, Vorsitzender. gez Einer, Schnfijüjjc«. Deutscher Transportarbeiter-Verband. Verwaltung GroS-Berlin. Den Milgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Lager- arbeitcr von der Zl. E.°G. �rieä>-ick Deuter am Freitag, den 28. d. M,, im Alter von 46 Jahren an Darm- krebs gestorben ist. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet am Dienstag, den 1, Februar, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- Halle des Heilands-Kirchhoses in Plötzensee aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 65/16 Oie Verwaltung. Verband der freien Gast- nnd Schankwirte Deutsehlands. Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, dag der Kollege EErnil GumHch Libauer Straße 4. Bezirk 4. am 29. Januar verstorben ist. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 2. Februar, nachmittags 4 Uhr, von der Leichen- Halle des Emmaus-Kirchhoses in Rixdorf, Hermannstr. 129—137, aus statt. 74/5 Uin rege Beteiligung ersucht Die Ortsverwaltung. vsulseliei' HoIisrveitei'-VerM Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Tischler WüKelm Rüdiger am 29. Januar gestorben ist. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 2. Februar, nach- niittags 3 Uhr, von der Halle deS Samariter- KirchhoseZ in Ahrensfelde aus statt, Fahrvcrbindung: 2 Uhr 32 Min. vom Wriezener Bahnhos. Um rege Beteiligung ersucht 78/15 Die Ortsverwaltnng. Deutscher Wspnrtarheiter- Verband. Verwaltung GroS-Berlin. Xachrnf. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Hausdiener Rictisrd Gustavus am 27. Januar im Alter von 28 Jahren gestorben ist. 65/17 Ehre seinem Andenken: _ Die Yerwaltnag-. Deutscher Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin, Machraf. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Drücker GsKar Bitterhoff gestorben ist. 111/5 Ehre seinem Andenke»: Gle Ortsverwallung. I Allen Genossen, Bekannten und Berwandten die traurige Mitteilung, daß am 29. Januar meine liebe Frau und unsere gute Mutter iHaris Bluhrne geb. I-obler nach langem, schwerem Leiden im 43. Lebensjahre verstorben ist. Grünau, 30. Januar 1910. Oie trauernden Hinterbliebenen. Hermann Blnhme nebst Kindern. Die Beisetzung findet am Mitt« woch den 2. Februar, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle aus aus dem Kirchhos in Grünau statt Danksagung. Für die zahlreiche Beteiligung bei der Beerdigung meiner lieben Frau Elisabeth sage Allen herzlichen Dank. Groß-Lichterfelde. Oskar Ruhland. Allen Freunden und Bekannten für die sreundliche Teilnahme bei der Beerdigung unseres lieben SohneS und Bruders sagen wir unseren herz- lichen Dank. Familie BIäIIRs. Dr. Simmel Spezial-Arzt* für Haut- und Harnleiden. frinzensir. 41, Ä,s„ 10— 2, 5—7. Sonntags 10— 12, 2—4. Jm Hygienische f�. bin Bentriiarilltel. Neuoat Katalog Am Sonnabend, den 29. d. Mts. verstarb nach kurzem aber schwerem Leiden unser allverdienter Obel, der Branereibealtzer Julius Urbach. Wir verlieren in dem Dahingeschiedenen einen allseitig gerecht urteilenden, sohaffensfreudigen Arbeitgeber. Sein anfrichtiger Charakter sichern ihm ein ehrendes Andenken über das Grab hinaus. Das Personal der Brauerei Julius Urbach G. m. b. H. und die Bierverleger Cremplewskl« Prattke, Gebr. Büttner. (Dfffriitlidjfr ziortrag: von Reinhard Uninin am Dienstag, den k. Februar, abends 8ll, Uhr, am Engel-Ufer 15, im großen Saale des GewerkschaftöhanseS. kreier lkintriit tllr jedermann. Geueralfekretariat der Kirchlich sozialen Konferenz. Berlin NW,87, Tile-Wardenberg-Str. 28. Dr. Schünemann Spezialarzt für Haut- und Harnleiden, Frauenkrankheiten,• Friedrichstr. SJ03. Ecke Schützenstr. Wochentags 10—8, 5—7. Leihhaus Gelegenheitskaufe verfall. Geld- und Silbersachen, Brillanten etc. l&lÄPrtaBlrJr 'nützjziur'- Zucrft kommt Palmona, denn fie ift reine Pflanzen-Buttcr-Margarine, erletzt die unerfdnvinglich teure Kuhbutter vollkommen und übertrifft alle anderen Fette an Reinheit und Woblgefchmadh H. Scblinck& Cie. fllleinige Produzenten von«Palmin* und •Palmona» Schluß Donnerstag, den 3. Februar Selten günstige Kaufgelegenheit! Gewaltige Mengen zum Teil streng moderner Waren werden zum forcierten Verkauf gebracht. Die bezüglichen Preise sind ganz bedeutend— teilweise bis auf die Hälfte und noch mehr— herabgesetzt Beispiellos billiger Inv.-Ausverkauf folgender Artikel; Herren-Anzüge Herren-Hosen Pkantasie-W esten Herren-Hüte Wäsche— Kragen Loden-Joppen Pelz-Joppen Geh-Pelze Gummi-Paletots Pelerinen-Mäntel Herren-Paletots Herren-Ulster Knaben-Paletots Knaben- Anzüge Knaben-Hosen usw. BoervSohn Chausseestraße 29-30 □ 11 BrQckenstraße II Gr. Frankfurterstr. 20 o Schöneberg, Hauptstr. 10 Dtr Haupt-Katalog No. 38(neueste Moden) ko*tenio» and porio/rti QiireiRlatang —- Bedarfsartikel> Pr. Qual. Alle Art. zur Gesundheitspflege. Kat. grat. Versand Franehlob, Berlin 33, An- dreauHtr. 78. Billigste Bezugsquelle! Versuch fuhrt zur dauernden Kundschaft Syphilis- Nachwels in allen irisch, u. veraltet, zweifelhaft. Fäll, durch wisscnschastl. Untersuchung. sofort; desgl. Harn-(spcz. aus Go- norrhoe-Fäden) u. Sputum-llnalysen. Gr. Homeyer& Co., Spezial-Laborat., Fricdrichstr. 189. zw. 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Partei- Angelegenheiten. Zur E-'wideruug auf die Erklärung des Geschästsführenden Ausschusies in Sachen des Streitfalles, der wegen Benutzung der„Neuen Welt" zwischen der Organisation in Rixdorf und deni dritten Kreise schwebt, erklärt Genosse Pohl, daß seine in der General Versammlung des dritten Kreises gegebene Darstellung des Falles durchaus keine einseitige, sondern eine rein objektive gewesen sei. Der Bericht sei wörtlich niedergelegt und könne jederzeit auf seine Richtigkeit geprüft werden. Was die Behauptung betrifft, daß der geschäftsführende Ausschuß in die nächste Generalversammlung des dritten Kreises delegiert worden sei, so sei diese wohl richtig, aber man habe annehmen müssen, nach Aeußerungen von Mil gliedern des Ausschusses, daß die Delegierten-Genossen in die Generalversammlung v o m 25. I a nu a r kommen würden. zumal der Vertreter des dritten Kreises in der Sitzung des Aktionsausschusses ausdrücklich darauf aufmerksam gemacht habe, daß am 25. Januar außer der Berichterstattung vom Parteitag der V o r st a n d 3 b e r i ch t auf der Tagesordnung stehe. � Rixdorf. Heute abend findet bei Hoppe, Hermannstr. 48/40, die Generalversammlung des Wahlvereins statt. Tagesordnung: 1. Geschäfs- und Kassenbericht. 2. Wahl eines weiblichen Vorstands- Mitgliedes. 3. VereinSangelegenheiten und Verschiedenes. Außer» dem gilt eS noch Stellung zu nehmen gegen das Junkertum. _ Der Vorstand. ßerUmr JHacbricbten. Berlins Bevölkerungsbewegung im Jahre 1909. Die Bevölkerung Berlins hatte im Jahre 1903 infolge der Mindening der Zuzüge sich nicht vermehrt, sondern verringert. Im Jahre l9i)9 hat nun wieder ein Umschwung der Zuzugsverhältnisse sich angebahnt, so daß auch die Bevölkerungszahl ivieder zu steigen be- gönnen hat. Die Bevölkerungszahl stellte sich am Schlüsse des JahreS 1909 nach den jetzt vorliegenden Berechnungen des Statistischen Amtes der Stadt auf 2 1 29 667. Da für den Schluß des Jahres 1998 die Bevölkerungszahl 2 196 942 be- rechnet worden war, so hat d a s I a h r 1 999 e i n P l u s von 13 725 gebracht. Wenn das viel scheint gegenüberdem Jahre 1998, das mit einem Minus von 4419 abschloß, so ist es doch immer noch wenig gegenüber dem Jahre 1997 mit seinem Plus von 29962 oder gar gegenüber den Jahren 1996 und 1995 mit ihrem Plus von 47 986 und 54 571. Die Schroffheit des Gegensatzes z. B. zwischen den wenig auSeinanderliegenden Jahren 1996 und 1998 erklärt sich daraus, daß in 1996 zu dem erheblichen lleberschuß von Geburten noch ein sehr be- deutender Ueberschuß von Zuzügen kam, in 1993 aber dem gleichfalls recht ansehnlichen Geburtenüberschuß ein Ueberschuß nicht von Zuzüaen, sondern von Wegzügen gegenüber stand. durch den der Gewinn aus Geburten mehr als aufgeivogen wurde. In 1999 haben die Zuzüge sich wieder gemehrt, aber doch nur so weit, daß die Wegzüge sich mit ihnen nahezu ausglichen. Daher ergibt sich für 1999 der seltene Fall, daß diesmal der Bevölkerungszuwachs lediglich durch den Geburten- Überschuß herangebracht worden ist. Der Geburtenüberschuß war gering. In den fünf Jahren in 1999 auffallend 1999 47 298 Kinder. 