N». 36. Moimements-Seckingungen: Abomiemenls- Preis pränumerando' Pierteljährl. SSO Ml., Mona». 1,10 Sffif,, wöchentlich 28 Pig. frei ins Haus. Einzelne Nummer 6 Pfg, Sonntags- »ummer uiit illustrierter Sonntags- Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- ?lbonnenienl: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post-ZeitungS« Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland Z Marl pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien. Dänemark, .Holland. Italien, Luxemburg, Portugal. Ruuiänien. Schweden und die Schweiz. CrfchtlDt Wich isCcr GlMtsss. Berliner Volksblnlk. S7. Jahrs. vi« siriertiimz- Gebühr ibcirägt für die scchsgcspaltcnc Kolonek- zellc oder deren Raum 00 Pfg., für politische und gewerlschastlichc Pereins« und Bersammlungs-Anzeigen EO Psg. „Kleine Hnzeigen", das erste(fcÜ- gedruckte) Wort 20 Pfg., jedes weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlaf- slcllcn-Anzcigen das erste Wort 10 Psg., jedes weitere Wort 0 Psg. Worte über lö Buchslaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis»Uhr nachmittags inder Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geosinct. Telegramm- Adresse: „Sczialdkiiwlirat lickll»". Zcntratorgan der fozialdemokrattfcbeii parte! Deutfcblands. Redahtion: SA. 68, Ltadenstrasae 69, Fernsprecher: Amt IT, Nr. 1983. Sonnabend, den 12. Februar 1910« 6jcpedit1om SA. 68, Lindcnetraaee 69« Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. Rechtlose! Gebt Antwort auf den Hohn der Mal/lreformlnge durch Maffenbesnch der Demonstrations-Uersammlnngen am Sonntag! Oer IRei(l)$ltöi}Zkr gegen das Reich Auf die Forderung der Beseitigung der Dreiklassen schmach hat der preußische Ministerpräsident mit dem Schand gesetz geantwortet, das eine Verschärfung der Ent� r ech t u n g bedeutet. Den stürmischen Ruf nach der end- lichen Verwirklichung der Rechtsgleichheit wagt Herr v. Bethmann init einem Angriff auf das einzige wertvolle politische Recht des deutschen Volkes zu de- antworten. Das R e i ch s t a g s w a h l r e ch t, die Grund- läge des Deutschen Reiches, hat in dem Manne, dem ein schlechter Wih des rachsüchtigen Bülow den Reichskanzler- Posten verschafft hat. einen abgesagten Feind und verbissenen Gegner. Der Mann, den sein Amt zum Schützer deu deutschen Verfassung machen sollte, konspiriert mit der preußische» Junkersippe gegen das deutsche Volk und sein Recht! Unsere Gegner werfen uns vor. daß unsere Ziele nur mit Gewalt verwirklicht werden könnten, denn freiwillig würden die heute Herrschenden doch nicht auf ihre Macht verzichten. Sozialdemokraten seien deshalb, wenn sie sich noch so sehr an die Gesetze hielten, doch Hochverräter, die auf den gewaltsamen Umsturz der Verfassung hinarbeiten. Nun wohl, wenn solche Logik gelten sollte, was i st dann Herr von Bethmann? Glaubt denn irgend jemand, daß die deutschen Arbeiter stumme Hunde seien, die deni Raube ihres wichtigsten Rechtes, der ersten Lebens- bedinguug ihres politischen und ökonomischen Daseins ruhih mit gefalteten Händen zusehen würden? Wer das Reichs- tagswahlrecht anrührt, der will den g e w a l t s a m e n U m- stürz, der ist kein Schützer der Verfassung, der ist ein , Hochverräter am deutschen Volke! I Herr von Bethmann hat vor den Geschöpfen des Geldsackprivilegs zu Haß und Verachtung gegen die Gewähl- ten des gleichen Rechts aufgehetzt. Wir wollen nicht ver- kennen, daß der Mann, dessen Leben sich aus Abhängigkeiten zusammensetzt, sich dabei in einer gewissen Zwangslage be- fand. Denn wer das Dreiklassenwahlrecht verteidigen mutz, wie dieser Minister, dessen einziges Aktivum die Gunst der Junker ist, der kann ja das gleiche Recht nicht anerkennen. Hier gibt es keine doppelte Buchführung. Entweder gibt man zu. daß der deutsche Arbeiter berechtigt und befähigt ist, seine Stimme bei der Entscheidung seines politischen Ge- schickes— und die ganze Existenz des Arbeiters hängt in erster Linie ab von dem politischen Einfluß, den sich seine Klasse erobert hat— in die Wagschale zu werfen oder man leugnet, daß der Arbeiter ein gleichberechtigter Staatsbürger ist. Ein drittes gibt es nicht. Deshalb ist jeder, der dem Arbeiter, sei es im Lande oder in der Kommune, sein Recht vorenthält, auch der Feind seines Rechtes im Reiche, ein Todfeind seiner Klasse. Mag er mit dem Munde tausendmal das Gegenteil beteuern, die schnöde Tat der Aufrechterhaltung des Rechtsraubes beweist seine wahre Gesinnung. Deshalb darf der Arbeiter keinem seine Stimme geben, der nicht immer und überall seine Gleichberechtigung anerkennt, denn er wählte dann einen, der ihn, wenn er die Macht hätte, auch im Reiche verriete, wie er ihn im Lande verrät. Was aber den preußischen Ministerpräsidenten von seinen Vorgängern unterscheidet, ist eben, das, daß er nicht einmal mehr den Versuch macht, skine Feindschaft gegen das Reichstagswahlrecht zu bemäntel/. Freilich, im Reichstag selbst hat dieser Reichskanzler, der dem Parlament des gleichen Rechts durch seine Teilnahmlosigkeit geflissentlich seine Mißachtung fühlen läßt, noch nicht den Mut gc- sunden, seine Ansichten zu vertreten. Aber vor dem Drei- klassenhaus hat er sich beniiiht, nach Kräften den Reichs- tag herabzusetzen in einer Weise, wie sie vorher höch- stens ein übermütiger Herrenhäusler gewagt hat. Viel Glück hat allerdings der Ungeschickte nicht dabei gehabt. Wenn er dem Reichstag einseitige Jnteressenpolitik vorgeworfen und dabei auf die Steuer- und Zollgesetzgebung hingedeutet hat, so hat er vergessen, daß er damit nur die- selben Parteien getroffen hat. die im Dreiklassenhaus die überwältigende Majorität bilden. Nur daß das gleiche Wahlrecht nach dem Wahrwort L a s s a l l e s auch die Wun- den heilen kann, die es schlägt, während daS Dreiklassenwahl- recht dem Volke auf immer jede Möglichkeit nimmt, seinen Willen durchzusetzen. Nicht gegen die U e b e l, die wahrlich nicht das gleiche Recht, sondern die Klassenherrschaft der Besitzenden den Besitzlosen zufügt, hat dieser Minister sich ge- wandt. Aber ioeil das gleiche Recht den Ausgebeuteten und den Unterdrückten das vornehmste Mittel der Gegen wehr ist. deshalb ist dieser Sachwalter der Junker und nur der Junker, ein so heftiger Gegner des Reichstags- Wahlrechts. s Wenn aber Herr v. Bethmann in seiner politischen Naivi- tät vielleicht der Meinung ist, das Eingeständnis seiner Feindschaft gegen das gleiche Wahlrecht im Reiche werde die Volksmassen vor dem Kampfe um das gleiche Recht im Lande abschrecken, so befindet er sich gründlich auf dem Holzwege. Es gibt nur eine wirkliche und verläßliche Sicherung des Reichstags Wahlrechts und das ist seine Durchsetzung auch für Preußen. Vom P r e u ß i- schen Landtage allein gehen immer und immer wieder die Angriffe auf die deutsche Verfassung aus, nur hier noch findet man den Mut. gegen das gleiche Recht zu hetzen. Kein Erwählter des gleichen Rechts darf das wagen; aber keine Debatte im Dreiklassenparlament ohne Bedroh- ung des Reich stagswahlrcchts. Herrn v. Beth- manns Rede darf nur die eine Wirkung haben, die Ar- bciter neuerlich zu belehren, daß der H i e b die b e st e V e r- t e i d i g u n g ist, daß das Wahlrecht im Reiche nur ver- teidigt werden kann, wenn es in Preußen erobert ist. Diese Lehre, die die Arbeiter aus der Rede ihres Feindes ziehen werden, sie wird noch eindringlicher durch den Beifall, den der Wahlrechtshatz des Ministerpräsidenten im Drei- klassenhaus gefunden hat. Herrn v. Bcthmanns Bekenntnisse blieben nicht die einzigen. Ihnen folgten am zweiten Tag der Wahlrechtsdebatte die Ausführmigen des Freiherrn v. Zedlitz. Der alte Reaktionär und Scharfmacher wittert Morgenluft. Herr v. Bethmann hat ihm Mut gemacht. Was der Ministerpräsident nur angedeutet, sprach sein Bruder im Geiste der Reaktion offen aus. Unverhüllt predigt er den UmsturzdcrReichsverfassung. Die Gleichberechti- gung der Arbeiter ist ihm der Gipfel der Ungerechtigkeit, die gleiche Stimme für Besitzende und Besitzlose der größte Unsinn. Mit zynischer Offonheit forderte er die Beibehaltung der Dreiklassenschmach, aber die Beseitigung des Rcichstagswahlrechts. Kein Mini st er protestierte gegen die Staatsstreichdrohungen: hatte ja auch Herr v. Bethmann kein Bedürfnis gehabt, gegen die Frechheit des Herrn v. Oldenburg ein Wort zu sagen. Aber stür- mischer Beifall der Konservativen belohnte Herrn v. Zedlitz. Im Reichstag müssen selbst die Konservativen ihre Feind- schaft gegen das gleiche Recht verbergen: im Landtag glauben sie solche Rücksicksten nicht nötig zu haben. Auf die Rede des preußischen Ministerpräsidenten, auf die Angriffe, die gegen die Grundlage semer Existenz gerichtet sind, darf die Antwort nicht ausbleiben. Die Arbeiter werden sie in ihren Versammlungen geben. Aber diese Antwort darf nicht die einzige bleiben. Der Reichstag hat das Wort! Preußen ist die Vormacht Deutschlands, hat stolz der Wortführer der Konservativen verkündet. Die Reden der beiden seelenver- wandten Reaktionäre Bethmann und Zedlitz zeigen, wie es gemeint ist. Der Verpreußung Deutschlands gilt es zuwehren, und dies kann nur geschehen, wenn Preußen politisch auf die Höhe gebracht wird, die der größte Teil des übrigen Deutschlands erreicht hat. Dreiklassenwahlrecht gegen Reichstags- Wahlrecht, so lautet der Ruf der preußischen Junker und ihrer Firmenträger, der preußischen Regierung. Das Reichstagswahlrecht an Stelle des Dreiklassenwahl- rechts, muß die Antwort der Vertretung des deutschenVolkes lauten. ver Gerichtstag über das Schandgcictz. Im DreiNaffenhause wurde am Freitag der Kommentar zu der kurzen, aber eindrucksvollen Begrüßung gegeben, die dem Major v. Bethmann am vorigen Tage zuteil geworden war. Genosse Ströbel unterzog sich der Mühe, vor dem Hause der Geldsackserkorencn alle jene Gründe darzulegen, die die Beseitigung der Dreiklassenschmach und die sofortige Abschlachtung des Bethmannschen „Reform-scheusals erfordern, in aussührlicher Rede dar- zulegen. Das Proletariat und alle freiheitlich gesinnten Kreise des preußischen wie des deutschen Volkes kennen die Gründe. Es war darum aber eine nicht weniger verdienstvolle Arbeit, sie auch den Junkern und Junkergenossen vorzuführen. Selbstredend gibt sich niemand der Hoffnung hin, mit Gründen den politischen Eigennutz und mit Logik das nackte Machtintereffe be- kämpfen zu können. Eine herrschende Klaffe hat auf ihre Vorrechte noch nie freiwillig verzichtet. Und von der borniertesten und scheusäligsten aller Aristokraien, dem preußischen Krautjunkertum, einen solchen Verzicht zu erwarten, ist höchstens einmal in der Blütezeit der Bülowpaarnng dem allervertrauensseligsten Liberalen im Traume beigefallcn. Nicht ein Ueberredungsversuch, sondern eine Kriegserklärung war die Rede StröbclS. Eine Kriegserklärung an die Junker, aber auch eine Aufforderung an alle bürgerlichen Parteien, denen eS einigermaßen ernst um eine einigermaßen ernste Reform zu tun ist, ihre Aufgebote mit dem Heerhaufen des Proletariats zu einer unWider st eh« lichen Wahlrechtsphalanx zu vereinigen. Der Rede Ströbels folgte noch eine kurze, aber anerkenucnSwcrt scharfe Rede deS Polen K 0 r f a n t y, dessen richtige Charakterisierung des Majors von Bethmann den Bize-Kröcher P 0 r s ch in die Kosten eines Ordnungsrufes stürzte. Voraufgegangen waren den eindringlichen Ausführungen StröbclS drei Reden, deren mittlere allerdings selbst bei wohlwollendster Be- urteilung kaum unter den Begriff einer Rede zu bringen ist. Es sprachen Herold vom Zentrum, der Minister von M 0 l t k e und Octavio von Zedlitz, der sattsam Bekannte. Herr Herold ist in seiner Art eine intcreffante Erscheinung, der den Ultramontanen, den Agrarier und doch auch den Demokraten in seiner Person vereinigt. Ein Westfale, der den gesunden Ab- neiguiigSinstinkt seiner Heimat gegen ostclbischeS Junkertum hegt, scheint er es in seiner Weise ehrlich mit der Forderung der Uebertragung des Reichstagswahlrechts auf Preußen zu meinen. Freilich soll die Beibehaltung der schnöden ungerechten Wahlkreiseinteilung — dieses preußischen Gegenstücks zu den verrotteten Wahl- flecken Englands vor der ersten Reformbill— im Verein mit der lieben Geistlichkeit und der verkirchlichten Volksschule dafür sorgen, daß das Zentrum auch bei einem demokratisierten Wahlrecht seine Machtstellung behält. Höchstens ein paar KonzessionS- sitze will der agrarische Zentrumsdemokrat aus Westfale« den Industrie« bezirken zubilligen. Aber dem sei, wie ihm wolle: Wenn das Zentrum wirklich daS ReichStagswahlrccht auf Preußen ausdehnen will, wird es die Sozialdemokratie bis zu dieser Wegstation des politischen Fort- schreitens an feiner Seite finden. Freilich: die Beflissenheit, mit der sich durch Herolds Mund das Zentrum zur positiven Kom, misstouSarbeit bereit erklären ließ, wird die skeptischen Zweifel an der Wurzelcchtheit des zentrümlichcn WahlrechtSeisciS nicht eben zum Schweigen bringen. lieber M 0 l t k e, den Minister des Innern, läßt sich nicht all» zuviel sagen. Moltke verdient BethmannS und Bethmann MoltkeS Kollege zu sein. Höchstens ist der Sinn für unfreiwillige Komik bei Moltke noch stärker ausgeprägt. Den nnttelständischen Bedenke» gegen die Bevorzugung der Unteroffiziere begegnete er mit dem Ein- wand: Man dürfe doch nicht zu viel Elemente in die 2. Klaffe schieben, um die Arbeiter in der 3. Klaffe nicht zu isolieren! Wahr- scheinlich fürchtet der große Zivilstratege, daß die Arbeiter sich dort sonst zu einsam fühlen. Eine Scharfmacherleistung allerschlimmstcn Genres war die Rede des Freikonservativen v. Zedlitz. Der Herr scheint sich wieder einmal bei den oberen Regionen in Empfehlung bringen zu wollen, auf daß ihm die Frommen im Lande seine Ehe mit der geschiedenen Frau verzeihen und er bei der nächsten Ministervakanz endlich einmal Berücksichtigung findet. Herr Maximilian Harden, der für die brutalsten Kraut- und Schlotjunker wie Oldenburg und Kirdorf schwärmt, glüht auch für Herrn Octavio v. Zedlitz, dem er die Eigenschaft, der klügste deutsche Taktiker seit Miguel zu sein, nachredet. Bon dieser Klugheit des alten schlauen Fuchses ist in der Freitags» rede nichts zu spüren gewesen. Die offen bekannte Tod» feindschaft gegen das Reichstagswahlrecht schreibt einen Kommentar zur Oldenburgiade, den auch der geschickteste junkerliche Tintenkuli nicht wird weglügen können, und mit der ernsthaften Wiederholung deS wahnwitzigen Vorschlags, für die Städte geheime und für das Land öffentliche Wahl einzuführen, hat Herr v. Zedlitz, wenn anders Lächerlichkeit tötet, den Ruf eines ernsthast zu nehmenden Politikers wohl selbst bei den hysterischen Jungfern männlichen und weiblichen Geschlechts auf immer verwirkt. Am Sonnabend wird voraussichtlich Gustav Nathaniel Malkewitz, der bürgerliche Konzesstonsschulze der Landtagsjunker, den Neigen der Redner zweiter Garnitur eröffnen. ver Vahlrechtsilampf. Die Drohung mit dem Polizeisäbel. Durch die bürgerliche Presse geht das Wahlrechts- demonstrations-Fieber. Zahlreiche Preßscharf» macher sind am Werke, die Polizei zu blutigen Taten auf- zureizen. Die„National-Zeituug" malt den„Straßenkampf" an die Wand,„Kreuzzeitung" und„Reichsbote" fordern die „rücksichtslose Energie" und das letztere Blatt hat gar die Unverschämtheit, zu schreiben, daß erst neulich einige Male größere Horden lärmend und stehlend durch die Straßen gezogen seien, und die Polizei werde am kommenden Sonn- tage nur ein um so wachsameres Auge auf etwaige„spontane" Taten haben müssen.(Die Unverschämtheit dieser Insinuation ist um so größer, als dem frommen Blatte, dem das Gebot „Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten!" offenbar veraltet erscheint, sehr wohl weiß, daß jene Bande unreifer Burschen, die neulich auf ihrem Wcgo ausgestellte Obstkörbe geleert und ihren Inhalt teils gemaust, teils auf die Straße gestreut hat. aus Elementen bestand, die wir gute Patrioten nennen könnten, wenn wir die schmutzige Kanchfcsweise doZ„Rcichsbo�n" nachahmen wollten. Jene Burschen hatten nämlich vor VerÜbung ihrer Heldentaten einen mit Musik marschierenden Truppenteil z u r K a s e r n e geleitet!) „Kreuz- Zeitung" und„Ncichsbote" bringen überdies Aufforderungen an die„ a n st ä n d i g e n B ü r- g c r". anr Sonntag von der Straße fernzu- bleiben, damit sie nicht in Gefahr kämen! Die„an- ständigen Bürger" brauchen natürlich nichts für ihre kostbare 'Haut zu fürchten, sofern die Auftraggeber der Polizei ihr vernünftiges Verhalten zur Pflicht machen! Die Arbeiter Berlins haben nicht die Absicht, die öffentliche Sicherheit zu gefährden. tveshalb die Wutausbrüche der scharfmachenden Reaktionsblätter sie auch sehr kalt lassen. Die Sicherheit der Straßen wird nicht g c- sährdet werden, wenn die Polizei sie nicht st ö r t! Gleichzeitig kommen Meldungen, daß V c r s a m m- l u n g e n unter f r c i c m H i m m e l und Umzüge den sozialdemokratischen Organisationen, die uin polizeiliche Ge- nehmigung nachsuchten, verboten wurden, So hat der Polizeipräsident zu Frankfurt a. M. eine für den Sonn- tag in, Tivoligarten geplante Volksversammlung unter freiem Himmel wieder einmal verboten mit der„Begründung", es sei nach den in der letzten Zeit in sozialdemokratischen Ver- sanimlungen gemachten Erfahrungen die Befürchtung begründet, daß nnt der Abhaltung der Versamm- lung unter freiem Himmel Straßendemonstrationen verknüpft sind, die geeignet sind, die öffentliche Ordnung und Sicherheit zu ge- fäyrden. Die Fraukfurter Genossen haben darauf für Sonntag in 20 Sälen Versammlungen einberufen. Der Soziademokratische Verein zu Magde- bürg hatte die Genehmigung zu einem Umzüge durch d i e Stad t im Anschluß an die Wahlrcchtsversammlung am Sonntag nachgesucht unter ausdrücklicher Uebernahme der Verantwortimg dafür, daß weder der öffentliche Ver- kehr noch die Sicherheit von den an dem Umzüge Beteiligten gestört werden würde. Das Gesuch wurde abschlägig beschieden mit der Begründung, daß der Umzug bei der zu erwartenden regen Beteiligung eine derartige Ansammlung von Menschen herbei- führen werde. daß Gefahr für die öffentliche Sicherheit zu befürchten sei. Ebenso erging cS den Waldenburger Genossen, die für Sonntag eine S t r a ß e n d e m o n st r a t i o n polizeilich angemeldet hatten. Der Bescheid des Bürgermeisters lautete: „Durch die Leranstaliung eines solchen Umzuges als Kund- gehung gegen das bestehende Wahlrecht resp. die von der könig- lichen Regierung eingebrachte WahlrcchtSvorlage ist eine große Gefahr für die öffentliche Sicherheit zu befürchten, zumal' solche Demonstrationen in den der Sozialdemo- kratie abgeneigten Kreisen der Bevölkerung mit großer Erbitterung aufgenommen werden. Ausschreitungen und Reibungen der ver» schiedenen politischen Parteien der Bevölke« rungSschichte», Tumult und Verletzungen wären sich zu erwarten. Im übrigen haben die im vorigen Jahre seitens der sozialbemokratischcii Parteileitung Hierselbst ohne polizeiliche Erlaubnis veranstalteten Umzüge, bei denen eS zu er- heblichen Störungen der öffentlichen Ruhe und Sicherheit ge- kommen ist, und die am letzten Sonntag in Breslau stattgehabten Krawalle hinlänglich bewiesen, wie gefährlich derartige Aufzüge und Demonstrationen der sozialdemokratischen Mafien für die wirtschaftliche Ordnung und Sicherheit und für die Verkehrs- Verhältnisse sind." Hier wird also wieder das feine Argument angewendet, daß die nichtsozialdemokratische Bevölkerung durch sozialdemo- kratische Demonstrationen zu Gewalttätigkeiten angereizt werde. Merkwürdig, daß sich daS noch nirgends gezeigt hat, wo sozialdemokratische Demonstrationen stattgefunden. Weder dort, wo sie in i t p o l i z e i l i ch e r E r l a u b n i s vor sich gingen, wie seinerzeit in Dresden und erst vor kurzem in Elsaß-Lothringen, noch dort, wo sie wider den Willen der Polizei unternommen wurden. Die Demonstranten- sind niemals aus der Bevölkerung, sondern stets nur von der Polizei angegriffen worden! Und wo sie nicht angriff, sind die Demonstrationen stets ohne die g e r i n g st e S t ö r u n g der öffentlichen Sicherheit verlaufen! In Stettin hat das Polizeipräsidium die Erlaubnis für zwei große Versammlungen, die die sozialdemokratische Or- ganisation auf öffentlichen Plätzen abhalten wollte, ver» weigert. Auch hier ist augeblich Gefahr für die öffentliche Ruhe und Sicherheit zu befürchten.— Die Genossen haben nun neun Protestversammlungeninden größten Sälen der Stadt und Umgegend einberufen. Aus Breslau wird uns vom 11. Februar depeschiert: Polizei». Regier nngS» und Oberpräsident hielte» heute eine Konferenz ab zur Beratung von Maß» nahmen gegen WahlrechtSdemonstrationen. Die„SchlesischeZeitung" kündigte fälschlich Demonstrationen für Sonntag an. Die Polizei scheint demnach stellenweise schon recht nervös zu fein. Das läßt auch eine Meldung auS Essen erkennen. Dort tagte am Donnerstagabend eine von den Demokraten cinberusene Wahlversammlung, die von 3500 Personen, darunter von mehr als 3000 Sozialdemokraten besucht war. Obwohl durchaus nicht die Absicht bestand, der um'/z12 Uhr endigenden Versammlung einen Dcmonstrationszng folgen zu lassen, nahm die Polizei dies doch an und sperrte durch cm Schutzmannsaufgebot vo» 300 Mann die gesamte innere Stadt ab. so daß selbst Fremde nicht zum Bahnhof kommen konnten. Nur der Ruhe und Be- sonnenheit unserer Genossen ist eS zu verdanken, daß dies unglaubliche Vorgehen der Polizei ohne ernste Folgen blieb! Das Proletariat wird auch am Sonntag Ruhe und Be- sonnenheit beweisen. Die Wahlrechtsvorlage im Hanauer Rathause. Im Hanauer Stadtverordnetenlollegium haben die Sozialdemokraten einen DringlichkcitSantrag gestellt, beim Preußischen Abgeordnetenhaus um Ablehnung der Wahlrechtsfrage zu petitionieren und den Ria- gistrat zu ersuchen, diesem Antrage beizutreten. Die Dringlich- keit wurde abgelehnt und zwar von allen außer den sozial- demokratischen Stadtverordneten. Auch die Freisinnigen haben also gegen die Dringlichkeit gestimmt nnd dadurch die Be- fchlußfassung vereitelt._ flach huthessilchem Mutter! Im Reichstag kam eS gegen Schluß der Sitzung noch zu einem äußerst lebhaften Nachspiel des Falles Oldenburg. Zunächst waren in der Diskussion über die einzelnen Etatstitel von den Genossen Zu beil. Stücklen und Schöpflin Beschwerden über die Belästigung und drakonische Bestrafung b'on Reservisten und Lanöwehrleuten bei Kontrollversanimlungeii zur Sprache gebracht worden. Eine vom Zentrum ausgehende und vom Abg. Nacken befürwortete Resolution, daß künftig nur eine Kontvoll- vcrsaminluug jährlich stattfinden sollte, wurde denn auch gegen die Stimmen der Konservativen, der Rcichspartei und der Nationalliberalm angenommen. Beim Kapitel 35(B i l d u n g s w e s e n) verlangte Genosse E m m e l, daß die Offiziere und Soldaten auch im Ver- sassungswesen und über die Grenzen des militärischen Gehör- sams unterrichtet werden. Zeige doch das Beispiel des Herrn v. Oldenburg und selbst deS Kriegsmiuistcrs. wie nmngel- hast dieser Unterricht sein müsse, da diese beiden militärischen Kapazitäten eine bedauerliche Unkenntnis der den Offizieren durch die Verfassung und die Strafgesetze gezogenen Schran- ken verraten hätten. Während dieser Ausführungen ver- suchte es der amtierende Vizepräsident Spahn wiederholt. dein Genossen Emmel das Eingehen auf die Oldcnburgerei als nicht zum Punkte der Tagesordnung gehörig unmöglich zu machen, doch gelang es Emmel, stets den Zusammenhang mit dem Bildungswesen zu finden. Ter Kriegs m i n i st e r glaubte sich dadurch aus der Affäre ziehen zu können, daß er im Tone der Erhabenheit erklärte:„Jchlehne es ab, auf die Angriffe einzugehen." Nunmehr verlas Genosse Ledcbour wörtlich die Stelle in der Rede des Kriegsministers, in der er ganz im Sinne der uachherigeu Ausführungen des Herrn v. Oldcn- bürg erklärt hatte, es sei gut. daß die Offiziere nicht den Eid auf die.Verfassung geleistet hätten, das hätte„in vielen Schwierigkeiten des Vaterlandes zum Segen gereicht." Ledebour stellte dem eine Kabinettsorder Friedrich Wil- Helms III. auS dem Jahre 1799 gegenüber, in der ausdrück- lich betont wird, die Offiziere und vsoldaten ständen im Brot der Bürger. Er stellte dann die präzise Frage an den Kriegsminister, ob er etwa, mit jenen«Schwierigkeiten" die Auseinandersprengung der preußischen Na- tionalversammlung durch König Friedrich Wilhelm IV. gemeint habe oder welches sonstige historische Ereignis. Auch diese Auseinandersetzungen mußten im be- ständigen Kampf mit dem Vizepräsidenten Spahn vorge- bracht werden. Der Kriegsminlster General v. Heeringen kam darauf mit der allgemein verblüffenden Enthüllung heraus, er habe mit jenen Schwierigkeiten nur an Vorkommnisse in seinem Heimatlande K u r h e s s c n gedacht. Ledebour nagelte den amtierenden Kriegshelden auf dieses unglückliche Eingeständnis fest, indem er unter lebhafter Zustimmung darauf hinwies, daß das Volk Kurhessens unter dem niederträchtig st en Machthaber in Deutschland gelitten habe. Herr Spahn erklärte, man dürfe auch„verstorbene Fürstenhäuser" nicht niederträchtig nennen. Ledebour schloß dann mit den Worten:„Ich kann nur wünschen, daß die Parallele noch weiter geht und daß die Machthaber in Preußen, die sich beikommen lassen sollten, das preußische und deutsche Volk ebenso zu behandeln wie die Machthaber in Kurheffen das hessische, daS nämliche Schicksal.erleidcn wie diese Verfasiunqsbrecher I" Trotzdem Ledebour den Kriegsminister ausdrücklich auf- gefordert hatte, nun auch die bestimmten Fälle aus der kurhessischen Geschichte zu nennen, die er im Auge gehabt haben wollte, als er davon sprach, die Nicht- beeidigung der Offiziere habe dem Vaterlande zum Segen gereicht, verharrte Herr v. Heeringen in hilflosem Schweigen. yerr v. Oldenburg und fein russischer cehrmeitter. Die unverschämte Provokation des Herrn von Olden- burg-Januschau im Deutschen Reichstage weist eine so frap- pante Aehnlichkeit mit den Exzessen der cchtrussischen Pogrom- Helden in dem russischen Junkerparlament aus, daß man sich unwillkürlich dieselbe Frage vorlegen muß, die Professor Delbrück jüngst aus Anlaß der wohlwollenden Haltung des preußischen Finanzministers zu den Steuerhinterziehungen der Junker in den„Preußischen Jahrbüchern" gestellt hat: „Leben wir in Preußen oder leben wir in Rußland?" Trotz des Unterschiedes der historischen EntWickelung und des poli- tischen und sozialen Milieus tritt der gemeinsame Charakter der Preußen und Rußland beherrschenden Junkerkaste, die Gemeinsamkeit ihrer Ziele, und Kampfesmittel in den jung- sten Ereignissen mit so greller Deutlichkeit hervor, daß man die Frage des konservativen Gelehrten und Politikers als treffende Charakteristik der prcußisch-dcutschen Zustände be- trachten muß. Als interessaute Ergänzung zu der so deutlich hervor- tretenden Seelenverwandtschaft der preußischen und russischen Junker dienen die Reminiszenzen, die der frühere Gehilfe des Vorsitzenden des cchtrussischen Pogromitenverbandes und jetzige Duinaskandalist Purischkewitsch aus Anlaß seines vor- jährigen Besuches des Deutschen Reichstages in seiner Zeit- schrift„Brjamoi Putj" veröffentlicht. Es war«ein Herr- sicher Julitag", als Herr Purischkewitsch(der damals gerade einen Leitartikel in der„Krenzzeitung" abgelagert hatte), den Reichstag aufsuchte und sich auf jede Weise bemühte, irgendwelche Bekanntschaften zu schließen. Er wollte schon nach vielen fruchtlosen Versuchen abziehen, als sich einer der Diener seiner erbarmte und ihm seine Karte abnahm.„Nach etwa 20 Schritten"— so erzählt Herr Purischkewitsch— „verschwand mein Virgilius hinter einer Tür und kehrte nach weniger als einer Minute in Begleitung eines stattlichen, schönen, bejahrten Mannes von militärischer Haltung zurück, der sich mir als Graf Oldenburg vorstellte. Es wäre kaum statthast, wenn ich auf den Seiten des„B. Putj" alles Schmeichelhafte anführen würde, was ich wegen meiner Per- son von meinem neuen Bekannten vernahm. Kurz gesagt: obgleich ich in den Reichstag an einem Tage geraten war. wo seine Fraktion äußerst angestrengt zu arbeiten hatte(es wurde wohl gerade die Finanzreform durchgepeitscht! D. R.), genoß ich nicht nur im Verlauf einer Stunde die bezauberndste Freundlichkeit des Herrn von Oldenburg, sondern wurde auch von ihm, nachdem ich auf der Tribüne einen Platz unmittel- bar neben der Loge des deutschen Kaisers angewiesen er- halten hatte, in alle Einzelheiten der Arbeiten des Reichs- tages und der Gruppierung und Zusammensetzung der Par- teien eingeweiht.— Nachdem Graf Oldenburg mich noch mit einigen seiner Fraktionskollegen(von Treuenfels, Graf Finck von Finckenstein und einigen anderen Herren, deren Namen ich vergessen habe) bekannt gemacht, verließ er mich und stieg zu seinem Platz in den Saal hinab." Es ist kaum anzunehmen, daß Purischkewitsch, der mit der„Kreuzzeitung" in so intimen Beziehungen steht, ei» falsches Bild von seiner Begegnung mit Herrn von Olden- bürg(den er beharrlich„Graf" tituliert) gegeben hat. Andererseits wird Herrn von Oldenburg kaum unbc- kaimt gewesen sein, daß er eine der widrigsten Gestalten aus der Mördergarde des Zaren vor sich hatte, einen Mann, der jahrelang im Verein mit Dr. Dubrowin die Tätigkeit de. PogroniisteuvcrbandcS geleitet hat und mitschuldig ist an dessen Verbrechen und Scheußlichkeiten, einen Mann, der mehrfach wegen Beschiiiipfungen der Duma von den Sitzun- gen ausgeschlossen wurde und allgemein, selbst in der dritten Duma als Schandfleck angesehen wird. Aber freilich— für Herrn von Oldenburg und seine Faktionskollegen war er der konsequenteste Verteidiger des„monarchischen Prinzips" und der Unantastbarkeit der Junkerprivilegicn, der grimmige Feind jeden Fortschritts und der Apologet des Staate streiches in seiner brutalsten Form— und das garantierte ihm die schmeichelhafte Anerkeunuug und die„bezauberndste Freundsichkeit". die Herr von Oldenburg seinem russischen Gesinnungsgenossen entgegenbrachte. politifcbe(leberfkkt. Berlin, den 11. Februar 1910. Koalitionspläne? Wie der„Berl. Lokalanz." erfahren haben will, ist im Mgcordnetenhause bereits eine f e st e M e h r h e i t. bestehend aus Konservativen, Freikonservativcn und Nationalliberalen, für die Beseitigung der Drittelung in den Urwahlbrzirken und deren Ersetzung durch Drittelimg in den Wahlkreisen vorhanden. Wir vermögen an diese Meldung nicht zu glauben: denn ein derartiges Vorgehen der Konservativen liefe auf eine bc- wußte scharfe Brüskierung des Zentrums hinaus. Wahe scheinlich soll dem Zentrum nur ein nationalliberaler Wink mit dem Zaunpfahl erteilt werden, daß es auch ohne seine Mitwirkung geht._ Lex Pfui! Die Gesinnungsgenossen der Dicst-Daber, Oldenburg, Kreth. usw. fühlen sich durch daS Auftreten der kleinen sozial- demokratischen Fraktion im Preußischen Abgeordnetenhause schwer in ihrem ästhetischen Empfinden verletzt. Besonders hat ihnen das„Pfui!" in der gestrigen Sitzung unangenehme Verdauungsstörungen verursacht. Reicht dieser Ausruf auch sicherlich nicht an das schöne Ansinnen hinan, das einst Herr von Diest-Daber im Zirkus Busch an die Feinschmeckerei der preußischen Minister stellte, so hat doch seit der Sättigung der Agrarkonservativen durch die Erhöhung der landwirt- schaftlichen Zölle sich ihr Benehmen gegenüber den Ministern wesentlich verfeinert. Die Konservativen haben deshalb im Verein mit der Zentrumsfraktion des Abgeordnetenhauses beschlossen, eine„Lex Pfui!" einzubringen, die dem Präsi- dcnten gestattet, die obstinaten sozialdemokratischen Abgc- ordneten, die in bezug auf den guten Ton nicht den neuen, sondern den alten konservativen Traditionen folgen, aus de|l Sitzungssaale hinauszubefördern. Die„Kreuzztg." berichtet darüber: „Die Störungen, die die sozialdemokratische Fraktion dcö Abgeordnetenhauses zu Beginn und im Berlaufe der gestrigen Sitzung hervorgerufen hat, haben in den Kreisen der Rechten und des Zentrums den Wunsch geweckt, daß derPräsidentdeSAbgeordnetenhauseSgrößerc Machtvollkommheiten zur Aufrechterhaltung �bezw. Wiederherstellung der Ruhe und Ordnung während der Sitzungen ' erhalte. Die Geschäftsordnung des Abgeordnetenhauses gibt bis- her dem Präsidenten nur das Recht, Ordnungsrufe zu erteilen. Darüber hinaus ist er vollkommen machtlos. Man wünscht deshalb eine Aenderung der Geschäftsordnung des Abgeordneten- Hauses und denkt dabei die Macht des Präsidenten wen-igstens so zu erweitern, wie es im Deutschen Reichstag der Fall ist. Dem Präsidenten des Deutschen Reichstages steht nämlich außer dem Recht des Ordnungsrufes nach der Geschäftsordnung auch die Befugnis zu, widerspenstige Abgeordnete von der Sitzung aus- zuschließen. Von diesem Recht hat beispielsweise während der Zolltarifdebatten des JahreS 1902 der damalige Vizepräsident Graf Stolberg-Wernigerode gegenüber dem Abg. Singer Gebrauch gemacht. Allerdings vermag nach der Geschäftsordnung des Deut- schen Reichstags der Vorsitzende nur den Ausschluß von der Sitzung auszusprechen; die tatsächliche Durchführung ist ihm, falls der betreffende Abgeordnete nicht freiwillig die Sitzung verlätzt, unmöglich gemacht. In dem erwähnten Falle ist der Abg. Singer auch in der Tat trotz des Ausschlusses im Sitzungssaal geblieben, woraus dem Vorsitzenden nichts anderes übrig blieb, als die Sitzung auf kurze Zeit zu unterbrechen. Als bei Wiederaufnahme der Abg. Singer wieder im Saale anwesend war, erklärte der Vorsitzende, datz er nicht die Möglichkeit habe, ihn auS dem Saale entfernen zu lassen, datz er ihn aber zur Mitarbeit während der ganzen Sitzung nicht zulassen werde. Bestimmte Vorschläge über die Aenderung der Geschäftsordnung des Abgeordnetenhauses sind bisher nicht formuliert, doch hat man, wie erwähnt, die Ab- ficht, die Geschäftsordnung nach dem Muster des Deutschen Reichs- tages zu verschärfen."_ Alberne Einschüchterungsversuche. Die„Krcuzzcitung" fordert in ihrer nervösen Aufgeregt- heit ein strenges Einschreiten der Polizei und des Staats- anwasis gegen die Unterzeichner des am Tonnerstag vom „Vorwärts" veröffentlichten Aufrufs, also gegen den geschäfts- führenden Ausschuß der preußischen Landeskommission, den Parteivorstand und die sozialdemokratische Landtagsfraktion. Doch das genügt dem Blatt der Hammer- und Kalckstcinc nicht. Außerdem soll nach seinem Wunsch der„Vorwärts" belangt werden, da der Anfang des gestrigen Leitartikels, in dem es heißt, daß die Sozialdemokraten sich erhoben hätten. um dem Leiter der preußischen Politik ein Pfui ins Gesicht zu schleudern, einenAusrufderVerachtnnggegen. über dem Volksvcrräter, sich als eine Verächt- lichniachung von Staatsantoritäten und staatlichen Einrich- tungen qualifiziere. Wörtlich schreibt das Junkerblatt: „Ter„Vorwärts" veröffentlicht in Nr. LI den betreffenden Partcibcfehl, der wieder von aufreizenden Redensarten strotzt. Das von dem„Preutzenausschutz". dem Partcivorstande und der Landtagsfraktion unterzeichnete Schriftstück nennt die Wahlrechts- Vorlage„einen perfiden Streich gegen das preußische Volk". Wir meinen, eine solche Schmähung in einem Partei offiziellen Aufrufe sollte die Regie- rung nicht gleichgültig hinnehmen." Und ferner an einer anderen Stelle: „Soll denn solchen Unverschämtheiten gegenüber noch immer Langmut bewahrt werden? Hier handelt es sich um systematische Verächtlichmachung von Staats- a u to r i t a t c n und staatlichen Einrichtungen, hier >mrd der Versuch gemacht, die Massen in revolutionäre Stimmung 5,u versetzen. Wenn da nicht bald mit riicksichtZ- loser Energie eingeschritten uvd-dcn übermütig gewordenen Aufruhraposteln Räson beigebracht wird, kann cS leicht zu Ausschreitungen kommen. gegen die tvcit härtere Mittel angewendet loerden müssen, als heute noch genügen würden." Wir finden das schöne Verlangen der ehrsamen„Kreuz- Zeitung" ganz begreiflich, einmal, weil es seit jeher zu den Togincn der preußischen Junker gehört, daß Volksgärungen sich durch Gerichte und Potizeisäbel leicht turieren lassen, zweitens, weil in dein Zustand der nervösen Ueberreizung, in dem sich zurzeit die Macher des Blattes befinden, ihnen jede Kenntnis der Rcchtsbcstimmungen entschwunden zu sein scheint. Wir haben nichts dagegen, wenn die Regierung der Anweisung der„Kreuzzeitung" folgt, denn die Anklagen würden nicht nur eine recht hübsche, im In- wie im Auslande Aufsehen erregende Illustration zlt dm gestern von Herrn v. Bcthmann Hollwcg vorgetragenen Phrasen über den preußischen Kulturstaat und seine geistigen Güter sein, son- dem voraussichtlich obendrein mit einer Blamage der prcußi- scheu Rechtspflege enden. Also, nur los! Auf Oldenburgs Spuren. Zu den wenige» Zeitungen, die der bekannten Aeußerung der konservativen Parteigröße aus Januschau, des Herrn Elard v. Olden- bürg zugestimmt haben, gehören die rechtSnationalliberal» scharf« inacherischen„Hamburger Nachrichten". das bekannte Blatt der para- lhtischen BiZmardflinge, daS zwar bon dem Geiste seiueS Götzen recht wenig geerbt hat, dafür aber um so anerkennenswerter die Methode konserviert, Wie„Er" sich einst räusperte und wie er spuckte. AuS den frechen Worten des januschauer- lichen Genies zieht daS Hamburger Blatt nicht etwa die Folgerung, daß das Militär auch auf die Reichsverfassung be- eidigt werden, sondern daß der ß 47 deS MilitärstrafgesetzbncheS auf- gehoben werden muß, da er vielleicht doch die Soldaten hindern könnte, bei Verfassungskonflikten unbedingt und willenlos den Be- fehlen ihrer Vorgesetzten zu folgen. Da» Blatt bezieht sich auf folgende Stelle in Heinrich V. Treitschkes Vorlesungen über Politik(nach seinem Tode von seinen Schülern herausgegeben): Aus der Pflicht des unbedingten Gehorsams folgt weiter die Notwendigkeit eines einzigen Fahneneides, der mit ganz unzwei- deutiger Klarheit sagt, wem zu gehorchen ist. Man kann nicht versprechen, sein Leben hinzugeben unter Vorbehalten. Junge Menschen, zum großen Teil auS den niederen Ständen, daraus zu verpflichten, dem König zu gehorchen, aber auch der Ver- sassung, sie also ausdrücklich vor die Alternative stellen, ob sie im gegebenen Falle das eine oder da« andere wn wollen, das ist doch der bare Widersinn. Einen jeden Soldaten zum Richter machen darüber, ob im einzelnen Falle die Verfassung verletzt ist, das heißt alle Disziplin auflösen. Diese Theorie, die heule in ihrer Gefährlichkeit erkannt ist, ging iin Jahre 134S siegreich durch die Welt, überall verlangte man die Vereidigung des Heeres auf die Verfassung. Deshalb ist der unbedingte Gehorsam, der fei uns fast bis zur Härte ausgebildet ist, ein Ruhm und ein Zeichen der Tüchtig- keit unseres Heerwesens. Die Verachtung, mit der man so oft unter radikalen Leuten von diesem Hundegehorsam spricht, erweist sich als reine Illusion. Der schweigende Gehorsam nach oben und zugleich der strenge Befehl nach unten verlangt eine Selb- ständigkeit des Charakters, welche sehr hoch anzuschlagen ist. Unsere preußischen Generäle find nie etwas anderes gewesen als freimütige Männer. An diese Worte anknüpfend meint da« Blatt der bismarckischen Epigonen allen Ernstes: „Diese Treitschkeschen Ausführungen bilden für uns einen Grund mehr, auf der neulich von uns vertretenen Ansicht zu be- harren, daß 8 47 Ziffer 2 des M.