Kr. 51. RbonnementS'Bedingunaen: HBonncwciitä- Preis pränumerando: Tierteljährl. Mä, monatl. 1,10 Ml, wöchentlich 28 Pfg, frei inS HauS. Einzelne Nummer 6 Pfg, Sonntags- nunimer init illustrierter Sonntags- Beilage.Die Neue Weil" 10 Pfa. Post- Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in bic Post-Zeitungs- PreiSIisie. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich, Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland L Marl pro Monat. PostabonnementS nehmen an: Belgien. Dänemarl, Holland, Italien. Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. 37. Jahrg. CHchcint»glich außir Giontagt. Vevlinev Volksblatt. Die Iisiernons-GebOfir Betragt für die scchSgespaltcne Notoliel« geile oder deren Raum W Psg,, für politische und gewcrlschastliche Vereins« und LcrsanimIungs.Anzcigen M Pfg. „Eiteine Anreizen", das erste fsett» gedruckte) Wort 20 Pfg,, jedes weitere Wort 10 Pfg. 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Mehrfach ist in letzter Zeit von der gute Beziehungen zum Polizeipräsidiuin unterhaltenden Presse angedeutet worden, daß nicht nur in England und Holland unter gewissen Bedingungen Straßendemonstrationen und Massenmeetings unter freiem Himmel gestattet seien, auch das Reichsvereinsgesetz gestatte sie, schreibe aber dafür die Ein holung einer polizeilichen Genehmigung vor. Bisher hätte jedoch die Sozialdemokratie abgelehnt, diesen gesetzlichen Weg zu beschreiten. Diese indirekte Aufforderung zur Genehmr gungseinholung, wie andererseits die Tatsache, daß in anderen großen Städten die Polizei mehrfach die Genehmigung zur Abhaltung großer Temonstrationsversanlinlungen auf ösfent- lichen Plätzen erteilt und diese Versammlungen sämtlich ohne die gering st e Ruhestörung verlaufen sind, veranlaßte die Leiter der organisierten Berliner Arbeiter- bewegung, beim Polizeipräsidenten die Forderung zu stellen, daß auch der Berliner Arbeiterschaft die Abhaltung einer großen Wahlrechtsversammlung gestattet werde, und zwar im Treptower Park. Doch der Berliner Polizeipräsident hat dieses Ansuchen kurzweg abgelehnt, obgleich die aus den Genossen Borgmann und Ernst bestehende Deputation er- klärte, daß die Parteileitung der Berliner Sozialdemokratie die Verantwortung und Garantie dafür über- nehme, daß die Ordnung strenge aufrechterhalten werde, und die große Massenkundgebung in Frankfurt a. M. am letzten Sonntag beweist, daß die sozialdemokratische Arbeiterschaft, wenn sie nicht durch frivole Polizeiattacken provoziert wird, sehr wohl selbst die Ordnung aufrechtzuerhalten versteht. Zunächst begaben sich die Genossen Borgmann und Ernst zum Oberbürgermeister Kirschner. Bereitwillig wurde ihnen von diesem, vorbehaltlich der Zustimmung des Magistrats. zugesagt, daß der Treptower Park, als einer öffentlichen Ver- gnügungsstätte der Stadt Berlin, den Wahlrechtsmanifestanten zur Abhaltung friedlicher öffentlicher Wahlrechtsmassenver- sammlungen zur Verfügung stehe. Auch die Errichtung einer Reihe Redetribllnen wurde genehmigt. Anders glaubte sich jedoch der Berliner Polizeipräsident Herr v. Jagow zu dem Ansuchen stellen zu sollen, allem An- schein nach, weil er sich über den geringen Respekt der Massen vor seinem am 13. Februar an die Litfaßsäulen angeschla- genen roten Warnungsplakat verletzt fühlt, noch mehr aber, weil er die Angriffe im preußischen Abgeordnetenhause fürchtet. Alle Zusicherungen, daß die sozialdemokratische Parteileitung jede Garantie für die Aufrechterhaltung der Straßenordnung übernehme, blieben fruchtlos. Um dem Minister des Innern v. Moltke jeden Vorwand zu nehmen, später im Abgeordnetenhaus zu erklären, daß die Sozialdemokratie nicht alle Mittel erschöpft und sich nicht an ihn als der dem Berliner Polizeipräsidium übergeordneten Instanz gewandt hätte, begab sich darauf die Deputation zum Minister v. Moltke. Doch seine Antwort zeigte, d a ß e r s i ch nicht minder im Gefühl der gottgebenen Abhängigkeit von der konservativen Mehr- heit des D r ei k la ss enp ar la m en t s befindet als der Herr Polizeipräsident. Er erklärte, er könne sich nicht in die örtlichen Angelegenheiten des Polizei- Präsidenten mischen, da er die lokalen Verhältnisse nicht über- sehen könne und, falls er den Polizeipräsidenten desavouiere. damit eine Verantwortlichkeit übernehme, die er nicht zu über- nehmen vermöge. Zudem könnten die sozialdemokratischen Führer wohl für ihre Leute, für die organisierten Partei- genossen, einstehen, nicht aber für den Janhagel, der sich so oft bei solchen Kundgebungen einfinde. Doch es ist unnötig, hier die Antwort des Ministers und des Herrn v. Jagow mitzuteilen. Sie steht bereits im Abend- blatt der„Deutschen Tagesztg.", zum Teil, wie uns versichert