Mr. 28. Ndonnementz-keäingungek: ttBonnraicnlä. Preis vränumerandoi Lirrteljährl. ZAZ BU., nionatl. l.lo SM., »vöchcnMch 23 Pig. frei inZ Haus. Einzelne Rümmer S Pig> Sonntags- nuoimer niit illustrierter Sonntags- Beilage»Die Reue Welt" 10 Psg. Post- Zlbonnemenl: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Posl-Zeitungs- turciSIistc. Unter tlrcuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für da- übrige Ausland Z Marl pro Monat. PostabonneuientS nehmen an: Belgien, Danemark, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. S7. Jahrs- vlchkl»! tfallch auOer montags. Berliner VolKsblntt. Die TftUrtionS'Gcbüljr Beträgt für die fcchsgespaltsne Kolmel- geile oder deren Raum 50 Psg, für politische und gewerlschastliche Vereins- und Versammlungs-Anzeigcn S0 Pig. „Meine Zln-eigen", das erste(seit- gedruckte) Wort 20 Psg., jedes weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlaf- ftcllen-Anzcigen das erste Wort 10 Psg., jedes weitere Wort ä Psg. Worte über lö Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nmnmer müssen bis S Uhrnachmiltags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ijt bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm-Adrcffe: „ioalaltititiolirat Benin". Zentralorgan der fozialdeniokrati fchen Partei Deutfcblands. Redahtion: 8CQ. 68, Ltndcnstrasae 69. Fernsprecher: Amt kV, Nr. 1S8Z. Donnerstag, den 3. Febrnar 1310. Cxpedition: SA. 68, I-inäensrvasse 69. Fernsprecher: Amt lV, Nr. 1981. (Privatdepesche des London, 2. Februar. , V 0 r w ä r t S".) Friedrich Lcßner starb gestern abend 7 Uhr nach kurzem Leide», das mit heftigen Dilirie» verbunden war, die den 85 jährigen vollends erschöpften. Bis zum letzten Moment wiederholte der Sterbende aus ganzer Kraft die Worte:„Feverbach! Marx» Internationale!" Die Trauerkunde von dem Hinscheiden Friedrich LeßnerS, des an Kampfes- sowie auch an Lebensjahren ältesten Veteranen der Partei, trifft sie nicht unvorbereitet. In den letzten Jahren bc- drängte ihn schwere Krankheit, und vor etwa Jahresfrist mußten wir das völlige Erlöschen seines Augenlichts melden; so mag er den Tod als eine Erlösung begrüßt haben, sicher wie er sein durfte, daß sein Lebenswerk ehrlich und tapfer vollbracht war. Leßner gehörte noch zu jener ersten Generation deutscher Ar- beiter— und er lvar wohl der letzte aus ihr— die in klarem Bewußtsein den Kampf gegen das Kapital aufnahmen. Er war am 27. Februar 1825 in Blankenhain im Großherzogtum Sachsen- Weimar geboren, lernte das Schneiderhandwerk und kam Ende März 1817 nach London. Hier trat er in den Kommunistischen Arbeiterverein ein und schloß sich dem Geheimbund der Gerechten cm. Er hat es miterlebt, als am Ende desselben Jahres Marx und Engels diesem Bunde den Entwurf des.Flommunistischen Mani-. festes" als neues Programm vorlegten und in mehrtägigen De- batten gegen alle Einwürfe verteidigten; er hat den Bund der Gerechten in den Bund der Kommunisten umwandeln helfen und als der Eifrigsten einer die Propaganda für die Ziele des Bundes betrieben, so lang es Lafkit noch ekne entfernte Möglichkeit gab. Nach Ausbruch der Märzrevolution ging er mit Marx und Engels nach Köln, dann in den Tagen der Gegenrevolution mit Schapper nach Wiesbaden, und als ihn im Juni 1855 von hier ein polizeilicher Ausweisungsbefehl vertrieb, nach Mainz, immer in unermüdlicher Agitation für die kommunistische Sache. Im Oktober 1835 wohnte er einem Kreistage des Bundes in Frank- furt a.?N. bei und wurde von ihm nach Nürnberg gesandt, um die dortige Bundesorganisation zu reorganisieren. Er hatte nur geringe Erfolge und kehrte enttäuscht nach Mainz zurück. Aber auch hier waren ihm nur zu bald die Verfolger auf den Fersen; im Juni 1851 wurde er verhaftet, wenige Wochen nachdem durch die Verhaftung Nothjungs in Leipzig die Polizei auf die Spuren des Kommunistenbundes gekommen war. Obgleich nichts gegen ihn vorlag, als daß eine große Masse kommunistischer Schriften in seiner Wohnung gefunden worden waren, wurde er in den .Kommunistenprozeß verwickelt, jenen elenden Polizeischwindcl, worin Stieber auf Anregung Seiner Majestät des Königs Friedrich Wilhelm IV. sein Probestück als Lockspitzel leistete. Nacki einer qualvollen Untersuchungshaft machte Leßner die sechswöchigen Verhandlungen vor den Kölner Geschworenen durch, mit all den dramatischen Zwischenfällen, die durch Stiebers infames Meineidssystem herbeigeführt wurden. Am 12. November 1852 wurde er zu dreijähriger Festungshaft verurteilt, die er in Grau- denz und Silberberg verbüßte. Während seiner Haft erschien das Schwarze Buch der Polizei, das von den Polizeihalunken Mermuth und Stieber herausgegeben wurde und über Leßner die Worte enthielt:„Der Untersuchungsrichter schildert ihn als ein nichts- würdiges Subjekt, das ohne alle Bildung ist, aber große Zungen- fertigkeit besitzt, durch die er sich besonders in Wirtshäusern und sonstigen Versammlungsorten des Proletariats Geltung zu ver- schaffen weiß." Dieses aus dem Munde der preußischen Polizei ohnehin ehrenvolle Zeugnis hatte für Leßner noch die angenehme Folge, daß der großherzoglich-weimarische Minister von Watzdorf am 17. Oktober 1855 der königlich-preuhischen Festungskommandan- tur in Silberberg mitteilte, Leßner sei durch„gnädigste Ent- schließung" des Großherzogs von Weimar von der nachträglichen Leistung seiner Militärpflicht entbunden worden. Man fürchtete, daß ein so unheimlicher und zungenfertiger Hochverräter die groß- hcrzoglich-weimarische Kriegsphalanx sprenge» könne. So konnte sich Leßner sofort, nachdem seine Haft abgelaufen war. nach London begeben, wo er in engsten Verkehr mit Marx und später, als Engels nach London übergesiedelt war, auch mit diesem trat. Er hing an beiden mit der innigsten Dankbarkeit und Verehrung; allein auch ihnen ist er ein treuer Berater ge- Wesen, einer von jenen Arbeitern, die sie in beständiger Fühlung mit dem Denken und Empfinden der proletarischen Massen er- hielten. Sie selbst haben oft genug anerkannt, wie sehr sie solcher Fühlung bedurften, um das zu leisten, was sie für die Arbeiter- klaffe geleistet haben. Besonders einflußreich und notwendig wurde diese Tätigkeit Leßners in den Tagen der Internationalen Arbeiterassoziation, in deren Generalrat er von ihrem Anfange bis zu ihrem Ende gesessen hat; meist hat er auch ihren Kongressen beigewohnt, wo er in dem manchmal noch etwas babylonischen Gedanken- und Sprachenwirrwarr die klare Auffassung des kom- munistifchen Prinzips vertrat, das ihm schon seit den Tagen des Kommunistcnbundes in Fleisch und Blut übergegangen war. So ist ihm ein beneidenswertes Los zugefallen, obgleich er all sein Lebtag ein armer Teufel blieb und sein sechzigjährigcr Kampf für die Emanzipation der Arbeiterklasse stets begleitet war von der Sorge ums tägliche Brot. In den Jahrbüchern dieses Kampfes wird sein Name in dauernden Ehren bleiben, ver yunger im vismsntenlsnSe. Wir gaben vor einiger Zeit an der Hand der Missions- berichte aus Deutsch-Südwestafrika ein Bild von der Lage der Eingeborenen, das nichts weniger als rosig war. Nach diesen Missionsberichten, die den Anhang der amtlichen kolonialen Denkschrift bilden, ging es den Eingeborenen im genannten Lande sogar sehr schlecht. Ihres Landes und ihres Viehes ! beraubt, mußten sie sich durch schwere Arbeit ihren kümmer- ! lichen Lebensunterhalt erwerben. Nicht nur sie selbst, � Männer und Frauen, mußten im Dienste der Weißen fronden, i sondern auch ihre Kinder mußten sich verdingen, um nicht zu verhungern. War nicht genügend Arbeitsgelegenheit vor- banden, so mußten sie darben. Das war das Bild, das der Missionsbericht aus dem Jahre 1907-1908 ergab. Nunniehr liegen die Missions- berichte aus dem Jahre 1908-1009 vor. Da sich inzwischen die Verhältnisse in Südwestafrika konsolidiert haben, sollte nian meinen, daß auch die Lage der Eingeborenen eine günstigere geworden wäre. Das ist aber nicht nur nicht der Fall, sondern das Elend der Eingeborenen ist vielmehr gewachsen. Während des letzten Berichtsjahres vermochten die ihres Eigentums Beraubten nicht einmal durch die schwerste und entwürdigendste Arbeit ihre nackte Existenz zu fristen, viel- mehr erlagen viele von ihnen direkt dem Hungertodc! Statt unsererseits ein Bild der skandalösen Zustände in Südwestafrika zu entrollen, wollen wir den M i s s i 0 n a r e n selbst das Wort geben. Der Missionsbericht aus T s u m e b, das heißt aus dem nördlichen Hererolande, klagt wiederum über die verheerende Kinderarbeit. Es heißt darin: „Am folgenden Tage(7. Dezember 19V8) eröffnete Missionar Lamm eine Morgen- und Abendschule. Erstere konnte bis dahin nicht gehalten werden, da die Minen die Kinder mit- beschäftigten. Sie wird von zirka 15 Hererokindern besucht, worunter sich nur 5 Jungen befinden. Die Jungen lungern nach wie vor als k l e i n e D i e n e r bei den vielen Weißen herum. Was aus diesen werden wird, wird die Zeit lehren, da sie vieles Schlechte sehen und meistens auch manches Schlechte ausführen müssen...." In dem Bericht der rheinischen Mission in O k a h a n d j a wird über die Erschwerung der Missionsarbeit durch den starken und meist unvermeidlichen Wechsel unter den Ein- geborenen geklagt:„Besonders würde durch das Zu-, ziehen und Fortziehen der Eingeborenen die Arbeit in der Eingeborenenschule erschwert". Das Fortziehen und Zuziehen ist eben dadurch bedingt, daß die Eingeborenen, um nicht zu verhungern, sich stets nach neuer Arbeitsgelegenheit umsehen müssen. So heißt eS in dem Bericht aus Warmbad: „Die Männer sind draußen auf den Farmen oder an der neuen Eisenbahn beschäftigt. Leider hat diese Zerstreuung der Leute einen großen Uebelstand zur Folge, weil dadurch die Kinder nicht regelmäßig in die Schule kommen." Aber nicht genug damit, daß die Eingeborenen, die früheren seßhaften Viehzüchter, nunmehr als rechtlose, jämmerlich entlohnte Halbsklaven ein zigeunerndes Leben führen müssen, um nur ihren kärglichen linterhalt zu ge- Winnen, daß durch das Umherschweifen der Familie zerrüttet wird und die Kinder jeder Schul- und sonstigen Erziehung verlustig gehen— vielfach hat alles Suchen nach Arbeit nicht einmal Erfolg, so daß die von allen Subsistenzmitteln ent- bläßten Eingeborenen einfach dem Hungertode preisgegeben sind! Während raffgierige Kapitalisten in Südwestafrika Diamantenschätze gewinnen, sterben Eingeborene, denen man gewaltsam die Lebensbedingungen abgeschnitten, massenhaft buchstäblich Hungers! Lassen wir die Missionsberichte sprechen. In dem Bericht über die Missionsarbcit im Groß- Namalande heißt es: „Das letzte EtatSjahr war wegen der herrschenden Dürre und infolge der durch mangelhafte Ernährung ein- getretenen Skorbuterkrankungen ein schweres Jahr für unsere Eingeborenen. Die Sterblichkeit war so er- heblich, daß sie den Zuwachs an Geburten übertraf.... Es liegt deshalb in unserem eigenen Interesse, unsere Arbeiterbevölkerung in der Weise lcbens- und arbeitsfähig zu erhalten, indem wir ihnen durch Halten von etwas Milchvieh zu den notwendigsten Lebensbedürfnissen verhelfen, damit sie auch in Zeiten von Krankheit und momentaner Arbeitslosigkeit nicht aufs Betteln angewiesen sind." Hätte man den Eingeborenen also das genügende Milch- vieh belasten, statt ihnen ihre letzte Habe zu nehmen, so würden ihrer nicht so viele verhungert sein; denn die er- wähnte Dürre an sich beraubte die Eingeborenen höchstens der„Feldkost", das heißt der Wurzeln. Käferlarven usw., mit denen sie sich nach ihrer Unterwerfung vielfach den Magen füllen mußten. Der Missionsbcricht für Keetmannshop besagt: „Diese Station hat wohl am meisten unter der herrschenden Dürre gelitten und starben infolge oben erwähnter Erkrankungen 5 Prozent der christlichen Gemeinde. Unter den Heiden, über die hier keine Liste geführt wurde, war die Sterblichkeit noch grösser. Wir haben bis jetzt in dem ErziehungSinstitut für halb- weiße Kinder 21 Kinder aufgenommen, von denen eins ge» starben. Da cS uns an frischer Milch fehlte, mußten wir kleinere Säuglingskinder zurückweisen, weil sie uns ver- mutlich an Skorbut eingegangen wären, wie über- lniupt 55 Kinder in der Gemeinde fast ausschließlich an dieser Krankheit starben...." In dem Missionsbericht aus Berseba heißt es: „Die Lebensverhältnisse unter den Eingeborenen warett sehr schlecht." Aus Bethanien berichtet Missionar Peter: „Das vergangene Jahr war für die Gemeinde infolge der Dürre ein recht schweres zu nennen. Da außer den wenigen, welche im Dienste der Weißen stehen, der größere Teil keine Arbeit hat und von de» KricgSzeitcn her jeden Besitzstandes entblößt ist, so ging ein größerer Teil nach auswärts, um Arbeit zu suchen. So wird die ohnehin verarmte Gemeinde noch mehr zersplittert. Die Zurückgebliebenen leiden infolge großen Milchmangels an Skorbut- crkrankungen und sind 15 Personen ge- st 0 r b e n." Das sind die Zustände in Südwestafrika, die Segnungen, die Deutschland den Eingeborenen gebracht hatl Nicht genug damit, daß man die Besiegten zu Sklaven geniacht hat; niau hat sie all ihres Besitztums beraubt, ohne dann die Ver- pflichtung auf sich zu nehmen, wenigstens für ihre nackte Existenz zu sorgen. Hunderte und aber Hunderte sind deshalb Hungers gestorben! Während die versklavten Eingeborenen auf den Dia- mantenfeldern Schätze für die raubgierigen Ausbeuter sammeln müssen, wofür sie dann, um mit Herrn Dernburg zu sprechen, als üppige Belohnung noch„Wichse" erhalten, mußten die Gebeine von Hunderten und aber Hunderten, die nicht einmal solche Arbeit zu finden vermochten, im heißen Sande von Afrika verscharrt werden! Das" sind die Segnungen deutscher Kolonialpolitik!_ Stralkndcmonftrationci! und Zentrumspartei. AuS dem Rheinlande wird uns geschrieben: Die ganze verlogene Demagogennatur der Zenlrumspartei kommt jetzt wieder zum Vorschein, wo die Zentrumspresse in mehr oder weniger denunziatorischer Weise die Straßendemonstrationen unserer Genossen in Essen und Braun schweig bespricht. Tie brave Zentrumspresse verwirft überhaupt Demonstrationen auf der Straße, zumal wenn es sich um Bekämpfung eines„doch nun ein- mal bestehenden Gesetzes" handele. In Geduld und Friedlichkeit müsse das Volk das Ende des Unrechts abwarten und nur„legale Mittel" anwenden, wozu das„auf die Straße Steigen" nicht ge- höre., Hat denn etwa das Zentrum in den Zeiten, wo ihm die Re- gierungssonne nicht so warm schien wie jetzt, nur sogenannte „legale" Mittel zur Erreichung seiner Zwecke ergriffen? Hat cS insbesondere damals auch die Stratzendemonstrationen verworfen? Das kann nur bejaht werden von Leuten, die die fanatische Eni- schlossenheit der Zentrumspartei in Westdeutschland nicht kennen, die sie entfaltet, wenn es gilt, ihren Willen durchzusetzen. Beispiels- weise ist der Kölner Bürgerschaft die gewaltige Stratzendcmonstration, die in der Rheinmetropole am 31. März 1874 anläßlich der Verhaftung des Erzbischofs Paulus M e l ch e r s stattfand, noch unvergessen. Der Erzbischof sträubte sich gegen die aus den sogenannten Kulturkampfgesetzcn erfließenden polizeilichen Maßnahmen gegen den Klerus. Von seinem Stand- Punkt mit Recht. Die Sozialdemokratie hat ja auch stets die bismarckische Kulturgesetzgebung bekämpft.(Jetzt sitzen Zentrums- leuchten wie Karlchen Trimborn im Komitee für ein— Bis- marckdenkmallll) Aber die betreffenden Gesetze waren„doch nun einmal bestehend", in staatsrechtlich einwandsfreier Weise mit dem „Recht des Stärkeren" beschlossen. Also hätte das Zentrum, wie eS heute die Entrechteten zur Geduld und Ruhe gegenüber dem Drei- klassenwahlrecht ermahnt, auch damals seine Anhänger beruhigen müssen mit dem Hinweis auf das„doch nun einmal bestehende Gesetz", und mußte darum vor„illegalen" Demonstrationen war- nen. Daß aber die westdeutsche, speziell die kölnische Zentrums- presse, die am 31. März 1874 gegen die Verhaftung des ErzbischofS protestierenden Straßendemonstranten verurteilt oder auch nur ge- tadelt hätte, ist den Zeitgenossen unbekannt geblieben. Wenn ein leiser Tadel geschah, so war er- in soviel begeisternde Anerkennung für die geoffenbarte„Liebe zum erzbischöflichen Oberhirten" ein» gehüllt, daß der Tadel einer Aufmunterung gleichkam. i Wie es an dem Tage auf den Straßen im„heiligen Köln" herging, das soll uns Herr Domkap itular Dr. Heinrich Maria Ludwigs erzählen, ein Zeuge, der, zumal feine Schrift:„Kardi- nal Erzbischof Dr. Paulus Melchers und die St. Pauluskirche itr Köln" erst 1009 erschien, also zu einer Zeit, da das Zentrum sich anschickte, wieder in die Linie der Regierungsparteien einzu- schwenken, sicherlich die Farben nur matt aufträgt. Herr Dom» kapitular Dr. Ludwigs erzählt von dem 31. März 1874 in Köln: i „Inzwischen hatte sich die vor dem Hause(des Kar» dinalö) versammelte VolkssMenge bedeutzend vermehrt. Als die Polizei mit dem Herrn Erzbischof in der Tür erschien, erscholl ein langanhaltendes„Pfui!" ans der Volksmenge, dem ein erfchiiiterndes Hoch anf den Erzbischof folgte. Nachdem der Pokizeiprösident und der Kommissar den Herrn Erzbischof in den Wagen gebracht hatten, stiegen sie zu demselben hinein, und der Kutscher fuhr schnell über die Gereon- straße und Klingelpütz zum Arresthaus. Die ganze Volksmenge zog mit zum Gefängnis und war so angeschwollen, daß die Stzraße vor deyiselbey w�rthigi dicht gefülsst teft'r. Die Volksmenge stimmte stiin das Lied an:.�Wir stnd im wastren Christentum"»nd brachte dann ein laugaubaltcndes brausendes Hach auf den Crzbischof aus. Infolgedessen forderte die Polizei das Volk auf, sich zu zcr- streuen und drängte es nach allen Seiten fort. Im Fortgehen wiederholten s i ch noch andere Gesänge: „Jesus, dir lebe ich" usw." Wie das katholische Kölner Volk zu vielen Tausenden auf die Strage stieg, um gegen die— übrigens auch von den heutigen Bundesbrüdern des Zentrums, den oftelbischen Junkern milbc- schlofsenen!— antikirchlichen Ausnahmegesetze zu demonstrieren durch Umzug, Gesang, Hochrufe und Pfuirufe, so demonstrieren eben heute die klassenbewußten Arbeiter i in N a in c n d e r u n g e- heuren Majorität des entrechteten Voltes in Preußen und B r a u n s ch w e i g gegen die Schmach des Klassenwahlrechts. Und mm gesellt sich das Zentrum biedermännisch zu den„staatserhalienden" Privilegierten und denunziert die Straßendemonstrationen als ein nn- gesetzliches Mittel. Schamloser hat noch kaum eine Partei ihre eigene Vergangenheit besudelt als das Zentrum! Li» linternehmerznlchlzg auf das Koalitionsrecht. Cin bomerkenSwerfes Schriftstück wird in der„Frank- furter Volksstimme" der Oeffentlichkeit unterbreitet. Es hat im wesentlichen folgenden Inhalt: Köln, den 4. Januar 1910, An den Herrn Staatssekretär des Innern, Exzellenz, sB e r l i n. B e t r i s s t S t r e i k p o st e n st e h e ii,, Bei verschiedenen Aiisstandßbcwegungen in unserem Verbands- fiereiche haben wir die Beobachtung machen müssen, daß die den Ar- beirern als ein Ausfluß des Koalitionsrechtes oder als ein son- siiges Recht des Staatsbürgers vom Reichsgericht zuerkannte Befugnis zum Slreikpostensteheii zu den stärksten und für dag Unter- mchmertuin lästig sie n Ausschreitungen geführt hat. Wir haben dieserhakb auch für davon betroffene Verbandsmitglieder an den Herrn Polizeipräsidenten von Köln die Bitte um geeigneten Schutz in einigen Fällen gerichtet oder die mit Streik überzogenen Arbeit- gebcr haben es selber getan. Wir inollen hier auch gern und aus- drücklich anerkennen, daß der erbetene Schutz auch stets i» dem Umfange gewährt wurde, wie er den Umständen nach überhaupt praktisch möglich war. Ter Erfolg war jedoch trotz aller behörd- tichcu Bercitwilligleit, gegen Gcsetzesüberschreitungen einzuschrci- te». ein vollkommen ungenügender, weil die Organe der Polizei nicht in jedem Augenblicke allgegenwärtig sei» können und weil eben der Polizeibehörde die gesetzlichen Handhaben fehlen, das ge° wohnliche Streitpostenstehcn zu verbieten, aus dem sich daö ganze Unwesen entwickelt. Der neueste Fall dieser Art betrifft dw hiesige, altangesehenc Tapetenfabrik von FlainmerSheim u. Stein» mann. Sie hat darüber in beifolgendem Schreiben eine geschicht- liche Darstellung gegeben, die erkennen läßt, welche Ungebühr seitens der ausständigen Arbeiter unter Anleitung einer sogenannte» freien Gewerkschaft gegen die Unternehmer verübt wird. Ter Fall ist um so krasser, als die bestreikte Firma selbst mit ihren Arbeitern gar keine Zwistigkeiien halte, sondern nur auf Anweisung der GeWerk- Schaft von diesen mit Sireik überzogen wurde, weil sie für die eben- olls der Tapetenindusirie Aktiengesellschaft aiigehörige Tapetenfabrik Gebr. Rasche in Bramsche bei Osnabrück einige Streikarbeit verrichtet hatte und weil die Gciverkschast die Wiederaufnahme der Arbeit seitens der ausständigen Former der Firma Flammersheim u. Steinmann verhinderte, auch nachdem der Anlaß zu dem Aus- stand durch das Absahren der Walzen der Firma Rasche beseitigt war und die Arbeiter die Wiederaufnahme der Tätigkeit in der Kölner Fabrik beschlossen hatten. Zu diesen Erfahrungen im eigenen Bezirk gesellen sich die Wahrnehmungen über auswärtige Vorkommnisse gleicher oder ähn- licher Art, worüber in der Presse ja näher berichtet worden ist, so z. B. vor einiger Zeit in der Berliner Zeitung„Die Post" über eine wahre Schreckensherrschaft, die die ausständigen Arbeiter zum Teil mit Hilfe des Straßenpöbels über eine Nürnberger Fabrik ausgeübt haben. Diese Vorgänge und Erscheinungen legen den Gedanken nahe, baß eine gesetzliche Beschränkung des Koalition s- rechtes dahin erforderlich ist, daß dieses"sich nur, wie es zwcifcl- loS vom Gesetzgeber gedacht und beabsichtigt war, auf Verabredung zur Erzieluiig besserer Arbeitsbedingungen erstrecken soll, nicht aber auf eine Herrschaft der Straße über die gc- werblichen Betriebe. Die Bereinigungen und Absprachen der Arbeiter einer Fabrik oder eines Geschäftszweiges über von ihnen zu erhebende Forderungen oder anzuwendende Maßnahmen dürfen unseres Erachtens nicht über das Maß der sonst im ösfcnt- lichen Leben üblichen Agitation hinausgehen und müssen alle per» fönlichen Belästigungen, Einschüchterungen, Bedrohungen auf der Straße, in den Wohnungen der Arbeitswilligen ausschließen, und vor allen Dingen müssen die Wege und Eingänge zu den bestreikten Arbeitsstätten völlig frei gehalten werden. Es muß der Zwangs- Herrschaft der Gewerlschastc» über die Arbeiter und den geivalt- {amen Angriffen aus die gewerblichen Betriebe durch entsprechende gesetzliche Bestimmungen vorgebeugt werden. Die Polizei muß das Recht erhalten, was ihr jetzt von den Gerichten durch maßgebende Urteile entzogen worden ist, wirksamen Schutz gegen alle dergleichen Beeinträchtigungen der persönlichen Freiheit des Staatslmrgers zu gewähren und zu verbürgen. Dies kann nach Lage der Dinge mir durch gesetzliches und unbedingtes Verbot des Streikpostenstchens und wag damit zusammenhängt, geschehen. Den Arbeitern bleibt dann noch genügend Gelegenheit, durch mündliche und schriftliche Mitteilung, durch die Presse, durch Versammlungen, Vereine usw. auf die Entschließung der Arbeiterschaft einzuwirken und das gesctz- liche Koalitionsrecht als solches wird dadurch nicht beeinträchtigt. Der bevor st ehe» de Erlaß eines neuen Straf. gesctzbuches bietet unseres Erachtens zu einer solchen notwendigen Feststellung und Begrenzung des KoalitionSrcchtcS die ge. eignete Gelegenheit. Wir möchten uns daher erlauben, die Aufmerksamkeit Euer Exzellenz hieraus hinzulenken und ergcbenst zu bitten, geneigtest Veranlassung zu nehmen, diese für die gesamte gewerbliche Tätig- keit des deutschen Volkes außerordentlich wichtige Frage einer be- fricdigenden Lösung entgegen zu führen. Ohne eine solche treiben mir den schlimmste» Zuständen entgegen; denn auf die Dauer wird jede Unternehmungslust und Untttnehmungstätigkeit den Jndu- striellen genommen werden, wenn sie sich schutzlos der Zwangs- Herrschaft der Gewertschasten preisgegeben sehen, wie es Heute tatsächlich auf Grund der gesetzlichen Vorschriften oder gerichtlichen Entscheidungen der Fall ist. Ter Mißmut über diese Zustände ist im Kreise der Arbeitgeber bereits sehr groß, und es steht tatsächlich zu befürchten, daß, je länger je mehr, gerade die kapitalkräftigen Industriellen aus die Ausübung einer gewerblicken Beschäftigung zukünftig verzichten und ihre(Geldmittel einer geschäftlichen Tätig- keit nickt mehr zur Verfügung stellen werden, während doch gerade die persönliche Mitarbeit dieser Kreise für die EntWickelung unseres Wirtschaftslebens von so außerordentlick hervorragender Bedeutung gewesen ist und auch zukünftig sein würde, wenn dafür annehm- bare gesetzliche Vorbedingungen gegeben wären. Unser Mitylicdervcrzeichnis gestatten wir imS beizufügen, mit dem Bemerken, daß diese unsere Mitglieder insgesamt rund-dl 000 Arbeiter in ihr?» Beirieben beschäftigen. Ehrerbietigst Euer Exzellenz ergebenster Vorstand des Arbeitgeberverbandes in Köln. (gez.) Ernst Lechner.(gez.) Paul Steller, Generaldirektor. Geschäftsführer. . J. ftellvTrtr-tender Vorsitzender, Tie Herren Uiiternehmer nefyrnen also einen wesenilichen Teil der Z u ch t h a u s t> o r l a K e unseligen Angedenkens wieder auf. Jener verdienternuajzen ohne Kommissions- bcratung verscharrte Regierungselltwurf sah bekanntlich ein Verbot d e S St r c i k p o st e n ßt e h e n s vor und garan- tierte daneben den Unternehmenu ausdrücklich die Zu- l ä s s i g k e i t d e r s ch w a r z e it L i st c n. Es war einer der krassesten Versuche, verschiedenes Aecht für Arbeiter und Unternehmer festzusetzen, und dasselbe wollen jetzt auch die Kölner Unternehmer. Tie Arbeiter sollen geknebelt werden, den Unternehmern soll die Freiheit bleiben, die Arbeiter durch schwarze Listen und Ztvangsarbeilsnachweis zu maß- regeln und dem Hunger zu überantworten! Gnädigst wollen die Herren den Arbeitern das Koalitionsrecht lassen— auf dem Papier: wenn sie Gebrauch davon machcit, so sollen sie bestrast werden. Tie Arbeiter können aus dem Schriftstück ersehen, wie notwendig es für sie ist, auf der Wacht zu sein, um zu ver, hüten, daß ihnen bei Gelegenheit der Strafgcsetzbuchreform nicht hinterrücks das Koalitionsrccht geraubt wird. Der Geist der Zuchthausvorlage geht um in den Kreisen der Unternehmer— die Stärkung der politischen und gewerk- schastlichen Organisationen muß die Antwort der Arbeiter � sein!_ poUtifche Oeberficbt* Berlin. den 2. Februar 1910. Endlich kommt die Wahlrechtstzorlage! Die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" meldet amtlich: „Seine Majestät der Kaiser und König hat heute dem Präst- beuten de» StaalSministeriumS und den Ministern der Justiz und des Innern die Ermächtigung erteilt, den Entwurf eines Gesetzes zur Abänderung der Vorschriften über die Wahle» zum Hause der Abgeordneten dem Landtage vorzulegen." Mit dem Inhalt der Vorlage wird noch immer die lächerliche Geheimniskrämerei getrieben. Doch versichert die „Neue Pol. Korr.". daß die Vorlage nur die Kauzession der direkten Wahl und eine Modifizierung des Wahlrechts„durch Berücksichtigung von Bildung und Besitz" bringen werde; die Oeffentlichkeit der Wahl sowie' die bisherige BezirkSei«teilung sollten beibehalten werdeil. Warten wir cS ab, ob die Regierung dem Volks diese VrüZkieruug ivirklich zu bieten wagt I Neuwahl im sechste» Landtagswahlkreis. Zu unserem Bedauern hat sich Genosse Hugo H e i m a n n aus Gesundheitsrücksichten genötigt gesehen, das Mandat zum Preußischen Abgeordnetenhaus niederzulegen und zugleich seine Tätigkeit in der Berliner Stadtverordnetenversammlung er- heblich einzuschränken. Der Entschluß ist auf dringendes Anraten der Aerzte erfolgt, um in der durch andauernde Ueberarbeitung not- wendig gewordenen Ruhezeit den Gesundheitszustand des Genossen Heimann erfolgreich und dauernd zu festigen. Wir wünschen und hoffen, daß Genosse Heimann recht bald imstande sein wird, seine Parteitätigkeit in vollem Um- fange wieder anfzunchinen._ Partciofsiziöse konservative Heuchelei. Wie wir gestern mitteilten, hat die konservaftve Partei- leitung eine höchst komische Erklärung erlassen, in der sie pathetisch behauptet, Herr v. Oldenburg-Januschau stehe mit der gesamten konservativen Parteileitung auf dem Boden der Reichsverfassung und„nur mangelnde Logik und tendenziöse Unterstellung" vermöchten den Sinn seiner humoristischen Aeußerung zu verdrehen. In ihrer Voreiligkeit hat die weise Parteileitung der Konservativen jedenfalls nicht geahnt, daß auch konservative Blätter in mangelnder Logik die Worte des Herrn v. Olden- bürg so auffasseil könnten wie die Linke des Reichstags. So weiht z, B. die konservative„Danzigcr Allgem. Ztg." Herrn v. Oldenburg folgenden Schlachtgesang: Die Linke hat Tod und Verderben gespien, Die Rechte hat's nicht gelitten, Die Sozikolonnen, so wild sie auch schrien. Sie wurden niedergeritten! Herr Elard voran, ob heiß auch umdrängt, Rief: Hoch die preußischen Fahnen! Und wirklich, eS wurden zusmnincngesprengt Die Genossen vom alten Ulanen. Er gab'S ihnen gut, scharf wie der Nord Pfiff'S in der„Noten" Ohren. Sie lachten verlegen, dann schrien sie Mord Und legten sich aufs Rumoren. Doch fest im Sturm Herr Elard stand, Der Rummel geniert ihn wenig, „Wie ich'S gemeint, weiß doch das Land, Das weiß Seine Majestät der König." So denkt er, und jedes Soldatenherz Hat laut vor Freude gelacht: Das war doch mal ein Ton aus Erz Nach öder Redeschlacht I Und noch gar manche andere Größe ans dem kouser- vativen Lager läßt sich zitieren, die sich früher schon ähnlich äußerte wie jetzt Herr Elard v. Oldenburg. So meinte einst (am 23. März 1395) Graf Mirbach im preußischen Herren- haus: „In allen ländlichen Wahlkreisen und weit darüber hinaus würde es mit Jubel begrüßt werden, wenn die verbündeten Fürsten sich entschlössen, einen neuen Reichstag auf der Basis eines neuen Wahlrechts ins Leben treten zu lassen und zwar unverzüglich.