-St.-G.«B. im Interesse der Sicherung oer unbedingten Gehorsamspflicht misgehoben werden sollte, weil er die Angehörigen des Soldatenstnndes nötigt, in gewissen Fällen darüber zu entscheiden, ob der Befehl des Vorgesetzten gesetzlich oder ungesetzlich ist, d. h. ob der Unter- gebene ohne die Gefahr, nachträglich dafür von den Gerichten zur Verantwortung gezogen zu werden, ihn ailsführen kann oder nicht. Sonst haben wir den trefflichen Worten Heinrich v. Treitschkes nichts hinzuzufügen. Sie führen eine Sprache zu- gunsten einer unbedingten Gehorsamspflicht, wie sie beredter nicht gedacht werden kann." ES gibt doch recht sonderbare Spezies in dem großen Animal- reich!_ Die politische Tätigkeit der Innungen. Der Rat der Stadt Leipzig hat an die Innungen folgendes Schreiben gerichtet: Leipzig, den 29. Januar 1910. Nach den Haushaltplänen verschiedener Innungen werden der Mittelstandsvereinigung für da« Königreich Sachsen regelmäßig Beiträge aus Jnnungsmitteln zugeteilt. Die Verwendung von JnnungSmitteln für die Mittelstandsvereinigung, die in der letzten Zeit ihre Tätigkeit auf politische Gebiete erstreckt hat, i st aber gesetzlich und statutarisch unstatthaft. So lange die Mittelstandsvereinigungen politisch tätig sind, haben daher die Innungen künftig zu unterlassen, Beiträge zur Mittelstands- vereinigmig aus JnnungSmitteln zu leisten. Der Rat der Stadt Leipzig. Gewerbegericht. Daraufhin hatte die Mittelstandsvereinigung die Innungen auf- gefordert, nach wie vor Beiträge zu zahlen, da sie keine politische Tätigkeit ausübe, vielmehr am 22. Ajvember beschlossen habe, sich jeder parteipolitischen Betätigung streng fern- zuhalten. Das Organ de« Rates der Stadt Leipzig, daS„Leipz. Tageblatt", bemerkt dazu: Daß die Mittelsiandsvercinignng bei den letzten Landtagswahlen. die am 21. Oktober stattfanden. in hervorragendem Maße agitiert hat mid politisch tätig ge- wescn ist, kann niemand bestreiten. Beweis: Die Mittel- standSvereinigung hat eigene Kandidaten aufgestellt und ein Wahlprogramm verbreitet, daS unter anderem auch zu sehr wichtige», rein politischen Problemen Stellung nahm. Am 22. No- vcmber, d. h. nachdem man auch noch bei den Stichwahlen mit- gemacht hatte, wurde.dann vom Landesvorstand der Vereinigung der nach einer solchen Betätigung gewiß humoristisch annnitende Bcichluß gefaßt, daß sich die Mittelstandsvereinigung„von jeder parteipoliti- schen Betätigung streng fernhalte". ES ist somit die politische Tätigkeit der Innungen aufs neue be- staiigt.___ Oesterreich gegen die Schiffahrtsabgaben. ' Auf eine Interpellation im uiederösterreichischen Landtag er- klärte der Statthalter Graf Kielniannscgg, daß Oesterreich gegen die Einführung von SchissahrtSabgabc» aus der Elbe Protest einlegen werde. An der böhmischen Elbestrecke habe sich eine große Industrie niedergelassen, für die die Möglichkeit des Exports nicht zum»venig- sten auf der durch internationale Abmachungen verbrieften Abgaben- sreiheit des Stromes beruht. Ans dieses Instrument der Volkswirt- fchastspflege könne absolut nicht verzichtet werden. Klerikaler Zwist. Die wir in Nr. 34(vom 10. Februar) mitteilten, hat die neue Wochenschrift des Windlhorst-Vlindes,„DaS Zentrun»", sich von verschiedenen der unter der Botmäßigkeit deS hohen Klerus stehenden klerikalen Blätter strenge Rügen zugezogen, weil sie sich gegen das stetige Schivelgen in Kulturkampferinnernngcn ausgesprochen hatte. Diese Verweise haben gewillt. Zaghaft zieht die Redaltion des ..Zentrums" ihre Ausführungen zurück und erklärt nach brkaimtein Rezept, ganz niißverstanden zu sein. In der„Köln. Volksztg." ver- ösfenllicht sie folgende Entschuldigung: „Die Angriffe, die iir einem Teil der Zcntrrlmspresse gegen die ncne politische Wochenzeitung„Das Zentrum" gerichtet Ivoroen sind(vgl. Ar. 110 der„Köln. VolkSztg."), bcrnben auf falschen Voraussetzungen. In dein vielbesprochenen politischen Feutllelon „Eine entwertete Münze" wird keineswegs die Forderung aufgestellt. die deutschen Katholiken sollten den Kulturkampf vergessen. EL beißt vielmehr darin: Die Erinnerung an den sogenannten Kulturkamps soll damit iticht ausgelöscht lverdet». Wird es nicht»nt anderen Bedeutungen belastet, dann kann der geschichtliche Sinn deS Wortes Kultiirlainpf rein und klar onsgeprägt iverden." Auch der söge- nannte„schleichende" Kulturkampf ist an»uehreren Stellen als be- stehend anerkannt:„Der Geist(des Kulturkampfes) ist noch lebendig", „Mißstände und Uebergriffe, die vom alten Kulturkampfsgeiste ein« gegeben sind."„Benachteiligungen und Kränkungen des katholischen Äolksteils usw." Der Sinn des Feuilletons ist: Damit der wahre Kulturkampf recht gewürdigt loird, werfe man das Schlagwort „Kulturkamps"„nicht beim geringfügigsten Anlaß" achtlos umher. Die Schuld an der Verlehrung dieses klaren Sinnes tragen ein liberales Blatt und ein kleineres ZentruniSorgan, das hier nicht genannt sei. Das crstere nahin ein paar zusanunenhanglose Sätze uns dem Feuilleton und beutete sie in seinem Sinne aus, das letztere stützte sich auf dies Zitat, ohne den Aussatz selber nach- zulesen und erhob dann seine ungerechtfertigten Vorwürfe." Doch so leicht findet—„Das Z e n t r u m" nicht Verzeihung. Die„K ö l n. VolkSztg.", die meist selbst so oft deS versteckten Modernismus verdächtigt worden ist, neuerdings aber den Spuren der„G e r m a n i a" folgt und sich auf die alten ewigen Wahrheiten znrückzieht, fügt strafend hinzu:„Wir haben gern der vor- stehenden Zuschrift Raum gegeve»», welche den fraglichen Artikel des„ZentnimS" kommentiert. Es ist aber schon in iß- lich. wenn man zu einem Zeitungsartikel einen Kommentar schreiben muß. Der Verfasser deS hier in Rede stehenden Artikels hat etwas Verständiges sagen wollen, aber er hat sich in den auch von uns wiedcrgegebcnen Sätzen mindestens mißverständlich ausgedrückt. Die'Ausführung ivar, wenn wir uns so ausdrücken dürfen, zu„fein", um nicht die Gefahr einer AuS- Nutzung von verschiedenen Seiten heraufzubeschwören." Die„Gerniania" dürfte finde», daß auch die„Köln. VolkSztg." sich schon recht oft.»ntndestenS mißverständlich" auS- gedrückt hat._ Italien. Das Programm Sonninos. Rom» 11. Februar. Ministerpräsident E o n n i n o entwickelte heut« in der Kainmer unter lebhafter Aufmerksamkeit sein Re- gierungsprogramm. Der Ministerpräsident kündigte vor allem die Vorlage betreffend die Schissahrtösubven- tioncn an. Die nationalen Werften sollen unterstützt und die freie Schiffahrt gefördert werden durch Frachtvergütungcn einer- seits für die Einfuhr von Rohstoffen in italienische Häfen, wofern diese Stoffe in Italien verarbeitet werden, anderexseits für die Ausfuhr von Erzeugnissen des Ackerbaues und der Industrie. Feste Subventionen sollen nur Linien erhalten, die postalischen oder poli- tischen Charakter haben. Die vorgeschlagenen Maßnahmen werden das Budget zusammen mit 30 Millionen Lire jährlich be- lasten, wovon IS Millionen auf feste Subventionen entfallen. Die Regierung hofft, daß infolge dieser Maßnahmen die italienische Flagge ein»nächtiges Werkzeug lvrrt schaftlicher Ex- p a»i s i o n sein»verde. Der Ministerpräsident schlägt ferner die Errichtung eines Eisenbahn- und eines Ackerbauministeriums vor, sowie eine umfassende Borlage zur Beseitigung der Erd- bcbenschäden vom Jahre 1908. Der Entwurf sieht auch Steuererleichterungen vor und einen Zusatztredit von 33 Millionen zu den dem Arbeitsministerium früher bewilligten 50 Millionen für außerordentliche Ausgaben aus Anlaß der Erd- bcbenkatastrophe. Ein anderer Entwurf betrifft die Gründung einer Genossenschaftsbant nach preußischem und unga- rischcm Muster. Im Einvernehmen mit Frankreich sollen Maß- nahmen zugunsten der jugendlichen Arbeiter insbesonden: in den Glasbläsereien getroffen werden. Auch die Wiederaus- forstung soll nach Kräften gefördert werden. Der Ministerpräsi- ocnt ging sodann zur Frage der Zollgesetzgebung über und betonte, die billige Bemessung der italienischen Zöllu trete im,ner mehr in die Erscheinung angesichts des Iva ch sei» den Härte der Zollsätze anderer viel reicherer Länder. Daher sei der Zeit- Punkt gckoinmen, Ivo Italien bei aller Geneigtheit, mit allen Ländern in wirtschaftlichem Frieden zu leben, zur Verteidigung seiner großen berechtigten Interessen sich rüsten müsse für den Fall, daß seine friedliche Haltung keine Erwiderung finden sollte. Die Regierung»verde daher eine Enquete bei allen Interessenten veranstalten, um für den Fall, daß zollpolitische Sperrmaßregeln anderer Länder dazu zimngen sollten, die Ausstellung eines Maximal- und Minimaltarifes mit Vermehrung der spezifischen Zölle vorzubereiten. Sonninos Programm wurde, wie uns ein Privattelc- gramm unseres römischen Korrespondenten»veiter meldet, mit eisigem Stillschweigen aufgenominen, woran teilweise die außerordentliche Länge und die ermüdende Detaillierung mit Schuld trug. Einzelne der angekündigten Reformen, lvie die Steuerreform für die E«i>ieinden, das Gesetz über die Er- forschung der Vaterschaft, die Förderung der Volksschule und das Gesetz über den IlnterstützungSwohnsitz würden sicher einen Fortschritt bedeuten. Dagegen muß die Androhung der Zoll- erhöh ung und der Erhöhung der Z u ck e r ste u e r den Wider- stand der Arbeiter hervorrufen. Spanien. Eine ErklSrnug Eaualejas. Madrid, 11. Februar. Der neue Ministerpräsident C a n a l e j a S erklärte in einem Jntcrviclv, er habe weder direkt noch indirekt den Sturz M o r e t s veranlaßt. Er habe ihm während seiner RegierungSzeit keinerlei Schwierigkeiten bereitet und immer an seiner Seite gestanden, so oft seine Handlungsweise von liberalem Geiste inspiriert war. CanalejaS fuhr fort:„Ich übernehme die NtegicrimgSgewalt mit dem Prograimn, welches ich»vährend meines ganzen politischen Lebens verfochten habe, und ich»verde dieses Programm»och vor den Generalwahlen veröffentlichen. Diese Wahlen werden unver- züglich stattfinden, denn der König hat mir bei Uebcrtragnng der RegierungSgcwalt keinerlei Einschränkungen auferlegt." Norwegen. Das RegierungSprogranl»»,. Kristiania, lt. Februar. In der heurigen Sitzung des S t o r t h i n g verlas der Staatsminister Konow im Namen der Regierung eine Erklärung, in der co unter anderem heißt:. Da die Stellung Norwegens als selbständiger Staat eine wohl- geordnete Verteidigung zu Wasser und zu Lande ver- lange, so werde es Aufgabe der Regierung sein, im Zusammen- arbeiten mit dem Storthing die von letzterem angenommene H e e r e» or g a n i s a t i o n planmäßig durchzuführen, sowie die Marine auf die Höhe der Forderungen zu bringen, die a]\ sie mit Rücksicht auf eine genügende Verieidigung gestellt wer!»!» müssen. Dies olles müsse den ökonomischen Verhält- »rissen des Landes angepaßt werden. Die Regierung werde versuchen, eine gleichmäßige, den ökonomischen Hilksinitteln des Landes angepaßte Entlvickelung der Gesellschaft zu fördern sowohl in sozialer lvie auch in ölonoinischer Beziehung. Die Frage der sozialen Rcformrn»verde sorgfältig und vorurtcllsfrci be- handelt werden. Finnland. Wahlresultatk. Helsingfors, 8. Februar.(Eig. Bcr.) Das Endresultat der Wahlen wird erst ain Ende dieser Woche bekannt werden, doch schon jetzt kann uiai» den Schluß ziehen, daß die So- zialdeinokratie ihre alte Machtstärke be- w a h r t und daß die der russischen Reaktion gegenüber meist nachgiebige Partei der A l t f i n n e n mit jeder Wahl z u r ü ck- gedrängt wird. Daö zeigte sich besonders bei dm Wahlen in der Provinz Nyland(Helsingfors). wo die Wahlresultate schon abgeschlossen vorliegen. Gewählt sind hier 9 Sozial- demokraten, 1» Mitglieder der schtocdischm Vottspartci, drei Altfinnen und ein Jungfsime; die Altfinnen verloren einen Sitz, der von den Schweden gewonnen wurde. Die altfinni- schen Stimmen sind um 2500 zurückgegangen, während die Sozialdeinokratie eine»» Zuwachs von 500 und die �Schweden von 2000 Stimmen zi» verzeichnen haben. Der Erfolg der schwedischen Volkspartei erklärt sich dadurch, daß sie gerade in der Provinz Nyland ihre populärsten Männer(so z. B. den früheren Vorsitzmden des fiimländischen Senats, Leo Mechelin) als Kandidaten aufstellten. Von den gewählten sozialdemokratischen Vertretern müssen Minna Sil- lonpää, die Vorkämpferin der proletarischen Arauenbewe- gung, Ed. Valpas(Redakteur� des Zentralorgans „Työnnes"), L u n d st r ö m und Harham m er aus der schwedischen Arbeiterbewegung genannt werden. perften. Die Russen bleiben. London, 11. Februar. Das Reutersche Bureau erfährt offiziell aus Teheran, die r»»ssische Gesandtschaft habe der Regierung eine Verbalnote zugehen lassen, in tvelcher sie erklärt, sie beabsichtige nicht, sich in eine Erörterung der Frage des Verbleibens der russischen Truppen in Persien einzulassen. Marokko. Ei» neuer Konflikt. Paris, 11. Februar. Den Morgenblättern wird aus Fez ge- meldet. Sultan Mulay Hafid ,ei nack KenntniSnahine des von El Mokri abgeschlossenen AbkominenS in großen Zorn geraten, habe Drohungen gegen Frankreich ausgestoßen und be- fohlen. die von französischen Instrukteuren ausgebildeten Truppenteile aufzuheben und den Artillcriesekrciär Silahein Snussi, der dein französischen Major Mangin zur Verfügung gestellt war, zu verhaften. Der französische Konsul habe gegen dieses Vorgehen Einspruch erhoben, sei aber vom Sultan keiner Amivort gewürdigt»vorden. Die französische Militärmission habe den In» strultion'sdienst sofort eingestellt. Man crivarte ihre Abberufung und noch ernstere Z iv ts ch en f äl le, falls Mulay Hasid auf seiner Haltung beharre. parlamentarisches. Deutsch-Russisches. Der Abg. S e n» l e r beklagte sich darüber, daß die Presse aus den Marinekreisen zu gut informiert werde. Er habe im vorigen Jahre mit Genehmigung des Reichsmarineamtes ein Schiff der Nassauer Klasse besichtigt, bei welcher Gelegenheit ihm auch vertrauliche Mitteilungen gemacht worden seien. Obgleich er hierüber zu niemand ein Wort ge- sagt, haben nach zwei Tagen diese ihm vertraulich gemachten Mitteilungen in den Zeitungen gestanden. Auf eine Anfrage, ob bei der Besichtigung der Schiffs- werften durch die Chmosische Marinekommission auch die mili- tärischeit Geheimnisse hätten gewahrt werden können, erklärt Staatssekretär v. T i r p i tz, daß die Besichtigung auf Wunsch des Auswärtigen Amtes gestattet worden sei. Man habe übrigens der Kommission nur gezeigt, was fertig gewesen sei, also wo Gcheimnisse überhaupt nicht»nehr in Frage kamen. Wg. P a a s ch e teilte mit, daß eine deutsche Werft von einer kleinen fremden Macht einen Auftrag erhalten solle. Tie Firma Krupp habe es abgelehnt, die erforderlichen Panzer- platten zu liefern, um den Auftrag für die eigene (Germania-)Werft zu erhalten. Als dann die Firma sich wegen der Plattcnlieferung nach England gewandt habe, sei ihr von der englischen Firma der Bescheid geworden: Sie gehöre mit Krupp zu einem Konzern und dürfe daher nicht nach Deutschland liefern. Aus welchem Grunde die russische Regierung den deutschen Werften keine Aufträge erteile, glaubt Abg. Paasche aus die häufigen Beschimpfungen, die namentlich das„Berliner Tage- blatt" sich gegen die russische Regierung zu leisten pflege. zurückführen zu können. Er sei nach einer auf einem anderen Gebiete erfolgten Verhandlung vom russischen Finanzininistrr zum Frühstück geladen worden, wobei dieser ihn» mitgeteilt habe, daß er bereit gewesen sei, einer deutschen Werft einen Auftrag zu geben, daß aber, nachdem ein die russische Re- gierung beschimpfmder Artikel im„Berliner Tageblatt" erschienen sei, die Ehre der russischen Regierung es erfordert habe, diese Absicht aufzugeben! Daß diese Darstellung des Abgeordneten Paasche den wirklichen Vorgängen nicht entspricht, zeigte eiW Beinerkung des Abg. Leonhardt, der mitzuteilen wußte, daß der französische Gesandte in Petersburg durch ei» voreiliges Trlegran»»» von hoher deutscher Stelle von dem Vorhaben der russischen Regierung, Schisssbauauf- träge nach Deutschland zu geben, Kenntnis erhalten und dann zugunsten F r a i» k r e i ch s interveniert habe! Nach diesen erbaulichen Mitteilungen wurde die Fort- setzung der Beratung des Marinsetats auf Dienstag anberaumt._ Neues Kimtrollgesetz. In der Budgetloimnisston teilte heute der Staatssekretär des ReichSfinanzaintS Mermuth mit, daß der Bundesrat den neuen Gesetzentwurf über die Kontrolle bei den Reichsämtern gutgeheißen habe und daß der Entwurf in den nächsten Tagen dem Reichstage zugehen werde. ES soll nur an der Begründung zuvor einiges geändert werden._ AuSdchnimg deS AersainmlimgSrcchts verlangt die sozialdemo- kratische Fraktion des preußischen Abgeordnetenhauses. Sie hat be- antragt, die Regierung möge Gesetzesvorlagen einbringe»», nach denen der Gebrauch fremder Sprachen in öffentlichen Versannnlungen all- gemein gestattet wird und Versammlilngen unter freiem Himinel und Aufzüge nicht mehr genehmigt zu werden brauchen, sondern lediglich der öffentlichen Bekanntmachung bedürfen. Hus der Partei. Genosse Singer ist gestern nacht bedauerlicherweise plötzlich er- krault. Er mutz da» Bett lzüten und tann sich an den Partei- arbeiten voraussichtlich für einige Zeit nicht beteiligen. Hoffentlich wird er sich recht bald wieder in alter Frische der Bewegung widmen tonnen. Die Revision der Lokalliste. Tie„Leipziger Volkszeitung" teilt mit: „Der Genosse Maurcnbrecher fühlt das dringende Be- dürfnis, wie er.in einem Inserat des„Leipziger Tage- blatts" mitteilt, vor dem Leipziger Publikum zwei Vorträge über das höchst aktuelle Thema: Hat Jesus gelebt? zu halten. Daß er bei diesen Vorträgen auf die Anwesenheit von Arbeitern und Parteigenossen nicht rechnet, geht schon daraus hervor, datz er für seine Vorträge ein Lokal, den Zoologischen Garten, geiväh lt hat, das den Arbeitern nicht zur Verfügungsteh t." Wir würden es als einen erfreulichen Fortschritt begrüsten, wenn die Revisionisten sich künftig auf die Revision der Lokalliste beschränken wollten._ Unsere Toten. Ein Veteran der Arbeiterbewegung ist in Hamburg gc- starben. Genosse Eduard M ü l l e r ist im Alter von 84 Jahren dahingegangen. Er war ein geborener Kölner und ist— nachdem vor wenigen Tagen in London der alte Lctzner verschieden— wohl der letzte gewesen von denen, die in den Kölner Kommu- nisten prozeh verwickelt waren. Mit Marx und Engels und den führenden Männern der rheinischen Demokratie war er Person- lich befreundet, und es war für jüngere Genosien stets ein Genutz, den alten Müller aus jener Zeit der Sturm- und Drangperiode reden zu hören. Aus Brüssel wird uns unterm O. dieses Monats gemeldet: Gestern ist in Brüssel zur schmerzlichen Ucberraschung der Partei einer der Begründer der belgischen Sozialdemo- k r a t i e plötzlich gestorben. Desire V a n d e n d o r p e, Thpograph von Beruf, wurde im Dezember vergangenen Jahres vom Brüsseler Gemeindekollegium zum Stadtverordneten gewählt— dem Ge- mcinderat selbst gehörte er als eines der angesehensten Mitglieder an 25 Jahre an. Cr war der erste Arbeiter und Sozialist, der in eine kommunale Vertretung einzog. Er hat unser Cesar de P ae p e und V o l d e r s dem„Peuple" angehört und lange Zeit für diesen — übrigens auch in seiner Eigenschaft als Setzer— gearbeitet. Vandendorpe war auch Mitglied des Pr o u i n z i a l r a t s, wo er insbesonders in den Fragen der öffentlichen Fürsorge Be- deutendes leistete, welches Ressort er auch als Schöffe inne hatte. Vandendorpe war erst 54 Jahre alt. Den Tag vor seinem Tode sah man ihn noch frisch und gesund— am Dienstagmorgen erlag er einem Herzschlag. Die Partei betrauert mit dem Tode Van- dcndorpcs einen ihrer tätigsten, arbeitsamsten Kämpfer, dessen Sozialismus soziale Arbeit im schönsten Sinne ivar. Auch die bürgerliche Presse hebt in ihren Nachrufen die Verdienste des Ver- storbencn um die Allgemeinheit und seine liebenswürdige Natur hervor._ öewerhrcbaftUcbee. „Kamerad" Sffert abgefcbütteltl Bekanntlich hatte sich der Sekretär des„christlichen" GeWerk- Vereins der Bergarbeiter. Effert, durch einen Redakteur der „Rheinisch-Westfäli schon � Zeitung", des ausgesprochenen Unter- nehmerorgans. ausfragen 4assen über seine Meinung über die Stimwung der Bcrgarbeiterschaft. Das Kohlenblatt, nicht zu faut, hat das Aufgeschnappte natürlich für die Unternehmerinteressen zu verwerten gesucht und abgedruckt. Danach hatte Effert unter anderem erklärt: „Es sei gar nicht ausgeschlossen, dah man eine Zeit(für einen Abwehrstreik gegen den Zwangsnachweis) wählen werde, in der die politischen Wogen hoch gingen und den Arbeitern Ge- legenheit gegeben worden wäre, ihren Groll auch politisch zu be- künden. Ein solcher Moment stehe ja bereits in 2 Jahren bevor. ... Von dem zu erwartenden Ausstand versprechen sich die Führer der Bergleute tiefgehende Aenderungen. Der Schlag soll so vollständig geführt werden, datz das gesamte Gewerbe, die ganze Industrie lahmgelegt werde. Mit den Arbeiterverbänden der übrigen Länder sollen unter der Hand Verhandlungen an- geknüpft werden, damit sie nicht allein mehr finanzielle Unter- stützungcn gewähren, sondern auch gegebenenfalls die Ausfuhr von Kohhen nach Deutschland zu verhindern suchen." Diese Auslassungen wurden von den Unternehmern gegen die „Bravheit" der„Christen" auszunutzen versucht in Parlament und Presse, und da ist es nun sehr bezeichnend, datz die„christliche" Gewerkschaftspresse von ihrem„Kameraden" Effert weit ab- rückt.„Du irrst Dich, ich bin nicht so eine", versichern die„Christen" ein übers andere mal. monstriert seine Bravheit nnd politische Unberührtheit und ver- haben, wie es wiedergegeben worden ist, ohne aber genauer anzu- geben, was er denn gesagt haben will. Der„Bergknappe", das Blatt der„christlichen" Bergarbeiter, schüttelte Effert durch eine Briefkastennotiz ab: „An mehrere. Kamerad Effert hat selbstverständlich bei dem Redakteur der„Rheinisch-Westfälischen Zeitung" gar nicht mit einem politischen Massenstreik der Bergleute gedroht. Er konnte das schon deshalb nicht, weil ja derartige Bestrebungen unserem Programm und unseren Zielen direkt zuwiderlaufen... Effert gab, wie er selbst sagte, doch nur seiner eigenen persönlichen Meinung Ausdruck und sprach nicht im Namen der GeWerk- Vereinsleitung...." Run erfolgt die Abfchüttelung der Reihe nach von den ver- schiedensten Blättern der„christlichen" Gewerkschaften. Jedes de- Effert will das ihm in den Mund Gelegte nicht so gesagt sichert frank und frei, datz es noch echt in punkto punkti sei. Die Unternehmer lassen aber den Happen nicht so leicht fahren, wissen sie ja übrigens von der Stellungnahme zur Finanz- rcform. wie der Schwur der„Christen" auf ihre politische Jungfern- schaft zu werten ist. Da kommt nun das„Zentralblatt der christlichen Gewerb- schaften" und nimmt sich, um die Zechenherren zu versöhnen, den Effert noch einmal in einem Leitartikel gründlich vor. DaS Blatt schreibt unter anderem: „Es ist an und für sich eine glücklicherweise in der christlichen Gewerkschaftsbewegung bisher nur vereinzelt auftretende be- dauerliche Erscheinung, wenn Gewerkschaftsführer sich von ar- beiterfcindlichcn Blättern über ihre Ansicht oder über die Stim- mung ihrer Kollegen zu einer bestimmten Angelegenheit aus- fragen lassen.... Aber nicht bloß aus taktischen Gründen ist ein solches Vorgehen zu tadeln, sondern noch mehr aus sachlichen. Kollege Effert war nicht berechtigt, eine solche Tarstellung von der' Sachlage zü geben, weil die Voraussetzungen dafür fehlten. Die Inaussichtstellung eines Streiks kann speziell im rheinisch- westfälischen Industriegebiet nur dann sachlich berechtigt sein, wen» die matzgebenden Organisationen dazu bestimmt Stellung genommen haben. Das mutz man ganz besonders verlangen von einem Streik, der wie ein Bergarbeiterstrcik auch andere Berufs- kreise aufs allerschärfste in Mitleidenschaft zieht, und in der Bo urjeilung dieser Sachlage darf nicht blotz die Möglich» kcit eines Erfolges ausschlaggebend fein, son- dern auch die Wirkungen auf Unbeteiligte. Wir sind auch über- zeugt, datz die Gewerkvcreinsleiwng diese Gesichtspunkte, falls sie zu einer entscheidenden Stellungnahme kommen würde, durch- auS berücksichtigen wird. Ein Kampf im Ruhrgebict wird zwischen den interessierten Bergarbeiterorganisationen allein kaum aus- Äerantw. Rcdakt.: Richard Barth, Berlin. Inseratenteil verantw,:! ' tzekampft Verden können. Es wird dabei die ganze Gcwerk- schaftsbewcgung aller Richtungen engagiert werden, wenn der- selbe Erfolg haben soll. Somit find die Aeutzerungen von Effert nicht blotz taktisch ein Fehler, sondern auch sachlich nicht berechtigt, weil die Boraussetzung für die An- drohung � ein es s o schwerwiegenden Kampf- mittels vorläufig noch fehlt. Unverständlich ist uns, wie der Zeitpunkt zur Wahl eines Streiks im Ruhrgebiet auch von politischen Erwägungen abhängig gemacht werden könnte. AuS politischen Gründen gibt es für die christlichen Geivcrk- schaften keinen Streik, auch für den G'elvertverein chrijt- licher Bergleute nicht." So kann das christliche Zentralblatt natürlich nur schreiben, wenn es annimmt, datz Effert die strittigen Worte tatsächlich doch gesagt hat. Vollauf berechtigt ist ja die Rüge, datz sich Effert mit dem Kohlenblatt überhaupt eingelassen hat. Aber die Art, wie die Christen dann den Effert abschütteln und sich den Staub vom braven Christengewand bürsten, ist doch autzerordcntlich charakteristisch. Die Christen vergessen dabei ja völlig, datz sie doch nicht scheinen lassen dürfen, was sie sind. Nach dem Raisminement des„Zentralblatts" sind die Christen also dann nicht für einen Bergarbeiterstreik, wenn er möglichst tiefgreifende Wirkungen im Gefolge hat und des- halb aussichtsvoll ist!! Wirklich nett, dieses Geständnis, denn auf nichts anderes kommt das Gerede doch hinaus. Wie das Beispiel wieder zeigt, wird in den christlichen Gewerk- schaften jeder gleich gestäupt, der Gedanken über umfassende und darum aussichtsvolle Arbeiterbewegungen auch nur von sich gibt. Nur wegen der sozialdemokratischen Bewegung mutz man ab und an etwas bellen, um die Gefolgschaft nicht zu verlieren. denn gegenüber der starken sozialdemokratischen Bewegung sind auch die„christlichen" Zentrumsarbeiter„mit Sützholz« raspeln" nicht für die Zentrumsgewcrkschaften zu g e- w i n n e n, wie ja S t e g e r w a l d, der christliche Generalsekretär, Berlin nnck Umgegend. Kein Porträtmalerstreik. Vom Freitag voriger bis Dienstag dieser Woche streikten im „Internationalen Porträt-Jnstitut", Brückeustr. 40, die P r i n t e n- maler. Die Firma hatte mit diesem Tage den Preis für das Ausmalen der Printen von 1 Mk. auf 75 Pf. pro Stück herabgesetzt. In der am Freitag früh abgehaltenen Versammlung der Printen- maler war eine Kommission gewählt worden, welche unter Mit- Wirkung eines Vertreters der Organisation der Lithographen, Steindrucker und verwandten Berufe mit dem Inhaber der Firma zu verhandeln hatte. Herr'Gerlach wollte nun den besseren Malern 80, den anderen 70 Pf. pro Bild bezahlen. Dieses Angebot lehnten die Printenmaler fast einstimmig ab und bescblossen in den Streik zu treten. Dieser wurde auch durch das Stellen von Streikposten wirksam durchgeführt, so datz Herr Gerlach sich am Montag schon bereit erklärte, 95 Pf. an die Maler und 5 Pf. an den Bildab- nehmer(Angestellter der Firma) zu bezahlen. Obwohl die letzte Zusage, 5 Pf. an den Abnehmer zu bezahlen, ein direkter Abzug ist, gingen die Maler auf Zureden des Organisationsvcrtreters H ä n l e i n auf das Angebot ein. Obgleich sich die Printenmaler aus allen möglichen Berufen zusammensetzen, es sind dar- unter Akademieschüler, Lithographen, Kartographen, Photographen, Maler usw., war die Haltung der Streikenden eine begeisterte. Man hatte offenbar schon viel zu lange und geduldig die Praktiken des Herrn Gerlach und seiner glcichgcsinnten Kollegen ertragen, um weiter gleichgültig zu bleiben. Wes Geistes Kind Herr Gerlach ist, beweist eine für Kaution ausgestellte Quittung. Dieselbe lautet (auf Mitteilungen der Firma vervielfältigt): „Wir bescheinigen dem Herrn...... eine Kaution in Höhe von 29 M. bei uns für evtl. Retouren hinterlegt zu haben. Diese Kaution erhält Herr.... einen Monat, nachdem er seine Tätigkeit als Printenzeichner bei uns eingestellt hat, voll zurück- gezahlt, sofern nicht Abzüge für irgendwelche Neuanfertigungen stattfinden. Herr.... haftet folglich auch noch einen Monat nach der Einstellung seiner Tätigkeit für alle von ihm gemachten Arbeiten und verpflichtet sich, die während dieser Zeit von feiten unserer Kundschaft gewünschten Aenderungen vorzunehmen, oder aber für diese Kosten aufzukommen. Herr.... erklärt sich mit Vorstehendem einverstanden. Stempel der Firma Name des Abnehmers(Vertreter der Firma). Dieses Schriftstück fertigt die Firma in zwei Exemplaren aus und behält das von dem Maler unterschriebene. Können die Maler diese Kaution nicht auf einmal entrichten, wird sie ihnen in Raten von ihrem verdienten Akkordlohn abgezogen, worüber sie vielfach keine Quittung erhalten. So hatten 47 Maler, von denen An- gaben zu ermitteln waren, 724 M. Kaution gestellt. Man sieht an dem Streik der Printenmaler, datz das rigorose Vorgehen der Unternehmer auch indifferenten Kreisen die Augen öffnet. Vor- läufig kann die junge Printenmaler-Organisation mit ihrem Erfolg zufrieden sein.— Das Publikum kann auch das seine zur Besse- rung der Verhältnisse beitragen, wenn es nur gute Bilder ver- langt und abnimmt._ Der Streik bei der Firma A. Gutschow(Mehl- und Landes- Produkte) wurde am Donnerstag in einer vom Transport- arbeiterverbande einberufenen Versammlung der Geschäftskutscher und Lagerarbeiter Berlins besprochen.— Der Referent Her- mann Schulz erörterte die Ursachen des Streiks, die bereits im„Vorwärts" bekanntgegeben sind. Es handelt sich im wesent- lichen darum, datz die Firma den Vertrauensmann der Arbeiter aus nichtigen Gründen entlieh. Die Arbeiter sahen das als eine Matzregelung an. Sie ersuchten die Firma um Wiedereinstellung ihres Kollegen. Die Firma lehnte das schroff ab. Darauf legten 32 Kutscher und Bodenarbeiter, die 5 bis 22 Jahre im Betriebe tätig waren, die Arbeit nieder. Ein Versuch der Organisation, die Differenzen beizulegen, scheiterte an dem schroffen Verhalten des Geschäftsinhabers, t>er den Verbandsvertretern erklärte, jede Vermittelung sei überflüssig, er sei froh, datz er die alten Arbeiter los sei.— Auch ein seit 18 Jahren bei der Firma beschäftigter Kassenbote, der mit dem Streik gar nichts zu tun hat, wurde ent- lassen, weil er früher'Vertrauensmann des Verbandes war. Wie der Referent weiter ausführte, hat die Firma genug Streikbrecher gefunden, die jedoch völlig ungeeignet zur Verrichtung der Arbeiten sind. Jeder Versuch der Streikenden, die Streikbrecher auf- zuklären, wird von den Polizeibeamten, die auf Verlangen des Herrn Gutschow angerückt sind, mit allen Mitteln verhindert.— Die Streikenden haben die Kunden der Firma Gutschow, meist Grüukrämer, Vorkosthändler usw.. durch Flugblätter über den Konflikt informiert und auch bei einem erheblichen Teil derselben Entgegenkommen insofern gefunden, als dieselben ihre Geschäfts- Verbindungen mit der Firma abgebrochen haben. Nachdem mehrere Redner über Einzelheiten des Streiks ge- sprachen hatten, wurde einstimmig eine Resolution angenommen, in der die Versammelten ihre schärfste Mitzbilligung gegenüber der Firma aussprachen, und sich verpflichteten, ihre Arbeits- brüdcr von der Firma Gutschow mit allen gesetzlichen Mitteln in ihrem gerechten Streik zu unterstützen und überall, wo sie als Kutscher in Geschäften oder sonstwie mit der Bevölkerung in Be- rührung kommen, das Verhalten der Firma zu kennzeichnen. Ferner wurde beschlossen, datz die Firma Gutschow für organisierte Ar- beiter gesperrt ist. Achtung, Kleber? Der Bau Jnsbrucker Straße 8, Unternehmer Gilberg ius Schweidnitz, Bauherr Lorenz, ist, da der Unter- nehmer am Mittwoch durch Verhandlungen die Tarifpreise be- willigte, am Freitag aber erklärt«, den Tarif nicht mehr zu be- zahlen, für K l e b e r g e s p c r r t. Die Berbandsleitung. Achtung, Metallarbeiter! Die Lohnarbeiter der A. E. G.- Turbine, Huttenstratze, befinden sich im Streik. Die Kollegen hatten eine Erhöhung ihrer bisherigen Stundenlöhne gefordert. H, Glocke» Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Verlagsanstall h Obwohl von den Kollegen alles versucht wurde, eine Verständigung mit der Direktion durch Verhandlungen herbeizuführen, wurden keine genügenden Zugeständnisse gemacht. Deshalb sahen sich die Kollegen veranlaßt, die Arbeit einzustellen. Da hierbei die Kol- legen aller Branchen in Betracht kommen, so ersuchen wir alle Metallarbeiter,' die Abteilung Turbine der A. E. G., Huttenstratze, zu nieiden. Diese Abteilung ist bis auf weiteres gesperrt. Etwaige Arbeitsangebote sind zurückzuweisen. Deutscher Mctallarbeiterberband. Ortsverwaltung Berlin. Deutsches Reich. Zum Streik in der Hannoverschen Kakcsfabrik H. C. F. Vahlsen wird uns noch berichtet, datz am Streik 369 Personen be. teiligt sind, darunter sind die Mehrzahl weibliche. Die Firma ist eifrig bemüht, Streikbrecher anzuwerben; sie sucht solche in bürgcr- lichen Blättern, doch hat sie bisher recht wenig Glück gehabt.— Der Unternehmer rechnet damit, daß die Mehrzahl der Streikenden am Freitag mittag an ihre Arbeitsplätze zurückkehren werden, datz ist der Zeitpunkt, bis zu welchem die Firma den Streikenden die Möglichkeit geben will, die Arbeit bedingungslos wieder aus- zunehmen. Die Stimmung unter den Streikenden bürgt dafür, datz das nicht geschehen wird. Es ist somit begründete Aussicht vor- yanden, daß sich die Firma über kurz oder lang zu Verhandlungen wird verstehen müssen. Die Lohnbewegung der Breslauer Tapezierer ist in ein ernsteres Stadium getreten. Die Jumingsmeister und Geschäftsinhaber erklärten in einer Versammlung, in welcher die Gehilfen noch einmal mit Nachdruck ihre Forderungen vertraten, datz sie vom 1. April ab nur eine Lohnerhöhung von 2 Pf. pro Stunde bewilligen könnten, aber das auch nur, wenn der Tarif auf 3 Jahre abgeschlossen würde. Da die Gehilfen, die seit Jahren keine Lohn- erhöhung erhalten haben, damit keineswegs sich einverstanden er- klären können, so steht ein ernster Konflikt bevor, wenn die Unter- nchmer nicht noch im letzten Augenblick Einsehen haben. Tie Konfektionöarbeitcr zu Lauba» in Schlesien stehen im Streit. Die Streikenden hatten das G'ewerbegericht als Einigungs- amt angerufen. Die Konfektionäre erschienen wohl, lehnten aber jede Verhandlung ab._ Verhandlungen im Steindruckgewerbe! München, den 11. Februar.(Privatdepesche des„Vor- wärtS"). Zwecks Beilegung der Differenzen fanden am Freitag im Sitzungssaal des KaufinannSgerichtes München zwischen dem Swutz- verband und den drei beteiligten Verbänden Verhandlungen statt. Nach Eintritt in die Verhandlungen gab der Schutzverband eine Er- klärung ab, datz auf eine Verkürzung der Arbeitszeit nicht eingegangen werden könne. Nach längeren Verhandlungen kam folgende Verein- barung zustande: Zwecks Beilegung der in Nürnberg wegen Einführung der Normalarbeitsordnung und wegen Jmiehallung der infolge der Gcwerbeordnungsnovelle vom 1. Januar 1919 am Sonnabend resp. an den Vorabenden der gesetzlichen Feiertage ausfallenden Arbeitszeit ausgebrochcnen Differenzen ist zwischen den unter« zeichneten Verbänden heute folgende Vereinbarung getroffen worden: 1. Der Schutzvcrband erklärt sich bereit, mit den Borstäildm der uilterzcichiietcn Arbeiterverbande in Bcrhandluugc» betr. Revision der strittigen Punkte der Normalardcitsordnung ein- zutreten, die anfangs der kommenden Woche in Berlin stattfinden und Donnerstag, den 17. erledigt sein sollen. In dieser Verhandlung soll darauf hingewirkt werden, datz eine für beide Teile befriedigende Lösung gefunden wird. Ist diese gefunden, dann werde» gegen die zur Einholung der am Sonnabend beziehungsweise am Vorabende der gesetzlichen Feiertage ausfallenden Arbeits» zeit in der Arbeitsordnung oder i» einem Nachtrag zu der» telben, soweit Betriebe des Schntzverbandes in Betracht kommen, bereits getroffenen Abänderungen von seilen der Arbeiterschaft irgend welche Schivierigkeiten nicht gemacht. 2. Nachdem die Differenzen in München erledigt sind, insbesondere nachdem die Arbeiterschaft der„Graphia"'uente nachmittag die Arbeit wieder aufgenommen hat, besteht für den Schutzverband keine Bcraulassung zu weiteren Matzuahmeir. Die bereits ausgesprochenen Kündigungen werden zurück» genommen. Die von feiten der, drei Arbeiterverbände ver- anlatzten Kündigungen werden ebenfalls zurückgenommen. Die Vereinbarung trägt die Unterschriften von Vertretern des Unternehmer-SchutzverbandeS, des Senefelder-BundeS, des Ver- bandes der Buch- und Steindruckerei-Hilssarbeiter und des Buch- binder-Verbandes. Ausland. Die Konföderation der Arbeit über die Spaltung der Eisenbahner. Rom, 8. Februar.(Eig. Ber.) Aus dem Syndikat der italio. nischcn Eisenbahner, dem alle Kategorien des Berufs und auch die Eisenbahnarbeiter angehören, sind vor einigen Monaten die Arbeiter der Florentiner Sektion ausgetreten, um einen neue» Zentralverband der Eisenbahner ins Leben zu rufen. Als Grund des Austritts wurde Unzufriedenheit mit der Zentralleitung an- gegeben, der der Vorwurf gemacht wurde, das Ergebnis des Rcfc- rendums über die Verlegung der Verbandszcntrale gefälscht zu haben. Weiter warf man ihr vor, das Verbandsvermögen zur Schaffung einer syndikalistischen Tageszeitung verwenden zu wollen. Die Konföderation der Arbeit, deren Ausschutz sich soeben mit der Frage beschäftigt hat, glaubt unter diesen Umständen, die Sezession der Florentiner nicht als bloße Disziplinlosigkeit abtun zu können, und erklärte die erfolgte Spaltung zur Kenntnis zu nehmen. Den neuen Zentralverband könnte sie jedoch nur in ihrer Organisation aufnehmen, falls er die Mehrheit der organi- sierten Eisenbahnarbeiter umfasse, was heute bei weitem nicht der Fall ist._ Letzte IVacbncbten und Depefcben. Ertrunkene Kinder. Chemnitz. 11. Februar.