33 612 Personen. 13 686 Personen, 1995 1996 1997 1993 wurden geboren leinschl. Totgeborene) 51 399 53 389 52 899 51 935 und es starben(einschl. Totgeborene) 36 293 34 587 34 277 34 259 mithin betrug der Geburtenüberschuß 15 997 18892 18 622 16 776 das ergibt für das letzte Jahr eine Minderung um reichlich 3999. Sie erklärt sich aus dem ganz außer- ordentlichen Rückgang der Geburtenzahl, der in 1999 ein- getreten ist. Ein Wanderungsüberschuß ist für 1999 noch nicht herausgekommen, wenigstens keiner von nennenswerter Höhe. Für die fünf Jahre 1990 1996 1997 1998 1999 sind in Rechnung zu stellen als zugezogen 287 869 291 459 273 688 244 969 251 983 Personen. andererseits als weggezogen(einschl. übliche Zuschläge) 248 296 262275 272 248 265 255 251 944 Personen, mithin betrug das Wandenmgsergebms -f 39 564+ 29 184+ 1 449- 21 195+ 39 Personen. so daß für das letzte Jahr zwar kein Verlust mehr. aber auch noch kein Gewinn von Belang zu ver- zeichnen ist. Aus Geburtenüberschuß und Wandenmgsergebnis be- rechnet sich dann für das Jahrfünft>995—1999 die M e h r u n g bezw. Minderung der Bevölkerungszahl auf + 54 571+47 986+ 29 062- 4419+13795, wie schon eingangs angegeben wurde. In dem Auf und Ab dieser Zahlen malt sich die w e ch s e l n d e G e st a 1 t u n g der Wirtschaftslage und der Erwerbs- Verhältnisse. Die letzten Jahre haben aufs neue die alte Erfahrung bestätigt, daß jede Periode eines allgemeinen Mangels an Ärbeitsgelegeuheit in Berlin zu einer Minderung der Zuzüge und gleichzeitiger Mehrung der Wegzüge führt. Auch die in 1999 hervorgetretene außerordentliche Mindening der Geburten, durch die die ohnedies unaufhaltsame Abivärts- bewegung der Geburtenziffer einen besonders kräftigen Ruck nach unten erkalten hat, gehört zu den Begleiterscheinungen des Notstandes der Arbeiterbevölkerung. Bults, chule und Figurentmifen. Man ist eS schon gewöhnt, daß unsere Schule, besonders aber die Voltsichule al« Mädchen für alles verwende, wird und daß man versucht ihr alles möglich» auf- zubürden. Jehl sende, sogar der„Dentfche Eislauf» Verband für deutsche EiSIausvereine� ein Flugblat, an die Retloren der Berliner Gemeindeichulen, enthaltend die Elemente deS Figurenlaufens mit Winken für Anfänger im Schlittschuhlaufen mit der Bitte um Verbreitung und vertrieb de? Flugblattes. ES ist nichts dagegen einzuwenden. daß die Schule das Schlittschuh» laufen, diesen gesunden Sport, zu fördern sucht, indem die eine oder andere Turnstunde einmal ans eine Eisbahn verlegt wird, was in der Tat verschiedentlich geschieht; aber Figurenlaufen «nd allerlei andere Künste gehören nicht in die Volksschule. Zu wünschen wäre bei dieser Gelegenheit, daß die Stadt den Volks- fchiilern das Schlittschuhlaufen in ähnlicher Weise, wie das beim Baden durch Ausgabe von Kreibadeknrten geschieht, verbilligen würde. Gegen eine kleine Entschädigung seitens der Stadt, die ja Milte! genug für manche andere weniger wichtige Zwecke aufwendet, an die Eisbahnpächter wären diese gewiß gern zu einem Entgegen- kommen bereit. Panik in der Jndusiriestätte Warschauer Brücke. Durch eine an fich geringfügige Ursache und falschen Feueralarm würde gestern vor- mitrag in der Jndusiriestätte Warschauer Brücke in der Rother- straße 20—23, Ecke der Naglerstraße, weit draußen im Osten Berlins, eine angstvolle Panik unter den Arbeiterinnen und Arbeitern herbei- geführt. Aus dem Kesselhause der Auerfabrik strömten iiifolge des undicht gewordenen Flansches große Dampfinengen unter starkem Geräusch aus und füllten den Hof an. Unter de» Arbeiterinnen und Arbeitern der Firma entstand eine gewaltige Aufregung. Alles drängte nach den Ausgängen, da Feuersgefäbr befürchtet wurde. Aus allen Etagen stürmten die Menschen die Treppen hinab. Die Unfallstation der Fabrik trat sofort irr Tätigkeit und»ahm sich der aufgeregten Mädchen an. In Eile wurde der Verband für erste Hilfe benachrichtigt, der sofort drei Krankenwagen nach der Industrie- statte entsandte. Auch mehrere Aerzte waren bald zur Stelle, um hilfreich einzugreifen. Etwa zwanzig Mädchen hatten vor Schreck Schreikränipfe erlitten und mußlen in Droschken fortgeschafft werden. Mit Krankenwagen wurden drei Mädchen transportiert; die Arbeite- rinnen Margarele Leonhard aus der Friederichsfelder Straße 28. Maria Lukas aus der Frankfurter Allee 168 und Margarete Paulicke aus der Köpenicker Straße 34. Das letzte Mädchen fand im Städtischen Krankenhaus in der Gitfchiner Straße Aufnahme. Nachdem sich die erste Aufregung gelegt hatte, klagten noch einige vierzig Arbeiterinnen über heftige Kopfschmerzen und begaben sich in ihre Wohnungen. Ernstlich verletzt scheint niemand zu sein. Die Kesselwärter konnten ihren Dienst weiter tun. Auch der Betrieb selbst erlitt nur ein kurze Unterbrechung, da der Kessel bald wieder repariert war. DaS Licveswerben der Berliner Kriminalpolizei um die verloren gegangene oder eigentlich noch niemals recht vorhanden gewesene Gunst deS Publikums nimmt nachgerade groteske Formen an Für diesen durchsichtigen Zweck hat im.Berliner Tagebl." als Vierter im Bunde nun auch Kommissar Klinghammer, der Leiter der sogenannten Kriminalpatrouillen, einen Sirenengesang an- gestimmt. Er greift aus der Fülle feines Materials einige be sonders charakteristische Fälle heraus, in denen das Publikum be- drängten Kriminalbeamten keine Hilfe gebracht hat, spricht auch kühn von Ungewandiheit und Mangel an kriminalistischer Auffassung deS Publi kumS und schreibt dann wörtlich, es laste sich nicht leugnen, daß in vielen Kreisen tatsächlich eine Abneigung gegen die Polizei besteht. Man begegne den Klagen über schlechte Behandlung seitens der Polizeiorgane in allen Schichten der Bevölkerung, obwohl seitens der Behörde alle» geschehe, um derartigen Klagen den Boden zu entziehen. Auf Grund von Beschwerden des Publi- kumS über Beamte würden dies« streng be st rast, so daß sich an allen Dienststellen die Erkenntnis durchgerungen habe, daß sie der Anwalt deS hilfesuchenden Publi- kumS sind. Man faßt sich an den Kopf und fragt, wie ein Berliner Kriminalist, der mitten im öffentlichen Leben steht oder doch stehen soll, so etwas schreiben kann. Hat denn Herr Älinghammer jähre- long auf dem Monde gelebt, daß er nicht weiß, waS in Berlin und überhaupt in Preußen vorgeht? Die Oeffentlichkeit hat noch nicht das geringste davon bemerlt, daß Polizeibeamte, über deren .Bravour" und.Schneidigkeit" sich das Publikum beschwert, sireng bestraft worden sind. Im Gegenteil hat eS in weitesten Kreisen peinlich berührt, daß wiederholt solche Polizeibeamte, deren amtliches Walten die Oeffentlichkeit auf daS entschiedenste beunruhigte und empörte, beispielsweise die Gentlemans Kastube und Konsorten,, noch obendrein durch Ordensverleihungen aus- gezeichnet worden sind. In derartiger Anerkennung von Polizei- lichen Handlangerdiensten, die bei allen charaktervolle» Menschen als eine Schmach und Schande empfunden werden, liegt eine völlige und deutliche Mißachtung der berechtigten Jnter- essen des Volkes. Ein großer Teil de» Publikums beschwert sich schon gar nicht mehr über erlittene Unbill, weil er annimmt, daß dann noch der Spieß umgedreht wird. Ehe die Berliner Polizei als vertrauenswürdiger An- walt des hiliesuchenden Publikums anzuerkennen ist, wird wohl noch viel Master durch die Spree laufen. Schließlich ist ja das verkehrte Urteil des Kommissars Klinghammer nicht maßgebend für die Oeffentlichkeit. ES beweist nur wieder mal den hartleibigen Polizei» geist. der am Alexanderplatz zu Hause ist und sich noch herauSloben will, wo