Nr. 29. nbonnementS'Redingungen: Wonnements, Preis vräuumerandoi Liertcljährl. 3,30 Mr., monatl. 1,10 Mk.. «vöchcntlich 28 P,g. frei inä Haus. Emzelne Nummer S Pfg, SonnmgS- imnimer mit illustrierter Sonntags» Bellage.Die Neue Welt- 10 Pfg. Post- Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Posl-Zcitungs» Preislisie. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn L Mark, für das übrige Ausland 8 Marl pro Monat. Postabonnements nehnien an: Belgien, Dänemark, Holland. Italien. Luxemburg. Ponugal, Rumänien. Schweden und die Schweiz. 27. JalM. CrföclDt täglich außer Hlontass. Vevlinev Volksblntt. vie Insertion!-Sebllhr kelragt für die sechsgespaltcne Kalonel- zellc oder deren Raum bo Pfg., für politische und gcwerlschastliche Lcreiils- und BersanimluiigS-Anzeigen 30 Pfg. „Alclne Rnrrigen", das erste ffett- gedruckte) Wort 20 Pfg., jedes wcitcw Wort 1V Psg. Stellengesuche und Schlas- stellcn-Anzcigcu das erste Wort 10 Psg., jedes weitere Wort 5 Psg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Warle. Inserate für die nächste Kummer müssen bis ä Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm-Adresse: „SMlaWeinolirat Rerlln'*. Zentralorgan der fostaldcmohrattfcbcn Partei Deutfchtandd. Redaktions 8M. 68» Lindenstrassc 69. Fernsprecher- Amt IV, Nr. 1983. Expedition: SSI. 68, Lindcnstraase 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1981. Li» Vorspiel zum französischen (Parteitag. Paris, 30. Januar.(Gig. Ber.) Der Parteitag der französischen Sozialisten, der in der kommenden Woche in N i m e s tagen wird, findet eine ziemlich koniplizierte, ja konfuse Situation vor. Vor allem sind es z>vei Fragen, die in der Partei eine mehrfache Spaltung der Meinungen hervorgerufen haben. Die Frage der Stich- wahltaktik, die von früher her zu den umstrittensten Gegenständen des Parteilebens gehörte, ist diesmal durch die aktuell gewordene Frage des Proportionalwahl- rechts noch verzwickter geworden. Gab es ehedem für sie drei Lösungsvorschläge: die Aufrcchterhaltung aller Kandidaturen im zlveiten Wahlgang, die U n t e r st ü tz u n g der im ersten Wahlgang begünstigten bürgerlichen Kandidaten, deren Wahl im I n t e r- esse der sozialen Republik und des Pro- letariats lag(diese Auffassung ist in der bisher maß- gebenden Resolution von Chalon ausgesprochen) und die unbedingte Unter st ützung des einen Vorsprung besitzenden bürgerlichen Republikaners gegen den„Reaktionär"(die sogenannte„republika- nische Solidarität"), so kommt diesmal noch das Eintreten für den Anhänger des Proporzes in Betracht, wobei wiederum zwei Auffassungen zutage treten, je nachdem diese Unterstützung nur Links-Rcpublikanern oder auch„Reaktionären", d. h. Monarchisten, Nationalisten und .Liberalen" gewährt werden soll. In der' Seine-Fö der a tion, die von jeher eine Musterkarte aller Nüancen des französischen Sozialismus dar- stellt, sind diese verschiedenen Richtungen auf dem vor viev zehn Tagen einberufenen Kongreß heftig aufeinander geplatzt. Die endlose Geschäftsordnungsdebatte, worin sich die fort geschrittene Desorganisation kund gab, machte aber überhaupt jede gedeihliche Diskussion unmöglich, und es blieb nichts übrig, als alle Fragen der Tagesordnung der Beratung in einer Kommission zu übenveisen. Auf diese Art!var es dann möglich, am letzten Sonntag in einer zweiten Versammlung des Kongresses die Beschlußfassung herbeizuführen. In der Frage der Wahltaktik erhielt keine der vor geschlagenen Resolutionen die absolute Mehrheit. Es wurden abgegeben: 123 Stimmen für die Resolution Tanger. Sie fordert den Rücktritt der sozialistischen Kandidaten, wenn die im ersten Wahlgang erhaltene S t i m m e n zi ffer die Aufrecht erhaltung nicht gestattet. Die Motivierung lehnt sich an die Resolution von Chalon an. 65 Stimmen für die Resolution Jober t. Sie fordert unbedingte Aufrechterhaltung der Kandidatur mit„insurreltioneller" Motivierung. Jobert will„die Wahlen sabotieren. weil die Wahlen die sozialistische Doktrin sabot ieren." In Wirklichkeit steht also die Sache so. daß die Jusurrektionellen AntiParlamentarier sind, aber gleichwohl in die Wahlagitation eingreifen, um der Propaganda willen, wie sie sagen, aber auch, um nicht formell zu den von der sozialistischen Internationale auf ihren Kongressen beschlossenen Zulassungs- bedingungen in Widerspruch zu geraten. Für Jobert sind alle Parlamentarier—„Schufte"— also auch die sozialistischen. Die Wahlagitation soll also nicht ihre Wahl fördern, sondern die Wähler mit Mißtrauen gegen jede Denwkratie, auch die sozialistische erfüllen.„Sabotiert" wird bei diesem Verfahren in erster Linie die sozialistische Organisation. 46 Stimmen für die Resolution Ducreux. Auch sie fordert Ausrechterhaltung der Kandidaturen im zweiten Wahlgauge, aber unter Anerkennung der Notwendigkeit der parlamentarischen Aktion. Die sozialistische Kandidatur soll bis zun: Schluß den unüberbrückbaren Gegensatz zu allen bürgerlichen Parteien zur Geltung bringen. '60 Stimmen für die Resolution Poncet, die den Föderationen die Bestimmung der Taktik freigibt, aber sie gleichzeitig auffordert, die sozialistische Kandidatur zu- gunsten des im ersten Wahlgange begünstigten Anhängers des Proporzes ohne Rücksicht auf seine Parteistellung zurückzu- ziehen. Diese Abstimmung wurde als Schlüssel für die Austeilung der 25 Mandate für den Parteitag angenommen. Zu den De- legierten der ersten Gruppe(Resolution Tanger) gehören die Genossen Vaillant, Sembat, Groussier, Du- breuilh und andere. Zur zweiten Gruppe Frau Dr. Pelletier, der Redakteur der„Guerre Sociale" Perseau, der gemaßregelte Postbeamte C h a st a n e t. Zur dritten der Guesdist C a m b i e r. Die zweite Hauptfrage, die der A l t e r s v e r s i ch e- rung, wurde in gleicher Weise erledigt. Hier lagen fünf Resolutionen vor und wiederum fand keine die Mehrheit des Kongresses. Die erste sagt: Die soziasistischen Deputierten sollen für die Vorlage stimmen und alle Kraft aufwenden, das Gesetz zu verbessern. Sie erhielt 99 Stimmen. Die z>v e i t e: Die Fraktion kann nicht für ein Gesetz st i m m e n. das der arbeitenden Klasse keine Bürg- schaff gibt. Sie bekam 81 Stimmen. Die dritte: Die Deputierten, die den Fehler be- gangen haben, das Gesetz das erstemal zu be- willigen, sollen es bekämpfen und ablehnen. |(Bekanntlich war das Gesetz, für das die Fraktion in der letzten Kammer gestimmt hat, sehr verschieden von dem Projekt, das aus der Garküche des Senats herauskommen wird. Aber es basierte die Versicherung gleichfalls auf die K a p i t a l i s a t i 0 n und ein großer Teil der französischen Genossen hat sich mit der Mehrheit der Arbeitskonföderation in einen merkwürdigen Fanatismus für das Umlageverfahren verrannt. Anm. d. Ber.) Die Resolution erhielt 74 Stimmen. Die vierte: Ohne den Deputierten ihr Verhalten vor- zuschreiben, beauftragt der Parteitag die verschiedenen Organe der Partei, sofort im Lande eine Kampagne für die A b änderung des Gesetzes in dem von der Arbeits- konföderation angegebenen Sinne zu beginnen Die Resolution fand 7 Stimmen. Die fünfte: Die Partei erklärt, daß sie in den eigentlichen Arbeiterfragen strikte den Anweisungen der C. G. T. folgen soll, die der wesentliche Organismus der A r b e i t e r k l a s s e ist. Sie erhielt 13 Stimmen. Von den Ausführungen der Referenten ist das vom Jnsurrektionellen M s r i c bei der Begründung der dritten Resolution vorgebrachte Argument, daß die Partei sich nicht in Gegensatz zur Arbeitskonföderation bringen dürfe, sehr charakteristisch. Als es sich auf dem Parteitag in L i m 0 g e s darum handelte, das Verhältnis von Partei und Gewerkschaft prinzipiell zu klären, waren es gerade die Syndikalisten und die damals mit ihnen noch intim vereinigten Herveisten, die den Gedanken jeder Vereinbarung der beiden proletarischen Organismen auf das heftigste zurückwiesen. Jetzt soll ihre „Autonomie" den Sinn haben, daß die sozialistische Partei ihre Selbstbestimmung an die von Anarchisten durchsetzten Gewerkschaften, genauer: an ihre Scheinmajorität dahin geben soll. Die Zumutung ist umso sonderbarer, als die Beschlüsse der Konföderation die Gewerkschaften selb st nicht binden, so daß die sozialistische Partei zu der Vorstandsmehrheit der Konföderation in einem stärkeren Abhängigkeitsverhältnis stände als die konföderierten Verbände. Im übrigen veröffentlicht die„Action Ouvridre", das Organ der r e f 0 r m i st i s ch e n Gewerk- schaffen, soeben ein Manifest, das die vorbereitete Alters- Versicherung bei aller Hervorhebung ihrer schweren Mängel doch für besser erklärt als den bisherigen Zustand. Das Manifest ist u. a. von den Sekretären der Mechaniker, Buch- drucker, Handelsgehilfen und Lithographen, ferner vom Eisenbahner Guvrard unterzeichnet. Wenn also auf dem Föderationskongreß geltend gemacht wurde, daß die Zustimmung zum Gesetz die der Partei an- gehörenden Gewerkschafter in einen inneren Konflikt bringe, so könnte dieses flir die reformistischen Gewerkschaften gerade von der Ablehnung gelten. In Wirklichkeit sind für die sicher diskutierbare Entscheidung über die Taktik der Partei in der Bersicherungsfruge andere Argumente in Betracht zu ziehen, als die ohne Vorbereitung und Studium beschlossene Meinungsäußerung des von politischen Absichten mehr oder minder verkappter Anarchisten beeinflußten Kon- föderationsvorstandes. Es ist einigermaßen verwunderlich, daß dieses Argument auch von Parteigenossen ins Feld ge- führt wird, die sonst mit Eifer dagegen gekämpft haben, daß die Partei ein Schlvanz der Konföderation werde. vie SMialdenutotie and die vernbargiiche Molonialpolillli. Am Schluß der DienZtagS-Sitzuug hatte Herr Dernburg sich an der Sozialdemokratie zu reiben versucht, indem er behauptete, in der Sozialdemokratie sei eine Strömung vorhanden, die seiner Auffassung von der Kolonialpolitik zuneige; in Leipzig habe man schon„gar nicht mehr von der Kolonialpolitik zu reden gewagt"! Die Ablehnung des Kolonialetats durch die Sozialdemolratie komme ihm so vor wie das Verhalten eines Mannes, der hinten auf einem Wagen sitzend den Vorteil des Fahrens ausnutzt, aber wenn eS ans Bezahlen geht, abspringt und sich seitwärts in die Büsche schlägt! Diesen geistvollen Vergleich übertrumpfte er zum Schluß noch da- durch, daß er seine Kolonialpolitik mit dem Eindringen Karls des Großen in das Sachsenland in Vergleich stellte. Zunächst antwortete darauf der von Dernburg direkt angegriffene Genosse N 0 s k e. Er stellte fest, daß auf dem Parteitage in Leipzig deshalb über Kolonialpolitik nicht gesprochen worden ist, weil niemand die grundsätzlich ablehnende Haltung der Fraktion an- gegriffen habe. Dieses Schweigen führt also genau zu dem um- gekehrten Schluß! Ebenso unglücklich ist, wie Noske weiter ausführte, DernburgS Beispiel von der Kutsche. Die deutschen Proletarier werden zum Zahlen gezwungen, dafür daß einige Kapitalisten den Vorteil haben, in der Kutsche zu fahren! Karl der Große aber hat im Sachsenlande die grausamste Ausrottungsstrategie getrieben, und das deuische Volk hätte zu seiner Entwickelung nicht einer solchen Eroberungsbarbarei bedurft. Noske ging auch noch auf die Verteidigung der AuffichiS- ratspolitik durch den General v. L i e b e r t ein, indem er im' Sinne früherer Ausführungen von unserer Seite bekräftigte, daß wir es für sehr bedenklich halten, wenn ein Abgeordneter seinen Namen als Lockmittel für koloniale Gründungsprospekte hergibt. Das versetzte den freisinnigen Abg. G 0 l l e r mächtig in Er- regung. Er meinte, die Sozialdemokraten wollen es wohl den Ab- geordneten verwehren, sich in den Kolonien selbst zu betätige». Herr E r z b e rg e r dagegen gab bis einem gewissen Grade der sozialdemokratischen Auffassung recht, indem er meinte: in wieweit ein Abgeordneter die Beteiligung an kolonialen Gründungen mit seiner Tätigkeit im Reichstag vereinen dürfe, das sei wesentlich eine Frage des Taktes. Der Staatssekretär Dernburg widcrholte einfach seine Be- hauptuug, daß die Sozialdemokratie wegen der Abstimmungen zu- gunsten der Regierungsauffassung in bestimmten Eiuzclfrago» sich kolonialfreundlicher stelle als früher. DaS bleibe, so meint Deru- bürg, aber nur eine platonische Freundschaft, so lange sie nicht auch die geforderten Mittel bewillige. Hierauf erwiderte Genosse Ledebour, daß Dernburg offenbar ebenso wenig den sozialdemokratischen Standpunkt begreifen lönne wie Dr. Arendt und andere Politiker dieses Schlages. Von jeher sei in einzelnen Fragen die Sozialdemokratie für Rcgierungs- forderungen eingetreten, unbeschadet der grundsätzlichen Gegnerschaft gegen die kapiralistische Kolonialpolitik. Bei der Zurückweisung der Augriffe der Lüderitzbuchter Bürger auf die Diamantcnpolitik Dcrn- burgs habe sich die Budgetkonmnision und mit ihr die Sozial- demokratie in der Lage eines Richterkollegiums befunden, das nur nach Recht und Gerechtigkeit urteile» dürfe. Wer nicht verstehe, daß die Sozialdemokratie auch einem Gegner gegenüber Gerechtigkeit übe, ohne dadurch dessen politischen Rechislagen entgegenzukommen, der zeige dadurch nur, daß er— gleich dem«Reichsvcrbande zur Be- kämpfung der Sozialdemokratie"— einem politischen Gegner gegen- über jedeS, auch das schäbigste Mittel für geboten halte. WaS die Aufsichtsratspolitik anbetrifft. so betonte Ledebour: Die Sozialdemokratie verarge es keinem Abgeordneten, wenn er sich in kolonialen Unternehmungen betätige; er dürfe seinen Namen aber nicht als Reklameschild für Gründungen ausnutzen lassen und müsse so viel Takt besitzen, sich nicht in der Budget- kommission oder gar als deren Referent in Kolonialfragen zu be- tätigen I Die Frage hätte angeschnilten werden müssen, da eS leider bereits an diesem Takt gefehlt hätte.... Oder sei irgend jemand im Hause, der es für taktvoll halte, daß der Vorsitzende des AufsichtSratS der Gesellschaft Südkamerun in der Budgetkommission die Erhöhung des Ge- haltS für den Gouverneur von Kamerun bean- tragt Habel? Auf diese direkte Frage hüllten sich die bllrgcr- lichen Mitglieder des Hauses in verlegenes Schweigen. Ledebour wies aus den Denkschriften und Missionsberichten nach, wie„segensreich" die Deruburgische Kolonialpolitik auf die Eingeborenen im Siidwestafrika wirkt. Der Reichstag habe vor zwei Jahren auf einen Antrag der Sozial- demokratie hin die Regierung aufgefordert, den Eingeborenen Land für selbständige Wirtschaftsbetriebe zurückzugeben. Darauf ist jetzt ein Bescheid erfolgt. Danach lehnt die Re- gienmg die Forderung ab mit der Begründung, die unterworfenen Eingeborenen hätten ja kein Vieh, deshalb könne ihnen auch kein Land etwas nützen, da sie nur bei Viehzncht selbständig existieren können. Wenn die Hereros kein Vieh besäßen, so fügte der Redner dem hinzu, so liege das daran, daß es ihnen durch einen Erlaß des Gouvernements verboten fei, Rindvieh zu halten; nur Kleinvieh sei ihnen erlaubt I Wenn jetzt der Regierungsbescheid den Mangel an Vieh bei den Ein- geborenen als Grund für die Nichtbeachtung der For- derung des Reichstages anführe, so liege in einem solchen Bescheide nicht nur eine Verhöhnung der unglücklichen Eingeborenen, sondern auch des Reichstages. Der wahre Grund fei der, daß Herr Dernburg mit allen solchen Mitteln— wozu noch die schon durch Noske gckenn- zeichnete Prügel-Arbeitsordnung komme— die Eingeborenen, an Händen und Füßen gebunden, den Farmern zur Ausbeutung über- liefern wolle. Zu dieser Ausbeutung komme noch die Verseuchung der Eingeborenen mit Krankheiten durch die Weißen l In Ergänzung der im„Vorwärts" bereits besprochenen offiziellen Missionsberichte verlas Ledebour Stellen aus gleichzeitigen Berichten der nämlichen Missionen, auS denen eine noch weit schlimmere Korruption und Verseuchung hervorgeht. Heißt eS doch in einem der Berichte, daß bei den HereroS wegen der Ansteckung mit Geschlechtskrankheiten kaum noch gesunde Kinder geboren werden! Ledebour richtete im Anschluß daran die Frage an den Staatssekretär: ob elwa die„Rheinische Mission" der Regierung diese Tatsachen ber- schwiegen hätte oder ob im Ncgieruugsbureau die Berichte für die amtliche Ausgabe„frisiert" seien. Zum Schluß rief der Redner im Hinblick auf diese Greuel aus: er möchte wohl denjenigen Sozial- demokraten sehen, der eS fertig brächte, diese ans brutale Knechtung und Ausbeutung der Eingeborenen angelegte kapitalistische Kolonial« Politik des Herrn Dernburg zu bewilligen. Herr Dernburg zog es vor. die Frage wegen der „Frisierung" der Missionsberichte ebenso unbeantwortet zu lassen wie die Kritik deS BundeSratSbescheides. Mit Zuversicht konnte er sich auf die Interesselosigkeit der bürgerlichen Parteien für das Schicksal der Eingeborenen verlassen. Sie stieren nur noch mit der- zückten Augen auf die Diamantensimde und übernehmen leichten Herzens die Mitverantlvortung für DernburgS Knechtung?- und Ausbeutungspolitik. Die Crlatzwal)! im pkälzlichen£andtag$wai)li?relSe Landau. Die neue Parteigruppierung inr Deutschen Reichstage hat bei dieser Wahl(deren Ergebnisse»vir in Nr. LS meldeten) ihren Ausdruck gefunden in der genannten Ersatzwahl zum bayerischen Landtage. Sie bietet einige interessante Momente zur Beurteilung der kommenden Reichs- und Landtagswahlen. Zum ersten Male geschah e-Z in unserer Pfalz, dag unter Ucver- bruckung der bisher sehr starken konfesfionellon Gegensätze die Zentrumspartei und der Bund der Landwirte, dessen Mitglieder fast durchweg Protestanten sind, gemeinsam Wahlarbeit zugunsten eines gemeinsamen Kandidaten betriebe». Damit ist eine Schranke be- seitigt, die der Liberalismus aufgerichtet und an deren Erhaltung er sehr eifrig gearbeitet hat. Mit dieser Schranke ist wieder ein Boll- werk des pfälzischen Liberalismus, wohl das letzte überhaupt, ge- fallen. Das Experiment, über die religiösen und zum Teil geistig- kulturellen Gegensätze hinweg die geineinsamen wirtschaftlichen Interessen und Grundsätze in den Vordergrund zu stellen und zu ausschlaggebender Bedeutung zu erheben, mutz als gelungen bezeichne! werden. Die Anhänger des Zentrums haben ge- schlössen für den protestantischen Bauernbündler gestimmt. Freilich ist der Versuch vorlänfig nur ein einseitiger. ES ist noch nicht erprobt, ob umgekehrt auch die protestantische Bauernbevölkerung ebenso geschlossen für eine» Zentrumskandidaten eintritt. Das wird wohl etwas schwerer halten und mehr Agitation erfordern. Aber eS besteht heute schon kein Zweifel, datz bei den nächsten ReichStagSwahlen unter scharfer Betonung der einseitigsten agrarischen Jnterestenpolitik die pfälzischen protestantischen Bauern auch für den ZentnimSkandidaten stimmen werden. Damit fällt das einzige Bedenken, das einem allgemeinen Bündnis zwischen beiden Parteien fiir Reichstags- und LandtagSwohlen noch entgegenstand. Ein Eharaktcriftikmn auch dieser Wahl ist daS gewaltige Anwachsen der sozialdemokratischen Stimmen im allgemeinen und besonders auf dem Lande. Aus den Einzel- crgelmistcn der vezirte sind im folgenden einige herausgegriffen, die das Fortschreiten der Sozialdemokratie seit 1907 zeigen: Dabei handelt cZ sich zumeist um kleine Landorte von 700 bis 1500 Einwohnern. Die Einzelresultate zeigen außerdem. dast selbst rein katholische Dörfer schon stark sozialdemolratisch infiziert sind. Die sozialdemokratische Partei hat ihre Stimmenzahl von IVO? ab von 32ö auf 1001 erhöht. Ein glänzendes Ergebnis in einem Wahlkreise mit sehr wenig Industrie und durchaus länd- licher Struktur. Sehr deprimierend trotz dcö Sieges ist das Ergebnis für die liberale Partei. Sie hat noch einmal den Wahlkreis gehalten. Das nächste Mal ist er ohne sozialdemokratische Unterstützung verloren. Denn die Erfolge des Bundes der Landwirte sind unter den besonders gelagerten Verhältnissen bemerkenswert. Er hat aus eigener Kraft etwa LVO Stimmen aufgebracht. Das ist ein Erfolg, wenn man in Rechnung zieht, daß der Wahlkreis bisher zur Einflußsphäre der Liberalen gehörte und der Bund fast so gut wie keine Organi- sation besitzt. Der Bund ist mit Erfolg in Dorsgemeinden ein- gebrochen, deren Bevölkermig seit Bestehen des Deutschen Reiches nie anders als liberal gewählt hat. Das Wahlhild auf dem Lande stellt dem Liberalismus eins schlimme Jukunfr, ja den Untergang, vor Augen. Der Liberalismus der Pfalz kann das Wort für sich gelten lassen:„Noch ein solcher Sieg und ich bin verloren." ES besteht kein Zweifel mehr: Bleibt die Parteigruppierung im Reiche, so gehtauchin derPfalzderBundbeiden nächsten Reichs- und LandtagLwahlen mit dem Zentrum zusammen und der Liberalismus wird zerrieben. Ein trauriges Schicksal, aber ein Wohl- verdientes. Der Zar und die auswärtige Politik.*' Der Minister des Aeußcrn, Graf Lambsdorff, Witte und alle anderen Minister haben vor Ausbruch des russisch-japa- Nischen Krieges stets Japan gegenüber zur Nachgiebigkeit ge- raten. Ter Zar ist als Fricdenözar in der ganzen Welt bc° kannt und doch ist es zum Krieg gekommen— also haben die Japaner den Krieg angefangen. So die offizielle russische Legende. Wir haben bereits kürzlich an der Hand von geheimen Dokumenten nachweisen können, daß der Zar mit seinem Günstling, dem Konteradmiral A b a s a. dein„Verweser des Besonderen Komitees des Fernen Ostens", der sich aber natür- lich in Petersburg aufhielt, hinter dem Rücken seines Ministers des Aeußcrn eine verantwortungslose Politik getrieben hat, deren Ergebnis der Krieg war. Noch während des Krieges gab dieses„Besondere Komitee des Fernen Ostens" ein sogenanntes Orangebuch heraus unter dem Titel:„Sammlung der Dokumente anläßlich der Unterhandlungen mit Japan in den Jahren 1903 bis tutht, aufbewahrt in der Kanzlei des Besonderen Koinitces deS Fernen Ostens". Der erste Teil dieses Orangebuchcs bringt eine historische Ueberficht, der zweite Dokumente. Dieses Sammelwerk wurde an die bedeutendsten Mit- Glieder der Regierung, natürlich auch an den Minister des Aeußcrn Grasen Lambsdorff geschickt; und daraus erst erfuhr dieser zum ersten Male, daß er eine Puppe, ein Narr war, der nur den Namen eines Ministers des Aeußern hatte, daß sich die Verhandlungen, die wider seinen Willen den Krieg herbeiführten, ohne sein Wissen abgespielt hatten, daß der Zar mit seinem Günstling Abasa Rußland in diese Katastrophe gestürzt hatte. *) In dem Verlags Eberhard Frowein, Berlin- Eharlottcnburg, erscheint in diesen Tagen ein Buch von Wladimir B n r tz e w in deutscher und russischer Ausgabe:„Der Zar und die auswärtige Politik", m dein Biirtzelv bisher unbekannte Geheim- dokumente bringt, nämlich ein geheimes Memorandum beS Grafen Lambsdorff an ven Zaren und das geheime Orangebuch, Dokumente. die von der ntssischen Regierting aus das sorgfältigste gehütet wurden. Wir sind schon bcnte in der Lage, au? der Menge der Dokumente, deren Abdruck niir mit Nennung des Berlages gestattet ist, unseren Lesern einige zu bringen. Darauf schrieb Lambsdorff ein Memorandum au den Zaren, eine zurückhaltende Schrift in streng bnreaukratischem Stil und in den untertänigsten Worten, in der aber überall der Zorn auslodert, das nun m einigen Hundert Exemplaren verbreitet werden soll, was den Zaren, was ganz Rußland in unglaublicher Weise bloßstellt. Er verlangte die Zurückziehung der schon verteilten Exemplare, denn er fürchtete vor allem die ausländische Presse. Der Zar stimmte ihm zu und befahl, das Orangebuch zu unterdrücken. Wir führen einige wenige Stellen aus dem Memorandum des Grafen Lambsdorff wörtlich an. Er spricht von der historischen Ueberficht des Orangebuches: „Die Form dieser Ueberficht selbst läßt die unbegründete Ver- mutung auftommen, als trage sie den Charakter eines Regierungs- commimigueS über politische Angelegenheiten. Der Autor benutzt überall die Ausdrücke, wie unsere Politik, unsere Jnteresien, unsere Agenten. In der Sammlung findet sich ein Antworttelegramm deZ Statthalters auf den allerhöchsten Namen, datiert vom 25. Sep» tcmber(Nr. 9), das mit den Worten beginnt:„Das allcrgnädigste Telegramm Eurer kaiserlichen Majestät vom 22. September hatte ich daß Glück zn empfangen"— aber das Telegramm Sr. katferl. Majestät selbst ist in dem Buche nicht enthaltend Der russische Minister des Aeutzren hat eben dieses offenbar sehr wichtige Telegramm des Zaren nicht gekannt. „Endlich muß ans den äußerst betrübenden Umstand hin- gewiesen werden, daß daö„Besondere Komitee des Femen Ostens" es als möglich erachtet hat. die höchst konfidentielle eigenhändige Notiz Seiner Majestät de« Kaisers lNr. 8ch und die Allerhöchste» Geheimdepeschen in dem Buche abzudrucken, die offenbar nicht fiir die Pnblikativn bestimmt waren und deren Veröffentlichung in einem Sommclbuch, das in einigen hundert Exemplaren ver- fandt ist und leicht in ausländische Preßorgane geraten kann, ein Staatsverbrechen darstellt." Die hier erwähnte Notiz des Zaren im Orangebuche lautet: Nr. 00. „Indem man vor der Landung der Japaner in Korea ein- schließlich vi? Tschemnlpo die Augen schließt, ist es erforderlich, daß auch sie wiffen. bis zu welcher Grenze wir ihre Landung ge- statten ivcrden. Sonst kann ein nicht gutzumachendes Mißvcrstäiid- nis entstehen. Es wäre natürlich besser, wenn die LandungSstelle weiter vom Norden entfernt ist." Die Politik des Zaren beabsichtigte nämlich, was im Orangebuch ausführlich auseinandergesetzt wird, die VerHand- lungen mit Japan abzubrechen. Japan würde dann Korea zum Teil besetzen, tvas für Rußland nützlich sei.?ro forma werde man protestieren und auch, wenn möglich, die anderen Mächte zum Protest veranlassen, aber Japan habe aufgehört, das Jnselreich zu sein, dem man nicht beikommen könne, und Rußland werde es nun von zwei Seiten erdrücken. Bei diesen politischen Ausführungen spielt auch Amerika eine Rolle, das man mit der Ver- sicherung ködern will, Wladiwostok werde ein Freihafen werden. Weiter sagt Graf Lambsdorff in seinem Memorandum: „Unter Nummer 5 ist in der zweiten Spalte unter der sonder- baren Ueberschrist:„Allerhöchst gutgeheißenes Projekt der russischen Vereinbarung vom 16. August 1803" ein Dokument abgedruckt, daö weder dem Mini st er des Aeußern noch dem Statthalter, noch dem russische» Gesandten in Tokio bekannt ist." Lambsdorff erklärt nun offen, daß Japan Mitteilungen emacht sein müssen durch irgend jemand, die es zum Abbruch er Beziehungen drängten. Abasa teilt dem Statthalter des Fernen Ostens in„einfacher russischer Darstellung ohne diplo- matische Winkelzüge" die„Persönliche Interpretation des Kaisers" mit. Das war neun Tage vor Ausbruch des Krieges. Aber noch mehr, er setzt sich auch mit dem japanischen Gesandten in Petersburg in Verbindung. Darüber schreibt Lambsdorff: „Endlich, und dieser Schritt erscheint vollkommen un- glaublich, entschloß sich Konteradmiral Abasa, wie das Dokument Nr. 81 beweist— am 16. und 17. Januar in direkte Verhandlungen mit dem japanischen Gesandten und seinen Sekretären zu treten, nachdem er ihm sein eigenes Projekt miigeteilt." Diese Notiz Abasas vom 18. Januar lautet: „Gestern erklärte ich dem japanischen Gesandten, bis zu welchen Punkten der Küstenlinie die Landung in Korea gestattet werde. Heute sandte der Gesandte zweimal im Laufe deS TageS seinen Sekretär mit einer sehr langen Bitte zu mir." Abasa der Günstling des Zaren gibt nicht nur dent Statthalter des Fernen Ostens Antveisungcn, er verhandelt auch mit dem japanischen Botschafter, begeht also im Grunde Hochverrat. Aus den Schlußdokumenten des Orangebuches geht schließ- lich hervor, daß der Zar und Abasa diese Politik, die zum Aus- bruch des Krieges drängte, hinter dem Rücken des Grafen Lambs- dorff weitcrfiihrten, daß Abasa sogar dem Zaren Telegramme an den Statthalter aufsetzte. Gekrönt wird diese Politik durch das Telegramm des Zaren an den Statthalter, in dem er, der FriedenSzar, seinen Statthalter"allffordert, die Japaner zuerst anzugreifen und ihm dazu den Beistand GotteL wünscht._ poHtifche Oeberficbt. Berlin, den 3. Februar 1310 Forsien und Domäne». In der Sitzung vom Donnerstag fühlte das preußische Ab- geordnetenhauS wieder eimnal das Bedürfnis zu beweisen, daß es vernünftigen Anregungen und zeitgemäßen Reformen durchaus ab- geneigt ist. Zunächst lehnte eS den sozialdemokratischen Antrag auf Verpachtung der administrativen Jagdbezirke an den Meist- bietenden gegen die Stimmen der Aniragsteller ab. Da? gleiche Geschick widerfuhr einem von Liebknecht begründeten Antrag. der im wesentlichen auf eine Reform deS Forstdiebstahl- und des Feld- und ForstpolizeigesetzeS hinanSlänft. Zwar wurde die scharfe Kritik, die unser Genosse an den rückständigen und gefährlichen Ge- setzcsbestimmungen übte, sogar von freikonservativer Seite als be- rcchtigt anerkannt, aber da die Mehrheit des Dreiklafleiiparlaments grundsätzlich an veralteten und überlebten Bestimmungen festhält, so mußte sie konsequenterweise unseren Antrag nicderftimmen. Daß sie sich damit vor aller Welt lächerlich macht, ist ihr gleichgültig. Nack diesem Vorspiel kam eS endlich zu der schon längst an- gekündigten Debatte über die Erhaltung der Wälder in der Umgegend von Städten. Die Regierung will in ihrer zn fiskalischen Zwecken betriebenen Verwüstung deS Grunewalds fortfahren, sie hofft im Etatsjohre eine Einnahme von V/« Millionen daraus zu erzielen, in Wirklichkeit wird diese Summe ober wohl noch erheblich überschritten werden. Den einzig konsequenten Stand- Punkt gegenüber dem NegierungSfiSkaliSmuS nahmen die Sozialdemokraten ein, die in Form eines Antrages an die Regierung das Ersuchen richteten, in Zukunft Forstverkälife erst dann zum Abschluß zu bringen, tvenn der Landtag sems Zustimmung erieilt hat. Im Gegensatz dazu begnügten sich die Konservativen mit einem Antrage, der die Regierung zu nichts ver- pflichtet, da er sie lediglich auffordert, die Wälder Vorzugs- weise an die an ihrer Erhaltung intereffierten Gemeinden zu verkaufen. Der sozialdemokratische Antrag wurde von Borg- mann in längerer Rede begründet, die eine schwere Anklage gegen die Städteftindlichkeit der Konservativen bildet. Dem Einwand, daß der Antrag nicht mit dem geltenden Staatsrecht im Einklänge stehe. hielt er geschickt die Bemerkung entgegen, daß ja daS Haus jederzeit die Gesetze ändern könne. Eine Anspielung BorgmannS auf die hochverräterischen Pläne des Herrn v. Oldenburg erregte den Unmut der Konservativen in so hohem Maße, daß einer ihrer Führer, Frhr. v. E r f s a, sofort zum amtierenden Vizepräsidenten Dr. Krause lief, um Borgmann zu denunzieren. Aber vergebens, Herr Doktor Krause tat den Scharfmachern nicht den Gefallen, unseren Genossen zur Ordnung zu rufen, lvozu ja auch kein Grund vorlag. Daß der sozialdemokratische Antrag abgelehnt wurde, versteht sich von selbst. Der konservative Antrag wurde der Budgetkommission überwiesen. Ein nationalliberaler Antrag, der die Regierung er- suchte, zwecks Förderung der Leibesübungen der Schuljugend fiskali- scheS Terrain zu Spielplätzen herzugeben, gelangte einstimmig zur Annahme. Auch unsere Genoffen stimmten dafür, obwohl sie sich be- wüßt waren, daß solche„Leibesübungen" oft nur ein Vorwand sind. die jungen Leute zu Gozialistenfrestern zu erziehen. Wir fürchten uns, wie B o r g in a n n mit Stolz sagen konnte, vor solchen Maßnahmen nicht. Die übrige Debatte war belanglos. Nach Bewilligung des Etats der Forst- und der Domänenverwaltung vertagte sich das HauS auf Freitag. Auf der Tagesordnung stehen die Gerichtskostengesetze und der Justizetat._ Abgeschüttelt. Die Aufgeblasenheit der„Alldeutschen" hat in letzter Zeit einen fast nicht mehr zu Übertrumpfenden Höhegrad erreicht. Obgleich nur ein winziges Häuflein, forden» sie, daß das Deutsche Reich in der auswärtigen Politik andere Dahnen einschlägt und energisch seine „Weltmachtstellung wahrt", d. h. in klares Deutsch übersetzt, wegen allerlei nebensächlicher Bagatellen die KriegSfurie entfesselt. Charakte- ristisch für den Dünkel dieser kriegslüsternen Clique ist folgender von der„Nordd. Allgem. Ztg." mitgeteilter Briefwechsel: Die Vereinigung rheinisch-westfälischer Vertrauensmänner des Alldeutschen Verbandes hat am 31. Januar durch ihren Obmann an den Reichskanzler eine Zuschrift richten lasten, m der es heißt Die am 30. Januar 1910 in Düsseldorf als Vertreter von 3S Ortsgruppen tagenden rheinisch-westfälifchen Vertrauensmänner des Alldeutschen Verbandes erachten eS als vaterländische Pflicht, auszusprechen, daß in ihren Kreisen daS Auswärtige Amt alles Vertrauen verloren hat. Diese Reichsbehörde hat fortgesetzt durch ihre Maßnahmen tatsächlich fremdländische Jnteresien zum Nachteil reichSdentscher gefördert, ja geradezu dem Ausland die Waffen gegen deutsche Unternehmungen geliefert und in wichtigsten Fällen große reichS- deutsche Interessen schwer geschädigt. Mit besonderer Sorge fragt die Versammlung, wie lange der Reichskanzler solches politisch und wirtschaftlich gleich schädliche Gebaren des Auswärtigen Amts mit seiner Verantwortlichkeit decken will. Euere Exzellenz bitte ich, dieser Entschließung eine wohl- wollende Aufnahme entgegenzubringen und ihr eine geneigte Beachtung zn teil werden zu lasien. Euerer Exzellenz ganz ergebenster gez. Carl Jtzenplitz. Darauf hat Herr v. Bethmann Hollweg erwidert: An die Hauptleitung des Alldeutschen Verbandes Mainz. Der Hauptleitung des Alldeutschen Verbandes beehrt ich mich mitzuteilen, daß mir aus Mülheim-Nuhr das beifolgende Schreiben zugegangen ist. ES ist unverantwortlich, daß von Gliedern einer Organisation, die, wie der Alldeutsche Verband, nach ihren Satzungen im nationalen Sinne wirken will, gegen eine Reichsbehörde so unwürdige und bewei-lose Anschuldigungen geschleudert werden. Ich lehne eS ab, diese Entschließung entgegenzunehmen. Der Reichskanzler. v. Bethmann Hollweg. Diese derbe Abschüttelung der»alldeutschen" Kriegölüsternheit ist recht nützlich. Nimmt man auch in Deutschland daS Geschrei dieser JingoS nicht ernst, so mißt ihm doch daS Ausland eine viel größere Bedeutung zu, als eS verdient. Ein Reinwaschungsverfuch. Die Berliner Polizei, deren Manieren erst jüngst im Gerichts- saale eine so grelle Beleuchtung erfahren haben, hat daS Bedürfnis, ihr Vorgehen zu rechtfertigen. Sie.erlätzt eine lange Verteidigung gegen die Vorwürfe, die immer wieder erhoben werden muffen. Sie erzählt zunächst, daß bei Straßenbemonstrationen die»demon- ftrierende Menge nicht nur ans harmlosen Bürgern besteht", was sicher sehr richtig ist, denn e? sind bei Straßendemonsirationen höchst überflüssigerweise auch— nicht immer harmlose— Schutzleute mit und namentlich auch ohne Uniform anwesend. Aber ihrer weiteren Versicherung, daß eS eine„große Anzahl von Personen gibt, die eS sich bei solchen Maffenumzügen geradezu zu einem Sport machen, von der Menge gedeckt, durch Beleidigungen und tätliche Angriffe gegen die Schutzleute diese aufzustacheln und zu reizen," wird mau schon skeptischer gegenüberstehen müffcn. Denn im allgemeinen gibt eS wohl angenehmere und ungefährlichere Zerstreuungen, als es solche sinnlosen Provokationen Ivären. Ungefährlich wären diese allerdings für Lockspitzel. Wenn eS überhaupt zu solchen Vorfällen kommt. so verhält cS sich in der Regel so, daß Abwehrbewegungen oft grundlos Verfolgter als Angriffe dargestellt werden. Es gibt übrigens ein sehr einfaches Mittel, Zusammenstöße bei Demonstrationen, die wir durchaus zu vermeiden wünschen, hintanzuhallen. Die Polizei möge die Anstecht- erhaltung der Ruhe unseren Ordnern überlassen und wir garmttieren ihr dafür, daß wir imstande sind, auch miberufeue Elemente, falls sie Lust haben sollten, sich in die Reihe politisch aufgeklärter Arbeiter zu drängen, mit der nötigen Energie im Zaum zu halten. Drohung mit den, Zollkrieg. Der„Berliner Lokal- Anzeiger" will erfahren haben, daß die deutsche Regierung der französischen keinen Zweifel darüber gelassen habe, daß sie, falls der Senat den von der Deputiertcnkamnier be- schlossenen, gegen die deutsche Einfuhr gerichteten Zollerhöhungen ohne Rücksicht auf die deutschen Beschwerden und Wünsche zustimmen sollte, unverzüglich zu Gegenmaßnahmen schreiten würde. Regienmg und Reichstag seien völlig einig darin, daß in diesem Falle alles geschehen müffe, lim die französische Einfuhr nach Deutschland durch entsprechende Repressalien empfindlich zu treffen._ Tie Burgcrschaftswahl in Hamburg. DaS am Mittwochnachmittag veröffentlichte offizielle Wahl- ergebnis bestätigt unsere Mitteilung über den Ausgang der Wahl. Wiedergewählt find die Genoffen Umland, Bartels, Zaffle, Ehlers, Grosse, H c n s c, RöSke und Paeplolo, neu- gewählt ist Genosse F. L es che. Auf die vereinigten Liberalen entfallen zehn Abgeordnete, so da� die Gegner der W a h l e n t r e ch t ii n g 19 und der Block der Wahl- rechtsräuber 18 Mandate erobert haben. Auherdcm stehen. wie schon berichtet, drei Kandidaten der vereinigten Liberalen im Land- gebier in Stichwahl mit„Blockgenossen", wobei unsere Genoffen den Ausschlag geben. Der Ausgang der Wahl ist ein vernichtendes Verdikt gegen den WahlrechtZraub. Sozialdemokraten und vereinigte Liberale erhielten— jeder Wähler gibt 12 Stimmen ab— rund 233 000 und der„Block" rund IbOOOO Stimmen. Für die Sozialdemokratie haben im Stadtgebiet 11833, darunter 720 in der ersten Klaffe(über 2500 M. Einkommen), und 398 Wähler auf dem Landgebiet gestimmt; niithin haben in der gesamten Staats Hälfte 12 231 Wähler für die Sozial- demokratie votiert, das ist seit sechs Jahren ein Zuwachs von 4856 roten Wählern! Der 1. Februar 1910 ist ein Ehrentag in der Geschichte der Hamburger Sozialdemokratie und bildet ein Mene- tekel für die herrschenden Gewalten der plutokratischcn Republik. Tie Nenregelung der deutsch-amerikanischen Zoll- Verhältnisse. Dem Reichstag ist ein Gesetzentlvurf zugegangen, der die Handelsbeziehungen zwischen Deutschland und Amerika regelt. Das jetzige Uebereinkommen läuft am 7. Februar ab. Es niüstten dann beiderseits die höchsten Zollsätze in Anwendung kommen. Dieser Znstand soll dadurch vermieden werden, dast daS Abkommen am Sonnabend im Reichstag erledigt wird, zu welchem Zweck zwei auf- einander folgende Sitzungen abgehalten werden müffen. Arbeit im Eiltempo ist ober nur möglich, wenn im Reichstag keine Partei Widerspruch erhebt. Deutschland gewährt Amerika seinen Minimaltarif, Amerika bietet Deutschland seinen Konventionaltarif, der die Meistbegünstigung gewährleistet. Die Einfuhr von Fleisch und Flcischwaren ans Amerika nach Deutschland ist auch ferner ausgeschlossen und zwar durch unsere veterinär-polizeilichen Gesetze, die bekanntlich in Wirk- lichkeit eine Ergänzung der Schutzzollpolitik darstellen. Verschleuderung von Staatsgeldern. Kürzlich wurde im„Vorwärts" berichtet, dag von den von der preußischen Regierung im Jntereffe des Vordringens des Deutschtums in Nordschleswig aufgekauften Höfen über die Hälfte von deutschen Besitzern gekaust seien. Diese Politik, die bisher dem Dänentum nichts geschadet, den nordschleSwigschcn Agrariern durch die Steigerung der Bodenpreise aber um so größeren Vorteil gebracht hat. wird erst richtig beleuchtet durch die Art. wie die preußische Regierung die aufgekauften Höfe verwertet. Der dänisch- nordschleSwigschs Reichstagsabgeordnete HanSsen hat sich der Mühe unterzogen, auS dem neuesten Berichte der preußischen Domänenverwalftmg einige Tatsachen herauszuschälen, die den Beweis erbringen, daß bei der unsinnigen und vollständig wirkungslosen VerpreußungSpolitik in Nordschleswig das Geld der ftreziiischen Steuerzahler geradezu verschleudert wird. Wir eowehmen„Hejmdal", in dem Herr Haussen diese VerpreußungSpolitik hetMchtet, folgende Tatsachen: Der Hof Juhlsminde im Kreise Hadcrsleben, 232'/« Hektar groß. Swt-lrag 6530 M., ist von der Domänenverwaltung angekauft ftir OOO M.; der Hof ist verpachtet und der Pächter zahlt eine jähr- /Pacht von 12 075 M.