Kr. 87. BbonnementS'BedingongM: MonnemcnIS- Preis pränumerando 1 Bicrleljährl. 330 fflif., monotl. 1,10 Mü, wöchentlich 28 Pfg. frei ms HauS, Einzelne Nummer 5 Psg, Sonntags- »ummcr mit illustrierter Sonntags« Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post.Zcitungs« Preisiisie. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2 Mark, für das übrige Ausland Z Mark vro Monat. PoslabonnemenIS nehmen an: Belgien. Dänemark Holland, Italien. Luxemburg. Portugal, Rumänien. Schweden und die Schweiz. 37. Jahrg. vlchtilit täglich auB«r montags. Vevlrnev Volksblclkk. Bit TnictiionS'Gcbflbr kclrügt für die fechsgefpaltene Kolonet« zeile oder deren Raum b0 Pfg., für poli tische und gewerlichaflliche Vereins- »md Bersammlungs-Anzeigcn 30 Psg. ».kleine An-eig-n", das erste ffett- gedruckte) Wort 20 Pfg., jedes weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlaf- ftcllen-Anzcigen das erste Wort 10 Psg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ijt bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm- Adresse: „SozialiKinokrat Rsriin". Zcntralorgan der rozialdcmokrattfcbcn partd Deutfcbtands. Ktdahtion: SM. 68, Lindcnetrasse 69. Fernsprecher! Amt IV. Nr. 1983. Sonntag, den 13. Febrnar 1910. Expedition: SM. 68, Lindcnetrasac 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1981. Esschtiiil hkiilk Iii iii de» Ws»lWe»! LchiuS sei' Aahlrechtsäebatte. Drei Tage nur währte die Verhandlung über die Wahlreckitsspottgeburt. die der Major v. Bethmann Holliveg dem Lande zu bieten sich nicht entblödet hat! Drei Tage der Debatte nur über ein Gesetz, das über das kü nfti g e S ch i cksa l Preußens entscheiden soll! Ueber das Schicksal Preußens nicht nur, sondern über das des ganzen Reiches. Das die Entscheidung bringen muß, ob auch künftig das deutsche Volk und die deutsche Kultur den Junkerstiefeln preisgegeben sein soll oder nicht! Matt, mark- und kraftlos, wie die Debatte eingesetzt, versandete sie auch. Der Freisinn protestierte noch einmal durch den Mund des Herrn Pachnicke gegen das Drei- klassenwahlrecht— allein auch der Freisinn verriet mit keiner Silbe die Absicht, daß er jetzt, im entscheidenden Augenblick, seinen Mann stehen, daß er den Fehdehandschuh der Junker, den Herr M a l k e w i tz als zweiter konservativer Redner dem Hause und dem Volke noch einmal in schnoddrig-provokatorischer Weise hinwarf, aufnehmen und das Volk auf die Schanzen rufen will! Trotz alles salbungsvollen Pathos atmete die Rede des Herrn Pachnicke vielmehr ganz die Resignation, daß für den Augenblick ja doch nicht mehr zu erreichen sei, als höchstens eine kümmerliche Abschlagszahlung, die selbst ein konservativer Mann wie Professor Delbrück für total ungenügend erklärt hatte! Nationalliberale und Zentrum ließen es vollends an jedem Willen zur Tat fehlen. Hätten es die bürgerlichen Parteien, die in den Debatten wieder einmal ihre platonische Liebe zu einer demokra tischen Wahlreform beteuerten, auch nur einigermaßen ernst mit der Erringung nicht einmal des Reichstags Wahlrechts, sondern auch nur entschiedener Zugeständnisse, ge meint, so hätten sie dafür sorgen müssen, daß die Debatten eine viel größere Entschlossenheit hätten erkennen lassen. Und Zentrum und die Linke zusammenhätten ja die Majorität auch im Hause besessen, hätten jeden konservattven Schluß- antrag vereiteln können. Wäre die Debatte so. ihrer Bedeutung gemäß, geführt worden, so hätte sich erst ein wirklich parlamentarischer Kampf entwickelt. Die Wahlrechtsfreunde hätten dann energisch mit den Gegnern der Wahlreform ringen können. Die Gegensätze hätten sich zugespitzt, die Schlachtlinie hätte sich klar ent- wickelt, die Meinungen wären schroff aufcinandergeplatzt. Und die Anteilnahme der Massen im Lande, über deren Recht- loügkeit gesprochen wurde, wäre fiebkrhaft gesteigert worden. Die Massen würden noch mehr aufgerüttelt worden sein, ihr Votum spontan mit in die Wag s chale zu werfen! Das Schauspiel im Hause hätte durch die allgemeine Volks- bewegung erst den würdigen und eindrucksvollen Hintergrund erhalten I Aber man schloß die Debatte, nachdem sie kaum be- gönnen l Das HauS begnügte sich damit. statt dem Volke die scharf markierte a m p f e s st e l l u n g der Parteien zu zeigen, statt die Positionen fe st zulegen, die man unter allen Umständen zu behaupten entschlossen ist, wieder einmal die Potcmkinschen Dörfer programma- tischer Forderungen vorzugaukeln. Das ist ja so bequem! Hinter diesen Kulissen versteckt man sich nach außen hin! Und diese programmatischen Erklärungen verpflichten ja zu gar nichts! Nichts aber ist wichtiger für daS Volk und die ferneren Stadien des Wahlrechtskampfcs, als eine genaue Orientierung über die wirkliche Situation! Diese aber ist die folgende: Die 1ö2 Mann starke Fraktion der Konservativen ist gegen jede kleinste Verbesserung der bestehenden Wahl- rechtsschmach. Sie wird nur für die Maximierung zu haben sein, für die Nichtanrechnung der großen Steuerbetrüge über eine gewisse Summe hinaus. Sie wird dafür sein nicht ars Abneigung gegen plutokrattschcn Einfluß an sich, sondern in der Hoffnung, dadurch möglicherweise dem Liberalismus einigen Abbruch tun zu können. Die Freikonservativen, die 60 Abgeordnete zählen, werden gleichfalls über die Maximierung und vielleicht auch über die geheime Wahl mit sich reden lassen. Das Zentrum, das über 105 Mandate vcrfiigt, wird für das geheime Wahlrecht stimmen, aber gegen eine Neu- eintcilung der Wahlkreise I Es wird zwar in der Komniission für die Uebertragung des Reichstagswahlrcchts eintreten, aber es— wenn nicht von außen der stärkste Druck auf es aus- geübt wird— beim„Fordern" hübsch bewenden lassen! Die Nationalliberalen, 65 Mann stark, sind für die geheime Abstimmung, aber gegen das gleiche Wahl- recht. Sie werden sich auch mit der Erhaltung der Drei- k l a s s e n s ch m a ch abfinden! In der Maximierung er- blicken sie ebenso eine Benachteiligung ihrer Fraktions- i n t e r e s s e n wie die Freisinnigen, die 36 Abgeordnete zählen. Diese sehnen sich überdies, gleich den Nationalliberalen, nach Bc- seitignng der Drittelung der Urwahlbezirkc, was eine Verschärfung der plutokratischcn Tendenz des Wahlrechts und eine schwere Bedrohung der sechs sozialdemokratischen Mandate bedeuten würde! Dabei„fordert" der Freisinn die Uebertragung des Reichstagswahlrcchts, ohne bis jetzt auch nur den s ch ü ch t e r n st e n Ansatz zu einer Erkämpfung dieses Wahlrechts gemacht zu haben l Endlich: Polen gleich Zentrum. Danach ist nur eine Mehrheit für das g e- Heime Wahlrecht vorhanden, während sowohl für die Neu- etnteilung der Wahlkreise wie jede andere auf eine Gleichheit des Wahlrechts abzielende Forderung keine Mehrheit im Dreiklassenparlament vor Händen ist. Daß daS bei einer rein parlamentarischen Be Handlung der Wahlrechtsfrage ja gar nicht anders kommen konnte, war ja selbstverständlich und ist �von uns unzählige- mal mit schärsstem Nachdruck ausgesprochen worden! Gerade deshalb hat ja die Sozialdemokratte seit Jahren den Schwerpunkt des Wahlrechtskampfs nach außen, in daS Volk selbst zu verlegen versucht! Und diese Takttk gilt es denn auch jetzt mst größter Ent- schiedenheit und dem äußersten Nachdruck fortzusetzen! Mt allgemeinen Bekundungen des VolkSwillenS ist es aber nicht getan! ES gilt nunmehr die einzelnen Parteien zur Rechenschast zu ziehen, ihnen den Nacken zu steifen. Am Dienstag bereits beginnt die KommifftonL- b e r a t u n g. Da ist Zögern und Zaudern nicht am Platze l An die Arbeit! ver Mniiter von vorgestern. Am Sonnabend hat Herr V. Bethmann Hollweg, Preußens Ministerpräsident von Königs Gnaden und Gottes Zorn, dem„Hohen Hause" wieder einmal ein paar Worte zu- kommen zu lassen geruht. Ein paar Worte nur, aber sie waren bezeichnend für den Mann, der da sprach, für die Re- gierung, in deren Namen er sprach, ja für den ganzen rück- wärts gerichteten Kurs, den Preußens übermütiges Macht- habertum zur Zeit so scharf nach rechts zu steuern beliebt. Den„philosophischen" Ministerpräsidenten hatte die Rede des freisinnigen Abgeordneten Pachnicke in eine recht un- philosophische Aufregung versetzt, und der Vater des neuen preußischen Wahlrcchtswechselbalges erhob sich zu einer kurzen „Entgegnung", die in der zweimal betonten Erklärung gipfelte: daß er, der Herr v. Bethmann Hollweg, vorgestern gesagt habe, was zu sagen sei! Man kann dieses wundervolle Ministerwort als den Schlüssel für das ganze Bethmann Hollweg-Regime ansehen. Der Minister von vorgestern kann natürlich kein anderes Gesetz, kein anderes Wahlrecht einbringen als ein Gesetz, ein Wahlrecht von vorgestern! Der Minister von vor- gestern kann nicht begreifen, daß dem preußischen Volke mit einem Wahlrecht von vorgestern nicht gedient ist, daß es kein altes, verstaubtes, verrostetes und vermottetes Wahlrecht zu herabgesetztem Preise erschachern will, sondern daß es ein modernes, ein Wahlrecht von heute haben muß! Die nervöse Erregung, die den Ministerpräsidenten packte, ist übrigens recht wohl zu begreifen; denn Herr Pachnicke hatte einen guten Tag, und seine Argumente gegen die Wahlrechtsvorlage und gegen Herrn v. Bethmann Holl- weg. den politischen Dilettanten, trafen so scharf, daß dieser Ministerpräsident, auch wenn er den Versuch gemacht hätte, sich geistig etwas mehr in Unkosten zu stürzen, nicht viel Gescheites zusammengebracht hätte. Nur eins konnte sich Pachnicke— und nachher noch Held Fischbeck sparen: die weisen Lehren, die liebevollen Ermahnungen an die Adresse der Sozialdemokratie: doch bei- leibe keine ungesetzlichen Mittel anzuwenden, keine Straßendemonstrationen zu veranstalten! Die deutsche, die preußische Sozialdemokratie hat nachgerade oft und deutlich genug gezeigt, daß sie weiß, was sie will, sie hat— ihrer ganzen politischen Auffassung gemäß— klar genug bewiesen, daß ihr der natürliche Gang der Dinge auf dem Wege der g e s e tz m ä ß i g e n E n t>v i ck e l u 11 g zu liegen scheint— so klar, daß wir es eigentlich nicht mehr nötig haben müßten, einem ehrlichen und anständigen Gegner zu erklären: daß Putschismus und dergleichen nicht in der Linie unserer Wünsche liegt. Womit natürlich nicht gesagt ist, daß es den preußischen Freisinnigen zur Schande gereicht haben würde, wenn sie, statt der Sozialdemokratie guten Rat und weise Lehren zu geben, lieber dem Ministerpräsidenten mög- lichst kräftig kund und zu wissen getan hätten: es sei höchste, allerhöchste Zeit, dem miindigen preußischen Volke endlich das Recht auf die Straße(das Recht aus seine Straßen!) zu geben, mit einem Worte: im eigenen Lande zu gewähren, was in England— dem von Herrn Bethmann Hollweg ge- rühmten und bewunderten Lande— seit undenklicher Zeit selbstverständliches Recht der Nation ist. Der konservative pommersche Ex-Arbeiter Malkewitz versuchte dem Abgeordnetenhansc einmal witzig zu kommen. und so„bewies" er denn, daß das„Berliner Tageblatt" eine -- sozialdemokratische Zeitung ist, schwelgte er in der Erinnerung an die schöne Vergangenheit, da die Junker noch„das Recht der ersten Nacht" hatten und in ähn- lichen Alfanzereien. Ueber die Rede des Vizepräsidenten Krause aus Königsberg etwas zu sagen, verlohnt nicht groß der Mühe. Es genügt die Feststellung, daß Herr v. Bethmann Holl- weg, der sich noch einmal zum Worte gemeldet hatte, nach Krauses Rede verzichtete. Wahrscheinlich sollte das ein verkapptes Kompliment dafür sein, daß der nationallibcrale Mann den Ministerpräsidenten eine„eminent lautere P c r s L n l i ch k e i t" genannt hatte. Oder ob jenem Krauses paar Gegenbemerkungen wider die Regierungsvor- läge so ungefährlich erschienen sind, daß er meinte, die könne man ruhig laufen lassen—? Der Schlußantrag, den die Feinde eines anständigen Wahlrechts wohlverwahrt in Bereitschaft hielten, wurde pro- grammäßig um 4 Uhr angenommen und das bedeutete die Beendigung der ersten„Lesung" der Vorlage! Sie ging an eine Kommission von 28 Mitgliedern, der als Vertreter der Sozialdemokratie Genosse S t r ö b e l angehört. Yak gegen«lle Meiler! Was ist der Inhalt des heutigen Wahlrechtes für das preußische Abgeordnetenhaus? Die Entrechtung der Arbeiterklasse! Wohl ist das preußische Wahlrecht noch mit mannigfachen Ungeheuerlichkeiten behaftet, mit Un- geheuerlichkeiten, die sich als Hohn auf die Erfordernisse eines modernen und gerechten Wahlsystenis darstellen; aber sie alle, die indirekte, die öffentliche Abstimmung, die Un- gleichheit der Wahlbezirke: sie treffen nicht den letzten und eigentlichen Kern des in der preußischen Verfassungsurkunde angehäuften Wahlunrechtes. Und wenn sie alle beseitigt würden, wenn das Dreiklassenwahlrecht ganz modernisiert würde— jene brutale Rechtsvergewaltigung der breiten Massen bliebe doch unversehrt. Die Beseitigung der indirekten Wahl würde die sich aus der Wahlmännerinstttution ergebende Fälschung der Abstimmung beheben, die Einführung der ge- Heimen Abstimmung den gröblichsten Erpressungsexzessen entgegenwirken; aber an der den drA Klassen immanent ein- verleibten, aus ihnen mit unerbittlicher Konsequenz ent- springenden Nullifizierung der in der dritten Klasse zu- sammengepfcrchten breiten Massen des Volkes wurde sich mit der Beseikiguitg der Indirekten und öffentlichen Abstimmung blutwenig ändern. Selbst eine gerechte Einteilung der Wahlkreise würde den breiten Massen nichts nichr als zufällige Möglichkeiten bieten, unter besonders günstigen Bedingungen und in ganz vcr- einzelten Fällen die Mauer zu sprengen, die vor ihnen durch die Existenz der zwei Privilcgienklassen aufgetürmt ist. Das Wahlsystem der drei Klassen bedingt die Entrechtung der Arbeiterklasse, die sich so ausreizend in der Tatsache spiegelt, daß in dem Parlament des Landes, das zu den ersten Judustriestaaten der Welt gehört, dieA r bette rklassesogutwie un vertrete u ist. Das preußische Wahlrecht ist ein Wahlsystem der vcr- ruchtestcn Bosheit: es gibt anscheinend jedem er- wachseneu Mann das Wahlrecht, aber durch die Erfindung der gemeinsamen Wahl der drei Klassen macht eS das Votum der breiten Massen illusorisch. Welche tiefere Bedeutung hat, wenn wir ihn an seinem Ursprung aufsuchen, der Ge- danke der drei Klassen? Offensichtlich die, daß sich die Nation nu§ WoWabcndsis, Vestizenien und Besi�Iossn Msammensetzt, � da� also das Wahlsystem so eingerichtet werden soll, dan eS allen drei Klassen Zn der ihnen entsprechenden Vertretung verHilst. Nun liegt es in der EntWickelung des Kapitalismus, daß sie die Arbeiter, die eigentlich Besitzlosen, als isolierte, unabhängige Klasse vom Nationskörper absplittert, sie als selbständige Klasse begründet: der Klassengegensatz ist ja nicht bloh der Gegensatz der Interessen der Arbeiter gegen- über den Besitzenden, er ist ebenso der Gegensatz der Jnter- essen der Besitzenden gegenüber den Arbeitern, und zwar der Besitzenden aller Grade und Arten! Was im System des Treiklasscnwahlrcchtcs die Folge hat, daß sich immer und überall die zweite Klasse mit der ersten zusaminenfmdct,. um die dritte Klasse zu nullifizieren, niemals und nirgends aber, dast sich die zweite Klasse mit der dritten vereinigt, um die erste zu unterdrücken. Tie Besitzenden sind, wenn sie auch die Stcucrleistung zu scheiden scheint, im Grunde doch nur eine Klasse. Gegen diese eherne, in den ökonomischen Tatsachen, die die Triebfeder des politischen Handelns sind, liegende Ge- Walt der Z u s a m in e lt g e h ö r i g k e i t a l l e r B e s i tz e n- den gegenüber den Besitzlosen(zumal wenn diese Besitzlosen sozialdemokratisch gewählt) verlieren die statisti- schen Spielereien der famosen Begründung der Wahlreform- vorläge jeden Sinn. Das Wahlrecht der drei .Klassen i st die Entrechtung der dritten K l a s s e, i st R e ch t l o s i g k e i t d e r A r b e i t e r I Was müßte sich angesichts dieser Sachlage, die die fak- tische Zusamniensetzung des preußischen Abgeordnetenhauses so erbittert bekräftigt, die Wahlreform als erstes, als wahr- hafteS Ziel setzen? Einleuchtenderweise die Beseitigung des himmelschreienden Unrechtes, daß die zahlreichste Volksklasse von der Volksvertretung so gut wie ausgeschlossen ist! Des- halb ist es so charakteristisch für den Geist, der die Vorlage des Herrn v. Bethinann, welcher die Geistlosigkeit des preußi- schen Junkertums ist, geboren hat, daß ihre Begrün- d u n g a n der durch die Dreiklassen wähl ba- wirkten Entrechtung der Arbeiter einfach vorübergeht, ihrer mit keinem einzigen Worte gedenkt. Außer ein paar, durch den Grad ihrer Verlogenheit selbst in dieser grundverlogenen Vorlage ausfallenden Worten über die Sozialdemokratie(daß ihr Erfolg der sechs Landtags- Mandate„nicht ungünstiger erscheine, als die der bürger- lichen Parteien", denen das ganze Haus als Frucht des Privi- lcgs in den Schoß fällt I), wird man in der Begründung nicht einmal eine Andeutung des doch für eine Reform des Wahl- rechts nicht ganz gleichgültigen Umstandes finden, daß es in Preußen eine zahlreiche Arbeiterklasse gibt, die im Abgeord- nctenhause vertreten sein sollte und die im Abgeordnetcnhause nicht vertreten ist. Was das Ziel der preußischen Wahl- reform sein müßte, der Arbeiterklasse die ihr gebührende Vertretung zu sichern, das erscheint der Bethmannschen Wahl- reform als eine Nebensächlichkeit, über die zu sprechen sich nicht verlohnt. DaS ist der Unterschied des Preuße ngei st es gegenüber der gesamten 5! u l t u r w e l t! Ueberall, selbst wo die tiefste Barbarei waltet, erkennt man die sittliche Verpflichung an, den Ar- beitern die Vertretung in der Volksvertretung zu sichern: nur dem Preußen unserer Tage gelten die Arbeiter als Paria. Und zwar als Paria wegen ihrer persönlichen und sozialen Reise, weil sie Sozialdemokraten sind. Daß sich eine Herr- schende Klasse von ihrer usurpierten Macht nicht in über- strömender Begeisterung scheidet, vielmehr an ihr mit der zähen Habgier des Unrechtes hängt, ist keine auf Preußen und seine herrschenden Klüngel beschränkte Erscheinung: aber wenn sie ihre Macht auch nicht aufgeben mögen, so hat doch keiner außerhalb Preußens die Empfindung dafür gemangelt, daß auch die Arbeiter einen berechtigten Anspruch auf das Haus des Volkes haben, undkeinehatsich der großen Notwendigkeit der Zeit, die in der Forde- rung des kämpfenden Proletariats liegt, böswillig verschlossen! Ein Betspiel: Der fanatischste Anhänger des allgemeinen und gleichen Wahlrechtes i» Ungarn ist der Graf Stephan Tisza. Aber in der leidenschaftlichen Rede, mit der er am vierundzwanzigsten Januar km ungarischen Magnatenhause die Fejervarysche Wvhlreform bekämpfte, sprach er dennoch folgende Worte: „Ich stehe nicht an zu erklären, daß in derTat mit dem heutigen Wahlrecht ein gesellschaftlicher Faktor unverdient einer st ief mütterlichen Behandlung teilhaftig wird, nicht mit Absicht, sondern weil er ein Produkt der neueren Zeit ist: das ist die intelligente, gebildete industrielle Arbeiterklasse, die nicht vorhanden war, als das Wahlgesetz geschaffen wurde, die aber mit Hilfe unserer sich entwickelten Industrie, borläufig allerdings nur in einzelnen Zentren, um so mehr erstarkt ist. Ich stehe nicht an zu erklären, daß jede Reform des Wahlrechts dieses Element zu berücksichtigen hat, in welchem ich einen die ungarische nationale Gesellschaft bereichernden Faktor erblicke, der in das ungarische öffentliche Leben hineingeführt, und im ungarischen politischen Leben auf den ihn gebührenden Platz gestellt werden muß." In der Bedeutung für Staat und Volk wird sich die industrielle Arbeiterklasse in Preußen mit der in Ungarn wohl noch messen können. Wie antwortet aber Bethmann Hollweg, der kein ungarischer Magnat, sondern ein preußischer Philo- soph ist, auf die Forderung der preußischen Arbeiterklasse? Er sieht diese entrechtete Klasse überhaupt nicht: und was die wahre Aufgabe der preußischen Wahl- reform sein muß, die Ausrottung der schmählichen Rechts- Vergewaltigung der breiten Massen, darf dem Beauftragten der Junkerkaste überhaupt nicht zum Bewußtsein komnien! Die Wäylreform des Herrn v. Bethmann ist nichts als der A u 3 d r u ck d e s H a s s e s der Junker gegen die Arbeiter! Der Nahlrechkilampk. Ein vernünftiger Polizeipräsident. Bochum, 12. Februar. (Privatdcpesche des„Vorwärts".) Der Polizeipräsident von Bochum hat soeben seine Genehmigung zu dem am Sonntag beabsichtigten De- nionstrationszuge vom Schützenhof, dem alten großen Versammlungslokale der Bergarbeiter, nach dem Westfalen- platz erteilt. Der Zug geht durch zehn Straßen. Der Verlauf der Demonstration wird zeigen, daß der Bochumer Polizeipräsident bedeutend besser beraten war. als die Polizeileiter jener Städte, wo Demonstrationszüge und Versammlungen unter freiem Himmel verboten worden. Zu diesen letzteren Städten ist jetzt auch Hannover getreten,»vo die Polizei die unter freiem H i in m e l geplante Volksversammlung verboten hat. Die sözialdemo- kratische Organisationsleitung hat darauf 11 Protestversamm- lungen in Sälen einberufen. Erue Riesenprotestknudgebung gegen preußische Polizei- und Dreiklasscnschmach verenstaltete Freitag abend die B r e s l a u e r Arbeiterschaft. In den Versammlungen wurde auch gegen die Polizei- übergriffe vom vorigen Sonntag Stellung genommen. Etwa 4000' Personen füllten die Säle, mindestens die gleiche Anzahl von Besuchern konnte keinen Einlaß mehr finden. Die Massen füllten ganze Straßeilzüge. Etwa 100 Schutzleute zu Fuß und zu Pferde ivarcu aufgeboten worden, um die Ordnung aufrecht zu erhalten. Da die Polizei sich diesmal aber korrekt benahm, hat sich nicht der geringste Zivischenfall ereignet. Tie Breslau» Parteileitung hatte wegen der Polizei- übergriffe vom vorigen Sonntag eine Audienz beim Polizei- Präsidenten nachgesucht. Dieser lehnte aber eine Ver- Handlung a b, da er die Berechtigung der Antragsteller zur Vertretung Vreslauer Bürger nicht anerkennt. Eine bürgerliche Kundgebung gegen die Wahlrechts- vorläge. Eine große Kundgebung gegen die Wahlrechtsvorlage der Preußischen Regierung und für die geheime Stirn m- abgäbe wird von den Kreisen der städtischen Selbst- Verwaltung, der Wissenschaft und der Kunst, der Industrie und des Handeis am Sonntag, den 20. Februar, mittags 12 Uhr, im Zirkus Schumann veranstaltet werden. Ganz erfreulich, wenngleich die Beschränkung der Forde- rung auf das geheime Stimmrecht uns weniger gefällt. Gegen die Beschimpfung Süddcutschlands. Der Voltsverein Groß-Stuttgart beschloß gestern abend in einer öffentlichen Versammlung eine Resolution gegen Bethmann HollwegS LandtagSreds, in der«S heißt:„Die Ver- sammlung protestiert mit Entschiedenheit gegen die grundlose Bc- schiuipfnng der deutschen Südstaaten durch den preußischen Minister- Präsidenten Reichs lanzler v. Bethmann Holl weg in der Donnerstagsttzung des preußischen Abgeordnetenhauses, in der er als Folge demokratisch-politischer und parlamentarischer Einrichtunge», wie wir sie besitzen, einen Rückgang der 5kultur und Er- Ziehung und eine Verflach ung und Verroh ring der par- lamentarischen Sitten erblickt." Die Demokratische Vereinigung im Wahlrechtskampf. In einem Aufruf zu einer für heute Sonntag einberufenen Wahlrechtsversammlung schreibt daS demokratische Wochenblatt„DaS freie Boll": Demokraten, erscheint in Massen. Beteiligt Euch über- Haupt allenthalben dort, wo zugunsten des allgemeinen, gleichen. geheimen und direkten Wahlrechts in der einen oder anderen Form demonstriert wird. Die Sozialdemokratie darf nicht die einzige Partei sein, die den Kamps für die Demokratisierung entschlossen führt!___ Die ungefetzliche Polizeiaktion gegen die Zugendbildnng in kichtenbei'g. Die in der FreiiagLnummer angedrohte Ungesetzlichkeit deS Polizeipräsidenten gegen den vom JngendauSschutz veranstalteten GeschichtZkursuS deS Genossen Tornow ist am Freitagabend voll- führt worden. Vor Beginn deS Vortrages ivurde von einem Wacht- meister erklärt, daß der Kursus nicht stattfinden dürfe. Vom Versammlungsleiter wurde erwidert, daß dieser Kursus auch nicht stattfinde, aber dafür eine öffentliche unpolitische Ver- samnilung, zu der jedermann Zutritt habe. Die Beamten blieben trotzdem Im Saale und kaum hatte der Referent den ersten Satz gesprochen, so wurde von den Ve- amtcn die Versammlung für politisch erklärt und die Auffordernng an die Jugendlichen unter 18 Jahren erlassen, den Saal zu ver- lassen. Als man den Beamten klar zu mache» versuchte, daß sie un- möglich aus dem ersten Satz eines Referats erkennen könnten, ob der Vortrag politisch sei, hatten die Herren nichts weiter zu er- widern, als daß sie die Versammlung auflösen würden. Dieser Ungesetzlichkeit mußten die Versammelten weichen. Die Versammlung wurde abgebrochen und die Jugendlichen blieben nun auf die Aufforderung des Vorsitzende» hi» zu einem gemütlichen Beisammensein im Saale.— DaS verdarb den Beaniten fichtlich daS Konzept, sie wußten offen- bar nicht mehr, wie sie sich dieser neuen Sachlage gegenüber verhalten sollten. Indes blieben sie iin Saale und unter ihrer Auf- ficht vergnügten sich die Versammelten nun mit dem Singen von Liedern, wobei Arbeiterlieder mit solchen wie„Heil dir im Sieger- kränz" und ähnlichen anderen abwechselten. Großes Aufsehen und verständnisvolle Heiterkeit erregt« es, als sich herausstellte, daß das ganz« Lokal von Kriminalbeamten umlagert war. Als die Versammelten plötzlich unverhofft die Türen aufrissen, wurden gleich zwei von der edlen Geheimzunft am Alexanderplatz entdeckt. Sie ließen sich auch durch das schallende Gelächter der Jugendlichen nicht in die Flucht jagen. Der Erfolg der polizeilichen Maßnahme war vorerst für die Jugendbewegung ein nicht unbefriedigender— eine so gut besuchte Jugendversammlung hat Lichtenberg noch nicht gesehen. politiseke ücberfkbt. Versin. den 12. Februar 1910. Hnfsenpflugs Nachahmer. Aus dem Reichstag, 12. Februar. Der preußische Kriegsminister General v. Heeringen hat volle 24 Stunden gebraucht, um eine neue Ausrede zu ersinnen zur Er- klärnng der Widersprüche, in die er sich mit seinen bisherigen AuS- lassungen znr Frage des militärischen VerfassungSeidcS verlvickelt hat. Trotzdem er jederzeit im Laufe der Sitzung da» Wort dazu hätte ergreifen können, sparte er sich das bis zum Schluß auf. Vorher gab eö noch zu verschiedenen Punkten deS Militäretats längere Auseinandersetzungen. Wie Genosse Albrecht am Tage vorher nachdrücklich die Ucbelstände in den Militärwerlstätten deS Be- sieidungsfacheS gerügt hatte, brachte Genosse Bühle die Feind- seligkeit der Verwaltung gegenüber den ArbeiterauSschüssen znr Sprache. Er erläuterte das insbesondere an den Verhältnissen in Strahbnrg, während Genosse Zubeil die Mißstände in Spandau zur Sprache brachte. Der Vertreter deS KricgSministeriumS Oberst Wandel behauptete, ein von den Arbeitern in Straßburg in den Ausschuß gewählter Arbeiter sei nur deshalb entlassen worden, weil er den„Frieden gestört" habe. Der nationalliberale Abg. Görcke hielt es nicht nur für angebracht, die arbeiter- feindliche Haltung der Regierung zu entschuldigen, sondern erlaubte sich auch noch von„Mißständen im„VorwärtL"-Betriebe" zu reden, worauf diesem Reichsverbändler von de» Genossen Stadthagen und Fischer gründlich heimgeleuchtet wurde. Als so um etwa ti Uhr der Militäretat zu Ende gebracht war, erteilte plötzlich der Präsident dem Kriegs mini st er das Wort, der zunächst behauptete, er hätte ja eigentlich am Tage vorher schon auf Ledebours Ausführungen antworten können und würde das auch sicher getan haben, wenn er nur LedebourS Zuruf:„Also auch er kneift!" gehört hätte. Er bestritt zunächst die Echtheit der von Ledebour verlesenen KabinettSorder. Sie sei in, Jahre 1709 als eine„Fälschung" nachgewiesen worden. Was aber seine Bezug- nähme auf Kurhessen betreffe, so sei die nur„in negativem Sinne" zu beurteilen gewesen. Die kurhessischen Offiziere seien auf die Verfassung vereidigt gewesen und das gerade hätte dem hessischen Sraate zu schwerem Schaden gereicht. Er sei dem äußere» Feind gegenüber wehrlos geworden. Die Reckte, die von der Absicht des KriegsministerZ unterrichtet war, hatte sich in ungewöhnlicher Zahl versammelt und unterstützte die ministeriellen Aeußerungen mit donnerndem Applaus, während sie die darauf folgende Antworr Ledebours mit jedem möglichen Lärm zu störe» versuchte. Ledebour verlas nunmehr aus Webers Weltgeschichte eine abgekürzte Dar- stellung der kurhessischen Verfassungskämpfe, aus der hervorgeht, daß der General v. H e e r i n g e n die Dinge völlig auf den Kopf stellt. Durch seine Parteinahme für die kurhessischen VersassungSbrecher, die sogar die sämtlichen hessischen Offiziere gegen sich hatten, habe er sich außerdem mit der Politik der preußi- schen Regierung jener Zeit in Widerspruch gesetzt, da selbst das reaktionäre Ministerium Brandenburg-Manteuffel für die Verfassungsfreunde und gegen den Kurfürsten und seinen Handlanger Hassen pflüg Partei ergriff, während Oesterreich und Bayern sich auf die Seite deS Kurfürsten stellten. Ter Vizepräsident Spahn kam dem KriegSiinnister zu Hilfe, indem er, den Redner unterbrechend, ihm riet, sich seine, Herrn SpahnS Auffaffung von der Auslegung des Kriegsministers zu eigen zu«lachen. Ledebour wies diesen Uebergrisf des Präsidenten zurück; der Präsident könne wohl den Redner zur Sache rufen, wenn er in irgend einer Weise gegen die Geschäslsordnung verstoße, aber ihm die Zustimmung zu irgend einer Auffassung zu empfehlen, habe er nicht das Recht. Der Redner schloß damit, daß die indirekte Anreizung des Kriegsministers zum Verfassungsbruch in dieser Zeit besonder? verwerflich sei, in der außer der Aufforderung zum Staatsstreich durch Herrn v. Oldenburg und andere Junker auch der Ministerpräsident v. BethlNann Hollivrg seiner Nichtachtung für das Reichstagswahlrecht Ausdruck gegeben habe. Wenn das so weiter gehe, werde wie der hessische Minister Hassenpflug sich den Namen Hessenfluch» so der preußilche Minister v. Bethmann Hollweg sich noch den Namen Preußenfluch verdienen. Nach einigen weiteren Ausführungen des KriegLmintsterS und des Genossen Ledebour erklärte auch Herr v. Oldenburg in einer persönlichen Bemerkung, er habe schon früher seine Worte so ausgelegt, daß sie nicht als Anreiz zum Verfassungsbruch ausgelegt werden könnten. Als Ledebour darauf aus dem Stenogramm nachweisen wollte, daß rS direkt wahrheitSwidrlg sei zu behaupten, Herr b. Oldenburg habe seine berüchtigten Worte als „äußerstes Beispiel von Disziplin" gebraucht, hinderte ihn der Prä- sidenr Spahn an diesen Lluskührungen, worauf Ledebour den Nach- weis für später in Aussicht stellte. Prinz Ludwig von Bayern und die preußische Wahlrechtsvorlage. Wie uns mitgeteilt wird, wird das„Neue Wiener Journal" in feiner Sonntagönummsr folgende Münchencr Korrespondenz veröffentlichen, die nach Angabe deS Journals aus durchaus zuverlässiger Quelle stammt: München. Wie Ihr Korrespondent aus sicherster Ouelle erfährt, hat Prinz Ludwig von Bayern Gelegenheit gc- nommeu, sich einem bekannten Großindustriellen gegenüber in scharfer Weise über die preußische Wahlrechtsvorlage aus- zusprechen. Der Prinz bezeichnete die Vorlage als ein gewagtes Experiment» das geeignet sei. dieruhige und stetige EntWickelung Preußens zu unter- graben. Wenn die Angelegenheit auch im Grunde eine innerpreußische sei, so sei doch zu befürchten, daß die tief- gehende Erregung der Bevölkerung sich bei den nächsten Reichstagswahlen Luft machen und für die regirrungk-. feindliche Zusammensctumg des ReichZtag« von entscheidender Bedeutung sein könne. Hier beginne die Angelegenheit eine Reichssache zu werden, bei der die Bundesstaaten wesentlich interessiert seieil. Prinz Ludwig versicherte ausdrücklich, daß auch andere BnndeSfürsten diese Bedenken geänfiert hätten. Schließlich kam der Prinz auf Bethmann Hollweg im allgemeinen zu sprechen. rühmte seinen lauteren Charakter, hob seine universelle Bildung hervor, bezweifelte aber, daß der stille, weltfremde Mann den Stürmen der großen internationalen Politik auf die Dauer gewachsen sein werde. Eine Bekanntmachung des Polizeipräsidenten. Wie gemeldet wird, beabsichtigt der Berliner P o l i- z e i p r ä s i d e n t in der Nacht an alle Anschlagsäulen folgen- des Plakat ankleben zu lasse«: Bekauutniachuug. Eö wird daS„Recht auf die Straße" verkündet. Die Straße dient lediglich dem Verkehr. Bei Widerstand gege» die Staatsgewalt erfolgt Wassengedrauch. Ich warne Neugicrige. Berlin, dt» 13. Februar 1910, Der Polizeipräsident. von Jag um. Wir wissen nicht, was der Polizeipräsident mit dieser Bekanntmachung bezweckt. Allem Anschein nach nimmt er an, daß morgen aus Anlaß der einberufenen Protestversammlungen gegen die Bethmann Hollwegsche Wahlrcchtsvorlage vor einigen Persammlungslokalen Ansammlungen stattfinden, vielleicht auch, daß nach den Versammlungen die Versammlungsteilnehmer Umzüge veranstalten. Inwiefern aber berechtigt ihn diese Annahme dazu, von„Widerstand gegen die Staats- gewalt" zu reden und„W äffen g e b r a u ch" anzn- drohen. Sicherlich, die Straße dient dem Verkehr; aber einRecht auf die Straße haben nicht nur die preußischen Landtags Wühler er st er Klasse, sondern auch die Wähler dritterKla sse. Sic haben auch daS Recht, zu dritt und zu viert zu gehen und gemeinsam ihrem Protest gegen die neue Wahlrechtsvorlage Ausdruck zu geben, sofern nur dadurch nicht der Verkehr verhindert wird. Der Staatsbürger, auch der sozialdemokratische, ist keineswegs verpflichtet, nach dem VersammlungZbesuch direkt nach Hause zu gehe», ivis ein Soldat nach dem Appell, noch braucht er sich Weg und Richtung vorschreiben zu lassen. Wie>vir schon wiederholt betonten, hat die Sozialdeino- kratie durchaus keinen Anlaß, die Ruhe und Ordnung zu stören; sie ist sich auch ihrer Verantwortung ganz genau be- wüßt. Nicht von ihr hängt es aber ab, ob die Ruhe gestört wird, sondern von dem Takt, der Umsicht und der D i s- ziplin der Polizeimanuschaften. Beschränken sich diese darauf, für die Aufrechterhaltung des Verkehrs zu sorgen, und Brüskierungen zu vermeiden, dann kommt es sicherlich nicht zu Ruhestörungen, tvie der Verlauf der großen Straßendemonstrationen in Braun� schweig ain vorigen Sonntag aufs neue erwiesen hat. Ver� fährt allerdings die Polizei wie bei der Ferrer-Versamnllung, drängt sie die aus den Versammlungen strömende Menschenmasse zusanimen, keilt sie diese ein, versperrt ihr den Abzug und reitet oder haut dann in die sich zusammenballende Menge hin- ein, dann müssen notwendig Ordnungs» und Ruhestörungen entstehen— dann trägt in solchem Falle nicht die Menge die Schuld, sondern die Polizei, die sich zur Beherrscherin der Straße auswirft und willkürliche Maßnahmen trifft. Zunächst sollte sich deshalb der Polizeipräsident an seine Mannschaften wenden und ihnen jene Selbstbeherrschung. Umsicht und Ruhe anempfehlen, die wir z. B. bei der Londoner Polizei finden._ Aendrrung der Geschäftsordnung des Abgeordneten- Haufes. Eine hiesige konservative Korrespondenz weiß zu berichten: „In der Presse wird gemeldet, daß die Rechte und das Zentrum im Abgeordnetenhause eine Aenderung der Geschäfts- ordnung beabsichtigen, die dahin gehen soll, z 60 der Geschäftsordnung des Reichstags(Ausschluß eines Abgeordneten von der Sitzung) für das Abgeordnetenhaus zu adoptieren. Eine solche Absicht besteht zurzeit nicht und wäre für die gegenwärtige politische Situation auch nicht zu empfehlen. Die sozialdemokratischen Störungen in der Sitzung vom 10. Februar sind allerdings bedauerlich. Hätte die Möglichkeit des Ausschlusses von der Sitzung schon am Donnerstag bestanden, so hätte die ganze SechsmSnner- fraktion der Sozialdemokraten ausgeschlossen werden müssen. Eine solche Maßnahme wäre Wasser auf die Mühlen der Sozialdemokratie gewesen und wäre als Verrat von der Sozialdemokratie mit dem nötigen Schwung behandelt worden. Dle Bestimmung würde sich auch nicht als wirksam erweisen, denn man kann den aus- geschlossenen Abgeordneten nicht zwingen, auch wirkliS) den Saal zu verlassen, wie die Fälle aus der ReichStagSpraxis beweisen. Wirksamer wäre die Nachahmung des französischen Reglements, das u. a. GehaltSentziehung(IPiivation de rindernnitö), Verhaftung und Gefangenhaltung bei renitentem Benehmen vorsieht. Aus taktischen Gründen ist es aber vorläufig nicht angezeigt, die Geschäftsordnung zu verschärfen,' neue Kämpfe, die viel Zeit tosten, wären die Folge." Die betreffende Korrespondenz ist gewöhnlich gut unterrichtet, in diesem Fall aber ist ihre Meldung unrichtig. Allerdings mögen derartige Erwägungen statt- gefunden haben; aber die kleinlichen Rachegelüste haben alle Bedenken besiegt.. Bereits am nach stet» Montag findet eine Sitzung des Scniorenkonvents des Abgeordneten- Hauses statt, in der über eine Aenderung der Geschäftsordnung beraten werden soll._ Das bayerische Zentrum gegen die Arbeitslosen- Bersichernng. München, 10. Februar. /; D a s Z e» t r u in h a t die Mittel zur Einführung der Arbeitslosenversicherung in Bayern der« weigert! Zum ersten Male beschäftigte die bayerische Abgeordnetenkammer sich mit der Frage der Arbeitslosenversicherung im Jahre 1908 auf Grund eines Antrages Simon und Genossen. Der Antrag ging dahin, daß den Gewerkschaften, die ihren Mitgliedern Arbettslosenunterstütziing gewähren, Zuschüsse aus Staatsmitteln be- willigt werden sollten. Der Antrag fand, den Bauernvund ausgenommen, die sachliche Zustimmung aller Parteien, auch des Zentrums. Im Ausschusse und dann später auch im Plenum wurden jedoch Anträge mehr vor- bereitender Natur angenommen. Um nun die Angelegenheit aus dem Stadium der theoretischen Erörterungen in die Praxis zu überführen, stellte die sozialdeino- kratische Fraktion den Antrag, für Zwecke der Arbeitslosenversicherung 150000 M. in den Etat einzustellen. Daraus sollten diejenigen Städte, welche die Arbeitslosenversicherung einführen, Staatsznschüsse biS zu 50 Prozent ihres Aufwandes erhalten. Am 3. November 1009 fand die Plenarberatung statt. Die Zentruinsredner äußerten sich sehr sympathisch, so daß man nach dem Verlaufe der Diskussion annehmen durfte, daß das ganze Zentrum mit Energie für den Antrag eintreten werde. Der Antrag wurde in den sozialen Ausschuß verwiesen. Heute stand er im Ausschüsse zur Verhandlung. Der Kor» refercnt Königbauer, christlicher Arbeitersekretär, b e f ü r- wartete die Ablehnung des Antrage« mit der Motivierung, daß bis beute die Städte noch keine Arbeitslosen- Versicherung eingeführt hätten und mau Zuschüsse doch erst dann be- willigen könne, wenn daS gefcheben/fei. Das ist natürlich nichts anderes als eine faule Ausrede. Denn die Gewährung des Staats- zufchusses sollte daS Risiko verteilen und dadurch erst die Städte aufmuntern, an die ArbeitSlosendersichcrung heranzutreten. Die Zentrumsredner, besonders die Arbeiter- Vertreter unter ihnen, haben wieder aufs neue gezeigt, daß sie zwar sehr schöne Reden, aber nur schlechte Taten für die Arbeiter haben. Reichstagsersatzwahl Mülh ein,- Wipperfürth-> Gummersbach. Am 13. Februar sollen die Wahlen deS Wahlkreises Mülheim- Wipperfürth- Gummersbach darüber entscheiden, welche Partei den KreiS für den Rest der Legislaturperiode im Reichstage vertreten soll. Bisher hatte das Zentrum daS Mandat inne, daS durch den Tod des AmtSgerichtSrats de Witt erledigt wurde. Im Jahre 1993 erhielt die Sozialdemokratie 7871 Stimmen, 1 5 703 wurden für daS Zentrum und 7585 für die Aationalliberalen abgegeben: im Jahre 1907 war das Stimmenverhältnis folgendes: Sozialdemokratie 8338, Zentrum 19 958 und Nationalliberale 11218 Stimmen. 