Dr. 48. üdonnementz-ketünglltigeni Abonnements- Preis pränumerando i Vicrtcljährl. 330 Mk., monatL 1,10 Ml. WSchenllich 28 Pfg, frei WS HauS. Einzelne Nununc: K Pfg, Sonntags. nummer nnt illufirierter Sonntags» Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfg. Post» Abonnement: 1.10 Mar! pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitungs- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn S Mark, für das übrige Ausland 8 Mark pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Dänen, ark, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweis 87. CrWeint tZell» außer Rlentast. Vevllnev Dolksblnkk. Öle Tnlwtlons-Grtfljf- BeltSgt für die scchsgefpaUene Kolonef» zeile oder deren Raum 80 Pfg., für poNtische und gewerlschasiliche Vereins» und VersammiungS-Anzeigen 30 Pfg» �Alein» Hnztigtn", das erste(seit» gedruSie) Wort 20 Pfg, jedes weiter» Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf» stellcn-Anzeigcn das erste Wort 10 Pfg.» jedes weitere Wort S Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen sür zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis SUhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm-Adreffe! »Sozialiliiitolirat Dtrll«* Zcntralorgan der Ibzialdemokrati f eben Partei Deutfcblands. Redaktion: SA. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1983. Sonnabend» den 86. Februar 1910. 6xped{tion: SM. 68» Ltndenetraösc 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. Oer entlarvte ZeotrumS'Oerrat. Der schändliche Verrat des Zentrums in der Wahlrechts frage ist jetzt von seinen eigenen Spießgesellen aufgedeckt worden. Ausgerechnet die„Deutsche Tageszeitung", die seit langem die Partei der Schwarzen mit aufdringlichen LobeS- und Licbesbezeugungen bedenkt, ist es, die dem Zentrum diesen Bärendienst erweist. Dadurch gewinnt das Zeugnis an Beweiskraft, denn es ist sicherlich nicht durch Feindschaft gegen das Zentrum gefärbt. Bei den warmen Gefühlen des Herrn Ocrtel für die ultramontanen Reaktionäre ist sogar anzunehmen, daß er hinter her die Wirkung der Notiz bedauern wird, wenn gleich sie der Verteidigung gegen einen Angriff dient. Der An griff richtete sich gegen die konservativen Mitglieder in der Wahlrechtskoinmission des Landtages, die für die Wahlmänncr Wahlen die geheime Wahl zugestanden haben, und gegen die „Deutsche Tageszeitung", die für diese Taktik allerlei Recht- fertigungsgründe gefunden hat. Es gibt in Deutschland Leute, die im Punkte der öffentlichen Wahl noch konservativer als die Konservativen selbst sind, und das sind die großindustriellen Scharfmacher. Die„Rheinisch- Wests. Ztg." erklärte am Mittwoch, daß„die ganze Industrie des Westens", d. h. die Kohlen- und Eisenbarone, gegen die geheime Wahl seien, auch wenn das indirekte Verfahren mit ihr verbunden wird. Von gleicher Entschiedenheit sind die scharfmacherischen„Hamburgischen Nachrichten". Diese Differenz zlvischen Kraut- und Schlotjunkern erklärt sich daraus, daß die Wirkung der gcheinien Wahl auf ihre parla- mentarischen' Vertretungen nicht die gleiche ist. Die Krautjunker haben von den geheimen Wahlmäunerivahlen so gut wie nichts zu befürchten, wenn das indirekte Wahlver- fahren und die öffentliche Abstimmung der Wahlmänncr selbst bestehen bleiben. Sie wissen, daß die Sozialdemokraten und Liberalen in der Domäne der Konservativen, auf dem platten Lande in den meisten Fällen keine unabhängigen Wahlmänner ausstellen können, so daß dort die oppositionell gesinnten Wähler auf einfache und geräuschlose Weise glatt mundtot gemacht und ihres Wahlrechts faktisch beraubt werden. Anders aber steht es in den Wahlkreisen, in denen die Freikonservativen und Rechtsnationalliberalen vom Schlage Schmiedings, die parlamentarischen Vertreter der Schlotjunker und Scharf- macher. bisher ihre Mandate fanden. Schon unter dem jetzigen Wahlrecht ist die Sozialdemokratie im Ruhrrevier den Herren gefährlich geivorden. Hier giebt es ein industrielles Proletariat auch auf dem Lande, das allmählich in gewerkschaftlicher und politischer Organi- sation so viel Kraft und Selbstbewußtsein gesammelt hat, daß es durch die Schlingen des indirekten Verfahrens nicht mehr zu fesseln ist. Um so mehr muß den Schlotjunkern daran gelegen sein, daß sie wenigstens die große Schaar der unteren iind mittleren Beamten und ihre technischen und kaufmännischen Angestellten durch die öffentliche Abstimmung fest in der Hand behalten. Deshalb die gereizten Proteste ihrer Presse gegen das konservativ-klerikale Kompromiß. Die„Hamburgischen Nach- richten" sprechen höchst unwirrsch von konservativer Kom- promißlogik, von einem plötzlichen Umfalle der Konservativen, der im eigenen Lager verwirrend gewirkt zu haben scheine und sie vermißten an dem ihnen sonst so sehr sympathischen Bündlerblatt die logische Konsequenz, die es sonst auszeichne. Dagegen wendete sich nun am Donnerstagabend die „Deutsche Tageszeitung" mit den folgenden Ausführungen: „Die„Hamburger Nachrichten" übersehen völlig, daß über die geheime Wahl bereits in der ersten Lesung der Kommission entschieden war. Gegen den Widerspruch der Konserdativen hat sich die Mehrheit der Kommission dafür erklärt. Diesen Widerspruch haben die Konservativen mit voller und unzweideutiger Entschiedenheit aufrechterhalten. Die„Hamburger Nachrichten" beachten ferner nicht, daß es sich um keine endgültige, sondern nur um eine vorläufige Abstimmung, und zwar in der ersten Lesung der Kommission handelt. ES ist eine alte parlamentarische Regel. daß man bei solchen vorläufigen Beschlüssen in der Kommission das betreffende Gesetz möglichst ungefährlich zu gestalten sucht. Man will noch kein endgültiges Gesetz schaffen, sondern nur die Grundlage zu weiteren Verhandlungen und Eni» schließungen. Soweit wir unterrichtet sind, halten die konserva- tiven Mitglieder der Wahlrechtskommission eine Abänderung des Wahlrechtes überhaupt nicht für zweckmäßig und nicht für nötig. Trotzdem arbeiten sie an dem Entwürfe mit, um ihn möglichst ungefährlich zu gestalten. Es war ihnen nicht möglich, die öffentliche Wahl mifrechtznerhalten. Was hätten sie nun erreicht, wenn sie, lediglich um den Widerstand gegen die geheime Wahl nochmals zu markieren,— um etwas anderes hätte es sich tatsächlich nicht gehandelt,— gegen den kombinierten Antrag ge- stimmt hätten? Sie hätten dann weder die öffent- liche Wahl gerettet, noch die indirekte. Der Eni» wurf wäre also erheblich verschlechtert worden. Deshalb war es nach unserer persönlichen Anschauung von den konserva- tiven Kommissionsmitgliedern durchaus verständlich und auch verständig, daß sie in dem jetzigen Stadium der Berhand» lungen den kombinierten Antrag unterstützten und ihm zum Siege verhalfen." Also Oertel, der es wiffen muß. sagt hier klar und unzweideutig: ES war den Komervativen nicht möglich, die öffentliche Wahl aufrecht zu erhalten! Wenn sie, lediglich um den Widerstand gegen die öffentliche Wahl nochmals zu markieren, gegen den kombwierten Antrag gestimmt hätten, so hätten sie weder die öfientliche Wahl gerettet noch die I indirekte! Damit ist von konservativer Seite schlagend alles b e st ä t i g t, was wir hier gegen die Wahlrechtsverräterei des Zentrums geschrieben haben. Damit ist erwiesen, daß die Konzession der indirekten Wahl ein direktes Geschenk an die K 0 n s e r v a t i v e n ist, die sich längst darüber klar waren, daß sie die öffentliche Wahl gegen die Mehrheit des Landtags nicht zu halten vermochten! Damit ist aus konservattver Feder autoritativ bezeugt, daß das Zentrum mit der Akzeptierung der indirekten Wahl einen schmählichen. durch nichts gerechtfertigten und durch keinen Vor- wand zu verhüllenden Verrat am Volksinteresse begangen hat! Von ihren eigenen Bundesgenossen wird das heuchlerische Gerede, womit die Klerikalen ihren Streich wider die direkte Wahl zu decken suchten, zersetzt und zerstört l Die wahren Gründe, die das Zentrum zu dieser Ver» werfung der einzigen winzigen Verbesserung bewogen, die die Regierungsvorlage enthielt, sind denn auch in der Tat ganz andere. Diese angebliche Volkspartei, die in Wirklich- keit die Partei der katholischen Junker, Großbauern und Bourgeois ist, will die indirekte Wahl aufrechterhalten, weil sie von ihr Vorteile verspricht. Sie handelt hier von dem- selben Standpunkt aus, wie die ihr in so vieler Hinsicht ver- wandten Konservativen. Als in der Hauptsache agrarische Partei hat sie ihre sichersten Gebiete in ländlichen Wahl- kreisen. Deshalb ist sie ja auch ebenso erbitterte Feindin einer gerechten Wahlkreiseinteilung wie die Partei der oft- elbischen Junker. Und wie diese hofft sie durch das indirekte Wahlverfahren die sozialdemokratische und liberale Oppo» sition in den katholischen ländlichen Wahlkreisen niederhalten, des Wahlrechts berauben zu können, vsn diesen ländlichen Kreisen, so kalkulieren die Zentrumspolitiker, ist der religiöse Fanatismus so groß— Beweise dafür lieferte neulich erst wieder Mülheim-Wipperfürth—, daß es den Sozialdemo- kraten und Liberalen dort nicht möglich sein wird, unter ihren Anhängern Leute zu finden, die es wagen können, als Wahl- männer öffentlich aufzutreten. Die Abstimmung der Zen» trumsvertreter für das indirekte Wahlverfahren ist ein aus kaltblütiger Berechnung geborener, vom engherzigsten Eigen- interesse diktierter Streich, der ausgesprochenerweise darauf ausgeht, dem Zentrum lästige Gegnerschaft möglichst vom Leibe zu halten. Und solchen selbstsüchtigen Erwägungen ordnet diese Partei allemal ohne jede Skrupel ihre angeb- lichen Grundsätze unter. Vom selben Kaliber ist der zweite Grund, der dem Zen- trum seine verräterische Haltung diktiert hat. Es traf sich für die klerikalen Politiker sehr glücklich, daß sich ihr engeres Parteiinteresse hier völlig deckte mit den Wünschen der Kon- servativen, daß sie durch diese Konzession an die Junker das Zusammenarbeiten mit ihnen im Reich stützen und sich so in der Stellung der Regierungs- und ausschlaggebenden Partei befestigen konnten. Dieser eine Gesichtspunkt hat seit den Tagen des Blocks die gesamte Zentrumspolitik bestimmt, diesem Ziel, diesem Machtstreben der Zentrumsjunkerschaft und -Bourgeoisie, die gute Karriere für ihre Sprößlinge wollen, werden unbedenklich die Interessenten der Arbeiterschaft und kleinen Leute geopfert. Bei der Reichsfinanzreform wie jetzt bei der Wahlrechtsvorlage 1 Die Genarrten und Verratenen hofft diese Partei der unerhörtesten Demagogie über den Verrat am Wahlrecht durch die Vorspiegelung hinwegtäuschen zu können, daß sie ihnen das geheime Wahlrecht erobert habe! Die„Deutsche Tages- zeitung" hat— ungewollt— den Schwindel dieser Be- hauptung aufgedeckt. Ihr beweiskräftiges Zeugnis ist für die Aufklärung der Zentrumswähler von bleibendem Wert! definitive Aussprache über die geplante Kundgebung stattfand. Die Vereinbarungen gehen dahin, daß die Polizei gegen eine gemeinsame Prote st Versammlung unter freiem Himmel auf der Hundswiese nichts einzuwenden haben wird, daß die Demonstrierenden dagegen von einem ge- meinsamen Demonstrationszug vor und nach den Versammlungen abschen werden. Sie werden sich in kleineren Gruppen auf mehreren Wegen heimbegeben. Die Wahlrechtsvorlage in den Stadtvertretnngen. Die Stadtverordnetenversammlung in Magde- bürg lehnte am Donnerstagabend in mehrstündiger, zum Teil erregter Geschäftsordnungsdcbatte in namentlicher Abstimmung mit 33 gegen 23 Stimmen die Erörterung der von den So» 5ialdemokraten und den Freisinnigen gestellten Wahlrcchtsanträge ab. tveil es sich dabei um eine p 0 l i» tische Angelegenheit handele. Der Stadtverordnetenvor- steher, Kommerzienrat Boens ch, hatte fiir den Fall zustimmender Entscheidung seinen Rücktritt in Aussicht gestellt. Vom Magistrat wurde zu der Frage nicht Stellung genommen. In Kassel und Altona wurde ebenfalls die Beratung ähnlicher Anträge abgelehnt, weil die Stadtverordnetenver» sommlung sich mit politischen Fragen nicht beschäftigen dürfe, die Wahlrechtsfrage aber eine politische sei. Die Magdeburger Stadtvätcr und die Polizeitate». Bei der Beratung des Polizeietats brachten am DonnerstajJ in der Stadtverordnetenversammlung zu Magde» bürg die sozialdemokratischen Stadtverordneten das Vorgehen der Polizei am Wahlrechtssonntag zur Sprache. Sie forderten, daß sich die Versammlung energisch gegen das provokatorische Verhalten der Schutzleute erkläre. Der nationalliberale Justizrat Stern nannte die Straßendemonstra- tion ein törichtes Unterfangen. Es gäbe kein Recht auf die Straße. Der Beweis gegen dies Recht werde nötigen» falls mit eiserner Faust und blutiger Schrift gefuhrt werden. Zu einer Beschlußfassung führte die im weiteren Verlauf zum Teil sehr heftige Debatte i; i ch t. Der Glahlrechlskampf. Die neue Kundgebung in Frankfurt a. M. Ueber diese Demonstration, von der wir schon gestern kurz Meldung mochten, wird jetzt noch gemeldet: Eine große Massenkundgebung soll am nächsten Sonntag mittags 12 Uhr erfolgen. Vertreter des Sozialdemokra- tischen Vereins, der Demokraten, Fortschrittler, Nationalsozialen und Neudemokraten und des Ver- eins für Frauen st immrecht hielten zu diesem Zweck eine gemeinsame Besprechung ab und beschlossen, eine öffentliche Versammlung unter freiem Himmel auf der H u n d s w i e s e abzuhalten. Sollte die Eigentümerin deS Platzes nicht einwilligen, so ist der Frankfurter Stadt» Wald in Aussicht genommen. Es werden acht Redner sprechen und eine gemeinsame Resolution zur Annahme bringen lassen.— Die Organisationen erlassen einen gemeinsamen Auf- ruf, in dem eS u. a. heißt: „Die Versammlung richtet sich in erfivr Linie gegen die drei Grundübel des elendesten aller Wahlsysteme, Dreiklastenwahl, öffentlich« Stimmenabgabe und Entrechtung der Städte- und In- dustricbezirke. Es gilt öffentlich �u zeigen, daß der überhaupt größte Teil der bürgerlichen Bevölkerung die Forderungen des allgemeinen, gleichen, geheimen und direkten Wahlrechts mit allem Nachdruck erhebt. Diese gemeinsame Versammlung muß sich zu einer wuchtigen Kundgebung gestalten, wie sie die Reaktion noch nicht gesehen hat." Am Freitag früh hatten die Vertreter vSr Parteien«ine Be» sprechung mit degi Polizeipräsidenten, in der eine Das ßelchsverelnssefetz und die rniillche Grenze. Im Dorfe Gehsen. Kreis Johannisburg in Ostpreußen, wenige Kilometer von der russischen Grenze, hatten die neuen Steuern im Juli vorigen Jahres nicht nur die Arbeiterschaft, sondern auch einige Besitzer und Gewerbetreibende zur Opposition aufgerüttelt. Sie setzten sich mit unseren Genossen in Verbindung und arrangierten im Garten eines Bäckermeisters eine Versammlung unter freiem Himmel zu Sonntag, den 8. August v. I. Der AnitSvorsteher er» teilte die Genehmigung; aber der Referent, der zu spät benachrichtigt war, konnte nicht mehr rechtzeitig eintreffen. Deshalb wurde nach kurzer Tagung die sehr friedlich verlaufene Bersamm- lung geschlossen und eine Versammlung zu Sonntag darauf, am 15. August auf demselben Grundstück abzuhalten be» schloffen. Am 13. August traf auch hierzu die schriftliche Genehmi» gung vom Amtsvorsteher ein. Aber schon 24 Stunden darauf brachte der Amtsvorsteher dem Einberufer persönlich eine Verfügung, wo» nach die Versammlung verboten wurde, da Gefahr vorhanden sei, daß die öffentliche Sicherheit gefährdet werde. Wie und wo» durch diese Gefahr nun auf einmal über Nacht entstanden war und wer sie entdeckt hatte, darüber erhielt der verwunderte Einberufer keine Auskunft. Der Referent, Genosse Linde au« Königsberg» der nicht mehr abbestellt werden konnte, klärte die Erschienenen darüber auf, wie es in Preußen gar nichts Neues ist, daß plötzlich die ländlichen Polizeibehörden Gefahren befürchten, wenn irgendwo sozialdemokratische Versammlungen abgehalten werden sollen. Eine Anzahl Aufnahmen in den sozialdemokratischen Verein war die Ant» wort auf die Maßnahme. Der Einberufer der Versammlung wollte nun aber doch er- fahren, inwiefern denn nun durch Versammlungen, wie die am 3. August abgehaltene, Gefahr für die öffentliche Sicherheit bestehen sollte. Er beschwerte sich am 20. August wegen deS Verbots der Versammlung durch den AmtSvorstehcr bei dem Landrat. Darauf erhielt der Beschwerdeführer am 4. November, also nach elf Wochen, diesen Bescheid: Johannisburg, den 1. November IVOS. Der Laudrat. J.-N. 14858. A. Ihre Beschwerde vom 20. August diese» Jahre» gegen den Herrn Amtsvorsteher in Gehsen muh ich als unbegründet zurück» weisen. Der Herr Amtsvorsteher war nicht nur berechtigt, sondern verpflichtet, die Abhaltung der angesetzten öffentlichen sozialdemo» kratischen Versammlung zu verbieten, weil die Gelährdung der öffentlichen Sicherheit durch eine solche Versammlung dort mit Recht zu befürchten war. Diese gesetzliche Voraus» setzung allein genügt, um das Verbot zu recht- fertigen." Bollert. Dem Einberufer genügte diese Voraussetzung natürlich nicht. Er erhob gegen den Bescheid des LandratS Beschwerde bei dem Rc« gierungSpräsidenten in Allenstein. Darin berief er sich unter anderem auf ein Urteil deS OberverwaltungSgcrichtS, Bd. 45 S. 451 der Entscheidungen, wonach die Behauptung solch einer Gefahr durch Tatsachen belegt sein muß, an? denen sich nach vernünftigem Ermessen eine nahe Gefahr ergibt. Haltlose Kombinationen wie im angefochtenen Bescheide genügen nicht. Nach Verlauf von wiederum elf Wochen, am 29. Januar, sollte seine Neugier befriedigt werden. In dieser Zeit war e« nun zwar nicht gelungen» irgend welche Tatsachen herbeizuschaffen, welche die voraussetzmig tutet Gefahr für die öffentliche Sicherheit zn be- gründen imstande waren, aber— Ivas man nicht beweisen kann, das kombiniert man. So auch im Bescheid des Regierungspräsidenten von Allenstein, welcher ein wichtiges Dokument für den Scharfsinn der preußischen Bureankratie in der GesetzesauSlcgung bedeutet. DaS hochinteressante wertvolle Schriftstück lautet wörtlich: XU Allenstein den 18. Januar 1910. Ihre gegen den Bescheid dc-Z Landrates in Johannisburg vom i. November 1909(A. 14 858) eingelegte weitere Beschwerde vom 7. November IVOS betreffend Verweigerung der polizeilichen Ge- nehmiaung zur Veranstaltung einer öffentlichen Versammlung unter'freiem Himmel in Gehsen am Sonntag den 15. August 1909 wird als unbegründet zurückgewiesen. Die Genehmigung ist von dem zuständigen AmtSvorsteher mit der Begründung versagt worden, daß die Abhaltung der Versammlung eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit befürchten lasse. Nach den angestellten Ermittelungen haben in der Tat Uin- stände vorgelegen, die diese Befürchtung des Amtsvorstehers gerecht- fertigt erscheinen lassen. Von ihm eingezogene Erkundigungen hatten nämlich ergeben, daß zu der Versammlung auch die Betvohner der jenseits der Grenze belegenen polnischen Dörfer Wiuzenta, Bialicki, Wykoloo und Brczoczowo erscheinen wollten und daß in der Versammlung, obwohl die Genehmigung dazu nicht eingeholt war, auch polnisch gesprochen werden solle.' Auch wenn der Gebrauch der polnischen Sprache nicht beabsichtigt gewesen sein sollte, so hätten die der deutschen Sprache unkundigen russisch« polnischen Grenzbewohner unzweifelhaft versucht, die polnische Sprache zur Geltung zu bringen. Ihre Entfernung aus der Versammlung hätte dann bei dem Charakter jener Bevölkerung mit ebenso großer Wahr- scheinlichkeit zu Exzessen geführt, wie die etlvaige Auflösung der Versammlung wegen unerlaubten Gebrauchs der polnischen Sprache. Diese Sprache war um so großer, als Reibereien und Prügeleien zwischen den national-polnisch gesinnten russischen Polen und den deutschnational empfindenden Masuren in Gehsen »nd Umgegend an sich schon nichts Seltenes sind. Da sich in Gehsen und dem benachbarten Dlottowcn zu jener Zeit zahlreiche russisch-polnische Saisonarbeiter aufhielten, die zweifellos ihren polnischen Landsleuten beigestanden hätten. so wäre das russisch- polnische Element bei den zu befürchtenden Ausschreitungen voraus- sichtlich auch in Besorgnis erregender Zahl vertreten gewesen. Aber auch wenn die Versammlung von den russischen Polen nicht besucht worden wäre, würde der ausgesprochen sozialdemo- kratische Charakter der geplanten Versammlung, zu der drei sozial- demokratische Redner aus Königsberg angemeldet waren, aller Vorausficht nach den Unwillen der eingesessenen Bevölkerung hervorgerufen haben, die in ihrer überwältigenden Mehrzahl den Zielen der Sozialdemokratie durchaus abgeneigt ist. Bereits bei einer eine Woche vorher in Gehsen abgehaltenen, wegen unbefugten Gebrauchs der polnischen Sprache aufgelösten sozialdemokratischeil Versammlung hatte sich der lönigS- treuen ländlichen Bevölkerung eine Erregung bemächtigt, die im Wiederholungsfälle wahrscheinlich zu Streitigkeiten und Schläge« reien und zu einer Gefährdung der öffentlichen Sicherheit geführt haben würde. Der AmtSvorsteher war daher umso mehr be- berechtigt schon aus diesem Grunde die Genehmigung zur Ab- Haltung der Versammlung unter freiem Himmel zu verweigern, als nach einen» Urteil des Oberverwallungsgerichts vom 18. Ok- tober t893— Ministerialblatt der inneren Verwaltung S. 23— die Befürchtung, eine sozialdemolratische Versammlung könne zur Gefährdung der öffentlichen Sicherheit führen, schon dann als keine entfernte zu erachte» ist, wenn die Versammlung wie hier innerhalb einer den Bestrebungen und Zielen der Sozialdemo- kratie abgeneigten ländlichen Bevölkerung stattfinden soll. v. Hell mann. Hierzu ist folgendes zu bemerken: Es ist natürlich niemand eingefallen, so widersinnig zu handeln und die Bewohner jenseits der russischen Grenze zur Versammlung einzuladen, abgesehen davon, daß diese polnisch-russischen Nachbarn auch nicht die geringste Neigung verspüren, Versammlungen zu besuchen, die sich mit rein preußischen Angelegenheiten befassen. Es konnte auch weiterhin nicht im ent- scrntesten damit gerechnet werden, daß in der Versammlung polnisch gesprochen werde. Denn der Referent kann weder polnisch reden. noch versteht er das geringste von der polnischen Sprache. Es ist auch nicht wahr, daß zu jener Zeit sich zahlreiche russisch- polnische Saisonarbeiter in jener Gegend aufhielten. Vollständig aus der Luft gegriffen ist ferner die Behauptung, es seien drei sozialdemokratische Redner auS Königsberg zu dieser Versammlung angemeldet gewesen. Vollständig im- wahr und aus den Fingern gesogen ist ferner die im Bescheid deS Regierungspräsidenten enthaltene Behauptung, die eine Woche vorher an derselben Stelle abgehaltene Versammlung fei wegen mchefugten Gebrauchs der polnischen Sprache polizeilich auf- gelöst worden, und es hätte sich der königstreuen Bevölkerung eine Erregung bemächtigt. Im Gegenteil, jene Versammlung löste sich nach ganz kurzer Dauer ganz von selbst auf, weil kein Referent erschienen war. Eine Vertretung der Polizei hat sich dort überhaupt nicht bemerkbar gemacht. Alles ging friedlich auseinander. Niemand hat von einer Erregung gegen die Sozialdemokratie etwas gemerkt. Wahr ist es aber, daß der größte Teil der Dorf- bewohn« und nicht allein die Arbeiter, über die neuen Steuern er- regt waren und daß gerade Angehörige des Mittelstandes daraus gedrungen hatten, einmal im Dorfe eine sozialdemokratische Ver- sammlung abzuhalten. Ein Molkereibesitzer hatte die Versammlung arrangiert, ein Kaufmann hatte sie angemeldet und ein Bäckermeister sein Grundstück dazu hergegeben. Und das waren bisher keine Sozialdemokraten. Auch nicht der geringste Mißton herrschte unter den zahlreich Erschienenen der ersten Versammlung. Einig war alles in der Verurteilung der Finmizreform. Demnach ist der. der die Erkundigungen eingezogen hat, nicht sehr geschickt vorgegangen und ist ordentlich hineingelegt worden. Aber auch im übrigen ist der Bescheid des Regierungspräsidenten ziemlich weltfremd. ES existiert nur ein Urteil deS Oberverwaltungs- gerichts vom Jahre 1398 für den Herrn Regierungspräsidenten, nicht aber das ReichSvereinSgesetz vom 19. April 1908. Sehr bedauerlich ist eS, daß der Beschwerdeführer die Frist zur Klage bor dem Verwaltungsgericht verstreichen lassen mußte und man sich nun mit diesem ganz unhaltbaren, widerspruchsvollen Bc- scheid, der sich nicht mal auf wahre Tatsachen stützen kann, zufrieden geben muß. Aber vielleicht dient dieser Bescheid des Regierungs- Präsidenten dazu, der Oefsentlichkeit zu beweisen, wie Gesetze will- kllrlich ausgelegt und gehandhabt werden von denen, die von der Sozialdemokratie verlangen, sie solle die Gesetze respektieren. Und gerade jetzt bei Gelegenheit des Wahlrechtskampfes gibt man uns heuchlerisch den Rat, wir sollen doch die Genehmigung von Umzügen und Abhaltung von Versammlungen unter freien, Himmel nachsuchen, wenn wir unsere politischen Rechte vertreten wollen. Der geschilderte Fall ist ein klassisches Beispiel dafür, wie .einfach" das ist. Der Kami»? gegen die Cords. k. London, 23. Februar.