(W. T. B.) In L u n z e n a u brachen heute nachmittag auf dem Eise des zum Rittergut Berthelsdorf gehörigen Teiches drei Arbeiterkinder im Alter von 13, 19 und 7 Jahren, darunter Bruder und Schwester, ein und ertranken, da das Unglück nicht sofort bemerkt worden war. Ein schweres Dampferunglück. Paris, 11. Februar.(B. H.) Der Passagierdampfer der Compagnie Central Atlantique,„General Chanzy", ist in der Nähe der Balkarischen Inseln mit 100 Menschen gesunken. Von den 120 Passagieren soll mir einer gerettet sein. Der Dampfer hatte vor dem Sturm in der Nähe der Jnselw Zuflucht gesucht. Der bedauerliche Unglücksfall ereignete sich Zwischen Minorka und Majorka. � Eine Bombencxplosion. Paris, 11. Februar.(W. T. B.) In G r a u l h e t explodierte in vergangener Nacht im Keller des Hauses eines Fabrikbesitzers eine Bombe, wodurch großer Schaden angerichtet wurde. Ein politisches Attentat. Algier, 11. Februar.(W.T.B.) Der bolivianische Konsul Dachot ist heute nachmittag von einem Un- bekannten durch vier Rcvolvcrschüsse in dem Augenblick gc- tötet worden, als er sein Automobil zu einer Ausfahrt besteigen wollte. -ul Singer& Co,, Berlin L V, Hierzu 4 Beitagen u.Untvhaltuugsbl, Dr. 36. 27. Jahrgang. L Waat ilts Dmärls" Ktrliatr DaldsM. ZoiiNlitnd. l2. Febrnnr l916. Mgeoränetenbaus. 19. Sitzung, Freitag, den 11. Februar 1910, vormittags 11 Uhr. Am Mnistertische: v. Mollke.Beseler. Die Tribünen sind überfüllt, die Besetzung deS Hauses weift Lücken auf. Die erste Lesung der ÖXahlmbtövorlagc. (2. Tag.) Abg. Herold(Z.): Unsere prinzipielle Stellung zum preußischen Wahlrecht ist unverändert. Was das Reich im Rcichstagswahlrccht gewährt, wird auf die Dauer auch den Eiiizelstaalcn nicht vor- enthalten werden können.(Sehr richtig I im Zentrum.) Von diesem Standpunkte aus kann die jetzige Borlage unseren Beifall nicht finden. Das Reichstagswahlrecht hat sich durchaus bewährt. Der Deutsche Reichstag steht mit seinen Leistungen hinter keinem Parlament, auch hinter dem Abgeordnetenhause nicht zurück. (Sehr richtig! im Zentrum.) Der Reichstag hat das Bürgerliche Gesetzbuch geschaffen, er hat die notwendigen Rüstungsausgaben be- willigt, er hat die nationale Arbeit geschützt; er hat noch mehr getan: er hat dem Reiche die notwendigen Einnahmequellen erschlossen.(Sehr richtig! im Zentrum.) Wenn wir für das Reichstagswahlrecht ein- treten, so kann man uns nicht vorwerfen, wir wollten die Staats- autorität untergraben. Den Umsturz bekämpft man nicht dadurch, daß man seine Vertretung vom Parlament fernhält, fondern nur dadurch, daß man die sozialdemokratische Gesinnung in der Bc- völkerung bekämpft.(Sehr richtig! im Zentrum.) Das geschieht am besten durch die Förderung eines positiven gläubigen Christentums. (Bravo I i. Z.) Will mau dre unteren Volksschichten heben, so darf man ihnen nicht Rechte nehmen, sondern man muß ihnen Rechte geben. (Zustimmung iin Zentrum und links.) Dann werden auch die unteren Schichten nicht mehr Männer hierherschicken, die hier Szenen wie gestern aufführen.(Bravo! im Zentrum.) Vom reinen Parteistandpuukt aus könnte uns die Form deS Wahlrechts sehr gleichgültig sein, denn kein Wahlrecht bringt unS Nutzen oder Schaden. Wir sind hier so stark vertreten wie im Reichstag, Der Ministerpräsident hat das zugegeben aber gemeint, unter dem gleichen Wahlrecht wiirden sich die Personen der Abgeordneten ändern. Das würde für uns nicht zutreffen. Unter dem Dreiklaffenwahlrecht sitzen in unserer Fraktion sechs wirkliche Arbeiter(Hört! hört! im Zentrum); sie sind von der ersten und zweiten Wühlerklasse mit derselben Einmütigkeit gewählt worden, wie bei den Reichstagswahlen unsere Arbeiter Männer in hervor- ragender Stellung gewählt haben.(Bravo! im Zentrum.) Wo das Zentrum herrscht, da halten alle Volkskreise zusammen.(Bravo! im Zentruni.) Daß die Vorlage keine Ncueinteilung der Wahlkreise bringt, halten wir für einen Vorzug.(Lautes Lachen links.) Berlin kommt zwar in seiner Einwohnerzahl, nicht aber im Flächeninhalt seines Gebietes Ländern wie Württemberg und Hessen nahe. Berlin kann sich deshalb schon wegen seines geringen FlächeuraumeS nicht mehr vermehren.(Zuruf links: Sie unterschätzen uns! Stürmische Heiterkeit.) Wir sind nicht prinzipiell gegen die Reueiiiteilung der Wahlkreise, die uns auch jetzt— ebenso wie 1903— eine stattliche Vermehrung bringen würde.(Rufe links: Na, na!) Wir halten aber eine Neueinteilung zurzeit nicht für notwendig,(Lachen links.) schon deshalb nicht, weil die Verquickung der Vorlage mit dieser Frage ihr Zustandekommen noch mehr erschweren würde. (Sehr richtig! im Zentrum.) D i e B e g r ü n d u u g der Vorlage ist außerordentlich dürftig. Nicht einmal die geheime Wahl ist in der Vorlage enthalten,(Sehr wahr! im Zentrum und links.) welche von allen Bevölkerungsschichten schon lange gewünscht wird. Ich erkenne darin den Mut der königlichen Staatsregicrung. (Lachen im Zentrum.) Die geheime Wahl ist notwendig, damit die Wahl eine freie ist. Die Beeinflussung komint nicht nur von der Regierung, sondern sie geht auch von den Arbeitgebern aus. vor allem auch von den Sozialdemokraten,� welche neuer- dings sogar zur B o y k o t t i e r u u g d e r Geschäftsleute ge- schritten find. Man verweigert die geheime Wahl, nachdem Kntto- witz erst einer so kurzen Vergangenheit angehört.(Lebhaftes Sehr richtig I links und im Zentrum.) Nach seiner Ueberzeugung zu wählen ist eine sittliche Pflicht, und den Abhängigen, vor allem den Beamten, ist dies nur möglich bei der geheimen Wahl.(Lebhaste Zustimmung links und im Zenlriiin.i Gerade diejenigen Kreise, denen die Borlage ein Vorrecht bei der Wahl gewähren will, bestehen auS abhängigen Personen, ans Beamten, die ihrer Slelluug enthoben werden können, Zivilanwärtern, die überhaupt erst etwas werden sollen.(Lebhafte Zustimmung im Zentrum und links.) Das Parlamen soll den Willen des Volkes zum Ausdruck bringen, nicht den der Regierimg. An eine Volksvertrelung die Zumutung zu stellen, abhängigen Personen ein vermehrtes Wahlrecht zu geben, daS ist wirklich ein starkes Stück. (Sehr richtig I im Zentrum.) Aber auch abgesehen von der Stärkung des Eiiiflusses der Regierimg. sind die für die Verleihung des pluralen Wahlrechts gewählten Kriterien ganz verfehlt. Herr Schiffer sprach sich lebhast gegen die Drittelung in den UrWahlbezirke» aus. Aber gerade diese Drittelung drückt den plutokratischen Charakter des Dreiklassenwahlrechts herab und muß daher erhalten bleiben.(Sehr richtig I im Zentrum. Widerspruch bei den Nationalliberalen.) Mit der Vorlage des Entwurfes ist dem Landtage eine große wichtige Aufgabe zugefallen. Ein Wahlrecht, welches unseren An- schauungen entspricht, werden wir in nächster Zeit in Preußen ganz gewiß nicht erreichen. Aber der vorliegende Entwurf bedarf einer durchgreifenden Aenderung nach verschiedenen Richtungen, um über- Haupt eine Verbessrrung darzustellen. Wir werden uns bemühe», solche Veränderungen in der Kommiskon zu erreichen.(Lebhaftes Bravo! im Zentrum.) Miuister des Innern v. Mottle: Die liberalen Redner des gestrigen Tages und der Abg. Herold haben das geheime Wahlrecht gefordert. Nachdem gestern der Ministerpräsident mit aller Bestimmtheit den adlehncndc» Standpunkt der StaatSrcgierung in dieser Finge entwickelt hat, glaube ich darauf heute nicht näher eingehen zu solle». Dagegen geben mir andere Acußeruiigen Veranlassung, jetzt das Wort zu ergreifen. Die Aussührungen des Abgeordneten v. Richthosen lassen mich erkennen, daß der Ilebergang zur direkten Wahl in seiner Fraktion auf Bedenken stößt.(Sehr richtig! rechts.) Ich muß daran festhalten, daß die Gründe, die die Einführung der in- direkten Wahl seinerzeit wünschenswert ericheinen ließen, heute nicht mehr vorliegen.(Widerspruch rechts.) Ich will gern zugeben, daß in ganz einfachen ländlichen Verhältnissen, wo kleine Leute weit von der Stadt wohnen, sie die Zwecke und die Ziele der Parteien nicht genügend übersehen und im kritischen Moment, vielleicht verlockt durch gegenteilige Vorstellungen, sich auf eine Seite stellen, die ihrer innere» Ansicht und ihren Interessen eigentlich nicht entspricht. In dein bis- Herst, e» System hatlen sie in der Person eines ihnen nahestehenden Lenrauensmannes als Wahlmann eine Anleituiia. wurden sie durch diesen an der Stange gehalten. Das sind aber doch heutzutage A u s ,l a h m e z u st ä n d e, auf die man ein Wahlrecht nicht auf- bauen kann.(Widerspruch rechts.) Die Einrichtung der indirekten Wahl entstammt einer Zeit ohne Eisenbahn und Telegraphen, einer Zeit ohne Zeitungen und Vereine. Heute ist die Ober- fläche des öffentlichen Lebens erweitert worden. Es kommt heute darauf an. die Wähler aufzurütteln, damit sie zur Wahl gehen. Die Wahlbeteiligung war unter der indirekten Wahl eine sehr ge- ringe, und man kann daher sagen: die indirekte Wahl hat wirklich kaum noch eine politische Bedeutung;(Sehr richtig I links»nd im Zentrum. Widerspruch rechts) sie mindert die Fühlung zwischen den Abgeordneten und den Wählern und beeinträchtigt die selbständige politische Betätigung. Sie ist außerdem äußerlich eine höchst um- ständliche Modalität geworden.(Unruhe rechts.) Es liegt im ganzen System der indirekten Wahl, daß sie die Minderhelten venachteUlgt, und schon dieser Umstand hält viele Wähler von der Wahl zurück. Die Minderheit weiß eben, daß sie nicht zur Geltung kommt. Das Ihnen vorgeschlagene System ist gerechter. Es verhilft den Minder- heiten und dainit den wirklich in der Masse der Wähler vorhandenen Strömungen zur Geltung. Wenn behauptet wird, daß der Wegfall der indirekten Wahl nicht mehr unter den Begriff einer organischen Fortentwickelung des bestehenden Wahlrechts fällt, so muß ich darauf verweisen, daß das geltende Klaffenwahlrecht unberührt bleibt. Tie Wirkung des Klassensystems läht sich auch mit andere» Mitteln erreichen, als durch eine Mittels- Person. Gegen die Maximiermig sind verschiedene Einwendungen erhoben worden. Der Abgeordnete Träger meinte, daß nur 13 000 Wähler davon betroffen würden. Da hat er offenbar den indirekten Einfluß dieser Matzregel ganz anßer Betracht gelassen. Ueber den Punkt, wo die Maximicrung einsetzen soll, läßt sich selbstverständlich streiten. Wie man aber auf eine andere Weise praktisch zu einer Milderung der beklagten plutokratischen Wirkung des Wahlrechts gelangen kann, das ist nicht ohne weiteres zu erkennen. Dann sind von verschiedenen Seiten die Lorschläge angefochten worden, die sich auf die Merkmale für das Aufrücken in eine höhere Wählerklasfe beziehen. Man hat in unseren Vorschlägen eine ungerechte Benach- teiligung der Gewerbetreibenden erblicken wollen. In einer an- geiehenen Zeiwng stand, daß die Maßregel eine Entrechtung des flachen Landes zugunsten der Städte bedeutet. Die Wirkung unserer Vorschläge wird überschätzt. Man übersieht, daß die wichtigste Grundlage nach wie vor die Steuer« letstung bleibt, man übersieht, daß bei der Berechnung der Steuer die Grund-, Gebäude- und Gewerbesteuer ihre volle Verwertung findet. Ma» konnte daher dein Besitz nicht noch besondere Aufrückungs- merkmale geben. Die Vorlage soll auch dem Beamtentum eine zu große Berück- sichtigung geben. Ja, find denn die aufgeführten Akademiker und die, die das Freiwilligenexamen bestanden haben, ferner die, die sich im Besitz des Zivilversorgungsscheins befinden, wirklich alle Beamte? — Der Abgeordnete Herold sagte von den Zivilversorguiigsberechtigten, es wären Leute, die erst etivaS werden wollten. ES sind aber in Wirklichkeit Leute, die durch eine lange Reihe von Jahren bereits etwas geleistet haben.(Heiterkeit links.) Auch die Gruppe der iin Ehrendienst befindlichen Personen kanir nicht als eine solche an- gescheit werden, die der Bureaukratisierung des Wahlrechts dienen soll Es mag sich ja gegen unsere Vorschläge inancheS und vieles ein- wenden lassen(Lebhaftes Sehr richtig! links), aber es ist doch zu berücksichtigen, daß es nicht wünschenswert war, aus de» unteren Ab- teilungen, besonders aus der d r i t t e n alle Elemente heraus zu nehmen, die irgendwie besondere Merkmale beizubringen hatten. Es ist nicht unsere Absicht, den Arbeiterstand in der dritten Klasse zu isolieren. Alle Abteilungen sind untereinander gleich und gleich gut. (Lautes Gelächter links.) Wer von Wählern erster oder dritter Qualität spricht, hat den Sinn des DreiklasscnwahlsystemS nicht er- faßt(Wiederholtes Gelächter) oder will das nur zu agitatorischen Zwecken ausnutzen, wie es die Sozialdemokraten tun. Auch aus anderen praktischen Gründen warne ich vor dem Be streben, bei der Bestimmung der Merkmale für das Aufsteigen in eine andere Abteilung zu weit zu gehen. Nach wie vor soll die materielle Leistung für daS Staatswesen— unter besonderer Be- rücksichtigung des Realbesitzes— die Grundlage für die AbteilungS- bildung bleiben. In der Kommission werden wir uns weiter über Einzelhelten verständigen. Abg. Frhr.». Zedlitz(frk.): Die Begründung der Vorlage geht leider um den Nachweis der Notwendigkeit einer Wahlreform herum. Der Herr Ministerpräsident meinte, an der Wahlrechtsagitation sei weniger der Zustand des Wahlrechts selber als vielinehr eine Reihe von Mißständen schuld, deren Beseitigung in der Bevölkerung von einer Wahlrechtsreform erhofft würde. Es ist ja richtig, daß ein stark demokratischer Zug durch unser Volk geht. Leider aber ist diese demokratische Bewegung antimonarchisch und dainit aus die Gefährdung der staatlichen Machlstelluug PreußenS, die ein Grundpfeiler deS Reichs ist, gerichtet. (Lachen links, Beifall rechts.! Diese Demokraten verunglimpfen daS heutige Preußen in unerhörier Weise. Ich bin stolz darauf, ein Preuße zu sein(Lebhafter Beifall rechts) und weiß, daß die Ein- richuuigen PreußenS den Vergleich mit keinem anderen Lande zu scheuen haben.(Lebhafte Iiistiiuimnig rechts.) Ich halte es mit dem Worte deS Fürsten Biilotv: Preußen in Deutschland voran I Deshalb fordere ich auch die Beseitigung von öffentlichen Mißständen. Die Reformbedürftigkeit deS Wahlrechts hat man häufig damit begründet, daß es eine zu starke Vertretung des Großgrunobesitzes und der Konservativen bewirke. Aber der Herr Ministerpräsident hat schon darauf hingewiesen, daß imter demselben Wahlrecht früher die Fortschrittspartel und dann die Nationalliberalen hier weit stärker vertreten waren als jetzt die Konservativen. Das beweist, daß nicht der Großgrundbesitz die Ursache dieser starken Vor- tretung ist, sondern die konservative Strömung im Volke (Lachen links), eine Strömung, welche gerade durch die sozial- demokratische Bewegung gestärkt wird.(Erneutes Lachen links, Zllstimniung rechts.) Diese Erstarkuiig der konservativen Strömung zeigt sich nicht mir in Ostelbien, sondern auch in der Provinz Hannover. Keineswegs unter dem Schutze der Regierung (Lebhafte Zurufe links: D o ch I doch!), sondern aus inneren Gründen geht sie hervor. Wenn eine große Partei über ein Drittel der Vertretung im Volkshaus stellt(Zuruf links: Volkshaus?) — allerdings! haben wir etwa ein anderes Volkshaus?(Heiterkeit)— wenn also eine große Partei hier so stark ist, so muß sie auch einen Einfluß auf die Regierung ausüben, und das«m so mehr, wenn sie von einem so Willensstärken Manne geleitet wird wie gegen- wärtig die konservative Partei.(Große Heiterkeit.) Aber dieser Etiifluß darf nicht zu einem unmittelbaren Einfluß auf die Matz- nahmen der Regierung führen; würden wir wirklich einen ungekrönten König von Preußen haben, so würde das eine Gefahr für unsere politischen Verhältnisse und für Preußen bedeuten.(Heiterkeit links, Zlistiimnung rechts.) Deshalb war es gut, daß der Minister- Präsident hervorhob, daß die Regierung nicht im Dienste einer Partei steht.(Zuruf links: Das glaubt er selber nicht!) Herr v. Beth- mann spricht sicher nur aus seiner Ueberzeugung heraus.(Lebhaste Zustimniung rechts.) Und wenn er versichert, er loolle nicht, daß die Beamten eine besliminte Partei begünstigen, so ist ihm zu glauben. Aber nicht aus das Wollen, sondern auf das Können kommt es an.(Lebhaftes Sehr richtig I links.) Die Reformbedürftigkeit des Wahlrechts erkennen wir an. Wer die Konsequenz kann nicht sein, das Wahlrecht, unter dem Preußm groß« geworden ist, durch daS ReichStagSwahlrecht zu ersetzen. Wenn die Eutwickelung in der nächsten Zeit so weiter geht, wird auch Herr Herold bald einsehen, daß das ReichStagSwahlrecht sehr große Schattenseiten hat, daß vielleicht bald die Frage gestellt sein wird, ob Reich, ob ReichStagSwahlrecht.(Lebhafter Beifall rechts.) Beim Reichstagswahlrecht wird Ungleichartiges als gleichartig hingestellt. DaS ist gegen die Gerechtigkett. Und ist es vernünftig, die Stimmen, die verschieden schwer wiegen, als gleich zu erachten? Dabei wird die Entscheidung in die Hand der Massen gelegt, die an Erfahrung und Urteil nicht reich sind. Das ist nicht Vernunft, sondern politische Unvernunft. Das gleiche Wahlrecht entspricht also weder der Gerechtigkeit noch der Vernunft.(Lebhafter Beifall rechts; Wider- spruch bei den Sozialdemokraten.) Zu einer allgemeinen Neueinteilung der Wahlkreise werden wir nicht schreiten können. Diesen Gedanken hat das Haus in jeder Form mit mehr als Zweidrittel- Mehrheit abgelehnt, und daher wäre es ganz unkonstitutionell, wenn die Staatsregiermig jetzt in einer Vorlage die Neueinteilung fordern würde. Herr Schiffer ver- langt diese Neueinteilung auch nicht auf Grund der Bolkszahk, sondern auf kultureller, wirtschaftlicher und historischer Grundlage. Aber auf kultureller, wirtschaftlicher und historischer Grundlage beruht die gegenwärtige Einteilung der Wahlkreise(Stürmische Heiterkeit links), und deshalb kann von einer allgemeinen Neu- einteilnng nicht die Rede sein.(Lebhafte Zustimmung rechts.) Worauf es ankommt, das ist die Beseitigung der Mißstände des gegen- wältigen Wahlsystems und die Erreichung der Zivecke, die das Wahl- gefetz beabsichtigt hat. Wie weit die Vorlage das im einzelnen er- reicht, das wird noch Gegenstand eingehender Kritik sein müffen. Sehr bedeutsani ist die Einführung der direkten Wahl, die keineswegs bloß formell ist, sondern auch eine sehr wesentliche materiell e Bedeutung hat. Es unterliegt keineni Zweifel, daß die indirekte Wahl lähmend auf die Wahlbeteiliguirg wirkt und daß eine starke Wahlbeteiligung im Interesse der politische» Erziehung der Bevölkerung zu staatlicher Gesinnung liegt. Mt Recht hat der Minister auch hervorgehoben, daß durch die indirekte Wahl die Minder« heit stark beeinträchtigt würde. Bei der direkten Wahl dagegen werden sowohl die ländlichen wie die städtischen Minoritäten mehr zur Geltung kommen.(Ministerpräsident v. Bethmann betritt den Saal.) Bedenken erregt in der Vorlage der starke Sprung, der mit dein Uebergang voin Urivahlbezirk zum Stinnnbezirk gemacht wird. Dieser Sprung wird wohl ein Sprung ins Dunkle sein. Es würde auch bei der direkten Wahl eine starke Agitation einsetzen, die der Agitation bei den Reichstagswahlen nichts nachgibt. Und wer weiß, wie verhetzend diese Agitation wirkt, der wird gegen eine Wieder- holung Bedenken erregen. In England gestattet man sich nur alle sechs Jahre eine solche allgemeine Wahl, wir dagegen haben in fünf Jahren zwei derartige Wahlen. Hierin liegt ein starkes Be- denken gegen die direkte Wohl.(Sehr richtig! rechts.) Die Maximierung würde nicht dem flachen Lande zugute kommen, sondern den Städten.(Sehr richtig! rechts.) So, wie die Vorlage sie vorschlägt, nach der Höhe der Kommunalsteuerzuschläge, ist sie un- gerecht. Die einschneidenden Wirkungen der Maximierung könnten abgeschwächt werden, wenn inan von der Drittelung in den UrWahl- bezirken, die in vielen Fällen nur der Sozialdemokratie zugute kommen würde, zur Drittelung in den Gemeindebezirken überginge. Dadurch würde man der Demokratisierung des Wahl- rechts entgegentreten, und das entspricht auch dem Sinn des Wahl- rechts, das ja dem Mittelstand in der zlveiten Abteilung eine cnt- scheidende Rolle zuweisen will.(Sehr richtig! rechts.) Die Privilegierung der Bildung ist ein dcrnünftiger Gedanke. Bildung und Besitz sind meist nicht mehr— wie früher— miteinander vereint. Da ist eine besondere Berücksichtigung der Gebildeten gerechtfertigt. Aber man darf nicht einseitig die Studierten privilegieren, auch die Männer der Praxis müssen solche Privilegien erhalten. Unannehmbar ist für uns die Bevorzugnug der Militäranwärter, weil sie die anderen Beamten, vor allem aber den erwerbstätigen Mittelstand benachteiligt. Nian müßte den selbständigen Gewerbe- treibenden und den Bauern mit einem Einkommen von mehr als 1800 M. das Aufrücken in die höhere Wählerilasse gewähre». (Abg. Liebknecht(Soz.): Und die Arbeiter?!) Die Interessen der Arbeiter werden heute durch das Reichstagswahlrecht schon in einem das berechtigte Maß überschreitenden Umfange vertreten, so daß es einer besonderen Berücksichtigung ihrer Interessen im preußischen Wahlrecht nicht mehr bedarf.(Zustimmung rechts.) Trotzdem fühlen wir uns stets verpflichtet, die Arbeiterutteressen genau so wie die Interessen der anderen Volksschichten zu vertreten, denn wir sind eben Vertreter des ganzen Volkes!(Lebh. Beifall rechts.) Der Redner geht nunmehr auf die geheime Wahl ein.(Rufe: Lauter! Lauterl Ruf links: Er genirrt sich! Große Heiter- keit.) Die Mehrheit meiner Freunde steht auf dem Boden der öffentlichen Wahl. Die geheime Stimmabgabe ist heute der Sozialdemokratie weniger vorteilhaft als die öffentliche. Aber wie dem auch sei, etwas Positives wird bei dieser Vorlage nur herauskommen auf der Grundlage der öffentlichen Wahl!(Lebh. Beifall rechts, Unruhe links.) Selbst wenn wir hier die geheime Wahl beschließen wollten, würde das Herrenhaus da nicht mitgehen, sondern wieder die öffentliche Wahl einsetzen. Und die Regierung würde kaum geneigt sein, durch einen PairSschub diese Opposition des Herren» Hauses zu brechen.(Ruf links: Abwarten!) Also: die Sache wird mit der öffentlichen Stimmabgabe gemacht, oder sie wird nicht gemacht. (Zuruf links: Nie!) Das sollten Sie(nach links) sich bei Ihrer endgültigen Stellungnahine vor Augen halten. Das loirtschaftlick« Abhängigkeitsverhältnis kann gegen die öffentliche Wahl nicht vor- gebracht werden. Es ist wirklich nicht so arg mit dieser Abhängig- ieit, wenn man sich vergegenwärtigt, dag die Bergarbeiter in Ober- schlesien und im Rheinland in aller Oeffentlichkeit, und ungescheut die Kandidaten ihrer Arbeitgeber niedergestlmmt"haben. Eine Minderheit meiner politischen Frelllide ist ja für die geheime Wahl, aber auch die Mehrheit sieht es als Ehrenpflicht an. dem gewerb- lichen Mittelstand in den Städten das Wahlrecht durch die öffeut- liche Wahl nicht verkümmern zu lassen. Freilich ist das eine sehr schwere Ausgabe, aber es muß versucht Ivcrden.(Hört! hört! und Gelächter links.) Möge es zu einem Wahlrecht kommen, das die Eigenart des preußischen Staatslebens sichert. Das wird auch im Interesse des Reiches liegen.(Lebh. Beifall rechts, Zischen links.) Abg. Ströbel(Soz.): Als wir Sozialdemokraten gestern dem Ministcrpräsidcriten den unerwarteten Empfang bereiteten, da glaubten wir, daß auch andere Parteien in unseren Protest einstimmen würden. Wir glaubten daS, weil die Wahlrechtsvorlage nicht nur eine Provo- iation der Sozialdemokratie bedeutet, sondern eine ungelienerlichr Provokation des ganzen preußischen Volkes.(Lebhafte Zustimmung bei de» Sozialdemokraten. Unruhe rechts.) Hinter der Sozial- dcmokratic stehen in Preußen 2 Millionen Wähler.(Erneute Uu» ruhe rechts.) Ueberhaupt siebt hinter den Parteien, die eine Wahl- rcform im Sinne des Rcichstagsivahlrcchts fordern, die Mehr» heit der Wähler in ganz Preußen.(Sehr richtig! links.) Für die Freisinnigen. daS Zentrum, die Polen und Sosrüldeniokraten sind in Preußen von insgesamt 8 881000 Stimmen 4 273 000 Stimme» abgegeben worden. Also% aller preußischen Wahler fordern die Einführung des allgeemen, gleichen, geheimen und direkten Wahlrechts.(Lebhaftes Hörtl hbrt!.links.) Wenn wir die Nationalliberalen noch hinzurechnen, die Such eine gründliche Umgestaltung des Wahlrechts fordern, so ergeben sich von 6 881 000 Stimmen 5 1 28 000.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Demgegenüber haben Konservative, die Reichspar tel und wie diese ultrareaktionären Elemente alle heißen, zusammen nnr 1753000 Stimmen. l(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten, Unruhe rechts.) Das�sind die Herren, die sich als die Vertreter Preußens aufspielen!(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Also nur em kleiner Bruchteil der Wähler steht hüiter Ihnen, und nicht etwa deshalb, weil sie alle konservativ wären, sondern zum Teil nur deshalb, weil sie leider noch an der politischen Unbildung leiden, die die der Minister- Präsident so sehr beklagt hat. Und dieser kleine Bruchteil maßt sich an, Preußen zu vertreten und die Regierung komm an- d i e r e n zu wollen.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Die ungeheure Mehrheit des preußischen Volkes fordert das allgemeine und gleiche Wahlrecht, und die Regierung verweigert es auf Befehl der Junker. '(Bvavo! bei den Sozialdemokraten, Unruhe rechts.) Die politischen Taksachen beweisen, daß die Regierung tatsächlich nur dem Drängen der Junker gehorcht, wenn sie eine solche Ausgeburt von einer Wahlrechtsvorlage hier vorgelegt hat. Die Herren v. Heydebrand, Oldenburg-Januschau. Kreth, Pappenheim und Richthofen kommandieren und die Regierung gehorcht. Sie weiß ja auch, iveek'um. Wie oft sind die Minister durch die Konservativen ge- stürzt worden! Bülow, Hohenlohe und Caprivi, sie stürzten, wen oder sobald fie nicht mehr Lakaien der Junker sein wollten.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Der Minister- Präsident bestreitet, daß die Regierung den Junkern untertänig sei. Dann ist es um so schlimmer, wenn die Regierung aus eigener Ueberzeugung eine solche Wahlrcchtsvorlage einbringt, denn dann beweist sie, daß sie Fleisch vom Fleisch und Geist vom Geist der Junker ist.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Das ist das allerschllmmstc, was einer Regierung nachgesagt werden kann.(Lärm rechts.) Der Ministerpräsident sagte, man müsse sehen, was hintrr den Strömungen in der Oeffentlichkeit steckt. Hinter den stark.en Strömungen steht das Verlangen nach Ein- sührung des RcichStagswahlrechks in Preußen. Natürlich haben wir Sozialdemokraten den Willen zur Macht, den jede Partei haben muh. Die Sozialdemokratie hat den Willen zur Macht aber nicht in dem Nietzscheschen Sinne, auch nicht im Sinne der Inn. ker, sondern sie veirlangt die Einführung gleicher Rechte für das ganze Volk zmm Wohle des ganzen Volkes.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Das ist der Wille zur Macht, den die Sozialdemokratie allezeit haben wird. Wir wollen auch den Staat nicht unterminieren, sondern wir wollen überhaupt erst einen wahrhaften Staat organisieren an Stelle der Zwangsinstitution. die gegenwärtig in Preuhen besteht.(Sehr gut! bei den Sozial- demokraten, Unruhe rechts.) Der Ministerpräsident erklärte, daß die Regierung keiner Partei zuliebe und keiner Partei zuleide lediglich aus idealen Gründen des Staatswohles ihren Stand- punkt in der Wahlrechtsfrage einnehme. Derselbe Minlsterpräsi- dent mit seinen rein idealem Gründen mutete aber dem Frei- sinn zu. aus dem erbärmlichsten Fraktion»egoiS- m u s gegen die Einführung'des gleichen und allgemeinen Wahl- rechts Stellung zu nehmen. Die Freisinnige Vereinigung habe nur ein Mandat mit Hilfe der dritten Abteilung erobert, und des- halb würde der Freisinn bei der Einführung des allgemeinen Wahl- rechts wahrscheinlich Nachteile haben. Ist denn der Freisinn b i S jetzt selbständig gewesen? Wenn der Ministerpräsident erklärte, bei einem demokratischen Wahlrecht büße der Freisinn seine Selb- ständigkeit ein, so kann man nur daraus antworten, daß der Frei- sinn bis jetzt genötigt gewesen ist, mit den Junkern und Wahlrechtsfeinden zusammenzugehen. Es wäre bielleicht minder kompromittierend, wenn der Freisinn künftig mit der Sozialdemokratie zusammengehen würde gegen das Junkertum.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Wir wollen dem Freisinn nicht zureden, er mag das halten wie er will. Der Ministerpräsident hat dann gesagt, daß man mit dem gleichen Wahlrecht böse Erfahrungen machen werde. ES ist sehr eigentümlich, daß der preußische Ministerpräsident, der doch zu. gleich deutscher Reichskanzler ist, derartige Gründe gegen das allgemeine Wahlrecht geltend macht.(Sehr richtig! links.) Das läßt darauf schließen, daß er auch für das Reichstagswahlrecht im Reich nicht all zu sehr eingenommen sein kann Gerade e r sollte dafür eintreten, daß dieses Reichötagswahlrecht in keiner Weise angetastet wird, auch nicht durch Ausführungen, die er selbst hier gemacht hat. Der Ministerpräsident hat weiter ausgeführt. Preußen könne das gleiche Wahlrecht nicht er- halten, weil eine Teilung der Aufgaben durchgeführt sei. Diese Teilung ist doch aber auch in Süddeutschland durchgeführt, und dort hat man ein freie? Wahlrecht. Warum soll daö nicht in Preußen möglich sein? Der Minister- Präsident kann doch nicht behaupten, daß Süddeutschlemd in kul- tureller Beziehung hinter uns zurücksteht. Wenn er das glaubt, dann mag er es sagen. Die Antwort, die ihm dann von Süd- Deutschland gegeben würde, wird er sich nicht hinter den Spiegel stecken.(Sehr richtig! links.) Gerade die Aufgaben, die Preußen vorbehalten sind, machen es notwendig, daß der Masse der Bevölke- rung das gleiche Wahlrecht eingeräumt wird.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Die Fragen der Justiz, dcS Schulwesens. der Staatsbetriebe und der sozialen Ge. setzgebung zwingen das Proletariat geradezu, die Tätigkeit des Landtags mit der größten Aufmerksamkeit zu verfolgen.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Es ist das Recht der stärksten ftlnsse in Preußen, das gleiche Wahlrecht zu verlangen. Der Ministerpräsident hat auf die Wahlerfolge der Konservativen in England hingewiesen. Nun, wenn Deutschland nicht eine uferlose Flottenpoliti! getrieben, wenn der Flottenverein nicht eine so skandalöse Hetze gegen England inszeniert hätte und wenn bei den letzten Reichstags wählen nicht die Konservativen und alle staatserhaltenden Parteien mit dem Reichsverband eine Hetze gegen England getrieben hätten, dann hätten auch die Konservativen in England nicht so sehr in Chauvinismus machen können.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Also unsere Reichsverbändler und die Parteien, die sich ihrer bedient haben, haben die Stärkung der Konservativen in England hervorgerufen. Das mag freilich unseren Konservativen nicht unangenehm sein, aber sie dürscu nicht vergessen, daß durch dieses Schüren des Chauvinismus auch' drüben in England die Flottenrüstungen ins Uferlos« wachsen werden. England baut immer mehr Kriegsschiffe. Deutschland wird folgen und das End« wird der finanzielle Krach oder ein Krieg sein. Diese EntWickelung haben Sie verschuldet.(Lebhafte Zu- stimmung bei den Sozialdemokraten. Unruhe und Widerspruch rechts.) Bei den Betriebsverwaltungen kommt das große Heer der Unterbeamten in Frage. Bei der Be- soldungsreform haben gerade die Unterbeamtcn am schlechtesten ab- geschnitten. Die Militäranwärter allerdings sind schon damals besonders begünstigt worden. Die Unierbeamten haben selbst da« Gefühl, daß ihre berechtigten Ansprüche nicht befriedigt worden sind. Wenn Sie das nicht wüßten, würden Sie auch nicht so lebhaft für die Beibehaltung der öffentlichen Stimmabgabc eintreten.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Auch die Lage der Ctaatsarbeiter ist keineswegs so günstig, daß ihre Verhältnisse nicht aufgebessert zu werden brauchten. Ein Bahuunierhaltungs- orbeiter verdient durchschnittlich 2,71 Mk. und ein Werkstätten- «rbeiter 3,94 M. pro Tag.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Das find menschenunwürdige Löhne.(Sehr richtig! bei den So- zialdeuiokraten.) Die Damen der Gesellschaft geben soviel allein für ihre Handschuhe aus. für ihre Hüte oder für ihre Jül'ons. z u n gSst e u e r. Wir haben in Preußen 1% Mib lionen Zensiten, die ein Vermögen von 91 Milliarden versteuern. Davon haben 144 000. also knapp 10 Proz., ein Einkommen von OS Milliarden, 300 000, also 20 Proz., besitzen 67 Milliarden. Die Masse des Mittelstandes besitzt nur 24 Milliarden von insgesamt 91 Milliarden. Namentlich das Vermögen der Reichen, der Millionäre, ist gewachsen. Das sind geradezu aufreizende Zahle», und deshalb müssen sie hier im Dreiklassenhaus erwähnt werden. Seit l89S hat sich das Vermögen der Millionäre von 13,6 auf 22,6 Milliarden erhöht. Jeder einzelne Millionär hat seit 1893 sein Vermögen durchschnittlich um eine Million vermehrt. (Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) DaS Geld vermehrt sich nicht von selbst, sondern die neuen Werte werden geschaffen. Aber nicht von der Arbeit der Millionäre, sondern vom Volke, und die Milliarden sind daher«uö den Taschen des arbeitenden Volkes herausgeholt worden.(Sehr wahr! bei den Sozialdemo- kraten.) Ein Wahlrecht, das den Besitz begünstigt, v e r» schärft und befördert die uugeKeuerUcKN* Volksauspliinderung. Run wird immer gesagt, den Arbeitern gehe eS nicht schlecht, daS bewiesen die Sparkasseneinlagen. Nach der neuesten Statistik bezifferten sich diese Einlagen 1908 auf 9373 Millionen Mark. Das ist schon relativ sehr wenig gegenüber den 91 Mil- liarden, die der Besitz sein eigen nennt. Und diese Summe ent- fällt auf mehr als lO Millionen Sparkassenbücher. Auf die Bücher mit einer Einlage bis zu 600 M.— das sind die Bücher de? kleinen Mittelstandes, entfallen nur etwa 1300 Millionen Mark von insgesamt 9373 Millionen Mark, und selbst wenn man die Mehr- cinlagen bis zu 1300 M. hinzurechnet, entfällt auf alle diese Ein- lagen bis zu 1300 M. nur ein Betrag von etwas über 3000 Millionen Mark.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Auch in anderer Beziehung sind die Zahlen der Sparkassenstatistik sehr intercssant. Sie beweisen nämlich, daß in der Zeit der Krise gerade daS Prole- tariat am allerfchwersten gelitten hat. Denn im Jahre 1908 sind in den preußischen Sparkassen nur 162 Millionen Mark neue Ein- lagen gemacht worden, während allein die Neueinlagen der Bücher im Betrage von mehr als 3000 M. n�hr als 230 Millionen betrugen. Daraus ergibt sich mit aller jtlarhtit, daß gerade von den kl ei- neren Sparkasseneinlegern höhere Summen abgehoben als neu eingelegt worden sind! So wird gerade durch die Sparkassen- statistik, auf die sich auch der Finanzminister v. Rheinbaben berufe» hat, das Märchen von der Wohlhabenheit des Proletariats und des kleinen Mittelstandes g r ü n d l i ch st w i d e r l e g t.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Beibehalten werden soll auch die WahlkreiZeinteiliing. Etwas Ungeheuerlicheres als diese Wahlkreiseintetlung ist gar nicht denkbar. Es ist deshalb um so erstaunlicher, daß der Vertreter des Zentrums sich ausdrücklich für Beibehaltung der skandalösen Älablhreie- einteilung erklärt hat, die eine Entrechtung der große» Masse deS Volkes bedeutet, das in den G r o ß stä dien und Industriezentren wohnt. Der Herr Abgeordnete Herold sollte sich erinnern, daß sich bereits im vorigen Jahre 5 Zentrumsabgeordnete schämten, mit der Mehrheit deS Zentrums gegen die Neueinteilung der Aihlkrcise zu stimmen. Wir werden dafür sorgen, daß die Stellung deS Zentrums zu der Neueinteilung der Wahlkreise in I n d u st r ic- a r b e i t e r k r e i s e n allgemein bekannt wird. Wlr werden dafür sorgen, daß das Zentrum gezwungen wird, den Lebensintcressen der Jndustriearbeiterschaft Rechnung zu tragen! Die Äraumcnte, die Herr Herold vor- trschiv, wgren recht schnurriger Art, So erklärte et, dgß Ostpreußen deshalb größere Berücksichtigung verdiene, als Berlin mit seiner großen Einwohnerschaft, weil Ostpreußen ein größeres Areal besitze. Danach müßte also das Wahlrecht an der Bodenfläche hasten, statt den Wählern selbst erteilt zu werden.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Und wenn Herr Herold von der h i st o r i- scheu EntWickelung spricht, die berücksichtigt werden müsse so sind wir ganz semer Meinung, nur verlangen wir, daß nicht nur die historische EntWickelung der Vergangenheit berücksichtigt wird, sondern die lebendige EntWickelung der Gegenwart. die die großen Städte und die gewaltige Jndustriearbeiterschaft ge schaffen hat. Die Ungeheuerlichkeiten der preußischen Wahlkreis einteilung sind geradezu haarsträubend. In S ch r i m m Schroda-Wreschen oder Preaßisch-Holland-Moh rungen entfällt auf 8790 Wähler ein Abgeordneter während in SchSneberg-Rixdirf zehnmal soviel Wähler, genau 87 099, ebenfalls nur einen Abgeordneten wählen dürfen! In Schrimm-Sckiroda-Wrefchcn hat jeder Wähler der l. Klasse 139mal so viel Wahlrecht, als ein Berliner Wähler 3. Klasse. Nach einer Berechnung, die ich angestellt habe, ergibt sich, daß hinter jedem freikonservativen Abgeordneten 13 000 Urwähler stehen hinter jedem konservativen 13 090, hinter jedem Zentrums. abgeordneten 19 000, hinter jedem nationalliberalen 20 000, hinter jedem freisinnigen 23 000 und hinter jedem der sieben sozialdemokratischen Abgeordneten, die damals ge wählt, standen 49 000 Urwähler. Die Konservativen haben also Irdigliiki durch die Einteilung der Wahlkreise doppelt so viel Wahlrecht als die Freisinnigen und dreimal so viel als die Sozialdemokraten. Das ist natürlich ein Zustand, von dem Sie (nach rechts) wünschen, daß er möglichst lange konserviert wird Trotz dieses Wunsches fasse ich mein Urteil über dies Wahl. system und diese Wahlkreiseintetlung dahin zusammen, daß es etwas Düinrnerco und Clnverfrorenem überhaupt nicht geben kann.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozial- demokraten.) Da muß man schon auf dem Standpunkt des Pommer- schcn JunkerS Thadden-Triglaff stehen, der 1848 bei einer Wahl. rechtSdcbatte gesagt Hot: Er könne ein Grundprinzip nicht aner- kennen, nachdem etwa auf 10 000 Pfund Mens chenfleisch inklusive Menschenknochcn ein Wahlmann kommt, und viel- leicht 49 900 Zentner Menschenfleisch einen Abgeordneten stellen. (Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Dieses unerhört zynische Wort ist außerordentlich charakteristisch für den Standpunkt der Anhänger dieser WahlkreiSeinteilung. Für die Anhänger deS Drei. klassenwahlrechtS und der WahlkreiSeinteilung ist das Volk also nicht eine Summe von Menschen, nicht eine Summe von Persönlichkeiten mit differenziertem Seelen und Geistesleben, sondern em Quantum Menschenfleisch. und nicht nach der Größe dieses Quantums Menschen fleisch soll daS Wahlrecht verteilt werden, sondern etwa nach dem Quantum von Schweine- und Ochsenfleisch, da? in den agrarischen Bezirken vorhanden ist.