1993 fiel der Kreis erst in dcr Stichivahl mit der Sozial- demokratie an das Zentrum, 1997 eroberte es das Mandat bereits im ersten Wahlgang. Der neue Wahlkampf wird mit aiißerordeutllchtr Heftigkeit ge- führt. Der Stadtkreis Mülheim(Rhein) besitzt eine starke Industrie, das übrige Gebiet ist nur schwach industriell eniwickelt. Das Zentrum macht ungeheure Anstrengungen, um seinen Kandidaten wieder in der Hauptwahl durchzubringen. Zu Dutzenden ziehen die ullramontanen Redner durch das Land: Reichs- und Landtagsabgeordnete. Partei- sekretäre, Geistliche und Gewerkschaftssekretäre. Dabei wird es von der Klerisei kräftig unterstützt, die die kirchlichen Machtmittel bereitwilligst in den Dienst der Zentrumssache stellt. Eine traurige Rolle spielen die christlichen Arbeiter-„Führer", die noch im borigen Jahre in Wort und Schrift gegen die unerträg- liche Belastung der Volksmassen durch indirekte Stenern gewettert haben. Der Generalsekretär S t e g e r w a l d hat erst im Juli v. I. aus dem Kölner Kongreß der christlichen Gewerkschaften erklärt, daß er einen Abscheu vor der Politik habe, wie sie vom Zentrum ge- trieben wird. Jetzt legt sich der Herr Generalsekretär mit seinem ganzen Stab für die Partei des Volksbetruges ins Zeug, als wenn aufs neue bewiesen werden sollte, daß die christlichen Gewerkschaften in jedem Falle dem Zentruni als Schutztruppe folgen müssen I Unsere Parteigenossen haben mit Eifer den Wahltampf auf- genommen. Die Versammlungen waren durchweg außerordentlich stark besucht. Bei früheren- Wahlen mußte sich die Sozial- demokratie mit knapp zwei Dutzend Bersammlungen im ganzen Wahl- kreise begnügen; diesmal gelang eS. in bisher uns unzugänglichen Gebieten Lokale zu bekoinmen, und dadurch die Zahl der Ver- iammlungen auf weit über Hundert zu steigern. Wenn nicht alle Zeichen trügen, wird die Sozialdemokratie bei der Wahl einen erheblichen Stimmenzuwachs erfahren. Die Uebermenschen des preußischen Herrenhauses. DaS am t. Februar abgeschlossene NamenSverzeichniS des preußischen Herrenhauses weist 325 Mitglieder auf. Ein sonder- bareS Gemisch von Persönlichkeiien ist diese Erste Kammer. Sie besitzt etwa sechs Dutzend bürgerliche Vertreter, meist sind eS Oberbürgermeister oder Vertreter von Universitäten, hin und wieder auch durch„Allerhöchstes Vertrauen" zur Gesetzgebung Be- rufene. Alles andere ist adelig. Wir finden darunter alle Grade der militärischen Laufbahn, der zivilen Laufbahn vom Landrat ab bis zum StaatSminister, Botschafter. Gesnndlen und Reichskanzler a. D. Majoratsbesitzer, Fidoikommitzbesitzer, Ritlergntsbesitzer, Schloß- Hauptmänner, Burggrafen und Oberburggrafen wechseln in bunter Reihenfolge ab mit freien StandeShcrren, Durchlauchten, Exzellenzen, fürstliche Gnade», Hoheiten und dergleichen. Sogar ein Fürst Hans Heinrich XV. von Plcß und mehrere Herzöge sind ver- treten neben anderen Fürsten, Prinzen, Grafen. Kammerherrcn und ähnlichem. Eine dem gewöhnlichen Staatsbürger unbekannte und unfaßbare Welt der Titel tut sich auf, wenn man Bezeichnungen liest wie: Erbtruchseß, Erbküchenmeister im Fürstentum so und so, Erb- oberlandmundschent, Erbhofmeister. Erboberkämmerer, Erbland- Marschall, Generalerblandpostmeister, Erboberjägermeister, TrbamtS- hauptmann, Oberstschenk und Oberstkämmerer. Solche Leute haben daneben auch meist daS Recht, Gesetze zu machen, erblich inne und eS ist merkwürdig, daß für die erblichen Mitglieder des Herrenhauses noch kein Titel erfunden ist, tvie etwa: Erbober st gesetzgebungs meist er. Die ganzen Titel zeigen ein Stück Mittelalter, zu dem das Dreiklassenwahlrecht wunderschön paßt. Christliche Arbeiter und preußische Wahlrechtsreform. In der„Slaatsbürger-Zeitung" veröffentlicht ein christlicher Arbeiter einen Leitartikel, in dem da? Reichötagswahlrecht für den preußischen Landtag verlangt wird. Ruhig und sachlich setzt der Schreiber auseinander, daß im Interesse der Arbeiterklasse das Reichstagswahlrecht auch für den Landtag verlangt werden müsse, und daß es überaus frivol fei. die Masse ans die Seite zu schieben und allein dem Besitz den Vorrang zu lassen. Die„Staatsbürger-Zeitung" bemerkt dazu mit süßsaurer Miene: „Wir geben die Ausführungen unverkürzt wieder, um der bedrängten Stimmung in den christlich-iiaiionalcn Arbeiterkreisen einen unverblümten Ausdruck zu sicher». Die Worte sind scharf, aber wenn wir auch der radikalen Forderung nach dem ReichstagSwahl- recht für Preußen aus praktisch- politischen Gründen nicht zu- stimmen können, so möchten wir uniso mehr die Bedeutung der geheimen Wahl unterstreichen, da hier der springende Punkt liegt, ob die sogenannte Wahlrechtsreform, wie sie von der preußischen Staatsregierung vorgelegt Ivorden ist, für die Arbeiterschaft, so- weit sie die christlich-nationals Bewegung bildet, annehmbar ist oder nicht." Mit dieser Bemerkung sucht die„Staatsbürger-Zeitung" der von den christlichen Arbeitern aufgeworfenen Frage aus dem Wege zu gehen, denn es kommt dem Arbeiter gar nicht darauf an. ob geheimes Wahlrecht ist oder nicht, er legt das Hauptgewicht auf daS gleiche Wahlrecht, das doch mindestens die Voraussetzung des ge- Heimen Wahlrechts fein muß. Die Aussichten der preußischen Wahlreform. Der Berliner Vertreter der„Rheinisch-Westfälischen Zei- tung" schreibt hierüber:„Wie wir von wohlunterrichteter Stelle erfahren, herrscht an den maßgebenden hohen Stellen über das Schicksal der Wahlrechtsvorlage eine sehr pessi- mistische Stimmung. Kaiser und Kanzler hatten ani Freitag eine fünfpsertelstündige ernste Unterredung. In parlamen- tarischen Kreisen verlautet, daß die Nationalliberalen auf alle Fälle von der Forderung der geheimen Wahl nicht abgehen werden und das um so mehr, als sich bereits 8 Freikonser- vative und 4 Konservative bereit erklärt haben, im Plenum für die geheime Wahl zu stimmen. Somit darf als möglich erachtet werden, daß die Vorlage niit der Abänderung der ge- Heimen Stimmabgabe bis ans Herenhans gelangt, wo sie allerdings keine Mehrheit finden wird. Die Regierung hofft jedoch noch auf die Annahme eines neuen Vermittelungsan- träges, der mit Hilfe der vereinigten Konservativen und Na- tionallibercilen eingebracht werden soll." Aus dem badischen Landtage. Im badischeu Landtage wurde Sounabendvormittag der Antrag der Sozialdemokraten, Nationa(liberalen und Demokraten, die drei Lehrerseminare in Ettlingen, MerSburg und Karlsruhe, die bisher konfessionell waren, zu simulianisieren, mit 42 gegen 29 Stimmen des Zentrums und der Konservativen angenommen. Der Zentrums- sührer Zehnter erklärte, der Antrag sei ein SÄritt auf dem Wege, den Religionsunterricht ans der Schiile zu eniferncn. Genosse Dr. Frank gab sodann der Erwartung Ausdruck, daß die Regierung au? der Avstimmungl die Konsegliciizeil ziehe und die Lehrerjcmluar« simultanisiere._ Belgien. Der Brüsseler Bürgermeister über euieu sozialistischen Gemeindevertreter. Unser Brüsseler Korrespoiideiit schreibt uns: Der Brüsseler Bürgermeister Max hat gestern im Geineindekolleginm dem diese Woche verstorbenen sozialistischen Stadtverordneten Bandendorpe einen Nachruf gehalten, der den Sprecher nicht minder ehrt wie den Toten. Diese Rede zeigt wohltuend, daß auch der schärfste politische Kampf die Achtung, ja loyale Anerkennung für den Gegner nicht ausschließt, wenn anders lautere Persönlich- leiten dahinterstehen.»» Bürgermeister Max ist ein Liberaler, und zwar gehört er dem gemaßiglen Migel, den sogenamiim Doktrl« nären an.— Der Bürgermeister verwies darauf, daß Bandendorpe im Dezeinber e i n st i m m i g zuin Siadtvcrordneten gewählt wurde. Er sagt dann weiter: Bandendorpe war ein Arbeiter. Seine Arbeitsamkeit, seine Energie, die Lauterkeit seiner Intelligenz, seine Herzensgüte haben aus ihm gemacht, tvaS er wurde. Solche Beispiele wirken be- lebend auf alle und rechtfertigen daS demokratische Regime.— Der Bürgermeister hob auch die Berdienste BandendorpeS um seine Partei, die Sozialdemokratie hervor und schloß: Er war ein vortrefflicher Man», voll de« Mitgefühls für die Leide» der Armen, für die er bis zum letzten Atemzug gewirkt hat. Die Wahrheit dieser Worte bezeugte die Teilnahme miS dem Volke, dem er insbesondere in der Verwallung seines Ressorts-- der Armenfürsorge— unermüdlich diente. Außer den zahlreichen, aus allen Provinzen delegierten Vertretern der Partei, deS„Peupls", der Fraktion, waren eine große Anzahl offizieller Persönlichkeiten er« schienen, so der Gouverneur der Provinz Brabant, das Brüsseler Gemeindekollegium, etliche Bürgermeister der Vororte, die Direktoren der großen Theater und bürgerliche Deputierte. franhmeb. Keine Streikbrecher. Paris» 12. Februar. Da in L o r i e u t ein Teil der Gasarbeiter in den Ausstand trat, ließ der See- präfekt auf Ersuchen des Bürgermeisters diese durch Heizer der Kriegsmarine ersetzen. Mehrere v e r w e i g e r- ten jedoch die Arbeit und wurden mit A r r c st bestraft. Cnglsnck. Die politische Lage. London, 11. Februar. Von konscrvatiben Blättern wird erklärt, das Kabinett sei hinsichtlich seiner Pläne ge- teilt. Der liberale„Daily Ctzronicle" bezeichnet die Ge- rüchte von einer Spaltung als nnrichtig, doch meint die ebenfalls liberale„Daily News", es herrsche der bestimmte Eindruck, daß das Kabinett einer Krisisvongewissem E r n st e gegenüberstehe. Der Führer der irischen Ratio nalistenpartei Redmond machte gestern abend in Dublin eine Mitteilung, die vielleicht großen Einfluß auf die politische Lage haben wird iin Hinblick auf die Tatsache, daß selbst der extreme Teil der liberalen Presse kürzlich, wenn auch widerstrebend, die Notwendigkeit anerkannt hat, wegen der finanziellen Bedürf» nisse der Regierung das Budget anzunehmen, bevor gegen die Lords etwas unternommen wird. Redmond betonte, die Nationalistenpartei sei einiger und mächtiger als irgendeine frühere und erklärte, Irland könne und wolle der Regierung nicht z u g e st e h e n, daß daö Budget angenommen und dann erst die Frage des Vetorechts der LordS behandelt werde._ Die Rede Redmonds. London» 12. Februar. Die Rede RedmondS in Dublln hat große? Aufsehen erregt, weil die politische Lage danach recht unsicher erscheint. Wie es heißt, hat die Regierung gestern abend einstimmig beschlossen, nach der Antwortadresse auf die Thronrede im Unterhause zuerst das Budget zu er- ledigen, während das Gesetz über die Einschränkung de» Veto- rechts des Oberhauses das Hauptwerk der Tagung werden soll. Die konservativen Blätter äußern sich allgemein befriedigt darüber, daß das Kabinett entschlossen ist, die Rc» gierung weiterzuführen, und erklären, daß die Unionist vn be» reit seien, es gegen die Rationalisten beim Budgetzuunter« stützen, in der Annahme, daß man sich über die Streichung einiger mißliebiger Punkte in dem neuen Budget wohl einigen werde. Die liberalen Blätter nehmen an, daß Redmond sich mit A S q u i t h doch noch v c r st ä n d i g e n werde, erklären aber, daß. wenn er nicht mit der Regierung zusammenarbeiten könne, er sie je eher je besser stürze» solle, und weisen auf die Möglichkeit eines Rücktritts des Kabinetts hin« stlavoKKo. Der Zwischenfall beigelegt. Fes, 12. Februar. Am Tage nach dem Zwischenfall mst der französischen M i l i t ä r m i s s i o n ließ der Sultan den französischen Konsul G a i l l a r d und Major Mangin zu sich be« rufen. Nachdem ihm der Tatbestand auseinandergesetzt war» äußerte der Sultan seine Mißbilligung über das Vorgehen feiner Beamten. Der Kämmerer und der KriegSminister muhten dem Major in Gegenwart des französischen Konsuls und der fran- zösischen Offiziere ihre Entschuldigungen aussprechen. Nachdem die Zusicherung gegeben war, daß sich ähnliche Fälle nicht wiederholen würden, nahmen die Instrukteure ihren Dienst wiedxr auf._ Ein französisches Ultiniatum? Paris, 12. Februar. Dem„Matin" zufolge ist die Regierung entschlossen, falls M u l a>? H a f i d seine zögernde Haltung nicht ändert, eine Frist für die Unterzeichnung des jüngsten franzö- sisch-marokkanischen Abkommens zu stellen. Sobald die Frist er. losckien ist, wird Frankreich entsprechende Maßnahmen treffen, die sich voraussichtlich nicht nur auf die Pfändung der Zolleinnahmen von Casablanca erstrecken werden, Eue der Partei. Die Antwort der englischen Arbeiterpartei an die deutsche Sozialdemokratie. Dem Partcivorstand ging auf sein von uns veröffent- lichtes Glückwunschtelegramm an die englische Arbeiterpartei folgendes Antwortschreiben zu: Newport(WaleS), 9. Februar. Werter Genosse! Euer Tekegramn, vom 6. Februar wurde heute morgen in tinserer Konferenz verlesen und mit großer Freude ans- genommen. Ich wurde beauftragt, Euch folgendes zu übermitteln: Die 10. Jahre« konfcrenz der englischen Ardeiterpartei erwidert herzlich die brüderlichen Grüße der deulschen Genossen. Friede muß unsere Parole sein! Mit dm besten Wünschen und brüderlichen Grüßen bin ich Euer ausrichtig ergebener I. Ketr Harbie« Präsident. Em Glückwunsch für Bebel. RiineS, 11. Februar.(Eig. Bcr.) Bor Schluß seiner Verhand- limgen beschloß der Parteitag«nsorer französischen Genossen mit Akklamation einen in herzlichen Worten gehaltenen Glückwunsch an Genossen Bebel zu seinem 70. Geburtstag. Die Resolution spricht den Wunsch au«, Bebel noch viele Jahre für da? internationale Proletariat am Werk zu sehen. Gewerfcrcbaftlicbes. Cm dcutFcbnationalcs Gelltändnis! ®m Freitag fand in Kellers Festsälen eine von der„Freien Vereinigung für die soziale Versicherung der Privatangestellten". der unter anderem auch die gewerkschaftlichen Organisationen der Privatangestellten angeschlossen sind, einberufene Versammlung statt, die sich mit dem Stand der Pensionsversicherung beschäftigte. Der Referent G r a n z i n verlangte den Ausbau der Invaliden- Versicherung zu einer Pensionsversicherung. Nachdem die Jllu- sion einer Sonderversicherung für die Privatangestellten, die von reaktionärer Seite aus politischen Gründen genährt wurde, nach der Erklärung des Staatssekretärs Delbrück elend zusammen- gebrochen ist, müssen alle Privatangestellte» durch eine mächtige Bewegung dafür sorgen, daß die Reichsversicherungsordnung nicht ohne die Pensionsversicherung für alle Arbeitnehmer, auch die ge- werblichen, verabschiedet wird. In der Diskussion sprach der Gauvorsteher des Deutschnationalen Handlungsgehilfen-Verbandes, Thomas, gegen den Ausbau der Invalidenversicherung zu einer Pensionsversicherung auch für die Privatangestellten. Für den „Stand" der Privatbeamten müsse eine besondere„Standesver- sicherung" geschaffen werden. Das Verlangen nach Ausbau der Invalidenversicherung sei auch deshalb zwecklos, weil er. wie er besonders betonte, bestimmt erklären könne, daß die Regierung dafür nicht zu haben sei. Auf die Frage aus der Versammlung, wofür denn die Regierung eigentlich zu haben sei, konnte er nichks sagen und so mußte er eben den Zwischenruf passieren lassen, daß die Regierung gegen jede Fortführung der Sozialpolitik ist. Dem deutschnationalen Redner wurde von verschiedenen anderen Red- nern wirkungsvoll erwidert. Schon einmal, bei der Hottentotten- Wahl 1907, haben sich die deutschnationalen Gehilfen foppen lassen und nun empfehlen die deutschnationalen Führer wieder daS Ver- trauen auf dieselbe Regierung, die erklärt, für die Pensionsver- sicherung kein Geld zu haben und die im selben Moment für Militarismus und Marinismus Unsummen verschleudert, zu deren Aufbringung durch die sogen.„Finanzreform" auch die Privat- angestellten in starkem Matze geschröpft werden. Derselben Re- gierung wollen die Deutschnationalcn vertrauen, die durch die „Wahlreform" den Privatangestellten eine unerhörte Beleidigung zugefügt hat, indem Polizeibüttel und Zuchthauswärter in einer höheren Klasse wählen dürfen als der sogenannte„neue Mittel- stand", die geistigen Arbeiter in Industrie und Handel. Außer- dem sei eine Sonderversicherung für die Privatangestellten schon deshalb zu verwerfen, weil der Begriff der Privatangestellten zu dehnbar ist und sicher eine große Menge der kaufmännischen, tech- nischen und Bureau-Angestellten von den Vorteilen einer solchen Versicherung ausgeschlossen würde. Große Schichten von Per- sonen, die im Handelsgewerbe tätig sind, wie z. B. Werkstatt- schreibe?, Adressenschreiber, die Kontrollen bei den Paketausgaben der Warenhäuser usw. würden schon heute von den Kaufmanns- geeichten nicht für Handlungsgehilfen angesehen. Gerade die schlechtbezahltestcn Privatangestellten würden um die Wohltaten einer besonderen Pensionsversicherung geprellt werden. Dann sprach Herr Bechlp aus Hamburg, der das Schackerbe angetreten hat und jetzt Vorsteher des deutschnationalen Handlungsgehilfen- Verbandes ist. Er gab zu, daß eine große Masse der Privatange- stellten in sehr traurigen wirtschaftlichen Verhältnissen lebe. Auf diese Schichten könne aber bei der Schaffung einer Sondcrversiche- rnng für den„Stand" keine Rücksicht genommen werden! Diese Aeußerung schlug dem Faß den Boden ein. Stürmische Pfuirufe der Versammlung zwangen den Red- ner, seine Ausführungen einzustellen. Allge- meine Empörung herrschte! Pfui! Runter! Raus! Was sagen die deutsch nationalen Hand- lungsgehilfen zu diesem Führer! Verräter! Schämen Sie sich! Sie sind ein netter Ge- Hilfe»Vertreter! So sausten die Entrüstungsrufe, wild durcheinander, dem„Führer" Bechly in die Ohren. Mehrere Male versuchte er weiterzureden, die Versammlung wollte aber diesen Gehilfenführer, der aus die schlechtentlohntesten Angestellten keine Rücksicht nehmen will, nicht mehr hören. Mit Mühe konnte der Versammlungsleiter, Herr Ingenieur Lüdemann, die Versamm» lung bewegen. Bechly weiter anzuhören, indem er sagte. Herr Bechly werde wahrscheinlich begründen, warum bei der Schaffung eines Sozialgesetzes die große Masse der deutschnationolen Ver- bandsmitglieder nicht berücksichtigt zu werden braucht. Herr Bechly blieb aber diese Antwort schuldig. Unter den Entrüstungsrufen der Versammlung mußte er nach einigem Gestammel abtreten. Gegen die Stimmen einiger Deutschnatio- naler und ihrer Führer nahm die Versammlung dann eine Reso- lution an. die energisch den Ausbau der Invalidenversicherung fordert. Wieder gegen die Stimmen einiger Deutschnationaler wurde eine Entschließung angenommen, nach der die Versamm- lung mit Entrüstung von dem gehilfenfeindlichen Standpunkt des Vorstehers des deutschnationalen Verbandes, Bechly, Kenntnis nimmt. Mit langen Gesichtern und recht kleinlaut verließen die Deutschnaiionalen und ihre Führer den Saal. Warum mutzte auch Herr Bechly so ungeschickt sein Herz ausschütten. LerUn und Umgegend. Srt Lee Metallwarenfabrik vorm. Feige, Breslau, Ohlauer Chaussee, sind infolge Akkordpreisreduzierungen ernste Differenzen ausgebrochen. Die Kollegen, welche alle organisiert sind, machten gegen diese Abzüge Front und zwangen die Firma durch ihre Ge- schlossenheit zur Zurücknahme der Abzüge. Nun haben wir aber in Erfahrung gebracht, daß sich die Firma durch Vermittlung ihres 5lernmachermeister(über 4 Kernmacherinnen ein Meister!!) Scholz bemüht. Metallformer von Berlin nach Breslau als Ersatz für die renitenten Verbändler zu verschaffen. Scholz soll sich bereits mit Berliner Formern in Verbindung gesetzt haben, da ihm eine Anzahl Adressen aus seinem Berliner Wirkungskreis bekannt sind. Wir ersuchen die Berliner Kollegen. Angebote von Breslau abzulehnen, da sie in diesem Falle nur als Lohndrücker Verwendung findensollen. Die Ortsverwaltung des Deutschen Metallarbeiter-VerbandeS, Verwaltungsstelle Breslau. Die Lohnbewegung der Militärsattler. Tie Militärsattler nahmen am Sonnabend Stellung zu dem Verhalten der Fabrikanten zu den Forderungen der Gehilfen und über die weitere Stellungnahme. Von den Unternehmern hatten den Tarif bisher nur die beiden Firmen Gindel und Wieder- mann bewilligt. Riedel erstattete Bericht über den gegenwärtigen Stand der Lohnbewegung. Unter anderem begründeten die Fabri- kanten ihre ablehnende Stellung mit dem Hinweis darauf, daß das Kriegsministerium die Preise für die Effekten so gedrückt habe, daß eS ihnen unmöglich sei, die Forderungen zu bewilligen. Riedel er- klärte hierzu, die« alS triftigen Grund nicht ansehen zu können, da die Arbeiter ihre Forderungen nie und nimmer von dem ab- hängig machen könne, was die Fabrikanten für ihre Lieferungen erhielten. Redner beleuchtete auch treffend das Bestreben der Herren. die Tarifkommission der Arbeiter bei den Abmachungen völlig aus- zuschalten, worauf die Arbeiter natürlich niemals eingehen würden. Immerhin gibt eS auch darunter Fabrikanten, die der vernünftigen Vcraiitw. Redakt.: Richard Barth, Berlin. Inseratenteil verantw.:' Ansicht huldigen, das; die Beschlüsie nur dann Wert haben, wenn sie mit der von der Organisation beanstraaten Tarifkommission ab- geschlossen sind. Folgende Resolution wurde einstimmig angenommen. Die am 12. Februar tagende außerordentliche Mitglieder- Versammlung der Militäreffekten-Sattler Berlins nimmt mit Ent- rüstung Kenntnis von dem ablehnenden Verhalten der Herren Arbeitgeber, mit der Tarifkoinmission zu verhandeln. Sie erblickt darin nur eine beabsichtigte Verschleppung der Tarifangelegenheit und beschließt daher, daß am Montag in sämtliche» Be- trieben, in denen der Tarif nicht anerkanni worden ist, die Werkstattkommissionen vorstellig werden, um vom Arbeitgeber eine Erklärung zu erlange», ob derselbe in der ani Dienstag statt- findenden Sitzung der Arbeitgeber dafür eintreten will, daß die noch schwebenden Differenzen mit der Tarifkoinmission im Laufe der nächsten Woche geregelt werden sollen. Die Versammelten ermächtigen die Tarifkommissionen, bei eventueller Ablehnung dieses Verlangens, sofort zweckentsprechende Maßnahmen mit den in Frage kommenden Kollegen der betreffenden Betriebe zu er- greifen._ Achtung! Musikschallplattenpresser! Die Firma Dr. G r ü n- bäum, Rixdorf, Schinkestratze, ist für Presser und Schleifer ge- sperrt. Fabrikarbeiterverband. Otuvscheg Relcb. In der Pflugfabrik von Ed. Schwartz u. Sohn, Berlinchen N.-M., haben 52 Arbeiter die Arbeit niedergelegt, weil 12 Mann wegen Zugehörigkeit zur Organisation entlassen worden waren. Die Ar- beiter verlangen die Wiedereinstellung der 12 Entlassenen, ferner Beseitigung derjenigen Bestimmungen aus der Arbeitsordnung, die verlangen, daß der Arbeiter beim Eintritt in die Fabrik anzugeben hat, ob er einer gewerkschaftlichen Organisation bezw. welcher er angehört. Weiter wird verlangt, daß Matzregelungen wegen Zuge- Hörigkeit zur Organisation nicht stattfinden dürfen, und daß der Arbeiterausschuß anerkannt wird. Die Granitindustriellcn im schlesischen Distrikt Striegau haben ihren Arbeitern Rache geschworen. Im Vorjahre traten etwa 1900 Steinarbeiter wegen einer fünfprozentigen Lohnreduktion in einen Ibwöchigen Abwehrkampf ein. Die Arbeiter unterlagen, und die Unternehmer nutzten ihren„Sieg" weidlich aus. Es er- folgten Entlassungen auf Entlassungen. Die Hinausexpedierten werden von den Unternehmern in das sogenannte„Rüudelbuch" geschrieben, und wer dort verzeichnet steht, hat im Striegauer Steinbruchsgebiet nichts mehr zu suchen. Die Steinarbeiter sind über ein solches Vorgehen empört, es haben jetzt einige gegen einen Unternehmer Klage erhoben wegen Boykotts und Verrufserklärung. Neue Praktiken vom Zechenarbeitsnachweis. Bei den Debatten über den Zwangsarbeitsnachweis im Ruhr- gebiet bezeichnete es Herr v. S y d o w als einen großen Fori- schritt, daß anstelle der sechsmonatlichen Aussperrung für die so- genannten kontraktbrüchigen Bergleute eine Aussperrungsdauer von 14 Tagen getreten sei. Neuerdings werden nun aber auf den Zechen des Nuhrgebietes an die Bergleute Zettel verteilt, in denen es heißt: „Sie werden hierdurch darauf aufmerksam gemacht, daß, falls Sie sich auf unserer Zeche einen Kontraktbruch zuschulden kommen lassen. Sie dieserhalb 6 Monate auf keiner anderen dem Zcchcnverband angeschlossenen Zeche zur Arbeit angenommen werden dürfen." Was sagt Herr v. Sydow dazu? Ob er Veranlassung nehmen wird, sich um diesen Skandal zu kümmern? In der Hufeisenfabrik von Hoppe u. Homaun in Minden in Westfalen ist 28 Formern und Gießereiarbeitern wegen Zugehörig- keit zur Organisation gekündigt worden. Der Firma war es schon zweimal möglich, die Organisation in dem Betriebe zu vernichten. Jetzt wurde jedem Arbeiter, der sein Verbandsbuch bei der Firma abliefere, versprochen, daß für ihn ein Sparkassenbuch mit jährlich 52 M. angelegt werde. Eine Lohnaufbesserung wäre nötiger, denn es kommen Wochenlöhne von 6 und 10 M. vor. Deshalb eben fürchtet die Firma auch die Organisation und sucht mir allen Mitteln deren Eindringen zu verhüten. Die Arbeiter sind nicht gewillt, sich das Recht der Organisation nehmen zu lassen. Alle Former und Gießereiarbeiter werden daher auf diese Firma auf- .nerksam gemacht._ Die Vereinigungen der Bäckermeistersöhne alS Streikbrecher-Organifationen. In den letzten Jahren hat sich in den verschiedensten Städten Deutschlands eine besondere Art von Vereinen gebildet— die Vereinigungen der Bäckermeisterssöhne. Die Gründer dieser Vereine sind die Bäckerinnungen„Germania" und „Konkordia", die diesen auch finanzielle Unterstützung angedeihen lassen. Der eigentliche Zweck dieser sonderbaren Vereinsgründun- gen geht klar und deutlich aus nachstehendem Brief hervor, der an den Vorstand der Vereinigung der Bäckermeisterssöhne in Augs- bürg gerichtet wurde. Das interessante Schriftstück lautet: „Werte Kollegen! Wie Euch vielleicht nicht unbekannt ist, stehen wir hier im M a i n g e b i e t vor einer Lohnbewe- a u n g, denn der im Jahre 1907 abgeschlossene Tarif ist auf den 31. März 1910 von Seite der beiden Gehilfenkorporationen ge- kündigt worden. Der Gehilfenverein„Germania" hat bereits schon seine Forderungen eingereicht und wünscht die Sache auf gütlichem Wege zu erledigen, während der„rote Verband". trotz seines Versprechens, dieselben bis Mitte Januar einzu- reichen, bis heute diesem noch nicht nachgekommen ist.— Er geht offensichtlich damit um, die Sache bis vor Ostern zu verschleppen, um dann wie 1907 die Meister zu überrumpeln; damals waren wir auch nicht im geringsten vorbereitet und mußten wir eben Haare lasten. Diesmal steht«die Sache anders. W i r haben unsdie MeisterdurchVertraggezwungen, daS zu halten, was die Majorität beschließt und haben auch alle bis auf zwei Rote dies getan. Da eS aber nicht ausgeschlossen ist, daß wir diesesmal einen Streik bekommen, so wäre es uns sehr erwünscht, wenn Sie uns dann für die Dauer desselben mit Aushilfen an die Hand gingen. W i r brauchen indiesem Falle vielleicht 7 0— 8 0 Mann und wollen Sie mir gefl. mitteilen, mit wieviel Mann Sie uns dienen könnten. Alle Auslagen werden von uns getragen und würden wir Ihnen in bejahendem Falle den Ort angeben, wohin die- selben kommen sollen. Selbstredend würden wir im Fall eines dortigen Streiks zu jederzeit ebenfalls Ihnen zur Seite stehen. Ihrer baldigen Antwort entgegensehend mit kollegialem Gruß Robert Luft. Vorsitzender der Ortsgruppe des Arbeitgeber- fchutzverbandeS Offcnbach." Die Bäckermeister des Maingebietes werben also Streik- brecher, um die Forderungen der Gehilfen abzuschlagen. Als brauchbares und williges Streikbrechermaterial müssen ihre Söhne herhalten, die man zuvor in besonderen Bereinen zum edlen Streikbrecherberuf erzieht. Auf alle Fälle gibt der Brief des Herrn Robert Luft, Offen bach, einen interessanten Einblick in das Treiben der organisierten Meister vom Backtrog. Schlechte Gesetzeskenner. Manche Polizeibehörden meinen, die„loyale" Handhabung des Vereinsgcsetzrs in der Art ausüben zu müssen, indem sie jede Ge- Werkschaftsversammlung und jede Zahlstelle eines Verbandes als politisch stempeln. Dafür konnten wiederholt Beispiele angeführt wci den. Jetzt ist zur Abwechslung in M ü l h e i m(Rhein) der Filiale des Textilarbeitervcrbandcs ein mit„in Vertretung des Bürgermeisters" unterzeichnetes«Schriftstück zugegangen, wodurch der Vorsitzende aufgefordert wird, unter Bezugnahme auf Ziffer 3 des Reichsbercinsgesctzes„Acnderungen in den Satzungen der van Ihnen vcrtretciren Zahlstelle sowie jede Aenderung in der Zu- sammensetzung des Vorstandes binnen einer Frist von 2 Wochen anzuzeigen". Solchen Verpflichtungen waren die Filialen der Ge- ivcrkschaften schon unter dem alten Recht meist enthoben, das neue Reichsvereinsgesetz beseitigte sie aber gänzlich. Es sollte zudem dem Vereins- und Versammlungsrecht noch einen weiteren Spielraum garantieren. Diese Kenntnis sollte nun, nach bald einjährigem Bestehen des neuen Rechts, auch bald bis zu den Polizeibehörden, Bürgermeistern und selbst deren Stellvertretern gedrungen sein. Ter Tank vom Hause Habsburg. Tie Bauniwollenspinncrci in Zw'ickau hatte sich zur Nieder- lverfung des Textilarbeiierausstandes im Jahre 1907 einen größe- ren Trupp russisch-polnischer Arbeiterinnen herangeholt. Nachdem sie jetzt der Arbeiterinnen nicht mehr bedarf, möchte sie sie gern wieder los sein. Sobald sich nun eine solche Arbeiterin irgend etwas zuschulden kommen läßt, wird sie unter Gewährung von 14 Tagen Lohn nach der Grenze abgeschoben. Das Geld und die Papiere werden ihr aber erst an der Grenze ausgehändigt. Das- selbe Manöver sollte mit einer Arbeiterin vorgenommen werben, die sich zudem in anderen Umständen befand. Hier wollte die Firma jedenfalls auch noch die Wöchncrinnenunterstützung der Betriebs- kasse sparen. Das Mädchen verlangte aber das Geld und die Pa- Piere bereits bei der Abreise und nicht erst an der Grenz? auSge- händigt. Das wurde ihr verweigert. Sie verklagte daraufhin die Firma beim Gewerbegericht, das die Firma zur Zahlung de» Rest- lohne» von 8,70 M. und Herausgabe der Papiere verurteilte. Gegen das Mädchen ist dann noch eine Anzeige bei der Sittenpolizei ein- gegangen, weil es auf einige Tage Unterkunft bei seinem Bräuti- gam gefunden haben soll. Bemerkenswert ist übrigens, daß die polnischen Arbeiterinnen sich stets auf 1 Jahr kontraktlich verpflichten müssen, welcher Kon- trakt jedes Jahr erneuert wird. Diese Handlungsweise der Firma an dem Mädchen zeigt recht drastisch, welchen Dank Streikbrecher für ihre Rausreißerdienste vom Unternehmertum zu erwarten haben. Die Brauereiarbciter von Freiburg i. B.» die in ihrer großen Mehrzahl dem Brauereiarbeiterverbands ange- hören, stehen in einer Lohnbewegung. Auch der„christliche" Hilss- und Transportarbeiterverband ist mit einigen Mitgliedern daran beteiligt, desgleichen der gelbe Bund deutscher Brauergesellen. Die „Christlichen" hatten sich nun mit den Gelben verbunden und schloffen mit den Brauereien in Freiburg einen Tarifvertrag ab, woraus dann der Syndikus der Brauereien dem Bezirksleiter des Brauereiarbeiterverbandes mitteilte, er könne auch den Tarif noch unauffällig unterzeichnen, es wäre gerade noch Zeit. Das lehnte derselbe natürlich ab, weil der Brauereiarbeiterverband die christ- lich-gelbe Bevormundung ablehnen muß, ferner auch aus dem Grunde, weil der Tarif in der Form nicht annehmbar ist. Die Brauereien haben nun die Mitglieder des Brauereiarbeiterver- bandes vor die Wahl gestellt, entweder den christlich-gelben Tarif unterschriftlich anzuerkennen oder die Kündigung einzureichen. Die Mitglieder des Brauereiarbeiterverbandcs reichten daraufhin ihre Kündigung ein._ SoziaUd* '(Siehe auch 4. Beilage.)) Entschädigungsansprüche aus einem Streik. Die Steinschleifer der Firma Hugo Sensch, lithographische An- stalt und Steindruckerei, hatten aus Anlaß von Lohndifferenzen. wobei die Firma keinerlei Entgegenkommen zeigte, die Arbeit niedergelegt. Die Firma machte gestern vor dem Gcwerbegericht gegen mehrere der Ausständigen Schadenersatzansprüche in Höhe der an sie gezahlten Löhne für zwei Wochen, je 50—60 M., gelten*. weil die Arbeiter nach ihrer Ansicht kontraktbrüchig geworden seien. Die Beweisaufnahme stützte jedoch diese Ansicht nicht. Eine Kom- Mission der Arbeiter hatte am Tage des Streikausbruchs während der Frühstückszeit mit dem Mitinhaber Kochmann unterhandeln wollen. Dieser lehnte jedoch eine Unterhandlung mit dem Bc- merken ab, daß er vom Arbeitgeberschutzverband noch keine Nachricht erhalten und wisse nicht, ob er mit der Kommission unterhandeln dürfe. Der«Schutzverband sei auch der Ansicht, daß die von ihm gezahlten Löhne sowie die Bezahlung für Ueberstunden ausreichend sind. Zum«Schlüsse bemerkte er:„Wem es nicht paßt, der kann gehen." Die Arbeiter traten darauf in der Mittagsstunde zu einer Versammlung zusammen, in der die Kommission Bericht gab, und erblickten in der letzten Aeußerung des Arbeitgebers ein Einver« ständnis mit der sofortigen Arbeitseinstellung und beschlossen dem- gemäß. Die Kammer 8 beS GewerbegerichtS wie» die Firma mit ihrer Klage ab» weil die Beklagten auf Grund jener ohne jede Einschrän. kung getanen Aeußerung berechtigterweise auf ein Einverständnis der Frrma schließen konnten und die Firma ja auch den Nachweis des Schadens nicht erbracht hat. letzte JVacbncbtcn und DepcFcbcn. Wahlsieg der Sozialdemokratie. HelfingforS, l2. Februar. Der neue Landtag wird, wie nunmehr endgültig feststeht, bestehen auS 42 Mtfinnen, 23 Jungfinnen, 23 Schweden, 86 Sozialdemokraten, 17 Agrariern und einem christlichen Arbeiter. Es sind fünf- zehn Frauen zu Deputierten gewählt, darunter neu» An- hängcrinuen der Sozialdemokratie. Die Gesamtzahl der ab- gegebenen Stinimen ist 789 633. Neue Rüstungen für Serbie». KSln, 12. Februar.(W. T. B.) AuS Belgrad wird' ge- meldet: Die Regierung schloß mit Rheinischen Metallwaren- und Maschinenfabrik die Herstellung von 89 900 EchrappnellS und die Adaptierung alter Geschütze im Gesamtwerte von 4 Millionen ab, ferner wurde die Lieferung von 150 Maschinengewehren und 32 000 Mausergewehren nach Deutschland vergeben. Für 10 Millionen wird für Eisenbahnmaterial der deutschen Industrie der Vorzug zugestanden, sobald die Zusicherung der neuen serbischen Anleihe in Deutschland wie in Frankreich gesichert erscheint. Die Altersversorgung. Pariß, 12. Februar.(W. T. B.) Der Senat nahm heule die letzten Artikel des Gesetzentwurfs betreffend die Altersversicherung an, nach denen auch den landwirtschaftlichen Pächtern und kleinen Arbeitgebern Pensionen gewährt werden sollen. Die Kretafrage. Kaneo, 12. Februar.(W. T. B.) Die von den Konsuln der Schutzmächte dem«Exekutivkomitee überreichte Note untersagt die Teil- nähme an den griechischen Wahlen. Falls eine solche dennoch statt- fände, würden die Mächte wirtsame Maßregeln ergreifen. Sieben Personen umgekommen. Pamplona(Spanien), 12. Februar.(B. H.) Sieben Schuhmacher, welche die Äarnevalsfeier in Mauleon mitge- macht hatten, wurde« auf dem Heimwege von einem Schnee- stürm überrascht. Alle sieben kamen um. Th.Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. VerlaaSanftali Paul Singer& Eo., Berlin SW, Hierzu 6 Beilagen, Nr. 37. 27. Iahrgavg. s. Krilase to Jarmirts" Kkllmr KIKsM 5oMög. lZ. ltblüüt tSIS. Z�eicKstag. 34. Sitzung. Sonnabend, den 12. Februar, vormittags 11 Uhr. Lm BunteZratstisch: v. He er in gen. Eingegangen ist der Entwurf eines HauSarbeits» g e s e tz e s und der eines ArbeitSlammergesetzeS. Die zweite Beratung des Militäretats wird fortgesetzt bei den Kapiteln„Artillerie, und Waffenwesen". sowie„Technische Institute". Abg. Dr. Witt(Z-l: Die Arbeiter in den technischen Be- trieben dürfen nicht schlechter gestellt sein als die städtischen Ar» beiter und die Arbeiter in den Privatbetrieben. Die Spandaucr Arbeiter behaupten, dasz die Handwerker der dritten Lohnklasse schlechter gestellt sind als die ungelernten Arbeiter der Stadt Spandau, und ähnliche Klagen kommen aus Strasburg, Metz und anderen Städten. Ein weiterer Wunsch der Arbeiter geht dahin, den Stücklohn zu beseitigen und überall den Zeitlohn einzuführen. Ungenügend sind auch die Löhne der zweiten Lohnklasse; SS M. bis 98 M. monatlich genügen nicht zur Ernährung einer Familie. Vielfach ist auch die Arbeitszeit nicht genügend geregelt; die Ar- beiter wünschen, daß eine Ssillndige Arbeitszeit überall, wo sie noch nicht besteht, eingeführt wird. Auch die Arbeiterinnen werden ganz niedrig entlohnt; ausserdem werden ihnen die Gratifikationen nicht bezahlt; eine Arbeiterin in Metz, die schon 3S Jahre beschäftigt war, bekam keine Gratifikation, weil sie, wie man ihr sagte, nicht ununterbrochen beschästigt war; sie war nämlich wegen ArbcitSmangels hin und wider einen Tag entlassen worden, und deshalb wurde ihr die Gratifikation entzogen. lHörtl hört im Zentrum und bei den Sozialdemokraten.) In Arbeiterfragen sollte die Heeresvcrlvaltung nicht nur die Arbeiterausschüsse hören, zu denen die Arbeiter bei dem Wahlverfahren doch kein Vertrauen baben, sondern auch die Vertreter der Arbeiterorganisationen. (Bravo! im Zentrum.) Abg. Böhle(Soz.): Würde die Militärverwaltung den Arbeiterorganisationen mehr entgegenkommen, so brauchten wir uns hier nicht jedes Jahr mit diesen Fragen zu beschäftigen. Der Reichstag sollte Lohnskalen für die staatlichen Arbeiter festsetzen und sie auch der Gewerbe- ordnung unterstellen. Während die Lohnverhältniss« der st ä d t i» s ch e n Arbeiter fast überall geregelt sind, sind die staatlichen, be« sonders die Militärarbeiter, auf die Gnade der Borgesetzten an» gewiesen. Die Arbeiterausschüsse haben gar keine Bedeutung; in Strassburg sind sogar Personen, die der Militärverwaltung nicht genehm waren, einfach nicht genehmigt!(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Dadurch wird den Arbeitern ihre drückende Lage so recht zum Bewußtsein gebracht. Die Löhne betrugen im Jahre 1998 bis M Proz. der Arbeiter nur bis 10S9 Mark, nur bei 49 Proz. wurden 19S9 M. überschritten; von den Arbeiterinnen erzielten 69,8 Proz. nur 789 M. und 9,2 Proz. kamen nur bis 819 M. Aus den Mitteilungen der Militärverwaltung geht auch her- vor, dah Arbeiter wegen zu hohen Alters entlassen und nur zu halbem Lohn beschästigt werden! Auf den Tisch des Hauses habe ich eine Arbeitsordnung niedergelegt, aus der Sie sich davon über» zeugen können, dah kein Arbeiter aus diesem Monstrum klug werden kann. Die Militärverwaltung sollte für klare einfache Arbeits- ordnungen sorgen.(Sehr richtigt bei den Sozialdemokraten.) Sparen könnte die Militärverwaltung sehr wohl; in Straß- bürg kommen auf 19 Arbeiter b— S Beamte, auf 6 Arbeiter ein Vorarbeiter.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Wenn irgendein Stück von einigen Arbeitern geholt werden soll, so setzt sich ein Beamter an die Spitze der Arbeiter und marschiert mit ifmen an Ort und Stelle und nachher ebenso wieder zurück. (Heiterkeit.) Wie unrichtig das Kricgsministerium oft über Arbeiter- Verhältnisse unterrichtet ist, zeigt ein Erlaß, der die Errichtung von Bctriebskrankenkassen forderte, in denen die Arbeiter schlechter gestellt waren, und der dann bald wieder zurückgenommen wurde. Die schlechten Verhältnisse im Proviantamt in Strassburg habe ich im vorigen Jahre hier zur Sprache gebracht; aber eine Besse- , rung ist nicht eingetreten. Ebenso brachte ich im vorigen Jahr das Verschwinden eines Wagens mit Heu in Hagenau zur Sprache. Eine Untersuchung hat inzwischen stattgefunden. Ich frage den Kriegsminister, was diese ergeben hat. Ein besonderes Kapitel bilden die Maßregelungen. Arbeiter sind entlassen, angeblich weil sie für den Metall. arbciterverband agitierten, in Wirklichkeit bestand ihr Verbrechen nur darin, daß sie dem Metallarbeiterverband angehörten. Aber auch sogenannte reichstrcue Arbeiter werden gemassregclt. In Strassburg besteht seit Jahren ein Militärarbeitcrverband. dessen Vorsitzender, der Arbeiter Stein, wurde entlassen, weil er Unfrieden zwischen Vorgesetzten und Arbeitern gestiftet hätte. In Wirklichkeit ist er für die Interessen seiner Arbeitskollegen ein- getreten, und die Verwaltung hat in mehreren Fällen aner- kennen müssen, daß das mit Recht geschehen war, und hat das Unrecht, das den betreffenden Arbeitern geschehen ist, rückgängig gemacht. Seine Entlassung muß wohl zurückgeführt werden auf eine allgemeine Verfügung der Straßburger Feldzeugmeisterei, worin ausgeführt wird, daß gegen Arbeiter, die sich der Jnter essen ihrer Arbeitskollegen annehmen, also vor allem gegen Ar» beiter, die sich den Organisationen anschließen, vorgegangen werden soll. Ich frage den Kriegsministcr, ob er diese Verfügung billigt und ob er sie genehmigt hat. Wenn übrigens die Militärverwaltung gegen die reichstreuen Arbeiter in dieser Weise vorgeht, können wir von unserem Standpunkte aus nur zufrieden sein.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Dann werden die reichstreuen Vereine bald aufgelöst werden, und die Arbeiter werden wissen, wo sie hingehören.(Bravo! bei den Sozial demokraten.) Oberst Wandel: Der Lohn in militärischen Betrieben kann sich nicht nach dem der Stadt oder dem besonders hochzahlender Privatbetriebe richten, sondern nur noch dem allgemeinen Durchschnitt.(Sehr richtig! rechts.) Die Handelskammer in Bonn, in Hannover sowie ver- schiedene Fabrikanten aus dem Sieyerland haben sich beklagt, wir nähmen ihnen durch zu hohe Löhne die guten Arbeiter weg.(Lachen bei den Sozialdemokraten.) Von den Arbeitern verdient niemand bei Stücklohn unter 4 M.(Hört! hört! rechts.) Von den Zeitlohn- arbeitern niemand unter 3 M.(Hört! hört! rechts. Rufe b. d. Soz.: Also ganze 3 M.! Hört! hört!) Der Abg. Will meinte, die dritte Lohnklasse sei besonders schleckst gestellt. In Spandau verdienen die Arbeiter dieser Klasse bei Stücklohn täglich 5,38 M., an den übrigen Orten 5,27 M., und auch die Arbeitszeit beträgt auf dem Papier 9 Stunden, in Wirk- lichkeit Slh bis 8% Stunden. Im Zeitlohn ist der Verdienst etwas geringer, und mit der Abschaffung des Stücklohnes würden die Arbeiter— etwa 69 Proz. arbeiten im Stücklohn— kaum zufrieden sein. Dr. Will führte an, ich hätte im vorigen Jahre gesagt, daß wir dankbar sein würden, wenn sich auch die Organi» sationen an uns wendeten. Ich habe nicht von Organisationen gesprochen, sondern von Vereinen der Arbeiter.(Lachen bei den Sozialdemokraten und Zuruf: Sind die Organisationen nicht Vereine?) Ich meinte Vereine von Arbeitern in den Betrieben. Herr Böhle beklagt, daß die Lohnverhältnisse ungeregelt seien; daS ist nicht richtig; Jeder Arbeiter hat eine Lohnordnung in Händen. Dass die Wünsche der Arbeiter uns von den Arbeiter» ausschüsscn vorgetragen werden, wünschen auch wir, und berech- t i g t e n Wünschen wird stets Rechnung getragen. Nun zu dem Arbeiter Stein. Herr Böhle hat hier im Winter 1999 Beschuldigungen gegen den Feldwebel König vorgebracht, die er nur durch Indiskretion erfahren haben konnte. In der kriegs- gerichtlichen Untersuchung ergab sich die Haltlosigkeit aller Anschuldi- gungen bis auf ein« einzige geringe Ungehörigkeit; der Feldwebel hatte nämlich einer Arbeiterin mehr zugewendet als einer anderen. Es ergab sich aber weiter, daß der Urheber dieser Anschuldigungen nur der Arbeiter Stein sein konnte. Im vorigen Jahre nahm der Arbeiter Stein Urlaub, und er wurde während der Urlaubs- zeit in der Kantine in Saarlouis getroffen, wohin der Feldwebel König versetzt worden war, und dort suckste er die Arbeiter eben- falls gegen den Feldwebel Könsij aufzuhetzen. Nachdem er im Sommer 1999 in den Arbeiterausichuß gewählt war, erhob er Be- schwerden gegen einen Zeugmeister bei der Lohnauszahlung, die ebenfalls ganz unwahr waren. Die übrigen Arbeiter erklärten, dah sie von ihm drangsaliert würden und Furcht vor ihm hätten. Gleims feuitteton. Eine schwedische WahlrechtShynme. Die traditionelle Interesselosigkeit unierer Vertretung von Kunst und Dichtung hat ja in der neuen preußischen Wahlrechtsvorlage die gebührende Missachlung ge- funden, insofern als dort Künstlern und Dichtern durchaus nicht dasselbe Maß von politischer Reife zugebilligt wird, als etwa den Militärauwärtern. All diese Erscheinungen find ja nur typische Spiegelungen der allgemeinen Kullurzuftände. Und wie in England oder Frankreich der Künstler im öffentlichen Leben Partei ergreist, so naturgemäß auch in den freieren skandinavischen Ländern. Das allgemeine Reichslagswahlrecht, das in Schweden Regierung und Volk gegen den hartnäckigen Widerstand der plutokrotischen Ersten Kammer zu erringen suchen und über kurz oder lang auch erringen werden, ist dort ein selbstverständliches Postulat auch jedes Intellektuellen. So hat der Dichter Werner v. Heiden st am eine WahlrechtShymne verfaßt, die seit Jahren bei jeder WablrechtS- kundgebung in Presse und Versammlung ihre aufrüttelnde Wirkung hat. Doppel» merkwürdig für unS ist drefe politische Aeußerung bei einem Manne, der vorwiegend historisch-nationalen Idealen nachhängt, bei einen, Poeten, der in der Abkehr gegen die schwedische WirklichkeitSkunst der 80er Jahre die jetzt herrschende, so- genannte.Richtung der 99er Jahre", einen neuromantischcn Idealismus tn Dichtung und Kritik herausgeführt Hot und also nach Meinung unserer ästhetischen Weisen gar keine Veranlassung hätte, sich für «ine so banale Volksangelegenbeit, wie das allgemeine Wahlrecht. zu begeistern. DaS Heideustamsche/Zriginal, dessen kraftvoller Wohl- klang bei der hier folgenden sinng/.reuen Uebersetzung mehrfach ver- loren geht, ist.Mitbürgergesang" betitelt. Ist unter daS Vaterland denn nicht? Wir erbten eS olle wie einer, mit gleichem Rech» und mit gleicher Pflicht, ob arm oder reich, frag« keiner. Und darum wollen wir stimmen frei, wie die Ahnen in Wehr und Waffen, will uns auch kläglich« Kramerei auf die Wage gleich Gcldsäcken schaffen. Wir stritten gemeinsam für Heim und Herd, da mit Mordbrand unS Feinde bedrohten. sticht»'loß oie Herren griffen zum Schwert, als flammend die Kampfzeichen lohten. nicht Herren bloß wahrten das Heldentum, nein ebenso tapfer die Knechte.» Es ist Scham und Schande für Schwedens Ruhm, daß der Geldsack regiert unsre Rechte. ES ist Schande, im Winkel zu hocken dafür und andern zu weih» unsre Taten, anstatt zu kehren vor eigener Tür und uns nicht selbst zu verraten. Wir wollen vom Herzen nicht trennen das Haupt; dem Volke die Einheit und Klarheit, wir wollen sie haben, die uns geraubt, «nd was wir wollen, wird Wahrheit. (Hört! hört! rechts.) Ich glaube also, seine Entlastung war gerecht- fertigt.(Beifall rechts.) Eine Verfügung der Feldzeugmeisterei, nach der beabsichtigt sein soll, Arbeiterorganisationen aufzulösen, ist mir nicht bekannt. Abg. Panli-Potsdam(kons.): Auch ich bin der Meinung, daß man die Arbcitervcrtretungen hören und ihre Wünsche nach Mög- lichkeit berücksichtigen sollte. ES ist aber für die Arbeiter schwierige die„zuständige Instanz" herauszufinden. Ms ich einmal Wünsche eines Arbeitervereins vortrug, da wurde auch ich an die„zuständige Instanz" gewiesen, bekam aber nicht heraus, welche Instanz das sei.