Nr. 27. Ndonnements-keSiiMNMi WonnemenIZ> Preis pränumer-mda; BiertoljShrl. SPS Mk, monatl. l,I0 STct., wöchcnIIiS 28 Pfg. frei WZ HauS. einzelne Nummer S Pfg. Sonntags. nummer mit illufirierlcr Sonntags. Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfg. Post. Abonnement: 1,10 Mark pro Monat, Eingetragen in die Post- ZeitunaS. Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland L Mark pro Monat. Postabonncments nehmen an: Belgien. Dänemark Holland. Italien, Luxemburg. Portugal. Rumänien, Schweden und die Schweiz, «7. Jahrg. Crfchtlnt tlglid} iRßtr inntagt. Vevlinev Volksbleltk. Sit TnitrtionS'GebQhr velrZgt für die sechsgespaltcne Kolones. geile oder deren Raum 50 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins» und VersammlungS-Anzeigen M Pfg. „Kleine Hnseigcn", dag erste(fettgedruckte) Wort 20 Pfg., jedcS weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf- stellcn-Anzeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 6 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen biS S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werben. Die Expedition ist biS 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm-Adresse: „SMlaldtnelirat RcrliD". Zcntralorgan der lozialdemokrati leben Partei Deutfcblands. Rcdahtfom SM. SS, Linden Strasse 69. Fernsprecher: Amt IT« Nr. 1983. Mittwoch, den Ä. Februar IT Expedition: SM. 68, Lindenstrass« 69« Fernsprecher: Amt IT. Nr. 1981» ger.sali Oldenburg-Hohentohe'. Die Abstimmung über den„Fall Ledebour", der richtiger der „Fall Oldenburg-Hohenlohe" genannt würde, ist heute im Reichstag, dessen Sitzungssaal und Tribünen bis auf den letzten Platz besetzt waren, erfolgt— und sie ist so ausgefallen, wie nach der gestrigen Geschäftsordnungsdebatte über das nachträglich„ r e- vidierte' Stenogramm der Sonnabendsitzung zu erwarten war. Als die Abstimmung über die Aufbcbung des dem Genossen Ledebour willkürlich erteilten Ordnungsrufes vorgenommen wurde, er- hoben sich für die Aufhebung lediglich unsere Fraktion, die Freisinnigen und Polen von den Sitzen; alle übrigen Fraktionen, auch die Partei für„Wahrheit, Freiheit und Recht" und die Nationalliberalen blieben sitzen, stimmten also sämtlich gegen die Aufhebung. Neugierig und doch mit einer gewissen spöttisch- verächtlichen Zuversicht blickten die Konservativen auf die Linke, und als sie sahen, datz sie sich in ihrer Einschätzung der Verfassungstreue und der Unterwürfigkeit des Zentrums und der nationalliberalen Fraktion nicht getäuscht hatten, stinimten sie ein minutenlanges Hohngelächter an. Der Vorgang ist ein charakteristisches Gegenstück zu der Be Handlung der aus Anlaß der unheilvollen Betätigungsversuche des persönlichen Regiments im Reichstage gepflogenen Beratungen über die Aenderung der ReichSverfassung. Wie damals der Klerikalismus und der Nationalliberalismus„kniff", um es nicht an der so- genannten allerhöchsten Stelle zu verderben und sich für die Zukunft die allerhöchste Gunst zu erhalten, so haben sie jetzt, um eS nicht mit den Konservativen und ihrem mächtigen Einfluß auf Hof und Regierung zu verderben, die Wahrung der Würde des beschimpften und verhöhnten Reichstages als Bagatelle betrachtet und eS unterlassen, den Konservativen zu Gemüte zu führen, daß sie jegliche Staatsstreichgelüste entschieden zurückweisen. Denn darum handelt eS sich in Wirklichkeit, nicht um die Person Ledebours; auch nicht darum, ob der Erbprinz v. Hohen- lohe sich geirrt hat. In der durch den frechen Ausspruch des Januschauer Junkers geschaffenen SiMation galt es klar und deutlich zu bekunden: wir dulden im Reichstag keine freche Verhöhnung der Ber- fassungsrechte durch das offene Aussprechen von Staatsstreichgelüsten. und jeder Präsident, der in solchen Fällen die Würde der deutschen Volks- Vertretung nicht zu wahren weiß, sei es aus totaler Unfähigkeit, sei es aus Parteilichkeit, der mag sich trollen. Selbst wenn der Erbprinz v. Hohenlohe tatsächlich den AuS- spruch des Herrn v. Oldenburg so verstanden hätte, wie er ihn später interpretierte, gehörte er nicht auf den Präsidentensitz, denn ein Mensch von solcher kindlichen Einfalt und bedauernswerte» Hilfs- losigkeit eignet sich nicht zum Präsidialamt. Kein Mensch im Reichs- tage hat die Auslegung, die der Erbprinz v. Hohenlohe den Olden- burgschen Worten gab, für richtig gehalten, selbst Herr v. Oldenburg- Januschau nicht, wenn er auch später mit dem Leuten seiner Art eigenen Mannesmut seine eigene Meinung aus taktischen Gründen verleugnete. Selbst die„Köln. Ztg.", die sicher nicht des Radi« kalismuS geziehen werden kann, erklärt die Hohenlohesche Deutung der Oldenburgschen Aufforderung zum Staatsstreich für absurd. Sie schreibt in ihrer Nr. 108: „Er(Herr v. Oldenburg) ist das euksut tsrridls der Partei, aber man kann trotzdem nicht sagen, daß er nicht ern st genommen werden dürfe, denn er spricht nur oft in brutaler Form aus, was andere seiner Parteigenossen höchstens unter vier Augen sagen und in der Oeffentlichkeit mit einem abge- schliffenen Temperament vortragen. Er ist Vorsitzender des Bundes der Landwirte, ei» angesehenes Mitglied der konservativen Partei und nichts weniger als harmlos. Alles das würde uns noch nicht bewegen, seinen gestrigen Aus- lassungcn eine übertriebene Bedeutung beizulegen, ivcnn nicht die Begleiterscheinungen seiner Rede ihr ein besonderes Gepräge gäben. Herr v. Oldenburg hat sehr individuelle Anschauungen und noch mehr eine individuelle AuSdrucksweise, bei der ein rustikaler Hauch sich mit schlechtem Kasernenton und der Schnoddrigkeit verbindet, die oft von Witzblättern unseren Offizieren zu Unrecht nachgesagt werden. Stände er damit im Reutiötage als Einzelerscheinung da, so hätte das noch keine übertriebene Tragweile. Diese aber wird von dem Augenblicke ab nicht abzuleugnen sein, in dem auf den Bänken der Konservativen seine Auslassungen mit Bei- fall begleitet wurden. Diese bcifallrusenden Kon- servativen haben sich also die Worte des Herrn v. Oldenburg zu eigen gewacht und daran können die EinlenkungS- versuche, die Herr v. Oldenburg und nach ihm einige seiner Freunde versuchten, nicht das geringste ändern. Die schwere Mißachtung, die Herr v. Oldenburg dem Reichstage be- wies, die Zumutung eines bewaffneten Staats- st r e i ch e s. den er den: Kaiser als möglich unterstellte, das hat nicht nur der Herr v. Oldenburg zu verantworten, sondern auch die Herren, die ihm Beifall spendeten. Wenn dieser Vorfall sich in sehr unangenehmer Weise ausgewachsen hat, so trifft neben ihrem Urheber in erster Linie die Schuld den Vizepräsidenten, Erbprinzen von Hohenlohe. Seine mehr als schwächliche Jnterpretierung kann nichts an der Tatsache ändern, daß es unter seinem Präsidium einem Mitgliede des Hauses gestattet wurde. von dem Reichstage in einer über alle Maßen wegwerfenden Weise zu sprechen und die Person des, Kaisers in völlig unstatthafter Weise in die Debatte zu ziehen. Von dem Vorwurfe, eS gestattet zu haben. daß die Würde des Reichstags gröblich mißachtet wurde, wird der Erbprinz von Hohenlohe sich nicht frei machen können und ebensowenig von dem, daran die Schuld zu tragen, daß der Fall eine solche Bedeutung erlangen konnte." Und selbst, wenn infolge seines mangelhaften AuffaflungS- Vermögens der Erbprinz den konservativen Fraktionsredner nicht richtig verstanden haben sollte, bleibt auf ihm der Vorwurf einer groben Parteilichkeit sitzen, denn warum rief er keinen der konservativen Schreier zur Ordnung? Warum nicht den ehrenwerten Abgeordneten Kreth, als dieser in den Saal schrie: „Ist denn kein Tierarzt da?" Doch was gilt den Herren vom Zentrum und von der„durch Bildung und Besitz maßgebenden Partei" eine Verhöhnung des Reichstages, was die Reichsverfassung? Höher als diese steht das Parteiinteresse! Nur keine PräsidentcnkrisiS, keine neue Verlegen- heilen bei der Suche nach einem anderen zweiten Vizepräsidenten, keine Brüskierung der Konservativen I Der Weg muß offen gehalten werden, auf dem sich Konservative, Zentrum und Nationalliberale sich wieder zu- sammenzufinden vermögen zu dem früheren konservativ» klerial- nationalliberalen Regie- rungsblock. Daneben hat auch der Haß gegen die Sozialdemokratie bei der Abstimmung mitgespielt. Mehr und mehr hat man erkannt, daß deS Herrn v. Oldenburgs Schwärmerei für den Verfassungsbruch der Sozialdemokratie einen prächtigen Agitationsstoff liefert, besonders bei der Agitation gegen die Junkerherrschaft im preußischen Ab- geordnetenhause. Deshalb durfte die günstige Lage der Sozialdcmo- kratie nicht noch dadurch verbessert werden, daß man öffentlich im Reichstag das Verhalten des zweiten Vizepräsidenten dementierte und dem Abgeordneten Ledebour eine Art Genugtuung verschaffte! Aber die Herren täuschen sich; auch trotz der parlamentarischen Sanktion der Unzulänglichkeit und der Parteilichkeit des Verlegenheitsprinzen bleibt der„Fall Oldenburg-Hohenlohe" wertvoll für unsere Agitation._ Yen v. Oldenburg und das MilltZr- ftrafgdetz. Herr von Oldenburg- Januschau war zwar kgl. preußischer Leutnant, aber er kennt trotzdem das deutsche Militärstrafgesetzbuch nicht, denn wenn er darin Bescheid wüßte, so hätte er nicht am 29. Januar er. im Reichstage sagen können:„Der König von Preußen und der deutsche Kaiser muß jeden Mo- ment imstande sein, zu einem Leutnant zu sagen: Nehmen Sie 10 Mann und schließen Sie den Reichstag." Der§ 47 des Militär st rafgesetzbuches lautet nämlich: „Wird durch die Ausführung eines Befehls in Dienstsachen ein Strafgesetz verletzt, so ist dafür der befehlende Vorgesetzte allein verantwortlich. Es trifft jedoch den gehorchenden Unter- gebenen die Strafe des Teilnehmers: 1. wenn er den ihm erteilten Befehl überschritten hat ober 2. wenn ihm bekannt gewesen, daß der Befehl deS Vorgesetzten eine Handlung betraf, welche ein bürgerliches oder militärisches Verbrechen oder Vergehen bezweckte." Der§ 81 des Reichsstrafgesetzbuches bestimmt ferner in seiner Ziffer 2: „Wer eS unternimmt, die Verfassung des Deut- schcn Reiches oder eines Bundesstaates oder die in demselben bestehende Thronfolge gewaltsam zu ändern, wird wegen Hoch- Verrats mit lebenslänglichem Zuchthaus oder lebenslänglicher Festungshaft bestraft." Und der Z 82 schreibt vor: „Als ein Unternehmen, durch welches das Verbrechen des Hochverrats vollendet wird, ist jede Handlung anzusehen, durch welche das Vorhaben unmittelbar zur Ausführung gebracht werden soll." Es kann also gar kein Zweifel sein, daß ein Leutnant oder sonst ein Offizier, der den Reichstag mit Waffengewalt schließen wollte, auch dann von Rechts wegen lebenslänglich ins Zuchthaus oder auf die Festung fliegen müßte, wenn der Kaiser ihm die Schließung befohlen hätte; denn so dumm ist doch wohl kein Offizier der preußischen Armee, daß man annehmen darf, er wüßte nicht, daß der Reichstag nicht aus dem Wege des Staatsstreiches mit Hilfe von Soldaten geschloffen werden kann. Möglich, daß die preußische Regierung einen solchen Hochver- rätcr-nach dem Vorbilde Bismarcks unter ihre schützenden Fittiche nehmen würde. Bekanntlich hat Preußen 1866 im Friedensvertrag mit Sachsen ausdrücklich verlangt, daß die sächsischen Hochverräter, unter denen sich auch Treitschke befand, nicht bestraft würden. Aber das ändert nichts an der Tatsache, daß der Offizier, wenn Recht und Gesetz gelten würden, lebenslänglich ins Zuchthaus oder auf die Festung wandern müßte. Käme also ein deutscher Kaiser wirklich auf die Idee, einem Offizier zu sagen:„Nehmen Sie 10 Mann und schließen Sie den Reichstag!", so bliebe dem Offizier, sofern er kein Trottel ist, nichts übrig, als dem Kaiser zu antworten:„Majestät, diesen Be- fehl darf ich nicht befolgen, weil er gegen den § 47 des Militär st rafgesetzbulb�s verstößt." Nur ein Nichtswisser oder ein Schuft könnte anvers handeln. Freilich muß man dem Januschauer Junker mildernde Um- stände zubilligen, denn die Militärverwaltung sorgt gründlich dafür, daß der zitierte§ 47 des Militärstrafgesetzbuches wie das Veilchen im Verborgenen blüht. Im Fahneneid und in den Kriegsartikeln hält sie den zum Z 47 in direktem Gegen- satz stehenden Glauben aufrecht, daß der Untergebene die Befehle seiner Vorgesetzten ohne Ausnahme zu befolgen habe. Schon öfter haben wir auf die Gefährlichkeit dieser Praxis öffentlich hin- gewiesen, aber vergeblich. Ter Junker Oldenburg ist uns jetzt un- bewußt zur Hilfe gekommen. Es ist nicht wahr, daß der militärische Untergebene die unbedingte Gehorsamspflicht hat. Er darf auch auj Befehl nicht gegen die Gesetze verstoßen. Das gilt nicht nur in großen, sondern auch in kleinen Dingen. Sagt z. B. ein Unteroffizier zum Infanteristen Schulze:„Treten Sie dem Müller fest auf die Fersen, wenn er nicht Schritt hält!", so darf der Schulze diesen Befehl nicht befolgen. Vielmehr steht ihm das Recht zu, aus dem Glied zu treten und dem Unteroffizier zu antworten:„Ent- schuldigen, Herr Unteroffizier, Ihren Befehl darf ich nicht aus-« führen." Warum der§ 47 des Militärstrafgesetzbuches im Fahneneid, in den Kriegsartikeln und auch sonst ignoriert wird, ist klar. Würde man ihn den Untergebenen so einpauken, wie man ihnen die Ehrenbezeigungsvorschrift und anderes einpaukt, so wäre eS doch fraglich, ob die Armee in gewissen politischen Lagen ein so willenloses Werkzeug wäre, wie man es wünscht. Und außerdem würde dadurch der mit Absicht eingeimpfte und gepflegte Glaube, daß der Vorgesetzte der unumschränkte Herr des Untergebenen sei, erschüttert. Der§ 47 des Militärstrafgesctzbuches und der§ 82 des Reichs- strafgesetzbuches werfen zugleich auch die Behauptung des Kriegsministers, daß den Offizier die Ver- fassung nichts angehe, über den Haufen. Wie es scheint, kennt auch Herr von Heeringen das Militär- strafgesetzbuch nicht genau!! Weiß er denn nicht, daß der Fahneneid nur eine Formsache ohne jede rechtliche Kon- sequenzen ist? Das Militärstrafgesetzbuch kennt nur die gesetzliche oder freiwillig übernommene Verpflichtung zum Dienst. Wer sie verletzt, wird bestrast, gleich, ob er den Fahneneid geschworen hat oder nicht. Denkende Offiziere werden sich auch dafür bedanken, daß sie förmlich das Privateigentum des jeweilig regierenden Herrn sein sollen. War es denn noch nicht da, daß Monarchen geistes- krank waren, noch ehe man sie absetzte? Und wenn ein solcher Monarch in einer verrückten Stunde den Hochverrat von oben, den gewaltsamen Umsturz der Verfassung beliebt, dann soll nach Herrn von Oldenburgs und vielleicht auch nach Herrn von Heeringens System dem gekrönten Geisteskranken das ganze Offizierkorps, ja die ganze Armee zu Willen sein und das Volk in furchtbare Kämpfe stürzen! Es ist höchste Zeit, daß dem§ 47 des Militärstrafgesetzbuches die Achtung in der Armee verschafft wird, die ihm gebührt. Sentimentale Hoheit. Die DienStagSsitzung deS DreiklaflenparlamentS schloß mit einer gar rührsamen Rede deS freikonservatigen Abgeordneten Varenhorst. Zur Debatte stand der sozialdemokratische Antrag, die Jagd der staatlichen Forsten zu verpachten, statt dicS fast drei Millionen Hektar umfassende Gebiet wie bisher den höheren Forst- beamten und ihren junkerlich-agrarischen Intimen als Jagdrevier zu überlassen. Dies schnöde Attentat auf das ungeheuerliche Privileg der Junker und Junkergenossen erweckte nicht nur den begreiflichen Ingrimm der Rechten, sondern entlockte deren Rednern auch die hypcrsentimentalsten Töne. Welches Aequivalent verbleibe denn den armen Oberförstern, Forstmeistern und Forsträten für ihre aus« opfernde Pflege des deutschen Waldes, wenn man ihnen das Jagd» Privileg nehme? Man degradiere dann die Oberförster zu„Ober- Holzhackern". Dann möge man den Aermsten auch gleich den grünen Rock ausziehen und sie statt mit dem Hirschfänger mit dem Symbol des Holzhackers, dem Beil, umgürten! Der Abg. Varenhorst, Freikonservativer und seines Zeichens Amtsrichter, vergoß förmlich Tränen der Rührung ob solcher Zumutung. Wald und Wild gehörten zusammen, und man reiße den braven Grünröcken— wörtlich!—„das Herz aus dem Leibe", wen» man ihnen, den treuen Hegern des Wildes, das Vorrecht ent- ziehe, das Wild auch selbst niederknallen zu können. Mit vor Wehrftut und Rührung zitternder Stimme beschwor der frei- konservative Amtsrichicr die erbarmungslosen Sozis, doch die Grün- röcke nicht um ihre einzige Daseinsfreude zu bringen. Und um das steinerne Herz der roten Rotte zu erweichen, schloß er mit dem stammelnden Aufsagen eines gar rührende» Poesiegedichts, eines Wiegenliedes, in dem die JSgergattin ihr Büblein mit dem Sing- sang einlullt, daß auch er einmal Jäger werden und eine Flinte kriegen werde, mit der er— piff paff!— unter den Waldbcwohnern ausräumen könne. Diese Rührszcne würde lediglich komisch wirken, wenn sie nicht doch einen gar zu bitteren Beigeschmack hätte. Denn Herr Baren- Horst hätte gerade als Amtsrichter alle Veranlassung gehabt, sich mit einem ganz andern Moment der Debatte zu beschäftigen. Hatte es doch der sozialdemokratische Fraktionsredner, Genosse Borgmann, als eine Roheil gcbraudmarkt, daß ein Oberförster einen Förster gezwungen habe, gegen eine 84 jährige Greisin Straf- anzeige wegen Holzdiebstahls zu erstatten! Sowohl der Landwirt- schaftsminister selbst als auch der unmittelbar vor Herrn Varenhorst zum Wort gekommene konservative Redner hatten eS dagegen als die Pflicht eines Forstbeamtcn bezeichnet, auch gegen eine 84 jährige Greisin eine solche Straf- anzeige zu erstatten l Der konservative Redner— Weißermel heißt der Brave— besaß sogar den unglaublichen Zynismus, zu erklären, wenn die 84jährige noch die Kraft zum Stehlen gehabt habe, müßte sie auch die darauf stehende Strafe mit in den Kauf nehmen! Diese unsägliche Gefühllosigkeit kam aber dem so zart be- saiteten Amtsrichter offenbar gar nicht einmal zum Be- w u ß t s e i n l Er, dem eS das Herz zerfleischte, daß den Ober- förstern und Forsträten das Jagdverguügen verkümmert werden sollte. fand eS ganz in der Ordnung, daß eine Vierundachtzigjährige Arme schwer dafür gebüßt werde, daß sie ein leichtes Bündel Reisig„gestohlen" hatte, um ihre starren Glieder vor dem Froste zu schützen l DicZ Heine Bild ist charaktttistüch und üst-ilch für unsere herrschende Klaffe und ihre Vertretung im Dreiklassenparlament! Jede kleinste Beschränkung selbst der unbegründetsten und gemeinschäd- lichsten Borrechte der Privilegierten wird von ihr als schweres Un- recht empfunden; aber gegen die empörendste soziale Schmach, die der Masse de» Volke«, den Nichtbesitzenden, widerfährt, ist sie taub und von steinerner Gefühllosigkeit I Die Frage der dberffausreforio. ÄuS London wird uns geschrieben: Nachdem eZ fast sicher ist, daß der Etat de» Finanzjahres 1309/1910 in seinen wesentlichen Teilen in der nächsten ParlamentSsession beide Häuser passieren wird, wendet sich die allgemeine Ausinerksamkeit dem Schicksale der Oberhaus» r e s o r m zu. Abgesehen von der Arbeiterpartei, die im Prinzip für die Abschaffung der Lords ist, gibt es zwei große Strömungen in der öffentlichen Meinung über die Reform. Diese Strömungen decken sich nicht ganz mit den beiden großen Parteien. Die Konservativen und die gemäßigten Liberalen wünschen an Stelle der Lords eine zweite Kammer, die mit realer Macht ausgestattet werden soll. Ueber die Form dieser zweiten Kammer ist noch nichts bekannt. ES gilt vorerst, sich über das Prinzip der Reform zu einigen. Ist dies einmal geschehen, so wird die Ausarbeitung deS Prinzips in Betracht gezogen werden. (SS soll hier sofort bemerkt werden, daß eine derartige Reform leine Verbesserung deS gegenwärtigen ZustandeS bedeuten könnte. Die Linköliberalen. denen sich wahrscheinlich die Arbeiterabgeord- neten anschließen werden, sind der Ansicht, daß das HanS der Lords auch weiterhin bestehen soll, nur soll ihm daS finanzielle Vetorecht genommen werden. Die Lords sollen wie die Krone behandelt werden: beide Institutionen sollen Ornamente bleiben, bis einnral die Demokratie so erstarkt ist, daß sie auch au Ornamente verzichten könnte. Der erste Erfolg der Wahlen besteht demnach darin, daß die Frage der OScrhanSreform akut geworden ist. Sie dürfte im laufenden Jahre den ersten Punkt der politischen Tagesordnung Eng- lands bilden. So weit unser englischer Korrespondent.— Man sieht schon daraus, daß das liberale Ministerium der Oberhausfrage ziemlich ratlos gegenübersteht und nicht die Kraft zu einer radikalen Lösung aufbringen kann. Sind ja selbst die Radikalen einer konsequenten Politik, die zur Abschaffung deS Oberhauses führen würde, durchaus abgeneigt. Gerade jetzt, wo daS Haus der Lords wieder Rechte beansprucht, die längst als überlebt galten, und dieser Anspruch durch daS Wahlergebnis keineswegs mit aus- reichender Schärfe zurückgewiesen worden ist, wird es auch offensichtlich, wie prekär es ist, sich daraus zu verlassen, daß das Oberhaus nur„Ornament" bleiben werde. Vielmehr ist sowohl die Stellung der Krone als auch die des Hauses der Lords heute stärker als seit Jahrzehnten, und diese Tatsache, die aufs engste mit dem Erstarken der imperialistischen Politik zusammenhängt, kann nicht durch eine Resolution deS Unterhauses und durch«ine Halbheit, wie sie die Zulassung der Fortexistenz deS Oberhauses bedeutet, beseitigt werden. Der Kampf müßte offen und rücksichtslos aufgenonmien werden, sollte er Erfolg haben. Einen solche» Kampf zu führen, ist allerdings die liberale Partei unfähig, weil der gemäßigte Flügel, der durch den Mißerfolg der radikalen Politik bei den Wahlen noch eine Stärkung erfahren hat, dagegen offen rebellieren würde. Und so wächst die Wahrscheinlichkeit eincS Kompromisses, damit allerdings auch die Beschleunigung des Bankrotts der liberalen Partei. Ueber ein solches Kompromiß berichtet auch schon ein Tele- gramm des offiziösen DepeschenbureauS: Hier herrscht die Ansicht, daß im U n t e r h a u s e nach der An- nähme der Adreffe und vor der neuerlichen Vorlegung deS Budgets ein Antrag eingebracht werden wird, welcher die Privilegien d e S Unterhauses in bezug auf die Geldbewillignngsanträge neuerlich betont und erklärt, daß cS nötig sei, die Beziehungen der beiden Häuser zu ändern. Man gibt sich der Hoffnung hin, daß diese Resolution, obwohl sie keine bindende Wirkung ha», einerseits jene Liberalen befriedigen werde, die verlangen, daß gegen daS Veto der LordS noch vor der Wicdereinbringung des Budgets vor- gegangen werde, während sie andererseits diejenigen Kräfte ver- einigt, auf die sich die Regierung im allgemeinen stützen muß. Ein solcher Ausgang würde uns allerdings nicht überraschen, wir haben vielniehr wiederholt auf seine Wahrscheinlichkeit hin- gewiesen. Aber umso dringender wird es für die Arbeiterpartei. jede Gemeinschaft mit dieser Politik der Schwäche zu lösen, um zu verhüten, daß sie in den notwendigen Zusammenbruch einer solchen Politik auch nur vorübergehend mit hincingerissen werde. Bis zum Zusmnmentritt des neuen Parlaments werden auch einige Veränderungen in der Zusammensetzung des Kabinetts vorgenommen werden, über die folgendes mitgeteilt wird: Der bisherige Staatssekretär für Irland Birrell übernimmt an Stelle Herbert GladstoneS, der zum Generalgouverneur von Südafrika ernannt wurde, das Staatssekretariat des Innern; der Handels« minister Winston Churchill wird Staatssekretär für Irland; John B u r n S übernimmt baZ HandelSamt; der Kanzler deS Herzogtums Lancaster, Herbert Samuel, wird als Nachfolger von BmnS Präsident deS LokalverwaltungSamteS. Die englischen Wahlen. London, 1. Februar. Die Liberalen haben den Wahl- kreis Wick(Schottland) gewonnen. In Irland wurden heute zwei Anhänger von O'B r i e n im Wahlkampfe gegen Anhänger von Rcdmond gewählt. Das Wahlresultat ist bis jetzt folgendes: 271 Konservative, 273 Liberale, 41 Vertreter der Arbeiterpartei und 82 Nationalisten. Unter diesen be- finden sich 11 Anhänger von O'Brien, sogenannte unabhän- gige Nationalisten._ poUtifche deberHeht. Berlin, den 1. Februar 1910. Der Byzantinerblock.— Portugiesischer Handelsvertrag. Fortsetzung der Kolonialdebatte. A u s d c m N e i ch t a g. 1. Februar. WaS die Stellung- nähme der Parteien in der gestrigen GeschäftsordnnngLdcbatte er- warten ließ, das ist heute in Erscheinung getreten. Als bei Beginn der Sitzung ohne Debatte, wie es die Geschäftsordnung vorschreibt, der Einspruch Ledebours gegen den ordnungswidrigen Ordnungsruf des Prinzen Hohenlohe zur Abstimmung gebracht wurde, stimmte das sehr voll besetzte Haus streng getrennt nach Fraktionen. Für den Einspruch erhoben sich die Sozialdemokraten, die Freisinnigen und die P o l e n; dagegen die vier konservativen Gruppen, das Zentrum und die Ratio nallibcralen. also eine Zweidrittelmehrheit. Es hat sich demnach zum Schutze der Hohenlohe und der Oldenburg ein Byzantinerblock gebildet, den wir vor» aussichtlich in den kommenden Derfafsungskämpfen noch öfter geschkossen aus unserem Wege finden werden. Ist cS doch kein Zufall, daß genau die nämlichen Parteien der Einführ Nng des Reichstags Wahlrechts in Preußen entgegen arbeiten! Der Zweck der Ledebourschen Einsprache war, wie am Sonntag im„Vor- wärts" bereits hervorgehoben wurde, die Parteien zu nötigen, Farbe zu bekennen; sie sollten genötigt werden, sich zu ent- scheiden, ob sie den Prinzen Hohenlohe trotz seines schmäh- lichen Verhaltens am Sonnabend und damit die Staatsstreich- drohung Oldenburgs decken»vollen oder nicht. In Wünschens- werter Klarheit ist nunmehr zutage getreten, daß ein Byzantinerblock aus Konservativen. Zentrum und National- liberalen sich schützend vor die staatsstreichlüsternen Ianuschauer stellt. Diesen reaktionären Wall zu zertrümmern, diese Zwei- drittelmehrheit in eine Minderheit zu verwandeln, muß unser aller Bemühen fein. damit wir vorwärts kommen in Deutschland. *•'# Der Handelsvertrag mit Portugal wurde in zweiter Lesung beraten. Die Parteien haben sich in dieser Frage ganz regellos gruppiert. Sozialdemokraten und Konservative traten für den Vertrag ein, die anderen Parteien waren gespalten. Die Gegner des Vertrages glaubten, daß bei einer Verwerfung sich noch günstigere Bedingungen herausholen lassen würden, was �ic Regierung bestritt. Namens der Sozialdemokratie wurde durch den Genossen Molkenbnhr erklärt, daß wir zwar die schweren Nachteile, die für gewisse Jndustriekreise daraus erwachsen, keineswegs verkennen. Da Deutschland durch den Vertrag jedoch die Meistbegünstigung— also mindestens keine schlimmeren Zollsätze als andere Länder sie erhalten— zu- gesichert worden, sei daS noch immer bester als ein Zollkrieg, der der deutschen Industrie unberechenbare Wunden schlagen würde. Daß überhaupt Deutschland nur so schlechte Handels- Verträge abschließen könne, sei eine verhängnisvolle" N a ch- Wirkung des Hochschutzzolles, den Deutschland selbst vor einigen Jahren eingeführt hat. Die Parteien, die damals dem Schutzzoll zustimmten, hätten keinerlei Recht zur Klage. Schließlich wurde der Handelsvertrag in zweiter Lesung mit großer Mehrheit angenommen. Dann wurde die kolonialpolitische Debatte sortgesetzt. Dabei machte der freikonservative Herr v. Liebert den verunglückten Versuch, die von sozialdemokratischer Seite angefochtene Aufsichtsratspolitik zu verteidigen. Am Donnerstag geht die Debatte weiter, da am Mit- woch eines katholischen Feiertages wegen die Ätzung ausfällt. Preußisches Abgeordnetenhaus. In einer ungewöhnlich langen Sitzung erledigte man am Dienstag zunächst den Etat der GestütSverwaltung, um sich sodann der Beratung deS Etats der For st vor waltung zuzuwenden. Hierzu hatten unsere Genossen eine Reihe von Anträgen gestellt, deren erster sich auf den Eiimahmetitel Holz a u S dem Forst- Wirtschaftsjahre bezieht und die Regierung bis zur dritten Lesung um Mitteilung darüber ersucht, in welcher Weise beim Ab- trieb der durch Nonnenfraß geschädigten Wälder in Ostpreußen für die Arbeiter Vorsorge getroffen ist. Die Begründung deS Antrages durch Borgmann war eine flammende Anklagerede gegen die Regierung, die Arbeiter o»S Bayern nach Ostpreußen geholt hat, aber ihren Pflichten als Arbeitgrberin nicht einmal iu dein bc- fcheidensten Maß« nachgekommen ist. Es war das erste Mal, daß sich ein Mitglied deS Hauses in so warmer Weise der Forstarbeiter annahm. Die Mitteilungen BorgmanuS über Entlohnung und Be- Handlung der Arbeiter, die Schilderung der für sie bereit gestellten Wohnräume und der Ausbeutung durch die Zwischenmeister, deren die Regierung sich bedient, war der junkerlichen Mehrheit sichtlich unangenehm. Die Herren wandten deshalb die alte bequeme Taktik an. Nachdem der Oberlandforswieister die Anklagen Borgmanns kurzer Hand in Abrede gestellt und nachdem noch eine Anzahl bürgerlicher Abgeordneter auf die Sozialdemokratie gewettert hatte, lief— unmittelbar bevor Liebknecht zu Worte gekommen wäre— flugS der bereit gehaltene Schluß- antrag ein, der denn auch zur Amiahme gelangte. Aus diese Weise wurde eS dem zweiten sozialdemokratischen Redner unmöglich gemacht, zu erwidern. Der Antrag selber wurde gegen die Stimmen der Sozialdemokraten abgelehnt. Nicht einmal die Freisinnigen stimmten dafür, sie sind ebenso wie die Konser- vativen durch die Antwort der Regierung völlig befriedigt! Natürlich werden es sich unsere Genosien nicht nehmen lassen, bei der dritten Lesung nochmals auf die Angelegenheit zurückzukommen und den Nachweis zu erbringen, daß sie denn doch besser unterrichtet sind als die Regierung. Einen ähnlichen Verlauf nahm die Beratung des zweiten sozial- demokratischen Antrages, der die Verpachtung der fiskalischen Jagd- bezirke an den Meistbietenden verlangt. Borgmann beschränkte sich in der Begründung nicht auf diesen Antrag, er nahm sich auch aufS wärmste der Interessen der niederen Forstbeamten an. wofür er sich einen bedingten Ordnungsruf deS Vizepräsidenten Dr. P o r s ch zuzog.