(Eig. 23«.) Die Thronrede und die Rede des PrennerministerS haben die politische Situation in England gänzlich verändert. Der Entscheidungskampf gegen die Lords rückt in die Ferne und das liberale Ministerium ist gründlich diskreditiert. Mit jedem Tage wird dies deutlicher. Was der Popularität deS Ministeriums dcn HalS gebrochen hat, ist der schmähliche Vertrauens- bruch, den der Premierminister an der demokratisch gesinnten Wählerschaft begangen hat. Die liberalen Radikalen sind wütend, und die Iren und die Slrbeiterparteiler weigern sich, in einen Kampf zu ziehen, der leine Entscheidung bringen kann. Die eigenen Partei- genossen sprechen sich am schärfsten gegen die Minister auS und raten ihnen, abzudanken. Das ist leicht zu verstehen. Diese liberalen Parlamentsmitglieder sind eben auS ihren Wahlkreisen gekommen, die sie durch das liberale Aktionsprogramm gegen die LordS gewonnen haben, und finden nun gleich am ersten Tage, daß die liberalen Parteiführer ihr Wort gebrochen haben.„Ich schäme mich," sagte gestern ein bekannter Linksliberaler im Parlament,„unter diesen Umständen vor meine Wähler zu treten." Die irischen Nationalisten sind natürlich auch mit dem Borgehen der Regierung nicht ein- verstanden. Sie hatten gehofft, daß der Premierminister vor das Parlament treten würde, ausgerüstet mit"der Mack>t, durch dieses Parlament die Stellung der LordS, die die Selbstverwaltung Irlands verhindert, zu brechen, und sehen jetzt. daß sie betrogen worden sind, daß der Kamps gegen die LordS nur ein Scheinlampf sein soll, durch den das liberale Ministerium am Ruder gehalten wird. Die Arbeiterpartei wiederum, die einzige Partei, die die Abschaffung des Oberhauses fordert, kann sich selbst- verständlich mit den liberalen Halbheiten nicht zufrieden geben. So hat denn die Regierung weder bei den Liberalen, noch bei den Parteien, die sie in der Frage der Einschränkung deS Vetos der Lords unterstützen konnten, einen festen Halt und schwebt zwischen Tod und Leben. Was wird aus diesem Kampfe, den der Premierminister plant, werden? Man wird in einigen Wochen eine Resolution annehmen, die sich scharf gegen die Lords ausspricht, und die LordS werden die Regierung auslachen. Man kennt den Wert der liberalen Resolutionen: Bühnendonner. AlSdann wird man zur Vetobill schreiten, voraus- gesetzt, daß sich die Minister bis dahin über den Inhalt der Vorlage einig werden. Unter den jetzigen Verhältnissen, das heißt, ohne daß die Regierung Garantien hat, hat die Aetobill nicht die geringste Aussicht, angenommen zu werden. Die LordS werden sie in derselben kavaliermäßigen Weise verwerfen, wie sie das Budget verworfen haben. Schon plant das Oberhaus einen Gegenschlag für den Fall, daß die Liberalen nach der Verwerfung der Vetobill an das Land appellieren sollten. Sie wollen sich selbst refonnieren, um den Wählern ihren guten reformatorischen Willen zu beweisen. Die ganze seichte liberale Politik führt für jeden vernünftig denkenden Menschen zur Niederlage und Zerstörung der Bewegung gegen das Oberhaus. Das Schlimmste an der Sache ist, daß diese Regierung schwer zu Fall gebracht werden kann. Keine Partei wünscht eine sofortige Neuwahl. Die kolossalen Anstrengungen der letzten Wahl haben alle Parteien bis aufs äußerste erschöpft; sogar die Konservativen sollen in finanzieller Verlegenheit sein. DaS wird dieser Regierung noch eine Gnadenfrist geben. Aber der Verrat wird den Liberalen teuer zu stehen kommen.„Also dafür haben wir unS maßregeln und boykottieren lasten," hört man von allen Seiten;„nun gibt es außer den Sozialisten und den paar radikalen Linksliberalen über- Haupt keine Partei mehr, für die wir stimmen können!" Der großen Hoffnung auf eine baldige Befreiung von dem Alpdruck des feudalen Oberhauses ist eine furchtbare Erbitterung gegen die für den Verrat verantwortlichen Minister gefolgt. Eine schwache Mehrheit. Die Debatte im Unterhause über den von Austen Chamberlain beantragten Zusatz zur Adresse, der den Schutzzoll fordert, brachte der Regierung eine halbe Niederlage, indem sich ihre Majorität auf 31 Stimmen verminderte. Die Debatte nahm folgenden Verlauf: Balfour wies auf die Wichtigkeit der Tarifreform als ein Mittel gegen die Arbeitslosigkeit hin, nämlich insofern, als durch die Tarifresorm die produktive Tätigkeit Englands gesteigert würde. Weil er davon fest überzeugt sei, habe er im Sinne der Tarifreform einen Druck auf das Land ausgeübt. Auch glaube er be- stimmt, daß mit der Zeit das Beispiel, das die britischen Kolonien und die anderen zivilisierten Länder gegeben hätten, schließlich auch von England befolgt werden würde. Minister Nunciman er- llärte, die Opposition habe das Volk grausam getäuscht, in- dem sie den Glanben erweckte, daß die Tarifresorm allem Elend ein Ende mache. England erfreue sich noch immer des besten Ge- deihens. Er fürchte nur, daß die Annahme der Tarifreform in England in dem Augenblick erfolgen werde, wo Deutschland und Amerika sich dem Freihandel zuwenden würden. Die Tarifresorm werde die Preise in die Höhe treiben. die Produktiv nsko st en steigern mid den britischen Erzeug- nisten auf neutralen Märkten nachteilig sein. Aus die im Vorgehen der Opposition liegende Aufforderung, den englischen Handel zu ge- sährden und die Beziehungen mit den Kolonien zu stören, ant- warteten die Liberalen mit einem entschiedenen Nein. Hierauf nahm LloydGeorgedie Herausforderung AustenChamberlainS auf und verteidigte nachdrücklich die verschiedenen von ihm während der Wahlen gemachten Ausführungen über finanzielle Fragen. Er wiederholte, daß England den a u S g e d e h n- t e st e n Welthandel, die größte Ausfuhr fertiger Waren und das größte Frachtgeschäft habe. Auch sei in England d« Lo h n höh er, die Arbeitszeit kürzer als m irgend- einem anderen Lande, während die Preise für Lebensmittel und LebcuSbedürfniste billiger seien. Nach weiterer Debatte wurde der von Chamberlain eingebrachte Zusatzantrag zugunsten der Tarifreform mit 286 gegen 224 Stimmen abgelehnt. Die Nationalisten enthielten sich der Abstimmung, die Mitglieder der Arbeiterpartei stimmten für die Regierung. Nur die Stimmen der Arbeiterpartei haben also diesmal, wo es um den Freihandel ging, die Negierung gerettet. Die Opposition nahm das AbstimmungZresultat mit begreiflichem Jubel auf. Die Stimmenthaltung der Iren kommentiert ihr Dubliner Parteiorgan folgendermaßen: Die Nationalisten hätten sich der Abstimmung über den Zusatzantrag zugunsten der Tarif- reforin enthalten, nicht auS Rücksicht auf die Re- gierung, sondern weil es nicht erwünscht sei. den Schwer- Punkt für die nächsten Wahlen von den Lords auf die Tarifreform zu verlegen. Wenn die Regierung nicht mit möglichster Beschleuni- gung einen Vorschlag für die Beschränkung des Vetorechts der Lords mache und diesen zur Entscheidung bringe, werde die irische Partei eine heftige Oppositionspolitik gegen die Regierung beginnen. Da auch zahlreiche Radikale immer entschiedener diese Forderun unterstützen, so wird die Position ASqnithS immer schwächer und schon scheint die Regierung AbdankungSpläne zu hegen. AuS London meldet ein Telegramm: Heute fanden zwei Ministerräte statt und die Lage scheint plötzlich eine Wendung zum Schlimmeren genommen zu haben. Was für eine neue Schwierigkeit entstanden ist, vorausgesetzt, daß dies überhaupt der Fall ist, ist unbekannt, unzweifelhaft herrscht aber in den FoherS des Unterhauses eine sehr pessimistische Stimmung. Nachmittags war da?— allerdings vollständig unbestätigte— Gerücht im Umgang, daß die Regierung sich mit der Absicht trage, abzudanken. Die unbekannten Schwierigkeiten können offenbar nur durch Meinungsverschiedenheiten hervorgerufen sein, die zwischen den ge- mäßigten und den radikalen Mitgliedern des Kabinetts ausgebrochen find. Fast scheint es, als würde die todbringende Spaltung in der liberalen Partei, auf deren Eintritt hier schon wieder- holt hingewiesen worden ist, noch rascher eintreten, als ursprünglich vermutet werden konnte. Bcendigung der Adrestdcbatte. London, 25. Februar. Nachdem das Unterhaus ein Amende- ment zur Adresse auf die Thronrede betreffend Einführung von Schutzzöllen zur Förderung der heimischen Industrie mit 228 gegen 186 Stimmen abgelehnt hatte, wurde die Adresse einstimmig an- genommen und sodann das Haus auf den LS. dieses Monats vertagt. politische debersicbt. Berlin, den 25. Februar 1810. Hahncnkauipf um die Bauernseele. AuS dem Reichstag. 25. Februar. Ms einen Hahnenkampf um die Baucruseele bezeichnete der Abg. (Lothein treffend ein amüsantes Duell, das sich heute in der zlvcitcn Lesung des Budgets für das Reichsamt des Innern zwischen dem nationailibcralcn Abg. W a ch o r st de W e n t e und dem Konservativen Dr. Dicdcrich Hahn entspann. Die beiden Kämpen sprangen aufeinander los als Vertreter des Bundes der Landwirte einerseits, des neuge- gründeten Bauernbundes andererseits. Dann wurde aber auch noch von freisinniger und sozialdemokratischer Seite den beiden Hahnenkämpfern in kräftigen Tönen zum Tanze auf- gespielt. Ehe es dazu kam, erging sich noch der Stöckcrling Behrens in einer Verherrlichung der amtlichen Sozial- Politik mit gleichzeitiger Bekämpfung der Sozialdemokratie, während Herr R o c r c n vom Zentrum sein Steckenpferd: die Bekämpfung der Unzucht in Literatur und Kunst— dem Hause vorritt. Dann setzte Herr Wachorst deWente mit einem An- griff auf den Bund der Landwirte und Herrn Dr. Hahn ein, um ihnen die Fehde heimzuzahlen, die in der Provinz Han- nover vom Bund der Landwirte gegen die Nationalliberalcu seit einiger Zeit geführt wird. Er enthüllte da manche er- baulichen Dinge über Dr. Hahn, hielt es aber für angebracht, die agrarische Zuverlässigkeit seiner eigenen Partei durch ein Wort des früheren Zentrumsabgcordneten Bachem zu be- weisen: die Nationalliberalen hätten an dem agrarischen Hochschutzzoll des Jahres 1982 den Löwenanteil gehabt. Dr. Diederich Hahn, der sich mit seiner bewährten Vor- ficht nach Herrn Wachorst hatte in die Rednerliste eintragen lassen, trotzdem er eigentlich vor ihm hätte sprechen müssen, packte nun seinerseits gegen die Nationalliberalen aus, denen er vorwarf: manche von ihnen seien mit Hilfe der braunen und blauen Lappen des Bundes der Landwirte in den Reichstag gewählt worden? Weil sie jetzt nicht mehr unbedingt nach der Pfeife des Bundes tanzen wollen, suchte er sie als„Bundesgenossen der Sozial- demokratie" der Mißachtung aller Patrioten preiszugeben. Dabei unterließ er es natürlich nicht, auch einige Unver- schämtheiten und Verdächtigungen gegen die Sozialdemokratie wegen der Straßenumzüge nach der Methode eines Lock- spitzels bcizuschleudern. Ihm erwiderte zunächst der freisinnige Gothein, der das Treiben der Agrarier im Zirkus Busch und die gesamte Junkerpolitik einer scharfen Kritik unterzog. Dann rechnete Genosse David mit dem Hahnengekräh ab. Er erinnerte daran, daß dieser Feind sozialdemo- kratischer Straßendemonstrationen sich dadurch zuerst in der Oefsentlichkeit bemerkbar machte, daß er Demonstrationen zur Huldigung vor Bismarck veranstaltete und durch diese Lakaiendienste sich den Namen Bismarck Hahn erwarb. David legte dieBauernfeindlichkeit der junker» lichen Agrarpolitik an verschiedenen Beispielen dar und wies darauf hin, daß gerade die Zölle auf Futtermittel xs hindern, daß die deutschen Bauern durch intensivere Vieh- zncht wie in Dänemark den deutschen Markt völlig mit Vieh versorgen können. Der jetzige Zustand nütze nicht den Bauern, wirke nur auf die Hebung der Grundrente, also auf die Be- reicherung der Großgrundbesitzer hin und verelende die ge- samte selbstarbeitende Bevölkerung Deutschlands. David flocht in seine wirksamen Ausführungen auch die Mitteilung cm, wie der Schnapsboykott der Sozialdemo- kratie jetzt schon einen Rückgang des Branntweinkonsums herbeigeführt habe, während die hochadligen Schnapsbrenner charakteristischerwcise sich so sehr der Gunst der Regierung erfreuten, daß nicht weniger als 7 Geheimräte bei einer ihrer Zusammenkünfte umherscharwenzelten. Stach einer Flut persönlicher Bemerkungen vertagte sich das Haus bis Dienstag. Zunächst steht die P r ä s i d e n t e n- Wahl auf der Tagesordnung. Das vornehme Parlament. Die Mehrheit des preußischen?lbgeordnetenhauseS hak am Freitag wieder eins Probe ihrer Vornehmheit und ihrer edlen KampfeSweiss abgelegt. Ein Redner nach dem anderen wurde vorgeschickt, um die Sozialdemokratie zu bekämpfen, und als dann unsere Genoffen an der Reihe gewesen wären, da schnitt man ihnen einfach die Antwort ab! Zwar gelang eS unserem Genoffen Hirsch, wenigstens einige der infamsten Verdächtigungen in Form einer Bemerkung zur Geschäftsordnung zurückzuweisen, ober der Vize- Präsident Dr. P o r s ch duldete nicht, daß der Vertreter der An- gegriffenen auch nur annähernd das sagte, waS zu sagen war, er unterbrach ihn wiederholt und erteilte ihm, als er eS wagte, einen Verleumder beim richtigen Namen zu nennen, den obligaten Ordnungsruf. Die Landtagsmehrheit wird selbstverständlich über ihren.Sieg" triumphieren. Den Anfang im Reigen der Sozialistentöter machte Abg. Strosser, der konservative Befürworter der Prügelstrafe, der wie gewöhnlich mit gefälschten Zitaten operierte. Natürlich wurden ihm seine Fälschungen von unserer Seite sofort nachgewiesen, so daß er sich darauf zurückziehen mußte, daß ihm ein falscher Zeitungsbericht in die Hand gedrückt war. Etwas mehr Fleiß müssen die Sozialistentöter denn doch schon aufwenden, wenn sie sich nicht fortgesetzt blamieren wollen. Nach Strosser kam Frhr. v. Zedlitz zu Wort, der tn echt scharfmacherischer Manier den Gerichten den Fingerzeig gab: etwaige Befürworter eines politischen Generalstreiks als Hoch- und Landesverräter anzuklagen! Uns hat Herr v. Zedlitz durch seine Rede eine große Freude bereitet. Weniger dürfte sich Herr Cassel über sie gefreut haben, mit dessen gestrigen Angriffen gegen die Sozialdemokratie Zedlitz sich völlig identifizierte! Wir haben den„Freisinnigen" Cassel also richtig eingeschätzt. Zu allem Ueberfluß wurde noch vom Zentrum der Abgeordnete GronowSki, der mit unserer Hilfe in den Landtag gewählt ist, nachdem er sich auf das ReichstagSwahlrecht für Preußen und die Neueinteilung der Wahlkreise durch Unterschrist ver- pflichtet hat, auf die Sozialdemolratie losgelassen, und auch der konservative Vertreter von Tcltow-Becskow. Herr Hammer, stammelte einige Phrasen gegen uns; kurz und gut: die ganze Gc- scllschaft war wieder einmal ein Herz und eine Seele. Was sonst noch gesagt wurde, bezog sich auf die übliche Ausein- andersetzung über die nordschlcswigsche Frage und auf ein Ge- ptänkel zwischen Zentrum und Nationalliberalen. Am Sonnabend werden weitere Kapitel des Etats dcS Mi- Nicerium des Innern beraten. Kreuzzeitungs-Christentuin. Das Blatt der Hainmerstein-Epigoncn fpcit christliche Galle, weil unser Brcslaucr Partciblatt, die„Volks- wacht", einen Bericht über die hier ain letzten Sonntag im Zirkus Busch abgehaltene Massenversammlung der Orthodoxen evangelischen Bekenntnisses sowie über die sich an diese Versammlung anschließende Straßendemonstration veröffcnt- licht und die Frage aufczeworfcn hat, weshalb denn die konservative Presse für diesen„Straßenrwmmel" kein Wort des Tadels finde. Besonders hat folgender Satz der„Volks- wacht" das bekannte Feingefühl des agrarischen Blattes cm- Port:„Ten Herren ist es natürlich in, Staate der Rechts- glcichhcit erlaubt. Schade, daß unsere Genossen im voraus nichts wußten. Sie hätten gewiß auch einen Redner gestellt und sich an der Demonstration aktiv beteiligt. Ter Redner konnte ja über das Thema sprechen:„I n w e l ch e W ä h l e r- tlasse lvürde der Preußen st aat Jesus, den Z i m ni e r m a n n s s o h n, versetzt habe n?" Mit dem ganzen Aufgebot der ihm von seinem früheren Chefredakteur als Erbteil hinterlassenen Sittlichkeit schreibt das cbrsame Junkerorgan: „Aus dieser unerhörten, kaum noch zu übertreffenden Leistung kann man ersehen, was heute die Sozialdemokratie der christlichen Bevölkerung bieten zu dürfen glaubt. In der freisinnigen Presse, die jetzt mit der sozialdemokratischen Partei in unverantwortlicher Weise liebäugelt, sucht man Verurteilungen solcher RoheitLaus- brüche vergebens." Warum diese alberne gekünstelte Entrüstung? Wenn man der„V o l k s w a ch t" einen Vorwurf machen kann, so doch nur den, daß sie die Qualität der preußischen Wahlrechts- Vorlage überschätzt hat, denn nach deren Bestimmungen ivürde Jesus überhaupt nicht haben wählen können, schon deshalb nicht, weil er keinen festen Wohn- sitz hatte, sondern bekanntlich immer im Lande herumreiste, ohne irgendwo sechs Monate lang festen Aufenthalt zu nehmen. Und was die Bemerkung der„Kreuzzcitung" anbetrifft, der Vergleich der., Volksmacht,, sei ganz„u n e r h ö r t", so irrt sie sich in ihrer ostelbischen Lokalborniertheit. Mehrfach und zu verschiedenen Zeiten ist schon, wenn von den herrschen- den Klassen den Unbemittelten das Wahlrecht vorenthalten wurde, darauf hingewiesen worden, daß, wenn die Armut ein Grund der politischen Rechtlosigkeit sei, auch Jesus und seine Apostel nicht wahlbrechtigt gewesen wären. So schrieb z. B. schon im Jahre 1789 ein gewisser Camille Desmoulins, von dem auch die„Kreuzztg." schon gehört haben dürfte, als die französische Nationalversammlung das Mark-Silber- Dekret annahm: „Um die ganze Unsinnigkcit des Dekrets einzusehen, genügt eS, zu wissen, daß ein Rousseau, ein Corneille, ein Mably nicht wähl- bar gewesen wären. Und Ihr, Ihr verächtlichen Priester, Ihr schurkischen und kopflosen Bonzen, seht Ihr denn nicht, daß auch Euer Gott nicht wählbar gewesen wäre? Euren Jesus Christus, aus dem Ihr auf der Kanzel einen Gott macht, bcrweist Ihr auf die Tribüne unter das„gemeine Pack". Euer Gott war ein Proletarier; er hätte kein Aktivbürger sein können! Achtet doch wenigstens die Armut, die er geadelt hat. Was schreit Ihr uns daS Wort„Aktivbürger" so oft in die Ohren? Es sind die Aktiv- bürger, welche die Felder urbar machen, während die Adeligen und Priester nur Schmarotzergewächse sind, ähnlich jenem Baum im Evangelium, der keine Früchte trug und den man ins Feuer warf." Solche Bloßstellung ihrer sogenannten„christlichen Ge- sinnung" mag der„Kreuzztg." und ihrer agrarischen Gefolg- schaft unangenehm sein, da sie deutlich zeigt, in welch starrem Gegensatz ihr dogmatischer Fetischismus zu den Lehren des Urchristentums steht; aber die Tatsache, daß der„Glaube" der Kreuzzeitungsorthodoxen die Wahrheit nicht verträgt, be- rcchtigt das Blatt nicht, wahre Feststellungen als„N o h- h e i t s a u s b r ü ch e" zu bezeichnen. Wenn der ehrsameil „Kreuzztg." solche Wahrheilen nicht passen, mag sie nach- weisen, daß Jesus, Petrus, Johannes usw. im Preußenstaat Wähler erster Klasse sein würden. Wer ist„Germanieus"? Im Preußischen Abgeordnetenhause hatte Minister v. Moltke scharfe Angriffe des Zentrumsabgeordneten Bell und des konserva- tiven Abgeordneten v. Pappenheim zu erdulden, weil er die Broschüre„Fürst Bülow und seine Zeit" empfohlen hat. deren Verfasser sich selbstbewußt„GermanicuS" nennt. Wer ist dieser raffenreine Urgermane? Die„Germania" glaubt diese Frage beantworten zu können. Der edle Patriot heißt nach ihrer Aussage Dr. Stephan Neumann und ist stellvertretender Chefredakteur der—„Täglichen Rundschau". Das erklärt alles. Herr Neumann ist bekannt als Fabrikant von schönen Broschüren im RcichSverbandsstil. in denen er allerlei fegen die Sozialdemokratie gerichtete, auS reaktionären Blättern erauSgeschnittene Verleumdungsnotizen zusammenkleistert. Da- mit hat er bei den Reaktionären viel Anklang gesunden; nun er diese Arbeitsmethode aber, wenn auch nur in sehr verdünntem Maße, aus die Politik deS Zentrums und der Pappenheimer an- wendet, schreien diese über die Verdächtigungen des sonst von ihnen so sehr gelobten Kleisterjournalisirn. Ministcvwechsel iu Hessen. Der hessische Finanzminister Dr. G n a u t b ist von seinem Amt zurückgetreten. Die Ursache des Rücktritts ist in der schleckten hessischen Finanzlage zu suchen. Freiherr v. Hehl hatte i» der Ersten Kammer Vorschläge zur Sanierung der Finanzen gemacht, die für die Regierung«nonnchmbar sind. ES stellte sich aber heraus, daß hinter den Vorschlägen Hehls die ganze Erste Kammer sowie von der zweiteil Kammer Natioiialliberale, Zentrum u»d Baiier»bü»dler standen. Sonach war nicht zu erwarten, daß sich für die Vorschläge der Ncgiernng eine Mehrheit finden werde. Zolleinnahmen des Reichs. Der Nachweis der Einnahmen des Reicks an Zöllen, Steuern und Gebühren fiir die geil vom t. April IVOS bis zum Schlüsse des Januar ISIlZ ergibt gegenüber dem gleichen Zeitraum des JahreS 1908/00 eine Mehreinnahme von rmid 2lö Millionen Mark. Den hauptsächlichsten Anteil an diesem Mehr haben die alten Zölle, welche im Rechnungsjahr 1908 um mehr als 120 Millionen hinter dem Voranschlag zuriickblieben, diesmal aber den Voranschlag gerade erreichen dürften. Daneben werden die SS Millionen Mark, mit welchem der Nachtragsetat von 1009 die neuen Zölle und Steuern einschätzt, zweifellos erreicht werden. Endlich haben die im letzten Sommer eingetretene Voreinfnhr- und Nachvcrstcuerung namhafte Beträge zur Reichskasse geliefert. Die Abführungen an den Witwen» und WaisenversicherungS- fondö werden sich jedoch, soweit es sich bisher übersehen läßt, auf eine» Betrag von wenigen Millionen Mark beschränken. Wachsende Defizite im Bremer Staatshaushalt. Die Millionen- Fehlbeträge im Staatsbudget scheinen auch im kleinen Bremen üblich zu werden. Die vorläufige Zusammenstellung des Budgets für 1910 ergibt einen Fehlbetrag von 3SSö44S M. gegenüber 3 123 124 M. im Voranschlag deS Jahres 1009. Die Finanzlage hat sich also abermals verschlechtert. Die Gesamtsumme der außerordentlichen und ordentlichen Einnahmen, die schon im vorigen Jahre zur Deckung der außerordentlichen Ausgaben nicht gan; ausreichten, blieb diesmal sogar schon hinter der Gesamt- summe der ordentlichen Ausgaben um S2ö 419 M. zurück, so daß für die außerordentlichen Ausgaben im Betrage von 2 032 03S M. überhaupt keine Deckung vorhanden ist. DaS Ver- hältnis der Einnahmen zu den Ausgaben wird sich allerdings bei der Budgetberatung noch etwas günstiger gestalten; eS kann aber schon jetzt gesagt werden, daß der Fehlbetrag des festgestellten Budgets wesentlich größer sein wird als im Rechnungsjahr 1009. Liberale Reformatoren der Sozialdemokratie. Man schreibt uns aus Baden: Der Chef der nationalliberalen Kammerfraktion Badens, Ober- schulrat R e b m a n n, sprach am Mittwoch in Lahr über die politische Lage. Dabei kennzeichnete er. wie der Lahrer„Anzeiger" re. die bis jetzt nur auf dem Papier steht, praktisch durchgeführt werde. Da» gegen haben nur das Zentrum und die paar Konservativen ge- stimmt, während die Regierung sich darüber ausschwieg, welche Stellung sie zu dem Beschluß zu nehmen gedenke. Von allen Rednern der Linken, besonders von den sozialdemokrati- s ch e n Rednern, war betont worden, daß es doch ein Unding sei, die Lehrer auf konfessionell gerichteten Seminaren auszubilden, während die Volksschule selbst in Baden gesetzlich und faktisch simultan sei. Daß bei diesem Unding aber die Feinde und zweifelhaften Freunde der Volksschule immer noch auf ihre Rechnung kommen, beweist die Volksschuldebatte der letzten Woche. Denn i n d e n badischen Volksschulen wird Religionsunter- richt erteilt, und zwar von den Lehrern, und das Zen- t r u m wie die Konservativen verteidigen mit aller Zähig» keit. daß gerade dieser Zustand fortbestehe. Ja, sie wußten mit großem Geschick dw Nationalliberalen zu der