(Lachen rechts.) Das ist das logische Ergebnis: es gehört eine geradezu kannibalische Verachtung deS menschlichen Seelenlebens und des menschlichen Gehirns zu einem solchen Standpunkt. Allerdings das Gehirn spielt ja keine große Rolle bei den Konservativen (Lachen rechts), eS genießt bei JHm" keine große Achtung. Die Lacher mögen im Feuilleton der„Deutschen Tageszeitung" folgende junkerliche Selbstcharakteristik nachlesen, die dort vor einigen Tagen stand:„Kunst und Wissenschaft— natürlich, sie sind schon von Wert; aber wir haben davon reichlich, beinah zu viel." Das ist Ihre(nach rechts) Wertschätzung von Kunst und Wissenschaft. Nichts rechtfertigt also die Ungleichheit der Wahlkreise. Den Landbewohnern soll das gleiche Recht nicht verkümmert werden, Wir Sozialdemokraten sind wahrhaftig nicht bauernfeindlich, wohl aber die Herren Konservativen, die die Masse der Kleinbauern, der Kätner, der Kossäten in die dritte Klasse hineinbringen wollen, während sie selbst als Großgrundbesitzer in der ersten wählen. Aber da? Land dar an und für sich nicht mehr Wablrecht beanspruchen als die Stadt, Die Bauernsöhne, die in die Jndustriebezlrke abwandern müssen, werden in dem Augenblick entrechtet, wo sie Industriearbeiter werden. Da» ist doch absurd. Ich erwart- vom Zentrum daß c« feinen Widerstand gegen die Neueinkrilnng der Wahlkreise anfzeben wird. Um io schlimmer iür daS gentriim, wenn es hier versa gtl Die Kommission muß von Grund auf neue Arbeit machen. Wenn dadurch der Regierung die Borlage unannehm« bar werden sollte— ach. daS schadet nichts, dann fällt eben die Vorlage, und dann korgen wir dafür— hoffentlich nicht nur wir Sozialdemokraten, sondern auch die Freisinnigen und das Zentrum— durch Erregung eines Bolls st urmeö(Gelächter recht»)— Ihr Lachen zeigt nur, wie Sie die Mffen verachten— daß die Regierung genötigt wird, recht bald eine ganz andere Wahl rechtsvorlage einzubrigen. Wa» sie an Berbesiernngen bietet, ist gänzlich unzulänglich. Die Moximierung kommt für die Massen der Wähler ja gar nicht in Betracht; sie ist bei Lichte besehen nur eine Konzession an die Besitzenden Bisher hatten wir ja den wunderbaren Zustand, daß auch Minister»nd Gebeimräte gelegentlich in der dritten Klasse wählten. Es ist vorgekommen, daß ein Bordell- b e s i tz e r in der e r st e n und der Generalsuperintendent in der zweiten oder dritten Klasse wählten.(Hört I hört I links.) Da» sind die Folgen dieses Wahlrechts. Der Geheimrat und der Generalsnperlntendent sollen ja nun aus der dritten Klasse heranSgehobe» werden, aber die großen Massen der Wähler bleiben rechtlos! Die Maximierung bedeutet sicher eine Verschlechterung des Wahlrechts für die Freisinnigen und Nationaltiberale n zugunsten de» Zentrums und der Konservativen. Aber davon, daß eine Partei einen Borteil oder einen Nachteil vom Wahlrecht hat, darf man doch seine Stellungnahme zum Wablrecht überhaupt nicht abhängig machen. Der Freisinn sollte mit allem Nachdruck für das völlig gleiche Wahlrecht eintreten und eS wäre gut gewesen, wenn er das läng st mit einem viel höherem Nachdruck getan hätte.(Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten) Es wäre sehr sonderbar, wenn der Freisinn und die National- liberalen sich auch gegen die Beibehaltung der Drittelung nach Ur- Wahlbezirk«» wenden wollte. Die Forderung der Drittelung nach Wahlkreisen und Gemeinden kann nur derjenige er- heben, der da» Prinzip der Berleihnng de» Wahlrecht? nach der Größe de» Geldsacks anerkennt. Der Freisinn darf gegen die Drittelung nach Urwahlbezirken nicht kämpfen, weil sie wenigstens relativ DaS Proletariat begünstigt. In Berlin haben wir»ur deshalb sechs Mandate erobern können, weil wir auch 22 000 Wähler in der zweiten Klasse hatten. Eine Drittelung nach Wahlkreisen oder über die ganze Genieinde wäre eine unerhörte Verschlechternng. (Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Eine weitere Aenderung deS Wahlrechts ist die Verleihung des Privilegs an die Bildung. Auch diese Aenderungcn müßten vom Zentrum und der ganzen Linken abgelehnt werden. denn sie beseitigen»ich« Vorrechts sondern schaffen neue Vorrechte. Durch solche Flickreformen wird daS skandalöse Unrecht deS DreiklaffenivahlrechtS nicht beseitigt, sondern gestützt und verewigt. Treten die Natiouailibernlen und die Frei- sinnigen trotzdem für die Schaffung neuer Privilegien ein, so werden wir das mit aller Schürfe draußen im Lande brandmarken.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Die Bevorrechtung der Bildung ist nur ein Privilegium des Besitzes. Nur der kam,«ine höhere Schule besuchen, der in der Wahl selner Eltern vorsichtig gewesen ist. Wenn in Berlin 10 Proz. der Plätze für Kinder aus armen Verhältnissen freigehalten werden, so beweist das gar nichts. Die höheren Schule» bleiben Klassenschulen.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Dazu kommt: die wirklich höhere Bildung deckt sich nicht mit der Bildung, die auf unseren höheren Schulen erworben ist. Gerade die politische Bildung ist in den Kreisen der sogenannten Gebildeten in viel geringerem Maße anzutreffen, als bei der Arbeiterklasse. DaS haben auch ein» sichtige Liberale anerkannt. Das Tollste»nd GroteSkeste an der Borlage ist das Untkroffizierprivilcgium. Es wäre wirtlich iammer» schade gewesen, wenn die Verfasser der Vorlage sich diesen skurrile» Ein- fall verkniffen hätten. Der Rekrutendriller gilt unserer Regierung mehr alS der fleißige Mann der ehrlichen Arbeit.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Das Uiiterosfiziersprivlleg wird ja wahr» scheinlich fallen. Aber dieser Vorschlag zeigt auch dem Vernageltsten, wie die Regierung über das Volt denkt. Die Regierung will sich offenbar eine Prätorianergarde schaffen, eine SchutTtruppe für Junker und Großkapital, weil sie mit Recht annimmt, daß in Preußen kein vernünftiger Mensch mehr für sie eintreten wird.(Unruhe rechts.) Diese Prätorianer sollen zur Wahlurne kommandiert werden und rmter der Füchtel der öffentlichen Wahl abstimmen.(Sehr richtig I bei den Sozial- demokraten.) Wie wäre es, wenn man auch ein W a h l p r i v i l e g für die Streikbrecher einführen wollte, oder, wie wäre es, wenn man den ehemaligen Unteroffizier in die erste Klasse avancieren ließe, der wegen Soldatenmißhandlungen bestraft ist.(Sehr gut I bei den Sozialdeinolraten. Lärm rechts.) Die öffeniliche Abstimmung mit ihrem Terrorismus, mit ihrer schwach- vollen Gefiniiiingsknechtung soll nach wie vor zu reaktionären Wahlen verhelfen. Wir habe» in Preuße» 800 000 abhängige Beamte und Staatsarbeiter und die werden durch die Fuchtel der öffentliche» Abstimmung verhindert, so zu stimmen, wie sie wollen.(Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Nun hat eS sich die„Voss. Ztg." nicht verkneifen können, vom Terror der Sozialdemokratie zu spreche». Auch der Ministerpräsident sprach vom Terror der Arbeiter. Ja, kann man es denn dem Arbeiter verdenken, wenn er als Käufer seine Groschen nicht zu dem Mann trägt, der bei der öffentlichen Abstimmung gegen die Interessen der Konsumenten gestimmt hat? (Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Der Arbeiter müßte ja geradezu ein siebenfach gehörnter Esel sein, wenn er so etwas machen wollte. Das wird er auch in Zukunft nicht tun. Wir möchten den Terror beseitigen, wir möchten auch nicht, daß die Geschäftsleute ab» hängtg find; aber so lange diese« öffentliche Wahl- recht besteht, werden Sie eS den Arbeitern nicht verdenken können, wenn sie s o handeln wie eS ja gerade da« öffentliche Wabl- recht will.(Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Der Ministerpräsident hat auch gar keine Nriache, sich über die Sozial» demokraten und deren Terror zu entrüsten. Diese Abhängigkeit der Geschäftsleute von der Arbeiterschaft ist doch offenbar auch eine „von Gott gewollte Abhängigkeit", für die er eine Lanze gebrochen hat. Der von der Sozialdemokratie seinerzeit ge» übte Terror lvar eine gebotene und in ihren Motiven durchaus hochmoralische Abwehraktion. (Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Sie hat auch gewirkt, ste hat mehr gewirkt als die platonischen Forderungen, die johrzehnte- lang der Freisinn erhoben hat. Denn daß jetzt die Nationalliberalen für die geheime Abstimmung eintreten und auch einige Frei» konservative, da? ist dem Vorgehen, dem Notwehrakt der sozial- demokratischen Arbeiter zu danken. Der Abgeordnete Zedlitz will auf dem Lande die öffentliche Abstimmung bestehen lassen, aber für die Städte die geheime Abstimmung einführen. Also die Junker sollen TermiSmuS übe» können, aber den Arbeiter» sollen auch in dieser Beziehung die Hände geknebelt werden. Und wie TerrorismuS geübt wird von der rechten Seite, das beweisen zwei Fälle, die ich nur kurz erwähnen will. Als im Jahre 1903 bei den Landtagswahlen die Stadt GoSlar in ihrer Mehrheit national» liberal gestimmt hatte, da wurde vom Bund der Landwirte der Boykott über die Geschäftsleute der Stadt Goslar verhängt. Und als im vorigen Jahre in Northeim ein nationalliberaler Wahlverein gegründet worden war, da verhängten die Bündler wiederum den Boykott über alle Ge» s ch ä f t s l e u t e und abhängige Existenzen, welche diesem national- liberalen Verein beigetreten Ivaren.(Hört! hörtl links.) So üben Sic Terror! Und dann wagen Sie eS. über sozialdemokratischen Terror sich zu entrüsten? Beseitigen Sie die öffentliche Abstimniung, dann beseitigen Sie den Terror. Solange das nicht geschieht, wird die Arbeiterklasse sich einfach zur Wehr setzen. Die Regierung bringt dann noch 'olgendeS kuriose Argument für die öffentliche Abstimmung: In der ersten Klasse, wo doch»ur wenige Personen wählen, würde daS Wahlgeheimnis doch nicht gesichert werden. Die reichen Leute, die Millionäre, die höchsten Beamten, welche Nachteile hätten denn die davon zu befürchten, wenn man wirklich erführe, wie sie gestimmt haben? Es sei denn, daß etliche von ihnen ozialdemokratisch gestimmt hätte»! Aber dann werden doch nicht wir Terror üben, dann wird die Regierung Terror üben t Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Noch«in Argument, da? eigentlich parlamentarisch nicht qualifizterbar ist. In der Begründung beißt es: gegen böswillige Verletzungen de? Wahlgeheimnisses und ;egen terroristische Beeinflussungen der Wahl schützt auch die geheime Wahl erfahrung?genräß nicht". Da» wagt dieselbe Re- greruug zu schreiben, die sich mit Händen und Füßen natürlich nach den Wünschen und Befehlen der Junker— dagegen sträubt, daß endlich zur Sicherung de« Wahlgehelmnisies allgemein Wahlurnen eingeführt werde». Gerade die Junker, die Herren auf dem Lande sind e? ja, welche Biergläser, Zigarrenkisten, Suppenterrinen und ähnliche Gegenstände benutzen. ES werden die Wahlkuverts der Reihe nach hineingelegt und der Reihe nach geöffnet. Da Buch geführt ist, wie abgestimmt ivorden ist, kann man daraus ganz genau entnehinen, wie auf dem Lande abgestimmt wird. So wird auf dem Lande erfahrungsgemäß von den Herren von der Rechten der ungenierteste TerronSmns ausgeübt, und die Regierung, die das ganz genau weiß und dies System iiitzt und fordert, wagt es, einen solchen Satz in die Begründung hinein zu nehmen. Die Vorlage ist von A bis g in allen Details geradezu eine Beleidigung des gesunden Menschenverstandes, eine einzige Provokation des Volkes. Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Wir raten nicht nur den Parteien, sondern auch der Re» i e r u n g und auch der Krone, die Vorlage gründlich um- . u g e st a l t e n. Politische und soziale Klassenherrschaft dauert nicht ewig. Das beweist die Geschichte der Herren von der Rechten. Wieviel haben die Junker nicht aufgeben müssen! Sie haben das Recht aufgeben müssen, als Raubritter die Kauflente zu überfallen.(Heiterkeit rechts.) Sie machen eS jetzt ja viel besser durch die Zölle. Sie haben sich bor F ü r st c n m a ch t beugen luttssen. Der berühmte Historiker Gustav Freytag illustnerre die Junker damals folgendermaße»:„Sie waren Lumpe, bei aller aufsucht ohne festen Mut, sie wurden allgemein für eine Landplage gehalten und mit Schmeißfliegen verglichen, aber sie ivaren bei alledem hochmütige, urchauS aristokratisch gesinnte Geselle n." (Heiterkeit.) Und weiter sagt Gustav Frehtag:«ES war die eit, wo die adelige Mutter ihre Tochter selbst mit reuden in die Arme eines liederlichen Fürsten führte und wo der ofmann die Gattin dem Fürsten gegen Bezahlung » b e r l i e ß(Heiterkeit.) Die Junker haben auch die Leibeigen- schaft aufgeben müssen, einen Znstand, den selbst Graf zu Dohna dahin kennzeichnet, daß„aus den Fenstern des herrschaftlichen Schlosses Jubel und Becherklang ertönte und unter den Fenstern der Stock des Fronvogts schwirrte". «o werden die Junker auch weitere Privilegien preisgeben milssen. Das Volk läßt sich solche Knechtung auf die Dauer nicht gefallen.(Sehr richtig I bei de» Sozialdemokraien.) Es wird feme Mündig» erllärung vom Parlament, von der Regierung und von der Krone verlangen. Andere Regierungen sind ja auch so klug gewesen, zum Beispiel Oesterreich. Kaiser Franz Joseph erklärte, daß die Regierung nicht nur verpflichtet sei, auf die großen Zeitströmungen Sachten, sie sei auch den Völkern verantwortlich; durch die ahlresorm werde dem Gebote der Gerechtigkeit entsprochen. Bei uns bringt man dem Volke kein vertrauen entgegen. Bei««S begegnet man dem Volke anch seitens der Krone mit feindseligem Mißtrauen. Vizepräsident Dr. Krause: Herr Abgeordneter S t r ö b e I. diese Verletzung der Ehrfurcht vor dem Könige ist auch eine Verletzung der Ordnung des Hauses; ich rufe Sie zur Ordnung. sBeifall rechts.) Abg. Ströbel(fortfahrend): Durch die Vorlage wird nach wie vor die Masse des Volles mit geknebelten Händen den Junkern preisgegeben. Auch in Deutschland ist Preußen mit seinem reaktionäre» Wahlrecht ja vollständig isoliert und auch deutsche Fürsten selbst erkennen die Notwendigkeit des allgemeinen und gleichen Wahlrechts für die Bundesstaateu an, so Ludwig von Bayern, der bayerische Thronsolger. Er hat ausgeführt: Seiner Anschauung nach sei die geheime Wahl ein Schutz der Schwachen gegen die Starken. (HörtI börtl bei den Sozialdemokraten.) ES gäbe gewissen- lose Menschen genug, die ihre Untergebenen zwängen, ganz anders zu wählen, als diese wählen möchten.(Hört I hört I bei den Sozialdemokraten.) Diese scheuten auch nicht davor zurück, ihre Untergebenen nur wegen einer nicht genehmen Stimmabgabe aus dem Dienste zu entlassen.(HörtI hört! bei den Sozial demokraten.) Die verkllnstelten Wahlsysteme gäben kein getreues Bild von der Gesinnung der gesamten Bevölkerung, wenn nicht ein gleiches und allgemeines Wahlrecht vorhanden wäre. (Hört! hö'rtl b. d. Soz.) Das sprach der bayrische Thronfolger, und dir Dynastie keines deutschen Staates sollte durch ihr Verhalte» Vergleiche mit dem Verhalten der bayerischen Dynastie herauf- beschwören. Das könnte noch einmal für sie Tcrhängmsvoll werden. ES ist eine ganz unsäglich verblendete Auffassung, wie sie Graf PosadowSky früher und Herr v. Bethmann gestern vertreten hat, daß die preußische Dynastie,„dieses wunderbare Gebilde. eins der wunderbarsten, welche die Geschickte kennt", um mit dem Grafen PosadowSky zu sprechen, seinen ausgesprochenen Gegnern nicht saus phraso ausgeliefert werden soll. Ich würde es mir tausendmal uberlegen, durch solche Ausführungen dir Monarchie derart! n mit der Bolksmchrheit in Gegensatz"bringt, wenn man den diskreditieren. Eine Diskreditierung ist eS, wenn man die ig zu Krone König gewilTemiaskn als ersten Junker hinstellt, alS Kollegen des Junkers v. Oldenburg. Das ist eine Beleidigung, deren sich ein Minister nicht schuldig machen sollte. Die Krone und alle die da meinen, die große Masse des Volkes müsse Zutrauen zu ihr haben, müssen erst einmal der großen Masse durch die Tat beweisen, daß sie Zutrauen zu ihnen hegen kann. Einstweilen aber beweisen sie das juste Gegenteil. Frhr. v. Richthofen behauptete, daß die Sozialdemokratie nicht die Vertreterin der Kulwr wäre, aber die Konservativen, das wären die Vertreter des Christentums. Ich habe das ja schon illustriert. Aber ich muß es noch einmal kurz und bündig aussprechen: die Sozialdemokratie hat allen Anspruch darauf, als Trägerin der Kultur angesehen zu werden.(Sehr richtig! links. Lachen rechts.) Sie hat sich um dir Volksbildung ungeheure Verdienste erworben(Sehr richtig I links), was von jedem ehrlichen Gegner anerkannt werden sollte.(Erneutes Sehr richtig I links.) Sie hat Freie Volksbühnen und Kunstinstitute aller Art geschaffen.(Zuruf rechts.) AklerdtngS decken sich unsere Auffassungen nicht mit denen der Junker. Goethe, Schiller, Gerhart Hauptmann und Ibsen würden sich bedanken, zu den Junkern gezählt zu werden. Wir haben auch musikalische Kunslabende geschaffen. Sie werden doch nicht meinen, daß man dadurch die Krone zum Wackeln bringen könnte. Diese Bildungsbestrebungen sind gar nicht von politischen Er- wägungen ausgegangen. Wir sind auch jederzeit mit großer Energie für die Verbesserung der Volksschule eingetreten, weil wir meinen, daß das Volk nicht nur ein Recht auf genügende materielle Existenz hat, sondern auch das Reckt, sich zur Sonnenhöhe der Kultur emporzueutwickeln.(Lachen rechts.) Aber solange das Volk durch die Schmach des Dreiklassenwahlreckts im materiellen Elend er- halten wird, solange wird es in einem kulturwidrigen Zustande erhalten bleiben. Wir besitzen auch nationalen Sinn, soviel wie nur irgend einer von Ihnen(nach rechts). Es ist ein Beweis für die Gesundheit unseres nationalen Sinnes, daß wir für die Hebung der großen Masse eintreten.(Sehr richtig I b. d. Soziald.) Die Nation find nicht die 60 000 freikonservativen Wähler, auch nicht die Herren vom Zentrum, die Nationalliberalen und Freisinnigen, die Nation sind die große Masse des Volkes, die fich aus den Arbeiterschichten zusammensetzt. Wenn wir also für deren Hebung eintreten, so handeln wir so, wie es der Nation zur Ehre gereicht. Auch Sie(nach rechts) sollten sich etwas von diesem nationalen Pflichtgefühl aneignen.(Lachen rechts.) Wir lieben unser Vaterland, wenngleich es sich noch zum großen Teil im Besitze der Junker be- findet, und wenn auch das Eigentum des Arbeiters am deutschen Lande nach einem Worte Adolf HoffmannS, der hoffentlich bald wieder unser Kollege sein wird(Spöttisches Bravo I reckts) in der« Blumentöpfen vor seinem Fenster besteht. Dennoch lieben wir unser Vaterland, wenn wir die Wälder durchstreifen und die Wipfel der Kiefern und Buchen über uns rauschen hören. (Aha I rechts.) Das ist unser deutfcbeo Vaterland, das wir dem Volke erobern wollen. Daß da? aber nötig ist, ist unsäglich traurig und beleuchtet so recht Ihren(nach rechts)»ationale» Sin».(Lacken reckts.) Des- halb wollen wir auch das Wahlrecht ändern.— Höchst wahrscheinlich wird ja das UnteroffizierSprivileginm fallen. Aber selbst wenn wir ein Wahlrecht erhielten, das nicht dieses Privilegium einschließt und das auch die geheime Abstimmung vorsieht— ja, was wäre uns damit gegeben? Sogar der konservative Professor Delbrück kann ein solches Wahlrecht nicht einmal als eine Ab- schlagszahlung ansehen. Sie(zum Zentrum und Linken) werden fich doch tvohl an Radikalismus und Volkstümlichkeit von einem konservativen Professor nicht beschämen lassen.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Ich hoffe also, Sie werden mit uns den Wahl- rechtSkampf überall zur hellsten Flamme auflodern lassen unter der gemeinsamen Parole: fort mit diesem infamen, nieder tracktigen Mablsystem, fort mit dieser hundsföttiseben Vorlage 1 (Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten. Unruhe rechts.) Vizepräsident Dr. Porsch: Wegen dieser letzten Aeußenmg rufe ich Sie wieder zur Ordnung. Abg. Korfanty(Pole): DaS Land wird erstaunt sein, wie ein so weltftemder Mann wie Herr v. Bethmann Hollweg der erste Beamte des Staates sein kann.(Lachen rechts.) Er redet von Unabhängig- keit und von Freiheit der Beamten, während das Gegenteil die täg- liche Praxis ist. Auch müssen wir dagegen Protest erheben, daß der Ministerpräsident das Reickstagswahlrechr herabsetzt. Vizepräsident Dr. Porsch: Das können Sie nicht sagen. Sie können höchstens sagen, daß er diesen Effekt erzielt hat. Abg. Korfanty: Ich will ja nicht sagen, daß er es bewußt getan hat; bielleicht war eS unbewußt.(Heiterkeit und Rufe rechts: Au. au!) Der Reichstag steht himmelhoch in seinen Leistungen über dem Ab- geordnetenhause.(Schallendes Gelächter rechts.) Der Abgeordnete Frhr. v. Zedlitz hat seine zwei alten Steckenpferde geritten: die katholische Geistlichkeit und die Sozialdemokratie.(Heiterkeit.) Es ist unglaublich, daß die Regierung jetzt, nachdem man in Kattowitz Beamte gcmaßregelt hat, diese Vorlage bringt und glaubt, damit den Beamten noch etwas zu bieten. Wir werden nicht rasten, che wir nicht das Reichstagswahlrecht in Preußen erkämpft haben. (Pravo I bei den Polen.) Das Haus vertagt die Weiterberatung auf Sonnabend 11 Uhr. Schluß 4 Uhr._____ Freie Jugendorganisation Rixdorf. Sonnabend, den 12. Februar. abends 8 Mr. in folgenden Lokalen Zahlabend s Bezirk 1. Lokal K o h l- s ch m i d t. Nogatstr. 17. Vortrag des Herrn Buhrow über:„Die Ursachen der französischen Revolution".— Bezirk 2. Lokal Jähnicke, Weisesir. 8. Vortrag des Herrn Tinzmamr über:„Kesellenbewegungen im Mittelalter". — Bezirk 3. Lokal Schütze, Beserstr. 31. Bortrag des Kollegen Gräs über:„Jugendbewegung".— Bezirk 4. Lokal Klein, Cannerstr. 15. Bortrag des Herrn Jul. Hildebrandt über:„Die Entstehung der deutschen Kewerkschastcn".— Bezirk 5. Lokal K o s a z e k, Prinz Handjerystr. 77. Vortrag des Herrn Nowakowsky über:„Alkohol und Jugendbewegung".— Bezirk 6 Lokal Glcisberg, Panniersir. 53. Vortrag des Herrn Nerlich über:„Welchen Wert hat die Literatur für die arbeitende Jugend?" Sonnlag, den 13. Februar, nachmittags 2'/, Uhr, im„Karls- garten", Karlsgartenstr. 6—10: Mitgliederversammlung. 1. Vortrag des Herrn Dr. Sllsred Bernstein über:„Allgemeine Ii) c• sundheitspslege". 2. Diskussion. 3. Wahl eines Festausschusses. Rege Beteiligung zu allen Veranstattuugen erwartet Der Vorstand. Berliner Arbeiter. Schachklub. Jede» Montag: Abt. Lichtenberg bei Blume, Mt-Boxhagen 56. Jeden Dienstag: Abt. Wedding bei Schulz, Maxstr, 13d; Abt. Rixdors bei Stahnnann, Reuterstr. 46; Abt. Ost I bei Böhlc. Rüdersdorser Str. 26. Jede» Donnerstag: Abt. Moabit bei Pieleke, Zwinglistr. 25. Jeden Freitag: Abt. Rord-Aest bei Lamprecht, Putlitzstr. 10; Abt. Gesundbrunnen bei Fritsch, Drontheimcr Str. 4; Abt. Schönhauser Allee bei Baganz, Gaudystr. 3. Jeden Sonntag 6—10: Abt. Watlstraße bei Möhrenhos, Wattstratze, Ecke Usedomstraßc. Sonnabends in allen Ab- teüungen freier Schachverkehr. Allgemeine Kranke«, und Sterbekafie der Metallarbeiter (E. H. 29, Hamburg). Filiale Berlin 5. Sonnabend, den 12. Februar, abends 31/, Uhr: Mitgliederversammlung bei Freiheit, Dragonerstr. 15. Zentralverband der freie« Händler, Hausierer und ver- wandten Berufsgenossen Deutschlands. Sitz Essen.(B-rwallungS. stelle Berlin.) Heute abend 8'/, Uhr bei Dräscl, Neue Frtedrichstr. 35: Generalversammlung. Mitgliedsbuch legitimiert. AfeieorPiatten 6 Tage zur Probe! Billiger als bar! Wer jemals einen Sprechapparat gekauft oder die Absicht gehabt hat, einen solchen zn erwerben, wird die Erfahrung gemacht haben, daß der beste Apparat seinen Zweck verfehlt, wenn nicht gleichzeitig eine reichhaltige Plattenauswahl zur Verfügung steht. Die Anschaffung eines Sprechapparates, der in guter Qualität und würdiger Ausstattung immerhin eine beträchtliche Ausgabe bedeutet, zwingt dauernd zu weiteren nicht unbedeutenden Ausgaben für Platten, wenn der Apparat nicht ganz seinen Zweck verfehlen soll. — Diese Tatsache wird, wie wir aus dem Verkehr mit unseren nach vielen Tausenden zählenden Kunden wissen, als höchst lästig empfunden und raubt zahlreichen Liebhabern die Ifreude an ihrem Sprechapparat. Denn der kleinen mit dem Apparat zusammen erhaltenen Plattenzahl ist man schnell überdrüssig und. zu dauernden großen Ausgaben für Neuanschaffungen fehlt oft die Lust. Aber selbst wenn man sich hierzu entschließt, wächst das Plattenrepertoire sehr langsam und erst nach Jahren ist man in der Lage, über eine Platten- koUektion zu verfügen, die jedem musikalischen Unterhaltungsbedürfnis Rechnung trägt.— Unsere Offerte soll alle diese Uebelstände mit einem Schlage beseitigen! Wir wollen der Sprechmasc hino nunmehr den ihr längst gebührenden Platz in jedem Heim und in jeder Familie sichern, wollen jedermann den ständigen Genuß eines vollständigen Theafers, Konzerts, Varietes im eigenen Hanse ermöglichen, ohne daB hier» durch eine als fühlbar zu bezeichnende Ausgabe er* wächst! Zu diesem Zwecke haben wir ein Programm von 100 auserlesenen Stücken mit größter Sorgfalt unterBerücksichtigung jeder Geschmacksrichtung zusammengestellt und liefern diese Jtasstattung ta Apparaten CadlicnM nd(«sehiBsckTon vsr- ■twtM Cichn- GohiüM«ra R cm Ourcbmeucr and 19 cm fish», gr»ler PUttmteller, TrompeUn-n»• Einrichtung, Prizlslonswark, Lotes« Trichter TO» 42 cm SchellSttaunf. w er schon einen Apparat besitzt i kemplette Plattea« Rellekllee«am Prelee»m tat Bfe. gegen eine■enatez» Wang eea I Mk. beziehen, Sa euere netten sei eilen «ppareten geeplett werten hinnen. A atl' einmal zui. mit 1 Luxus-Apparat Ii nebensteh. Bcschrdbunj gp m« r IiW OTUCKB IS Kredit von 36 Monaten=-£= N II§01 Ohne jede Anzahlung Obwohl wir kür den Apparat allein 60__ Mk., für jede der 50 Doppelplatten 3.— Mk. berechnen, Apparat und Platten also zusammen 210.— Mk. kosten würden, ermäßigen wir, um den Entschluß zur Anschaffung unserer Kombination zu erleichtern, den Gesamtpreis auf 180.— Mk., ein Preis, der also trotz der außerordentlich bequemen Zahlweise billiger als bar ist.— Wenn man bedenkt, wie leicht und achtlos 15 Pfennig täglich gleichgültige oder vergängliche Dinge Zven werden, wird niemand zögern, aus von für gege unserer Offerte Gebrauch zu machen,"um seiner Familie, seinen Freunden und Bekannten diesen musikalischen Schatz zu verschaffen.— Bezüglich der Ausstattung dos Apparates verweisen wir auf die nebenstehende Beschreibung. Wir haben für unseren Zweck einen Apparat gewählt, der nicht nur in musikalischer Hinsicht den verwöhntesten Ansprüchen genügt, sondern der auch infolge seiner gediegenen und geschmackvollen äußeren Ausstattung eine Zierde jedes Wohnraumes sein wird.— Unsere Meteor-Platte ist von anerkannter Qualität und ein hervorragendes Fabrikat, das durch seine nach Millionen zählende Verbreitung seine Güte bewiesen hat.— Trotzdem wollen wir Gelegenheit geben, unseren Apparat und Platten vor dem Kauf auf das Genaueste zu prüfen, damit jeder Reflektant unbeeinflußt persönlich die Ueberzeugung von dem Wert unseres Vorzugs- angebots gewinnen kann.— Wir erklären uns daher bereit, den Apparat mit der ganzen KoUektion von 100 Stücken ernsthaften und solventen Reflektanten auf 5 Tage zur Probe vom Tage des Empfanges an gerechnet, zu überlassen, ohne jede Anzahlung, lediglich gegen Tragung der minimalen Spesen für Hin- und Rücktransport. Wir würden eine derartige Offerte nicht machen, wenn wir nicht von den hervorragenden Qualitäten unserer Platten und Apparate überzeugt wären. Wir übernehmen nicht nur die Garantie für die wortgetreue Ausführung dieser unserer Vorzugsofferte, sondern haften auch dafür, daß keinerlei Nachberechnung von Extraspesen wie Emballage etc. stattfindet, daß keinerlei Anzahlung zu leisten ist und daß lediglich die minimalen Spesen derZusendung sowie der eveuth Rüksendung seitens des Empfängers zu tragen sind. Ebenso sichern wir allen Anfragen bereitwilligste Beantwortung zu. BSal& Freund, Breslau 2 schlag, 5o Hab ich nur deine Liebe, 57. Nachtigall und Drossel, 58. Die Waldvögclcm, 59 Konzertgalopp, 60. Der kleine Witzbold. 61. Das iräumende i Sehnt eglöckchcn. 62. Schwarzwälder Spieluhr. 63. Jongleurgdopp, 64 Souvenir de Cirque Renz, 65, Verlassen hin i, 66. Mein Himmel auf der Erde, J 67. Gretchens Traum nach dem Ball, 68. Faszination, 69. La Foletta.' Gesänge, Opern, Operetten. 70. An der Weser, Das Hera am Rhein, j 71. Hoch sind die Tage der Rosen, 72. Wenn ich einmal der Herrgott wär', j 73. Romanze aus Pra D avolo, 74. Strclta au» Troubadour, 75. Rigoletto, 76. Ach 1 wie so trßgerisch, 77. Prolog aus Bajazzo. 76. Arie der Santuzza, 79. Ich f bin die Christel von der Post, 80. Ave Maria von Bach-Gounod, LI. Pagen Arie, Hugenotten, 82. Duett aus der Zauberflöte, 83. Tanz Duett aus;„Der tapfere Soldat", 84 Verlassen bin i, 85. Spinn, spinn. Kuplets und humoristische Vorträge. 86. Im Zirkus, 67. Beim Zahnarzt,| 88. Die Telephonistin, 89. Der Hauptmann von Käpenik, 90. Auf der Radrennbahn, 91. Im Hühnerstall, 92. Der Posaunenmüller, 93. Fräulein voll'» Siel nicht, 94. Eine lustige Eiscnbahnfahrt, 95. Wenn der Spargel wächst, 96. Ein«| Vogelhochzeit, 97. Hach'n Kientopp woll'n wir gohn, 98. Schatz mach Kasse,] 99. Das Lauftnädol, 100. Ach ich schiebe ja so gern. 1 Die Ariel und Lieder sind von bestens bekannten Sängern und Sängerinnen, die Kuplets von beliebtesten VbrtraeskBnstiero gesungen.— Das refchbaltlgo Platton- ' Verzeichnis, das durch regelmälige Heuaufnahmen dauernde Erweiterung findet, wird jeder Sendung kostenlos beigelegt («JFawojvao Oer lOO auserlesenen Stücke aE*5ä auf großen, doppelseitig bespielten Metcorplatten. Orchester. I. Estudiantina-Walzer, 2. Wiener Piatcrlebcn, 3. Doliarprinzeisin, 4 Mikado, 5. Apollo-Klange, 6. Geschiedene Frau, 7. La Czarina, 8. En carrlfcre, 9. O Susanna, 10. Ein kleines bischen Liebe, 11. 12. Studentenliedei Quadrille, 13. Krakowiak, 14. Sturmgalopp, 15. 16. Bayrische Volksmelodien, 17. Dachauer Liebesgeschichte, 18. Bayrischer Schuhplattler, 19. Admiral Stosch-Marsch, 20. Vindoboni'Marsch, 21. Carmen, 22. ATda, 23. Erzherzog-Albrccht-Marsch, 24. Bayrischer Avancier-Marsch, 25. Tiroler Holzhackerbub'n, 26. Unter dem Doppeladler, 27. Pehrbelliner Reitermarsch, 28. Der Teufel lacht dazu, 29. Waidmvmsheif, 30. Radetzky-Marsch, 31. Fanfare militaire, 32. Vorwärts- Marsch, 33, Teufelsmarsch, 34. Ziegenbockmarsch, 35. Tannhäuser, 36. Lohen- grin, 37. 38. Fackeltanz, 39. Dichter und Bauer, 40. Carmen, 41. Dollar- Prinzessin, 4?. Hoffmanns Erzählungen, 43. Lobe den Herrn, 44. Befiehl du deine Wege, 45. 46, Zigeunermusik. 47. Pfeiflied a.„Frühlingsluft", 48. Piccoto, "Piccolo, 49. Wctbi, Weibl, 50. Mädel gib acht. | Instrumontal-Soll mit Orchester. 51. Ob du mich liehst. 52. Das Berg- mannskind, 53. Zwei Herzen, cm Schlag, 54. Die beiden Pinken, 55. Amsel- Terfandbaus— gegründet I864 •' V?- �vVvk£.V;*.•'■• Bestellschein (M3) Gefall, ausschneiden im Kuvert einsenden Hierdurch ersuche leb die Finna Bfftl& Freund w Breslau II, orir den angebotenen Meteor-Sprechapparat mit 100 SiScken auf 50 großen, doppelseitig bespielten„Meteore-Platten zum GesaniN preise von 130.— Mk. ohne Nachnahme, ohne Embailageberechnung, ohne Anzahlung, Insbesondere ohne jede Kaufverpfllchtun? zuzusenden, ich verpflichte mich, diese Sendung, falls ich sie nicht zu behalten wünsche, innerhalb 5 Tagen, vom Tage des Empfanges an gerechnet, franko zurückzusenden, andernfalls behalte ich sie und zahle unter Anerkennung des Eigentumsrechtes bis zum Ausgleich den Betrag von ISO.— Mk. in monall. Raten von 5,— Mk. vom Ablauf der Probezeit beginnend,— Erfüllungsort ist BresUu* Ort und Datum; fftms und Staad: Verantwortlicher Redakteur Richard Barth, Berlin. Für den Dnserotenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag:Porwärt» Luchdruckerei v, BerlagSaustalt Paul Singer& Co., Berlin S)E SU«. N-w-m. 2. Ktilöge des Lllmarls" Kerllller Wlksdllltt. �".»-.>.>-.�...->-1«. Nieder mit der Jimkerschaft! Das muß nach den Herattsforderungen des Oldenburg und des Wahlrechtsmachwerks die Parole aller Entrechteten sein! Ein Mittel im Kampf gegen die Junker ist der Schnapsboykott! Reichstag. 3 3. Sitzung vom Freitag, den 11. Februar, nachmittags 1 Uhr. Am Bundcsratstisch: Kriegsminister v. Heeringen. Die zweite Lesung des Militärctnts wird fortgesetzt beim Kapitel„Bekleidung und AuS- rüstung der Truppe n". Abg. Dr. Goercke inatl.) begründet eine Resolution Basser- mann(natl.) auf Vorlegung einer Denkschrift über die Organi- sation des Militärbekleiduugswesens, über die Kosten der Verwal- tung und.Herstellung der tNilitärbekleidungsstücke nach dem alten und dem jetzt in Einführung begriffenen«vstem. Kriegsminister v. Heeringen erklärt sich bereit, die geforderte Denkschrift vorzulegen. Abg. Dr. Fasibender(Z.) wünscht stärkere Berücksichtigung der Handwerker, besonders der Handwerkergenossenschaften, bei der Ver- gebung von staatlichen Lieferungen. Abg. Stückle»(Soz.): Ter Resolution Bassermann werden wir zustimmen und für die dritte Lesung wollen wir eine Resolution beantragen, die sich auch auf die anderen Betriebe erstreckt; denn in all« Betrieb« muß hineingeleuchtet werden. ES darf nicht wieder vorkommen, daß für 20 Millionen Mark blaues Tuch lagert, wie das in der Budget- kommission enthüllt worden ist. Das macht jährlich einen Zins- vrrlust von 1 Million Mark! Das Geld wird trotz der schlechten Finanzlage des Reiches einfach auf die Straße geworfen. Was mag alles in Waffen und Munition in überflüssigen tvtengen lagern! Besonders bei der Kavallerie sollen über- flüssige Quantitäten an Sätteln und Lederzeug vorhanden sein. Die Bekleidungsämter arbeiten viel teurer als früher die Qekonomiehandwerker; der Grund liegt vor allem in der mili- tärifchen Leitung der Bekleidungsämter. Die Offiziere haben ja gar nicht die nötige techniische Vorbildung für diese Stellungen und sollten sich von selbst gegen eine solche Verwendung zu Dingen, von denen sie nichts verstehen, auflehnen. Jedenfalls sollte man die Zahl der Stabsoffiziere bei den Be- kleidungZämtern erheblich einschränken. Abg. Erzberger(Z.) erkennt die Kritik deS Vorredners als bc- rcchtigt an und wünscht ebenfalls die von der Resolution Basser- mann verlangte Denkschrift. Abg. Albrecht(Soz.): Die Zahl der Offiziere bei den Bekleid.lngSSmtern steigt be- ständig; statt deren sollte man mehr fachmännisch und kaufmännisch geschulte Kräfte in die Stellen bei den Beklcidungsömtern bringen. Bei kaufmännischer Leitung könnte eine Ansammlung von Militärtuch für 20 Millionen Mark nicht vorkommen. Es scheint, als ob die Offiziere von den patriotischen Lieferanten tüchtig ein- geseift werden.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Daß mit Lieferungen auch Handwerker bedacht werden, dagegen haben auch wir nichts, aber s o darf man cS nicht hinstellen. als ob man das Handwerk durch die Armeelieferungen j künstlich erhalten will. Vor allem soll die Verwaltung aber auch I an die Arbeiter denken und bei der Vergebung von Arbeiten auf Einhaltung der tariflichen und gewerkschaftlichen Arbeits- bedingungen dringen.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemo. kratcn.) Heute ist dafür gar feine Garantie gegeben, weil die Unternehmer, welche die Lieferungen bekommen, die Arbeiten weiter vergeben, so daß sie schließlich vielfach sogar in der Heim- industrie zu den erbärmlichsten Löhnen gefertigt werden! Mil- lionen werden jährlich zur Bekämpfung der Tuberkulose aus- Rleines fcullleton. Der Bohime-Jagcr. Der norwegische Schrifisteller HanS Jäger ist am Dienölag in Kristiania gestorben. Er ist 54 Jahre alt geworden. Die letzte Zeit wohnte er in einem Hotel, ziemlich ein- sam und nur mit einem kleinen Kreis von Freunden Umgang pflegend. HanS Jäger ist Ende der achtziger Jahre durch seinen großen Roman„Die Kristiania-Bohönie". der treffliche Schilde- rungen des Künstler-»nd Siudentenlebens der norwegischen Hauptstadt enthält, weithin bekannt und bei den Vertretern der bürgerlichen Moralhcuchelei berüchtigt geworden. Man fand das Buch unsittlich, es wurde Anklage gegen Jäger erhoben, er verlor fein Aint als Parlamentsstenograph und wurde zu anderthalb Jahren Gefängnis verurteilt. Später begab er sich nach Poris, wo er unter anderem seinen Roman„Kranke Liebe" schrieb, den er jedoch aus Furcht vor der Beschlagnahme nicht öffentlich erscheinen ließ. Sein letzte« großes Werk war„Die Bibel der Anarchie", die im Jahre ISO« im Gyldendalschen Verlag erschienen ist. ein um- faugreiches Werk und eine gewaltige Anklageschrift gegen die kapitalistische Wirtschaftsordnung und das Privateigentum, als das Grundübel des Elends und der Not, woruntut die Menschheit leidet „Nieder niit�pem Eigentumsrecht! F»:t mit oem Geld!" heißt eö in dem Vorwort dieses Buches.„Zerschmettert sie. die teuflischen Keilen, die die Füße der Menschheil a» die verfluchten Bleiklötze fesieln. damit sie frei und. stolz emporschweben kann, jubelnd das Ziel ibrer großen Besttinmuiig zu verfolgen: das Universum zu erobern und sich darin einzurichten wie ei» Herr in seinem eigenen Hause. Was. zum Teufel, zögen Ihr noch? Zerreißt doch die Ketten und macht die Menschbeit frei— laßt diesen viellausend- jährige» Wahnwitz endlich einmal ein Enip ncbmen I" HanS Jäger war auch eine Zeitlang„SocialdemokratenS" Mit- arbeiicr und redigierte Ende der neunziger Jahre den Auslandsteil, Unser Briiderorgan in Kristiania lvidniet ihm einsn ehrenden Nach- ruf und schreibt unter anderem:„Hans Jäger starb, wie er gelebt halte: stark, unbeugsam und unversöhnlich der Welt gegenüber, die so viele mißhandelt, betrogen und unterdrückt hat, die Welt, die auch ibu zu zerjchmettern suchte, es aber nicht fertig brachte. HanS Jäger starb als ein Sieger." In seiner letzte» Zeit arbeitete er an einer Schrift über den Sozialismus, die er fast vollendet hat. WaS moderne Bühnenausstattungen kosten. Die Rolle, die die Bllhnenausstaituiig, der Prunk»nd die Echtheit der Kostüme in der m« dernen Theaterkunst spielen, ist in den letzten Jahre» immer be- deutender geworden; wo früher mit verhältnismäßig geringen Mitteln der Versuch der Wiedergabe dramatischer Meisterwerke ge- wagt wurde, muß der moderne Theatcrdirektoc heute Zehntausendc, ja oft Hunderttausende für die Inszenierung eines einzigen Werkes ausgeben. Die Bühnenausstattung des vielberühmten„Lhaniecler" gegeben, aber durch Stärkung der Heimindustrie wird der Herd der Tuberkulose immer wieder gestärkt! Deshalb verlangen wir in erster Linie Herstellung der Arbeiten in eigener Regie, so- weit sie aber vergeben werden, muß die Heeresverwaltung sich um die Lohnsätze und um die gesundheitlichen Verhält»-se der Werkstätten kümmern.