Mr. 45« Fbonncracnts-Bedingungen: Abonnements■ Preis pränumerando! Piertcljährl. 3£0 Mb, monotl. 1,10 Mk., wöchcnllicki 28 Psg. frei ins HauS. einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags. nunimer mit itluslrierter Sonntags« Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 1,10 Mark pro Monat. eingetragen in die Pofl-Zeiwngs» Preisiisie. Unter Kreuzband für Teutschland mid Oesterreich. Ungarn 2 Mark, für das übrige Ausland 8 Marl pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien. Dänemarl, Holland. Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz, 37. Jahrg. CrWKinl täglich aaOer Dlontagt. Verlinev VolksMnkk. Die TntcrtionS'Gebüfir kelrägt für die fechsgespaiiene Koloncl« geile oder deren Raum 00 Psg., sü« politische und gcwerlschastliche Vereins« Und Versaminlungs-Anzeigen A> Psg. „Atelne Snrefgen", das erste(seit- gedruckte) Wort 20 Psg., jedes weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlaf- jlcllen-Anzeigcn das erste Wort 10 Psg., jedes weitere Wort ö Pfg. Worte über Ib Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nunimer müssen bis s Uhr nachnnttags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ljt bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm-Adresse: „Sozialitemolirat RtrliD". Zentralorgan der fozSaldeinohratlfcben Partei Deutfchlands. Redaktion: SM. 68, Ltndenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IT, Nr. 1983. Mittwoch, den A3 Februar ItHO. Expedition: SM. 68, Lindcnetraosc 69» Fernsprecher: Amt IT, Nr. 1984. Der Schnaosblock gegen äss Ashlrecht! ffeuc Zentrumsverräterci! DaS Zentrum hat in der Sitzung am Dienstag der Wahlrechtskommission seine Heuchlermaske völlig gelüstet. Ms der„Vorwärts" bereits nach dem Verlauf der beiden ersten Kommissionssitzungen mit aller Schärfe nachwies, daß das Zentrum unter allen maßgebenden Parteien die schäbigste Verräterrolle spiele und seine ganze Taktik darauf anlege, das neue Wahlrecht noch elender zu ge- stalten, als es selbst die Anträge der National- liberalen bezweckten, die doch wahrhaftig schon reaktionär genug waren, gab es noch immer Naive, die sich und anderen einzureden suchten, nicht das Zentrum, sondern die Nationalliberalen seien der eigentliche und gefährlichste Feind der Wahlreform. Die Haltung, die das Zentrum am Dienstag in der Wahlrechtskommission einnahm, dürste nunmehr auch dem Naivsten den Staar gestochen haben! Denn am Dienstag deckte das Zentrum seine Karten auf und einigte sich mit den Konservativen zn einem Kompromiß, das geradezu ein Nonplusultra niederträchtigster Wahlrechtsverrätcrei darstellt! Bekanntlich hatte die Wahlrechtskommission bereits mit 15 gegen 13 Stimmen die geheime Abstimmung im Prinzip beschlossen! Die geheime Abstimmung war also gesichert. Nicht nur in der Kommission, sondern auch im Plenum, wo ja 231 ultramontane, nationallibcrale, freisinnige, polnische und sozialdemokratische Stimmen den 212 konservativen und sreikonservativen Stimmen gegenüberstehen. Es galt jetzt nur noch, die bereits beschlossene geheime Abstimmung in den Text der Regierungsvorlage einzuarbeiten. Eine mindestens ebenso große Mehrheit war für die ja obendrein in der Regierungsvorlage selb st geforderte direkte Abstimniung vorhanden. Die direkte Wahl sowohl als die geheime Wahl wären also gesichert gewesen, wenn das Zentrum sich nicht im letzten Äugenblick mit seinen Verbündeten vom Schnaps- block, den Konservativen, zu einem infamen Kuhhandel zusanimengetan hätte I Unter dem abgeschmackten Vorwand, daß das geheime Wahlrecht nur dann im Herrenhaus und bei der Regierung auf Annahme rechnen dürfe, wenn es ge- lingc, auch die Konservativen dafür zu gewinnen, da- durch also eine starke Majorität dafür zustande zu bringen, schlug es folgendes Kompromist vor: Vag Zentrum gibt die direkte QCtaKl preis! Dafür ltimmen die konservativen für das gekenne CHaKlrecKt! Die Konservativen erklärten ihre Zustimmung zu diesem Kompromiß! Vergebens wandten sich die Vertreter der Linken gegen diesen schmachvollen Schacherl Namentlich der Vertreter der Sozialdemokratie brandmarkte dies Zusammengehen der Schnapsblockparteien als den pcrfiNsten WahlrcchtSvcrrat! Sei es doch geradezu unglaublich, die bereits gesicherte geheime Abstimmung nochmals zum Schacherobjekt machen zu wollen, nur zu dem Zwecke, der Reaktion zuliebe das. direkte Wahlrecht zu opfern! Die A e n g st l i ch k e i t des Zentrums vor einer ablehnenden Haltung der Regierung sei um so erstaunlicher, als die Regierung doch noch mit keiner Silbe erklärt habe, daß der vor bereits acht Tagen gefaßte Beschluß der Kommission zugunsten der geheimen Abstimmung für sie unannehmbar sei. Sollte die Regierung aber die Vorlage zum Scheitern bringen, so liege es ja am Volke und den wahlrechtsfreundlichen Parteien selbst, durch Verschärfung der Wahlrechts- bewegung unter den Massen die Regierung zu zwingen, schleunigst eine neue, bessere Vorlage ein- zubringen I Der ungeheure Respekt, den das Zentrum in der Wahlrechtsfrage vor der Handvoll Junker bekunde, nehme sich bei einer angeblich demokratischen Partei doch ebenso befremdend aus. wie seine unglaublich niedrige Einschätzung des Volkswillensl Nachdem nun gar die Konservativen selb st in aller Form die Erklärung abgegeben hätten, daß auch sie keineswegs prinzipielleGegner der geheimen Abstimmung seien, entfalle für das Zentrum aber auch der letzte Scheingrund zur Preisgabe der direkten Wahl! Vergebens! Der schamlose Schacher, durch den daS Zentrum eine Verbesserung des Wahlrechts verriet, die selbst die Regieruug in der Vorlage zugestanden hatte, war offenbar schon vorher beschlossene Sache! Durch einen geschäftsordnungsmäßigenTrick sorgte das Zentrum dafür, daß die Abstimmung über die Eingliederung der ja bereits beschlossenen geheimen Wahl in das Gesetz zusammengekoppelt wurde mit einem konservativen Antrag auf Beibehaltung der indirekten Wahl. Die paragraphierte Spottgeburt, die die geheime Ab stimmung nicht nur volksverräterisch, sondern obendrein auch noch sinnwidrig verbindet mit der Wahlmännerwahl, wurde dann von konservativen und Zentrum angenommen! Und zwar mit 16 gegen 8 Stimmen! Wir sind gewiß die Letzten, die den erzreakttonären Charakter der Nattonalliberalen und ihr volksfeindliches Verhalten in der Wahlrechts kommission beschönigen möchten. Forderte doch gerade auch der sozialdemokratische Vertreter in der Wahlrechtskommission das Zentrum in der energischsten Weise auf, sich dem Kampf der Sozialdemokratie nicht nur gegen die konservativen, sondern auch die nattonalliberalen Wahlrechtsfeinde anzuschließen. Aber wenn schon die Nationalliberalen wegen ihrer Kompromißsüchtelei die ätzende Kritik herausforderten— welche Kritik fordert dann erst die unsägliche Haltung des Zentrums heraus! Die Nationalliberalen waren doch immerhin b e» dingungslos für die geheime Abstimmung. Sie waren für die direkte Wahl. Ihre Kompromißlerei begann doch erst bei der Klasseneinteilung, die sie nicht be- seitigt, sondern nur in der unzulänglich st en Weise abgeschwächt wissen wollten l Das Zentrum dagegen war nicht einmal für bedingungs- lose Gewährung des geheimen Wahlrechts! Unter der kläg- lichen Ausrede, die geheime Abstimmung sichern zu müssen, verband es sich auch in der Wahlrechtsfrage mit seinem Komplizen vom Schnapsblock, um die geheime Absttmmuna durch die indirekte Wahl zu verhunzen und zu entwerten! 1 Denn die Verknüpfung der geheimen mit der indirekten Wahl macht die geheime Wahl völlig wertlos für die entrechteten Massen! Denn worin bestand denn der Wert der geheimen Wahl? Darin, daß die Wähler, geschützt vor dem Terror der Be- Hörden und der Unternehmer, überall ihrer Ueberzeugung gemäß wählen konnten. Die indirekte Wahl raubt diese Möglichkeit aber auf dem Lande auch bei der geheimen Wahl den Anhängern aller schärferen Oppositionsparteien, namentlich der Sozial- demokratie I Denn das geheime Wahlrecht läßt sich bei der in- direkten Wahl ja nur dann ausüben, wenn es den Oppositions» parwien möglich ist, die nötige Zahl Wahlmänner aufzubringen. Das aber ist namentlich der Sozialdemokratie ganz unmöglich! Folglich nützt das geheime Wahlrecht infolge der Wiedereinschmuggelung der indirekten Wahl den Entrechteten auf dem Lande keinen Pappenstiel! In den Städten aber war ja bei dem den Arbeitern durch ihre starken Organisationen gewährleisteten Schutz die Gefahr der wirtschaftlichen Schädigung zum guten Teil ohne- hin beseitigt! Das geheime Wahlrecht, das der in der Wahlrechtsfrage neuerstandene Schnapsblock dem Volke bietet, ist also nichts als eine erbärmliche ScheinkonzelTion I Es ist im Grunde nichts als die auf einem Umwege er- reichte Realisierung des Zedlitzschen Vorschlages, die bürg er» lichen Wähler vor der Notwehr der sozialdemo- kratischen Wähler zu schützen, dagegen auf dem Lande den alten infamen Terror der reaktionären Gewalten aufrecht zu erhalten! Denn die Wiedereinführung der Wahl- männer Wahl sichert auf dem Lande und überall da, wo die Arbeiter keine festgeschlossene, wohlorganisiertc Macht bilden» Behörden und bürgerlichen Parteien jede terrorisitilcke Vergewaltigung! Der Terror bleibt also bestehen, nur daß sich die der- gewaltigten, entrechteten Massen setner nicht mehr durch Not- Wehrakte erwehren können!, Und nicht nur, daß das Kompromiß der Schnapsblock- Parteien dem Proletariats jede Möglichkeit nimmt, auch nur den Einfluß, den ihm selbst die Dreiklassenschmach zuweist, in Gestalt von Abgeordnetenmandaten in die Wag- schale zu werfen: das Proletariat ist nicht einmal in der Lage, seine Stimmen zählen zu können! Ein raffinierter auf die Interessen der Wahlrechts- und volksfeindlichen Reaktion zugeschnittenes Kompromiß läßt sich also gar nicht ausklügeln, als das. zu dem das Zentrum in frechster Wahlrechtsverräterei seine Hand geboten hat! Am Donnerstag wird die erste Lesung beendet sein! Die zweite Lesung wird wohl in zwei Sitzungen durchgepeitscht werden, sodaß in kaum 14 Tagen der Wahlrechtswechselbalg des Schnapsblocks dem Plenum zur Beratung vorgelegt werden dürfte! Da gilt es, in der Agitation für daS gleiche und wirklich geheime Wahlrecht die äußerste Tatkraft zu entfalten! Ss gilt» mit den CClahlrechteverrätern unerbittliche Hbrechnung zu halten! Mieder mit dem preußischen Schnapsdlork. dem Anti-Wahlrechtsdlock! Demonftrationen. Die Blutarbeit der Frankfurter Polizei vor den Stadtverordneten. Frankfurt a. M., 22. Februar.(Privatdep. d.„Vorw") In der Stadtverordnetenversammlung kamen heute die Vorgänge vom 13. und 17. dieses Monats zur Sprache. Die Sozialdemokraten wie die Freisinns-Demo- kraten interpellierten den Magistrat und Ober- bürgermeister, wie er sich zu der Sache stelle, daß st ä d t i s ch e Lokale den Schutzleuten an beiden Tagen zur Verfügung gestelltwurden, daß weiter st ä d t i s ch e Trambahnwagen dazu benutzt wurden, um die Schutzleute von einem Punkt der Stadt zum andern zu fahren. Genosse Quarck sagte in der Begründung der Jnter- pellation, es sei doch unerhört, daß der Magistrat im Gegensatz zu dem Magistrat der Stadt Berlin so einseitig Partei ge- nommen habe für die Polizei. Er gab noch einmal eine Dar- stcllung der Vorgänge, die sich mit der bereits im„Vorwärts" gegebenen deckt und schilderte weiter, was er s e l b st an beiden Tagen erlebt habe, wie brutal und gemein die Polizei gegen Unbeteiligte, ja selbst gegen Frauen und Kinder vorgegangen sei. Auch der Freisinns-Demokrat Wedel äußerte sich in sehr scharfer Weise über das Vorgehen der Polizei und verlangte, daß der Magistrat unbedingt Maß- nahmen ergreifen müsse, um eine Wiederholung solcher Vor- gänge zu verhindern. Er sprach mehrmals von b e a b s i ch- tigtem Ueberfall der Polizei auf die fried- l i ch e n Demonstranten. Der Stadtverordnete Genosse W i t t i ch erzählte, daß er einem Kommissar Vorhaltungen gemacht habe über das Vorgehen. Er habe selbst gesehen, wie der Kommissar vom 4. Revier einen harmlosen Menschen, der nicht einmal zu den Denwnstranten zählte, gepackt und auf die Erde geworfen habe. Darauf habe er(Wittich) zu dem Kommissar gesagt:„Sind Sie sich denn nicht bewußt, daß Sie eben eine gesetz» widrige Handlung begangen haben?" Die Antwort war:„HaltenSie dieSchnauze!" Und als Genosse Wittich sich dann vorstellte als Stadtverordneter, sagte der Kommissar:„Wir pfeifenaufalleStadtver- ordnet e nl" Der Oberbürgermeister suchte das Vorgehen der Polizei in milderem Lichte darzustellen. Die Hergabe städti- scher Lokale und Straßenbahnwagen gab er jedoch in ziemlich unverschämtem Tone zu und verlas eine Erklärung, die ihm offenbar von der Polizei diktiert worden war. Als dann auch der Stadtverordnete Ladenburg, einNationallibe- r a l e r, eine Erklärung der Nationalliberalen verlas, die sich in geradezu provozierender Weise auf die Seite der Polizei stellte, wurde er von unseren Ge- nassen und von einigen Freisinns-Demokraten mit Minuten- langen stürmischen Pfui-Nufen unterbrochen. Auch die Ga- lerie stimmte in diesePfui-Rufeein. Der ganze Römer, das Sitzungslokal der Stadtverordneten, ist von einer dichten Menschenmenge umlagert. Der Oberbürgermeister griff noch wiederholt in die Debatte ein und mühte sich vergebens ab, das Vorgehen der Polizei zu beschönigen. Als er dann die Besetzung der städtischen Straßenbahnwagen anders darstellte, als Genosse Ouarck, rief ihm der freisinnige Justizrat Helff zu: „Wen nesnichtwahrist, soistesguterfunden!" Justizrat Helff erklärte dann noch, er habe gewiß nichts mit der Sozialdemokratie gemein und billige nicht alles, was die Sozialdemokratie mache, aber das müsse man doch sagen, daß die Sozialdemokratie und die Gewerk- schaften einen sehr erzieherischen Ein'fluß auf die Arbeiterschaft ausüben. Es sei ganz unerhört, wie die Polizei es wagen konnte, auf friedliche Menschen einzuhauen, einzureiten und au schießen. Zum Schluß wurde dann der folgende dringlrcheAntragder demokratischen und freisinnigenFraktion mit übergroßer Mehrheit— auch die Sozialdemokraten stimmten dafür— angenommen: „Mit Rucksicht darauf, daß das Verhalten der Polizciorgane geeignet ist, sowohl die Sicherheit harmloser Passanten zu ge- fährden als auch den Fremdenverkehr zu beeinträchtigen, ersuchen wir den Magistrat, an der zuständigen Stelle Verwahrung ein- zulegen, damit die Wiederkehr solcher Vorgänge vermieden wird." Die Wahlrechtsinterpellationen der So- zialdemok raten und Freisinnigen wurden dann wegen der vorgerückten Stunde vertagt. Kundgebungen außerhalb Preußens. Die Schandvorlage Bethmann Hollwegs und die sich häufenden Angriffe auf das Reichstagswahlrecht erregen bis weit über die schwarz-weißen Grenzpfähle hinaus lebhafte Empörung. Ueberall empfindet das Proletariat, daß die preußische Wahlrechtsfrage die deutsche Frage ist, und allerorts fühlt es, daß die preußischen Arbeiter für das Proletariat des ganzen Reiches kämpft. Und so nehmen denn die Proletarier Gesamtdeutschlands lebendigen Anteil am Kampf der preußischen Arbeiter und lassen es sich nicht nehmen, ihrer Sympathie den Kämpfern und ihrer Entrüstung über die Anschläge der preußischen Reaktion deutlichen Aus- druck zu geben. So wird uns aus Nürnberg berichtet: Hier tagten am Montagabend 15 Parteiversammlungen, in denen überall die preußische Wahlrechtsreform als erster Punkt auf der Tagesordnung stand. Im Landbezirk Nürnberg haben bereits am Sonnabend und Sonntag sieben Versammlungen stattgefunden. In allen 22 Versammlungen kam die lebhafteste Empörung über die preußische Reaktion zum Ausdruck, die auch für die übrigen Bundesstaaten eine schwere Gefahr bildet. Es wurde in allen Versammlungen einstimmig eine Resolution angenommen, in der dem für die Erringung des Wahlrechts kämpfenden preußischen Volkes Sympathie ausgesprochen und die Kämpfer ersucht werden, nicht zu ruhen, bis das Bollwerk des verderblichen Junkerregiments, das schändliche Dreiklaffenwahl- recht gefallen ist. ES wird ferner protestiert gegen das reichsverräterische Gebaren des Junkertums, wie es sich in den Worten Oldenburgs dokumentiert; ent- schiedenster Protest wird erhoben gegen die Bedrohung des ReichStagswahlrechtS durch den höchsten verantwortlichen Beamten des Reiches im preußischen Landtag. ES wird auf die geradezu rrichSzerstörerische Tendenz dieser Bestrebungen nach Be- seitigung des ReichStagswahlrechtS hingewiesen, und von der bayerischen Regierung wird gefordert, daß sie im Bundesrat diesen Umsturzplänen mit aller Entschiedenheit entgegentritt. � � In Chemnitz tagte am Sonntag eine von über 2000 Per- fönen besuchte Versammlung, in der Genosse Ed. B e r n st e i n über den Wahlrechtskanchf in Preußen sprach. Der Polizei genügte das, um außerordentliche„SicherhdtS"Vorkehrungen zu treffen. Sämtliche dien st freie Schutzleute wurden eingezogen und mit Revolvern und scharfer Munition versehen! Die Versammlung nahm einen glänzenden Verlauf. Den preußischen WahlrcchtSkämpfern wurde vollste Sympathie ausgesprochen und dann gingen die Massen friedlich nach Hause. Und die bereit- stehenden Polizeimannschaften warteten vergeblich auf Arbeit. Demonstrations-Nachkläuqe im Kieler Stadtverordneten- kollegium. Bei der Beratung des Theateretats in der Sitzung der städtischen Kollegien in Kiel fragte der Stadtverordnete Genoffe Adler den Oberbürgermeister, ob er davon unterrichtet sei, daß am Sonntag, den 30. Januar, im städtischen Theater vierzig Schutzleute untergebracht worden sind, um von hier aus auf friedlich vorüberziehende Wahlrechtsdemonstranten losgelassen zu werden. Der Oberbürgermeister erklärte, daß dies mit seinem Wissen und Willen geschehen sei, und er würde auch künftig, wenn der Polizeipräsident darum antrage, die Unterbringung von Polizisten in städtischen Gebäuden gestatten. Dann erhob sich der Stadtrat Nissen, ein Bruder des zu trauriger Berühmtheit gelangten Stadtrats Nissen in Neu- m ü n st e r, und machte den Leitern der Demonstration den Bor- wurf, daß sie sich hinter den Tintenfässern v e r st e ck e n. Er erhob die u n w a h r e B e s ch u l d i g u n g, daß in K i e l die Polizeibeamten von den Demonstranten mit Steinen und Flaschen geworfen worden seien und erklärte zum Schluß, die Wahlrechtsdemonstranten müßten von der Polizei„noch viel mehr auf den Kopf habe n". Der Genosse Adler verfehlte nicht, die Handlungsweise dieses Mannes, der im Privatleben ein sehr frommer Christ sein will, ins gehörige Licht zu setzen. Bon den bürger- lichen Vertretern nahm niemand zu den Erklärungen des Oberbürgermeisters und des Stadtrats Nissen das Wort; selbst der freisinnige Landtagsabgeordnete Hoff nicht. Wider die Neumünstersche Polizeileitung. Die sozialdemokratischen Stadtverordneten in Neu- m ü n st e r haben an den Regierungspräsidenten das Gesuch gerichtet, die Herren Stadlrat Nissen und Polizeikommissar Guts mann aus ihren Aemtern als Polizeibeamte zu entheben. Der Vahlrechtsßawpf. Zentrnmsmanöver. AuS dem Ruhrrevier wird uns geschrieben: Angesichts der gewaltigen Wahlrcchtsdemonstrationen der Sozialdemokratie scheint doch dem Zentrum der Boden unter den Füßen zu heiß zu werden. In Bochum haben sie sich hinter verschlossenen Türen zu einer platonischen Liebeser- klärung für die Uebertragung des Reichstags- Wahlrechts auf Preußen aufgeschwungen. Dies geschah in einer Versammlung des katholischen Volks- Vereins. Von den anwesenden christlichen Arbeiter- sekretären Meise, Gilsing und Schick wurde ganz ener- gisch die Uebertragung gefordert! Schließlich nahm die Versammlung eine Entschließung in diesem Sinne an, fügte aber hinzu:„Sollte die Zentrumsfraktion infolge der Uebermacht der Konservativen und Nationalliberalen diese Forde- rung nicht durchsetzen können, so sei unbedingt an der orderung der geheimen Wahl fe st zuhalten." Der rbeitersekretär Gilsing stellte die freche Behauptung auf, das Zentrum habe seit Jahrzehnten die Forderung der Uebertragung des Reichstagswahlrechts vertreten, während die Sozialdemokratie erst seit einem Jahre den Kampf für diese Forderung aufgenommen habe. Die Zentrumsarbeitersekretäre Rheinland-WestfalenS haben eine ähnliche Erklärung wie die Versammlungsresolution an ihre Landtagsfraktion abgesandt. Die Wahlrechtsvorlage«nd die Gemeindevertretungen. Die liberalen Mitglieder der Stadtverordnetenversamm- lung in Magdeburg haben einen Antrag eingebracht, durch den der Magistrat und die Stadtverordneten ersucht werden, an das Abgeordnetenhaus eine Petition um Ablehnung der Wahlrechts- Vorlage zu richten._ Die Lage in Cngland. Die Thronrede hat endlich einige Klarheit über die Haltung der englischen Regierung geschaffen. Die Radi- kalen, die Iren und die Arbeiterpartei, die gefordert hatten, daß zuerst das Vetorecht des Oberhauses be- seitigt werden müffe, bevor das Budget erledigt werde, sehen sich von Herrn Asquith im Stich gelassen. Asquith hatte zwar vor der Wahl feierlich versprochen, die Regierung nur zu übernehmen, falls er sichere Garantien gegen die Lords erhielten und alle Welt legte dies Versprechen dahin aus, daß Asquith nur regieren wolle, wenn er vom Könige die Vollmacht zu einem ausgiebigen Pairsschub erlange. Aber nach der Wahl fand sich eine andere Aus- legung: Unter den Garantien hätte Asquith vor allem eine große Mehrheit verstanden; die Liberalen aber zählen nur 273 Mitglieder gegen 273 der Konservativen. Das erhaltene Mandat sei also nicht entschieden genug; deshalb müsse das Budget vorgehen. In Wahrheit kommen zu den 275 Liberalen noch 82 Iren und 40 Mitglieder der Arbeiterpartei, die eine überwältigende Majorität gegen die Lords ergeben. Aber Herr Asquith muß auf die einflußreiche Gruppe der ge- mäßigten Liberalen Rücksicht nehmen, die nach den Wahlen von der radikalen Taktik noch viel weniger wissen wollen als vorher. Deshalb muß das Budget zuerst an die Reihe kommen. In der an die Thronrede anschließenden Debatte er- läuterte der Ministerpräsident seine Haltmcg folgendermaßen: Die Thronrede sei wohl die kürzeste, die es jemals gegeben, da sie sich in der Hauptsache nur mit den Beziehungen der beiden Häuser zueinander befasse. Abgesehen von der nötigen Vorsorge für die Finanzen sei dies die e i n z i g e F r a g e. an die die Regierung heranzutreten beabsichtige. Jedenfalls würde sie, wenn auch vielleicht einige Vorlagen von geringerer Be- deutung eingebracht werden sollten, keine Vorlage einbringen, über die es Streit geben könne. Es sei dies zwar ein ungewöhnliches Vorgehen, aber cS sei auch ein un- gewöhnliches Vorgehen, das die allgemeinen Neuwahlen veranlaßt habe. Was die Frage der sogenannten Garantien von der K r o n e anlange, so habe er keine solche Garantien er- halten oder sie zu erhalten gewünscht. Denn eS sei Pflicht des verantwortlichen Staatsmannes, den Namen des Monarchen und die Prärogative der Krone bei der Politik möglichst anS dem Spiele zu lassen.(Beifall bei den Oppositionellen.) Wenn sich Veranlassung bieten sollte, so würde er nicht zögern, der Krone zu raten. wie eS die Umstände im öffentlichen Interesse angemessen erscheinen ließen.(Beifall bei den Ministeriellen.) Aber plsin pouvoir für eine unbeschränkte Ausübung der könig- lichen Prärogative für eine Maßnahme. die dem Unter- hause noch gar nicht unterbreitet sei, zu verlangen, würde eine Forderung sein, die kein konstitutioneller Staatsmann ausstellen(Beifall bei den Oppositionellen) und deren Gewährung man von keinem konstitutionellen Monarchen erwarten könne. Nie- mand könne bestreiten, daß im gegenwärtigen Unterhause eine überwältigende Mehrheit sich dafür verbürgt habe, die Frage des OberhauSvetoZ zu regeln. Die Regierung schlage zunächst vor, mit Resolutionen bezüglich des Vetos vorzugehen, die später nach ihrer Annahme der Bill einverleibt werden sollten. Die Negierung sei der Meinung, daß dieses Verfahren sich rechtfertige durch die Wichtigkeit der Vorschläge, die eine Umformung des konstitutionellen Systems Englands bedeuteten. Dieses Verfahren wurde das Haus instand setzen, möglichst früh seine Billigung oder Mißbilligung der Vorschläge der Regierung auszu- sprechen, und der Regierung eS zu ermöglichen, zu sehen, ob sie die Billigung des Hauses habe. Asquith wies dann auf die zahlreichen Ausgaben hin, für die vor Schluß des Finanzjahres am 31. März gesorgt werden müßte. Die Negierung schlage daher nur eine kurze Vertagung zu Ostern vor. Das Haus würde dann weiter sitzen, bis es das alte Budget und die Resolutionen über die LordS er- I e d i g t hätte. Diese Periode würde sich vermutlich bis Mitte April ausdehnen, worauf das Haus große Ferien inachen würde. Nach den Ferien würde man zu der auf den Resolutionen betreffend die Lords begründeten Bill übergehen. Das Budget würde den Lords indessen nicht eher übersandt werden, als bis daS Unterhaus Gelegenheit gehabt hätte, seine Meinung über die Lords- Resolutionen auszusprechen. Das frühere Budget sollte nur in einigen verhältnismäßig unwesentlichen Punkten abgeändert und das Haus solle ersucht werden, das Ge- schehene nachträglich zu genehmigen, die vom letzten Unterhause ge- nehmigten Steuern wieder zu erheben und den Bestimmungen des früheren Budgets bezüglich der Landabschätzung usw. die Genehmi- gung zu erteilen.(Beifall bei den Ministeriellen.) Hierfür würde es notwendig sein, ein summarisches Verfahren in Anwendung zu brigeu. Asquith schloß, die Regierung wünsche es klar zum Ausdruck zu bringen, daß sie mit dem Budget und den Resolutionen betreffend das Oberhaus st e h e oder falle, da sie beide Punkte als einen integrierenden Bestandteil ihrer Politik ansehe und ihre Existenz daran setzen müsse, um diese im Uuterhause durchzubringen.