— 3'/-, Proz. der Kaufsumme. Rödding- hos. Kr. HaderSleben. 208'/« Hektar. 2499 M. Reinertrag. 164 287 M. Kausiumme, 4530 M. Pacht---- 2PU Proz. der Kaufsumme. Hortholm auf Alien: 102 Hektar, 2412 M. Reinertrag. 180 230 M. Kaussumme, 4300 M. Pacht— 2'/« Proz. der Kaufsumme. Die Kanft'umme Mr die Höfe Bellehof, Nantruphof, Mandberg und Haraldsholm wird dchfth'die Pacht mit 2.6 Proz., 2.6 Proz., 2.6 Proz. und 2.8 Proz. verzinst. Der Herrenhof von Augustenburg hat dem Staate 450025 M. gekostet, er ist verpachtet für 11784 M. oder 2,6 Proz. des Kaufpreises. Der Staat selbst aber muß. wenn er Geld pumpt, eS mit 4 Proz. verzinsen! Die Wirkungen einer solchen Politik können natürlich nicht miS- bleiben. In NordschleSwig haben die deutschen Agrarier keinen sehnlicheren Wunsch, als den. daß ihr Besitz von der preußischen Domänenverwaltung für schweres Geld aufgekauft und sie oder ihre Söhne dann als Pächter auf den Hof gesetzt werden zu einem lächerlich geringen Pachtzins! Diese so vom Staate auf Kosten der Steuerzahler ausgehaltenen Pächter sind stramme Vertreter der Zwangspolitik in Nordschleswig. Wie die obigen Beispiele zeigen, haben sie begründete Ursache dazu I � Der Protest des Pxoletqriats. Gegen die stechen S ta a t-> str richgel ü st e he« JunkerS Oldenburg erhoben die Arbeiter Bremens am Dienstag in zwei gewaltigen, überfüllten Versammlungen energischen Protest.' Die Arbeiterschaft Breslaus protestierte am Mittwoch in zwei Riesenversammlungen. ES war nur eine Ver- sammlung für daS GewerkschaftShauS angekündigt, jedoch war ein zweiter Saal für eventuelle Fälle bereit gehalten: beide Säle waren überfüllt. Die Polizei hatte die bekannten„umfangreichen Bor- kchrungen" getroffen. In der Nähe des Gewerkschaftshauses waren nicht weniger als sechs Kommiffare mit Polizeitruppen und eine Abteilung Berittener untergebracht. Doch fanden sie nichts zu tun. Die Versammlungen nahmen einen glänzenden Verlauf. Am Sonntag hat die Generalversammlung des Sozialdemokratischen Wahlvereins für den Reichötagswahlkreis Ziillichau- Krassen lOrtS- verein Sch w iebuS) eine scharfe Protestresolution angenommen. Aus dem elsast-lothringischen Landesausschuft. Im elsaß-lotbringiichen LandcSansschuß kam eS gestern zu emer heftigen Auseinandersetzung zwischen der LandeSregieiung und den Zcnlrumsparteilem. Der Abgeordnete Hauß legte namens der ZentrilmSpnrtei Verwahrung ein gegen die Rede des Reichskanzlers Über die Wcißenburger Denkmalsfeier wegen falscher Be- urte'lnng Elsaß-LothrmgenS, die auch der Grund fei. weshalb die Gewährung der Autonomie vorläufig keinen Fortgang nehme. Der Redner gab der elsaß-lothringislbcn Regierung die Schuld, weil sie den Reichskanzler nicht besser orientiert habe. In der Weißen- burger Angelegenheit hätte sie großzügiger sein müssen und der Statthalter hätte als erster einen Kranz ain Denkmal niederlegen niüfien. In der Frage der Autonomie verlange man Ehrlichkeit. Er bedauere die Führung des politischen Kampfes mit unehr- lichen Mitteln, was dazu geführt habe, den Elsaß-Lothringern die Sympathien des Zentrums und der Freisinnigeii im Reichstage zit nehmen. Staatssekretär Freiherr Zorn v. Bulach erwiderte, der Vorredner habe der Rede dcS RcichLkanzkers eine falsche Deutung gegeben. Dieser habe nur die Bemerkungen einiger ReichStagS- abgeordneter beleuchtet. Die Autonom icfrage fei sehr schwer zu lösen, und eineRede, wie sie derVor- redner soeben gehalten, würde die Erledigung noch für Jahre, zurücksetzen. Der Staatssekretär verlas dann einen Bericht der elsaß-lolhringischen Regierung an den Reichs- kanzler über die Weißenburger Deiikmalsfeierlichkeit, indem dar-I gelegt wird, daß jene Vorfälle durch einige altdeutsche und stan- zösische Korrespondenten chauvinistisch verändert worden sind. Dann behandelte der Staatssekretär mit Bezug darauf, daß der Abgeordnete Hauß die Bischöfe in Schutz genoinmen habe, den Streit der Bischöfe und Lehrer. Der Schritt der Bischöfe sei einschieben voreilig gewesen, und eS sei die Pflicht des Staates, den Bischöfen entgegenzutreten, wenn diese ihre Mahnungen verallgemeinerten. Die Bischöfe hätten für den Glauben in der Schule nichts zu fürchten, ivcil er durch das Gesetz gewahrt werde. Schließlich wies der Staatssekretär die Unterstellung zurück, als hätte die Regierung den Kulturkainps beginnen wollen. Heute vormittag nahm die Debatte ihren Fortgang. Der Prälat W i n t e r e r erklärte, daß die Bischöfe in ihrem Enuahnungsschreiben an die Lehrer, nicht dem Deutschen Lehrervercin beizntrelen, einen Eingriff in die Rechte deS Staates nicht getan hätten, und man möge es bei den Erllärungeu bewenden lassen. Hierauf gab Unter- staatSsckretär Dr. Petri die Erklärung ab, daß die amtlichen bischöflichen Dcftignisse gesetzlich auf rein geistliches Gebiet beschränkt seien. Der Anschluß der Lehrer an den Lehrervercin sei eine rein weltliche Angelegenheit, lvenn sie auch eine religiöse Seite habe. Eine öffentliche Erklärung der Bischöfe sei nur in rem geistlichen Angelegenheiten zulässig. Sie hätten sich nicht an ihre Diözesanen gewendet, die zufällig Lehrer seien, sondern auSdnicklich an die Lehrer. » �» Die liberal-demokratische Fraktion des Landes» a u S s ch u s s e S(das Parlament ist noch sozialistenrein) hat einen Antrag auf Aenderung der Verfaffung eingebracht. Gefordert tverden: Gleich st ellung Elsaß-LothringenS mit den übrigen Bundesstaaten und Einführung deS all- gemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahl- rechts zum Landesausschuß._ Tie neue Reichswertzuwachssteuer. Wie die„Verl. Pol. Nachr." offiziös mitteilen, Ivird der in der Reichsstempelgesetznovelle vorangekündigte Entwurf eines Reichs- wertzuwachsslcucrgcsetzeS dem Reichstag bis zum 1. April n. I. bc° stimmt zugchen: „Die ErhebilngZarveiten auf dem Gebiete sind längst ein- geleitet. Ende vorigen JahreS waren an der zuständigen Reichs- Zentralstelle die Ergebnisse der von den verschiedensten Bundes- staaten veranstalteten statistischen Erhebungen eingegangen. DaS Material»vird jetzt gesichtet und dann wird an die Sormulicrung des Entivurfö herangegangen»verde». s darf aber auch weiter betont»verdcn, daß mit dem ReichSgesctzcntwurf den jetzt bei einzelnen Gemeinden und Privaten sich gellend machenden Bestrebungen auf Erreichung von Sondervorreilen Abbruch getan»Verden wird. In der Reichsstempelgesetznovelle ist den Gemeinde»:, die die Wertznwachssteucr bis zum 1. April 1909 eingeführt hatten, der Weiterbezug des DurchschnittSertrageS auf eine Reihe von mindestens fünf Jahren gelvährletstet. Bezüglich der Gemeinden, die nach diesem Zeitpunkte die Wertzuwachssteuer ein- geführt haben oder einführen werden, ist nichts angeordnet. Es darf aber wohl als sicher angesehen»verden, daß das Reich sämtlichen Gemeinde», die die ZmvachSsteucr haben oder einführen»verden, einen Ertragsanteil anch auf die Dauer zubilligen wird. Andererseits ist eS aber auch selbstverständlich, baß darauf gehalten»verde»»vird, die Gemeindeanordnunge» mit den Bestimmungen des ReichSgesctzeS in Einklang zu bringen. Und wenn schließlich die Privatspekulation glaubt, vor dem Erlaß deS Rclchswertznwachssteucrgesetzes durch die Beschleunigung von GrnndstückLübettragungen Vorteile zu erlange»:, so wird dabei über- sehe»:, daß auch in dem ReichsivertzuwachSsteuergesetzentwurf eine Bestimmung vorgesehen»verden kann, wonach das Gesetz mit rück- wirkender Kraft ausgestattet wird." Vom antisozialpolitischen Kurs in Sachsen. Dresden, 2. Februar. Vier sozialpolitische Anträge stairden in der Z»v e i t e»» Kammer des sächsischen Landtages am Dienstag zu gleicher Zeit zur Beratung. Zivei gingen von den Freisinnigen aus, die Ergänzung der Fabrik- inspektion durch Mitwirkung praktisch geschulter Arbeiter, und Ausschüsse für Beamte und Arbeiter in Staats- betrieben forderten. Letzteres verlangte auch ein»vciter- gehender sozialdemokratischer Antrag, der noch da« Koalitionsrecht der Staatsarbeiter gesichert und Garantie für ein gedeihliches Wirken der Arveiter- auSschüsse durch Erlaß eines Gesetzes forderte. Ein anderer bezweckte, StaatSarbeiten nur an solche Unternehiner zu ver- geben, die daS Koalitionsrecht und die Tarif- Verträge ii» jeder Beziehung beachten; außerdem solle der Re- gierung zur Pflicht gemacht»verden, zu Zeiten ausgebreiteter Arbeits- losigkcit und zum Bchufe der Lohndrückerei ausländische Arbeiter auf Staatsbautei: nicht zu beschäftigen. Bei ihrer Begründung der sozialdemokratischen Anträge nahmen die Genossen Richter und F r ä ß d o r f die Gelegenheit»vahr, die Zustände in den Staatsbetrieben und bei Vergebung von StaatSarbeiten icbonnngslos zu geißeln. Besonders scharf»vurde daS Denunzianten- univeseu gerügt, das durch Vorgesetzte förmlich gezüchtet»verde. Als Genosse Richter treffend bemerkte, daß solche Halunken in Staatsbetrieben noch begünstigt»vürdcn, ereilte ihn zwar ein Ordnungsruf, an der Tatsache wurde dadurch aber nichts geändert. Sie wurde durck große Erregung am Regierungstisch geradezu be- stätigt, dort fühlte man sich offenbar getroffen. Genosse Fräßdorf hielt der Regierung besonders vor, daß sie bisher für die Arbeiter recht»venig übrig gehabt hätte, daß sie»vohl sehr schnell sei,»oenn es gelte, ettvaZ gegen die Arbeiter zu unternehmen, daß aber ein Schneckcnnnng zu beobachten sei, wenn ctlvaS für die Arbeiter geschehen solle. Aus der nun folgenden Rede des Finanz Ministers Dr. Rüger. der ein verknöcherter Reaktionär und ohne jedes sozialpolitische Verständnis ist. ging hervor, daß die Regierung nicht einmal gewillt ist, ein Sckneckeniempo in den angeschnittenen sozinle« Fragen einzuschlagen. Nichts, gar nich!S hat sie dafür übrig. Beamtenausschüsse wurden aus Gründen der Disziplin abgelehnt. ebenso der»vettere Ausbau der Arbeiterausschüffe. Im übrigen behauptete der Finanzminister, daß teiliveise schon bestünde, was ge° fordert werde, ivomit er aber sehr im Jrrlum ist. Solveit eS be- stebt, wie die jetzigen Arbeiterausschüffe, ist eS nichts als wertlose Dekoration. Auch die Forderung ans Ausbau der Gewerbcinspektion fand keinen Befürworter in den: Ministerialdirektor Roscher, obwohl ba»� der einzige Herr im sächsischen Ministerinm ist. bei deffen Reden wenigstens gelegentlich zu bemerken war, daß er sich etlvaS mit sozialen Angelegenheiten be- schäftigt hat. Die Beihilfe von Arbeitern bei der Gcwerbeinspektion hält er für wünschenswert, aber es köitnte immer nur für bestiminte Betriebe eine solche Mitwirkung in Frage kommen. Zum Teil sei dies schon verwirklicht in Sachten, denn eS seien bereits Brnch- aufscher in Sachsen tätig, die früher als Brnchineisler praktisch gc- arbeitet hätten. Nur wenn sich für besondere Betriebe ein Bedürfnis nach Ergänzung der Gewerbeaufsicht durch Arbeiter herausstelle, wolle mau darauf zurücktonimen. Die Genossen Heidt, Fleißner und Wirth geißelten das Verhalten der NegierungSverireter. die von Wortführern bürgerlicher Palleten noch unterstützt worden waren. Auffällig war insbesondere das Verhalten deS N a t i o n a l l i b e r a l e n Hettner, der zum Schluß eines Abschnittes seiner langen Rede immer widerrief, was er am Anfang gesagt hatte. ES war ein richtiger nationalliberaler Tan, um die sozialpolitischen Anträge— ein Schritt vorwärts, zwei zurück, Die Anträge wurden der RcchcnschaZsdeputation überwiesen, die nebenbei auch als Deputation für soztale Angelegenheiten sunktio- nieren soll. Nach dem Verhalten der Regierung zu urteilen, besteht leider keine Aussicht, daß etwas Wesentliches erreicht werden könnte. Konserbative Radauversammlung. ' Um zu zeigen, in welchem Maße ihre politische Gesittuirg sie zur Herrschaft befähigt, veranstalten seit einiger Zeit die Konftr- vativen in Berlin wüste Radauversainnilungen. Gestern hielt wieder in den Hohenzollernsälen in Moabit die„Konservative Bereinigung", das heißt jene Berliner Gruppe, die sich wegen des Verhaltens der Konservativen zu den Rcichsfinanzreformvorlagen von der Richtung eydebratid-Oldenburg.Kreth getrennt hat, eine Versammlung ab. eneral Keim und Pfarrer Koch referierten. Schon während deren Reden schrien und lärmten die unter Führung ihrer Lolalgrößen, der Herren Ullrich, Kluge, Sckewe, Donner usw., erschienen Anhänger der Heydebrand-OldenburgschenRichwng. Seinen Höhepunkt erreichte jedoch der Tumult erst, als der Rechtsanwalt Bredereck das Wort ergriff, und nun der Generalsekretär der„Konservativen Vereinigung" mitteilte. daß ihm bekannt geworden sei, die Heydebrandschen beabsichligten die Versammlung zu sprengen. Von allen Seiten wurde geschrien und getrampelt, bis schließlich die Leiter der Versammlung erklärten, daß sie von ihrem Hausrecht Gebrauch machen müßten und eine Anzahl der Schreier aus dem Saale wiesen. Nach wiederholten gegenseitigen Beschimpfungen legte sich der Tumult. Soldatenleid. Vor dem Overkriegsgericht in Koblenz stand der Sergeant W i ch e r t von der dritten Kompagnie des Jnfanterie-RegimentS Nr. 08. Er hat eines Sonntagsmittags einem mit weißer Hose be- kleideten Soldaten, weil dieser sich beim Effenholen ein wenig ver- spätet hatte� befohlen, sich auf den durch das Rogenwetter beschmutzten Kasernenhof zu legen. Der Vorgesetzte tvollte dem Manne damit den SonntagSnachmittagSanögang unmöglich inachen._ Der Soldat legte sich so hin, daß er mit der Hose den Boden nicht berührte. Darauf setzte Wrchert ihm den Fuß auf den Rücken und drückte ihn so in den Straßenschmutz hinein. DaS Gericht ver» urteilte ihn wegen vorschriflötvidriger Behandlung und Beleidigung zu einer Woche Mittelarrest. Englanck. Die türkische Note. London, 3. Februar. Wie das Neutersche Bureau erfährt, kegt die letzte Note der türkischen Regierung an die Schutzmächte dar. die Pforte würde eine Entsendung kretischer Deputierter in die griechische Nationalversammlung als casus belli betrachten. Der turlische Botschafter, der dieser Tage daS hiesige Auswärtige Amt von der Ansicht seiner Regierung in Kenntnis setzte, hat die Versicherung erhalten, daß die britische Regierung den Ernst der Lage vollständig würdige; weiter ist ihm erklärt worden, die Schutzmächte seien einig in der Absicht, eine so probo» katarische Handlungsweise nicht zu dulden, es würden strenge Maßnahmen ergriffen werden, wenn die Kreter auf dieser Politil beharren sollte-:. Dänemarb. Der Alberti-Skandal. Der dänische Justizminister bat dem Affessor Scheu, dem Unter» snchungSrichter in der Alberti-Asinre, Auftrag zu einer kriminellen Untersuchung gegen die Direktion der Privatbank erteilt. Es soll untersucht werden, ob die Transaktionen, die zwischen dieser Bank und der Seeläudsschen Bauernsparbank stattgefimden haben und die eS dem diebischen Justizminister Alberti möglich machten, seine Millionenschwindeleien immer weiter zu betreiben, Grund zu einer Anklage gegen die Leitung der Privatbank geben. Einer der vier Vanldireltoren erklärt im Tone der Entrüstung, die Untersuchiing sei lediglich auS politischen Gründen eingeleitet. ES sei zugleich ge- wisjenlos, einen solchen Schritt zu unternehmen und neue Unruhe zu schaffen, die das Erlverböleben ii: Gefahr bringen könne. Die Regierung könne unmöglich selbst glauben, daß damit etwas erreicht werde. Die Börse setzt aber offenbar weniger Vertrauen in die Unantastbarkeit der Bankdirektorrn, dem: die Aktien der Privatbank sind plötzlich von 104 auf 100 gefallen. fmnianck. Eine erfolgreiche Protestbewegung. lDer finnische Landtag hatte in der letzten Session neue Satze für dir Stempel- und Alkoholproduktionssteuer, fast die einzigen Steuern, die der Landtag jährlich neu zu bewilligen hat, ange- nommen. Die Alkoholkapitalisten wandten sich infolge der schärfe- ren Besteuerung des Alkohols an den Ruffensenat mit dem Gesuch. er möchte auf den: Wege der Verwaltung den Beschluß der Volksvertretung illusorisch machen. Der Senat, dieses willige Werkzeug des Generalgouverneurs Sehn, verfügte denn auch, daß die alte Steuer erhoben werde. Gleichzeitig verfügte er auch» daß der zweite Beschluß des Landtages wegen der Stempel- st e u e r nicht bewilligt und die alte Steuer erhoben werde. Gegen diese willkürlichen Bestimmungen des russischen Satrapen, der sogar die Kompetenz des Zaren an sich gerissen hatte, erhob sich ein starker Protest im Lande. Vor allem waren eS die Sozialdemokraten, die gegen das gemeinsame Vorgehen der Alkoholkapitalisten und des Ruffensenats protestierten. Gleichzeitig erließen die Rechtsanwälte einen Aufruf, daß nian die alte Stempelsteuer boykottiere. Das Hofgericht zu Abo prüfte diese Frage und kam zu dem Er- gebnis, daß diese Steuer ungesetzlich sei. Der weitaus größte Teil der Beamten weigerte sich, diese Steuer zu erheben. Und nun kommt ans Petersburg die Nachricht, daß der Zar beide entsprechende Beschlüsse des Landtages b e st ä t i g t und dadurch die Verfügungen seines Vertreters in Finnland als ungesetzlich gebrandmarkt hat. Wie gering an Umfang diese Protestbewegung auch war, so kann sie doch als interessantes Vorspiel zu den Kämpfen angesehen werden, die Finnlands Volk in nächster Zukunft wird ausfechten müssen. Cürkei. Die Beziehungen zu Bulgarien und Griechenland» Aus Konstantinopel kommt eine Nachricht, die» wenn sie sich bestätigt, geeignet wäre, die türkisch-billgarischen Beziehungen, die durch die Ereignisse in Mazedonien sich so verschärft hatten, wieder in normalere Bahnen zu lenken. Danach hat die Pforte beschlossen, die acht Todes- urteile, die daL Gericht in Saloniki am 27. Januar wegen des UeberfalleS in Nevrokop gegen acht bulgarische Bau den Mitglieder gefällt hat, und die den Anstoß zu der Protestbewegung in Bulgarien gegeben haben, in Frei- heits st rasen umzuwandeln. Als ein Zeichen der nachlassenden Spannung kann auch betrachtet werden, daß das Kriegsministerium das Kommando des dritten Korps angewiesen hat, die ausgedienten Truppen des Jahrganges 1907 zu beurlauben. Dagegen bleibt die Lage in Griechenland völlig im Unklaren. Die Pforte hat immer wieder erklärt, daß sie die Vornahme von Wahlen in Kreta sei eS zum Parlament, sei es zu der einzuberufenden Nationalvorsammlung unter keinen Uniständen dulden wolle. Daß es darüber aber zum Kriege kommen sollte, ist vorläufig wenig wahrscheinlich. Vielmehr werden die Sckntzmächte England, Frankreich. Ruß- land und Italien den Schritt, den sie etwas voreilig gemacht haben, wieder zurücktun und Kreta aufs neue besetzen müssen, um Provokationen zu verhüten. Die englische Regierung hat übrigens ein Geschwader. besteheud aus einem Linienschiff, dm Kreuzern und vier Torpedobootszerstörern unter dem Befehl des Konteradmirals Eallaghan nach dem Piräus abgeschickt. GewerkfcbaftHcbes. RebeUtmnde Staatsarbeiter. Die Breslauer Eisenbahner setzen sich gegen den Druck von oben immer offener zur Wehr. Kürzlich stellte man an sie das Ansinnen,„freiwillige" Beiträge für eine— Zedlitz- Trützschler-Stiftung zu spenden. Die Lorgesetzten ließen durchblicken, daß man„oben" diese Spenden wünsche. Ja, man hatte sogar auf den Listen für jede Kategorie der Angestellten die Höhe der Beträge, die man„freiwillig" zeichnen solle, ge nau aufgezeichnet. Aber nur ein kleiner Teil der Eisenbahner zeichnete. Die anderen weigerten sich und gaben offen zu, daß sie keine Ursache hätten, einem junkerlichen Öberpräsidenten zu- liebe ihre Groschen herzugeben. Ja, sie sandten der„Volks- wacht" eine ganze Anzahl Schreiben, worin sie gegen die„frei- willigen" Spenden protestierten und verrieten, daß verschiedene Beamte diejenigen, die nichts gezeichnet, als— Sozialdemokraten denunziert hätten. Das gab in den Amtsburcaus eine große Aufregung. Aber die Auflehnung half. Durch ihren Vertrauensmann ließen ferner die Eisen- bahner beim preußischen Parteitag, speziell bei den Breslauer Delegierten, sich herzlich bedanken, weil sie sich der Klagen der Eisenbahner so warm angenommen.„Oben" sieht man mit Schrecken der Weiterentwicklung dieser„Rebellion" ent- gegen._ Berlin und Umgegend. Tie Getverbeordnungsnovelle und die Kostüm- schneideret. Wie in anderen Berufen, wo viele weibliche Arbeitskräfte bc- schäftigt sind, möchten auch die Arbeitgeber in der Kostümschneiderei über die neue Gewerbeordnungsnovelle hinwegkommen, ohne, sei cö auch nur scheinbar, irgendwclcke Einbuße zu erleiden. Es hau- delt sich in dieser Branche nur um eine halbe Stunde Arbeitszeit- Verkürzung an den Sonnabenden und den Vorabenden der Feier- tage. Die Arbeitnehmer wollen selbstverständlich für diese geringe Verbesserung, die die Gesetzgebung gebracht hat, nicht mit einem Lohnausfall büßen, aber auch die Arbeitszeitverkürzung nicht durch Stachholen der halben Stunde preisgeben. Zur Regelung dieser Angelegenheit ist nun am Montag zwischen dem Vorstand des Ar- bcitgeberverbandes für die Kostümbranche und dem Filialvorstand des Schneiderverbandes verhandelt worden, eine Einigung wurde jedoch nicht erzielt. Die Arbeitgeber haben den Vorschlag gemacht, daß die Mittagspause an den Sonnabenden um eine Viertelstunde verkürzt und die Vesperpause wegfallen sollte. Die Arbeitnehmer bestanden natürlich darauf, daß die Arbeitszeitverkürzung den Ar- bciterinnen wirklich zugute kommen sollte, und zlvar ohne Lohn- ansfall. Es wird nun am 15. Februar eine Versammlung der Kostnmschneidcr und-Schneiderinnen stattfinden, um weiter zu dieser Frage Stellung zu nehmen. Lohnbewegung der Schuhmacher. Am Dienstag vormittag fand in den„Arminhallen", Kam- mandanteustraße. eine öffentliche Schuhmacherversammlung statt, welche zu der von dem Arbeitgeberschutzverbande angedrohten Aus- sperrung Stellung nahm. D a l l Y erstattete den Bericht und ging auf die Vorgänge ein, welche sich bei der Firma Breitsprecher schon im Oktober abgespielt hatten und aus denen sich organisch erst der heutige Kampf entwickelt hat. Damals wurde eine Stepperin entlassen, die schon in zwanzigjähriger Tätigkeit bei dieser Firma ihre Kräfte verbraucht hatte, und eine jüngere Kraft um einen um b M. pro Woche niedrigeren Lohnsatz eingestellt. Hieraus schloß die Verbandsleitung, daß der Grund der Entlassung nur in der Absicht liege, an Arbeitslohn zu sparen und den durch Abschluß des Tarifvertrages im vorigen Frühjahr bewilligten Lohnzuschlag un- wirksam zu machen. Es wurde ferner bekannt, daß Herr Breit- spreche r folgende. Ausführungen machte:„Im Jahre 1903 haben mich meine Kollegen ausgelacht, weil meine Stepperinnen streikten, jetzt lachen sie mich aus, daß ich einen solch hohen Lohn be- zahle." Es lag somit eine Umgehung des Tarifvertrages vor, und wurde die Angelegenheit der Schlichtungskommission überwiesen. Die Sitzung fand auch statt, doch weigerten sich die Arbeitgeber, eine Entscheidung zu fällen, und verlief die Sache resultatlos. In dieser Angelegenheit hatte sich der nunmehr Entlassene als Ausschuß- Mitglied und auch als Mitglied der Schlichtungskommissiou hervor- ragend beteiligt, und von diesem Tage an datiert das Tadeln jeder Arbeit, bis schließlich die Entlassung den Stein ins Rollen brachte. Ohne eine Verhandlung vorher anzusetzen, wurde vom Arbeitgeber- verbände zum vergangenen Montag die Aussperrung angedroht. Ein Antrag unsererseits, noch zum Sonnabend in einer gemein- samen Sitzung den Versuch einer Verständigung zu unternehmen, wurde gleichfalls abgelehnt. In einem zweiten Schreiben erklärten die Arbeitgeber wiederum, wenn bis Montag die Arbeit bei der bestreikten Firma nicht aufgenommen werde, würde sofort die Aussperrung erfolgen. Eine Anfrage an die Versanimelten, wer schon ausgesperrt sei, brachte das überraschende Ergebnis, daß bis Dienstag vormittag noch niemand entlassen war, die Arbeitgeber somit ihrem Beschlüsse nicht nachgekommen waren. Die übrigen Redner crmahnten die Anwesenden zusammenzuhalten, da man noch nicht die Taktik der Arbeitgeber bei diesem ersten Aus- sperrungsversuch wissen könne. Die Versammlung nahm zum Schluß folgende Resolution an: „Die heutige in den„Arminhallen" tagende öffentliche Schuh- mache rversammlung spricht den bei der Firma Breitsprecher streikenden Kollegen ihre volle Sympathie aus und sieht den weiteren Maßnahmen des Arbeitgcberverbandes mit Ruhe ent- gegen. Das Recht, durch einen Ausschuß Beschwerden ihren Arbeitgebern zu übermitteln, um eventuell die Abstellung solcher Mißstände zu erwirken, werden sich die Versammelten niemals nehmen lassen, und verpflichten sich alle Anwesenden, dieses Recht mit allen Mitteln zu verteidigen." � Der Zentralverband der Schuhmacher hielt weiter am Mitt- woch im„Englischen Garten" eine Generalversammlung ab, die als Fortsetzung der acht Tage früher vertagten Generalversamm- lung diente. Zunächst wurden der Bericht der Beschwerdekom- Mission und die damit zusammenhängenden internen Verbands- angclegcnheiten erledigt. Es folgte die Neuwahl der Beschwerde- kommission. Ordentliche Mitglieder wurden: Krentzin. Jaschinski, Wildanger. Henschel und �Dom- b r o w s k y. Als Ersatzmänner wählte man: Schöll er, Sthren, Matzkun und Knietsch. Alsdann nahm die Versammlung ebenfalls zu dem Streik bei Breitsprecher und der angedrohten Aussperrung Stellung. Wie die Versammlung der Schoßarbeiter, so billigte auch die General- Versammlung das bisherige Vorgehen. Es wurde ferner beschlossen, auch die Nichtbezugsberechtigten zu unterstützen, und zwar mit 7 M. pro Woche. Der Streik bei Jakobius Söhne, Bergstr. 33/34, der durch nicht gerechtfertigte Lohnabzüge hervorgerufen wurde, führte ebenfalls zu einer Diskussion. Auch die hier mitstreikenden Nichtbezugsberechtigten sollen unterstützt werden, ebenfalls mit 7 M. pro Woche. Auch dieser Streik dauert unverändert fort. Schon im vergangenen Jahre wurden bei der Firma bald hier bald dort Lohnreduzierungen vorgenommen, teillveise wurden auch ein- zelne Arbeiter entlassen und den Neueingestelltcn ein niedrigerer Akkordlohn geboten. Die Aufstellung einer Rißmaschine brachte jetzt den Zwickern«inen Lohnabzug von 20 Pf. pro Dutzend, weil der Fabrikant der Meinung huldigt, daß diese Maschine die Arbeit der Zwicker erleichtert, während dieselbe in der Tat ungeeignet ist und die Arbeit noch erschwert. Dem Fabrikantenstolz bchagt es natürlich nicht, daß ihm der Mangel technischer Unkenntnis nach- gewiesen wird, auch soll die neue Maschine recht schnell von den abgezogenen Ärbeitcrgroschcn bezahlt werden. In dieser Sache haben in den letzten Wochen mehrere Konferenzen und VerHand- lungen stattgefunden, doch wollte der Unternehmer den Abzug nur ' um die Hälfte ermäßigen. Die Zwicker arbeiteten zwei Wochen ' versuchsweise für diesen reduzierten Lohnsatz, kamen aber nicht auf ! ihre Rechnung. Als alle weiteren Verhandlungen zu keinem Ziele ! führten, legten sie die Arbeit nieder, und erklärten sich auch die übrigen Arbeiter solidarisch. Alle möglichen Mittel versucht der Fabrikant, uni Arbeitswillige zu werben. Alte Adressen von früheren Bewerbern werden benutzt, um außerhalb Arbeitskräfte zu suche». Fabrikant und Buchhalter stehen den ganzen Tag vor der Fabrik Posten, um die Ange- worbencn zu empfangen. Einen Erfolg haben diese Bemühungen bis jetzt nicht gehabt, und wird wohl auch fernerhin der Zuzug zurückgehalten werden._ Achtung, Töpfer! Die Firwa Kaiser führt auf dem Neu- bau Pankow, Marimilianstr. 13, die Töpfereiarbeiten aus. Die- selbe beschäftigt Wilde und zieht 5 Proz. vom bestehenden Tarif ab. Die Firma ist mithin von organisierten Kollegen zu meiden und als gesperrt zu betrachten.— Die Firma Aug. B e r n d t, Wil- Wersdorf, ist zu meiden, da dieselbe Wilde beschäftigt. In Betracht kommen die Bauten Grotz-Lichperfelde, Chausseestraße, und Chaussee- straße Ecke Manteuffelstraße. Die Verbandsleitung. Tie Firma A. Gutschow, Mehl und Landesprodukte, Friedrichstraße 234 und 17, welche froh ist, daß sie ihre alten Arbeiter los ist, scheint ganze Arbeit machen zu wollen. Die im Äündigungsverhältnis bei der Firma beschäftigten Kassen- boten waren aus gewissen Gründen an dem Streik nicht beteiligt. Am 2. d. M. stellte die Firma an den einen Kassenboten, welcher 16 Jahre im Dienst der Firma war, das Verlangen, aus seiner Organisation auszutreten. Als der Betreffende dieses Ansinnen ablehnte, wurde derselbe entlassen. Nun, nach- dem diese Arbeiter ihre Kraft und Gesundheit im Interesse der Firma geopfert haben, können sie gehen. Ein schönes Zeichen von Humanität.— Die christliche Firma Bolle hat für Zuzug von Arbeitswilligen gesorgt, und auch der polizeiliche Schutz fehlt dem Millionär Gutschow nicht. So will es der christliche Staat. Der steinreiche Unternehmer wird geschützt, damit sein Profit nicht geschmälert wird, und die Arbeiter, welche um Auf- besserung ihrer erhärmlichen Lage kämpfen, werden zu Paaren getrieben. Achtung, Maler! Die Differenzen bei der Firma O. Leder sind beigelegt und die Sperre hiermit aufgehoben. Die Ortsverwaltung. OeurlcKes Reich. Lohnbewegung im Holzgewerbe. In Ziegenhals beliebte die Direktion der Möbelfabrik „Hoffnung", den Polierern erhebliche Abzüge zu diktieren. Als diese sich damit nicht einverstanden erklären wollten, wurden sie kurzerhand entlassen und die Tischler aufgefordert, diese Arbeiten zu verrichten. Die Tischler drehten nun aber den Spieß um und verlangten die Wiedereinstellung der Polierer und Zurücknahme der Lohnreduktionen, was die Firma kurz ablehnte. Die Tischler stellten nunmehr einmütig die Arbeit ein. In einer dann an- beraumten Verhandlung gelang es, die Differenzen zu beseitigen. Die Lohnabzüge wurden zurückgenommen, die Polierer wieder ein- gestellt und ein Vertrag bis zum 30. September 1912 abgeschlossen, der den Arbeitern nennenswerte Vorteile bringt.