— Der Minister v. Arnim, der in höchsteigener Person erwiderte, machte sich seine Aufgabe recht leicht, indem er nach Schema ITisein Bedauepn darüber ausdrückte, daß es Beamte gibt, die sich an Sozialdemolratcn wenden! Daß das den RegierungS- Vertretern unangenehm ist, wisien wir. aber sie werden trotz aller Bemühungen den Zustand nicht beseitigen können, daß in immer steigenden: Maße die Sozialdemokraten die wirklichen Vertrauens- leute der preußischen Beamten werden. Mag die Regierung noch so terroristisch auftreten, die Beamten finden den Weg zu den Vertretern der Sozialdemokratie trotz alledem und alledem. Zwar ist der Antrag durch einige scharfmacherische Reden, unter denen ganz besonders die des Abgeordneten Varenhorst ffi.) hervorragt, schon tot geredet, wenn er auch noch nicht formell ab- gelehnt ist, aber er wird wiederkommen, und vielleicht werden ihn. wie Borgmann treffend aueführte, später die Konservativen selber, wenn sie einmal zur Vernunft gelangt sind, einbringen. Am Donnerstag wird die Debatte fortgesetzt. Tie prenstische WahlrechtSvorlage soll noch diese Woche dem Abgeordnctenhause zugeben. Von ver- fchicdencn Seiten wird gemeldet, daß die Vorlage schon die Unter- fchrift deS Königs erhalten habe und Freitag oder Sonnabend dem Abgeordnetenhause zugehen werde. Ter Hauptinhalt soll m der offiziösen Presse veröffentlicht werden. Die„Berliner Politischen Nachrichten" schreiben über die Bc- Handlung der Vorlage: „Natürlich wird die Beratung der WahlrechtSvorlage eine längere Unterbrechung der Etatsberatungen bedingen. DaS ist sicher unerwünscht, weil die letzte Möglichkeit schwindet, den Etat auch nur im Abgeordnetcnhmise vor der Osterpause zu vcrab- schieden. Trotzdem überwiegen die Gründe für die alsbaldige Inangriffnahme der Verhandlungen über die WahlrechtSvorlage weitaus. An sich schon würde ein Hinausschieben der Beratung der Wichtigkeit und Dringlichkeit des gesetzgeberischen Wirken« nicht entsprechen. Es kommt aber noch weiter hinzu, daß die Wahlreform«ins AendcrLng der Bestimmungen der Bcr- fassung siedingf. Gesetze, dle Aenderungen der Verfassung her- beizuführen bestimmt find, bedürfen bekanntlich in beiden Häusern des Landtages einer nochmaligen Abstimmung nach 21 Tagen. Selbst wenn alsbald übereinstimmende Beschlüsse des Abgeordnetenhauses und Herrenhauses sich herbeiführen lassen sollten, würde somit für die Erfüllung der Bedingungen für die Verfaffungsveränderungen ein Spielraum von 42 Tagen inner- halb der Landtagssession notwendig werden. Daß aber alsbald eine Verständigung zwischen beiden Häusern des Landtages ein- tritt, ist keineswegs sicher. Dann würde man mit einer weiteren verfassungsmäßigen Frist von 21 Tagen, zusammen also nut einem Bedarf von 63 Tagen für die Erfüllung der versassungL- mäßigen Bedingungen rechnen müssen. Es ist klar, daß, wenn der Schwerpunkt der Verhandlungen über die WahlrechtSvorlage im Abgeordnetenhause erst in die Zeit nach der Osterpause ver- legt werden sollte, mit einer weit in den Hochsommer hinein- reichenden Dauer der Session gerechnet werden müßte. Es liegt daher im dringenden Interesse aller' Teile, daß das Abgeordneten- haus ungeachtet der ungünstigen Rückwirkungen aus die Etats- beratung, nicht nur alsbald in die erste Lesung der Wahlrechts- Vorlage eintritt, sondern sich der Erledigung dieses � gesetzgeberischen Werkes mit solchem Eifer befleißigt, daß die erste endgültige Abstimmung noch vor der Osterpause erfolgen(?!) und demzufolge das Hervenhaus bald nach dieser mit den Be- fchlüssen des Abgeordnetenhauses befaßt werden kann." Eine andere Korrespondenz meldet: Im Abgeordnctenhause ist beabsichtigt, etwa ein bis zwei Wochen nach der Einbringung- der Wahlrechtsvorlage die Etatsberatung zu unterbrechen und die erste Lesung der Wahlvor- läge vorzunehmen. Die WahlrechtSvorlage wird einer besonderen Kommission überwiesen werden, die ibre Arbeiten vor Anfang März nicht beginnen kann und sie, da auf eine sorgsame Prüfung der Vorlage Bedacht genommen werden wird, frühestens Anfang Mai unter Berücksichtigung der dreiwöchentlichen Osterferien beenden kann. Die Etatsberatung wird durch die Wahlrechts- vorläge mindestens acht Tage unterbrochen werden, so daß man damit rechnet, den Kultus- und Eisenbahnetat erst nach Ostern in der ersten April-Hälfte in zweiter Lesung verab- schieden zu können.... Die zweite Lesung der WahlrechtSvorlage dürfte im Plenum des?lbgeordnetenhauseZ vor Pfingsten kaum stattfinden.... Unter diesen Umständen läßt es sich noch nicht übersehen, ob die Wahlrechtsvorlage noch vor der in Aussicht ge° «ommenen Vertragung verabschiedet werden kann, zumal alles von der Gestaltung der Vorlage nieder Kommission abhängen wird. - Der Vorsitzende der Budgetkoni Mission deS Abgeordnetenhauses teilte in der heutigen Sitzung der Bndgetkommission mit, daß die WahlrechtSvorlage nächste Woche dem Hanse der Abgeordneten zugehen werde. Albernheit. Die konservative Parteileitung identifiziert sich mit dem Oldenburgischen Ausspruch. Die„Konserv. Korresp." veröffeut- licht folgende partcioffiziöse Erklärung: „In der liberalen und demokratischen Presse wird gegenwärtig ein großer Lärm darüber erhoben, weil der konservative Reichs- tagsabgeordnete v. Oldenburg am Sonnabend im Reichstage angeblich dazu aufgefordert haben soll, in verfassungswidriger Weise, äußerstenfalls mit militärischer Macht, gegen den Reichstag einzuschreiten. Daran ist kein toahreS Wort. Herr v. Oldenburg steht mit der gesamten kon- servativen Partei streng auf dem Boden unserer Reichs- Verfassung. Eine Aufforderung zu Gewaltmaßregeln der erwähnten Art liegt ihm durchaus fern. Nur mangelnde Logik und tendenziöse Unterstellung vermögen ben von Herrn v. Oldenburg selbst in der Sitzung sogleich klar- gestellten Sinn seiner Aeußerung, die lediglich in drastischer und humoristischer Weise äußerste Pflichten militärischer DtS�lplin kennzeichnen wollte, zu verdrehen und zu einer illoyalen Bc- kämpfung ihres politischen Gegners und womöglich unserer ge- samten verfassungStrenen Partei auszunutzen. ES lohnt sich nicht, auf diese ebenso alberne alS ein- fältige Erklärung zu antworten. Wir setzen lediglich hierher, was die„Tägl.'Rundschau" dieser Kundgebung hinzufügt: „Wir halten dies« Kundgebung für einen taktischen Fehler. weil sie der tendenziösen SuSschlachtung deS Vorfalles neue Nahrung zu bieten geeignet ist. Wäre sie nicht erfolgt— wenigstens nicht in dieser Form, die einer ausdrücklichen Jdenti- fizierung der Fraktion mit dem Abgeordneten v. Oldenburg gleich- kommt—, so hätte die konservative Partei sich nicht? vergeben und vor allem ihren Gegnern nicht neue Angriffsmöglichkeiten geschaffen."_ Gouverneur v. Schuckmanns Nückkehr. Sonntag früh ist ein erneutes Urlaubsgesuch deS füdwest» afrikanischen Gouverneurs v. Schnckmann, datiert aus Swakopmund, in verlin eingetroffen. Er telegraphiert, daß er auf ärztliche An- ordnung mit dem nächsten Danipfer wegen Herzschwäche in die Heimal zurückkehren müsse, da eine Wiederherstellung der Dienst- fühigkeit im Schutzgebiete ausgeschlossen sei. Gleichheit vor dem Gesetz in Preußen. In einer Klage des Reichsverbandes zur Bekämpfung der Sozialdemokratie vor dem Amtsgericht O f f c n b a ch wurde oktenmäßig festgestellt, daß der genannte Verband seit dem 23. Juli 1900 eingetragener Verein ist. Der Verband kann demnach als solcher klagen. Die Verwaltungsbehörde hat das Recht, gegen die Erteilung der Rechtsfähigkeit ön einen Verein mit politischen, sozialpolitischen oder religiösen Zwecken Einspruch zu erheben, und sie tut das in Preußen selbstverständlich stets, wenn ihr die Zwecke des Vereins nicht paffen. Der ReichSverband aber paßt ihr. und so ist er nun also eine juristische Person und zugleich ein lebendiges Zeugnis der„Gleichheit vor dem Gesetz", wie sie die preußische Bureaukratie versieht._ Rcichsvcrbandsevfolge. Der ReichSverband gegen die Sozialdemokratie hat vor kurzem seinen Geschäftsbericht als Flugblatt Nr. 106 herausgegeben, aus dem wir bereits Einzelheiten mitgeteilt haben. Neben den Augoven über die Zunahme der Mitglieder und der Ortsgruppen, die Anzahl der Rednerschulen und der Teilnehmerzahl an den politischen Kursen enthält der Bericht noch weiter« interessante Mitteilungen, die vor» dienen, besonder» hervorgehoben zu werden. WaS der Reichsverband an Verseuchung der öffentlichen Meinung leistet, geht aus folgender Stelle des Berichts hervor: »ES gibt heute bereits 403 Zeitungen, die regelmäßig die „Korrespondenz" des Reichsverbandes benutzen. Durch diese Kanäle ergießt sich ein weiter Strom politischer Aufklärung(?) durch die Tagespreise,«hne daß im einzelnen immer kenntlich ist. aus welcher Quelle dieser Strom hervor» sprudelt." Weiter konstatiert der Bericht mit einer gewissen Genugtuung, daß jetzt alle Parteien daS Material zur„Vernichtung" der Sozial- demokratie vom ReichSverband beziehen und die Abnehmer dieser souderbareii Geistesprodukte dem Verbände die vollste Anerkennung zollen. „Daß auch durch Organisationen des Zentrums von diesem Flugblatt(.Die neuen Neichssteuern und der VolkSlZetrug der Sozialdemolratie') gegen 45 000 Exemplare verbreitet worden sind, joll noch besonders hervorgehoben werden als ein Beweis dafür, daß die Tätigkeit des Reichs- Verbandes, getreu seinem Programm, sich völlig paritätisch vollzieht und alle» bürgerliche» Parteien zugute kommen kann." Im ganzen wurden 2114000 Flugblätter im Jähre 1900 per- breitet. Da eine größere Anzahl von Ortsgruppen nicht die Mittel besitzt, um sich in größerem llmfange an einer Flugblattverbrcitung zu beteiligen, hat der Hauptvorstand beschlossen, die Verbreitung von der Hanplstclle auZ zu bewirken.— Der Bund der bater« ländischen Arbeitervereine hat seine größte Bereitwillig- keit ausgesprochen, den Reichsverband mit allen Kräften zu unter- stützen. Zum Schluß rühmt der Reichsverband seine Taten, die er an- läßlich der Stadtverordnetenwahlen in Pankow und Halle a./S. voll- bracht hat, verschweigt aber wohlweislich alle die wichtigeren Orte. in denen es auch trotz angestrengtester Arbeit nicht gelungen ist. die Sozialdemokratie zu verdrängen. Gerade das verflossene Jahr hat aber der Sozialdemokratie gezeigt, daß es trotz des ReichSveiöandeS oder gerade deswegen riesig vorwärts geht, daß die rote Flut immer stärker anschwillt, was zu den besten Hoffnungen berechtigt. Sächsische Wahlstatistik. Nach der vom Statist. Landesamt Sachsens herausgegebenen sächsi- schen Wahlstaiistik hat die Sozialdemokratie von 634 733 Wählern 841 396 für sich gewonnen, während die bürgerlichen Parteien zu- sammen nur 293 339 Wähler hinter sich haben. Die Statistik der Stimmen ergibt— wie da» bei dein P l u r a l lv a h l s y st e m erklärlich— ein ganz anderes Bild. Von insgesamt 1273998 Stimmen haben die bürgerlichen Parteien zusammen 731 476 er- halten, während die Sozialdemokratie eS nur auf 402 522 Stimmen brachte. Auf die einzelnen Parteien entfielen folgende Wähler- und Stinimeitzahlen: Sozialdemokraten 341 396 Wähler und 492 522 Stimmen Konservative.. 103 517„„ 281804„ Nationalliberale. 125 157„„ 236 541„ Freisinnige... 41857„„ 100 804 Antisemiten.. 20243„„ 55 602 AuS diesen Zahlen ergibt sich die skandalöse Ungerechtigkeit deS sächsischen Pluralwahlrechtes. Die Sozialdemokratie müßte zwei Drittel der Sitze innehaben, während sie nur 25 von 91 hat. Die tvürttembergischen Industriellen nnd die Schifsahrts- Abgaben. Der Btmd württembergischcr Industrieller hat im Hinblick auf die von badischer Seite neuerdings in der Neckarkanalisationsfrage gemachten Vorschläge am 23. Januar an daö würltembergische StaatSministerium daS Ersuchen gestellt, im Bundesrat eine Ver- tagung der Entscheidung über die Einführung der SchiffahrtS- abgaben auf den natürlichen Wasserstraßen zu bewirken, da die an den Schiffahrtsstraßen interessierten württembergischen Industriellen eine eingehende Prüfung der badischen Vorschläge durch alle maßgebenden Faktoren für unerläßlich halten. Bekanntlich wollte sich der Bundesrat in dieser Woche über die Frage schlüssig machen.___ Des Januschauers freisinnige Freunde. In Breslau wollten unsere Genossen Montag ein Plakat anschlagen lasten, daS zu einer Prote st Versammlung gegen Oldenburg? Hochverrat einlud. Aber der freisinnige Besitzer der Anschlagsäulen, ein Herr Lesscnthin, verbot die Bekanntgabe des— Themas! DaS Thema sollte nämlich lauten:„Olden- burgS Hochverrat im Reichstage." Diese private Zensur wirkt noch viel deprimierender als die polizeiliche, wirkt doppelt peinlich, lvenn der Zensor ein FreisinnSmann ist. Früher versteckte sich der Herr stets hinter der Polizei. Seit man ihm aber nach- gewiesen, daß er anderen Parteien erlaubt, was er imS verbietet. begnügt er sich damit, sich durch solche Zcnsnrstücklein selber zu dis« kreditieren. Oldenburg loird seine Freude an den? FreisiniiSmanne haben. Hans Blum. Wie auS Bern telegraphiert wird, ist Dr. Hau S Blum, der Sohn Robert Blums, der am 9. November 1848 in Wien von den siegreichen Schergen der Reaktion erschossen wurde, in Rhein- felden gestorben. Blum war 1841 in Leipzig als ältester Sohn des berühmten Freiheitskämpfers geboren. Man loeiß, daß er den politischen Anschauungen seines Vaters nicht folgte. Er war National- liberaler schlechtester Sorte, begeisterter Verehrer der Unterdrückung«» Politik Bismarcks und ein fanatischer Feind der Sozialdemokratie. die er mit den läppischesten Argumenten bekämpfte. 1867—70 war er Mitglied deS Reichstags des Norddeutschen Bundes und kandidierte später wiederholt erfolglos für den Reichstag. Seine politische Rolle war schon seit langem ausgespielte Englanc!. Die Arbeitsbörsen. London, 1. Februar. Am heutigen Tage eröffnet da« neue ArbeitSauSschuß-Departement deS HandelSamtcS feine Tätigkeit. Der Zweck des Departements ist, die S t o ck u n g e n im Arbeits- markt, die sich unabhängig von der allgemeinen Konjunktur durch schlechte Organisation des Wirtschaftslebens ein- stellen, zu beseitigen und die Arbeiter an Stellen, wo Nachfrage be« steht, hinzukeiten. Ciirltd. Reue Konflikte. Koustantlnopel, 60. Januar.'(Eig. Bcr.) Seit dem Tage der Wiederherstellung der Konstitution ist kein einziger Monat ohne Unfall für die Türkei verlaufen und immer wieder wurde die mit großen Schwierigkeiten und Opfern in Gang gebrachte Verfassungsarbeit gestört. Tic Intrigen Abdul Hamids, die mit der Konterrevolution des 13. April ihr Ende erreichten, die Ausschreitungen der Reaktionäre, häufige Ministerkrisen, die Umtriebe der Balkanmächte, der Brand des Tschiraganpalais und die mit ihm im Zusammenhang stehenden Befürchtungen, all diese Ereigmise hätten auch eine viel stärkere Macht mit besser flmkttonie- rendcm StaatsmechaniSmus in Verwirrung bringen können: es ist selbstverständlich, daß sie für die durch das abscheuliche Regime Abdul Hamids gänzlich heruntergekommene Türkei verhängnisvolle Folgen haben können. Das größte Unglück des osmanischcn Reiches ist aber die Gärung, die auss neue in Mazedonien ausgebrochen ist. Eine Zeitlang hofften die Jungtürkcn, daß nach der Prokla- mierung der Konstitution von der speziell mazedonischen Frage nicht mehr die Rede sein werde. Mit ihrer Teilnahme an der Unterdrückung der Revolte vom 13. April hatten die mazedonischen revolutionären Parteien ja deutlich gezeigt, daft sie aufrichtige Freunde der jungen Türkei sind und nicht mehr separatistische Tendenzen verfolgen. Aber bald darauf kamen aus Mazedonien Gerüchte über die Unzufriedenheit der Bevölkerung mit der Regierung, und nun haben die Banden ihre„Arbeit" wieder aufgenommen. Als äußerer Anlaß zur Erneuerung der Feindseligkeit gegen die Regie- rnng haben zwei vom Parlament angenonimene Gesetze ge- dient, und zwar das Gesetz, das die national-politischcn Orga- nisationen verbietet, und das„Banden-Gesetz", wonach die Regierung die Familien und die Eltern der Mitglieder der Banden verbannen kann. Tie Entrüstung nahm in letzter Zeit einen schärferen Charakter an, und bald werden wir wahrscheinlich durch dieselben Exzesse überrascht werden, die die mazedonische Bewegung vor der Proklamation der Kon- stitution charakterisierten. Am 3. Januar fand in Warna in Bulgarien ein Mee- ting der inazedonischen Emigranten statt, dem etwa lOlKXI Personen beiwohnten. Da die von diesem Meeting ange- nommene Resolution die Beziehungen der Mazedonier zur türkischen Regierung erläutert und ihre Tendenzen klarlegt. so ist es angezeigt, die wichtigsten Stellen der Resolution zu zitieren. Diese lauten: 1. Die Versammlung protestiert gegen die Politik der.Jung- türken, die die ethnographische Zusammensetzung Mazedoniens zu ändern strebt, indem sie es von Bulgaren entblößt und mit türkischen Auslvandcrern aus Bosnien, Bulgarien und Rußland bevölkert. 2. In Erwägung, daß die Türkei ihre völlige Unfähigkeit in bezug auf die Einführung von Reformen gczeiA hat, wünscht die Versammlung, daß die Großmächte wieder daS Protektorat über Mazedonien übernehmen und die Türkei zwi ngeu, die politischen Gesetze zu revidieren, die Verbannten zurückzurufen und alle„politischen Verbrecher" aus den Gefängnissen freizulassen. 8. Die Versammlung gibt ihrem innigsten Wunsche AuS- druck, daß auch Bulgarien durch seine energischie Intervention die Lage seiner mazedonischen Brüder bessert. Es ist selbstverständlich, daß die Entrüstung der Mozc- donier gegen die genannten Gesetze vollständig gerechtfertigt ist: es sind Gesetze, die die dunkelste Seite der Geschichte des jungen Parlaments bildeil. Aber es unterliegt keinem Zweifel, daß die Unzufriedenheit andere Formen hätte an- nehmen können, wenn die Intrigen verschiedener großer und kleiner Mächte und einiger Parteiführer nicht eine bestimmte Rolle gespielt hätten. Und daß diese Intrigen in der Tat existierten, kann man daraus schließen, daß die Mazedonier die Intervention der Großmächte verlangen, trotzdem diese Jiltervention nie ein positives Resultat gehabt hat und die Reformen immer toter Buchstabe geblieben sind. Außerdem erscheint es verdächtig, daß sich die Versammlung auch an Bulgarien wendet. Hier muß man den Einfluß jener bulgarisch-mazedonischen politischen Organisationeil vor- muten, deren Existenz nur den Zweck hat, die Politik Bul- garicns in deil mazedonischen Wilajets zu propagieren. Auf diese Weise wird die gerechte Sache der Mazedonier zur Nah- rung für verschiedene politische Abenteurer. Ties ist um so trauriger, als die türkische Regierung, wie es scheust, ihre zahlreichen Fehler, namentlich in der Behandlung der natio- nalcn Fragen, einzusehen beginnt und man vielleicht hoffen darf, daß sie den mazedonischen Forderungen entgegen- kommen und die berüchtigten Gesetze revidieren wird. Ein» solche Lösung wäre für beide Seiten sehr vorteilhaft. Maze- donien, dem die egoistischen Interventionen der Mächte keinen Nutzen gebracht haben, bekäme wirkliche Reformen und die Türkei könnte sich endlich von einer der Sorgen befreien, die ihr immer die Ruhe störten. So betrachtet wahrscheinlich die„Mazedonische dcmokra- tische Föderation" die Lage. In Saloniki finden augenblick- lich die Sitzungen des Parteiratcs statt, die sich init den Per- Wickelungen beschäftigen, die sich auf Grund der türkisch-maze- donischen Beziehungen ereigneten. Soweit wir erfahren konnten, wird der Parteirat alle möglichen Mittel ergreifen» um unter den demokratischen Elementen aller Nationalitäten Mazedoniens eine Annäherung anzubahnen und mit vereinten Kräften die osmanische Konstitution gegen Ausschreitungen der Reaktionäre zu schützen und auf konstitutionellem Wege in Mazedonien Reformen einzuführen. Es unterliegt schon jetzt keinem Zweifel, daß das einzige Mittel, um Mazedonien zu retten, in der Befestigung der türkischen Konstitution besteht. Der Sturz des neuen Regimes würde zweifelsohne den Zerfall der Türkei und auf diese Weise auch die Eroberung Mazedoniens durch eine fremde Macht herbeiführen. Deshalb müssen die maze- donischen Parteien die Gefahr einer neuen Unterjochung in Betracht ziehen, ihre anderen Sorgen, wcnigsteils zeitweilig, beiseite legen und alle Kräfte anstrengen, um die Prinzipien der Konstitution verwirklichen zu können. Dies sind jedoch nicht die einzigen Sorgen der türkischen Regierung. Der Beschluß, eine griechische National- Versammlung einzuberufen, macht auch die Kreta- frage auss neue akut. Denn es ist wahrscheinlich, daß die Kreter darauf bestehen werden, die Nationalversammlung zu beschicken, während das andererseits für die Türkei nach ihrer bisherigen Stellung einen Kriegsfall bedeutete. Es wäre die Pflicht der Schutzmächte, einem solchen Zusammenstoß vorzubeugen._ Die Beziehungen zu Griechenland. � Paris, 1. Februar. Im heutigen Ministerrat äußerte sich Minister Pichen über die durch die Krise in Griechenland ge- schaffen«» Schwierigkeiten und über die Erschwerung der Beziehungen zwislben Athen und Konstantinopel. Der Minister b«- richtete über de» Stand der Verhandlungen zwischen den Mächten. die auf eine Lösung der gegenwärtigen Schwierigkeiten im Orient vermittelst gemeinsamer Maßnahmen abzielen, Schwierigkeiten, die durch neue Ereignisse, die sich aus der Ein- berufung der griechischen Nationalversammlung ergeben'könnten, noch vermehrt werden würden. Einbernfnng der Truppen. Sofia, 31. Januar. Die diesjährigen R e k r u t e n, welche Ende März einrücken sollten, wurden für Ende Februar e i n b e- rufen. Von zuständiger Seite wird der vorzeitigen Einberufung politische Bedeutung abgesprochen. In der Ocffenrlichkcit ist aber die Ansicht verbreitet, daß die Maßnabmc mit der Einberufung von 20000 Mann türkischer Rediss zusammenhänge. Die vom hiesigen Kriegsgericht in Saloniki gefällten Todes- urteile gegen Dinga, den bekannten bulgarischen Banditen- führer, und seine Anhänger haben bei der bulgarischen Land- bevölkerung große Erregung hervorgerufen. Man droht, sich zu rächen, falls die Todesurteile vollstreckt werden. Amerika. Die LebenSmitteltencrung. Washiujstou, 31. Januar. Die Konimission für Mittel und Wege des Repräsentantenhauses faßte eine Resolution im Sinne der vom Kongreß angeregten Untersuchung über die hohen Lebensmittelpreise in den Ver- einigten Staaten. Severkfckaftttcdes. Gibt es eine KlatTenluftiz? Der jetzt lyjährige Bergmann Ulz er aus Tsiorn» d o r s im Mansfelder Revier wurde am 14. August 1907 wegen Beteiligung an einer Rauferei zu 2 Monaten Gefängnis vor- urteilt, die er aber auf Grund der Vorschriften über die be- dingte Verurteilung nur dann zu verbüßen brauchte, wenn er sich innerhalb zweier Jahre„nicht gut führte". Auf keine Weise war nun der Verurteilte während der hwci Jahre bis 1909 mit der Polizei oder dem Strafgesetz in Konflikt gc- kommen, so daß er an die Strafe gar nicht mehr dachte. Am 26. Januar erhielt er nun eine Vorladung zum Unter- suchungsrichter, weil er während des Mansfelder Streiks, an dem er beteiligt war, SammelgelderfürdieStrei- kenden eingezogen haben soll. Ulzer gab das zu. glaubte aber nicht, daß die Ausübung eines jedem Staats- bürger gesetzlich gewährleisteten Rechtes bei ihm eine „schlechte Führung" im Sinne der bedingten Verurteilung sein könne. Er hatte sich schwer getäuscht. Am 27. Januar erging an ihn die Aufforderung, binnen acht Tagen die ihm am 14. August zuerkannte Strafe von 2 Monaten im Zentral- gefängnis zu Bochum anzutreten. Also die Beteiligung an einem Streik und die Entgegen» nähme von Streikgeldern genügt, um die„schlechte Führung'' zu beweisen und dem jungen Mann die Verbüßung der zwei Monate Gefängnis aufzuzwingen. Die sofortige Beschwerde wird ja zeigen, ob diese Verfügung juristisch haltbar ist. Auf jeden Fall reiht sich dieses Pröbchcn Mansfelder Justiz den anderen bisher gelieferten Proben würdig an. Berlin und Umgegend. Die Lohnbewegung in der Herrenkonfektion. Der erfolgreich beendete Kampf bei der Firma Adalbert Stier war, wie wir schon andeuteten, der Anfang einer allgemeinen Lohn» beivegamg in der Herrenkonfektion Berlins. Am Montag abend fand nun im„Elysium", Landsberger Allee, eine öffentliche Versammlung der HerrenlonfcttionSschneider und-Schneiderinnen statt, die das erste Massenaufgebot für die Lohnbewegung bildete. Der große Saal war bis auf den letzten Platz besetzt, und man hatte seit Jahren in dieser Branche keine so zahlreich besuchte Ver» sammlung gesehen. Der Referent Kunze schilderte ausführlich und klar die gegenwärtige Situation. Der Antrieb oder Ausgangs- punlt für die Bewegung in der Beritner Herrenkonfektion ist eigentlich in Stettin zu suchen, wo die Unternehmer den Kon- fektionSschneidern bekanntlich Lohnherabsetzungen � aufzwingen wollten und damit rechneten, daß sie ihre Streikarbeit in Berlin hergestellt erhielten. Sic haben sich dabei verrechnet? die Berliner haben es rundweg al>gr lehnt, ihren Kollegen in Stettin, die nun feit 8 Wochen im Kampfe stehen, in den Rücken zu fallen. Die Kon» fcktionsschncider Stettins halten tapfer im Kampfe aus, und die Unternehmer haben sich bereits genötigt gesell«», ihren Standpunkt, die Näherinnen nicht in den Tarif auszunehmen, preiszugeben. Auch in anderen Städten des Reiches streben die Herrenkonsektions» schneider allen Ernstes eine allgemeine Regelung und Verbesserung ihrer Löhne an. So haben st« bereits in München und in Stutt- gart Lohnforderungen eingereicht. Auch in Berlin hat die Organi» sation im Auftrag« der Personale schon an eine Reihe von Firmen Forderungen gestellt. In früheren Jahren erklärten die Unter» nehmer in solchen Fällen immer, daß sie zu Zugeständnissen bereit seien, aber keinen Tarifvertrag unterzeichnen wollten: ihr Ehrenwort sollte genügen. Es hat sich jedoch in den letzten zwei Jahren, der Zeit«r Wirtschaftskrise, gezeigt, daß die betreffenden Firmen nicht daran dachten, die Tarife zu zahlen. Jetzt ist wieder eine bessere Konjunktur eingetreten, und man be- haiiptet sogar, daß Arbeitcrmangel vorhanden sei. Nun gehen die Firmen dazu über, das wieder zuzulegen, was sie früher abgezogen haben. Damit will man die Lohnbewegung, die sich jetzt entwickelt, im Keime ersticken. Verschiedene Firmen, an die Forderungen gestellt sind, haben geantwortet, daß ja noch ein Vertrag bestehe und daß dieser erst aRaufen müsse, ehe man einen neuen schließe. Die Arbeiterschaft ist wohl der Uefcrzeugung, daß bestehende Verträge gehalten werden müssen, aber nickst, daß ein Vertrag noch besteht, wenn er seit Jahren von der«inen Partei«brachen worden ist. Die Unternehmer haben kein Reckt mehr, auf die von ihnen nicht gehaltenen Verträge zu pochen. Bei dem Abschluß der neuen Ver- träge muß auch vor allem verlangt werden, daß, wo gleiche Arbeit geleistet wird, auch in allen Firmen der gleiche Lohn dafür bezahlt werde. Die Konkurrenz, die jetzt auf Kosten der Arbeiterschaft betrieben wird, muh beseitigt werden. Mögen die Herren ihre kaufina un Ischen Kenntnisse ausnützen, um miteinander zu kon- turrieren. Ein Mittel zur Herabdrückung der Löhne ist die Be- zahlung nach vielen Serien, die sich namemlich in Berlin geradezu zu einem Unfug entwickelt hat. So werden bei Hugo Hermann ein und dieselben Stücke in 9, ja in 11 Serien, also nach eben so vielen verschiedenen Akkordsätzen bezahlt. Der Chef dieser Firma erklärt seinen Kunden im Lande, wo er die billigen Waren an- preist, daß er die billigsten Arbeitskräfte in Berlin habe, und wo er seine guten Waren an den Mann zu bringen sucht, daß er in ganz Berlin die höchsten Löhne zahle. Daß dies nicht der Wahrheit entspricht, ist nachgewiesen. Von mehreren Arbeitgebern ist bei Einreickung der Forde» rungen wiederholt gesagt worden, man möge sich doch damit an ihre Organisation lvenden und mit ihr einen Tarifvertrag ab- schließen. Aber die Voraussetzung dazu ist. daß auf Arbeitgeber» seite eine vertragsfähige Organisation besteht. Ihre Organisation hat sich wohl stets bereit erklärt, mit dem Schneiderverbaud zu verhandeln, jedoch wenn wirklich etwas dabei herauskommt, Pflegen die Herren den Rat zu geben:„So, nun gehen Sic in alle Ge» schäftc und fragen Sie an, ob man den Tarif anerkennt." Eine solche Tarifverbandlung mit der Untcrnehmerorganikation hat keinen Zweck und wäre nur Zeitvertcödelung. Wenn eine Arbeit- gcberorganisation Tarife abschließen will, muß sie selbstverständlich auch den Wille« und die Macht haben, die Tarife bei ihren Mit» gliedern zur Geltung zu bringen. Da da« in der Herrenkonfektion Berlins nicht der Fall ist, muhte die Arbeiterschaft die dahin» gehenden Wünsche der einzelnen Arbeitgeber von vornbercin ab» lehnen. Es ist in der letzten Zeit bereits mit den Firmen S. Adam und Machol u. Lew in über den Abschluß eines Tarifvertrages verhandelt worden, ein« Einigung ist jedock dort noch nicht erzielt. Dagegen hat bekanntlich die Arbeiterschaft der Firma Adalbert Stier durch ihr» einmütige Arbeitsniederlegung die tariflich« Regelung und Verbesserung ihrer Lohn- und Arbeitsverhältmss« errungen. Der Redner legte im einzelnen dar, welchen guten Erfolg der Streik gebracht hat. Der„Vorwärts" hat ja bereiis am Dienstag das lvichiigste auS diesen Vereinbarungen mitgeteilt. Es sei noch hervorgehoben, daß der Akkordtans für die Herrenkonsektions« schneider am 1 5. A p r i l in Kraft tritt und daß inzwischen auf die einzelnen Stücke Lohnzuschläge von 50 Pf. bis zu 1 M. gezahlt werden. Daß die Näherinnen wie auch die Bügler mit in die Ver- einbarnngen aufgenommen sind, entspricht nur einer Forderung. die grundsätzlich überall gestellt werden muh. Da? gleiche gilt von der Ertravergütung für Mehrarbeit, wie die unter anderem bei zweireihigen Sachen vorkommt, sotvie von der Bezahlung der Maßarbeit nach dem Maßschneidertarif. Es kommt häufig vor. daß Sckmeidermcister in der Provinz, die ihren Arbeitern den Tarif nicht zahlen wollen, ihre Maßarbeit nack Berlin schicken an die großen KonfektionSfirmen, die sie dann durch ihre Arbeiter billiger herstellen lassen. Diesem Verfahren muß, wie bei Adalbert Stier, überall ein Riegel vorgeschoben werden. Daß die Firma ihren im Wochenlohn beschäftigten Arbeitern Sommerferien zu- gestanden hat, ist nichts Außerordentliches, denn eine derartig» Vergünstigung ist auch schon vei anderen Firmen eingeführt. ES hat bekanntlich einlge Tage gedauert, bis sich Herr S t l e r zu Ver- Handlungen bereit fand. Er war zuerst verreist, und sein Vor- treter, der erste Konfektionär des Geschäfts, äußerte, daß, wem, die Arbeiterschaft auf ihren Forderungen bestehe, die Sache dem Arbeitgeberverband gemeldet werden solle, und dann könne es den Ltonfehionsschneidern Berlins ebenso ergehen wie ihren Kollegen in Stettin. Der Arbeitgcberverband hat sich aber wohlweislich der Firma Stier nicht in dieser Weise angenommen. Hätten aber die Arbeitgeber wirklich hier eine allgemeine Aussperrung vcr- anstaltet, so hätte eben die Arbeiterschaft den Kampf auf der ganzen Linie aufgenommen, und man wäre wahrscheinlich mit der ganzen Lohnbewegung in der Herrenkonfektion schon ein gut Stück weiter, als es jetzt der Fall ist. Der Redner ließ keinen Zweifel darüber, daß überall dort, wo die Geschäftsinhaber sich den Forderungen der Arbeiterschaft gegenüber taub stellen, die Kraftprobe cnt- scheiden wird, wer der Stärkere ist. Der lebhafte Beifall der Versammlung sowie die Diskussion zeugten dafür, daß die Arbeiter und die ebenfalls zahlreich ver- rretenen Arbeiterinnen der Herrenkonfektion diese Bewegung mit ganzer Kraft durchführen werden. 