wird, fast mit denselben Worten, die der Minister des Innern gebrauchte: ein Beweis dafür, wie feine Fäden von der Re- gierung zur agrarkonservativen Presse hinüberführen. Es heißt dort: «Wie wir erfahren, plant die Berliner Sozialdemokratie für nächsten Sonntag Massenversammlungen unter freiem Himmel, um gegen die preußische Wahlreform zu protestieren. Oeffentliche Versammlungen unter freiem Himmel und Aufzüge auf öffentlichen Straßen oder Plätzen bedürfen bekanntlich der Genehmigung der Polizeibehörde. Die Ge- nehmigung ist von dem Veranstalter mindestens 24 Stunden vor dem Beginn der Versammlung oder dz» Aufzuges unter Angabe ves Orts und der Zeit nachzusuchen. Sie ist zu ver- sagen, wenn aus der Abhaltung der Versammlung oder der Veranstaltung des Aufzugs Gefahr für die öffentliche Sicher- heit zu befürchten ist. Es wird wohl kaum Veranlassung vorliegen, für Berlin eine solche Genehmigung zu erteilen, da das Verhalten der Sozial- demokratie am 13. Februar, nach ihren letzten großen Demon- strationsversammlungen, durchaus ungesetzlich war, indem trotz der bekannten Warnung des Polizeipräsidenten von ihr Straßendemon- strationen in den von der Polizei entblößten Außennierteln angezettelt wurden. Es besteht nicht die geringste Garantie dafür, daß öffentliche Versamm- lungen unter freiem Himmel ohne Straßendemostrationen ver- laufen. Gerade der heutige„Vorwärts" rühmt in seinem Be- richt über die Wahlrechtsdemonstration in Frankfurt vom letzten Sonntag, daß sich nach der Massenkundgebung auf der Hunds- wiese ein Demonstrationszug zur Stadt mit 50 000 bis 60 000 Teilnehmern von selber bildete, ohne daß er geplant gewesen wäre. Er beschreibt ihn als einen eine halbe Stunde langen, losen Zug, der unter Hochrufen und Singen der Marseillaise nach der Stadt zu marschierte und die ganze breite Eschenheimer Straße einnahm. Es wäre mitBestimmtheit zu er- warten, daß auch in Berlin öffentliche Versammlungen unter freiem Himmel ungesetzliche Straßenaufzüge mit Johlen, Singen usw. im Gefolge haben würden. Am 13. Februar sollen nach dem„Vorwärts" hier 200 000 Menschen an den Demon- strationen beteiligt gewesen sein, also im Verhältnis zu Frank- furt die vierfache Menge. Was hier noch ohne Schoben durchführbar war, braucht in einer Großstadt wie Berlin mit ihrem lebhaften Wagen- und Fußgängerverkehr noch lange nicht unbedenklich zu sein! Es gibt eben für den einzelnen wie für Gruppen von Menschen kein Recht auf die Straße schlechthin. Ein solches Recht findet im geordneten Staatswesen immer eine Grenze, und zwar da. wo die Interessen der Allgemeinheit eine Beschränkung fordern. Die Interessen der Allgemeinheit fordern Ordnung wie im öffentlichen Leben überhaupt, so vor allem auf der Straße. Plötzlich ins Werk gesetzte Stratzcndrmonstrationen bedeute» immer Unordnung. Die Polizei aber ist die berufene Hüterin der Ordnung. Und wir würden es geradezu als eine Pflichtverletzung ansehen, wenn sie in der Rei6)shauptstadt sozialdemokratische Kund gedungen genehmigen würde, für deren harmlosen und fried- lichen Verlauf niemand eine Bürgschaft übernehmen könnte. Wir erwarten deshalb mit aller Bestimmtheit, daß die Polizei ihre Zustimmung zu den geplanten Versammlungen versagt." Nachträglich ist dem Genossen Ernst noch folgende schrift- liche Antwort des Polizeipräsidenten zugegangen, die eben- falls in ihrer Verbotsbegründung eine eigenartige Gedanken- ähnlichkeit mit den obigen Ausführungen der„Deutschen Tageszeitung" verrät: Der Polizei-Präsident. Tageb. Nr. VII. A. 617. 10. Berlin, den 1. März. 1910. Dem heute mündlich gestellten Antrage auf Genehmigung der Veranstaltung öffentlicher Aufzüge und der Abhaltung von Ver- sammlungen unter freiem Himmel innerhalb Berlins am Sonn- tag, den 6. März d. I., kann ich nicht entsprechen. Am 13. Februar d. I. haben 100 000— nach Schätzung des „Vorwärts" 200 000— Menschen in Berlin auf öffentlichen Straßen Aufzüge veranstaltet. Für diese war eine Genehmi- gung der Polizeibehörde nicht nachgesucht, also auch nicht erteilt. Folglich handelten alle Teilnehmer gesetz- widrig. Jetzt würde es sich im wesentlichen um die gleichen Teilnehmer handeln. Da diese bewiesen haben, daß sie Gesetzwidrigkeit nicht scheuen, wäre Gefahr für die öffentliche Sicherheit zu befürchten. — Vereinsgesetz vom 19. April 1903, Reichsgesetzblatt S. 161, 8 7.