olle Welt über die reaktionäre RückitSndigkeit der Berliner Polizei einig ist. Die allererste Vorbedingung für die Entwickelung eines besseren Verhältnisses zwischen dem Groß-Berliner Publikum und der Polizei ist die Einiargung deS verruchten SpitzeltnmS, dieses Schandmals unserer Zeit. Ohne diesen ReinigungSprozeß am eigenen Leibe hat die Polizei aus die Beihilfe„weiter Kreise" ganz sicher nicht zu rechnen. Ein Elcndsbild. Ein Opfer deS Frostes ist der Fabrikarbeiter Hermann Kuhn» geworden. K. halte sich wegen Arbeitslosigkeit aus die Wanderschaft begeben und war unierwegS plötzlich erkrankt. Er wurde nach dem Müncheberger Krankenhaus gebracht. Am Sonn- abend wurde er wieder als geheilt entlassen. Er nahm nun die Wanderschaft wieder auf, vermochte aber infolge Emkräftung nicht weit zu kommen. Aus der Hangelsbcrger Chaussee brach er zu- lammen und erst gestern entdeckte ein Fußgänger den Unglücklichen. der bereits erftoren war. Die Leiche wurde nach der HaugelSberger Friedhossballe geschafft. Auch ein Beilrag zu der kaiserlichen Aenßerung, daß bei unS der Arbeiter versorgt ist bis ins bohr Alter hinein. Ausnahmen von der Borschrist des§ 139c der Gewerbeordnung über Miiidcsteuhczeit und Mittagspause der Angestellten für das Jahr 1910. Der Polizeiprästdenl erläßt folgende Bekannlmachuug: I.„Auf Grund des§>396 Ziffer 3 der Gewerbeordnung sowie unter Bezugnahme ans Ziffer V der landespolizeilichen Anordnung vom 10. Okiober IV08 betreffend den Achtuhr« Ladenschluß, setze ich hierdurch für den Ortspolizeibezirk Berlin die Be- stlmmimgen des Z 139 o der Gewerbeordnung über die den Gehilfen. Lehrlingen und Arbeitern in offenen Verkaufsstellen und den dazu gehörigen Schreibstuben(Konloren) und Lagerräumen zu g e- währende Minde st ruhezrit und Mittagspause für folgende Tage deS Jahres 1910 außer Anwendung: 1. Bei den B l u m e n h a n d l u ng e n für den S.. 12.. 19.. 26. Februar, 8., 12., 19., 26. Mär,. 9. April, 18., 19., 26. November, 3., 10., 17, und 81. Dezember 1910. 2. Bei den Spiel warenbandlungen für den 30. No- vember, 1. bis 3., 5. bis 10., 12. bis 17., 19. bis 23. Dezember ISllZ. 3. Bei den Buchhandlungen für den 7. bis 10„ 12. biS 17.. 19. bis 23. Dezember 19 lO. 4. Bei allen übrigen offenen Verkaufsstellen für den 26. März(Sonnabend vor Osten'). 14. Mai(Sonnabend vor Pfingsten), 18. bis 17., 19. bis ein+ließlich 23. Dezember sowie 31. Dezember 1910(8 Tage vor Weihnachten«nd Silvester 1910). II. AuSnahmetage mit Neunuhr-Ladenschluß. Unter Bezugnahme auf Abschnitt II der oben erwähnten landes- polizeilicven Anordnung über den Achtnhr-Ladenskbluß in der Fassung des Nachtrags vom heutigen Tage wird hiermit für den Orts- polizeibezirk Berlin bestimmt, daß im Jahre 1 9 1 0 alle offenen Verkaufs st ellen am 18., 16. und 19. bis ein- schließlich 23. Dezember für den geschäsrlichen Verkehr bis 9 Uhr abends geöffnet sein dürfen. Bei der fpr alle Sonnabende bereits nach Lilt. I der Achluhr-Ladcnschlutz- anordming bestehenden Ausnahme(Neunuhr-Ladenschluß) behält eS sein Bewenden. III. Die für den Ortspolizeibezirk Berlin erlassene Bekannt- machung vom 14. Januar 1905 betreffend die Ausnahmetage mit Zehnubr-Ladcnschluß wird hiermit aufgehoben. Aus der Spree gelandet wurde gestern vormittag die Leiche cincs Mädchens von etwa 17—20 Jahren. Die Unbekannte hat dunkelblondes Haar und trug unter anderem einen dunklen Rock und eine blaue weißgestreiste Achselschürze. Zwei Kindeslcichcn wurden gestern aufgefunden. Die eine lag vor dem Hause Thaerstraße 35 aus dem Straßendamm. Sie war in einem roten Pappkarton eingepackt. Die andere lag vor dem Hause Luisenufcr 57/59, dicht am Eingang der Gasanstalt. Das linke Bein war ihr angekohlt. Wahrscheinlich hat man ver- sucht, sie ganz zu verbrennen. In beiden Fällen handelt eS sich um neugeborene Kinder, deren Mütter noch nicht ermittelt sind. Die Leichen wurden nach dem Schauhause gebracht. Unter den Rädern eines Schnellzuges zermalmt. Ein schrecklicher Unglücksfall hat sich Sonntag in ftüher Morgenstunde auf dem An- Hairer Bahnhof zugetragen. Der 46 Jahre alte Eisenbahnschaffner August Zeuncrt hatte den kurz vor 6 Uhr auf dem Anhalrer Bahnhof eintreffenden Zug begleitet. Als der Zug an den Tempelhofer Betriebswerkstätten vorüberfuhr, verließ Z. das Coupö, um nach den anschließenden Wagen zu gehen. Beim Beschreiten des Laufbretts verlor er plötzlich den Halt und stürzte rücklings ab. Unglücklicher» weise geriet er mit den Beinen unter die Räder deS Zuges. Bis zu den Knieen wurden sie ihm fast vollständig zermalmt, ferner zog er sich einen Schädelbruch zu. Der Zug wurde, da der Unfall bemerkt worden war. sofort zum Halten gebracht und Z. aufgenommen und nach dem Anhalter Bahnhof gebracht. Von dort brachte man ihn in einem Krankenwagen nach dem Krankenhaus am Urban. Der Zustand des Verunglückten, dem beide Beine amputiert werden mußten, ist hoffnungslos. Der Selbstmord einer Fünfzehnjährige» erregte Sonnabend abend in der Admiralstraße 19 großes Aufsehen. Die 15 Jahre alte Tochter Paula des Fabrikarbeiters A., die dort im 4. Stock bei ihren Eltern wohnte, hatte in einer Druckerei gearbeitet, war am Freitag morgen um 7 Uhr zur gewohnten Zeit von Hause weg- gegangen, aber nicht an der Arbeitsstelle erschienen und auch abends nicht wieder nach Hause gekommen. Vergeblich suchten die Eltern sie abends und den folgenden Tag. Während nun am Sonnabend abend ihre drei jüngeren Geschwister allein zu Hause waren, kam die Vermißte um 8>ch Uhr zurück. Die Geschwister riefen ihr zu:„Wo warst Du denn gestern und heute? Die Eltern suchen Dich und sind schön böse!" Statt aller Antwort ging das Mädchen nach der Küche, öffnete das Fenster und sprang aus den Hof hinab, wo es mit zerschmetterten Gliedmaßen liegen blieb. Auf das Geschrei der Kinder eilten die Hausgenossen nach der Wohnung und nach dem Hof und ließen die schwer Verletzte in einer Droschke nach dem Krankenhaus am Urban bringen. Als die Eltern um 10 Uhr nach vergeblichem Suchen nach Haufe kamen und den Vorfall hörten, eilten sie nach dem Kranienhause. fanden aber nur noch die Leiche der Tochter. Der Selbstmord eines zehnjährigen Mädchens hat am Sonntag morgen in dem Hause Memelerstr. 11 großes Aufsehen hervor- gerufen. Dort wohnt im vierten Stock der Waschmeister A. Ja- retzke. Frau I. hatte am Sonnabend nachmittag ihrer 10 Jahre alten Tochter Marie den Auftrag erteilt, die Wohnung aufzu- räumen, während sie eine Besorgung machen wollte. Die Kleine begab sich jedoch auf die Straße, wo sie mit anderen Kindern bis gegen Abend spielte und sich dann zu Bett begab, ehe die Mutter zurückgekehrt war. Als am Sonntag früh Frau I. dem Mädchen Vorwürfe darüber machte, daß es den erhaltenen Befehl nicht aus- geführt hatte imd ihr Strafe androhte, lief das Kind plötzlich an das offene Fenster und sprang, ohne daß die entsetzte Mutter es verhindern konnte, aus die Straße hinab. In besinnungslosem Zustande wurde die kleine Mari« nach der Unfallstation in der Warschauerstraße geschafft, wo der Arzt schwere innere Ver- lctzungen und eine Gehirnerschütterung feststellte. Nachdem die Kleine die erste ärztliche Hilfe erhalten, wurde sie nach dem Krankenhausc Friedrichshain überfuhrt. Es ist Hoffnung vor- Händen, das Kind am Leben zu erhalten, da das Mädchen glück- licherweise auf das Gartenrondel des Hofes gefallen war, wodurch der Sturz ganz erheblich abgeschwächt worden war. Gasvergiftung. Am Sonntag früh vergiftete sich in der Brücken- straße 7 das Mädchen Marie Tierbach mit Leuchtgas und abends der Kanzleidiener Torell in der Friedenstraße 5. Die herbeigerufene Feuerwehr konnte hier keine H'lie mehr leisten; der Tod war schon eingetreten. Die Leiche wurde von der Polizei beschlagnahmt. Berliner Bolkschor. Genosse Paul Göhre sendet unS folgende Erklärung mit der Bitte um Abdruck:„Die letzte Freitag- nummer des„Vorwärts" bringt einen Bericht, nach dem der Ar- beitersängcrbund