Erklärung zu nötigen, wie sie sich die Trennung von Staat und Kirche in bezug auf die Volksschule vorstellen. Und alle Schattierungen der Na- tionalliberalen gaben dann durch ihre Wortführer die Erklärung ab, daß sie die Religion nicht auS der Volksschule verbannt wissen wollen. Nur möchten sie, daß nicht die Lehrer, sonder» die G e i st l i ch e n den Religionsunterricht erteilen. An sich könnte ja daS Zentrum ganz zufrieden sein, weil damit die Geistlichen auf diese W'eise in die Lehrerkollegien selbst hineinkämen— ein Experiment, das sich für die Lehrer wie für die Schule als gleich unheilvoll erweisen würde—. aber die guten Leute wissen, daß gerade die Erteilung deS Religionsunterrichts durch die Lehrer die praktische Durchführung der Seminarsimul- tanisierung nur schwer möglich mache. Damit wird einmal die Geistesrichtung der Lehrerschaft erbeblich beeinflußt, und zum zweiten wird ein gewisser Zwiespalt der Lehrerschaft erhalten, wodurch auch der ganze Unterricht im Sinne der„christlichen" Eiferer tiefgreifend beeinträchtigt wird. Natürlich waren die schwarzen Herren unverkennbar befriedigt über die Erklärung der Nationalliberalen, daß sie die konsequente Durchführung der Trennung von Kirche ichid Staat nicht mitmachen würden. Die sozialdemokratische Fraktion hat scharf und ent- schieden ihre Stellung kundgegeben. Der Vorsitzende der Fraktion, der Genosse Geiß, hat in großen Zügen die Auffassung der Partei kundgegeben, daß sie unter völliger Anerkennung der freien Betätigung religiöser Ueberzcugungen ihre Fernhaltung aus dem Lehrplan der Volksschule sowie deren Ausbau zu einer wirklichen BildungSanstalt für das Volk und deshalb ihre Verstaatlichung fordere. AlS dann auch die Demokraten die Fernhaltung des Religionsunterrichts auS der Schule in anerkennenswert ent» schicdener Weise forderten,(singen die Zentrumsredner dazu über, diese Kundgebungen als Religionsfcindlichkeit hinzustellen und den Sozialdemokraten zu bestreiten, daß, wie bei einer kürzlichen Ge- legenheit durch den Genossen Frank dargelegt wurde, die Sozial» demokraten die Frage der Volksschule mit in den Vordergrund der Wahlagitation gerückt haben, und daß das Volk sich im Sinne der Sozialdemokratie bei den Wahlen für die freie religionslose Volksschule entschieden habe. Nun sah Genosse K o l b, da Frank abwesend war, von seiner Stellung als Bericht- crstatter ab und nahm eine gründliche Abrechnung mit dem Zen- trum vor. Er wandte sich vor allem gegen den vom Zentrum fort- während betriebenen Schvindel, daß Religion und Kirche und Oieligion und Zentrum usw. völlig identische Begriffe lvären. Am letzten Tage der Debatte vervollständigte der Genosse Kram er durch eine schlicht geformte, aber inhaltlich um so wirksamere Rede die Debatte. Er schilderte, was die Schule für das Volk sein könnte und wie wenig sie diese Aufgabe er- füllt, und zeigte, wie gerade die Nachgiebigkeit gegen die streit- bare Kirche und deren Beeinflussung der Volksschule die Haupt- schuld an den schweren Versäumnissen trage. Ans Württemberg. Der Kampf unserer preußischen Genossen UM«in anständiges Landtagswahlrecht wird in Württemberg mit leidenschaftlichem Interesse verfolgt. Die Ucbcrzeugung, daß die Wahlrechtöfrag« in Preußen eine deutsche Frage ist, ist allgemein. Die von, der Polizei verübten Metzeleien in Halle, Frankfurt a. M, und N e u m ü u st e r steigern noch den Abscheu gegen das preußische Junkerregiment. Wen die Reden des Herrn v. B c t h rn a n n Hollweg, des JanuschauerL uiid anderer Feinde dcS allgemeinen, gleichen, geheimen und direkten Wahlrechts noch nicht aufgerüttelt haben, der ist durch den Polizeisäbel gründlich geweckt worden.> Die„Reichsfinanzreform", die StaatSstrcichredo de» Cldcn« bürg, die preußische Wahlrechtsvorlage, die Herabwürdigung deS Wahlrechts der süddeutschen Staaten durch den Reichskanzler, die Polizeiattackcn auf wehrlose Bürger— ahnen die Herren iu Berlin denn gar nicht, was sie damit anrichten? Die Landtags» ersatzwahl in Freuden st adt kann als Gradmesser der Erbitterung dienen, die durch die preußische Siegierungspraxis beim süddeutschen„Buudesbruder" hervorgerufen wird. Freudenstadt ist ein fast rein ländlicher Bezirk. Industrie ist fast gar nicht vor- Händen. Im Jahre 1892 zählte die Sozialdemolratie im Bezirk ganze 8 Stimmen, 1900: 125, 1905 stieg unsere Stimmcnzahl auf 824, 1006 auf 1012. Bei der Ersatzwahl am Sonnabend zählten wir (wie schon kurz gemeldet Red.) 2145 Wähler. Unsere Stim» nienzahl hat sich mehr als verdoppelt! Die Würt. Volkspartci, die im Jahre 1906 den Wahlkreis holte, ging von 3176 auf 2210 Stimmen zurück. 52s Stimmen legte sich die national» liberale Partei zu, deren Stimmcnzahl von 1289 auf 1814 stieg. Die natioiialliberale Partei ist vorsichtiger gewesen in der Auswahl des Kandidaten. Daher die Verschiebung deS Stärkevcrhältmss eS innerhalb der beiden bürgerlichen Parteien. Was der Wahl ihr Gepräge gibt, ist das gewaltige An» wachsen der sozialdemokratischen Stimme»zahl. In Jrcudenstadt selber stieg unsere Stimmenzahl von 217 auf 709; die beiden bürgerlichen Parteien zusammengenommen zählen nur 663 Wähler. So im größten Ort des Wahlkreises; eine ganz ähn- liche Entwicklung ist auch in einer großen Zahl abgelegener Schwarzwalddörfer zu verzeichnen. In der Stichwahl wird die nationalliberale Partei die Volk»- Partei zum„Siege" verhelfen. Wenn sie kann. Doch mag der Wahlausgang schließlich sein, wie er will, der ungeheure Eindruck, den das rapide Wachstum unserer Partei macht, läßt sich nicht ver- wischen. franhrdeb. Für Preßfreiheit. Paris, 25. Februar. Der Ausschuß des Pariser Presse» s h n d i k a t s hat beschlossen, gegen den von der Deputiertenkammcr angenommenen Antrag, wonach eine Beröffentlichung bildlicher Darstellungen von Verbrechern und Verbrechen mit beträchtlichen Geldbußen bestraft werden soll, beim Justizminister und Senat Einspruch zu erheben mit der Begründung, daß ein solches Gesetz eine schwere Bedrohung der Preßfreiheit bedeutrn würde. Die Altersrenten. Paris. 25. Februar. Halbamtlich verlautet, die Regierung sei geneigt, der Ecnatskommission bezüglich der Arbeiterrenten einen Vermittelungsvor schlag zu unterbreiten, nach dem den ihre Mittellosigkeit nachweisenden L a n d l e u t e n ebenso wie den Industriearbeitern eine Anfangsrcnte von 100 Frank bewilligt werden könnte. 8cbweiz. Der zweite sozialdemokratische Minister in Basel. Basel, 22. Februar.(Eig. Ber.) Im Kanton B a s e l st a d t be« ansprucht nun. wie eine Parteiversammlung beschlossen hat, die Sozialdemokratie den freiwcrdenden RegierungSratSsitz und eS wurde gleichzeitig Genosse Dr. Bloch er als sozialdemokratischer Kandidat aufgestellt. Der gegenwärtige eine sozialdemokratische Vertreter in der BaSler Regierung ist bekanntlich Genosse Wullsch leger. Italien. Genosse Graziadei gewählt. Rom, 23. Februaur.(Eig. Ber.) Trotz der energischen Gegen- agitation der bürgerlichen Parteien hat Genosse Graziadei bei der Ersatzwahl vom vorigen Sonntag in I m o l a mit 3610 gegen 3020 Stimmen den Sieg davongetragen. Gewählt haben 81 Prozent der Wahlberechtigten. Bei den letzten Wahlen von 1900 war C o st a mit 3395 Stimmen ohne Gegenkandidaten gewählt worden. OrKei. Die Grenzkimpfe. Saloniki, 25. Februar. Nach amtlichen Meldungen von der bulgarischen Grenze dauerte das Feuergefecht zwischen den buk» g a r i s ch e n und türkischen Grenzposten bis gestern, wo» bei auf türkischer Seite weitere sechs Mann gefallen sind und neun Mann verwundet wurden. Bulgarische Landleute ar- beiten unter Aufficht bulgarischer Offiziere an Erdwerken. Ein ge» fallener türkischer Unteroffizier wurde von bulgarischen Soldaten geborgen, welche dann die Herausgabe der Leiche verweigerten. Konstantinopel, 25. Februar. Wie verlautet, wurde der türkische Gesandte in Athen beaustragt, sich bei den Ereignissen in Griechen- land vollkommen neutral zu verhalten und im Falle von Kon« fercnzen der Gesandten der Großmächte die Pforte sofort über die Dispositionen der Mächt« zu unterrichten. Amerika. Der Milchkrieg. New Aork, 23. Februar. Acht Direktoren der Consolidated Milk Exchange sind unter Anklage gestellt worden, weil sie sich an einem Ring zur Beschränkung des Milchhandels beteiligt haben. Soziales. Berufsgenossenschaft eine Behörde? Der frühere Staatssekretär v. Bo etlicher hat im Reichstag wiederholt Darlegungen unserer Genossen gegen- über, die Berufsgenosseilschaften bilden einen Staat im Staate und würden gar als„Behörden" betrachtet, erwidert, daß das unmöglich sei. die Berufsgenossenschaft sei keine Behörde, sondern lediglich ein durch Gesetz geschaffener Verband von Unternehmern zu dem in den Unfallgesetzen angegebenen Zweck. Die„Baugcwerkszeitung" macht in ihrer letzten Nummer von einem Urteil des Charlottenburger Amts- gerichts Mitteilung, das die Bernfsgcnossenschast als Be- Hörde und ihre Beamten als Beamte im Sinne des§ 196 des Strafgesetzbuchs anerkannt hat. In dem Fall handelt es sich um Beleidigung eines bei der Baugewerks-Berufsgenossen- schaft angestellten technischen Aufsichts- und Rechnungsbeamten durch einen Zimmergesellcn. Die Entscheidung geht unseres Erachtens ebenso wie eine frühere deS Kammergerichts fehl. Sie zeigt aber die Richtigkeit der Behauptung, daß die Arbeitgeber in dem Zusammenschluß als Berufsgenossenschaft eine privilegierte, zum mindesten Beamten und Behörde ähnliche Stellung durch die Versicherungsgesetzgebung er» halten haben. Desto notwendiger ist eine gleichmäßige Her- anziehung der Arbeiter in die Organisation der Beruf?« gcnossenschasten. Gewerhrcbaftlicbce. „Hufforderung zum Selbstmord." Das Zentralblatt der christlichen GeWerk- s ch a f t e n kommt in seiner letzten Nummer ans die Heraus- k?abe zweier Broschüren von christlicher Seite über den Streik in Badisch-Rheinfelden, die badische Fabrikinspektion und die christlichen Gewerkschaften zu sprechen und rollt dabei noch einmal das Verhalten des Gewerbeinspektors Dr. B i t t m a n n auf. Dieser badische Beamte hat die Wahrheitsliebe diverser zentrumschristlicher Gewerkschaftsführer kennen gelernt und deshalb„jeden Ver- kehr mit den christlichen Gewerkschaften abgebrochen." Die Gewerbeinspektion will einen Verkehr erst wieder aufnehmen, „nachdem ihr für eine einwandfreie Geschäftsführung Gewähr geleistet worden ist." B i t t m a n n gibt dafür folgende Gründe an: „Da die wiederholten bewußten Unwahrheiten des christlichen Gewerkschaftssekretärs Engel und der Schutz und Beistand,' den er bei a n d e r e n B e a m t e n der ch r i st- lichen Gewerkschaften, beim christlichen Metall- arbeiterverband und beim Vorstand des Gesamt- Verbandes gefunden hat, den Argwohn kOgründen, daß Zweideutigkeiten, Unwahrheiten und Entstellung ocr Wahrheit von den leitenden Organen der christlichen Gewerkschaften als erlaubte Gewerkschaftstaktii zur Hervorrufung und Austragung von Arbeiterbewegungen angesehen werden." Das christliche Zentralblatt will sich nun dahinter ver- stecken, daß Dr. B l t t m a n n„die gekennzeichneten Infi- nuationen"»licht als Behauptung aufstelle, sondern nur von „Argwohn" rede, und deshalb es unmöglich sei, den Gewerbe- inspektor vor den Strafrichter zu ziehen, wo es ihm„Zweifel- los schlecht ergehen" würde. Das ist ja wieder eine gar zu plumpe Schiebung. Hat doch Dr. B i t t in a n n klar und ohne jede Klausel von„b e- wußten Unwahrheiten des ch r i st l i ch e n G e- wcrkschaftssekretärs Engel" usw. gesprochen. Klagt Engel unter diesen Umständen nicht, so weiß jeder- mann, was er davon zu halten hat. Nach dieser Richtung hin außerordentlich charakteristisch ist ja auch, daß nach dem Bericht im christlichen Zentralblatt selbst die christlichen Gewerkschaftsführer Schiffer, W i e b e r und S t e g e r w a l d bei einer Verhandlung die von Dr. Bittmann diktierten Friedensbedin- g u u g e n im„Z a l l Engel" akzeptiert haben, obgleich der christlichen Schilderung zufolge Dr. B i t t m a n n „ein geradezu empörendes Benehmen her- vorgekehrt und bald jeder zweite von ihm gesprochene Satz„eine Drohung" dargestellt habe. Trotzdem pater peccavi! Da war aber noch so ein „christlicher" Sekretär, T h e d e n-Mannheim, der dem Landes- kominissar T r a u b eine„befriedigende" Erklärung abgeben sollte, die in der verlangten Form nach der christlichen Dar- stcllung für die Christen eine„niederdrückende De- m ü t i g u n g" bedeutet hätte. Eine Aendernng der ver- langten Erklärung wurde vom Gewerbeinspektor a b g e- lehnt.— Nun sind die Musterchristen, die ja sonst über die angeb- liche„Kautsky-Moral" der Sozialdemokraten„nicht Worte genug der Zunge finden" können, dem Dr. B i t t m a n n spinnefeind. Das Verlangen des Gewerbeinspektors soll einem„T r i u m p h" der Sozialdemokraten und einer„A u f- f o r d e r u n g z u nl S e l h st m o r d" an die christlichen Ge- werkschaften gleichgekommen sein. Schlimm allerdings für die„Christen", wenn eine wahrheitsgemäße Darstellung solche Wirkungen hat. VerUn und Umgegend. Gelber Schwindel. In verschiedenen Teilen der Stadt klingelte dieser Tage ein STCanil von zirka 40 Jahren an einer Wohnung und fragt die öffnende Frau, ob ihr Mann zu sprechen sei. Als die Frau ver- nciute, tat er sehr enttäuscht und meinte:„Dann könnten Sie drch das Krankenbuch bezahlen." Das alte Buch sei voll, das neue koste mit dem Beitrag für Februar 1,15 M. Der Trick gelang mehrfach. Die Frauen waren durch das sichere Auftreten des Mannes verwirrt, gaben den geforderten Betrag, und nahmen dafür ein kleines Buch, nach dem Aussehen ein Krankenkassenbuch, in Empfang. Bei genauerem Hinsehen war es ein Buch der Zentral-Unterstützungskasse des gelben Ar- beitsbundes, Sitz Berlin. Der Kassierer hatte natürlich recht schnell sein Fortkommen gesucht, um anderwärts denselben Trick zu versuchen. Man weise den Schwindlern mit den gelben Bundes- büchern die Türe und veranlasse eventuell ihre Verhaftung. Tarifbewegung der Bürsten- und Pinselmacher. Die Bürsten- und Pinselmacher Berlins, für die bisher nur lose Abmachungen bestanden haben, trachten seit einiger Zeit mit Eifer danach, eine bestimmte tarifliche Regelung der Lohn- und Arbeitsbedingungen herbeizuführen. Sie haben Ende des ver- flossenen Jahres einen Tarifentwurf ausgearbeitet, der sich sowohl auf die Lohn- wie die Akkordarbeit und die übrigen Arbeitsbedin- gungcn bezieht. Der Tarif ist dem Obermeister der Bürstenmacher- iunuitg mit lder höfliche» Anfrage zugesandt worden, ob der Jnnungsvorstand geneigt sei, über den Abschluß eines Tarifver- tvagcs zu verhandeln. Ilm Mittwoch fand nun bei Preuß in der Holzmarktstraße eine Branchenversammlung der Bürsten- und Pinselmacher statt, in der „Die Stellung der Unternehmer zu dem überreichten Tarif" auf der Tagesordnung stand. Der Branchenvertrauensmann Wiese, der den Bericht gab, verlas>das Antwortschreiben des Obermeisters. Es besagt, daß der Jnnungsvorstand nur mit dem Gcsellenausschuß über oei Lohn- und Arbeitsbedingungen verhandeln könne. Es wäre«ine Ausnahme, wenn er mit der Bvanchenkommisswn ver- handelte. Der Gesellenausschuh sei wohl nicht zu umgehen. Diese nicht direkt ablehnende aber auch nicht zustimmende Antwort konnte die Branchenkommission selbstverständlich ebenso wenig wie die Ver. sammlung befriedigen. Die Meinung ging dahin, daß auf jeden Fall mit den Vertretern der Organisation verhandelt und der Tarif mit ihnen abgeschlossen werden müsse. Wenn der Gesellen- ausschuß auch an den Verhandlungen teilnehmen sollte, so hatte man nichts dagegen einzuwenden. Ferner wurde hervorgehoben, daß auch die außerhalb der Innung stehenden Unternehmer zu den Verhandlungen herangezogen werden müssen. Es soll alles auf- geboten werden, um zu einer tariflichen Regelung der Lohn- und Arbeitsverhältnisse zu gelangen. Die Branchenleitung wird sich in diesem Sinne nochmals an die Innung wenden. Es ist ihr im übrigen freie Hand gelassen, zu tun, was zur Förderung der Be- wcgung notlvendig ist.— Der eingereichte Tarifentwurf enthält, neben dem sehr sorgfältig ausgearbeiteten Akkordtarif, in der Hauptsache noch folgende Forderungen: Di« Arbeitszeit beträgt 62 Stunden wöchentlich, Montags und Sonnabends 8, die übrigen Tage 9 Stunden. Als Mindestlohn für einen Vollarbciter sollen 27 M. die Woche gezahlt werden. Tüchtigere Arbeiter haben, ihren Leistungen entsprechend, einen höheren Lohn zu erhalten. Im Stundenlohn sollen 55—00 Pf. berechnet werden. Für die Schleif-, Draht- und Maschincnbürstenavbeiter sieht der Entwurf einen Stundenlohn von 65 Pf. und einen Wochenlohn von mindestens 80 M. vor. Daran schließt sich eine Reihe allgemeiner Bestimmun- gen wie die, daß Ueberstunden nicht gemacht werden dürfen, daß an Lerantw. Rcdakt.: Richard Barth, Berlin. Inseratenteil verantw.: den Vorabenden der großen Feste um 2 Uhr Feierabend sein soll, daß bei schlechtem Geschäftsgang, um Entlassungen zu vermeiden, die Arbeitszeit verkürzt werden soll usw. Als Gültigkeitsdauer wird ein Jahr vorgeschlagen. Zur Schlichtung von Streitigkeiten soll eine gemeinsame Kommission von Arbeitgebern und Arbeitnehmern mit cinein unparteiischen Vorsitzenden eingesetzt werden. Zu Beginn der Versammlung hatte S ch l e m m i n g e r einen lehrreichen Vortrag über:„Die EntWickelung der Tarifverträge in der Holzindustrie" gehalten, der lebhaften Beifall fand. Lohnbewegung in der Kostümbranche. Die Schneiderinnen bei der Firma Herm. Engel, Landsberger Straße 80—88, sowie bei der Firma Gebr. O p p l e r, Mauerstr. 81, haben Lohnforderungen gestellt. Es ist nicht ausgeschlossen, daß es zum Streik kommt._ Achtung, Töpfer! Hiermit heben wir die Sperre über die Firma M e l z e r, S r r a h I u. C o„ Inhaber Strahl, LW., Komman- dantenstraße 16, auf, da selbige sich verpflichtet hat, lvieder den Tarif zu zahlen und nur Verbandskollegen z» beschäftigen. Die Verbaudsleitung. Achtung, Kunststeinarbeiter! Am Freitagmittag(25. Februar) haben die gesamten bei der Firma Gebr. F r i e s e ck e, Britz, Ehausseestraße, beschäftigten Stampfer, Schleifer, Mischer und Transportarbeiter die Arbeit eingestellt, weil es die Firmenleitung ablehnte, mit einer Kommission der Arbeiter wegen Abänderung des Lohn- und Arbeitsverhältnisses zu verhandeln. Wir ersuchen Zuzug streng fernzuhalten, und bitten arbeiterfreundliche Blätter um Abdruck. Fabrikarbeitervcrband. Oeutfcbes Reich. Das Ende einer gelben Herrlichkeit. Nachdem die Direktion der Exelsior-Fahrradwerke in Branden- bürg a. H. den gelben Verein nicht mehr protegiert und erklärt hat, die Koalitionsfreiheit ihrer Angestellten nicht anzutasten, liegt die gelbe Herrlichkeit auch schon in«cherben. Schon am nächsten Tage traten 121 Arbeiter aus dem gelben Werkverein aus. Nachdem auch noch die Funktionäre des Vereins die gelbe Fahne verlassen hatten, erklärte der Rest der Mitglieder in einer am nächsten Tage einberufenen Versammlung seinen Austritt. Das war ein schnelles Sterben des mühsam hochgepäppelten gelben Gebildes. Friede seiner Asche! Im Lebiusschen„Bund" wird auch eine kleine Leichenrede gehalten und eine Zähre zerdrückt über„die neuesten sozialdemo- tische Boykottblüte". Noch am Grabe wird sodann die Hoffnung aufgepflanzt, daß an Stelle des begrabenen gelben Werkvereiiis eine gelbe Zentralorganisation für Brandenburg erstehen möge, der dort bestehende gelbe Arbeiterbund brauche nur ausgebaut zu werden. Glückauf zum neuen Bau! Praktiken des Mannheimer Jnd ustriellen-Nachweises. In der Margarinefabrik Schlink zu Mannheim kam ein Vor« arbeiter mit seinem Meister in Konflikt, der zu Tätlichkeiten aus- artete. Der Vorarbeiter wurde entlassen. Als er beim Industriellen- Arbeitsnachweis um Arbeit anfragte, wurde er vom Leiter des Arbeitsnachweises aufgefordert, bei seinem früheren Arbeitgeber wegen dieses Vorfalles Abbitte zu leisten. Das zu tun lehnte der Mann ab. weil ihm bitter unrecht geschehen sei. Darauf erklärte Dr. M o e b i u s:„Dann kann ich Sie nicht vermitteln l Sie müssen die Konsequenzen tragen I' Das ist der erzieherische Einfluß, den nach Anficht der Unter- nehmer ihre Arbeitsnachweise auf die Arbeiter ausüben sollen. Sie maßen sich damit ein Recht an, das ihnen im Rahmen des freien Arbeitsvertrages keineswegs zusteht. Der Arbeiter bedarf dieser unteniehmerlichen Fürsorge und Er- ziehung nicht. Polizei und Justiz sorgen schon in ausreichendem Maße für fein Wohlverhalten im Staate. Wäre der Arbeiter in diesem Falle strafrechtlich zu fasten, so hätte man das gewiß nicht versäumt, in die Wege zu leiten, ihm aber deshalb seiner Existenz völlig zu berauben, ist unerhört. Zu den vielseitigen Praktiken des Jndustriellen-NachwcifeS gesellt sich nun also noch die, daß er fich als eine Art Privat-Justizbehörde etabliert. Doch— mißliebige Arbeiter werden ja nicht gekennzeichnet, so hat wenigstens die staatS- anwaltschaftliche Untersuchung ergeben. Bon den zentralen Verhandlungen im Holzgewerbe. Wie schon mitgeteilt, sind neue Verhandlungen zwischen den Zentralvorständen in die Wege geleitet. Bei der verfahrenen Situation war es außerordentlich schwer, eine Basis zu finden, auf welcher weitere Verhandlungen überhaupt möglich sind. Der Vorstand des Arbeitgeberschutzverbandes verlangte bekanntlich die Anerkennung einer Verhandlungskommission, nachdem er das Schiedsgericht abgelehnt hatte. Diese Verhandlungskommission anzuerkennen, lag für den Holzarbeiterverband keine Ver- anlassung vor. Es handelte sich nun darum, einen Weg für die Fortsetzung der Verhandlungen zu finden. Wurde dieser Weg nicht gefunden, so bedeutete dieses den endgültigen Abbruch der Verhandlungen und— den Ausbruch des Kampfes auf der ganzen Linie. Nach tagelangen Auseinandersetzungen kamen dann die Zentralvorftände dahin überein, daß die Verhandlungen an den einzelnen Orten nicht unterbrochen werden dürfen. In den Orten, wo die Arbeit» geber den Eintritt in die Verhandlungen von der vorherigen Re- duktion der Gehilfenforderungen abhängig machten, sind sie hier- von zurückgekommen. Die Vorstände vereinbaren ferner— wie wir bereits mitgeteilt haben—, daß, solange die Verhand- lungen fortgesetzt werden, Streiks und Aussperrungen nicht statt- finden sollen. Diese Vereinbarung ist bisher von beiden Seiten eingehalten worden. Die Verhandlungen an den einzelnen Orten haben bisher ein nennenswertes Resultat nicht ergeben. Nur in zwei Städten ist eS zur endgültigen Einigung gekommen. Ver- einbart wurde darum, daß die Ortsverhandlungen unter Assistenz der Zentralvorstände in Berlin fortgesetzt werden sollten. Seit dem 14. Februar sind nun Vertreter der Ortsparteien in Berlin anwesend und verhandeln in der Weise, daß den Vertretern der einzelnen Orte je ein Abgeordneter der Zentralvorstände zugeteilt wurde. Wie wir hören, ist über die allgemeinen Vertrags- bestimmungen betreffend Ueberstunden, Montagearbeit, Schlich- tungskommifsion, Arbeit an Maschinen usw. für eine ganze Anzahl Städte eine Einigung erzielt. In einer Reihe Städte ist cS auch gelungen, eine Verständigung über die im Vertrage fest- zulegende Lohnnorm zu erzielen. Dagegen konnte bisher nur für eine geringe Anzahl Städte eine vollständige Einigung erzielt werden. Die meisten Schwierigkeiten bietet natürlich die Lohn- frage und die Verkürzung der Arbeitszeit, und da haben sich die Arbeitgeber bisher wenig entgegenkommend gezeigt. Die Verhandlungen werden gegenwärtig noch fortgesetzt und läßt sich das Gesamtresultat noch nicht übersehen. Die Vorstände hoffen, daß bis Mitte der kommenden Woche diese Verhandlungen zu Ende geführt werden können; erst dann läßt es sich übersehen. ob Aussicht vorhanden ist, den Frieden zu erhalten. Eine Gefahr für den Frieden liegt noch darin, daß die Städtedcrtrctcr des Arbeitgeberschutzverbandes beschlossen haben, daß die endgültige Entscheidung von dem Ortsvorsitzenden der in Frage kommenden Städte gemeinsam getroffen werden soll. Tie Mitglieder des Holzarbeiterverbandes werden ihre Rüstungen fortsetzen, um allen Eventualitäten gewachsen zu sein. Ttz. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: VorwärtSBuchdrlmverlagSanstall Ohne Arbeitseinstellung erfolgreich beendet ist die Lohnbewe- gung der Schneider in Bayreuth. Ein von den Unternehmern an- genommener Tarif bringt den Arbeitern Lohnerhöhungen von 8 bis 10 Proz. Wochen- und Tagarbeiter erhalten eine zehnprozentige Lohnerhöhung. Der bisher geltende und von den Arbeitern viel bekämvste Doppeltarif ist beseitigt. Der neue Tarif tritt am 1. März in Kraft und gilt, was allerdings von den Arbeitern nur mit großem Widerwillen angenommen wurde, auf 3 Jahre. Zur Ueberwachung des Tarifs wird eine zu gleichen Teilen aus Arbeitern und Arbeitgebern zuscnnmengesetzte Kommission eingesetzt. Der Abschluß dieser Lohnbewegung bedeutet einen Erfolg der Organi» sation. hlusianck. Aussperrung der Schneider in der Schweiz. In Bern. Basel, Aarau und St. Gallen haben die Schneidermeister die Gehilfen a»S- gesperrt oder gekündigt zu dem Zwecke, sie zum Abschluß eines für sie ungünstigen Generalstreiks für die ganze Schweiz zu zwingen. In Bern sind seit Montag 103Gebilfe» ausgesperrt, andere sind be- reits abgereist. ES wiederholt sich mit dieser Aussperrung das bereits Ende 1S08 versuchte Spiel, die Gehilfen dem Meisterwillen gefügig zu macheu._ Versammlungen. Zu dem Bericht über die Generalversammlung der Arbeiten Bildungsschule erhalten wir folgende Zuschrift: Der Notiz in der Nummer vom 15. cr. Ihre? geschätzten Blattes gegenüber bitten wir um freundliche Aufnahme folgender Erklärung: Der unterzeichnete Vorstand und Arberterausschuß der A. U. K. erklären es für sehr bedauerlich, wenn in den nach den Unterrichts- stunden stattfindenden Nachsitzungen Kursleiter über politische und ähnliche Themen Vorträge halten. Es ist nach einem Kursleiter» beschluß auch Recht und Pflicht des Vorstandes, dafür zu sorgen, daß derartiges nicht vorkommt. Wenn andererseits in privatem Gespräche Meinungen über „gesellschastswissenschaftliche" Stoffe ausgetauscht werden, so kann vom Vorstande aus dagegen nichts erfolgen; nur sind die Studie- renden ständig gebeten worden, möglichst auch private Meinungs- äußerungcn über derartige Gebiete zu unterlassen. Hörer, die Mißstände der erstgenannten Art zu rügen haben, sind dringend gebeten, Beschwerden an den Vorstand oder Ausschuß gelangen zu lassen, da ohne eine vorliegende Beschwerde nichts gegen den betreffenden Kursleiter unternommen werden kann. Hochachtungsvoll Ter Vorstand der A. U. K. I. St.: Erich Loewy, eand. med., 1. Vorsitzender. Der Arbeiterausschutz der A. U. K. I. A.: Ernst Schmidt, 1. Vorsitzender. Letzte JNfacbrlcbtcn und vepelcben. Ans den französischen Parlamenten. Paris, 25. Februar.(W.T.B.) In der heutigen Senatssitzung richtete C i c e r o n, der Senator von Guadeloupe, eine Interpellation an die Regierung, über die Ereignisse auf der Insel Guadeloupe, die vermutlich schlimmer seien, als die offi- ziellen Berichte sie darstellen, und kritisierte die Haltung der Kolonialbeamten. Kolonialminister T r o u i l l o t antwortete, er Hab seit gestern außer einer Mitteilung, daß der Gouverneur der Insel eine Proklamation erlassen habe, in der die Streikenden zur Wiederaufnahme der Arbeit aufgefordert werden und in der ihnen gerechte Prüfung ihrer Wünsche zugestanden wird, keine amtlichen Nachrichten erhalten. Er hoffe, daß die Ordnung weniger bedroht sei, als man fürchte, und protestierte gegen den allgemeinen Vor» wurf, den man den Kolonialbeamten machen wolle. Hierauf wurde eine Tagesordnung, in der der Regierung das Bcrtranen ausgesprochen wird, angenommen. � Paris» 25. Februar.(W. T. B.) Deputiertenkammer- Die Kammer trat heute in die Verhandlung über das Finanzgesetz ein und nahm eine Erhöhung der Automobilsteuer an. Nach kurzer Diskussion bewilligte die Kammer sodann die Bestimmungen, wo- nach für ein- und zweisitzige Automobile von Ausländern, die sich in Frankreich aufhalten, eine 50 Frank festgesetzte Steuer» und zwar für einen Zeitraum von 300 Tagen, erhoben wird. Die Steuer für Automobile mit mehr als zwei Sitze beträgt für den» selben Zeitraum 90 Frank. Außerdem soll eine Steuer, die je nach der Motorkraft des Automobils abgestuft ist, und zwischen 5 Frank und 15 Frank für die Pferdekraft variiert, entrichtet werden.— Im weiteren Verlaufe der Sitzung brachte Lebrun ein Amendement ein, wonach jede fremde Arbeiter, der nur während eines Teiles des Jahres in Frankreich arbeitet, verpflichtet ist, eine Kopfsteuer zn entrichten. Jeder fremde Gewerbetreibende soll während dcS ersten Jahres seines Aufenthalts in Frankreich seine direkten Steuern binnen 14 Tagen nach Beröffentlichung des Steuerregisters ent- richten. D o u m e r erklärte, die ganze Kammer»verde das gerechte Prinzip dieses Amendements billigen. Der flüchtige Dalai Lama. Peking, 26. Februar.(W. T. B.) Durch ein kaiserliches Dekret ist der Dalai Lama wegen der Flucht aus Lhassa unten Aberkennung der geistlichen Vorrechte seines Amtes enthoben worden. Die Wahl des Nachfolgers ist bereits angeordnet. j London, 25. Februar. Wie das Reutersche Bureau auS Dar» filing meldet, ist der Dalai Lama gestern in Kalimpang eingetroffen, und hat feine Reise nach Darjiling fortgesetzt. Ein Spionageprozeß. Leipzig, 25. Februar.(B. H.) Das Reichsgericht vr?» urteilte den Kaufmann Weisset aus Angerbnrg in Ost« preußen wegen Vergehens gegen Z 3 des Spionagegesetzes und ver« suchten Vergehens gegen§ 3 desselben Gesetze» in Verbindung wegen Vergehen? gegen% 333 des Reichsstrafgesetzbuchs(Bestechung militärischer Personen) zu 4 Jahren Zuchthaus und acht Jahren Ehrverlust. Der Angeklagte hatte angeblich militärisch« Gegenstände verraten, die im Interesse des Reiches geheimzuhalten sind._ Verurteilter Kardinalbischof. ReimS, 25. Februar.(B. H.) In dem Schadenersatzprozeß. den der Schullchrerverband von Frankreich gegen den Kardinalerz» bischof von Reims, Msgir. Lucon angestrengt hatte, fällte heute nachmittag das Zivilgericht seinen Urteilsspruch. Der Kardinalerz» bischof wurde zu 500 Frank Schadenersatz verurtrilt. Der Schul- lehrcrverband hatte bekanntlich eine Entschädigung von 5000 Frank verlangt._ Hochwasser in Belgien. Brüssel, 25. Februar.(B. H.) Aus Lütt ich und Na mu r laufen neuerdings beunruhigende Nachrichten über rapides Steigen der Maas und ihren Nebenflüssen ein. ES ist nunmehr das fcchstemal im Laufe dieses Winters, daß diese Flüsse aus ihren Ufern treten. Die Sambre überflutet bereits ihre Ufer und ein Stadtviertel in Namur steht vollständigunterWasser. Infolge des neuen heftigen Regens befürchtet man ernsten Schaden. Die Schiffahrt auf der Maas mußte eingestellt werden, wodurch besonders die Kohlenausfuhr nach Frankreich schwer geschädigt wird. i Maul Singer St Co.. Berlin SW. Hierzu 8 Beilagen«. Nutrrhaltnugsbl, Kr. 48.?7. ZahrMz. 1. Kilme Ks Jormärtf Kerlim AlksM Zonnllbtnd. 36. Februar lW. R.eLckstag. 44. Sitzung vom Freitag, den 2S. Februar. mittags 12 Uhr. Am BundeSratZtisch: Dr. Delbrück. Die zweite Beratung deS Etats für daS ReichSamt dcS Innen» nebst den dazu gestellten Resolutionen wird fortgesetzt. Abg. Behrens sWirtsch. Vg.): Kollege Hoch sagte gestern, bei der Börse zeige sich die Ausbeutung der Volt-Zmassen in klarster Form. Als man aber hier die Börsenspekulation beschränken wollte, der« sagten die Sozialdemokraten lSehr richtig I rechts), ebenso haben sie bei der Finanzresorm der Besteuerung der Börse nicht zugestimmt. Das Allheilmittel derSozialdemokratie ist die gesellichafilicheProduktion; die Verstaatlichung der Eisenbahnen liegt, wie Sie selbst zugestehen, auf diesem Wege, aber da klagen Sie wieder über Unfreiheit der Arbeiter. Wir glauben nicht daran, datz es bei einer gesellschaftlichen Produktion besser wird, vor allem nicht für den Arbeiter.(Sehr richtig I rechts.) Wenn Herr Hoch gestern sagte, dast sogar die am besten gestellten Arbeiter langsam verhungern müssen, so ist das doch eine starke Uebertreibung. Hätten wirklich alle sozialpolitischen Maßnahme» keinen besseren Erfolg gehabt, so wäre das traurig; dann hätten übrigens auch die sozialdemokratischen Reden den Arbeitern nichts genützt. Uebertrieben ist eS auch, wenn die Sozialdemokraten behaupten, die Regierung hänge vom Zentralverband der Industriellen ab. Es ist auch nicht richtig. daß die Regie- rung auf Arbeiterlongrcssen nicht ebenso gut erscheint wie auf Kongressen der Ünternehmerverbände und im Landwirt- schaftsrat: auf dem Kongreß der christlich-natwnalcn Arbeiter in Berlin war sowohl der jetzige Reichskanzler als der Staatssekretär des Innern erschienen. Aber dafür wurden wir von den Sozial- demokraten verhöhnt; statt dessen sollten die Sozialdemokraten sich bessern und es uns gleich tun./, ihres Lohnes. Das werden die Arbeiter selbst nicht wollen. Würde der Antrag Gesetz, so müßte die Belegschaft um die Hälfte vermehrt werden. Das würde eine große Mehr belastung für die Industrie herbeiführen zu ihrem und der Arbeiter Ruin. Schon jetzt leidet die deutsche Tafelglasindustrie schwer unter der Konkurrenz des Auslandes, so daß sie keine Mehrbelastung er- Kleines feuilleron. Der Fkora-Sachverstäiidige. Man muß es den Bodemännern lasten, fie verstehen sich zwar nicht auf die Methode, eine objektive Untersuchung anzilstellen, aber auf die andere, die Welt zu täuschen. Sie handeln offenbar nach dem Grundsatze: sind wir Ichon selber reingefallen, so ist eS unsere Pflicht, auch die anderen reinfallen zu lassen. In den„amtlichen Berichten" war schon vor Wochen die offen- kundige Unwahrheit zu lesen:„Inzwischen bat sich auch die völlige Unzuverlässigkeit der Zuschriften aus Southampton, deren Prüfung auf ihre Ursachen und Urheber von Deutschland auS unmöglich ist, ergeben... Keineswegs brauchen wir uns aber noch darum zu kümmern, nachdem die Gutachten der Sachverständigen diese Zeug- nisse für die Autorschaft des alten Lucas als falsch erwiesen haben." Man traute seinen Augen nicht, als man das las. Denn in Wahrheit war durch nichts, rein gar nichts die Zuverlässig- keit der englischen Zeugen erschüttert. Und als unmöglich hatte sich nur das Verfahren des Herrn Posse erwiesen, einen Mann zu produzieren, der englischer- und auch andererseits sich eines üblen Leumunds erfreut. Bleiben die Sachverständigen oder richtiger: ein Sachverständiger: Professor Raehlman», der in seinem Gutachten„bewiesen" hatte, daß die Bemalung der Florabüste Techniken und Farben ausweise, die für die Rcnaissancezeir charakteristisch seien und in neuerer Zeit nicht mehr vorkämen. Wir hatten sogleich darauf hin- gewiesen, daß damit gar nichts bewiesen sei. da Lucas nachweisbar sich aller Techniken bedient habe. Aber das Kaiser-Fricdrich- Museuni war über diesen Sachverständigen hochentzückt und läßt ihn jetzt in öffentlichen Vorträgen paradieren. Berlin hatte eine neue Sensation, die gratis jedermann verabreicht wurde, der im K.-F.-Museum seine Visitenkarte präsentterte. Herr Raehlmann hat also seine Argumente öffentlich wiederholt und sich damit aufs äußerste blamiert. Erstens weil er zu viel be- wiesen hat. Denn»och ihm ist auch die Bcmalung alt, die nach Prof. MietheS Gutachten 1800 noch nicht vorhanden war. Zweitens aber find die angeblichen Renaissancefarben keineswegs auf diese Zeit beschränkt, vielmehr noch heute im Handel und auch die pidoo de resistance: die Orseille findet noch heute in der Färberei Verwendung. Die Schlußfolgerungen de-Z Prof. Raehlmann sind also hin- fällig. Ob freilich die Orseille von Lucas herrührt oder den ge- wandten und in England mit Rainen nachzuweisenden Restaura- toren, die die Büste zuletzt hergerichtet haben, ist eine andere Frage. Bielleicht haben diese absichtlich altertümliche Farben verwendet— weil sie die Möglichkeit des Herrn Raehbnann vorausahnten. Uebrigens hat ein„Fachmann", der Wiener kunstgelehrte Theodor v. grimm cl alle diese Dinge in der Wiener»N. Freien Presse" tragen kann, wie sie der grundstürzende Antrag der Sozialdemokraten auch zum Schaden der Arbeiter herbeiführen will. Dieser Antrag muß abgelehnt werden. Hier zeigt eS sich wieder ein- mal, daß die bürgerlichen Parteien auch die Interessen der Arbeiter vertreten, während die Sozialdemokraten ein freventliches Spiel mit ihnen spielen.(Bravo! rechts.) Abg. Roeren/g Proz.! Um ein volles Drittel haben wir den Schnapsgenuß einschränken können l (Wiederholter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Dafür müssen Sie uns eigentlich dankbar sein, wen» Ihnen wirklich die Gesundheit des Volkes und der Kulturfortschritt am Herzen läge. Der Rückgang des SchnapsgenusseS ist eine außerordent- lich erfteuliche Erscheinung.(Sehr richtig! lints Ulld rechts.) Auch die Konservativen rufen Sehr richtig I woraus aber nicht geschlossen werden darf, daß dies die wahre Meinung der Rechten ist. Bor Inkrafttreten der nenen Steiler hielten die Brennereiiiitereffenten im „Rheingold« die bekannte Versammlung ab, wo Prof. Max Delbrück austrat und ausführte, das Brennereigewerbe habe sich bisher'uvf den Standpunkt gestellt, daß es nicht seine Aufgabe sei, für den Absatz von Trinkbranntweili einzutreten. Es habe das gewisser» maßen unter seiner Würde gehalten, Dieser Standpunkt müsse aber mit Rücksicht auf die neuen Steuern und auf die Abstinenzbewegung ausgegeben werden I(Lebhaftes Hört l hört! bei den Sozial- demokraten.) Die Schnap-brenner seien entschloffen, inter- national gegen die Abstinenten vorzugehen!(Erneutes Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Eine neue Internationale! (Heiterkeit.) Die Schnapsittternationale. geführt von den ostelbischen Junkern! In jener Versammlung wurde auch eine Zentralstelle beschlossen, die alle Behauptungen der Abstinenten zu prüfen hat und durch die Presse dagegen wirken soll. Besucht war die Versammlung von den„Edelsten und Besten der Nation«. Zugegen waren: Eine Exzellenz, 8 Grafen, 4 Freiherren und 3t einfache Adlige.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Ich meine: das genügt! (Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Außer bei einigen Garderegimentern scheint ein preußischer Adliger keine andere standeS- gemäße Beschäsliaung zn haben als S ch n a p S b r e n n e r zu sein. Auf dieser kulturfördernden Versliminluilg, die den Kamps gegen die Abstinenzbeivegung und für den Schnaps» g e tui fe eröffnete, waren natürlich auch die Herren von der Regierung vertrete». (HörtI hörtl bei den Sozialdemokraten.) Es waren erschienen: Ministerialdirektor Dr. Thiel, Geh. Obcrfinanzrat I o e d e n. Geh. Reg.-Rat B o e n i s ch, Geh. Reg.»Rat H a y, Geh. Reg.-Rat Frhr. v. F a l k e n h a n s e n, Geh. Oberreg.-Rat Pros. Dr. u. B e r ch k a und Reg.-Rat Dr. Appel.(Lebhaftes Hört I hört l links.) Ich meine: das genügt! (Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Man sieht das Interesse der Regierung für diese»„Kulturwerk", und wir gönnen den Herren von der Regierung, daß sie den Ruhm mit den Schnaps brennem teilen.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Wir haben von jeher nicht nur durch Worte, sondern durch Taten bewiesen, daß wir daS Wohl des Kleinbauern wollen: Wir sind immer eingetreten für die Hebung der Bolls- und Fach- bilduiig, für den Ausbau der Volksschule auf dem Lande, wir haben in den Landtagen alles bewilligt, was darauf abzielte, den Klein» betrieb zn entwickeln und technisch zu vervollkommnen, wir haben alles bewilligt zur Verbesserung der Landeskultur, des Ackerbaues, der Bichzucht, des Weinbaues, zur Eutwickelung des Verkebrs- Wesens auf dem Lande und zum Bau von Eisenbahnen. Bei der letzten Zolltarisdcbatte haben wir beantragt, 60 Millionen Mark für Wegebauten und Verbesserung des Landes auszugeben. Wir zeigen Ihnen also den Weg. wie man die Landwirtschaft und die Kleinbauern heben kann, ohne mit den allgemeinen Interessen der Ernährung der Bevölkerung in Gegensatz zu kommen und ohne die Enttvickelung der Landwirtschaft zu hemmen. Herr Dr. Hah» hat behauptet, wir wollen alles Kein machen und an den Beinen hcruntcrzicben. Ach nein, wir wollen, daß auch die Kleinbauern und die Landarbeiter in Zustände kommen, bei deiien sie als Kulturmenschen existieren können.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Pros. Sckmoller, den vielleicht auch Herr Dr. Hahn anerkennt, nennt die selbstbewußte Organisation des Arbeiterstandcs den Ausdruck der weltgeschichtlicheu Tatsache, daß die Menschheit eine Kullurhöhe erreicht hat, in der auch die unteren Klassen nicht mehr den Schemel für den Druck der oberen abgeben wollen. Also nicht an den Beinen herunterziehen wollen wir die Menschen, sondern von dein Fußschemel heraufziehen! Wir wollen sie von dem Druck befieicli. unter dem sie niedergehalten werden, damit sie sich als Menschen suhlen sollen.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemolraten.) Herr Gothel» sagte, die deutsche Landwirtschaft könne unseren gesamten Bedarf nicht decken. In dieser Allgemeinheit gebe ich daS zu. aber nicht, wenn er diese Aeusjerung auf den Vichbednrf bezieht. Unsere Landwirtschaft ist sehr Wohl imstande, den gesamten Bedarf an Schlachtvieh zu decken, wenn Sie nämlich die Schutzzölle beseitigen, so dah die Landwirtschaft billige Futtermittel verioenden kann l(Sehr wabr l bei den Sozialdemokraten.) Unsere Bauern- schaft kann dann sehr leicht zehnmal so viel Vieh stellen wie heute. Dänemark ist diesen Weg gegangen. Also dieses Problem ist zu lösen, denn die Steigerung des Mehstandes hängt nicht ab von der Fläche. In diesem Zusammenhange will ich auch zurückgreifen auf das, was über die Kon rumgcnonetifcbaf tcn gesagt ist. Die Konsumcntenorganisation ist gerade im Interesse der Landwirtschaft zu fördern; denn durch sie erst wird das Problem gelöst, dah die Fleischpreise nicht in fortgesetzter Dissonanz zu den Biehpreisen stehen und auf dein Wege über Koin- Missionäre, Großhändler und Schlächter noch weiter verteuert werden, In Dänemark und England ist das Problem gelöst. Die englische Großcinkaufsgesellschasl der englischen Konsumvereine besitzt eigene Schiffe, die die Produkte der dänischen Bauern in die Lager der englischen Konsningenossenschaften bringen, so daß sie ohne den ver- teuernden Zwischenhandel auf dem Tisch des englischen Arbeiters er- scheinen. Auch in Deutschland haben wir Ansätze dazu. Aber diese Verbindung zwischen Konsumenten und Produzenten bedarf noch der EntWickelung. Die landwirtschaftlichen Genossenschaften in Sachsen erkennen das an; sie sagen in ihrem Bericht, daß von den Konsum- vereine» für 60 Millionen Mark jährlich landwirtschaftliche Produkte gekauft werden, und sie fügen hinzu:»Diese Konsumgenossenschaften sind als sozialdemokratisch verschrien, aber m g e s ch ä s t- l i ch e r Hinsicht sind sie „geradezu musterhaft geleitet" lHöct! hörtl bei den Sozialdemokraten), so daß unsere landwirt- kchaftlichen Genossenschaften noch viel von ihnen lernen können I tErneuteS Hört I hört I bei den Sozialdemokraten.) Der große Konsumverein in Leipzig-Plagwiy, die Hamburger„Pro- duktion", die eine Schlächterei errichtet hat, wirken ebenfalls aus- schaltend auf den Zwischenhandel.(Sehr richtig l bei den Sozial- demokraten.) H Wir wollen auch den Bauern ein Einkommen gewähren, das ihnen eine menschenwürdige Existenz erlaubt, wie wir in der ganzen Arbeiterbewegung für eine anständige Bezahlung eintreten. Aber wir wollen in der Landwirtschaft keine künstliche Preiserhöhung durch Zölle usw., die nicht begründet ist durch die Bedürfnisse der Produktion. Im übrigen sind wir durchaus bereit mitzuarbeiten, damit unser Boden im wachsenden Maße kultiviert wird. Die Sozial- demokratie vertritt also nicht, wie Herr Delbrück wieder etumal zu Unrecht behauptet hat. nur einseitig die Interessen einer einzelnen Klasse, sondern die Interessen der Gesamtheit der Arbeitenden. in welcher Stellung und auf welcher Stufe sie auch stehen.(Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Feindlich gegenüber stehen wir nur den K a p i t a l i n t e r e s s e n t e n. die von Zinsen und fremder Arbeit leben. Eine Existenz ohne Arbeit billigen wir niemand zu, der arbeiten kann, und wir wollen für alle Arbeitenden die Möglichkeit einer menschen« würdige« Lebenshaltung. (Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Deshalb sind wir keine Feinde der Bauernschaft, wohl aber die Großagrarier, die Grund- renteninteressenten. die fortgesetzt Bauernland zukaufen, um ihre großen Latifundien zu erweitern.(Sehr wahr I bei den Sozialdemokraten.) DaS bedeutet nicht nur eine Ilnterdrückung der Bauern- schaft, sondern auch einen schweren wirtschaftlichen Rückgang in der Richtung, die die englische Landwirtschaft eingeschlagen hat. Wenn Sie, wie Graf Carmer sagt, die englischen Zustände in der Land- Wirtschaft nicht haben wollen, dann sorgen Sie dafür, daß wir eine lebensfähige Bauernschaft dorthin bekommen, wo heute die großen Herrensitze mit ihren Jagdgründen sind.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Dann müssen wir aber auch im Osten politische Zustände schaffen. in denen selbstbewußte Menschen leben können und wo nicht jeder, der sich als Persönlich keit fühlt, wegzieht, wie heute Zehntausende. Statt dessen ziehen Sie G a l i z i e r und Polen ins Land, wie immer „national", nur bedacht auf die„nationale" Wohlfahrt!(Sehr gut l bei den Sozialdemokraten.) In der Tat stehen Ihre Interesse» der nationalen Wohlfahrt entgegen, und deshalb müssen wir Sie bekämpfen. Wir wollen nicht aus unserem Lande Hörig« und Heloten der großen Grundherren, sondern politisch freie Menschen, die sich.. keine Bormundschast gefallen zn laste» brauchen. So ist das Interesse der Landbevölkerung. der Kampf gegen das Junkertum identisch mit den Jnteresten der Arbeiterschaft, und ich bin überzeugt, daß der Tag lommen wird, wo auch die Mäste der Landbauern zu dieser Einsicht kommen und mit uns gemeinsam diesem System ein Ende bereiten wird. (Lebhafter Beisoll bei den Sozialdemokraten.) Hierauf vertagt sich das HanS. In einer persönlichen Bemerkung wendet fich Abg. Wachorst de Wcnte(natl.) gegen die Ausführungen de« Abg. Dr. Hahn: Wenn es sich darum handle, mit dem Zentrum Geschäfte zu machen, so sei Herr Hahn biegsam wie ein Peitschenstiel. (Stürmische Heiterkeit links.) Abg. Krcth(k.) spersönlich) sucht die SpiriwSzentrale gegen den Abg. Gothein zu verteidigen. Vizepräsident Dr. Spahn: Die SpirituSzentrale ist nicht per- sönlich.(Große Heiterkeit. Abg. Ledebour ruft: Kreth ist doch ihr Direktorl— Große Heiterkeit.) BSg. Dr. HahniMrr.$fii diesem Sinne dient der Bildungsverein für Frauen und Mädchen einer hohen Kulturaufgabc, weil er den Intellekt der Frauen stärkt und ihnen durch Aermittelung von ethischer und ästhetischer Kultur innere Bereicherung bringt. So ist er ebenso ein Verein der Männer wie der Frauen, denn er wirkt revolu- tionierend ein auf das Liebesverhältnis Mischen Mann und Frau, er beeinflußt so auch indirekt die kommende Generation und hilft so, die Ziele der Ar. beiterbewegung. die Höherentwickelung der Menschheit, zu verwirk. licheg. Versammlungen. Da? Stellenvermittlergcsch und die Gastwirtsgehilfc»? Vor kurzem ist dem Reichstag der Entwurf eines Stellender. mittlcrgesetzcs unterbreitet worden. Er hat im Plenum die erste Lesung bereits passiert und unterliegt jetzt der Kvmmissionsbcra tung. Turch da» Gesetz soll vor allem die gewerbsmäßige Stellen- vcnuittelung getroffen werden. Aus den Reihen der G a st w i r t s. gehilfen, der Bäcker. Schlächter und der D i e n st b o t c n werden seit Jahrzehnten die bittersten Klagen laut über die Aus Leutung. der die Stellesuchenden durch die gewerbsmäßigen Stellenvermittlcr ausgesetzt sind. Run sind zwar im Laufe der Jahre von den Lande-zentralbehörden mehrfach Verordnungen erlassen worden, durch die der Betrieb der gewerbsmäßigen Stellenvermittler reglementiert und kontrolliert werden sollte. Diese Verordnungen haben aber einen durchschlagenden Erfolg nicht erzielt. Sie sind im Gegenteil vielfach die Ursache gewesen, daß sich Stellenvermittlcr, um sich den gesetzlichen Bestimmungen zu entziehen, einfach dazu übergingen. Vereine zu gründen. Auf- gäbe der Gesetzgebung müßte demnach jetzt sein, diese Schein- gründungcn zu treffen. Da? wirksamste und einzigste Mittel, die mit der gewerbs- tnäßigen Stellenvermittelung verbundenen Ucbelstände zu bc- scitigen, wäre das gänzliche Verbot jeder gewerbsmäßigen Stellenvermittelung. Hand in Hand damit müßte gehen die obligatorische Einführung öffentlicher, von ge- meinnützigeni Gesichtspunkte aus geleiteter, paritätisch verwalteter Arbeitsnachweise. Die Sache ist übrigens vollkommen spruchreif. In den süddeutschen Staaten ist schon ein ganzes Netz kommunaler Arbeitsnachweise mit den verschiedensten Fachabteilungen vorhanden, in zahlreichen Berufen bestehen zwischen Unternehmern und Arbeitern Tarif- Verträge, durch die auch der Arbeitsnachweis eine Regelung er- fahren hat. Es bliebe nur übrig, von Gesetzes wegcn zu bestim- men, daß diese Arbeitsnachweise in jedem Falle gemeinsam von Arbeitgebern und Arbeitnehmern zu verwalten sind. Damit wären die ZwangSarbcitSnachweise der Zechenbarone oder sonstigen Scharfmacher mit einem Schlage beieitigt, wenigstens wäre ihnen der Giftzähn ausgebrochen. Aber freilich, so etwas darf unsere Regierung gegen den Willen der Jndustriebarone nicht unter- ncbmen. Sie kommt deswegen mit Halbheiten daher, indem sie ein Gesetz unterbreitet, da« die gewerbsmäßigen Stellenvermittler zwar etwa? schärfer anfaßt, die schädliche Institution aber weiter bestehen läßt. Man hätte diese 7205 tSellenvermittler, die es nach der Zählung von 1007 in Deutschland gibt, sehr wohl ohne Entschädigung beseitigen können, nachdem man ihnen nach einer Sozialdemokratisclier WaliJvereiD für den M» Görliver Viertel. Bezirk 224. Teil II. Den Mitgliedern zur Nachricht. das! unjrr Genosse, der Schank- Wirt Lml! LsomIärloer Neichcnberger Sir. 107, gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 27. Februar, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- bn''- des Michael-KIrchbofeS in Nixdori. Hermannstrahe, auS statt. Um rege Beteiligung ersucht 2>St!t Sozialdemokrat. tfähM Blxdorf. Nm 23. Februar verstarb unser Mitglied, der Milchhändler kertdolä Heinrich (9. Bezirk.) Ehre seinem Andenke»! Die Beerdio"na findet heute nachmittag 2'., Uhr, von der Halle deS ThomaS-Nirchhol«»(Hermann- stratze) aus statt. 