Nr. 44. flbonnements-Bedingunacn; Abomiomcms, Preis pränumerando: Pierlcljährl.:!,ZU Mk, monatl� 1,10 Mk., woaienilich 2» Pfa� frei ins Haus. einzelne Nummer 5 Pfg. Sonnlags- numnicr mit illustrierter Sonntags- Vellage„Die Neue Well" lOPfg. Post- Adonnemcnl: 1,10 Aiark pro Monat. Eingetragen in die Posl-Zeitungs- Pvck-Iittc. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Mark, für das übrige Ausland Z Marl pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Dänemart, Holland, Italien. Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. crlcheint täglich äuliet Moiitzgz. Verltnev Vollislrlcltk. 37. Jahrg. Me Insertion;-Lebüfts keträgt für die scchsgespaltenc Kolonel- zcile oder deren Raum 50 Pfg., für politische und gewcrkschastlichc Vereins- und Versanimlungs-Atizeigen LO Pfg. „Kleine Hnietgcn", das erste(fett- gedruckte) Bort 20 Psg„ jedes weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlaf- stellen-Anzeigcn das erste Wort 10 Pfg, jedes weitere Wort 5 Pfg, Worte über 15 Buchstaben zählen für zivci Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis S Uhrnachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ift bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm-Adresse: „Sozialdcmolirat Btrlin". Zentralorgan der Ibzialdemokrati leben parte» Deutfchlands. Redaktion: 8Äl. 68, Linden Strasse 69. Fernsprecher- Amt IV, Nr. 1983. Dienstag, den 22. Februar 1910. Expedition: SM. 68, Lindenstrassc 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. fluguft Bebel und das deutsche Proletariat. Wenn heute die Proletarier aller Länder unseren Bebel feiern, unserem greisen Vorkämpfer zujubeln, an seiner jugcnd- licheu Glut sich erfreuen, das halbe Jahrhundert seiner hin- gebenden Arbeit, seiner glänzenden Erfolge überschauen, dann feiern sie gleichzeitig auch das deutsche Proletariat und das halbe Jahrhundert seines siegreichen Aufstiegs, das seine Partei zur stärksten Partei Deutschlands, zur stärksten und Vorbild- lichsten unter den sozialdemokratischen Organisationen der Welt erhoben hat. Es ist ein internationales Fest, das wir heute begehen, denn so lvie die deutsche Sozialdeniokratie nur ein Stück der Internationale ist, mit ihr unlöslich verbunden, so gehört auch ihr vornehmster Repräsentant nicht dem deutschen Proletariat allein. Er hat für das Proletariat der Welt geivirkt und aus den proletarischen Klassenkämpfen der Welt, nicht bloß Deutsch- lands, gelernt und Kraft gewonnen. Aber die internationale Solidarität steht nicht im Wider- spruch dazu, daß das Proletariat eines jeden Landes unter dem Einfluß der besonderen Bedingungen, unter denen es ersteht und kämpft, eine besondere Eigenart entwickelt. Und gerade Bebel ist nur zu begreifen, wenn man die Eigenart des deutschen Proletariats begreift. Nicht bloß deshalb feiert man mit Bebel auch das deutsche Proletariat, weil Bebels Persönlichkeit im proletarischen Emanzipationskampf völlig aufging, so daß dessen allgemeine Geschichte auch seine persönliche Geschichte geworden ist. Das gilt von jedem unserer alten Kämpfer. Bebel aber kann man noch in einem anderen Sinne mit dem kämpfenden deutschen Proletariat identifizieren: es gibt keine einzelne Persönlichkeit» die es stärker beeinflußt, seine Eigenart mehr zur Geltung gebracht und stärker entwickelt hätte, wie Bebel. Darin überragt er alle anderen unserer Großen, Liebknecht, Lassalle, Engels, selbst Marx. Schon äußere Gründe verliehen ihm eine stärkere Ein- Wirkung auf das deutsche Proletariat als jedem der Genannten. Glänzend, gewaltig war der Eindruck von Lassalles Persönlich- keit, aber kurz, rasch vorübergehend seine Erscheinung lvie die eines Kometen. Marx und Engels haben die Grundlagen geschaffen, auf denen der gesamte Klassenkampf des Proletariats aller Länder beruht; aber sie lebten im Auslande und konnten schon darum verhältnismäßig wenig Einfluß auf die be- sonderen Formen nehmen, die jener Kampf in Deutschland annahm. Auch Liebknecht lvar den deutschen Verhältnissen durch laugjähriges Exil ziemlich entfremdet, als er in die proletarische Belvegung Deutschlands eingriff. Zwischen ihnen und Bebel besteht vor allem aber der gc- waltige Unterschied, daß sie Intellektuelle waren, daß sie zum deutschen Proletariat von außen kamen, daß sie ihm brachten, was ihm fehlte, was es aus sich selbst durch eigene Anstrengung nicht erzeugen konnte, theoretische Einsicht, historisches und ökonomisches Wissen, die Erfahrungen der Klassenkämpfe damals noch höher entwickelter Länder, Eng- lands und Frankreichs. Bebel dagegen hat aufs vollkommenste jene gewaltige Kraft entwickelt, die das Proletariat aus sich selbst erzeugt; er hat jene eigenartige Kombination von Vorzügen, die den Klassenkampf des deutschen Proletariats besonders kcnnzeichncn und sieghaft gestalten, aufs höchste ausgebildet. Alle jene Kräfte und Fähigkeiten, die das deutsche Proletariat dort aus- zeichnen, wo- es äls Masse, als Klasse auftritt, wir finden sie aufs harmonischste in der einen Person Bebels vereinigt. ' Was keineswegs der einzelne Proletarier ist, was sie nur in ihrer Gesamtheit sind, wo die Kräfte der einen die der anderen ergänzen und steigern, das ist der einzelne Bebel. lind darum, weil sie in Bebel auf das vollkonimenste das Iviederfinden, was sie selbst sind, was sie selbst empfinden, ivas sie»vollen und können, darum vermag er auf die Proletarier zu»virken»vie keiner, vermag er das Maximum an Kraft, dessen das deutsche Proletariat fähig ist, aus ihm herauszuholen, wie kein anderer; vermag er am besten die Auf- gaben und die Mittel ihrer Lösung herauszufinden, die der Eigenart des deutschen Proletariats entsprechen. In diesem Sinne darf man»vohl sagen, daß keine andere Persönlichkeit für die Eigenart der deutschen Sozialdeinokratie so bestimmend geworden ist wie er, keiner für die Enttvickelung ihrer besonderen Vorzüge mehr geleistet hat. *** Als eines der hervorstechendsten Merkmale der deutschen Arbeiterklasse— der Klasse, nicht jedes einzelnen Prole- taricrS— haben schon Marx und Engels ihren großen theoretischen Sinn erkannt, ihr tiefes»vissenschaftliches Interesse. In der Zeit des Sozialistengesetzes wurde es allmählich durch den Kampf gegen die Polizei zurückgedrängt, der alle geistige Kraft der im Kampfe stehenden Proletarier absorbierte. Dann »var es die Fülle der Kleinarbeit in den machtvoll»vachsenden Organisationen, die theoretischer Betätigung»vcnig Raum ließ. Aber der theoretische Sinn»vurde dadurch nur zurück- gedrängt, nicht erstickt. Seit einiger Zeit regt er sich wieder mit Macht,»vie die Stärke der jetzigen Bildungsbestrebungen beivcist. Der große theoretische Sinn, das tiefe»vissenschaftliche Streben hat seit jeher auch Bebel gekennzeichnet. Man braucht nur sein berühmtestes Buch, das über die Frau, auf- zuschlagen, um auf jeder Seite eine Fülle von Kenntnissen vertvcrtet zu finden, die nur stete wissenschaftliche Beschäftigung zu verleihen vermag— ein Verfolgen der Wissenschaft auf den verschiedensten Gebieten. Seine sonstigen Werke aber bezeugen, daß es namentlich die Geschichte ist, die ihn aufs lebhafteste anzieht: nicht nur jene ihrer Partien, die ein aktuelles oder sozialistisches Interesse haben»vie Fourier(1888), Christentum und Sozialismus(1875) und die»vahre Gestalt des Christentunrs(1878), der Bauernkrieg und die sozialen Bewegungen des Mittelalters(1876), sondern auch solche, die uns ferner liegen, wie die Enttvickelung Frankreichs vom 16. bis gegen Ende des 18. Jahrhunderts (1878), oder die m o h a»n in e d a n i s ch- a r a b i s ch e Kulturperiode(1884). Aber nicht minder, wie die eigene Bildung, lag ihm seit jeher auch die seiner Genossen am Herzen. In seinen eben erschienenen Denkwürdigkeiten kann man sehen, wie sehr seine Anfänge in Leipzig un- ermüdliches Wirken im Dienste der Arbeiterbildungs- bestrcbilngen bedeuteten. Von da an bleibt er trotz aller Wandlungen und einer erdrückenden Fülle anderer Wirkungs- kreise immer auch für die Verbreitung theoretischer Erkenntnis tätig. In der Last der Arbeiten und Sorgen, die ihm die ersten Jahre des Sozialistengesetzes auferlegten, gewann er Interesse für eine rein theoretische Zeitschrift,»vie die„Neue Zeit", zu deren Grünöern und fleißigsten Mitarbeitern er ge- hört. Und die jüngste Schöpfung unserer Partei zu plan- mäßiger Verbreitung und Vertiefung theoretischen Wissens, die Parteischule, verdankt ihre Existenz und ihr Aufblühen vor allem der Initiative und dem tatkräftigen Interesse August Bebels. Das theoretische Interesse des deutschen Proletariats ist »vohl ein Erbe, das es von dem aufstrebenden deutschen Bürgertum überkam» Es entstammt hier»vie dort der gleichen Ursache. Während englische und französische Proletarier in die revolutionären Kämpfe der Bourgeoisie ihrer Länder früh- zeitig hineingezogen wurden, daraus das Gefühl eigener Kraft, den Drang nach praktischer Betätigung in Staat und Gesell- schaft zur Erhebung und Befreiung ihrer Klasse schöpften, ver- spürten die deutschen Proletarier lauge nur den geistigen Reflex davon,»varcn sie durch die politischen und sozialen Verhältnisse daran gehindert, ihren Emanzipationskanipf anders als theoretisch zu führen— ähnlich wie der radikale Teil der deutschen Bourgeoisie. Aber anders als auf diese wirkte das theoretische Interesse auf das Proletariat. In der Bourgeoisie ertötete der theoretische Sinn alle Tatkraft, wurde er zu schivächlicher Träumerei, zu einem Idealismus frommer Wünsche, der von vornherein auf deren Erreichung verzichtet oder sie von anderen Mächten als der eigenen Kraft erhofft. Die Träger des bürgerlichen Idealismus waren eben Intellektuelle, eine Klasse, die unfähig ist, für sich allein zu kämpfen. Das Proletariat der Handarbeit»vird dagegen durch seine Lebensbedingungen zur Tatkraft erzogen. Sobald es von einer Idee erfaßt ist, dann begnügt es sich uicht damit, für sie zu schwärmen, dann benutzt es jede Gelegenheit, praktische Macht für sie zu ge>vinnen. Nicht der theoretische Sinn allein ist das Kennzeichen des deutschen Proletariats, sondern seine Verbindung einerseits»nit praktischem Verständnis für die Bedingungen von Machtgelvinnung und Machtentfaltung, und andererseits mit energischer, zäher und kluger Betätigung dieses Verständnisses auf jeden» Gebiete, das in Staat und Gesellschaft dafür vorhanden ist oder erobert»verde»» kann. In dieser Vereinigung zweier Eigenschaften, die so selten miteinander harinonisch zu vereinbaren sind, liegt die große Kraft und historische Bedeutung des deutschen Proletariats. Sind aber theoretischer und praktischer Sinn schlvcr mit- einander zu vereinbaren in einer Klasse,!vo meistens die eine wie die andere dieser beiden Seiten von verschiedenen Individuen zur Vollkommenheit entwickelt »vird, so noch»veit schtverer in einer einzelnen Persönlich- keit. Bebel ist diese seltene Bereinigung in höchstem Grade gelungen: er beherrscht beide Seiten unserer Bewegung in gleichein Maße. Bei allem theoretischen Interesse hat er von Anfang seines Wirkens in der Arbeiterbeivegung an stets einen scharfen Blick für die wirklichen Quellen der Macht des Proletariats gehabt und stets darauf hingewirkt, diese Macht zu verstärken und praktisch zu betätigen. Ebenso groß»vie als Bildner an sich selbst und an der Arbeiterklasse ist Bebel als Organisator und Taktiker. Sein Interesse, das er heute der grauesten Vorzeit, einem Morgan»md Bachofen zuioendct, das er gestern der fernsten Zukunft der sozialistischen Gesellschaft zuwandte, er wendet es morgen mit gleicher Ji»tc»»sität den minutiösesten Details der Kleinarbeit zu, deren Bedingungen in ganz Deutschland er vollständig be- herrscht. Schrieb er heute über die mohainmedauische Kultur, so morgen etwa über das„Reichsgestlndheitsamt und sein Pro- grainm"(1878), die„Sonntagsarbeit"(1888),„Die Lage der Arbeiter in den Bäckereien"(1890) oder„Die Handhabung des Vereiils- und Versammlungsrechts im Königreich Sachsen" (1897), un» nur ein paar von den»mzähligen Arbeiten Bebels hervorzuheben. Für seine praktische Tätigkeit in Versamm- lungen und Sitzungen lassen sich Belege natürlich nicht bei- bringen. Seinem praktischen Sinn für die»virklichen Quellen der Macht ist sein warmes Interesse für die G e>v e r k s ch a f t s- b e>v c g u n g zuzuschreiben, das er schon 1868 praktisch be- tätigt; diesen» Sini» entspringt auch sein unermüdlicher Kampf gegen die stehenden Heere und für die Volksbewaffnung, den er von Beginn seiner politischen Tätigkeit bis heute mit größtem Nachdruck geführt hat. Und ebenso sehr»vie theoretischer Erkenntnis dürfte es diesem Sinne für die Wurzeln unserer Macht zuzuschreiben sei»», daß Bebel sehr frühzeitig begriff, welche Bedeutung die Gewiilnung der Frau für den proletarischen Emanzipations- kämpf besitze. » Parallel n»it den» Gege»lsatz zivischen Theorie ui»d Praxis geht der von revolutionäre ni Enthusiasnius uild nüchterner Berechnung. Auch diese beiden Eigen- schaffen scheinen einander arlszuschlicßen, sind ungemein schiver mit einander zu vereinigen, ui»d doch sind beide gleich not- »vendig für den Klassenkampf des Proletariats. Keine Klasse hat größere Hindernisse zu überwinden, als das Proletariat, keine ist so sehr allein auf ihre eigenen Kräfte angeiviescn, keine bedarf so sehr jederzeit des größten Aufwandes an Kraft, dessen sie fähig ist. Nicht Geldmittel, nicht Waffentechnik können dem Proletariat diese Kraft- entfaltung ermöglichen, n»lr seine ökonoinische Unent- behrlichkeit, seine Geschlossenheit, das heißt seine O r- g a n i s a t i o n, und seine hingebende Opfertvilligkeit, also seine revolutionäre Begeisterung, die allein durch große Ziele gclveckt»verde»» kann. Aber so unentbehrlich� revol»»tionäres Enipfinden ist, soll I das Proletariat das Maximum an Kraft entfalten können, dessen es fähig ist, so verderblich wird es dort,>vo es zum revolutionären Rausch»vird, der blind drauflos tobt, ohne die »virklichen Machtverhältnisse zu beachten. Wenn die deutsche Sozialdemokratie so sieghaft vorzuschreitcn vermochte, so dcknkt sie das nicht zum»venigsten der vollendeten Art, in der sie das anfeuernde Bewußtsein, zur Befreiung aller Unterdrückten und Ausbeutenden berufen zu sein, mit klarer Erkenntnis der jeweiligen Gegemvartsaufgabeu und der zu ihrer Lösung vor- handencn Mittel zu vereinigen»vußte: eine Folge teils der theoretischen Grundlage deS Marxismus, der die Revolution aus der Evolution, den schließlichcn Ilmsturz aus der allmäh- lichen Häufung von Einzelfortschritten hervorgehen läßt und beide in innigste Verbindung mit einander bringt; dann aber auch eine Folge der historischen Situation, die dem deutschen Proletariat schon durch das preußische Junkerregime tagtäglich die Unmöglichkeit vor Augen führt, ohne eine grundlegende Aenderung der politischen Verhältnisse vorivürts zu kommen, und die ihm doch keine große revolutionäre Tradition aus der Zeit der aufstrebenden Bourgeoisie beschert hat, in der es aufgehen könnte. So ist das deutsche Proletariat revolutionärer als das englische, aber weniger in den Ueberlicferungcn kleinbürgerlicher Revolutionen befangen, als das französische. Es»vird aber kaum einen ii» seinen Reihen geben, dem die Vereinigung revolutionärer Begeisterung und kühler Be- rechnung besser gelang, als August Bebel. Wen von uns hat er nicht schon hingerissen durch die sieghafte Glut revo- lutionären Feuers, das in seinen Schriften und namentlich seinen Reden lodert? Kühler veranlagte Naturen in den eigenen Reihen haben ihn nianchmal»vegcn seiner„Prophe- zeiungen" verspottet,»veil er, von seinem Enthusiasiilus hin- gerissen, manches ferne Ziel näher sah, als es»var. Aber wer Gelegenheit hatte, mit Bebel zusammen zu arbeiten, der weiß, daß sein glühendes Temperament und die Größe der Ziele, die er sich steckte ihn nie auch nur für einen Moment zum Phantasten macht, ihm nie die Klarheit des Blickes für die Erfordernisse der Gegenivart trübt, ihn nie verlockt, die Kraft der eigenen Partei zu überschätzen und die der Gegner zu gering zu veranschlagen. Mit Recht darf man ihn einen Staatsmann nennen— aber nie hat der Staatsmann in ihm den Kämpfer erstickt. Nie gehörte er zu jenen Sicherhcitskommissarcn, die den Kampf nur dann wagen,»venn sie den Sieg in der Tasche haben, und er tveitz sehr»vohl, daß es Situationen gibt, in denen man den Kampf aufnehmen muß, selbst wenn man den eigenen Untergang vor Augen sieht,»veil der Verzicht auf den Kampf aus Feigheit die schlimmste Niederlage»väre,»vahrend die Niederschlagung nach heldenhaftem Widerstand künftige Siege vorbereiten kann. Bebel gehört nicht zu jenen, die bedauern, daß die Pariser Arbeiter in jener Märznacht 1871 nicht schliefen, als Thiers ihnen ihre Kanonen stehlen»volltc. Er sieht ihren Fehler eher darin, daß sie von ihren Gegnern noch zu gut dachten, ihre Friedensliebe und Anständigkeit zu hoch ein- schätzten und sich dadurch einlullen ließen, bis die Gegner sich gerüsret hatten, sie niederzuschlagen. Bebels Realpolitik»var stets von größtem Mißtranen gegen jede Fraktion der bürgerlichen Parteien beseelt? Und das hat ihn stets richtig geleitet. Er hat sich mitunter ge- täuscht über die Schnelligkeit unseres Vormarsches. Aber seitdem er zum vollen Verständnis der Klassengegensätze gc- konimen ist, hat er sich nie auch nur einen Moinenk Illusionen über bürgerliche Arbeiterfreundlichkcit gemacht. Tic Prophe- zeiungen über den Aufschivung der bürgerlichen Demokratie hat er jenen überlassen, die über seine eigenen Prophezeiungen spotteten. .» Unter den Formen, in denen sich die Vereinigung von theoretischem Sinn und praktischer Gegenlvartsarbeit, von revo- lutionären» Elan und nüchterner Berechnung in» Klassenkampfe vollzieht, ist für die Politik der Gegenivart vielleicht die »vichtigste die Vereinigung von Parlamentarismus und Massen- aktivn gelvorden. Der Parlainentarismus ist die Form, die sich die Bour- geoisie für die Beherrschung der Staatsinacht schuf, daS Gebiet, auf dem das Proletariat den Kampf niit ihr zu führen hat, der das mächtigste Mittel wird, es als Klasse zu konstituieren. Wohl verinag die parlamentarische Tätigkeit dem Proletariat auch soziale Reformen zu erringen, und wo solche erreichbar sind, muß sie dahin gerichtet sein. Aber nicht immer und überall kann der Parlamentarismus dem Proletariat dazu dienen. Das Parlament kann auch von großem Nutzen »Verden als Tribüne, von der die Stimme sozialistischer Auf- klärung»vciter dringt als von jeder anderen Tribüne im Lande. Aber auch dazu ist im Parlament nicht immer und überall'dic Gelegenheit gegeben. Was aber unter allen Um- ständen die Teilnahme der proletarischen Massen an den Kämpfen unis Parlainent und im Parlament beivirkt, das ist die Vereinigung dieser lokal und beruflich getrennten Massen in gemeinsamen Aktionen, in gemeinsamen Organisationen iin ganzen Staat. Keine andere Form des 5kampfes Proletarischer Schichten kann so sehr diese Wirkung erzielen, kann so sehr das ganze Proletariat eines Staates zu einem geschlossenen Gesamt- körper mit genieinsaniem Betvußtsein zusammenschweißen»vie die Anteilnahme an den parlamentarischen Kämpfe»,»veil es keine andere Einrichtung gibt, die das ganze politische Leben der Bevölkerung eines Staates so sehr zentralisiert»vie das Parlament. So»vird es ein Mittel, der zentralisierten Armee und Bureaukratie der Regierungen eine einheitliche Massen- belvegung entgegenzusetzen. Und diese Wirkung hat jedes Parlament, wie schwach und schattenhaft es sein mag, sobald sich in ihn» Kämpfe abspielen, die das Proletariat inter- essieren; sogar schon jedes Parlament, in den» das Proletariat noch gar nicht vertreten ist, zu dem es sich den Zugang erst erkämpfen will. Wahlrechtskäinpfe können leicht das Pro- lctariat noch mehr stärken als Wahlkämpfe. Aber»nan darf nie vergessen, daß die Parlamente von der Bourgeoisie zu ihren Zwecken, nicht zu Zwecken des Proletariats geformt ivurdcn. Sie erhielten Formen, die es der Bourgeoisie crlaitben, sich auf die Massen gegenüber den Regierungen zu stützen, ohne doch jene Massen zu unbedingten Herren zu machen. Wahlderfahren und parlamentarische Formen sorgen dafür, daß stets Besitz und Bildung in den Parlamenten die Oberhand haben und daß der einzelne Gc- >väblte nicht der Tiener, sondern der Herr der Masse wird. Aufgabe des Proletariats ist es, sobald es an den parlamentarischen Kämpfen teilnimmt, dafür zu sorgen, daß seine parlamentarischen Vertreter den Einflüssen des bürgcr- lichen Parlamentarismus entrückt werden, daß sie Diener der Masse bleiben, sich nicht über sie erheben, nicht einen von ihr unabhängigen Gcheimbund bilden, der sie gängclü In Ländern mit alteingewurzeltem, starkem bürgerlichen Parlamentarismus, wie Frankreich und England, hat sich das bisher als ungemein schwer herausgestellt. Es bildet das einen der wunden Punkte in der proletarischen Politik dieser Länder. Das deutsche Proletariat hat diese Aufgabe besser zu lösen verstanden. Gerade darin ist die deutsche Sozial- demokratie vorbildlich für die Internationale geworden. Ihr eigenes Vorbild fand sie aber dabei in August Bebel. Schon 1867 wurde er in den konstituierenden Reichstag gewählt. Seitdem hat er mit kurzen Pausen stets dem Reichstag angehört. So ist er Parlamentarier durch und durch ge- ivorden, von Anfang an voll Verständnis für die Bedingungen parlamentarischen Wirkens und parlamentarischer Erfolge, von niemand übcrtroffen an Eifer und Gewissenhaftigkeit in der Erfüllung seiner parlamentarischen Pflichten. Die Dar- stcllungen der parlamentarischen Tätigkeit der deutschen Sozial- deinokratie von 1871�-89 sowie ein großer Teil der späteren Handbücher für Reichstagswähler stammen von ihm. Der Parla- mentarismus wurde die Grundlage seines ganzen politischen Wirkens, auf diesem Gebiete erzielte er vielleicht die glän- zendsten seiner Erfolge. Und doch gibt es wenige Menschen, die sich so wenig durch diesen Glanz blenden ließen, wie er; wenige, die sich steier erhalten haben von jener Ueberschätzung des Parla- inentarismus, fiir die Marx das drastische Wort vom parla- mentarischcn Kretinismus prägte, der da glaube, die ganze Weltgeschichte werde in den Parlamenten gemacht. Stets hat Bebel auf das stärkste betont, daß die Wurzeln der Macht sozialistischer Parlamentarier in den proletarischen Massen ruhen. Sein parlamentarisches Wirken, mochte es in „positiver" Reformarbeit oder„negativer" Kritik und Brand- markung bestehen, hatte stets nur einen Leitstern: den Hinblick auf den proletarischen Klassenkampf. Diesen zu befruchten und zu beleben war das Ziel aller seiner parlamentarischen Tätigkeit. Und nie fühlte er sich dabei über die Massen erhaben, -stets nur als einer aus der Masse. Daß die proletarische Disziplin für die Abgeordneten ebenso gilt wie für alle anderen, ist ihm jederzeit als selbstverständlich erschienen, und er hat diesen Grundsatz nicht nur stets in Worten betont, sondern auch in seinem Wirken befolgt. Man hat von der Diktatur gesprochen, die Bebel in der Partei übe. Sicher gibt es keinen Mann in der Partei, dessen allgemeines Ansehen ihn so sehr in den Stand setzen würde, eine solche Diktatur zu üben, wie Bebel, Es gibt aber auch keinen, der sie weniger übt, der ein besserer Demo- krat ist wie er. Nie ist es ihm eingefallen, den Genossen gegenüber auf etwas anderes zu vertrauen, wie auf die Kraft seiner Argumente; nie hat er etwa auch nur den leisesten Versuch gemacht, durch Drohungen mit Mandatsniederlegung oder ähnliche Pressionsniittel eine Entscheidung zu seinen Gunsten zu erzwingen. Solche Mittelchen hat er stets der- achtet und, wo er ohne solche nicht durchdrang, es vorgezogen, in der Minorität zu bleiben. Der Entscheidung der Majorität, wenn sie gegen ihn fiel, was steilich selten genug vorkam, hat er sich inimer ohne die mindeste böse Miene gefügt. Denn für die Masse des Proletariats hat er unbegrenzte Hochachtung. Sie ist ihm nicht blindes Werkzeug seiner Pläne, sondern der souveräne Herr, der höher steht als die höchst entwickelte Individualität. Mels Ccbenserinncrungcn. Selten ist ein Memoircnwerk mit so allgemeiilein