(Beifall bei den Ministeriellen.) Wenn das Haus mit den Vorschlägen der Regierung nicht einverstanden sei, müsse diese sich der Entscheidung beugen. Obwohl die Lage reichlich Versuchung biete, irgendeinen leichten Ausweg zu fiildeii, sei es Pflicht der Regierung, jede An- strengung zu machen, um diese große fundamentale vorläufige Re- form zustande zu bringen. Serr Asquith verschiebt also die wirkliche Entscheidung auf erbst. Denn die Resolutionen, die das Unterhaus vor- her annehmen soll, haben keine bindende Kraft; diese kommt nur der später zu beratenden Bill zu. Es ist nichts weniger als eine Vertagung der„brennendsten Frage", die Herr Asquith seiner Majorität zumutet. Kein Wunder, daß die Iren und die Arbeiterpartei ihre Enttäuschung nicht verbergen. Der Führer der Iren, R e d m o n d, kam unmittelbar nach Herrn Asquith zu Worte und erklärte, nachdem er die völlige Unabhängigkeit seiner Partei nachdrücklich betont hatte: Wenn die Regierung ihnen Sicherheit gäbe, daß eine Veto- Vorlage noch in diesem Jahre zum Gesetz erhoben würde. würden die Nationalisten für das Budget stimmen. Sie seien bereit, diesen Preis zu zahlen, aber nicht u m s o n st oder für etwas ganz Ungewisses. Sie hätten nicht den Wunsch, eine Krise herbeizuführen, aber in dieser Angelegenheit könnten sie nicht mit verbundenen Augen vorgehen. Im Unterhause wurde die Rede RedmondS, der Sicher» heit verlangte, kurz nach der Erklärung Asquiths, keine Sicher- heitgeben zu kötmcn, sehr pessimistisch gedeutet. Man sprach davon, daß spätestens im Juni Neuwahlen stattfinden würden. Derselben Meinung gibt die Presse Ausdruck. Die Morgen- blätter halten, wie aus London telegraphiert wird, allgemein die Regierung für verurteilt, namentlich infolge der Rede Redmonds. Die konservativen Zeitungen erklären. das Fiasko sei vollständiger, als sie jemals zu glauben ge- wagt hätten. Die liberalen Blätter geben sehr trüln politischen, kirchlichen und kommunale» Leben—, ist nur der berufen, der die Menschen zu leiten versteht, ohnedaßffieeSinerken. Er stellt sich nicht vor das Publikum hin und sagt: Ihr sollt!, sondern er weiß hinter den Kulissen mit geschickter Hand eine„Bewegung" ins Leben zu rufen, die zu dem angestrebten Zweck hin- führt und wenn er dann so weit, nimmt er noch huldigenden Dank entgegen für die Güte, mit der er einen „Volkswunsch" erfüllt hat". DaS Blatt faßt dann seine Lehren für den Fall Bcthman» Hollweg wie folgt zus nimen:„Der Reichskanzler ist gewiß ein vorzüglicher Bnrcaukrat, aber er ist anscheinend zu sehr Bureaukrat, um staatSmännisch und diplomatisch zu sein. Er hält zu viel vom Befehlen und weiß nicht, daß man daS Volk durch allerhand schlaue Tricks viel leichter leiten und zu freiwilliger Gefolgschaft veranlassen kann". Warum ist Herr v. Dethmann Hollweg. ehe er sich zum Reichs- kanzlcr für berufen hielt, nicht erst durch die Schule der Zentrums- diplomaten gegangen? Aber noch ist die Hoffnung vorhanden, daß er im Umgänge mit den Herren Spahn, Schädler und Genoffen lernt,„hinter den Kulissen mit geschickter Hand eine Bewegung ins Leben zu rufen" und„durch allerhand schlaue Tricks' das Volk am Narrenseil zu führen— vorausgesetzt, daß das Volk auf die„Tricks" hineinfällt._ Die Herrschaft des Geldsacks. Die„Kölnische Zeitung" offenbart wieder einmal die reaktionäre Gesinnung der Stationalliberalen. Das Blatt gibt Herrn V. Bethman» Hollweg recht, wenn er sagt, er glaube nicht an die absolute Richtigkeit deS Dogmas vom allgemeinen, gleichen, ge- Heimen und direkten Wahlrecht für alle Staaten und Verhältnisse: „Man mag sich drehen und wenden wie man will, solange die bürgerliche Staatsordnung besteht. bleibt der Besitz ein Axiom. daS bei der Verteilung der konstitutio- nellen Machtmittel den Ausschlag gibt. Dieses Axiom aber wird vorerst nur von den Industriearbeitern und der varlamentarischen Vertretung, die diese sich in der Sozialdemo- kratie geben, angefochten. Deshalb ist es durchaus verständlich, daß die Staaten, in denen die Industrialisierung in Deutschland am weitesten gediehen ist, nämlich Preußen und Sachsen, bemüht sind, sich ein Wahlrecht zu geben, das es hindert, die Ente scheidung über die dem Besitz aufzuerlegenden direkten Staats lasten der besitz loien Masse in dieHand zu geben, und das der Gefahr vorbeugt, daß der Besitz schließlich aus dem Lande getrieben wird." Genau wie die Junker! Wie diese verkünden auch die National- liberale», daß sie daS Portemonnoie der Reichen nicht aiiSliefern wollen einem Parlamente, das auf Grund des allgemeinen gleichen, geheimen und direkten Wahlrechts zustande gekommen ist. Zusammenstöße im elsast-lothringischen Landesausschust. Straßburg, 22. Februar. Im Landesausschuß kam es am Dienstag bei der zwei- tcn Lesung des Etats zu stürmischen Szenen. Bei der Be- ratung der Bezüge des Statthalters warf der Abg. Blumen- t h a l der Regierung vor, daß sie auf Umwegen eine vom Landes- ausschuß bereits abgelehnte Position wieder eingestellt habe und verlangte von ihr, daß sie die Beschlüsse des Hauses respektiere. In einem noch viel schärferen Tonfalle sprach dann der Abg. P r e i ß(Z.). Er erklärte, es sei geradezu unerhört, daß man vom Regierungstische aus es wage, dem Landesausschuß diese Zu- mutung zu machen. Ter RegicrungSvertreter, Staatssekretär Freiherr Zorn van Bulach, wandte sich gegen diese Ausführungen. Abg. P r e i ß sprach dann von„unlauteren Manipulationen". Als der Staatssekretär erwiderte, daß Prciß nur auf b i e Tri- büne wirken wolle, rief der Abg. P reiß:„Unver- schümtl" Es kam dann zu einem sehr erregten Disput, wobei der Staatssekretär den Abgeordneten aufforderte, ihn außerhalb deS Hauses zur Rede zu stellen. sZwischenruf:„Mit dem Florett in der Handl" Diese Debatte nahm dänn eine noch viel schärfere Gestalt'an, als der Abg. Preiß auf eine Aeußerung des Staatssekretärs zu sprechen kam, daß er der Sproß eines alten Adelsge- s ch I e ch t s sei. Prciß erklärte, daß er von den Sprößlingen alter Adelsgeschlechter, ob sie Friseur, Kellner oder M i n i st e r seien, nur verlange, daß sie ihre Pflicht erfüllen. Gewisse Minister seien aber so international angelegt, daß sie imstande sind, jeder Regierung zu dienen, Ivoher sie auch komme. Eine womöglich noch gesteigerte Wiederholung dieser Debatten gab es bei dem Titel: Etat des Ministeriums. Abg. Wetterle, oer erst vor einigen Ta�en aus dem Gefängnis entlassen worden ist, in dem er eine zweimonatige Strafe verbüßt hatte, eröffnete das Gefecht, indem er behauptete, gewisse Angriffe auf den Staats- sekretär seien aus den Kreisen der Beamten hervorgegangen. Er machte ziemlich deutliche Anspielungen auf einen in der Nähe des Staatssekretärs sitzenden Beamten. Diese Anspielungen wieder- holte in viel deutlicherer Weise der Abg. P r e i ß, als er auf Grund von Zeitungsnotizen den Unterstaatssekretär Mandel aufforderte, zu erklären, ob er selbst nicht derienige sei, der diese Spitzen gegen seine Vorgesetzten in die Zeitungen lanciert habe, oder ob er nicht wisse, wer der Verfasser sei. Es kam zu sehr erregten Szenen, in deren Verlauf der Unterstaats- sekretär und der Staatssekretär sich sehr entschieden gegen den Abgeordneten wandten. Der Abgeordnete Preiß wiederholte aber seine Frage noch einmal und erklärte, daher auf die Beantwortung bestehen müsse. Er wurde mehrfach zur Ordnung gerufen. Der Unter st aatssekretär lehnte es ab, auf die Frage zu antworten und bemerkte, man werfe ihm Treubruch vor. Der Staatssekretär Freiherr Zorn von Bulach er- klärte. eS käme so weit, daß die Mitglieder der Regierung von ihren Plätze» herabsteigen würden, um dem Abgeordneten Preiß die Antwort zu geben, die er verdiene. In großer Erregung ging daS Haus auseinander. ••• Herr v. Bethmann Hollweg kann an diesen erbaulichen Aus- einandersetzungen, an diesen Drohungen seiner elsaß-lothringischen Kollegen mit körperlicher Mißhandlung sehen, wie sehr das Niveau der politischen Auseinandersetzungen durch daS nicht- demokratische Wahlrecht, das ja in den Reichslcmden in auSge- Prägtester Form existiert,„gehoben" wird! Lehrers Schicksal. In Bremen ist am 21. Februar der Lehrer Holz meier, der Führer deS radikalen Flügels der bremischen Lehrerschaft, der vor geraumer Zeit schon vom Amte suspendiert und in DiS- ziplinaruntersuchung gezogen wurde, vom Disziplinar- g e r i ch t zur schärfsten Strafe, zur Dienstentlassung ver- urteilt worden. Wir haben seinen mutigen Kampf für die Reform der Schule und die Freiheit der Lehrerschaft hier schon mehrfach geschildert. Holzmeier war der Beleidigung seiner vor- gesetzten Behörde, des Senats, angeklagt, weil er in einer Re- solution den früheren Vorstand des bremischen Lehrervereins bc- schuldigt hatte, er habe die„Würde" des Vereins gegenüber der Behörde nicht genügend gewahrt. Die vorgesetzte Behörde, der Senat, erblickte darin eine Beleidigung für sich, da sie niemand „unwürdig" behandle. Weiter wurde Holzmeier beschuldigt, daß er nicht nach der Vorschrift den Schulunterricht morgens mit Gesang und Gebet eröffnet, es vielmehr als eine„würdelose" Posse be- zeichnet habe, wenn er das auf Kommando tun müsse. Als dritter Anklagepunkt kam das Benehmen Holzmeiers in dem neu geschaf- fenen amtlichen Schulionvent hinzu. Holzmeier hatte in einer Konventsitzung eine Reihe von. Anträgen gestellt, unter anderen einen,:n dem verlangt wurde, daß der Lehrer nicht zur Teilnahme an den„sogenannten" patriotischen Schulfesten gezwungen werden dürfe, da der Zwang dazu zu. politischer Heuchelei führe. Dafür wird er nun seines Amtes enthoben, mit der Hunger- peitsche bestraft. Und das passiert in der„Republik" Bremen. Wie würde es dem Mutigen erst in Preußen ergangen sein! Die finanzielle Sltcmnot der„National-Zeitung". Zu der von uns bereits mitgeteilten Nachricht vom Absterben der„National-Zeitung" an Abonnentenschwund wird uns noch ge- schrieben: Für den halbwegs Eingeweihten war eS schon lange kein Ge- heimnis mehr, daß der an der„National-Zeitung" finanziell am meisten interessierte Teilhaber, der sehr weit rechts stehende national- liberale Landtagsabgeordnete Kommerzienrat Bartling, es lange satt hatte, weitere Zuschüsse zu leisten. Denn obwohlBartling einsebr reicher Mann ist, so werden ihm die Opfer, die das Blatt erfordert, den» doch zu viel, schon weil sie— von seinem persönlichen Standpunkte aus — zwecklos gebracht werden. Außerdem ist er durch ein anderes Blatt seit einigen Jahren finanziell schwer belastet. Er hat nämlich den in Wiesbaden— seinem Wohnorte— erscheinenden konservativen „Rheinischen Kurier" angekauft und in ein nationalliberales Blatt umgewandelt. Das Blatt hat aber wie auch die„National- Zeitung" viel zu wenig Abonnenten, um auch nur halb- wegS existieren zu können. Zwei nationalliberale Blätter zu unterhalten ohne die geringste Aussicht auf Besserung der traurigen Verhältnisse, dessen weigert sich Bartling jetzt. Und da ihm daS Hemd näher ist als der Nock, so wird er die Wies- b a d e n e r Zeitung halten und die„National-Zeitung" ruhmlos verfaulen lassen. Bei ihrer jetzigen Bedeutungslosigkeit wird sie ja so wie so. wenn sie morgen eingeht, übermorgen von niemand ver« mißt werden._ Prügelnde Schutzleute. Vor der Strafkammer in Darmstadt hatten sich Montag zwei Schutzleute aus Offenbach wegen tätlicher Beleidigung und Miß- Handlung zu verantworten. Sie haben an einem Tage im Juli vorigen Jahres zwei Arbeiter, durch die sie sich beobachtet glaubten, angerempelt. Ein Schutzmann zog den Säbel und schlug den einen der Arbeiter, der gerade von der Arbeit kam, mit dem Säbel über den Kopf, daß er längere Zeit arbeitsunfähig war. Die beiden Schutzleule hoben milde Richter gefunden. Der eine wurde zu 60 Mark, der andere zu 30 Mark Strafe verurteilt, trotzdem der Staatsanwalt das brutale, durch nichts gerechtfertigte Vorgehen der Schutzleute in den schärfsten Weise mißbilligte. Ein sonderbares Militärgerichtsurteil. Die Urteile der Militärgerichte geraten in immer schärferen Kontrost zu dem Rechtsempfinden des Volkes. Dafür ein neues Beispiel. Vor dem Kriegsgericht zu Nürnberg stand dieser Tage ein im dritten Jahre dienender Soldat des 1. Chevaulegcrregiments. Er bekam von seinem Berittführer, einem Unteroffizier, beim Stalldienst den Befehl, ein Heuband aufzuheben. Der Befehl wurde nach Ansicht deS Stellvertreters Gottes nicht rasch genug auS- geführt, weshalb er ihm den weiteren Befehl erteilte,! dreimal im Laufschritt den Stallgang auf und ab zu laufen. Diesen Befehl ließ der Soldat unbeachtet, worauf der Unteroffizier ihn wieder- holte und noch weiter verlangte, der Mann solle den Befehl nach- sagen. Wiederum weigerte sich der Soldat, indem er erwiderte: „Herr Unteroffizier, das brauche ich nicht." Das'brachte ihn wegen erschwerten Ungehorsams vor das Kriegsgericht. Der Mann ist schon dreizehnmal wegen Ungehorsams vorbestraft und hatte im Falle der Schuldigerkennung eine schwere Strafe zu gewärtigen. Er behauptete, der Befehl sei nur eine Schikane gewesen, er habe dem Unteroffizier nie etwas recht machen können. Interessant war, was der Verteidiger, ein Leutenank der Schwadron, der Unteroffizier und Angeklagter angehören, auö- führte. Es zeigt, wie die Opfer militärischer Schreckensurteile manchmal zustande kommen mögen. Der Verteidiger sagte: Der Angeklagte sei trotz seiner dreizehnmaligen Bestrafung kein bös- williger Mensch, ex sei nur ungeschickt, und unbeholfen, übrigen» sei et noch nie von einem Offizier gemeldet worden, sondern steiS von Unteroffizieren— er sei das Opfer seiner Unbeholfenheit. Der Unteroffizier sei ein hitziger Mensch, der mehr aus einer Sache mache, als daran sei. Zur Erklärung des UmstandeS. daß gerade dieser Unteroffizier den Mann früher noch nie gemeldet hat, führte der Leutnant an, dadurch sei die Angabe des Soldaten, von dem Unteroffizier ungerecht behandelt worden zu sein, noch nicht wider- legt. Durch kleine Mittel könne man einen Mann besser zwicke» und schwerer strafen, als wenn man ihn meldet. Der Befehl war eine Strafe, zu der der Unteroffizier nicht berechtigt war. Das Gericht erkannte, daß der Soldat wegen Nichtbefolgung des Befehls, im Stall auf und abzulaufen, nicht bestraft werden könne, weil der Befehl unberechtigt gewesen sei. Der Unteroffizier habe sich in der Wahl der Mittel vergriffen. Weil der Soldat aber sich auch weigerte, den Befehl nachzusagen, sei er in diesem Falle schuldig und zu zwei Monaten Gefängnis zu verurteilen._ Fahrkartensteuer- Quacksalberei. In der Biidgetkommission des preußischen Landtages stellte der Eisenbahnniinister fest, daß im Jahre 1006 durch die Fahrkartensteuer in wenigen Monaten ein EinnahmeauSfall von 7— 8 Millionen Mark entstanden sei! Die Ursache war die Abwanderung in die niedrigeren Klassen. Die Aufhebung der Fahrkarten st euer halte er für dringend notwendig! Leider sei aber nicht damit zu rechnen, daß man im Reichstage mit diesem Vorschlage durch- dringen könne. Auch von einer Umänderung der Fahrlartenstcuer dürfe man nichts erwarten. Der Minister erwögt nunmehr die Frage, ob cS nicht wenigstens angezeigt sei, den Fahrpreis für Benutzung der erste n Wagenklasse herabzusetzen, wodurch ja die Steuer in dieser Klasse ganz von selbst niedriger lvürde.____ franhmcfo. Der Senat gegen die Wahlfreiheit. Paris, 10. Februar.(Eig. Ver.) Der Senat hat gestern wieder einmal den Freibrief der Wahl- terroristen bestätigt. Das von der Deputiertenkammer beschlossene Gesetz enthielt zwei wichtige Bestimmungen: DaS Recht der Kandidaten, den Wahlakt durch drei Vertrauensmänner überwachen zu lassen und die obligatorische Einführung der W a l l z e l l e. Beide Be- stimmungen wurden abgelehnt: die eine mit 177 gegen 118 Stimmen, die zweite mit 173 gegen IIS Stimmen. Die Radikalen des Senats vollbrachten die ErwiirgungSaktion mit reichlicher Tartüsserie. Sie diskutierten allerhand Details, als ob ihnen die Sicherung der Wahlfreiheit wirklich am Herzen läge und nahmen auch die Artikel an, die entweder geringfügig sind oder, in ihrer Abtrennung von den Hauptbestimmungen, den bisherigen Zustand eher noch verschlechtern. DaS letztere gilt von der Vorschrift, den Stimmzettel in einen Umschlag zu stecken. Für die wirtschaftlich abhängigen Wähler, die mit dem von ihrem Arbeitgeber vorgezogenen Srimmzettel zur Urne geführt werden, erschwert diese Verfügung noch seinen Aus- tausch gegen den Stimmzettel, der ihren eigenen politischen Anschauungen entspricht.— Die Gegner der Reform über- boten sich in heuchlerischem Interesse für die Wahlfreiheit. So erklärte z. B. Herr Bürard, die Anwesenheit von Vertrauens» männern bedeute eine Bevorzugung vermögender Kandidaten, Groß- grundbesitzer und Kapitalisten, die so durch bezahlte Agenten die Wahl überwachen lassen könnten., In Wahrheit handelte eS sich aber doch darum, die Gesetzlichkeit deS Wahlrechts durch die an ihm interessierten politischen Parteien kon- trollieren zu lassen, wogegen gerade die Freiheit der Abstim« mun g durch die Wahlzelle gewährleistet werden sollte. Gegen diese aber wurden die albernsten Einwände erhoben, z. B. was man mit den Wählern machen würde, die absichtlich lange in der Zelle blieben, um den Wahlakt auszuhalten. Der genante Herr Börard meinte auch, bei zahlreichem Wählerzusttom würden viele Wähler aus Mangel an Zeit wieder umkehren, ohne gewählt zu haben. Auch seien in Frankreich die Sitten und Gewohnheiten verschieden von denen der Länder, die die Wahlzelle eingesührt haben.— Vermutlich wäre die Reform dennoch zu retten gewesen, wenn sich die Regierung mit einigem Eifer dafür eingelegt hätte. Aber sie gab sich gar keine Mühe, dem wiederholt ausgesprochenen Willen der Deputiertenkammer zur Durchführung zu verhelfen. Im Zwiespalt zwischen Oberhaus und Unterhaus entscheidet der französische Regierungs-RadUaliSinuS zugunsten der Vertretung der Rückstands- interessen._ Spanien. Amnestie. Sevilla, 22. Februar. Der König hat ein Dekret unterzeichnet, durch welches allen wegen politischer Delikte verurteilten Personen völlige oder teilweise B e g n a d i g u n g gewährt wird. foißlanä. Herr v. Oldenburg in der Duma. Die Siaatsstreichdrohung Herrn v. Oldenburgs im Deut- scheu Reichstag hat nicht nur auf den Bänken der Konservativen leb- haften Beifall gefunden, auch ihre russischen Gesinnungsgenossen. die Pogromisten, sind über die Offenherzigkeit des Januschauers entzückt. Der Dumaskandalist Purischkewitsch, den Herr v. Oldenburg im vorigen Jahr mit Schmeicheleien überschüttete und in die Arbeiten und Parteiverhältnisse des Reichstages„ein- weihte", erklärte vor einigen Tagen bei der Beratung eines An» träges des Barons Meyendorffs, wonach skandalöse Auftritte und unzulässige Schimpfereien von Abgeordneten mit Geldstrafen belegt tverden sollen, laut dem stenographischen Bericht folgendes: „In einem der besten Parlamente, im Deutschen Reichs- tag, ist das angesehenste(I) Mitglied dieses Parlaments, Graf Oldenburg, ein hervorragender kluger(!) Mann, der an der Spitze seiner Fraltion steht, hervorgetreten und hat gesagt, der Deutsche Kaiser brauche nur zehn Grenadieren den Befehl zu erteilen, um diese ganze Sippe auseinanderzujagen... Ich wiederhole, meine Herren, ich hoffe, daß wir nicht genötigt st in werden, das zu vollstrecken, was im Deutschen Reichstage er» wähnt wurde(Lachen links), aber ihre Strafen werden jeden- falls kein Hemmnis für uns sein, da hier nicht einmal Grena- diere nötig sein werden, sondern die Mitglieder unserer Fraktion und der Verband des russischen Volkes genügen werden.(Lachen links. Rufe: Oho!)" Purischkewitsch wäre nicht das, was er ist, wenn er nicht der- sucht hätte, Herrn v. Oldenburg noch zu übertrumpfen und die Unverschämtheit seines preußischen Kollegen auf echtrussische Manier zu verschärfen._ Cürheu Eine neue Partei. Konstaiitinopek, 22. Februar. 43 Deputierte, meist unzufriedene Komiteemitglieder, haben eine neue Partei mit dem Namen. Volkspartei gegründet. Das Programm der Vollspartei basiert auf dem Prinzip der Stärkung der Volkssouveränität und tritt somit den von Ferid Paicha verfolgten, angeblich von einigen einflußreichen Komiteemitgliedern begünstigten konservativen Tendenzen entgegen. GewerhfchaftUcbea« ChnltUche 8chwindclckn. AnIZHlich des vorjährigen Streiks der SpiegelglaZmacher in Bayern, bei dem die christliche Organisation eine so klägliche Rolle spielte, wurden die Leiter der Bewegung, die Genossen Weiß, Girbig und Dirschel von den christlichen Agitatoren in ihrer Presse fortgesetzt in der gehässigsten Weise verdächtigt, so dah sie gerichtlichen Schutz in Anspruch nehmen mutzten. Die Verdächtiger mutzten nun in der letzten Nummer der christlichen„Keram- und Steinarbeiterzeitung" folgenden Widerruf erlassen: „In Nr. 20 dieser Zeitung war die Behauptung aufge- stellt, datz der Gewerkschaftssekretär Weitz in Marktred- witz dem Glasschlciferstreik im Jahre IS 05 für seine Dienst- leistungcn gegen das Interesse der Arbeiter bei der Firma Kupfer einen Posten angetragen erhalten habe und datz er im Jahre IMS als Spionageführer und Versanimlungsarrangcur hervorragend sich betätigt habe. In der Schöffengerichtsverhand- lang am 14. Januar 1910 in Köln habe ich mich überzeugt, datz diese Behauptungen der Begründung entbehren und nehme sie daher mit dem Ausdruck des Bedauerns zurück. M. Fromm." Fromm mutzte sich autzcr zu diesem Widerruf auch zur Tragung sämtlicher Kosten verpflichten. Das„Bamberger Volksblat t", ein Zentrumsblättchen, trachte die Mitteilung, daß der dortige Vertrauensmann des (freien) Bauhilfsarbeiterverbandes 89 M. unterschlagen und für sich verwendet habe, die Sache habe bereits der Staatsanwalt in Händen. Das„wahrheitsliebende" Blatt mutzte sich später zu folgendem Widerruf bequemen: „(Untreue.) Wr haben unter dieser Spitzmarke in Nr. 33 des„Volksblatt" die Nachricht gebracht, datz der Vertrauens- mann des hiesigen sozialdemokratischen Bauhilfsarbeitervcrban- des die einkassierten Gelder im Betrage von etwa 89 M. für sich verwendet habe und die Sache der Staatsanwaltschaft angezeigt sei. Diese Nachricht ist in allen Teilen irrtümlich und unwahr und nehmen wir sie mit dem Ausdruck des Bedauerns zurück." In Bamberg entfaltete der Deutsche Textil» arbeiterverband unter den dortigen schlecht organisierten und elend bezahlten Textilarbeitern gegenwärtig eine lebhafte Agitation, um sie für die Organisation zu gewinnen. Das erregte '— wie immer— den Neid der christlichen Organisation. Durch kolossales Aufschneiden und Schwindeln wollten sie den Deutschen Textilarbeiterverband als leistungsunsähig hinstellen und in Mitz- kredit bringen. Sie brüsteten sich, durch ihr Eingreifen die Zurück- ziehung einer Teuerungszulage verhindert zu haben. Diesen Schwindeleien setzte nun die Mechanische Seilerwaren- fabrik, wo die christliche Organisation diese grotzen Erfolge erreicht haben wollte, einen recht unangenehmen Dämpfer auf, in- dem sie im dortigen Zcntrumsblatt erklärte: „datz die Beibehaltung der einmal eingeführten 19prozentigen Teuerungszulage feststehender Grundsatz ist und deren Zurück- ziehung weder von der Direktion noch vom Aufsichtsrat angeregt wurde. Es ist also nicht zutreffend, datz die Äeiterbewilligung dieser Teuerungszulage erst der Tätigkeit des Christlichen Textil- arbeiterverbandes zu verdanken sei." Die Christlichen bleiben ihrem alten Grundsatz treu: ie lügen Wie die Teufel und schwindeln aus Prinzip. SerUn und Umgegend. Die Tarifbewegung in der Holzindustrie. In einer am Montag abgehaltenen sehr stark besuchten Ver- krauensmännerversammlung des Holzarbeiterverbandes erstattete Glocke Bericht über die Ergebnisse der mit den Unternehmern Berlins und der Vororte gepflogenen Verhandlungen. Seinen Ausführungen ist zu entnehmen, dah die Verhandlungskommission in 9 Sitzungen lange und teils heftige Debatten geführt hat, in denen die Vertreter der Arbeiter mit großer Energie ihre Forde- rungen vertraten. Diese sind jedoch nur zum Teil von den Unter- nehmern bewilligt worden. In einigen wesentlichen Punkten sind die Zugeständnisse der Unternehmer hinter den Forderungen der Arbeiter zurückgeblieben. Eine Verkürzung der Arbeitszeit ist nicht zugestanden worden, doch ist in dem neuen Vertragsentwurf festgelegt, datz Vesperpausen nicht stattfinden, wodurch ein in manchen Werkstätten bestehender Streitpunkt beseitigt ist. Hinsicht- lich der Bestimmung, datz Lohn- und Akkordarbeit nebeneinander als ortsüblich gelten, ändert der Entwurf nichts. Die geforderte Lohnerhöhung von S Proz. ergab lange und heftige Debatten. Schließlich gestanden die Unternehmer nach mehrfachen vergeb- lichen Versuchen des Abhandelns die Erhöhung von 5 Proz. zu. doch soll die Zulage nicht sogleich, sondern erst am 1. Dezember d. I. in Kraft treten. Bezüglich der Akkord-Abschlagszahlung sind Verbeessrungcn der bisherigen Bestimmungen zugestanden, die jedoch hinter den Forderungen der Arbeiter zurückbleiben. Auch Hinsicht- lich der allgemeinen Bestimmungen über Akkordarbeit sind Ver- befferungen zugestanden, ebenso hinsichtlich einer Reihe anderer Vertragsbestimmungen. Die Anträge, welche der Verband zum Geschäftsgang der Schlichtungskommission gestellt hat, sind alle angenommen worden. Hinsichtlich des paritätischen ArbeitSnach- weises heißt es in dem neuen Entwurf, datz in den beiderseitigen Organen wöchentlich auf die Benutzung des Arbeitsnachweises hin- zuweisen sei und Mängel desselben geprüft werden sollen, um ihn für beide Teile befriedigend zu gestalten.— Diesen Entwurf, der aus den bisherigen Beratungen hervorgegangen ist, legte Glocke der Versammlung vor mit dem Bemerken, datz die Ortsverwaltung und eine kombinierte Sitzung denselben bereits besprochen und sich dahin entschieden haben, datz der Entwurf den Wünschen der Arbeiter nicht weit genug entgegenkommt und deshalb versucht werden soll, ihn in erneuten Verhandlungen mit den Unter- nehmern zu verbessern. In der ausgedehnten Diskussion fandsichnie m a n d, d e r mit dem Entwurf zufrieden gewesen wäre. Alle Redner übten scharfe Kritik an demselben. Sie verlangten, unter- stützt durch lebhafte Kundgebungen der Versammlung, datz die Wünsche der Arbeiter wenigstens so weit erfüllt werden, datz die obligatorische Benutzung des paritätischen Arbeitsnachweises zur Pflicht gemacht werde, datz die Lohnsicherung bei neuen Akkord- arbeiten gewährt wird, datz die Arbeitszeit verkürzt wird und datz die fünfprozentige Lohnerhöhung sofort mit dem Beginn des neuen Vertrages in Kraft tritt.— Der Entwurf wurde als unannehmbar bezeichnet. Ein Redner stellte ihn auf eine Stufe mit der preutzi- schen Wahlrechtsvorlage. So wie diese, so lasse auch der Vertrags- entwurf unter dem Anschein einer Reform alles beim alten. Es sei ein Hohn, wenn eine Lohnerhöhung am 1. Dezember geboten werde. Zu diesem Zeitpunkt würde es den Unternehmern ein Leichtes sein, die Lohnerhöhung zu umgehen. Sie würden die Löhne vorher soweit herabdrücken, datz sie trotz der fünfprozentigen Erhöhung schließlich noch ein gutes Geschäft machen. Wenn die Lohnerhöhung nicht sofort eintrete, fehle jede Kontrolle darüber, ob sie später wirklich gewährt wird.— Auch der Ortsvcrwaltung wurden Vorwürfe gemacht, weil sie die Verhandlungen nicht be- schleunigt habe und weil sie, wie behauptet wurde, sich zu sehr vom Hauptvorstande beeinflussen lasse. Die Verhandlungen mütztcn jetzt so schnell wie möglich zu Ende geführt werden. Jetzt sei die Konjunktur günstig. Jede Verzögerung bedeute eine Verschlechte- rung der Position der Arbeiter. Wenn die Unternehmer keine weiteren Zugeständnisse machen, dann müßten die Verhandlungen .sofort abgebrochen werden, che noch die Konjunktur abflaut. Datz die Kollegen kampfbereit seien und nur auf das Signal zum Los- schlagen warten, beweise der Umstand, daß die Extrabciträge mit einer Einmütigkeit bezahlt werden wie nie zuvor. Ein Vertrag, 5er 5cn berechtigten Wünschen 5er Arbeiter nicht weiter entgegen- komme wie diese Vorlage, habe keinen Wert. Also mehr Zu- geständnisse oder Kampf. Das waren die Grundgedanken, die in den Ausführungen eines jeden Redners wiederkehrten und von der Versammlung mit stürmischem Beifall aufgenommen wurden. Glocke nahm die Ortsverwaltung gegen den Vorwurf der Verzögerung in Schutz und gab zu bedenken, datz die Berliner Kollegen doch nicht ohne Rücksicht auf den Gesamtverband handeln könnten. Es seien doch 42 Städte an der Tarifbewegung beteiligt, auf die Rücksicht genommen werden müsse. Ohne ausdrücklichen Beschlutz und ohne Zustimmung des Hauptvorstandes könne der Kampf nicht proklamiert werden. Eine Neigung zum Kampfe scheinen ja die Unternehmer nicht zu haben; doch sei es nicht aus- geschlossen, datz sie die Aussperrung verhängen, wenn die Arbeiter den Vertrag ablehnen. Sollte diese Eventualität eintreten, dann sei es an der Zeit, Beschlüsse über das weitere Vorgehen zu fassen. Zunächst würde es sich empfehlen, weiter zu verhandeln und zu versuchen, ob noch Verbesserungen zu erlangen seien.