Redaktion: 8M. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Mittwoch, den 16. Februar 1610. Expedition: SM. 68, Lindenstraese 69, Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1981. Ztr. 39. flbsntiements-ßcdittgunseni LbonnemcntS- Preis rränunierands: Picrlcljährl. SPV itüt, monotL 1.10 Ml., Niöchenllich 28 Big. frei ms Haus. Einzelne Nummer 5 Psg. Sonntags. nuuimer mit Mustricrlcr Sonntags- Vellage.Die Neue Weit" 10 Pfg. Post. Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Poft.ZciimigZ. Preisliste. Unter Kreuzband lür Deutschland und Oesterreich, Ungarn 2 Marl, für daS übrige Ausland L Marl pro Monat. Postabonncmenls nehmen an: Belgien. Dstnemarl, Holland, Italien. Luxemburg, Portugal, Rumänien. Schweden und die Schweiz, cmclilt IZzIIch auOer ni?ntags. 87. Zahrz. Berliner Volksblatt. die Iniertisns-i-ebiihr bclrSgl sür die sechSgcspallene Kolonel. geile oder deren Raum 50 Psg., sür politische und gewerlschaflliche Vereins« And Versammlungs-Anzeigen 30 Psg. „Meine Anreizen", das erste steil- gedruiltc) Wort 20 Psg., jedes weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlaf- sicllen-Anzcigen das erste Wort 10 Psg., jedes weitere Wort 5 Pfg, Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate sür die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geössiict. Telegramm-Adresse: „SozIaldiingKrat Berlin". Zentralorgan der rozialdemohratifchcn Partei Deutfcblanda. Bon dem erfreulichen Verlauf der gewaltigen Wahlrechts- kundgebung des preußischen Proletariats, von diesem glänzenden experimentellen Beweis für die politische Reife der Arbeiterschaft und für die Sicherheit der Straßen und der Passanten bei un- gestörten sozialdemokratischen Straßendeinonstrationcu heben sich um so greller die grauenvollen Polizeiattackcn von Halle, Frankfurt a. M., 5�önigsbcrg, und N e u m ü n st e r ab. Je mehr Einzelheiten über die Taten der Ordnungshüter bekannt werden, um so mehr vertieft sich der empörende Eindruck. Um so mehr, als der ruhige, würdige Verlauf der Demon- strationen im übrigen Preußen, in der großen überwiegenden Mehrzahl der Städte in überzeugender Weise zeigt, daß nur das sinnlose Vorgehen der Polizei und nichts als das sinnlose Vorgehen der Polizei für die traurigen Ereignisse verantwortlich ist. Die Wahrung der öffentlichen Sicherheit und des Verkehrs durch die Arbeiter ist prächtig gelungen— Frauen und Kinder, Greise und Gebrechliche konnten ungehindert und u n- gefährdet die Straßen passieren, die von den Tausenden der Demonstranten durchzogen wurden! Wo aber die Polizei angeblich die öffentliche Sicherheit und den Verkehr gegen die demonstrierenden Proletarier wahren mußte, da sind Frauen und Kinder. Greise undGebrechliche in ärgste Gefahr geraten, da ward die Straße zum Schlachtfeld, das kein Unbeteiligter betreten durfte, ohne seine Knochen aufs schlimmste zu gefährden! Sinnlose Blntarbeit hat die Polizei der vier Städte ge- liefert! Nichts war vorhanden, was sie zu ihrem brutalen Vorgehen genötigt hätte, nichts als die alte Polizeianschauung, daß das Volk den Mund zu halten hat, daß es kein Recht hat, mit seinen Beschwerden vor die Oeffentlichkeit zu treten, daß der Staat ins Wackeln gerät, wenn die Massen der Staatsbürger sich zu bewegen beginnen! Nicht weil die öffentliche Sicherheit und der Verkehr bedroht war, ist Arbeiterblut geflossen, sondern weil der öffentliche Ausdruck der Volksmeinung über die Wahlreformlüge Beth- mann Hollwegs nicht geduldet werden sollte, weil der Schrei der Empörung über die Niedertracht dieser eklen Kreuzung aus Klassenunrecht und Pluralunrecht nicht laut werden sollte. Deshalb wurden in Halle Schädel gespalten und Ohren abgesäbelt, deshalb wurden in Frankfurt a. M. Frauen und Kinder nieder- geritten, deshalb wurden in Königsberg die Flüchtenden bis ins freie Feld von den reisigen Schutzleuten verfolgt, des- halb wurden in N e u m ü n st e r mit scharf geschliffenem Säbel die Kleider und die Leiber zerfetzt und also zugerichtet, daß heute die entsetzte Frage von Mund zu Mund geht, ob schließlich gar noch Tote unter den Opfern des Wahlrechts- kampfes. oder richtiger den Opfern hirnlosen Polizeiwütens zu buchen sein werden I N e u m ü n st e r ist von den vier blutbesudelten Städten die kleinste— aber seine Polizei hat den Preis in der Brutalität und der Sinnlosigkeit gewonnen l Die Polizei von Neumünster hat gewütet, wie Kolonialtruppen im Kriege gegen Wilde hausen. Es fehlte nur noch, daß die Häuser der„Empörer" in Brand gesteckt worden wären und die Parallele wäre vollständig. Die Polizei von Neumünster hat das Schwert scharf geschliffen. Vor Jahr und Tag sind die Plempen einmal eines Krawalls wegen geschärft worden. Seitdem hat man sie nicht wieder stumpf machen lassen. Wahrscheinlich wäre die Ausgabe zu groß gewesen � Arbeilerblut, Arbeiterknochen sind billiger. Die Polizei von Neumünster schlägt nicht bloß, sie st r e ck t die„Rebellen" nieder, sie durchbohrt Leib und Lunge, sie benügt sich nicht damit, den Feind unschädlich zu machen, sie bringt ihm lebensgefährliche, vielleicht gar tödliche Verletzungen bei I Das ist preußische Schmach, das ist preußische Schande! Das muß den Namen Preußens bei allen Nationen beflecken! Nicht die nörgelnden Zeitungsschreiber „beschmutzen das eigene Nest", Herr v. Bethmann Hollweg. das tun die Polizeileiter in Preußen, das tun die Regicrungsmänncr, die solche Ausschreitungen der Sicherheitsbehörde dulden und decken. Wir hätten gesagt: fordern— wenn nicht das Verhalten der Polizei im größten Teile des preußischen Ge- biets bewiese, daß der Wille der preußischen Regierung nicht auf Polizeischlachten unter friedlichen Demonstranten ge- richtet ist. Aber das mindert die Verantwortlichkeit der Regierung für die blutigen Vorfälle nicht. Jene Polizcileiter, die sie verschuldeten, haben gehandelt in dem Glauben, den Willen der Regierung zu vollstrecken. Und die preußische Regierung kann nicht Hindern, daß der entsetzliche Eindruck der Metzeleien stärker wirkt als alle Meldungen von vernünftigem Ver- halten preußische? Polizei. Ein Staat, in dem auch nur vereinzelte Vorkomninisse solcher Art wie in Halle, Frankfurt. Königsberg und Neumünster möglich sind, ist kein Kulturstaat! Und nichts Stichhaltiges wird das offizielle Preußen antworten können, wenn das Ausland diese preußisch en Greuel den russischen Greueln gleichsetzt, wenn eS daS offizielle Preußen, Hlutarbett. das Preußen der Junker und der Bureau- k r a t e n, auf eine Stufe stellt mit dem Rußland der Knute und der Kosaken! »» Die Schlacht von Neumünster. Wie die Ausgeburt der zügellosen Phantasie eines Toll- Häuslers lesen sich die Berichte aus Neumünster. Uns wird von dort geschrieben: Um 4 Uhr waren die Versammlungen beendet und die De- monstranten wollten sich auf dem nächsten Wege nach ihren Be- Häufungen begeben. Da cS sich um mindestens 3000 Personen handelte, war die Sache nicht ganz leicht, zumal die Polizei einen Kordon in der Nähe der Ver- sammlungslokale gebildet hatte. Ein großer Teil der Per- sonen m u ß t e eigentlich hindurch, um zu ihrer Wohnung zu ge- langen. Indes trieb die Polizei die vorwärtsdrängenden Leute wieder zurück und in die beim Rathause gelegenen engen Seiten- gaffen hinein, wo die Menschen nicht rasch vorwärts konnten. Zu- nächst hatte die Polizei ohne Rücksicht auf Alter und Geschlecht„nur' mit den Fäusten eingehauen. Als aber die Massen bereits in die Seitengassen abgedrängt wurden, ward das Komniando zum Blankziehen gegeben. Und nun geschah daS Entsetzliche. An der Ecke der Wittorfer und Altonaer Stratze wälzte sich alsbald ein Knäuel von 20 Menschen übereinander, die Schutzleute hieben ohne Erbarmen von hinten in die am Boden Liegenden hinein, wobei cö zahlreiche schwer und leicht Berwundcte gab. Einem alten Arbeiter von 68 Jahren wurde von hinten ein Säbelstich in die Lunge beigebracht, einem jungen Manu wurde das linke Handgelenk zur Hälfte abgeschlagen! Der Arzt bekundet, daß der Arm abgenommen werden müsse, weil die Sehne fast vollständig durchhauen ist. Einem Mann wurden schwere Rückenvcrlehungen beigebracht. Einem Jungen von IS Jahren wurde ein Ohr abgeschlagen! Fünf Schwerverletzte be- finden sich im städtischen Krankenhausel Im ganzen sollen— nach einer Meldung des„Holst. Courier' 40 V e r- letzte vorhanden fein, die allerdings zum großen Teil leicht verletzt worden sind. Alles wäre vermieden worden und niemand wäre ein Leid ge- schehen. wenn die Polizei die Straßen freigegeben hätte! Selbst der gut bürgerliche„Holst. Courier' muß in seinem Be- richt zugeben: So arg wie in Neumünster wurde in keiner Stadt der Monarchie von der Polizei vorgegangen. Mit vierzig Verletzungen kann die Neiimünsteriche Polizei das Ruhmesblatt in Anspruch nehmen, die schneidigsten Polizeiattocken gegen nichlbewaffnete Wahlrechlsdemonstranten am gestrigen Sonn- tag geritten zu haben. Einem Arbeiter wurde die Lunge durch- bohrt, einem anderen Arbeiter die Hand und einem dritten ein Ohr abgeschlagen. Solcher Heldentaten kann sich keine Polizei irgend einer Stadt des preußischen Staates rühmen. Das wütende Dreinhauen erfolgte auch wieder beim„Abdrängen" der Massen beim Verlaffen der Versammlungslokale. Hätte die Polizei sich begnügt, wie in anderen Städten auch, die die Versammlung verlaffenden Massen„ruhig und besonnen" in die Straßen abzuleiten, wir würden heute in der angenehmen Lage fein, auch von Neumünster berichten zu können, die Ruhe und Ordnung wurde nirgends ge- stört. Schon bei den früheren Demonstrationen zeichnete sich die Polizei in Neuniünster durch besonders schneidiges Vorgehen aus. DaS Vorgehen am 13. Februar 1910. das einzig in seiner Art in der preußischen Monarchie dasteht, wird nicht verfehlen, im Ab- geordueleuhauS zur Sprache gebracht zu werden. Glaubt denn die Polizei wirklich, auf die Art eine GesinnungSänderung der Massen herbeizuführen? Oder glaubt die Polizei sich berufen, durch ganz besonders drakonische Mittel zu demonstrieren, wie notwendig eS ist, die Wahlrechtsverschlechterung zu erzwingen und der konservativen Parteiherrschaft bcizuspringen? Wir nehmen an, daß die Polizei sich da in einem starken Irrtum befindet. Die Stadtkollegien dürften in erster Linie berufen sein, dahin zu wirken, daß Neumünster von weiteren solcher„historischen Be- rühmtheiten" dewahrt wird. Vom hiesigen'Regiment 163 waren vier Kompagnien(zirka 450 Maun) marschbereit in der Kaserne, jeder Mann ausgerüstet mi 30 scharfen Palronen. Die Soldaten wurden indes nicht gebraucht, da die Polizeimannschaften ihre Pflicht„voll und ganz' erfüllten. Erwähnenswert ist noch, daß an der Spitze der Polizeimann- schaften der Kommiffar Gutsmann steht, von dem schon vor zwei Jahren das obenerwähnte bürgerliche Blatt gesagt hat, daß er zur Führung der Polizei unfähig sei und auS seinem Amte entfernt iv erden müsse! Einem Bericht des„Berliner Tageblatt" entnehmen wir: „... Die Demonstranten ergriffen nun die Flucht; aber nur die letzten im Zuge konnten sich in Sicherheit bringen, auf die Vordersten hicden die Beamten planlos ein. Die Situation ivurde dadurch besonders kritisch, daß die Schutzleute mit scharfen Säbeln zuschlugen. Als nämlich vor Jahresfrist ein Tumult entstanden war, ließ die Polizei am Tage darauf die Säbel schleifen und sie später nicht wieder stumpf machen. Daher sind jetzt verschiedene sehr schwere Ber- letzt,„gen entstanden.... Einer ganzen Reihe von Leuten würden die Kleider zerrissen. Sämtliche Aerzte hatten den Abend über mit dem Verbinden der Wunden zu tun. Die Erbitterung unter der Bevölkerung über das Vorgehen der Schutzmannschaft ist grenzenlos. Dein nationalliberalen„Hann. Cour." wurde geschrieben! „Die Verletzungen befinden sich am Hinterkopf oder am Rücken der Verwundeten. DaS bestätigt die Aussagen von Augenzeugen, daß die Polizisten blindlings auf die vor ihnen her fliehenden Menschen mengen ein- gehauen haben. Es sollen im ganzen 10 000 Menschen an den Wahlrechtsdemonstrationen teilgenommen haben. Sehr viele unschuldige und unbeteiligte Personen sind arretiert und von den Polizisten verletzt worden. Vielen Personen hingen die Kleider in Fetzen vom Leibe. In Neumünster herrscht große Erregung über daS Vorgehen �er Polizei." Der Bsntsonntag in Halle. Aus Halle a. S. wird uns über die Polizeitaten be- richtet: Die Polizei hat in der grauenhaftesten Weise gelvütet. Vor den Versammlungen bereits fanden sich zahlreiche Teilnehmer auf dem Marltplatz vor dem Rathause ein, um von da nach den fünf Versammlungslokalen zu ziehen. Hier bereits zeigte sich die Polizei außerordentlich nervös, sie nahni verschiedene Verhaftungen vor und sperrte den völlig ruhig Abziehenden einige Straßen. Die Versammliiugen waren überfüllt, an ihnen nahmen 6000 Personen teil, darunter zahlreiche Bürgerliche, weil bisher weder Demokraten noch Freisinnige sich gerührt haben. Nach den Versaminlungen trafen sich die Teilnehmer in der Zahl von schließlich mehr als 10 000 auf den« großen freien Platz zwischen Sladttheater und Hauptpost. Die Polizei war völlig überrascht, sie hatte geglaubt, daß eS wiederum auf den Markt abgesehen sei. Telephonisch herangerufen, ging sie in der rücksichtS- losesten Weise vor. Ohne irgend welche Aufforderung, die Masse solle sich zerslreueit, stürmten die Polizisten init gezücktem Säbel auf sie ein und hieben nieder, was ihnen in den Weg k a m. Die blutend am Boden Liegenden wurden von den Schutzleuten mit Fußtritten rcgaliert! Währenddeni die Menge zurückflutete, flog ein Stein gegen die auf der andern Seite des Platzes erschienenen zirka 10 Schutzleute, traf aber niemanden. Sofort befahl Her Polizeiinspektor v. Dossow den Angriff. 50 Meter vor der Menge flogen die Säbel heraus und nun gab es die fürchterlichsten Szenen. Einem Manne wurde ein Teil der Kopfhaut neb st dem Ohr abgetrennt, ein anderer wurde am Halse schwer verletzt, auf ihm trampelten die Schutzleute herum; ebenso erging es einem Dritten, der eine schwere Schädelver» letzung erhielt. Zahlreich sind die Rückende rletzun gen, da die Schutzleute unbarmherzig auf die Fliehenden einhieben. Berittene sprengten den in die Häuser Eilenden bis in den Hausflur nach. Bei dieser Ge- legenheit wurde ein spielendes Kind schwer verletzt. So wurde die Menge, au§ der viellausendstimmig die Rufe Pfui I und Bluthunde l erscholl, bis zur Gr. Ulrichstraße, Geiststraße, Markt usw. getrieben. Hier herrschte reger Verkehr, da gerade die Geschäfte geschloffen wurden. Die Schutzleute hieben iv ahlloS drein. Ein Fleischerlehrling erhielt einen schweren tiebinden Rücken, einem anderen wurde der Arm am llenbogengelenk durchgeschlagen, einem dritten wurden durch Säbelhiebe in den Rücken und in die Hüften die Rippen bloßgelegt! Ueberall sah man Verletzte, die von hilf- reichen Kameraden und Paffanten geleitet wurden. Ejinige mußten mit dem Krankenwagen transportiert werden, sie fanden Aufnahme in der Klinik. Die Arbeiter-Samariterkolonne hat zehn Verletzte verbunden. Im ganzen wurden 40 Verletzte ge- zählt, darunter zwei Kinder! Wo die Polizei konnte, nahm sie Verhaftungen vor. Alle Sistiertcn wurden an die Kette genommen, sie zählen ins- gesamt 71. Die Polizei droht heute schon mit Anklagen wegen AufruhrSl Auch Militär war unterwegs. Eine Kompagnie Infanterie kam mit klingendem Spiel anmarschiert, sie fand jedoch nichts mehr zu tun. Anders die Artillerie, von deren Unter- offizieren und Mannschaften verschiedene bei den Attacken beteiligt gewesen siud. Die Entrüstung in der Stadt über da? unglaubliche Vorgehen der Polizei ist allgemein. Vor ollem in der Arbeiterschaft herrscht ejne furchtbare Empörung: wo in den Arbeiter« vierteln ein Schutzmann sich sehen läßt, werden Ver- wünsch» ugen und Pfuirufe laut. Die Proletarier in Halle denken natürlich gar nicht daran, vom Wahlrechtskampfe abzulaffen, sondern werden nun erst recht in ihn eintreten! Aekjnliche empörende Schilderungen Bringen die näheren Meldungen pon Frankfurt a. M. und Königsberg. Doch sind in der Mainstadt wenigstens die Säbel nicht ge- zogen worden— dort haben die Hufe der Schutzmanns- Pferde die brutale Arbeit verrichten müssen. In der Stadt der reinen Vernunft mußte die schmutzige Unvernunft der Polizeiattacke durch den blanken Säbel unterstrichen werden. Aber auch die Schutzmannsgäule traten hier mit demselben Effekt in Aktion wie in Frankfurt. DaS sind die Siege, die preußische Polizisten am 13. Fe- bruar über friedliche Demonstranten erfochten haben. So wurde der Ruhmestag der preußischen Arbeiter zum Tag d e r S ch a n d e für das offizielle Preußen, so ward seiner moralischen Niederlage, die sich in der Wahlreformlüge offen- bart, eine moralische Niederlage Hes Polizei- säbelS angefügt. Die Ablehnung des gleiche» Aahlrechts! Sie Nahlrechtsvorlage in der Kommission. Wer erwartet hatte, daß die bürgerlichen Parteien, die „km Prinzip" für das gleiche Wahlrecht sind, wenigstens die Kommisstonsverhandlungen dazu benutzen würden, mit Nach- druck und Leidenschaft ihre Forderung zur Geltung zu bringen, sah sich durch die erste Kommissionssitzung bitter enttäuscht. Tie Debatte über die wichtigste Frage der ganzen Wahl- resorm, die des gleichen Wahlrechts, wäre inlängstens zehn Minuten erledigt gewesen, wenn nicht der sozialdemokratische Vertreter mit aller Entschiedenheit Protest gegen eine solche Ve- Handlung eingelegtund eine längere lebhaftereDebatteerzwungen hätte. Aber so sehr sich unser Genosse auch mühte, speziell daö einflußreiche Zentrum zu einer entschiedenen V e r> f e ch t u n g seiner programmatischen Forderung deS gleichen Wahlrechts und zu einer ern st haften Kampfstellung gegen die konservativen Wahlrechtsfeinde zu veranlassen— das Zentrum lieh es bei einer matten platonischen Liebes- erklärung für das gleiche Wahlrecht und brachte es auch nicht zu einem drohenden oder auch nur scharfen Worte gegen- über den Wahlrcchtsfeinden I Dagegen ließen sich die Zentrumsredner, als der sozialdemokratische Vertreter ihre schwächlichen Ausflüchte schonungslos zerpflückte, zur Be- kundung so reaktionärer und volksfeindlicher Anschauungen fort- reißen, daß diese Aeußerungen unbedingt se st genagelt zu werden verdienen l Die Leser finden deshalb weiter unten im Kommisstons- bericht selbst eine eingehendere Darstellung dieser interessanten Verhandlungen. AlS die Sozialdemokratie immer und innner wieder be- tonte, daß der Kampf um Erringung des gleichen Wahlrechts in erster Linie nicht im Dreiklassenparlament selbst geführt gefiihrt werden könne, sondern daß es gelte, den entschlossenen Willen der Wählermassen» selbst in die Wagschale zu werfen. wußten es Freisinn und Zentrum natürlich besser. weigerten sie sich, in den außerparlamentarischen Kampf ; einzutreten 1 Vergebens sagte die Sozialdemokratie voraus, wie die Dinge im Geldsackparlament sich abspielen würden I � Daß dort nämlich von der Annahme des gleichen Wahl- | rechts gar keine Rede sein könne! Man werde dort einfach I die Abstimmungsmaschine arbeiten lassen, und die werde alle Anträge auf Einführung des gleiche« Wahlrechts im Hand- »mdrehen zerfetzt in den Papierkorb schlendern! Das Plenum deS Dreiklassenparlaments selbst hat die Vorlage vorerst der Kommission überwiesen und dort hat die Abstimmnngsgnillotine denn auch bereits prompt gearbeitet. Den Antrag auf Einführung des gleichen Wahlrechts hat bereits das Geschick ereilt! Und das wäre nicht nur sehr rasch, sondern auch ohne jeden Schmerz, ohne die geringste Aufregung geschehen, wenn sich nicht unter den 28 Mitgliedern der Kommission wenigstens ein Sozialdemokrat befunden hätte. Damit wäre das Schicksal des gleichen Wahlrechts, ja überhaupt jeder nennenswerten Abschwäch ung der empörenden Dreiklassenschmach endgültig besiegelt, wenn nicht das Volk der Entrechteten ungesäumt ans Werk geht, die bürgerlichen Parteien, insonderheit das Zentrum znr Rechenschaft zu ziehen! Es versteht sich von selbst, daß der Kampf gegen die Regierung und die I u n k e r dadurch nicht die geringste Beeinträchtigung erfahren darf! Ueberall, wo nur irgendeine Möglichkeit besteht, an die konservativen Wählermassen, sei es mündlich, sei es durch schriftliche Aufklärung heranzukommen. hat die Aufrüttelung dieser Massen mit aller Tatkraft ein- zusetzen I Das gleiche gilt von den Nattonalliberalen! Aber nicht minder wichtig und geboten ist es gerade in diesem Augenblick, die proletarischen, klein- bürgerlichen und kleinbäuerlichen Wähler deS Zentrum» aufzuklären über die jämmerliche und verräterifcbe Daltung der Zentrumöfübrer im preußischen Landtage! Eine unerhörte Provokation des Proletariats auch in den eigenen Reihen und ein Hohn auf die angeblich ehrliche Forderung deS gleichen Wahlrechts war es schon, daß der ZentrumSredner Abg. Herold die Erklärung abzugeben wagte, daß die Z e n tru m s f rak ti o n gegen jede j�seueinteUung der Cdablhreife stimmen werde! Ist doch die heutige Wahlkreiseinteilung eine nicht minder skandalöse Entrechtung gerade deS Proletariates und städtischen Mittelstandes, als die empörende Dreiklassenschniach selbst l Ist doch die jetzige Wahlkreiseinteilung, die den junker- lichen Wählern 1, ja 150 mal soviel Wahlrecht sichert, als den Wählern dritter Klasse in den Städten und in den In- dustriebezirken des Westens, vor allem eine Privilegierung der Junker, ein den konservativen Volksfeinden geradezu auf den Leib zugeschnittenes Borrecht! Und für die Aufrechterhaltung eines solch unerhörten Juukerprivilegs erklärte sich das Zentrum durch den Mund des Abg. Herold! Aber wie daS Zentrum hier das gleiche Wahlrecht ver- riet, so gab es das gleiche Wahlrecht vollends preis in der Kommission, indem es auch auf den leisesten Versuch ver- zichtete, den Konservativen inS Gewissen zu reden und sie durch Androhung politischer Zwangsmittel gefügig zu machen I Und die wildesten Junker waren gefügig zu machen, wären für weitgehende Konzessionen zu gewinnen, wenn ihnen das Zentrum nur den Daumen aufs Auge drücken wollte! Was wären denn die Konservativen im Reichstage ohue die Unterstützung deS Zentrums?! Und was wären sie vollends im preußischen Ab- geordnetenhause ohne die Hilfe des Zentrums! Aber das Zentrum denkt gar nicht daran, seinen Einfluß auf die Konservativen geltend zu machen. ES läßt es mit gekreuzten Armen geschehen, daß alle westergehenden Wahl- rechtsforderungen von den Konservativen«iedergesttmint werden I Und dann erklärt es hohngrinsend:„Ja, w i r haben doch für das gleiche Wahlrecht g e st i m m t. Aber wir blieben bei der Abstimniung in der Minderheit. Wir waschen also unsere Hände in Unschuld l" Als ob nicht das Wesen aller parlamentarischen und Politischen Taktik gerade darin bestände, auch die Wider- st reden den durch Anwendung von allerhand Zwangs nritteln zur Nachgiebigkeit zu zwingen I Das Zentrum will nicht! Versuchen wir, ob daS Zentrum nicht vorwärts getrieben werden kann I Wird dem Zentrum nicht kräftig eingeheizt, so wird es auch in der Kommission gegen die Neueiuteilung der Wahlkreise stimmen, so wird es auch sonst Regierung und Reaktion direkt oder indirekt jeden schäbigsten Handlanger- dienst leisten! Darum: Nützen wir die Stunde! Die Zeit ist karg I Klären wir die Massen auf über die infame Haltung der kon- servativen und nationalliberalen WahlrechtSfeinde! Aber ent- larven wir vor allen Dingen auch die perfide Mablmbtsjesuiterei des Zentrums! Sie Oerbandlungen der ülablrechtskommiffion. Die WahlrechtSlommifsion deS preußischen Abgeordnetenhauses trat am Dienstag zu ihrer ersten Sitzung zusammen. Im Interesse einer Förderung der Arbeiten sollen, wie der Vorsitzende mitteilte, in dieser Woche noch einen und in der nächsten Woche noch zwei Tage keine Plenarsitzungen abgehalten werden. Die Kommission ist der Meinung, daß bei den Berichten über die Verhandlungen die Namen der Redner n i cht genannt werden möchten. Der sozialdemokratische Vertreter wider- sprach vergebens mit dem Hinweis auf die Praxis des ReichtagS und das hochgespannte Interesse, das die breitesten Kreise an den Ver- Handlungen der Kommission nehmen. An Anträge» sind der Kommission bisher unterbreitet außer dem bereits mitgeteilten freisinnigen Antrag aus Einführung des gleichen, geheimen und direkten Wahlrechts, ein sozialdemokratischer Antrag, der das Haus ersucht, die Vorlage abzulehnen und die Regierung aufzufordern, sofort eine neue Vorlage einzubringen, die die Uebertragung deS ReichStagSwahlrechtS auf Preußen sowie eine Neu- ein teil» ng der Wahlkreise vorsieht. Die National- liberalen haben die Beseitigung der Drittel ung in Ur Wahlbezirken beantragt und daS Zentrum beantragt. daß daS Alter für das passive Wahlrecht von 80 auf 25 Jahre herabgesetzt wird. Endlich liegt noch ein nationalliberaler Zusatzantrag zu dem das Prinzip der Drittelung enthaltenden§ 7 vor, wonach die erste Ab- teilung mindestens ein Zehntel, die zweite mindestens zwei Zehntel der Wähler enthalten muß und daß da, wo diese Zahlen nach Maß- gäbe der Steuerbeträge nicht erreicht find, znr Ergänzung die Wähler aus der nächstfolgenden Abteilung nach der Reihenfolge der zur An» rechnung gelangenden Steuerleistungen berufen werde» lallen. Der sozialdemokratische Antrag kann aus geschästsordmingS- mäßigen Gründen erst am Schluß der zweiten Lesung zur Ab- stimmung konmien. Von einer Generaldebatte nahm die Konuuission Abstand. Die Erörterung beschränkte sich zunächst auf die Frage des gleichen Wahlrechts. Der freisinnige Antragsteller begründete die Forderung des gleichen Wahlrechts mit dem Hinweis darauf, daß das gleiche Wahlrecht die notwendige und logische Folge der Beseitigung des indirekten Wahlrechts sei, und daß die ganz willkürlichen Wahl- unterschiede den Anforderungen der Vernunft und der Gerechtigkeit sowie der neueren Entwickelung nicht Rechnung tragen. Jetzt, wo auf die Gleichheit aller vor dem Gesetz so entscheidendes Gewicht gelegt wird, sei die Klasseneinteilung überhaupt zu verwerfen, zumal da zu dem Moment, das früher allein ausschlaggebend gewesen sei, der Steuerleistung, noch der sogenannte Examenkoller hinzukoinmen solle- Die übrigen Redner der bürgerlichen Parteien begnügten fich mit ganz kurzen Erklärungen für oder gegen ven Antrag. Selbst die Erklärung des sozialdemokratischen Vertreters, daß mau über die fundamentalste Frage des ganzen Wahlrechts doch unmöglich so sang- und klanglos hinweggehen könne, sondern daß gerade hier der Kamps um das Recht des Volkes entbrennen müsse, ver- mochte das Zentrum nicht aus seiner erstaunlichen Gleichgültigkeit aufzuscheuchen. Der folgende ZentrumSredner wußte dem- gegenüber nichts Gescheiteres zu sagen, als daß der fozialdemo- kratische Vertreter die Kommission wohl mit einer Volks- Versammlung verwechselt habe. Lange Reden würden an dem Ergebnis der Abstimmung doch nichts ändern! Die durch den sozialdemokratische» Redner aufgestöberten Kon- servativen wurden jetzt gleichfalls lebendig. Einer ihrer Redner glaubte sich an der Sozialdemokratie dadurch reiben zu können, daß er ihr allzu große Zurückhaltung vorwarf. Sie habe i» ihrem Antrag nur die Uebertragung des ReichStagSwahlrechtS auf Preußen gefordert, während sie doch in ihrem Programm noch viel mehr fordere, nämlich die Ausdehnung deS Wahlrechts auch auf 20jährige Wähler, sowie daS Wahlrecht für die Frauen. Ein zweiter konservativer Redner wendete sich gegen den Versuch, die großen prinzipiellen Fragen in der Kommission überhaupt aufzurollen. Das habe schon deshalb gar keinen Zweck, weil es den Konservativen überaus ernst mit ihrer Ablehnung des gleichen Wahlrechts sei. Ein zweiter Zentrumsredner endlich glaubte sich darüber wundern zu müssen, daß der sozial- demokratische Vertreter hauptsächlich gegen daS Zentrum und nicht auch gegen die Nationalliberalen vorgegangen sei. Freilich ließen ihn die Ausführungen des sozialdemokratischen Ver- treters ebenso kühl, wie die Demonstrationen, die die Sozial- demokratie in seinem Wahlkreis Düsseldorf unternommen habe. Daß dort die Menge vor seine Wohnung gezogen sei, lasse ihn völlig gleichgültig. Der Vertreter der Sozialdemokratie entgegnete darauf etwa das Folgende: Daß die Konservativen es ernst, bitterernst mit ihrem Wider- st a n d e gegen das gleiche Wahlrecht nehmen, daran zweifle ich keinen Augenblick. Das ist aber nur ein Grund mehr, diesem ernsten Willen der Wahlrechtsfeindschaft auch den ebeuso ernsten Willen für das gleiche Wahlrecht entgegenzusetzen! Gerade daran aber hat eS hier daS Zentrum in so bedauerlichem Maße fehlen lassen. Wenn hier gesagt wird, die großen grundsätzlichen Debatten gehötten nicht in die Kommission, so sollten wenigstens die Abgeordneten gerade des Zentrum» einen entgegengesetzten Standpunkt einnehmen. Die führende ZentnimSpresse wenigstens war der Meinung, daß gerade die Erörterung der großen prinzipiellen Gesichts- punkte die Kommission ernstlichst zu beschäftigen habe. Der freikonservative Herr v. Zedlitz hatte allerdings die Auffassung ver- treten, daß die großen prinzipiellen Fragen, wie die deS g l e l ch e n Wahlrechts, schon im Plenum zur Entscheidung gebracht werden müßten, damit die Kommission ausschließlich auf die un- wesentlichen kleinen Veränderungen beschränkt bleibe. Dieser Auffassung hat aber der„Vorwärts" auf daS ent- schiedenste widersprochen und mit allem Nachdruck betont, daß dieser Vorschlag nur von Politikern geteilt werden lönnte, die jede ernsthafte WahlrechiSdebatte, jede Möglichkeit einer grundlichen Umgestaltung der Vorlage durch die Kommission von vornherein- vereiteln wollten! Auf den