den Boykott über den Berliner V o l k s ch o r verhängt hat, weil er sich ihm noch nicht angeschlossen habe. AIS derzeitiger Vorsitzender des Volkschores möchte ich dazu vorläufig Folgendes erklären: Die Frage des Anschlusses ist zum ersten und einzigen Male in einer Sitzung des Aktionsausschusses der Berliner Wahlver- eine am 12. November vorigen Jahres, aber auch da nur mehr nebensächlich erörtert worden. Am 4. Januar erhielt der Chor sodann vom Arbeitersängerbund die schriftliche Ausforderung zum Anschluß. Bedenkzeit wurde uns bis 16. Januar gewährt. Ich antwortete auf das Schreiben folgendermaßen: „Der Volksckior hat in seiner gcschäftlicben Sitzung vom De- zember beschlossen, sich in der Frage seines Beitritts zum A. S. B. zunächst noch einige Zeit abwarieno zu verhalten. Der Gnnrd dafür ist, daß in den nächsten Monaten die Organisation der Bil» dungslestrebungen der Großberliner Arbeiterschaft durchgeführt werden soll. Angesichts dessen ist gegenwärtig auf diesem Gebiete alles so sehr im Fluß und Ungewissen, daß es dem Chor richtig erschien, zunächst in dieser Beziehung noch überhaupt keine bin. denden Beschlüsse zu fassen. Dazu kommt, daß in der nächsten Frühjahrsgeueralversammtung Neuwahl des Vorstandes und der Funktionäre stattfindet, die möglicherweise so starke Veränderungen in der Zusammensetzung desselben herbeiführt) daß es auch unter diesem Gesichtspunkte nicht rätlich erscheint, daß der alte Vorstand hier vorgreift. Sie müssen sich mit der Ordnung der ganzen Frage alsoauchJhrerseitS nochein wenig gedulden." Di« Antwort auf dies Schreiben ist der mitgeteilte Boykott- beschluß. Ich überlasse den Vorwärtslesern das Urteil darüber. Dem Volkschor macht dieses Verfahren die Möglichkeit, dem A. S. B. beizutreten, wahrlich nickst leichter. Ohnehin bestehen eine Reihe sachlicher Gründe, die ihn erschweren. Der Bolkschor bezweckt ausschließlich,„bei seinen Mitgliedern das In- teresse und Verständnis für die Werke der großen Tonmeister zu wecken und zu fördern, sowie billige künstlerische Konzerte für die Kreise des arbeitenden Volkes zu veranstalten." Außerdem be» tnüljt et sich- erste Künstlerkräfte. deren Produktionen für dre Ar. beiter sonst verschlossen sind, der Arbeiterschaft zugänglich zu machen. Der Arbeitersängerbund dagegen pflegt den Gesang von Frerhelts- und Arbeiterliedern. Er verpflicktet seine ihm angeschlossenen Vereine geradezu zu gemeinsamen Uebungen und Vorführungen solcher Lieder, die zu Pflegen der Volkschor jedoch nicht einmal die Zeit hat; er braucht seine ganze Zeit, um die Chorwerle, die er ausführt, so zu studieren, datz die Vorführungen ernsten künst- lcrischen Ansprüchen genügen. Das Statut des Arbeitersängerbundes fordert ferner, dah al l e Mitglieder der ihm angescblossenen Vereine politisch oder getverkschaftlich organisiert sein müssen. Bei Männer- oder sehr kleinen gemischten Chören ist das möglich; der Volkschor, besten größere Hälfte(zirka 1b0) weibliche Mitglieder bilden, hat unter letzteren noch ein? größere Anzahl, die nicht organisiert und zur Zeit auch nicht organisierbar sind. Die Schmie- rigkeiten. Arbeiterinnen zu organisieren, die jedem Genosten be- kannt sind, bestehen erst recht in solchen künstlerischen Vereini- ounge». Ein sofortiger Beitritt zum A. S. B. würde zur Zeit aller Wahrscheinlickkeit nach den Verlust dieser Mitglieder bedeuten und damit das ganz? �'aebnrs der mühsamen musikalischen Erziehung des Chors in den«eyren 5 Jahren hinfällig machen. Sollte die Berliner Arbeiterschaft in größerem Umfange dem Bohkottbeschlutz des A. S. B. sich praktisch anschließen, so bliebe dem Volkschor schließlich nichts weiter übrig, als sich aufzu» lösen. Ob das gerade ein Gewinn und ein Ruhmestitel für die Berlimer Arbeiterschaft wäre, lasse ich dahin gestellt. Die Auf- lösung müßte jedenfalls sehr eigentümlich berühren in dem Augen- blick, wo die Arbeiterschaft auch in Berlin daran geht, ihre Bil- dungs- und Erziehungsbestrebungen zu organisieren. Etustweilen wird der Chor versuchen, trotz der neuen Schwierigkeiten weiter seine Ziele zu verfolgen." JugendkursuS in Moabit. Der VortragskurfuS über„Literatur- gefchichle", der heute. Dienstag, bei Stark, Waldstr. 8. beginnen sollte, muß wegen Erkrankung der Referenlin. Frau Wally Zepler. leider ausfallen. Wenn derselbe seinen Anfang nimmt, kann erst später bekanntgegeben werden. Vorort- JVadmcbtcm Rixdorf. Plünderung eines Neubaues. In der Frühe des gestrigen Morgens sind in der Weisestraße mehrere Bauhandwerker zu einem seltenen Akt der Selbsthilfe gegen einen Bauunternebmer geschritten. Dort hatte der Bauumernehmer St. auf dem Grundstück Nr. 33 ein großes, vierstöckiges Wohnhaus errichten lasten, das bis auf die noch feblenden Fensterscheiben in allen seinen Teilen fertiggestellt war und am 1. April bezogen werden sollte. Vergebens hatten jedoch die an dem Bau betettigten Handwerker, in erster Linie Rohrleger und Tischler, auf Begleichung der ihnen kontrakilich zustehenden Geld- forderungen gedrungen. Sie ichriiten daher, als alle gütlichen Versuche, gu ihrem Recht zu gelangen, nichts fruchteten, und in der Befürchtung außer ihrem Lohn auch noch das ausgewendete Material zu vertieren, dazu. sich des Materials mit Gewalt zu bemächtigen. So warben sie zur Verstärkung ihrer eigenen handfesten Leute eine zuverlässige Mann- schaft, insgesamt nahezu sechzig Mann, und fuhren mit fünfzehn großen Möbel- und Lastwogen in der stillen und menschenleeren Weisestraße um 6 Uhr morgens vor. Hunderte von Fenstern, Türen, sämtliche Gas-, Wasser- und sonstigen Anlagen, soweit sie nicht direkt innerbalb der Mauern sich befanden, wurden berauSgeristen und auf die Wogen geladen. Selbst die Treppengeländer wanderten mit, und als dann in kaum einer Stunde alles ausgeladen war. ging es fort. Niemand hatte den Vorfall beobachtet; als ein Nachbar den Unternehmer und dieser die Polizei des fünften Reviers alarmierte, da war es zu spät. Schönederg. Die erst kürzlich in Betrieb gestellten eisernen Schneepfiüge haben sich sehr gut bewährt, so daß die Absicht besteht, die Zahl derselben zu vermehren. Auch sind mit dem jetzigen System der Schnee- beseiligung erheblich günstigere Erfahrungen gemacht worden. Während früher die Gespanne einen großen Teil des Straßen» bammes zun» Beladen der Wage» in Anspruch nahinen, fallen die kleinen, zwei Kubikmeter Inhalt fastenden Kippkarren, die von einem Arbeiter transportiert werden können, in dem Straßenbelriebe gar nicht auf. Dieses Verfahren stellt sich auch, obwohl eine größere Zahl Arbeiter tätig sind wie früher, bedeutend billiger; außerdem ist eö praktischer, wenn der Schnee anstatt aus dem Felde abgeladen, zu den nicht weit entfernt liegenden Schneeschächten transportiert und dort btiieingeschültet wird. Bei ersterem Verfahren wurden stets größere Ueberichweinmungen verursacht. Lankwit Ertränkt hat sich die sechzehnjährige Lueie Beese, die hier bei einen, Dr. L. in Stellung war. diese aber heimlich vor drei Monaten verlosten hatte. Vorgestern wurde die Leiche des Dienstmädchens aus dem Teltowkanal gelandet. Bei ihrem Weggänge halte die B. einen Brief hinterlassen, in dem sie ihrer Herrschaft mitteilte, daß man eines Tages ihre Leiche in dem Teltowkanal finden werde. Eharlotteniiurg Bei der Ausgabe der Garderode hat am Sonnabend im Volks- hause, Rosinenstr. 