Interesse und mit so reicher Sympathie aufgenommen worden, wie Bebels Buch „Aus meinem Leben". Da Bebel eine der populärsten Persönlich- leiten unserer Zeit ist, so kann das Buch gerade da seinen Eindruck nicht verfehlen, wo man gewohnt ist, über die in der Sozialdemokratie hervor- tretenden Persönlichkeiten oberflächlich und einseitig abzuurteilen. Der weitaus größte Teil der herrschenden Klassen steht ja der niodernen Arbeiterbewegung so fremd gegenüber, wie unerforschten über- seeischen Ländern. In diesem Buche aber sehen sje die Persönlichkeit Bebels mit der ganzen Bewegung aufs engste verwachsen zu ihrer späteren Bedeutung emporsteigen und bekommen vielleicht so nach und nach einen Schimmer von Verständnis dafür, wie die Sozial- deinokratie das werden konnte, was sie geworden ist. Fiir die Gesinnungsgenossen ist das Buch eines der wertvollsten Vermächtnisse, die ihnen von führenden Geistern dieser großen Zeit- bewegung zugewendet worden sind. Nur ganz wenige von diesen sind dazu gekommen, ihre Lcbenserinnerungen niederzuschreiben; vieljl- sind vor der Zeit von uns geschieden, nachdem sie ihre Lebens- Irast in rastlosem Kampfe für die große Sache und ums Dasein verzehrt. Nur wenige sind noch vorhanden, die jene Zeiten mit durchgelebt, als die Sozialdemokratie sich noch in den verzehrenden Krämpfen der Zersplitterung wand, bis endlich die Notwendigkeit sie zusammentrieb und sie zu der mächtigen Gemeinschaft ver- schmolz, die dem ganzen Zeitalter ihren Stempel aufgedrückt hat und die keine Tyrannenmacht hat sprengen können. Wie die Völker, so können auch die Parteien ihre Gegenwart nur vollkommen verstehen,- wenn sie ihre Vergangenheit kennen. Das Bebeische Buch wird immer ein zuverlässiger Schlüssel zu diesem Verständnis bleiben. Es hat den bei Memoirenwerken sehr hoch anzuschlagenden Vorzug, weniger Meinungen als Tatsachen in schlichter, ungekünstelter Darstellung zu geben, so daß diese zum Ver- stand wie zum Herzen spricht. In der Reaktionszeit nach 1343—49 waren die Spuren der deutschen sozialistischen Bewegung von damals fast gänzlich wieder verwischt worden. Der Kölnische Kommunisienprozeß ließ die letzten bekannteren Vertreter dieser Bewegung in Deutschland hinter den Gefängnispforlcn verschwinden, lvährend Leute wie Lassalle sich in tiefe wisieiischaftliche Forschungen versenkten. Dagegen bewahrten in der Verbannung die Flüchtlinge wie Marx, Engels, Joh. PH. Becker, Liebknecht und andere das heilige Feuer, das zuerst im Kommunistischen Manifest aufgelodert war. Diese hatten, ihren Zeitgenossen vorauseilend, die Tarauf beruht auch seine so bemerkenswerte Bescheiden- heit, die in seinen eben erschienenen Denkwürdigkeiten Ivieder so auffallend hervortritt, tvo seine Persönlichkeit fast ver- schwindet. Diese Bescheidenheit ist nicht Geringschätzung der eigenen Person gegenüber anderen Personen. Bebel weiß sehr wohl, was er kann und was er bedeutet. Seine Bescheiden- heit entspringt daraus, daß ihm jede einzelne Person, auch die eigene, gegenüber der Masse geringfügig erscheint. Was die Masse bewegt, was die Masse fördert, was ihre Kräfte erhöht, das ist ihm das wichtigste und bedeutendste. Darum spricht er in seinen Memoiren auch von anderen Personen nicht viel. Umso- mehr von den Aktionen der Massen. Das was die deutsche Sozialdemokratie und was Bebel geleistet, hat also seine Wurzel darin, daß es ihnen gelang, eine Reihe von Gegensätzen zu fruchtbarem, harmonischem Wirken zu vereinigen: Die Gegensätze theoretischen Forschens und praktischer Arbeit; von Reform und Revolution, von Par- lamcntarismus und Massenaktion, von Macht der Persönlich- keit und freudiger Unterordnung unter die demokratische Disziplin. In diesem Zusammenhange darf noch ein großer Gegensatz nicht übersehen werden, dessen Zusammenfassung zu einer höheren Einheit zur Bedeutung der deutschen Sozial- demokratie im allgemeinen wie der Bebels im besonderen nicht wenig beigetragen hat: der Gegensatz— um darwinistisch zu reden— zwischen Anpassung und Vererbung, zwischen prinzipieller Beharrlichkeit und steter Neigung, aus den Tatsachen zu lernen und ihnen Rech- nung zu tragen. Seit 1876 hat die deutsche Sozialdemokratie nur einmal ihr Programm gewechselt, und dieser Wechsel be- deutete kein Aufgeben, sondern nur eine klarere Formulierung der seit Anbeginn der Partei gehegten prinzipiellen An- schauungen. Und doch befindet sich unsere Partei in stetem Flusse der Bewegung, in steter Mauserung. Es war gerade Bebel, der dies Wort geprägt hat, und der stets bereit war, voraus zu gehen, wo es galt, einer Verschiebung der Macht- Verhältnisse oder sonstiger Aenderuug der Tatsachen Rechnung zu tragen. So hatte er, um nur em Beispiel zu nennen, die Beteiligung an den preußischen Land- tagSlvahlen bekämpft, solange sie ein Schlag ins Wasser, eine zwecklose Kraftverschwendung gewesen wäre, um sofort seine Anschauungen zu ändern und diese Beteiligung energisch zu verfechten, sobald die Bedingungen gegeben waren, unter denen sie Aussicht auf einen Erfolg boten. Aber derselbe Mann, der einen Vorzug in der Fähigkeit sieht, sich zu mausern, Ivo es die Veränderung der Kampf- bedingungen erheischt, er ist stets derselbe geblieben, seitdem er sich einmal zu� prinzipieller Klarheit durchgerungen hatte. Wenn er 1871 eine Rede im Reichstag mit den Worten schloß:„Krieg den Palästen und Friede den Hütten", so hat er vor wenigen Jahren noch den LlriegSruf wiederholt, indem er sich als Todfeind der bürgerlichen Gesellschaft bekannte, und in dem Menschenaltcr, das dazwischen liegt, ist er derselbe geblieben, ohne auch nur je einen Moment zu wanken oder unsicher zu werden, in allen den Krisen und Katastrophen, die unsere Partei durchzumachen hatte. Die Vereinigung von Beharrlichkeit und Anpaffm�s- vermögen, die sich ebensoweit entfernt von charakterlosem Opportunismus und haltlosem Haschen nach Augenblicks- erfolgen wie von eigensinniger Rechthaberei und Einschnürung der Fülle des Lebens in ein paar enge Formeln, die man geistlos ins Endlose wiederholt— eine derartige Vereinigung erhielt im Proletariat ihre feste Basis in seiner fest besümmten Klassenlage, sobald es über sie Aufklärung fand in der niarxisttschen Theorie, die selbst keine ewigen Wahrheiten kennt. An der Hand dieser Theorie lernt das Proletariat alle Tat- fachen des Tages begreifen und sich ihnen anpassen. Je mehr es aber gleichzeitig durch diese Theorie seine Klassenlage erkennt, desto entschiedener betont es die Prinzipien des Klassenkampfes, die es anfangs nur instinktiv und gcfühls- mäßig ahnt. bürgerliche Revolution, wiewohl sie selbst an ihren Kämpfen teilgenommen. schon als eine historisch überwundene Epoche betrachtet. Liebknecht ging nach Deutschland zurück, um das Licht, das einst von der„Neuen Rheinischen Zeitung" ausgestrahlt worden, aufs neue zu entzünden und die deutsche Arbeitcrwelt mit den inzwischen von Marx in London vollbrachten soziologischen Forschungen bekannt zu machen. Fast zu gleicher Zeit aber trat Lassalle in Deutschland wieder auf und gründete den Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein. Der junge Bebel war da- mals noch Gegner der Lassalleschen resp. sozialistischen Anschauungen. Aber im Leipziger ArbeitcrbildungSverein traf er mit Liebknecht zusammen, der als Anwalt der inzwischen in London gegründeten Internationalen Arbeiterassoziation wirkte. Liebknecht übte in der Vollkraft seines Daseins einen ungemein starken geistigen Einfluß auf alle aus, die mit ihm in häufige Berührung kamen. Dieser Einfluß wird von Bebel niit der damals und noch später in sozia- listischen Kreisen geläufigen Redensart:„Donnerwetter, von dem kann man was lernen I" trefflich charakterisiert. Liebknechts Einfluß brachte den 26 Jahre alten Bebel zur Internationalen Arbeiter- assoziation und dieser brachte wiederum schon einen Einfluß auf weitere Arbeiterkreise mit. Bebel betont, daß er,„wie fast alle, die damals Sozialisten wurden", über Lassalle und Marx gekommen sei. Dies ging auch später noch so. Die glänzenden, leicht verständlichen und doch mit reichlichem Tatsachenmaterial versehenen Agitationsschriften Lassalles zogen damals am meisten an; sie bildeten aber auch eine treffliche Vorbereitung für das Studium der Marxschen Schriften. Und so groß war der Einfluß Lassalles, daß seine heute kritisch überwundene Forderung der Produktiv- Assoziationen mit Staatshilfe noch das Eisenacher und das Gothaer Programm beherrschte. Die induswielle EntWickelung mit Weltverkehr und Welthandel, deren Mangel 1843 den Sieg des bäuerlichen Deutschland über das bürgerliche Deutschland ermöglichte, war in den sechziger Jahren rasch vorwärts gekommen und hatte weite Volkskreise für den Sozialismus empfänglich gemacht. Der Zusammenstoß der Klassen- gegensätze wirbelte denn auch bald die geeigneten Führerund Geiste- aus den Massen hervor. Welch eine Fülle von Charakterköpfen er hob sich da mit einem Male innerhalb der Arbeiterbewegung, mochten es nun Angehörige des Proletariats selber oder, mit dem kommn- uistischen Manifest zu reden, bürgerliche Ideologen sein, die sich zum theoretischen Verständnis der ganzen geschichtlichen Bewegung hinauf- gearbeitet hatten. Aber noch gab es eine Menge liberaler und demokratischer Politiker, darunter viele von 1848 bekannte Persönlich- Die Beharrlichkeit der Klassenlage und ihre theoretische Erkenntnis, die der K l a s s e prinzipielle Beharrlichkeit ein- prägt, reicht jedoch nicht für das I n d i v i d u u m ans, das Begabung und Verhältnisse in den Vorkampf der Klasse bringen. Es braucht mehr, soll es imstande sein, der Masse als wirklicher Führer voran zu gehen. Die Notivendigkeit, sich in wechselnden Situationen rasch zu entscheiden, das Gefühl der weitgehenden Folgen dieser Entscheidungen, der großen Verantwortung, die sie mit sich bringen, wirkt nur zu leicht lähmend und verwirrend, trotz der vollkommensten Theorie, wenn der Führer diese etwa bloß unter dem Einfluß einer bestimmten Stimmung oder Situation annahm; da verliert er leicht jeden Halt an ihr bei veränderter Stimmung oder Situation, die ihn dann ratlos macht. Aber die klarste Erkenntnis der Tatsachen und der Er- fordernisse der Gegenwart durch die vollendetste Theorie genügt nicht, daß der Führer ohne Irren und Wanken stets den richtigen Weg verfolgt, daß er das Ziel nie aus den Augen verliert und doch durch die Hindernisse der jeweiligen Situation hindurch Bahn bricht oder sie umgeht. Dazu muß der Führer auch ein Mann sein im besten Sinne des Wortes, ein Ritter ohne Furcht und Tadel, ein Kämpfer ebenso wie ein Denker. Wie sehr das Bebel stets gewesen, das braucht nian den Proletariern Deutschlands nicht erst auseinanderzusetzen. Nicht alle begreifen ihn als Denker, nicht alle folgen ihm als Taktiker; aber sie alle, und nicht nur die Deutschlands, sondern der Welt kennen und lieben ihn als unentwegten Kämpfer. Ja, selbst seine Gegner müssen ihm darob ihre Achtung zollen. Als kühner und rücksichtsloser Held erwies er sich, als er im Verein mit dem gleich kühnen Kämpfer Liebknecht inmitten des patriotischen Wahnsinns von 1870, der selbst die proletarischen Massen ergriffen hatte, im Reichstage sich weigerte, für die Kriegs- anleihe zu stimmen; als er gegen die Annexion von Elsaß- Lothringen protestierte; als er kurz darauf allein im Reichstage — Liebknechts Mandat war inzwischen verloren gegangen— die eben niedergeschlagene Pariser Kommune, die die maßloseste Wut aller bürgerlichen Elemente entfesselt hatte, im tobenden Reichstag verherrlichte. Ein unerschrockener Kämpfer beim Leipziger Hochvcrratsprozeß, wo er sich mit Liebknecht als Republikauer bekannte; ein Kämpfer vom Beginn des Sozialistengesetzes, wo er einer der wenigen blieb, die nicht den Kopf verloren, bis zum Schluß, wo er 1889 im Elberfelder Gehcimbundsprozeß aus dem Angeklagten zum Ankläger wurde und durch seine wuchtigen Schläge die letzten Stützen des morschgewordcnen Ausnahmegesetzes in Trümmer hieb. Und er war nicht bloß ein Kämpfer, ebenso unermüdlich wie unerschrocken, er ist. es auch heute noch, mit siebzig Jahren. In der Tat, es entspräche nicht seinem Wesen, wollten wir heute bloß die Vergangenheit Bebels feiern. Sein Sinnen und Trachten gehört der Zukunft, in ihr lebt er, für sie wirkt er. Hat Krankheit ihn leider einige Zeit lang von einigen Gebieten seiner öffentlichen Tätigkeit ferngehalten. so denkt er keineswegs daran, sich auf den Altenteil zfl setzeii und ruhig zuzusehen, wie die Jüngeren sein Werk weiter- führen. Er gehört der Parteiarbeit bis zum letzten Atemzug» und wenn ihn heute Millionen feiern auf dem ganzen Erdenrund, so jubeln sie ihm zu, wie ein Heer dem greisen Feldherrn zujubelt, unter dessen Führung es schon so viele Siege errungen hat. unter dessen bewährter Führung es in noch manchen heißen Kampf zu ziehen, es noch manchen glorreichen Sieg davon- zutragen erwartet. Als machtvollsten Träger alles dessen, was unsere un- zerstörbare Kraft und die unwiderstehliche Gewalt unserer großen Sache ausmacht, grüßen wir Dich heute. August Karl Kautsky. leiten, die auf die Arbeiterklasse Einfluß besaßen und verschiedene Arbeiterorganisationen hartnäckig vom Sozialismus fernzuhalten suchten. Der Kampf zwischen den bürgerlichen Politikern und den Sozialisten in den Arbeitervereinen ist von Bebel sehr anschaulich ge- schildert worden! Welch' ein Chaos! Lassalle gegen Schulze-Delitzsch, sein Nach- 'olger Schweitzer gegen Liebknecht und Bebel, die Gräfin Hatzfeldt gegen Schweitzer; Lassalleaner, Schulze-Delitzsche Bildungsvereinlcr, Hirsch-Dunckersche Gewerkvereinler, Verband deutscher Arbeiter- vereine, deutsche Demokratie und sächsische Volkspartei,„reine" Lassalleaner und spätere„Eisenacher", alles wild durcheinander und gegeneinander! Welch' eine Herkulesarbeit, alle diese Gegensätze aus der Welt zu schaffen! Ein Stück deutscher Geschichte, das von den Historikern der Zu- kunft erst gewürdigt werden wird. Die herrschenden Klassen, die ihre Gesellschaftsordnung inimer noch für„ewig" halten, wissen die Bedeutung einer Epoche nicht zu erkennen, in der eine neue Welt- anschauung sich durchzusetzen beginnt. Einzelne Sonderbarkeiten, wie ie bei solchen Anfängen fast unvermeidlich, werden alsdann är das Wesen der neuen Bewegung gehalten. Aber hier gilt das große Wort von Johann Jacob y:„Die Gründung des kleinsten Arbeitervereins wird für den künftigen Kulturhistoriker von größerem Interesse sein als der Schlachttag von Sadowa." Für diesen künftigen Kulturhistoriker hat Bebel in einen Denkwürdigkeiten einen reichen Schatz hinterlassen. Hier erscheint ein neues Geschlecht, das kühn mit den alten Traditionen bricht. Indem Bebels Persönlichkeit mit der Em- Wickelung' der Arbeiterbewegung verwächst, erscheint er als einer der charakteristischsten Repräsentanten dieses neuen Geschlechts. Eine Parallele mag dies beleuchten. Robert Blum ging aus ähnlichen Verhältnissen wie Bebel hervor; beide mußten sich, wie Freiligrath sagt, mit starker Hand den steilen und rauhen LebcnStveg bis ins Parlament bahnen. Als aber Robert Blum in einigermaßen erträgliche Verhältnisse gelangt war, ward er ein Vertreter des Kleinbürgertums und schwankte oftmals zwischen diesem und der Masse des Volkes hin und her. Bebel aber ist, nachdem er, wie er selbst sich ausdrückt, in eine einflußreiche Stellung gelaugt, immer der unerschütterliche, treue Vorkämpfer des Proletariats geblieben. Daraus erklärt sich wesentlich das seltene Vertrauen, dessen Mitrelpunkt er ist und das man bei den oberen Zehntausend nicht begreifen kann. Möge bald ein zweiter Teil seiner Erinnerungen uns den weiteren Verlauf seines reichen und vielbcwcgten Lebens beleuchten. W. B I o s. Es läßlich können. Bebel und die Internationale. gereicht mir zu großer Freude, an der Ehrung Bebels an- seines 70. Geburtstages im„Vorwärts" teilnehmen zu Das Beispiel der schönen moralischen Einheit seines ganz in frischfröhlichem, selbstlosem Kampf aufgegangenen Lebens ist ein gemeinsamer Schatz für die Internationale. Die französische Demo- kratie bewahrt eine besonders tiefgefühlte Erinnerung an den Mut, womit er vor 40 Jahren versucht hat, sich einem beklagens- werten Krieg zu widersetzen. Sie erinnert sich auch, daß er, den Verleumdungen und Gefahren trotzend, die Festsetzung von Friedensbedingungen gefordert hat, die die rasche und vollständige Wiederversöhnung der zwei großen Völker ermöglichen sollten. Das französische und das deutsche Proletariat werden diese Versöhnung zu sichern wissen, und die Erinnerung an die hoch- sinnigen Bemühungen Bebels und seiner Genossen wird sicher dazu beitragen. Was wir alle an Bebel lieben und was meiner Ueberzeugung nach eine große Macht für die ganze Internationale darstellt, ist die vollkommene Vereinigung, die eine immer lebendige, immer junge revolutionäre Begeisterung, ein unermatteter Glauben an den voll- ständigen Sieg der Idee und ein sehr freier, sehr lebhafter Sinn für die politischen und sozialen Realitäten, die in jedem Augenblick die Aktion der Partei bestimmen, in ihm gefunden haben. Als ich ihm zum ersten Male begnete— es war auf dem Lon- doncr internationalen Kongreß von 189S— bewunderte ich in diesem Mann, der schon eine lange Erfahrung der Schwierigkeiten des Kampfes, der zähen Widerstände der Wirklichkeit besaß, die schöne Flamme des Optimismus, die immer wache Hoffnung, aber auch das sehr klare Bestreben, jeden Tag das zu erobern, was er- obert werden konnte. Ich erinnere mich noch, mit welcher Leiden- schaft er den englischen Trade-Unions zuredete, in die politische Aktion einzutreten und sich in wachsendem Maß des allgemeinen Wahlrechts zu bedienen, und mit welcher Weisheit und Beharrlichkeit er andererseits den englischen Sozialisten empfahl, sich nicht von der Arbeiterklasse zu isolieren, vielmehr sich mit ihr durch ein Programm positiver Aktion, das dem präzisen, sachlichen Sinne des englischen Proletariats entspräche, zu vereinigen. Die Bildung einer immer mehr von sozia- listischem Geist durchdrungenen Labour-Party bezeugt, wie richtig er gesehen hat. Als die Internationale von den inneren Streitigkeiten des französischen Sozialismus ergriffen wurde, als wir nach der Krise, die der Eintritt Millerands ins Ministerium hervorgerufen hatte, von den Genossen aller Länder eine Beratung forderten, und als einige Zeit später die Teilnahme einiger von uns an dem, was man die Blockpolitik nannte, in Amsterdam diskutiert wurde, intervenierte Bebel mit Leidenschaft, ja mit Heftigkeit, um seinen Gesichtspunkt zu der- treten. Aber er trug deutlich Sorge, kein Gift in den Wunden zu lassen und nach den Debatten die Einigung der französischen Sozia- listen möglich zu machen. So kommt es, daß ich persönlich keine Bitterkeit von dieser Auseinandersetzung und der Beschlußfassung, die sie beendete, zurückbehalten habe. Ueberhanpt gibt es in den großen Debatten der Internationale, wofern in den Geistern keine Galle vorhanden ist, weder Sieger noch Besiegte. Unbewußt wirken sogar die Gegner auf- einander ein. Wir haben nützliche Warnungen empfangen, wir sind erinnert worden, vor den möglichen Ilebertreibungen unserer Methode auf der Hut zu sein. Vielleicht haben wir aber auch die Aufmerk- samkeit unserer Widersacher auf die Schwierigkeiten des zu lösenden politischen Problems und auf den Wert der vollbrachten Be- mühungen gelenkt. Das Wachstum der Demokratie und des Sozia- lismus in allen Ländern kann auch andere als uns vor Schwierig- leiten gleicher Art stellen. Die Debatte von Amsterdam selbst hat bewiesen, daß diese Probleme ohne Gereiztheit behandelt werden können. Und Bebel, der selbst in seiner Offensive noch den Geist sozialistischer Herzlichkeit bewahrte und alles ver- mied, was die Beweggründe seiner Gegenredner hätte erniedrigen können, hat dazu beigetragen, diese großen internationalen Aus- einandersetzungen möglich und fruchtbringend zu machen. Und welch' prächtige Spannkraft! welch' bewunderungswürdiges Beispiel von Seelcnstärke! Vielleicht der bedeutendste Dienst, den er der sozialistischen Demokratie Deutschlands und aller Länder erwiesen hat, ist, daß er angesichts des scheinbar siegreichen Ansturms des Hottentottenblockes nicht eine Minute des Zweifels erlebt, daß er mitten im Andrang der Depeschen, die den Verlust einer großen Zahl sozialistischer Mandate meldeten, den oberflächlichen, frag» würdigen Charakter des feindlichen Erfolges verkündet hat, und daß er bald darauf, auf dem Parteitag zu Essen, in einer Rede, die meiner Ansicht nach zu den treffendsten und zu den jugendlichsten gehört, die er gehalten hat, die Schwächen dieses— nunmehr zerbrochenen— konservativ-liberalen Blocks analysierte. Immer mehr gibt sich in der Internationale die Solidarität der Erfolge und der Rückschläge kund. Durch die klarsichtige Festigkeit, womit er von der ersten Stunde an zeigte und bewies, wie eitel das Triumphgeschrei des Gegners war, hat er die europäische Reaktion gehindert, die politische Krise Deutschlands gegen den Sozialismus auszubeuten. Es ist das Vorrecht der hohen und reinen Geister, die sich einer großen Idee ganz hingegeben haben, niedrige Paniken ebenso wenig zu kennen wie das Faulbett des SiegeStaumels. Aus dem ganzen Leben und Schaffen Bebels löst sich für die Internationale die Lehre eines kraftvollen, mutigen und klugen Idealismus los. Kar manches Mal ist er da? lebendige Band, der Mittelpunkt der Sympathie gewesen, der mitten in den leidenschaftlichen Ausein- andersetznngcn die gemeinsame Aktion verschiedenartiger Kräfte aufrechterhielt. Mit meinen französischen Genossen wünsche ich auf das herz- lichste, daß die Krise seiner Gesundheit, die ihn seit Monaten von der Kampfesfront ferngehalten hat, bald ein Ende nehme und daß die körperlichen Kräfte seinen immer frischen Geist und seinen allezeit jungen Willen nicht preisgeben. Ich sehe voraus, daß in den kommenden Tagen die Internationale seiner moralischen Autorität, seiner Erfahrung, seines Rates bedürfen wird. In jedem Fall, selbst in der unentrinnbaren Melancholie der Abendstunden, deren wachsender Schatten langsam nach uns allen greift, darf er sich das Zeugnis ausstellen, daß er für den ganzen Sozialismus eine große, wohltätige Lichtquelle ist, eine Leben und Bewegung schaffende Kraft ohne Wanken und ohne Kleinheit. ___ Jean Jaurös. Zwei Briefe. Die beiden Briefe, die hier veröffentlicht werden, sprechen für sich selbst und bedürfen keines längeren Konimentars. Der Brief von Friedrich Engels zeigt die große Wert- schätzung und Liebe, die die Begründer des wissenschaftlichen Sozialismus für ihren großen Schüler gehabt haben. Bebel war im August 1882 auf einer Geschäftsreise an einem schweren Magenkatarrh erkrankt. Da er seit Juni 1881 aus Leipzig und Umgegend ausgewiesen worden war, bedurfte er einer behördlichen Erlaubnis, hin sich zur Pflege zu seiner noch in Leipzig wohnenden Familie begeben zu können. Nach der Heilung zog Bebel nach Borsdorf, wo er mit Liebknecht im gleichen Hause wohnte. Plötzlich verbreitete sich im Aus- land das Gerücht, daß Bebel gestorben sei. Während Bebel in Gemütsruhe die große Reihe der Nekrologe genießen konnte, waren Marx und Engels über die Nachricht nicht wenig er- schrocken. Bebels Brief ist unmittelbar nach der einzigen kurzen Pause in seiner parlamentarischen Tätigkeit geschrieben. Trotz 37 Kandidaturen war Bebel bei den allgemeinen Reichstags- Wahlen im Oktober 1881 durchgefallen. Zwar war. Bebel in Wirklichkeit im 4. Berliner Wahlkreis mit kleiner Mehrheit gewählt worden, allein man hatte bei der Stimmenzählung so viele Stimmen als ungültig erklärt, daß aus der kleinen Mehrheit eine Minderheit von 51 Stimmen wurde. Als dann auf den Protest hin die Wahlkommission zur Ueber- zeugung kam, daß viele Stimmen zu Unrecht abgezogen waren und die Wahl für gültig hätte erklärt werden müssen, da waren an dem Tage, an dem die Entscheidung fallen sollte, sämtliche Wahlakten des 4. Berliner Wahlkreises gestohlen. So blieb der freisinnige Kandidat Dr. Albert Träger Ver- treter des 4. Berliner Wahlkreises. Seit jenem