— Jagow. An Herrn Eugen Ernst, hier. Vielleicht bilden sich der Herr Polizeipräsident und der Herr Polizeiminister ein, durch solche Verbote die Berliner Arbeiterschaft verhindern zu können, gegen die schmählichen, zu den Verheißungen der Thronrede im schärfsten Wider- spruch stehende Wahlrechtsvorlage öffentlich zu protesjieren. Die Herren und ihre Geistesverwandten im Junkerparlament täuschen sich, wenn sie das meinen, gründlich über den Charakter der Berliner Arbeiterschaft. Das Verbot wird lediglich bewirken, daß das von der Junkerclique schamlos entrechtete Volk sich sagt:„Trotz alledem! Wird uns diese Art der Massenkundgebung für unser politisches Recht verboten, so protestieren wir auf anderen Weise, die uns die Berliner Polizei nicht zu verbieten vermag und gegen die es keine dehnbaren Gesetzesparagraphen gibt! Der Möglich- leiten, andere Formen der Massenkundgebung zu wählen, gibt es noch so viele. Wie kann z. B. die Berliner Polizei ver- hindern, daß sich Hunderttausende von Wahl- rechtsfreunden im Treptower Pav!� zu einem friedlichen Spaziergang einfinden? Will sie solche friedlichen Spaziergänger durch Polizeiattacken aus einem zur Erholung bestimmten VcrgnügungSparke ver- treiben und dadurch noch mehr den blutigen Hohn des ganzen gebildeten Auslandes her» ausfordern, das ohnehin über die preu» ßischen Polizeizustände lacht? Das Verbot ist demnach ein Schlag ins Wasser. Das Volk hindert es an der Bekundung seines Willens nicht. Es schafft nur neue Erbitterung und stellt zugleich vor aller Welt die preußische Regierung bloß, indem es zeigt, was unter den vom preußischen Ministerpräsidenten im Dreiklassenparlament betonten„gottgegebeuen Abhängigkeiten" zu verstehen ist: nämlich die blinde Unterwerfung unter das Diktum der Junkerklique. Allem Anschein nach täuscht man sich in den Regierungskreisen noch immer darüber, welches Ansehen der preußische Polizeistaat in der gesamten Kulturwelt genießt.— ••• Bochum, 1. März.(Privatdepesche des„Vorwärts".) Der Landrat des Kreises Hagen sowie der Bürgermeister Cuna von Hagen haben sämtliche für Sonntag im Stadt- und Land» kreis Hagen angesetzten Volksversammlungen unter freiem Himmel, die sich mit der Wahlr�chtsfrage befassen sollten, verboten. Es ist den Einberufern der Versammlungen persönlich angekündigt, falls Demonstrationen vorkommen sollten, die zum Blutvergießen Veranlassung geben würden, die Schuld auf die Veranstalter fiele. Das Verbot der Ver» sammlungen begründet sich damit, daß im Hinblick auf die jetzige unruhige Zeit Ausschreitungen zu befürchten seien. Falls diesem Verbote nicht nachgekommen würde, würden auch sämtliche Volksversammlungen verboten werden. ver Nshlrechttiizmpk. Die Intellektuellen und die Wahlrechtsfrage. Der Verlauf der Wahlrechtskundgebung der Intellektuellen im ZirkuS Busch hat dem nationallibcralcn Herrn Dr. B ö t t« cher sehr wenig gefallen. Im„Tag" veröffentlicht er einen Artikel, in dem er nachzuweisen versucht, daß die Intellektuellen vom gleichen Wahlrecht am w e n i g st e n zu erwarten hätten. Die Beweisführung ist allerdings eine sehr eigenartige. Denn Herr Böttcher weist nach, daß gerade heute unsere Intellektuellen eine sehr untergeordnete Rolle in der Politik spielten. Gerade heute, wo doch die herrschenden Klassen die ausschlaggebende Rolle im preußischen Dreiklassen-Parlament spielten. Darin hat Herr Böttcher unbedingt recht, wenn er sagt, nicht die Leute, die nicht persönlich, nicht für ihren Beruf, für ihre Klasse, für ihre Sonderinteressen an den Staatsgeschäften Anteil nähmen, hätten die beste Chance, gewählt zu werden, sondern die, die einen tüchtigen Generalsekre- tär oder eine maßgebende Gruppe der Interessen- Politik für sich ins Feld führen dürfen. Das ist durchaus richtig, aber cS beweist doch nichts anderes, als daß für unsere herrschenden Klassen nicht das Gesamtinter» esse, njcht das soziale Interesse der Gesamtheit maßgebend ist, sondern nur das jeweilige Klasseninteresse. Wie man aber diese Tatsache gegen das gleiche Wahlrecht ausnützen zu können glauben kann, ist uns geradezu unerfindlich. Gerade das Dreiklassenwahlrecht beweist ja, daß unter der Herr» schaft des Klassenwahlsystems rücksichtsloseste Vertretung von Klassen und Kasten weit mehr auf Erfolg rechnen kann, als bei dem gleichen Wahlrecht, das zum Reichstag be- steht. Die Zusammensetzung des Dreiklassenhauses, in dem allein 113 Großgrundbesitzer sitzen, beweist ja daS geradezu schlagend! Gerade bei dem gleichen Wahlrecht könnten sich die In« tellektuellen einen politischen Einfluß sichern, sofern sie nur ent- schlössen wären, ernstlich für die Interessen der Volksgesamt» heit einzutreten. Die Sozialdemokratie hat bei der Aufstellung ihrer Kandidaten niemals nach der Herkunft gefragt, sondern stets nur danach, ob diese Kandidaten auch fähig und gewillt waren, die Volksinteressen rücksichtslos zu vertreten. Das würde bei dem gleichen Wahlrecht und unter der demokratischen Ausgestaltung unserer Verhältnisse zur Regel werden. Gerado die Personen mit hervorragender allgemeiner und politischer