(Heiterkeit.) Die Lohnordnung ist so unverständlich und verwickelt, daß niemand daraus klug wird.(Redner legt ein Exemplar einer solckien Lohnordnung auf den Tisch des HauseL nieder. Abgeordnete aller Parteien studieren kopfschüttelnd das grüne Heft.) Die Löhne in den Spandauer Militärwerkstätten stehen weit unter den Löhnen der Firma Ludwig Löwe.(HörtI hörtl) Gelernt« Arbeiter be- ziehen pro Tag 69 Pf. weniger als die Spandauer Straßenkehrer! (Hört! hört! b. d. Soz.— Bon den Parteigenossen deS Redners sind kaum 2— 3 Abgeordnete anwesend, von denen einer zuzuhören scheint.) 69 Pf. weniger, das ist doch keine Kleinigkeit für einen einfachen Mann, namentlich wenn er Frau»nd Kinder hat.(Sehr wahr! b. d. Soz. Herr v. Normann scheint nun auch nicht mehr zuzuhören.) Die Wohnungsverhältnisse der Spandauer Werk- stättcnarbeiter sind auch sehr schlecht.(Herr v. Normann ver- lässl den Saal; dafür erscheint Abg. GanS Edler zu Putlitz im Saale.) Redner trägt die Wünsche verschiedener Kategorien der Wcrtstätienarbeiter vor.»Abg. Gans Edler zu Putlitz unterhält sich mit dem Abg. Frhrn. v. Gamp.) Dcn Werkzeug- machern hat man Lohnerhöhungen, die man ihnen mit Müh und Rot bewilligt hatte, wieder weggenommen. DaS muß böfeS Blut machen.(Sehr wahr! b. d. Soz.— Abg. v. Nor mann kehrt in den Saal zurück und formiert mit Edler zu Putlitz usw. eine plaudernde Gruppe.— Abg. Dietrich steckt den Kopf zur Tür hinein, um ihn schleunigst wieder zurückzuziehen.) Auf das strengste verbietet man den Büchsenmachern, ihren kärglichen Lohn durch Brivatarbeit etwas aufzubessern. Bei Stabsärzten und Militär- ärzten ist man nicht so ängstlich.(Sehr wahr! b. d. Soz.) Die Heeresverwaltung sollte für Besserung der Verhältnisse sorgen. (Bravo! auf der Rechten, die inzwischen auf ein Dutzend Abgeordnete angewachsen ist.) Abg. Dr. Gircke(natl.): Die Betriebsleiter der militä- rifchen Betrieb- bitten um Gewährung eines s i e aus» zeichnenden Titels! Bezüglich der von Herrn Böhle vor» gebrachten Entlassungen freue ich mich, daß die Militärverwaltung die Dinge ganz ander? dargestellt hat.(Sehr richtig 1 bei den Nationalliberalen.) Als vorhin bei der Nennung des Lohnsatzes von 3 Ml Hörtl hört! gerufen wurde, rief Herr Fischer: Würden S i e dafür arbeiten? Ich frage Herrn Fischer, ob er arbeiten würde zu dem Satze, den er im„Vorwärts betriebe den Buchdruckern zahlt? Bei den bekannten Zuständen im„Vorwärts" hatte Herr Fischer am tvenigsten Veranlassung zu dem Zwischenruf.(Abg. Schövflin sSoz.): ReichSverba»dslügen!> Nein, das sagte Herr Rexhäuser, und daS sagte der ArbeiterauSschuss der Blichdrucker im „Vorwärts".(Zuruf bei den Sozialdemokraten: Was wurde ihnen bezahlt?) Jedenfalls zu wenig, denn die Leute haben sich be» schwert.(Zuruf bei den Sozialdemokraten: Ausdrücklich hat in der Erklärung des ArbciterauSfchusseS gestanden, dah mehr bezahlt wird als in bürgerlichen Betrieben!) ES kommt nur'darauf an, daß die Arbeiter Beschwerde geführt haben. Auch in den sozial- demokratffchen Konsumvereinen sind die sozialdemokratischen Forderungen nicht erfüllt. Die Herren haben also keine Ursache zn solchen Zwischenrufen.(Ironisches Sehr richtig! bei den Sozial. Demokraten.) Abg. Mommsen(frs. Vg.): Herr Görcke sagte, die Arbeiter deS„Vorwärts" haben sich doch beschwert, also sind ihre Löhne zn niedrig. Nach dieser Logik sind die Löhne in den militärischen Be» trieben überall zu niedrig, denn hier beschweren sich die Ar- beiter beständige»nd wir sollten wirklich diesen Verhältnissen nähertreten, denn tatsächlich haben in diesen Betrieben seit 1992 bezw. seit 1994 Lohnaufbesserungen nicht stattgefunden. Die von Herrn Böhle hier niedergelegte Arbeitsordnung ist in der Tat so kompliziert, dah wirklich die Militärverwaltung eine klare und einfache neue Arbeitsordnung schaffen sollte., Abg. Sommer(frs. Vp.): In der„Familie", die nach den Ausführungen de» KriegSministerS alle Offiziere bilden, gibt c» Theater. Deutsches Theater: CristinaS Heimreise. Komödie von Hugo von H o f m a n n s t h a l. Der Beifall, der anfangs stark war, hatte zum Schlüsse mit energischem Zischen zu kämpfen. Und auch die Applaudiererrden werden ein Gefühl der Enttäuschung, ja einer gewissen Düpiertheit am Ende schwerlich haben unterdrücken können. Dem feinsinnigen Sprach» und StimmungSkünstler scheint jene Einheit schafsende Konzentra- tionskraft, die zur Scböpfung grösserer dramatischer Gebilde er- heischt ist, nicht erreichbar. So schloß er sich in seinen früheren Versuchen, in„Elektro" und im„Geretteten Venedig" aufs engste gegebenen Vorbildern an. Freier bewegte er sich in seinem„Oedi- pus". Und in„CristinaS Heimreise", wo er eine selbst erfundene Fabel zugrunde legt, ahmt er die unentwickelte Technik des älteren englischen 5?omödienstils nach. So vielerlei äußerlich vorgeht, so langsam rückt doch die EntWickelung von der Stelle, so dunkel bleibt es in den ersten Aufzügen, worauf der Dichter eigentlich hinaus will. Und dann, als er nun endlich an den Angelpunkt gelangt, der einer psychologifch-Iustspielmässigen Be» Handlung wert gewesen wäre, zieht er sich mit ein paar altbackenen trivialen Winkelzügen aus der Affäre. Im ersten Teil sieht eS so aus, als solle die Bekehrung eines liederlich-liebenSwürdigen Tunichtgut durch ein Abenteuer, das aus dem Rahmen der ihm sonst geläufigen herausfällt, den Inhalt der Komödie bilden. Dieser entzündliche Jüngling Florindo, der Ab- gott der Venezianer Edelfräulein und Dirnen, prellt. auS den Armen eines leichten Dämchens kommend, seinen ebenfalls auf Ab» wegen wandelnden Freund, den braven Schiffskapitän Tomaso, be» eistert sich dann aber am nächsten Morgen am Anblicke der ländlich «nen Cristina, die mit dem priesterlichen Oheim zum Bauern- rfe heim will. Seine Blicke fesseln das Mädchen mit magischer Gewalt. Sie hat kein Hehl, wie sehr er ihr gefällt, und daß sie ihm in ihrer Einfalt eine Heirat ansinnt, entzückt ihn vollends. Der Komödiant berauscht sich an dem eigenen Spiel. Jeder Augenblick der Trennung wäre unausdenkbares Elend; er springt ihr in die Barke nach. Die Szenen im Gasthof, wie der Bezauberte der Königin seine? Herzens ein glänzendes Festmahl bereitet, wie sie triumphierend glücklich sich ihm als künftigen Gatten hingibt, sind die gelungensten deS Stücks. Der Abenteurer gewinnt hier individueller bestimmte Züge, und in der Sprache spürt man den Pulsschlag Hofmannsthal- scher Poesie. M o i s s i spielte diese scheinbare Umwandlung deS egoistischen Genutzmenschcn so virtuos, daß man an ihre Realität und Dauer hätte glauben können. Indes der Dichter spinnt den Faden nicht weiter. Florindo scheidet; er empfiehlt die Braut dem wackeren Kapitän zur Obhut und vergißt sie in der Gesellschaft einer jungen Adeligen. Sie aber nimmt den angejahrten, zuver- lässigen Seebären, der im stillen lange für sie glühte, zum Manne. Der seelische Prozeß, der eine solche Wendung hätte Herbeiführen können: daS allmähliche Wiedererwachen CristinaS auS phanta- stischer Bezauberung zur angeborenen bäuerlich prosaischen Ver- nünftigkeit und simplen Weltlust— dieses so reiche Ausbeute ver- .heißende Thema wurde nur tn alleroberflächlichster Weise berührt. Billige Surrogate mußten dafür herhalten. Auch die Versuche, durch die Figur eines nur halbgezähmten Malahen etwas Posscnkomik zur Belebung des Schlusses herbeizuschaffen, schlugen fehl. Ueberhaupt wirkte dieser Wilde, den Herr S ch i l d k r a u t grell grotesk charakterisierte, mit seinen ewigen Wiederholungen derselben kleinen Scherze peinlich humorlos; es befremdete, wie HoffnannSthals er» lefencr Geschmack zu solchen Lückenbüßern hatte greifen können- Inszenierung und Aufführung waren vortrefflich. Ebenbürtig stand neben M o i s f i S bestrickendem Florindo Else HeimS naturwüchsig einfache Cristina. In den Nebenrollen hatte außer Schtldkcaut Viktor Arnold, als grober Gastwirt, einen Heiterkeitserfolg. «it.. Trianou-Theater:»Theodore n. Cie.", Schwank von D. A r m o n t und N. N a n c e y. In der Berliner Theaterlotterie werden diese Saison lauter Nieten gezogen; nur da» Trianon- Theater hat Glück, ihm ist ei» Treffer zugefallen. Der neue Schwank, dessen angeblich franzöfische Autoren hier ganz unbekannt sind, ist ausgelassen lustig und unterhaltsam bis zum Schluß. Freilich das Genre und die Voraussetzungen muß man zu- gestehen, aber dann wickelt sich alles folgerichtig ab. Zu den Voraussetzungen gehören außer den üblichen Un- wahrscheinlichkeilen allerdings auch starke Anleihen bei gut eingeführten älteren Firmen. Der Reiz deS Stücke» besieht nicht zum wenigsten darin, dah die Autoren sich selber dramatisiert haben. All« die Verwickelungen besorgen Theodore u. Cie., um sie nachher für gutes Geld und mit lustigen Effekten wieder aufzulösen. Theodore ist der Neffe eine« Senators, der auf eine standesgemäße Weise daS nötige Kleingeld verdienen muß. Er lebt von den Tricks, die er mit seinem Gehilfen, dem Verkleidungs- küiistler Clodomir, ausführt. Frau Chcnerol gerät in Verdacht, mit Malvoisier in Beziehungen zu stehen. Ihr Liebhaber verliert nzmlich in ihre« Gatten Haufe ihre Photographien. Durch die Schuld Theodore». Aber Theodore weiß Hilfe. Er redet dem eifersüchtigen Chenerol vor, die Photographie stamme von einer Chansonette Gavi PriittempS, die seiner Frau merkwürdig ähnlich sei. Der ganze zweite Akt dient dazu, Chenerol davon zu über- zeugen, daß die Chansonette existiert und wirklich seiner Frau ähnlich ist. Der an Ucberraschungen und Zwischenfällen überaus reiche Akt spielt in der Wohnung dcS Senator«, die für dt« der Chansonette ausgegeben wird— und die Chansonette wird von— Frau Chenerol selber gespielt. Mit Hilfe deS beliebten HaustelephonS wird Chenerol mit feiner Frau in Verbindung gebracht und zum Schluß von ihr (die sich inzwischen umkostüiniert hat) überrascht. Chenerol hat sich in die Cbanfoiielte verliebt und das Spiel muß weiter gehen. Er will sie im Barietö, wo sie angeblich engagiert ist. singen hören und so spielt da« Bersteckspiel im dritte» Akt weiter, wo Chenerol seine eigene Frau als Chansonette auftreten sieht und schließlich mit ihr soupieren eht, nachdem er seinen Nebenbuhler beseitigt und ihre Mutter(es j't Clodomir in neuer Verkleidung) mit 3999 Frank gewonnen hat. Die Firma Theodore u. Cie., die alles inszeniert und aufs beste besorgt, macht ein Bombengeschäft dabei, denn Gatt« und Liebhaber werden um die Wette gerupft. Und wen» diese Stücke länger als 2'/, Stunden dauern dürften, könnte» es noch mehr Akte. Theodore u. Cie. machen alle».... ftcEen verhätschelten KinLern auch Stiefkinder. Las sinö z. V. die Feuerwerks- und Zeugoffiziere; dieser Kategorien sollte sich die Militärverwaltung mehr annehmen. Oberst Wandel bestreitet, dag die Feuerwerks- und Zeug- offiziere Grund zur Klage haben. Abg. Dr. Potthofs(frs. Vg.) bestreitet, baß die Feuer- Werksoffiziere keinen Grund zur Klage haben. Abg. Dr. Beckcr-Köln(Z.): Die Militärarbeiter in Siegburg sind nicht in derselben Weise ausgebessert worden wie die in den anderen Neichsbetrieben; ihren Wunsch nach Aufbesserung muß ich als berechtigt anerkennen, und empfehle ihn für das nächste Jahr zur Berücksichtigung. Abg. Zubcil sSoz.): Daß Herr Görckc den Zwischenruf meines Parteigenossen Fischer zu einer Anrempelung des„Vorwärts"bstriebes benutzen würde, und zwar mit längst widerlegtem Material des Reichsver- bandes, wundert Uns nicht; von Zeit zu Zeit mutz er seinem Hätz gegen die Sozialdemokratie in irgendeiner Weise Luft machen. Da- bei müßte ihm bekannt sein, daß auch im Organ Rexhäusers be- kannt gemacht werden mutzte, daß die Arbeitsverhältnisse und Ar- beitsbedingungen im„Vorwärts" selbstverständlich günstiger sind als in den bürgerlichen Betrieben. Boten und Packer erhalten, wenn sie 16 Jahre alt sind, 18 M. und steigen bis zum 25. Jahre bis zu 26 M., und von da an erhalten sie 28 M. pro Woche. Die Hilfs- arbciter bei Nacht erhalten 31 M. und steigen in 5 Jahren bis auf 35 M.. die Hilfsarbeiter bei Tage fangen mit 27 M. an, während der Tariflohn 25 DZ. beträgt. Das sind die Löhne für die un- gelernten Arbeiter, Herr Görcke! Ueber die Löhne der Buch- drucker und des Maschinenpersonals brauche ich nichts zu sagen, denn hier bestehen die von der Organisation festgesetzten Tarife. Uebrigens sind auch diese Löhne erheblich besser als in anderen Privatbetriehen.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Dasselbe trifft für die Konsumvereine zu. Sozial- demokratische Konsumvereine gibt es nicht, Herr Görcke I Aber die von den Koniumvereinen der Arbeiter gezahlten Löhne und Gehälter find weit höher als in den gleichartigen Betrieben der bürgerlichen Gesellschaft.(Sehr richtig I bei den Sozial- demokratcn.) Den Behörden, auch dem Kriegsministerium, ist es in e i n e r Beziehung ganz gleichgültig, welckien Organisationen die Arbeiter angehören: sobald sie Wünsche äußern, fliegen sie hinaus, gleich- gültig, ob sie einer freien oder einer christlichen Gewerlschaft an- gehören! Geduldet werden lediglich Vereine, die sich nur mit Vergnügungen und Hurrarufen beschäftigen.(Sehr wahr I bei den Sozialdemokraten.) Ebenso verhält es sich mit den ArbeiterauSschüssen; sie sind erst auf Drängen des Reichstages eingerichtet, aber talsächlich stehen sie nur auf dem Papier und haben gar keinen Einfluß. AuS der Lohnordnung, die mein Freund Böhle hier niedergelegt hat, kann niemand klug Werdens das haben die Kollegen, die Ein- ficht genomnien haben, zugeben müssen. Ich halte das für Absicht. der Arbeiter sollte eben nicht wissen, zu welcher Klasse er gehört und welche Forderungen er zu stellen hat. Einst hieß es: Die Staatsbetriebe sollen Musterbetriebe sein. Die Militärwerkstätten können wahrhaftig nicht der Privatindustrie als Muster dienen.(Sehr Wahr I bei den Sozialdemokraten.) Ich möchte noch einmal auf die Lage der Pulverarbeiter zurückkommen, deren Erwartungen wieder einmal schwer enttäuscht worden sind. Die Pulverarbeiter müssen einen sehr umständlichen Eid leisten, in welchem sie sich namentlich zu strengster Geheim- Haltung der Fabrikationsmetboden usw. verpflichten. Die Pulver- arbeiler beziehen Monatsgehalt sin der Höhe von 126 Mark). keinen Wochenlohn, sie sind in keiner Krankenkasse, sondern etwaige Heilkosten übernimmt die Verwaltung. Das sind alles' Merkmale der Beamtenqnalilät, und bis 1397 galten die Pulvermacher in der Tat nicht als Arbeiter, sondern als Beamte mit Pensionsansprüchen. Da aber erschien plötzlich eine Verfügung deS Krtegsministeriums, die die Vorschriften umänderte. Die Ver- fügung wurde vom Hauptmann Schulz den Pulverarbeitern mit- geteilt, nicht etwa vorgelesen.(Hört! hört! bei den Sozial- demokraten.) Die Pulverarbeiter verweigerten die Unterschrift und gaben sie erst aus die Versicherung bezw. auf das Ehrenwort des Hauptmanns Sckulz, daß es sich um keine Aenderung der Pensions- Verhältnisse handele. Selten sind Leute so getäuscht worden wie die Pulverarbeiter durch das Ehrenwort eines königlich preußischen Hauptmanns.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Es ist festgestellt, gerichtlich festgestellt, daß die Arbeiter die Ver- ordnung nicht gelesen, sondern ihre Unterschrift auf einem weißen Blatt Papier gegeben haben I(Lebhaftes Hört I hört I) Die Leichtgläubigkeit, mit der sich die Pnlverarbeiter auf das Ehrenwort eines preußischen Hauptmanns verlassen haben, hat sich schwer an ihnen gerächt. Nach dreißigjähriger treuer Dienstzeit wurde der Pulver- arbeiler Voß auf eine Monatsrente von sage und schreibe 42 M. gesetzt. (Hört! hört!) Sein letztes Gehalt betrug zirka 1566 M. und er hätte, wenn noch die alten Verwallungsvorschristen gelten würden, auf etwa Daß alles so gut einschlug, war vor allem daS Verdienst von Frl. Else Böttcher, die die Chansonette keck und voller aus- gelasiener Verve spielte. Urkomisch war Fritz Beckmann als ver- wandlungsfähiger Clodomir. Den gefoppten Ehemann gestaltete Hans Juntermann sehr charakteristisch. Die amüsante Posie hat dann dem flotten Spiel einen außerordentlichen Erfolg gebracht. — r. Humor und Satire. TerroriSmuS. „Abhängig ist der Mann, der heimlich wählt; sein Geist setzt seinem Willen hohe Schranken er wird noch in dem Wahlklosett gequält vom krassen Terrorismus der Gedanken. Da flüstert'S in ihm: Denk' an die Partek, der du dein ganzes Leben zugeschworen I—- und siehe da. von jeder Freiheit frei, hat er den Kandidaten sich erkoren, den er sich selbst von vornherein bestimmt. Und da die Stimmen man zusammenzählte, liest er das Resultat und ruft ergrimmt: „Verflucht! gewählt ist jener, den ich wähltet O welch ein schamlos frecher Terrorist— wenn ich den Fall so recht bei mir betrachte— doch das Gehirn geheimer Wähler ist! Und wje ich drum die Heimlichkeit verachte!' So, meine Herrn, erkennen wir es klar. daß die geheime Wahl ein größ'reS Uebek, als je die alleröffentlichste war. Nicht wahr, ich bin als Philosoph nicht Übel?' Die Jesuiten schmiß man einstenS'ran», man glaubte wohl, sie seien zu entbehren: der deutsche Kanzler läßt im hohen HauS die dümmsten ihrer Kniffe selber hören. _ Franz. Notizen. — Borträge. Im Institut für Meereskunde spricht DienStag. den 15., Professor A. Grund über die klimatischen Kurorte des MittelmeercS, am Mittwoch, den 16., Herr Dr. Wenke lunter Borführung von Demonstrationen und Lichtbildern) über Vögel und Säugetiere an den deutschen Küsten. — Der Südpolforscher Charcot ist in Buenos Aires(Argentinien) eingetroffen. Er hat den Pol zwar nicht erreicht, ist aber über die Ergebnisse seiner Expedition sehr be- friedigt. Der Gesundheitszustand der Teilnehmer an der Expedition ist gut. 75 M. Monatspension Anspruch. Der Mann war also durch die um- geänderten Verwaltungsvorschriften um einen Teil seiner durch lang- jährige Dienste erworbenen Ansprüche gebracht worden. So würden den Arbeitern die Augen geöffnet über den Wert feierlicher Zusagen der Mililärbchörden! So lange sie noch ihre gesunden Knochen haben, wird ihnen die volle Pensionsberechtigung vorgespiegelt; wenn sie sich zugrunde geschunden haben, dann bringt man sie um ihre Ansprüche. Ich möchte wissen, ob das Kriegsministerium das Recht hat, durch einfache Verfügung eine Kabiuellsorder zuungunsten der Arbeiter zu ändern. Ich möchte weiter fragen, wie man dazu kommt, die vom Reichstag den Pulverarbeitcrn für Anschaffung von Milch usw. bewilligte Gesundheilszulage als persönliche Zulage zu behandeln und bei Stellerveranlagungen usw. in An- rechnung zu bringe»?(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Möge das Kriegsministerium dafür sorgen, daß die Miliiärwerlställen wirklich zu Musteranstallen werden I(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Vizepräsident Dr. Spahn: Herr Abgeordneter, Sie haben ge- sagt, daß die Pnlveraibeiter dnrch einen preußischen Hauptmann getäuscht worden sind.(Abg. Zulicil: Gewiß!) Ich nehme an, daß Sie die Täuschung nur als subjektiv hingestellt haben. Abg. Hagemann(natl.): Die Verhältnisse der Arbeiter in der Waffenfabrik in Suhl sind sehr verbesserungsbedürftig. Die Militärverwaltung sollte durch Vergebung von Lieferungen nach Suhl eine zufriedene Arbeiterichaft schaffen; eine solche ist in hohem Maße staatserhallend. Abg. Böhle(Soz.): Die Beschwerde deS Arbeiters Stein gegen den Leutnant Rönneberg wegen verspäteter Lohnzahlung war nicht falsch sondern berechtigt. Ueberhaupt sollte die Militärverwaltung die Lohn- zahlung innerhalb der Arbeitszeit vornehmen, wie es in vielen Privatbetrieben gesckiicht. Die Beschiverde von Arbeitern gegen Stein rührte von solchen Leuten her, die gerade an den unhaltbaren Zuständen schuld waren, gegen welche Stein sich wandte. Bei der Untersuchung gegen Stein verlangte Stein, den Zeugen gegenüber- gestellt zu werden. Das ist nicht geschehen.(Mit der Hand auf den Tisch schlagend:) Kann man da von einer gerechten Untersuchung sprechen?(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Auch im Fall König soll ich Unrecht gehabt haben. Wir wissen ja, wie diese Art Untersuchungen geführt iverden.(Sehr richtig I bei den Soz.) Ich will jetzt nicht darauf eingehen, nur das will ich bemerken, daß ich dem Knegsministmum schriftlich eine Anzahl Zeugen genannt habe; diese sind aber nicht vernommen worden.(Hört! hört I bei den Sozialdemokraten.) Herr Goeicke hätte besser getan, zu schweigen, als den„Vor- wärts" anzurempeln. Von der nationallideralen Partei wird ja nie- mand eine Vertretung der Arbeiterinteressen erwarten.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Oberst Wandel: Die Ausführungen des Abg. Zubeil gründen sich auf einseilige Angabe» der Pulverarbeiter, einer aussterbenden Klasse, die keineswegs schlecht steht. Mit ihrer Subsumierung unter die Untcrstützungseinrichtungen der übrigen Arbeiter haben sie sich 1897 bei der Scbaffung dieser Einrichtungen ausdrücklich ein- verstanden erklärt. Einige waren nachher damit nicht zufrieden und haben den Fkckus verklagt, sind aber in allen Jnstauzen bis zum Reichsgericht abgewiesen worden. Abg. Stadthagru(Soz.)(von der Rechten mit Unruhe empfangen): Die Ausführungen des Herrn Goercke haben doch nur einen Sinn, wenn er wünscht, daß die Verhältnisse in den Militärwerk- slätten nicht schlechter sein sollen als in sozialdemokratischen Be- trieben. Er mußte aber wissen, daß die Verhältnisse im„Vorwärts" besser sind als in den bürgerlichen Geschäften gleicher Art. Er hat ja aber auf seine Fahne geschrieben: Kampf gegen die Sozial- demolratie I(Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.) Ich habe gegen solchen Kämpfer nichts(Erneute Heiterkeit.) und auch nichts dagegen, wenn er den Unrat zu beleuchten sucht, der sicd etwa in einem sozialdemokratischen Betriebe angehäuft hat. Dringend aber möchte ich ihn bitten, daß er nicht selbst erst Unral dorthin bringt.(Große Heilerkeit.) Das aber hat er getan. Im „Vorwärts" ist eine effektiv achtstündige Arbeitszeit durchgeführt. Wer ein Jahr im„Vorwärts" beschäftigt ist. hat eine Woche Urlaub uiiter Fortzahlung des Lohnes. Die Beiträge zur Jnvalioen- Versicherung zahlt der Verlag— auch etwas, was von der Militär- Verwaltung nicht geschieht. Die Differenz zwischen einer Unfall- entschädigung und dem Lohn trägt das Geschäft. Es ist mir nach alledem unerfindlich, wie Herr Goercke sagen konnte, wir sollten zunächst für bessere Bedingungen im„Vorwärts" sorgen. Sorgen Sie doch zunächst dafür, daß diese Bedingungen aus die Militärwerkstätten übertragen werden I Herr Goercke sagt, die Arbeiter beschweren sich, das habe nn„Vorwärts" selbst gestanden. Er bätte nur das Ganze durckilesen sollen. Bei der Gründung der„Vor- wärts"-Dnlckerei wurde ausgesprochen, daß sie der Partei dienst- bar gemacht werden sollte, wobei aber selbstverständlich� die Arbeiter bessere Bedingungen haben sollten als in Privatbetrieben. Auch die Arbeiter, die sich beschwert haben, haben das für selbstverständlich gehalten. Vizepräsident Dr. Spahn: Solche weitergehenden Erörterungen über die Arbeitsverhältnisse im„Vorwärts" haben mit dem Mtlllär» etat nichts zu tun. Abg. Stadthagen(Soz.): Nicht ich, sondern Herr Goercke er- klärte bei dieser Gelegenheit: wenn wir bessere Verhältnisse in den Militärwerkstätten haben wollten, sollten wir zunächst im„Vor- wärts" für bessere Verhältnisse sorgen. Vizepräsident Dr. Spahn: Ich habe Ihnen ausreichende Ge- legenheit zur Zurückweisung dieser Ausführung gegeben, aber frühere Beschlüsse über die Arbeitsverhältnisse im„Vorwärts" haben nichts damit zu mn. Abg. Stadthagen(Soz.): Ich werde also nur das Tatsächliche darstellen. Die Lohn- und Arbeitsverhältnisse insgesamt sind im„Vorwärts" anerkannterweise die besten von allen, die Militärverwaltung möge also die Freundlicbkeit haben, derartige Lohn- und Arbeitsverhältnisse bei sich einzuführen. Wenn sie das aucb nur annähernd erreicht, so wird für die Arbeiter etwas Gutes geschaffen sein.(Lebhafte Zustimmung bei de» Sozialdemokraten.) Abg. Dr. Goercke(natl.): Meine Zurückweisung des Fischerschen Zwischenrufes scheint doch sehr tief geiesjen zu haben.(Große Heiler- keit bei den Sozialdemokraten.) Herr Zubeil sprach von meinem Haß gegen die Sozialdemokratie. Wir bekämpfen sie nicht aus Haß. sondern aus einem ganz anderen Grunde.(Zurus bel den Sozialdemokraten: AuS Liebe! Große Heiterkeit.) Vizepräsident Dr. Spahn: Diese Ausführungen über Ihre Gesinnungen haben mit der Sache nichts zu tun.(Heiterkeit.) Abg. Goercke(fortfahrend): Ich kann das also jetzt nicht weiter ausführen.(Große Heiterkeit.) Ich habe lediglich Herrn Fiicher gefragt, ob er feine Arbeitskraft zu derselben Eiilichädigima hergeben würde, die die ungelernten Arbeiter im„Vorwärts" bekommen. (Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.) Sie werden doch auch nicht bestreiten wollen, daß gerade Herr Fischer dort Schwierigkeiten gehabt hat, die wochenlang gedauert haben. Daran hindert auch nichts, wenn_ die Leute später sagten: eS ist alles gut. Wie solche Erklärungen zustande kommen, können wir nicht wifsin. (Aha! bei den Sozialdemokraten.) Von den Löhnen im„Vorwärts" habe ich nicht gesprochen; wenn sie so glänzend sind, wie Herr Stadt- Hägen darstellte, so ist das für die Betreffenden erfreulich, und noch erfreulicher wäre es. wenn wir diese Löhne überall einführen könnten. Abg. Fischer-Berlin(Soz.): Wenn Herr Goercke nicht? anderes hätte wollen, als mich fragen, ob ich zu dem Lohn der ungelentten Arbeiter im„Vorwärts" arbeiten will, so hätte die Gegenfrage genügt, ob er dazu bereit ist.(Lebhaftes Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Ich schätze meine Arbeitskraft mindestens so hoch ein wie er die seine. Aber aus welchem Anlaß hat er die Frage an mich gerichtet? Vom Kriegsministerium wurden Löhne verlesen, und bei dem Lohn von 3 M. für gelernte Arbeiter rief man rechts und von den Nationalliberalen: Hört! hört! und da haben wir gerufen: Jawohl, Hört! hört! 3 M. für gelernte Arbeiter! Und da glaubte Herr Goercke die alte Reichsverbandslüge vorbringen zu sollen von den schlechten Löhnen und den Mißständen im»Vorwärts". Damit hat er sich zum Träger von Verleumdungen gemacht.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten, Unruhe bei den Natftmalliberalen.) Oder er ist das Opfer solcher� Verleum- düngen geworden. Es gibt keinen Betrieb gleicher Art in Berlin, in welchem Arbeitsverbällnisse bestehen als im„Vorwärts", sowohl in bezug auf den Lohn als auf die allgemeinen Arbeitsverhältnisse. Alle im Geschäft Tätigen haben eine Ferienzeit; wer 9 Monate tätig war hat 6 Tage, wer 4 Jahre tätig war 9 Tage. Die Zeitungsictzer haben 14 Tage Ferien unter Fortzahlung des Lohnes. Dem§ 616 des Bürgerlichen Gesetzbuches ist weit über den Tarif hinaus Rechnung getragen. In Krankheitsfällen wird die Dtfferenz'zmischen dem Krankengeid und dem Lohn vom Geschäft bis aus die Dauer von sechs Wochen bezahlt. Datz an einen sozialdemokratischen Betrieb die Arbeiter höhere Anforderungen stellen als an einen bürgerlichen Betrieb, daS ist ja selbstverständlich, namentlich wenn Sie bedenken, datz niemand, der dort eingestellt wird, nach seinem politischen Glaubensbekenntnis gefragt wird; wir beziehen die Leute nach der Ordnung ihrer Meldung vom Arbeitsnachweis und fragen niclit nach ihrer politischen, sondern lediglich nach ihrer gewerk schast- lichen Zugehörigkeit. Datz unter solchen Umständen zuweilen auch Forderungen gestellt werden, die beim besten Willen nicht durchgeführt werden können, das ist um so weniger verwunderlich, als die Leute in der ausnahmsweise günstigen Position sind, alles sagen zu können, was sie auf dem Herzen haben. Fragen Sie doch die Beamten, wie es bei ihnen damit steht l(Lebhafte Zuslimmung bei den Sozialdemokraten.) Vizepräsident Dr. Spahn: Ich bitte Sie, nicht Ausführungen allgemeiner Art über die Verhältnisse im„Vorwärts" zu machen. Abg. Fischer-Berlin: Ich darf aber konstatieren, daß die Er- klärungen. die vom Personal abgegeben sind, selbstverständlich ab- gegeben sind unter völliger Diskuisionsfreihcit im„Vonvärts" selbst. Suchen Sie einen bürgerlichen Betrieb, in dem daS möglich ist!(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokralen.) Herr Görcke sagte, man wisse nicht, wie solche Erklärungen zu- stände kommen. Sie kommen zustande, indem das Personal zu- saminentritt, ohne Anwesenheit des Cbefs und der Geschäftsleitnng. Vielleicht interessiert es Herrn Goercke. noch zu hören...(Glocke des Präsidenten.) Ich will als Beweis für Herrn Goercke eine solche Erklärung vorlesen. Vizepräsident Dr. Spahn: Ihre Darstellung genügt bereit» für uns alle. Abg. Fischer- Berlin: Ich bin dem Präsidenten gegenüber wehrlos. Herr Goercke sagte veiter, der Streit über die Mißstände im „Vorwärts" sei wochenlang gegangen. Ich erkläre, daß hier von keinem Mißstand die Rede ist, weil die vorteilhaslen Zustände, unter denen solche Erklärungen zustande kommen, in keinem anderen Ge- ichäfte vorhanden sind.(Lebhaste Zustimmung bei den Sozialdemo« kraten.) Auf die Frage, ob ich meine Arbeitskrast zu dem Lohn der un» gelernten Arbeiter zur Verfügung stelle, bemerke ich noch, daß ich das nicht nötig habe, daß aber im„Vorwärts" keiner eingestellt wird, der nicht einen höheren Lohn bekommt als den tarifmäßigen. Wir haben keinen Zeitungssetzer, der unter 3066 Mark im Jahre ver- dient, und wir haben Leute, die in den sieben Jahren seitdem das Geschäft besteht, 25 bis 36 Prozent Zulage bekommen haben, und zwar nicdt unter dem Zwange des Tarifs. Vizepräsident Dr. Spahn: Diese Ausführungen gehören wirMch nicht mehr zum Militäretat. Abg. Fischer: Vielleicht gibt einer der Herren mir Gelegenheft. durch Angriffe aus den„Vorwärts" diese Dinge noch einmal im einzelnen darzulegen. Für jetzt kann ich nur wiederholen: Alle Be- hauptungen über die Mißstände und die niedrigen Löhne im„Vor- wärts" sind Verleumdungen, die von einer Stelle ausgehen, der vor Gericht vom Vorsitzenden entgegengehalten werden mutzte, daß jeder anständige Mensch Beschuldigungen zurück- nehme, von deren Unrichtigkeit er sich überzeugt Hube. Jene Stelle war Herr Rexhäuser vom„Korrespondent".(Lebhaftes Bravo! vei den Sozialdemokraten.) Abg. Goercke(natl.): Die Alißführungen Fischer» zeigen, datz sein § wischenruf in der Tat unangebracht war.(Große Heilerleft bei den ozialdemokraten und Zurufe: Gerade daS Gegenteil I) Das Kapitel wird bewilligt. Beim Kapitel„Festungen, Ingenieur», Pionier» und Verkehrswesen" rügt Abg. Böhle(Soz.) die Kleinlichkeit, mit der der MlitärfiSkuS völlig überflüssig gewordene Festungsanlagen aufrechterhält, die nur die Emwickelung der Städte verhindern, den Bewohnern Un- bequemlichkeiten lchaffen, den Steuerzahlern Geld kosten und militärisch von gar keinem Wert sind. Man spricht von Sparsam- keit und übt sie nickt.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Die Straßburger Stadtverwallung kann ein Lied von dem schikanösen Verhalten des Mililärfiskus singen. Hier wäre doch wirklich größere Liberalität angebracht.(Berfall bei den Sozial- demokraten.) Oberst Wandel bestreitet die Richtigkeit der vom Borredner er» hobenen Vorwürfe. Abg. Böhle(Soz.) hält seine Behauptungen aufrecht und belegt sie an neuen Beispielen. Abg. Starz(südd. Vp.) hebt, durch häufige Schlußrufe der Rechten unterbrochen, hervor, daß die gewohnheitsmäßige Benutzung des Automobils das Gefühl für die Leistungsfähigkeit von Menschen und Tieren bei den Offizieren abstmnpfe. Kricgsniinister v. Heeringen bestreitet daS. Die Diskussion> ch l i e ß t und das Kapital wird b e» willigt. Bei den„Einmaligen Ausgaben' hat die Kommisston die Forderung von 263 566 M. für den Neubau von Schießständen -ür den Standort Düsseldorf gestrichen. Ein konservativ-nalionalliberal-antisemiftscher Antrag fordert Wiederherstellung der Regierungsvorlage. Abg. Kirsch(Z.) bittet um die Auftechterballung des Kam- missionsbeschlusies und weist darauf hin, daß gegen die Anlage deS Schießplatzes auch viele lokale Bedenken erhoben worden sind. Abg. v. Byern(t) begründet den Antrag aus Wiederherstellung der gestrichenen Position. Kriegsminister v. Heeringen bittet ebenfalls dringend um Wieder» Herstellung der Position. Nach mehrfachen Bemerkungen des KriegSministerS und des Abg. Kirsch(Z.) schließt die Diskussion. Der Wieder» berstellungSantrag v. Byern wird mit den Stimmen der Rechten, der Nationalliberalen und der Freisinnigen angenommen. Beim Titel„Beihilfen für Gemeiuden" erklärt auf eine Anfrage des Abg. Becker- Köln(Z.) der Schntzsekrelär Mermuth: Ein diese Materie regelnder Entwurf befindet sich bereit» beim Bundesrat und wird aller Voraussicht nach in kurzem dem Haufe zugehen. Bei den„Einnahmen" beantragt die Kommisston eine Resolutton: daß beim Verkauf des Tempelhofer Feldes die öffentlichen Interessen in genügender Weife gewahrt werden (ollen. Diese Resolution wird ohne Debatte einstimmig angenommen. Der Rest des Etats wird ohne Debatte nach den Beschlüssen der Kommission angenommen. Vizepräsident Dr. Spahn: Der Etat ist damit erledigt und bei der vorgerückten Zeit kann ich dem Hause nicht mehr vorschlagen, zum nächsten Punkt der Tagesordnung überzugehen.(Allgemeine Zustimmung.) Kriegsminister v. Heeringen: Zu meiner Ueverraschung habe ich gestern in den Zeitungen und heute hier im Protokoll gelesen, daß der Abg. Ledebour mir beim Weggehen die Worte nachgerufen hat: Aach der kneift! Hätte ich sie gehört, so hätte ich sofort darauf erwidert und erklärt, warum ich nicht geantwortet habe. Ich halte es für nutzlos, mit Sozialdemo- kraten darüber zu streiten, was der Eid für die Armee bedeutet. Zwischen der Auffassung der Sozialdemokratie über die Stellung zur Armee und der der übrigen Parteien besteht ein Abgrund. Einen Beweis dafür hat der Abgeordnete Ledebour selbst geliefert, als er eine Allerhöchste Kabineltsorder vom Jahre 1795 verlas; er berücksichtigte dabei nicht, datz im August 1895 im..Reichs- anzeige!" erklärt ist, dag diese angebliche itabinettSorder schon im Jahre 1799 für eine Fälschung erklärt worden ist, die von der „Geraer Zeitung" ausging. Ich glaube, dag der Abgeordnete sich, wenn auch wohl unbewußt, zum Mithelfer dieser Fälschung ge- macht hat. mußte das aber zur Steuer der Wahrheit hervorheben. Wenn ich trotzdem aus die Frage des Abg. Ledebour noch eingehe, sodeshalb, weil mir hier aus dem Hause heraus Anfragen gestellt wurden, aus denen hervorging, daß ich in dem Bemühen, mich kurz zu fassen, mich so ausgedruckt habe, dag meine Worte anders gedeutet werden konnten als ich wünschte. Deshalb erkläre ich: Als ich am 29. Januar die gestern von Herrn Ledebour zitierten Worte sprach, schwebte mir ein Vergleich vor zwischen den Verfassungskämpfcn in Knrhesien und den inneren Wirren in Preußen in den 69 er Jahren. Daß ich das Beispiel von Hessen nur negativ herangezogen habe und es auch gestern so meinte, ist für jeden, der die Ver hältiusse kennt, klar. In Kurhessen war die Armee auf die Verfassung vereidigt, wurde daher in die innere» Kämpfe milhineingezogcn und löste sich vollständig aus. so daß sie bei der äußeren Gefahr vertagte. Anders ist es mit Preußen ge Wesen. In der SlonfliktSzcit blieb die Armee, die nicht aus die Ver fasiung,'andern aus den König vereidet war, unberührt von den politischen Kämpfen und. konnte sich daher lediglich ihrer Aufgabe der Verteidigung des Vaterlandes widmen.(Sehr gut I rechts.) Wie würde es ausgesehen haben, wenn die Armee in die Politik mithiiieingezogeii wäre? Ich glaube, die Schlagfertigkeit der Armee hätte darunter gelitten. Wenn beide Beispiele gegeneinander ge- halten werden, so ist wohl jedes weitere Wort überflüssig.(Lebhafter Beifall rechts.) Abg. Ledebour lSoz.): WaS die erste Bemerkung des Kriegsministers bezüglich der Kabincttsorder betrifft, so ist mir nicht bekannt, daß diese Publikation vom Jahre 1799 für eine Fälschung erklärt worden ist. Ich habe sie in gutem Glauben verlesen, und wenn sie eine Fälschung sein sollte, so kann ich nur bedauern, daß sie nicht so gelautet hat, wie sie veröffentlicht wurde, damit scheidet diese Sache aus der Debatte aus. Etwas anderes ist es mit dem Versuch des Kriegsminislers. seine gestrige Berufung aus Kur- Hessen zu rechtfertigen. Ich erinnere an icine ursprünglichen Worte. Er erkläne, daß die Tatsache, daß die Offiziere nicht auf die Ver- fasiung vereidigt seien, in viele» Schwierigkeiten des Vater- l a n d e s zum Segen gereicht haben. Noch allgemeinem Sprach« gebrauch konnte niemand annehmen, daß er damit etwas anderes meinte, alsfdas Vaterland D e u t s ch l a n d oder allenfalls Preußen. Ich habe gestern auch die Herren gefragt, ob irgendeiner von Ihnen dabei an Kurhessen gedacht hätte. Niemand gab das zu, das war erst eine nachträgliche Auslegung des Kriegsministers. Und da bedauere ich, daß der selige Ernst Moritz Arndt eS nicht erlebt hat, daß auf seine Frage„WaS ist des Deutschen Vaterland? der preußische jkriegsminister deS Jahres 1919 antwortet: Wenn ich von dem Vaierlande spreche, so meine ich Kurhessen.(Große Heiterkeit.) Er hat in seiner ersten Rede von„dem" Vaierlande ge- sprocken und nachträglich erklärt, dabei habe er an Kurhcssen gedacht. Wenn Ihnen das lächerlich vorkommt, so trifft dieses Lachen nur den Herrn Kriegsminister.(Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Der Kriegsminister sagt, er hätte diesen Vergleich mit Kurheffen selbstverständlich nur negativ gemeint. Nach dem Sinn meiner vorherigen Worte ist das unmöglich. Er hat ja ausdrücklich erklärt. daß es zum Segen gewesen wäre, daß die Offiziere nicht auf die Versaffung vereidigt waren. Gefragt, aus welches Beispiel er sich beziehe, sagte er: Auf Kurhessen. Darin liegt für jedermann, daß eS in Kurhessen für die dortigen Verhältnisse zum Segen gereicht hätte, daß die Offiziere nicht aus die Verfassung vereidigt waren.(Lärm und Widerspruch rechts. Sehr richtig I bei den Sozial- demokraten. Glocke des Präsidenten.) Vizepräsident Dr. Spahn: Wir haben ja die Erklärung des KrtegsministerS gehört, sie war doch verständlich und eS empfiehlt sich nicht, sie in Zweifel zu ziehen. Abg. Ledebour: 1 Dann hat also der Kriegsminister erklärt, es hätte Kurheffen /ficht zum Segen gereicht, daß die Offiziere auf die Verfaffung vereidigt waren. D»e Wirkung dieser Vorgänge wird in Webers Weltgeschichte zusammengesaßt.(Lachen rechts und bei den National- liberalen.) Der frühere nationalliberale Abg. ReichSgerichtsrat Bär hat sich ähnlich ausgesprochen. Also darin heißt es: „Hasienpfiug, der sich durch seine frühere unheilvolle Tätigkeit den allgemeinen Haß de? hessischen Volkes zugezogen, versolare standhast den Plan, die Regierungsgewalt in Hessen auf Kosten der Verfassung zu stärken. AIS der StändeauSschuß die Forterhebung der Steuern ohne seine Mitwirkung für gesetzwidrig erklärte und die Steuererheber und Staaisdiener, die sich aus Beobachtung und Aufrrchterdaltung der Verfassung eidlich verpflichtet hatten, auf« forderten, der Verordnung keine Folge zu geben, sislierlen die Steuer- und Finanzbeamien alle Steuernerhebungen und die Gerichte unter- ließen die Anwendung des StcmpelpapierS. Dieser einmütige Wider- stand vermochte jedoch den Widersland Hassenpflugs nicht zu beugen. Trotz der tiefen Ruhe, die sich in der Hauptstadt wie im ganzen Lande zu erkennen gab, erklärte eine Verordnung vom 7. Sept. 1851 sämtliche kurhessischen Lande in Kriegszustand, bestellte einen militärischen Oberbefehlshaber, der zugleich der verfassungsmäßigen Beraiitwonlichkeit enthoben war, ordnete eine �strenge Ueberwachung der Tagespresse an und unterwars alle Staatsbürger den militärischen Gesetzen und Gerichten." Um also gegen die Verfaffung zu operieren, wurde der Ober- besehlshaber der verfaffungsmäßigen Verantwortung entbunden. (Abg. Kreth: Das war ja schrecklich. Heiterkeit rechts.) Jeden- falls zeigt es. daß der Kriegsminister doch nicht über die Verhältnisse unterrichtet war, über die er sprach. Dann geht es weiter: „Aber auch diese durch keine Rechtsverletzung von feiten deS Volles, durch keinen Aufstand oder /jolksmmult hervorgerufene oder gerechtfertigte Maßregel blieb ohne Wirkung; die Behörden be- harrten in ihrem passiven Widerstand und hielten sich streng an daS Gesetz und die beschworene Verfassung. Und die Bewohner der Hauptstadt wie des ganzen Landes beobachteten dasselbe feste ruhige Benehmen wie zuvor." Die Bevölkerung hielt also an der Verfassung fest und mit ihnen dleBeamten gegenüber der versaffungs- brückligen Regierung! „Der Kriegszuiland erwies sich als ohnmächtig. Der Ober- befehlshaber, belloffen über den unwandelbaren Widerstand der Gerichte und Behörden, fühlte sich in seinem Gewissen beunruhigt. Er erkrankte und forderte Euthebuug von seinem Amte."(Lärm rechts.(Glocke des Präsidenten.) Daß Ihnen das nicht paßt, daß sich gegen eine ver- fassungsbrüchige Regierung der Widerspruch des Volkes erfolgreich erwies und daß selbst dem zur Durchführung deS Verfassungsbruches eingesetzten Oberbefehlshaber das Gewissen schlug, das begreife ich schon.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten. Rufe rechts: Wir wollen keine Vorlesung!) Trotzdem werde ich vorlesen, weil es sehr wichtig ist, damit es auch i» die Akten des Reichstages kommt. „Hassenpflug gab seinen Plan nicht auf. Eine landesherrliche Berorduung unterwarf das Land einer Militärdiktatur, mit deren Handhabung der greise General v. Haynau betraut war; ein Kriegsgericht sollte gegen joden erkennen, der sich mit Wort oder Tat der Regiermig widersetzte. Aber auch dieses Mittel scheiterte an der Verfassungstreue deS hessischen Volkes und Militärs. Als der wiederholte Versuch, den Kurfürsten durch Deputationen zur Aendernngen seiner Politik zu bewegen, fehlschlug, Hahuau vielmehr mit verstärkten Vollmächten ausgerüstet wurde, gab das gesamte hessische Offizierskorps mit wenigen Ausnahmen seine Eni- lnssiiiig.(Hörtl hörll bei den Sozialdemokraten.) 233 Offiziere, 4 Generale, 7 Obersten, 29 Oberstleutnants. 13 Majore, 59 Haupt- leute und Rittmeister, 59 Premierleuinauts, 89 Sekondeleulnants forderten ihren Abschied„angesichts deS Konflikts von Pflichten, welcher ihnen einerseits durchdiePflicht deS Gehorsams, andererseits durch die eidlich übernommene Verpflichtung auf die Beobachtung der Verfassung bevor st ehe." Damit waren die Zwangs- mittel Hassenpflugs erschöpft I Was blieb noch übrig, als freinde Hilfe anzurufen, um mit Gewalt den Widerstand niederzuschlagen und das monarchische Prinzip nach der eigentümlichen Auffassung Hassenpflugs zur Geltung zu bringen." Was har sich alio damals in Kürhessen vollzogen? Der Kur- fürst und sein Minister Hassenpflug, der sich damals den Namen „Hessenfluch" verdiente, haben die Verfassung zu brechen versucht und sind dabei auf den Widerstand aller Beamten und des Volkes gestoßen. Aber auch das Militär wollte sich zu dem nichtswürdigen Attentat auf die Volksrechte nicht hergeben. Das ist eine äußerst erfreuliche Erscheinung(Lebhaftes Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten), auf die man heute noch in Hessen stolz sein kann, und ich wünsche nur, daß überall in Deucjckiland die Beamten und die Offiziere diesen Mannesmut und dieses Ehrgefühl hätten.