3, nach dem Maskenball der Krankenkasse der Wagenbauer der Garderobenherausgeber einen Siegelring verloren. Da der Siegelring ein wertvolles Andenken war, bittet der Eigen- tümer denjenigen, der denselben vielleicht mit der Garderobe mit gefaßt hat, den Ring im BolkShause bei Frau Bunge abzugeben. Friedenau. In der Generalversammlung beS Wahlvereins gab der Vor- sitzende einen Bericht über das verflossene Geschäftsjahr. Die Mitgliederzahl betrug am 1. Januar 1900: 148 männliche, CO weibliche, insgesamt 168 Mitglieder. Am 31. Dezember 1900 gehörten dem Wahlverein 156 männliche, 24 weibliche, insgesamt 180 Mitglieder an. Bereinsversammlunger. wurden im Berichtsjahr IL abgehalten, außerdem 2 selbständige und 1 gemeinsame öffentliche Versammlung mit Steglitz. Seit April steht dem Wahlverein im Orte kein Lokal zur Verfügung, doch dürfte, wenn nicht alle Zeichen trügen, der Pleitegeier bald zu Hilfe kommen. Genosse Klemann gab hierauf den Kassenbericht. Einer Ein- nähme von 251,90 M. steht eine Ausgabe vag 240,40 M. gegenüber. An den Z e n t r a l v o r st a n d lvurden�cbgeführt 145,15 M. Es folgten dann die Berichte der Lokalkommission, der Land- agitation, Bibliothekare und der Bezirksführer. Der alte engere Vorstand wurde hiernach bis zum 1. Juli einstimmig wieder- gewählt. Als Bibliothekare wurden gewählt: Gilde, Otto Meyer; Lokalkommission: Pöhlmann, Artur Böhme; Revisoren: Dietrich, Budraß, Kautschmann; Landagitation: Hirsch; Jugendausschutz: Barwich, Merseburger. Marowski; Kinderschutztommisston: Ge- nossin Lichtenberg. Nach Erledigung der Neuwahlen wurde be- schlössen, an der bevorstehenden Gemeindewahl sich energisch zu beteiligen. Als Wahlkomitee wurde der kombinierte Vorstand ein- gesetzt, der das Recht hat, sich durch Hinzuziehung erfahrener Ge- nossen zu erweitern. Lichtenberg-Nummelsburg. Heut abend, 814 Uhr, im Lokal von Schwarz, Möllendorfstr. 26, öffentliche Versammlung zwecks Konstituierung eines Vereins„Jugendheim". Referent Genosse John. Den Teilnehmern an der Arbeiter-BildungSschule zur Kenntnisnahme, daß der Kursus in Geschichte von nun ab pünktlich 8'/z Uhr abends beginnt. Einbruch in der Ortskrankenkasse. In der Nacht vom Sonntag zum Montag wurde wiederum die hiesige Ortslrankenkasse von Geldschraiilliiacker» heimgesucht. Trotz der großen Aiistrengung, die diefelben gemacht hatten, war daS Resultat ein negatives. � Der Einbruch selbst kau» nur nach 1 Uhr nachts vorgeuominen sein, da sich der über dem Kastenlokal wohnende Rendant der Kasse bis nach 12 Uhr in dem über dem Kassenraum befiiidtiche» Zimmer mit seiner Frau aufgehallen und niäNS Verdächtiges g.hört bat. Die Diebe sind von dem nebenanliegenden Neubau auf i)en Balkon des Kassenlokals geklettert und halten von da an keine großen Schwierig- keilen zu überwinden, um in den Kasteltraum zu gelangen. Zehlendorf(Wannscebahn). In der sehr gutbesuchten Generalversammlung des Wahlvereins erstattete Genossi» Thiel- Tempelbof den Bericht vom preußischen Paiteitag. Bor Eintritt in die Tagesordnung wurde das Ableben deS Genossen Wilhelm Eberhardt geehrt. Dann nahm die Versänmr» lmig den Bericht über die Verhandlungen deS Preußentages entgegen. Aus dem Bericht des Vorstandes ist zu enMehmen, daß die Mitgliederzahl um 34 gestiegen ist. Wadlvereiiisversamiiilungen fanden 12, Volksversammlungen 2 statt. Die Zahlabende müsse» noch besser besucht werden als bisher, um so mevr, da diese Abende haupt'ächtich mit Diskussionen über die wichtigsten Tagesereignisse ausgefüllt werde». Nach dem Bericht der Lakalkomiiiission steht uns immer nur noch ein Lokal mit Saal zur Verfügung. Ebenso wurden die Genofsen darauf aufmerksam gemacht, in den Lokalen, in welchen sie verkehren, daraus zu sehen, daß der betreffende Wirt den„Vorwärts" auslegt; es wurden mehrere Lokale benannt, deren Gäste ausschließ- lich aus Arbeitern bestehen, in denen der„Vorwärts" nicht ausliegt. Von einer Neuwahl des Vorstandes wurde abgesehen und derselbe mit der Weiterführmig der Geschäfte bis zum 1. Juli betraut, weil dann laut Organisationsstatul ein neues Geschäftsjahr beginnt. Der Genosse Ulm gab dann noch einen kurze» Bericht über die Vor- arbeiten zur kommenden Geineindewahl. An der Diskussion darüber beteiligten sich mehrere Genossen. Speziell von Genosten Göhre wurde an alle Mitglieder der Appell gerichtet, sich an den Wahl- arbeiten rege zu beteiligen und am Tage der Wahl auf dem Posten zu sein. Numuielsburg. In der Mitgliederversammlung beS Wahlvereins referierte der Arbeitersekretär Genosse tzerm. Müller über daS Thema: „Meine Reiseeindrücke in Amerika". In 114 stündigem, anregendem Vortrag schilderte er die Eindrücke, die er vom Lande deS rollenden Dollars bekommen, als er im Auftrage des Verbandes der Lithographen und Steindrucker Amerika bereiste, um die Ber- Hältnisse in den dortigen Stein- und Buchdruckereien zu studieren. Eine Diskussion schloß sich dem interessanten Vortrage, in welchem der Redner neben vielem anderen auf die amerikanische Arbeiter- bewegung zu sprechen kam, nicht an. Der hierauf erstattete Kastenbericht des Genosten Henzner weist eine Gesamteinnahme von 6585,13 M. auf. Hiervon wurden an den Kreis abgeführt 3573,30 M., am Ort ausgegeben 2531,67 M. Durch die letzte große„Vorwärts"-Agitation wurden 200 Leser gewonnen, so daß der jetzige Abonnentenstand 2353 beträgt. Der Mitglieder- bestand des Wahlvereins beträgt 1800.— Hierauf erfolgte die Wahl von 13 Delegierten für den Kreis und Grotz-Berlin. Als Revisor wurde Genosse P. Jantzen gewählt. Das Wahlkomitee zur GemeinderatSwahl soll aus den Genoffen des engeren Vor- standeS und den nicht zur Wahl stehenden Gemeinderatsmitgliedern bestehen, was von der Versammlung akzeptiert wurde.> Mahlsdorf a. d. Ostbahn. Seinen Tätigkeitsbericht erstattete der Vorstand deS Wahlvereins in der in Werners Feldschlößchen abgehaltenen General- Versammlung. Die Mitgliederzahl betrug am Ende des ver- gangenen JahreL 172, davon waren 125 männliche und 47 weibliche. An Versammlungen wurden 3 Volks- und 4 Mitgliederversamm- lungen abgehalten. Die Zahl der„Vorwärts"-Abonnenten betrug am Schluß des Jahres 208. Der Kassenbericht ergab im letzten Quartal an Einnahmen 267,37 M., an Ausgaben 169,55 M. Die Jahreseinnahme betrug 710,79 M., die Ausgabe 618,97 M. Den Bericht der Gemeindevertreter gaben die Genossen Giese und Schmidt. Genosse Schaible erstattete den Bericht als Bibliothekar, er bedauerte die schwache Benutzung derselben. Die Bibliothek ist geösfnet von 6—8 Uhr abends. Die Genossin Buchmann be- richtete über die Kinderschutzkommission. Aus dem Bericht ging hervor, daß die Kommission bereits in der kurzen Zeit ihres Be- siehens recht krasse Fälle der Ausbeutung von Kindern feststellte. In der Diskussion wurde noch der Wunsch geäußert, mehr Jugend- schriften für die Bibliothek anzuschaffen. Genosse Räming teilte sodann mit, daß die Neuwahl des Gesamtvorstandes nach Ablauf des Geschäftsjahres!30. Juni) stattfindet, und daß nächsten Monat eine Versammlung stattfindet zwecks Aufstellung der Kandidaten zur Gemeindevertreterwahl. Köpenitk. Der„TerroriSmuS" der Köpcnickcr Straßenbahner. Die in der letzten Sitzung der Stadtverordnetenversammlung vom Stadtv. R o h r b e ck erhobenen Beschuldiguiigen über die Straßeiibahiier hatten den Transportar beiterverband veranlaßt, in einer ösfeiitlichen Versammlung dazu Stellung zu nehmen. Von den Mitgliedern der Sladtverordnelenversammlung, welche hierzu eingeladen waren, nahmen von sämtlickieii Fraktionen einige an den Verhaiidluiigen teil; auch Herr Robrbeck selbst. Die Straßenbahner waren ebenfalls, soweit nicht im Dienst befindlich, zur Stelle; aus- genomme» diejenigen, gegen die sich der angebliche Terrorismus richlet. Der Referent Nickel gab eine Schilderung der Straßen- bahnerbewegung am Orte. In dem Augenblicke, als sich der größte Teil der Straßenbahner dem Verbände angeschlossen halte, sei von einigen Angesiellien, die sich nicht zum Anschluß entschließen konnten, der Kamps eröffnet worden. Unter Umgehung des zweiten Vor- sitzenden— das Amt des erste» Vorsitzendeii war vakant— habe der Schriftführer eine Versammlung einberuseu, an der elf Mitglieder teilnahmen. Hier seien 23 dem Verbände angehörende Kollegen ausgeschlossen worden und zwar mit der Begründung: die BerbandLbaiide habe die Ehre des Vereins verletzt. Die im Ver- bände organisierten Kollegen wählten in einer weiteren Bersaiiim- luiig den Vorstand und faßten die für den Verein maß- gebenden