Bil- dung würden zur politischen Vertretung deS Volks berufen werden, sofern nur ihre politische Betätigung Gewähr dafür böte, daß sie tatsächlich als geeignete Vertreter deS Volkswohle» und Volkswillens angesehen werden können! » Die Scharfmacher gegen geheime Wahl. Eine Anzahl von Scharfmachern des rheinisch-westfälischen Industriegebietes, zu denen auch der Kommerzienrat B a a r e- Bochum, Herr G i l l h a u s e n, Mitglied des D i r e k, toriums der Firma Krupp-Essen, Kommerzien» rat Kirdorf, Kommerzienrat StinneS und andere go- hören, erlassen eine Proklamation gegen die geheime Ab» stimmung. Ihre Argumente sind die, die der Regierungs» komniissar Falken Hayn in der Wahlrechtskommission vorgetragen hat: Bei der öffentlichen Abstiinmung sei es der Sozialdemokratie nicht möglich, mehr als ein Drittel oder höchstens die Hälfte ihrer Wähler an die Wahlurne zu bringen. Eine Argumentation, gegen die damals der national» liberale Abgeordnete Schiffer den lebhaftesten Einspruch erhob. Eine solche Tatsache, führte Herr �chisstt au3, beweist gerade die N o t w e n d r g k e i t der g e- h e i m e n Abftimn?ung. Denn die Macht der Sozialdemo- kratie werde doch dadurch nicht geschwächt, daß sie incht in der Lage sei, alle ihre Wähler bei der öffentlichen Abstimmung an die Wahlurne bringen zu können. Erzielt werde höchstens eine Erbitterung der an der Wahl verhinderten Wähler und eine gemeingefährliche Täuschung über die wirkliche Stärke der Sozialdemokratie und den Umfang der politischen Erbitterung! Köstlich ist folgender Passus des Scharfmacher-Aufrufs: „Einen wirksamen Scknch gegen unlautere Beeinflussungen bei der Wahl bietet nur die Erziehung zur Achtung und Dul- dung der politischen Ueberzeugung anderer. Sie kann nur ge- Wonnen werden, wenn der WahlterroriSmus sich offen und un- verhüllt zu zeigen gezwungen wird. Nur dann ist es auch mög- lich, ihm durch scharfe Handhabung der Wahlprüfungen gegen- über den von ihm beeinflußten Wahlen wirtsam entgegcnzu. treten und in den— nach den bisherigen Beobachtungen übrigens seltenen— Fällen wirklicher Schädigungen die Schuldigen der» antwortlich zu machen." Das ist ganz der verlogene Zynismus des Frei- Herrn von Zedlih, der zwar jeden unverschämten Terror der Regierung und des Unternehmer- tu ms gesichert wissen wollte, zugleich aber der Ar- beiterschaft jede Möglich keit zu nehmen beab- sichtigte, sich ihrerseits gegen den unverschämten Terror der industriellen und agrarischen Machthaber und ihrer bureau- kratischen Handlanger mit den geeigneten Mitteln z u r W e h r zusetzen. Eine Widerlegung des frechen Unsinns lohnt nicht. ES genügt, solcheUnverfchämtheitenniedrigerzu hängen! Sin Michüd. Der kritische Tag ist für das Ministerium A s q u i t h günstig verlaufen. Es ist nicht gestürzt worden, und an der Macht zu bleibe», ist ja das einzige Ziel, das diese Regierung. die mit großen Versprechungen so freigebig war, heute noch kennt. Dieses Resultat wurde durch ein Kompromiß erreicht, daS die gemäßigten mit den radikale» Mitgliedern dcS Kabinetts geschlossen haben. Herr Asquith muß seinen Plä», die Budgets für 1909 und 1910 zu erledigen und die OberhauZrcfom auf die lange Bank zu schieben, ein wenig modifizieren. Zuerst soll zwar daS letzte Budget erledigt werden, da das Finanzjahr mit dem 31. März endet. Dann aber kommt die Oberhaus frage zur Beratung, bevor das Budget von 1910 in Angriff genommen wird. Das sähe nach einem Sieg der Radikalen aus, ist es aber keineswegs. Denn Herr Asquith weigert sich nach wie vor, in der Oberhausfrage den Weg des Gesetzes zu gehen. Es bleibt bei unverbind- tichen Resolutionen, die allerdings dem Oberhans zugeschickt, dort aber unter Hohngelächter werden verworfen werden. Dasselbe wird unziveifelhaft mit dem Gesetz geschehen, das in einem späteren Zeitpunkt im Unterhause zur Beratung kommen soll. Die Lords werden dies Gesetz, das ihnen das Recht der Mitbestimmung in finanziellen Fragen und das Recht nehmen soll, das Inkrafttreten von Gesetzen, die im Unterhause angenommen sind, für länger als eine Legis- laturperiode zu verzögern, natürlich nicht annehmen;„Garan- tten" kann aber Asquith nach>me vor nicht geben. Das einzige, was die Radikalen durchsetzen konnten, ist sonach nur die Erklärung des Schatzkanzlers, daß die Regierung mit der Oberhausfrage stehe und falle und zurück- treten werde, falls sie ihr Ziel nicht durchführen könne. Das mußte aber eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein und nur der Verrat Asquiths hat diese Erklärung erst nötig gemacht. Dagegen haben die Gemäßigten eine viel wichtigere Konzession durchgesetzt; die Regierung hat ausdrücklich eine Reform d e 3 O b e r h a u s e s in ihr Programm