(Lebhafte Zustimmung.) Tie zu lösende Aufgabe ist schwierig.... Alexander der Große stand auch vor einer schwere» Aufgabe und löste sie sehr schnell." Das amtliche Wahlresultat in Eisenach-Dermbach. Eisenach, 2. Februar. Das amtliche Wahlergebnis der am 29. Januar in: 2. Wahlkreis des Großherzogtums Sachsen vollzogenen ReichstagSersatzwahl lautet: Abgegeben wurden insgesamt 20119 Stimmen. Davon erhielt Parteisekretär Leber(Soz.) 10 255, Justizrat A p p e l i u s(uatl.) 5789 und Postverwalter H ä d r i ch(Deutschsoz.) 4361 Stimmen. 14 Stimmen waren zersplittert. Leber ist mithin gewählt. Die Mehrheit des Genossen Leber beträgt demnach 91 Stimmen. Die Zahl der ungültigen Stimmen ist nicht angegeben. Es ist anzunehmen, daß sich darunicr der größte Teil jener Stimmen befinden wird, die in unseren Eisenachcr Meldungen für den Genossen Leber mehr gezählt wurden. Nach der amtlichen Zählung hat die ürozialdeinokratie gegen die Wahl von 1907 einen Stimmenzuwachs von 2380 erzielt, während die Antisemiten 2624 und die N a t i o n a l l i b e r a l e n 300 Stimmen verloren haben. Die Staatszensoren. ES gehört zu den Eigenheiten des Landbündler-Organs, der„Deutsch. Tagesztg.", daß sie von Zeit zu Zeit den Ministern und höheren Beamten Zensuren erteilt und sie ent� weder mehr oder weniger wegen ihrer Amtsführung tadelt, oder sie wohlwollend ermahnt, auf der beschrittenen Bahn fortzufahren. Besonders gefällt natürlich dem Blatt der neue Kriegsminister v. Heeringen, der mit dem Herrn v. Oldenburg dessen Auffassungen über Verfassnngsrccht und Staats- streich teilt, andererseits sich aber doch mehr in der Gewalt hat, als das Talglicht von Januschau. Die„Deutsche Tageszeitung" erteilt ihm deshalb auch Note 1a: „Der neue Kriegsmiiiister hat seinen Etai im Reichstage geschickt und glücklich vertreten. Das wird ihm jeder lln- befangene und jeder Urteilsfähige zugeben müssen. Gegen feine sachlichen Ausführungen habe» wir von unserem Standpunkte aus nichts einzuwenden. Er hat bei einigen heiklen Fragen, auf die wir nicht zurück- kommen möchten, die Klippe» vermieden, an denen sein so begabter und geschickter Vorgänger nicht immer ganz glücklich vorbeikam. Der neue Kriegsminister ist kein so glänzender und so gewinnender Redner, wie eS sein Vorgänger, besonders in der ersten Zeit seiner ministeriellen Tätigkeit, war. WaS er aber sagt, ist so klar, so scharf umrissen, so durchdacht und so bestimmt, daß eS Eindruck machen muß. WaS wir ihm be- sonders hoch anrechnen, ist die Tatsache, daß er keiner- lei Zugesiändnisse an den demokratischen Radi- kaliSmuS gemacht hat, der darauf bedacht ist, d i e K o in- nianbogewalt des Kaisers einzuschränken und zwischen den obersten Kriegsherrn und das Heer die VolkSver- tretung zu schiebe». Deswegen sind denn auch unsere Linksliberalen und Demokraten mit dem neuen KricgSminister sehr wenig zu- frieden. Der„Vorwärts" hat vor kurzem dieser Unzufriedenheit sehr scharfen, ja klobigen Ausdruck gegeben. Die„Freisinnige Zeitung" macht ihrem Schmerze dadurch Luft, daß sie das alte, eigentlich über Gebühr benutzte Wort anwendet:„Nein, er gefällt mir nicht, der neue Kriegsminister!" Sie glaubt, daß wir bei dem Wechsel in der Leitung des KriegßminifteriunrS einen sehr schlechte» Tausch gemacht hätten. Unseres Erachtens kann der neue Kriegsminister mit diesem Urteile sehr zufrieden sein." Vielleicht wird auf der demnächst im Zirkus Busch statt- findenden Bündlerparade der Kriegsminister zum Ehren- Mitglied des Bundes der Landwirte ernannt. Das würde ganz prächtig illustrieren, wie sehr die Regierung sich den Wünschen der Agrarier angepaßt hat, seit den Tagen, da Herr v. Dicst-Taber unter dem Beifall der Bündler die Minister zu recht zweifelhaften lukullischen Genüssen auf forderte._ Die Biirgerschaftswahlen in Hamburg. Am TienLtag fanden unter äußerst starker Beteiligung— über 00 Proz. gaben ihre Stimmen ab— die„allgemeinen" Wahlen zur halbschichtigen Erneuerung des sich„Bürgerschaft" nennenden hamburgischen Landesparlaments statt,-in dem bekanntlich klein- staatliche und großstädtische kommunale Interessen bunt durchein- anderlaufe». Sämtliche Parteien, bestehend aus dem tBlpd der Wahlrechtsräuber, den Vereinigten Liberalen und der Soziakoemo- kratie, haben, wie vorige Woche berichtet, eine sehr rührige münd- liche und schriftliche Agitation entfaltet. In dieser„Staatshälste" wurde zum ersten Male das neue verschlechterte, aus die Kontin- gentierung der Sozialdemokratie berechnete Wahlrecht„erprobt", das unter Beibehaltung der Privilegiertenwahlen(Grundeigentümer und Notable wählen die Hälfte der 160 Mandate) das Volk der allgemeinen Wähler in zwei Klassen scheidet, in eine solche mit einem Einkommen von 1L00— 2500 M. und in eine solche mit über 2500 M. Einkommen. Die„Erstklassigen", also die kleine Gruppe, wählen bei jeder halbschichtigen Erneuerung 24, die„Armenecke" 12 Abgeordnete I Damit in der zweiten Klasse die anderen Parteien nicht von den Sozialdemokraten majorisiert werden können, sondern auch einen kleinen Happen erhalten, hat man noch den Proporz hinzugefügt. Die Beschaffenheit dieses mit Bosheit und Schikanen durchsetzten„Wahlrechts" muß man immer wieder kurz schildern, um das Wahlergebnis objektiv würdigen zu können. Die Sozialdemokratie hatte in dieser Staatshälfte unter dem alten Wahlverfahren relativ gut abgeschnitten und hatte bei den Haupt- und Nachwahlen 10 Mandate erobert. Wie neulich schon ausgeführt, kann unsere Partei von den zwölf Mandateir der zweiten Klasse nur etwa zwei Drittel erobern. Und so ist eS auck gekommen. Nach den bis jetzt vorliegenden Resultaten— das amtliche Resultat lag bei Abfassnug dieser Zeilen noch nicht vor— haben wir in dieser Klasse acht und in der ersten Klasse ein Mandat herausgeschlagen. Bei den Grundeigentümerwahlen, die einige Wochen später stattfinden, werden wir vielleicht noch ein Mandat' erobern, so daß unsere Fraktion dieselbe 51opfzahl— Ll — aufweisen wird wie zuvor. Zieht man in Betracht, daß in diesen Bezirken zum Teil das proletarische Element nur schwach ver- treten ist. so können unsere Genossen mit dem Ausgang der Wahl vollauf zufrieden sein. Ein erfreuliches Moment kommt noch hinzu: die Wahlrechts- räuber haben geradezu kläglich abgeschnitten, indem sie an die sich aus Gegnern der Wahlentrechtung zusammensetzenden Ver- einigten Liberalen eine Anzahl Mandate verloren haben, wie über- Haupt ein starker Rpck nach links stattgefunden hat. Selbst in den Reihen der Erstklassigen ist die Empörung deutlich zum Ausdruck gelangt, denn von den 24 Sitzen sind 7 den Vereinigten Liberalen und 1 den Sozialdemokraten zugesallen. In der zweiten Klasse sind außer 8 Sozialdemokraten 8 Vereinigte Liberale und nur 1 so- genannter„Blockgenoffe" gewählt. Auch auf dem Landgebiet haben die Anhänger des Wahl- rechtsraubes abgewirtschaftet. Für daS Landgebiet, das acht, jedes- mal vier Abgeordnete zu wählen hat, ist daS alte Verfahren— 1200 M.-Zensus und absolute Mehrheit— beibehalten worden, weil man die Sozialdemokratie dort nicht„fürchtet". In diesen Bezirken ist ein Vereinigt-Liberaler glatt gewählt, drei andere stehen mit „Blockgenossen" in Stichwahl, wobei unsere Genossen, die ansehn- liche Minoritäten erzielt haben, den Ausschlag geben. Also auch das Landgebiet will von der„Wahlrechtsveredelung" nichts wissen. Die geistigen Waffen des Zentrums. Am Sonntag haben unsere Genossen im Wahlkreise Mü l- heim-Wipperfürth-GunimerSbach abermals den ganzen Kreis mit Flugblättern belegt, wobei sie von Köln und Solingen aus unterstützt wurde». Infolge der großen Zahl der sozialdemo- kratische» Flugblattverbreiter hielten sich die Zentrumsanhänger etwas mehr als bisher zurück. Daß es ober auch diesmal nicht an Tat- lidjleiten gefehlt hat, gibt die ulkammüm'.e»Wipperfürther Zeitung" offen zu. Sie schreibt: „Am Sonntag wurde unser WahskreiZ wieder mit einem roten Wablaufrnf überflutet.... Vergebliche Liebesmüh! Unsere auf christlichein Boden stehenden Oberberger haben den modernen Raubrittern(') handgreiflich den Beweis bei- gebracht, wem am IS. Februar jeder wahre Vollsfrcnnd feine Stimme geben wird."_ Schwindel. Die„Kreuz-Zeitung" lueifl in der Verlegenheit, in die fie und ihre Partei die Aufrichtigkeit des Herrn v. Oldenburg gebracht hat, weder aus noch ein. Herrn v. Oldenburg zu verteidigen ist schwer, da die einzige Berteidigungsmöglichkeit die wäre, den Führer des Bundes der Landwirte als Hanswurst zu bezeichnen. Und nütze» würde das auch nicht viel, da die konservative Provinzpresse, an politische Rücksichtnahme weniger gewöhnt, bereits anfängt, die mannhafte Tat des OldenburgerS zu preisen. So bleibt der »Kreuz-Ztg." nichts anderes übrig, als zu leugnen und zu versuchen, die Mitschuld der konservativen Partei abzuschwächen. Als„Klatsch und Schwindel" bezeichnet deshalb das konservative Organ die Behauptung der Dienstag abend in den Berliner Versammlungen angenommenen Resolution, dag. die verbrecherischen Absiebten deS Herrn v. Oldenburg im Reichstag den Beifall und die Z U st i m m u n g der Junker gefunden haben. Die Ableugnung dieser Tatsache, die übrigens nicht nur von der sozialdemokratischen Presse festgenagelt wurde, ist aber sehr leicht zil widerlegen. So verzeichnet der ReichStagSbericht eines der Sozialdemokratie fernstehenden Blattes nach der Aeutzerung des Januschauers, nehmen Sie zehn Mann und schlieben Sie den Reichs- tag. wörtlich:„Groste Heiterkeit— Unruhe und Zurufe links— Sehr richtig Z rechts— Wiederholte stürmische Zurufe und lang- andauernde Unruhe links". Am Schlüsse der Rede, unmittelbar nach der Aufforderung an den Kriegsminister, dies« Tradition aufrecht- zuerhal'.cn. verzeichnet derselbe Bericht: Lebhafter Beifall rechts. Große andauernde Unruhe." Die Leser finden den zitierten Bericht in der zweiten Beilage in Nr. 40 der„Neuen Preußischen(Kreuz-) Zeitung". Ein Polizeiminister nach dem Herzen der Junker. Die Budgetkommission deö Abgeordneten- Hauses erledigte am Dienstagabend in einer Sitzung den um- fangreichcn Etat des Ministeriums des Innern. Hierbei wurde über die Unterbringung geisteskranker Verbrecher, Anstellung und Besoldung der landrätlichcn Gehilfen, Fürsorge für Woh- nungcn der Gendarmen, Anstellung von Schutzleuten u. a. m. ge- sprachen. Tie Konservativen beschwerten sich, daß nicht mehr Schutzleute gefordert werden. Man müsse mit dem LlriegSminister in Berbin- dung treten, damit dieser sechsjährig gediente Unteroffiziere abgebe. Die Schutzleute hätten es jetzt sehr schwer, Ruhe und Ordnung auf- recht zu erhalten. Ihr Dien st sei erschwert durch die Stratzendemonstrationen. Wenn zu solchen„Bagatellen" und„lächerlichen Stratzendemonstrationen" Militär in Anspruch genommen werden müsse, weil wir zu wenig Schutzleute hätten, so wäre dies bedauerlich. Ter Minister dankte für diese An- rcgung; er will es mit Hilfsschutzleuten versuchen I Ms dann von freisinniger Seite darauf hingewiesen wurde, daß nicht immer mit der nötigen Vorsicht und Umsicht vorgegangen worden sei, wie die Freisprechung ziveier Demonstranten bewiesen habe, schwiegder Minister. Das gleiche Verhalten geigte der Minister auf eine national- liberale Anfrage, die das Verbot der englischen An- spräche eines Arbeiterdelcgierten aus England in Kiel betraf. Wenn der Minister auch den Willen habe, das Vereinsgesctz loyal durchzuführen, so setze sich anscheinend sein Wille nicht bis in die unteren Instanzen durch. Die Delegierten hätten hier in Berlin auf dem Friedenskongreß englisch sprechen dürfen und seien von Behörden— ebenso von Stödten— als Vertreter der Friedensidee empfangen worden. Wenn der Mann nach England komme und das erzähle, dann ständen wir im Auslände nicht gerade glänzend da. Auch von freifinniger Seite wurde darauf hingewiesen, daß diese Delegierten mit Staatsbeamten in Verbindung getreten seien. Ter Minister versteckte sich hinter formellen Gründen. Nur. sieben Beschwerden seien zu ihm gelangt; vier davon seien erledigt gc- Wesen, bei dreien habe er Remedur eintreten lassen. Er halte aufs strengste darauf, daß das Gesetz loyal durchgeführt werde. Seine Aufgabe wäre aber nicht, jeden Tag den„Vor- wärts" zu lesen und die verzeichneten Fälle zum Gegen stand einer Berichterstattung zu machen. In den meisten Fällen beruhten die Klagen auf Mißverständnissen. In Kiel sei eine recht bcdrnlliche Bevölkerung vorzufinden. Die erwähnte Versammlung der Sozialdemokraten sollte stattfinden zur Zeit des schwedischen Generalstreiks, und da hätte alles getan werden müssen, um das Ueberspringen von Funken nach Deutschland fernzuhalten. Im übrigen sei die Sache beim Gericht anhängig. Aon dieser Antwort tvar der nationalliberale Redner nicht bc- friedigt, denn er hatte gewünscht, daß der Minister eine derartige Handhabung des AereinsgesetzeS mißbillige. Da dies nicht geschehen, sei als bewiesen zu erachten, daß er sie billige. Darauf schwieg der Minister. Im Plenum wird er wohl nicht mit Schweigen antworten können I Außerdem war noch von Interesse eine Anfrage, wie eS mit der Beseitigung der Einwirkung der Armenuiiterstützung auf die öffentlichen Wahlrechte stehe. Darauf wurde gcantivortet, daß erst Erhebungen angestellt würden, inwieweit das Wahlrecht durch die Armenuiiterstützung beeinträchtigt werde. Erst wenn diese sehr sorgfältigen Erhebungen abgeschlossen seien, werde die Regierung entscheiden, ob e» notwendig und zweckmäßig erscheine, den Weg der Gesetzgebung zu beschreiten. Damit war die Budget- kommission zufrieden. Es fand sich niemand, der diese Erbebungen für überflüssig erklärte und sofortige Erfüllung der Forderung verlangte, die ein offenbares Unrecht darstelltl Die Schiffahrtsabgaben. Die Entslbeidung über diese wichtige Frage soll erst am Donners- tag oder Freitag in, Bundesrat fallen. Die sächsischen Industriellen haben in einem Telegramm a» den Bundesrat noch in letzter Stunde Einspruch gegen die Schiffahrtsabgaben erhoben. Sie führe» darin aus: „Die durch die RcichSverfassmig gewährleistete Abgabenfreiheit deutscher Stromschiffahrt unterstützt Handel und Industrie bei Rohstoffbezug und Warenversand, ist besonders wertvoll für die vorn Meere entfernlen Jndustriegebiele am Oberlauf der Ströme und für deren Verbindung mit den Seehäfen. Wir bitten dringend, den preußischen Gesetzentwurf abzulehnen, der für die sächsische Industrie wie für die ganze Volkswirtschaft schwere Belastung und Schädigung bedeutet." Leider besteht keine Aussicht, die Absicht der Mehrheit des Bundesrats»och in andere Bahnen zu lenken, denn die t4 Stimmen, die nötig sind, um einer Verfassungsänderung mit Erfolg wider- spreche» zu können, kommen nicht zusammen. Liberale Auflösung. Die Liberalen in Halle haben sich jüngst in ihrer General» Versammlung über die im November vollzogene RcichstagSersatzwahl unterhalten. Sie wollen die Erkenntnis gewonnen haben, daß von einem Bündnis mit den Konservativen nichts zu erwarten fei und gedenken es in Zukunft zu vermeiden. Die liberale Presse schlägt ob dieses„heroischen" Entschlusses Tain- tain und redet von der A u s w ä r t s- E n t w i ck e l u n g des libe- ralcn Gedankens. Konservative Organe dagegen ergehen sich in voll- endetem Hohn und namentlich die„Deutsche Tageszeitung" gibt den Liberalen zu verstehen, daß sie ja wiederkommen und kniesällig um ein Bündnis betteln� müßten Auf welcher Seite die richtigere Anschaming in der Sacke herrscht, lehrt das Faktum, daß die»lannhaflen Halleschcn Liberalen in der gleichen Versammlung denselben Rechtsanwalt H e r z s e l d zu ihrem Vorsitzenden wieder- gewählt haben, der den Liberalismus durch sein berüchtigtes Tele- gramin nach L a n d s b e r g- S o l d i n so unvergeßlich blamiert hat. In diesem Telegramm wurden bekanntlich die Liberalen des neu- märkischen Wahlkreises angefleht, doch ja für den Konservativen Holtschke einzutreten, da sonst der Wahlkreis Halle verloren ginge. Wer diesen Vorgang noch nicht vergessen hat. wird sich eineS Lächelns über die liberale Großtuerei vo» heute nicht erwehren können. Ei» Muster-„Stellvertreter". Vor dem Oberkriegsgericht in Posen hatte sich der Unteroffizier H i ni m e r vom 50. Jnsanterie-Negiment zu verantworten. Der An- geklagte hatte während des Manövers seinem Ouarnerwirt ein Porteinonnaie mit fünfzehn Mark gestohlen, außerdem einen Kalender und noch andere Sachen. Zum Schluß hatte der Angeklagte noch gegen das Strafgesetzbuch gefehlt, indem er bei einem anderen Onartierwirt mit einer Kuh unzüchtige Handlungen vor- genommen hatte. Da sich bei einzelnen DiebstahlSiällen Zweifel ergaben, wurde der Angeklagte nur zu fünf Wochen Ge- fängnis und zur Degradation verurteilt. i�'SnKnid?. Eine Bahnt, rbindnng mit Dentschland. Paris, 2. Februar. Die Deputiertenkammer sehte die Beratung de? Etats der öffentlichen Arbeiten fort. Im Laufe der Diskussion forderte der Abgeordnet« Schmidt den Bau einer Eisenbahn von Saint-Diö nach dem Elsaß. Der Redner legte die Notwendigleit besserer Berbindungen zwischen Frankreich und dem Elsaß dar; die Verteidigimg des Landes würde durch die neue Linie nicht gefährdet lvcrden. Minister M t l l e r a n d erwiderte, die Entscheidung über den Durchbruch der Bogesen hänge nicht von ihm allein, sondern auch von dem Kriegsminister ab, dem er die Akten unterbreitet habe._ Gegen den Zollsrieg. Paris, 2. Februar. Der„Tenips" erörtert die im Ausland«, be- sonders gestern i» der belgischen Kammer gegen den f r a n z ö s t- scheu Zolltarif erhobenen Beschwerden und meint, unter Hinweis darauf, daß die französische Depntiertciikammer die Regierung zur Verteidigung dieses Tarifs mit geradezu dislretionärer Gcivalt ausgerüstet habe, wenn man Zoll- kriege beabsichtigt, dann braucht man sich nur von der- artigen U n b e s o n n e n h e i t e n fortreißen zu laffen. Aber wohin soll das führen? Zum Verlust wertvoller Sympathien, zu gegen- ieitigen Schädigungen und zu bedauerlichen Mißverständnissen. Wir flehen den Senat an, an diese Folgen zu denken. Sngwncl. Die ArbeitSbörsen. Londvi», den 1. Februar.(Eig.©er.) Mit dem heutigen Tage treten in Großbritannien die Arbeitsbörsen in Funktion. Sie sind das Handgeld für die durchgreifende Sozialversicherung, die eine in politischen Röten befindliche liberale Partei den Arbeitern dieses Landes versprochen hat. Die liberale Presse tut, als handele es sich bei diesen Arbeitsbörsen, die doch nur dazu bestimmt sind, den Arbeitgeber und den Arbeitsucher zusammenzuführen, um eine sozial- politische Tat ersten RangeS. Aber wo nichts ist, da hat auch der Kaiser sein Recht verloren und bei der herrschenden Arbeitslosigkeit werden den Arbeitern die schönsten Arbeits- börsen nicht« nützen. DaS sieht denn die RegicrungSpresse schließlich auch ein; sie beschränkt daher ihre Lobpreisung der neuen Ein- richtungen hauptsächlich auf die Organisation deS neuen Beamten- standeS, die Gebäude, wie alles so schön eingerichtet sei, und um wie- viel glatter jetzt die ArbeitSvermittelung von statten gehen werde. Die Arbeitslosigkeit wird durch die Arbeitsbörsen in keiner Weise vermindert werden. Maliziöse Menschen behaupten jedoch das Gegenteil, indem sie sagen, einer ganzen Reihe von braven liberalen politischen Agenten sei durch diese Einrichtungen schon geholfen worden, da sie all die guten fetten Posten an den ArbeitSbörsen er- halten hätten. Ganz verkommene Menschen gehen sogar so weit und behaupten, die ArbeitSbörsen seien nur als eine Art Ber- sorgungöanstalt für diskreditierte liberale Arbeitervertreter vom Schlage des Herrn Richard Bell, des früheren General- sekretärs der Eisenbahner, gedacht. Wie dem auch sei, die englischen Arbeiter haben keinen Grund, sich zu begeistern; die Liberalen haben ihnen einen schön ausgestatteten Brotkorb ge- schenkt, zu dem sie sich daS Brot denken können. Die Liberalen werden wild, wenn man sie auf diese nüchterne Tatsache aufmerk« sam macht, betonen ihre Liebe zur Sozialreform und verweisen den Skeptiker auf die künftig kommende Sozialversicherung. Aber ist da? eine Antwort? Die von den englischen Libe- ralen geplante Sozialreform wird das Problem der Arbeitslosigkeit kaum berühren, mag sie sich auch im Vergleich mit der jetzt in Deutschland bestehenden Versicherung noch so vorteilhaft ausnehmen. Es ist charakteristisch für die Verhältnisse in diesem Lande, wo die große Masse der Arbeiter noch nicht zur Erkenntnis ihrer wahren Stellung im wirtschaftlichen und politischen Leben des Staates gekommen ist, daß man durch den Winkelzug der Sozial- Versicherung die Frage der Arbeitslosigkeit ersticken kann. Denn daß Millionen von englischen Arbeitern von der liberalen Partei eine radikale Besserung ihrer Lage hoffen, und ihr blindlings folgen, das bewcijen die Parlamentswahlen. Hätten die englischen Arbeiter eine klare Vorstellung vom Wesen des Kapitalismus und von der Rolle der wirtschaftlichen Kräfte in der Politik, so würden sie bald zur Einsicht gelangen, daß das liberale Bürgertum, dessen Interessen mit dem Freihandelssystem verbunden sind, die Arbeiterklasse nur als Stnrnibock benutzt. Dieie Erkenntnis dürfte vielleicht eher kommen, als mancher glaubt. In dem jetzigen Parlament ist keine Mehrheit für eine Sozialreform vorhanden; denn auf die Jrländer, die das Zünglein an der Wage bilden, ist absolut kein Verlaß. Wie bürgerliche Parteien in England zu einem sozial- politischen Programm kommen, wird zur Stunde wieder ein- mal trefflich illustriert. In der konservativen Partei kocht und gärt eS. Die Draufgänger unter den Tarifreformern können nicht zur Ruhe kommen. Die Wahlen haben sie nicht entmutigt. Sie sinnen auf Mittel, um der liberalen Partei die Verbündeten ab- spenstig zu machen, um dennoch den Traum von den unbegrenzten Reichtümern, die ihnen die geplanten Industrie- und Agrarzölle bringen sollen, zu realisieren. Dies« Leute sind wenig sentimental. ihre Politik ist eine brutale Geschäftspolitik.„Jedermann hat seinen Preis", sagen sich diese Braven;„weshalb sollte es uns nicht gelingen, die jrländer und die Arbeiter zu kaufen Z"„Was geht uns die Tradition der konservativen Partei an! Die Jrländer sind zwar von unseren Parteifreunden als ein unpatriotischcs Gesindel hingestellt worden, dem man die Selbstrcgierung nicht anvertrauen darf, aber Schwamm drüber I Fortan sind die Iren die besten Patrioten und sollen ihre Homerule haben, wenn sie uns dafür bei der Einführung der Tarifteform helfen. Und bei den Arbeitern der Jndustriegegenden werden wir die Tarisreform gegen eine konservative Sozialreform eintauschen." Derartiges kann man heute in den meisten konservativen Blättern lesen. Wir können in nächster Zukunft das Schauspiel erleben, daß sich der Konservative in einen Sozialkonservativen verwandelt, gerade wie sich die Whigs über Nacht in Sozialliberale verwandelt haben- 8ck>veÄen. Der Handelsvertrag mit Deutschland. Stockholm, 2. Februar. Die Regierung hat heute im Reichstage eine Eesetzesvorlage betreffend Verlängerung des deutsch- schwedischen Handelsvertrages eingebracht. Rußland. Die politische Verbannung. Petersburg, 2. Februar. Die R e i ch S d u m a sprach sich in ihrer heutigen Sitzung, der ersten nach den Weihnachtsferien, für die Notwendigkeit der Ausarbeitung eines Gesetzentwurfes aus. dem- zufolge die administrative Verschickung von Personen, die die Sicherheit de« Staates und der Gesellschaft gefährden, ein- gestellt werden soll. Clirfcel. Der Konflikt mit Griechenland. Konstantinopel, 2. Februar. Ziach Mitteilung der Pforte tvurden die türkischen Botschafter beauftragt, die Anfmerksam- keit der Kretamächte auf die Folgen einer etwaigen Beschickung der griechischen Nationalvers amnrlung durch die K r e t e r zu lenken und sie zugleich zu fragen.oelchc Maßregeln sie zu treffen beabsichtigen, um diese Eventualität zu verhindern. Authentisch verlautet, daß zwischen den Kreta- mächten Verhandlungen schweben, um die Entsendung der kretischen Deputierten hintanzuhalten. Militärische Maßregel. Saloniki, 2. Feöruar. Den letzten Anordnungen zufolge ist die Einberufung der Reservisten des dritten Korps für eine vierwöchige Waffenübung erst Ende Februar durchzuführen. Die an der griechischen Grenze befindlichen befestigten Punkte sollen ans Weisung des Kriegsministeriums durch Genieoffiziere besichtigt und ihre Instandsetzung und eventuelle Verbesserung sofort in Angriff genomine» werden. Soziales. (Siehe auch 1. Beilage.) Gtwrrbekranlheit oder Betriebsunfall? Der Sattler B in Berlin erlitt am 15. Februar 1009 im Be« triebe der Firma G. dadurch einen Unfall, dass er sich beim Riemen- ichneiden durch plötzlichen Ruck mit dem Messer eine Blase an der rechten Hand zuzog. Am nächsten Tage hatte B. mit der Fertig- stellung von Gei'choßkörben zu tun und riß sich hierbei die Blase auf. In die nun entstandene Wunde drangen Infektionserreger, die zu einer gellgewebsentzündung führte. B. mußte an der Hand am rechten Zeigefinger operiert werden. Der von dem Verletzten erhobene Anspruch wurde von der Lederin du st rie-Berufö- genossenschaft abgewiesen, weil da« Leiden des B. nicht von einem Unfall herrühre, sondern sich nach und nach infolge Auf- gehens einer Blase und später hinzutretender Entzündung an der rechten Hand entwickelt habe. Hierbei handele cö sich aber nicht um einen entschädigungspflichtigen Betriebsunfall, sondern um eine sogcnaimte Gewerbelrankheit. für welche die Genossenschaft nicht einzutreten hätte. Der Verletzte legte durch da« Arbeitersekretariat Berlin Be- r u f u n g beim Schiedsgericht für Arbeiterversickerung ein. DaS Schiedsgericht vernahm den Snttlermeister S. sowie einen Mit- arbeiter' de? Verletzten. Beide bestätigten übereinstimmend die Darstellung deS B. Der Sattlermeifter erklärte u. a.. daß bei der Anfertigung von Geschoßkörben sehr häufig Fingervcrletzungen vor- kämen, weil das dabei zu verarbeitende Leder äußerst hart und rauh ist, daß sich nach seiner Erfahrung fast immer an diese Verletzungen Vereiterunge» anschlössen. Diese Vereiterungen entständen nach der Ansicht des S. dadurch, daß ein in dem Leder enthaltener Giftstoff in die Wunde eindringt. Aus Grund dieser ZeugenanSsag« und da insbesondere der Verletzte nicht verabsäumt hatte, den Unfall gleich zu melden und auch Zeugen für denselben namhaft machen konnte, kam daS Schiedsgericht zu dem Ergebnis, daß ein Betriebsunfall und keine Gewerbekrankheit vor« liege. Das Schiedsgericht konnte der Ausfassling der Berufs- genossenschaft, daß eS sich um eine Gewerbelrankheit handele, nicht beitreten, weil daS im Betriebe erfolgte Ausplatzen der Blase ein zeitlich bestimmbares, in einem ganz kurzen Zeitraum eingeschlossenes Ereignis darstelle. Dem Kläger wurde bis zum Ablauf der 26. Woche nach dem Unfall eine Teilrente von 50 Proz. und nachdem eine solche von 20 Proz. gewährt.... Hätte in dem vorliegenden Falle der Verletzte eS unterlassen, sofort seinen Arbeitskollegen und dem Meister Kenntnis von dem Unfall zu geben, dann wäre der Erfolg des B. zweifelhaft gewesen. Hat ein Arbeiter die Pflicht, andere anzulernen? Der Llniiercr K. klagte gegen die Firma Backnnann u. Göbel, GeschäftSbücherfabrik. auf Zahlung einer IStägigen Lohnenffchädi- guilg von 62 M. Er ist entlassen worden, weil er sich geweigert hat. eine Arbeiterin zur Liniiererin auszubilden. DaS Innung«» fchiedsgericht vermochte dem Gesetz entsprechend darin nicht eine von der Beklagten eingeivendete beharrliche Verweigerung der dem Arbeiter obliegenden Pflichten zu erblicken, da der Kläger zur Aus- bildung von Arbeiterinnen nicht verpflichtet ist. ES verurteilte die Beklagte dem Klageanträge entsprechend. Unzulässige Lohnaufrcchnnng. Noch immer kann daS hiesige JnnungSschiedSgericht sich nicht daran gelvöhnen, dem Rechtszustande Rechnung zu tragen. der unzweifelhast zugunsten deS Arbeiters seit dem 1. Januar 1000 besteht. Nach§ 304 B. G-B. ist eine Aufrechnung gegen den un pfändbaren Teil deS Lohnes un- zulässig. Und dennoch beachtet daS JnnungSschiedSgericht weder diesen Grundsatz noch die übrige» Bestimmungen des Bürgerlichen Gesetzbuches. Das zeigt folgende Klage: Gestern klagte beim Innung?