Standpunkt des„Vorwärts" aber stellte sich mit aller Entschiedenheit auch die„Germania", neben der„Köln. VolkSztg." das führende Organ des Zentrums! Die führende ZentrnniSpresie teilte also durchaus meinen Standpunkt, daß hier in der Kommission gerade die wichtigsten, prinzipiellen Fragen des Wahlrecht» eine gründliche Behandluiig zu erfahren hätten! Wenn der andere konservative Redner darüber spötteln zu können glaubte, daß wir hier nur die Uebertragung des Reichstags» Wahlrechts auf Preußen fordern, erkläre ich ihm, daß das nur deshalb geschehen ist. um Freisinn und Zentrum keine Möglichkeit zu Ausflüchten zu geben! An unserer prinzipiellen Forderung der Ausdehnung des Wahlrechts auch auf 20 jährige Personen mid die Frauen halten wir selbstverständlich f e st I Wir kennen keinen vernünftigen Grund, der die Frau vom gleichen Wahlrecht aus- schließen könnte. Selbst daö Zentrum dürfte ja den Stand- pnnlt der Kirche, die die Frau als inferiores Ge° schöpf betrachtete, nicht mehr zu verteidigen wagen. Und was die Herabsetzung des WahlauerS anlangt, so sehen wir nicht ein, warum ein 20 jähriger nicht daS Wahlrecht besitzen sollte, während doch gleich junge Leute schön regierungsfähig sind, während schon 20-, za 18 jährige Offiziere und Fähnrichs daö Volk in Waffen kommandieren dürfen! Auch ist eS ja wohl noch er- innerlich, daß ein noch sehr jugendlicher Prinz sogar preußischen UniversitätSprosessoren Lehren darüber gegeben hat, wie sie ihr Hochschulamt am würdigste» auszuüben vermöchte»! Wenn sich der eine Z e n t r u m s r e d n e r darüber wunderte, daß ich gerade dem Zentrum daS Rückgrat zu steifen sucht« und nicht auch den Nationalliberalen, so kommt das daher, daß ja die Nationalliberalen niemals behauptet haben. Verfechter des gleichen Wahlrechts zu sein, wohl aber daS Zentrum i Und wenn trotzdem jetzt, im kritischen Moment, im Augenblick, wo eS alle Versprechungen und Ver» t r ö st u n g e n einzulösen gilt, daS Zentrum so lläglich ver- sagt, so forderte das eben die schärffte Brandmarkung heraus I Wenn aber dieser nämliche ZentrumSredner meine Ausführungen ebenso geringschätzig bewertet, wie die Demonstration der Massen an» letzten Sonntag, so zeugt das nur von einer Geringfcbätzung des Volkes überhaupt! Die gleiche Geringschätzung atmeir auch die Worte des anderen ZentrumSrednerS, der da meinte, ich verwechsele die Kommisston mit einer Volksversammlung! Hier wäre eS gerade für Sie am Platze, gleichfalls die warmen, entschiedenen Töne für«ine Volksveriammlungsrede zu finden I Nur damit könnten Sie ihren ernsten Willen beweisen, für die Entrechteten das gleiche Wahlrecht durchzusetzen, nur damit könnten Sie Eindruck auf Regierung undRechtemachen! Wenn Sie behaupten, alles Reden nütze ja doch nichts, so unterschätzen Sie Ihren Einfluß in ganz undegreiflicher Weise. Sie, als die Berbüiideten der Konservativen, als Teil des Rcgiermigs- blockS haben doch zweifellos einen ganz erheblichen Einfluh auf Junker und Regierung! Machen Sie nun gefälligst einmal davon Gebrauch. Stelle» Sie doch auch einmal Ihre Bedingmigen! Wenn Sie nichts von alledem tun, wenn Sie keinen Finger für das gleiche Wahl- reckt rühren, so beweisen Sie eben, daß Sie für das gleiche Wahl- recht nichts tu» wollcn und die Ouittung für Ihre Gleichgültigkeit wird Ihnen draußen im Lande gegeben werden! Noch einmal wandten sich die Redner des Zentrums, der Konservativen und der Nationalliberalen gegen den Vertreter der Sozialdemokratie, der wiederum entickieden seinen Standpunkt vertrat. Aber das Zentrum tat trotzalledem nicht das geringste, um seiner„prinzipiellen" Forderung des gleichen Wahlreckts gegenüber den Konservativen irgend welchen Nachdruck zu geben. So kan» es denn, wie eS konunen mußte: Kaum zioei Stunden nach Eröffnung der Kominifftonsberatung wurde der Antrag auf gleiches Wahlrecht abgelehnt, und zwar mit den 1b Stimmen der Konservativen. Frei» konservativen undN ationalliberalen gegen 1 1 Stiinmen des Zentrums, der Freisinnigen, Pole» und Sozial« demokraten. Hatte sich die Regierung bisher in Stillschweigen gehüllt. so hielt sie es bei dem Prinzip, zu dem sich die Debatte nunmehr wandte, dem der öffentlichen oder geheimen Wahl für angebracht, einige Worte zu sagen. Der M i n i st e r d e s I n n e r n. der für die Regierung daS Wort führte, scheint aber die Bedeutung dieser Frage auch nicht entfernt erfaßt zu haben, denn ohne auch»mrl ein Argument für oder gegen zu äußern, begnügte er sich damit, fich auf die Erklärung seines hohen Herrn Chefs zu beschränken, d. h. die Regierung ist Gegnerin der geheimen Stimmabgabe. Die Stellung der Parteien ist bekannt, Konservative und Freikonservative find gegen, die übrigen Parteien für die geheime Wahl, und diese»» Standpunkt gäbe» ihre Vertreter kurz Ausdruck. Daß die Frei- sinnigen die taktische Unklugheit besaßen, selbst bei dieser Gc- legenhcit über sozialdemokratischen TerroriSmuS zu zetern, sei nur nebenbei erwähnt. Die Absiiinmung ergab eine ]VIebrbeit für die geheime Mahl von 15 Stimmen, während für die öffentliche Stiinmabgabe nur 13 Mitglieder waren, damit hat die Regierung die erste Nieder- läge erlitten. Eine kurze Debatte entspann sich dann über den ZentruinZ- antrag, das passive Wahlrecht statt, wie es die Vorlage vorgesehen, an das 30. bereilS an das 25. Lebensjahr zu binden. Sozialdemokratie und Freisinn waren für völlige Herabsetzung des aktiven und passiven WahlrecklS, also dafür, daß auch bereits das Alter von 24 Jahren zur Annahme eines Mandates berechtigt. Da fich indesien die Nationalliberale>, auf die Seile der Koilserva- tiven schlugen, wurde der Al»trag abgelehnt. Ueber die Frage der Beseitigung der indirekten Wahl fand auf Wunsch der Koilservaliven einstweilen nur eine ÄuS« spräche statt, während die Abstimmung darüber so lange verschoben werden soll, bis die Konservativen sich klar darüber gc- worden sind, ob für sie das Wahlrecht elend genug gestaltet worden ist, uin wenigstens dieser winzigen Konzession ihre Zustimmung erteilen zu können. Daraus wurde die Weiterberawng vis zum Donnerstag vertagt. DemonUrafloiKD. Süddeutschland gegen den schlechten Reichskanzler. Die Feindschaft gegen das Reichstagswahlrecht, die die Rede deS Herrn V. Bethmann Holl weg atmete, hat aufs neue be- wiesen, daß die preußische Wahlrechisfrage die wichtigste Reichsfrage ist. Die Erregung gegen den Feind des VolksrechtS bat auch in Süddeutschland in großen Prolestversainnrlungen und Straßen- demonstrationen ihren Ausdruck gefunden. In München fand Montag abend eine von mehr als 6000 Personen besuchte Protestversammlung gegen die preußische Wahlrechts- reform statt. Im Anschluß an die Versammlung entwickelte sich ganz spontan ein mehrere tausend Personen zählender Zug, der von einer kleinen Anzahl von Schutzleuten be- gleitet wurde. Diese fanden keinen Anlaß zum Einschreiten, da sich der Zug in musterhafter Ruhe und Geschlossenheit nach der preußischen Gesandtschaft bewegte. Nach der vorgenommenen Demonstration, bei der Rufe: ES lebe das Wahl- recht I Nieder mit den Junkern I Nieder mit Bethmann Hollweg! laut wurden, zerstreuten sich die Demonstranten. Die Demonstration war außerordentlich eindrucksvoll. Nach der Demonstration kamen, herbeigerufen durch die unnötig um ihr Leben besorgte preußische Gesandtschaft, in Automobilen Schutzleute und eine Abteilung Berittener herbei, die aber nichts mehr zu tun fanden. An der Demonstration beteiligten sich sehr viel Bürger und be« sonders Studenten. Die in Berliner Morgenblättern verbreitete Sensationsmeldung. die Demonstranten hätten sich gegen die Residenz gewendet, wo alle Fensterscheiben eingeschlagen worden seien, ist blanke Erfindung. In Nürnberg hielt Genosie Südekum eine außerordentlich stark besuchte Versammlung ab, in Karlsruhe, Pforzheim und Dur- lach(Baden) sprach Genosse E r i ch h o r n und in Sonneberg (Thür.) Genosie Zietzsch zu diesem Thema. In allen Ver- sammlungen wurde den preußischen Wahlrechtskämpfern wärmste Sympathie ausgesprochen. Ein Gruft aus Oesterreich. Ein Privattelegramm auS Linz, der Hauptstadt Oberösterreich». meldet uns: Eine Montag abend tagende Volksversammlung der Linzer Arbeiter drückt den preußischen Arbeitern ihre vollste Bewunderung und Zustimmung zu ihrem Wahl- »chtSkampf und zu dem Kamps gegen Junkertum und Unter- drückung auS. Die Gesetzlichkeit der Straftendemonstration. Die elende Heuchelei der konservativen Presse ist nie krasser in Erscheinung getreten als in der unablässigen Hetze, die sie wieder mal gegen die Sozialdemokratie betrerben, seit- dem es sich herausgestellt hat, daß das Massenaufgebot der Wahlrechtskämpfer auch die Straße für ihre so würdevollen und eindrucksvollen Kundgebungen in Anspruch nehmen muß. Der vernünftige und verständige Teil der l i n k s l i b e- ralen Presse weist mit Recht darauf hin, daß das Ver- sammlungsgesetz ausdrücklich Versammlungen unter freiem Himmel und Straßenumzüge vorsieht und daß es nur Schuld der rückständigen Polizeipraxis ist, wenn die Massen gezwungen sind, auf organisierte Veranstal- tungen zu verzichten. Die konservative Presse aber zetert unablässig über die angebliche„Ungesetzlichkeit" der Demonstrationen. Da kommt gerade ein Artikel Dr. Reichaus in der„Deutschen Juristenztg." zurecht, in der eine Entscheidung des Kammergerichts besprochen wird, die die Bestrafung einer Wahlrechtsdemonstration als «groben Unfug" ablehnt. In der Begründung, die auch wir seinerzeit mitgeteilt haben, heißt es: „Wie einerseits die Betätigung des Entschlusses, eine Ansicht in öffentlich bemerkbarer und dadurch besonders eindringlicher Weise auch Andersdenkenden kund zu tun, nicht für sich allein al« Gefährdung der öffentlichen Ordnung angesehen werden kann, wenn sie sich nur innerhalb der durch die öffentliche Ovd- nuna gezogenen Grenzen hält, so kann andererseits das politische Problem der Reform des preußischen Landtaaswahlrechts die demonstrahlve p arteäpo lsi ti sch e Behandlung auf offener Straße nicht rechtswidrig machen. Viel- mehr kommt es lediglich darauf an, ob der Angeklagte durch sein Benehmen an und für sich die öffentliche Ordnung gefährdet hat. Da dies nicht geschehen ist, so muß der Angeklagte freigesprochen werden." Diese Auslegung des Z 360, 11 des Strafgesetzbuches entspricht— so führt Dr. Reichau aus— dem Sinti des Gesetzes und steht mit der sonstigen höchstgerichtlichen Praxis im Einklang. Daher verdient sie schon in rechtlicher Beziehung vollste Anerkennung. Aber noch mehr ist sie in politischer Hinsicht mit Freude zu begrüßen. Denn wenn auch alle Aus- schreitungen bei parteipolitischen Massendemonstrationen scharf zu verurteilen sind, so dürfen doch solche Demonstra- tionen, die zur Weckung und Förderung politi- schen Interesses und Verständnisses in allen Schichten der Bevölkerung beitragen, nicht ohne wei- teres durchweg verworfen werden. Aber was kümmern die Klopffechter der Junker richter- liche Entscheidungen, wenn sie sich einmal nicht gegen Ar- deiter und Sozialdemokraten ausschlachten lassen I Sie scheren sich doch auch sonst nicht um Gesetze. Kann es denn eine größere Heuchelei geben als die Klage iiber Ungesetzlich- keit im Munde von Leuten, welche systematisch den Duell- m o r d verherrlichen, die in jedem Soldaten mißhan- delnden Unteroffizier, wenn er eiumal gefaßt wird, einen Märtyrer altpreußischer Tradition erblickten? Die Deinon- strante» haben sicherlich nichts Ungesetzliches begangen. Hätten sie es, die Junker wären wirklich die letzten, die ein Recht hätten, ihnen Vorhaltungen zu machen. Es bleibt vorläufig bei der Unvernunft. Der Polizeipräsident v. Oppen hat einen Antrag der Breslauer Genossen, am Sonntag, den 20. Februar, einen großen Demonstrationszug gegen die preußische Wahlrechtsvorlage zu veranstalten, abgelehnt. Vergebliche Einschüchtcrungsversuche. DaS Vorgehen der Frankfurter Polizei hat natür- lich dem Kampfcsmut und der Entschlossenheit unserer Ge- nossen keinen Eintrag getan. Im Gegenteil! Sic haben die erste Gelegenheit benützt, um der Polizei die ge- bührende Antwort zu geben. Gestern abend fand eine von 2000 Besuchern besuchte Versammlung statt, die von den Demokraten einberufen, aber überwiegend durch unsere Ge- nassen gefüllt war. Nach Schluß der Versammlung fand eine Straßciidcmonstration durch die Schillcrstraße bis znx Hanptwache statt. An der Hauptwache löste sich der Zug auf. Nachträglich kamen von allen Seiten Straßenbahnwagen, die mit Schutzleuten dicht besetzt waren. Die Schutzleute fanden aber keine Arbeit mehr und wurden mit Hohngelächter empfangen. In der Versammlung selbst wurde von allen Rednern auf has schärfste dgs brutale Vorgehen her Polizei am Sonntag verurteilt. Professor Quid de sagte, ei» Gewaltakt von oben muß die Gewalt von unten legitimieren, wer mit solchen Gedanken spielt, der ge- fährdet den öffentlichen Frieden, aber nicht diejenigen, die für ihre Ueberzeugung auf der Straße demonstrieren. In der Debatte sagte Genosse Quarck, man kann nach den Polizeitaten am vorigen Sonntag in Frankfurt sagen, daß ein liberaler Polizeipräsident, der sich auf- Hetzen läßt, am a l l e r s ch l i m m st e n ist. Zum Schluß wurde ein scharfer Protest gegen die Wahlrechtsvorlage und gegen die Heldentaten der Polizei angenommen. Die sozialdemokratische Partei hat für Donnerstag fünf Versammlungen einberufen, in denen zu den Heldentaten der Polizei vom Soimtag Stellung ge- nonimen werden soll. Sie preußische„Kullur" In englischen singen. London, 11. Febr.(Gig. Ber.) Die gestrigen Verhandlungen im preußischen Abgeordneten- hause erregen hier große Aufmerksamkeit. Einige Blätter befassen sich in ihrem redaktionellen Teil mit der WahlrechtSsrage. So schreibt die liberale„Daily News" in einem Artikel, der den Titel„Das preußische Wahlrecht" trägt, unter anderem zu der Be- mcrkung Bethmann HollwcgS, daß die Demokratisierung des Wahlrechts zur Verrohung der politischen Sitten führe:„Wenn der Ministerpräsident das wirklich glaubt, warum schränkt er dann nicht durch seine Vorlage das Wahlrecht ein, um dadurch das Niveau der politischen Sitten Preußens zu heben? Ist denn aber etwas Wahres an der Behauptung, daß die Sitten einer Oligarchie besser sind als die einer Demokratie? Wir glauben, eS ist nichts Wahres daran. ES ist immer leichter, 10 000 Menschen zu kor- rumpieren, als eine Million, und die lOOOO sind darum nicht besser, daß sie ihre schmutzige Wäsche auf der Hintertreppe waschen. Die Demokratie ist lauter und lärmender, aber sie ist auch reiner und gesünder...." Zum Schluß lautet eS:„Eine mo- derne Regierung kann sich nicht weigern, von der öffentlichen Mei- nung beeinflußt zu werden, selbst wenn sie eine Armee hinter sich hat; denn, wie Bismarck in seiner beißenden Weise gesagt hat. man kann alles mit Bajonetten machen, nur nicht darauf sitzen." Recht lebhaft schildert der Berliner Korrespondent des„Daily Telegraph" die Szenen, die sich gestern im preußischen Abge- ordnetenhause abspielten. Er beschreibt die Kundgebungen unser:r Genossen, die Verblüffung der Rechten.—„Ein paar Sekunden lang wollten die älteren und gesetzteren Parteien kaum ihren Ohren trauen. Sie saßen da mit offenem Munde in Heller Verwirrung. Dann dämmerte in ihnen die schreckliche Wahrheit auf und, von ihren Sitzen springend, schrien sie zur Linken herüber:„Heraus mit ihnen!" Der Mitarbeiter des„Daily Telegraph" hält den Herrn v. Bethmann Hollweg augenscheinlich für kein großes Licht, Der ungeschickte Mann kann es sogar seine» Freunden nicht einmal recht machen.„Sogar die Konservativen," heißt es,„hatten sich zu beklagen, nämlich darüber, daß man über- Haupt einen Versuch gemacht, ihr Patent auf die parlamentarische Allmacht in Preußen anzurühren." Sehr bezeichnend sind die Worte, mit denen die Vorbereitungen der Polizei gegen etwaige Wahlrechtsdemonstrationen beurteilt werden. Als einem Engländer ist dem Korrespondenten das Vorgehen der preußischen Polizei ganz unverständlich.„In ihren Sonntagskleidern," so schreibt er, „bilden die Demonstranten eine so anständige und ordentliche Menge wie man sie sich nur wünschen kann und es ist einem unerleuchteten Ausländer ein unergründliches Mysterium, warum es notwendig sein sollte, mit Säbeln dreinzuschlagen." So der kon- servative„Daily Telegraph". Die Londoner Blätter drucken die auf die letzten Wahlen?n England sich beziehenden Aeuherungen des preußischen Minister- Präsidenten meist ohne Kommentar einfach ab. Sie sind zu ver- legen, um auf diese platten Schmeicheleien antworten zu können. Das Loblied auf die vollkommenen politischen Sitten Englands zu einer Zeit, wo die englischen Junker die Pächter und Landarbeiter systematisch terrorisieren und liberale Geschäftsleute boykottieren, zu einer Zeit, wo sich unter dem Vorsitz des englischen Schatzkanz. lcrs eine Liga, die G l a d st o n e. L i g a, gebildet hat, deren Hauptzweck es ist. Bürgerliche und Arbeiter vor der Verfolgung der englischen Junkerklasse zu schützen, ist nicht gut angebracht.— Eines allerdings haben die Engländer vor den Preußen voraus. Ein Minister, der im englischen Parlament eine solch freche, das Volk verhöhnende Rede gehalten hätte, würde noch am selben Tage mit Schimpf und Schande aus dem Amt gejagt worden sein. «» » Die Berichte der englische» Presse über den Wahlrechts-Sonntag. Interessant sind die Urteile der großen englischen Blätter über die in Preußen am letzten Sonntag stattgefundenen Straßendemonstrationen, da sie deutlich zeigen, wie man in England über die preußische Polizei denkt, und welchen Ein- dmck die englischen Berichterstatter von dem Charakter der demonstrierenden Volksmasscn hatten. Die meisten Londoner Blätter sind wenig erbaut von dem schneidigen Ton der Bekanntmachung des Berliner Polizeipräsidenten. Das Hauplorgan der englischen Konservativen „The Morning Post" schreibt, nachdem eS die Bekanntmachung wörtlich übersetzt hat: „Diese Proklamation mag notwendig gewesen sein vom Stand- punlt der Regierung, aber auf die Bevölkerung von Berlin hat sie eine» schlechten Eindruck gemacht. Die Arbeiter fühlen sich durch sie beleidigt, und in vielen Fällen ist sie von den Säulen abgerissen worden." Diese Auslassung der.The Mornig Post" ist um so bedeutungS- voller, wenn man bedenkt, daß dieses englische Blatt das«inzige ist, das die preußische Wahlrechtsvorlage verteidigt.„The Morning Post" nimmt in England ungefähr die Stellung ein, die die«Kreuz- Zeitung" in Deutschland besitzt. Nachdem dann die polizeilichen Vorvercitungen geschildert worden sind, bemerkt das Blatt weiter: „Die Sozialisten haben trotzdem„das Recht aus die Straße" behauptet. Außerhalb einer gewissen Entfenumg vom Scblosse hat unser Korrespondent mehrere nach Tausenden zählende DemonstraiionS- züge in den Hauptstraßen gesehen. Die Demonstranten bestanden aus sehr anslündigen Leuten, dir zwar friedlich, aber entschlossen aussahen. Die meisten gingen ganz ruhig mit einer Zigarre im Munde, manche hatten die Frau oder die Braut am Arme. Sie marschierten in regelmäßigem Tempo, die Arbeiter- Marseillaise singend, und brachten von Zeit zu Zeit„Hochs" auf das freie Wahl- recht auS/ wobei sie ihre Hüte lüfteten. Der Ruf pflanzte sich jedesmal durch den ganzen Zug fort. Trotzdem kein Schutzmann zu sehen war, haben die Demonstranten niemand belästigt." Dann gibt das Blatt die Antwort des„Vorwärts" auf die Be- kanntmachung des Polizeipräsidenten wieder. Zum Schluß meint es;„Die Demonstrationen am Sonntag, ob sie mit oder ohne Könstilt mit der Polizei abliefen, werden in ganz Preußen einen großen Ein- druck machen." Der „Daily Telegraph" spottet über die Nervosität der Berliner Polizei und gibt der Mei- nung Ausdruck, daß die Berliner bisher schwerlich gewußt halten, wieviel Polizisten Berlin hätte. Die polizeilichen und militärischen Maßnahmen der Behörden werden dann ganz ausführlich dargestellt. Die Sozialdemokraten, meint der Korrespondent des Blattes, seien schlauer als die Regierung. Während die Behörden Unter den Linden alles zur Bereitschaft gehalten hätten, seien die Demonstränten gar nicht dahin gegangen, vielmehr hätten sie zum Trotz die von der Polizei enlblößlen Siroßcn durchzogen. Der Korrespondent be- ivundert die Disziplin der Arbeiter und das a n st ä n- dige Aussehen der Demonstranten. lieber die Wahlrechtsbewegung selbst schreibt der»Daily Telegraph": „In Berlin sind drei Viertel der Bevölkerung Sozialdemokrate». Bei der letzten ReichstagSwahl erhielt die Sozialdemokratie trotz ihrer„Niederlage" 06 Proz. der abgegebenen Stimmen. Ein Jahr später erklärte Fürst Bülow im preußischen Parlament, daß die Regierung augenblicklich nicht die Absicht hege, das preußische Wahl« recht zu reformieren. WaS nun folgte, ist sehr lehrreich. Die freisinnigen Führer kamen zusammen und faßten nach langem Ueberlegen den Beschluß, ein Flugblatt herauszugeben. DaS ist charakteristisch für den modernen deutschen LiberoliSmnS. Die Sozialisten aber organisierten Straßendemonstratioiien. Mehrere Dutzend der Teilnehmer wurden verwundet in die Krankenhäuser gebracht. Die königStreue Presse war sehr empört darüber. Sie er» klärte, dieses Borgehen würde ihre Sache und die der Wahlreform schädigen. Aber was war die Folge? Einige Wochen später fairden die Wohle» zum preußischen Landtage statt und die Sozialisien, unterstützt von 75 Prozent der Wählerschaft— 330 000 von 440000 abgegebenen Stimmen— eroberten sechs Mandate, die der Freisinn bisher besaß. ES ist klar, daß Straßendemonstrationen ein wirkungsvolleres Propagandamittel sind, als die Verbreitung von Flugblättern." Die liberalen „Daily NewS" berichten spöttilch: „Wenn eine politische Demonstration in Preußen vorkommt» macht gewöhnlich die Polizei sie. WaS sie demonstriert, ist die politische Philosophie Bethmann Hollwegs, der in der Verteidigung seiner Karikatur einer Wahlreformvorlage im Preußilchc» Abgeordneten- Hause erklärte, daß sich die Regierung nicht durch die Öffentliche Meinung beeinflussen lassen würde. Die Polizei besorgt daS meistens mit dem flachen Säbel, manchmal auch mit der Säbelschneide. Gestern scheint sie sogar in Halle scharfe Patronen gebraucht zu haben, um die Menge von 2000 Kritiker» der„Reforni"» Vorlage eines Besseren zu belehren. Man sagt, die Menge hätte die Polizei angegriffen: und eS würde auch sehr wahrscheinlich klingen, daß eine derartige Masse gegen die Schntzletiie vorgegangen wäre, wenn nicht schon oft genug der Beweis geführt worden wäre, daß bei derartigen Bvrkommiiisseu fast imnier die Polizei die An- grciferin ist. So wird behauptet, in Rixdorf, einem Vorort von Berlin, sei mit Steinen nach den Schutzmännern geworfen worden. Im übrigen ist in Bertin alles ruhig verlaufe». Die sozialdeino» kratischen„Horden", welche in den Augen eines Fremden einer Anzahl anständiger Geschäftsleute auf dem Heimwege von der Kirche ähneln, wurden von dem Schloß vollständig feriigehalten und auch verhindert, öffentliche Versammlungen abzuhalten. Preußen scheint in der Tat sehr rückständig zu sein. Die Wahlrefonn ver« stärkt nur noch den Einfluß, der ungefähr 30 Proz. jener Wähler- llasse. die unter dem Dreiklasseitwahlsystem schon die übrigen 70 Proz. niederhalten. ES bleibt alles beim alten. Die großen Protest« Versammlungen der entrechteten Massen vom Sonntag werden wahrscheinlich auch nicht viel mehr erreichen. als daß st« einige» Teilnehmehmern blutige Köpfe eintrugen. Es ist wahr, die Bewegung ist im Wachsen begriffen, sowohl was die Zahl der Teilnehmer anbetrifft, als auch die Entschlossenheit derselben, und jede Unterdrückungsmaßregel der Polizei, zum Beispiel die Bekannt« machung des Polizeipräsidenten, macht die Lage nur um so ge« fährlicher."_ Der Ashlrechtsliampf. Die prcuftischen Städte und die Wahlrechtsvorlage. Wie in Berlin bei der Stadtverordnetenversammlung be« antragt wurde, gegen die preußische Wahlrechtsvorlage zu petitio» niercn, so wurden gleiche Anträge auch in Charlotten bürg und Schöneberg eingebracht. Die sozialdemokratiichen Stadtverordneten in Hagen bean« tragten, auf die Tagesordnung der Stadlverordnetensitzung zu fetzen: Petition an den preilkischeii Landtag gegen die WahlrechiSvorlage. Der Oberbürgermeister Cuno, freisiniiiger Reichstags« abgeordneter, lehnte den Antrag kurzweg ab. ES handele sich um eine rein politische Frage, und wenn man die Selbstoerwaltung achten wolle, müsse man sich hüten, die gesetzliche Grenze zu überschreiten. In der Stadtverordnetensitzung vom Montag brachten die sozialdemokratischen Stadtverordneten die Antioort des Oberbürgermeisters zur Sprache lmd zeigten, daß die Stadt ein sehr hohes Interesse an der Erlangung eines volkstümlichen Wahlrechts habe. In anderen Fragen sei der Oberbürgermeister nicht so engherzig ge« wesen, so bei dem Protest gegen§ 23 des EinkominenstenergesetzeS. ES nützte ober nichlS. Die bürgerlichen Stadtverord« n s t e n beschlossen: Uebergang zur Tagesordnung. Nach der Polizei die Justiz. Wie eine Berliner Polizeinotiz meldet, soll gegen die Reichstag»« Abgeordneten Ledebour, Stadthageu und Fischer wegen Vergehen» gegen das Vereinsgesetz(Abhaltung von Versammlungen unter freiem Himmel ohne vorherige polizeiliche Anmeldung) ein Straf» verfahren eingeleitet werden. Die Polizei in Essen glaubt nach wochenlangen Unter- suchungen und Vernehmungen einen Verantwortlichen für die Wahl- rechtsdenionstration vom 23. Januar gefunden zu haben. Die Veranlassung einer Anklage gegen den vermeintlichen Leiter riskiert sie aber nicht, sie begnügt sich, dem Genossen L i m b e r tz, der am Kriegerdenkmal die Veranlassung zum Gesang der Marseillaise gab, ein Strafmandat über 6 Mark zu senden, weil er durch überlautes Schreien und Rufen groben Unfug verübt habe. So kommandieren die Junker die Justiz! Die Polizeischlacht iu Halle und die bürgerliche« Stadtverordneten. In der Stadtverordnetenversammlung in Halle interpellierten gestern die Sozialdemokrale» über das Vorgehen ber Polizei ain Sonnlag. Bürgermeister v. H o l I y lehnte die Beantwortung der Anfrage ab. weil die Polizeiverwaltung nicht dem Magistrat, sondern dem Regierungspräsidenten unterstehe. Genosse Thiele brachte dann feine Beschwerden beim Polizetetat vor. Stadt- verordncten-Borsteher S t c ck n e r und Bürgermeister v. H o I l y sprachen ihr größtes Bedauern aus, daß Verwundungen vorgekommen und auch Unichuldige getroffen worden seien. DaS Einschreiten der Polizei und der Gebrauch der Waffe sei aber unter den obwaltenden Umständen notwendig gewesen. Die bürgerlichen Stadtverordneten stimmten zu. i politifcbc QeberKcht* Berlin, den 15. Februar 1910, Das Stellenvermittelungsgesetz. 91 u 8 dem Reichstage. 15. Februar. Auf der Tagesordnung stand zunächst die F o r t s e tz u n g der ersten Lesung über den K a l i g e s e tz e n t w n r f. Es kamen auch einige Redner auS den kleineren Fraktionen zum Wort, darunter ein Mitglied des elsässischen Zentrums, Dr. R i ck l i n und der Welse v. Dannenberg. Dann lief plötzlich ein Antrag auf Schluß der Debatte ein. seitens der Konservativen, der Nationalliberalen und des Zentrums, der auch von diesen Parteien gegen Sozial- deniokraten und Freisinnige angenommen wurde. Die Genossen Ledebour und E m m e l und von den Freisinnigen die Herren G o t h e i n und Müller- Meiningen protestierten entschieden gegen dieses bei einem Gesetzentwurf von solcher Tragweite besonders rigorose Verfahren, den designierten zweiten Rednern der Fraktionen das Wort abzuschneiden. Den protestierenden Fraktionen gegenüber war diese Wortabschneidung um so rücksichtsloser, da sie nicht das Glück hatten wie das Zentrum, daß zwei dieser Partei nahestehende Wilde auch noch in der ersten Serie zum Wort zugelassen waren. Dann trat das Haus in die erste Lesung des Stellen- vermittelungsgesetzes ein. Daß ein solches Gesetz dringend notwendig ist, wird höchstens noch von denjenigen Leuten bestritten, die als gewerbsmäßige Stcllenvermittler die armen Arbeitslosen in unerhörter Weise auswuchern. Im Jahre 1902 wurde auch schon ein Gesetz beschlossen, das wenigstens für die Seeleute, die wohl am schlimmsten unter den„Heuerbörsen" zu leiden hatten, eine Regelung der Stellenverniittlung vorsah. Die Uebel für andere Gewerbe, z. B. für Kaufleute und Gastwirts- gehilfen, schreien indes nicht minder nach Abhilfe. Die Re- gierung hat nun in dem vorliegenden Entwurf den Versuch gemacht, das gesamte Stellenvermittelungswesen, ein- schließlich des für die Seeleute bestehenden, nach einheitlichen Grundsätzen zu regeln. Wesentlich fand der Gesetzentwurf die Zustimmung aller Parteien. Namens der Sozialdemokratie wies indes Genosse Brühne darauf hin. daß auch eine noch so sorgfältige Regelung des privaten Stellenvermittelungswesens niemals die an der Privattätigkeit haftenden Schäden völlig beseitigen könne und daß es notwendig sein würde, das System der gewerkschaftlichen, kommunalen und gemeinnützigen Arbeitsnachweise nach Möglichkeit auszubauen. Der Gesetzentwurf kommt insofern aller- dings dieser Forderung entgegen, als er bestimmt, daßinOrten, wo durch gemeinnützige Arbeitsnachweise irgendwelcher Art für Arbeitsvennittelung hinreichend gesorgt wird, private Arbeits- Vermittler überhaupt nicht konzessioniert werden sollen. Brühne erläuterte an einigen Beispielen, wie besonders die Gastwirtsgehilfen und landwirtschaftlichen Arbeiter geschröpft würden und wie die Stellenvermittler es anstellen, die gesetz- lichen Einschränkungen ihrer Tätigkeit zu umgehen. Schließlich wurde der Gesetzentwurs an eine Kom-i Mission verwiesen._ Die Fraktionssitzung der sozialdemokratische« Reichstagsfraktion bestimmte als Redner für den Gesetzentwurf betr. die Arbeits- kammern den Genoss.n Legien, für den Gesetzentwurf die tzauS- arbeit betr. die Genossen Robert Schmidt und Albrecht. Zur Ab- änderung der ZA U4a ff. der Gewerbeordnung sollen die Ge- nossen Molkenbuhr und Stadthagen reden. Zu den Toleranz- antragen des Zentrums, der am Donnerstag, dem nächstfälligen SchwcrinStage, zur Verhandlung kommt, ist von der Fraktion Genosse David als Redner bestimmt. Für die einzelnen Kam- Missionen, die eventuell für die betreffenden Gesetzentwürfe vor- gesehen sind, wurden seitens der Fraktion bestimmt: Für den Kaligesetzentwurf die Genossen Brey. Emmel, Albrecht und Hue; für das Gesetz die Stellenvermittelung betreffend Hildenbrand, Schmidt und Schwartz; für das Arbeitskammergesetz Bömelburg, Legien und Severing. An den Kommissionsberatungen betr. die Hausarbeit werden sich beteiligen die Genossen Albrecht, Schmidt und Stücklea An der Beratung der Gewerbeordnungsabändening die Genossen Molkenbuhr, Schmidt und Stadthagen. Ferner wurde beschlossen, an den Reichskanzler eine Jnrer- pellation zu richten wegen der Angriffe, die er am 10. Februar im preußischen Abgeordnetenhause gegen das ReichStagSwahlrecht richtete. Als Redner hierzu wurden die Genossen Ledebour und Frank bestimmt. Zum Oberpräsidenten der Provinz Brandenburg ist der Unterstaatssekretär im preußischen Landwirtschaftsministerium V. Conrad ernannt worden. Geh. Rat v. Conrad war von>888 bis 1899 Miiglied des preußischen Abgeordnetenhauses und gehörte der konservativen Fraktion an._ Die Biersteuer in der bayerischen Kammer. München, 11. Februar.