(Sehr richtig! bei den Sozialdcmorraten.) Ferner müßte die Verwaltung der übermäßigen Ausbeutung der Oekonomiehandwerkcr entgegentreten; bei einem Stundenlohn von 7 Pf. mußte ein Mann beim Regimentsschneider Kilian in Hanau zehn Stunden hindurch arbeiten, und wahrscheinlich ist das kein ver- einzelter Fall! Das Wohlwollen, das der Kriegsminister den Handwerkern entgegenbringt, möge er auch den Arbeitern ent- gcgenbringen.(Bravo! bei den Sozialdemokrateu.) Abg. Wicdebcrg(Z.): Ich bitte den Krieasminister im Gegen- satz zu meinem Vorreoner, den Heimarbeiterinnen recht viel Arbeit zukommen zu lassen, aper auf möglichst direktem Wege, damit der Lohn nicht beim Unternehmer bleibt. ftriegsmimster v. Hecringcn sagt möglichst wohlwollende Be- rücksichtigung der Handwerkecvereinigungen bei Vergebung von Lieferungen zu. Abg. Sommer(frs. Vp.): Meine Freunde glauben im Gegen- sah zu oem Abgeordneten Albrecht, daß die Heeresverwaltung auch dafür zu sorgen hat, daß das Handwerk wieder goldenen Boden bekommt. Die kostspieligen Paradeuniformen sollten beseitigt werden.(Bravo! bei den Freisinnigen.) Kriegsminister v. Hecringen: Die Paradeuniformen müssen bleiben, denn man soll aus dem Soldatenleben doch nicht alle Poesie herausstreifen.(Heiterkeit.) Für die ganze Armee kosten die Paradeuniformen nur 120 000 M., das ist also gar nicht der Rede wert gegenüber dem ethischen Wert dieser Uniformen. (Lachen bei den Sozialdemokraten. Zustimmung, rechts.) Abg. Pauli-Potsdam(k.): Die Seele der Bekleidungsämter sind die Handwerksmeister, und gerade deren Stellung ist außer- ordentlich gedrückt; die Offiziere können diesen Meistern doch keine sachgemäßen Weisungen geben! Daher sollte man vor allem daran denken, die Stellung der Handwerksmeister bei den Be- kleidungsämtern zu heben. Herrn Albrecht gegenüber bemerke ich, daß die Militärverwaltung allen Anlaß hat, das Handwerk zu unterstützen, aber um die Löhne, welche die Unternehmer zahlen, kann sich die Militärverwaltung nicht kümmern.(Widerspruch bei den Sozialdemokraten.) Abg. Albrccht(Soz.): Den Abgeordneten Wiedeberg und Sommer bemerke ich, daß wir keineswegs gegen die Heimarbeiter auftreten— ich erinnere nur an den Heiniarbeiterschutzkongreß. Wir verlangen aber, daß die Militärverwaltung die Arbeiten m erster Linie in eigener Regie ausführen läßt; dadurch wird auch Arbeitsgelegenheit für die Heimarbeiterinnen geschaffen. Abg. Irl(Z.): Wenn die Handwerkervereinigungen Arbeit zugewiesen erhalten, liegt das auch im Interesse der Arbeiter. Abg. Wiedeberg(I.): ES gibt viele Heimarbeiterinnen, die nicht in die Fabrik gehen können, Herr Albrecht: geschiedene Frauen usw. Diesen sollte die Heeresverwaltung direkt Arbeit zuweisen. Hierauf wird das Kapitel bewilligt und die Resolution Bassermann angenommen. Beim Kapitel„GarnisonverwaltungS- undSerbis. wesen" bitten die Abgg. Werner(Ant.), Dr. Görcke(natl.), Arniug(natl.) um kleine Garnisonen für kleine Städte in ihrem betreffenden Wahlkreise. Oberst Wandel sagt tunlichste Berücksichtigung der Rufe nach kleinen Garnisonen zu. Die Abgg. Dr. Görcke(natl.) und Erzberger(Z.) wenden sich gegen die vom Abg. Werner(Ant.) vorgetragenen Wünsche verschiedener Militärbeamtenkategorien um Ausbesserung. Nach ist ein Kunstwerk an sich und hat dir Direktoren des Theaters ein Vermögen gekostet. Es fehlt nicht an Skeptikern, die in diesem stetig wachsenden Zuge zur Steigerung des Prunke» und der Echtheit der Aus- staliung eine schwere Gefadr iowohl für die dramatische Kunst wie für die wirtschaftliche Leisiuiigsiühigkeit der Theater sehen, aber die Be- ivegung greift immer weiter um sich� Jetzt sind auch in New Dork große Werkstätten entstanden, die jahraus jahrein damit beschäftigt sind, das Ausstattungsbedürfnis der amerikanischen Btibnen zu befriedigen. Nur echte, kostbare Stoffe kommen noch zur Verwendung; daS beste Material ist für die Bühne gerade noch gut genug; da liegen in großen Haufen auf- geschichtet prachtvoll getönte alte Brokatstoffe oder farbenglühende bmile orientalische Seidengewänder, kunstvoll gearbeitete Spitzen. Welche Preise die amerikanischen Opernleiter heute für Kostüme an- legen, wird in einem Aufsatz de«„World Magazine" erzählt. Ein Stnatslleid, wie eS die Chordamen in„Rigoleito" tragen, ist aus bester Seide, aus Brokat oder auS Samt gearbeitet und kostet 800 M. Von diese» Kostiimen werden zur Aufführung des„Rigoletto" nicht weniger als rund 60 gebraucht, so daß allein die Kostüme der Hofdame» die Opernverwaltung über 40000 M. kosten. Dazu treten noch die tofkostiime, die StaatSgewänder der männlichen Chormitglieder. in Ballettkostüm für die New Aorkcr„Aida"-Borstellung kostet von 160 bis zu 320 M.; in der Oper treten 40 Tänzerinnen auf, sodaß rund 10 000 M nur für die Kostüme deS Balletts in dieser einen Oper angelegt werden. Für die„Carmen'-Aufführung wendet die amerikanii'chc Oper nicht weniger als rund 30 000 M. allein für die Kostüme des Cvores auf; zu diesem Etat treten dann noch die Kostüme der Solisten, die für sich allein ein Vermögen bedeuten, dann die Dekorationen, deren Preis im gleichen Verhältnis wie der der Garderobe gewachsen ist. Die Wett. deren einziges Ziel da? Geldmachcn ist. muß natür- lich dahin kommen, alle Dinge noch ihrem Geldwert zu beurteilen. Eine Ausstattung, die nicht viel gekostet hat, ist schon von vornherein nichts. Der kapitalistische Theaterbesucher will nicht mehr Phantasie und Jllusionskraft im Theater aufbieten, seine rohe Protzenmanier will alles-- luxuriös und leuer, womöglich mit Preisangabe. Notizen. — OstwaldinderFreienHochschule. Zu Ehren des kürzlich mit dem Nobelpreis bedachten Prof. Ostivald, der nach einem Leben reicher und fruchtbringender Arbeit als Theoretiker der Chemie und Hochschullehrer sein Amt niedergelegt hat und sich jetzt zum Ent- setzen seiner Kollege» mit allgemeinen Fragen und öffentlichen Bor- trägen befaßt, veranstaltete die Berliner Freie Hochschule am Donners- tag einen Kommers. Professor O st w a l d hielt eine Ansprache über den Optimismus als Prinzip des Lebens, die neben sehr viel Vortrefflichem erkennen ließ, daß der Praktiker Ostwald von der materiellen und sozialen Bedingtheit auch der Lebensanschauungen und von dem der vorjährigen großen Gehaltsaufbesserung müsse erst einmal Ruhe eintreten. DaS Kapitel wird bewilligt. Beim Kapitel„Ersatz- und Ncservemannschaften sowie Arrestanten auf dem Marsche" tvendet sich Abg. Dr. Müller-Meiningen �scs. Vp.) gegen die drakonische und viel böses Blut machende Bestrafung von Persoiren des Bc- urlaubtcnstandes wegen Vergehen gegen die verwickelten und Laien oft kaum verständlichen Paßvorschcisten. Durch solche Nadelstiche ruft man nur Unzufriedenheit hervor.(Sehr richtig! links.) Abg. Gothein(frs. Vg.) fragt, ob ein Erlaß vorliege, der eine schärfere Bestrafung der Paßvergchon vorschreibe. Oberst Wandel stellt die Existenz eines solchen Erlasses in Abrede. Bei einem der von Müller-Meiningen angeführten Fälle handle es sich um einen Vorbestraften.(Hört! hört! rechts.) Abg. Geck(Soz.): Ich kann, die Ausführungen des Kollegen Müller-Meiningen nur bestätigen. Auch mir sind Fälle bekannt, in denen wegen leichter Paßver�ehen, die noch dazu aus Unkenntnis erfolgten, sofort zu verbüßende Arreststrafen von 48 Stunden verhängt wurden.(Hört! hört! links.) Das Kapitel wird bewilligt. Zum Kapitel„R e i s e g e b u h r n i s s e" hat die Budget- kommission eine Resolution angenommen, in welcher der Wunsch ausgesprochen wird, daß die Kontrollversammlungen der Per- sonen des Beurlaubtenstandes alljährlich nur einmal statt- finden mögen. Abg. Nacken(Z.) empfiehlt die Resolution. Abg. Dr. Görcke(natl.): Meine Freunde halten es für bc- denklich, der Resolution zuzustimmen, da sowohl die Frühjahrs- als die tzerbstkontrollversaminlung von der HeereSberivaltung für notwendig gehalten wird. Abg. Dr. Müller-Meinigen(frs. Vp.): Meine Freunde werden der Resolution zustimmen, obwohl sie vom Zentrum stammt; wir sammeln feurige Kohlen auf Ihr Haupt.(Heiterkeit.)' Mg. Stückten(Soz.): i Troh der von der Kommission gemachten Abstriche betragen die Reisegebuhrniff« in diesem Kapitel noch rund 12 Millionen Mark, und dazu kommen noch Reisegebührnisse in 23 anderen Kapiteln. Es wäre interessant, zu wissen, wieviel im ganzen für Reisen bezahlt wird. Es wird im Heere viel zu viel gereist. Ein kom- mandierender General erhält pro Tag 35 M., also gewiß auskömmlich. Unhaltbar ist es auch, baß angeklagte Offiziere für die Reise zum Gericht Tagegelder bekommen. Ueber- flüssig scheinen auch die vielen Reisen von Offiziersdeputationen zu Beerdigungen usw. ins Ausland. Tiefe haben einen rein höfischen Anstrich und haben nichts mit der Wehrhaftigkeit zu tun. Weiter muß ich einen schon im Vorjahre erwähnten Fall noch einmal zur Sprache bringen. Ein General, der zehn Tage in Döberih sein mußte, ließ, um Tagegelder beanspruchen zu können, einen Schreiber und eine Ordonnanz in Berlin zurück, obwohl alle Arbeiten in Döberitz verrichtet wurden!(Hört! hört! bei den So- zialdemokraten.) Derselbe Herr hat, als er zum General be- fördert wurde, Nmziigsgclder liquidiert, ohne überhaupt umge- zogen zu sein! Im vorigen Jahre hat Herr General v. Lochow hier erklärt, er halte einen solchen Vorgang für unmöglich. Inzwischen hat eine Untersuchung alle meine Angaben bestätigt, aber das Gericht des Gardekorps hat dem General den guten Glauben zu» gebilligt!(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Jedenfalls scheint dieser Herr eine sehr eigene Art von Vorgesetzter zu sein. Das zu viel verausgabte Geld muß zurückgefordert werden. Kriegsminister v. Heeringrn: Die Liquidationen des Generals waren im Einklang mit der Gebührenordnung. Seine Umzugs- Klasiencharakter der Ideale nichts weiß. Dann trat Bruno Wille mit Nachdruck für die freie Bildung aller Volksgenossen ein und begründete leine Forderung vom Ostwaldschen Standvunkt der Energetik aus, die verlange, daß alle im Volke schlummernden Schätze gehoben loiirden. Unentgeltlichkeit aller BildungSinittel, Bejeitigung der Militär- und Marinelasten böten die Mittel dazu.— In all' den schönen Reden vermißten wir daS eine erlösende Wort: daß die Energielehre jeweils die Konzentration aller Kräfte auf einen Punkt verlangt, und das Mittel, verehrte Bildung?- freunde, das uns zur besicren Volksbildung allein vcrhelsen kann, heißt zunächst: ein freies Wahlrecht für Preußen! — Nachwehen der SezefstonSkrisiS. Herr Paul C a s f i r e r, der bisherige Geschäftsführer der Sezession, ist aus dem Vorstand der Sezession ausgelreten und hat sein Amt als GefchäflStührer niedergelegt. Die Angriffe der Opposition waren u. a. auch gegen die Doppelstellung CussirerS als Kunsthändler und maßgebendes Vorstandsmitglied eines KünstlervercinS gerichtet ge- wesen. Herr Cassirer andererseits hofft durch seinen Rücktritt die Freiheit seines Urteils im vollen Matze wiederzugewinnen. —„Der Klapper storch der Königin". Karl Böttchers satirische Komödie, deren Uraufführung in Halle a. S. der kürzlich verstorbene Autor noch beilvohnen konnte, lvird auch auf die fran- ösische Bühne kommen. Galivaux wird die Hauptrolle übernehmen. ln Berlin geht daS Stück demnächst im Luisen- Theater in -zeite. — Der Schachwettkamps LaSke r— S chlechter wurde Donnerstagabend in Berlin beendet. Erst die letzte Partie brachte die Entscheidung zugunsten LaSkerS, den. Schlechter bis dahin voraus war. Bon de» zehn ausgemachten Partien waren acht roims, eine gewann Schlechter, eine Lasker. Lasker hat seine Weltmeisterschaft also gegen den ebenbürtigen Gegner gerade noch behauptet. Schach- freunde machen wir darauf ausmerlsam, daß einige der gespielten Partien in der„Deutschen Arbeitcr-Schachzeitung" mit Analysen ver- öffcntlicht werden. — Bon CharcotS Südpolexpedition. Nach Tele- grammen aus Punta ArenaS hat der Dampfer„Sud", der dort angekommen ist, gemeldet, daß er den Dampfer„Pourqui PaS" der Südpolarexpedition des Dr. Charcot verankert im Hafen von Port Galast im Gebiete der Magellansstraße angetroffen habe. Der Kommandant des„Sud" übergab dem Dr. Charcot frische Lebens- mittel. Dr. Charcot hat über seine Expedition keinerlei Auskunft gegeben. Seit zwei Jahren war von der Expedition keine Nachricht mehr eingetroffen. — Ein Plagiat-Prozeß. Der Witzblattredakieur Jenker in Temesvar verklagte den Komponisten Lehar, den er beschuldigt, das Libretto der Operette„Zigeunerliebe" von ihm plagiiert zu haben. Die Verhandlung findet demnächst vor dem Wiener Gxricht statt.— Die Texte der modernen Operetten sind derart blamabel. paß wirklich Ueberwindung dazu gehört, sich als Vater wenn auch nur eines plagiierten Textes zu bekennen. liquidation war auch im Einklang mit den Bestimmungen, die nun allerdings geändert sind; der General hat diese Gebühren auch zurückgezahlt. Abg. Schöpflin(Soz.): Die Militärverwaltung könnte sehr gut auf eine Kontrollver- sammlung verzichten, denn was dort vorgelesen wird, darauf hört doch niemand.(Widerspruch rechts.) Das wissen Sie ja selbst sehr gut.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Aber in den Kontrollversammlungen wird Propaganda für die Kriegervereine getrieben, also politische Propaganda. Das ist ein Mißbrauch der K o m ma nd o g e wa l t und ein grober Unfug, dem der Kricgsminister ein Ende machen sollte.(Bravo! bei den Sozial- demotraten.) Abg. Stückten(Soz.): Wenn das Verhalten jenes Generals im Einklang mit der Gebührenordnung steht, so mutz die Gebühren- ordnung schleunigst geändert werden. Hierauf wird die Resolution und dann das Kapitel ange- n o m m e n. Beim Kapitel„Militärisches Erziehungs- und Bildungswesen" ergreift das Wort Abg. Emmel(Soz.): Für das militärische Bildungswesen geben wir mehr als zehn Millionen Mark aus; trotzdem ist die Kenntnis der Offiziere auf dem Gebiete der Verfassungs- und Rechtskunde sehr gering. Ein Beispiel dafür ist der Kriegsminister selber, der hier gesagt hat. die Offiziere hätten lediglich zu gehorchen. Das ist falsch, sie haben velmehr die Gesetze zu beachten und müssen wissen, wie weit sie gehen dürfen. Z 47 des Militärstrafgesetzes sagt ausdrücklich, datz der Untergebene als Teilnehmer in Betracht kommt, wenn ihm bekannt war. datz der Befehl eine Handlung betraf, die ein V e r- brechen darstellt, und 8 81 sagt ausdrücklich, datz wegen Landesverrats mit lebenslänglichem Zuchthaus bestraft wird, wer es unternimmt, die Verfassung eines Bundesstaates gewaltsam zu ändern. Die Offiziere, die hier zu Worte gekommen sind, zeigen also, datz sie diese Materie nicht ge- nirgend beherrschen. Und wenn schon die Offiziere solche Aus- führungen machen, wie soll es da mit der Verfassungskunde der Unteroffiziere stehen, und wie sollen die Vi annschaften wissen, wie weit sie den Befehlen der Vorgesetzten Folge zu leisten haben? Sie dürfen ihnen nicht Folge leisten bei Befehlen, wie sie der Herr von Oldenburg hier voraussetzte, sonst mützte jeder einzelne wegen Hochverrats bestraft werden. Und datz ein Mann, der jahrelang Offizier gewesen ist, hier solche Ausführungen machen konnte, zeigt die mquaelhafte Ausbildung der Offiziere auf diesem Gebiet.(Lachen rechts. Sehr richtig! links.) Die ßA 115 und 116 des Militarstrafgesetzbnches sprechen vom Mihbrauch der Dienstgewalt und mindestens würde ein solcher vorliegen, wenn ein Untergebener benutzt würde, um gegen die Verfassung und gegen die Gesetze zu handeln. Und wohin würde es führen, wenn in der von Herrn Oldenburg angedeuteten Weise verfahren würde? Wenn die Verfassung von oben her an- gegriffen wird, dann besteht sie auch nicht mehr für die große Masse des Volkes, dann besteht auch der Fahneneid mcht mehr, dessen Grundlage einzig und allein die Verfassung ist.(Lebhaste Zu- stimmun? links.) Wenn also die Junker daran rütteln wollen— grosser Lärm rechts, Glocke des Präsidenten) wenn das einträte, was Herr v. Oldenburg damals an die Wand malt«, so wurde die Armee des Fahneneides los und ledig sein. Sie haben also keime Ursache, diese Dinge auf die Spitze zu treiben, den Teufel an die Wand zu malen und davon zu sprechen, datz etwa ein Leutnant mit 1l> Mann den Reichstag schlietzen könnte. Es mutz dafür gesorgt werden. datz die Soldaten nicht von gewissenlosen Vorgesetzten zu Hand- lungen benutzt werden, die ihnen jahrelanges Zuchthaus«n° �'"Ach will noch den Wunsch aussprechen, datz daS Taktgefühl der Offiziere in der Richtung auf bessere Umgangsformen m i t d e m Z i v i l p u b l i k u m ein wenig mehr ausgebildet wird als bisher.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Kriegsminister v. Hecringen: Ich lehne es ab, auf die Ausführungen des Vorredners einzugehen.(Lautes Bravo? rechts. Lachen bei den Sozialdemokraten.) Abg. Ledebour(Soz.): Die Phrase„Ich lehne es ab" wird nun allgemach etwas ab- gestanden'. Mit derselben Wendung lehnte es im Preuhischen Abgeordnetenhause der Justizminister Beseler ab. auf wohlfundierte Beschwerden einzugehen. Der Kriegsminister scheint den Ehrgeiz zu haben es dem Justizminister gleich zu tun.(Heiterkeit und Sehr gut! links.) Damit, datz man etwas ablehnt, widerlegt man tS �Die Frage, die mein Freund Emmel hier angeschnitten hat, ist im höchsten Grade aktuell.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) In der Debatte, in der das bekannte Prvnunziamento des Herrn von Oldenburg sich ereignete, erklärte der Kriegsminister: die Stellung der Offi- ziere zu ihrem Kriegsherrn sei eine andere als die der Beamten; der Fahneneid werde auSfchlietzlich der Person des Monarchen ge- leistet.(Sehr richtig! reckts.) Die Herren, die Sie(nach rechts) mit Vorliebe die„allerhöchsten Kriegsherren" nennen(Heiterkeit). haben bisweilen anders gedacht, sogar noch vor defc Einführung konstitutioneller Verfassungen. Friedrich Wilhelm IlL, König von Preutzen. hat in einer Kabinettsorder den Offizieren verwiesen, sich für etwas Höheres zu halten als das Zivil.(Hört! hört! links.) Ihre Würde, heitzt es in jenem Erlatz, haben die Offiziere an den Tag zu legen, wenn es sich um die Verteidigung ihrer Mitbürger im Kriege handelt. Die Bürger und nicht der König sind es. die die Offiziere bezahlen!(Hört! hört! links.) Der König be- droht Offiziere, die wider diesen seinen Befehl weiterhin dem Zivil mit Hochmut begegnen, mit der Strafe der Kassation und des Todes.(Lebhaftes Hört! hört! links.) Der Kriegsminister hat an jenem Tage davon gesprochen, datz es in schweren Zeiten zum Segen des Vaterlandes gewesen set. datz die Offiziere nur ihrem Kriegsherrn den Fahneneid zu leisten haben. Wenn der Kriegsminister sich nicht deutlicher ausdrückt, so mutz er sich gefallen lassen, datz auf ihm der Verdacht ruhen bleibt. datz er habe die Offiziere zum Verfassungsbruch aufreizen wollen. ifUnruhe rechts.)- Mir ist nur ein solcher Fall aus der preutzischen Geschichte bekannt, nämlich die Sprengung der preutzischen Ratio- nalversammlung im November 1848 durch den Major Herwarth v. Bittenfeld. Auf jenen Staatsstreich folgte bekanntlich die Olk- troyierung des Dreiklasscnwahlrechts, das zurzeit der preufinche Major v. Betbmann Hollweg zu reformieren vorgibt.(Glocke des Präsidenten.) Vizepräsident Dr. Spahn: Es ist hier üblich, Würdenträger des Reiches bei ihrem zivilen Titel zu nennen.(Zustimmung rechts, lautes Lachen links.) Abg. Ledebour(Soz.) Ganz Ihrer Meinung, Herr Präsident.(Große Heiterkeit.) Ich war jedoch der Meinung, datz der Reichskanzler Bethmann Hollweg Wert darauf legt, als Major geführt zu werden(Grosse Heiterkeit links), da er bei Parlamentseröffnungen in MajorSuniform erscheint.(Sehr gut! links.) Vizepräsident Dr. Spahn: Ich nahm an, datz Sie den Reichskanzler nur im Scherz »Major" genannt haben.(Grotze Heiterkeit.) Abg. Ledebour: Ich habe eS allerdings im Scherz gesagt, aber datz der oberste iveamte des Reiches und PreutzeuS bei Parlamentseröffnungen in MaZorSuniform erscheint, ist kein Scherz, sondern eine ernsthafte Sache, die bezeichnend ist für die negative Hochschätzung, deren sich bei uns die Parlamente erfreuen.(Lebhafte Zustimmung links.) Wie gesagt: wenn der Kriegsminister an jenem Tage nicht ins Blaue hineingeredet hat— und das kann ich bei preutzischen Kricgsministern doch nicht wohl annehmen(Große Heiterkeit)—, so kann er nur die Vorgänge vom November 1848 im Auge gehabt haben. Dann aber läuft seine Rede im Grunde auf dasselbe hin- aus, was das Pronunciamento des Herrn v. Oldenburg besagte. Bekanntlich haben der Vizepräsident Prinz Hohenlohe und der- schiedene Konservative den Worten des Abg. v. Oldenburg eine andere Auslegung geben wollen...(Rufe rechts: Zur Sache! Zur Sache!' Glocke des Präsidenten.) Vizepräsident Dr. Spahn: Herr Abgeordneter, ich habe Ihnen sehr weiten Spielraum gegeben. Aber die Auslegung der Worte des Abg. v. Oldenburg gehört doch nicht zum Militärbildungswesen.(Sehr richtig! rechts.) Abg. Ledebour: In der Tat gehören diese Vorgänge zum Militärbildungs- Wesen, denn sie wären unmöglich, wenn Offiziere, Unteroffiziere und Soldaten besser aufgeklärt würden über die Grenzen mili- tärischer Disziplin.(Sehr gut! links.) Wir werden aber noch Gelegenheit finden, auf den wichtigen Gegenstand ausführlicher zurückzukonimen.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Kricgsminister v. Hceringe«: Ich habe nur Tatsachen angeführt und keine Schtutzfolgerungen daraus gezogen. Auch habe ich kein Beispiel aus Preutzen im Auge gehabt, sondern ein Beispiel aus meiner engeren Heimat: aus Kurhessen.(Stürmische Heiterkeit links, Zuruf: Welches denn?) Herr Ledebour mag in den kurhessischen Verfassungs kämpfen nachlesen, was ich gemeint habe. Eine Unterschätzung anderer Stände durch die Offiziere findet nicht statt. Vom Kaiser bis zum jüngsten Vorgesetzten halten wir alle darauf, datz ein Voncher-Seite-ansehen anderer Stände nicht geübt wird.(Rufe bei den Sozialdemokraten: Na! na!) Wir wollen besser werden in unserem Beruf, aber wir lassen allen anderen Ständen ihre Ehre auch. Abg. Ledebour(Soz.): Der preußische Kriegsminister sprach folgende Worte aus: „Daß der Offizier eine ganz andere Stellung im Staats- Wesen einnimmt als ein Beamter, ist ohne weiteres schon aus dem Grunde klar, weil der Offizier nicht auf die Verfassung schwört, sondern den Eid dem höchsten Kriegsherrn leistet, und diese ein- fache klare Situation ist auch in vielen Schwierigkeiten zum Segen des Vaterlandes gewesen." Ich frage Sie nun auf Ehre und Gewissen: Ist ein einziger unter Ihnen, der, als er diese Worte hörte. gemeint oder geahnt hat. der preutzische Kriegsminister habe auf das ehemalige Kurhessen angespielt?(Stürmische Heiterkeit.) Keiner von Ihnen hat das geglaubt. Daß der Herr Kriegs- minister daran gedacht hat, mutz ich ja jetzt glauben, doch mutz ich gestehen, daß es mir schwer fällt. Damit wir aber ermessen können, wie weit dieses Beispiel für die gegenwärtigen Verhältnisse patzt, mutz ich ihn doch bitten, das seinerseits festzustellen und nicht einfach zu sagen: Der Herr Abgeordnete möge das in der kur- hessischen Geschichte nachlesen! Wenn Sie für die gegenwärtigen Verhältnisse, für das Verhältnis der deutschen Offiziere zum Kaiser und König ein schlagkräftiges Beispiel anzuführen glauben, dann heraus mit der Sprache!(Lebhaftes Sehr gut! links. Unruhe rechts.) Sie(nach rechts) suchen ja nur durch Eine Rückzugskanonade den Kriegsminister zu decken. So viel weiß ich übrigens von der kurhessischcn Geschichte, daß unter allen deutschen Staaten kein so elendes, niederträchtiges monarchisches Regiment gewesen ist wie in Kurhessen.(Lärm rechts.) Vizepräsident Dr. Spahn: Ein solcher Ausdruck ist auch auf ein verstorbenes Herrscher- geschlecht nicht zulässig!(Grotze Heiterkeit links.) Abg. Ledebour(fortfahrend): Die kurhesstsche Geschichte ist ein Schandfleck für Deutschland. Die kurhessische Regierung hat in einer Art und Weise daS Volk unter Verfassungsbruch und anderen Schikanen ausgebeutet, (Zuruf links: Es waren Seelenverkäufer!) datz der Kriegsminister einen schlechteren Dienst dem preutzischen Ministerpräsidenten und dem deutschen Kaiser gar nicht erweisen konnte, als datz er zur Rechtfertigung ihrer Stellung auf das Kurfürstentum Hessen und seine vom Verfassungsbruch erfüllte Geschichte sich berief. (Sehr gut links.) Gegenüber clem nvünkicbe icb, c!aß die parallele nock weiter gebt und daß die Gewalthaber in preußen, die fieb beikommen lassen, das Volk ebenso zu bebandeln wie es in Kurbesscn geschehen ist, dasselbe Schicksal erleiden» wie diese Verfassungsbruch igen kurhessischen Machthaber. (Stürmischer Beifall links.) Vizepräsident Dr. Spahn: Die Debatte ist geschlossen. Abg. Ledebour(Soz.): Und das kurhessische Beispiel?(Schweigen des Kriegsministers). Rlfo auch der kneift! (Sehr gut! links.) Das Kapitel wird bewilligt. Darauf vertagt das Haus die Weiterberatung auf Sonnabend 11 Uhr.(Außerdem Stellenvermittelungsgesetz.) Schluß: 7 Uhr._ FranzSilfchcr Parteitag. 3. Tag. (N a ch t s i tz u n g.) Nimes, 8. Februar.(Eig. Ber.) Die Verhandlung über die Altersversicherung wird fortgesetzt. Lucien Roland führt das Schweigen der Opposition im Jahre 1kX)6 darauf zurück, datz damals die Rücksicht auf die eben erst be. gründete Einigkeit das Anfwerfen solcher Streitfragen untersagte. Mit der Methode der Verbesserungen könnte man auch die Budget- bcwilligung rechtfertigen. Di« neue Steuer wird die Bauern gegen die Republik ungünstig stimmen. Wenn man uns das Verhalten der Deutschen vorhält, die das von der Regierung des Ausnahme- gesetzes eingebrachte Gesetz abgelehnt, aber nachher den Verbesse- rungen zugestimmt haben, so sind wir gegenüber den Ministern von Draveil und Raon PEtap« in derselben Situation und wir haben keinen Grund, den Radikalen zu helfen, ihre Popularität wiederzugewinnen. Herve spricht ausführlich über sich selbst und sein Verhältnis zu den verschiedenen Richtungen und Personen der Partei und fügt einige Bemerkungen über seine Stellung zu den Reformen an. Er ist nicht gegen wirkliche soziale Reformen, auch nicht gegen die Altersversicherung, sondern nur gegen Karikaturen von Reformen. Er ist auch Nicht für die Sabotage der Parlament«, rischen Aktion: Die Revolution wird nach einer nottvewdigen Period» der Organisation mit Gewalt, mit Generalstreik und In- surrektion durchgeführt werden müssen. Man macht aber Re- volutionen nicht mit Enttäuschten. Darum habe ich auch über den Bankerott des Radikalismus keine Freud« empfunden. Die Partei aber hätte die UnPopularität der Radikalen benützen sollen, um ihnen ein besseres Gesetz abzuzwingen. Jaures hat die sozial- politisckien Anschauungen Millerands. Waldeck» Rousseaus und Bismarcks. Er ist Ministerieller geblieben. Es gibt nur zwei Methoden des Sozialismus: die des Parlamen- tarismus und Reformismus und die der Revolution, die die des Klassenkampfes ist. Wir wollen die Ablehnung des Gesetzes, weil wir den Graben zwischen Partei und Konföderation nicht vertiefen wollen, weil wir die Parlamentarier in der Hand halten und end-> lich, weil wir kundgeben wollen, datz die Partei nach wie vor die Partei der Revolte ist. Die Rednerliste ist erschöpft. Es folgen noch Erklärungen ver- schiedener Delegierter. Briquet iBcrtreter des Pas-de-Calais) fordert namenS seiner Föderation die Deputierten auf, für die Vorlage zu stimmen und beruft sich auf die Erfahrungen mit dem Gesetz über die Berg- arbeiterpensionen. Desgleichen spricht der Bergarbeiter Calvignac für das Gesetz, weiter ein Vertreter landwirtschaftlicher Arbeiter des Departements Eher. Delory(Nord) berichtet, datz seine Föde- rotion mit Rücksicht auf die Stimmung einiger Sektionen beschlossen hat, 44 Sttmmcn gegen. 7 für das Gesetz abzugeben. Es folgt die A b st i m m u n g. Es liegen vor eine Resolution Vaillant. Sie fordert Zustimmung zur Vorlage und nachherige Campagne für Verbesserung; eine Resolution Luquet. Sie fordert Verwerfung der Vor- läge durch die Fraktion. Angenommen wird die Resolution Vaillant mit 193 Stimmen. Für die Resolution Luquet werden 156 Stimmen ab- gegeben. Vier Stimmenthaltungen. Die Verkündigung des Resultats wird von der Mehrheit mit Beifall aufgenommen. Schluß der Sitzung 1 Uhr. 4. Tag. V o r m i t t a g s s i tz u n g. Nimes, 9. Februar.(Eig. Ber.) Angesichts der Unmöglichkeit, die Tagesordnung zu erschöpfen» beschließt der Parnteitag, vor dem internationalen Kongreß einen neuen Parteitag einzuberufen, dem die Behandlung der auf der Tagesordnung von Kopenhagen stehenden Fragen zugewiesen wird. Im Anschluß an diesen Kongreß soll eine Agrarkon- ferenz einberufen werden, die die gleichfalls von der Tages- ordnung des jetzigen Kongresses abgesetzte Agrarfrage behandeln soll. Die Agvarkommission bleibt bestehen. Als Grundlage für die Zusammensetzung der VerwaltungS. kommission wird das Stimmenverhältnis bei der Abstimmung über die Altersversicherung angenommen. Die Extrataxe auf belgische Arbeiter. Es kommt zu einer kurzen Debatte über die Stellung der Fraktion zum Amendement Ccccaldi, das die Unternehmer einer Taxe für ausländische Arbeiter unterwirst. Delory fordert Absetzung der Frag« von der Tagesordnung, da Verhandlungen mit den belgischen Genossen im Zuge seien. JaureS glaubt nicht, datz das Amendement noch auS dem Senat zurückkommt, aber er fordert die Organisation großer Ver- sammlungen auf beiden Seiten der Grenze, die die belgischen Ar- beiter bewegen sollen, sich zu organisieren und keine Lohndrückerei zu treiben. In der Kammer werden die sozialistischen Deputierten, wenn die Frage nochmals auf die Tagesordnung kommt, den Antrag Vaillant auf Festsetzung eines Minimallohnes erneuern und geschlossen gegen die Taxe stimmen. Lafont ruft: Alle? Auch Delory? Delory schweigt. Lavaud fordert die Annahme der von der Seine-Föde. ration gestellten Resolution, die die entschiedene Be- kämpfung der Taxe fordert. Delory erklärt sein Schweigen damit, datz er auf das Meriwrifche der Frage nicht eingehen wollte. Es habe aber nicht bedeutet, da�j er mit der Erklärung Jaures nicht einverstanden sei. Die Resolution der Seine-Föderation wird hierauf ohne Widerspruch angenommen. Wahltaktik. Zu dieser Frage ergreift das Wort Delory, der die Aufrechterhaltung der Reso» lution von Chalon fordert. Er beantragt sofortige AuS» arbeitung des Wahlmanifestes in einer Kommission. Der Antrag wird angenommen., Nachmittags sitzung. In der Nachmittagssitzung wird die Verwaltungskommifswn gewählt. Von den 22 Mandaten sind 19 der Minorität von gestern überlassen worden. Unter den Gewählten befinden sich Du» breuilh, Renaudel, Marius Andre, Renard. La, f a r g u e und Herve. Hierauf wird das von der Kommission ausgearbeitete Wahl» manifest mit allen gegen 3 Stimmen angenommen. Eine Resolution über die Wahltaktik, die von der Kommission borgelegt wird, überläßt den Föderationen die Stellungnahme im zweiten Wahlgang unter Kontrolle der Partei. Die Jnsurrektionellen Perccau und Frau Dr. Pelletier sprechen dagegen und fordern unbedingte Aufrechterhaltung der Kan- dtdaturen im zweiten Wahlgang. Cambier hebt hervor, datz auch der Beschlutz von Chalon betreffend die unbedingte Bekämpfung der„Unabhängigen" auftecht bleiben müsse. Sembat bemerkt, datz dies ja durch die Resolution, die die Parteitagsbeschlüsse bestätigt, bestimmt werde. Ehastanet fordert unbedingte Bekämpfung aller Anhänger Clcmenceaus und Gegner der streikenden Postbeamten, Lorris die der Gegner des Proporzes. Angenommen wird der Kommissionsantrag mit 819 Stimmen. Ein infurrektioncller Antrag Perccaux erhält 23, ein anderer Antrag, der gleichfalls unbedingte Auftechterhaltung fordert, 19 Stimmen. Alle Amendements werden abgelehnt. Einstimmige Annahme findet eine Resolution, die die neuen Marineforderungen verurteilt. Der Parteitag wird um 7 Uhr abends geschlossen. WasserstandS-Nachrtckite» der LandeSanstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Welterbureau. Wasserstand M e m e l. Tllsil P r e g e l, Jnfterbing Weichsel. Tboru Oder, Ratibor , Krassen , Franksutt Warthe, Schrimm . Landsberg Netze, Vordamm Elbe, Leitmeritz , Dresden , Barby , Magdeburg >)+ bedeutet Wuchs,— Fall.—«) Unterpegel.—•) EtSftand.— Die Flutwelle de? ObcrrheinS ist am Pegel WalldShut m» S0 ein unter dem Flutscheitcl vom Januar d. I. geblieben. Auch am Riede rrhein scheinen die höchsten Wasserstände des Januars nicht er- reicht zu werden. Wie an den meisten Zuflüssen des Rheins find die Wasserstände auch im oberen Weser gebiet, an der obere» 2 e i n e und I n n er st e bereits im Fallen.— Die Oder war bei Ratibor bis heute morgen aus 2SS am g e s a l l e» Erscheint 2 mal wöchentlich. Bezugsquellen- Verzeichnis. Die hier verzeichneten Firmen empfehlen bei Einkäufen Ihre Geschäfte. Credit-Haus Moabit Turmstraße 55. Ecke Waldstraße gewährt jedem bei spielend leichter An- und Abzahlung mehrjährlnen Kredit auf Waren und Möbel. Lubasctier,S.| _ CreditHaus MV» Gebr. Weber, Neue Königstr. 88. 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Ziehung 2. Kl. 222 K*l. Prenss. Lotterie. Ziehung vom 11. Februnr, naebmittege. 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G«brauch kostenlos lagern. Verg ro Berung Besichtigung ohne Kaufzwang gern gestattet. an der Hochbaha. Verantwortlicher Redakteur Richard Barth. Berlin, gür denJnferatenteilverani».: TH. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: VorwärtSBuchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co« Berlin SW. Ür. 36. 27. Jahrgang. 3. Scilnp Ks Jmiiitls" ßtrlintt WlllsM Zollnabend. 12. Ftbruar 1910. partei- Hngclecfenbeitcn. 2. Wahlkreis, Friedrich st adt. Zahlmorgen für Buchdruckerei-Nachtarbeitcr Sonntag, den 13. Februar er., bei Jul. Meyer, Oranienstr. 103. Tagesordnung; 1. Geschäftliches. 2. Das zurückgestellte Referat des Genossen Emil Günther. Gute Beteiligung erwartet Der Vorstand. Zur Lokalliste. In Maricndorf veranstaltet heute, am t2. d.M., der„Arbeiter-Beerdigungsverein" einen Maslenball im gesperrten Lokal von R a u: am Sonnabend, den tU. d. M. der Gesangverein„F r o h s i n>r" ebenfalls einen MaSkcn- ball im gesperrten Lokal von B l ü m e l dortsclbst. Außerdem weisen wir nochmals darauf hin, daß das Lokal von G r a ß l, Mariendorf, nach wie vor gesperrt ist. Die Lokalkommission. Britz-Buckow. Sonntag früh 8 Uhr findet von den bekannten Stellen aus eine Flugblattverbreitung statt. Der Vorstand. Schmargendorf. Zum Besuch der Protestversammlung im Viktoriagarten. Wilmersdorf versammelt sich die hiesige Arbeiterschaft am Sonntag früh B/tll Uhr bei Pöltschen, Spandauerstr.� 40. Der Vorstand des Wahlvereins. Alt-Glienicke. Die Parteigenossen werden ersucht, sich am Sonntag- mittag recht zahlreich in der Versammlung bei Kaul- AdlerShof einzufinden. Lichtenrade. Der regelmäßige Zahlabend am 12. Februar fällt Umstände halber aus. dagegen werden Beiträge vor Beginn der am 21. Februar, abends 8'/3 Uhr, stattfindenden Koinmunalwähler-Ver- sammlung entgegengenommen. Eichwalde-Zenthen-Miersdorf. Den Parteigenossen zur Kenntnis- nähme, daß die Versammlung am Sonntag bei Wedhorn, Königs- Wusterhausen, stattfindet. Der Zug geht um'/»12 Uhr von Eich> Walde ab. Der Vorstand. Wannsee. Heute 8 Uhr im Fürstenhof Wahlvereinsversamm- lung. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genosien Reichardt-Marien» dors über Kommunalpolitik und Aufstellung eines Kandidaten zur Gemeindeverordnetenwahl. 2. Wahl von zwei Delegierten zur Generalversammlung. 3. Vcreinsangelegenheltcn und Verschiedenes. Am Sonntagvormittag 11 Uhr treffen sich die Genossen bei G.Koch. Abmarsch von dort nach Nowawes zur Versammlung. Der Vorstand. FrledrichSfrlde. Morgen, Sonntag früh pünktlich 8 Uhr, wollen sich die Genossen zu einer Flugblattverbreitung in den Bezirkslokalen einfinden. Die Bezirksleitung. Rüdersdorf-Kalkberge. Am Sonntag, den 13. Februar, nach mittags 3 Uhr. findet im Gasthaus„Zur Linde"(Jnh.: Richard Roll, früher Grewe), Heinitzstr. 19, eine öffentliche Versammlung statt, in welcher Stadw. Thurow-Rixdorf über die Wahlrechtsvorlage sprechen wird. Diskussion. Die Bezirksleitung. Reinickendorf-Ost. Der Bezirk Reinickendorf-Ost des Wahl» Vereins Nieder-Barnim feiert- heute sein 12. Stiftungsfest' in den „Hubertussälen'. Prozinzstr. 