— Bemerkenswert ist noch, daß die Polizei die am Streik beteiligten Ausländer auf- forderte, sich sofort Arbeit zu beschaffen, oder aber die Ausweisung würde erfolgen. Die Arbeiter der Holzbearbeitungsfabrik Neumann in C ö t h e n(Anhalt) verlangten eine Aufbesserung ihrer Löhne, und da ihnen das verweigert wurde, stellten sie die Arbeit ein. Nach halbtägigem Streik wurde seitens der Firma für die 90 in Frage kommenden Arbeiter eine Stundenlohnerhöhung von 3 Pf. (Mindestlohn 38 Pf.) bei SOstündiger Arbeitszeit zugestanden. Bei der Firma Lauffer in Schwenningen(Württem- berg) dauert der Streik nunmehr ein halbes �ahr, ohne daß an eine Einigung zu denken ist. Die Firma verhält sicki den Forderungen der Arbeiter gegenüber ablehnend. Diverse Verhandlungen verliefen deshalb ergebnislos. Die Polizei stellt sich— wahrschein- lich um den preußischen Kollegen nicht nachzustehen— vollständig auf die Seite des Unternehmers. Die Streikenden erhielten bisher über 60 Anklagen wegen Streikvergehen. Von diesen sind bis jetzt schon über 40 Freisprechungen erfolgt. Letzthin wurde der Ge- schäftsführer des Holzarheiterverbandes, Schönenberger. verhaftet und in das Untersuchungsgefängnis eingeliefert, ohne daß ihm be- kannt geworden ist weshalb. In Luckenwalde dauert der Streik der Tischler jetzt 19 Wochen. Der dortige Bürgermeister hat sich in den letzten Wochen alle erdenkliche Mühe gegeben, um die Parteien näher zu bringen. Zu diesem Zweck hatte er zu einer Versammlung am 29. Januar auch Vertreter der beiderseitigen Verbandsvorstände geladen. Es gelang dann auch, über eine ganze Reihe strittiger Punkte, ins- besondere in bezug auf die Verkürzung der Arbeitszeit, einig zu werden. Es wurde vereinbart, daß nun sofort in die Beratung der Akkordtarife eingetreten werden soll. Bezeichnend ist. daß, während die Arbeitgeber mit dem Holzarbeiterverband verhandeln und der Friede in Aussicht scheint, sie in der„Berliner Volkszeitung" nach nicht organisierten Arbeitern inserieren. Die Aussperrung der Stellmacher, Tischler und Maschinen- arbeiter in der Waggonfabrik in Bautzen dauert jetzt die dreizehnte Woche. Mit der Direktion fanden Verhandlungen statt, die jedoch ergebnislos blieben. Eine größere Anzahl der Aus- gesperrten hat daraufhin den Ort verlassen. Die von der Streik- brecherfirma Auguste Müller-Hamburg gelieferten Arbeitswilligen sind nur noch in geringer Zahl am Orte, und mit diesen kann die Firma nichts anfangen. Eine eigenartige Rolle bei der Streik- brechervermittelung spielt der k. k. österreichisch-ungarische.Konsul in Hamburg. Dieser schickt alle sich meldenden Holzarbeiter aus der Donaumonarchie an Auguste Müller zur weiteren Vermittelung. Die Möbel fabrikanten in Höchst können von der verhängten Aussperrung nicht anders zurück, als daß sie den Wünschen der Arbeiter Rechnung tragen. Da sie sich hierzu nicht verstehen wollen, dauert der Kampf schon über die zwölste Woche hinaus. Auch in Sommerfeld ist im Streik der Tischler nach 22 Wochen noch keine Aenderung eingetreten. In Zuffenhausen bei Stuttgart hatten die Arbeitgeber die Aussperrung sämtlicher Tischler angedroht, weil diese den ihnen vorgelegten Vertrag nicht anerkennen wollten. Die Aussperrung ist ins Wasser gefallen. Nur eine Firma hat sie durchgeführt, die übrigen drücken sich, weil sie wissen, was ihnen bevorsteht. JnReistenhausen«.Main(Unterfranken) haben die Unternehmer der dortigen Möbelfabrik sämtliche Arbeiter entlassen, weil sie einen von den Unternehmern einseitig aufgestellten Akkord- tarif nicht anerkennen wollten. Zuzug nach all-n Orten ist fernzuhalten. Bewegung in den Kunstanstalten. Die Bemühungen der Ar- beiter, die Differenzen örtlich beizulegen, können als gescheitert angesehen werden. In Fürth haben bereits die Unternehmer einmütig die Inanspruchnahme des Gewerbegerichts als Einigungs- amt zurückgewiesen. Sie wollen nur durch die Berliner Zentral- vorstände unterhandeln lassen. Die Arbeiter erklärten in einer Versammlung, daß sie auf ihrem schon mitgeteilten Standpunkt verharren und kein Verhandlungscrgebnis annehmen werden, das nicht die Beseitigung der vorgelegten Arbeitsordnung bringt. Es bleibt bis auf weiteres bei der Verweigerung aller Ueber- stundenarbeit. Ter Streik in der Eisenkonstruktionsfabrik von Stumpf i« Worms ist beendet. Die Firma hat die Kündigung der Ver- trauensmänner zurückgenommen. Ueber die Lohnforderungen sind Verhandlungen im Gange. Dem Borgehen des mittelfränkischen ScharfmacherveriandeS der Bauunternehmer schließen sich auch die Organisationen der kleinen Unternehmer an. So hat die Stukkateurinnung in Nürnberg der Arbeiterorganisation ebenfalls die Kündigung des Tarifvertrages zu- gehen lassen, ohne die vertraglicki eingegangene Verpflichtung zu bc- achten, wonach Kündigung nur erfolgen kann unter gleichzeitiger Ein- reickung von Abänderungsvorschläge». Die Arbeiterorganisation hat den Vertrag ebenfalls gekündigt. Die ZimmererNiirnbergS haben sich in einer Versammlung mit der Lage befaßt und erklärt, daß sie jeden Angriff auf ihre bisherigen Errungenschaften entschieden abwehren werden. Zur Vorbereitung auf den Kampf wurde beschlossen, bis auf weiteres einen wöchentlichen Beitrag von 1 M. zu bezahlen. ZZusland. Sattler und Tapezierer! Wie der Vorstand des skandinavische» Sattler- und Tapeziererverbandes mitteilt, sind in Kopenhagen die Tarifverträge für die Sattler und für die Tapetenkleber zum 1. April gekündigt worden. Der Unternehmcrverein droht nun mit einer Aussperrung sämtlicher VerbandSmitglicder, also auch der nickt direkt Beteiligten. Aus diesem Grunde ist Kopenhagen zu meiden. Der Sekretär der internationalen Vereinigung der Sattler u. verw. Berufsgenossen. Joh. Sassenbach. Die Ausnahmegesetze gegen die Gewerkfaiaftsbewegung in Schweden und die grohe Arbeitslosigkeit. In Schweden besteht seit dem Jahre 1899 ein Ausnahmegesetz, wonach jemand, der durch Gewalt oder Drohung einen anderen zur Teilnahme an einer Arbeitsniederlegung zu zwingen versucht, mit Gefängnis bis zu zwei Jahren bestraft werden kann. Eine weitere Verschärfung hat die besonders gegen die Arbeiterbewegung gerichtete Gesetzgebung im Jahre 1906 unter dem„liberalen" Ministerium S t a a f f erfahren, so daß die Rede- und Preßsreibeit dermaßen beschränkt ist, daß man einiger unbedachter Worte wegen zu Strafarbeit verurteilt werden kann. Diese Ausnahmegesetze und Strafbcstimmungen sind während deS Generalstreiks der schwedischen Arbeiterschaft und nach dem Streik mit besonderer Schärfe angewandt worden und haben zu einer Reihe harter Strafurteile geführt. DaS gleiche gilt von dem Majestäts- beleidigungsparagraphen. der ja auch eine Art Ausnahmegesetz bildet. Einige kritische Bemerkungen über die Gleichgültigkeit, mit der der König dem großen Kampf zwischen Kapital und Arbeit gegenüber- stand, führten zu Verurteilungen von sechs und acht Monate» Straf- arbeit. In einem Falle hatte die untere Instanz sogar auf 18 Monate erkannt. Gegen diese verschiedenen Ausnahmebestimmungen hat nun der Genosse B r'a n t i n g im Namen der sozialdemokratischeu Fraktion in der Zweiten Kammer des schwedischen Reichstags einen ausführlich begründeten Antrag eingebracht, in dem, was die beiden zuerst erivähnten Strafbestinnnungen anbetrifft, verlangt wird, daß sie beseitigt werden und das Strafgesetzbuch in diesen Punkten wiederum die Form erhält, die es vor 1899 und 1906 hatte. Ferner wird die Beseitigung des MajestätSbeleidigungSparagraphen in der Weise ver- langt, daß Beleidigungen gegen den König nicht mehr mit arbeit, sondern nach den allgemeinen Strafbestinnnungen mit büße geahndet werden können. Schließlich verlangt der noch eine Aenderung der strafgesetzlichen Bestimmungen ü Verhaftung. Die Anklage- und die Polizeibehörden haben deS Massenstreiks von ihrer Macht dermaßen Gebrauch gema die persönliche Freiheit streikender Arbeiter jederzeit in Fr stellt war. Ein zweiter Antrag der sozialdemokratischen Fraktion s Abhilfe gegen die Arbeitslosigkeit dienen. Er ist Genossen Sven Persson eingebracht und ausführlich beg Es wird darin vorgeschlagen, daß der Reichstag ö T" Kronen bewilligt, die als zinsfreie Darlehen den Komm Verfügung gestellt werden sollen, um den Arbeitslosen, so nur irgend möglich, Arbeit zu verschaffen, und zwar unter dingung, daß bei der Ausführung solcher Arbeilen die allz üblichen Arbeitslöhne nicht herabgedrückt werden. Letzte IVaebnebten und Depefeben. Eine Lokomotive entgleist. Amtlich wird gemeldet: Donnerstag abend 6 Uhr ent- gleiste die Lokomotive eines Arbeitszuges beim Vorziehen in die Weiche 9 bei Bahnhof Fricdrichstraße mit einer Achse infolge unrichtiger Stellung der Weiche. Die Aufgleisung war um 7.4S Uhr bewirkt. Während dieser Zeit waren beide Ferngleise gesperrt. ZwlM KyfiÄ,0uf dem Stadtgleise vom Schlesischen Bahnhof nach'Eho/witeriiurg geführt. Die Züge von Spandäu nach iZftnstÄberg peikdeltcn zwischen Spandan — CharlottenbvkÄ,' �StkmtMekg--Schlesischen Bahnhof. Tie übrigen MnKge'hatten Verspätung bis zu 10 Minuten. Die Untersuchung der Schuldfrage ist ein- geleitet._ Aus dem elsaß lothringischcn Landesansschuß. Strasburg, 3. Februar(W. T. B.) In der Nachmittagssitzung des Landesausschnsses bemerkte der Abgeornete P r e i ß, die elsatz- lothringische Regierung habe Angst vor Berlin und habe danach ihre Haltung in der Sprachen frage, bei der Weitzenburger Denkmalsfeier sowie bei der Wegelinausweisung eingerichtet. Staatssekretär Frhr. Zorn v. Bulach erklärte, die Regierung nehme allerdings Rücksicht darauf, daß solche Maß- nahmen in chauvinistischem Sinne ausgenützt werden könnten und es gebe Leute im Lande, die die Gelegenheit dazu erspähten. Er wolle nicht sagen, daß der Abgeordnete Preist dazu gehöre, aber wenn er eine solche Rede, wie hier, im Reichstage hielte, würde man sagen, Elsaß-Lothringen sei für die Autonomie noch nicht reif. Die Unruhen im Osten. TSbris, 3. Februar(W. T. B.) Aus Karadagh ist hier die Nachricht von einer vollständigen Niederlage Rakin Khans eingc� troffen. Rakin Khan ist mit den Ueberresten seiner Reiterei in der Richtung auf die russische Grenze geflüchtet. Den Kopf nnd ein Bein abgefahren. Braunschweig, 3. Februar.(B. H.) Auf dem Bahnhof See» s e n wurde dem Eisenbahnschaffner Weiberg von einer heranbrau» senden Lokomotive, vor der er noch rechtzeitig über die Schienen kommen wollte, der Kopf und das rechte Bein abgefahren. Der Getötete hinterläßt Frau und 5 Kinder. Hungernde Familien. Budapest, 3. Februar.(B. H.) Von den Behörden der Stadt BalmazujvaroS wurde die Regierung dringend um Hilfe angegangen, da sowohl in der Stadt als in der Umgebung das Elend so gross sei, daß täglich 100 Frauen mit ihren hungernden Kindern vor den Gemeindeämtern aufziehen und weinend und wimmernd Brot verlange«., Verantw. Redakt.: Richard Barth, Berlin. Inseratenteil verantw.: Uh, Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. VerlagSanstalt Maul Singer& Co., Berlin SW. Hierzu 3 Beilagen u Unterhaltungsbl, Kr. 29. 27. Zahrglmg. t. Ktilagt des Jotrtrtf Kerlim Jollislilslt Freitag. 4. Februar 1910. Reichstag 2». Sitzung. Donnerstag, den». Februar, nachmittags l Uhr. Sm BundeSratStische: Dernburg. Die vom Amtsgericht Aschaffenburg nachgesuchte Genehmigung zur Strafverfolgung des Abg. Gerstenberger mentarier sich an den AuffichtSratSstellen beteiligen sollen, dah er selbst solche beUeid» und von dieser Tätigkeit nur Freude habe. Ich gebe ihm da» zu und auch weiter, dah er nicht Geld damit ver- dient hat. Um aber zu wiffen, dah mit Dampspflügen nicht gearbeitet werden kann, wenn keine Dampfkessel vorhanden find, braucht man nicht AuffichtSratSmitglied bei irgend einer kolonialen Gesellschaft zu sein.(Sehr richtig I oei den Sozialdemokraten.) Zweifellos besteht die Gefahr, dah jemand, der an solchen Gründungen beteiligt ist, ganz wider seinen Willen in seinem Urteil eine Trübung erfährt. (Lebhaftes Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Bei allen Menschen kann die absolute Vorurteilslosigkeit nicht gewahrt werden, wenn fie mehr oder weniger an den Dingen interessiert find, die sie im Parlament zu beurteilen haben.(Sehr wahr l bei den Sozial- demokroten.) Als ganz grobe Ungehörigkeit aber betrachten wir eS. wenn Parlamentarier ihren Namen und ihre Abgeordneten» eigenschast hergeben, um solche kolonialen Neugründungen zu unter» stützen.(Lebhaftes Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Wenn Mitglieder dieses Hauses schon an kolonialen Gesellschaften beteiligt sind, so hätten sie die verdammte Pflicht und Schuldigkeit, sich hier der gröhten Zurückhaltung zu befleihigen.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Rleiius f cuilleton. CR* Juli»? Vierbaum t Immer länger wird die Totenliste der jüngstdeutschen Stürmer und Dränger. Rur Conrad, der Ba- juware, der einst die moderne Literaturbewegung heraufbeschwor. erlabt sich noch am DaseinSglanze. Eigentlich war auch Bierbaum, gleich Conrads, Jakobowski, Hartleben. Franz Held, Julius Brand und anderen ein früh vom Tod« Gezeichneter; denn die Nieren- krankheit, der er nun letzten Endes erliegen mutzte, hat von ihm schon in weit jüngeren Jahren schweren Tribut gefordert. Indes. seine allezeit scheinbar flottfröhliche Schlesiernatur voltigierte über mancherlei Fährlichkeiten deS Lebens hinweg. Bierbaum wurde zu Grünberg am 28. Juni 18L5 als Sohn eines KleinbäckerS und Konditors geboren, hat aber seine Jünglingsjahre in Sachsen ver- bracht. Nach verschiedentlichen Universitätsstudien zu Zürich, Leip- zig. Berlin„schneite" er. ein rechter„fahrender Geselle" über Wien nach München hinein. Hier erkor er sich gleich die gerade ihre ersten Sturinwellen aufwerfende moderne Kunstbewegung zum Betätigungsobjekt. Böcklin, Gabriel Max, Franz Stuck, Fritz von Uhde und Hans Thoma griff er heraus. Er besatz eben auch als feuilletonistischer Kunstkritiker eine feine Witterung für die Gegenwart. Nur datz er nicht in die Ti�fe drang. Aber er erwies sich bei aller Tamtam- und Schaumschlägerei doch immer als An- reger, dem die Miene des begeisterten Apostels gut zu Gesicht stand. Mit„Erlebten Gedichten" betrat er dann die schöpferische Bahn. Verschiedene Gedichtbücher aus späteren Jahren vermach- ten zwar keine nennenswerten Lichter aufzustecken. Immerhin, ein Lyriker von ebenso leichter Anpassungsfähigkeit an die bun- testen Stilepochen, als temperamentvoller Beweglichkeit mit einem Stich ins aufgeputzte Biedermeiertum, das war Bierbaum auf alle Fälle. Vermöge dieser Eigenschaften hat es ihm denn auch an grotzen Erfolgen nicht gefeblt. Ja, das Glück war ihm holder als jedem anderen; seine Gedichtsammlung„Irrgarten der Liebe", die zu dem billigen Preise von IM.— eine buchhändlerische Neuerung— herausgebracht wurde, brachte es kurzerhand auf fünfunddreihig Auslagen! Er traf aber auch als No- vellist und Romancier de» Ton, den das leichtbetört sein wollende Durchschnittspublikum sofort begreift. Allerhand erotische Keck- heiten, ein Mischmasch buntquirlender Laune, mehr schillerndes Phantasicspiel als konzise Gestaltung zeichnen seine Fabulier- schöpfungen erzählender Gattung aus, als da sind:„Studenten- beichten",„Die Freiersfahrten und Freiersmeinungen des wciber- feindlichen Herrn Pankrazius Graunzer",„Schlangendame", „Stilpe",„Das schöne Mädchen von Pao", der dickbändige angebliche Zeitroman„Prinz Kuckuck" u. a. Autzerdem entfaltete er noch als Redakteur und Herausgeber von Zeitschriften(„Neue deutsche Rundschau",„Pan",„Insel"), als„Brettlbühne»"-Leiter und Auto- mobil-Reisesportschriftsteller eine rührige Fruchtbarkeit. Auch hat er sich mehrfach auf dramatischem Gebiet getummelt(„Pan im Busch", Ballett„Gugeline", ei» Bühnenfestspicl,„Stella und An- tonie",„Zwei Stilpe-Komödieu u. a.). Meist mit glücklichem, klingendem Erfolg. Nebstbei war er bestrebt, eine„Goethekultur" anzubahnen, wie die Herausgabe der Goethekalender beweist. Und endlich soll ihm sein begeistertes Eintreten für Detlev Zilien- Herr Laitinann hätte sich, bevor er gegen mich polemisierte, das Stenogramm meiner Rede ansehen sollen. Ich habe nie behauptet, datz vor der deutschen Besetzung im Schutzgebiete eitel Frieden ge- herrscht habe. Ich habe die wirtschaftliche Betäiigung der Neger ausdrücklich anerkannt, doch habe ich nicht nur die erfteulichen Dinge aus der Denkschrift hervorgehoben— das besorgen die anderen Herren sehr reichlich—(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.), sondern ich habe eS für meine Pflicht gehalten, auch die Kehr s e i t e der Medaille zu beleuchten und die schweren Nachteile zu zeigen, welche für die Eingeborenen aus der deutschen Herrschaft er- wachsen. Herr v. Lindequist wie» darauf hin, datz er zwölf Jahre in Süd westasrika geioesen sei. ich nicht.(Zuruf rechts: Das kaim ja nach- geholt werden!) Ich würde mich nicht sträuben, mich an einer Studienreise nach Südwestwestafrika zu beteiligen, nur dürfte es nicht auf Kosten einer privaten Dampfergesellschaft geschehen.(Sehr gut l bei den Sozialdemokraten.)— Herr von Lindequist freut sich über die Schaffung von 66 neuen Kleinsiedelungen. Aber was er darunter versteht, ist ja ganz etwas anderes. Aus dem Farmertage hier ist mehrfach zum Ausdruck gebracht worden, dah eine Ansiedelung nicht möglich sei, wenn der betreffende nicht inindestens 20 0(X) Mark Kapital habe. DaS sind dann doch keine„Klein'siedelungen l(Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Er wies ferner auf den Tabakbau hin. Auf dem Farmertag wurde behauptet, der Tabak könne nur gebaut werden, wenn das Gouve-nement sich zur Ab- nähme verpflichte, denn die Neger wollen ihn nicht. Das mag also ein schönes Kraut seinl(Heilerkeit.) So wie DienStag der Staatssekretär gegen mich polemisierte, sollte man im Reichstag nicht verfahren. Ausführungen vom NegierungStisch sollten sich doch an die Ausführungen des betreffenden Abgeordneten anlehnen.(Sehr richtig! bei den' Sozialdemokralen.) In dem mehrfach erwähnten Bescheide habe ich nicht der Militär- gerichtsbarkeit, sondern bis zu einem gewissen Grade auch der Kolonialverwaltung einen Vorwurf gemacht. Ich gebe zu. dah der Staatssekretär korrekt verfahren ist, indem er die Sache ans Militärgericht abgegeben hat. Aber das beliebte Verfahren ist doch sehr befremdlich. Es wurde ein Beamter nach Kamerun hinauSgeschickt, und aus Grund der Vorgänge, die er beobachtete, ist dieser Mann voller Entsetzen aus dem Staatsdienst ausgeschieden und hat die Dinge, die er von dem Hauptmann ge« sehen hatte, gemeldet. Darauf hat man nicht den Bcichuldiger ver« nommen. sondern als Begutachter einen Major, und nachdem dieser erklärt hat, datz diese Dinge zwar passiert, aber notwendig gewesen seien, wurde das Versahren eingestellt. Es handelt fich nicht nur darum, datz ein Mädchen geprügelt wurde, sondern es sind auch Reger zu Trägern gepreßt, und als fie fich dieser Arbeit entziehen wollten, ist einer von ihnen totgeschossen worden!(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) DaS sind keineswegs harn, lose Dinge. Im Übrigen hat sich der Staatssekretär die Antwort sehr leicht gemacht, indem er aus die meisten meiner Ausführungen gar nicht einging. Seine Be- merkung, die Miliz würde auch nicht mit Pralines schützen, ist doch nur ein sehr billiger Witz, der den Vorwurf nicht beseitigen kann, datz zu Unrecht mehr Menschen totgeschossen sind, als notwendig war. Der Staatssekretär hob hervor, dah Karl der Grotze an einem einzigen Tage zu Verden an der Aller 6060 Sachsen habe nieder- hauen laffen. In der Schule ist uns das niemals als eine besondere Kulturtat gepriesen worden, und die Beruhigung der Sachsen wäre ohne diese brutale Gewalttat sicherlich schneller vor sich gegangen. Wir behaupten, datz das auch in unseren Kolonien der Fall ist.(Leb- haste Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Unzutreffend war ferner, wenn der Staatssekretär behauptete, aus meinen Ausführungen über die vielen Erkrankungen an der Wurmkrankheit beim Bahnbau hätte ich gefolgert, eS sollten keine Bahnen gebaut werden. Wenn eine Viertel Milliarde Mark jetzt zu Bahnbauten bewilligt wird, so verlangte ich mit Recht, datz auch etwas mehr Mittet zum Schutz von Leben und Gesundheit der Arbeiter aufgewendet werden.(Zustimmung bei den Soz.) Ganz falsch war. was der Staatssekretär über die Zahl der Bestrafungen in den Kolonien sagte, die er auf eine Bevölkerungsziffer von 10 bis 15 Millionen Menschen verteilt. DaS ganze Ovamboland, erhebliche Teile von Togo, der ganze Norden von Kamerun, in Ostaftika Ge- biete mit mehr als einer Million Bevölkerung stehen noch ganz cron gut angerechnet sein. Bleibende Furchen hat Bierbaums Schaffen nicht gezogen. Unberührt von den sozialen Kämpfen der Gegenwart ist er dahingegangen. c. k. Di« Tradition der preußischen Polizei. Man mutz eS der preutzischen Polizei laffen: sie hat seit 60 Jahren, ja vielleicht seit 80 und 100 Jahren nichts zugelernt. Immer noch glaubt sie, mit Polizeiverboten, Achtgroschenjungen und wie ihre sonstigen sauberen Methoden sonst heitzen mögen, ein mündig gewordenes Volk, das seine Rechte heischt, gängeln zu können. Datz das Volk. d. h. unter andern, auch das arbeitende Volk ein Recht auf die Stratze hat, um ür seine Forderungen zu demonstrieren, da? bestreitet die Polizei heute wie— 1348. Man lese folgendes Mauerplakat anS dem Jahre 1848: Dringende Ansprache. DaS königliche Staatsministerium hat auf die Anzeige, datz heute beabsichngt wird, eine Petition um Abänderung des be siehenden Wahlgesetzes in eineni zahlreichen Aufzuge nach dem Schlosse zu überbringen, die hierin liegende Demonstration, als die öffentliche Ruhe und Ordnung bedrohend, nicht für gesetzlich zu lässig erachtet. Hiernach ist eS meine Pflicht, dahin zu wirken, datz die ver abredete Demonstration unterbleibe. So sehr ich mich über- zeugt halten kann, datz es bei der Achtung der hiesigen Einwohner- schaft vor dem Gesetz.— nur eines solchen Ausdrucks bedarf, um den beabsichtigten Aufzug zu unterlassen, so rechne ich doch auf alle Fälle darauf, datz die Behörden in ihren, der allgemeine» Wohlfahrt gewidmeten Bestrebungen mit Kraft unterstütz, werden. Insbesondere aber wende ich mich an die hiesigen löblichen Gewerlsgenossen, die mir in der letzten so ereignisreichen Zeit so manchen Beweis ehrenden Vertrauens gegeben haben, und deren Sin» für Gesetz und Ordnung meine volle Achtung ver- dient. Möge» dieselben auch heute ihrer wahren Stellung in der Staatsgesellschaft eingedenk sein, mögen sie eingedenk sein, wie die de», ehrenhaften Nnhrstande vor allen Dingen die Erhaltung und Befestigung der Ruhe, der Ordnung und des allgemeinen Vertrauens am Herzen liegen mutz; mögen die Gewerksgenosse» also auch dieser wohlgemeinten Ennahmnig Gehör geben, und sich aller Beteiligung bei dem fraglichen Aufzuge enthalten. Berlin, den 20. April 1848. Der Polizei-Präsident. v. Minutoli. Könnte dieser Ausflntz preutzischer Staatsweisheit nicht, abgesehen von einigen Ausdrücken, ebenso gut aus dem Jahre 1V10 stammen? DaS schlimmste aber ist, datz die Spekulation auf die Ruhebedürfnisse der Bourgeoisie besser den» je berechtigt ist. Man setze statt Gewerks- genossen„gute, ordnungsliebende Bürger" und alles ist im Lot. Rur mit dem Unterschied, datz es heute keiner Aufforderung mehr bedarf. Der liberale Bürger stützt die Reaktion a»S eigenem Antriebe, denn er ist ein Teil von ihr._ Notizen. — Biel Lärm um nichts wird man von den Zerwürfnissen in der Berliner Sezession sagen müffen. Der Auszug des alten Vorstandes und die Uebernahme der Verwaltung durch die Opposition wird wieder rückgängig gemacht werden. Prentzeu ist ein außerhalb der deutschen Verwaltung. Ebenso falsch war, wenn der Staatssekretär behauptete, wir Sozialdemokraten verweigern die Mittel zur Förderung der Baumwollkultur. Er weiß sehr gut, datz die prinzipielle Ablehnung des Etats keineswegs die Ablehnung aller einzelnen Posten bedeutet. Allerdings betonen wir, datz man fich nicht übertriebenen Hoffnungen hingeben darf. Und der Staats- sekretär sollte uns daraus umsoweniger einen Vorwurf machen, als in der Dentschrift derselbe Gedanke zum Ausdruck kommt.(Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Er sollte sich also freuen, wenn lvir den bürgerlichen Schönrednern entgegentreten und vor übertriebenen Hoffnungen warnen.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Wenn der Staatssekretär weiter meint, es krisele bei uns bezüglich unserer Stellung zur Kolonialpolitik, so erwidere ich ihm. datz natürlich wie in allen Parteien so auch in unserer manche Gegensätze bestehen. Aber in der Ablehnung der kapitalistischen Kolonialpolitik sind wir einig, und namentlich darin, datz wir allen Anlaß haben, weitestgehende Kritik zu üben.(Lebhafte Zustimmung bei den Soz.) Ganz unangebracht erschien mir der Vergleich der Sozialdemokratie init dem blinden Passagier. Dieser Vergleich patzt auf Leute, die dem Herrn Staatssekretär im gewöhnlichen Leben viel näher stehen, weit besser. Wir haben bei unserer Stellungnahme niemals persönliche Borteile erzielt oder zu erziele» gesucht. Wir bekämpfen aufs schärfste die bestehenden Mißstände und nehmen Stellung dagegen, daß das Volk belastet wird für Zwecke, bei denen für das Volk nichts herausspringen kann. Die Kapitalisten aber mutendem Volke zu, die Steuern zu bezahlen; sie drücken sich, wem, der Steliereiniiehmer kommt, und stecken den Vorteil in ihre Taschen.(Lebhaftes Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) DaS Verhalte» der Deutschen Kolonialgesellschaft hat ja in der letzten Zeit deutlich gezeigt, wer derjenige ist, der vom Wagen herunter- springt, wenn es sich darum handelt, sich von den Kosten zu drücken. (Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Wir wehren uns dagegen, datz das Volk belastet wird zu eigenem Schaden, zum Vorteil der Kapitalisten, die sich durch die Kolonialpolitik die Taschen füllen. (Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Dr. Gollcr(frs. Vp.) polemisiert gegen die auf der Tribüne unverständlich gebliebenen Ausführungen des Abg. Schwarze-Lippstadt. Redner polemisiert ferner gegen den Abg. Noske: Früher hat man uns ausgefordert, in die Kolonien zu gehen und unS zu informieren, Nun find wir doch in die Kolonien gegangen I Was sollen wir denn weiter tun?(Znrus bei den Sozialdemokraten: Da bleiben! Stürm. Heiterk.) Wie kann man Leuten verbieten, über Sacken zu sprechen, an denen sie irgendwie finanziell interessiert sind? Wohin soll das führen? Dann müßten zum Beispiel alle Arbeitersekretäre hier den Mund halten.(Laugan dauernde Unruhe und Heiterkeit ini Zentrum und bei den Sozialdemokraten. Sehr gut! auf einigen Bänken der Rechten.) Die Arbeitersekretäre sind doch abhängig von den Arbeitern, denn wetz Brot ich etz', des Lied ich sing.(Lautes Lachen, Unruhe und Zurufe bei den Sozialdemokralen und im Zentrum, vereinzelter Beifall rechts.) Abg. Erzberger(Z.): Ich habe die Ausführungen meines Freundes Schwarze auch nicht ganz verstanden.(Große Heiterkeit.) Wenn sich Schwarze aber gegen Verquickung finauzieller Interessen mit der parlamentarischen Tätigkeit gewendet hat, so hat er damit nur getan, was mit Recht vor einem Menschenalter der Abg. Lasker hier getan hat.(Sehr gut I im Zentrum.) Andererseits kann man aber nicht so weit gehen und den Abgeordneten die Teilnahme an Unternehmungen einfach verbieten. Staatssekretär Dernburg: Herr NoSke hat meine neuliche Kritik an der kolonialpolitischen Wandlung der Sozialdemokratie bemängelt. Es steht aber fest, datz in der Sozialdemokratie seit 1S06 eine Wandlung in ihrer Haltung gegenüber den Kolonien eingetreten ist. Andererseits kann man freilich der Sozialdemokratie keine tätige Liebe für die Kolonien nachsagen. (Heiterkeit.) Sie erkennt nianches an, endet aber doch»lit einer Ab- lehnung deS Kolonialetats, weil sich in ihm ein paar Positionen be- finden, � die ihr nicht gefallen. Eine solche Liebe habe ich das Recht eine platonische zu nennen.(Heiterkeit.) Will die Sozial- demokratie praklisch ihre kolonialpolitische Bekehrung beweisen, so bringe sie eine der vielen Resolutionen Albrccht, die wir ja kennen, ein, mit sämtlichen 47 Unterschriften, sage in der Resolution alles, was sie gegen die Kolonien einzuwenden hat, fordere aber, sagen wir einmal 100 000 M. für Förderung der Boumwollkultur. Ich ordnungliebendes, für den Parlamentarismus nicht reifes Land (wenn man nach den, Sezessionskrieg urteilen darf). Die Opposition darf nicht die Ministerien besetzen, auch wenn sie die Majorität hat. Der Respekt vor dem absoluten Monarchen(Liebermann) und vor den Fähigleiten des erblichen Finanzministers(Caffirer) verbietet das. Und so wird man denn der Generalversammlung, die am Freitag tagt, vorschlagen, datz der alte Vorstand mitsamt den Hinaus- gewählten wieder eingesetzt wird und datz vier neue Peerssitze für die dazugewählten Oppositionsmitglieder geschaffen werden. Danach hat wieder Frieden zu herrschen und jedermann die Republik mit zwei Grotzherzögen an der Spitze und einer verfassungsmätzig be- schränkten Opposition gebührend zu achten. Die Einigkeit auf Kosten der Freiheit hat nicht bloß den deutschen Liberalismus auf den Hund gebracht. — DerVerein fürFrauen und Mädchen veranstaltet am Sonntag nachmittag sein drittes Konzert im Choralionsaal. ES ist ganz modernen Komponisten: Wagner, Liszt, Hugo Wolf, Richard Strautz und Max Reger gewidmet. Orgclklänge werden da« Konzert eröffnen(Vorspiel zu Parsifal) und schlietzen(Siegfried Idyll). Bon Liszt, von Reger und Strautz und vor allem von Wolf wird eine Auswahl charakteristischer Lieder gesungen werden. Außerdem soll LiSzt mit einem Klavierwerke aus den„poetischen und religiösen Harmonien" zu Gehör kommen. DaS diesmalige Programm, daS ein gutes Bild moderner Mnsikentwickelung geben wird, führt den Plan der drei Konzerte in schöner Weise zu Ende. — DaS 123. Jugendkonzert findet am Sonnabend, den 5. Februar, in der Gemeinde-Festhalle zu Weißen see, Pistorius- stratze 23, statt. Das Programm berechtigt zum Eintritt und kostet für die Jugend 10, für Erivachsene 20 Pf. — Mozart-Oper im Gast spiel- Theater. Am Sonn. abend, den 5., wird„Die Zauberflöte" von W.«. Mozart zum ersten Male aufgeführt und am Sonntag wiederholt. Für Montag ist LortzingS „Waffenschmied" angesetzt. — P e a r y in Berlin. Cooks erfolgreicher Konkurrent Pearh wird ans eine Einladung der Berliner Geographi. s ch e n G e s e l l s ch a f t hin im Mai in Berlin einen Vortrag mit Lichtbildern über seine Nordpolrcise halten. Außerdem wird Peary noch zwei öffentliche Vorträge in der Singakademie halten. Be- werfe für die Erreichimg des Nordpols hat Peary bisher auch nicht vorgelegt.' — Der Hahn, der nichtkrähenkann. Die General« probe von Rostands„Chantecler" ist in Paris verschoben worden. In der Erschöpfung der Reklamekünste ist Rostand der Sarah Bern- hard bald über. Satirisch veranlagte Menschen behaupten bereits. das Drama existiere überhaupt nicht. -Das Befinden BjörnsonS hat sich seit einigen Tagen wieder verschlechtert. Die Kräfteabnahme nimmt zu; eS scheint keine Hoffnung mehr aus Genesung zu bestehen. — Eine neue Südpolarexpedition wird von Peary mV dem von ,hm für die Nordpolreise benutzten Dampfer„Roose- velt geplant Als Stützpunkt der Expedition ist eine Stelle auf dem antarktischen Kontinent ausersehen, die dem Stützpunkt der englischen Expedition gerade gegenüberliegt. Peary selber ist nur Manager und will die Fahrt Kcht mitmachen. glaube, diese Resolution würde einstimmige Annahme finden (Heiterkeit.) Mg. Ledeveur(Soz.): Es war nicht meine Absicht, beim Kolonialetat noch einmal das Wort zu ergreifen- Die Ausfübrungen deZ Kolonialsekretärs nötigen mich aber dazu. Der Staatsselretär glaubte, eine Wandlung in den kolonialpolitischen Anschauungen der Sozialdemokratie konstatieren zu können. Wir befanden uns bei der bekannten Beschwerde in der ([Jage des Richters, und da muhten wir sagen: Die Vorwürfe gegen den Staatssekretär sind nicht gerechtfertigt. Ich habe damals ganz besonders betont, datz unsere Stellung zur Sozialpolitik da durch nicht berührt werde. Der Herr Staatssekretär hätte da» doch verstehen sollen. Wenn Herr Arendt meinte, das sei nur eine Rückzugskanonade gewesen, so beweist das, dah die Herren sich nicht in den Gedanken hineinversetzen können, man könne auch dem schärfsten Gegner Gerechtigkeit widerfahren lasse», wenn er zu Unrecht angegriffen wird. Auch dann genieinsame Sache mit den Angreifern zu machen, ist die Vkeihode des Reichsverbandes gegeu die Sozialdemokratie.(Lebhaftes Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Wir haben ja schon wiederholt auf feiten der Regierung gestanden. Ich erinnere nur daran, dah mit unserer Hilfe der Antrag der Regierung, Simultanichulen in Ostafrika einzurichten, gegen das Zentrum und die Konservativen durchgebracht ist. Auch die Differenzen, die innerhalb unserer Partei zweifellos vorgekommen find, berühren unsere Stellung zu Herrn Dernburg gar nicht; sie bestanden darin, dag cin Teil meiner Parteigenofien glaubte, es wäre mög ltch, dah ein kapitalistisches Staatswesen eine rein huma nitäre Politik gegenüber den Eingeborenen treibe. Die große Mehrheit meiner Parteigenossen aber glaubt, daß ein kavitalistisches Staatswesen seiner ganzen Natur nach nie etwas anderes als Aus- beutungs- und UnterdrückunaSpolitik treiben kann und daß die deutsche Regierung sie ebenfalls treiben muh. In der ganze» Sozialdemokratie gibt es keinen, der die kapitalistische Kolonial Politik des Staatssekretärs unterstützen wollte.(Zustimmung b. d. Soz.) DaS Beispiel von Karl dem Großen, das der Staatssekretäre anführte war auherordentlich unglücklich, vor allem deshalb, weil Karl der Grohe die deutsche Nation kolonisatorisch geradezu z e r st ö r t hat, weil er die Sachsen aus ihren Sitzen im heutigen Mecklenburg ins Romanische transportierte und an ihrer Stelle Slawen und Obotriten ansiedelte. Etwas Unglücklicheres als diesen Versuch des Staatssekretärs, mit historischen Kenntuiffen zu glänzen, kann ich mir kaum denken, und ich möchte ihm raten, die Geschichtsklitterungen t 1a Karlchen Michiiick dem deutschen Reichstag zu ersparen. Herr Goller hat die Aussichtsratspolitit verteidigt. Wir greifen die Betätigung im AuffichtSrat auch bei kolonialen Unternehmungen nicht an. WaS ich einem Abgeordneten verarge, ist, wenn er fich in demonstrativer Weife an der Kolonial- Politik beteiligt und dann auch hier im H a u s e es tut und sich sogar in die Budgetkommission delegieren läht. BiS zu einem gewiffen Grade hat Herr Erzberger uns recht ge- geben, als er sagte, daS sei eine Sache des Taktes. Die Sacke muhte aber zur Sprache kommen. weil emige Herren ganz unglaublicherweise diesen Takt nicht besitzen.