(Eig. Ber.) Es gibt doch noch Humor in der Politik! Das bewies der Hauptmann der Reserve und Zentrumsabgeordnete Loibl in seiner Bierrede im bayerischen Abgeordnetenhaus. Er sprach den klassischen Satz:„Das Bier ist geradezu ein Mittel zur Bekämpfung des Alkohol s." Um so trauriger aber für das Zentrum, daß es dieses Mittel verteuert und so die Bekämpfung des Alkoholismus erschwert. Herr Loibl scheint überhaupt ein Mann von Geist und Witz zu sein, denn in seiner Selbstbiographie im Handbuch der Kammer der Abgeordneten schreibt er wörtlich:„ 1893 trat er behufs Verehelichung V e r m ö g e n S v e r h ä l t n i s s e halber zur Reserve über".— Die Beratung des MalzaufschlaggesetzeS geht in so raschem Tempo vorwärts, daß in zwei Sitzungen die Generaldiskussion zu Ende geführt werden konnte. Der Berichterstatter sprach nur drei Minuten. Dafür hat er einen schriftlichen Bericht angefertigt, der 614 Seiten stark ist und dessen Drucklegung an 8009 Mark gekostet haben soll. Die Diskussion beschäftigte sich zunächst mit der Frage, wie Bayern den infolge der Reichsbiersteuer um 12— 14 Millionen Mark erhöhten Ausgleichsbetrag an das Reich aufbringen soll. Die Red- ner der bürgerlichen Parteien sprachen für Erhöhung des bayerischen Malzaufschlages, die Redner der sozialdemokratischen Fraktion, Harscher und Roß haupter, für Aufbringung durch einen LOprozentigen Zuschlag zu den direkten Steuern. Genosse Harscher brachte den zahlenmäßigen Nachweis, daß eine Erhöhung der direk- tcn Steuern Arbeiter- und Mittelstand wesentlich weniger belastet als eine Erhöhung des BierpreiseS um 2 Pf. das Liter. Der Ab- geordnete Loibl gab zu,„daß die Bauern unter einer Bierpreis- erhöhung sehr zu leiden haben werden". Interessant sind die Feststellungen über die bayerische Bier- Produktion und Bierkonsumtion. Die Produktion beträgt 8zb Milli- onen Hektoliter mit einem Fabrikationswert von rund 139 Milli- onen Mark. Zur Herstellung dieser Biermenge sind 12 Millionen Zentner Gerste erforderlich. Der Export beträgt 3 Millionen Hektoliter im Verkaufswert von 66 Millionen Mark. Wirtschaften sind in Bayern über 46 696, d. i. auf 166 Einwohner eine Wirt- schaft.___________> Verantw. Siedakt.: Richard Barth, Berlin. Inseratenteil verantw.: Wie die Brauereien sich zu helfen wissen, um ihren Profit auf der Höhe zu erhalten, erhellt aus der Tatsache, daß durch Vervoll- kommnung der Technik in 8 Jahren zwar 799 999 Hektoliter Malz weniger verbraucht, trotzdem aber 399 999 Hektoliter Bier mehr erzeugt wurden. Die Regierung will aus der Erhöhung des Malzaufschlages 14 bis 16 Millionen herausschlagen. Da nun eine Erhöhung des Bierpreises um 2 Pf. das Liter in Aussicht steht und der Bevölke- rung damit eine Summe von rund 31 Millionen abgenommen wird, machen die Bierbrauer einen Profit von rund 1 6 b i s 17 Millionen Mark. Solcher Art sind die Steuergesetze, die im Deutschen Reich und im bayerischen Landtage gemacht werden. Der Redner der sozialdemokratischen Fraktion stellte in Aussicht, daß die Konsumen- ten eine Bierpreiserhöhung sich nicht ohne weiteres gefallen lassen werden.— Aus dem Meininger Landtag. Der Meininger Landtag nahm mit 16 gegen 9 Stimmen einen Antrag an, der den Herzog ersucht, zugunsten des Lande« die Ein- nahmen aus den Domänen der Besteuerung zu unterstellen. Berfassungs- und Wahlrechtsänderung in Elsaß- Lothringen. Dem Landesausschuß in S t r a ß b u r g ist ein Berfassungs- antrag zugegangen, der die Unterschrift sämtlicher Abgeordneten trägt. Der Antrag fordert: die Regierung zu ersuchen, mit allen Kräften darauf hinzuwirken, daß die Verbündeten Regierungen dem Reichstage alsbald einen Gesetzesvorschlag unterbreiten, wodurch bestimmt wird, daß die Verfassung des Deutschen Reiches sowie das Reichsgesetz über die Verfassung Elsaß-LothrmgenS dahin abgeändert werde, daß Elfaß-Lothringen zum selbständigen Bundesstaat erhoben und als solcher den deutschen Bundesstaaten verfassungsrechtlich völlig gleichgestellt werde. Äußer diesem Antrag wird dem Landesausschuß auch ein von der Mehrheit der Abgeordneten unterzeichneter Wahl- rechtsantrag zugehen, der wie folgt lautet:„Der Landesausschuß wolle beschließen, die Regierung zu ersuchen, mit allen Kräften darauf hinzuwirken, daß die Verbündeten Re- gierungen dem Reichstag alsbald einen Gesetzesvorschlag unter- breiten, wodurch bestimmt wird, daß der Landesausschuß von Elsaß- Lothringen oder die bei der Erhebung zum Bundesstaat zu schaffende Volksvertretung aus dem allgemeinen, gleichen, direktenund geheimen Wahlrecht unter Anwendung deS Proportionalwahlverfahrens hervorgehen soll." „Was ist des Deutschen Vaterland?" Der alte Ernst Moritz Arndt hätte bekümmert den Kopf geschüttelt, wenn er den letzten Verhandlungen im b a- dischen Ständehaus beigewohnt hätte. Die Sozialdemo- traten richteten scharfe Angriffe gegen den Oberschulrat. der einem Oberlehrer Rödel wegen einer freimütigen Rede über die Volks- schule des„Musterlandes" eine Rüge erteilt hatte. Darauf erhob sich in seiner ganzen würdevollen Länge der Chef der Regierung, der Staatsminister von Dusch, und erwiderte: Die Re- gierung denke nicht daran, die freie Meinungsäußerung zu be- schränken, aber hier habe sie einschreiten müssen, weil die Rede über heimische Verhältnisse„im Ausland"(!) gehalten worden sei. Ge- npsse Dr. Frank erwiderte sofort, nach den Ereignissen der letzten Monate und besonders nach der Behandlung, die Baden im Bundesrat finde, sei es begreiflich, daß vielen Süddeutschen Preußen als Ausland erscheine. Daß aber dieser Ueberzeugung von der Regierungsbank aus Ausdruck gegeben werde, sei ein über- laschendes Zeichen für den Fortschritt der politischen Erkenntnis. Der Vortrag des Herrn Rödel war auf der Versammlung des Deutschen Lehrervereins im Rheinland gehalten worden. Die Zeugniszwangsfolter. Seit Anfang Dezember sitzt der Redakteur Nowak von der „Oberschlesischen Volksstimme" in Zeugniszwangshaft. Der Ver- haftete war früher Redakteur in K l a u s t h a l und ist in das Verfahren verwickelt, das dort gegen den Reichstagsabgeordneten Amtsgerichtsrat Kölke schwebt. Nowak hatte in seinem Blatt einen Senator scharf angegriffen, der Mann klagte, und das Ge- richt, unter dem Vorsitz des Amtsgerichtsrats Kölle, sprach den An- geklagten frei. Die Strafkammer als Berufungsinstanz erkannte dann auf 3 Monate Gefängnis. Es wird nun behauptet, daß der Amtsgerichtsrat Kölle, der den Redakteur freisprach,"selbst der Verfasser des Artikels gewesen ist. Darüber soll nun der Redakteur Auskunft geben, die er bislang verweigert hat. Berichtigung. In dem Artikel unserer SonntagSnummer„Haß gegen die Arbeiter" hat sich ein siniistörender Druckfehler eingeschlichen. der aus dem Grafen T i S z a einen fanalischen An- Hänger des gleichen Wahlrechts macht. Der Mann ist in Wirklich- keit em fanatischer Gegner deS Wahlrechts, der aber längst nicht jenes Maß von Haß und Verachtung gegen die Arbeiterklasse hegt, von dem der deutsche Reichskanzler und preußische Ministerpräsident beseelt ist. llngarn. Eine Regierungspartei« Budapest, 14. Februar. Das Organisationskomitee der Re» gierungSpartei erläßt einen Aufruf an die Ration, in welchem darauf hingewiesen wird, daß die Parteiimterscheidung zwischen den Gegnern und Anhängern deS siebenundfechziger Ausgleichs, zwischen der Unabhängigkeitspartei und der Ausgleichspartei vollkommen inhaltlos geworden sei, da die Un- abhängigkeitSpartei, als sie die Majorität erlangte und zur Regierung gelangte, genötigt gewesen sei, ihre Gegnerschaft gegen das AuSgleichsgesetz aufzugeben und den Dualismus anzuerkennen. Das Regime der Koalition habe in einem Zwiespalt zwischen der Nation und der Krone geendet, welcher das Land den größten Erschiitterungen aussetze. In dieser schwierigen Lage ergehe ein Appell an die Nation zur Bildung einer Partei. die die Harmonie zwischen König und Nation herstelle und eine Politik der produktiven Arbeit und der reellen Ziele im Auge behalte. An die neue Partei könnten sich alle ohne Rücksicht auf ihre frühere Zugehörigkeit zu einer alten Partei anschließen. Die Kvnstitmerung finde am 19. d. MtS. statt. Der Ausruf trägt die UntGschrisien aller Minister, des Grafen Tisza und C s a k y, zahlreicher Nolabiltäten und Mitglieder der früheren liberalen Par tei. Die Verfassungspartei beschloß heute, sich aufzulösen. Englancl. Das neue Parlament. London, 15. Februar. Das Unterhaus trat heute nach- mittag 2 Uhr zusammen und beschäftigte sich mit der Wahl des Sprechers. Die königliche Sanktion der Wahl Lowthers zum Sprecher des Unterhauses wird dem Unterhause morgen bekanntgegeben werden und die Mit- glieder werden sodann den Huldigungseid leisten. Da diese Zeremonie den größten Teil der Woche in Anspruch nehmen wird, so wird die Thronrede nicht vor dem 21. d. M. zur Verlesung gelangen. Verschiedene Gerüchte laufen um be- züglich der Haltung des Kabinetts. Es heißt, daß die Mit- glieder des Kabinetts immer noch in zwei Gruppen geteilt Etz. Glocke» Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. VerlagSanftall sind und daß eine Einigung über die einzunehmende Haltung des Kabinetts noch nicht erzielt sei. Ork«. Zur Lage in Mazebonieu. Konstantinopcl. 9. Februar.(Eig. Ber.) In der Korrcspon- denz vom 30. Januar hatten wir über die Sitzungen des Partei- ratcs der„mazedonisch-demokratischen Föderation" berichtet, die sich mit den letzten Ereignissen in Mazedonien und den türkisch- bulgarischen Mißverständnissen beschäftigen sollten. Unsere Hoff- nung, daß der Parteirat die Tragweite des Moments erfassen und seine staatsbürgerlichen Pflichten erfüllen würde, hat sich erfüllt. Der Parteirat hat beschlossen, sich durch einen Aufruf an alle Bürger Mazedoniens zu wenden und sie aufzufordern, ihre Kräfte zu vereinigen, um die osmanische Konstitution zu befestigen. Denn das Schicksal Mazedoniens hängt von dem der Türkei ab. Weiter wird das mazedonische Volk aufgefordert: 1. Seine ganze Energie anzustrengen, um zahlreichen und mannigfaltigen Einflüssen entgegenzuwirken, die die günstige Atmosphäre für die Tätigkeit der Banden schaffen, die von verschiedenen Staaten subsidiert werden und oft gewöhnliche gemeine Verbrechen begehen. 2. Alle Mittel zu ergreifen, um unter den demokratischen Elc- menten aller Nationalitäten Mazedoniens eine An« nähcrung anzubahnen. Das Interessanteste an diesen Beschlüssen ist. daß die Födera- tion die sogenannte Bandentaktik verurteilt und die Erneuerung ihrer Tätigkeit als eine Provokation der Mächte brandmarkt. Wei- ter ist es sehr erfreulich, daß die stärkste Partei Mazedoniens sich von dem bulgarischen Nationalismus lossagt und die gemeinschaftliche Tätigkeit mit anderen Nationalitäten für notwendig hält. Das Wichtigste ist aber, daß wenigsten? ein Teil der Maze- donier schon verstanden hat, daß die Lösung ihrer Frage im Zu- sammcnhang mit der Befestigung der osmanischen Konstitution steht-..„„ Und es sind nicht bloß die Mazedonier, die dies einzusehen be- ginnen. Die armenische sozialistische Partei„Daschnakzutiun" hat mit dem jungtürkischen Komitee für„Einheit und Fortschritt" schon längst einen Vertrag geschlossen, worin sich beide Parteien zu soli- darischer Tätigkeit zwecks Verteidigung der Konstitution ver- pflichten. In der Solidarität der Völker und nicht in der Intervention der eigennützigen, gierigen Großmächte besteht die Möglichkeit einer Förderung der Wohlfahrt nicht nur aller Mazedonier, sondern auch der ganzen Türkei und ihrer zahlreichen Nationalitäten. Letzte lyacbricbtcn und Depefd�en. Die Rcicbötags-erratzwabl in jVIülhcün-öClipperfürth-ßummeröbach. Stichwahl zwischen Zentrum und Sozialdemokratie! Mülheim a. Rhein, 15. Februar. Bei der heutigen Reichstagsersatzwahl im Wahlkreise Köln 6(Mülheim- Gummersbach-Wipperfürth) haben erhalten: Oberlandes« gerichtsrat Marx(Z.) 20 367, Schriftsteller Dr. Erdmann (Sozialdemokrat) 19327, Rechtsanwalt Falk(natl.) 8461, Pfarrer Hos mann(christlich-sozial) 1124 Stimmen, zer- splittert waren 32 Stimmen. Es ist S t i ch w a h l z w i s ch e n Marx und Dr. Erdmann erforderlich. Das Ergebnis von 1967 lautete: Sozialdemokraten: 8633; Zentrum: 19 963; Nationalliderale; 11 213. Die Sozialdemokratie hat also um 238S Stimmen zugenommen, daS Zentrum hat nur 499 Stimmen gewonnen, die National- liberalen haben 2767 Stimmen verloren, oder, wenn man ihnen die Stimmen der 1967 nicht vertretenen Christlich-Sozialen zu» rechnet, 1633 Stimmen. Die Sozialdemokratie hat also einen starken Stimmenzuwachs erzielt, das Zentrum aber hat daS mit Hochdruck verfolgte Ziel, wie 1967 im ersten Wahlgang zu siegen, nicht erreicht. Wahlrechtsdemonstration in Kassel. Kassel, 16. Februar.(Privatdepesche deS„Vorwärts".) Im hiesigen Gewerkschaftshause tagte heute abend eine große Protest- Versammlung, die von 3666 Personen besucht war. Nach Schluß zogen die Teilnehmer durch die Königstraße nach dem Friedrichvlatz» wo ein Genosse eine Ansprache hielt, die mit einem Hoch auf da» Wahlrecht endete. Die Demonstration wurde dann ohne Störung aufgelöst, da sich die Polizei vernünftig benahm. Gege« die Willkür der Frankfurter Polizei. Franlsort a. M., 16. Februar.(Privatdepesche des„Vor- wärts"). In der heutigen Stadtverordnetenversammlung hatten die Sozialdemokraten und die Demokraten gegen daS brutale vor- gehen der Polizei am letzten Sonntag Interpellationen einge» bracht. Die sozialdemokratische Interpellation richtet sich gegen die polizeiliche Benutzung städtischer Einrichtungen und lautet: 1. Ist dem Magistrat bekannt, daß bei Gelegenheit einer Volksversammlung am letzten Sonntag Polizeibeamte städtische Straßenbahnwagen okkupiert haben, um den friedlichen Abgang der VersaminlungZbesucher zu verhindern und was gedenkt der Magistrat zu tun. um dies für die Zukunft zu verhindern? 2. Was hat das Stratzenbahnamt veranlaßt, der Polizei am Sonntag die Werkstätten der Handwerker einzuräumen und zu vorübergehendem Aufenthalt zwecks Wohnung zu überlassen und was gedenkt der Magistrat zu tun. um dies für die Folge zu ber- hindern? Die demokratische Interpellation lautet: Mit Rücksicht darauf, daß daS Verhalten der Polizei besonders am letzten Sonntag geeignet ist. sowohl die Sicherheit harmloser Passanten zu gefährden als auch den Fremdenverkehr zu beein» trächtigen, ersuchen wir den Magistrat, an der zuständigen Stelle Verwahrung einzulegen, damit die Wiederholung solcher Bor- gänge vermieden wird. Oberbürgeermeister AdickeS erklärte, dem Magistrat fei von den Borgängen nicht? bekannt. Er könne deswegen die Jntcr» pellativnen heute nicht beantworten. In einer sich anschließenden Geschäftsordnungsdebatte wurde allgemein verlangt, daß die Jnter- pellationen schnellstens beantwortet werden. Ein bürgerlicher Stadtverordneter erklärte unter Zustimmung der Ber- sammlung, baß alle Parteien über das Borgehen der Polizisten entrüstet sind. Die Interpellationen sollen am nächsten D i e n s- tag beantwortet werden. Ein weiterer Antrag der sozialdemokratischen Fraktion bezüg- lich des gleichen Wahlrechts will den Magistrat ersuchen, in einer Resolution entsprechenden Protest gegen die WahlrechtSvorlage der Regierung beim Abgeordnetenhause einzulegen.(ES ist derselbe Antrag, den die Berliner sozialdemokratische Stadtverordneten- 'raktion gestellt hat.) Maul Singer � Co., Berlin SWT� Hierzu 3 Beilogeo v. Unterhaltung«� Ar. 39. 27. Jahrgang. t. Ktilm Ks Lswörls" Anlim UksdlÄ. PiHwft(6. 1910. Reichstag. 36. Sitzung. Dienstag, den IS. Februar, nachmittags lllhr. Am Bundcsratstisch: Sydow, v. Arnim-Crieven. Die erste Beratung des Gesetzentwurfs über den Absatz von Kalisalze» wird fortgesetzt. Abg. Dr. Ricklin sGlsässer): Auch bei uns im Elsaß ist die Kaliindustrie zufolge der dort gefundenen Kalilager im Aufblühen begriffen; in diese EntWickelung würde das Gesetz nur störend ein greifen. Es wird von der Gestalt, die das Gesetz in der Kommission erhält, abhängen, ob wir ihm zustimmen können. Abg. v. Tamm iwirtsch. Lg.): Gegen einen Kaliausfuhrzoll «r sich haben wir nichts, aber der Weg, den die Regierung vor- schlägt, erscheint uns wirkungsvoller. Abg. Werner(Ant.): Wir müssen uns gegen die Ausbeutur� durch Amerika sichern, daS wird eine Hauptaufgabe der Kommission sein. Unsere Bauern haben Kalidünger zu wahren Hungerprcisen taufen müssen; wir haben aber die Aufgabe, unsere Bodenschätze unserem Volke zu sichern.(Bravo? rechts.) Abg. v. Daiinenberg(Welfe): Was man über die Millionen gewinne und Riesendividenden hier erzählt hat, ist doch sehr stark übertrieben. Im vorigen Jahre hat die Kaliindustrie bei einem Umjatz von llO Millionen Mark an Löhnen, Gehältern und sozialen Lasten 40 Millionen Mark bezahlt. Abg. Brandys(Pole): Wir haben wesentliche Bedenken gegen die Vorlage, die wir in der Kommission zum Ausdruck bringen werden. Es läuft ein Schlußantrag ein von den Konservativen, dem Zentrum und den National. liberalen! Abg. Ledebour(Soz.)(zur Geschäftsordnung): Ich bitte, den Antrag abzulehnen. Es ist ganz ungewöhnlich, daß bei einem Gesetzentwurf von so außerordentlicher Bedeutung in der ersten Lesung die Debatte kurz abgebrochen wird. Es ist von den Frak- tioncn bisher nur je ein Redner zu Wort gekommen, während Voraussetzung war, daß mindestens zwei Serien sprechen würden. Wir haben unsererseits den dringenden Wunsch, daß unser zweiter Redner noch zu Wort kommt, und ich nehme an, daß das auch bei den anderen Fraktionen der Fall ist. Ter Schlußantrag wird gegen die Stimmen der Sozialdemo- kraten und Freisinnigen angenommen. Abg. Will(Elf.): Ich bedaure, durch den Schluß der Debatte verhindert zu sein, den Standpunkt der Elsässer zu vertreten. (Lautes Lachen links.) Abg. Emmcl«Soz.): Ich will nur feststellen, daß der Herr Vor- redner zu einer der großen Parteien gehört, die soeben für den Schluß gestimmt haben. Daher ist es ein etwas eigentümliches „Bedauern", das er ausgesprochen hat.(Sehr richtig! links.) Abg. Dr. Roesicke(B. d. L.): Auch ich bedaure, durch den Schluß der Debatte verhindert zu sein(Stürmisches Gelächter links), mich gegen einige Aeußerungeu des Abg. Hue. von gestern zu wenden. Ich behalte mir das für später vor. Abg. Gothein(frs. Vg.): Ich bin etivas erstaunt über die Aus- führunacn der Herren Will und Dr. Roesicke.(Sehr richtig! links.) .Herr Will gehört der Partei an. die durch drei Redner in der Debatte vertreten gewesen ist!(Hört! hört! links.) Unsere Partei, speziell ick, bin in dieser Debatte in einer Weise angegriffen, auch persönlich� wie dies sonst nie geschieht, und Sie haben uns durch Ihren Schlußantrag das Wort abgeschnitten.(Sehr wahr! links.) Da ist es doch merkwürdig genug, daß die Herren sich jetzt darüber beschweren, daß ihnen das Wort abgeschnitten ist.(Sehr gut! links.) Aber Ihr Borgeheu nützt Ihnen nichts, es wird Ihnen doch nichts geschenkt.(Bravo! links.) Avg. Gröber(Z.): Der Vorredner ist im Irrtum. Von unserer Partei ist lediglich Tr. Heim zu Wort gekommen. Abg. Emmel(Soz.): Außer Herrn Dr. Heim hat noch Dr. Ricklin gesprochen, der dem elsässischen Zentrum angehört und außerdem der Hospitant des Zentrums Herr Dannenberg. kleines Feuilleton. Die Schöpfungsgeschichte der preußischen Wahlreform. Am An fang schuf Bethmanu die Wablreform. Und die Schädel der preußischen Geheimräte waren wsiste und leer und es war finster in ihrer Erkenntnis und der konservative Geist schwebte über den Wasserlöpfen. Und Bethmann sprach: Es werde öffentlich. Und es ward öffentlich. Und Bethmann sähe, daß die Oeffentlichkeit gut war. Da schied Bethmann die Oeffentlichkeit von der„Heimlichkeit". Und nannte die Oeffentlichkeit frei und die„Heimlichkeit' afr hängig. Da ward aus Abend und Morgen der erste Tag. Und Bethmann sprach: Es werde eine Feste zwischen den VolkSmaffen. Da machte Bethmann die Feste und schied daS Volk in den Städten von dem Volke auf dem Lande. Und es geschah also. Und Beihmanii nannte die Feste WahlkreiSeinteilung. Da ward auS Abend und Morgen der andere Tag. lind Bethmann sprach: Es sammle sich die Armut uiiter dem Volke an besondere Oerter, daß man den Reichtum sehe. Und es geschah alio. Und Beihmann liannte den Reichtum besitzende Klasse und die Saminluiig der Armut nannte er besitzlose Klasse. Und Bethmann sähe, daß eS gut war. Und Bethnian» sprach: ES entstehe aus dem preußischen Volke eine dritte Klasse, die sünfundachtzig Prozent aller Wähler umfaßt Und es geschah also. Und es entstand au» dem preußischen Volke eine dritte Klasse, die die Ardeiter, Angestellten, Unterbeamten, Kleinbauern und Klein- gewerbetreibenden umfaßte. Und Bethmann sähe, daß eS gut war. Da ward aus Abend und Morgen der oritte Tag. Und Bethmann sprach: Es werden Lichter am Wahlrechts� Himmel, die da scheiden Armut und Reichtum und geben Klassen, Stände und Kasten. Und seien Lichter am Wahlrechtshimmel, daß sie scheinen dem preußischen Volke. Und eö geschah also. Und Bethmann inachie zwei große Lichter, den Besitz und die Bildung. Und Bethmann setzte sie an die Feste des WahlrcchtShimmclS, daß sie schiene» dem preußischen Volke, Und Reichtum und Armut regierten und schieden Ausbeuter und Ausgebeutete. Und Bethmann sähe, daß eS gut war. Da ward aus Abend und Morgen der vierte Tag. Und Bethmann sprach: ES einstehe auS dem preußischen Volke eine zweite Klasse, die zehn Prozent aller Wähler umfaßt. Und Bethmann schuf eine zweite Klasse, die sich aus den Mittelschichten des preußischen Volkes zusainmensetzic. Und Bethmann sah, daß es gut war. Da ward aus Abend und Morgen der fünfte Tag. Und Bethmann sprach: DaS preußische Volk bringe hervor eine erste Klasse, die fünf Prozent aller Wähler umfaßt. Und eS geschah also. Und Bethmann machte die erste Klasse aus den Reichsten und Vornehmsten der Nation. Ilnd Bethmann sah, daß es gut war. Abg. Dannenberg sb. k. Fr.) stellt fest, daß er nicht Hospitant des Zentrums sei. Abg. Gröber bestreitet ebenfalls, daß die genannten Abgeord- neten dem Zentrum angehören.(Zuruf linkS: So werden sie ab- geschworen! Heiterkeit.) Abg. Ledebour: Gewiß gehören die Herren Dannenberg und Ricklin nicht der Fraktion des Zentrums an. Aber gerade die Tatsache, daß einzelne Abgeordnete, die für sich selber isoliert im Hause stehen, hier zu Wort gekommen sind, müßte dafür sprechen. daß dann den großen Fraktionen das Recht gegeben sein muß, rniir- bestens mit zwei Rconern zu Wort zu kommen.(Lebhafte Zustimmung links.) Das Gesetz wird hierauf an eine Kommission von 21 Mitgliedern verwiesen. 8tel1envermittelunZS-6efet2. Es folgt die erste Beratung des Entwurfs eines Stellen vermittelungs-GesetzeS. Staatssekretär Delbrück: Die fortgesetzten Klagen über die Stellenvermittler haben die Einbringung dieses Gesetzes veranlaßt. Die zunehmende Bedeutung der Stellenvermittelung, der steigende Bedarf an Arbeitstläften, die sozialpolitischen Kämpfe um den Arbeitsnachweis, alles das drängt auf eine reichsgesetzliche Gestaltung dieses Materie. Besonders die großen Kämpfe um den Arbeitsnachweis zwischen gewaltigen Arbeiter- und Arbeitgeberorganisationen hoben die öffentliche Aufmerksamkeit auf diesen Gegenstand gelenkt— ich erinnere an die Erörterungen, die hier über den Arbeitsnachweis in Rhcinland-Westsalen stattgefunden haben. Die Verbündeten Regierungen baben die Frage der Einführung öffentlich-rechtlicher Arbeitsnachweise mit paritätischer Beteiligung der Arbeiter und Arbeitgeber reiflich erwogen; sie sind aber zu dem Resultat gelangt, daß die Lösung der Frage in diesem durchgreifenden Sinne vor läufig wenigstens noch nicht möglich ist. Es mußte auch in Betracht gezogen werden, daß. während auf der einen Seile manche öffentlichen paritätischen Arbeitsnachweise ihrer Aufgabe zurzeit noch nicht in vollem Umfang zu genügen vermögen, aus der anderen Seite zahlreiche private Stellenvermtttler vorwurfsfrei ihrer Tätigkeit obliegen- ES geht nicht an, diese Leute ohne weiteres um ihr Brot zu bringen mindestens müßte dann gleichzeitig die Frage der Entschädigun aufgeworfen werden. So begnügt sich der Gesetzentwurf damit, die private Stellen vermittelung einer öffentlich-rechtlichen Regelung zu unterwerfen. Dadurch, daß der Entwurf die Erlaubnis zur privaten Stellenvermittelung an den Nachweis des Bedürfnisses knüpft und das Bedürfnis insbesondere dort verneint, wo ein öffentlicher gemeinnütziger Arbeits- nachweis in ausreichendem Umfang besteht, wird der ersichtlich in der Richtung nach paritättschen Arbeitsnachweisen sich bc- wegenden EntWickelung Rechnung getragen. Die Bestimmungen des§ 12, der de» LandeSvehörden»ie Ausdehnung der Bestimmungen des Gesetzes auf die nicht gewerbsmäßig betriebene Stellenvermittelung ermöglicht, sind geeignet, dieser EntWickelung weiteren Vorschub zu leisten. Redner bespricht ganz kurz die Einzelbestimmungen des Gesetzes, wie da» Verbot, bestimmte Gewerbe(Gastwirtschaft, gewerbsmäßige Wohnungsvennietung, Kleiderhandel, Lotteriegeschäft usw.) neben gewerbsmäßiger Stellenvennittclung zu betreiben, geht ganz kurz über die Strafbestimmungen hinweg(die S t r a f a n drohung wegen Verleitung zum Kontrakt brück erwähnt er gar nicht), bemerkt zuletzt, daß der Entwurf in den Interessentenkreisen durchweg günstig- Aufnahme gefunden habe, daß besonders der Verband der Arbeits nachweise sich für den Entwurf ausgesprochen habe, da zurzeit nicht mehr zu erwarten sei, und empfiehlt daS Gesetz der wohlwollenden Prüfung des HauseS. Abg. Dr. Pfeiffer Und Bethmannn sah an alles, was er gemacht hatte, und siehe da, es war sehr gut. Da ward aus Abend und Morgen der sechste Tag.... Die Solidarität der Zensur. Die Autoren der in Wien und e r l i n verbotenen Schnurre„Der Feldherrn Hügel" schreiben uns: Die Berliner Behörde hat die Erlaubnis zur Auf- fiihrung unseres Stückes lediglich deshalb versagt, weil es nach den von den zuständigen Wiener Ortsbchörden be- t ä t i g t e n Nachrichten der Presse in Wien als eine Beleidiglmg der österreichischen Armee, ihrer Einrichtungen und ihres Kommandos empsundeii worden ist und aus diesem Grunde Anstoß und Aergernis erregt hatte. Wir(die Autoren) stellen fest: 1. Ein österreichisches Gesetz gebietet dem ReichSkriegSminisier und nur ihn,) Klage zu erheben, wenn er die Armee oder einzelne ihrer Teile beleidigt sieht. Der ÄriegSminister erklärt aber, im .Feldherrenhügel" nicht nur keine Beleidigung der Armee erblickt, ondern in, Gegenteil über das harmlose, lustige Stück nur das beste gehört zu haben. 2. Das einzige militärische Blatt, das Notiz von dem Stück nahin, war Danzers„Armeezeituiig", übrigens das weitaus größte Militärfachblatt der Monarchie. Und die„Armeezeitung" ist ent- schieden und ohne Vorbehalt gegen das Polizeiverbot und für uns, die Autoren, eingetreten. 3. Keine Kommaildostelle deS K. und K. Heeres und der K. K. Landwehr— weder in Wien noch i» der österreichischen Provinz— hat den Besuch der„Feldherrenhügel"-Borstellu»geii verboten. Man ah denn auch in jeder der 19 Wiener Vorstellungen Offiziere aller Chargengrade vom General bis zum Leutnant.— Aus diese» Tatsachen geht wohl zur Evidenz hervor, daß die Wiener„Orlsbehörden"— die K. K Polizeibehörde näm- lich— der Berliner Zensurbehörde falsche Informationen ge- liefert hat, wenn sie behauptete, der„Feldherrenhüg'el" wäre in Wien als eine Beleidigung der Armee empfunden worden" und hätte„aus diesen Gründen Anstoß und Aergernis erregt." Wir haben durch unseren Rechtsanwalt Beschwerde beim Ober- Präsidenten erhoben. Carl Rößler. Roda Roda. Das sind zwar triftige Argumente, die die Verfasser anführen, aber damit«st natürlich noch lange nicht gesagt, daß sie für unsere Behörden triftig sind. Pariser Neierschwemmuugeu seit 2ZO Jahren. Es ist jetzt mit Sicherheit festgestellt worden, daß Paris eine ähnliche lieber- chwemmung wie jetzt seit beinahe zweieinhalb Jahrhunderten nicht erlebt hat. Ein Mitarbeiter der„Rature" stellt eine Liste von jochwassern znsaminen, die Paris seit dem Jahre 1649 über ich hat ergehen lassen müssen, und eS findet sich darin nur eine Zahl, die die Fluthöhe vom Januar 1910 übertrifft, nämlich für den Februar 16ö3 mit SSO Zentimetern gegen SSO Zenti» sind von den Interessenten und in den Fachblältern lebhafte mid sehr berechtigte Klagen geführt worden. Sehr merkwürdige Dinge kommen vor. So war zun, Beispiel die Frau eines StellenvermittlerS in RegeuSblirg Bordellin haberrn!