auf- genommen. Freilich ist diese Reform erst für einen späteren Zeitpunkt in Aussicht genommen. Aber was bisher nur eine Forderung der Lords selber und der Konservativen war, wird jetzt von der liberalen Regierung als berechtigt erklärt und akzeptiert. Die Liberalen hatten den Kampf aufgenommen zur Stärkung der Stellung des Unterhauses; dieser Kampf ist durch die Erklärungen Asquiths schmählich aufgegeben. Denn die Reform des Oberhauses bedeutet seine Stärkung und die Befestigung des Zweikammersystems, also die Herabdrückung, nicht die Hebung des Unterhauses. Die englische Demokratie hat schon heute die Schlacht end- gültig verloren, verloren vor allem durch den Verrat der liberalen Regierung. Die Stellung der Regierung selbst hat aber durchaus keine Befestigung erfahren. Die Konservativen haben sich gestern der Abstimmung enthalten und damit gezeigt, daß sie keine Lust haben, jetzt schon die Regierung zu übernehmen. Sie können ruhig noch einige Zeit warten, bis durch die Er- ledigung des Budgets die Finanzen wieder in Ordnung ge- bracht und die Liberalen noch mehr in Mißkredit gekommen sind. Da auch die Iren sich der Abstimmung enthielten. die Radikalen und leider auch die Arbeiterpartei durch die hochtönenden Worte Lloyd Georges sich noch einmal beruhigen ließen, so wurden die Vorschläge der Re- gierung ohne Opposition angenommen. Die Regierung darf also zunächst weiter wirtschaften. Wegen ihres Verrats von ihren eigenen Anhängern mit Miß- trauen betrachtet, von den Volksmassen verachtet, wird sie von der Duldung der Iren und der Konservativen so lange leben, als die Konservativen noch Wartezeit für ihre Wahl- Vorbereitungen brauchen. Wir werden unterdessen noch manche schöne Reden hören, aber diesen werden keine Taten mehr folgen und das Ende wird ein neues Unterhaus mit einer konservativen Mehrheit sein, der sich bald der gemäßigte Flügel der Liberalen anschließen wird. DaS Eude der UuterhauSdebatte. London, 29. Februar. Nach Austen Chamberlain gelangte Lloyd George zu Worte. Der Schatzlanzler legte Verwahrung dagegen ein. daß die Regierung ihre Haltung geändert habe, den» Asquith habe von Ansang an klargelegt, daß eS die einzige Aufgabe dieser Tagung sei, mit den LordS abzurechnen. Die Frage wie das zu geschehen habe, habe er damals offen gelassen, nun aber habe die Regierung sich über die Art ihre- Vorgehe»? ent» schieden. Bezüglich der Garantien erklärte Lloyd George, eS wäre wünschenswert, daß die von der Regierung vorgelegten allgemeinen Grnndzüge einer Vetobill sobald wie möglich vom Unterhause ent« loeder angenommen oder abgelehnt würden, und daß die Regierung in Erfahrung brächte, ob die LordS gewillt seien auf Grund des Regierungsentwurfes in Beratungen einzutreten. „Wenn die Lord« nicht dazu bereit sein sollten," fuhr Lloyd George fort,.so kann ich allen unseren Freunden imierhalb und außerhalb des Hauses die Versicherung geben, daß wir nicht beabsichtigen„Sand zu pflügen". Wenn wir uns nicht in der ?<>ge befinden sollten, sicher zu flellen. daß unsere Vorschlage nicht nur bom Unterhaus angenommen, sondern auch zum Gesetz er- hoben werden können, so werden wir nicht im Amte bleiben. sBeifall.) Gegenüber der Notwendigkeit, die Frage der Beziehungen beider Hänser und der Vorherrschaft des Unterhauses zur Eiuicheidung zu bringen, gibt es kein Ausweichen und kein Zögern. Die Regierung wird unter allen Umständen mit dem Rat stehen oder fallen, den sie dem Souverän geben wird, wenn es je notwendig werden sollte, dies zu tun. sBelfall.) Im Verlaufe der Debatte erklärte Lloyd George in Er- widerung auf eine Frage Austen Chamberlain s, er glaube. daß Asquith es vollkommen klar gemacht habe, daß das Budget nicht angenommen iverden solle, ehe die Veto- resolutionen erledigt seien. Nach weiterer Diskussion wurde die Resolution des Premierministers bezüglich der Sitzungen des Hauses an- genommen. DieJren enthielten sich'.der Abstimmung. Sie waren ebenso wie die Radikalen augenscheinlich von den Erklärungen Lloyd Georges befriedigt. Man glaubt allgemein, daß die Gefahr einer Krisis für wenigstens einige Wochen ab- gewendet worden ist. Preßstimmcn. London, 1. März. Die liberalen Zeitungen sind von der in der gestrige» Sitzung des Unterhauses abgegebenen Er- klärung des Premierministers völlig befriedigt. Die liberale Partei sei nunmehr über die einzuschlagende Kampfpolitik einig und ihre einzelnen Gruppen würden sich, wie zu erhoffen sei, in den nächsten drei Wochen als geschloffene Einheit zusammenfinden. Minister Mac Namara erklärte in einer gestern gehaltenen Rede, die gestrige Mitteilung Asquiths bedeute den Kainpf bis zum äußersten gegen die Lords. Die k o n s e r- vativen Zeitungen stellen