Beschlüste. Der Verein trat später über zum Verbände. Das Vereinsvermögen verblieb jedoch den Kollegen. Wenn Herr Sladiverordneter Rohrbeck nun von Terrorismus rede, so se> dieses nicht richtig. Mit einem großen Teil der Nichtorganisierten kämen die Verbandsmilglieder sehr gut aus. Von Tcr.orismuS könne man doch nicht reden, weiin die Organisierten fiit einen Nichtverbändler, der erkrankt war, eine Sammlung veranstalteten und dann noch aus den früheren Vereins- niittel» einen weiteren Beirag bewilligten. Wenn in einem öffent- liche» Lokale die Liste der Angestellten aiigeheste» war, die nickt dem Verbände angebörlen. so sei das zu bedauern; diese Liste sei für die Fuiiklionäre bestimmt. Redner gab dann noch eine Schilderung über das angeblich uiiparleiische Verhalten der Verwaltimg, das Stadtrat Jenne mit dem Brustton der innersten Ueber- zeugung in der Sitzung bekräftigt habe. Von einigen An- gestelllen, Nichtverbandömitgliedern, seien im Dienste Verfehlungen der mannigfachsten Art vorgekoniiiien. Diese befände» sich heute noch im Dienste. Dagegen seien Verbandsmitglieder bei den kleinsten Vergehe», bestraft worden. In einem Falle sei sogar die Enilassniig eines Kol- legen erfolgt, trotzdem das Geschehene sich nicht während des Dienstes abipielte. Wenn Herr Stadtv. Cnnitz erklärt hat, ihm sei sogar ein Fall bekannt, wo ein Angestellter aus dem Dienste herausgegrault woiden sei. so sei das einfach nickt wahr. Keiner der Verbands- kollegen wisse etwas davon. Das Referat wurde von der Verfamm- lung, besonders von den Straßenbahnern, mit lebhaftem Beifall auf- genommen. In der Diskussion sprach zunächst Raihmann, der be- sonders die Jenneiche Fabel von dem Nebenverdienst bis 300 M. behandelte. Grahl und Jndis(aktive Straßenbahner) wandten sich energisch gegen die Ausführungen des Herrn Rohrbeck. Rehfeldt bedauert, daß gerade Stadtv. Rohrbeck, welcher bis jetzt als liberaler Mann galt, sich zum Sprachrohr einiger persönlich verärgerter An- gestellter Hergegeven habe. Von den Stadtverordneten nahm niemand das Wort. Friedrichshagen. Die Generalversammlung am Dienstag nahm zunächst den Bericht des Vorstandes entgegen. Es haben im abgelaufenen Jahre 5 öffentliche und 19 Mitgliederversammlungen stattgefunden. Außer 227 männlichen waren 32 weibliche Mitglieder vorhanden. Der Redner betonte, daß die Genosten in Zukunft mehr wie bisher sich an den Arbeiten und Veranstaltungen der Partei beteiligeu mögen. Einer Einnahme von 1814,45 M. steht eine Ausgabe von 1770,02 M. gegenüber. An den Kreis wurden 1148,60 M. abgeführt. Beim Bericht des Bibliothekars wurde dem Wunsche Ausdruck gegeben, die Bibliothek in Zukunft mehr zu benutzen. Wie aus dem Bericht der Speditionskommission zu entnehmen ist, hat die letzte ,.Vorwärls"-Agitation 32 neue Abonnenten gebracht. Vom Jugend- auSschuß konnte Genoste Wiedemann mitteilen, daß durch das neue Jugendheim det Verein einen erfreulichen Zuwachs an Mitgliedern erhalten habe. Die Wahl des Vorstandes ergab: 1. Vorsitzender: Paul Köhler, 2. Vorsitzender: Schocke. 1. Kassierer: Fritz Schätzau. 2. Kassierer: Holze, 1. Schriftführer: Dalazinski, 2. Schriftführer: Mücke; Beisitzer: Petermann, Kliemsch, Friedrich Hoffmann; Äevi- soren: Silbert, Kurt Franke. Genosse Sonnenburg erstattete hierauf in ausführlicher Weise Bericht über die Tätigkeit der sozialdemokratischen Gemeindevertreter der beider letzten Jahre, besondes hervorhebend, daß auf Antrag unserer Fraktion zur Speisung blutarmer Schulkinder 3000 M. und zur Unterstützung arbeitsloser Gemeindemitglieder 3000 M. in den Etat für 1909 eingestellt wurden. In der Diskussion sprach Genosse Jansson seine Befriedigung über die Tätigkeit der sozialdemokratischen Fraktion in der Gemeindevertretung aus. Eine längere Debatte entspann sich noch über die verschiedene Auffassung unserer Ge- meindevertreter zum Etat.— Da Genosse Barth ausscheidet, wurde derselbe wieder einstimmig als Kandidat zur bevorstehenden Gemeindewahl in der dritten Abteilung im 2. Bezirk aufgestellt. Zur Neuaufnahme in den Wahlverein hatten sich 15 Genossen gemeldet. Neu-Zitta«(Kreis Beeskow). Die deutsche Wcltmachtpolitik und die neuen Steuern war das Thema, daö Genosse Znbeil kürzlich in einer Volksversammlung be- handelte. Das eingehende Referat löste am Schlüsse stürnii'chen Applaus unter den Anwesenden aus. Genosse Wulss-Wernsdorf er- suchte in der Diskussion die Versammelten, bereits bei den bevor- stehenden Gemeindewahlen eine rege Agitation für die Kandidaten der Sozialdemokratie zu entfallen. Der Borsitzelide, Genosse Schulz, forderte die Anwesenden auf. dem Wahlverein beizutreten. Seltsamer- weise war diese Versammlung nicht polizeilich bewacht. Wciszensee. Die Wahlbewegung für die Gemeindevertretung ist bereits in vollem Gange. In den Vereinen wird die größte Zeit den Gemeindeangelegenheiten gewidmet und jeder verlangt natürlich die Wabrnehmung feiner Interessen. Dabei bleibt es natürlich nicht aus. daß die verhaßten Vertreter der dritten Abteilung zum Teufel gewünscht werden, doch leider sind die Trauben zu sauer. Das bißchen Sozialpolitik soll nach Meinung der Bürgerlichen seinen Höhe- Punkt erreicht haben, kein Groschen dürfe weiter bewilligt werden. Der erste und dritte Bezirk, welche von unseren Genosien Bäthge und Fcentz vertreten werden, sollen ungeschoren bleiben, dagegen will man den Bezirk Weißeniee-Alt, werlreten durch den Genossen Block, heftig be- stürmen, so beschloß wenigstens der Grundbesitzerverein(Alt). Der Vorstand und ein Wahllomitee von sieben Mann wollen uns daS Mandat streitig mackcn. Der alte Ortsteil wählt in diesem Jahr das letzte Mal für sich und da wollen die alten Spießbürger und Rieselseld-Kohtbouern denn doch noch einmal auf sechs Jahre eine Vertretung haben. Unsere Genossen werden hier eine rege Wahltätigkett erleben. Im Jahre 1906 bei einer Nachwahl errangen wir mit 83 Stimmen das erste Mal diesen Be» zirk; bei der jetzigen regen Agitation bedarf es aller Anstrengung, ilnser Mandat zu erhallen.— In der zweiten Wählerabteilung, die sich über den ganzen neuen Orlsteil erstreckt, wird es ebensalls zu besligen Kämpfen kommen., Der HauS« und Grundbesitzerverein wird alle» Andeutungen nach in zwei Lagern marschieren, der Mieterverein will selbständig Kandidaten aufstellen. Unsere Anhänger werden sich natürlich auch an der Wahl beteiligen, so daß man auf Ueber- raschungen rechnen kann. Bernau. In der Stadtverordnetenversammlung wurde dem Turnklub die Erbauung einer Turnhalle am SechSrulenweg gestattet. Die Kosten zur Erbauung deS neuen Schulhauses, welche auf 68 300 M. berechnet sind, sollen durch eine Anleihe gedeckt werden. Für die ärztliche Unter« fuchung der zu Ostern neueingesckulien Kinder wurden 125 M. bewilligt. Vom Genossen Krüger wurde die Untersuchung der Kinder nicht nur bei der Einschulung, sondern auch während der ganzen Schulzeit verlangt. Redner bemerkte, daß die sozialdemokratischen Vertreter bei der nächsten Stadwerordnetensitzung den Antrag aus Anstellung eines Schularztes abermals unterbreiten würden. Die Bürgerlichen waren bei dem von unseren Genossen schon einmal gestellten Antrag von der Ueberzeugung durchdrungen, in Bernau gäbe es gar keine kranken Kinder. die in die Schule aufgenommen werden. Durch die erste Untersuchung werden sie wohl eines anderen belehrt worden sein. Die Zahl der untersuchten, neu in die Schule aufgenommenen Kinder betrug 235. Von 113 Mädchen waren vollkommen gesund 67, kleine Fehler halten 15. zurückgestellt auf Jahr wurden 14, auf 1 Jahr 27. Von den 122 Knaben waien volllonimcn gesund 39, kleine Fehler hatten 53. zurückgestellt wurden auf'/« Jahr 2. auf Jahr 7, auf 1 Jahr 19, so daß im ganzen 69— 29 Proz. der Kinder für nicht aufnahmefähig befunden wurden. Zu bewundern ist die Nücksländig- leit mancher Eltern, die sich mit der Zurückstellung ihrer Kinder nicht einverstanden erklären wollten. ES wird Aufgabe unserer