(Lebhaftes Bravo I bei den Sozialdemokraten.) Der Herr Kriegsminister v. Heeringen ließ sich also irreführen. Das ganze Land war einig, nur der Kurfürst und der verbrecherische Minister Hassenpflug mit ein paar Hand- langern appellierten an den Bundesrat, und es kam zu der Jnter- venlion von Oesterreich und Bayern. Es wurden die„Straf- bayern" ins Land geschickt.(Zurufe rechts.) Die Soldaten wurden bei allen mißliebigen Leuten ins Quartier gelegt, um diese ratzekahl zu fressen, und dadurch haben sie sich den Namen Straf- bayern erworben. Und der preußische Kricgsminister vom Jahre 1919 feiert diesen Verfassungsbruch des Kurfürsten von Hessen, er feiert eS, daß dieser Landesvater fremde Truppen ins Land rief I(Zuruf rechts: Ist ihm ja gar nicht eingefallen I Zurufe bei den Sozialdemokraten.) Für daS damalige Hessen waren die Bayern und Oester- reicher fremde Truppen. Aber die preußische Regierung jeuer Zeit bat dagegen opponiert. Selbst das reaktionäre Ministerium Manteunei- Brandenburg schickte preußische Truppe» zum Schutze der hessischen Verfassung nach Hessen. Und eS wäre damals schon fast zu einem frühzeitigen Ausbruch deS Krieges von 1866 gekommen. ES erfolgte ja der berühmte Zusammenstoß bei Gronzell. bei dem allerdings nur ein Schimmel auf der Strecke blieb.(Heiterkeit.) Aber im letzten Moment zuckte die preußische Regierung zurück, jedoch nicht, weil sie sich der Auffassung des jetzigen Kriegsministers anschloß, daß es ein Segen für Hessen war, daß die Strafbayern und Oesterreicher ins Land geschickt wurden, sondern, wie Bismarck später eingestand, weil die preußische Armee zu jener Zeit zum Kriege nicht vorbereitet war. Deshalb kroch die preußiiche Regierung, welche die Ver- fasiungskänipfer in Hessen gegen die verbrecherische hessische Re- gierung unterstützte, vor Oesterreich zu Kreuze und duldete es, daß das hessische Volk und Heer vergewaltigt wurde durch die Ver- fassungsbrecher. Und heute kommt der KricgSminister Herr v. Heeringen und desavouiert die damalige Hallung der preußischen Regierung I(Leb> haster Wiederspruch rechts.) Sie haben sich auf den Standpunkt ge stellt, daß der Verfassungsbruch gerechtfertigt war und mit allen Mitteln austecht erhalten werden sollte.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Während also aus dieser ganzen Geschichte, wenn überhaupt eine Lehre zu ziehen ist. eS nur die sein kann, daß es nolwendig ist, überall das Heer auf die Verfassung zu vereidigen, damit jeder Offizier, jeder Soldat sich bewußt ist, daß er ein Verbrechen begeht, wenn er sich gegen die Verfassung brauchen läßt, sucht der Kriegsminister die umgekehrte Lehre daraus zu ziehen: daß man die Soldaten nicht aus die Verfassung zu vereidigen braucht, und daS zu einer Zeit, wo Herr v. Oldenburg offen zum VcrfaffungSbruch aufgehetzt hat (Unruhe rechts), wo Graf v. Mirbach vor wenigen Jahren im Herrenhaus davon geredet hat, daß die Schwierigkeiten deS ReichstagswahlrechtS mit dem Schwerte durchhauen werden müßten wie der gordische Knoten, wo der Freiherr v. Zedlitz erst eben wieder die Feindschaft seiner Partei gegen das allgemeine. gleiche, direkte und geheime Wahlrecht prollamiert hat, wo der Ministerpräsident und Reichskanzler v. Belhmann Hollweg in unverhüllten Worten gleichfalls seine Feindschaft gegen das all- gemeine, gleiche, geheime und direkte Wahlrecht zum Ausdruck ge- bracht hat. In dieser Zeit unterstützt der preußische Kciegsminister solche tückischen Pläne durch jene Aeußerungen, in denen er dem VerfaffungSbruch das Wort redet und so weit geht, das Beispiel, welches das Volk, daS Militär und die Beamten in seiner ehemaligen Heimat Kurheffen gegeben haben, als Verderb lich hinzustellen. Alle diese Symptome sind nicht zufällig. Es liegt ein gewisser Sinn darin, daß der Geist des Hassenpflugs heraufbeschworen ist. Und wenns so weiter geht unter dem. Reichs kanzler und Ministerpräsidenten v. Belhmann Hollweg, so wird wie einst der Minister Hassenpflug sich den Namen H e s s e n f l u ch verdient hat, der Ministerpräsident v. Bcthmann Hollweg sich den Namen Preuhenfluch verdienen.(Lebhafter, stürmischer Beifall bei den Sozialdemokraten. andauernde Unruhe rechts.) Kriegsminister v. Heeringen: Ich habe es endgültig aufgegeben, den Abg. Ledebour überzeugen zu wollen.(Lärmender Beifall rechts) Ich denke aber, daß nur wenige Leute hier im Hause meine Worte so aufgefaßt haben wie Herr Ledebour. Ich habe darauf hingewiesen, daß die Vereidigung auf die Verfassung das hessische Heer in schwere Wirren ge- stürzt und zuletzt zur Auflösung gebracht hat, während die nicht auf die Verfassung vereidigte preußische Armee intakt auS den inneren Wirren hervorgegangen ist. Mit keinem Worte habe ich gesagt, wer nach meiner Meinung die Schuld an den hessischen Wirren trägt. Weiter habe ich nichts hinzuzufügen.(Lärmender Beifall rechts und bei den National- liberalen.) Mg. Ledebour(Soz): Daß der Kriegsminister auf der Rechten Beifall findet, ist ja nicht weiter verwunderlich, vielleicht ist das auch ein Ausfluß der Disziplin.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Aber verwunderlich und bedauerlich ist eS allerdings, daß der Kriegs- minister auch Beifall findet bei den Naiionalliberalen, den Epigonen der Oecker und der anderen hessischen Verfassungskämpfer. Schämen sollten Sie sich!(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemo- krate». Lärm rechts und bei den Nationalliberalen.) Der Kriegsminister sagt, er will nicbt untersuchen, wer die Schuld an den hessischen VerfaiiungSwirren trug. Die Frage braucht gar nicht mehr untersucht zu werden. Der Kursürst und sein Hassen- pflng waren die Schuldigen.(Lebhaste Zustimmung links, wütender Lärm und S ch l u ß r u f e rechts.) Mit keinem Worte ist der Minister darauf eingegangen, daß die damalige preußische Regierung, so erz- reaktionär sie auch war. auf sciteu der hessische» Stände stand. Die preußischen Minister standen 1359 auf seilen der verfaffungS- treuen hessischen Stände, der preußische Kriegsminister von 1919 aber steht aus feiten des verfassuiigsbrüchige» Kurfürsten.(Lärm. Schlagen mit Pultdeckeln, wütende S ch l u ß r u f e und Rufe„Zur Ordnung!" rechts. Glocke des Präsidenten.) i Vizepräsident Dr. Spahn t Ich muß Sie doch bitten, Herr Abgeordneter, nicht solche � ungerechtfertigten Schlußfolgerungen aus den Worten deS Kriegs- Ministers zu ziehen.(Tosender Beifall rechts. Laute Ohorufe bei den Sozialdemokraten.) Abg. Ledebour: Herr Präsident, Sie haben das unbestreitbare Recht, mich zur Sache zu rufen oder gegen meine Ausführungen geschäftsordnungs- mäßige Einwendungen zu erheben, aber Sie haben nicht das Recht, mir in der Sache Vorschriften zu machen und mir die Schluß- folgerungen, die vielleicht Sie ans den Worten deS Kriegsministers ziehen, aufzuoktroyieren.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten. Tumult rechts.) Abg. Kreth schreit dazwischen: Wäre auch janz verjeblich, wenn der Präsideiil Sie überzeujen wollte I(Wiehernde Heiterkeit rechts.) Vizepräsident Dr. Spahn: Ihnen meine Meiunng aufzuoktroyieren, lag mir fern. (Heiterleit.) Abg. Ledebour:' Ich konstatiere also nochmals, daß der Kriegsminister im Ein- klang mit den Ausführungen der Herren v. Oldenburg und Graf Mirbach indirekt zum Verfassungsbruch aufgereizt hat. (Stürmische Zustiiniming bei den Sozialdenwkraten, lärmende Rufe: „Zur Ordnung! Zur Ordnung I" rechts.) ES folgen pcrsSulichc Bemerkungen. Abg. v. Oldenburg(k.)(von Kreth und einigen anderen mit Bravo! begrüßt): Der Abg. Ledebour hat mir unterstellt, daß ich zum Verfassungsbruch aufgereizt hätte. Nachdem ich gleich an der Sitzung vom 29. Januar klargestellt habe, was ich gemeint habe, muß ich eS ablehnen, mich mit Herrn Ledebour weiter aus« einanderzusctzen.(Bravo! rechts.) Ich muß leider wegfahren, mein Zug geht ab. also vielleicht später einmall(Große Heiterkeit.) Abg. Ledebour(Soz.): Da der Abg. von Oldenburg ab« reisen muß----- Nun, Adieu. Herr von Oldenburg! (Große Heilerkeit.) Seine Verteidigung können ja seine Freunde. die Herren Kreth und Rogalla von Bieberstein übernehmen. Da steht er sich besser, als wenn er selber spräche.(Große Heiterkeit.) Ich nenne ausdrücklich die Namen dieser beiden Abgeordneten, damit sie das Recht haben, in einer persönlichen Bemerkung zu sprechen. Herr von Oldciibiirg behauptet, er hätte schon eine genügende Erklärung für seine Auslassung gegeben, daß der preußische König jederzeit in der Lage sein müsse, zu einem Leutnant zu sagen: Nehmen Sie 19 Mann und schließen Sie den Reichstag.(Großer Lärm recbtS.) Diese Erklärung bestand darin, daß er sich die Behauptung deSErb- Prinzen von Hohenlohe zu eigen machte, daß diese Worte nur als Ausspruch äußerster Disziplin hätten gellen sollen. Nun stelle ich aber fest, daß in der ganzen damaligen Rede deS Herrn v. Oldenburg nicht mit einem Worte von der D i S z i p l i n die Rede gewesen ist. (Hört! hört! bei de» Sozialdemokraten.) Es handelt sich also hier »m nichts weiter als um eine Verlegen heitsausflu cht. Wie kam er dazu, die Worte zu sprechen, der Kaiser müsse zu einem xbeliebijien Leutnant sagen können—(Großer Lärm rechtS. Glocke des Piasidcnien.) Vizepräsident Spahn: DaS nähere Eingehen auf diese An- gelegenheit gehört aber nicht mehr in eine persönliche Bemerkung. (Bravo I rechts.) Abg. Ledebour: Der Herr Präsident hat vielleicht überhört, daß Herr v. Oldenburg soeben in einer persönlicven Bcmerlung gesagt hat, es werde zu Unrecht von mir behauptet, daß er zum Perfassnngsbruch aufgereizt habe, er habe nur ein äußerstes Beispiel von Disziplin im Auge gehabt. Demgegenüber bin ich berechtigt, zu beweisen, daß Herr v. Oldenburg damit nur eine Ausrede versucht hat(Lärm rechts), weil er in seiner Rede mit kemer Silbe von Disziplin gesprochen hat.(Glocke.) Vizepräsident Dr. Spahn: Wenn Sie das Bedürfnis haben, Herr Abg. Ledebour, auf die Angelegenheit zurückzukommen, so werden Sie ja hierzu noch Gelegenheit haben. Im Rahmen einer persönliche� Bemerkung aber gehl eS nicht. Abg. Ledebour: Ich muß mich fügen, aber ich werde nachweisen, und zwar bei einer Gelegenheit, wo ich vom Präsidenten nicht unter» brachen werden kann, daß es eine bewußt wahrheitSwidrige Behauptung ist, wenn Herr v. Oldenburg sagt, er hätte damals nur den Gipfel der Disziplin im Auge gehabt. Abg. Stogalla v. Bieberstein(k.): Ich verteidige meinen Freund, Herrn von Oldenburg sehr gern; aber sehr ungern gegen den Herrn Ledebour, weil ich ihn doch nicht belehren kann.(Bravo I recht?, Lachen bei den Sozialdemokralen.) Damit schließen die persönlichen Bemerkungen. Nächste Sitzung Montag 1 Uhr.(Kaligesetz, Stellender« mittelungSgesetz.)_ ßrkfhaften dci» Redahtton. Xfe lurlbllche Sprech sciccide finde» Li n den s, rase 3,»weiter Hos. dritter Eingang, oier Zrcpprn, DM" F a h r st u p l wcichenliiglich abend« von 7 zc, bis SVi Udr statt. GeSssne» 7 Ubr. Sannabruds beginnt die Sprechliunbi um 6 Mr. Jeder Ans rage ist cin vuchftabe und eine Zahl als Mrrtjctctirn beijusitgrn. Brirsliciie Antwort wird ntcyt erteilt. tili»ur veanrwortung im Briestaftrn tonnen Ii Tazr vergeben. Eilige Frage» trag« man tn der Tprrcbftmidc vor. Harzerstr. 110. Wenden Sie sich an die Generalkammission, Engel» ufer 15.— M. G. 87. 1. Allein nicht, jedoch in Verbindmig mit an» deren Gründen und unter der Voraussetzung, daß ein Beweis erbracht werden kann. 2. Wenn leine ausreichenden SchcidilccgSgründe vorliegen, ralcn wir von einem Fortgehen ab. Der Mann würde nicht für Ihren eigenen, wohl aber für den Unterhalt deS Kindes hallen. 3. DaS hängt davon ab, wer sür schuldig erklärt wird; werden beide Teile für schuldig erklärt, so steht Ihnen die Sorge für die Person des Jungen— also auch das Recht, ihn bei sich zu behasten— b!S zur Vollendung seines 6. Lebens- jahrcS zu. Wird nur ein Test für schuldig erklärt, so sieht dem unschuldigen Tell die Sorge für die Person deS KmdeS zu. DaS VormundschastSgericht kann anderweitige Anordnungen treffen, wenn solche im Jnleressc de» Kindes geboten erscheinen. 4. und 6. Dem Manne, wenn Sie nicht auch erwerbstätig gewesen sind. ü. Der Mann bat sür alle Fälle vor Ihnen sür den Unterhalt der Kinder zu sorgen. Die Höhe hängt von den Ein» kommenS- und Vermögensoerhältlilsseii ab.— 68 Hai. S« Eine Verpflichtung der LandcSoerfickerungsanstalt besteht nicht.— G. L. 68. Nein, erst nach der Vcrbeiralung durch Erklärung dem Standesbeamten gegenüber.— Al. 1999. 1. Ja. 2. Ja, aus ZweckmäßigkeitSgründen. 3. Ja.— H. 7. Der Eigentümer soll, unter Glaubhastmachnna seines EigenIumSrcchteS, zur Herausgabe auffordern, sür den Fall der Ersolglosig- keit liagen.— A. B. 66. Unter Darstellung der Schcidungsgrüiide und unter Ueberrcichung des ArmcnattesteS, der Heiratsurkunde und des Sühne- attestcS ist bei dem Landgericht die Bewilligung heZ"ArmcnrcchtcS und die Beiordnung eines RechlSauwaliS zu bcanlragen.— L. 100.„1. Ii. 2. Nein. 30. tÄ. 19. Fragen Sie bei dem Arbeiter-Wandererklub, Skalitzerstr. 22. F. Wählisch, an.— W.®. 110. Wenden sie sich an daS LandraiSamt für Ober-Savelland in PotSdaar.— 91. K. 099. 1. und 2. Die Recht- ivrechung ist schwankend. Wir halten Ihre Frau nicht für hastbar. 3. Ein solcher Vertrag wäre ansechlbnr.— H. 48. Noch nicht publiziert. Wir werden darüber seinerzeit unter„LokaleS" Mitteilung machen.— H. B. 71« t. Reichserbschastssteuer nicht. 2. Nein, nur aus Antrag eines Erbberechtigten. 3. Wenn Erbsolgc nach B G.-B. cinlritt, erben die Kinder der Uber, l-bende Ehegatte>/, des Nachlasses. Die Erbteilung erfolgt durch Verein- baruug, eventuell durch das Nachlaßgericht.— B. E. 66. Der mündliche Verlrag ist rcchlswirkfam. Ist schrifticche Vollziehung verabredet, so müssen Sie unterschreiben. Sie können Beseitigung des Mangels vom Vermieter verlangen.— Klavier. Wenn der Gegenstand Ihr Eigentum ist und Sie denselben Ihrer Braut übergeben, so hat niemand daS Recht, ihn wieder sortzuncbmen.— R. B. 80. Ist der Dienst am I. eine» Monats angetreten, so kann nur vom 15. zum 1. gekündigt werde». SinAegangene vruckkckriften. Karte von Deutsch- Südwestafrika. Bcarbellet von P. Sprlgade und M. Moisel. 5 M., Leinen 6,59. D. Reinier(E. Vossen), Berlin L1V. 48. „Das ttultur-Parlatnrnt." Doppelhest 5/6. Strasprozeßresorm Mld Laienrichter. 2 M. Vita, Deutsches Berlagshaus, Charlottendurg. „Nordwest", Heft 9. Herausgeber und Verleger: Wolj Werthetm. Lll Pj. 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Februar, ▼amiliaga. ttiar Ii» Gewinne über 96 Uark sind den beireStA. den Nummern In Klammern beigefügt, (Obno Gewthr.) (Nachdruck verboten.) _ 14» S6S 473 99 811 35 49 83 809 68 997 ll»4 210 119 55[200] 87 532 24 PS 95«89(300) 802«2 82[200] 94(SliOl «202 22 405 55 808 3 743 59 837 02 918 S« 4047 73[200] 551 473[200] 025 00[300] 736 S803 404 691[200] 787 «715[200] 223 423 49 SIS 341 7005 53 80 124 543 56 717 •95 8015 IIS 283 413 10 2 9 51 820 77 917 DlSS 893 413 1209] 563 537 842 10079 146 483 llOtS 545 73 95 591(2001 SU 18214 >30 495 83 714 54 70 1 3122 542 59 955«7 14011 151 411 <•05 28 1 5483 787 991 16080 819 27 738 558 1 7228 880 •4 40 88 458 510 934 50 1 8 376 320 539[800] 54 89 771 06125 287 83 317 502 818 27 61 79 98 20038 484 762 838 45 58 21(19 205 41 480 577 99 •St 49 745 803 83 2 2059[400] 774 2 3075 228 841 448 «3 821 699 761 889 2 4044 478 050 807 973 2 3050 58 192 249 88 4.88 83 573 810 987 2 6028 84 4 5 95 99 138«02 71 219[ 400) 33 71 829 54 919[ 500] 27113 820 470 520 «U 69 87 2 3009 401 17 608[400] 36 758 74 29005 51 d» 292[ 200] 825 401 525 737 45 49 91« 30104 53 266 415 811 906 31101 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Ziehung 2. Kl. 222. Kgl Preuss. Lotterie. Ziehung vom II, Februar, saebmlitaga. (Tb» die Gewinne Uber»6 Uark sind den betreue» den Nummern in Klammern beigefügt, (Ohne OewShr.)(Nachdruck verboien.) 855 481 8X5 18 48«18 1 043 178»09 895 451«1«51 •3»« 89 109 915 2094 12« 85 809«07 71 149 81 978 81 3061 208«V4 4894 98« 5007 940 M 880 412[800] 560 [300] 78 606 749 881 6141 48>24 48 810 51 781 829 938 7053 139 23« 600 732 890 8172 46« 737 647 60 84»8« O095 796 399«OS 48 81 727«14 1003U 108>02 48 4SI 691 100 811 1102« TO TO»80 12141 93 857 83 435 502 7»«08(200) 806 IS»!« 5« 680 978 90 1 4470 880 16084 87 184«6 Ml«75 817 969 16139»37 880 401«07»23 1 7145 696 606 8M 984 1829« 688 733 1 9«, 2 91»40 2004« 8«[200] 19,(900) 748 21140 994««8 71«74 22144 78 410 5» 561[200] 755 822 48 TT 23198[400] «2 80» 20 88 98»[200] 81«6 2485« 2517,»86 521 Ol, 787 2 6040 141 853 418 549 89 786 8«2 70»26 27070 1,4 491 64 i 751»14 33 75 23528 96 647 064 2 9064 128 629 15 79 30048 191 130 84[400] 87 8» 435 648 748«7 31048 M, 78 549 606 83 32109 21»39 58[200] 635[200] 789 90 M9 914 81 3322« 5« 48 30» 3»«95»61 3403, 147 808 «2 90) 35030[200] 115 184 591«10»8 706 36058 177 981 37110[ 200] 61« 75« 602 18»41 74 38644 39008 24 1,8 828 99 496 588«58 886 5«[200] 40980 483 603 833 4107« 91 180[500]«20[100] 48 »88 8« 4 2608 70 833 43139 806 34 409>0 87 849«2 44017 SO 5,1 837 83 814[200] 84»91 45119 33 88 51« CO 818 4 0144 49 91 305«78 37 781 4 7010 25 144 886 781 48uts m 517[500] 49 208 18 587 71, SOtOS 793 890«12 74 Sl0«8 113 540«1» TO»1 52353 456 632 44 71« 88 911 53147>08 80 850 49» 504 ,10 75 128 78 5 4186 881 800 11 484 804 15 928«6 55874 •10 II 50217 09 81« 47» 511 5» 984(HO) 57075 9, 318 401 I 5«:»6»[200] 71 58417 810»81 5 9054 47 587 40? •71«85»7 887[200] 900 58 600,4 94 259 489 655 743 4«[200]»4« 61188 M III M 509 808 54 6 2099 154>04 810 630«« 70 816 45 599 741 81 851 644,30 57 132 851 698 27, 805»47 05135 22« 41 729 821 052[500] 6657««78 140 875 6 7 292 82, 55« «88 17« 836 6 8205 418 31 8,3 7,8 881 69008 848»I«I 92[MO] 689«28 70« 18 887 71 7 0023 71084 101 5«>20 81 9» 888 5,0 71» 72153 »4[200]»87 64« 48 70« 17 41 081 7315««5« 457 55« «8 731«18 7« 92 924 54 7 403»»11 9«[900] 441 54»«0 801 778«3» 75 75080[200] 11, 2»4 881 9« 7 6238 44« «36[300] 4» 59 854 53 77 9<» 77 77598«70 73181«21 «9[200] 17»[200]»1« 13 7915« 518 930 KO101»31«Ol 893 8100« 174[200] 490 66«81 TO •4 825 055«1 82417 29 775 8 3093[ 200] M9 8«5 58« «02 40 91«75[400] 972 8 4022 108»«3 786 034 85006 133«3 02 M9 428 739 11 OM[200] 8612, 240 68 340 64 640 611 31 901 87001 407 8« 81«57 8 8021 48 80 III [200] 65 447 744 48«1 868»14 89067 501«88 90,14 345 08 404 70 18, 55 89« 007 4» Olli« SM 88 749 81 81« 49[,00]«3 70 85»SO 92830«30 791 9« 835 945 68 91 9 3388 44» 514 28 40«55 85 795 9 1329 438 »9 539 788[500] 810 05152 56» 70 406 60« 809 96021 665 637 650 956 9 7100 854 87 464 511«13 928[400] 90 98113<7 452«33 905«« 450 804 86« 858 93 100074[200] 87 30««08 730 1 0 1 601 8 41 788»92 102 158>15 70 32« 505 41 83, 903[300] 103062 190 837[200] 908 88 104171»22 356 95 626«,» 1Ü5U» 15 86» 591«32 ISO 85 98 1U651« 24 607 30 122 M 39 863[300] 10777« 88) 1075132 471 670 782 1 09083 286 370 443 54« 7«5 806[200] 110155 84 111391 86 768«88 112006 177 290 455 707 844 83 113251«17 44 400 114044 247 73 459 »13 10[400] 99 733«1 855 11522« 89 S60 87 472 88 96 715 80 116312 44 588«57 824 51[200] 117049 48 521 118018 80 171 88 257 353[200] 553[400]«3« 1« 75« [200] 835 119x89 453 655 85[500] 79,[JOO]) 808[SOOl- 'Beranfwortlicher Redakteur Richard Barth, Berlin, gür den Lnseratenteilveranttv.: Th.Glockr, 12005« ,18 8« 5« 705>• 121084 129[200] ISO 893 775«28 90« 1221««[ioo] 7V 31» 483 59,[400] 123009 168 591 TOS 124460 123148 801«21 SO 815 25 90« 12609« 497(»OOl M2 127224[MO] 475«78 77* 128116 14 82, 558 844 8,1 129011 45 58«» 189 211 69 UOO) 891 421 89 680«71 785 88« 130035 861 455 521 801 IS 911 131094 41«[400] S»»0 532 98 798 818$7 Tj 132 249 87 328 539 757 95 13303« 80 363[ 200] 49« 983 134307[200] 548 794 82, 13 5025 41 43 51 122 153 699 798 912 1 36»«« 137185 403 69»«38 787 88 854 938 1 3 8 277 59««Od 584 139)77 229 800 19 28 465«90 867 80 929 140294 885 52» 76» 17[»DO] 890 1 41145«97«04 81« 28 71 142028 34>35 814 487 801[800] 706 1« 962 143059 120«8 II»20«1 449 8,8 1 44187 420 88 571 738 814 58 145021 88«1 95 290$18 454 70[ 200] 6$« 47 «6 767 79 94$ 98 146082 247$5$ 3.15 819 987 147110 23 351 511 12 721 33 828 939 39 1 48082[SM] 88» 401 528 59 600 13 13 769 881 140 54$ 99 027[400] 58 787 •50 991 15003.-. 156 70 227 46» 81» 91, 151049 401 18 •M ,46 85 837 1 52009>0 ISO 34 819 919 1 53)51 425 [300] AS1[100] 67» 18402, 178$19 417 548 1 55018 2«__ Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verla g-danstatt Paul Singer& Co.. Berlin SWt 105[8001 90 M»«SS 190 80»»0 9» 15620» IT[4001 480 54« 755 857 1 57 034 6 4 291 408 1, 599 7»»5»0 158073 50»[100] 681 159188 17» 71 541«1» SM 160028 41 88 4*4 604 309 90 146 800 925 1 011M TO 42 619 49[1000] 66 7*8 87« 162128 858 499 bt» 163 280 479«18 21 729 J« 90«18 164128 44« 589 88 91« 714»01 165099[ 500] 183 9« 221 573 907 TS 166061 7, 80 1 84 237 81«[200] 107015 41 121 06[400] 561 BO 780 1 6 8050 279 558 1 6 9045 51 IW 18 379«41 170118 48[800] 479 110»18 17109« 24««05 ITSTO 40$13«34 911 78 173202 821 43« 550 725 83 844 9« [200] 17 4867 415 694 070 875 90» 48 61 175069 90 1« 18 88 247 671 740«8 601 908 1 7 6844 449 76« 80« 17701» 28 20»«8 874 43»«7» 110 83, 178086»91«5 40 UOOJ «4» 5« 722 179092 19« 66» 91» 18016» 83»[200] 818 54 989 18100« 11« M M» 110«4 82»4, 71 08» 1821«»»«3 405 702(800) n 88» 183 818 74 478»»» 4««4 855«1 984 184178 99 2011 [200] 328 622 74» M7 185151 21»[700] 826«« 6« 80« «SS 77»7 1 86588«8 432«02«9 754«3 818 18744« 9» »8 421 22[200] 92 510«« 78« 18800« 44«4 M8 Ua 814 710 55 954 1 89425 19000«»55 647[200) M 61« 77 35« 753 454 4> 4» [»001 19111» 1« 5,4»69 19201» 76 101 54«84»4«»9» 779 83« 193028 9» 10»»58 80» l« 79 405«Ol 19410* «0» 69 911[,00] 10507* 8» 226 41«*4 906 6« 94w 19 6201 12 835 601 28 80 60«»0» 12 1«»40 19747» 14» 70 430 81» 198659«6 86 181 547[IOO] 198161 106 40» 790 804[10000] 27 90 78 07 2OO000 85 70» 10 571«87«78[900] 20114« 9« 804*0 621«8, 178 91 958 202210 85 638 48 410 525 7««14 2 03 006[200] 83 18» 609 51 76 750 2 O400« 14« 3,» 60 90 48» 674 84 751 951 2 0 5207 14 519 708 2 0 613« 81 270 804 768 822«1 207087 502 52 62 333 To» 88 869«37 206284 594«1» 7*6«5» M» 209«1» 60» 8 7S2?O208 821 69 418«82»44 6« 211120»1« MT 6t» [4001 91« 21206» 158«9«50 9« 884[400] 960 2135801 8, 504 17 160000) 194 580 907 87 2 1 4071 IDA 447) 215)80 388 41« 620 40 787 216049»1 110 11 88a 492 558 56««2 89« 2 1 7060 137 695«51 i««] 218080 708 9«»21 2 1 9014 78 148 871 5-8 74 220187»28 35 42 598 2 2 1 879 38 758«88 222060 881 78 78 688 987 2 2 3106 207 6» 65 8» 304...... 601 45 22401» 80 552 516 18 725 802«28 225102 569 74 61« 90 657 049 226501 99 228098 56 14» 251 W» 781 22904»[iOO] IM IM «8« 710 2» 98 230084 58» 49»»48 49 2310»» IM 6» 8X4« 681 4« 600 4» 23218» 278 88» 4td 99 65« 956 2332«ll 488 642 1« 234044 64 185 61»82 812 444 9,1 235200 401 32 745 2 3 6137 92 299 6M M 760»0 9« 824»«» [200) 237089 110«1« 37 60»0 684 92» 238,1« 41* 670 748 51»77 239004 129«5« 02«1 40« 240051 20« 411 81 651«50 72« 024 241469»1 5X1 848 98« 242108 507 243078 258 So« 81«Ol 79» 810 244067 92 184[800] Sil 89«70 551 897 184 24S,«0«1 78 495 608 8S1«8»21 67 243081 17» 281. 824[ 500] 544[200] 784 857 85 88 984 2 4 7050[200) 188 2*l> 610 613 58«8« 722 031 N 248118 73 232 Sil 433 562 815«5 24903« 16» 6» 261$84 45» 1« 846 28, 9» 250011[100] 33 158 88» 40» 791 251)23 St »71 44' 651[200] 798»59 2 52107 245 442 645 523 253094 387«18 28 700 1[400] 40«IS 254571 83 14, 25506, 145 4« 243 41 SM 408 47 8» 585 7*4«4t» 74 2 5 0845 469 623 57 70 803 08 787 888 2 5 7564 771 »07 9 82 258160 295 857[900] 599 41 259066 I* »9 SS 260823 261038»20 484 80 Sil»15 29 202214 487 65« 709 2»33003«7 SM 18 747 88« 264067 1» [200] 142 97 ,14 814 17 427«OS«45 7S8 265572 8» 054 827 912 2 3 0351 849 422 TIS 863 207055 50» 47« <18 187 850 40[ 800] 268042 50 94 21» 593 96»4» 269088[ 400] 188 619[ 300] 28 51«2 922 56 270141 299 361 51, 23 41«« 857 271089 100 8*8 935 272060 US 35 541 759 88[400] 808«75 273009 265 883 8,4 2740,1 88 110[500] 82* 47» 877 934 94[200] 27 6002 70 787»'»«t 407 15 54» 833«9 9)9»5 276)71[200] 229 319 644«29 67 2770,» 290 385«41 743 278)04 ,19 5?»[2001«44 715 tSi 028 279205 82» 83 411 12« 58 84 842 280050 181 451 86« 802 990 2 81)40»4« 78 824 5* [700 1 98 661 664 ,13 4 0 2 8 2188 2 8 3 U9 646«76 13, [300] 2 8 4068 193 ,15 43 803 410 54 307»45 28502« »51 458 63 51««00 82 55 78, 91 288061»29«30 824 69 [209) 287067»90 902 613«84 I»»»] 710 41 28"M U » 1«9»31 58 497«02 2891«« 209[ 200] 430 61 823«3 914 290109«72«07 291934 435»96 923 81 17 78 211208» «5 107 84 409 78 612 293009 IIS»27 73« OW 29425« 41» 61»«95 827 295737 2 9 8378 421 57« 93 20775» 88 «23 87 480 1,4«8 845 960 68»8 208)35 967 86 51» [ZOO] 667 71»»5» 299003 ,19 879 53, 88 79« 937 300087 251 09 304 51 78 452 88«31 301SS1 4.7» 52» «33 794 810 72 3O 2007 244 481 584 51 604 919 63 3Q33U «57 724 809»75[200] Die Ziehung der 8. Klaaae KSnlgb Prensa, Irlach, «ea-Lottarl« tlnd»4«tatt an U. imd i». Mir« mp, |i. 37. 27. Zahrgavg. t KeilU des Jonüirts" Kerlim WIKsdlM Sonntag. t3. Ftbrvar tttw. Mgeoränetenkaus. 20. Sitzung, Sonnabend, den 12. Februar 1010, vormittags 11 Uhr. Haus und Tribünen sind stark besetzt. Am Mimstertische: v. Bethmann Hollweg, v. Moltke. Die erste lUlutig der CKahlrecbtsvorlage. (3. Tag.) Abg. Dr. Pachnicke sfrs. Vg.>: Die Uever�eugungSkraft, die der Begtündung der Borlage fehlt, sollte die Rede des Ministerpräst- Kenten ersetzen. Er versuchte die Probleme, die die Zeit bewegen. zu erfassen, und es hat deshalb einen gewissen Reiz, mit ihm zu diskutieren, aber man wird zu ganz anderen Ergebnissen kommen.(Sehr richtig I links.) Herr v. Zedlitz nannte das Ab- geocdnetenhauS das preußische„Bolkshaus". Nichts ist falscher als da§. Wir haben hier 139 Großgrund- befitzer und nur 23 Industrielle und gar nur 12 Kaufleute l Wie kann man da von einem„BolksHauS" sprechen; vielmehr könnte man daS Abgeordnetenhaus ein StändehauS nennen!(Sehr richtig! links.) Gewiß hat eS einmal auch fort- schritiliche Majoritäten gegeben, aber das war nur die Antwort des empörten Volkes über die zwölf Jahre tollster Reaktionszeit. Die den Parlamentarismus herabsetzenden Aeuherungen deS Ministerpräsidenten dürfen nicht unwidersprochen bleiben; sie sind am wenigsten angebracht bei einem Staatsmann, der erst am Anfang seiner Laufbahn steht. Ist etwa die Regierung«- bank das Zentrum, von dem politische Kultur und politische Bildung ausgeht?(Sehr gut! links.) Weshalb überhaupt all die geistvollen und philosophischen Ausführungen deS Minister- Präsidenten? Weshalb die hohe geistige Warte, von der er sprach, wenn unten im Tale nur so ein BerlegenheitSerzeugnis wie dieser Gesetzentwurf liegt?(Sehr richtig! links.) So große Worte und so kleine Taten! Der Unmut im Lande über die Wahlrechtsvorlage ist ge» rechtfertigt. Der gewaltigen wirtschastlichen EntWickelung Preußens hätte die rechtliche EntWickelung folgen müssen. (Sehr gut! links.) Die Vorlage hat größte Enttäuschung und tiefste Erbittermig hervorgerufen. Es bleibt ja fast alleS beim alten! Es darf aber nichl alles dabei bleiben, daß die eine Hälfte des BolkeS 300 Abgeordnete wählt, die andere nur 110. Was die Regierung über die öffentliche Wahl gesagt hat. ist das Weltfremdeste, waS ich je ge- hört hnfte. Selbst Japan und Rußland haben die geheime Wahl! Aber Herr v. Bethmann setzt dem „die preußische Eigenart" entgegen. Die Konservativen erklären durch Herrn v. Richthofen die öffentliche Wahl sogar für liberal! Bei der Einführung deS Reichsiagswahlrechts ist eine Zierde der Konservativen, der Feld Marschall v. Mottle, sogar für die geheime Wahl eingetreten l Herr v. Zedlitz bestritt, daß die Landräte Wahlbecinflussungen treiben. Ist denn das während seiner land rätlichen Tätigkeit nicht vorgekommen?(Große Heiterkeit links.) Auch die Sozialdemokraten üben in den Städten Terror. Für die Regierung ist die Krone der Bildung der Unteroffizier und der gewesene Einjährige! Die Bevorzugung der ehemaligen Soldaten ist eine ungerecht fertigte Zurücksetzung der Gewerbetreibenden und vor allem der Bauern.(Sehr richtig! links.) Aber auch die Bevorzugung der Examens bildung ist verkehrt: alle die Künstler, die akademische Bildung nicht genossen haben, z. B. Lenboch, der Maurerlehrlina war, werden zurückgesetzt. Das soll eine Lösung sein, die uns befriedigt?— Ich nehme an. daß dieser Punkt der Vorlage noch abgeändert wird, wenn überhaupt etwas herauskommt. Ob etwas herauskommt, vermag noch niemand zu sagen. Die Konservativen verhalten sich in kluger Taktik höchst zögernd. Eigentlich brauchten sie daS nicht. Wie wenig den Liberalen mit der Vorlage entgegengekommen ist, zeigt der Umstand, daß auch die Stadtverordneten bei den Privi- legterungen ausgenommen find. Für die Freisinnigen hat mein Freund Träger eS bereits ausgesprochen, daß wir die Vorlage in ihrer jetzigen Fassung schon deshalb für unannehmbar erklären müssen, weil fie das geheime Wahlrecht nicht enthält. Nur eine einzige Partei ist mit der Vorlage zufrieden. DaS ist die Sozialdemokratie. Denn für fie ergibt sich hier ein Agitationsstoff, wie er sich nicht besser wünschen läßt.(Zuruf bei den Sozialdemokraten: Wir brauchen schon so keinen!) Wir hoben gestern schon gehört, daß ein Volkssturm vorbereitet werden soll. Das ist das Verhängnisvolle an dieser Borlage, daß fie wir ge- schaffen ist für die Sozialdemokratie. Aber ein« möchte ich Ihnen(zu den«oz.) sagen: Urben Sie Selbstzucht, steigen Sie nicht auf die Straße, wenden Sie nicht ungesetzliche Mittel an, Sie haben genug gesetzliche. Mit Slraßendemonstrationen bereiten Sie nur den Gegnern eines gesunden Wahlrechts eine Freude.(Sehr richtig! bei den Freisinnigen.) Warum hat der Ministerpräsident uns ein solches Minimum an Reformen vorgeschlagen? Seine Rede war eher ein Plaidoher gegen die Resonnbedürstigkeit des Wahlrechts als dafür.(Zustimmung links.) Seine Unemichlossenheit läßt nickt die Tatkraft erwarten, um alle Widerstände zu besiegen lind das Schiff durch alle Klippen hindurch- zusteuern. Ein Grund für die Einbringung der Vorlage mag die Thronrede gewesen sein. Ein zweiter ist der, daß der Mimster- Präsident eine veränderte politische Lage gefunden hatte. Die Zeit deS Blocks liegt hinter u»S. Die Reform mußte komnien; aber nur so, daß sie die Konservativen und das Zentrum nicht verletzte, sondern möglichst noch begünstigte. Darum also die politische Philosophie! Das nennt man dann: an daö Gegebene anknüpfen I Das nennt man„organische EntWickelung" l(Sehr gut! links.) Eins ist sicher Fürst Bülow hätte uns diese Vor- läge nicht gemacht. Ob nun etwas frerauskonnnt oder nichts oder wenig, das eine ist gewiß: Auf diep r Grundlage kann die Wabl- rechlsfrage nie und nimmer gelöst werden. Der Ruf nach Rechts- gleichveii hierin wird nicht verstunimen, er wird die nächste Zukunft beherrschen.(Zustimmuiig links.) DaS Drängen der Bevölkerung geht aus eine stärkere Beteiligung am politischen Leben. Man kann Preußen nicht vorenthalten, waS andere Länder längst befitzen.(Sehr richtig! links.) Es ist ein schwerer Irrtum de« Abg. Schiffer, wenn er aus den Worten unseres Parteifreundes Traeger glaubt herausgehört zu haben, daß wir von einer Uebertrogung des Reichstagswahlrechts auf Preußen nichts mehr wissen wollen.(Sehr richtig! links.) Eine solche Uebereinstimmung zwischen dem Reich und Preußen muß er- folgen, weil Preußen und daS Reich dieselben Grundlagen deS staat- lichenLebenS haben. Der Ministerpräsident bestreitet diese Homogenität. Aber weil wir in den verschiedenen Bundesstaaten, und besonders in Preußen, ein Wahlrecht habet», das sich so vom Reichstagstvahlrecht unterscheidet, deshalb kommen wir nicht vorwärts, deshalb kommen wir zu keiner Einheit. Es ist bekanntlich zur Gewohnheit geworden, daß ein Gesetzentwurf des Reiches immer erst an das betreffende preußische Ressort zur Begutachtung gelangt.(Sehr richtig! links.) Hier haben wir diesen Zusammenhang l Frhr. v. Zedlitz hat gestern ein Wort geäußert, ein recht ge- fährliches Wort, das ich am wenigsten gewünscht hätte, von ihm zu hören: Reich oder Rcichstagswnhlrccht! Was kann das anderes beißen, als daß das Reichstagswahlrecht fallen muß. Was unter- scheidet Herrn v. Zedlitz noch von Herrn v. Oldenburg?(Sehr gut I links und Heiterkeil.) Herr v. Zedlitz ist nicht so kriegerisch ver» anlagt, er wird nicht gleich zu Bajonetten greifen, sondern zu Paragraphen. Wir können aber nicht entschieden genug gegen solche? Wort Protest erheben. Mag im Reiche und seinem Wahlrecht sich manche unerfreuliche Erscheinung gezeigt haben, aber im ganzen hat der Reichstag den sozialen Sinn geweckt wie kein anderes Parlament. Der Reichstag hat auch in nationalen Fragen nicht versagt. Zuletzt ist das für die Landesverteidigung Notwendige noch immer bewilligt worden.(Sehr richtig! links. Widerspruch rechts.) Freiherr v. Richlhofen glaubte ein recht starkes Argument auszusprechen, wenn er sagte, daß die Demokratie in militärischer Beziebung Schwierigkeiten mache. DaS Gegenteil ist der Fall. Blicken Sie auf Frankreich und England. Sind nicht in England die breiten PolkSmaffen jetzt geradezu aufgeregt worden, wenn auch auf Grund des Irrtums, daß Deutschland eine» Ueberfall beabsichtige? DaS Volk hat sich überall bereit gefunden, sein Vater- land zu schützen. WaS sich im Reiche bewährt hat, wird sich au» in Preußen bewähren.(Sehr richtig I links.) Man hat st» doch sonst in Augenblicken der Gefahr des Volkes so gern erinnert, so 1813 und 1866. Damals hat man eö empfunden, was eS bedeutet, sich auf gleich- berccktigte Bürger stütze» zu können. Denken Sie daran, daß England das Musterland des Parlamentarismus und dabei eine der mächtigsten Nationen der Erde geworden ist. Wir werden auch in Preußen zu einem Parlament kommen müssen, dessen Zusammen- setzung uns die Bürgschaft gibt, daß eS die Gesamtinteressen der Nation vertritt und nichts anderes.(Lebhafter Beifall links.) Ministerpräsident von Bethmann Hollweg: Ich will Ihre Aufmerksamkeit nur für zwei Worte in Anspruch nehmen. Ich habe nicht die Absicht, in eme Poleinik einzutreten gegen die Ausführungen des Abg. Dr. Pachnicke, die wir soeben gebört haben.(Bravo I rechts.) WaS ich für erforderlich gehalten habe zur Wahlrechtsvorlage zu sagen, habe ich vorgestern gesagt.(Zuruf links: ES war herzlich wenig!) Ich muß dagegen Widerspruch erheben. daß der Abg. Dr. Pachnicke eS so dargestellt hat, als träte die StaatSregierung ein Rückzugsgefecht an, wenn sie diese Vorlage vorlegt. Glauben die Herren, daß ich mich zum Spaß hier hinstelle und eine Borlage einbringe, die in einschneidender Art unser Ber- fassungswesen ändert?(Unruhe links.) Ich habe vorgestern ge- sagt, daß die königliche StaatSregierung mit ihrer Verantwortung Vinter dieser Vorlage steht und ich habe Anspruch daraus, daß das für ernst genommen wird, was ich hier im Namen der Staats- regierung erkläre.(Bravo I rechts, Lachen und Unruhe links.) Abg. Malkwitz(k.): Der Abg. Ströbel hat das bestehende Wahlrecht grimmig be- kämpft und die Vorlage einen W e ch s e l b a l g und hundS- föttisch genannt. In dieser Tonart wird die Sgitation gegen unser Wahlrecht von der Presse der Sozialdemokratie, aber auch vom „Berliner Tageblatt" geführt, das gerade jetzt seine Jdeengemeinschast mit der Sozialdemokratie deutlich verrät. Dabei halten naive Leute dieses Blatt noch immer für ein bürgerliches Blatt. Durch die Art, wie das„Berliner Tageblatt" den Ministerpräsidenten angreift, wie es sagt, vom Familienstolz sei der Minister schon in seiner Jugend auf- gebläht gewesen und seine Karriere habe er nur durch Konnexionen gemacht, ist der sozialdemokratische Charakter des Blattes erwiesen. Herr Ströbel hat hier Gründe für die Wahlreform bis aus der aschgrauen Zeit deS ms primae noctis hervorgeholt. Wo besteht dieses Recht in Preußen heute no»?(Zurufe bei den Sozial- demokracen.) Wo gilt dieses schöne Recht noch?(Stürinische Heiter- keit.) Ganz Süddeutschland soll sich nach Herrn Träger über die Wahlrechtsvorlage aufgeregt haben. Ja. warum regen sich denn die Herren aus?(Sehr gut I rechts.) Wir haben uns doch über die bayerische Wahlreform auch nicht aufgeregt! Die Wahlrcform ist eine rein preußische Angelegenheit, in die sich niemand einzumischen hat.(Bravo! recktS.) Wir haben gegen jede Wahlreform schwere Bedenken, weil wir an dem alten konservativen Charakter deS preußischen Staates mit aller Zähigkeit festhalten wollen.(Aharufe links.) Auch w i r haben den Willen zur Macht.(Lautes Lachen links.) Wir wollen den demokratischen Aspirationen im Reiche in Preußen das Gleich gewicht halten.(Bravo! rechts, Lachen links.) Wenn der Freisinn für daS Reichstagswahlrecht in Preußen eintritt, so übt er Selb st m o r d, denn er würde dann hier aus dem Hause verschwinden. (Sehr richtig I rechts.) So schlecht sind wir nicht. Wir wünschen Sie noch reckt lange hier zu sehen.(Große Heiterkeit, Ruf links: .Und in Fürsorgeerziehung zu nehmen 1"(Stürmische Heiterkeit.) Ein Teil des Hauses scheint die Fürsorgeerziehung dringend notwendig zu haben.(Große Heiterkeit.) Weshalb haben die Liberalen das Wahlrecht nicht geändert, als fie die Mehrheit hier hatten?(Sehr gut! rechts.)� Damals gefiel ihnen das Wahlrecht ganz ausgezeichnet.(Heilerkeit.) Man verweist uns auf die Thronrede. Nun, die Rechts und die Linke haben ja schon recht häufig Gesetzesvorlagen abgelehnt, die in einer Thron rede angekündigt waren.(Sehr richtig! rechts.) Nuch sonst schwört die Linke doch nicht auf Thronreden.(Sehr gut! rechtS.) Aber selbstverständlich mußte daS Königswort eingelöst werden, und daS ist von feiten der Regierug geschehen. ES ist eine ständige Begleiterscheinung aller Wahlrechtsreformen, daß, wenn man die Frage der Reform einmal anrührt, man jähr- z e h n t e l a n g an ihr herum zu doktern hat.(Sehr richtig! recktS.) Wir sehen daS ja auch an Sachsen. In den neuen Vorschlägen über das Auftücken in höhere Klassen sehen wir eine Schwächung des Einflusses deS Mittelstandes, und wir werden deshalb danach zu trachten habei», für die ungeschmälerte Auftechterhaltung der berechtigten Stellung des Mittelstandes im heutigen Wahlrecht einzutreten. (Beifall rechts.) Wenn wir daS tun, so richtet sich daS in keiner Weise gegen die Beamten, für die allein die Regierungsvorlage Privi- legien vorsah. Wir legen Verwahrung ein gegen die Art, wie eine gewisse Presse unsere Beamten in geradezu hahnebücheuer Weise beleidigt. (Beifall rechts, Zuruf links! Hahn?) Ich meine nicht Herrn Dr. Diederich Hahn, sondern ich meine daS Ihnen so itahe> siehende„Berliner Tageblatt". Ich weiß mich mit der großen Mehrheit dieses HauseS eins, wenn ich die Art der Bewertung des preußischen Beamtenstandes, wie sie durch dieses Blatt erfolgt ist, mit Entschiedenheit zurückweise.(Lebhafter Beifall rechts.) Wenn so ein Mann auch aus einem Pferde- oder Ochienstall in Ostclbien stammt und 12 Jahre mit Ehren des Königs Rock gelragen hat. so kann er dann als preußischer Beamter ein nützlicheres Element des preußischen Staates sein als ein Mann, der derartig unwürdige Beleidigungen gegen den Beamtenstand schleudert. (Großer Beifall rechts.) No« zur geheimen Stimmabgabe. Wenn wir das Wahlrecht nicht schon Leuten von 21 Jahren und auch nicht den Frauen geben wollen, so tun wir das, weil wir ans der BolkSvertrctung nicht eine Kinderstube machen wollen.(Beifall rechts.) Wir geben aber schon das Wahlrecht in einem Alter von 24 Jahren und sind demokratischer in der Beziehung als das Reich und manche Einzelstaaten. Das Wohlreicht bekommen auch Millionen von Wählern, die nicht einen einzigen Pfennig SlaatSeinkommensteuer zahlen. Man darf aber die Wähler nicht von ihrer Verantwortlich- reit entbinden. Eine Schwächung des BerantwortlichkeitsgefühlS kann sehr wohl von verhängnisvollen Folgen für den Staat be« gleitet sein.(Sehr richtig I rechts.) Der Terrorismus der Sozial- demokratie ist gewiß bedauerlich, aber ihn beseitigen zu wollen dadurch, daß man den Terroristen den Willen tut, geht nichl an. Wir werden Versuchen auf Abänderung des Wahlrechts gerade in bczug auf die öffentliche Stimmabgabe lebhaftesten Widerstand entgegensetzen. Auch müßten sehr gewichtige Gründe ins Feld geführt werden, wenn wir die Drittelung antasten sollten. Der Abg. Ströbel bedauerte, daß da? HauS sich nicht dem Vor- gehen seiner Parteigenossen neulich angeschlossen hat. Er möchte eben die Sckuld aus brettere Schultern wälzen. Er unterschätzt aber doch die große Zahl der anständigen Leute in allen bürgerlichen Parteien hier im Hause(Lebhafter Beifall rechts), die sich trotz mannigfacher und starker politischer Meinungsverschiedenheiten immer zusammenfinden auf dem Wege bürgerlicher und parlamentarischer Wohlanständigkeit.(Lebhafter Beifall rechts.) Nach diesen Vorgängen wundert eS mich nicht mehr, daß wir vor einigen Tagen in unseren Mappen eine Benachrichtigung fanden, daß wir wegen der Voraussicht» ltchen Demonstrationen durch die Leipziger Straße das Haus be» treten sollten. Ich kann begreifen, daß man mit Fürsorge für uns erfüllt gewesen ist(Heiterkeit), aber ich muß doch sagen, daß diese Sorge außerordentlich niederdrückend wirkt, wenn es so weit gekommen sein sollte, daß die gewählten Bolls- Vertreter nickt mehr geraden Schrittes in das VolkshauS hineingehen könnten.(Lebhafte Zustimmung.) So unbegreiflich war mir andererseits diese Mahnung nicht, demi die Regierung konnte nicht annehmen, daß die Genossen autzerhalb des Hauses sich würdiger benehmen als ihre Führer hier im Hanse.(Lärniender Beifall rechts.) Den Trumpf darauf setzte die sozialdemokratische Presse, die da schreibt, daß der Ministerpräsident das preußische Volk in den Zustand der Sklaverei zurückführen woll. Sklaven sehen anders aus als unser preußisches Volk, das in seinen wirtschaftlichen Berhält- nissen so gründlich vorwärts gekommen ist.(Sehr richtig I rechts.) DaS Unwürdigste undSchlimmste ist, daß die Genosien aus bürgerlichen Kreisen Zuzug bekommen. So wird der Abg. Schiffer z. B. vom„Verl. Tagebl." getadelt, weil er unter dem brausenden Beifall des HauseS die Sozialdemokraten vor Straßendemonstrationen gewarnt hat. Höhnisch sagt das Blatt hierzu, man sei ja natürlich von vornherein davon überzeugt, daß die Abgeordneten Schiffer, Schmieding und Genossen für ihre Ueberzeugung niemals auf die Barrikaden steigen würden. Ja, ich weiß nicht, ob die Männer deS„Berliner Tageblatt", die die» geschrieben haben, für ihre Ueberzeugung aus die Barrikaden steigen würden.(Lärmender Beifall und große Heiterkeit rechts.) Ich bedauere auch tief, daß selbst ein national- liberales Blatt, der„Hannoversche Kurier". eS fertig bekommen hat, die Schuld an den neulichen unerhörten Vorgängen hier nicht nur denen zuzuschreiben, die„Pfui!" gerufen haben, sondern auch auf diejenigen auszudehnen, die dagegen protestiert haben.