Vorgang wurden alle Akten von Wahlen, die protestiert waren, hinter Schloß und Riegel verwahrt. Im Sommer 1883 fand dann eine Nachwahl in Hamburg statt, in der Bebel gewählt wurde. London, 23. September 1882. Lieber Bebel! Wir haben Deinetwegen einen schönen Schrecken ausgestanden. Gestern vor acht Tagen, Freitag, den 16. d., kamen abends 10 Uhr zwei Leute vom Verein zu mir: ob es wahr sei, was im„Citoyen" in zwei Nummern mit Nekrolog gestanden, daß Du gestorben seiest. Ich erklärte es für höchst unwahrscheinlich, konnte aber nichts Bestimmtes sagen. Da ich einen langweiligen Menschen bei mir sitzen hatte, der nicht gehen wollte, obwohl ich kein Wort mehr sprach, konnte ich erst nach 11 zu Tussy Marx laufen, fand sie noch auf. Sie hatte die„Bataille"— ebenfalls mit Nekrolog— ohne alle Ouellenangaben für die Nachricht, die aber für zweifellos galt. Also allgemeine Bestürzung. Das größte Unglück, das der deutschen Partei passieren könnte, wenigstens sehr wahrscheinlich. Daß eng- lische Blätter nichts gebracht in dem Egypter-Jubel war nur zu be- greiflich. Nun konimt auch Sonnabendabend mein„Sozialdemokrat" nicht an, was wohl passiert; glücklicherweise finde ich am Sonntag- morgen, daß Tussy den ihren erhalten hat, dessen Inhalt die Nach- richt höchst unwahrscheinlich macht. Deutsche Blätter in Cafes nachzusehen, war von vornherein aussichtslos, da sie tag- täglich erneuert werden, und so blieben wir in quälendster Ungewiß- heit, bis endlich Montagabend die„Justice" ankam mit offizieller Ableugnung. Marx ging? gerade so. Er war in Vevey am Genfer See und las die Geschichten im reaktionären„Journal de Genöve", das sie natürlich als zweifellos erzählte. Er schrieb mir noch denselben Tag in höchster Bestürzung. Der Brief kam gerade denselben Montag» abend an und ich konnte ihm noch mit der Frühpost die frohe. Nach- richt bringen, daß alles erlogen. Nein, alter Bursche, so jung darfst Du uns nicht abkratzen. Du bist 20 Jahre jünger als ich und nachdem wir noch manchen, lustigen Kampf zusammen gekämpft, bist Du verpflichtet, im Feuer zu bleiben, auch wenn ich meine letzte Grimasse geschnitten. Und da die Totgesagten am längsten leben sollen, so bist Du, wie Marx, wohl jetzt zu. einem recht langen Leben verdonnert. Hast Du meinen letzten Brief vor etwa zwei bis drei Monaten erhalten, den, worin ich antwortete wegen der zahmen Elemente in der Partei? Du wirst inzwischen gesehen haben, daß Deinem Wunsche wegen meiner offenen Mitarbeit am„Sozialdemokrat" mehrfach entsprochen wurde. Auch habe ich gestern die ersten beiden der drei Dühring-Kapitel, die nach Art der französischen Ausgabe deutsch erscheinen sollen, stark revidiert und popularisiert an Bernstein geschickt. Der Rest ist fertig, bleibt aber noch hier, solange das den Druck nicht stört, damit ich diesen schwierigsten Teil noch einmal gründlich durchsehen kann. Als Entgegnung folgt eine lange An- merkung über das alte deutsche Gemeineigentum am Boden. Wenn Du ins Loch gehst, würde ich Dir raten, Dir auS irgend einer Bibliothek zu verschaffen: G. L. von Maurer, Einleitung in die Geschichte der Marken-, Hof-, Dorf- und Städteverfassung in Deutschland, und derselbe: Geschichte der Markenverfassung in Deutschland. ES ist sehr nötig, daß Jemand in Deutschland, der imstande ist, diese Sache unbefangen und ohne„gebildete" mitgebrachte Vor- urteile zu lesen, über diesen Punkt sich einigermaßen unterrichtet. Die obigen sind die Hauptschriften und ihre Kenntnis IvLrde Dir auch in allen Debatten über Grundeigentum und Agrarfrage eine höchst solide Unterlage geben. Nach einigen Artikeln, die er im„Sozialdemokrat" geschrieben (über eine etwaige Abschaffung deS Sozialistengesetzes), scheint Wollmar sich sehr herausgemacht zu haben. Es sollte mich freuen, wenn dies sich auch sonst bestätigte. Wir können tüchtige Leute ver- dämmt gut brauchen. Marx erholt sich langsam von den Folgen seiner dreier Brust- fellentzündnngeN. Gegen einen alteingewurzelten, sehr störenden, schlafhindernden Bronchialhusten hat er in Argenteuil die Schwefel- quellen von Enghien gebraucht, aber bei dem schlechten Wetter auS Rücksicht auf feinen allgemeinen Zustand nicht den kompletten Erfolg gehabt, der sonst fast sicher war. Nachher ging er auf drei Wochen mit Frau Lafargue nach Vevey, wollte vorgestern von da fort, zuerst nach Genf, dann nach Paris, und wenn das Wetter passabel, im Oktober auf einige Wochen hierher. Ten Winter soll er keinesfalls in London zubringen, ob aber im Süden Englands oder anderswo, werden die Aerzte entscheiden müssen. Ich sehe aber seinem Brief an, daß die Besserung, wenn auch durch den schlechten Sommer zurückgehalten, doch regelmäßig vor sich geht. Wo seid Ihr Leute denn jetzt eigentlich? Ihr scheint gerade so lehr wie Marx durch seine Krankheit durch den„Kleinen" in lauter fliegende Holländer verwandelt zu sein. Grüße Liebknecht bestens, wenn Du ihn siehst. Die ganze ägyptische Geschichte war die Rache der Juden lRolschild, Erlanger usw.) für die alte Austreibung aus Aegypten unter Pharao. Dein Friedrich Engels. A o r s d o r f- Leipzig, den 16. Juli 1883. Lieber Engels! Unmittelbar nach Empfang Deines letzten Briefes vom 10. Mai mußte ich auf die Geschäftsreise und bin vor drei'Tagen erst zurückgekehrt. Mittlerweile ist Dein Wunsch, mich in Hamburg gewählt zu sehen, in Erfüllung gegangen und, was speziell für mich recht angenehm war, die Wahl hat mich keinen Tropfen Schweiß ge- kostet. Da alle Versammlungen verboten waren, war meine persönliche Anwesenheit überflüssig, und als ich schließlich nach erfolgier Wahl nach Hamburg sollte und wollte, traf mich der Brief zu spät, so daß die Reise für später vorbehalten bleibt. Die Hamburger Wahl ist wieder einmal ein msmeirto mori für die herrschenden Klassen. Denn was auch immer für Stimmungen bei einem Teile der Wähler obwalten mochten, das steht fest, daß der politischen Opposition aller rechts von uns stehenden Elemente durch die Wahl eines Fortschrittsmannes Genugtuung geleistet war. Es waren so schwerwiegende soziale Interessen im Spiel, deren Träger in letzter Instanz lieber einen von uns, als einen oppositionellen Liberalen wählten. Bismarck scheint an den Hamburgern Rache nehmen zu wollen, indem er sie bei Abschluß des spanischen Handels- Vertrages als„Freunde" behandelte, insofern nach Spanien ein- geführter Sprit, der des deutschen Ursprungszeugnisses entbehrt, nicht die Vorteile des Vertrages genießt, wodurch die Masse russischen Sprits, der in Hamburg rektifiziert wird, ausgeschlossen ist. Das wird in Hamburg neuen Zorn erwecken und andererseits sorgt Bismarck für sich und seine Junker in der bekannten gemeinen egoistischen Weise. Auch den Bremern scheint er durch Kündigung des Eisenbahnvertrages, wodurch der bremische Staat eine jährliche Einbuße von 6—800000 M. erleidet, das selbständige Leben unmöglich machen zu wollen. Haben wir bei der nächsten Wahl für Bremen einen ordentlichen Kandidaten, dann ist es sehr leicht möglich, daß wir auch dort siegen. Auch die ganze sonstige Geschäftslage nimmt mehr und mehr einen Charakter an, der die Stimmung bis zu den nächstjährigen allgemeinen Wahlen sehr für uns verbessern wird. In der Eisen- brauche nimmt die Arbeitslosigkeit und Verdienstlosigkeit in fast allen Branchen zu und greift auch auf andere Gebiete über. Mit Aus- nähme sehr weniger Städte liegt die Bautätigkeit, die jetzt einen sehr wesentlichen Faktor in unserem Erwerbsleben spielt, fast ganz danieder. Aber die Leute arbeiten infolge starker Konkurrenz zu solchen Preisen, daß sie zurück statt vorwärts kommen. Nur in der Möbelbranche, einigen Maschinenbranchen und der Textilindustrie geht es bis zu diesem Augenblick leidlich flott und begünstigt eine Anzahl Streilunternehmungen, welche die Arbeiter in Szene gesetzt haben. In bezug auf letztere freut mich der selbständige klare Geist, der überall die. Leute beseelt und sie mit Geschick vorgehen läßt, lieber- Haupt finde ich, daß das Klassenbewußtsein der Arbeiter in den letzten Jahren trotz des Sozialistengesetzes mächtig getvachseu ist. Andererseits wagt die liberale Presse nur ganz ausnahmsweise die Arbeiter wegen ihrer Forderungen anzugreifen. Tie Presse fühlt, was für ein mächtiger Faktor die sozialdemokratische Beweguk�z ge- worden ist.' Sehr freut mich, aus der letzten Nummer des„Sozialdemokrat� zu ersehen, daß endlich auch in England der Sozialismus anfängt, Boden zu fassen. Wir dürfen wohl hoffen, daß diese Entwickelung um so raschere Fortschritte macht, da sie einen gut vorbereiteten Boden findet. DaS Manifest rührt wohl mit auS Deiner Feder? Marschieren die Engländer erst mit, so wird die Bewegung unWider- siehlich. Als ich kürzlich in Stuttgart war, hielt ich dort in vollgefülltem Lokal einen kurzen Vortrag über die jetzige Situation. Die Stimmung der Leute war ausgezeichnet,' was sie beinahe überall ist. Ich habe überall auf meiner Tour in Orten größere Kreise von Parteigenossen getroffen, wo früher niemand war. Mehr als alles andere helfen die Zeitverhältnisse arbeiten. Gestern wurde mir eine sehr angenehme Ueberraschung zuteil. Einige Leipziger Parteifreunde brachten mir ein nahezu lebensgroßes Bild von Marx— Kreidezeichnung— in prächtigem Rahmen, das ausgezeichnet geraten ist. Auch Liebknecht findet das Bild schöner als jenes, das die„Neue Welt" brachte. Das Bild prangt jetzt über meinem Schreibtisch hier in Borsdorf. Von den Photographien, die Du an Dietz gesandt, habe ich auch zwei erhalten, eine große und eine kleine. Dietz sagt, Du fändest diese Aufnahme von Marx be- sonders gut. Ich kann Dir darin nicht beistimmen. Die Positur ist zu herausfordernd, wie sie Marx wohl kaum eigentümlich war. Wenigstens war mein persönlicher Eindruck von ihm ein ganz anderer. Eine merkwürdige Entscheidung hat die sogenannte Reichs- kommission in bezug auf Vierecks unterdrückte„Süddeutsche Post" gegeben. Die Unterdrückung ist aufgehoben. Es scheint, daß selbst die Herren da oben sich nicht ganz dem entziehen können, manchmal zu weit gegangen zu sein. In bezug auf die Verlängerung des Sozialistengesetzes soll die Absicht bestehen, die Verlängerung nur auf zwei Jahre zu verlangen, offenbar mit Rücksicht auf den mittlerweile erfolgten Tod des Alten, um seinen Nachfolgern freie Hand zu geben. Unter der Hand wird behauptet, daß die Liberalen, das heißt außer Fort- schrittlern auch die Sezessionisten— Bamberger und Konsorten— einstimmig dagegen votieren würden, sogar einige Nationalliberale. Dagegen soll fast das ganze Zentrum dafür gestimmt sein. Das ent- spräche ganz der Stellung, die in den letzten Monaten die beziig- lichen Parteien für und gegen Bismarck eingenommen haben. Machte das Zentrum diese Schwenkung, so bricht sie ihm in einer Reihe Wahlkreise bei der nächsten Wahl den Hals und Herr Windthorst braucht nicht mehr lange zu leben, um das Schicksal seines Lands- mannes Bennigsen zu teilen. Jedenfalls gibt es eine gute Gelegen- heit, um den Herren einmal recht gründlich das Leder zu verarbeiten. DaS ist der Genuß, den ich mir von der Hamburger Wahl ver- spreche. Gruß und Handschlag von Deinem A. Bebel. Aus der amerikanischen Reise wird meinerseits nichts. Da sie wegen der parlamentarischen Kampagne erst im Frühjahr unter- nommen werden könnte, kostete sie mich meine letzte und nötigste Geschäftsreisezeit; das Opfer kann ich meinem Sozius nach all den Schlägen unmöglich zumuten. Liebknecht will wieder nicht ohne mich reisen, wozu ich keinen Grund sehe. Er behauptet allerdings, daß ihn seine Frau ohne mich nicht fortließe. Das mag nun richtig sein oder nicht, ich gehe aber nicht hinüber. Verantwortlicher Redakteur Richard Barth, Berlin. Für denJnseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u.Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. BerlagSanstalt Paul Sinqer& Co., Berlin SW. Nr. 44. 27. AaljrMz. tilHe des Lmirts" Kerlim WdsdlM. Dienstag. 33. Febrnar lSL«). Zm frankfurter?oli?eilchlacht. Aus Frankfurt a. M. wird uns geschrieben: Die reaktionäre Presse beginnt bereits aus den Ereignissen in F r a n k f u r t a. M. am Sonntag, den 13.. und in der Nacht vom Donnerstag auf Freitag der letzten Woche Kapital zuschlagen, d.h. nach schärferen Matznahmen gegen Wahl rcchtsdemonstrationen zurufen. Der reaktionären Sippe vom Schlage der„Dtsch. Tagesztg.", die doch wohl allmählich unruhig wird, und angesichts der Energie, Tatkraft und Ausdauer, die das Proletariat im Wahlrechtskampfe an den Tag legt, um die Aufrechterhaltung ihrer unbedingten Herrschaft zu sorgen beginnt, ist natürlich jedes Mittel recht, um die Wahlrechts kämpfer zu verunglimpfen und die Demonstrationen mit den schärfsten Mitteln zu bekämpfen. Auf Verdrehungen, ja Unwahr heiten kommt eS dabei nicht an und so wird frisck weg behauptet. dätz die von der sozialdemokratischen Partei in Frankfurt a. M am Donnerstag abgehaltenen Versammlungen, in denen gegen das brutale Vorgehen der Polizei am Sonntag vorher protestiert worden ist, die Ursache der schlimmen Ereignisse in der Nacht vom Donnerstag auf Freitag gewesen seien. Datz diese Versuche gemacht werden, ist um so auffallender, als auch ein bürgerliches Blatt, die„Franks. Zeitung", in einem auch im„Vorwärts" auszugsweise mitgeteilten Leitartikel schon anr Freitag erklärt hat,„datz eine Fruktifizierung des Geschehenen zu reaktionären Zwecken nicht möglich ist, wenigstens nicht in gutem Glauben, und datz die einzigen, die sich nach den gestrigen Vorfällen nichts vorzuwerfen haben, die Wahlrechtsdemonstranten sind". Aber auch die„Frank furter Zeitung" versucht, wenigstens etwas die Polizei zu entlasten, und noch mehr tun das auswärtige liberale Blätter. Sie wollen die Schuld auf den Mob schieben, der angeblich die Polizeibeamten gereizt haben soll. Diesen Versuchen, der Polizei die Verantwortung für das in Frankfurt geflossene Blut abzunehmen und sie auf den Mob zu schieben, mutz ebenso energisch widersprochen werden, wie der Ausbeutung der Vorgänge zu gewalttätigem Vorgehen gegen Wahlrechts demonstrationen. Schuldig an den Vorgängen ist einzig und allein die Polizei. Wie war es? Aus dem Gewerkschaftshaus strömten nach Schlutz der Versammlung 3— 4000 Menschen. Sie alle mutzten die einzig größere VerkehrSstratze von Alt-Frankfurt, die Zeil-, passieren. Ganz selbstverständlich, datz sich dabeWÄrupPen bildeten. und datz auch, wenn man durchaus mit Polizeiaugen sehen und mit Polizeiverstand urteilen will, dabei so etwas wie ein Aufzug zustande kam. Aber wen störte das? Niemand. Trotz des ungeheuren Aufgebots von Polizeimannschaften mit der Schuppenkette unterm Kinn, die dem Gesicht ein rauf- lustiges Aussehen verleiht, ging alles gut ab und ein Teil des Zuges, der eine Polizeikette passiert hatte, war schon in eine Seitenstratze abgebogen. Die Polizei hatte bisher absolut nichts zu tun gehabt, nicht aus eigenem Verdienst, sondern weil die Massen absolut ruhig waren, niemand belästigten und nicht im geringsten den Verkehr störten. Da begingen Polizeibeamte, na sagen wir, eine unglaubliche Ungeschicklich� kcit. die VW ÜjfWtw' provozieren mutzte. Auf Veranlassung eines Spitzels oder eines nichtuniformierten Beamten wurde Genosse H o r g e t. der sich schon auf dem ganzen Wege vom Gewerkschaftshause bis zur Mitte der Zeil der aufdringlichen Begleitung des Spitzels erfreut hatte. von zwei uniformierten Beamten ver haftet. Herbet hatte absolut nichts Strafbares getan und zu seiner Festnahme lag kein Grund vor. Sie mutzte daher wie eine Provokation wirken, noch mehr aber der Transport des Verhafteten. Statt ihn, wie es am Sonn tag mit Verhafteten geschah, mit einem Wagen zu transportieren, gingen zwei Schutzleute mit gezogenem Säbel neben und ein Beamter ohne Uniform mit auf die Menge gerichtetem Revolver hinter ihm. So ging der Transport die Zeil zurück zum Polizei- Präsidium, entgegen dem Strom von Menschen, die noch nach der anderen Richtung marschierten. Eine stärkere Herausforderung der Menge ist wohl nicht gut möglich. Datz die Beamten, ganz abgesehen von der unbegründeten Verhaftung, bei der Wegführung der Verhafteten nicht die Umsicht bewiesen haben, die man billigerweise bei Leuten, die Waffen tragen und gebrauchen dürfen, voraussetzen mutz, liegt auf der Hand. Der Verhaftete hat sich absolut nicht widersetzt; dies bestätigt auch der zweifellos auf Angaben von Polizeibeamten beruhende Bericht des„Generalanzeigers", in dem es heitzt: .Aber noch haben die Schutzleute mit ihrem Gefangenen, der etwas überrascht zu sein scheint, den Gegenstand so großer Auf- merksamkeit zu bilden und der selber auch gar keinen Widerstand leistet, ihr Ziel nicht erreicht". Plötzlich s ch o tz der Beamte. Alle Darstellungen, nach denen die ersten Schüsse aus der Menge gefallen sein sollen, sind falsch und sollen nur bezwecken, die Polizei zu entlasten. Ueber andere Brutalitäten von Polizeibeamten, die Post- beamte, die zum Nachtdienst gingen, Passanten, die auf die Tranibahn warteten, Kellner, die ihre Arbeitsplätze verließen, Fahrgäste, die aus der Trambahn stiegen, schwer mißhandelt haben, wollen wir in diesem Zusammenhang. weil es ms nur darauf ankommt, nachzuweisen, datz das Verhalten der Polizei gegenüber den Vcrsammlungsbesuchern diese pro- dozieren mutzte, nicht eingehen. Es sei nur noch bemerkt, datz auch bürgerliche Blätter der Frankfurter Polizei wegen der oben erwähnten Angriffe auf ganz Unbeteiligte bescheinigen, datz„sie der gegenwärtigen schwierigen Situation nicht ge- wachsen ist." Wir erfreuen unS in der StrafrcchtSpflege des dolus ovontualis. Es wäre leicht, mit Hilfe dieses Be- griffs der Polizei nicht nur die moralische, sondern auch die strafrechtliche Verantwortung für die Vorgänge in der Frankfurter Blutnacht aufzubürden. Die Polizei mutzte wissen, datz ihrVorgehen provozierte, und mutzte auch dieFolgen hiervon kennen. Wenn sie trotzdem nicht davon abließ, so hat sie auch die Folgen in ihren Willensvorsatz aufgenomnicn. Natürlich wird sich kein Staatsanwalt finden, der gegen Polizei- beamte einschreiten wird, aber gegen einige der Verhafteten soll, wie schon gemeldet, Anklage wegen Landfriedens- b ru ch s, gegen andere wegen Widerstands und gegen einen sogar wegen M o r d v e r s u ch s erhoben werden. Der Staatsanwalt hat nach Berichten bürgerlicher Blätter schon mit dem Polizei- Präsidenten über die Verfolgung der Verhafteten konferiert. Genosse Herget ist noch in Haft behalten, an- geblich, weil er wegen LandfriedenöbruchS angeklagt werden soll. Wir sind heute schon überzeugt, datz es zu dieser Anklage n ich t kommen wird. Der Frankfurter Polizeipräsident hat am Sonnabend eine öffentliche Bekanntmachung erlassen, in der er ersucht, sich möglichst von etwaigen Demonstrationen auf der Straße fernzuhalten, und in der auf die Bestimmungen des Strafgesetz buchS über Landfriedensbruch, Auflauf, Aufruhr und Widerstand gegen die Staatsgewalt hingewiesen wird. Zu einer solchen Bekanntmachung hat das Frankfurter Publikum absolut keine Veranlassung gegeben. Wohl aber wäre es am Platze, Ivenn der Polizeipräsident seinen Beamten Kenntnis der§§ 339—341 des Strafgesetz buchs verschaffte, die von Mißbrauch der Amtsgew alt, von K ö rp e r v e r l e tz un g bei Ausübung des Amtes von widcrrechtlichcrVerhaftungu. a. sprechen. Datz manchen Polizeibeanitcn die Kenntnis dieser Bestimmungen fehlt, haben die Ereignisse in Frankfurt a. M. zwar nicht zum ersten Male, aber besonders deutlich bewiesen. Es wird der Frankfurter Polizei nicht gelingen, sich von der Schuld an den Vorgängen der Blutnacht reinzuwaschen und alle polizeistommen Blätter, die ins Land hinausschreien, datz die Polizei erst dann zur blanken Waffe gegriffen habe. als fünfzehn Schüsse gegen sie gefallen waren, wie es die „Kölnische Zeitung" am 19. Februar und andere national- liberale Organe tun, verbreiten Unwahrheiten. Fest steht, datz die Polizei bei einer Verhaftung, zu der kein Grund vorlag, schon die Waffen gezogen hat. Falsch ist auch die Darstellung, daß der Mob, mit dem bekanntlich die Polizei mehr Berührung hat als die Sozialdemokratie und aus dem sie ihre diensteifrigen Spitzel zieht, die Veranlassung zum Gebrauch der Waffen gegeben habe. Die auch durch die Presse verbreitete Meldung, datz in der Bluwacht im Asyl für Obdachlose nur sieben Personen übernachtet hätten, womit der Anteil des Mobs an den Ereignissen bewiesen werden sollte, i st auch falsch; das Asyl war, wie immer, voll- ständig besetzt, es beherbergte 110 Obdachlose. Die Frankfurter Arbeiterschaft ist schuldlos an dem Blut, das in Frankfurts Hauptstraße geflossen ist. Kühl und be- sonnen, aber mit Energie und Ausdauer Wied sie in dem Wahlrechtskampfe fortfahren und ihren Teil dazu beitragen, datz nicht nur ein gerechtes Wahlrecht erreicht, sondern auch Zustände geschaffen werden, die Gesundheit und Leben der Bürger vor brutaler Polizeigewalt schützen. «* » Die Frankfurter Polizei hatte am Sonntag wieder an mehreren Stellen, so vor dem Polizeipräsidium nnd vor dem BiSmarckdenlmal, Polizeiposten aufgestellt, wozu natürlich gar keine Veranlassung vor- lag. Das Publikum war vernünftig genug, sich um die Polizisten nicht zu kümmern, und so kam es trotz der Maßnahme und dank des Verhaltens des Publikums zu keiner»Störung der Ordnung" und die Polizei fand keine Gelegenheit, mit ihren Säbeln und Pistolen gegen Wehrlose»siegreiche Schlachten" zu schlagen. Frankfurt am Main, 21. Februar. Der Sozialdemokratische Verein richtet einen Aufruf an die Bürger- und Arbeiterschaft von Frankfurt und protestiert in scharfen Worten gegen das Vorgehen der Polizei am letzten Donnerstagabend. Um der Polizei jeden Vorwand für die Behauptung zu nehmen, daß unberufene Radaulustige sich in die Kundgebungen mischen, werden am Mittwoch nachmittag 4 Uhr, während der Arbeitszeit, öffentliche Versammlungen einberufen. Die Arbeiter werden auf- gefordert, in geordneten Massen zu erscheinen. Frankfurt a. M.(Privatdepesche des„Vorwärts".) Am Mitt- woch nachmittag werden 9 große Protest versa uim- lungen stattfinden. Di« bürgerliche Presse äußert sich shm- pathisch zu dem Plane. Aufsehen erregt die Meldung, daß 199 riminalbeamte aus Berlin zu diesem Tage na ch Frankfurt kommen sollen! Es heißt, daß diese Maß- nähme getroffen werde, weil die Frankfurter Spitzel der Bevölke- rung schon zu gut bekannt sind! Die Einberufung der Versammlungen während' der rbeitSzeit bedeutet die Proklamierung des halb- tägigen DemonstrationSstreikSl VikI immer neue Demonftratloneo! Immer höher schwillt die Flut dcS Zornes und der Empörung. Und immer wieder strömen die Entrechteten in die Versammlungen und auf die Straßen, trotz aller Drohungen und Warnungen der Polizetgewalten. Wie tief die Bewegung für das freie Wahlrecht, gegen die Schandreform Vethmann Hollwegs geht, davon zeugt der Umstand, daß gerade in den Städten, in denen der Polizeisäbel gegen die Wahlrcchtskämpfer gewütet hat, immer aufs neue die Massen unerschrocken auf den Plan treten. In Breslau, in Königsberg, in Dortmund, in Wiesbaden tagten am Sonntag Massenversammlungen, denen gewaltige eindrucksvolle Stratzenkundgebungen folgten. Die Polizei hat sie zwar hier und da zu stören, aber doch nicht zu hindern unternommen— und so ist es denn ohne Blutvergießen abgegangen. Die tapfere Haltung der Arbeiter- chaft hat also ihren Eindruck auf die Leiter der Polizei nicht verfehlt— es graut ihnen wohl selber ein wenig davor, die Metzeleien zur stehenden Einrichtung in Preußen zu machen. Die Arbeiterschaft Preußens darf stolz auf diesen ersten Erfolg des Wahlrechtskampfes sein. Er wird sie anfeuern, den Kampf gegen die Dreiklassenschmach unbeirrt, entschlossen und ent- 'chiedcn fortzuführen. Aus den Orten der Kundgebungen wird uns berichtet: Breslau, 29. Februar. Eine Massenkundgebung für da? freie Wahlrecht, wie sie schöner und erhebender kaum gedacht werden kann, sah heute Breslau. An Stelle des von der Polizei verbotenen Umzuges hatten unsere Genossen, die Situation geschickt ausnutzend, ein Massen» Meeting unter freiem Himmel im dicht an den Exerzier- platz Klein-Gandau grenzenden Riesengarten des»Letzten Heller" arrangiert, in dem von fünf Tribünen herab Redner gegen die Wahlrechtsvorlage referierten. Da hier draußen die VreSlauer Polizei„nix tau seggen" hatte— sie mußte an der Stadlgrenze zurückbleiben— und die zwei Gendarmen sich ruhig verhielten, kam eS auch nicht zu der kleinsten Störung. Als um 12'/� Uhr das erste Trompetensignal ertönte, das die zirka 309 Llrbeitersänger herbeirief, waren mindestens LlXXXl Personen im Garten. Nachdem die Sänger die wuchtige und zur Begeisterung der Massen wie geschaffene„Internationale" ge» sungen, gab ein weiteres Trompetensignal den stinf Rednern, deren Tribünen durch große rote Fahnen weithin kenntlich gemacht worden, das Zeichen zum Anfang. Und nun sah man rings ein unvergeßlich schönes Bild: Im hellsten, wärmsten Soiinelischein, bei einem Wetter, wie man sich's im Mai nicht schöner wünschen kann, standen und saßen auf dem weiten Rasen die schier uliüberseh- baren Massen, begeistert den Reden lauschend und sie soriwähreud durch stürmischen Beifall unterbrechend. Nach genau 25 Minuten schlössen die Redner— es sprachen die Stadtverordiletcn Albert, Löbe und Schütz sowie Redakteur. Schiller und Verbandssekretär Philipp— mit einem jubelnd aufgenommenen Hoch aus die Sozialdemokratie. Wuchtig stimmten die Sänger die Marsellaise an, die Fahnen wurden zusammengestellt, dann ein dreifaches, weithin über die Felder dröbnendes Hoch auf das freie Wahlrecht, ein viel» tausendstimmiges:„Nieder mit den Juilkern!"