die Haltung des Premierministers so hin, als habe er sich den Radikalen jämmerlich a u S geliefert, und werfen ihm rücksichtsose Mißachtung der Finanzen des Landes vor. Sie sagen voraus, daß die Regierung durch ihr Per- bleiben im Amte geschwächt werden würde und die Konservativen mit ihrem Plan, das Oberhaus zu reformieren, bei den kommende» Wahlen den Beifall des Landes haben würden. da die Nation nickt wünsche, nur eine Kammer zu besitzen, denn diese Bedeutung habe nach allgemeiner Ansicht die Drohung der Re- gierung, das Vetorecht zu beschränken und die Reform des Ober- Hauses aufzugeben. Beide Parteien rechnen mit Neu- wählen im Juni. Zwei Nachwahlen- London, 27. Februar. sEig. Ber.) Nächstens worden zwei parla- mentarische Nachwahlen stattfinden, die von großem politischen Jntereffe sind: Eine Nachwahl in St. Georges-in-the-East(London- Ost), die andere in Rotherham(Aorkshire). Wedgwood Venn, der liberale Abgeordnete für St. Gcorges-in-the-East wurde von der Regierung in ein besoldetes Ministerialamt befördert und muß sich deshalb einer Wiederwahl unterziehen. Bei den letzten Wahlen wurde er mit einer Mehrheit von 43S Stimmen gewählt. Sein konservativer(unionistischer) Gegenkandidat ist P. C. SimmonS. Die Wahl wird am 1. März vorgenommen. Die andere Nachwahl in Rotherham wurde verursacht durch den Wunsch der Regierung, dem bei den letzten Wahlen unterlegenen liberalen Whip I. A. P e a s e zil einem Mandat zu ver- helfen. Der dort gewählte Liberale trat deshalb zurück, um Pease Platz zu machen. Es ist möglich, daß die Arbeiter- Partei dort einen Gegenkandidaten aufstellen wird. Der Vorstand der Nationalisten, der gewöhnlich die irischen Wähler berät und ihnen zu empfehlen pflegt, für die Liberalen ein- zutreten, hat bekanntlich beschlossen, es den stimmberechtigten Iren in St. GeorgeS-in-the-East zu überlasten, welchem der beiden Radi- kalen sie zum Siege verhelfen wollen, trotzdem Benn als eiftiger Homeruler bekannt ist. linterliegen die beiden RcgierungSkandidaten, so ist das ein harter Schlag für die Liberalen, denn sie verfügen gegenüber den Konservativen nur über eine Mehrheit von zivei Stimme». Politische deberlickt. Berlin, den 1. März 1310. Es wird»veiter gerauft um die Bauernseele. Aus dem Reichstage, 1. März. Als erster Punkt stand die Neuwahl des Präsidenten auf der Tages- ordnung. Auf Borschlag des Zentrumsabg. v. H e r t l i n g wurde der Konservative Abg. Graf v. S ch w e r i n- Läwitz durch Akklamation gewählt. Auch die sozialdemokratische Fraktion erhob keinen Widerspruch gegen diese Art der Abstimmung, da sie beschlossen hatte, an dem Brauch festzuhalten, daß der stärksten Fraktion das Recht, den Präsidenten zu designieren, zustehe. Da dalq Zentrum fiir sich auf das Recht verzichtet hatte, kam somit als nächststärkste Fraktion wieder die konservative Partei an die Reihe. Ein zweiter Tag der Debatte über das Gehalt deS Staatssekretärs des Innern wurde hingebracht mit dem Gekeife zwischen den bauernbündlerischen Agrariern und den Zirkus Busch- Agrariern, was alles natürlich Vorbereitung ist für die bevorstehenden allgemeinen ReichStagswahlen. Es gilt die Bauern einzusaugen für die Nationalliberalen oder die Kon- servativen. Zunächst bemühte sich der Abg. Böhme, der General- sekretär des neuen„Deutschen Bauernbundes", die Angriffe des Konkurrenten vom Bunde der Landwirte, des Dr. Hahn,-zu parieren. Dabei war eS ihm charaktcristischerwcise recht genierlich, daß der freisinnige Abg. Gothein dem Bauernbunde seine Anerkennung gezollt hatte. Herr Böhme betonte geflissentlich, daß der neue Bauernbund keines- Wegs auf freihändlerischem Standpunkt stehe, nicht einmal auf dem der Caprivischen Handelspolitik, sondern auf dem Boden der Zollpolitik von 1902. Innerhalb des Bereiches der Reichspolitik gehen die neuen von den alten Bündlem also eigentlich nur wegen der E r b s ch a f t s- st c u e r auseinander. Herr Böhme verbreitete sich aus- führlich über die Gründe, die ihn veranlaßt haben, dafür zu stimmen. Es klang das>vie aufgetaute Trompeten- stoße auS dem Vorjahre. Sonst kehrte er noch scharf den Gegensatz zu den Großgrundbesitzern in der An- siedelnngspolitik hervor. Während die Zirkus-Busch-Männer die„Restgüter" der Ansiedelungskommission dem Großbetrieb vorbehalten wollen, verlangen die Bauernbündler deren Auf- teilung. Daß man übrigens für eine antireaktionäre Politik von den Bündlem wenig zu erwarten hat. bewies Herr Böhme durch den Satz: Wir verlangen gleiches Recht für alle, die auf nationalem Boden st ehe n. Dem antisemitischen Bauembündler Böhme sekundierte dann der nationalliberale Parteisekretär Fuhrmann mit scharfcwAngriffen auf den Bund derLandwirte und den Dr. Hahn selbst.»Beide