� Ich erinnere nur daran, dah ein Abgeordneter, der an leitender Stelle an einer Süd» kameruner Gesellschaft beteiligt ist, es fertig gebracht hat. in der Kommission die Erhöhung de» GehaltS des Gouverneurs für Kamerun anzuregen! Wer von Ihnen wird«in solch gänzliches Verschwinden de« Taktgefühles etwa nicht mißbilligen?(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Für emen Abgeordneten ist die Grenze gezogen, dah er sich nicht dazu gebrauchen lasten darf. in seiner Position als Abgeordneter koloniale Gründungen irgendwelcher Art zu begünstigen: denn die Persönlichkeiten, die einen Abgeordneten dazu ausfordern, rechnen nicht mit hohem Idealismus und Patriotismus und irgendwelchen anderen«iSmen des Abgeordneten, sondern sie sagen sich: Wenn wir für unsere Gründungen den Namen eine«„M. d. R." bekommen oder noch bester von zwei oder drei, so sind die Aktien bester abzusetzen.(Sehr wahr! bei den Sozial- demokraten.) Und noch bester ist, wenn wir einen Mann bekommen. der in der Budgetkommisston in kolonialen Fragen Einfluß ausüben kann. Diese Art Leute rechnen eben mit dem Grundsatz»eine Hand wäscht die andere I" Und wenn der Vorsitzende des AufsicktSratS einer Aktiengesellschaft in den Kolonien beantragt, daS Gehalt des Gouverneurs zu erhöhen, fo sagen sich die Herren:„Mit diesem Mann haben wir doch einen ganz famosen Griff getan I' Da hört die Gemütlichkeit auf, da fängt die U n z u lä s s i g k e it an, und wir werden energisch dagegen Protest erheben.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Bei uns ist diese Aussichtsratspolitik noch in den Kinderschuhen. aber in Frankreich können wir sehen, wie korrumpierend sie wirkt. Wahrscheinlich ist eS in anderen älteren Kolonialländern ebenso. Daher haben wir allen Grund, zu sagen: prinvipiis obsM I(Wider- stehe den Anfängen I)(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Nun zu einer anderen Sache, die mir sehr am Herzen liegt: Vor zwei Jahren haben wir beantragt, dah Anordnungen getroffen werden, wodurch den Eingeborenen, denen ihrLand während des Kriege« genommen wurde, auS den der Regierung zur Verfügung stehenden Ländereien soviel Land zurückgegeben werden soll, dah sie darauf ihren Lebensunterhalt in der gewohnten Weise im selbständigen Betriebe gewinnen können. Dieser Antrag ist hier mit sehr großer Mehrheit angenommen worden. Im vorigen Jahre haben wir vergeblich auf Antwort gewartet; jetzt liegt die Antwort deS Bundesrates vor. Der Bundesrat sagt: die Eingeborenen haben die volle Freiheit, ihren Lebensunterhalt selbständig zu erwerben, aber infolge der Einwirkung de» Krieges sind sie nur in Ausnahmefällen dazu imstande, meistens sind sie auf die Arbeit bei Weihen angewiesen; Zuwendungen eigenen Landes könne daran auch nichts ändern, da sie aus Mangel an Vieh nicht zur Viehzucht, die wesentlich in Betracht kommt, im- stände seien. Das bedeutet eine nackte Ablehnung des Antrages. Wenn man sagt, die Eingeborenen find nicht imstande, Viehzucht zu betreiben, so muh man doch daran denken, dah ihnen das Vieh im Kriege genommen ist, und damit sie zu einem selbständigen Vieh- stand nicht kommen, ist eine Verfügung erlösten, durch welche den Hereros verboten wird, Großvieh zu erwerben. Gerade Großvieh ist aber zur Viehzucht unerläßlich. Und dann sagt die Stegierung, sie kann diesen Leuten kein Land geben, well sie kein Vieh halten können I DaS ist geradezu eine Verhöhnung nicht nur der Eingeborenen, sondern auch des Reichstages.(Lebhaftes Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Diese Eingeborenenpolitik, diese kapitalistische AuSdeutungSpilitik schlimmster Art. meint der Staatssekretär, könnten wir irgendwie unterstützen! Wie steht es denn jetzt mit den Eingeborenen in Südwestaftika? Durch die Ausrotluugsstrategie Karls des Großen, die Herr Dernburg empfiehlt und die Herr v. Trotha in die Praxis übersetzt hat, sind die HereroS auf ein Viertel ihres Bestandes reduziert, also geradezu ausgerottet. Ueber die Zustände bei dm Eingeborenen haben wir amtliche Denkschriften, die auf MissionSberickten be» ruhen. Wir erkennen gern an. daß die Missionare beider Kon- fessionen sich bis zu ernem gewissen Grade bemühen, für die Ein- geborenen einzutreten, leider nicht in dem erforderlichen Maße. Run» die auf den Misfionsberichten beruhenden Denkschriften zeigen, daß die Eingeborenen vielfach Hunger leiden. daß die Kindersterblichkeit bei ihnen eine ganz massenhafte ist. UebrigenS scheinen die Missionare im Verkehr mit den Bürgern von Swakopmund und Keetmannshoop von dem Tone gelernt zu haben, von dem unS im vorigen Jahre hier Herr Schuckmann schöne Probe» gab. Wie Herr Sckuckmann in höchst unpassender Weise von weihen Mädchen als schönem„Material" sprach, so brauchen die Missionare von eingeborenen Kindern den höchst unpassenden Aus- druck„eingegangen"! Man spricht vom„Eingehen" bei Tieren, nicht bei Meeschen.(Sehr wahr 1 bei den Soz.) Die Missionare sprechen in dem genannten Bericht von dein Milchmanael, vom Skorbut, der daran« entspringt, und von den Opfern, die dieser fordert. Die Missionare führen mit Recht die meisten dieser traurigen Er- scheinungen auf den Landmangrl zurück; es scheint aber, daß sie die Resolution de? Reichstages zugunsten der Eingeborenenreservate nicht kennen.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Die Re- gicrung will diesem Landmangel nicht abhelfen, denn er ist es. der die Farbigen zu wehr- und willenlosen Skaven der Weihen macht. (Sehr wahr l bei den Sozialdemokraten.) Ich muh den Staatssekretär fragen: Sind die offiziellen Missionsberichte im Koloniolamt frisiert worden, oder find sie schon bon den Missionaren in ftistertem Zustande eingesandt? Jedenfalls ist es auffällig, dah andere nicht offizielle Berichte derselben Rheinischen MissionSgesellschast eine andere, viel schärfere Sprache führen.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Es heißt darin unter anderem:„Vielfach wird in kolonialen Kreisen der Farbige nur als Arbeitstier betrachtet. Die Farmer sehen scheel auf die Missionsarbeit. Während die farbigen Männer lohnarbeiten, amüsiere» sich die Weißen mit deren Frauen." Daher denn auch die vielen Mischlinge! Von Windhuk wird berichtet, daß das Militär einen höchst entsittlichenden Einfluß auf die Farbigen ausübe. Geradezu unheilvoll wirft das„Bambusenwesen"(Bambusen nennt man be kanntlich die eingeborenen jugendlichen„Diener"),„geradezu er- schreckend ist die Zahl der illegitimen farbigen Mischlinge",„das Hererovolk ist von geschlechtlichen Krankheilcn derart infiziert, dah kaum noch gesunde Kinder geboren werden".(Hört! hörtl) Wahrhaftig eine schöne Illustration der gepriesenen„Kulturarbeit"!(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Ich möchte übrigens nochmals den Staat« sekretär fragen: Sind die Berichte hier oder schon von den Missionaren frisiert worden? Haben die Missionare sie selbst ftisiert, so haben sie damit den Beweis geliefert, dah sie nicht die genügende moralische Festigkeit haben, um als Kulturträger in Südioestafnko gelten zu können. Südwestaftika ist neben dem Kongostaat und neben dem Wirken des verstorbenen Königs Leopold(Unruhe rechts, Sehr gut! bei den Sozialdemokraten) geradezu ein Schulbeispiel dafür, welche grauenhaften Zustände in den Kolonien entstehen— und zwar in Südwestaftika durch das Wirken des Staatssekretärs Dernburg und seiner Beauftragten zugunsten der weihen Unternehmer. (Sehr gut! b. d. Soz., Unruhe b. d. bürgerl. Parteien) Verwilderung und Entsittlichung sind die Folgen der gepriesenen kolonialen„Kultur- arbeit". Wo die Negerarbeit beinahe gratis zu bekommen ist, da gedeiht keine weihe Arbeit. Die besten Kenner SüdwestafrikaS. Leute, die uns politisch so fern als möglich stehen, stimmen darin mit uns überein.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Wenn der Deutsche Reichstag diese Art der Kolonialpolitik billigt, so ist das kein Wunder angesichts der Tatsache, dah alle bllrger- lichen Parteien auf den Kapitalismus eingeschworen sind. Die Illusion aber, dah die Sozialdemokratie sich zu dieser Politik belehren werde, ist eme der größten Phantastereien, die mir je vorgekommen sind.(Sehr gut! bei den Sozialdemo- traten.) Keinen Sozialdemokraten wird eS geben, der seine Abstimmung dazu gibt, dah die Neger, an Händen und Füßen gefesselt. weihen Sklavenhaltern überliefert werden.(Lebhafte Znstlmmung bei den Sozialdemokraten.) Es mag einige in unseren Reihen geben. die günstiger als das Gros unserer Fraktion der Kolonialpolitik gegenüberstehen: einen Anhänger der D e r n b u r g s ch e n Kolonial- poliiik aber gibt eS in unseren Reihen nicht!(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Arning(natl.): Mein Bourgeoishirn kann den pathetischen Ausführungen des Abg. Ledebour nicht folgen.(Zurufe bei den Sozialdemokraten: Natürlich!) Herr Ledebour würde wohl erst dann mit der Kolonialpolitik einverstanden sein, wenn der Räuberhaupt- mann Simon Copper Staatssekretär des Kolonialamts geworden ist. (Lachen bei den Sozialdemokraten.) Das Mitglied der Kommission. das an einer Unternehmung in einer bestimmten Kolonie beteiligt war, hat in loyalster Weise daS Referat über den Etat gerade dieser Kolonien niedergelegt. Die Ausführungen der Herren Noske und Ledebour decken sich nicht in allen Punkten.(Zuruf bei den Sozial- demokraten: Kümmern Sie sich nur um die nationalliberalen Un ltimmigkeiten!)— Redner verbreitet sich sodann über koloniale Post« und Baumwollfragen. Mg. Schwarze- L'ppftadt(Z.) kommt auf seine früheren Aus- Ahrungen zurück, bleibt aber wieder unverständlich. Abg. Storz(südd. Vp.) erörtert Miffionsfragen sowie die amoanische Sckulftage(Konflikt zwischen Gouverneur und Bischof). Abg. Erzberger: ES handelt fich in Samoa nicht um eine Simultanschule, sondern um eine religionslose Schule. (Lebhaftes Hört! hört! im Zentrum.) Dah der Bischof von Samoa ranzösischer Rationalität ist(Hört I hört I bei den Liberalen), kommt daher, daß er lange vor. dem Beginn der deutschen Herrschaft über Samoa diese geistliche Würde erlangt hat. Wenn der unselige Kulturkampf nicht gewesen wäre, hätten wir weit ftllher eine deutsche Mission in Samoa gehabt.(Lebhafter Beifall im Zentrum.) Staatseftetär Dernburg: Ich will gegen die Person deS samoanischen Bischof» nicht« sagen, aber jedenfalls wäre e« bester, ein deutscher Bischof mit deutschem Nationalgefühl amtiert in einer deutschen Kolonie.(Leb- hafter Beifall links, zum Teil auch recht«.) Unter keinen Umständen werde ich darein willigen, dah die staatlichen Autoritäten vor dem Bischof zurückweichen.(Lebhafter Beifall auf denselben Bänken. Murren un Zentrum.) Abg. Dr. Müller-Meininaen(frs. Vp.): ES ist unerhört, dah ein ftanzösischer Bischof deutschen Reichsangehörigen verbietet, ihre Kinder in eine deutsche Regierungsschule zu schicken.(Lebhafter Beifall bei den Liberalen, Unrnhe im Zentrum.) Wir sind dem Staatssekretär dankbar dafür, dah er gegenüber dem französischen Bischof das deutsche Interesse wahrt.(Stürmischer Beifall bei den Liberalen.) Abg Erzberger(Z.) protestiert dagegen, dah immer von einem „ftanzösischen" Bischof gesprochen werde. Wenn der Bischof den Besuch einer religionslosen Schule verbiete, so handle er als Katholik, nicht als Franzose. Außerdem habe der Bischof, wie er— Redner— gehört Hobe, die deutsche Staatsangehörigkeit er» warben.(Beifall im Zentrum.) Staate», sondern auch das der Kirche. Mr werden in einem soiche« Konflikt stets auf feiten der Regierung stehen.(Bravo! bei den Frei» sinnigen.).. � Abg. Erzberger(Z.): Dah der Bischof fich gegen d e Gründung einer religionslosen Schule wehrt, ist doch ganz selbstverstandUch. Bon einem Kampf gegen das Gouvernement ist in dem Schreiben des Bischofs keine Rede, sondern er legt dar, daß katholische Eltern sich beschwert fühlen, wenn ihre Kinder eine konfessionslose Schule besuchen müssen, obwohl katholische Sckulen vorhanden sind. Darin kann doch keine Auflehnung gegen die staatliche Autorität erblickt werden.(Lebhafter Bestall im Zentrum). Abg. Dr. Müller-Meiningen(frs. Vp): Die Uebertragung der Grundsätze des Herrn Erzberger auf Deutschland bedeutete die Aus- lieferung der Schule an die Kirche.„Die Schule ist eine religiöse Sache" sagt der Bischof.(Sehr richtig I im Zentrum.) DaS ist die Freiheit, die Sie meinen! Aber das Zentrum ist ja»keine lon- fessionelle Partei."(Grohe Heiterkeit links.) Staatssekretär Dernburg stellt fest, dah dw RegierungSschnke eine katholische und eine evangelische Abteilung hat.(Hört! hörtl Abg. Erzberger(Z.): DaS beweist nur. dah der Bischof recht bekommen hat, denn nach der mir gewordenen Nachricht war noch 100g den Dienern der katholischen Kirche der Eintritt in die Re- gicrungsschule nicht gestattet. Nie haben wir behaiwtct, dah die Schule eine rein religiöse Angelegenheit sei, wohl ckver die Er- z i e h u n g. Auf die letzte Bemerkung deS Herrn Müller-Meiningen bemerke ich: So lange er dafür eintritt, dah Juden als Reserveoffiziere zu- gelafien werden, werde ich mich auch für berechtigt halten, für einen katholischen Bischof einzutreten.(Lachen links.) Damit schlieht die Debatte. Der Etat wird bewilligt, ebenso debattelos der Etat des Kolonialamts. Eine Resolution der Kommsston auf Einsetzung einer Kom- Mission auS Mitgliedern deS Bundesrates und Reichstages zur Förde« rung der Errichtung eines Denkmals in Berlin für die auf autzereuropäiichem Boden im Kampfe gebliebenen Deutschen wird einstimmig angenommen. DebatteloS erledigt wird noch der Etat des Reichsmilitärgerichts. Hierauf vertagt sich daS HauS. Nächsie Sitzung Freitag 1 Uhr.(Etat deS Reichstag ß. Dritte Lesung des Vertrages mit Portugal.) Schluß Ü'/z Uhr._ Hbgcordnctenbaus. 14. Sitzung, Donnerstag, den 3. Februar, vormittags 10 Uhr. Am Ministcrtisch: v. Arnim-Criewen. Vizepräsident Dr. Pvrsch teilt mit, daß der Abg. Hei mann (Soz.) fein Mandat niedergelegt hat. Die zweite Beratung des Forst etat? wird fortgesetzt bei den Einnahmen Titel„J a g d" mit dem Antrag Borgmann auf Verpachtung der administrativen Jagdbezirke an den Meist» bietenden. Abg. Herold(Z.): Meine Freunde werden gegen den Anj- trag stimmen, der hoffentlich nicht wiederkehrt. Herr Borgmann meinte, man solle den Abschuß einzeln vergeben. DaS würve erhebliche Kosten für die Kontrolle verursachen, und eine wirk- same Kontrolle wäre trotzdem unmöglich. Abg. Dippe(natl.): Auch wir lehnen den Antrag ab. Wenn Herr Borgmann als Entschädigung der Oberförster eme GehaltS- erhöhung befürwortete, so bedenkt er nicht die Wirkung, die eine solche Erhöhung auf andere Beamtenkategorien haben mußte. Damit schließt die Debatte. Der Antrag Borgmann wird gegen die Stimmen der Sozialdemokraten abgelehnt. Beim Titel 7,„Verschiedene andere Einnahmen", beantragen die Abgg. Borgmann(Soz.) und Genossen: „Die Regierung zu ersuchen, bis zur dritten Lesung de» Etats und weiter alljährlich eine genaue Nachweisung darüber beizubringen, welche Beträge gemäß§§ 9, 34 des Gesetzes vom Ib. April 1878 in die Kasse deS ForftfiSkuS geflossen sind und in welchem Umfang von der Befugnis de»§ 34 Abs. 2 de» ge- nannten Gesetzes vom Königlichen ForstsiskuS Gebrauch ge° macht ist, ferner eine ausführliche Statistik über die wegen Forstdiebstahls und Delikten gegen da» Feld- und Forstpolizei- gesetz verhängten Strafen vorzulegen; ferner so bald wie möglich eine Reform des Forstdiebstahl-. und des Feld- und ForstpolizeigesetzeS in die Wege zu leiten." Abg. Dr. Liebknecht(Soz.): Das Forstdiebstahlgesetz enthält eine Fülle bon so außer» ordentlich rückständigen und gefährlichen Bestimmungen, daß eine Reform dringend notwendig ist. Zunächst muß auf das leb- haftest« befremden die Tatsache, daß der beim Forstdiebstahl Be» troffene regelmäßig mit dem fünffachen Werte des Entwendeten, meist aber mit dem zehnfachen Werte bestraft werden m u n. Außer diesen Mindestgeldstrafen gibt eS noch die Möglichkeit der Bestrafung mit Gefängnis bis zu sechs Monaten resp. bis zu zwei Jal?ren vom dritten Rückfalle an. Weiter ist eine Verjährung von sechs Monaten vorgesehen, obwohl eS sich oft nur um Uebertretungen handelt. Besonders rigoros ist die Be- stimmung, wonach bei Forstdiebstählen auch Angehörige ohne weiteres zu haften haben j Das widerspricht allen Grundsätzen unserer Strafgesetze. Ebenso rigoros ist die weitere Bestimmung. daß jeder, auch wenn nur ein Versuch oder eine Teilnahme vorliegt, mit der vollen Schwere des Gesetzes getroffen wird, bei mehreren Teilnehmern jeder einzelne. Erstaunlich ist die Be- stimmung. daß die Festsetzung der Taxe, nach der der Wert deS Schadens zu berechnen ist, dem geschädigten ForstfiskuS selbst über- lassen ist. DaS widerspricht oen allgemeinen Grundsätzen des Zivil- und Strafrechts. In den � serner sehr wichtige Garantien des ForftdiebstahlSprozessen fehlen ■■., �_..-.. 1",- wuiu..-.-.. � Strafprozesses. Es gibt keine Abg. D»v«(fts. Vg): Da Dr. Müller-Meiningen ganz besonders Schöffengerichte; der Amtsrichter entscheidet ganz allein. Die oft Zusammenstöße mit dem Zentrum hat, so stelle ich fest, daß die ganze freisinnige FraktionSgeineinschaft aus dem von Dr. Müller- Meiningen vertretenen Standpunkte steht.(Aha I und Na. naiütlich I im Zentrum.) Wir wollen, daß überall und unter allen Breilen- graben die staatliche Autorität und die Oberhoheit deS Staates über die Schule gegenüber der Kirche zur Geltung gebracht werden.(Leb- hafter Beifall bei den Liberalen.) Damit schließt die Kolonial-Generaldebatte. Die einzelnen Positionen des südivestafrikanischen Etat» werden debatteloS genehmigt. ES folgt der Etat für Ostafrlka. Abg. Dr. Arendt(Rp.): Der Gouvemeur von Ostafrika zeigt den Weißen zu wenig Entgegenkommen, dagegen ist er gegen die Neger von einer besonderen Nachgiebigkeit. Abg. Werner(Antisemit): Dem Gouverneur v. Rechenberg sollte der Staatssekretär eine Borlesung über den Verkehr mit Weißen und Eingeborenen halten. Sraaissekretär Dernburg weist die gegen den Gouverneur Recheubcrg erhobenen Angriffe zurück. Damit schlieht die Diskussion. Der Etat für Ostafrika wird genehmigt, desgleichen debatteloS die Etats für«amrrnn, Tog» und Neu-Guinra. Beim Etat für Samoa bemerkt Abg. Dr. Arning(natl.): Wir hätten in Samoa lieber einen deutsch sprechenden Bischof als einen ftanzösisch sprechenden. Aber gegen jeden Bischof muß die Staatsautorität auftechterhalten werden.(Bravo! der den NattonaNiberalen.) Abg. Kopsch(frs. Vp.): Der Bischof in Samoa verlangt:„In Schulsachen entscheidet Rom!" DaS kam, sich kein Staat gefallen lassen. Der Bischof schädigt dadurch nicht nur da» Ansehen des Revision ist wesentlich eingeschränkt. Schärfste Brandmarkung verdient die Bestimmung, wonach der Forstschutzbcamte darüber zu beeidigen ist, daß er Zuwiderhandlungen gegen dieses Gesetz in seinem Bezirk gewissenhaft anzeigen werde. Also er muß den Namen des Christengoites anrufen, um verpflichtet zu werden, etwas zu tun, was durchaus nicht dem Gedanken der Nächsten- liebe entspricht. ES gibt bekanntlich ein Wort:„Du sollst den Namen Deines Gottes nicht unnützlich führen."(Vizepräsident Dr. Borsch ruft den Redner zur Sache.) DaS Bedenklichste in dem ganzen Gesetz ist. daß die Geldstrafen nicht der Staatskasse zufallen, sondern dem Geschädigten. (Hört! hörtl bei den Soz.) Von drei jungen Mädchen und einem Manne war aus einem königlichen Forst ein Wert von 30 M. ent. wendet worden, und zwei davon wurden zu je 300 M. Geldstraf- und zum gemeinschaftlichen Ersatz des Wertes von 30 M. verurteilt. Wären die beiden anderen auch verurteilt, so hätte die Gesamt- strafe 1230 M. betragen für einen Schaden von 30 M. und diese Summe wäre in die Tasche des Fiskus oder in einem ähnlichen Falle in dl« Tasche eines Privaten gekommen!(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Gewiß mögen manchmal diese Strafen nicht beitreibbar sein. Das ist gerade in dem vorliegenden Falle das Empörendste, dag es sich um eine arme Arbeiterin handelte, die offenbar aus Not gehandelt hatte und gegenüber der es dem Gericht dennoch versagt war. irgend eine Milderung eintreten zu lassen. Weiter findet sich in dem Gesetz die ungeheuerliche Besttmmung. daß dem Geschädigten das Recht gegeben wird, den Verurteilten die Strafe bei sich abarbeiten zu lassen:(Hört! hörtl bei den So- zialdemokraten.) Es ist also im Interesse des Geschädigten«ine Zwangsarbeit eingeführt, wobei der Geschädigte selbst der Vollstrecker ist! Das spricht allen modernen Grundsätzen Hohn.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Natürlich wird der Geschädigt« auf ftlnen Vorteil scharf bedacht sein, und so haben wir eine Schuldknechtschaft, schlimmer als jede Schuldhaft. Es handelt sich hier um Bestimmun- pen, die wie ein düsteres Stück Mittelalter in unsere Zeit hinein- ragen.(Sehr wahr' bei den Sozialdemolcaten.) Auch wir wollen gewih Forst und Feld vor unbefugten Eingriffen schützen, aber im Interesse der A l l g e m e i n h e i t. während dieses Gesetz mit seinen rücksichtslosen Bestimmungen offenbar die Privilegien d-r herrschenden agrarischen Minderheit in Schutz nehmen soll. Wir bitten Sie, unserem Antrag, der mit Parteipolitik nichts zu tun hat, zuzustimmen. Eine Ablehnung unseres Antrages würdet beweisen, dasi Sie auch in den dringendsten Fällen einer Reform unserer rückständigen preußischen Gesetzgebung von engherzigsten Interessen heraus widerstreben.(Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Damit schließt die Besprechung. Die Abstimmung über den Antrag wird ausgesetzt, da er noch nicht gedruckt vorliegt. Bei den außerordentlichen Einnahmen, Erlöse aus dem Verkauf von Forstgrund stücken, liegt ein Antrag Borg- mann(Soz.) vor: „Die Regierung zu ersuchen, in Zukunft Forstverkäufe erst dann zum Abschluß zu bringen, wenn der Landtag seine Zuftim- mung dazu erteilt hat." Abg. v. Brandenstein(kons.) begründet einen Antrag: Die Regierung zu ersudicn, geeignete Matznahmen zu treffen, damit von den seitens des Forstsiskus zu verkaufenden Waldpar- zellen in der Umgebung volkreicher Städte ein möglichst großer Teil von den an Erhaltung dieser Wälder vorzugsweise interessierten Gemeinden oder von zu bildenden Zweckverbänden erworben wird. Bei den Verkäufen wird die dauernde Erhaltung dieser Wälder im Interesse des Publikums durch geeignete Bedingungen sicherzustellen und der Kaufpreis so zu bemessen sein, baß auch dieser Zweck- bestimmung Rechnung getragen wird. Redner fragt die Regierung, ob eS wirklich wahr sei, was vielfach erzählt werde, daß neuerdings einer der schönsten Teile deS Grunewalds, der PichelSwerdrr, an eine Bangesrllschaft verkaust werden solle? Den Antrag Borgmann würden seine Freunde ablehnen, Weil er nicht im Einklang stehe mit dem geltenden Staatsrecht. Minister v. Arnim: Berlin gehört zu den Städten, die außer- ordentlich viel Wald in ihrer Umgebung haben. Dem Wunsche des Abgeordnetenhauses, Uferstreifen nicht zu verkaufen, ist mich- gekommen. Der Pichelswerder war schon seit vier Jahren zum Bcr- kauf in Aussicht oenommeo; das war zur Fortführung der Döbe- ritzer Heerstraße notwendig. Es ist aber beabsichtigt, die schönste Stelle des Pichelswcrders, die Südspitze, zu erhalten.(Bravo l) Abg. v. Blllow-Homburg(natl.) beantragt: Die Regierung zu ersuchen, zwecks Förderung der Leibesübungen der Schuljugend da, wo ein Bedürfnis dafür vorhanden ist, fiskalisches Terrain zu Spielplätzen in genügender Größe und Zahl den in Betracht kam- inenden Gemeinden auf deren Antrag zu einem angemessenen Kauf- oder Pachtpreis zu überlassen. Redner spricht des weiteren den Wunsch aus, daß der Verkauf des Pichelswerder noch in letzter Stunde rückgängig gemacht werde. Abg. Borgmann(Soz.): Das Fazit aus der Erklärung des Herrn LairdwirtschaftS- Ministers ist. daß ruhig weiter vertauft wird. Es ist ja nach seiner Auffassung ganz selbstverständlich, daß die Berliner den Grüne- Wald gar nicht so sehr werten, sondern sich lieber in den Kneipen herumdrücken. Er beweist, daß ihm das richtige Verständnis für die Dinge fehlt.(Sehr richtig! bei den Soz.) Im Lande hat man jedenfalls eine umfassendere Erklärung der Regierung in der ein- schneidenden Frage der Grunewaldverkäufe erwartet, als sie heute erfolgte.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Die Erklä- rung des Ministers entspricht durchaus dem Wesen des ganzen Etats, der außerordentlich mangelhaft und unübersichtlich aufge- stellt ist trotz der sogenannten„Erläuterungen". So fehlt ein« Er- läuterung über all« einzelnen Forswerkäuse. Wenn Herr v. Brandenstein meinte, daß unser Antrag das preußische Staatsrecht verändert, so trifft das nicht zu. Nach der Berfaftung. Artikel SS, müssen all- Einnahmen und Ausgaben des Staates für jedes Jahr im voraus veranschlagt werden, und§ 2 des Gesetzes vom 10. Mai 1808 bestimmt, daß auch„Veräußerungen von beweglichem und unbeweglichem Staatseigentum" in den Staatshaushalt gebracht werden müssen. Und wenn auch diese Be- stimmung nicht so klar wäre, hätten wir doch alle Ursache, das Mit- Bestimmungsrecht des Parlaments zu erweitern. Freilich sehen wir ja, daß man auf feiten der Herren eher dazu übergeht, in geradezu hochverräterischer Weise die Verfassung über den Hausen zu werfen.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Davon kann gar keine Rede sein, daß die Regierung nicht vorher wüßte, was verkaust werden soll. Der Minister hat ja in der Budgetkommission ausdrücklich von ihren Verkaufsplänen gesprochen, und würde sie dazu die Zustimmung des Landtages einholen, so könnt« das ihre Position nur stärken. Die Verkäufe an Private scheinen zunächst nur zu dem Zweck ins Werk gesetzt zu werden, um Spetu- lationSpreise zu bekommen und dann auch von den Städten höhere Preise verlangen zu können.(Sehr richtig bei den Sozialdemo- kraten.) Es macht doch einen recht häßlichen Eindruck, wenn solche Mittel angewandt werden. Nun sollen die Forstverkäufe in der Umgebung größerer Städte den Zweck haben, die Aufforstung von Oedländereien in der Provinz zu bewerijtelligen. Wir sind gewiß bereit, die Mittel der Regierung zu bemilllgen, die zu solchen Auf- forstungen nowendig si-rd, aber nicht auf diesem Wege, der drc großstädtische Bevölkerung auf das schwerste gesundheitlich schädigt. (Sehr wahr! vci den Sozialdemokralen.) Die Verwirklichung d«S Antrages v. Brandenstein, der Zweckverbänd« wünscht, würde so erhebliche Zeit erfordern, daß inzwischen die Forstverwaltung Ge- lcgenhcit hatte, alles zu verkaufen, was sie will. Wir sind keine». wegs genötigt, den Städten die Forsten zu schenken, sondern es kann darüber verhandelt werden. Die Regierung müßte aber die Erklärung abgeben, daß sie solange mit den Verkäufen warten will, bis die Zweckverbände gegründet sind. Sonst wäre der Antrag Brandenstein wirkungslos. ES ist sehr bedauerlich, daß H-rr v. Branvenstein im vorigen Jahr« nur beantragt hat, die Ufer- streifen von Berlin bis Potsdam nicht zu verkaufen. Gegen einen Verkauf der Ufcrstretfen an der Oberspree, die für die Bevölkerung im Osten von der grüßten Wichtigkeit sind, hatte er nichts einzuwenden! Wenn er sich auf den Westen beschränkt hat, so war das wohl eine Art Kirchturmspolitik, denn er ist ja Vertreter dieser Gegend. � ,, Ich muß unseren Antrag aufrechterhalten. Wenn Sie ihn nicht annehmen,»erden Sie sich nicht wundern können, wenn die Regierung auch in Zukunft macht, lvas sie will. Die Regierung kann sich darauf berufen, daß sie die Finanzen stärken mutz, Sie aber, als gesetzgebende Körperschaft, haben die Interessen der All» gemein heil zu vertreten.(Sehr gut! bei den Sozialdemo- kraten.) Daß die Rechte mit der Erklärung des Ministers ein- verstanden ist, ist erklärlich. In dem Ankauf der Oedländereien liegt ja wieder eine Nnterstützung der Agrarier! Ich warne Sie aber davor, die Interessen der großstädtischen Bevölkerung in dieser Weise zu mißhandeln.'Was Sie jetzt zer- stören, ist nicht wieder gutzumachen. Dem Antrag v. Bülow werden wir zustimmen, nur sollte man kernen Unterschied machen, ob es sich um„patriotische" Turner oder um Arbeiterturner handelt. Wir wollen, daß jeder Volksgenosse die Möglichkeit erhält, sich in freier Luft die Bewegung zu verschaffen, die für die Gesundbeit de« Körpers und Geiste» unbedingt notwendig ist.(Bravo! bei den Sozialdemo- kratel'.) Minister v. Arnim: Der Antrag Borgmann verstößt gegen die verfassungsmäßige Grundlage. In der Richtung des Antrages V. Bülow ist schon bisher alles geschehen, wo ein Bedürfnis vorlag. Abg. Ziethen(fk.) wünscht, die Regierung möge dafür sorgen, daß Zweckverbände, wie sie der Antrag Brandenstein in Aussicht nimmt, im Zwangswege gebildet werden können. Abg. R-senow(frs. Vp.); Wir stimmen den Anträgen Branden- stein und Bülow zu. Die Grunewaltwerkäufe sollten, wenn nicht ganz unterbleiben, so doch hinausgeschoben werden, damit die Gemeinden Groß-Berlins sich über ein gemeinsames Vorgehen oerständigen können. Abg. Graf Spee(Z.): Den Antrag Borgmann lehnen wir ab. Der Verkauf von Pichelswerder ist berechtigt. Sonst müßte der Staat die Kosten der Döberitzer Heerstraße ganz auf die Taschen der Steuerzahler abwälzen. Von einer Waldverwüstung kann dabei nicht die Rede sein. Nach weiteren Bemerkungen der Abgg. Lieber(natl.), Boisly (natl.,, Felisch(k.) und Brtitt(fk.) betont Minister v. Arnim, daß die Terrainberkäufe nur so weit er- folgen sollen, als zur Deckung der Kosten der Heerstraße nötig ist. Die schönsten Teile des Pichelswerdcrs sollen erhalten bleiben. Damit schließt die Diskussion. Der Antrag Borgmann wird gegen die Stimmen der Sozial- demokratcn und einiger Freisinniger abgelehnt. Der Antrag v. Brandenstein geht an die verstärkte Gemeindekommission, der Antrag v. Bülow wird einstimmig angenommen. Hierauf wird die vorher zurückgestellte Abstimmung über den Antrag Borgmann, betreffend das Forstdiebstahlgesctz usw., vor- genommen. Der Antrag wird gegen die Stimmen der Sozialdemo- kraten und einiger Freisinniger abgelehnt. Die Ausgaben werden nach unwesentlicher Debatte be- willigt. Es folgt der Domänenetat. Ein Antrag des Zentrums, der Konservativen und National- liberalen, die Regierung zu ersuchen, dem Abgeordnetenhaus zur nächsten Session eine übersichtliche Zusammenstellung über die der Domänenverwaltung unterstellten Werte und deren wirtschaftliche Ergebnisse vorzulegen, wird nach kurzer Debatte angenommen. Im übrigen wird der Etat nach unerheblicher Spezialdebatte genehmigt. Damit ist die Tagesordnung erledigt. Nächste Sitzung: Freitag 11 Uhr.(1. Lesung des Gerichtskostengesetzes und der Gebührenordnung für R echtsan w ä ltie und Notare. Dann L. Lesung des I u st i z e t a t s.) Schluß Uhr._ parlamcntanrchca. Sparsamkeit in der Reichsbndgctkommission. terr Erzberger verfolgt mit eiserner Konseauenz das Ziel, im n e n bei den Ausgaben zu sparen; auch beim Militäretat. Auf seine Veranlassung wurden von den für die BezirkskommandoS geforderten 3S neuen Stellen für Feldwebel 18 und von den 21 Stellen für Unteroffiziere 12 gestrichen. Wahrscheinlich hat die Militärverwaltung das Bedürfnis deS Zentrums, zum mindesten in der Kommission Abstriche zu machen, richtig eingeschätzt und daher gleich einige Stellen mehr gefordert als zur Ausrechterhaltung eines geregelten Geschäftsganges unbedingt erforderlich ist.... Hin- gegen wurde vom Zentrum für das zum Teil in Wegfall gekommene Tischgeld die hesondrre Aufwandsentschädigung für die Offiziere deS 1. Garderegiments und des Gardedukorps glatt bewilligt, obgleich dieser Mehraufwand nicht im Interesse deS Reiches gemacht zu werden braucht, sondern mit der Stellung jener Regimenter zum Hose zusammenhängt. Die hierfür geforderte Gesamtsumme beträgt die Kleinigkeit von„nur" 76 400 M I Ueber die BeNcidungsämter wurde eine sehr interessante Debatte geführt, die aber zum größten Teil angeblich im Interesse der Sicherung militärischer Geheim- nisse— für vertraulich erklärt wurde... Die Neu- anforderungen von 1 Stabsoffizier, 3 Hauptleuten und IS Umer- offizieren wurden gestrichen, und von drei angeforderten Jiispektor stellen wurden nur zwei genehmigt, weil man allgemein der Meinung ist. daß die vorhandene Zahl von Osstziaren und Unteroffizieren für den Dienst völlig ausreichend sei und zudem die Offiziere für Abnahme von Tuchen und anderen Bekleidungsgegenständen nicht besonders geeignet sein sollen, obgleich sie— wie Genosse S t ü ck l« n mitzuteilen wußte— vor ihrem Dienstantritt zwei Tage eine Tuchfabrik und drei Tage lang eine Färberei besuchen müssen, um sich die nötigen .Fach- und Sachkenntnisse' anzueignen! Allgemein wurde über die bei den Bekleidungsämtern vorhandene hohe Anzahl von AuffichiS- beamten gellagt. Genosse Singer erklärte: er habe den Eindruck. daß neue Stellen geschaffen würden, um mehr Anwärter unter- zubringen. Man glaube in militärischen Kreisen offenbar, daß ein General alles versteht und daß ein solcher daher auch Betrieben vorstehen könne, zu deren Beaufsichtigung und Leitung Fachkenntnisse und kaufmännische Bildung gehörten. Beim Kapitel „Bekleidung und Ausrüstung der Trappen* wurde durch ein« Anfrage über den Wert der grauen Schutztruppen- uniform die ungeheuerliche Tatsache bekannt, daß die deutsche Armee- Verwaltung für SV Millionen Mark Tnchvorräte besitzt, die für volle drei Jahre reichen! Auch diese Mitteilung sollte auf Wunsch d«S den Kriegsminister vertretenden Generalmajors von Wachs— natürlich.im Interesse der Sicherheit des Reichs"— geheim bleiben. Das ging der Kommission aber denn doch über die Hutschnur und sie lehnte es ab, sich in dieser Frage, deren Bekanntwerden weder der Kriegsbereitschaft»och der Kriegs« tüchtigkeit unseres Heeres Abbruch tun kann, Stillschweigen ans- zuerlcgen. Wenn aber das Ausland aus dieser Wirtschaft in der Heeresverwaltung auf die Tüchtigleit unserer Heeresführang nach« teilige Schlüsse ziehen und uns niedriger einschätzen würde, so trägt das vielleicht dazu bei, daß wir endlich ein wenig Remedur schaffen. Nach diesen Enthüllungen scheint es ja nicht nur in der Marine mit dem Einkauf zu hapern I— Da die Beschlußfassung ausgesetzt wurde, so dürfte die Angelegenheit in der FreitagSsitzung nochmals erörtert werden.