— und die prächtig verlaufene Demonstration war zu Ende. Nun ging eS in schier endlosem Zuge wieder der Stadt zu. Da die Christlichen die Straßenbahn boykottiert hatten, war die Parole ausgegeben worden: Alle zu Fuß gehen. Und niemand fuhr. Die vielen, vielen von der Gesellschaft in Erwartung eines Bombengeschäfts eingestellten Wagen liefen leer! Ein schönes Zeichen der Solidarität! An der Stadtgrenze wurde der Zug von Polizisten in Em pfafiig genommen. Aber bis zum KönigSplatz ging alles ruhig von stalten. Man nahm der Polizei, indem mau nicht eimnal Rufe ausstieß, jeden Vorwand zum Einschreiten. Dreiviertel Stunden war so der Zug der Taufende ruhig gegangen. Da, am Königsplatze, ließ ein gewaltiges Schutziltann saufgebot n i e'm and d u r ch I Alles wurde nach links zum Odertvr ab» getrieben! Ein furchtbarer Wirrwarr entsteht. Alle die Tausendc, die in der Gräbschcner, Ohlauer und Südvorstadt wohnten, trieb man fort, trieb sie zu endlosen Umwegen! Aber auch das ließ sich die Menge noch ruhig gefallen. Erst als Berittene blindlings herbeige stürzt kamen, gab es einen Zusammenstoß, der aber dank der fabelhast ruhiger Haltung der Menge glimpflich verlief. Rechts ließ die Polizei niemand durch— offenbar wollte sie den Soldaten in der Elfcr-Kaserne den Anblick demonstrierender Proletarier nicht gönnen— alles wurde nach links getrieben. Dadurch kam Leben in die Menge und die e r st e n Pfuirufe und Hochrufe auf das freie Wahlrecht ertönten. Daun plötzlich sperrte die Polizei, die wieder alle städtische Lokale als Biwaklagcr be» nutzte, das Rathaus, Stadt-Theater, Hchutzhallen usw., auch den Ring ab, obwohl niemand dahin konnte und wollte! Ein planlos komische?, nur von der Wut diktiertes Verhalten. Sicher ist, daß dieser Umzug durch die Stadt, den die Polizei weder verbieten noch verhindern konnte, mehr gewirkt und die Massen mit Begeisterung erfüllt hat, als es der geplante Umzug mit polizeilicher Genehmigung vermocht hätte. Und ebenso sicher ist, daß Breslau seit den Freudenkimdgebungen»ach dem Siege der 1348 er Revolution keine so imposante Demonstration erlebt hat, wie die am Sonntag. Unser Parteiblatt gewann an diesen beiden Sonntagen weit über 1999 neue Abonnenten und über 159 neue Mitglieder gewann der Sozialdemokratische Verein. DaS Breslauer„freisinnige" Bürgertum aber sieht tatenlos zu. ES hat bisher gegen die Wahlvorlage noch keinen Finger gerührt I Es ist für uns ein stolzes Gefühl, dafür um so eifriger die Arbeiter auf dem Posten zu wissen! In Groß-Rosen(Kreis Striegau) 399 Versammlungsbesncher einen Umzug der ohne jeden Zwischenfall verlief. unternahmen Sonntag durch das Dorf, Königsberg, 29. Februar. Einen wuchtigen Protest gegen die blutigen Polizeiattackcn vom 13. d. Mtö. und damit zugleich wieder eine gewallige Demonstrationskundgobung gegen die preußische Junkerherrschast und gegen die schändliche Wahl„rechts"vorlage ver» anstaltete gestern Sonntag die Königsberger Arbeiterschaft. Der letzte Blutsonntag in Königsberg hatte die Flutwelle der Demonstranten nur noch erhöht, weit über 12000 Personen nahmen an den Volksversammlungen teil, die unter freiem Hin, mel im Garten deS ParteietablissementS Ludwigshof abgehalten wurden. Redner waren die Genossen Haase und Weber. Beide Genossen, deren Thema:»Säbelhiebe für Volksrechte?" lautete. beleuchteten die Heldentaten der Schutzmannschaft, die dort, wo eS infolge der rücksichtslosen Polizeimaßnahmen zu Zusammenstößen gekommen war, blindlings mit blanker Waffe alles niederschlug, was nicht eilig genug flüchten konnte und weder Frauen noch Kinder geschont hat. Am Schlüsse der Versammlungen wurde unter brausendem Beifall eine Resolution angenommen, die folgenden Inhalt hatte: »Die Versammelten erbeben flammenden Protest gegen das Niederreiten einer ftiedlich sich bewegenden Menge und das Ein» hauen mit dem Polizeisäbel. Die Verantwortung für das Blut» vergießen trifft die Polizeiorgane. Die Versammelten fordern. daß sie nicht wieder in Seitenstraßen abgedrängt, eingekeilt und dann den Hufen der Pferde oder dem Säbel von Polizeibeamten ausgesetzt werden. Sie verlangen, daß ihren friedlichen Demon» strationen kein Widerstand entgegengesetzt und ihr Verkehr auf der Straße nicht beeinträchtigt wird. Die Protestler sind entschlossen, allen polizeilichen Attacken zum Trotz, den Kampf für das gleiche und geheime Wahlrecht m Preußen mit aller Kraft zu führen und nicht zu ruhen, bis die Dreillaffenschmach ausgelöscht und der Polizeiwilllür ein Ende gemacht ist." Königsberg glich an diesem Tage einer Stadt, die im Be- lagerungözustand ist. Von 10 Uhr vormittag« ab ivaren alle Straßenzüge mit Schutzmannsposten dicht besetzt, die Beamten mit herabgelassener Schuppenkette und umge» schnalltem Revolver wirkten auch auf unbeteiligte Bürger geradezu aufreizend. Nach Schlutz der Versammlungen durchzogen die Demonstranten wieder die Stadt und brachten Hochrufe auf das Wahlrecht aus. Die Schutzleute unter Führung ihrer PolizeileutnaiitS beobachteten diesmal aber fast überall weise Zurückhaltung. Am KönigStor hatten sie wohl blank gezogen. doch kam es nicht zum Dreinschlagen. ebenso ritten PolizistenzuPferdeim Trab die Königsttaße m i t f r c i e r Klinge auf und ab, doch ttaten auch sie nicht in Aktion, nur bort, wo es z» besonders starken Ansammlungen kam, drängten sie mit den Pferden die Menschenmenge gegen die Häuserflucht. Ganz ohne Ruhmestaten konnte aber auch diesmal die Polizei nicht schlafen gehen; Protestier, die durch ihre Hochrufe sich besonders bemerkbar machten, wurden zur Wache gebracht, zirka 20 Verhaftungen wurdenvorgenommen. Gegen 5 Uhr nachmittags hatte die Stadt wieder ihr gewöhnliches Straßenbild. Die Königsberger Arbeiterschaft scheint sich mit dem letzten Blutsonntag daS Recht auf die Sttaße erkauft zu haben. Dortmulld, 20. Februar. Unsere Stadt hat heute eine gewaltige Demonstration gehabt. Sie nahm Dimensionen an, wie man sie im Industrie- gebiete noch nicht erlebt hat. Trotz der oberbürgernieister- lichen Warnung war das Riesenmeeting unter freiem Himmel an der HaberlSburg von mehr als 25 000 Personen besucht. Bon vier Tribünen herab wurde zu den Massen gesprochen. Mit einem Massengesang wurde die Verhandlung eingeleitet und ebenso beschlossen. Die Versammelten nahmen eine scharfe Resolution an gegen den Wahlrechtsbetrug und richteten ferner eine Petition an das Abgeordnetenhaus, die fordert, daß die Betrogenen und Entrechteten auch von der Militärpflicht befreit werden. Endlich wurde entschieden protestiert gegen das Verbot deS DemonstrationZzugeS. Natürlich ging dies Verbot völlig daneben, denn der Abmarsch von 25000 Personen durch zwei Ströhen gestaltete sich eben zu Demonstrationen, die auch die Polizei nicht verhindern konnte. Außerordentliche Borbereitungen hatte die be« wasfnete Macht freilich getroffen. Nach den Demonstrationen des vorhergehenden Sonntags und Montags wurde das Militär in Münster kon signiert. Vier Kon, pagnien In- f a n t e r i e hatten seit Mittwoch Weisung, sich für Sonntag zum Abmarsch nach Dortmund bereit zu halten. Scharfe Pa- tronen waren bereits gefaßt. Ebenso wurde eine Schwadron Kürassiere mobil gemacht. Im letzten Moment scheint nian jedoch vor den eigenen Vorbereitungen erschreckt zu sein. In den letzten Tagen sind in Dortmund mehrfach Konferenzen der Behörden resp. Polizeigewaltigen abgehalten worden. Das Resultat dieser Konferenzen ist anscheinend gewesen, von der Verwendung des Militärs abzusehen, dagegen ein großes Polizeiaufgebot nach Dortmund zu werfen. So waren denn auch in der Nähe der HabertSburg mehrere hundert Polizisten, beritten und zu Fuß, und Gendarmen in Gebäulichkeiten untergebracht, um im gegebenen Moment auf die Massen losgelassen zu werden. Ebenso befanden sich dort drei Gefangenentransportwagen, die Kranlenwagen hatte man jedoch vergesien. Die Massen übten jedoch eiserne Disziplin, fo daß weder die GcfangenentranSportwagen noch Krankenwagen benötigt wurden. Die Sieger vom Sonntag sind wir, die Polizei stand trotz aller Vorbereitungen machtlos da. ••• Wiesbaden, 21. Februar. Eine stark besuchte Volksversammlung im Gewerkschasts- hause protestierte gestern gegen die Uevergriffe der Polizei, die hier wie in Frankfurt und Neumiinster zu den bekannten Zusammenstößen nnt den Demonstranten geführt haben. Dr. Ouarck auS Frankfurt a. M. sprach über das Thema:„Wahlrechtskampf und Polizeiwillkür". Nach der Versammlung zogen Tausende, von der Polizei ungehindert, vor das Rathaus. Hier wurde die Menge, die musterhafte Ordnung wahrte, von einem starken Schutzmanns- aufgebet zerstreut, ohne daß es zu Zusammenstößen oder Sistierungen gekommen wäre. �• Köln, 21. Februar. Hier fand gestern eine Massenversammlung statt. Die Polizei hatte, weil sie wieder Straßendemonstrationen erwartete, große Scharen aufgeboten und die VerkchrSstraßen abgesperrt. Nach Schluß der Versammlung zerstreuten sich indes die Besucher, so daß es nicht zu Straßendemonstrationen kam. Der Aahlrechttliampf. Warum, Herr Polizeipräsident? Berlin hat gestern eine Straßendemonstra"on lind eine Versammlung unter freiem Himmel gesehen, die von der Polizei nicht behelligt wurde, obgleich sie in nächster Nähe des Schlosses stattfand. Die Lösung des Rätsels liegt darin, daß die Demonstration nicht eine Kundgebung der Arbeiterschaft, nicht ein Protest gegen die Bethmann Hollwegsche Schandvorlage war, sondern eine Veranstaltung der Frommen Berlins, bei der, wie die bürgerlichen Blätter schreiben, die „besten Gesellschaftskreise" stark vertreten waren. Die Vorträge des Professor DrewS über das Thema„Hat Jesus gelebt?", hatten die„Positive Kirchliche Vereinigung zur Pflege des evangelischen Lebens in Berlin" veranlaßt, eine Protestkundgebung im Zirkus Schumann zu veranstalten, wo mehrere positive Geistliche und ein Hofkammerrrat für die Geschichtlichkeit der Person Jesus eintraten. Die religiösen Vereine hatten viele Tausende von Teilnehmern gestellt, die nicht alle Einlaß in den Zirkus finden konnten; so wurden denn noch zwei Versammlungen im Feenpalast und im Tom veranstaltet. Bevor die Türen des Doms geöffnet wurden, hatten sich einige Tausend Menschen davor an- gesammelt. Und hier kam es nun zu einer spontanen Demonstration und zu einer Ansprache an die Versammelten. Der„Tag" be° richtet darüber:„Schwarz war der Platz vor dem Gebäude, die Burgstratze voller Menschen, die Museumsbrücke und die umliegen- den Straßenzüge ebenfalls, bis endlich eine etwa 5000 Kopf zählende Menge sich im Lustgarten versammelte, wo auf den Stufen des Domes ein Prediger aus dem Volke begeisterte Worte des Glaubens an die Masse richtete. Und dann geschah etwas Ergreifendes: ent- blößten Hauptes sangen die Tausende vor dem Gotteshause das Lutherlied„Eine feste Burg ist unser Gott"." Und das„Berliner Tageblatt" meldet:„Schon eine halbe Stunde später war auch die Domkirche bis zum letzten Platz gefüllt. während draußen von der breiten Domtreppe herab ein Geistlicher bereits eine Ansprache hielt.. Aus der„Märkischen Volkszeitung" ersehen wir, daß der Redner der Stadtmissionsinspekwr Pastor L e Setxr war, der nach dm» Blatte der Menge gesagt habe, daß man keine leeren Demon- strationcn machen wolle— die überlasse man anderen!—, daß bielmehr das ganze Leben eine Demonstration für den Lebendigen sein solle. Dann ist nach der„Märkischen Volkszeitung" ein Polizeioffizier erschienen und hat den Pastor Le Seur darauf aufmerksam gemacht, daß dies unstatthaft sei. So haben also auch die Frommen Berlins das„Recht auf die Straße" in Anspruch genommen, das ihnen nach unserer Ansicht natürlich durchaus zukommt. Der Polizeipräsident ist darüber aber bekanntlich anderer Ansicht. Seine Untergebenen aber haben keinen Versuch gemacht, die demonstrierenden, singenden Frommen ausein. anderzutreiben, sie haben keinen Versuch gemacht, den Redner in der Versammlung unter freiem Himmel zu verhaftenl. Der Herr Pastor Le Seur wurde von einem Polizeioffizier lediglich in rück- sichtsvollster Weise darauf aufmerksam gemacht, daß eine Ansprache unstatthaft sei— am 13, Februar aber nahm die Polizei unseren Genossen Stadthagen, der dasselbe tat, waS der Herr Pastor tat, fest, und in Rixdorf suchte sie einen Gc- nossen zu verhaften, der einige Worte an die Menge gerichtet hatte und schlug mit dem Säbel drein, als ihr das nicht ge° lang. Wir sind mit der Aenderung der Taktik, die die Polizei gegenüber den demonstrierenden Frommen porgenMKcn hat, � natürlich durchaus einberstauden; wir haben aber zu verlangen, daß künftig sozialdemokratische Demonstranten nicht schlechter bc- handelt werden als die demonstrierenden Gläubigen Berlins! Und eine Frage haben wir an den Herrn Polizeipräsidenten zu richten: Wird er nach den frommen Demonstrationen des 20. Februar seine Absicht aufrechterhalten, die Redner bei den sozialdemokratischen Demon- strationen des 13. Februar anzuklagen? Wie stehts nun damit, Herr Polizeipräsident? Die Wahlrechtsvorlage i» den Gemeindevertretungen« In Kiel hatten die sozialdemokratischen Stadtver- ordneten den dringlichen Antrag eingebracht, die städtischen Kollegien wollen beschließen, durch den Magistrat eine Petition an die Staatsregierung und das Haus der Abgeordneten zu richten, die die Ablehnung der Wahlrechtsvorlage und die U e b er- tragun g des ReichStagswahlrechts auf Preußen fordert. Eine Sonnabendabend tagende freisinnige Protestver- s a m m l u n g hatte gleichfalls beschlossen, einen entsprechenden An- trag an die städtischen Kollegien zu richten. In der Stadtverordnetensitzung vom Montag er- klärte der Oberbürgermeister Fuß, er persönlich halte es nicht für zulässig, daß diese Anträge verhandelt werden. Die Stadtverordneten beschlossen mit 15 gegen 13 Stimmen d i e D r i n g l i ch k e i t deS Antrages, der Magistrat lehnte die Dringlichkeit ober ein st immig ab. Weil nach der schleswig-holsteinischen Städteordnung zu einem gültigen Beschlüsse die Zustimmung der Mehrheit der Stadtverordneten und der Mehrheit des Magistrats nötig ist, war damit die Dring- lichkeit abgelehnt. Die Anträge werden deshalb erst in der nächsten Sitzung der städtischen Kollegien, die nach der Etatsberatung stattfindet, verhandelt werden. »* « Die sozialdemokratische Fraktion der Stadtverordneten- Versammlung zu Ratbenow brachte am Freitag eine» Antrag ein. in einer Petition den Landtag um Ablehnung der Wahlrechtsvorlage zu ersuchen. Außer unseren Genossen sprach nur ein liberaler Stadtverordneter für den Antrag. Der erste Bürgermeister wandte sich gegen den Antrag mit der bekannten Redensart, daß es sich dabei um eine politische Frage handle. Hierbei mitzuwirken, seien die städtischen Körper- schastcn nicht kompetent. Er bat dringend, von der Annahme eines derartigen Antrages Abstand zu nehmen, da die Stadt- gemeindein vieler Hinficht auf das Wohlwollen der Regierung angewiesen sei. Der Antrag wurde dann mit 16 gegen 14 Stimmen abgelehnt. Außer unseren Genossen stimmten nur 3 liberale Vertreter für den Antrag. Eine freisinnige Protestkundgebung. Am Sonntag hat in Berlin in der Brauerei Friedrichshain bei starkem Andrang-eine große freisinnige Protestversammlung stattgefunden, in-der als Redner die Reichstagsabgeordneten Wiemer und Naumann und der Stadtverordnete Gold- schmidt auftraten. Die Herren sprachen sehr scharf gegen die Wahlrechtsvorlage und gegen Bethmann Hollweg, dessen Angriffe auf das ReichstagSwahlrecht entschieden zurückgewiesen wurden. Als Herr Wiemer darauf hinwies, daß Zentrum und Konserva- tive die Mehrheit des Abgeordnetenhauses bilden, kam von den anwesenden Sozialdemokraten der Zwischenruf:„Ihr habt ja die Konservativen unterstützt!" Herr Wiemer erwiderte darauf: Eine Auseinandersetzung hierüber ist nicht der Zweck der heutigen Versammlung. Die Front ist jetzt dahin zu kehren, wo der Kampf stattfindet. Der Feind steht rechts!(Sturmi- scher Beifall.)— Einstimmig wurde eine Resolution ange- nommen, die ausspricht, daß durch die Wahlrechtsvorlage das Ver- sprechen der Thronrede nicht erfüllt worden sei. Nach der Annahme der Resolution wurde von sozialdemokratischer Seite das Wort zur Diskussion gefordert— der Vorsitzende erklärte jedoch, daß im Interesse der Sache von einer Diskussion abzusehen sei. Als er über diesen seinen Vorschlag abstimmen lassen wollte, protestierten unsere Genossen, worauf der Vorsitzende die Versammlung schloß. Die Sozialdemokraten stimmten darauf die Marseillaise an und brachten Hochrufe aus das gleiche Wahlrecht aus. Auf der Straße formierten die Arbeiter einen losen Zug, den die Polizei zu zer- sprengen suchte. Sie gab aber schließlich den Versuch auf, woraus die Demonstranten ruhig abziehen konnten. Immerhin wurden zwei Verhaftungen vorgenommen. Der Wahlrechtskampf als—„grober Unfug". Die Polizei in Mühlhausen(Thür.) hat eine Anzahl Wahl- rechtsdemonstranten mit Strafmandaten über 10—30 M. be- dacht, weil sie angeblich am letzten Sonntag den polizeilichen Auf- forderungen zum Auseinandergehen nicht schleunigst Folge geleistet hätten. Der AuSbringer eines Hochs auf daZ allgemeine Wahlrecht soll 30 M. bezahlen, weil er damit groben Unfug verübt habe. Es wird natürlich gerichtliche Entscheidung beantragt. Sie Nii«illerpsrs müssen aber Anordnungen getroffen werden, um jo bald wie möglich der so geschaffenen finanziellen Lage zu begegnen. Die Thronrede erwähnt dann die ernsten, auf wiederholte schwere Meinungsverschiedenheiten zwischen dem Unter- und dem Oberhause zurückzuführende» Schwierigkeiten und sagt, es würden Vorschläge unterbreitet werden, um die Beziehungen zwischen den beiden Häusern in der Richtung festzusetzen, das« dem Unterhause unge- teilter Einfluß auf die Finanzen und das Ucbcrgewicht iu der Gesetzgebung zustehe. Oritei Abdul Hamid. Saloniki, 21. Februar. Hier verlautet, daß der ehemalige Sultan mit seinem Harem wegen Verschlimmerung seines Zu- stände» heute früh nach Konstantinopel gebracht worden ist. Aegypten. Ein politisches Attentat. Kairo, 20. Februar. Ministorpräsident ButroS Pascha ist heute in der Nähe des Ministeriums durch einen von einem Studenten abgegebenen Schuß schwer ver» wundet worden. Der Verwundete wurde in das Kranken- haus gebracht, wo man feststellte, daß er von fünf Kugeln getroffen wurde. Zwei Geschosse haben ihn gestreift, während drei in den Körper eingedrungen sind. Der Mörder, ein nationalistischer Mohammedaner, ist Apotheker und in Kairo ansässig. Kairo, 21. Februar. Ministerpräsident Butros Pascha ist seinen Wunden erlegen. Der Mörder Ibrahim W a r d a n i gibt an, er habe die Tat begangen, weil Bustros Pascha ein Verräter an der Sache des Vaterlandes und ein Knecht der Engländer gewesen sei. Wardani hat zuerst in Lausanne und dann in England studiert. Die Polizei hat fünfzig Personen, darunter mehrere Frauen, ver» haftet,' die ein politisches Komplott gebildet haben. Inälen. Ei» Todesurteil. Kalkutta, 21. Februar. Der junge Bengale, der am 24. b. M. den Polizeiinspcktor Alum in offener Gerichtssitzung getötet hatte und zum Tode durch den Strang verurteilt worden war, ist heute hingerichtet worden. Hus dir partcL Bestätigung eines sozialdemokratischen Beigeordneten. in Elsasi-Lothringcn. Der zum Beigeordneten in dem 13 999 Einwohner zählenden Kreisstädtchen Gebweiler gewählte Genosse August Sies, Schreinermeister, hat die nach der Gemeindeordnung für E.lsaß- Lothringen erforderliche landesherrliche Ernennung durch den kaiserlichen Statthalter erhalten. Die klerikale Hetze gegen den Gewählten der Statthalter Graf v. Wedel und der Staats- sekretär Dr. Petri wurden in der elsässischen und französischen Presse der Sozialistenfreundschaft verdächtigt— hatte also wider Erwarten leinen Erfolg._ Unsere Ernte. Am Tage nach der Wahlrechtsdemonstration nahm unsere Parteiorganisation in Rathenow 56 neue Mitglieder auf. In einer in derselben Woche tagenden öffentlichen Frauen- Versammlung erklärten nach einein trefflichen Referat der Genossin Regina Friedländer-Berlin 63 Frauen ihren Beitritt zur Partei- organisation. DaS sind 119 neue Mitglieder in einer Woche. Die Wahlreformlüge der Regierung erweist sich als ein ausgezeichneter Agitator für unsere Partei._ Neberflüsstge Besorgnis. Unter der sensationellen Ueberschrift:„S p z i a. l id e m o» kratischer Zentrumskotau" bringt die„Berliner Volks- zeitung" eine Zuschrift aus Lüdenscheidt i. W., wonach dort der Redakteur der sozialdemokratischen„Volksftimme" entlassen worden fei,„weil Z e n t r u m s l e u t e A n st o ß nahmen an verschiedenen Artikeln der„Volksstimme". Die„Volkszeitung" meint, daß die zuständigen Parteiinstanzen dazu Stellung nehmen müßten, sie könne sich nicht denken, daß der» artige Dinge mit Wissen und Willen der Parteileitung bor sich gehen.— Darin hat die„Volkszeitnng" recht, unrecht aber hat sie, »venn sie annimmt, daß derartige Dinge in der Sozialdemokratie überhaupt vor sich geltert. Nichtig ist an der Sache nur, daß der Redakteur, Genosse Kühn, seine Stellung verläßt wegen Diffc» renzen mit der örtlichen Parteileitung— diese Differenzen haben aber rnft dem Anstoß, den Zentrumsleute an den Artikeln der ..Volksstimme" genommen haben können, gar nichts zu tunk Gerickts-�eitung. Ein ungetreuer Vormund mußte sich in der Person des Kohlenhändlers Utcrmatz unser kier Anklage der Untreue vor dem Strafrichter verantworten.— Der Angeklagte war durch Beschluß des Amisgerichts am 15. Juli v. F. zum Vormund der zwei unehelich geborenen Kinder seiner Ehefrau bestellt worden. Er schloß in dieser Eigenschaft mit dem Vater der Kinder einen Vergleich, nach welchem dieser eine einmalige Ab- findungssumure von 1499 M. zu zahlen hatte. Bedingung hierbei war, daß die Schwiegereltern des Angeklagten für die bisherige Erziehung 599 M. erhalten und der Rest in zwei Sparkassenbüchern von je 459 M. für die Kinder angelegt werden sollten. Der An- geklagte legte dieses Geld auch an, hob es jedoch bald wieder ab und verwendete es für sein Geschäft.