(Hört 1 hört! Daß der Bund der deutichcii Stellenvermittler mit der Borlage nicht zufrieden ist, darf uns weiter nicht wundern.(Sehr wahr I) Es ist gut, daß ii, den Motiven ausdrücklich betont wird, daß die Presse wegen ihrer Inserate nicht unter das vorliegende Gesetz fällt. Ebenso freuen mir uns darüber. daß der Staatssekretär die Entwickelung in der Richtung auf öffentlich° rechiliche, paritätische Arbeits- nachweise als die naturgemäße betrachtet. Es würde vielleicht besser sein, die Befugnisse der LandeSbehörden im§ 12 (Ausdehnung der Bestimmniigen auf die nichtgewerbsmäßige Stellen- vermittelung) statt fakultativ obligatorisch zu gestalten, denn mit dein Können, das ist so eine Sache!(Heilerkeit.) Abg. Dr. Wagner-Sachsen(k.) spricht sich im allgemeinen durch- auS für die Vorlage aus und freut sich besonders darüber, daß man die Materie durch ein Spezialgesetz regeln wolle, statt sie iir die Gewerbeordnung hereinzuarbeiteii und diese dadurch noch un- übersichtlicher zu machen. Abg. Wölzl(natl.): Die Grundtendenz der Vorlage ist zu be« grüßen. Das Hauptverdienst auf dem Gebiete der Regelung der Arbeitsnachweisftage gebührt dem Zentralverband deutscher Arbeits- nachweise und dessen rührigem Vorsitzenden Dr. Freund, dem Vor» känipfer stir die Schaffung öffeullicher gemeiiinütziger Arbeits- nachweise. Der Entwurf ist als eine Etappe auf deni Wege zur Beseitigung der gewerblichen Stellenvermittelung zu begrüßen. Die Bedenken der Vorredner werden in der Kominission zu prüfen sein. Abg. Mlinz(frs. Vp.): Eine Beseitigung der Mißstände auf dem Gebiete der privaien Stellenvermittelung wünschen auch wir, aber wir fürchten, daß eine völlige Ausschaltung der gewerblichen Stellen« verniilteluiig beabsichtigt wird. Wir meinen,»«an sollte nicht ohne Not einer so großen Gruppe von Miitelstandsleuten die Existenz nehmen.(Sehr richtig! bei den Freisinnigen.) Aber wir erkennen a». daß die bestehenden Auswüchse beschnitten werden müssen, und treten deshalb auf den Boden der Vorlage; nur werden wir einige Aenderungcn vorschlage». Mg. Brühne(Soz.); Unsere Gesetzgebung in Deutschland ist recht buntscheckig, aber die Mißstände aus den» Gebiete der Stelleliver»littelu»g sind von ihr noch nicht getroffen. Die sozialdemokratische Presse hat seit langem auf diese Mißstände aufmerksam gemacht. Die paritättschen Arbeitsnachweise, die von den Kommunen errichtet werden, haben den Uebelständen bisher auch nicht abhelfen können. Zum Teil liegt eS daran, daß die städtischen Stellenvermittelungen Militäranwärter bevorzugen, die ganz geiviß nicht geeignet sind für ein derartiges Amt.(Leb- Haftes Sehr richtig 1 bei den Sozialdemolraten.) Sollte die neue Wahlrechtsvorlage der preußischen Regierung Gesetz werden, so wird dies allerdings noch schlimmer werden. Der vorliegende Gesetzentwurf lehnt sich an das französische Gesetz an, geht aber nicht so weit wie dieses; denn der französische Entwurf sieht die völlige Aushebung der privaten Stellenvermittelung vor. Auch bei uns wird von großen Erwerbsklassen die völlige Ans- Hebung verlangt, vor allem von den Hunderttausenden von Gast- wirtSgehilfen, in letzter Zeit aber auch von den H a n d l u n g s» g e h t I f e n. In der dein Entwurf beigegebenen Denkschrift werden die Kosten der völligen Aufhebung der privaten Stellenvermittelung auf 20 Millionen Mark veranschlagt. Aber inan dürfte vor einer solchen Summe nicht zurückschrecken, wenn es sich darum handelt, das Los der Aermsten der Armen zu bessern. Ueber diese Frage besteben in allen Parteien noch große Meinungsverschiedenheiten, die in der Kommission werden ausgeglichen werden müssen. Aus die Macht- besugnis, die der Entwurf den Landeszentralbehörden gibt, hat der Kollege M a n z schon hingewiesen. Auch wir sind in dieser Be- ziehung sehr mißtrauisch. Unsere Erfahrungen nötigen uns dazu. Wenn ein Sozialdemokrat einmal wegen irgend einer Kleinigkeit bestraft ist und er sucht um eine Koiizession nach, so wird die BedürfniSftage stets verneint. Daher fürchten wir, daß auch diese Bestimmungen in kleinlichem politischen Sinne gegen uns ausgenützt werden. meter in diesem Jahr. Bei den anderen Ueberschwemmungcn stieg das Wasser nicht über 800 Zentimeter hinaus. Auffallend ist der Umstand, daß die Hochfluten in früherer Zeit verhältnismäßig kurz auf einander gefolgt sind. So gab eS in dem Jahrzehnt von 1649 an ein dreimaliges Hochwasser, iin ersten Jahrzehnt des vorigen Jahrhunderts ein zweimaliges, während dann ein volles Jahrhundert bis zur Wiederholung einer derartigen Katastrophe vergiiig. Die Ursachen der Seiileüberschwem,»ung sind übrigens nicht so augenfällig wie ihre Wirkungen, und selbst ein Geograph, der nicht besondere Kennlnisse der Verhältnisse besitzt, mag sich mit Recht darüber wundern. Bor allen Dingen fehlt es doch im Ouell- gebiet der Seine und ihrer Zuflüsse ganz an hohen Gebirgen, die eiwa gar von ewigem Schnee bedeckt wären und ein Reservoir für FeuchtigkeitSmassen bildeien. die durch den plötzlichen Eintritt von warmem Weiter gefährlich werden müßten. Die Erklärung ist vielmehr allein in der Tatsache zu erblicken, daß der Boden innerhalb weiter Gebiete des Seine« beckens sehr undurchlässig ist und daß daher fast das gesamte Regen- wasscr, namentlich nach heftigen Güssen, dem Fluß zuströmt. Dazu kommt fteitich, daß auf den Plateaus von Morvan, die gleichfalls niit undurchlässigen Bodenarten bedeckt sind, im Winter stets Schnee liegt, dessen Schmelzen unter Umständen mächtig mitwirkt. Die beiden großen Flüsse, die sich mit der oberen Seine zur eigentlichen Seine vereinigen, die Ionne und die Marne, haben gleichfalls bedenkliche Eigenichaften. obgleich die Vonire eigentlich der einzige unter diesen Strömen ist, der zu- weilen den Charakter des ÄergwasferS annehmen kann, also mit reißender Schnelligkeit steigt und ebenso rasch wieder fällt. Die Flulwasser der Nonne erreichen nach einem schweren Regenfall die Stellendes Zusammenflusses zuerst, und zwar schon nach drei oder vier Tagen, während die Wasser der obere» Seine lind Marne erst vier oder fünf Tage später ankommen. Hält das Unwetier nicht lange an, so genügt dieser zeitliche Zwischenraum, eine Häufimg der Gewässer aus allen drei Onellflüssen zu verhüten. Bei langer Dauer oder einer schnellen Wiederholung des Regenwetters aber kann die Wirkung einer einzigen fortgesetzten Flut von großer Höhe entstehen. Günstig ist es bei all dem, daß das Eintreffen einer Flut für Paris eine Reihe von Tagen vorausgesagt werden kann und zwar auch ihrer mutmaßlichen Höhe nach._ Notizen. —, M n s i k ch r o Ii i k. Am Donnerstag, den 17.. nachm. S Uhr, riidet im Künstlerhause eine Wiederholung des persisch« arabischen Vortrags- und Liederabends statt. Billette zu 1 Mk. im Künstlerhause. — Die Südpolarexpedition Charcots hat nach einem Telegramm ihres Leiters aus Punta AreraS wesentlich wissenschaftliche Aufgabe» gelöst. Die bei der vorigen Expedition begonnene Aufnahme des Küstenlandes konnte bis zur 130 Meilen langen Insel Adelaide fortgesetzt werde». Im Süden ivnrde ein ausgedehnter Meerbusen entdeckt und 120 Meile» neue? Land aiisgestmde». Weiter wurde das Alexanderland erreicht unb damit der Hauptzweck der Reise erfiillt. Auf der PetermaniiSinsel wurde überwintert. Der Winter war nicht sehr streng, aber un- angenehm. Interessante Ausflüge konnten unternommen werden. Das zweite Lager wurde auf den südlichen Shetlandsiilfeln gehalten. Dann wurde nach Süden vorgestoßen und die Peterinseln wieder« gefunden. Den im § 3 gefaßten Maßnahmen, daß ein Stellenvermitiler weder eine Gast- Wirtschaft noch eine Schankwirtschaft, Kleinhandel mit geistigen Getränken, gewerbsmäßige Bermietung von Wohn- oder Schlaf- stellen, Handel mit Kleidungs-, Gebrauchs- oder Verzehruiigs- gegenständen oder mit Lotterielosen und das Geschäft eines Geld- Wechslers, Psandleihers oder Pfandvermittlers weder selbst noch durch andere betreiben darf, schließen wir uns vollständig an. Gerade da, wo die Stellenvermittelung mit Wohn- und Schlasstellen verbunden ist, sind die Uebelstnnde ganz besonders groß. Wir gehe» aber noch weiter. Der Z 3 will der Landeszentralbehörde erlauben. Ausnahnim von fcner Vorschrift zuzulassen. Damit ist der Um- gehung Tor und Tür geöffnet. In Berlin hat z. B. ein Stellen- Vermittler seine Gastwirtschaft ausgegeben, sein??achfolger aber muß ihm für jede Tonne Bier, die er verkauft, 1,40 M. zahlen, vom Wein 16 Proz., außerdem die Miete für sein Bureau und die Telephon- gebühr I Die Gäste der Wirtschaft sind natürlich die arbeitslosen Stellungsuchenden. In dieser Weise würde das Gesetz auch später umgangen werden können. Der Entwurf bestimmt ferner die Festsetzung bestimmter Taxen für die Vermittelung. Man kann ja über solche Taxen verschiedener Meinung sein. Wenn man aber die Auswüchse im Stellenverniilte- lungstoesen kennt, wird man doch zugeben müssen, daß das Gesetz ohne eine vernünftige Taxe seinen Zweck nifbt erfüllen kann. Interessant ist es. welche Sumnien für das Bernnttelungswese» in Deutschland ausgegeben werden. Nach Dr. Freund, einem sehr guten Kenner dieser Verhältnisse, gibt die Landwirtschaft allein an Provision und Reisekosten iür die vermittelten Arbeiter jährlich zehn bis sünf- zehn Millionen Mark aus. lHört I hört! bei den Sozialdemokralen.j Wenn sie das kann, muß allerdings der Verdienst in der Landwirt- schuft ein gauz ungeheurer sein. sSehr richtig I bei den Sozialdemo- traten.) Aber nicht einbegriffen sind in dieser Summe diejenigen Summen, welche die armen Arbeitslosen zahlen müssen. Diese werden von den Stellenvermittlern auch noch ganz gehörig gerupft. Man klagt so viel über die Abwanderung vom Lande. Nun, in der Provinz Posen hat ein einziger Stellenvermittler in einem einzigen halben Jahre nicht weniger als Sb Familien zum Abwandern veranlaßt! In einer dem Reichstag zugegangenen Denkschrift verwahren sich die Stellenvermittler dagegen, daß sie allein an den Uebelständen schuld seien. Die Denkschrift zeigt auch, in welcher Weise sie die Arbeit vermitteln. Aus Berlin bringt ein einziger Stellenvermittler jährlich 3000 bis 5000 Arbeiter auf das Land, im ganzen kommen aus Berlin etwa 100 000 Arbeiter auf das Land! Wenn diese Angaben der Denlschiift der Stellen- Vermittler richtig sind, mutz der Wechsel der Arbeiter aus dem Lande ein ganz gewaltiger sein. Es wäre interessant, zu erfahren, unter welchen Bedingungen und Löhnen diese hunderttausend Arbeiter aus das Land gehen. Die Denkschrift der Stellenoermittler weist daraus hin, daß nicht sie die Abwanderung vom Lande veraulaffen, sondern daß dort bei löstliudiger Arbeitszeit und bei 4 bis S Pf. Lohn pro Stunde und der üblichen Berpflegnng gearbeitet werden muß, wes- halb die Leute es dort nicht aushalten. tLebhasteS Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten). Die schlimmsten Zustände im Stellen- vermütelungswesen herrschen aber im Gastwirtsgewerve. Hatten freilich die GastwirtSgehilfen sich schon früher zu einer leistungssähigen Organisation ziisammengeschloslen, so würden die Mißstände nicht so haben einreiße» können. �Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Die GastwirtSgehilfen wissen, daß bei den Vermittlern ein vollständiger Tarif über ganz Deutsch- land besteht. Wenn ein Geschäftsführer, Buchhalter. Konditor oder Koch eine Stelle sucht, so hat er von dem ersten Monatslohn nicht weniger als 26 Proz dem Vermittler zu zahlen. Ein Oberkellner in einem Hotel ersten Range« muß 45 M. zahlen, ein solcher in einem Hotel zweiten Ranges 35 M.. ein Zimmerkellner 30 respektive 18 M.. ein Zahlkellner 12 M.. und so geht eS fort bis zum Aus- hilsskellner, der pro Tag 75 Pi. zahlen muß. Sehnlich steht e» mit dem weiblichen Personal. Es herrscht also im ganzen Gast- lvirtSgewerbe eine Ausbeutung, die nahezu an Wucher grenzt. Dazu iornmt noch, daß fast im ganzen GattwirtSgcwerbe umsonst ge« arbeitet werden muß. Die Arbeilgeber la�en sich die Löhne für ihr Personal vom P u b l i k u m bezahlen. Schon bei der großen Gewerbeausstellung in Berlin im Jahre l83S wurde für die 1424 Personen an Vermittlungsgebühr 22 042 M. gezahlt.(Hört I hört! bei den Sozialdemokraten.) Der Verdienst der Vermittler ist ast. keineswegs so gering, wie sie selbst glauben machen wollen. Was für etne Ausbentung auf dem Lande besteht, dafür nur ein Beispiel: An den Vorsitzenden des Gastwirts- gehilfenverbandes Pötzsch wandte sich ein ländlicher Stellenvennittler aus Flensburg, der iür Dienstmädchen pro Person 60 M.. für an« deres Personal 40 M. Vermittlungsgebühr bezahlen wollte. Zu diesen hohen Gebühren kommen noch andere Auswüchse. So ist eS in Elbing gang und gäbe, daß der Stellenvennittler die Kellnerinnen, die er vermittelt, auch gleich einkleidet, wobei ihnen natürlich das Viersache des Wertes der Kleider abgenommen wird.(Hört I bort! bei den Sozialdemokraten� Ein Vermittler verlangte von einem Kellner für die Vermittelung lOO M., wovon 25 M. sofort, 25 M. nach drei Monaten, 25 M. nach sechs und der Rest nach einem Jahre zu zahlen war. Der Kellner zahlte 60 M.. und als der Vermittler, den Rest einklagte, war das Gericht so ver- nünflig, die Klage abzuweisen, weil oie BermittelungSgebühr von 100 M. zu hoch(ei. Wie gewissenlos manche Stellenvermittler vorgehen, dafür will ich noch ein Beispiel anführen, das ich im vorigen Sommer selbst erlebt habe: Ein Stellenvermittler ging in ein Hotel und erklärte dort dem Personal, er könne ihnen allen gute Stellungen besorgen; sie sollten sämtlich am nächsten Sonnabend kündigen. Nachdem er dies auch erreicht hatte, ging er zu dem Hotelier und sagte zu ihm: Ihr Personal wird Ihnen am nächsten Sonnabend wahr- scheinlich kündigen; ich bin bereit, Ihnen neues, gutes Personal zu vermitteln. So schlug er zwei Fliegen mit einer Klappe. Auch im H a n d e l« st a n d e ist man nach und nach der Meinung geworden, daß die private Stellenvermittelung ganz zu beseitigen ist. Es haben sich hier sogenannte.Kaufmännische Vereine" gebildet, die in viele» Fällen den Stelleniuchenden den letzte» Psennig abnehmen. obwohl sie genau wissen, daß sie nicht imstande sind, Stelle» zu ver- Mitteln. Nach§ 12 hat die Landeszentralbehörde zu bestimmen, in wie- weit die hauptsächlichsten Vorschriften des Entwurfs auf nicht ge- toerbsmäßig betriebene Stellen oder Arbeitsnachweise anzuwenden sind, und weitere Bestimmungen über den Ilmfung der Befugnisse und Verpflichtungen sowie über den Betrieb dieser Nachweise zu erlassen. Die Arbeitsvermittlung bei den Gewerkschaften hat außerordentlich segensreich gewirkt. Wir befürchten aber, daß man nach diesem Paragraphen den gewerkschaftliche» Arbeitsnach- weisen das Leben sauer machen wird. Man scheint hier ein ähn- liches Mißtrauen gegen die gewerkschaftlichen Arbeitsnachweise zu haben, wie früher gegen die Arbeitersekretariate. Das Miß« trauen gegen diese har sich allmählich gelegt; sie werden nicht nur von Arbeitern, sonder» auch von Arbeitgeber li vielfach benutzt, und auch die christlichen Gewerffchasten haben schon sett langer Zeit Arbeitersekretariat« eingerichtet. Aber gegen die Arbeitsnachweise scheint immer noch Mißtraueil zu bestehen. An« heften wäre es, man würde in unserem Entwurf den 'Artikel 2 des französischen Gesetzes eiitfügell, welcher ausdrücklich die Fachorganisationen der Arbeitgeber und Arbeitnehmer von solchen Kinschränkungen freiläßt.(Sehr richtig l bei den Sozialdemokraten-) Wir stimmen der Einsetzung einer Kommisston von 21 Mit- gliedern zu und hoffen, daß man alle Mängel dort gründlich prüft. Wir hoffen, daß etwas Brauchbare» in der Kommissionsberatung zu- stände kommt. Sollen die Arbeiter aber Vertrauen zu den großen paritätischen Arbeitsnachweisen in Deutschland haben, dann müßte man auch endlich darangehen und eine schon oft erörterte Frage lösen, indem man den ländlickien Arbeitern die Koalitlonsfreiheit gibt und die Gesindeordnung aufhebt; denn das Fehlen der Koalitionsfreiheit für die ländlichen Arbeiter und die Gesindeordnung passen ebenso- wenig in unser Zeitalter wie das preußische Dreillassenivahlsystem. sLebhaster Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Kulerski sPole): Wenn es nicht gelingt, in der Kommission einschneidende Veränderungen am Gesetzentwurf vorzunehmen, wird es uns nicht möglich sein, ihm zuzustimmen, lieber Einzelheiten wird sich in der Kommission reden lassen; ich will hier nur so viel sagen, daß sich höchst gefädrliche Bestimmungen, der reine Kautschuk, in der Borlage finden. Mit mathematischer Gewißheit können wir behaupten, daß diese Kautschukbestimmllngen gegen uns Polen aus- giebige Anwendung finden würden. Schon allein diese Bestimmungen machen uns den Entwurf unannehmbar.(Beifall bei den Polen.) Abg. Dr. Burckhurdt(Wirlsch. Bg.): Der Forderung des Kollegen Brühne, daß die Arbeitsnachweise der Arbeiterorganisationen nicht benachteiligt werden dürfen, ist zuzustimmen. Die Diskussion schließt und die Vorlage wird an eine Kam- Mission von 2l Mitgliedern verwiesen. Nächster Gegenstand der Tagesordnung ist das Arbeits- kämme raesetz. Abg. Bassermann(natl.)(zur Geschäftsordnung) beantragt Ver- t a g u n g.(Bravo.) Vizepräsident Dr. Spahn stellt die Unter st ützungSfrage. Fast das ganze Haus erhebt sich. Die Vertagung wird nahezu einstimmig beschlossen. Nächste Sitzung: Mittwoch 1 Uhr.(Erste Lesung deS � Arbeitskammern- und des HausarbeitSgesetzeS sowie der Novelle zur Gewerbeordnung.) Schluß 57« Uhr._ parlamentarilcbes. Die erweiterte Geschäftsordoungskommissio» des Reichs- tags hielt am Dienstag ihre 1. Beratung unter dem Borsitz des stellvertretenden Leiters Dr. I u n ck. Es handelte sich um die geschäftliche Regelung der zur Aenderung der Geschäftsordnung eingereichten vier Resolutionen. Unter ihnen befindet sich der weitgehendste Antrag des Zentrums(Nr. 225). der eine all- gemeine Revision der Geschäftsordnung wünscht. Abg. R o e r e n erklärt diesen Antrag für einen nicht dringlichen und stimmt dem Vorschlag des Vorsitzenden bei: erst eine Regelung der Einzelfragen(Anträge zu den ß§ 35, 48 usw.) in dieser Tagung noch herbeizuführen und darilber einen Bc- richt an das Plenum gehen zu lassen. Dieser Vorschlag findet die Zustimmung der Kommission: nur der Abg. v. Dirksen war für die Dringlichkeit einer generellen Revision. Ebenso ist die große Mehrheit der Kominisston darin einig, daß die Zuziehung eineS Regierungsvertreters zu diesen häuslichen Angelegenheiten unterbleibt. ES finden wöchentlich zwei Sitzungen statt; der erkrankte Vorsitzende Singer hofft, die nächste Sitzung leiten zu können. Eingemeindungen. Die verstärkte Gemeindekommission bei preußischen Abgeordnetenhauses hat ihre Beratung über eine Reihe EingemeindungS- vorlagen zu Ende gebracht und einstimmig beschlossen, dem Plenum zu empfehlen: den Gesetzesvorlagen über die Erweiterung der Stadtkreise Essen. Köln. Rotibor. Kiel. FlenS- bürg, Harburg zuzustimmen. Ml Bezug auf Frankfurt (Main) wurde der gleiche Beschluß gefaßt, jedoch stimmten hier die Konservativen(0 St.) unter Führung des Abg. v. Brandenstein dagegen. Die Festsetzung des Berichts und der Berichterstattung an das HauS soll so beschleunigt werden. daß die Vorlage noch vor den Ferien an da« Herrenhaus gelangen kann und die Gesetze am 1. April d. I. in Kraft treten können. iHarlne-Bliilfcftaft und Freisinns- Saschlapplglttlt. Zu einem interessanten Bruderkampf zwischen den Mitgliedern der Freisinnigen FraktionSgemeinschaft kam eS am Dienstag in der Budgetkommission des Reichstags. Es handelte sich dabei um folgendes: Für Verpflegungszulagen �er Offiziere unserer Marine wer- den anstatt 4 007 400 M. 5 230 000 M. gefordert. Diese Mehrforde- rung wird von den Freisinnigen Leonhart und Struve und vom Zentrum bekämpft, weil die Tafel- und Messegelder viel zu hoch bemessen seien. Abgeordneter Erzberger hat herausgerechnet, daß, wenn man alle Zulagen, die ein Marineoffizier beziehe, zu» kammenrechne, man zu dem erschreckenden Resultat gelange: daß zu 166 M. Gehalt immer noch 60 M. Zulagen hinzukommen! Durch den Abgeordneten Leonhart war ein Fall mitgeteilt, wonach das Schiff„Nixe" zwar als Bureauschiff diene, aber nicht völlig demontiert worden sei, sondern die Maschine behalten habe, damit der Kasten noch als„Schiff" bezeichnet werden und die Schiffszulagen beziehen könne!! Eine Antwort hierauf hatte der Abgeordnete nicht erhalten.... Marinestaatssekretär v. T i r p'i tz behauptet nun unter leb- haftem Widerspruch zahlreicher Kommissionsmitglieder, daß die- jenigen Marineoffiziere, welche auf den Torpedobooten zu Unrecht Messegelder erhalte» hätten, diese zurückzuzahlen gezwungen worden wären. Vizeadmiral Capelle unternahm es. nachzu- weisen, daß die Messegelder im allgemeinen zu gering seien I DaS Messegeld betrage pro Tag für den Ofsizler 7,50 M., also pro Monat 225 M., für den Kommandanten 450 M.l DaS sei wenig und es komme vor, daß Seeoffiziere»och Geld z»setzen müßten! Von konservativer und nationalliberaler Seite wurde Staats. sekretär v. Tirpitz warm unterstützt, als er sich gegen den Antrag Lconhart auf Abstrich von 500 000 M. wandte. Um eS nun seinen Freunden zu erleichtern, für den Abstrich zu stimmen, er, mäßigte der Antragsteller die zu streichende Summe auf 271 500 Mark. d. h. um den gegenüber dem Vorjahre geforderten Mehr- betrag. Aver das war de» Herren noch zu viel und Abgeordneter M o m m s e n erhob sich zu einer Rede gegen seinen neben ihm sitzenden FraktionSkollegen, obgleich dieser mittlerweile nochmals das Wort genommen und nachgewiesen hatte, daß auf dem Schiff .Nixe" tatsächlich keine Messe gehalten wird, das heißt: keine ge- meinsamen Mahlzeiten für dre Offiziere serviert werden, und daß nur ein Z a h l m e i st e r, um den Schein zu wahren, sich sein Mittagessen auf das Schiff bringen lasse! Genosse N o s k e hatte noch darauf hingewiesen, daß der Abg. Struve auf seine Änsrage, was den Seeoffizieren an Erspar- nisten aus den Messegeldern ausgezahlt worden sei, noch keine Ant- wort erhalten habe. Auf keine» Fall seien die Abrechnungen korrekt, denn das sei doch mit Sicherheit aus der Debatte zu schließen, daß der Aufwand an Kleiderluxus aus dem Gewinn der Messegelder bestritten werde. Bei der Abstimmung fielen die koniervativ-nationalliberal-freisinnigen Anhänger der kritisierten Marinctoirtschast schließlich doch hinein. Der Vorsitzende v. Gamp ließ ganz korrekter Weise über die höhere Forderung zuerst abstimme». Diele Forderung wurde mit Stimmengleichheit abgelehnt, womit der Abstrich beschlossen war! Herr Mugdan vermöchte dos gar vicht zu fassen und verlangie, daß noch einmal, und Mar zuerst über den Ankrag Leonhart abgestimmt werde! Er wollte auf diese Weise dem Antrag seines Fraktionsfreundes mit Stimmengleichheit den Ha!» umdrehen lassen! Der Borsitzende belehrte ihn aber, daß immer über die höhere Summe zuerst abgestimmt werde! Es wird nun den marinefrommen Parteien nichts anderes übrig- bleiben, als zur zweiten Beratung im Plenum einen Antrag auf Wiederherstellung der Regierungsvorlage einzubringen, wie da» vorige Woche beim Militäretat der Fall war. Damals wurde mit Hilfe freisinniger Budgetkommisstonsmitglieder eine Forderung zur Errichtung neuer Schietzplätze in Düsseldorf g e st r i ch e n, aber im Plenum durch den alten Block wieder hergestellt. Wie die Freisinnigen damals ihr Mitglied Gothein bloßgestellt haben, so werden sie diesesmal ihre Freunde Leonhart und Struve fallen lassen. Man sieht daraus: Wenn das Zentrum versagt, springen Nationalliberale und Freisinnige mit Todesverachtung in die Bresche, um der Regierung zu zeigen, wie unentbehrlich sie ihr sind. Uebrigenö wurden schließlich doch noch zwei Resolutionen an- genommen, durch die der Reichskanzler aufgefordert wird, noch in diesem Jahre eine Verordnung über die Neuregelung der Tafel- und Messegelder zu erlassen und diese Frage in einer Denk- s ch r i f t zu behandeln._ Der nroße lliansfelder Streikprozeß. Halle, 15. Februar.(Telegr. Ber.) (Z w e i t e r T a g.) Am heutigen zweiten Verhandlungstage wurde in der Beweis- aufnähme fortgefahren. Dem Angeklagten Schäfer wird vorge» halten, daß er bei seiner Vernehmung vor hem Amtsgericht in Hettstedt zugegeben habe, den verstorbenen Bergarbeiter Hanne- mann geschlagen zu haben. Angell. Schäfer erklärt das für ein Mißverständnis. Als Zeuge erscheint dann Gendarmeriewacht- meister Wiedemann. Er bekundet: Hannemann wüßt« den Namen des Mannes nicht, der ihn geschlagen hatte, er kannte ihn aber. Eines Tages traf er den Mann, als er Zeitungen austrug, und sagte zu ihm: Du hast mich geschlagen, wie heißt Tu? Der Mann lief jedoch weg. Dieser Mann wurde dann in der Person deS Angekl. Schäfer ermittelt und dem Hannemann gegenübergestellt. Hannemann erkannte ihn wieder, und Frau Hannemann erklärte: Das ist der Manu, den mein Mann beim ZeitungSaustragen ange- sprachen hat. Polizeikommissar Fischer- Hettstedt sagt aus: Schon am 20. Oktober wurden die Arbeitswilligen von den Streikenden mit Geschrei begleitet, aber eS passierte nichts. Am folgenden Tage begann der Kralvall. Ich erhielt Steinwürfe an den Helm. Auf dem Marktplatz geriet die Gendarmerie ins Gedränge, dann ent« stand eine Lücke. Die Menge rannte nach dem Saigertor, und es wurde gerufen: Lvncht ihn! Lyncht ihn! Hannemann hatte sich in das Haus des SchuhmachermeisterS Fiedler geflüchtet, das von einer großen Menschenmenge umlagert war. Als ich mit Hanne- mann auf der Straße erschien, rief die Menge: Nieder mit dem Rotkragenl Bluthund! Ich zog meinen Revolver und drohte, jeden niederzuschießen, der mich angreifen würde. Die Beweisaufnahme wandte sich dann dem Falle zu. bei dem der Angekl. Schneider in Betracht kommt. Zeuge Bergmann Kunze bekundet: Der Angeil. Brühlan sagte: Ihr könnt hingehen, wo Ihr wollt, alle Wege sind besetzt. Schneider schimpfte:„Reichs- treue Kröpel!" und trat mich dabei mit dem Fuß, so daß ich gegen die Mauer flog. Ich erkenne den Schneider bestimmt wieder. Zeuge Bergmann Wilke, der am 21. Oktober morgen» auf dem Wege zum Niewandtschacht schon einmal überfallen worden war (tvelcher Fall in der vorigen Woche das Schwurgericht beschäftigt hat), wurde am Nachmittag desselben Tages nochmals mißhandelt. Er bekundet: Als der Zug auf dem Markte mündete, wurde ich ins Gesicht geschlagen. Die Menge drängte so sehr, daß ich mich mit dem Gesicht zur Wand weiter tastete. Am Saigertor erhielt ich einen Tritt. Hinter mir stand der Angekl. Schneider; sein Gesicht war vor Wut verzerrt. Zeuge Polizeisergeant Wölfer: Die Sreci- kenden suchten die Schutzmannökette zu durchbrechen, ich hielt sie zurück; der Angekl. Regel sagte:„Halt die Schnauze, Du hast hier kein« Nummer!" Dabei versuchte er, mich an den Hals zu fassen; ich packte seine Hand, worauf Regel rief:„Laß mich los! Ich schlage Dir den Schädel ein!" Dabei schlug er mir ins Gesicht und riß sich dann loS. Ich habe von der Waffe keinen Gebrauch gemacht, sonst wäre der Krawall noch größer geworden, und die Arbeits- willigen wären ohne Schutz gewesen. DaS würde dann ein Blut« bad gegeben haben. Es werden dann eine Reihe Entlastungszeugen vernommen, die gesehen haben wollen, daß nicht der Angeklagte Regel geschlagen habe, sondern daß Regel von dem Polizeisergeanten Wölfer zurück- geschleudert und ihm dabei das Hemd zerrissen worden sei. Zeuge Invalide Luedke bekundet, daß er auf einer Anhöhe gestanden und den Vorfall mit angesehen habe. Regel habe nichts getan, er fei von dem Polizeisergeanten gefaßt und zurückgeworfen worden. Zeuge Bergmann Lück hat gesehen, daß Polizeisergeant Wölfer dem Angeklagten Regel daS Hemd zerrissen hat. Zeuge Bergarbeiter Palm: Regel wurde ohne weiteres von dem Polizeisergeanten angefaßt und ihm das Hemd zerrissen. Zeuge Bergmann Müller bekundet: Der Polizist faßte den Regel von hinten am Genick, holte ihn auS der Reihe heraus und schleuderte ihn umher. Bors.: DaS behauptet ja der Angeklagte selbst nicht. Ueber die Beteiligung des Angeklagten Bielert bekundet der Zeuge Bergmann Thomas, daß er den Bielert in der Bahnhofstrohe im Zuge gesehen habe. Zeug« Bergmann Franz Matisiak: Ich be» fand mich mit meinem siebzehnjährigen Sohn in dem Zuge der Arbeitswilligen. In der Bahnstraße erhielt ich von Bielert einen Tritt gegen die Füße. Als ich mich umdrehte, schlug mich Bielert und sagte: Du verfluchter Pollack, weißt Du nicht, daß Du zu Hause zu bleiben hast? Zeuge Bergmann Paul Matisiak, der Sohn des Vorzeugen, ist von Bielert in gleicher Weise gemißhandelt worden. Zeuge Bergmann Louis Schmidt bekundet: Bielert rief unS zu: Wagt eS nicht, morgen nach dem Schacht zu gehen, sonst renne ich Euch das Messer in den Wanst I Zeuge Bergmann Pienknh: Ich habe den Angeklagten Brühahn auf dem Trottoir getroffen. In demselben Augenblick erhielt ich einen Stoß in die Seit« und flog durch die Masse bis auf die Harjtraße. Eine andere Person als Brühahn war nicht in der Nähe. Ich habe große Schmerzen gehabt. Zeuge Kontrolleur Böttcher: Pienknh fiel auf mich und sagte dabei: Ich kann nichts dafür, ich bin von Brühahn gestoßen worden. Hierauf wurde die Beweisaufnahme geschlossen. Der Gerichts- Hof beschloß, die Zeugen die am Streik teilgenommen haben, wegen Verdacht der Mittäterschaft nicht zu vereidigen. Den Geschworenen wurde sodann«ine Reihe von Schuldfragen vorgelegt, die auf schweren und einfachen Landfriedensbruch, auf Mißhandlung, Beleidigung, Nötigung usw. lauteten. Die Ber- teidiger stellten eine Anzahl Hilfsfragen und. wo zulässig, die Frage nach mildernden Umständen. Hierauf wurde die Weiterverhandlung auf Mittwech vertagt. flus der parteü Ein sozialdemokratischer Theologe. Genosse Dr. Max Maurenbrecher, der bekanntlich Theologie studiert hat, hält in Leipzig Vorträge über die Frage, ob Jesu» ge» lebt und was er gewollt hat. Das ist sicherlich feine Privatsache. die un» nichts angeht. Bedenklich ist es aber, daß Maurenbrecher. der sich doch zur Partei zählt, diese Vorträge i» einem von der Leipziger Arbeiterschaft boykottiertell Lokal hält, und noch bedenklicher ist die Art und Weise, wie er in der bürgerlichen Presse für sich und seine Borträge die Reklametrommel rühren läßt. Wie un» au» Leipzig gemeldet wird, brachte nämlich dieser Tage da? national- liberale„Leipziger Tageblatt' eine im Stile der religiösen Traktätchen gehaltene Beilage, die auf der ersten Seite Maurenbrechers Bild zeigt mit der Ueberschrist„Zwei JesuS-Vorträge"; dann folgt auf der zweiten Seite die Ankündigung der VortragS-Themata und der Eintrittskartenpreise; und die dritte Seite bringt darauf ein literarisches Selbstkonterfei, da? mit folgenden Worten beginnt: Der sozialdemokratische Theologe und Historiker Dr. Max Maureubrecher gewinnt mehr und mehr die Aufnierksamkeit nicht nur der theologischen Fachgelehrten in allen Lagern, sondern auch der gebildeten, ästhetischen Kreise in dem nicht kirchlich interessierten Publikum. Dann folgen weitere Ausführungen über die Bedeutung Mauren- brecherS als theologischen Schriftstellers und schließlich eine Auswahl don allerlei lobenden Zeitungskritilen. Man kann begreifen, daß Leipziger Arbeiter solche Reklame wenig geschmackvoll finden._ Costas Tod vor der italienischen Kammer. Rom, 10. Februar.