__ Kindermißhimdlnng. Die ReichStagSkommission zur Borberatung der Strafgesetzbuch- Novelle trat am Donnerstag nach längerer Beratung dem am Mittwoch von uns wiedergegebenem Vorschlage des Regierungs- entwursS mit wenigen Aenderungen bei. Das Schutzalter wurde von l4 auf 18 Jahre erhöht und auf die Personen, die dem Haus- stand angehören(also z. B. daö Gesinde), ausgedehnt. Der Begriff .grausame Behandlung' wurde duich den Ausdruck„rohe oder boshafte" Behandlung ersetzt. Der neue» Strafbestimmung ist dem § 223» als zweiter Absatz beigefügt. Sie lautet: „Gleiche Strafe(2 Monate bis 6 Jahre Gefängnis) tritt ein, wenn gegen eine noch nicht 18 Jahre alte oder wegen Gebrechlich leit oder Krankheit wehrlose Person, die der Fürsorge oder Obhut deS Täters untersteht oder seinem Hausstand angehört, eine Körperverletzung mittels roher oder boshafter Behandlung be- gangen wird." Der Fortschritt der neuen Borschrift liegt darin, daß die Ver folguiig solcher Kindermißhandlunaen von Amts wegen(ohne daS Erfordernis eines Strofantrages) einzutreten hat. Demnach würden z. B. dergleichen Mißhandlungen von jugendlichen Dienstboten zu verfolgen sein, auch wen» ein ausdrücklicher Strafantrag nicht vor- liegt. Daß die Strafbestimmungen allein keineswegs die Fürsorge für die Jugend erschöpfend regeln können, wurde in der Kommission allseitig anerkannt. Eine Anregima des Genossen Frank, zunächst über den bis- lang beratenen Teil dem Plenum Bericht zu erstatten, fand, wiewohl ein ähnlicher Beschluß in der letzten Session einstimmig gefaßt war. von verschiedenen Seiten Widerspruch und mußte deshalb zurück« gezogen werden. Die Anregung hätte Erfolg gehabt, wenn nicht Müller- Meiningen vorgeschlagen hätte, den Rest der Novelle erst nach Erledigung der Strafprozeßordnung in Angriff zu nehmen. Gegen diese ungewöhnliche Behandlung einer Borlage erhoben die Regierung und mehrere Kommissionsmitglieder Einspruch. In erster Lesung der Kommission sind noch die Vorschläge über Beleidigung und über Erpressung zu beraten. Mit der Erörterung der letzten Materie soll am Mittwoch in der Kommission begonnen werden._ Hu9 der Partei. Fleißige Arbeit. Unsere Parteigenossen in Löbtau, einer Vorstadt DreS» d e n S, haben die beiden letzten Sonntag« Hausagitation ge- trieben mit dem Resultat, daß der Parteiorganisation rund S00 neue Mitglieder zugeführt und zugleich eine große Anzahl Abonnenten für die.Dresdener Volks- z e i t u n g" gewonnen wurden.— Die Zahl der Parteimitglieder ist jetzt in Löbtau von 1300 auf 1800 gestiegen, in Striesen, einer anderen Dresdener Vorstadt, von 1100 auf 1400. In den anderen Bezirken deS Wahlkreises DreSden-Land ist eine ähnliche Agitation geplant._ Die badischen Organisationen zur Offenbnrger Konferenz. Eine Versammlung deS Sozialdemokratischen Ver- eins Mannheim erörterte die Beschlüsse der Offenburger Kon« ferenz. Mehrere Redner erklärten sich mit den Beschlüssen ein- verstanden, verwarfen aber das Verfahren, sie auf einer Konferenz zu fassen— der Landesparteitag wäre dafür zuständig gewesen. Die Abhaltung der Konferenz sei eine Verletzung deS demolrattschen Prinzips. Andere Redner hielten die Konferenz für angebracht. Zu einer Abstimmung über die Frage, ob Konferenz oder Parteitag, kam cS nicht. pvlireillckiea, Oerlcdtllcbes uft». Noch ein Nachspiel zum KSnigsbergrr Schandsäulenprozeß. Breslau, 3. Februar. (Privatdepesche de»„vorwärts".) Genosse Schiller von der Breslauer.Volkswacht' wurde wegen Beleidigung Königsberger Richter durch einen Arttkel gegen daS Urteil im Schandsäulenprozeß von der Breslauer Strafkammer zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt._ Strafkont» der Presse. Wegen Beleidigung des Vorfitzenden der Zahlstelle Augsburg des christlichen Schneiderverbandes hatte sich am Montag Genosse Thiel von der„Schwäbischen Volks- zeitung" in Augsburg vor dem dortigen Schöffengericht z» verantworten. In einem Artikel der genannten Zeitung war seinerzeit behauptet worden, daß der Vorsitzende des christlichen Schneiderverbandes Hampp einen Gebilfen. der dem Deutschen Schneiderverbande angehörte, zum Austritt aus der Organisation veranlaßt hat, indem er ihm sein Mitgliedsbuch abnahm und durch einen von Hampp selbst geschriebenen Brief an den Verbands- Vorsitzenden den Austritt erklärte. Diese eigentümliche Art des MtgliederfangeS war einer derben Kritik unterzogen worden, worauf Hampp die Beleidigungsklage anstrengte. Am Montag wurde Thiel zu 100 M. Geldstrafe verurteilt. Es hatte sich herausgestellt, daß der angeblich terrorisierte Schneider- gehilfe— ein Taubstummer— in verschiedener Hinsicht die Un- Wahrheit gesagt hatte. Er war sowohl Mitglied der christlichen wie auck der freien Organisation und hatte sein Mitgliedsbuch freiwillig an Hampp ausgeliefert. Auch hatte Hampp nicht die Austritts- erklärung geschrieben, wohl aber diesen Brief aufgesetzt. Gegen das Urteil wird Berufung eingelegt werden. Hua Industrie und Handel Ein lichter Augenblick. Auch ein prononzieNeS Unternehmerbiatt kann mal einen lichten Augenblick haben, in dem eS erkennt, daß die produktive Arbeit die Quelle der Wohlhabenheit— anderer ist. Davon liefert die „Rh.-Wests. Ztg." in der Nr. 121 vom 1. Februar er. einen hübschen Beweis. Sie nimmt Kenntnis von einem Arttkel der Nclv-Vorker Zeitung„Sun", in dem ein Gespräch mit dem Direktor der Lauch- Hammer-Werke, Kommerzienrat Dr. Joseph Hallbouer, reproduziert wird. Der deutsche Industrielle, der zurzeit eine Reise durch Amerika unternimmt, hat sich lang und breit über die„Inferiorität der deutschen Arbeiter" gegenüber einem Amerikaner geäußert. Der amerikanische Arbeiter gebrauche bei der Arbeit seinen Verstand viel mehr als der deutsche Arbeiter. Er, Dr. Hallbauer, habe seine Arbeiter vergeblich zu bewegen gesucht, sich zu bilden und in dem- selben Geiste zu arbeiten wie ihre amerikanischen Kollegen, etwas Selbständigkeit und Jnitiattve zu zeige». Der deutsche Arbeiter begnüge sich mit veraltetem Werkzeug. Er möge gar kein gmes, modernes Werkzeug. Die Folge sei, daß er in einem vollen Monat nur so viel Arbeit, leiste wie sein amerikanischer Kollege in elf Tagen. Den übrigen Teil deS Gespräches füllen Betrachlunge» des KommerzienratS über seine eigenen Verdienste und die Leistungssähiakeit der Lauchhammer-Werke auS. Dazu be- merkt die„Rhein.-Westf. Zeitung": „Nach der bekannten Unzuverlässtgkeit deS New Aorker Sensationsblattes wäre es nicht verwunderlich, wenn der deutsche Industrielle sich durchaus nicht in diesem Sinne geäußert hätte. Sollte eS aber doch geschehen sein, so ist es wohl nicht unangebracht, den sächsischen Industriellen daran zu erinnern, daß er ohne die Titchtigkeit seiner deutschen Arbeiter schwerlich zu seiner Wohlhabenheil und Stellung hätte gelangen tönnen." Hoffentlich geht dem Blatte die Erkenntnis nicht wieder Vtl« loren— sobald die Arbeiter berechtigre Forderungen erheben. ISVS Berlin, �1. Sorte... München, f."Schweizer- . Gebirgs-.. Butterpreise. Die ungeheuere Verteuerung der Butter im Vorjahre, die einen seit Jahrzehnten nicht beobachteten Preisstand erreichte, geht miS der nachsolgenden Zusammetistellung hervor, die den im Monat gezahlten durchschnittlichen Großhandelspreis für den Doppelzentner widergibt: Jan. Juli Okt. Nov. Dez. 217.24 223,00 269.77 269.04 241.64 LvS.lX) 212.00 247.04 249,88 230.24 224,00 230.00 272.00 270,75 244. IS 200.00 211,00 260,00 260,00 226,25 Die größte Preisdifferenz zwischen Januar und Ollober weist die Notterung von Müchener GebirgSbutter mit 200 un" 260 M. für den Doppelzentner im Januar bezw. Oktober 1909 auf. Die Gestaltung der Butterpreise in Berlin um Weihnachten ergibt sich aus den Preisfeststellungen der von der ständigen Deputation gewählten Notierungskoiitmisston. nach der sich die Preise für den Doppelzentner folgendermaßen stellten: la na III a 23. Oktober... 270—274 260—268 236—252 M. 4. Dezember.. 262—266 252—260 232—252. 22. Dezember.. 264—272 256—266 232—256, 3J. Dezember.. 246— 256 240—362 236—240„ 29. Januar... 256—260 252—24« 240—254„ Nachdem m den Weihnachtstagen die Butterpreife Wiederum fast bis zum Höchststände des JahreS gestiegen waren, trat kurz nach dem Weihnachtsfeste eine Preissenkiiiig ein.. Reuerdings ist in, letzten Drittel des Januar wieber ein Anziehen der Bntterpreise erfolgt. Gußeisen.. Halbfabrikate auS und Stahl. Eisen und Stahl lieber die russische Industrie im Jahre 1909. Der Stand der bedeutendsten russischen Jndustriebranche, der Eisenindustrie, leiht sich aus der nachstehenden Tabelle über die Pro- duktion und den Verkauf für die ersten acht Monate des verflossenen JahreS und des Jahres 1908 ersehen: Produktion Verkauf Menge in tausend Pud 1909 1908 1909 1903 ,.. IIS, 2 IIS, 2 31.4 37,5 Eisen . 125,5 117,2 1,5 1,6 . 106,0 98,4 91,1 82,2 Auch die Tätigkeit der MetallbearbeitungSindustrie hat sich in der letzten Zeit gesteigert, während gleichzeitig auch der Import ausländischer Metallwaren zugenommen hat. Namentlich hat sich die Einfuhr von Maschinen sehr stark gesteigert. Vergrößert hat sich auch die Einfuhr von Kupfer, obgleich die Kupferproduktion in Rußland selbst im vorigen Jahre gewachsen ist. Ein weiterer Maßstab für die Beurteilung der Lage der Industrie ist das Heizmaterial. Die Kohlenförderung hat sich in allen Rayons im ersten Halbjahre 1909 gegen die erste Hälfte deS Jahres 1908 vergrößert und stellte sich für daS Jahr 1909 auf 748 2S0 000 Pud gegen 741 850 000 Pud im Jahre 1908 Gleichzeitig muß eine Zunahme der Kohleneinfuhr aus dem Auslande koiistatlert werden; sie betrug für die ersten neun Monate 1909: 188,9 Millionen Pud gegen 169.8 Millionen Pud während der ersten neun Monate 1908. Die gedrückte Stimmung in der Baumwollindustrie, die sich zu Beginn des JahreS geltend machte, ist im Sommer, nachdem die Ernteausfichten klargestellt waren, geschwunden, und im Juni be- gannen die Fabriken mit einem vergrößerten Arbeiterbestande zu arbeiten. Im Laufe des letzten JahreS ist ein großer Zufluß auSländi- scher, namentlich englischer Kapitalien zu konstatieren. Dem Journal „The Economist" zufolge stellte sich die Summe der in russischen Unternehmungen untergebrachten englischen Kapitalien auf 9,5 Millionen Pfund Sterling gegen 3,8 Millionen Pfund Sterling im Jahre 1903, obgleich die Gesamtsumme der im Auslande unter- gebrachten englischen Kapitalien im Jahre 1909 geringer war als im Jahre 1908. Etwas belebt hat sich auch das Bestreben, die russischen privaten Eisenbahnunternehmuiigen sowie auch städtische, kommunale und andere Unternehmungen zu finanzieren. Versammlungen. Die Arbeiter der Möbelfabrik Zelder u. Plathen versammelten sich am Montagabend in Mielkes Lokal in Lichtenberg zur Be- sprechung von mancherlei Mißständen, die zu fortgesetzten Klagen unter der Arbeiterschaft jener Fabrik Anlaß geben. Ein Mit- inhaber der Firma steht an der Spitze des Arbeitgeberschutzver- bandes in der Holzindustrie. Zugleich bildet aber jene Frrma die gefürchtetste Konkurrenz für zahlreiche Unternehmer. Die Ar- beiter klagen laut darüber, daß der Tarifvertrag bei Zelder u. Plathen nicht eingehalten wird. Der tarifmäßige Lohnsatz von 27 Mk., der wöchentlich zur Auszahlung kommen soll, wird von den tüchtigsten Arbeitern nur selten überschritten, die meisten stehen tief unter diesem Lohnsatz. ES wurden Beispiele ange- führt, daß Arbeiter mit 8 Mk. Lohn und noch weniger für 6 Tage Arbeit zufrieden sein mutzten. Sogar mit 55 Pf. Wochenlohn mutzte ein Arbeiter einmal nach Hause gehen. Für 3 Tage Ar- beit erzielten einige gute Möbeltischler nur 3 Mk. und 5 Mk. Lohn. Einzelne Akkordsätze sind äußerst niedrig und die Arbeit wird so ungleich berkeilk. daß daS sogenannte„Kostgeld" von 27 Mk. mit selten verdient wird. Anerkannt tüchtige und fleißige Leute ver- dienen oft nur 20 und 24 Mk. pro Woche.— Auch über den Druck, den manche Werkführer ausüben, wurde geklagt. Nitschke vom Holzarbeiterverband hielt der Versammlung einen Vortrag über die augenblickliche Lage in der Berliner Holz- industrie. Bezugnehmend auf die Verhältnifle bei Zelder u. Plathen, erklärte er, daß die Arbeiter mehr für die Organisation wirken müßten, um Verbesserungen zu erzielen. Die Arbeiter müssen lernen, ihre Rechte selbst zu wahren und sich nicht alles gefallen zu lassen, was ihnen von der Betriebsleitung geboten wird. Mehr Aufklärung sei nötig. Unter solchen Verhältnissen wie bei Zelder u. Plathen würden ja die 5 Proz. Aufschlag zu den Tarifsätzen, selbst wenn sie erzielt würden, nicht einmal etwas nützen. Die kleinen Meister, die dem Arbeitgeberschutzverband an- gehören, würden genasführt von den Oberscharfmachern. Sie drücken freilich auch lieber nach unten wie nach oben, weil eS viel bequemer ist. Da müßten aber die Arbeiter Widerstand leisten und ihre Organisation stärken. Der Vortrag wurde sehr beifällig aufgenommen. Die Ver« sammlung beschäftigte sich zum Schluß mit der Wahl von Ver- trauensmännern. Amtlicher Marktbericht der städtilchen Marlldallen-DIrektion über den Großbandel m den Zenwat-MarNdallen. Vtarkrlage! ftlei'ch: Zutubr stark, Geichätt ruhig, Preise sür Ochsenfleisch höher, sür Schweine- fleisch nachgebend. Wild: Zufuhr reichlich, Gelchäst nicht befrifdigend, Preise wenig verändert. Geflügel: Zufuhr reichlich. Geichäst nicht leb- hast genug, Preise bcimdigend. Fische: Zufuhr etwas reichlicher, Geschäft etwas lebhajter, Preis« im allgemeinen befriedigend. Buller und Käse: Geschäst ruhig, Preiie sür Butter höher. Gemül«, Obft und Südfrüchte: Zufuhr genügend, tn Blumenkohl über Bedarf, Geschäst wenig befriedigend, Preise gedrückt. W. WERTHEIM POTSDAMERS TR- 10., 11 und 13 FRIEMCHSTR-"0/.« (Daiagejfäufiam Nur FREITAG, SONNABEND, soweit Vorrat reicht Extra-Preise in Lebensmitteln Prima-Qualitäten zu enorm billigen Preisen OCHSENFLEISCH Roastbeef mit Knoch. Pfd.l.OOn-l.lO Roastbeef ohmKnoch. Pfd. 1.40 b. 1,50 Filet im Ganzen... Pkd.l.OOu.l.lO Filet ausgeschält..• Pld. 1.60h 1.80 Frische Rinderzunge. Pfd. 1.00 Rinderzunge gepökelt.. Pfd. 1.20 SCHWEINEFLEISCH Schinken..... Pfd. 75, 80 Pf- Schulterblatt••• Pfd. 75, 80 Pf. Kamm....... Pfd. 85, 90 Pf. Bauch....... Pfd. 70, 75 Pf. Rfickenfett- Pfd. 70 u 75 Pf. Pökel-Dickbeine.•- Pfd. 75 Pf. KALBFLEISCH Keule...... Pfd. 1.00 b. 1.15 Rücken..... Pfd. 1.10 b. 1.20 Bug....... Pfd. 95 Pf. b. 1.05 Kamm...... Pfd. 90 Pf. b. 1.00 Brust...... Pfd. 90 Pf b. 1.00 Brustspitze••• Pfd. 1.00 b. 1.20 HAMMELFLEISCH Keule........ Pfd. 85, 90 Pf. Rücken••••...... Pfd. 95 Pf. Dicke Rippe.... Pfd. 75, 80 Pf. Dünnung........ Pfd. 60 Pf. Kamm....... Pfd. 75, 80 Pf- Roulade nach Paris. Art Pfd 1.05, 1.20 GEMÜSE.RONSERVEN Pa. Riesen-Stangenspargel a 1.70 90 Pa. Stangenspargel Pä* 1.45 �°-.7Sn. Pa. Stangenspargel 111««-°.-- �°«.1.Z0 Pa. Riesenbruchspargel ä. 1.30>a°.-.70 Pa. Kaiserschoten......... iado-1.20 Pa. Schoten IV................. �35 Pa.Gem. Gemüse II..>/. d.,. 58.�>33«. FRÜCHTE-KONSERVEN Apfelmus......................■/,.*». 53«. Mirabellen..........■;> o»-° 62 v. o--- 38 Pflaumen----- f-oa-,............... v, d--- 38 er Saure Hirschen st-i. v. d--- 80 v* v--- 45 ei. Reineclauden.......■/.°... 75».>,. v... 45 e. Heidelbeeren..................-ad«. 55«. Hauptnicdcrlagc für Berlin. QFfHAIin Ä FIT Q Montreux Erzeugnisse der Schokoladenfabrik von O C« V�Fx/� W J-/ Ol F Il�Oy(Schweiz) Marke„Ideal" Feinste Schweizer Milch-Schokolade— Marke„Splendid" Feinste Schweizer Milch-Kaffee-Creme-Schokolade— Feinste Mokka. Schokolade. Preis per Tafel(SO Gramm)............... Kß mß Pf. 35 WURSTWAREN 65 Garantiert reines Schweineschmalz no p* gewürzt...... Pfd.�� Frischobst- Marmeladen Himbeer, Johannisbeer, Kirschen, Erdbeer, Aprikosen Topf Ot Pf. Kasseler Rippespeer eimi 85 w- 95?>. Kasseler Filetstück Phnj........ 1.00| Zervelatwurst i. Fettdarm Pfd. 1.20 Zervelatwurst(Holstein.) Pfd. 1.10 Salami(Holstein.)..... Pfd. 1.15 Bauern-Mettwurst■• Pfd. 95 Pf. Teewurst la...... Pfd. 1.10 Mettwurst Braunschw. Art Pfd. 90 Pf. Schinkenspeck.... Pfd. 98 Pf. Feine Leberwurst.• Pfd. 95 Pf. Landleberwurst.... Pfd. 85 Pf. Leberrotwurst..... Pfd. 90 Pf. Rotwurst..... Pfd. 45, 70 Pf. Sülzwurst m. Zungeneinlage Pfd. 65 Pf la irische Blut- u. Leberwurst Pfund\lß Pf. IßmvitsPxiUän fStMitut giiirfc»Jim, ZWlm. Mr fem BnftMtggffif eagnjy� Tb.SIsckr. Berlin. Druck», Verlag: BonvÄtVBuckdruckerei u.«erlaaSansialt«oul Sinaer A peelip syPT Nr. 20. 27. Jahrgang. 2. Ktilllze des Amiitls" Kerlim Nilldsdllllt. ünlag. I fthu« 1910, inilitärfisKaliW)« flnterScbleife vor dem Kriegsgericht. (Dritter VcrhandlungStag.) An die nächsten Zeugen richtet der Verhandlungsleiter die Frage> ob sie öfter beobachtet hätten, daß Engel Hafer von der Kaserne abgeholt und Schrot wieder zurückgebracht habe. Die nleisten der Zeugen bekunden, dasi sie wohl häufig gesehen hätten, wie Hafer abgeholt wurde, doch von dem Zurückbringen des Schrots wollen sie nichts bemerkt haben. Wöchentlich soll Engel ein, zwei und dreimal Hafer abgxholt haben. Den Leuten fiel es bald auf, dasi die Sache nicht mit rechten Dingen zugehe. Auch daß Verhältnismässig sehr wenig Schrot gefüttert wurde, war unter den Mannscbaften auf- gefallen. Dem früheren Fahrer Vcrhöfen gegenüber äußerte später einmal ein Mann, der auch seinerzeit bei der Beiparniungsabteiluni war:„Ist denn die Sache noch immer so mit dem Hafer Wenn der Sache nicht bald auf den Grund gegangen wird, so muß der Wachtmeister durch den Hafervcrlauf noch ein reicher Man« werden. Der Zeuge, der diese Aeußerung getan, ist der vorher ver- nommene Minckmann. VerHöfen kennt M. auch sofort wieder. Der näwste Zeuge hat niemals Hafcrschrot, sondern nur hin und wieder Noggenschrot in den Futterbchältern gesehen. Der Zeuge Pfahl hat im Jadre 1908 einmal mit anderen Kanonieren beobachtet, wie Engel eines Sonntags vorfuhr. Auf dem Wagen lagen mehrere leere Säcke, die auf dem Futterboden mit Hafer gefüllt und durch die Luke nach dem Fuhrwerk geschafft wurden. Aus dein Wagen stießen die Kanoniere beim Aufladen auf zwei Pakete, die Kaffee und Speck enthielten. Engel suchte Karstädt und Rautenberg auf und ihnen schloß sich Frl. Ida K an. Die vier gingen durch den Stall nach dem Wagen und nun mußten die Kanoniere abtreten. Was auS den Paketen geworden ist, vermochten sie nicht inehr zu beobachten. In welch' freigiebiger Weife der Müller Engel mit den„Trinkgeldern" herumsprang, zeigt ein Fall, in dem er einem Fahrer ohne weiteres zwei Mark schenkte. Ein anderer Zeuge hat in den Tonnen nur Erbsen, Gerste und Roggenkleie, aber keinen Schrot gesehen. Ver- schiedene Schrot- und Kleiearten, sowie andere Getreideproben, die auf dem Richtertisch aufgestellt sind, wurden sodann von den Richtern. Verteidigern und Angeklagten in Augenschein genommen Diese Besichtigung gestaltet sich zu einer kleinen„Prüfung in der Getreidekenntnis. Die größten Schwierigkeiten bereiten für den Uneingeweihten natihlich die mehlartigen Kleie arten. Für den Laien ist es nicht leicht, hier den Unterschied herauszufinden. Die weiteren Zeugenaussagen sind unerheblich Nachmittags-Sitzung. Nach der Mittagspause wird in der Beweisaufnahme fort gefahren. Einer der Zeugen. der ehemalige Kanonier Nakoloicz, gibt Aufklärung über die große Futterkiste, die hinter einem Ver schlag auf dem Futterboden stand. Während einige der Angeklagten behaupten, daß die Kiste Schrot enthalten habe und stets damit gefüllt worden sei, bekundet der Zeuge, es sei «Jux" dann gewesen. Mehrfach werden die Besuche des Getreide- Händlers Engel bei dem angeklagten Wacht- m e i st e r K a r st ä d t zur Sprache gebracht. Nach Zeugenaussagen p>u-gte Engel häufig Sonntags, wenn er mit seinem Wagen an /der Kaserne vorfuhr, auszuspannen, die Pferde im Batteriestoll unterzubringen. Er begab sich dann in die Wohnung des Wachtmeisters und hielt sich dort einige Zeit auf. Oester soll Engel auch mit einem verdeckten Korb in der Hand die Wohnung des Karstädt be- treten haben. Der Kanonier Binder, der heute als Zeuge austritt, jagt aus, daß sich die Kanoniere förmlich darum rissen, dem Engel den Hafer aufzuladen. Sie wußten fast alle, daß sich Engel nicht lumpen ließ und hatten es auf die reichlichen Trinkgelder abgesehen. Der Zeuge wollte auch einmal den anderen Kanonieren die Freude verderben und half selbst beim Aufladen des Hafers. Natürlich bekam er nun die Mark Trinkgeld. Einer der folgenden Zeugen gibt an, daß der ehemalige Sergeant Zenkner. der bekanntlich wegen Haserunter- schlagungen bestraft worden ist. ihm gegenüber die Aeußerung tat: Man könne nicht so sein, der Müller Engel bringe ja auch Eier und Butter. Ferner bekundet der Zeuge, daß»n der Zeit vor der Untersuchung niemals Schrot gefuttert worden sei, da- gegen habe man nach der Untersuchung den Haferschrot selbst angefertigt und jetzt sei st ä n d i g S ch r o t an Dieustpferde verteilt worden Wenn Engel mit dem Fuhrwerk kam, so hätten stets leere Säcke aus dem Wagen gelegen, die dann mit Hafer gefüllt wurden. Am Tage des Geburtstags des Kaisers wurde das Pferd des Engel, der sich in Jüterbog aufhielt, im Kasernenstall untergestellt und aus den fiskalische» Fulterbeständen mitgefürlert. Originelle Angaben niacht der Zeuge Schmitts. Er beobachtete eines Tages, wie der Müller Engel mit einem Korb, an dem er schwer trug, die Wohnung des Karstädt betrat, und als er dann wieder zurückkehrte, schleuderte er denselben in der Hand herum, ein Zeichen, daß er jetzt leer war. Ferner sagte Sch. aus, daß Engel den Hafer in Zwcizentnersäcken abgeholt habe. Da diese Angaben von den Angeklagten abgestritten werden, wird der Proviantamts« assistent Mcmel darüber vernommen, ob dies möglich sei. Er be- kündet, daß der Hafer auf dem Proviantamt für den laufenden Gebrauch nicht in Säcken, sondern frei aufbewahrt werde, da ein großer Mangel an Säcken vorhanden sei. Nur die Kricgsbeslände würden in Zentnersäcken aufbewahrt. Mögsich sei es aber, daß in die Wz-Zeninersäcke, in denen die Fourage vom Proviantamt ab- geholt wird, auch 2 Zentner Hafer gingen. Einer der Zeugen wird nach der Größe des mysteriösen Korbes befragt. Der Vorsitzende stellt an ihn die Frage, ob es etwa ein Marklkorb, wie ihn die Köchinnen zu tragen pflegen, gewesen sei, woraus der Zeuge erwidert:„Die Köchinnen haben ver- schiedene Größen!" Diese Aussage ruft einmal für einen Augenblick etwas Heiterkeit in der sonst so ernst gehaltenen Ver- Handlung hervor. Der Zeuge Nvlke ist der Ansicht, daß die Pferde der Bespan- nungSabteilung zu wenig Hafer bekommen hätten. Auch ein anderer Zeuge glaubt dies. N. bekundet, daß die Pferde in den« Regiment, bei den» er vor der Einstellung in die Artillcrie-Schieß- schule gedient hat, mehr Hafer bekommen und voller ausgesehen hätten. Einer der Angeklagten läßt demgegenüber durch Rechts- anwalt Ulrich mitteilen, daß N. vorher in einem Mctzer Regiment gedient hat und daß dort schwere belgische Pferde verwendet würden. Diese brauchen mehr Haser als holländische Pferde, die in der Bespan» nungsabteilung stehen. Kanonier Reiländer wurde einmal von Engel mil einem Korb zum Vizewachlmeister Müller geschickt. E. sagte vorher zu R.:„Bestellen Sie dem. Wachtmeister: «Einen schönen Gruß vom Müller Engel und er schickt dieses Körbchen!" Der Zeuge Wiehmke hat beobachtet, wie Engel mit zwei Sack Haferschrol eines Tages vorfuhr, ohne daß der Schrot aber ab- geladen wurde. Es wurden noch mehrere Sack Hafer aus dem Batteriebeftand hinzugeladen und Engel fuhr sodann davon. Die Schrotsäcke waren damals, wie sich W. überzeugte, noch einmal so klein als die Hafersäcke. Dem Zeugen Wiehmke hat Engel für das Heruntertragen einiger Sack Hafer 3 M. Trinkgeld gegeben. Enge fragte bei dieser Gelegenheit, ob er nicht.Häckselmajor" werden volle, da sei doch noch ein Groschen zu ver« dienen. Er, Engel, werde die Sache mit dem Vize- Wachtmeister Müller und dem Wachtmeister Kar- st ä d t erledigen. Der Zeuge, dem der Handel verdächtig vor- kam, ging nicht darauf ein. Ein andermal erhielt W. den Befehl, den Dienstwagen anzuspannen. Wachtmeister Karstädt, zwei Sergeanten, Engel und zwei weibliche Personen unternahmcir in Jüterbog eine fidclc Nachtfahrt, die bis i Uhr morgens dauerte. Kriegsgcrichtsrat Hierholzer gibt jetzt den Angeklagten nach den belastenden Aussagen des W. Ge- legenheit, ein Geständnis abzulegen. Die Angeklagten haben nichts zu sagen._ Stadtverordneten-Versammlung. 4. Sitzung Vom Donnerstag, den 3. Februar, nachmittags 5 U h r. Der Vorsteher Michclct eröffnet die Sitzung nach Uhr und gedenkt mit teilnehmenden Worten der Heimsuchung, welche die „frcundnachbarliche Schwesterstadl" Paris durch die Ueberschwem- mung erlitten hat; er gibt unter dem Beifall der Versammlung der Hoffnung Ausdruck, daß es gelingen werde, die Folgen der Katastrophe möglichst zu mildern. Ferner widmet er dem vor einigen Tagen verstorbenen Rentier Ludwig Z e i t l e r, einem„alten Wohltäter Berlins", einen ehrenden Nachruf, den die Versammelten stehend anhören. Vor der Tagesordnung nimmt Stadtv. Hammerstein(A. L.) Anlaß, sich ausführlich gegen eine Kundgebung der Armenkom- missionsvorsteher zu verwahren, die auf Ausführungen zurückgreift. welche er am 4. März 1909 geniacht hat, und welche an die Frage des Eintritts weiblicher Mitglieder in die Konnniffioncn an knüpften. Der Stadtv. Heimann(Soz.) hat längeren Urlaub angemeldet, will aber in der Verkehrsdeputation und im Ausschuß für die Wert zuwachssteuer auch für die Zeit des Urlaubs weiter tätig sein. Ucber die Tätigkeit des Ausschusses zur Vorbereitung a) der Neuwahl der ständigen Ausschüsse der Versammlung. b) der Abordnung der Mitglieder der Versammlung in die Verwaltungsdeputationen und Kuratorien, c) der Zuteilung der Stadtbezirke an die Mitglieder behufs der Erledigung der Wahlsachen, Recherchen usw. referiert Stadtv. Jacobi(A. L.). Er hebt hervor, daß sowohl die Gepflogenheit, die bisherigen Inhaber solcher Mitgliedschaften in ihren Aemtern zu belassen, als das jetzige Stärkeverhältnis der Fraktionen durchweg berücksichtigt worden ist und die neue Ver- teilung wohl zur Zufriedenheit aller Parteien ausgefallen sein dürfte. Ohne weitere Debatte genehmigt die Versammlung die Aus schußvorschläge. Die Vorlage wegen Aufbesserung der Besoldungen des Exeku- tivpersonals der Berliner Bcrufsfeuerwehr ist in der Ausschuß beratung angenommen worden. Im Ausschuß ist ein Antrag auf.Bewilligung einer Pensions- fähigen persönlichen Zulage von 599 M. für den Direktor der Feuerwehr mit 12 gegen 2 Stimmen abgelehnt worden. An- träge auf Erhöhung der Zulagen für die Mannschaften wurden zurückgezogen, da nach der Ansicht des Magistrats und der Mehr- heit au der Vorlage im einzelnen nichts geändert werden könne. Stadtv. Leid(Soz.): Wir stimmen dem Ausschußantrage zu. tun das aber mit sehr gemischten Gefühlen. Einmal glauben wir, daß die Vorlage des Polizeipräsidenten keineswegs den berechtigten Ansprüchen der Feuerwehrleute Genüge leistet, und dann wird uns die Zustimmung sehr erschwert durch die Tatsache, daß wir auf die Gestaltung dieser Borlage gar keinen Einfluß haben. Sie weist auch erhebliche Ungerechtigkeiten auf, insofern als die Zulage bei den Offizieren S99 M., bei den Obermaschinisten usw. und Feldwebeln nur 299 M. betragen soll. Nach welchen Prinzipien hier verfahren ist, haben wir nicht' festzustellen ver- macht. Wir erneuern bei dieser Gelegenheit die Forderung, auch die Feuerwehr in die Verwaltung der Stadt zu übertragen; wir meinen, daß zu der Wohlfahrtspolizei, deren Uebertragung auf die Stadt die ganze Versammlung wünscht, auch die Feuerwehr gehört. Nachdem noch Stadtv. Ritter(Fr. Fr.) seine Uebereinstimmung mit dem Vorredner hinsichtlich der Uebernahme der Feuerwehr auf die Stadt ausgesprochen hat. wird die Vorlage unverändert an genommen. Beim Neubau des Märkischen Museums, bei seiner inneren Einrichtung und bei der Aufstellung der Sammlungsgegenstände ist der Kostenanschlag um nicht weniger als 367 909 M. überschritten worden. Zur Prüfung der Sache ist ein Ausschuß eingesetzt, der heute e i n st i m m i g die nachträgliche Genehmigung beantragt. Ohne Debatte wird demgemäß beschlossen. Die Vorschläge des Magistrats hinsichtlich der Einstellung neuer oder erhöhter Zuwendungen und Beiträge an gemeinnützige Anstalten, Bereine usw. sind in einem besonderen Ausschuß vorberaten worden. Den Bericht erstattet Stadtv. Eckard(A. L.): Eine Diskussion knüpft sich zunächst an die Beiträge für Kindergärten und Krippen. Stadtv. Dr. Wehl(Soz.): Wir halten uns verpflichtet, bei dieser Gelegenheit wieder einmal darauf hinzuweisen, wie es vor zwei Jahren durch den Kollegen Wurm geschah, daß der Weg, durch die Prwatwohltätigkeit den Volkskindergärten und Krippen aufzu- helfen, nicht auf die Länge gangbar sein wird. Grade diese Ver- eine haben sich von Jahr zu Jahr über erhebliche Verringerung der Mitgliedsbeiträge und über eine geringere Ergiebigkeit ihrer festlichen Veranstaltungen zu beklagen; alle diese Vereine kommen dem Bankerott immer näher. Da ist eS für uns gebieterische Pflicht, Sie daran zu erinnern, daß aus diesem Dilemma nur die Uebernahme der Krippen und Kindergärten durch die Stadt heraus- hilft. Sie haben damals unseren Antrag abgelehnt und größere Zuschüsse beivilligt. So soll es auch diesmal geschehen, aber alle Interessenten, die in den Vorständen dieser Anstalten sitzen, werden Ihnen bestätigen, daß auch damit die Vereine beim besten Willen nicht inistande sind, ihre Verpflichtungen durchzuhalten. Jeder dieser Vereine muß entweder sein Vereinsvermögen angreifen, oder er sieht sein Defizit wachsen. Die Verwaltung des Vereins für Volkskindergärten, in dessen Vorstand die Kollegen Rosenow und Eckard sitzen, hatte schon vor 2Vi Fahren einen Aufruf erlassen, der geradezu als Begründung für unseren Antrag auf Vcrstadtlichung verwertet werden kann, da er ausdrücklich auf die Pflicht der Ge- sellschast hinweist, solche Anstalten zu unterhalten, welche die Jugend der sie bedrohenden Verwahrlosung zu entziehen bestimmt ind. Hoffentlich werden wir uns bald alle mit dem Gedanken )er Ueberführung dieser Anstalten in st ä d t i s ch e Regie be- �reunden. Jeder einzelne dieser Vereine hat Segensreiches ge- leistet: aber für die Stadt Berlin ist das Geleistete absolut unge- nügend. Solche Einrichtungen bedürfen eben einer finanziellen Stabilität, die sie als private Organisationen nicht genießen können. Die Privatwohltätigkeit ist eben nicht imstande, die Lücke auszufüllen, die in Berlin zwischen der Säuglings-Fürsorge und der schulÄ.'ztlichen Aufsicht besteht. In diesem Zeitraum findet in Berlin eine ganz erhebliche Kindersterblichkeit statt. Die freiwillige Liebestätigkeit versagt eben diesen Vereinen gegenüber. W i r beantragen daher, den Magistrat zu ersuchen, städtische Krippen und Kindergärten zu errichten. Nach einer kurzen Bemerkung des Stadtv. Rosenow(N. L.) üsird diesex Antrag abgelehnt und die Erhöhung der Subvkll- tion für den Verein zur Beförderung der Kleinkinderbewahr- onstaltcn von 19 999 aus 12 999 M., für den Verein der Gotzner» scheu Kleinkinderbcwahranstalten von 1599 auf 2999 M.» für den Berliner Krippenvcrcin von 3999 aus 5999 M. und für den Verein für Volkskindergärten von 12 999 M. über die Magistratsvorlage (14 999 M.) hinaus auf 19 999 M. beschlossen. Auch für die„Heimstatt e", die zum erstenmal gefallenen Mädchen und deren Kindern ein vorübergehendes Heim gewährt, erhöht die Versammlung aus Antrag des Ausschusses die Sub- vcntion von 4999 nicht auf 5999, sondern auf 7 9 9 9 M. Für das deutsche Zentralkomitee für Zahnpflege in den Schulen, Lokalkomitce Groß-Berlin, sind in der Vorlage 19 999 M. neu eingestellt. Stadtv. Dr. Wehl(Soz.): Das Komitee hat eine Bewilligung von 39 999 M. nachgesucht; es will zu der ersten schon vorhandenen und zu der zweiten am 1. April 1919 zu eröffnenden noch eine weitere d r i l t e und vierte derartige Klinik errichten. Der Magistrat meint, 19 999 M. seien genug; Gründe bringt er dafür nicht bei. Nach genauer Berechnung bedürfen die Herren, denen ein ungenannter Gönner 19 999 M. zur Verfügung gestellt hat, und die ja auch von bemittelten Eltern Beiträge erheben, noch 15 999 M., um wenigstens die beiden Kliniken durchzuhalten; diese 15 999 M. herzugeben, sind wir doch schon den armen zahnkranken Schulkindern schuldig. Stadtv. Dr. Jsaac(N. L.) empfiehlt gleichfalls die Bewilligung der höheren Summe, desgleichen Stadtv. Barth(A. L.) Stadtrat Ramsla»: Auch wir erkennen die Wirksamkeit des Vereins ganz gewiß an, bestreiten aber die Notwendig- kcit, 39999 M. jetzt zu bewilligen. Mehr als zwei Kli- niken können im nächsten Jahre doch nicht betrieben werden, 19 999 Mark reichen aus, um sie durchzufüttern. Stadtv. Dr. Wehl: Es handelt sich doch nicht bloß darum, die beiden Kliniken„durchzufüttern", sondern sie sollen ordnungs» mäßig betrieben werden, und dazu reichen 19 999 M. nicht aus. Gegen eine starke Minderheit wird die Erhöhung auf 15 999 Mark abgelehnt; einstimmig erfolgt die Bewilligung von 19 999 Mark. Stadtv. Dr. Ritter enthält sich der Abstimmung. Die vom Zentralverci» für Arbeitsnachweis beantragte Er- h ö h u n g der Zuwendung um 4999 M. wird heute vom Stadtv. Rosenow mit der Notwendigkeit der Aufbesserung der Beamten- gehälter dringend befürwortet und, nachdem auch Stadtrat NamSlau das Einverständnis des Magistrats erklärt, von der Versammlung entgegen dem Ausschutzantrage beschlossen. Den jährlichen Zuschuß an die Elisabcth-Stiftung für Witiven und Waisen unbc» soldeter Kommunalbeamten erhöht die Versammlung dem Aus- schußantrage gemäß von 19 999 auf 15 999 M. Im übrigen haben die Magistratsvorschläge durchweg die Ge- nehmigung des Ausschusses gefunden und die Versammlung be- schließt dementsprechend. Die Forderung des Magistrats, der Heilsarmee eine städtische Beihilfe von 3999 M. zur Begründung eines„Gesunkenen» heim s" zu bewilligen, hat der Aussckjuß einstimmig abgelehnt. Im Ausschuß ist festgestellt worden, daß große Beträge von den durch die Heilsarmee in Berlin aufgebrachten Summen ins Ausland gingen. Die Heilsarmee verfüge über sehr groste Kapitalien und brauche einen städtischen Beitrag nicht. Erwähnt wurde auch, daß der Führer der Heilsarmee für die nächste Zeit den Weltuntergang vorausgesagt hat. Es erscheine danach überflüssig, den an sich nur noch kürzere Zeit währenden Bestand der Heilsarmee noch durch städtische Beihilfen zu stärken. Ohne Debatte ward darauf die Beihilfe einstimmig ab- gelehnt. Die Vorlage wegen andcrweiler Regelung der Besoldnngs» Verhältnisse der bei der I d i o t e na n sta l t in Dalldorf und bei der Anstalt für Epileptische in Wuhlgarteu beschäftigten Lchrpersoncn wird ohne Debatte angenommen und eine in letzter Stunde dazu eingelaufene Petition dem Magistrat zur Prüfung überwiesen. Dem Beitritt der Stadtgemeinde Berlin als Teilhaberin der „Bcrgwerksozictät" Ritdersdorf zu einer Wiesen-Ent- und Be- wässcrungsgenossenschaft stimmt die Versammlung z u. Durch das aus Gesundheitsrücksichten veranlaßte Aussehe i- den des bisherigen unbesoldeten Stadtrats Wirklichen Geheimen Oberregierungsrats a. D. von Friedberg ist die Neubesetzung einer