Genossen sein, hier für genügende Belehrung Sorge zu tragen. Gegen die 8 Sliimnen unserer Genossen wurde die Subvention von lOuO M. für die Fuhrbachiche Privat-Mädchenichule bewilligt. Genosse Helbig ersuchte unter Verschiedenem den Magistrat, vo» der Verpachtung des Straßenlandes, welches als VerbindungSilraße zwischen Weinbergstraße und der neu angelegten Straße vorgesehen ist, Abstand zu nehmen, vielmehr die Straße serligziistellen und so einen Verkehrsweg zu schaffe». Für die Regulierung und Pflaslerimg scheint aber noch kein Verständnis vorhanden zu sein, jedoch hat es den Anschein, alS wollte sich der Magistrat gegen di- Berpachlung erklären. NowaweS. Im nichtöffentlickjen Teil der letzten Genieindevertretersitzung wurde die Festiebung der Bezüge der Lehrer. Gemeiiidebeauilcn und-Arbeiter erledigt, nachdem eine diesbezügliche Borlage infolge des Widerspruchs der Vertretung gegen die vorgeschlagene Regelung der Ortszulagen für die Lehrer vom Bürgermeister im öffentlichen Teil der Sitzung zurückgezogen worden war.' Den Wünschen der Lehrer kam die Vertretung insoweit entaege», daß beschlossen wurde. die Ortszulagen nach der Potsdamer Ordnung zu regeln, wodurch besonders die jüngerei, Lehrer besser berücksichtigt werden. Die Be- soldungsordnung für die Gemeiiidebeamlen und die Arbeitsordnung für die Gemeiiidearbeiter wurden ebenfalls angenommen, letztere jedoch gegen die Slimmen unserer Genossen. Nack der beschlossenen EntlohnuiigSweise für die Gemeiiidearbeiter werden diese in drei Lohn- klaffen eingeteilt. Zur I. Klasse gehören die Feuerwehrleute und die Vor» Arbeiter, deren Anfangslohii für 6 Arbeitsiage 25.50 M. beträgt und nach 10 Dienstjahren bis auf 29.50 M. steigen soll; zur II. Klasse gehören die KanalisationSarbeiter und Kutscher, die mit einem Lohn von 23 M. anfangen sollen, der nach 10 Dienstjahren bis auf 27 M. steigt; dtt III. Klasse bilden alle übrigen Arbeiter, soweit sie voll erwerbsfähig sind; diese beziehen einen AnfangSlobn von 20,50 M. und einen Höchstlohn, der nach lOjähriger Dienstzeit erreicht wird, von 24,50 M. Diese Lohnordnung soll nicht, wie ursprünglich vor- �—■■■•■'■ v geschlagen, vom 1. April, sondern sofort in Kraft treten. Ei» weiter- gebender Antrag unserer Genossen, die Lobnerhöfjungcn mit rückwirkender Kraft bis zum 1. Januar eintreten zu lassen, wurde ab- gelehnt. Die Normalarbeitszeit für die Arbeiter ist eine zehn- stündige. Etwaige lieberstunden müssen für den gewöhnlichen Stundenlohn, ohne jeden Aufschlag, geleistet werden; dabei wird Ueberstundenarbeit von weniger als einer halben Stunde Dauer überhaupt nicht vergütet, darüber hinaus wird jede angefangene halbe Stunde als volle Stunde bezahlt. Bei Sonn- und Feiertags- arbeit wird jede angefangene Stunde als volle Stunde in Ansatz gebracht. Eine Zahlung von Lohn in KranIheitSsnllen findet nicht statt. Den zu militärischen Uebungen eingezogenen Arbeitern ist ans die Dauer von höchstens acht Wochen ein Viertel ihres Lohnes zu zahlen. In Fällen vorübergehender dringender Behinderung, insbesondere durch Zionirollversainmlungen, Teilnahme an Wahlen und gerichtlichen oder behördlichen Terminen soll in der Regel auf An- trag Urlaub mit Fortbezug des unverkürzten Lohnes unter An- rechnuiig jedoch der etwa anderweit gewährten Entschädigung erteilt werden. Ein Rechtsmispriich auf Forrbezng des Lohnes für diese Fälle sieht den Arbeitern aber nicht zu, viel- mehr liegt die Entscheidung über derartige Anträge im Ermessen des Gemeindevorstehers bezw. des von ihin beauftragten Schöffen. Nach Ablauf einer dreijährigen Dienstzeit soll den Arbeitern bei guter Führnng und guten Leistungen auf Antrag bis zu drei Tagen Urlaub im Jahre unter Fortbezug des Lohnes vom Gemeindevorsteher ge- wäbrt werden, nach Ablauf von sechs Jahren kann der Urlaub biS auf sechs Tage und nach neun Jahren bis auf zehn Tage unter Einrechnnng der einsalleilden Sonn- und Feiertage ausgedehnt werden. Die Rechte eines Gemeiiidebeanrten und einen Rechtsanspruch auf Ruhelohn oder Wilwenversorgung erwerben die Arbeiter nicht. Potsdam. Eine Erhöhung der Kommunalstcuern Vis zu SO Prozent bringt die in Aussicht genommene Müllabfuhr, und K a n a l i s a t i o n s g e b ü h r für die Arbeiterschaft. Zur Deckung des teilwciscn Ausfalls der Schlachtsteucr beabsichtigt man die Müllabfuhr auf 1 Proz. des Mictwertes jeder Wohnung festzusetzen, die Erhebung geschieht von jedem Inhaber der Wohnung. An- gefangene Hunderte bei der Wohnungsmiete werden als voll ge- rechnet. Befreit sind nur diejenigen Mieter, wiche weniger als 180 M. Miete jährlich zahlen. Die Kanalisationsgebühr wurde bisher mit Proz. des Nutzungswertes von den Mieten erhoben. In Zukunft soll jeder Hausbesitzer Proz. vom Mietsvertrag des Hauses und jeder Mieter 1 Proz. seiner Wohnungsmiete zahlen. Einbringen sollen diese beiden Gebühren nach den Schätzungen ein Mehr von 144 000 M. für den Stadtsäckel. Das stimmt aber nicht. Denn die mit 70 000 M. veranschlagte Müllgebühr erfordert über 20 Proz. des Ertrages für jährliche Mehrausgaben gegenüber dem jetzigen Abfuhrsystem. Am meisten werden dabei natürlich prozentual die niedrigen Einkommen getroffen. So mutz der Mieter einer Wohnung von 210 M., wenn diese Gebühren angenommen werden, woran bei der konservativen Mehrheit gar nicht zu zweifeln ist, vom 1. April d. I. ab zahlen: Müllabgaben 3 M., KawalisationSgebühr 2,10 M., insgesamt S,10 M, Vcrmifcbtes. Bier Kinder ertrunken. Wie aus Weiden(Oberpfalz) gemeldet wird, ertranken am Sonntag beim Schlittschuhlaufen auf dem dünnen Eise des Mnblbaches vier Kinder, darunter drei Geschwister. Amtlicher Marktvericht der HZMilchen Markthallen-Direktion über den Mrogbnndel in den Zenwal-Marktballen, Äklarkilage: F l e i I w: Zuiubr stark, Geichäst rege, Preise für Ochsen-, Hammel- und Schweinefleisch nachgebend, sonst unverändert. Wild: Zusudr reichlich, Geichäit ziemlich lebb.ist, Preise wenig verändert, Geslügel: Zusuar sehr reichlich, Geschält nicht lebhaft genug, Presse nachgebend, Fische: Zusuhr gering, Geschäft ruhig, Pre-lc wenig verändert, Pult er und Kaie: Geschäft ruhig, Preise unverändert, Gemüle, Obst und Südfrüchte: Zujuhr sehr reichlich, Geschäft meist matt, Pieise wenig unverändert, rSasserstandS- Nachrichten der LandeSaiistalt iür Gewälierkunde, mitgetellt vom Berliner Wetlerbureau, Wasserstand M e w e l, Tilstt P r e g e l, Jniterburg Weichsel, Tbvrn Oder. Ratibör' , Kronen . Frantiurt Wa r t h e, SÄrimm . Landsberg Netze. Doroamm Elbe, Leinncritz , Dresden . Bardo . Magdeburg am 20, 1. um 409») 8 74') 135 17:») 198 45 100») 24») 20 -106') 180 176 i int 29. 1. RIO'1 —14 —2 -10 -1 —12 —10 -12 _ 2 +20 +11 —10 —7 —17 Wasserstand Saol«, Grochlitz Havel, Svandau») �, Nathenow») Spree, Svreinberg») , Bcestow Weser, Münden , Rinden Rhein, Maymiliausail , Kaub . Köln Neckar, Hetlbran» Main, Weribeun Mosel, Trier am 20 1, am 173 113 151») 94 172 26 150 510 273 457 152 215 283 ieit 29, 1. um') 0 —3 —1 0 + 1 0 ±it _ 22 —20 —1 —6 +40 1+ bcdeiitei Wuchs,— Soll.•) Uni-rveael.») � Eisftand.») Eis« bewegung,°) Eisfrei.») Eislrcibcn.*) Schwaches Eis treiben. Thealer und Vergnügungen Dienstag, 1. Februar. Ansang 7'/t Uhr. jiönlgl. SrtaiisPielhauS. Der deutsche König. Nenes köiiigl. Opern-Xheater. Geschlossen, Tfuiichrs. HamleL Kammerspiele. FrühlwgS Erwachen,(Ans. 8 Uhr.) Neues Schauspielhaus. All-Heidelberg. Anfang 8 Ubr, Köutgl. Opernhaus. Sardanapal. Berliner. Pension Schöller. Lessing. Das Konzert, Neues. Der Philosoph von Sans- souci. Komische Oper. HofimannS Er- Zählungen, Hebbel. Frau WarrenS Gewerbe. Wcftru. Die geschiedene Frau. Neues Oncretle«. Der Graf von Luxemburg. . Trlauo». Buridans Esel. Kleines. Der große Name. Residenz. Im Taubenschlag. Thalia. Die Dollarprinzessm. Schiller.«.«iret.) Der Pfarrer von St. Georgen. Sch»e» Eharloiiendurg. Biel Lärmen um Nichts, Friedrich> ürlilhetoiftädt. gm bunten Nock. Bolksoper. Der Freischütz. Luiseu. Heimat. Ro-e Die Herren Söhne. Lustspiclhans. Der dunkle Punkt, Wirtrovui. Hallohl!