« fchiedsgericht der Schlächtergcselle M. gegen den Fleischermeister Max Schneider. Er verlangte Zahlung von 13 M. rück- stündigem Lohn. Der Beklagte wendete ein, daß er dem Kläger ein W e i h n a ch t s g e s ch e n k in Höhe von 13 M. mit dem aus- drücklichen Vorbehalt gegeben habe, wenn er im nächsten Jahre fleißig und artig sei, könne er es behalten, sonst müsse er es zurückgeben. Da Kläger einige Wochen nach Weihnachten, am 23. Januar, seine Stellung aufgegeben habe, so habe er daö Weihnachtsgeschenk gegen den Lohnrückstand aufgerechnet. Das Schiedsgericht iv i e s trotz der klaren Unzulässigkeit der Aufrechnung den Kläger mit ddr erhobenen Klage ab. DaS Urteil beruht auf gröblichem Verstoß gegen erwähnte Be- stiminung des ß 394. Den Lohn muß der Beklagte mtter allen Um- ständen zahlen, selbst wenn ihm etwa ein Recht auf Rückforderung des Weihnachtsgeschenks zugestanden hätte. Für die Widerklage aus Rückzahlung des Geschenks ist das JnnungSschiedSgericht überhaupt nicht zuständig. DieserAnspruch deöBellagten hätte überdies abgewiesen werden müssen. Denn nach dem Bürgerlichen Gesetzbuche ist eine Rückforderung und ein Widerruf eines Geschenkes nur zulässig, wenn der Schenker in Vediirftigleit geraten ist oder der Beschenkte durch eine schwere Verfehlung gegen den Sckenker oder einen nahe» Angehörigen des Schenkers groben Undanks sich schuldig macht. Ferner unterliegen Weihnachlsgeschenke. die ja einer sittlichen Pflicht oder einer ans den Anstand zu nehmenden Rücksicht entsprechen» weder der Rückforderung, noch dem Widerms«.(jjß 538 bi» 534 de» Bürgerlichen Gesetzbuch«»). Gewcrfercbafrtxcbc� I2eBcn5mittctyrelfe sind auch Me Rosickeschcn STrBettet nicht inehr imstande, mit diesen horrenden Löhnen durchzukonimen. nn aie organmerce mroeiccricnarc ueuiicnianas! sic traten deshalb zusammen, um darüber zu beraten. Eine häßliche Erscheinung, die zugleich auch sehr beschämend auf die organisierte Arbeiterschaft wirlte, machte sich dieser Tage in Winterthur(Schweiz) bemerkbar. An diesem Orte befinden sich die Maurer und deren Hilfsarbeiter schon seit 1. Juni vorigen Jahres im Kampfe mit dem llnternehinertum um die Verkürzung der täglichen Arbeitszeit. Wie in allen solchen Fällen ist die gesamte Unternehinerbrut über die Streikenden Herzefallen und sucht durch Entstellungen und Verleumdungen die Behörden zu„schärferen Maßregeln" zu veranlassen. Nicht mehr und nicht weniger verlangen sie als das Streikpostenverbot; das Streikposten- stehen liegt ihnen schwer auf dem Magen, denn bisher gelang es den Streikenden noch immer, Zugereiste wieder abzuschieben, dank ihrer Wachsamkeit. Und diese Wachsamkeit ist, obgleich wir fetzt mitten im Winter sind, ebenso notwendig wie sie es im Sommer war, da hier in Winterthur gebaut werden mutz, trotz Eis und Schnee. Bis aus wenige, durch Poliere, Lehrlinge und minder- wertigcs Streikbrechergesindel hergestellte Häuscheen. ist im vorigen Jahre nichts gebaut worden. Die Tatsache nun. datz im Winter viele Bauarveiter in deutschen Städten arbeitslos sind, veranlatzte die hiesigen Baumeister, sich nach Deutschland zu begeben. In eigener Person und durch Agenten suchen sie auf Herbergen und Verkehrslokalen Maurer und andere Arbeiter anzuwerben, und was das beschämendste ist, es ist ihnen gelungen.„Arbeitswillige" zu finden. Am Montag, den 24. Januar, brachte ein Agent namens G r a s s e r von Nürnberg aus 15 Arbeiter, darunter eine Anzahl organisierter. Wie uns aus Nürnberg mitgeteilt wurde, haben sich diese Leute trotz Warnung nicht von der Reise abhalten lassen. Uns sind sie nicht entgangen. Die organisierten Arbeiter haben sie aus den Viehstallungen, in denen sie bereits untergebracht waren, wieder herausgeholt und nach Nürnberg zurückspediert. Unsere Auslagen hierfür betragen rund 250 Fr.— Wir fragen nun: ist cS nötig, datz solche Ausgaben ge- macht werden müssen? Sollten unsere Gelder, die wir so nötig zur Unterstützung der Streikenden brauchen, zur Wcgschaffung von organisierten Zugereisten verwendet werden? Nein, sicher nicht, wird jeder verständige Genosse sagen. Und auch damit wird jeder Genosse einverstanden sein, daß es den schweizerischen Baumeistern nicht gelingen darf, in Deutsch- land Streikbrecher zu finden. In Jtalieu suchen sie seit Monaten vergeblich; sorgt dafür, datz sie auch ans Deutschland wieder unverrichteter Sache abziehen müssen. Die gesamte schweizerische Arbeitcr'chaft ist an dem prinzipiellen Kampf im Winterthurer Bau- gewerbe interessiert; denn noch nie hat in der Schweiz ein so langer Kamps mit solcher Bedeutung stattgefunden. Soll er verloren gehen dadurch, daß es den Baumeistern gelingt, in Deutschland Rautzreitzer zu finden? Ihr werdet dies nicht wollen, werte Genossen. Deshalb appellieren wir an Euer Solidaritätsgefühl und bitten darum, datz alle arbeiierireundlichen Blätter diesen unseren Ausruf abdrucken, datz in allen Arbeiterversammlungen— nicht nur in denen der Bau- arbeirer allein— auf diesen Streik der Bauarbeiter in Winterthur hingewiesen wird und datz jeder Genosse sein Augenmerk richtet auf auftauchende Agenten. Genossen! Sorgt dafür, datz es nicht deutsche Arbeiter sind, die uns in unserem Kampfe schädigen. Hoch die internationale Solidarität Sachbczügliche Mitteilungen sind an das Arbeitersekretariat Winter- thur, Telephon 909 zu richten. Arbeitersekretariat Winterthur. Verband der Maurer und Handlanger in der Schweiz. Vcrbandsvorstand. Kerlin und llmgegend. Zu dem Streik der Buchbinder und Buchbindereiarbeiterinnen in der Buch- und Steiudruckerei Brunnenstratze 10 ist zu melden, datz auf eine schriftliche Ansrage des Buchbinderverbandes, ob die Firma bereit sei, in Verhandlung zu treten, der Zahlstelleu- Vorsitzende Klar zu einer Unterredung eingeladen wurde. Nach einigen kurzen Worten erklärte Herr Gatow, Inhaber der Firma, datz der Buchdruckertarif wohl bei ihni Geltung habe, jedoch sei er Gegner von Tarifabschlüjsen, und habe der Tarif der Buchdrucker in seinem Betriebe nur deshalb Geltung, weil derselbe von dem früheren Inhaber der Firma anerkannt sei. Die Tarife der Steindrucker, Hilfsarbeiter und Buchbinder er- kenne er prinzipiell nicht an, und wenn er harte Kämpfe darum führen müsse. Das in den Ausstand getretene undankbare Personal fände in seinem Betriebe unter keinen Um- ständen wieder Aufnahme. Er wolle seine Leute nur nach Leistung entlohnen und sich darin nichts vorschreiben lassen. Er habe im Vorjahr 10 000 M. Verlust gehabt und das komme daher, weil die tariftreuen Firmen billiger arbeiten als er. Der Herr zahlt den Arbeiterinnen Löhne, die in Berlin als Hungerlöhne betrachtet werden. Von den ausständigen Arbeiterinnen erhielten 3 11 M., 3 12 M.. l 13 M.. 2 14 M.. 3 15 M.. 5 16,80 M. und 1 20. M. pro Woche. Also 17 weibliche Personen werden unter den tariflichen Lohnsätzen pro Woche entlohnt. Bei den männlichen Personen trifft das gleiche zu. Dabei behauptet der Inhaber, datz die Lohnsätze dem Tarif entsprechen. Das ganze Auftreten sollte die Organisationsleitung von der Weitcrsührung des Streiks ab- schrecken, ohne jedoch diesen Zweck zu erreichen. Von der Aufgabe, die Rechte der Berufsangehörigen zu vertreten, auch wenn diese im Ausstand sich befindem wird sich die Organisationsleitung durch bramarbasierendes Auftreten der Unternehmer nicht ab- schrecken lassen. Es ist mithin zu konstatieren, datz die„Eiche", Organ dtr Holzarbeiter(Hirsch-Duncker) und auch noch andere Arbeiten derselben bei dieser Firma von Streikbrechern hergestellt werden. Di» Ortsverwaltung. Achtung, Töpfer! Die Firma Hern?. H a a f e, Bau Born- holmcr Siratze, hat sämtliche Unorganisierte entlassen, mithin ist die Firma wieder freigegeben. Die Verbandsleitung. DentfeKe» Reich. Achtung, Metallarbeiter! In Fürsienberg a. d. Oder sind sämt- liche organisierte Metallarbeiter gekündigt worden. Wir bitten ArbeitSaitgebote nach dort zurückzuweisen und Zuzug streng fernzu- halten. Deutscher Metallarveiterverband. S. Bezirk. _ H. Zernicke. Eine Lohnbewegung auf dein Gute des JunkerhSuptlwgs Rösicke! Wenn eS für die Junker im Reichstage gilt, sich ihre' Taschen auf Kosten der großen Masse zu füllen, so weisen sie gern darauf hin, datz sie die Liebesgaben brauchen, um ihre schlechtgestellten Arbeiter besser entlohnen zu können. An der Spitze der so fordernden Junker stand immer der bekannte Bundeshauptmann Rösicke in Görsdors bei Dahme in der Mark. WaS aber Herr Rösicke in bezug auf bessere Bezahlung getan hat, geht auS folgendem hervor: Die Arbeiter des Herrn Rösicke verdienen jetzt im Winter eine Mark, die Arbeiterinnen 60 Pf. und die Töchter der Arbeiter, die sogenannte Hofdienste tun müssen, 30 Pf. pro Tag. Diese Löhne wurden schon lange gezahlt, ehe man daran dachte, das Volk mit einem Zolltarif und mit einer exorbitanten Lebensmittelverteuerung zu beglücken. Durch diese Erhöhung der zu ob eS nicht angängig sei, bei„ihrem Herrn" eme Lohnerhöhung zu beantragen. Man wählte eine Kom- inission von zwei Mann, die Herrn Rösicke die berechtigten Wünsche der gesamten Tagelöhner vortrugen. Mit dieser Kommission wollte jedoch Herr Rösicke nicht verhandeln. Er gab derselben den Rat, die Forderung schriftlich einzureichen. Wenn Herr Rösicke etwa der Meinung war, datz die Arbeiter nicht den Mut finden würden, ihre Unterschrift herzugeben, sollte er sich geirrt haben. Die Ar- bester brachten ihre Wünsche zu Papier und unterschrieben einmütig. Sie forderten 20 Pf. für männliche Arbeiter und 10 Pf. für Ar- beiterinnen. Nun zeigte aber Herr Rösicke, datz er überhaupt nicht gewillt sei, den Arbeitern etwas zu geben. Er sagte ihnen, daß ihre Forderung„zu hoch" sei, er könne überhaupt nicht mehr geben. Und wem dies nicht passe, der könne gehen. Im übrigen werde er den Leuten am 1. Februar Bescheid geben. Wenn nun Herr Rösicke meinte, datz er mit seinen Arbeitern fertig sei, so irrte er auch hier gewaltig. Die Arbeiter sind fest entschlossen, einmütig ihre Forderungen durchzuführen. Auf den Ausgang der Lohnbewegung darf man wohl gespannt sein. Durch seine brüske Abweisung aber hat Herr Rösicke bewiesen, was es mit seiner Arbeitersteundlichkeit auf sich hat. Man sollte meinen, diese minimale Forderung hätte Herr Rösicke ohne lange Gegenwehr bewilligen sollen, aber das hieße ja seinen Profit schmälern. Noch eine neugierige Frage Wie wäre wohl die Sache ausgefallen, wenn wir kurz vor der ReichStagSwahl ständen? Zur Tarifbewegung im Folzgewerbe. Nach den Anweisungen des Vorstandes der Arbeitgeberorgani- sation an die einzelnen Bezirksvorstände, de» Arbeitern nennenswerte Zugeständnisse nicht zu machen, war nichts anderes zu erwarten, als datz die örtlichen Verhandlungen ausgehen würden wie das Hornberger Schießen. Das ist nun auch fast auf der ganzen Linie eingetroffen. Nur in einigen wenigen Orlen haben die Arbeitgeber dieses Komödienspiel aufgegeben und sind mit ihren Zugeständnissen den Arbeitern gegenüber ein klein wenig weiter gegangen. Obgleich die Arbeiter sich alle erdenk- liche Mühe gegeben haben, an den einzelne» Orten zu einer Ver- ständigung zu kommen, war das nicht möglich. Die Verhandlungen werden gegenwärtig noch fortgesetzt, doch hat es den Anschein, als ob die Unternehmer sich nur weiter daran beteiligen, um den Schein der Friedensliebe zu wahren. Vor einigen Tagen sind nun die Ortsvertreter der Arbeitgeber wieder beisammen gewesen und haben Kriegsrat gehalten. Eine Anzahl Städte waren der ergangenen Einladung des Arbeitgeber- schntzverbandes nicht gefolgt. Einige süddeutsche Städte sehen dem Gang der Dinge mit gemischten Gefühlen entgegen und wollen die Blufstaktik nicht weiter mitmachen. Diese Mitgliedschaften des chutzverbandes wissen sicher, daß hinter den hochtönenden Worten einzelner ihrer Führer herzlich wenig steckt, und sie denken mit nicht gerade freundlichen Gefühlen derjenigen, die ihnen diese Suppe ein- gebrock: haben. Auf der Konferenz kam von allen Seiten zum Ausdruck, daß die Unternehmer sich mit der Ablehnung des Schiedsgerichts unter Vorsitz des Herrn v. Berlepsch in eine böse Situation gebracht haben und daß man bei der Haltung der Arbesterverbände sehr viel Mühe haben würde, aus der jetzigen Situation herauszukommen. Sie glauben aber nichtsdestoweniger, datz die Arbeiter bei ihrer bekannten Friedensliebe wieder gutmütig genug sein werden, den Herrschaften aus der Patsche zu helfen. Ob sie sich hierbei nicht verrechnen, muß abgewartet werden. Nachdem die Unternehmer das Schiedsgericht abgelehnt hatten, haben sie jetzt eine zentrale Verhandlungskommission, bestehend aus fünf Städtevertretern, gewählt. Nach der Fachzeilung soll: „die Kommission umgehend zusammentrete». Sie wurde mit der Vollmacht ausgestattet. Vertreter der örtlichen Parteien zur In- formation vorzuladen. Rechtsverbindliche Abmachungen gegen den Willen der örtlichen Parteien darf die Kommission jedoch nicht treffen. Die endgültige Entscheidung behält sich vielmehr die Gesamtheit der Verbandsvorsitzenden nach Abschluß der Kommissionsverhand lungcn vor." Der Vorstand des ArbeitgebcrschutzverbandeS fügt dem Vor stehenden in der Fachzeitung noch an: „Die örtliche» Bcniühnngen zur Herbeiführung einer Ver ständigung müssen fortgesetzt werden.— Indem wir die vorstehenden Beschlüsse(d. h. die Einsetzung der Kommission) zur allgemeinen Kenntnis bringen, bitten wir gleichzeitig zu beachten, datz die Kommissionsverhandlungen den letzten Versuch zur Verhütung einer Aussperrung darstellen und eine definitive Entscheidung der beteiligten 42 Verbände erst in der zweiten Hälfte des Februar zu erwarten ist.— In der Zwischenzeit dürfen Matzregelungen von keiner Partei vor- genommen werden." Dieser neueste Beschlutz der Arbeitgeber bedeutet nichts mehr und nichts weniger, als datz sie den Arbeiterorganisationen zumuten, sich den Beschlüssen der Arbeitgeber in jedem Falle zu fügen. Man bedenke: Der Arbeitgeberschutz-Verbandsvorstand schlägt ein Schiedsgericht vor— die Arbeiter erklären sich damit einverstanden; jetzt lehnt der Schutzverband das Schiedsgericht ab, ernennt eine zentrale VerhandlungSkominission und sieht es als ganz selbstverständlich an, datz die Arbeiter wieder zustimmen I Wir zweifeln nicht daran, datz der Holzarbeiterverband wissen wird, dem Schutzverbaird gegenüber seine Ehre zu wahren. Die Einführung deS Reichstarifvertrages im Malergewerbe scheint auf erhebliche Schwierigkeiten zu stoßen. Bei den Ver- Handlungen in Berlin über den Zeitpunkt, an dem der Tarif- vertrag in Kraft treten soll, wurde von den Gehilfenvertretern ernstlich auf die Gefahren hingewiesen, die dem Vertragsverhältnis entstehen können, wenn der vereinbarte Tarif mit der bedingten Lohnerhöhung zu einer Zeit durchgeführt werden soll, wo infolge Geschäftsflaue ein großes Ueberangebot von Arbeitskräften vor- Händen ist. tJn den Monaten Januar und Februar sei es infolge der großen Arbeitslosigkeit unmöglich, die renitenten Arbeitgeber durch Entziehen von Arbeitskräften zur Einhaltung des Tarif- Vertrages zu zwingen. Trotz diese: triftigen Gründe, die übrigens für beide Parteien zutreffen, bestanden die Arbeitgeber mit großer Hartnackigkeit auf der Einführung des Tarifvertrages mit dem 16. Januar. Nun zeigt es sich, nachdem bereits zwei Lohn- Zahlungen erfolgt sind, datz ein großer Teil der Arbeitgeber den Verpflichtungen des Vertrages, insbesondere in bezug auf die Lohnerhöhung von 3 und 2 Pf., nicht nachkommen. In Rheinland- Westfalen, Sachsen, Thüringen und auch in Bayern sind die Ar- beitgcber der Verpflichtung der Lohnerhöhung nur teilweise und in verschiedenen Orten gar nicht nachgekommen. In Wiesbaden und Homburg verweigern die Arbeitgeber jegliche Lohnerhöhung. Auch in Norddeutschland fehlt es nicht an Orten, wo die Unter- nehmer versuchten, der Lohnerhöhung aus dem Wege zu gehen, oder sie zahlen sie nicht in der ausbedingten Höhe. Anstatt, wie zu erwarten war, datz die Führer des Arbeitgeberverbandes alles daran- setzen sollten, ihre Mitglieder, die Arbeitgeber, zur Einhaltung der übernommenen tariflichen Verpflichtungen anzuhalten, be- schäftigen sie sich mit der einseitigen Kommentierung des Ver- träges, um durch alle möglichen Schikanen das den Gehilfen zu- gebilligte Wenige strittig zu machen.. Die Abstimmung über Annahme oder Ablehnung des Tarif- Vertrages brachte bei den Arbeitern bekanntlich eine große Minorität, besonders in Hamburg setzte eine scharfe Opposition ein, und wenn die Arbeitgeber nunmehr mit einer so großen Lässigkeit der Durchführung des Reichstarifvertrages gegenüber- 1 stehest. Bii5 die Mißstimmung nicht geringer, sondern tvesentlich 0lO6Det Vorstand und Ausschuß des Verbandes der Maler ha» bereits im Fachblatt bekanntgegeben, datz zum 2l. Februar eine außerordentliche Generalversammlung� einberufen wird. Als einziger Gegenstand der Beratung wird die Tartsiierhandlung und die Durchführung des Reichstarifvertrages aus die Tages- Ordnung gesetzt. Es ist nicht ausgeschlossen, datz, wenn bis dahin die Arbeitgeber nicht in grötzereni Umfange der Durchfuhrung der Lohnerhöhung nachkommen, Beschlüsse gefaßt werden, die zu Kon- flikten und Arbeitseinstellungen führen und so das in mühseliger Verhandlung geschaffene Vcrtragsverhältnis gefährden. Wie die Bergarbeiter im Ruhrgebiet jetzt behandelt werde»» dafür bringt die neueste Nummer der„Bergarbeiter»Zeitung" einen gravierenden Beitrag. Auf Zeibe Borussia, die durch ihre Masienunglucke. zuletzt durch den Schachtbrand bekannt geworden ist, bei dem 30 Bergarbeiter ihr Leben eingebützt haben, waltet als Betriebsinspektor ein gewisser R ü t e r seines Amtes. Es ist dies derselbe Herr, der zur Zeit deS Schachtbrandes Betriebssichrer war und später unter Anklage stand, aber freigesprochen wurde. Es war jener Prozeß, in dem der Bergwerksdireklor Randebrock als Sachvei ständiger erklärte, man treibt doch schließlich nicht nur Bergbau, um Menschen- leben zu schützen, sondern um was zu verdienen. Unter diesem Betriebsführer R ü t e r kommen jetzt Hauerlöbne bis zu 2.53 M. pro Tag vor l Und dabei die unglaublichsten Be- leidigungen seitens dieses Herrn. Dafür eine Probe; er bediente sich folgender Redensarten: „Ich will Dampf sehen. Schweiß will ich sehen, schuften sollt Ihr wie die Bären; Blut sollt Ihr schwitzen; Ihr wurdet immer mit Glacehandschuhen angefatzt, Ihr roten Halunken; aber jetzt wird es anders, die Schlafmützenzeit ist vorbei" usw. Auch andere Beamte gebrauchten ähnliche Ausdrücke. Ein Anschlag lautete: „Wegen nicht genügender Leistung werden folgende Leute mit einer halben Schicht bestraft.(Folgen die Namen.) In wiederholtem Falle werden solche Faulenzer entlassen." Sogar mit einer vollen Schicht sind Leute bestraft worden „wegen nicht genügender Leistung". Wenn bei solchem provokatorischen Verhalten seitens der Bergwerksleitungen schließlich den Bergarbeitern der Geduldsfaden reißt, dann schimpfen die Bergherren und die ihnen ergebene Presse wieder auf die„besoldeten Hetzer", die den Klassenhatz schüren. In rücksichtsloserer Form, als es hier geschehen ist, kann wohl aber die Aufreizung nicht betrieben werden. Vom Tarifkampfe des Buchdruckerei-Hilfspersouals in Dresden. Nach fünfwöcheittlichem Ausstand der Hilfsarbeiterinnen hat sich das Tarifamt der Deutschen Buchdrucker entschlossen, in den Kampf, der auch die tariftreuen Buchdrucker in Mitleidenschaft zu ziehen drohte, einzugreifen. Die Frage, ob organisierte Buch- druckergehilfen tariflich verpflichtet werden können, mit Streikbrechern zusammen zu arbeiten, drängte zur Entscheidung. Als im Jahre 1907, ebenfalls bei einem Streik des Hilfspersonals in Dresden, ein Maschinenmeister das Anlernen von Streik- blechern verweigerte, wurde ihm von den Tarifinstanzen nicht Recht gegeben, weil die Arbeitsniederlegung des Hilfspersonals unter Kontraktbruch erfolgte. Das Tarifamt erklärte hierbei aber ausdrücklich, datz die tariftreuen Gehilfen nicht nur berechtigt, son- dern auch verpflichtet sind, sich mit dem Hilfspersonal solidarisch zu erklären, wenn dasselbe auf gcsctz mätzigem Wege und unter Beachtung der tariflichen Grundsätze die Einführung eines Tarifes erstrebt. In der diesmaligen Tarisbewegung hat das Hilfs» personal diese Anforderungen nach jeder Richtung hin er- füllt und konnte nun mit Recht auf die Unterstützung der Buch- drucker rechnen, um so mehr, als es sich nur darum handelte, datz weder Streikbrecher angelernt, noch mit solchen, die schon geübt tu ihrer Arbeit sind, zusammen gearbeitet wird. Die Dresdener Buch» drucker, die von Anfang an der Bewegung des Hilfspersonals' sym» pathisch gegenüberstanden, führten nun dadurch eine Entscheidung des Tarifamts herbei, indem sie in einer der bestreikten Drucke. reien die Leistung von Ueberstunden mit Rücksicht auf den Streik verweigerten. Das Dresdener Schiedsgericht lehnte die Klage des Unternehmers mit Stimmengleichheit ab. worauf dieser Berufung beim Tarifamt einlegte. Das Tarifamt faßte folgenden Beschlutz: „Die Gehilfen befinden sich bei Verweigerung der Ueber- stunden formal im Unrecht. Sie durften eine solche Maßnahme nicht treffen, bevor nicht die tariflichen Schiedsinstanzen hier- über beraten und entschieden hatten. Das Tarifamt erkennt aber an, datz die Gehilfen insofern im guten Glauben gehandelt haben, als sie nach den Beschlüssen zum Organisationsvertrage, die auch eine Mitwirkung des Deutschen Buchdruckervereins und des Ver- bandcs der Deutschen Buchdrucker vorsehen, sich verpflichtet suhlen konnten, die Herbeiführung eines Hilfsarbeitertarifs durch eigenes Eintreten erstreben zu dürfen, nachdem die Prinzipali. tät zu dem Zustandekommen eines Tarifes kein Entgegenkommen gezeigt hatte. Ferner haben sich die beklagten Gehilfen für ihre Matz» nahmen auf ein Urteil des Tarifamtes in ähnlicher Form, vom April 1907, gestützt, wozu sie nach dem Wortlaut desselben in gewisser Beziehung berechtigt waren. Es wird aber vom Tarif. amt nochmals ausdrücklich hervorgehoben, daß ohne Anrufung der Tarisinstanzen solche oder ähnliche Matznahmen der Gc» Hilfen tarifwidrig sind. Den Abschluß eines Tarifes mit den Hilfsarbeitern in Dresden hält das Tarifamt für geboten. Im Prinzip wird anerkannt, datz, wenn die Majorität einer Partei eines Ortes die Schaffung eines Lokaltarifes wünscht, Verhandlungen der anderen Partei hierüber eingeleitet und vorgenommen werden müssen. Würde also die Majorität der Dresdener Hilfs- arbeiter unterschriftlich vollzogenen Nachweis erbringen, daß die Majorität derselben einen solchen Tarif wünscht, so wird hiervon zunächst der örtlichen Prinzipals- und Gehilfenleitung und dem Vorstande des Deutschen Buchdruckervereins in Leipzig Kenntnis gegeben. Die örtliche Prinzipals- und Gehilfen- leitung wird dann verpflichtet, die Tarifkreisvertreter in Leipzig zu unterrichten. Der Vorstand des Deutschen Buchdrucker- Vereins dagegen wird die gemeinsame Kommission der Prinzipale und Hilfsarbeiter mit den weiteren Matznahmen betrauen. Kommt innerhalb vier Wochen kein Tarif zustande, ent scheidet über die Stellung der tariftreuen Gehilfen hierzu das Tarifamt." Eine sofort unter dem Dresdener Hilfspersonal vorgenommene schriftliche Abstimmung ergab, datz sich bis 450 Personen, darunter 260 Anlegerinnen, für die Tarisvereinbarung erklärt haben. Ein Beweis, daß die Behauptung der Unternehmer, es wäre nur ein verschwindend kleiner Teil, der einen Tarif haben will, völlig auS der Luft gegriffen ist. Die Hilfsarbeiterschaft ist nun auch diesen Weg gegangen, um den tariflichen Grundsätzen der Buch- drucker zu entsprechen, sie hat damit jedenfalls weitere vier Wochen Ausstand vor sich._* Letzte Nachrichten und Depefchen. Zwei Kinder erstickt. Stuttgart, 2. Februar.(W. T. B.) Heute vormittag geriet in einem Hause am Kanonenweg in der Wohnung eines Kauf, manns, in Abwesenheit der Frau, die am Ofen aufgehängte Wäsche in Brand. Zwei Knaben, ZwillingSkindcr» sind im Rauch erstickt und konnten nicht in ehr ins Leben zurückgerufen werden; ein anderer 5 Wochen alter Knabe, der ebenfalls im Zimmer anwesend war, ist außer Lebensgefahr. Serantw. Redakt.: Richard Barth, Berlin. Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. VerlagSanstal» UaulSinger& Co.. Berlin SW, Hierzu 3 Beilagen o.tUter&alttniasH Utas. 27.i.iiW 1 gfilape iles Lsmgrts" Kttlilltl PlllkslllR KlMSi'fkkaliichc llnterichleife vor Sem Kriegsgericht. (Zweiter Berhandlungstag.) Der Verhandlungsleiter, Kriegsgerichtsrat Dr. Ullmann, setzt die Beweisaufnahme fort. Er hebt zunächst hervor, datz Hafer nicht nur vom Proviantamt geliefert, sondern auch noch von der Ab- teilung von anderer Seite gekauft worden fei. Zeuge Hauptmann Nagel hat während seiner Dienstperiode in der Batterie nichts da- von bemerkt. Er bekundet ferner, dast die auheretatsmätzigen Pferde keineswegs aus den Futterbeständen der etatsmäßigen Ab- tcilungspferde mitgefüttert wurden. Auch der Krümperfonds ist hierzu nicht verwendet worden. Zur Zeit als Oberleutnant Nonne Abteilungsführer war, wurde ebenfalls kein Hafer zu- gekauft, wohl aber Stroh und Heu. Hierzu wurden der Dünger- und andere Fonds verwendet. Hauptmann Nagel bekundet weiter, daß seinerzeit die Abteilungspferde auf Kosten dreier Pferde eines Reserveoffiziers im Hafer geschmälert und benachteiligt wurden. Sie wurden aber durch inehr Heu wieder entschädigt. Der Vor- sitzende meint, daß die Pferde durch Heufütterung wohl dick und rund, aber nicht leistungsfähiger würden. Hierauf wird Kriegsgerichtsrat Dr. Matschke, der das Erwitte- lunKverfahren geführt hat, vernommen. Der Zeuge soll hauptsäch- lich über Aussagen, welche die Angeklagten bei früheren Ver- nehmungen gemacht und heute widerrufen, bekunden. Kriegs- gerichtsrat Dr. Matschke entsinnt sich der früheren Aussagen noch ganz genau. Es werden ihm vom Verharrdlungsleiter die Protokolle vorgelesen. Der Angeklagte Pruschke kam dem Jeugen immer so vor, als wisse er viel mehr, als er angebe. Man sah ihm offenbar an, daß er mit der Sprache nicht heraus wollte. Der Untersuchungs- richter redete ihm gut zu und machte ihn darauf aufmerksam, daß er sich nur der Milde der Richter empfehlen werde, wenn er ein offenes Geständnis ablegen werde. Einen unklaren Eindruck hat der Angeklagte auf den Zeugen keineswegs gemacht. P. kam ihm als ein energieloser Mensch vor, der nicht den Mut hatte, der ganzen Sache ein Ende zu machen. Als P. nach seiner damaligen Vernehmung abgeführt wurde, äußerte Kriegsgerichtsrat Dr. Matschke zum Sekretär: „Da haben wir den Schlüssel für die ganze Sache!" ES entspinnt sich zwischen den Prozeßbeteiligten eine lebhafte Debatte über Aeußerungen, die der Angeklagte Meyer seinem Verteidiger. Rechtsanwalt Ulrich, gegenüber gemacht hat. Der Angeklagte Meyer hat seinerzeit eine Aussage zu Protokoll gegeben. die den Gedanken aufkommen läßt, als habe er, M., gewußt, daß zwischen dem Wachtmeister Karstädt und dem Müller Engel Durchstechereien vorgekommen feien. Meyer behauptet heute, er habe dies nicht ge- meint. KriegSgerichtsrat Dkatschte hatte damals den bestimmten Eindruck, als habe Meyer sagen wollen und gemeint:„Ich habe gewußt von der Sache, aber Pruschke hat auch gesagt, laß die Hände weg!" DaS Verfahren des Müllers Engel, fast niemals mit dem Fourage wagen auf den Kasernenhof, sondern hinter der Mauer auf der Straße vorzufahren. Gerade dieser Umstand, daß die Säcke auf der Hinteren Stallseite auf- und abgeladen wurden, er- regte den Verdacht zahlreicher Zeugen. Der Angeklagte Hansel gab in der Vorvernehmung zu, daß das Quantum, das Engel zurück- zubringen pflegte, ein weit geringeres gewesen sei als die abgeholten Mengen. Heute bestreitet H. dies. Die geheimnisvolle nächtliche Äagenfahrt des Wachtmeisters Karstädt bildet noch einmal den Gegenstand längerer Erörterungen. Gerade das Geheimnisvolle dieser Affäre ließ in Oberleutnant Nonne, der die ersten Unter- fuckungen einleitete, den Verdacht aufkommen, daß zwischen dem Muller Engel und Karstädt unsaubere Dinge passiert seien. Der Umstand, daß Karstädt und Pruschke ohne Kutscher fortfuhren, ließ den Verdacht noch stärker werden. Der Zeuge Hahnloser war im Jahre 1907 zur BespannungS- abteilung abkommandiert. Er sagt aus, daß der Müller Engel in der Woche ein- bis zweimal Hafer aus dem Kasernenbestand abgeholt habe. Er. Zeuge, habe dies häufig beobachtet, er habe aber niemals gesehen, daß •7 1.' a> Kleines feuilleron. TheologengezSnk. „In der Aula zu Toledo klingen schmetternd die Fanfaren; Zu dem geistlichen Turnei wallt das Volk in bunten Scharen..... Durch die Macht der Argumente, durch der Logik Kettenschlüsse Und Zitate von Autoren, die man anerkennen müsse. Will ein jeder Kämpe seinen Gegner ack absurdum führen Und die wahre Göttlichkeit seines Gottes demonstrieren..... Schon zwölf Stunden währt der Kamps, dem kein End' ist abzuschauen; Müde wird das Publikum, und es schwitzen stark die Frauen." (Heinrich Heine.) Deutsche Gelehrte, hysterififie Epileptiker der Apostolislben Gemeinde, Wahrheiissucher, Pfaffen und Baalpfaffen, Aerzte und Lehrer, Pastorenfrauen und alte Jungfern,� Studenten und hier und da ein paar Studentenbräute— es war ein auserlesenes Publikum, das über die Frage entscheiden sollte:„Hat Jesus von N az o r e t y gelebt?" Es ist schwer, sehr schwer, keine Satire zu sctireiben. Der Monistenbund hatte den bekannten Karlsruher Philosophie- Professor Dr. Artur Drews gewonnen, über dieses Thema zu sprechen. Mit vielem Scharfsinn und an der Hand eines eingehenden Materials suchte Herr Drews am Montag nachzuweisen, daß ein Jesus von Nazareth, wie ihn die Evangelien schildern, niemals gelebt babe, daß der Jesuskult bereits in vorchristlichen jüdischen und nichljüdischen Sektenkreisen eine Stätte gehabt habe, daß er ein WstralmythuS sei, der in der griechischen Sage von Jason und der hebräischen von Josua bereits in frühen Perioden des Altertums seinen Ausdruck erhallen babe. Sicher geht Drews in seinen Thesen etwas zu weit, es fehlt ihm das Verständnis für historische Eutivickelung, für die wirtschaftlichen Zusanimeuhänge, die bei der Behandlung der Bildung und Euiwickelung der Religionen in der religionsgeschichtlichen Literatur leider nur allzuivenig herangezogen lverdm; immerhin ist sein Buch„Die Christusmythe" (2. Aufl. Jena 1910. Verlag Eugen Diedenchs. 