77/79. Ein reichhaltiges Programm sichert den Teilnehmern angenehme Stunden, so daß eine rege Be- teiligung der Genossen und Genossinnen erwartet wird. Das Komitee. Bezirk Waidmannslust. Sonntag, den 13. Februar, nachmittags 4 Uhr, findet in Glienicke eine Wahlrechtsversammlung statt. Referent: Gen. Max G r o g e r- Rixdorf. Abmarsch der Genossen von Waidmannslust sSchweizerhaus) 3 Uhr. HermSdorf sForsthaus) 3Va Uhr. Birkenwerder(Bahnhof) 3 Uhr, Hohen-Neuendorf(Bahnhof Stolpe) 3'/. Uhr. Am selben Tage vormittags 8 Uhr in allen Orten Flug- blattverbreitung. Die Bezirksleitung. Bernau, Röntgental, Schönow. Zu der morgen Sonntag, nach- mittags 1 Uhr. im.Elysium' stattfindenden Protestversammlung findet heute abend Flugblatt» sowie Handzettelverbreitung statt. Die Parteigenossen werden ersucht, sich das Material von den Bezirks» führen, abzuholen. Die Bezirksleitung. Der Onartettverein Liederhain ersucht unS mitzuteilen, daß die Lokalkommission Groß-Lichterfelde-Lankwitz sowie einige Mtglieder des Lankwiyer Wahlvereins versprochen hätten, daß sie Einwendungen dagegen, daß der genannte Verein in dem gesperrten Lokal von Gutsche in Lankwitz seinen Maskenball abhält, mchl erheben wollten. Der Vorstand des Lankwitzer Wahlvereins teilt uns hierzu mit, baß er bei der fraglichen Abmachung nicht hinzugezogen worden sei und daß er den Boykott nach wie vor aufrecht erhält. will, unter der Aufsicht der roten aufsichtsführenden Stadtverordneten möglich sind. Genossen Schweynert ist es höchst wahrscheinlich nicht | bekannt, daß in der Berliner Stadtverordnetenversammlung nach stillschweigender Uebereinkunst den Sozialdemokraten der Vortritt in der Beaufsichtigung des Asylwesens gelassen wird: steht doch z. B. an der Spitze des Berliner Asylwesens für Obdachlose Herr Paul Singer." Auch die„Wahrheit" ivill die Wahrheit durchaus nicht hören, sonst hätte sie die obigen Sätze nicht schreiben können. tätte sie der Wahrheit die Ehre geben wollen, hätte sie im egentcil mitteilen müssen, daß gerade Genosse Hoffmann seit langem die Verwaltung bedrängt hat, doch Abhilfe zu schaffen. Sie hätte auch weiter mitteilen müssen— immer, wenn ihr an der Wahrheit gelegen wäre— dag gerade dem Genossen Hoffmann eine Revision des Obdachs nur möglich ist, wenn der Dezernent des Asyls, Herr Fischbeck, ihm daS gnädigst gestattet, und daß sogar dieser Herr Fischbeck Genossen Hoffmann große Schwierigkeiten in den Weg gelegt hat. Eine besondere Unverschämtheit ist der Seitenhieb auf den Genossen Singer. Genosse Singer hat mit dem städttschen Asyl in der Fröbelstraße nicht das geringste zu tun und gehört dem Kuratorium dieses ObdachS gar nicht an. Genosse. Singer ist allerdings eiii Förderer Berliner JVacbricbten» SchwitidelblStter. Anläßlich der Veröffentlichungen der„Zeit am Montag" über die Zustände im städttschen Obdach in der Fröbelstraße hatten wir dargelegt, daß diese Zustände in der Hauptsache dem Obdachkuratorium nicht unbekannt geblieben seien und daß unsere Genossen in diesem Kuratonum wiederholt Anttäge gestellt hätten, die die im Asyl herrschenden Unsittlichkeiten und die vorkommenden vielen Diebstähle zu beseitigen geeignet gewesen wären, daß aber— allem Anschein nach nur der Kosten ivegen— diese Anttäge Ablehnung erfahren hätten. Es werde aber jetzt infolge dieses Drängens ein Umbau des Asyls erwogen. Diese MitteilW.en existieren aber für verschiedene Blätter nicht und so schwindeln sie lustig darauf los. „Staatsbürger-Zeitung" und„Reich" glauben die Gelegenheit benutzen zu sollen, Rache für Mielczyn zu nehmen, weil da- mals ihre Pastoralen Erzieher schlecht weggekommen sind, und gegen die„Berliner Heuchelei" zu wettern. Soweit diese Blättchen ihre Angriffe gegen den Berliner Kommunalfreisinn richten, wollen wir ihnen nicht widersprechen, anders liegt es aber, wenn sie schreiben: „Blätter vom Schlage des„Berliner Tageblattes', vom Schlage des„Vorwärts", die für die Moralität der Proletarierjugend eintreten, weshalb finden sie kein Wort der Kritik, un, die Stadtverwaltung zur Rechtfertigung zu zwingen? Gewiß, die Sache ist den Herren unangenehm, höllisch un- angenehm 1" • Der Verfasser dieser„Berliner Heuchelei" schreibt einfach darauf los, ohne sich im geringsten um die oben schon an- gesithrten Tatsachen zu kümmern. In denselben Bahnen wandelt die„Wahrheit", die wieder einmal beweist, daß sie ihren Namen zu Unrecht ttägt, wenn sie schreibt: „Das Asyl in der Fröbelstraße steht unter dem„Protektorat" der Stadt Berlin, der Deputation für das städtische Obdach befinden sich neben liberalen Größen auch die roten geräuschvollen Genossen Bernstein und der Zchngebote-Hoffmann. ES wirft ein recht bezeichnendes Licht auf die wzialistischen Großmäuler, daß derartige Zustände, wie sie„Genosse" Schweynert beobachtet haben an. des AsylwesenS in Berlin, insofern er" dem Asylverein für Obdachlose angehört und Kurator des dem Verein gehörigen Männer-Asyls in der Wiescnstraße ist. Dieses Asyl aber ist so mustergültig, daß jeder Freund der Armen und Elenden nur wünschen könnte, daß die an dieser Stätte herrschenden Grundsätze Nachahmung finden würden. Klagen gegen dieses Vereinsasyl sind denn auch in der Oeffentlichkeit nicht erhoben worden. Macht aber nichts! Es wird eben darauf losgelogen ohne einen Schatten eines Beweises. Es ist wirklich ekelhaft, sich mit solchem Gesindel herumschlagen zu müssen I Gebrandmarkt! Wenn Beamte des langen Amtes schwere Bürde von sich werfen, löst sich ihnen häufig die Zunge, und man erfährt dann aus diesen Kreisen, über denen sonst stets das Damokles- schwert des Gegangcnwerdens im Disziplinarwege schwebt, allerlei erbauliche Dinge. So erzählt ein pensionierter Ber- liner Kriminalist, dem wir schon mehr" als eine amüsante Ausplauderet verdanken, daß die Polizei eine ganze Skala von „Kreuzen" eingeführt hat, mit denen irgendwie anrüchige oder mißliebige Personen in den Personalstandsregistern und in wichtigen„schwarzen Polizeilisten" besonders gekennzeich net werden. Neben verschiedenen Abarten für ehemalige Strafgefangene und Zuchthäusler, für Prostituierte, Zw hältcr und Homosexuelle sowie neben den„roten" Kreuzen bei der politischen Polizei existiert auch ein schwarzes Kreuz für einstige Bewohner von öffentlichen Jrreirnnstalten. Durch das Meldewesen erhält die Polizei Kenntnis von Anstalts internierung und von jeder Entlassung. Daniit ist aber der Fall nicht für sie erledigt. Die Polnei brandmarkt solche Leute in geheimen Listen als ehemalige Irrenhäusler, so daß ihnen der böse Ruf, den nun mal die Welt heutzutage noch jedem ehemaligen Insassen einer öffentlichen Irrenanstalt anhängt, auf Schritt und Tritt folgt. Jeder Polizeileutnant, in dessen Revier solche Leute wohnen, ist sehr bald von der Vergangenheit des Betreffenden unterrichtet und hält sich oft genug für berufen, eine höchst überflüssige Kontrolle ausüben zu müssen. Zum mindesten wird der ehemalige Anstalts insasse zeitweise beobachtet oder direkt belästigt und bei dritten Personen unnötig verdächtigt. Bei bedenklicheren Kranken, die notorisch geisteskrank und versuchsweise entlassen sind, mag eine derartige Kontrolle, natürlich in diskretester Form, unter Umständen angebracht sein. Me Polizei ver steht es indes nicht, die notwendigen Unterschiede zu machen und riecht auch da in die Verhältnisse hinein, wo sie nicht den mindesteii Anlaß dazu hat. Wenn beispielsweise auch leicht nervenkranke oder einst alkoholkranke Leute, die mangels des nötigen Kleingeldes eine öffentliche Irrenanstalt aus suchen mußten, angekreuzt werden, so ist das ein Unfug, eine durchaus unzulässige Bevormundung. Diese meist aller dings stillschweigende, gewissermaßen in Reserve gehaltene Kontrolle ist um so weniger zu billigen, als sie für Lebens zeit bestehen bleibt. Man mag hinziehen, wohin man will, stets wird das Polizeikreuz mitgeschickt und der vielleicht längst gesunde, völlig zurechnungsfähige und arbeitsame Mensch bei der neuen Behörde als anrüchig gebrandmarkt. Welche furchtbaren moralischen und wirtschaftlichen Schädt gungen sich daraus für den Betreffenden ergeben können, liegt auf der Hand. Weshalb die Polizei eine gewisse Kon trolle über Nervöse ausüben soll, ist nicht einzusehen. Min- dcstens muß verlangt werden, daß das Brandzcichen gelöscht wird, sobald innerhalb einer Frist von cttva einein Jahre gegen die Führung des ehemaligen Jrrenhauspattcnten nichts einzuwenden war. Eine Kontrolle für die wirklich Geisteskranken, die auch nach der Entlassung geisteskrank sind und es bleiben werden, genügt für die allgemeinen Sicher- heitszwecke vollkommen. Dann müssen aber auch alle„bessere" Geisteskranke, die mit ihrem Gelde sich in eine Privatanstalt einkauften, angekreuzt werden. Unser Polizeimann a. D. erklärt, daß solche Leute, wenn der dunkle Punkt ihrer Ver- gangenheit amtlich überhaupt bekannt ist, von aller Kontrolle verschont bleiben._ Militaristische Liebedienerei des Magistrats. Der Magistrat der Stadt Berlin hat wieder einmal bewiesen, daß er es nicht nur versteht, am Brandenburger Tor mit dem Hute in der Hand zu stehen, sondern auch auf andere Weise seine Verbeugung vor den herrschenden Gewalten zu machen. Er hat folgende Verfügung erlassen, die von der Direktion der städtischen Gaswerke weitergegeben wurde: Magistrat hiesiger kgl. Haupt- u. Residenzstadt. J.-Nr. 63 G. B. 1/10. Berlin. 8. Februar 1910. Das Garde-Pionierbataillon feiert am 11., IL. und 13. Fe- bruar die hundertjährige Wiederkehr seines Stiftungsfestes. Wir haben auf Ersuchen des Bataillons aus diesem Anlaß beschlossen. daß Beamte, Angestellte und Arbeiter, welche im Garde-Pionier- bataillon gedient haben, auf Antrag zur Teilnahme an der Hundertjahrfeier des Bataillons am 12. und 13. Februar, und zwar Diätare unter Fortzahlung der Diäten und Arbeiter unter Fortzahlung des Lohnes, zu beurlauben sind. Wir ersuchen, in der dortigen Verwaltung bei vorkommenden Fällen danach zu verfahren. gez. Kirschner. An die Deputation der städtischen Gaswerke. Borstehende MagistMtsverfügung senden wir Ihnen zur Kenntnis und Beachtung. L. Februar 1910. Direktion der städtischen Gasivcrke. gez. Fürst. gez. Schimming. J.-Nr. 1434 Fol. 1/10. Hier nimmt sich also der Magistrat der Stadt Berlin das Ncchk, städtischen Angestellten und Arbeitern zu einer patriotischen Feier Urlaub zu gewähren und ihnen auf Kosten der Steuerzahler ihren Lohn für die Versäumte Zeit nachzuzahlen. Es wäre durchaus nichts dagegen einzuwenden, wen» der Magistrat vermehrten Urlaub zu Erholungszwecken gewähren würde, aber selbst wenn städtische Arbeiter. nur einige Stunden versäumen, um am Begräbnis eines Kollegen teilzunehmen, wird ihnen der Lohn pronipt abgezogen. Will der Magistrot übrigens gleiches Reckt walten tasse», so muß er folgerichtig den städtischen Angestellten und Arbeitern Urlaub unter Fortzahlung des Gehalts auch zum I. Mai geben, einer Feier, die dem Empfinden der städtischen Angestellten und Arbeiter jedenfalls mehr angepaßt ist, wie das Stiftungsfest des Gardc-Pionierbataillous._ Aus dem Magistrat. Der Magistrat hat beschlossen, über das ihm vorgelegte Bauprogramm eines Krankenhauses für Lungen- und Kehlkopfleidende jeden Grades, jeden Alters und Geschlechts, eine Aeußcrung des Ehrenbürgers der Stadt, Exzellenz Robert Koch zu erbitten.— Der Magistrat beschloß ferner, die Zuweisung bou unapticrtciu Gelände und einem Wäldchen bei Hohen-Schön- Hausen zur Errichtung eines neuen Au tz ens p i e l p l a tzes. Wegen Ueberlassung eines geeigneten Geländes zur Errichtung eines weiteren Außenspielplatzcs im Jahre 1911 soll mit dem ForstfiSkuS verhandelt werden. Die neuen Postkarten. Bei den Postkarten ist bekanntlich auf dem letzten Postkongreß in Rom die linke Hälfte der Vorderseite dem Absender für schriftliche Mitteilungen freigegeben worden. Diesem Beschluß entspricht schon das jetzige amtliche Formular der Postkarten. Die Striche für die Aufjchrift lassen seit längerer Zeit links auf der Vorderseite einen Rand von fünf Zentimeter frei. Nur oben kommt auf diesen Teil der Karte das Wort „Postkarte" zu stehen. Auf Ansichtspostkarten der Pribatindustrie ist meist, ein größerer Raum links auf der Vorderseite durch einen Trennungsstrich für Mitteilungen freigehalten. Diesem Beispiel werden, wie angekündigt, in Zukunft auch die amtlichen Formulare folgen. Sie erhalten ebenfalls einen senkrechten Trennungsstrich. Das Musier für diese Formulare ist jetzt vom Reichspostamt end- gültig festgesetzt worden und der Reichsdruckerei zur Herstellung der Karten zugegangen. Der senkrechte Trennungsstrich kommt 6,3 Zentimeter rechts vom linken Rande zu stehen. Da die Post- karten 14 Zentimeter breit sind, so wird also nicht ganz. die Hälfte für Mitteilungen freigegeben. Der Aufdruck„Postkarte" fällt aber nicht mehr auf den linken Teil der Karte für die Mit» teilungen, sondern kommt rechts von dem Trennungsstrich zu stehen. Es ist also vorn auf der Karte ein Raum von 6,3 Zenii- meter für Mitteilungen frei. Auch die Aufschrift„Postkarte" mlt Antwort kommt rechts von dem Trennungsstrich zu stehen. Die» selbe Anordnung erhalten die Weltpostkarten zu 10 Pfennig.»Bei den Doppelkarten mit Antwort muß allerdings der»Vordruck in den linken Teil der Karte hinüberragen, da insbesondere die französische Fassung des Vordrucks zu lang ist. Es geschieht dies sowohl bei der ersten wie bei der zweiten Karte. Dieser Vordruck lautet bekanntlich: � Carte postale avec reponse payec" und „Carte postaie-reponse". Auch für die deutschen Schutzgebiete werden neue Postkarten ausgegeben, die dem neuen Muster für das Reichspostgebiet und Württemberg entsprechen. Natürlich werden auch die neuen Karten für die deutschen Postanstalten im Auslande, in der Türkei, in China und in Marokko versendet. Sie erhalten in diesem Falle den vorgeschriebenen Aufdruck auf den Wertstempel. Die neuen Postkarten kommen zur Ausgabe, wenn die alten Bestände aufgebraucht sind. Die Berliner Handelsrichter haben auch eine Organisation gegründet, unter der Bezeichnung Vereinigung der Berliner Handelsrichter. Schwere SittlichkcitSvergehrn werden einem Dr. Heitmanns» perger nachgesagt, der bei dem„Gemeinnützigen Verein für Rechtsauskunft in Groß-Berlin" angestellt ist und die„Unentgeltliche Rechtsauskunftsstelle" in der Liydower Straße leitet. Gegen ihn erbeben mehrere Frauen den Vorwurf, daß er sie in einer Weise attackiert habe, die in einigen Fällen als tätliche Beleidigung, in anderen geradezu als Notzuchtversuch anzusehen wäre. Wir wollen darauf verzichten, die Verfehlungen näher zu schildern, die ihn, da zur Last gelegt werden. Manche der Einzelheiten, die uns vorgetragen wurden, erscheinen uns so widerwärtig, daß wir sie nicht einmal andeuten möchten. Die Vorgänge sollten sich teil» in dem von Dr. Hett« mannSperger geleiteten AuSkunftSbureau, teils an anderen Stellen abgespielt haben. Bon drei verschiedenen Personen sind Anzeigengegen ihn bei der Staatsanwaltschaft eingereicht worden, und eShabenauch schon Vernehmungen stattgesilnhen- Auch der Vereinsvorstand weiß bereits, welche schweren Beschuldi- gungen gegen den Leiter des Bureaus in der Lindower Straße vor« gebracht werden. Einige der in Betracht kommenden. Frauen sind von Persönlichkeiten, die dem Dr. HettmannSperger nahe stehen, in ihren Wohnungen aufgesucht und über den Sachverhalt ausgefragt worden. Es wird da besonders ein Dr. Claus geuannt, den man uns als Vorstandsmitglied bezeichnet. Dieser Herr soll unter anderem sich zu einem Fräulein bemüht haben, daS geklagt hatte, von Dr. HettmannSperger mindestens in unsittlicher Weise berühtt worden zu sein. Dr. ClauS hat, so wird unS erzählt, sie gesiagt. ob sie etwa von irgendwem„aufgeputscht" worden sei. Hiernach muß man annehmen, daß der VcreinSvorstand einst. weilen Dr. H. nicht für schuldig hält. Dr.H. scheint tatsächlich nach wievor daS Vertrauen des Vorstandes zu genießen; denn nach wievor übt er fein Amt eines Leiters der Auskunftsstelle in derLindowerStraße aus, die— wie alle Auskunfts- stellen deS genannten Vereins— gerade von Frauen sehr viel auf» gesucht wird. Dem'Verein zahlt übrigens Berlin aus dem Stadt» säckel 6000 Mark als Jahresbeitrag zu seinen Unkosten. Sperre deS Berliner Biehbofes. In dem städtischen Schlachthof wurde, wie die„Deutsche Fleischer-Zeitung" meldet, gestern bei einem am letzten Sonnabend verkauften Stück Rindvieh die Maul» und Klauenseuche festgestellt. Infolgedessen wurde vom Departements- tierarzt der Viehhof für den Abtrieb von Klauentieren bis auf weiteres gesperrt. Für die Viehhändler bedeutet diese Sperre einen ungeheuren Schaden, da sämlliches gestern auf der Bahn angekommene und für den heutigen Markt bestimmte Vieh, das noch nicht aus» geladen war und das die Händler nun nach anderen Märkten ver» kaufen wollten, dennoch ausgeladen und eingestellt werden mußte. Wegen wiederholter SittlichkeltSverbrechea an kleinen Mädchen ist ein 42 Jahre alter Kaufmann Karl Stengel aus der Samariter» straße, ein verheirateter Mann, festgenommen worden. Er ist ge« ständig. Ein alter Berliner Ausgewiesener. Der Schuhmacher Dabcrs ist im Alter von 75 Jahren gestorben. DaberS ivurde beim Jnkrast» treten des Sozialistengesetzes im Jahre 1878 als einer von dem ersten Schub aus Berlin ausgewiesen. Er zog nach Hannover, Hamburg und von hier au» nach Amerika, wo er sich in Brasilien ansZssig machte. Nach Fall l>eS Sozialistengesetzes im Jahre 1890 kehrte DaberS nach Berlin zurück, wo er wieder eine Zeit lang mit- arbeitete. Dann aber zog er sich zurück und trat nicht mehr hervor, wozu ihn auch Krankheit nötigte. Die wenigen Alten aus der vor- sozialistengesetzlichen Zeit werden sich DaberS noch erinnern. Unter zahlreicher Teilnahme wui$e gestern nachmittag der Genosse Robert Weber auf dein AicdrichSfelder Friedhose zur letzten Ruhe bestattet. Der Wahlverein deS vierten Wahlkreises. der Holzarbeiterverband, die Kollegen der JnnungSkrankenkasie der Tischler, der Arbeiler-Sängerbund hatten Vertreter mit Kränzen entsendet. Außerdem waren die Berufskollegen de? Verstorbenen in großer Anzahl erschienen, um dem unermüdlichen Känipfer für die Organisation das letzte Geleit zu geben. In der Leichenhalle würdigte Genosse Otto Büchner in zu Herzen gehenden Worten das Wirken des Verstorbenen. Der Gesangverein„Männerchor Ost", dem Weber als Mitglied angehört hatte, widmete dein Toten den letzten Scheidegruß. Ein Einbruch in einer OrtSkrankenkaffr. In dem Hause Wasier- torstraße 10/11 hat die OrtSkrankenkasie der Gürtler im ersten Dtock des Vorderhauses und des rechten Seitenflügels ihre Kasscnräume. Ueber diesen steht jetzt eine Wohnung leer. Geldschrankeinbrecher. die sich wahrscheinlich gestern abend aus dem Grundstück hatten ein- schließen lassen, lantelten nun in der vergangenen Nacht die Küchen- tür der leeren Wohnung auf. schnitten ein Stück au» dem Fußboden heraus und gelangten durch die Oeffnung in die Geschäftsräume der Kasse hinunter. Hier erbrachen sie im Kontor die Pulte und den Geldschrank und erbeuteten daraus gegen 3000 M. Genau ist die Summe noch nicht festgestellt. Die unbekannten Täter ließen einen Bohrer und einen alten Regenschirm, mit dem sie Mörtelstücke der Decke beim Durchbrechen aufgefangen hatten, zurück. Lieber sterben, als die Kinder hergeben. Ein tragischer Vor- gang hat sich in dem Hause Wiesenstr. 32 abgespielt. Die dort wohnhafte Witwe Luise Sch., die in den ärmlichsten Verhältnissen lebt, hat zwei Kinder im Alter von 13 und 14 Jahren. Nachbars- leute hatten bald bemerkt, wie eL nrit den pekuniären Verhältnissen der Witwe stand, und um der Frau eine Erleichterung zu ver- schaffen, war der Beschlutz gefatzt worden, die beiden Kinder in der Zellestiftung in der Ouitzolostratze, wo sie gut aufgehoben ge- Wesen wären, unterzubringen. Es wäre auf diese Weise ermöglicht worden, den Kindern gute Nahrung und eine ordentliche Erziehung angedeihen zu lassen. So erschienen denn gestern in der Behausung der Witwe ein Arzt und eine Schwester, um die Kinder abzuholen. Frau Sch. weigerte sich aber ganz entschieden, ihre Kinder heraus- zugeben. Alle gütlichen Vorstellungen halfen nichts. Man wandte sich schlietzlich an die Polizei und als ein Beamter erschien, bat die Frau weinend und händeringend, man möge ihr doch die Kinder lassen. Lieber wolle sie sterbe», als die Kinder hergeben. So blieb denn nichts anderes übrig, als unverrichteter Sache wieder fortzu- gehen. Schiffsräuber suchten in den letzten Tagen die an der Char- lottenburaer Schleuse überwinternden Zillen heim und machten in vielen Fällen gute Beute. Um der Diebe habhast zu werden, organisierten die Schiffseigner eine Nachtwache. In der ver- flosscnen Nacht überraschten nun die wachehaltenden Bootsleute zwei 20- bis 22jährige Männer, die im Begriff waren, auf einem Kohlenkahn einen Einbruch zu verüben. Bei dem Anruf der Wächter ergriffen, die beiden die Flucht und es entwickelte sich nun eine wilde Jagd über die Zillen hinweg. Als die Spitzbuben sahen, datz es ihnen nicht gelingen würde, zu entkommen, zogen sie plötzlich ihre Revolver hervor und schössen damit blindlings auf die Verfolger, die ihererseits ebenfalls von mitgeführien Schußwaffen Gebrauch machten. Glücklicherweise wurde bei diesem„Seegefecht" niemand verletzt. Schlietzlich gelang es mit Hilfe von Schutzleuten, die beiden Schifssräubtr nach kurzem Handgemenge festzunehmen. Es sind die stellungslosen BootS- männer Peter Wandel und Emil Güldenpfennig, die gestanden. bereits eine Anzahl derartiger Einbrüche verübt zu haben. Schiffsdiebe treiben auch auf den Gewässern in der Umgebung Berlins ihr Wesen. So wurde in der verflossenen Nacht auf den im Nummelsburger See vor Anler liegenden Schleppdampfern „Stralau" und„Gertrud" Einbruchsdiebstähle verübt. In beiden Fällen handelt eS sich allem Anschein nach um dieselben Täter, die in den Maschinenraum eindrangen und von den Maschinen Metallteile im Gesamtwerte von fast 600 M. gewaltsam ent- fernten. Von den Dieben, die ziemliche Sach- und Ortskenntnis gezeigt haben, fehlt bisher noch jede Spur. Eingebrochen wurde in der Nacht zum Freitag bei der Firma Berliner Margarine-Fabrik H. Thormühlen, Schönhauser Allee. Die Einbrecher erbeuteten 2768 M. in barem Velde. Zu dem Sturz des Wegnerschcn Söhnchens ans dem Fenster des vierten Stock im Hause Niederbannmer Straße 23 teilt unS der Vater des verunglückten Kindes mit, daß der Kleine in der kurzen Zeit der Abivesenheit der Eltern auf die am Fenster stehend« Näh- maickiine geklettert sei und jedenfalls mit Hilfe einer Zange das Fenster geöffnet habe, um die Rückkehr der Eltern besser beobachten zu können. Dabei verlor das Kind das Gleichgewicht und stürzte zum Fenster hinaus. Vorort- jVadmebten« Lichtenberg. Zur Frage der Bersicherungsvflicht für Hausgewerbetreibende. Im Oktober 1S08 hat fsch die Stadtverordnetenversammlung dem Antrage unserer Genossen auf Erlatz eines Ortsstatuts zur Ein» führung der Versicherungspflicht für die Hausgewerbetreibenden angeschlossen. Im Herbst der letzten Jahre wurde im Ausschuß für soziale Angelegenheiten ein OrtSstatut beraten, das aber so reaktionär war, daß selbst die Mehrheit der Bürgerlichen sich unserem Antrage auf Verbesserung anschloß und die Vorlegung cineS neuen geänderten Statuts �schlössen wurde. Vor einigen Tagen wurde nun in einer Sitzung de» Ausschusses darüber beraten. aber nachdem die Bürgerlichen ihre Vertreter teilweise durch andere ersetzt hatten, war es nicht möglich, über den§ 1 des Statuts hinauszukommen. Die Vorlage war dem Vertreter des Lichtenberger Geldfacks nicht reaktionär genug. Mit Emphase erklärte Herr Kronyanscn:..Das ist wieder so eine Sache, wodurch die Arbeitgeber zugunsten der Arbeiter geschröpft werden sollen; ich bin vollständig dagegen, die Regierung wird es auch gar nicht genehmigen." Es sollen nun noch verschiedene Orte um Berlin, die not» gedrungen sich in letzter Zeit ein Ortsstatut geschaffen haben, um Einsendung ihres Gesetzes ersucht werden. Der Ausschuß soll dann die darin enthaltenen realtionären Bestimmungen auf unser OrtSstatut übernehmen und die seinerzeit angenommenen Verbesserungsanträge wieder beseitigt werden. Die armen kranken Heimarbeiter können bis dahin ja ruhig ärztliche Hilfeleistung entbehren oder den Arvienarzt in Anspruch nehmen. Die Unternehmer sollen so lange es irgend möglich ist, vor sozialen Lasten geschont werden, wozu sie nicht durch das Krankenversicherungsgesetz gezwungen werden. Hoffentlich werden die Arbeiter und die sonstigen Angehörigen der minderbemittelten Klassen de? 14. Wahlbezirks, die am 21. Fe- bruar Gelegenheit haben, bei der Stichwahl über unser« Stadt- Verwaltung ihr Votum abgeben zu können, dafür sorgen, datz die soziale Rückständigkeit nicht durch die Wahl eines weiteren Bureau- krateil konserviert wird. Die beste Möglichkeit besteht darin, ge- schlössen für unseren Kandidaten, den Gewerkschaftsbcamten August Becker zu stimmen. Ripdorf. Mit einem sonderbaren Fall hatte sich gestern die Feuerwehr D, beschäftigen. Der zweijährige Sohn des Maurers Paetsch, Leine- siratze 12, halte sich beim Spielen ein Gefäß als„Helm* auf den Kopf gestülpt. Als er dann das Gefätz wieder herunterziehen wollte, gelang ihm dies nicht. Auf das furchtbare Geschrei des Knaben eilte die Mutter herbei, doch auch diese versuchte vergeblich. ihr Kind zu befreien. Nachbarsleute machten ebenfalls vergebliche Anstrengungen, den Topf zu entfernen. Man rief schlietzlich einen Schlosser herbei, der mit der Zange längere Zeit an denr Kinde herumarbeitete, doch auch ihm sollte e» nicht glücken, mit Erfolg vor- zugehen. Nun ging es mit dem Knaben, der schreckliche Oualcn auszustehen hatte, nach der Unfallstation in der Steinmetzstratze. Auch hier war es nicht möglich, das Gefätz herunterzubetominen. Endlich wurde die Hilfe der Feuerwehr in Anspruch genommen. Auf der Feuerwache' i» der Ertstratze wurde der kleine P. nach wenigen Minuten durch Aufschneiden des Topfes mittels einer Blech- schere aus seiner qualvollen Lage befreit. Charlottenbnrg. Mordversuch und Selbsiword. In der Laubenkolonie am Kranken- Haus Westend spielte sich gestern nachmittag eine blutige Liebes- tragödie ab. Gegen 4 Uhr wurde dorr der; Arbeiter Paul Graminsky aus der Knobelsdorffstr. 7 erschossen aufge- siinden. Neben ihm lag seine Geliebte, die Arbeiterin Margarete R a d d h auö der Knobelsdorffstr. 60 schwer röchelnd, durch zwei Schüsse verletzt. Das Mädchen wurde nach dem Westender Kranken« Haufe, die Leiche des Mannes nach dem Schauhanfe gebracht. Beide stehen erst im 21. Lebensjahre. Spandau. Stadtverorbneteuversammlung. Es waren zunächst wieder einige Spezialetats festzustellen. In erster Linie der Forstetat, der in der vorigen Sitzung nicht festgestellt werden konnte, weil der Etatsausschutz 10 000 M. abgesetzt hatte für Ausbaggerung der Kuhlake und die Versammlung dieser Ausbaggerung zugestimmt lmtte. Der Magistrat verlangte die Wiedereinstellung der summe, da dieselbe bereits ausgegeben ist. Wohl oder übel mutzte sich die Versammlung diesem zwingenden Grunde fügen und die 10 000 M. lvieder einsetzen. Der Etat wurde nunmehr mit eiper Einnahme von 65 646,50 M. und einer Ausgabe von 50 167,50 M. festgesetzt. Alsdann kam der Stratzendahnetat wieder an die Reihe, der bereits die vorige Versammlung auch längere Zeit beschäftigt hatte. Namentlich wegen zweier Haupttnomentc war dieser Etat an die betreffende Deputation zurückgegeben worden. Das erste betraf die Erhöhung der Arbeitermonatskarten von 2 auf 3 M., das zweite den Wegfall der Zahlmarken am Sonntage. Die Deputation war zu dem Beschlutz gekommen, den Wegfall der Zahl- marken an Sonntagen beizubehalten, dagegen die Arbeiter-Monats- karten von 2 M. auf 2,50 M. zu erhöhen und diese Karten nur an solche Arbeiter abzugeben, die ein Einkommen bis zu 1800 M. haben. Ferner halte die Deputation beschlossen, das Gehalt für die Hilfsschaffner. die nur an Sonn- und Feiertagen beschäftigt werden, einheitlich auf 40 Pf. pro Stunde festzusetzen. Zweifellos hätte der Etat, nach der Stimmung in der Versammlung zu urteilen, wieder eine Ablehnung wegen der Erhöhung der Arbeiter- Fahrkarten auf 2,50 M. erhalten, wenn nicht der Referent, Stadw. Prager. entgegen den Beschlüssen der Kommission den Antrag stellte, den Preis für die Arbeiter-Monatskarten auf 2 M. bestehen zu lassen, da die Ziffern des Etats dadurch gar nicht berührt würden. Dieser Antrag fand denn auch allseitige Zustimmung und wurde nur vor dem Oberbürgermeister Költze bekämpft. Der Antrag des Referenten sowie die beiden Anträge der Deputation bezüglich den Wegfall der Zahlmarkcn am Sonntag und der ein- heitlichen Festsetzung des Stundenlohnes für die Hilfsschaffner auf 40 Pf. wurde von der Versammlung nach längerer Debatte ange- nommen. Genosse Pieper gab bei dieser Gelegenheit die Er- klärung ab, datz die„Spandauer Zeitung" in dem Bericht über die vorige Versammlung ihn als einen Befürworter der Erhöhung der Arbeiter-Monatökarten aufgeführt hat. Dies sei eine Unrichtigkeit. Er habe sich strikte gegen die Erhöhung ausgesprochen. Der Ge- noss'e beantragt sodann, den Stundenlohn der Hilfsschaffner ein- heitlich auf 50 Pf. festzusetzen und die Zahlmarten an Sonntagen beizubehalten. Mit beiden Anträgen konnte er. aber nicht durch- dringen. Der Etat selbst wurde wie folgt festgesetzt: I. Nonnen- damm-Stratzenbahn: in Einnahme und Ausgabe, mit 110685 M. Diese Bahn erfordert einen Zuschuß von 53 085 M. und wird derselbe aus den Ueberschüssen, welche die anderen Straßenbahnen bringen, gedeckt. 2. Die Spandaner Straßenbahn in Ein- nähme und Ausgabe mit 758 300 M. Der Hochbauetat wurde fest- gefetzt in Einnahme mit 15 605 M., in Ausgabe mit 56 200 M. Bei diesem Etat fragt Genosse Pieper an. ob die Kommission, welche seinerzeit auf seinen Antrag eingesetzt sei. um zu beraten, datz bei städtischen Bauten tarifmäßige Löhne gezahlt würden, noch zu keinem Beschlutz gekommen fei? Stadtverordneter Bender beantwortet diese Frage dahin, datz dib Behandlung der Materie eine sehr schwierige sei. datz aber in nächster Zeit die Beschlüsse vorgelegt würden.— Ter Ticfbauetat wurde»n Einnahme mit 104 500 M. und in Ausgabe mit 221 000 M. festgesetzt. Damit sind die Spezialetats zunächst erledigt.— Von deu weiteren Vorlagen sind noch bemerkenswert: Bewilligung von 100 M. als Zuschuß zu den Kosten der vom JnnungSausschutz geplanten Ausstellung von LchrlingSarbeiten. Die Summe wurde auf Antrag des Referenten auf 300 M. erhöht. Gleichzeitig wurde gewünscht, daß dem Jnnungsausschutz die Jubiläumsturnhalle zu dieser Aus- stellung zur Verfügung gestellt wird. Genosse Pieper spricht den Wunsch aus, datz auch anderen Korporationen die gleiche Vergünstigung bezüglich der Jubiläumsturnhalle zuteil werde.— Bei der Vorlage betreffend die Genehmigung des'Gcbührentarifs zur Friedhofsordnung erklärte Genosse Pieper, datz er und seine Fraktionsgenossen gegen den Tarif stimmen werden, da sie den Standpunkt vertreten, datz die Beerdigungen auf Kosten der Stadt zu erfolgen haben. Die Mehrheit der Versammlung ge- nehmigt natürlich die Vorlage. Hiie der frauctibcwegung. Frauen und Wahlrechtskampf. Daß der RrgierungSentwurf zur„organischen Fortentwickelung" deL Wahlrechts in Preußen nicht die völlige Aufhebung der Ent- rechtung des weiblichen Proletariats vorsehen werde, darauf konnte man gefatzt sein. Das Machwerk der Jnnkmegiernng hat aber die schlimmsten Befürchtungen, den ausschtveifendsten Verdacht in bezug auf reaktionäre Bosheit und Tücke übertroffen.. Aus dem Hohlweg seiner Gendarmen- und Einjährigenphilosophie hat Preußens Ministerpräsident, von Bethmann Hollweg, die völlige Entrechtung der Frauen als eine unverrückbare„gottgegebene Ab- hängigkeit' verteidigt. Die Frauen werden wie bisher gleich- geachtet Idioten. Zuchthäuslern und unmündigen Kinderu. Sie gehören weiter zu den Wahlrechtsheloten. Tie geistig hochstehende Frau bleibt rechtlos, während der un- wissende Ackerknecht mitentscheidet über des Volkes Geschick, und hat er sich beim Militär 12 Jechre durchkapitnliert, eignet ihm sogar ein gehobenes Wahlrecht. DaS nichtsnutzige Herrleim das nicht lernen wollte, oder wegen dummer Streiche von der höheren Schule relegiert wurde, wenn es nur das Einjährigenzeugnis in der Tasche hat, dann im„bunten Ehrenrock" als Offizier paradierte, es kann erstklassiger Wähler sein, aber die fleißige Arbeiterin, die sorgende HauSftau und Mutter, die Lehrerin, Erzieherin usw., sie alle bleiben sogar vom Stimmrecht in der dritten Abteilung aus- geschlossen. Das Wahlreckst der Kasernenhofkultur will die Ausschaltung der Frau von der Mitbestimmung im Staatsleben verewigen. Die biclverpflichtete, vielgeplagtc, vielgescholiene Frau zählt weiter zu den politischen Parias! Bei der Verteilung der Pflichten und Lasten kommt das Weib nie zu kurz, aber es bleibt ausgeschlossen von allen staatsbürgerlichen Rechten. Ter Macht- und Ausbeutungshunger der herrschenden Sippen proklamiert das schamloseste Unrecht als gottgewollte Einrichtung? Das Aufbäumen dagegen verhöhnt des Junkertums Geschäftsführer als Sittenverohung. ES fehlte nur noch, alle Soldatenmitzhandler und Streikbrecher in die erste Wählerabtcilung zu verweisen, dann zeigte die Sittlichkeit der Wahlrechtsreform sich in vollster Glorie. Besser als durch den Entwurf der Regierung kann die preußische Eigenart der Rückständigkeit und Brutalität nicht an den Pranger gestellt werden. TaS Volk hätte die moralische Stäupung, die polittsche Mißhandlung, die materielle Wehrlosmachung verdient. die der Schandcntwurf bedeutet, wenn es ihn sich gefallen ließe. Eine noch nicht erlebte Demonstration, die Kundgebung des ent- schlössen«» Willens, ihn nicht erdulden, mutz die Giftpflanze ver. Nichten. Daß dabei die Frauen nicht fehlen dürfen, sie zu Haus dabei sein müssen, ist selbstverständlich! Sie haben doppelten Grund zu demonstrieren, der Regierung ein Pfui! entgegen zu schleudern. Einmal, weil sie selbst sowohl vom passiven als auch vom aktiven Wahlrecht ausgeschlossen bleiben, dann aber auch wegen d«S Privi- lcgiencharakters dcS geplanten Wahlrechts. Die Reform würde die grotze Masse des Volkes, das werktätige Proletariat noch weiter entrechten. Die Majestät des Schutzmannes, auf das politische Gebiet übert»agen, soll eine neue Fessel für die Arbeiterbewegung werden. Darüber kann nun aber kein Zweifel fein, datz eine Verschlechterung des Wahlrechts für die Männer die Eroberung des politischen Rechtes für die Frauen weiter hinausschiebt. Jeder Peitschemschlag, den das Schnapsjunkerregiment auf dem Gebiete des Wahlrechts den Männern versetzt, wird für das weib» liche Geschlecht doppelt fühlbar. Mutz schon brennende Scham ob des Hohnes und Spotte», mit dem der Hausknecht des Junkertums. die preußische Regierung, das Volk behandelt, die Männer zu ener» gischem Protest aufpeitschen, um so mehr die vielfach verhöhnten und mißhandelten Frauen. Darum herbei Ihr Frauen und Töchter dcS Volkes i Erscheint am Sonntag ohne Ausnahme in den Protestver. sannnlungen! Zeigt, datz Ihr der Schnapsjunker und-Heiligen Herrschaft und Anmatzung endlich überdrüssig seid! Herbei zum Protest!!_ Verbot der Rachtnrbeit für Frauen. Der österreichische Handels- minister übermittelte dem Präsidium des Abgeordnetenhauses«inen Gesetzentwurf betreffend das Verbot der Nachtarbeit der Frauen in industriellen Unternehmungen. Der Entwurf ist zur Durchführung der Berner Konvention von 1908 bestimmt, der Oesterreich-Ungarn beigetreten ist._______ FreireligiSse Gemeinde. Sonntag, den IS. Februar, vormittags 9 Uhr, Pappel-Allee 15—17: Freireligiöse Vorlesung. Vormittags 11 Ubr: Kleine Frankfurter Ew. v: Vortrag von Herrn Dr. V. Wille: „Die M v t h e n oonPauluSund PetruS". Damen und Herren als Gäste sehr willkommen. Beretn ehemaliger Hovenelser. Sonntag, den IS. Februar, abends VI, Uhr. bei C. Berndl. Köp-nicker Str. t47:MonatSversammlUNg. Ehem-'ligc Hohenelser willkommen. Deutscher Arbeiter-Abslincntcn-Buud. Ortsgruppe Berlin. Der zum Sonntag, den 13. d. MtS. geplante Ausflug nach Grünau sind et — her DemonstralionSverfammlungen halber--nicht statt. Vermischtes. Ein LiebeSdrama hat sich einer Meldung ans Dresden zufokge in der gestrigen Rächt in einem Hotel der inneren Aftstadt zu» getragen. Dort war ein angebliches Ehepaar abgestiegen und hatte für zwei Tage ein Zimmer gemietet. In das Fremdenbuch trugen sie sich als Ingenieur Freund und Frau aus Reichenberg ein. Sie begaben sich abends m ihr Zimmer. Gestern vormittags gegen 10 llhr öffnete der Wirt, da in dem Zimmer sich niemand regte. die Tür und sand die junge Frau in einer Blutlache bewußtlos am Boden liegen. Sie hatte kurz vorder noch die Klingel gezogen. Aus dem Bette wurde der junge Mann ebenfalls blutüberströmt tot aufgefunden. Er hatte sich einen Schutz in die Schläfe beigebrocht. Die behördlichen Ermittelungen ergaben, daß der Tote der 21 Jahre alte Ingenieur Freund. Sohn des Dachpappenfabrilanten gleichen Namens aus Neu-Salza war. Seine schwerverletzte Begleiterin ist die 17 Jahre alte Donath aus Goeda bei Bautzen. Das Motiv der Tat dürfte darin zu suchen sein. datz infolge Einspruchs de, Ellern ein» Verbindung unmöglich war. Todessturz eine« Obersten. Der Regimentskommandeur des 70. Jnfantene-Regiments, Oberst v. Schwartzloppen, ist, wie aus Saarbrücken gemeldet wird, gestern mittag auf der Landstratze mit feinem Pferde gestürzt und war sofort tot. Ein weiteres Steige« der Seine. Nach einem Telegramm aus Paris ist die Seine in den letzten 24 Stunden um 22 Zentimeter gestiegen. Für heute wird ein weitere« Steigen um 2V Zentimeter erwartet. In Bertry ist ein leicht gebaute» Wohnhaus eingestürzt, wo- durch neun Personen verschüttet wurde». Nur eine einzige erlitt lebensgefährliche Verletzungen, während die übrigen mit leichteren Verletzungen davonkagien. Der Einsturz ist auf die heftigen Rcgengüsie der letzten Tage zurückzuführen» wodurch dir Fundamente unterspült wurden. Eine Pariser Meldung von gestern abend lautet: Vom Doub«, der Saone und der Rhone wird das Steigen de» Wassers gemeldet. Bei Cbalon stehen zahlreiche Werke still. Die Straße nach Lyon ist abgeschnitten. Im Departement Allier, wo der Schnee zwii Reter hoch liegt, wüten Schneestürme. Der Rhein ist Kölner Meldung zufolge dort bis gestern vor- mittag um 0 Uhr langsam bi» zur Höhe von 6,55 Meter an» gestiegen; doch fällt er im oberen Laufe. Die Nebenflüsse, auch der Neckar, fallen gleichfalls. Hochwasser in Böhmen. In ganz Westböhmen sind, wie eine Notiz aus Pilsen lautet, infolge wolkenbruchartigen RegenS ernste Hochwasserkatastrophen eingetreten. Mehrere Deichdämme sind unter der Gewalt des WasserS geborsten. Drei Mühlen mit ihren Nebengebäuden und dem gesamten Biehstand wurden weggeschwemmt. Der bayerische Grenzanfseher Karl Mayer wurde von den Fluten überrascht und ist ertrunken. Man befürchtet weitere Menschenverlusle. Furchtbare Born. Nach einer Meldung au? Firnne wütet in Ouarnero eine furchtbare Bora, die schon großen Schaden angerichtet hat. DaS Passieren der Straße ist mit Lebensgefahr verbunden. Da» Ein- und Ausladen der Schiffe mußte eingestellt werde«. Mehrere größere Dampser können nicht in den Hafen einlaufen. VriekKakten der Redaktion. TU tnriftllcht evrkchktunde linset Lindenftr«»« Z, tweller ttf. »tllltt Etnganq, vier Trcvpcn, AM" S n V r ft u v I-WG w»it,c«täglich obrnoa von 7','. eis O'i«St stau,»töffii«» 7 Utzr.«aunabcllds beownt vi, eprcOiliniiit um 6 Ubr. Jkdcr einfmot ist da Buchstabe und eine Zahl als Mcrtjeichen»eijuistae». vrieNIche Antwort wird nicht erteil,. Bio zur Beantwortnu, t»«rleNafteu können 1t Tage bergehen.«illge Frozen trage «an t»»er Bprechstnude vor. Anna 3t, Der Metöftempel beginnt bei einer Jahretmieie von 360 R. Die Tabelle ftnden Sie in der Nr. 23 de?.Borwärt»" vom 28. Januar ttnfer„Sozial«!'.•— R. 17. Fried richstr. 53. Preis 1,30 vierielZ ährlich, nichclnt einmal wöchentlich und zwar Sonnabends.— F. H. 43. 120 Mllioncn Mark in gemünztem(Kolbe.— lt. 48. Ein Verschulden bei ArzieS an dem Tode des ÄlndeS wird sich nicht nachweisen lassen; des- halb wird man kaum etwas unternehmen können. Ihnen kann nichts vaisicrcn.— M. 3. 99. 1. Seit 1. Januar 1891. 2. 9! ein. nur die Hmber dcS Verstorbenen und lalls solche nicht vorhanden, dessen Eltern und ialls diese verstorben, die Geschwister. 3. hierüber wird Ihnen briesliche Mitteilung von der Luchbandlung„Vorwärts' zugehen. 4. Bei Unfall-, ,>uvaliditäts» oder Alters-Rente kommt das Vermögen nicht in Betracht.?. fta. auf Slntrog vom Rachlaggericht in wenigen Wochen.— H. Ei. Ja.— P. C. Der Besuch erfolgt aus Grund von Vorschlägen der zuständigen Parleiorganisation. Setze» Sie sich daher mit Ihrem Bezirkssührer in Verbindung.— A. 1919. 1. Geietzlich aar keiner, aber moralisch. 2. ES muß ei» Schreibfehler vorliegen. 1� bedeutet: Geringe körperliche Fehler, welche die Fühigke t zum Dienst mit der Masse nicht ouSsailießen-, eine Zitser 33 gibt es, aber in der Tabelle 1A nicht. Die Ziffern 35 sind in den Tabellen 10 und II! verzeichnet.>0 handelt von zeitiger, IL von dauernder llnwuglichkeit. 