(Eig. Ber.) Nach einer warmen Sympathiekundgebung für die Opfer der Ueberschwemmungen in Frankreich hat die italienische Kammer heute(wie schon telegraphisch kurz gemeldet. Red.s ihre Sitzung dem Andenken Andrea Costas gewidmet. Als der Kanmierpiäsident Marcora das Wort ergriff, um des Verstorbenen zu gedenlen, erhob sich nicht nur die äußerste Linke, sondern die ganze Kammer von den Sitzen, und auch die Minister hörten die GedächliüSrede stehend an. Marcora gedachte der langjährigen persönlichen Freundschaft, die ihn mit den, Verstorbenen verband, seiner langen varlanientarischen Wirksonikeit und seines unermüd- lichc» WirlcnS für die Sache de« Proletariats. Er bezeichnete Costa als einen der wesentlichen Faktoren der politischen Hebung und des sozialen Aufstiegs der italienischen Arbeiterschaft. Nach dem Kammerp, äsidenten sprachen die Abgeordneten F r a d e l e t t o für die Radikalen, L a c a v a. ein Exminister und Giolittianer, G a l l i n i für die lonstitutionellen Demokraten, weiter der Exmiilister R a v a. der Radikale Fera, Genosse Ben tini und die Republikaner M a z z a und Mirabellt. Genosse B e n t i n i betonte in warmer und schlichter Rede, daß er gern einem Verdienteren die Aufgabe überlasten hätte, im Namen der Parteifraklion Costas zu gedeilken. aber die Wahl der Fraktion sei ufa ihn als einen der Jungen gefalle»! die Jugend. weil sie mehr der Zukunft zugewendet ist. sei seine» Fraktionskollegen am berufenste» erschienen, die Gedächtnisrede auf Costa zu halten, dessen ganzes Leben der Zukunft zugewendet war. Bentini hat dann die Einmütigkeit der Trauerlundgebung konstatiert. Sie ginge daraus zurück, daß Costa in jedem Augenblick seines Lebens, als junger Mensch vor den Assisen wie als reiier Man» im Parlament, auf der Rednerbühne lvie in den demonstrierenden VolkSmaffen. selbst in den Stunden deS erregteste» Kompfes sich von jeder Person- lichen Erbitterung und jeder Gebäisigleit freigehalten. Er schonte die Memchen, um seiner Sache zu dienen.„Unsere Ideale*, fährt Bentini fort,„die zum Triumph berufen sind, was auch immer sich ihnen entgegenstellen niöge, fordern von ihren Verfechtern Hingabe und Opfer. Opfer hat Costa in Ueberzahl gebracht. Der dumpfe tumultuarifche Groll der Maffen wurde in ihm Bewußtsein, und es war Costa« Stolz, immer«in gefügiges Werkzeug der Kloffenbedürfiusse de« Proletariats zu sein, ohne Schonung für sich selbst, aber ohne Haß für die Gegner. Man hat Um an der Propaganda seiner Ideen hindern wollen, aber seine Gefängniszelle und sein Exil scharten die Massen um ihn und riefen sie zum Kampfe auf. Je mehr man ihn verfolgte, um so weiter strahlte die Wirkung seiner Persönlichkeit. Mit ihm hat man ein Stück * der Geschichte unserer Partei zu Grabe getragen, den leuchtendsten Träger unsere« Idealismus. Unsere Partei hat viel von ihm zu lernen. Wenn auch die Zeiten vorbei sind, in der die Bewegung unsere Hand- gelenke forderte, um ihnen Handschellen anzulegen, so fordert sie doch weiter das. was Costa in hohem Maße besaß: eine lautere Seele, frei von Neid und Haß, die ohne persönliche Zwecke ihre ganzen Kräfte an ihre Aufgabe setzt." Anhaltender Beifall folgte den Schlußworten BentiniS. Nachdem andere Abgeordnete die Gedächtnisreden aus die verstorbenen Deputierten De Michetti und Majorana gehalten halten, er- griff der Ministerpräsident S o n n i n o da« Wort, der im Namen der Regierung der Trauerkundgebung für Costa beitrat und mit der Erllärnng schloß, daß das ganze in den Dienst eines Ideals gestellte Leben unseres Genasien die Achtung der Menschen aller Parteien verdiene. Darauf beschloß die Kammer«ine achttägige parlamentarische Trauer und hob zur Ehrung deS Andenkens Costas die Sitzung auf. Parteiliteratur. Biblische Geschichten. Von den unter diesem Titel auS der Feder deS Genosien M a x M a u r e n b r e ch e r erscheinenden religionsgeschicht- lichen Abhandlungen ist Heft 4 zur Ausgabe gelangt. Es führt den Titel ,M o s e g e s ch i ch t e n" und hat folgenden Inhalt: Der AuSzug aus Aegypten. Israels Nor in Aegypten. Der Plan zur Befreiung. Verhandlungen mit dem Pharao. Die Tötung der Erstgeburt und das Pasiah. Die Katastrophe am Roten Meer. Geschichtlicher Hintergrund. Die soziale Bedeutung der Aus- zuggescvichten. Mose. Die lewitiichen Priester. Der Priester im alten Israel. Lewilische Sagen von Mose. Jahwe im flammenden Dornbusch. Mose und der Sinai. Moses Kindheit und Tod. Der Religionsstifter Mose. Der ursprüngliche Jahwe. Die Vtilkanflamme aus dem Sinai. Naturgotl und Heilige Stätte. Die Beschneidung. Die Tieropfer.� Das Passah. Jahwe als Stammgott. Babylonische Einflüffe in der Wüste. Der Jahwe vom Sinai und der Jahwe von Kodes. Der bildlose Jahwe bei den Lewiten. Anhang: Texte. 1. Israels Fronarbeit in Aegypten. 2. Die Katastrophe am Roten Meer nach dem Berichte des Jahwisten. 3. Ein Jahwe-HymnuS aus Inda, über die Katastrophe am Roten Meer. 4. Moses Berufung nach der Darstellung des Jahwisten. Literatur. Jedes Heft kostet 1 M., Volksausgabe 40 Pf. Ausführliche Prospekte versendet der Verlag Buchhandlung Vorwärts, Berlin SW. 68, kostenlos._ Die Differenzen in Holland. Amsterdam, 14. Februar. Der Anschkuß der(neuen) Sozialdemokratischen Partei Hollands an die Internationale wurde bekanntlich vom Jutcriiativiialen Bureau an die holländische Sektion, d. h. an die S. D. A. P.(alte Partei), als erste in Frage kommende Instanz verwiesen. Aus dem vom Partetsekrelär der S. D. A. P., wie ge« vräuchlich, im„Het Polt" erstatteten Bericht über die letzte Sitzung des Parreivorstandes erhellt nunmehr, daß die S. D. P. sich mit der S. D. A. P. am 25. Dezember v. I. deshafb in Verbindung gesetzt halte. Der Parteivorstand hat nun in seiner Sitzung vom letzten Freitag beschlossen, daß er nicht für die Zulassung der S. D. P. eintreten könne! Er verweist zur Begründung auf eine Adreffe, die er im vorigen Jahre in dieser Angelegenheit dem Int. Soz. Bureau eingereicht hat. Hinzugefügt wird, daß dem Borstand eine andere Art der Aufnahme in die Internationale als durch die Bestellung eines Vertreters im Int. Soz. Bureau nicht be- kannt ist. Dieser Zusatz ist erfolgt, weil die S. D. P. wegen ihrer numerischen Schwäche erklärt hatte, daß sie zwar die Aufnahme in die Internationale, nicht aber das Recht auf Entsendung eines Delegierten zum Int. Soz. Bureau beanspruchen. Die S. D. P. ist durch diesen Beschluß der S. D. A. P. vorerst bou der Vertretung auf den Internationalen Sozialistenkongressen ouSgeschloffen. Der Kongreß selbst ist die höchste Instanz zur Ent- scheidung über die Frage; er wird sich, da die S. X. P. zweifellos an ihn appellieren wird, mit der Frage zu befassen haben, ob die durch die Unduldsamkeit der S. D. A. P. aus dieser Partei Ge- drängten von der Internationale ausgeschlossen sein sollen.' Eins Induftm und Handel Der Wertzuwachs ländlicher Güter. Die Höherbewertung ländlicher Güter erhellt bis zu einem ge- wissen Grade aus den Uebersichten über die Ergebnisse der Neu- Verpachtung der in den Jahren 1000 pachtfrei gewordenen und der im Jahre Illlv pachtfrei werdenden Domänen in Preußen. deren Zahl sich auf 2« bezw. 27 beläuft. Die in der abgelaufenen und zukünftigen Pachtperiode erzielten Pachisummen stellten sich für die Verpachtungen in den Jahren 1S09 und 1910 in Mark wie folgt: Pachtsuinme insgesamt Pachtzins pro flu alte neue aller neuer 1900.. 447 580 491 734 44.1 SD.Ü 1910,, 531693 590 482 43,8 48,9 Während bei den im Jahre 1909 erfolgten Neuverpachtungen von Domänen die verpachtete Fläche von 10152 auf 9 721 Hektar zurück- gegangen ist, hat die Fläche der Neuverpachtungen vom Jahre 1910 nur einen ganz geringe» Zuwachs ersah, en. Der auf den Hektar entfallende durchschnittliche Pachtzins ergibt daher den besten Anhalt zu einem Vergleich der Steigerung. Die Erhöhung des Pachtzinses pro Hektar von 44,1 auf 50.6 beziehungsweise 43,8 ans 48,9 für die Neuverpachtungen in den Jahren 1909 und 1910 bedeutet eine ziemliche ansehnliche Wertsteigerung der Domäneiigüler. Unter Zugrundelegung eines Pachtzinses von 4 Proz. aus den Wert der Güter stellt sich dieser anf Grund der alten Pachtsuinme für die 53 Domänengüter zusammen auf 24 381825 M. Unter Zugrundelegung der neuen Pachtsumme stellt sich bei Annahme einer ebenfalls vierprozentigen Verzinsung der Werte der Domänen aus 27 204 900 M. Demnach beläuft sich der Wertzuwachs der 53 Domänen infolge des erzielten höheren Pachtzinses aus rund 2,823 Millionen Mark. Bei fünf von den 26 im Jahre 1909 verpachteten Domänen ist der Pachtzins niedriger geworden, während bei den 27 Neuverpachtungen im Jahre 1910 bei vier Domänen eine Ermäßigung des Pacht- ziiises eintreten wird. Bemerkenswert ist, daß' unter den Neu- Verpachtungen im Jahre 1909 bei drei auf Hessen-Nasiau entfallende Domänen der Pachtzins pro Hektar von 39,2 auf 50,5, bei den fünf Domänen in der Provinz Brandenburg von 26.4 auf 34,2 und bei einer Domäne in Weschreußen von 21 aus 33,3 M. gestiegen ist. Auch die Steigerung, die bei einer Domäne in Posen von 15,7 aus 27 M. pro Hektar stattgefunden hat, ist sehr erheblich. Für die Neuverpachtungen im Jahre 1910 ergeben sich folgende nenne»«- werte Steigerungen: Bei vier Domänen in Pommern von 36,3 auf 43,3, bei zwei Domänen in Hessen-Nassau von 34 auf 40,2, bei je einer Domäne in Ostpreußen und Schleswig-tzolstein von >3,6 auf 21,2 bezw. 19,6 auf 24,9 und bei drei Domänen in der Provinz Posen von 19,4 sogar aui 37,6 M. pro Hektar. Die Folge der Preis- und Pachtsteigcrung ist die, daß daS Lied von der Not der Landwirtschafl nie verstuinnien wird. Steigen die Preise der landwirtschaftlichen Erzeugnisse infolge unserer„organisch fortentwickelten" Zollwncherpolitik. schnellen auch die Preise der Güter und der Landpachten hinauf. Der produktiv tätige Landmann zahlt den Mehrwert an den Grundrentenicklucker. Das erhöhte investierte Kapital rentiert sich für den Bewirischafter wieder nur so, wie vor der Zoll- und Preissteigerung. Werden dann die Verkaufspreise durch künstliche Mittel erneut hinaufgetrieben, steigen auch wieder die Güterpreise und Pachten. So geht'S fort mit Grazie— der Kon- sument muß bluten. Bon der„Not der Landwirtschaft" werden wir unter der Herrschast deS Kapitalismus nicht erlöst. Die neue Fernsprechgebührenordnung. Im Februarhest der Monatsschrift„Die Welt des Kaufmanns" schreibt Dr. H. E. Hirschberg u. a.: Das schwerste Bedenken aber, gegenüber dem alle diese unglaublichen praktischen Erschwerungen und Hemmungen fast noch verblassen, liegt in den Gebühren selbst. Iii, brauche ja hier nicht die Zahlen, die sich ergeben werden und die man so unzählige Mal« schon berechnet und mitgeteilt bat, noch zu wiederholen. Nur eine Ziffer soll hier noch angeführt werden: Es ist von fach- lundiger Seite berechnet worden, daß die Durchschnittsgeiprächszahl für ein mittleres Detailgeichäft in einer Großstadt zirka 40 pro Tag beträgt. Ein solches Geichäft hätte künstighin bei einer Gebühr von 4 Pf. pro Gespräch und 200 M. Grundlaxe für die Telephon- benutzung, die bisher nur>80 M. kostete, zirka 700 M. zu bezahlen: 200 M. Grundgebühr(da bei mehr als 10 000 Gesprächen im Jahre ein zweiter Apparat gelegt werden muß) plus 313 X 40 X 0,04 gleich zirka 500 M. l Diese Zahlen reden ihre eigene Sprache. Was wäre die Folge dieser Gebührenordnung? Die Benutzung de« Telephons, dessen Ausbreitung man mit allen nur möglichen Mitteln zu fördern bestrebt sein sollte, würde um ein ganz Bedeu- tendes zurückgehen, und der Kaufmann, nicht zuletzt auch der kleine und mittlere Gewerbetreibende würde des wichtigsten Instrumentes zur Belebung und zur ersprießlichen Durchführung seines Geschäftes verlustig gehen. In welcher Weise die Televhongebllhrcn zu reformieren sind, ist in de» Debatten ja schon unzählige Male gesagt worden: Man soll die Pauschalgebührcn in gestaffelter Form beibehalten und Sätze fest- setzen für 3000, 5000. 8000, 10 000 uiw. Gespräche im Jahr. Eine Fest- stellnna ist durch eine Reihe von(dem Telephoneigentümer natürlich nicht bekannten) Stichtagen im Jahr ganz leicht möglich, und die Forderung, bis zum gewissen Grade nach der Größe der Benutzung zu differenzieren, ist rn ihrer einzig möglichen Form, ohne daß das einzelne Gespräch eine ihm nicht zukommende Bedeutung erhält und ohne daß der gesamte Verkehr gehemmt und gestört wird, erfüllt. Man hat in Oesterreich mit diesem System sehr gute Erfahrungen ge- macht, und es ist gar nicht einzusehen, aus welchem Grunde eine lieber- tragung auf unsere Verhältnisse nicht möglich sein sollte. Keine unserer und anderer Länder Verkehrsanstalten wird nach derartig kleinlichen Grundsätzen behandelt, daß man ein so unwesentliches und gar nicht in seinem Werte zu bemessendcs Ding wie das einzelne Gespräch als Maßstab normiert. Die großen Gesichtspunkte, die Zulässigkeit von Pauschal- und Abonnementszahlungen find stets in den Ein» richtungen des Verkehrs die ausschlaggebenden gewesen und haben allein seine Entwicklung, seine Ausbrertung und seine Zweckdienlich- keit gewährleistet. Und diese ist das Ziel!- New Jork als Scehiifen. Das neueste Monatsbulletin des New Dorker Chamber of Commerce enthält Angaben, nach denen New Jork an der Spitze der Liste der Seehäfen der Welt steht. Im Jahre 1908 belies sich die Tonnage der den Hafen im Außenhandels- verkehr anlaufenden Swiffe auf>2 154 780 Netto-Registertonnen. Ein Vergleich mit der Ziffer von 7 771 412 Tonnen für das Iahe 1898 läßt eine Zunahme in diesem Schiffsverlehr um 50,4 Proz. ersehen. Für dieielbe zehnjährige Periode meldet London nur eine Zunahme um 22 Proz., näinlich von 9110 925 anf 11 160 367 Netto- Registertonnen, Antwerpen eine Zunahme um 81 Proz., von 0 187922 aus 11 211803 Proz., Hamburg eine von 82,7 Proz., von 6 000 510 auf 10 888 563, Liverpool um 48,2 Proz.. von 5 845 384 auf 3167419, Marseille um 67 Proz., von 4 032 259 auf 6 736 603 und Genua eine solche Zunahme um 55,1 Proz, nämlich von 3 514301 Netto- Registertonnen in 1393 auf 5 450313 in 1908. Sembts- Leitung. Ein Mordversuch von Lehrlingen lag einer Anklagesache zugrunde, welche gestern daS Schwurgericht des Landgerichts I beschäftigte. Aus der Untersuchungshast wurden die ISjährigen Lehrlinge Emil Kurzius und Felix WrzesinSki vor- geführt, u»t sich wegen gemeinschaftlichen versuchte» Mordes und wegen Diebstahls zu verantworten.— Der Vater des KurziuS war Förster, während der Vater des WrzesiuSli noch heute Wcrt- meister in einer Fabrik in Posen ist. Beide waren vor nicht langer Zeit erst nach Berlin gekommen und hatten in der Drogen- und Farbenhandlung von Hermann Sieling in der Rigaerstr. 12 eine Stellung als Lehrlinge gesunden. Wie der Angeklagte KurziuS in seiner Vernehmung vor Gericht behauptete, habe er cS in dieser Stellung denkbar schlecht gehabt. Er habe eö nie recht machen können und sei von Sicking an allen Ecken und Enden schikaniert worden. Eines Tages habe er sich angeboten, einen Teil des Ladens zu streichen und habe dabei versehentlich zwei Flaschen Essenz und verschiedene andere Dinge zerbrochen. Sieling habe dann von seiner Mutter insgesamt 7,25 M. als Schadenersatz verlangt, ob- wohl die Sachen selbst bei Ansetzung des Verkaufspreises erheblich weniger gekostet hätten. Seine Mutter habe daS Geld an Sieling eingeschickt und ihm selbst in einem Briefe mitgeteilt, daß sie ihm nun natürlich nichts mehr zum Geburtstag schenken könne, der am 80. Mai war. Am 27. Mai habe ihm WrzestnSli den Revolver deS Sieling gezeigt, den dieser bisher unter seinem Kopfkissen auf- bewahrt habe. Er(KurziuS) habe dabei geäußert, man müsse eigentlich den Chef totschießen, da er sie zu schlecht behandle. WrzcsinSki sei sofort auf den Plan eingegangen und habe auch Kugelpatronen gekauft, da der Revolver bisher nur mit Schrot geladen war. Am Nachmittag des 23. Mai habe er zu Wrzesinski geäußert, daß ihm W. helfen solle, den Chef zu verprügeln, wenn er diesen nicht gleich zu Tode treffen würde. Am Abend Hab« er sich dann, so behauptet Kurzius weiter, erst noch Mut angetrunken. Nachdem der Laden geschlossen morden war, habe sich Sieling an seinem Schreibtisch zu schaffen gemacht. In diesem Augenblick habe er auf S. einen Schuß abgegeben, der diesen zu Boden gestreckt habe. Sieling sei dann wieder aufgesprungen und habe auf ihn eingeschlagen. Er habe hierauf den zweiten Schuß auf seinen Chef abgegeben.— Wie sich später herausstellte, hatte der Angeklagte tatsächlich 5 Schüsse auf seinen Chef abgegeben, die diesen am Arm, am Kopf und am Halse getroffen hatten, ohne jedoch lebenSgefähr- liehe Verletzungen herbeizuführen.— In seiner weiteren Verneh- mung gab der Angeklagte Kurzius an. daß er nach der Tat zu dem im Nebenzimmer wartenden Wrzesinski geäußert habe:„Nun er- schieße ich mich, da es sonst doch den Kopf kostet. Am besten ist eS. wir erschießen uns beide, da wir sonst hingerichtet werden!" Wrzesinski habe ihm jedoch zugeredet, lieber mit ihm nach Posen zu flüchten. Beide wären dann durch ein Fenster geklettert, um zu flüchten. Er sei jedoch nur bis zur KönigSberger Straße ge« kommen, wo man ihn festgenommen habe.— Auf Anregung deS als Sachverständiger geladenen Medizinalrat Dr. Stoermer be- kündet der Angeklagte KurziuS noch, daß sein Vater und seine Großmutter durch Selbstmord geendet hatten. Er selbst hatte im Untersuchungsgefängnis einen Selbstmordversuch unternommen. nachdem ihm geträumt hatte, daß ihn seine Mutter enterbt habe.— In der Vernehmung des Angeklagten Wrzesinski gibt dieser den geschilderten Sachverhalt mit wenigen AbweichuiPen von der Dar« stellung deS KurziuS zu. Der AngeklagteWrzefinSki führt noch auS: Er ist als Volontär bei Sieling eingetreten unter der Bedingung, daß er noch 116 Jahr lerne und beide Parteien eine Konventionalstrafe von je 150 M. auferlegt werden sollte, wenn die Vertragszeit aus nichtigen Grün- den nicht innegehalten würde. Zuerst habe er es. wie er bekundet. ganz gut gehabt, dann aber habe Sieling begonnen, auf ihn zu schimpfen. Er hübe ihn auch wiederhoft heftig geschlagen und ge- züchtigt und mit Schimpfnamen aller Art bedacht. Schließlich habe er rS nicht mehr aushalten können und sein Onkel habe schließlich Herrn Sieling bewogen, ihn gegen Zahlung von 50 M. zum 1. Juni zu entlassen. Sieling habe ihm auch schon am 26. Mai ein Zeugnis ausgestellt, mit dem er nicht recht zufrieden war. Schon eine Woche vorher habe Kurzius ihm gesagt: er werde auf den Chef schießen, wenn er sie nochmals mißhandle. Er wolle ihm Angst einjagen. Er(Wr.) habe die ganze Sache für Spaß aufgefaßt und sein Einverständnis ausgedrückt. AIS dann aber KurziuS wieder darauf zurückkam, will er ihn gewarnt haben, da er den Chef ja totschießen könnte und dann ins Gefängnis käme. Kurzius yabs dann, als er den Brief von seiner Mutter erhalten, wonach sie ihm nichts zum Geburtstag schenken wolle, in der Erregung gesagt: er werde den Chef totschießen, wenn er am Pult stehe. Zu ihm, Wr., Hab' KurziuS drohend gesagt:„Wenn Sie mich verraten, schieße ich Sie tot und dann werde ich mich erschießen!" Der Angeklagte bestreitet, daß er Patronen für den Revolver gekauft oder den Mit- angeklagten durch Zureden zur Begheung der Tat aufgefordert habe. Er habe erst, als er in seinem Schlafzimmer war, plötzlich 3 Schüsse gehört, dann sei Kurzius mit erregtem Gesicht in das Schlafzimmer gekommen und habe ihm zugerufen:„Fliehen Sie! Fliehen Sie!" Er habe, da er nun Angst vor Kurzius hatte, vollständig den Kops verloren, sei zum Fenster hinausgesprungen und KurziuS sei ihm gefolgt. Auf der Straße habe er wiederholt den Kurzius gefragt, was denn eigentlich passiert sei. che er aber eine Antwort erhalten, sei Kurzius oerhaftet worden. Er selbst sei ins Geschäft zurück- gekehrt und habe sich umgezogen; dann sei er verhaftet worden. Auf Vorhalt bleibt Kurzius dabei, daß WrzesinSki in den Plan, den Chef zu erschießen, ganz eingeweiht gewesen sei; er habe auch die Kugelpaironen besorgt und unmittelbar vor der Tat selbst ihm zugenickt und gerufen:„Na nun los!" Wrzesinski müsse auch ge» sehen haben, daß er den Revolver bereits in der Hand hielt.— Die Darftellunge» der beiden Angeklagten widersprechen sich in den wesentlichsten Punkten.— Zur Sprache kam noch, daß KurziuS gerade an dem Tage der Tat zur silbernen Hochzeit seiner Tante gehen wollte. KurziuS behauptet, daß er plötzlich zu der schon vor- her besprochenen Tat hingerissen worden sei, weil Sieling wieder geschimpft habe.— Auf eine Frage eines Geschworenen bestätigt KurziuS, daß er als Förstersschn mit Schußwaffen und deren Wirkungen Bescheid wußte. Die Schrotpatronen habe er durch Kugelpatronen vertauscht, weil die ersteren„nicht ziehen".— Der Angeklagte Wrzesinski gibt zu, die Kleinigkeiten aus dem Geschäft sich angeeignet zu haben, was ihm als Diebstahl ausgelegt werde. Von abnormen, krankhaften Neigungen deS KurziuS will Wr. nichts bemerkt haben, insbesondere nicht von den behaupteten„Traum- Wanderungen". Er wisse nur. daß KurziuS im Schlafe sehr ge. schnarcht habe, auch habe dieser ihm einmal erzählt, daß er mond- süchtig sei. Der alsdann als Zeuge vernommene Drogist Albert Sieling ist noch heute an den Folgen der erlittenen Verletzungen krank. Er bestätigt, daß er mit Wrzesinski nicht zufrieden gewesen sei und ihn auch manchmal gezüchtigt habe. Kurzius habe viel gebummelt und sei auch die Nächte fortgeblieben, so daß er ihm wiederholt Vorhaltungen zu machen hatte. Schon acht Tage vor der Tat hat der Zeuge den Verdacht gehabt, Äaß Kurzius ihn vergiften wollte, denn der Kaffee, den ihm dieser serviert, habe einen sehr eigentüm- lichen Geschmack gehabt und ihm sei recht schlecht nach dessen Genuß geworden. Vor der hier fraglichen Tat sei cS zu einem irgendwie bedeutsamen Wortwechsel mit den Angeklagten nicht gekommen. Als er sich anzog und den Hut sich aufsetzen wollte, habe Kurzius auf ihn fünfmal geschossen, in die Schläfe, hinten am Halse, in die Backe, nochmals am Halse und am Kinn. Nach seiner Meinung sitzen die Kugeln noch fest. Er hat bis zum 13. Juni im Kranken- hause gelegen und wird noch jetzt manchmal ohnmächtig. Von irgend welcher geistigen Abnormität deS Kurzius hat der Zeuge nie etwas bemerkt. Beide Angeklagte hätten keine Lust zum Geschäft gehabt, seien aber sonst sehr gewitzt gewesen. Er ist der Meinung, daß er die beiden viel zu milde behandelt habe. Ueber den Geisteszustand deS Angeklagten Kurzius wurde der Irrenarzt Dr. Bischofs vernommen, der diesen zwei Wochen in einer Anstalt beobachtet hatte. Der Sachverständige kommt unter Berücksichtigung aller Momente aus dem Borleben und der Familiengeschichte und des körperlichen Befundes zu dem Gut- achten, daß Kurzius als ein schwachsinniger und geistig entarteter Mensch zu bezeichnen sei, der die Tat in einer Störung der Geistes- tätigkeit begangen habe.— Medizinalrat Dr. Stoermer dagegen. der seinerzeit auf Ersuchen des Untersuchungsrichters hin den An- geklagten Kurzius auf den Geisteszustand untersucht hatte, bcgui- achtete, daß cr bei Kurzius nur einen geringen Grad von Schwach- sinn habe konstatieren können. Von einer eigentlichen Geistes- störung könne keinesfalls die Rede fein. Kurzius sei ein minder- wertiger Mensch, der jedenfalls mit einem anderen Maße gemessen werden müsse, wie ein normaler Mensch; der§ 51 käme jedoch bei ihm nicht in Anwendung. Trotz des Ausspruches der Sachverständigen und trotz der Jugend der Angeklagten glaubten die Geschworenen, die Schuld- frage nicht völlig verneinen zu können,«sie bejahten die Schuldfragen wegen versuchten Totschlages. Das Gericht verurteilte darauf den Angeklagten Kurzius zu einem Jahr und neun Monate», und den Angeklagten WrzesinSki zu einem Jahr Ge- fängnis. Beiden wurden je drei Monate Untersuchungshaft ange- rechnet._ Polizei will nicht belästigt werbe». Nach Weihnachten meldeten wir. daß ein Mechaniker Krauskopf, wohnhaft Sonnenburger Straße 27, in der Weihnachtsnacht auf der Straße umgesunken und verstorben sei. Jener traurige Vorfall spielte hinein in eine Gerichtsverhandlung, die am Dienstag vor dem Amtsgericht Berlin-Mitte(Abteilung 141) stattfand. Auf der Anklagebank stand der Autodroschkcnführer Dennert. In der Wcihnachtsnacht sollte Dennert zwei Schutzleute belästigt haben, die von Passanten nach der Eberswalder Straße gerufen worden waren, um sich des vor dem Hause Straße 3(1/31 auf dem Bürgersteig liegenden Krauskopf anzunehmen. D. lvar, mit seiner fyrau von einer Weihnachtsfeier heimkehrend, in der Eberswalder Straße an die Gruppe herangetreten, die den Verunglückten um- stand. Kr. scheint, als die Schutzleute ihn in eine Droschke trugen, schon tot gewesen zu sein. Das ist zu schließen aus dem Wortlaut des Strafmandates, das später von der Polizei gegen D. verfügt wurde und ihm eine Geldstrafe von 30 M. zudiktierte. D. sollte groben Unfug dadurch verübt haben, daß er ,.�wei Aufsichtsbeamten die Feststellung und Durchsuchung einer Leiche mit Redensarten und höhnischen Worten erschwerte". Auch habe er. sagte das Straf- Mandat,„den Aufforderungen der Beamten, sich um die Polizei- liebe» Angelegenheiten nicht zu kümmern, kerne Folge geleistet"! schließlich habe er„seine Zwangsgestellung erschwert durch häufiges Stehenbleiben und beleidigende Redensarten". Gegen das Straf- Mandat erhob D. Widerspruch. Vor dem Amtsgerich«, das nun zu entscheiden hatte, bat D. zunächst um Vertagung, da die von ihm beantragte Ladung seiner Schutzzeugen unterblieben sei. Ter Vorsitzende belehrte ihn, daß die Ladung abgelehnt worden sei, weil er das Beweisthema nicht genannt, d. h. nicht angegeben hatte, was seine Zeugen bekunden sollten. D. hatte nicht gewußt, daß diese Angabe beim Antrag auf Ladung nicht fehlen darf. Das mußte er nun büßen: Das Gericht willigte nicht in Vertagung, so daß er ohne Schutzzeugen dastand. Dem Angeklagten wurde zur Last gelegt, daß er. als die Schutz- leute Krauskopf wegschaffen wollten, vor den Umstehenden erklärt habe, das bei dem Berunglückten gefundene Geld müsse gezählt werden. Nachher habe D. dem Schutzmanne, der ihn zur Wache führte und ihn dabei am Arm hielt,'gesagt:„Machen Sic mich nicht schmutzig." Vor Gericht führte D. zu seiner Verteidigung an, aus dem Kreise der Umstehenden heraus sei die Bemerkung ge- fallen:„Das Geld muß doch erst gezählt werden." Da habe dann er, wir �ur Beruhigung, hinzugefügt, daß sckostverständlich das Geld gezahlt Iverde. Die Aeußerung:„Machen Sie mich nicht schmutzigl" bezog sich darauf, daß der Schutzmann bei der Hilfe- lcistun'g sich die Handschuhe beschmutzt hatte und mit diesen Hand- schuhen nun auch die Fsicrtagskleiduug des von ihm festgehaltenen D. beschmutzte. D. wollte dem Gericht auch erzählen, wie es ibm auf der Wache ergangen sei, aber der Vorsitzende wehrte ab:„Was aus der Wache geschehen ist, geht uns nichts an. Wir haben hier nicht über die Polizei zu urteilen." Die Beweiserhebung brachte nur die Aussagen der beiden Be- amtcn. Der eine, ein Schutzmann Waldow itllr. 