5um Streik der Kutscher und Lagerarbeiter bei der Firma A. Gutschow, Mehl und Landesprodukte, ist zu berichten, daß die Firma versucht, mit Unterstützung des Bolleschcn Arbeitgebervereins, sowie durch Annoncen in bürgerlichen Blättern, Ersatzkräfte zu finden. Mit dei, angeworbenen Arbeitskräften ist die Firma nicht entfernt imstande, die erforderlichen Arbeiten bewerkstelligen zu können, zu- mal dieselben eine große körperliche Anstrengung erfordern, da es sich uin Stapeln und Abtragen von zwei Zentner schweren Säcken handelt. Die Vcrbandsleitung hat ,m Laufe deö gestrigen Vor- mittags versucht, zwecks Beilegung der Differenzen mit Herrn A. Gutschow zu verhandeln. Die beiden Vertreter des Ver- bandes wurden aber von Herrn Gutschow in brüsker Weise abge- wiesen. Er erklärte, daß er allein über die Angelegenheit vcr. fügen müsse und froh sei, daß er die alten Arbeiter los wäre. Er hätte nur den einen Wunsch, daß die Verbands. Vertreter den Streikposten sagen möchten, daß sie sich nicht mehr auf der Straße vor seinem Betriebe aufhalten möchten. Diesen Gefallen konnten die Verbandsvertreter Herrn Gutschow natür- lich nicht tun. Anstatt ihren Arbeitern, tvelche zum Teil schon jahrelang im Betriebe tätig waren und zu dem Wohlstand der Firma durch ihre Arbeitskraft wesentlich beigetragen haben, ein Entgegenkommen zu zeigen, umgibt sich die Firma mit Polizei- lichem Schutz. Vor dem Betriebe sind zwei Schutzleute in Uni- form postiert, außerdem patrouillieren in der Nähe des Betriebes etliche Kriminalschutzleute auf und ab. Selbst der Leutnant und der Wachtmeister des Reviers haben am gestrigen Tage den Be- trieb mehrmals inspiziert. Den Streikposten wird dadurch ihr gesetzliches Recht, die Arbeitswilligen vom Betriebe fernzuhalten, erschwert. Im Laufe des Tages lvurden die Streikposten von den Schutzleuten wiederholt aus der Nähe des Betriebes fortgewiesen und mit Arretierung bedroht. Zu dem Ausbruch des Streiks selbst ist noch zu bemerken, daß den Arbeitern und Kutschern anläßlich einer Lohnbewegung vor einigen Jahren seitens der Firma das Zugeständnis gemacht worden ist, daß den Lagerarbeitern ein An- fangslohn von 25 M. gezahlt werden soll. Der Lohn soll dann innerhalb einer Beschäftigungsdauer von 1 Jahr sich auf 2g M. beziffern. Den Kutschern wurde ein Anfangslohn von 26 resp. 23 Mark versprochen bis zu einem Höchstlohn von 36 M. Im Laufe des letzten Jahres, während der Krise, hat die Firma ihr Ver- sprechen aber nicht gehalten. Die Anfangslöhne wurden um 1 bis 2 Mark pro Woche reduziert. Durch das Vorgehen der Firma fühlten sich die Arbeiter in ihrer Existenz bedroht und richteten vor Weihnachten an die Firma das Ersuchen um Aufbesserung der Löhne. Die Firma bewilligte aus diesem Anlaß auch jedem Ar- bciter pro Woche 1 M. Zulage. Mit dieser Zulage erreichten aber immerhin die Löhne der zuletzt eingestellten Arbeiter nicht die Höhe, die sie früher hatten. In einer Betriebsversammlung wurde daher die Frage erörtert, ob es Nicht angebracht sei, daß die Vertrauens- lcute vor Ostern nochmals vorstellig werden möchten, damit die Löhne wieder auf ihren alten Stand gebracht würden. Dies war Herrn Gutschow zur Kenntnis gelangt. Daraufhin wurde der Vertrauensmann nach dem Kontor beschicken und ihm bedeutet, wenn die Aufwiegeleien im Betriebe nicht aufhörten, würde er entlassen werden. Die Entlassung fand daraufhin am nächsten Tage statt. An einen Kutscher, der hcreits 22 Jahre in dem Be- triebe tätig ist, wurde zu gleicher Zeit das Ansinnen gestellt, er möchte aus dem Verbände austreten, wenn er seine Stellung nicht verlieren wolle. Unter Hinweis auf seine langjährige Mitglied- sckzaft und seine dadurch erworbenen Rechte lehnte der Kutscher dieses gesetzwidrige Ansinnen der Firma ab. Aus alledem geht hervor, daß der Streik der Arbeiter bei der Firma Gutschow ein vollberechtigter ist und werden die Kutscher sowie die Arbeiter- schaft Berlins gebeten, die Streikenden in ihrem Kampfe in jeder Hinsicht moralisch zu unterstützen. Oeuttebes Reich. Erfolgreiche Lohnbewegung in der Stettiner Konfektion. Die Aussperrung in der Stettiner Konfektion ist mit einem vollständigen Siege für die beteiligten Arbeiter und Arbeiterinnen beendet. Nachdem das erste Angebot der Konfektionäre abgelehnt worden war, sind auf Veranlassung des Oberbürgermeisters Dr. Ackermann die Verhandlungen mit dem Vorstand des Arbeitgeberverbandes am 27. Januar weiter geführt worden. Am Sonnabend, den 2g. Januar, waren die Verhandlungen so weit ge- diehen, daß das Resultat den Ausgesperrten am Montag, den gl. Januar, zur nochmaligen Abstimmung unterbreitet werden konnte. Das Resultat war: Erhöhung ver Stücklöhne des alten Tarifs um 5 Proz., Erhöhung der Löhne für Dutzend-Anzüge der Knabenkonfeltion(die In der DebaHs bestritten die Liberalen die Richtigkeit de? gegen den Arbeitsnachweis vorgebrachten Materials, besonders wurde der Inhalt der in einem christlichen Gewcrkschastsverlag er- schienenen Broschüre: Aus der Gcheimpraxis eines Unternehmer- Nachweises" als verlogen hinbestellt. Den Verteidigern der Scharf- macherpraktiken des Nachweises wurde jedoch von den sozialdemo- kratischen Rednern an der Hcuid eines unumstößlichen Materials heimgeleuchtet. Die Abstimmung ergab schließlich die Annahme des sozial- demokratischen Antrages gegen die Stimmen der liberalen Stadt- ratsfvaktion.-_ Der Protest Berlins. Am Abend desselben Tages, da die konservativ-ultra' montan-nationalliberal-antisemitische Mehrheit des Reichs' tags den Präsidenten stützte, der den Herrn v. Oldenburg deckte, gab das Proletariat Berlins auf die freche Heraus- forderung des Januschauers die rechte Antwort. In drei großen überfüllten, polizeilich abgesperrten Versammlungen hat die Arbeiterschaft der Reichshauptstadt den staatsstreichlüsternen Junkern gesagt, daß die Rechte des Volkes gedeckt werden durch die kampfbereite Arbeiterklasse. Und mit den Massen in den Versamnilungen ivaren im Geiste eins die vielen Tauseiide, die keinen Einlaß mehr finden konnten und in dichten Scharen die Straßen in der Nähe der Lokale auf- und abwogten. Die Empörung und die entschlossene Stimmung der De monstranten fand in der Resolution Niederschlag, die in den drei Versammlungen einstimmig angenomnicn wurde. Sie lautet: Die heutige Volksversammlung spricht ihre tiefste End rüstung über die verbrecherischen Absichten aus, welche Herr v. Oldenburg-Januschau unter dem Beifall und der Zustimmung der herrschenden Junkerkaste in der Rcichstagssitzung vom 2V. Januar geäußert hat. Die Versammelten sind sich darüber klar, daß den preu- ßischen Junkern jeder Rechtsbruäi, jede Gewalttat und jede Verfajsungsverletzung zuzutrauen ist, sie wissen aber auch, daß an dem festen Willen des arbeitenden Volkes diese Absichten elend zerschellen müssen. Den Zusammenhalt der Arbeiterschaft zu stärken, die wenigen Volksrechte in den bevorstehenden schiveren Kämpfen zu verteidigen, ist die erste Pflicht aller freiheitlich denkenden Elemente im deutschen Volke. Dies geschieht am besten, wenn die versammelten Männer und Frauen den politischen und gewerkschaftlichen Organi- sationen der modernen Arbeiterschaft beitreten, die sozialdemo- kratische Presse lesen und verbreiten. Die Versammelten versprechen, all ihr Können dahin ein- zusetzen, um jederzeit gegen junkerliche Frechheiten und reak- tionäre Gewalttat gerüstet zu sein. Ueber den Verlauf der Kundgebung ist im einzelnen zu melden: Im Norden Berlins trömten die Genossen in dickten Scbaren nach den„PharuS- Sälen", Milllerstraße. Um>/-8 Uhr war der obere Saal sckon polizeilich abgesperrt. Die Tücke wurden herausgebracht, die Bühne und die kleine Galerie waren dicht besetzt und nicht ein Stehplatz war mehr frei; über 2000 Personen drängten sich da. Die Genossen nahmen schnell entschlossen den eine Treppe hoch gelegenen Saal zu Hilfe, der sich sofort mit den oben Zurück« gewiesenen füllte und von mehr als 1000 Personen besetzt wurde. Drei Polizisten wehrten den Andrängenden den Zutritt. Die zurückgedrängte Masse versammelte sich auf dem Hofe und bald auch aus der Straße immer stärker a». Die mächlige Vollsver- sammlung flutete über und konnte die Massen nicht mehr aufnehmen. Als Ledebour den Saal betrat, wurde er stürmisch begrüßt; ein dreimaliges Hoch wurde dem Abgeordneten des 6. Kreises ausgebracht. Seine Rede wurde oft von stürmischem Beifall unterbrochen, als er die bekannten Vorgänge im Reichslage schilderte und die schärfste Kritik daran übte. Er erinnerte auch an das Wort, nach welchem der Soldat auf Vater und Mutter schießen müßte, wenn es ihm befohlen würde. Als er den Geist charakteri- sierte. der in der Armee herrscht, gedachte er unter großer Heitertest der Versammelten auch des Hauptmanns von Köpenick Mit ernsten Worten forderte er dazu aus, stets auf der Wacht zu sein, um des Volles Rechte zu schützen.— Im unteren Saal« hielt Genosse Wels an die versammelte Menge eine kernige Ansprache, der eine Diskussion folgte. Die Redner hielten mit ihrer Verurteilung der allzu frech werdenden Junkersippe nicht zurück. Und eine dritte Versammlung war notwendig geworden, so drängte sich die Menge heran. Der Parterresaal wurde schnell zum Ver- sammlungslokal eingerichtet, wo Genosse Dr. Oskar Cohn sprach. Mit donnernden Hochs auf unsere Partei und unter dem Singen von Arbeiterliedern wurden die Versammlungen geschlossen. Die Menge strömte hinaus und zog in kurzen, aber dichten Zügen vie Müllerstraße entlang nach dem Wedding zu. Vor den Pharussälen war die Polizei zurückhaltend und forderte in höflicher Weise zum Weitergehen auf, was auch gern befolgt wurde. Man ließ die Menge singen und in Zügen weitergehen. Das änderte sich aber bald, je näher man nach dein Wedding kam. Die Polizei wurde nervös; dickte Schutzmannsketten sperrten die Müllerstraße ab und die Massen stauten sich. Immer mehr Polizei wurde sichtbar, Unruhe kam da- durch in die Menge und am Wedding wurde die Schutzmannskette durchbrochen; es kam zu mehreren Zusammenstößen. Nach der Straße Unler den Linden zu hatte man zahlreiche Schutzmanns- rc iTc--- 1.■— 1.--------.... i-iiicl ueu ciuucu INI quiie man zamreune esaiuvinanns- Erhohung betragt m der Knabenkonfektron pro Dutzend 60 Pp). ausgcbote postiert, an der Luisenstraße, an der Weidendammer-Brücke Erkmhiinn und tarlilirde �eNleauna der Lnfin- fur SSnfon und„„j, am Gleisten am Bahnhos Friedrichst" �'«—«■—----- dickten Scharen und harrten der Befehle. Bei Keller. Schon lange vor Beginn der Versammlung im Kellerschen Etablissement in der Koppenstraße waren der geräumige Saal, die Galerien, die Bühne bis in den äußersten Winkel von einer dicht» gedrängten Menge gefüllt. Doch nur eine» kleinen Teil der pro- testierenden Volksmaffen vermochte das Lokal zu fassen. Nadhdem die Polizei das Lokal abgesperrt hatte, erschienen nach und nach Taufende, die keinen Einlaß mehr fanden und sich, der poli- zeilichen Aufforderung folgend, meist sogleich wieder entfernten. Trotzdem hielten sich während der ganzen Dauer der Versammlung große Menschenmajscn vor den Schutzinannsketten auf, welche die Koppenstraße an der Frankfurter Allee sowie an der Rüders- dorferstraße absperrten. Wer diese Volksmassen sah, die sich an der Demonstration gegen junkerliche Staatsstreichgelüste beteiligten, mußte überzeugt sein, daß der Wille des Volkes denn doch eine stärkere Macht ist, als ein Leutnant mit zehn Mann, der auf einen Wink von oben bereit sein soll. Recht, Gesetz und Verfassung mit Kommißstrefeln niederzutrampeln. Ebenso bezeichnend wie die Aeußeruna des Janusckauer Junkers ist es für die bei uns Herr- sehenden Zustände, daß die Polizei auch bei dieser Gelegenheit in ungewöhnlich starker Zahl zur Stelle war und sich bereit hielt, eventuell vorzugehen gegen die Volksmassen, welche nichts anderes verlangen, als daß Gesetz und Verfassung geschützt werden vor den Umsturzgelüsten einer frechen Junkersippe. Den Empfindungen der Massen gab Genosse Singer beredten Ausdruck. Die Verhöhnung des Reichstags sei nicht aufzufassen als eine persönliche Entgleisung des Herrn v. Oldenburg, sondern als die wahre Meinung seiner Partei und der herrschenden Klassen. Von diesem Gesichtspunkt betrachtet, habe die bekannte Acußerung eine hervorragende Bedeutung, die weit über die Kreise unserer Partei hinaus gewürdigt worden sei. In keinem anderen Parlament hätte eine so unerhörte Drohung mit dem Staatsstreich, eine solche Verhöhnung des Parlaments ausgesprochen werden dürfen, ohne daß sie der Präsident in schärfster Weise gerügt haben Erhöhung und tarifliche Festlegung der Löhne für Hosen und und am meisten am Bahnhof Friedrichstraße; dort standen sie in Westen für die von den Konfektionaren direkt beschäftigten Bugler und Näherinnen. Der Tarif gilt bis 30. Juli 1913. Diese Ver- einbarungen sind am Montag in 2 Versammlungen, die zusammen von über 1790 Schneidern und Schneiderinnen besucht waren, fast einstimmig angenommen worden. Am Dienstag findet die For- mulrerung des Gesamtvertrages und die Unterzeichnung am Gc- Werbegericht statt, und am Mittwoch soll die Arbeit wieder auf- genommen werden.— Dieser Kampf erlangte eine besondere Be- deutung dadurch, daß die Unternehmer den Tarif kündigten, den Arbeitern nachdem einen wesentlich reduzierten Tarif vorlegten, und als die Arbeiter diesen nicht anerkannten und dem verschlech- tertcn Tarif eine tariflose Zeit vorzogen, wollten die Unternehmer durch eine Aussperrung die Anerkennung ihres Tarifs erzwingen. In zweimonatigem, hartnäckigem Kampfe schlugen die Aus- gesperrten nicht allein dieses Ansinnen erfolgreich ab, sondern sie errangen auch noch die genannten Erfolge. Nicht zuletzt galt auch der Kampf der tariflichen Festlegung der Löhne für die Bügler, be- sonders aber für die Näherinnen, die die Unternehmer durchaus nicht anerkennen wollten. So standen in diesem Kampfe die Ar- bciter im Ausstande, um die tarifliche Festlegung der Arbeite- rinnenlöhne durchzusetzen. Beteiligt waren an der Aussperrung V58 weibliche und 770 männliche Mitglieder des Schneiderver- bandes; dazu kam noch eine kleinere Anzahl Hirsch-Dunckerscher. Gesten den Arbeitsnachweis der Scharfmacher. In der Montagssitzung des Stadtrats in Ludwigshafen stand der vor kurzem zur Prüfung der Kompetenzfrage an eine Kommission verwiesene Antrag der sozialdemokratischen Fraktion betreffend den Jndustriellen-Arbeitsnachweis zur Debatte. Durch den Antrag sollte die Stadtverwaltung beauftragt werden, an den Landtag eine Petition einzureichen, in der auf die Schädigungen der Gemeinden durch den Arbeitsnachweis der Industriellen auf- merksam gemacht und verlangt wird, daß die Regierung landes- gesetzlich oder durch ihre Vertretung im Bundesrat dahin wirke. baß von Reichs wegen nur noch Arbeitsnachweise auf paritätischer Grundlage gestattet werden sollen. wurde. Daß im Deutschen Reichstage nicht der Verächter der Ve» fassung, sondern der, welcher gegen die Verhöhnung von Recht und Gesetz protestierte, zur Ordnung gerufen wurde, und daß selbst die Mehrheit des Reichstages diesen Ordnungsruf billigte, das jec kennzeichnend für unsere Zustände. In seinen weiteren.lusfüh» rungen beleuchtete Genosse Singer die allgemeine politische Situa- tum und zeigte, daß Rechtlosigkeit und Unterdrückung in jeder Form nur durch den Befreiungskampf des klassenbewußten Prolc- tariats endgültig beseitigt werden können. �__ In der Diskussion sprach Genossin Rosa Luxemburg. Sie bezeichnete die Acußerung des Januschaucrs als revolutionär in dem Sinne, wie Lassalle sagte: Aussprechen tvas ist, das ist revo- lutionär! Herr v. Oldenburg hat ausgesprochen, was die herrschen- den Klassen denken. Reckt und Verfassung zu brechen, ist ihre Ab- ficht.. Das klassenbewußte Proletariat lvird für die Verfassung kämpfen, wenn sie verschlechtert werden soll, es wird mit der Ver- fassung kämpfen, soweit sie uns Raum gibt zur Betätigung, und es wird gegen die Verfassung kämpfen, lvenn sie so gestaltet werden sollte, daß sie eine Fessel der Volksrechte wird. Die temperamcnt- vollen Ausführungen entfesselten ebenso wie die kernige Rede Sin« g e r s stürmischen Beifall. Auf der Straße vereinten sich die heimkehrenden Versamm« lungsbesucher mit den Massen der draußen Harrenden. Es kam zu spontanen Kundgebungen. Donnernde Hochrufe auf das freie Wahlrecht wurden ausgebracht. Machtvoll er- tönte die Arbeiter Marseillaise. Unter ihren Klänger» zog die imposante Masse die Stoppsnstraße entlang, vorbei an dichten Schutzmannsketten, die den Zugang nach dem Stadtinnern abspcrr» teil. Ein anderer Zug, mehrere tausend Teilnehmer zählend, ging durch die Friedensstraßc. Am Landsberger Tor warf sich die Polizei der Meuge entgegen, zer st reute sie unter Faust schlüge n iiud»ahm mehrere Sistierungen vor. In der Hasenheibe. Schon von 7 Uhr ab strömten Männer und Frauen sti immer stärkeren Massen nach Schnegelsbcrgs Festsälen in der Hasenheide. Der Saal war viel zu klein. Obwohl Tische und Stühle hinausgebracht lvaren und die Menschen dicht gedrängt an- einander standen, war der immerhin große Saal schon um%7 Ilhr dermaßen voll, daß die Polizei absperrte. Der Riesensaal der „Neuen Welt" hätte nicht ausgereicht, die Massen zu fassen.(Ec war übrigens wegen des Bockbicrtrubels für die Versammlunz nicht zu haben gewesen.) Unzählbare Massen fanden keinen Ein- laß mehr. Sie toartetcn teils den Schluß der Versammlung ab, geduldig auf der Straße auf und ab gehend, teils gingen sie auch ihrer Wege. Die Rixdorfcr Genossen hatten ja am selben Abend die Generalversammlung ihres Wahlvereins und sie begaben sich meist dorthin, nachdem sie sahen, daß sie bei Schnegelsbcrg keinen Einlaß mehr finden konnten. Hier begann die Versammlung pünktlich 3 Uhr. In einer kräftigen, von Empörung über die junkerliche Frechheit, wie über die traurige Haltung der bürgerlichen Mehrheit bis zu den Ratio- nalliberalen durchbebtcn Rede schilderte hier der Reichstagsabgc- ordnete Zubeil die bekannten Vorgänge im Reichstag. Er sagte unter anderem von den Junkern: Diese Herren sind weit abgc- brühter als der ungebildetste Arbeiter. Die Reichstagsmehrheit aber läßt es geschehen, daß derjenige, der den Reichstag und die deutsche Nation beschimpft, der auch den Kaiser nicht schont und ihn zum Hochverrat verleiten will, leer ausgeht, während unfern» Genossen Ledebour, der gegen diese Unverschämtheiten protestiert und die Würde des Reichstags zu wahren sucht, ein OrdnungSriif erteilt und aufrecht erhalten wird. Der Redner schilderte, wie die Mängel unserer Verfassung dem Staiser, der ja eigentlich nur der Bundespräsident des Reiches ist, sowieso schon eine übermäßige Macht gibt, und wie die Speichelleckereien des Bürgertums, auch des freisinnigen, dem Manne den Gedanken beibringen müssen. daß er eine über alle erhabene Person sei. Der Redner erinnerte an Worte, wie die vom Schießen auf Vater und Mutter, und zeigte, wie sich auf diesem Hintergrund jene junkerliche Frechheit ent- wickelte, wie sie bisher, wenigstens im Reichstag, unerhört war. Dagegen muß sich das Volk immer fester zusammenschließen. Mit einem Hinweis auf den preußischen Wahlrechtskampf und der Auf- forderung an die Massen, auf dem Plan zu fein, trenn der �luf- ruf an sie ergeht, schloß der Redner seinen Vortrag, der stürmischen Beifall fand. Einige Diskussionsredner unterstrichen das Referat. Auf der Straße war die Schutzmannschaft von Anfang an zahl- reich vertreten. Die Versammlung leerte sich in aller Ruhe. Wenn auch viele bei der angenehmen Witterung sich noch eine Weite auf der Straße aufhielten, so gaben sie doch der Polizei keine Vcran- lassung. einzuschreiten. � Zu einem gewaltigen Protest gestaltete sich auch die ungemein starl besuchte Generalversammlung der Rixdorfer Genossen bei Hoppe, Hermannstratze. Vorsitzender Scholz gab eingangs der Versammlung eine knappe Schilderung der Vor- gänge im Reichstage und verlas im Anschluß hieran die Mitteilung aus den Abendblättern, wonach die Reichstagsmehrheit den Protest Ledebours gegen den unerhörten Ordnungsruf des Präsidenten zurückgewiesen hat. Folgende Resolution wurde einstimmig an- genommen:„Die heutige Generalversammlung protestiert auf das energischste gegen das empörende Verhalten der Junker� im Reichstage und bedauert aufs tiefste, daß ei» Reichstagspräsident eine solche Beschimpfung deö Reichstags zuläßt und auch noch fernerhin mit Unterstützung der reaktionären Mehrheit als Präsident dem Reichstage vorstehen kann. *•* Bei den Zusammenstößen der Polizei mit den Demon» stranten im Norden ist es an einigen Stellen zu brutalem Vorgehe» einiger Schutzleute gekommen. Ueber einen Fall wird uns berichtet: An der Ecke der Müller-, Schulzendorfer- und Sellcrstraße hat der Schutzmann Wanna>v Ski eine Frau, die mit einen» 3— 4jährigen Kinde über den Straßcndamm ging— sie hatte nicht an der Versammlung teilgenommen und befand sich nicht im Haufen der Demonstranten— heftig geschlagen. Herzzerreißend war das Geschrei des Kindes, das immer wieder rief:„Meine Mama soll nicht geschlagen werden I" Einem Arbeiter, der der Frau zu Hilfe kam und gegen das Schlagen protestierte, wurde von den Schutzleuten das Gesicht blutig geschlagen. Der Anwesenden bemächtigte sich eine wude Empörung. Leidenschaftliche Ausbrüche gegen die Schutzleute wurden laut._ Letzte Nacbncbtcn und Dcpcrcben. Julius Bierbaum t- Dresden, 1. Februar, Heute abend 7 Uhr ist hier der Dichter Otto Julius Bierbanm im Alter von 44 Jahren an Herzlähmnng gestorben._ Aus der belgischen Deputiertenkammer. Brüssel, 1. Februar.(W.T.B.) Die Kammer ttat heute wieber zu- sammen und behandelte die sozialistische Interpellation betreffend die durch den französischen Zolltarif vorgeschlazene Kopfsteuer für die in Frankreich beschäftigten belgischen Arbeiter. Vertreter aller Parteien protestietten gegen die geplante Belastung und forderten die Re- gicrung auf, Schritte zu tun, um deu drohenden Schaden abzuwendr». Opfer seines Berufs. Meuselwitz. 1. Februar.vie er lebte. Sein Optimismus, seine nüchterne Lebensphilosophie und sein feiner, nobler Eharalter halfen ihm leicht über olle Klippen des Lebens hinweg. Und leicht und schmerzlos ist er aus dem Leben geschieden. einzigen und echten Bohßme war kein Stadlbohßme, nicht Ueberzieher und den armen die Einigung lvicdcr herzustellen, waren vishcr ergebnislos. So sehr im Interesse der in Berlin immer noch von mächtigen Faktoren verfemten sezessiontstischen Kunst ihre Einheit zu wünschen lväre, so ist doch ohne weiteres klar, daß sie nur auf demokratischer Basis zu erhallen ist. — Südpolarexpeditionen in Sicht. In einer in London abgehaltenen Versammlung der Wissenschaftlichen Ver- einigung für Geographie und Naturkunde hielt Kapitän Scott einen Vortrag, in dem er seiner festen Hoffnung Ausdruck verlieh, den Südpol bis znin 22. Dezember 1911 sicher zu er- reichen, wenn alle seine Pläne ohne Unfall ausgeführt werden könnten. Eine neue große Excdition noch dem' südatlantischen und antarktischen Ozean unter der Führung des UniversitätS- sekretärs Nagel wird in nächster Zeit von Washington abgehen. Die Idee geht von dem Präsidenten des amerikanischen Museums für Naturwissenschaften aus. Dieser erhielt von glaubwürdigen See- sahrcrn die Nachricht, daß ans gewissen Inseln deS südatlantischen OzeanS große Herden von Seehunden sich befinden und zwar in so großer Anzahl, daß die Expedition durch die Ausbeutung dieser Tiere schon einen gewissen kommerziellen Erfolg verspreche. Im antarktischen Ozean gibt es vier Sorten von Walfischen, die in großer Anzahl auftreten sollen. Ebenso sei das Meer hier reich an See- elephanten.(Die Tierwelt der Antarktis wird also auch bald aus- gerottet sein tiud noch dazu durch die Anregung eines Natur, vis m- schaftlerS.) — D i e Tote»liste von Messina. Die ersten offiziellen Zahlen über die Opfer der großen Katastrophe von Messina werden jetzt in der„Gazzetta di Messina e delle Calabrie" veröffentlicht. Bis August 1909 waren auf den Beerdigungsplätzen Messinas 27 524 Tote beigesetzt worden. Die Zahl der Leichen, die noch ungeborgen unter den Trümmern liegen, wird amtlich ans 32 477 geschätzt. Für die Provinz Calabrien lauten die Zahlen: Im Kreis Gcrace 12 Tote, in der Umgebung von Palnu 1734, in anderen Dörfern 44, in Reggio 7057, in San Giovanni 1092, in Gallico 963, in Pellaro 922, in Eannitello 650 und in den übrigen Gemeinden 6424. Die Gesamtzahl der Opfer deS Erdbeben? beträgt nach dieser amtlichen Aufstellung 77 233 Tote. Beim Aufruf der einzelnen Paragraphen ergreift daZ Wort Abg. Prinz zu Schonaich-Carolath(nntl.): Der Vertrag ist ab- geschlossen mit dem Vertreter„Sr. allerchristlichstcn Majestät"! Dieser Titel ist 1830 dem König von-- Frankreich verliehen Heiterkeit), also ist der Vertrag mit dem Vertreter eines Königs abgeschlossen, der nicht existiert, wenn es nicht der Vertreter des Herzogs von Orleans war.(Große Heiterkeit.) Der spanische König hat den Titel erhalte»:„Allerkarholisch st erKönig" (Heiterkeit) und der portugiesiche:„rsx ki d s 1 1 s l i m u e/: Seine allgetreueste Majestät.(Heiterkeit.) Ich erwähne das, um zu zeigen. wie notwendig eine genaue Uebersegung ist, und auch um zu beweisen, daß es im Deutschen Reichstage Leute gibt, die diese Unter« schiede kennen und würdigen.(Stürmische Heiterkeit.) Staatssekretär v. Schoeu: Das„tibs fidele" des französischen Textes sollte nicht„allergetreuester" bedeuten, sondern glaubenstreue st er(Heiterkeit), was wohl durch«Aller- christlichster" getroffen wird.(Heiterer Widerspruch.) Hierauf wird der Vertrag mit knapper Mehrheit angenommen. Es folgt die Fortsehung der zweite» Beratung des Etats für die Schuttgebiete. Abg. Licbert(Rp.): Herr Noske behauptete gestern, mit Maschinengewehren seien die Eingeborenen geradezu niedergemäht. Gegen Maschinengewehre scheinen die Herren Sozialdenivkraten eine besondere Abneigung zu haben. Aber die afrikanischen Zustände dar man mit den heimischen nicht vergleichen. Jeder Deul,che mutz sich über die Entwickelung der Kolonien freuen, die wir dem Ausbau des Bahnsystems verdanken. Abg. Ledebour hat einem Kollegen die Teilnahme an einer koloniale» Akliengesellschaft vorgeworfen. Auch ich bin Aktionär einer solchen Gesellschaft.(Hört l hört I bei den Sozialdemokraten.� Es ist aber ein großer Unterschied, ob man Aktionär einer kolonialen oder einer sonstigen Akliengesellschaft ist. Die Teilhaberschaft an einem kolonialen Unternehmen ist eine gemeinnützige, patriotische Tätigkeit.(Lachen bei den Sozialdemokraten.) Auch die christlichen Neger trennen sich schwer von der all- gewohnten Vielweiberei. Man mutz da etwas nachsichtig sein. Alt eingewurzelte Sitten lassen sich nicht auf einen Schlag beseitigen. Es ist wahr, datz der Islam größere Fortschritte macht als das Christentum. ES kommt oft vor, datz ganze Stämme mit ihren Häuptlingen zum Islam übertreten; von einem solchen Massen- übertritt zum C h r, st e n t u m habe ich nie etwas gehört. Sehr zu warnen ist davor, die Mischlinge von Weißen und Schwarzen als Weiße zu behandeln; sie müssen als Farbige behandelt werden. denn sonst geht der Respekt vor der weißen Rasse verloren! Abg. Dr. Goller(frs. Bp.): Harmonisch arbeiten Reichstag und Kolonialverwaltung zum Wohle unserer Schutzgebiete zusammen. Der Kampf gegen den Islam. wie ihn das Zentrum— von seinem religiösen Standpunkt aus mit Recht— verlangt, kann von uns nicht gebilligt werden. Bei aller Anerkennung der Verdienste der Missionen, speziell auch der katholischen, müssen wir es ablehnen. Kolonialpolitik vom Missionarsstandpunkte zu treiben. Wollen die Missionare ihre Hände nach der Schule ausstrecken, so muß es heißen: Bis hierher und nicht weiter l(Lebhafte Zustimmung links). In Südwestafrika waren die christlichen Eingeborenen im Aufstande gerade solche Scheusale wie die anderen. England hütet sich auf Grund böser Erfahrungen sehr wohl, in die religiösen Ver- Hältnisse Indiens einzugreifen. Ich kann den Staatssekretär nur dringend bitten, auf strenge religiöse Neutralität bedacht zu fein.