— Die Versammlung faßte einstimmig den Beschluß: „Die aus den bisherigen Verhandlungen hervorgegangene Tarifvorlage kommt den Wünschen der Kollegen bezüglich des Arbeitsnachweises, der Arbeitszeit, der Lohnerhöhung und der Lohnsicherung bei neuen Mustern nicht weit genug entgegen. Die Verhandlungen sind deshalb mit möglichster Beschleunigung fort- zusetzen und die Ergebnisse derselben einer demnächst einzu- berufenden Versammlung vorzulegen." Die Lohnbewegung in der Herrenkonfektion. Eine öffentliche Versammlung der Herrenkonfektionsschneider füllte am Montag den grotzen Saal in der Neuen Königstratze 26. Der Bericht über den Stand der Lohnbewegung in der Branche stand auf der Tagesordnung. Kunze, der den Bericht geben sollte, war verhindert, weil er am selben Tage in Frank- furt a. M. an Verhandlungen mit dem Hauptvorstand des Arbeit- geberverbandes für das Schneidergewerbe teilzunehmen hatte. Statt seiner sprach der frühere Filialleiter Ritter. Einleitend erinnerte er an den grotzen Kampf der Konfektionsarbeiterschaft Berlins vor nunmehr 14 Jahren. Damals wurde vor dem Eini-' gungsamt de» Gewerbegerichts festgestellt und protokolliert, datz die Löhne in der Konfektion, auch in der Herrenkonfektion, einen solchen Tiefstand erreicht hätten, daß sie nicht mehr als anständig gelten konnten. Die Konfektionäre versprachen damals, allge- meine Tarife einzuführen, haben aber, wie ebenfalls vor dem Cinigungsamt festgestellt wurde, ihr Versprechen gebrochen. Die Konfektionsarbeiterschaft hat damals in ihrer grotzen Masse eben- falls nicht die Charakterfestigkeit und Ausdauer gezeigt, die not- wendig gewesen wäre, um die Arbeitgeber zu Tarifverträgen zu zwingen. Im allgemeinen betrachten die Konfektionäre es noch heute als ihr Privilegium, die Löhne selbstherrlich festzusetzen. Sie behaupten, daß die Arbeiten in der Konfektion dermaßen ver- schieden seien, datz eine tarifliche Regelung überhaupt unmöglich sei. Dasselbe sagten früher mit derselben Sicherheit auch die Ar- beitgeber der Herrenmatzschneiderei, in der bekanntlich nun schon seit längerer Zeit Tarifverträge bestehen. Uebrigens ist auch für die Herrenkonfektion bereits in verschiedenen Städten des Reiches, und zu einem guten Teil auch in Berlin, durch das Bestehen von Tarifverträgen bewiesen, datz die tarifliche Regelung durchaus möglich ist. Die Unternehmer suchen nun in manchen Fällen bei der aufsteigenden Konjunktur durch kleine Lohnzulagen einer dauernden tariflichen Regelung vorzubeugen. Läßt sich die Ar- beiterschaft dadurch ködern, so wird sie es erleben, datz bei schlechtem Geschäftsgang die Löhne wieder um so mehr herabgedrückt werden. Es kommt eben auf den Mut und die Tatkraft der Arbeiterschaft an, will sie eine dauernde Verbesserung ihrer Lebenslage er- reichen. Bei verschiedenen Firmen wird gegenwärtig und in den nächsten Tagen wiederum verhandelt.— Der Redner schilderte ferner die Zustände und Mißstände bei verschiedenen Firmen, wies auch auf die in letzter Zeit errungenen Vorteile hin und schloß mit der Aufforderung an die Versammelten, die günstige Kon- junktur mit ganzer Kraft auszunutzen.— Die Versammlung bewies durch lebhaften Beifall, datz diese Mahnung nicht vergebens sein soll. Es wurde noch besonders betont, daß zahlreicher Besuch der Werkstattsitzungen ebenfalls vor allem notwendig ist, um die Bewegung vorwärts zu bringen. Die Berliner Malermeister und der Reichstarif.j Die Malermeister versammelten sich am Montagabend in der „Neuen Philharmonie", Köpenicker Straße, zusammengerufen vom „Verband der Malereigeschäfte von Berlin und den Vororten". Die Meister sollten über die einzelnen Positionen des neuen Reichs« tarifs aufgeklärt werden. Der Verbandsvorsitzende, Herr Kruse, entledigte sich dieser Aufgabe in einem längeren Vortrage. Herr Kruse sprach mit Anerkennung von dem Tarif und fand auch den lebhaften Beifall der Anwesenden. Manche Positionen würden frei- lich noch zu allerlei Bedenken Anlaß geben, aber der Tarif sei unter schweren Kämpfen mit den Vertretern der Gehilfen zustande ge- kommen, und im allgemeinen sei er zu begrüßen als Förderung im Geschäftsleben, denn man brauche ihn notwendig, um geregelte Verhältnisse im Beruf herbeizuführen. 399 Meisterversammlungen in Deutschland haben sich damit einverstanden erklärt, und die Berliner Versammlung vom 14. Januar habe einstimmig auch die Lohnerhöhung von 5 Pf. gutgeheißen, denn man sei froh gewesen, daß endlich die Ungewißheit aufhörte und datz man nun etwas Be- stimmtes hätte, woran man sich halten könnte. Wenn in Berlin eine Mehrheit der Gehilfenschaft sich gegen den Tarif erklärt habe, so sei das den Gehilsen nicht zu verdenken, solange diese eben an oie Möglichkeit glaubten, bessere Bedingungen zu gewinnen. Herr Kruse erklärte es als Pflicht der Meister, die Gehilfenorgäni- sation anzuerkennen und sich genau an den Tarifvertrag zu halten, da dadurch das Malereigeschäft nur gewinnen konnte. Achtung, Tapezierer» Ledermöbclarbeiter! Die Firma Stephan u. H e I b i g in der Frankfurter Straße 14 ist wegen Lohndifferenzen gesperrt. Die Ortsverwaltung. Achtung, Wagensattler! In der Maschinenfabrik„Cyklon", Alt-Boxhagen 17-18, wird eine eigene Sattlerei unterhalten, deren selbständiger Leiter der Sattlermeister Fr. Baran ist. Dieser Meister verlangte von den dort beschäftigten Kollegen, datz sie an Stelle der bisher üblichen 9stündigen Arbeitszeit wieder 19 Stun- den täglich arbeiten sollten. Da in der gesamten Maschinenfabrik die üstündige Arbeitszeit durchgeführt ist, so lehnten die Kollegen dieses Ansinnen ab, worauf sie kurzerhand entlassen wurden.— Wir ersuchen sämtliche Kollegen, diesen Betrieb auf jeden Fall zu meiden. Die Ortsverwaltung Berlin des Verbandes der Sattler und Portefeuiller. Achtung, Frifeurgehilfen! Wegen Differenzen für Verbands- Mitglieder gesperrt: Arndt, Alexanderplatz 2 und Bergmann- stratze 112. Verband der Friseurgehilfen. Dcutlcbea Reich. Rcxhänsersche„Wahrheit". Die Angriffe HeS nationalliberalen Abgeordneten Dr. G ö r ck e auf den.Vorwärts"-Betrieb veranlassten bekannilich den Genossen Fischer in der Sitzung des Reichstags vom 12. Februar zahlenmässige Angaben über die wirklichen Verhällnisse der.Vorwärts"-Angestelltcn zu machen. Genosse Fischer wies dabei— nach unserem Gefühl überfliissigerweise— noch aufHerrn Rexhänser als Duelle derVerleum- düngen hin. Herr Rexhäuser kochte Wut; acht Tage lang. Und in seiner Nummer 22 vom 22. Februar muss das unglückselige Organ der Buchdrucker, der„Korrespondent", wie schon so oft, wieder einmal herhalten, das endlich an diesem Feuer gar gewordene Produkt der Rexhäuserschen Privat-Sudelküche aufzunehmen. Tat- sächliches bringt der Rexhäusersche Artikel nicht. Dagegen enthält er den kühne» Satz: '„Sollte Herr Dr. Gorcke über den„DorwartS"-Betr!eb Hilfen» lose und genaue Angaben aus dem„Korr." gemacht haben, so hat Dr. Görcke nur die Wahrheit gesagt." Wir möchten doch niemand raten, sich daraufhin die von Herrn R e x h ä u s e r angeführten Nummern des„Korrespondent" zu ver- schaffen und nun daraus fröhlich zu zitieren. Wie Rexhäusersche „Wahrheit" aussieht, dafür nur ein Beispiel. Die Nummer deS „Korrespondent" vom 3. November 1996 missbrauchte Herr Rex« Häuser zu einem„Blick in den Zukunftsstaat". In dem so über- schriebenen Artikel wurde Fischers Name wohl 29 bis 2ömal genannt. Und dann hieß es: „Von einem anderen Kollegen wurde uns dieser Tage mit Namensangabe geschrieben: Lassen Sie sich durch den „Vorwärts"-Artikel nicht stören. Theorie und Praxis ist da zweierlei. Die Maschinenmeister erhalten schlechtes Papier und X. 2). 1999 M. für guten Papierabschlutz extra. Ja, Bauer, das Ist ganz etwas anderes." Die Stelle war nicht anders zu deuten, als auf F i s ch e r ge» münzt und sollte auch nicht anders gedeutet werden. Ihr Hinein» bringen in den Artikel ohne diese Absicht wäre sinnlos gewesen. Herr Rexhäuser wurde denn auch von der Presse, u. a. von der „Post", so verstanden und gedeutet, wie er verstanden und gedeutet sein wollte. Man beschuldigte Fischer im Vertrauen auf Rex« Häuser glattweg der Bestechlichkeit. Und was stellte sich bei der Gerichtsverhandlung gegen die Redaktion der„Post" heraus? Dort mutzte Herr N e x h ä u s e r unter seinem Eide bekennen, daß nicht Fischer, sondern der Oberfaktor Rahn auf der Postkarte gemeint sei. Und da ihm die Karte ausweislich seines Artikels„m i t N a m e n s a n g a b e"(!) zugegangen tst, hat er sie nicht etwa in Unkenntnis dieser Tatsache, sondern in perfider Absicht in den Artikel gegen Fischer hineingebracht, frei- lich in einer Form, die ihm im Falle einer Klage immer noch die Ausrede ließ, Fischer sei nicht gemeint. Als alle Welt die Karte auf Fischer deutete, liess sich Herr Rexhäuser bei» leibe nicht zu einer nur für den Fall einer Klage gegen ihn bereit» gehaltenen Erklärung herbei. Erst sein Zeugeneid zwang ihn dazu; wenngleich er auch vor Gericht zunächst die Wahrheit totzuschweigen versuchte. Und als er gefragt wurde, warum er diese nach den Angriffen auf Fischer nicht öffentlich gesagt habe, gestand er unter Eid, sein intensiver Hätz gegen F i s ch e r habe ihn gehindert, der Wahrheit die Ehre zu geben I Und nun das Tollste: Rexhäuser verwandte eine anonyme Postkarte gegen Fischer, die auf Rahn gemünzt war. Aber auch diese Beschuldigung gegen Rahn war falsch, wie noch in der- selben Verhandlung festgestellt wurde, in der R e x h ä u s e r sein Geständnis von dem intensiven Haß gegen Fischer machen mutzte.— Herr Rexhäuser kündigt nun eine Bxoschüre über„Theorie und Praxis in der Partei" an. Man darf darauf gespannt sein. Wenn man weitz, datz die Genossen Fischer und Heine, die er in Nr. 22 deS„Korrespondent" in seiner Weise angreift, zu denen gehören, die ihm von Sozialdemokraten noch am sympathischsten sind, und wenn man seine von ihm beeidete Praxis kennt, die Wahr» heit im intensiven Hätz zu ersticken, dann mutz die neue Broschüre ein Meisterwerk eisenstirniger Berdächtigungskunst werden. Hoffentlich übernimmt der Reichsverband von vornherein die Kosten der Drucklegung. Der Buchdruckerverband dürste sich jeden» falls dafür bedanken, Herrn Rexhäuser für diese Extratour zur Befriedigung seines eigenartigen privaten WahrheitSorangeS die Steigbügel zu halten._____ Tabakarbciterausstand. Bei der Firm» Th. Hef mW« B, Co. in Kirchlengern(Westfalen) haben die Zigarrenmacher und Sortierer die Arbeit eingestellt, weil sie mit den von der Firma beabsichtigten Lohnreduzierungen nicht einverstanden sind. Die Verhandlungen verliefen resultatlos. Es sind der Deutsche Tabakarbeiterverband, der Zigarrensortiererverband und der Christliche Tabakarbeiterverband beteiligt. Vor Zuzug nach Kirch» lengern, Sedlengern und Eilshausen wird gewarrrt, HusUnd. Generalstreik in Philadelphw. Der Präsident der Central Labom Union hat den«IgemetMA Ausstand proklamiert als Sympathiebeweis für die aueständigen Stratzenbahnangestellten. Man glaubt, datz 199 999 Man» dieser Aufforderung nachkomme» werden. Letzte JVacbricbten und DepeMen. Die Folge» der Tabaksteuer- Erhöhmig. Breslau, 22. Februar.(Privatdepesche deS.Vorwärt?",) y» Oh lau sind 10w Tabakarbeiter ganz oder trilwrise arbeitSl»«, Am Montag nachmittag zogen 509 durch die Stadt zum Rathause, um eine Beschleunigung in der Abfertigung der Unterstützungsgesuche zu erreichen. D«Z Bürgex- meister hat versprochen, sein möglichste? zu tun. z Die Adreßdebatte im Unterhau». Lande», 22. Februar.(W. T. B.) Im weitere»» Verlauf der Verhandlungen bekämpfte Handelsminister Churchill die Auffassung, als dürfe man die Auf- fchiebung des Budgets als Hebel zur Herbeiführung einer Verfassungsänderung benutzen. ES sei ein törichtes AuSkunftS- mittel, den Versuch zu machen, auf die LordS in der Vetofrage da» durch einen Druck auszuüben, daß man ihnen drohe, sie sollten das Budget überhaupt nicht mehr erhalten. Die Regierung betrachtet die Annahme des Budgets als notwendigen Beweis ihres Sieges bei den Wahlen.(Gelächter bei der Opposition.) Das HauS habe indessen ein Recht darauf, bezüglich der daS Vetorecht deS Ober- Hauses betreffenden Resolution informiert zu werden, bevor die endgültige Abstimmung über das Budget erfolge. Die durch dieses Vorgehen bedingte Verzögerung fei, so weit es sich um die finanzielle Lage handele, unbedeutend. ES sei nutzlos und töricht, einen bestimmten AktionSplan aufzustellen, bevor nicht der Premier» minister sagen könne, datz er über eine große Majorität verfüge, welche die das Oberhaus betreffenden Vorschläge unterstütze. Wir werden unsere ganze Existenz dafür einsetzen, um diese Vorschläge zum Gefetz zu machen._ Feuer im Kinematogrophentheater. Kaiserslautern, 22. Februar.(W. T. B.) In MaedelS- heim gerieten im Kinematographcnthcater Films in Brand, wo- durch eine Panik unter den Zuschauern entstand. Viele Kinder wurden ohnmächtig und verletzt, einige schwebten in Erstickungs- gefahr._ Einsturz eines Staatsgebäudes. Laibach, 22. Februar.(B. H.) Das acrarische Gebäude in Ltronau, einem Marktflecken in Oberkrain, in welchem sich das Bezirksgericht befindet, ist in der Nacht auf Montag unter dem Druck der auf dem Dache gelegenen Schncemassen eingestürzt. Ob Menschenverluste zu beklagen sind, ist bisher nicht bekannt ge- worden.' Mord und Selbstmord. Budapest, 22.Februar.(B. H.) Ein Gastwirt namens Meiner übergab fein Geschäft seinem Schankburschen namens Adler. Weinert erschien heute bei dem letzteren und forderte eine end- gültige Abrechnung. Adler erwiderte, er solle zunächst mit ihm den Keller besichtigen. Dort angelangt, erhob Adler einen Sievolver» schoß Wcincr nieder und durchschnitt ihm außerdem mit einem Küchenmesser die Kehle. Erschrocken über seine Tat schoß sich Adler ebenfalls eine Kugel in die Brust. Als das lange Ausbleiben der Beiden auffiel, begab man sich in den Keller und fand dort die beiden Personen in einer Blutlache vor. Verantw. Redakt.: Richard Barth, Berlin. Inseratenteil verantw.:Th, Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr.u. Verlagßanstall KaulSingcrLiCo., Berlin SW. Hierzu 3 Beilagen». vaterheltunglbl, Dr. 45. 27. Zahrgasg. 1. Snl»l>e des ,|flriiiiiita" jlrrlinn lallislilaH. Mittwoch. 23. Iftirnot 1910. Hus der parte!* Bebels Geburtstag. Zahllos drängen sich die glückwünschenden Besucher in Bebels bescheidener Wohnung, die durch die Geschenke in einen Blumenhain verwandelt erscheint. Von den vielen Zeichen der Verehrung, die der Jubilar heute erhielt, ist das bedeutsaniste ein Album, das die künstlerisch ausgestatteten Adressen aller Parteien der Internationale enthält. Nicht nur alle europäischen Länder, sondern auch alle Erdteile sind ver- treten und beim Durchblättern des stattlichen Bandes fallen vor allem die armenischen und japanischen Schriftzüge in die Augen. Kein anderer Politiker hat je ähnliche Huldigungen erfahren. Vorstand, Generalkommission und Reichstagsfraktion ver- anstaltcten am Abend eine Feier im engeren Kreise, zu der Delegierte der zentralen Instanzen der Berliner Partei und Gewerkschaftsbewegung, der Redaktionen des„Vor> wärts" und der„Neuen Zeit", der Parteischule und des BUdungsausschusses, der Stadtverordneten- und preußischen Landtagsfraktion hinzugezogen waren. Die Genossen Viktor Adler und Jules G u e s d e. die gerade in Berlin weilten, nahmen gleichfalls an der Feier teil. Genosse Dietz hielt die Festrede, worauf Genosse Viktor Adler» Wien die Glück. wünsche der österreichischen Sozialdemokratie darbrachte. Für die französische Arbeiterpartei sprach Genosse Jules G u e s d e, dessen Rede die Genossin Zetkin übersetzte. Bebel, dessen Bescheidenheit sich all den Ehrungen am liebsten entzogen hätte, nahm selbst zu kurzem Dank das Wort. Er war jugcndfrisch und lebendig wie in seinen besten Tagen. Im Namen der Generalkommission feierte D ö b l i n den Jubelgreis. Die Feier der Partei findet am Freitag in der Neuen Welt statt._ Eine Bebel-Feier in Paris. Paris, 22. Februar.(Privatdepesche deS„Vorwärts".) Der Geburtstag Bebels wurde hier in einer großen Ver sammlung gefeiert, die der demsche sozialdemokratische Lese. klub heute in den Saal deS Grand-Orient einberufen hatte. Den Vorsitz führte Genosse D u b r e u i l h. Sekretär der ge. einigten Partei. Ein Chor des deutschen Arbetter-Sänger bundes leitete die Feier ein. Die Reden hielten Genosse Abgeordneter Dr. Frank, der über„Bebel als Mensch und Politiker" und Genosse I a u r ö S, der über„Bebel und die Jnter nationale" sprach. Die Versammlung gestaltete sich zu einer eindrucksvollen Kundgebung internationaler sozialistischer Solidarität._ vebrlfeier in der Parteischule. Luch die Parteischule, als deren hauptsächlichster Begründer und Förderer Bebel gelten muß. feierte heute aus angemessene Weise den 70. Geburtstag Bebels. Bor Beginn deS Unterrichts hielt Genofle Franz Mehring an die versammelten Schüler und Lehrer eine der Bedeutung des TageS entsprechende. gedankenreiche«n spräche, in der er. ausgehend von dem eigenen Bildungsgänge Bebels, die Verdienste unseres Altmeisters um die heutigen Arbeiterbildungsbestrebungen in der sozialdemokratischen Partei, be- sonders dessen Wirken für die Errichtung und den Ausbau der Parteischule mit herzlichen Worten schilderte und die Schüler auf. forderte, sich Bebel zum Vorbild zu nehmen und in gleichem Sinne wie dieser da» Gelernte im Kampfe gegen die kapitalistische Gesell schaft zu verwenden._ Die erste Grmeindcvertreterkonfrrcnz für den Wahlkreis Erfurt» Schleusingcn-Ziegenrück wurde am Sonntag in Erfurt abgehalten. ES waren 11 Orte durch 2S Delegieite(darunter 17 Gemeindevertreter) vertreten. Vorträge über das preußische Kommunalprogramm und kleines feinUeton. Ein vichtiger Goethe- Fund. In Zürich hat Professor Billeter die alte Fassung der vier ersten Bückier von Wilhelm Meisters Lehrjahren entdeckt, das heißt die vollständigen sechs Bücher von Wilhelm Meisters theatralischer Sendung. Das ncugefundene Mannskript enthält sehr viel NeneS.— Wir schätzen heule den jungen Goethe in manchem viel höher, als den klassischen Gehcimrat. Wir suchen seine Werke möglichst in dem Zu- stände zu genießen. wie er sie ursprünglich schrieb. Seme Gedicht, und Schriften werden in der Reihenfolge ihrer Entstehung gegeben, die Werke in der ersten, frischen, genialischen Fassung publiziert— wir erinnern an den lange nach seinem Tode entdeckten Ilr-Faust und an die Tagebücher aus Italien, die vor der italienischen Reise den Reiz der unmittelbaren, unverarbeiteten Eindrücke voraus- haben. So wird auch die erste Fassung von„Wilhelm Meister", die auS den Jahren 1777— 178S stammt, von der späteren Umarbeitung in vielem abweichen und daS Bild deS jungen Goethe vervoll- ständigen. Das 600 Seiten starke Manuskript, daS außer dem„Wilhelm Meister" u. a. auch noch einen Monolog aus dem vernichteten biblischen Drama„Belsazer" enthält, ist eine Abschrift, die Goethe seiner Züricher Freundin Barbara Schulihetz gesandi hatte. AuS deren Nachlaß stammt cS. Der erste Entwurf des Wilhelm Meister, der noch zum Teil auf GoelheS Frankfurter Zeit zurückgehen dürste, hatte, wie der Titel bereits andeutet, nicht die spätere Tendenz eincS umfassenden EntivickelungSromanS, sondern bei großem iudividuellem Reichtum ein konkretes Ziel: die Reform deS TbealcrS. Das war bisher bereits so gut wie sicher und scheint durch de» Fund bestätigt zu werden. Goethe halte unter der Maske Wilhelm Meisters vor allem leine eigene KindheitS- und Jugend- geschickte geboten, die später gestrichen wurde, alS der Roman seine viel umfassendere uud Goethes neue Erlebnisse und Jrr�änge in Weimar und Italien mit verarbeitende Gestalt erhielt. Der Ur- Wilhelm Meister scheint in allein ein Seitenstück zum Ur- Faust zu sein, den der Literarhistoriker Erich Schmidt entdeckte. Wenigstens charakterisiert ihn die Berner Zeitung„Bund":„Goethes DarstellungSktiiist ist in dieser Urform von einer so glutvollen Frische und Unmittelbarkeit, von einer so jugendlichen Kraft, Trefflichkeit und lünstlcrischer Prägnanz, wie sonst nur noch in den besten Partien des„Werther" und des Ur-.Faust", und nirgends sonst tritt die starle humoristische Ader, über die der junge Goethe verfügt, während sie bei dem alternden immer mehr versiegt, so glücklich zutage. Ferner kommt hier daS Autobiographische deS Romans noch viel stärker und unmittelbarer zur Geltung. I» ganz neuer, höchst reizvoller Beleuchtung erscheinen unS jetzt Goethes. Frankfurter Knaben- und EntwickelungSjahre." l über die Landgemeindeordnung wurden gehalten. An beide Reterate schloß sich eine längere Debatte u. a. über die Auslegung inifflicher Wahlrechtsbestimmungen. Für die bevorstehenden Gemeinderatswahlen wurde den Organisationen zur Pflicht gemacht, sich mit allem gebotenen Eifer an denselben zu beteiligen, um auch an den Orten in die Gemeiildevertretungsn einzudringen, wo das bisher noch nicht möglich gewesen. Schließlich forderte Kreis- Vorsitzender Genosse Ritz die Genossen, die jetzt schon in Ge- meindevertretungen fitzen, ans, Anträge einzubringen, in denen die Beseitigung des Dreiklassenwahlrechts ge- fordert wird. Die Wahlrechtsfrage dürfe auch in den K o m- munen nicht mehr von der Bildfläche verschwmdsn. Eine sozialdemokratische Gemeindevertreter-Konferenz für den niederrheinischen Agitationsbezirk tagte am 30. Februar in Elberfeld. Aus 32 Gemeinden waren 70 Gemeindrvertreter erschienen. Außerbem waren die KreiSleiter, Parteisekretäre und daS Nicderrheinische AgilationSkomitee anwesend, insgesamt 8l Delegierte aus neun ReichStagswahltreisen. Die Ge- samizahl der Gcmcindeverlreter im ganzen Agitauonsbezirk ist seit der letzten Wahlperiode von 130 auf 175 gestiegen. Genosse G e w e h r- Elberfeld, der die Konserenz leitete, wie« in seiner Begrüßungsansprache auf die Fortschritte der Partei auch auf lommuiiolem Gebiete hin und betonte die Notwendigkeit solcher Konferenzen. Auf der Tagesordnung ftaiiden zwei Vor- träge über:„Die Aufgaben der Sozialdemokratie chuf dem Gebiete des BolkSschulwesens" und:„Die Etatsberatungen in den Gemeinden". Ueber das erster? Thema referierte Stadtverordneter Genosse Lands- Elber- seid, über den zweiten Punkt Stadtverordneter Genosse Groß- b e r n d t- Ohligs. Genosse Lands führte einleitend o»S. daß für die Organisation der Volksschule und für die Unterrichtserteilung lediglich als rechtliche Grundlage das Allgemeine Preußische Land- recht und die Verfassung in Frage kommen, im übrigen ein völlig rechtloser Zustand bestehe. Nun sollte man erwarte», daß die Gemeinden innerhalb des Rahmens der Verfassung und deS Landrechls die innere Einrichtung deSVollsichulweiens ganz nach eigenem Ermessen gestallen lönnten. Da jedoch in Preußen der Grundsatz: daß der Staatsbürger alles das um dürfe, was nicht verboten sei, keine Geltung habe, sondern umgekehrt die Staatsgewalt alles zu reglementieren für sich in Anspruch nehme, was nicht gesetzlich festgelegt sei, so habe der Staat das ihm zustehende AufsichtSrccht in einer Weiie auS gebaut, daß die Gemeinden ohne Genebmignng der AufsichtS rnstanzen so gut wie überhaupt keine Rechte besäßen. Die etwaigen Lücken nach dieser Richtung seien durch die l833 eingeführte VerwaltungsgericktSbarleit geschloffen, und so die Volksschule als Gemeinseeinrichtung— abgesehen von den Aussicht� instanzen— ohne jeden Rechtsweg. Daraus seien die meisten Mifr stände zurückzuführen, wie Nichlbcstärigung politisch mißliebiger Ge- rneindeverrreter in den Schuldeputationen m'w. Der Redner erörtert dann die technische Klaffeneimeilung. die hierfür maßgebenden Grundsätze, den Lchrplan usw.. wobei er den Unterschied zwischen Volks-, Mittel- und höheren Schulen gebührend hervorhebt und betont, daß eS bei der durchschnittlichen Klassenfrcquenz von 60 bis 70 Schülern dem Lehrer einfach nicht möglich sei, den Kindern das beizubnngcn, was als das Ziel der Volksschule erstrebt werde. In bezug auf den Unterrichtsstoff ist der Referent der sonderbarcit Meinung� daß der Religionsunterricht, der zwar im Prinzip nicht in die Schule hinein gehöre, doch nicht fosehrfchädigond wirke, wie das immer behanptet werde.