(Hört! hört I) Der Abgeordnete Ströbel hat sich gestern hier als Verteidiger der Krone aufgespielt, und er mußte in demselben Augenblick vom Präsidenten wegen Berletztmg der Ehrfurcht vor der Krone zur Ordnung gerufen werden. Er hat dann ein Loblied auf die Sozial- demokratie als Kulturpartei(Lachen rechts) gesungen, ein Loblied, das von den Herren Breitscheid und v. Gerlach laut nochgesungen wird.(Sehr richtig! rechts.) Dann wurde Herr Ströbel poetisch, und da gefiel er mir am besten. Ich hörte ordentlich die Kronen der deutschen Eichen rauschen. Er sagte: Wir lieben unser Vaterland I Ihre Presse aber bewirft unser Vaterland mit Beschimpfungen. Wir von der Rechten, nicht Sie(zu den Soz.) treten für den Mittelstand ein. und in seinem Interesse halten wir das geltende Wahlrecht für gut, daS dem Mittelstand den ausschlaggebenden Einfluß in der zweiten Abteilung sichert. Wir werden weder in der Kommission noch später im Plenum die für den Mittelstand unerläßlichen Bestimmungen deS geltenden Wahlrechts preisgeben. Der alte tüchtige preußische Staat darf nicht durch Wahlrcchtsexperimente gefährdet werden.(Lebhafter Beifall rechts, Gelächter links.) Abg. Dr. Krause(natl.): Daß ein moderneres Wahlrecht das Parlament nicht um eine konservative Vertretung bringt, zeigt das Beispiel des Reichstags. DaS Reichstagswahlrecht hindert die Existenz einer starken konscr» vativen Partel im Reichstag nicht. Die konservative Partei hier— und nur diese kommt in Frage— könnte sehr wohl aus ihrer Mitte Minister stellen, die den Durchschnitt unserer Minister weit überragen würden. Herr Malkwitz hat von der Linken Beweise von der Reform- bedürftigkeit des Wahlrechts gefordert. Eine merkwürdige Forderung angesichts der allgemeinen Unzufriedenheit mit dem Wahlrecht.(Sehr richtig I links.) Die Bedeutung der Industrie kommt bei uns der Bedeutung der Landwirtschaft mindestens gleich. Das heutige Wahl- recht aber begünstigt einseitig die Landwirtschaft. Wenn man Gireist und Sybel gegen uns ausspielt, so könnten wir ebenso gut hervor- ragende Konservative gegen den konservativen WahlrechlSstandpunkt anführen. Mit der direkten Wahl will die Regierung daS politische Interesse neu beleben. Herr v. Zedlitz beftirchtet umgekehrt von der direkten Wahl eine agitatorische Verhetzung des Volks. Diese Befürchtungen sind nichi berechtigt. Agitation muh sein. Agitieren die Herren von der Rechten etwa nicht?(Zuruf links: Und wie! Heiterkeit.) Wüste und verhetzende Agitation mißbilligen wir auch, aber wir werden eine dauernde und noch viel wüstere Agitation bekommen, wenn das Wahlrecht nicht reformiert wird.(Sehr richtig! links.) Die Vorschläge der Regierung wegen der Privilegierung eiitzelncr Gruppen lassen das sozial-versöhnende Moment vermissen.(Sehr richtig I links.) Herr v. Richthofen hat auf England verwiesen. Nun, auch Eng» land hat die öffenUiche Wahl abgeschafft und die geheime Wahl ein» geführt, Auch die Engländer sagten sich, daß eS das kleinere Uebel ist, die öffentliche Wahl preiszugeben, als eS dahin zu bringen, daß die Wähler entweder gegen ihre Ueberzeugung oder garnicht stimmen. Wenn die Unselbständigen und wirtschaftlich Schwachen ein Wahlrecht haben sollen, dann müssen wir das geheime Wahlrecht einführen. Nur die Stimmen, die nach der Ueber» z e u g u n g abgegeben werden, haben ethischen Wert. Herr v. Bethmann hat zwar gesagt: wir würden einander in der Streit- ftaae, ob geheime, ob öffentliche Wahl, nicht überzeugen, aber ich hoffe, daß gerade bei einer so emiiient lauteren Persönlichkeit, wie unser Ministerpräsident eS ist, die ethischen Gründe für die geheime Wahl iwch nicht ganz verhallen werden. Wir rechnen ans eine Mehrheit für sie in diesem Hause, und wenn sich dann die Re» gierung auf die Seite dieser Mehrheit stellt, damr wird das Herrenhaus die geheime Wahl sicherlich nichl ablehnen. Wenn eS eine so starke konservative Strömung im Lande gibt, wie Herr v. Zedlitz behauptet, warum fürchten dann die Konservativen daS geheime Wahlrecht? Die LandrLte haben bei der öffentlichen Wahl einen unzulässigen Einfluß auf das Wahlergebiiis, und sie sind in der Tat mächtiger als nnsere Miilister. Wir konimen nicht darüber hinweg, daß wir eine Parteiregierimg haben, eine konservative Partcircgienmg. Der Minister mag sich dagegen wehren, wie er will. eS ist eben eine Tatsache, daß die Negiermia sich nolsns volens dem konservativen Einfluß imterwirft. Dir Spatzen pfeifen es von den Dächern, daß die Konservative» im Lande und in der Staatövcrwal- tung bevorzugt werden.(Sehr richtig! links.) Wir wissen, daß der Ministerpräsident so etwas sicherlich nicht billigen wird, aber er muß seinen Instanzen mit aller Deutlichkeit zu erkennen geben, daß eine derartige Bevorzugung zugunsten der Konservativen bei der Be» setzung von Aemtern fortan auf sein« Billigung nicht zu rechnen Have.(Lebhaste Zustimmung links.) Diese Forderung muß daS f>anze Hou-Z stellen, aucV die Konservativen, wenn fie nicht elbst tvollen, daß der Se'wn einer Parteiregierung erweckt wird. Ich habe oft in konservativen Kreisen die Aenßerimg gehört, daß CS durchaus nicht richtig sei, die Menschen in der Bildung zu heben, daß die Bildung für unsere Jugend, namentlich der niederen Stände, nicht notwendig sei I Sie er zeuge Unzufriedenheit und mache die Leute unbequemer und rebellischer! Das ist so eine je»er Aeuberungen. die Unruhe im Lande erregen. Hinzu kommt weiter die kastemnößige Abschlieffemg und ein gewisser Herreystandpunkt bei ocn Konservativen. Man will noch nicht so recht mit dem Kaufmann und dem Industriellen arbeiten. Eime liberale Verivaltung— liberal nich» im parteipolirischen Sinne— würde biele höhere bürgerhiche Elemente von der Sozialdemokratie wegführen. Der Abg. v, Richlhofen sprach vom Kokettieren mit der Sozial- demokratie. Er ha, sicherlich das Zentrum gemeint,(Heiterkeit.) Wir lassen dem Zentrum in dieser Beziehung den Vortritt. Aber die Rechte frage ich: Ist es ihr noch nicht aufgefallen, daß in allen Ländern, i» denen liberale Strömungen vorherrschend sind, wie in England und Frankreich, die Art der Betätigung der Sozialdemokratie eine ganz andere ist wie in Deutschland?(Sehr richtig I links.) Daß die Sozialdemokratie dort mit Recht Anspruch machen kann auf die Bezeichnung einer nationalen Partei I Diese nationale Betätigung der Sozialdemokratie in Frankreich und England Hot die dortigen Arbeitermassen gehindert, ein so inlransigentes, in Ton und Inhalt maßloses Berbalten einzunehmen als bei uns. Soldte nicht doch ein innerer Zusammenhang bestehen zwischen liberaler Regierung und dieser Betätigung der Sozialdemokratie?(Sehr wahr l bei den Nationalliberalen.) Weiter möchte ich der Rechten sagen, daß in kei»em monarchisch regierten Lande die monarchischen Institutionen als solche von den bürgerlichen Parteien so wenig angegriffen werden wie in Deutschland und Preußen.(Sehr richtig! links.) Der Reichstag hat ein demokratisches Wahlrecht, und das Reich ist trotzdem monarckiisch. Wir Nationalliberalen und auch diejenige» Weiler linlSstehenden Parteien, die nicht unter allen Umständen jetzt das Reichsiagswahlrecht für Preußen durchsetzen wollen, wünschen viel eher ein aristokratisches Wahlrecht als ein demokratisches. Die Sozialdemokratie ist allerdings nicht nur demokratisch, sie ist nuck antimonarchisch, und sie ist auch— darüber können uns auch die längsten, stundenlangen Reden nicht hinwegtäuschen— antinational. M» aller Schärfe muß aber betont werden: Die Sozialdemokratise ist antiiiatiolial, aber nickt die deutschen und preußischen Arbeiter. (Lebhafte Zustimmung bei den Nationalliberalen.) Auch hier Halle ich es für notwendig, der Fiktion entgegenzutreten, als ob Arbeiter- schaft und Sozialdemokratie identisch seien.»Sehr richtig! bei den Nationalliberalen.) Wir haben zahlreiche Arbeiter, die gut national und monarchisch sind. Wir verstehen unter national den Stolz ans eine wunderbar große Geschichte.(Lebhafte Zustimmung bei den Nationallib.) Wir verstehen darunter, daß das ganze Volk in voller Einmütigkeit in den Jahre» 1870 und 1871 zur Ehre seines Königs und des Landes zusammengestanden hat.(Lebhafter Beifall bei den Naiionallib. und rechts.) Wir verstehen darunter, daß wenn einmal wieder trübe und ernste Zeiten heraufbeschworen werden, dann wieder ohne Rücksicht ans Stand und ohne Rücksicht aus die politische Gesinnung und Parteiung wir alle wieder zusammenhalten werden. Diese nationale Gesinnung, die die deutsche Sozialdemokratie nicht kennt, bei dieser Borlage mitsprechen zu lassen, ist unsere patriotische Pflicht.(Lauter Beifall bei den Nationalliberalen.) Ministerpräsident v. Bethmaun H-llwrg, per sich zum Worte gemeldet hatte, winkt ab. Abg. Dr. v. Wvyna wisse Anzahl zu Klosse zwei, plötzlich zwischen Hans mit 4 Talern 7 Silbergroschen und Kunz mit 4 Talern 6 Silbergroschen reißt die Reihe ab und die anderen werden mit dem Proletariat zusammengeworfen. Wenn der Erfinder dieses Wahlgesetzes sich die praktische Wirkung desselben vergcgen- wältigt hätte, hätte er es nie gewacht. Eine ähnliche Will- kürlichkeit und zugleich eine Härte liegt in jedem Zensus, eine Härte, die da am fühlbarsten wird, wo dieser Zensus abreißt, wo die Ausschließung anfängt. Wir können es dem Aus- geschlossenen gegenüber doch wirklich schwer motivieren, daß er deshalb, weil er nicht dieselbe Steucrquote wie sein Nach- bar zahlt— und er würde sie gern bezahlen, denn sie bedingt ein größeres Vermögen, das hat er aber nicht— er gerade Helot und politisch tot in diesem Staatswesen sein solle. Diese Argumentation findet überall an jeder Stelle An- Wendung, wo eben die Reihe derer, die politisch berechtigt bleiben sollen, abgebrochen wird." Im weiteren Laufe seiner Rede verteidigte Bismarck den Vorschlag der Regierungen, in das Gesetz hineinzu- schreiben:„Beamte im Dienst sind nicht wählbar." v. Beth- mann Hollweg schwärmt bekanntlich dafür, den Beamten, weil sie abhängig sind, einen größeren Einfluß auf die Zusammen- setzung des Parlaments zu geben oder vielmehr der Regie- rung, die das Abhängigkeitsverhältnis durch die öffentliche Wahl zum Terrorismus gegen die Beamten mißbrauchen kann. Bismarck führte aus: „Da ich einmal das Wort habe, so bemerke ich noch einiges über den Schlußpassus des Artikels, nämlich den Ausschluß der Beamten. Diese Bestimmung hat ihren Grund in den mannigfachen Uebelständen, die mit der Beteiligung der Bc- amten an den öffentlichen Verhandlungen zweifellos ver- bundcn sind und die hier von der Tribüne her schon berührt worden sind. Als einen derselben, der hier noch besonders maßgebend hat sein können, bezeichne ich die Besorgnis, daß Beamte zu sehr geneigt sein möchten, den partikularistischrn Regungc« derjenigen Bundesregierung, der sie dienen. Aus- druck zu geben in der Versammlung. Die anderen Gründe dagegen sind mehr allgemeiner Natur, und für mich der Hauptgrund ist die Lockerung der Disziplin in dem Beamten- stände. Je mächtiger die parlamentarischen Einflüsse auf das KtaatslÄen einwirken, desto notwendiger ist meines Er- I achtens eine straffe Disziplin in dem Beamienstanbe. Mr haben in Preußen augenblicklich gewissermaßen zwei Ver- fassungen, die nebeneinander laufen: wir haben die alte Kon- stitution des Absolutismus, die ihre Schutzwehr gegen Will- kür in der Unabsetzbarkeit der Beamten fand und wir haben die moderne konstitutionelle Verfassung, mit welcher in fast allen anderen Ländern diese Unabsetzbarkeit der Beamten unverträglich gedacht wird. Wir— wenn ich sage„Wir", so meine ich in diesem Augenblick die preußische Regieruilg— die Regierung, welche handeln, sich bewegen soll, fühlt sich gehemmt von allen Seiten. Sie kann nicht einmal ein«« Beamten, der zwar formell ihren Anordnungen gehorcht, der aber in den Geist nicht eingeht, sie kann ihn nicht absetzen. Es hat das seine großen Vorzügel Ich möchte die In- tegrität des preußischen Beamtenstandes, sein Ansehen, sein Gefühl der Würde, das ihn bei schlechter, oft unzulänglicher Besoldung über Versuchungen hinweghebt, um keinen Preis verloren geben und möchte lieber die Uebelstände einer ge- hemmten und genierten Regierung noch länger tragen, als unbesonnen in diese Schwierigkeiten hineinschneiden. Aber gerade, weil wir sie nicht beliebig beseitigen können, so be- dürfen wir aller Mittel, die geeignet sind, eine strenge Dis- ziplin festzuhalten und scheuen uns vor allem, was geeignet ist. sie zu lockern. Ich kann nicht behaupten, daß es im Lande einen günstigen Eindruck macht, ich kann kaum daran zweifeln, daß es das unbehagliche und berechtigte Gefühl. daß etwas krank sein müsse im Staate, hervorruft, wenn man erlebt, daß in der Oesfentlichkeit ein Beamter seinem höchsten Chef entgegentritt und ihm gegenüber uitd in bezug auf ihn öffentlich eine Sprache führt, die derselbe Beamte unzweifel- hast zu wohlerzogen ist. um sie zu Hause seinem Kanzlei« diener gegenüber zu führen.(Bewegung.)" ver 10. Zzhrezlisngrek der driliichen llrbelterpsrte!. Newport, S. Februar.(Eig. Ber.) Der Arbeiterkongreß des Vereinigten Königreichs begann am 8. Februar seine Tagung mit einer außerordentlichen Konferenz der Partei, und Gewerkschaftsdelegiertcn, die voll- ständig der Frage gewidmet war, welche Matzregeln zu ergreifen wären, um das Urteil der Lordrichter in Sachen OSborn« gegen die Eisenbahner, wonach o b l i g a» torische Beiträge der Gewerkschaften für poli» tische Zwecke ungesetzlich seien, zu beseitigen. Die Beratungen fanden unter Ausschluß der Oesfentlichkeit statt. Nach Beendigung der Sitzung wurde vom Parteisekretariat folgendes Referat veröffentlicht: Der Abg. Shackleton, der den Vorsitz führte, erklärte: DaS Urteil der Lordrichter in Sachen Osborne gegen die Eisen- bahner ist so umfassend und tiefgreifend, daß es jede politische Tätigkeit der Tradcs Unions unmöglich machen würde, wenn es be» stehen bleiben sollte. Es ist noch wichtiger als das berüchtigte Taff-Vale-Urteil. ES will nicht anerkennen, daß die Gewerkschaften stetS Politik getrieben haben und datz der Trade-UnioniSmuS sich der politischen Waffe bedienen mutz. Die organisierten Arbeiter dürfen diese ganze Angelegenheit nicht auf die leichte Schulter nehmen oder auf irgendwelche Kompromisse eingehen. Sie müssen kämpfen, bis ihre politischen Rechte und ihre Autonomie anerkannt sind. Ich empfehle deshalb die Annahme der Resolutionen t und 2, die auf eine gesetzliche Ausweitung des Begriffs TradeS-Union hinzielen und die politischen Massen und Ziele den Arbeitern ge» währleisten wollen. Keir Hardie erklärte: Resolutionen 1 und 2 müssen angenommen und durchgesetzt werden. Innerhalb der organisierten Arbeiterbewegung gibt es wohl Meinungsverschiedenheiten über die Taktik der Arbeiterpartei; aber vollständige Uebereinstimmung über die Notwendigkeit der Arbeiterpartei. Ich hoffe, die Dele- gierten werden die Tragweite deS Lordsurteils erfassen; eS �ndelt sich nicht nur um die Existenz der Partei, sondern um die poli- tischen Rechte der Trades-UnionS. Bleibt das Urteil in Kraft, so ist es den Gewerkschaften rein unmöglich, politisch tätig zu sein. Aus den Diskussionen ging hervor datz die Konferenz nicht willens ist, die Resolution 3, die die Sammlung von frei» willigen Beiträge für Wahl- und Diätenzwecke vorschlägt, anzu» nehmen. Die Konferenz hat deshalb einstimmig ihre Zurückziehung beschlossen. Sie will den herrschenden Klassen keine Konzessionen machen; sie besteht auf die Einbringung und Durchsetzung einer Novelle zum Trades-UnionSgesetze, um die politische Tätigkeit und die obligatorischen Beiträge für die Arbeiterpartei zu legalisieren. .' Heute traten die Delegierten, deren Zahl sich auf rund 500 belauft, in die Tagesordnung des Kongresses ein. Den Borsitz übernahm Keir Hardie. Seine Eröffnungsrede, die wie gewöhnlich, vom Parteivorstand am Vorabend der Kongreß» eröffnung abgefaßt wurde, lautete: „Unser lv. JahreSkongretz tritt unter Umständen zusammen« die uns mit Hoffnung und Vertrauen erfüllen. Vor 10 Jahren betrug die Mitgliederzahl der Partei 313 931; heute 1431 368. Bei der. Wahlen des Jahres 1900 hatten wir 16 Kandidaten, die 70 000 Stunmen auf sich vereinigten; im laufenden Jahre hatten wir 77 Kandidaten, die 506 696 Stimmen erhielten. Damals waren nur 2 Kandidaten erfolgreich, jetzt 40.(Beifall.) Diese trockenen Zahlen zeigen zwar unseren Fortschritt, aber sie können die Tiefe und den Umfang unseres SLirkens nicht erschöpfen. Vor zehn Jahren gab es keine Alterspensionen. Keine Spur von Fürsorge für Heimarbeiter und für bedürftige Schulkinder. Jetzt wendet sich keine politische Partei an die Arbeiter, ohne von Sozialreform zu sprechen und ihnen ihre Sympathie auszudrücken. Vor 10 Jahren machten wir den ersten schüchternen Versuch, Gewerkschaften und sozialistische Organisationen zusammenzu» bringen. Auf beiden Seiten herrschte Mißtrauen. Die letzten 10 Jahre haben das Mihtrauen zum größten Teile verscheucht und eine Kameradschaft und harmonisches Zusammenarbeiten zwischen beiden hergestellt. Die Gegner dieser gewerkschaftlich-sozialistischen Allianz find entweder bekehrt worden oder sie haben irgendeinen fetten Posten bei der Regierung erhalten. Besonder? freut es mich, die Delegierten der Bergleute unter uns zu sehen. Es gibt nunmehr keine Arbeiterkategorie, die nicht in der Arbeiterpartei durch starke Organisationen vertreten wäre. (Beifall.) Mit den Ergebnissen der Wahlen find wir nicht ganz zufrieden. Aber sie haben uns viele Schwächen enthüllt, an denen unsere Or- ganisationen leiden und die wir beseitigen müssen. Besonders un- angenehm ist die Konstatierung der Tatsache, datz die Führer der irischen Partei gegen uns gewirkt haben. Und doch ist die britische Arbeiterklasse die einzige Macht, die für Homerule ehrlich eintritt und für sie mit Erfolg wirken kann. Eine der grötzten Schwächen in unserer Partei besteht darin, datz die Wahlagitatoren, Wahlredner, Wahlorganisatovcn nicht mehr freiwillig ihre Dienste hergeben wollen, sondern für jede Dienstleistung Zahlung verlangen. Das darf nicht sein. Mehr Aufopferungsfähigkeit, mehr Hingebung, mehr Idealismus sind absolut nötig, wenn unsere große Sache siegen soll.(Beifall.) Die ganze Presse des Landes spekuliert jetzt, welche Haltung wir im Parlamente einnehmen werden. Manche hoffen auf Un- einigkeit in unseren Reihen, andere wieder auf ein Uebcrein- kommen mit einer der großen Parteien. Alle diese Hosfirunge» werden zuschaicden werden. Wir sind cmig. Wir find selbständig. Wir bleiben, was wir waren: eine selbständige Partei der Arbeiter zur Förderung der Interessen der Arbeiter. Wir haben tocder den Liberalen noch den Konservativen etwas zu verdanke«, Beide Pa» feien haben gegen uns gekämpft und wir haben gegen beide ge- kämpft. Wir sind unzufrieden mit der unentschlossenen Haltung der Liberalen gegenüber dem Hause der Lords. Wer mit den LordS spielt, gefährdet die Demokratie. Der Ministerpräsident Asquith ist anscheinend nicht geneigt, eine unzweideutige Borlage gegen die LordS einzubringen. Ebenso wissen die Liberalen noch nicht, ob sie die erbliche Kammer reformieren oder sie durch eine gewählte ersetzen sollen. Die Arbeiterpartei wünscht weder eine reformierte noch eine gewählte zweite Kammer. Jede zweite Kammer ist ihrer ganzen Natur nach reaktionär. Anstatt der Oberhaus- Pfuscherei verlangen wir eine durchaus demokratische Wahlreform. Im übrigen bleibt unsere Politik die alte. Wir haben keine Kompromisse abgeschlossen, weder innerhalb noch außerhalb des Parlaments. Die Liberalen kennen unsere Macht und sie versuchen uns zu versöhnen. Jede Konzession, die sie uns machten, war von ihrem Selbsterhaltungstrieb diktiert. Wir müssen uns stets folgende Tatsachen und Hahlen vor Augen halten: Das Vereinigte Königreich zählt jetzt ungefähr 43 Millionen Einwohner; davon sind 1,5 Millionen reich, 3,5 Millionen wohl- habend, 39 Millionen arm oder sehr arm. Tiefe Verteilung des Nationaleinkommens zu ändern, für diese Uebcl Hilfsmittel zu suchen, diese Mißstände zu beseitigen—, das ist unsere Aufgabe, und zu diesem Zwecke existiert die Arbeiter- Partei. Und in diesem Sinne müssen wir im Parlamente wirken, sowohl durch Kritik wie durch Einbringung von Vorlagen. Wir sind auch der internationalen Arbeiter, und sozialistischen Bewegung angeschlossen, deren Macht von der Diplomatie nicht mehr ignoriert werden kann. Und je stärker wir werden, desto unmöglicher wird es für Diplomatie, Aristokratie, Kriegshetzer und Völkerverhetzer werden, die Arbeiterklassen aller Länder in einen Krieg gegeneinander hineinzutreiben. Trotz dieses Wirkens erkennen wir mehr und mehr, daß die Arbeitermassen in Lohnsklaverei bleiben werden, solange sie die Produktionsmittel nicht beherrschen. Deshalb müssen wir uns alle mit dem Sozialismus beschäftigen. In der sozialistischen Literatur allein finde» wir die Argumente gegen unsere Gegner. Bei den letzten Wahlen hat es sich gezeigt, daß alle unsere Kandidaten gegen Entstellungen der sozialistischen Lehren zu kämpfen hatten. Aber nicht allein lernen sollen wir den Sozialismus; wir müssen ihm selbstlos dienen. Nichts Großes kann ohne Aufopferung geschehen." Die Rede wurde mit allgemeinem, andauerndem Beifall auf» «-».m--... �. Der Jahresbericht des Parteivorstanbes behandelt bor allem die Parlamentswahlen. Er sagt darüber: Die definitive Kandidatenliste enthielt 78 Namen. Die Kandi- baten wurden sowohl in eingliedrigen wie in zweigliedrigen Wahl- kreisen aufgestellt. Das Ergebnis war: 1. In eingliedrigen Wahlkreisen standen 4l) Ar- beiterkondidaten nur gegen Konservative; in diesen Wahlkreisen wurden 30 Mandate gewonnen. 2b Arbeiterkandidaten kämpften sowohl gegen Liberale wie gegen Konservative; in diesen Wahl- kreisen wurde kein einziges Mandat von uns erobert. 2. In zweigliedrigen Wahlkreisen hatte 1 Ar- beiterkandidat 1 liberalen und 1 konservativen Gegenkandidaten zu bekämpfen; das Mandat fiel uns zu. In 8 dieser Wahlkreise hatten unsere Kandidaten je 1 liberalen und 2 konservative Gegenkandidaten; von den 8 gewannen wir 7. In einem dieser Wahlkreise hatte 1 Arbeiterkandidat 2 liberale und 2 konservative Gegen- kandidaten; unser Kandidat unterlag. In 3 dieser Wahlkreise hatten unsere Kandidaten 2 liberale. 2 wildliberale und 3 konser- Dative Gegenkandidaten; wir gewannen hier 2 Mandate. Die der Partei angeschlossenen Organisationen haben un« prächtig unterstützt und die Gewerkschaften standen solidarisch an unserer Seite. Das neugewählte Parlament wird allem Anschein keine lange Lebensdauer haben, wir müssen uns deshalb auf neue Parlamentswahlen vorbereiten. Die ernsten konstitutionellen Fragen werden nunmehr bis zum bitteren Ende ausgekämpft werden müssen. Der liberalen Partei dürste es kaum möglich fein, den Kampf aufzugeben. Solange die Oberhausfrage nicht erledigt ist, kann kein ernster Fortschritt in der Sozialreform gemadW werden. Eine der Lektionen der Wahlen besteht in der Notwendigkeit, für die Wahlkreise von der Aufstellung von Arbeiterkandidaten abzusehen, solange nicht starke Organisationen bestehen, die den Wahlkampf mit Nutzen für unsere Bewegung unternehmen könnten. Bei besserer Vorbereitung hätten wir nicht soviele Mißerfolge in dreieckigen Wahlkämpfen zu verzeichnen gehabt. Wir bedauern, verzeichnen zu müssen, daß wir 8 Wahlkreise Verloren. Andererseits haben wir 3 Wahlkreise gewonnen. Das beste an diesen Wahlen war, daß die organisierten Arbeiter unter einer Fahne in den Wahlkampf gingen. ES hat viele Jahre gedauert, dieses Resultat zu erzielen. In den 78 Wahlkreisen haben alle politischen Parteien zu« sammen 1 378 656 Stimmen erhalten, wovon di« Arbeiterparte 505 696 oder 36.8 Proz. Die Mitgliederzahl der Partei die zu Anfang de? JahreS sich auf 1 152 786 belief, beträgt jetzt 1 481 368, worunter 31 000 Mitgli-eder sozialistischer Organisationen. Nachdem der Bericht über die Finanzen Deputationen und andere innere Angelegenheiten der Partei Rechenschaft ablegt, sagt er zum Scklluß: „Wir sind besonders stolz auf den Einfluß, den die Partei auf die äußere Politik ausübt. Kriegshetzerei ist beinahe zu einer Profession geworden, und wir haben im Berichtsjahr viel von ihr zu leiden gehabt. Wir bedauern, daß Mr. Blatchford, dessen früheres Wirken ihn mehr oder weniger mit uns identifizierte, sich dazu hergegeben hat. den unsinnigen und bösartigen Ausbruch gegen Deutschland zu schüren. Wir mißbilligen aufs entschiedenste diese ganze Aktion. Schlecht informiert über die..Tatsachen", die er gebrauchte und falsch in seinen Schlußfolgerungen, zu denen cr gelangte, wurde Blatchford von der gelben Presse und der freiheitS- feindlichen Partei gebraucht und er leistete beiden unschätzbare Dienste. Wir freuen uns, daß die Arbeiterpartei sich von dem hifterifchen Ausbruch nicht anstecken ließ und in vielen Fällen die Kriegshetze zurückwies. Wir blieben auch im Berichtsjahre der internationalen Bewe- gung angeschlossen und wir korrespondierten öfter mit unseren kontinentalen Genossen... Wir hoffen, daß wir bald die Ge» legenheit haben werden, unsere kontinentalen Parlamentsfreunde in derselben gastfreundlichen Weise bei unS zu empfangen." In der NachmittagSsi tz//ng empfing der Kongreß die Grüße des Parlamentarischen Kom.ices deS Trave-UnionskongresseS durch den Arbeiterabgeordncten HeSlam und die de? Allgemeinen Verbandes der Gewerkschaften durch dessen Sekretär A p p l e t o n. Sodann trat der Kongreß in die Beratung des Jahres- berichtS und der Wahltaktik ein. Mehrere Delegierte beklagten sich über den mangelhaften Beistand, den sie bei den Wahlen vom Parteivorstand erholten haben. Die Wahlkreise be- stürmten den Vorstand um bekannte Arbeiterparlamentarier als Redner, die aber nicht überall sein konnten, um so weniger, als sie selber in ihren eigenen Wahlkreisen um ihre Mandate kämpfen mußten. Zu einer stürmischen Szene kam es zwischen Ben Tillett, dem unterlegenen Kandidaten von Swansea. und dem Führer der Arbeiterstattion A. Hcnderson. Der Angriff Ben TillettS galt eigentlich dem Parteisekretär I. N. M a c d o n a l d, der einem Wähler in Ewansea geraten hatte, nicht für Ben Tillett zu stimmen. Allein infolge cineS Trauerfalles in Macdonalds Familie konnte der Angegriffene auf dem Kongresse nicht anwesend sein, so daß Henderson den Angriff zurückwies, wobei es zu einem scharfen Wortwechsel zwischen ihm und Tillett kam. Für Ben Sillett sprachen die drei Arbciterdclcgicrtcn don Swansea, die die ieinungSäußerung Macdonalds als einen D i sz ipl i n br uch betrachteten. Hcnderson antwortete, Ben Tilletts Auslassungen gegen die Parteiführer seien lein« Kritik, sondern böswillig« Enf« stellungen und er(Ben Tillett) müsse sich nicht wundern, wenn ihm ähnlich gedient werde. Tillett protestierte gegen den Ausdruck„böswillige Eni- stellungen" und brandmarkte HcndersonS Bemerkungen als„Lumpe- reien". Nach Kair Hardies taltvollem Eingreifen zog Tillett seinen beleidigenden Ausdruck zurück. Mehrere Delegierte hielten die Taktik der Partei für zu milde. Die Fraktion müsse sich aufs strikteste von den Liberalen unter- scheiden. Die Arbeiterabgeordneten hätten den Etat allzu sehr gelobt. Mehr Kritik, schärferes Auftreten im Parlamente seien absolut nötig, sollte die Partei das werden, was sie sein sollte: eine rücksichtslose Vertreterin der Arbeiter. Auch freundlicheres Zusammenarbeiten der Fraktion mit den lokalen Arbeitervertretern sei nötig. Die Arbeitervertreter in den Gemeinden, Armenve» ivaltungen und anderen lokalen Körperschaften führten einen schweren Kampf gegen die Munizipalreaktionäre, aber sie erhielten wenig Beistand und Aufmunterung vom Parteivorstand. Die Fraktion sollte nichts unterlassen, die Speisung der bedürftigen Schulkinder strikter durchführen zu lassen. Ohne eine hingebungs- volle Aktion im Parlament für Sozialpolitik lasse sich in den Gemeinden nicht viel ausrichten. Der Jahresbericht wurde schließlich, nachdem H a r d ie und Henderson geantwortet hatten, einstimmig angenommen. »* <- Dem Kongreß ging die betrübende Nachricht zu, daß Genosse Curran schwer krank daniederliegt und an seiner Genesung gezweifelt wird._ Huö Induftm und Kandel. Fleischteuerung. Verschlechtertes Wohlrecht, verteuertes Fleisch: das sind preußische Kulturerrungenschaften! Seit mehreren Jahren haben wir Fleischpreise, die für einen großen Teil der arbeitenden Bevölkerung den Fleischgenuß zu einem seltenen Ereignis machen. Dafür sind sie, die auf magere Kost Gesetzten, auch mehr oder minder vom Wahlrecht ausgeschlossen. Seit einem Jahre schnellten die Fleischpreise weiter in die Höhe. Und wenn es nach dem Willen der unter Junkertommando stehenden preußischen Regierung geht, dann wird nun auch das miserable Pceußenwahlrecht noch weiter verschlechtert. Je höher dem Volke der Brot- und Fleischkorb gehangen iviriz, um so mehr muß es auch entrechtet werden, damit es sich nicht wehren kann. So bleibt die„gottgegebene Abhängig- keit", die Preußen-Harmorne erhallest. Nach den Zusammen- stellungen der„Statistischen Correspondenz" über Durchschnitts- Flcischpreise in Preußen ergeben sich folgende Zahlen: ES kostet«: Januar 1909 1910 Pfennige pro 1 Kilogramm 166 169 ISS 1KS 185 136 154 156 Rindfleisch von der Keule..... vom Bug...... vom Bauch...... im Durchschnitt.... Kalbfleisch von der Keule....... 179 185 Dorn Bug........ 161 168 im Durchschnitt...... 172 178 Hammelfleisch von der Keule....... 171 173 vom Bug........ 162 166 im Durchschnitt...... 163 166 Schweinefleisch von der Keule....... 172 182 vom Bug........ 161 170 Kops und Bein...... 85 96 Rückenfett........ 156 174 im Durchschnitt...... 155 168 Roßfletsch........ 72 74 Inland. Schweineschinken 268 279 » Schweinespeck.. 179 193 Demnach ist teurer geworden: Schweinespeck um 7,8 Prozent, Schweineschinken um 8,1 Prozent, Schweinefleisch»m 8,4 Prozent, Je länger da» Volk sich die Junkerregieruiig der Brot- und Fleischwncherer gefallen läßt, um so schärfer, rücksichtsloser und brutaler wird es ausgebeutet. Maschinenbenutzung in den Landwirtschaftsbetriebr» Preußens. Bei der landwirtschaftlichen Betriebszählung vom 12. Juni 1907 sind in der Landwirtschaftskarte auch die im Jahre vor der Zählung benutzten Maschinen erfragt worden, und die Betriebs- Inhaber haben Maschinen aller Art in ihren LandwirtschaftSkarten derzeichnet. Darunter befanden sich viele Maschinen und Maschinen- ähnliche Geräte, deren Vorkommen in der Landwirtschaft ganz allgemein und deshalb für die eiiizelnen Betriebsgruppen kein besonderes Merkmal ist. Derartige Maschinen usw. sind von der Auszählung ausgeschlossen, und es sind nur solche Maschinen für die Reichsstatistik ausgezählt worden, die eine eigenartige oder größere Bedeutung haben. Ihr» Benutzung ist für 813 308 Land- Wirtschaftsbetriebe in Preußen angegeben worden, und zwar: Dampipflüge..... Breitwürfige Säemaschinen Mähmaicknnen.... Drill- und Dibbelmaschinen Hackmaschinen..... Dampfdreschinaschinen Andere Dreschmaschinen. Kartosselpflanzmaschinen. Karlosselerutemaschinen. Schroimühlen..... Milchzentrifugen. eig. Maschinen 404 111704 207 056 49 476 11663 14 344 610642 2 321 4 496 14130 223 994 Hierbei ist selbstverständlich jeder Betrieb bei jeder Maschinen« art gezählt, die er benutzte; es sind daher in vorstehender Zu- sammenstellung von den 816 308 Betrieben viele mehrfach gezahlt worden. Stach Betriebsgrößen verteilt, ergibt sich, daß unter je 100 Be- trieben bei den kleinbäuerlichen 30,6, bei den mittelbäuerlichen schon 70,6. bei den großbäuerlichen 91,8 und bei den Großbetrieben 97,9 eine oder mehrere der vorgenannten Maschinen benutzten, und bei den gleichen Betriebsgruppen auf je 100 Hektar Anbaufläche 87,7 bezw. 43,4, 20,8 und 17,6 menschliche Arbeitskräfte entfielen. Der Menschrnbcdarf nimmt also mit der Zunahme der Maschinenver- Wendung stark ab. Menschenkräfte werden durch Maschinen ersetzt, und zwar mehr in den größeren Betrieben als in den kleineren, oder sie werden in dem Maß entbehrlicher, wie Maschinenarbeft verwendet wird. Daß die großen landwirtschaftlichen Betriebe die Maschinen in höherem Grade als die kleineren verwenden, hängt zum guten Teile damit zusammen, daß gewisse Maschinen, z. B. Tampfpflüge. Kartoffelsetz- und-erntemaschinen, Mühinaschine» und andere für eine wirschtfliche Ausnutzung große Flächen zur Voraussetzung haben. Andererseits konimt aber beispielsweise die Dampfdreschmaschinc auch für kleinere Betriebe recht wohl in Frage: si« wird von mehreren gemeinschaftlich gemietet und an ne» eignet« Stelle aufgestellt, der die einzelnen Beteiligten ihr Getreide zufahren. Andere Dreschmafchinen. Milchzentrifugen usw. sind ebenso auch den kleineren Betrieben eigentümlich. Vom Kampfe siegen die LebenSmittelwucherei in Amerika. Im Lande der„Freiheit" steht jetzt der Kampf gegen die Zucker- und Fleischgauner größten Stils an erster Stelle. Die„American Sugar Refining Co." ist der älteste Trust in Amerika. Unter den Gesetzen des Staates New Uork aufgelöst, verschwand cr sofort offiziell nach dem Staate New Jersey. Dort haben jetzt die meisten Trusts ihren Sitz, weil ihnen hier nicht die lästige Pflicht der Rechnungslegung obliegt. Der Kampf der amerikanischen Re- gierung richtet sich gegen den Zuckertrust nicht auf Grund deS Shermangefetzes, welches Trusts verbietet, sondern wegen unge» bührlicher Zollhinterziehungen. Bei der Schilderung der Einzelheiten darüber wird man stark an Kiel erinnert. Durch das Einführen von Stahlfedern unter die Hebel der benutzten Wagen wurde das angezeigte Gewicht gemindert. Die Zollunter- schleife belaufen sich auf viele Millionen. Die Schätzung kann nur eine ungefähre sein. In den letzten 14 Jahren hat der Trust allein 355 Millionen Dollar an Zoll gezahlt. Die Beirügereien dienten dazu fünf arme Arbeiter, die als Wäger im �Dienste des Trusts gestanden hatten, mit einer Ausnahme zu längeren Gefängnis- strafen zu verurteilen. Der Trust erklärte sich sofort bereit, für die entstandenen Zollhinterziehungen freiwillig 8 Millionen Dollar Entschädigung zu zahlen. Dies geschah auch. Nun hat die Re- gierung aber doch die Leiter des Zuckcrtrustes wegen Anstiftung zu Steuerhinterziehungen angeklagt. Die Fleischpreise sind ungeheuerlich gestiegen, zum Teil dadurch, daß die Zufuhren nach den großen Viehmärkten, insbesondere nach Chicago, künstlich eingeschränkt wurden. Die Zufuhren be» trugen nach Chicago: 1903 1909 Rinder... 3 039 206 Stück 2 931 800 Stück S-bweine... 8 181 465. 6 616 879, Schafe.... 4 351 889. 4 434 192, Trotz des Rückganges der Menge nach ist der Gesamtwert des an den Chicagoer Markt gebrachten Schlachtviehes von 314 440 000 Dollar im Jahre 1908, auf 323 638 400 Dollar gestiegen. Die Durch- schnlttSpreise stiegen in den letzten Jahren in folgender Weise: in Dollar 1909 1908 1907 1906 1906 1904 Stier«.. 6.36 6,10 6.80 6,80 6.06 4.95 Schweine. 7.36 6.70 6,10 6,26 5.26 6.16 Schafe.. 6.00 4,66 6.26 6.20 6.00 4,26 Lämmer.. 7,40 6,36 7,05 0,85 6,80 6,60 ES ze,gt sich durchgängig eine starke Erhöhung, insbesondere bei Rind- und Schweinefleisch. Der Staatssekretär erklärte die? unter anderem damit, daß die Kleinhändler noch weiter ausschlagen und in den Großstädten wie Washington nicht mit 20 Prvz. Nutzen zufrieden sind, sondern 42 Proz. haben wollen. Gemeinsamer Zlerbandstag der Maarer und Kauhilfs- ardeiter Deutschlands. Leipzig, 11. Februar.(Eig. Cer.) Zweiter Siyuugstag. Die Statutenberatung wird bei dem Abschnitt Verbandstage, Gautage und Konfc- renzen fortgesetzt. In dem Statutcnentwurf wird im ß 13 vor- geschlagen, den VerbandSiag alle drei Jahre abzuhalten. Wie wir schon im Vorbericht mitteilten, verlangten eine große Anzahl Zweigvereine, die zweijährige Periode festzusetzen. Die Statuten- beratungSkommission schließt sich dieftn Wünschen an. Der Be- tichterstatter Merkel- Nürnberg spricht die Ansicht der Kom- Mission darüber dahin aus, diese glaube, die gegenwärtige Zeit sei nicht dazu geeignet, die Periode zu verlängern, lieber die Einberufung eines außerordentlichen Verbandstages wird in der Vorstandsvorlage bestimmt, daß die Einberufung geschehen mutz, wenn dies von der Hälfte der Zweigvereine beantragt wird. Die Kommission will dies Recht schon einem Viertel der Zweigvereine zugestehen. Der§ 13(Verbandstage) zeitigte eine längere Debatte. Die Stellung der Borstände präzisierte Bömelbura. ES seien auS dem Vorschlage, die VerbandStage nur alle drei Jahre stattfinden fu lassen, viele falsche Schlüsse gezogen worden. Die Vorstände eien der Meinung, daß man in der Gewerkschaftsbewegung zu größeren Zwischenräumen von einem zum anderen VerbandStage kommen müsse, lieber die Festsetzung deS nächsten Berbandstages solle man noch keine definitive Entscheidung treffen. Den Kom- missionSvorschlag könne man ja im übrigen als Norm beibehalten. Bernhard. Pforzheim begründet einen Antrag, die Statutenberatungskommission, die von den Delegierten der ein- zelnen Kreise zu wählen wäre, solle jeweils schon vor dem Per- bandStag zusammentreten. Bei den jetzigen Verhältnissen seien die Mitglieder der Statutenberatungskommission sehr viel der- hindert, an den Verhandtungen des VerbandstageS teilzunehmen. I n n o l d- Leipzig wünscht, daß die Bestimmung, nach der gelernte und ungelernte Arbeiter ihrer Stärke entsprechend an der Delegation zum Verbandstage Anteil haben, gestrichen wird. Man solle doch keinen Unterschied zwischen gelernten und unge» lernten Kollegen machen. M e i ß l e r- Hannover begründet die von mehreren Orten ge- stellten Anträge, nach denen die Gauleiter auf dem VerbandStage keine beschließende, sondern nur beratende Stimme haben sollen. Kruse- Hamburg wendet sich gegen den Vorschlag der Kom- Mission, die einen Absatz im Z 13, wonach für Spezialbranchen besondere Wahlabteilungen errichtet werden sollen, gestrichen haben will. Den Spezialbranchen müsse man das Recht lassen, eigene Delegierte zu wählen. Weitere Redner begründen die von ihren Orten gestellten An» träge. Bei der Abstimmung werden aber alle Anträge abgelehnt und den Kommissionsvorschlägen zugestimmt. Die TagungSzeit des nächsten Verbandstages soll bei der letzten diesjährigen Tagung beider Verbände festgesetzt iverden. Die Bestimmung des Z 14, G a u t a g e, werden nach den Vorschlägen der Kommission festgesetzt. Die Gautage sollen danach nicht alle drei— wie die Vorstände wollen—, sondern alle zwei Jahre stattfinden. Auch soll ein Viertel, und nicht die Hälfte der Zweigvereine, verlangen können, daß ein außerordentlicher Verbandstag einberufen wird. Im§ 18(Beitritt) wird festgelegt, daß Mitglieder de» deutschen Bauarbeiterberbandcs einer anderen gewerkschaftlichen Organisation nicht angehören dürfen. Ein Verstoß gegen diese Be. stiinmung soll gleichbedeutend mit dem Austritt aus dem Ver- bände sein. Die Kommission stimmte diesem Passus zu. Sie will da» durch die Bauarbeiter treffen, die wegen der Unterstützungscin» Achtungen noch einem lveiteren Verband« angehören. Bernhard-Pforzheim und noch andere Redner plädieren für Streichung dieses Absatzes. Es gebe doch Kollegen, die den Verbänden der Kellner. Zivilmusiker usw. angehören, weil sie nebenbei in diesen Berufen arbeiten. Auch könnte man von alten Kollegen, die nicht mehr im Berufe tätig, sondern Lagerhalter, Kassenangestellte usw. sind, nicht verlangen, daß sie nun aus dem Verbände austreten. Bei der Abstimmung wird nach dem Kommissionsvorschlag be- schlössen. Beim ß 19 wird von dielen Zweigvereinen beantragt, daß bei wiederholtem Eintritt in den Verband ein erhöhtes EmtrittSgeld erhoben wird. Der Vorstandsentwurf, der dies nicht vorsteht, findet aber Zustimmung. Dann kam die Beitragsfrage zur Beratung. Die Vorschläge der Kommission weichen von denen der Vorstände, die die ihren abgeändert haben, nicht weit ab. Der Kommissionsvorschlag geht dahin: § 23. Die regelmäßigen Verbandsbeiträge � werden in jedem Jahre für 4l) Wochen in der Zeit vom 1. März bis Ende November erhoben. Die Beiträge werden nach der Lohnhöhe klassi. fiziert. Als Grundlage für die Beitragsbemessung innerhalb der einzelnen Lohngebiete gilt der durch Tarif festgesetzt« Stunden- lohn; besteht ein Tarif nicht, dann wird der allgemein übliche oder der durchschnittliche Stundenlohn angenommen.'Innerhalb eines Lohngebietes darf für gelernte Arbeiter nur ein einheitlicher Be- trag bestehen; für nicht gelernte Arbeiter ist eine Differenzierung im Beitrag nur dann zulässig, wenn für verschiedene Kategorien wesentliche Unterschiede im Lohn vorhanden sind. Für die Mindest- leistung gilt folgende Skala: Diese Sätze entsprechen den bisherigen Beiträgen bei den Bau- Hilfsarbeitern— nur haben sie die höheren Klassen nicht— und da die Maurer ihre Beiträge um 10 Pf. erhöht haben, gleichen sie den nun vorgeschlagenen Sätze». Ferner soll der Verbandsvorstand in Verbindung mit dem Verbandsausschuß und den Gauvorsitzenden berechtigt sein, unter außergewöhnlichen Verhältnissen Extra- beitrüge auszuschreiben, zu deren Zahlung alle Mitglieder ver- pflichtet sind. Zu diesem Punkt liegen eine Unmenge Anträge vor und setzt die Debatte gleich lebhaft ein. Es ergibt sich aber, daß eS not- wendig ist, zuerst über die Krankenunterstützung schlüssig zu werden. In der Diskussion wurde nämlich dafür plädiert, die Beiträge 44 (anstatt wie vorgeschlagen 40) Wochen lang zu erheben und die Krankenunterstützung auch in den Wintermonaten zu zahlen. Im Bauhilfsarbeiterverband wird demgemäß verfahren. Die Statutenberatungskommission hat aber, im Gegensatz zu dem Vorständeentwurf, die Winterkrankenunterstützung gestrichen. Sie soll nur vom 1. März bis 30. November gewährt werden. Der Berbandstag beschließt, zuerst über die Kranlenunterstützung zu beraten. Bömelburg- Hamburg vertritt den Vorständeentwurf. Er könne den Beschluß der Kommission nur bedauern. Die Kom- Mission habe die Winterkrankenunterstützung auS Rücksicht auf die Finanzen abgelehnt; bei einem anderen Punkte, bei den Prozent- sätzen für die Zweigvereine, habe sie diese Rücksicht aber nicht walten lassen. Als die Bauhilfsarbeiter seinerzeit auch die Winter- krankenunterstützung einführten, habe ich diesen Beschluß nicht gut- geheißen. Wir haben aber nun die Verschmelzung beschlossen und eS bleibt uns nichts anderes übrig, als dies« Einrichtung der Bau- Hilfsarbeiter mit zu übernehmen. Tun wir dies nicht, dann gibt es Zank und Streit, bevor wir zur eigentlichen Verschmelzung ge- kommen sind. Vielleicht kommt einmal die Zeit, wo wir die Winterunterstützung wreder aufheben. Aber das können wir der Zukunft überlassen. Ich glaube übrigens, daß bei einer Urab- stimmung im Maurerverband über die Winterunterstützung sich eine große Mehrheit ergeben würde.