— Die Strafkammer erkannte mit Rücksicht auf den schweren Vertrauensbruch auf eine Gcfäug- nikstrafe von 3 Monaten._ Tie Beraubung eines Eiscnbahn-Gütcrwagens war bei dem Vorfall geplant, der sich am 26. Juli, abends, in Spandau auf dem Bahnhofe ereignete und der gestern die Straf- kammer des Landgerichts III Berlin beschäftigte. Am genannten Abend bemerkte ein Beamter, daß an einem Wagen eines dort halten Güterzuges irgendetwas nicht in Ordnung zu sein schien. Denn in dem bis dahin plombiert gewesenen Wagen, der Stückgut enthielt, rumorte es. und vor dcm Wagen schien jemand„Schmiere'" zu stehen. Als der Beamte Lärm schlug, sprang ein ZWann aus denr Wagen und suchte mit dem Draußenstehenden zu entfliehen. Beide krochen unter dem Wagen durch und hofften, auf der anderen Seite entwischen zu können; sie wurden jedoch von mehreren Beamten verfolgt und festgenommen. ES stellte sich heraus, daß die ver» dächtigen Menschen zwei von der Eisenbahndirektion beschäftigte Arbeiter namens PoplowSki und Sicgmund waren. Der Wagen, der vorher vorschriftsmäßig verschlossen gewesen war, war geöffnet, und als man das Innere des Wagens untersuchte, ergab sich, daß einige Kisten aufgebrochen waren. Beide Sistierten konnten auf die Frage, welch? Absichten sie gehabt hatten, eine irgendwie be- friedigende Antwort nicht geben, und es wurde deshaw gegen sie die Anklage wegen versuchten schweren Diebstahls auf Grund des § 243 aü 4 erhoben. Nach diesem wird schlver bestraft, wer auf einem Eisenbahnhof eine zu Gegenständen der Beförderung ge» hörende Sacke mittels Abschneidens oder Ablösung der Befestigungs- oder Verwahrungsmittel stiehlt. Der Hauptschuldige Poplowski ist inzwischen nicht auffindbar geworden und Sicgmund saß gestern allein auf der Anklagebank. Er tat so, als habe er ganz zufällig vor dem Güterwagen gestanden und von dcm Treiben Povlowskis keine Ahnung gehabt. Das Gericht hielt aber seine Mittäterschaft für erwiesen und verurteilte ihn zu K Woche» Gefängnis. De? Staatsanwalt hatte S Monate Gefängnis beantragt» Gewerhfcbaftlicbcg. Berlin und Umgegend. Die Bautischler hatten nach dem Abschluß des bis jetzt Zelten- Ken Tarifvertrages der Holzarbeiter Differenzen mit den Arbeit- yebern wegen der fünfprozentigen Lohnerhöhung, welche der Ver- trag vorsieht. Nach mehrfachen Verhandlungen der Parteien kam es schließlich zu einer Entscheidung des Einigungsamtes, wonach den Bautischlern die fiinfprozentige Lohnerhöhung zusteht. Bald darauf trat dann eine aus Vertretern beider Parteien bestehende Kom- Mission zusammen, um einen neuen Akkordtarif für die Bautischler zu beraten, in dem die Lohnerhöhung zuni Ausdruck kommen sollte. Die Beratungen deS Akkordtarifs zogen sich drei Jahre hin und sind jetzt dem endgültigen Abschluß nahe. In einer am Sonntag ab- gehaltenen stark besuchten Versammlung der Bautischler berichtete der Branchenleiter Reiche über die Ergebnisse der Tarifberatung. Er sagte unter anderem, der neue Tarif sei sehr gründlich beraten worden, er habe mehr als 1000 Positionen, ein Beweis dafür, daß die Arbeiten in weitgehendster Weise spezialisiert seien, was Zweifel- los ein Fortschritt gegenüber dem alten Tarif sei. Der neue Tarif werde nächstens den Vertrauensmännern zugestellt, er könne dann von den Kollegen besprochen und dann über seine endgültige An- nähme entschieden werden.— In Bezug auf die schwebenden Be- ratungen des neuen Vertrages der Holzarbeiter sagte der Redner, darüber könne noch kein abschließender Bericht gegeben werden. Was die Bautischler betrifft, so würden sie an der Forderung festhalten, daß ihnen nach Abschluß des neuen Vertrages die geforderte Lohn- erhöhung von 5 Prozent zugebilligt werde, und zwar den Lohn- arbcitern unbedingt, gleichviel, ob sie in Lohn- oder in Akkord- Werkstätten beschäftigt seien, und für den jetzt fertiggestellten Akkordtarif müsse die Lohnerhöhung wenigstens für diejenigen Posi- tionen Platz greifen, die bis jetzt nicht erhöht worden sind. Beim Mschluß des Vertrages müßten Garantien dafür gegeben werden, daß der neue Akkordtarif der Bautichler an einem naheliegenden Termin in Kraft trete. In der Diskussion kam lebhafter Unwille darüber zum Aus- druck, daß der Abschluß des Aktordtarifs durch Schuld der Unter- nehmer vis jetzt hinausgezogen worden sei. Infolgedessen sei die ganze Vertragsperiode verstrichen, ohne daß den Bautischlern die in dem Vertrage festgesetzte Lohnerhöhung von 5 Prozent zugute ge- kommen sei. Nur die Lohnarbeiter, die eine kleine Minderheit unter den Bautischlern bilden, hätten die Lohnerhöhung bekommen, weil sie bei ihnen nicht umgangen werden konnte. Die Akkord- arbeiter aber habe man mit der Tarifberatung drei Jahre lang hingehalten und sie hätten jetzt das Nachsehen. Seit sechs Jahren seien ihre Löhne nicht erhöht worden, es sei nun endlich an der Zeit, daß ihnen durch den neuen�Lertragsabschluß die geforderte gerechtfertigte Lohnerhöhung gewäMt wurde.— Die Versammlung beschloß: „Die Branchenvertreter haben dahin zu wirken, daß der neue Vertrag nicht eher unterzeichnet wird, als bis der Bautischler- tarif unter Dach und Fach gebracht ist. Ferner ist dahin zu wirken, daß die fünfprozentige Lohnerhöhung sofort nach dem Abschluß des neuen Vertrages in Kraft tritt." Achtung! Maschinisten und Heizer. In dem Hotel.Kaiserhof" müssen die Arbeiter, welche die Kühlanlage sowie die Zentralheizung und Müllverbrennung zu bedienen haben, ihre Tätigkeit unter den mißlichsten Verhältnissen verrichten. Die Kellereien, in denen sich die Maschinen und Kessel befinden, liegen derart tief unter der Erde, daß weder Licht noch Luft Zutritt haben. Hinzu kommt, daß der Exhaustor, welcher im ganzen Gebäude die schlechte Luft absaugt, ebenfalls in diesen Räumen untergebracht ist. Die Kühlanlage besteht in einem schwefligsäuren Kompressor, und soll es wiederholt vorgekommen sein, daß durch Entweichen dieser Säure Leute erkrankt sind. In einem Fall soll sogar der Tod herbeigeführt sein, weil keine Ventilation vorhanden ist. Unter diesen Verhältnissen hatten die Kollegen eine Arbeitszeit von 12 Stunden pro Tag. Die in Betracht kommenden Pausen konnten nicht innegehalten werden. Bei Wechselschicht erhöhte sich die Arbeitszeit auf 13 bis 19 Stunden bei einem Lohnsatz von monatlich 139 M. Eine Sonntagsruhezeit, wie sie der 8 der Gewerbeordnung vorschreibt, findet nicht statt. Die dort beschäftigten Heizer sandten nun am 18. d. M. ein Schreiben an die Direktion folgenden Inhalt?: An die Direktion deS Hotels„Der Kaiserhof" IV. 8, Wilhelmsplatz. Die unterzeichneten Heizer ersuchen die wohllöbl. Direktion um Berücksichtigung bezw. Gewährung folgender Wünsche: Es besteht dort bisher eine Arbeitszeit von 12 Stunden pro Tag. allerdings sollen in dieser Zeit Eßpausen stattfinden, die jedoch in den wenigstens Fällen seitens der Vorgesetzten berück- sichtigt werden. Bei Wechselschicht erhöht sich nun die Arbeitszeit sogar auf 18 bis 19 Stunden pro Tag; ebenfalls fehlt in diesem Betrieb die Sonntagsruhezeit, welche insofern durch die Gewerbe- ordnung geregelt ist, als diese vorschreibt, daß die Sonntags- ruhezeit jeden dritten Sonntag mindestens 36 Stunden zu be- tragen hat bezw. jeden zweiten Sonntag mindestens 24 Stunden. Der Lohn betrug bis November v. I. 195 M. pro Monat und ist durch die Abschaffung der freien Kost auf 139 M. fest- gesetzt worden. Nun hat sich aber in der letzten Zeit ein Steigen der Lebensmittelpreise derart bemerkbar gemacht, daß es für einen Familienvater schon schwer hält, mit dem geringen Lohn auskommen zu können, andererseits jedoch ist schon an und für sich der Betrag für das Kostgeld mit 25 M. seinerzeit zu niedrig eingeschätzt worden. Das Ersuchen der Unterzeichneten geht nun dahin, die wohl- löbliche Direktion zu bitten, in Anbetracht der mißlichen Lage der dortigen Betriebsverhältnisse die tägliche Arbeitszeit zu verkürzen, die Eßpausen festzulegen und auch für deren Jnne- Haltung Sorge tragen zu wollen, den bisherigen Lohn von 139 M. monatlich um 19 M. zu erhöhen, ferner die SonntagSruhezeit derart zu regeln, daß mindestens jeden dritten Sonntag eine Ruhezeit von 36 Stunden für jeden der Unterzeichneten eintritt, sowie die Beseitigung der 13- bis 19stündigen Wechselschicht, die in keinem Betriebe ähnlicher Art in Berlin besteht. Gleichfalls ersuchen die Unterzeichneten um Besserung ihrer Waschgelegenheit sowie Aufbewahrung ihrer Kleidungsstücke. In der Hoffnung, daß die oben angeführten Wünsche seitens der wohllöbl. Direktion Berücksichtigung finden mögen, zeichnet usw. Seitens der Direktion wurde insofern auf dieses Schreiben reagiert, als der Direktor kurzerhand die Entlassung von zwei Kollegen verfügte mit der Begründung, e r habe wohl das Recht, seinen Angestellten Vorschriften zu machen, dieses jedoch den Arbeitern in keiner Weise ihm gegenüber zustehe. Ganz der Herr-im-Hause-Standpunkt. Allerdings erklärten sich die übrigen Kollegen mit den Entlassenen solidarisch und verließen ebenfalls die so prunkvolle Gaststätte des Hotel„Kaiserhof", aller- dingS nur bekannt als das vornehmste Hotel Deutschlands, jedoch Nicht für die Arbeiterschaft als vornehmste Arbeitsstätte. Wir wollen noch bemerken, daß auch hier wieder Angestellte der Berliner Elektrizitätswerke es sind, die sich alS Stützen der Unternehmer herausstellen. In diesem Falle ist es der Monteur Albert Berg, welcher bei der Straßenbeleuchtung be- schäftigt ist und in dem Hotel„Kaiserhof" die Batterie der B. E.-W. zu beaufsichtigen hat. Dieser hat am Sonnabend und Sonntag die Kessel bedient. Er soll seitens der Direktion 19 M. dafür er- halten haben. Mag sein, daß sein Einkommen zu gering ist, so daß er auf Nebenverdienst angewiesen ist. Jedoch können wir verantw. Redakt.: Richard Barth. Berlin. Inseratenteil verantw.: nicht annehmen. Laß' diese Nebenarbeiten mit Zustimmung der Direktion der B. E.-W. geschehen. Wir möchten nun die Königliche Gewerbe-Jnspektion bitten, die Betriebsverhältnisse einer eingehenden Revision zu unter- ziehen, um wenigstens den Arbeitern im Hotel„Kaiserhof" eine menschenwürdige Arbeits st elle zu verschaffen, denn die Gegensätze zwischen den Räumen der oberen Etagen und den Arbeitsstätten, Eß- und Waschräumen der Arbeiter in den Keller- räumen treten doch etwas zu kraß zutage. Auch die Arbeiter haben ein Recht, ein menschenwürdiges Dasein zu verlangen. Der Betrieb des Hotels„Kaiserhof" ist für Maschinisten und Heizer bis auf weiteres gesperrt. Zentralverband der Maschinisten und Heizer sowie Berufs- genossen Deutschlands, Verwaltungsstelle Groß-Berlin. Lohnbewegung der Militärsattler. Am Sonntag nahmen die Militärsattler in einer überfüllten Versammlung Stellung zu den Verhandlungen zwischen den Fabri- kanten und der Tarifkommisfion der Organisation. Riedel be- richtete: Auf die Forderung der Arbeiter, Zutaten wie Wachs, Faden usw., geliefert zu erhalten, wollten die Herren nicht ein- gehen und man einigte sich deshalb auf eine dreiprozentige Entschädigung auf alle Artikel. Ferner wurde festgelegt, daß Zwischen- meister für preußische Arbeit nicht beschäftigt werden dürfen. Heim- arbeiter erhalten die im Tarif festgelegten Stücklöhne. Für Gegen- stände, die im Tarif nicht enthalten sind, wird der Preis von einer Werkstattkommission festgesetzt. Wird dabei keine Einigung erzielt, so tritt die Schlichtungskommission, bestehend aus zwei Arbeitgebern und zwei Arbeitnehmern aus dem Berufe, in Aktion. Sollte auch diese Kommission nicht zu einem entsprechenden Resultat gelangen, so wird ein Gewerberichter hinzugezogen; die Entscheidung, die dann getroffen wird, ist endgültig. Die Arbeitszeit beträgt min- bestens 53 Stunden. Für Lohnarbeiter muß der Verdienst für die ausfallende Stunde durch entsprechende Erhöhung deS Lohnes ausgeglichen werden. Arbeiten, die in geringeren Mengen als im Betrage von 3 M. Arbeitsverdienst ausgegeben werden, sind mit 19 Proz. Aufschlag auf die festgesetzten Stücklöhne zu bezahlen. Für Ueberstunden ist ein Lobnaufschlag zu gewähren, und zwar für die erste Stunde 5 Pf., für die zweite 19 Pf., für die dritte Stunde und für Sonntagsstunden 15 Pf. Der neue Tarif soll am 1. März d. I. in Kraft treten und bis zum 1. April 1912 Gültigkeit haben. Er verlängert sich immer um ein Jahr, wenn er nicht sechs Monate vor dem Ablaufstermin von einer der beiden Parteien gekündigt wird. Die Preiserhöhung, die der Tarif enthält, beträgt im Durch- schnitt 12 Proz. Der Tarif wurde von der Versammlung angenommen. Damit ist die Lohnbewegung beendet. Achtung, Gastwirtsgehilfen! Für die in R i x d o r f wohnenden oder beschäftigten Verbandsmitglieder der Ortsverwaltung Berlin l ist am 15. Februar eine Zahlstelle errichtet worden, als deren Leiter Paul Jaekel, Rixdorf, Lichtenrader Straße 59, ernannt worden ist. Die Zahlstelle befindet sich beim Gastwirt Emil P ü h l, S t e i n m e tz st r. 114, und werden dortselbst Beitrags- Zahlungen entgegengenommen. Achtung, Kleber! Gesperrt wegen Lohndifferenzen sind: Kielhorn, Uhlandstr. 69; Bauten Nicolsburgerplatz 4, Bau Stritte; NicolSburgerstr. 6, Saalbaugesellschaft; Bau Grunewald. Roseneck, HoHenzollerndanim. Deutsches Reich. Der Berein Deutscher Arbeitgeberverbände befaßte sich in seiner kürzlich abgehaltenen Vovstandssitzung mit dem bevorstehen- den Kampfe im Baugewerbe. Baurat F e l i s ch besprach den Stand der Verhandlungen und die Forderungen, die die Arbeitgeber glaubten aufstellen zu müssen, um die„Ordnung in ihren Be- trieben" aufrechtzuerhalten. Als unentbehrliche Forderungen wurden verzeichnet: Die Beibehaltung der Akkordarbeit, Anerken- nung der Arbeitgeberachweise, die Bezahlung der Arbeiter nach ihren Leistungen und das Verbot der Agitation auf den Baustellen. Der Verband stimmte dem zu und versprach für den Fall, daß es in nächster Zeit zum Kampfe im Baugewerbe kommen sollte, dafür Sorge zu tragen, daß die Bauunternehmer von der Industrie und den übrigen organisierten Unternehmern unterstützt werden. Arbeiterprotest gegen Scharfmacherübermut. Der Verband der Kölner Industriellen hatte am 4. Januar dieses Jahres an den Minister des Innern eine Eingabe gerichtet, in der unter Berufung auf angebliche Uebergriffe während einer Ausstandsbewegung bei der Tapetenfabrik FlammerLheim und Steinmann in Köln-Zollstack das Verbot des Streik- Postenstehens gefordert wurde. Gegen dieses scharfmacherische Ver- langen protestierte am Sonntagvormittag eine stark besuchte Ver- sammlung der Kölner Gewerkschaften. Es wurde eine Resolution angenommen, in der die Behauptungen des Kölner Unternehmer- Verbandes als unwahr zurückgewiesen und der Meinung Ausdruck gegeben wird, daß, wenn sich irgendjemand wegen gesetzlicher Be- nachteiligung bei Ausstandsbewegungen verletzt fühlen und daher beschweren wollte, die Arbeitgeberschaft hierzu am allerwenigsten Veranlassung hätte. Die Versammlung sieht in der Aktion der Kölner Unternehmer die Tendenz der Industriellen bestätigt, daß man versuchen will, auch die Gesetzgebung gegen die Arbeiterschaft mobil zu machen. Es erscheint die Annahme berechtigt, daß man lediglich aus Anlaß der Vorbereitung eines neuen Strafgesetzbuches die durch nichts begründete Aktion eingeleitet habe. Die Versammlung nimmt daher mit Bestimmtheit an, daß der Minister des Innern einer solchen Eingabe jede Beachtung versage. Streikbrecherschutz. Der Führer der Sozialdemokraten in einer mittelfränkischen Kreishauptstadt. Gemeindebevollmächtigter(Stadtverordneter) Ge- nosse Moll, war mit zwei anderen Genossen beschuldigt, während des AnSbacher Maurerstreiks im vorigen Sommer eine Anzahl Arbeitswillige durch Beleidigungen und Drohungen eingeschüchtert zu haben. Besonders dem Genossen Moll war damals in der Scharf- macherpresse ein ganz rohes und rowdymäßiges Verhalten zur Last gelegt. In der Verhandlung stellte sich heraus, daß alles Schwindel ist, alle drei Angeklagten wurden freigesprochen. Es ergab sich dabei die interessante Tatsache, daß die angeblich mißhandelten Arbeitswilligen gar keine Anzeige erstattet haben, sondern daß der Denunziant ein hervorragender Demokrat ist. Nur Stilübungen. Gegen den Geschäftsführer des Jndustriellen-ArbeitSnachweiseS in Mannheim. Dr. M o e b i u s. hatte die Staatsanwaltschaft ein Ermittelungsverfahren eingeleitet. Wir schrieben schon da- malS, daß bei der Sache nichts herauskommen wird, da sich die Herren im Nachweis auf die staatsanlvaltschaftlichen Recherchen gut vorbereiten konnten. Jetzt hat die Staatsanwaltschaft das Verfahren eingestellt, weil die Untersuchung ergeben hat, daß eine Kennzeichnung mißliebig gewordener Arbeiter bei der Ver- mittelungsstelle nicht durchgeführt worden ist.— Na also! Somit muß ja die ganze Geschichte mit der geheimen Kennzeichnung der Arbeiter wieder Schwindel sein, wenn auch offenkundige Tatsachen dafür vorliegen. Die objektivste Behörde hat mit dieser Aktion noch den Unternehmern und ihren Zeitungssöldlingen genützt, die dieses staatsanwaltliche Zeugnis für ihre Unschuld jedem unter die Nase halten können, der je daran zu zweifeln wagte. Es bleibt also dabei:„Die leidenschaftlichen Vorwürfe, welche gegen den Arbeitsnachweis wegen angeblicher geheimer Kennzeichnung von Arbeitern erhoben wurden, entbehren jeglicher Begründung." So sagt die Großherzogliche Staatsanwaltschaft. Und wir setzen hinzu: Die Bezeichnung der einzelnen Arbeiter als„Hetzer", „Agitator" usw. war nur eine Stilübung für den Herrn MoebiuS. Td. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr, u. verlagsänställ Busland. Ein StrafienbaHnerstreik ist in Philadelphia ausgebröchen. Nach dem Wolffschcn Bureau kam es infolge des Streiks am Sonn- tag zu Ruhestörungen. Die Ausständigen hätten nach derselben Quelle, mehrere Straßenbahnwagen zur Entgleisung gebracht und verbrannt. Die Beamten der Straßenbahngesellschaft seien mehr- fach von den Ausständigen angegriffen. Etwa 199 Personen wurden verhaftet. Hus Indiiftne und FtendeL Jnteressenwiderstreit zwischen Fleischern und Kolonialwaren« Händlern. Daß die Fleischermeister immer mehr dazu übergehen, den Verkauf von Margarine in ihren Geschäftsbereich zu ziehen, erfüllt die Kolonialwarenhändler, für die der Margarineverkauf noch immer guten Profit abwirst, mit Sorge. Ja, sie müssen sogar erleben, daß ihnen in manchen Orten die Konkurrenz der Fleischer durch gemeinschaftlichen Einkauf überlegen ist. In Essen-Ruhr hat nämlich die gewerbliche Vereinigung der Fleischermeister den ge- meinschaftlichen Einkauf von la Margarine in die Hand genommen und den Verkaufspreis einheitlich auf 99 Pf. für das Pfund fest- gesetzt, während er im Detailhandel in der Regel 1 M. betrögt. Unter und über dem von der Mitgliederversammlung der gewerb- lichen Vereinigung der Fleischermeister festgesetzten Preise darf kein Mitglied verkaufen. Jede Verfehlung gegen diese Bedingungen wird mit einer Geldstrafe bis zu 199 M. belegt. In der Leipziger Kolonialwarenzeitung vom 11. Februar fragt ein Kolonialwaren- Händler: was würden die Fleischer wohl sagen, wenn jetzt die Kolonialwarenhändler dazu übergehen, allgemein Fleisch- und Wursttvaren zum Verkauf zu stellen oder gar eine Genossenschafts- schlächterei einzurichten? Was die Fleischer antworten, kann man sich denken; wir können nur sagen: wenn die Händler das machen und dadurch die Preise drücken, dann wäre das vom Konsumenten- standpunkt aus nur zu begrüßen. Neue Schiffe für die Hapag. Die Gesellschaft hat setzt, wie auS Hamburg gemeldet wird, einen Personen- und Frachtdampfer bei der Hamburger Werft des Vulkan in Auftrag gegeben, der 45 999 bis 59 999 Tonnen Wasserverdrängung besitzen soll. Die Gc- schwindigkeit soll dagegen nur 21 Knoten betragen. VeiTammUmgen. Bon der Konsumeenossenschaft Berlin erhalten wir folgende Zuschrift: In dem gestrigen Bericht über die Generalversammlung des Verbandes der baugewerblichen Hilfsarbeiter wird am Schlüsse unter Verbandsangelegenheiten vorgebracht, daß bei den Ab- schachtungsarbeiten der Bauten für die Konsumgenossen- schaft Berlin und Umgegend tarifwidrige Löhne gezahlt würden. Da es der Leitung der Konsumgenossenschaft daran gelegen sein muß, ihre Arbeitsverhältnisse auch bei der Bebauung ihres Grund- stückes in einer für gewerkschaftlich organisierte Arbeiter völlig einwandfreien Weise einzurichten und keine Legendenbildung auf- kommen zu lassen, sei folgendes bemerkt: Wie der OrganisationS- leitcr ja selbst ganz richtig angab, sind die Abschachtungsarbeiten nicht als Bauarbeiten anzusehen. Der Unternehmer, der von den in Frage kommenden Bauarbeitern als durchaus humaner Arbeit, geber empfohlen worden war, hatte sich natürlich vertraglich ver- pflichtet, die tariflich vorgeschriebenen Löhne zu zahlen, hatte aber die Erdarbeiten natürlich zu den für Erdarbeiter üblichen Löhnen veranschlagt und sich auch bereit erklärt, 47zh Pf. pro Stunde zu zahlen. Daraus ergibt sich, daß die demGenossen Junger in den Mund gelegte Aeußerung gar nicht zutreffen kann. Die etwa 99 mit Abschachten Be- schäftigten wollten sich aber auch mit 47zh Pf. nicht zufrieden geben und wurde dann durch Vermittelung des Vorstandes der Konsum- genossenschaft Berlin und Umgegend von dem Unternehmer des lieben Friedens wegen 59 Pf. �Stundenlohn zugestanden, obgleich die Berechtigung anderen Erdarbeitern gegenüber nicht an» erkannt wurde. Letzte IVachncbtcn und Dcpcfcben. Die Wertzuwachsftener für Berlin. Die neue WertznwachSsteuerordnung für Berlin wurde gestern abend nach langen Beratungen im Ausschuß mit einigen Abänderungen in zweiter Lesung angenommen. Wenn irgend möglich, soll über die Verhandlungen schon w der nächsten Sitzung der Stadtverordneten-Versammlung aus- führlich berichtet werden._ Die Verfassung für Bosnien und die Herzegowina. Wien. 21. Februar.(W. T. B.) Die morgigen Amtsblätter in Wien, Budapest und Serajewo veröffentlichen die vom Kaiser sanktionierte Verfassung für Bosnien und die Herzegowina. DaS Landesfiatut für Bosnien und die Herzegowina bestimmt, daß diese Länder ein Verwaltungsgebiet bilden, das unter der Leitung und Oberaufsicht des gemeinsamen Ministeriums steht. In die Kom, petrnz des Landtages fallen die inneren Angelegenheiten Bosniens und der Herzegowina sowie auch das Budgetrecht, während Fragen, die die Interessen Oesterreichs oder Ungarns oder der ganzen Monarchie berühren, nicht in seinen Wirkungskreis gehören. Wir geben aus der Verfassung noch folgende Stellen wieder: Die Geschäftsordnung des Landtages enthält präzise OrdnungS- bestimmungen für die Beratungen des Landtages. Der Präsident kann die Ausschließung der Abgeordneten von den Beratungen bis zu 14 Tagen verfügen. Die Ausschließung der Abgeordneten für die Dauer der ganzen Session unterliegt dem Beschluß deS Landtages. Es wird volle Immunität der Abgeordneten gewähr» leistet. Die Abgeordneten beziehen Tagegelder von 15 Kronen. Die Wahlordnung, welche für die 72 gewählten Abgeordneten festgesetzt ist, ist das Dreikuriensystem auf konfessioneller Grundlage, in der zweiten und dritten Kurie allgemeines, direktes Wahlrecht. Die Mitglieder des Landtages sind: 1. 29 Virilisten, darunter die Chefs sämtlicher Konfessionen; 2. 72 gewählte Ab, geordnete. Jede der drei Hauptkonfessionen wählt die auf sie nach der Bevölkerungsstatistik proportionell entfallende Zahl Abgeordnete für sich, wodurch der Schutz der Minderheiten gewährleistet wird. Demnach find für Katholiken 16, für Jslamiten 24, für serbische Orthodoxe 31, für Israeliten 1 Mandat gesichert. Gleichzeitig mit der Veröffentlichung der Landesstatuten erfolgt die Veröffentlichung der Gesetze über das Vereins- und Versamm» lungsrecht, sowie eines Gesetzes über die Bezirksräte. Die elfteren entsprechen den in Oesterreich und Ungarn bestehenden. Selbstmord einer Millionärin. Mannhelm, 21. Februar.(W. T. B.) Die 26 Jahre alte ledige Gutsbesitzerin Elise Treiber, die auf einem Grenzhofe bei Schwetzingen das Gut ihrer verstorbenen Eltern bewohnte, wurde mit einer Schußwunde tot in ihrem Bett aufgefunden. Die junge Dame, eine Millionärin. bewohnte das Gut in Gesellschaft einer Haushälterin und einer kleinen Dienerschaft. Die Tat eines Wahnsinnigen. Bielefeld, 21. Februar.(B. H.) In Westrup bei Rahden wurde ein 66jähriger Arbeiter beim Dreschen von seinem geistrS, tranken Sohn angegriffen und mit dem Dreschflegel erschlagen. Paul Singer& Co., B ctftnSW, Hierzu 4 Beilagen u.llntuljal i ungäbh Nr. 41. 27. Zahrgasg. 