(!) Auch mit dem Geschichtsunterricht, der �war tendenziös zugestutzt, fei es„nicht so schlimm"(!). BetdcS könne durch das Elternhaus und das spätere praktische Leben leichl bekämpft werden. Die Hauptsache sei. daß die Voltsschüler das zu lernen imstande seien, was als Ziel im Lehrplan stehe. Hiermit sehe eS aber schlimm aus. Rund 50 Prozent aller Volksichüler erreichten dies Ziel nicht. Das liege nicht am Lehrcrmaterial, sondern vorwiegend an den schlechten materiellen Verhältnissen der Eltern und der un- genügenden Vorbildung sowie an der Klassenüberfiillung. Die Kinder der besitzenden Klasien seien körperlich und geistig weiter fort» geschriften, wenn sie daS Schulalter erreicht haben. Man muffe des-- halb für Kindergärten unter vernünftiger Leitung eintreten sowie für möglichst umfangreiche Speisung bedürftiger Voltsschüler, Spiel« Plätze in freier Lust usw. Redner weist dann noch kurz auf unseren prinzipiellen Standpunkt zum Volksschulwesen hin und meint zum Schluß, daß eigentlich im Prinzip nur der Junker der Feind der Schule sei, der industrielle Westen brauche intelligente Arbeiter. Weitn unsere Vertreter dennoch meist taube Obren fänden bei Bewilligungen von Volksschulen, so sei hier lediglich die finanzielle Seite das Ucbel. Um immer mehr zu erreichen, sei die Kleinarbeit zu empfehlen. Mit den Forde- rungen auf Grund unseres Programms allein sei nichts getan. Eine orientierende Broschüre soll binnen kurzem, eine definitive Ausgabe des Fundes zmn Sommer erscheinen. Die Ausrottung des Elefantin. Um die Kulturmenschheit mit Billardkugeln, Stockknöpfen, feinen Kämmen und Fächern und ähn- lichen ungeheuer nützlichen Gegenständen zu versehen, werden nach den neuesten Berechnungen des Pariser Forschers Tournier 800 600 Kilogramm Elfenbein jährlich verarbeitet. Das ist gleich- bedeutend mit der Niedermetzelung von 50 000 der gewaltigsten Tiere der Welt, der Elefanten. In Afrika, dem ausschließlichen Jagdterrain für Elefanten, ist die vollständige Ausrottung dieses klugen Dickhäuters nur noch eine Frage der Zeit. Alle Re- gierungen, die von den Männern der Wissenschaft um Maß- regeln zum Schutz des Elefanten vor der blödsinnigen Geldgier der Elfenbeinhändler angegangen wurden, haben vollständig versagt. Dieim Jahre lSOO gegründete Gesellschaftzur Zähmung und Verwendung des afrikanischen Elefanten als Haustier hat sich jetzt ebenso wie die 1006 gegründete internationale Gesellschaft zum Elefantenschutz aufgelöst. Die ungeheuren Arbeitskräfte des größten Landtiere» der Welt, die in Indien so klug ausgenutzt werden, werden dem Wahn- sinn der sogenannten Kultur der oberen Zehntausend zum Opfer gebrocht. Nach den neuesten Mitteilungen hat von dein Augen- blick an, wo der Kongostaat die Verwaltung des Bezirks Lado aufgab. eine englische Jagdgesellschaft eine Elefantenheerde von acht- tausend Köpfen umzingelt und niedergemacht, die Weibchen und Jungen eingeschlossen. Es werden auch wieder die alten Methoden angewandt, daß die Elcfantenheerden in Schilf- oder Buschwerk um- zingelt und durch das Feuer deS ringsherum angezündeten Schilfes und Holzes lebendig dem Feuertod überliefert werden. An dieser .Kultur"arbeit nehmen insbesondere die omcriranischen Milliardäre teil, denen die Elcfantenjagd jetzt der neueste Sport geworden ist. Die Guillotine von Rom. In der römischen Viktor-Einanuel- Bibliothek ist soeben eine iiiteressante historische Reliquie aufgestellt worden, die die Erinnerung wieder auslebe» läßt an die Tage der päpstlichen Herrschaft, die der Befreiung Ronls voraufgiilgen. Alis dem Regina-Coeli-GefängniS hat mau die berühmte Guillotine in die Bibliothek übergeführt, die in den bewegten Tagen deS Risorgimento(Befreiung) ihre grauenvolle Rolle spielte. ES ist die Guillotine, mit der in den Tagen der Papstherrschast die TodeS- urteile vollstreckt wurden. Aber nicht nur die gemeinen Verbrecher fanden hier die Vergeltung für ihre Taten, auch berühmte italienische Patrioten, wie Cesare Lecatelli, Monti, Toquetli u. a. starben durch dieS historische Fallbeil. Die Besucher der Bibliothek werden außer der in allen Einzelheiien vollständigen Hmrichttmgömaschine auch die Plattform sehen können, auf der der berüchtigte Henker Buaatti seines fürchterlichen AmieS waltete. Reben der Guillotine hängt noch die Amtstracht des Henkers und die Bluse sowie die rote Eulitz- kappe mit der einäugigen Oeffnuug, die der Gehilfe trug. Such der Man solle das Programm als Ziel im Auge behalten, im übrigen aber schrittweise auf Grund der gegebenen Verhältnisse zu erreichen suchen. waS im Bereiche der Möglichkeit liege. Die Ausführungen riefen eine ausgedehnte Diskussion hervor.* BiS auf wenige Ausnahmen traten fast sämtliche Diskussionsredner dem Referenten teilweise recht scharf entgegen sowohl wegen der Auffassung des Genossen Landä über die Wirkung von Religions- und Geschichtsunterricht als auch wegen der Meinung über die Milarbeir der bürgerlichen Vertreter an der Volksschule. Gcnosi« Gewehr konnie am Schlüsse der sehr ausgedehnten Debatte dfZ Erörterungen dahin resümieren, daß die Koufcrenz der Ansicht sei, daß die Volksschule in der ärgsten Weise vernachlässigt werde, daß Religion und patriotische Tendenzgeschichte auch den Geist der übrigen Unterrichtsfächer beherrschen und daß die bürgerlichen Gemeindevertreteu selbst für kleine Verbesserungen nur unter dem Drucke der öffentlichen Meinung zu haben seien Pflicht unserer Vertreter s ei, im Sinne deS Parteiprogramms zu wirke», entsprechende Anträge zu stellen, im übrigen aber jede kleine Verbesserung als Abschlagszahlung zu akzeptieren. Ein Antrag an den preußischen Landtag wurde gegen wenige Stimmen abgelehnt, weil von dem jetzigen Landtage höchstens noch Verschlech- terungen zu erwarten seien. Dann referierte Genofle Großberndt über:„Die Etats- beramngen in den Gemeinden". Er forderte übersichtliche und einfache Etats und Beseitigung aller Nebcneinrichtungen, welche wie Etats- Verschleierungen aussehen, genaue Kontrolle der einzelnen Titel, Spezialberatungen und Kritik vom prinzipiellen Standpunkte an den EinzeletatS und Zulassung unserer Vertreter zu allen Kommissionen. In der Diskussion wurde dem Referenten größtenteils zugestimmt, teils erfolgte eine Vervollständigung seiner Forderungen. Eine Resolution im Sinne der Aussprache fand Annahme und darnrivurde die Konferenz geschloffen._ Soziales* Vom Sklavenmarkt der Agrarier. Die Deutsche Feldarbciter-Zentral stelle Berlin, dieser von der Regierung mit so großen Vorrechten ausgestattete agrarische Arbeitsnachweis, hat in Deutschland eine ganze Reihe Filialen, von denen aus den Agrariern die Landarbeiter in ganzen Scharen aus dem Auslände zugeführt werden. Vor uns liegt ein Prospekt der Feldarbciter-Zentral» stelle, der von dem Arbeitsnachweis der Landwirtschaftskammcr für das Herzogtum Vraunschwcig den Agrariern zugestellt worden ist. In diesem Prospekt werden den durchweg wohl- habenden, ja reichen Bauern deS braunfchweiger Landes für das Jahr 1910 Landarbeiter und-Arbeiterinnen zum Kauf angeboten. Für die mindestens zwölf stündige Arbeits» zeit ausschließlich der Esscnspausen wird nach dem Prospekt an Lohn den Arbeitern bezahlt: Für Wanderarbeiter auS Rußland(fast auS» schließlich Polen) Tagelohn wöchentlich oder zweiwöchentlich zahlbar ») für Vorarbeiter» die sich deutsch verständigen können während Tagelohn der Ernte (5 Wochen) bei Trupp? von über 25 Personen... 2,25 M. 2,75 M. b) desgleichen bei Trupps von 15 bis 25 Per« f onen 2,—„ 2,50„ o) für den ersten Arbeiter deS Trupps, wenn kein Vorarbeiter gestellt wird.... 1,80„ 2,30. d) für Männer und starke Burschen, die mähen können........ 1,70„ 2,20# o) für andere Männer und starke Burschen........... 1,40, 1,80, I) für Frauen, Mädchen und schwächere Burschen............ 1,20„ 1,60, Ein kräftiger Mann erhält also wöchentlich 8.40 M. an Barlohn. Dazlt hat der Agrarier dem Ar- beiter an Naturalien wöchentlich zu liefern 25 Pfund Kartoffeln, 7 Liter Magermilch oder Z'/z Liter Vollmilch (täglich'/i Liter), ein Pfund Mehl. Von diesen Naturalien dürfen die Arbeiter aber nichts verkaufen. Abfälle und Rück- stände gehören dem Arbeitgeber. Setzt man diese Naturalien in Geld um, so erhält der vollkräftige Landarbeiter einen Gesamt wochenlohn von 9,50 M. oder einen Stundenlohn von 13,2 Pfennig! Dolch wird ausgestellt, den der Henker stets bei sich trug, um nötigen» falls durch einen Gnadenstoß dle Leiden seiner Opfer zu verkürzen. Die Guillotine mit ihrem Zubehör wird später in das patriotische Museum übergehen, das am Fuße deS neuen großen Viktor-Emanuel» Denkmal» errichtet wird. Humor und Satire. N a ch berühmten Mustern. In der russischen Duma hat ein Deputierter der äußersten Rechten seilte Verwunderung für den„hervorragenden deutschen Abgeordneten Oldenburg" auS- gesprochen,„der betont habe, der Kaiser brauche nur einen LeuMant mit zehn Mann, um den Reichstag auseinanderzujagen" und hat seine Fraktion und den, Verband echt russischer Leute" zu ähnlichen Toten angeregt.— vielleicht organisiert jetzt der her« vorragende Abgeordnete von Januschau einen„Verband echt oft» elbiicher Junker" und veranstaltet gelegentlich einen kleinen Pogrom gegen die Linke? AuS dem Tagebuch eines Philosophen. Unser ganzes Leben fetzt sich aus Abhängigkeiten zusammen. Die Erde ist abhängig von der Sonne, der Kellner ist abhängig vom Wirt, überall ist der Schwächere vom Stärkeren abhängig. S!ur eine AuS» nähme gibt eS: ich bin nicht von den Konservativen abhängig. « W-Shalb soll ein Arbeiter geheim wählen dürfen? Darf ich etwa heimlich reden? Preußen soll keine Vorzugsstellung haben bor anderen BimdeS« staaten. Deshalb muß das Reichstagkwahlrecht so lange gebeffert werden, bis eS so gut ist wie daS preußische LandtagSwahlrccht. Ein Wahlrecht mutz, wie schon der Name sagt, so beschaffen sein, daß möglichst wenige Menschen zur Wahl und zu ihrem Recht kommen.__(„Fugend".) Notizen. Vorträge. Im Wiflenschaftlichen Theater der Uranl« wird am Sonnabend, den 26., und Montag, den 28. Februar, nach» mittags 5 Uhr, Hofphotograph Hans Hildenbrand aus Stutt- gart einen Vortrag über das Lumiöre-Verfahren(Photo» graphie in natürlichen Farben) mit Vorführung von Aufnahmen halten. Eintrittskarten zu ermäßigten Preisen an der Kaste der Urania. — Die drei Jankschen Reichstag Zbilder, die be« kanntlich von lmseren patriotischen Banausen für den SitztmgSfaok als ungeeignet befunden wurden, sollen ein Unterkonmtön im großen Schreibsaal des Reichstages finden. Glücklicherweise hat sich der Reichstag die Blamage erspart, dem Künstler zuzumuten, er möge feine Bilder nach den Lyteniionen der Herren Arendt und Genoffeu ummalcn. Zwar erhält der Landarheiter auch noch eine freie Lager statt. Wie aber diese zumeist beschaffen ist, weist jedermann. der solche Leute schon einmal in ihrer Behausung besucht hat Von dem Iammerlohne kann nach dem Vertrage der Arbeitgeber— dem Gesetz zuwider!— wöchentlich und zlvar 10 Wochen lang 3 SR., bis zum Betrage von 3V M wegen Kontraktbruch zurückbehalten. r. Tie Wanderarbeiter aus den östlich von Thorn belegenen Grenzgcgenden Rutzlands erhalten noch geringere Barlöhne; kräftige Männer bekommen nur 90 Pf. bis 1 M. T a g c l o h n. also 6 M. W o ch e u l o h n, von dem die Hälfte 10 Wochen lang als Kaution zurückbehalten wird. Naturalien erhalten diese Leute wöchentlich im Werte von 4,30 M. Wanderarbeiter, starke Männer aus Galizien, werden zu einem W o ch e n l o h n von 6 M. und einem Natural- lohn von 3,20 M., also zu einem Gesamt wochenlohn von 9,20 M. angeboten; Wanderarbeiter aus Ober- Ungarn(Deutsche und Slowaken gemischt) zu einem Bar- lohn von 6,00 M. und einem Naturallohn von 3,50 M. Rein slowakischen Arbeitern— immer starken Männern— aus Oberungarn wird ein Wochenlohn von 6 M. und ein Naturallohn von 4,30 M.. bei Wanderarbeitern aus S ü d u n g a r n ein Barlohn von 7,20 M. und ein Natural- lohn von 3,80 M. gezahlt. Die Lohnzahlung ist dabei je nach der Nationalität der Arbeiter sehr verschieden. So erhalten die Arbeiter aus Oberungarn ihren Lohn überhaupt erst nach Beendigung der Arbeitszeit im H e r b st. Abschlagszahlungen sind den Leuten nur wöchentlich oder zweiwöchentlich zu gewähren, aber nur bis zur Hälfte des verdienten Lohnes. In den ersten 4 Arbeitswochen erfolgt überhaupt keine Abschlags- zahlung. Die Kaution wird in allen Fällen erst im Herbst zurückgezahlt. Die Feldarbeiterzentrole scheint bei ihrer Arbeitsvermitte- lung schon reiche Erfahrungen gesammelt zu haben. Sie weih genau, welche ausländischen Arbeiter am meisten kontrakt- brüchig werden. Die slowakischen Arbeiter sind ihr anscheinend am sichersten. Denn nur bei diesen verpflichtet sich die Zentrale, Ersatzarbeiter für Kontraktbrüchige, frei Bahnstation des Arbeitsortes zu stellen, während sie diese Verpflichtung frei Grenze bei den übrigen Nationalitäten nur dann eingeht, wenn die Arbeiter in den ersten 14 Tagen kontraktbrüchig werden. Ueber stunden sind in allen Fällen mit fünf- zehn Pfennig(!) für Männer und mit 10 Pf. für Frauen, Mädchen und Burschen zu bezahlen. Die„Verpflegung" der Landarbeiter auf der Reise wird wie folgt berechnet: Für einen halben Tag unterwegs in der Herberge 30 Pf.. für den ganzen Tag 60 Pf., für ein Nachtlogis 25 Pf. Zehrgeld wird zugestanden: bis zum Grenzamt überhaupt nichts, von hier auf 100 Kilonieter bis zur Arbeitsstelle wieder nichts; von 100 Kilometer bis 300 Kilometer 25 Pf. .. 300.,«00, 60, über 1000' 1,- M. Diese Verpflegungs- bezw. Zehrgelder werden— wieder entgegen dem Gesetz— den Arbeitern aber noch ebenso als L o h n v o r s ch ü s s e angerechnet, wie eine Legittmierungs- gebühr an der Grenze im Betrage von 2 M. für jeden Arbeiter und werden vom Lohne wieder in Abzug gebracht. Als Vermittelungsgebühr haben die Landwirte für jede Arbeitsperson nach einem spezialisierten Tarif 1—5 M. zu entrichten, je nach dem Lande, auf dem Arbeiter bezogen werden und je nach der Zahl der verlangten Arbeitskräfte. Diese Sorte Stellenvermittelung der Feldarbeiterzentrale und der Landwirtschaftskammer schreit zum Himmel. Und doch schafft das dem Reichstag vorgelegte Stellenvermittelungs- gesetz nicht den geringsten Schutz gegen diesen Menschenschacher. durch den die Fcldarbeiterzentrale alljährlich Millionen ein- sackt. Hoffentlich gelingt es unseren Genossen in der Reichs- tagskommission die Lücke auszufüllen. Aus der Blusenkonfekti»». In der Blusenkonfektion werden in Berlin bei auherordentlich niedrigen Arbeitslöhnen und einem ausgedehnten Zwischenmeister. fhstem fast ausschliesslich weibliche Arbeitskräfte beschäftigt. Ein nicht unerheblicher Teil der Blusenfabrikanten sucht die an sich schon austerordentlich starke Ausbeutung durch Anwendung verschiedener Kniffe noch in geradezu maßloser Weise zu steigern. Der Um- stand, daß die Waren nur in der Heimindustrie hergestellt werden, hat zur Folge, daß der Arbeitslohn nicht nach der aufgewendeten Zeit, sondern fast durchweg für das Stück berechnet wird. Dieser Umstand, in Verbindung mit einer irrigen, dem Arbeiter un- günstigen Rechtsprechung, gibt dem Fabrikanten leider sehr viel Handhaben, die Arbeiterin um ihren Lohn zu bringen. Fast gang und gäbe ist die äutzerst knappe Zumessung der zu verarbeitenden Stoffe. Gelingt eS der Arbeiterin nicht, die verlangte Stückzahl daraus herzustellen, so muß sie gewärtig sein, dast ihr der nach- zuliefernde Stoff in Rechnung gestellt und am kommenden Zahl- tag vom Lohn gekürzt wird. Häufig wird deshalb versucht, mit dem Stoffe auszukommen. Fallen die Blusen dabei nur ein wenig kleiner aus, so wird die Arbeit wiederum oft als völlig verdorben und unbrauchbar bezeichnet. Sie wird allenfalls noch abgenommen. aber kein Lohn dafür gezahlt. Gibt die Arbeiterin die Ware in solchem Falle nicht ohne Lohn heraus, so wird Bezahlung der ihr übergebenen Stoffe verlangt. Das veranlastte in der Regel die Arbeiterinnen, die gefertigten Blusen auch ohne den vereinbarten Lohn erhalten zu haben, dem Fabrikanten zu überlasten. Einige solcher Fälle beschäftigten erst am Montag wieder die 1. Kammer des Gewerbegerichts. 1. Die Blusennäherin K. erhielt am 25. Januar vom Fabrikanten Gerling als erste Arbeit drei Dutzend Blusen in Arbeit. Vereinbart war ein Arbeitslohn von 8,25 M. Bei der Ablieferung am 23. Januar wurde die Arbeit moniert. Die Einsätze waren etwas zu kurz geraten, weil, wie die Klägerin behauptete, der dafür bestimmte Stoff zu knapp war, um die Einsätze in der vorgeschriebenen Länge machen zu können. Ob- wohl die Arbeit abgenommen worden ist, wurde ihr doch nicht ein Pfennig Lohn dafür gezahlt, weil diese total unbrauchbar sein sollte. Deshalb klagte die Näherin. Der Be- klagte behauptete natürlich, dast der Stoff für die Einsätze reich- lich bemessen worden sei. Doch selbst die Arbeitgeber- beisitzer waren der Ansicht, dast bei dem in Frage stehenden geringwertigen Stoff nicht anzunehmen ist, dast die Klägerin, nur um sich von diesem Stoff ein Stückchen zu ersparen, die Ein- sähe so knapp gemacht hat. der Stoff müsse doch wohl etwas sehr knapp gewesen sein. Da die Klägerin aber eine Mitteilung an den Beklagten unterlassen und die Arbeit nichts vorschriftsmästig gemacht habe, dadurch aber diese an Wert wesentlich verringert fei, könne sie auch auf den vereinbarten Lohn keinen Anspruch machen! Die Arbeit wurde vom Gericht mit 4,2 5 JDi. bewertet. Die Parteien verglichen sich daraufhin auf diesen Betrag. 2. Die Blusennäherin St. verlangt vom Bluse nsabri- kanten I, W g ch s m a n g für Sä ZtgF gelieferte PJujejj 71,75 Mark Arbeitslohn. Der Beklagte bemängelt die Arbeit, will aber schliestlich nach längerer Verhandlung 50 M. Arbeitslohn an- erkennen, er erhebt aber sofort Widerklage auf Zahlung von 51 M. Schadenersatz für die Stoffe, die der Klägerin zwecks An- fertigung von weiteren 30 Blusen übergeben, aber trotz wieder- Holter Mahnung noch nicht geliefert seien. Die Klägerin machte demgegenüber geltend, daß sie die Stoffe, die bereits bei der ersten Aufforderung zugeschnitten waren, sofort abliefern wollte. Die Stoffe seien aber nicht abgenommen, weil sie verschnitten sein sollten; tatsächlich seien sie jedoch keineswegs verschnitten. Durch den Umzug und Krankheit ihres Mannes sei sie an der Fertigstellung dieser Blusen behindert worden. Nachdem das Gericht die bemängelten fertigen Blusen besichtigt und be- raten hatte, empfahl es einen Vergleich dahingehend, der Klägerin sofort für die fertigen Blusen 50 M. zu zahlen, während die Klägerin die bereits zugeschnittenen 30 Blusen zunächst fertigstellen und liefern soll. Etwaige Ansprüche aus der Her- stellung und Lieferung dieser 30 Blusen behalten sich beide Parteien vor. Das Gericht begründete seinen Vorschlag damit, daß erst wenn die 30 Blusen fertiggestellt seien, zu beurteilen sei. ob die Arbeit verdorben und die Wiederklage berechtigt ist. Die für die fertigen Blusen bereits anerkannten 50 M. sind für die bemängelten fertigen Blusen als angemessen betrachtet worden. Die Parteien akzeptierten darauf diesen Vorschlag. In beiden entschiedenen Fällen sind bedauerlicherweise durch den Vergleich und die Vergleichsannahme die Arbeiterinnen erheb- lich in ihrem Recht gekürzt. Der Vertrag mit den Heimarbeite- rinnen ist nicht nach den Regeln des Werkvertrages, sondern nach denen des ArbeitS-(Dienst-)Vertrages zu beurteilen. Danach hat die Arbeiterin für die besondere Güte der Arbeit nicht einzustehen, vielmehr hätte der Beklagte eventuell zu beweisen, daß die Ar- beiterin total unbrauchbare Arbeit vorsätzlich oder grob fahrlässig geliefert hat. Davon kann in keinem der vergliche- nen Fälle die Rede sein. Endlich sollte sich aber das Berliner Gewerbegerich» zu der von uns wiederholt angeführten Praxis des Stuttgarter Gewerbegerichts auffchwingen und Vereinbarungen wie die erwähnten über die Höhe der Vereinbarung als ungültig erklären, weil mit den guten Sitten unvereinbar, und an ihrer Stelle angemessene Löhne setzen. Ist der Heimarbeitsvertrag, wie auch Lotmar annimmt, kein Werk-, sondern ein Dienstvertrag, so sind auch die versuchten Aufrechnungen, Widerklagen usw. unzu- lässig. Ein gut Teil Schuld an der sprichwörtlich gewordenen AuS- beutung in der Berliner Konfektion tragen die Gewerbegerichte, die mit dem alten, dem Arbeiter ungünstigen Schlendrian nicht endlich brechen. Kommt bei der Lohnvereinbarung für qualifizierte Arbeit— in Zeitlohn umgerechnet— weniger heraus als der orts- übliche Lohn für gewöhnliche Lohnarbeiter beträgt, so ist solche Ver- einbarung stets ein Verstost gegen die guten Sitten und deshalb nach Z 134 des Bürgerlichen Gesetzbuchs ungültig. Gerade den anständigen Arbeitgebern des Gewerbegerichts müßte daran liegen, durch rücksichtslosen, dem Gesetz entsprechenden Gebrauch des Z 134 des Bürgerlichen Gesetzbuchs dem schlechten Ruf ein Ziel zu setzen, in den besonders ausbeuterische Arbeitgeber die Berliner Konfektion gebracht haben. Sind doch in Berlin infolge der luder- haften Ausbeutung der Heimarbeiterinnen eine große Zahl Heim- arbeiterinnen auf Bezug von Armengeld angewiesen. Ein Lohn, der trotz der fleißigen Arbeit der Heimarbeiterinnen nicht einmal zur Befriedigung ihrer bescheidenen Lebensbedürfnisse aus- reicht, ist ein wucherischer, zum mindesten ein gegen die guten Sitten verstoßender. Also— mögen endlich die Gewerbegerichte von dem 8 134 dem gesunden Rechtsempfinden und dem Anstands- gefühl auch der Arbeitgeber entsprechenden Gebrauch machen. DaS Gesetz hindert nicht, solcher Ausbeutung entgegenzutreten, sondern verlangt eS. Eue Induftrie und riandel. Unter falscher Flagge. Bei den Bestrebungen der Kalikapitalisten, den Staat noch extra zum Nachtwächter ihrer Profitintereffen zu machen, muß sewswer- ständlich die alte Phrase vom„Schutz der nationalen Interessen" als Aushängeschild dienen. In Wirklichkeit fechten die beiden Gruppen, die sich in dem Kampfe um ein Reichskaligesetz gegenüber- stehen, einzig und allein für kapitalistische Interessen. DaS W- gemeinwohl, das sogenannte vaterländische Interesse, ist ihnen ganz gleichgültig. Die Schmidtmann-Gruppe handelt aus genau den- selben Motiven, die auch das Syndikat bestimmen. Wenn dieses, sich patriotisch geberdend, die„Bevorzugung" d«S Auslandes entrüstet verurteilt, dann kommt es ihm nicht darauf an, die inländischen Konsumenten zu schützen, es will sich einfach die Plünderung dieser durch Preisdruck nicht schmälern lassen. Sein Patriotismus ist von Portemonnaieinteressen bestimmt. Und wenn Schmidtmann für Preisherabsetzung auf dem Inlandsmarkt eintritt, dann nicht aus Allgemeininteressen, sondern nur, weil da? seinen besonderen Eigeninteressen dient. Aber über Motive wird nicht abgestimmt! In der Wirkung nützen die Schmidtmannschen Bestrebungen der Gesamtheit, darum sind sie zu unterstützen. In recht plumper Weise manöveriert dagegen der„Börsen-Courier" als Interessen- Vertreter des Kalisyndikats. Er schreibt(Nr. 84): „In der Wahrnehmung der AuSlandinteressen, die Herr Schmidtmann durch seine maßgebende Stellung bei der Jnter- national Agricultural Corporation und durch seine wachsende Whängigkeit von der Morgangruppe vertreten muh. entfaltet Herr Schmidtmann gegenüber der ReichStagSkommission eine fieberhafte Tätigkeit, über deren Details wir voll informiert sind. Herr Schmidtmann präpariert ein Lockmittel, von dem er hofft, daß die Reichstagsabaeordneten darauf fliegen. Dieses Lockmittel ist die JnauLsichtst'-llung einer wesentlichen Verbilli- gung der Jnlandpreise. Jedoch wird ein Hinweis genügen, um diejenigen Abgeordneten, die Herr Schmidtmann mit seinen In- sormahonen beehrt, stutzig zu machen. Herr Schmidtmann ist nämlich schon einmal vor Jahren mit dem Lockantrag einer Herabsetzung der Jnlandpreise hervorgetreten; aber wie feststeht, nachdem er für Sollstedt in Verträgen bis zum Jahre 1917 mehr als seine Produktion an das Ausland ausverkauft hatte. AuS der Haut der anderen also wollte Herr Schmidtmann die Riemen zu einer Verbilligung der Jnlandpreise schneiden. Er selbst hat sich in seiner ganzen bisherigen Kalipolitik auf das ängstlichste gehütet, jemals auch nur einen Doppelzentner billiges Kali dem Inland zugute kommen zu lassen. Nur nach Amerika und nach Frankreich ha! Herr Schmidtmann bisher billige Kalisalze ver- schloffen. Er kann sich somit da? Verdienst zumessen, der Schritt- macker geworden zu sein für eine vorteilhaste Konkurrenz der amerikanischen Agrikultur gegen unsere heimische Landwirt- schaft." Die patriotische Logik deS«B. C." hat ein gewaltiges Loch. Wenn Schmidtmann nach dem Auslande zu niedrigeren als In- landspreisen lieferte, dann hat er damit den Beweis erbracht, dast eine Reduktion der Inlandspreise möglich ist. Weil das Syndikat keine Verbilligung hat eintreten lassen, gebührt»hm der Anspruch. „Schrittmacher" der Auslandskonkurrenz zu sein. Ob Schmidtmann nach dem Jnlande oder nach dem Auslande zu billigeren Preisen verkaufte, ist sür die Entscheidung der Frage, ob der Anspruch auf Preisermäßigung sachlich berechtigt ist oder nicht, vollständig neben» säKliK. Tstjache. dast er fcöifles verkMte. bell-nst, daß djz ProduktionSbedingrmgen eine Preisermäßigung erlauben. SProf# dem eine Ermäßigung verhindern zu wollen, was ja die Absicht des Syndikats und der Zweck des Reichskaligesetzes ist, das hat mit Wahrnehmung von Allgemeininteressen nichts zu tun, das ist dee Ausfluß der nacktesten Profitsucht, die nicht veredelt wird, wenn sie die nationale Phrase als Deckmantel benutzt. Die Gewerlschaft„Deutscher Kaiser", die über Kalisalzbohrungen am Niederrhein verfügt, hat sich mit folgender Begründung gegen das beabsichtigte Zwangsshndikat ausgesprochen: „In dem neuen, vom Bundesrat genehmigten Gesetzentwurf ist zwar eine große Reihe von Härten vermieden worden, er hält aber an dem Grundsatz fest, dast in Zukunft nur noch Kalisalze durch die Vertriebsgemeiuschaft verlaust werden dürfen, und dast alle Kaliwerke, auch die neu entstehenden, sich dem von der Regierung einzurichtenden Zwangssyndikat anschließen müssen. Wir halten eS nach wie vor für richtiger, wenn von einem Eingreifen der Gesetzgebung in die noch in der Entwickelung be- gristene Kaliindustrie vollständig Abstand genommen wird. Für die von der Regierung gehegte Befürchmng, dast ohne Zwangs» syndikat eine Verschleuderung der Kalisalze zu unangemessen niedrigen Preisen in das Ausland eintreten würde, ist kein stichhaltiger Grund vorhanden, auch ist für die Zukunft eine Verschleuderung nicht zu erwarten, da es wohl kaum einem Kaliwerksbesitzer ernsthast einsallen wird, unter den Gestehungskosten Kalisalze abzusetzen. Wir können lediglich mit Rücksicht auf die Schwierigkeiten, die der Kaliindustrie durch Amerika erwachsen, ein Eingreifen der Gesetzgebung sür den Fall und inso» weit billigen, als die Auslieferung der deutschen Kaliinteressen an das Ausland in anderer Weise nicht gehindert werden kann. Dem Gesichtspunkt, dast alle Deutschen m der Vertretung deutscher Interessen zusammenstehen müssen, treten wir rückhaltlos bei. Daraus kann aber logischerweise nur folgen, dast ganz Deutschland in der Ablehnung des Entwurfes und einer Zwangs- syndizierung überhaupt einmütig sein mühte, denn eine solche kann nicht nur nicht nützlich sein, sondern muh unter allen Umständen schädlich wirken. Das Interesse des spezifisch deutschen Erwerbs- zweiges, des Kalibergbaues, erfordert eme uneingeschränkte Eni- wickelungSmöglichkeit. Eine Gesundung der Kaliindustrie und eine Hebung des nationalen Wohlstandes durch sie kann nicht mittels einer künstlichen Hinderung des Abbaues und einer entsprechenden Steigerung der Preise erzielt tverden, sondern nur dadurch, dast der Absatz gesteigert und der Preis im Interesse der Allgemeinheit entsprechend ermäßigt wird. Schon heute beträgt der Prodiillionswert eines Arbeiters in der Kallindustrie nach den Verkaufspreisen berechnet 100 M täglich; die Verkaufspreise übersteigen die Gestehungskosten um 150 bis 400 Proz. Diese Ausnutzung der in« und ausländischen Landwirt- schaft ist nicht nötig zur gedeihlichen Entwickelung der Kaliindustrie; diese Ausnutzung würde aber nach Erlast des vorgesehenen Reichs- kaligeseyes noch schlimmer werden. Der gesunde, freie Wettbewerb wenigstens bezüglich des inländischen Absatzes wäre aber im Interesse der Kaliindustrie, der Landwirtschast und der Arbeiter nur zu wünschen." Kohlenindustrie in Brasilien. Eine unter dem Namen„Bmpreza Carbonifera Brasileira" bekannte brasilianische Korporation hat in Bom Jardim, im Staate Minas GeraeS, eine gut ausgerüstete Anlage zur Herstellung von BrilettS aus Torf und Braunkohle, wovon sich in der Nähe ausgedehnte Lager befinden, eingerichtet. Der dortige Torf enthält 7'/, Proz. Asche, 8 Proz. Wasser und 32 Proz. Kohlen- stoff pro Kilogramm, eine Zusammensetzung, welche seinen Wert für die Industrie erkennen lästt. Man nimmt an, dast die Fabrik, sobald sie gänzlich eingerichtet ist, 200 Tonnen Briketts zu liefem imstande sein wird, wozu noch mannigfache Nebenprodukte treten. Hua der frauenbewegung. Nationelliberale Frauen