(Lebhaftes Sehr richtig I links.) Der Bahnpolitik des Staatssekretärs stimmen wir zu. Das Tschadscegebiet mutz erschlossen werden. Hier hat beim Militäretat ein temperamentvoller Herr einen kräftigen Schrei nach dem Tierarzt ausgestoßen.(Große Heiterkeit.) Der Herr erwirbt sich große Verdienste, wenn er diesen Ruf in den Kolonien ausstößt..Dort fehlt cS nämlich an Tierärzten. (Heiterkeit.) Ich komme jetzt zum Kamel.(Große Heiterkeit.) Dies nützliche Tier muß in Südwestaftika recht heimisch gemacht werden.(Heiterkeit.) Weil das Kamel aber kein Zwitter ist, so mutz dafür gesorgt werden, daß auch Kamele vom schönen Geschlecht da find.(Schallende Heiterkeit.) Staatssekretär Derndurg: Gegen die Vielweiberei der Neger ist eine Verfügung ergangen. doch kann ich nicht verhehlen, daß diese Verfügung böses Blut her- vorgerufen hat. Man muß eben auf die dortigen Gewohnheiten und Verhältnisse Rücksicht nehmen. Der Bescheid vom Juni 1909, den mir gestern der Abg. NoSke zur Verfügung stellte, bezieht sich auf Vorgänge, die im Februar 190ö passiert sein sollen. Das Kolonialamt hat damals die Sache unter- sucht und keinen Anlaß zum Einschreiten gefunden. Als der Mann, der die Beschuldigungen erhob, sich in dic)em Jahre, wieder an mich wandte, gab ich die Sache an die vorgesetzte Diviston des betreffen« den Offiziers, und von dorr ist der Bescheid ergangen; die Bor- würfe treffen also nicht das Kolonialamt, sondern die Mililärjustiz. Ich habe daher dem Herrn Präsidenten des Reichsmilitärgerichts da- von Kenntnis gegeben, damit er in der Lage ist, falls es notwendig «scheint, darauf einzugehen. Auf daS, was Herr Noske sonst vorgebracht hat, will ich im einzelnen nicht eingehen. Besonders hat er sich gegen die Maschinen- gewehre gewendet. Die Miliz des Herrn Bebel wird doch aber auch nicht mit PralineeS schießen.(Große Heiterkeit.) Weiter suchte er Wirkung mit der großen Zahl der Prügelstrafen zu erzielen. Ich schränke sie ein, wo immer ich kann. Aber wenn SlXll) Fälle bei einer Bevölkerung von 10— IS Millionen vorkommen, so erreicht daS bei weitem nicht den Prozentsatz der Bestrafungen in Preußen. Wenn die Zahl der Strafen ein Maßstab der Kultur wäre, so müßte Deutschland und speziell Preußen weit unter unserer Kolonie stehen. (Heiterkeit.) In neuen Ländern kann man nur unter Berücksichtigung der dortigen Verhältnisse arbeiten lassen, und wenn dabei auch einmal Gewalt angewendet werden muß, so kommt hinterher doch der Segen einer wirtschaftlichen Entwickelung. Herr Noske sagte: Roh- stoffe und Absatzgebiete für unsere Industrien zu erwerben sei gut. aber wir wissen noch nicht, ob Baumwolle dort gedeiht. Warum lehnen Sie denn dann die Summen für die Baumwollversuche ab? (Zuruf bei den Sozialdemokraten: Haben wir nickt getan!) Doch, Sie lehnen den ganzen Etat ab! Ueberhaupt zählen die Sozialdemokraten bei kolonialen Dingen nicht mit. Reden wie die des Herrn Noske sind nicht für dieses HauS bestimmt, sondern er wollte die ablehnende Haltung seiner Fraktion in den Kreisen seiner Parteigenosse», in denen eS seit Jahren in der Kolonialfrage bedenklich kriselt, rechtfertigen. Ich erinnere Sie an Stuttgart, an Essen, und der Parteitag m Leipzig hat es schon gar nicht riskiert, daS Wort«Kolonialpolitik" überhaupt in den Mund zu nehmen.(Heiterkeit.) Die Sozialdemokratie macht es wie ein Wanderer, der sich als Freigast hinten auf einen Wagen setzt, die Fahrt auf der schönen Chaussee mit genießt, und wenn die Chaussee- geldhebestelle kommt, springt er schnell ab und verschwindet im Busch. (Heiterkeit.) Hierauf vertagt da« HauS die Weiterberatung auf Donners- tag 1 Uhr.(Außerdem Etat oeS ReichsiagS, des ReichsmilitäretatS.) Abg. Noske(Soz.) stellt in persönlicher Bemerkung fest, daß er sachlich am Donnerstag dem Staatssekretär zu antworten versuchen werde.______ Schluß Ö3/« Uhr. Hbgeordmtenbaio* 13. Sitzung, Dienstag, den 1. Februar 1910, vormittags 10 Uhr. Am Ministertische: v. A r n i in- C r i e w e n. Etat der Forstoerwaltung. Bei den Einnahmen Titel 1: Holz auZ dem Forstwirt- schastSjahre 1. Ottober 1909/10 106 000 000 M., liegt ein Antrag Lvrgmann u. Gm.(Soz.) vor: Die Regierung zu ersuchen, dem Hause bis zur dritten Be- ratung des Etats'Mitteilung darüber zugehen zu lassen, in welcher Weise beim Abtrieb der durch Nonnenfraß geschädigten Wälder in Ostpreußen für die Arbeiter Vorsorge getroffen wäre. Abg. Dr. Wendlandt(natl.) begründet einen Antrag, die Re- gierung zu ersuchen, eine Denkschrift über die aus inländischen Forsten zu gewinnenden Mengen air Eisenbahnholzschwellen unter Berücksichtigung des künftigen Ertrages auS den vorgenommenen und gevlanten Aufforstungen vorzulegen. Ein Regierungskommissar stellt fest, datz im Eisen- bahnministerinm eine Bevorzung von Eisenschwellen nicht stattfindet. Die Frage, ob eiserne oder Holzschwellen bester wären, werde besser beim Eisenbahnetat erörtert. Abg. Borgmann(Soz.): Der Herr Finanzminister hat in seiner einleitenden Rede beweg- liche Klagen darüber geführt, daß die Erträgnisse aus den Wirtschaft- lichcn Unternehmungen des Staates erheblich zurückgegangen sind. In bezug auf den vorliegenden Etat trifft diese Klage jedenfalls nicht zu. Die Ursache ist allerdings außergewöhnlicher Natur. Die Veranlastung sind Schädlinge, vor allem die Nonnenraupe. Ich möchte meiner besonderen Freude darüber Ausdruck geben, datz es der Forstverwaltung gelungen ist, den durch die Nonnenraupe be- wirkten großen Holzanfall in Ostpreußen günstig zu verwerten und den Händlerring, der darauf ausging, diefen Anfall billig zu erwerben, aus dem Felde zu schlagen. Es handelt sich aber dabei nicht nur um die Verwertung, sondern auch um die G e- w i n n u n g deS Holzes, und da ist Wohl die Frage be- rechtigt, wie eS der Forstverwaltung möglich gewesen ist, in den arbeiterarmen Forsten genügend Leute zu bekommen, um die drei Millionen Festmeter zu gewinnen. Natürlich hat man— wie gewöhnlich— zu ausländischen Arbeitern gegriffen, und zwar hat man diesmal aus Bayern solche heran- geholt, indem man ihnen ganz falsche Vorspiegelungen machte. Die Leute in Süddeutsckland sind ja an eine freiere Luft gewöhnt, als sie im Osten herrfcht(Lachen rechts), sie sind daran gewöhnt, daß man sie als Menschen behandelt.(Lacken rechts.) Ich glaube, das Lachen wird Ihnen vergehen, wenn ich Ihnen sage, unter welchen Verhältnissen die Leute in der Forst beschäftigt worden sind. In einem Inserat werden in einer süddeutschen Zeitung Leute ge- sucht«bei sehr gutem Verdienst für großen Nonneuhieb in Ost- Preußen." Unterschrieben war das Inserat„Anton Steigenberger". Von diesem selben Herrn habe ich eine Originalpostkarte, worin er einem solchen Arbeiter einen Tagelohn von 6 M. bei Akkordarbeit garantiert, daS Handwerkszeug sei mitzubringen. In der Tat haben die Arbeiter, die die Reise dorthin selbst bezahlen mußten. dort Verbältnisse vorgefunden, die sie in gesundheitlicher Beziehung auf das allerschwerste benachteiligen. Bezeichnend ist dafür folgende Zeitungsnotiz: „Der ForstfiSkuS hat, weil oft meilenweit von den Arbeitsstellen im Walde keine Stadt oder Dorf vorhanden, für Unterkunft und Schlafgelegenheit der Waldarbeiter sorgen müsfen. Zu diesem Zweck sind Holzbaracken von ganz frischem Tannenholz mit Heizvorrichtung aufgebaut. In einer solchen sehr Ueinen Baracke essen und schlafen 80 Mann. In diesem Räume ist aber noch die Küche und die Kantine.(HörtI hört! b. d. Soz.) Auf einer kleinen Treppe gelangt man in das Dachgeschoß, kaum zwei Meter hock, wo für 40Mann Nachtlager hergerichtet ist. Dicht nebeneinander, auf bloßem Stroh, mit einer Wolldecke bedeckt, liegen auf jeder Seite 20 Mann neben- einander, atmen die Ausdünstungen ihrer feuchten Arbeitskleider, des frischen Holzes der Baracke und des Lehmziegelofens ein. Dazu tropft den Schlafenden daS Echnrewasser vom Dache ins Gesicht. (HörtI hört! bei den Sozialdemokraten.) Ventilation ist nicht vor- handen. An jeder Giebelseite spendet ein winziges Fenster, das nicht geöffnet werden kann, etwas Licht. Brauchbares Trinkwasser und Einrichtungen zum Waschen der Leibwäsche fehlen. Es ist fast un- ausbleiblich, daß die Leute hier in kurzer Zeit von Krankheit und Ungeziefer heimgesucht werden.(Sehr wahr I bei den Soz.) Weiter droht den Arbeitern direkte Lebensgefahr. Die feuchten Bretter, die dicht an Ofen und Schornstein anschließen, werden mit der Zeit austrocknen und können dann leicht Feuer fangen. Auch sonst kann durch das Zusammenwobnen von 80 Menschen in einem heizbaren Raum mit Sttohlagerstätte und Küche allzu leicht Feuer entstehen. Ferner beklagen sich die Leute darüber, datz ihnen zwar die Beiträge für Krankenfürsorge abgenommen, aber kein Krankenschein gegeben wird, wenn jemand erkrankt." Daß die Obersörsterei nicht eingeschritten ist, falls die Schilderung der Zustände zutrifft, wundert mich ja nickt, denn die Herren Ober- förster sind auch Amisvorsteher und haben die Polizeigewalt. Um also nicht den Teufel bei seiner Großmutter zu verklagen, haben sich die Arbeiier direkt an die Regierung gewandt; sie haben ersucht um Erhöhung der Akkordsätze für Holzschlag um 20 Proz., Aus- schaltung der Unternehmer, Lieferung von Strohsäcken, monatlich mindestens einmalige Erneuerung des Strohe» in den Säcken. Her- richtung einer Waschvorrichtung ftir den Körper und die Leibwäsche, Maßregeln zum Schutz gegen Feuersgefahr; eS ist bereits zweimal in den Baracken Feuer ausgebrochen; Schaffung von gutem Koch- und Trinkwasser. Trotz dieser doch gewiß sehr bescheidenen Forderungen hat der Oberförster den Leuten erklärt, mit Sozialdemokraten verhandle er nicht!(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) DaS ist eine sehr wohlfeile Art, be- rechtigte Forderungen abzulehnen.(Sehr wahr! bei den Sozial« demokraten.) Von der Regierung haben die Leute nicht einmal eine Antwort bekommen. DaS ist eine unerhörte Behandlung. ES handelt sich um ein Objekt von 2ö— 30 Millionen Mark, da wäre der Ver- lust für die Staatsregierung wirklich zu ertragen, wenn sie an- ständige Baracken geschaffen hätte. Aber den Herren in der Forst- Verwaltung fehlt offenbar jede sozialpolitische Einsicht, jede? Wohl- wollen gegenüber bei, Arbeitern.(Sehr richtig I bei den Sozial« demokraten) Die Arbeiter weisen auch darauf hin, daß ihnen von dem verdienten Lohn 3 Proz. für dir Unternehmer ab- gezogen werden, und datz sie aus höchstens 4 M. Ber- dienst kommen. Ich möchte fragen, was das für ein Abzug ist. Wahrscheinlich wird davon eine AnssichtSinstanz bezahlt, wie in der Oberförsterei Neuendorf in der Ostpriegnitz, wo die Leute von jeder verdienten Mark 7 Pf. abgeben müsse», wofür sich der Förster einen sogenannten„Regimenter" zur Beaufsichtigung der Arbeiter hält. Die Waldarbeiter im L i e b e n w a l d e r Forst müssen für diesen Zweck 5 Pf von jeder Mark abgeben I Weiß die Forstverwaltnng von diesen Verhälmissen? Ich kann mir nicht denken, datz sie diese ganz unsittliche Art von Abzügen billigt. Ich hoffe, daß die Forstverwaltung unserem Antrage gemäß unS bis zur dritten Lesung Auskunft gibt. ES geht nicht an, datz die Forst- Verwaltung die Verantwortung auf einen Zwffchenmeister abschiebt; sie hat alle Ursache, dasür zu sorgen, datz bei der Vergebung staat- licher Arbeiten nicht solche unerhörten Zustände herrschen.(Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Oberlandforstmeister Wesen«: Ich freue mich, schon heute fest- stellen zu können, daß die Klagen des Herrn Vorredners auf falscher Darstellung der Verhältuiste beruhen. Es sind im ganzen 15 000 Arbeiter von uns beschäftigt worden. Wir haben sie tunlichst aus den benachbarten Dörfern genommen. Aber es kommen auch Arbeiter auS Thüringen und Bayern zu uns. Die Arbeiter meldeten sich bei uns, wir haben sie nicht geholt. Die Bayern stellten ganz ungeheure Forderungen, und nur der ruhigen und festen Haltung der Forstverwaltung ist cS zu danken, datz diese Hetzer, die sich auch prügelten, nichts erreichten. Die Bayern haben sich ihre Baracken nach ihren Wünschen selbst gebaut.(Hört! hört! rechts.) Die anderen Baracken waren zuerst gewiß nicht ganz ein- wandfrei, aber sie wurden geändert und sind jetzt hygienisch einwand- rei. Auch die Ruhelager sind gut. Das einzige, was den Bayern nicht behagte, war wohl daS Bier, und deshalb fiihrten die 80 bittere Klage.(Heiterkeit.) Der Lohn betrug 6 M. pro Tag.(Hört! hört! rechts.) Ein einziger Bayer ist erkrankt, gestorben sind zwei. davon einer an einer Verletzung, die er bei einer Messerstecherei erhalten hatte.(HörtI hört! recht».) Der Arbeiter ist heute doch lein Kind mehr, und er würde sich eine solche Behandlung garnicht gefallen lassen, wie sie der Vorredner hier geschildert hat. Mr haben getan, was wir tun konnten.(Lauter Beifall rechts.) Abg. Graw(Z.) hält den Antrag Borginann nach den Er- ttärungen des Obcrlandforstmeisters für überflüssig. Abg. Roscnow(Frf. Vp.) führt Beschwerde darüber, daß die Forstverwaltung ihre Holzverkäufe lediglich in einem bestimmten Blatte inseriert. Oberlandforstmeister Wesen« weist darauf hin, daß daS von der Forstverwaltung eingeschlagene Verfahren den Wünschen aller Holzhändler entspreche. Abg. Tonrneau(Z.): Den Antrag Borgmann werden wir ab- lehnen, da er nach unserer Ansicht durch die Erklärungen der Re- gierung erledigt ist. Nach der Zurückweisung durch die Regierung beneide ich Herrn Borgmann nicht um seine Position.(Zuruf bei den Sozialdemokraten: Lassen Sie ihn doch antworten!) Wenn Herr Borgmanu sagte, in Bayern wären die Arbeiter gewöhnt, als Menschen behandelt zu werden, so empfehle ich ihm, einmal selbst sich in Ostpreußen umzusehen. Dann wird Herr Borgmann sein falsche?, auf tendenziöser Berichterstattung beruhendes Urteil über unsere Provinz Ostpreußen revidieren und sagen: Wir haben uns geirrt, die Ostpreußen sind doch bessere Menschen.(Heiterkeit und Bravo! rechts.) Minister v. Arnim: Mit der Frage der Entwaldungen habe ich mich seit der Anregung des Herrn v. Heydebrand im vorigen Jahre eingehend beschäftigt. Von einer zunehmenden Entwaldung ist bei den umfangreichen Aufforstungen nicht die Rede. Die einschneidendste Matzregel zum Schutze der Waldungen wäre die Stellung aller Wälder unter Staatsaufsicht. Für eine solche Maßnahme wäre das hohe Haus kaum zu haben, auch wären die Kosten zu groß. In Bayern, wo eine solche Aussicht des Staates besteht, find übrigens die Zustände der privaten Forsten nicht bedeutend besser als bei unS. Auf gesetzlichem Wege wird auch nickt viel zu erreichen sein. Eine günstige Wirkung hat dagegen die Anstellung von Forst- sachverständigen durch die Landwirtsckaflskammern gehabt, die privaten Waldbesitzern mit ihrem Rate zur Seite stehen. Hieraus wird ein S ch l u ß a n t r a g der Konservativen an- genommen. Abg. Dr. Liebknecht(Soz.): Ich bedauere, daß mir durch den Schluß der Debatte daS Wort abgeschnitten worden ist, um nachzuweisen, daß die Ausführungen des Herrn OberlandforstmeisterS uns nicht genügt haben und daß Sie über Ihren Sieg, der ein Pyrrhussieg sein wird, allzufrüh ge- jubelt haben.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Der Antrag Borgmann wird gegen die Stimmen der Sozial- demokraten und Polen abgelehnt.(Heiterkeit recktS.) Der Antrag Wendlaudt wird ebenfalls abgelehnt. Der Titel wird bewilligt. Zum Titel 3. Jagd... 603000 M., Beantragen die Abgg. Borgmann(Soz.) und Genoffen: die Regierung zu ersuchen, die administrativen Jagdbezirke in Zukunft an den Meistbietenden zu verpachten. Abg. Borgmann(Soz.): Zunächst möchte ich auf eine UnVollkommenheit des Berichts der Budgelkommiision hinweisen. Es ist in ihm die MitteUung eines Regierungsverlreters nicht enthalten, wonach die Taxen in allen Revieren erhöht sind mit Ausnahme einiger Hofjagdreviere. Ich möchte fragen, weshalb gerade diese Bemerkung weggelaffen ist. Die Tatsache selbst sieht übrigens etwas nach Begünstigung aus.(Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Wir haben unseren Antrag gestellt, weil die Verhandlungen im vorigen Jahre nicht den Beweis geliefert haben, datz die Ver- Pachtung der Jagden in den Staatsforsten undurchführbar wäre und nicht erhebliche Erträge bringen wird. Die vorjährigen Ver- Handlungen haben in den Interessentenkreisen wie in der Presse leb- hasten Wiederhall gefunden. Auch diesmal sind mir viele Zuschriften zugegangen, u. a. iogar von einem leibhaftigen Oberförster(Hört I hört! rechts), der nachweist, daß durch de» heutige» Jagdbetrieb d« Staat um viel» Million«» geschädigt wird. Die Erträgniffe auS den Jagden würden sehr viel höhere werden, wenn man jedes einzelne Stück Wild zum Abschuß verpachten würde. Jeder Nimrod würde z. B. für einen Elch einen hohen Be- trag gern zahlen. Für den Abschuß eine? Rothirsches in einer Privat- forst wurden in einem Inserat 500 M. verlangt I Wenn der Minister im vorigen Jahre darauf hinwies, daß sich in den östlichen Provinzen wahrscheinlich keine Pächter der Jagden finden würden, so weise ich darauf hin, daß in den übrigen Pro- vinzen 1 400 000 Hektar zur Jagd sehr gut verpachtet werden können. 8 bis 10 Millionen könnten zweifellos alljährlich aus der Verpachtung der staatlichen Jagden herausgeholt werden. Heute kostet daS Vergnügen, das die Oberförster und höheren Forstbeamten an der Jagd haben, dem Staate pro Kopf dieser Beamten 10 bis 12 000 Mark. Das ist eine unverantwortliche Berfchweudung von öffentlichen Mittel». (Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Die Befürchtung des Mi- nisters, wir könnten die tüchtigen Beamten verlieren, wenn wir ihnen die Jagd nehmen, teile ich nicht. Man kann ihnen ja ein besseres Gehalt geben. In den Kreisen der Beamten selbst wird vielfach der jetzige Zustand beklagt, weil er zu einer Art von Korruption führt. Die Behauptung de« Ministers, daß auch die mittleren Forstbeamten an der Jagd beteiligt würden, wird von meinen Gewährsmännern bestritten. Ein königlicher Hegemeister aus der Provinz Branden- bürg schreibt mir, daß er Förster kennt, die schon 20 Jahre lang auf ihrer Stelle sitzen und noch keinen Rehbock haben schießen dürfen. Die Förster werden eben nur als Treiber für die oberen Beamten bei der Jagd benutzt. Auch die weitere Behauptung, daß die Gemeindejagden in ihrer Ertragsfähigkeit herabgesetzt würden, halte ich für unrichtig. Herr Fischbeck hat sie sich ja unter dem lebhaften Beifall der Reckten — den ich ihm gewiß gönne— zu eigen gemacht. Demgegenüber verweise ich auf die Aeußerung deS Ministers, daß die angrenzenden Gemeindejagden bei der Verpachtung der StaatSjagd höhere Preise erzielen würden! Der Oberförster schreibt mir. daß jedenfalls auch die Pächter der StaatSforsten die benachbarte Gemeindejagd mit- pachten würden. Auffallend ist übrigens daS plötzlich so große Interesse der Rechten für die Gemeinden!(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Bisher waren Sie doch nur bemüht, den Ge- meinden nach Möglichkeit das Fell über die Ohren zu ziehe».(Oho l rechts.) Da steckt offenbar etwas anderes hinter. Auch sür die Waldarbeiter bedeuten die jetzigen Zustände eine schwere Schädigung. Ein Förster aus Schlesien schreibt mir:«Wenn ein Waldarbeiter bei feinem völlig unzureichenden Tagelohn von 1,80 M. sich eine Kuh halte» könnte, welche im Walde gehütet wird, es würde damit die Er- nährung seiner Familie eine bedeutend beffere. Aber das Vieh ver« scheucht das Wild, und deshalb muß es heraus. Einen Sckaden kann daS Vieh der Forstkultur nicht zufügen, da es von zuverlässigen Hirten an freien Orten geweidet werden kann. Aber daS Gras muß unnütz verdorren, damit das Jagdvergnügen der hohen Forst- Beamten nicht geschädigt wird.(Hört! hört! bei den Sozialdemo- kraten.) Ein Förster auS dein Harz teilt mir mit, daß ungeheurer Schaden durch den hohen Wildstand in den staatlichen Forsten herbei- geführt wird durch das Schälen des Holzes. Da müßte man doch aus der anderen Seite für einen entsprechenden Nutzen auS der Jagd sorgen. Diese unrationelle Forstwirtichaft ist eben nur zu verstehen, weil ein« Gruppe von Jnteresienten die Macht im Staate in der Jiand hat.(Sehr wahr I bei den Sozialdemolraten.) In Havelberg at der Obersörstcr die Forst« gezwungen, eine alte Frau vo» 84 Jahren wegen Holzdiebstahls zur Anzeige zu bringen. Da» ist «ine Roheit, die eines königlichen Beainten unwürdig ist,(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) In der Altmark kursiert übrigens dos Gerücht. daß ein Deichmeister auf dem Elbdeich eins Anzahl Obstbäume hat abschlagen und die Stümpfe ausroden lassen; an dieser Stelle soll dann der Durchbruch erfolgt sein, der zu der Brossen Ueberschwcmmung führte I(Widerspruch rechts.) Jeden- alls hätte die Regierung allen Anlaiz, solchen Gerüchten entgegenzutreten. Die Förster müssen oft monatelang täglich zur Jagd antreten, wenn höhere Forslbeamte kommen. Entweder sind sie also überflüssig und ihr Gehalt kann gespart werden, oder sie werden für diese sjeit ihrem eigentlichen Dienste entzogen. In vielen Reviercu haben die Oberförster eine umfangreiche private Tätig- kett, die zum Teil größer ist als ihre amtliche, welche dann von untergeordneten Organen ausgeübt werden muß. Ein Forstrat hat ständig im Revier herumzureisen, das Holz nachzumessen, das schon der Oberförster nachgemessen hat, und dafür bezieht er noch große Reisediäten I Ein Oberförster kommt zu dem Resultat, daß bei 11 Millionen Morgen preußischer Staatsforst mindestens 8 Millionen an Pacht herausgeholt werden könnten. Diese Mehreinnahmen sollte man dann benutzen, um u. a. auch die außerordentlich niedrigen Löhne der Waldarbeiter zu erhöhen. Diese verdienen im Winter L M. pro Tag und haben vielfach noch einen Weg von hin und zurück 2 Stunden zur Arbeit zu machen. Man hat den niederen Forstbeamten ihre Klagen schwer an- gerechnet und von ihrer mangelnden Bildung gesprochen. Treitschke meinte ja schon, die halbgebildeten Förster, Lehrer und Apotheker seien die gefährlichsten Revolutionäre im Lande (Heiterkeit bei den Sozialdemokraten), und auf dem Forsttag in Heidelberg hat ein Regierungsrat die Dreistigkeit besessen, zu er- klären, es sei nicht erwünscht, wenn die Förster auf eine höhere geistige Stufe gehoben würden.(Hörtl hört! bei den Sozial- demokraten.) Diese rückständige Ausfassung geht ganz konform mit der Aeutzerung des Herrn v. Zedlitz über die Aufgaben der Volks- schule und des Grafen Haeseler im Herrenhause über die Ziele der Fortbildungsschulen. Gegenüber solchen Aeußerungen ist die Frage wohl berechtigt, ob man Preußen noch einen Kulturstaat nennen kann. Mit der Dummheit regieren kann jeder Schuster.(Bravo bei den Sozialdemokraten.) Vizepräsident Dr. Porsch: Die letzte Aeußerung war etwas sehr scharf. Minister v. Arnim: In bezug auf die Jagdverpachtung habe ich meinen vorjährigen Ausführungen nichts hinzuzusügen. Uebrigens benL.i nicht alle Sozialdemokraten wie Herr Borgmann. Herr Grillenberger hat sich 1800 im bayerischen Landtage gegen die Jagd- Verpachtung ausgesprochen. Ein Beamter, der sich an Sozialdemo- kraten wendet, beweist, daß er nicht das nötige Verständnis für die Pflichten eines Beamten hat.(Lebhaftes Bravo I rechts.) Die Be- hauptung des Herrn Borgmann über die Ursache des Deichdurch brucbeS m der Altmark ist unrichttg. Abg. Weißermel(k.): Herr Borgmann hat eine Agitationsrede halten wollen.(Sehr richtig I rechts.) Wenn wir zur Jagd- Verpachtung der Staatsforsten kommen, können wir gleich die ganzen Forsten abschaffen. Abg. Dr. Baren Horst(ftk.): Die Förster fassen eS als Be leidigung auf, wenn Herr Borgmann sie hier vertritt. Die Ober« förster würden sich in Scharen pensionieren lassen, wenn ihnen dte Jagd genommen würde. Hierauf vertagt sich das HauS. Abg. Borgmann(persönlich): Ich habe nicht behauptet, daß der Deichdurchbruch ans die erwähnte Ursache zurückzuführen sei, sondern von einem Gerücht gesprochen und die Regierung ersucht, diese Legende zu zerstören. Vizepräsident Dr. Porsch beraumt die nächste Sitzung an auf Donnerstag 10 Uhr mit der Tagesordnung: Fortsetzung der zweiten Lesung des ForstetatS; hierauf Domänenelat. Abg. Dr. Friedbcrg(natl.) fragt an, wann die nationalliberale Interpellation wegen Maßregelung von Beamten in Posen auf die Tagesordnung gesetzt werde. Vizepräsident Dr. Porsch: Eine Erklärung des Ministers über den Zeitpunkt der Beantwortung ist noch nicht eingegangen. Halbamtlich habe ich gehört, daß noch Ermittelungen darüber schweben. Abg Dr. Friedberg(natl.): Ich bitte, die Sache nach Möglich- keit zu beschleunigen. Vizepräsident Dr. Porsch sagt dicS zu. Schluß B Uhr._ parlamentanfcbcö« Aus der Budgetkommission des Reichstags. Die Kommission begann gestem mit der Beratung des Militär etatS, soweit er der Kommission zur Vorberatung überwiesen ist. Beim Kapitel Generalstab werden neue Stellen angefordert: drei für Hauptleute, ein Expedient, ein Kanzleiiekretär, ferner solle» sieben Kanzleidiätarstellen in Kanzleisekretärstellen umgewandelt werden. Die Kommission lehnte alle Mehrforderunaen und Um Wandelungen ab. Neu bewilligt wurden hingegen für das Luft> schiffcr-Bataillon: 1 Oberleutnant, 1 Vizefeldwebel, 12 Unteroffiziere und 57 Mann. Bei dieser Gelegenheit wurde die Frage der Lustschiffahrt und der Aviatik erörtert, aus der mitteilenswert ist. daß in militärischen Kreisen die Hoffnungen auf diese beiden Kciegshilfsmittel nicht allzu hoch gespannt sind! DaS ist für die Steuerzahler insofern wichtig, als danach an den Bau einer Lustschifflotte vorläufig nicht zu denken sein dürfte. DaS schließt natürlich nicht auS, daß weitere Luftschiffe und Flugmaschinen einzeln angekauft werden.... Eine lange Debatte entspann sich aus der Forderung der Re gierung: die im Etat eingestellten 638 Vetcrinärbeamten- und Unter veterinärstellen in Beterinär-Offiziersstellen unizuwandeln. Da— nach längerer Debatte— das Resultat einer Abstimmung zweifel- Haft war. so einigte man sich dahin, die Beschlußfassung auszusetzen, um den Mitgliedern der Kommission Gelegenheit zu geben, die An- gelegenheit in ihren Fraktionen zu beraten. Die Strafgesehbuchnovelle in der Kommission. In ihrer gestrigen Sitzung erledigte die Kommission zunächst einige schon in der vergangenen Session zur Milderung bestehender Strasminima aus ihrer Mitte gestellten Anträge. Nach den ein- stimmig angenommenen Vorschlägen der Kommission soll statt der bislang ausschließlich zulässigen Gefängnisstrafe Geld strafe bei folgenden Delikten zulässig sein: Nötigung eines Be- amten(Z 114 Abs. 2), Entziehung einer minder- jährigen Person(§ 235 Abs. 1). vorsätzliche oder widerrecht- liche Freiheitsberaubung<§ 239 Abs. 1), Verletzung behördlicher Mahregeln zur Verhütung deS Einführens oder Ver- breitenS einer ansteckenden Krankheit<§ 327 Abs. 1 und 328 Abs. 1). Die Regierungsvorlage trägt bekanntlich dem so oft auS- gesprochenen Verlangen Rechnung, bei geringfügigen Diebstählen und Unterschlagungen statt der aus- schließlichen Gefängnisstrafe auch Geldstrafe zuzulassen und die Verfolgung solcher geringfügiger Verfehlungen von der Stellung eines Strafantrages abhängig zu machen. Ferner soll nach ihr die Entwendung von Gegenständen deS Haus- wirtschaftlichen Verbrauchs(z. B. Kohsen) in Zukunft, wenn eS sich um Entwendungen in geringer Menge oder von un- bedeutendem Werte zum alsbaldigen Gebrauch handelt, der Eni- Wendung von Nahrungs- oder Genußmitteln gleichgestellt und die Verfolgung von der Stellung eines Antrages abhängig gemacht werden. Die Vorschläge der Vorlage sanden allseitige Zu« st i m m u n g, nachdem das vorgeschlagene Straf Maximum mit 14 gegen 9 Stimmen von sechs Monate auf drei Monate herab- gesetzt war. Demgemäß soll in das Strafgesetzbuch als§ 2 4 3» neu eingefügt werden:„Wer aus Not geringwertige Gegenstände entwendet oder unterschlägt, wird mit Geldstrafe bis zu 300 M. oder Gefängnis bis zu drei Monaten bestraft. Die Verfolgung tritt nur auf Antrag ein. Die Zurück- „ahme des Antrages ist zulässig. Wer die Tat gegen einen Vcr- wandten absteigender Linie oder gegen seinen Ehegatten begeht, bleibt straflos." Ferner ist in ß 375 Nr. B die Entwendung„von anderen gegenständen des hauöwirtschaftlichen Verbrauchs" nur mit Geldstrafe oder Hast bedroht und von der Stellung eines Strafantrages abhängig gemacht, wenn cs sich um Gegenstände in geringer Menge oder von unbedeutendem Wert zum alsbaldigen Gebrauch handelt. Der Entwendung im Sinne des§ 375 Nr. 5 ist die Unterschlagung gleichgestellt. Einem im vergangenen Jahre in der Kommission gefaßten Beschluß entsprechend, auch aus Not begangene Betrugsfälle anders zu behandeln, wurde einstimmig in folgender Fassung zugestimmt: Als neuer Paragraph 264» soll eingeschaltet werden:„Wer aus Not sich oder einem Dritten geringwertige Gegenstände zum Schaden eines anderen durch Täuschung verschafft, wird mit Geldstrafe bis zu 300 Mark oder mit Gefängnis bis zu drei Monaten bestraft. Der Ver- such ist strafbar. Die Verfolgung tritt nur auf Antrag ein. Die Zurücknahme des Antrages ist zulässig. Wer die Tat gegen einen Verwandten absteigender Linie oder gegen seinen Ehegatten begeht, bleibt straflos." Der eigenartige Zustand, daß nach Z 369 mit Geldstrafe oder Haft nur„Schlosser" bestraft werden, die unberechtigt Hausschlüssel anfertigen, Nachschlüssel oder Dietriche verabfolgen, wurde durch Aenderung des Wortes Schlosser in Personen beseitigt. Einstimmig wurde einem Antrage zugestimmt, im Z 