2. Itilajf des Jotiuätfs" Kcrlim Wlksdlall*■"» Rcicbstag» Sitzung vom Montag, den 21. Fetzruar, vormittags 1 Uhr. Der Präfldentenstuhl und die Präsidentenglocke find schwarz umflort. Am DundeSratStische haben der Reichskanzler, die Staatssekretäre sämtlicher ReichSämter, eine Reihe preußischer Minister und die Ver- treter der anderen Bundesstaaten Platz genommen. Vizepräsident Dr. Spahn «tsttonoi SS 5-3 "C k?avaranda 760 3 Petersburg—— Scilly Aberveen Paris 743 SW 723 SW Setter *9 w« 4 Schnee 6 wolkig 2 heiter n- Wetterprognose für Dienstag, den 22. Februar 1910. Milde, jedoch vorherrschend wolkig bei ziemlich lebhasten südwesllichen Winden: keine erheblichen Niederschläge. Berliner W e t t erb ur e a u. Amtlicher Marktbericht der städtischen Marsthallen-DIrektton über den Großhandel in den ZenMal-Marttballen. Marktlage: Fleisch: Zuinbr stark, Geschäft ruhig, Preise sür Ochsenfleisch anziehend, sonst un» verändert. Wild: Zufuhr sehr knapp, Geschäft lebhaft, Preise befriedigend. Geflügel: Znsuhr genügend, Geichält lebhaft, Prelle gut. Fisch«: Zusuhr gering, Geschäft ziemlich lebhast, Preise wenig verändert. Butter und Käse: Geschäft ruhig, Preise sür Butter niedriger. Gemüse, Obst und Südsrüchte: Zusuhr genügend. Geschäft ruhig, Preise wenig verändert. Wasserstands- Nachrichten der LanbeSanstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Beriiner Wetterburea«. Wasserstand M c m e l. Tilsst P r« g e l, Jnfterburg Weichsel. Tborn Oder. Ratibor » Krossen , Franksurt Warthe, Schrimm , Landsberg Netze, Dordamm Elbe, Leilmcritz , Dresden , Bardo , Magdeburg Wasserstand Saale, Grochlltz Havel, SvandauK , Rathenow') Spree, Soremberg') , Beeskow S e s« r, Münden , Minden Rhein, Mayimiliansau , Kaub , Köln Neckar, Hcilbronn Main, Wertheim Mosel, Trier am! seit 20 2.49. 2. am am') 210 1 15 4-28 —6 154-)-1 88 153 122 152 460 323 425 140 241 245 — 1 +34 +6 —8 —6 +12 +1 +10 —8 ')+ bedeutet Wuchs,— *) Eisfrei. Fall.—*) Unterpegel.—•) Eisstand.— Theater und Vergnügungen nun DDD nnn «Dienstag, 22. Februar. Ansang 7«/, Uhr. König!. Opernhaus. Sinfonie« lonzert der kgl. Kavelle. Köntgl. Schauspielhaus. Der Famtlientag. Neues köntgl. Opern-Dheater. Geschlossen. Deutsches. Der Widerspenstigen Zähmung. Kamm erspiele. Der gule König Dagobert.(Ans. 8 Uhr.) Berliner. Taifun. Antanq 8 llbr. Lesflng. DaS Konzert. Neues SchantvielliauS. Mt- Heidelberg.(Ans. 7'/, Uhr.) Ren es. Der Philosoph von Sans- souci. Wesir«. Tie geschiedene Frau. Kouiiiche Oper. Zigenneriieb«. Rencs Ovrretteu. Der Graf von Luxemburg. Drianou. Theodore u. Ele. Kleines. Der große Name. stiesidenz. Im Taubenschlag. Thalia. Die Dollarprinzesfin. Schiller««. tvami«- 4.oeater.) Neue Jugend. Sch>.< Elxirloitenburg. Der Psarrer von St. Georgen. Friedrich> Wtlpcimftädr. Der Hypochonder. Volksoprr. Der Troubadour. Luisen. Vater und Sohn. llko-e Deborah. Lustspirlhaus. Der dunkle V"nkt. Mr», ei».. Hallohll— Die».upc Revue. Foltrs Caprtce. Herr Wasserkropf. Der Luftturner.(Ans. Lft« Uhr.) Eastno. Der Obergauner. Gebr. Herrufeld. So muß man'» machen. Eine Uebergangs-Ehe. Hebbel. Kavaliere.(Ans. 6lU Uhr.) Noalts. SNaßenbahnjahrer Krause. Stodttheaier Mtoabit. Geschlossen Parodie. Lohen grün.(Ans. 3'/, Uhr) Zip lui. Dir LtebiSioalzer. Spezia. litüten. Wintergarten. Spezialitäten. VieichsliaNen. Stettiner Sänger. Palast. Spezmiilälen. P»>>>ftr. Sveziaiitälcn. Karl Haverlnnd. SpcziaMäten. Walhalla. Sveziaiiläten Buggcnhagen. Spezialitäten.(An- VI, Uhr). Urania. laude» l-rahe 48/40. Abends 8 Uhr- Im Firnenglanz des Ober-Engadin. Höijaal 8 Uhr: Geh Reg.-Rat Pros. Dr. Zmitz: Klima und Mensch. Sternni cirte, Invaliden str. 57—62 Lessing-Theater. Dienstag, 8 Uhr: Das Konzert. Mittwoch. 8 Uhr« Taniris der Narr. Donnerstag. 8 Uhr: Das Konzert. öerünei- Tkeater. Heute: T S.2f Uli* 8 Uhr. borgen: Pension Schöller._ Neues Theater. Abends 8 Uhr: Der Philosoph von Sanssouci. Morgen und solgende Tage: ver pbilosopd von Sanssouci. 7iieslei' lies Westens. Abends 8 Uhr: Die geschiedene Frau. Sonnt. 3'/, Uhr: Der fidele Bauer. IVcii«» Oporcttcn-Theater. Heute und folgende Tage 6 Uhr: D«- Graf Von Luxemburg. Sonntag nachmittag 3 Uhr zu er- mäßigten Preisen: Vor �igeunoebni'oa. Volksoper. SW., Bclle-Alllaiice-Straße Nr. 7)8. Ansang«/,S Uhr. Ver Troudaöour. _(Gaslspiel.)_ Trianon-Theater. Heule und solgende Tage. 8 Uhr: DUestlap«»& Cle. Eetutlnfl nachm.: Pariser Witwe». Urania. Wissenschaftliches Theater. Dienstag 8 Uhr: Im Firnengianz des Ober- Engadin. Hörsaal 8 Uhr: Geh. Reg.-Rat Professor Dr. Zontz; Klima and Mensch. Passage-Panoptikum Senegal in Serlin! Hfsurildc Weiber " MSnner, Kinder. Drei Negerdörfer Ohne Extra-Entrcet 1 Passage-Tlieater.| Abends 8 Uhr. Gussy Holl Lamborg i Schneider-Duncker (prolongiert) und das nene Februar-Programm. 14 Variets- Attraktionen. Friedrich-Wilhelmstädtiscties Schauspieiiiaus. Dienstag, den 22. Februar, 8'/, Uhr Der Hypochonder. Mittwoch nachmittag 3'l, Uhr: Die Jungfrau Von Orleans. Abends ti'J, Uhr! Im bunten Rock._ Residenz-Theater Direktion: Richard Alexander. Abends 3 Uhr: Im Taubenschlag. Schwant in 3 Llkten von Hennequln und Beber. Morgen und solgende Tage: Dieselbe Borstellung._ Luisen-Theater. AbmdS 8 Uhr: Vater nnd Sohn. Lustspiel in 3 Akten van G. Esmann. Mittwoch: Benefiz sür den Kapell- meister E. Uhiig: Was Gott zu- sammeiifügt. Schauspiel in fllns Akten von E. Ritlerscid« nach einer Erzählung von CourthS-Mahicr. Donnerstag, Freitag: Was Gott zusammcnjügt._ Lustspielhaus. Abends 8 Uhr: Der dunkle Pnnkt. OSE=THEÄTE Große Franlsurlcr@ti-. 132. An).» llht. Ende'/»Ii Uhr. Deborah. Volksfchauspiel iit 4 Akt. v. Mosenlhal. Mittwoch: Der Eisenbahnräuber. 1 Reichsiiallen-Theater. StettinerSänger Ter Nachtwächter von Jerpenschleuse. v.f. blozlZol ?lv.io» 100 Wertgegc», ständen. Jeder Besucher erhält e!» LoS gratis. Miw ioek-JüIiEl oiid Trubel iul der iir. Der berühu: teste Fcstwirt Sekorseli Edrellsji'llder mit seiner Trnbpe(60 Mitwirkende) ans«ilnchea. EWjr Passicrkartcn haben volle GuItiMt. __ Ansang 8 Uhr.___(jniret 20 Ps. Arnold Scheie Hasenhelde 108/114 Vom Dienstag, den 22. Febrnar, bis Donnerstag, 24. Februar: Schönhelts- Konkurrenz-Woche in den bäuerlichen Alpen. Kähores siehe Anschlagsäulen."TSTB ' Anfang 7 Uhr. Entree 80 Pf. Dienstag, den 22. Februar, abends 71/, Uhr: Gala-Vorstellung. Novität! Novität I Möns. Romanoff der phänomenale Kopf. Letzte Neubeit: The praaldla» fliegende Akrobaten. Austreten deS KommissionSratS Gnetav Stcnnbeck als Gast mit seinen Hervorragenden Schulpserdcn. Bnjxonzxitl, der lleine komische Rcillünstler. Um 3'/, Uhr: Ende ll Uhr: i Iis! Große Feerie a. d. Hugenottenzeit Dienstag, den 22. Uebruar, abends 8 Uhr: Sensationelle Vorstellung mit dem konkurrenzlosen Weltstadt-Programm. Ab 9'/, Uhr: Fortsetzung der Ringkampf-Konkurrenz unter dem Protektorat des Herrn Prof. Reinhold Begas. Ks ringen: Scbwarpllss Michailoff (Littauen) ßeSen(Rußland) Briller)___ van den Berg (Posen) Keßen(Holland) Gockach___ Georg Strenge (Breslau) Keffen(Deutschi.) Bernard Zorn (Belgien) 8eßen(Schönoberg) Derma.. Schwarz (Polen) SeSen(Berlin) J Folies Caprice Der Cuftturoer. Scncr bunter Teil. Herr Wasserkropf. Ansang 8'/, Uhr. Borrerk. Il—J Uhr. A Älöniijtztitndt-l�nttllt«. Hoizinarktslraße 72. Täglich: Erantt«obanulrl. Neu: Gcjchiv. Tre« el», Handstand. alt. Tlie rrankeni, Exzentrlk-Duo. Utile fullus, Kuiistdiabolospieler. Prolongiert-Viktor Ritter, William Waison und So», Kitty Whcsi usw. Ii«»inerad Hchi'iinpke. Voile in einem Alt v. M. Reichardt. Sanssouci, sÄ' Dircltion Wilhelm Reimer. Sonntag, Montag und Donnerstag: !!eüm�.ns Mi Sünger uii� Tanzkräuzchen. Leg. Svliiir. 5, Ivochcitl. 8N. StetS neues, hochakt. Soiree- Programm l Morgen Mittwoch; Thentern bend. Der Pariser Taugenichts. Karl fiaverland | Anfang Tlieater. präz. 8 U. Kommandalitensiraße 77,79. 10. dieses Monats lein sensatlooelles Proiraiiiin. Zirkus BuschJ Heute Dienstag, den 22. Februar, I abends 71/, Uhr präz.: Große Galavorstellang;. j Be Daneil Co."PUB Skandinavischer Sport-Akt. Ski, Rodel und Rollschuhe. Mr. Jacob, Foxterrier-Dress. Herr James Leon Fillls,| Sohulreiter. Herr E. Schumann, Meisterdress. I Zwergolown Franyois, Kunstr. j Reiterfamilie Proserpi usw. 9 Uhr ca. Ende oa. 11 Uhr.| Die russ. Sensatlonspantomime � Mar ja I Palast-Theater. Direktion: Robert Olli& Karl Pirnau. Burgstraße 24, am Bahnhof Börse. Ba» brillante Eebrnar-Proeranun I 14 Attraktionen ersten Ranges. Akt SijtUltmn vor der Tür, oder: Die überlistete Zkantippe. Anfang 8 Uhr. Entree» 5« Pf. bis 2 Mark. BorzugSkarten überall zu haben. m aihalla- Vartpfe-Theater i Weinbergsweg 19-29, Rosenth.Tor. Slufuitg 8 Uhr. | Die eigentirtige» Febrnar- Spezialitäten. Tunnel: Bodbierfeft. I Meglmentskapelle. Schlierfecr. I I Theaterbesuchern freier Eintritt 1 1 W.Akoseks Tksater örunueuitr. 16, am Rosenthaler Tor. Zum letzten Male: Strositvbithvfahrer Krause. Lebensbild in 4 Akten. Mittwoch: Die Anna-Lifc. Donnerstag: Die Tochter btS Brandstifters. Voigt-Theater Gaatttplel in Pnlilmannci Vbeuter, Schönhaiitar Allee 148. Dlcnsiag, den 22. Februar t Verwaist. Tharaklcrbild mit Gesang In sieben Bildern von Elmar. Kassenerösfiiimg 7, Ansang 8 Uhr. Tonhilti-Tiieater Programm. u Hervorragende Darbieiimgen.! » 3. Platz 3» Ps. � Kind. 19 Ps. ohn. Rachzahlimg. Daucrvor stell, v. 4—11 Uhr. Vereitts-Vranerei Rixdorf. Hermannstr. 21t— IS. .Jeder» lklenulazx: ?k\ii& SPBINGEB'S Kabarett- und PossrngrlrNschast. Entree 39 Ps.— H+ei-'r«»:>«. Fiu de» Inhal« der Inserate nbcriliinm« die Ncdaktian dem Publikum gegenüber lriurrlci Ärrantwortting. Sozialdemokratisclier Wahlverein des 6. Berliaer Reiefistagswaldkreises. Dienstag, den ÄÄ. Februar, abends 8� Uhr: 12 WWZÄkr- MrMWMZuZMN. Tages-Ordnmig in allen Versammlungen: 225/9* Mahl der Delegierten znr Nerbands-Generalversammlnng. Vortrag. Diskussion. l. Hbiglos Fesisäle, Schwedtcr Straße 23/24. N. �dteilnns: Berolina- fesisäle, Schönhauser Allee 28. 8. �.MsilnuK: Arnim-Festsiile, Schönflietzer Straße 22. ck. �dtoiiunzx: „Zum Volkshcim", Ackerstraße 123. S.: Swinemünder Gesellschaftshaus, Swinemünder Straße 42. tt. �iKtoilnkiA: Oranienburger Feftsiile, Chausseestraße 16. 8. �dtellnaL: Moabiter Burgersäle, Beusselstraße 9. 9. Abteiinns: Gebr. Cranz' Festsäle, Kösliner Straße 8. I«. Abtellnng: Pharus-Säle, Müllerstraße 142. 11. Abteiinns: Neues Klubhaus, Schulstraße 29. IL. Abteiinns: Frankes Festsäle, Badstraße 19. IT. Abteiinns: Swinemiinder GesellschaftShauS, Swincmünder Straße 42. ?. Abteiinns: Prachtsäle Nordwest, Wiclefstraße 24. NcfaenilM sind die Stadtverordneten vr. Alieed Bernstein, Brtibl-LichtcnSerg, Dr. Oskar Cohn. Tb. Fischer, Tb. Olocke, Koblenzer, Knbls-Pankow, Metzke, Dr. Rosenfeld, Dr. Weyl, Fritz Wilke, Dr. Kadek. Der Vorstand. Reftanrant, Baugegend, volle Konzession, sosort zu verlausen 183/1 Wilmersdors, Gieselerstr. It. Große mit Lichtbildern. Mittwoch, den 23. Februar 1910, abends 8 Uhr, Ballschmieders Festsälen, Badstr. 10» Montag» den 28. Februar 1910, abends 8 Uhr, in den Pharussälen» Müllerstr. 142: VersammiM 1 Vortrag über:„IMiUSlNK UNlZ jll tMöfi!!»." S Vortrag über:„IllllUZtriS UNÜ M Neserent: Genosse CTHagrin. Kollegen I Der Referent hat durch seine vielen Artikel w der„Metall arbeiter-Zeitung",„Neuen Zelt" uslo. bewiesen, daß er über die Verhältnisse in Japan und Amerika gut informiert ist und dürste cS für die Kollegen von hohem Interesse sein, den Vorträgen des Genossen Chagrin, der ja auch unser Kollege ist, beizuwohnen. Wir cmpsehlcn allen Kollegen den Besuch dieser Versainmiungen. Der Eintritt kostet 10 Pf. mrd wird durch Tellersammlung am Eingang zu den Sälen erhoben. Auch tun die Kollegen gut, zu diesen Vorträgen, die ja durch Lichtbilder besonders interessant werden, ihre grauen mitzubringen. Mittwoch, de« 23. Februar 1910, abends 7 Uhr» in Graumanns Festsälen, Nauuynstr. 27: Versammlimgr aller in der Schranbenbrancbe beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen. Tages-Orduung: 1. Branchenangelegenheiten. 2. DiZkusston. 8. Neuwahl der ilgitationS« kommission. 4. Verbandsaugelegenheiten. Kollegen und Kolleginnen I Da in dieser Versammlung wichtige Be- schlüsse gesatzt werden, wird zahlreiches Erscheinen erwartet. im Mittwoch, den 23. Februar 1910, abends 0 Uhr, Rosenthalcr Hof, Rosenthaler Str. 11/12: Mi Versammlung' der cSiirurgischen Branche. Tag eS-Ordnung: 1. Dortrag des Genossen Sillier. 2. Diskusston. 8. Branchen angelegenheiten und Verschiedenes.— Die Wichtigkeit der Tagesordnung erfordert das Erscheinen aller Kollegen. Mittwoch, den 23. Februar 1910, abends 8 Uhr» im Gewerkschaftshaus, Engelufer IS, Saal 3: Sraiichen-Versammliiiig der Drahtarbeiter Berlins u. vmgeg. TageS- Ordnung: 1. Die gegenwärtige Situation in der Drahtwareninbustrie unter be- sonderer Berücksichtigung der diesjährigen Beendigung des Tarifvertrages. Resercnt: Kollege Handle. 2. Dislussiolt. 3. Bianchenangeieaenheiten. Kollegen I Mit Rücksicht aus die gegenwärtigen Verhältnisse innerhalb unserer Branche sowie um andere wichtige ssragcn betreffs unserer Taris- angelegcnheit erledigen zu können, ist eS notwendig, für einen guten Ver- fammlungSbesuch zu agitieren._ Graveure! Ziseleure! Mittwoch, den 23. Februar 1910, abends 8>/z Uhr, im Dresdener©arten, Dresdener Str. 45; Versammlung (11/20 Tages-Ordnung: Bericht der Brnnchenkonimiisio» und Neuwahl derselben. Um rege Beteiligung wird ersucht. Mittwoch, den 23. Februar 1910, abends 8'/g Uhr, in den Andreas-Festsälen, Andreasstr. 21: Allgkiiitiiit Kiciiiplier-Dkrslliüiiiising. Tages-Ordnung: 1. Vortrog des Kollegen Ruschick über:„Das Unternehmertum aus dem Kricgspsade. 2. Diskussion. 2. Bericht des BauienkonirolleurS über seine Tätigkeit. 4. Braitchenangelegenheitcu. Die Kollegen von Abel, Gebr. Böhm. Kabig, Grosi-Oichterselde, chottschnlk, Gasmcsserfabrik, Mariendorf, Niz/dorf, schoncberg, und Pille, Sicgsriedstrasie, sind hiermit besonders geladen. In Anbetracht der reichbaltigcn Tagcsordmmg wird die Versammlung pünktlich eröffnet. Einei» besonders zahlreichen Besuch erwartet Die DrtsvemaltimT. RmWsMsR sind Sie, wenn Sie beim Einkauf von VcIIcbense if*ap a Iver nicht auf den Namen „Goldperle" und Schutzmarkt Kaminfeget achten Jedes Paket enthalt eine entzück ende Qe- sdunkbeilage.— Alleinige' Fabrikant Garl Zentner, Göppingen. Engelhardt aramel-Bier Zuerft kommt Palmona, denn sie Ift reine Pflanzen-Butter-Margarine, crfetjt die unerfcbwinglich teure Kubbuttcr vollkommen und übertrifft alle anderen Fette an Reinheit und Wohlgefchmack. H. Schlinck& Cie. FL-G. BlleinigeFcoduzenten von• Palnün» und •Palmona» Deutscher Holzarbeiter-Verband. = Zahlstelle Rixdorf.. Am Mittwoch, de» SS. Februar. abendS 8 Uhr, bei Depp», Hermannstrahe 49: Mitglieder- V ersammlimg. TageS-Ordnung: 1. Verbandsangelegenheiten. 2. Wahl von drei Delegierten zum Gautage. 3. Anträge zum Eautage. 7g/ 10_ Die Ortsverwal ton g. IMT Bezirksverwaltnug Groß-Berlin. Aehtane t Achtans t Fräse-, Hobel- nnd Sehnetdemöhlenkutscher sowie Hilfsarbeiter Berlins nnd Cmgreipend! Mittwoch, de« 23. Februar 1910, abends 8 Uhr: UV Versammlung Uli int(ScwerkschaftshanS, Engelufer 15, Arbeitsnachweissaal, Eist. 3!Tr. Tagesordnung: 6S/S K. Stellungnahme zu dem Beschlutz der BetriebSvertranenSleute vom 18. Februar beziiglich Durchfüprung unserer Lohnforderungen uns Beschluhfassung. S. Tätigkeitsbericht der Brancheuleitung pro 190». S. Neuwahl der Branchcnlcitung. Kollegen> Niemand von Euch darf in dieser B«r» s a m m l u n g s e h l e n I Dt« Dronebenleitn n jj. Herrenvortrag Heute Dienstag, den LS. Februar, Vortrag des Herrn SPeztalarzteS Dr. Karl Rcinbardt über Geschlechtskrankheiten, wirksame und kurpfuscherhafte Beoandlungsweise derselben abends 9 Uhr in den Furftenberg-Sälcn, Rosenibalerstr. 38. Jeder Patient besuche in seinem ciaenslen Interesse diesen Vor. trog.— Eintritt frei._ 276/( Ein Gefühl besonderer Reinheit und die Gewähr der Sicherheit vor ansteckenden Krankheiten haben Sie, wenn Sie die Badewanne vor dem Gebrauch mit Automorswasser ausscheuern. Achtung! Itfmillijjtf DÜdiftei! Achtung Der geehrten Nachbarschaft zur KeiniwiS, dah ich seit einiger gell die Bäckerei des Herrn T e r st c g e n übernommen habe. Die Forderungen des Verbandes der Bäcker und Konditoren sind bewilligt. ES soll mein Be- streben sein, meine Kundschaft auss reellste zu bedienen. 1813b Bäckermeister Schäpe, Rixdorf, Bergstr. 84. Fruchtweine kräftig nnd abgelagert sind billiger, wohlschmeckender und nahrhafter ab Branntwein! i i Johannlsbecrwcln, herb und süD., Hcfdclbecrwein, herb und süß..!'/, Flasche 60?t Stachelbeerwein, süß...... j'/,„ 35„ Hiinbeorwein, süß........> Klrschwcln, süß.. Bronibcerweln, süß Erdbeerwein, süß. Zu haben in allen Geschäften, welche unsere Waren führen! •••••./ cn, welche anse Fruchtweine '/i Flasche 70 Pf. lli o 40„ sind für Schankwirte zum Ausschänken aus dem Fasse sehr vorteilhaft; Schankr-irte und Wiederverkäuter erhalten bedeutende Preisermäßigung. i| Bermann Meyer& Co. Äkl.-Ges. j Berlin Watt=Str. II, 12« toesL* Äcruntwortlicher Rebalteur Richard Barth., Berlin. Kür den Inseratenteil verantw.i Th. Glocke, Berlin. Druck«.Verlag: Vorwärts Buchbruckerei u, LerlagSanftalt Paul Singer Sc Co.. Berlin SW, Dr. 44. 37. Jahrgang. 3. ItilMt Ks ttlinn Mnsiag, 22. lcbruar 1910. Partei- �Zngelegenkeiten. Zur Lokalliste. In Lychcn i. M. hat der Inhaber dcs� bisher dort einzigen freieil Lokals, Herr Ball, Bogelsangstr., seine Bewilligung zurückgezogen, so datz unsere dortige Orgauisalion und auch die Gewerkschaften zurzeit ohne Bersammlungsräume sind, Wir ersuchen daher alle Bereine, speziell Arbeiterradfahrer- und Gesangvereine, die Partien nach dort unternehmen, das Lokal von Ball zu meiden. Wir empfehlen als Verkehrslokal: Sioberl Deltow, Lychcn i. M.» Templiner Strage 181. Die Lokalkommission. Schönebcrg. Heute Dienstag, den 22. d. MtS., abends 8 Uhr: Wahlvereinsversammlung in den Neuen Raihaussälen, Meininger- straste 8. Tagesordnung: 1. Vortrag: Preugengeist in der Gesetz gebung. 2. Diskussion. 3. Wahl der Delegierten zur General versaminlung deS Kreises und Grotz-Berlins. 4. Regelung der Begräbnisfrage. ö. Wahl eines Vorsitzenden. 6. Verschiedenes. Der Vorstand. Wilmersdorf- Halcnsee. Heute hält der Wahlverein in der .Klause", Hildsgardstraste 6/6, seine Versammlung ab. Auf der Tagesordnung steht eine Vorlesung des Parteigenossen Rechtsanwalt Dr. Weinberg aus Wilhelm Weitling, sowie die Erledigung der Speditionssrage und die D e l e g i e r t c n w a h l zur Kreis- gcncralversammlung. Der Vorstand. Friedenau. Heute Dienstag, abends S'/a Uhr; Mitglieder Versammlung bei Meckelke, Handjerystr. 66/61. U. a. steht ein Vor- trag der Genossin Gertrud Oswald über August Bebel auf der Tagesordnung. Der Vorstand. Steglitz. Am Donnerstag, 24. d. M., abends 8 Uhr findet bei Schelhase, Ahornstr. 15a eine öffentliche Gemeinde- wählerversammlung statt. Am Tage vorher, also Mittwoch- abend 7 Uhr Flugblattverbreitung in allen Bezirken. Der Wahlausschuß. Sozialdemokratischer Wahlverem Groß-Lichterfelde. Heute Diens- tag. abends 8 Uhr, bei Richter, Chausseestr. 164: Mitglieder- Versammlung. Tagesordnung: Vortrag des Genossen S i e r i n g über: Unsere politische Lage. Diskussion. Vereinsangelegenheiten. Wahl der Delegierten zur Kreis- bezw-Verbands-Generalversamrulung. Der Vorstand. Tempclhof. Heute Dienstag, abends 8'/s Uhr Uhr: Gemeinde- Wählerversammlung im..Wilhelmsgarten", Berliner Str. 6. Gemeindevertreter Genosse H. Somienburg-Friedrichshagen spricht über:„Staat— Gemeinde— Sozialdemokratie." Sämtliche bürgerlichen Gemeindevertreter Tempelhoss sind zu dieser Versamm- lung brieflich eingeladen worden. Treptow-Banmschulenweg. Heute Dienstag, von 7 Uhr abends ab, von den BezirkSlokalen auS Flugblattverbreitung für die Gemeindewahl. Donnerstag, den 24. d. M.. abendS 8'/z Uhr: Oeffentliche Wählerversammlungen; in Treptow in der„Nadrenn- bahn", Elsenstr. 116/116, in Baumschulenweg in Speers Festsälen, Baumschulenstr. 78. Vortrag:„Die Sozialdemokratie in der Ge- meinde". Ansprache der Kandidaten. Freie Aussprache. Der Vorstand. Boxhagcn- Rummelsburg. Auf die heute Dienstag, den 22. Februar, abends 8 Uhr, im großen Saale des„Cafe Bellevue" stattfindende Gemei, idewählerversammlung werden die Parteigenossen hiermit hingewiesen. Das Wahlkomitee. Grüna». Mittwoch, den 23. d. MtS., abends 8'/« Uhr, in der »Grüna» Ecke": Außerordentliche Milgliederversanunlung. Es steht eine sehr wichtige Tagesordnung zur Erledigung. Der Vorstand. Nieder-Schönhauseu. Heute Dienstag, den 22. Februar, abends 8V2 Uhr findet im Saale des Herrn Karl Liedemil(Am Kirchplatz) eine Volksversammlung statt. Tagesordnung: 1. DieSozial- demokratie in der Gemeinde. Referent: Stadtverord- neter MaxGroger- Rixdorf. 2. Diskussion. 3. Bekanntgabe der Kandidaten. Die Parteigenossen werden ersucht, für einen guten Besuch dieser Versammlung Sorge zu tragen. Die Bezirksleitung. Reinickendorf-Ost. Heute abend 8 Uhr findet die Mtglieder- Versammlung des Wahlvereins im Restaurant Anders, Houptstr. 61 statt. Tagesordnung: 1. Bericht der Gemeindevertreter. 2. Vereins- ongelegenheiten. 