Parteien warfen sich dabei gegenseitig"vor, daß ihre Politik die Sozialdemokratie begünstige. Herr Fuhrmann erklärte auch noch feierlich, daß die uationalliberale Parteileitung jedes Bund- niS mit der Sozialdemokratie verwerfe. Dem Dr. Hahn warf er vor, daß er durch seine überagrarische Politik daS.schöne Einvemehmen zwischen den bürgerlichen Parteien zerstört habe und nannte ihn schließlich den„Toten- gräber der deutschen Landwirtschaft". Dem konservativen Schnapsblockbruder Hahn sprang nun- mehr der Bauemdoktor des Zentrums, Herr Heim, hilfreich bei, indem er den Konkurrenten Böhme nach allen Regeln der bajuvarischen Heim-Kunst frozzelte. Er deutete an. daß Herr Böhme mitsamt seinem Bauernbund eigentlich vom Hansa- bunde ausgehalten würde und schilderte den fränkischen Bauernbund, der sich dem„Deutschen Bauernbunde" neuer- dings angeschlossen hat, als eine ganz bedeutungslose Ee- fcllschaft. Dann verbreitete sich Dr. H a h n stundenlang selbst- gefällig über seine eigene werte Persönlichkeit und renommierte damit, er habe nicht nur einigen Nationalliberalen, sondern auch Freisinnigen, so dem Abg. Hormann-Bremen das Mandat zum Reichstag verschafft. Schließlich mischte sich auch noch der Freisinnige Gothein zum zweiten Male, sowie der Pole K u l e r s k i in diesen agrarischen Hahnenkampf ein, der so ziemlich die ganze Sitzung ausfüllte. Zwischendurch gelang es unserem Genossen Horn noch. in Vertretung der Glasarbeitcrintcressen die Angriffe zurückzuweisen, die der Freisinnige Carstens und der Reichsverbändler v. L i e b e r t gegen die gewerkschaft- lichcn Bestrebungen dieser unter höchst ungünstigen Arbeits- bedingungen um ihren Lebensunterhalt kämpfenden Arbeiter- gruppe energisch zurückzuweisen. Ein ganz interessanter Zwischenfall war es auch, daß der Zentrumsabgeordnete v. S t r o m b e ck sich gegen die vom Zentrum eingebrachte Resolution erklärte, durch die daS Hausiergewerbe bedroht wird. Strombecks Austreten erklärt sich daraus, daß er Vertreter des E i ch L f e l d e s ist, das mehr Hausierer als irgend ein anderer gleich großer Landstrich Deutschlands in alle Welt hinausschickt. Um 7 Uhr ging die Generaldebatte zu Ende. Das gestäupte Zentrum. Eine Lektion, wie sie Genosse Leinert am Dienstag im preußischen Abqeordnetenhause dem Zentrum erteilt hat, ist dieser Gesellschaft bisher noch niemals von der Tribüne des Junkerparla- ments herab erteilt worden. Einige Mitglieder der ZentruinSpartei, noch dazu solche, die ihre Wahl in den Landtag der Sozialdemokratie verdanken, hatten kürz- lich bei der Beratung des Etats des Ministeriums des Innern aller- Hand Angriffe gegen uns gerichtet und dann nach bekannter Manier für den Schluß der Debatte gestimmt, so daß uns die Möglichkeit einer Erwiderung genommen wurde. Genosse Leinert holte das Versäumte am Dienstag in der Generaldebatte zum Etat der Berg-, Hütten- und Salinenverwaltung nach, und er holte es so gründlich nach, daß die gestäupten ZentrumSmänner vor Wut tobten. Die ganze niederträchtige Verlogenheit, den jahrelang fortgesetzten schurkischen Ver- rat dieser frommen Vertreter für Wahrheit und Recht schilderte unser Redner in eindrucksvoller, ihre Wirkung nicht verfehlender Art. Jinmer unruhiger rückten die von ihm namentlich als Lügner und Verräter gebrandmarkten Mitglieder des Hauses auf ihren Sesseln hin und her, immer unheimlicher tvurde ihnen zu Mute. Durch allerhand Zwischenrufe glaubten sie unseren Genosse» auS der Ruhe bringen zu können, aber eS gelang ihnen nicht, Leinert das Konzept zu verderben. Die Haltung deS Zentrums bei der Beratung des Wuchertarifs, seine Haltung bei der Finanzreform, seine Vernachlässigung des Arbeiterschutzes im Reiche und in Preußen, sein jüngster Verrat in der WahlrechtSfrage, alles wurde den Herren vor Augen geführt, nichts wurde ihnen geschenkt. Die jesuitischen Kniffe, mit denen die Sippschaft seit Jahren gewohnt ist, sich aus der Schlinge zu ziehen, werden die-mal versagen. Konnte doch Leinert dem Hause die Originalbriese von Zentrumsabgcordneten unterbreiten, die sich durch eigenhändige Unterschrift auf bestimmte Forderungen der Sozialdemokratie ver- pflichtet hatten, um mit unserer Hilse in den Landtag einziehen zu können! Konnte er doch an der Hand zahlloser Beispiele die Un- Zuverlässigkeit, ja die L ü g e n h a s t i g k e i t des Zentrums dartun. Endlich ist dieser Partei, die Leinert am Schluß seiner von allen Seiten mit Spannung aufgenommenen Rede als die Partei gemeinster, niederträchtigster und bewußter Heuchelei und Verlogenheit bezeichnete, die Maske vmn Gesicht gerissen. Diese Kritik am Zentrum bildete den Schwerpunkt der Debatte. Natürlich kamen bei Leinerts Ausführungen auch die