355 das Straf minimum von drei Monaten Gefängnis für Verfälschung, Eröffnung, Unterdrückung, unberechtigte Weitergabe von Depeschen durch einen Telegraphenboten auf einen Tag herabzusetzen und ausdrücklich auszusprechen, daß unter Depeschen, die einer Telegraphenanstall anvertraut werden, auch solche Mitteilungen zu verstehen sind, die auf t e l e p h o- n i s ch e m oder ähnlichem Wege an einen anderen gelangen sollen und zu diesem Zwecke der Telegraphenanstalt zugänglich gemacht werden. Eine längere Debatte setzte bei dem Vorschlag der Regierungs- vorläge ein, der eine Verschärfung der Mindeststrafen gewisser Kinder Mißhandlungen vorsieht. Nach dem Vorschlage der Regierung soll beim Nichtvorhandensein mildernder Umstände als angedrohte Mindeststrafe für Körperverletzung mittels einer Waffe Gefängnisstrafe von zwei Monaten auch auf den Fall Anwendung finden:„wenn gegen eine noch nicht 14 Jahre alte oder wegen Gebrechlichkeit oder Krankheit wehr- lose Person, die der Fürsorge oder Obhut des Täters untersteht, eine Körperverletzung mittels grausamer Behandlung begangen wurde." Bei Annahme mildernder Umstände soll auf Geldstrafe oder auf Gefängnis von einem Tag an erkannt werden können. Eine Reihe von Anträgen wünschte eine Aenderung ins- besondere nachfolgenden Richtungen: Heraufsetzung des Scbutz- alters von 14 aus 18 Jahre oder auf alle Minderjährigkeitsfälle, Ausdehnung der Bestrafung auch auf die Fälle, in denen daL Kind zum Hausstand des Täters gehört, ohne daß dieser eine rechtliche Fürsorge- oder Obbutpflicht hat(z. B. Stiefvater. Zuhälter), Aus- dehnung des Tatbestandes auf seelische Quälereien oder Ersatz des im Strafgesetzbuch neuen Begriffs der„grausamen Behandlung" durch Mißhandlungen rohen oder boshaften Charakters. Ferner will eine Reihe Anträge Zuchthaus eintreten lassen, wenn die Mißhandlung fortgesetzt oder gewohnheitsmäßig begangen ist oder eine schwere Gefährdung der Gesundheit oder der Entwickelung vorliegt. Gegen den letzten Vorschlag führte der Regierungsver- treter eine Reihe von schweren Bedenken wegen der kauischuk- artigen Fassung der hervorgehobenen Tatbestandsmerkmale an. Den übrigen Anträgen gegenüber verhielt die Regierung sich nicht grundsätzlich ablehnend, führte aber eine Reihe von Bedenken gegen die Fassung einiger Anträge an. Von unserer Seite betonte Gc- nasse Stadthagen, daß die Regelung der Fürsorge durch ein Reichsfürsorgegesetz, wie cs bei Beratungen des Bürgerlichen Ge- setzbuchcs von sozialdemokratischer Seite angeregt wurde, eine Fülle der bestehenden Mißstände verhindert hätte. Er wolle sich nicht dagegen aussprechen, daß der neue Paragraph dem Richter einen Fingerzeig dafür gebe, daß er schwere Kindermißhandlungen nicht so milde behandele. Unannehmbar sei aber für ihn der aus der Mitte der Kommission gemachte Borschlag, in gewissen Fällen Zuchthaus anzuwenden. Die zuchthauswürdigen Fälle seien schon heute als solche bezeichnet. Da die Fürsorge die gesamte Zeit der Minderjährigkeit umfasse, sei es richtig, das Schutzalter auch auf die gesamte Zeit der Minderjährigkeit zu erstrecken. Bedenken errege der neue Begriff einer grausamen Behandlung. Zweckent sprechender dürfte der Ersatz des„grausamen" durch„roher oder boshafter" sein. Er denke da an den Fall des Pastors Rohr, der ein entlaufenes Fürsorgekind an einen Wagen spannte und prügelte. Wenn auch von seinem Standpunkte aus eine solche Bc- Handlung eine grausame sei, so könne cs doch Richter geben, die darin nur eine rohe oder boshafte erblicken. Bemerken wolle er, daß der Pastor Rohr wegen der gegen ihn behaupteten Mißhanp lungsweise zunächst Strafantrag gestellt, dann aber wohl, weil er dem Beweis der Wahrheit entgegensah, den Strafantrag zurück nahm. Die Verhandlung wurde auf Donnerstag vertagt. Hu9 der Partei Die Genossen von Halle und der WahlrcchtSkampf. Eine stark besuchte Mitgliederversammlung deS Sozial- demokratischen Vereins für Halle nahm am Donners- tag nach der Berichterstattung über den preußischen Parteitag und lebhafter Debatte folgende Entschließung e i n st i m m i g an: Der Vorstand des Sozialdemokratischen Verein?, der Bezirks vorstand, die Presse und die Parteigenossen werden aufgefordert, die Frage des politischen Demonstrationsstreiks im Wahlrechtskampfe zu diskutieren und zu beraten Den Bericht erstattete Genosse Thiele, der zur Wahlrecht? frage sagte: „... In der letzten Vereinsversammlung wurde dafür ein getreten, daß wir nach dem Grundsatz alles oder nichts bandeln mühten. Aber wenn die Regierung das geheime Wahlrecht gibt, haben wir leinen Anlaß, dagegen aufzutreten. Freilich wird die Regierung eS nicht geben, aber eS wäre doch möglich, daß sich im Landtage eine Mehrheit dafür fände, d. h. wenn unsere Genossen den Ausschlag geben würden. Sollten dann diese Genossen das geheime Wahlrecht ablehnen? ES kommt darauf an, in der gegebenen Situation das größtmögliche für die Arbeiter herauszuholen." Genosse Hennig brachte den oben angeführten Antrag ein; er sagte dazu unter anderem: »... Wenn wir von vornherein erklären, daß wir freudig nehmen, was wir gutwillig bekommen können, dann dürfen wir uns auf die bisherigen Mittel beschränken. Wollen wir ober im Ernst mit dem Junkertum anbinden, dann fordert eS andere Mittel. W bisher geschehen ist, ist sozusagen verbrouckit. Es gibt schärfere Mittel. Da ist der Massenslreit als Demonstrationsstreik, angewandt zum Beispiel in Schweden im Jahre 1902. Dort war er ein vorzügliches Mittel, um den Herrschenden zu zeigen, welches der Wille des Volkes war. 120 000 Mann stellten drei Tage die Arbeit ein und erreichten damit ihren Zweck, die Gesetzwerdung eines von der Regierung eingebrachten realtionären Wahlsystems zu verhindern. Dieser Demonstrationsstreik muß stark und unterschieden werden von dem Generalstreik der Anarchisten. Zu vergleichen ist hier ferner der Demonstrationsstrcik in Italien, der sich gegen die blutigen Massakres der Polizeimacht dortselbst richtete. Solch ein Demonstrationsstreik muß in den Bereich der Erörterung ge« zogen werden. Die Parteiinstanzen müssen beauftragt werden, die Anwendbarkeit dieser Waffe zu prüfen. Etwas durchaus Neues ist sie nicht. Der erste Mai aller Jahre, der 18. März 1903 sind Vor« läufer seiner Anwendung. Wir müssen versuchen, einen Schritt iveiter zu gehen, und das kann mit ihm geschehen. Daß wir weiter gehen müssen, ist für den keine Frage, der die Situation klar übersieht. Was hat trotz der bedeutenden Organisationendes Proletariat» an realtionärem Geschehen verhindert werden können? Bisher so gut wie nichts, wie die Reichsfinanzreform des letzten JnhreS beweist. Roch stets find»ms die Rechte verkürzt worden... Genosse A l b r e ch t begrüßte den Antrag HennigS, auch Genosse Drescher erklärte sich für die Diskussion der Massenstreikfrage. Genosse Thiele sagte im Schlußwort u. a.:.... Die Faktoren, die uns entgegenstehen, werden auch durch den politischen Massenstreik nicht bezwungen. Diese Waffe ist eine zweischneidige. Wir können einen Teil der zu uns Hallenden mit ihr von un» abschrecken. Die bisherigen Mittel sind nicht abgebraucht, am wenigsten auf dem Lande. Auch durch ein noch so scharfes Mittel, wie der Massenstreik, werden wir das gleiche Wahlrecht nicht bekommen. Derjenige, der einem Phantom nach- jagt, ist schon ein Verräter an der Arbeiterklasse genannt worden. Nun, wenn tatsächlich das gleiche Wahlrecht errungen werden sollte, dann erleben wir den Staatsstreich, der alles lvieder raubt. Wer jagt also einem Phantom nach? Die welche die Jvce des schritt- weisen Vorrückens vertreten gewiß nicht. Worin liegt die Bedeutung des Parlamentarismus? Doch nur in der durch ihn erfolgenden Aufrüttelung der Massen. Einen weiteren Wert hat und hatte der Parlamentarismus nicht. Wer ist denn von uns überzeugt, daß das Wahlrecht das Zeichen ist. in dem wir wirklich siegen. Es ist eine'Utopie zu glauben: Erst das Wahlrecht, dann Ver- besserungen für die Arbeiterklasse. Deshalb muß auf das Zu» sammenarbeiten von Partei und Gewerkschaften Wert gelegt werden. Die Gewerkschaften können viel mehr zur Aufllärung der Arbeiter tun, als die Partei, und sie haben mehr dafür getan. Mit dem ParlamcntarisniuS ist nichts vollbracht. Wenn der Massenstreik be- iprochen werden soll, dann dürfen daS nicht die Angestellten der Arbeiterbewegung, die wirtschaftlia. Sichergestellten tun, sondern nur die Arbeiter. Selbst mit einein gelungenen Massenstreik kann keine wirkliche Besserung nicht erzielt werden, denn dann kommt das Herren- haus. Wer etwas anderes glaubt, ist ein Phantast. DaS wichtigste ist die geistige und materielle Hebung deS Proletariats. Es ist alles Entwickelung; es können keine Etappen übersprungen werden. Persönlich bemerkt Genosse Hennig noch:... Die Anspielung „Angestellte in gesicherter Stellung' sollten nicht die Massenstreik- frage entscheiden, sondern die Arbeiter, ist ein demagogischer Kniff — denn gerade ich fordere, daß die Arbeiter die Frage diskutieren sollen...."_ Eine Bitte! Parteigenossen, die im Besitz von Briefen von mir aus den sechziger, siebcnziger und achtziger Jahren des vorigen Jahr- Hunderts sind, bitte ich um Ueberlassnng derselben. Auf Wunsch sende ich die Briefe wieder zurück, nachdem ich Abschrift davon genommen habe. Auch bloße Abschriften sind mir willkommen. Schöneberg-Bcrlin, Hauptstraße 97. _ A. Bebel. Bom Fortschritt der Presse. Für die Errichtung der„VolkszeitungS"°Dr uckerei in Görlitz sind bis jetzl 119 371,96 M. gesammelt. Die Druckerei eröffnet in den nächsten Tagen zunächst die Akzidenzabteilung. Hua Industrie und Kandel. Ein neues Verkaufssyndikat. Nachdem alle größeren Betriebe der Hefefabrikation ihren Beitritt erklärt haben, hat sich nun ein deutsches Hefesyndikat ge- bildet. Die Folgen»verden die Konsumenten zu spüren bckoinnien. Auch für die Arbeiterbewegung hat die Sache Bedeutung. Es sei nur daran erinnert, daß bei dem letzten Bäckerstreik in Berlin der Hefering zugunsten der Bäcker eingriff. Seinen Plan, die Arbeiter zu Boden zu werfen, konnte er nicht durchsetzen, weil der Bäcker- verband auf dem Posten war. In wenigen Tagen hatte er für die- jenigen Bäckereien, die mit den Arbeitern Frieden schlössen, den Hefebezug aus dem Auslande organisiert. Ein ueueS Bergwerk. Der»Franks. Ztg." wird aus Essen geschrieben: „Die Firma Thyssen wird in der Nähe von Wesel ein neues Bergwerk errichten und hat mit den Vorarbeiten dazu vor einigen Tagen begonnen. Das Bergwerk wird erbaut an der Hüntel Landstraße, auf dem Hofe eines Landwirts in Emmelsum, dessen Besitz die Firma schon vor einigen Jahren erworben hat, 160 Meter von der Lippe, 20 Minuten vom Bahnhos Friedrichsfeld und 40 Minute» von Wesel. Die Firma beabsichtigt auch, auf dem von ihr er- wordenen Gelände des Gutes Aag einen großen Hafen anzulegen, ferner eine Verbindungsbahn von der neuen Zeche auS durch die Tester Berge an den schon vorhandenen Bruckhauscner Schächten I und II vorbei nach Bahnhof Friedrichsfeld." Höhere Dividendr. Der Aufsichtsrat der Bremer Rolandmühle schlägt für das letzte Jahr 12 Proz. Dividende vor, gegen 8 Proz. im Vorjahre. Rohstoff, und Garupreife im Baumwollgewerbe. Bei den Rohstoffen gestaltete sich der Durchschnittspreis in den beiden letzten Jahren für die wichtigsten Sorten pro Doppel- zenwer in Mark wie folgt: 1903 1909 1908 in Proz. Bremen, Middling Upland... 107,21 119,76 4- 11,7 Bremen, Good Oomrawuttee II. 79,60 91,92-f- 15,6 Hamburg. New Orleans. Middl. Liverpool. Klafstf...... 107,74 119,33-f 10,8 Die Preissteigerung der Rohstoffe ist also durchweg sehr erheblich. Bei einigen der wichtigeren Sorten Baumwollgarne gestalteten sich dagegen die Durchschnittspreise pro Kilogramm wie folgt: 1908 1909 �Proz� Augsburg 36/42 Zettel, Eintrag 1,98 1,87— 6,61 Krefeld Nr, 40—120.... 6.04 6.11-f- 1,16 „ Nr. 130-200.... 16,67 15,41— 9,69 Mülhausen i E,, Zettel Nr. 16 1,75 1,69— 3,43 Eintrag Nr. 16 1,87 1,70— 9.00 M,-Gladbach, Mule Str. 8.. 1,36 1,83— 2,21 Den starken Erhöhungen der Nohstoffpreise stehen also direkte Abnahmen bei den Garnpreisen gegenüber. llebcrschußsteigcrung. Der Bruttoüberschuß der Bergwerks- gesellschaft Hibernia im IV. Quartal 1909 beträgt 2 666 395 M. gegen 2 817 607 M. im IV. Quartal deS Vorjahres. Der deutsche Kohlcncxport hat im verflossenen Jahre überaus stärk zugenommen. Nachstehend sind die Menge und der Wert der Steinkohlenausfuhr in den letzten Jahren aufgeführt: 1903 1906 1907 1908 1909 Menge in Mill. Tonnen 17,39 18,16 20,06 LI, 19 23,35 Wert in Millionen Mark 219,4 228,3 279,7*87,5 211,0 Wert 1 Tonne in Mark 12,6 12,6 13,3 13,6 13,3 Die Bewegung des Steinkohlenexportes war im Verlaufe des letzten Jahres' keineswegs einheitlich, wiesen doch einige Monate sogar einen Rückgang der Ausfuhr auf. Die Belebung des Stein- lohlenexporiS gegen den Schluß des JahreS 1909 hat auch im Beginn des laufenden JahreS angehalten. Ein Finanzkrach angekündigt. AuS Washington wird unterm 1. Februar gemeldet: Professor Carner von der Havard-Universität, eine Autorität für Nationalökonomie, der die Katastrophe von 1907 vorausgesagt hatte, erklärt nunmehr, daß die hohen Preise für Nahrungsmittel und der Fleischtrustbohkott Vorboten eines großen Finanzkraches feien, der sich in den nächsten zwei Jahren in Nord- nnerika sicher einstellen werde. Professor Carner behauptet mit Be- timmcheit, daß in den Jahren 19l2 oder 1913 eine der schlimmsten Finanzmiseren für die Vereinigten Staaten kommen werde. Er sagt, daß das«ngevot don Nahrungsmitteln in den Vereinigten Staaten langsam aber sicher geringer werde, und daß die Vereinigten Staaten vor Ablauf von wenigen Jahren gezwungen sein werden, große Quantitäten von Fleisch und anderen Nahrungsmitteln aus anderen Ländern zu importieren._ Lebensmittelverteuerung. Ueber die Verteuerung der Lebenshaltung in New Jork macht die„New Dorker Handelsztg." Angaben, denen wir die folgenden entnehmen. Es kostete im Dezei' Butter spro Pfd).. Schmalz(pro Pfd>).. Kaffee spro Pfd.)... Maismehl(pro Pfd.).. Zucker(pro Pfd.)... Lachs(pro Büchse)... Tomaten(pro Buchse).. Kartoffeln(pro Bushel). Milch(pro Quart)... Rindfleisch(pro Pfd.).. Hammelfleisch(pro Pfd.). Schweinefleisch(pro Pfd.). Auch Milchereiprodukte und Gemüse sind ansehnlich im Preise gestiegen, ebenso Geflügel, Obst und Fische, wogegen Konserven mit wenigen Ausnahmen gleich billig oder billiger sino als früher. Die Trusts und die Gerichte. Am 9. Januar wurden vier Verwieger des Zuckertrustes, die Werkzeuge des VeriviegnngS'chwindelS waren, zu je einem Jahre Gesäugnis verurteilt." ES handelt sich um Angestellte, die nnt 1ö Dollar wöchentlich entlohnt werden. Die öffentliche Meinung hat den Erfolg zu verzeichnen, daß jetzt gegen noch fünf„Männer höher oben" Anklage erhoben ist. Unter diesen befindet sich der Trust» sekretär Heike, der gerade einige Tage vor der Anklage den Geschäfts- bericht des Trusts veröffentlichte, worin es heißt:„Kein Versuch irgendwelcher Art ist unternommen worden, um irgend jemand der Verfolgung zu entziehen, und ihre Körperschaft(das Direktorium deS Trusts) hat keinerlei Grund zu glauben und glaubt auch nicht, daß irgendein Exekuiivbeamter oder Direktor dieser Ge- sellschafl irgendwelche Kenntnis von den betrügerischen Ver« wiegungen gehabt oder gar daran teilgenommen hatte." Heike ist Sekretär des Trusts seit 1899. Sein Bericht verzeichnet ein Prosperitätsjahr für den Trust. Die Bundesbehörden von Chicago haben eine Untersuchung der an dem dortigen Milchgeschäft beteiligten Gesellschaften eingeleitet. Der Kleinhandelspreis der Milch wurde kürzlich von 7 auf 8 Cents (zirka 29 auf 31 Pf.) pro Quart(0,93 Liter) erhöht. In New Dork ist eine durch den Gencralanwalt angeordnete Untersuchung im Gange. Hier tvurde der Preis von 8 auf ö Cents gesteigert. Die amerikanische Zeituugsverleger-Assoziation hat dem Staats- anwalt in New Jork Beweise für Verletzung des AntitrustgesetzeS durch die Papierfabrikanten unterbreitet. SmcKts- Zeitung» Habt acht bot Winkelkonsulenten. Durch einen Artikel deS., Vorwärts" mit dieser Ueberschrist, der aus Anlaß einer Gelverbegerichtsverhandlung am 31. März 1909 veröffentlicht worden war. hatte sich der Rechtskonsulent Fabisch beleidigt gefühlt und darauf gegen den Genossen HanS Weber als damaligen Verantwortlichen des„Vorwärts" go klagt. Ter Artikel warnte vor der Inanspruchnahme unzuverlässiger Rechtsbureaus, insbesondere vor solchen, die unter der Firma„Vereinigte Rechtsfreunde".„Rechtswiffenschaftliches Institut" und dergleichen ihre Hilfe anbieten. Es wurde dann dargelegt, daß ein Arbeiter wegen eines Streitfalles aus dem Lehrverhältnis seiner minderjährigen Tochter ei» solches Rechts- bureau. das sich„Rechtswiffenschaftliches Institut" nennt und in der Alexanderstr. 23 von dein Rechtskonsulenten Fabisch und Dr. jur. v. Kirchbach betrieben wird, in Anspruch genommen und für die weniger als nichts werte Rechtshilfe 25 M. gezahlt habe.— Das Schöffengericht sprach den Angeklagten frei und das Landgericht als Berufungsinstanz bestätigte am 4. Dezember 1909 das Urteil. Es erachtete in den wesentlichen Punkten den Wahr- heitsbeweis für erbracht. Es habe sich später allerdings heraus- gestellt, daß tatsächlich ein schriftlicher Lehrvertrag borlag, während der Artikel davon ausging, daß ein solche-! nicht vorgelegen habe und die angestrengte Entschädigungsklage überhaupt nicht hätte angestrengt werden können. Das wäre aber unerheblich, weil sich der Artikel nur auf die Verhandlung vor dem Gewerbegericht vom 18. März bezogen, in dem selbst das Gewerbegericht das Nicht- Vorhandensein eines schriftlichen Vertrages angenommen habe und habe annehmen müssen. Insonderheit sei auch nicht etwa ausgeführt worden, daß ein solcher Vertrag überhaupt nicht vor- handen gewesen sei.— Im übrigen entbehre der Vorwurf, der Privatkläger habe den Arbeiter NevyS falsch beraten und sich ein unangemessenes, hohes Honorar bezahlen lassen, keineswegs der Begründung. Falsch beraten habe er unter anderem insofern, als die Klage bei einem falschen Gericht, nämlich dem Gewerbe- gericht, anhängig gemacht wurde, obwohl sie mit Rücksicht auf die vorwiegend kaufmännische Tätigkeit des Lehrmädchens vor das Kaufmannsgericht gehörte, wohin sie später von Amts wegen ad- gegeben wurde. Was endlich die Honorarfrage angehe, so habe Fabisch für ein Schreiben 5 M. genommen, wofür ein Rechts- anwalt nach der Gebührenordnung nur 1,40 M. hätte liquidieren können. Die weiteren 20 M. seien dem Privatkläger im wesent- lichen nur für die Anfertigung und Einrelchung der Klage beim Gewerbgericht gezahlt worden. Es müsse das Honorar als exorbitant hohes, zu dem Mckß der aufgewandten Bemühungen tn keinem Verhältnis stehendes bezeichnet werden, und es sei dem- nach der der darauf bezügliche Passus des Artikels durchaus am Platz. F. könne nicht zu seiner Entschuldigung anführen, daß er später dem Nevy zu dessen Vertretung vor dem ordentlichen Gericht auf eigene Kosten einen Rcchtsamvalt gestellt habe. Denn das habe er nur in seinem eigenen Interesse und zu seiner Recht- fertigung getan, weil er vom„Vorwärts" wegen seines Verhaltens scharf angegriffen worden sei und außerdem zu befürchten war. daß die Polizei gegen ihn einschreiten werde. Abgesehen davon, daß hiernach dem Angeklagten der für seine Behauptungen an- getretene Wahrheitsbeweis gelungen fei, stehe ihm auch der Schuh des 8 193 des Strafgesehbuches zur Seite. Diesen Schutz genieße er allerdings nicht schon in seiner Eigenschaft als Redakteur. Wohl aber sei ihm der Schutz des§ 193 deswegen zuzubilligen, weil er nach dem Ergebnis der Beweisaufnahme als früherer Buchdrucker auch jetzt noch der Buchdruckerorganisation angehöre. Sämtliche Berliner Gewerkschaften unterhielte» nun ein Arbeiter- fekretariat, das die Jnleressen der gewerkschaftlich organisierten Arbeiter nach allen Richtungen hin zu vertreten habe und ihnen bei Streitigkeiten vor dem Gewerbe-, Kaufmanns- oder AmtS- gerichtcn unentgeltlichen Rat erteile und erforderlichenfalls Ver- treter in der Person von Acbeitersekretären stellt. Es sei dem- nach das gute Recht und in einem gewissen Grade sogar die Pflicht des Angeklagten, alle Parteigenossen, welche wie Nevy mit Rechtskonsulenten üble Erfahrungen gemacht hatten, mit der vorerwähnten Einrichtung des Arbeitersekretariats de- kannt zu maHen und ihnen die Gefahren bor Äugen zü führst. welche sich aus Verbindungen mit getverbsmäßigen Rechts- konsulenten ergäben. Er habe somit eigene oder ihm wenigstens nahegehende Interessen wahrgenommen. Auch aus Form und Umständen sei die Absicht der Beleidigung nicht zu entnehmen Der Ausdruck„Winkelkonsulenten" in der Ueberschrist beziehe sich überhaupt nicht speziell auf den Kläger, sondern sei nur als allgemeines Kennwort gebraucht, das übrigens in den Sprach- gebrauch übergegangen sei. Herr Fabisch legte gegen dieses verständige Urteil Revision ein. Er trvt Rechtsanwalt Dr. Kurt Rosenfeld in der gestrigen Verhandlung vor dem 2. Strafsenat des Kammergerichts als Ver- treter Webers entgegen. Das Kammergericht hob nach langer Beratung die Bor- entscheidung nebst de» tatsächlichen Feststellongen auf und verwies die Sache zu nochmaliger Verhandlung an das Landgericht zurück. Es führte aus: Das Urteil sei an sich durchaus widerspruchsvoll. Aus dem Urteil sei nicht zu entnehmen, welcher Vorwurf dem Privatlläger gemacht sei und habe gemacht werden sollen, und worin der Beweis der Wahrheit bestehe.. Es sei erst" gesagt, Fabisch habe leichtsinnig in der Sache Nevy die Klage angestrengt, obwohl er sich sagen mußte, daß sie nicht Erfolg haben könnte, weil ein schriftlicher Lehrvertrag nicht vorlag. Dann sei wiever gesagt, es handele sich bloß darum, daß der Hergang des ersten Termins vor dem Gewerbegericht richtig dargestellt sei. Danach könne man aber nicht entscheiden, ob der Beweis der Wahrheit erbracht sei. Somit liege eine Verletzung des Gesetzes vor, die zur Aufhebung des Urteils führe. Das Landgericht müsse nun- mehr zunächst genau feststellen, um welchen Vorwurf es sich handelte, und ob dafür der Beweis der Wahrheit erbracht sei. Erst wenn dies verneint würde, käme in Betracht, ob§ 193 des Strafgesetzbuchs(Wahrnehmung berechtigter Interessen) anwendbar wäre. Und da sei zu beachten, daß das Kammergericht auf einem anderen Standpunkt stehe, als er im Urteil des Landgerichts zum Ausdruck komme. Das Landgericht spreche von einer Pflicht des im Buchdruckerverbande organisierten Angeklagten Weber,„alle Parteigenossen" mit dem Arbeitersekretariat bekannt zu machen. Nach Auffassung des Reichsgerichts, der sich der Senat an- schließe, sei ß 193 aber nicht anzuwenden, wenn„alle Partei- genossen" irgendeiner Partei gewarnt werden sollten. Es müsse ein engerer Kreis sein. Unter Umständen würde es möglich sein, eine Wahrnehmung berechtigter Interessen anzunehmen, wenn jemand als Gewerkschaftsmitglied gehandelt habe und s e i u r Gewerkschaftsgenossen habe schuhen wollen. Aber wie es das Landgericht sage, so könne der Schutz des 8 193 nicht zu- gebilligt werden. Das werde das Landgericht in der neuen Ver- Handlung zu beachten haben. « Voraussichtlich dürfte ja auch die erneute Verhandlung mit einer Freisprechung enden. An die bedauerliche Einengung deS § 193 des Strafgesetzbuches durch das Kammergericht ist ja im neuen Verfahren das Landgericht gebunden. Es steht dem Ge- nassen Weber aber der Schutz des§ 193 des Strafgesetzbuchs auch für den Fall, daß nicht alles bis auf das Tipfelchen über dem» in der erneuten Verhandlung für erwiesen erachtet werden sollte, zu. Die mit Recht abfällig kritisierte Tätigkeit des Rechts- konsulenten Fabisch ist eine„gewerbliche Leistung". Tadelnde Urteile über eine solche sind aber nach§ 193 straffrei.§ 193 nennt nebeneinander als Strafausschließungsgründe: tadelnde Urteile über wissenschaftliche, künstlerische oder gewerbliche Leistungen, und Aeußerungen, welche zur Ausführung der Ver teidigung von Rechten oder zur Wahrnehmung berechtigter Jnter essen gemacht werden. Die Judikatur, die die Kategorie der Wahrnehmung berechtigter Interessen der Presse gegenüber enk gegen dem Gesetzeswort und der Gesetzesabsicht so arg eingeschränkt hat, hat nie bestritten, daß der für tadelnde Urteile gegebene Schutz einem Redakteur nicht minder wie jedem anderen Staate bürger zusteht._ Das schwere Eisenbahnunglück bei Rosenthal, welches sich am 12. Oktober v. I. an der Reinickendorf-Ltebcn walder Kleinbahn ereignete, wird binnen kurzem sein erstes gericht liches Nachspiel erhalten. Gegen den Fleische rmcister Adolf Mai wald, früher in Reinickendorf, jetzt in Rixdorf wohnhast, ist jetzt die Anklage wegen Gefährdung eines EisenhahntranSports und fahrlässiger Tötung erhoben worden. Der Angeklagte fuhr mit seinem offenen Schlächterwagen, der mit 8 Personen, darunter 5 Kindern, besetzt war. am 12. Oktober, abends kurz vor 7 Uhr, den Weg Rosenthal-Wittenau entlang. Der Wagen wurde von Maiwald gelenkt, neben welchem sein Kutscher sah. Beim Passieren einer Niveaukreuzung der Reinickendorf-Liebenwalde-Grotz-Schönebecker Privatbahn wurde der Wagen von einem Zuge erfaßt und über- fahren. Die Folgen dieses Zusammenpralls waren furchtbare. Das Gefährt wurde zertrümmert und die darauf befindlichen Per- sonen teils überfahren, teils mit großer Wucht zur Seite gestoßen. Getötet wurden außer dem Söhnchen Hans Maiwald auch der Kutscher, ein Dienstmädchen und ein Knabe Conrad. Nur ein fünf- jähriges Mädchen blieb unverletzt, die übrigen Personen, nämlich Herr Maiwald selbst, ein Bruder des getöteten Knaben Eonrad und die kleine Frieda Arndt erlitten mehr oder minder schwere Verletzungen. Die kleine Arndt war unter die Maschine geraten. erlitt einen schweren Schädel- und Armbruch und hat die Sehkraft auf dcni einen Auge verloren.— Die Anklagebehörde macht den Angeklagten für diesen Unglücksfall verantwortlich und behauptet. daß et nicht die gehörige Vorsicht angewendet und da» Herannahen des Zuge» rechtzeitig habe bemerken müssen. Der Angeklagte beruft sich dagegen auf mehrere Zeugen, die bekunden sollen, daß die Niveaukreuzung dort sehr gefährlich ist und von der Bahnver- waltung nicht die genügende Vorsicht beobachtet werde. Mehrere Zeugen sollen bekunden, daß ihnen an derselben Stelle schon Pferde totgefahren worden seien, andere, daß an dem Bahnübergange keine Beleuchtung sich befunden, daß es an dem kritischen Abend sehr neblig und dunkel gewesen sei und der Zug nicht geläutet habe.— Die Strafsache wird noch in diesem Monat vor der 3. Strafkammer des Landgerichts III unter Vorsitz des Land- gerichtsdirektorS Licbenow verhandelt werden. Revision Grosser verworfen! DaS Reichsgericht verwarf, wie uns ein Telegramm meldet, die Revision des Kaufmanns Oswald Grosser aus Steglitz. Er war am 11. Dezember vorigen Jahres von dem Schwurgericht Leipzig wegen vollendeten und versuchten TodschlagS zu 10 Jahren Gefängnis verurteilt. Grosser hatte am 18. November 1908 im Reichsgericht den Rechnungsrat Straßburg erschossen und Reichs- gerichtsrat Männer verwundet. Verlammlunolen. Lerantwortlichcr Redakteur Richard Barth, Berlin. Zur den Der Zentralverband der Schuhmacher(Zahlstelle Berlin) hielt am Mittwoch eine Generalversammlung ab. Den Kassenbericht erstattete B e n d i g. Er umfaßte da? 4. Quartal 1909. Die Abrechnung der Lokalkasse balanzierte in Einnahme und Ausgabe mit 12 333,63 M. Die Kapitalanlage betrug ani 30. September 6228,83 Mark, am 31. Dezember 6043,43 M.— Die Zentralkasse hatte eine Einnahme von 12 788,60 M, In der auf die gleiche Höhe festgestellten Ausgabe sind 4638 M. rund enthalten. welche an die Hauptkasse gesandt Ivurden. In der lokalen Zuschutzkasse betrugen Kapitalanlage und Kasscnbestond am 80. September 3104,80 M,, am 31. Dezember dagegen Lnseratenteilvcravtw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts > 8379,70 M, Die Zahlstelle umfaßt 2504 Mitglieder, darunter 124 weibliche.