234/8 Der Vorstand. Am 24. d. M. verschied nach langem, schwerem Leiden mein lieber, guier Mann Emii ßaumgärtner im Aller von 44 Jahren. Die» zeigt ttesbetrtlbt an vi»»'» Bunmelirtner nebst Kindern. Die Beerdigung tindet am Sonntagnachmiltag 4 Uhr aus Michaeilirchhos, Rird orf, Hermann- slraki- 191—195. sl-üt. 4431 L Vertiand der freien Gast- und Sebankvirte Deutschlands. Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht. dafi der Kollege Emil Baumgärtner (Reichenberger Str. 107, Bezirk 4) am 24. Fedruar verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 27. d. M., nach- miitag» 4 Uhr, von der Leichen- halle de« St. Michael-Kirchhofc» in Ripdorf, Hermannstrahe 191, aus statt. Den Kollegen zur Nachricht, daß die Frau des Kall. Schmidt Alma Schmidt geb. Sower (Pappelallee«4, Bezirk 3) verstorben ist Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet am Mon- tag. den 23. d. M.. nachmittag» 4 Uhr, von der Leichenhalle de« Gcthsemaiic-KirchholeS in Nord- «nd aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Die Ortsverwaltung. Deutseher Verband. Bezirktverwalhmg GroB-Berlln. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Fensterputzer I�uxust Kölln am 23. b. MtS. im Alter von 23 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet morgen, Sonntag, den 27. Februar, nach. miitag« 2 Uhr, vom Trauerhaufe. Fehrbelliner Strohe 82, au» nach dem ZtonS-Kirchhofe in Nordend. Rieder-Schönhauscn statt. 60/13 Um rege Beteiligung ersucht Die Bezirksverw.iltung. Danksagung. Für die vielen Beiveise herzlicher Teilnabme bei der Beerdigung meine« Mannes und unseres guten Datcr« sagen wir hierdurch allen, insbeson- dere den Herren Kollegen unseren herzlichsten Dank. Vk trauernde ffliime Skarth» Kolbe nebst Kindern. Todes-Anzeige. Men Verwandten, Freunoen, Bekannten und Parteigenossen die irauria« Naqricht, daß meine liebe Frau 41322 Alma Schmidt � s.rr.r am Donnerstag, den 24. d. MI«., nach kurzem, schwerem Leiden im 26. Lebensjahre verstorben ist. Um stille Teilnahme bittet Paul Schmidt, Schankwirt, Pappel-Allee 04. Die Beerdigung findet Montag. den 28. d. M., nachmittag» 4 Uhr, von der Hallo des Gethsemane. Friedhofes in Nordend aus statt. Allen Verwandten, Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, das; mein herzensguter Mann und unser lieber Bater, der Schlosser Wilhelm luschx im Alter von 43 Jahren oer. starben ist. Die Beerdigung findet am Sonnlag. den 27. Februar, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- halle de« DanteSfriedbosc« in Reinickendorf, Vcharnweverstradc au« statt. 0ie trauornden Hinterbliebenen. Franziska Tuechy nebst Kindern. gltiiuru' nud Kraachilibem von ködert lieber,' nur Mnmnntu-Strnße 2. etwa öjährigen Karenzzeit jeden weiteren Geschäftsbetrieb tet» boten hätte. Diese Forderungen wurden auch in einer großen öffentlichen Versammlung der Berliner GastwirtSgehilfen vertreten, die am Donnerstagnachmittag in den„Jndustriefestsälen" abgehalten wurde und von zirka 600 Personen besucht war. Der Genosse Robert Sch in i d t. der einzige Abgeordnete, der auf die Einladung, die an alle Fraktionen des Reichstags er- gangen war, an der Versammlung teilnahm, mußte die Hoffnung der Versammelten leider zuschanden machen, indem er mivteiltc, daß die Reichstagskommission bereits über die grundsätzliche Frage entschieden, daß sie die Aushebung der gewerbsmäßigen Stellender- Mittelung und die obligatorische Einführung öffentlicher Arbeits- nachweise abgelehnt habe. Der Referent Genosse Poetzsch begründete in ausführlicher Weise die unten folgende Resolüfton. die auch einstimmig ange- nommen wurde.— In der Diskussion sprachen auch die Ver- treter anderer Berussvercinigungcn, die fick ganz auf den Boden der Forderungen des Verbandes deutscher Gastwirtsgehilfen stellten. Dasselbe geschah durch ein Schreiben vom.Nationalen Kartell der Gasthausangestellten-(ein Kartell der sogenannten „nationalgesinnten" Gastwirtsgehilfcnvereinigungen). Somit sind hier alle Richtungen der Gehilfenschaft einst), Regierung und Reichstag haben kein Recht, zu behaupten, diese„ladikalen- Forderungen gingen nur von den„sozialdemokratischen- Gehilfen aus, Die Resolution hat folgenden Wortlaut: Die heutige öffentliche Versammlung der gastwirtschaftlichen Angestellten hält den dem Reichstag unterbreiteten Entwurf des Stellenvermittlergesetze» für nicht weitgehend genug; sie erblickt vielmehr in der gänzlichen Beseitigung jeder gewerbsmäßig betriebenen Stellenvermittelung bei gleichzeitiger obligatorischer Errichtung öffentlicher, von gemeinnützigen Ge- sichtspunktcn aus geleiteter gebührenfreier Arbeitsnachweise die einzige und gründliche Lösung dc8 Probelmsr Unter Aufrrchtcrhaltung diese« grundsätzlichen Standpunktes hält die Versammlung bezüglich des Entwurfs folgende Mindest- forderungen bezw. Abänderungen für geboten: Den ösfentlichen Arbeitsnachweisen sind die„pari tat i- schen Facharbeitsnachwcäse- für bestimmte Berufe, sowie die„Tarifämter- gleichzustellen. Die Bestimmung, daß den Stellenvermittlcrn die Taxen fest- gesetzt werden„können-, muß zwingender Natur werden. Die Gebühren sind von den Arbeitgebern allein zu tragen, mindestens aber ist zu verlangen, daß bei der Halbierung der Gebühren der Anteil, den der Arbeitnehmer zu tragen hat, in keinem Falle höher sein darf als der, den der Arbeitgeber zu leisten hat. Zu fordern ist ferner, daß der Anspruch des Stellenvermitt» lers auf die vom Arbeitnehmer zu zahlende Hälfte erlischt, wenn dieser die Stellung aus bestimmten Gründen nicht antritt bezw. antreten kann. Gastwirte und sonstige Geschäftsleute dürfen selbst gebühren» freie Vermtttelungen nicht mehr betreiben. Um die Scheingründungcn von Vereinen zum Zwecke der Umgehung des Gesetzes zu verhindern, ist zu bestimmen, daß an Orten, wo das Bedürfnis für ein bestimmtes Gewerbe durch einen in Artikel 2 vorgesehenen Nachweis als gedeckt gilt, auch Jnteressentenn achweise(Arbeitgeber-, Arbeitnehmer. nachweise) für kn Mreffcnücn Bezirk nichi mehr ektichle! Werden dürfen. Schließlich ist die Erneuerung der von den Bundesstaaten erlassenen Verordnungen zu fordern..- Vermischtes. Panik im Theater. Wie aus Lemberg gemeldet wird, wurden im Theater in Rzcszow infolge von Gasausströmungen während der Vorstellung plötzlich 32 Personen ohnmächtig. Unter den übrigen Theater- besuchern entstand deswegen eine große Panik, welche schließlich durch das Erlöschen der Beleuchtung noch größer wurde. Einigen beherzten Personen gelang es später, das Publikum zu beruhigen und die ohnmächtigen Personen aus dem Theaterraum zu schaffen, so daß keine weiteren Unglücksfälle zu verzeichnen sind Vom Hochwasser. Pariser Meldung zufolge war die Seine gestern abend an der Austerlitzbrücke auf die Höhe von 4,86 Meter gestiegen. Der Schaden. der durch das Hochwasser in Paris und in der Bannmeile verursacht worden ist, wird nunmehr auf 50 Millionen Frank ver- anschlagt. Im Departement Seine(Seife beträgt der Schaden zirka 5 Millionen Frank._ Folgenschwere Explosion. Einige Minenarbeiter, die in einer Fabrik in Glenboog einen neuen Sprengstoff, genannt Gellignitc, herstellten, wurden, einer Meldung aus Glasgow zufolge, das Opfer einer furchtbaren Explo- sion. Drei Gebäude wurden vollständig zerstört, drei Personen wurden getötet, S schwer und eine größere Anzahl leichter verletzt._ ??nsserstandS-Nachrtck>ten der LandeSanstalt sür Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner __ Weiterbureau. Wasserss and Memel, Tilsst V r e g e l. Jniterburg Weichsel, Thoru Oder, Ratibor » Krassen , Frankfurt ©aride, Schrimm . Landsberg Netze, Vordamm S l b e. Leitmeritz , Dresden 0 varb» , Magdeburg Wasserstand Laake, Grochlltz Havel, SvanoauN , Ratbenow») Spree, Svremberg'j , BeeSkow Weser, Münden , Minden Rhein. MaximUianSmi , Kaub Köln Neckar, Heilbron« Main, Werlheim Mosel, Trier am 24, 2. cm 267 124 153 83 152 230 •227 500 343 476 180 270 426 fett 23. 2. cm») +31 0 —1 0 +1 -t-56 +25 +14 +20 +46 —5 +7 +47 1+ bedeutet Winds,— Fall.—*) Unlerpeael.—•) Eisstand. Die diesmalige Anschwellung der Mosel hat ungesähr die Höhe de» mittleren Hochwassers. Bei Trier fiel das Wasser heute morgen beim Wasserstand 4t6 ein schon wieder, bei Kochern war mit 522 cm gerade der Höchstaud erreicht.— Die Anschwellung de» Rheins ist ganz un» unerheblich. Zentralverliand Brauerei-Arbeiter. Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht,, dafi am 23. Febniar unser Kolleg« der Flaschen. Kellerarbciter Berthold Heinrich (Brauerei Happoldt) nach langem Leiden verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Sonnabend, nachmittags 2'/, Uhr, von der Leichenballe de« TbomaS- Kirchhofes w Rixdorj, Hermann- stratze, au» statt. Um reg« Betelligung ersucht 4216 vis Ortsverwattuiig. Deutscher Metallarbeiter-Verband Verwaltungsslelle Berlin. Tode«• Anneice. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Schlosser Wilhelm Tuschy am 21. Februar freiwillig auS dem Leben geschieden ist. Ehre seinem Andenken! Di« Beerdigung findet am Sonntag, den 27. Februar, nach. mittag» 3 Uhr, von der Leichen- halle des DankeS- KtrchhoseS in Retnickendors, Scharnwed erstratz-, au» statt. Rege Beteiligung erwartet Die Ortsverwaltung. Neu aufgenommen: Einsegnungs-Stiefel llnheltsprel» M. 13.80 £la guter Silekel, der bequem siUi, hflbieb auiaieht und Haltbarkelt mit billigem Kreta verbindet— das ist der S&IamaoderiUtitL Fordern Sie Musterbuch+ Preis: kartoniert 20 Pfennig gebnnden 30 Pfennig 3n beziehe» durch t Ezpkdltion des„Vomarts" Berlin 8W. lilndcnatraße 60(T-adon). 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Antrag der Genossen in Ober.Schöneweidi aus Einführung der Sonntagsruhe in den Verkaufsstellen. 108/17' 8. Wahl des 3. Vorstandsmitgliedes und ewe» AusfichtSratSrnttgliedeS. 4. Anträge der Mitglieder. Anträge zur Generalversammlung müssen biS zum 24. Februar 1310 beim Vorstande schi-istlich eingereicht sein. SW Legitimationskarte oder Mitgliedsbuch legitimiert. nsn Vonataii»!. Hermann Hildebrandt. Wilhelm Kohl. Partei- Speditionen: Zfonti-uin: Alb ort Hahnisch, Auguftstr. SO, Eingang Ioachiinstrah«. g. Wahlkreis, Westen: Gustav Schmidt. Kirchbachstr. 14. Hoch. parterre. , Süden und Südwesten: Hermann Werner, Gneisenaustr. 72. Laden. S. Wahlkreis: St. Fritz. Prinzenstr. 31. Hos rech» pari. 4. Wahlkreis: Oft e n; Robert WengelS, AndreaSsttaß« 17.— �--! 4(Laben). Wilhelm Mann, Petersburgerplatz 4. Wahlkreis, Südosten: Paul Böhm. Laufitzerplatz 14/15 S. Wahlkreis: Leo Z u ch t. yinmanueMrchstr. 12(Hof). 6. Wahlkreis(Hoablt und HansaTlertol): Karl ander«, Salzwedelerftr. 8, im Laden. Weddine- Karl Weiße. Nazarethfirchstraße 43. Il«seathaler und«raaieaharrer Vorstadt: Hermann Raschle, Bernauerstr. 0, vorn pari. (jlesaadhraaaea: F. Trapp, Stettinerstr. 10. Sehtta haaser Vorstadt: Karl MarS, Lychenerstr. 123. Adlershof: Karl Schwor, lose. Hossmannftr. 9. Alt-GIlcaieke: Wilhelm Dürre. Rudowerltr. 83 II. Baaaischaleoaee:©■ Ho r n i g, Marientbalerstr. 18, I. Bernau. B«at«eatal, Zsteaeraiek, Sohvaooo und SehEa- hrttek: Heinrich Brase. Hohesteinftr. 74. pari. Bohasdorf und Falkenbers: Alois Laus, Bohnsdorf, Ve» nosienschaltShaus.Paradies'.. Charlotienbarc: Guftao Scharnberg. Sesenheimerfiraße 1. Ecke Goetbeftraße. Laben... Elehuaide, Zeathea, NlersdorV und Naakels Hblaxe: OSkar Mahle, Achwalde, Stubenrauchstr. 09. Erkner: Am Ii H o s s m a n n, Friedrichshagener Chaussee. Fredersdorf- retershagen: E. Höselbarth, PeterZhagen. Frledeaau-SteglUs-SUdeade: H. Bernsee, Schiolzltr. 119, Hos I, in Steglitz. Bestellungen nehmen entgegen w Steglits: H. Mohr, Duppelstr. 32. und Fr. 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Lerantwortlich» Redakteur Richard Barth, Berlin. Für de« gnsnatinteil verantw,: Th. Glocke, Berlin. Druck ü. Verlag: Borwärt» Luchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Swger& Co« iverlw SW, it. 48. mm. 3. Jeildje„PotiDüilö" Irtliorr Aölllölllllü. ZK. m« IM. Morgen Sonntag, Flugltlattverbreitung von den bekannten Stellen aus. Niemand darf fehle«! Nürgerliche Selbitentmsniiung. Tie Rixdorfer Stadtverordnetenversammlung beschäftigte sich am Donnerstag mit dem Antrag der sozialdemokratischen Stadt- verordnetcnfraktion: Ten Magistrat zu ersuchen, eine Petition an den Landtag zu senden, worin dieser ersucht wird, die Bethmann Hrllwegschc Wahlrcformvorlage abzulehnen und statt dessen das allgemeine, gleiche, geheime und direkte Wahlrecht in Preußen einzuführen sowie eine Ncueinteilung der Wahlkreise vornehmen zu wollen. Ucber die Verhandlungen, deren Ergebnis wir gestern mit- teilten, erhalten wir folgenden eingehenden Bericht: Stadtv. Pagels(Soz.) begründete den Antrag in eindring. sicher und großzügiger Weise. Wenn irgendwo das Bürgertum aufs lebhafteste an der Neueinteilung der Wahlkreise interessiert sei, so in Rixdorf. Bei der wirtschaftlichen und kommunalen Eni- Wickelung, die Rixdorf in den letzten Jahren genommen hat, mußte es allerwenigstens zwei eigene Kandidaten zu tvählen berechtigt sein, statt dessen sei es mit Schöneberg durch die junkerliche Wahl- kreisgeometrie zu einem Wahlkreis verkoppelt und beide Städte zusammen wählen nur einen Abgeordneten. Die Benachteiligung gehe aufs drastischste dadurch hervor, wenn eine Parallele mit anderen Wahlkreisen gezogen wird. Aus der amtlichen Statistik gehe hervor, daß Schöneberg-Rixdorf ISOo 294 B82 Einwohner zählte und bei der letzten Landtagswahl 78 397 Urwähler und 1117 Wahlmänner aufzuweisen hatte. Im Wahlkreise Hol- land-Mohrungen waren in dem gleichen Jahre 48 894 Ein- wohner mit 8144 Urwählern und 161 Wahlmännern; der Wahl- kreis Hohenzollernsche Lande hatte sogar nur 34 141 Einwohner mit 6721 Urwählern und 123 Wahlmänner. Im Durch- schnitt entfielen 1395 auf einen Wahlkreis in Preußen 84 134 Ein- wohner und 1393 auf einen Wahlkreis 17 342 Urwähler. Dieser Durchschnitt wird im Wahlkreis Schöneberg-Rixdorf überschritten um 219 393 Einwohner und 69 368 Urwähler. Diese Gegenüberstellung zeige die krasie Uebervorteilung der Städte zugunsten des flachen Landes. So wie viele andere Gemeinden ist auch Rixdorf nicht in der Lage, sein« Interessen im Landesparla- ment zur Geltung bringen zu können. Redner betonte noch be- sonders die großen kommunalen und kulturellen Aufgaben, die Rixdorf veranlassen müßten, mit aller Energie darauf hinzu- wirken, daß Rixdorf ein eigener Wahlkreis wird. In kurzen und träftigen Strichen zeichnete Genosse Pagels die Infamie der„Wahl- reformvorlage" der Regierung. Mit schneidender Ironie wandte er sich gegen die vorgesehene Maximierung der Regierungsvorlage. Er erwarte, daß sich auch in Rixdorf trotz des Wahlrechtsraubs ncch soviel gesunder Bürgerfinn zeigen werde, den sozialdemokrati- schen Antrag einstimmig anzunehmen. Bon einem selbstbewußten Bürgertum müsse erwartet werden, daß es sich gegen das Privi- legium der Kasernenhofbildung, wie sie die Regierungsvorlage vorsieht, mit aller Entschiedenheit wendet. Desgleichen bitte er aber auch, sich für das gleiche, geheime, allgemeine und direkte Wahlrecht aussprechen zu wollen. Während in vielen anderen Städten das Bürgertum bekundete, daß es ihm ernst mit einer Wahlreform im demokratischen Sinne ist, zeigt sich hier das strikte Gegenteil. Würdeloser und feiger haben sich wohl kaum jemals die Vertreter der Bürger- schaft gezeigt, wie in diesem Falle. Wenn es noch einen Grad der Steigerung gibt, dann haben ihn die Liberalen in diesem Falle erklommen, die sich in der.Neuen Fraktion" zusam- mengefunden haben. Noch bei der letzten Nachwahl betonten die Herren ihren liberalen Standpunkt. Stadtv. Winter, seine? Zeichens Rektor, war die Aufgabe zugesallen, das freiwillige Helotentum seiner Fraktion zu beweisen. Er erklärte, daß er cS namens seiner Freunde ablehnen müsse, daß die Stadtverordnetenversammlung sich mit staatlichen oder politischen Angelegenheiten be- fasse. Das sei gesetzlich nicht zulässig. Als Beweis stützte sich dieser Vertreter des liberalen Bürgertums auf eine Entscheidung des Regierungspräsidenten von Königsberg! Die bürgerlichen Vcr- treter stehen auch nicht auf einem einheitlichen politischen Boden. Außerdem sei er preußischer Beamter und seiner vorgesetzten Behörde verantwortlich! Auch Herr Rechnungsrat K o h e ersuchte, den Antrag abzulehnen. Die Genossen Pagels, Böske, Kloth und Silber- ste'n stäupten diese Stadtverordneten nach Gebühr und brand- marlKn mit aller Schärfe diese würdelose Art Vertretung der Bürgerschaft. Mit Recht warfen unsere Redner die Frage auf, wie lange die Bürger sich noch einen derartigen Verrat ihrer In- teressen gefallen lassen werden. Nicht einmal der Magistrat habe den Einwand erhoben, daß aus formalen Gründen dem Antrage nicht zugestimmt werden könne, das zu behaupten brachten die„Er- wählten" des Bürgertums fertig, die— wie Genosse Pagels richtig sagte— damit päpstlicher seien als der Papst. Drastisch zeichnete Genosse B o c s k e die Handlungsweise des Herrn Winter mit den Worten: daß er sich damit zum Handlanger der Reaktion erniedrigt habe. Obgleich die Genossen Kloth und Silber- stein in eindringlichen Worten an den Bürgerstolz appellierten, an die Notwendigkeit der Eroberung der Selbstverwaltung er- innertcn und warnten, nicht das würdelose Verhalten der Wortführer mitzumachen, um nicht noch mehr zu Heloten des �Junkertums herabzusinken, wurde nach einigen komischen Kapriolen des unvermeidlichen Herrn Rahmig die Abstimmung vorgenommen. Zuvor bemerkte Stadtv. Justizrat Abraham noch, dem ersten Teile des sozialdemokratcn Antrages zustimmen zu wollen. In namentlicher Abstimmung wurde der erste Teil des An- träges mit Stimmengleichheit(34 gegen 81) abgelehnt, für den zweiten Teil(Einführung dcS Reichstagswahlrechts in Preußen) stimmte nur ein Bürgerlicher, die Neueintcilung der Wahlkreise wurde mit 36 gegen 29 Stimmen abgelehnt. Die Stymach deS Wahlrechts raubs vom 17. Dezember 1998 hat durch diese neue volksverräterische Handlung der bürgerlichen Stadtväter von Nixdorf sein Gegenstück gefunden. Eingangs der Sitzung machte der Vorsteher bekannt, daß die demokratische Vereinigung die Stadtverordnctenvcr- famnllung ersuche, dem Antrage der Sozialdemokraten zustimmen zu wollen. Tann wurden noch einige andere Gegenstände verhandelt. Madtv. Pagels(Soz.) erhob Prptest dagegen, daß der Bov- steher die Wertzuwachssteuer nicht auf die Tagesordnung gesetzt habe. Es wurde beschlossen, diese auf die Tagesordnung der in der nächsten Woche stattfindenden Ätzung zu bringen. In die Hochbaudeputation wurde Stadtv. Fleischer(Soz.) gewählt, desgleichen in die Krankenhausdeputation Stadtv. F a e ck h (Soz.). Gemäß dem Antrage des Magistrats wurde ohne Debatte die Aufnahme einer Anleihe von 34 Millionen Mark beschlossen. Die Begebung erfolgt später. Der Magistrat beantragte den Bau eines NotauSlaßkanalS in der Roseggerstraße von der Kaiser-Friedrich-Straße bis zum Schiffahrtskanal zu beschließen und die Kosten im Betrage von 24 999 M. aus dem Extraordinarium der Kanalisationsverwaltung zu bewilligen. Stadtv. Niemetz will die Kosten nicht aus dem Reservefonds der Kanalisationsverwaltung, sondern aus Anleihe. Mitteln gedeckt wissen. Dagegen äußerte Stadtbaurat Weigand lebhaste Bedenken. Oberbürgermeister Kaiser ließ cS an einer klaren Stellungnahme fehlen. Im Gegenteil gefiel er sich im „Einerseits und Andererseits" und pendelte zwischen dem Magi- stratSantrage und dem des Herrn Niemetz hin und her. Wie hier lvurde auch beim nächsten Punkte der Tagesordnung der Antrag Niemetz angenommen. In diesem Falle handelte es sich um ganze 3699 M. zur Erbauung eines WagenschuppenS auf dem Rieselgut Boddinsfelde. Auch diese Summe sollte au? dem Reservefonds der Kanalisationsverwaltung entnommen werden. Stodtverord- ncter Eonrad(Soz.) deckte die Tendenz des Antrages Niemetz auf. Der Zweck desselben, die Summen aus Anleihemitteln zu decken, gehe dahin, die Ausgabeposten im Etat so niedrig als möglich erscheinen zu lassen, um so beweisen zu können, daß die Einführung einer Wertzuwachssteuer nicht notwendig sei und ferner die Anliegergebühren für die Kanalisation im Interesse der Grundbesitzer herabsetzen zu können. Auch bei dieser prinzipiellen Frage zeigte sich die Unzuverlässigkeit der„Neuen Fraktion". Nur drei ihrer Mitglieder stimmten für den Antrag des Magistrats. Ein Antrag de? Magistrats, künftig die Beschlußfähigkeit der VcrwaltungSdeputationen eintreten zu lassen, wenn ein Drittel der Mitglieder anwesend ist, wurde nach längerer Debatte abge- lehnt. Besonders zeigte Stadtv. Scholz(Sog.) die Gefahren und Benachteiligungen der Rechte der Stadtverordneten, die durch diesen Antrag hervorgerufen werden könnten. Beschlossen wurde gemäß dem Antrage des Stadtv. Justizrat Abraham, die Beschluß fähigkeit dann eintreten zu lassen, wenn ein Drittel der Stadt. verordneten anwesend ist. Nachdem die Allgemeine OmnibuSgesellschaft ihren Betrieb auf der Linie Hermannpla tz-— R ixdors eingestellt hat, soll seitens der Stadt der Vierminutenverkehr für diese Linie durchgeführt werden. Zur Ergänzung der Betriebsmittel wurden 19 990 M. zur Verfügung gestellt. Einige Etatsüberschreitungen wurden debattelos genehmigt. Partei- Hngclecfenbeiten. Eharlottenburg. Am Sonntag früh Flugblattverbreitung; die Parteigenossen haben sich rechtzeitig in den bekannten Lokalen ein- zufinden.— Am Dienstag, abends 8 Uhr. öffentliche Versammlung im großen Saal deS Volkshauses. Rosinenstr. 3. Reichstags- abgeordneter Wolfgang Heine spricht über„Soziales Straf- recht". In Anbetracht der interessanten Tagesordnung wird er- sucht, für zahlreichen Besuch dieser Versammlung Sorge zu tragen. Der Vorstand. Friedenau. Morgen. Sonntag, Fluyblattverbreitung von den bekannten Stellen aus. Heute abend Materialausgabe. Lankwitz. Am Sonntag, früh 8 Uhr, in allen Bezirken Flug- blattverbreitung. Die Genossen deS 2. Bezjrk treffen sich um 8 Uhr im Lokal von Prochatzka, Viktoriastr. 41— 43; die deS 1. Bezirk bei Ebel, Mühlenstr 9. Der Vorstand. Johannisthal. Sonntag, den 27. d. M., vormittags 8 Uhr. Flugblattverbreitung. Treffpunkt bei Albert Gobin, Ronnstr. 