969), bekundete, in jener Weihnachtsnacht habe eine Zivilperson ihm gemeldet, daß da ei» Mann auf der Straße liege, er habe aber der Sache keine Bedeutung beigelegt. Später sei von seinem Kollegen Strobach ein Lote mit einem Zettel gekommen, der die Worte enthielt: „Sofort herkommen!" Da habe er gewußt, daß es sich jetzt um Eiliges handle. Er sei nunmehr sofort hingegangen und habe Strvbach bei dem verunglückten Kraustopf vorgesunden. Während sie den Mann in die Droschke schafften, habe Ä. jene Aeußerung über das Geld getan. Schutzmann Strobach(Nr. 4361) bekundete, zu ihm sei aus die Wache ein Mann gekommen, der� sich Kropp nannte und ihm meldete, daß da unten einer liege. Str. sei hin- unter gegangen, aber es habe ihm geschienen, daß der Verunglückte schon tot war. Er habe bei ihm nach Papieren gesucht, auch das Geld an sich getwmmen, es gezählt und den Betrag auf 22 M. angegeben. Als er es seinem Kollegen Waldow einhändigte, habe D. jene Bemerkung über das Zählen gemacht. Nach seiner Heft- nähme habe er gesagt:„Machen Sie mich nicht schmutzig!" Schließ- lich habe er, der Schutzmann Strobach,„auf der Wache uoch ver- schicdene Theater mit ihm durchzumachen gehabt". Auf der Wache habe nachher Herr Kropp gegen Dennert geäußert:„Das ist eine Frechheit von dem Menschen." Dieser Herr Kropp, sagte D., hatte mit anderen Zeugen uird der Gattin T.s vor der Wache gewartet, bis D. entlassen wurde. Er gab für D. seine Adresse an: Arbeiter Hermann Kropp, Jnvalidenstr. 15. Während er noch wartete, wurde er von einem Schutzmann heraufgeholt, um über die Sache auszusagen. Da nannte er dann auf dem Bureau dieselbe Adresse. Als Zeuge wurde er von der Polizei vorgeschlagen und auch von dem Angeklagten, aber die Ladung konnte ihm nicht zugestellt werden, da er nicht zu ermitteln war. Dem Gericht schien der Sachverhalt hinreichend geklärt. Es entschied nach dem Antrage des Amtsanwalts auf Bestätigung der Geldstrafe von 39 Mark._ Der Graf von Luxemburg. Mizzi Wirth, ibie bekannte Operettendiva des Neuen Operetten- theaters. trat gestern vor der 47. Abteilung des Schöffengerichts Berlin-Mitte unter Porsitz des Amtsrichters Dr. Leiden als Privat- klägerin gegen ihren Direktor Viktor Drechsler(alias Palfi) auf. Zwischen der Pribatklägerin und ihrem Direktor ist cS zu ernsten Zerwürfnissen gekommen, die zu einer ganzen Anzahl von Klagen und Widerklagen geführt haben. Der gestrige Termin war ein Glied in dieser Kette persönlicher Differenzen. Direktor Palfi soll am 11. Dezember in einer Probe des„Grafen von Luxemburg" gegen die Privatklägerin eine zornige Bemerkung gemacht haben, die diese als schwere Ehrenkränkung empfunden hat. Zum Termin waren mehrere männliche und weibliche Mitglieder des Neuen Operettentheaters als Zeugen geladen, außerdem waren mehrere Vertreter des Hofstaates des„Grafen von Luxemburg" im Zuhörer- räum anwesend. Vor Eintritt in die Verhandlung regte der Vor- sitzende an. die unerquicklick»« Angelegenheit durch einen Vergleich aus der Welt zu schaffen. Der Vorfall habe sich doch in einer für beide Parteien erregten Zeit ereignet, als die Privatklägerm in einem neuen Zugstück eine neue Rolle übernehmen sollte, die sie ja schließlich auch gespielt hat. Dazu komme Äoch, daß gegenüber dem Rechtsanwalt Dr. Simon eine Art Aussöhnung zwischen den beiden Parteien stattgefunden habe, wobei sich diese die Hand ge- reicht haben.— Rechtsanwalt Dr. Schlesinger: Die letztere Tat- fache sei richtig. Kaum habe Direktor Palfi aber dadurch wieder Oberwasser gehabt, so habe er mit den Schikanen sofort wieder begonnen. Außer dieser Klage seien noch andere Klagen gegen Direktor Palfi anhängig gemacht, außerdem habe die Privatklägerin eine Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft erstattet, und der Angeklagte habe seinerseits wieder mehrere Beleidigungsklagen gegen Frau Mizzi Wirth angestrengt. Bergleicksverhandlungen haben daher wenig Aussicht auf Erfolg.— Frau Mizzi Wirth er- klärte ihrerseits:„Bei der Schwere der Beleidigung einer schütz» und wehrlose» Frau gegenüber ist au einen Bergleich nicht z« denken!"— Rechtsanwalt Rosenberger weist daraus hin, daß Direktor Palfi wegen mehrerer Vorfälle Widerklage erhoben habe, uird zwar wegen zweier Briefe, die Frau Mizzi Wirth geschrieben. und wegen gröblicher Beleidigungen, die die Privatklägerin vor anderen Angestellten des Theaters gegen den Direktor ausgestoßen habe. Er ergänze dies durch eine neue Widerklage. Die Privat- klägerin habe einen Brief an den„Börsen-Courier" gerichtet, in welchem behauptet werde, der Angeklagte habe sie ihrer Freiheit beraubt und tätlich beleidigt. Dies sei eine verleumderische Be» leidiguna.— Frau Mizzi Wirth: Es betrifft dies den Vorfall, der mir Anlaß zur Anzeige beim Oberregicrungsrat v. Glascnapp und zur Strafanzeige beim Staatsanwalt Anlaß gegeben hat.— Da die neue Widerklage aufrecht erhalten wurde und dadurch eine Ver- tagung erforderlich schien, auch unter Beweis gestellt wurde. Klä- gerin habe verziehen, legte der Vorsitzende den Parteien nochmals nahe, die Sache dock durch einen Vergleich zum Abschluß zu bringen.— Frau Mizzi Wirth: Ich kann absolut daraus nicht eingehen. Der Mann hat mich geschlagen, er hat mich eingeschlossen und beschimpft.— Das Gericht beschloß, die Verhandlung zu ver- tagen und einen neuen Termin auf den 5. März, vormittags 1 1 Vi Uhr anzuberaumen. Zu diesem wurden von beiden Seiten noch neue Zeugen vorgeschlagen._ Wegen Dummheit freigesprochen. Der Invalide Olschcwski war vom Schöffengericht in Lhik (Ostpreußen) wegen Betruges zu 14 Tagen Gefängnis verurteilt. Er Halle versprochen, dem Kantor Dusy 239 M. gestohlenes Geld durch Gebet wieder zu beschaffen und ließ sich für seine Faxen 4 M. zahlen. Tie Strafkammer in Lyck hob gestern das Urteil auf und sprach den Angeklagten frei. Der Angeklagte hatte dargelegt, er stebe mit dem lieven Gott in so innigem Verhältnis, daß et durch inbrünstiges Gebet gestohlenes Gut wiedcrbeschaffen könne. Das Gericht nahm an. dem Angeklagten sei nicht nachzuweisen. daß er von der Unsinnigkeit seiner Handlungen überzeugt sei. Des, halb müsse Freisprechung erfolgen. Wie tief steht die Kultur in einem Lande, in dem nicht nur der Angeklagte, sondern auch der Betrogene an derlei Albernheiten glauben. Natürlich sind beide Staatsstützen wert, in die erste Wählerklasse auszurücken._ Wafferfta ndS-Nachrt/, Uhr, un Reuen Klubhaus, Kommandanten- straße 72: Vortrag, Architekt M. Steiner:„Die wichtigsten Merkmale der historischen Stilarten," Am 20, Februar, abends 6 Uhr. im Gewerkschaftshaus: Stiftungsfest des Vereins. Kinder unter 14 Jahren haben keinen Eintritt. Leseabende. Groß- Lichterfelde. Freitag, den 13. Februar, tm„Kaiserhof" (Kranoldplatz). Vortrag:„Kinderarbeit und Kinderschutz." Versammlungen. Die GewerkschoftSkommission hielt am Montag eine Versamm- lung ab, die zunächst Stellung zur Maifeier nahm. Wie Genosse Körsten ausführte, handelt es sich lediglich um Beschlußfassung über die Frage: Sollen die Gewerkschaften, ob- gleich der 1. Mai in diesem Jahre ein Sonntag ist und die Arbeits- ruhe in diesem Falle nicht als Demonstrationsmittel gelten kann, am Vormittag des 1. Mai die seither üblichen Dcmonstrationsver- sammlungen veranstalten? Im Namen des Ausschusses der Ge° Werkschaftskommission und in Uebereinstimmung mit dem Aktions- auSschuß der Partei empfahl der Redner, daß die Gewerkschaften auch in diesem Jahre am Vormittag des 1. Mai in gewohnter Weise ihre Versammlungen abhalten. Die Versammlung stimmte dem ohne Debatte zu. Hierauf sprach Körsten über die Aufnahme einer allgemeinen Lohustatistik durch die Gewerischaaften. Er verwies darauf, daß eine solche Aufnahme notwendig fei, weil sehr oft Anfragen an die GeWerk- schaftSkommission ergehen wegen Ueberlassung statistischer Nachweise über Lohnhöhe und vergleichen in den verschiedenen Berufen. Der- artiges Material werde bei Tarifberatungen oft verlangt, auch hätten die Gewerkschaftsleitungen in manchen Fällen ein Bedürf- Iiis, zu erfahren, welche Löhne in anderen Berufen gezahlt werden. Der Ausschuß schlägt vor, die Aufnahme der Statistik in der Weise zu belvirken, daß die Leitungen der einzelnen Gewerkschaften Angaben machen über die vollen Wochenlöhne, die durchschnitt- lichen Wochenlöhne für das ganze Jahr berechnet und den durch Arbeitslosigkeit und Krankheit verursachlen Lohnausfall im wöchent- lichen Durchschnitt. Eine nach diesen Grundsätzen gemachte Auf- stellung des Holzarbeiterverbandes lag der Versammlung alS Muster vor. Die Versammlung beschloß, daß die Gewerkschaften derartige Aufstellungen machen und sie dem Ausschuß übermitteln sollen. Angeregt wurde noch, einer Zusammenstellung aller in den Gewerkschaften bestehenden tariflichen Lohn- und ArbeitSbedin- gungen naher zu treten. Genosse Brückner sprach über die Werbung von Mitgliedern für die volttische Organisation gelegentlich der gewerkschaftlichen Tätigkeit. Er führte u. a. auS: Es sei ein für jeden Parteigenossen unerwünschtes Mißverhältnis, daß die Wahlvcreine Grotz-Berlins nur SO 000 MitgliÄ>er zählen, während die Gewerkschaften 225 000 Mitglieder haben. Es müsse das Bestreben jedes.Parteigenossen sein, diese Differenz dadurch auszugleichen, baß die Zahl der politisch Organisierten vermehrt wird. Zu diesem Zweck habe der Aktionsausschuß der Partei die MitwirÄng der Gewerkschaften nachgesucht und sich mit dem AuS- schuß der GewerkschoftSkommission dahin verständigt, daß in den gewerkschaftlichen Betriebsbesprechungen auf die politische Organi» sation hingewiesen werde sowie Flugblätter zugunsten derselben und Ausnahmezettel für die Wahlvereine verbreitet werden. Ein Mißverständnis sei es dagegen, wenn im„Mitteilungsblatt" der Wahlvereine gesagt werde, die Gewerkschaften sollten Versamm- lungen zum Zweck der politischen Agitation veranstalten, zu denen die Partei Referenten stelle. Sin derartiges Abkommen sei nicht getroffen worden, könne den Gewerkschaften auch nicht empfohlen werden. Doch könne den Gewerkschaften zur Pflicht gemacht werden, mehr als bisher ihre Mitglieder hinzuweisen auf die Pflicht, sich der politischen Organisation anzuschließen und in den Betriebsbesprechungen in der erwähnten Weise zu wirken. Cohen bemerkte, der Metallarbeiterverband habe in allen seinen Versammlungen auf die politische Organisation hingewiesen und tue daS auch ferner. DaS werde auch bei den anderen Grwerk» schaften der Fall sein, und dadurch sei eS gelungen, die Mitglieder- zahl der politischen Organisationen auf ihre jetzige Höhe zu bringen. Wenn eS sich jetzt nur darum handeln soll«, die Gewerk- schaften anzuhalten, daß diese Taktik auch ferner unablässig geübt werden solle, dann sei selbstverständlich nichts dagegen einzuwenden. Eine hierüber hinausgehende politische Betätigung der Gewerk- schaften könnte ihnen Schwierigkeiten machen und müsse deshalb unterbleiben. Die Versammlung erklärte sich damit einverstanden, daß die Gewerkschaften es sich angelegen sein lassen, mehr alö bisher auf die Gewinnung von Mitgliedern für die Wahlvereine hinzuwirken. Brückner teilte hierauf mit, daß der JugendauSschuß die Gewerkschaften ersucht, für den Verein Jugendheim (der bekanntlich den Zweck hat, die Mittel zur Errichtung von Jugendheimen aufzubringen) in der Weise zu wirken, daß die Werkstattvertraucnsleute und sonstigen Funktionäre Mitglieder für den Verein Jugendheim aufnehme» und deren Beiträge«in- sammeln, wozu der JugendauSschuß da» erforderliche Material liefert. Die Versammlung erklärte sich durch Annahme einer Reso- lution damit einverstanden. Auf Ersuchen des Genossen Körsten erflärte sich dl« Ver- sannnlung dafür, daß sich die Gewerkschaften, damit sie im Tele. phonbuch leicht aufgefunden werden können, unter der Bezeichnung: Gewerkschaften(freie) eintragen lassen. Mnsktll, Ammlungev, ZkhkllSlvlirdigktjttv. (Zutritt ist unentgeltlich, wenn nicht» andere» vermerkt ist,) AlteS und Neues Museum. Am Luftgarten. Wochentag»(außer Montags): April bis September 10-4, Oktober bis März 10-3. Am Sonntag und an den zweite» WeihnachtS-, Öfter-, Mngstseiettagen: Aprll bi« Sepsimbcr 12— S, Ollober und Mörz 12— S, November und Februar 12— 4, Dezember und Januar 12-3, Am Montag und an Feiertagen(außer den zweiten Feiertagen): geschlossen. Aquarium, unter den Linden 68». Im Sommer: täglich g— 7, Im Winter: an Sonn- und Feiertagen 2—7. an Wochenlagen S— S. Eintrillsgeld: 1,00 M,, an Sonn- und Feiertagen SO Ps,; Kinder die Hälste. Am letzlen Sonntag jedes Monats 25 Pf. Zlrchitektur-Museum. Technische Hochschule, Charlottenburg, Berliner- straße IM, Montag 10—3(auch S'/j— T'/j, vom Oktober bis Mörz), Dtenslag 12—3,(auch 10—12 für Studienzwcckc), Mittwoch lO— 12. Donnerstag 12—3 (auch 10—12 für Studicnzweckc, mich S'/j— 7'/, vom Oktober bis März), Freilag 10—3. Geschlossen: Sonnabend und Sonnlag. Ausstellung sür Arbeiterwohlfahrt. Charlottenburg, Fraunhoser» straße 11,12. An allen Wochentagen(außer Montag) 10—1, am DienSIaz und Donnerstag auch 6—9 abends,«onntag 1—5. Baumuseum. Siehe Verkehrsmuseum. Berg- und Hiittenmnseum. Jnvalidenstr. 44. Dochenlag»(außer Sonnabend) 12—2, am Sonnlag: April bis September 12—6. Ollober und Mörz 12— 5. November und Februar 12—4, Dezember und Januar 12—3. Botanischer Garten. Dahlem. Unenlgelllich: Sonntag, Dienstag. Mittwoch, Freitag 2—7, Sonntag 10—7. An Wochentagen vormittags tulritt nur gegen Erwerbung des.Führer»"(beim Psöttner).(Nur im ominer geöffnet.) Botanisches Museum. Dahlem Rontag und DormerZlag 3—6, Mittwoch 9—6. Eiienbahnmuseum. Siehe Verlehrsmufeum. Kaiser Friedrich-Museum. Monbljouslraße. Eröffnung: an den Wochenlagen(außer Montag) um 10, am Montag um 1, am Sonntag und an den zweiten Wcihnachts-, Osler- und Pfingslsciertagen um 12. Schluß an allen Tagen: April bis September um 6, Ottober und Mörz um 5, November und Februar um 4, Dezember und Januar um 3. Eintritt»- geld: Montag l M., Dienstag und Mittwoch 50 Pf. Eintritt frei! an allen übrigen Tagen. Hygienrmiiseum. Hrssischestr. 4. Dienstag und Freitag 10—2; Sonntag:?lpril bis September 1—6, Oktober und März 1—5, November und Februar 1—4, Dczenibcr und Januar 1—3. Kunftgewerde-iviuseum. Prinz Atbrechtstr. 7. Besuchszeit wie beim Alten Museum. Landwirtschaftßmuseiim. Jnvalidenstr. 42. An den Wochentagen (außer Montag) 10—3. An jedem dritten Sonntag Im Monat: 11—5. Märkisches Provinzial-Mufeum. Wallstr. 50/54. Besuchszeit täglich (mit Ausnahme von Sonnabend) 10- 3 Uhr. Eintritt frei. Gedruckt« Führer 10 Ps. MeereSkuudemusenm. �Eeorgenslr. 34—36. Sonnabend und Montag 11—4. Sonntag 12—3. National-Galerie. MuseumSinsel, an der Friedrichsbrücke. Eröffnung: an den Wochenlagen(außer Donnerstag) um 10, am Donnerstag um 1, am Sonntag und an den zweiten Wcihnachts-, Oster- und Psingstseiettagen um 12. Schluß, an allen Tagen: April bis September um 6, Oltober und Mörz um 5, November und Februar um 4, Dezember und Januar um 3. Ei»tritl«n?ld: Donnerstag 1 M., Freitag und Sonnabend 50 Ps. SIntrtIl an allen übrigen Tagen srei. Naturkunde. Museum. Jnvassdenstraß« 43. Montag, Mittwoch, Donnerstag, Sonnabend: April bis September 10—4, Ollober bis März 10—3. Am Sonntag und an zweiten Feiertagen: wie beim Alten Museum. Post-Blusenio. Leipzigers»:. 16/16. Montag, Dienstag, Donnerstag, Freitag 10—2. Am Sonntag und an den»weilen Feiertagen: 12—2. Rauch-Museum.(Werte von Christ. RauchO Klosterstr. 76. Wochen» lag»: April bis September 10-4, Oktober bis März 10—3. Raihuus. Königstraße Täglich(außer Donnerstag und Freitag) 10—3, uiicntgelllich. Tunnbesteigimg: April bi» September, täglich(auch Donnerstag und Freitag) 10—8, Eintrittsgeld 20 Pf. ReichstagsgebÄudc. Königsplatz. An Wochentagen S'/,— 2'/, vormittags, am Sonntag 2—4. Eintrittsgeld 50 Ps. Sternwarte. Euckeplatz 3a. Mittwoch und Sonnabend, im Sommer 9— 11, vormittags, im Winter 10—11 oormiitagS. Sternwarte. Treptower Park. Täglich von 2 Uhr nachmittags ab, Im Sommer bis 12 Uhr nachts, im Winter bi» 10 Uhr abends. Ewtrltts« geld: 60 Pf. für Besichtigung der Sternwatte und de» Askonomtschen Museums, 1 M. sür Beobachtung mit dem großen Fernrohr. Tternivarte der.Urania". Jnvalidenstr. 57/62. Täglich 7'/«— 11 Uhr abend». Eintrittsgeld 50 Ps. Urania, Sammlungen und wissenschaftliches Theater. Taubenstr. 4». Täglich von 10 Uhr vormittags ab. Eintrittsgeld 50 Psennig(für Abend- Vorstellungen von 1 Mark an). Verkehrs- und Baumusenm. Jnvalidenstr. 51. Sonntag 11—4, Dienstag, Donnerstag. Freitag>0—4, Mittwoch und Sonnabend 2—8. Bölkerkunde-Museum.«öniggrätzerstr. 120. Besuchszeit wie beim Allen Museum. Museum für deutsche Volkstrachten und BolkSknude- S'oster- straße 36. Besuchszeit wie beim Allen und Neuen Museum. Zeughaus. An der Schloßbrücke. Wochentag»(außer Sonnabend): März bi» Oktober 10—3, November bis Februar 10—2; am Sonntag und an den zweite» Feiertagen 12—3. Zoologischer Garten. Eingänge; Lützow-UIer, Kurfürftendamm and Stadlbahnhos. Eintrittsgeld: an Wochentagen 1 Mark,(abends nach 6 Uhr 50 Ps.). an Sonn- und Festtage» 50 Pf.; Kinder die Hälste. Am ersten Sonntag jede» Monat» 25 Ps. Vermischtes. Tampferzusanimenstoft im Hamburger Hafe». AuS Hamburg wird vom gestrigen Tage gemeldet: Der heute früh im hiesigen Hafen eingetroffene englische Dampfer.Greenland" ist gestern infolge Nebels in der Nordsee mit einem unbekannten Fischdampfer zusammengestoßen. Der Fischdainpfer sank sofort. Der englische Dampfer blieb längere Zeit an der Unfallstelle, sah aber nichts von der Mannschaft, fondern nur Wrackstücke. Zwei Kinder kSdlich verunglückt. Wie au» Essen a. d. R. ge- meldet wird, sind dort in einem Hause der«ltenessener Straße gestern zwei Kinder im Alter von 5'/, und S Jahren, als sie ihrer Mutler, die ausging, nachblicken wollten, aus dem Fenster gestürzt und tödlich verletzt worden. Zum Untergang des„General Chanzy". AuS Paris wird gemeldet: Nach einer Depesche an den Marine- minister auS Ciudadeta hat die dorthin entsandt« Torpedoboot»- floiille damit begonnen, die umhertreibenden Leichen zu bergen. Die Leichen sollen, falls nicht Gegenbefehl«intrifft, sSmt» lich dort beerdigt werden, nachdem sie zuvor Photographie« worden find. Die UnglückSstelle. wo der„General Chanzy" scheiterte, liegt in der Bucht von Enderossay auf der äußersten Rordivestspitze der Insel Menorca. Da« Weiter ist jetzt sehr schön. Der Raubmord in BoguSlawlce. Der deS Mordes verdächtige K o S c i n S k i soll setzt. wie an» Pieschen gemeldet wird, gestände» haben, den achtfachen Raub- mord in BoguSlawiee begangen zu heben. Er will den Mord allein in einer halben Stunde onegetübrt, sich dann Sachen der Ermordeten angezogen und die blutbefleckten Unifornistücke im Getreideschober versteck» haben._ Da» Hochwasser. Einer Meldung an» Bourgetz en Bresse (Dep. Ain) zufolge hat da» Hochwasser die Deiche der Saüne durch« brocken und zwei Dörfer üterfiutet. Die Bewohner konnten nur da» nackte Leben retten. Die Untersuchung über den Brand im Tschiragan-Palast ist ein« Meldung aus Konstantin opel zufolge jetzi abgeschlossen. ES wurde, wie verlautet, sestgeslellt, daß das Feuer durch eiuen Zufall eulstand, dessen Ursache nicht bekannt ist. Eingegangene vnickfckrikten. »Kommunale«raxlS". Wochenl-httst für Kommunalpoftttk und So. melndfloziallsmu». Die Hefte 4 und 5 find erschienen. Wöchentlich erscheint t Heft,«donnementspre» vierteljihriich 3 M. Verlag Buchhandlung Vorwärts. Berlin 8iV. 68. „In Nreien Stunden.« Hefte 4 und 5 sind«schienen und bringen. außer dem Hauptromnn.Di« A b e n d b n r g- von Bruno D i l l« die Fortsetzung der Erzählung.Romana" von Theodor Mügge sowie einig« lleinere Epstoden ernsten und heileren Inhalts.In Frete» Stunden» kostet 10 Pf. pro Heft Probenummern tiesert der Verlag Buchhandlun» Vorwärts, Berlin SV. 63, kostenlos. Tie gesundheitlichen und hygienische» Verhältnisse der Metall- giestereien Grub- Berlins. SlaNstische Ausnahme der Lrtsverwallung Berlin des Deutschen Metallarbeiter- Verbandes. 43 Seiten. A. Cohen, Berlin diW. 6. Ter Unischlagverkehr in Baumaterialien ans den Berliner Waficrsirasien und die Zweckmäßigkeit der Verwendung mechanischer Eni« labeborrichlungen sär den ZiegellraiiZport. Von Dr. C. ClauZ. g.SY M. M. Krayn, Berlin W. 57. Handbuch der saiialdemokratischen Parteitage lSKS— lgy». bearbeitet von Wilhelm Schröder, komplett in 18 Licierungen a 30 Vs »u je 32 Seiten. Verlag von O. Birk u Co. rn. b. H., München. Soeben ist die 4. Licserung des Handbuches erschienen. ES werden darin behandelt: Buchhandlung Vorwäri», Buigeiftage, Surenkrieg, Bürgerliches Gesetzbuch, Bürgerliche Presse(Mitarbeit), Cbinoseldzug, Dampser-Subvention. Dänisch« Agitation, Danzig. Diäten sür NeichStagsab geordnete, Doppelkandtdaturen zun» Reichstag. Düsseldorf, Eisenacheuer und Lassalleaner, Eisenbahnverstaat» iichung, Elsatz-LothringM._ Donnerstag, de» 17. Februar, abends 8 Uhr: Dienstboten-Versammlung in dm„Armlnhallcn", Kommandautcnstr. 68/59. TageS-Ordnung: „IDfldjf Fordkrvngkn stklitn die Sievstbottn zur Reichs- KrauKknverßchermig?" l.uise IietL Di-ruision. Die Aibeiterschast wird ersucht, alle ihr bckanntm Dienstbotm aus diese Versammlung ausuierlsam zu machen. Die Etnberuferin: gnna lopplod, Litzenseeuser 1. ■m Hl Zweigverein Berlin. Die Wahl des Z>veigvereinsvorstandcs erfolgt durch Stimmzettel.— Die Versammlungen dazu finden in den Zahlstellen und Bezirken an folgenden Tagen statt: MttwocK, 10. Tebvuar 1010, abends 8 Uhr: Groft-Lichterfelde. Nranoldplatz,„Kaiserhof". Steglitz,.Schlotzstraße 117, Ruhmann. Oranienburger Vorstadt. Schlegelstrabe 9. DcnnS. Donnerstag. 17. 7ebrnar 1010. abends 8 Ubr: Weistensee. Köntgchaussee 38, Rohkopf. Friedrichshagen» Am Rundteil. Lerche. Friedenau, Rheinstrahe 31, SchönefeU». Lankwitz. Mühlenstrahe 21. Schulz. Mariendorf. Chausseestrahe 27, Löwenhagen. Westen, Biiloivstrahe 58, Wieniers. Südwest, Kreuzbergstrahe 43. Gohmann. Teltow. Berliner Strohe 16. Preuh. Alt-Glieniike. Köpenicker Strohe 6. Witte. Süden, Admiralstratze 18c,.Märkischer§of*. Moabit. Woldstrahe 8, Stork. Südost, Naunynstrahe 6, Böhm. Wilmersdorf, Nhlondstrahe ll)6. Ockon. Rixdorf, Kirchhofstrohe 4l, Wolf. Nordost, Georgenkirchstrahe 65. Spät. Wedding, Poseivalker Strohe 3, Hoffmonn. Norden I u. 1 1, Swinemünder Str. 42.„GcscllschastZhauS'. (!harlvttenbnrg, Rosinenstrahe 3,„PolksHouL". Adlershof» Metzer Strohe 1. Boschin. Osten l, AdreaSstrahe 2l, Borgmann. Osten II, Frontfiirter Allee 127, Schröder. gricdrichsfelde, Miquelstrohe 7V, Sommerfeld. chöneberg, Meininger Strohe 8.„Neue RathauSsäle'. 7reUag» 18. Februar 1010. abends 8 Uhr: Lichtenberg, Schornweberstrohe 60, Pickenhagen. Pankow, Florastraße 90, Jtteritz. Lektion«ler Putzer. Die Wahlen des Sektionsvorstandes sowie deS gesamten Zweigvereinsvorstandes finden statt am Iffittooch, 10. ftbrnar 1010, abends 8 Uhr, in den Sezirhslohalen« Die Kollegen werden ersucht, auf den Handzettel zu achten, welcher dem„Grundstein" beigefügt ist._ ise/io* Donnerstag, den 17. Februar, abends S'/« Uhr, fan Gewerks eh aftshans, Engeluser 14(Zimmer 4): Sitzung der Ortsverwaltung. Freitag, den 18. Februar, abends 8«/« Uhr, bei Boeker, Weberstraße 17: Kombinierte Sitzung der Kontroll- und Kranchenkommisfioneu und der Ortsverwaltung. Montag, de« 21. Februar, abendS 8Vz Uhr, in KeUem Sälen, Koppenstraße SS: Vertrauensmänner- Versammlung für sämtliche Kezirke und Kranchen. 79/3___ Die OrUverwaltnng. Gewerbegerichtswahlenin Rixdorf. Mittwoch, be« 16. Aebrnar, abendS 8'l, Ubr, im groke» Saal van Hoppe, Hermaunslratze 49: krosiv Volksversammlung. 283/6* t„Die■ Reserent: AvBeitcrlofietär Genosse Adolf Ritter. iöetim. 2 Diskussion Die Parteigenossin und Genossinnen weiden ersucht, recht zahlreich zu erscheinen._ GewerkjchaftS-(Unter.) Kominiäslon Rixdorf. TageS-Ordnung: Bedrntung des GewcrbegorichtS für die Arbeiter.* .......~" VMM R ArbcitSnawwriS: Hoj l. Am! 3. 1239. BrrwaltuuasiicUe Berlin. Haiiordurean- CbsrilsMeaU« 8. Hof LH. tlmt 3. 1967. mimi Donnerstag, den 17. Februar, abends 8�/2 Uhr: Allgemeine Versammlung r in den Borussia-Sälen, Ackerstr. 0/7. TageS- Ordnung: 1. Vorkrag des Kollegen A. Wnnehleb: Die Unternehmer auf dem Kriegspfad. 2. Diskussion. 3. Branchenangelegenheiten. Zahlreichen Besuch erwartet 111/18 Die OrtBTerwaltnng. MMtlihöMtrlmdMMtnililril! Freitag, den 18. Februar, abends 9 Uhr: Geffentliche Versammlung im Lokale des Herrn Aierkowski, Andreasstr. LS. TageS-Ordnung: I. Vortrag des Herrn guflizrat« ZlatteraderlT. 3. Diskussion und Verschiedenes. 3. Ausnahme»euer Mitglieder. Da der Vorlrng>> hr lehrreich und inpreffanl wird,«rwaiiet zahlreichen Besuch Ter Einberufcr: C Milncheberg, Drontbeimerstr. 14. NB. Zur Deckung der Unkosten findet Tellersammlung statt. Lei3/8* Zc»lrMrMcil-»»dFlttbrkaffrd»M«Ier.-. Filiale Berlin. Bureau< stlelcbiorftr. zS, part. Geösinel von 9 Uhr vormittags bis 1 Uhr nachmittags. DonncrStag, I?. Februar, abends 8'i, llhr. im GcwerkfchaftShaufe. Engeluser IS: Mitglieder-Versammlung TageS-Ordnung: 1. Jahresbericht und Abrechnung vom 8. und 4. Quartal 1909. 8. Wahl der OrtSverwatlung. 3. veischiedeueS DM- HUtxUeduvneh Ivxltlmlort.-MD 128/13__ Die OriSderwaltnng. IIUHt<-n, Helaerkell I beteiligen wunderbar leiol«! und echnell die berühmten Buslenlropfen von Otto Reichel. Nor echt mit 1 Marke „nedloo". stl SOPf.u IM| Bar Nachahmungen jeder Art sei jedoch dringend gewarnt. In den meisten Drogerien und bei Otto Reichel, Berlin 43, Eisenhahnttr.d SozialtakratisiMverein dieiief-fiarotin Bezirk.Ncnenhaaren, SIm Sonntag, den 18. stebruar. ist unser langjähriges Mitglied August Schreiber in Bruch mühle verstorben. Wir verlieren in ihm einen langjährigen, braven Pailei- genossen. 238/3 Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Mittwoch, den 16 Februar, nach mittags 2 Uhr, in All-LandSberg statt. Die Bezirksleitung. dess Danksagung. jllr die herzlichr Teilnahme der Beerdigung unseres sieben Sohne», Bruder» und Schwager« Hermann Schubert tagen hiermit herzlichen Dank VI« trauernden Ninterdlledenen. RAtru-Avtellunßx ! I. Keavh.: Beriin v, Kohren- 1 LtraSe Z7a(k Hau» eoe der| lerusRlemer StraSe). III. Gesch.: Berlin NO., GroBel Frankfurt. Str. 1 1S(2. Haus I von der AndreasstrtSe). I ! S8hrgr.Answ.fert. Kleldar, 1 ' Hüte, Handschuhe, Schleier| I etc. v. einfachsten bis zum 1 | hochelegant. Genre x. null erst| niedrigen Preisen. 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B, Saal 4 Ta komm, aaeSordnung: Jahresbericht; Vorstandswahl; Wahl der Schlichtung«« liwn.— DaS Erscheinen aller Mitglieder ist dringend erforderlich. Der Tcktionsvorstand. Feiner Dänischer Kapitän-Rantabak in Rollen, UUudcl und Enden. General- Vertrieb; Karl Röcker, Berlin O. 27. veNne» Weg II«(Amt VII, 3Mt). Das arbeilende Volk «nd die Stenern. I. Teilt Allgemeine Einführung bt da« Sieuerwesen von Dr. Knnl Kenner. Preis 50 Pf. Die KreliWlihiiiiz drs Dslkes dnrch illdirrktk Strurrn i» Drvtschland von J. Km-Hkl. Preis 50 Pf. Elptdillsv drs Nonviirts, verltn SW, Lindenftr. 69(Laden) Lege Hühner, | garantiert junge, beste Leger. Z>/, M.. Enten, Tauben, Puten empfiehlt reellst ___ I Wegnotr. verlin 80, Mariannenftr 31 w&mamme&mRtimwesmmm cobe leb aa raefea Cnndaehaft ab: � Or38.-Frah|ahrs-Node31e u. Relsernnsfer zum Teil tür die Hälfte des Preises und darunter TOS Mit.wach, den Id. er. bis OienUac. de»'-2. et. Hochdchlcke frahjahrtkostOinB, franz. Barnlert# ICIeldBP, wirklieh •jj#. P rUhjahroitiänlel, Jackett«, Beduinenmtfntel, Kimonos, Regonmüntol, Ue�erjangsRiAiitel, Bluten, 0rtu>aalprot»o b.M.�- M.iA- M.flu,— M.84.— M. IW— n»».bl»M VWi— Jetat tellw. nur N. 1«.- H. et- M. 88.- M. U. tt. WERTMANN t srisi:«t Einee�nTings-Konfektion i Gratis auf Wunsch: Die«emamlcn Desllnde der HeHMt« und Winter«Saison Persianer-u Nerzmurma'-Jacketts, Muf.'enn.Stoloiii Plflddi- und Astrachan-Ken i'ektisn, Kosiame, Wfintdi. JtckvtU nach folgenden Kotierungen und büliycr krthor bi* M.38.- M.SA- M.78.- M. IM- M.8IO.- naw. bl» M. 1300.- Jetet teilweise U.S- bl.«Ä.- Ä.«i- M. Jt- nsw. bis N. m- Sofortigep Entschlus« drinaond notwondigl •Oe tEwmmwtsLMBmmtscm SoziaiäEiliokräl Waiilvereln Rixdorf. Am 12. Februar verstarb unser Mitglied, der Rohrleger fsul Hvrstsn (I. Bezirk.) Ehre seinem Andenken I Die Beerdigung findet heute Mittwoch, nachmittags S>/, Uhr, von der Halle deS Ziixdorfcr gUeddoseS(Martendorfer Weg) aus statt. Um reg« Betelligung ersucht 2Z4l7 Der Zloritand. Zentral-zterlialld der Knvlntelle»orlln. Den Mttailcdern zur Nachricht, daß unser Kollege JUdvi*� Senst AdlcrShof, gestorben ist. Ehre seinem Andenken t Die Beerdigung findet heule, Mittwoch, vormittags 1»'/, Uhr. oom Trauerhause Adlershos, Metzer Str. 6, au< statt. Um rege Beteiligung ersucht 176/4 Die Ortsverwaftung Deutscher Holzarbeiter- Verband I Zahlstelle Rixdorf. Den Mitgliedern zur Nachricht,� daß unser Kolleg«, der Bau- ttfchlcr Paul Nehse am 14. Fediuar verstorben Ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 17. Februar, nachmittag« 3'/, Uhr, von der i Lricheiihalle de« neuen Rixdorser KirchboseS, Martendorser Weg. an« statt. 78/4 01« Ortsverwaltiiiig. Oeutsctiei Meiallarbeitsr-Verbanil Berwaltungsstellr Berlin. Tode«» Anzeige. Den Kollegen zur Nadidcht, daß | unser Mitglied, der Mrlallarbetter Paul Krause «m 12. d SR», an Lungenleiden geftorbrn ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 16. d. M., nach» niittag» 4 Uhr, von der Leichen« Halle de? Zontral-Friedhose» In Friedrichsselde. auS statt. Reg« Beteiligung erwartet llt/14 Die OrtSvrrwaltnnst. Zeusral-ErankM- o. Sterbekasse tier deotsehen Wagenbauer. (ö. H.). Ortsverwaltung Berlin 4. Todes• Anzeige. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß uns« Mitglied Heroiann Hlldebrand am 13. d. M». an Blinddarmentzündung verstorben Ist. Ehre seinem Andenken 1 Die Beerdigung findet am 17. Fediuar, nachmittags 3 Uhr. von der Leichenhalle deS EUsabeih. Sirchhos», Prinzen-Allee, aus statt. Um reo« Belettigung ersucht SSTb��I�OrtSverwaUun�� keM der Kupferseiiieiie 1 Filiale Berlin. Am S. Februar verstarb unser Mitglied, der Kolleg« Karl Hahn im Alter von 4t Jahren an >rc fehtem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 17. Februar, nach- niitlagS't,4 Uhr, von der Halle de« Philipp. Apostel« Kirchhofes. Müller«, Ecke Seeftraße, auS statt. Rege Betel Itgung erwartet via Flllalverwaltung. Danksagung. Anläßlich de« HtnschechenS unseres lieben SohueS und Bruders, de» Falzers Otto Heyne sagen wir dem verband(Ottsverwaltung Berlin) für die imiige Anteilnahme unseren herzlichsten Dank. gkgh vie traoernden Hinterbliebenen. ��.Bruch-Pollnianii HM W»! empfiehlt sein Lager in Bruch- bandagen, letiibinden, Ge- radehatiern. Spritzen. Suspensorien iowte sfirntllche Artikel zur Krankenpflege. Eigene Werkstatt. Lieferant sür OrtS» nnd HitiS-Krankenlailen. Berlin R.,• jetzt liOtKrlnger»trnBe(SO. Alle Bruchbänder mit elastischen Pt> loten, angenehm«.»eich am KSrper. Erscheint 2 mal wSchentiichi Bezugsquellen-¥erzeiclmis. Die hier verzeichneten Firmen empfehlen bei Einkäufen Ihre Geschäfte. Wäscher, S.; flb»Bhli'nosBcschäfte Credit-Haus ioahit TurmstraBe 53, Ecke Waldstrafle ec�ührt jedem bei spielend leichter An- und Abzahlung mehrjähHeen Kredit auf Waren"nd Wiöbcl. BKS CreclKHaus BBS Gebr. Weber, Neue Königstr. 68, Spandau, Pots- dameratr. 23 1. koolaileatM a. FI. 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Verlag: Bonvärt» Buchdruckerei«. verlag«anftalt Paul Singer&■ Co, Berlin SW, ZK. 39. 27. Jahrgang. Z. Ktilige i>ts Lsmdls" Knlim Uiümch,>«< lrdmr lW. Partei- Hngelegenbeiten. Zur Lokalliste. Am 19. Februar cr. veranstaltet der „Meineckesche Männer-Chor Berlin 19'' im Zelt 2 sein lv. Stiftungsfest. Da man bemüht ist, hierzu möglichst viel Billetts, speziell in Metallarbeiterkreisen, umzusetzen, weisen wir darauf hin, daß das genannte Lokal gesperrt ist. Die Lokalkommifston. Dritter Wahlkreis. Den Mtgliedern zur Kenntnis, da st am Sonntag, den 29. Februar, abends 6'/, Uhr, in den Rittersälen, Ritterstr. 75 eine Versammlung stattfindet. Vortrag des Stadtv. Adolf Ritter. Nach der Versammlung geselliges Beisammensein. Halenfee. Am Sonntag, den 20. Februar cr. findet in den Wilmersdorfer Festsälen, tzalensee, Johann Georgstr. 19 eine Volks- Versammlung statt. Reichsiagsabgcordneter Genosse Z u b e i l spricht über die gegenwärtige politische Lage. Agitiert für Massenbesuch. Der Vorstand. Pankow. Morgen. Donnerstag, den 17. d. M., abends 8'/, Uhr findet bei G r o st k u r t, Berliner Strohe 27 die Mitglieder- Versammlung statt. Tagesordnung: 1. Aufstellung der Kandidaten für die Gemeindevertreterwahlen. 2. Vereinsaugelegenheiten. 3. Verschiedenes. Die Bezirksleitung Köpenick. Heute, Mittwoch, abends 81/i Uhr findet im Stadt- thsater der dritte Vortragsabend über dos Thema:„Theorien und Programme der bürgerlichen Parteien in Deutschland" statt. Wir er- warten, dost besonders die Funktionäre der Partei und Gewerkschaften ein etwas lebhafteres Interesse an den Tag legen und sich noch an den beiden Abenden<16. und 23. Februar) beteiligen. Die Teil nehmerkarte kostet jetzt nur 20 Pfennig. _ Der BildungSauSschust. Berliner JVachncbtem Der Schollastenstreit zwischen den Bororten und der Stadt Berlin ist durch das gestern mitgeteilte Urteil dcZ Ober verwaltungSgerichts. in welchem die Gemeinde Weißensee mit ihren Ansprüchen gegen die Gemeinde Berlin abgewiesen worden ist, in ein neues Stadium getreten. Es wird sich fragen, ob die übrigen Prozesse, die verschiedene andere Voo orte gegen Berlin führen, noch weiter geführt werden, da die Aussichten, ein obsiegendes Urteil zu erzielen, sehr gering geworden sind. An sich ist es ja ein eigenartiger Zustand, daß eine Gemeinde gegen eine andere klagt, weil Personen in ihrem Bezirke wohnen, die in einer anderen Gemeinde arbeiten. AuS diesen unerquicklichen Zuständen herauszukommen, wäre nur möglich, wenn Groß-Berlin auch eine kommunale Einheit bilden würde. Leider ist die Allssicht hierzu immer mehr geschwunden. vom städtischen Armenwesen. Die Armendirektion hatte sich in der letzten Sitzung mit der Armenspeisung zu beschäftigen. Der Dezernent, Herr Dr. Levy. teilte mit, daß der Andrang auch in diesem Jahre ein außer- ordentlich großer sei; denn es seien im Dezember und Januar über 400 000 Portionen Essen auf Marken der Armendirektton aus- gegeben. Da der im Etat eingestellte Betrag von 50 000 M. nur das Kochen bis zum 1. März gestatte, so werde sich die Direktion zu entschließen haben, einen weiteren Betrag von 20 000 M. beim Magisttat zu beantragen, damit die Fortsetzung der Speisung bis zum 1. April ausgeführt werden könne. Dieier Antrag wurde durch unsere Genossen Dupont und Hintze lebhast unterstützt; sie wiesen namentlich auf die riesige Teuerung aller Lebensbedürfnisie, auf die immer noch bedeutende Arbeitslosigkeit und auch auf die bevor- stehenden Aussperrungen durch die Unternehmer hin. Da das Be- durfnis vorliege, so müßt« man auch die nötigen Mittel bewilligen. Bckämpfer des Antrages war mit seinem guten Herzen Herr Stadtrat Münsterberg, der erklärte, daß er nur ungern mit Nach- forderungen an den Magisttat herantrete; außerdem hätten sich auch die wirtschaftlichen Verhältnisse weiter gebessert. Und das Resultat? Die Mehrheit lehnte in der Tat den Antrag ab. und somit hört die Armenspeisung am 1. März auf. Die zahlreichen Arbeiterfamilien des Nordens und Ostens, denen die Speisung durch die Armenkückjen immerhin über die größte Not des Winters hinweghals, die zahllosen Obdachlosen, welche die übriggebliebenen Rest« in den Küchen verzehrten, mögen sehen, wie sie ihren Hunger �stillen. WaS schert das Herrn Stadttat Münsterberg und die �Mehrheit der Armenverwaltung? Eigentümlich nehmen sich die Bericht« de»„Berliner Lokal- anzeigers" und der„Vossischen Zeitung" aus. Danach soll Herr Stadtrat Münsterberg bei der Einführung von 3 neuen Vorstehern erklärt hoben, eS sei nicht nötig, wie in Charlottenburg unsere Armenkommissionsvorsteher anzuweisen, dast sie alle Unter- stützungsgesuche sofort zu erledigen hätten, denn so würde es in Berlin laut GefchästSanweisung schon immer gehandhabt. DaS Gegenteil hat Herr Münsterberg ausgeführt. Er sagte, daß eS sich hier in Berlin«ingebürgert habe, daß ein großer Teil der Armen, welche um Unterstützung nachsuchen, auf die Zeit der Meldung zwischen dem l0. und 15. deS Monats verwiesen wird. damit dann erst die Recherchen vorgeiwmmen werden und endlich 'am 1. die Unterstützung ausgezahlt werde; daß also, wenn sich jemand nach dem lb. Februar melde, er endlich am 1. April eine Unterstützung bekommen würde. Diesem Uebelstande stehe die Verwaltung leider machtlos gegenüber, und Herr Münsterberg er- mahnte am Schluß seiner Ausführungen die neuen Vorsteher, nicht in die gleichen Fusttapfcn zu treten. Was sagen der„Lokalanzeiger" und d,«»Vossische Zeitung" zu ihren zuverlässigen Berichten- stattern? Eine größere Zahl von Beschwerden über versagte Unter. stützung durch die Armenkommissionen und Armenkreise zeigt auch, daß in unserer Armenverwaltung noch viel zu wünschen übrig bleibt._ Die juristische Sprechstunde fällt heute abend aus. Zur Verhütung allzufrüher Invalidität übernimmt die Jnvalidenversickterung in vielen Fällen für ihre Versicherten das H e i l v e r s a h r e n, um die von Invalidität Bedrohten womöglich wiederherzustellen und ihnen die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit zu erhalten. Ein Fall, in dem an der Not- wendigkeit eines Heilverfahrens gar nicht zu zweifeln war, aber vcn der Invalidenversicherung die Uebernahme der Kosten verweigert wurde, wird uns aus dem Bereich der Landes- BersicherungSanstalt Brandenburg gemeldet. Ein F o r m e r H., 30 Jahre alt, glaubte eines künstlichen G e b i s s e S zu bedürfen. Er ließ sich durch einen Zahnarzt unter- suchen, und dieser bescheinigte ihm:»Herr H.... klagt über mangel. hafte Kautätigkeit. schlechte Verdauung, Magenbeschwerden, Durch- fall und Ohnmachtsanfällen. In letzter Zeit habe er sich häufig so schwach gefühlt, daß er zeitweise arbeitsunfähig war. Antrag- steller ist vor längerer Zeit wegen Herz- und LungenleidenS in arztlicher Behandlung gewesen. Patient ist ein Mann von schmäch- tiger kleiner Gestalt und hat keinen Zahn mehr im Munde, so daß bei der mangelhaften Kautätigkeit die oben angegebenen Beschwer. den erklärlich sind. DaS Herz» und Lungenleiden und nicht zu- letzt di« mangelhafte Funktion deS BerdauungSapparateS hat die Widerstandsfähigkeit des Körpers derartig gemindert, daß vor» I zeitige Invalidität zu befürchten ist, wenn nicht sofort durch ge- eigneten Ersatz Abhülfe geschasfen wird. ES ist daher ein Gebiß mit zusammen 28 Zähnen a 3,50 M.— 98 M. nötig." H. wandte j sich nun an die Laiides-Versicherungsanstalt Brandenburg, bat um Kostenübernahme zur Beschaffung eines Gebisses und fügte das obige Attest sowie 18 AufrcchnungSkarten bei. Nach mehreren Wochen kam von der Versicherungsanstalt eine Antwort, die kurz und bündig lautete:»Ihrem Gesuch um Gewährung einer Bei- Hilfe zu den Kosten Ihres Zahnersatzes können wir zu unserem Bedauern nicht entsprechen." Warum dem Gesuch nicht e n t- sprachen werden könne, darüber sagte die Antwort nichts. Da die Versicherungsanstalt unterlassen hatte, dem Antragsteller daS von ihm selber bezahlte Attest zurückzusenden, so mußte dieser ihr einen Mahnbrief schicken. Er benutzte die Gelegenheit, um Angabe des Grundes der Ablehnung zu ersuchen, indem er schrieb:»Daß die Landes-Versicherungsanstalt Gebisse oder Zuschuß zu denselben bewilligt, ist mir bekannt, unbekannt dagegen ist mir, in welchem Zustand das Gebiß des Antragstellers sein mutz, wenn derselbe mit Aussicht auf Erfolg um Bewilligung eines solchen an die Landes-VersicherungSanstalt herantreten darf. Da ich, wie aus dem Attest des Herrn Dr. W____ hervorgeht, keinen einzigen Zahn mehr habe, wäre es mir interessant, zu erfahren, welche Gründe für die Ablehnung meines Gesuches maßgebend waren." H. wandte sich jetzt an die„A l l g e me i n e O r t s- K r a n k e n- lasse zu Charlottenburg", deren Mitglied er war. Diese erklärte sich in kürzester Frist bereit, drei Fünstel der Kosten des Gebisses zu übernehmen,� wenn die Ver- sicherungSanstalt die restlichen zwei Fünftel übernehmen wolle. H. wurde an einen Zahnarzt gewiesen, der das Gebiß zum Preise von 3 M. pro Zahn— mehr zahlen im allgemeinen die Kassen nicht — anfertigen ivollte, so daß für daS ganze Gebiß mit 28 Zähnen immer noch 84 M. zu zahlen waren. Zum drittenmal wandte H, sich jetzt an die Landes-VersicherungSanstalt Brandenburg. Er bat um Uebernahme von zwei Dritteln deS Kostenbetrages und fügte das Schreiben des Kassenvorstandes bei. Aber auch auf dieses Gesuch wurde>— diesmal schon nach wenigen Tagen— ablehnend geantwortet mit dem Bemerken, daß wir zu unserem Bedauern ab l e h n e n müssen, zu den Kosten Ihres Zahnersatzes beizusteuern." Ein Grund war wieder nicht an- gegeben. WaS bleibt dem von Invalidität bedrohten Arbeiter übrig? Mit dem„Bedauern" allein war ihm natürlich nichts genützt. Wenn er nicht vorzeitig erwerbsunfähig werden wollte, so mußte er die zwei Drittel auS eigener Tasche bezahlen, das machte für ihn 33.30 M._ Bon den Schiedsgerichten für Arbeitcrvcrsicherung des Stadt- kreise» Berlin und des Regierungsbezirkes Potsdam sind auf Grund des Z 8 des Gesetzes, betreffend die Abänderung der Unfallversiche- rungSgesetze vom 30. Juni 1900, für das Jahr 1910 1. der Geheime Medizinalrat Dr. Becker in Berlin IV. 30, Nollendorfstr. 10. 2. der DanitätSrat Dr. Köhler in Berlin IV. 50, AugSburgrr Straße 43, 3. der SanitätSrat Dr. Wagner in Berlin IV. Lv. Münchener Straße 48. 4, der praktische Arzt Dr. Engel in Berlin W. 30, Landshuter Straße 22, 5. der SanitätSrat Dr. Hehl in Berlin W. 50, Geisbergstr, 27, 8. der praktische Arzt Dr. Erwin Jranck in Berlin W. 15, IoachimSthaler Straße 33/34, zu Vertrauensärzten gewählt worden. Die WahlrrchtSdemvnstration und der„Berliner Lokal-Anzciger". Daß die bürgerliche Presse unsere Wahlrewtsdemonftrotion von ihrem Parteistandpuiitte behandelt, ist selbstverständlich, erwähnt muß aber besonders werden, wie der sogenannte„parteilose"„Lokal Anzeiger" über die Demonstration berichtet. Ganz abgesehen von der unwahren Bchauplung, daß ein DemonstraiionSzug an der Jiivalidenstraße durch die Polizei zerstreut worden sein soll, während er in Wirtlichkeit uubktümmert leinen Weg nach dem Humboldlhain nahm, laulei das Urleil deS„Lokal-Anzeiger" wie folgi: „DaS Recht auf die Straße haben die Sozialdemokraten gestern wieder einmal„erobern" wollen, und es ist ihnen wirklich gelungen, gewallige Meiischeiimasse» auf die Beine zu bringe» und sie nach einem großen Platz im Norden der Reichshaupistadt zu dirigieren, wo man sich an oppositionellen Reden»nd Hoch- rufen gütlich tat. Die Geschichte ist diesmal glimpflich abgelaufen; nur. an zwei Stellen von Gioß-Berlin ist es zu Zuiammenslößen mit der Polizei gekommen, wobei eS auf feiten der Demonstranten einige blutige aöpte»nd auf seilen der Schuhmainischafl einen Vlefsierten gab. Vielleicht wäre dieser WadlrcchtSsonntag weniger friedlich äusgegangen, wenn nicht der neue Herr Polizeipräsident seine lapidaren vier Thesen über das Recht auf die Straße an alle Aw schlagjäulen der Stadt hätte heften lassen. Wie wuchtige Hammer- schlage prägten sie sich den Lesern ein, und der Schlußsatz in«- besondere:„Ich warne Neugierrge", wird seine hrilsaine Wirkung aus diejenigen Elemente, die überall dabei sein müssen, wo etwas los ist in Berlin, nicht verfehlt haben." Ganz der Polizeistil! Der.Lokal-Anzeiger' freut sich ordentlich über den genialen Polizeipräsidenten. Und da gibt es noch viele Arbeiter, die dieses Blatt noch halten, daS ihre elementarsten Rechte mit Füßen tritt!_ Prämiierte Schutzleute. Abermals haben fünf Berliner Sckmtz- leute aus den Zinien eines dem Deutschen Tierschutzverein ver- inachleu Legats vestiminungsgemäß je 150 M. erhallen für die größte Zabl der iimerhalb eines Jahres zur Anzeige gebrachte» Tierquälereien. Wir nehmen davon nur Notiz, weil sich unter de» prämiierten Schutzleuten wieder, wie so oft schon, zwei Beamte be- finden," die die gleiche Prämie bereits öfter erhielten. Merkwürdig I Diese beiden Beamten müssen viel Zeit übrig haben oder auf Tier- quülerei-Auzeigen besonders zugeschnitten sein. Schon früher haben wir ousgeiührt. daß eS leine Bedenken hat und leicht Mißgriffe her- vorrufen' kan», wenn man unter der Aussicht, dafür prämiiert zu werden, nach Tierquälereien sucht. Den fünf belohnten Schutz- mälinem steht nur ein einziger prämiierter Kutscher gegenüber, der für liebevolle Pflege und sorgsame Behandlung seiner Pferde ein eingerahmtes Ehrendiplom erhielt. Der Testator hätte besser getan, den Kutscher» das Geld»nd den Schutzleuten die Ehrendiplome auszusetzen. Unsere Polizei kann solche Diplome brauchen. Mit Polizeihunden scheint in Zukunft ganz nach dem sechsten Sinn der Realiionäre der halbe prenßiicke Staat regiert werden zu sollen. Man erwartet von diesen Spezialkötern, die doch noch lange nicht mal ihre Feuerprobe bestanden haben, wahre Wunderdinge und überpurzelt öch in allerlei Vorschlägen und Absichten zu ihrer Ver- wcndung. Neben dem eigentlichen Kriminaldienst falle» die Polizei- Hunde auch in den Forsten verwendet und oen Forstbeamten zum Schutz beigegeben werden. Schon jetzt sind eine Anzahl derartiger Hunde an der Oberspree stationiert, wovon im nächsten Sommer die Ausflügler nicht sonderulich erbaut fein dürften. In der„Berliner Morgenpost" legt sich jetzt ein Strafanstaltsdirektor für Hunde im Gefängnisaufsichtsdienst ins Zeug und erklärt gleich- zeitig, daß ein entsprechender Versuch schon im Moabiter Unter- suchungSgefängnis gemocht worden sein soll. Da werden wohl in der projektierten staatlichen Polizeihund-Zuchtanstalt bei Strausberg gar nitch so viele augehendc Polizciköter produziert werden können, als man braucht. Auch die Uniformierung von Polizeihunden und ihre Dekorierung mit TapferkeitSinedaillen wird in unserem Staatswesen, in dem heutzutage vom Erhabenen zum Lächerlichen nur ein Schritt ist, wohl nicht allzu lange aus sich warten lassen. s Am letzten Sonntag bemerkten übrigens WahIrechtSdemon- I stranten im Tiergarten einen Schutzmann mit einem Polizeihund. ' Man nahm an. daß gegebenenfalls der Hund auf die Arbetter gehetzt werden sollte. Göttliche Weltordniing. Der 25 jährige Malergehilfe Hermann Fiediger war an einer Bleivergiftung erkrankt und hatte deshalb längere Zeit im Krankeuhause zubringen müssen. Vor drei Tagen war er entlassen worden, bemühte sich aber vergeblich, wieder Arbeit zu erhalten. Zwei Tage irrte er obdachlos in den Straßen Berlin? umher. Gestern Abend gegen 9 Uhr trank er vor dem Hause semer früheren Wirtsleute, Böttcherstraße 4. Lhsol. In bewußtlosem Zu- stände wurde der Lebensmüde zunächst nach der Unfallstation in der Badstraße und von dort nach dem Kraukenhause am Friedrichshain über» geführt, wo er hoffnungslos daniederliegt.— Arbeitslosigkeit hat auch den 32 Jahre alten Kellner. Willi Klein aus Hamburg den Revolver in die Hand gedrückt. K. war vor einigen Tagen von der Hansastadt nach Berlin gekommen, um hier Stellung zu suchen. Seine Bemühungen waren aber vergeblich und als seine geringen Ersparnisse erschöpft waren, schoß er sich gestern aus Verzweiflung eine Kugel in die Brust. Klein wurde, nachdem er auf der Unfallstation am Spittelmarkt einen Notverband erhalten hatte, nach dem Krankenhause Am Urban gebracht. In bewußtlosem Zustande auf der Straße aufgefunden wurde in der letzten Nacht eine gutgekleidete, anscheinend den besseren Ständen angehörige, etwa 28 jährige Frau. Von Passanten wurde die Er- krankte nach der Unfallstation in der Badstraße gebracht, wo der Arzt eine schwere Vergiftung mittels Cyankall feststellte. Trotz längerer Bemühungen war eS nicht möglich, die Frau zum Bewußt- lein zu bringen. Die Lebensmüde, die keinerlei Wertsachen und Papiere bei sich trug, wurde nach dem Krankenhause in Moabit über« geführt. Beim Zahnziehen plötzlich gestorben ist die 42 Jahre alte Schlosserfrau Anna Bergmann geb. Schneider auS der Dolzigerstr. 1. Die Frau begab sich gestern nachmittag zu einem Zahnarzt in der Kleinen Frankiurter Straße, um sich drei Zahne ziehen zu lassen. Der Vorschrift gemäß zog der Zahnarzt zur Narkose einen anderen Arzt zu. Die Frau verlor plötzlich das Bewußtsein und konnte trotz aller Bemühungen nicht wieder in das Leben zurückgerufen werden. Zum Rowdy geworden. Sonntag abend gegen 12 Uhr ging ein Arbeiter W mit seiner Frau, von einer Familienfeierlichkeit kommend, die Mittelpromenade der Danziger Straße, Ecke Treskow- straße, entlang. Frau W. machte ihren Mann auf einen mit seinem Bruder daherkommenden früheren Flurnachbarn, den Lithographen Georg Haberkorn, aufmerksam, der bekanntlich als Polizeispitzel entlarvt worden ist. Nach einem kurzen Wortwechsel fielen beide HaberkornS über den Mann her und bearbeiteten ihn mit ihren Stahlstöcken in solcher barbarischen Weise, daß das Blut vom Kopfe nur so herabricselte. Dann entsicherte Haberkorn den Revolver, den er bei sich trug, und drohte zu schießen, wenn sich jemand ihm nähere. Schutzleute brachten die beide« HaberkornS nach der Wache. Da zahlreiche Personen Zeugen des Vorfalls waren, werden Augen- zugen gebeten, ihre Adressen an Heinrich Walter, Schivelbeiner Straße 43, Seitenflügel 1 Treppe, gelangen zu lassen. Ein Zopfabschneider geht wieder um. Der Tischler Otto Obert auS der Karlsgartenstr. 33 schickte am Sonnabeudiiachniiltag seine 12 Jahre alte Tochter Frieda nach der Andreasstr. 32 in Berlin, Leisten zu holen Die Kleine fuhr mit dem Omnibus hin und zurück, gab die Leisten zu Hause ab und ging dann nach einem Schlächterladen in der Selchower Straße zu Rixdorf. Es war ihr schon aufgefallen, daß unterlvegs viele Blicke sich verwundert auf sie gerichtet hatten. Jetzt machte eine kleine Freundin, die sie beim Schlächter traf, sie darauf ansiilerksam. daß ihr Zopf nicht in Ordnung sei. Es ergab sich, daß zwei Strähnen durchgeschnitten waren. Wahricheinlich Hai der Zopfabschneider eine zu kurze Schere benutzt. TodrSsturz vom Wagen. Ein bedauerlicher Unglücksfall ereignete sich am DicuSlagnachiniltag gegen 2 Uhr in der Kreutzigerstraße. Dort hatte der 40 Jahre alte Kutscher Jakob Döring, Bergstraße 23 wohnhaft, der bei der Firma Max H. Janser beichäftigl war, einen Wagen hoch mit Dung beladen. Als D. nun seinen Sitz einnehmen wollte, geriet die Ladung ins Wanken und der Kutscher stürzte mit einem Teil derselben herab. Döring fiel so unglücklich, daß er eine schwere Verletzung des Rückgrates erlitt, der er auf dem Transport nach der Unfallstation in der Warschauerstraße erlag. Die Leiche wurde nach dem Schanhause gebracht. Wertvolle Kunstgegenstände erbeuteten Schallkasteneinbrecher, die in der vergangene» Nacht die Glaswarenhandlung von Harsch u. Co., Umer den Linden 86, heimfnchten. In die Hände fielen ihnen u. a. ei» Hühner fütterndes Mädchen mit Kopf und Armen auS Elfenbein, ein Weib aus Goldbronze auf Marmorsockel, das eine Fahne hoch- hält, eine weibliche Büste und dergleichen mehr. Ein schwerer Unglücksfall ereignete sich am Dienstagnachmittag gegen«/«2 Uhr in der CorneliuSstraße. Dort war in dem Hause Nr. 3 der sechzehnjährige Fensterputzer Max Hobel mit dem Reinigen der Feuster der zweiten Etage beichäftigt, als er plötzlich fehl trat und kopfüber auf die Straße hiuabilürzte, wo er blutüberströmt und besinnungslos liegen blieb. Der Verunglückte wurde nach der Unfall- stativn am Zoologischen Garten geschafft, wo ein schwerer Schädel« bruch festgestellt wurde. Nach Anlegung eines Notverbandes mußte H. nach dem Eliiabeth-Krankenhause übergeführt werden. Zwei Personen bei einem Bninneubau verunglückt. Bei dem Brunnenbau auf dem Neubau des Grundstücks Kopenhagen« Str. 31 glitt gestern voriniltag beim Himmterlassen des etwa zehn Zentner schweren Boh>erS die locker gewordene Kette an dem Gellänge in die Höhe, die stark angedrehte Welle schlug zurück und die eisernen Griffe der Welle trafen den 53 Jahre alten Arbeiter Hermann Gräber, Schlesiiche Str. 6, gegen das Kinn, den 33 Jahre alten Arbeiter Paul Woiczikowükh, Schulstr. 53. gegen d!e rechte Schläfe. Gräber erlitt einen schweren Unlerkieferbruch und wurde, nachdem ihm ein Arzt de» ersten Verband angelegt hatte, nach dem Lazarus-Krankcn- Hause geschafft. Woiczikowsky trug eine schwere Ouetschiounde davon und wurde von Arbeitskollegen nach seiner Wohnung gebracht. Die Schuldfrage bedarf noch der Aufklärung. KindeSmord? Die Leiche eines neugeborenen Kindes fand gestern der Wächter der städtischen Banmichule an der Reinicken- dorfer- und Seestraße. Er sah dort auf einem Rlindgang ei» Paket liegen, öffnete eS und übergab es der Revierpolizei. Ob das Kind umgebracht worden ist. mutz erst die gerichtsärztliche Untersuchung der nach dem Schauhause gebrachten kletnen Leiche feststellen. Ein großer Gelddieistahl wurde in der Nacht zum Montag wiederum in dem Weinbause Rbeingold in der Bellevuestraße verübt. Man erinnert sich noch der großen Veruntreuung, die vor längerer Zeit ein junger Angestellter dieses Hauses beging. Der Ungelrene entfloh damals mit einem Automobil und wurde mit einem Freunds zusammen nach langen Auto- und Eisenbahniahrte» endlich ergriffen. Damals handelte eS sich um 27 000 M. In der Nacht zum Monlag sind wiederum 23 000 M. auf bisher nicht geklärte Weise ver- schwunden. Es ist die Tageseinnahme, die gestern ans die Bank gebracht werden sollte, sich in dem Geldschrank aber nicht mehr vor- fand. Bon dem Tüter hat man bis jetzt noch kein Spur gefunden. Gasvergiftungen. Gestern abend wurde die Berliner Feuerwehr nach der Uiedomstr. 7 gerufen. Dort hatte sich ein Chambreganiist W. Schmidt mit Leuchtgas vergiftet. Der LOjährige Selbstmörder wurde tot dort aufgefunden. All« WiederbeiebungSversuche mit Sauerstoff usw. waren erfolglos. Witt LtrkthrSPSrtms entstand gestern mittag nach 1 Uhr in der Gertraudienstraße vor der Gertraudtenbrvcke dadurch, dast ein StraKenbahnwaqen der Linie 71 mit einem Obstwagen zusammen stiel;. Der Obstwagen wurde total zertrümmert. DaS Obst, haupr sächlich Birnen, bedeckte den ganzen Straßendamm, so daß beide Gleise längere Zeit gesperrt waren. Feuer in der Berliner Belvctfabrik. Montag abend kurz nach 8 Uhr kam Köpenicker Straße 18/20 in der Berliner Belvetkabrik von M. Mengers u. Söhne ein gefährlicher Brand aus. Als von der nahen Feuerwache der fünfte Zug eintraf, stand der erst neu aufgeführte Trockenraum in Flammen. Der Raum besteht aus einem eiwa 20 Meter langen, 5 Meter breiten und sehr hohen eisernen Kasten, der ummauert ist. Hier werden die Belvete getrocknet. Montag machte nun ein Engländer in dem Ra»me Versuche mit einein neuen Trocknun�sverfahren, bei dem auch Benzin zur An- Wendung gelangt. Wahrend nun drei große Balle» zum Trocknen anfgehängt waren, entstand plötzlich auf noch nicht aufgeklärte Weise Feuer, das rapide um sich griff. Brandinspektor Teubner ließ mit zwei Schlanchleitnngen vorgehen und brachte das Feuer nach ein» stnndiger-Löschtätigkeit zum Stehen. Der Trockenraiim brannte jedoch vollständig aus. Mehr als achtzig große Ballen Belvet wurden vernichtet. Rrbeiter-Samariter-Kolonne. Heute, Mittwoch abend 9 Uhr: b. Abteilung in Rixdorf bei Kaufhold, Erkstr. 8. Donnerstag: 3. Abteilung in Schöneberg bei Wieloch, Grunewaldstr. 82. 4. Ab- teilung in Lichtenberg bei Bochmann, Samariterstr. 