3 M.) durchaus lesenswert und enthält eine Fülle anregender Gedanken und Probleme. So lveit, so gut. Ein deutscher Gelehrter, dem ein Ruf Vorausgeht, hat einen wissenschaftlichen Vortrag gehalten, der cinigerinntzen ein Bild seiner wissenschaftlichen Anschauungen der- Mitteln konnte. Und darauf folgte am Dienstag eine Diskussion. Eine Disputation mit 1— S M.-Plätzen und Koryphäen der protestantischen Dheologie und des religiösen Freidenkertums. Hier die Namen: Prof. D. von Sodeit, Pastor Friedrich Steudel- Bremen, Lic. H o l l m a n n. Pastor D. MaxFischer, Lic. Dr. L i p s i u s- Bremen, Th. Kapp st ein, Pastor H. Franke, Dr. Max Maurenbrecher. Arme Wissenschaft, die man hier zur Farce machte! Herr Drews ist Philosoph von Fach und nun steht die Konkurrenz aus dem theologischen Lager aus und rast über den Einbruch in ihr Geschäftsgebiet und bombardiert mit Bibclstellen und appelliert an Schrot überhaupt zurückgebracht wurde. � Er hat auch keinen Schrot in den Futterkästen gesehen und nicht beobachtet, daß die Pferde mit Haferschrot gefüttert wurden. Nur Kleie und Roggenschrot sah er öfter in den Liästen. Mit seinen Kameraden hat sich der Zeuge öfter über alle diese auffallenden Umstände unterhalten. Verdächtig war es den Mann- schaften auch, daß der Wagen des Engel hinten vorfuhr. Aus die Frage des Berhandlungsführers, ob Engel auch sonst mit dem Wagen nach den Kasernements kam, erwiderte der Zeuge: Jawohl, aber mit leerem Fuhrwerk. Ebenso hat der Umstand, daß Müller Engel hoheTrinkgelder gab, Verdacht erregt. Der Zeuge hat selbst von Engel Trinkgelder erhalten. Als er daraus aufmerksam gemacht wird, daß er aus solche Fragen, durch deren Beantwortung er sich einer Strafver- solgung aussetze, die Antwort verweigern könne, erwidert er:„Ich habe nur getan, was mir befohlen worden istl" Manchmal lam Engel auch Sonntags. So seien in einem halben Jahr ettva 299 Zentner Hafer abgeholt worden, ohne daß er etwas vom Schrot bemerkt habe. Kriegsgerichtsrat Hierholzer stellt an den Zeugen die Frage, ob Engel ZeugenbeeinflussunA bei ihm ausgeübt habe, worauf Hahnloser folgendes aussagt: Engel sei zu ihm in den Stall gekommen und habe ihm gesagt, wenn er, Hahnloser, ver- nommen und gefragt werde, ob er hohe Trinkgelder erhalten, so solle er angeben, er habe nur eine Mark erhalten. Heute gibt Hahnloscr zu, etwa 29 M. von Engel bekommen zu haben. Er be- kündet ferner, daß Engel im Stall sagte, die Sache sei nicht so schlimm, denn Karstädt und Pruschke seien bei ihm gewesen und bätten mit ihm gesprochen. Zwei Bottiche, die auf dem Boden standen, waren wohl mit Kleie stets gefüllt, aber geschroteten Hafer hat Zeuge niemals gesehen. Er hat öfter in die Futterkästen ge- sehen. Er kenne den Unterschied zwischen Haferschrot und Roggen- Wrot sehr genau; der crstere sei nur gedrückt, der andere zer- malmt. Wenn soviel geschroteter Haser gefüttert worden wäre, als von Engel eintreffen mußte, so hätte der Zeuge dies unbedingt merken müssen. Er hat aber überhaupt nichts gesehen. (N a ch m i t t a g s s i tz u n g.) Einer der nächsten Zeugen ist der Kanonier Donauer. Cr bekundet, daß er niemals gesehen habe, daß Müller Engel den ab- geholten Hafer geschrotet wieder nach der Kaserne zurückgebracht habe. Gerade in der letzten Zeit sei viel über die Hafergeschichte gesprochen worden, doch man habe immer geglaubt, das müsse alles so sein. Der mysteriöse Korb, der verdeckt auf dem Furagelvagen zu stehen pflegte, ist von dem Zeugen häufig beobachtet worden. Es hieß unter den Mann- schaften, der Korb enthalte Fleisch und Butter. Wohin der Korb stets verschwand, das wußte niemand. Der Zeuge gibt zu, daß Schrot zurückgekommen sein konnte, ohne daß dies von ihm bemerkt worden wäre. An Hansd einer Zeichnung überzeugen sich die Prozeßbeteiligten von den Ortsverhältnissen der Kasernements. Die Möglichkeit war. daß das Einfahren des geschroteten Hafers vielfach nicht beobachtet werden konnte. Nun bekundet aber der Zeuge, daß der zurückkehrende Wagen oft leer oder doch nur mit einem Sack geschroteten Hafers beladen war. Auch dieser Zeuge hat öfter von Engel eine Mark Trinkgeld bekommen. lieber unzuverlässige Lieferungen des Getreide- Händlers Engel wird sodann der Hauptmann einer anderen Batterie vernommen. Er habe einmal festgestellt, daß Unregel- Mäßigkeiten bei cmer Nachlieferung vorhanden waren. Ein anderes Mal entdeckte er bei der Kontrolle von Mohrrüben ein erhebliches Defizit. Bei einer Schrotlieferung für die Burschen- abteilung vermutete man, daß der Schrot von dem der Be- spannungSabteilung entnommenen Hafer herrühre. Leutnant Wolf bekundete, daß ihm Engel im Nauener Lager sehr aufgefallen sei. Er habe sich dort in auffälliger Weise mit den Unteroffizieren oer im Quartier liegenden Truppen unterhalten und sei ihm vom Wachtmeister als „unsicherer Kantonist" bezeichnet worden. Den ferner als Zeugen erschienenen Leutnant Drees bittet Wachtmeister Karstädt um Bestätigung einer Aeuhe- rung, wonach er, Karstädt, mit Dienst überlastet sei. Der Zeuge gibt zu, daß K. sehr viel zu tun hatte. daS weiche Gemüt— und die Gedankenarmut!— eines p. t. Publikums, dem man sein Ideal. daS kostbarste Juwel, den Jesus von Nazareth rauben will. Keifende Krämer, denen ihr Kram in den Dreck geworfen ist I „Mir wurd' von alledem so dumm, Als ging' mir ein Mühlrad im Kopf herum l' Und diese Empfindung haben die meisten Besucher mit nach Hause genommen, soweit sie ehrlich gegen sich selbst sein wollen. Im Ernst, meine Herren! Glauben Sie wirklich, daß derartige fachwissenschaftliche Deiailfragen, wie sie hier angeschnitten wurden. vor einem solchen Publikum im großen Saale des Zoologischen Gartens nachts in der Zeit von 9 bis ll22 Uhr, in die sich zehn Redner teilen müssen, gelöst werden können? Nur welteutfremdete Stubengelehrte können meinen, daß sie sich damit nicht lächerlich machen. Erst gegen Schluß der Diskussion wurden endlich, besonders von Dr. L i p s i u s die Fragen angeschnitten, die den Kernpunkt der Diskussion hätten abgeben müsien: Hat das Christentum dem modernen Menschen noch etwas zu geben? Bedeutet der sog. liberale ProtestantiS- mus etwas für die Weiterentwickelung der Religion? Und Lipsius antwortet mit einem glatten: Nein. Die christliche Religion beruht auf dem Ideal einer Vergangenheit, die bessere Zustände von einem Untergang der menschlichen Kultur, von dem Weltende erwartete; wir aber sehen das Heil in der Fortentwickelung. Und Dr. Max Maurenbrecher machte mit Recht— leider nur allzu kurz— der liberalen Theologie den Vorwurf, sie, die auf den historischen JesuS sich zu stützen vorgebe, habe gerade den JesuS der Evangelien. den JesuS der Armen und Unterdrückten aus der Kirche verjagt. Aber, Genosse Maurenbrecher, warum haben Sie sich gescheut, einmal gerade vor dieser Versammlung zu sagen, warum die Kirchen Jesus, den Proletarier, nicht mehr kennen? Warum wagten auch Sie eS nicht, das Verhältnis des modernen Proletariats zu der Kirche zu charakterisieren?— Schade, daß zwei nicht zuhören konnten: Jesus von Nazareth und Heinrich Heine. Die geteilte Sezession. Die Verhandlungen, die eine Wieder- Vereinigung der getrennlen Sezessionisten bezwecken, sind bislang ergebnislos geblieben. Ausgetreten sind die bisherigen Vorstands- Mitglieder: Max Liebermann, die Bildhauer Fritz Klinisch, August Gaul und Prof. Max Kruse, der Geschäftsführer. Paul Casstrer und die Maler Corinth, Slevogt, Baluschek, Mosion, Walser und E. R. Weiß. Ihnen haben sich dann noch acht weitere Mitglieder angeschlossen. Ge- blieben sind in der Sezession 78 Mitglieder, deren Vorstand vorläufig aus den Herren Leo v. König, Hanö Beckmann, Kurt Hermann und Georg Kolbe besteht. Dieser Vorstand erläßt eine öffentliche Erklärung, in der es heißt:„Wir bewachten eS als unbedingte Notwendigkeit, eine unabhängige Künstlervereinigung so zu leiten, daß die Freikeit der Gesinnung auf daS äußerste gewahrt werde. Von der früheren Leitung wurde— nicht in schlechter Absicht— eine Tyrannei aus- geübt, die Herr Professor Lieberniann in der Generalversammlung selbst zugegeben hat.... Tatsächlich hat Herr Lieberuiann aber schon lange diesen Einfluß mit Herrn Paul Cassirer geteilt, einem ungemein intelligenten, um die Berliner Kunstzuftände hoch- verdienten Manne. Diese Stellung der Sezession zu einer nicht dein Künstlerstandc angehörenden Persönlichkeit wurde von vielen Mit» Der folgende Zeuge Stachelhaus hat die ganze Geschichte mit den Furageunterschlagungen zur Kenntnis� der Vorgesetzten ge- bracht. Er war bei dem Oberleutnant Bräuer Bursche und er- zählte ihm gegenüber seine Beobachtungen. Der frühere Kanonier Müllberg wunderte sich nicht darüber� daß weniger Schrot kam als Hafer geliefert wurde. Er glaubte, wenn die Lieferungen am hellen Tage auf offener Straße vor sich gingen, so müsse das auch seine Nichtigkeit haben. Trink» g e l d e r hat auch er von Engel erhalten. Mit Trinkgeldern hat Engel anscheinend nicht gekargt. Einem Zeugen, der einmal für einen Augenblick seine Pferde hielt, schenkte er 39 Pf. EL folgen nun eine Reihe von Zeugen, die tn den Jahren 1906—1999 als Fahrer bei der Batterie standen. Sie machen alle die gleichen Aussagen, die sich hauptsächlich auf die Hafer- und Schrotlieferungen beziehen. Der Zeuge Johan bekundet, daß er soviel Hafer hätte her- unterwerfen können, als er wollte, da keine Unteroffiziere dabei waren. Ein andermal fand Johan einen kleineren vollbeladenen Sack auf Engels Wagen. Neugierig sah er nach dem Inhalt und entdeckte Aepfel. Der Sack verschwand dann. Einer der nächsten Zeugen hat dem Müller Engel einmal in der Wohnung des an- geklagten Wachtmeisters Karstädt gesehen. Er glaubt auch, daß Engel einen Korb bei sich hatte. Daß aber durch Engel bei Karstädt Lebensmittel abgeladen worden sind, vermag der Zeuge nicht anzugeben. Der ehemalige Fahrer Becker gibt zu, daß er öfter bei einer Runde Bier, die Engel zum besten gegeben, teilgenommen hat. Der Stallwache hat Engel einmal eine Mark für Bier spendiert. Der Zeuge Büttner gibt an, daß Engel und Karstädt aus freund- schaftlichem Fuße standen. Engel sei Sonntags öfter mit seinem Einspänner zu Karstädt gekommen und habe mit K. Fahrten ge- macht. Nach den Bekundungen des früheren Fahrers Bäuerlein ist zumeist viel weniger Schrot zurückgekommen als Hafer geliefert wurde. Auch die Kameraden sprachen hierüber. Trinkgelder habe Engel an die Kanoniere verteilt. An einige 3, 4 und 5 M. Die Verhandlungen werden sodann auf Donnerstag früh vertagt._ Zur Lage der Kleinbauern und ländlichen Arbeiter. IV. Heilverfahren, Rechtsprechung, Steuerdrückerek. Auffällig gering ist die Fürsorge für VerletzkS innerhalb der Wartezeit, den ersten 13 Wochen des Unfalls, obschon für die Landwirtschaft allgemein keine Krankenversicherung besteht. So schenkte Oberbayern dieser Frage„erhöhte Aufmerksamkeit", hat jedoch nur in 9 Fällen das Heilverfahren übernommen! Hamburg hat keinen Pfennig für diese Zwecke übrig gehabt! Baden verausgabte hierfür ganze 342 Vi. Oberpfalz 534 M., Meiningen 54 M., Mittelfrankcn 94 M., die 4 landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaften Württembergs zusammen 1339 M., Reuß j. L. als„Zuschuß zu den Heil- kosten" 126 Ml, Oldenburg 112 M., Braunschweig 313 M.!! Der Bericht Hessen spricht sich mit hochtönenden Worten für die Ueber- nähme des Heilverfahrens in der Wartezeit aus, verweist extra auf „die Wohltat einer sofortigen und für die Beteiligten völlig kostenlosen klinischen oder sonst etwa erforderlichen spezialärztlichen Behandlung" der Verletzten hin, führt aber unter Titel Ausgabe nur den Betrag von 981 M. hierfür, auch noch unter—„Unsallver- hütungskosten" auf. Daß die Hessen das Ausschneiden nicht lassen können! Die verhältnismäßig große Bcrufsgcnossenschaft Sachsen hatte bei über 7989 Unfällen im Berichtsjahre nur die Summe von 928 M. für diesen Zweck verausgabt! Dabei sind doch alle Berufs- genosscnschaften von dem Werte eines frühzeitigen Heilverfahrens überzeugt, wie Oberfranken, welche folgendes hierzu bemerkt:. „Sehr häufig bestand Veranlassung, auf Grund der ein- gekommenen Unfallanzeigen dahin zu wirken, daß wegen Unfall- Verletzungen ein Arzt beigczogen wurde. Durch Vernachlässigung des Heilverfahrens innerhalb der Wartezeit wird nicht nur die Berufsgenossenschast geschädigt, welche gewöhnlich eine höhere Rente zu zahlen hat, sondern auch der Verletzte selbst. Die Un- fallrente ist kein voller Ersatz für entgangene Arbeitsfähigkeit— beträgt doch die Vollrente nur% des JahreSarbeitsverdiensteS gliedern als Widerspruch gegen das Freiheitsgefühl empfunden. Auf dem durchaus korrekten und stets üblichen Wege der Wahl gelangten zu den sieben alten Mitgliedern vier neue Mitglieder in den Vor- stand. Von den vieren konnte angenommen werden, daß sie sich nicht allen Wünschen des Herrn Cassirer fügen würden. Da sie in der Minderzahl waren, konnte ihr Einfluß nur sehr bedingt sein. Selbst diesen aber wollten die alten Mitglieder des Vorstandes nicht gelten lassen und legten in der Generalversammlung ihre Aemter nieder." Den Druck, den die Sezession der Sezession durch ihren Aus- tritt auszuüben gedachte, erklärt derselbe Vorstand für einen„Akt der Willkür und Vergewaltigung, der allem Brauch, allen unseren Institutionen und dem primitivsten Rechtsgefühl Hohn spricht!" Es handelt sich in dem Streit zwischen der Opposition, die die Majorität auf ihrer Seite hat, und dem alten Vorstande, der mit seinem Anhang ausgeschieden ist, um eine Machtfrage. Die jüngeren Mitglieder beanspruchen mehr Raum und Ellenbogenfreiheit' und wollen von Casstrer los, der nach ihrer Ansicht zu sehr die Jnter- essen einiger Weniger wahrnahm. Die Jungen werden ihre Sache am besten durch eine Ausstellung führen, in der sie die Berechtigung ihrer Ansprüche nachweisen. Humor und Satire. Terminologie. Willst du die Massen lehren, selbst zu denken und nach Gesetz, soviel ein jeder kann, die eigenen Geschicke selbst zu lenken— Verhetzung nennt man dein Gebaren dan«. Doch willst du im Monarchen Triebe wecken, Recht und Gesetze in den Staub zu ztehn und wider die Verfassung kühn zu löcken dann tust du daS zum Lob der Disziplin. Wenn die Millionen friedlich danach streben. auf vorgeschriebenen, Gesetzpfad, was sie bedürfen, selber sich zu geben— dann heißt das Umsturz oder Hochverrat. Wenn ein Monarch, gelchr'ger Sohn der Väter, durch zehn Soldaten und'neu Leutnant zum Teufel jagte seines Volks Vertreter— dann würde dieses Disziplin genannt. _ Franz. Notizen. — Otto Julius B i e r b a u m f-. Aus Dresden wird gemeldet: Bierbaum litt seit langer Zeit an Nierenerkrankung. Die Aerzte verschwiegen dem Kranken tn wohlwollender Absicht seinen hoffinuigslosen Zustand. Indessen trat in den letzten Wochen Wassersucht hinzu und verschlimmerte die Lage des Kranken wesentlich. Schon seit zehn Tagen wurde er künstlich ernährt. Es wurde seiner auf einer Erholungsreise in Italien iveileitden Gattin telegraphiert, worauf sie sofort die Stückrcise antrat. Sie traf aber erst in Dresden ein, als Bierbaum bereits tot war. Die Leiche wird nach Chemnitz zur Feuerbestattung übergeführt. (b'et viel zu niedrig angenommen lvird. D. N.7. Außerdem wird es dein durch Unfall geschädigten landwirtschaftlichen Arbeiter oft nicht leicht, die noch vorhandene Arbeitskraft zweckentsprechend auszunützen. Es ist darum tief zu beklagen, wenn aus Gleich- gültigkeit öder unangebrachter Sparsamkeit kein Arzt beigezogen, sondern zugewartet wird, bis die Entschädigungspslicht der Be- rufsgenossenschast beginnt und nicht mehr viel zu retten ist." Größere Summen für das Heilverfahren in der Wartezeit gaben nur aus: Hannover>nit 43t() M., Brandenburg ütal M., Wcsifalen Söd!) M., tlnt eres saß 10 803 M.. Ostpreußen 16 005 M., Schleswig-Holstein 12 01) M., Rheinland 13 161 M., Schlesien 28 090 M. und Posen 08 660 M.I Durchweg haben alle landwirt- schaftlichcn Bcrnssgcnossenschnften verhältnismäßig mehr Unfall- rentncr nach Ablauf der 13. Unfalllvoche zu unterstützen, als die getverblichc» Berufk-genossenschaften, von denen oft 75 Proz. aller Unfälle in de» ersten 10 Wochen des Unfalls als geheilt betrachtet und„erledigt" worden sind. So hatte z. B. Oberpsalz im Jahre 1008: 1680 Unfallmeldunge». wovon 1110 unterstützt werden «Hißten I Rheinland begründet dies wie folgt: „Die erste Hilfeleistung und zumal die Heilbehandlung der Verletzten liegt ans dem Lande bei dem Mangel an Aerztc», den große» Entfernungen usw. sehr im argen. Von hier aus wird bei jeder Gelegenheit den Landwirten bei Unfällen die schleunige Hinzuziehung eines Arztes und Meiden der sogenannten sknochen- flickrr empfohlen, und ist auch ein entsprechender Satz in das Flugblatt aufgenommen." Mit der Ncchtsprechnng konnten wohl alle Berufsgenosscn- fchaften sehr zufrieden sein. Alle Berichte geben dies loohl nicht zu, doch sprechen die Zahlen eine deutliche Sprache. Wir wollen bloß einzelne Berichte herausgreifen. So hotte Sachsen bei 475 Berufungen Erfolg und nur in 70 Fällen Mißerfolg zu vcrzeiefinen. Desgleichen MUtelfranken 387 Erfolge und nur 74 Mißerfolge. Rheinland hatte das Glück, daß in S731 Fällen zu ihren Gunsten und nur in 618 Fülle» zugunsten der Verletzten entschieden wurde. Ostpreußen konnte sogar jubelnd mitteilen, daß„die von den Aer> Letzten eingelegten Rekurse sämtlich zurlickgewirsen" wurden. An- geführt wird«och u. a.:„Aber auch die Tpruchpraxis des Reichs- vrrsichernngsnintcS und der Schiedsgerichte habe sich im Laufe der Jahre gewaltig griindert.«! Sehr richtifll„ Weimar hatte nicht allein in 73 Priz. aller Streitfälle Erfolg, sie begrüßt sogar das stramme Vorgehen der Schiedsgericht« noch Zvie folgt: ..Dankbar muß cö daher die BerufSgenossenschaft begrüßen, daß das Schiedsgericht im Jahre 1008 in 0 Fällen von dem ihm nach 8 10 Abf. lV des Gesetzes, betr. die Abänderung der Unfall- versickerungsgesetze. vom 00. Juni 1000 zustehenden Rechte, dem Bcriifungöklägrr die Kosten des Verfahren? zur Last zu legen. Gebrauch gemackt hat. Wir sind überzeugt, daß diese Maßnahme auch künftig, und zwar in ausgtebigster Weise, angewandt, ein wenn auch kleines so doch ivirksames Mittel bildet, um die der- werfliche llieutcusucht erfolgreich zu bekämpfen, und so der BerufSgenossenschaft viele unnütze Ausgaben zu ersparen." Eine schwarze Liste der Verletzten führt wieder der Bericht Reust f. L. auf. Genaues Ramens- und Ortsverzeichnis, Alter, Prozentzahl und Höhe der Rente auf Heller und Pfennig orientiert die Bauern des Bezirlö über die Verletzten in genauester Weise. Das jetzt von den Berufsgenossenschaften leider so vielfach ge- «übte Verfahren, die Verletzten abzufinden, veranlaßt die Genossen. Schaft Hannover zu folgender Bemerkung: „Da das Gesetz«ine bestimmte Borschrlft über die HShe der Kapitalabfindung von Inländern nicht enthält, auch vom Reichs- verstcherungSamt nähere Bestimmungen in dieser Hinsicht nicht erlassen sind, so baben wir in jedem einzelnen Falle nach Lage der Verbältnisse die Höhe der Abfindung festgesetzt, und zwar im Einverständnis mit den Rentenempfängern, In der Regel haben wir den achtfachen Betrag der jährlichen Rente, in einigen Fällen auch mehr bewilligt." Das beste Geschäft macht dabei doch immer noch die Berufs- genossen schaftl Hessen erwähnt auch das neue Reicysfinanzgesetz, welches eine Beseitigung der Vorschüsse vorsieht, die seither von der Postver- waltung für die Bcrussaenossenschaftcn geleistet worden sind. Die- selbe Genossenschaft macht im Bericht groß« Propaganda für ihre Haftpflichtversicherung, die auch gleichzeitig mitverwaltet werden darf. Tee Verwaltung macht selbst darauf aufmerksam, daß„durch die UnfallvcrsicherungSgcsctzc die persönliche Haftpflicht den ein-■ zelnen Unternehmern größtenteils abgenommen" worden sei. Auch i der Bericht Schlesien lubelt, daß durch die neue Zkovelle zum Bürgerlichen Gesetzbuch die Haftung des Tierhalters„wesentlich eingeschränkt worden ist", so daß es kein Wunder nehmen kann. wenn die Haftpflichtversicherungen gute Geschäfte machen können. Hessen hatte bei 21 352 M. Jahrcseinnahmen seiner.Haftpflichtversicherung einen Ueberschuß von 15 483 M. zu verzeichnen. Der Bericht Oldenburg erwähnt: „Die. Steuerreform und die dadurch bedingte schärfere Ein- schätzring der Landwirte zur Einkommensteuer hat schon im Jahre 1007 Veranlassung gageben, die in ß 46 unseres Statuts gezogene Grenze der ZwangZversicherung von 1200 M. auf 1500 M. JahreS- arbeitsverdienst zu verlegen. Trotzdem ist aber eine Anzahl solcher Zensiten, die bisher der ZwangSversicherung unterlagen, frei geworden." Wie die Bauern nach bekanntem Muster sich von dem Steuer- zahlen zu drücken verstände», beweist uns folgender Satz weiter: „Der Vorstand hält eS daher für notwendig, abermals«ine Erhöbung der Grenze für die ZwangSversicherung vorzuschlagen. Da die Stcucrelnschätzung in einzelnen Gemeinden ein Mehr von 50—60 Proz. des früheren Steuersolls ergeben hat, im Durchschnitt aber eine Erhöhung von 35 Proz. auch noch im ab- gelaufenen Stcuerjahr ausrecht erhalten wurde, so erscheint es zweckmäßig, die Grenze der ZivangSverstcherung so hoch zu ziehen, daß etwaige weitere Aenderungen des Einkommensteuer- gesetzes— die im Jahre 1910 oder 1011 zu erwarten sind— keine störende Rückwirkung auf die Versicbcrunigspflicht ausüben. Da fast jeder Unternehmer mit einem Einkommen von weniger als 2660 M. zu den wirtschaftlich Schwachen zu rechnen ist, auch die Krankenkasse» alle Personen mit einem Einkommen unter 2000 M. als versicherungspflichtig ansehen, so glauben wir, die Zwangsversicherung für alle Unternehmer in Vorschlag bringen zu sollen, deren steuerbares Einkommen unter 2000 M. beträgt; weil dieses, gemäß g 47 unseres Statuts, als JahreSarbeitsver- dienst gilt." Das KrankenvcrstcherungSgesetz werden sich die braven Qlden- burger doch noch etwas genauer ansehen müssen! Gesundheitsschädliche Einflüsse In landwirtschaftlichen Be- trieben hat keine BerufSgenossenschaft wahrgenommen. Rheinland meint sogar zu Titel 13„GesuudhcitSbcschädigung der Versicherten durch die Berufstätigkeit":„Den biSl/rrigen Erfahrungen nach scheint eS solche gesundheitsschädliche Einftüsse in der Landwirtschaft nicht zu geben." Natürlich! Einige Worte mehr sagt der Bericht der BerufSgenossenschaft fflojen: „Außer Staubentwickelung beim Dreschen und Streuen von künstlichem Dünger sind hier besondere gesundheitsschädliche Ein- slüsse nicht zu nennen. Trunkenheit bei der Arbeit ist zwar selten beobachtet worden. Doch wäre zu wünschen, daß die Betriebs- Unternehmer noch erheblich mehr, als dies bis jetzt geschieht, durch Verabreichung unschädlicher Getränke an die Arbeiter diese davon abhielten, Schnaps zu sich zu nehmen und damit ihren.Körper zu schwächen, sowie die Aufmerksamkeit, die namentlich bei der Bedienung von Maschinen ständig erforderlich ist, erschlaffen zu lassen."; Sonst ist alles in„bester Ordnung", Es gibt nur Leute, welche andere Gedanken und Ansichten über die..Landslncbt. Dienstboten. vvt" auf dem Lande haben, welche auch die Ursache der Kinder- vuötzeutung feig soll. Hu© der Partei. Aus den Organisationen. Ter Bericht des ParteiselretariatS für Oldenburg und O st f r i e S l a n d für da» vierte Quartal 1000 beschäftigt sich ein- gehend mit den Erfolgen der Sozialdemokratie bei de» Kommunal- mahlen in dieser Zeit. Außer dem großen Erfolge im Amte R ü st r in g t n errang die Sozialdemokratie in O st e r n b u r g so- wohl im Gcmeinderat wie im SchulauSschusse die Mehrheit. In D e l in e n h o r st wurden bei der Verhältniswahl fünf Genossen in den Siadtrat und vier in die SiadtgebietSvertretung gewählt. Drei Genossen wurden zum ersten Male in HaSbergen, einer in Varel in den Stadtrat gelvählt. In O l d e n b u r g wurden in die Stadtgebietsverlretung vier Genossen, in W a r f leth, Schortens und Sande die Kandidaten der Arbeiterkoinnmnalvereine, meist Partei- genossen gewählt. Ein erheblicher Stimmenzuwachs ist in allen Orten zu verzeichne». Jugendorganisationen wurden in Oldenburg-Osternburg und D e l ni e n h o r st neu- gegründet und entwickeln sich gut. Die wissenschaftlichen Vortrags- kurse des Genossen Jul. Borchardt- Berlin erfreuten sich aller- ort? guten Besuches und haben sehr angesprochen. Die Mitglieder- zahl in den drei oldenbnrgischen und dem 1. und 2. hannoverschen ReichStagswahlkreise stieg auf 5226 männliche und 1082 weibliche; gegen das vorige Ouartal mehr 80 männliche und 75 weibliche Mitglieder. Die Generalversammlung deS Sozialdemokratischen Vereins für den Wahlkreis Schaumburg-Lippr am Sonntag war von 16 Delegierten ans nenn Orte» beschickt. Die Mitgliederzahl ist durch die Krisi« in der Glasindustrie im zweiten Halbjahr 1900 trotz vieler Renaufnahmen und Gründung eines neuen Ortövercins nur von 286 auf 296 gestiegen. Die Einnahme betrug 073,86 M.. die Ausgabe 350,15 M. Der Beitrag wird ab 1. April von 20 ans 30 Pf. erhöht. Der Verein soll in Bezirke geteilt und in den Mit- gliedervecsammlnngen sollen mehr Vorträge gehalten werden, um der konservativen Agitatio» im Reichsverbandsstil besser entgegen- wirken zu können. polireilrebes» Gerlebriidies ukw. Ein Nachspiel zum Königsberger SchandsLulenprozesi. Am 14. August vorigen Jahres wurde Genosse Markwalv auS dem A l l e n st e i n e r Gefängnis entlassen, in dem er seine li4jährige Strafe wegen Beleidigung verbüßt hatte. Auf dem Königsbevger Bahnhof fand sich eine Anzahl Genossen zum Empfange ein, die, als sie Markwald begrüßt hatten, nach dem Parteilokale gehen wollten. Nach Ansicht der Polizei soll dies in geschlossenem Zuge geschehen sein. Tie Polizisten versuchten, den Zug zu zerstreuen, was große Auflegung verursachte. Bei dieser Gelegenheit soll Genosse JodieS einen.Schutzmann mit einem Stock gefchlagen, und sich, als er arretiert werden sollte, des Wider- ftandcs gegen die Staatsgewalt schuldig gemacht haben. Genosse G o t t s ch a l k, der Vorsitzende des Sozialdemokratischen Vereins, soll versucht haben, den JodieS zu befreien. Auch sollte er den von der Polizei nicht genehmigten Aufzug geleitet und dadurch gegen das Vereinsgesctz verstoßen haben. Dem Genossen Markwald tvar bekanntlich ein kleiner Blumen- Strauß von einem Schutzmann gewaltsam entrissen worden. Gott- chalk soll dieses Verhalten des Polizisten in einer Volksversamm- ung als ein„stratzenräuberisches" bezeichnet haben. Wegen dieser Vergehen hatten siä> die beiden Genossen am Dienstag vor der Königsberger Strafkammer zu verantworten. Zu der Verhandlung ivaren 28 Zeugen geladen. Es wurde durch Zeugenaussagen festgestellt, daß JodieS von Schutzleuten miß- handelt worden flt. lieber die ihm zur Last gelegten Vergehen wurden die widersprechendsten Angaben gemacht. Er selbst be- hauptete, mit seinem Stock nur herumgefuchtelt zu haben! Möglich sei. daß er dabei jemand getroffen habe. Von einer absichtlichen Körperverletzung könne keine Rede sein. Gottschalk erklärte, daß er den Aufzug nicht geleitet und sich nicht des Versuchs der Ge- fangenenbefretung schuldig gemacht habe. In der Versammlung habe er nur auf einen Zuruf„Straßenraub" gesagt. Die Angabe wurde von zwei Zeugen bestätigt, während der Polizeikommissar und oin bürgerlicher Berichterstatter erklärten, der Angeklagte habe das Verhalten des Polizisten als stratzenräuberisch bezeichnet. Der Staatsanwalt beantragte gegen JodieS 6 Monate und eine Woche, gegen Gottschalk insgesamt 6 Monate Ge- f ä n g n i s und 100 M. Geldstrafe. Das Gericht sprach Gott- schall von der Anklage der versuchten Gefangcnenbefreiung und der Uebertretung des VereinSaesetzes frei, verurteilte ihn aber wegen Beleidigung zu 200 M. Geldstrafe. Es bezeichnete die Wegnahme des Blumenstraußes als berechtigt. JodieS»ourde wegen Körperverletzung und Widerstandes zu 2 Monaten und einer Woche Gefängnis verurteilt. Strafvollzug in Preußen. Uever die Behandlung des Genossen Steinkamp, der zurzeit im Gefängnis zu Werl eine zweimonatige Gefängnisstrafe wegen Be- leidigung eine» Reserveoffiziers verbüßt, berichtet das Bochumer „Volksblatt": Während der ersten acht Tage war er im Lazarett bei Krankenkost stationiert; jetzt ist er wieder daraus ent- lassen. Er erhält nun wieder die sogenannte Hauskosi, da der GesängniSarzt erklärt hat, daß er nichts finden könne, waS die Verabreichung von anderer Kost rechtfertigen könnte. Wie bedauerlich der Mangcl an DiagnvstizierungSkunst im Falle unseres Genossen Steinkamp ist, geht aus folgendem Attest hervor, da« sein behandelnder Arzt Dr. GeiSler vor Antritt der gegenwärtigen Strafe ausgestellt hat: Bochum, den 13. Januar 1910. Herr Redakteur Steinkamp leidet seit einiger Zeit an einem nervösen Magenleiden, wodurch er teilweise in seiner Tätigkeit völlig behindert wird. Es treten derartig heftige neuralgische Schmerzen auf, daß sie nur durch starke Morphiumgaben erträglich gemacht werden können. Besonders heftig waren die Anfälle nach Beendigung der Gefängnisstrafe im Novnnber 1908, so daß ich noch in der Nacht in seine Wohnung gerufen werden mußte. gez. GeiSler. Wie dem Bochumer„BolkSblatt" mitgeteilt wird, hat das äußere Aussehen des Genossen Steinkamp sich bereits sehr auffallend ver- schlechtert. Unser Bochumer Parteiblatt bemerkt dazu:„Wir können nur wünschen, daß Genosse Steinkamp unseren Rat befolgt, nötigen« falls de» Beschwerdeweg gegen den Arzt bis zur letzten Instanz durchzuführen."