3. Zurzeit noch nicht.— M. M. 16. Derartige Anträgen beantworten wir nicht.— Wi. W. 19. Vielleicht wende» Sie sich an Herrn Ingenieur Hrabowski, Großbeeren- Straße 26 III.— M. TS. 88. Eine Auslösung dcS D cnstverhältnisicS läßt sich aus Grund Ihrer Sachdarstellung vor Beendigung de? Vertrages leider nicht ermöglichen.— P. F. 17. Machen Sie Ihre Bedürstigieit glaubhast und beantragen Sie die Nachzahlung: solche kann erfolgen. Eine Aerpflich tung der Militärbehörde liegt unseres Trachtens jedoch nicht vor.— G. B. 199. 1. Falls Sie einen der üblichen Verträge geschloffen haben: allein, denn in den Verträgen ist die Bestimmung auSdiücklich ent- halten. 2. Im voraus. UebrigenS beträgt der Stempel sür die GeschästSräume nur die Halste; der Vermieter mutz aber in dem von ihm zu führenden Siempelverzeichuis eine entsprechende TreutlMig desMieiSzinses vornchnmi. — B. 18. Wir raten von einem Widerspruch ab; der Hund mutzte einen Maulkorb tragen.— H. F. 75. 1. Nein, nur in Tegel oder in Ebar» lottcnburg. 2. Vor dem Ablaus des Monats am zweckmäßigsten besondere Mitteilung an den Magistrat. 3. Ja, vorausgesetzt, daß Ihre Braut auch grotzjährig ist, sonst ist noch die EinwMigungScrklärung des AaterS ersorderlich. — F. P. 333. Sie haben Anspruch auf Quittungsleistlmg.— P. P. 8. 1. Nein, erst mit der Vollendung des 81. Lebensjahres etwa, wenn Sie bis dahin allwöchentlich kleben und in den Jahren 1888, 89 und 90 während mindestens 141 Wochen eine versicherungspflichtige Tätigkeit ausgeführt haben und den Nachweis dafür erbringen können, die Marken auch ansänglich ans Grund einer versicherungspstichligen Beschastigung geklebt sind. 2. l 06,40 M., ivenn alle Marlen sich aus Lohnklasse I beziehen.— Trotz alledem. 1. Zur Mitbeslunmung bei der Erziehung Ihrer Kinder hat der Schwiegervater kein Recht. 2. Der Bater ist verpflichtet, der Tochter zur Einrichtung des Haushaltes eine angemessene«lussteuer zu ge- währen, soweit er bei Berücksichtigung seiner sonstigen Vcrvfltchlungcn ohne Gefahrdung seines standesmätzigen Unterhalts dazu imstande ist und nicht die Tochter ein zur Beschaffung der Aussteuer ausreichendes Vermögen hat. Vor der Verheiratung kann die Leistung nicht gcsordert werden. Der Vater hat das Wahlrecht, ob er die Aussteller in Geld oder durch Lieferung «von Sachen gewährt. Wie hoch in Ihrem Falle Aussteuer bcaiisprmcht werden kann, lätzt sich ohne Kenntnis der deruflichen und VermögenS- vcrhälinissc nicht sagen.— H. 16. Uns scheint die bauliche Veränderung so erheblich zu sein, datz Ihnen ein sosortiges Äündigungsrecht zusteht. Kommen Sie event. mit dem MietSvertrag in die Sprechstunde.— Tell- binder 157. Durch zu notariellem oder gerichtlichem Protokoll erklärten Vertrag. Eine Hinreise ist nicht ersorderlich.— E. Sch. 30. Antrag an die Armenlommissivn desjenigen OrteS, wo der Wohnsitz in den letzten zwei Jahren gewesen ist. Es ist aber kaum Aussicht auf Erfolg.— czdz. 7478. Der kn der GeburtSurdwde cnihallene Name ist maßgebend. Beantrag«» Sie bei dem Polizeirevier, daS die Karte ausgestellt hat. uud bei der „Victoria" die Berichliguno.— 199. A. 5®. L Beantragen Sie die Er- teilung einer UrteUSabschnst bei dem Gericht, das erkannt hat. 2. In drei Jahren.— 80. H. 3. 1. Nein, da nach Ihrer Darstellimg der Jung« nicht in Henuukendors getauft ist. 2. UnfereS ErachtenS liegt Verjährung vor. — Grunewald 79. 1. ES dürften nur noch 91 Marken zu kleben sein. die nicht mit ewemma!, sondern fortlausend, allwöchentllch eine, verwendet werden müssen. Die eingereichten Karten brauchen nicht vollgeklebt zu werden. 2. Reichen Sie die unbeglaubigte Bescheinigung, vielleicht mit der darunter ge» setzten Erklärung von Zeugen dahingehend, daß dir Bescheinigung von dem Polier herrührt, ein und geben Sie die Adreffe des PoiierS an. Ihre Darstellung ist übrigens unklar; low raten, bei dem Arbeitersekrclariat, Engcluscr 15, persömich vorzusvrechen.— F. K. 36. Ihre Weigerung würde nachteilige Folgen bezüglich der Steuerhöhe haben; wir raten daher. hinzugehen.— F. K. II. E. find alle drei Fragen zu bejahen. Wenn die Rixdorser Kasse die Aufnahme ablehnt. wenden Sie sich an den dortiger, Magistrat.— P. 19. Die Erhebung des Schulgeldes ist. wenn ein LrtS» statut für Görlitz eine derartige Bestimmung enthält, zuläisig. Ertundigen Sie sich bei dem Görlitzer Magistrat.— Z. 89. Stellen Sie den Antrag aus Ausnahme in den Preutzischen staatSverdand bei dem Regierungspräsidenten in Potsdam. Die Ausnahme geschieht kostenlos.— F. B. 83. 1. Verlangen Sie die Herausgabe der Karten und machen Sie eventuell Mitteilung bei der Bersicherungsanstalt. 2. Teilen Sie den«achverhalt der Gewerbe» lnspektion, Berlin. Thomafinsstr. 22 mit. Bedienen Sir sich in beiden Fällen eventuell Ihrer Gewerkschaft. Theater und Vergnügungen S o u n a b e n d, den 12. Februar Ansang Vla Uhr. Königs. Opernhaus. Aida. Körrig!. Schauspielhaus. Maria Stuart. Ansang 7 Uhr. SteneS königl. Opcrn-Theater. Geschloffen. (Deutsches. Die Räuber. Kammer spiele. Der gute König Dagobert.(Ans. S Uhr.) Komriche Oper. Zigeunerliebe. Sieues Schauspielhaus. All- Heidelberg. Nachnr 3 Uhr: cpernausfühnmg SternscheS Konservatorium. Ansang 8 Ubr. Berliner. Pension Schöller. Lesfing. Das Konzert. 2te»es. Der Philosoph von Sanssouci. Westen. Die geschiedene Frau. Neues Operetten« Der Gras von Luxemburg. Triauon. Theodore u. Cie. Kleines. Der große Name. Nefidcnz. Im Taubenschlag. Thalia. Die Dollarprinzessm. Schiller<» ,v>nti»ei.„eater.) Der Pfarrer von St. Georgen. Schilt'> Gbarlottenvurg. Kabale und Liebe. Arievrich-WilbelmstSd». Othello. Ansang 8'/, Uhr. Nachm. 3'/. Uhr: Die Jungfrau von Orleans. Bolksoper. Cleopatra. Lutten. Der Veilchcnfreffer. Nachmittags 4 Uhr: GoldhSrchenS Himmelfahrt. vio!e. Der Vize- Pops. Anfang S'/z Uhr. Nachm. 4 Uhr: Hänfek und Grefe!. LustipielhauS. Der dunkle Punkt. Met-or-vr. Hallohl l—- Die große Revue. Folies Eaprice. Der Luftturner. Neuer bunter Teil. Herr Waffer» kröpf.(Ans. 8'/. Uhr.) Eastiro. Der Obergauner. Gebr. Herriikeld. So mutz man'S mache». Eine Uebergangs-Ede. Hebbel. Kavaliere.(Ans. 8'/, Uhr.) Sloacks. Die Anna-Liese. Stadtthraier Moabit. Einjährig. llnsreiwillig. Parodie. Lohengrün.(Ans. S'l, Uhr.) Ap-»o. Der LiebeSwalzer. Spezia- litäte». LLiurergarten. Spezialitäten. ReichSdnlie». Steitiner Sänger. Palast. Spezialitäten. V>»,»ae.«veziat'läten Karl Hoverland. Spezialität«». Walhalla. Loezialliären � Brrggenyageu. Spezialitäten. Ilrut»a.?',»de»»e»l»e»»«-«9, Nachm. 4 Ubr: In den Dolomiten. Abends 8 Ubr: Im Firnenglanz des Ober-Engadin. Hörsaal 8 Uhr: Dr. S. Gehlhoff: Die Gleichstronldpllamomaschiire. Steruronerr..zr.oat denat 1— 62. f«ctisi ii K-Thea te r. Sonnabend. 8 Uhr: Ta» Konzert. Sonntag. 3 Uhr: Nora. 8 Uhr: DaS Konzert. Montag, 8 Uhr: Das Konzert. berliner l'lieater. Heute: �ltNÜllN Zlijöllkr. ö Uhr. Morgen: Pension Schöller. iieues sfiesler. Abends 8 Uhr: Der pkilosopd von Sanssouci. Morgen und folgende Tage: Vor pliilosoph von Sanssouci. sVeAlef öes VestellL. Abends 8 Ubr: Die geschiedene Frau. Sonnt. 3'/« Uhr: Der fidele Bauer. Xeue» Operetten-Theater. Heute und folgende Tage 8 Uhr: Der Graf Von Luxemburg. Sonntag nachmittag 3 Uhr zu er- mäßigten Preisen: 0«e Zigeunerbaron. Residenz-Theater Direktion: Richard Alexander. Abends 8 Uhr: Im Taubeuschlag. Schwank in 3 Akten von Hennrquw und Beber. Morgen und folgend« Tage: Tiefrlbe Vorstellung. VisLsnsLkuktlickos Tirsatsr. Sonnabend 4 Uhr: In den Oolomlten. Abende 8 Uhr: Im Flrnenglnnss des Ober- Kngadin. Hörsaal SUhr; Dr. G. GoblhoS; Die Gleichstromdynamomaschine Friedricti-Wiihelmstddtisches Schauspielhaus. Sonnabend, 12. Februar, 3'/. Uhr: Die Jungfrau von Orleans. Abends 8 Uhr: Othello. Sonnlag nachm. 3 Uhr: Othello. 8 Uhr: Die Jungfrau von OUeanS. �usispiviksus. Abends 8 Uhr: Der dunkle Punkt. Volilsoper. Bellc-Alliance-Slratze Nr. 7/E Ansang'/|9 Ubr. Cleopatra. Luisen-Theater. Nachm. 4 Uhr: Gr Kindervorstellung: GoldhSrcheuS Himmelfahrt. Weihnachtsmärchen mit Gesang und Tanz von D. Gacbler u. M. Rinkieben. ?lbrndS 8 Ubr: Der Veilchenfresser Liistspicl in 4 Alten von G. v. Moser. Sonntag nachm. 3 Uhr: Die Reise um die Erde in 80 Tagen. 8 Uhr: Der Hochzeitstag._ Schiller- Schiller-Theater 0.(Wallner-Theat). Sonnabend, ab c n d S VUHr: vor I'Tarrer v. St. Georgen. Schauspiel in 5 Auszüge» von Heinrich Welcher. Ende 10'/. Uhr. Sonntag, nach in. 3 U h r: Der Herr Ministerialdirektor. Sonntag, abends 8 Uhr: »IL Hohba. Montag, abends 8 Uhr: Oer I'larrer v. St. Georgen. Theater. Schiller-Theater(Charlottenburg). Sonnabend, abends SUHr: Kabale and I/„ Uhr. Sonntag, nach in. 3 U h r: Oer Heliteldbaaer. Sonntag, abends 8 Uhr: DaaKtltbchenv. Ilellbronn Montag, abends 8 Ubr: »IL Hobbs. Castan's Panopticum Friedrichst. 165, Pschorrpal. Ali Ben Mo Ii a med, 0riGaukiVr!'er Kr. Widowskl. Schwert- and Bajonettkünstler. InillMche WItwenverbrcnnang. Täfflioh VI, Ubr abends. X Sonntags zwei Vorstellungen. Heitere Vortrftgo. Vollständig neues Programm. Brauerei FrEedriclishain am Königstor. GrUBtc Sehenswürdigkeit Berlins. SoSg- �Auf der Alm." Größter Bock-Jubel und Trubel. Der berühmteste Jestwirt Zedorsed Ldrellgruder mit seiner Truppe(00 Mitwirkende) au» Kiluchea. GratiSvcrlofung von 199 WrrtgegriistSnben. Jeder Besucher erhält ew Los gratis. Anfang 4 Uhr. Entree SV Ps. grnold Schale TVeUS �Velt Haeenhelde 108/1 14 Tdglicb In» großen Saal ßochblerfeft in den bayerischen(Upen 1 Anfang: Sonntag« 4 Wochentag« 7 Uhr. Entree: Sonntags SO Pf. „ Wochentag« SO Pf. OSE=THEATE »VVOOOOVVOVOVOOV«OV«»VOGOOVVOOOOOOO»OOGOg Große Frankfurter Str. t32 Nachmittags 4 Uhr: Hansel und Gretel. Ab. S1/- Uhr bei ausg. Abon.: Der Pizepapa. Lustspiel m 3 Akte» v. A. Richard«. Sonntag 3 Ubr: Faust 1. Teil. Abends 8 Mr: Deborah._ «MIß 1 ftamm/ttihiTmoiiftr 5»7 � U! 1 MUH Metropol-Theater Hallo!!! Die große Revue! In 8 Bildern von Jub Freund. Musik v. Paul Lincke. In Szene gesetzt vom Dir. Bich. Schultz. Anfang 8 Uhr. Rauchen gestattet. Sonntag3ühr:Ule Kreuzelschreiber. Z UHr: Die neue« Spezialitäten. 8'/, Uhr: Zum 9. Male: Der Liebeswalzer. Operette in 3 Akten. Musik von C. M. Ziehrer. Konrad Dreher a. 6. Das drollige Faschings-Programm _ ein gj- großer Erfolg! A Robert Steldl. Der Vampyr-Tanz. Marionetten aTheater! (Sohichtl) sowie die Februar- Attraktionen! Borgen: Hacbmittagsvorstellong Kleine Preise. Anfang 3'/: Uhr. Kommandaiilcnitr. 57. T. A. 4, 5083 Zum 4. Male: Eine Ueberpgs-Elie. Zum 103. Male: mit Anton und Oonal Herrnfeld. Ansang 8 Uhr. Borverkaus 11 618 2 Uhr. Sonntag nachm 4 Uhr: Heine-Deine Tochter. Palast-Thealer. Direktion: Robert Olli 4 Karl Pirnau. Burgstratze 24, am Bahnhos Börse. Das graudtose r-rrf Phänomenal! üemnerschiiüernd! OnVIslaid-Gka-Tnipie. Isländische Ansang 8 Uhr. Sonntag«>/,S Uhr. Borzugstarte« überall zu haben. Vollis-Thealer. KIxdort, Hcvmoiinstrafic 20. Somilag, den 13. Februar, Ans. 7 Uhr: Die Bluttcchzei» zu Part». Dram. Geniälde in 5 Akt. von Adami. Montag, den>4. Februar, Ans. 8 Uhr: Heimweh. Schaust), tn 4 Akt, v. Erler u. Mirbach. Karl Haverland Ansang Theater, präz. 8 U 77/79 Kommandantenstratze 77/79 Das Neueste vom Neusten bietet das Aebruar-Programm. 5ARRASANI Alle Bolan Carlen Eingang Gruncwaldstr Taglich abends 8 Uhr: Gala- 1 Vorstellung.— Mittw. n. Sonn-i abend, Sonntag und Pesttage: S 2 Vorstellungen mit durchaus gleichroiobhaltig. Programm nachm. d Uhr u. abends S Uhr. Zu den Nachm.- VorsteU, zahlen Kinder unter 14 Jahr. u. Militär b. z. Feldwebel halbe Preise. I Passage-Theater, i Abends 8 Uhr. Gussy Holl Lamborg i Schneider Duncker (prolongiert) nnd da, neue Februar-Programm. Variet�- Attraktionen. n i ! reu { 14 WfTWOT rwwwwwwwwwwwi I Reicbshallen-Tbeater. StettinerSänger Der Nachtwächter vo» Zerpenschleufe. v.5. Kessel Anfang: Wochent. 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. Billett» stet» 8 Tage vorher. Sotmabeud. den 12. Februar, abend» VU Uhr: Gala-Abend. Austreten des KommissionSratS Ga-tav St?n>»boeb als Gast mit seinen neuen hervor- ragenden Schulpferde». Letzte Neuheit. fliegende Akrobaten, Franklin Truppe. Harry l.amore, der Koniddlcngankler. Origlnal-Bagunght, der kleinste, kühne Retter der Welt. Um 9'/» Uhr: End« ll Uhr: Die drei Rivalen Große Feerle tn 5 Asten. Sonntag: 2 Vorstellungen. In beiden Vorst, ungekürzt: Die 3 Rivalen. Nachm. einKind frei W.ftoacks Theater Srunnennr 16, am Roienthaler Tor Nachmittags 3 Uhr: Frau Holle. Märchen in sechs Bildern. DM- GratiSverloiung.-W> Abends geschloffen. Sonntag nachm.: Straßenbahn- sahrer Krause. Abend«: Anna-Lile. Passage-Pacegfikam Senegal in Sellin! kgwUüe beider Männer, Kinder. Drei Negerdörfer Ohne Extra-Entrco! sm 1 Welnbei alhalla- Vy/fpfe-Theafer Nene _ 19-20. Rosenlh.Tor. »fang 8 Uhr. ne Spezialitäten. Tunnel: Voctbierfest. Regtmenistapelle. Theaterbesuchern treter Eintritt I Nach Schluß der Vorftcll.: Ball. Theaterk. ununterbrochen geöffnet. Vssino-I'hvs�oc LniHringer Straße 37. Täglich 8 Uhr: Hur uoch bis 25. Februar: Ser Obergauner. Sonnabend, den 26. Februar: Zum 1. Male: Berlin bei Nacht. Somit. 4 Uhr: Mutter Gräbrrt. Tonbiid-Theater Cn Grlech.- u Römisch. Ä Ring- s kämpf-T»« 1 Meifterschaftskämpse— Bor-- | siihrung verbotener Griffe.» Ä Und d. andere phänom. Progr.? - lausend b. 14. Febr. L. Pl.80Ps/ ..... �M ohN.H»"""" Z Kind. 16 Ps. ohn. Nachzahlung. ' Dauervorstell. v. 4—11 Uhr. Sanssouci, IS" Direktion Wilhelm Reimer. Sonntag, Montag und Donnerstag: VoflMns lordd. Sänger und Tanzkränzche«. Stet» groffartige» Programm. Morgen Sonntag» Gr. Eilt«-Bali-««. steues hoehakt. Programm. ZSchkutz: Tuikrintohtn. Zirkus Busch. Heula Sonnabend. 12. Februar, abends 7ll, ühr präz.: Großer Gala-Abend. Auftreten von: Therese FIIII», Jamet Leon FIIII« Jim., Heinrich FIIII« in ihren Produktionen der hohen Schule. Sisters Curti«, Luftserpentin- A. POM- He Danell Co."MP Skandinavischer Sport-Akt. Ski, Rodel nnd Rollschuhe. HerrE. Schumann, Meisterdress. Zwergclown Francois, Kunstr. Eeiterfamilia Proserpi. Hr. Jacob, Foztemerdress. Mar ja. Pantomime. Alt-Jloablt 47/48. Sonntag, den 18. Februar 1910; Kovitat t Einjährig- Unfreiwillig. Schwank in 3 Alten v. B. Laoerrenz. I'risnon-I'lieater. Heule und folgende Tage, 8 Uhr» Theodor« dt Cie. Sonntag nachm.: Pariser Witwe»». folies Caprice Der Cuftturner. Siener banter Toll. Herr Wasserkropf. Ansang 81/» Uhr. Vorverl. 11—2 Uhr. l£Onig«tailt-K a.ino. Holzmarstllratze 72. Täglich: Eran. 8oban»bl. Neu: Xstlp Whest, Vortrags. soubrettc. The Walsen, Kombi- natioiiS-Akt. 4 Fernando«, Equt- librlstllcherAkt. Ü>tr Fred, Stuhl-' Balance. Prolongiert: Vtstor, Ritter. Geschw. Turl usw. 8eln Schwiegervater in spe. Nach der Vorstellung: Mittwoch, Soiinab.. Sonnt.: TanrkrSnechen. OD der Jsnnovrltzbrückc, Deutscillands piöistB rnd mibmsta Licinbülii» OSO Hltipintze Fdoh.H« Au-elittun« Deginn: Wochentags 4 Chr. Sonntags> M I W-UM"' am Morittpltst 1.8 Uhr._ Internationale Rinakämpf OV,(ihr: L. de Wolf gegen Bau. Tuanifto gegen Huber. Ttichkampf: Hein gegen Sauer« im onteren Saale: Vroßes ier-Keli mit Doppcl-Konsert. Soekbier- Keller|est Sur Den Inhal« der Inierate Nbernimm» die Redaktion de« Publikum gegenüber keinerlei BerauNvortnug. Zentralyerein aller In der Hut- D.Filzwareflbraneiiel]esGliä[tjg(en Ärlieiter und Ärbeiterinnen. Filiale Berlin. Den Mitglieder» zur Ziachricht, daß am S. Februar unser Kollege Ulbert Gorisnslri im Aller von SS Jahren»ach kurzem Krankenlager verstorben ist. Ehre seinem Andenken l Die Beerdigung findet heute Soiinabcnnachinittag 3'/. Uhr von der Halle des Sebaslian-Kirchhoses (Rcinickcndors-West) aus statt. Zahlreiche Beteiligung ist Pflicht 76/2 Der Vortttand. Zentralverband der Schuhmacher Deutschlands. Zahlstelle Berlin. Am Mittwoch, den 9. Februar, ist unser Mitglied, der Zuschneider Oeorx Müller verstorben. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonnabend, 12. Februar, nachmittags 3','. Uhr, von der Kapelle des städtischen Friedhofes, Müllerstr., Elle Seestrabe, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 169/3 Der Borstand. Deutseher Transportarbeiter-lerhaDil. Verwaltung GroB-Berlln. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Geschästs- kutscher Karl vüsterberx am 19. d. Mts, im Mer von 41 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenke«! Die Beerdigung findet am Montag, den 14, d. MtS., nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- Halle des städtischen Friedhoscs in Fricdrichsselde aus statt, 66/" Um rege Beteiligung ersucht Die Bezirksverwaltung. Am Donnerstag, den 19. d. M., verschied plötzlich meine liebe Frau, unsere gute Mutter Anna Kaufmann geb. Schaabe. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 13, Februar, nach- mittags 3 Uhr. aus dem Rixdorser Kirchhos(Mariendorser Weg) statt, Qie trauernden Hinterblieba nen. Karl Kanfmann. Oankwaenng. Für die vielen Beweise herzlicher Tell- Nahme anlä blich des HinscheidenS meines lieben Sohnes, unseres Bruders Schwagcrs.Onkcls, Cousins und Resten Georg Kirchhubel spreche ich hiermit allen Verwandten, Freunden und Sportskollcgen, sowie den Mitgliedern des Segclllub„Fra» ternitas", Berliner Weltsegelverband, Scgelklub Wendenschlotz, Freie Ver» einigung der Tourenscgler Grünaus, Verein Berliner Segler, Vereinigung der Alusikinstrumentenarbeiter Berlins und Umgegend, dem Chei sowie den Kollegen der Pionosabrik R, Deickcn, sür alle dem Dahingeschiedenen er- wicscncn Ehningen meinen tiesgesühl- testen Dank aus. S31b llle trauernden lllnterbllebeneu II. Klrchhübel nebst Frau und Kindern. Dr. Simmel Spezial-Arzt* für Haut- und Harnleiden. Prinzensir. 41, ää. 19— 2. 5— 7. Sonntags 19— 12. 2—4. � A.B. Koch � (! Fl Kohlen Brikettfiroßhandlung Gegründet 1803. Haupt-Kontor Berlin 0. 34, Petersbnrger StraBe 1 gegenüber Warschauer StraBe). "ernfpr. Amt 7 Nr. 3049 u. 3996. Fngkrptätztu.Nkrhlwfskttlkil I. O. 34. Ostd. Güterbahnhof, Eftig. Rüdersdorfer Str. 71, fr. Öftbahiipark. II. O. 17. Lstb.- Güterbahnhof. Fruchtstr. 13. HI. Sl. 113. Behmstrahe 38—34. Ecke Schivelbeiner Strafte. IV. �i.«». Antonstrafte 3«— 41, Eike Ruheplaftftrafte. Preise sür nur la Harken ab Platz von 19 Ztr. an: Prima Halbsteiue Ferdinand Ztr. 88 Ps. „ Marirnglück Sal.Ztr. 90 Ps. , Pfannerschaft und Gotth. Salon. Ztr.»9 Ps. , la Diamant, gesetzl. geschützt lpr. Ztr.1l9.120St.) Ztr. 10» Ps. . Ilse..... Ztr. 105 Ps. . la Anthrazit.Ead» Ztr. 3,30 KokS. Holz. Steinkohlen usw. zu den billlgelen Tages- u. Konventions- preisen. Anlieserung frei Keller je nach Quantum pr. Ztr. 19—13 Ps. viehr.— Bei Originalwaggons und größeren Abschlüssen verlange» Sie meine Spczial-Osterte. Deutscher Kürschner-Verband. Bureau U.Arbeitsnachweis: X().43, Barnimstr. 11. Telephon: Amt Nr. 7, 6789 Mittwoch, den IL. Februar, abends 8 Uhr, im Alten Schützen- haus, Linicnstr. 5: Mitglieder- Versammlung. TageS-Ordnung: 1.„Die neue ReichsversichernngSordniing". Referent: Genosse Kohlca-cr. 2. Dtslusjion. 3. Der Fall„Kossatz" und das Verhalten der dl. Gärlnerstfien Kollegen. 4. Verschiedenes. 102/3 Die M.Gärtnerfchcit Kollegen sind zu dieserBersammImig besonder? eingeladen. Uni zahlreiches Erscheinen ersucht Iii« Ortsvcrwaltung. .1 M Londons. �applied 10 j Generaldepot M. Butze, Berlin N., Bnmnenst. 27. Tel. ITT. 8929. Pa. Schlack- u.Saiamiwurst i ptn. 1.10. Große ßSncolf Dllloil zum Rohessen| geräucherte UCtllOCRCUlCll stück 1.— Pa. Gänseschmalz,""-'"".'tL 1.20. Hermann Leißner, BERLIN c- Kloaterstr. 03/95, Ecke Kaiser-Wilholm-Str. 11. 19/19 444»* Zup Konfirmation empfehlen wir auf Kredit zu ausnahmsweise sehr günstigen Bedingungen Elegante u. moderne Einsegnungs-lnzuge u, Klaider in allen QualiiSte» und Freislagen. PfiifrnigS'Anziige ii. Kleides in den neuesten Stoffen und Farben. Spez.; Anfertigung nach Mass. 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Verlesung des Protokolls der letzten Generalversammlung. 2. Geschäftsbericht vom Vorstand und Aussichtsrat. 3. Vorlage der Bilanz durch den AussichtSrat«nd Antrag aus Ge« nehmigung derselben durch dteGeneral» Versammlung. 4. Neuwahl zum Vorstande und AussichtSrat. 5. Anträge. 194/13 Oer Verstand. F. Matthcs. Emil Kerfin. DieFirma Borbier- und Friseur- Genossenschaft„Borau«, einge- tragene Genossenschast mit beschränkter Sastpflicht, hat sich ausgelöst. Die ISubiger der Genossenschaft werden ausgesoidert sich zu melden. Berlin, 21. Januar 1919. Barbier- und Friseur-Genoffcn» schaff„Boran". eingetragene Genossenschaft mit be» schränkter idailpslicht, i» Liquidation. Paul Liers Otto Wormke. Julius Langner. 193/11* Abendkurse für Hochbau. Dtefbau. Gas- und Wafsertechnik, Maschinen- bau, Elektrotechnik. Techniker- u. Meister-Ausbildung. Technische Akademie Staatlich konzessioniert. Berlin 45, Markgrafenstr. 100. — Prospekte fiel. Kerantwortlicher Redgktulr Richard� ißartj, Btrlig, Lnseratenteil verantw,: TH.GIccke, Berlin, Druck u. Verlag: BorwärtSBuchdruckerei u, BerlagSanstalt Paul Singer Lc Eo., Berlin LW. Nr. Zß. 27. Jahrgang. 4. KcilM des, Amiirls" Snlim MsdlR ZMnalktitd, 12. Februar 1910. Semewsamer Uerbaudstag der Maurer und Kauhilfs- arbeiter Aeutschlauds. Leipzig, 10. Februar.(Eig. 23er.) Den konstituierenden Verbandstag eröffnet Bömelburg- Hamburg, dabei die Hoffnung aussprechend, daß das in den ein- zelnen Tagungen begonnene Werk nun glücklich vollendet werde. Zu Vorsitzenden werden Bömelburg, Silberschmidt, Behrendt und Fischer gewählt. Zum ersten Punkte: Gemeinsame Beschlußfassung über die Verschmelzung geben zunächst Bömelburg und Behrendt die Resultate der rlbstimmung bei den einzelnen Tagungen zur Kenntnis des Ver- bandstages. Dieser erklärt sich dann mit allen gegen 11 Stimmen für die Gründung eines gemeinsamen Verbandes für die im Bau- gewerbe beschäftigten Arbeiter. Das Abstimmungsresultat wird mit großem Beifall aufgenommen. Behren dt- Hamburg bespricht dann die Uebergangsbcstimmungen. Die gemachten Vorschläge der Verbandsvorstände seien ja schon ausgiebig erörtert worden. Lange Ausführungen darüber könne er sich daher ersparen. Er gibt eine Erläuterung der einzelnen Be- stimmungen: In der Vorlage wird über die Schlutzabrech- nung der einzelnen Verbände festgesetzt, daß nach Abschluß der Tätigkeit der bestehenden Verbände die Funktionäre für das letzte Rechirungsquartal und das Jahr 1910 die Abrechnungen aufzu- stellen und die Jahresberichte zu erstatten haben. Die Rechnungs- legung und Berichterstattung erfolgt in der in beiden Verbänden bisher üblichen Weise und muß bis zum 31. Januar 1911 erfolgt sein. Spätestens im sofortigen Anschluß an die Rechnungslegung hat die Kassenübergabe, die Uebergabe der Ouittungsmarken, der Bibliotheken und der sonstigen Utensilien, gleichviel welcher Art dieselben sind, an den Deutschen Bmiarbeiterverband zu erfolgen. Das Vermögen der Zentralstellen beider Verbände ist der Zentrale des gemeinsamen Verbandes und das Vermögen der örtlichen Orga- nisationen beider Verbände den neugebildeten Zweigvereinen, zu Händen der Zweigvereinsvorstände, vollinhaltlich zu übermitteln. Für den Uebertritt der Mitglieder wird bestimmt, daß der un- entgeltliche Uebertritt jedoch nur dann erfolgen kann, lvenn das Mitglied seine Beitragspflichten(Zentral- und Lokalbeiträge) bis zum Jahresschluß 1910 erfüllt hat. Den Ucbertretenden wird ihre bisherige Mitgliedschaft, gleichviel in welcher gewerkschaftlichen Organisation, soweit dieselbe eine ununterbrochene ist und durch Vorlage von Ausweisen nachgewiesen werden kann, angerechnet (aber nur bis zum Jahre 1b9I) und in das Mitgliedsbuch über- getragen. Beitragsrückstände werden bis zum Schlüsse t>es zweiten Quartals 1911 entgegengenommen. Sämtlichen Uebergangsbestimmungen wird ohne Debatte zugestimmt. Zu dem Punkte: Anträge der Berbandsvorstände hält Bömelburg das einleitende Referat. Er spricht zunächst über die Vorschläge der Vorstände über das Verhältnis des©er- bandes zu der nationalen und internationalen Arbeiterbewegung Im Vorstandsantrag wird gesagt, daß der Verband in demselben Verhältnis zu der allgemeinen nationalen und internationalen Arbeiterbewegung stehen soll, wie seither der Zentralverband der Maurer Deutschlands und der Zentralverband der baugcwerblichen Hilfsarbeiter Deutschlands. Dasselbe gilt für das Verhältnis zur Internationale der Maurer- und Bauhilfsarbeiterorganisationen. Ausgesprochen wird ferner, daß der Verband immer bereit ist, eine Verschmelzung mit den Verbänden der Dachdecker; Stuk- kateure und Zimmerer einzugehen. Solange noch mehrere Ver- bände baugewerblicher Arbeiter bestehen, wird der Verband be- müht sein, mit den Bruderorganisationen gemeinsam an der Lösung gemeinsamer Aufgaben zu wirken. Da die bestehenden Kartellverträge durch die Verschmelzung formell als aufgehoben zu betrachten sind, so wird der Verbandsvorstand beauftragt, dahin zu wirken, daß mit den Verbänden, die bisher zu den vereinigten Verbänden im Kartellverhältnis standen, bis zum 31. Dezember 1910 neue Kartellverträge, die den neuzeitigen Verhältnissen Rechnung tragen, abgeschlossen werden. Den Vorschlägen wird ohne Debatte zugestimmt. Dann berichtet Bömelburg über den Punkt Berbandsschriftea. Die Vorstände schlagen vor: Die deutsch sprechenden Mit- glieder des deutschen Bauarbeiterverbandes erhalten das im Ver- bandsstatut§ 43 vorgesehene Verbandsorgan„Der Grundstein". Den Mitgliedern, die der deutschen Sprache nicht mächtig find, wird, soweit das möglich ist, eine Zeitung in ihrer Muttersprache geliefert. Die Vorstände planen die Errichtung ein« literarischen Abteilung im neuen Verbände. Deren Aufgaben sollen im besonderen sein: Den Funktionären des Verbandes in möglichst regelmäßigen Zwischenräumen geeignetes Agitationsmaterial zur Verfügung zu stellen; für die Verwaltungspersonen ein An- lcitungsbuch herauszugeben; die Herausgabe einer Geschichte der Maurer- und Bauhilfsarbeiterorganisation in die Wege zu leiten. Bei der Debatte über diese Position werden Wünsche bezüglich des Perbandskalenders vorgetragen. Island- Köln will, daß im neuen Verbandsorgan die Persammlungsanzeigen wegsallen. Die vorgeschlagenen Bestimmungen werden dann akzeptiert. Tie Vorschläge zum Punkt Nnterrichtskursc gehen dahin: An den für die moderne Arbeiterbewegung errichte- ten Unterrichtskursen sollen, wenn dem Verbände so viel Plüjse zur Verfügung stehen, jährlich 50 Mitglieder teilnehmen. Die Teilnehmer müssen mindestens fünf Jahre organisiert� rednerisch begabt sein und sich für die Organisation lebhaft betätigt haben. Außerdem müssen alle für eine/ erfolgreiche Teilnahme an den Kursen erforderlichen Voraussetzungen erfüllt sein. Das Schüler- vorschlagsrecht haben die Gauvorsitzcnden und der Vcrbandsvorstand. Letzterer bestimmt auch, wie viel Personen für die einzelnen Gaue alljährlich in Vorschlag zu bringen sind. Für die Entschädigung der Schüler sollen die von den Zentralverbänden mit der Generalkommission vereinbarten Grundsätze gelten. Die Unkosten fallen der Verbandshauptkasse rr Last. Nach den Sätzen der Zentralvorstände sollen die Schüler M. pro Tag Diäten, 30 M. wöchentlichen Wohnungszuschuß und 40 M. für Bücher bekommen. In der Debatte über diesen Punkt entspinnt sich eine Aus- einaudersctzung über die Lehrtätigkeit an der Partei- und Gewerk- schaftsschule. H ü b n e r- Hamburg behauptet, an der Partei- und Gewerk- schaftsschule würde in einseitiger Weise Unterricht erteilt. P e r s i n g- Großenhain bestreitet als früherer Schüler der Gewerkschaftsschule die Richtigkeit der Behauptungen HübnerS. Gö würde nicht einseitig gelehrt. Calwer und Bernhard, die man mit diesen Behauptungen wohl auch treffen wolle, hätten vor dem Unterricht erklärt, daß die politische Seite nickt in Betracht komme. '«ach diesem Grundsatz haben beide ihre Lehrtätigkeit auch aus- Zeübt.(Zustimmung.) Bömelburg- Hamburg meint, man solle die Lehrfrage der Kentralvorständekonfercnz überlassen, Man dürfe in diesen Dingen nicht so engherzig sein. Uebrigens werde Bernhard von den Schülern als einer der besten Lehrer bezeichnet. Der Verbandstag stimmt dann den vorgeschlagenen Bestim- mungen zu. Auch die Anträge über die Aufnahme von Statistiken werden ohne Aenderung angenommen. ES wird in ihnen be- stimmt: Alle fünf Jahre wird eine alle Einzelheiten umfassende Sta- tistik über den Lohn, die Arbeitszeit und die sonstigen Arbeits- bedingungen aufgenommen. Auch in der Zwischenzeit kann der Pcrbandsvorstand solche statistischen Erhebungen veranstalten, wenn diese durch besondere Umstände notwendig werden. Alljähr- lich sind Statistiken anzufertigen und im Jahrbuch aufzunehmen über Lohnbetveguugen, Arbeitsemstellungen, Tarifverträge, die Ergebnisse der Unterstützungen in Krankheits- und Sterbefällen; ferner über die Mitgliederbewegung, die Beitragsleistung der Mit- glieder, über das ganze Rechnungswesen und andere Verwaltungs- einrichtungen des Verbandes. Bei dem Uebertritt der Mitglieder aus den bestehandcn Verbänden zum Deutschen Bauarbeiterver- band ist eine Statistik anzufertigen: a) über das Lebensalter und den Familienstand der Mitglieder; d) über die Dauer der Organisationszugehörigkeit und c) darüber, wie sie sich die Mitglieder nach ihrem Geburts. und Wohnort verteilen auf Orte nach bestimmten Einwohner zahlen. Die Porschläge über die Mitgliederlegitimatione» gehen dahin, daß alle Mitglieder bei ihrer Aufnahme in den Verband eine Jnte- rimslegitrmation(Karte oder Buch), die zur Beitragsquittung auf zwei Jahre einzurichten ist, erhalten. Diese Legitimation gilt vom Tage der Aufnahme bis zum Schlüsse des(dem Aufnahmejahr) fol- genden JahrSö. Nach Ablauf dieser Frist erhält das Mitglied un- entgeltlich ein Mitgliedsbuch ausgestellt. Ohne Debatte wird diesem zugestimmt. Zum Punkt: Wahlen zum Gewerkschaftskongreß unterbreiten die Vorstände einen Antrag, in dem es heißt: Die Zahl der Delegierten beträgt 30. Von den Delegierten werden vier dem Verblandsvorstand und je einer dem VerbandsauSschuß und der Redaktion des„Grundstein" zuerkannt, und 24 find durch die Mitglieder zu wählen. Die Wahl erfolgt in acht Wahlabtei- langen; für jede Wahlabteilung sind drei Delegierte zu wählen, von denen einer dem Stande der Hilfsarbeiter angehören muß. Die Ausschreibung der Wahl ist Sache des Verbandsvorstandes. Der Antrag findet Annahme. Bei der Beratung der Gaueinteilung wird nach längerer Debatte, in der die Wünsche der einzelnen Bezirke vorgetragen werden, beschlojtai, 21 Gaue zu bilden. Die bisherigen Gaue Breslau und Oberschlesie» des Maurerverbandes werden auf- gehoben und dafür ein Gau für die Provinzen Ost- und West- preußen gebildet. Ein Antrag von Posen, der die Einrichtung eines selbständigen Gaues für die Provinz Posen verlangt, wird a.b gelehnt. Hierauf beginnt die Statutenberatung, und zwar abschwittsweise. Berichterstatter der Kommission ist Merkel- Nürnberg. Er schlägt vor, dem§ 1, der Name und Umfang des VerbomdeS festsetzt, nach dem Entwurf des Vorstandes zuzustimmen. ES geschieht demgemäß. Die Organisation führt nun den Namen: Deutscher Bauarbeiterverband, und erstreckt sich über das Gebiet des Deutschen Reiches. DaS Mitgliedsrecht im Deutschen Bauarbeiterverband können alle in dem Verbandsgebiet im Hoch» und Tiefbau beschäftigten Arbeiter erwerbe». Insbesondere sind aufnahmeberechtigt alle Maurer und deren Hilfsarbeiter, auch alle Angehörigen der Cpezial- brauchen des Mauvergewerbes(Backofenbauer. Kessel- und Schorn- steinmaurer, Beton- und Kunftsteinarbeiter. Fliesenleger und An- setzer, Terrazzo- uud Mosaikarbeiter. Putzer aller Art), ferner alle Erdarbeiter, Einschuler, Abbrucharbeiter, Gerüstbauer und die bei der Ausschachtung von Baugruben und an den Pfahlrammen be- schästigten Arbeiter. Zugehörige anderer baugewerblichen Berufe können das MitgliedSrecht im Deutschen Bauarbeiterverband nur erwerben, wenn an ihrem Wohn- resp. Arbeitsorte oder in ihrer nächsten Umgegend ein Ztoeigverein für ihren Berufsverband nicht besteht und es auch die Vsrhältnisse nicht gestatten, einen solchen zu errichten. Als Zweck deS Verbandes wird bestimmt: Der Deutsche BaAarbeiterverband hat sich die Aufgabe gestellt, die Lebenshaltung der baugewerblichen Arbeiter auf eine möglichst hohe Stufe zu bringen und ihnen dauernd einen menschenwürdigen Anteil an den Errungenschaften der Kultur zu sichern. In den Vordergrund stellt der Verband die Vertretung der wirtschaftlichen Interessen seiner Mitglieder durch die Verbesserung der Lohn- und Arbeitsbedingungen. Zur Erfüllung dieser Aufgaben legt der Verband allen Mit- gliedern strenge Pflichten aus, vor allem die Bekundung unver- brücklicher Solidarität aller gegen alle. Jedes Mitglied muß es ich zur Lebensaufgabe machen, durch sein Verhalten innerhalb und außerhalb semer Verbandstätigkeit das Ansehen der deutschen Bau- arbeiterschaft nach bester Möglichkeit zu fordern, für die Ausbrei» tung und Kräftigung des Verbandes zu wirken und alle agitato- rischen und organisatorischen Maßnahmen durch seine Mithilfe zu verstärken. Den Mitgliedern gegenüber übernimmt der Verband die Pflicht, leiner materiellen und moralischen Kraft entsprechend, alle Einrichtungen zu treffen, die zur Pflege und Durchführung der genannten Ausgaben nötig sind. Im 8 4 wird bestimmt, daß Zweiavereine für einzelne Orte oder Bezirke, sofern mindestens zehn Mitglieder vorhanden sind, errichtet werden könrten. In dem Gebiete eines Ortes resp. eines Lohn-, Arbeits- oder sonstigen gemeinsamen Jnteressenbezirkes, oder für mehrere Orte, die unmittelbar zusammenliegen, darf jedoch nur ein Verein bestehen. Welche Orte zu einem Vereinsbezirk gehören, ist vom Verbandsvorstand im Einvernehmen mit dem in Betracht kommenden Gauvorstand und den betreffenden Zweig- vereinen festzusetzen. Der s w setzt fest, daß der Hauptvorstand auS 1t Personen, und zwar aus: zwei Vorsitzeirden, sechs Sekretären und drei Kas- icrern bestehen soll. An der Zusammensetzung des Vcrbandsvor- tandes sollen gelernte und ungelernte Arbeiter, möglichst im Ver- hältnis zu der auf die einzelnen Berufe entfallenden Mitglieder. beteiligt sein. Zum 8 12 liegen mehrere Anträge vor. die auch begründet werden, nach dem der Vorsitzende des Ausschusses nicht auf dem Verbandstage gewählt werden— wie im Entwurf vorgeschlagen—, sondern sich der Ausschuß selbst konstituieren soll. Der Verbands- tag beschließt aber im Sinne der Vorstandsvorlage. Die Weiterberatnng wird vertagt.» umfaßt keineswegs alle Aktiengesellschaften, deren Zahl noch etwas größer ist. Für einen Vergleich des Reingewinns kommen nur 4657 Gesellschaften in Frage. Für sämtliche Gesellschaften stellt sich der Reingewinn nach Abzug der Verluste für die beiden in Frage lommenden Jahre, wie folgt: 1907/08 1908/09 absolut in Millionen Mark... 1474,49 1372,95 in Proz. des Aktienkapitals... 11,3 10,3 Der Reingewinn hat demnach um 0.8 Proz. deS Nominalkapitals vom Jahre 1909 abgenommen. Die Abschreibungen sind nur für 3 642 Aktiengesellschaften in den beiden Jahren vergleichbar. Diese Gesellschaften repräsentierten ein Aktienkapital von insgesamt 11 147,94 Millionen Mark. Bei diesen 3 642 Aktiengesellschaften ging die Summe der Abschreibungen von 539,99 Millionen Mark im Jahre 1907/03 auf 530,23 Millionen im Jahre 1908/09 zurück. Die Dividende ist bei 4267 Gesellschaften mit 13 031.08 Millionen Mark vergleichbar: sie betrug bei diesen Gesellschaften auf das Nominalkapital de? Jahres 1909 berechnet und ohne Berücksichtigung der Verluste 997,54 Millionen Mark für das Jahr 1907/08, und 933,07 Millionen für das Jahr 1908/09. Die Dividenden- ziffer saut damit um 0,4 Proz., nämlich von 7,6 auf 7,2. Für die einzelnen Gewerbegruppen ergeben sich aber mehr oder weniger starke Abweichungen gegenüber dem Durchschnitt. Die Dividende ist in drei Gruppen sogar g e st i e g e n und zwar bei Banken von 7,8 aus 7,9, für die Bau- und Terraingesellschaften von 2,8 auf 3,1 und bei sonstigen Gesellschaften von 4,6 auf 5,0 Proz. In einer Gruppe, nämlich im Ledergewerbe, ist die Dividendenziffer mit 8.9 Proz. stabil geblieben, dagegen ist sie in den anderen dreizehn Gruppen zurückgegangen._ Staatliche Schlachtviehversicherung. Auf Anregung des preußischen Landesökonoiiiiekollegiums beschäftigen sich die Vorstände der Land- wirtschaftskammeni iviederum mit der Frage der staatlichen Regelung der Schlachtviehversicherung. Während der Vorstand der Landwirt- schaftskammer in Kassel die Einführung der Viehversicherung sowohl für Schlachtvieh wie für Nutzvieh unter strenger Scheidung beider Betriebszweige für die beste Lösung hält, ist der Vorstand der Land- Wirtschaftskammer für Westfalen für ein Ermächtigungsgesetz, das den Provinzen das Recht gibt, die Schlachtvichoersicherung zwangs- weise einzuführen, wohingegen der Porstand der Landwirtschafts» tommer für Ostpreußen die provinzielle Regelung der Frage für un- zweckmäßig hält. Die Kammer ist nur für die Zwangsversicherung der gewerblichen Schlachtung, unter Ausschluß der Hansschlachtungen und Verteilung der Kosten pro Haupt Schlachttier. Der Vorstand der Landwirtschaftskammer für die Stbeinprovinz ist für die Ein- führung deS PerstcherungSzwangeS für Schlachtvieh unter Heran- ziehung öffentlicher Mittel und Anlehnung an die örtlichen Vieh- Versicherungsvereine. Bom amerikanische» Eisenmarkt schreibt der»Fron Age" in seinem Wochenbericht: Die Roheisenproduttion im Monat Januar betrug 2 609 000 Tonnen gegen 2 636 000 Tonnen im Vormonat. Die wöchentliche Produklionsfahigkeit stellte sich am 1. Februar auf 587 000 Tonnen gegen 595 000 Tonnen im Januar d. I. Der Stahl- trust verhandelt wegen einer bedeutenden Order Bessemereisen mit Lieferung im März. April und Mai, die bei eventuellem Abschluß ein Nachgeben der Marltpreise begünstigen würde. Virginisches Roh- eisen wurde zu niedrigen Preisen sehr lebhaft gehandelt. Schmiede- eisen wurde im Westen für Lieferung im zweiten Halbjahr zu un- gefähr letzten Preisen verkauft. DaS Geschäft in Baustahl ist ziem» lich lebhaft bei willigeren Preisen. Bedeutende Orders wurden in Pittsburg zu l'/z Dollar pro 100 Pfund erteilt. Die Stimmung am Koksmarkt ist matt. Bei Verkäufen mit sofortiger Lieferung stellten sich die Preise ab Ofen unter 2 Dollar. wmmmmMmmmmmmBamamaamm Euq Itiduftrie und Handel Bilanzen der Aktiengesellschaften. Im Laufe des JahrcS 1909 haben 5028 Mtiengesellschafte» mit einem Mienkapftal von nominell 13516,74 Millionen Mark ihre Bilanzen und RechnungSergebnijse für ihr letztes Geschäftsjahr, das die Jahre 1903 resp. 1908/09 umfaßt, im Zentralhandelsregister für das Deutsche Reich veröffentlicht. Diese Ziffer der Gesellschaften »»»»«Btltoli« Teil- xahlang liefere ele- ■aale fertige Herren-«. Knaben- Garderobe Ersatz tOr Ma». M«a-Anfertl(tung. Feinste Verarbettg. unter Leitung eratklaa- «iger Scbneidennelstei z. 3(urzberg 40 ItosenthalerStr.40 I. Etage, direkt am Hackeseben Markt Kein Waren-Kredit-Haiis! 