Stadtratsstelle im Magistratskollegium not- wendig geworden. Vorsteher Michelet gibt der Versammlung mit Bedauern Kennt» nis von dem Entschluß und teilt mit, daß Herr v. Friedberg sein Amt 19 Jahre lang inne hatte. Die Vorbereitung der Neuwahl wird einem Ausschuß von 15 Personen überwiesen. Schluß der öffentlichen Sitzung gegen �8 Uhr. Tosiales. Restauration des Kaiserlichen Automobilklubs unfallversicherungspflichtig'? Frau F. war im Restaurationsbetriebe des Kaiserlichen Auto- mobilklubs als Aufwärterin beschäftigt. Am 4. April 1999 erlitt sie daselbst dadurch einen Unfall, daß sie beim Geschirrabräumcn infolge der glatten Steinfließen ausrutschte, hinschlug und sich eine Verletzung des linken Armes zuzog. Die Nahrungsmittel-Jndustrie-Berufsgenossenschaft in Mann- heim, bei der die Verletzte ihre Ansprüche geltend machte, lehnte eine Entschädigung ab, weit die Verletzte„nicht zu den versiche- rungspflichtigen Personen des Küchenbetriebes im Kaiserlichen Automobilklubs gehörte und zu diesem nicht in einem Lohnver- hältnis stand". Frau F. war zu den Arbeiten des Wirtschafts- betriebes angenommen worden und erhielt dafür einen täglichen Lohn von 2,59 M. Sie wurde immer wieder bestellt, wenn Arbeit ür sie vorhanden war. Gegen den ablehnenden Bescheid der Ge- nossenschaft wurde Berufung beim Schiedsgericht für Arbcitervcr» ichcrung, Stadtkreis Berlin, eingelegt. Dasselbe vernahm den Kassierer und die Wirtschafterin über die Art des Dienstverhält- nisses der Klägerin im Kaiserlichen Automobilklub. Die Eni- cheidung des Schiedsgerichts ging dahin, daß der Kochküchenbetrieb des Kaiserlichen Automobilklubs in seinem ganzen Umfange der Bersicherungspflicht unterliegt, und zwar dergestalt, daß die im Betriebe beschäftigten Arbeiter bei jeder Betriebstätigleit ver- sichert sind, mögen sie mit der Bedienung des Triebwerkes des SpciseaufzugcS beauftragt sein oder nicht. Nach den angestellten Ermittelungen ist Frau F. zur Aushilfe beim Auftvaschen der Kücheugegeustände in den Dienst genommen worden. Hierdurch ist dieselbe in den Kreis der im Küchenbetricbe beschäftigten Ar- beiterinnen anzusehen. Die Entschädigungspflicht der Beklagten ist hierdurch, da der Unfall als solcher ausgeklärt, ohne weiteres gegeben. Das Schiedsgericht sprach der Klägerin eine Rente von 19 Proz. zu. Die Entscheidung ist, da die Genossenschast Rekurs nicht eingelegt �hat, rechtskräftig geworden. Der Arbeiterschutz im GastwirtSgewerbe ist so äußerst gering, daß er auf diese Bezeichnung kaum Anspruch ekheben kann. Und doch laufen die gastwirtschaftlichen Unternehmer Sturm gegen die betreffende BundesratsveÄdnung. Jeder Session des Reichstags liegen eine oder mehrere Petitionen von Gastivirtc- vereinen vor. welche Abänderungen, baä, heißt Verschlechterungen der fraglichen Bestimmungen fordern!" So ist dem Reichstage auch diesmal wiederum eine Eingabe von den Hoteliers der Badeorte zugegangen- Sie verdient deshalb ganz besondere Aufmerksamkeit, weil pc unter dem Scheine des Wohlwollens für die Angestellten gang erhebliche Verschlechterungen fordert. Es wird darin vom Reichstag und Bundesrat verlangt, die BundeLratSverordnung der- gestalt abzuändern,.daß die örtlichen Behörden in Bade- und Kur- orten im Einverständnis mit den Arbeitgebern und Arbeitnehmern die Ruhezeit den örtlichen und auch den geschäftlichen Perhältniffen entsprechend verteilen oder auch verlegen können". Dazu sei zunächst kurz festgestellt, in welcher Weise die Bundes- ratsverordnung vom S3. Januar lOOS die Ruhezeiten der gastwirt- schaftlichen Angestellten„regelt". Sie bringt für das gelernte Per- sonal alle 14 Tage dezw. in Orten bis zu 20 000 Einwohnern alle g Wochen einen Slstündigen Ruhetag. Außerdem soll zwischen se zwei Arbeitsschichten ein« ununterbrochen« Ruhezeit von 8, für fugendliche Personen unter IQ Jahren eine solche von 0 Stunden eintreten. Die Herren Hoteliers„begründen" ihre Petition in einer sehr sonderbaren Weise-, die Bundesratsverordnung sei in den Badeorten nicht nötig, da dort die Angestellten in gesunden Per- Hältnissen lebten. Zweitens soll die Bundesratsverordnung nicht durchführbar sein, weil es an Ersatzkräften fehle und weil der Geschäftsgang ein unregelmähiger sei. Und endlich, die Angestellten . hätten in den Badeorten soviel Zeit, dah sie des gesetzlichen Schutzes nicht bedürften. Mso: Nicht nötig, weil schon so vielzuviel freie Zeit, trotzdem aber nicht durchführbar, weil der Geschäftsgang ein - solcher, dah die Arbeitskräfte immer zur Perfügung sein müssen. Zum Beweis, dah die Angestellten in Badeorten in äuherst gesunden Perhältnisscn leben, wird eine von den Unternehmern selbst veranstaltete Krankenstatistik beigefügt, der aber schon des- halb eine Bedeutung nicht beizumessen ist. da sie sich auf nur etwa l7 000 von zirka 40 000 Angestellten beschränkt. Wir weisen ferner auf die in diesem Sommer vom„Hamburger Echo" und uns ver- öffentlichten geradezu himmelschreienden Berhältnisse der Angestell- ten im Bade Borkum hin. Der Verband deutscher Gastwirtsgehilfen, der hierzu eine Gegenpetition eingereicht hat, weist mit Recht auch darauf hin, dah die Krankheitsgesahr im Sommer natürlich allgemein bedeutend geringer ist. Aber die in den Saisonplätzen notgedrungen bis zur Erschöpfung arbeitenden Angestellten kommen dann häufig genug siech und� krank in die Großstädte zurück und liegen hier den Krankenkässen zur Last. Mit ihren Anträgen wollen die Unternehmer erreichen, dah die örtlichen Polizeibehörden, die Gemeindevorsteher usw.. die Be- fugnis erhalten für ihr Oertchen, womöglich für jeden Betrieb andere Bestimmungen treffen zu können. Bon diesen Behörden, denen vor allem die„Frequenz" und der..gute Ruf" des Badeortes am Herzen liegt, ist— ohne Böswilligkeit anzunehmen— eine � objektive Beurteilung nicht zu erwarten. Allerhand kleinliche RechnungSträgereien, persönliche Beziehungen, trüben hier die Sachlichkeit. Daran würde auch die Tatsache nichts ändern, dah man im Einverständnis mit den Arbeitnehmern vorgehen will. Man weih, dah in solchen Fällen die Arbeitnehmer lediglich im Sinne ihres Prinzipals stimmen können. Aber ganz davon abgesehen wäre eine eine solche Mahnahme geeignet, eine» solchen Kuddelmuddel von Bestimmungen zu schaffen, dah niemand mehr klug daraus werden könnte. Das aber wollen die Unternehmer augenscheinlich mit ihrem Verlangen ge- tobe herbeiführen. Es dürfte ausgeschlossen sein, dah der Reickstag diesem Wunsche entsprechen wird, um so weniger, als die höhere Verwaltungsbehörde schon heute berechtigt ist, in Kur« und Bade- orten die Ruhezeiten für Gehilfen und Lehrlinge über 10 Jahre in Gastwirtschäften während der Saison, und zwar bis zur Dauer von drei Monaten bis auf 7 Stunden herabzusetzen. Damit dürfte der„Eigenart" des GastwirtSgewcrbes doch zur Genüge Rechnung getragen sein. Die geringfügigen Bestimmungen, die zum Schutze deS gastwirtschaftlichen Personals erlassen sind, vertragen keinerlei Durchlöcherung und Verschlechterung, sondern verlangen dringend Erweiterungen vor allem nach der Richtung, dah sie auf dic ge- samten Angestellten ausgedehnt werden.-- Klus der Frauenbewegung. Die Braonfchweiger Polizei gessen die Hausangestellten» Organisation. Mit Hilfe des Gewerkschaftskartells gelang«S im November 7008 auch in Braunschweig, die Dienstboten zu organi- sieren. Allein vyn Anfang an wurde dieses jüngste Kind der Braunschweiger Gewerkschaftsbewegung polizeilich verfolgt. Straf- Mandate folgten über Strafmandate. Es gab keine Agitationsver- sanmilung des Dienstbotenvereins, nach der nicht ein oder zwei poli, zeiliche Strafmandate über je 15 M. erlassen wurden wegen Nicht- anmeldung„politischer" Versammlungen. Einige solcher Straf- Mandate harren zurzeit noch ihrer Erledigung durch das Gericht. Am 28. Januar hielt Genosse Redakteur Wagner in einer öffentlichen Dienstbotenversammlung«inen Vortrag, und prompt folgte wieder das Strafmandat gegen die Leiterin der Dienstboten- organisation, obgleich Wagner keinen Ton über Politik geredet hatte. Doch daran noch nicht genug, ging der Vorsitzenden der Organisation, Genvffm Topfstedt, folgendes Schreiben zu: Herzogliche Polizei-Direttion Braunscklveig. Der am 30. November 1908 hier angemeldete Verein für Dienstmädchen. Ausgeherinnen. Wasch- und Scheuerfrauen usw. für Braun schweig und Um- gegend wird nach§ 2 des Reichsvereinsgesetzes vom 19. April 1908 damit aufgelöst. Wie auS den§§ 1 und 2 des VcreinSstatuts und der bisherigen Tätigkeit des Vereins hervor- ?eht. verfolgt derselbe politische, insonderheit ozialpolitische Zwecke, er ist also ein politischer Verein im Sinne des Z 3 des obengenannten Gesetzes. Nach § 3 des Statuts können auch tocibliche Personen unter 18 Jahren Mitglieder des Vereins werden. Diese Bestimmung steht im Widerspruch mit den Vorschriften der 17 und 18 Ziffer 5 des ReichsvereinsaesetzeS, nach welchen Personen, die daS 18. Lebens- jähr noch nicht vollendet haben, nicht Mitglieder von politischen Vereinen sein dürsen, und Zuwiderhandlungen unter Strafe gestellt sind. Der Verein verfolgt also einen Zweck, welcher einem Strafgesetze zuwiderläuft, und ist des- halbaufzulöscn. v. d. Busch Aus dieser polizeilichen Verfügung tveht uns echt prcuhisch- reaktionärer Polizeigeist an. der die ministeriell versprochene loyale Auslegung des neuen liberalen Reichsvereinsgesetzez völlig ver- missen lägt. Di« Organisationen der Hausangestellten wird Ivohl jedermann als gewerkschaftliche Vereine betrachten müssen. Dah ein Verein schon als politisch erklärt werden kann, wenn er sich mit sozialpolitischen Dingen beschäftigt, ist braunschweigische Polizciersindung. Was kann— bei einigem guten polizeilichen Willen— von gclDcrfftfgftlidjcn und gewerblichen Fragen njcht ...... ialpolitik verwiesen werden! Wer will ziehen? Etwa die Braunschweiger alles in das Ge! da die genauh Polizei?- Die Verfügung ganz frei von em> ein Statltt des fr Nach Jahresfrist hat also die Polizei schon entdeckt, dah der Verein nach dem Wortlaut des Statuts einen Zweck verfolgt.'..welcher einem Strafgesetz zuwiderläuft". Dann aber besteht der Verein überhaupt gar nicht mehr. Der im Jahre 1908 gegründete Dienst- botenverein hat stch am 1, August 1909 aufgelöst. Am gleichen Tage wurde dann eine Zahlstelle des ZentralvcrbandeL der Hausangestellten gegründet. Diese Zahlstelle in Braunschiveig wird aber die Polizei daselbst nicht auflösen können, und die polizeiliche Verfügung will das auch anscheinend gar nicht; die Polizeibehörde hat somit eigentlich«inen nichtpesteheicken Berein aufgelöst. Frauen, singet, lacht und tanzt, aber laßt die Hände vo» Polink! Das ist der Rat eines nationalliberalen Reichsverbändlers, deS Ingenieurs Wach en feld auS Lübeck, der sich schon durch seine arbeiterseindlichen Briefe aus dem ManSfelder Strcikgcbiet berii— tmu gemacht hat. Vor einigen Tagen wurde in Lübeck eine bürgerliche Franenvcrsammluna abgehalten, in der eine Frau Nadel aus Ham- bürg das Frauenstiinmrecht forderte. In der Diskussion erschien dann der liberale ReichSverbandsapostel auf der Tribüne, der u. a. erklärte: Dir Nationalliberalen dächten gar nicht daran, sich für die Frauenbewegung ins Zeug zu legen; auch in den Kreisen der Links- liberalen seien durchaus nicht alle Freunde der Frauenbewegung und bei den Sozialdeniolroten finde sie auch keinen ungeteilten Beifall. Er erinnere in dieser Beziehung nur an den.Kaffeezirkel der alten Weiber" und an Auers Kritik über einen Vortrag einer sozialdemo kratischen Rednerin:„DöS hält ja kei Viech auS!" Sei eS denn der Zweck der Frau in zu beireiben? Er glaube nicht. renden Frauen sei nie eine Zeit deS Niederganges gewesen. Dah gegen den Feminismus wahre, sei ein gute? Zeichen, um so mehr. als in Deutschland die Frauen die Mehrzahl bildeten. Lasse man sie zum politischen Leben zu, würde sich die Zahl der Fraktionen im Reichsrage nur noch zum Schaden der Allgemeinheit vermehren und die Zeit vielleicht nicht ferne sein, wo die Pantofselherrschaft statuiert sei. Seiner Erfahrung nach sei in Deutschland übrigens das Verlangen der Frauen nach politischer Betätigung nicht sonderlich lebhaft. Die Politik sei Sache des Verstände! und darum ftir die Männer. Dann schloß der Redner: „Was brauche» Sie einen Beruf, waS brauchen Sie das Franrn- fiimmrecht? Singen Sie, lachen Sir, tanzen Sie» aber lassen Sie die Hände von der Politik!" Die ganze Philisterhaftigkeit des nationalliberalen BürgeriumZ drückt sich in diesen Worten der ReichsverbandZgröhe aus. der Welt, einen Beruf Die Zeit der politiste des Fortschrittes. sondern man sich in Deutschland Der Bund für Mutterschutz bittet alle, die geneigt sind, eine Mutter mit Kind gegen Hausarbeit und geringem Entgelt aus- zunehmen oder auch nur ein Kind als Pflegling, ihre Adressen und Bedingungen dem Bureau des Bundes, Trautcnaustr. 29, mitzuteilen. Sprechstunden täglich von 9—1 Uhr. auherdem DienS- tag und Freitag, ahends von 7—9 Uhr. Briefe sind an Frau Franziska Schultz zu richten. Gleichzeitig spricht der Bund für Mutterschutz die Bitte um Unterstützung an Geld, Wäsche. Kleidung aus. Lei dem grohen Andränge der Hilfesuchenden ist jede Gabe sehr willkommen. Druckfehlerbrrichtigüng. In der Notiz:„Arbeiterinnen in Amerika" in der vorigen Nummer muh es selbstverständlich heißen: Januarheft der von Dr. Eonrad— nicht„Ewald"—- heraus- gegebenen Jahrbücher. Geriebts- Leitung. nschlveiger Polizei ist aber auch nicht sa. Im Jahre 1908 wurde der Polizei ! gegründeten Dicnstbotenvereins überreicht. Ein Revolverattentat eines Eifersüchtigen beschäftigte gestern unter Vorsitz deS Landgerichtsdirektors Schmer das Schwurgericht des Landgerichts III. Wegen versuchten Totschlag« war der L3jähcige Rohrleger Fritz Eitel ange- klagt.— Der Angeklagte lernte im Dezember 1900 die Buchhalterin Frieda Bläsing kennen. Zwischen beiden entwickelte sich ein Liebes- Verhältnis, welches mit Einverständnis der Eltern auch zu einer Heirat sichren sollte. Mit der Zeit erkalteten jedoch die beider- seitigen Beziehungen, da der Angeklagte keinerlei Ersparnisse hatte und auch sonst keinerlei Vorbereitungen zu einer Hochzeit traf. Schon vor zwei Jahren kam es zu einer ernsten Auseinandersetzung. Der Angeklagte kaufte sich damals einen Revolver und schlich sich in das Zimmer der Geliebten ein. Hier versteckte er sich unter dem Bett in der Absicht, sich vor den Augen des Mädchen« zu er. schichen. Hierzu kam es jedoch nicht, da Eitel von dem Bater der B. hervorgezogen wurde. Eö fand eine grohe Versöhnunasfeier statt und die alte Liebe war bald wieder hergestellt. Im Oktober vorigen Jahres glaubte der Anneklagte die Wahrnehmung machen zu können, dah ihm die B. nicht treu wäre. Es kam zu einer Szene, die den völligen Bruch zur Folg« hatte. Am 2. November versuchte E. in der Schillerstrahe in Rummelsburg sich der B. wieder zu nähern. Als er abgewiesen und sogar ausgelacht wurde, geriet er in einen derartigen Wutzustand, daß er seine» Revolver hervorzog und aus dic V. einen Schusi abgab, der diese in die linke Brustseite traf, ohne jedoch eine lebensgefährliche Verwundung herbeizuführen. Der Revolverheld wurde auf der Strahe verhafter, nachdem er versucht hatte/ sich selbst zu erschießen.— Vor Owricht behauptete der Anaeklagte, der in der Voruntersuchung völlig ge- ständig gewesen war. dah ihm vor der Tat plötzlich alles schwarz vor den Augen.geworden sei und er sich auf nichts mehr besinnen könne. Der Vertreter der Anklage beantragte deshalb, den Ange- klagten erst durch einen Gerichtsargt auf den Geisteszustand unter- suchen zu lassen. Das Gericht muhte diesem Antrage stattgeben, sodah die Sache der Vertagung anheimfiel. Verführung einer Angestellten. Schwere sittliche Verfehlungen zweier Chefs gegen ein« jugend- liche Angestellte beschäftigten gestern die 7. Strafkammer des Land- gerichtg l. Unter der Anklage der Verführung einer Minder- jährigen muhten sich der Kaufmann Franz Fiedler und dessen Bruder» der Kaufmann Albert Fiedler, vor dein Strafrichter ver- antworten.— Der Angeklagte Franz F. ist Inhaber eines größeren Papierwarengeschästs im Frankfurter Viertel. In diesem Geschäft war die ISjährigr Gertrud G. als Kontoristin angestellt. Schon nach kurzer Zeit fiel es der Mutter des jungen Mädchens auf, dah diese ein merkwürdig verändertes Wesen zur Schau trug und sehr still und in sich gekehrt war. Sie konnte sich diese Veränderung anfänglich nicht erklären, bis sie eines Tages die traurige Wahrheit erfuhr. Die bestürzte Mutter erfuhr zu ihrem Entsetzen, daß sich der Chef ihrer Tochter und auch dessen Bruder zu wiederholten Malen an dem Mädchen in sittlicher Beziehung vergangen hatte. Sie erstattete sofort Anzeige, die das jetzige Strafverfahren zur Folge hatte. Die Verhandlung fand unter Ausschluß der Oeffeni- lichkeit statt. Das Urteil gegen die Angeklagten lautete nur auf je 3 Monate Gefängnis. Ein Freibilletprozesi. Ein umfangreicher Theaterprozeh, zu dem Schauspieler und Theaterleute aus vielen deutschen Städten geladen waren, nahm gestern vor der Leipziger«trafkammer seinen Anfang. Tie Anklage richtet sich gegen den Herausgeber der Halbmonatsschrift „Deutscher Kampf" und„Leipziger Roland". Dr- jur. Artnr Pleihner, der wegen Nötigung und Beleidigung sowie wegen Ex- Pressung in der Absicht, sich einen rechtswidrigen Vermögensvortett durch Wiedererlangüng von Freikarten zu verschaffen, sich zu per- antworten hat. Der Angeklagte Dr. Artar Pleihner, der in letzter Zeit wiederholt als Angeklagter in einer Reihe von Sensationsprozessen vor Gericht erschienen war, war mit Direktor Harkmann in Differenzen geraten. Direktor Hartmann hatte ihm und seinen Mit- arbeitern die Freikarten entzogen und den Besuch seiner Thealer verboten. Als dann ein Mitarbeiter des?tngeklagten, Weise, unter Anwendung eines falschen Bartes Eintritt in das Theater erschlich, lvurde gegen ihn und Pleihner wegen Hausfriedensbruchs und Anstiftung dazu vorgegangen. Tr. Pleihner wurde auch zu einer Geldstrafe von SV M. verurteilt. Eines Tages hatte dann Dr. Pleihner dem Operettensänger Heiner, der jetzt am Bellevue- Theater in Stettin ist, Auftrag erteilt, cr solle Direktor Hart- mann sagen, dah er, Pleihner.„jetzt die Dache satt habe, und wenn Hartman» nickt andere Saiten aufziehe, dann werde er vorgehen. Er habe solches Material in Händen, dah Hartmann die Luft in Leipzig zu schwül werden würde". Zu dem Kapell- meifter Willy Holtz erklärte Dr. Pleihner,„er warte jetzt noch acht Tage, dann schieße er Hartmann ab". Direktor Hartman» stellte darauf Strafantrag. Tie Verhandlung wird mehrere Tage dauern. Von ihrem Ergebnis werden wir Mitteilung machen. Abermals die rote Kranzschleife! Der Verwalter des Velberter Konsumvereins(Kreis Remscheid- Lennepp-Mettmann), Genosse Friedrich K., hatte ein Strafmandat über 1ö M. erhalten, weil er einen Kranz mit roter Schleife bei der Beerdigung eines Genossen auf dessen Grab niedergelegt hatte. Er sollte dadurch groben Unfug verübt und§ 10 des BereinsgcseyrS übertreten haben. Das Schöffengericht Velbert und das Land- geeicht Elberfeld nahmen eigenartigerweise beide Delikte als vor- liegend an. Das Kammergericht hob. wie unsere Leler sich entsinnen, das Urteil auf, weil grober Unfug zu unrecht als vorliegend angenommen war und legte der Elberfelder Strafkammer, an die die Verhandlung zurückgetviesen war, die Prüfung auf, ob ein außergewöhnliches Leichenbegängnis vorgelegen hat. Die Straf- kammer nahm jetzt an: ein gewöhnliches Leichenbegängnis fei nur ein solches, an dem die Leidtragenden teilnehmen, um dem Ver- storbenen die letzte Ehre zu erweisen und den Hinterbliebenen einen Binveis ihres Mitgefühls zu geben. Wenn bei der Beerdi- ?ung auch eine politische Gesinnung betätigt werde, so sei das nicht andesüblich und stempele dem Leichenbegängnis einen onhcr- gewöhnlichen Charakter auf. Demnach sei der Angeklagte schuldig. Er sei aber freizusprechen, weil die Polizei zu Erlaß eines Straf- bcfehls auf Grund des BereinKgesetzes nicht befugt war. Ist somit auch eine Freisprechung erfolgt, so ist doch die De- duktion der Strafkammer, dah das Leichenbegängnis ein auherge- wohnliches werde, wenn eine rote Kranzschleife niedergelegt wird, durchaus verkehrt. In Dutzenden von Fällen ist auch vom Kammer- gericht Freisprechung in ähnlichen Fällen bestätigt, die unter Herr- schaft des preuhischen Vereinsgesetzes ausgesprochen waren. Das preußische Vereinsgesetz enthielt eine gleiche Bcstim- mung wie das Reichsvereinsgesetz. In der Niederlegung eines Kranzes mit roter Schleife liegt lediglich die Betätigung de» PietätLgefühlS. Und diese Art der Betätigung ist keineswegs eine außergewöhnliche, sondern die gewöhnliche Erweisung der letzten Ehre. Wann wird die Nadelstichpolitik endlich sich mähigen? Habt Acht vor Winkelkonsulenten! Aus Anlaß des Prozesses gegen den Genossen Weber sind uns mchrere Zuschriften von Personen zugegangen, die sich durch daS Fabischsche Institut geschädigt fühlen. Wir möchten bei der Ge- legenheit darauf hinweisen, dah das Institut sich nicht mehr Alexandrinenstr. LS. sondern 4ö befindet und sich jetzt„Erste rechts- wissenschaftliche Gesellschaft" betitelt. Die dringende Warnung. dies oder ein ähnliches Institut zu benutzen, können wir lediglich wiederholen. Das Arbeitersekretariat, Engelufer Ibz gewährt kostenlose zweckmäßige Rechtsverfolgung. eingegangene Druckfdmften. Wissenschaft und Bildung. Dd. 64. Die Kultur der Skraber. Bon Prof. Dr. Hell.— Bd. 70. Einfnbrung in die RechtStvissenfchast. Von Dr. G Nadbruch.— Bd. 80. Immanuel Kaut. Von Dr. Ü. v. Aster. 1 M.. geb. 1,23 M.— Quelle u. Mcper, Leipzig. Der Wille. Von Else Deutscher. 2,10 M., geb. 2,80 M.— Er. kenntnis-theoretifche GrundzÜne der Nntiirtvissenschafte«. von P. vollpmnn.(Beb. 6 M.— B. G. Teubner, Leipzig. 1.«„»i'ott de tirfevo" et le» Grfevca.(DaS„Elreikrtcht" und die �trrlls.) Von(knöe Bouloc. Paris 1010. 2.30 Fr. Annualre 1010 dn bureau de« loneiludote.(Jahrbuch 1910 des sranzösischen SchifsahrtSamtes.) Pari» 1019. 1'/, Fr. Bmfhzften der Redabtton. Tie lurl, Usch- em-ckU-undi findet Liudenstrahe ll,»Welle» y»f. dritter Clngano, vier r»c»»en, DE?- yahrNudl-WM woch-ut-glich -»-Nd»«0!I 7'.4 dl» 9 1 Uflr ftett.«-iffn-t 7 Uhr.«»»nad-nds beginn, die Speechslnnde nm 6»Hr. Jeder«nfeage Ist ein vnchstabe und eine Zahl als Merkzeichen beizufügen. Briefliche Ainivoet Wied nicht erteilt. Bio zur Bea»tl»ori»ng im Beteflastcn tduur» 1t rage vergehen. Ell ige Fragen trage in»» in der Tprechftunde vor. A. W. 20. DaS, was Jbrer Schwägerin gedört, bleibt ibr oI5 alleiniges Eigentum. Mit dem Geschäst und dem gesamten Rachiatz kanu hc so versabren. wie es zweckmäßig ist. Die Bant rangiert als Gläubigeri» des Nachlasses.— Wilder. In Berlin ist durch OrtSstatM die Per- sscheruugsisslicht der Heimarbeiter ewgesührt.— Sl. G. 100. Darüber, ob Flelschdeschauer als Beamte im Sinne deS KommulialbeamtcngcsctzeS zu einchtcn find, besieht Streit Nach dem Gesetze sind unseres Erachtens die Fieischbeschauer auch Beamte, wenn sie nicht nur vorübergehend auuestellt find.- O. K. IS. 1. Bei' W"'~ ._ Bei einer eingetragenen Firma braucht der Name de» Inhabers nicht genanut zu werden. 2. Die Vsrjchrijten dcS NeichSprevgeletzeS sind zu beachten. 8. DaS Gewerbe ist anzumelden m Ihrer Gemeinde bei dem Gemeiudevorstand. Die Holje der Gewerbesleuern ist in den verschiedenen Gemeinden verschieden. — Fr. Dh. ti. Die Staatssteuer, nicht aber die Gemeindesteuer wird sür zwei Monate nach beendigter Mtlitärdienstzeit erlassen. Die Gemeindesteuer kann aus Antrag erlassen werden.— F. A. 5h. Di« von Ihnen genannte Kasse ist nicht empsehsenswert Sie hätten svciwilligeS Mitglied der Orts- krankcutasse bleiben können. Lassen Sie ssch aus Grund Ihrer Beschästigung zunächst als versicherungspflichtiges Mitglied bei der Gästivirtskräiikenkassö versichern und bleiben Sie nach Aushören der Beschästl .■_. M... Beschästigung durch Zahlung der vollen B-ilräge freiwilliges Mitglied.— E.®. 29. Die Aenderung des NumeriS ist nur mit Genehmigung deS ReaiermlgSpräfideilten(in Berlin des Polizeipräsidenten) zulässig. Die Bewilligung kostet ungefähr 50 M'— A. 100. Schlijlliche� oder mündliche Anmeldung beim Polizei- Präsidenten genügt Tb Sie später das Examen bestehen werde», können wir unmöglich voraussagen.— � P. Di. 3. Nein.— Dt. ll. 8. 1. Innerhalb eines Jahres. 2. Nein. 3. Ossenbacher Kranken- msse tür Frauen und Mädchen, Prinzenstrahe«0 bei Hinz. — A. ft. 78, Die Mutter hastet nach zutresiender Anficht sür die in Bc- tracht kommenden Kosten nicht. Nur der Pflichtteil, der an Ihren Mann fallen würde, würde bastbar gemacht und auch mit Beschlag belegt werden kouncm Die Einietzuna als Testamentsvollstrecker kann formlos in jedem sonst gültigen Testament erfolgen. Ei» eigenhändig ge- und unterschriebenes Testament. daS datiert ist, genügt. Beispiele und Änleitung für ein solch-S Testament finden Sie tu dem dem„Rrbeitelwechtt beigefügten Führer. Das Buch liegt in den öffeiittichm Lesehallen aus.—.Helene 20 und V. B. 100. 1. Nach der altpreutzischen sür Berlin gültigen Gesinde- Ordnung entbindet die Möglichkeit, stch zu verheiraten, das Gesinde nicht vom Vertrage. Es liegt vielmehr so: Erhält weibiiches Gesinde vor dem Antritt der Dienstzeit Gelegeiideit zum Heiraten, so taun es eine andere taugliche Person zur Versehuiig des Dienstes an seiner Statt stellen. Kann eS daS nicht, so muß es den Dienst in Städten aus ein Vierteljahr, in der Landwirtschajt ans ein halbes Jahr antreten. Handelt es sich um die Gelegenheit zur Heirat nach Antritt des Dienstes, so ist die Rechtslage folgende i§Z 147, 1 18 der Gesmdeordnung):„Wenn der Dienstbote durch Heirat oder aus andere Art zur Anstellung einer ebenen Wirtschaft vorteil« haste Gelegenheit erhält, die cr durch Ausdaucrung der Mielszeit vevsäinnc» mühte", fo kann der Dienstbote einen länger dauernden GesindemictSvcrlrag Vorzeitig kündigen. Er»mg aber das sausende Vierteljahr und, wenn er monatSweise gemietet- war, den lausenden Monat aushalten. Ist daS Mädchen am l. Januar eingetreten, so täimte eS also, wenn auch der Vertrag aus ein Jabr vereinbart war, zum 1. April ziehen. War nur monatsweise gemietet, so würde das am 1. Februar eingetretene Gesinde jnm Z. März wegen yewalZmögsichkeit. die sonst lim ent« geht, kündigen können. 2. Berufung gegen ein landgeeichwcheS ilvteu Ist bei dein Kanmiergericht einzulegen. Das Armenrechl müstte für die Berusungsinstanz bei dem Äammcrgerich! nachgesucht werden — SM. H. 44. Sic sind Miterbin an dem gesamten Nachlast. Zu dem Nachlast gehört das Geschäft, wie es hinterlassen war. Austerdem haben Sie-Anspruch aus Zahlung Ihrer Forderung Einigen sich Ihre Verwandten nicht gütlich, so mußten Sie sich an das Gericht wenden.— C. H. lv>. 1. In den> stall einer Weiterversicherung genügt es. daß wenigstens zwanzig Marlen für je zlvei Jahre geklebt werden. Selbslversichercr können nur Betriebsbeamle, Werkmeister und dergleichen mit einem Gehalt von 2000 bis 3000 M., ferner Gewerbetreibende und Belriebsunlernebmcr, die rcaelmästig nicht mehr als zwei versicherungspflichtige Lohnarbeiter be- schastigen. ferner" Hausgewerbetreibende und endlich solche Personen werden, welche nicht versichmingspflichtig sind, weil sie nur gegen freien Unterhalt beschästigt werden oder, weil sie sich in einer vorübergehenden durch Be- schlust des Bundesrats für»ichtveisicherun spflichtig erklärte» Beschästigung befinden. Diese Selbstvei sicherer müssen im Gegensatz zu den Weiter- Versicherern in je zwei Jahren mindestens je 40 Marken geklebt haben. 2. Eine Erziehungsanstalt für Waisen von Militärpersoncn. Sie be- findet sich in Pote dam.— Hermann M. 495 1. und 2. Ja. 3. Nein. — Schmidt 16. Die Tabelle ist durchaus klar. El st über 400 M. beginnt der Stempel von einer Mark, darunter beträgt er SO Ps.— Zl. D. 47. 1. Sie tömiei, über Ihre Wohnung oersägen, wie Sic wollen; jedoch darf die Ausübung Ihres Rechts nicht lediglich schikanös sein. Im einzelnen trifit das Gesetz keine Bestimmungen— A. M. 37. Der Mietsstempel wird für die in das Jahr fallende Zeit des Vertrages im Januar ent- richtet. Die Erhöhung ist seit dem t. Juli eingetreten. Die Nachsorderung einspricht dem Gesetz. Die Borschriste» über Mielsslempclsteuer haben wir zusaniniensassend zuletzt in Nummer 23 unter Soziales wiedergegeben. — H. W. 36. Für St? asanzeigen ist die Staatsaiiwallschast zuständig MMMWMGaMMWWWWWWAMWWWWNWWWMWD» ordern Sie Liegt wissentlich saische Anschuldigung vor, so wird öffentlich Anklage erhoben. — R. 496. Der Siemprl ist von Ihnen zu Unrecht erhoben~ denselben zurück oder ziehen Sie ihn bei der nächsten MietSzahkmig ab. — Slbonnent 32. l. und 2. Ja. 3. Die Taxe haben wir erst kürzlich veröffentlicht. Eine Wiederholnng umfastt zuviel Raum. Schildern Sie Ihren Fall und knüpfen Sie die erforderlichen Anfragen daran.— Olide- »arderstraffe 27. Der für ein Kind ourch den Baker vollzogene Austritt aus der Landeskirche ist nach einem Beschliist des Kammergerichts vom De- zembcr 1906 wirksam. 2. In Berlin mit vollendetem 14. Lebensjahre.— G. 9t. 4. Für die Erteilung des �taatsaiigchörigkeitsausweiseS sind in Sachsen die Kreishallptmaliiischasten zuständig. Das Naturalisationsgesuch ist an den Polizeipräsidenten zu übersenden.— G. R. 14. t. Bcrpsäiidungszins. 2 Schaden, Verlust. Provision bei Anleihen und dergleichen. 3. Eine Grenze ist nicht gegeben. 1 Proz. ist angemessen, haben Sie 2 Proz. vereinbart, so ist auch das gültig— v. W. 14. Wenden Sie sich a» das Amtsgericht Webding. — A. St. Wildau 100. Bei den vielen Stahlsorten und deren Bezeich- iiungen ist es nicht gut möglich, die ein? oder die andere Sorte absolut als die beste zu bezeichnen. Auch ist zunächst der Verwendungszweck zu be- nchlen,— itzritz Blaschke. Die Bezeichnung trifft den Nameu des Er- ftiiders.— A. C>. 333. Wenden Sie sich an das Bureau dieser Gefell- schast. Käthener Str. 12.— K. S. 230. 200 Mark.- G. M. Standes- amt 7a, Koppenstr, 76.— L. W. Nicht„Zeffeiisieder-Zeiinng"' sondern die Zeitung„Der Selfeiisabr-ikant" erscheint hier in Berlin. Monhijouplatz 3, — H. R. 42. Eine Klage würde schiverlich Aussicht auf Erfolg haben.— W. F. 18. 1. Wenn Sic veranlagt wäre» und nicht reklamiert haben, ja. 2. Bis zum 31. Dezember 1910. 3. Wenn Sie wollen, ja.— Pkt. 5. Wenden Sie sich an die Versicherungsanstall und an die Aufsichtsbehörde der Orlskrankcnkasse. Sowcii ersichtlich, gehöre» Sie der Ortstraiikentasse an und find versicherungspflichtig— P. P. 8. 1. Wiederholen Sie Ihre Anfrage unter Angabe, mann der Betreffende geboren ist. 2. Nein. 3. Ja. 4. Das hängt von der Anzahl und Höhe der geklebten Marke» ab. S. Die Witwe und die noch nicht 15 Jahre allen Kinder haben einen Anspruch aus Rückzahlung.— F. 301. 1. Da in leiucin der beiden Fälle 360 M Jadresmiete erreicht wird, haben Sie nicht zu zadle». 2. Sie müßten direkt beim Hanptzollamt vcriteuern.— O. 3. 333. 1. Nein, die Mit- gsieberllste wird der Posizek nicht mehr bekannt. 9. Keineswegs. 9. Wenden Sie sich an Genoffen MeikowSki. Andreasstr 26.— P. M. 50. Nein. — Toni 8. Nach geschiedener Ehe ist die Frau berechtigt, ilnen Mädchennamen oder, wenn sie vor der Eingehung der geschiedenen Elie verheiratet war, den Namen wieder anzunehmen, den sie zur Zeit der Eingehung der Ehe hatte. Dielen Namen darf sie aber nur annehmen, wenn der Man» allein oder wenn beide Teile sür schuldig erklärt worden find. Ii! sie allein für schuldig erllärt, so kann sie nur ihren Familieniiamen lMädcheniiamen) wieder annebmen. Die Wiederannahm» des Namens erfolgt dadurch, daß sie die Erklärung in notariell oder gerichtlich beglanbigiee Form dem Standesbeamte» gegenüber angibt, vor dem die Ehe ge'chloffcn war. Die Koste» sind unerheblich.— E. ivt. 68. Die Sirase ist verjährt, wen» nicht etwa seitens des Richters gegen die Verurteilte ciue Handlung unter- nomin en i!l. Ob das der Fall ist, könnten Sie durch einen Rcchisanwalt, der die Akten einsehen kann, feststellen. R. 50. l. Ja. 2. DaS Gewerbegericht, in dessen Bezirk der Betrieb de? Arbeitgebers liegt oder, falls für diesen Ort e!» GclverbcgcAcht nicht besteht, das'Amtsgericht ist zu- ständig.— E- M» 7. 1. Nein. 2. Be! der Ein- oder Ausfuhr erteilte Scheine. 3 Soweit sie 6000 Mail übersteige», ja. 4. E» Komo, in dem das Haben und Soll hintereinander geführt wird-— W. M. Z. Nein. — H. 79. Leider steht Ihnen ein Rewt aus Aushebung des Miets« Vertrages nicht zu. Sie müßten versuchen, sich güilip zu einigen. Dem Wirt sieht ein Piandrecht an den cingebrachleu Mobilien zu.— R. 3. 25» 1. Wenn die Summe seinen Pslichitcil nicht erreicht, ja. 2. Der Mutier.— I. M. 19. 1. Be suchen Sie es mit einem Antrag bei der Aussicht?» behördc. Unsci eS Eraldtcns wird leider Ihrem Antrage nicht stattgegeben werden können. 2. Der Wortlaut der uns nicht bekannten Statuten ist maßgebend.— Streitfrage 392. Sie sind im Irrtum. ES ist Sache jedes einzelnen Vereins, sich eveniuell Bestimmungen zu schaffen. An sich ist jede» Mitglied gleichberechtigt.— 147. 21. G. Die Zinlen können vom Tage der Fälligkeit ad verlangt werden.— O. Z. 590. Reklamieren Sie. Sie haben lediglich den in daS Jahr 1908 fallenden Test der Kirchensteuer zu zahlen. □ □□ 000 □□□ Theater und Vergnügungen Freitag,?. Februar. Ansang 7'/, Uhr. Köntgl. OpeinbonS. Die lustigen Weiber von Windsor. Königl. Schauspielhaus. Strand- linder Neues köntgl. Opern-Theater. Geschloffen. Tenilches. Don Carlos.(Ansang VI, Uhr.) Kamm erspiele. Der Arzt am Scheideweg.(Ans. 8 Uhr.) Nntang H Übt Neues Schauspielhaus. Der große Tote. Berliner. Waebeth. Lessing. Das Konzert. Neues. Der Philosoph von Sans soucfl Kölnische Oper. Da» Tal der Liebe. Westen. Die geschiedene Frau. Neues Overette». Der Graf von Luxemburg. Xrianon. Buridans Esel. Kleines. Der große Name. Nesidcnz. Im Taubenschlag. Thalia. Die Dollarprinzessm. Schiller««. a-aemei.) Geschäft ist Geschäft. Tch ii Ebarlottenburg. Der Pfarrer von St. Georgen. Friedrich-Wilhetmftiide. Groß- stadtlust. BoUsaprr. Zar und Zimmermann. Luise«. Heimat. Nv'e. Der Vize-Papa. Lnstspielhaus. Der dunkle Punkt. A)!et-o»ol. Hallohü— Die große Revue. Folios Eapriee. Der Luftturner. Neuer bunter Teil. Der Wasser- krops.(Ans. 8-/. Uhr.) (castno. Der Obergauncr. Gebr. Herrnseld. So muß man's machen. Ein RettungSmittel. Gastspiel. Der Polizeihund.(Ans. L>/. Ubr.) Urania, Wissenschaftliches Theater. Freitag 8 Uhr: Im Firnenglanz des Ober-Engadin. Noacks. Straßenbahnfahrer Krause. Stadttheaier Moabit. Ge. schlössen. Parodie. Lohengrün.