11. Vortrag in allen Abteilungen über Vergiftungen mit darauffolgenden präb fischen Uebuiigen. Vorort- j�admckten. Schöneberg. Der Stadtverordnetenversammlung lagen am Montag zwei Dringlichkeitsanträge vor. die sich aus die preußische Wahl- rechtsvorlage beziehen. Der Antrag der sozialdemo- i r a t i s ch e n Fraktion lautete: „Die Stadtverordnetenversammlung ersucht den Magistrat, in Anbetracht der Tatsache, daß der Gesetzentwurf der Regierung zur Abänderung der Bestimmungen des Wahlgesetzes für das preußische Abgeordnetenhaus den berechtigten Ansprüchen der Einwohner Schönebergs auf eine ihrer Zahl und dem Grundsatz gleichen Rechtes entsprechende Vertretung im Preußischen Land- tag in keiner Weise entspricht, eine Petition an das HauS der Abgeordneten abzusenden, worin dieses ersucht wird, die auf die öffentliche Stimmabgabe und die Klasseneinteilung der Wähler bezüglichen Bestimmungen des Entwurfs sowie die da- mit zusammenhängenden Bestimmungen über die Abstimmung in getrennten WählerabteUungen als der wirtschaftlichen Ent Wickelung, der Ausbreitung der Bildung und des politischen Ver ständnisteS sowie der Erstarkung staatlichen Verantwortlichkeits gefühls durchaus widersprechend abzulehnen, an ihre Stelle Be stinimungen zu setzen, die für die Bildung des Hauses der Ab geordneten da S allgemeine, gleiche, direkte und geheime Wahlrecht aller Erwachsenen vor schreiben und dem Entwurf einen Zusatz über Neu einteilung der Landtagswahlkreise anzufügen, gemäß dem die Vertretung des preußischen Volkes auf der Grundlage des gleichen Rechts nach der Einwohnerzahl der Kreise festgesetzt wird." Der Antrag der Liberalen Fraktion hat folgenden Wortlaut: »Die Stadtverordnetenversammlung ersucht den Magistrat, in einer an das Abgeordnetenhaus zu richtenden Petition dafür einzutreten: 1. daß eine neue Wahlkreiseinteilung für die Wahlen zum Abgeordnetenhause erfolgt, wonach unter anderem Schöneberg das Recht erhält, allein einen Vertreter zum Ab- geordnetenhause zu wählen; 2. daß die Wahlrechtsvorlage dahin abgeändert wird, daß unter Beseitigung des Dreiklassenwahb rechts, wodurch die größte Zahl der Bürger Schönebergs ent rechtet wird, das Reichstagswahlrecht auch für Preußen eingeführt wird." Stadtv. Wollermann(Soz.) beantragte, sofort in die Beratung der beiden Anträge einzutreten. Die Mehrheit stimmte auch diesem Vorschlage zu, jedoch wurde der Anerkennung der Dringlichkeit von dem Stadtv. Schneider (Unabh. Vereinig.) widersprochen, so daß die Verhandlung erst in der nächsten Sitzung stattfinden kann. Die Vorlage des Magistrats betreffend die Veranstaltung eines Wettbewerbes zur Erlangung von Be- b a u u n g s p l ä n e n für das Südgelände wurde zunächst einem Ausschuß überwiesen. Sodann beschäftigte sich die Versammlung mit einer Reihe von Petitionen. Ter Deutsche Bund für Mutterschutz petitioniert uni die Gewährung eines Zuschusses von 300 M. Der Ausschuß empfiehlt nur 100 M. zu bewilligen. Stadtv. K ü t e r (Soz.) tritt dafür ein, daß 300 M. bewilligt werden. Der sozial- demokratische Antrag wurde mit 29 gegen 20 Stimmen abgelehnt und der Antrag des Ausschusses angenommen. Eine längere Debatte verursachte die Vorlage des Magistrats, für die Herstellung einer Warmwasserheizung im Direktorgebäude der Hohenzollernschule 5500 M. zu bewilligen. ES wurde festgestellt, daß der Magistrat mit der Herstellung dieser Anlage bereits fertig ist. Allseitig wurde das Vorgehen des Magi- strats scharf verurteilt. Besonders rügte der Vorsteher, daß der Magistrat die Rechte der Stadtverordnetenversammlung so wenig beachtet, während er andererseits, wie z. B. bei Verlegung der Wahlzcit auf einen Sonntag, peinlich darauf sehe, daß sich die Stadtverordnetenversanimlung nicht in die Befugnisse des Magi- strats einmischt. Die Angelegenheit wurde einem Ausschuß über- wiesen. Für die Errichtung eines Verwaltungsgebäudes auf dem Nieselgute wurden 43 700 M. bewilligt. Das Bauprogramm für das in Deutsch-Wusterhausen zu er- richtende Alters- und Siechenheim wurde nach den Be- schlössen des Ausschusses genehmigt. Der Magistrat beantragte sodann die Herausgabe eines öffentlichen Publikationsorgans. Mit der Er- höhung der Pauschalsumme von 800 auf 1500 M. für die amtlichen Bekanntmachungen hat sich das„Schöneberger Tageblatt" nicht zufrieden gegeben, sondern stelle weitergehende Forderungen. Der Magistrat habe diese jedoch abgelehnt. Die Vorlage wurde zu- nächst eineni Ausschuß überwiesen. Darauf wurde in die weitere Beratung der Etats ein- getreten. Ohne Aenderung genehmigt wurden der Etat der Des- i n f e k t i o n S a n st a l t(Einnahmen: 1810 M., Ausgaben: 25 650 Mark), der Armenetat(Einnahmen: 176 160 M., Ausgaben: 497 143 M.), der Grund st ücksetat(Einnahmen: 22 050 M., Ausgaben: 27 234 M.). Beim Gärtnerei-Etat(Einnahmen: 14 080 M., AuS- gaben: 137 197 M.) rügte Stadtv. Molkenbuhr(Soz.). daß die in der städtischen Gärtnerei beschäftigten Arbeiter bei der landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft versichert sind, wodurch die Arbeiter einen großen Nachteil haben. Werde ein Arbeiter verletzt und habe er einen Anspruch auf die Vollrente von 66?b Proz., so erhalte er in Wirklichkeit nur 44 Proz. Redner beantragte, die betreffenden Arbeiter bei der Tiefbauberufsgenossen- schaff zu versichern. Der Antrag wurde angenommen und der Etat genehmigt. Ter FriedhofSetat(Einnahmen: 98277 M., Ausgaben: 91 305 M.) gab dem Stadtv. Hoffmann(Soz.) Veranlassung. darüber Beschwerde zu führen, daß die Friedhofsarbeiter nicht als ständige Arbeiter geführt werden, obgleich sie zum Teil eine Reihe von Jahren beschäftigt sind. Die Arbeiter kommen dadurch um den ihnen zustehenden erhöhten Lohn. Auch sei es vor- gekommen, daß Friedhofsarbeiter später als Handwerker be- schäftigt wurden, ohne den Lohn als Handwerker zu erhalten. � Kämmerer Machowicz erklärte, In eine Prüfung der De- schwerden einzutreten und später Auskunft darüber zu geben. Auch der Verkehrsetat tEinnahmen: 757 398 M., Ausgaben: 600 794 M.) wurde ohne Aenderung genehmigt. Ein zu diesem Etat gestellter Antrag, den städtischen Arbeitern bei einem Hausstand von drei Kindern Familienzulagen zu ge- währen, wurde bis zum Etat der allgemeinen Verwaltung vertagt. Stadtv. Wollermann(Soz.) begründete noch folgenden Antrag der sozialdemokratischen Fraktion zu dem Verkehrsetat: „Die Stadtverordnetenversammlung richtet die Anfrage an den Magistrat, wie weit die Erhebungen beireffend die Einführung der achtstündigen Arbeitszeit für die städtischen Arbeiter gediehen sind. Falls die Erhebungen ihren Abschluß noch nicht gefunden haben, wird der Magistrat ersucht, in eine beschleunigte Förderung derselben einzutreten." Redner wies darauf hin, daß bereits vor Jahresfrist die Stadt verordnetenversammlung einen Antrag angenommen hat, worin der Magistrat aufgefordert wurde. Erhebungen über die Eiw führung der achtstündigen Arbeitszeit anzustellen. Es wäre nor wendig gewesen, diese Erhebungen so zu beschleunigen, daß sich die Stadtverordnetenversammlung noch vor Beginn der Etats beratungen damit beschäftigen konnte. Stadtrat Bergmann erklärte, daß die Erhebungen schon nahezu abgeschlossen sind und die Versammlung sich in kürzester Zeit damit beschäftigen könne. Ter Antrag wurde darauf angenommen und die weiteren Punkte bis zur nächsten Sitzung vertagt. Rixdorf. Bureaukratischcr Sparsinn. Uns wird geschrieben: Wenn die Be börden den Bülowschen Sparsamkcitssinn betätigen, um neue Millionen anleihen zu verhindern, so fange» sie mit Pfennigen zu sparen an. Dafür ein Beispiel. Die jungen Leute, die in Rixdorf während einiger Jahre dem Staat ihre Verteidigerdienste anbieten müssen, haben sich erst auf dem zuständigen Polizeirevier zu melden. Nach einiger Zeit müssen sie sich von derielbcn Stelle ihren Losnngsichein abholen. der in den meisten Fällen aber noch aus dem Polizeipräsidium am äußersten Ende unserer Stadt liegt. Wieder nacv einiger Zeit müssen sie nach der Polizei, um die Musterungsorder abzuholen. Für denjenigen, dessen Arbeitszeit ein Aussuchen des Polizeireviers während der Dienststunden nicht zuläßt, be deuten diese Scherereien einen erheblichen Verlust an Zeit und Verdienst. Die ganze Rennerei hat man nur, weil die Behörde 5 Pf. Porto sparen will. In Berlin z. B. erhält der Gestellungs pflichlige. abgesehen von der Meldung zur Stammrolle, seine Sachen per Post zugesandt. Sollte das in Rixdorf nicht auch möglich sein? Eine Steuererhöhung wird doch deswegen nicht notwendig werden Scheut man aber die Portoausgabe, so lasse man die Benach nchtignngen durch Beamte, die, wie sich am Sonntag wieder einmal gezeigt hat. llberflüssigerweise beschäftigt werden, austragen. Ueber die Bedeutung der Gewerbegerlchte für die Arbeiter spricht heute abend in einer bei Hoppe, Hermannstr. 49, stattfindenden öffentlichen Versammlung Genosse Adolf Ritter. Die Genossinnen und Genoffen werden ersucht, für regen Besuch dieser Versammlung zu agitieren. Die GewerkschastSkommisflon für Rixdorf. Auf schreckliche Weise verübte gestern nachmittag die 28jährige Frau der Tischlers Degen aus der Münchener Str. 23 Selbstmord. Anscheinend in einem Anfall von Nervenüberreizung begoß sie in ihrer Wohnung die Bette» mil Petroleum und Benzin und zündete sie an. um sich hierauf in die Flammen zu stürzen. Als der traurige Vorgang bemerkt wurde, war schon keine Hilfe mehr möglich. Die junge Frau wurde verbrannt als Leiche aufgefunden. Bei dem Demonstrationszuge am Sonntag ist ein goldenes Ubr- anbängsek verloren worden. Da selbiges ein teures Andenken ist, wird der ehrliche Finder gebeten, das Verlorene in der Vorwärts- spedition, Neckarstraße 2, abzugeben. Einen schweren Verlust hat eine Arbeiterfrau zu beklagen. Die selbe verlor am Montagabend zwischen 7— 8 Uhr aus dem Wege Nogatstraße nach Bahnhos Herniainistraße 54 Mark. Der Finder des Geldes wird gebeten, dasselbe in der Parteispedition, Neckarstraße 2 abzugeben. Johannisthal. Mit der brennenden Frage der Bereitstellung von entsprechenden Mitteln für die Anlegung eines Geineindeiriedhoses wird sich aus Antrag der Vertreter der 3. Klasse die am morgigen Donnerstag stattfindende Gemeindevertretersitzung zu beschäfligen haben. Steglitz-Jriedenau. Der BildungSansschuß veranstaltet einen VortragSkursuS von vier Abenden. Anfang des Kursus am Monlag. den 21. Fe- bruar. abends 8>/z Uhr, im Lokal von Echelhase, Steglitz, Ahorn- straße 15a. Thema: Darwinismus und Sozialismus. Vomagender wird bei Beginn des Kursus bekaiinlgemacht. Teilnehmerkarten zum Preise von 30 Pf. für den Kursus sind zu haben bei F. Fütlerer, Fichtestr. 3, H. Schmidt, Marlstemstr. 9, bei sämtlichen Bezirksführern und im Lokal. Ferner am 1. März: W. Busch-Abend. Großer Lichtbildervortrag im Rheinichloß, Friedenau, Rheinstraße. Eintrittskarten 30 P" Garderobe frei. Auch hierzu sind Karten bei de» Obengenannten p, haben. Zu beiden Veranstaltmrgen ist der Eintritt für Jugend iche frei. Ober-Schönetveide. Am Solintag, den>3. Februar, fand die Einweihung des von der Arbeiierichaft geschaffenen Jugendheimes in der Klara- traße 2 statt, zu welcher die Vertreter der verschiedensten Organi- sationen erschienen waren. Eingeleitet wurde die Feier durch das vom Gesangverein„Ober-Schöneweider Liedertafel" vorgetragene Fesllied:„Krönt den Tag." Namens des Jugendaiisschuffes über- gab hierauf Genosse M u t h der Jugend die Räume, dabei der großen Opferfreudigkeit der Arbeiterschaft, welche dies Werk ge- chaffen, gedenkend. Genosse Grunow würdigte in der Festrede die Bedeutung der Bildung gerade für die arbeitende Bevölkerung. Die Arbeiterschaft würde bestrebt sein, ihre Jugend frei zu machen von allen in der Volks- und höheren Schule genährten Vorurteilen »nd sie zu einem freien Geschlecht zu erziehen. Sie handle dabei »ach dem großen Lchrprinzip eines Pestalozzi und Diesterweg, die die Entfaltung aller Kräfte im Menschen aiistrebten. Nachdem der Genosse K e st e l als Obmann des JngendaiiSschusses erklärte, daß auch er im neuen Heim seine Tätigkeit ausüben werde, erfolgte mit dem vom Gesangverein vorgetragenen„Festgelang" der Schluß der Feier. Bon der hieraus gestatteten Bcsichngung des Heines durch die Einwohnerschaft wurde reger Gebrauch gemacht. Treptow-Baumschulentveg. Die Neuwahlen zur Gemeindevertretung werden für die dritte Klasse voraussichtlich am 1. März, iiactinnitags von 1—7 Uhr, vorgenommen werden. Es sind in dieser Klasse drei Mandate zu be- ctzeu, wovon zwei Angesessene sein müssen. Die Wahlen finden bezirksweise statt und zwar in, 2., 3. und 4. Bezirk. Im 2. Bezirk, welcher von der Kiesholzstraße, dem Dammwege, der Spree und Niederschöneweide umgrenzt wird, findet eine Ergänzungswahl für den Genossen G r a m e n z statt, dessen Wahlperiode am 81. März dieses Jahres abgelaufen ist. Hier ist ein Nichtangcsessener zu Ivählen. Im 3. Bezirk, der von der Kiefholzstraße, Niederschöneweide, Britz. Nixdorf und dem Dammweg begrenzt wird, findet aus Grund des Beschlusses der Genieindeverlreiuiig, wonach die Zahl der Gemeinde- verordneten um sechs vermehrt wird, eine Berstärkimgswahl statt, hier ist ein Angesessener z» wählen. Dasselbe trifft für den 4. Be- zirk zu, welcher von dem Dammwege, der Kiefholzstraße, der Wiener Brücke, dem Flntgrabcn und Rixdorf begrenzt wird. Es wird bei den bevorstehenden Wahlen Ausgabe der Arbeiterschaft sein, dafür zu orgen, daß wir nicht nur das biherigr Mandat behaupten, sondern die beiden anderen noch neu hinzu erobern. Daher muß die kurze Spanne Zeit zu lebhafter Agitation ausgenutzt werden, damit auch Treptow-Bamnschnkenweg gleich den vielen anderen Orten über einm erfreulicheu Sieg der Sozialdemokratie berichten kann. Mit der bevorstehenden Gcmeindewahl beschäftigte sich ein ge- mcinschaftlicher Zahlabend des Ortsteiles Baumschulenweg im Lolal von Speer. Nack einem Bortrage des Genossen Kubig über Ge- nieindeangelegenhei ten gab Genosse Karow noch einen kurzen Bericht aus der Geineindevertretnng. Mitgeteilt wurde, daß einige Lehrer am Orte die Namen von Kindern, deren Eltern aus der Kirche aus- geschieden sind, an die Tafel anschreiben sollen. Ein solches Ge- baren wurde von den Veriammetten scharf verurteilt. Bei den Er- gänzungswahlen zum örtlichen Vorstand wurden gewählt: Genossin Tielemaim als Beisitzerin, Genosse Magel als Lokalkommissionsmitglied und Genosse Wege als Obmann der Bezirksleiter. Lichtcnberg-Jricdrichsfelde. Jugendaiisschuß. Heute, abends 8'/„ Uhr, im Lokal von Ertel, Lichtenberg. Pfarrstr. 74: Unpolitische öffentliche Versammlmtg. Die Jugend wird ersucht, zahlreich zu erscheinen. Tempelhof-Mariendorf. Der vom Jugendausschuß veranstaltete Kursus„Der Mensch und seine Stellung in der Natur" wird heute abend sortgesetzt. Herr Dr. E. Bab spricht im Lokal von Apelt. Tempelhof, Berliner- straße 41/42, abend» 8 Uhr, über»Die Gewebe deS menschlichen Kölpers". Tegel. Die Gemeindevertreterfitzung am Montag nahm zunächst Kenntnis von dem Bebauungsplan der Gemeinde Hermstorf, angrenzend an die„Freie Scholle". Der Brnckenvertrag mit der Gutsherrschaft Schloß Tegel wird mit einigen Ergänzungen nunmehr zum Äbscbluß kommen. Dem Angebot der königl. Regierung, den Dorfplatz für 1 Pfennig pro Quadratmeter, das sind 90,08 M., zu erwerben, wurde zugestimmt, desgleichen der Aufnahme einer Anleihe 1. zur Herstellung einer Wasserleitung östlich der Staatsbahn im Betrage von 1l0 000 M., 2. von 23 000 M. zur Ausstellung einer Aklu- mulatorenbaiterie im Ktärwerk; 3. zur Auszahlung einer Hypothek für Arealerwerb an der Schloßstraße von 40 000 M. Sämtliche Anleihen werden zu 4 Proz. Verzinsung und 3 resp. 2 Proz. Amortisation von der Kreissparkasse aufgenommen. Von 83 Einsprüchen gegen die Richtigkeit der Wählertisten wurden 6 als unbegründet zurück« gewiesen, sämtlich wegen Steuerresten und verspätetem Einspruch. Hierbei entspann sich eine Debatte darüber, was man unter Schlaf- burschen zu verstehen habe. Die Auffassung, daß das Bersügungs- recht über ein Zimmer zu jeder Zeit des Tages den Mieter alS Cbambregariiisten charakterisiere, wurde als richtig anerkannt. Zum Erlaß eines Nachtrages zur Grundsteuerordnung wurde prinzipiell die doppelte Höhe für den unbebauten Grundbesitz beschlossen. Die Steuerquote soll aber erst bei der Etatsberatung festgesetzt werden. Die am 20. September vorigen JahreS beschlossene Hundesteuerordnung ist vom Landrat beanstandet worden; einige redaktionelle Aenderungen wurden akzeptiert; der tz 11» jedoch, der von der Steuerbefreiung handelt, wird alS im alten Wortlaute unentbehrlich nochmals zur Genehmigung unterbreitet, weil der Effekt der Steuer in Frage gestellt würde. falls das Monitum des Landrats zur Geltung käme.— In der Haupt- straße sollen fünf alte Bäume vor dem Neubau eine» der Herren Schöffen das Dorfbild stören und verunzieren. Der Gemeinde- vorstand soll in Gemeinschaft mit einem Sachverständigen nochmals prüfen und wenn möglich die alten Bäume dem Dorfbild erhalten.— Das ausgeschüttete Seeufer macht der Gemeinde trotz deS gewonnenen Prozesses viele Schmerzen. Der lose weiße Sand wird von den West- winden mit Leichtigkeit emporgehoben und in die benachbarten Straßen und Wohnungen gelrieben; die Uferbefestigung und der Erwerb deS Areals verschlingt wiederum 120 000 M. und mehr, gärtnerische Anlagen und eventuell Baumalleen können erst in Angriff genommen werden, wenn das in der Mitte deS Terrain» stehende Bootshaus deS Ruderklubs„Gernrania" entfernt ist. Der germanische Klub, dem zum Wiederaufbau ein Platz vor der Borsiaschen Ablage überlassen werden soll, hat nun den Wunsch, von der Gemeinde mit 14 000 M. entschädigt zu werden, und seltsamerweise haben die bürgerlichen Vertreter, die in ihrem OrtSblättchen nicht genug über die Mißioirtichaft der.Ordnungsparlei" zetern können, an dieser Forderung nichts auszusetzen; ja sie gehen noch darüber hinaus und wollen eine Anleihe garantieren, die es dem.germanischen" Klub erleichtert, ein neues, architektonisch schönes Bootshaus zu errichten. Die Sacke wurde nur bis zum April vertagt, um je nach der finanziellen Lage die Höhe der Entschädigung zu bemessen. ES folgte eine geheime Sitzung. Weiftensee. Der Unfall des Herrn Professor Dr. KemfleS bildet augenblicklich den Gesprächsstoff der Bierbankphilister. In«wer Berichtigung an die.Wcißenseer Zeitung" bestreitet Herr K., seine Familie ins Bade» zimmer eingeschlossen sowie seine Möbel demoliert zu haben. Aber fest steht, daß von Hausbewohnern polizeiliche Hilfe requiriert werden mußte, um die nötige Ruhe in der Wohnung de» Herrn Professors wieder herzustellen. Auch ist seiner vorgesetzten Behörde� Bericht zugegangen. Herr Professor Dr. Kemstes ist schon seit* einiger Zeit wegen nervöser Uebecreizung vom Dienste beurlaubt. NowaweS. Eine sonderbare Auffassung über seine pädagogischen Aufgaben scheint ein Lehrer an der hiesigen Fortbildungsschule zu haben. Der dort unterrichtende Lehrer Engel soll, wie uns mitgeteilt wurde, an allen patriotiscben Festtagen— so auch am letzte» Geburtslage deS Kaisers— Gelegenheit nehmen, den Schülern stundenlange Vor- rräge über die Herrlichkeit de» Deutschen Reiches und die angeblichen Verdienste der Hohenzollern um die Entwickelung desselben zu hallen. In einer der letzten Unlerrichtsstuiide» soll dieser patriotische Herr sogar ein Loblied aus das preußische Wahlrecht gesungen haben. Falls diese Mitteilungen zutreffen, verdient die Unterrichtsmethode dieses Lehrers die schäriste Zurückweisung, denn der Lehrplan derFortbildungs- schule gibt demselben in keiner Weise das Recht, die letztere als Äb« lagerungsstelle seiner überquellenden patriotischen Gefühle zu be« nutzen. Wie übrigens die Einwohnerschaft von Nowawes über daS preußische Wahlrecht denkt, dürfte Herr Lehrer Engel wohl am Sonntag an dem imposanten Demoiislrationszug bemerkt haben. Der Vorstand der Fortbildungsschule, der sich nächstens mit der Er- ölterung obiger Beschwerden zu befassen haben wird, wird hoffent- lich dafür Sorge tragen, daß derartige patriotische Seitensprünge des Lehrers in Zukunft unterbleiben. ßrkfkasten der RedahHon. Sie lnrlfttsche Sprechstunde findet LIndeottraße S, jttrtlft$»f. dritter Qrinnung,»irr Treppen, ggf S a d r ft» h t n>»chrnl gütig einer Dritten, nicht des Führers,— P. R. 100. 1. Der Verurteilte bat nichts zu zahlen, wird aber zu ülrbeiten herangezogen, 2. Nein, insbesondere nicht solche, deren Angehörige widersprechen,— Schneider l884. l. Aus Grund Ihrer Darstellung ist der Mann nicht haftbar, 2, Ja, gegen- über der Frau, Der ziviirechtliche Anspruch verjährt in 30 Jahren, 3. Anscheinend ja, Verjährungsfrist 5 Jahre, Verfolgung geschieht durch die Staatsanwaltschaft, i. iSir raten zunächst zu einem zivilrechllichen Vorgehen. 5. Es kann Ermäßigung erfolgen, wenn daS Einkommen um mehr als den fünften Teil vermindert worden ist. Der Antrag ist an die Ver- anlagungskommsssion zu richten,— E. 09. Fr, Ancillon(spr, Anggijöng) war von 1832 bis 1837 preußischer Staatsminister der auswärtigen An- geicgcnheiten,— A. B. 000. Wir sind der Ansicht, daß für Sie gemäß K 133 a und aa die verabredete Kündigungsfrist unwirksam und die sechs- wöchentliche zum Ablauf eines Kalendervierteljahrs in Frage kommt,— O. R. 98. Wir raten Ihnen, sich mit Ihrer Anfrage an den Direktor des Gewerbeiaals. Ingenieur Hrabowski, Großbeercnstiaße 26 III zu wenden.— A. K. 80. Berlin" Neue Friedrichslraße 47,— O. C. 8. Wenn durch die Epesen nicht lediglich die mit dem Geschäft zusammen« hängenden Kosten gedeckt werden follten, ja.— Panl S. 1, Ja. 2. Nein. Lese- und TiSNitterNub»Südost«. Heute abend S>/, Uhr bei Nei dbardt, Görlitzer Straße 58: Sitzung. Tagesordnung: W a h l- rechtSvorlage; Diskussion, Gäste willkommen, Sozialdemokratischer Lese, und Diskutierklub»Karl Marx«. Heute abend bei Hummel, Sophienstr. 5: Sitzung. Gäste willkommen. Nmtlicher Marktbericht der ltä Mitchell Markthallen-Direktion über den Großhandel in den Fentral-Marktballen, Älkarktlage: Fleische Zuiubr genügend, Ge'chäst lebhaft, Preise unverändert. W> I d: ZiisitKr knapp, Geichäit rege, Preise hoch. Geflügel: Zusubr reichlich, Gelchäst lebhast, Preise gut. Fische: Zufuhr mäßig, Gcfchäst ruhig, Preise wenig verändert. Butterund Käse: Geschäft ruhig, Preise unverändert. Gemüse, Obst und Südfrüchte: Zufuhr genügend, Gefchäft schleppend, Preise fast unverändert. LvittentugSübersicht dam IS. Februar»910. morgen« 8 Uhr. «tationen Sa a 3 Ii Bf Swmemde 1 756 SSO Hamburg(752SD Berlin! 756 SO Franks.« M 755 Still München.760S Wie» 761 SSO Vetter 4 bedeckt 1 3wolkenl—2 WK di »II t? M* 2 bedeckt Dunst 2 ivolkenl 2 Nebel —3 —4 —8 0 «tationen -2 -- S 5 S? paranda 759 SW Petersburg 770 OSO Scilla Aberdeen Paris 741 W 732 SZ 747 S Vetter ** til Mi 4 bedeckt 1—1 Ihciter—H 4 wolkig 1 wolkig 5 Regen Wetterprognose für Mittwoch, den 10. Februar 1910. Etwas wärmer, vorwiegend trübe mit geringen Niederschlägen Otth frischen südlichen Winden. Berliner Wetterbureau. Thealer und Vergnügungen Dienstag, den 15. Februar. Anfang 7>/, Uhr. König!. Opernhaus. FigaroS Hochzeit. Köm gl. Schauspielhaus. Der dculsche König. Neues königl. Opern-Theater. Geschlossen. Deutsches. Der Widerspenstigen Zähmung. Kamm erspiele. Der Kauf- mann von Venedig.(Ans. 8 Uhr.) Anfang 8 Udr. Berliner. Hohe Politik. Lesstug. Das Konzert. Neues Scha»>t>>eli>a»s. Faust. 1. Teil.(Ans. VI, Uhr.) Neues. Der Philosoph von Sans- souci. Westen. Die geschiedene Frau. Kvinilche Oper. Tiefland. Neue? Operette«. Der Graf von Luxemburg. Trianon. Theodore u. Cie. Kleines. Der große Name. Residenz. Im Taubenschlag. Thalia. Die Dollarprinzessin. Schiller««. W»»»«'«realer.) Viel Lärmen um nichts. Sch u-r Cbarlottrndurg. Der Pfarrer von St. Georgen. Friedrich- Wilbelinstädl. FlachS- mann als Erzieher. Nachmittags 3'/« Uhr:.Die Jung- fiau von Orleans. Volksoper. Uudine. Luise». Der Veilchcnfresser. Ro,e. Maria Stuart. Lustipirlhaus. Der dunkle Punkt. Metrooot. HallohII— Die große Revue. Folics Caprice. Der Luftwrner. Neuer bunter Teil. Herr Wasser- krops.(Ans. 8'/, Ubr.) Casino. Der Obergauner. Gebr. Herrnfcld. So muß man'S machen. Eine Uebergangs-Ehe. Hebbel. Kavaliere.(Ans. 81/, Uhr.) Noacts. Anne-Life. Stadttheater Moabit. Geschlossen. Parodie. Lohengrün.(Auf. 8'/, Uhr.) AP �. Der Liebeswalzer. Spczia- litäten. Wintergarten. Spezialitäten. Neichsvailrn. Stettmer Sänger. Palast. Spezialitäten. !t>»>«gr. Svezialitäten. Karl Haverland. Spezialitäten. Watlialla. Svezialitäten Bnggenhagen. Spezialitäten. Ura.ia. �.iiidetturaste Nachm. 4 Uhr: In den Dolomiten. Abends 8 Ubr: Wifsenlchafllicher Verein: Prof. Philippfohn: Die Natur deS Millclmeergebieles und ihr Einfluß aus die Bewohner und Geschichte. Hörsaal 8 Uhr: Pros. Dr. F. Rathgen: Salpetersäure und die Gewinnung von Sttckstossver- bindungen aus der atmosphärischen Lust. Steruu'urtr. Invaliden gr. 07— 62. Lessing-THeater. Mittwoch. 8 Uhr: Das Konzert. Donnerstag, 8 Uhr: Das Kouzert. Freitag,«Uhr: Tan tris der Narr. Berliner Theater. H-ut-- flöhe Politik,«uhr. Morgen: Pension Schöller. Neues Theater. Abends 8 Uhr: Der Philosoph von Sanssouci. Morgen und folgende Tage: ver Philosoph von Sanssouci. Volksoper. W., Belle-Alliance-Snaße Nr. 7 Abends'/,9 Uhr: Uudine. Theater des Westens. Abends 8 Ubr: Die geschiedene Fran. Sonnt. 3'/, Udr: Ter fidele Bauer. Xeu«-«,<>j)erott«M»-1'h«'at.or. Heute und folgende Tage 8 Uhr: Ter Gras von Luxemburg. Operette in 3 Allen v. Franz Lchör. «onnlag 3 Uhr: ver �igounerdaron. 8 Uhr: Die»eilen Spezialitäten. 6',. Uhr: Der Liebeswalzer. Operette in 3 Akten. Musik von C- M. Ziehrer. tat! Dreher a. G. Urania. Wissenschaftliches Theater. Mittwoch 4 Uhr: In den Dolomiten. führ; Wissenschaftlich Verein: rof. Philippsohn: Die Nalur des Mittelmeergebiets und ihr Einfluß auf die Bewohner und Geschichte. Hörsaal 8 Uhr: Prof. Dr. Rathgen; Salpetersäure und die Gewinnung von Stickstoffverbin düngen aus der atmosphärischen Luft. Passage-Panoplikum Senegal in Berlin! RQ wilde Weiber Männer, Kinder. Drei Negerdörfer Ohne Extra-Entpee! 1 Passage-Theatef. Abends 8 Uhr. I Gussy Holl 1 Lamborg i Schneider Duncker (prolongiert) und das nenn Februar-Programm. 14 Varietä- Attraktionen. Residenz-Theater Direktion: Richard Alexander. Abends 8 Uhr: Im Taubenschlag. Schwank w 3 Akten von tzennequtn und Beber. Morgen und folgende Tage: Dieselbe Porstellung. Frisdrich-Wilhelnistädtisclies Schauspielhaus. Mittwoch, den 16. Februar, 8'/. Uhr: Die Jungfrau vou Orleans. Abends 8'/, Uhr: Flachsmalln als Erpehkr. Donnerstag: Halali._ Luisen-Theater. AbcndS 8 Uhr: Der Veilcheufrefser Luttspiel in 4 Akten von G. o. Moser. Donnerstag: Gib mich frei. Freitag: Vater und Sohn. In Vorbereitung: Was Gott zu. sainmenfügt._ IOSE=THEATEI Große Frankfurter Str. 132, Ans.' Uhr. Ende 11 Uhr. Bei ausgehob. Abonnement: Maria Stuart. Trauerspiel in 5 Akten von Schiller. Donnerstag, Frettag: Der Eisen- bahnräubcr._ Lusispielhaus. Abends 8 Uhr: Der dnukle Punkt. Reiehshanen-Theater. StettiuerSänger Der Nachtwächter vou Zcrpenschleuse. v.ll. Hersel Ansang: Wochent. 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. Billetts stets 8 Tage vorher. Alt-noablt 47/48. Donnerstag, den 17. Februar 1810: Zum 1. Male: SW* Größter Schlager!-WU Chlilltijg Tliiltk. Passepartouts haben zu dieser Borstellung keine«ültigleit. Schiller-Theater 0.(Wallner-Theat.). Mittwoch, abends 8 Uhr: Viel liilrtnen nm nicht«. Lustspiel in 5 Akten v. W. Shakespeare. Ende lO'/j Uhr. Donnerstag, abends 8 Uhr: VIol Lärmen nm nicht«. Freitag, abends 8 Uhr: Vcp Pfarrep v. St. Georgien. Theater, Schiller-Theater(Charlottenburg). Mittwoch, abends 8 Udr: ver Pfarrep v. St. Georgen. Schauspiel in 5 Auszügen von Heinrich Welcker. Ende IIP/, Uhr. Donnerstag, abendS8Uhr: ver Pfarrerv. St. Georgen. Freitag, abends 8 Uhr: Geschäft Ist Geschäft. ferein lilr Fraoen unil Mädchen der Meiterkte. Soimtag, den 20. Februar, abends 6 Uhr, im Gewerkschaftshause. Engeluser: Zur Feier des 11. Stiftungsfestes: S& Beltcrcr Hbend. � Bozena Bradnky, Gesang. Robert Koppel. Gesang und Rezltatson. Tarne« Both»tcln, Klavierbegleitung. Mitwirkende 1 Nad-utem: Tanz. Billett« ä 60 Pf. sind zu haben bei Frau lordan, Lübecker Frau Klotzsch, Fichtestr. 1, Frau Kahler, Schremerstr. 58, Kullcke, Prlnzenstr. 102, Frau Panzeram, Pappclallee 76, und am VercinSabend. Straße 43, Frau Kul Frau Zachau, Lortzingstr. WM- Kinder unter 14 Jahren haben keinen Eintritt.-Mg Am Donnerstag, den 17. Februar» im„Bfencn Klnbbause, Kommandantenstraße 72: Versammlung. V ortrag des Architekten Herrn S. Stelner. Thema:»Die k wichtigsten Merkmale der historischen Stilarten-. Zahlreicher Besuch beider Veranstaltungen erwünscht.— Gäste ▼ herzlich willkommen.[55/4*] Der Vorstand. ▲ T rianon-Theater. Heute und folgende Tage, 8 Uhr: Theodore& Clc. Sonntag nachm.: Pariser Witwe». Tnnhild-Thaalai' Programm. a a••-a-------» o Hervorragende Darbietungen.? S 3. Platz»i Ps. � Kind. 10 Pj. ahn. Nachzahlung. Dauervorstell. v. 4—11 Uhr. Nene Weit. Hasenheide. Mittwoch, den 16. Februar 1910: 8kerlock Holmes. Detektivkomödie in 4 Akten. Kassenerösinung 7, Ansang 8 Uhr. »a der Jenoowitibrücko. Osutsclilanils giOssle Ulli mmdM UclHbühne CS» sitxpiatxe Fienkafi. Aurslattung Besinn: Wochentags 4 Uhr. Sonntags 8„ Eröffnung Freitag mittag 2 Uhr. i '1 XIV. Peulfche � Nationale Gcflüe'cl-}�R>flcllung verbunden mit cinirallgNbgel u-��H Karinchen Ausdcllunc' Ausitellimgs hallen amZoo IS. 2l.Fcbruar Berlihl910 Eintritt Freitag S M., sonst 1 M. GetttTnet 8—8 Ehr. Arnold Scholz NCUC Welt Hagenheld» t08/1td| Täglich Im grofien Saale« iiBockbierfesl in den bayerisclien Alpen s[_ Donnerstag, den 17. Febmar: 'S Donnerstag, uou j.,. rouxuai. Prämiierung der längsten Damenhaare. Brauerei Friedrichshain am Königstor. GrOllte Sehenswürdigkeit Berlin«. Heute Mittwoch: Elfte-Tagl Gratisverlosung von 100 Wertgegenstände«. Jeder Besucher erhält ein Los gratis. lii'öStei' Boek-Jubel und Trubel iul der Jir. Der berühmteste Festwirt Sedorscd Edrengrukr mit feinet Truppe(60 Mitwirkende) au« München. Passierlarten habe» volle Gültigkeit. Ansang 8 Uhr. Sntree ZO Ps. Mittwoch, den 16. Februar, abends 7'/, Uhr: Novität für Berlin: Möns. Romanoff der phänomenale Kopf. The Franklins ßltgknde Akrobaten. Bagonghl, der kleinste komische Reitlünstier der Welt, 20 Jahre alt, 18 Kilo schwer. Auftreten des Kommissionsrats Gustav Stcnsbeck als Gast mit feine» ueuen hervor- ragende» Tchulpferden. Um 9'/, Uhr: End- 11 Uhr: Die drei Rivalen. Große Feerie in 5 Allen aus der Hugenoiteiizeit. IRCUS SARRASANI Aller Bolan.Gärten Eingang Grunewaldslr. Täglich abends 8 Uhr: Galavorstellung.— Mittw. u. Sonnabend, Sonntag and Festtage: Si Vorstellungen mit durchaus gleich reichhaltig. Programm nachm. 4 Uhr n. abends 8 Uhr. ZadenNachm.-Vorstell. zahlen Kinder unter 14 Jahr. U.Militär b. z. Feldwebel halbe Preise. Hetropol-Theater Hallo!!! Die große Revue! In 8 Bildern von Jul. Freund. Musik v. Paul Uincke. In Szene gesetzt vom Dir. Rieh. Schultz. Anfang 8 Uhr. Rauchen gestattet Da« drollige Faschings-Programm ein � großer Erfolg! 38 Robert Steidl! Der Vampir-Tanz! Marionetten-Theater! sowie die (Sohiohtl) Februar-Atl Attraktionen I Casino-Theater Lothringer Straße 37. Täglich 8 Uhr: Nur noch bis'�5. Februar: Ver Obergauner. Sonnabend, den 26. Februar: Zum 1. Male: Berlin bei Nacht. Sonnt. 4 Uhr: Mutter Gräbert. Letzter Dag der Leichtgewichts- Koiikurrenz. g-/, Uhr: EntscheiduugS-Stichkampf: Hein-Berlin geg. Sauerer-München. Hinterher Proklamation der Sieger und öffentliche Preisverteilung. Im unteren Saale: Großes Boehbier-KcIIerfest mit Doppel-Konrert. W.Koacks Theater Srunnenttr. 16, am Rosenthaler Tor Zum letzten Male: Die Anna-Lise. Lustspiel in B Asten. SorfÄ9abteStl;a'WOT3: Zirkus Busch. Heute Mittwoch, den 16. Februar, i abends 71/, Uhr präz.: Großer Gala-Abend. Auftreten von,: Therese Flllis, 1 James Leon Flllis]un., Heinrich I Flllis in ihren Produktionen| der hohen Schule. Nlc Daneil Co."Tfl Skandinavischer Sport-Akt. Ski, Rodel und Rollschuhe. Mr. Jacob, Foxterrier-Dress. j HerrE. Schumann, Moisterdress.| Zworgclown Franpois, Kunstr. (Reiterfamüie Proserpi usw. 9 Uhr ca. Ende ca. 11 Uhr.| Afarja. Pantomime. Folies Caprice Der Cuftturner. Nener banter Teil. Herr Wasserkropf. Ansang S'/. Uhr, Borverk. 11—2 Uhr. MMU Kommandantenstr. 57. T. A, 4, 5983. Zum 8. Male: « nr Zum 107. Male: mit Anton und Donat Herrnfeld. Ansang 8 Uhr. Vorverkaus 11 bis 2 Uhr. Sonntag nachmittag 4 Uhr: Meine-Deme Tochter. K.5n Igstadt- Kasino. Holzmarktstraße 72. Täglich: Franz iSobanshl. Neu: Gefchw, Troselli, Handslandakt, The Franken), Exzentrik-Duo. Linie Julius, Kimstbiabolospieler. Prolongiert: Viktor Ritter, William Watson und So», Kitty Whest usw. liamcriid Scbrnppke. �si�seiv�inen�llt�M�� Palast-TheäterT Direktion: Robert Dill 4 Karl Pirnau. Burgstraße 24, am Bahnhos Börse. Das brillante Februar-Programm! 14 ittraktionen ersten Ranges. An Ehemann vor der Tür, ober: Die überlistete Xantippe. Ansang 8 Uhr. Entree: 09 Ps. bis s Mark. Borzugskarten überall zu haben. Kar! Haverland Ansang Theater, präz. 8 U. 77/79 Kommandantenstraße 77/79. Das Neueste vom Neusten bietet doS Februar-Programm. Sanssouci, Direktion Wilhelm Reimer. Heute Mittwoch? Theaterabend. Beginn S'/j Uhr. Zum erstenmal: Mutter u. Solin. Schauspiel von Charlotte Birch-Pfeiffer. Morgen Doimersiag: UntaiiZ lonii Sänger und Tanztriinzcheu. Beg. Sonni. 5, wowem. 8U. TfSIlZMW tßMfi Thealer 1 Weinbergsweg 19-20, Reeenth.Ter. I Anfang 8 Ilhr. I Die eigenartigen Februar. Spezialitäten. Tunnel: Bortbierfeft. I Regimentskapelle, ecfsticrfccr. 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