— Hildebrandt gab den Geschäftsbericht für die Fabrikarbeiter, D a l e n für die Schoßbranche, indem sie besonders auch die verschiedenen Differenzen und ihren Ausgang besprachen. In der Schoßbranche ist zurzeit noch Streik bei der Firma Breit- 1 p r e ch e r. Der Vorsitzende Herrmann hatte der Versammlung zwei Anträge der Ortsverwaltung zu unterbreiten. Der eine betrifft die Schaffung eine» Arbeitsnachweises für Schoßschnhmacher im Westen Berlins. Die erweiterte Ortsverwallung hat sich einstimmig dafür ausgesprochen unter folgenden Voraussetzungen: Der Nachweis ist nicht als selbständiger gedacht, sondern er soll eine Zweig-ArbeitS- nachweisstelle bilden, er soll also in Verbindung stehen mit dem Hauptbureau. Es soll ein passendes Zimmer mit Telephon bei einem Wirt gemietet werden, sodaß ein Verzehrs- zwang für die Kollegen anSgeschlossen ist. Die Vermitteluug hätte vormittags zwischen 10 und 12 Uhr stattzufinden. Die Führung des Nachweises hätte ein Beamter zu übernehmen. Es ist an eine prozentuale Verteilung der Unkosten auf die einzelnen Zahl- stellen gedacht, welche in Betracht kämen. Schöneberg wird sich ohne weiteres anschließen. Von der Zahlstelle Charlottenburg, die eine» eigenen Arbeitsnachweis hat, steht es vorläufig noch nicht fest. Zweitens wird für die Verwaltung selbst eine Reorganisation vorgeschlagen. Der Beamte Hildebrandt scheidet von seinem Posten, da er Krankenkontrolleur wird. Nun hat cö sich auch nach Auffassung der Ortsverwaltung als ein Mißstand herausgestellt, daß der Vorsitzende außerhalb des Bureaus steht. Die Ortsverwaltung schlägt vor, einen ersten Bevollmächtigten anstelle deS ausicheidenden Kollegen Hildebrandt anzustellen. Die Tätigkeit innerhalb deS Bureaus würde sich etwa so gestalten: Der erste Bevollmächtigte hätte die Agitation und den ganzen Apparat zu leiten. Seine Tätigkeit müßte sich auf alle Brauchen erstrecken. Bei Differenzen hätte er ein- zugreife» und den schriftlichen Verkehr zu erledigen. Der zweite Bevollmächtigte könnte sich auf die Kasscnfiihrung und den Verkehr mit den Kollegen beschränken. Der dritte Augestellte, der als Hilf»- arbeiter fungieren würde, hätte die Bnreauarbeiten zu machen und den ersten Bevollmächtigten in der Agitation zu unterstützen. Eine neue materielle Belastung soll nicht eintreten. Nach längerer Debatte wurde beschlossen, den Posten eines besoldeten ersten Bevollmächtigten auszuschreiben mit der Maß- gäbe, daß bis Ende Februar die Bewerbungen einzugehen haben und die Wahl Anfang März vorzunehmen sei. Weiter wurde eine fünfgliedrige Kommission au» der Mitte der Versammlung bestellt, welche gemeinsam mit der Ortsverwallung die Bewerbungen um den Posten des ersten Bevollmächtigten zu prüfen hat. Dem Vorschlage, einen Arbeitsnachweis für Schoßarbeiter im Westen Berlins zu errichten. stimmte die Versammlung im Prinzip zu. 269 M.. die noch von der Schwedensammlung stammen, wurden der Lokalkasse zu dem Zweck überwiesen, ähnliche Streiks zu unter- stützen. Es folgte die Neuwahl der Ortsverwaltung, die unabhängig von obigem Beschluß über Ausschreibung des Postens eines besoldeten ersten Bevollmächtigten, uneingeschränkt erfolgen muß. Gewählt wurden zum ersten Bevollmächtigten Herrmann, zum zweiten Bevollmächtigten(Kassirer) Ben big, zum dritten Bevollmächtigten(Schriftführer) Valerius, zum Stellvertreter des ersten Bevollmächtigten Vollmerhaus, zu Revisoren Weißen bor n, Krauie und H a m a n n. Die Vorschläge zur Wahl des GesellenauSschusseS fielen auf Holzgräfe, Foht und Blaffert als ordentliche Mitglieder, sowie auf Ankowiak, Vollmerhaus, Matzkun, Kr enzin und N y r o u als Ersatzleute.— Für die Wahlen zun» Innung?» schiedsgericht wurden vorgeschlagen als Beisttzer Foht. Holz« gräfe, Scholz und Blaffert. als Vertreter Sieg, Charnitzky, Ankowiak und K r e n z i n. Die weiteren Punkte der Tagesordnung wurden vertagt. Die in den Revierinfpektionen der stäbtischen Gaswerke beschäf. tigten Hilfsschreiber, 1. und 2. Schreiber hielten am Sonnabend eine gut besuchte Versammlung ab, in der sie die Frage erörterten: Sind die in de» Rcvicrinspcktionen beschäf» tigten Schreiber Handlungsgehilfen im Si-.me des Gesetzes? In der Versammlung wurde zum Ausdruck gebracht, daß die Entwickclung der städtischen Gaslvcrke eine Kate» gorie von Angestellten geschaffen habe, die weder Beamte noch Ar» beider seien. Es stehe zweifellos fest, daß die städtischen Gaswerke kaufmännische Betriebe im Sinuc des Gesetzes sind, und weiter, daß die Schreiber der Revierinfpektionen eine kaufmännische Tätig, keit ausüben. Daraus gehe hervor, daß diese Schreiber Handlungs- gehilfcn im Sinne des Gesetzes seien. Diese Tatsache sei, so wurde in der Versammlung ausgeführt, von den städtischen Behörden auch selber anerkannt, indem zu den Kaufmannsgerichtswahlen, zu denen von Arbeitnehmerseite doch nur Handluugsgehtlfen wählen dürfen, den Schreibern von den städtischen Behörden Berlins Wahl- legitimationen ausgestellt und in Rixdorf die Schreiber in die amtliche Wählerliste vom Magistrat eingetragen worden seien. Für die Hilfsschreiber ist die Anerkennung ihrer Eigenschaft als Hand- lungsgehilsen von größter Bedeutung, weil sie damit das Recht auf die gesetzliche Kündigungsfrist von sechs Wochen zum Quartals- schloß oder eine vereinbarte Mindestkündigungsfrist von einem Monat erhalten. Heute aber werden die Schreiber entgegen den. klaren gese�lichen Bestimmungen mit täglicher Kündigung, diu 1. und 2.«chreiber nnt acht- oder vierzehntägiger Kündigung de» schäftigt. Der Magistrat hat sich noch nicht veranlaßt gesehen, hier Abhilfe zu schaffe», obgleich bereits in der Nummer des„Vor» wärts" vom 23. Dezember v. I. auf diese ungesetzlichen Verhältnisse hingewiesen wurde. Die Versammlung beschloß einmütig, mit allen Mitteln zu versuchen, den gesetzlichen Bestimmungen bei den städtischen Behörden Geltung zu verschaffen, um damit die 11». sicherheit der Existenz, unter denen die Angestellten leiden, nach Möglichkeit cinzuschräilken. eSasserftaiids-Rachrtchten Gafleeftonft Memel. TiM Brezel, Jntterbma Weichsel, Thorn Oder. Ratibor , Kruste» • Frankwrt Wa r t h e, Schrinm» , LandSberg Netze, Durdamm Elbe, Leivncritz 0 Dresden 0 Bardo 0 Magdeburg Wasserstand Saale, Grochlttz Havel, Svandau») , Rathenow') Spree. Svremberz'j , BeeStow Weser, Münden , Minden Zi i> t l u, MaximilianSau , Kaub , Köln Neckar. Heilbrom, Main. Werlbetm Mosel, Trier 1 4- bedeute» Wuchs.— Fall.•) llnlerpeqel.•) Eisbewegung.•)®?. frei.*) Starkes MobrensNaßc). I. 8721. Pcrs. Rücksdr. diSkr. u. lostenl. Gcöjsnet von 6— 8 _ Sonntags von 13— 1.• Buchdruckerei u, Lcrlagsanstalt Paul Singer& Co.. Berlin SWi"" Nr. 27. 27. Jahrgang. 2. KilW des JntiDütto" Knlim Wksdlslt. Pittooitj, 2. Itbnni 1910. iRilitärMalifciie KnlcrUWcifc vor dem Kriegsgericht. Berlin, den 1. Februar. Sieben Personen auf der Anklagebank. Ein Monsterprozeh von einem Ilmfang, wie er die deutschen Militärgerichte bisher wohl noch nicht beschäftigt haben dürfte, hat heute morgen vor dem Kriegsgericht der I. Gardcdivision begonnen. Man kann ihn als ein Seiten st ück zur Kieler Werft- a f f ä r e hinstellen. Ende vorigen Jahres erschienen in der Presse »nehrfach Artikel über Massenunterschlagungen und Bestechungen, die bei der Fuhartillerie- Schiehschule zu Jüterbog Vorgekommen sein sollten. Im Oktober erfolgte dann die Verhaftung von sieben Personen. Es waren dies ein Wachtmeister, zwei Vize- wacht m ei st er, drei Sergeanten und ein Fahrer. Einer der Sergeanten, der inzwischen zur Schvneberger Polizei über- getrete» ivar, wurde aus seiner Dienststelle heraus verhaftet und mitsamt den übrigen Kameraden in das in der Lehrter Strohe belegene Untersuchungsgefängnis eingeliefert. Die Untersuchung in der heiklen Affäre, die durch das Kriegsgericht der I. Gardedivision gesührt wurde, sollte sich auherordentlich schwierig gestalten und erst seht zur Anklage führen. Das Gericht sah sich genötigt, eine» ge- waltigen Zengenapparat aufzubieten und sind denn ans allen Teilen des Deutschen Reiches und auch aus dem Auslande Zeugen zu der Verhandlung erschienen. Sie verursachen dem Staat nicht weniger als nahezu lOOOO M. Gebühren. Im ganzen hat das Kriegsgericht 118 Zeugen geladen. Es sind folgende Personen angeklagt: Wachtmeister Karstädt, Vizewachtineister Rautenberg. Pizcwachtmeister Müller, die Ser> geanten Pruschke und Wahl, der Schutzmann und frühere Sergeant Meyer und der Schlepper Hansel, sämtlich von der Bespannungs- ableilung der Fuhariillerie-Schiehschule. Allen Angeklagten wird Br- stechung und militärischer Diebstahl zur Last gelegt. Den Angeklagten Karstädt und Müller wird ferner mangelnde Beaufsichtigung Unier- gcbener und Mihbrauch der Dienstgewall vorgeworfen. Auch Pruschke, Meyer und Wahl sollen die ihnen zustehende Dienstgewalt Unter- gebenen gegenüber mihbraucht haben. Nach Feststellung der Personalien der Angeklagten wird durch den Vertreter der Anklage die sehr umfangreiche Anklage verlesen. Wie aus ihr hervorgeht, haben die den Angeklagten zur Last gelegten Straftaten bereits nn Jahre 1900 begonnen. Es werden fortgesetzte Handlungen angenommen. Wachtmeister Karstädt soll die ihm obliegende Beaufsichtigung Untergebener in schuldhafter Weise versäumt haben. Es wird ihm ferner zur Last gelegt, für Handlungen, die eine Verletzung seiner Dienstpflicht enthielten, Ge schenke und andere Vorteile angenommen zu haben. Er soll weiter die ihm obliegende Meldung strafbarer Handlungen Untergebener und zwar der Milbeschuldigten Pruschke. Wahl, Meyer und Hansel vorsätzlich unterlassen haben. Ferner soll er unter Mistbrauch der Dienstgewalt und feiner dienstlichen Stellung Untergebene zum Diebstahl von militär- fiskalischen Futtervorräten vorsätzlich bestimmt haben. Schließlich soll er im Eigentum des Militär- fiskus stehende Futtervorräte in der Absicht rechtswidriger Zueignung weggenommen haben. Die Anklage zieht u. a. Bejtechungs- Paragraphen heran. Die Vernehmung der Angeklagten. Zunächst wird Pruschke vernommen. Der Verhandlungsleiter hält ihm vor. daß durch einen Kanonier seinerzeit Anzeige erstattet wurde und daß damals gegen den Sergeant Zenbier, gegen Karstädt und gegen Pruschke ein Verfahren eingeleitet wurde. Zenbier wurde verurteilt und gegen die beiden anderen das Verfahren eingestellt. Pruschke will von den Machinationen des Zenbier nichts gemerkt haben. Pruschke übernahm seinerzeit die Stellung eines FuttermeisterS. Räch früheren Angaben hat er immer geahnt, daß Futterunter- schlagungen vorkanien. Wenn Engel, der Haferlieferant, noch öfter komnie, so werde er den Stall nicht mehr übernehmen. Die ganze Hasergeschichte mit Engel sei unsauber und schon vor Jahren seien Gerüchte von Unterschleiken im Umgang gewesen. Pruschke bestreitet heute, diese Aussagen seinerzeit gemacht zu haben. Er will das alles angeblich phantasiert haben und damals nervenkrank gewesen sein. Nur mit Scheu habe er damals das Amt eines FuttermeisterS übernommen. Futterhändler Engel fuhr beim Ausladen deS Hafers hinten am Stall vor. Auf die Frage, ob der Angeklagte irgend welche Vorteile durch Engel gehabt habe, ont- wartet er:„ileinl* Der Verhandlungsleiter hält ihm vor, daß Engel namhafte Trinkgelder an die Unteroffiziere gegeben habe, er habe sie häufig freigehalten und ihnen andere Zuwendungen gemacht. Pruschke bestreitet dies alleS. Zur Erläuterung fei hier angeführt, daß der Futterhändler Engel den Hafer vom Militärfis'uS abholte, um den Hafer zu schroten. Nach vierzehn Tagen brachte er dann den geichrotetcn Hafer wieder zurück und bei dieser Gelegenheit sollen die Unrcgel- Mäßigkeiten vorgekommen sein. Der abgelieferte geschrotete Hafer soll den abg-�vlten Quantitäten nicht entsprochen haben. Der Ver- Handlungsleiter fragt den Angeklagten, ob er von dem Körbchen, in dem allerhand schöne Sachen waren und daö auf dem Wagen, der den geschroteten Hafer enthielt, lag, gewußt habe. Auch hiervon will P. nichts wissen. Wachtmeister Karstädt gibt an, daß er mit der Hafergeschichte gar nichts zu tun gehabt habe; er könne also von den Defrauda- tionen gar nichts wissen. AIS Pruschke Futtermeister war, war der Pfcrdebestand 133. Ein Batteriebefehl betreffs der Kontrolle des FuttermeisterS über die Futtercin- und-ausgänge e x i st i e r t nicht. ES sei dies eine VenrauenSsache, und Pruschke habe dein Engel gegenüber kein Mißtrauen geschöpft. Zu der Zeit, als P. Fulternieister war, waren etwa 20 bis 60 Pferde.schrotbedürftig". Den Schrot hatte P. in Tonnen auf dein Boden untergebracht. 2 bis 8 Sack geschroteter Hafer waren zumeist beständig vorhanden. P. gab den geschroteten Hafer aus und fütterte auch selbst die Pferde. Karstädt will von den ganzen Machinationen, die die Anklage enthält, nichts gemerkt haben. Er kenntEngel schon aus frühercnZeitcn her, als er noch bei der Feldartillerie-Schießschule stand, Engel lieferte auch für diesen Truppenteil. Er verkehrte auch mit den Unteroffizieren der Feldartillerie-Schießschule freundschaftlich. Auch mit der Frau und Schwiegermutter deS Angeklagten stand Engel in freundschaftlichem Verkehr. Eier, Butter oder andere Vorteile will Karstädt von Engel nicht erhalten haben. Dieser ihm zur Last gelegte Vorwurf sei nicht der Wahrheit gemäß. Er will auch nicht gesehen haben, daß Engel mit einem Korb die Kaserne betreten hat. Engel lieferte nicht allein Futtervorräte, sondcm auch Kartoffeln für die Küche usw. Da habe es denn möglich sein können, daß Engel einmal mit einem Korb, in dem er für sich selbst etwas mitgebracht habe, in die Kaserne gekommen sei. — Karstädt will mit Engel wohl hin und wieder ein GlaS Bier getrunken haben, aber große Zechgelage will er nicht mit ihm ab- gehalten haben. Nur bei einer FastnachtSkneiperei sei er mit den anderen Angeklagten und Engel zusammen gewesen. Vizcwachtmeister Rautenberg ist seit dem 2. Oktober 1905 in der Bespannungsabteilung. Auch er will von unsauberen Machinationen in der Truppe nichts gewußt haben. Er hat keine Geschenke von Engel angenommen und nicht mit ihm gekneipt, sondern nur Bier mit ihm getrunken. Rautenberg stand mit den anderen Beschuldigten nicht gut. Er könne also unmöglich mit ihnen gemeinsame Sache gemacht haben. Außerdem habe er ja mit dem ganzen Futlerkram nichts zu tun. Vizewachtineister Müller hat Karstädt von November 1907 bis Juli 1908 vertreten. Er hat sich nicht weiter darum gekümmert, welche Quantitäten Hafer abgeschickt und welche Schrotmengen wieder zurückgekommen sind. Er habe Wohl nachgesehen, aber nicht eingehend kontrolliert. So genau könne er sich nicht über alles informieren. Die Vorhaltung, daß er von Engel auf der Schreib- stube Geld erhalten habe, deutet Müller dahin, daß Engel auch Kleie geliefert habe und diese von ihm, M., bezahlt erhielt. Er habe dann oft Geld beim Wechseln herausbekommen. Sergeant Meyer war etwa V/i Jahr Futtermeistcr. Er be- kündet, daß Engel am 1. Oktober 1905 zum erstenmal Stroh lieferte. Dieses war aber nicht besonders gut und Meyer sagte ihm, wenn er sich nicht durch beffere Fourage einführen kann, so brauche er überhaupt nicht mehr zu liefern. Ein Jahr später stellte sich Engel dann zum zweitenmal ein. Er lieferte nun Heu, Stroh, Erbsen, Schrot usw. Er, der Angeklagte, halte die Schrot- fütterung bei Pferden mehr für schädlich als nützlich. Er habe seinerzeit die Schrotlieferungen kontrolliert und niemals Iln- rcgelmäßigkeitcn bemerkt. Daß aber die Haferabholungeu den Schein der Veruntreuungen aufkommen lassen, müsse er zugeben. Wenn jemand etwas nach der Kaserne bringe, so kümmere sich kein Mensch darum, werde aber etwas abgeholt, so sei das Gegenteil der Fall. Wenn das stimme, was einzelne Zeugen angegeben haben, so hätten täglich zwei Zentner unterschlagen werden müssen. Dies sei unmöglich. Von den hohen Trinkgeldern, die Engel gab. hat der Angeklagte eben- falls nichts beobachtet. Meyer behauptet, daß die abgelieferten cschrotladungen den Hafcrlicferungen entsprochen hätten. Die Fahrer hätten wohl zumeist nur beobachtet, wie der Hafer abgeholt wurde, dagegen von den Schrotlieferungen nichts bemerkt. Nach einer kurzen Mittagspause wird mit der Vernehmung der Angeklagten fortgefahren. Sergeant Wahl hat vom Februar bis Oktober 1907 das Amt des Futtermeisters versehen. Er hat ebenso wie seine Vorgänger den Hafer herausgegeben und den Schrot entgegengenommen. Unterschleife hat er nicht bemerkt. Es ist ihm auch nicht weiter aufgefallen, wenn Engels Fuhrwerk hinten an der Straßenseite hielt. 51meipereien hat er mit Engel nicht erlebt. Bei einem Besuch in Pechmühle, bei Müller-Engel, den Inhabern der Mühle, will er nur Kaffee getrunken, sonst aber nichts entgegengenommen baben. Bei seiner weiteren Vernehmung gibt Sergeant Wahl an, daß Wachtmeister Karstädt mit der Kontrolle der Futterliefcrungen nichts zu tun gehabt habe. Die Futtergeschäfte lagen lediglich in den Händen der Futtermeister und es war deren Sache, mit den Futterlieferanten zu unterhandeln. Als letzter Angeklagter wird der frühere Kanonier und Fahrer Hansel vernommen. Er widerruft seine früher gemachten An- gaben, wonach ihm die Sache mit den Haferlicferungen verdächtig Vorgekommen sei. Daß das Quantum Schrot, das Engel nach der Kaserne zurückbrachte, ein weit geringeres war. als die yafer- lieferungen, hat Hansel anfangs zugegeben, heute bestreitet er dies. Er will bei der damaligen Vernehmung verwirrt gewesen sein und nicht gewußt haben, waS er aussagte. Er gibt zu, von Engel Trinkgelder erhalten zu haben. Sie betrugen zumeist eine Mark. Hansel behauptet jedoch, die Trinkgelder schwer verdient zu haben; er habe dem Engel die Pferde getränkt, gefüttert und geputzt, den Wagen gereinigt usw. Bei seiner damaligen Ver- nehmung hatte Hansel ausgesagt, er glaube, daß es mit den Futter- geschäften nicht rechtmäßig zugehe, doch wenn sich die Offiziere und der Wachtmeister nicht darum kümmerten, so gehe es auch ihm nichts an. Ferner soll der Angeklagte gesagt haben, er habe jetzt immer Geld, der Engel sei ein guter Kerl. Rechtsanwalt Ulrich bittet um Aufklärung der Behauptung, Hansel sei die rechte Hand des Wachtmeisters und bei ihm wie das„Kind im Hause". Hansel bekundet hierzu, daß er auf die Kinder des Wachtmeister aufgepaßt, für Karstädts Hund gesorgt, die Hühner gefüttert und andere Verrichtungen getan habe. Hansel, der unter den Kanonieren den Spitznamen „Häckselmajor" hat, will mit Karstädt keinerlei Futtergeschäfte unternommen haben. Karstädt behauptet, daß Hansel für seine Dienstleistungen bei ihm entsprechend entschädigt worden sei. Hiermit ist die Vernehmung der Angeklagten beendet und es werden zunächst die Sachver- ständigen gehört. Stabsarzt Dr. Krause hat den Angeklagten Pruschke, der nervenkrank ist, im Lazarett untersucht. P. hat eine Lähmung der linken Seite mit Verbesserungen und Verschlimmerungen, doch ist anfangs sein geistiger Zustand nicht Gegenstand einer Unter- suchung gewesen. Später wurde eine Erkrankung der Hirngefäße festgestellt, die eine Einschränkung der seelischen Tätigkeit herbei- führen können. Aber alle diese Schädigungen seiner geistigen, psychischen Tätigkeit sind nur geringe. Es ist aber auch auSge- schlössen, daß von Pruschke die von ihm früher gemachten Angabe» lediglich phantasiert worden seien. Die früheren Aussagen seien als vollgültig anzusehen. Justizrat Winterfeld richtet an den Sachverständigen die Frage, ob Sergeant Pruschke bei seinem Zu- stand in der Vorvernehmung kurz nach der Verhaftung durch Fragen suggeriert worden sein könnte. Dr. K. hält dies nicht für möglich.§ 61 des Strafgesetzbuchs komme hier nicht in Betracht. Oberstabsarzt Dr. Butterrack schließt sich dem Gutachten an. Es schließt sich jetzt ein Disput zwischen den Verteidigern und den Sachverständigen über die Aussagen an, die Pruschke seinerzeit den Aerzten gegenüber gemacht hat. P. hat damals zugegeben, daß lln- regelmäßigkeiten vorgekommen seien, darüber aber, ob er selbst daran beteiligt sei, hat er sich nicht erklärt. Es wird hier noch einmal die frühere Aussage des Pruschke verlesen. Danach hat P. schon als Kapitulant bemerkt, daß die Geschäfte mit dem Futter- lieferanten Engel keine sauberen gewesen seien, er habe aber nicht die nötige Energie gehabt, einem Offizier Meldung zu machen. Einmal habe er Aepfel, ein anderes Mal eine Flasche Schnaps von Engel erhalten. Der Fall Zenkier, der ja als ein Vorspiel dieses Prozesses zu betrachten ist, kommt sodann zur Sprache. Kricgsgerichtsrat Ullmamr verlieft das Urteil, daö seinerzeit vom Kriegsgericht gegen den Sergeanten Z. gefällt wurde. Z. war tvcgen militärischer Unterschlagung und Mißbrauchs der Dienstgewalt zu drei Monaten Gefängnis, De- gration und Versetzung in die zweite Klasse deS Soldatenstandes verurteilt worden. Eines Tages hatte Z. eine Ladung Hafer nach der Kaserne schaffen sollen. Unterwegs in einem Wald ließ er plötzlich anhalten, gab vor, die Pferde"können in dem Sand nicht mehr weiter und ließ fünf Sack Hafer abladen. Er fuhr weiter und forderte den Kanonier Scholz auf zurückzubleiben und den Hafer zu bewachen; er werde abgeholt werden. Scholz mutzte nun mitten im Wald den Hafer, der nach Ansicht des Gerichts von Z. unterschlagen und von einer dritten Person„verschärft" worden ist, bewachen. Er wurde später abgerufen, und der Hafer blieb unbewacht zurück. Dos Oberkriegsgericht erhöhte die Strafe gegen Z. auf 5 Monate Gefängnis. Den unterschlagenen Hafer soll auch der Müller Engel erhalten haben. Karstädt und Pruschke, gegen die seinerzeit ebenfalls die Untersuchung eingeleitet worden war, wurden wieder außer Verfolgung gesetzt. Zcnlier hatte seinerzeit versucht, die Untergebenen"!» ihrer Aussage zu beeinträchtigen. Sie sollten doch nicht so dämlich sein und ihn reinreitzen, vom Hafer braucht keiner etwas zu wisseit. Durch solche und ähnliche Aeußerungen hatte Z. die Kanoniere zu bestimmen versucht, günstig gegen ihn auszu- sagen. Hierauf wird mit der Zeugenvernehmung begonnen. Als erster Zeuge wird Hauptmann Nagel aufgerufen. Hauptmann N. hat im Oktober 1905 die Bespanuungsabtcilung formiert und Ivar erster Abteilungsführer. Nach den Aussagen des Zeugen wird den Futtermeistern im allgemeinen viel freie.Hand gelassen. Hauptmann N. hakte niemals Verdacht geschöpft, daß unregelmäßige oder unsaubere Dinge vorgekommen sind. Er hat öfters Kontrollen ausgeübt, doch niemals Anlaß zum Einschreiten gehabt. Der Futterzustand der Pferde war nach seiner Ansicht ein sehr guter. Dem Angeklagten stellt der Zeuge gute Zeugnisse aus. Hauptmann Nagel vermag darüber nichts anzugeben, in welcheiu Umfange„geschrotet" wurde. In den ersten Monaten seines Kommandos wurde überhaupt nicht„geschrotet". Es kamen vielfach Herren von anderen Truppenteilen, die sich über den Zu- stand der Pferde sehr lobenswert aussprachen. Rechtsanwalt Ulrich stellt an den Zeugen die Frage, ob ihm etwas über ein Monitum, baß die Pferde zu dick seien, bekannt ist. Hauptmann N. kann sich hierauf nicht entsinnen. Da- gegen erimrcrt er sich einer Anordnung, wonach die Pferde der Bcspannungsabteilung mehr als die anderen zum Dienst heran- gezogen iverden sollen, weil sie sich in außerordentlich gutem Futterzustond befanden. Der nächste Zeuge, Hauptmann Zechel, hat Ende des JahreS 1906 die Abteiluirg übernommen. Er bekundet u. a., daß die Futterrationen für die Kavalleriepfcrde so knapp seien, daß die Tiere kaum satt würden. Der Bataillonskommandeur, Major W., äußerte eines Tages, die Pferde seien zu dick, das Fett»lüsse her- unter. Die ein- und auslaufenden Fouragcn hat der Zeuge dem Gewicht»räch niemals kontrolliert. Engel ist dem Zeugen keine angenehme Persönlichkeit gewesen. Er hat ihn auch einmal auS dem Stall herausgeworfen. An Hauptmann Nagel wird die Frage gerichtet, ob vielleicht für die Pferde zuviel Fourage vom Proviantamt geliefert worden sei, da bei dem vorzüglichen Zustand der Tiere Unterschlagungen unmöglich seien. Hauptmann N. glaubt nicht, daß zuviel Proviant geliefert tvorden sei. Ter nächste Zeuge ist Oberleutnant Nonne, der im Jahre 1903 die Abteilung übernommen hat. Eines Tages erschien bei dein Zeugen Oberleutnant Bräuer und teilte ihm mit, sein Bursche habe ihm erzählt, daß in der Batterie schon seit längerer Zeit Unterschlagungen und andere Unregelmäßigkeiten vorkämen. Oberleutnant Nonne nahm sich der Angelegenheit sofort an und machte entsprechende Feststellungen. Sic führten dann dazu, daß Major Kipping anordnete, daß die Sache dem Kriegsgericht der 1. Gardc-Division überwiesen wurde. Es wurde nun zunächst der bereits erwähnte Fall Zenkier herausgegriffen und abgeurteilt. Der Zeuge wußte, daß der Müller Eiigel für die Bespanuungs- abteilung Fourage lieferte, doch war ihm auch bekannt, daß Engel aus dem Neuen Lager ausgewiesen war und dort mit ihm keine Geschäfte mehr abgeschlossen wurden. Die geheimnisvolle nächtliche Wagenfahrt. Oberleutnant Nonne kommt auch auf die nächtliche Wagenfahrt deS Wachtmeisters Karstädt und des Sergeanten Pruschke zu sprechen. Er hat entgegen der Behauptung des Karstädt diesem keineswegs den Befehl gegeben, noch spät abends anzuspannen und gemeinsam mit Pruschke nach Pechmühle, wo die Mühle des Ge- treidehändlers Engel liegt, zu fahren. Karstädt hat die Wagenfahrt vielmehr auf eigene Faust unternommen. Es wird daher ver- mutet, daß er mit Engel unterhandelt hat, da ja bereits etwas in der Luft schwebte. Als dann kurz darauf Oberleutnant Nonne bei der Vernehinung der Zeugen war, erschien Engel im Stall der Bespannungsabteilung und sprach mit den Leuten. Der Zeuge bekundet weiter, daß in Jüterbog! viel geredet und gemunkelt worden sei, doch habe niemand etwas Bestimmtes behauptet. Auf Grund des Futterzustandes der Pferde sei niemals der Gedanke bei ihm gekommen, daß den Tieren die Rationen geschmälert bezw. daß Unterschlagungen verübt würden. Der Gastivirt Gustav Schulze, der in Jüterbog! ein Restaurant hat, sagt aus, daß Engel im Jahre 1905 oder 1906 einmal mit Karstadt in seinem Lokal gewesen sei und gezecht habe. Ob er aber die Zeche bezahlt habe, wisse er nicht mehr. Auch der Gastwirt Otto Schulze vermag keine genauen Angaben mehr zu machen. Er weiß sich mir noch zu entsinnen, daß Engel eines Tages mit mehreren Unteroffizieren bei ihm einkehrte und eine Zeche von etwa 6— 8 M. machte. Die Sitzung wird hier abgebrochen und vertagt._ Zur Lage der Kleinbauern und ländlichen Arbeiter. (Wiegen Raummangels wiederholt zurückgestellt!) III. Rcntenquetschere». Der Bericht Ostpreußen druckt auch einen Vortrag des Landes- rates Meycr-KLnigsberg, gehalten auf der Konserenz ostpveußischer Vertrauensärzte, im Wortlaut ab, auf welche wir gelegentlich noch zu sprechen kommen werden und welcher in dem Lamento ausklingt: „Wo viel Licht ist, findet sich auch viel Schatten. Den großen Vorteilen, die die sozialen Versicherungsgesetze dem deutschen Volke bringen, stehen auch erhebliche Nachteile gegenüber. Denn die Versicherung bringt die Gefahr mit sich, daß das moralische Empfinden des Volkes herabgedrückt und der Unterschied zwischen Recht und Unrecht, Wahrheit und Lüge im Volksbewußtsein ve» wischt wird." Es wird deshalb aufgefordert: die Verlebten besser zu kon- trollicren. Und wahrlich, fast alle Berufsgenossenschaften haben von diesem Rechte reichlich Gebrauch gemacht! Schlesien berichtet stolz, daß bei 1080 nachuntersuchten Krüppeln in 38 Proz. der Fälle die Rente herabgesetzt oder entzogen werden konnte!„Erhöhung der Rente trat in keinem Falle ein." Das glauben wir gern. Erspart wurde dadurch 12 589,19 M. Rente pro Jahr.—„Die erzielte dauernde Ersparnis ist für die Berufsgenossenschaft sehr erheblich, da in 167 Fällen, in denen eine Rentenänderung stattgefunden hat, seitens der Sektionsvorstände bereits dauernder Rcntcnbezug an- genommen war."!! Auch in Baden will man keine Dauerrenten gelten lassen. „Es wurde besonders auf dem Lande die Gewährung von Dauerrentcn in jenen Fällen, wo man die Verletzten trotz un- bedeutender, wenn auch dauernder Schäden alle Arbeiten ver- richten sähe, beanstandet. Auch auf die Ucbertrcibung der Unfall- folgen, besonder» durch die Unternehmer selbst und ihre Familien- angehörigen, auf die nicht selten beobachtete Simulation wurde aus der Mitte der Versammlung hingewiesen. Da sich die all« gemeinen Rentenrevisionen neben anderen Maßnahmen als ein Gegenmittel gegen diese Erscheinungen erwiesen haben, so wurde der Wunsch auf deren baldige Durchführung in den noch auS« stehenden Bezirken ausgesprochen." Baden erzielte durch die Kontrolle von 7751 Verletzten pro Jahr 34 195 M. an Rente I Auch im Untcr-Elsaß möchte man am liebsten alle Renten entziehen: „Eine bekannte Tatsache ist e», daß solche Personen, soweit Arbeiter in Frage kommen, in landwirtschaftlichen Betrieben, bei welchen es sich zum größten Teil um gröbere Arbeiten handelt, zu denen keine besondere Geschicklichkeit gehört, und welche auch Ben cfttem TrVtNer init Minsen korßttUchcn D'eMcn?!i tu «üßcnber Weise ausgeführt werden können, gegen den vollen Sohn Beschäftigung finden, einen meßbaren(Zchadcn also nicht erleiden und selbstversicherte Bctriebsunternehmer und deren Ehefrauen erst recht wirtschaftlich nicht geschädigt werden. Trotzdem müssen solche kleine Renten unter dem Zwange gesetzlicher Bestimmungen und der Rechtsprechung der Instanzen bewilligt werde«. Gerade diese kleinen Renten sind es, welche vielfach die Un- zufriedrnlirit mit der landwirtschaftlichen Unfallversicherung, auf dem Lande hervorrufen. Personen, für welche eine Erwerbs- beeinträchtigung von 10— 20 Proz. festgestellt ist. verrichten im ollgemeinen die ihnen obliegenden Arbeiten, ohne daß der Laie in der Lage wäre, bei denselben eine nennenswerte Arbeits- beeinträchtigung zu erkennen/' Welch« traurige Rolle bei den Rentenschnüffeleien die Land- Kirgermcistcr spielen, zeigt unS auch der Bericht der Elsässer: „Auch eine grosse Anzahl Bürgermeisterämter find, teils un- aufgefordert, teils auf vorherige Anfrage der Genossenschaft in der Ueberwachung der rentcnbeziebenden Personen durch fach- dienliche Auskünfte über die Arbeitsfähigkeit gewisser Renten- empfänger ihrer Gemeinden an die Hand gegangen. Wir wollen nicht verfehlen, denselben an dieser Stelle unseren Dcmt auszusprechen, gleichzeitig aber an alle Gemeindebehörden den Appell richten, ihre Rentenempfänger zu beobachten und die Genossen- schaft auf solche Verletzte, welche nach ihrer Ansicht«ine zu hohe Rente beziehen öder überhaupt wieder vollständig hergestellt sind, aufmerksam zu machen. Di« Bürgermeisterämter handeln zu einem nicht geringen Teil im Interesse der eigenen Gemeinden, wenn sie auf diese Weife zur Verringerung der Lasten der En- nossenschaft beitragen helfen." In Schlcswig-Holstcin wurd« laut Bericht durch eine eingehende Revision der Verletzten pro Jahr 21 584,90 M. Rente erspart, bin- gegen die„Kontrolle" der Betriebe auf eine eigentümliche billige Art vorgenommen: „In Ausführung eines Beschlusses des Provinzialausschusseö ist Fürsorge getroffen worden, daß im Verlaufe von 3 Jahren olle be> der schleswig-holsteinischen landwirtschaftlichen Berufs. gei-sssenschaft versicherten Betriebe entweder durch Brandschutz- amter. bezw. Brandschaukommissionen gelegentlich der Brandkchau yder durch die Vertrauensmänner, bezw. durch sonst gebildete Kommissionen usw. hinsichtlich der Befolgung der Unfallver- hütungsvorschriften überwacht werden." In Schwaben und Nruburg wurden durch die Rentcnrevision allein 27 890 M. erspart! Sehr offen spricht sich der Bericht der Bronbenvurger auS. dessen Vertrauensarzt wünschte, „daß Nachuntersuchungen doch noch häufiger vorzunehmen sein möchten, und daß in manchen Fällen die Kontrollsristen zu lang bemessen sind. Er hält für besonders wünschenswert, daß vor der ärztlichen Nachuntersuchung die tatsächlichen Arbeitsleistungen und die Lohnvcrhältnisse festgestellt werden, und daß manchen Aerzten und den Vertrauensmännern noch immer mehr zum Be- wußtsein gebracht wird, wie selbst schwere Verletzungen durch Ge- wöhnung bis zur Rentenversagnng sich bessern könnrn." „Durch Anfragen bei den Arbeitgebern, den Vertrauens- männern, Amts- oder Gemeindeborstehern wird zu ermitteln sein, welche Arbeiten der Verletzte in der letzten Zeit ausgeführt, ob er gepflügt, geeggt. Dung, Holz usw. geladen und gefahren, gemäht, gemolken, gefüttert, Häcksel geschnitten hat, ob und inwiefern er dabei erkennbar erheblich weniger geleistet hat als früher, oder als ein gesunder gleichartiger und gleichaltriger Arbeiter bezw. Unternehmer, ob als Ursache daftir die Unfallsolgen erkennbar waren, wie sein Lohnvcrdienst als Arbeiter wtsächlich gewesen ist, wieviel eine nicht mit den Unfallfolgen behaftete Person verdient haben würde usw." Im Bericht Rheinland Wird ettvähnt, daß durch die Renten- kontrolle 15 575 Proz. Rente mit 48 757 M. erspart werden konnte! Die Provinz Sachsen nennt das Ergebnis der Nachuntersuchungen „«in recht gutes", da in 36 Kreisen insgesamt 91 000 M. an Rente erspart wurde! Oberbahern hatte bei 663 untersuchten„Rentnern" 235 die Rente gemindert und 175 die Rente ganz entzogen, dadurch 13 320 M. an Rente gedrückt. NuS Westfalen wird gemeldet: „Ter Gesamtjahresbetrag des Rentenfortsalles beziffert sich nach den Revisionsbefunden auf 102 595.09 M. Hiervon sind in- folge der Schiedsgerichts- und der bis jetzt ergangenen Rekurs- entscheidungen 6650.75 M.