über baS Frauenstimmrecht. Frau ElSbeth Krukenberg, die Führerin des Rheinisch- Westfälischen Frauenbundes und Mitglied der nationalliberalen Partei, macht eS sich zur Aufgabe, in die augenblicklich auch bei den bürger- lichen Frauen hohe Wellen schlagende StiminrechtSbewegung Zer- splitterung zu bringen. Gleich der Partei, der sie angehört und deren Anhänger im Reichstage den bezeichnenden Namen„Fraktion Drehscheibe" führen, lehnt auch Frau Krulenberg in der letzten Nummer deS„Zentralblattes des Bundes deutscher Frauenvereine" jede Bindung auf ein bestimmtes Wahlrecht ab unv fordert auf zum Beitritt in den neubegründeten Stimmrechtsverband für West- deulschland, dem Anhängerinnen aller Richtungen angehören könnten, gleichviel, ob sie für oder gegen das allgemeine, gleiche, direlte und geheime Wahlrecht eintreten. Auch hier wird wieder der Versuch gemacht, mit dem Mantel der Unparteilichkeit die BalkSfeindlichkeit zu verdecken. Wenn über» Haupt, so sei daS Frauenwahlrecht nur dann zu erreichen. „wenn eS die sogenannlen staatserhaltenden Parreien stärkt. Zur Stärkung der Umsturzparteien niemals". Infolge dessen sei es auch falsch, ein anderes Wahlrecht zu verlangen, als es heute schon die Männer besitzen. Damit will Frau.Krulenberg auch diejenigen Frauen gewinnen, die nicht Anhäugerinnen deS Reichstags- Wahlrechts sind. Sie stellt in den Bordergrund die Gewinnung deS Wahlrechts für die Frau, weil ein an den Besitz geknüpftes Wahl» recht zur Unterdrückung der Massen geeignet ist. Und trotz aller in dem Artikel von Frau Krulenberg zutage tretenden Unklarheit ist eineS daraus klar ersichtlich: nicht nur die nationalliberalen Männer. nein, auch die nationalliberalen Frauen find Feinde deS all- gemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahlrechts, und damit Feinde der Arbeiterklasse._ Ein weiblicher Bankdirektor. Der erste weibliche Bankdirektor wurde am Sonnabend in Ungarn gewählt, und zwar für die rumänische Banl Brogressul in Marosilhe. Die Dame heistt Eleonore Lemenyi und war als Professorin in der Schule„Astra" tätig. DitnstmSdchenmißhandlung. Die sozialdemokratische Presse Nor» wegenS veröffentlichie dieser Tage Artikel über schwere Mitzhand» lungen eines norwegischen Dienstmädchens in Amerika. Es handelt sich um eine Niebte des norwegischen Storthiugsabgeordneten With, die bei einem Millionär Randolph Cook in New Dort in Stellung war. Der noble Herr hat das Mädchen eines Abends, weil eS bei der Bedienung nicht flink genug gewesen sein sollte, dermahen bor den Leib getreten, dast es zusammenbrach. Es mustte sofort ins Krankenhaus gebracht werden und kam, wie berichtet wird, in eine Anstalt, wohin die Herrschaften ihre infolge von Misthandlungen erlranktei, Dienstboten immer zu schicken Pflegen, um vor Anklagen und Schadenersatzklagen sicher zu sein. Durch die Bemühungen einiger Landsleute gelang es jedoch, die Mihhandelte in ein anderes Krankenhaus zu überführen. Die Aerzte behaupten, dast daS 22jährige Mädchen dauernden Schaden an seiner Gesundheit davon» tragen toerde. Gegen den brutalen Millionär, der zu seiner Eni« schuldigung anführt, dast er an jenem Abend betrunken gewesen se� ist Schadenersatzllage erhoben worden. Anknüpfend an diese Geschichte wird berichtet, dast norwegische, schwedische und auch deutsche Dienstmädchen in groster Anzahl bei reichen Familien in New Uort Stellung finden und dort häufig Misthandlungen ausgesetzt Icien. Wenn auch em Teil der eingewanderte» Dienstmädchen e-Z gut hat. so sollen doch die Ameri» kaner ini allgemeinen mit einer grasten Mstachtung auf die.Green» Horns", die frisch Eingewanderten, blicken und sie dementsprechend schlecht behandeln._ Charlotteniurg. .VollShauS", Leseabende. Am Miliwoch. den 23. Febr., abends 8'/j Uhr, im Gerichts-Zeitung Ein königlicher DomäncnpSchter, Simulant und StaatZpiitze. Welcher feigen und rohen Brutatität Landarbeiter mit ihren Familien ausgesetzt sind, illustriert in drastischer Weise eine Gerichts- Verhandlung vor der Strafkammer in Breslau. Auf dem Gme Kottwitz fKreis Breslau) war der Futtermann Schibick bei dem königlichen Domänenpächter Pohl bis Ende Juli vor. Js. in Stellung gewesen. Infolge Differenzen arbeitete er von da an auf dem Nachbargute. Da seine Frau die Wohnung noch benutzte, arbeitete diese noch einige Zeit auf dem Gute weiter. Am 7. August wollten sie beide das Gut gänz- lich verlassen und begaben fich zu Pohl, um den noch ausstehenden Lohn für die Frau in Empfang zu nehmen. Pohl verweigerte jedoch denselben, woraus Schibick erwiderte, dah er bei dem Gericht feine Rechte suchen werde. Als nun die Eheleute das Schloß ver- ließen und durch den Park nach dem Gesindehause gingen, gab Pohl hintereinander drei Schüsse in die Lust ab.— Bielleicht hatte er gehofft, daß sich die Leute darüber auffegen und er so«aus Notwehr' von der Waffe ernstlichen Ge- brauch machen könne. Der Futtermann und seine Frau gingen jedoch ruhig weiter. Jetzt folgte ihnen Pohl mit allerhand Drohungen, wobei er fortwährend vom Totschießen redete, schließlich schoß er auch, ohne daß der geringste Grund vor- lag. dem Schibick eineKugel in den Nacken. Schibick wurde noch Breslau in das Krankenhaus gebracht. Dort ist er inzwischen entlasten, ohne daß es gelang, die Kugel zu entfernen. Am IS. November v. I. sollte sich Pohl wegen schwerer Körperverletzung und Bedrohung verantworten. Er erschien indes nicht zur Verhandlung und sandte ein Attest, nach welchem er schwer krank sei. Die Verhandlung wurde vertagt und inzwischen wurde fe st gestellt, daß Pohlin der fraglichenZeit, trotz deS Attestes, der Jagd obgelegeu und in Breslau er Weinrestaurants gesehen worden sei. Dieses Manöver versuchte er mehreremal, bis der nach dem Schlosse entsandte Gerichtsarzt feststellte, daß Pohl seine Krankheit mit künstlichen Mitteln herbei- führe. Nunmehr wurde er verhaftet und hatte fich dieser Tage vor der BreSlauer Strafkammer zu verantworten. Hierbei stellte es sich heraus, daß der königliche Domänenpächter bereits zweimal wegen ähnlicher Roheiten vorbestraft ist. Einmal hatte er eine Arbeiterin mit einem Peitschen stock über die entblößten Arme geschlagen, daß blut- unterlaufene Striemen und Flecken entstanden. Das anderemal hat er ein Dienstmädchen verprügelt, das seinen geschlechtlichen Wünschen nicht zugänglich war. Die Schießerei mit dem Revolver suchte er so darzustellen, als habe die Waffe sich von selbst entladen, auch sei e» möglich, daß ihn Frau Schibick gestoßen habe, im übrigen sei er sehr nervös I Nach langer Beratung verurteilte daS Gericht den königlich preußischen Simulanten und hinterlistigen Raufbold zu der insbesondere mit Rücksicht auf die Vorstrafen äußerst niedrigen Strake von sechs Monaten Gefängnis, 20Mark Geldstrafe und einer Buße von SOV Mark an Schibick. Ein Arbeiter wäre schwerlich so billig fortgekommen, vielmehr wegen Mordversuchs oder Totschlagsversuchs angeklagt und schwerlich mit einer Strafe unter 3 Jahren fortgekommen. Aber— der Täter war eine königlich preußische Staatsstütze. Zärtliche Verwandte. Auf die Anklage der versuchten Erpressung gegen ihre eigene Stiefschwester hatten sich gestern vor der 1. Strafkammer des Landgericht? II der Referendar a. D. Otto Marggraf und deflen Schwester, die unverehelichte Luise Marggraf aus OscherSlebe» zu verantworten. Die als BelaftungSzeugin auftretende Schwester der Angeklagten, Anna Marggraf, war fast 20 Jahre hindurch Stütze bei der verwitweten Frau Rittmeister v. Asseburg, die im Dezember lülB verstorben ist. Frau v. Affeburg hatte in ihrem Testament die Anna Marggraf alz Belohnung für treu geleistete Dienste zur Universalcrbin eingesetzt. Der Wert deS Nachlasses betrug etwa 170 000 M.; dazu gehörte das Grundstück in Berlin, Kurfürstendamm 203, ferner die ganze Wäsche und das gesamte Mobiliar. Nachdem Anna Marggraf in den Besitz der Erbschaft jgelangt war, ist sie nach ihrer und eines ihrer Brüder Behaup- tung von ihren Stiefgeschwistern stark ausgenutzt worden. Diese behaupteten unter anderem, daß die Anna Marggraf es eigentlich ihnen zu verdanken habe, daß sie Universalerbin geworden sei. Denn Frau v. Asscburg habe kurz vor ihrem Tode das Testament widerrufen wollen und nur den Bemühungen der Angeklagten sei es gelungen, dieses Vorhaben zu durchkreuzen. Anna Marggraf wurde auch durch die Behauptung eingeschüchtert, daß angeblich der Nachlaß um 40 000 M. zu gering taxiert worden sei und sie den Staat um die Erbschaftssteuer betrogen habe. Im Jahre 1006 hatte Anna Marggraf an ihren inzwischen verstorbenen Vater zum Zwecke des Ankaufs eines Hauses 7500 M. und auch einen Teil der ererbten Möbel nach Oschersleben gesandt. Der Ankauf des Hauses hat auch stattgefunden, Anna Marggraf war aber höchst erstaunt, nach dem Tode ihres Vaters zu erfahren, daß nicht sie selbst, wie sie glaubte, als Eigentümerin eingetragen war, sondern die Angeklagte Luise Marggraf. Diese trat mit der Behaupwng auf, daß ihre Stiefschwester Anna Marggras ihr das Haus und die Möbel geschenkt habe, weil sie etwa 3 Wochen lang die Frau v. Affeburg gepflegt und sehr viel Mühe dabei gehabt habe. Zwei Verwandte der Angeklagten wollen von der Anna Marggraf Aeußerungen in diesem Sinne gehört haben; letztere bestreitet dies mit aller Entschiedenheit und berief sich zum Beweise des Gegen- teils auf zwei andere Verwandte. Diese Hauskaufs- und Erb- schaftsangelegenheit hat zwischen den Geschwistern zu sehr erbitter- ten Kämpfen geführt, die einen sehr hätzlichen Charakter ange- ncmmen haben. Der Angeklagte Otto Marggraf ist in einem Stadium dieser Kämpfe wegen einer gegen seine Stiefschwester Anna Marggraf begangenen schweren Urkundenfälschung zu einem Jahr Gefängnis verurteilt worden. Er wird jetzt von der Anna Marggraf beschuldigt, versucht zu haben, sie zur Hergabe von Geld durch Drohungen zu bewegen. Er sei eines Tages in der Woh- nung Kurfürstendamm 203 erschienen und habe dringend Geld oder Geldeswert verlangt. Als dieses Ansuchen abgelehnt wurde, soll er die Herausgabe eine? wertvollen Oelgemäldes von Teniers gefordert und dabei gedroht haben: Wenn er das Bild nicht be- komme, dann würde er nach Oschersleben fahren, und den anderen Geschwiktern beistehen. Sie solle sich dann nur nach einer Stelle umsehen, denn in drei bis vier Tagen würde das Haus nicht mehr ihr gehören und sie würde noch einmal um ein Stück Bettel? brot ihn angehen müssen.— Der Angeklagten Luise Marggraf fällt ein Brief zur Last, den sie an ihre Stiefschwester Anna ge- schrieben hat. Dieser enthält neben groben Beschimpfungen das Verlangen nach Ausstellung einer Schenkungsurkunde über die streitigen 7500 M. und die nach Oschersleben gesandten Möbel. Die Angeklagte drohte gleichzeitig, eventuell die Anna der Staats- onwaltjchaft anzuzeigen, weil sie die rechtmäßigen Erben der Frau v. Asscburg um ihre Rechte gebracht und dem Staate Erbschafts- steuer hinterzogen habe.— Otto Marggraf bestritt entschieden, seine Stiefschwester irgendwie bedroht zu haben. In der Ver- Handlung traten zwei Gruppe» von Zeugen auf, deren eine für die Angeklagten, die andere für die Belastungszeugin Anna M. eintraten.— Staatsanwalt Asseffor Sydow hielt beide Llngeklagte im Sinne der Anklage für schuldig und beantragte gegen Otto Marggraf g Monate, gegen Luise M. 0 Monate Gefängnis.— Rechtsanwalt Dr. Alsberg beantragte dagegen die Freisprechung beider Angeklagten. Gegen Otto M. sei der Wortlaut seiner an- gcblich bedrohenden Acutzerung überhaupt nicht festzustellen ge- Wesen und was die Angeklagte Luise betrifft, so falle die versuchte Erpressung— wie man auch über den übrigen Inhalt des Briefes denken möge— aus dem Grunde weg, weil die Brief- schreiberin ihrerseits sicher der Ueberzeugung gewesen sei, daß ihr ein Recht auf die 7500 M. und die Möbel zustehe.— Das Gericht kam aus gleichen Erwägungen zur Freisprechung der beiden An- gcllagten._ Briefträgerpflicht. AuS Bequemlichkeit hat sich der Briefträger Otto Reichert verleilen lassen, schwere dienstliche Verfehlungen zu be- gehen. Wegen Urkundenfälschung verhandelte gestern die 3. Straf- kammer des Landgerichts LI unter Vorsitz des Landgerichtsdirektors L i e b e n o w gegen den bisher völlig unbescholtenen Angeklagten.— Die in Wartenberg wohnhafte Molkereibesitzerin Frau Waldow erhielt häufig von den Siemens- Schuckertwerkcn, an welche sie Milch und Sahne zu liefern hatte, größere Geld- betröge per Postscheck oder auch durch Postanweisung zu- gesandt. Es war ihr hierbei schon wiederholt aufgefallen, daß das Geld gewöhnlich erst eine Woche später eintraf, nachdem sie von den Schuckertwerken längst eine Mitteilung erhalten hatte, daß daS Geld abgesandt worden sei. Um die Ursache dieser Verzögerung zu ergründen, wandte sie sich an den zuständigen Postinspektor, als eine ihr bereits angekündigte Geldsendung von 27 M. wiederum mehrere Tage ausblieb. Zu ihrem Bedauern teilte ihr der Beamte mit, daß sie das Geld doch schon längst erhalten haben müsse, da er ihre Quittung schon vor mehreren Tagen weitergegeben habe. Ihr Erstaunen wurde noch größer, als der Angeklagte dann ani nächsten Tage bei ihr erschien und prompt das Geld auszahlte, ohne jedoch eins Quittung zu verlangen.— Die Poflbehörde stellte sofort Ermittelungen an, die folgendes Resultat hatten. Der Angeklagte hatte wiederholt die häufig nicht anwesende Frau Sch. in ihrer Wohnung nicht getroffen. Um sich nun das ihm unbequeme Umschreiben und nochmalige Eintragen zu ersparen, hatte er die Geldanweisungen einfach mit dem Namen der Frau unterschrieben und ihr dann da? Geld, wenn er sie zufällig traf, ausgezahlt. Außerdem hatte er sich verschiedene andere Un- regelmäßigkeiten zuschulden kommen lassen.— Der Staats- a n w a l t hielt eine schwere Urkundenfälschung für vorliegend und beantragte eine Gefängnisstrafe von neun Monaten. Das Gericht nahm jedoch nur einfache Urkundenfälschung an und er- kannte auf nur drei Wochen Gefängnis, da der Angeklagte durch den Verlust seiner Stellung schon genug bestraft sei. Ein überanstrengter Gcrichtsdiener. Auf einem sehr schwierigen Posten steht der Gerichtsdiener Bcrnbt in Alt-LandSberg, der sich vorgestern auf die Anklage deS Amtsmißbrauchs vor der Strafkammer des Landgerichts III Berlin zu verantworten hatte. Der Angeklagte vereinigt in seiner Person drei verschiedene Funktionen: die eines Kastellans, eines Gerichts- dieners und eineS Gefängniswärters, und ist bei dieser dreigeteilten Beschäftigung etwas nervös geworden. Dazu haben die recht miß- lichen räumlichen Verhältnisse des dortigen Gefängnisses und die darauf zurückzuführenden wiederholt vorgekommenen Fluchtversuche von Gefangenen ihr gut Teil beigetragen. der Nacht zum 2. No- vember hatte ein in der Gefängniszelle sitzender ISjähriger Für- sorgczögling den Versuch gemacht, mit einem harten Gegenstand hinter dem Ofen ein Loch herzustellen und ins Freie zu entkommen; der Plan war ihm jedoch nicht geglückt. Am nächsten Morgen ver- stand es der Häftling, bei dem Aufruf der Gefangenen sich zunächst zu verbergen und auf den Vorratsboden zu gelangen, wo er sich in einem Vorratskasten versteckte. Man suchte ziemlich lange nach ihm. bis man ihn endlich in dem Kasten entdeckte. Da er trotz wiederholter Aufforderung keine Miene machte, herauszukommen, geriet der Angeklagte in gewaltige Erregung. Ohne Rücksicht auf die Anwesenheit des ihm vorgesetzten Amtsrichters Krieger zu nehmen, sprang er auf den Gefangenen zu, packte ihn kräftig am Halse und schüttelte ihn hin und her. Die Umklammerung des Halses war so stark, daß der hinzuspringende Amtsrichter alle Kraft anwenden mußte, um die Hände deS Angeklagten loszumachen. In seinem Aerger gab der Angeklagte dem Gefangenen noch einen Stoß vor die Brust.— Berndt gestand ein, sich in dieser Weise vergangen zu haben, bat aber, Rücksicht auf die schwierigen Verhältnisse zu nehmen, unter denen er in Alt-Landsberg seine? Amtes zu walten habe. Der Staatsanwalt erkannte letzteres an und hielt auch die Erregung des Angeklagten für begreiflich. Er beantragte trotzdem 50 M. Geldstrafe. Das Gericht billigte dem Angeklagten, der sein Amt sonst tadellos versieht, in diesem Falle alle MilderungSgründe zu und verurteilte ihn nur zu 10 M. Geldstrafe. Ein Opfer behördlicher Fahrlässigkeit. In daS Krankeichaus zu Schirnlanke(Posen) wurde der an Epilepsie leidende Arbeiter Nowack eingeliefert. Da alle Räumlich- leiten besetzt waren, mußte er das Zimmer mit dem geisteS- schwachen cinundsiebzig Jahre alten OrtSarmen Mantheh teilen. Da Nowack oft an WutanSbrüchen litt, wurde er an den Händen gefesselt. In der Nackt löste er jedoch auf unaufgeklärte Weife die Fesseln und stürzte sich auf den alten Manthev, den er derartig zurichtete, daß ihn der Krankenwärter am anderen Morgen als Leiche vorfand. Der Krankenwärter hatte sich wegen fahrlässiger Tötung vor der Strafkammer in Schneidemühl zu verantworten, wurde aber freigesprochen, da ihm eine direkte Pflichtverletzung nicht nachgewiesen werden konnte. Weshalb wurde statt des untergeordneten Wärters nicht die Verwaltung des Krankenhauses angeklagt? Versammlungen. Die Fliesenleger hielten ihre Generalversammlung am Frei- taaabend im Gewerlfchaftshau;e ab W a l d h e i m erstattete den Jahresbericht des Vorstandes. Der Anfang des Jahres stand noch unter dem vollen Einfluß der Krise. Die ArbeitSlosigleit war außerordentlich groß. Am 20. Februar vorigen Jahres wurde fest- gestellt, daß von den Mitgliedern der Sektion 132 arbeitslos waren; nur 70 standen in Arbeit. Zum Frühling zeigte sich eine Besserung der Lage, man zählte 30 bis 40 Arbeitslose, und im Mai begann eine günstige Konjunktur. Zahlreiche Beschwerden wurden beim Vorstand erhoben, da viele Unternehmer die Löhne zu kürzen such- ten und Schwierigkeiten in bezug auf Bewilligung des Fahrgeldes machten. Verschiedene Sperren wurden verhängt, einigemal« mutzte die Arbeit niedergelegt werden. Die Bewegung gegen die Subunternehmer nahm besonders das Interesse der Organisation in Anspruch. Im Mai und Juni beschäftigten sich die Fliesenleger in öffentlichen Versammlungen mit dieser Frage und bald begann ein sehr energisch und einmütig geführter Kampf, der auch die gewünschten Erfolge brachte. Das Subunternehmertum, das sich zu einem schweren Schaden im Gewerbe ausgewachsen hatte, wurde niedergehalten und zum größten Teil ausgeschaltet.— Dann folgte die Lohnbewegung; die verschiedenen Organisationen traten zu- kommen, um gemeinsame Forderungen zu erheben. Die VerHand- lungen mit den Unternehmern begannen, gestalteten sich aber sehr schwierig; die Unternehmer wollten von einer Lohnerhöhung zuerst nichts wissen, machten aber dann einige Zugeständnisse und ein Tarifvertrag wurde aufgesetzt. Ueber die Lohnbewegung und den Tarifvertrag kam eS in der Versammlung am Freitag zu einer ausgedehnten und manch- mal sehr heftig geführten Diskussion. Dit Mitglieder übten scharfe Kritik an dem Verhalten des Vorstandes und waren mit der Führung der Lohnbewegung in verschiedener Beziehung unzu- frieden. W a l d h e i m beleuchtete noch durch das folgende Zahlen- Material die Tätigkeit der Sektion: Es fanden im Berichtsjahre statt: 9 Sektionsversammlungen, 0 öffentliche und 0 Bezirksvec- sammlungen, 17 Sitzungen deS Sektionsvorstandes und zahlreiche KommifsionS- und andere Sitzungen in Verbindung mit der Führung der Verbandsgeschäfte. 20 Baukontrollen wurden borge« nommen, 12 Verhandlungen mit den Unternehmern, 4 VerHand- lungen vor dem Gewerbegericht fanden statt, 41 Lohnklagen wuv» den eingereicht. Der Mitgliederbestand betrug Ende des JahreS 234 gegenüber 202 Mitgliedern Ende des vorhergehenden Jahres. An der Maifeier beteiligten sich 107 Mitglieder.— Der Bericht wurde in der Diskussion nur wenig berührt, mit Ausnahme der jüngsten Lohnbewegung, die, wie schon bemerkt, sehr aufgeregt dis- kutiert wurde. Sozialdemokratischer Lese- und DiskutierNud»Heinrich Heine«. Heute abend L'/, Uhr: Sitzung bei Bolze, Rodenbergstraße S. Gäste willkommen. Verein der Freidenker für Feuerbestattung. Freitag abend S'l, Uhr Versammlung bei Hummel, Sophienstr. S. Vermischtes. Vater, Mutter und Bruder ermordet. AuS Oldenburg wird vom gestrigen Tage gemeldet: In ver» gangener Nacht ist hier eine dreifache Mordtat verübt worden. Der 20jährige Hilfsarbeiter Denker hat seinen Vater, seine Mutter und seinen älteren Bruder mit einem Beil erschlagen. Denker sollte heute morgen wegen eines Diebstahls verhaftet werden und wurde zur Polizei geführt, wo er die ersten Angaben über die Mordtat machte Die Polizeibeamten fanden sodann in der Wohnung die drei Leichen vor. Denker will bei der Tat noch zwei Komplicen ge» habt haben und behauptet, daß der eine von ihnen die Mordtat be» gangen habe._ Zugzusamwcnstoß. Amtlich wird auS Köln gemeldet: Die am 22. d. MtS. 0 Uhr 30 Minuten nachmittags in Berlin fällige Post aus Frankreich ist zum Teil ausgeblieben. Grund: Zugzusammenstoß in Frankreich. Dreifacher Selbstmord. Nach einer Meldung aus Pforzheim wurde dort der 44 jährige Fabrikant Friedrich Schwemmte jun., dessen 41jährige Frau und 15 Jahre alte Tochter vorgestern ffüh, mit Zyankali vergiftet, tot in ihren Betten aufgefunden. Die Ursache des Selbstmordes ist geschäftlicher Rückgang und Vermögensverfall. Pestverdächtige Ratten. Wie aus Hamburg gemeldet wird, ist der von Bombay dort angekommene englische Dampfer„Wooda", in dessen Ladung pestverdächtige tote Ratten gefunden wurden, unter Quarantäne gelegt worden._ Drei Arbeiter vermißt. Einer Meldung aus Sitten(Kanton Wallis) zufolge werben feit Freitag drei Arbeiter, ein Franzose und zwei Italiener, vermißt, die den Großen Bernhard überschreiten wollten. Vermutlich sind sie von einer Lawine fortgerissen worden. ßrfcfftaften der Rcdahtfon. Sie turlftlsche eyreAftunte findet Sinbenfttatc 8, zw kiter Qu). dritter Eingang, nie» Trrvvcn, gOT" Fahrftntl' tzfttzA woAentöglich abends von 7>4 biö 9V4 Übe statt. Geöffnet 1 Uhr. SannadeudS beginnt die Sprechstunde um 6 Uhr. Jeder Anfrage ist ein Buchstade und eine Zahl all Merkzeichen deizuldgen. Briefliche Auriuort wird nicht erteUt. BIS zur veaonoortuug im vrtefkafte» könne» 1t lagt»ergehe». CUige Frage» krage man in der Sprechstunde vor. A. V. 44..Allgemeine Haus- und Grundbesitzer-Zeitung', Karl M. F. Salzmann, Esmoichstr. 4.— F. P. Ja. M. B. 8K. Das hängt von der Finanzlage der Stadt ab; in nächster Zeit nicht zu erwarten.— M. S. 34. 1. Eine Zeitbestimmung Ist nicht vorgeschrieben. Es kann Versteigerung, nach vorheriger Androhung ersoigcn. Zwischen der An- drohung und dem Versteigerungstcrmin mutz mindestens 1 Monat liege». Der die Versteigerung bewirkende Gerichtsvollzieher mutz die ZA 1235 und folgende des Bürgerlichen Gesetzbuches beachten. 2. Fragen Sie bei dem RetchSkoloniaiamt, WilHelmstr. 62 an; bezeichnen Sie aber die Kolonie näher. 3. Ein bestimmter Zeitraum ist nicht festgesetzt. Derselbe dars aber nicht so grotz sein, datz die Möglichkeit der VermägenSverbesserung gesolgert werde» kann. Der Antrag aus Bewilligung des Armenrechts wird innerhalb deS JahreS, für welches die Veranlagung zur Steuer erfolgt ist, zu stellen sein.— A. V. S00. Ja, die Rechtsversolguna ist aber mit Unkosten verkllüpst, da Sie sich eines Wiener Advokaten werden bedienen müssen.— O. 34. In Berlin endigt daS Schuljahr mit dem 31. März; es werden auch nur Kinder, die vor dem 1. April ihr sechstes Lebensjahr vollendet haben, zum 1. April eingeschult. Für Ihren Sohn, bei dem wir anncbmen, datz er in einem anderen Orte eingeswült ist, würde daher die Schulzeit erst im Herbst endigen. Es iil aber ans Antrag DispenS möglich; ein loicher Antrag ist an die Schuldeputatton zu richten.— P. 2». 36. 1. Wenn wegen des Ehebruchs die Ehe geschieden ist, so besteht das Ehe- Hindernis aus S 1322 des Bürgerlichen Gesetzbuchs. Es kann durch den Justizminister Befreiung bewilligt werden. Ein solcher Antrag ist an dasjenige Landgericht, das die Ehe geschieden hat, zu richten.— Wette LS. 1. Für solchen Fall ist eine Lvhngrcnze nicht gegeben. Der Unterhalt der Ehefrau und der ehelichen Kinder geht vor. 2. Bei zivilrechilichen Ansprüchen: den 28,85 M. wöchentlich über» steigenden Betrag. UebrigenS ist der Raum deS.Vorwärts« und die Arbeits» trast der Mitarbeiter zum AuStrag von Wetten nicht da.— E.®. 88. 1. Die ganze Gesetzesbestimmung können wir im Brieskasten nicht abdrucken. Sie handelt von der Kostenverieilung sür den Fall, datz jede Partei teils obsiegt, teils unterliegt. 2. Sind Sic sür nichtschuldig erklärt, so steht Ihnen das Recht der Sorge sür die Person der Knaben zu, falls sie das sechste Lebensjahr vollendet haben. Das BormundichastSgertcht kann eine ander» weite Anordnung treffen, soscrn daS Interesse deS Kindes e» ersvrdert. Amtlicher Marktbericht der städtischen Markthallen-DireMon über den Grotzbandei in den Zeniral-Marktbollen. Marktlage: Fleisch: Zulubr genügend, Geschäft flau, Preise sür dänisches Bullenfleisch nach- gebend, sonst unverändert. Wild: Zusnbr knapp, Geschäst rage, Preise scsl. Geflügel: Zlisudr genügend, Geschäst ziemlich Irdhasi, Preise de- friedigend. Fische: Zufuhr reichlicher, Geschäft ruhig, Preise im all- gemeinen wenig verändert. Butter und Käse: Geschäst ruhig. Preise verändert. Gemüse, Obü und Südfrüchte: Zusuhr genügend, Geschäst ruhig, Preise gedrückt. Wittcmngstiberstlki» vom 23. Februar 15)10, morgens 8 Uhr. «tatlonea LS LZ 8 9 fei— i= Bf Swlvemde 758©5® Hamburg>753 WSW Serlln>7KlSW Franks.» M 765 L-W Münchev!768 SW Wie» 767 W Setter 3 Regen 3 bedeckt 3 Rea en 3 wollig 4bedeckt 4 halb bd. vi« cS. S» i? dt« Stationen öS Haparanda 757 S Petersburg 768 SO Scillh 743 S lberdeea Parts 751 SW Setter 4 bedeckt 2 bedeckt 2 bedeckt 5 heiter 1 K* Ä Mi 1 -5 7 2 Wcttrrvrognoic für Mittwoch, den 23. Februar 15)10. Zunächst kühler, vielfach heiter bei ziemlich Irischen südwestlichen Winde»; später wieder zunehnlende Erwärmung, Trübung mit etwas Regen. Berliner Wetterbureau. Schütz gegen toflnenza, Luantwortlickei fMaiteut Richild Barth. Berlin. Sür bsn Inseratenteil perantw.: Häufig wird eine Erkältung unboachtet gelassen und die Tnflnenzabazillen finden tLfflf'SsS einen voraüglichen Nährstolk in dem kranken Blut des erkälteten Körpers,'/s Glas w#«13»i«a CniueiL-aa ci t. t erb■y rbrb ror jeder Mahlr-eifc genossen, gibt krält. Wännegofühl 3 riasene U. und wirkt äußerst anregend. Wer eine loiehto Er» Qias erwärmten Santa Lucio Krolt-Botwein. Küallicb In KraftsRotwein kältung spürt, trink« vor dem Schlafengehen 1 � tlien Apotlteken, Dfosen- und Oelikaieugcschüttcn. LüantwortliMr Äüdaktu» Richard Barth. Berlin. Kür Ps» JnleratenitilVeranttU St. Glivte. Berlin.«.fCertoa; Kvrwärtt Buchdruckcrej jj, BslSLsanstalt Pgul Singer& So.. Berlin SW» A.WERTHEIM O. m. b. H. 