(Ans. 8'/, Uhr.) .Hebbel. Kavaliere. lllp nio. Der Liebeswalzer. Spezla- ßtcten. Wintergarten. Spezialitäten. NeichSbaNeu. Stcitiner Sänger. Palast. Spezialitäten. Minviige. Sveziatstälen Buggenhage». Spezialitäten. Karl Hnvcrlaud. Spezialitäten. Walhalla. Spczialilälcn. Urania. Tauoeunrusto 18)49» Abends 8 Uhr- Im Firnenglanz des Ober-Engadin. Steniinur»?,.ziivatibenllt. 67—63. l-cttHlng-Tiicater. Freitag. 8 Uhr: Das Konzert. Sonnabend, s Uhr: DaS Konzert. Sonntag, 3 Uhr: Hedda Gabler. Sonntag, 8 Uhr: Das Konzert. berliner Theater. Heute 8 Uhr- �iaChetK. Morgen: Hohe Politik._ Neues Theater. Abends 8 Uhr: Der Philosoph von Sanssouci. Morgen und folgende Tage: vor pbilosopb von Sanssouci. TMer des Westeos. Abends 8 Uhr: Die geschiedene Frau. Sonnlag3>/, Uhr: Der sidele Bauer. Xeue» Operetten-Theater. Jöfute und folgende Tage 8 Uhr: Der Graf von Lnxenibnrg. Sonntag nachnültag 3 Uhr zu er- mäßigten Preisen: Der Zigeunerbaron. FriedriGh-Wiltielmstädtiscties Schauspielhaus. Freitag, den 4. Februar. 8 Uhr: Die GroMadtlnft. Sonnabend 3'/, Uhr: Die Jungfrau von Orleans. 8 Uhr: Halali. Sonntag 3 Uhr: Othello, ö Uhr: Im bunten Rock._ Lustspielhaus. Abends 8 Uhr: Der dunkle Punkt. ResidenzTheater Direktion: Richard Alexander. Abends 8 Uhr: Im Taubenschlag. Schwank in 3 Akte» von Hennequin und Beber. Morgen und folgende Tage: Dieselbe Borstellung. Sonntag, den 6. Februar, 3 Uhr: _ Eine HochzeitSnacht. Volksoper. SW., Bellc-Alliance-Straße Nr. 7/8. Anfang V39 Uhr: Gastspiel-Theater Köpenicker Straße 68. Ufozart-Oper. Sonnabend, den 5. Febr. 81/, Uhr: Grvsfinnigs, Vorstellung: Die Zauberflöte. Sonntag 8 Uhr: Die Zauberflöte. Luisen-Theater. Gastspiel Lucie Viörn» Heimat. Schausptcl tn 4 Akten von Hermann Sudcrmann. Sonnabend 4 Uhr: Große Kinder- Vorstellung: Schneemeißchcn und Rosenrot. 8 Uhr: Der Ve!lchcnsrcffer. Sonntag 3 Uhr: Nibelungen. 8 Uhr- Am Altar. Montag: Heimat._ OSE=THEATE Große Frankfurter Str. 132. Ans.» Uhr. Ende>/,U Uhr. Der Vizepapa. Lustspiel m 3 Allen v. A. Richards. Sonnabend: Deborah. Nachm. 4 Uhr: Rotläppchen._ I Metropol-Theater Hallo!!! Die groISe Revue! Sonnabend, den 5. Februar 1910: 2. großer Metropol-Theater-Ball. Hutkonkurronz, 1000 M. Barpreise. \ Passage-fiieater.| | Abends 8 Uhr: j Gussy Holl ; Lamborg| iSchnelsler Diincker (prolongiert) nndn igHtadt- K anino. Holzi, larttitraßc 72. Täglich: Eran» Sohanskl. Neu: Kitty Whes,, Vortrags- soubrelte. The Walsen, Kombi- natiouZ-Akt. 4 Fernandos, Eqni- UdristischerAkt. Msir Fred, SiuhU Balance. Prolongiert: Vistor, Ritter, fflefchm. Turl usw. Sein Schwiegervater in spe. Nach der Vorstellung: Mittwoch, Sounab., Sonnt.: Tanzkränzchen. Anl, 8 Utjr. isoniita�sjBfljJl�r� fflfeU Kommaudanienstr. 57. T. A. 4, 5083. mit snwn und vonat Herrnteld. Hierzu: Lin kettungsmittel Ansang 8 Uhr. Vorverkauf 11 bis 2 Uhr. Sonntag nachmittag 4 Uhr: �eiue-Deine Tochter. Mittwoch, den 9. Februar: Promicro: Eine Uebergangs-Ehe. Palast-Thealer. Direktion: Robert Olli& Karl Pirna». Burgstraße 24, am Bahnhos Börse. Das grandiose R)!ies Caprice Heute Freitag, den 4. Februar! Premiere: Der Luftturner. Budapcster-Amerikanischcs Lebensbild von Satyr. Ueuer bunter Teil. Herr Vlasserhropf. Posse von Gtingcr u. Taussig. Ansang 8'/« Uhr. Vorverk. 11— 2 Uhr. Karl flaverland Ansang Theater, präz. 8 U 77/79 Kommandantenstraße 77/79 Das Neueste vom Neusten bietet daS ssebruar-Programm. MM PhäRomenal! Rervenersehiitternil! Oi-lslaiS-Glln-tappe. Isländische Kampfspiele. Ansang 8 Uhr, Sonntags'/jS Uhr. SU u rzugskartcn überall zu haben. V!-MW A-lt-Avahlt i7HS. Sonntag, den 6. Fehruar 1310; Auf allgemeinen Wunsch iviederhott: Hnlock Holmes Sherkock Holmes: HanZ Rcitz. 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Sonnt. 4Uhr:TrudchclisSommerreise. lYlanori--Theater. Abends 8 Uhr: Duridlms Esel. Heute B'la Ehr ringen: Jlla-Kuba gegen Hanseu-Dänemarl. Max Schneidcr-Luckenwalde gegen G. Altmann-Bcrlin. Entsctieidnngskanipl: Gambier g-gm Hein Frankreich Berlin. Im unteren Saale: Alt« Germanisches Soekbier- Kellerfest mit Doppel-Konasert. und Tanzkränzchcu. Stets neueS. hoch« attuelleS Programm. veg.SonM.S,wochmt. SU. kelelisdsllen-fdsAlei'. LleltinepSiliiger Ter Nachtwächter von Zerpenschleufe. v.F. Meyset Ansang: Wochent. 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. BillettS stets 8 Tage vorher. an der Ja�nowitzbrticUe. DeutscIilaiKls xiözzls imd MiisliMls lisliiiiine 650 Sltzplütze FoenhuHo Au'a'- ttung Beginn: Wochentags 4 Uhr. Sonntags S„ Berliner yilt-Trlo. Felix Scheuer Strtlsinderstr.l. Aar de« Inhalt»er Inserate übernimmt die Nedaktion dem Publikum gegenüber teiuertel Verantwortung. Seit Jahren trinkt man in allen Bevölkerungsschichten Amerikas und Englands zu allen Mahlzeiten Tee, eine Gewohnheit, die auch in Deutschland immer mehr Boden gewinnt. Wir haben es unternommen, unseren Saman Tee allen Kreisen Deutschlands zugängig zu machen. Schon seit vielen Jahren ist ja die Schädlichkeit des Kaffeegenusses jedermann bekannt. Die Ärzte haben seit langem auf die nervenzerstörende Wirkung des Kaffeetrinkens hingewiesen, aber es hat sich bis jetzt noch kein Genußmittel geboten, das imstande gewesen wäre, den Kaffee zu ersetzen. Das hat sich vollkommen geändert. Der Tee war bis jetzt in Deutschland wenig verbreitet, weil man der Meinung war, für billiges Geld bekäme man nur schlechten und wenig Tee. Seit die Allgemeine Teeimport Gesellschaft den Saman Tee in Deutschland eingeführt hat, erhält man heute zu den billigsten Preisen den vorzüglichsten Tee von einer Ergiebigkeit, wie sie bisher ein derartiges Genußmittel noch nicht erreicht hatte. Kaffee schmeckt bekanntlich gut nur in ganz starken Aufgüssen, Saman Tee ist aber von dem herrlichsten Aroma und Geschmack, selbst noch in der stärksten Verdünnung.. Die heutige Finanzlage zwingt zudem noch die meisten Familien, ihren Kaffee mit Zuhilfenahme von Kaffeezusatz und künstlichen Kaffeesorten zu bereiten, ganz abgesehen von dem riesigen Quantum der verfälschten Kaffees, die dem harm.osen Käufer ohne sein Wissen für schweres Geld verkauft werden. Wer heute reinen Kaffee trinken will, muß einen großen Luxusaufschlag bezahlen. Die Allgemeine Teeimport Gesellschaft hat es sich zur Aufgabe gestellt, dem deutschen Publikum vor Augen zu führen, welche Kosten es spart und welche Vorteile es gewinnt, wenn es statt der Planscherei mit schlechtem Kaffee Saman Tee trinkt Jede Hausfrau und jeder Familienvater muß sich ausrechnen, wie ungeheuer die Ersparnisse sind, wenn Saman Tee getrunken wird. / Pfund Kaffee----- 50 bis 60 Tassen kostet M. 1.10, also 1 Tasse Kaffee............. ca. 2 Pfg, 1 Pfund Saman Tee------ 1500 Tassen kostet M. 3.—, also T Tasse Saman Tee.......... 0.2 Pfg. Eine Familie von 5 Personen braucht wöchentlich 75 Tassen— /Vs Pfund— M. 1.65 für Kaffee Eine Familie von 5 Personen braucht wöchentlich 75 Tassen----- 1/2o Pfund— M. 0.15 für Saman Tee M1M-W jrm Tää a�so nachweisbar ganz außerordentlich viel billiger £ w w und sparsamer als selbst der schlechteste Kaffee. Die berühmte deutsche Fabrik für Watten und Werkzeugmaschinen Ludwig Loewe& Co. hat seit dem Jahre 1899 anstatt einer Kaffee küche eine Teeküche eingerichtet. Der Bericht der Firma über die Resultate dieses modernen Unternehmens lautet wörtlich: „Kaffee betäubt das Hunger- und Müdigkeitsgefühl und spiegelt dem Arbeiter Sättigung vor, denselben so dazu verleitend, mehr Kräfte auszugeben, als den aufgenommenen Nährwerten entspricht. Tee ist zunächst ein sehr billiges Getränk, jedenfalls viel billiger als Kaffee von gleicher Qualität, und lässt sich leichter in grossen Mengen gleichmässig gut herstellen. Dm sich aber vor minderwertigen Sorten zu schützen, empfiehlt es sich, nur garantiert echte Tees in Originalpackungen wohlbekannter Firmen zu kaufen. Gerade die billigen Sorten unbekannter Herkunft, welche den Namen Tee kaum verdienen, tragen die Schuld daran, dass man bei uns, zumal in minderbemittelten Volksschichten, dem Tee ein grosses Vorurteil und Misstrauen entgegenbringt. In Wirklichkeit ist Tee aber ein ausserordentlich durststillendes Getränk, welches infolge seines Alkaloidgehaltes blutreinigend und verdauungs fördernd wirkt, indem es die Tätigkeit der Nieren in günstigster Weise beeinflusst. Das im Tee enthaltene ätherische Oel regt die Gehirntätigkeit und Arbeitslust an, ohne die schädlichen Nebenwirkungen des Kaffees zu besitzen." Diese Firma verkaufte im Jahre 1908 in der Werkzeugmaschinen-Abteilang 597187 Flaschen Tee an ihre Arbeiter. ist eine indische Teemischung, die nach vielen Versuchen für den deutschen Geschmack besonders zusammengesetzt wurde. ist schon in den kleinsten Packungen für 10 Pfg. erhältlich. Wenn man früher ein 10- Pfg.-Päckchen Tee kaufte, erhielt man zwar viel Teeblätter, aber nur 6 bis 8 Tassen schlechten Tees. Von einer 10- Pfg.-Packung Saman Tee erhalten Sie bis zu 30 Tassen des köstlichen Getränks. ist in seiner Zubereitung einfach, man braucht nur eine Kanne und kochendes Wasser. ist kein Tee wie jeder andere, lassen Sie sich vom Händler keinen anderen Tee verkaufen! Verlangen Sie Saman Tee, denn er ist der einzige, der alle Vorzüge der BilligKeit u. Güte besitzt. Nur echt mit untenstehender Schutzmarke in Packungen von 10 und 20 Pfennig, 1|s und'l« Pfund und in modern dekorierten Metallbüchsen von � Pfund in zwei Qualitäten. Allgemeine Teeimport Gesellschaft Somon Tee Fernaprecher Amt IV, 602 u. 10823 A. T. G. G. m. b. H. Berlin SO 36 Harzer Strafe 33 In Berlin in 1500 durch Plakate kenntlichen Geschäften erhältlich. Wo nicht zu haben, liefern wir direkt, eventuell erfolgt Mustersendung gegen Voreinsendung des Portos. SBeiontoortlidjet Kebolteur Richard Barth, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: TH.Gl»ckr, Berlin. Druck u. Verlag: Lorwärt« Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co, Berlin SS. Nr. 29. 27. Zahrgavg. 3. KcilM ks.Fmiills" Krlim MM Freitag, 4. Februar 1919. Partei-?Znge!egenkeiten. Zur Lokalliste. Folgende Vereine veranstalten Vergnügungen in gesperrten Lokalen: Am Sonnabend, den S. d. V?. der Männerturnverein„Teinpelho� im Lokal.Tivoli' dort- selbst einen Maskenball, an, gleichen Tage feiert die.Freiwillige Feuerwehr' in Mühlenbeck im dortige» Lokal von Müller ein „Winterfest'. Am lg, Februar er. veranstaltet der.Sport» klub Berolin a'— Köpenick im Lokal von A. Rühle in Mitten- w»lde eine Theatervorstellung unter Mitwirkung de« Radsahrertrios „Vorwärts', Alt-Glienicke. Wir ersuchen, die genannten Beranstaltungen zu meiden. Die Lokalkominisston. Pankow. Sonntag, den 6. Februar, abends S Uhr findet im Saale von Reckow, Damerowstr. IS eine Versammlung statt, in welcher Genofie G. Heidmann über.Konsunisragen' spricht. Nach dem Vortrag gemütliches Beisammensein. Tegel. Am Sonntag, den S. Februar findet von den bekannten Bezirkslokalen ans eine Flngblattverbreitung statt. Die Genossen und Genossinnen treffen sich früh 8 Uhr; diejenigen, welwe ausS Land gehen, bereits um 7 Uhr beim Geuoffcn Jul. Krause. Berlinerstr. 11. Die Bezirksleitung. Hohen-Neuendorf. Sonntag, den 6. Februar, nachmittag» 4 Uhr findet bei Fähnrich, Stolper Siraste 27 eine öffentliche Wähler- Versammlung statt. Stadtverordneter A. PagelS spricht über: Gemeindepolitik und die Arbeiter. Berliner JVacbricbten. Die Stadtverordnetenversammlung genehmigte gestern die Gehaltsaufbesserungen f ü r d i e F e u e r w e h r. wie der Magistrat, im wesentlichen in Uebereinstimmung mit dem Polizeipräsidenten, sie für nötig gehalten und beantragt hatte. Im Anschluß war die Frage erwogen worden, ob nicht noch etwas mehr gegeben werden könne. Freisinnige dachten da zuerst an die Offiziere, im besonderen an den Herrn Branddirektor, der ihnen noch nicht genug hat. Demgegenüber wiesen die s o z i a l d e m o° kratischen Mitglieder des Ausschusses darauf hin, daß viele eher die Mannschaften eine noch reichlichere Auf besserung vertragen könnten. Aber bei der Eigenart des Verhältnisses, das in Berlin zwischen Stadtgemeinde und Feuerwehr besteht, glaubte schließlich der Ausschuß, sich jeden selbständigen Eingriff versagen zu sollen. Der Polizeipräsident fetzt nach Anhörung des Branddirektors die Gehälter für die Feuerwehr fest, und der Stadt bleibt eigentlich nur übrig, zu bezahlen, was am Alexanderplatz für gut befunden wird. Gestern hob unser Genosse Leid noch einmal hervor, daß bei dieser Sachlage es den Gemeindebehörden schwer möglich sei, für die Feuerwehr mehr zu tun. Zu bedauern sei, daß nach den Vorschlägen deö Polizeipräsidenten den Mann fchaften eine sehr viel geringere Aufbesse- rung als den Offizieren zuteil werde. Nur durch endliche Uebernahme der Wohlfahrtspolizei werde die Stadt» gemeinde auch das VerfügungLrecht über die Feuerwehr er- halten und dann diesen Zuständen ein Ende machen können. Die Zuwendungen an wohltätige und ge- ineinnützige Vereine wurden sämtlich in der vom Ausschuß vorgeschlagenen Höhe bewilligt. Diese Beiträge der Stadt au den Kosten der sogenannten freienLiebes- tätig keit sind der Preis, um den der Stadtfreisinn sich loskaufen zu können meint von der Erfüllung so mancher Pflicht, die ein sozial fortgeschrittenes Empfinden den Kom- munen zuweist, i Die Fürsorge für die dem Säuglingsalter entwachsene, aber noch nicht schulpflichtige Jugend wird von der Stadt Berlin besonders vernachlässigt. Im Hinblick darauf, daß gerade hier auch die freie Liebestätigkeit ganz unzulänglich ist und mit den aus dem Madtsäckel gewährten Zuwendungen nicht im entferntesten den Ansprüchen zu ge- nügen vermag, wiederholte gestern die sozialdemo- k r a t i s ch e Fraktion den schon vor zwei Jahren gestellten Antrag auf Einrichtung von Krippen und Kindergärten durch die Gemeinde. Die Pflicht der Stadt, hier einzugreifen, wurde von unserem Genossen Wey! nachgewiesen, unter anderem aus einem Aufruf des Berliner„BereinS'für Volkskindergärten", der nach seinem eigenen Geständnis gegenüber den an ihn herantretenden Ansprüchen selber hilflos ist. Stadtverordneter R o f e n o w. der zum Vorstand dieses Vereins gehört, konnte das nicht leugnen, aber er erklärte dessenungeachtet, eine Derstadt- lichung der Kindergärten sei nicht wünschenswert. Die frei- sinnige Mehrheit war derselben Meinung und lehnte den Antrag unserer Genossen ab. Abgelehnt wurde nachher auch ein anderer Antrag der sozialdemokratischen Fraktion, die für die Zahnpflege in Schulen dem auf diesem Ge- biet tätigen Verein eine noch größere Beihilfe gewähren wollte. Genosse Wehl begründete diesen Antrag, und ein Teil der Freisinnigen stimmte diesmal bei. Aber Stadtrat Namslau riet,„schrittweise" vorzugehen, und in Be» folgung dieses Rates fand sich dann die nötige Mehrheit gegen den Antrag zusammen. Daß schließlich, nach dem Vorschlag deS Ausschusses, der Heilsarmee die ihr vom Magistrat zugedachte Beihilfe versagt wurde, sei nebenbei erwähnt. Der Ausschuß hatte sich den Bedenken angeschlossen, die in erster Lesung von sozialdemokratischer Seite vorgebracht worden waren. Im Plenum wurde gestern kein Wort mehr darüber verloren. weil an der Ablehnung der Subvention nicht zu zweifeln war. So mußte denn auch Stadtrat F i s ch b e ck es sich verkneifen. noch einmal in der komischen Rolle eines Protektors der Heilsarmee auszutreten. Die KSmgSkolonnaden sollen tatsächlich nach dem Bo- tonischen Garten versetzt werden. Diesen Vorschlag soll der Kaiser gemacht haben. Die Firma A. Wcrtheim will die Kosten für den Abbruch und die Wiederaufstellung des Bau» Werks übernehmen. Da hat man nun ein Ortsstawt gegen Verunstaltung des Stadtbildes gemacht und kaum ist man damit fertig, wird bei der ersten Gelegenheit gegen den Geist und Sinn dieses Statnts gehandelt. Bemerkt sei allerdings, daß die Königskolonnaden Eigentum des FiSkns sind. Ueber die Aufstellung der Kolonnaden im Botanischen Garten, den die Stadt envorben hat. liegen mehrere Projekte vor, von denen das des Stadtbaurats Hoffmann an- genommen werden dürfte. Nach dem Plane deS Stadtbaurats Eosfmann soll von dem Komplex des alten Botanischen artenö ein öl) bis 55 Meter breiter Einfassungsgürtel ab- getrennt werden, der als Umfahrtstraße ausgebaut werden j kann. Der Eingang zum Park soll auch hier in der PotS- damer Straße liegen. Die Kolonnaden würden also die neunzig Meter breite Eingangsstraße einfassen. Außerdem sollen sich nach beiden Seiten hin Neubauten im Stil der Kolonnaden anschließen, um den Hallen einen passenden Ab- schluß zu geben. Auch die neue Parkanlage, deren Schöpfung in den Händen des Gartcnbaudirektors Brodersen liegt, dürfte für den Verkehr eine wichtige Neuerung bieten. Räch der Anlage sollen sich vom Mittelpunkt des ParkeS, einem riesigen Springbrunnen, strahlenförmig breite Wege nach der Pallas-, Elßholz- und Potsdamer Straße hinziehen, so daß man dann bedeutend schneller als bisher von der Potsdamer Straße nach einer der beiden anderen Straßen wird gelangen können. Von der Brotteuerung. Da» Statistische Amt der Stadt hat jetzt da» Ergebnis der regelmäbig vorgenommenen Ermittelungen der Brotpreise in Berlin auch au» dein Monat Dezember des abgelaufenen JahreS tgyg bekanntgegeben, so daß nun für das ganze Jahr 1900 die Preisbewegung zu überblicken ist und der Jahresdurchschnitt be- rechnet werden kann. Aus den Ermittelungen de» Gewichtes des in tv Bäckereien angekauften Roggenbrotes und Weizenbrote» fSchrlppe») ergab sich als Durchschnittspreis pro Kilogramm: Roggenbrot Weizenbrot Januar.... 29,44 Pf. Februar.... 29.10. März..... 29,14. April..... 29,45. Mai..... 30,37. Juni... Juli... August.. September. Oktober.. November. Dezember Ganze» Jahr 81.84 81,57 81,41 30,85 30,39 29.97 29,53 30,21 51,07 Pf. 51,73 62,07 52,22 53,15 58,47 56,49 56,46 55,22 54,64 55,15 55,12 64,20 1009 80,21 54,20 1009 d i t Der Jahresdurchschnitt war in den letzten fünf Jahren: 1905 1906 1907 1908 in Pfennigen für Roggenbrot. 24,30 27,06 30,82 31,73 für Weizenbrot.. 42.67 44.03 49,36 53.22 Wie man sieht, ist beim Weizenbrot auch in Preissteigerung noch nicht zum Still st and gekommen Ermäßigt hat der Preis sich in 1909 beim Roggenbrot, aber auch hier ist der Rückgang nur erst gering, sodaß der Jahresdurchschnitt au» 1909 innner noch höher ist al« der an» 1906 und sehr viel höher al» der au» 1905. Da» Kilogramm Roggen brot im Durchschnitt von 1905 nur 24'/, � Pf., dagegen im Durch schnitt von 1909 rund SO3/� Pf.— da» bedeutet auf ein Fünf groschenbrot in 1905 etwa 4'/, Pfund, aber in 1909 nur etwa i'/g Pfund. Der minderbemittelten Bevölkerung hat die Hungerkur, die ihr in den letzten Jahren— obenein in einer Periode allgemeinen Arbeitsmangels— zugemutet wurde, die Augen geöffnet über die.nationale' Verteuerungspolilik. Beschleunigung in der Steuerverwaltung. Die Beschlüsse der Gemeinden über ihre Steuern werden von den aufsichtführenden Be Hörden nicht immer schnell genug genehmigt. Der Minister des Innern hat deshalb jetzt die Oberpräsidenten und Regierung» Präsidenten ersucht, der Angelegenheit ihre besondere Sorge zu zuwenden. ES handelt sich dabei um die Erteilung der Genehmi gung und Zustimmung zu Beschlüssen über die Deckung des Kom munalsteuerbedarfs oder zu Steuerordnungen von Gemeinden und Kreisen. Besonder» ist das Zustandekommen von Umsatz- und WertzuwachSsteuerordnungen durch einen zu langsamen Geschäft» gang in einigen Fällen so verzögert worden, daß zum Schaden der Kommunalverbände größere Werte der Besteuerung entgangen sind. Der Minister hat deshalb angeordnet, daß alle Angelegen- heilen, die die Verteilung des Kommunalsteuerbedarf» auf die verschiedenen Steuerarten oder die Einführung oder Abänderung von Dteuerordnungen in Gemeinden und Kreisen betreffen, unter dem Vermerk..Sosort" in den Geschäftsgang zu geben und von allen Amtsstellen umgehend zu erledigen stnd. ES sind dabei selbst Verzögerungen von nur wenigen Tagen zu vermeiden. Es soll auch darauf hingewirkt werden, daß die Bezirke- und Krcisaus. schüffe so verfahren. Der Ertrag der Hundesteuer ist in Berlin mit der Zunahme der Liebhaberei für Luxushunde andauernd gestiegen. Im letzten EtatSjahre<1909) waren vom Magistrat Berlin 765 600 M. als Einnahme au» der Hundesteuer im Etat festgesetzt worden. Diese Summe wird voraussichtlich überschritten werden. Für daS kom mende Etatjahr 1910/11 sind deshalb vom Magistrat rund 800630 M. al» Reineinnahme aus der Hundesteuer in dem neuen Etatentwurf eingestellt worden. Beim Postamt 58 in der Danzigerstraße 3 ist infolge einer Anregung deS.Vorwärts' an der HauSfront, dicht neben der Einfahrt, ein aus der Front weit herauSraaendeS großes Emaille schild angebracht worden mit folgender Warnung:.Zum Pofl direktor. Amtszimmer, zur Hauptkasse. Rentenftelle und zu den Briefträgern nicht durch die Toreinfahrt, sondern durch den be sonderen Eingang für Fußgänger.' ES ist mal erfreulich, daß die Postverwaltung dem geäußerten Wunsche nachgegeben hat. Die Warnung ist um so notwendiger, alS hier am MonatSersten noch immer 3— 400 Rentenempfänger ihre laufende Rente abheben, während nur ein Teil der sehr zahlreichen RentenbezugSberechl tigten deS Bezirkes die Rente an anderweiter, ungefährlicher Stelle ausgezahlt erhält. Dem Publikum kann im eigensten Interesse nur dringend empfohlen werden, das jetzt deutlich ficht- bare WarnungZfchild genau zu beachten. Die baulichen Verhält- nisse dieses Postamt» sind, was die Postverwaltung eingesehen zu haben scheint, wohl so ziemlich die schlechtesten in ganz Berlin. Leider läuft aber der Mietsvertrag mit dem Hausbesitzer noch bis zum Jahre 1917. Alsdann kommt die Postverwaltung um die Eröff. nung deS Postamts 58 in anderen geeigneteren Mietsräumen nicht herum, wenn es nicht vorgezogen wird, in diesem Teile Ber- lins, der sich überraschend entwickelt hat, ein reichSeigeneS Post- gebäude zu errichten. Die Deputation für die äußeren Angelegenheiten dir städtischen höheren Lehranstalten hat sich in ihrer letzten Sitzung mit Errich- tung einer höheren Mädchenschule im Stralauer Viertel und mit der stufenweisen Verlegung des Luisenstädtischen Gymnasiums in die Schönhauser Borstand im Prinzip einverstanden erklärt. Wegen Kautionsschwindels festgenommen wurde gestern ein Kauf- mann Karl Pälke, der in der Gneisenaustraße eine Vertretung für eine Rolljalousienfabrik hatte. Pätke. der früher Moler war, hatte mit den Vertmergeschästen keinen Erfolg und legte sich nun auf den Schwindel. Durch eine Stellenvermittlima in der PolSdamer Straße besorgte er sich junge Leute, denen er 700 M. Bürgschaft abnahm. Um sie in Sicherhe«» zu wiegen, ging er mit ihnen nach einer Bank und hinterlegt« dort das Geld, aber auf seinen eigenen Namen. Sobald die jungen Leute den Rücke» gewandt hatten, hob er den Betrag wieder ab und verbrauchte ihn füx sich. Er saate den Leuten auch nicht, daß er nur Vertreter sei. sondern gab sich für den Besitzer der Fabrik oder für deren Generalbevollmächtigten au«. Der Schwindel mußte bald ans Licht kommen, und Pente wurde darauf gestern dingfest gemacht Tödlicher Unfall. Vorgestern morgen gegen 7'/» Uhr wnrde die 8jährige Tochter Johanna des Schlossers Wenzel Klirar, Chodowiecki- straße 88 wohnhast, vor dem Grundstück Elbinger Straße 53 beim Passleren des StraßendammeS von einer Kraftdroschke überfahren und so schwer verletzt, daß sie bereits auf dem Transport nach dem Krankenhause am Friedrichhain starb. Zur Mordsache Arnholz. Der im Rixdorfer Kanal gefundene Oberschenkel soll von den Gerichtsärzten noch genauer untersucht werden. Zugleich suchen Fischer mit dem Retz den Wasserlauf nach andere» Leichenteilen ab. Es ist nicht ausgeschlossen, daß die Arnholz auf dem Laubengelände in jener Gegend ermordet worden ist. Daß der Oberschenkel von der Elsenbrücke inS Wasser geworfen sei, läßt sich nicht bestimmt sagen. ES kann auch weiter aufwärts, vielleicht an der Treptower Brücke, geschehen sein. ES kommr also für etwaige Beobachtungen, deren Mitteilung für den Forrgang der Untersuchung sehr wesentlich ist und auch einen Anspruch auf eine» Teil der Belohnung von 3000 M. begründet, nicht bloß die Elsen» brücke, sondern jene ganze Gegend in Betracht. Wahrscheinlich hat der verschnürte Oberschenkel längere Zeit auf dem Grunde gelegen, ist beim Auftauchen zunächst an die Eisscholle gestoßen und bei der Zertrümmerung dieser jetzt ganz an die Obe» fläche gekoninien. Die Arbeiter, die das Eis mit Stangen zerschlugen, um eö zum Abtreiben zu bringen, haben vorher von dem Paket nichts gesehen. EI» schwerer VetticbSunfall bat sich gestern in der Maschinen» zentrale für den Bezug landwirtschastlicher Maschinen, Tempelhofer Ufer 22. ereignet. Dort war der 2bjährige Schlosser Karl D. auS der Löwestraße mit der Reparatur eines undicht gewordenen Dampf» kcssels beschäftigt, während der letztere noch im Betriebe war. Plötzlich entströmten dem Kessel heiße Dämpfe in solcher Menge, daß der Schlosser, ehe er daran denken konnte, sich in Sicherheit zu bringen, schwere Brandwunden im Gesicht, beiden Armen und Händen und am rechten Unterschenkel erlitt. Der Verunglückte wurde in besinnungslosem Zustande nach der Unfallstation am Tempelhofer Ufer gebracht und von dort nach Anlegung von Notverbänden nach dein Krankenhause am Urban übergeführt. Berliner Asylvercin für Obdachlose. Im Monat Januar nächtigten im Männerasht 15 459 Personen, wovon 7788 badeten, im Frauen» asyl 4528 Personen, wovon 1638 badeten. Arbeitsnachweis wird er» beten: für Männer: Wiesenstr. 55/59; für Frauen: Kolbergerstr. LO. Um auch den Schülern Gelegenheit zu gebe», den Vortrag»Der Kineinalogravh im Dienste der Wissenschaft und des Unterrichts' zu bören, bar sich Herr Dr. Driesen bereit erklärt, seinen Vortrag am Sonnabendnachmittag 4 Uhr für Schüler zu kleinen Preisen im Wissenichastliche» Theater der Urania zu wiederholen. Abends ge» langt der Vortrag„Im Firnenglauz des Ober-Engadin' zur Dar« stellung. BolkSchor und Arbeiter-Sängeriund. Der Vorstand des Arbeiter» Sängerbundes schreibt uns in Ergänzung der Aussührungen deS Genossen Zwanzig: .Genosse Göhr« behauptet, au» mehreren sachlichen Gründen könnte der Volkschor dem Bunde nicht beitreten. Zum Beispiel: der BolkSchor ist bestrebt, Werke großer Tonmeister zur Ausführung zu bringen; der Arbeiter-Sängerbund dagegen pflegt nur Freiheit?» und Arbeiterlieder. Hierauf haben wir zu erklären, daß der Arbeiter» Sängerbund neben dem freien Lied, durch welches er bei Arbeiter- festlichkeite», Maifeier usw. die Massen begeistert, auch künstlerischen Bestrebungen huldigt, was ja verschiedene seiner Vereine de? öfteren bewiesen haben: auch der Bund selbst an seinem am 11. Dezeniber 1909 gebabten Stifinngsfeste. Weiter behauptet Genosse Göhr«: Die dem Bunde angeschlossenen Vereine müssen gemeinsame Proben abhalten: das Statut schreilit vor. die Mitglieder müssen gewerkschaftlich oder politisch organisiert lein usw. In der nach der Sitzimg am 12. November gehabten Aussprache haben wir dem Vertreter drS VolkSchors erklärt, daß die gemischte» Chöre nicht verpflichtet sind, an den gemeinsamen Proben teilzunehmen: die weiblichen Mitglieder sind nicht ver» pflichtet, einer Organisation anzngeböre». Jedoch halten wir es für selbstverständlich daß Sänger, die auf dem Boden der modernen Arbeiter» bewegung stehen, sich auch organisieren. Ferner haben wir erklär«, daß der BolkSchor als Mitglied des Arbeiter- SäiigerbiindeS vollständig unabhängig seine Oratorien und andere Chorwerke zur Ausführung bringen kann. Genosse Göhre ver'prach hierauf, in der demnächst stattfindenden Sitzung diese« dem Chore zu»nterbreiien und im» dann Bescheid zu geben. Da aber die Mitteilung ausblieb, stellten wir das bereits erwähnte Ersuchen um Aukschlnß, worauf eine anS» weichende Antwort einlief. AuS diesen Gründen heraus glaubten die Delegierten ber Generalversamniliing berechtigt zu sei», der dieser Tage mitgeteilten Reiolution znstimineu zu tolle». Auch ivlr überlassen es jedem denkenden Arbeiter, sich ein Urteil über die Sache zu bilde».' Genosse Göhre schreibt uns: »Auf die heutige Erklärung deS Genossen Zwanzig in Sachen Arbeiter-Sängerbund gegen BolkSchor stelle ich fest: 1. In der Novembersitzung deS BcreinSallSschiisses handelte eS sich um die Frage, ob der BolkSchor eine bürgerliche oder proletarische Organisation sei. Das war die Hauptsache: die Frage des AilschlusseS an den Bund kam erst in zweiter Linie. Auch kantete der Beschluß deS AktioiiSaiiSschiisseS dahin, am BegrüßmigSabend des PrciißeiitageS diesmal weder olkSchor noch Rrbeitcr-Sängerbiind mitwirken zu lassen. DaS klingt ganz anders als Genosse Zwanzig es darstellt. 2. In bezug auf die Frage ber Organisation der BildungSbestrebnngen scheint Genosse Zwanzig zu meinen, daß der Aibeiier-Säiigerbuiid die geeigneiste Zentralinstanz für sie olle sei. Andere Lcuic sind in dieser Beziehung etwa« anderer Meinung. Will der Arbeiier-Sängerbund zentralisieren, so hätte er damit unter den vielen kleinen Arbciter-Gesang» vereinen noch nächstliegende Arbeit genug. Er brauchte sich deshalb nicht an dem Volkschor zu reiben, der. wie ich darlegte, ganz andere Ziele Hot als er. Wenn Genosse Zwaiizig die Liedervorschrifieu des Arbeiter-Sängerbnndes als gering- tügige darstellt, scheint er selbst nicht eiuinal dessen Statut ordentlich zu keiine». Die Ersolge, die der Chor bisher errungen hat. waren jedenfalls nur möglich dadurch, daß er sich a u S» schließlich a»f seine spezielle Aufgabe konzenttierte. 3. Es ist längst bekaiint. daß bei der Gründung deS ChorS vor echs Jahre» einige bürgerliche Herren seine Mitglieder wurden, deren finanzielle Unterstützung damals sehr willkommen war. Seit zwei Jabren aber bat der Chor ein neiieS Statut, das den Zutritt solcher Mitglieder ausschließt. 4. Es ist unwahr, daß der Chor je Geld au« bürger» lichen Stiftungen erhalten hat: es ist deshalb auch unwahr, daß ich dies.zugegeben' haben soll.' Vorort- �aclmebten. Lichtenberg. Zur heutigen Stadtverordneteuwahl. Jetzt, bor einer Wahl hängen die bürgerlichen Herrschaften wieder das Mäntelchen der Beamtenfreundllchkeit um. Sie wissen ja, ihre Praktiken kommen nicht an die Ocffentlichkeit: vorstchtigerweise flüchten sie, wenn Be- oldungSfragcn nsw. auf der Tagesordnung stehen, innner in die geheime Sitzung. Weil unsere Genossen das doppelzüngig« Verhalten der bürgerlichen Stadtverordneten in sozialen Fragen durch namentliche Abstimmungen wiederholt festgestellt haben und gegen diesen Beweis kein Leugnen half, hat man die Geschäftsordnung geändert. Gerade die Behandlung der Beamten« und Lehrerbesoldungsvorlage seitens der Bürgerlichen, der sogenannten Beamtensreunde, bötedie beste Gelegenheit diese Herren zu ken»zeich»en. Wären wir nicht zum Stillschweigen verpflichtet, wahrlich, den Beamten und Lehrern würden die Augen übergehen über das Verchalte» ihrer.guten Freunde". Wie jene Herren die Wähler einschäyon. zeigt sich jetzt auch bei der Kandidaten- aufstellung. Während man bei der vorigen Wahl um die k a t h o- tischen Arbeiter zu lodern, in den für die Sozialdeniolratie tot- sicheren Bezirken einen katholische» Beamten als Kandidaten für die vereinigten Bürgerlichen aufstellte, hat man diesmal, weil ein Bezirk zur Wahl steht, welcher nach Ansicht der Bürgerlichen für sie besonders günstig ist, von der Kandidatur des kutho- tischen Herrn Thau Abstand genommen und dafür einen„höheren antiultramontanen Beamten" aufgestellt. Man hofft, mit diesem Herrn als Kandidaten mehr Beamtenftimnren einzufangen und die genasführten Katholiken glaubt man mit den nötigen nationalen Phrasen gegen die Sozialdemokraten einseifen zu können. Aus alle dem geht hervor, daß, wer sich nicht zum Mitschuldigen an dem vor- stehend gekennzeichneten, geradezu volksfeindlichen Vorgehen der bürgerlichen Mehrheit machen will, am heutigen Freitag, beti 4. Februar, feine Stimme abgeben musi sür den Vertreter der Sozialdemokratie, den Gewerkschaftsbeamten August Becker. Rixdorf. Vom GasvergiftungStode rettete gestern nachmittag um 3Va Uhr die hiesige Feuerwehr die Rohrleger Schüler u. Puhlmann von der städlis.nen Gasanstalt. Die beiden Männer besserten auf dem Grundstück Jägerstr. 