(Zustimmung und Wider- spruch.) V i e d t- flüstrin meint, man solle jede Erweiterung der Unterstützungseinrichtungen zurückweisen. Der Kampfescharakter der Organisation würde sonst darunter leiden. Auf die Bauhilfs- arbeiter brauchte man keine so große Rücksicht zu nehmen. Redner bittet, den Kommissionsvorschlägen zuzustimmen. B r an dmohr- Hamburg(von den Bauhilfsarbeitern): Der Beschluß der Kommission, die Winterunterstützung zu streichen, ist der erste Keil, der in die Verschmelzung hineingetrieben wurde. Wenn wir die Verschmelzung beschlossen haben, dann müssen wir auch alles tun, um dieses Bollwerk zu festigen. Das wird aber der Kommissionsbeschluß nicht erwirken. Wir wurden' durch die anderen Verbände von nichtgelernten Arbeitern gezwungen, die Krankenunterstützung einzuführen. Wollten wir nun unseren Kol- legen sagen, ihr bekommt im Winter keine Unterstützung mehr, dann wird sich ihrer eine große Erregung bemächtigen und uns die Agi- tation erschwert werden. Ich bitte Sie, der Vorlage der Zentral- vorstände zuzustimmen.(Beifall.) Jakob-Leipzig: Für uns waren doch andere Gründe für die Verschmelzung maßgebend als die Unterstützungseinrichtungen. Wenn Sie(zu den Bauhilfsarbeitern) der Mehrheit Ihren Stand- Punkt aufdrücken wollen, dann bewirken Sie auch dort eine Unzu- friedenheit. Wir haben vor allen Dingen kür bessere Lohn- und Arbeitsverhältnisse zu kämpfen und dafür oie nötigen Mittel zu schaffen. Stampe- Bremen(Bauarbeiter): Der Beschluß der Kom- Mission ist mit einer Stimme Mehrheit zustande gekommen, und zwar mit meiner. Ich stimmte gegen die Winterunterstützung, weil ich grundsätzlicher Gegner aller Unterstützungseinrichtungen bin. Ich muß aber gestehen, ich kann aus organisatorischen und agitatorischen Rücksichten als Bauhilfsarbeiter vieinen Standpunkt in der Kommission nicht mehr vertreten.(Zuruf: Jetzt ist es zu spät!) P ä p l o w- Hamburg stellt fest, daß die Einführung der Winterunterstützung für die Maurer eine Ausgabe von 163 000 Mark zur Folge habe. B e n dl e r- Herne(Maurer): Bisher wurde den Wünschen der Bauhilfsarbeiter sehr weit Rechnung getragen. Wenn wir aber die Unterdrückten sein sollten, dann wäre die Ehe keine glück- liche. Es ist nicht richtig, daß, wie Bömelburg sagte, die Mehrheit unserer Mitglieder für die Winterunterstützung ist. Die Bau- arbeiter haben ja noch andere Vorteile von der Verschmelzung. Ich meine, sie sollten sich fügen und nicht darauf beharren, daß wir diese Forderung akzeptieren. Wir werden große Lohnkämpfe zu führen haben und da dürfen wir nicht alles Geld für Unter- stützungen ausgeben. Hanke-Berlin spricht für den Kommissionsvorschlag. Behrendt-Hamburg: Uns ist früher gesagt worden, daß eine erhebliche Mehrheit der Maurer für die Winterunterftützung ist. Wir haben nicht geglaubt, daß wir vor einer so großen Oppo- fition stehen. Deswegen haben wir auf unserem Verbandstage auch nicht über diese Frage beraten. Ter Berichterstatter der Kom- Mission hat erklärt, es seien nur unwesentliche� Äenderungcn an der Vorständevorlage vorgenommen worden. Für uns Bauhilfs- arbeiter ist die Streichung der Winterunterstützung kein unwesent- licher Punkt. Schon auS taktischen Gründen müßten Sie für die Unterstützung stimmen. Freilich, es wäre gut gewesen, wenn Bömelburg Ihnen diese Gründe angeführt hätte. Es wurde gesagt, die Kollegen von den Maurern hätten in vielen Punkten nach- gegeben und Verschlechterungen mit in Kauf genommen. Das ist aber doch nicht richtig. Wir haben z. B. auf die Umzugsunter- stützung von vornherein zu ihren Gunsten verzichtet. Als wir die Krankenunterstützung einführten, haben wir uns lange überlegt, ob wir es tun sollen. Das Rechnungsergebnis hat uns aber ge- zeigt, daß wir es konnten, wir haben keine schlechten Erfahrungen damit gemacht.— Es kann gar keine Rede davon sein, daß die Maurer für uns Mittel ausgeben sollen.(Teilweiser Beifall.) Es tritt die übliche kleine Nachmittagspause ein. Danach erklärt Vorsitzender Bömelburg: Die Vertreter der Zentral- vorstände sind der Meinung, daß es im Augenblick wenig Zweck hat, über die Frage der Winterunterstützung zu beraten. Wir sind deswegen dazu gekommen, Ihnen vorzuschlagen, daß die Ver- treter der beiden Verbände sich für eine kurze Zeit trennen, damit die einzelnen Verbandstage über diese Frage getrennt be- raten. Wir glauben, daß dadurch die Frage am schnellsten ge- klärt wird. Die Bauhilfsarbeiter ziehen sich dann zurück. Beide Gruppen beraten den strittigen Punkt zunächst einzeln. Beim Wiederzusammentritt beider Verbände erklärt Bömel- bürg: Die strittige Frage ist wohl jetzt gelöst. Wir haben in unserer Sondertagung eine Abstimmung vorgenommen, und da stimmten 188 für und 75 Delegierte gegen die Einführung der Winterkrankenunterstützung.(Bravo!) Es wird nun in der vereinten Tagung nochmals über die Einführung abgestimmt, und dabei ergibt sich eine übergroße Mehr- heit für die Einführung der Winterunterstützung, die somit be- schlössen ist. Behrendt von den Bauhilfsarbeitern erklärt dann: Wir haben uns in unserer Sondertagung eingehend mit der Unter- stützungsfrage beschäftigt. Wir waren einstimmig der Ansicht, daß die Winterunterstützung eingeführt werden mutz. Wäre aber die Unterstützung nicht beschlossen worden, so hätte deswegen die Verschmelzung nicht in die Brüche gehen dürfen. *** Leipzig, 11. Februar.(Eig. Set.) 2. Berhandlungstag(Abrndfitzung). Der Verbandstag stimmte, da nun die Krankenunterstützungs- frage geregelt ist. ohne weitere Debatte den Kommissionsvorschlägen zur Beitragsfraae zu. Bei den Bestimmungen über BeitragSermäßigung wird beschlossen, daß Arbeitslose, Kranke und Inhaftierte, sofern sie keine Unterstützung beziehen, nur 20 Pf. Beitrag zu enttichlen haben. Im A 31 werden die Anteile der Hauptkasse und der Zweigvereine an den Beiwagen festgesetzt. Hierzu liegen eine große Zahl Anträge vor. Die Vorstände wollen den Zweigvereinen 20 Proz. von den Eintrittsgeldern und Bei- trägen lassen. Die Kommission schlägt einen höheren Satz für die Filialen vor. Auch von Delegierten wird der Antrag der Borstände heftig bekämpft; er wird auch schließlich abgelehnt. Angenommen wird ein Eventualanttag des Vorstandes, nach dem der Anteil der Zweigvereine um einen Pf. niedriger ist, als ihn die Kommission vorschlägt. Die Zweigvereine sollen erhalten: von den Beiträgen in der ersten Klasse<35 Pf.) 7 Pf. pro Marke, und dann von Klasse zu Klasse steigend 1 Pf. mehr bis 16 Pf. in der 10. Klasse, in der 11. Klasse beträgt der Anteil 13 Pf. und in der 12. Klasse 20 Pf. pro Marke. Die Verhandlungen werden vertagt. Letverbesufsichl- Zentralstelle für D«lkswol)lfal)rt- Meiterlekretariate. Die Budgetkommiision des preußischen Abgeordnetenhauses ver- handelte am Donnerstagabend über den Etat der Handels- und Gewerbeverwallung. Bei Beratung der Gewerbeaufsicht ent- stand eine längere Debatte über die Berücksichtigung der Klagen, die in sozialdemokratischen Blättern erschienen. Die Nalionalliberalen waren der Meinung, daß diesen Klagen nicht nachgegangen werden solle, da die Beamten sonst zu sehr belastet würden. Eine Anfrage der Freisinnigen, ob man nicht Arbeiter an der Gewerbeinspektion betetligen wolle, beantwortet der Minister dahin, daß erst die Er- fahrungen der Sicherheitsmänner im Bergbau abgewartet werden müßten, ehe diese Frage in Beratung genommen werden könne. Ueber die Beteiligung der Frauen bei der Gewerbeaufsicht — eS werden zwei weibliche Hilfskräfte für Berlin neu verlangt— erklärte ein Regierungskommissar, daß die weiblichen Hilfskräfte für die Beamten willkommene Hilfe seien; die Hoffnungen und Be- fürchtungen, die an den Versuch der Beteiligung weiblicher Kräfte bei der Gewerbeinspektion geknüpft seien, hätten sich nicht erfüllt; eS sei nichts hervorgetreten, was die weibliche Beteiligung als be- sonders notwendig erscheinen lasse, denn die Arbeiten dieser weiblichen Hilfsbeamten hätten auch von männlichen verrichtet werden können. Nachteile seien aber nicht entstanden. Der Regierung wurde vorgehalten, daß doch in Baden und Hessen sehr gute Ersahrungen gemacht seien; man müsse die weiblichen Assistenten doch selbstständiger gestalten und sie nicht nur so nebenbei mit beschäftigen. Demgegenüber behauptete die Re- gierung, daß sie die Versuche mit weiblichen Hilfskräften mit Ehrlichkeit und Liebe gemacht habe. Eine etalsmäßige An- stellung weiblicher GewerbeauffichtSbeamten könne in �Erwägung genommen werden. Daß man sich mit besonderer Wärme der weib- lichen Gewerbeaufsichtsbeamten annehmen will, ergab die Verhand- lung der Budgetkommission nicht. Preußen geht naturgemäß in solchen Angelegenheiten nicht voran. Für Aus- und Fortbildung der Lehrkräfte für Fach- und Fort- bildungsschulen sind 360 000 M. verlangt, die größtenteils für Kurse Verwendung finden. Gewünscht wurde, daß mehr P r a k- t i k e r in den Schule» als Lehrer angestellt werden. Aus Anfrage teilte die Regierung mit, daß 1904 von 9718 Lehrern 1186 Praktiker, 1908 von 14 043 Lehrern aber 1975 praktische Fachleute waren. Bei Beratung deS Dispositionsfonds für Aufwendungen zu gemeinnützigen Zwecken wurde eingehend über die Zentralstelle für Bolkswohlfahrt gesprochen. Die Konservattven er- klärten, daß sie die Einrichtung nicht befürworteten und der Meinung seien, daß die Arbeiten sehr wohl von den einzelnen RessortS niit verrichtet werden könnten. Das Zenttum trat für Beibehaltung der Zentralstelle, die alle Gebiete der Volkswohlsahrt, Wohnungswesen, hauswirtschaftliche Bildung, innere Mission usw. beeinflusse, ein und wünschte erhöhte Unter- stützung, da die Aufgaben der Zentralstelle der gesamten Staatsverwaltung diene. In erster Linie werde die Hanpt- stelle von freiwilligen Beiträgen der Städte. Vereine und Arbeit- geber unterhalten.— Der Minister sprach sich für Unter« stützung aus, weil die Zentralstelle eine Sammelsielle für praktische Erfahrungen auf allen Gebieten des öffent- lichen Lebens sei. Jetzt zahle der Staat zirka 30 000 M. und wenn es nicht reiche, sollte der Betrag erhöht werden. Der Erhöhung der Summe widersprach der konservative Berichterstatter. Es handelt sich ja nicht um Entschuldung der Großgrundbesitzer, für die von den Konservativen ohne Bedenken 50000 M. bewilligt wurden.... Zur Förderung der nicht gewerbsmäßigen Arbeitsvermittelung und Rechtsberalung für die minderbemittelte Bevölkerung sind 65 000 M.— wie im Vorjahre— eingesetzt. Der Verband gemein- nütziger Arbeitsnachweise petisioniert auf Erhöhung des Fonds auf 250000 M. um ein lückenloses Netz von Arbeitsnachweisen über ganz Deutschland zu erreichen. Diesen Wünschen gegenüber verhielt sich der Minister ablehnend: eS sei nicht angängig, alles auf die Staatskasse z» legen. Die Konservativen halten die R e ch t s b e r a tun g für ein Gegenmittel gegen die sozialdemokratischen Arbeiterfekretariate: die Sozialdemokratie betreibe die Rechtsberalung— nur in ihrem parteipolitischen Interesse. ES sei Pflicht der Gemeinden, diesen Arbeitersekrelarialen entgegenzuarbeilen.— Der Minister teilte mit, daß von der Summe*/# für Rechtsberatung ausgegeben werden. Ein konservativer Redner führte aus, daß eS leider nicht ge- lungen fei. die Rechtsberatung für Arbeiter den„roten Genossen* aus den Händen zu nehmen. Die kommunalen Rechtsberalungs» stellen wurden nicht von Arbeitern, sondern von dem Mittel» st a n d e benutzt, um Auskunft über Zivilprozesse zu erhalten I Dafür sei aber der Fonds nicht bestimmt. Deshalb müsse Vorsicht walten, bei Unterstützung. Das Zentrum hält dies nicht für richtig; es seien besonders ländliche Arbeiter, die dadurch von den Arbeilersekretariatcn der Sozialdemokratie abgehalten würden. Von einem konservativen Mitglieds des Reichsverbandes gegen die Sozialdemokratie wurde noch hervorgehoben, daß der Reichsverband in„segensreicher Welse* mit seinen Rechtsberatungsstellen wirke! Eine Subvention dieser völlig bedeutungslosen, kein Vertrauen genießenden Institute durch dos Handelsministerium wurde nicht in Vorschlag gebracht. Hat ja der ReichSverband genügend sinanzielle Unterstützung aus dem G e- heimfondS für politische Zwecke auS dein Ministerium des Innern.— Nach weiteren Erörterungen über Unterstützung der Handwerks- kammern, Meisterkurse und kleingewerbliche Genossenschaften wurde nach Ueberweisung der Petition deS Verbandes deutscher Arbeits- nachweise an die Regierung als Material, der Etat unverändert genehmigt._ Soziales. Keine Arbeitslosenversicherung in Bahern. Seit anderthalb Jahren befaßt sich die bayerische Staats- regierung auf energisches Betreiben der sozialdemokratischen Ver- treter mit dem Problem der Arbeitslosenversicherung. Nachdem das Ministerium des Innern verschiedene Konferenzen von Ver- tretern der Behörden, Unternehmer- und Arbeiterorganisationen zur Besprechung der Frage einberufen hatte, stellte sich die Re- gierung schließlich auf den Standpunkt, daß es Sache der Ge- meinden sei, die Arbeitslosenversicherung einzurichten, und daß der Staat zu den Ausgaben bestimmte Zuschüsse leisten solle. Im Herbst v. I. wurde nun von den sozialdemokratischen Abgeordneten der Antrag gestellt, es sei in den Etat für 1910/11 die Summe von 150 000 M. einzusetzen, aus der jene Gemeinden, die Arbeits- losen Geldunterstützungen gewähren, Zuschüsse erhalten sollen. Die Zuschüsse sollen in der Regel 50 Proz. der von den Gemeinden an Arbeitslose verausgabten Beträge nicht übersteigen. Dieser Antrag wurde von dem Landtag dem Arbeiterfürsorgeausschuß überwiesen, der sich erst jetzt damit befaßte. Das Ergebnis der Beratung ist, das) die Arbeitbloscnversicheruug wieder auf dem toten Punkt angelangt ist. Sie ist durch die Zentrumspartei zu Fall gebracht worden, deren Vertreter erklärten, daß lediglich die Gemeinden hier einzutreten hätten. Die staatliche Arbeitslosen- Versicherung ist für die Zentrumsmänner selbst in der vor- geschlagenen, gewiß sehr bescheidenen Form mit Rücksicht auf die Landwirtschaft unannehmbar, weil sie angeblich die Landflucht be- fördert! Ein Zentrumsredner brachte eS sogar fertig, den Schweinemangel auf die Arbeitslosenfürsorge zurückzuführen. So wurde der sozialdemokratische Antrag abgelehnt, dafür ein bauernbündlerischer Antrag angenommen, der nichts kostet und zu nicht? verpflichtet. Den Gemeinde- und Distriktsbehörden soll nahegelegt werden, ihre Arbeiten auf solche Zeiten zu verschieben, in denen das Arbeitsangebot sich zu verringern pflegt. Das ist alles, was das Zentrum für die Arbeitslosen tun will. Für sie hat daS Zentrum. daS fortgesetzt nach StaatShilfe für die Land- Wirtschaft schreit und schon Millionen für diese bewilligt hat, nicht einmal 150 000 M. übrig. Damit ist die ArbeitSlosenversiche- rung vorläufig in Bayern überhaupt abgetan, denn auch die Ge- meinden werden nichts tun; alle größeren Städte, die sich bisher mit der Frage befaßten, haben erklärt, daß sie sich nur beteiligen werden, wenn der Staat vorangeht. «>»W>>WWSWW>WSWM»>»»»>»»WSSWW�M Jg. kinderl. Ehepaar sucht möbk. Jim. zum 1. März. Genaue Offert. in. Preis.»Ii. Claus, Hamburg, Schröderfliftstr. 10 b. 295/3 Piantno, vorzügliches, tadellos er- halten, ist sofort ganz billig zu ver» kaufen Franzöfifchestr. 15 I, geradezu. �Hygienische' Bedarfsarükal. Neu««t. Kaialoj OJ- Empffthl.viel Aerzte u.Prof. grat- u4f B. Ungar. Gucimiw&r enf abrik Berlin NW., fenodrichsirause 91/9 Blumen- n.Kranzbinderei Äug. Krause, Wiener Straße 7, liefert Pcreinskränze usw. billigst. 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DU Ks Joniiärlü" Klliim Zamiaz, 13. krdrmr 1310. f BirtichMIcher Nochenbericht. Berlin, den 12. Februar 1910. Panik an der Börse.-Antitrusjgesetz-Abschwächung.— Nngünstigere Marktberichte.— Gefährdung des wirtschaftlichen Friedens.— Stahlversand.— Roheisenerzeugung.— Jnlandsvcrsorgung. Daß immer noch Unstimmigkeiten vorhanden sind, die eine ruhige und stetige Auswärtsentwickelung hemmen, haben jetzt Vor- gänge an der New--Dorker Börse recht deutlich dargetan. Am Montag erlebte mc Efchltenbörse eine regelrechte Panik. Die Kurse gaben sprungweise nach. Die Common sharcs des Stahltrusts 'anken auf 75 Proz. Seit den bösen Tagen ini Herbst 1907 hatte üc Börse solche Teroute, wie am letzten Montag, nicht zu der- zeichnen. Und die Finanzgrößen machten nicht den geringsten Versuch, durch Interventionen einzugreifen, den Kursrückgang auf- zuhalten. Ueber die inneren Gründe der Angstverkäufe und des Verhaltens der Banken sieht man jetzt noch nicht klar. Angeblich soll ein neues Trustgesctz den Stein ins Rollen gebracht haben. Die Bankiers haben sich angeblich darum der Panik gegen- über vollständig passiv verhalten, um der Regierung einen kleinen Anschauungsunterricht über das Verderbliche ihrer. Trust- bekämpferci zu erteilen. Als ob die Herrschaften die Antitrust- gesetzgeberei ernst nehmen. Was bisher von dem zu erwartenden Gesetz bekannt geworden, spricht dafür, daß Taft nur nach der Form für ein Schcingesetz zur Begrenzung der Trustmacht sucht. Eine offizielle Meldung aus Washington lautet: Die bereits angekündigte Administrationsbill, die für den ganzen Bund gültige Korporationsverleihung(Federal incorporation) an industrielle Unternehmung vorsieht, die an dem zwischenstaatlichen oder auswärtigen Handel beteiligt sind, wurde heute in beiden Häusern eingebracht Die Vorlage bestimmt, daß solche Unter- nehmungen nur der Besteuerung durch den Bund unterliegen. Fhre Geschäfte werden unter der Aufsicht eines Kommissars für die Korporationen geführt werden. Dieser Kommissar wird ein- 'chlietzlich der Berechtigung zur Ernennung eines Zwangsverwalters "r jede insolvente Korporation im wesentlichen eben dieselben efugnisse besitzen, wie sie gegenwärtig durch den Kontroller für e Umlaufsmittel gegenüber den nationalen Banken ausgeübt werden. Obwohl so organisierte Konzerne dem bestehenden Anti- trustgesetz unterworfen zu sein Pflegen, glaubt man, daß die durch die neue Vorlage eingeführte, für den ganzen Bund gültige In- korporierung vielen Gesellschaften, die nach der Auslegung des Antitrustgesetzes durch die Regierung verurteilt werden könnten, ermöglichen wird, ihre Geschäfte in einer den Gesetzen entsprechenden Weise zu führen." So unklar die Meldung im allgemeinen auch ist, soviel kann man ihr entnehmen: die Adininistrationsbill will die gesetzliche Grundlage schaffen für die geschäftliche Fortführung solcher Unternehmen, die nach dem Antitruftgesetz als ungesetzlich erklärt werden könnten. Danach wäre eine Hausse aus diesem Anlaß verständlicher als eine Deroute. Vielleicht war der Hochfinanz die Panik will- kommen, weil die Spekulation das Kursniveau über einen in den Arbeitsverhältnissen begründeten Satz hinausgehoben hatte. In der letzten �eit waren unter den Marktbcrichten von drüben schon manche, die die bisherige Hochkonjunkturstimmung nicht recht- fertigten. So meldete die„Frankfurter Zeitung" unterm 9. Fe- bruar, am amerikanischen Koksmarkte zeige sich eine ausgesprochene Schwäche. Der Preis pro Tonne Koks sei von 3 Dollar im Oktober vorigen Jahres auf 2 Dollar zurückgeworfen, die Produktion um Lv Proz. eingeschränkt worden. Auch vom Eisenmarkte lauten die Berichte weniger zuversichtlich als bisher. Zwar erholte sich die die Börse von dem Schrecken bald wieder etwas, aber die frühere Zuversicht hat sich nicht wieder eingestellt, die Tendenz bleibt schwach. Naturgemäß zog die Panik in Amerika auch die hiesige Börse in Mitleidenschaft. Und selbst die Ermäßigung des Reichsbank- diskonts konnte die erschütterte iFsestigkeit nicht völlig wieder herstellen. Man kann auch hier der Einsicht nicht sich verschließen, daß die Kursentwickelung in den tatsächlichen Verhältnissen in der Industrie keine Berechtigung finde. Der Ueberschwang kühner Hoffnungen und Erwartungen erlebt nun wieder Enttäuschungen. In einzelnen Industrien haben sich die Aussichten auf entschiedene Wendung zum Besseren wieder verschlechtert. Zudem drohen erhebliche Störungen des Wirtschaftslebens aus Konflikten zwischen Unter- nehmern und Arbeitern, die aus den schlvebenden Tarifverhandlungen herauswachsen. Und in die ohnehin schon gereizte Stimmung schleudert die Regierung nun noch die Provokation einer Kriegs- crklärung an die Arbeiterschaft. Denn etuxts anderes ist die Wahlrcform-Vorlage im Abgeordnetenhause nicht. Das trägt sicher nicht zur Erhaltung des Friedenszustandes bei; die Volksverhöhnung läßt gar leicht im Aufprall der widerstreitenden Interessen zur Waffe des Streiks greifen, wo ohne die Erbitterung und Em- pörung über das Gendarmen-, Polizisten- und Militäranwärter- Wahlrecht vielleicht eine Verständigung möglich gewesen wäre. Die letzten Versandziffern des Stahlwerksvcrbandes entsprechen nicht den Erwartungen, die man nach den günstig lautenden Be- richten aus der Eisenindustrie hegen durfte. Der Versand im Januar 1919 ist nämlich hinter dem des Dezember 1999 und auch hinter dem im Januar des Vorjahres zurückgeblieben. Es ergeben sich nämlich folgende Ziffern: Januar-Versand Das letzte Ergebnis bleibt weit hinter dem in früheren Jahren erzielten zurück. Die Leistungsfähigkeit der Werke hat in den letzten Jahren zudem noch eine erhebliche Steigerung erfahren. Die vom Stahlwerksverband angeführte Erklärung für den Ver- sandrückgang kann daher als einwandfrei nicht passieren. Hoffent- lich entspricht die weitere Behauptung, es werde jetzt wieder flott abgerufen und geliefert, den tatsächlichen Verhältnissen. Sie kollidiert allerdings etwa mit dem letzten Bericht des„Glückauf" vom Ruhrkohlenmarkt. Danach ist in dem Abruf von Brenn- Materialien, der sich im Dezemher 1999 ziemlich lebhaft gestaltete, nachher wieder eine Abschwächung eingetreten, an der auch die Eisenindustrie beteiligt sein soll. Vereinzelt legen die Zechen sogar Feierschichten ein. Die Hochofen haben im Januar die Erzeugung deS Vormonats etwas überholt. Während im Dezember 1999: 1 191924 Tonnen Roheisen ausgestoßen wurden, stellt sich die Produktion für den Januar 1919 auf 1 177 574 Tonnen. Dabei ist jedoch zu berück- sichtigen, daß ziemlich beträchtliche Mengen Roheisen an das Aug» land abgegeben wurden. Scbon im Dezember 1999 stieg die Aus- Halbzeug... Eisenbahnmaterial Formeisen 1907 1993 1999 1910 in Tonnen 154 813 101 469 118 743 133 699 188 386 214 337 139 266 134 299 146 370 67 939 131 189 119 427 Produkte zusammen 489 371 383 936 409191 378 326 Bcmerkenswerterweise entfällt der Rückgang ausschließlich auf vorläufig kaum zu erwarten. Ter Jnlanosabsatz ist geringer und auf dem Außenmarkt ist den deutschen Werken von der Konkurrenz Terrain abgewonnen worden. Der Rückgang des Formeisen- Versandes läßt auch ein Nachlassen des Bedarfs an Baueisen schließen. Es liegt auf der Hand, daß die Eisenindustrie durch einen Kampf im Baugewerbe, den das Unternehmertum leichtfertig in gefahrdrohende Nähe rückt, sehr stark in Mitleidenschaft gezogen würde. Dem Stahlwerksvcrband geniert das anscheinend gar nicht. Er bleibt ganz unbekümmert bei seiner bekannten Schönfärberei. Angeblich erklärt sich Sie minimale Vcrsandmenge im Januar aus einer starken Anspannung des Versandes in den letzten Wochen des Dezember 1999. Solche Erklärung könnte man gelten lassen, wenn die Leistungsfähigkeit der Werke bis zur Höchstgrenze angespannt gewesen wäre. Das trifft aber nicht zu; die Produktionsmöglich- leiten der Betriebe gehen über die im Dezember 1999 und Januar 1919 erzielten Versandmcngen erheblich hinaus. Das läßt sich zahlenmäßig leicht nachweisen. Es betrug nämlich der Gesamt- Versand an Produkten A. in den beiden Monaten Dezember und Januar: 1903/06 1906/07 1907/08 1998/09 1909/10 Tonnen 937 269 938 396 742 370 767 632 787 840 fuhr an Roheisen auf 588 698 Tonnen, von 247 790 Tonnen im Jahve vorher, und gleickizeitig ging die Einfuhr von 147 735 Tonnen auf 81 924 Tonnen zurück. Und im Januar dieses Jahres wurden 537 523 Tonnen exportiert gegen 181 999 Tonnen im Parallelmonat des Vorjahres. Dazn ist ein Rückgang der Einfuhr von 127 933 Tonnen aus 79 697 Tonnen zu verzeichnen. Trotz ErzeugungS- steigerung ist die Jnlandsbersorgung geringer geworden. Daraus soll nicht geschlossen werden, daß die Aufwärtsbewegung schon wieder zu Ende sein muß, aber es dürfte doch angezeigt sein, sich auf eine nur langsame Besserung der wirtschaftlichen Verhältnisse ein- zurichten. D. Amtlicher Marktbericht der Itädttlchen Mnrktk>allen über den Grohbandel in den Zenwal-Marktballen. Marktlage: Fiel Ich: Zulubr Ichwach, Gelchäll still. Preist unverändert. Wild: Zufubr knapp, Meichäll rege. Preist doch, m c! l ü g e l: Zujulir genügend, Geich äst nicht lebhast genug. Preist befriedigend. Fische: Zufuhr in Fluhfischen mätzig, Geschält ruhig, Preise im allgemeinen hoch. Butter und Käje: Geschäft ruhig, Preise unverändert. Gemüse, Obii und Süd» s r ü ch t e: Zusuhr genügend, Geschäft schleppend, Preise wenig verändert. BSafferstaudS-Nachrtchte« der Landesanstalt sür Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Weltcrbureau. vasserstand M- m e I. TM« P r e g e l, Jnsterbntg Weichsel. Thorn Oder, Ratibor , Krassen , Franksurt Warthe, Schrimm , Landsberg Netze, Dordamm Elbe, Leiwieritz » Dresden , Barb» , Magdeburg 4- bedeutet Wuchs,— Fall.—'1 Unterpcael.—•) Eisstand.— 4) schwaches GrundeiStreiben.—') schwaches Eistreiben. Unser bekannter, alljährlich nnr einmal stattfindender InvenhirUerkauf bietet diesmal eine ganz besonders £ GfinstSae flelegenhelt zu enorm hSllIjen Hnhäolen � Dieser BäumungsTerksui umtaast ausser den bei der Icrentur zum grossen Teil im Preise ganz bedeutend herabgesetzten Warenbeständen auon nooti weitere vorteilhafte Gelegenheitspasten. Vmm Tft m A«» � A � A Am m a m V I � mR» M«mmmm««maI � a fJT am« 4 a CA a I?«4«« m was 4t■■Mal CmmIaI A a 191�1*1.mmmAaCCa TS cd es o £3 O 12. o 2. S* «o CD 03 S- c o CS «v CS Für Braptapsstattnogen! 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Abteilung b, c; 2. Abteilung a. b: Alufolie. Montag, den li. Februar, 8 Uhr: 19.(III.) Abendabteilung im Neuen Schauspielhaus: Der große To!c. Nene Freie Volksbühne. Nach- millags 2'.', Uhr. im Deutschen Theater: Kabale und Liebe. KanrmerspielbauS: Major Barbara. Nachm. 3 Uhr: Berliner Theater: Dr. Eisenbart. Hebbel-Theater: Reoolulionshochzeit. Schiller- Theater O.: Der Herr Ministertaidircltor. Schiller- Theater Eharlotlenburg: Der Meineidbauer. gsriedr.-WilhelmstSdt. Schauspielhaus: Othello. Reuen Zbealer: Mütter. Neuen Lpercltcn- Theater» Der Zigeunerdaron. Meiropol- Theater: Die Kreuze!- schreiben. Kleinen Thealer: Moral. l-vnsliixt-'l'Iivnt«!'. Sonntag, 3 Uhr: Nora. 8 Uhr: Das Kvnzert. Montag, 8 Uhr: Daö Konzert. Dienstag, 8 Uhr: Tnutriö der Narr. berliner Tkeuter. Heule: Nachm' 3 Uhr- 8 Uhr. ooiiloe ciiaadaet. lieues flisster. DSendS 8 Uhr: Her pdilosopd voa Lanssoud. Morgen und folgende Tage: Der Pbilosopb von Sanssouci. 'Theater des Westens. Abends 8 Uhr: Die geschiedene Frau. Sonnt. 3°/, Uhr: Der fidele Bauer. Zkene« 0p?rottvn-1'Iieat«»'. Sonntag nachmittag 3 Uhr zu er- lnäsitgten Preisen: 0er Zigeunerbaron Heute»nd solgende Tage 8 Uhr: Der Graf von Luxemburg. Volks-Oper. SW, Belle-Alliance-Strahe Nr. 7/8. Rachmittags 3'/, Uhr bei bedeutend ermäßigten Preisen: Nigoletto. SlbentS 8 Uhr: Gastsp. Jenny Fischer: Die lustigen Weiber b. Windsor. Residenz-Theater Dircilion: Richard Alexander. Abends 8 Uhr: In» Tanbenschlag. Schwank in 3 Zlkten von Henneqnin mid Veber. Morgen und folgende Tage: _ Dieselbe Borstellung._ Luisen-Theater. Nachmittags 3 Uhr: Letzte Sonntags-Aufführiiug: Die Reise um die Erde in 80 Tagen. Großes Ausstatt ungsituck In 14 Bild. A. Enuerh u. I von Der >u!es Bern». Abends 8 Uhr: Posse in 4 Wien von Wolters und KönIgSbruliit-Schäiiß. Montag: Die Nibelungen... friedrieh-WÜhsImsMIsehss Schsosplelhalis. Sonnlag, den 18. Februar, 3 Uhr: Othello. DbendS 8 Uhr: Die Jungfrau von Orleans. Montag: Halali. Dleyetag: Die Jungsrou von Orleans._ Lustspielhaus. Nachm. 8 Uhr; Die blaue Maus. Abends 8 Uhr: Der dunkle Punkt. OSE'THEATE Kroße Franksurter Str. 132. Nachm. 3 Uhr halbe Preise B'nn.t. Tragödie von Koeihe 1. Teil. Abends 8 Uhr: Ildednrak». Lolkstchauspiel in 4 Akt. v. Mosenthal. Montag z.I.M.: Der Eisenbahnräuber. Folies Caprice Der Cuftturner. Wener bunter Teil. Herr Wasserkropf. Ansang 8'/, Uhr. Borverk. 11—2 Uhr. Casino-Theatai* Lothringer Straße 37. Täglich 8 Uhr: Aiir«odi dis 25. Fkdrvar: Nsr vbsrttNUner. Sonnabend, den 2». Februar: Zum 1. Male: Berlin bei Nacht. Sonnt. 4 Uhr: Mutter Äräbert. Urania. Wissenschaftliches Theater. Sonntag und Montag 8 Uhr: Im Firnenglanz des Ober-Engadin. Passage-Pafloplikum Senegal in Berlin! KKwilSs Weiber Männer, Kinder. Drei Negerdörfer Ohne Extra-Entree! Passage-Tlieatar. Heute Sonntag zwei Vorstellungen. Nttchm. 3— 7 Uhr kleine Preise. Abends 8 Uhr. 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Mittwoch Grotte Solree der Apollo-Sbuger. ■Sonntag: Ans. 7 Uhr. Mittwoch: VI, Uhr. Nach der Vorstellung: Teiukranzchcn. Jeden Doiinerstng Elite-Ball. Tottdiill-TitBSiBs i Reform Kino Grieth. Römisch Ringkampf« K MeisterschastSkämpse— Vor.A sührung verbotener Gusse. S Und d. andere phänem. Progr. S lausend b. t 4. gebr. 3. PI. Ii»Pf.• Kind. 10 Ps. ohn. Nachzahlung. Dauervorstell. V. 4—11 Uhr. Heute Sonntag, den 13.Februar1910 % Große Gala Vorstellungen 2 nachm. 3'/, Uhr u. abends 7'l, Uhr. Um 3'/, Uhr zahlen Kinder unter zehn fahren auf allen Sitzplätzen halbe Preise.(Galerie volle Preise.) Nachmittags 3'/, Uhr: Farmerleben In beiden Vorstellungen: |g�Cur(is Sisters�g in beiden Vorstellungen: Mc. Daneil CoM Skandinavischer Sport-Akt. Sü, Rodel und Rollschuhe. In beiden Vorstellungen: Mr. Jacob,"0T.?: Vorführen und Reiten der best dressierten Schul-, Frei- heits- und Springpferde. Sämtliche Clowns mit den neuesten Witzen und Späßen Abends 71/, Uhr; „Marja". Die russische Sensations-Pantora. Außerdem: Thcrewe EUUm, t-1 Alt-Roablt 47/4S. Sonntag, den 13. Feltrnir 1910; NovlttUX Einjährig- Unfreiwillig. Schwank in 3 Alten v. B. Laverenz. m alhalla- yarlefe-TKeafer Weinbergeweg 19-20, Rosenth.Tor. Heute Sonntag: 2 Borstell. Nachm. 3';, Uhr(Jeder Besucher ein Kind sr ei) und abends 8 Uhr. In b eiden Vorstellungen die gesamt. Glanz-Tpeztalttäten. Tunnel: Bockdirrfest. Regimentokapelle. Schlierseer. Thealerbeluchern freier Eintritt! W.�oacks Theater Brunnen nr. 16, am Rosen thaler Tel» Nachmittag» 3 Uhr: Ztraßenblihiifahrn Krause. Ä Sie Aaia-Kse. Nach der Vorst.: DanzkrSnzche». Montag: DaS grobe Hemd._ Königatadt-K anin». Holzmarttitraße 72. Täglich: Franz Sobsnekl. Neu: Kitty Whest, Vortragssoubrette. The Watson, Kombt- nationS-Att. 4 Fernandos, Equt- lidrifttscherAkt. Hstr Fred, Stuhl- Balance. Prolongiert: Viktor, Ritter, Geich». Türk usw. Sein Schwiegervater in sp». Nach der Vorstellung: Mittwoch, Sonnab., Sonnt.: TanzkrAnzchen. ?lnf��lbr��o!mtagSS>/�fou Markgraren-SHe 34. narkgrafcu-Damm 84. -------- An der Stralauer Allee.-------- Jeden Sonntag: GroLer Ball. Im Restaurant täglich musikalische Unterhaltung. Vorzügliche Küche, ss.Biere».Werne, Billard».Kegelbahn. 4 N., Chausseestr. tlO. Karl Richter. Heute Sonntag: Paul iMantbejs lustige Sänger. Anfang 6>/, Uhr. Eintritt 50 Ps. Nachdem: Familien- Kränzchen. Im weißen Saale von b Uhr ad: EroKer Kall. KnsgMBt-KinsntglogsZpli vorm. Groterjan. Jnhnb.: Rud. Merz, Schönhauser Allee 129. Tel. 3. 9353. Die Ittaäe fkojrapliie.'Zt ÄS Fest-Säle fUr Hochzeiten und andere Festtich- keilen mit Empfangszimmer.— Bitte meine Räume zu besichtigen. Menü« Vorschläge in seder Preislage z. Verfüg. Alhambra Sallner-Thoaterftraße 16. Großer Ball Großes Orchester. Ansang Sem, tag» 6 Uhr. A. EaincUat. »nr den Inhalt der Inserate »der nimmt die Redaktion de« Publikum gegensidcr kcinerlri Berantwortung. Gewerkschaftshaus, Engelufer 15 Vy Sonnabend, den 19. Februar: Gr. Wiener Masken-Ball arrangiert von den Gold- und Silberarbeitern. Große Ueberraschungen! Die Ballmusik wird von einer starken Kapelle unter Leitung des Kapellmeisters Herrn KasedveK ausgeführt.' SÄ'" Humoristische Vorträge ul't'?!™ Anfang 9 Uhr. Billetts ö 60 Pf. sind 6« Seder. Prlnzenstr. 81, Holtkamp, gflvftenflt. 20, Lohfe. Lkalitzer Str. 10, H. Paul. RüderSdorser Str. 64, sowie im Bureau der Ort«>krankeukaffe zu haben� 283/4 Bus Komitee. ---------------—---'-------------- oJchultheiss ßier verdankt sein Renommee seiner hervorragenden Qualität und Bekömmlichkeit Achtung! Ciiinichlkr der Rosciithlilcr Mrjilidt. 2 öslenMe VlilwesSMiiiIiiiigen am Moutag, den 14. Februar, abends 8V2 Uhr, in den Humboldtsälen, Hussitcnstr. 40. TageS-Ordnung: 1. Welches Jnleresie hat die Ardetterschait an der GenossenschastSbewegung? Reserent: Redakteur Genosse G< Sabath. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. 103/14 Mittwoch, den 16. Februar, abends SV» Uhr, in Obiglos Festsälen, Schwedter Sttaste 23. TageS-Orbnung! 1. Die Bedeutung der Konsumgenofienschasten sür daS werktätige Volk. Riserent: Reichstagsabgeordneter Genosse htsivllls». 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. L-ii-ircicheS und pünktliches Erscheinen erwartet Bei» Elnbernfer. Wer Verwaltniiff Berlin. Vergolder. Montag, den 14. Februar» abends 8 Uhr: Branchen- Versammlung in den„Arminhallen"» Kommandantenstr. 58—59. Tages-Ordnung! 1.„Pie Franeu im«kämpfe umS Dasein.» Referentin: Genossin Fräulein Hsnna. 2. Beratung der Anträge zur Generalversammlung. 3. Branchenangelegenheiten. j Die Frauen werden ersucht, recht zahlreich In dieser Versammlung zu I erscheinen. Bio Branchonleitiuif. Sonntag, den 13. Februar, abends 6 Uhr: Gr öffentlicheVersammluug aller w der Salotisien-Branche beschäftigten Arbeiter it. Arbeiterinnen bei Boeker, Weberstraße 17. TageS-vrdnung- Unsere nächsten«usaaben.- Die Grnndlagen eine»»eueu Tartfö. Die Antwort der Arbeitgeber. Reserent! Äollege Roseniann." i Da die Tagesordnung von bedeutender Wichtigkeit ist, erwarten wir von unseren Kollegen, deren Frauen und Kolleginnen, wenn sie an den gegenwartigen Vortommnisicn und der wirt. Ichasllichen Lage in der Jaloustenbranche Fnterelse haben, einen recht regen Besuch, zumal die gegebenen Verhältnisse die Ein- sührung eines neuen TarisS ermöglichen. 79/2 _ Bie Kommission. Branche der Einsetzer. Sonntag, den 13. Februar: «nf. i'i, mr.(Hinter-Vergnügen � u?r. bei Boeker, Wcderslrabe 17. Billetts a 30 Pf. sind bei den BezirtSb üeni zu Haien. Um rege Beteillgima«rlufit' Ble Kommission. Die BezirkSvcrsainmlungen der Einsetzer am 13. Februar sangen wegen de» Vergnügens püntllich um 9 Uhr an und werden um 11 Uhr wegen der potiiischi!» Ansammlungen geschlossen. _ Bio Brnwchcnkomrelsslow. Orts- Krankenkasse der Schuiiede. Am Montag, d. 21. Februar 1910, Sndet im Lotale von McrkowSti, ndreaSstr. 26. die Wahl der De- legierten für lSlv statt. l. Abends 7'/, Uhr: Wahl von 9 Delegierten icitenS der Arbeitgeber. 2. Abends 8'/. Uhr: Wahl von 18 Delegierten seitens der Arbeit- nehmer. 271/6 Wahlberechtigt und wählbar sind nur die grosijährtgen Mitglieder. Bor Vorst»,>0. _ A d. P, I g rim, Vorsitzender, 6. Wahlkreis. Sonntag, den 13. Februar» abends 6 Uhr. bei Raabe, Kolbcrgcr Straße 23: Orffkktlilhe NnsmmlnW für Miimler mii» Knm Tagesordnung- Vortrag des Genossen �ldreeht k'Mle über: „Moderne Naubritter." Zu zahlreichem Besuch ladet ein Der Einberufer: E. Ernst, Wöhlertstraße 9. Roch der Versammlung:_ 225/1* ISST QemötUchea 3eisammcwseitt mit Tanz."WZ Reellster W ttlilkr eis Dienstag, den 15. Februar, abends 8� Uhr: 6ef{entliehe Trauen-Vcrsammlunq in Joseph Frankes Festsälen, Badstr. 19. Sie preuSilchev frauen lm° Nahlrechtsßampfe. Referentin: Frau knise Zietz,- Freie Diskusston. 225/2» Anton Boekers Fett Weberstr. 17.(Tel. Amt 7 13414.) Mein kleiner Saal mit Neben- räumen, 150 Personen fassend, ist Sonnabends und Montag» noch»» vergeben. 3737L» Anton Boeker, Deberstr. 17. Bcr Vorstand. I. A.: Frau Johanna Waldhauer, Miesenstr. 3. D/e Harnleiden fbre Oetobren, VerbOtung unk Beseitigung von Dr. med. Schnper, BERLIN- Preis I Mark. W Ues tausend W JSSSWSSl Gewerbegeriehlsvahlen in Rixdorf. Mittwoch, den 16. Kebniar, abend» 8'/, Uhr. im grasten Saal von Hoppe, Hcruiannstrafte 4S t lirosts Volks-Versarnrnlung. 283/6» TageS-Ordnung: 1.»Die Bedeutung des GewerbegertchtS für die Arbeiter.» Referent: Arbeitersekreiär Genosse Adoil IHttep-Berltn. 2. Diskussion Die Parteigenossen und Genossinnen werden ersucht, recht zahlreich zu erscheinen. GewcrtsctiastS-(Unter,) Kommission Rixdorf. Deutsclier Hoizarbeitsr- Verband. Zahlstelle Rixdorf. Am Donnerstag, den 17. Kebruar, abend» 8 Uhr, bei Koppe, Hermannftr. 49: Kombinierte Vertrauensmänner-Versammlung. Am Mittwoch, de» SS. Februar, abend» 8 Uhr, bei Koppe: JRitglieder-Versammlitni] Tage». Ordnung: VerbandSangelegeuheilen und Wahl von 3 Delegierten zum Gautag. 79/3»_ Ble Ortsverwaltanc. Verband der Sattler und Portefeuiller. -- Ortsverwalhing Berlin.■■ Mittwoch, den 16. Februar, abends 8Va Uhr. In den Arminhallen, Kommandantenstr. 38/36: Qeneral-Versammtimg. TageS-Ordnung: 1. GeschäsllicheS. 2. Bericht und Abrechnung vom Geschäslssahr 1909. 8. Bericht de» Vorsitzenden und Kassierers vom VeranüaungSlomiiee sowie Neuwahl derselben. 4. Neuwahl der Revisoren, ö. Unsere Lehrlings« und Sugadabtetlung. 6. Verschiedenes. lövs? Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. Recht zahlreiches Erscheinen der Mitgsiedrr erwartet Bor Vorstand. -1»« der in nmm. Zweigverein Berlin. Sektion der Gips- und Zementbrancbe. Gruppe: Jementierer, Gin schaler und Hilfsarbeiter. Montag, den 14. Febrnar, abend» S1!, Uhr, bei Jannascht. Jnselftr.>9. Gruppe: Kabitzputzer und Träger. Dienstag, den IS. Februar, abend» 8 Uhr, im GeWerk- schaftShanse. Engelufer 15(Saal I). Gruppe: Uabitzspauner. Mittwoch, den 16. Februar, abends 8 Uhr, bei Jannaschk» Jnsetftr. 10. Dlki grüßt GrnpM-Nnsmiillilligkn. Dlr lageS-Ordnung in allen Versammlungen lautet: ... 1- Jahresbericht und Renwahl der GnippenvorftSnbr. 2. Vor- schläge zum SeliionSvorfitzenden. 3. Die bevorstehende Lohnbewegung. 4. verschiedenes 136/3 BAU- Pflicht jedes Kollegen ist eS, sein« Gruppen-Dcrsannnlnng zu besuchen und für einen guten Besuch dieser Versammlungen zu agitieren. Ber Sektionsvorstand. Zahlstelle des Zentralverbandes der Zimmerer und verw. Berufsgenossen für Berlin 11. Umg. Mittwoch, den 16. Februar, abends 8 Uhr, bei Kube, Alle Jakobstraste?3: Zahlstellen-Uersammliing. Tage». Ordnung: Beratung der in der Sersammlung am 4. Februar nicht erledigte» Geschäftspunkte. Vollzähliges Erscheinen der Delegierten und Zahlstellensunktionäre ist Pflicht. M/S Ber Vorstand. Arbeiter- ßiiduna$icl)ule. Gonntag. de« 13. Februar 1910, adendS 7'/. Uhr, im KOiilsstadt-KasIno, Holzmarktftr. 7tt'. Vorfrag des Genossen Tarnow über: Andreas Hof er und seine Zeit(Zur Erinnerung feine» lOOjähr. Dodestage»>. Eintritt 20 Pfennig. S/8» Garderobe frei« VriraT! Geulüttiches Krisammensem und Tan;. WlilkAMgi« . Villalo Bvrlln 1.' Bureau: Sebasttanstr. 37-33, H. r. ll. Tel.: Auit IV. 9737. Acktunxl Aclitunx! üostümsetllleiBere. Schneiderinnen DienStag, den 15. Februar, abends 8 Uhr. (n den„Arminhallen", Kommandantenstrnste 58/50: Oelfentl. Kostümsetineider-Versamtnlung TageS-Ordnung: »Welche Ttellung nehmen wir zn dem Fünfithr-Tchlnst am Sonnabend ein und warum siub die Lohnbücher noch nicht ein» geführt?» Referent: Kollege KanNe. SV Kollegen und Kolleginnen! Bei der äußerst wichtigen Tage». ordnung ist vollzähliges Erscheinen unbedingt erforderlich. Bio Kofumlnnloa. MS! Bezirk CharlottenburB! Sn! Montag, den 14. Febrnar. abend» 8'/, Uhr. im„Volkshaas", Rosinenstraste 3: Versammlung aller in Charlottenburg beschäftigten Kollegen. TageS-Ordnung: »Welche Fordernnge« stellen wir an die Arbeitgeber 7- _ Reserent: Kollege Knnno. 162/4 SpKf Bei der wichtigen Tagesordnung ist eS Pflicht aller Kollege», zu erscheinen. Bio Kommlstiloii. Dienstag, den 15. Febrnar 1910, nachm. Va3 Uhr: in„Kellers Konzerthaus". Köpenicker Strafte 96/97. an der Insel- und Alten Jakobstrafte. TageS-Ordnung- 283/5 i. Die wahren nnd die falschen Frenude dex Schiffer. Referent Rechtsanwalt Dr. Oökar Cohn- Berlin. 2. Protest. erbebung argen die geplanten Schiffahrtsabgaben ans den natürlichen Wasserstraßen. 3. Freie Aussprache für jedermann. Der Einberufer: Karl Schwodlar, Schiffseigner, Fischcrbrücke 16. Deutseber Buchbinder-Verband. Zahlstelle Berlin* Donnerstag, den 17. Febrnar 1910, abends 8 Uhr: General- Uersammlnng tot Gewerkschaftshause, Saal 4, Engelufer Nr. IS. TageS-Ordnung: l. Jahresbericht pro 1909. 2. Wahl eineö Revisors für die Nerbandskaffe. 3. Wahl von drei Revisoren für die Zahl» stelle. 4. Verbandsangelegenhciten und Verschiedenes. 23/11 IVB. Die Jahresberichte stnb vom Montag ab im Bureau ia Empfang zn nehmen.— Zahlreichen Besuch erwartet __ Ble Ortwveriffaltnng. Deutscher Kürschner-Verband. Bureau«. Arbeitsnachweis->'0.43. Barnimftr. ll. Telephon: Amt 3tr, 7,6780. Mittwoch, den 16. Februar, abends 8 Uhr, im Alten Schützen» haus, Liiiirnftr. 5: Mitglieder-Uvrsammlnng. TageS-Ordnung: 1.»Die neue Meich*verficherniigSord»nng». Referent: Genosse Kohloanor. 2. DiStufston. 3. Der Fall„KossaU" und das Verhalten der M. Gärtnert(hen Kollegen. 4. Verschiedenes. 102/3 Die M. Gärtnerfchen Kollegen sind zu dieser Versammlung besonders eingeladen. Um zahlreiches Erscheinen ersucht Die Ortsverwaltang. Oeffentliche politische Sonntag, den 13. Februar, 12 Uhr mittags. Tages-Ordnttng: Sie Verhöhnung des Volhes Wahtreehtsref ovm genannt! Berlin. I. Kreis: Dräsels Festsäle, Neue Friedrichstr. 35.! 4. 3. Kreis: 4. S. Kreis: Kliems Festsäle, Hasenheide 13/15. Z. Kreis Biktoria-Brauerei, Lützowstr. 111/112 Kreis Gewerkschaftshaus, Engelufer 15. Armin-Halten, Kommandantenstr. 58/59. Kellers Festsäle(Freyer), Koppenstr. 29. ElysiUM, Landsberger Allee 40/41. Litfins Festsäle, Memeler Straße 67. Sanssouei, Kottbuser Straße 6. Referenten: Die Genossen Zsrth. Sorgmann. Sloch. ZZr. Vshar Lohn. tzrunwalä. kleine.?aul Hirsch. Koblenzer. Sedebonr. Seid. Stücklen. Dr. Wegl. : Dracheusturg, Vor dem Schlesischen Tor. I Sophien-Säle, Sophienstr. 17/18. : Prater-Theater, Kastamen-Allee 7/9. Borussta-Säle, Ackerstr. 6/7. Berliner Bockbrauerei, Abt. 2, Chausseestr. 64. Ballschmieders Säle, Badstraße 16. Pharns-Säle, Müllerstraße 142. (Zwei Versammlungen.) Brauerei Patzenhofer, taftr. 25/26. Dttuiell. ftich. Tischer. Theod. Tischer. ?fannkttch. Sassenbaeh. Hob. Schmidt Teltow-Beeiskow. Adlershof. Knut Bismarckstraße 16. Charlottenbnrg. Zwei Versammlungen im Uolkshaus, Rosinenstraße 3. ItSpenleh. Stadttheater, Friedrichstraße. �roL-I,lehterfelde. Kaiserhof am Kranoldplatz. Äönlgswusterhausen. Wedhorn, Altes Schützenhaus. Xleder-SehSae-vrelde.„HaflelMerder�,Hasselwerderstr. 19. XoHvaHvos. Schmidt, Wilhelmstraße 41/43. Hlxdorf. Hoppe, Hermannstr. 48/49. Felsch, Knesebeckstr. 48/49. Karlsgarten, Karlsgartenstraße. Schäneberg. Schlohbranerei, Hauptstraße 122. Trebbin�„Gesellschaftshaus", Bahnhofftraße 1. Treptow. Restaurant Jnr Rennbahn, Treptower Chaussee 46. W ilmersdorf. Wbtoriagarten, Wilhelmsaue 115. Referenten: Die Genossen Lduard Jernstein. Suhl. Srühl. Davidsohn. Sittmer. Hrunsel Hupont Sberf. Glocke. Kunze. Hüter. Sonnenbnrg. Stürmer. Wels. Unheil. Nieder-Barnlm. Bernau.(1 UHv.) Glysium. Frledrichshagen Ä Uhr bei Conrad, Friedrichstr. 137. Lichtenberg. Gebr. Arnhold, Schwarzer Adler» Frankfurter Chaussee 5/6. Rnmmelsbnrg. Cafö Sellevue, Tempel, Hauptstraße 2. Qber-SchSnewelde. Ulörners Dlnmengarten. Banhow. Gbersbach,„Zum Kurfürsten", Berliner Str. 102. Nleder-Schonhansen.