_ Eingestelltes Verfahre». Mit einem Beleidigungsprozeß hatte sich die Elberfelder Straf- kanimer als VerufuiigSiilstanz am Montag zu befassen. Am 12. Juni vorigen Jahres erschien in unserem Solinger Parteiorgan, der „ Bergt schen Arbeiter stimme", ein aussehenerregender Artikel, der sich mit unlauteren Manipulationen der Rasiermesser- fnbrik Gebr. Nückels zu Ohligs bei Solingen befaßte. Die an- gegriffene Firma erhob gegen den verantwortlichen Re- dakteur, Genossen Deisel, Privatklage. Der Beklagte trat vor dem Solinger Schöffengericht den Wahrheitsbeweis an, der ihm auch derart glänzend gelang, daß das Gericht ihn kostenlos freisprach. Hiergegen legte die Finna Bernfnng ein. In der Berufungsverhandlung stellte sich nun heraus, daß der Strafantrag nicht den gesetzlichen Vorschriften entsprach— die Finna als solche halte denselben eingereicht und nicht, wie eS verlangt wird, die einzelne« Teilhaber-» und die Folge war. daß das Ver- fahren auf Kosten der Klägerin eingestellt iverden mußte. Die Klägerin schlug D. einen Vergleich vor. den dieser aber rundweg ablehnte._ Soziale©« (Siehe auch HauptblattJ<. Schutz der nationalen Arbeit. An der Spitze der Grundsätze, die vorn Kaiserlichen Kanal- nrnt für die Beschaffung von Arbeitern für die ErweiternngZ- bauten am Kaiser-Wilhelm-Kanal herausgegeben worden sind, steht der Satz, daß in erster Reihe und vorzugsweise deutsche Arbeiter beim Kanalbau beschäftigt werden sollen. Ein solches Versprecheil ist auch bei der Beratung des Kanalbau- Gesetz- entwurfs im Reichstage vom Mimstertische aus gegeben worden. Wie es mit der Erfüllung dieses Versprechens aussieht, haben wir wiederholt dargelegt. Heute ein weiteres Beispiel. In der in italienischer Sprache erscheinenden letzten Nummer der christlichen Fachzcitung„Der Italiener in Deutschland" (Nr. 144) heißt es unter dem Stichwort:„Wichtige Bekannt- machung": Vorn königlichen Konsul in Kiel erhalten wir folgenden Brief, den wir gern veröffentlichen: Kiel, den 10. Januar 1910. Die Verwaltung für die Erweiterungsbauten des Kaiser- Wilhelm-jeanals teilt dem Konsulat mit, daß die Firma Hermann Bachstein, Bauabteilung Kiel, die Erlaubnis erhielt, italienische Arbeiter zu beschäftigen. Der Unterzeichnete bittet Ew. Hochwohlgeborcn, diese Mit- teilung bei passender Gelegenheit zu veröffentlichen, damit die Vorarbeiter sich darauf einrichten können, diesbezüglich mit der Firma In Verbindung zu treten. Der königliche Konsul. R. Lehment. Die Firma Bachstein hat, wie unseren Lesern erinnerlich, schon vor vier Wochen 6 Schachtmeister und 150 meist ver- heiratete und in Kiel ansässige Arbeiter, die 38 und 40 Pf. Stundenlohn erhielten, entlassen und dafür 2 polnische Schacht- meister mit 100 ausländischen Arbeitern angestellt, die nur 30 und 32 Pf. Stundenlohn erhalten. Nennt das Neichsamt des Innern das Einhaltung eines feierlich im Reichstage abgegebenen Versprechens und„Schutz der nationalen Arbeit"'{_______ Hu© Induftrie und bandet Tantiemen in GaS- und WasserwerkSgesellschafte«. Die Betriebe der öffentlichen Beleuchtung und Wasserversorgung gehören eigentlich in die Hände der Kommunen. Leider sind sie es in der Mehrzahl nicht. Daß die Gas- und Wasserversorgung nicht das schlechteste Geschäft ist, das beweisen die nachfolgenden Angabe» von 16 Gesellschaften. Bei der Kölner GaSgesellschaft, der Bremer GaSgesellichast, der Kontinentalen Wasserwcrksgesellschast und bei noch einigen anderen Betrieben sind mir die Anssichtsratstantiemen eingestellt, daher die verhältnismäßig kleinen tu die Berechnung Summen. Gesellschaften Desiauer GaSgesellschaft.. Wasserwerk Gelsenkirchen... Charlottenburger Wasserwerke.. Frankfurter Gasgesellschaft... Tisch. Gasglühlichigeiellsch. Auer Thüringer GaSgesellschaft... Gesellschaft für Gaöindustrie.. Kölner GaS- und Elektr.-Gesellsch. Magdeburger GaSgesellschaft.. Bremer GaSgesellschaft.... Gasanstalt Gaarden..... Kont. WasserlverkSgesellschaft.. Dtsch. Wasserwerke, A.-G.... Gas- und Elektr.-Gesellsch. Bremen GaS- und Elektr.-Werle Bremen. Rheinische WafferwerkSgesellschaft. Kapitalien in Mill. . 37.7 . 28.— . 20,— 14.7 13,2 10,2 6.2 13,- 4.5 4,— 3.9 3,- 8,5 1,7 0,7 2,2 Tantiemen Reingewinn in Mark 158 766 143 333 187 074 49 228 »44 540 150 597 03 720 41 321 15 636 5 000 15 531 13 125 4 861 8 566 5 079 25 975 3 426 222 2 440 690 2 S32 762 444 637 S 194 620 1340330 437 796 361 000 291 452 196 520 180 861 446 242 66 460 93 312 55 865 270422 1 203 553 16 178,500 im letzten Rechnungsjahre 166.3 Bon 16 Gesellschaften wurden also bei einem Reingewinn von 16 173 390 M. allein 1203 555$7. an sichtbaren Tantiemen gezahlt. Die betreffenden Kom- nrunen würden, wenn sie die Gas- und Wafferversorgung in eigener Regie hätten, die Gewinne einheimsen. Milchvertcuernng. Den MilchpreiS um 2 Pf. pro Liter zu erhöhen, beschloß in einer Generalversammlung in Mainz die Milchproduzentengenossen» schaft RbetnheffenS und Umgegend. Der Vertreter der Milch- Produzenten von Frankfurt und Umgegend gab die Erklärung ab. daß bei einem eventuellen Milchkrieg von Frankfurt keine Milch hierher geliefert werde. Die Preiserhöhung soll auch in Darmstadt und Wiesbaden eintreten. Der Milchhandcl verhält sich ablehnend gegen die Erhöhung. Nach einer Statistik werden nach Mainz tag- lich 52 000 Liter Milch geliefert. Demnach würde die Verteuerung allein für diese Stadt pro Jahr 367 400 M. ausmachen. Der PreiSauffchlag soll ab 1. März Geltung haben. Hoffentlich werden sich die Konsumenten gegen das Altentat aus ihre Taschen energisch wehren. Alle? wird teurer. Mit der bekannten Begründung von der Verteuerung des Rohmaterials hat der HauptauSschnß des Verbandes der dculschen Gwuh- und Schäficfabrikanten in Verbindung mit den Delegierten der Zweigverbände beschloffen, unverzüglich eine weitere Erhöhung der Verkaufspreise für Schuhwaren aller Art durch- zuführen. Keine Kapitalserhöhung. Die Deutsche GaSglsihlich-Akttengesell« schaft(Auergesellschafts hat infolg« der ungünstigen Snfnahme, welche die von der Gesellschaft geplanten Kapitalserhöhungen in Atlionär- kreisen gefniidcn haben, neuerdings beschlossen, von der Erhöhung des Grundkapitals Abstand zu nehmen und die Betriebsausdehimng nur nach Maßgabe ihrer vorhandenen Mittel auszuführen. Mit der Bitte um Veröffentlichung geht uns die folgende Sr- klärung zu: Ich erkläre hierdurch, mit dem in der zweiten Beilage des „Vorwärts" vom 27. Januar 1910 teilweise abgedruckten Briefe an den Syndikus de» Verbandes Deutscher LoSgelvn betreibender, Herrn Leo Joseph, Berlin IV. 30, Luiipoldstr. 02, weder direkt noch indirekt in irgendwelcher Beziehung mit der Veröffentlichung genannten Briefes zu stehen oder in Beziehung gestanden zu haben. Richard Silverstein i HS. Paul Steinberg u. T». ____________ Berlin 0. 34. Hu© der f rauenbeweaunc� Arbeiterinnen in Amerika. Einer Arbeit über amerikanische Arbeiteriiincnverhältnisse in den Vereinigten Staaten(Januarheft der von Dr. Ewald herausgegebenen Jahrbücher) entnehmen wir nachfolgend einige Angaben. Bei einer Gesamtzahl von hmd 23,5 Millionen Frauen ergab die Volkszählung im Jahre 1900 zirka 5 Millionen erwerbstätige Frauen(über 16 Jahre). Diese Angabe bezieht sich nur auf die Union, mit Ausschluß von Alaska und den überseeischen Besitzungen. Von der Gesamtzahl sind 45,8 Proz. über 25 Jahre alt und 01.6 Proz. über 35 Jabre alt. Als„ledige" werden beinahe 2/, der Frauen bezeichnet. 1,75 Millionen oder 86,7 Proz. stammen von eingeborenen lveißen amerikanischen Eltern, während 1,2 Millionen oder 23,2 Proz. der schwarzen Rasse angehöre». In der gewerblichen Gütcrerzeugung, unter Ausschluß kanstnännischer Betriebe und Wäschereien waren im Jahre 1900 rund 1,2 Millionen, etwas weniger als'/« aller ge- zählten Arbeiterinnen tätig; hiervon cntsselen auf die Textilindustrie 0,23 Millionen. Die Zahl der befchästigten Frauen über 16 Jahre in Wäschereien wird mit 0,3 Millionen angegeben, für die Äonfelnons- stoelge mU 0,33 Millionen, die Zahl der Arbeiterinnen in Waren« laden veträgt 0,1t Millionen. Ein Vergleich der boraufgehenden Volkszählung von 1800 mit derjenigen von 1900 lägt für die letzteren zehn Jahre ein unverbälinismnßig starkes Anschwellen der Frauen« arbeit in Handel und Verkehr erkennen, namentlich in Buchhaltung und Kanzlcidiensl. Auch auf dem Gebiete der persönlichen Dienste. auster dem Hauswefc». hat die Frauenarbeit erheblich zugenommen. In den Gewerben hat dagegen die Frauenarbeit, mit Ausnahme der Lederindustrie, weniger starke Fortschrilte gemacht. In dem er- wähnten Artikel sagt der Verfasser:„Es unterliegt wohl keineni Zweifel, dast die Frau seither in den Schreibstuben und ähnlichen eine Mittelfchulbilduug erfordernden Beschäftigungen das männliche Element weiter verdrangt hat. Auf eine Zunahme der Frauenarbeit in der eiaentlicheil gewerblichen Erzeugung wird aus der Tatsache zu schliesten sein, dast in den Vereinigten Staaten die Löhne mit der allgemeinen Verteuerung der Lebenshaltung in den letzten Jahren nickt Schritt gehalten haben und die Industrialisierung des Landes mächtige Fortschritte macht._ Die ArveitSZmter veranstalten in einzelne« Staaten fortlaufend !en bei den Gewerbetreibenden. Aus einen, Bericht von __________ ettS für daS Jahr 1907 wird folgendes mitgeteilt: In 5071 Betrieben waren nach dem Jahresdurchschnitt b39 9S2 Personen tätig, darunter 172 Sil weibliche. 102 42ö Personen— 48 323 Frauen — entsallen auf die Baumwollindustrie. Austerdem sind Frauen in grösterer Anzahl in der Schubfabrikalion(26 622), in der Bekleidung?» »ldusirie(11 545), in der Erzeugung von Woll- und Wirkwaren (20 797) beschäftigt. Der für 1910 in Aussicht genommene Zensus soll die gewerb- llchen Verbäitnisse auf Grund besonderer Feststellungen für die einzelnen Zählbezirke berücksichtigen. Austerdem hat die Bundes- regierung mit einem Auswand von 300 000 Dollar in den beiden letzten Jahren eine Untersuchung über den gesamten gegenwärtigen Stand der Arbeit von Frauen und jugendlichen Personen eingeleitet. Die Ermittelungen sind abgeschloss-'n, jedoch ist eine Veröffentlichung de« Ergebnisses nicht vor Milte 19l0 zu erwarten. Die Behörden haben sich bei dieser Arbeit in weitem Umfange die Beihilfe privater sozialer Vereinigtmgeit gesichert. Die Arbeiten der einzelstaat« lichen Arbeitsämter, sagt der Verfasser, verdienen nur zum Teil Vertrauen. Neben Arbeitsämtern mit einem Stabe sachverständiger und erfahrener Statistiler, wie in Massachusetts und New Dork, finden sich solche, die unzureichend besetzt sind oder deren Tätigkeit politischen Einflüffen unterliegt. Bis 1909 haben 32 von den 46 Staaten solche Aemter errichtet. Einzelne dieser Behörden umfassen auch die Gewerbeaussicht und erledigen statistische Aus- gaben. Die Ergebnisse der Volkszählung von 1910 und die letzten tählungen über den Stand der Frauenarbeit in den Vereinigten taaten werden jedenfalls noch imeressantcre Vergleiche bieten, als die der vorausgegangenen Zählungen. Versammlungen— Veranstaltungen. Beriand der Hausangestellten. Donnerstag, den 3. Februar, 8V3 llhr: Mitgliedervcrsanrmlung i» den„Jndustrie-Festsälen", Beuth- strahe 20 L Vortrag, Genosse G. Schmidt:„Die Eniwickelung der Gewerkschaftsbewegung". 'ZoMMvIiMciiei'ÄMmlii iär den |4. Berliner Refclistiigs-Vatilkreis. Äöpenicker Viertel. Bezirk 183. Den Mitgliedern zur Nachricht. dag unser Genosse, der Bild- Hauer VVsläemar Böttcder gestorben ist. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet am Freitag, den 4. Februar, nach- mittags Z>/, Uhr, von der Leichen- Halle des Zentral-FriedhoscS in Friedrichsfelde aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Der tür 6 en 4. Berliner HeieiistagswaiiH Görliher Viertel. Bezirk 177. Den Mitgliedern zur Nachricht. dafi unser Genosse, der Milch- Händler Zrämsnn kickter Rcickcnberger Str. 43 gestorben ist. Ehre seinem Andenke«: Die Beerdigung findet am Frei- tag. den 4. Februar, nachmittags 3'/, Uhr, von der Leichenhalle des Eunnaus- Kirchhofes in Rixdors, Hermannstrahe, an? statt. Itei» Vonnt»»«!. SozialdemokratiscIierWaiilvereln des i ßerl. Relcfistags- Wahlkreises. Todes- Anzeige. Am 31. Januar verstarb unser Mitglied, der Maurer �atoa potr?eba Bergstr. 27. Ehre seinem Andenke«! Die Beerdigung findet morgen Freitag, den 4. Februar, nach« mittags 2 Uhr, von der Leichen- halle des St. Golgatba-Kirchhoses. Bai susftrage, aus statt. Uni rege Betelligung ersucht 221/15 0er Vorstand. ZeM-lleM der Hairer Deilstlinäs. Bezirk Oranienburger Vorstadt. Den Kollegen zur Nachricht, baß unser Mitglied Pofrzeba am 31. Januar verstorben ist. Ehre seinem Audenke«: Die Beerdigung findet am Freitag, den 4. Februar, nachm. 2 Ubr, von der Leichenhalle des st. Golgaiha-Friedhvscs, LarsuS- straste, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 18S/S Der Borstand. iSoziaMeniokratlsctierWaiilTerein dos |6. Beri. Reiehstags-Waiilkreises. Todes- Anatel*®. Am 30. Januar verstarb unser | Mitglied, der Maler Otto Zensor Bcrlichlngrnstr. 11. Ehre feinem Andenken: Di« Beerdigung findet heute, Donnerstag, den 3. Februar, nach- mittags 3'/. Uhr, von der Leichen- Halle des HcilandS-KtrchhoseS in I Plätzenice aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 1224/16 Dop Vorsinnd, SozialtiEniokrat. WabMn Hixdorf. Den Parteigenossen zur Nach. unser Mitglied, der rieht, dost Kiwferschmicd Jakob Beyer (11. Bezirk.) verstorben ist. Ehre seinem Andenke«: Die Beerdigung findet heut« Donnerstag, nachmittags 4'/, Uhv. Htm der Halle des neuen Jukodi. Kirchhofes(Herniannftr.), anö statt. Um rege Beteiligung ersucht 234/5 Der Borttao». Soziaiiieniokral KreiswaSiiverein Nieder-Barnlm. Bezirk Reinickendorf-West. Am 1. Februar verstarb unser Mitglied, der Stelndrucker Vckard Fischer. Ehre feinem Andenken: Die Beerdigung findet am Freitag, den 4. Februar, nach- mittags 4 Ubr, von der Leichen- alle deZ hiesigen Gemeindefried. oseS, Humboldtswahe, aus statt. Die Bezirksleitung. Übe! Inventur»Verkauf Danksagung. Allen Freunden und Genossen, die meiner Frau die letzte Ehre erwieaen, ebenso kür die reichen Kranzspenden sage ich hiermit herzlichsten Dank. DOlb Johannes Kantinann. Hiermit die traurige Nachricht, daß mein geliebter Mann, unser guter Vater, Schwiegervater und Grotzvater IS/iS Christian Rieske im 63. Lebensjahr« nach kurzem, schwerem Krankenlager verstorben ist. Die Beerdigung findet am greiiaanachmittag 3'/, Uhr von der Lelchenballe der Hellig-Kreuz- Gemeinde, Maiicnboii, au» statt. Dies zeigen tiesbetrübt an Oie trauernden Hinterbliebenen. Am 1. Februar verstarb nach langen schweren Leiden meine liebe Frau b19b Anna Spang geb. Protz. U« stille Teilnahme bittet Karl Spang, Caprivtstr. 3. Die Beerdigung findet Frrttag. den 4., nachmittags 4 Uhr. aus dem neuen Jakobi-Kirchhose, Rix. dors, Hermannstrage, statt. Zill betleuteoli herabgesetzten Preisen bis 13. Februar 1910. ■. Beslchtigang ohne KaaTznang erbeten. 1. Gekaufte Möbel können bis zum Abrät kostenfrei lagern. GeöfTnet wochent. von 8-8, SonntnKS Otto Schmidt@ Meli Möbel- Magazin N„ Gartenstr. 52 am Gnrtcnplntz. Cegf.!871— Fernspr. Ami III, 9341 41701. Möbel Für die herzliche Teilnahm« bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unseres lieben ÄaterS, GrofivaterS und Schwiegervaters, des Herrn fitarl Becker sagen wir allen, insbesondere dem Deutschen Holzarbclter-Vcrbande und den Sängern, herzlichen Dank. Witwe Pauli ue Bocker 41686a_ iiebsl Kindern. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahine beim Htnlcheiden tmeweS lieben Mannes, sdeS SleiiidruckerS liarl Flachsbart lag« ich hiermit allen Kollegen, Freunden und Bekannten herzlichsten Dank. 504b Prau Berta Plachsbart. Sage hierdurch allen Berwandten und Bekannten sowie den Kolleginnen und Kollege» In der 81. E.-G.. serner dem TranSvortarbciter- Verband sür die Teilnahme und Kranzspenden meinen innigsten Dank. bObb Witwe Reuter nebst Kindern und Bruder. Nur einmal jährlich Inventnrpreis! reichgestickte solide lüsch- P ortleren Fenster Mark 835 M. Filztuchportieren mit allerliebst. Stickerei auflagerest". Lambrcquins I" gÄtflüschtischdeck. 78S Teppicli-Spezlalhaus Emil Lefevre Oranienstr. 158. Berlin S._ Nach auswärt« per Nachnahme. Inventur u.l Extraliste mit ca. 600 lllustrat. gratis und franko 44 eigene Dampfer Essen Sie Seefische! Vier Pfand Fleisch fflr I Mark! 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Gänsebrust Pfund 1.45, Pommpr£und 2.00 WiSduGeflügel Rothirsch und Wildschwein Rücken Pfd. 75f Keulen Pfd. 7 5 PI. Blatt Pfd. 55, Ragout Pfd. 20 Pf. Schneehühner........ 90 pl Hasen g..tr.i£t........... 3.45 Suppenhühner.. 1.65, 1.85 Brathühner..... 1.50, 1.80 Puten............. p�d 70pf. Ganse gefroren........ Pfund 53 PL Südfrüchte Apfelsinen Dm. 20, 35, 50 pl Zitronen......... vm. 20, 30 pl Sckalenmandeln.... Pfund 75 pl Traubenrosmen.... PLmd 60 pl Feigen............. Kiste 35 pl Tafel-Äpfel....... Pfund 20 pl Sprotten....... Sprottbücklinge Kieler Bücklinge Kiste 20 stück 50 pl Kiste 48 Pf. Kiste 35 PL Nur Leipziger und Rosenthater Strasse: Rinderfilet. pu 1.00,.. p j 1.60 RoaStbCCf. Pfd. 90 Pf., ot.. Knocb». Pfd. 1.25 Rinderzunge Mdu........... pfd 1.20 Kalbskeule u. Rücken->». 1.00 1„ 1.20 Hammelkeule u. Rücken P(d.75,«->-!>« 85 pt Frischer Schinken... ptd. 75 u. 80 pt Schweine-Kotelette Pfd. 95 Pf. Scwben 1.00 Rückenfett u. Liesen...... pu. 75 pf. Seefische Kabeljau P(J. 15,"w25 Pf. Seelachs p« 1 5,"w« 25 Pf. Schellfisch � 20,-30?> Rotzungen•• p(«.j 45 pt MD Snantmortlichei RÄakteur Richard Barth, Berlin. Zur den Inseratenteil verantw�: Th. Glocke, Berlin. Truck u. Verlag: Borwärt? Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer St Co, Berlin SW. Nr. 38. 27. Iahrgaug. 2. Kcilxgk iw„öotiirls" Kerlim öollislilatt. Dotlnerslag. 3. ithmt 191(). Partei- Angelegenheiten. Zweiter Wahlkreis. Sonntag, den 6. Februar, abends k Uhr, findet für die Mitglieder der fi. Abteilung bei Habel, Berg- mannstr. ü/7, ein Familicnabend statt. Vortrag der Genossin Luise Zieh. Nachger Tanz. Ferner findet am Sonntag, den 6. Februar, abends 6 Uhr, für die Mitglieder der 7. und 8. Abteilung bei Rabe, Fichte- strabe29, ein gemütlicher Abeud statt. Vortrag des Stadtverordnete» Redakteur Karl Leid über:»Fürsorgeerziehung Nachher Tanz. Senzig lKreiS Teltow). Am Sonntag, den 6. Februar, nach- mittags 3 Uhr, findet im Kührischen Lokal eine Volksversammlung statt. Tagesordnung:„Unsere nächsten Genieindewahlen", Referent Genosse Heim. Reichert-Mariendorf. Dislussion. Berliner JVachricbten. Waisenvcrwaltuug und Fürsorgewesen. Unter der Spitzmarke:»Ein grelles Schlaglicht auf unser Für sorgewesen" nahmen wir in unserer Nummer vom 25. Januar unter Vorbehalt Notiz von einer Lokalmeldung, nach der die 17jährige Charlotte 23.. die mit dem 2l jährigen Otto M. verlobt war und in den nächsten Tagen Hochzeit machen wollte, von der Polizei abgeholt und in Fürsorgeerziehung gebracht wurde. In der Meldung bieg es, dag die W. in früheren Jahren sich nicht besonders gut gesührt haben sollte, daß aber ihre Führung in letzter Zeit tadellos gewesen sei. An diese Mitteilung knüpften wir den Wunsch, zu wissen, wer den Antrag auf Fürsorgeerziehung gestellt habe und warfen die Frage auf, ob die städtische Waisenverwaltung sich den Ueberweisungsbejchlufi angesehen habe, da auch die Stadt Berlin verpflichtet wäre, die Ueberweisungsbeschlüsse des Vormundschaftsgerichts genau zu prüfen und eventuell dagegen zu remonstrieren. Hierzu erhalten wir nun von der Waisenverwaltung ei» längeres Schreiben, unterzeichnet„Im Auftrage: Voigt", dessen Inhalt charakteristisch ist tür den Geist, der an gewissen Stellen der Waisen- Verwaltung in puncto Fürsorgeerziehung herrscht. Wir wollen von der im vorliegenden Falle gänzlich unzulässigen Berufung auf das Preggesetz gar nicht reden, wir würden das Schreiben ganz ab- drucken, wenn es auch nicht genau dem Presjgei'etz entspräche, dafür aber die Grenzen einhielte, die eine gewissenhafte Zeitung in ihren Veröffentlichungen sich stecken muff. Das Schreiben be- gnügt sich nicht mit dem Hinweis, dasi die Gründe für Ueberweisung deö Mädchens in Fürsorgeerziehung in ihrem sittlichen Verhalten zu suchen sind, daß ferner das Fiirsorgeverfahren von Amts wegen eingeleitet worden ist, daß nach Lage des Falles die Waisen- Verwaltung keine Beschwerde gegen den Gerichtsschlutz eingelegt hat— auch die Eltern nicht— und dieser Beschlust bereits am 15. Juli 1909 rechtskräftig geworden ist, sondern schildert das sittliche Ber hallen des Mädchens in eingehender Weise. Anscheinend aus Grund des Ueberweisungsbeschlusses wird dargelegt, welcher Art die sittliche Verwahrlosung ist, deren das Mädchen beschuldigt wird, und dast die Angaben der Eltern, der Bräutigam werde daS Mädchen heiraten, nicht geeignet seien, die beschlossene Fürsorgeerziehung abzuwenden. Wir wollen ganz davon absehen, ob in der Tat alles, waS in dieset» Schreiben enthalten ist, bewiesen ist; wir wissen eS nicht, und wollen keineswegs für das uns ganz unbekannte Mädchen eine Lanze brechen— wir wissen aber aus unserer Erfahrung, dast man nicht alles, was in den Ueberweisungsbeschliissen steht, für bare 'Münze nehme» darf, und dast auch in dem uns zur Veröffentlichung zugegangenen Schreiben stark mit Vermutungen gearbeitet wird. Die an uns gerichtete Zumutung auf Veröffentlichung erinnert stark an die Vorgänge in Mielczyn, gelegentlich deren Erörterung in der Presse Mitteilungen aus den Akten von Fürsorgezöglingen ver- öffentlicht wurden, die eine Brandmarkung der betroffenen Fürsorge- zöglinge bedeuteten. Gegen ein derartiges Verfahren müffen wir uns ganz entschieden wenden und wir bedauern, dast man in der Waisenverwaltung gar kein Gefühl dafür zu haben scheint. Durch die Uebertragung des Dezernats der Waisenverwaltung auf den Stadtrat Düring durch den Oberbürgermeister glaubten wir hoffen zu können, dast endlich in unsere Waisenverwaltung ein neuer Geist einziehen werde: noch icheinen aber die alten Geister nach wie vor— nicht zum Nutzen der städtischen Verwaltung— bestimmenden Einflutz auszuüben._ Der Botanische Garten und die Stadt Berlin. Der Magistrat teilt mit: In der Oeffentlichkeit wird in jüngster Zeit wiederholt darüber Klage geführt, dast der Baumbestand des ehemaligen Botanischen Gartens zurzeit von den Pächtern des Geländes wenig pfleglich behandelt werde, dast die Stadt hier um Pacht zu erzielen, den Park verwüsten lasse, den sie später neu werde schaffen müssen. Demgegenüber muh bemerkt werden, dast die Stadl das fragliche Gelände nicht verpachtet Hot, sondern der Fiskus; dast die Stadtgemeinde noch gar nicht Eigentümerin ist, dennoch aber schon jetzt ihr Augenmerk daraus gerichtet hält, dast dem wertvollen Baumbestande kein dauernder Schaden geschehe. Im übrigen liegt das Geld für die Bezahlung des erworbenen Parkes bereit. Die Verinessungsarbeiten sind erfolgt und die Stadtgemeinde wartet nur daraus, dast ihr das zum Park be- stimnite Gelände geräumt und frei von allen baulichen Anlagen baldigst übergeben werde. Es steht zu erwarten, dast diese Uebergabe in den nächsten Wochen erfolgt. Jedenfalls hat die Park- depulation bereits in den neuen Etat Mittel für die Instandsetzung dieser Anlagen eingestellt und es wird eine der ersten Aufgaben des neuen GartendirektorS sein, den Plan für die Anlage festzustellen. Die Parkdeputation hat ihre Zustimmung zu weiteren Verpachtungen von Teilen des Geländes abgelehnt. Allgemeine Städtebau-AussteUung 1910 in Berlin. Wie uns von der Leitung der„Allgemeinen Städtebau-Aus- stellung 1919 in Berlin"(Miarchstr. 