73 unter dem Hausflur die Gasleitung aus und mubwn diese auseinander nehmen. Während sie in einem Schacht liegend arbeiteten, strömte so viel Gas aus, dah beide die Besinnung verloren. Zum Glück machte der starke Gasgeruch Haus- bcwohncr auf die schwere Gefahr, in der die Rohrleger schiveblen, au'merlsam. Sie holten die betäubten Männer aus dem Schacht heraus und riefen die Feuerwehr, der es nach vielen Mühen mit dem Sauerstoffapparat gelang, die Verunglückten in das Leben zurück zu rufen. Die Verunglückten wurden mit einem Krankenwagen nach dem Krankenhaus in Buckow gebracht. Charlottenbnrg. Ein Unglücksfall hat sich am gestrigen Nachmittag in der städtischen Ober-Realschule in der Guerickestraße ereignet. In der Turnballe fand für die zweite Klaffe in der Zeil von 2 bis 3 Uhr Turnunterricht statt, an dem auch der 12jährige Sohn Gerhardt des Knrfnrstendamm 241 wohnenden Kaufmanns Sturm teilnahm. Als der Knabe Hebungen an, Reck machte, verliehen ihn plötzlich die Kräfte, er stürzte von dem Gerät herab und blieb besinnungslos auf dem Fuhboden liegen. Der Verunglückte wurde nach der Unfall- stalion am Zoologischen Garten gebracht, wo der anwesende Arzt eine» doppelten Bruch deS rechten Armeö und leichtere Kontusionen am Kopf und an den Beinen feststellte. Nach Anlegung von Verbänden wurde der Schüler nach der elterlichen Wohnung über- geführt. Wilmersdorf. Aus der Stadtverordnetenversammlung. Nach einer Pause von vier Wochen hielt die Stadtverordnetenversammlung am Mittwoch wieder eine Sitzung ab. Die Schonzeit scheint nicht ge- reicht zu haben, denn eine ganze Reihe der Mitglieder fehlten entschuldigt und unentschuldigt; und einer der Herren lieh sich sogar bis zum Noveniber dieses Jahres dispensieren, weil er seinen Wohnsitz für diese Zeit nach Neubabelsberg verlegt hat. Mit Recht drückte der Stadtverordnetenvorsteher Dr. Leidig seinen Zweifel darüber aus. ob ein so langes Schwänzen angängig sei. Nach Erledigung der geschäftlichen Mitteilungen schritt die Stadtverordnetenversammlung zur Wahl verschiedener Äusschüffe. Dann stand weiter auf der Tagesordnung die Wahl je eines Sonderausschusses für die Vorberatung des OrtsstatutZ betreffend Ruhelohn urvii Hinterbliebenenversorguna der Feuerwehrleute, die Vorberatung des Ortsstatuts betresfend Unfallfürsorge für die städtischen Beamten, die Vorberatung des Gemeindebeschlusses be- treffend Annahme, Ausbildung usw. der Zivilanwärter, und end- lich die Vorberatung der Vorlage betreffend Festsetzung von Fluchtlinien für daS Fenngelände östlich des Wilmersdorfer Sees, das bekanntlich zum Staotpark ausgebaut werden soll. Wenn diese Sstlsschüsse nicht so arg den städtischen Interessen entgegen- arbeiten wie der ständig beschluhunfähige Ausschuh zur Vor- beratung der W e r t z u w a ch s st e u e r, dann ist zu erwarten. dah Wilmersdorf im Laufe dieses Jahrhunderts auch noch zu etlichen sozialpolitischen Leistungen kommt. Eine ausfuhrliche Erörterung rief die Magistratsvorlage be- treffend die Wahl einer Deputation für die Errichtung eines Krankenhauses hervor An der Hand eines weitschichtigen Materials setzte der Stadtverordnete Dr. Rosenberg aus- einander, dah das Verhältnis zwischen der Stadt Wilmersdorf und den Krankenhäusern des Kreises Teltow unhaltbar geworden ist. Beim Ausscheiden aus dem Kreise wurde Wilmersdorf zur Annahme eines Vertrages gezwungen, der die Stadt zur Zahlung von rund einer Million Mark jährlich verpflichtet, wovon IbSOlZl) Mark auf die Krankenhäuser des Kreises kommen. Hiervon hat Wilmersdorf im Grunde genommen gar nichts, denn selbst das Recht auf Belegung von 130 Betten in den Kreiskrankenhäusern, daS der Stadt zugebilligt wurde, ist von höchst problematischer Natur. Wie wenig die KrankenhauSverwaltung dies Recht re- spektiert, zeigte Stadtverordneter Slosenberg an verschiedenen Bei- spielen. Ein vom dritten Stock aus dem Fenster gestürztes Kind wurde nicht aufgenommen, weil dem unglücklichen Geschöpf kein Geld zur Hinterlegung mit auf den Weg gegeben war. Während der Verhandlungen über die Aufnahme starb das Kind. Auch einem Wilmersdorfer Eisenbahnarbeiter, der einen schweren Be- triebSunfall erlitten hatte, wurde die Aufnahme verweigert. Noch zahlreiche andere Beispiele führte der Berichterstatter an; im ganzen sind bis jetzt trotz des Vertrages etwa 200 Wilmersdorfer Kranke aus den Teltower Kreiskrankenhäusern abgewiesen worden. Herr Nosenberg beklagte sehr, dah die Stadt sich seinerzeit auf einen Vertrag vieldeutiger Natur eingelassen habe, der ihr keinerlei Rechte gab und der Bürgerschaft kaum irgendwelche Sicherheit in Krankheitsfällen bringe. Andere Stadtverordnete, so die Herren Dr. Heinitz und Dr. G r o ch t m a Ii n, nahmen daS Krankenhaus zu Groh- Lichterfelde in Schutz, und auch der Stadtrat Professor B e y- schlag glaubte auf die Gesundheitskommission verweisen zu müssen, an die man sich mit Beschwerden wenden möge. Einer Behauptung des Stadtverordnelen Dr. Grochtmann gegenüber be- stritt der Oberbürgermeister Ha Hermann, daß der mit dem Kreise abgeschlossene Vertrag das Krankenhaus nur zur Aufnahme von 60 Wilmersdorfer Kranken verpflichte. Wilmersdorf habe damals versucht, mehr als 130 Betten für sich zu reservieren sowie eine Bestimmung durchzudrücken, die die Stadt im Falle der Errichtung eines eigenen Krankenhauses vom Vertrag mit dem Kreise entbinde, doch habe der Kreis sich hierauf nicht ein- lassen Uwllen. Nachdem noch mehrere Stadtverordnete durch Hervorhebung verschiedener Beispiele die UnHaltbarkeit des gegen- wältigen Zustande» beleuchtet hatten, beschloß die Stadtverordneten- Versammlung, dem auf Wahl einer Deputation für Er- richtung eines Krankenhauses abzielenden Magistratsantrag zustimmen. Ohne Debatte nahm die Stadtverordnetenversammlung Magistratsantrag auf Einsetzung einer Deputation für die richtung eines Theaters an. Eingehend wurde ein Magistratsantrag auf Ankauf eines Grundstücks zwischen Kaiser-Allee, Waghäuselerstraße und Brinzregentenstraße erörtert. Das 35 397 Quadratmeter große Grundstück soll der Stadt mit Stempelgebühr, Koste» für Straßen- regulierung usw. auf 2056 250 M. zu stehen kommen. Von dem Gelände wird etwa der dritte Teil zur Erweiterung des Kee.- Süden Er- parks diefteft. Der Magistrat glaubt, daß die Stadt sich durch diesen Erwerb künftig einen großen Einfluß auf die Gestaltung der Bebauung am Seepark sichern werde. In der Stadt- verordnetenversammlung begegnete die Vorlage lebhaftem Wider- stand. Man hielt den geforderten Preis für viel zu hoch; etwas verdächtig war es allerdings, daß die Vertreter des Grundbesitzes überhaupt vor den Lasten warnten, die der umfangreiche An- kauf von Grundstücken der Stadt auferlegen müßte. Gegen eine starke Minderheit wurde schließlich die Angelegenheit einem Aus- schusse zur Prüfung überwiesen. Der von- uns in Nr. 27 veröffentlichte Bericht über die Säuglingsfürsorge der Stadt Wilmersdorf enthält einen Schreibfehler. Für die Verpflegung eines Kindes tagsüber sind nicht 20 Pf., sondern 30 Pf. täglich zu entrichten. Ter Pferdeomnibus in Wilnicrsborf. Magistrat und Ver- kehrsdeputation in Wilmersdorf haben die Errichtung von Pferdeomnibuslinien im Prcnzip genehmigt. Sie sollen zur Verbesserung des Nahverkehrs zwischen den Hauptveriehrs- Zentren der Stadt dienen; vor allem ist der Verkehr nach den künstigen Stationen der Untergrundbahn bei diesem Plan be- rücksichtigt. Treptow-Baumschulenweg. Die Generalversammlung des Wahlvereins ehrte vor Eintritt in die Tagesordnung das Andenken des verstorbenen Genossen Eber Hardt in übliclier Weise. Aus dem Geschäftsbericht, den der Vor sitzende Genosse Ehm erstattete, war ein erfreuliches Steigen der Mitgliederzahl der Organisation und eine größere Zunahme der Aboiinentenzahl des„Vorwärts" zu konstatieren. Die Zahl der Mitglieder stieg von 656 auf 812, eine Zunahme von 156; mäim liche Mitglieder 676, weibliche 136. Die„Vorwärls"-Leser stiegen von>344 auf 1555. ein Mehr von 211.— Ein Antrag, den alten Vorstand bis Juli weiter zu bestätigen, wurde mit geringer Mehrheit abgelehnt. Die Neuwahlen ergaben folgendes Resultat: erster Vor sitzender Ehm. zweiter Borsitzender Müller, erster Kassierer Mich als ki, zweiter Kassierer Haack, Schriftführer Krause und Jakob. Als Revisoren wurden Miekley, Haß und Liidke gr wählt, als Spediteure Gramenz und Hornig. Als Beisitzerinnen lehnten die vorgeschlagenen Genossinnen eine Wahl ab, dieselben solle» in der nächste» Moiiatsversammlung gewählt werden, ebenso die Lokalkonunissionsmitglieder.— Die nächsten Punkte der Tages ordnung wurden für die Vereinsveriammluiig zurückgestellt. Grunewald. I» dem vornehmen Billenort halten sich die Gemeindevertreter in ihrer letzten Sitzung mit einigen sür sie recht heilten Dingen zu beschäftigen. Zunächst wurde sür zahnärztliche Pflege der Schüler und Schnlerinnen der Gemeindeschule für das Jahr 1910 eine Summe von 500 M. bewilligt. Für die Versorgung bedürftiger Schüler und Schülerinnen mit Milch enthielt der Etatentwurf eben- falls einen Betrag von 500 M. Dieser wurde jedoch ge strichen, weil daS Bedürfnis dafür noch nicht ausreichend(I) begründet erscheint! Darüber, ob das BedüifniS tatsächlich vorhanden ist, sollen weitere Eimitte lungcn angestellt werden. Dem gleichen Schicksal verfällt ein im Etatsentwurf enthaltener Betrag von 2000 M. für Errichtung eines Asyls für Obdachlose, weil das Bedürfnis für ein solches nicht vorhanden sei und weil sich die voranssichilich sehr selten ein- tretende Notwendigkeit der Beschaffung von Obdach für Obdachlose in billigerer Weise befriedige» lasse. Die Unzuträglichkeiten durch Verunreinigung der Bürgersteige durch Hunde haben trotz nochmaliger Aufforderung der Hundebesiyer. ihre Hunde möglichst in ihren Grund stücken zu halten, keine Abnahme abzuweisen. Desgleichen kehren die Klagen über Belästigung und Gekläff von Hunden immer wieder. Aus all diesen Gründen billigt die Gemeindevertretung, die Steuer von jährlich 10 M. sür jeden ersten Hund auf 20 M. und für jeden weiteren Hund in jedem Haushalte von 20 M. auf 40 M. zu erhöhen. Sollte auch diese Matzregel nicht genügend wirke», so steht, ohne Rücksicht auf den Antrag auf weitere Steuererhöhung.' ein? Verfügung in Aussicht, der zufolge Hunde auf der Stratze an der Leine zu führen sind. Eventuell sollen auch.Hundebesitzer, die ihre Hunde, wie dies in Wirklichkeit üblich ist. statt innerhalb ihres Grundstücks ihre Nor dürft auf der Stratze verrichten lassen, in Polizeistrafen genommen werden. Der Etat der ordentlichen Verwaltung wird dann in Eim nähme und Ausgabe aus 1 l6l 000 M., derjenige der autzerordenb lichen Verwaltung auf 10 000 M. und der der Forstverwaltung auf >0 872 M. festgesetzt, so datz der Gesamtetat in Einnahme und Aus gäbe 1 18t 872 M. beträgt. Oder-Schöneweide. Achtung! Jugend. Umstände halber kann der Einzug in das neue Jug'ndheim Sonntag, den 6. d. M. nicht staltfinden. Wir besiiche» daher, unserem Programm gemäß, das Alte Museum. Treffpunkt 11'/, Uhr bei Rabe. Der Jugendausschuß. Mahlsdorf a. d. Ostbahn. Die Gemeindevertretung, welche dieses Mal wider Erwarten beschlußfähig war, beschloß einstimmig die zwangsweise Ein- gemeindung des Rittergutes Mahlsdorf, nachdem wiederholte Verhandlungen mit den Besitzern ergebnislos verlaufen waren. Das von der Kommission vorgelegte Ortsstatut betreffend die An- stellungs-, Besoldungs- und PensionSverhältnisse der Angestellten der Gemeinde Mahlsdorf wurde mit einigen kleinen Aenderungen angenommen. Abgelehnt wurde dagegen, an den Pensionsverhält- nissen des Gemeindevorstehers etwa» zu ändern. Es zeigte sich hier, daß dieselben Herren, welche den Gemeindevorsteher seiner« zeit angestellt haben, nicht einmal die PensionSsätze des von ihnen beschlossenen Anstellungsvertrages kennen. Dem Gemeindevorsteher wurde anheimgegeben, unter Vorlage dieses Vertrages der Ge- meindevertretung eine Vorlage zu machen. Bei dem Antrage deS Gemeindevorstehers auf Bewilligung von Geldmitteln zur Schaffung einer Wächterkontrolle wurde von unseren Genossen gerügt, daß der Wächter außer seiner Tätigkeit als alleiniger Nachtwächter für den ausgedehnten Ort noch am Tage vier Stunden und länger als Schreiber oder Ge- meindediener beschäftigt wird. Der Antrag wurde abge- lehnt, da die Kontrolle des Wächters schon hinreichend durch den Gendarmen ausgeführt wird. Der Volksbibliothek wurden 100 M. zum Ankauf von Büchern bewilligt.(Mitglied der Kom- Mission ist Genosse Käming).) Die Abtretung der Rechte unv Pflichten einer Anleihe zum Schulhausbau im Betrage von 8774,03 M. an den Schulverband wurde genehmigt. Dem Per- trage zwischen den Separationsgenossen zu Mahlsdorf, den Be- 'itzern des Rittergutes und der Landgemeinde Mahlsdorf betreffe»» die Uebereignung der gemeinschaftlichen Angelegenheiten auf die politische Gemeinde wurde zugestimmt; die Kosten des Verfahrens trägt die Gemeinde. Herzfelde. Eine gnt besuchte Volksversammlung folgte am Sonntag einein Bortrag des Genossen B ü h l e r über:„Neue Lasten des Volkes ohne Rechte." Eine Diskussion über daS eingehende Referat fand nicht statt. Pankow. Mit großen Hoffnungen tragen sich unsere bürgerlichen Gegner Ar die bevorstehenden Gemeindewahlen. Bekanntlich war es ihnen im vorigen Jahre unter dem Einfluß der damaligen bedauerlichen Vorgänge im hiesigen Parteileben gelungen, uns von den in unserem Besitz befindlichen 8 Sitzen(der gesamten dritten Ab- teilung) in der Gemeindevertretung 4 zu entreißen. Für diesmal hoffen sie nun nicht mehr und nicht weniger, als— alle vier in der dritten Abteilung zur Wahl stehenden Sitze einzuheimsen. Sie sind dementsprechend auch schon jetzt äußerst rege. Alle Unterschiede in wirtschaftlicher, partoipolitischer und sonstiger Beziehung sind ausgelöscht. Wenn man von den paar Demokraten absieht, so haben, wie im vergangenen Jahre so auch gegenwärtig, wieder alle bürgerlichen.Vereine, Klubs und sonstige Konventikelchen unter Führung des ReichsverbandeS— ivenn auch noch nicht frei und offen, so doch im Stillen und ohne Aufsehen— gegen uns mobil gemacht. Sogar eine funkelnagelneue Känipenschar hat sich zu- sammengefunden in einem sogenannten„Bcamtenwahlvercin", der sich offenbar berufen fühlt, der Pankower Sozialdemokratie den Gnadenstoß zu geben. Aber auch unsere Genossen sind am Werte. Sie sind sich bewußt, daß ihnen die Ehrenpflicht obliegt, das ver- lorene Terrain wiederzugewinnen; ebenso wissen sie. daß c» sich diesmal um ein ernstes Ringen mit einem nicht zu unterschätzenden Gegner handeln wird. Sie werden einen Stolz darin erblicken, die vier zur Wahl stehenden Mandate in der dritten Abteilung unserer Partei wieder zuzuführen und die hochgeschraubten Hoff- nungen der Bürgerlichen zuschanden zu machen. In der dritten Abteilung handelt eS sich um Ersatz- und Ergänz» ii gS wählen. Die Ersatzwahlen finden am 16. März in der Zeit von 11 Uhr vormittags bis 8 Uhr abends statt. Es stehen hier in den zwei Wahlbezirken j e ein Nichtangesessener zur Wahl. Die Ergänzungs- wählen werden am folgenden Tage, den 17. März, eben- falls in der Zeit von 11 Uhr vormittags bis 8 Uhr abends voll- zogen; in diesen beiden Wahlbezirken ist je ein Angesesse- ner zu wählen.— Die Wahlen zur ersten und zweiten Abtei- lung sind Ergänzungswahlen, dieselben finden sür die zweite Ab- teilung am 18. März von nachinitlags 1—7 Uhr, für die erste Ab- teilung am 19. März von nachmittags 4— 6 Uhr statt. Waidmannslust. Die in Hermsdorf tagende Generalversammlung des hiesigen Bezii kswahlvereins nahm den Berich! des Bezirksleiters Genossen Suscher entgegen. Im verflossenen Geschäftsjahr fanden fünf Mitglieder- und drei öffentliche Veriammliingen statt. Es konnte ferner eine er- freuliche Zunahme der Mitgliedcrcahl festgestellt werden. Den Bericht der Kasseiigeschäste, ivetckicr eine Einnahme von 462,79 M. gegenüber einer Ausgabe von 262.12 M. aufweist, gab Geuvsse Eng. AuS dein Bericht des Bibliothekars Genossen Brandt ist zu bemerken. datz unsere Bibliothek einen Bücherbestand von 148 Bänden aufweist und dieselbe von 98 Genossen in Anspruch genommen worden ist. Der Bericht der ZeitungSkommission wurde vom Genossen Blünrel gegeben. Unter dem Punkte PereinSangelegenheiten wurde ein Antrag des Genossen Hänsel einstimmig angenommen, welcher besagt, das Geschäftsjahr um Vz Jahr zu verlängern, damit es mit dem des Kreises zusammen endet. Die gesamte Bezirksleitung bleibt bis zur nächsten Generalversammlung, welche im Juni statifindet, in Flniklion. An Stelle des Genossen Nagel, welcher nach Berlin ver- zieht, wurde Genosse Hofmann-Hohen-Neucndorf als 1. Schriftführer gewählt. Zum Schluß sprach der 2. Bezirksleiter Genosse Lieboldt die Mahnung aus, auch ferner für eine rege Agitation Sorge zu tragen. Mnhlenbeck. Ja einer zahlreich besuchten Volksversammlung für Mühlenveck und Umgegend referierte am Sonntag im Mayerschen Lokal in Buchhorst Genosse Stadtv. Brühl- Lichtenberg über:„Wer regiert in Preutzen?" Nachdem der Referent den ganzen Jammer unserer preußischen Zustände ins richtige Licht gerückt hatte, ersuchte er die Versammelten, an dem Kamps für die Erringung des gleichen Wahl« rechts zum Landtag und zu den kommunalen Körperschaften regen Anteil zu nehmen In der Diskussion machten die Genoiien Käsehagen und Max Bruckmann die Mitteilung, datz den Mühlenbecker Genossen die Abschrift der Gemeindewählerliste verweigert worden ist. Es soll gegen diese wider den klaren Wortlaut der Miiiisterrede vom 1. März 1909 verstotzende Handlungsweise Protest eingelegt werden. Genosse W n tz k y forderte zur energische» Durchführung deS SchnapSboykotts auf. er wieS auf die Wichtigkeit dieses Beschlusses gerade für die ländlichen Gegenden hin. Nachdem einige Erschienene ihren Beilritt zum Wahlvcrein erklätt hatten. ersuckle der Vorsitzende die Versammelten, beim bevorstehenden Gemeindewahlkampf auf dem Posten zu sein.-......-— Notvatves.. Die Gehälter für die Gemeindebeamten sind in der letzten nicht- öffentlichen Sitzung der Gemerndevertrelung wie folgt festzesetzt: Baumeister und Rendant beziehen vom 1. April ab em Anfangs« gebalt von 3000 M. und nach 21 Jahren ein Endgehalt von 5000 M.; Sekietäre und Friedhossinspektor 2200 resp. 4200 M. nach 24 Jahren; Aisistenien. Klärmeister. Polizeiwachtmeister, Oberfeuerwehrmann 1800 resp. 3000 M. nach 18 Jahren; Porizeisergeanten 1400 resp. 2400 M. nach 24 Jahren; VollziehungSbeamre 1250 resp. 2200 M. nach 24 Dienstjahren und 26 M. Mankogelder neben der Tantieme für die Steuereinziehung. Die nicht mit Pensionsberechttgung be- schäfiigten Gemeindebeamten erhalten folgende Gehälter: Diatare 1080 M.. steigend alle 2 Jahre um 150 M. bis zum Höchstlohn nach 12 Jahren von 19sO M.; für die bautechnischen HiltSarbeirer erfolg« die Steigerung des Einkommens wie bei den Assistenten, für den Baukontrolleur wie bei den Polizeisergeamen. Die Hilfsboten erhalten statt 2 M. täglich 2,25 M., die Fried- bofsaufseher statt 1100 M. jährlich 1200 M. neben freier Wohnung. Das Grundgehalt deS Elektromaschinisten ist auf 1550 M. festgesetzt und steigt wie bei den Polizeisergaiiten; das Kleidergeld für letztere und für die VollziehungSbeamlen wird von 75 auf 100 M, das de» Polizeiwachtiiieisters und des Oberseuerwehrmannes von 75 auf 125 M. erhöht. ES sind für daS Rechnungsjahr 1910 im ganzen folgende Mehraufwendungen erforderlich: für die Besoldung zer mit Pensionsberechtigung angestellten Beamten 7023 M., für die Diätarie» 990 M.. für den Baukonlrolleur 200 M., für die Hilfs- boten 150 M.. für die FriedhofSaufseher 200 M., für den Elektro« Maschinisten 50 M., für Kleidergelder 375 M.. sür Mankogelder lOO M., hierzu die Witwenkassenbeilräge für die pensionsberechti- genden Diensteinkommen mit 42t M., in Summa 9514 M. Da den Lehrern die unterm 30. Juni 1909 gewährte Vorschntzzahlung nicht in Abzug gebracht wird, soll den Beamten und Hilfsarbeitern für daS laufende Rechnungsjahr ein Viertel der für 1910 in Aussicht genommenen BesolduiigSausbesteruiig als nichtpeusionSfähige Zulage gezahlt werden, was für das Rechnungsjahr 1909 den Betrag von 2273 M. erfordert. DaS GcwerkfchaftSkartell nahm in feiner letzten Sitzung den Jahresbericht entgegen. Es haben im ganzen 8l Sitzungen statt- gefunden; auch wurde eine rege Korrespondenz geführt. Einer Ein- »ahme von 1264,18 M. steht eine Ausgabe von 922.04 M. gegenüber. In den AuSschutz lvurden gewählt: Engel als erster Vor- itzender; Reinfeldt zweiter Vorsitzender; Förster Kassierer; Lamprecht Schristführer; als Revisoren Chmelik>md Schmidt. In den Jugend» ausschutz wurden die Gciioffen Grnhl, Torba, Wendorf, Degener, Doye und Dürre, und in die Lokalkommifsion Baate gewählt. Spandau. Eine von etwa 40V Frauen besuchte öffentliche Versammlung hörte am Dienstagabend im Böhlcschc» Lokal einen Vortrag der Genossin Frau Berta Lungwitz-Berlin über das Thema:„Die Finanzrcform im proletarischen Haushalt". In 1«/jlmidigcm anregenden Vortrage, welcher durch Beifallsstürme mehrere Male unterbrochen wurde, schilderte die Referentifl die Eindrücke, welche in den Prolctarierfamilicn, durch Einführiings der neuen Steuern hervorgerusen sind, besonders riefen die Tobak«, Kaffee-, Tee- und Streichholzsteuern, welche das Budget des proletarischen Haushaltes am meisten belasten, unter den Frauen grotze Eiilrüstuiig hervor. Die Referentin forderte zum Schlutz die Frauen auf, endlich mit dafür sorgen zu helfen, datz auch der Kreis Spaiidau-Potsdan,-Osthavelland nach den nächsten Wahlen im Reichstag sozialdemokratisch vertreten ist. Der Erfolg deS mit stürmischem Beifall auf- genommeiieii Vortrages war, datz sich nach der Versammlnng ein grotzer Teil der anwesenden Frauen in den Wahlverei» auf» nehmen lictz. Potsdam. Um die Rechtslage festzustellen, ob die Ende vorigen Jahres stattgehabten Stadtverordnetenwahlen beendet sind oder ob für einen Kandidaten, der zweimal gewählt ist, aber kein Mandat an- genommen hat, Ersatzwahlen vorgenommen werden müssen, braucht der hiesige Magistrat recht lange Zeit. Bereits zwei Stadt- verordnetensitzungen find darüber hingegangen, ohne dag die in Aussicht gestellte Anllvort erfolgt ist. Neben dieser Stellung des Magistrats verspürt die Versammlung selbst ebenfalls keine Lust zu einer Ansicht zu kommen, schon um die unnütze Aufregung einer Ersatzwahl zu vermeiden. Der Magistrat bezahlt die BerbandSbciträge für die Feuerwehr- leute, die auf seine Veranlassung wieder aus dein Verbände der Berufsfeuerwehrleute ausgetreten sind. Sie haben durch Vermilte- lung des Magistrats ihren Austritt melden müssen. Im ganzen sind zirka 200 M. gezahlt worden. Sonderbarerweise war dazu da. VevnriscKtes. Schwere Schiffskatastrophe. Ein betrübendes Swiffsunglück ereignete sich gestern abend beim Leuchtfeuer Steinsalz bei Gliickstadt. Wie aus Hamburg gemeldet wird, kollidierte der schwedische Dampfer„Annie' von Hamburg mit Stückgut nach Helgoland unterwegs, mit dem Segelschiff„Susanne". Dabei ertranken der Steuermann, Maschini st, Heizer und drei Mann der Besatzung vom Schiffe„Annie". Obgleich das Unglück vom Ufer aus gesehen wurde, konnte man keine Hilfe bringen, da es an jeglichem Fahrzeug fehlte, um nach der Unfall- statte zu gelangen._ Explosion in einer Düsseldorfer Gummifabrik. In der Pahlschen Gummi- und Asbestfabrik in Düsseldorf ereignete sich einer Melbnng von dort zufolge vorgestern mittag eine Explosion. Drei Arbeiter erlitten schwere, eine Arbeiterin leichtere Verletzungen. Die Explosion hatte einen größere» Brand zur Folge, der erst nach vierstündiger Arbeit durch die Feuerwehr gelöscht werden konnte. Der Kampf um eine Statue. Ein heftiger Kamps nm de» Besitz einer Statue hat sich, wie aus Rom geschrieben wird, zwischen der Stadt Mailand und Rom entsponnen. In Rom ist auf einem Grundstück der„Banca Com- merciale" eine künstlerisch höchst wertvolle Statue aus einer Niobiden- gruppe gefunden worden. Da die„Banca Commerciale* ihre Zentrale in Mailand hat, wollte sie die Statue dabin überführen und tat dies tatsächlich, während der Stadtrat Roms gegen die Ausfuhr de» Kunstwerkes Einspruch erhob. Das Gericht gab der Stadt Rom reckt»lnd ermächtigte sie, das Kunstwerk in Beschlag nehmen zu lassen. Zum Akte der Beschlagnahme begab sich, da leine Stellvertreter zurückgewiesen worden waren, der Bürgermeister Nathan selbst nach Mailand. Vor einigen Tagen wurde er am Hofe des Castello Sforzesco, wo die Statue auigestelll worden war, von einer dichten Schar von Studenten mit Schneebällen empfangen. Di« Studenten drängten sich so lümmelhaft um ihn herum, datz der Bürgermeister niederfiel. Erst da« Eingreisen der Carabinieri brachte die Bande zur Ruhe. Es wird allgemein bedauert, daß die Polizei, die bei ruhigen Arbeiterdemonstrationen und proletarischen Begräbnissen im Ueberfluß zur Stelle ist, diesmal ganz fehlte, ffo daß der Bürgermeister lange Zeit nur durch die Energie und körperliche Kraft des Genoffen Podrecca sich die RowdieS in guten Anzügen vom Leibe halten ko»nte. Die Unfrieden stiftende Statue wurde schließlich doch beschlagnahmt und wird nach Rom zurückgeführt werden. Mit Recht bemerkte Genoffe Podrecca einem Journalisten, daß die„Banca Commerciale' fast ausschließlich aus ausländischen Kapitalisten besteht. Sie konnte bei der nächsten Gelegenheit irgend ein imaginäres Angebot von einem paar Millionen vorschützen, um die italienische Regierung zu zwingen, die Statue für diese.Kleinig- jeit" anzukaufen. Grubenexplosion in Mexiko. Wie ein Telegramm aus Laredo lTexaS) meldet, hat sich in der Petroleumgrube Las EsperanzaS in Mexiko eine Explosion ereignet, bei der 68 Arbritcr, meist Mexikaner und Japaner, ums Leben gekommen sind. Tie Explosion wird darauf zurückgeführt, daß ein Bergmann trotz des bestehenden Verbots in der Grube eine Zigarette rauchte. Nach der Katastrophe. Wie eine Meldung aus Paris besagt, bessert sich die Lage im Weichbilde der Stadt ständig. I» Puteaux müssen infolge der Üeber- schweulmungcn fünftausend Arbeiter feiern. Mehrere Häuser drohen dort einzustürzen. In Alforiville haben fünfhundert Personen, die durch das Hochwaffer Vertrieben waren, ihre Wohnungen wieder bezogen. N» der Austerlitzbrücke betrug der Wasierstand um Mitter- nacht 7,3 Meter, was ein Sinken des Flusses um insgesamt l.SS Meter bedeutet. Aus den oberen Teilen der Seine und ihren Zuflüssen kommen weiter günstige Nachrichten. Auch die tclegraphi- schen und telephonischcn Verbindungen mit dem Auslände haben sich bedeutend gebessert. Seit Sonntag arbeiten 800 Mann an der Wiederherstellung der bei Villeneuve St. Georges unterbrochenen Strecke der Bahn nach Lyon. Man hofft, am Sonnabend den Verkehr in beschränk- tem Umfange wieder aufnehmen zu können. Erfroren. AuS Gleiwitz wird gemeldet: In der Dunkelheit geriet ein städtischer Arbeiter in einen Wassertümpel. Als er sich wieder herausgearbeitet hatte, blieb cr erschöpft liegen; gestern früh wurde cr erfroren aufgefunden. Einen fürchterlichen Unfall erlitt der Kutscher A. WolSky in Hannover. Er stürzte, als die Pferde unerwartet anzogen, so unglücklich unter seinen schwer bcladenen Lastwagen, daß das eine Rad auf seinem Körper stehen blieb. Die Feuerwehr mußte den Verunglückten dadurch befreien, daß der gesamte Lastwagen durch Hebebäume gehoben wurde. Der Kutscher Wolskh war bereits tot, als man seinen Körper mit vollständig zerquetschtem Brustkörbe unter dem Wagen hervorzog. Wetterprognose kür Freitag, den 5. Februar mo. Vorwiegend trübe mit stärkeren Schneefällen und ziemlich stische» südöstlichen Winden; Temperatur wenig veränderte Berliner W'etterbureau. WasserstandS-Nachrtchten der Landesanstalt für Gewässerkunde, mügeteilt vom Berliner Weltcrbureau. Wasserstand M e m e I. Tiim P r e g e l. Jnsterbura Weichsel, Tborn Oder, Ratibor , Krofien . Franburt Wa r l h e, Schrimm . SandSberg Neye, Vorvamm Elbe, Leinneritz , Dresden » Bardo , Magdeburg si q- beveulet Wuchs,— Fall. treiben.') Eisgang. «) Unierpegel.•) Eisstand, LUserm Genossen u. WieilungSsührer Ifsi'I Enders ZU(einem beutigen Wicgenjcste die herzlichsten Glückwimsche I 7l7SL vio punkIionSeo svr Zg.»dloiluiig eingegangene Druckfckriften. von der»Renen Zeit« tStuttgort, Paul Singer) ist soeben das IS. Heft de« 28. Jahrgangs erschienen. ES hat folgenden Inhalt: Hübbe und Genosseu.— Die Firma Karl Zeih in Jena im Lichte der Kritik. Von O. Günther(Jena).— Zur Lage im Ruhirevier. Von Heinr. tccrmann tGelsentirchen).— Milchfragen. Von A. LlpsiuS.— Notizen: ebenSmittclpreise und Löhne in Amerika. Von K. Kautsky.— Zeit- schristenichau. Feuilleton der.Neuen Zeit' Nr. 2ö und 2S: Bebels Denkwürdigkeiten.�. Der„MachlSmuS' und die materialistische Gcschichts- aussassung. Bon Friedrich Adler. Ein Bordcllroman. Von Karl Korn. Eine Biographie Schweitzers. Iii. Von F. Mehring.— Bücherschau: Bürgers Gedichte In zwei Testen. H>rweghs Werke. Chinesische Gedichte. Neugriechische Gedichte. Lose Blatter: Die Florabüste. Ein weiblicher Lassalle. B.t:>»eru»a«ni>erstNtt vom g. Februar«»1«». moraens 8 Iivr. •Jit! I|8? Bettet Swmemde 754©O Öambutg|761 ONO Berltv 1763 SD Franfl.aSR 751® München 755 S Dien 754 Still 3 Dunst 2 halb bd. 2 Schnee 1 tedeckt 1 heiler Schnee ws h h*i 1 0 0 — 1 —8 0 Ctattonen B» #11 1* Havaranva 759 SW( Ä bedeckt—3 Petersburg 770 SSW 1 bedeckt— 7 Scilla ilberdeen Part» 745 W 4 wolkig 741 WSW 1 Regen -i- rl- SteisMer«. verw. iisn. Am 1. Februar verstarb unser Kollege und Mitglied, der Stein- drucker 282/17 WcKsrä Fischer im Alter von 36 Jahren an der Lungenschwindsucht. Ehre feinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Freitag, den 4. Februar, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- Halle deS Reinickendorfer Kirch- Hofes, Humboldtstraße, aus stall vis Verwaltung der Filiale I. Tankfaguna. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die zahlreichen Kranz- spenden bei der Beerdigung unserer lieben Mutter, Schwieger- und Groß- muttcr pauHne Brunnert sagen wir allen Verwandten, Freunden und Bekannten unseren innigsten Dank vis trauernden Hinterbliebenen. aAi Hygi8n1scle~«�S: ■ Drogerie Zar ein ba, Wetnbergsweg 1, dir. a.Rvsemhaler Tor. Billigste Bezugsquelle! Versuch f. zur dauernden Kundschaft. !Von4SEU Gehrock-, Frack- od. Smoking- ff Tuch kammgam, nie glänz, werd., seid Klapp., 2 Anpr., feinst. Zut, auf Roßhaar goaib. Für gut. Sitz bekam gold. Medaille. Reiohh. Tuch- u.Buokskinlager. Besichtigung erbeten ohne Kaufzwg. Kein.Musterversand. R. Versuch führt/., dauernder Knndsch. Siehe a. Adreßbuch 1910, Teil l. Inserat Seite 552 unt. B. Lmlwig Engel, Prenzlauer Str. 23, II, AlcxanderpJ. Gegr. 1892. 10/18 KrÄri-Feslsi- Besitzer: Otto Ernert. SW., Krenzbergsiraße 48. Jeden Freitag u. Montag; Großer Frei-Tanz. Sonntag; GfOßef Ball. Säle, 80—500 Pers. sass.. 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Unbemit elte feilte, denen die Anlchaff"ng«kosttu zu hoch kamen. stopitei: ihre Hosen au«, damit sie den glei' en Umfang annehme» sollten, wie jene teueren, bi« Joachim II., Kurfürst von Brandenburg(gest. 1571), da« Tragen derselben mit der Androhung verbot, daß er isir jeden Fall der Zw widerdandliing jedem, den er mit solchem Kleidungsstück träft, das'elbe ausschneiden(assen würde. Eine solche Bf�rasiing trat auch in mehreren Fällen ein. Später kauten in Frankreich und Enaland neben de» weilen Lanahoieu die kurze» Rollhösen zur Geltung. Die jetzige Faffvn wurde unter dem Namen Pan'alvn« in der ftaujoitschen Revolutivnsieit 178» 17»») eingeführt. Vorher wurden Pluderhosen mit Puffen und Schlitzen und mit Bändern und Knövien geschmückte Beinkleider getragen. Den jeyiaen modernsten Anforderungen genüge» untere Modekünstier durch miweseutliche'Abweichungen binsi btlich de« Schnitt«. Die Firma Baer So. n läßt e« sich besonder« ange'egen lein, der jeweiligen Mode zu entsorcchen. Einem Wunsche au« ihrem nach Zehntausenden zählenden Abnehmerke.ie entiprechend, kündigt die Firma eine eigen irtige Veraiistaltnng an. Eine Hose»wo che ist e«, in der ans den immenftn Beständen an Beinkleidern, die anereiche» wurden, et va eine Armee der unruhig gewordenen Balkaiistaatcn einzutteiden, 10 000 Paar in der Zeitvom 5 bi« 12. Februar zum Verkaut gelangen. An Preiswmdigkeit ist die V re.ze de« Möglichen erreicht. Die Veranstaltung soll den Zweck haben, die großen Vorräte zu verrittzer». An« diesem Gnmde sind die Preise enorm herabgesetzt. Beachten Sie gefälligst da« morgig« Inserat. O o 0 o o o 0 o o o 0 o o o 0 o o o 0 o o o o 0 o o o oooOoooOooöOoooQPooOocOoooOoooCSocOcooOoooOoooOoooöooo IvMj eigareffe5-30�tti CWWD MI» i 9 Telephon: Amt VII, 8017. Billigste, bestsorllerte Eiukaufsquelle für Händler. Zigaretten, Zigarren und Tabake. Größte Niederlage von: O. A. Hane wacker, Hordhansen. -- 1 nur eckt In 10 Pfg.'Rollen. 1=3 5 Plg.« Stangen— und Tvist mit Kopf. 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Die Oölente und Vorsitzenden der Sektionen, Zahlstellen und Bezirke ersuchen wir hierdurch nochmals, ihren ganzen Einfluß aufzubieten, daniit in dieser Woche die„Grundsteine" mit dem darauf befindlichen Handzettel spätestens am Freitag zur Verbreitung gelangen, damit jeder Kollege— bei der großen Wichtigkeit der Versammlung-» von deren Stattfinden frühzeitig genug unterrichtet ist. 136/6* D. O. **4 »*** Zum 1. April 1910 hat die Morfer Kallgenoffenschast „Iben l" noch einige modern eingerich- tete Wohnungen, mit Wsnnmenressosgung und stets gebrauchsfertigem Bade versehen, in ihren neue» Hänsern, R i x d o r f. Brusen- dorscrstr. 2— 5 preiswert zu vermieten. Die Besichtigung der Woh» nungen kann jederzeit in oben genannten Häusern erfolgen. Gefl. Ansragen wolle man bitte an das Bureau Rixdorf, Weichseistr. 8 richten. Bauhandwerker- Krankenkasse f Up Beplln and Umgegend. Eingeschriebene Hilfskasse No. 118.— Bureau: C. 64, Stelnstrate 38 I Sonntag, den 13. Februar, vormittags 10 Uhr, bei Wilkc, Brunnenstraße 188: Ordentliche Generalversammlung. TageS-Ordnun g: 1. Jahresabrechnung, Revisionsbericht, Vorstands- und AuSschusibericht. L. Ersatzwahl des Vorstandes: ersten Vorsitzenden, zweiten Kassierers, cineS Beisitzers und vier Ersatzmiinner, Wahl des Ausschusses und vier Ersatz mktnner. a Wahl eine» HilsStasfiererS ssir FriedrichSbecg. 4. Innere Kasienangelegenheiteii. : Mitgliedsbuch legitimiert!■■ Die Versammlung wird pünktlich eröffnet. 38,1«_ Per Yoratand. I. A.- H. Metz ke. llu. Timmel SpeEisl-�rzt' für llsut- tnul Harnleiden. Prlnzenslr. 41, m'Ä.S,, 10— 2, 6—7. Sonntags 10— 12. 2— 4. Zentralverband der Lederarbeiter. Filiale 1 Berlin. Ctonntag, S. Februar, vorm. 1« Uhr. im Lokale deS Herr« Schmidt, Prinzen-Allee 33 i Mitglieder Uersammlung. TageS. Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Brltoknor über: DaS AnvaliditStSge'etz. 2. Abrechnmig beider Kassen vom 4. Quartal 1909 8. BerbandSangclegenhciten und Verschiedenes. 144/1 Zahlreiches und pünktliches Erscheinen erwartet_ Der Vorstand. Zentralverband der Handlungsgehilfen. Freitag, den 4 Februar, abends S Uhr. im Volkeliaase in Charlotten barg, Rofinenftr. 3: Vortrag d«S Reichstagsabgeordneten D. TtÜvKISN t „Was vtrlangtn die AanbluiigsgkiMtii vom Keichstag?" Zahlreichen Besuch erwartet Die Bezirksleitung. Fruchtweine kräftig and abgelagert 4, sind billiger, wohlschmeckender und nahrhafter als | Branntwein! {Johannlebeorwein, herb and sül!.> Heldelbeerwcln, herb and silß..1 Vi Flasche 80 Pt Stachelbeerwein, siiß...... I>/, a 35„ Himbcerweln, süß........ I Kirschwein, süß........) ,,.~ I Bronibcerwein, süß.......} /• Flasche 70 PI.( Erdbeerwein, süß........ J''" j[ Zu baben In allen Geschälten, welche unsere Waren führen!< Fruchtweine sind für Schankwirte zum Äassohänken aas dem Fasse sehr vorteilhaft; Schankwirte und Wiederverkäufor erhalten bedeatende Preisermäßigung. 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Heinemann, Schulstraste 71. 515b Klempner, tüchtige, auf Wannen verlang� Köpenickerstraste 27. 517b Im Arbeitsmarkt durch besonderen Druck hervorgehobene Slnzeigcn kosten SV Vf. die Zeile. Deutseber Buchbinder-Verband. Zahlstelle Berlin. DaS Personal der Buchbinderei- abteilung der Buch- und Stein- druckerei von Anten Rertlncttl, Bruiineustr. 10, hat, um die Anerkennung de» Tarifs zu erzielen, die Arbeit niedergelegt. Vor Arbcilsannahme und An- iertigung von Streikarbeit wird ge- warnt. 23/7» _ Die OrtSverwnltting. K rawattenleruen. immerwährende Heimbefchäftigung aus eigenen Fa- briken Planufer 23(Blücherplatz). Landsbergerstraste 00(Alexanderplatz). Achtung! Holzarbeiter Wegen Streik und Differenzen sind gesperrt: Knopf, und Perlmuttfabrik Hinze, Schinkestr. 8/9. Kammfabrit Riedel, Warschauer Straste 37/38 Nordd. Parkettfabrlt Hannover und deren Bauten. Sämltiche Bettiebe in den Orien Lncke!>w.>lde,Sonii»erfeld, Höchst. Gleichzeitig eriuchen wir die Kollegen aller Branchen der Holz- industrie das VernrittelungSbureau deS gelben.Handwerkerschutz» Verbandes' streng zu meiden. Die Orrsverwaltttag. Achtung! Kuuarbtittr! Wege» Streik in Luckenwalde sind folgende Bauten für Ein- set/cr gesperrt: Firma Billig: Charloitenburg, Terubiirgftr.IV. Firma Geuosienschaft» Luckenwalde: Charlottcnbnrg, SÄihlcbcnstr.AI. Bor B!aav«r»taad. Verantwortlicher Redakteur Richard Barth. Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th.«locke, Berlin. Druck u. Verlag:«orwärt«Vuchdruckrr-i u.«erlagSansiult Paul Singer � Co.. Berlin �7