„Kindengarten", Lindenstraße 43. Beinickendorf-Ost und-West.„Schützenhans"» Residenzstraße 1/2. Tegel-Borsigwalde. Trapp» Festsäle, Bahnhofstraße 1. Weißensee. Schloß Weißensee. Referenten: Die Genossen Soeske. Jul. Cohn. Swald. Dr. Herzfeld. Häming. JSÜUer(Parteisekretär), foetzsch. Schütte. Stadthagen. Wissel!. Spandau. IX�MfSöSÄaBTsa 39' 1 95»«««»»d jte«sw. Alle Genossen«nd Genossinnen sind zum Besuch der Versammlunge« verpflichtet. Niemand dars sehlen. Für die Einberufer: Etagen Ernst» Wöhlertstraße 9. VerantwortliHer Redakteur Richard Barth, Berlin. Für den ßnicratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Berlag: Borwärt» Buchdruckerei u. BerlagSanstalt Paul Singer» Eo� Berltn SV, i,«. 27.»«. 4. KeilM des IsmMs" Kerlllter Nslksllllltt. SM..,13.MM.S.«. I Freitag beendet werden, so daß die Sperre füf Zen nächsten s Sonnabendmarkt aufgehoben werden dürfte. Der Schaden, i dcn die Händler durch die Sperre erleiden, dürste auf zirka ZOO OOO M. zu veranschlagen sein. Die juristische Sprechstunde am kommenden Mittwoch fällt aus. lieber Bclehrungsversuche auf dem Postamt 58 erhalten«vir folgende Mitteilungen: Am Freitag, den 4. Februar fand die Frau eines in der Sckönhauser Allee wohnenden Schrift setzerS im Briefkasten der Wohnung einen Zettel mit der Nachricht, daß auf dem Postamt 53 in der Danziger Straße eine Nachnahme� sendung abzuholen sei. An demselben Abend fragte die Frau auf dem Postamt nach, um was es sich handele, worauf sie den Bescheid erhielt, daß es sich um die Kostenrechnung des Kirchenaustrittes handele: daß die Einlösung noch Zeit habe, wenn die Frau äugen» blicklich nicht genügend Geld bei sich führe. Diese Gelegenheit schien dem Beamten Rieger günstig, der Frau Belehrungen über die Folgen des Kirchenaustrittes zu teil werden zu lasten. Er erklärte, daß der aus der Kirche Ausgeschiedene nicht mehr Trau- zeuge sein noch Pate stehen dürfe. Seien die Kinder erwachsen, würden sie überall nach der Religion gefragt, sie könnten auch nie wieder in die Kirchengemeinschaft ausgenommen werden. Manch einer hätte das schon bitter bereut usw. Zu diesen Belehrungen ist der Beamte in keiner Weise befugt; er hat sich lediglich auf geschäftliche Dinge zu beschränken. Jnterestant ist nun. daß der Beamte die Kostenrechnung sofort hat zurückgehen lasten und zwar, wie der Poststempel auswelst, noch an demselben Tage, obwohl er der Frau erklärt hatte, die Einlösung habe noch Zeit. Als Frau O. am Montag, den 7. Februar nach dem Postamt kam, wurde ihr gesagt, daß der Brief zurückgeschickt worden sei. Auf eine Beschwerde beim Postdireltor hat der Beamte erklärt, die Kostenrechnung zurückgesandt zu haben, weil die Frau O. die Annahme verweigert habe. Diese Angabe wird bestritten. Jeden- falls hat der Beamte angenommen, daß seine Bekehrungsversuche an Frau O. von Erfolg gewesen seien. Schließlich zog c§ der Mann aber doch vor, die den O.schen Eheleuten erlvachsenen Mehrkosten von fünf Pfennige zu erstatten. Bekanntmachung betreffend Reklamationen vom Militärdienst. Die Ersatzkommission gibt bekannt: Es wird hierdurch in Wiederholung der im Januar d. I. er- folgten öffentlichen Bekanntmachung noch einmal besonders in Er- innerung gebracht, daß Reklamationen(Anträge auf Zurückstellung bezw. Befreiung von der Aushebung in Berücksichtigung bürger- sicher Berhältnistc— ß 32, 2a— g der deutschen Wehrordnung—) bezüglich aller Militärpflichtigen, auch der Einjährig-Freiwilligen, vor dem am 24. Februar d. I. beginnenden Musterungsgeschäft, spätestens aber im BiusterungSlermin bei den Ersatzlommissionen anzubringen sind. Nach der Musterung angebrachte Reklamationen haben eine ve- rücksichtigung nur dann zu erwarten, wenn die Beranlastung zu den- selben erst nach der Musterung entstanden ist. FeriemAeitderung. Das Provinzial-Schulkolleglum hat die erien für die Berliner Gemeinde schulen etwas geändert. Der ichlutz des Schuljahres 1S09 ist auf den 23. März d. I. und der Beginn des Schuljahres 1910 auf den 4. April 1910 festgesetzt. Die Pfingstferien beginnen am 13. Mai und endigen am 20. Mai. Die Sommerferien werden am 6. Juli beginnen und am 12. August endigen. Im Herbst findet der Schluß des Unterrichts am 28. Sep tember 1910 und der Anfang des Unterrichts am ö. Oktober 1910 statt. Die Wcihnachtsferien erstrecken sich vom 22. Dezember 1910 bis zum 3. Januar 1911. Diese Ferienordnung weist für die Volksschulen 6 Ferientage weniger auf als die für die höheren Schulen. Es ist schon soviel darüber geschrieben worden, wie unbegründet solche Differenzen sind, daß man erwarten müßte, es würde endlich einmal anders. Vielleicht will man die Kinder, die demnächst doch„bloß Arbeiter" toerden, langsam daran gewohnem daß sie nicht nur mehr arbeiten und weniger Geld verdienen müssen, sondern daß sie auch weniger Erholungszeit brauchen als die, denen Vaters Geldbeutel den Besuch emer höheren Schule gestattet. Der Abstand muß auch hier gewahrt bleiben. Ruhe ist wohl des Bürgers Pflicht, aber nicht sein Recht, wenigstens nicht sein volles. Arbeitslosigkeit hat den 31 Jahre alten Kellner Artur Langner in den Tod getrieben. Langner, der keine Wohnung mehr hatte, bemühte sich umsonst um Beschäftigung. Eine Witwe Schmidt in der Gaudystr. 40, die ihn als ordentlichen Menschen kennen ge- lernt hatte, gewährte ihm seit fünf Tagen auS Mitleid in ihrer Wohnung Unterkunft. Nachdem er stets ein gedrücktes Wesen ge- zeigt hatte, fand ihn die Frau, als sie vorgestern abend um 9� Uhr nach Hause kam. tot auf dem Flur der Wohnung liegen. Neben ihm stand eine Lysolflasche, die er ausgetrunken hatte. Ein Arzt von der Hilfswache in der Gaudystraße konnte nur noch den Tod feststellen. Förderung der Kirchenaustritte durch Geistliche. Dem Pfarrer Reck von der Elias-Gemcinde müssen wir Dank sagen, daß er zum Kirchenaustritt beiträgt. Der fromme Mann will den Besuch der Kirche heben und da ErNxichsene wohl nicht allzuvtele in die Kirche kommen, glaubt er gelinde Zwangsmittel zum Kirchen- besuch anwenden zu sollen. Er verlangt von seinen Konfirmanden, daß sie regelmäßig den Gottesdienst besuchen. Für die EliaS- gemeinde wird meistens in der Gethsemanekirche gepredigt und die Konfirmanden müssen sich ganz nach vorn setzen,«venn der Herr predigt, damit er seine Schäflein sieht; besuchen sie die Nach- mittagspredigt, sollen die Schüler einen Nachweis bringen� daß sie in der Kirche gewesen. Nun folgen aber nicht alle Schüler oder Schülerinnen den Mahnungen des eifrigen, frommen Herrn. Dann mahnt er. Einem Arbeiter B. in der Lhchenerstr. 11 schrieb Pfarrer Reck folgenden Brief: „Herrn B., Lhchenersiraße. Nachdem ich Ihre Tochter Frieda sehr oft vergeblich ermahnt habe, den Gottesdienst zu besuchen, muß ich zu meinem Bedauern Ihnen mitteilen, daß Frieda von der Einsegnung ausgeschlossen wird,«venn sie nicht bis zum 7. Februar mir nachweist, daß sie den Gottesdienst besucht hat. Neck, Pfarrer." Der Brief hat bei Herrn B. die gegenteilige Wirkung erzielt, als der Herr Pfarrer erzielen wollte. Frieda ist nicht zum Gottes- dienst gegangen und hat auch nicht den erlangten Nachweis ge- liefert. Herr B. hat sich infolge dieser Belästigungen entschlossen, mit seiner gesamten Familie aus der Kirche auszutreten. Und das ist dem Pfarrer Reck zuzuschreiben. Hoffentlich arbeitet der Mann weiter sol Drei wertvolle Oclgemälde sind auf unerklärliche Weise vom Lehrter Eilgüterbahnhof abhanden gekommen:„Die Vertreibung der Hagar" von Fritz v. Uhde, die 4800 M. wert ist,„Schreiende Hirsche" von Christian Kröner(1950 M. wert) und ein Bildnis von Matthias Schmidt. Die Gemälde sind in Hamburg auf einer Ausstellung gewesen und wurden von dort an eine hiesige Kunst- Handlung gesandt. Als die BahnhofSverivaltung sie abliefern wollte, entdeckte sie, daß sie verschwunden waren. Sie machte Anzeige bei der Kriminalpolizei, die vor dem Ankauf ber Gemälde Partei- �ngelegenkeiten. Vierter Wahlkreis. Dienstag, den IS. Februar, abends 8 Uhr an Restaurant Sanssouci, Koltbuierstr. 6 großer Lichtbildervortrag über„Die badische Revolution". Billeits a 10 Pfennig pro Person sind an der Kasse und in der Spedition Lausitzer Platz 14/15 zu haben. Fünfter Wahlkreis. 1, Abteilung. Am Dienstag, den 15. Februar, abends 8�2 Uhr, findet eine gemeinsame Abteilungs- Versammlung in den Unionssälen, GreifSwalder Straße 221— 223, statt. Das Erscheinen aller Genossen ist dringend notwendig. Der Abteilungsführer. Charlottenborg. Die Generalversammlung des Wahlvereins, welche am Dienstag, den lö. d. M., stattfinden sollte, fällt un- vorhergesehener Umstände wegen a u S. Der Vorstand. Zehlendorf(Wannseebahn). Die Genossen sind verpflichtet, sich um ll Uhr bei Hunger, Teltower Straße, einzufinden, um gemeinsam die Versammlung in Lichterfelde zu besuchen. Der Vorstand. Obcr-Schöneweide. Die Genossen werden auf die am DienS� tag, den 15. d. M., in Mörners Blumengarten stattfindende Mitz gliederversammlung aufmerksam gemacht. Ter Vorstand. Briy-Buckow. Dienstag, abends �9 Uhr, findet bei Schöna berg, Rudowcr Straße 66, eine Volksversammlung statt. Tages- orduung: 1. Vortrag über„Die politische Lage".(Referent wird in der Versammlung bekannt gemacht.) 2. Diskussion. 3. Ber- fchiedenes. Jeder Genosse agitiere für zahlreichen Besuch. Der Vorstand. Marlendorf. Dienstag abend 8� Uhr bei Preuß, Kurfürsten- straße 44:� Mitgliederversammlung. Tagesordnung: Vortrag des Genossen Mermuth über„Fichte und sein Erziehungs- Problem". Diskussion. Vereinsangelegenheiten und Verschiedenes. Tempelhof. Dienstag, den 15. Februar, abends 8� Uhr, im „Wilhclmsgarten", Berliner Straße 9: Mitglieder-Ver- sammlung. Vortrag des Stadtverordneten O b st- Schöneberg über„Kommunale Aufgaben der Sozialdemokratie". Aufstellung der Kandidaten zur Gemeindevertreterwahl. Verschiedenes. Alt-Glienicke. Am Dienstag, den 15. Februar, abends 8 Uhr, findet im Terrassen-Restaurant, Inhaber A. TroppenS, Rudower Straße 54, eine außerordentliche Mitgliederversammlung des Wahlvereins statt. Tagesordnung: 1. Ergänzungswahl des Vor- standes. 2. Aufnahme neuer Mitglieder. 3. Wahl der Delegierten gur Kreisgencralversammlung und zum Verband von Groß-Berlin. 4. Die letzten Ereignisse in der Gemeindevertretung. 5. Schieds- fpruch in Sachen Schneider. 6. Vereinsangelegenheiten: Ver- fchiedeneS. Der Vorstand. KarlShorst. Achtung, Parteigenossen! Die am 15. Februar fällige Mitgliederversammlung findet nicht statt. Die Versamm- lung kann erst am 22. Februar tagen. Die Tagesordnung wird noch bekannt gemacht. Am heutigen Sonntag treffen sich die Parteigenossen voll- zählig vormittags?Lll Uhr im„Restaurant zum Fürstenbad". Der Vorstand. Ncucnhagen, Frebersdirf, PcterShogen, Bruchmühle, EggcrS- darf. Zum Besuch der heute nachmittag 4 Uhr im Lokal von E. Kutzner. Bruchmühle, Roonstr. 1. stattfindenden VolkSversamm- lung, in der Kreissekretär Genosse R. Bühler-Lichtenberg referiert, find alle Parteigenossen verpflichtet. Wilhclmsruh-Rosenthal. Am DienStag, den 15. Februar, abends 8 Uhr, findet im Lokal von Deutschmann, Wilhelmsruh, «ine öffentliche Versammlung statt. Hierzu werden am Montag- abend von W Uhr an Handzettel von ven bekannten Bezirks- lokalen aus verbreitet. Die Bezirksleitung. Nieder-Schönhaufen-Nordenb. Am Dienstag, den 15. Februar, abends 8',h Uhr, findet im„Lindengarten", Lindenstr. 43, dre Mitgliederversammlung des Wahlvereins statt. Tagesordnung: 1. Unsere Gemeindewahl. 2. Aufstellung der Kandidaten zur Gemeindevertreterwahl. 3. Antrag des KreiSvorstandeS: Erhebung eines AgitationLbeitrageS. 4. Verschiedenes. Die Bezirksleitung. Reinickendorf-West. Treffpunkt aller Genossen zu der heute mittag 12 Uhr in Reinickendorf- Ost stattfindenven Protest- Versammlung ist das Lokal von E. Krumrey, Berliner Straße 36. Abmarsch 11 Uhr. Die Bezirksleitung. Borfigwalbe-Wittenau. DienStag, den 15. Februar, abends 8 Uhr. findet eine Mitgliederversammlung des WahlvereinS in dem Lokale von Jaschinski statt. Die Bezirksleitung. Spanbau. Die außerordentliche Generalversammlung findet DienStag, den 15. Februar, abends SMt Uhr, bei Holldorf, See- burger Straße 26, statt. Tagesordnung: Berichterstattung vom preußischen Parteitag. Referent Genosse Wilhelm Staab-PotSdam. Mitgliedsbuch legitimiert. Der Borstand. berliner pfackmclrten. Der Berliner Viehhof gesperrt. Die Sperre des Berliner Viehhofes hat. wie die„M° gemeine Fleischer-Zeitung" berichtet, gestern bezüglich des Austriebes nur auf den Rindermarkt einen Einfluß ausgeübt, indem zirka 1000 Rinder weniger aufgetrieben wurden wie auf dem Sonnabendmarkt vor acht Tagen. Bei den Kälbern und Schweinen war der Auftrieb gestern sogar noch ein stärkerer wie vor acht Tagen. Weitaus größeren Einfluß übte die Sperre auf die Preise aus; auf dem Schweinemarkt fielen- die Preise um 3 bis 4 M. pro Zentner. Bei den Rindern(biö auf gute Tiere) sind im Durchschnitt pro Haupt zirka 40 bis 50 M. verloren gegangen. Nu�für den Scharfmarkt blieb die Sperre ohne merkbaren Einfluß. Der Landwirtschafts- minister hatte in Uebereinstimmung mit den gesetzlichen Be° stimmungen eine bedingte Ausfuhr von Vieh für gestern zu- gelassen, aber nur auf besonderen Antrag der Interessenten. Auf Anträge dieser Art lehnte eine große Anzahl Städte die Zufuhr ab, einige gestatteten nur eine beschränkte Zufuhr. Ganz abgelehnt wurde die Zufuhr unter anderen von Dres- den. Chemnitz, Elberfeld und Köln, während die Erlaubnis erteilten Zwickau für höchstens 160 Stück, Hagen für höchstens 40 Stück, Duisburg für höchstens 15 Stück, ferner Düsseldorf, Gclsenkirchen, Aue im Vogtlande, Oberhausen, Osnabrück, Plauen, Potsdam, Spandau, Luckenwalde, Recklinghausen, Wiesbaden und Küstrin. Der Viehhof sollte gestern bis 5 Uhr nachmittags vollstäi�iig geräumt sein. Die Besitzer der un- verkauft gebliebenen Tiere wurden zur alsbaldigen Abschlackz- tung gemäß§ 53 des Reichsviebseuchengesetzes zur Verhütung der Seuchenverbreitung angehalten. Für die Desinfektion des Schlacht- und Viehhofes sind zirka 400 Hilfskräfte tätig, trotzdem dürften die Reinigungsarbeiten erst Donnerstag oder warnen läßt. Die Nachforschungen nach ihrem Verbleib sind bis jetzt erfolglos geblieben. Ob sie gestohlen worden sind, läßt sich noch nicht sagen. Es ist auch möglich, daß die Gemälde irrtüm- lieh wieder in einen Eisenbahnwagen verladen worden sind uno sich jetzt irgendlvo unterwegs befinden. Eine Reihe schwerer Unglücksfälle wurden durch den gestrigen Schneefall herbeigeführt. So stürzte beispielsweise in der Dork- straße der Rentier Hermann Liepe durch Ausgleiten auf dem glatten Bürgersteig so unglücklich zu Boden, daß er einen Knöchel- bruch erlitt.— Der Arbeiter Gcrl, Albrechtstraße wohnhaft, zog sich bei einem ähnlichen Unfall einen schweren Oberschenkelbruch zu.— Ferner wurde in der Chaussecstraße ein Schulmädchen, das auf dem Weg zur Schule begriffen war. schwer verletzt. Auf den Unfallstationen und Rettungswachen wurden eine Anzahl auf dem glatten Schnee zu Fall gekommener und verletzter Personen in ärztliche Behandlung genommen. Im Sistlerungszimmer de§ Polizeipräsidiums gab es am Dienstag in der Mittagstunde einige Aufregung. Ein entflohener Fürsorgezögling der Stadt Berlin, der wieder- ergriffen und gefesselt eingeliefert worden war, wurde in einem anstoßenden Raum verhört. Er erschwerte die Feststellung seiner Person dadurch, daß er sich zunächst weigerte, seinen Namen zu nennen. Hiermit wollte er verhüten, daß er erkannt und in die Anstalt zurückgebracht würde, aus der er entwichen war. Personen, die in dem Sistlerungszimmer weillen, hatten Gelegenheit, mit- anzuhören und zum Teil durch die geöffnete Tür mit anzusehen, wie die Vernehmung vor sich ging. Sie regten sich dabei so auf, daß der dort Wache hallende Schutzmann genötigt war, zur Ruhe zu mahnen. Einige erklärten laut, daß sie an die Redaltion des„V or- wärtS" berichten würden. Inzwischen haben Zeugen unS über diese Angelegenheit Mitteilungen vorgetragen, die uns veranlasse», ihr näher zu treten. Es kommt uns aber darauf an, noch andere Ohren- und Augeuzeugen in möglichst großer Zahl befragen zu können. Sicherlich werden nicht alle Personen, die zu der Zeit in dem Sistierungszimmcr auf ihre Vorführung warteten, in Haft genommen worden sein. An diejenigen, die sofort entlassen wurden oder viel- leicht nach kurzer Haft jetzt wieder ans steiem Fuße sind, richten wir die Bitte, sich bei lius z u melden und unS ihre Wahrnehmungen mitzuteilen. Sollen wir von unserer Walsenverwaltung erwarten, daß auch sie sich um die Sache wird kümmern wolle? Wir wissen nicht, ob sie gegenüber ihren Fürsorgezöglingen dieselbe Pflicht fühlt, die sonst den Eltern gegenüber ihren Kindern als selbstverständlich gilt. Nach Erfahrungen, die in dieser Hinsicht gemacht worden sind, möchten wir annehmen, daß die Waisen- Verwaltung ihr Verhältnis zu den Fürsorgezöglingen etwas anders auffaßt. Immerhin wollen wir ihr die Möglichkeit geben, selber den betreffenden Zögling zu befragen. Es handelt sich um einen siebzehnjährigen Ernst Z.. der aus der Anstalt„Neander- haus"(ber Klein-Kammin hinter Küstrin) entflohen war. Sollte er inzwischen bereits an die Waisenverwaltung abgeliefert worden sein, so wird eS ihr ja nicht schwer werden, den jungen Menschen zu vernehmen, ohne daß es dazu einer«vochenlangen Hin- und Herschreiberei bedarf. Da wir übrigens gerade vom„NeanderhauS" reden, so möchten wir bei dieser Gelegenheit anfragen, ob die Waisenverwaltung durch unseren vor jetzt fünf Wochen veröffentlichten Artikel über diese Anstalt sich veranlaßt gefühlt hat, sie einmal etwas genauer zu besehen. Entgleisung einer Lokomotive. Eine empfindliche Verkehrs» ftörung wurde auf der Strecke nach Groß-Lichterfelde-Ost durch die Entgleisung einer Lokomotive hervorgerufen. Hinter der Station Papestraße entgleiste die Maschine. Sie wurde teilweise auf die Schienen der elektrischen Vorortbahn geschleudert und hinderte auf diese Weise den Verkehr von Groß-Llchterfelde nach Berlin. Der Betrieb nach dieser Richtung mußte längere Zeit hindurch vollständig unterbrochen werden. Kollision zwischen Automobil und Straßenbahn. Auf dem Wittenbergplatz ereignete sich am Sonnabend nahe der Bayreuther Straße ein Zusammenstoß zwischen einem Privatautomobil und einem Straßenbahnwagen der Linie 64. Die Kollision war so heftig, daß mehrere Scheiben in Trümmer gingen. Von den In- fassen des Automobils wurde die Gattin des Hauptmanns a. D. v. Scheven aus der Neuen Bayreuther Straße 2 durch GlaS- splitter im Gesicht verletzt. An dem Straßenbahnwagen wurde der Vorderperron stark beschädigt. Eine traurige Fahrt machte vorgestern die Sattlerfrau Schultze auS der Brüsseler Straße 22. Das Ehepaar ist taubstumm, hat aber fünf Kinder von einem bis 10 Jahren, die alle gut sprechen und hören. Die vier Jahre alte Tochter Amalie kränkelte seit dem 1. d. M. Vorgestern vormittag entschlossen sie sich, einen Arzt aufzusuchen, und auf dessen Veranlassung fuhr die Mutter in einer Droschke mit der Kleinen»ach dem Augustahospital. Hier verweigerte man die Aufnahme, weil das Kind an einer an» steckenden Krankheit litt. Jetzt fuhr die Frau nach dem Virchow» Krankenhause«vciter. Als sie aber dort ankam, war die Kleine bereits tot. Die Krankenhausverwaltung nahm die Leiche nicht an, sandte vielmehr die Mutter mit ihr nach dem Schauhause. Eine größere Störung im Straßenbahnbetriebe ereignete sich vorgestern in der Landsberger Straße. Unmittelbar hinter der Ausfahrtsweiche an der Ecke der Landsberger und Kleinen Frank- furter Straße entgleiste der Motorwagen Nr. 1687 der Ring- linie 3 und sperrte infolgedessen das Gleise nach beiden Richtungen, während der Zeit von 5,50 bis Uhr. Durch Mannschaften dcS herbeigerufenen Rettungswagens wurde der entgleiste Waggon «vieder in sie Schienen gehoben. Während der Dauer der Störung wurden die in der Richtung nach dem Landsberger Tor fahrenden Wagen der Linien 58, 65,> 75 und 81 durch die Alexander-, Kaiser-, Kleine Frankfurter und Landsberger Straße abgeleitet, während die nach dem Alexanderplatz führenden Linien Aufenthalt hatten. Arbeiter-Bildungsschnle, Berlin. Der Unterricht in Rationalökonomie fällt heute, Sonntag, nicht aus. Er wird aber pünktlich kurz nach 11 Uhr schließen. Heute abend 1�8 Uhr im„Königstadt-Kasino", Holzmarktstraße 72: Vortrag des Genossen Tornow über: Andreas Hofer und seine Zeit."(Zum 100 jährigen Todes- tage.) Der JugendkursuS i» Nationalökonomie(Fortschritts- kursus) fällt heute, Sonntag, a u s. Der nächste findet statt heute über acht Tage. Morgen, Montag, den 13. d. M.. fällt der Unter- richt in Naturerkenntnis wegen einer Erkältungs- erkrankung des Genossen Wurm aus. Unter den dem Berliner Aquarium zugcführtcn nord. europäischen MeercSfischcn befinden sich Vertreter einer Gattung, die man, trotzdem es keineswegs kleine Fische sind, bei flüchtiger Besichtigung des von ihnen und anderen Flossenträgcrn bewohnten gräumigen Felsenbeckens gar nicht wahrnimmt, weil sie ihrer Gestalt und Färbung nach Fclsbrockcn ähneln und erst bei ge» naucrem Zusehen als merkwürdig eckig gebaute, breitköpsiga. höckerige, mit zackigen Auswüchsen und Stacheln bewehrte Geschöpfe sich zu etftnntn geben, die im männlichen Geschlecht zur Zeit der in den Winter fallenden Fortpflanzung ein prächtiges, schillerndes Hochzeitskleid anlegen, und wegen der eigentümlichen LeibeSform und der verwundenden Stacheln wegen„Skorpione" benannt wurden. Der Stich dieser Stnchelfische wurde vielfach für giftig gehalten, doch hat sich der Verdacht nicht bestätigt, obivohl Familien. verwandte, die monströs gebauten Giftstachelfische(Lxnanceia) der indisch-australischen Meere, tatsächlich Giftstacheln und Giftdrüsen besitzen. In der SLuglingsfilrsorgestelle I, Blumenstr. 78, findet von jetzt ab fünfmal je einmal wöchentlich Unterricht in Säuglings- Pflege mit praltischen Uebungen statt. Meldungen schriftlich oder mündlich: Bureau Blumenstr. 78, vorn links parterre. Wochen- täglich von 2— 4 Uhr. Arbeiter-Samariterkolonne. Montagabend 9 Uhr, 1. Abteilung Dresdener Straße 45. Der Vortrag des Lehrplanes fällt aus, dafür hält Frl. Dr. Vrofe einen Vortrag über Vergiftungen. Daran anschließend praktische Uebungen. Mittwoch: 5. Abteilung. DonnerS- tag: S. und 4. AbteUung. Vorort- JVacbncbten. Tchöneborg, Gegen die Wahlrechtsvorlage. In der am Montag stattfindenden Stadtverordnetenversammlung wird die sozialdemokratische Fraktion einen DringlichkeitSantrag einbringen, in dem der Magistrat ersucht wird, bei dem Preußischen Landtag unter Protest gegen die Wahl- rechtsvorlage die Einführung deS allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahlrechts für die Kommunen zu verlangen. Eine gleiche Resolution wird seitens der liberalen Fraktion vorbereitet. Der vierte BolkSnnterhaltungSabend, der am heutigen Sonntag. abends 7 Uhr, in der«ula der Hohenzollcrnschule, Belziger-Eae Eisenacher Siratze, staltfindet, führt diesmal die Besucher in das Reich des berühmten Malers Rembrandt. Der Bortrag des Herrn Dr. Matkowsky hierzu wird durch gute Lichtbilder unterstützt. Niederländische Musik soll sich dem Ganzen anschließen, so daß für den Preis von 30 Ps. den Besucher» etwas Gutes geboten wird. Billetts sind in der Parteispedition, Martin'Lulher-Strahe VI, zu haben. Oder-Schöneweide. Die für die Gemeinde seit langem brennende Frage der Ein- gemeindung des forstfiskalischen TcrrainS. auf welchem sich die industriellen Anlagen der Berliner Elektrizitätswerke, der deutschen Pctroleumgesellschaft. der Benzinlagerungsgesellschaft und des Dampfsägewerks von Nadge befinden, hat eine für die Gr» meinde günstige Wendung genommen. Der Kreisausschuß hat beschlossen, die« Gelände nach Ober-Schöneweide einzuge» meinden. Es bleibt nun abzuwarten, in welcher Weise die gewiß von anderen interessierten Gemeinden zu erwartenden Einsprüche erledigt werden. ES haben hier der Bezirksausschuß und auf einen evll. Einspruch deS FiSkuS der Provinzialrat das letzte Wort zu sprechen: jedenfalls ist ein langwieriges Verfahren zu er- warten. Für die Gemeinde bedeutet diese Eingemeindung in An- betracht der dort domizUierenden steuerkräftigen Industrie einen gewaltigen Vorteil und gerade auS diesem Grunde machen die um- liegenden Gemeinden die größten Anstrengungen um den Besitz. Zu beachten ist hierbei, daß Ober-Schöneweide bisher die Schul- lasten für dies Terrain aufgewendet hat; es dürste dies«in Grund für den obenerwähnten Beschluß gewesen sein. Eine Petition deS Grundbesitzervereins an die Gemeinde- Verwaltung wendet sich im Hinblick auf die schlechte Finanzlage der Gemeinde gegen den geplanten Bau deS Realgymnasiums. Es wird der Vorschlag gemacht, hierfür daS neuerbaute Schul haus der 4. Gemeindeschule zu benutzen. An sich wäre der Vorschlag nicht zu verwerfen, kommt aber jetzt, nachdem bereits mit den Aus- schreibungen für den Bau begonnen ist etwas sehr spät. Weiter protestieren die Herren aegen ein« weitere Belastung deS Grund- besitzeS. Berechtigt ist die weitere Forderung, die industriellen Werke stärker als bisher zu Kanalisationsabgaben heranzuziehen. Nach dem jetzt geltenden Modus zahlen die Fabriken pro Kubik- meter Wasser? Pf. und die Hausbesitzer 15 Pf. Auf Gegenliebe werden sie allerdings bei deren Vertretern im Gemeindeparlament. trotzdem sie sonst mit ihnen durch Dick und Dünn gehen, nich rechnen dürfen. Ehariottenvnrg. Für 12 090 M. Waren erbeuteten Einbrecher, die in der gestrigen Nacht daS Warenhaus von Gebrüder Jacob in der Wil- merSdorfer Straße 53 heimsuchten. Die Diebe haben sich wahr- scheinlich am Abend vorher in dem Gebäude einschließen lasten und drangen nachts in die Verkaufsräume ein. in denen sie in allen Etagen wertvolle Waren, namentlich Kleiderstoff«, Teppiche, Herrengarderob«. Wäsche usw. stahlen. Um sich für die Weg. schasfung der ziemlich umfangreichen Beute zu stärken, veran- stalteten die Diebe dann im Erfrischungsraum ein Zechgelage. Ihren Rückweg nahmen die Verbrecher vom photographischen Atelier aus über die Dächer. Der das HauS bewachende Portier hat von dem Einbruch nichts wahrgenommen. Von den Spitz- buken fehlt bisher noch jede Spur. Rurdorf. Morgen abend 8Va Uhr findet in Hoppes Festsälen. Hermann» straße 49. der Lichtbildervortrag des Genosten Adolf Geck über „Die badische Revolution" statt. Die im vorigen Jahre gelösten Eintrittskarten berechtigen zum Eintritt.— Ferner sind Karten a 10 Pf. bis zu Beginn des Vortrages im obigen Lokal erhältlich. Sonntag, den 20. Februar, nachmittags 2'ch Uhr, gelangt im Rixdorfer Theater, Bergstr. 147,„Vater und Sohn' zur Auf. führung. Eintrittskarten a 30 Pf. sind noch bei den Funktionären erhältlich. Achtung, Turnerl Di« Familienpartie der Freien Turner- fchaft Rixdorf-Britz nach Saatwinkel muh umständehalber auf Sonntag, den 20. Februar, verschoben werden. Boxhagen- Rummelslmrg. Verschwunden ist der 40 Jahre alte Schuhmachermeister Joseph Friesleben, Neue Bahnhofstr. 3 wohnhast. F.»st am Sonntag, den 3. Februar früh fortgegangen und bis jetzt noch nicht wieder zurückgekehrt. Wer über den Aufenthalt des Verschwundenen An- gaben machen kann, wird gebeten, diese an Frau Friesleben ge° langen zu lassen. Treptow. Am heutigen Sonntag, nachmittags 4 Uhr, veranstaltet der Turnverein„Jahn", Treptow, M. d. A.-T.-B.. in der Gemeinde» turnhalle, Bouchestraße, ein öffentliches Turnen. Freunde und Gönner der Turnsache sind hierzu freundlichst eingeladen. Kleiv-Schönebetk-Fichtenau. Ein Schouspiel für Götter scheint sich in der Gemeinde Fichtenau abspielen zu wollen. Nachdem der Verschönerungs« verein unter der Leitung Krause-Beckmann noch vor 14 Tagen über den Bürgerverein hergefallen und wie wir bereits mitgeteilt hatten, durch unglaubliche Verdrehung der Tatsachen fein Vorgehen gegen die Gemeinde als berechtigt und als einzige Schuldigen die Gcmeindevcrtretcr des Bürgervereins dezeichnet hatte, nachdem ferner das letzte Flugblatt diesen Vertretern Unehrlichlcit an den Kopf geworfen und sie als mit der Wahrheit auf dem Kriegsfuß stehende, nicht ernst zu nehmende Leute hingestellt hatte, wrll er jetzt mit diesem„friedliche Beziehungen" anbahnen oder auf Deutsch: Dumme suchen, die sich mit»hm auf vier Wochen ver, tragen und seine Mannen in die Gemeindevertretung wählen helfen. Gleichzeitig proklamiert Krause-Beckmann, solange sie sich mit dem Gemeindevorsteher zu vertragen belieben, den Frieden innerhalb der Gemeinde, ähnlich wie in der schönen Fabel von dem Wolf, der mit dem Kchaf durchaus Frieden schließen wollte. Wir sind �spannt, welche Antwort die Mitglieder des Bürger- Vereins diesem unglaublichen Ansinnen entgegensetzen werden. Nieder-Schönhausen. Die letzte Gemeindcvertrcterfitzung hatte üb�r mehrere Ein- spräche gegen die Richtigkeit der Wählerliste Beschluß zu fasten. Dem Einspruch eines Herrn Seidel wurde stattgegeben, dagegen die Einsprüche der Herren Maier und Beuster zurückgewiesen. Weitere Einsprüche lagen dann noch vor von unserem Genosten Müller, der beantragte, daß alle F o r e n s e n gestrichen werden, deren Grundstücke nicht mindestens einen Umfang von 6 Morgen haben oder deren bebaute Grundstücke dem Werte eines solchen nicht gleichkommen. Der Reichsverband zur Bekämpfung der Sozial- demokratie hat durch einen Herrn Cramer Einspruch erhoben, in- dem derselbe darauf hinweist, daß der§ 45 der Landgemeindeordnung für einen Vorort von Berlin nicht in Betracht kommen könne. Zu dem Einspruch nahm zunächst Bürgermeister Abraham das Wort. In der diesjährigen Wählerliste haben nur diejenigen Forensen Aufnahme gefunden, deren Grundstücke Vi Morgen gleich 90 Ruten groß sind, es läge nun in den Händen der Gemeinde- Vertreter, eine andere Größe festzusetzen. Leider vergaß der Bürgermeister, den Vertretern die Entscheidung des Ober- verwaltungsgerichts, auf die sich der Einspruch Erhebende berief, näher zu erklären. Die an der Diskussion beteiligten Gemeindevertreter stellten sich aus den Standpunkt, daß es ein schreiendes Unrecht wäre, wenn die kleineren Grundstücksbesitzer nicht in die Wählerliste auf- genommen würden, man könne doch dieselben nicht als Almosen- empfänger behandeln. Vertreter Dr. Pratsch stellte den Antrag, daß die Forensen, deren Grund st ück 40 Ruten groß sei, in die Wählerliste aufgenommen werden. Der Antrag wurde mit 3 gegen 5 Stimmen an- genommen. Das„vereinigte Bürgertum" hat sich 300 seiner besten Wähler gesichert. Durch nichts kann den Arbeitern Nieder- schönhausens das Wahlunrecht des bestehenden Gemeindewahlrechts wohl deutlicher vor Augen geführt werden, als durch die hohe Zahl der Forensenstimmen. Leute, die mit unserer Gemeinde nichts weiter zu tun haben, als daß sie für ein im Orte gelegenes Grund- stück jährlich drei Mark Steuern zahlen, sonst aber nicht am Orte wohnen, können durch eine Vollmacht mitraten zur Niederhaltung der im Dorfe wohnenden Arbeiter, denen der Ort sein Empor- blühen mit verdankt. Eine bessere Agitation zum Wahlrechtstampf können sich die sozialdemokratischen Arbeiter Niederschon. Hausens wohl kaum wünschen. Die Hundesteuer wurde für das Jahr 1910-1911 auf 13 M. festgesetzt. 8o2ia!es. (Siehe auch Hauptblatt.) Die Zeutralkommisston der Krankenkassen hatte am Freitag eine Versammlung von Vorständen und Ver- waltungSdeamten der Krankenkasten«inberufen. Es waren ver- treten auS Berlin 32 OrtS-, 7 Betriebs- 3 Jnnungskasten. Aus den Vororten 17 Orts-, 5 Betriebskaflen, außerdem 20 Freie HilsSkasten, zusammen 84 Kasten.— Der Vorsitzende Gimanowski erstattete den Jahresbericht der Kommission, aus dem folgendes mitzuteilen ist. Wie in den Vorjahren, so»st auch Anfang deS vergangenen Jahres das Arzariverordnungsbuch durch die Kam- Mission herausgegeben worden. Die vereinbarten Preise der Arzneien waren im Jahre 1908 um etwa 10 Proz. herabgegangen. Im Jahre 1909 sind sie infolge der Steuererhöhung auf Spiritus und anderer für die Herstellung von Arzneien nötiger Materialien wieder um 8—10 Proz. in die Höhe gegangen. Die Zahl der Apo- theken, die mit den Krankenkassen im Vertragsverhältnis stehen. beträgt 230 vom Berliner Apothekerverein, dazu kommen noch 9, die dem Verein der Apotheker in den Bororten angehören.— Ferner liefern für die der Zentrolkommisston angeschlossenen Kassen 594 Drogisten, 84 Badeanstalten, 91 Bandagisten, 110 Optiker. Der Besuch der Erholuagsstiitten ist im Berichtsjahre auf gleicher Höhe geblieben wie im Vorjahre. Die von der Zentral- kommission veranstalteten hygienischen Vortragskurse waren gut besucht. Für den Krankentransport ist auch mit dem Koppschen Institut, welches dieselben Bedingungen erfüllt wie der Verband für erste Hilfe, ein Vertragsverhältniö abgeschloffen. Die Er- höhnng der Kur-»nd Pflegegelder in Krankenhäuser« und Kliniken hat di« Zentralkommission mehrfach beschäftigt. Den Privat. kliniken ist der erhöhte Satz ebenfalls zugestanden mit der Be- dingung. daß sie keine Nebenfordrrungen zu stellen berechtigt sind. Diesem Abkommen sind l09 Privotkliniken beigetreten, während sich nur drei demselben nicht angeschlossen haben. Auch mit den Krankenhäusern soll«ine Regelung auf derselben Grundlage ein» treten. Doch ist diese Angelegenheit noch nicht abgeschlossen. Der Zentralkommission waren im vergangenen Jahre 132 Krankenkassen und 55 Filialen Freier Hilfskassen angeschlossen� An Postsendungen gingen im Bureau der Zentralkommission 1l 793 ein und 39 155 aus. Es wurden abgehalten: 5 Versammlungen der Vorstände, 14 Sitzungen der Zcntralkommission. 26 Sitzungen deS geschäftsführenden Ausschusses, 5 Sitzungen der Apotheker-, Aerzte. und Drogistenkommission, 3 Sitzungen der BadeanftoltS- Beschwerdetommission. 4 Sitzungen der Bandagistenkommission, 4 Sitzungen der Optikerkommission, 3 Sitzungen des Organi. sationstomitees deS 6. Allgemeinen Kongresses und 5 Kassen. revisionen. Der Bericht wurde ohne Debatte entgegengenommen. Albert Kohn trug ein Ersuchen deS Gemeinnützigen Verein? für MilchouSschank vor. Der Verein bezweckt die Förderung des Genusses guter Milch und hat in Berlin mehrere Milchtrinkhallen. Er ersucht die Zentralkommisston, seine Bestrebungen in ihrem Organ zu empfehlen, den Aushang seiner Plakate sowie den AuS- schank von Milch in den Kassenlakalen zuzulassen. Der Redner empfahl den Kassenvertretern, diese» Bestrebungen deS Vereins entgegenzukommen und auch, soweit sie Einfluß auf große Arbeit- geber haben, diese zu veranlassen, daß dem Milchausschank deS Vereins auch in den Fabrikkantinen eine Stätte gewährt wird. Auf Ersuchen der Verwaltung deS städtischen Krankentransport- wefens in Schöneberg und Wilmersdorf beschloß die Versammlung, daß die Kassen, welche die genannten Institute in Anspruch nehmen, die Gebühren portofrei einzusenden haben und daß eine dahin- gehende Bestimmung auch in dem betreffenden Vertrage aufge- nommen wird. Sericbtg-Teitung. Nm Schneemann Bsilow drehte sich ein Prozeß, der vor dem Landgericht I Berlin(Straf- kammer 2) verhandelt wurde und am Sonnabend zu Ende kam. Am 4. März vorigen Jahres war im Hofe des GewerkschaftS- baufeS zu Berlin von arbeitslosen Bildhauer», ein Schneemann geformt worden, zu dem der Fürst Bülow, damals noch Kanzler des Deutschen Reiches, ihnen als Modell gedient hatte. Alz die gelungene Karikatur vollendet dastand und von den Zuschauern bewundert wurde, fand sich auch slhon ein Photograph ein, um zu„knipsen". Woher er kam. wurde nicht sogleich Nur. Wer er „kam wie gerufen": denn bereits war von irgendeinem der Zu- schauer angeregt worden, einen Photographen den Schneemann auf. nehmen zu lassen. Weil erwartet werden mußte, daß Bülows Abbild qu» Zchnee wohl noch bälder zu den-verflossenen" Dingen gehören würde als Bülow selber, so willigte man ohne viel lieber» legung ein, baß dieser Photograph eine Aufnahme machte. Erst als er fertig war. wurde genau erkannt, daß er für die Z e i t u n g s- f i r m a U l l st e i n u. C o.„geknipst" hatte. Den Urhebern deS Werkes aus Schnee mag zunächst wohl nur darum zu tun gewesen sein, eine Art Andenken heimtragen zu können. Wenn aber eine geschäftliche Ausbeutung durch Verbreitung der Photographien versucht werden sollte, so wollten sie. sagten sie sich, selber den Gewinn haben und ihn zum Nutzen arbeitsloser Kollegen verwenden. Daher gingen am nächsten Tage ein paar Beauftragte zu Ullstein u. Co., verhandelten mit dem Redakteur Karfunkel der Ullsteinschen„Berliner Illustrierten Zeitung" und forderten, daß die Veröffentlichung unterbleibe. Herr Karfunkel lehnte ab, veröffentlichte aber dann das Bild nicht in der„Berl. Jllustr. Ztg.", sondern in Ullsteins„Mvrgenpost", über deren Bilderbeigaben er gleichfalls zu bestimmen hat. Die Bildhauer hatten inzwischen selber eine andere Aufnahme machen lassen und hatten Schritte getan, einem Brrlagsbuchhändler Fuchs den Ver- trieb der Nachbildungen zu übertragen. Ihr Vertrag nnt ihm kam zustande an demselben Tage, an dem jene erste Aufnahme»n der„Morgenpost" veröffentlicht wurde. Das Photographische Atelier Gebr. Haeckel, von dem diese Aufnahme gemaiht worden war, hatte sich bereits auch mit anderen Zeitungen in Verbindung gesetzt und machte dann auch dort noch ihr Geschäft, während Fuchs und die hinter ihm stehenden Bildhauer leer ausgingen. Den Inhabern deS Ateliers, den beiden Photographen Georg Haeckel med Otto Haeckel, brachte aber der Schneemann Bülow außer einem hübschen Gewinn noch eine Anzeige wegen Bergehen gegen das Gesetz über das Urheberrecht an Werken der bildenden Kunst, weil sie nach Meinung des Herrn Fuchs nicht zur Bermel- fältigung und Verbreitung ihrer Ausnahme berechtigt gewesen waren. Da die Staatsanwaltschaft verständig genug war, eS dem Schneemann Bülow nicht von vornherein abzusprechen, daß auch ereinKunstwerl sein konnte, so kam es zur Anklage. Im November endete ein erster Termin mit Vertagung, weil durch Ladung aller beteiligten Bildhauer festgestellt werden sollte, wer etwa dem Photographen die Erlaubnis zur Aufnahme gegeben habe. Am Sonnabend waren als Zeugen geladen die Bildhauer Schmidt, Hausier, Lichtenstein, Kiese- wetten ferner der Kaufmann Härtung, der in ihrem Auftrage die geschäftliche Ausbeutung in die Wege geleitet hatte, außerdem Verlagsbuchhändler Fuchs und Redakteur Karfunkel. Herr Fuchs war zugleich Nebenkläger und forderte 200 M. Buße. Für die beiden Angeklagten sprach Herr Georg Haeckel. der die Aufnahme gemacht hatte. Er sei von Ullstein u. Co. durch Telephon benach- richtigt worden, daß es im Gewerkschaftshaus einen Schneemann zu phowgraphiercn gebe. Im Gewerkschaftshaus habe er auf Be- fragen sofort gesagt, daß er von Ullstein komme und Veröffent» lichung durch die„Morgenpost" erfolgen werde. Die „Morgenpost", erzählte Herr Haeckel hier dem Gericht, werde„in sozialdemokratischen Kreisen viel gelesen", und das Gericht schien es zu glauben. Unter den Zuschauern habe sich dann sofort ein fröhliches Hallo erhoben:„Bülow kommt in die Mottenpostl Die gehe ich morgen kaufen." Jedennann habe sich auch bereitwilligst gruppiert, um womöglich mit auf die Platte und in die Zeitung zu kommen. Nach Veröffentlichung durch die „Mvrgenpost" fei das Bild von ihm mit Erlaubnis der Firma Ull- stein u. Co. auch an andere Blätter gegeben worden. Durch die Beweisaufnahme wurde diese Darstellung nur zu einem geringen Teil bestätigt. Die Bildhauer be- stritten, daß Haeckel sofort genau angegeben habe, von wem er hergeschickt worden sei. Er habe zunächst sogar gesagt, das wisse er selber nicht, angeklingelt habe man ihn. Daß er im Auf- trage von Ullstein u. Co. gekommen war, scheirtt nur dem Bildhauer Schmidt bald bekannt geworden zu sein. Von dem Freudenruf „Bülow kommt in die Mottenpost" wußte keiner etwas. Keiner erinnerte sich, einer Veröffentlichung durch besagte„Motteppost" zugestimmt zu haben. Redakteur Karfunkel war es. der Herrn Haeckel alarmiert hatte, nachdem irgendwer ihm telephonisch die Vollendung des Schneemanns gemeldet hatte. Als Zeuge be- hauptete er, daß er, der Herrn Haeckel beauftragt hatte, auch be- rechtigt gewesen sei, über das Bild zu verfügen und Herrn H. die Erlaubnis zur Weiterverbreitung zu geben. Die Zustimmung der Bildhauer leitete er daraus ab, daß sie der Aufnahm« nicht wider- sprachen hatten. Zeuge Härtung hatte bei Herrn Karfunkel die Veröffentlichung auch inhibieren wollen, aber die Antwort bekam- men, sie werde dennoch erfolgen, koste eS, waS«S wolle. Die Ver» eidigung Karfunkels war ausgesetzt worden und unterblieb schließ- lich wegen Verdachts der Mittäterschaft. Der Staatsanwalt beantragte gegen die Gebrüder Haeckel je 2 5 Mark Geldstrafe. Haeckel habe entweder ab» sichtlich die Bildhauer darüber im Unklaren gelassen, von wem er kam, oder er habe gedacht:„Mögen sie denken, loa» sie wollen", so daß ckolu» eventualis anzunehmen fei. Als Ve» tretcr des Nebenklägers beantragte Rechtsanwalt Dr. C u r t Rosenberg das Schuldig und 200 M. Buße. Auch ein Schneemann, und sei eS.nur eine Karikatür, könne ein K u n st- werk sein. Haeckel habe den Bildhauern zunächst als Amateur gegolten, der ihnen Abzüge feiner Aufnahme verkaufen würde. Als sie ihn erkannten und gegen Veröffentlichung in Ullsteins Blättern protestierten, habe H. sich hierüber hinweggesetzt. Der Bertei» d i g e r Rechtsanwalt Dr. Loewenfeld beantragte Frei- s p r e ch u n g, weil dieser Schneemann kein Kunstwerk gewesen sei. Im übrigen sei ja das Urheberrecht durch die Firma Ullstein u. Co. bezw. durch Herrn Karfunkel regelrecht für Geld erworben worden— er meinte wohl: erworben dadurch daß sie den Gebrü- den» Haeckel das Bild abkauften. Die Firma Ullstein u. Co. habe nunmehr zu verfügen gehabt, sie aber habe die Gebr. Haeckel zur Weiterverbreitung ermächtigt, denn—-.Herr Karfunkel hatte es ihnen ja erlaubt." Das Gericht kam zu einer Freisprechung mit Abwei. sung des BußeanspruchS. Ob ein zivil rechtlicher Schadensersatz- anspruch besteht, könne dahingestellt bleiben. Strafrechtlich seien die Angeklagten nicht verantwortlich ES fei nicht widerlegt, daß Haeckel gesagt habe, er komm« von Ullstein; für die Einwilligung der Bildhauer spreche schon die Gruppierung auf der Photographie. Wonach man sich richten walle, fall? wieder mal Ullstein u. Co. ihre Photographen schicken!