3. Verschiedenes. Die Bezirksleitung. Kleines feuilleton. Theater. Berliner Theater:„Taifun�, Schauspiel von Melchior Lengyel. Der ungarische Verfasser verlegt seine Geschichte in die japanischen Zirkel von Paris. Die Voraus- setzungen, mit denen er arbeitet, sind von einer so grotesk aben- teuerlichen Unglaublickikeit, daß die beabsichtigte Tragik, trügen die Puppsn europäische Namen, wahrscheinlich als unfreiwillig parodisti- scher Ulk einfach ausgelacht sein würde. Aber die fremden Kostüme und allerhand miteingeflochtene Tiefsinnigkeiten über die sogenannte japanische Seele schienen eine Art Respekt hervorzurufen. Was weiß nian denn von diesen Leuten, die sich zu Hunderten in die europäischen BildungSanstalten drängen und binnen wenigen Jahrzehnten eine radikale Umwälzung ihres staatlich gesellschastlickien Lebens durchgemacht haben? Von ihrem Patriotismus, ihrer Todesverachtung wurde viel erzählt. Weshalb soll es am Ende da nicht auch möglich sein, daß um einer Bagatelle willen, auS einer zur Verrücktheit gesteigerten patriotischen Begeiste- rung gleich Dutzende von ihnen in den Tod zu gehen bereit sind, wie Herr Lengyel dem geneigten Zuschauer vorredet? Je weiter die historisch ethnographische Distanz, um so unsicherer sind alle Rückschlüsse von uns auf andere. Von wie wunderlichen Kuriositäten berichtet nicht die Völkerkunde? DaS wm'e eine begueni entschuldigende Argumentation, die freilich an der Hauptsache vorbeifiebt, daran nämlich, daß das bloß Kuriose, auch wenn es nicht fabuliert, sondern wirklich ist, kein Gegenstand dramatischer Darstellung sein kann, da diese, um zu wirken, ein Mitempfinden, einen Eindruck menschlicher Notwendigkeit erwecken muß. Das Ausspielen eines neuen Milieus und eine gereifte Ge- schicklichkeit der Bühnenmache, verhalfen, durch eine treffliche Auf- führung unterstützt, dem Schauspiel, trotz der monströsen Unnatur deS Kerns, zu einem starken äußeren Erfolg. Die Schilderung der Japaner, die sich bei Dr. Tokeramo, einem Vertrauensmann der beimischen Regierung versammeln, bringt manches Detail in interessanten charakteristischen Wendungen heraus: die verschlossene glatte Höflichkeit in dem Verkehr mit den Europäern, den Ton aufrichtig herzlicher Freundschaft unter den Landsgenossen, die stolze Schwärmerei, mit der sie der Heimat ge- denken. Tokeramo selbst präsentiert sich als stets lächelnder, geduldig sanftmütiger Philosoph. Die Reihe theatralischer Ueberraschungen beginnt damit, daß er, von der Untreue seiner Pariser Maitresse in Kenntnis gesetzt, aus einmal von einem Taifun von Leidenschast ge- packt wird. Sie höhnt und beschimpft ihn, ohne daß er nur ein Wort erwidert, dafür schießt er zugulerletzt wie ein geduckter Tieger auf sie los uud— erwürgt sie. Im Kriegsrat der herbei- gerufenen Freunde herrscht äußerste Bestürzung. WaS soll aus Tokeramos unvollendetem Bericht anS Ministerium werden, wenn man ihn als den Täter einsteckt I Das Vaterland braucht diese Ar- beit. Daß wohl auch irgend jemand anders sie zu Ende schreiben könnte, kommt niemand in den Sinn. Wo bliebe sonst das Stück? Einer nach dem andern erklärt, er wolle an Stelle Tokeramos die Rrinickcndorf-Wcst. Heute abend 8 Uhr findet im Lokal von s�shlfahrt, Eichborn str. 18, die Mitgliederversammlung des Bezirks- Wahlvereins statt. Mitgliedsbuch legitimiert. Die Bezirksleitung. Tegel. Heute Dienstag, abends 8'/-. Uhr, findet bei Julius Klippenstein die Mitgliederversammlung deS Wahlvereins statt. Tagesordnung: Vortrag des Genossen Schütte uud Stellung- nähme zur Gemcindevertreterwahl. Die Bezirksleitung. Berliner j�admebten, Frühling in Berlin. Alliilutter Natur stellt den Kalender auf den Kopf. Volle vier Wochen zu früh hat der Frühling seinen Einzug gehalten. Es war ein Sonntag, hell und klar... Und wenn auch die Lerche noch nicht sang, der Sonnenschein noch nicht schimmernd über Flur und Hain lag, war doch das Herz so voll, das Herz so warm. Alle Fenster öffneten sich dem siegreichen Frühlingskinde. Sehnsüchtig sog man die warme Luft ein, mochte sich nicht trennen von dem ersten schwachen Zauber- duft der verjüngten Natur. Auf den Straßen wimmelte es am Nachmittag von lungenweitenden Großstadtmenschen, fast wie an schönen Sommersonntagen. Im Tiergarten. in den großen städtischen Parkanlagen bewunderten Zehntausende die ersten, schon ziemlich weit gediehenen Blatt- triebe. Auch die Vororte bis zur Obcrspree und Havel hinauf hatten unerwarteten Massenbesuch. Auf den Wassern tummelten sich schon zahlreiche Ruderer, die Radfahrervereine flogen ge- schlössen aus, die öffentlichen Spielplätze fanden von Sport- klubs und Zuschauern außerordentlich starken Zuspruch. Die erste gelungene Generalprobe war es auf Frühlingslust und Sommerduft. Und aus der Natur schweifte das Sehnen der Menschheit hinüber in die rauhe Wirklichkeit des Lebens. Wird Frühlings zeitiger Einzug halten, was er verspricht? Wird er die Welt aus den verrosteten Angeln heben und für immer neues Licht, neues pochendes Leben bringen? Wer weiß, wie bald... folgt dein lachenden Frühlingskinde auch der zauberisch schöne Völkerfrühling._ Der Bettln sang, den in Berlin die Polizei mit rührigem Eifer betreibt, hat sich für sie im Jahre 1369 wieder noch besser als in den vorhergehenden Jahren gelohnt. Die Zeiten Wirtschaft- liche» Niederganges, in denen die Arbeiterbevölkerung unter dein Beschäftigungsmaiigel seufzt und so mancher Arbeitslose in> Kampfe gegen den Hunger zum Bettler wird, sind die Zeiten der Ernte für die auf Bettler fahildeudcil Polizisten. Da feiert die Polizeifaust ihre höchsten Triumphe, sie, die den Bettelnden packt, um ihn dem Strafrichter zu überliefern. Im Jahre 1969 hat in Berlin die Polizei bei ihrer Jagd ans Bettler nicht weniger als 18 683 Personen zur Strecke gebracht, während sich das Ergebnis von 1968 auf nur 17 669, das von 1967 auf nur 16 893 gestellt hatte. Man sieht, wie sehr die Erfolge der Polizei wenigstens auf diesem Gebiete sich in auf- steigender Linie bewegt haben. Unter den Aufgegriffenen des Jahres 1969 waren 17 183 Männer, nur 663 Frauen und leider auch 237 Kinder sbis zu 12 Jahren gerechnet). Am leichtesten hat die ans Bettler fahndende Polizei es im Winter, da lausen sie ihr form- lich von selber in die Arme. Aufgegriffen wurden z. B. im Januar 2634 Bettler, im Februar sogar 2179, andererseits z. B. im Juli 1277, im August 1196, und dann wieder im November 1566, im Dezember 1631. Jahr für Jahr beobachten wir immer wieder im Kreislauf der Monate dieses Auf und Ab, das ziemlich genau parellel geht denAbwärtS- und Aufwärtsbewegungen der Temperatur und der Schärfung bezw. Milderung des A r b ei ts m a n g e ls. Von den 18 688 Aufgegriffenen des ganzen Jahres wurden nur 3217 mit bloßer Verwanmng Ivieder entlassen. Die übrigen 14 671 wurden angezeigt, alldieweil es Strafe heischte, daß sie— der„gott- gewollten" Gesellschaftsordnung zum Trotz— nicht hatten hungern ivollen, sondern gebettelt hatten. 16 277 davon wurden sogar sofort in Polizeigewahrsam gebracht, damit sie sich nicht etwa dem strafenden Arm der Gerechtigkeit entzögen. Polizei und Gericht, Tat vor dem Gericht auf fich nehmen. Ein Wettkampf ent- spinnt sich, aus dem der Jüngste, ein neunzehnjähriger Bursch, strahlendenAngesichts als Sieger hervorgeht. Natürlich läßt sich der Ver- saffer die Sensation einer Gerichtsverhandlung auf offener Bühne nicht entgehen. Pünktlich leisten die als Zeugen vorgeladenen Japaner die nötigen Meineide. Die sieben Jahre Zuchthaus, die der arme Junge zudiktiert erhält, tun seiner Hallelujah-Opferstimmung, wie man im letzten Akt hört, durchaus nicht Abbruch. Tokeramo aber bringt Gott sei Dank die Arbeit fertig und stirbt dann am— gebrochenen Herzen. Er kann die Tote nicht vergessen. Ein durch Alkohol ruinierter, auf seine alten Tage sentimental gewordener Schriftsteller stellt ihm daraufhin das Zeugnis aus, seine japanische Seele habe sich europäisiert! In der. wie gesagt, recht guten Aufführung interessierten an erster Stelle Herr Clewing in der Rolle deS Dr. Tokeramo und Albert Heine, der aus der flüchtig skizzierten Episodenfigur des gebrochenen Bohömien-Literaten ein kleine» psychologisches Kabinett stück schuf. dt. Schiller-Theater 0.:»Neue Jugend* von Tor H e d b e r g. Finnland wurde 1868 von Schweden loSgeriffen, mit dem es 666 Jahre innig verbunden gewesen. Deshalb war der Kampf, den die Finnen sp todesmutig gegen Rußland fochten, ein Heldenkampf für die edelsten Güter. DaS Wort Russe war für den Finnen der Inbegriff aller Barbarei. Und heute ist es nicht viel anders. Die zaristisckie Gewaltpolitik hat dafür gesorgt, daß der Haß und rebellische Zorn der Finnländer gegen Rußland sich immer wieder aufbäumt. Auf diesem durch nationale Kämpfe geheiligten Boden spielt das Hcdbergfche Drama, das nunmehr auch in Deutschland seine erste Aufführung erlebt hat. Im Mittelpunkt der Handlung steht der finnische Dichter Johan Ulfstjerna, ehemals der Sänger seines Volkes, aber auS Be- sorgnisscn um die Existenz hat er sich in russischen Sold begeben. Wohl verehrt ihn Finnlands Jugend noch als den größten natio- nalen Poeten; mit dem erklärten Günstling des russischen Gonver- neurs aber will die junge Generation keine Gemeinschaft halten. Diese aufstrebende Jugend ist von ganz anderem Geiste er- füllt. Sie ist revolutionär. Sie strebt nach Beseitigung der russischen Gewaltherrschaft, die eben in dem Gouverneur zum schrecklichen Ausdruck gelangt. Seele und Haupt dieser Bewegung ist ein jüdischer Revolutionär Dr. Reback. Im Drama spielt der eigene Sohn des Dichters die entscheidende Rolle. Helge Ulfftjerna ist als das Werkzeug auSersehen. den verhaßten Gou- verneur zu töten. Er will durch diese Tat für sein Boll sich opfern, selbst die grenzenlose Liebe eines jungen Mädchens soll ihn daran nicht hindern. Der Vater weiß nichts von alledem; aus verschiedenen Anzeichen ahnt er aber, was bevorsteht. Und als Reback schließlich erklärt, daß Johan Ulfstjerna den Sohn durch nichts von seinem Vorhaben abbringen könne, daß er auch durch den Verrat seines Vaters nicht zu retten sei, da bricht sich langsam im Herzen des alten Dichters ein neuer Geist und Wille Bahn. An Stelle seines Sohnes tritt er in die Schranken und erschießt den Gouverneur. Als nationaler Held und Dichter wird er nunmehr fortleben. Durch das ganze Drama geht eine düstere, spannungsvolle Glut. Ein Gefängnis und Arbeitshaus, das sind die Mittel, mit denen man bei uns Not und Elend bekämpfen will. So glaubt man herumzukommen um die Notwendigkeit, Arbeitsgelegenheit zu beschaffen. Berliner Dampfcrverkehr 1969. Die Spree-Havel-Danipfschiff- fahrtsgesellschaft Stern hat im abgelaufenen Jahre im regelmäßigen Verkehr 2 666 384 Personen befördert. Zieht man die außerordent- lichen Fahrten für Ausflüge und dergleichen in Betracht, so beträgt der Gesamtverkehr etwa 3 Millionen Fahrgäste. Diese sind dem ge- samten Verkehr von Groß-Berlin hinzuzurechnen. Die Betriebs- einnahmen betrugen im Jahre 1969 insgesamt 836 741 Mark. Im Jahre vorher hatten sie 814 493 Mark betragen. Es hat also eine Zunahme von mehr als 21000 Mark stattgefunden. Die Zahl der beschäftigten Personen beträgt im Sommer etwa 466. Der frühere Stadtverordnete der thcmaligen Biirgerpartei, der Fabrikbesitzer Pretzcl ist gestorben. Die Sperre über den Berliner Viehhof, die am Sonnabend wieder aufgehoben worden ist, soll einen Schaden von etwa eine halbe Million Mark verursacht haben. Auch die Heilsarmee kneift. Der neue Herlsarmee-Kommandeur für Deutschland teilt in Berliner Blättern mit, daß der„Ober- kommandierende" General Vooth, nicht den uaheöevorstehenden Welt» Untergang prophezeit habe. ES müsse ein Mißverständnis insofern vorliegen, als der Berichterstatter den Ausspruch Booths, daß die Welt mal untergehen werde, infolge mangelhafter Bibelkenntnisl in der Strasseiibeleuchttmg müssen 2500 M. mehr aufgewendet werden. Auch die Amtsverwaltung erfordert für 1010 ein Mehr von 1219 M., die Armenverivaltung 1461 M. Diese notwendigen Mehraufwendungen werden gedeckt durch einen Ueber- schuss vom vorigen Jahre in Höhe von 2000 M. und schärferer Heranziehung der Realsteuern, wonach der Kommunalsteuerzuschlag auf 150 Proz. verbleiben konpie. Die Gemeindcgrundsteuer be- lastet bebaute Grundstücke mit 4 Promille und die unbebauten mit 6 Promille, wodurch eine Mehreinnahme von 37 330 M. erzielt werden soll. Die Wertzuwachssteuer, welche erst am 12. Februar in Kraft getreten ist, soll 4500 M. bringen, doch dürfte anzunehmen sein, dass dieser Betrag weit überschritten wird. Des weiteren sollen Mehreinnahmen bringen der Kommunalzuschlag 1800 M., erstattete Beleuchtungskosten für die neuerschlosscnen Strassen am Adlergestell 1119 M., an Kreissteucr sind weniger zu entrichten 5800 M., mehrere kleinere Titel 2850 M. Die Ausgaben für die Volksschule nach Abzug der Einnahmen, ohne Zinsen und Amvrii- sation. belaufen sich auf 112 087,50 M., des Armenwesens auf 16 651,87 M. Der Kommunalsteuerzuschlag soll bringen 105 000 Mark. Da 10 330 Einwohner vorhanden sind, ergibt sich pro Kopf der Bevölkerung eine Einnahme von 10,55 M. An Ausgaben für die Volksschule entstehen aber 10,83 M. und für das Armenwcsen 1,61 M. Unsere Aufwendungen für die Volksschule werden nur noch von Friedrichsfelde mit 12,40 M. übertroffen. Es zeigt sich also auch in unserem Etat der ungünstige Einfluss, den der Mangel an Industrie am Orte hervorruft, wodurch Adlershof als Wohn- gemeinde wohl Lasten zu tragen hat, ohne durch die eingehende Gewerbesteuer einen entsprechenden Ausgleich herbeiführen zu können. Pankow. „Sie sprechen ja nur für den Vorwärts!" Dieser Zuruf des besoldeten Gemeindeschöffen und stellvertretenden Gemeindevorstebers Stadtrat a. D. Stavitz gelegentlich der Aussührungen deS Redners unserer Partei in der letzten Gemeindevertretersitzung kennzeichnet so recht augenfällig die Auffasiung der hiesigen Gemeindehörden gegen- über pflichtgemässer und berechtigter Kritik unserer Genossen. Man scheint nicht begreifen zu können oder zu wollen, dass auch ein sozial- demokratischer Gemeindevertreter die Interessen der Gemeinde zu vertreten bestrebt ist. Wie bereits in Nr. 26 des„Vor- wärts" berichtet wurde, hatte einer unserer Genossen in der Gemeindevertretersitzung vom 1. Februar dieses JahreS eine ganze Reihe Mängel in der Ausführung deS umfangreichen Schulneubaues in der Görschstrasse zur Sprache gebracht. Der Bürgermeister sagte damals eine Untersuchung der Angelegenheit durch die Hockibaukoinmiision zu. Letztere hat nun unter Hinzu- Ziehung eines Bausachverständigen sowie unseres beschwerdeführenden Genossen aus der Gemeindevertretung diese Untersuchung vor- genommen und zum Abschluss gebrackt. Ueber das Resultat der- selben wurde der letzten Gemeindeverttetersitzung durch Verlesung des Untersuchungsprotokolls Kenntnis gegeben. Obwohl in diesem Protokoll gutachtlich eine Anzahl der. gerügten Mängel zugegeben werden, die nachträglich zum Teil auch ab- gestellt worden sind(beispielsweise sind sechs Pfeiler, weil zu schwach, abgerissen und verstärkt wieder aufgebaut worden), wird als Endergebnis der Untersuchung dennoch merkwürdigenveise konstatiert, daß die von unseren Genossen gemachten MonüaS haltlos und ungerechtfertigt seien. Man hätte nun erwarten sollen, daß in der der Verlesung des Untersuchungsprotokolls sich anschließenden Debatte auch die bürgerlichen Gemeindevertreter gegen die gutachtlich tatsächlich festgestellten Banfehler hätten Stellung nehmen müssen, wenn es ihnen mit der Wahrung von Gemeindeinteressen wirklich Ernst wäre. Aber weit gefehlt. Man stellte sich nicht nur auf den im Untersuchungsprotokoll vertretenen Standpuntt, sondern riet sogar unserem Genossen, nun doch endlich von seinen„haltlosen An- schuldigungen" abzustehen, da dieselben der Gemeinde nur unnötige Kosten durch Bestellung von Sachverständigen usw. verursachten. Unser Genosse machte hiergegen treffend und mit Recht geltend, daß der Gemeinde weit größere Kosten erspart geblieben wären, wenn die Arbeiten an dem Schulbau von vornherein richtig und sachgemäß ausgeführt und dadurch die höhere Inanspruchnahme von Gemeinde- Mitteln für Umbau- und Nacharbeiten vermieden worden wären. Die Gemeindevertretung erllärte sich schließlich mit allen gegen die drei Stimmen unserer Genossen mit den von Herrn Gemeinde- baumeister Fenten— der sich während der Verhandlung der An- gelegenheit in vornehmes Schweigen hüllte— auf dem frag- lichen Schulneubau getroffenen Maßnahmen in der Bau- ausführung einverstanden.— Der ganze Verlauf der Sache zeigt, wie notwendig es ist. daß unser Einfluß in der Pankower Gemeindevertretung wieder eine solche Stärkung erfährt, daß die Erledigung einer für die Gemeinde so wichtigen Angelegenheit— wie im vorlegenden Fall— in der geschilderten Weise m Zukunft nicht mehr möglich ist. Hierzu bieten die kommenden Gemeindewahlen die beste Gelegenheit. Sollen die Steuergroschen der Einwohner- schaft Pankows eine zweckmäßigere Verwendung finden, so ist von unseren Genossen alles daran zu setzen, die vier in der dritten Ab» teilung zur Wahl stehenden Mandate wieder in unseren Besitz zu bringen. Mit der Aufstellung der Kandidaten zur Grmrinbewahl be» schäftigte sich die letzte gut besuchte Mitgliederversammlung des Wahlvereins. Der Vorsitzende, Genosse Schmidt, gab bekannt, dass, da es sich um eine ErgänzungS- und eine Eesatzwahl handeft. an zwei verschiedenen Tagen, am 16. und 17. März, gewählt wird. Es gelte, den Gegnern schlagfertig gegenüberzustehen, damit die einst verloren gegangenen Sitze wieder zurückerobert werden. Zu wählen sind in beiden Bezirken je zwei eingesessene und zwei Nicht» angesessene. Nach ausgiebiger Diskussion wurden die Genossen K u b i g und W i n k l c r als Angesessene und B r a l l und H i r s ch m e y e r als Nichtangesessene nominiert. Betreffs der Jugendheimfrage, welche die Versammlung schon wiederholt be- schäftigt hat. wurde ein Jugendausschuss, bestehend aus den Genossen Meitzner, Schindler und Ruprecht gewählt. Das überaus schneidige Verhalten der Pankower Polizei, welche am vergangenen Sonntag in ganzer Stärke mit extra geladenem Karabiner vor dem Versammlungslokal abpatrouillttrtc, wurde allgemein mit Eni- rüstung gekennzeichnet. Zum Schluh forderte Genosse Schmidt mit begeisternden Worten die Anwesenden auf, bei der kommenden Wahl Mann für Mann ihre Schuldigkeit zu tu>y damit wir siegreich aus dem Kampfe hervorgehen. Borfigwalde-Wittena«. Zu lebhaften Auseinandersetzungen mit den Gegnern kam eS ln der letzten Gemeindeverttetersitzung. Unter Geschäftlichem teilt« der Vorsteher zunächst mit, daß am 1. April d. I. ein NachlfernspreÄ- dienst eingerichtet werden soll. Alsdann wurde der Gemeindesteuer« bedarf wie folgt festgesetzt: Personalsteuer 125 Proz., für unbebaute Grundstücke 4 Proz., für bebaute 2 Proz. per Morgen, Gewerbesteuer 1. und 2. Klasse 225 Proz., 3. und 4. Klasse 150 Proz., Betriebs- steuer 100 Proz. Einer unserer Genossen regte hierbei an, ob die für die geplante Wertzuwachssteuer eingesetzte Kommission schon etwas Positives ausgearbeitet hat. Diese Anfrage schien einigen Unwillen unter den bürgerlichen Herren auszulösen. Der Vorsteher betonte, daß sich die WertzutvachSsteuer an anderen Orten nicht bewähre, da man nie genau die Einnahme ver- anschlagen könne. Für kulturelle Aufgaben, wie der Bau einer Turnhalle, Volksbadeanstalt, scheint leider bei den Gegnem lein Verständnis vorhanden zu sein. Bei Stellung solcher Forderungen wird stets betont, daß genügend Badevorrichtungen in den Häusern und den Fabriken vorhanden wären. Wenn die bürgerlichen Herren auch nur eine Ahnung von der Beschaffenheit solcher Fabriiemrich- tungen hätten, würden sie eine VolkSbadeanstalt nicht sür überflüssig erachten. Ein Ortsstatut bettcffend die Pensionsverhältnisse der Be- amten soll vom KreiS gleichmäßig geregelt werden. Eine noch leb- haftere Stimmung tarn in die Sitzung. als Genosse Adam die Anträge über Lohn- und Arbeitsverhältnisse der Arbeiter in der Gasanstalt zur Sprache brachte. Die bürgerlichen Vertreter hielten offenbar eine Arbeitszeit von 12 Stunden, bei Wechselschicht 18 Stunden bor den Oefen nicht für zu lange. Erst auf Drangen der Arbeiter wurde die 18-Stundensck>icht abgeschafft. Diejenigen Arbeiter, die sich über die allzu niedrige Bezahlung sowie über die rück- ständigen Arbeitsverhältnisse aussprachen, wurden, um mit dem Vorsteher Herrn Witte zu sprechen, als Wühler und Hetzer entlassen. Indessen mußte Herr Witte die von unseren Genossen vorgebrachten Mißstände zugeben— ja er versprach sogar, daß sie beseitigt werden sollen. Ein bürgerlicher Vertreter(Direktor Hempel) konnte eS sich bei der Debatte nicht verln eisen, unserem Genossen SensationS- mache vorzuwerfen und ihn durch einen Zw ischenruf(Ouatschkopp) in seiner Rede zu unterbrechen. Der Zwischenrufer hat damit nur den Beweis seiner geistigen Qualität erbracht. Herr v. Borsig erklärte, derartige Beschwerden dürften dem Plenum überhaupt nicht vorgelegt werden,— jedenfalls nur hinter verschlossenen Türen. Anschließend fand noch eine geheime Sitzung statt. An den Wählem liegt es, bei den im März stattfindenden Gemeindewahlen den bürgerlichen Herren die richtige Antwort auf ihr Verhalten zu geben. Tpandau. Erweiterung feVä Stadtkreises Spandau? Dem Dbgeord- u e t e n h a u S ist ein Gesetzentwurf betreffend Erweiterung des Stadtkreises Spandau zugegangen. Danach sollen die Gutsbezirke Hajelhorft. Stcrnfcld und Spandau-Land mit dem 1. April d. I. von dem Landkreise Osthavelland abgetrennt und nach Matzgabe der Zwilchen den Gutsbezirken und der Stadt abgeschlossenen Ein- gemeindungsverträgen der Stadtgemeinde und dem Stadtkreise Spandau einverleibt werden. In der Begründung wird darauf bingewiesen, datz schon jetzt zwischen Spree und Jungfernheide die beiden Stadtkreise Charlottenburg und Spandau aneinander grenzen. Lon der Spandauer Seite grenzt dort der Ortsteil Nonnendamm mit den grotzen Anlagen der Siemsns-Schuckert- werke und der Fabrik von Siemens u. Halske an Chnrlottenburg an, der von der alten Stadtlage Spandau durch die selbständigen Gutsbczirke Sternfeld und Haselhorst völlig getrennt ist. Die Stadt Spandau hat mit den drei Guisbezirken und dem Kreis Osthavel- land Verhandlungen geführt, die zu einer völligen Einigung der Beteiligten geführt haben. Autzerdem hat Spandau die Absicht, den im Bezirk Haselhorst gelegenen Teil des Berlin-Spandaucr Schiffahrtskanals vom Fiskus zu kaufen und wird dann auch die Chaussee neben diesem Kanalteil von der Stadt Berlin übernehmen. Aenöerungen der Landtagswahlkreise treten durch die Eingemein- dung nicht ein, da Spandau und der Kreis Osthavelland zu dem- selben Wahlbezirk gehören. Potsdam. Die Stadtverordnetensitzung beschäftigte sich zum grötzten Teile mit Etatsberatungen. Das Polizeiwesen erfordert eine Ausgabe von 126 000 M., das ist eine Verdoppelung der bisherigen Lasten, dabei ist die Polizei, da sie sich in königlicher Verwaltung befindet, der städtischen Einwirkung vollständig entzogen. Bei der Krankenhaus- Verwaltung stellt der Stadlv. Winzler den Antrag, für Kinder wenig Bemittelter bis zu 10 Jahren, die mit ansteckenden Krank- heiten behaftet find und auf Veranlassung eines Arztes im Krankenhause aufgenommen werden müssen, für die dritte Klasse die Hälfte der Kurkosten zu erheben. Nach den Ausführungen des Dezernenten Stadtrat Plage zahlen die Minderbemittelten jetzt schon nichts. Der Antrag wurde dein Magistrat ü�er- wiesen, leider dürste er hier wenig Erfolg haben. Bon den in eigener Regie betriebenen Unternehmungen konnten insgesamt 382 000 M. von den Ueberschüssen in die allgemeine Verwaltung eingestellt werden, und zwar vom Wasserwerk 60 000 M., von der Elektrischen Strahenbahn 114 000 M. und voin Elektrizitätswerk 199 000 M. Bei der gewerblichen FortbildungSschiile wurden Reise- spesen für die Lehrer zu FortbildungSIagen eingestellt, für die Volks- schullehrer solche zu Ausbildungskursen aber nicht für nötig gehalten. Das PensionSgeiuch des feit Ende 1903 erkrankten besoldeten Stadtrars Jakstein wurde genehmigt und die Pension auf S600 M. festgesetzt._ Hus der Frauenbewegung. Denn er ist unser. Mehr als irgendeiner unter den Lebenden hat Bebel für die Erweckung und Befreiung des weiblichen Geschlechts getan. Deshalb bringt ihm am heutigen Tage die Gesamtheit der kämpfenden Proletarierinnen ihre innigsten Glückwünsche dar. Da ist Wohl keine unter ihnen, die sich unserem Bebel nicht zu heitzem Danke verpflichtet fühlte, seit er in seinem zur internationalen Frauen- bibel gewordenen Buche mit einem bisher unerhörten Elan für ihr entrechtetes Geschlecht in die Schranken trat. Auch die bürgerliche Frauenbewegung verdankt Bebel unendlich viel.„Niemand, der nicht in den letzten Jahrzehnten des vorigen Jahrhunderts inmitten der sozialen Kämpfe gestanden hat. wcitz, was dieses Buch für die Frauenioelt war, wie es ihr ge- Holsen, wie es Ermutigung und Arbeitsfreudigkeit auch den bürger- liehen Kämpferinnen gegeben hat." So schreibt die bekannte Frauen- Heren Gedanken des Liberalismus". Ein Klüngel terrorisierte rechtlerin Minna Cauer in dem„Ein Dank der Frauen" über- schriebeoen Glückwunschartikel, den sie Bebel in der Zeitschrift „Die Frauenbewegung" widmet. Es ist nicht Bebels Schuld, daß die bürgerliche Frauenemanzipation nicht das gehalten hat, was sie versprach, datz der warmherzige Festgrutz Minna Cauers nur ein schwaches Echo in ihren Reihen findet. Zu einem wundervollen Dank- und Jubelchor aber vereinigen sich die Stimmen der Klafienkämpferinnen aller Länder in der Bebel-Nummer, welche die„Gleichheit" zum 22. Februar heraus- gegeben hat. Alles, was wir Frauen auf dem Herzen haben, wird dort von den Führerinnen der internationalen Arbeiterinnen» beweguny so schön und treffend, so tiefempfunden zum Ausdruck gebracht, datz es fast unmöglich wird, neues über das Leben und Airken unseres Geburtstagskindes zu sagen. Wir beschränken uns deshalb an dieser Stelle darauf, mit wenigen Federstrichen einige markante Züge an dem Charakterbilde Bebels hervorzuheben. Was den Rede» des Parlamentariers und Agitators Bebel eine so hinreitzende Wirkung leiht, datz selbst der verbissenste Gegner sich ihr nicht entziehen kann, was Bebels Persönlichkeit zu einer so überragenden macht, das ist der hohe sittliche Ernst, der sein ganzes Wesen durchglüht, der dem Feuer seines prachtvollen Temperaments erst die nachhaltige Wirkung auf die Mafien sichert. Zähneknirschend mutzten die Volksfeinde im Reichstage so oft seine von heiligem Zorn durchlohten Anklagen über sich ergehen lafien, wie in einem Bann gehalten, von dem sie sich am Schlüsse nur lang- sam frei machen konnten. Und wer jemals das Glück hatte, den Volksredner Bebel zu hören, der vergißt den Eindruck seiner aufrüttelnden, aufpeitschenden Worte niemals im Leben. Ein Stück Urkraft offenbarte sich in den grotzen Momenten seiner Rede, den Hörer mit elementarer Gewalt erfassend. So lieh seine metallisch« Stimme oft dem tausendfältigen Leid der Frau Ausdruck, so rief er sie auf, mit dem Arbeiter Schulter an Schulter für ihre Be- freiung zu kämpfen. Bewunderungswürdig ist es, wenn wir bei näherer Bekannt- schaft sehen, wie Bebel alles aus seinem Leben fernhält, was geeignet ist, ihn von seinen grotzen Aufgaben auch nur vorübergehend abzulenken. Der Klafienkampf füllt sein Leben ganz aus; a lies mutz sich der Parteiarbeit unter- ordnen. Aber wer wallte ihn wegen dieser scheinbaren, unter allen Umständen berechtigten Einseitigkeit tadeln, da doch das Proletariat dieser Konzentration aller Kräfte auf ein Ziel so viel verdankt?