— 6,48 Proz.(7,02 Proz.) abgegangen. Die noch ausstehenden 113 RekurSentscheibungen werden das end- gültige Ergebnis der Revisionen voraussichtlich noch gllustiger gcstcitm."!! Dis hellen Sachsen geben wieder folgende Aufklärung zum Vericht: „Es darf also seitens derjenigen Berufsgenossen, welch« auf die ungerechtfertigte Rente hingewiesen haben, nicht angenommen werden, daß ihr Hinweis unbeachtet geblieben sei. wenn dieser tatsächlich zu keinem Resultate führt? es sind in solchen Fällen eben die gesetzlichen Borschriftrn für eine Rentenänderung oder Einstellung nicht zu beschaffen gewesen. Der Frage der Bedürftigkeit der einzelnen Rentner darf Irgendein Einfluß aus die Rentendemessung nicht eingeräumt werden, da die Rente keine Armenunterstützung, sondern ein Er- satz deö verloren gegangenen Teiles der Erwerbsfähigkeit dar- stellen soll." Erwähnt sei auch noch aus dem Bericht Braunschwcig folgende Bemerkung: „Die Aufwendungen der Berufsgenossenschaft werden vor- auSsichtlich immer noch steigen, denn der sogenannte Beharrungs- zustand ist noch nicht erreicht. Ter Vorstand ist nun aber eifrigst bemüht, diese Steigerung in möglichst erträglichen Grenzen zu halten, und wurde zu diesem Zweck von Oktober 1907 bis dah,n 1908 eine außerordentliche Revision alter Rentenempfänger vor- genommen, deren Resultat im einzelnen aus der anliegenden Tabelle B ersichtlich ist. Der Gesamtcrfolg läßt sich kurz folgender. maßen zusammenfassen: Von 743 alten Renten im Gesamt- betrage von 67 180,84 M. wurden auf Grund der ärztlichen Unter- suchung 808 Renten aufgehoben und 232 gemindert, zusammen also 72.6 Proz. geändert, wodurch eine Rmtenersparnis von rund 29 000 SR, erzielt wurde." Soziales« Flitsorge für Eisenvahnveamte. «N« Eisenhahndirektion Erfurt hat folgende Verfügung er- lassen:„Dem ZugsbegleitungS- und Lokomotivpersonal der Güter- züge ist während des WinterS auf den größeren Stationen bei einer Kälte von 10 Grad Celsius je Vi Liter heiße Milch, Warm- bicr oder Kaffee, je nach Verlangen zu verabfolgen. Die nötigen Bestellungen sind schon vor der Ankunft der Züge von den StationS- Vorstehern zu bewirken. Die Getränke werden von der Eisenbahn- direktion bezahlt." Ein anerkennenswerter Erlaß. Nur sollte diese Vergünstigung nicht gerade auf die Kälte von 10 Grad Celsius und mehr be- schränkt werden. Das Begleitpersonal der Güterzüge ist infolge der langen und darunter vielen Nachtfahrten schon bei weniger Kälte» graben so auSgefroren, daß auch dann die Verabreichung unentgelt- licher heißer Getränke mit Rücksicht auf die Gesundheit der An- gestellten und auf die Sicherheit des Betriebs angebracht wäre. Verunstaltung von Ortschaften. Nach dem Gesetz gegen die Verunstaltung der Ortschaften und hervorragender Gegenden ist die Baugenehmigung zur Ausführung von Baulen und baulichen Veränderungen zu versagen, wenn da- durch Straßen oder Plätze oder das OrtSbild gröblich verunstaltet werden. In einem Rechtsstreit der Stadt Halle gegen die Polizei- Verwaltung hat dieser Tage das Ober-Verwaltungögericht folgende Grundsätze ausgesprochen: NuS dem Z 1 dtö Gesetzes ist zu ent- nehmen, Laß hell» Vorliegen seiner Voraussetzungen eine schon erteilte Bauerlaubnis zurückgenommen werden könne, und ferner sei anzunehmen, daß die Aufsichtsbehörde berechtigt fei, die Polizei dazu anzuweisen. Auch handele es sich um den Schutz eines„OrtS- bildes" im Sinne des Gesetzes, wenn das Bild geschützt werden solle, das ein altes Gutsgehöft biete, welches außerhalb der ge- schlösse««» Ortschaft liege. Es müsse sich aber immer um eine gröbliche Verunstaltung des OrtsbildcS handeln bei Anwendung des § 1 des Gesetzes. Eine solche liege erst bei einem Zustand vor, durch den jedes offene Auge verletzt werde und nicht bloß der ästhetisch Gebildete oder künstlerisch feiner Empfindende.— Unter Anwendung dieser Grundsätze setzte der Senat eine polizeiliche Verfügung außer Kraft, durch die die bereits der Stadt Halle er» teilte Bauerlaubnis zu einem neuen Kuhstall auf dem alten städtischen Gute Gimnitz zurückgenommen worden war. Es würde keine gröbliche Verunstaltung angenommen. Elus der fraiienbewegung« Zentrum und Frauenftimmrecht. Unter der nämlichen Ueberschrift haben wir in der Nummer vom 1. Januar unter der Rubrik„Aus der Frauenbewegung" auf Grund der Aeußerungen des von Dr. Julius Bachem (Köln) herausgegebenen katholischen„S t a a t s I e x i k o n s" nachgewiesen, daß der offizielle Katholizismus das Frauenstimmrecht grundsätzlich verwirst. Im Anschluß daran wiesen wir auf jene Bestrebungen im Zentrum, besonders im Windthorst-Bunde hin, die sich allgemach mit dem Gedanken des Frauenstimmrechts als etwas in absehbarer Zeit mit Not- wendigkeit Kommendem vertraut zu machen suchen. Die schlauen Windthorst-Bündler wollen sich von der liberalen und sozialisti- schen Frauenbewegung nicht den agitatorischen Wind aus den Segeln nehmen lassen. Und darum setzen sie sich keck über die Lehren der katholischen Kirche hinweg. Wie sich die Leser er- inner» werden, hat sich das Bachemsche„Staatslexikon" in der denkbar schärfsten Weise gegen das Frauenstimmrecht aus- gesprochen. daS es vom politischen, naturrechtlichen und vor allem vom katholischen Standpunkte verwirft. Wir rieten daher Herrn Bachem, angesichts der neuen politischen Verbältnisse und an- gesichts der neuen Richtung, die der Windthorst-Bund so energisch vertritt, sich nach einem anderen Mitarberter für daS Kapitel„Frauenfrage" umzusehen. Wir stellten unseren Lesern in Aussicht, den Artikel der oben verwendeten und den der künftigen neuen Auflage einander gegenüderzustcllen, was vermutlich sehr belustigend wirken werde. Wir sind bereits heute in der Lage, diese Gegenüberstellung vorzunehmen. Denn als wir unseren kürzlich veröffentlichten Artikel schrieben, lag tatsächlich schon die im Erscheinen begriffene neue Auslage biö zu dem Worte„Kant" vor. lvas wir erst durch die Erklärung des Herausgebers des„Staatslexikons" in Nr. 7 des„Vorwärts" erfuhren. Herr Dr. Julius Bachem hat unseres ironischen RateS nicht bedurft. Als Mann, der seine Zeit der- steht, hat er den Artikel deS alten strenggläubigen Mitarbeiters hinausgeworfen und die bekannte vom Protestantismus zum Katholizismus übergetretene Frau Gnauck-Kühne mit der Abfassung des Artikels„Frauenfrage" beauftragt. Und die Folge ist, daß das„Staatslexikon" in der neuen dritten Auflage das gerade Gegenteil dessen vertritt, was«s in den beiden ersten Auflagen geschrieben hat. Wir geben im folgenden einen Auszug dessen, was die neueste Auflage in dem Kapitel:„Der katholische Standpunkt. Wie stellt sich der katholische Christ zur Frauenbewegung und ihren Forderungen?" schreibt. Es heis�t dort: „Für oder wider das Stimmrecht der weiblichen Personen in der bürgerlichen Gemeinde hat sich die katho- l i s ch e Kirche noch nicht entschieden.... Das Zentrum hat sich für das Stimmrecht der Berufsfrau bei der Wahl beruf- licher Instanzen ausgesprochen. Für das politische Stimmrecht sind den Frauen Kronzeugen in der b e l g i s ch e n katholischen Kammerfraktion entstanden, die 1901 er- klärte, das politische Stimmrecht für die Frauen zu beantragen, sobald das allgemeine, gleiche und direkte Wahlrecht für alle Männer eingeführt würde. Die belgische katholisch« Kammer- fraktion hat also prinzipiell nichts gegen das politische Stimu: recht des weiblichen Geschlechts einzuwenden, falls das allgemeine Stimmrecht eingeführt wird. Wollte man nun erklären, daß vom christlichen Stand- Punkt aus die Erteilung bürgerlicher Rechte an weibliche Per- fönen nicht zu billigen sei, so würde man vielen positiv evangelischen Geistlichen, dem gesamten deutsch-evangeli schen Frauenbünde wie der belgischen katholischen Kammcrsraktion vor- werfen, christliche Grundsätze verleugnet zu haben. Ist die Eni- ziehung der bürgerlichen Rechte vom Christentum nicht verlangt. so bleibt es allerdings noch Aufgabe staatSmännischer Weisheit, vorsichtig zu erwägen, welches der Umfang derselben, der KreiS ihrer Trägerinnen und die Art ibrer Ausübung sein soll." Der Artikel untersucht die Frage, ob die Forderung des Frauenstimmrechts mit der Naturaufgabe des Weibes„und folg- lich mit Gottes Schöpferwillen" zu vereinen sei. Die Antwort lautet:„Nun, erkennen wir in Guneinde und Staat die organi- ficrte Gesamtheit der Familien, so ist in der Tat nicht zu leugnen, daß der Gesamtheit sogut wie der Einzelfamilie Muttersorge zu wünschen ist. Die Ausdehnung der Ruttersorge. der Einfluß der Mutterersahrung aus das Leben in Gemeinde und Staat und auf die Gesetzgebung würde sich m i t d e r Naturaufgabe in Einklang setzen, würde sich aus ihr ableiten lassen.... Wo das politische Wahlrecht ein- mal enigeführt ist, bewähren sich die Frauen, so in Finn- land, Australien, einigen Staaten der amerikanischen Union. Immerhin erscheint es bedenklich, von diesen kleinen und dünn- bevölkerten Gebieten auf deutsche Verhältnisse, auf ein Land von 02 Millionen zu schließen. Nur eine starke Regierung, nur ein staatsinännischeS Genie wird hier durch Erteilung des aktiven Stimmrechts die Frauen heranzieben und seiner Kunst zutrauen, auS der vergrößerten Mannigfaltigkeit der Kräfte ein um so kunstvolleres Staatsgebild« zu schaffen. Es ist denkbar, daß ein Staat durch Auslösung und Heranziehung latenter Frauenkräste zu einer ungeahnten Höhe der Entwickeln ng geführt werden könnte.... Durchdrungen von der Ver- antwortlichkeit der mütterlichen Aufgabe, empfindet es das Weib als eine Kränkung, den Lebrlingen und Unmündigen gleichgestellt zu sein. Erfüllt von der Größe und Würde der Familienaufgabe, verlangt die deutsche Frau um dieser Auf- gäbe willen staatsbürgerliche Rechte nicht um ihre Familienpflichten abzuschütteln, sondern im Gegenteil, um ihre unvergleichliche Bedeutung recht gewürdigt zu sehen." Also ein kompletter Umsall! In den beiden ersten Auflagen des..Staatslexikons" wurde«das Streben der Frau nach völliger politischer Gleichberechtigung neben dem Manne als unheilbringend für die Gesellschaft"„vom katholischen Standpunkte aus" zurückgewiesen. Der Artikel der neuen Auflage aber be- zeichnet es als„denkbar", daß durch die Heranziehung der Frau zum volttischen Leben der Staat„zu einer ungeahnten Höhe der Entwickelung geführt werden könnte".— Ter Artikel der alten Auflagen stellte das Frauenftimmrecht als staatsvcrdcrb- lich, vernunftwidrig und den Evangelien wider- sprechend hin. Die neue Auflage aber legt dar, daß vom christlichen Standpunkte aus gegen daS politische Stimmrecht der rau nichts eingewendet werden könne, und sie bejaht die rage, ob die Forderung dcs Frauenstimmrechts mit der Natur- aufgab« des Sfeibes„und folglich mit Gottes Schöpfer- willen" zu vereine» sei. Ob das Frauenstimmrecht wirklich dem Naturrccht,„GotteS Schöpferwillen", dem Wohle der Gesellschaft, der Vernunft und waö sonst noch entspricht, ist dem poli/schcn Klerikalismus voll- kommen gleichgültig. Er fragt lediglich, ob es der Zentrums- Politik zum Heile gereicht.. Tm es das nicht, dann wird e» äks b'ecnunsswlLrig, unheilvrlnaend usw. verdammt; erkennt man aber, daß das Frauenstimmrecht dem Klerikalismus nützt, so wird prompt das Gegenteil„bewiesen". Tie verglichenen Artikel der verschiedenen Auflagen des katholischen„Staatslexikons" offenbaren wieder mal die ganze innere Verlogenheit der dem Volle ver- kündeten klerikalen Anschauungen. Versammlungen— Veranstaltungen. Verein für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse.� Heute MittZvoch in Feuersteins Festiälen, Alte Jakobstraße-o: Vortrag des ReichstagSabgeordneten Heine über„Sozialdemokratie und � Kultur".— Sonntag, den 6. Februar im Ehoralionsal Konzert. Verrmlcbtes. Tie sinkende Flut. AuS Paris wird gemeldet: Der Ministerpräsident hafte bor- gestern abend eine Besprechung mit dem Polizeipräfekten deS Seine« departements über den baulichen Zustand der Häuier, die Sanierung?- maßnahmen und die Beleuchtung. Alle im Interesse der Bevölkerung notwendigen Borkehrungen sind getroffen. DaS Weichbild der Stadt leidet nicht mehr so stark unter der Ueberschwemmung. An der unteren Seine bei Clichy-LevalloiS ist das Wasser einen Meter zurück- getreten; immerhin bleibt dort die Lage noch schwierig. In den Straßen von Alfortville ist da? Wasser im Laufe des gestrigen TageS um 1.10 Meter gesunlen, darauf ist der Stand während vier Stunden unverändert geblieben. Auf der Jirsel St. Pierre sind zehn kleinere Neubauten zum Teil eingestürzt. In den meisten Stadtvierteln nimmt daS Straßenlebcn tagsüber so ziemlich wieder das gewöhnliche Aussehen an. Abends allerdings gewähren die großen Boulevards und die Hauptstraßen wegen des Mangels an elektrische,» Licht ein recht trostloses Bild. Die meisten Geschäfte werden notdürftig mit Petroleumlampen turd Kerzen erleuchtet. Die Straße», aus denen sich das Wasser bereits zurück- gezogen hat, wurden den ganzen Tag mit desinfizierenden Flüssigkeiten gesprengt und gereinigt. Dasselbe geschieht in Erdgeschossen und Toreinfahrten der überschwemmt gewesenen Häuser. In allen von der Ileberichwemmung betroffenen ArondissementS werden Kleider und Lebensmittel verteilt. ES fehlt an Lebensmitteln» und an manchen Orten mangelt es an Betten. Eine Grubeukatasirophe in Nordamerika. Wie aus P r i m e r o(Colorado) berichtet wird, sind vorgestern abend in den Bergwerken der Colorado Fuel and Jron Company infolge einer Explosion acht Bergleute getötet und mehr als hundert verschüttet worden. Wie eine Meldung aus New Dork besagt, sind bis gestern mittag von den in den Bergwerlcn der Colorado Fuel and Jron Company Verschütteten 70 in einem Luftschacht erstickt aufgefunden worden, wohin sie sich augenscheinlich geflüchtet hatten, nm dem Tode zu entrinnen. Zur Zeit der Katastrophe waren, wie jetzt feststeht, 149 Bergleute in de» Gruben beschäftigt. Ein Güterzug entgleist. Amtlich wird auS Gleitrltz vom gestrigen Tage gemeldet: Heute vormittag S'/z Uhr fuhr ,»folge starken Nebels Güterzug 8007 auf Gilterzug 6441. Der Materialschaden ist erheblich. Acht Wagen und eine Lokomotive sind entgleist, zwei Wagen zertrümmert. Personen sind nicht verletzt. Der Zugverkehr wird durch Umleitung im Bahnhof aufrecht erhalten. Verunglückter Aviatikcr. Einer Meldung auS Kairo zusolge stürzte der Aviatiker Mortimer Singer auf dem Flugplay von HeliopoliS mit seinem Apparat und erlitt dabei einen Bruch beider Beine, sowie eines Armes und Verletzungen der Brust., Zum achtfachen Mord in BoguSlawice. Wie aus Brünn ge- meldet wird, wurde in Palowitz bei Jamnitz der als Knecht auf einen Meierhos bedienstete russische Untertan Michael Malek verhaftet unter dem Verdachte, an der Familie Wasielewska in BoguSlawic in Preußen den achtfachen Mord beganget» zu haben. MmHickier Marktderich» der fISdtilchen MarNbaUcn-DIreMon über den Vrogbandel in den Zentral-Marcktballen. Marktlage: gl et Ich: Zufuhr reichlich, Geschäft schleppend, Presse unvmändert. W l l d: Zufuhr genügend, Geichäit ziemlich reg«, Presse fest. Geslügel: Zusuhr ge- nügend, Gcfchäst still. Presse besttedigend. g i I ch e: Zufuhr mäßig, Ge- schäft ruhig, Presse befriedigend, für Hechte höher. Baiter und Käse: Geschäft ruhig, Preije unverändert. Gemüse. Obh und Süd» srücbte: Zusuhr genügend, Geschäst zicmiich rege, Preise wenlg ver« ändert._ Witter, ingsiiverOrtii vom 1. Februar IUI», morgen« S Ilde. «tatioaev II Ii «=1 Swmrmd» 765 SD Hamburg|765S verlw>766 W Aranks.a SR 765 NO München j 766 NO Wien 765 NW Vetter 1 Nebel 2 bedeckt Lbedeckt Siroikig 4 Nebel 2 bedeckt c!* -»» ">4 & I «tattonen U Hk 2 Haparanda 754 W 1 Petersburg 75SSW g Setllv>755SW überdern ,763£559 —10 Pari»>764 SSO -Ii Ii 2 wolkenl 1 bedeckt 4 bebeckt 1 heltcr 1 bedeckt I -U —3 8 3 -3 Wetterprognose für Mittwoch, den 2. Februar 1910. Ein wenig kalter, zeitweise ausN-nend, vielfach neblig bei schwachen süb' ösllichen Müden: keine erheblichen Niederschläge. Berliner D et t e r b u r e a w ßriefhaften der Redaktion. Tie lvNslilche Svrrchsnmde gmet sinbenfitaft 0, zweite» fiff. dritter Eingang, vier Trcrprn, tzM? Fahr stuhl"Wtgg wolheutiigli» aSenti von 7 H, tts 0V5 Uhr statt, veösfnet 7 Uhr. Sonu-trnd» deswn, die evreihslund« u« 6 Uhr. Jeder Anfrage ist ein Vlllhft-de«ad ei»« Zahl al» Atertjeiihen delittfügeii. Briesliche Antwort wird nicht erteilt. Bis gut Beantwoetnng im Brtcflasttn tiinne» 1t Tage vergehen. Eilige Frage» trog» »ig» in der Sprechstunde vor. R. L. 75. Ob und«o Dar-terzeugungStinkturen erbältlich sind, bat uns noch nie Interessiert und möchten wir Ihnen raten, lieber einen Arzt zu Rate zu ziehen, um. wenn überhaupt möglich, den erwünschten Zweck zu erreichen— F. K. 107. Theoretischen Unterricht für Schu-rmeister können wir im Brieskasten nicht geben. Derartig« Kenntnisse eignet sich der Schmied doch ain besten in der Praxis selbst an. Wir tonnten nicht mehr tu», als Ihnen ein Verzeichnis der hierzu in Betracht kommenden Bücher zuzustellen, aus denen Sie dann als Fachmann selbst Ihre Auswahl treffen müssen. Auch dürsten Sie durch Ihre Bcmsscraanssation Fingerzeige erhalten. Adresse ist: W. Jiering. Linienstr. 73.—(s. 30. Wenden Sic sichschrifi, lich an die Obcrpostdirektion Berlin, Spandauer Str. IS/21.— H. Strahl. 112» Meter.— E. K. 77 und Rauhnt 999. Zum Beitritt dieser Kassen raten wir Ihnen nicht.— Blind. A. Mendt, Berlin dl. 39, Sprengeislr. 1. — Sch. 2222. 1..Und bitte die Räume anderweitig" usw., da ja in diesem Falle das Wort„dieselben" sich aus die Schlüssel beziehen würde. 2. Darüber ist der Arzt zu fragen. Dle hierfür angcvricsenen Mittel schaden zwar dem Körper nicht viel, aber dem Portemonnaie, und nützen nur dem Hersteller und Verkäuser.— R. F. 9. l.— 3. Wenden Sie sich baldigst all bat Kinderasyl, Kürasfierstr. 2l/22. Dort wird bereitwilligst über die Einzel« hciten Auskunft gegeben.— 31. 72. Darüber entscheiden nicht wir, sondern die OrganssalionSinffanzen.— Bcrlag, Ein derartiger Verein ist unS nicht bekannt. Sie mühten daher versuchen, Ihre Beschwerde in einem der von Ihnen gcnannien Blätter entgegengesetzter Richtung anzubringen. — A. P. 43 a. 1 Sicht, cä sei denn, daß Sie Arbeiter sind. Nicht- detriebSbeamter oder dergleichen. 2. Sie müssen innerhalb je zioei Jahre» mindestens je 20 Marken irgendwelcher Klasse Neben.— H. H. 81. Ihr« Verpflichtung ist keineswegs rflofchrn: sie verjährt erst in m Jahren»ach RtchiKras» bcZ UrftüS flitr nach SmuaBrnt der ketzken Zwangivo!!. flrcrkiinqzhandwngcn.— D.. Nein. — W. G. 33. Ja. Der MietSstempcl wird für den in das Kalenderjahr entfallenden Teil der-Mietszeil erhoben.— K. St. 100. Nein, da! Weihnachtsgeschenk einer Aufwartefrau kann nicht mit Erfolg zurückgefordert werden.— 21. 19. 1. Mündlichkeit oder einfache Schristlichkcit genügt 2. Eine ausdrückliche Ermächtigung wäre zweckmäßig. Am geratensten ist, sich wegen Abschluß des Vertrages an einen Rechtsanwalt zu wenden.— G. Schöneberg 51. Ja, den Schein müssen Sie fich von der vchötde geben lassen, dte den früheren erteiit hat.— R. 20. Ripdorf. 1. Für beide. 2. Ja.— W. K. Gostlcrstr. Versuchen Sie es mit einer Klage beim Amtsgericht aus Beseitigung der Störung. Mit einer Klage aus Ans» Hebung des Vertrages würden Sie kaum durchdringe».— L. T. 1. Ja. — P. 33. Schreiben Sie in einem Juvenlar auf. tvaS Ihrer Braut ge» hört. Kennzeichnen Sie die Möbel durch einen Stempel, einen Einbrans oder dergleichen und schließen Sic dann mit Ihrer Braut einen notariellen Vertrag, in dem Sie unter Ueberreichung des VermögensoerzeichuisseS Ihrer Braut die» anerkenne» und auf Ihr ehemännlicheS Nicsjdrauchs- und Verwaltungsrecht verzichten. Ihre Frau haftet sür Ihre Schulden nicht und würde aus Grund eines solchen Vertrages am leichtesten mit einer Jntcrventionsklage durchdringen, wenn dennoch ihre Sachen gepfändet werden.— T. H. 500. Der Lehrling müßte bei einem andere» Lehr. her»»» anSlcliicn. Sehen Sie zu, daß das in demselben Betriebe geschieht. — A. 4». 31. 1. Ist in» Vertrage nichts veremsar», so muß zur an» gemessenen Zeit die Wohnung zur Besichtigung srelgestellt werden. GerichlS« erkenntniffe liegen vor, die die Zeit cor 9 bis 6 Uhr als angemessen er- achten. Sehutz gegen Häufig wird eine Erkältung unbeachtefc gelaßßen und die Influenzabazülen finden einen vorzüglichen Nährstoff in dem kranken Blut dee erkälteten Hdrxers.*/« Glas Santa Sueia KraftxRotwein a Flasche 1.50 u. 2.00 ror jeder Mahlzeit genossen, gibt hrSft. WärmegeMhl and»rirkt äußerst anregend. Wer eine leichte ErkülUmc KraftrI K®» Bpiirt, trinke vor dem Schlafengehen •—-........ t, Bn lotwoin. KBotllch In allen Apotheken. Drogen 1 Glas erwärmten Santa Lucia ■ und DellkatBBgeschäften.■■■■■ SozialiteinekralisclierWalilvereiri für den 4. Köpeuicler Viertel. Bezirk 20t. Den Mitgstedern zur Nachricht, datz mffer Genosse, der Arbeiter Hennann Kielzmaun lluvrystr. 25 gestorben ist. Shre seinem Nndenren! Dte Beerdigung findet am Mittwoch, den 2. Februar, nach- mittags j'/j Uhr, von der Leichen- Halle des Zentral-Friedhoses w F»»edrtchsselde aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 2Iö/It Der Borstand Verband der bangewerbiieben Hilfsarbeiter ßentseblands. Zweigverein Berlin u. Umgegend. (Bezirk Osten.) Todca-Aneclge. Am Sonnabend, 29. Januar, verstarb nach langen Leiden miser treuer Kollege «»rl?e?il,er. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet heute, Mittwoch, den 2. Februar, vormittags tl> Uhr, von der Leichenhalle de» Zentral< Fried- Hofes in Fricdrichsseldc au» statt. Um recht rege Beteiligung er- sucht 29/3 Oer Zwelgverelnsvoreland. Spar- u. Kredilverein Solidaria. Am 31. Januar verstarb unser langjähiige» Mitglied zu Beelitz (Heilanstalt) 4376 Christian Rieske. Ebre seinem Andenke«! Am Montag, den 31. v. Mi»., verstarb nach schwerem Lefden mein inniggelleblcr Mann und Schwager, der Kuvserfchmied .Jakob Beyer. Die Beerdigung findet DonoerS- tag, den 3. Februar, nachmittags 4>/, Uhr, auf dem neuen Jalovt- Kirchhof, Hcrmannftratze, statt. Die trauernden Hinterbliebenen Frau Ida Beyer, Rixdorf. Echudomastratze 5. der Kupfersebmiede Oeotsebiands. Filiale Berlin. Am Montag, den 31. Januar, oerstarb unser Mitglied, der Kollege .Jakob Beyer „och nicht 40 Jahre nlt, an Magenkrebs. In seiner länger als 21jäyrigen Mitgliedschaft war er uns stet» ein braves Verbands« und Vorstandsmitglied. Ehre feinem Andenken! Di« Beerdigung findet am Donnerstag, den 3. Februar, nach- mittags 4 Uhr, von der Leiche» balle des neuen Jakobi-Kirchbofc«, Ripdorf, Hernrannstratze. aus statt Rege Bcteiltgung erwartet Die FllialverwaMung. Die Mitglieder des Gesang- oereinS wollen fich ebenfalls voll- zählig einfinden Für die vielen Beweis« herzlicher T-ilnabme bei der Beerdigung mcwcs Leben ManneS Rodert Lchabert sage allen, insbesondere dem Deutschen Buchbwderverband und den» Personal der Firma Möller u. Barel herzlichen Dank Witwe Bekakert. Dr. Simmel Spezial-Arzt* für Haut- und Harnleiden. 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Vortrag dcS ReichStagSabgeordneien Uloltgsng»eine über.Sozial« dcmokratle und Kultur'.— Am Sonntag, den 6. Februar, im.Ehoralion« |aal": Konzert.— Am 20. Februar: TtiftungSsest im(«cwerkschasis Hause. Zahlreiche BeieMgung zu allen Veranstaltungen wünscht 0er Vorstand. Soeben erschienen: Aus meinem Leben. Von August Bebel. Erster Teil. Preis brosch. 1,50 Mk. Gebunden 2,— Mk. Porto 20 Pt Daa vorliegende Bach ist von der Presse günstig be- arteilt worden. Bei der hohen Bedeutung des Verfassers für die Arbeiterbewegung sollte das Buch, daa einen wertvollen Beitrag zur Geschichte der Arbeiterbewegung darstellt, von jedem Arbeiter gelesen werden. Expedition des„Vorwärts((g Berlin SW., Lindenstr. 69(Laden). : : : « : 3 w i :•- A..-: \V durch andere meistens nur scheinbar günstige iLnkUndlgungen Bio ssrlsllbtRssle tmumf Ws»0fli#"ai bleibt Elnkaulsqutlle flUI au« A.JsI das Kaufhaus Für alle Welt Schönebepg, Kaujtstrasse 19 an Kaissr Mllbtlmplslz, dam aiisn Rathaus gerenübaf Herren-, Damen-, Kindergarderobe (auf Wunsch Anfertigung nach Mass) ManufaHtur- und Weisswaren Möbel und Polsterwaren einselne Stücke sowie komplette Aohnuegs-Eirriehhingen E.Q. m. b. H. CrvncralTersammlnngj mn 20. Februar 1910, vorm. 6 Uhr, in unseren KeschästSräumen Krautstr. 52. Tagesordnung: 1. Bericht de» VoistandcS und Auf- fichtSrates. 2. Genehmigung der Bilanz 1909. 3. Neuwahl deS ge- samten Vorstandes und Aussichtsrats. 4. Anträge, welche 14 Tage vorher eingereicht sind. 103/7 Der Tomfand. H. F engler. K. Schmidt. Joh. Snudat. HvIra-.TKteiliiiig . lZesod.: gertin«, Kodren- LtreSe27a(Z tteus von der| ierusalemer Strade). III. Gesch.: Berlin NO., Grote 1 Frankfurt. Str. ttB(2. Haus| von der AndreasstraBe). Sehr gr. Aus w. fort. Kleider, I Hüte, Handschuhe, Schleier I etc. v. einfachsten bis zum I | hocholegant Genre z. UuCerst| niedrigen Proteen. Sonder-Abteilung: naßanfertiffanx in 10 bis 12 Stunden. Würzburger Höhneraugenmittel von Dp. H. vager.— Gegen 30 Pfennig auf 10 Pf. Anweisung frei OhneZweisci die beguemste u. toirksamste Hilfe. De» Schme»zlstin5Miit, fort. DaS Hühnerauge selbst in 3 Tagen.(Enthäll Jalicylsäurc u. indischen Hansextraki.) vr. B. Xlnxer in WürTburK. In Berlin(20 Ps.): Selcmon-Apetheke, Eharlottcnstratze 54. Greif. Apotheke, Barntmstratze 33.— München: Sehützen-Apeiheke.— Stutt« gart: Hlrech-Apetheke.— Breslau: Vletorla-ApotHeke. 113/8» Wilmersdorf, Prager Straße 16, 2 Zimmer-Wohnungen mit Zentralheizung etc. 360— 180 U. 4161L* Rixdorf, Selehowerstr. 13, 3 Zimmer und Küche, soom 1. 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Z-ur' tcn LnseratenteiLverantw.: Th. Glocke,' Berlin. D r u cl u. Äcü a 3: V ot rc aTtS�ü d;;: u d a e t u, Brrlagsanstult Paul Änger Lc Co., Berlin LWs Kinmen- nub Kranihinbem von Robert fleyer,' nor Marianntn-Straße 2. Warnung:! sind in letzter Zeit| Kautabakes in ämh" Trotz wiederholten Hinweises Nachahmungen meines. KapKAn Umlauf. ver Kapitän-Kautabak ist nur | echt mit Zettelemlnge und Etikette mit der Aufschrift: « Meine werte Kundschaft bitte ich, Kapitän-Kautabake ohne obige Bezeichnungen als unecht znrückzu- weisen und mir fälle von Nachahmungen mitzuteilen, mit ich dagegen einschreiten kann. da- Erscheint 2 mal wSchentlich« C AbzahiunosgeschSfte Credit-Hans Moabit Tarmstrafle 53, Ecke Waldstraße gewährt jedem bei spielend leichter An- und Abzahiung mehrjährigen Kredit auf Waren und Möbel. Labascher, S.; Elsenhait.KraftbrOt, viel!, pram. u. arrtl. empf. .8.P.,,F'erofiia<r.«8, Warsedaser 8Ir. 23. Krause, Wilh., Ri., Hermannstr. 171, Llttaucr, Fr., Frankf. Allee Nr. 184. 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Am IS. Februar ct. veranstaltet der »Meineckesche Mäiiner-Ck>or Berlin 1900� im Zelt 2 sein lv. Stiftungsfest. Da man bemüht ist. hierzu möglichst viel Billetts, speziell in Metallarbeiterkreisen, umzusetzen, weisen wir daraus hin, daß das genannte Lokal gesperrt ist. Die Lokalkommisflon. Schöneberg. Der sechste und letzte Lichtbildervortrag des Ge« nosten Engelbert Graf:„Vom Urtier bis zum Menschen" findet beule Mittwoch, den 2. d. Mts.. abends 8 Uhr, in den Neuen Rathaussälen. Meininger Str. 8, statt. Der Vorstand. AdlerShof. Heute abend 8'/, Uhr findet im Lokal von Eschner. BiSmarckstr. 60, eine öffentliche Versammlung statt. Tagesordnung: 1. Die direkte Aufforderung zum Verfassungsbruch. Referent: ReichStagSabgeordneter Lehmann-WieSbaden. 