9) mitgeteilt wird, will das Ministerium für Landwirtschaft die Ausstellung mit dem Be- bauungsplan für das Grunewaldgelände an der Döberitzer Heer- straste beschicken. Es wird auf diese Weise einem weiteren Publi- kum Gelegenheit gegeben, in der viel erörterten Frage der Be- bauung des genannten Geländes aus eigener Anschauung heraus Stellung zu nehmen. Der Finanzminister wird die Ausstellung durch die StadlerweiterungSkommission in Posen mit einem Gips- niodell des umfangreichen Posener StadterweiterungsUnternehmens und der daran anschliestenden Solatscher Villenkolonie beschicken lassen. Von England aus hat sich der bekannte Architekt und Städtebauer Raymond Unwin, der gerade kürzlich ein umfassendes Werk(To�'n-planing in praetiee) über die Praxis des modernen Städtebaues veröffentlicht hat, freiwillig erboten, die Sammlung des englischen Materials für die Ausstellung zu leiten. Auch eine große Gesellschaft englischer Architekten hat bereits in corpore ihren Besuch der Ausstellung für den 7. Juni bei dem Ausschutz- mitgliede Professor Ebersiadt angemeldet. Von Boston(Massachusetts) wurde der Leitung der Ausstellung wertvolles Material angeboten zur Illustration der weittragenden städtebaulichen Arbeiten, die im Jahre 1909 von einer vom Stagt Massachusetts eingesetzten Kommission für die städtebauliche Eni- lvickclung von Grotz-Boston abgeschlossen worden sind. Aus der besten der Welten. Der Polizeibericht meldet:„Wegen andauernder Stellungslosigkeit vergiftete sich vorgestern nachmittag der 39 Jahre alte Kanzleigehülfe Paul R. iu einem Schanklokal in der Strautzberger Straße mit Ilietzwurzkraut. Gäste riefen einen Schutzmann, der den bereits Bewußtlosen in einer Droschke nach dem Krankenhause Am Friedrichshain transportierte, wo er auch Aufnahme fand.— In den Anlagen des Belleall ianeeplatzes vergiftete sich vorgestern abend der 29 Jahre alte wohnungslose Krankenpfleger Walter S. mit Salzsäure. Man schaffte ihn in einer Droschke nach der Hilfswache am Tempelbofer Ufer und dann nach dem Krankenhause" Am Urban. Nach einem bei ihm vor- gefundenen Briefe ist der Beweggrund in völliger Mittellosigkeit, hervorgerufen durch Nerven-, Augen- und Ohrenleiden zu suchen. — In der Bedürfnisanstalt auf dem Blücherplatz wurde vorgestern mittag der 27 Jahre alte wohnungslose Arbeiter Gustav M. mit durchschnittenen Pulsadern von der Wartefrau aufgefunden. Man brachte ihn nach der Hilfswache und nach der ersten Hilfeleistung nach dem Urban-Krankenhause. Auffindung von Leichenteilen der ermordeten Arnholz? Der Fund eines Leichenteiles ruft die schaurige Bluttat wieder iu Er- innerung, die Ende November oder Anfang Dezember an der Prostituierten Anna Arnholz verübt wurde. Am 4. Dezember fanden Schiffer oberhalb der Michaelbrücke in einen: Paket den oberen Teil eines menschlichen Rumpfes. Am 7. Dezember morgens kamen auf dem Tenipelhofer Felde, in der Nähe der Schullheist- brauerei, zwei weibliche Arme zum Vorschein, die in Kleidungs- stücke u. a. ein Jackett eingewickelt waren. Dieses Jackett führte zur Ermittelung der Person der Toten, der Anna Arnholz. Alle Nachforschnngen nach weiteren Leichenteilen, die im gröstlen Umfange auch mit Spürbunden angestellt wurden, blieben erfolglos. Erst gestern mittag fand man um 12 Uhr im Rixdorfer Stichlanal in der Nähe der Elsenstraste einen weiteren Körperteil, der zu den anderen zu gehören scheint, wenn das auch noch nicht bestimmt fest- steht. Es ist ein weibliches linkes Bein, von der Hüfte bis zum Knie. Daran befinden sich noch einige innere Körperteile. Der Fund wurde nach Berlin in das SchauhauS gebracht und wird hier von den Gerichtsärzten Dr. Slörmer und Dr. Strauch genauer untersucht werden. Die Kriminaltomlnissare, die diese Angelegen- heit bearbeiten, haben sich mil Beamten nach dem Fundort begeben, um dort weiter nachzusuchen. Eine weitere Mincilung besagt: Vor der Elsenbrücke im Rixdorfer Kanal steht ein dreieckiger Schutzkasten, der ans schwere» Pfählen und Bohlen errichtet ist, damit die Kähne nicht gegen den Brückenpfeiler treiben können. In diesem Abschlag steht das Wasser etwa einen Meter tief. Vorgestern hatten Leute der Schiffahrtspolizei hier das Eis gelockert und zerschlagen, so dast das Wasser wieder frei flieste» konnte. Gestern mittag fanden nun zwei Arbeiter an dieser Stelle, unmittelbar am Brückenpfeiler nach der Seite des Weigandufers zu dem Oberschenkel, der mit derselben Packschnur verschnürt war. wie der Rumpfteil, der am 4. Dezember v. I. oberhalb der Michaelbrücke aus der Spree herausgefischt wurde. Dieser Oberschenkel ist vermutlich an der Fundstelle selbst, wahrscheinlich von der Brücke aus in das Wasser geworfen worden. Nach den Untersuchungen, die die Gerichtsärzte gestern nachmittag im Schauhause anstellten, handelt eS sich ohne Zweifel um eine» Oberschenkel der ermorderten Anna Arnholz. Das Beinstück reicht vom Knie bis etwas über das Kugelgelenk hinaus. Oben ist eS etwas roh abgeschnitten, im Kniegelenk dagegen glatt. Hier ist nur ein kleiner Schnitt vorbei- gegangen. Der Oberschenkel hat nach dem Befund mindestens sechs Wochen im Wasser gelegen, es können aber auch acht Wochen ge- wesen sein. Der Oberschenkel ist also wahrscheinlich um dieselbe Zeit in das Waffer geworfen worden, wie der Rumpfleil. Das Papier in dag er eingewickelt gewesen ist, ist dasselbe braune Packpapier das sich in kleinen Fetzen auch noch an dem Rumpfteile befand. Die Verichnürung ist mit der zweistränigen Packschnur auch an dem Oberschenkel sachgemäß ausgeführt worden. Es zeigt sich auch hier eine regelrechte Paketverschnürung dcS ziemlich langen und schweren Leichenteils. Die Schlustverknotung endet in einer Schleife. Die Unterschlagungen des Kirchenrendanten der Nazareth- Kirchcngemeindc, RechnungSrateS im Finanzministerium, Eberhard B o st, werden nun Ende dieser Woche daS Schwurgericht beschäftigen. Post wird be- schuldigt, die Nazareth-Kirchengemeinde durch Unterschlagungen um etwa 14 999 M. geschädigt zu haben. Post, ein noch nicht 59 jähriger Mann, verwaltete als Rendant der Gemeinde im Ehrenamt leit vielen Jahren deren Kirchen- und Friedhofskaffe. Zur Aufbewahrung der Kirchcngelder und Wertpapiere stand ihm in feiner Wohnung ein Geldschrank zur Verfügung. Schon im Mai vorigen Jahres sollte die Kasse zur Abführung des Geldes geprüft werden. mehrere hierzu angesetzte Termine wurden jedoch durch den Angeklagten vereitelt, der angab. daß er in seinem Haupt- amr so stark mit Arbeiten überhäuft sei, dast er die Abrechnung noch nicht habe vollenden können. Als am 16. Juni Pfarrer Neu- bauer mit zwei Revisoren erschien, um Bücher und Kasse zu prüfen, war Post nicht zu finden. Ein Schlosser wurde herbeigeholt, der Geldschrank geivaltsam geöffnet und alsdann festgestellt, dast statt einer Summe von etwa 14 999 M., die vorhanden fein mustten, nur 299 M. vorhanden waren. Vost war flüchtig geworden. Es wird behauptet, daß die Kirchengelder ihren Weg zu Rennbahnen und Spieltischen gefunden haben und zum Teil auch durch verfehlte Spekulationen des Rendanten verschlungen worden seien. Vost hat sich schließlich der Behörde selbst gestellt. Er wird sich am nächsten Soimabend vor dem Schwurgericht des Landgerichts III zu vcrant- Worten haben._ Ein schwerer Straßenbahnunfall ereignete sich am gestrigen Mittwoch gegen 19 Uhr vormittags in der Kaftanien-Allee. An der Ecke der Schwedter. Straste versuchte der in der Kastanien Allee 88 wohnhaste Tischlermeister Otto Fischer den Motorwaggon Nr. 2387 eines Stratzenbahnzuges der Linie 57 während der Fahrt zu be- steigen. Er kam zu Fall und geriet dabei mit dem linken Fuß unter den Schutzrahmen des Anhängewagens. Der Fuß wurde dem Bedauernswerten buchstäblich abgeguetsckst. In besinnungslosem Zustande wurde der Verunglückte nach dem Lazarus-Krankenhause übergeführt, wo auch starker Bluterguß im rechten Kniegelenk und schwere innere Verletzungen festgestellt wurden. Der Zustand des Tischlermeisters ist bedenklich. Ein Zusammenstoß zwischen einem Straßenbahnwagen'und einem Arbeilsfuhrwerk ereignete sich gestern nachmittag gegen 3 Uhr am Savignyplatz. Der Arbeitswagen wurde von dem Motorwagen angefahren, und zwar mit solcher Wucht, dast der Kutscher von seinem Sitz herabgeschleudert wurde. Er erlitt einen Bruch des rechten Armes, erhebliche Hautabschürfungen im Gesicht und an- scheinend auch innere Verletzungen.— Ein Zusammenstost zweier Straßenbahnwagen trug sich gestern in der Hasenheide zu. Dort fuhr der Motorwagen Nr. 2343 der Straßenbahnlinie 15 aus einen a» der Ecke der Fichtestraste haltenden Zug der Linie 89 mit solcher Wucht auf, dast dem angefahrenen Wagen der Vorderperron stark beschädigt und eine Seitenscheibe zertrümmert wurde. Am dem Motorwaggon der Linie 89 wurde die Türscheibe eingedrückt und die Schutzweste beschädigt. Glücklicherweise kamen die Fahrgäste, die bei dem Anprall von den Plätzen geschleudert wurden, mit dem Schrecken davon. Ein Bücherschwindlerpaar, daS seit einiger Zeit Berlin und die Vororte heimiuchte, ist gestern auch in Pankow aufgetreten und hat mehrere Oberlehrer geprellt. Der Mann und die Frau, die getrennt vorgehen, überreichen in den Wohnungen der Oberlehrer, wenn diese selbst nicht zu Hause sind, ihren Angehörigen oder Angestellten ein Paket, das wertvolle Bücher enthalten soll, behaupten, diese seien bestellt und legen eine Quittung über 6,59 M. vor. In der Regel wird das Geld gezahlt. Später ergibt sich aber, daß das Patct nur irgend ein werlloses altes Buch enthält. Die Ouittuilgen tragen die falsche Unterschrift E. Globig, Karlstraste 6/7. Die Schwindler sehen aus wie Bolen. Der Mann, der etwa 25 Jahre alt sein mag und dunkles Haar hat, trägt ein Augenglas. Schutz vor Schutzleutel?. Ueber einen Vorfall, der so recht das eigenartige beleidigende Vorgehen der Polizei schildert, wird uns von einer Aerztin gemeldet. Sie' schreibt:„Dienstagabend 11 Uhr ging ich mit Frau K. und deren 14jähriger Tochter ruhig die Chausseestraste hinunter. An der Ecke Liesenstraste nahmen unseren Bürgersteig und Damm etwa 25 Schutzleute ein, einen schmalen Durchgang dicht am Bürger- steig freilassend. Die Straste war menschenleer; nur neben der SchutzinanilSgruppe auf dem Biirgersteig standen einige Männer, neben der Gruppe auf dein Damm stand der Herr Leutnant, insbesondere befanden sich keine anderen Frauen in der Nähe. Beim Passieren der Schutzleutegruppen fielen ans der Dammgruppe, neben welcher der Herr Leutnant stand, Redens- arten, die von Blicken und Lachen begleitet waren, wie sie nur unflätige Worte auslösen. Ich wandte mich um, in diesem Moment fielen deutlich hörbar die Worte:„Jhr Fosen Mein mehrmaliger Ruf nach dem Leutnant wurde mit aber- maligem Gelächter beider Gruppen aufgenommen. Der Leutnant hörte und sah jedoch nichts. Ich trat zu ihm. berichtete den Vorfall. nannte meinen Namen und verlangte sofortige Fest- stellung der Beleidiger durch Befragen der einzelneu Schutzleute aus seiner Gruppe. Das wurde abgelehnt— abermals freches Hohnlachen— und ich wurde auf den Weg der schriftlichen Beschwerde verwiesen." Wir geben dieser Zuschrift heute ohne jeden Zusatz Raum, erwarten jedoch, dast der Herr Polizeipräsident seines Amtes waltet und erllärt, wie er sich zu einem derartigen Vorgehen seiner Unter- gebenen verhält._ Wege» Sittlichkeitsvergehen verhaftet wurden zwei Männer, die sich an Kindern vergangen hatten. ES sind dies ein Arbeiter namens Karl Thieme. der sich in einem Kieutopp in derjSchlesiscöeu Straste an Kindern verging, und ein 65 Jahre alter Schuhmacher Strastburger, der in feiner Kellerwohnung in der Möckernstraste sich an schulpflichtigen Mädchen vergriff. Ein cllipfchlenswerter Hauswirt. Zu der gestern beröffent- lichten Zuschrift des Hausbesitzers Herrn Schley schreibt uns unser Gewährsmann: Die E.scheu Eheleute haben 2�2 Jahre— nicht 1% Jahr— in dem Herrn Schley gehörigen Hause gewohnt. Dast sie pünktliche Mietezahlcr waren, wagt Herr Schley selbst nicht zu bestreiten. Wenn er deshalb erklärt, er habe bereits am 2. September die Klage angestrengt, so wirkt diese Feststellung nur noch mehr zu seinen Ungunsten. In dem entscheidenden Teil der Klage heistt es:„Beklagte haben die am 1. September d. I. fällige Miet- rate nicht gezahlt. Ich lade daher die Beklagten zu dem von dem Königl. Amtsgericht Berlin-Mitte hierselbst anzuberaumenden Termin zur mündlichen Verhandlung des Rechtsstreites, in welchem ich beantragen werde, die Beklagten kostenpflichtig zu verurteilen, 1. die oben beschriebene Wohnung zu räumen, 2. mir 29 M. Miete zu zahlen, sowie das Urteil für vorläufig vollstreckbar zu erklären. Beweis der von mir vorzulegende Mietkontrakt vom 1. Januar 1967, worin das Räumungsrecht vorbehalten ist, wenn die Miere nicht am 1. Tage jeden Monats bezahlt ist."— Der Eingangs- vermerk beim Amtsgericht Berlin-Mitte trägt den Stempel 3. September 1999, 11—12 Uhr. Danach könnte man ja annehmen. dastjue Ausfertigung der Klageformulare bereits am Abend des 2. September erfolgt sein mag. Die Miete war von Frau E. am Vormittag des 2. September zur Post getragen, da sie am 1. September verreist war, und der Mann die Post- anweisung am Abend vorher geschrieben hatte. Nicht erst als die Leute davon hörten, dast Klage angestrengt werden sollte, ist das Geld zur Post gebracht, sondern die Begegnung mit dem Hauswirt erfolgte, als die Frau E, bereits von der Post kam. Ob Geld, welches rechtzeitig vormittags eingezahlt wird, erst am Abend deS nächsten Tages dem in Berlin wohnenden Empfänger zugeht, kann von dem Schreiber dieser Zeilen nicht beurteilt werden. Viele andere Hauswirte hätten unter diesen Umständen die Klage zurückgenommen. Zcr- würfniffe mit anderen Mietern haben nicht stattgesunden, da- gegen mit den Verwaltersleuten; aber das will manchmal nicht viel besagen, denn es ist eine Tatsache, dast es sich oftmals besser m den Häusern wohnt, wo der Hauswirt selbst Mitbewohner ist, als wenn Verwaltersleute die Vertretung haben. Die Streitig- leiten mit dem Wirt konstruiert sich dieser selbst; er kann nur die herbeigeführte Aussprache wegen Lösung des Kontraktes im Auge haben. Diese sollte anfangs nur erfolgen unter der Vc- dingung. daß die Wohnung zum 1. Oktober anderweitig vermietet wird. Am 27. August war in der Tat ein Mieter erschienen, welcher die Wohnung sich ansehen wollte; diesem ist allerdings von Frau E. erklärt worden, dast sie es erst schwarz auf weist haben müßten, dast sie(E.) vom Kontrakt entbunden sind, sonst könnten sie die Wohnung ja nicht vermieten lassen. Dieser Mieter besichtigte die gleiche Wohnung in einer anderen Etage und mietete die Wohnung auch. Unter dem 29. August teilt dann auch der Wirt per Postkarte mit, dast die Wohnung anderweitig vermietet ist. Damit fällt zugleich die Behauptung des Herril Schley, daß die Verweigerung der Besichtigung Miel- lustigen gegenüber geschehen sei und nur durch Entgegenkommen der Mieter die Besichtigungen vorgenommen werden konnten. Dast die Klage berechtigt gewesen sei, weil die E.scheu Eheleute nicht hätten ziehen und ihm einen Streich hätten spielen wollen. mag Herrn Schley hinterbracht worden sein, wahr wird daS aber durch die Behauptung allein nicht. Dagegen spricht auch, dast die Leute sich nach Entbindung vom Kontrakt nach einer anderen Wohnung umgesehen und anderweitig auch gemietet haben. Will Herr Schley bestreiten, dast es den Richter sehr wunderte, dast er auf einen Räumungstermin bestand und dast endlich Frist bis zum 29. September gegeben wurde? Auf Vorzeigen der Karte, wonach die Wohnung am 1. Oktober dem neuen Mieter zur Ver- fügung gestellt werden sollte, stellte der Richter an den Hauswirt die Frage:„Aber warum denn nun anders." Nun kam der Herr Schley mit seinen Einwänden:„Ja. die Frau steht soviel vor der Tür und hetzt die Mieter auf. Nun soll allerdings, nachdem die RäumunaSfrist bewilligt war. gesagt worden sein, dast sie bis zum 1. Oktober wohnen können, wenn sie sich der Hausordnung fügen. Vernünftig und weitsichtig war eS von den E.schen Eheleuten gehandelt, dast sie freiwillig vor dem 29. zogen. Denn bis dahin konnte ihnen in l t E r f o l g nichts an- gehängt werden, während es nach dieser Zeit zu jeder Stunde geschehen konnte. Die Kosten des Verfahren» sind allerdings nicht erhoben; inwieweit dabei der Umstand mitspielt, dast vor Inkrafttreten des Räumungsurteils die Wohnung geräumt wurde. ist schwer zu sagen. Immerhin konnte dies aber bei Einsendung der damaligen Zeilen an die„Vorwärts"-Redaktion noch nicht voralisgesehen werden. Daß die E.schen Eheleute nicht gleich die Wohnung beziehen konnten, in der sie jetzt wohnen, wird ja Herr Schley inzwischen auch von dem neuen Hauswirt be- tätigt erhalten haben, bei dem er sich danach erkundigt hat. Es bedurfte im Gegenteil recht großer Mühe des Herr»<5.t um Unterkommen in einer anderen als der jetzigen Wohnung zu finden.-- Zum Schluß noch die Bemerkung, daß die E.schcn Eheleute der- Einsendung an den„Aorwärtd" voll- kommen fernstehen. Tie Einsendung erfolgte von einer Person, die es nicht einsehen kann, daß Hauswirte, welche am 2. die Exmissionsklage anstrengen gegen Leute, die Jahre pünktlich ihre Miele Sc zahlt haben, zu den empfehlenswerten g e- ö r e it." Die Freie BolksSühue hielt am Freitag, den 28. Januar, im großen Saale des Geiverkschafishaufes ihre Generalversammlung ab. Nach einem Bortrage des Herrn Hillig-Hambttrg über:„Ein Stück praltischer Kunstpflege" gab der Vorsitzende Konrad Schmidt de» Vorstandsbericht. Er komite mitteilen, daß die im Mitgliederbestand vorhandenen Lücke» so zienilich ausgefüllt sind, nur in einige» Ab- teilmtgen sind noch Plätze frei. Bezüglich der aufgeführten Stücke glaubte Schmidt feststellen zu können, daß die Mitglieder im all- gemeinen zufrieden gestellt worden sind. Die Angelegenheit des VolkSchorS hat noch nicht endgültig entschieden werden können, jedenfalls ist bis zttr Entscheidung von einer Ziiriickiveisuiig der An- zeigen deS BolkschoreS aus den Vereinsheften Abstand genommen worden. Aus dem vom Kassierer Winkler erstatteten Kassenbericht war zu entnehmen, daß einer Einnahme von 82 7-14.07 M. eine Ausgabe von 54064,18®?. gegenüber steht, so daß am 1. Januar ein Kassen- bestand von 8670,04 M. vorhanden war. Auf Antrag der Revisoren wurde dem Kassierer Entlastung erteilt. Im Anschluß an den Vorstandsbericht entspann sich eine längere Debatte über das am 22. Januar gefeierte SOjährig« Stiftungsfest der Freien Volksbühne. Von einzelnen Rednern wurden die dort gebotenen Veranstaltungen, towoh! der Konzertteil wie auch das Festspiel bemängelt. Auch über Ueberfnllung des Lokales wurde geklagt. Im allgemeinen wurde der Wunsch betont, die Per- anstaltungen der Freien Volksbühne auf einer der Vollsbühne würdigen lünstlertschen Höhe zu halten. Arbeiter-Sängerbund und Berliner� Volkschor. Pom Genossen Ernst Zwanzig erhalten wir folgendes Schreiben mit der Bitte um Veröffentlichung:„Bezugnehmend auf die Erklärung des Genossen Göhre in Sachen Berliner Volkschor im„Vorwärts" vom 1. Februar gestatten Sie mir wohl als Antragsteller der fraglichen Rc- solution ein paar Worte der Erwiderung: Die Erklärung des Genossen Göhre steht mit der Wahrheit auf dem Kriegsfuß, wenn er behauptet, daß die Frage deS Anschlusses des Volkschors an den Arbeiter-Tängerbuird zum ersten und ernzigen�Male und auch da nur mehr neben fach- l i ch in der Sitzung des Aktionsausschusses vom 12. November v. I. erörtert wurde. In der fraglichen Sitzung— es handelte sich um Mitwirkung des ChorS beim Kommers anläßlich des Preuhentages, — drehte sich die Debatte fast ausschließlich um den Anschluß des Chors an den Arbeiter-Sängerbund. Die Mitglieder des Aktions- auSschusseS werden mir das bestätigen müssen. Man stellte den Chor vor die Alternative, sich bis zum Preußentage dem Arbeiter- Sängerbunde anzuschließen, anderenfalls man auf seine Mit- .Wirkung verzichte. Derselbe Genosse Göhre, der im„Vorwärts" die mehr oder weniger gewundene Erklärung vom Stapel läßt. machte in jener Sitzung dein Vorstand des Arbeiter-Sängrrbundes geradezu den Vorwurf, daß man mit einem solchen Anliegen nicht schon früher att den Volkschor herangetreten sei, was ihn freilich nicht hindert, jetzt mit den sonderbarsten Ausslüchtcn zu kommen. Wie die im Flusse befindliche„Organisation der Bildnngs- bestrebungen der Groß-Derlincr Arbeiterschaft" einem Anschluß des Chors hinderlich sein kann, bleibt das Geheimnis des Genossen Göhre. Ich meine, gerade durch diesen Umstand und weil unter den momentanen Verhältnissen alles nach Zentralisation drängt, müßte sich auch der Volkschor veranlaßt fühlen, der bestehenden Zcntralorganisation, eben dem Arbeiter-Sängerbunde beizutreten. Wenn Genosse Göhre ferner behauptet, saß der Sängerbund die ihm angeschlossenen Vereine„geradezu zu gemeinsamen Uebun- gen und Vorführungen von Freiheits- und Arbeiterliedern vcr- pflichtet", so ist demgegenüber zu bemerken, daß die Vereine ge- halten sind, nur eine ganz bestimmte: sehr beschränkte■ Zahl von Frciheitsliedern, die der Bund jährlich herausgibt, einzuüben, ihnen aber im übrigen in bezug auf ihr Repertoir der weiteste Spielraum gelassen wird. Der Passus der Erklärung, welcher besagt, daß ein Teil der weiblichen Mitglieder des Chors„zurzeit nicht organisicrbar" sei, ist wohl kaum ernst zu nehmen und erübrigt sich ein Eingehen darauf. Tasselbe gilt von der Wendung, die von„möglicher- weise zu erwartenden starken Per änderungen in der Zusammensetzung des Vorstandes des ChorS" durch die Frühjahrs- Generalversammlung spricht. Gerade der Bvief, auf den sich Genosse Göhre beruft, brachte mich zu der Ueberzeugung, daß es dem Borstand des Volkschors nur um eine Verschleppung der ganzen Angelegenheit zu tun sei. eine Ansicht, die auch im Vorstand des Arbeiter-SängerbundeS ge- teilt wird. Dem mußte durch- die erwähnte Resolution ein Riegel vorgeschoben werden. Genosse Göhre hat in der Sitzung mit dem Aktionsausschuß zugegeben, daß dem Chor bürgerliche Herren als Mit- glieder angehören, daß man ferner aus bürgerlichen Stif» tu n g e n Gelder bezogen habe. Nur durch den Anschluß an den Arbeiter-Sängerbund ist die Möglichkeit und die Garantie geboten. daß derartiges in Zukunft unmöglich wird. Die Berliner Arbeiterschaft hat ein begründetes Recht, zu der- langen, daß das Unternehmen, dem sie bis dato so große Svm- pathien entgegenbrachte, da? sie in so reichem Maße moralisch wie finanziell unterstützt hat, nach durchaus einwandfreien, demo- kmtischen Grundsätzen geleitet und verwaltet werde. Es hegt niemand die schwarze Absicht, den Chor schädigen oder gar ihm das Lebenslicht ausblasen zu wollen. Betrachtet aber der Borstand deS Berliner Volkschors von den zwei sich bietenden Möglichkeiten die Auflösung als das kleinere Uebel, zieht er die Auflösung einem eventuellen Anschluß an den Arbeiter-Sängerbund vor, so möge er das mit sich selbst abmachen und wälze die Ber» antwortung nicht auf die Berliner organisierte Arbeiterschaft. Im Apollo-Theater ist die Operette eingezogen, lustig, tanzftoh und wie die meisten ihrer Gefährtimtett aus Wien, der Walzerstadt, stammend.„Der L i e b e S w a l z e r" so heißt sie— hat von ihrem Komponisten C. M. Ziehrer eine gefällige, weder ganz neue, noch ganz alte Einkleidung erhalten, die eine Anzahl bübscber und zum Teil melodiöser GesangSnttminern aufweist; eine ein- schmeichelnde Walzermelodie bildet das durchgehende Leitmotiv. Der Text ivon R. Bodonsky und Fr. Brünbanm) besitzt eine ganz amüsante Handlung, in deren Mittelpunkt der Violinvirtuose Guido Spini steht. Statt Locken und Küsse widmet er jeder Bewerberin eine angeblich mir für sie geschriebene Komposition und richret dadurch genügendes Durcheinander und Ehe-»nd VerlobungSirrmigen an, die schließlich alle zum guten Ziele führen. Die Hauptsache ist die wirtlich frische und flotte Darstellung, die durch die wirkungsvolle Inszenierung von Fritz Witte- Wild und durch Kapellmeister EinödShoferS gut wienerische Leitung unterstützt wird. Noch einige Kürzungen und die Operette wird noch gewinnen. 'Konrad Dreher, der treffliche Münchener Künstler, den wir lange nicht in Verlin mehr gesehe» haben, stattete den ehemaligen Kutscher und Posthalter ans Garmisch mit allen Reizen urwüchsigen Bajuvarentums auS. Mit ihm zog Humor und behäbige Lustigkeit ein; in seinen Couplets ivußle er auch die zu Herzen gehenden Töne zutreffen. Die süddeutsche Note brachte auch Grete Petro vi tS vom Wiener Raimundtheater mit. sie war ein liebes, sauberes Dirndl, da« auch sehr hübsch ihre Stimme entfaltet. Ein Vortreff- licheS Organ und gutes Spiel zeigte Carlo Böhm, gleichfalls ein Wiener, m seinem Violinvirtuosen. Stich von den einheimischen Kräften ist Gute? zu melden. Paula Linda, Georg Braun, Fritz I tt ii k e r m a n n bewährten sich in Erscheinung und Spiel als Vertreter der„pornchmen Welt" aufs beste. Sehr grotesk wirkte die„vülgcbüldele" PosthalterSfrau Marie Grimm. Kurzum, es war ganz lustig und nett, und wer Lust hatte, konnte zuvor noch einkn- AthletenjotzZlspr, eine anierikantsche Tgnztruppe, den bereits von früher bekawiten Bauchredner RadragZ und hernach noch den aktuellen Krnemakographen, der die Pariser Ueberschwemnmttg vor- führte, genießen. GcschichtSkursus für die Jugend. Der Kursus über„Die Geschichte deS 19. Jahrhunderts"(Lehrer Genosse Heinrich Schul z) findet heute Donnerstag, abends pünktlich um 8 Uhr, wieder im Lokal von Raabe, Fichtestr. 20. statt. Berliner Adreßbuch. Der erste Nachtrag, der alle seit Erscheinen des Jahrganges 1910 angemeldeten Geschäftseröffimngen, Wohnungö- verlegungen usw. enthält, wird von heule(Donnerstag) ab in der Hauptexpedition des„Berliner Lokal-Anzeiger", Zimmerstr. 80— 41. und in dessen sämtlichen Filialen an alle Besitzer des diesjährigen Adreßbuches unentgeltlich verabfolgt. Der ztveile Nachtrag, der die weiteren Leränderungen, Umzüge usw. berücksichtigt, erscheint An- fang Mai._ Vorort- JSadrncbteih Charkottenburg. Fixe Schulpolize». Gegen Schulschwänzcr kann der Schutzmann mobil gemacht werden, der inorgens die Säumigen aus ihrer Wohnung holt und sie der Schule zuführt. Die An- Wendung dieses Mittels mag manchem nötig scheinen, wenn ein Kind einen unwiderstehlichen Hang zum Umhertreiben hat oder die Eltern selber eS immer wieder dem Schnlmiterricht fern halten. Un- bedenklich ist selbst in so schweren Fällen die Mitwirkung des Schutz- manns nicht, zunial wenn etwa dabei bis Polizeifaust ebenso forsch ihres Amtes wallet, wie bei dem Transport eines schlimmen Ver- brecherS. Den schärfsten Widerspruch verdient aber die Schnell- sertigkeit, mit der kürzlich in Charlottenburg auch gegenüber einem recht harmlosen Fall von SchulversäumniS die Hilfe des Schutz- mannS angerufen worden ist. Das Verfahren richtete sich gegen einen Schüler G. der 28. Knaben-Gemein beschule(Hallerstraße), der auf Anord- nung seines Stiefvaters, des Metallarbeiters H., dem Unterricht ferngeblieben war. Nicht Gleichgültigkeit gegen die Schule und nicht böswillige Mißachtung ihres Ansehens, sondern Krankheit in der Familie bildete den Anlaß zu dieser SchulversäumniS. Die Mutter des Knaben, hatte einen Unfall mit nachfolgender Fehlgeburt erlitten, so daß sie bettlägerig wurde. Da der Vater vom Morgen biö zum Abend außerhalb des HauseS arbeitet. so meinte er, den ältesten Sohn Max für einige Tage daheim behalten zu dürfen. An Stelle der erkrankten Mutter sollte der im HauShalt die nötigsten Arbeiten verrichten und sich auch ein bißchen der drei kleineren Geschwister annehmen, von denen das jüngste erst ein Jahr alt ist. Max fehlte also in der Schule vom 24. Januar ab. Am 2ö. Januar schrieb Herr H. an Herrn Lehrer Kahle einen Entschuldigungsbrief, in dem er höflich den Sachverhalt vortrug und zugleich die Mitteilniig machte, daß Max auch noch am 26. Januar werde zu Hause bleiben müssen und dann vom 23. Januar ab wieder zur Schule kommen werde. Dabei über- sah er, daß am 27. Januar, wenn dieser Tag auch Unterrichts- frei war, doch eine Beranstaltung der Schule— die Feier deö Geburtstages des Kaisers— stattfand, an der alle Kinder teilzunehmen hatten. Am 26. Januar morgens mußte, so nahm H. an. die Entschuldigung in die Hände des Lehrers gelangen. Am 26. Januar mittags gab in der Wohnung H.'s ein Schulknabe eine vom 25. Januar datierte Zuschrift des Rektors Stübert ab, die so lautete:„Max G... versäumt seit dem 24. Januar ohne ge- nügende Entschuldigung den Schulunterricht, Krankheit der Mutter ist kein Grund. Sie werden ersucht, ihn sofort der Schule zuzuführen oder eine ausreichende Entschuldigung vorzulegen; andernfalls wird morgen zwangsweise Zuführung beantragt." Herr H. sollte durch Unterschrift den Einpfang bestätigen, doch bekam er das Schriftstück erst abends zu Gesicht, als er von der Arbeit heimkehrte. Da er aber den 27. Januar als schulfrei ansah und seinen Sohn am 28. ohnedies wieder zur Schule schicken wollte, so hielt er es für überflüssig, noch zu unter- schreiben. Am 27. Januar früh wollte derselbe Schulknabe das Schriftstück abholen, man konnte es ihm aber nicht mitgeben, und Max ging auch nicht zur Schulfeier. Da wurde denn gegen den Jungen, der keineswegs ein gewohnheitsmäßiger Schulschwänzer ist, noch am 27. Januar die Polizei angerufen. Am 28. morgens um V46 Uhr erschien in der Wohnung H.s ein Schutzmann und forderte Einlaß, um den Jungen abzuholen. So früh war er vermutlich nur deshalb gekominen, weil er wohl wunder waS für einen Ausreißer mitnehmen zu müssen glanbw Max wurde geweckt, mußte sich schnell anziehen und hatte um'/s6 dem Schutzmann zur Polizeiwache zu folgen. Auf der Straße bemühte sich der Schutzmann. Aufsehen zu vermeiden— er begleitete Max unauffällig, indem er absichtlich sich in einiger Entfernung von ihm hielt— und auch im Wachlokal wiesen die anderen Beamten dem Jungen rück- stchtSvoll einen Platz am wärmenden Ofen an. Wir wollen das gern hier öffentlich feststellen. Ilm 3 Uhr wurde Max durch einen Schutzmann zur Schule geführt und dem Rektor übergeben, der ihn durch den Schuldiener nach der Klasse bringen ließ. ES ist richtig, daß nach den geltenden Bestimmungen die Krank- heit der Mutter nicht als ausreichender Grund angesehen werden durste, den Schulunterricht zu versäume». Nach der ganzen Lage der Sacke war es aber eine durchaus unnötige Härte. eine Zwangsvorfllhrung zu veranlaffen. Dringend ist zu wünschen. daß die Schulverwaltung dem Herrn Rektor Stöbert eine ent- sprechende Belehrung zuteil werden läßt. Der Herr Rektor hat dem Jungen mündlich angedeutet, daß dos weitere sich finden werde. Das soll wohl heißen, er werde dem Vater noch ein Straimandar besorgen. Wir sind gespannt darauf, wie zu diesem Punkt die Schulverwaltung sich stellen wird. Glaubt jemand, daß von einem so rigorosen Vorgehen die Schule einen Gewinn hat? Ein schwerer Banunfall trug sich gestern morgen um 9 Uhr auf dem Neubau an der Ecke deS NcichSkanzlerplatzes und der Linden- Allee zu. Dort war der 25 Jahre alte Arbeiter Karl P i g a ck i im zweiten Stock beschäftigt, als er plötzlich ausglitt, das Gleichgewicht verlor und in die Tiefe abstürzte. Mitarbeiter brachten ihn in hoffnungslosem Zustand nach dein Krankenhause Westend. Dort wurde ein schwerer Schädelbruch und eine Gehirnerschütterung fest- gestellt. Zu der Schießoffärr des Graveurs Schickler. der sich vor- gestern vormittag, wie berichtet, in selbstmörderischer Absicht in dem Laden der Konditorei Tiedt. Kaiustr. 