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MUSIKALIEN Führer durch Richard Wagners Muslkdramen Erläuterungen der Dichtung u. Musik von Wigners Musikdrtmen mit 200 Musikbeispielen von Dr. Max Burkharde, gebunden.. M. Führer durch die KonzertmusiK. ÄS'M? liehe Ausföhrungeo fiber 1500 Werke von 114 Komponisten, 300 Muslkbeisplele, von Dr. Max Burkhardt, elegant gebunden M. 1.00 1.00 Band I DI« Meistersinger von Hlrnberg Am silllen Herd(mit unterlegtem Text) David und die Lehrbuben Hans Sachs und Eva(II. Akt)(Beckmeaaer Sachs Schusterlied und Ständchen von Monolog von Sachs und Auftritt von Walther Sachs und Walther[Sachs und Eva(III. Akt) Quintett Tanz der Lehrbuben Aufzug der ZGnfte Walthera Prelalied(mit unterlegtem Text) Rheingold Die Rhelntochter Lege Mime Einzug der Götter In Walhall Die WalKttr# Siegfrieds LIebesiied Stegmund u. ßrünnhilde(Todverkßndiffung) Wotans Abschied und Feuerzauber Siegfried Mime: Als zullendes Kind Siegfried; Au« dem Waid fort Siegfried or.d der Waldvogel Gotterdämmernnf Siegfried und Brünnhilde Gesang der Rbcintöchter Paralfal Grals-Szene Die Biomenmldchen Karfreitagszauber Lohongrin. Potpourri enthaltend t Vorspiel(Akt III) Lobengrins Ankunft: Nun ael bedankt Brautclior usw. Tristan. Potpourri enthaltend t Vorspiel, Kurven als Spottiied Liebesduett: O sink hernieder. Liebes« tod usw. uav. Richard-Wagner-Album _-II mit über- DSOfl 11 legtem Text. LohencrUt Vorspiel. Elsas Traum..Einsam In trßben Tagen.* Lobengrins Ankunft«Nun sei bedankt.* Gebet«Mein Herr und Gott.* Feierlicher Zug zum Münster. Elsas Gesang an die Lüfte. Duett zwischen Elsa und Ortrad.»Euch Lüften, die mein Klagen.* Elsas Ermahnung an Ortrud. Begrüüung der Edlen und Burgbenrobner. Einleitung zum 3. Akt. Brautlied«Treulich gefuhrt ziehet dahin.* Lohengrins Verweis an Elsa. Lohengrins Ermahnung an Elsa.«Hdcbattt VerifHu'n hast du mir.* Lohertgrins Herkunft. In fernem Land, Lohengrina Abschied. Mein lieber Schwan 1 König Heinrichs Aufruf.«Habt Dank.* Lobengrin-Maracb. Tristan mnd laoldoa Vorspiel. Kurwenais Spottlied.«Darf ich die Antwort sagen.* des Erzählung an Bn du meine Schmach.1 Tristana und Isoldes Liebeaduett,«O elnk hernieder, Nacht der Liebe.* Tristans Frage an Isolde.«O König, das kann ich dir nicht sagen.* Isoldes Antwort an Tristan.«Ais für ein fremdes Land.* Isoldes Verklärung,«Mild und leise.* Tristans Gesang. Menuett an« der Senat« B-dor. für Klavier mit Text n j III mit über« oand III legtem Text. Der fliegend« HellSnders Lied des Steuermanns. Arie des Holländers.«Die Frist Ist um.* Spinnerlled.«Summ und brumm. Ballade der Senta. Llee des Matrosen:«Steaermaan laaa'dla Wacht.* Kavatine des Erik., Willst lenea Ttf'a.* Rienvl i Chor der Friedensboten.«Ibr Römer, hört die Kunde.* Marsch der Gesandten. Schlachthymnc.«Auf» Römer, auf.* Friedensmaracb. Gebet des Rienzi.«Anralcht'ter Vater.* Kavatine.«Ich liebte glühend.* TannhKnaert Erster Gesang der Venus.«Zieh* hin, Bethörtor.* Zweiter Gesang der Venns.«Hai Kebrteat du mir nie zurück.* Tannhäusera Lied.«Dir töne Lob* Lied de« Hirtenknaben.«Frau Hulda kam.* Arie der Elisabeth.«Dien, teure Halle.* Marsch und Chor(Einzug der Gäste) ErstcrGcsang Wolframs«Blick' ich umher.* Zweiter Gesang Wolfram«.«O Himmel 1* Gesang Waithers von der Vogelveldc«Den Bronnen, den uns Wolfram nannte.* Einleitung zum dritten Aufzug Gesang der Pilger«Beglückt darf nun dich* Gebe« der Elisabeth.«ATlmächt'ge Jungfrau* Fantasie Wolframs.«Lied an den Abend- atern.* Tannhäusera Erzählung.«Inbrunst Im Herzen.* Jedes Album eleg. ksrtoniert 3.50 Band I— Hl im Kart 10.50 eleg. gebunden 5. 00 Band I— III im Kart. 15.00 Für frohe Kreise. MeaikmliacK.. Elite-Album dm bekannteren und belichteten Opcfctlon-Schlaacr. T.nxe und Kabarett-Lieder uew. 222 Seiten ettrk. enthaltena 50 Piecaa, aJe.ent(ebunden..... M- ■aliauarieebe Exemplar. M. 1.90,.oweil der Verrat reicht. „Donnerwotter-tadeUoi",„Die Revue von P. Lincke. „DollarprinzestiB", Operette von Leo Fall. „Der 8dele Bauer", Operette von Leo Fall: Heinerle, Heinerle, hah' kaia Geld I Fidclc Bauem-WalzcT. B«uem-Mar«ch. „Die Förfter-Chrlatl'SOperette von G. Jarno. „Ein Herbatmanbver", Operette von E. Kälrein; KuOlied.— Mein Freund, der Löbl. „Hias DudelaacK", Operette von Rud. Nelson: Eine dunkle Rose. „Der Liebeswalzer", Operette von C. M. Ziehten Liebeswmlret nach Motjren der Operette. 2.65 Sprudelfee", Operette von H. Reinhardt: Bienchen-Duett. „Bruder Straubinger", Operette von E. Eysler: Kursen ist keine Sund*. „Berlin bleibt Berlin", Po«te: Die Schtmate von allen. Von Erik Meyer-Helmund.— Da» Madel commc il faut. Von S. Tranalateur. „Bis früh um klinke" von Paiil Lincke: Heimlich«tili und leise I Gavotte. „Der JocKey-Clnb", Operette von V. Hollaender: Monbijou u. Senseouci. Ten.duett, Ach öfrne dein Kämmerlein. Lauten« erenade. „Wo wohnt als denn?" von Victor Hollaender: Rullja. Ruilje re... Couplet. bhiettliedcr. Cn�Irtr. Lti4tr flu Kmeit i. Sahn. Tiare, Stlmtlcke, Slrrck«. Strauss-Album Ä Sammlung der beliebtesten Tänze von Johann(Vater), Johann(Sohn) Jo.ef und Eduard Strausa. 12 Tänze für Violine mit Begleitung de. Pianokorte, früher 2 M. jetzt 95 Pf. Soeben erschienen l Zwei mittel.chwere Transkriptionen a. d. Oper Tannbbuaer von Richard Wagner. ..O da mein holder Abendttern**, mit ühcrlegtcm Text, für Klavier zu zwei Händen von E. D. Wagner. Marsch and Chor..Freudig begrüDen wir die edle Halle' für— Klavier zu 2 Händen von Ca E. D. Wagner. Jede« Heft& Pf. Ca. 5000 Moderne Musikstücke Lieder, Salonstücke und Tänze bekannter Komponisten, Z. B. Leo Fall. Victor Hollaender, Georg Jarno, Wilhelm Kienzl, Fritz Lehner, Camillo Morena, Rudolf Nelson. Oskar Streu», (Restauflagen) atatt Ladenpreis M. 1.00 bis 1,80 jetzt jedes Heft 20 pf. 12 nach Wahl; M. 2.00. LElHBIßLIOTHEK Leipziger Strasse und Rosenthaler Strasse In der'Bücher'Abteilung: Ständiger Verkauf gelesener Werke zu bedeutend herabgesetzten Preisen» |t. 45. 37. Jahrgang. 2. IfilMf te Jotnitlo" Ittlintt lliiülilfllt. Ptoi)$, 25. 1910. parte!- HngcUgenb« iten. Zur Lokalliste. Das Lokal Bockbrauerei. Spandau« Berg, steht der Arbeiterschaft von jetzt ab zu allen Versammlungen zur Verfügung. Die Lokalkommission. Lankwitz. Heute abend 8'/z Uhr findet die Wiitglicderversamm- lung des Wahlvereins bei Ebel,' Mühlenstr. 9 statt. Tagesordnung: „Die Sturm- und Drangperiode von 1348." Referent: Genosse M. Schütte. Diskussion. Wahl der Delegierten zur KrciSgeneral- Versammlung und Groß-Berlin. Aufstellung des Kandidaten zur Gemeindevertreterwahl. Bereinsangelegenheiten und Verschiedenes. Der Vorstand. Friedrichshagen. Am heutigen Mittwoch, abends 8'/2 Uhr, findet im Lokale von Witwe Lerche, Friedrichstr. 112, die Mitglieder- Versammlung deS Wahlvereins statt. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen Sonnenburg sen. über:„Die Sozialdemokratie in der Gemeinde." 2. Diskussion. 3. Vereinsangclegenheitcn und Ver- schiedenes. Nieder-Schöneweidc. Am Mittwoch, den 23. d. Mts., abends 8V� Uhr, findet beim Genossen Schulz, Brückenstr. 15, die Mitglieder- veriammlung des Wahlvereins statt. Tagesordnung: 1. Aufnahme neuer Mitglieder. 2. Gemeindewahlange'legenheiten. 3. Wahl des Schriftführers. 4. Wahl der Delegierten zur Generalversammlung von Grofi-Berlin. 5. Aussprache zur Gewerbegerichtswahl. 6. Ver- schiedenes. Der Borstand. Oranienburg. Der Bezirks-Wahlverein für Oranienburg und Umgegend hält heute, Mittwoch abends 8 Uhr im Lokal von E. Schumann feine Mitgliederversammlung ab. Tagesordnung: 1. Bericht über die Tätigkeit des letzten halben JahreS. 2. Welche Lehren ziehen wir aus den letzten Stadtverordnetenwahlen? Referent Genosse Paris. 3. Parteiangelegenheiten. Lerlmer JNfacbricbten. Regierung, Lehrerschaft und Sozialdemokratie. Der Regierung ist es recht unangenehm, daß die sozial- demokratischen Vertreter in den Kommunen es sich haben an- gelegen sein lassen, anläßlich der Regelung der Besoldungs- Verhältnisse der Lehrpersonen die Interessen der Lehrer wahrzunehmen. Das geht aus einer Verfügung hervor, die die Regierung zu Potsdam, Abteilung für Kirchen- und Schub Wesen, erlassen hat; es heißt darin: „Es ist zu unserer KennMis gekommen, daß zu den Beratungen der Gemeindekörperschaften über die Durchführung des Lehrer- besoldungsgesetzeS die Lehrerschaft an einigen Orten eine Stellung eingenommen hat, die mit den Interessen und dem Ansehen des Lehrerstandes nicht mehr für vereinbar gehalten werden kann. Wenn es auch zu verstehen ist. daß die Regelung der Gehalts- fragen eine lebhafte Anteilnahme beansprucht, so kann es nicht die Billigung außerhalb der Lehrerschaft stehender Kreise finden, wenn zur Erreichung höherer Gehaltssätze die Mithilfe solcher G em ei n d e v e rtreter.erbeten und zugesagt wurde, deren politische Stellung zil den erziehlichen und staatlichen Grundsätzen, wie sie ein Lehrer zu vertreten berufen ist, in direktem Gegensatz steht. Auch ist hier und da den Gemeindcvertretcrn, die abweichend von der Mehrheit für höhere Ortszulagen gestimmt haben, der besondereDank von Lehrervereinen ausgesprochen worden. Dies ist namentlich in einer Gemeinde vorgekommen, in der eine sozialdemokratische Minderheit für höhere Gehälter gestimmt hatte, als sie von der Gemeindevertretung bewilligt wurden. Wir müssen darauf hinweisen, daß die betreffenden Be- ratungen innere Angelegenheiten der Gcmeindekörpcrschaften sind, bei deren Beschlußfassung eS selbstverständliche Voraussetzung ist, daß jeder einzelne nach bestem Wissen und auf eigene Ver- anlwortung hin Stellung zu nehmen hat. Dem Ansehen und der Würde des Lehrerstandes kann mir einem derartigen Verhalten nicht gedient sein. Schließlich müssen wir es entschieden' miß' billigen, wenn die auf Erhöhung der Gehaltssätze zielenden Be< strebungen in der Presse der Oeffentlichkeit unterbreitet werden und zu einer abfälligen Haltung der Gcmeindekörperschaften ge- führt haben." Aus dieser Verfügung ist interessant die regierungs fettige Feststellung, daß sozialdemokratische Gemeinde Vertreter für die Lehrer eingetreten sind. Daß das der Re gierung unangenehm ist, glauben wir ihr. Damit haben aber die Sozialdemokraten den Beweis geliefert, wie ernst es ihnen uni die Erziehung und die Bildung der Jugend ist. Indem sie für möglichst gute Bezahlung der Lehrpersonen eintraten, tvirkten sie in erster Linie im Interesse einer guten Schule, eines gedeihlichen Unterrichts. Ein schlecht bezahlter, ver- ärgertcr Lehrer wird nicht so erfolgreich unterrichten können wie eine von allen materiellen Sorgen befreite Lehrperson. Was die im Schlußsatz der Verfügung gemachten Be- merkungen betrifft, in denen es gcmißbilligt wird, daß die Lehrer ihre auf Verbesserung ihrer Lage zielenden Bestrebungen in der Oeffentlichkeit und in der Presse vertreten haben, so kennzeichnet diese Auslassung die ganze Lehrerfrenndlichkeit der Regierung. Der Lehrerschaft wird es danach verdacht. daß sie sich gerührt hat, um möglichst gute Anstellungsverhält- nisse zu erzielen. Ob die Lehrer auS dieser Verfügung allerdings die er- forderlichen Konsequenzen ziehen werden, steht dahin. Der Herr Stodtkämmerer und die Berliner Lehrer. Fn einer persönlichen Auslassung im„Verl. Tageblatt' hat kürzlich Herr Dr. Steiniger die Notwendigkeit der Erhöhung der Gemeindesteuern auf 105 Proz. mit den vermehrten Ausgaben für Lehrergchälter und den gestiegenen Arbeits- löhnen gerechtfertigt. Daß mit der Steigerung der Löhne städ- tischcr Arbeiter kein Staat zu machen ist, haben wir des öfteren nachgewiesen. Mit den erhöhten Lchrergehältern scheint es ahn- lich zu stehen. Jedenfalls haben die Ausführungen des Herrn Stadtkämmerers die Berliner Lehrer durchaus nicht angenehm berührt. Wir sind aus den Kreisen der Berliner Lehrer ge- beten worden, darauf hinzuweisen, daß Berlin an Aufbesserungen für etwa 9990 Lehrpersonen 1 899 990 M., dagegen für zirka 4999 Beamte 2 199 999 M. aufgewendet hat. Auch diesen letzteren Aus- gabeposten erkennen die Lehrer gern als notwendig an, möchten aorr aus Gründen der Billigkeit nicht, daß ihn Herr Dr. Steiniger vor der Oeffentlichkeit so ganz vergißt. Uebcrhaupt könnte man im Roten Hause etwas bescheidener sein, wenn von den Ausgaben der Rcichshauptstadt für die Gemeindeschule die Rede ist. Die beabsichtigte Rückwärtsrevidierung des Achtklassensystems, die Mietsschulhänser, die kleinen Höfe in fertigen und projektierten Schulgebänden sowie neuerdings die Beseitigung der geteilten Grundklasse reden eine zu deutliche Sprache. Mit der Berliner Gemeindeschule ist nicht erfolgreich zu paradieren. In einigen Zweigen der Vcrlvaltung scheint diese Erkenntnis schon etwas Raum zu gewinnen. Man erzählt sich nämlich in der Berliner Lehrerschaft mit großer Bestimmtheit, bei der mit soviel Aplomp veranstalteten Feier zur Einweihung der 399. Gemeindeschule feien den Anwesenden von der Gemeindeschule außer der Aula, wo die Feier stattfand, nur die Garderoben gezeigt worden, dann habe man die Räume der im selben Gebäude untergebrachten höheren Schulanstalten präsentiert. Das läßt auch für die Finanzverwaltung der Stadt besseres erhoffen. Die Explosion eiues Lokomotivlessels ereignete sich gestern früh auf dem Bahnhof Beusselstraße in Berlin. Amtlich wird seitens der Eisenbahndirektion Berlin über den Vorfall berichtet: Als ein vom Bahnhof Wedding abgelassener Nordringzug heute morgen um 6 Uhr 59 Minuten in den Bahnhof Beusselstraße einlief, erfolgte plötzlich eine Explosion des Lokomotivkessels. Der Lokomotivführer erlitt schwere Brandwunden und mußte nach dem Krankenhaus Moabit ge- bracht werden. Der Heizer ist mit leichteren Verletzungen an den Armen davongekommen. Der Bahnverkehr konnte aufrecht erhalten werden. Die Eisenbahndirektion Berlin hat sofort eine Untersuchung des Falles eingeleitet. Als Ursache der Explosion wird von anderer Seite Wasser- mangel angegeben. Der Nordringzug 1727, der vom Bahnhof Wedding kam, sei infolge Wassermangels niit sechs Minuten Ver- spätung auf dem Bahnhof Beusselstraße eingetroffen. Da eine Weiterfahrt unter diesen Umständen nicht möglich war, sollte die Maschine erst neues Wasser einnehmen. Sie wurde daher ab- gekoppelt und fuhr zum Wafferlran, der sich in einiger Entfernung unterhalb der Straßenbrücke befindet. Als dann das Wasser eingelassen wurde, erfolgte die Explosion. Die Siederohre platzten, und der heiße Wasferdampf strömte vorn und hinten aus der Loko- motive. Im Augenblick der Explosion standen in der Nähe der Ma- schine auch einige Bahnbeamte und Fahrgäste, die aber unverletzt blieben. Sie machten sich sofort an die Rettung des Lokomotiv- führers und Heizers. Nach wenigen Minuten konnten beide aus der Lokomotive herausgeholt werden. Der Lokomotivführer Her- mann Berkhahn, der verheiratet ist und in der Potsdamer Straße 17 zu Charlottenburg wohnt, war am schwersten verletzt. Er hatte am Oberkörper Brandwunden davongetragen und mußte nach Anlegung von Notverbänden sofort nach dem Kranken- haus Moabit geschafft werden. Der Heizer Rchfeldt war glimpflicher davongekommen. Er hatte durch den ausströmenden heißen Wasser- dampf nur leichte Brandverletzungen an den Armen erlitten und be- gab sich selbst nach der Unfallstation in der Huttenstraße, um sich dort verbinden zu lassen. Auf der Unfallstelle trafen bald Ingenieure und Beamte der Maschineninspektion und der zuständigen Betriebs- infpektion ein, um die nötigen Feststellungen zu machen. Die ver- unglückte Maschine wurde nach den Eisenbabnwerkstätten in Char- lottenburg geschafft. Auch der Nordringzug 1727 wurde außer Be trieb gesetzt. Die folgenden Nordringzüge erlitten Verspätungen bis zu einer halben Stunde. Eine Tranerfeier für den verstorbenen ReichStagspräsidentcn fand gestern in der Dreifaltigkeitskirche in der Manerstraße statt. In Anschluß daran wurde die Leiche im feierlichen Zuge nach dem Lehrter Bahnhof mit dem in den Gesellschaftskreisen, welchen der Verstorbene angehörte, üblichen Pomp übergeführt. Die Trompeter dos Regiments derGarde du Corps eröffneten den Zug, darauf folgten die Unlerbeamten des Reichstages, der Verein der ehem. Garde du Corps, zwei Offiziere aus dem genannten Corps mit den Orden des Verstorbenen. Hinter dem Leichenwagen gingen die nächsten Leid tragenden, der erste Vizepräsident des Reichstags, der Stellvertreter de» Reichskanzlers und zahlreiche Abgeordnete. Ein kaiserlicher Gala wagen und Kranzwagen schloffen den Zug. Die Beteiligung der Abgeordneten würde voraussichtlich größer gewesen sein, wenn nicht in letzter Minute noch die Anordnung wäre getroffen worden: Für Zivil: Kleine Uniform oder Frack, weiße Binde, schwarze Handschuhe. Die Familie des Verstorbenen und der Direktor des Reichstags, Geheimrat Jungheim, die gemeinschaftlich die Anordnungen getroffen haben, dürften sich mit Rücksicht auf die Feier, die durch den kaiserlichen Galaivagen ein etwas höfisches Gepräge erhielt, zu einer solche» Kleidervorschrift verpflichtet gefühlt haben. Dabei haben sie aber übersehen, daß alle die Abgeordneten, die sich nicht mir einem Frack in Berlin versehen haben oder die, wie Wohl die allermeisten sozialdemokratischen Abgeordneten für ihren gesellschaft lichen Verkehr eines Frackes überhaupl nicht bedürfen, durch diese Vorschrift von der Beteiligung ausgeschlossen wurden. Wir wissen von mehreren Abgeordneten, die im dunklen Gesellschaftsanzug an den, Leichenzug teilnehmen lvollten und die sich auch bereits ent- sprechend gelleidet hatten, daß sie, nachdem ihnen diese Kleider- ordnung zu Gesicht gekoinmeu war, diese Absicht sofort aufgegeben haben. Sie wollten nicht aufdringlich erscheinen. S» wird es mit Ausländern gemacht! Diese Deußerung tat am Sonntag ein vor dem Zirkus Busch stationierter Schutzmann— einige Leute behaupten, es handle sich um einen Wachtmeister— einem Artisten gegenüber, der in das Zirkusgebäude gehen wollte. Bekanntlich fand am Sonntag im Zirkus Busch eine Versammlung der Orthodoxen statt, die so stark besucht war, daß abgesperrt wurde. Da kommt ein Artist, der im ZirkuS mit seinen dressierten Hunden auftritt, und will in daS Gebäude, in dem er geschäftlich zu tun hat. Er wendet sich an den Leutnant und stellt ihm vor, daß er in daS ZirkuSgebäude— nicht zur Versammlung— müsse. Der Leutnant antwortet ihm, er habe nichts da- gegen, wenn ihn der Portier hineinlasse. Bis zum Portier aber kommt der Mann erst gar nicht. Auf seinem Wege dahin tritt ihm ein Beamter entgegen, und ohne den Mann erst anzuhören, wohin er wolle, stößt er ihn zurück und tritt ihm auf die Füße. Der Fremde fragt:„DaS ist wohl Ihr neuester Trick?" und erhält als Antwort:„So wird es mit Ausländern gemacht!' In daS Gebäude ist der Artist in der Tat nicht hinein- gelangt. Ausländer können diese? Benehmen unserer Polizeibeamten nicht begreifen. DaS wird vielen Ausländern so gehen! Die Folge ist, daß Preußen in immer größeren Verruf im Auslande kommt. EchutzmannSpfcrde ans dem Bürgcrstcige wurden gestern nach- mittag in der Wilmssiiaße, Ecke Bärwaldstraße, beobachtet. In der Gegend war eine nach Hunderten zählende Menge zusammen- geströmt, die zum Teil die Schloßwache begleitet hatte und nun auseinanderzugehen beabsichtigte. DaS muß den Beamten nun wohl nicht schnell genug gegangen sein, und so sprengten sechs Berittene unter die Menge, um sie auseinanderzubringen. Dabei genierten sie sich nicht, mit ihren Pferden auch auf den Bürgersteig zu reiten. Als ob der Bürgersteig für Schntzmannspfcrde da seil Durch einen umstürzenden Geldschrank schwer verletzt wurde gestern der 29jährige Arbeiter Rudolf Pankow aus der Buttmann- straße 2. P., der in der Gcldschrankfabrik Arnheim beschäftigt ist, hatte mit anderen Arbeitern in der Kantstraße in Charlottenbnrg einen Geldschrank abzuliefern. Als die Arbeiter den Geldbehälter vom Wagen herabheben wollten, geriet derselbe ins Rutschen und die zwei Zentner schwere Last fiel dem P. auf daS linke Bein. Der Arbeiter erlitt eine schwere Wunde am Unterschenkel, an dem daS Schienbein bloßgelegt wurde, und einen doppelten Knöchelbruch. Der Schlververletzte wurde nach der Unfallstation am Kurfürsten- dämm gebracht, wo er Notverbände erhielt, und von dort nach dem Krankenhans Moabit übergeführt. Mit Lysol vergiftet hat sich am Sonnabend abend daZ Dienstmädchen Wartin, das bei einer Herrschast in der Badstraße 47, Ecke Buttmannstratze bedienstet war. Sofort wurde der im Hause ivohnende Arzt Dr. Klette herbeigerufen, der dem Mädchen Milch einflößte. Dabei soll Herr Klette geäußert haben:„Den Rummel kennen wir schon" und sich entfernt haben mit den Worten:„Lassen Sie sie nur in der Ecke sitzen I" Weit aber die Umstehenden trotzdem die Gefahr für das Leben des Mädchens größer hielte», als der Arzt Dr. Klette, wurde nach der Unfallstalion in der Hochstraße um Hilfe geschickt, die auch sofort gewährt wurde. Von dem Vertreter der Unfallstation wurde Gefahr im Verzuge festgestellt und sofortige KrankenhanSüberführnng angeordnet. Das Mädchen dürste kaum mit dem Leben davonlommen. Ein niederträchtiger Bursche ist doch manchmal der Druckfehler» kobold. In unserer Sonnabendnummer berichteten wir von einem Lvtterieschwindler, der im Westen Berlins und in Charlottenburg sein Wesen treibe. Der sicher auftretende junge Mann nenne sich Willi Koch und gebe an, in Schöncberg, Feurigstr. 9, zu wohnen; die Angabe sei aber falsch. Tann heißt es in der Notiz: „Für die schon in wenigen Tagen stattfindende Ziehung offeriert der Schwindler Loc, die meistens von Verkäuferinnen, Dienst« mädchen usw. zum Preise von 3 M. gekauft werden.' In dem Worte„Loe" fehlt das ,.s", so daß es„Lose" heißen mutz, lind weil dieser Buchstabe fehlt, ersucht uns ein Herr Loe, der in der Cuvrhstraße wohnt, um die Feststellung, daß er kein Schwindler sei. Bon einer Droschke überfahren und getötet wurde vorgestern abend um b'/z Uhr eine unbekannte Frau vor dem Hause Lessingstr. 19. Ein Schutzmann brachte die Verunglückte nach dem Krankenhause Moabit, wo sie bald nach der Aufnahme starb. Sie ist etwa 50 Jahre alt, 1,57 Meter groß und untersetzt, hat graugemischteS Haar und trug eine rote Bluse mit kleinen schwarzen Feldern, einen schwarzen Rock, einen dunklen Umhang und hatte keine Kops» bcdeckung. Ein ganz gefährlicher Schlasstellenschwinbler ist von der Polizei verhaftet worden. Der angebliche Sekretär Paul Mendt pflegte von einer Schlafstelle zur anderen zu wandern und dort dreiste Diebstähle auszuführen. Er stellte sich als Sekretär vor und führte, sobald er allein in der Wohnung war, Diebstähle aus. Ebenso pumpte er seine Wirtsleute auch noch an und in den aller- meisten Fällen mit Erfolg. Auf Veranlassung einer in der Lang» Hansstraße wohnhaften Vermieterin, die der Gauner um 29 M. geprellt hatte, wurde W. festgenommen. Bei seiner Vernehmung entpuppte er sich als ein schon längst gesuchter gewerbsmäßiger Schlafftellendicb, der sein Gewerbe in großem Umfange betrieb. Ein schwerer Straßenbahnunfall ereignete sich vorgestern abend gegen 7 Uhr vor dem Hause Alexanderstratze 19. Dort trat die 42jährige Frau Karoline Mendt aus Werder a. H., die hier bei Verlvvndten zu Besuch weilte, unmittelbar vor einem heran» nahenden Straßenbahnwagen der Linie 35 ans das Gleis und wurde umgestoßen. Die Frau geriet unter den Vorderperron des Bahnwagens und erlitt einen Bruch beider Schlüsselbeine sowie Hautabschürfungen an Gesicht und Händen. Die Verunglückte er» hielt auf der Unfallstation in der Alten Schützenstraße die erste ärztliche Hilfe und wurde dann nach ihrer Wohnung übergeführt. -— Ein anderer Strahenbahnunfall trug sich in der Karlstraße zu. Dort trat der praktische Arzt Dr. Reichel aus der Lenaustrahe 21 in Rixdorf kurz vor einem Zuge der Linie 32 auf die Schienen und wurde zu Boden gerissen. Er geriet unter den Schutzrahmen und erlitt mehrere Kopfwunden. Er erhielt in der Charit« einen Notverband und konnte sich allein nach seiner Wohnung begeben. Ein dreijähriger Knabe wurde in Treptow umherirrend auf- gefunden und auf der dortigen Polizeiwache abgeliefert. Der Knabe ist blond und bekleidet mit blauem Mäntclchen, weißer Mütze, braunen Schuhen, braun und grün gestreiften Strümpfen. weißem Schal und dunkelblauem Sweater. Er kam aus der Rix, dorser Gegend gelaufen. Städtische Kochschule, N. 53, Dunckerstr. 63/66. DaS Sommerhalbjahr beginnt Ansang April. Die gute, bürgerliche Küche wird gelehrt. Es findet Vor- und Nachmittagsunterricht statt. Bei ein- maligem wöchentlichen Besuche der Kochschnle beträgt daS Schulgeld 5 M., bei zweimaligem Besuche 12 M. DaS Schulgeld be» rechtigt zur unentgeltlichen Teilnahme an einem Plätt- und Schneider» kursuS in einer städtischen Fortbildungsschule. Anmeldungen werden in der Kochschule Dunckerstr. 