„Der lebendige begabte Geist, sich in praktischer Absicht ans allernächste haltend, ist das Vorzüglichste auf Erden", — dieses Wort Goethes trifft aus Bebel zu. Er ist die lebendige Verkörperung jener Forderung, die Ferdinand L a s s a l l e im„Arbeiterprogramm" aussprach, als er auf die weltgeschichtliche Bedeutung der Bestimmung des modernen Prole- tariats hinwies, als er zeigt, datz das Klafienprinzip des Proleta- riats, d. h. die totale politische und soziale Umgestaltung, zum Prinzip des Zeitalters und der Gesellschaft zu erhoben sei.„Der hohe sittliche Ernst dieses Gedankens ist es,"so rief Lassalle den Arbeitern zu,„der sich mit einer verzehrenden Ausschlietzlichkeit Ihres Geistes bemächtigen, Ihr Gemüt erfüllen und Ihr gesamtes Leben als ein seiner würdiges, ihm angemefieneS und immer auf ihn bezogenes gestalten mutz.... Der sittliche Ernst dieses Ge- dankens ist es, der, ohne Sie je zu verlassen, vor Ihrem Inneren stehen mutz.... Je ausschliehlicher Sie sich in ihn vertiefen, je ungeteilter Sie sich der Glut desselben hingeben, um so mehr werden Sie wiederum— dessen seien Sie sicher— die Zeit be- schleunigen, innerhalb welcher unsere gegenwärtige Geschichts- Periode ihre Aufgabe zu vollziehen hat, um so schneller werden Sie die Erfüllung dieser Aufgabe herbeiführen." Mehr als viereinhalb Jahrzehnte sind verflossen, seit Qassalle jene mahnenden Worte sprach. Wäre die Hingabe an die soziali- stische Idee von jedem einzelnen innerhalb der modernen Arbeiterschaft mit der verzehrenden Ausschlietzlichkeit erfolgt, die Lassalle forderte, das Proletariat wäre im kapitalistischen Staat nach der politischen wie wirtschaftlichen Seite heute schon der ausschlag- gebende und umgestaltende Machtfaktor. So aber waren es immer nur wenige, die wie August Bebel— von einem hohen Pflicht- gefühl und Verantwortungsbewußtsein getrieben— in dem hehren Befreiungsgedanken des Sozialismus restlos aufgingen. Hierin soll er uns in alle Zukunft vorbildlich sein. Für das, was der Volks- mann Bebel in einem langen Leben voll erbitterter Kämpfe gegen eine Welt von Feinden für die Sache der Frau, für die Sache der unterdrückten Menschheit gPrirkt und gelitten, können wir ihm nicht schöner danken als dadurch, datz wir seinem Beispiel nach- eifern. Wir wollen vor allem die heranwachsende.Generation lehren, datz man nicht nur begeistert sein mutz, um grotze Dinge zu vollbringen, sondern datz man die Erlösung des Proletariats dann am wirksamsten fördert, wenn man sich ganz in sie vertieft und sich ihr mit ungeteilter Glut, mit verzehrender Ausschließlich- keit hingibt._ Versammlungen— Veranstaltungen. Berel» sllr Franen und Mädchen der Arbeiterklasse. Bei der Ber- losung am Stiftungsfest sind die Gewinne auf die Nummern 109, III, 132, 335. 461 und 464 nicht abgehoben. Dieselben können gegen Vorzeigung der betr. Nummern bei Frau Schulz, Naunynstr. 66, Oucrgebäude lll abgeholt werden. L ese- und TiskutlerNnb„Moabit«. Jede» 1. und 4. Mittwoch im Monat Sitzung bei Bachstein, Salzwedeler Straße 16. Mittwoch, den 23. Februar, Slnjang 9 Uhr. Tagesordnung! Ueber ReligionSenistehung und Weiterentwickelung. Gäste willkommen. Lese- und Diskutiertlub„Osten«. Heut« abend 8'/, Uhr bei Frank«, '"'e 4: Sitzung. Tagesordnung: W a h Ire ch ts v ort a g e; äste willkommen. Vernrifcbtes* Fünf Bootsinsassen ertrunken. Wie aus Bremen gemeldet wird, wurde am Sonnabend aus der Unterweser bei Blumental ein Fährboot von dem Hamburger Schleppdampfer„Argentina" üsserrannt. Sämtliche 8 Insassen fielen ins Wasser. Während drei davon gerettet werden konnten. sind die übrigen 5 Insassen, drei Schiffsbaulehrlinge, ein Sattler aus Bremen und der Führer des Bootes, ertrunken. Ein Dienstmädchen von einem Soldaten ermordet. Aus Neil« münster wird vom gestrigen Tage gemeldet: Heute morgen kurz nach 6 Uhr erschien der Musketier Bachmann vom 163. Infanterie- rcgiment in blutbefleckter Uniform und meldete seinem Feldwebel, datz er in dtzx Nacht ein junges Mädchen ermordet habe. Die Untersuchung ergab, datz er im Hause Kuhberg 23 das Dienst- mädchen Riek durch einen Stich ins Herz und durch Ocffnen der Pulsader schwer verletzt hat. Das Mädchen, das sofort ins Krankenhaus geschafft wurde, dürfte kaum mit dem Leben davon- kommen. Ursprünglich wollten beide gemeinsam aus dem Leben scheiden. In den Flammen umgekommen. Nach einer Meldung auS Mtzslowitz gerieten in einer Arbeiter- familie die Kleider eines 6jährigen Mädchens in Brand. Da HilsS nicht zugegen war. kam das Kind in den Flammen um. Eine Explosion erfolgte, wie eine Dresdener Meldung besagt, vorgestern abend in einem Lagerraum der Kötschenbrodaer GaS- anstatt. Durch die Explosion wurde das Dach des vier Meter hohen Gebäudes durchschlagen und auch an den anliegenden Baulichkeiten der Fabrik Schaden angerichtet. Menschenleben wurden nicht ge». fährdet. Der Betrieb erleidet keine Unterbrechung. Das Wrack des„General Chanzy" ist nach einer telegraphi- schcn Meldung aus Mahon auf Minores auf dem Meeresgründe gesichtet worden. Der Schiffsrumpf' ist in mehrere Teile zer« borsten, ein Teil des Hinterdecks, das Steuerruder und Ueber, reste der Maschine sind 6 Meter unter der Meeresoberfläche sichtbar._ Sturm an ber franzSsischen und englischen Küste. Wie aus Eherbourg gemeldet wird, herrscht im Kanal starker Sturm, der die ganze Nacht andauerte und bereits großen Schaden angerichtet hat. Der Dampfer„Adriatic", der gestern dort hätte eintreffen müssen, ist nicht angekommen. Ein Dampfer der Britisch-atlantischen Gesellschaft ist mit einem Dampfer der Com». pagnie Messagerie Maritimes zusammengestotzen und schwer be- schädigt worden. Infolge des herrschenden Sturmes ist der tele, graphische und telephonische Verkehr mit England vollständig unter- brachen und mit Amerika sehr erschwert. Auch an der Küste von Finistöre und an der ganzen bretonischen Küste herrscht stürmt- sches Wetter. Zahlreiche Schiffe haben wegen des schlechten Wetters im Hafen von Roscanvel Schutz gesucht. Eine Rettungsboje mit einem Rettungsring von Men Fall, die am Eingang des Hafens von Concarneau lag, wurde vom Sturm weggerissen; es sind bereits alle Matznahmen getroffen, sie durch eine neue zu ersetzen. In Eherbourg hat der Sturm große Verheerungen angerichtet. DaS Unterseeboot„Messidor" ist mit schweren Beschädigungen im dar, tigen Hafen eingetroffen. Die Schiffahrt ist vollkommen unmög- lich. Die telcgraphischen Verbindungen nach Eherbourg sind unter, brachen. Das Meer ist bei Lorient in lebhafter Bewegung. Eine Pariser Meldung von gestern lautet: Die heutigen Morgenblätter bringen an der Spitze ihres Depeschenteils die Nachricht, daß infolge des im Kanal herrschenden Sturmes alle telegraphischen und telephonischen Verbindungen mit London und New gork gestört sind. Die wenigen aus London vorliegenden Telegramme sind über Berlin eingetroffen. Aus London liegt folgendes Telegramm vor: Der Sturm, der seit einigen Tagen hier herrscht, erreichte gestern die Stärke eines Orkans und richtete großen Schaden an. Mehrere Häuser wurden abgedeckt, Schaufenster eingedrückt und in den Parkanlagen große Verheerungen angerichtet. Der Telegraphen, und Telephonvcrkehr erlitt vielfach Störungen; auch liegen zahlreiche Meldungen übe« Schiffsunfälle vor. HyjWscIie•>"*"- + NW««>W>°„rtlb.l Drogerie Zareinba, Weinbergsweg 1, dir. a.Roienlhaler Tor. � Billigste Bezugsquelle! Versuch s. zur dauernden Kundschast. Allen lieben Freunden und Bekannte» zur gest. KemiwiSnahme, dost ich mein 809b Leihhaus Gelegenheitskäufe verfall. Gold- und Silhersachen, Brillanten eto. Legehühner 1909 Frühbrut, fleißige Einleger, belieb. Farbe, aarant. leb. Ankunft, 18 Sick. 31 M., 12 Sick 22 M. 6 Stck. 12 M., alles tn. Hahn.' Schneier, Myslowitz Nr. 2 O./S. 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Unserem Genossen S065� August Bebel zu seinem 70, Geburtslage die herzlichsten Glückwünsche� Der 677. Bezirk 1" VI. Berliner Reichstagswahlkrets.» MetailarbGiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes- Anzeigen. Den Kollegen zur Nachricht, dab unser Mitglied, der Silberarbeitcr August Qatscdke an, 79. Februar an Lungenlciden gestorben ist. 172/1 Ehre seinem Andenke» 7 Die Beerdigung findet am Dienstag, den 22. Februar, nach- mittags 5 Uhr, von der Leichen- Halle des Heilig-Kreuz-KirchhojeS in Mariendors aus statt. Rege Beteiligung erwartet Die Ortsverwaltung. Den Kollegen zur�Nachricht, daß unser Mitglied, der Schrauben- drehcr Paul Liedke am 79. Februar an Lungenleiden gestorben ist. Ehre seinem Audeukeu! Die Beerdigung findet an» Mittwoch, den 23. Februar, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen» balle de? Gemeindc-Kirchhoss in Treptow, Neue Krugallee, aus statt. Rege Beteiligung erwartet Die Ortsverwaltung. Sozialdemokratischer WabivereiD sür Treptow-Baomsctiulenweg. Bezirk 8. Am 79. Februar starb unser Mitglied, der Schraubendreher Paul Uedtke Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet morgen Mittwoch- den 23. Februar. nachmittags 4 Uhr. aus dem Gemeiitde-Friedhos in Treptow statt. Utn zahlreiche Beteiligung ersucht 262/19»01» Vorstund. GesaspeFEin iforwärls I SO. (M. d. A.-S.-B.) Am 79. d. M. starb unser lieber SangeSbruder Paul Liedtke. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 23. Febmar, nach« mittags 4 Uhr, von der Leichen- Halle des Treptower Gemeinde» FriedhoseS, Neue Krug-Allee, aus statt. Um rege Beteiligung bittet 8v3b»er Vorstund. Männerchor„Vorwärts". M. d. A.-S.-B. Am 19. d, MtS. starb unser langjähriges Mitglied und srüherer Kassierer Paul Isledtke Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 43. Februar, nachm. 4 Uhr, von der Leichenhalle deS Treptower ZkirchhoseS aus statt. Treffpunkt der Sänger um 2'/, Uhr im Restaurant EHIert, Wiener Straße 25. Um rege Beteiligung ersucht gilb»er Vorstund. Allen Verwandten, Freunden und Bekannten die traurige Nach. richt, daß mein lieber Mann, der Schraubendreher Paul Liedtke am 19. Februar nach längerem Leiden sanft entschlasen ist. Dies zeigt mit der Bitte um stille Teilnahme an Die trauernde Witwe Alnrtlm I.lcttke, Bouchästr. 76. Die Beerdigung findet am MItt- woch den 23. Februar, nachmittags 4 Ühr, aus den, Gcmeindcfriedhose in Treptow, Neue Krug-Allee, statt. Arlieiter-Raill.- Jforar Berlin. Mitgl. d. A.-R.-B. „Freiheit". Allen Mitgliedern die traurige Nachricht, daß am Freitag, den 18. Februar, unser wertes Mitglied, Frau ttelene Mahvald geb HUrnlke im 24. Lebensjahre verstorben ist. Die Beerdigung findet am Dienstag, den 22. Februar, nach- mittag» 2'/, Uhr. von der Leichen- Halle des neuen Schöneberger FriedhoseS aus statt. Straßenbahn> Verbindung bis General-Pape-Siraße. 19/4 Osiitste Transportarlieiter-fferliaiiil. Bezirksverwaltung GroS-Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht. daß unser Kollege, der Droschken- sührer Albert Loaradt am 19. d. Mis. im Alter von 46 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute, Dienstag, den 22. Februar, nach- mittags 3 Ahr, von der Leichen- Halle des Auserstehungs-Kirchhoscs in Weißcnsee aus statt. 06/18 Die Bezirksverwaltnng. Allen Freunden, Bekannten und Kollegen zur Nachricht, daß der Eisendreher Karl Kampier Gotzkowskystr. IS Sonntag nachm. 5ä/4 Uhr im 69. Lebensjahre nach kurzem Krankenlager verschieden ist. I. A.: Wiiwe llmma Fandry. Die Beerdigung findet Mitt- woch, nachm. 3 Uhr. von der Leichenhalle des Heilands-Kirch- Hofes, Plötzcnsce, aus statt. 8056 SS Heute abend 9 Uhr entschlief nach schweren Leiden mein lieber Mann, guter Vater, Bruder und Schwiegervater, der Vergoldermstr. Oskar Klingebeil. Dies zeigen iiesbeirübt an Weißensee, 19. Februar. Die trauernden Hinterbliebenen. Frau Elisabeth Klingebeil, geb. Wünsch, nebst Sohn. Die Beerdigung findet am 23. Februar, nachinittags 2'/, Uhr, von der Leichenhalle des Drei- saltigkeits-Kirchhoss, BarMher Str., Berlin, aus statt. 43312 Am 19. Februar verstarb unser alter Kollege, Maruiorschleiser August Hoffmann. Wir werden seiner stets in Ehren gedenken Die Kollegen der klarmorwaren- Fabrik Rudolf Haeger, Nieder- Schönhausen. Allen Verwandten, Freunden und Bekannten die traurige Nach- richt, daß unsere liebe Tochter Aiartba Schüfrke am 19. Februar, morgen» 7'/, Uhr nach schwerem Leiden im 26. Lebensjahre sonst entschlafen ist. Dies zeigen tiesbetrübt an Die trauernden Elter» und Geschwister. Die Beerdigung findet am Dienstag, den 22. Februar, nachmittags 4 Uhr, von der Leichen- Halle der EmmauS-Gemeinde aus statt. Danksagung. Allen Parteigenossen, Freunden und Bekannten sür die überaus zahl- reiche Beteiligung und Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unseres guten Vaters, Sohnes und Bruder«, sowie dem Wahlvercin sür den 2. Berliner RcichstagSwahl- kreis, den Genossen deS 73, 78 und 79. Bezirkes, dem Zentralvcrband der Maurer Deutschlands, insbes andere d. Gesangverein.Liedertafel', Westen. unseren herzlichsten Dank. 897b Witwe Wilknih nebst Kindern. Zum 70. GelmrMge von AWjl Stbkl erschien in unserem Verlage eine Heliogravüre aus Ehtuapapier. Plattengröße 19,5 X 26 am Kartongröße 32 X 44 om Preis l M. Porto 29 Ps extra. Fünfzig erste Kiinstlerdrucke mit Bebels eigenliändiger Unterschrift. = Preis 2,50 M.= Porto 20 Ps. extra. WWn lies Jorwärtr Berlin SW. 68, Lindenstraste 69, Lade». Dr. Schünemann Spezialarzt für Haut- und Harnleiden, Frauenkrankheiten, Friedrichstr. 203, Ecke Schübenstr. Wochentags 10—2, 5—7. Hygienisch Kr' Neua«t.Knlaw8 g. Empfeht. viel- Aerzte nJfrot. erat, oil B. Dnitr. 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Iahrglmg. 4 ftnlngt des Jim W Kerliiier öolliolilntl. Dienstag, 22. Febrnar 1910. Allherordevtliche Gkneralversammlnug des Nerbandes der Maler, Fackierer, Anstreicher, Wucher und Weiß- binder Deutschlands. D r e S d e n, 20. Februar IVIO. Die Gcneralversammluna tagt im Volkshause und ist beschickt von 73 Personen, darunter vi Delegierte, Vorstand und Bezirks- leiter sowie dem Landtagsabgeordnetcn Leinert als Vertreter des Ausschusses. Als Vertreter der Generalkommission ist Genosse Silberschmidt anwesend. Ein Antrag des Hamburger Delegierten, zum einzigen Punkt der Tagesordnung:„Bericht des Vorstandes über die Tarifver- Handlung und die Abstimmung des Reichstarifcs" einen Korrefc- renten zu stellen, wird abgelehnt. Ten Vorstandsbericht über den Reichstarif gibt T o b l c r. Redner betont, daß die grundsätzliche Stellung zur Frage des Reichstarifs auf der Generalversammlung in Köln im lDtärz 1909 festgelegt worden sei. In der Kölner Resolution heihl eS:„Die grundsätzliche Stellung deS Verbandes zu den Tarif- vertragen bedarf einer Aentzerung auch dann nicht, wenn sich die Verträge über ganze Bezirke oder da» ganze Reich erstrecken." Die Opposition befürchtet nun, daß durch den einheitlichen Ablauf des Tarifs im ganzen Reich und durch die Schematisierungen in Zu- kunft sich keine wesentlichen Fortschritte mehr erzielen lassen. Redner meint aber, daß gerade die letzt erzielte einheitliche Basis auch die Basis für Zukunftsaktioucn mir weitreichender Wirkung sein würde. Die örtlichen Tarife, es bestanden deren 233 in Deutsch- land, zeigen die allergrößten Verschiedenheiten. Beim Reichstarif hat der in Süddeutschland bestebende Normaltarif zur Grundlage gedient. Ter materielle Inhalt des Rcichstarifs hat durchaus nicht alle berechtigten Forderungen erfüllt, aber es würde sich eine Bloß- stellung des Verbandes und eine Schädigung der Arbeiterintcressen schlimmster Art ergeben, wenn die Generalversammlung jetzt seine Wiederaufhebung beschließen würde. Redner bespricht dann die zu überwindenden Schwierigkeiten. Bei der aufzustellenden L o b n st a t i st i k hätten sich von 39 009 Mitgliedern leider nur 25 000 an der Beantwortung der Frage- bogen beteiligt. Auch die Bearbeitung derselben und die Fest- stellung des Resultate habe sich aus Gründen, die nicht beim Vor- stand lagen, bis zum Monat August verzögert. Die Forderungen der Kollegen ergaben ebenfalls die größten Verschicdcnartigkeiten. Es wurden ö— 10 Pf. pro Stunde, bei An- rechnung der Verkürzung der Arbeitszeit bis lö— 20 Pf. gefordert, und die Arbeitgeber, denen gemäß einem getroffenen Ueberein- kommen sämtliche Forderungen eingereicht wurden, erhoben natür- lich sofort das größte Geschrei über die Uncrfüllbarkeit derselben. Das Gegenversprechen der Unternehmer, in allen Orten zu den For- dcrungen Stellung zu nehmen und das Resultat dem Vorstande mitzuteilen, ist nicht gehalten worden. Erst aus den Berichten der Presse über den Malertag in Dresden am 8. August erfuhr man, daß das Votum der Arbeitgeber laute, daß an Lohnerhöhungen nicht zu denken sei. Der Vorstand gab demgegenüber die strikte Erklärung ab, daß er keinem Tarif ohne Verkürzung der Arbeits- zeit und Lohnerhöhung zustimmen würde; aber bei der sich später entwickelnden Situation hat er, wie so mancher im GelverkschaftS- leben, den Verhältnissen Rechnung tragen müssen. Er tonnte als Maßstab der Zugeständnisse nicht die bestentwickeltsten Arbeits- bedingungen einzelner Orte nehmen, sondern mutzte prüfen, ob die Zugeständnisse der Gesamtheit einen Vorteil brachten. Tobler schildert dann, wie sich bei den Vorbereitungen zum Zustandekommen der Verhandlungen die Wahrheitsliebe der Unter- nehmer in einem sehr eigenartigen Licht gezeigt habe. Als der Arbeitgeberverband daran gehen wollte, die im Normaltarif vor- gesehene Errichtung eines tzaupttarifamtes in Berlin vorzunehmen, se: ihnen die Mitwirkung des Herrn Dr. W i e d f c l d t, der aus seiner Stellung in Essen in das Ministerium des Innern berufen ist, vom Grasen Bethmann Hollweg verweigert worden. Erst auf persönliches Vorstelligwerden bei diesem Minister habe der- selt� zugesanden, daß Herr Wiedfeldt noch bis zum Ablauf des Normaltarises am 31. Dezember 1909 mitarbeiten könne. Eine Mitarbeit darüber hinaus, bei den Ncuberatungen, wurde aber abgelehnt, so daß die Arbeitgeber in die zwingende Lage versetzt waren, sich nach einem anderen Beisitzer umzusehen. Diese Sack)- läge war den Unternehmern vollständig bekannt, wie Tobler aus dem Protokoll des Malertagcs einwaildfvei bewies, trotzdem habe» die Unternehmer den Vorstand völlig im unklaren gehalten. Ziemlich in. letzter Stunde hätten sie in sehr eigentümlicher Weise als dritten Unparteiischen den Herrn Dr. Bensen präsentiert, dem die Arbeitnehmer das größte Mißtrauen entgegenbringen mutzten. Ten Protest des Vorstandes haben die Arbeitgeber aber unberücksichtigt gelassen und an der Zuziehung dieses Herrn fest- gehalten. Weitere Schwierigkeiten waren auch zu überwinden bei der Statuiernng des Entwurfs, da man darauf Bedacht nahm, auch mit den Christlichen und Hirsch-Dunckerschen eine Einheitlichkeit zu erzielen. Redner gebt dann auf die Tarifbestimmungen ein. Die Opposition hat besonders in Hamburg scharf eingesetzt, weil dort bisher ein Minimallohn existierte, nnicr den fein Unternehmer zahlen durfte und der infolgedessen dem Sinken der Löhne eine Grenze bot. Redner gibt zu, daß dieser Zustand den anderen Orten häusig als Ideal hingestellt worden sei; aber ganz unmög- lich sei es gewesen eine derartige Bestimmung in den Reichstarif hineinzubringen. Die bezüglichen Bestimmungen des Tarifs über die Lohnverhältnisse der Gehilfen unter 20 Jahren bezeichne man als eine außerordentliche Verschlechterung. Er könne aber durch die Statistik nachweisen, daß die davon betroffenen Kollegen nur einen ganz geringen Prozentsatz der Gesamtheit darstellen. Gegenüber den gesamten Lohnverhältnissen sei der Tarif entschieden eine Ver- besserung. Die Gründe der Hamburger sind teils keine sachlichen, teils Gründe nur lokaler Natur. Der Glaube an den Abschluß eines Vertrages mit nur einseitiger Berücksichtigung der Ar b eitert n teressen ist illusionär; beim Tarifadschluß wiegen sich die Kräfte beider Kontrahenten gegeneinander ab. Redner zeigt dann aus dem Wortlaut eines Einzeltarifs, daß die beim Reichstarif kritisierten Bestimmungen sich in noch viel schärferer Form in früheren Tarifen besinden. Die Berechnungen eines Hamburger Kollegen über den angeb» liehen Lohnausfall, den die jetzige Regelung der Bezahlung für Nachtstunden mit sich bringen könne, seien ein theoretisches Rcchenrxempel, dessen Voraussetzungen sich praktisch gar nicht er- geben würden. Auch über die sogenannte Leistungsklausel und erst recht über den Agitationsparagraphen brauche man nicht zu stolpern. Redner erörtert, wie kein Tarifvertrag daS Arbeitsverhältnis in allen Einzelheiten regele, wie immer Besonder- leiten unberücksichtigt bleiben, die durch die praktische Tagesarbeit von Fall zu Fall mit Hilfe der Organisation geregelt werden müßten; besondere Arbeit werde es auch noch kosten, die erzielten Zugeständnisse allerorts zur Anerkennung zu bringen. Er geht dann aus eine Einmischung von Kollegen aus der Schweiz ein und betont, daß der Vorstand sich unmöglich von ausländischen Kol- legen die Taktik in einer gegebenen Situasion vorschreiben lassen könne. Zum Schluß erörterte er die Möglichkeiten eines Kampfes mit dem Unternehmertum. Die Sachlage war so, daß ein Teil der Unternehmer gar zu gern eine Aussperrung gehabt hätte. Der Vorstand habe getan, was er im Interesse des Verbandes tun mußte, und deshalb sehe er der Kritik und dem Urteil der General- Versammlung mit Ruhe entgegen und habe das Zutrauen in die Einsicht der Mitglieder, daß st- schädliche Absplitterungsdrvhungen nicht zur Tat werden lassen. Es liegen zu diesem Punkt außer einer Resolution deS Vorstandes scharfe Protestresolutionen von Hamburg und Danzig vor. Tie Hamburger Resolution lautet: „Die am 24. Januar 1910 im Gewerkschaftshause tagende Versammlung der Filiale Hamburg erwartet von der unver- züglich einzuberufenden außerordentlichen Generalversammlung deS Verbandes die Ungültigkeitserklärung des ReichötarifS für unsere Organisation. Ferner erwarten die Kollegen Hamburgs, daß die Generalversammlung die seitherige Tarifpolitik des Zentralvorstandes in bezug auf den Reichstarif aufS schärfste verurteilt und eine Abkehr von derselben beschließt. Der Reichstarif bringt für den größten Teil der nord» deutschen Kollegen, die leider bei der Abstimmung in der Minder- heit geblieben sind, gewaltige Verschlechterungen. Die Ver- sammelten sind auch der Ueberzeugung, daß diese Form des Tarifs für alle Zukunft eine Hemmung in der EntWickelung unserer Gewerkschaftsbewegung sein wird. Die Kollegen Hamburgs erwarten, daß die Generalver- sammlung, die spätestens bis zum 28. Februar stattzufinden hat. diese große Minderheit respektiert und Klarheit darüber schaffte ob solche für die Zukunft sich den Schäden des NeichslarifS unterwerfen müssen. Die Versammlung erklärt auf daS unzweideutigste, daß sie nicht gewillt ist, diese Schäden für die Dauer anzunehmen. Von der Stellungnahme der Generalversammlung wird es ab- bangen, ob die Filiale Hamburg in dieser Tarifftage dem Zentralvorstand wird weitere Gefolgschaft leisten können." Die Verhandlungen werden auf Montag früh vertagt. »0O000O000O000O000O000O00Q000O000O000O000O000O000O00 o Dauer bis Sonnabend, 26. Februar Ausnahmepreise für Tausende von Knaben- Sachen 8 O o o 0 o o o 0 o o 8 o o 6 o o 8 o o o 0 o o o 0 o © 8 O o Knaben-Hosen GröOen 1 bis 6 65 Pf. und I.SO H. Knaben- Pelerinen Längen 60 und 70 cm 80 pf. Schul-Hosen Knaben-Buckskln-Anzfige. OrflUe ybis i»M. 2-—— Größe i b« 6 M. 1.80 Knaben-Manchester* Anzüge Größe i bis 6 M. 3.60 Knaben-Manchester* Anzüge Größe i bis 6 R 6.60 Knaben-Anzüge blau Kammgarnart, Gr. i bis 6 R 6.60 Knaben-Norfolk-Anzüge.. Große i bu 6 R 6.60 Knaben- Wasdiblusen.... R 0.90 u. R 0.50 Knaben- Waschanzüge.... R 1.50» R 0.90 Knaben-P-letots u. Pyiacks.......... R 2.■— Burschen- Anzüge u. Paletots Große 7 bis n m. 5.—» Burschen-Jacketts........ Größe 7 bis u r 2.50 Bursdien- Westen......... M. 1,— o. R 0.50 jünglings-Paletots....... 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