_ Seine Majestät der Schutzmann und die Streikposten. Der Schmied Warda zu Berlin war wegen Uebertretung des § 132 der Straßenpolizeiordnung zu einer Geldstrafe verurteilt worden, weil er einer zur Echalwng der Sicherheit und Leichtigkeit deS Verkehrs auf der öffentlichen Straße ergangenen Anordnung eines Auflichtsbeamten nicht u»-bedingt Folge geleistet habe. Der Angeklagte war von einem Schutzmann am 2. August 1909 auS der Gegend der Geldschrankfabrik von Arnheim in der Bädstraße fort- gewiesen worden, wo er Streikposten stand. Der Angeklagte sollte gänzlich von der Fabrik fortgehen. Er ging auch einige Schritte weiter, kehrte aber wieder um und erklarte dem Schutzmani», er tönnc nickst anders, er müsse seine Stunde abstehen. Dao Landgericht als Berufungsinstanz verurteilte ihn zu ciner Geldstrafe und führte u. a. aus: ES sei zu prüfen, ob die Anordnung de» Beamten zur Erhaltung der Sicherheit auf der öffentlichen Straße ergangen fei. In dieser Beziehung sei festgestellt, daß an dsrho* gehenden Tagen Arbeitswillige durch Streikende belästigt worden seien. Am fraglichen Tage hätten sich nun in der Nähe der Fabrik außer dem Angeklagten noch mehrere Gruppen von Streikenden befunden. Zu der Zeit, als W. Streikposten staiid. habe nun der Arbeitsschluß für einen Teil der Arbeitenden kurz bevorgestanden. Bei dieser Sachlage könne es keinem Zweifel unterliegen, daß die Anordnung des Schutzmanns durch die Rücksicht auf die Sicherheit auf der öffentlichen Straße objektiv geboten gewesen sei. Der Schutz- mann habe aber auch in dem vorliegenden konkreten Falle seind Anordnung zur Erhaltung i>er Sicherheit auf der öffentlichen Straße ergehen lasten, und zwar auf Grund eigener Prüfung und Ueberzeugung von der Notwendigkeit der Anordnung, und nicht auf eine allgemeine Anweisung der vorgesetzten Behörde. Er habe be- fürchtet, daß wieder Belästigungen vorkommen könnten. Unbeachtlich sei demgegenüber, daß weder Angeklagter noch irgendein anderer Streikposten zur fraglichen Zeit die Sicherheit auf der Straße in irgendeiner Weise gestört hätte. Gegen dies Urteil legte Angeklagter Revision ein. Vor dem Kammergericht vertrat ihn am 10. Februar Rechtsanwalt Oskar Eohn. Der Anwalt machte u. a. folgendes geltend: Es frage sich zunächst, ob eine Polizeiverordnung das Recht zum Streikposten- stehen unterbinden könne. Es sei hier lediglich festgestellt,>daß An- geklagter habe Streikposten stehen wolle»! davon sei keine Rede, daß er die Absicht gehabt hätte, die Ordnung zu stören. Er wollte sich nur betätigen auf Grund des§ 152 der Gewerbeordnung. Nun besage die Einleitung zum Allgemeinen Landrecht, wo das Gesetz ein Recht gebe� sei eL auch erforderlich, daß Mittel bestehen, um dieses Recht auszuüben. Es gehe nicht an, die Entscheidung darüber, ob im einzelnen Falle die Polizeiverordnung die Ausübung eines reichsgesetzlich gewährleisteten Rechts hindere, in die Hände eines Schutzmanns zu legen. Eine solche Polizeivorschrift könne gegen- über dem Z 152 der Gewerbeordnung nicht bestehen.— Die Vor- entscheidung unterliege der Aufhebung auch aus einem anderen Grunde. Nach der Judikatur des Kammergerichts sei maßgebend die Absicht des Schutzmanns, der Ordnung und Sicherheit deS Verkehrs auf der öffentlichen Straße zu dienen. Also müste der Schutz- mann in concreto berufen sein, die Ordnung und Sicherheit auf der Straße aufrecht zu erhalten. Das Urteil des Landgerichts sage nun wörtlich, daß der Schutzmann aus„Anlaß des Streiks vor der Fabrik postiert gewesen sei". Daraus ergebe sich nicht, daß der Schutzmann zur Ausübung der AufsichtsbefugniS dort berechtigt ge- Wesen sei, zumal daS Urteil hinzufüge, daß der Schutzmannsposten vor der Fabrik wegen früherer Belästigungen von Arbeitswilligen verstärkt worden sei. Diese Feststellungen ließen die Annahme auf. kommen, daß au? irgendwelchen anderen Gründen der Schutzmann dort postiert war. Es könne der Inhaber der Fabrik sich an die Polizei gewendet haben zu dem Zweck, zu verhindern, daß fremde Arbeitswillige, die bei ihm zu arbeiten gewillt seien, durch Strei- kende belästigt und so vom Beginn der Arbeit bei ihm abgehalten würden. Es sehe so aus, als ob der Schutzmann herangezogen worden sei im Interesse des Fabrikherrn. Dann würde von dem allgemeinen Zweck der Erhaltung der Ordnung und der Sicherheit des Verkehrs auf der Straße überhaupt nicht die Rede sein können. DaS Kammergericht wie? jedoch die Revision mit folgender Be- gründung ab: Der Verteidiger wolle gegen die Praxis des Kammer- gerichtS Sturm laufen. Der Ausgangspunkt sei der alte Trugschluß, daß das Streikpostenstehen reichsgesetzlich gewährleistet sei. Im § 152 sei davon aber nicht die Rede. Und wenn immer auf das Reichsgericht hingewiesen werde, daS gesagt habe, das Streikposten. stehen könne nicht verboten werden, so sei zu erwidern, daß daS Reichsgericht einen Fingerzeig gegeben habe mit der Ausführung, daß es eine andere Frage sei, ob nicht der Gefährdung, die mit dem Streikpostenstchen verbunden sein könne, sich in anderer Weise ent- gegentreten laste.— Die Straßenpolizeiverordnung sei nach der Judikatur denn auch gegen Streikposten anwendbar. Die Vorent- scheidung entspreche im übrigen der Judikatur d«S Kammergerichts. Der Hinweis der Revision darauf, daß der Schutzmann..aus An- laß des Streiks" dorthin geschickt worden sei, wäre verfehlt. Der Polizeibeamte sei immer dazu da, die Aufsicht über die Straße zu üben. Der Anlost, ans dem er dort stehe, sei dabei gleichgültig. Die Revision war unbegründet._ Haftung der Stadt Berlin wegen eine? Markthallenmiststandes. Da» Reichsgericht hat dieser Tage die Klage eines Markthallen. aufsehers M. gegen die Stadtgemeinde Berlin zuungunsten Berlins entschieden. Der Kläger war in der Markthalle II in der Lindrnstraße tätig und bezog 1950 M. Gehalt. Am 17. Juli 1901 erlitt er durch Ausübung des Dienstes«inen Unfall, indem er sich auf dem Hof der Markthalle beim Passieren einer provisorisch mit Beton und Sand ausgefüllten Baugrube den linken Fuß verstauchte und ein« Zerreißung der Bänder der Knöchel davontrug. Es entwickelte sich dadurch bei dem Kläger ein jahrelanges Fußlciden. wodurch er unfähig wurde, den Dienst als Markthallenaufseher zu versehen. Er ist mit einer jährlichen Pension von 912 M. in den Ruhestand versetzt worden. Sein Antrag auf Zabiung von 6k?b Proz. seines früheren DiensteinkommenS als Unfall cente wurde vom Magistrat abgewiesen. Mit der erhobenen Klage forderte er Zahlung des vollen Gehalts bis zum 05 Lebensjahre, und von da an Pension. TaS Landgericht und Kammergericht Berlin erkannten nach dem Antrage des Klägers. DaS Kammcrgericht führt hierzu aus: Neben dem öffentlich-rechtlichen Dienstverhältnis besteht zwischen den Kommunolverbänden und ihren Beamten ein bürgerlich-rechtlicheS Dienstverhältnis. daS sich nach den Bestimmungen der§8 0N ff. des Bürgerlichen Gesetzbuchs über den Dienstvertrag regelt. Er. füllt der Dienstberechtigtc die ihm in Ansehung des LebenS und der Gesundheit des Verpflichteten obliegenden Berpslichiungen nicht, so finden auf seine Verpflichtung zum Schadenersatz die 842 bis 846 Anwendung. Im weiteren bejaht das Kammergericht die Frage, daß der Hof sich in einem gesetzwidrigen Zustande befunden hat. Denn die Baugrube war mit Beton ausgefüllt und auS dem festgestampften Beton ragten spitze Steine hervor, die aber wegen deS auf den Beton geschütteten SandeS nicht zu sehen waren. Darin, daß die Fläche. auS der Steine hervorragten, derart mit losem Sand überschüttet war, daß die Steine gerade noch verdeckt waren, so daß sie die die Stelle Passierenden nicht bemerken kann. ten, erblickt das Kammergericht ein Verschulden der Beklagten und ihrer Vertreter. Die von der beklagten Stadtgemeinde Berlin beim Reichsgericht eingelegte Revision wurde jetzt zurückgewiesen. Wegen einer Klobe Hol» wäre gestern beinahe der Arbeiter Wilhelm Radicke auf drei Monate ins Gefängnis gewandert. Wegen schweren Diebstahls verhandelte die dritte Strafkammer deS Landgericht? III unter Vorsitz deS LandgerichtSrats HaNcrvorden gegen den bisher nur geringfügig vorbestraften Angeklagten. Der vorliegende Fall zeigt wieder einmal die außerordentliche Härte und unangebrachte Schärfe des gegenwärtigen Strafgesetzes in Fällen, die nach dem Buchstaben des Gesetzes mit einer Mindeststrafe von drei Monaten geahndet werden müßten, tatsächlich aber eine weit mildere Be- urteilung verdienen. Der Angeklagte war bei dem Schneide- mühlenbesitzer Büttner in Werneuchen beschäftigt gewesen und hatte von diesem für ein paar Mark Holzabfälle gekauft. Unter diesen Abfällen befand sich ein Rest einer Bohle, welcher eintge Pfennige wert hatte. Diesen Holzklotz wollte er zu einer Unter- läge verwenden. Eines Morgens gegen}H5 Uhr beobachtete nun der in der Schneidemühle angestellte Platzmeister Schmidt den Angeklagten, wie dieser über den Zaun stieg und sich dieses Stück Abfallholz aneignete. Er rief den ihm bekannten Radicke an, der ihn himmelhoch bat, ihn doch wegen dieses geringwertigen Stückes Holzabfalles nicht unglücklich zu machen. Schmidt soll hierbei geäußert haben, daß er ihm dieses Stück Holz ohne weiteres geschenkt hätte, wenn er ihn darum gebeten hätte. Radicke glaubte den Borfall damit erledigt, bis er eines Tages vor den Kadi zitiert wurde, um sich in hochnotpeinlichem Verfahren wegen schweren Diebstahls an einem Stück Abfallholz zu verantworten. Der Besitzer der Schneidemühle, Büttner, hatte von dem Vorfall erfahren und unverzüglich Anzeige erstattet.— Vor Gericht be» hauptetc der Angeklagte, daß er fest geglaubt habe, daß ihm da» Stück Holz auch geschenkt worden wäre, da er kurz vorher Abfall- holz zu Brennzwecken gekauft habe. Der Staatsanwalt beantragte die niedrigste gesetzlich zulässige Strafe von drei Monaten Ge- fängnis. Ter Angeklagte erklärte weinend, daß er sich wirklich nichts dabei gedacht habe. Das Gericht kam zu einer Frei- sprcchung des Angeklagten, indem es annahm, daß ihm tatsächlich das Bewußtsein der Rechtswidrigkeit semer Handlungsweise ge- fehlt habe. Ein verständiges Urteil! Einen Mordsrausch brachte gestern der Maurer Johannes Adam mit in den Gerichts- saal. Gegen ihn sollte vor der Z.Strafkammer des Landgerichts lll wegen Körperverletzung mittels gefährlichen Werkzeuges ver- handelt werden, da er in angezcchtem Zustande in dem Lokal von Scheibe in der Spreestraße zu Charlottenburg nach vorausgegan- genem Streit dem Händler Hintze einen Messerstich in den Unter- leib versetzt hatte. Vor dem gestrigen Termin hatte der Angeklagte anscheinend etwas sehr stark gefrühstückt, denn er schoß mit einem mächtigen Satze in den Gerichtssaal hinein und blieb mit völlig verdutztem Gesicht vor dem Staatsanwalt stehen. Nachdem er mit vieler Mühe durch den Gerichtsdiener in die Anklagebank geschafft worden war, stellte es sich heraus, daß Adam so stark betrunken war, daß er überhaupt nicht sprechen konnte. Das Gericht diktierte ihm zur Ernüchterung eine Haftstrafe von 24 Stunden zu, daß A. seinen Rausch in der Zelle ausschlafen konnte. AuS einer Kleinstadt. Wir haben seinerzeit über den Prozeß gegen den Stabsarzt a. D. Dr. Zimmermann zu Königs-Wnsterhausen berichtet, der wegen Beleidigung des Amtsvorstehers und Amtsanwalts Oberst- lentnantS a. D. Herbst in Königs-Wusterhausen vor dem Land- gericht III angellagt war, und am 28. September 1909 freige- sprachen wurde. In einem vorangegangenen Strafverfahren gegen Dr. Zimmermann, wegen angeblich unbefugter Titelführung, das später mit Dr. Zimmermanns Freisprechung durch das Kammer- gericht geendet hat. hatte sich Herbst als Zeuge für angeblich be- lastende Aeußerungen des Dr. Zimmermann benannt und Dr. Zimmermann hatte darauf in einer Eingabe an die Staatsanwalt- schaft die Glaubwürdigkeit des Amtsanwalts mit Rücksicht auf dessen persönliche Auimosität und auf andere Vorkommnisse angezweifelt. In der Hauptberhandlung wurde Herrn Dr. Zimmermann der Schutz des§ 193 zugebilligt, und übrigens festgestellt, daß der Amts- anwalt gegen Dr. Z. eingenommen sei und daß tatsächlich bei einem WohltätigkeitSfest ein Gerede über Unregelmäßigkeiten entstanden wäre. Gegen dies Urteil hatte der Staatsanwalt, der Borgesetzte des Amtsanwalts, keine Revision eingelegt, wohl aber Herr Amts- anwalt Herbst persönlich in seiner Eigenschaft als Nebenkläger. Dieser Tage hat nun der zweite Strafsenat des Reichsgerichts diese Revision des AmtSanwalts Herbst verworfen. Es bleibt also bei der Freisprechung. OQochen- Spielplan der Berliner Cheater. König!. OpernbnuS. Sonntag: Lohengrln.(Anj. 7 Uhr.) Montag: Der Waffcnichmicd. D�nStag: Carmen. Mittwoch! Figaros Hochzeit. Donnerstag: Mignon. Freitag: Don Juan. Sonnabend: Rienz!(2. Akt.) Coppelia Sonntag: Die Meistersinger von Nümberg.(Ansang 7 Uhr.) Montag: Elektra.(Ansang 8 Uhr.) «öntgl. Tchauspielhans. Sonnlag: Der Familientag. Montag: Swandkinder. Dienstag: Der Fam>Iientag. Mittwoch: Der deutsche König. Fieiiag: Der Familienlag. Sonnabend: iamUtentag. Montag: Strandkinder.(An- Donnerstag: Strandlinder. Wilhelm Tell. Sonntag: Der fang 7'/, Uhr.) Deutsches Dveater. Sonntag: CristtnaS Helmkehr. Montag: amtet. Dienstag: Cristmas Heimlehr. Mittwoch: Der Widerspeiisttgen Zähmung. Donnerstag: Cristinas Heimkehr. Freitag: Faust. Sonn- abend: CrislinaS Heimkehr. Sonntag: Der Widerjpcniligen) Zähmung. Montag: Christiii»« Heimlehr.(Ansang 8 Uhr.) Deutsche» Dheaeer(K a m m e r i P i e l e). Sonntag! Der gute König Dagobert. Montag: Gyges und icin Ring. Dienstag: Der gute König Dagobert. Mittwoch: Der Kaufmann von Venedig. Donnerstag bis Monlag: Der gute König Dagobert.(Ansang 8 Uhr.) Lrsftng- Ddeater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Nora. SlbendS und Monlag: Das Konzert. Dienstag: Tantri» der Narr. Mittwoch und Donnerstag: Das Konzert. Freitag: Tantri« der Narr. Sonnabend DaS Konzert. Sonntagnachmittag 3 ubr: Die Frau vom Meere. Abends und Moniag: Da« Konzcit.(Antang 8 Uhr.) Berliner Theater. Sonntagnachmiilag 3 Ubr: Doktor Eisenbart. Abends: Pension Schöller. Montag: Macbeth. Dienstag: Pension S höller. Mittwoch: Hohe Poliltt. Donnerstag und Freitag: Pension Lchöller. Sonn- abend: Taisun. Sonntagnachmiilag 3 Uhr: Doktor Eisenbart. Abends: Taisnn. Monlag: Hohe Politil.(Ansang 8 Uhr.) Neues Theater. Allabendlich: Der Philosoph von Sanssouci. (Ansang 8 Uhr.) Neues Schausplelhans. Sonntag: Mt-Hcidewerg.(Ansang 7'/, Uhr.) Montag: Der grohe Tote. Dienstag; Der Herr Verteidiger. Mittwoch: Faust t. Teil.(Ansang l'i, Uhr.) Donnerstag: Der Herr Verteidiger. Freilag: Alt.Hciselberg.(Ansang 7>), Uhr.) Sonnabend und Sonntag: Der Herr Perteidtger Monlag: Der grotze Tote.(Ansang 8 Uhr.) Hebbel> Theater. Sonntag bis Donnersiag: Kavaliere. Ketten.(Ansang 8 Uhr.) Sonnabend bis Montag: Kavalier«.'(Ansang S'l. Uhr.) Komiiche Oper. Scmntagnachmiltag 3 Uhr: HoffmannS Erzählungen. Abend«: Zigeunerliebe Montag: Der volnistbe Jude. Dienstag: Zigeuner- liebe. Miitwoch: Tiefland. Donnerstag: Zigeunerliebe. Freitag: Host- man»« Erzählungen. Sonnabend: Zigeunerlieb«. Soiintagnachmlliag 3 Uhr: Die Fledermaus. AbendS: Zigeunerliebe. Montag! DaS Tal der Liebe(Aniang 8 vor.) Kleines Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Moral Allabendlich: Der groge Name. Sonntagnachniittag 3 Uhr: Moral(Aniang 8 Uhr.) Theater deS Westens. Sonntagnachmittag 3'/< Uhr: Der fidele Bauer. Abends und Montag bis Sonnabend: Die geschiedene Frau. Sonntagnalymittag 3'/, Uhr: Der stdele Bauer. Abends: Die geschiedene Frau. Montag: Die geschiedene Frau.(Ansang 8 Uhr.) SchiNer-Thearer«». Sonntagnachmiilag 3 Uhr: Der Herr Ministertal- direklor. Abends: Mist Hobbs. Montag: Der Pfarrer von St. Georgen. Dienstag: Der Meincidoauer. Miitwoch: Biel Lärmen um Nichts. Donners- tag: Neue Jugend. Freitag: Der Psarrer von St. Georgen. Sonnabend: Neue Jugend. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der Herr Ministerialdtreltor. Abends: Neue Jugend. Montag: Viel Lärmen um Nichts(Ansang 8 Uhr.) Schiller. Theater(kharlottenburg. SoiintagnachmiNag 3 Uvr: Der Meineidbauer. Abends: DaS Kälbchen von Heilbronn. Monlag: Mist Hobbs. Dienstag: Geschäft ist Geichäst. Mittwoch und Donnerstag: Der Planer von st. George». Freitag: Geschäsl ist Geschäft. Sonnabend: De» Meineidbauer. Sonntagnachmittag 8 Uhr: Der Meineidbauer. Abends und Momag: Der Psarrer von St. Georgen.(Ansang 8 Uor.) Frirdrich-Wilvelinstödiisches Schauipielbaus. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Othello. Abends: Die Jungstau von Orleans. Montag: Halali. Dienstag: Die Jungstau von Orleans. Mittwochiiachmtttag 3 Uhr: Die Jungstau von Oileans Abends: Flachsmann als Erzieher. Donnerstag: Halali Freitag: Der Hypochonder. Sonnabcndnachmittag 3 Uhr: Di« Jungstau von Orleans. Abends: Im bunten Rock. Sonnlagnachmtltag 3 Uhr: Othello. Abends: Der Hypochonder. Wontagt Die Jungfrau von Orleans.(Ansang 8>/, Uhr.) Bvlksopcr. Sonntagnachmittag 3'/, Uhr: Rigolctto. SwendS 8 Uhr! Die lustigen Weiber von Windsor. Montag: Die Jüdin. Dienstag: Die Astikaneriu Mittwoch: Undiue. Donnerstag: Cleopatra. Freitag: Man» danika. Marie, die Tochter des Regiments. Sonnabend; Cleopatra. Sonntagnachmittag S'l, Uhr: Der Troubadour. Abends 3 Uhr: La Traviatu. Montag: Der Trompeter von Säcktngen.>Aniang S'l, Uhr.) Luisen-Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Die Reise um die Erde in 80 Tagen. Abend»: Der Hochzetistag. Montag: Die Nibelungen. Dienstag: Vater und Sohn. Mittwoch: Der Vetlchenstester. Donnerstag: Gib mich srei. Freitag: Vater und Sohn. Sonnabend: Der Veilchensresser. Sonntag: Vater und Sohn. Montag: Der Hochzeitstag.(Anfang 8 Uhr.) Noje-Thcater. Sountagnachmittag 3 Uhr: Faust. Abends: Deboräh. Montag: Der Eisenbahnräuber. Dienstag: Deborah. Mittwoch: Maria Stuart. Donnerstag und Freilag: Der Eisenbahnräuber. Sonnabend: Die Herren Höhn» Sonntag und Rontag> Der Eisenbahnräuber.(An- sang 8 Uhr.) NeueS Operetten. Theater. SonntagnachmMag S Uhr: Der Zigeunerbarou. Allabendlich: Der Grat von Luxemburg. Sonntagnach« mittag 3 Uhr: Der Zigeunerbaron.(Ansang 8 Uhr.) LusisPielhauS. Soimtagnawmittag 3 Uhr: Die blaue Maus. All- abendlich: Der dunlle Punli. Sonntag, 20. Februar, nachmittags 3 Uhr: Los vom Manne.(Ansang 8 Ubr.) Thalia-Tbeater. Allabendlich: Die Dollarprinzesfin.(Anfang 8 Uhr.) Reiidenz-Theater. Allabendlich: Im Taubenschlag.(Aniang 8 Uhr.) Trianon- Theater. Sonntagnachmiilag 3 Uhr: Pariser Witwen. Allabendlich: Theodore u. Cie. Sonntagnachmittag 3 Uhr! Buridans Esel. � n s in o-Theater. Sonntagnachmittag 4 Uhr: Mutter Gräbert. All» abendlich 3 Uhr: Der Obergauner. Sonntag, 20. Febmar, nachmittags 4 Uhr: Muller Gräbert. Apollo- Tbeaier. Sonntagnachmittag S'l, Uhr-. Spezialitäten. Allabendlich: Der Liebeswalzrr. Spezialitäten.(Anfang 3 Uhr.) Wintergarten. Eonntagnachinittag 3'/, Uhr!.Spezialitäten. All» abendlich: Spezialiläten.(Ansang 8 Uhr.) Passage- Tdeater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Spezialitäten. All» abendlich: Spezialitäten.(Ansang 8 Uhr.) Wallialln> Tbeaier. Sonntagnachmittag 3'/, Uhr: Spezialitäten. Allabendlich: Spezialitäten.(Ansang 8 Uhr.) Palast-Tdeater. Allabendlich: Spezialitäten.(Anfang 8 Uhr.) Gebr. Hcrriiseid-Thcater. Sonntagnachmittag 4 Uhr: Mewe-Deine Tochter. Allabendlich: So mutz man'S machen. Eine UebcrgangSehe.(An» fang 8 Uhr.) Falles Eapricr. Allabendlich: Herr Wasserkrops. Der Lusttunlcr. (Ansang 8'/, Uhr.) Buggenhagen. Täglich Spezialitäten.(Ansang 8 Uhr.) Merropol- Theater. Allabendlich: Halloh I Die graste Revue l (Ansang 8 Uhr.) ReichsbaUen- Theater. Allabcndllch: Stettiner Sänger.(Ansang 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr.) llrania-Tdeater. Taubenstr. 48/4S. Allabendlich: Im Fstnenglanz deS Oberengadin. Mittwoch: Die Natur des Mittelmeergebieles und ihr Einflust aus die Bewohner und Geschichte.(Ansang 8 Uhr.) Sternwarte. Jnoalidenstr. 57—62. Vermilcktes. Der Untergang des„General Chanzy", über den tvir bereits in der gestrigen Nummer unter Depeschen kurz berichteten, erfolgte, einer Meldung auS Palma zufolge, schon Mittwoch abend in einem Augenblick, wo trotz heftigen Unwetters das Schifs sich in schneller Fahrt befand, um aus der gefährlichen Zone herauszukommen. Die Nacht war sehr dunkel, und das Schiff lief mit furchtbarer Gewalt auf. Der Zollbeamte Boder entging dem Tode wie durch ein Wunder und verbrachte den Rest der Nacht vom Mittwoch zum Donnerstag ohne Bewußtsein am Strande. Erst unter den Strahlen der Sonne kam er wieder zu sich und irrte den ganzen Donnerstag umher. Am Freitag gelangte er endlich nach Ciudadela, von wo sich die Behörden, nachdem er von dem Schiffbruch Mitteilung gemacht Halle, sogleich an den Ort des Unglücks begaben. Um das gesunkene Schiff sah man viele Leichen schwimmen. Die Boote des Dampfers hatten wegen de» Unwetters nicht benutzt werden können. Nach den von der Compagnie TranSatlantique stammenden Angaben sind bei dem Untergang 153 Menschen nmoekommen. Die Pastagierliste weist 88 Personen auf und enthält auch einige deutsch klingende Namen. Die Blätter erinnern daran, daß der verunglückte Dampfer im Juli 1896 in der Nähe von Bergen (Norwegen) auf Grund geraten und von dem deutschen Kreuzer „Greif" wieder flott gemacht worden war. AuS Paris wird gemeldet: Das schwere Unglück, das den „General Chanzy" betroffen hat, ruft in Marseille und Algier ergreifende Kundgebungen der öffentlichen Trauer hervor. Die Vergnügungsanstalten sind in beiden Städten geschlossen, die Ge» bäude der französischen und ausländischen Gesellschaften sowie die Schiffe in den Häfen haben halbmast geflaggt. Vor den Ge» schäftSräumen der Compagnie TranSatlantique in Marseille drängt sich eine ungeheure Menschenmege. Es ist schwer, die Namen der einzelnen Passagiere zu ermitteln. Ueber das Unglück liegen noch folgende Meldungen vor: Madrid, 11. Februar. Der Untergang des Dampfer»„General Chanzy" erfolgte an der Nordküste der Insel Menorca in der Nähe von Ciudadela, wo auch der einzige überlebende Passagier, ein Zollbeamter, geborgen wurde. Der Dampfer, der 87 Passagiere und eine auS 47 Köpfen bestehende Bemannung an Bord hatte. wurde 1891 erbaut und war eineS der größten Schiffe der Algier— Marfeillc-Linie der Compagnie Gänärale TranSatlantique. Algier, 11. Februar. Die Nachricht von dem Untergange d«S Dampfers„General Chanzy" hat hier große Bestürzung hervor- gerufen. Man hoffte immer noch, daß der Dampfer trotz der Ver» spätung eintreffen werde, denn der Kapitän deS DampserS, Cayol, war als ein Mann von äußerster Vorsicht bekannt.— Von den 87 Passagieren waren 86 KajütS- und die übrigen Zwischendecks» Passagiere.— Ein junges Mädchen erwartete mit dem Dampfer ihren Bräutigam, die Hochzeit sollte Sonnabend stattfinden. Eine entsetzliche Familientragodie ereignete sich einer Meldung aus Kaiserslautern zufolge in St. Ingbert. Dort tötet« der 28 Jahre alte Maschinist Philipp Wagener gestern abend seine gleichaltrige Ehefrau durch einen Revolverschuß, verletzte seine vier Kinder im Alter von 8, 4 und 2 Jahren und 4 Monaten durch Hammerschläge auf den Kopf lebens- gefährlich und tötete sich dann selbst durch einen Revolverschuß. Das Motiv der Tat steht nicht fest. Drei Knabe» ertrunken. Einer Meldung aus Stade zufolge sind in dem nahen Dorf« Guderhandviertel drei Knaben im Alter von sechs bis acht Jahren auf dem Eise eines tiefen Grabens eingebrochen und ertrunken» Zu der Hilfsaktion für die Opfer der Neberfchwemmungen wird aus Paris gemeldet, daß der Finanzminister. da vielleicht ein Teil der zu unterstützenden Geschäftsleute lange Zeit hindurch nicht zahlungsfähig sein dürfte, behufs Deckung der von der Bank von Frankreich zu gewährenden Vorschüsse einen GarantiefondS von 40 000 000 Frank errichten will, zu welchem der Staat und die betreffenden Departement», die Stadt Paris und die Bank- inftitute beitragen sollen. Die letzteren allein haben 10 000000 Frank übernommen, von denen bereits die Hälfte gezeichnet ist. WiiiernnaSiidersschi vom l». Februar IUI», morqens 8 Uhr. B— SwUiemd» Hamburg Berlin Franfl.a.W München Wien 781 SO 7S8SSO 760 SSO 782 SM 704 SM 765« Vetter 4 heiter 2 Nebel 2 Schnee 5 bedeckt 4 bedeckt Lwolkeul »K rf —2 8 -1 1 •1 -3 Stationen e 1= Sa Ii a Haparanda 755 SSW Petersburg 770S Sctllh Aberdeen Pari» 783 SW 7ö8W 764 S Vetter Lbedeckt »bedeckt 4 wolkig 1 wölken! Lbedeckt 1 3 »II Zi-t -11 t-5 8 — i Wetterprognose für Sonntag,»eu 1». Februar 1910. Zunächst etwas wärmer, zeitweise aufllarend, vorwiegend trübe mit Niederschlägen und mäßigen südwestlichen Winden: später wieder ew wentg kälter. verltser»etterbsrea» kWl-bpsrs (st das aneffiaMf MSiMgsie. voMmmeiisti(NisMstniment«es ZäMlliidtlts. g Ssder»WS»»cd imw« m» die Mill-Opera oacbgeabmt and alcbt die anderen) ca eerag mr«m»«e ntma Otto j3.C0b 8Ll?., Berlin&05 Friedenstr. 9. Größtes Sprechmascbinen- Geschäft Deutschlands. Gegen Barzahlung • mit 5% Rabatt• bequemste Monats- ftatsn ohne I Pfeimfg Aufschlag! 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Und nicht zum wenigsten waren es die Frauen und Mädchen Preußens, die in immer größerer Zahl sich in die Kampfcsreihen der Arbeiterschaft stellten, um durch Einsetzung ihrer ganzen Per- sönlichkeit teilzunehmen an der Eroberung deö vollen Bürgerrechtes für Mann und Weib, an der Erringung des allgemeine», gleichen, direkten und geheimen Wahlrechtes, für alle zwanzigjährigen Staatsbürger, männliche und wcib- liche. Unser Wahlrechtskampf zeitigte zunächst den Erfolg, daß in feierlicher Thronrede die zeitgemäße Reform de? Dreiklassenwahl- rechtes verheißen ward. Der fS. Februar 1910 bringt endlich die „Erfüllung" dieser Verheißung, die Wahlrechtsvorlage der Regie- rung wird veröffentlicht. Ein einziger Schrei der Em- pörung. des lodernden Zornes geht durch die Massen, als fie erfechren. was man dem werktätigen Volke zu bieten wagt: Nicht Beseitigung oder auch nur Verminderung seiner Rechtlosigkeit, sondern Verstärkung und Befestigung dieser i Bureau- kratiSmus und Militarismus, seither schon die stärksten organisierten Machtmittel des Staates zur Niederhaltung des gegen Ausbeutung und Rechtlosigkeit rebellierenden Volkes, sollen nunmehr zu einem noch festeren Bollwerk der Reaktion gestaltet werden, durch Privi-' lcgierung der Militäranwärter. Beamten, gewesenen Militärs usw. I Zu der Dreiklassenschmach und der Oesfentlichkeit der Wahl fügt man noch diese Privilegierung zahlreicher von der Regierung absolut abhängiger Wähler. DaS ist eine schamlose Verhöhnung der Arbeiterschaft, die ihr Recht verlangt, undi der man erhöhte Rechtlosigkeit bietet. i Gleich einem Peitschenhieb, mitten inS Gesicht> versetzt, empfindet die Arbeiterschaft Preußens diese Verhöhnung, und ihr Selbstgefühl bäumt sich auf da- gegen, ihr Zorn treibt sie zur Tat. DaS Bewußtsein, jetzt gilt eS, kühn und entschlossen den zehnfach verstärkten Kampf zu führen gegen unsere Peiniger und Unterdrücker, setzt gilt eS. der Macht der Reaktion die Macht der A rb e, te rkla sse gegen- überzu st eilen, durchglüht daher um so mehr alle Proletarier- ��Bci diesem Kampfe um Reckt und Freiheit darf unter keinen Umständen die größere Hälfte der Arbeiterschaft, die weibliche, fehlen. Ja. mehr noch! Die Frauen und Mädchen Preußen«, als die doppelt Entrechteten und Interessierten, haben in den ersten Reihen zu stehen. Kämpfen fie doch damit auch um daS volle Bürgerrecht des Weibes. Ihr Frauen und Mädchen Preußen? folget dem Gebot der Stunde! Alle herbei, wo der KampfeSruf erschallt, wo es gilt, einen Volkssturm zu entfesseln, stark genug, die Reaktion fortzu- fegen und der Freiheit die Gasse zu bahnen. Auf in den Wahlrechtskampf! Die preußischen Frauen im Wahlrechtskampfe. Ein Massenaufgebot der Frauen im WahlrechtSkampf bildete die öffentliche Fraueiwersammlung, die am Freitagabend im großen Saale der Bockbrauerei in der Ehausscestraße stattfand. Der Saal war gedrängt voll, meist von Frauen. Die Rednerin. Genossin Zieh.! führte den Anwesenden vor Augen, wie das arbeitende Volk, wie die Träger der Produktion und des Wirtschaftslebens in Preußen zu politischen Heloten degradiert sind und das furchtbare Unrecht Immer tiefer empfinden. Aber statt der Forderung nach dem all. gemeinen gleichen Wahlrecht entgegenzukommen, statt Verbesserung. bietet die neue Wahlrechtsvorlage noch Verschlechterungen des de» stehenden Dreiklaflenunrechts. Man habe kaum geglaubt, daß die preußische Regierung es wagen würde, den breiten Massen des' Volkes einen solchen Faustschlag ins Gesicht zu geben, wie mit dieser Vorlage. Die Rednerin wies an den verschiedenen Bestimmungen der Vorlage nach, wie sehr berechtigt dieses Urteil ist. und führte weiter aus. daß die Begründung, vie der preutziscke Ministerpräsident im Landtag dazu gab, in Wirklichkeit«ine Verteidigung deS bestehenden WahlunrcchtS war. Wenn die Machthaber in Preußen glauben, sie könnten mit dieser Vorlage durchkommen, so haben fie sich außerordentlich geirrt. Wenn die preußisch« Regierung die Ab- ficht hätte, den Wahlrechtslampf zu verstärken und immer mehr anzufachen, so hätte sie keine aickere„Reform" als diese vorschlagen können. Es sei erklärlich, daß Bethmann Hollweg nervös wurde, als ihm die Pfuirufe im Landtag entgegenschallten. Aber wenn er der Schuhputzer der Junker sein wollte, mußte er fich bewußt werden, was darauf zu erwarten war. Er hat eine Rede gehalten, die er im Reichstag zu halten nicht wagen durfte. Er hat die heftig- sten Angriffe gegen das Reichstagswahlrecht erhoben und sich nicht gescheut, Preußen gegen das Reich und die übrigen Bundesstaaten auszuspielen. Das ist um so schärfer zu verurteilen, als kurz zuvor im Reichstage jener Oldenburg ganz offen zum Staatsstreich auf- forderte. Da wäre es Bcthmanns Pflicht gewesen, Verwahrung gegen diese Unverschämtheit einzulegen, wenn er verfassungstreu sein wollte.— Im weiteren Verlauf ihres Vortrages ging die Rednerin besonders auf die Frage des Frauenwahlrechts ein. Die Regierungsvorlage sei so unvorsichtig abgefaßt, daß danach den Frauen das Wahlrecht zustehen müßte. Es heißt ausdrücklich, daß j.'der Preuße usw. wahlberechtigt sein soll, und wir Frauen sind doch auch Preußen. Slber man wird den„Fehler" wohl noch gewahr werden und hinter Preußen die Worte„männlichen Geschlechts" einfügen. Diese reaktionäre Regierung und ihre Hintermänner, die das elende Wahlrecht der Männer noch verschlechtern wollen, sind natürlich nicht gesonnen, den Frauen das Wahlrecht zu geben. Aber es gab in Preußen im Jahre 1907 schon über 10 Millionen erwerbstätige Frauen und Mädchen. Wenn wir einen so wichtigen Faktor im Wirtschaftsleben bilden, dann haben wir auch Anspruch darauf, die vollm staatsbürgerlichen Rechte zu erhalten. Das Frauenwahlrecht wird zu einer zwingenden Notwendigkeit, und nicht nur für die gewaltige Masse der erwerbstätigen Frauen, sondern auch für die. die das Glück haben, sich ihrem Beruf als Hausfrauen und Mütter hingeben zu können. Die Rednerin zeigte an ver- schiedenen Beispielen, welch Interesse die Frauen an der Gesetz- gebung im Staat wie im Reiche haben, und schloß mit der Mahnung an die Frauen gemeinsam mit den Männern ihre ganze Kraft im Wahlrechtskampfe einzusetzen und dafür zu sorgen, daß die Regierungsvorlage schleunigst dahin befördert wird, wohin sie ge- hört, in den Papierkorb. Wir doppelt Entrechteten dürfen bei den Wahlrechtsdemonstrationen auf keinen Fall zurückstehen. Wenn eine Frau am Sonntag nicht von ihren Kindern fort könne, so möge sie mit ihrer Nachbarin übereinkommen, daß wenigstens eine von beiden auf dem Plane erscheine. Es sei auch kein EntschuldigungS- grund, wenn eine Frau sage, sie müsse für das Essen sorgen. Man könne an einem solchen Tage ganz gut mit Brot auskommen. Wir sind so mächtig, daß wir uns da» Wahlrecht erringen können. Laßt uns nur einig sein, und dokumentieren Sie diese Einigkeit auch darin, daß Sie, soweit Sie noch nicht Mitglied sind, samt und sonders der Partei beitreten! Dann können wir zu der reaktiv- nären Gesellschaft sagen:„Seht, Eure Wahlrechtsvorlage hat dazu geführt, die Reihen der Sozialdemokratie ungeheuer zu stärken und den Wahlrechtskampf um so lebhafter und stürmischer zu gestalten." Dann haben wir es in der Hand, nicht nur ein gerechtes Wahlrecht zu erobern, fondern auch eine gründliche Demokratisierung der ge- samten Staatseinrichtungen durchzusetzen und der Freiheit eine Gasse zu bahnen. Dem Vortrage folgte eine kurze Diskussion. 60 neue weibliche Mitglieder für den Wahlverein wurden gewonnen. Die Vcrsamm- lung schloß mit brausenden Hochrufen auf daS allgemeine, gleiche Wahlrecht für beide Geschlechter. Vom Frauenwahlrecht in Amerika. Dem gesetzgebenden Körper von Maryland liegt ein Eni- Wurf vor. der die Einführung des F r a u e n st i m m r e ch t S be- zweckt. Statt des allgemeinen Wahlrechts wird ein solches für Frauen mit einem Vermögen von mindestens 250 Dollar gefordert. Und die„demokratische" Mehrheit der Legislatur deS alten Sklaven. halterftaats stellt die weitere Bedingung, daß alle farbigen Frauen ausgeschlossen sein sollen. Eine wirkliche Woblreform wird dagegen im jungen westlichen Staate Oklahoma betrieben. Anstatt der durch die StaatSver- fassung geforderten 35 000 haben 50 000 Bürger dem Staatssekretär den Antrag unterbreitet, das allgemeine Frauemvahlrecht ein- zuführen. Natürlich haben unsere Genossinnen, die in Oklahoma stark vertreten sind, sich an der Wahlrechtsbewegung energisch be« teiligt. Auch in den Weststaaten Washington, Süd-Dakota und Oregon liegen die gleichen Anträge für die Volksabstimmung vor. Versammlungen— Veranstaltungen. Schöneberg. Die Genossinnen des Wahlvereins veranstalten heute. Sonntag, den 18. Februar, abend» 6 Uhr im Tunnel der Reuen Rathaussäle. Meininger Straße 8 einen Familie nabend, dem ein Vortrag der Genossin M. Thiel über.Kinder» schutzgesetze' vorausgeht. Zahlreiche Beteiligung wird er» wartet. Versammlungen. Die Zahlstelle Berlin des Zentralverbandes der Schmiede hielt am Tonnerstag bei Dräsel in der Neue» Friedrichstraße ihre ordentliche Generalversammlung ab. ES wurde die Abrechnung vom 4. Quartal 1909 vorgelegt. Sie schließt für die Hauptkasse mit der Bilanzsumme von 16 064,78 M. ab. Unter den AuSgabeu sind 4473,45 M. für Arbeitslosenunterstützung, 2589,35 Ml für Kranken- Unterstützung. 255,10 M für Streik- und 2198,40 M. für Gemäß- regeltenunterstützung; an die Hauptkasse wurden 2289,07 M. ge- sandt. Für die Lokalkafle waren die Einnahmen, den alten Bestand von 19 192 M. mitgerechnet. 22 250,75 M.. die Ausgaben 2133.65 M. Der Kassenbestand war also am Quartalsschluß auf 20 126,10 M. gestiegen. Außerdem sind in Wertpapieren usw. angelegt 36 400 M.. so daß da» Vermögen der Zahlstelle 56 526,10 M. beträgt. Die Mit» glicderzahl war am Quartalsschluß 2365; sie ist im letzten Halbjahr um 150 gestiegen.— Nach Entgegennahme deS Kassenberichts be- schäftigte sich die Versammlung mit Anträgen zur Generalversamm- lung deS Verbandes, die im Mai dieses JahreS in München statt- findet. Ueber die Anträge war bereits in einer besonderen Kom» Mission beraten worden, die nun zunächst ihren Bericht gab. ES liegen verschiedene mehr oder minder wichtige Abänderungsanträge zum Statut wie zu den Unterstützungsreglements, zum Rechtsschutz- und zum Streikreglement vor, über die in eine Generaldiskussion eingetreten wurde. In der Hauptsache handelte es sich jedoch in der Diskussion um die Frage der Verschmelzung mit dem Metall arbeiterverbanü. Hierzu lag unter anderem ein Rundschreiben der Hamburger Zahlstelle res Schmiedeverbandes vor. das übrigens auch in der..Schmiedezeitung" abgedruckt worden ist und in dem alle die Gründe, die für die Verschmelzung sprechen, dargelegt werden. Aus der Versammlung wurde ein Antrag ge- stellt, die Münchener Generaloersammlung möge dem Verbandsvor- stand Auftrag erteilen, mit dem Hauptvorstand des Metallarbeiter» Verbandes zwecks Verschmelzung in Verbindung zu treten. Der Antragsteller N e u m a n n begründete diesen Vorschlag ausführlich und wies namentlich darauf hin. daß in den größeren Betrieben die Schmiede teils dem Schmiede-, teils dem Metallarbeiterverband an- fiehören, daß von beiden Verbänden Vertrauensmänner vorhanden ind. von denen natürlich jeder zunächst für seine Organisation tätig ist. während doch das Gesamtinteresse der Arbeiter besser ge- wahrt werden könnte, wenn alle ein und derselben Organisation angeschlossen wären. Gegen den Antrag sprach H e n d s ch e l. Der Verbandsvorstand habe entgegen dem Beschlutz der Dresdener Generalversammlung mit dem Vorstand des Metallarbeiterver- bandes über die Verschmelzung verhandelt. Die Bedingungen, die für den Uebertritt gestellt werden, seien nicht annehmbar. Erst müßten einmal Vorkehrungen getroffen werden, durch die den Schmieden innerhalb des Verbandes volle Bewegungsfreiheit ge» sichert werde. Im weiteren Verlauf der Debatte trat für die Verschmelzung namentlich der Zahlstellenvorsitzende S i e r i n g sehr entschieden ein. Wer heut noch auf dem Standpunkt stehe, die Ver- schmelzung abzulehnen, habe die EntWickelung der Verhältnisse nicht begriffen. Daß die Bewegungsfreiheit der einzelnen Gruppen im Metallarbeiterverband nicht beeinträchtigt werde, habe ja neuer- dings wieder die Schlosserbewegung bewiesen. Eine Bereinigung der beiden Verbände sei im Interesse der Organisation sowohl wie der Mitglieder notwendig. Es komme für die Versammlung nun darauf an, sich im Prinzip für die Verschmelzung zu erklären und demgemäß dein Antrage Neumann zuzustimmen.— Die Abstimmung ergab, daß der Antrag mit 95 gegen 77 Stimmen gut- geheißen wurde. Die Versammlung hat sich somit in ihrer Mehrheit für die Verschmelzung ausgesprochen. Ueber die übrigen Anträge zur Verbandögeneralversammlung soll in der nächsten Versamm- lung, die über 14 Tage stattfindet, weiter beraten und beschlossen werden. Sie sollen den Mitgliedern dann schriftlich vorgelegt wer- den. Zum Schluß der Versammlung machte der Vorsitzende auf die Wahlrechtsversammlungen am Sonntag aufmerksam und forderte die Anwesenden auf. alles aufzubieten, um den Massenprotest gegen die Verhöhnung deS preußischen Volkes so wirksam wie nur irgend möglich zu gestalten und überhaupt für den Wahlrechtskampf ihre ganze Kraft einzusetzen.. NUgemeine Aamitten.Sterbekass«. Heute Sonntag von 3—6 Uhr: Zahltag bei Wcrnicke. Ackechr. 12». Tegel. Die Freie Jugenvorganlsation veranstaltet am 1». und 20. Fe- bruar, nachmittags 5 Uhr, im Lokale von Halle«. Bninowstr. 28. je eine Versammlung, In welcher Herr Max Scküite über„Die Entwlckewng de« WirtschaltSlebenS" referieren wird. Jim 27. Februar soll da» Muleum für VSlkertunde unter Leitung de« Referenten besticht werden; beide Vorträge lollen gleichzeitig als Einsübrun» hierzu dienen. Die Eltern werden gebeten, ihre erwachsenen Kinder diese Veranstaltungen besuchen zu lassen. ms ElEuanl i Alam r\ Riimmiz Q _____KIdsNo.i1 Naxos � AtoiSskUa OflS. Türk. Tabak-» Clgaretten-Fabrlk„Klos" o C. Robert SSbme. Oreiden. Sie/er an! der französischen Zabak- Regie. flrwww w*# wwwwWw w I„Hoffnung"| 5 Berliner Schneiderei- Genossenschaft E. O. ro b. H. Zwischen Roserthaler OmttHOtloh««fiC Zwischen Rmnltiater 1 Ter u. Invalidonstr. örUlUlGnSll. 100 Tor u. Invalidenstr. Gegr. i. Februar 1906 v. organisiert. Sobneidergehülen Berlins. Ä"' Arbeitern, Parteigenossen und HiitbÜrgern Anfertigung elegant«, Herren-iKnabeogarderobe Großes Lager fertiger Herren-, Knaben- u.Kioder-AnzQge. G Cirolle Annwahl in A Vinter-Paletots, Ulster, Radialiranziigeii o. FanL-Vesten H in allen Größen and Preinlacen sowie( Arbeiter- Berufs- Kleidung. Die HerstcIInnjj nn.crcr Fabrikate erfolgt in eigenen Betriebswerkstätten unter den von unserer Organisation festgelegten Bedingungen. Ijioferanten 103/1* derKon«nRi-OenoMen*chaft Berlinn. Cmgegend, des Cbarlotlen burger Konsum-Vereia. sowie des Arbeiter-Kadfahrerbandes. NB. Wir weisen besonders darauf hin, daC wir nur für eigenen Bedarf fabrizieren und unsere Waren in keinem anderen Geschllft zu haben sind. Klente von lO Uhr ab geactalosaen. Die rechnende tzanssran will ein tägliches Getränk für die milie haben, das erstens billig, zweitens aber auch ganz unschädlich und wohl« schmeckend ist. 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Die Beerdigung findet am 14, d. M,, nachmiltags 3'/, Uhr, aus dem neuen Jatobi-Kirchhos, Hermannftraße. statt, Di» trauernden Hinterbliebenen. Oeutsctiei Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes- Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Schlosser ttermann 8ckmidt am 9, b MtS. gestorben ist. Ehre seine», Andenken t Die Beerdigung findet am Sonntag, den l3. d. M,, nach- mittags 2'<, Uhr, von der Leichen- halle des Birchow-Kranlenbauses aus nach dem Knaden-Kirchhos in der Ba'.suSflraße statt. Rege Beteiligung erwartet 111/10 Die Ortsverwaltong. Verband der Bueh- und Steindmekerei-Billsarbeiter ö. Arbeiterinnen Deutschlands. 5= OrlSverwallung Berlin.= Am 12. d, MtS, starb nach kurzem Krankenlager unser Kol- lege, der Llnleger Max Brinkmann. Ehre seinem Andenken l Die Beerdigung findet am DienStag. den IS. Februar, nach- mittags 4 Uhr, von der Halle deS alten Thomas-KirchhoseS in Rix- dort, Hertnannstraße. aus statt. 27/S Die Drtevenraitung. Deutseber Transportarbeiter-Verband. Bezirksverwaltung Groll-Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der GeschüstS- kutscher �rtnr Both am 11. d. MtS, im Alter von 28 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken; Die Beerdigung findet am DienStag, den IS. d. MtS,, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- halle des Markus-Kirchhoses in Wilhelmsberg aus statt, SS/3 Um rege Beteiligung bittet Tie Bezirksverwaltung. Indes Am 10, d, MtS, verschied nach langen Leiden meine liebe Frau und herzensgute Mutter Marie Straube geb. Koch, DieS zeige» ticsbetrübt an Gustav Straube nebst Tocbter. Die Beerdigung findet am Montag, den 14, Februar, nachmittags 4'/, Uhr, von der Leichen- Halle der Anstalt Wuhlgarten aus statt, 6636 Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem Begräbnis meines lieben Manne» sage ich allen Freunden und Bekannten sowie dem 2. Berliner RelebstaaswaMkrei», dem Verband der Freien Gast- und Schankwirte und allen Stammgästen meinen herz. licht» Dank, 6586 Wwe. Panllne Kankc. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme beim Hinscheiden unseres lieben VaterS sagen wir aus diesem Wege unseren innigsten Dank. Bise Lctluk. �rinr Patschke. Danksagung. Allen denen, welche unserem Vater, Heu, früheren Gastwirt Hugo Llndner gelegentlich(einer Beerdigung die letzte Ehre erwiesen haben, sage» wir hiermit unseren herzlichsten Dank. 644b Die.Hinterbliebenen. V crloih-Institut: Frledrichsf.ll5/l.a.Dra6g. "Sor. Eleg. Frack, Sehrock l.SO�ose 1.00. Weste SOPs. Danksagung. Für die herzliche TeUnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unseres guien Bruders, des Buch- druckereihitfsarbciiers Reinhold Röniseh sage ich dem Sozialdemokrafischen Wahlverein des Kreises Tcltow-Bees- low- Storlow- Charlottenburg, dem Zossencr Sozialdemokratischen Wahl- verein, dem Gewerlschastskartcll, Ge- sangoerein Freie Sänger, Freie Turnerichast, dem Personal der Deut schen Buch- und Kunsldruckerci sowie den Hilssarbeiierinnen sür die überaus zahlreichen Kranzspenden aus diesem Wege meinen innigsten Dank. Die trauernde Witwe Ann» Rönlscb, Zossen. Danksagung. Für die zahlreiche' Teilnahme an- läßlich der Beerdigung meines lieben Mannes, des Tapezicres Paul kvsentlial sage' ich allen Freunden und Per- wandten, insbesondere dem 6. Wahl- kreis, sowie dem Verband der Tape- zierer meinen herzlichsten Dank. Wilve Therese Rosentha! 4298Ü nebst Söhnen. ist ein Mund mit Zum Küssen sciiön mit «1 mit echten Platinstickteu. 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