2. Der Vorstand. FriedrichSfelbe. Morgen. Sonntag, früh 8 Uhr, Flugblatt- Verbreitung von den Bezirkslokalen aus. Schmargendorf. Am morgigen Sonntag, früh%8 Uhr, vom Lokale des Genossen Adolf Pötscher, Spandauer Straße, aus Flug- blattverbreitung. Grünau. Sonntag, morgens'/z8 Uhr. Flugblattverbreitung von der Grünen Ecke aus. Riederlehme. Sonntag, den 27.. nachmittags 2% Uhr, im Restaurant Bellevue� Inhaber Hermann, öffentliche Gemeinde- Wählerversammlung, Tagesordnung: 1. Was leistet die Sozial- demokratie in der Gemeindevertretung? 2. Diskussion; 3. Auf- stellung der Kandidaten der 2. und 8. Klasse. Hierzu Sonntag. früh Vk Uhr, vom Lokale Gustav Nock auS: Flugblattverbreitung. Der Vorstand. KönigS-Wusterhausen. Sonntag, den 27. d. M., nachmittags Uhr, im Lokale von Wedhorn, Altes Schützenhaus, öffentliche Gemeindewählcrversammlung. Tagesordnung: 1. Was leistet die Sozialdemokratie in der Gemeindevertretung? 2. Diskussion; 3. Ausstellung der Kandidaten der 3. Klasse. Hierzu Sonntag, früh 1\'i Uhr, von den bekannten Bezirkslokalen aus Flugblatt- Verbreitung. Gleichzeitig findet Sonntag, früh IV* Uhr, eine Wablrechtsflugblattverbreitung für sämtliche Bezirke unseres Wahl- Vereins von den bekannten Bezirkslokalen auL statt. Der Vorstand. Erkner. Sonntag, den 27. d. M., morgens 8 Uhr, vom Lokale Degebrodt aus Flugblattverbreitung. Eichwalde- Zeuthen- MierSdorf. Am Sonntag, früh 8 Uhr. findet Flugblattverbreituna von den bekannten Lokalen aus statt. Sountag, nachmittags 3 Uhr, öffentliche Versammlung in Zeuthen bei Trill. Der Vorstand. Senzig. Sonntag, den 27. Februar, nachmittags 3 Uhr, findet bei Schimle eine öffentliche Versammlung statt. Tagesordnung: 1. Vortrag der Genossin Thiel-Tempelhof über:„Die Mitarbeit der Frauen bei den Gemcindewahlen". 2. Diskussion. Der Einberufer. Neuenhagen a. Ostbahn. Am Sonntag, den 27. d. M.. nach- mittags 4 Ii Uhr, findet im Lokal des Herrn Fagerstern, Neuen-- Hägen, im Torf eine öffentliche Kommunalwählerverfammlung statt. Genosse Spickermann-Lichtenberg spricht über„Tic kommen- den Genreindewahlen". Tie Genossen werden ersucht, für guten Besuch zu agitieren.. Weißens«. Sonntag früh 8 Uhr findet von den bekannten Lokalen aus eine Flngvlattvrrvreitung statt. Der Vorstand. Pankow. Morgen, Sonntag, früh 8 Uhr, findet von den Zahl, abcndlokalen eine Flugblattverbreitüng statt. Die Bezirksleitung Bezirk Waidmannslust. Am Sonntag, den 27. d. M., findet in allen Orten von den bekannten Lokalen aus eine Flugblatt, Verbreitung statt. Am selben Tage nachmittags 4 Uhr in Birkenwerder im Lokal zum Paradiesgarten öffentliche Wählerversammlung, Tagesordnung: 1. Vortrag über: Die Sozialdemokratie in der Gemeindeverirewng. Referent: Gemeindevertreter Genosse Somienburg-FriedrichShagen. 2. Diskussion. 3. Ausstellung unserer Kandidaten. Reinickendorf-Ost. Morgen früh von 8 Uhr ab findet von dm bekannten Stellen auS eine Flugblattverbreitung stattt. Die Bezirksleitung. Wilhelmsruh-Niederschönhausen-Wefl. Morgen, Sonntag, früh 8 Uhr, findet von sämtlichen Bezirkslokalen aus eine Flugblatt, Verbreitung statt. Die Bezirksleitung. Spandau. Vtorgen, Sonntag, den 27. d. Di., findet in den uns unterstellten Landbezirken eine Flugblattverbreitung statt. Die Genossen, welche in Besitz eines Rades sind, werden ersucht, sich recht zahlreich morgens ÜVa Uhr beim Genossen Emil Schubert, Kurstr. 21, einzufinden. Der Vorstand, Kerlmer]Vacfmcbtcn. Bon unserem städtischen Finanzwesen. Wer am Donnerstag Gelegenheit hatte, die Darlegungen des städtischen Finanzministers in der Stadtverordneten- Versammlung zu hören, mußte geradezu entsetzt sein von dem kleinlichen, engherzigen Gesichtspunkte, von dem aus unsere städtische Verwaltung beherrscht ist. Wir wollen gar nicht davon reden, daß der Kämmerer so leichthin mit einer losen Handbewegung alle möglichen und unmöglichen Projekte in die Debatte warf, die Einnahmen bringen könnten; allzu ernst darf man das nicht nehmen, obwohl zu verlangen wäre, daß von einzelnen Vertretern des Magistrats Vorschläge nur dann gemacht werden, wenn sie reiflich erwogen und auf ihre Durchführung hin eingehend geprüft sind. Es zeigen die übrigen Ausführungen des städtischen Finanzministers, daß er so gar kein Verständnis zu haben scheint für die Aufgaben, die eine Kommune, wie vor allem Berlin eine ist, zu erfüllen hat. Hierher gehören vor allem seine Aeußerungen über die Bezahlung der städtischen Ange- stellten und Arbeiter. Er tat gerade so, als ob die Stadt Arbeiter nur aus reinem Wohlwollen beschäftigte, nur, um sie zu versorgen und nicht deswegen, weil man die Arbeiter braucht, weil ohne sie gar kein städtischer Betrieb bestehen, keine Straße gesäubert werden kann. Und um scharf zu machen, daß die einzelnen Verwaltungen und die Stadt- verordnetenversammlung die berechtigten, sehr bescheidenen Wünsche der Arbeiter ja ablehnen, operierte der Mann mit Zahlen, die er in seinem alljährlichen Finanzexposee immer wiederholt, indem er auf die Steigerung der Ausgaben für Löhne im letzten Jahrzehnt hinweist. Mit Emphase ruft er alljährlich aus:«Sehen Sie meine Herren, um 199, 159 Prozent sind die Löhne gestiegen." In seinem eifrigen Be- streben, die Arbeiterwünsche abzuweisen, vergißt der Mann, anzugeben, in welcher Weise der Umfang der städtischen Be- triebe gewachsen ist. in welchem Maße sich die Zahl der Ar- bciter vermehrt hat. Wir möchten bald annehmen, das ge- schieht absichtlich, um mit einer recht hohen Prozentziffer paradieren zu können. Würde Herr Steiniger sich auf die Darstellung der in den einzelnen Betrieben an die Arbeiter gezahlten Löhne beschränken, so würde er feststellen müssen. daß die Zulagen, die den Arbeitern im Laufe der Jahre ge- macht wurden, äußerst minimale sind und in keiner Weise einen Ausgleich der vermehrten Ausgaben bedeuten, zu denen die Arbeiter durch eine reaktionäre Zoll- und Steuerpolitik der Neichsregierung genötigt sind. Was die Vergeltnngspolitik betrifft, die seit einigen Jahren unter Führung des Stadtkämmerers die Stadtver- ordnetenversammlung betreibt, so zeigt sich immer deutlicher. daß diese engherzige Politik'vollständig Fiasko ge- macht hat. Finanzpolitisch fallen die paar Mark, die nicht in Berlin ansässige Kranke oder andere Personen an Kranken» hauskosten oder Schulgeld zahlen müssen, gar nicht in» Gewicht, ganz abgesehen davon, daß diese Maßnahmen anders Gemeinden zu Gegenmaßnahmen veranlaßt haben. Der Käminercr verkennt auch vollständig die Sachlage. Das be- weist am besten sein Hinweis auf die 39 Mädchen, die zur Entbindung im Obdach sein sollen und von denen 18 aus- wärtig sind. Wer Herr Kämmerer! Wissen Sie denn nicht, daß in diesen Fällen die Wohnsitzgemeinden die Kosten zurück- erstatten müssen? Und wenn Sie darauf verweisen sollten, daß die Selbstkosten für Benutzung hiesiger Anstalten höher sind, als die von der Stadt berechneten Sätze, so kann doch derselbe Einwand von anderen Gemeinden, die in Berlin Hciniatbcrechtigte in ihre Anstalten aufnehmen müssen, eben- falls erhoben werden. Die Darlegungen über das Armenwesen wollen wir hier einstweilen ausschalten und uns besonders vorbehalten, dar- auf zurückzukomnien. Und dann das Auftreten des Kämmerers gegen die eigenen städtischen Unternehmungen! Sprach er eS auch nicht offen aus, so verstand ihn doch jeder! Diese Unternehmungen sind ihm ein Dorn im Auge. Ein Schauspiel für Götterl Nirgends in seiner Rede großzügige Gedanken über eine vernünftige städtische Finanzpolitik. Als vor einigen Jahren Herr Steiniger Gelegenheit dazu hatte und mit einem Schlage einige Millionen für den Stadtsäckel hätte einheimsen können— bei der Beratung der Wertzuwachssteuer—, ließ er diese Gelegenheit vorübergehen und überließ die Verteidigung der Magistratsvorlage fast ausschließlich dem Ober» bürgerincister und— unseren Genossen. Das ist keine Finanz- Politik, die der Stadt Berlin würdig ist! « Die Ersatzpflicht der Schule.* ■' In einer höheren Lehranstalt ist kürzlich einem Schüler ein Ueberzieher vom Korridor entwendet»vordep. Die Schul- Verwaltung, die um Ersatz angegangen wurde, lehnte den Anspruch ab. Der Vater des Knaben klagte. Im Termin wurde festgestellt, daß es tatsächlich an genügender Aufsicht gefehlt habe und so war eine Verurteilung der Stadt voraus- zusehen. Diese verhinderte der Vertreter der beklagten Stadt Berlin dadurch, daß er uin Aussetzung der Verhandlung bat, um inzwischen dem Magistrat Gelegenheit zu geben, sich mit der Angelegenheit nochmals zu befassen. Das hat nun der Magistrat gestern getan und beschlossen, mit Rücksicht auf die besondere Lage des vorliegenden Falles den gerichtlich ge- forderten Ersatz in angemessener Höhe zu leisten, zugleich aber geeignete Maßnahmen zur Verhütung einer Wieder- holung zu treffen. Mit diesem Beschluß ist der Magistrat einer sicher zu erwartenden Verurteilung ausgewichen. Hoffentlich beschränken sich die Vorsichtsmaßregeln zur Verhütung von Diebstählen auf den Korridoren der Schulen nicht nur auf die höheren Schulen, sondern auf alle der Auf- ficht und Verwaltung des Magistrats unterstehenden Anstalten. Allgemeine StSdtebau-Ausstellung 1910 in Berlin. Der allgemeinen Städtebau-Ausstellung gingen in der letzten Woche bereits mehrere interessante Sendungen von Ausstellungs- Material zu; u. a. auch zahlreich« Photographien, Unterrichts- und Einzelpläne von der Süd-Park-Koinmission in Chicago, die die größte von den drei Park-Kommissionen Chicagos ist. Sie hat innerhalb weniger Jahre mehr als 70 Millionen Mark für die Anlegung und Ausgestaltung von 23 Parks und die Parks v«r- bindenden Boubevarvs ausgegeben. Die Berliner wird es inter- essieren, wie mannigfaltig die Vorkehrungen sind, die in diesen Parks den verschiedensten sportlichen und geselligen Bedürfnissen entgegenkommen. Außer den für jeden erdenklichen Sport einge- richteten Spielplätzen und Turnhallen gibt es Schwimmbassins unter freiem Himmel und in geschlossenen Räumen für den Winter, Tümpel zum Waten für Kinder, Lesehallen, jedermann offen stehende Versammlungsräume in allen Größen mit angeschlossenem Nestau- rant usw. Diese Anlagen stellen wohl das Vollkommenste dar, was bis heute auf dem Gebiete des Volksparks geleistet worden ist. Jagd iu städtischen Parkanlagen. Interessante Jagdstreifzüge werden gegenwärtig in unseren städtischen Parkanlagen unter- nommen. Die Anlagen bieten nicht nur der Einwohnerschaft Erholung in Form angenehmer Spaziergänge und„einer Lunge voll" frischer Luft, nein, sie geben auch mancherlei Getier Obdach und Nahrung. Abgesehen von den gern gesehenen ge- fieberten Sängern aller Arten und den minder willkommenen Insekten wimmelt es auch von Vierfüßlern. Natten und Mäuse, Kaninchen und Eichhörnchen sind es, die unsere städtischen Parkanlagen und auch den Tiergarten unsicher machen und dem Gärtnerpersonal viel Aerger und Verdruß bereiten. Alle diese Schädlinge bilden nun das jagdbare„Wild" unserer Parks. Eich- Hörnchen und Kaninchen, welche als„Hochwild" gelten können, acht man mit Pulver und Blei, den Kaninchen auch mit Netzen zu Leibe. Anders ist es bei den Mäusen und Ratten. Diesen langgcschwänzten Grauröcken, deren Fortpflanzungseifer be- kanntlich ganz bedeutend ist, muß man anders beikommen. um den Schaden, den sie durch Unterminierung des Bodens und Entwurzelung von Stränchern und anderen Pflanzen an- richten, zu verhüten. Hier tut sich eine Kolonne von fünf bis sechs Parkarbeitern zu einer Jagd auf die Schädlinge zu- sammen. Die Waffen find etwas eigenartiger Natur: Ein langer Gartenschlauch, in jeder Faust ein alter Reisbesen und eine oder zwei Heckenscheren, so zieht die Jagdgesellschaft auf Beute aus und sondiert zunächst das Terrain. Ist ein Erd- loch gefunden, dann gilt es, die übrigen zum Bau gehörigen Gänge aufzusilchen und mit dem Reisbesen fest zuzuhalten. Da diese Gänge meist im Gebüsch münden, mutz die Heckenschere in Aktion treten, um im Wege stehende Zweige zu beseifigen. Sind scheinbar alle Ausgänge des Baues besetzt, dann wird der Gartenschlauch am nächsten Hydranten angeschraubt und seine Mündung in einen der Gänge versenkt. Im Augenblick ist der ganze Bau unter Wasser gesetzt. Die Reisbesen werden aber festgehalten, bis man annehnien kann, daß alle Insassen ersäuft sind. Dann werden die Besen fortgenommen und mit starkem Wasserdruck die„Strecke" an die Oberfläche gespült. Oft sind es 12, 15. 20 und mehr der gefräßigen Nager. Nun geht es zum nächsten Bau. Die Beute wird der Park- Verwaltung eingeliefert und von dieser mit einigen Pfennigen pro Stück bezahlt. Nur diesem rafionell geführten Per- tilgungskrieg ist es zu danken, daß das Ungeziefer in unseren Parkanlagen nicht überhand nimmt und im Winter zur Plage der Anwohner wird. Der sparsame Eisenbahnflökuö. Die altpreußische Sparsamkeit, die der verflossene Reichskanzler Biilow einst propagierte, scheint es besonders dem Eisenbahnfisklis angetan zu haben. Es wird gespart in einer Weise, die weder im Interesse des Fiskus noch in dem deS Publikums liegt. So liegen beispielsweise auf den Stationen der preußischen StaatSbahnen Fahrpreistafeln zur Benutzung deS Publikums aus, zweifellos eine vraktische Einrichtung, die aber zum Aergernis wird, wenn sie. wie auf dem Potsdamer und Anhalter Bahnhof, unbrauchbar Ivcrden. Die dort be- findlichen Fahrpreistafeln sind nämlich so abgegriffen und verschmutzt, daß eS einen anständigen Menschen ekelt, sie anzufassen. Einzelne Partien sind durch den langen Gebrauch so unsauber geivordeu, daß man faktisch vor Schmutz nicht mehr die Zahlen erkennen kann. Diese Fahrpreis- takeln werden täglich von Hunderten benutzt. Was für einen Ein- druck muß e« auf Fremde machen, wenn sie auf den Bahnhöfen der Haupt- und Residenzstadt so ekelhaft verschmutzte Einrichtungen vorfinden? Mit leichter Mühe und geringen Kosten ließen sich diese tahrpreistafeln neu und auch in mehreren Exemplaren anfertigen. as scheint aber aus bureaukratischen Sparsamkeitsrücksichten nicht zu geschehen. Vielleicht blättern die hohen und höchsten Beamten einmal selbst die Fahrpreistafeln durch, aber ohne Benutzung von Handschuhen und Eon de Cologne I Ein gefährlicher Kautionsschwinbler wurde vorgestern von der Kriminalpolizei auf offener Straße festgenommen. Ein früherer Hausdiener und Kellner Gustav Grabitz, der schon wieder- holt bestraft ist, gründete Ende 1909 in der Rheinsbcrgerstraße eine Zuckcrwarenfabrik, aber nicht um sie zu betreiben, sondern lediglich, um sie zu einem ausgedehnten Kautionsschwindel zu be- nutzen. Er suchte und fand eine ganze Anzahl Leute, die Kassierer seines Geschäfts werden sollten und dafür jeder mehrere 190 M. Bürgschaft stellen mußten. Grabitz verstand es, die Leute, die einer von dem anderen nichts wußten, durch glänzende Vorspiegelungen so sicher zu machen, daß sie ihm ihr Geld ohne Bedenken anver- trauten. Er sagte ihnen auch ausdrücklich zu, daß es auf einer Bank hinterlegt werden sollte. Einigen seiner Kassierer der- pfändete er auch noch die Ladeneinrichtung für die Bürgschaft. ES zeigte sich aber bald, daß eS nichts zu kassieren gab. und als nun die Leute ihc Geld wieder verlangten, ergab sich, daß der Schwindler es für sich verbraucht hatte und daß die verpfändete Ladeneinrich- tung ihm gar nicht gehörte. Grabitz schädigte auf diese Weise viele kleine Leute, die zum größten Teck ihre Ersparnisse verloren. Seitdem die Schwindeleien aus Licht gekommen waren» hielt er sich verborgen und wußte sich durch Haarfärben und wiederholte Aendcrungen seiner Barttracht so unkenntlich zu macheu, daß eö erst nach langen und schwierigen Beobachtungen gelang, ihn zu er- wischen. AlS zwei Kriminalbeamte ihn auf offener Straße er- griffen, inachte er einen Fluchtversuch und konnte erst nach einem Handgemenge überwältigt und abgeführt werden. Grabitz hat sich auch wiederholt falsche Namen beigelegt, und es ist wahrscheinlich, daß er noch mehr Leute geschädigt hat, als bis jetzt bekannt ge- worden. Alle Betrogenen, die noch keine Anzeige gemacht haben, können sich bei der Kriminalpolizei im Zimmer 177 melden. Scharfe Schüsse auf eine Patrouille am Pulvermagazin. Eine Schicßaffäre, bei der drei Menschenleben auf dem Spiel standen, lag eine Anklage zugrunde, mit der sich gestern das Kriegs- geeicht der 2. Gardedivision zu befassen hatte. In der Jungfern- Heide bei Tegel liegt das Pulvermagazin mit dem militärischen Laboratorium. Der Ort ist vollständig mit Wachtposten umgeben und besonders in der Nacht wird die Bewachung scharf durchgeführt. Am späten Abend des 2. Januar hatte der Grenadier Scherer von der 7. Kompagnie des Regiments Königin Elisabeth den Posten Nr. 3 inne. Zwischen 9 und 19 Uhr tauchten in der Ferne plötzlich drei Gestalten auf, die immer näher an den Posten herankamen. Scherer vermochte bei der starken Finsternis die Herankommenden nicht zu unterscheiden. Er war schließlich der Meinung, daß e i n U eberfall geplant sei und gab das Pfeifsignal für die Wacht- Posten ab. Den Herankommenden rief er dreimal„Wer da?" zu, ohne jedoch eine Antwort zu vernehmen. Nach dem dritten Anruf lud er sein Gewehr mit scharfen Patronen und feuerte zunächst einen Schreckschuß in die Luft ab. Aber trotzdem setzten die drei herankommenden Männer ihren Wvg auf den Posten zu fort. Scherer gab nun noch drei Schüsse ab. Er zielt« nach den nächt- lichen Wanderern in der Absicht, sie zu treffen. Jetzt erst bemerkte der Posten, daß sich die drei Gefährdeten zurückzogen. Er klingelte nun schleunigst nach der Hauptwache, worauf der wachthabende Unteroffizier Höfer mit mehreren Mannschaften herbeieilte. Der Posten meldete, daß ein Ueberfall geplant gewesen sei und daß er auf die Angreifenden drei scharfe Schüsse abgegeben habe. Dem Unteroffizier fiel sofort ein, daß er eine aus den Grenadieren Maruwki, Vollmer und Kemper bestehende Patrouille ausgesandt hatte, damit diese eine Streife außerhalb des Geländes vornehmen solle. Nach den Bekundungen dieser drei Grenadiere vernahmen sie auf ihrem Patromllengang plötzlich ein Geräusch, das wie das Laden eines Gewehres klang. Vollmer machte den Patrouillen- führer, Maruwki, darauf aufmerksam, daß der Posten schießen werde, worauf M. dem Posten zurief:„Nicht schießen, Patrouille, Parole„Groß NabaS'l" Die drei Soldaten glaubten nun, daß ihre Befürchtungen nicht eintreffen würden und daß der Posten den Paroleruf gehört habe. Sie hatten sich aber getäuscht, denn im nächsten Augenblick saufte eine Kugel dicht an Vollmer vorüber. Die Bedrohten wären auch sicher erschossen worden, wenn sie nicht sofort auseinander gegangen wären und sich niedergelegt hätten. Der Patrouillenführer wollte mit den beiden Grenadieren solang« liegen bleiben, bis der Posten seinen ganzen Vorrat, fünfzehn Patronen abgeschlossen hatte. Nach dem vierten Schuß wurde eS jedoch wieder still, und nun wagten sich die Grenadiere wieder in die Höhe. Scherer will die Schüsse auf eine Entfernung von etwa 150 bis 60 Schritt auf die Heran- kommenden abgegeben haben. Nach dem Vorfall zeigte er eine außerordentlich starke Erregung, so daß er abgelöst werden mußte. Auf die Frage des VerhandluirgSleiterS. KriegSgerichtsratt Cruse, ob der Vorfall vielleicht darauf zurückzuführen sei, daß der An- geklagte eine„Bangebüchse" sei, erwiderte Scherer, er habe keine Furcht gehabt, sondern sicher geglaubt, man habe es auf einen Angriff abgesehen. Die Herankommenden habe er für Strolche ge- halten und von dem Paroleruf nichts gehört. Die anderen auf Posten stehenden Grenadiere hatten nur ein Durcheinander von Schreien, Pfeifen und Schießen vernommen. Der Vertreter der Anklage, KriogSgerichtSrat Kaehrn, bean- tragte gegen Sch., der sich wegen rechtswidrigen Waffengebrauchs und wegen Vergehens gegen die Wachbestimmungen zu verant- Worten hatte, die Freisprechung. Wenn der Angdlagie, der anscheinend ein etwas ängstlicher Mann sei. auch tatsächlich Gespenster gesehen habe, so konnte er doch annehmen, daß«S Strolche waren, die sich viel in der Jungfernheide herumtreiben und. sich in feind- licher Absicht näherten. Wenn der Angeklagte annehmen durfte, daß ein Angriff vorlag, so war er durchaus berechtigt, von der Schußwaffe Gebrauch zu machen. Das Gericht sprach den An- geklagten auch frei, da ihm seine Angaben, er habe bei der starken Dunkelheit die Patrouille nicht erkannt und einen Angriff bo- fürchtet, nicht widerlegt werden konnten. Auf Grund des Not- Wehrparagraphen mußte infolgedessen die Freisprechung erfolgen. Ein ausgebrannte Kintopp. Ein Nachtwächter bemerkte gestern morgen um 4 Uhr, daß aus dem Theater Lebender Bilder in der Münzstr. 1 Rauch herausdrang. Er rief die Feuerwehr zu Hilfe, die mit zwei Zügen aus der Keibel- und aus der Linienstratze an- rückte. Der Brandherd befand sich im Maschinenraum deS Theaters. Das Feuer war auf noch nicht geklärte Weise«nt- standen. Um 5 Uhr hatte die Wehr die Löschungsarbeit bewältigt. Dem Besitzer des Theaters ist, da solche Anlagen von den Feuer- Versicherungen nicht angenommen werden, ein Schaden von 3000 bis 4000 M. entstanden._ Vorort- JVacbricbtem Weihensee. Zur Wahlrechtödemonpration. Wie bekannt, wurde am 13. Februar aus Anlaß der imposanten Wahlrechtsdemonstration auch die hiesige Polizei etwas nervös. Der Versuch der Polizei, die st,edlich Demonstrierenden auseinanderzutreiben, mißlang. In ihrer Kopf» losigkeil glaubten die Beamten den Demonstrationszug dadurch zur Auflösung zu bringen, daß sie vier an der Spitze des Zuges mar- schierende Genossen arretirte. Der Zug bewegte sich indessen weiter bis zum Antouplatz, wo er sich dann auflöste. Wie uns nun mit- geteilt wird, haben die Genossen Kahl, Taubmann und Fuhrmann, die an der Spitze des Zuges marschierten, eine Anklage erhalten. Die drei Genannten sehen dem Ausgang mit aller Ruhe entgegen. Neinickendorf- West. Die letzte Mitgliederverfautmluiig ehrte zunächst das Ableben des Genossen Richard Fischer. Sodann hielt Genosse D ü w e l l einen mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Vortrag über„Gendarm— Polizei und Militär-Wahlrecht". Einen Antrag des Kreises,«inen Extrabeitrag von 10 Pf. monatlich zu erheben, lehnte die Versamm- hing gegen 7 Stimmen ab. Der 1. Mai soll in diesem Jahre mit Rücksicht darauf, daß derselbe auf einen Sonntag fällt, in zwei Lokalen, und zwar in GördeS Waldschlößchen und in den Eichborn- sälen gefeiert werden. In den Jugendausschuß wurde der Genosse Monkowski gewählt. Aufgenommen wurden zehn Genossen und sechs Genossinnen. Oranienburg. Ter Stadtverordnetensttzung am Mittwoch lag der Stunden» plan für die gewerbliche Fortbildungsschule vor; demselben wurde allseitig zugestimmt. Nach dem Plan wird der Unterricht bereits in den ersten Nachmittagsstunden gegeben. Außerdem wurde in Aussicht gestellt, daß jedenfalls sväter der Unterricht schon iu den Vormittagsstunden beginnen. werde. Dafür trat sogar ein Arbeit- geber, der Stadtverordnete Fabrikbesitzer Dechert, ein. Einem An- trage, der kaufmännischen Fortbildungsschule% der nicht durch eigene Einnahmen gedeckten Kosten zu bewilligen, wurde zuge- stimmt, und zwar für das Jahr 1910 bis zu 460 M. AlS Gegen- leistung delegiert die Versammlung ein Mitglied in den Schul- vorstand. Unsere Genossen schlugen den Genossen Garlipp vor; die Mehrheit wählte den Siadtverordneten Wcinhold Janschke. Es scheint, als ob man von uns überhaupt niemanden in die Kommissionen lassen will. Zwei Anträge, welche unsere Genossen christlich eingereicht hatten, kamen nicht zur Verlesung, weil nach der Geschäftsordnung ein Antrag mindestens S Unterschriften haben muß. Da unsere Genossen nur in einer Anzahl von 4 vertreken sind, werden sie in Zukunft gezwungen sein, entweder auf Anträga zu verzichten oder aber nach einer Stimme Umschau zu halten. Eine von zirka 300 Personen besuchte Volksversammlung tagte im„Woldhaus"-Sandhausen, um Protest einzulegen gegen das preußische Wahlrecht. Genosse Hildebrand geißelte in scharfen Worten die Regierungsvorlage, die in ihrer jetzigen Fassung dos Proletariat ebenso entrechte wie vordem. Ein aus der Versamm- lung gestellter Antrag, wonach die sozialdemokratischen Stadwer- ordneten ersucht wurden, den Magistrat aufzufordern, daß dieser sich in einer Petition dem Protest gegen die Wahlrechtsvorlage an- schließt, wurde angenommen.— Eni vorhergegangener Umzug noch dem Versammlungslokal erfreute sich der polizeilichen Bezieh �ng. Zum Usberfluß waren noch 4 Gendarmen herangezogen, ohne dug die- selben jedoch Gelegenheit hatten, in Funktion zu treten. Die Gemeindewahlbewegung. Britz. Die Wahlen zur Gemeindevertretung finden für den 3. Abteilung am Montag, den 7. März, von 2 bis 7 Uhr nachmittags, im Saale des Herrn Raddatz, Chausseestr. 