65/66 ausschließlich der Ferien von l'/a— 2Vj Uhr entgegengenommen. Vorort- JVacbrlcbten* Schöneberg. Die Schöneberger Stadtverordnetenversammlung gegen die Wahlrechtsvorlage. - In der letzten Sitzung, die von unserem Genossen Molken» buhr geleitet wurde, kamen die beiden Anträge der sozialdemo» kratischen und liberalen Fraktion gegen die preußische Wahlrechts» vorläge zur Beratung. Wir haben dieselben vor acht Tagen in ihrem Wortlaut wiedergegeben. Der Unterschied der beiden Anträge lag darin, daß der sozialdemokratische Antrag daS all- gemeine, gleiche, geheime und direkte Wahlrecht für alle Erwachsenen ohne Unterschied deS Ge» schlecht? forderte, während der liberale Antrag die Ein» führung deS ReichStagSwahlrechtS für Preußen ver» langte. Den Antrag der liberalen Fraktion begründete Stadtd. Gott» schall. Keine Vorlage der preußischen Regierung hat so viel Er» regung hervorgerufen wie die Wahlrechtsvorlage. Die Stadt» verordnetenversammlung müsse sich mit derselben beschäftigen, wobei jedes Parteiinteresse auszuscheiden habe. Die Zuständigkeit könne nicht bezweifelt werden. Die Bürgerschaft Schönebergs sei daran interessiert, daß sie eine ihrer Einwohnerzahl entsprechende Ver» tretung im Abgeordnetenhause hat. Das Wahlgesetz entspreche nicht den Grundsätzen der Gerechtigkeit. Wolle die preußische Regierung keine Parteiregierung sein, so müssen die Stimmen der Kommunen gehört werden. Stadtv. Bernstein(Soz.) führte in der Begründung des sozialdemokratischen Antrages etwa folgendes auS: Unsere Fraktion hält eS für notwendig, daß in der Petition auf die Versprechungen in der Thronrede von l993 hingewiesen toird, in welcher in Aussicht gestellt wurde, daß die organische Fortentwickelung deS Landtags» ivahlrechts der»wirtschaftlichen EntWickelung, der Ausbreitung der Bildung und des politischen Verständnisses sowie der Erstarkung de» staatlichen BerantwortlichkeitSgesühlS" entsprechen soll. Zunächst muß eine Neueinteilung der Landtagswahlkreise gefordert werden. AuS der jetzigen Einteilung hat Schöneberg noch ganz besondere Nach- teile. Ist denn der Ausbreitung der Bildung dadurch Rechnung ge» tragen, wenn z. B. den 8143 Wählern des Kreises Holland-Mohrungcn dieselben Rechte eingeräumt werden wie den 78 399 Wählern deS Wahlkreises Schöneberg-Rixdorf? Ist denn dort die Intelligenz um so viel höher als in Schöncberg? Wenn etwa die Gesetzgeber der Ansicht sein sollten, so muß die Bürgerschaft Schönebergs ihre Gegen» anficht kundgeben und zwar so energisch wie möglich. Wenn die jetzige Wahlrechtsvorlage Gesetz werden sollte, so verteilen sich die Wähler auf die einzelnen Abteilungen nicht einmal in dem Maße, wie c8 bei der Aufoktroyierung des bestehenden Wahlrechts von den damaligen RegierungSvcrtretern berechnet worden ist. Das soll nun der groß« Fortschritt sein, der in zwei Generationen erreicht worden ist. Die ganze Zusammensetzung de» Landtage» entspricht in keiner Weise de» BetMenmgsberhaltnissen. denjenigen, die i�rc Bildung lediglich aus den Kreisblättern entnehmen, steht der größte Einfluß auch fernerhin zu. Man könnte fast auf die Wahlrechtsvorlage den Satz auwenden:„Je dümmer, desto größer das Stimm- r e ch t I" Die Mehrheit der Bevölkerung wird künstlich in die Minderheit versetzt. Ist eS nicht eine direkte Beleidigung der Be- völkeruug, wenn den Militäranwärtern ein größeres staatliches Ber- antwortlickikeilsgefühl zugesprochen wird? Die Sozialdemo- kratie verlangt die Ausdehnung des Stimmrechts auf alle Mündigen ohne Unterschied des Geschlechts. Durch die jetzige wirtschaftliche EntWickelung werden die Frauen immer mehr in die Berufstätigkeit hineingezogen. Die sozialdemo- kratische Fraktion ist jedoch davon überzeugt, daß die Mehrheit der Stadtverordnetenversammlung dem sozialdemokratischen Antrage, auch den Frauen das Stimmrecht zu gewähren, nicht zustimmen wird. Um nun aber einen möglichst einheitlichen Protest gegen die Wahlrechtsvorlage zustande zu bringen, wird die sozialdemokratische Fraktion ihren Antrag zurückziehen und geschlossen für den liberalen Antrag stimmen. Der Antrag wäre nur noch dahin abzuändern, daß die Petition au beide Häuser des Landtags zu richten ist. Wir haben auch nicht zu bitten, sondern zu fordern. Stadtv. Luleh lLib. Vereinig.) sprach seine Genugtuung darüber aus, daß die Sozialdemokraten ihren Antrag zurückgezogen haben. Seine Fraktion werde ebenfalls geschlossen für den Antrag der liberalen Fraktion stimmen, damit auch in Schöneberg ein nach- haltiger Protest gegen die Borlage eingelegt wird. Stadtv. Schneider sUuabh. Vereinig.), der mit allgemeinem Gelächter empfangen wurde, erklärte, daß seine Fraktion nur für die geheime Wahl ist, sonst könne alles beim alten bleiben. Es sei nötig, daß die Wähler vor dem von einer gewissen Seite aus- geübten Terrorismus geschützt werden. Seine Fraktion werde dem liberalen Antrage nicht zustimmen, damit es nicht auch in Schöne- berg heißt, der Protest gegen die WahlrcKtsvorlage ist einstimmig erfolgt. Stadtv. Küt er(Soz.) wies darauf hin. daß Herr Schneider am allerwenigsten Ursache hat, sich über Terrorismus zu beklagen. Wenn er Anhänger des DreiklaflenwahlrechtS fei, so helfe er damit einen Terrorismus auf die übergroße Mehrheit der Bevölkerung ausüben. Auch befleißige sich Herr Schneider persönlich eines ausgedehnten Terrorismus seinen unterstellten Beamlen gegenüber. Das Grundprinzip des Herrn Schneider fei eben, gegen alle vorwärtsstrebenden Anträge zu stimmen und sich gegen jede Vernunft und Gerechtigkeit zu wenden. Der Antrag der liberalen Fraktion wurde darauf mit der vom Stadtv. Bernstein(Soz.) empfohlenen Aenderung mit 52 gegen 6 Stimmen angenommen. Die Versammlung beschäftigte sich dann weiter mit den Be- ratungen der Einzeletats. Genehmigt wurden ohne wesentliche Aenderungen der Etat der Hoch- und Tiefbauverwaltung und der K a u a l b a u v e r w a l t u n g. Bei der Rieselguts- Verwaltung wurde der Magistrat aufgefordert, Mitteilungen darüber zu machen, warum die Erträgnisse der Jagd zurückgegangen sind. Eine ausgedehnte Debatte entspann sich um den Unter« grundbahnetat, der für das erste halbe Betriebsjahr einen Zuschuß von 258 115 M. erfordert. Vom Magistrat wurde eine Vorlage verlangt, worin die GruudstückSanlieger an der Bahn zu besonderen Abgaben herangezogen werden sollen. Der Magistrat erklärte, daß es jetzt unmöglich sei, solche Beiträge zu erheben; es müßte erst Klarheit über die Fortführung der Bahn geschaffen werden. Die Abstimmung über diesen Etat wurde ausgesetzt. Einigen Abänderungen der Gehührenordnung für die Benutzung der städtischen Krankentransportwagen wurde nach der Vorlage des Magistrats zugestimmt. Bei dieser Gelegenheit glaubte Stadtv. Starke(lib. Frakt.) der Ortskrankenkasse Schöneberg Un- kulanz dem Magistrat gegenüber vorwerfen zu müssen. Stadtv. M a g n a n(Soz.) erwiderte aber, daß die Ortskrankenkaffe nur pflichtgemäß gehandelt habe. Bei Beratung eines Anstellungsvertrages mit dem Schmied des Rieselgutes wendet sich Stadtv. H o f f m a n n(Soz.) gegen verschiedene darin enthaltene Bestimmungen. Der Vertrag wurde aber nach den Beschlüssen des Ausschusses genehmigt. In der letzten Sitzung der Gewerkschaftskommission gab der Ob- mann zunächst den Jahresbericht für das Jahr 1909. Der Kom- Mission find 24 Organisationen mit zirka 6000 Mitglieder an- geschlossen. Die Arbeiten der Kommission wurden in 18 AuSschußsitzungen und 13 gemeinsamen Sitzungen erledigt, außerdem wurden drei öffentliche Versammlungen abgehalten. Im Jahre 1909 setzte wieder eirle bessere Konjunltur ein. was zur Folge hatte, daß auch die Ge- werkschaften wieder an Mitgliedern zunahmen. Das Verhältnis zwischen Partei und Gewerkschaftskommission ist durchaus ein gutes. Die Arbeiten sArbeitSlosenzählung, Stadt- verordnetenwahle» usw.) wurden gemeinsam beraten und durch- geführt. Die ArbeitSlosenzählung, die am 14. Februar stattfand, wurde nicht wie im November 1908 nach dem Meldesyftem, sondern nach Hauslisten von Partei- und Gewerkschastsgenossen vorgenommen. ES wurden 3070 Arbeitslose gezählt. Die Stadtverordneten- Versammlung hatte für die Zählung eine Beihilfe von 544.35 M. gewährt. Die von der Partei und der Gewerkschaftskommission ge- machten Feststellungen betreffs die Arbeitslosenzählung wurden durch das Statistische Amt weiterbearbeitet. Um einige Unklarheiten zu beseitigen, wurden von dem Statistischen Amt Schöneberg von der Gewerkschaftskommission 6 Mann erbeten, welche eine Nachkontrolle vorzunehmen hatten. Der Arbeitsnachweis hat sich in der Vennittelung etwas gehoben. Da die Räume sich als zu klein erwiesen, ist von den Deputierten der Arbeiter der Autrag gestellt worden, den Raum zu vergrößern. Der Antrag wurde angenommen und soll die Ver- größerunq in diesem Jahre durchgeführt werden. Nachdem bemängeU worden war, daß in der Ortskrankenkaffe Ueberstunden in größerer Anzahl gemacht worden waren, befaßte sich die Kommission mit der Angelegenheit. Um eine Einigung zu erzielen. hielt der Ausschuß im Austrage der Kommission eine gemeinsame Sitzung mit dem Arbeitnehmer-Kassenvorstand ab. Es wurde hier festgelegt, daß die Beamten der Kasse pro Kopf und pro Woctie nicht mehr als zehn Ueberstunden machen dürfte», im aller äußersten Falle sollte nur bis zu fünfzehn Stunden ge- gangen werden. Mit diesem Beschluß gab sich später auch das Kartell zufrieden. Die Rechtsauskunftsstelle der Gewerkschafts- kommission befindet sich beim Genossen Kosanke, Meininger Str. 8. Es wurden bis Ende Dezember 1909 32 Auskünfte erteilt und zwar in Gewerbegerichts-, JnvaliditätS- und Unfallsachen, ebenso auf dem Gebiete des bürgerlichen Rechts. Der I n g e n d a u S s ch u ß hat den an ihn gestellten An- fordcrungen in jeder Hinsicht gerecht zu werden gewußt. Man ist jetzt zur Bildung einer Kommisfio» zur Gründung eines Jugend- hciinS geschritten. Da er jetzt über 100 Mitglieder hat, ist er selb- ständig geworden. Das Abkommen mit dem Wahlverein betreffend die Entnahme von Büchern durch nur gewerkschaftlich Organisierte wurde bei- behalten. Die Beteiligung war etwas reger als im Borjahre. Einer Einnahme von 312 M. steht eine Ausgabe von 271,97 M. gegenüber. Nach der Erstattung des Jahresberichtes wurden die Neuwahlen des Ausschusses vorgenommen. Wiedergewählt wurden als Obmann der Genosse Henkel, Stellvertreter Genosse Kosanke als Schriftführer wurde für den ausscheidenden Genossen Oskar Hagen, Genosse Otto Schenk gewählt. In den Jugendausschuß wurden die Genossen Klemann und Buchholz wiedergewählt. Betreffend die diesjährige Maifeier wurde beschloffen, daß die Vormittagsversammlungen von den Gewerkschaften und die Ver- aiistaltungen nachmittags von der Partei arrangiert werden sollen. Rixdorf. Bei der am Sonntag vollzogenen Wahl der Arbeiterbeisitzer am hiesigen Gewerbericht wurden insgesamt 7399 Stimmen abgegeben, davon eutfielen auf die Liste der freien Gewerkschaften 7310 Stimmen, das sind 941 Stimmen mehr als im Jahre 1908. Auf die Gegen- kandidaten, die am Wahltage nach vierjähriger Pause wieder auftauchten, vereinigten sich ganze 88 Stimmen, so daß unsere Liste glatt gewählt ist. An sich ist die erreichte Stimmenzahl ja gegen die früherer Jahre erfreulich, aber dennoch mutz konstatiert werden, daß ein nicht unerheblicher Teil ber Arbeiter sich an der Wahl nicht beteiligt hat. Die Arbeitgeberöeisitzer wurden am Montag gewählt. Von den rund 2400 eingeschriebenen Wählern haben nur 639 ihr Stimmrecht ausgeübt. Die Liste des JnnungS- klüngels erhielt 416, die der Gewerkschaftskommission 223 Stimmen. Ein solches Resultat ist nicht erwartet worden, wenngleich unsere Stimmenzahl gegen 1908 um 106 gestiegen ist. Die Arbeiterschaft hat mit aller Macht dahin zu wirken, daß dieser Sieg der Jnnungs- Helden beim Rixdorfer Gewerbegericht der letzte ist, den sie errungen haben. Um dieses zu erreichen, muß in erster Linie die Beteiligung an den Wahlarbeiten allgemeiner und lebhafter werden. Im Kampf gegen uns haben die JnnungShelden vor den infamsten Ver- dächtigungen nicht Halt gemacht, was aus dem Flugblatt des Jnnungsausschusses zur Genüge hervorgeht. In demselben heißt es u. a:„Das Gewerbegericht ist ferner berufen, ausbrechende Streiks durch sofort einzuleitende Vermittelung im Keime zu ersticken und somit segenbringend für Arbeitgeber und Arbeitnehmer zu wirken. Die Arbeiter haben nun bereits eine sehr rührige Agitation entfaltet, um Leute zu wählen, die stets das Interesse der Arbeiter. aber niemals das der Arbeitgeber wahren. Selbst bei den Wahlen der Arbeitgeber sucht die Arbeiterpartei dadurch für ihre Sache zu wirken, daß sie Leute als Arbeitgeber- kandidaten ausstellt, die durch ihre wirtschaftliche Stellung gezwungen sind, als gewählte Beisitzer für die Interessen der Arbeiter zu stimmen. Wir sind weit entfernt, die Rechte der Arbeiter schmälern zu wollen, aber ebensowenig wollen wir uns auch unsere Rechte nicht nehmen lassen. Treten wir bei dieser Wahl nicht Mann für Mann an, dann wird es passieren, daß die Rixdorfer Arbeitgeber vor dem Gewerbegericht niemals recht bekommen werden. Welcher Schaden für die Gewerbetreibenden dadurch hervorgerufen werden kann, ist gar nicht abzusehen." Dieses Flugblatt ist, wie klar ersichtlich, geboren aus nieder- trächtigstem Haß gegen die Arbeiterbewegung. Als Gipfel der Un- verfrorenheit muß die Behauptung bezeichnet werden, daß die Ar- beiterpartei Leute als Kandidaten aufstellt, die Grund ihrer Wirt- schaftlichen Stellung gezwungen sind, ausnahmslos ihr Veto zu- gunsten der Arbeiter abzugeben. Die einzig wirksame Antwort auf solche Verdächtigungen kann nur darin bestehen, daß bei den nächsten Wahlen, trotz der verzweifeltsten Anstrengungen der Innungen und kommunalen Bereine, unsere Liste gewählt wird. Lichtenberg-Rummelsburg. Der Wahlrechtsvorlage der Regierung scheint daS Bureau der Lichtenberger Stadtverordnetenversammlung gleichgültig gegenüber zu stehen. Nahe an zwei Wochen hat es nämlich gebraucht, um folgen- den Antrag unserer Genossen auf die Tagesordnung der am Donners- tag, den 24. Februar, 6 Uhr, stattfindenden Sitzung zu setzen: Die Versammlung wolle beschließen, eine Petition an das Haus der Abgeordneten abzusenden, in der vom Standpunkt der Lichtenberger Bürgerschaft die sogenannte Wahlrechtsreform in Preußen in ihren Wirkungen auf die politische Entrechtung der breiten Masse de? Bolkes dargelegt und daS HauS der Ab- geordneten ersucht wird, die Wahlvorlage abzulehnen, ferner den Magistrat zu ersuchen, dem Beschlüsse der Versammlung bei- zutreten._ Zur Eingemeindungsfrage Lichtenberg-RummelSburgS. Die für die Eingemeindung RummelSburgS in Lichtenberg ein- gesetzte Kommission hat der Eingemeindung im Prinzip zugestimmt. Die Bedingungen, unter denen die Eingemeindung zu erfolgen hat, sollen erst nach Feststellung der beiderseitigen Etats festgesetzt werden. Friedenau. Aus der Gemeindevertretung. Die Einwohnerzahl stieg vom 1. November 1909 bis 31. Januar d. I. um 673 und betrug an diesem Tage 31 016. Gemeindevertreter Ott berichtete über die Aus- gaben der Ordentlichen Verwaltung. Es sind dies Voranschläge für die Allgemeine Verwaltung, Hochbau und Baupolizeiverwaltung, Polizeiverwaltung. Grundeigentum, Armcnverwaltung, Tiefbau, Straßenreinigung und Steuern. Veranschlagt waren 864094 M., ausgegeben sind 928 464 M., so daß eine Mehrausgabe von 64 470,63 M. herauskommt. Die Mehrausgabe beträgl bei der Gemeindeverwaltung 1345 M., Grundeigentum 350,30 M., Armen- Verwaltung 11 155,55 M., Straßenreinigung 1192 M., Steuern 330 M. Ueber Ausgaben ber außerordentlichen Verwaltung berichtete Gemeinde- Vertreter Homuth. Die für den Rathausbau eingesetzte Summe wurde um nur 1300 M. angegriffen, so daß 48 200 M. auf das nächste Jahr übertragen werden konnten. 34 000 M., welche für Asphaltierung der BlSmarckstraße eingesetzt waren, wurden, da die Herstellung dieser Straße im Berichtsjahre nicht erfolgte, nicht verausgabt. Die Asphaltierung der Rönnebergstraße erforderte 13500 M. (Veranschlagt waren 18 000 M.) Ferner wurden ausgegeben für Sprengwagen 4000 M., für Beleuchtung und Malerarbeiten in der Aula 2162,51 M. Die Summe von 22 979 M., welche noch für daS Elektrizitätswerk verausgabt wurde, beantragt der Ausschuß mit auf die l'/s Millionen Anleihe zu übernehmen. Dasselbe soll mit 10 279,36 M., welche für die höhere Mädchenschule verausgabt sind, gechehen. Es wurde demgemäß beschlossen. Der Bericht über die Einnahmen weist gegenüber dem Voranschlage bedeutende Mehreinnahmen auf. Nach Abzug von 100 000 M., welche zur Balaiizierung des Voranschlages eingestellt waren, wurde ein Ueber- schuß von 282 048 M. erzrelt. Die Mehreinnahmen verteilen sich auf die einzelnen Posten wie folgt: Bauverwaltimg 9000 M., Armenverivaltung 3320 M., Entwäsierungögebühren 129140 M., Einkommensteuer 0890 M., Gewerbesteuer 3600 M., Grundsteuer 13 010 M., Umsatzsteuer 45 400 M., Elektrizilätswerk 23 880 M. Eine Zweiggeschästssteuer, welche mit 4000 M. eingesetzt war, fiel auS, da die Regierung zur Erhebung derselben ihre Zustimmung versagte. Die Gesamteinnahmen belaufen sich auf 1 992 848,76 M.. die Ausgaben auf 1 413 152 M., so daß die Mehr« einnähme 574 696,76 M. beträgt. Anlässtich der im nächsten Monat stattfindeilden Gemeinde- Vertreterwahlen dürfte es von Interesse sein, sich einmal die Ge- meindevertretung in ihrer Zusammensetzung anzusehen. Die Gemeindevertretung besieht aus: 3 Architekten, 1 Apotheken- besitzer, 1 Buchdrnckereibesitzer. 2 Chemikern. 1 Gastwirt, 1 Geh. Hofrat, 1 Geheimrat. 1 Hauptmann a. D., 1 königlichen Kommerzicnrat, 1 Geheimen Kanzleirat, 2 Malermeistern, 1 Oberlehrer. 2 Geheimen Rechnungsräten, 1 Rechnungsrat, 1 Rechtsanwalt, 2 Rentnern. Wer lacht da nicht? wenn diese Leute behaupten, sie vertreten nebenbei auch Arbeiterinterejsen. Schon diese Zusammen- setzung mutz für jeden Arbeiter ein Ansporn sein, bei der Wahl alles daran zu setzen, um einem Vertreter seiner Klasse, einem Sozialdemokraten, zum Siege zu verhelfen. Zehlendorf(Wannseebahn). Gegen die Richtigkeit der Aufstellung der Wählerliste zur Ge» meindewahl hatte der Geh. Registrator Damm Einspruch erhoben, weil zirka 40 namhaft aufgeführte Forensen nicht in die Liste auf- geführt waren. Bei der Debatte, die sich in der Gemeindevertretung hierüber entspanu, nahm Herr Münzer Gelegenheit, auf die Eigen- art der diesmaligen Aufstellung der Wählerliste hinzuweisen. Seit Jahrzehnten waren einfach alle Forensen aufgenommen worden, ohne daß sich irgend jemand um die Bestimmung des§ 45 der Landgemeindeordnung gekümmert hätte. Da hatten die Herren nämlich selbst immer den Nutzen davon. Der Beamte, der bisher die Liste ausgestellt hat, hat sich auch nicht erst Kopfzerbrechen über den Inhalt der fraglichen Bestimmung gemacht, bis er jetzt, man spricht auf Grund einer Einwirkung der Beamtenvereinigung, begann, die Bestimmung auszulegen. Plötzlich ist man zu der Auffassung ge- kommen, daß ein Grundstück 4500 Quadratmeter groß sein muß, um dem Inhaber das Stimmrecht zu sichern. Weshalb der§ 45 der Landgemeindeordnung so interpretiert wird, darüber wußte auch der Bürgermeister nichts mitzuteilen. Als Herr Münzer von der An- gelegenheit Kenntnis erhielt und den Bürgermeister Köster zur Rede stellte, war dieser ganz erstaunt; er wußte von einer solchen Aenderung überhaupt nichts. Bei nochmaliger Rücksprache erklärte er dann, daß er den Beamten zur Rede gestellt habe, im übrigen aber besten Vor- gehen billige. Gewiß ein ganz merkwürdiges Verfahren, das einen eigenartigen Schein auf die Selbständigkeit unserer Beamten wirft. Mit Recht belonte Herr Münzer, daß die Beamten nur so handeln, weil sie eS sich bei ihrem Chef erlauben dürfen. Da auch in anderen Orten eine Enlscheidung über die Auslegung des§ 45 herbei- geführt werden dürfte, wird der Gemeindevorsteher und mit ihm der die Liste ausstellende Beamte schon erfahren, ob ihre willkürliche An- nähme richtig ist. Bei dem Einspruch unsere? Genosten Paulick, besten Wahlrecht auf Grund des§ 44 ruhen soll, zeigte kein Mitglied des Gemeinde« Vorstandes oder der Vertretung eine Fähigkeit zur Rechtsfindung. Z 44 sagt klar und deutlich: DaS Wahlrecht ruht bei Gemeinde- Unterstützung während sechs Monaten nach dem Empfang der Unter- siützung. P. hat seit zwei Jahren ein Kind in der Taubstummen- anstalt auf Kosten der Gemeinde. Dieser Umstand wird ausgenützt, ihm das Wahlrecht zu nehmen, wahrscheinlich, indem die Vertretung einen dauernden UnterstützungSfall annimmt. Nun, P. wird der Gemeindevertretung die Möglichkeit geben, an anderer Stelle ihre GesetzeSunkennims noch näher zu beleuchten. „Ein ivarme? Herz für die Arbeiterschaft" hat aufgehört zu schlagen- Herr Nienkäinper, seines Zeichens Schriftsteller und Anhänger des Zentrums, hat sein Mandat niedergelegt. Grund zur Niederlegung hat ihm die Tatsache gegeben, daß der Gemeindevorstand wieder einmal einen Standpunkt aufgegeben hat, den er bisher verteidigte. UebrigenS bei unserem Gemeindevorstand durchaus nichts Neues; hat er daS Wechseln seiner Meinung doch bis zur Virtuosität auS« gebildet, je nachdem die eine oder die andere Clique gerade das Uebergewicht besitzt. Der gemeine Bodenwert, der noch vor einigen Monaten als der richtigste Maßstab für die Einschätzimg zu den Kanalisationsgebühren gegolten hat, hat dem Frouimetermaßstab weichen müssen, für den sich inzwischen eine Mehrheit gefunden, und pflichtschuldigst bekennt sich auch der Borstand zu der neuen Richtung. Die Furcht vor entstehenden Prozessen muß jetzt dazu dienen, den MeinungSwechsel zu begründen. In der Vertretung wurde darauf hingewiesen, daß durch diesen ModuS die Besitzer in der besteren Lage ZehlendorfS zu sehr be- günstigt werden, weil für sie die Kanalftation infolge besserer AuS- nützungsmöglichkeit einen höheren Wert hat. Demgegenüber betonte die andere Seite, daß dabei durch Zahlung höherer Nutzungsgebühren durch diese Anlieger ja wieder ein gerechter Ausgleich geschaffen würde. Unsinnig ist es aber, wie von einigen Herren wieder be« hauptet lvurde, daß die Besitzer der ungeheuren umliegenden Lände« reie» nicht herangezogen werden dürsten— wie eS bei Erhöhung der Grundwertsteuer und Uebernahme der ganzen Lasten auf die Gemeinde geschähe— weil sie keinen Nutzen von der Kanalisation haben. Herr Pasewald rechnete sogar einen Schaden für diese Armen heraus. Die Herren werden<>ch ins Fäustchen lachen, wenn sie den Grundsatz:„Nehmen ist seliger denn geben", in die Praxis umsetzen und die durch die Kanalisation ge» steigerten Gewinne bei dem Verkauf ihrer Ländereien einstreichen. Im übrigen ist nach unserer Meinung die Art der Beitragserhebung für die Mieter eine mehr gleichgültige, weil sie bei jeder Art die Leidtragenden fem werden. Schon jetzt find ja, wie festgestellt wurde, von 25 bis 30 Proz. der Wirte mit Bezug auf die Kanalisation ganz gewaltige Steigerungen vorgenommen worden und die anderen werden folgen. Während aber die Arbeiterschaft von dem von ihm selbst entdeckten warmen Herzen des Herrn Nienkämper für sie nie etwas zu spüren bekam, hat es noch bei dieser Gelegenheit recht kräftig für die„armen Villenbesitzer" schlagen können. Mit welchem Erfolge wird erst die Zeit lehren, wenn man sich über die Art der Erhebung einstmals geeinigt haben wird. Od bis dahin der Vorstand noch einmal feinen Standpunkt ändern wird, wie Herr Nienkämper sagte, ist abzuwarten. DaS plötzliche Ausscheiden des Herrn Nienkämper ließ dann selbst bei Herrn Hammer den Wunsch entstehen, daß endlich ein paar Sozialdemokraten gewählt werden möchten, damit wieder mehr Positives durch die Vertretung geleistet werden könne. Hoffentlich sorgt die Arbeiterschaft dafür, daß dieser Wunsch bei der nächsten Wahl erfüllt wird. Der Vermehrung der Vertretung um drei Vertreter wurde mi» endlich zugestimmt. Die Schöffen werden auf sechs vermehrt, von denen einer besoldet ist. Das so geänderte Ortsstatut tritt, vor« behaltlich der Genehmigung durch den Kreisausschutz, mit dem Tage der Veröffentlichung in Kraft. Treptow-Baumschulenweg. Mit den Gemeindcwlihlen beschäftigte sich eine außerordentliche Generalversammlung des Wahlvereins. Nach einem einleitenden Referat des Genossen Reichardt-Mariendorf wurden als Kandidaten folgende Geiiossen aufgestellt: Für den 2. Bezirk: Hartmann, Metallarbeiter; für den 3. Bezirk: Müller, Lithograph; für den 4. Bezirk: H e n s e l, Fleischer. Nachdem die Wahlen für die Kreis« vorstandssitzung, Kreisgeneralversammlung von Groß-Berlin vorgenommen, wurden Genosse Werner als Beisitzer und Genosse Voigt als Mitglied der Lolallommission für den OrtSteil Treptow gewählt. Unter Verschiedenem brachte Genoffe Freiaang die schon lange als unerträglich empfundenen Wegeverhältnisse des Zuganges zur TV. Gemeindeschule zur Sprache. Es handelt sich um das unbebaute Gelände im Zuge der Grätzstraße bis zur Elsenstraße. Dieser Weg wird, da er für die Kinder der Kiefholzstraße bis zur Ringbahn und Beermannstraße der nächste ist, von diesen sowie auch von Erwachsenen stark benutzt. Nun befindet sich das Gelände aber bei Regenwetter in einem so miserablen Zustande, daß die Kinder bis zu den Knöcheln im Schmutze waten müssen. Wenn sie zur Schule kommen, haben die meisten bereits nasse Füße; eS ist daher kein Wunder, daß bei stundenlangem Sitzen mit diesen feuchten Schuhe» sich die Kinder erkälten. Redner betonte auch, daß der Weg täglich mehrere Male von einer großen Zahl Arbeiter und Arbeiterinnen passiert wird, die in den Fabriken«n der Elscustraße arbeiten. Selbst wem, die Behörde den Einwand erhöbe, daß sich daS Grundstück in privatem Besitz be« findet, könne sie von der Schuld an diesen elenden Wegeverhäiluissen nicht freigesprochen werden. Bei etwa» Energie ließe sich dieser Miß« stand schon beseitigen. Auch wurde über die primitiven Abortverhältniffe des von drei bewohnten Häusern umgebenen Neubaues Bouchöstr. 80 Klage ge» führt und der Behörde anheimgegeben, hier Wandel zu schaffen. Rahnsdorf. Der Kampf um da? Mandat der dritten Klasse für die Gemeinde» Vertretung hat bereits lebhaft eingesetzt. Während die erste und zweite Klaffe ihre alten Vertreter ernennt, werfet, sich jetzt die ver« schiedenen bürgerlichen Jiiteressengruppnn, die sich sonst den Teufel um die kleinen Steuerzahler kümmern» auf die dritte Klasse, um ihr .geeignete' Kandidaten zn empfehlen, die in hohem Grade die Fähigkeit haben sollen, die Interessen dieser die Mehrzahl der Bevölkerung bildenden Klasse zu vertreten;„geeignete' Kandidaten. von denen ihre intimsten Freunde daS Urteil abgeben, dah sie für alle Dinge wenig, für die Kommunalpolitik aber gar kein Ver- ständnis haben. Visher haben die Bllrgerliäien die Gemeinde- Vertretung so zusammengesetzt, daß sie sich abwechselnd ihre Anhänger offerierten und wählten. Verstanden diese auch nichts, so hatte doch jede Jntercffcngruppe in der Vertretung Sitz und Stimme. Die Stagnation Rahnsdorfs, die Ueberlieferung des Gaswerks an einen Privatunternehmer, sowie die AusgemeindungSfrage der Kolonie Hessenwinkel(des besten Steuerzahlers der Gemeinde) sind Ergebnisse einer derartigen Vertretung. Jetzt, wo die Neuwahlen bevorstehen, will natürlich keiner der Schuldige sein; die eine Seite spricht der bisherigen Gemeindevertretung, die andere Seite dem Geineinde- Vorsteher die Fähigkeit ab. den gestellten Anforderungen gewachsen zu sein. Recht haben beide. Erklärlicherweise sträuben sich jetzt auch die bisherigen Vertreter mit Händen und Füsien, öffentlich Rechen- fchaft abzulegen. In Ermangelung von Vemunflsgründen ver- schanzen sie sich hinter die toten Buchstaben der Landgemeinde« ordnung, wie es Herr Schramm so schön tat; sie behalten sich daS Recht vor, Bericht zu geben, wo es ihnen pastt, und damit basta. Gezwungen durch dieses eigenartige Verhalten dieser Herren. daS überall Empörung hervorgerufen hat, müssen unsere Genossen jede Gelegenheit wahrnehmen, um diese zustellen.