75, zu erschießen versuchte, wird gemeldet, daß sich Sch. mir leicht verletzt hat. ES wird an- geoommen, daß sich Schickler mit dem Gedanken getragen hat, seine Braut mit zu erschießen. Alö sie aber nun aus dem Laden lief, gab er aus sich einen Schuß ab. Nixdorf. In der stark besuchte» Generalversammlung de? Wahlvereins gab der Vorsitzende, Genosse Scholz, den Geschäftsbericht. Er wies darauf hin, daß dieser eine anderthalbjährige Tätigkeit um. faßt, da der Jahresschluß, so toie in anderen Kreisen, auf den 1. Juli verlegt worden ist. Sodann berichtete Redner eingehend über die Stadtverordnetenwahlen, deren wesentlichste Momente schon durch den„Borwärts" bekannt sind. Besonders hob er hervor. daß durch den WahlrechtSraub das Interesse für die Gemeinde- angelegenhciten unter der Bevölkerung außerordentlich geweckt und gefördert worden sei. Die Wahlrechtsräuber seien in dem ganzen Kampfe von Niederlage zu Niederlage geschritten, und im qanzcu Lande habe dieser Kamps die Ausmcrksamkeit auf sich gelenkt. Tie Gründung eines Jugendheims sei ein glücklicher Griff gewesen. � auch habe man durch die Verlegung der Wahlvereinsbibliothek»räch dem Jugendheim die doppelte Anschaffung einer solchen erspart. Die Differenzen mit dem Berliner 3. Wahlkreis um die„Neue Welt" sehen ihrer endgültigen Regelung entgegen, lieber die Lese- abende der Frauen werde geklagt, daß sie den Zuspruch vermissen ließen, den man bei aller regen Agitation habe erwarten müssen. Man ist teilweise der Ansicht, daß es an dem jetzigen Svstem liegt, doch soll dies vorläufig fortgesetzt werden. Im Sommer sollen dann Beratungen gepflogen werden, wie die Leseabcnde am zweck- mäßigsten auszubauen sind. Durch energische Agitation, Verteilung von Zirkularen usw. sind zirka 1000 neue Mitglieder und ebenso- viele Abonnenten aus die Parteipresse getvonnen worden, so daß der Mitgliederbestand jetzt 10 509 beträgt l darunter 1212 Frauen). während der„Vorwärts" 12 292 Leser aufzuweisen hat. Der Kassenbericht zeigt folgendes Bild: Inklusive einem Bestand von 321 62 M. betrug die Einnahme 15 580 52 M., die Aus- gäbe betrug 4868, 31 21?., an den Kreis abgeliefert wurden 10 403,67 Mark. In der nachfolgenden Diskussion sprach R e tz e r a 11 den Gc- meindevertretern seine Anerkennung für ihre rührige, aufopfernde Tätigkeit aus. In der weiteren Debatte wurde geklagt, daß die Zahlabendc so nüchtern und monoton verliestn und hauptsächlich durch Berichte aus dem„Mitteilungsblatt" ausgefüllt würden, die den meisten Genossen schon lange bekannt seien. Die Funktionäre müßten genügend mit Material versehen werden, um die Abende anregender gestalten zu können. Dem wurde erwidert, daß auch dieses Material nichts nützen würde, toenn der betreffende Zahl- abendleitcr nichts damit anzufangen wüßte. Eine billige Broschüre besitze wohl jeder und aus der„Neuen Zeit" wäre genügend Dis- kussionsstoff zu ziehen. Ferner wurde daraus hingewiesen, daß Restanten schon nach dem zweiten Rionat aufgesucht werden müß» ten; man könne dadurch viele Ausschlüsse wegen rückständiger Bei- träge vermeiden. Der Bibliotheksbericht enthält folgende Auf- stellung über misgeliehene Bücher vom verflossenen Holben Jahr: Partei-Agitationsschristen 275, Geschichte 353. Naturwissenschastcn 163, Reise-, Länder-, Völkerkunde 456, Philosophie, Religion 114. Romane, Gesichte, Unterhaltungskiteratur 3532, Zeitschriften 123, Fachwissenschaften 77. Gesetze 17. Jugendschristen 2321, Protokolle 17, Gesundheitslehre 32— zusammen 7480 gegen 4421 im Vor- jähre. Am 1. Juli 1909 waren in der Bibliothek 1547 Werke vor- Händen, neuangeschafft wurden 124, somit beträgt die Gesamtzahl 1671. An Stelle der Genossin Jeetzc, die durch andauernde Krank- heit gezwungen war. ihr Amt als weibliches� Vorstandsmitglied niederzulegen, wurde Genossin Jucharz gewählt. Eine Kommission, die Ausschlutzanträgc und Proteste zu be- arbeiten hat. würde neu geschassen. Bis jetzt hatten die Viertels- kassierer diese Arbeit mit verrichtet. Gewählt wurden: Hellwig, Güttler, Hoffmann, Mai. Der Ausschlußontrag gegen das Mitglied Jakob Neumeher. zurzeit 1. Vorsitzender der Allgemeinen Ortskrankenkasse Rixdorf. wurde mit großer Majorität nach langer Debatte angenommen« Ebenso wurde auf Antrag des Vorstandes der Gastwirt KlostiuS. Johann-Huß-Straße 7, und nachträglich auf Antrag des Genossen Franke der Gastwirt Duhe, Prinz-Handjery-Straße 69, aus dem Wahlvercin ausgeschlossen. Folgende Resolution von R e tz e r a u wurde einstimmig an» genommen:„In Erwägung, daß die Stadtverordnetenmehrheit und Magistrat, welche den Wahlrechtsraub ausgeführt und sanktio- niert haben, aller Wahrscheinlichkeit nach nicht geneigt sein werden, dem richterlichen Urteil deö Oberverwaltungsgerichts betreffs der richtigen Drittelung bei Aufstellung der Wählerliste die vollständige Geltung zu verschaffen, beauftragt die Generalversammlung die sozialdemokratische Stadwcrordnetenfraktion, mit aller Schärfe und allen anwendbaren Mitteln die Rechte der Bürger und Wähler so weiter zu vertreten, wie sie es bis dato getan hat." Die Polizei hatte, bis der letzte Versammlungsbesucher da? Lokal verließ, vor der Tür in ansehnlicher Stärke der Dinge ge- harrt, die da kommen sollten.— Es war natürlich wieder einma! nichts, und so löste sich die fliegende Wache um 12 Uhr in Wohlgefallen auf. Lichtenberg. Die Rücksichten auf den zur Wahl stehenden Beamtenbezirk, die unsere bürgerlichen Stadtverordneten bewog, die Magistratsvorlcige bez. Erhöhung des KochgaSpreiteS an eine Kommission zu verweilen. sind bereits gefallen. Ain DienStag abend wurde in der Kommission fast einstimmig, gegen die Stimmen der sozialdemokratischen Ver» treter, beschlossen, den Einheitspreis auf Grundlage des Durchschnitts- Preises von 13 abzulehnen und der Stadtverordnetenversammlung die Annahme der Erhöhung de« Kochgaspreises auf 12 Pf. zu empfehlen. Die Berechnung der Selbstkosten spielte nicht mehr die Rolle wie in der Stadtverordnetenversammlung. 50 000 neue Ein- nahmen müssen nun einmal sein, wo man sie ohne Schwierigkeiten bekommen tonn, niinmt man sie nicht. Nach wie vor soll die elektrische Kraft 4 Ps. unter Herstellungspreis abgegeben werden. aber die untere Klaffe der Bevölkerung und der Mittelstand sowie die ganze Beamtenschaft soll wieder erneut geschröpft werden. Mit Rücksicht auf die Wahl wird die Vorlage erst Donnerstag über 14 Tage im Stadtparlamcnt erneut verhandelt. Wühler ihr seid gewarnt, handelt danach. Dienstag war endlich der große Tag, an dem die abhängigen Staats- und Gemcindebeamten den ihnen von der Plönz-Schachtel- Gruppe genehmigten Kandidaten Geh. Sekretär Völkner vorgestellt erhielten. Eine etwa 40 Mann starke, aus allen OrtSteilen zusammen- gewürfelt« Zuhörerschaft bildete die Wählerversammlung, vor der der Herr Geheime Sekretär im Ministerium seine Kandidatenrede folgendermaßen hielt: Meine Herren, was mich am meisten über- rascht, ist die Kandidatur als Stadtverordneter. Seit drei Tagen bin ich erst Kandidat und habe mich mit kommunalen Dingen noch nicht beschäftigt. Sie werden eS daher verstehen, daß ich auch kein Programm habe; aber der Reichskanzler hat ja auch keinS und re- giert das ganze Reich.— Mit ähnlichen Witzcken und Mätzchen unter- hielt der Herr eine halbe Stunde lang die Versammlung, ohne bei der Abhängigkeit seiner Zuhörer fürchten zu müssen, ausgepfiffen zu werden. Auf eine Anfrage aus der Versammlung, wie der Kandidat sich zu der Mißwirtschaft in der Gasanstalt stellt, gab dieser die charakteristische Antwort:„Wir haben ja jetzt einen neuen Direktor. aber der ist auch noch nicht durch die Röhren gekrochen." Nach dieser Einführung kam das sozialdemokratische Flugblatt an die Reihe. Unserem Hinweis aus die Gefährlichkeit der jetzigen Schulpolitik, Kinder» in bereits benutzten Klassenräumen Unterricht zu erteilen, stellte man frischweg die Behauptung entgegen, daß die Sozialdemokratie sogar die Schulräume als Schlafsäle für die Kinder benutzen will; bei diesem von der Sozialdemokratie propagierten System würde die Luft noch schlechter sein. Das soll angeblich sogar in einem Buche stehen. Diese Proben dürften genügen, um die Wähler deS 14. Bezirks zu der Erkenntnis zu bringen, daß, wenn sie das SelbstverwaltungL- recht der Gemeinde nicht preisgeben wollen, morgen, am 4. Februar, nur dem Kandidaten der Sozialdemokratie, dem Gcwrrkschaftssckretär August Becker ihre Stimme geben dürfen. Köpenick. Ein SittlichkcitSattentat wurde vorgestern gegen ein junges Mädchen verübt. Als gegen 10 Uhr abends die 16jährige Tochter eines diesigen KanfmaunS an der Haltestelle Glashütte iu der Marieiistraße auf die elektrische Straßenbahn wartete, näherte sich ihr ein etiva 22jähriger, gutgekleideter Mann, der sie ansprach und unsittliche Zumuimige» an sie stellte. Als daü Mädchen den Fremde» energisch zurückwies, warf der Mann es zu Bode». Hielt-ihm de» Mund zu. um«S am Schreien zu verhindern und versuchte sein Opfer zu vergewaltigen. ES entspann sich nun ein verzweifelter »anipf zwischen den Beiden. Glücklicherweise� wurde der Unhold durch das Hinzukommen cineS Arbeiters an der AuSführnng feines Vorhabens gehindert; er ergriff schleunigst die Flucht. Der Täter ivird als ein etwa t,/z8 Uhr im Hause Brunowstr. 28 zum Ausbruch. Die Feuerwehren von Tegel und den Borsigwerle» waren bald zur Stelle, um den Brand auf seinen Herd zu beschränken. Zossen. In der gut besuchten Generalversammlung gab Genosse Sanpe den Jahresbericht. Nach demselben hat sich auch im lehren Jahre die Organisation entwickelt. Der Mitglkderstand beträgt 143, einschließlich 19 weiblicher Mitglieder Daß auch die Bewegung sonst im Berichtsjahre eine sehr rege gewesen ist, bewiesen die zahlreichen Versammlungen, welche abgehalten worden sind. Die wichtigste Aktion im verslosicnen Jahre war die Stadtverordnetenwahl, wo eS uns möglick war. zwei sozialdemokrarisckeii Kandidaten zum Siege zu Verbelfen. Der Kassenbericht vom 4. Quartal ergab eine Einirahme von 113,20 W.. eine Ausgabe vo» 97,77 M. In nächster Zeit soll eine Petition zum Zwecke der Abschaffung der Erwerbung des Bürgerrechts in die Wege geleitet werden. Das Stislungsfest soll am 6. März abgehalten werden. Sencdts-Geltung. Schub grgr» Schutzleute. vor der Dortmunder Strafkammer wurde am Montag eine Strafsache verhandelt, die erneut die Notwendigkeit eines Schutzes gegen die Polizei beweist. Ein Reisender war von seinem Vermieter verprügelt worden und dann völlig widerrechrlich ausgefordert, sein vom Reisenden ge> nrieteteS möbliertes Zimmer zu verlassen. Der Vermieter holte einen Schutzmann. Dessen Hund zerriß dein Mieter die Kleider an, Körper. Der Schutzmann drängte den Mieter aus seiner eigene» Wohnung heraus. Der Mieter nahm nach Zerbrechen erner Glasscheibe wieder Besitz von seinem Zinuner und legte sich zur Ruhe. Der Vermieter forderte ihn abermals vergeblich auf, sein Best und sein Zimmer zu verlassen Dann schickte er unter der falschen Angabe noch der Polizei, der Mieter bedrohe ihn, verursache ruhestörenden Lärm und schlage die Sachen i», Hause kapnt. Der ruhig im Bert liegende Mieter wurde darauf von zwei Schutzleuten gefesselt, aus dem Bett gezerrt und die Treppe heruntergeschleift— wie einige Zeugen bekundeten,»wie ein nasser Sack",.wie ein Stück Vieh",.wie ein toter Gegen st and". Der Mißhandelte, notdürftig bekleidet, blieb auf der Straße liegen. Nach etwa einer Viertelsinnde wurde der hilflos Daliegende vo» einem dritten Schutzmann ins Gesicht geschlagen,„daß eS klatschte". So schilderten eine große Reihe vo» Zeugen den Sachverhalt. Aus der Wache will der Reisende noch fürchterlich mit einem Gummischlauch von einem Schutz- mann verprügelt worden sein. Am anderen Morgen unter» schrieb er ein Protokoll, inhalls dessen er wegen Angetrunkenheit von den, Vorfall nichts mehr wisse. In der Verhandlung erklärte der Reisende. eS sei so lange auf ihn eingewirkt, bis er den falschen Inhalt unterschrieben habe. Er kam dann in» Krankenhaus, loo er 14 Tage verblieb. Rote blutunterlaufene Glriemen an Brust, HalS und Schläfen. Quetschungen am Oberarm und Hals, Schwellungen am Arm und Fußgelenk hatte er bei der Aus- »ahme, und bei der Entlaffung noch grün und gelb ge« färbte Flecken am Körper. Angeklagt wurde» nun nicht die Schutzleute, sondern— der mißhandelte Reifende und zwar wegen— Hausfriedensbruchs. VerÜbung ruhestörenden Lärms, Sachbeschädigung, Widerstands und tätlichen Angriffs auf Beamte I Vom Schöffengericht wurde er freigesprochen. In den Urtcilsgründen wurde anerkannt, daß der Angeklagte voll- kommen widerrechtlich ouS seiner Wohnung gebracht sei und daß den Angaben der Schutzleute der Glauben versagt werden müsse. Der Staatsanwalt legte Berufung ein. Am Montag wurde abermals ein freisprechendes Urteil gefällt. Die Strafkammer anerkannte, daß von Hausfriedens- druck keine Rede sein könne, wenn der Angeklagte von dem gesetz- lick.n Reck« Gebranch machte, da» von ihm gemietete Zimmer zu benutzen. Ebenso wenig liege Sachbeschädigung oder ruhestörender Lärm vor. Bei der Verhaftung hätten sich wohl die Schutzleute in rechtmäßiger Ausübung ihres Amtes befunden, da sie vom Ber- Mieter falsch informiert waren. Der Behauptung der Schutzleute aber, daß der Angeklagte widersetzlich gewesen sei, stehe die Reihe von zeugeneidlichen Aussagen gegenüber, die das Gegenteil be- künden. Das nennt man in Preußen Rechtsstaat. Gröblichster Haus- friedenSbruch seitens des Vermieters und der Polizeibeaniten und schwerste Mißhandlungen. Und dann werden nicht die Schuldigen— Vermieter und Schutzleute-- sondern der Bürger, dessen Rechte in der gröblichsten Weise mißhandelt sind. unter Anklage gestellt. Eine gegen die Beamten erstattete Strafanzeige wegen Meineids und Amtsverbrechens ist noch in der Schwebe» vergiftet. Der Student der Musik E r ich 0 a u m a n n mußte sich gestern gegen die Anklage der fahrlässigen Körper- Verletzung vor den, Schöffengericht Bersin-Mitte verantworten. Der Bruder des Angeklagten ist Inhaber eines DrogengeschäslS im Norden Berlins. Wenn dieser anderweitig zu tun hatte, so be- auflragte er den Angeklagten mit der Vertretung im Geschäft. Dies war auch am 16. Februar v. I. der Fall. Ä» diesem Tage hatte sich der Schlosser Erwin WidowSki eine tiefe Schnittwunde a» der Hand bei der Arbeit zugezogen und ließ sich aus dem B.schcn Geschäft Karbolwasser Polen. Der Angeklagte, welcher keine Ahnung von den Geheimnissen eines Drogengeschäftes hatte, verkaufte nun anstatt des üblichen K a r b o l w a s s e r S mit der höchst zulässigen zweiprozentigen Verdünnung, solches mil einem erheblich höheien Karbolläuregehalt. Nachdem WidowSki damit die Wunde ausgewaschen hatte, stellte sich eine Entzündung des Fingers und der ganze» Hand ein. Er suchte sofort den SanitätS- rat Dr. Steuer auf, der ihn unverzüglich»ach dem Moabiler Krankenhaus schickte. Hier wurde den, Verletzten, da Gefahr im Verzug war, der Finger amputiert. Widowsti war außerdem noch 2l Wochen nrbciiLiiniähig.— Das Schöffengericht hielt eine grobe Fahrlässigkeit für vorliegend, erkannte aber mil Rücksicht auf die bisherige Unbescholtenheit des Angeklagten auf nur 100 Mark Geldstrafe._ Versuchte Bestechung cineS Kriminalleamten. Eine Bestechiingsafsärc beschäftigte gestern daö Schöffengericht Berlin Mitte unter voisitz des AmtSgerichtScats Dr. F i e d l e r. Wegen Bestechung eines Kriminalbeamten war der C a f e t i e r Heinrich Adler angeklagt. Der Angeklagte ist Mitinhaber de« in der Nähe der Friedrichsrraße gelegenen CatsS.Edelweiß". Die nächtliche Staininkimdschnit dieses Cafös setzt sich zumeist auS den Passaittinnen der Friedrichstraße zniainmen. Die Folge war. daß den Besiicheriiinen von seilen der Beamten der Sittenpolizei eine gewisse Aufmerksamkeit gewidmet wurde, die schon wiederholt dazu gesübrl hatte, daß eine der Insassinnen schweren Herzens von ihrem Ka- vasier und ihre» Freundinnen Abschied nehmen mußte, um den Weg zum Polizeipräsidium anzutreten, da sie vergesse» hatte, sich dort sreiivillig einzufinden. Am 22. November vorige» Jahres hotte der Kriininalschlitzniann Lacher den Auftrag erhalten, das Cafö „Edelweiß" auf seinen Inhalt zu prüfen. Ans der Straße trat dann plötzlich der Angeklagte an den Beamten heran und bat ihn, er solle nicht„so streng" sein, da er sonst sein Geschäft schädige. Der Schutzmann erioiderte, daß er nur seine Pflicht tue und seine Aufträge ausführe. Während dieses Gesprächs ließ Adler z iv e i Z w a n z i g»> a r k st ü ck e in die Taiche des Kriminalbeamten gleiten, ohne daß dieser aber hiervon etwas merkte. Als Lacher kurze Zeit darauf die beiden Goldstücke in der Tasche fand, ahnte er sofort den Zusanimenhang und suchte unverzüglich den Angeklagten auf, um ihn zur Rede zu stellen. Adler ging jedoch noch weiter mit seinen Bestechungsversuchen und bot dem Kr>m»ialbeainten eine feste monatliche Gratifikation an. Er äußerte dabei, Locker solle sein Lokal doch nickt mehr besuchen,„da ihm sonst die ganzen Weiber weglaufen."— Diese unbedachte Handlungsweise hatte für den Angeklagten sehr schlimme Folgen in Gestalt dpr jetzigen Bestechungsanklage.— Vor Gericht behauptete Adler, daß er an jenem Tage infolge einer Erbschaft von 4000 M. stark dem Alkohol zugesprochen habe und sich auf die Vorgänge selbst nicht mehr besinnen könne. Der Amtsanwalt beantragte eine Gefäiignisstiafe von sechs Monaten. Das Gericht nahm mit Rücksicht auf die bisherige Unbeicholteiiheit des Angeklagten von der Berhäiigiing einer GesäugniSstrafe Abstand und erkannte auf nur ISO Mark Geldstrafe._ „Badende junge Mädchen", dieses Bild des bekannten dänischen MalerS Harald Slott-Modler bildete den Gegenstand einer Verhandlung vor der vierten Straf- kammer des Landgerichts I. Angeklagt waren die Kaufleute Hell- r i e g e 1 und H o ch s i n g e r. ersterer, weil er er als Geschäfts- führet des Kunstverlags„Novitaö", letzterer in seinem Postlarten- vertrieb illustrierte Postkarten vertrieben kälten, welche eine Reproduktion des obigen Gemäldes darstellten. Sie sollen sich hierdurch der Verbreilung unzüchtiger Bilder schuldig gemachi haben.— Das hier fragliche Bild war, wie in der Verhandlung betant wurde, vor einigen Jahren auf der Kunstausstellung hier ans- gestellt, wird als eins der besten Werke der dänischen neueren Kunst angesehen und befindet sich im Privatbesitz eines dänischen Fabrikanten, der es damals für f>000 Kronen gekauft hatte. Ein anderes Werk desselben Meisters ist im. Aalborg-Museun, in Kopen Hägen, ein anderes von der kgl. N ttionalgalerie in Berlin kürzlich angekauft. Eine Reprodtikiion ist als Gravüre und eine andere als Postkarte durch den Kunstverlag StenderS in Kopenhagen an- gefertigt, der als einer der ersten Kunstverlagsanstalten gilt.— Der erste««geklagte wies darauf hin, daß sein Verlag die rrtige Postkarte erworben habe, weil er auch»»cht das geringes Unanständige in dem Bilde finden könne. Professor HanS F c ch n e r zu Schöueberg führte als Sachverständiger vom künstlerischen Standpunkte au«, daß die Reproduktion nicht als ein unzüchtiges Bild anzusprechen sei. Die Kunst habe die Pflicht, das Volk zu erziehe», auch an das Nackte zu gewöhnen, wobei wie in diesem Falle geschehen— alles Schaniverletzende natürlich zu vermeiden, aber auch zu berück sichtigen sei, daß das Nackte als solches niemals schanv verletzend sei. Der Staarsawalt beantragte das schuldig und eine Strafe von je 100 Mark, da die badenden Mädchen zum Teil Körperteile zeigten, welche, auf Postkarku verbreitet, schäm» verletzend wirkt«» I DaS Gericht sprach nach kurzer Beratung die beiden Angeklagten frei, da weder da» Bild objektiv unzüchtig sei, weil jede direkt geschlechtliche Beziehung fehle, noch die Angeklagten subjektiv das Bild für unzüchtig oder schamverletzend halten konnten. Die Kosten deS Verfahrens wurden der Staatskasse auferlegt. bei einer kommenden Lohnbewegung die Unternehmer an dem» selben festhalten und ihn in ihrem Interesse, zum Nachteil der Arbeiter, auszugestalten versuchen. Also habe Wiesentha! mit seinen Treibereien auch in diesem Falle die Interessen der Kollegen geschädigt. Der Redner erwähnte noch die Wiesenthalsche Absicht, mit den Unternehmern einen neuen Bertrag abzuschließen, eine Angelegenheit, gegen die der Deutsche Metallarbeiterverband im November und Dezember vorigen Jahres Stellung genommen hat.— Im Laufe der Versammlung kam auch Handle auf diese Angelegenheit zurück. Er betonte, eS sei schon im vorigen Jahre darauf hingewiesen worden, daß vom Abschluß eines Vertrages keine Rede sei. Jetzt sollen nach einem Bericht der„Berliner VolkS-Zeitung" die Beratungen des Wiesenthalsche» Vertrages ab- geschlossen und das Inkrafttreten desselben mit dem 1. April fest- gesetzt sein. Diese Angabe sei unwahr. Die Unternehmer hätten noch nicht Beschluß gefaßt über die Wiesenthalsche Vorlage. Diese enthalte übrigens in ihren 90 Paragraphen manche die Arbeiter schädigende Bestimmung. So solle jeder Arbeiter, der einen Be- schluß der Schlichtungskommission nicht befolgt, von der Tarif- gemein�'chaft, also von der Arbeit bei allen Tariffirmen, aus- geschlossen werden. Dasselbe Schicksal soll die Arbeiter treffen, die wiederholt wegen Unbrauchbarkeit entlassen wurden. Eine Vorlage mit solchen Bestimmungen verletze die Interessen der Arbeiter. Während Wiesenthal früher betonte, es müsse bei dem nächsten Vertragsabschluß mit Rücksicht auf die Teuerungsverhält- nisse eine Lohnerhöhung eintreten, sei in seiner Vorlage keine Rede von einer Lohnzulage. Wer jetzt noch glauben sollte, daß im Wiesenthalschen Verbände Arbeiterinteressen vertreten werden, der müsse durch die Kollegen belehrt werden, daß davon gar keine Rede sei. Den Kollegen im Deutschen Metallarbeiterverbande iverde in nächster Zeit eine Tarifvorlage für die kommende Lohn- bewegung unterbreitet werden. Die Versammlung vollzog die Neuwahl der AgitatiouS» kommission, die aus t? Mitgliedern besteht. � Größtenteils wurden die bisherigen Mitglieder wiedergewählt. Der bisherige Branchen- leiter Hein wurde wieder mit diesem Amte betraut. Als Mit- glied der Bauarbeiterschutzkommission wurde G o d a n i tz gewählt. Letc- und Diskutterklud„Johann Jncoby". Heute abend 8fl, Uhr bei Bngge, Kastanien- Allee 95/66: Sitzung. Gäste willkommen. Drutkcher Hlrkeiter-Abüi»e»tei,-B»nd. Ortsgruppe Berlin. Freitagabend 8'/, Uhr im Ncwerkichattshause, Engeluser IS: Vortrag deS Genossen M. Bu'chholzer über:„Organisierte Selb st Hilfe deS Proletariats."— Kein GeträickeauSschank. Vermilcktes. Versammlungen. Die Rohrleger und Helfer, die im Deutschen Metavarveiter- verbände organisiert sind, hielten am Sonntag eine von etwa 700 Personen besuchte Mitgliederversammlung im großen Saale des Gewerkschaftshauses ab. Der Branchenlciter Hein erstattete den Bericht der Agitationskommission. Er sagte unter anderem, die Tätigkeit der Kommission im vergangenen Jahre sei in erster Linie darauf gerichtet gewesen, die in anderen Organisationen, besonders in dem Wiesenthalschen Verbände zerstreuten Rohrleger und Helfer für den Deutschen Mctallarbeitervcrband wieder- Zugewinnen. Daß diese Tätigkeit von Erfolg gekrönt sei, das zeige der gute Besuch dieser Versammlung. Im übrigen habe oie Kommission auch in anderer Hinsicht die Interessen der Kollegen vertreten. Eine Reihe von Beschwerden aus dem Ar- beitsverhältnis seien erledigt worden. Abgehalten wurden 32 Kommissionssitzungen, 12 Vertrauensmänner-, 11 Branchen-, 80 Werkstattversammlungen. Hinsichtlich der Heizungsbranche hätten Konferenzen mit den Kollegen anderer Städte stattgefunden, welche dem Bestreben dienten, für die im Hcizungsfach beschäftigten Kollegen einen ReichStarif zu schaffen. Ein Antrag der Ver- trauensmänner des Heizungsfaches, für dieses eine besondere Branche im Verbände zu bilden, wurde von der Ortsverwaltung an die Vertrauensmänner zurückverwiesen, die dann beschlossen, von dem- Antrags Abstand zu nehmen und eS bei den bestehenden Verhältnissen zu. lassen. Wie bekannt, habe der Wiesenthalsche verband Mitglieder zu fangen versucht, indem er einen Akkord- ans mit den Unternehmern abschloß. Es habe sich aber dadurch gezeigt, daß wegen der großen Verschiedenartigkeit der Rohr- legerarbeitcn die Durchführung der Akkordarbeit nicht möglich sei. Tatsächlich werde auch nur in vereinzelten Fällen nach dem Akkord. taris gearbeitet. Da nun der Akkordtarif einmal da fei, so würden Ein schweres Verbrechen ist vorgestern in Niederfinow ver» übt worden. Als gegen 2 Uhr nacktS der 26jährige Sohn des dort wohnhaften ZiegeleibesitzerS Texdorf von einem Ver- gütigen nach Haufe ging, wurde er in der Nähe der elterlichen Wohnung von einem ihm unbekannten Manne angesprochen und um eine Unlerstützung gebeten. Als T. dieses Ersuchen ablehnte, weil der Mann ihm verdächtig erschien, gab dieser plötzlich ans einem bereit gehaltenen Revolver drei Schüsse auf Texdorf ab. durch welche der sunge Mann an der Brust und am linke» Arm ko schwer verletzt wurde, daß er blutüberströmt und bewußtlos zuiantmenbrach. Die alsbald benachrichtigte Polizei stellte noch in der Nacht fest, daß der Täter der 2b Jahre alte arbeitslose Kneckt Peter war. Als man ihn verhaften wollte, schoß er sich vor den Augen der Beamten eine Kugel in die rechte Schläfe, die seinen sofortigen Tod herbeiführte. Ein Haus demoliert. In der Nähe von Staaken an der Ham- bnrger Chaussee ist ein zweistöckiges Gebäude errichtet worden, das bis aus einige Tvpserarbeitcn vollstäudig bezugsfertig ist. In dieses Haus, daS ganz vereinsamt steht, drang gestern eine Rotte 16« bis 18 jähriger Bursche», die wie die Vandalen hausten und eine heil- lose Verwüstung und kolossalen Schaden anrichteten. Die Burschen schlugen sämtliche fertige Oese» ein, zertrümmerten die noch zu verarbeitenden Kachel» und die sämtlichen Fensterscheiben. Die eisernen Kochplatten der Kochherde wurden in Stücke ge» schlagen, die Blechkasten der Bratöfen zusammengedrückt und die Rauch- und Wrasenabzüge stark beschädigt. Dann schlugen die jugendlichen Vandalen noch die Stuckatur von den decken herab und beschmutzten sämtliche Zimmer aus das ärgste. Da auch die Tür- klinken abgeschraubt worden sind, so ist der Schaden, den der Eigen- tümer erle'det, ein sehr großer, der ihn um so empfindlicher trifft, als zahlreiche Wohnungen bereits in kurzer Zeit in Benutzung genommen werden sollten._ Eine neue Grubenexplosion. Wie ein Kabeltelegramm auS Drakesboro /Kentucky) meldet, ist in den dortigen Kohlengruben eine furchtbare Explosion erfolgt. Bis gestern voriuiltag wurden 35 Leichen geborgen; etliche zwanzig Mann wurden schwer verletzt, zum Teil in hoffnungslosem Zustande zu Tag« befördert._____ Vom Hochwasser. Wie auS Paris gemeldet wird, fällt die Seine anhaltend weite«. Bis gestern früh 7 Ubr ist das Wasser insgesamt 1.45 Meter ge- funken. In den Straßen, die noch überschwemmt sind, ist wegen der Seringe» Tiefe des Wasser« der Verkehr mit Booten eingestellt. Man at deswegen dort vielfach Brückenstege errichtet. Eine Meldung aus Ronen besogt: In St. Pierre de vauvrah errichten die Bewohner einen drei Kilometer langen Notdeich, um sich vor einer drohenden NeberschwemmungSkatastrophe zu schützen. DaS 17V. Infanterie- Regiment ist zur Unlerstützung dorthin ab-> gegangen. Bis gestern vormittag 11 Uhr war, wie eine weitere Meldung auS Paris lautet, die Seine im ganzen um 1,52 Meter gesunken. Die Verbindungen mit mehreren Orten der Umgebung sind noch abgeschnitten; die mit Wasser und Eis bedeckte Bodenfläche beträgt eUva 1500 Hektar.