39, statt. Es sind für die 3. Abteilung drei Angesessene zu wählen. Da für die Arbeiterschaft nach den ortlichen Verhaltnissen die 3. Abteilung allein in Frage kommt, ist es Pflicht aller Arbeiter und Partei- genossen, diesmal auf dem Posten zu sein, damit der Wunsch unserer Gegner, in diesem Jahre die noch von uns innegehabte» Sitze zu erobern, nicht erfüllt wird. Wie uns bekannt, werden eS die bürgerlichen Herren nicht versäumen, diejenigen Arbeiter, welche wirtschaftlich abhängig, für sich zu bearbeiten. Ganz be- sonders tätig ist ein Lehrer Herr Engel, der sich bereit? vor zwei Jahren in der Bekämpfung unserer Kandidaten hervorgetan� hat. Jeder Parteigenosse sowie Arbeiter muß sein Wahlrecht ausüben, um somit unseren Kandidaten mit bedeutender Maiorität zum Siege zu verhelfen. Johannisthal. Eine am 22. Februar statgefundene öffentliche Versammlung beschäftigte sich mit der bevorstehenden Gemeinde- Vertreterwahl. Nach einem beifällig aufgenommenen Referat deS Arbeitersekretärs Albin Maß über:„Die Forderungen der Ar- beiterschaft an die Gemeindeverwaltung", wurden für die 3. Klasse unsere bisherigen Gemeindevertceter. die Genossen Radumke und P i r s i ch. für die L. Klasse der Restaurateur Otto S e n f t- leben aufgestellt. Stralau. Die Gemeindevertreterwahlen finden am Don» nerStag, den 3. März, nachmittags von 4 bis 8�4 Uhr im Restaurant„Storchnest", Alt-Stralau 16, statt. Die dritte Klasse wählt von 4 bis 7ktz Uhr. Die Genossen werden ersucht, sich pünkt- lich um 4 Uhr dort einzufinden. Kandidat der Sozialdemokratie ist: Schlosser Ernst Wessel. Markgrafendamm 13.— Außerdem findet am Mittlvoch, den 2. März, abends 814 Uhr, eine öffentliche Wählerversammlung im Lokal„Alte Taverne", Alt-Stralau 26, statt. Tagesordnung: 1. Vortrag des Gemeindevertreters Genossen Grunow-Oberschönewcide über:„Die Sozialdemokratie in der Kommune". Sodann Ansprache des Kandidaten Genossen Ernst Wessel. 2. Diskussion. Die Genossen werden ersucht, für diese Versammlung sowie für unseren Kandidaten rege zu agitieren. Weißenser. In einer gutbesuchten öffentlichen Wählerver- sammlung referierte der Stadtverordnete Genosse Grauer» Lichtenberg über das Thema:„Welche Forderungen stellen wir an die Gemeindevertreter?" Der Referent verbreitete sich in inter- essanten Ausführungen über fast alle Angelegenheiten der Kom» mune. Zum Schluß forderte er die Versammelten auf, dafür ein« zutreten, daß am Tage der Wahl die sozialdemokratischen Kandi» baten mit imposanter Stimmenzahl gewählt werden. Reicher Bei» fall wurde dem Redner gezollt. Zur Diskussion nahmen die Genossen Gemeindevertreter Frentz und Fuhrmann dos Wort zu längeren Ausführungen, in welchen sie die örtlichen Verhältnisse beleuchteten. Zugleich hoben sie hervor, daß die bürgerlichen Ver» treter nicht einmal den Mut hatten, der Wahlrechtsresolution zu- zustimmen. Hierauf erfolgte die Aufstellung der Kandidaten ver 3. Wählerklasse. Im ersten Bezirk kandidiert der Genosse Frentz und im 3. Bezirk Genosse B e t h g e. In der 2. Wählerklasse Gast- Wirt Franz Content, Maurer Otto Kohl und Kassenbeavter Emil Her sing. Zum Schluß nahm die Versammlung noch eine Resolution an, in der das Vorgehen der bis an die Zähne be» waffneten Polizei aus Anlaß der letzten Wahlrechtsdemonstration scharf verurteilt wird._ Jugendverausta ltungen. Tegel. Der Juaendausschutz veraiiktaltet am Sonntag, den 27. gedr., einen Besuch deS Museum« sllr Völkerkunde unter Leitung des Eenoisen M. Schütte. Treffpunkt 10 Uhr bei Halses, Brunomstrage. Die Eltern werden gebeten, ihre erwachsenen Söhne und Töchter auf diesen Besuch hin» zuweilen und daran teilnehmen zu lassen. Für Nachzügler Tresspunkt bis 12 Uhr mittags im Wartesaal dritter Klasse Anhalter Bahnhos. Gerichts-Zeltung. Ein Borspiel zu der Arnholzschen Mord fach« beschäftigte gestern daL Moabiter Strafgericht. Aus der Unter- suchungshast wurde der Gelegenheitsarbeiter Karl Hahn vorgeführt, welcher bekanntlich unter dem Verdacht steht, in Gemeinschaft mit seiner„Geliebten", der Händlerin Frau Luise Schreck geb. Ziethen. die Prostituierte Anna Arnholz ermordet und dann den Leichnam zerstückelt zu haben. Hahn hatte sich nun vor der 2. Strafkammer des Langerichts II unter der Anklage der Zuhälterei gegenüber der Frau Schreck und der ermordeten Arnholz zu verantworten. Den Vorsitz im Gerichtshofe führte Landgerichtsdirektor Liepmann, die Anklage vertritt Staatsanwaltsschaftassessor Müller, der Angeklagte wird von den Rechtsanwälten Dr. Puppe und v. Palmowsk» verteidigt. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft beschloh das Gericht, wegen Gefährdung der Sittlichkeit die Oeffentlichkeit auSzu, schließen, gestattete jedoch dem Ersten Staatsanwalt Dr. Hagemann, zen Kriminalkommissaren Gcnnat und Weiß, sowie den Vertretern der Presse die Anwesenheit während der Verhandlung. Unter den vielfachen Borstrafen des Angeklagten befinden sich hauptsächlich olche wegen Roheitsvergehen. Im Jahre 1904 ist er auch schon einmal wegen Zuhälterei, begangen gegenüber der Schreck, zu einem Jahre GefänguiS und drei Jahren Ehrverlust verurteilt worden. Außerdem wurde er damals der Landespolizeibehörde überwiesen und befand sich bis zum Juli 1906 im Arbeitshaus RummelSburg. DaS Urteil lautete auf 2 Jahre und 6 Monate Gefängnis, 6 Jahrs Ehrverlust, bei Stellung unter Polizeiaufsicht und spätere Ueber» Weisung an die Landespolizeibehörde. Zwei Monate Unter» suchungshast wurden für verbüßt erachtet. Die Roheit eines Direktor? beschäftigte gestern das Schöffengericht Berlin-Miite. Vor ihm mußte sich der Direktor der Aktiengesellschaft für Sprechmaschinen „Carl Lindström", der Kaufmann Paul Kretschmar, iu"öemeln» 'chaft mit dem Direktor Max Strauß wegen fahrlässiger Korper- Verletzung und Sachbeschädigung verantworten.— Die beiden Angeklagten standen in ihrer Eigenschaft als Direktoren der genannten Aktiengesellschaft mit dem Fabrikbesitzer Lichtenstein in Weißensce in Verbindung, die ihnen durch einen Gebrauchsmusterschutz schützte Gehäuse für Grammophone lieferte.. Zwischen beiden Firmen bestand ein Vertrag, der dahin ging, daß die Aktiengesell« schaft Lindström die Gehau>e ausschließlich von der Firma Lichten» lein beziehen durfte. Vor einiger Zeit brachte L. nun in Er- ahrung, daß von der Aktiengesellschaft auch anderweitig fabrizierte Gehäuse angekauft und als angeblich geschützt in den Handel ge» bracht sein sollten. Er strengte ein Verfahren wegen Vergehens gegen das Mustcrschutzgesctz an, welches zurzeit noch schwebt. Die Staatsanwaltschaft nahm daraufhin in der Fabrik in der Großen Frankfurter Straße eine Haussuchung vor, bei welcher 1öo2 Appa» rate beschlagnahmt wurden. Zwischen den Angeklagten und den, Zeugen Lichtenstein, der bei dieser Beschlagnahme zugegen war, ftfm e« ftu Streitigkeiten, bei welchen der Hut des L. absichtlich auf den Fußboden geworfen und zerrisien wurde. Der Angeklagte Kretfchmar ging jedoch noch weiter.(5r stieß den L. die Treppe herunter und bearbeitete ihn mit Fußtritten, so daß L. besinnungs- los liegen blieb. Als sich L. nicht allein erheben konnte, verbot er in höhnischem Tone seinen Arbeitern, dem Verlebten zu helfen, bevor er sie hierfür nicht bezahlt habe.— Das Gericht kam bezüglich des Angeklagten Stranß mangels genügend aufgeklärten Sachver- Halts zu einer Freisprechung. Gegen Krctschmar erkannte das Gericht mit Rücksicht auf die zutage gelegte ganz erhebliche Roheit auf drei Wochen Gefängnis. Außerdem wurde dem Verletzten eine Buße von 200 Mark zugesprochen. Gegen Gerhart Hauptmann richtete sich eine Privatklage, die gestern vor der 143. Abteilung des Schöffengerichts Berlin-Mitte verhandelt wurde. Privatkläger war der Redakteur der..Saale-Zeitung", Martin Feuchtwanger, aus Halle a. S. Den Vorsitz führte Amtsrichter Struckmann. Gerhart Hauptmann wurde durch Justizrat Paul Jonas, der Privatkläger durch Rechtsanwalt Bahn vertreten. Der Klage lag folgender Sachverhalt zugrunde: Der Privatkläger hatte Herrn Gerhart Hauptmann am 27. Oktober v. I. in Leipzig besucht, um seine Meinung über eine in den„Süddeutschen Monatsheften" veröffentlichte abfällige Kritik über neuere Schöpfungen Haupt- mannö zu hören. Ueber den Inhalt der Unterredung veröffent- lichte Herr Feuchtwanger in der„Saale-Zeitung" ein Feuilleton unter der Ueberschrift:„Mein Besuch bei Gerhart Hauptmann." In diesem Artikel wurden eigenartig! Aeuße- rungen des Dichters über seine Stellung in der deutschen Literatur und über die deutsche Kritik veröffentlicht. Gerhart Hauptmann sandte darauf von Hannover aus an den Chefredakteur des„Ber- liner Tageblatts" ein Telegramm, durch welches sich der Privat- kläger beleidigte fühlte. Dem Privatkläger wurde vorgeworfen, er habe die Unterredung„erschlichen", er wird als„Student in Ge- wissenSnöten" bezeichnet, der Artikel„lächerlich" genannt und der Privatklägcr für unfähig erklärt, Gesprochenes richtig wiederzu- geben. Der Privatkläger behauptet demgegenüber, daß die von ihm in dem Feuilleton wiedergegebenen Aeußerungen de» Dichters durchaus der Wahrheit entsprechen. Ferner habe er die Unter- redung keineswegs„erschlichen", ebensowenig habe er verschwiegen, daß er Journalist sei. Im Termin kam cS zu einem bis zum IS. März widerruflichen Vergleich. Der Angeklagte erklärte durch den Mund seines Vertreters, daß ihm die Absicht einer Beleidigung des Privatklägers ferngelegen habe und er die Kosten deS Ver- fahrens übernehme._ Freireligiöse Gemeinde. Sonntag, den 27. Februar, vormittags 9 Uhr. Pappel-Allee 15—17: Freireligiöse Vorlesung. Vormittags 1t Uhr: Kleine Franksiirter Str. 5: Bortrag von Herrn Dr. Bruno Wille: „Das Sinnbild vom Samenlorn." Damen und Herren als Gälte sehr willkommen. Sozialdemokratischer Zentralwahlverein für den Ret Wahlkreis ZlrnSwalde- Friedeberg. Ortsverein Berlin. Sonntag, nachmittag» 3 Uhr: Mitglieder-Versammluug bei Thimm, TUsiter Str. 79. Kranken, und Sterbekasse der Tavakarbelter Berlins.(E.H. Nr. 88.) Heule abend 9 Uhr, bei Grande, Weinstr. 11: General-Berjamm« lun g. Tagesordnung: Neuwahl des Vorstandes, des Ausschusses und von Kranlculoutrolleuren. Acnderung des KasienstalutS. «MnernngStideriicht vom 25. Februar ISIO, morgen« 8 Uhr. 2 bebe« 1 bedeckt >avaranda 757 O Petersburg 754 S Scillh ,749 WS® 5 bedeckt llberdee» 745 W I 1 heiter Varv rwniemd« 754 SW 3woMg daurdurg 753 WSW 4 wollig Perlir 756 Sö 1 4 bedeckt .Jranfl.aSS 758 33B 4 Regen A an che» i 762 SS! 2 halb bd. Wie» 764 WSW 1 wolkig Wetterprognose tür Sonnabend, de« SS. Februar lvlO. Zunächst etwas wärmer, zeitweise heiter, aber sehr veränderlich mit Regenschauern und ziemlich starken südwestlichen Winden! später wieder etwas kühler. Berliner Wetterbnreau. 746 W I 1 heiter 1 -i- h-- Theater und Vergnügungen Eonnabend, den 26. Februar. Ansang 7 Uhr. «tSnlgl. OpernhanS. Tristan und Isolde. Ansang Vi, Uhr. Königl. Schauspielhaus. Prinz Friedrich von Homburg. Reue» köntgl. Opern-Theater. Geschlossen. Tentsche«. Judith. Kammerspiele. ver ante König Dagobert.(Ans. 6 Uhr.) Antang 8 Uhr. Berliner. Tatsun. Lessing. Da» Konzert. Neues Slhaniptelda»?. ver Herr Verteidiger. Rene». Der Philosoph von Sans- souct. Westen. Die geschieden« Frau. Komische Oper. Ztgeunerliebe. Neues Ovrrette«. Der Gras von Luxemburg. Trianon. Theodor«». Tie. Kleines. Der große Name. Residenz. Im Taubenschlag. Thalia. Die Dollarprinzessin. Schiller«». saline»- 4.oealer.> Neue Jugend. Schi»" Ehariottendurg. Sgmont. Friedrich> WilHelmKnd«. Groß. ftadtluft.(Ansang 8'/, Uhr.) Nachm. S>/. Uhr: Die Jungfrau von Orleans. volksoper. AhaSver. Der Bardier von Sevilla.(Ansang 8>/, Uhr.) Lntsen. Der Beilchensresser. Nachm. 4 Uhr: Max und Marth. Roie. Die Etsenbahnräuber. Nachm. 4 Uhr: Schneewittchen. Lnftsptelhau». Der dunkle Punkt. Merrovot. Hallohll— Dt« große Revue. Frlte» Kaprice. Herr Wafsertrops. Der Lustturner.(Ans. 8'/« Uhr.) Aasino. Der Obergauner. Gedr. Herrnfrld. So muß man'S machen. Eine UebergangS-Ebe. Hebbel. Kavaliere.(Ans. 8'/« Uhr.) en. chneewetßchen und RoaitS. Nachm. 8 Uhr: Rosenrot. Stadttbeaier Moabit.. Parodie. Lohengrün.(Ans. B'u Uhr.) Apono. Der LiebeSwalzer. spezja- lititen. Wintergarten. Epeztalltäte». NeichSbaNen. Sicitiner Sänger. Palast. Spezialitäten. woiiagr. Svezialitäle». Karl Häver land. Spezialitäten. Waidalla. Lvezialtläten. Buggenhagen. Spezialitäten.(An- ?'/. Uhr). Urania, raudenstraße 48/49. Nachm. 5 Uhr: Hans Hildenbrandt: Die Photographie in natürlichen Farben. Abends 8 Uhr: Im Ftrnenglan, des Vber-Engadin. 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Nachmittags 5 Uhr: Hans Hildenbrandt: Die Photographie in natürlichen Farben. 8 Uhr: im Klrnenglanz de« OI»er-läiign ,, Karl tiaverland Ansang Theater, präz. 8 U. 77/79 Kommandantcnstraße 77/79. Ab 16. dieses Monats ein sensationelles Propmn SSrauerei Friedrichshain am Königstor. GrUfite Sehenswürdigkeit Berlins. «Ä,„Auf der Alm." Größter Bock-Jubel und Trubel. Der berühmteste Festwir» Sedorsed kUirengruder mit seiner Truppe(60 Mitwirkende) aus München. Gratiöverlosnng von ÜOO Wertgegenstäude». Jeder Besucher erhall ein Lo» gratis. Anfang 4 Uhr._ Sntree SO Pf. »6M>6»»666M6KK6M666M6«66iM>6>6M666� Arnold Scholz IVCllC Wdt Hteenhelda 108/114, Täglich; 1 ! Großes fiockbierfest in ßen bayerischen Alpen; Anfang 7 Uhr. Entree SO Pf. Voranzeige! Mittwoch, den 9. März 1910; Voranzeige! hommerfeat in den bayerischen Alpen. Hannball. Sonnabend, den 26. Februar, abends 7'/j Uhr: Gala-Abend. Neu! Neu! , Visenherz" v. Meistersinger a. d. 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Die im„Deutschen TranSportarbeiter-Berband' organisierten „Einkassierer und Kassen boten sowie die im„Zentral- verband der Handlungsgehilfen und Gehilfinnen" organisierten Reisenden und Agenten geben hierdurch bekannt, daß zur- zeit von den verschiedensten Firmen der AbzahlungS-, Nähmaschinen- und Versicherungsbranche eine außergewöhnliche Reklame zwecks Gewinnung neuer Kundschaft gemacht wird. Wir ersuchen höflichst, derartige Geschäfte nur mit„organisierten Einkassierern respektive Agenten abzuschließen und machen gleich- zeitig darauf aufmerksam, daß von den Organisationen für daS Jahr 1910 eine graue Legitimationskarte zur Kontrolle der Mitgliedschaft herausgegeben worden ist, welche monatlich gestempelt sein muß. Man lasie sich nicht täuschen; die .braunen" und„grünen" Karten haben keine Gültigkeit mehr. Beim Kauf von Möbeln oder Nähmaschinen, sowie beim Abschluß von Feuer-, Diebstahl-, Lebens- oder Volksversicherungen verlange man stets die„graue" Legitimationskarte. Die Agitationskommission der Einkassierer und Kasienboten. I. A.: Friedr. Suckow, Berlin dl., Fehrbelliner Str. 3. Die Agitationskommission der Reisenden und Agenten. I. A.: O. Urban, Berlin dlO., Neue Königstr. 36. Vorort- JVacbncbten. Lichtenberg. Die Stadtvcrorbnetensitzung am Donnerstag stand unter dem Zeichen der WahlrechtSvorlag�. Den von unseren Ge- noffen eingebrachten Antrag, welcher die Stadtverordnetenversamm» lung auffordert, sich gegen die Wahlrechtsvorlage der Regierung zu erklären und dies durch eine Petition an das Abgeordnetenhaus zum Ausdruck zu bringen, begründete Genosse D ü w e l l. Er wies unter anderem darauf hin. daß bei der von der Regierung vor- gelegten Vorlage keine Rede sein könne von einer organischen Fort- cntwickelung des Wahlrechts, wie es dem preußischen Volk in der Thronrede versprochen wird. Hierauf zeigte er an der Hand der Statistik, wie bei der bisherigen WahlkreiSeinteilung, welche ja in der Borlage beibehalten wird, die großen Industriezentren von dem flachen Land übervorteilt werden. Auch für unseren Wahlkreis, bestehend aus„Ober- und Niederbarnim sowie dem Stadtkreis Lichtenberg" treffe dies ganz besonders zu, denn während unser Kreis mit 129 818 Urwählern 8 Abgeordnete wählt, somit auf einen Abgeordneten über 40009 Urwähler entfallen, sind bereits der» schiedene Kreise mit zirka 8090 Urwählern ebenfalls in der Lage, einen Abgeordneten zu wählen. Ganz besonders ungünstig wird dieses Verhältnis jedoch, wenn man bei dieser Berechnung einen Jndustrieort wie Lichtenberg mit zirka 89999 Einwohnern einem dieser kleinen Landkreise gegenüberstellt. Der Redner der Bürger- lichen, Herr Rechtsanwalt Krüpfgantz, konnte nicht umhin, die von unserem Genossen geltend gemachten Gründe gegen die Wahl- rechtSvorlage anzuerkennen, jedoch erklärte er, daß seine Freunde einen Antrag ausgearbeitet hätten, welcher in einigen Punkten von dem unseren unwesentlich abweicht. Er ersuchte uns im Interesse einer einheitlichen Kundgebung, unseren Antrag zurückzu- «tehen, welchem Wunsche auch alsdann unsere Genossen entsprachen. Z)er daraufhin einstimmig angenommene Antrag lautet: »Die Versammlung wolle beschliehen, dem Hause der Abge- Srdneten die Bitte zu unterbreiten, die WahlrechtSvorlage abzulehnen, weil diese Vorlage den billigsten Ansprüchen der- jenigen preußischen Staatsbürger nicht gerecht wird,»oelche durch die industrielle EntWickelung der letzten Jahrzehnte in den In- dustriestädten in großer Zahl zusammengedrängt sind, zu denen die Stadt Lichtenberg gemäß der Beschäftigung des bei weitem über- wiegenden Teiles seiner rund 89999 Seelen umfassenden Bevölke- rung gehört. Ferner den Magistrat zu ersuchen, dem Beschluß der Versammlung beizutreten." Als nunmehr der Genosse Brühl an den Magistrat die An- frage richtete, wie er sich denn zu diesem Antrag stelle, schwieg sich dieser aus. Auch der von unserem Genossen direkt befragte Bürgermeister der Arbeiter st adt Lichtenberg und zugleich durch Freisinnsunterstützung gewählte freikonser- vative Landtagsabgeordnete Ziethen hielt es nicht für notwendig, einem einstimmig von den Vertretern der Bürgerschaft angenommenen Antrag gegenüber seine Stellung zu präzisieren. Jedoch schon der folgende Punkt der Tagesordnung follte dem Herrn Bürgermeister die Gelegenheit geben, seine Auf- fassung über Bürgerrechte und Selbstverwaltung den Stadtver- ordneten zu unterbreiten. Unsere Genossen hatten eine Interpellation eingebracht, worin ungefragt wird, was der Magistrat unternommen hat, den anläß- lich der vorjährigen Etatsberatung angenommenen Antrag betr. Ueberlassung von Turnhallen an die in Lichtenberg domizilierenden Turnvereine zur Ausführung zu bringen. Genosse Linke wies in seiner Begründung darauf hin, daß bis jetzt dieser Antrag, soweit er die Ueberlassung einer Turnhalle an den Arbeiter-Turnverein betreffe, nicht zur Ausführung gelangt sei. Nachdem man auf eine Eingabe des genannten Vereins von diesem die Namen der Mitglieder verlangte, wurde dem Verein nach langer Zeit mitgeteilt, daß der Magistrat nicht zuständig sei und die hierfür zuständige Schuldeputation die Ueberlassung einer Turnhalle abgelehnt habe.— Redner wies weiter darauf hin, daß man in Rummelsburg dem Antrage stattgegeben habe und dasselbe könne auch vom Lichtenberger Magistrat resp. der Schuldeputation erwartet werden. Bei der Beantwortung erklärte Bürger- meister Ziethen, daß der Magistrat sowohl wie die Schul- deputation deshalb dem Antrage nicht zugestimint habe, weil von vornherein zu erwarten gewesen sei, daß die Regierung ihre Ge- nehmigung versagen werde.— Unsere Genossen Brühl und D ü w e l l wiesen nunmehr darauf hin, daß, abgesehen von dem geradezu arbeiterfeindlichen Verhalten des Magistrats, hierbei noch die brüske Nichtachtung der Stadtverordnetenversammlung in Frage komme, welche der Magistrat schon zu wiederholten Malen gezeigt habe. Auch diesmal schwiegen sich die bürgerlichen Herren wieder aus. Ferner wurde bekannt gegeben, daß die unterm 7. Januar 1919 angenommene Umsatz st euer-Ordnung sowie die Wertzuwachs st euer-Ordnung vom 12. Januar er. die Genehmigung der Regierung erhalten haben und mit dem 12. Fe- bruar d. I. in Wirksamkeit getreten sind. Eine von der Regierung beantragte Abänderung der Be- soldungSordnung für die Lehrpersonen an den Volksschulen, be- treffend die Höhe der Mietsentschädigung für einzelne Lehrer sowie die Ortszulage der technischen Lehrerinnen, wurde angenommen. Der von der Stadtverordnetenversammlung beschlossenen Abände- rung der Dienst- und Besoldungsordnung für die mittleren und Unterbeamten ist der Magistrat nicht beigetreten, weS- halb diese Vorlage die Stadtverordneten wiederum beschäftigen mußte. Diesmal erhielt der Magistrat die richtige Antwort auch endlich einmal von einigen bürgerlichen Herren. Einer derselben gab dem Magistrat die bittere, aber berechtigte Pille zu schlucken, »b denn der Magistrat weiter nichts zu tun habe, «lS sich ständig mit solchen Kleinigkeiten zu befassen und dann damit wiederum die Stadtverordnetenversammlung zu beglücken. I Zu den Kosten der Polizeivcrwaltung, für welche bereits 99 999 r Mark pro 1999 bewilligt waren, macht sich ein weiterer Anteil in Höhe von 2ö 176,99 M. notwendig, so daß Lichtenberg im Etats- jähr 1909 diePolizeidieKleinigkeitvon1lS17S,99 Mark kostet. Für einen sich notwendig machenden Erweiterungsbau des Elektrizitätswerkes werden die hierfür notwendigen Mittel in Höhe von 666 999 M. bewilligt.— Eine Vorlage, betreffend die Er- höhung des elektrischen Kraftstrompreiscs für die ersten 6099 Kilo- Wattstunden auf 16 Pf. pro Kilowattstunde und 19 Pf. für jede weitere Kilowattstunde, wurde einer Kommission von neun Stadt- verordneten überwiesen. Von uns gehören die Genossen Brühl, Spieckermann und Stöber derselben an. Der an den Grundstückserwerbsfonds zu zahlende Uebernahme- preis für das zum Bau des Realprogymnasiums bestimmte Grund- stück wird auf 249 990 M. festgesetzt. Zum Schluß wurde in ge- heimer Sitzung noch der Erwerb eines Grundstücks beschlossen.— Welch regeS Interesse gerade der Wahlrechtsantrag in der Lichten. berger Bevölkerung auslöste, beweist, daß der Zuhörerraum voll- ständig überfüllt war und eine große Menschenmenge vor dem Rathaus sich ansammelte. Die jedenfalls einen Sturm auf das Rathaus befürchtende Polizei trieb die Massen auseinander und glaubte nunmehr auch das Rathaus von innen aus schützen zu müssen. Hier wurde ihr jedoch von einigen Stadtverordneten be- reitS auf der Treppe bedeutet, daß es nichts für sie zu tun gebe und man gern auf ihre Hilfe verzichte. Charlottenburg. Ein Liebesverhältnis, das feit einiger Zeit zwischen dem lZ Jahre alten Schlosser Alfred Bellert. Sophie-Charloitenstr. 6 und der 16 Jahre alten Fabrikarbeiterin Berta Bardeleben. Dankel» mannstr. 46 bestand, hat in der letzten Nacht einen tragischen Ab- schluh gefunden. Als das jugendliche Paar gegen 1 Uhr am Ufer des Lietzensees spazieren ging, sprang das Mädchen plötzlich in den See und ging bald unter. Bellert sprang ihr nach, rief aber bald um Hilfe und wurde auch gerettet. Das Mädchen selbst ist er- trunken. Dessen Leiche wurde gestern vormittag 19 Uhr durch einen Parkwächter geborgen. Rixdorf. Das Opfer der Familientragödle, der Möbelpoklercr Wilhelm Licdtke aus der Hermannstr. 