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Tüchtige, zuverl. Leute zur An- bringung von Wetlamefchilbeni in hauernie Stellung sosott gesucht. Briese sud ll. 1852 an ttaaseo- »teln» Vogler, A. 8., Frankfurt am Main 210)20* TabiilOnkider mit eigener Handmaschine, welcher ?uo«rlä!stg in Mischungen, per so» ort gelucht. Geholtsanspiüche. Zeugnisabschriften erbeten tio. 1575 an iiaasenstsio ch Vvglor, A. 6., Frankfort a. M. 310119 Deutseher fiaehhlnder- Verband. Zahlstelle Berlin. Da» Personal der Buchbinderei- ableilung der Buch- und Stein- druckerei von Anton Bertlnettl, Bruunenftr. 10, hat, um die Anerkennung de» TarstS zu erzielen, die Arbeit niedergelegt. Bor Arbeitsannahme und Alt- ferligung von Streikarbeil wird ge- warnt. 23??* Die OrlSverwallnng. Slchtttng! Holzarbeiter tOegrn Streit und Differenzen find gesperrt t Knopf- uudPerlmuttfahrik Hinze- Schmkcstr. 8)9. Kammfabrik Riedel, Warschauer Straffe 37)33. Sämtliche Betrieb« in den Otten Luckouw» lde, Sommerfeld, Höchst. Gleichzeitig«ttuchen w» die Kollegen aller Branchen der Holz- indufttte da» Bermittelungsdureau deS gelben.Hanbwerlerjchutz» Verbandes" streng zu meiden. Die Oeisvettvaltung. Achtung! Kauarbtitn! Wegen Streit in Luckenwalde sind folgende ll seher gesperrt t »ende Baute» fite Ein- Firma Billig: Charlottenlnirg, Dernburr.str.AV, Firma Genoffcuschvft. Luckenwalde: Eharlottenbura. Wihlebeusta.SS» _ Per fttmvori-tmxl. Singer A Co„ Berlm SVi, Bt. 36. 27. WIM to.Awiilts"-|.n!fii|fn fm Am. Mm, Meßt«. >2. Icirnnt 1010. Kongreß der belglfcßenSozIaldemoHrafie Brüssel. 8. Februar.(Gig. Ver.) Der zweite Berhandlungstag brachte den Bericht der parlamentarischen Fraktion. Baek rügt das häufige Fehlen der sozialistischen Deputierten und wünscht mehr Kontakt zwischen diesen und der Masse. Er be- dauert auch auch, da� das Bureau deS Generalrates aus lauter Deputierte» besteht. Landervelde schlieft sich dieser Kritik an»nd hofft, daff in Bezug auf den letzteren Punkt der nächste Kongreß Wandel schaffen werde. Für den schwachen Kammerbesnch der sozialistischen Deputierten— bei den Klerikalen grassiert das Nebel freilich in noch weit größerem Maße— gäbe es oft trcftige Gründe, da die Abgeordneten auch noch andere Funktionen hätten, aber es sei höchst bedauerlich, daß durch ihn seinerzeit das Gesetz über das Verbot u o n B l e i w e i ß gescheitert ist und kürzlich das Fehlen einiger Stimmen die Vertagung der Beratung über die Uni- fizierung des Gemeinde- und Provinzialwahl- rechtes verschuldet hat.— Im übrigen veröffentlicht der„Peuple* bei wichtigen Abstimmungen die Liste der unentschuldigt Abwesenden. Eine von Rens eingebrachte Tagesordnung, die an dem neuen Militärgesetz Kritik übt, eine verschärfte anti- militari st ische Propaganda verlangt und ein Militär- gesetz fordert, das die Ungerechtigkeiten des gegenwärtigen aufhebt, lvird, da eine Debatte über den Gegenstand nicht möglich ist, für de» nqchslen Kongreß vertagt. Bandervelde bestreitet, daß das neue Militärgesetz eine Ver» mehrung der militärischen Losten bedeutet. Was seine zweifellosen Ungerechtigkeiten anlangt, wird die Fraltion ihre Pflicht tun, um sie zu beseitigen. Rens und DevoS beharren darauf, daß das Militärgesetz die Massen»ich« befriedigt habe, wogegen Jaunianx von den.Jugend- l i ch e n" erklärt, daß man für den Augenblick wohl zufrieden sein dürfe, denn das Gesetz hat die Abschaffung der Stell- Vertretung, der Blutlotterie und eineBerkürznng der Dienstzeit gebracht. Das wäre ein großer moralischer Sieg der antimilitaristischen Propaganda.(Großer Beifall.) Zum Punkt Presse erstattet der Chefredakteur de«.Peuple" Genosse De Bronckdre den Bericht. Die Finanzen deS ParteiblatteS haben sich soweit gebesiert, daß„Geld in der Kasse ist". Die Auslage de« Hauptblattes ist auf 4(1 OVO— gegen 24 000 deS vergangenen Jahres— gestiegen, und eS wird daran gearbeitet, mit Hilfe der Unterstützung der großen Genossenschaften eine weitere Erhöhung der Auflage herbei- zusühren. Bandervelde macht die mit lautem Protest aufgenommene Mit- teilung, daß De Broucköre seinen Posten»m.Peuple" verlassen will. De Broucköre erklärt, daßer nach dem gestrigen Votum über die Politik der Partei es nicht für opportun und mit seinem Gewissen vereinbar halte, die Chefredaktion weiterzuführe». Das Blatt habe der Auffassung der Majorität Ausdruck zu geben und er könne eine Politik nicht verteidigen, die er für ver- hänguisvoll für die Partei halte. Bandervelde, Demblon, Hubin, Bertrand, Leken(.Peuple'), die alle die Verdienste De BroucköreS um den„Peuple" hervorheben, beharren darauf, daß De Broucköre bleibt. Beim Bericht der GewerkschaftSkommifflo» wünscht Sekretär Bergmanö und HuysmanS eine energischere Unterstützung der Partei für die imHrühiahr stattfindende Ausstellung für Heimarbeit. Huysmans beklagt auch, daß die Erkenntnis der Notwendigkeit des gewerkschaftlichen Zentralisation noch viel zu wünschen lasse. 70 000 gcwerbchafilich Organisierte gehören der Kommission an— 130 000 der Partei. Diese Differenz der Ziffern sei eine Schande. Und bloß IS Prozent der Arbeiter in Belgien sind überhaupt organisiert l Ueber die Frauenorganisatio» spricht Genossin Tillmans, die sich über mangelnde Unterstützung <... j c?. 1_ r...... s..... cir.......• s /i-i. deutschem Muster. Der Kongreß spricht sich, nachdem HuyömanS für die Auf- bringung der nötigen Fonds eingetreten ist, für die Durchführung der von Genossin Tillmans vertretenen Anregungen aus. Nachdem der Pnriei'ekretär Maes noch des im Niignst ab- zuhaltenden Partei festes zur Feier deS 2Sjährigen Parteibe st andeS gedacht, schließt der Vorfitzende mit einem Hoch auf den Sozialismus den Kongreß. Wir kommen auf feine bedeutsame» Verhandlungen noch zurück. Soziales« Handlungsgehilfen? In einem vor der b. Kammer des Berliner KaufmaunSgerichtS verhandelten Falle wurde die Frage strittig, ob HandlungS- oder tleiverbegehilfeiischaft vorliege. Kläger Z. mußte für die Beklagte, die Große Berliner Wach- und Schlicßgesellschast. in einer Uniform, die ihm von der Gesellscl)aft geliefert wurde, bei Geschäfts- leuten Offerte machen und sie zum Abonnement auf die Bewachung zu veranlassen suchen. Die Beklagte hat eine größere Anzahl der- artiger Angestellter und schließt mit ihnen Verträge mit dreitägiger ftiindigungsfrist ab. indem sie diese Gehilfen unter die gcwerbluhen rubriziert. Ter Vertreter der G//llschaft weist auch den Vorhalt des Vorsitzenden, ein Angestellter/ Ser kaufmännische Arbeiten ver- richte, bleibe trofc der Uniform KaufmannSgehilfe, immer wieder zurück und hält dem entgegen, daß in analogen Prozefien gegen dre Beklagte die Gerichte sckon zu Dutzenden Malen die Akquisiteure als Clewerbegehilsen angesehen haben. Die Verhandlung ergab im übrigen, daß nach der Entlastung dem Kläger die Papiere nicht herausgegeben wurden, weil dieser die Aushanvignng der Uniform veriveigcrte. Er wollte sie bis zur Erledigung des Prozesses zurückhalten... Das Kaufmannsgericht entschied mit Reck't, daß der Klager als Handlungsgehilse anzusehen, die dreitägige Kündigungsfrist mithin ungültig sei. Der Kläger hatte kein Recht, die Uniform zurück- zubehalten, aber auch die Gesellschaft durfte auf keinen Fall die Papiere des Klägers cinbehalten. Durch sofortigen Austausch beider Objekte und Zahlung von 10 M. wurde der Streit aus der Well geschafft. Der Vorsitzende riet aber dem Vertreter der Beklagten dringend, die Anstellungsverträge den Anforderungen des Gesetze» entsprechend zu korrigieren._ Lehrlings-Ansbildung oder-Ausbeutung? Zwei Lehrlinge, die die Firma Ntermöhle, Grefte Sranlfutter Strafte 137, entlassen hat. weil sie sw) eines Tages geweigert hatten, die nicht endenwollenden Putzarbeilen auszuführen, klagten gegen letztere im Beistand ihrer gesetzlichen Vertreter vor dem Gc- Werbegericht auf Zahlung der Bertragsstrafe von je 100 M. Die Kläger behaupten, daß die Beklagte ihre Vcrtragspflichten, sie in der Karosserie- und Wagensatilerei gehörig zu unterrichten, nicht erfüllt hat. Demzufolge habe sie die ausbedungene Vertragsstrafe verwirkt. Sie seien fast ausschließlich mit dem Putzen von Metallbeschlägen und Fensterscheiben beschäftigt worden. Ihre Eltern seien deshalb wiederholt bei der Beklagten vorstellig ge- worden, ohne daß eine Aenderung in dem Mißstand eingetreten sei. Die zwei Jahre bisheriger Lehrzeit seien somit als verlorene Zeit zu betrachten. Die umfangreiche Beweisaufnahme, die schon im Termin am 2l. Januar vorgenommen wurde, ergab, daß sämtliche Sattler- lchrlinge übermäßig mit Putzarbeiten beschäftigt wurden, so daft von einer handwerksmäftigen Ansbildnng nicht die Rede sein konnte. Die Lehrlinge, sind bisher nicht der Handwerkskammer gemeldet worden. Die Kläger behaupten, dies sei in der unverkennbaren Absicht erfolgt, um der Kontrolle durch die Handwerkskammer zu entgehen. Die Beklagte behauptete dennoch, daß trotz der vielen Putzarbeiten die hmidwerkSmäßige Ausbildung der Kläger nicht ge- litten hätte. Das Gericht holte das Gutachten eines gerichtlichen Sachverständigen ein. Dieser erklärte nun im gestrigen Termin, daß eine gründliche Ausbildung der Kläger in der Karosserie und Wagensatilerei bei der Beklagten nicht stattgefunden habe, denn Putzarbeiten und Roßhaarzupfcn ermöglichen keine handwerks- mäßige Ausbildung.'Auch er habe einen Wagensattlereibetrieb und betreibe die Karosserie, wobei sehr viel zu putzen ist. DaS Putzen laste er aber von Hausdienern besorgen. Wüvde er die teuren Löhne für die Hausdiener sparen wollen und die Lehrlinge die Putzarbeiten verrichten lassen, so würde er diese in übermäßiger Weise ausbeuten, aber nicht in genügender Weise aus- bilden können. Die Beklagte entgegnete, ein abschließendes und zutreffendes Urteil könne der Sachverständige erst nach Beendi. gung der vierjährigen Lehrzeit, die nur durch die Schuld dcr Kläger nicht fortgesetzt worden ist, abgeben. Das Gericht sprach sich dahin aus, di« Art der bisherigen Aus- bildung, die durch das Vorstelligwerden der klägerischen Eltern nicht gebessert wurde, lasse sehr wohl Schlüsse auf die weitere Ausbildung der Kläger während de« Restes der Lehrzeit zu. ES sei gerade an der Zeit gewesen, das Lehrverhältnis zu lösen, denn jetzt lasse sich noch manches nachholen, was seitens der Beklagten versäumt worden. Nach Beendigung dcr Lehre sei es zu spät. Der Anspruch der Kläger sei daher durchaus berechtigt. Da die Beklagte trotz der kundgegebenen Anficht des Gerichts sich weigerte, den Anspruch an. zuerkennen, wurde sie verurteilt» an jeden der Kläger 100 M. zu zahle«._ Zum Lohnbeschlagnahmegesetz Gegen den Tischler Paul Blom in Zehlendors hatte die Nord- denlsche Holz-BcrufSgenossenschaft eine Forderung von 6?, 00 M., die aus überhobenen Reiitenbetragen herrührt. Die Berufsgenossen- schaft ersuchte die Gemeindekassc in Zehlendorf um Einziehung. Diese hatte nichts Eiligeres zu tun, als dem Arbeitgeber Bloms sowie diesem selbst ein ZahlungSverbot zu schicken über die Höhe des ganzen Wochenverdienstes des B., bis zur Begleichung der 09,00 M. Bloms sofort eingelegter Einspruch hatte zur Folge, daß dies ZahlungSverbot aufgehoben wurde. Dagegen wurde sofort ein neues Verbot erlassen, worin der 30 M. übersteigende Wochen- verdienst gesperrt wurde. Dieses Zahlungsverbot nahm eigen- artigerweise auf das Lohnbeschlagnahmegesetz Bezug. Blom erhob auch hiergegen Einspruch und verlangte, daß, wenn man schon mal das Lohnbeschlagnahmegesetz auslege, man eS wenigstens richtig auslegen solle. Er legte dar, daß oaS angezogene Gesetz den Wochenbetrag von 30 M. gar nicht kennt, sondern nur den 1S00 M. übersteigenden Jahrcsverdienst zur Pfändung zulasse. Auch wies er darauf hin, daß die angebliche Forderung der Berufsgenossen- schaft die Gemeindekaffe nichts angehe, von dieser vielmehr einzu- klagen sei. Er drohte mit Klage gegen die Gemeindckasse. Dieser Einspruch hatte den Erfolg, daß die Gemeindelasse das Zahlung?- verbot auf Veranlassung der Berufsgenossenschaft zurückzog. Bei dieser Gelegenheit weisen wir wiederholt darauf hin, daß die Versuche, daS Lohnbeschlagnahmegesetz in der Weise auszulegen, als fei nur eine 25 M. Wochenbetrag nicht übersteigende Summe der Pfändung entzogen, durchaus irrig ist. Das Lobnbeschlag» nahmegefetz läßt lediglich eine Beschlagnahme des Lohnes zu, soweit der wirklich gezahlte, nicht der zu erwartende Jahresverdienst 1500 Mark übersteigt._____ Die soziale Fürsorge der Betriebskrankenkasse! Die Betriebskrankenkassen werden regelmäßig von gewisser Seite als die vollkommenste Einrichtung in der deutschen Kranken. Versicherung gepriesen und den Arbeitern und Arbeiterinnen als daö Muster der Krankenkassen hingestellt. Tatsächlich haben aber diese Ärankenkasscngebilde außerordentliche Nachteile für die Ar» beiter. Der nachfolgende Fall mag die„soziale Fürsorge" einer großen Betriebskrankenkasse etwas näher beleuchten. Die Arbeiterin Frl. Z. war seit dem Sommer 1900 im Betriebe der Allgemeiiun Elektrizitätsgesellschaft beschäftigt und damit auch Mitglied der BetriebSkrankentasse geworden. Anfangs Dezember 1909 erkrankte Frl. X. und trat in die ärztliche Behandlung des Herrn Dr. A. Als Frl. T. am 2. Januar von der Betriebskranken- lasse einen Aufnahmeschein für das Krankenhaus— der behandelnde Arzt Dr. A. hielt dieselbe für notwendig— verlangte, wurde die Kranke zum Vertrauensarzt der Kasse, Dr. Mamrot, geschickt. Als sie dann wegen des Scheines sich zur Kasse begab, wurde ihr erklärt: daß sie arbeitsfähig sei, daS Krankengeld würde daher nur bis zum 2. Januar 1910 gezahlt. Seit dem 3. Januar sei sie wieder voll erwerbsfähig. Der behandelnde Arzt Dr. A. erklärte indessen, daß er Frl. X. nicht gesundschreiben könne. Die Arbeiterin ließ sich nun von einem Arzt umersuchen, der sie nicht kannte. Das Ergebnis der Untersuchung war folgender Befund: .. Die Patientin ist stark abgemagert(zirka 18 Pfund in einem Vierteljahr). Die Schleimhäute find blaß, über der rechten Lungenspitze abgeschwächtes Atmen und vereinzelte Rassel- geräuschc. Es besteht außerdem ein Rachen- und Kehlkopfkatarrh, Rheumatismus in dcr Brust- und Rückenmuskulatur, sowie doppel- scitige Eierstockerkrankung. Patientin ist nach alledem zurzeit arbeitsunfähig." Dwses Attest des Arzte« Dr. Z. wurde mit einem Schriftsatz als Beschwerde der Gcwerbedeputation eingereicht. Gleichzeitig beantragte Frl. T. bei der LandeSverficherungsanstalt Berlin die Einleitung deS Heilverfahrens. Frl. X. wurde darauf von einem Professor untersucht und der Befund, wie ihn Dr. Z. feststellt, bestätigt. Es fand darauf noch eine telephonische Besprechung zwischen dem Vertrauensarzt der Betriebskrankenkasse, Dr. Mam- rot. und dem Professor statt. Dies muß wohl besonders lehrreich für den Herrn Vertrauensarzt der Betriebskrankenkasse gewesen sein. Denn die Beschwerdeführerin erhielt nunmehr von der Krankenkasse die Mitteilung, daß ihr daS Krankengeld usw. auch über den 2. Januar hinaus gezahlt werden soll. Wenn die Beschwerdeführerin in diesem Fall zu ihrem Recht gekommen ist, dann hat sie es lediglich ihrer Organisation, dem Deutschen Metallarbeiterverband, zu danken, der sich ihrer energisch annahm. Vorort- 1>5aedrickten. Ternpelhof. AuS der Gemeindevertretung. Nach dem Vorschlage des Syndikus wies die Gemeindevertretung ohne Diskussion eine An- zahl Einsprüche gegen die Gemeindewählerliste zurück. Obgleich hinlänglich bekannt sein müßte, daß Einsprüche in dcr gesetzlich festgelegten Zeit beigebracht werden müssen, haben wieder eine Anzahl Wähler dies nicht beachtet; sie sind nun von der Wahl aus- geschlossen. Bier anderen Einsprüchen wurde deshalb nicht statt- gegeben, weil die Einsprucherhebenden bei ihren Eltern wohnen und deshalb als nicht„selbständig" anzusehen sind. Einem anderen Einspruch wurde stattgegeben; eS lag hier wohl eine Stcuerrück- ständigkcit, nicht aber eine Mahnung vor. Ebenso mußte dem Ein» spruch des Vereinshauses der Angestellten der Großen Berliner Straßenbahn stattgegeben werden.— Die Wahlzeit zur Gemeinde- wähl wird auf Anregung des sozialdemokratischen Wahlvereins bis auf abends 8 Uhr ausgedehnt werden.— Im letzten Etat waren 20 000 M. für Bedürfnisanstalten festgesetzt. Es hat sich nun herausgestellt, daß die Bedürfnisanstalt in der Dorfaue 8032,18 M., das Pissoir in der Ringbahnhofstraße 5290 M. gekostet haben. Da nun die Absicht besteht, am Tcmpelhofer Hafen sowie am Ringbahn- hos ebenfalls Pissoirs aufzustellen, die je 5009 M. kosten werden, so wurden noch 2583 M. nachbewilligt.— Nach einigen geringfügigen Sachen trat die Sitzung noch in eine Vorberatung des Vor- anschlageS für das EtatSjahr 1910 ein. AuS dem Entwurf cnt- nehmen wir. daß das Ergebnis im wesentlichen unverändert bleibt. Die Gemeinde hofft, mit den bestehenden Steuern auszukommen. Es sollen wie im Vorjahre 100 Proz. Zuschlag erhoben werden, zumal die Umsatzsteuer 00 000 M. Steuer einbringen dürfte. 40 000 M. Wertzuwachssteuer sollen zur Verbesserung alter OrtSstraßen verwendet werden. Damit dem Bedürfnis des Ostviertels gedient ist. soll im Etatsjahr u. a. ein Polizeisergeant neu angestellt werden und dort Wohnung nehmen. Für die Rixdorfer Schulen besuchen» den Kinder sind 1000 M. eingestellt. Bemerkenswert ist allerdings, daß Polizeistrafen 1000 M. mehr, Lustbarkeitssteuer 400 M., Hunde- stcuer 1200 M., Biersteuer 1500 M. mehr einbringen sollen. Für Baugesuchegebühren sind 10 000 M. und für Dandentnabme 9200 M. eingestellt. Die Schuldenlast Tempelhofs beträgt 3 325 552 M.— Nicht unerwähnt soll bleiben, daß sich diesmal an die öffentliche eine geheime Sitzung nicht anschloß, eine seit langer Zeit nicht dagewesene Begebenheit. Zehlendors(Wannsccbahn). Zehlendorf hat Pech init seiner Gemeindevertretung. ES will durchaus nicht mehr gelingen, die verschiedenen widerstreitenden Interessen unter einen Hut zu bringen und die Vertreter bei einigermaßen wichtigen Fragen zu einigen. So werden die not- wendigsten Angelegenheiten zum Schaden dcr Gesamtheit ins Un- gemessene verschleppt. Das zeigte so recht die letzte Sitzung In einer öffentlichen Sitzung im Dezember war die Vermehrung der Vertretung von 18 auf 24 Vertreter beschlossen worden. In gc- heimcr Sitzung wurde dieser Beschluß Anfang Januar umgestoßen und eine Vermehrung nur auf 21 Vertreter beschlossen. Obwohl damals der Gemeindevorstand ganz augenscheinlich dagegen war, hatte er bis zum 8. Februar seine Ansicht geändert, weil durch die Vermehrung um irur 3 Mitglieder, wie sich der Vorsteher aus- drückte, seine Befürchtung auf eine Verbreiterung der Sitzung stark herabgemindert sei. Der Vorstand empfiehlt einen Nachtrag zum Ortsstatut zur Annahme, dessen wesentlicher Inhalt in der Fest- sctzung der Vermehrung der Vertretung, den Zeitpunkt des In- krafttrctens, sowie der Vermehrung der Schöffen auf 0 besteht. Bon den Schöffen kann ein Drittel besoldet werden. Hiergegen wandten sich mehrere Vertreter, die der Meinung waren, daß nur ein Schöffe besoldet anzustellen sei, während die Anstellung eines weiteren besoldeten Schössen»ach Bedarf durch die Vertretung beschlossen werden soll. Herr Thornton hatte diese Auffassung zu entsprechenden Anträgen formuliert.>Der Vorstand, dem es äugen- scheinlich darauf ankam, die zwei besoldeten Schöffen zu retten, vertrat mit seinen Getreuen die Meinung, man müsse sich durch die vorgeschlagene Festlegung freie Hand lassen. Schließlich wurden die Anträge Thornton mit 11 gegen 19 Stimmen bei einer Stimmenthaltung durch Herrn Lange, der sich augenschein- lich über diese wichtige Frage immer noch nicht klar ist. an- genommen. Erwähnt sei noch ein Zusammenstoß des Grafen Dohna mit Herrn Nienkämper. Graf Dohna hatte über die Entwickelung der?lngelegenheit einen historischen Rückblick gegeben, der von Herrn Nienkämper bemängelt wurde. Der Herr Graf wies Herrn Nienkämper aber sofort in die Schranken, indem er es als unerhört bezeichnete, ihm etwas Derartiges zu bieten. Einige versteckte Angriffe wies dann Herr Nienkämper zurück, indem er sich verbat, ihm Belehrungen erteilen zu wollen; im übrigen müsse er mehr Klarheit fordern. Gegen die Absicht. die zweite Lesung sofort vorzunehmen, wandte sich Herr Nienkämper mit der Begründung, daß die Anträge Thornton nicht gedruckt vorgelegt waren. Da mehr als ein Viertel der Vertretung gegen die zweite Lesung stimmte, wurde diese vertagt. Damit ist dieser so wichtige Punkt auf ein totes Gleise geschoben. Herrn Thornton hat also sein Tank an den Gemeindevorsteher, den er glaubte in seinen Ausführungen abstatten zu sollen, nichts genützt. Einst- weilen soll am 18. Februar eine besondere Sitzung darüber be- finden, doch ist sehr zweifelhaft, ob die Angelegenheit noch bis zur Wahl erledigt werden wird. Dasselbe Ergebnis hatte die Beratung des 2. Punktes, die Frage dcr Beiträge zur Kanalisation, die erneut aufgerollt wurde. Am 20. Januar 1907 war bereits die erste Beratung in der Sud- kommission. Seit dieser Zeit ist sie bald in dieser, bald in jener Gestalt in Kommissionen und Vertrctersitzungen borgelegt worden. Jetzt drängt die Angelegenheit. Seit Dezember hatte eine Kom- Mission gearbeitet, um mehr Grundlagen und Ueberstchtlichkeit für die Festsetzung der Höhe der Beiträge zu schaffen. In einer vom Vorstand vorgelegten Vorlage werden nur prinzipiell Beiträge ge- fordert, es wird aber kein Wort über die Höhe erwähnt. Auch nicht ein Wort darüber, was die Kommission in den kanaeu Monaten gearbeitet hat. Vor acht Tagen ist der Bürgermeister noch von einem Vertreter aus die Vorlegung des Materials hin- gewiesen worden. Dennoch ist nichts in dieser Richtung geschehen. Man einigte sich dann schließlich dahin, daß in acht Tagen erneut eine Sitzung sich mit dcr Angelegenheit beschäftigen soll. So ist auch dieser Punkt glücklich wieder beseitigt. Auf wie lange mögen die Götter wissen. Es wurde dann noch die Gründung einer Ober- lehrerstelle an der Realschule sowie einer Lehrerstelle an der Gc- meindeschule beschlossen. Außerdem wurde mit Rücksicht auf die bevorstehende Gemeindewahl, wie es scheint, beschlossen daß vom 1. April 1910 ab die Einkommen von weniger als 000 M. nicht mehr zur Steuer herangezogen werden sollen. Herr Hammer unv andere wollten bei dieser Gelegenheit auf Kosten der Gesamtheit wohltätig sein. Sie regten an, daß der Vorstand eine Vorlage machen soll, wonach die Kriegsteilnehmer, die ein Einkommen unter 1200 M. haben, unter Bclassung ihres Wahlrechts gänzlich von der Steuer zu befreien find. Grünau. Einen auftererbentlichen Erfolg brachte dcr Organisation die am Mittwoch abgehaltene Mitgllederversammlung, zu der besonder» die grauen eingeladen und auch erschienen waren. Nur mit Müh« konnte für alle Erschienenen Platz geschafft werden. Trotzdem wurde dem Vortrag der Genossin Jeetze über die Entstehung der Familie mit großer Aufmerksamkeit gefolgt. Am Schluß ihres Vortrages wieS Genossin Jcctze mit überzeugenden Worten nach, wie wichtig heute für jede Frau die politische und gewerkschaftliche Organisation fei. Das Resultat war, daß sich 13 neue Mitglieder zur Aufnahme meldeten. Somit hat unsere Mitgliederzaifl jetzt fast die ersten 100 erreicht. Nachdem zur KrciSgeneralversamm- lung die Genossen Tantow und Fechner als Delegierte sowie Genosse Kuntze alS Ersatzmann gewählt waren, machte Genosse Bluhme bekannt, daß die Genossen sich zu der Protestversammlung am Sonnlag, den 13. Februar, pünktlich%11 Uhr, im Lokal„Zur grünen Ecke" versammeln, um dann geschlossen nach Adlershof zu marschieren. Schöneiche(Kreis Teltow). Ein Notschrei aus Schöneiche beschäftigte am Freitag die Petitionslom Mission des Reichstags. Nach ein- stimmigem Beschlüsse einer Anzahl Gemeindedertreter wurde unterm IS. Juimar 1310 der Reichstag auf einen schweren Uebelstand auf merksam gemacht. Zur Erwerbung eines Uebungsplatzes für das Gardekorps lieb der Fiskus seit 1907 verschiedene Grund st ücks- kaufe durch den Kommissionsrat Richter vornehmen; diesen Kauf Verträgen entsprechend erfolgten ab Juli 1909 die grundbuchmätzigen Auflassungen. Die Beschwerdeführer sind nun der Ansicht, daß der Reichstag eine Nachtragsforderung zum Ankauf der Grundstücke noch nicht genehmigte! es habe dies erst in der Folge zu geschehen. Durch die vorzeitige Auflassung ist aber der Gemeinde Schön eiche die beantragte Wertzuwachs st euer entgangen, die am 21. Mai v. I. beschlossen, aber bis zum S. Juli, dem Tage der ersten Auflassungen, durch eine behördliche Verzögerung immer noch keine Rechtskraft erlangte. An diesem Tage entgingen durch die Ber- schleppung der Gemeinde Schöneiche bereits 85 000 M. Wertzuwachs� steuer, die mit einer verschärften Umsatzsteuer verbunden gewesen wäre. Die Petition berechnet den Ausfall also: Der Bürgermeister Dr. W i r t h in Zossen, der für einen anderen Grundstiickshandel trieb, verdiente dabei 400 Proz.: die Gemeinde berechnet den Steuer- Verlust auf rund 60 000 M.? ebenso denjenigen, welchen der Kommerzienrat Leopold S tei n th a l hätte entrichten müssen, auf 35 000 M. Mit beiden Suinmen würde die Gemeinde auf lange Zeit ihre Bedürfnisse gedeckt haben; jetzt stünde sie wahrscheinlich vor dem Ruin. Die Forderung der Petition, datz man der preuhischen Regierung für den durch ihre Verzögerung entstandenen Schaden eine Ent- schädigung auserlegen soll, konnte nicht diskutiert werden, weil nach Ansicht der Petiliouskonimission der Reichstag nicht zuständig ist. Der Gemeindevorstand Schöneiche(Kreis Teltow) lieh unterni 20. Januar eine Zuschrift nachfolgen, worin er die Petition nicht als eine einstiinmige der Gemeindevertretung erklärte, weil zwei aus- wältige Mitglieder zur Besprechung nicht geladen waren. Es war auch von dem Vorstande der Gemeinde Kallinchen desselben Kreises wegen der Wertzuwachssteuer eine Eingabe an den Reichstag unterm 24. Januar 1910 gemacht worden. Sie wurde aber wieder zurückgezogen gcmäh einem Gemeiudevertretungsbeschlusse vom 23. Januar, der auch noch besonders vom Landrat des Kreises Teltow dem Reichstag durch eine vom Gemeinde- Vorsteher Schulze aus Kallinchen abgegebene amtliche Protokoll-Erklärnng interpretiert wird. Es ist aus einen Artikel der „Staatsbürger-Zeilung" vom 27. Januar 1910 Bezug genommen. der zum Verfasser den Prediger Stier in Motzen habe. Dieser mische sich in unerträglicher Weise in die Gemeindeangelegenheiten ein und laufe den Leuten seit längerer Zeit das Haus ein, bespreche sogar im Kirchenrat kommunale Angelegenheiten, um seine Ansichten zu verbreiten und für die W e r t z u w a ch s st e u e r zu agitieren. Er(der Prediger) trage die Schuld, dah in Schöneiche, Kallinchen und Töpchin die Wertzuwachssteuer beschlossen wurde. Der Gemeindevorsteher Schulze spricht dann sein tiefeS Be- dauern darüber aus, dah er sich zum Vollzug der Eingabe an den Reichstag, worin zum Teil Unrichtigkeiten sind, habe überreden lassen. Die Kreisansschuhaklen hätten ihn eines Besseren belehrt; er werde die Eingabe gehorsamst zurückziehen lassen. Zossen. Stabtvcrorbnetensitznng. Zunächst erstattete der Bürgermeister Dr. Wirth den VerwaUungsbedcht. Aus diesem sei hervorzuheben, dah die Einwohnerzahl der Stadt Zossen um 100 zurückgegangen ist. Die Einwohnerzahl beträgt jetzt 4670. Der Rückgang ist zum grohen Teile der Betriebseinschränkung der Internationalen Schlaf- Wagenfabrik zuzuschreiben. Ferner ist noch bemerkenswert, dah die Lehrerbcsoldungsvorlagc der Stadt eine Mehrausgabe von 7200 M. verursacht hat. Zu dem Bericht machte Genosse Wihmann darauf aufmerksam, dah doch der Friedhof städtisches Eigentum sei und man nicht verstcheu könne, datz bei Begräbnissen die Kranz- träger der Arbeiterschaft auf dem Friedhof aufgefordert werden, die roten Schleifen von den Kränzen zu entfernen. Man sollte doch mit diesen Matznahmen brechen und Gleichberechtigung walten lassen. Bürgermeister Dr. Wirth erklärte, datz es ein Beschlutz des Magistrats sei. der das Tragen von Kränzen mit roten Schleifen auf dem Friedhof verbietet. Genosse Ridzewski ersuchte den Bürger- meister, dahin zu wirren, datz dieser Beschlutz baldigst aufgehoben wird. Die Gemeindesteuern betragen für das Rechnungsjahr 1910 wieder 100 Proz. Alsdann wurde beschlossen, datz die Gasanstalts- belriebsgesellschaft eine Bürgschaft in Höhe von 10 000 M., anstatt in Wechseln in Bürgschaftspapieren der Berliner Handelsgesellschaft zu hinterlegen hat. Unsere Genossen enthielten sich der Stimme. Hierauf wurden der Feuerwehr 2200 M. zur Anschaffung eines Gerätewagens und anderer Ausrüstungsgegenstände bewilligt. Die Einführung einer Schankkonzessionssteuer wurde nach längerer Debatte gegen 2 Stimmen angenommen. Die Abgaben richten sich nach der Veranlagung der Gewerbesteuer und betragen in der niedrigsten Klasse 300 und in der höchsten 2000 M. Abkömmlinge von Schankkon�essionsinhabern und Witwen sind von der Steuer befreit. Trotz längerer Ausführungen des Genossen Ridzewski gegen die Steuer waren die Bürgerlichen nicht zu überzeugen. Herr Weege trat mit aller Kraft für die Schankkonzession ein; er be- merkte, man soll unbeschränkt Konzessionen erteilen, da ja auch andere Geschäftsleute nicht durch Konzessionen geschützt seien. Die Steuer sei sehr„gerecht" und werde von den Interessenten gern bezahlt. Ferner wurde beschlossen, die Steigeleitungen zum Be° fördern von Gas auf das Baukonto der Gasanstalt zu nehmen, wozu sich die Gesellschaft bereit erklärt hat. Es werden zirka 6000 M. erforderlich sein. Gerichts-Zeitung, Schwere sittliche Verfehlungen eines Vormunds gegen seine jugendlichen Pflegebefohlenen lagen einer Anklage wegen Verbrechens gegen die§§ 170,3, 175 und wegen Untreue zugrunde, welche gestern in mehrstündiger Sitzung vor der 2. Strafkammer des Landgerichts l hinter verschlossenen Türen verhandelt wurde. Angeklagt war der 28jähcige Zeichner Adolf Bourget. Die Verhandlung entrollte ein sehr trübes Sittenbild. Der im LandsbergerTor-Viertel wohnhafte Angeklagte war im Jahre 1304 zum Vormund des noch nicht 14 Jahre alten Sohnes Willi des verstorbenen Regierungsrates V. eingesetzt worden. Durch sein Mündel lernte er auch dessen Brüder Bodo und Arwin V. kennen. Wie die Anklage behauptet, soll der Angeklagte schon im Jahre 1904 die drei Knaben, die jetzt Schlosser bezw. Friseurgehilfe sind, in der schwersten Weise zu unsittlichen Zwecken mitzbraucht haben. Das schändliche Treiben des Wüstlings kam erst jetzt durch einen Zufall zur Entdeckung. Wie sich zugleich herausstellte, hatte sich Bourget auch einer Untreue gegen einen Pflegebefohlenen schuldig gemacht.— Das Gericht erkannte auf nur 1 Jahr und 6 Monate Gefängnis. Das Schicksal der Loie Fuller-Truppe spielte in eine Verhandlung hinein, mit der sich gestern in der Berufungsinstanz die 6. Strafkammer des Landgerichts l zu be- schäftigen � hatte. Angeklagt wegen versuchter Nötigung und Be- leidigung war der Pensionatsinhaber Eugen Reinhardt. Das Schöffengericht hatte den Angeklagten, wie seinerzeit mitgeteilt, wegen versuchter Nötigung zu 50 M. Geldstrafe verurteilt, und zwar auf Grund folgenden Sachverhalts: Anfang vorigen Jahres war die bekannte Tänzerin Loie Füller mit ihrer aus sechs Tänzerinnen bestehenden Tanztruppe in einem hiesigen Theater aufgetreten. Während sie selbst in einem vornehmen Hotel Wohnung nahm, brachte sie ihre Schülerinnen in dem Pensionat des Angeklagten in der Marienstratze unter, wobei sie es vergatz, die nicht unerhebliche Rechnung zu begleichen. Der Angeklagte glaubte ein Recht dazu zu haben, sich an den Kostümen der bei ihm wohnhaften Tänzerinnen schadlos halten zu können und be- hielt nicht nur diese, sondern auch noch die Kleidungsstücke und hlbst die Leibwäsche der Tänzerinnen zurück. Die sechs zum Teil noch sehr jugendlichen Mädchen gerieten dadurch in die grötzte Verlegenheit. Es wurde ihnen vom Gericht der Rechtsanwalt Dr. Astmann als Pfleger bestellt, der eine einstweilige Verfügung erwirkte, in welcher R. zur Herausgabe der Sachen aufgefordert wurde, da nicht die sechs Tänzerinnen, sondern Mitz Füller als eigentliche Schuldnerin in Frage kam. Da sich der Angeklagte trotz des Gerichtsbeschlusses weigerte, die Sachen herauszugeben, wurden diese gewaltsam durch einen Gerichtsvollzieher abgeholt. Rechtsanwalt Dr. Atzmann erhielt später seine dem Angeklagten zugestellte Kostenrechnung mit einem in höhnischem Tone ge- haltenen Brief von R. zurück. Ferner teilte letzterer dem Bureau- Vorsteher Pflanz telephonisch mit, datz er den Angestellten des Dr. A., wenn sie sich nochmals bei ihm sehen lassen würden, das Genick brechen werde.— Die Berufungskammer erkannte auf die Berufung der Staatsanwaltschaft wegen versuchter Nötigung und Beleidigung auf 00 M. Geldstrafe, während die Berufung des Angeklagten verworfen wurde. Militärfiskalische Unterschleife vor dem Kriegsgericht. Der grotze Bestechungsprozetz, der am Dienstag vor acht Tagen vor dem Kriegsgericht der 1. Gardedivision begann, hat jetzt sein Ende gefunden. Freitag vormittag wurde durch den Verhandlungsleiter, Kriegsgerichtsrat Ullmann, das Urteil über die sieben Angeklagten verkündet: Wachtmeister Karstadt wurde wegen Beihilfe zum Diebstahl zu 1% Jahr Gefängnis verurteilt, die Angeklagten Mayer, Wahl und Müller wegen militari- scheu Diebstahls zu je 1% Jahr Gefängnis und Degradation sowie Versetzung in die 2. Klasse des Soldatenstandes. Kruschke erhielt 1 Jahr und 3 Monate Gefängnis. Wachtmeister Rautenberg wurde freigesprochen. Drei Monate Untersuchungshaft wurden für verbüßt erachtet._ Eingegangene Druchfcbnfmt. Motorluftschiffe und Flugmaschine«. Von Oberleutnant a. D. K. Solst.(Bd. 137 Bücher des Sisfcns.) 50 Pf. H. Hillger. Berlin W. 9. Aerztliches System nebit kritischer Analyse des Wertes„Mein System" von I. P. Müller. Zimmergvmnastik von Dr. M. I. Jakowlew. 1,80 M. Prieber u. Cammers, Berlin W. 8 Der stolze Lumpenkrain. Roman von Annemarie von Nathufius. Berlin, Otto Jaule. 4 M., geb. 5 M. Zeitschrift für Soziälwifseuschaft. Heft 2. Begründet von Dr. I. Wolf ftortgefüvrt von Dr. L. Pohle. Vierteljahr 5 M. Monatlich eilt Heft, 12 Hefte ein Band. A. Dcichcrt(G. Böbme). Ceipsig. Jahresbericht und Bericht über die Loynbewegung und Aus- sperruiig 1909 des Verbandes der baugewerblichen Hilssarbeiter Deutsch- lands. Zweigverein Hamburg und Umgegend. Bearbeitet von E. Hüssmeier. 198 Seilen. Verlag: Ortsverivaltung Hamburg. Notwendigkeit. Erfolge und Ziele der technischen Unfall- verbütnng. Von Dr. mg. E. Barton. 3 M. A. Troschel. Gr.-Cichterselde. Welt-Geschichte, Hest 71—77. Herausgegeben von Professor Dr. I. v. Pflugk-Hartung. 80 Lieferungen a 60 Pf. Ullstein u. Co., Berlin. Leopold Graf von Kallkreuth. Eine Kunstauegabe. Mit einem Geleitwort bon Troll. Verlag Jos. Scholz in Mainz. 1 M. Sternenbüchleiu 19lv. Bon R. Henseling. 91 Seiten. Franckhsche Verla gsblichhaiidlnng, Stuttgart. Kunst und Künstler. Heft 5. 2,50 M. Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe. B. Cassirer, Berlin, Derflingerslr. 16. Der Dropenpflanzer.(Nr. 2). Herausgegeben von O. Warburg und F. Wohltmann. Erscheint monatlich. Jährlich 12 M. Berlin, Unter den linden 43. Die Milchpreiserböhunge» und die Milchversorgung der Stadt Wien. Von Prof. Jng. O. Kasdorf. 40 Seiten. Brüder Sufchitzky, Wien. Wahnsinnige als.Herrscher und Führer des Volkes. Von Professor P. I. Kowaiewsky. Aus dem Russischen übersetzt von W. Henckel. M.„Aerztliche Rundschau", O. Grnelin, München. Naturalismus. Natürliche Weltanschauung gegenüber christlichem Idealismus. 40 Pf. Verlag Karl MuSkat, Basel, Friedrichstr. 4. Die Niereiikrankheite» und die Erkrankungen der Blase. Bon M. Psennig. 2 M. Verlag„Reform", P. Müller, Stuttgart. Die Retlame. Eine Untersuchung über AnkündigungSwesen und Werbetätigkeit im Geschäslsleben von Dr. V. Mataja. 1 M. Duncker u. Humblot, Leipzig. Was ei» Mann von 48 wissen mutz. Von S. Stall. 3 M., geb. 3.75 M J. Witt. Berlin W. 35. Deutsches Wörterbuch. Von Fr. L. K. Weigand. Lieferung 9, vollständig in zwölf Lieserungen 19 M. A. Töpelmann(I. Ricker), Gießen. Eine Hilfe am Krankenbett. Samariter-Lehrbuch und Einführung in die Kraiilenpflege von Dr. H. Zikel. 2,50 M. Schweizer u. Co., Berlin NVk. 87. An amazing revolntlon and after(Eine überraschende Revolution und ihre Folgen). Bei George Allen u. Söhne, London. 165 Seiten. 2,6 Schilling. Der Zar und die auswärtige Politik. Von Wladimir Burtzew. 90 Seiten. E. Frowein, Berlin, Lützowstr. 2. Der künstlerische Steindruck. Von E. Kappfieln. 07 Seiten. B. Cassierer. Berlin. Der Kolonial- Interessent. Rasschläge von tz. Ronkow. 1 M. Deutscher Kolonialverlag(G. Meinecke), Berlin XV. 30. Amtlicher Marktbericht der ftädtilchen Marktballen-Direktion über den Grohbandel in den Zeiitral-Marktballen. Marktlage: Fleisch: Zulubr reichlich. Geschält ruhig, Preise unverändert. Wild: Zufuhr knapp, Geschäft lebhast, Preise hoch. Geflügel: Zusubr reichlich, Geschält nicht lebhast genug, Preise schwankend. Fische: Zufuhr etwas reichlicher, Geschäst lebhaft, Preise im allgemeinen hoch. Bulter und Käse: Geschäft ruhig, Preise unverändert. Gemüse, Obst und Süd» fruchte: Zufuhr reichlich, Geschäft rege, Preise wenig verändert. Witterun gsnberstckit vom 11. Februar 1910, morgens 8 Uhr» Ctottonfn ßx> §1 cä if Settti SwMemde 769 SSO 3 bedeckt Hamburg i766SSO 3 bedeckt Berlin! 769 SSW 2wolkenl Frantt.a M. 769SW j 3 bedeckt Münche» 1 773 IW 3halbbd. Wie:, 770 NNW»bedeckt t»K «äi f* — 1 1 —2 0 — 8 -1 Stationen S** W w Savaranda 756 SSW etersburg 770 Still Soilly> 766 WSW 6 Schnee—6 bedeckt— 5 -lberdeen Paris 754 SW 769 S 4 wolkig 1 heiter 2 bedeckt I Wetterprognose s«r Sonnabend, de» 12. Februar l91<». Etwas wärmer, veränderlich, vorwiegend wolkig mit geringen Nieder- schlagen und ziemlich lebhaften südwestlichen Winde». Berliner W e t t er b u r e a u. :: BERLIN O.:: Gr.Frank(urterSlr.lZ6 Eckhaus Koppen-Strasse :: BERLIN Gr. Frankfurter Str.]Z6 Eckhaus Koppen-Strasse Zur Einsegnung: Schwarze und weiße Kleider- und Seidenstoffe: Cheviot- und Diagonalstoffe reino Wolle.. Meter M. 0»85j R.AZ» Alpakas, glatt nnd gemnstert 90/120 cm breit. Mater M. 0,90, 1.85 Kammgarnstoffe u. Satintuche, reine Wolle.. Meter M. 1.25, 1.65 Wolibatist und Kaschmirstoffe, reine Wolle.. Meter M. 1.—, 1.85 x�ton reinseidener Damassds Meter M. 1.85, 1.65 Taffet und Tatfet-Mousseline, reine Seide... Meter M. 0.05, 1.35 Louisine und Messaline, reine Seide,. Meter M. 1.45, 1.75 Merveiiieux, reine Seide.. 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