2. Diskussion. _ Der Vorstand. Berliner J�achrichten» Die Verkehrsdeputatio» beriet in ihrer Sitzung vom 1. Februar den vom Verkehrs- auVschuß bereits vorberatenen Vertragsentwurf zwischen Stadt- gemeinde und A. E. G. über die Anlage einer Schnellbahn bis zum Hermannplatz. Der Vertrag wurde genehmigt. Die endgültige Fassung auf Grund der getroffenen Beschlüsse wurde einer Redaktionskommission überwagen. Die Hciwstätten der Stadt Berlin haben in den letzten beiden Jahren eine beirächtliche Frequenzverminderung gehabt. auf die von uns schon mehrfach hingewiesen wurde. Alle Heim- statten zusammen nahmen in den EtatSjahren 1806/07, 1007/08, 1908/09 4343, 4281, 3929 Personen auf. so daß im letzten Jahre die Aufnahmeziffer um 414(ziemlich 10 Proz.) niedriger war als zwei Jahre vorher. Worauf diese Erscheinung zurückzuführen ist. das wird klar aus einer Gruppierung der Aufnahmen nach dem Gesichts- punlt der ZahlungSpflicht. Vermindert hat sich nicht die Neigung, in eine Heimstätte zu gehen, sondern die Bereitwilligkeit und Möglich- keit, die Kosten dafür aufzubringen. Von vornherein ist anzunehmen, das? für daS Auf und Ab der Heimstättenfrequenz die weitaus grötzte Gruppe den Ausschlag gebe» wird. daS ist die Gruppe der Aufnahmen auf Kosten der Kranken- lassen, die allein mit mehr als drei Vierteln an der Gesamt- zahl der Aufnahmen beteiligt ist. Neben ihr kommen mit sehr viel geringeren Anteilen höchstens noch in Betracht die Aufnahmen auf Kosten des Freistellenfonds der Stadt sowie von Stiftungen und Vereinen. Die sogenannten Selbstzahler, die auf eigene Kosten oder auf Kosten Angehöriger die Heimstätten benutzen, sind ohne merklichen Einflutz auf die Gesamtzahl: in den drei Jahren 1900/07. 1907/08, 1908/09 wurden nur 103, 73. 03 Selbst- zahlet aufgenommen. Immerhin ist aber bemerkenswert, datz selbst diese geringe Zahl noch geringer geworden ist, gewiß nicht aus Abneigung gegen die Heimstätten, sondern auS Mangel an Mitteln. Ganz belanglos waren in den letzten drei Jahren die 17, 21, 22 Aufnahmen auf Kosten der Waisendeputation, die S, 7, S Auf- nahmen auf Kosten von UnfallberufSgenosienschaften und Landes- veisicherungSansialten, die 2, 0. 1 Aufnahmen auf Kosten auS- wärliger Armenverbände. Die Frequenzminderung ist tat- sächlich nur den Krankenkassen zuzuschreiben. Auf Kosten von Krankenkossen wurden in letzten drei Jahren 1900/07, 1907/08, 1908/09 3079, 3519, 3120 Personen aufgenommen, im letzten Jahre um 009(reichlich IS Prozent) weniger als zwei Jahre vorher. WirtschaftSkrisis und Arbeits- losig keit bringen den Krankenkassen zumeist eine stärkere Inanspruchnahme, da lnappsen die Kasten dann um so mehr an den- jenigen Leistungen, die nicht als unbedingt notwendig gelten, z. B. an der HeimsiSttenpflege. Der Einfluß, den diese Minderung der Aufnahme von Kaste» Mitgliedern auf die Gesamtfrequenz ausüben mußte, wäre noch fühlbarer gewesen, wenn nicht gleichzeitig die übrigen Auf nahmen sich gemehrt hätten. Nach Aussonderung der Aufnahmen von Kastenmitgliedern stellte die Zahl aller übrigen Aufnahmen z» sammen sich für die letzten drei Jahre auf 004, 702, 809, für das letzte Jahr um 146 niehr als zwei Jahre vorher. Hier ist eine Mehrung zustande gekommen, obwohl zum Beispiel die darin ent- haltenen Selbstzahler. wie schon gesagt, sich gemindert haben. Ent halten sind darin auch die Aufnahmen auf Kosten von Stiftungen und Vereinen mit der wechselnden Zahlenreihe 67, 109, 71. ferner die Aufnahmen auf Kosten des Freistellenfond« der Stadt mit der steigenden Zahlenreihe 107, 121. 142. Besonders fallen aber hier in« Gewicht die Aufnahmen auf Kosten der A r m e n d i r e k t i o n. die in den drei Jahren mit 308, 420, 606 cme sehr bedeutende Mehrung gehabt haben. ES ist gewiß kein Zufall, daß in derselben Zeit, in der die Krankenkassen die Ueberweiiungen einschränkten und auch die Selbst zahler sich minderten, die Armendirektion sehr viel häufiger als sonst hat Hilkebedürftige in Heimstätten überweisen müssen. Inzwischen haben ja nun die Heim st ölten ihre Pflegesätze erhöht; wo alle« teurer geworden ist. wollte» auch sie nicht zurückbleiben. Diele Verteuerungsmaßregel, die in der Stadtverordneten- Versammlung ungeachtet aller Proteste der sozialdemokratischen Froltion den Beifall der freisinnigen Mehrheit gesunden hat. wird sicherlich nicht dazu beitrogen, die Frequenz der Heimstätten wieder zu beben. Aber die Wirkung wird sie haben, daß dem Frei- stellenfondS eine Zulage gegeben und auch in den Beutel der Armend irektion noch tiefer hinein- gegriffen werden muh. Schulansaug im Sommer. Die städtische Schnldeputation teilt den Rektoren der diesigen Genieiiideschulen folgende Verfügung mit: „DaS königliche Proviiizinlschuikollegium hat durch Erlaß vom 14. v. M genehmigt, daß ini Jmeresic der ausreichenden Belriedigung des SchlafbedürsnisieS der Gimeindeschulkinder der Unterricht voni 1. Sprit 1910 ab u m 3 U h r zu beginnen hat; im Winter sollen die Kinder aller achten und möglichst auch die der siebenten Klassen um 9 Ubr zum Unterricht kommen." Der letzte Teil der Verfügung ist bereits seit Jahren in Kraft, der erste Teil dagegen kommt einem lange gehegten Wunsche weiter Kreise entgegen. AuS der Deputatton für die KanalisationSwerke und Güter Berlins. DaS Projekt für ein zu gemeinschaftlicher Wohnung von etwa 40 un- verheirateten Handwerkern und sonstigen landwirtschaftlichen Rrbelteru bestimmtes Hau« auf dem neue» Gute Hobrecht-felde fand in der letzten Sitzung der Deputation einstimmige Annahme. DaS„Ge- nleinschaftShauS" stellt einen Versuch dar, unverheiratete Ar- beiter, welche jetzt zumeist der Abwanderung in die Städte versag en, auf dem Lande dadurch zu fesseln. daß ihnen neuzeitlich« LebenSbediuguitgen und die Aussicht gewährt wird, bei Verheiratung in andere Stellen der großen land- wirtschaftlichen Verwaltung der Stadt Berlin, welche auf ihren etwa 26 Gütern eine größere Anzahl von Handwerksstätten aller Art besitzt, einzurücken. Ein Landangebot in Spurendorf mutzte des hohen Preises wegen abgelehnt werden. Die Neuerwerbungen der Stadt Berlin im Norde» Bernaus sind in drei neue Jagdbezirke eingeteilt worden. Ihre jagdlich vorteilhafte Bildung und ihre durch Ausschreibung vorzunehmende Verpachtung wurde beschlossen. Von der Sparkasse des Kreise? Teltow. Die Spareinlagen hatten am Schluß des verflostenen Jahres die Höhe von 88 333 606,20 M. erreicht, gegen 79 028 690,10 M. Ende 1903. Die Einzahlungen überstiegen im Berichtsjahr die Rückzahlungen um 7 404 429,03 M. und an Zinsen sind nicht weniger als 2 400 430,02 M. als neue Einlagen gutgeichrieben worden. Sparkassenbücher waren Ende 1909 142 324 im Umlauf, und zwar mit Beträgen bis 00 M 42 803, bis 160 M. 22 187, bis 300 M. 13 007, bis 000 M. 20445. bis 1600 M. 23 511, bis 3000 M. 10 852. bis 10000 M. 4964 und mit Einlagen über 10 000 M. 206 Bücher. Heimsparbüchsen waren insgesamt 2605 ausgegeben. Swulsparkassen bestehen in folgenden Orttckaften: Friedenau, Groß-Lichterselde, Alt-Glienicke, Tcmpelhof, Treptow, Schmargendorf. Marienfelde, Wildau, KöiiigS-Wustcrhausen, Trebbin. Bei diesen Schulsparkasten wurden bis Ende 1909 ein- fcbließlich gutgeschriebener Zinsen inSgesanit 408 071,39 M. eingezahlt. An Prämien für sparende Kmder sind im Berichtsjahre 630 M. ge zahlt worden. Eine Straßenhahnlinie vom Gesundbrunnen(Exerzierstraße) bis nach Groß Lichierfelde ist seit gestern im Betriebe. Die Linie— Nr. 99— fährt bis zur Kreuzbergstraße dieselbe Tour wie die Nr. 33, von da über Tempelhof nach Groß-Lichterselde(Bahnhof Ost). Die ganze Tour kostet 15 Pf. Fahrzeit 1 Stunde 23 Minuten. AuS der ZcugniSzwaugshaft entlassen wurde am Montagabend der verantwortliche Redakteur der„Wahrheit", Weber. Nachdem W. 14 Tage inhaftiert war, ohne den Verfasser der dem köuigl. Polizei Präsidium unbequemen Artikel zu nennen, wurde ihm vom unter- suchungsührenden Richter Goldammer mitgeteilt, daß das Gericht auf seine weitere Inhaftierung kein Gewicht mehr lege. Diese Reklame für die„Wahrheit" hätte sich die SlaatSauwaltschast sparen können. Mit LenchtgaS vergiftet hat sich ein 23 Jahre alter Kaufmann Artur Gdanltz. der als Junggeselle mit seinem Bruder, einem Monteur, in der Elsasierstraße Nr. 1/2 zusammen wohnte. Der junge Mann hatte in der Polsdamer Straße eine Weiuhaudlung, mußte sie aber eines Nierenleidens wegcns vor kurzer Zeit ausgeben. Seit- dem ohne Beschäftigung, wurde er von seinem Bruder unterstützt. Seine mißliche Lage, seine Krankheit und religiöse Schwärmerei ver< anlaßten ihn, seinem Leben ein Ende zu machen. Nachdem er vor- gestern den ganzen Tag mit einem von seinen Eltern geerbten Gebet- buch dagesessen hatte, schloß er sich spät abends in der Küche ein, drehte den Habn des Gaslichtes auf und setzte sich auf einen Schaukel stuhl, um den Tod zu erwarten. Als fein Bruder gestern morgen die Küche ausbrechen ließ, war er bereits verschieden. Auf dem Kücheutisch neben ihm lag daS Gebetbuch. Blinde Passagiere. 460 Kilometer haben zwei junge Burschen als blinde Paslagiere zweiter Klasse zurückgelegt. Dre Beiden, zwei Berliner JuugenS im Alter von 14 und 10 Jahren, waren aus der Erziehungsanstalt Ohra bei Danzig entwichen und hatten sich un- bemerkt in den Berliner Schnellzug eingeschlichen. Es glückte ihnen, in einem Abteil zweiler Klasse unbeachtet bis nach Berlin zu fahre». Hier trauten sie sich aber nicht aus dem Zuge heraus und so wurden sie mit dem Leerzuge nach Eichkamp geschafft. Dort wurden sie erst durch revidierende Beamte ermittelt und der Polizei übergeben. Sie gaben an, wegen schlechter Behandlung aus der Fürsorgeanstall entwichen zu sein. Ob übrigens die Berliner Waisenverwaltung, falls eS sich um Berliner Zöglinge handelt, den Klagen über schlechte Behandlung nachgeben wird? Zahlreiche WohimngSeinbrüchr, von denen vor allem kleinere Leute schwer betroffen werden, werden auS der Schönhauser Vorstadt gemeldet. Die Wohnungsiiihaber wollen auf der Hut sein. Ein empfehlenswerter Hauswirt. Zu der unter vorstehender Spitzmarke in unserer Sonnabeudnummer veröffentlichten Notiz sendet unS Herr Arnold Schley. Puttbuscr Straße 40/11, ein längeres Schreiben, in dem er nachzuweisen versucht, daß er gegen die E.schen Eheleute keineswegs schroff vorgegangen, sondern ganz korrekt ver- fahren sei. Richtig sei, daß zwischen ihm und den E.schen Eheleuten eine Verständigung zustande gelommen sei, nach der die Lösung des MietSkontrakteS am� 1. Oktober erfolgen sollte. DaS sei aber ge- schehen wegen Differenzen und Sireitigkeiten der E.schen Eheleute mit anderen Mietern, nnt den VerwalterSlenten und mit ihm selbst. Am 27. August hätte Frau E. MictSlnstigen mit höhnlscheu Worten die Besichtigung der Wohnung verweigert, Mietslustige hätten sich damit begnügen müssen,' die über oder unter E.S liegende Wohnung zu besichtigen, waS nur durch besonderes Ent gegenkommen der betreffenden Mieter möglich gewesen wäre. Wahr möge sein, daß die E.schen Eheleute ihre Miete pünktlich zahlen können, wahr sei aber auch, daß daS am 4. und 2. September ab- sichtlich nicht geschen sei. Unrichtig sei, daß Frau E. verreist gewesen >ei, sie sei am 2. September vormittag« im Hausflur an ihm vor- über gegangen, ohne etwa» von der Miete zu erwähnen. Erst nach dem er. Schley, fortgegangen und Frau E. erfahren hätte, daß er Klage einreichen würde, habe sie das Geld zur Post gebracht. U» richtig fei, daß er erst am 3. September, nachdem er im Besitze der Miete geivesen, Klage angestrengt habe, die Klage datiere vom 2. September. Die Klage lei gerechtfertigt gewesen schon deshalb, weil die E.scken Eheleute geäußert hätten, sie würden am 1. Oktober nicht ziehen und der neue Mieter könne mit seinen Sachen auf der Straße sitzen. Und nur deshalb, weil die E.schen Eheleute da« erklärt hatten, um ihm einen Streich zu spielen mußte er vor Gericht aus ein Räumungsurteit bestehen, mit einer RäumungSirist war er einverstanden. Schley wollte von diesem Urteil auch keine» Gebrauch machen, wenn die E schen Mieter bis Oktober sich ruhig und vernünftig verhielten. Es sei schließlich auf Zureden des Richters zu einem NiicrkenmmgSurteil gekommen Daß eine Vollstreckung deS Urteils nicht beabsichtigt gewesen sei, beweise, daß er Herr Schley, bis heute die UlteilsauSfertigung noch nicht be- antragt babe. Richtig sei. daß die E.S am 18. oder 19. September freiwillig gezogen seien, aber die von ihnen zu beziehende Wohnung habe leer gestanden. Soweit die wesentlichsten Einwände deS Herrn Schley. Wir haben onseren Gewährsmann ersucht, sich zu vorstehender Zuschrift zu äußern. „Die Berliner Waldverwüstung und verwandte Fragen" ist der Titel einer von Hermann Kötschke geschriebenen und vom AnsicdlungS- verein Groß-Berlin, Schöneberg. Grunewaldstr. 30, zum Preise von 1,30 M. herausgegebene» Broschüre, die in 103 Seiten Umfang und unterstützt durch eine Karte in anschaulicher Weise die Entwickelung deS städliscken Landbesitzes, die Wald-, Park- und Spielplatzirage erörtert und im besonderen auf die immer mehr zunehmende Wald- icdlächlerei eingeht, die große Teile der beliebtesten Wälder voll- kommen ihrem eigcntlichen Zwecke entzieht, nämlicb Wald zu bleiben und für die großstädtische Bevölkerimg der Tummel- und ErholungS- platz, die Lniige der Riesenstadt zu sein. Die Schrift geht dann auf die Zuklliift Groß-Berlin» ein und behandelt die rechtlichen Grund- lagen, durch die eine weitere Gefährdung der Wälder vermieden werden könnte. Zum Schluß wird der Berhältiiisse in anderen deutschen und außerdeulichen Städten gedacht, die vielleicht nicht alle j in gleichem Umfange wie gerade in Berlin zu leiden haben, aber doch I nach und nach ebendahin kommen werden, wenn nicht beizeiten vor-! gebengt wird.* Vorort-]Mad)ricbtem Tchöneberg. Stadtvcrortuietcnversinnmluiig. Vor Eintritt in die Tagesordnung erfolgte die Einfühnlng deS neugewählten Stadtverordneten Reiche(Soz.) durch den Stadt- verordnetenvorsteher. Auf die in der Stadtverordnetenversammlung am 10. Januar von der sozialdemokratischen Fraktion vorgebrachten Beschwerden über die Ueberstundenmißwirtschast im Stadtparkgelände, unterbreitete der Magistrat eine längere Entgegnung, welche zu dem Schluß kommt, daß der größte Teil der Arbeiter danach strebt, Ueberstunden zu machen, um tu den Genuß eines höheren Wochen- lohueS zu gelangen. Etadtv. Küter(Soz.) hält die Entgegnung in vielen Punkten für ungenau. Der Zweck des Antrages, der in der Sitzung vom 10. Januar gestellt wurde, sei jetzt jedoch erfüllt. Denn von diesem Zeitpunkte ab habe daS Ueberstuiideiunachen in dem gerügten Maße aufgehört. Sodann richtete der Magistrat das Ersuchen an die Stadt- verordnetenversaininlung, von dem früher gefaßte» �Beschluß, wonach eine gemeinsame Deputation zur nochmaligen Erörterung die Frage der Einführung der Stadtberordnetenwahlen an einem Sonntag gewählt werden sollte. Abstand zu nehmen. Der Magistrat ist der Meinung, daß die Festsetzung des Wahltages ausschließlich Sache des Magistrats ist, wobei er sich auf den§ 23 der Städleordnung stützt. Die sozialdeinokratische Fraktion hatte zu dieser An« gelegenheit den folgenden Antrag eingebracht': „Die Stadtverordneienveriaminlnug kann die Ansicht deS Magistrats, daß der§ 23 der Slädteordnung die Bestimnumg der Wahltage dem Magistrat zur selbständige» Entscheidung in dem Sinne der Ausschließung des BestiuiniungSrechlS der Stadlverordneten- Versammlung zuweise, als richtig nicht anerkennen. Sie ersucht den Magistrat, die Frage nochmals in Erwägung zu ziehen und behält sich vor, im Falle daß der Magistrat auf seiner Ansicht beharrt, die Angelegenheit im RechtSversahren weiter zu verfolgen." Stadtv. Bernstein(Soz.) führte in der Begründung dcS An- trage» aus, daß sich die sozialdemvkralische Fraktion mit der Antwort deS Magistrats nicht einverstanden erklären könne. Ans dein 23 der Städteordnung könne der Magistrat nicht das Recht herleiten, daß nur er über die Festsetzung des Wahltages zu bestimmen habe. Die Stadtvcrordiietenversainniliing hat mindestens ein eittscheidendeS Wort dabei mitzureden. Oder wolle man der Stadtverordneten- Versammlung gegenüber auch die Rede vom beschränkten Ulltertanen- verstand anwende»? Durch das Vorgehen des Magistrats würde das SelbstvcrwaltungSrecht gefährdet. Gegebenenfalls müsse der Rechts- weg beschritten werden. Die Festsetzung der Wahlzeit aus einen Sonntag fei keine Parteifraae. Der Vertreter des MagfftratS, Syndikus Bergmann, vertrat nochmals die Ansicht, daß der 8 23 der Städteordiinng vom Magistrat richtig angewendet sei und bat, dem vorliegenden Antrage nicht zu» zustimmen. Stadtv. Schneider(unabh. Vgg.) pflichtete dem Magistrats- Vertreter bei. Seine Fraktion werde dem Antrage nicht zustimmen. Die Einführung der SonntagSwahl entspricht auch nicht dem Wunsche der Bürgerschaft. Stadtv. Starke(lib. Frakt.) schloß sich den Ausführungen des Stadtv. Bernstein an. ES handele sich hier um eine Prinzipienfrage, die gelöst werden müsse. Stadtv. K ü t e r(Soz.) wandte sich gegen die Rücksiändigleit des Stadtv. Schneider. Die sozialdcmvkraiilche Bürgerschaft müsse mit in Bettacht gezogen werden, denn bei den letzten Reichstag»- wählen seien von 36 000 eingeschriebenen Wählern in Schöneberg 14 000 sozialdemokratische Stimmen abgegeben. Der Antrag wurde nach einer iiochinaligen Befürwortung durch den Stadtverordneten Bernstein mit großer Mehrheit an- genommen. Die vom Magistrat beantragte Hinzumietung von Räumen zun: städtischen Arbeitsnachweis ivurde ab- gelehnt, dafür soll die Vcrmittelung von männlichen Arbeits» kräften vormittags und von weiblichen nachmittag? erfolgen. Darauf kam der Antrag zur Berhandlung, welcher vom Magistrat die Einführung der Arbeitslosenversicherung ohne Rücksicht auf die Verhandlungen des Städte- t a g e s verlangt. Stadtv. Zobel(lib. Frakt.) schilderte die Entwickelung der ganze» Angelegenheit in Scvönebera. Seit zwei Jahren halte die Mehrheit der Stadtverordnetenversammlung die Einführung der Arbeitslosenversicherung für eine Notwendigkeit. Eö sei ganz über-' flüssig, die Verhandlungen des SlädtetageS abzuwarten. Irgendwo müffe doch der Anfang mit dieser Versicherung in Groß-Berlin gemacht werden, ohne die Schwierigkeiten der Lösung dieser Frage zu verkennen. Stadtv. Molkenbuhr(Soz.) weist darauf hin. daß die Frage der Arbeitslosenversilberung keine nnlö-Zbare ist. Seit einem Jahr- zehnt ist dieselbe schon im Fluß. Während bei der ReichSgeiey- gebung ein Stillstand in die!« Beziehung eingetreten sei, scheinen jedoch einzelne Staaten der Frage nähertreten zu wollen. Ain bellen konimt man vorwärts, wenn einzelne Städte mit der Arbeitslosen» Versicherung den Ansang machen. Schöneberg müsse sich an diesem Vormarsch beteiligen. Wenn Schöneberg den Städtetag abwarte, so stehe cS später auf demselben Punkte, wo es angefangen habe. Auf Groß-Berlin könne man sich nicht verlassen, viel eher werde die Arbeilslosenversicherung durch daS Reich eingeführt. Stadtv. D ä u m i g(Soz.) weist auf den Gegensatz zwischen dem Magistrat und den MoglstratSvertretern in der Deputation hin. Letztere Hätten in der Deputation betont, daß schnell gearbeitet werden müsse, um die Arbeitslosenversicherung schon am 1. Januar 1910 einsühren zu können. Stadrv. Linicut sür Herrn Rechnungsrot Nienaber, dessen Wahlzcit Ende März 1910 abgelauseu sein würde. Ob es sich wirklich ver- lohnt, für eine einzige Sitzung, selbst wenn in dieser die Etats- beratimg erfolgen sollte, neue Ersatzwahlen vornehmen zu lassen, möchten wir bezweifeln. Stralau. AuS der Spree gelandet wurde die 29 Jahre alte Dienstmagd Anna Schack, die feit dem 23. November vermißt war. Sie hatte drei Wochen bei einem Bäckermeister in Alt-Sirakau gedient. Dort kam dem Meister aus der Schublade einer Kommode, die in der Wohnstube stand, ein Porleinonnaie mit 8,10 M. weg. Am 23. No» vember äußerte der Meister zu seiner Frau, daß nur das Mädchen das Portemonnaie genomnien haben könne. Die Magd, die eine neben dem Laden gelegene Kaffeestube reinigte, hörte das und sprang, als der Mristcr weiter benierkte, er werde sie zur Rede stellen, aus dem Fenster im Erdgeschoß auf die Straße hinaus. Bevor man sie zurückhalten konnte, war sie schon verschwunden. Seitdem hörte man nichts mehr von ihr. Vorgestern fand man sie als Leiche wieder. Lichtenberg. Die Wahlen der Beisitzer zum Gewerbegericht finden heute nachmittags von 3—8 Uhr statt. Bersäilwe kein Ardeiter seine Pflicht, zur Wahl zu geben. Berliner Gewerkschaftkkommisfion. Abt. Lichtenberg. Tempelhof. Die Zahl der Wähler zu der im März stattfindenden Gemeinde- wähl beträgt 3255. Der Steuerbelrag weist die Sunune von 587 077 Mark auf. Die erste Klasse setzt sich aus 12 Wählern zu- lammen. Der Höchstbesteuerte ist die Firma Steffens u. Nölle mit 62 969 Mark. Wer 4544 Mark aufbringt, wählt bereits in der zweiten Klasse und wer„nur" 356 Mark und darunter zahlt, hat seine Stinnne in der dritten Klasse abzugeben. 356 Mark Steuern entsprechen einem Einkommen von weit über 10 000 Mark. Das be» deutet die gänzliche Einflußlosigkeit deS Arbeiter-, selbst des best» bezahltesten Mittelstandes. Tempelhof-Mariendorf. Der vom Jugendausschiiß veranstaltete Vortragskursus beginnt mit dem heutigen Abend. Herr Dr. E. Bob referiert über:„Der Bau des menichlichen Körpers." Die Borträge werden abgebalten im Restaurant Apelt, Tempelhof, Berliner Str. 41/42, 8 Uhr abendS. Die Parteigenossen können ebenfalls die Vorträge besuchen. Königs-Wusterhausen. Die Gemcindrvcrtretersitzung am Montag beschloß die Errichtung einer Rechtsauskunftsstelle, wie sie bereits in mehreren Orlen von Groß-Berlin besteht. Dem Vertreter Jülich waren 150 M. für SchreibhiUe zuviel, doch wurde dieie Summe bewilligt; Räume und Heizung stellt die Gemeinde. DeS weiteren wurde eine neue Grundwerlsteuerordnung angenommen. Der Ankauf des Pfarr» grunditücks zum Preise von 8000 M. pro Morgen und 400 M. Entschädigung an zwei' Pfarrer für Neuanlegung ihres Gartens wurde bewilligt. Ein Antrag deS Vertreters Dr. DeuS, einen Schularzt anzustellen, wurde im Prinzip angenommen, uni später eine weitere Ausbildung zu erhalten. Den Kindern der Schiffer soll für die Wintermonate Hierselbst ein Heim errichtet werden.— Der Kreis steuert zu den Kosten der neuen Brücke 5000 M. zu. Eingebrochen«nd ertrunken sind gestern im alten Fließ die neun bezw. zehn Jahre alten Knaben der Arbeiter Schenker und Müller. Die Knaben wurden kurz darauf au« dem Wasser gezogen; sie hielten sich noch fest umschlungen. Wiederbelebungsversuche blieben jedoch erfolglos. Hohen-Schönhaufen. Erbauliche Zustände, so schreibt man uns, herrschen am Orte in beziig auf die Feuersicherheit. Zwar bestehen hier sogar zwei frei» willige Feuerwehren, doch bei einem am Sonnabend abend statt» gefundenen Wohnungsbrand konnte keine von beiden eingreisen. Die eine Wehr war wohl zeitig genug an der Brandstätte, aber die deseklen Wasserschläuche machten«in Wassergeben unmöglich. Die andere wieder rückte gar nicht aus. weil nacd halbstündigem Warten noch kein Vorspann für die Spritze zur Stelle war. Erst die herbei» gerufene Lichtenberger Wehr löschte den Brand. Was würde wohl im Falle eines Großfeuers passieren? Reinickendorf. AuS der Gemeindevertretung. Mit dem Erlaß einer neuen Polizeiverordnung betr. den Betrieb von Schweinemästereien hatte sich die Gemeindevertretung als AmtsanSschuß zu beschäftigen. Die zahlreichen am Orte befindlichen Schweinemästereien sind zu einer wahren Plage für den Ort, besonders für die Umwohner solcher Gedöste geworden. Bor zwei Jahren wurde daher bereit« eine die Mißstände zu beseitigende Polizeiverordnung erlasien, die besonders Borkehrungen traf, daß diejenigen Arbeiten, welche die Geruchs« nerven der Umwohner bezw. der Straßenpasianten zu sehr belästigen, also das Reinigen der Ställe und das Kochen des Futter»> tidarlottenburg. Wallen- steins Tod. Ztzri- r-rich-&HIbrItnstSdt. Halali. Bolksoper. Die Hugenotten. Luisen. Heimat. Ro>e. Deborah. Lnstlptelhaus. Der dunkle Punkt. Met-oxoi. tzalloh II— Die große Revue. Foltrs Caprtce. Sicher ist sicher. Bunter Teil Der Mann meiner Frau.(An«. 8',. Uhr.) Eafino. Der Obergauner. Gebr. Herrn feld. So muß mawS machen. Ein RcNungSmiltel Gastspiel. Der Polizeihund.(Ans. 8>,. Ubr.) Noacks. DaS grobe Hemd. Parodie. Dollarprinzessin. Moral. Lajazzl.(Ans. 8-,. Uhr.) Apnu». Der LicbeSwalzer. Spezta- litäten. Win Irrgarten. Spezialltöte». Retchsbolten. Stcitiner Sänger. Palast. Speztalitäten. Boiioge. Spezialitäten. Urania. T»»>-«»i>ei>ste 4Kis«. Abend» 8 Uhr: Im Firnenglanz de» Ober-Engadin. Hörsaal 3 Uhr: KonstruklionZ- Ingenieur A. Keßner: Die Technik des Schmiedens. Sterun-arre.z. v. Henrik Ibsen. Deutsch von W. Lange. Ende lG/, Uhr. Donnerstag, abends 8 Ubr: ver I'kesrrer v. Kt. Kenrxeo. Freitag, abends 8 Uhr: Oeseliäft ist Grsoliäft. •4 Schiller-Theater(Charlottenburg). Mittwoch, abends 8 Uhr: �Vnlienntetu» Tod. Trauerspiel in fünf Aaszügen von Friedrich Schiller. Ende 11 Uhr. Donnerstag. abendS8Uhr: Nil! iloltb*. Freitag, abends 8 Ubr: ver Püdrrerw.Ät. Georgen. »»»»»TVSSOGSSSSSSGSV Arnold Scholz Hasenheide 108/114 TlifflU'h Im z-roven Snnl: Bochbierfeft in den bayerikften Ulpen| Vornnael{jc! Donnerstag, den 3. 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Mittwoch, Donnerstag, Freitag: Gastspiel Lucie Viörna. Heimat. Schauspiel in 4 Akten von Hermann Sudermann. Sonnabend 4 Uhr: Große Kinder» Vorstellung: Schneeweigchen und Rosenrot. 8 Uhr: Der Beilchensresser. Sonntag 3 Uhr: Nibelungen. 8 Uhr: Premiere: Am Altar. Montag: HeimaL_ OSEfTHEATEß rranljurter Str. 132 1 1 ihr. Ende 11 Uhr. I I deborah. Li Große diai Ans." Uhr. Deborah VolkSschaulpiel in 4 Akt. v. Mosenthal. DoiinerSlag: Die Herren Söhne. Freitag: Der Vizepapa. Helropollbeslek' »»ii«::: Die grolSe Revue! Sonnabend, den 5. Februar 1910: großer Metropol-Theater-Ball. Hutkonkurrenz, 1000 M. Barpreise. Volksoper. SWt Belle-Allianee-Slraße Nr. 7/8. Ai lang'/z9 Uhr: Die Hugrusltrii. Trisnon-Tlieatel-. Abends 8 Ubr: Knridans Esel. ?oliEL LKprles. Sicher ist sicher. Bunter Teil. Bcr JKann meiner Jim! Ans. 8'/« Uhr. Vorcerlans ll— 2 Freitag, den 4. Febr.: Premiere. 8 Uhr: Tie ueurn Spezinliläten. 8*1, Ubr: Zum 2. Male: Der Liebeswalzer. Operette in 3 Akten von R. BodanSlh und F. Grünbanm. Musik von E. M. Ziehrer. Hauptrolle: KlZNsZd lZsöKes g. g. ? 4 I i s 1 4 4 4 I 4 4 4 Passage-Theater. Abends S Uhr: Cussy Boll Lamborg i Schneider Duncker! (prolongiert) nnd das neue Februar-Programm. 14 Varistd-Attraktionen. VSSSSSHSSSSSSSSSSeSSSSee» Montag, den 7. Februar 1910 in den Sophien-Sälen(großer Saal), Sophienstraße 17—18; HUMORISTISCHER «S»SSSSSSSS»SSSSKSSSSSS» arrangiert vom Wahlverein. Eintritt 60 Pf.(inkl. Garderobe). Oer Vortrag beginnt pünktlich 9 Ubr.— SaalerSffnong 7Va Uhr. Während des Vortrages bleiben die Saaltüren geschlossen. Billetts in den Partei-Speditionen Hahnisch, Auguststraße 51* Zucht, Immanuelkirchstraße 12. Zahlreiche Beteiligung erwartet Das Komitee. * 9/ 9/ vi/ 9/ vi/ vi/ vi/ f vi/ vi/ «v vi/ vi/ vi/ vi/ vi/ 9/ vi/ vi/ «/ vi/ »Seecseeesseeeeessse« e«» s vi/ vi/ vi/ vi/ vi/ Vi/ vi/ «/ vi/ Vst VI/ V)/ vi/ VI/ VI/ VI/ VI/ VI/ VI/ VI/ VI/ VI/ «»sssssssssssssssssssss« LS« U AINrBotan.Oarlen EinqanaGrunewaidstr rägiieb abends 8 Uhr; Gala- 1 Vorstellung.— Mittwoch, Sonn- J abend, Sonntngund Festtags: j £ Vorstellungen mit durchaus) gleichreichhaltig. Programm nachm. 4 Uhru abends 8 Uhr. ZudenNachm.-Vorstell. zahlen I Kinder unter 14 Jahr. u. Militär■ b. z. Feldwebel halbe Preise, f an der Jamiowilibrückc. Os'JtsrtilaiKls gioisle tnö mMzh Lhliibilma 6SO Silzpllltz« Feenhallo Auisti'.iunj Beginn: Wochentags 4 Chr. Sonntags S„ Koinmansaiiienilr. 57. T. A. 4, 5083 DurchWagtlidster Eifolg! Ii®'S Bmieske mit Gelang in 2 Allen, Musik von L. Jini, mit den Autoren Anton uml Donat Hcrnifeld in Pen Hauptrollen. Hierzu: Ein IRettiinxsmittel Komödie v. L. Huna. Ansang 8 Uhr. Vorverkauf 11 bis 2 Ubr. Sonniag nachmitiag 4 Uhr bei halben Preisen: MeiuL-veme Tochter. Sanssouci, l'ZTt. Direktion Wilhelm ftalmer. Heute Mittwoch Theaterabend. Beginn 8'/, Uhr. Zum erstnunal: Madame Kttiaheil, oder: Der rätselhafte Toppeimord. Krlminalkomöd. in 5 Bild. Morgen Donnerstag: Hoffmanns Nordd. Sänger und Danzkränzchen. Beg. Sonnt, ö, wochenl. S ll. WcinhergsAcg 19-70. lloconin.Tor. I Ansang 8 Uhr: Neue Spezialitäten. Tunnel:«vockbierfest. NegtmentSkapelle. I Theaterbesuchern freiet Eintritt 1 1 Im oberen Saale: Die glänzenden Spezialitäten. Heute 91/, Ehr ringen: Gambier• Frankreich gegen Hein- Berlin. Dil. SohibiiSN-Berlin gegen Franz Sauerer-Miinchen. Alb. Sturm(Gewinner der Welt- meisterschast Wien 1998) gegen ChwarvlieS-Ostpreiißen. Entsctieidungskaniiil; L. be Wolf-Belgien gegen Stolzen- walb-Essen. lni unteren Saale: �lt- Germanisches Bockbier- Kellertest mit Uoppel-Konxort. Mittwoch, den 2. Februar, abends 71/, Uhr: Brillante Vorstellung. Neu I Neu I vei- KomOdlengaukler n. ChineHlsch. Geistep- beschwtirer Harry lamore. Neu I Neu i Fliegender akrobatischer Akt der Fronklin-Tnivp«. Austreten des KomiriissionSrati Gnxtnv Ktenuheele als Gast mit seine» neuen Hervor- ragenden Schulpferdeii. Der kleinste komische Reiter der Weil Orlg.-Itagonghl. Um 91/, Uijr: Ende 11 Uhr: Die drei Rivalen. Gr. Feerie aus der Hugenoltenzelt. 3. Akt: Die Wiidschlveinjagd. S. Akt: DaS Hochzeitssest mit der feeiihafteii Schlußopoiheose. (Zustspiel �Theater Köpenicker Straße 63. Mozart-Oper. Sonnabend, den 5, Febr., 81/, Uhr: Ervsfiiu»gS-BorsteIlnug: I>le KiinheellOte. Sonntag 3>/, Uhr: Der Waffenichniied. Abends 8 Uhr: Die Zouberstöt«. Pszzsgs-PgliogliilW 8mgs>ig KM! KOwilüe �sider Mimner, Kinder. Drei Negerdörfer Ohne Extru-Entrec! W.KoacUs Theater »riinneiiitr. IG, am Nosenthaier Tor. Das grobe Hemd. Voiksstilck in 4 Alten. Gastspiel Käthe Wille-Bach. Donnerst,.- Große Exlravorllellung: Straßenbahnsahrer Kraule. Sonnav. 3U.: Kindervorst. FrauHolle. Direktion:»odert lliil& Karl Pinnau. 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