64. ist gestern aus dem Krankcnhause in Buckow als geheilt entlassen worden. L. wurde, wie gemeldet, am Sonntag, den 6. Februar d. I., nach einen: häuslichen Streit von seiner Frau mit einem Rasiermesser am Halse schwer verletzt. während Frau L. aus dem Fenster ihrer im 4. Stockwerk belegenen Wohnung auf den Hof sprang, wo sie mit zerschmetterten Gliedern liegen blieb. Nach der Genesung des L. ist die Kriminalpolizei von neuem mit einer Klarstellung des bisher mysteriösen Vorfallest beschäftigt. Wilmersdorf. Die BermSgenSlag« Wilmersdorfs. Nach dem Verwaltungs- bericht der Stadt Wilmersdorf für das Geschäftsjahr 1998/99 wurde der Wert der bebauten Grundstücke im Besitz der Stadt für den Schluß des Rechnungsjahres auf 21 642 286 M.. der Wert der un- bebauten Grundstücke auf 4 889 362 M., der Wert der Grundstücke des Bebauungsplan fonds auf 3 991 194.11 M. und der Wert der In. ventarien auf 16 416169 M. angegeben. Es kommen hierzu 5 676 899,94 M. Kapitalien usw.. so daß sich ein Besitzstand von ins- gesamt 62 6IS 902.96 M. ergibt. Weiter beträgt das StiftungSver- mögen, ungerechnet das Grundstück der Blisse-Stiftung in der Wik- Helmsaue 3 992 966,78 M. Die Schulden der Stadt stellen sich auf 39 336 438,66 M.I darunter sind 19 997 943.97 M. Anleiheschulden. Ohne das EtistungSvermögen besitzt die Stadt mithin ein Reinver- mögen von 22 260 463,69 M. Brand aus dem Güterbahnhof Halensee. Auf dem umfang- reichen Terrain des Halenfeer Güterbahnhofs entstand gestern früh um 3� Uhr ein großer Brand, der der Wilmersdorfer Feuerwehr stundenlange Arbeit verursachte. DaS Feuer war in einem drei- stöckigen Fachwerkschuppen ausgekommen, der etwa 39 Meter lang und 29 Meter breit ist. In diesem Schuppen befindet sich daS Fliesenlager der Baumaterialienhandlung von Richard Schäffer. Im Dachgeschoß waren große Fouragevorräte untergebracht. AIS die Gefahr bemerkt wurde, hatte das Feuer schon so an Aus- dehnung gewonnen, daß nach wenigen Minuten der größte Teil d«S Schuppens in Flammen stand. Auf mehrfachen Alarm rückte die gesamte Wilmersdorfer Feuerwehr unter Führung des Brand» inspektors Dannehl an. In erster Linie galt es, die zahlreichen in der Nähe des brennenden Schuppens befindlichen Gebäude zu schützen. Der Brandinspekwr ließ daher sofort mit fünf Schlauch- leitungen den brennenden Schuppen unter Wasser nehmen. Nach zweistündiger Löschtätigkeit war die Hauptgefahr befestigt. Während der Ablöschung stürzten Teile der Umsasiungsmauern ein, loobei ein Oberfeuerwehrmann leicht verletzt wurde. Bei den Auf- räumungsarbeiten, die sich bis Mittag hinzogen, mußten Mauern niedergerissen werden, da Einsturzgefahr vorlag. Da der Schuppen vollständig ein Raub der Flammen wurde, ist der Schaden nicht unbeträchtlich; er ist durch Versicherung gedeckt. Die Ursache ist unbekannt. Mariendorf-Südende. Ans der Gemeindevertretung. Vor Eintritt in die Tages- ordnung stellten unsere Genossen den Antrag, die Punkte 6, 6 und 7 der Tagesordnung öffentlich zu verhandeln, da kein Grund vor- liegt, die Regelung der Beamtengehälter, die Mietsentschädigung für die Lehrer und die Znschlagerteilung in der geheimen Sitzung zu verhandeln. Die Oesfentlichkeit habe wohl ein Interesse daran, zu erfahren, wie mit dem Geld der Steuerzahler die Gehälter der Beamten usw. geregelt werden. Der Gemeindevorsteher sprach da- gegen und"selbstverständlich lehnten darauf die bürgerlichen Per- treter den Antrag ab. Gegen die Aufstellung der Wählerliste lagen Einsprüche vor. So wurde Einspruch erhoben gegen die englische Ciasanstalt, die, da es eine ausländische Gesellschaft ist, zu un reckst rn der Wählerliste stehe. Würde diese Gesellschaft aus der Wähler- liste gestrichen, vollzöge sich eine große Veränderung bei der Ein- teilung der Klassen zugunsten der dritten Klasse.— Obgleich die Frage nicht als geklärt bezeichnet werden konnte, stimmte die Mehrzahl der Gemeindevertreter für die rechtmäßige Führung der Gasanstalt in der Wählerliste. Ebenso lagen Einsprüche zweier Gesellschaften m. b. H. vor. die, nackchem sie 19 Jahre in der Wählerliste aufgeführt waren, in diesem Jahre nicht mst einge- tragen sind. Auch hier wurde der Einspruch nicht anerkannt. Ge- sellschaften m. b. H. sind laut Landgemeiudeordnung nicht Wahl- berechtigt. Wenn sie zehn Jahre zur Wahl zugelassen wurden, so geschah es zu unrecht.— Im Anschluß hieran wurde von unseren Genossen der Antrag eingebracht, bei der nächsten stattfindenden Wahl den Wahlakt auf einen Sonntag zu verlegen oder aber die Wahlzeit an Wochentagen bis 9 oder 19 Uhr abends zu verlängern. Bei der Begründung wurde mit Recht angeführt, daß Kirchen- wählen, Kaufmannsgerichtswahlen usw. auch Sonntags vorae» nommen werden, ohne daß sich die Polizei daran gestoßen hat. Für die Arbeiter ist es von großer Bedeutung, wenn die Wohlzeit günstiger gelegt wird; liegt doch die Arbeitsstätte oft sehr weit vom Wohnort entfernt und bedeutet die Ausübung des Wahlrechts stets einen LohnauSfall. Der Gemeindevorsteher erklärte, daß er die Wahlen schon so ansetze, daß die Arbeiter dabei berücksichtigt(?) sind. Sonntags könne er aber die Wahlen nicht stattfinden lassen. Hierauf stellten unsere Genossen den Antrag, daß, wenn der Ge- meindevertretung wirklich daran liege, mehr Selbstverwaltung zu erlangen, an daS preußische Abgeordnetenhaus dahin zu petitio- nieren, die WahlrechtSvorlage in allen Formen abzulehnen und daS allgemeine, gleiche, direkte und geheime Wahlrecht zu verlangen. Dadurch ist die erste Möglichkeit vorhanden, für die Gemeinden wirklich Rechte zu erlangen. Ganz erregt erklärte der Gemeinde- Vorsteher, solchen Antrag überhaupt nicht zuzulassen und bezeichnete es als einen Unfug, daß in anderen Gemeinden solche Anträge erst besprochen wurden. Als einer unserer Genossen noch dazu sprechen wollte, schnitt ihm der Gemeindevorsteher einfach das Wort ab mit der nochmaligen Betonung, er dulde den Unfug nicht.— Mit welchem Recht der Gemeindevorsteher solche Interpellationen als Unfug bezeichnet, ist unverständlich. Hat er auch bei dem Ausspruch an seine Kollegen in größeren Städten gedacht, die diesen llnfug zuliehen?— Nachdem die Gemeindevertretung noch die Aufstellung von weiteren Straßenlampcn bewilligt hatte, wurde die öffentliche Sitzung geschlossen. Ober-Schöneweide. Der an die letzte Gemeinbrvertretersitzung gelangte Nntrag: an das Hau« der Abgeordneten eine Petition um Ablehnung der WahlrechtSvorlage zu richten, kam nicht zur Verhandlung, indem die Majorität gegen die Dringlichkeit stimmte. Der Antrag ist deshalb erneut gestellt worden und wird in der am Dienstag, den 1. März stattfindenden Sitzung der Vertretung �verhandelt werden. Bemerkenswert ist, daß schon in der letzten Sitzung der Gemeindevorsteher erklärte, den etwaigen Beschluß nicht zur Aus- führung bringen zu können, da den Gemeinden ein Petitionsrecht an die Staatsregierung nicht zustehe. Der Herr scheint eine sonder- bare Auffassung von dem Selbstverwaltungsrecht der Gemeinde zu haben. Empfindlich geschädigt wurde der Hausbesitzer Kablitz, der in der Schillerpromenad« ein Haus hatte errichten lassen. In der gestrigen Nacht sind in dem noch unbewohnten Gebäude die samt- lichen Wasscrlcitungsrohre durchschnitten worden, so daß die Räume vollständig überschwemmt wurden. Der Schaden, der dem Eigen- tnmer dadurch entstanden ist, ist sehr erheblich. ES handelt sich allem Anschein nach um einen Racheakt. Köpenick. Die Stadtverordnetenversammlung gcgeu die Wahlrechtsvor- läge. Eine außerordentliche Sitzung der Stadtverordnetenver- sammlung fand am Dienstag statt. Zur Verhandlung stand: Kenntnisnahme von dem Schreiben des ProvinzialschulkollegiumS betreffs des höheren Schulwesens und anderweitige Beschluß« fassung. Nach den Beschlüssen der Stadtverordneten soll die Real- schule zu einem Realreformgymnasium ausgebaut werden. Das Provinzialschulkollegium steht diesem Beschlüsse wohl sympathisch gegenüber, macht jedoch den Aufbau der Oberstufen von der Äe- sctzung der oberen Klassen abhängig. Mit der Festsetzung des Schulgeldes ist die Behörde ebenfalls nicht einverstanden. Ohne Debatte wurde dieser Eingriff in die Selbstverwaltung entgegen« genommen und das Schulgeld dem Befehl des Schulkollegiums ge» maß auf 139 M. für Einheimische und 149 M. für Auswärtige festgesetzt. Ein DringlichkeitSantrag der liberalen Fraktion bc- züglich der Wahlrechtsvorlage wurde, nachdem Genosse W o i k ebenfalls für den Nntrag eingetreten war und darauf hingewiesen hatte, daß die Fraktion für den Antrag stimmen würde, um eme einheitliche Kundgebung zu erhalten, trotzdem im Antrage nicht alles das gesagt ist, was wir fordern, gegen 1 Stimme angenommen. Der Antrag hat folgenden Wortlaut: In der Erwägung, daß durch die von der Regierung dem Ab- geordnetenhause vorgelegte Wahlrechtsordnung den Interessen unserer Stadt schwere Schädigung droht, indem 1. durch die Bei- beHaltung der bisherigen Wahltreiseinteilung die Stadt Köpenick als Bestandteil eines der größten Wahlkreise in ungerechtfertigter Weise zurückgesetzt wird, 2. durch Aufrechterhaltung der öfffent« lichen Wahl dem größten Teile unserer Mitbürger, bei denen die gegebenen Abhängigkeitsverhältnisse weit stärker wirken als in der Großstadt, die Ausübung ihres Wahlrechts tatsächlich unmöglich gemacht wird. 8. durch die von der Regierung vorgeschlagene Differenzierung der Wähler, nicht nur der Arbeiterschaft, sondern auch dem grösjcren Teile des Mittelstandes, der hier um seine Existenz besonders hart zu kämpfen hat, also dem Kern unserer Bevölkerung jeder Einfluß auf die Gesetzgebung abgeschnitten wird, ermächtigt die Versammlung den Magistrat in Vertretung der städtischen Körperschaften beim Abgeordnetcnhause dahin zu wirken, daß dieser Gesetzentwurf abgelehnt wird. Stadtv. C u n i tz(lib.) hat sein Amt als Stadtverordneter niedergelegt. Er stand in der liberalen Fraktion auf dem linken Flügel. Mit dieser Niederlegung sind zurzeit zwei Mandate vakant. Die erste und zweite Abteilung werden wohl in einiger Zeit Ersatzwahlen zu vollziehen haben. Adlershof. Als Schösse an Stelle deS ausgeschiedenen Herrn Bach wurde in der letzten Gemcindevertreiersitznng der Tischlermeister Kling- sporn mit 8 gegen 6 Stimmen, welche für Herrn Bach abgegeben Wurden, gewählt. Wie verlautet, wird von der Minorität der Landrat ersucht, dem Gewählten die Bestätigung zu Versagen, da derselbe Mitglied der Konsumgenossenschaft ist. Zu der Tagesordnung der G c m e i n de v er t r e t u n g hatten unsere Genossen folgenden Dringlichkeitsantrag eingebracht: 1. Die Gemeindevertretung wolle beschließen, dem Abgeord- netenhause eine Petition zu überreichen, welche in Rücksicht auf die Anschauungen des größten Teiles der Adlershofer Einwohner für die Wahlen zur Gemeindevertretung das allgemeine, gleiche, geheime und direkte Wahlrecht auf Grundlage der Einwohnerge- meinde fordert. 2. In Rücksicht auf den sozialen Frieden innerhalb der Adlershofer Bevölkerung wolle die Gemeindevertretung die Ab- fenimng einer Petition an das hohe Abgeordnetenhaus beschließen, in welcher für die Wahlen zu demselben das allgemeine, gleiche, geheime und direkte Wahlrecht gefordert wird. Di« Höflichkeit unserer Genossen, diesen Antrag dem Ge- nleindevorsteher schon vor dem SitzungStage zu übersenden, wurde von demselben prompt mit folgendem Schreiben beantwortet: Lldlcrßhof, den 23. Februar 1919. Den mit dem vorbezeichneten Schreiben überreichten Dring- lichkeitsantrag der Herren Hildebrandt, Wölbling. Büttner, Laube. vom 22. d. M., kann ich nicht der Gemeindevertretung zur Be- schluhfassnng vorlegen. Ich lehne dies unter Hinweis auf§ 102 der Landgemeindeordnung vom 3. Juli 1891 ab. Ich bitte, den anderen Herren von diesem Bescheide Kenntnis zu geben. Reinsch. In der Voraussetzung, daß ein Eingehen auf den Antrag unserer Genossen oder ein Kritisieren der Handlungsweise des Ge- meindcvorstehers von demselben auf jeden Fall unterdrückt und dadurch eine Stellungnahme der Gemeindevertretung verhindert Werde, hatten die Vertreter der zweiten Abteilung den von der Stadtverordnetenversammlung und Magistrat in Köpenick einstim- mig angenommenen Wahlrechtsbeschlnß als Dringlichkeitsantrag direkt vor der Sitzung gestellt. Auch diesem Antrage gegenüber berief sich der Geemindevorsteher auf§ 192 der Landgemeinde- ordnung, und er drohte, daß, im Falle der Antrag dennoch an. genommen werde, er von seinem Einspruchsrecht Gebrauch machen würde. Genosse Hildebrandt betonte in der nun folgenden Geschäftsordnungsdebatte, der Gemeindevorsteher könne nicht nur Buchstabenmensch sein, der sich hinter Paragraphen verstecke, son« dern er müsse auch der Meinung der Einwohnerschaft Rechnung tragen und nicht nur sich das Wohlwollen der vorgesetzten Behörde zu erhalten trachten. Nach der Anschauung des Gemeindevorstel?«» würde der Gemeinde jedes Petitionsrecht genommen sein. Be° sonders scharfe Zurechtweisung zog sich auch der Schöffe Dr. Ehr. mann zu, der die Dreistigkeit besah, dieser Wahlreformvorlage gegenüber die Antragsteller noch anzuulken, indem er in ironi- siercnder Weise ausführte, dah selbstverständlich die Stellung- nähme der großen Gemeinde Adlershof von welterschütternder Be- deutung für den Ausfall der WahlrechtSbcratung fei. Desgleichen erhob er den Vorwurf, dah die Vertreter der zweiten und dritten Abteilung die Minorität in brutaler Weise majorisieren. Der Herr erhielt vom Genossen Hildebrandt eine gebührende Zurechtweisung. Da bei Annahme der Dringlichkeit eine Dreiviertelmajorität vorhanden sein muh, wurde der Antrag mit 8 gegen 4 Stimmen bei 2 Stimmenthaltungen abgelehnt. Dagegen stimmten die Ge- meindevertreter Dr. Baurath und Roesicke, der Schöffe Kaiser und der Gemeindevorsteher; der Abstimmung enthielten sich der Schöffe Dr. Ehrmann und Gcmeindevertreter Dr. Franke. Der 2. Punkt der Tagesordnung:„Annahme der Arbeitsordnung und des Lohn- tarifS für die bei der Gemeinde beschäftigten Arbeiter" wurde auf Antrag unserer Genossen vertagt, da dieselbe den Gemeindever- tretern nicht zugegangen war. Der Gemeindevorsteher entschuldigte dieses mit der Ueberbürdung der Beamten und versprach zur näch- sten Sitzung die Unterlagen zu liefern. Unter Geschäftlichem kam zur Sprache, dah der AmtSauSschuh dcS Amtsbezirks Alt-Glienicke gegenüber dem Amtsvorsteher die pcnsionSberechtigte Anstellung vorgenommen habe. Gegen die ordentlichen Mitglieder des Amtsausschusses, das ist der Gemeinde- Vorsteher und die Schöffen, wurde allseitig der schwere Vorwurf erhoben, dah dieselben für diesen Beschluh gestimmt haben, trotz- dem dieselben wissen, dah ein Beschluß der Gemeindevertretung vcrliegt, den Austritt der Gemeinde Adlershof aus dem Amts« bezirke anzustreben. In der pensionsberechtigten Anstellung des Amtsvorstehers liegt ober in Rücksicht des Austrittes aus dem Amtsbezirk eine schwere Belastung der Gemeinde. Z�riedrichShagen. Ueber:„Die Forderungen der Sozialdemokratie in der Ge- meinde" referiert« Genosse Sonnenburg sen. in der Mitgliederver» sammlung des Wahlvereins. Der Referent legte dar, ein wie groheS Feld die Sozialdemokratie noch in der Kommune zu bear- beiten habe. Insbesondere verbreitete sich Redner über unser Volksschulwesen. Die Diskussion war eine lebhafte und es wurde in derselben namentlich das Beerdigungswesen grell beleuchtet. Unter Vereinsangelegenheiten wurde das Verhalten unserer Polizei bei der Strahcndemonstration scharf kritisiert. Unsere Genossen in der Gemeindevertretung wurden aufgefordert, den Gemeindevor- steher hierüber zu interpellieren. Neuaufnahmen fanden 1b statt. Trebbin(Kreis Teltow). I» der Stadtverordnetensitzung gedachte vor Eintritt in die Tagesordnung der Vorsteher des verstorbenen Herrn Martens, welcher früher dem Kollegium 12 Jahre angehörte. In die Kom- Mission betreffs Bürgerrechtsgeld wurden u. a.� auch die Genossen Richter und Hiebsch gewählt. Bei den Vorschlägen für die Kom- Mission betreffend Grundwertsteuer stellte es sich heraus, daß die früher der Kommission angehörenden Stadtvv. Samuel und Ribbek ausgeschaltet worden waren. Stadtv. Samuel sowie Genosse Richter beantragten, die Mitglieder der früheren Kommission wieder zu weseneS Bild von Beeinflussung und Schiebung, so daß der Stadt- verordnete Samuel aufstand und der verschworenen Clique sagte, dah die Abstimmungen hier in öffentlicher Sitzung null und nichtig seien, denn die 18 Verschworenen hätten ja schon wieder ein« Zu- sammenkunft gehabt und da sei doch festgelegt, was hier geschehen soll. Genosse Richter übte gleichfalls in dieser Angelegenheit eine scharfe Kritik. Vor der Abstimmung wiederholte Herr Haase die Namen der Mitglieder laut, darauf erhoben alle anwesenden Ver- schworenen die Hände geschlossen zur Abstimmung. Gewählt wurden auhcr den Stadtvv. Konrad Schulze, Buchner, Jüttner, Haase unsere Genossen Schönsee und Ritter.— In geheimer Sitzung wurde folgendes beschlossen: Die Stadtgemeinde Trebbin verlängert das Ausschließlichkeitsrecht für die Licht- und Kraftversorgung der Stadt durch die E. L. G. vom 1. April 1918 an auf die Tauer von 18 Jahren, d. h. bis 1. April 1928 unter folgenden Bedingungen: 1. Der Preis für elektrisches Licht wird auf 48 Pf. pro Kilowatt- stunde herabgesetzt. 2. Die Miete für Elektrizitätszähler wird auf die im Schreiben vom 28. März 1987 vorgeschlagenen Sätze reduziert. 3. Für die Dauer obiger 18 Jahre erhält die Stadt eine jährliche Vergütung von S88 M. 4. Die Straßenbeleuchtung auf der Strecke vom Bahnhof bis zum Markt Ecke Mühlenstrahe wird mit S8kerzigen. über der Mitte der Straße hängenden Metallfaden- lampen ausgerüstet. S. In den anderen Straßen sollen noch vor- handene Ikkerzige Lampen durch Lampen von 2S Kerzen Leuchtkraft ersetzt werden. Die Beelitzer Straße erhält auch Straßen- beleuchtung._ Musren, Summlungeu, Srhenswüldigkriteu. (Zutritt ist unentgeltlich, wenn nichts anderes vermerkt ist.) MteS und Neues Museum. Am Lustgarten. Wochentags(außer Montags): Slpril biS September 18— t, Oktober bis März 10—3. Am Sonntag imd an den zweiten WeihnachtS-, Osler-, Pfingstseiertagen: April bis September 12—6, Oktober und März 12— S, November und Februar 12— 4, Dezember und Januar 12—3. Am Montag und an Feiertagen(außer den zweiten Feiertagen): geschlossen. Aquarium. Unter den Linden 68 a. Im Sommer: täglich S— 7, im Winter: an Sonn- und Feiertagen 2—7. an Wochentagen 9—6. Eintrittsgeld: 1,00 M., an Sonn, und Feiertagen 60 Ps.; Kinder die Hülste. Am letzten Sonntag jedes Monats 26 Bs. Architektur-Museum. Technische Hochschule, Eharlottenburg, Berlwer- straßc 161. Montag 10—3(auch 6>/,— 7>/� vom Oktober bis März). Dienstag 12—3,(auch 10—12 sür Studienzwecke), Mittwoch 10—12, Donnerstag 12—3 (auch 10—12 für Studienzwecke, auch 51/,— 71/, vom Oktober bis März), Freitag 10—3. Geschlossen: Sonnabend und Sonntag. Äusstellung für Arbeiterwohlfahrt. Eharlottenburg, Fraunhoser. straße 11(12. An allen Wochentagen(außer Montag) 10—1, am Dienstag und Donnerstag auch 6—9 abends. Sonntag 1—6. Baumuseum, siehe BerkchrSmuseum. Berg- uud Hüttenmuseum. Jnvalidenstr. 44. Wochentags(außer Sonnabend) 12—2, am Sonntag: April bis September 12—6, Oktober und März 12— 6. November und Februar 12—4, Dezember und Januar 12—3. Botanischer Garten. Dahlem. Unentgeltlich: Sonntag, Dienstag, Mittwoch, Freitag 2— 7, Sonntag 10—7. An Wochentagen vormittags Zutritt nur gegen Erwerbung deS.Führers*(beim Pförtner).(Nur im Somnier geöffnet.) Botanisches Museum. Dahlem. Montag und Donnerstag S— 6, Mittwoch 9—6. Eisenvahnmuseum. Siehe BerkehrSmusemn. Kaiser Friedrich-Museum. Monbijoustraße. Eröffnung: an den Wochentagen(außer Montag) um 10, am Montag um 1, am Sonntag und an den zweiten WeihnachtS-, Oster- und Pfingstseiertagen um 12. Schluß an allen Tagen: April bis September um 6, Oktober und März um 5, November und Februar um 4, Dezember und Januar um 3. Eintritts- geld: Montag 1 M., Dienstag und Mittwoch 60 Pf. Eintritt frei: an allen übrigen Tagen. Hygienemusonm. Hefsischestr. 4. Dienstag und Freitag 10—2; Sonntag: April bis September 1—6, Oktober und März 1—5, November und Februar 1— 4, Dezember und Januar 1—3. Kuustgewerbe-Atuseum. Prinz Albrcchtstr. 7. Besuchszeit wie beim Alten Museum. Landwirtschaftsmuseum. Jnvalidenstr. 42. An den Wochentagen (außer Montag) 10—3. An jedem dritten Sonntag im Monat: 11—6. Märkisches Provinzial-Mnscum. Wallstr. 50/64. Besuchszeit täglich (mit Ausnahme von Sonnabend) 10—3 Uhr. Eintritt frei. Gedruckte Führer 10 Pf. Mecreskundemusenm. Georgenstr. 34—36. Sonnabend und Montag 11— 4, Sonntag 12—3. National-Galcrie. Museumsinsel, an der Friedrichsbrück?. Eröffnung: an den Wochentagen(außer Donnerstag) um 10. am Donnerstag um 1, am Sonntag und an den zweiten Weihuachtch, Oster- und Bstngslfeierlage» um 12, Schluß, an allen Tagen: April bis September um 6, Oktober und März um 5, November und Februar um 4, Dezember und Januar um 3. Eintrittsgeld: Donnerstag 1 M., Freitag und Sonnabend 50 Ps. Eintritt an allen übrigen Tage» srei. Naturkunde-Musenm. Jnvalldenstraße 43. Montag, Mittwoch, Donnerstag, Sonnabend: April bis September 10—4, Lltober bis März 10— 3. Am Sonntag und an zweiten Feiertagen: wie beini Alten Museum. Post'Museum. Leipzigerstr. 16/18. Montag, Dienstag, Donnerstag, Freitag 10—2. Am Sonnlag und an den zweiten Feiertagen: 12—2. Rauch-Museum.(Werke von Ehrist. Rauch.) Älostcrstr. 76. Woche» tags: April bis September 10—4, Oktober bis März lO— 3.' Raihaiis. Königstraße. Täglich(außer Donnerstag und Freitag) tO— 3, unentgeltlich. Turmbesteigung: illpril bis September, tägllch(auch Donnerstag und Freilag) 10—3, Eintrittsgeld 20 Ps. Reichstagsgcbäude. Königsplatz. An Wochentagen 6'/,— 9'/, vor- mittags, am Sonntag 2— 4. Eintrittsgeld 50 Ps. Sternwarte. Enckcplatz 3a. Mittwoch und Sonnabend, im Sommer 9—11, vormittags, im Winter 10—11 oorniiitags. Sternwarte. Treptower Park. Täglich von 2 Uhr nachmittags ab, im Sommer bis 12 Uhr nachts, im Winter bis 10 Uhr abends, Eintritts- geld: 50 Ps. sür Besichtigung der Sternwarte und des Astronomischen Museums, 1 M, für Beobachtung mit dem großen Fernrohr. Sternwarte der„Urania*. Jnvalidenstr. 57/62. Täglich 7'/,— 11 Uhr abends. Eintrittsgeld 50 Ps. Urania, Sammlungen und wissenschaftliches Theater. Tanbenftr. 48. Täglich von 10 Uhr vormittags ab. Eintrittsgeld 50 Pfennig(für Abendvorstellungen von 1 Mark an). Berkehrs- und Baumuseum. Jnvalidenstr. 51. Sonntag 11—4, Dienstag. Donnerstag. Freitag 10— 4, Mittwoch und Sonnabend 2—8. Völkerkunde-Musenm. Königgrätzerslr. 120. Besuchszeit wie beim Wen Museum. Museum für deutsche Volkstrachten und BolkSknude. Kloster- straße 36. Besuchszeit wie beim Alten und Neuen Museum. Zeughaus. An der Schloßbrücke. Wochentags(außer Sonnabend): März bis Oktober 10—3, November bis Februar 10—2; am Sonnlag und an den zweiten Feiertagen 12—3. Amtlicher Marktbericht der ftädttschen Markthallen-Dtrektton über den Großhandel in den Zentral-Marttballen. Marktlage: Fleisch: Zutiibr genügend, Geschäsl schleppend, Preise unverändert. Wild: Zufuhr mäßig, Geichäsl still, Preise unverändert. Geflügel: Zufuhr reichlich, Geschäft fckleppend, Preise schwankend. Fische: Zufuhr genügend, Geschäft ziemlich leohast, Preise befriedigend, Butter und Käse: Geschäft ruhig, Preise unverändert. Wemüie, Obst und Südfrüchte: Zufuhr reichlich, Geschäft lebhast. Preise vielfach verändert. gaiizeWohnungseinrichlungen.Zimmei. und Küchen-Einrichtnngen, sowie jedes Stück einzeln zu den billigsten Preise, in guter gediegener Arbeit empfiehlt Wilh. LsmkrssM» ______ ReTlln SW., SUneonatr. 10, Veriang-A uie, Bitte, lllutlr. Rreltlftie an der Alten Jalooinaize. ***� Berlin, AlteJakabstr. 124. Elektro'Technikani gegr. 1874. Ein. Fabrik. Elektro-, Maschinen-, Bau-, Ingenieur-, Techniker-, Werkmeister-, Man- teur-AuSbild,, staatl. Inspiziert. Neuer Abendkursus. Prospekt koitenfrel. : Zur Prüfung und Einsegnung Aus der Schule entlassen wird der Jüngling im Prüfungs« und Einsegnungs- Anzug. Die müssen ihm noch lange Dienste tun, sei es als Lehrlings-Anzug, im Bureau oder besserem Geschäft, sei es als Sonntags-Anzug. Kluge Eltern — kaufen dafür nur das Beste. 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Verlag: VorwärtSBuchdruckerei u. Berlagsanstalt Paul Singer& Co.. Berlin SW, S Elnsegnungs-u. Bursr�nanzüge b%*ee?äi9e 5,50-18,00 der f..uchweisliche Preis 8,60—24,00 M. ; s% Knaben-Anzüge' 1,95-7,76„ der frühere nachweisliche Preis 4,00—13,50 M, C» tS Herren-Stoff- u. Kammgarnliosen 1,50-9,00 1 der frühere nachweisliche Preis 2,25—12,00 M," 72—79 ierren-Zilni-, engl. Leder-Maneliesfer-iöseö 1,55—4,00 der frühere nachweisliche Preis 2,00— 7,50 M. sfffö Knaben• Pyjacks u. Paletots bey$8e 2,95-6,95 der frühere nachweisliche Bert 4,00— 11,50 M. , Ä Herren-Rock- u. Gehrock-Anzilge 21-37,50 der frühere nachweisliche Preis 27,00—42,00 M. 93-103 Herren-Wlnterpalotots u, Ulster 8.90-28,50 der frühere nachweisliche Preis 12,50— 40,00 M. i®-ii4 Herren-Sommerpaletots u.Ulster 3, 35-25, 60; der frühere nachweisliche Preis 12,00—36,00 M.« Die folgenden Serien 115—180 bestehen aus Wintcrjoppen, Pelermen,• Fantafie. Westen, Berufskleidung, Radsahrer.Hoien, Knaben-Wasch- und? pchulanzüge, Herren-Sommcr- und Lüsterjacketts, Knabenleibchen und 2 Kniehosen zc. jc. und werden auch diese Serien zu W anDepgcwohnUch billigen Preisen ansverkanft.• Heinricli Ferester itixdoTrl iHeinrit | Nr. «•eesoosej