____ 150 000 Mark unterschlagen. AuS Frankfurt a. M. wird gemeldet: Bei der Landwirtschaftlichen ZentraldarlehnSkasse, bereu ehemaliger Rendant Flick geflohen ist, nachdem er große Unter» schlagungen verübt hatte, ist bisher ein Fehlbetrag von 150 000 M. festgestellt worden. Heftige Stürme werden über Kristiania von der nordische» Küste gemeldet. Neun Fischerboote mit 40 Mann werden vermißt. Auf den Lvfoten find die Leichname von 10 Fischem an Land ge- trieben worden. Brennende Gruben. Ein Telegramm aus Peoria(Illinois) besagt: AuS Bartonbille wird gemeldet, daß die dortigen Gruben i» Flanimen stehen, Alle Menschen, die sich in dm brennenden Gruben befanden, find gerettet worden.__________ ?S»ttern»„sudersscht vom S. Februar 1910, morgen» 8 ilbr. Stationen J,» sß Swmeind» 76I SO Hamburg 1758 SO Pnlhi 1 759 SD Franss.a M 756 523 München 1758 18 Wien>757 W Teuer 3 wolkig «Schnee 2 bedeck «bedeck ll Nebel Idedeckt B« sll t? mS> -1 1 1 0 -4 — 1 Stationen Haparanda 734 Still Petersburg 766£23 Sctllh elberdeeu Pari« 746 22 744 S Wette, «-» II * — wolkig—8 2 halb od.— 8 4 wolkig 8 3 beb eckt 4 1" Wetterprognose für Donnerstag, den 3. Februar lOlO. Ein wenig wärmer, ziemlich trübe mit geringe» Niederschlägen und. frischen südöstlichen winden. Setltnec Detterbureau. Bnefkaften dct» Redaktion. tU surlstllche SpikÄstuilde findet L«»dtnsirake?, ,««»» Hos. »ritt» Etngnnz, ni» TreWen, MM- Fahrstuhl wachentäglich «bcnaä tuitt 7V4 bis a'.i Uhr statt. Gcsfsiiet 7 Uhr. SannabrndS beginnt dir Sprrchstundr um 6 Uhr. Jrdcr Anfrage ist ein Buchstabe und eine Zahl als Merkzeichen beizusägen. Briefliche Antniort wird nicht erteilt. Bis zur Beantwortung im Brieskaste» können 1t Tage vergehen. Eilige Fragen trag« «an in der Sprechstunde vor. C. St. 3C. Entomologischer Derein„Orion" lagt jeden Freitagabend V Uhr Sophienstr. 18.— A. 2S.»7. Darüber erhalten Sic Austunst bei Fritz Schulz, RIxdorf. Mainzer Str. 11 I.— P. S.. Pankow. Nein. — E. U. S. 1837. Das Gericht würde im Klagesall voraussichtlich zu Kbrcn Gunsten erkennen, ivenn ausdrücklich ausgesprochen ist, die Miete . u s ch l i c fi l i ch Stcmpelgcbührcn beträgt usw. Lehnen Sic, da Sie nach Ihrer Darstellung kciuessalls die Zahlung des Stempels übernomnieu haben, die Zahlung ab. Anders würde es liegen, wenn Sie etwa den Stempel auch in früheren Jahren tatsächlich gezahlt haben.— K. M. L38. Wenn sie nicht unter der Hand sehr günstige BcrkausSgclegenheit finde», so würden Sie besser wegkommen, die Sachen mitzunehmen. Ueber Art und Höhe der Fracht erkundigen Sie sich am besten aus einem der hiesigen Güterbahnhösc. Die Beantwortung dieser Frage hängt von den statuta- rischen Bestimmungen der dortigen Kasse ab. Diese sind uns leider nicht bekannt.— M. H. I. 1. Kommt aus die Zahl der Dieustjahre und aus die Art der Invalidität an. 2. Entspricht dem Range eines Feldwebels. — F. B. S3 Spandau. Auch nach Berbnßung der Strase bleiben Sie zahlungspflichtig.— Kühnke, Wilmersdorfer Str. 48. Mietsstcmpel ist nicht zu zahlen. Der am 1. Januar lS!0 gezahlte ist zu vnrschl erhoben — P. S. Rixdorf. Sie sind zur Zahlung und die Steuerbehörde zur Annahme der Raten verpflichtet. Legen Sie den Bescheid des Vorsitzenden der Veranlagungskommiision bei dein Zahlungsanerbieten vor.— 3388. Klage und Pfändung nach Erlaß des Urteils Zuständig ist auch das Ge- richt, in dessen Bezirk Schuldner zur Zeit der Bestellung und Lieferung ge- wohnt haben.— I. W. 13. Nein, wenn die Versicherungsbedingungen nichts anderes besagen.— Tegel 300. Etwa 13 000— R. M. 76. Es ist nach Ihnen gesragt worden.— Boxhagen-Rummelsburg 8. Nein — A. F. 110. Darüber erteilt ein Arzt die beste Auslunst.— Drei Streitende. Vor Dir habe ich keine Angst— F. F. 33. Auskünfte über Kredit- oder LeistungSsähigkeit von Firmen können nicht erteilt werden. — W. S. 444. Haben Sie nach dem 1 Januar 1900 zum zweiten Male geheiratet, so leben Sie nicht in Gütergemeinschas! und Ihre Frau kann sür den Fall der Psändnng der von ihr eingebrachten Sachen mit Erfolg intervenieren. Ist die— zweite— Ehe vor 1900 geschlossen, so wollen Sie Ihre Anfrage nochmals an uns richten, auch Ort und Datum de, Eheschließung angeben.— Zt. G. 10. DI- Ehefrau muß, falls Pfändung erfolgt, von dem Vormund unter Vorlegung des Ehevcrtrages und einer eidesstatt- lichen Versicherung Freigabe verlangen und, falls solche abgelehnt wird, klagen. — W. M. 33. Sie müssen bei dem Amtsgericht, in dessen Bezirk der Schuldner leinen Wohnsitz hat, unter Ucberreichung des Urteils beanlragen, und zwar unter Namhastmachung der Bank bezw. der Sparkasse, daß der Anspruch des Schuldners in Höhe Ihrer Forderung gepsändct und Ihnen zur Einziehung überwiesen wird. Der Beschluß, den das Gericht erläßt, ist der Bank bezw. der Spalkafle mit der'Aufforderung zur Zluskunsts. erteilung durch einen Gerichtsvollzieher zuzustellen. Alsdann ist die Bank bezw. Sparkasse zur Auskunstserteilung verpflichtet.— Wissen 4. Die Frau Mutz zunächst auf Dieherherfieskung Zer hauZlichen®e» mcinschast verllagt werdeu. Kommt sie einem etwa dahin er- gekeiidcn Urteil nicht binncii Jahresfrist nach Rechtskrast des Urteils nach. so kann alsdann auf Ehescheidung geklagt werde». — P. 65. Gütergemeinschast besteht nicht: Sie können mit Erfolg intcr- vcnieren.— B. K. 300. Sosern die Ware nicht sür den Gewerbebetrieb geliejert ist. verjährt der Anspruch aus Zahlung in zwei Jahren, beginnend mit dem Schluß desienigeu Jahres, in dem der Anspruch entstanden ist. Ist z. B. die Ware im Januar 1908 gekaust, so verjährt die Forderung llnt dem 31. Dezember 1910. Ist die Ware sür den Gewerbebetrieb geliefert. so verjährt die Forderung in vier Jahren unlcr denselbeii Bedingungeii. Die Verjährung wird außer durch Klageerhebung durch Ancrkcnnlnis usio. unterbrochen.— O. A. 7. Ihre ichristliche Anfrage ist nicht recht vcr- sländlich. Kommen Sie in die juristische Sprechstunde oder befragen Sie einen RechtSanivalt.— S. 73. Der Mldsvcrtragsstempet ist zu Unrecht erhoben.— Zl. B. 113. 1. Wenn die Frau Vollmacht halte: Ja. 3. Nein. 2. und 4. Ohne Einsicht in den Mielsvertrag nicht zu beantworten.— ZI. R. IS. Wemi Sie bei den Verhandlungen gesagt baden, daß Sie das Zimmer zum 22. Januar gebrauchen. hasten Sie nicht.— H. 11. Kaunr. Eine Einreichung der Mitgliederliste bei der Polizei erfolgt nicht mehr.— E. Sch. 75. Nicht bekannt; der angegebene Titel läßt aus Reklame sür ein nicht empfehlenswertes Werk schließen.— G. 4. Der Arbeitsvertrag kann auch zum Montag aus- gekündigt werden: ist die Kündigung am Montag erjolgt. so ist der Loh» für den zweiten solgenden Montag noch zu zahle».— HanSdieuer 30. 1. Falls nichts anderes vereinbart: 1-ltägige. 2. Abzug darj nicht erfolgen.— R. V. 17. Sind Sie gewerblicher Arbeiter, was aus der Anfrage nicht ersichtlich, jo beträgt die Kündigungssrist 14 Tage. Theaker und Vergnügungen Donnerstag, 3. Februar. Anfang VI, Uhr, tkönigl. Opernhaus. Siegfried. lAnsang 7 Uhr.) König!. Schauspielhaus. Die Rabcnsteinerin. Neues königl. Opern-Thcater. Geschloffen. Deutsches. Der Widerspenstigen Zähmung. Kammerspiele. Der gute König Dagobert.(Ans. 8 Uhr.) Hebbel. Kavaliere. Aiflang 8 Uhr. Neues Schauspielhaus. Der große Tote. Berliner. Pension Schöller. Lessing. Das Konzert. Neues. Der Philosoph von SanS- souci. Komiiche Oper. Die Fledermaus. Westen. Die geschiedene Frau. Neues Operetten. Der Gras von Luxemburg. Trianv». Buridans Esel. Kleiueö. Der große Name. Residenz. Im Taubenschlag. Thalia. Die Dollarprinzcsstn. Schiller». Waio--.c,i«r.) Der Pfarrer von St. Georgen. Sch Charlottenvurg. Miß Friedrich-Wilbelmstädt. Flachs- mann als Erzieher. Bolksoprr. Cleopatra. Luise». Heimat. Roir Die Herren Söhne. Lustspielhaus. Der dunkle Punkt. Metro»»!. Hallohll— Die große Revue. Folieö Gapricc. Sicher ist sicher. Bunter Teil. Der Mann meiner Frau.(Ans. 8'/. Ulir.) Cnsino. Der Obergauner. Gebr. Herrufeid. So muh man'S machen. Ein RettungSmittcl. Gastspiel. Der Polizeihund.(Ans. 8',. Uhr.) Stadttheater Moabit. Sherlock Holmes. Noacks. Straßenbahnfahrer Krause. Parodie. Dollarprinzessin. Moral. Bajazzi.(Ans. 8'i, Uhr.) Elp a Der Licbeswalzer. spezta- litäten. Wintergarten. Spezialitäien. RrichsUallen. Sleitiner Sänger. Palast. Spezialitäten. tvai.age, Sveziaütäten Buggenhage». Spezialitäten. »ari Haverland. Sveztalitätcn. Walhalla. Svezialitäien Urania. Tuuveiistraste 48/40. Abends 8 Uhr: Im Firnenglanz des Ober-Engadin. Hörsaal 3 Uhr: Dr. W.Berndt: Di- heutige Menschheit, ihre Rassen und Arten. Sterin».«r», Jilvaüdenstr 57— 62. "Lessing»Theater. Donnerstag. 8 Uhr: Das Konzert. Freitag. 8 Uhr: Das Konzert. Sonnabend, 8 Uhr: Das Konzert. EJerHner Theater. Stute: Prilfion Sdjöllfr. s Uhr. Morgen: Macbeth. Heues Theater. Abends 8 Uhr: Der Philosoph von Sanssouci. Morgen und solgende Tage: Oer Philosoph von Sanssouci. Ihealer des Westens. AbendS 8 Uhr: Die geschiedene Frau. Sonntag 3'/, Uhr: Der fideleBauer. AI«««» Operott en-TUeater, Heute und solgende Tage 8 Uhr: Der Gras»on Luxemburg. Operette in 3 Slkten o. Franz Lehär. Sonntag 3 Uhr: Der Zigeuncrbaron. Friedrich-Wiihelmstddtisches Schauspielhaus. Donnerstag, den 3. Februar, 8 Uhr: Flachsmunn als Erpeher. Freitag: Die Großstadtlust. Sonnabend 3'/, Uhr: Die Jungsrau von Orleans. 8 Uhr: Halali. Sonntag 3 Uhr: Othello._ Lustspielhausi Abends 8 Uhr: Der dunkle Punkt. Ui'iml». Wissenschaftliches Theater. Donnerstag 8 Uhr: Im Firnenglanz des Ober- Engadin. Hörsaal 8 Uhr: Dr. W. Berndt: Die heutige Menschheit, ihre Rassen und, Arten". Residenz-Theater Dircltion: Richard Alexander. Abends 3 Uhr: Im Taubenschlag. Schwank in 3 Alten von Hennequin und Veber. Morgen und folgende Tage: Tteselbe Borstellung. Sonnlag, den 0. Februar, 3 Uhr: Eine Hochzcitsnacht Anfang ll,9 Uhr: Gastspiel-Theater Köpenicker Straße 68. Mozart-Oper. Sonnabend, den 5. Febr., 8'/, Uhr: EröffiiuiigS-Borstellung i Iii« �»«kei'flOt.«. Abends 8 Uhr: Die Zauberflöte. Luisen-Theater. Donnerstag und Freitag: Gastspiel Lucie Viörna. Heimat. Schauspiel in 4 Ulkten von Hermann Sudermann. Sonnabend 4 Uhr: Große Kinder- Vorstellung: Schneeweißchen und Rose>rot. 8 Uhr: Der Veilchensresser. Sonntag 3 Uhr: Nibelungen. 8 Uhr: Premiere: Am Altar. Montag: Heimat._ OSE=THEATE| Große WM« Zranksurtcr Str. 132. »ran Ans. 5 Uhr. Ende'/all Uhr. 1 Die Herren Söhne. Volksstück w 3 Akt. v. Walther u.Stein. Freitag: Dcr Vizepapa. Sonabend: Deborah, nachm. 4 Uhr: Rotkäppchen. 8 Uhr: Die neuen Spezialitäten. 8'/, Ulir: Zum 3. Male: Der Liebeswalzer. Operette in 3 Akten von R. BodanSky und F. Grünbaum. Musik von C. AI. Ziehrer. Hauptrolle: Konrad llrehsr a. G. Metropol-Thealer Hallo!!! Die groüe Revue! Sonnabend, den 5. Februar 1910: 2. großer Metropol-Tbeater-Ball. Hutkonknrrenz, 1000 M. Barpreise. I Passage-füeater.- Abends 8 Uhr; ! Gussy Holl j Lamborg i Schneider Duncker t (prolongiert) und da» nene Februar-Programm. 14 Variete- Attraktionen. od» Hcliiller Schiller-Theater 0.(Wallner-Theat.). Donnerstag, abends S Uhr: He»- Pfarrer v.St. Georgen. Schauspiel in 5 Aufzügen von Heinrich Welcker. Ende IQ3!, Uhr. Freitag, abends 8 Uhr: GescdKIt Ist Geschäft. Sonnabend, abends 8 U h r: Viel I-ärmen am nichts. Tlieater. Schiller-Theater(Charlottenburg). Donnerstag, abends 3 Uhr: HIU Hobbs. Lustspiel in 4 Aufzügen von Jerome K. Jerome. Deutsch von W. Wollers. Ende 10-/. Uhr. Freitag, abends 3 Uhr: Her Pfarrer v. Sit. Georg/en. S onnabend, nachm. 3 U h r: Wallensteins Lager. Die Piccolomini. Sonnabend, abends OUfjr; Her Pfarrer v. St. Georgen. Brauerei Friedrichshain am Königstor. Größte Sehenswürdigkeit Berlins. Donnerstag-„Kirmes auf der Alm". Größter Bock-Jubel und Trubel �-stÄr7" Sehorscb Elireng ruber mit seiner Truppe(60 Mitwirkende) aus Kll.-oden. MV Passierkartcn haben volle Gültigkeit. Ansang 8 Uhr. Entree 2« Ps. OHf Morgen Preitag:"TfSQ Prämiierung der 3 größten Oamenhfite. 3 Geldpreise._ Arnold Scholz KCU© Hasenheide 108/114 Täglich Im großen Saal: ßochbierfeSt in den bayerikhen fllpen Heute Donnerstag, den 3. Februar: Prämiierung des größten modernsten garnierten tragbaren Damenfilzhutes. Anmeldungen bis 10 Uhr abends an der Kasse. Preise M. SO.—, 30.—, SO.—. Anfang 7 Uhr. Entree 30 Pf. Neuer Spielplan! Robert Steidl Der Vampyr-Tanz Miß Vioiet Hope and Mr. Lesly sowie das drollige Faschings-Programni! MM« Kommandamenstr. 57. T. 21. 4, 5083. Durchsdjlligkndster Echlg! Direktion: Rodert Dill it Karl Pirnau. Burgstraße 24, am Bahnhol Börse. Benefiz für den Kapellmeister Mired Sommerfeld. Nur e i n m ali g e Aufführung: Die Seemanusbraut oder: Die Rückkehr aus Ehina. Dazu sämtliche Spezialitäten. Anfang 8 Uhr. Entree: 50 Pf. bis 3 Mark. Vorzugskartcn überall zu haben. Burleske mit Gesang in 2 Allen, Musik von L. Jtal, mit den Autoren Anton und Oennt Herrnfeld in den Hauptrollen. Hierzu: Bin Rettungsmittel Komödie v. L. Huna. Anfang 8 Uhr. Vorverkaus U bis 2 Uhr. Sonntag nachmittag 4 Uhr bei halben Preisen: tVieiue-Deiue Tochter. W.Koacks Theater Lrunnenitr. 16, am Roscnthaler Tor. Grofte Extra-Borstellung. Stlllßknblihnfllhrkr Kransk. Lebensbild in 4 Zillen von Jean Claircmont. Morgen: Dieselbe Vorstellung, Sonnabend: Heckm. Kinder-Vorst. Tolies Caprice. Sicher ist sicher. Bunter Teil. Der Kann meiner Tran. Ans. 81/« Uhr. Vorverkaus 11—2. Freitag, den 4. �br.; Premiere. Passage-Panoptikum Senegal in Berlin! RA wilde Weiber Mann«, Kinder. Drei Negerdörfer Ohne Extra-Entrce! BS alhalla- Variete-Theater | Weinbergsweg 19-20. Rosenth.Tor. I Ansang 8 Uhr: Neue Spezialitäten. Tnnnel: Bockvierfest. , Regimentskapelle., | Theaterbesuchern freier Ginirilt 1 1 M-UW'l'l am MoHsipIati 1.8 Uhr. Im oberen Saale: Die glänzenden Spezialitäten. Heate O'/a Ehr ringen: Alb. Sturm- Charlottenbllrg gegen I. Roepcll-Danzig. Saucrer-München geg. Heln-Berlw. Hest-Baden gegen Jlla-Kuba. Stnlzenwald- Essen gegen Flest- Dresden. Im unteren Saale: Alts Germanisches Soehbier-Kellerfest mit Doppel-Konxert, Die nächsten b t ü c k e: Lessing-Theater: Hanneies Himmelfahrt. Thalia-Theater: Jagend. Der Dorftyrann. Neues Schauspielhaus: Traumulus. Der große Tote. Residenz-Theater: Musotte. Einige Karten za den Nachmittags- Abtellangeo Donnerstag, den 3. Februar, abends 7'/. Uhr: Extra-Gala-Vorsteilung. Neu! Neu l Der Komüdlengankler Harry Lamore. Neu I Neu I Fliegender akrobatischer Akt der rranklin-TruPpe. Der kleinste komische Reiter der Well Drig.-lüagongbl. Auftreten des Kommiisionsrats Gu->t«v 8t«i»sh«clc als Gast mit seinen neuen hervor- ragende» Schulpferden. Direktor.Alb. Scliiimanns neue und moderne Dieffuren. Um 9'/, Uhr: Ende ll Uhr: vis tirei Rivalen. Gr. Feerie aus der Hugenoltenzell. Tanz der Weine und »ildichweinjagd.-WIN Alt-KoabU 47/48. Donnerstag, den Z. Fehmar 1910: Nur einmalige Auttilhrung: Shtrilldi Holmrs Sherlock Holmes: HanS Rcitz. Kar! ktsverlanc! Ansang Thcst«»'. präz. 8 U. 77/79 Kommandantenstraße 77/79 Das Neueste vom Neusten bietet das �ebruar-Programm. Vasmv-Theater Lothringer Straße 37. Täglich 8 Uhr: Daö neue glänzende Programm. Mcibryck als„Madame Steinhell". ilnr noch kurze Zeit: ZZsr dbsrgAUNsr. Sonnt.4Uhr: Trudch ens S ommerreis e. T rianon-Theater. Abends 8 Uhr: Kuridans Gsel. Sanssouci, S'V. Direllivn Wilhelm Reimer. Heute Donnerstag: ,Ä von Roümanns Hordd. Sängern Großer Erfolg des»cueu Soiree-Programms! Jubelnder Beffall Die lustige Wiwt. Posse in 1 Alt. Leg. Sonnt. 5, wochent. 8 U. Zirkus Busch. Heute Donnerstag, den 3. Februar, abends 71/, Uhr präz.: Gr. Gala-VorHtellnng. Bisher noch nie gezeigt! I tfmr Tic Dancll Co.~�n Skandinavischer Sport-Akt. Ski, Rodel und Rollschuhe. Mr. Jacob, Foxterrierdress. Hr. James L. Fillis, Schulreiter Sisters Curtis, Luftserpentin-A. Herr E. Schumann, Neudressur. Zwergolown Franfois, Kunstr. 9 Uhr ca. Ende ca.'/.II Uhr Die russische Pantomime Ularja. Voigt-Theater Gastspiel im Artushof, Moabit, Perleberger Straße 26. Donnerstag, den 3. Februar 1316: Der Hüttenbesitzer. Schampiel in 5 Akten vou Gearge Ohnet. Kaffeneröffnung 7, Ansang 8 Uhr. Keicdzbsllell-Ibeüler. StettinerSänger Der Nachtwächter von Zerpenschleuse. D.F. Meysel Ansang: Wochent. 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. Billetts stets 8 Tage vorher. an der Jm-inowitrhrUeke. Deutsdilands giösste und melimsle Llclilbüline 4150 Sitzplätze Feenhafte Aucstaltuftg Beginn: Wothcntags 4 Ehr. Sonntags 2„ Könlgstadt-K asino. Holzmarktstrane 72. Täglich: Eranr Kobanslrk. Neu: Xiti// V/dost, Vortrags. soubrette. The V/atson, Kombi- notions-Akt. 4 Fernandos, Equi. libristischerAkt. Kstr Fred, Stuhl- Balance. Prolongiert: Viktor, Ritter, Geschw. Turl usw. Sein Schwiegervater in spn. Nach der Vorstellung: Mittwoch, So. mab.. Sonnt.: Tanzkränzchen. itzur dcu Jnuatt der Jnierate übcrniiiimt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung. Verantwortlicher Redakteur Richard B«rth, Berlin. Mr de» Jnseratenteilverant«.: Th. Glocke. Berlin, Druck U.Verlag: Vonvärtt Buchdruckerei u. Berlagsanstalt Paul Singer St Co.. Berlw SW. Nr. 28. 27. Iahrgaag. 3. Ktiltzt ilts Amiirts" Krim» KIIisdlÄ Doonerstag, 3. Febrosr lM. Sie Sterblichileitzvei'haltoiiie im Deutsche» lüeiche. Als vor beinake einein halben Jahre die ersten Ergefmisie der neuberechneten Sterbetafel erschienen� haben wir bereits die Haupi- daten hier einer kurzen Besprechung unterzogen. Wir fanden als Hauptergebnis, dah die Sterblichkeit der deutschen ReichSbevölkcrung im ganzen erheblich herabgegangen ist, dost die mittlere Lebens- erwartung eines lebend geborenen Änabsn seit dem Jahrzehnt 1871/1891 von 85,58 Jabren auf 40,56 Jahre gewachsen ist und die eines lebendgeboreuen Mädchens non ,68,45 ans 43,97 Jahre. Wir teilten die Haupizahlen auch in einer Ileinen Ilebersicht mit. Das nunmehr als Band LOO der„Statistik des Deutschen Reichs" erschienene Hauptwerk bringt die vollständigen Ergebnisse. Sie stellt sich damit als eine der wichtigsteil Arbeilen dar. die seil Jahrzehnten das genannte Amt geliefert hat. ES beschränkt sich nicht darauf, die Ergebnisse der Sterblichkeitsuntersuchungen auf die Reichsbevölkerung im ganzen mitzuteilen, sondern gibt auch vollständige Sterbetafeln fiir die gröstcren zusammengehörenden Landes- teile, Staaten und Staatengruppen. Wir wollen für die charakteristischien Staaten und LandeStcile die allerwichligsteu Daten in einer kleinen Tabelle zusammenstellen. Wir wählen dazu die Zahlen der Lebenskraft. Man versteht darunter die durch- schnittliche Zahl der Lebenden, die auf einen Gestorbenen der betreffenden Alterskategorie kommen. Diese Zahlen stellten folgendermaßen: Verlm und die Provinz Sachsen und Preußen West die übrigen 1 2i/amal so viel Kinder wie in Oldenburg. Die geringste Sterbliche Provinzen nebst Hohenzollettu Die Gruppenteilung ist nach der keil im ersten Lebensjahre weist beim männlichen Geschlechte Oldew '.> vio««* m.• v a r*-». � Am 1 i* f I jc. am � A» �.....*1 � rr � �____ Ü tw.~ er-..... sich Jahre alt 0—1 4-5 o— 10 10—15 15—20 25—80 35—40 oO— 5o 60-65 70— /o 80—85 Preußen Ost Mitte West für das männliche Geschlecht 3.53 73,61! 148,53 330,63 238,73 163,17 100,31 47,81 25,42 11,42 4,87 3.50 90,57 185,72 384,12 218,88 180,99 106,57 47,86 25,06 11,32 4,82 5,12 100,20 195,19 313,14 208,71 159,76 108,56 47,60 24,37 11,01 4,76 Verlin 3,43 81,67 401,11 242,22 163,17 87,45 40,12 21,81 10,82 4,93 Olden- bürg 6,55 116,87 174,63 278,83 187,98 148,31 110,61 53,67 26,43 12,21 5,14 für das weibliche Geschlecht 0-1 4.18 4,17 6.21 4,17 7,79 10—15 803,53 867,15 290,20 404,36 203,17 50—55 71,21 75,73 64,86 71,75 65,42 Preußen Ost umfaßt die Provinzen Ost- und Westpreusten, Poinmern, Posen und Schlesien, Preußen Milte umfaßt Brandenburg mit Verwandtschaft in den SterblichkeitSverhältnissen getroffen. Wir stellen dazu noch daS krasse Beispiel Oldenburg. daS ganz vorzügliche StcrblichkeitSverhältnisse aufweist, und Berlin als Haupt- stadt besonders. Man erkennt, daß die SterblichkeitSverhälttnsse in den einzelnen Landesteilen überaus verschieden sind. Die Lebenskraft eines KindeS im ersten Lebensjahre ist sehr gering. Sie beträgt im Reiche bei den Knaben 3,73, d. h. auf einen gestorbenen Knaben dieses Alters kommen 3,78, die am Leben bleiben. Bei den Mädchen beträgt die Lebenskraft im ersten Lebens- jähre 4,53. Sie steigt aber sehr schnell an und erreicht zwischen dem 10. und 15. Lebensjahre ihren Höhepunkt. Dieser fällt beim mann- lichen Geschlcchte etwas hoher als beim weiblichen, dafür nimmt aber bei den Männern die Lebenskraft dann schneller ab als bei den Frauen, eine Tatfawe, die deutlich anzeigt, daß die Lebensgefährdungchcr Frau durch das Gebären meist stark überschätzt wird, und daß dein Manne in seinen vollkräftigen Jahren die größte Last und Arbeit zufällt, die seinen Körper schneller verzehrt als den der Frau. In den rein ländlichen Gebieten zeigt die Lebenskraft der Männer in einem gewissen Alter einen Sttllstand. Dieser fehlt in Berlin und den Hansastädten, die eine rein städtische Bevölkerung aufweisen. Bei dem weidlichen Geschlechte zeigt sich ein solcher Sttllstand nicht, die Abnahme der Lebenskraft nach dem Höchstwerte geht aber langsamer vor sich als bei den Männern und verlangsamt sich sogar injjoherem Alter noch beträchtlich. Am stärksten ausgebildet ist der Stillstand der Lebenskraft in Oldenburrg und Mecklenburg, wo man am extensivsten lebt. Es ist hoch st bemerkenswert, daß gerade in den Großstädten und namentlich in Berlin die Lebenskraft zu einem Werte an st eigt, der diejenigen der ländlichen Bevölkerung weit überragt. Auch bei den Frauen ist die Lebenskraft in Berlin in der günstigsten Zeit groß, sogar ausnahmsweise noch größer als beim männlichen Geschlechrc. Man muß doch wohl au« nehmen, daß die mannigfachen Anregungeil der Weltstadt die Lebenskraft außerordentttch anfachen, so daß dem Tode in dieser günstigsten Lebenszeit verhältnismäßig wenige Opfer zufallen. Dafür nimmt aber die Lebenskraft in den folgenden Altersklassen schneller ab und der erwähnte Stillstand bleibt auö; die Sterblichkeit wächst mit zunehmendem Alter schneller als bei der ländlichen Bevölkerung, weil der Mensch intensiver arbeitet und lebt und infolgedessen schneller verbraucht wird. Für die Gestaltung der Sierblichkeitsverhälmisse ist ja überall die Säuglings st erblichkeit m hohem Maße ausschlaggebend. Ihre Herabdrückung durch die mannigfachsten hygienischen Mastregeln bat sehr zur Verbesserung der Sterblichkeitsverhältnisse beigetragen. Es ist daher wichlig, ihr besondere Aufmerksamkeit zu schenken. In den verschiedenen Landesteilen des Reiches ist die Säuglingssterblich- keit sehr verschieden. In Bayern starben im ersten Vierteljahr etwa bürg, beim weiblichen dagegen Hessen auf. Auch die westlichen Provinzen Preußens zeigen im ersten Vierteljahre beim weiblichen Geschlcchte eine geringere Sterblichkeit als in Oldenburg. Am größten ist die Säuglingssterblichkeit im Königreich Sachsen. Dort sterben fast 30 Proz. aller lebendgeborencu Kinder im ersten Lebens- jähre, während in dem verschrienen Berlin 25 Proz. sterben, aller- dingS immer noch ein verhältnismäßig hoher Anteil, der dringend danach verlangt, gemindert zu werden, umsomehr als die Erfahrung vorliegt, welche Bedeutung eine hygienische Fürsorge für die Säug- linge hat. Berlin besitzt durch die Rührigkeit deS früheren langjährigen Direktors des Berliner städtischen Statistischen Amtes Boeckh schon lange Sterbetafeln, so daß hier, wo zahlenmäßige unumstöß- liche Beweise vorlagen, die Kritik kräfttg einsetzen konnte. Sonst wäre die Kindersterblichkeit in Berlin zweifellos noch viel größer, als sie jetzt noch ist. Amtlicher Marktbericht der städttlchen Marktballen-Direttion flict den Großhandel in den stentral-Marllballen. Marktlage: Fleisch: Zulubr schlvach, Geschäft still, Preise unverändert, Wild: Zufuhr sehr reichlich, Geschäft nicht lebhaft gernjg, Preise nachgebend, 61 e sl u g e l: Zu- fuhr reichlich, Geschäft lebhaft. Preise nachgebend. Fische: Zusuhr mäßig, Geschäft ruhig. Preise befriedigend, Bult er und Käse: Geschäft ruhig. Preise unverändert. Gemüse, Ob sl und Südfrüchte: Zusuhr genügend, Geschäft ruhig, Preise wenig verändert. «afferstandS-Vlachrtchte» der LandeSanstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Weltcrbureau. Wasserstand M e m e l. Tilsit Brezel, Irisierburg Weichsel, Thorn Oder, Rattbor , Krassen , Frankwrt Warthe, Schrtnnn , Landsberg Netze, Vordamm Elbe, Leilmeritz » Dresden , Barby , Magdeburg leit 31. 1. cm1) —8 -4 0 0 0 —14 —4 — 14 —45 —16 — 9 — 7 _—52 «)+ bedeutet«uch».— Fall. 1 Unlervegel.») ElSstand. 0 Ei«. trelben,«) Eisfrei. 1 Schwache» ElStreiben.*) Eisgang. Wasserstand Scale, Grochlitz Havel,«vandauK _, Ratbenow') Spree, Svremberg'j , Beeskow Weser, Münden , Minden Rhein, MaximilianSau , Kaub . Köln Neckar, Hellbroua M a i u. Werth etm Mosel, Trier am 1. 2, cm 164 120 151') 94 173 11 136 490 329 430 189 Jlfur noch bis Sonnabend, den 5. Februar Unser Inventur-Verkauf zu aussergewöhnlich billigen Preisen nur Jerusalemer Strasse 38-39 erfreut sich in weitesten Kreisen grosster Be ach tun?. 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Bei der hohen Bedeutung des Verfassers für die Arbeiterbewegung sollte das Buch, das einen wertvollen Beitrag sur Geschichte der Arbeiterbewegung darstellt, von jedem Arbeiter gelesen werden. Expedition des„Vorwärts", Bsriin SW., Lindenstr. 69(Laden). »««««»« Bureau: Engeluser IS. Ztoe!|£V0rehl BerlÜI, Telephon Amt IV 4093 Wir machen alle Mitglieder des Gesamtzweigvereins auf die am Sonntag, den 6. Februar, vormittags 10 Uhr, tagende AHmdkutiiihk Kklittal-Uttsmmlmg anfmerksam; Lokal und Tagesordnung ist ans dem Handzettel ersichtlich, der am Donnerstag oder Freitag dieser Woche in allen Sektionen, Zahlstellen und Bezirken mit dem„Grundstein" zugleich verbreitet wird. Mitgliedsbuch resp. Legitimationstarre legitimiert, ohne dasselbe kein Eintritt. Vollzähliges Erscheinen envartet Der Zweigvereinsvorstand. KB. Die Obleute und Vorsitzenden der Sektionen, Zahlstellen und Bezirke ersuchen wir hierdurch nochmals, ihren ganzen Einfluß aufzubieten, damit in dieser Woche die„Grundsteine" mit dem darauf befindlichen Handzettel schon am Donnerstag, spätestens am Freitag zur Ver- breitung gelangen, damit jeder Kollege— bei der großen Wichtigkeit der Versammlung— von deren Stattfinden frühzeitig genug unterrichtet ist. 136/6* D. O- I Bester I DänischerKautabak M. Hansen jun. Generalvertrieb Max Ziegeniials, Amt VII, 3047. Königstr, 70. Carl Ernst aber Willi Ernst) cht: Köpenicker Str. 55 b, l. Amt IV, 11089. Gr. Auswahl! Bill. Preise! Verzeiger dieser Annonce er- hält XO Proz. Preisermäßigung. leumiitlsiniisl Gicht, GlietlerreiBen, Merven- | schmerzen.HUftweh.Geschwultteto.{ 1 find oft unerträglich, daher ge- | brauche man sofort Reichel's„Electficum" (Echtes Kiefernaael-Waldwolloel: j ein reines unschädliches SJatur« prodnki vo» kräftig durch«. eisender. nachhaltiger. fchmerjf?illea< der?0irkung. 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Berlagsanstalt Paul Singer& Co., Beüiu SW,