— Die große Revue. Folies Gaprice. Sicher ist sicher. Bunter Teil Der Mann meiner Frau.(Ai:>, 8'/4 Uhr.) Casino. Der Obergauuer. Gebr. Herrnfetd. So muß man'S machen. Ein Relluugsmlltel Gastspiel. Der Polizeihund.(Ans, 8',. Uor.) Noacks. DaS grobe Hemd. AP l.o. Der Llebeswalzer. Spezla- litäten. Wtniergarte«. Epeziallläten. Rrichsballen. SIcilincr Sänger. Palai». Spezialitäten. g-»>-»ge. Svezialilälen Buggenhagen. Spezialiläien. Karl Havelland. Spezialitäten. Alallialla. spezialtiäleii Urania. Z.nae»»r»«e Abends 8 Uhr: Im Firnenglanz des Ober-Engadi», Hörsaal 3 Uhr: Professor Dr. Hecker: Ueber Erdbeben. Ste-nii nrie,.i, oal d-nii: �7— 62. li'jRiiia. Wissenschaftliches Theater. Dienstag 8 ühr: Im Firnenglanz des Ober-Engadin. Hörsaal 8 Uhr: Prof. Dr. Hecker lieber Erdbeben. Rssidenz-Tiieater Direktion: Richard Alexander. Abends 8 Uhr: Im Taubenschlag. Schwank in 3 Akten von Hennequin und Beber. Morgen und folgende Tage: Tieselbe Borstellung. Sonntag, den 0. Februar, 3 Uhr: Eine Hochzeitsnacht. Yolksoper. W., Belle-A lliance-Slraße 9fr. 7 Ansang»/zS Ubr: Der Freislhötz. Abend» 8 Uhr: Gastspiel Lucie Visru«. Heimat. Schauspiel tn 4 Akten von Hermann Sudcrmann. Mittwoch, Donnerstag, Freitag: Gastspiel Lucie Bierna: Heimat. Schiller-Theater 0.(Wallner-Theat.). Dienstag, abend« 8 llfjr: Der Pfarrer v. St. Georgen. Schauspiel in 5 Auszügen von Heinrich Wclcker. Ende 10»/4 Uhr. Mtttw o w. abends 8 Uhr: Pln Volksfeind. Donnerstag, abends 8 Uhr: Der Pfarrer v. St. Georgen. Theater. Schiller-Theater(Charlottenburg). Dienstag, abends 8 Uhr: Viel Lärmen am nichts. Lustspiel in 5 Akten v SB. Shakespeare. Ende 10»/, Uhr. Mittwoch, abends 8 Uhr: Wallenstelns Tod. Donnerstag, abends 8 Uhr: itlia ilobbs. I Arnold Scholz ftene Welt Hasenheltfe 108/1 14' Tür- lieh im großen Saal: Bochblerfdt In den bayeiiktzen Dlpen Honte, Dienstag, den 1. Februar 1010: Prämiierung des schwersten Vereins. Joder Verein muß 10 Mitglieder stellen und wird das Gesamt- | gewicht des schwersten Vereins mit Mk. 100 prämiie , Mitgliedskarte legitimiert.— Anmeld, b. 10 Uhr abds. a. d. I Anfang 7 Uhr. Entree 30 •eeeGecooGooeooosooeooooooooooeoo« prämiiert.— ds. a.d. Kasse. Brauerei Friedrichshain am Königstor. Grüßte Sclienswttrdlgkelt Berlins. Tis»"tag-„Kirmes auf der Alm". Größter Bock-Jubel und Trubel Der berühmteste Fcstwirt Seborsch Ehrengrnber mit seiner Truppe(«0 Mitwirkende) au» München. Heute: Große PräsenlTerteilung! Ans. 8 Uhr. Passiert. Hab. volle Gültigk. Enwee SäO Ps. Dienstag, den 1. Februar, abends 7»/, Uhr: ßala-MStsn-äbenll. Neul Neu I Der Komüdlengnnkler n. Chinesisch. Geister- focschtvürer Harry Lamore. Neu I Neu l Fliegender akrobatischer Akt der Franklin-Truppe. Der kleinste komische Reiter der Well Orlg.-Dagongbl. Austreten des KommissioiiSratS Gustav Stensbeok als Gast mit seine» neuen hervor- ragenden Schulpserden. Um 9'/, Uhr: Zum IUI. Male: Ute drei Rivalen oder das mysteriöse Schloß in der Normandie. Große Feerie w 3 Akten mit der seenhasten Schlußapoiheose. OSE=THEATE Lessing»Theater. Dienstag. 8 Uhr: Das Konzert. Mittwoch, 8 Uhr: Tantris der Narr. Donneislag, 8 Uhr: Das Konzert. berliner Theater. H-ute- Pfll|]01l SlijÖllft. 8 Uhr. Morgen; Hohe Politik._ Heues Theater. Abends 8 Uhr: Der Philosoph von Sanssouci. Morgen und folgende Tage: Der Philosoph von Sanssouci. Tlieater des Westens. Abends 8 Ubr: Die gesetiiedene Frau. SoniiIag3'/,Uhr: Der sideleBauer. hiöQfjMilliöUiZtisoliöZ Schauspielliaus. Dienstag, den 1. Februar, 8 Uhr: Im bunten tßiocf. Miliwoch: Halali. Donnerst.: Flachsmann als Erzieher. Freitag: Die Großstadtlust. Iienes Operctten-Tln-ater. Schinbauerdanim 25, o. d. Uustenstr. Heute und folgende Tage 8 Uhr: Der Graf von Luxemburg. Operette in 3 Alten v. Franz Lehür. LustspsShiaus. Abends 8 Uhr: Der dunkle Punkt. Gruße Fraiilsurier Str. 132. Ans.' Uhr. Ende'/,il Uhr. Die öfrrrn Söljiif. Pollsstück in 3 Akt. o. Wallher u. Stein. Mittwoch: Deborah. 8 Uhr: Die neuen Spezialitäten. 8 Uhr 20: Premiere l Der Liebeswnlzk lodo Metropol-Tbeutei' Hallo!!! Die grolie Revue! In 8 Bildern von Jul. Frennd. Musik v. Paul Lincko. In Szene gesetzt vom Dir. Rieh. Schultz. Anfang 8 Uhr. Rauchen gestattet. er. nsky u. F. Glüiibaum. Musik vom l. t. Operette In 3 Akten von R. Bodansk! Hosmustkdirekior E. M. Ziehrer. Haupwolle! Loui'ad flreher. Passage-Theeler. Heute: Premiere. Gnssy Holl Lamborg iSelineidar Ouncker: S(prolongiert)! j und das neue\ « Februar-Programm. 1 tl4 Vari�t�- Attraktionen. S w W VW w Reiclishalieu-Theater. SleitinerSäuger Der Rachtwächier von Ze: Peuschleuse. v.si. tse/sel Anfang: Wochent. 8 Uhr. EonnlagS 7 Uhr. BillettS stets 8 Tage vorher. illt-lloablt 47/48. Donnerstag, den l Februar 1910: Nur einmalige Aufführung: Shrrlock Holmrs Sherlock Holmes: HanS Reitz. heute: ülsdöll Asill! llek Vampfl-Iaei Miß Violet Hope und 10 hochir.fercssanfe Debüts 10. HfiSMI Koinmandanleiislr. 57. T. A. 4, S083. Duchsdilirgrudsttr Elfolg! Burle-'ke mit Gesang in 2 Atlen, Mnsit von L. Jtal. mit den Autoren Anton und Oonat Herrnfeld in den Hauptrollen. Hierzu: Ein Rettungsmittel Komödie v. L. Huna. Ansang 8 Uhr. Dorverlaus 11 bis 2 Uhr. Sonntag nachmittag 4 Uhr bei halben Preisen: �ieme-Deme Tochter. Passage-Panoplikum Senegal in Berlin! RA wilde Weiber Männer, Kinder. Drei Negerdörfer Ohne Extru-Entree! M SARRASANI Aller BolanGarfen Eingang Grunetvafdslr. Täglich abends 8 Uhr: Gala- Vorstellung.— Mittwoch, Sonnabend, Sonntag und Festtags: 2 VorHlcIlnngcn Ä, nachm. 4 Uhr u. abends 8 Uhr, Dienstag, I. Februar: Novitäten-Abend. Zirkus Busch.! Heute Oienslsg, den I. Februar, abends 71/, Uhr präz.: Gr. 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Gastspiel Käthe Wiile-Bach. Miliwoch: Das grobe Hemd. Donnerst.: Straßenbahnfahrer Krause. ULönigMtadt- K(iMtno. Holzmarststraße 72. Täglich: Cranz Koban.kt. Neu: Kitty Whest, Vortrags. soubrelte. The Watson, Kombi. nations-Akt. 4 Fernandos, Equi- llbriftischerAkt. Mstr Fred, Sn-hl- Balanee. Prolongiert: Viktor, Ritter, Gelchw. Türk usw. Sein Schwiegervater In spo. Nach der Vorstellung: Mittwoch, SoiinnD., Sonnt.: Tanzkränzchen. Ans. 8 Uhr. Sonntags 6'), llor. Direktion: Robert Oill 4 Karl Pirnau. Burgslraße 24, am Bahnhos Börse. Bas volliig« iE s-W Anfang 8 Ubr. Entree: 50 Pf. biS 2 Mark. Borzugskarten überall zu haben. Ssnssouei, S,"'. Direktion Wilhelm Reimer. Sonntag, Montag und Donnerstag: Holfnüinns Hordd. Sänger und Tanztränzchen. Beg. Sonnt. 5. wochent. 8 II. Stet»»eneS, hoch- aktuelles Programm. Morgen Miliwoch: Theaterabend. Robert und Bertram. Karl Haverland Ansang Theater, präz. 8 U 77/79 Komulandanteiistraße 77/79 Das Neueste vom Neusten bietet das Z?ebrnar-P rogramm. 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Kamuifadrik Riedel. Warschau» Straste 37/38 Stordd. Parkettsabrik Hannover und deren Bauten. Sämttiche Betriebe in den Orten Luckenwalde, Sommerfeld. Höchst. Gleichzeitig ersuchen wir dl« Kollegen aller Branchen der Holz» induitrie daS BermiIleiungSbureau des gelben.Handwerlerschutz- Verbandes- streng zu meiden. Die Lrtsverwalr»«,. Achtung! Kanardtiter! Wegen Streik in Luckenwalde sind folgende Bauten für Ein» seyer gesperrt: triniia Billig: Charlottenvurg, Dernburgstr.SL. Firma Geuoffenschaft. Luckenwalde: Charlottendurg, Witzlebenstr.SZ. ver Pianvectanck. Verband der Maler, Lackierer, Anstreicher Zt. Filiale Berlin. Melchiorstrabe 28, parterre. Fernspr.- Ami 4, 47»7. Achtung! Achtung! Die Bauten Bornholmer Str. 8S, Stegllt«, Tachfenwaldstr.» Ecke Bergstraste, undBeiniekenckert, Schariiwedersiraste. der Firma Oekar Leder, Berlin» Bad- strafte vs. sind gesperrt. Bt« vrtSverwaltung. Verantwortlicher Redakteur Richard Barth, Berlin. Für den Inseratenteil verani».: Th. Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: VorwärtSBuchdruclcrei u. Verlagsanstalt Paul Singer Lc Co., Berlin SW.