� Gelegenheit gab dazu am vergangenen Sonntag eine von Bürgerlichen einberufene Wählerversammlung, zu der wenigstens ein Teil der Gemeinde- Vertreter erschienen waren. Genosse Sydow ging unter allseitiger Zustinmmng mit der Vertretung derartig ins Gericht, daß selbst die „Niederbarnimer' erklären mußte, die Gemeindevertretung habe sehr schlecht abgeschnitten. Die am_ letzten Sonntag stattgefundene Wählerversanimlung, in der Genosse Sydow als Kandidat für die dritte Wählerklasse referierte, bewies gleichfalls das Jntereffe der Arbeiterschaft an der bevorstehenden Wahl. Kandidaten für die dritte Klasse hat bis jetzt aufgestellt der Grundbesitzer- und der OctSvercin („Wiesenpiepcr"). Während ersterer auf seine VereinSbrnder reflek- tiert. will letzterer mit Hilfe der zu Unrecht in der Wählerliste ge- führten Forensen in die Gemeindevertretung ziehen. Die Arbeiterschaft hat den Kampf gegen die jetzige Gemeinde- Vertretung aufgenommen und wird nicht eher ruhen, bis diese eine Zusammensetzung erfahren hat, die ihren Aufgaben ge- wachsen ist. Bergfelde(Niederbarnim.) Eine unverhoffte Abfuhr holte sich am vergangenen Sonntag der im Kreise Niederbarnim als konservativer Scharsmacher bekannte Antisemitenhäuptling Döring. In einer vom Grundbesitzerverein einberufenen Wählerversammlung präsentierte er sich nach er- zwungener Bureauwahl als Mittelstandsretter und Sozialistenfreffer. Oft von unwilligen Zwischenrufen unserer provozierten Genosien unterbrochen, zitierte er in sinnentstellender Weise Heine und Legten über Straßendemonstrationen und ließ Herrn Rexhäuser, den Anti- Sozialisten, wie einige längst loiderlegte abgestandene Lügen aufmarschieren. Ihm traten die zufällig anwesenden Ge- nossen Liebold und Luscher sowie Gemeindevertreter Genoffe B u ch h o l z in so wirksamer Weise entgegen, daß darauf selbst bürgerliche Diskussionsredner bedauerten, Hern, Döring bemüht zu haben. Als dieser gar die eventuelle Wahl von Sozialdemokraten als gleichbedeutend mit Mißwirtschaft und Unglück hinstellte, war sein Schicksal besiegelt. Lächerlichkeit tötet. Unter schadenfrohem Gelächter wurde ihm entgegengehalten, daß zu allgemeiner Zu- friedcnhcit schon jetzt zwei Sozialdemokraten im OrtSparlament sitzen, ohne daß die von ihm prophezeiten Folgen bis jetzt ein- getreten wären. Aufgestellt wurden alSdann als Kandidaten der dritten Klaffe für die Sozialdemokratie Genoffe Schmidt, von bürgerlicher Seite die Herren Busse und Holz. Die Aussichten für unseren Kandidaten sind günstig. Spandau. Ein größeres Schadenfeuer wütete in der Nacht zum Sonntag auf dem Hofgrundstück des Hauses Potsdamer Str. 40. Dort befanden sich in einem Fachwerkgebäude einige Siäume, die zur Lagerung von alten Kisten, Packmaterial usw. dienten. In dem Pferdestall befanden sich zwei wertvolle Pferde des EierhändlerS Moschkowicz. Diese Pferde konnten nicht mehr gerettet werden, da das Feuer bereits große Ausdehnung gefunden hatte als es bemerkt wurde. Ebenso sind 14 Hühner verbrannt. Ueber die EntstehungSursache ist nicht« bekannt. Die freiwillige Feuerwehr feierte an diesem Abend gerade ihr Stiftimgsfest und eS mußten die Mitglieder direkt vom vergnügungSlokal aus zur Bekämpfung des Feuers ausrücken. Gin bedauerlicher Unfall ereignete sich gestern vormittag im Kabelwerk der SiemenS-Schuckertwerke am Nonnendamm. Beim Nach« forschen nach der Ursache eines nicht richtig funktionierenden Motors, der mit einer Oelpumpe direkt gekoppelt ist, geriet ein Arbeiter, nachdem der Motor aus Versehen in Betrieb gesetzt wurde, mit der rechten Hand in die Zahnräder. Die Finger wurden ihm fast gänzlich abgetrennt.— In der vergangenen Woche wurden einer Arbeiterin an der Preffe die Finger der linken Hand abgequetscht. Kleinere Unfälle kommen fast täglich vor. Die Häufigkeit der Un» fälle führen die Arbeiter auf das im Werk geübte Sparsystem zurück. Zu wiederholten Malen sind schon auf einen Teil des zugeschütteten Wallgrabens in der Nähe des Neubaues der Landes- turnanstalt Pferde in dem schlammigen Boden eingesunken. Am Sonnabend sogar viermal hintereinander. Die Tiere versinken bis an den Bauch und es macht große Mühe, sie wieder heraus- zubekommen. Kein Mensch von der Stadtverwaltung bekümmert sich aber um das Sumpfloch. Es wird weder umzäunt noch sonstivie etwas zur Verhinderung solcher Vorkommnisse getan. Die Sache wird wieder so lange gehen, bis ein größeres Unglück passiert ist. So gut Tiere dort einsinken, kann auch leicht ein Mensch an dieser Stelle in Gefahr geraten, namentlich in der Dunkelheit. Potsdam-Notvawes. Im königlichen Schauspielhause findet am 5. März eine Extra- Vorstellung des Lustspiels„Dr. Claus' von L'Arronge statt. Zu dieser Vorstellung geben die BildungSauSschüsse Potsdam und Nowawes BillettS zu ermäßigten Preisen ab, um der Arbeiterschaft einen recht genußreichen Abend zu bereiten. Da die Anzahl der BillettS eine beschränkte ist, empfiehlt eS sich, solche bei nach- stehenden Stellen sofort zu entnehmen. In Potsdam bei W. Staab. Junkerstraße 75, I. Waldt, Jägerstraße 34, Konsum, Viktoriastraße 71. In NowaweS bei Gruhl, Singer und den Konsumverkaufsstellen. Die vereinigten Ausschüsse. KriefKaften der Expedition. Patienten in Beelitz. Buch usw. Diejenigen unserer Wonnenten, die noch während des ganzen nächsten MonalS in der Heilstätte bleiben, wollen uns«regen der Ueberwclsung von Freiexemplaren sofort ihre Adresse einsenden, da bei verspäteter Bestellung die ersten Nummern des neue» Monats von der Post nicht geliefert werden. Alle Adressen müssen jeden Monat neu eingesandt werden. Benlsekei' Buehbinder' Verband. Zahlstelle Berlin. Am 20. d. M. verstarb unser alteS Mitglied, der Etuitischler Vsksr Secdeds�. Ehre seinem Nndenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag. 24. Februar, nach- mittags 3 Uhr, von der Halle des Nixdarscr Gemeinde- FriedhojS, Mariendorser Weg, auS statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 23/12 Dia Orisven-altunp. Durch plötzlichen Tod insolge I ! SchlagansallS wurde unS am 1 21. Februar unser Kollege, der s Korrettor 818b j Wiihelin Kolbe | im 51. Lebensjahre entrissen. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am I ! Donnerstag, 24. Februar, nachm[ 1 5 Uhr, von der Halle deS Geth» semane.KrrchhoseS in Niederschöii- 1 Hausen-Nordend aus statt. Die Kollegen der I Buchdruckerei Julius Sittenfeld. Allen Kollegen die traurige Mitteilung, daß der Tischler (justav Ltokenberx KarlShorst, an Blutvergiftung gestorben ist. 817b Die Beerdigung findet am Donnerstag, d. 24. Februar, nach. mittags lli3 Uhr, in KarlShorst statt. Die Kollegen der Tischlerei (5. Wnsterbarth u. Sohn. Oeuisctier Metallarbeiter-Verband Verweltungeetello Berlin. Nachruf. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Schlosser Karl Richter am 18. Februar an Lungenleiden gestorben ist. 112/2 Ehre seinem Andenken! Die OrtSverwaltung. Danksagung. Allen Freunden, Bekannten imd den Kollegen der Firma A. Borsig lAbt. Meister Beck) jage ich meinen besten Dank für die Beteiligung und Kranz- spenden. 43872 Rax Schlarniann. Danksagung. Allen Parteigenossen, Freunden nnd Bekannten für die zahlreiche Be- teiligung bei der Beerdigung meiner lieben Frau, insbesondere der Kolonne Kerber vom Nonnendamm, sage ich meinen herzlichsten Dank. 4ZSgL L. tiehrke, Putzer. Danksagung. Für die herzliche Teilnahme anläßlich deS HinscheidenS mein«? lieben ManncS. unsere« guten VaterS sag« ich allen Freunden und Bekannten sowie dem Wahlvereln deS S. Wahl. treiseS, dem Melallarbeiter-Veiband, den Kollegen der Firma Ludw. Löwe imd den Laubenkolonistcn„Zur guten Hoffnung- memen innigsten Dank. Vilvs Mönzner Pianiiio, vorzügliche-», tadellos erhalle», ist fosort ganz billig zu ver- kaufen Französtschestr. IS I, geradezu. Danksagung. Für die herzliche Teilnahme and zahlreichen Kranzspenden bei der Beer- digung meiner inniggeltcbten Frau Marie Krauspe sage allen Verwandten, Freunden, Bekannten und Parteigenossen, den Bcrbandskollegcn der Firma E. S. Mittler u. Sohn, der Orbnerschast der Neuen Freien Volksbühne und dem Gesangverein„Weddinger Harmonie' meinen herzlichsten Dank. 814b Der trauernde Gatte Xdoli Krauspe. Beim Einkauf eines modernen Waschmittels Danksagung. Für die rege Teilnahme und reichen Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Manne» sage ich allen Freunden und Bekannten, insbesondere dem Handels- und Transportarbeiter- Verbände, dem Gesangverein Kreuz. bcrger Harmonie sowie der Firma Kluge u. Lange meinen ttcsgesiihltcn Dank. 43882 Wwe. Marie Franke. sr�i I»in 70. Gkbiirtstnge von Angnst Skdkl erschien In unserem Verlage eine Heliogravüre auf Chtizapapier. Plattengröße 19,5 X 25 am Kartongröße 82 X 44 cm PrciS I M. Porto 20 Pf, extra. Fünfzig erste Künstlerdrucke mit Bebels eigenhändiger Unterschrift. ------- Prei» 3.M> M.------- Porto 20 Pf. extra. MtiOQ des Jorffärts" Berlin SW. 68, Lindenstrafte 69, Laden. Ski Bücher, Meyer-, BrockhauS- Lexikon kauft .HauiieinaunS Buchhandlung* Berlin SW., 208 Friedrichstrage 208. Verleih-Institut: Friedrichst. 115/1, a.Orabg. "Tor. Sieg. Frack. Gehrock 1.-«.Hoset. 00. Seite 50Ps. Würzburger ffühneraugenmittel von Dr. n. Vnger.— Gegen 30 Pfennig aus 10 Pf. Anweisung frei. Ohne Zweifel die bequemste u. wirksamste Hilfe. Der Schmerz istinSMin. fort. DaS Hühnerauge selbst in 3 Tage«.(Enthält Salicylsäure u. indischen Hansexlratt.) Dl*. H. Unger in WÜrZbUfg. In Berlin(20 Pf.): Salomon-Apotheke, Charlottenstraße 54. Breit Apotheke. 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Sdilesinger�rstT�fouÄ Scholz, Osw., Ri., Bergstr. 141. Baecker, Adolf, Weidenweg 63. Baruch, 8., Goltzstr. 41. Bornschein, Be�Ä. Behnke, Marienburgerstr.il. Lf. Koni. Conrad, Paul, Frankf. Allee 171. Päse, B., Müllerstr. 163a. Lieferant«L Kons.-Genossenseh. Berlin u. Umg. Fäohvirfl O Goltzstr. 28, am rieKlig|Wa| WinterfeldpUt* Fleer, Friedr., Sparr-Str. 17. Formanowitz, E., Yorkstr. 53 am BhL Wilmersdorfer Straße 118/119. Graf!& Beya. Hannes, Gust., p!.,. Horloza,Granseerstr.3,Fransekist.l4. Heise, Heinr., Badstr. 17. Lieferant der Konsum-Genossenschaft. Hübner, C., Rosenthalerstr. 13. IT 1 dir? A Brunnenstr. 179, A.iUXIl, A«, Gr. Frankf. Str. 141« Kuhn, Rieh., Frankf. Alle 118a. Masuch, Otto, Fallnsstr. 14. 50/0 Babttt Michling, A-, Weidenweg 20. Odrowsui, F., Kottbuserdamm 102. Oe Sterling, O., Grüner Weg 107. Petersohn, Osk., Müllerstr. 155. Gelegenheitskäufe rvaaciiciy Brunnenstr. 29. Salomon, J., Petersburgerstr. 49. Schmidt, Gebr., Fennstr. 59. 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Lux, Carl, N, Chausseestr. 41. Mildt, A., Charl.. Krummenstr. 14. Nahr, Gust., Gr. Frankfurter Str. 91. Osterloh, Bf.. Gr. Frankfurt. Str. 126. Quitzow. Jon., Müllerstr. la. Kapp, Chr., Weißensee, Gust. Adolf str.l 51 ""-"" Rixdorf, Rudolph, H., Bergstr. 132. 8el>f2dei',Gft<)/"'°'" ChauSBC# '. Chi Nr. 8. Schrotb» Emil, kottbuserdamm 101. Schulz, Osw., Frankfurter Allee 24. Schumacher, O., Tegol, Berlinerst.Sa. Sturm, Erich, Tegel, Herrasdorf.-Str.l llcdcrraann,G.,|�utÄ�M Rampmaler, F., Skalitzerstr. 28. Schönemann, G» Ri., Berünerstr. 73. Truxa, W., Frankft. Allee 185. Werner, Herrn., Pa�ei'A4Ue* Willer, Hans, Rosenthalerstr. 63/64. Winlder, W Reinickendorfstr. 22. n J Rixdorf, ,«U., Berünerstr. 44. Wittig Wolter ,M Wolter, M.,Ri.,a.Bahnh., Hermannstr, Wüsteney, O, Bnfnnenstr. 108. Warenhäuser D Brünn, Nachf, 194. Loewenberg& Co., am Baltenplatz. Pinkus, Paul, Simon-Dachstr. 34. Weiss, H.&Co.Sa. A.WeiSS& Co. Nachf. Schöneberg, Hauptstr. 11. C Weine u. 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Kaufhaus Levy, F., Ri., Herm»nn«tr.8A Pflaume, Gebr., Friedrichstr. 209. Raehmer, C-, Andreasstr. 69. Tidtaucr, S., Ri., Hermannstr, 51. Graft Heyn, Kaufhaus Lon Beyer, R.f BergÄ. Hollbrach, Herrn. ,F.nkatr.&, g.gr. 1871. Jordan, Allr., Fennstr. 61, gegr. 1883. Lüdecfce, Franz, Greifswalderstr. 31. "Verantwortlicher Redakteur Richard Barth, Berlin. Für den Inseratenteil verantw,: Th. Glocke, Berlin. Druck u, Verlag: Vorwärt» Buchdruckerei u, BerlagSanstalt Paul Singer&.<£oH Berlin SWT St. 45. 27. Iilhrgavg. 3. KMge des.Awsrls" Kcrlim KldsdlR Mittlvoch, 23. Febritltt lM Außerordentliche Generalversammlnilg des Uerbondes der Maler, Lackierer, Anstreicher, Tiiacher und Meist- binder Deutschlands. Dresden, 21. Februar. Zweiter BerhandlungStag. Fn der Debatte über den Borstandsbericht Wenden sich die Vertreter der norddeutschen Städte, immentlich die Hamburger, aegen den Reichstarif, während die Vertreter Süd- dcutschlands sich zumeist für denselben aussprechen. Die Ham- burger erblicken in den Zentraltarifen eine Schädigung und halten daran fest, daß jeder Ort seine Lohn- und Arbeitsverhältnisse selbst regeln müsse. Durch die Zlbstiinmung sei das demokratische Prinzip und das Recht der Filialen abgeschafft. Der Reichstarif bedeute für die Hamburger eine enorme Verschlechterung; deshalb können dieselben ihn nicht annehmen. Auch der als so harmlos hingestellte Agitationsparagraph bedeute angesichts der Verschärfung der Klassengegensätze, speziell des provokatorischen Charakters der Unternehmer des eigenen Berufes-, für die Kollegenschaft eine Un° gcheuerlichkeit. Nicht einmal der Buchdruckertarif enthalte eine solche Bestimmung und die Buchdrucker würden sich einen solchen Paragraphen auch nicht gefallen lassen. � Die Süddeutschen führen dagegen aus, dass die E i n h e i t s- löhne selbst für die Hamburger auf die Tauer nicht haltbar gewesen seien; auch diese wären zu Klassenlöhnen gekommen. M't der viel angefeindeten Leistungsklausel könne man gerade der allzu grossen Ausbeutung der Arbeitskraft, wie sie besonders in Hamburg herrsche, entgegentreten. Auch dieLamburger werden b cim praktischen Versuch diesen Vorteil erkennen. Ebenfalls werde der Agitationsklausel ein in ihr nicht enthaltener Sinn untergelegt. Tie Beschränkung, die sie auferlegt, trifft nur zu kür die Arbeitszeit; ausserhalb der Arbeitszeit darf und soll der Agitation kein Maulkorb angelegt werden. Auch die Vorwürfe der Hamburger gegen den Ablaufstermin fallen zusammen. Gerade die Hamburger haben den Anfang mit der Aufstellung des 31. Dezember gemacht. Betrachte man die Konjunktur und alle in Betracht kommenden Verhältnisse, so muss man sagen, dass, wenn auch der Tarif nicht befriedigt, man doch nicht anders konnte, als ihn abzuschließen, weil er, auf die Gesamtheit be- rechnet, einen Vorteil bringt und eine Einheitsbasis für die Ope- rationen in der Zukunft schafft. Man solle auch nicht vergessen, daß die Mehrzahl der im Tarif enthaltenen Bestimmungen, da- runter auch der Ablaufstermin, der 15. Februar, nicht auf Ver- einbarungen, sondern auf Schiedssprüchen beruhen. Kennzeichnend für die Heftigkeit der Debatte war eS, dass ein Antrag, die Redezeit auf 10 Minuten zu beschränken, der damit begründet wurde, dass noch 35 Redner auf der Liste stehen, der Ablehnung verfiel. Eine von zwei Berliner Delegierten gestellte Resolution, den Tarif unter dem Zwange der Verhältnisse zwar anzunehmen, aber der Verhandlungskommission ein Tadelsvotum zu erteilen, fand genügende Unterstützung. Die Verhandlungen wurden auf Dienstag vertagt, tvoflerstandS-Nachrtckiren der LandeSanstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau. st 4- bedeutet Wuchs,— Fall.—•) Unlerpegel.—•) EiSstand.— ch Eisfrei. Theater und Vergnügungen Mittwoch, 23. Februar. Ansang 7'/, Uhr. Söulgl. Opernhaus. Der Barbier von Sevilla. Königl. Schautptelliaus. Götz von Bcrlichingen.(Ans. 7 Uhr.) ReueS königl. Opern-Thearer. Geschlossen. Dentkchrs. Ein SommernachtS- träum. Kamni erspiele. Der gute König Dagobert.(Ans. 8 Uhr.) Autang 8 Ndr Berliner. Pension Schöller. Lesstug. Tanwis, der Narr. Neues SclianIPiclhauS. Der Herr Verteidiger. Neues. Der Philosoph von Sans souci. Westen. Die geschiedene Frau. Römische Oper. Tiefland. Neues Operetten. Der Graf von Luxemburg. Drianon. Theodore u. Clc. Kleines. Der grosse Name. Residenz. Im Taubenschlag. kthalia. Die Dollarprinzesssn. Schiller o.«>. jocam.) Die Welt in der man sich lang wellt. Schstier Charlottenbnrg. Der Psarrer von St. Georgen. Friedrich> Wtlhelmftädr. Im bunten Rock. Nachmittags 3'/, Uhr: Die Jung stau von Orleans. Volksoper. Der Freischütz. (Jrania. Wissenschaftliohes Theater. Mittwoch 4 Uhr: In den MolomiteB. 8 Uhr: Int FirnensJanz des Obcr-Kngadin. Hörsaal 8 Uhr; Prof. Dr. F. Rathgon: Schwefelsäure, Kochsalz, Balzsäure und Soda. (Ansang 81/, Uhr.) Ott zusammensügt. Luisen. DaS Go Roie Der Eiscnbahnräubcr. SnftspirlhauS. Der dunkle Punkt. Mettooiu. Hallohll— Die grosse Revue. Folics Caprice. Herr Wasserkops. Der Lustturner.(Ans. 8'/« Uhr.) «ltastno. Der Obergamter. Gebr. Herrnfeld. So mutz man's machen. Ein« UebergangS-Ehe. Hebbel. Kavaliere.(Ans. 8'/« Uhr.) Noack». Die Anna-Lise. Stadtthealer Moabit. Geschlossen. Parodie. Lohengrün.(Ans. 8'/, Uhr.) Ap»iit>. Der Liebeswalzer. Spezialitäten. Wintergarte«. Spezialitäten. NteichSbollrn. Etelttner Sänger. Palast. Speztalltäten. Vavoge. Svczialitäten. Karl Haverland. TvczialitSlen. Walballa. Lvezialilälen Buggenhagcn. Spezialitäten.(An- 7'/. Uhr). Urania. raubenliraste Nachm. 4 Uhr: In den Dolomiten. Abends 8 Uhr: Im Firnenglanz des Ober-Engadin. Hörsaal 8 Uhr: Professor Dr. F. Röthgen: �chweseliänre, Koch- salz, Salzsäure und Soda. Gtern»-ar»e..stioaltdensw. 57— 62 Lessing-Theater. Mittwoch, 8 Uhr: Tantriö der Narr. Donnerstag, 8 Udr: Das Konzert. Freitag, 8 Uhr: Das Konzert. berliner Tkeater. Heute: Ntllsto» Zchöller. 8 Uhr. Morgen: Daifu»._ 'Henes Theater. MendS 8 Uhr: Der Philosoph von Sanssouci. Morgen und folgende Tag«: ver Philosoph von Sanssouci� Thealer derwesTens. Abends 8 Uhr: Tie geschiedene Frau. Sonnt. 3'/, Udr: Der fidele Bauer. Zienett Öperetten-Thenter. Heute und folgende Tage 8 Uhr: Der Graf Von Luxemburg. Sonntag nachmittag 3 Uhr zu er- Mässigtcn Preisen: Her Zigeunerbaron. Völksoper. JW., Bellc-Alliance-Slrassc Nr. 7/8 Ansang ll.ß Uhr. Der Freisctiütz. Passage-Panoptikum Senegal in Berlin! gQ wilde Weiber Männer, Kinder. Drei Negerdörfer Ohne Kxtra-Entree! , Passage-Theater. Abends 8 Uhr. Gussy Holl Lamborg Schneider-Duncker (prolongiert) und das nene Februar-Programm. 14 Varietö-Attraktionen. LustspieShaus. Abends 8 Uhr: Der dunkle Punkt. Residenz-Tlieater Direktion: Richard Alexander. Abends 6 Uhr: Im Taubenschlag. Schwank in 3 Akten Von Hcnnequtn und Aeber. Morgen und folgende Tage: Dteselbe Borstellung._ Luisen-Theater. Abends 8 Uhr: Benefiz für den Kapellmeister Emil L'hlls: Was Colt znsaBollt. Schauspiel in sllnj Akten von Ernst Ritterseldt nach einer Erzählung von Courths-Mahlcr. Donnerstag, Freitag: Was Gott zusammenfügt.__ Friedrich-Wilhelmstädtisches Schauspielhaus. Miiitvoch, den 23. Februar, S1/. Uhr: Die Jungfrau von Orleans. Abends B'lf Uhr; Im bunte» Rock. Donnerstag: Der Hypochonder. Woche! Großer Erfolg der Februar-AKrakliouen! Stöbert Steidl! Vampir-Tanz! Marionetten-Theater! ?«icl9iller- Sclillier-Theater 0.(Dallner-Theat.). Mittwoch, abends 8 Uhr: Die Welt, in der man sieb langweilt. Lustspiel in 5 Aufzügen von Edouard Pailleron. Ende lO'/s Uhr. Donnerstag, abends 8 Uhr: Xcn« dnKsnd.(iohan Utstjerna.) Freitag, abends 8 Uhr: _ Die ernte Geige._ Theater. Schiller-Theater(Charlottenburg). Mittwoch, abends 8 Uhr: Der Pfarrer v. St. Georgen, Schauspiel in 5 Auszügen von Seinrich Seider. nde 10'U Uhr. Donnerstag, abend? 3 Uchr: Zum ersten Male: Egmont. Freitag, abends 8 Uhr: Der Pfarrer v. St. Georgen. IOSE=THEATEI Grosse Franlsurter Str. 132. Ans.> Uhr. Ende'/,!> Uhr. Dar Eisenbahnräuher. Schwan! in 3 Akten von F. Gräbert. Donnerstag, Freitag: Wankender Boden. CMT* Letzte Woche!___ 8 Uhr: Die grosse» Spezialitäten. 8-/. Uhr: Der Liebeswalzer. Operette in 3 Akten. Mustk von<£. M. Zichrer. Konrad Dreher a. G. und die Originalbesetzung. MS« Kommandantenstr. 57. S. 81.4, 5083. Zum 15. Male: mit Anton und Donat Herrnfeld. Ansang 8 Uhr. Borverlaus 11 bis 2 Uhr. Sonntag nachmittag 4 Uhr: Meme-Deins Tochter. alhalla- Varitle-Thealer Weinbergsweg 19-20, Rosenth.Tor. 1 Anfang 8 Uhr. Die riaeunrtiaen Februar- Spezialitäten. Tunnel: Bockbierfest. Negimentskapelle. Schlictfcer.! Tbeaterbeluchern freier Einteitt! I Triemon-Tiieater. Heute und folgende Tage, 8 Uhr: flieodore dt Cie. Sonntag nachm.: Pariser Witwe». Metropol-Theater Hallo!!! Die große Revue! In 8 Bildern von Jul. Freund. Musik v. Paul länoko. In Szene gesetzt vom Dir. Bich. Schultz. Anfang 8 Uhr. Rauchen gestattet. Heute 9!/j Uhr ringen: Tuomisto— Gambier. Zivri Enifchridiingskämpfe: 1. Sturm— Dauerer, 2. Hein— Oskar Schucider. Im unteren Saale: Grosses Socitbier-Kelleilesl mit Doppel-Konzert. «n der Jennewitibrlieke. DeiitscIiMs giösste Iiiiii vorDsbniste UclilbiiliDe OSO Sltzplätzo Feenhatlo AustlaUunj Beginn: Wochentags 4 Uhr. Sonntags 8„_ Casino-Theater Lothringer Strasse 37. Täglich 8 Uhr: Nur noch bis 23. Febrnur: Ssr vdergNuner. Sonnabend, den 26. Februar: Zum 1. Male: Berlin bei Nacht. Sonnt. 4 U.: Trudchens Sommerrcilc. ReieiKhsHeii-Thesler. StetünerSänser Der Nachtwächter von Zerpenschleufe. V.5. die/sei Anfang: Wochcnt. 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. Billetts stets 8 Tage vorher. Brauerei Friedrichshain am Königstor. GrVBte Selienswürdlghelt Berlins. Heute Mittwoch: Ellte-Tng! GratiSverlosiing von 100 Wcrtgegciistilnden. Jeder Besucher erhält ein Los graliS. Wter BceNiibel lißd Truliel Jul Eier Ihr. Der berühmteste Festwirt Sedorsell Ebrengruber mit seiner Truppe(88 Mitwirkende) aus MOnchen. B«p- Passierkarten haben volle Gültigkeit.-WWI Ansang 8 Uhr.__ Eniree aO Ps. ••»••«»•••••»eeHSHeeeeHeeHHe® Arnold Seh alz CU© TV1©It HasenheidelOS'IU I Vom Dienstag, den 22. Februar, bis Donnerstag, 24. Februar: Sebönbeits- Konkurrenz- Woche , In den bayeriseben Alpen.*| , Anfang 7 Uhr. Näheres siehe Anschlagsaiuan. Entree 80 Pf., Mittwoch, oen za.„-coi abends?>/, Uhr: Krillunte Norsteliung. ovlttit: ktzovitÄt k Möns. Romanoff der phänomenale Kopf. Letzte Neuheit: Tbe Franklins flitgkude Ahrobatev. Bagonghl, der kleinste' Reiter der Welt. Austreten deS KommissionSrats Gnstav Stcnsbeck als Gast mit seinen hervorragenden Echulpserden. Um S'/g Uhr: End« 11 Uhr: Die drei Rivalen. Grosse Feerie in fünf Akten aus der Hugenvttenzeit. Alfer Bbfen.Gä, rieft Eingang Grünewaldsfr. Mittwoch, den 23, Februar 1910: Brillante Vorstellungen. O & nachm. 4 U? abends 8 Unr,« mit gleich reichhaltigem, sensationellem Programm. Ab 91/, Uhr: Fortsetzung der Ringkampf-Konkurrenz unter dem Protektorat des Herrn Prof. Reinhold Begas. Heute abend ringen: Oammhoier(Schweiz) gegen Bischoff(Schönoberg). Sebwarpliss- Littauen) gegen Madrallli(Armenien). Axel Krook(Schweden) gegen Mulden(Brasilion). Jack Lewis(Amerika) gegen Reckling(Hamburg), Nitschke(Berlin) gegen Polles Caprice Der Cuftturncr. Äfcncr bnntcr Teil. Herr Wasserkropf. Anfang 8'/, Uhr. Vorverk. 11—2 Uhr. iiöntgst»dt»ili»sin«». Holzniarkiftrasse 72. Täglich: Frans Sobanskl. Neu: Gcfchw. Troselli, Handstand» aki. Tho Frankoni, Exzcnlrik'Duo. Llttie Julius, Knnstdiaboloipieler. Proloiig!ert:ViliorZiiiter. William Watson und Ton, Kiity Whcsl usw. Knincrad bclipuppkc. �o�e�i�inemA���ssieichgch� Tonbild-Theater Das schönste Programm Berlins, laufend vom 22.-28. Fe u. o.: Am Hefe einer ägypt. Hessalino. tlunststim 1. Rang. 3. Platz 30 Ps. Kind. 10 Pf. obn. Nachzahlung. Dauervorslcll. v. 4—11 Uhr. Tsnkus Wusvk. Heute MiNwecIi, den 23. Februar, abends 71/, Uhr präz.: Großer Gala-Abend. Herr.Tanics Eeon Filii« junior, Schulroiter. Mc Danell Co.-WP Skandinavischer 8part-Akt Ski, Hödel und Roilachnh« Mr. Jacob, Foxterrier-Dreas. HcrrE. Schumann, Meistordres«, Zwergclown Franpois, Kunstr. Eeiterfamilie Proseipi, Gigerlclown Alfred Daniels usw. 9 Uhr ca. Ende ca. 11 Uhr. Die rosa. Sensationspantomime _ Marjal~ Palasl-Thealep. Direktion: Robert Dill£ Karl Fi man. Burgstrasse 24, am Bahnhos Börse. Da« brillant« Februar-Programm t 14 ittraktionen ersten Ranges. Der Ehemann vor der Tür, oder: Die überlistete Xantippe. Anfang 8 Uhr. Enttee i SV Pf. bis S Marl. Borzugskarten überall zu haben. TsnssouvS, sÄ* Direktion Wilhelm Reimer. Heute Mittnn'ch t Theaterabend Beginn 8'/, Uhr. Zum erstenmal: Lustspiel in 4 Akten (2 Abtellg.) von Randols. Morgen Donnerstag: Hottmanns Nordd. Sänger und Danztriinzchen. Leg. Sonnt. 5,wochenl. 811. Vf. Koasks Tlieater Sruiinenftr. 16, am Rosenthaler Tor. Die Anna-Lise. Historisches Lustspiel In süns Akte». Donnerstag: Gr. Extravorstellung i Der Sonnwendhos, oder: Die Tochter des BrandstislerS. Volksschauspiel in 5 Akten. Kar! Haverlsnc! Ansang Theater, präz. 8 U. 77/79 Kommandantenstrasse 77/79. Ab 16. dieses Monats ein sensationelles Propm. Alt-lf onfbit 47/48. Donnerstag, den 24. Februar 1910: Grstes Gastspiel des Kränlei» Frida Ward vom Nose-Theatev, Zum erstenmal: Heimat spiel in 4 Akt. v. H. Sud Schauspiel in 4 Akt. v. H. Sudermai». Magda: Frida Ward a.G. Passepartouts haben zu dieser Vor» stellung keine Gültigkeit. �©N© Welt. Haseicheide. Miltwoch, heu 23. Februar: Verwaist. Eharakierölld mit Gesang in sieben Bildern von Elmar. Kassenerösstiiing 7, Anfang 8 Uhr. Für den Inhalt der Inserate «berulmmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung. Verwaltung Berlin. Donnerstag, den 34. Februar, abends SV? Uhr, ßranclienversanimlung der Stellmacher im»Rosenthaler Hof", Nosenthaler Straße 41—43. TngeS-Ordnung! 1. Bortrag des Genossen Wuschick über: 79/12 „Die Arbeiterklasse im Kampf mit dem Kapital". 2. Branchenangelcgenheitcn. Die Kommission. Holzarbeiter-Verband. Zahlstelle Charlottenburg. Tonnerstag, den 34. Februar 4S40, abends?'/« Uhr, im Rofinenstrabe 3: üußerordentliche Seneral-Versaratnlung TageS'Ordnung! 1. Llvrcchnung vom vierten Ounrtal 1909. 2. Bericht von den Ber- tl'agKvcrhandlungen. 3. Wahl der Delegierten zur Gaukonsercnz und An- träge zu derselben. 1 Gewerkschaftliches und Verschiedenes. 79/11_ Die Ortaverwaltnwg. Wilmersdorf, Prager Straße 16, 2 Zimmer-Wohnungen mit Zentralheiztmg eto. 360— 480 M. 4161L* Sofort zu vermieten: 4163L* Tegel, Bahnhof-Str. 17-18 2 Zimmer u. Küche. Preis 330 M. Slrbritsnachweis: Hos'l. Amt 3. 1239. Berwaltungsstelle Berlin. Hauptdureau: OdaritsstrsLo Z. Hos III. Amt 3. 1987. Donnerstag» den 34. Februar 1010, abends 8'/, Uhr, im Gewerkschaftshans» Engelufer 13, Saal 7: Krauchen- Versammlung der Elektromonteure und Helfer Berlins nnd Umgegead. TageS-Ordnung: 1. Bortrag des Genossen K r S tf i g über: 2. Diskujfton. 3. Branchenangelenenheiten und Verschiedenes. 112/3 In Anbetracht deS Suherst wichtigen und lehrreichen Vortrages werden die Kollegen ersucht, zahlreich zu erscheinen. Donne-stag, den 34. Februar.�010, abends 8'/z Uhr, im Dresdener Garten, Dresdener Str. 45: Branchcn-Vcrfaminlung der Gold- und Silberarbeiter. TageS-Ordnung: 1. Bortrag des Kollegen Robert Bahn. 2. Verbandsangelegenheiten. 3. Verschiedenes. Um zahlreiches und pünktliches wird ersucht. Die BranchenleiMng. Die hierorts sollenden Schweinepreise ermöglichen es mir I» Schweinekteinfleisch(bestehend aus Schnauzen. Ohren, fleischigen Pfoten, Kopfstücken-c.) garantiert inländische, tierärztlich untersuchle Ware in Kübeln von 30 Pfd. an p. Psd. mit 30 Ps. zu osserieren. Postkolli enl- haltend 9 Psd. 3,— M. In Eisbein(Dickbein), vollfleischig, pro Psund 55 Ps. Alles ab hier p. Nachnahme. Garantie. Nichtg-jallendcs retour. 210/13* dld. Altona Nr. 410. 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Februar, abcndS«'/, Uhr, im GewerkschaftS- Hanse, Eugelnfer 15(groher Saal): Geffentliche Versammlung aller bei Imlungsmeistern btschastiglen Töpfer. Tagesordnung: Wahl deS GcsellenauSschusses und der Erlatzmänner. 7-,. uhr- Zweite Versammlung. Tagesordnung- Wahl der Jmiungsschiedsgerichts-Beisttzer und der Ersatzmänner. 192/7 H. Ttalelt* Odermeister der TöpserzwangSinnung zu Berlin. Beute»» BsnimokonHaulsk»!: u. Uaiaea jg»., Sslleraledea. Oonsrslvortrisd: Hai Iiegendal5, öerlln W.. Heue Könlgstr. 70. Amt VII, 3047. Jedes Wort 10 Pfennig. Das erste Wort(tettgedruckt) 20 Plg. Stellengesuche und Schlafstellen-Anzeigen S ftg.; das erste Wort (tettgedruckt) 10 Pfg. Worte mit mehr als IS Buchstaben zählen doppelt. j Kleine Anzeigen ANZEIGEN für die nächste Nummer werden in den Annahme- stellen Iflr Berlin bis I Uhr, für die Vororte bis 12 Uhr, In der Haupt-Expedition, Lindcnstrasse 69, bis 5 Uhr angenommen. Verkäufe. 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