Arbeiterfragen nicht zu kurz. ES ist überflüssig, zu sagen, daß unser Redner sich aufs wännste der Interessen der Bergarbeiter annahm und mit Rachdruck die Gewährung dcS Koalitionsrechtes, eine anständige Behandlung und höhere Löhne forderte. Am Mittwoch wird die Debatte, die noch recht wtereffant zu werden verspricht, fortgesetzt._ Grober Unfug. AuS dem Prozeß gegen den Genossen Herkert in Frankfurt am Main ist schon bekannt, daß die Frankfurter Juftiz gegen die Wahlrechtsdemonstranten mit dem Allheilmittel de» Paragraphen über den groben Unfug vorgehen will. Die Strafkammer des Frankfurter Landgerichts glaubte, den.groben Unfug" durch eine Geldstrafe genügend gesühnt zu haben. Ander« das Frankfurter Amtsgericht. Es will auS dem gleichen Geist heraus, aus dem der Staatsanwalt im ersten Prozeß wegen Wahlrechts» demonstratio», um ein Excmpel zu statuieren, eine Strafe von 7 Monaten beantragte, gegen die Wahlrechtsdemonstranten nur mit Freiheit« st rasen vorgehen. ES werden gegen die Teilnehmer an der Kundgebung am Sonntag, den 13. Februar, die von der Polizei verhaftet worden find. Strafen von fünf Tagen und mehr festgesetzt und zwar ohne mündliche Verhandlung, durch einen Strafbefehl. Ein Schuhmacher, der nichts weiter getan hat. als nach der AuSeinandersprengung einer kleinen Zahl von BersammlungS- besuchern durch berittene Schutzleute seinem Begleiter die Worte:„hier- her, hierher" zugerufen hat, soll fünf Tage hinter schwedischen Gardinen sein Verbrechen büßen. Dem Gericht ist es„offensichtlich", daß durch da» eine Wort die Dispositionen der Polizei zur Herbei- führung der Ordnung und Sicherheit auf der Straße vereitelt und der vorgesprengte Trupp wieder gesammelt werden sollte. Natürlich wird in diesem wie in allen anderen Fällen mündliche Verhandlung beantragt werden, denn durch die Aktenverfügung eines Assessors oder Amtsrichters lasten sich WahlrechtSdemonstranten nicht ein paar Tage ihre Freiheit nehmen._ Der Hansabund. Der Gesamtausschuß deS Hansabundes war Dienstag vormittag in Berlin zu einer Sitzung zusammengetreten. Geheimrat Rießer wandte sich scharf gegen die namenlos einseitige Jntereffenpolitit des Bundes der Landwirte: Die Gründung des Hansabund«« sei eine Rorwendigkeit gewesen und ei» neuer Frühling fei damit angebrochen. Deutschland würde eS sehr schlecht gehen, wenn Handel, Gewerbe und Industrie sich nicht in Blüte befänden. Der neue Direktor de« Hansabunde», Oberbürgermeister a. D. Knobloch besprach die Vertretung de« Handels und der Industrie in den Parlamenien und kam zu dem Schluß, daß in erster Linie dafür gesorgt werden müsse, daß auch in den parlamentarischen ttörperschaften dem Handel und der Industrie eine stärkere Ler- tretung eingeräumt werde. Der Hansabund gedenkt nächstens eine statistische Arbeit zu veröffentlichen, in welcher die Lasten nach- gewiesen werden sollen, die in den letzten zehn Jahren dem Handel, dem Handwerk und der Industrie ausgebürdet worden sind. Der tzansabund hat weiter die Absicht, den Ä o n s u nr v e r e i u e n zu Leibe zu gehen, von denen behauptet wird, daß sie eine schwere Schädigung des Mittelstandes bedeuten. Zu Beginn der Tagung wurde ein Begrüßungstelegramm an den Kaiser geschickt. Auf jeden einzelnen Redner wurde nach Schluß seines Vortrages das übliche Hoch ausgebracht, und in anscheinend sehr fideler Stinimung gingen die Herrschaften auseinander. Wenn es noch eines Beweises dafür bedurft hätte, daß der Hansabund im Grundzuge seines Wesens reaktionär ist, dann wäre dieser Beweis erbracht durch die Haltung, die der Hansabund den Konsumvereinen gegenüber einnehmen will. Der Hansa- bund gedenkt durch diese Konzession an den Mittelstand die Wühler aus diesen Kreisen für sich einfangen zu können. Noch einmal die Marineschlamperei. Die„Danziger Neuesten Nachrichten" fühlen das bringende Bedürfnis, der dortigen Werstverwaltung in ihrer prekären Lage, in die sie durch die Enthüllungen in der Budgetkommission geraten ist, zu Hilfe zu eilen. Da die Nichtigkeit der S ev erin g- scheu Angaben, soweit eS sich um die Tatsache, daß in ein in das Eis geschlagenes Loch Gegenstände versenkt worden sind, handelt, nicht bestritten werden können, so betet das genannte Blatt der Werftverwaltung das Sprüchlein nach, es handle sich nur um wertlose Abfälle, die bei der Absuchung gefunden worden seien. Dcmgcgen- über behaupten die Gewährsmänner unseres Genossen, daß die Untersuchung sehr mangelhaft ausgeführt worden i st. Sie dauerte kaum eine halbe Stunde und wurde mit Stangen und Werkzeugen vorgenommen, die zu diesem Zwecke höchst un- geeignet waren. Trotzdem fand man ein Stück gutes Segeltuch von 7 Meter Länge, ein 2 Meter langes Kupferrohr, ein gewundenes Kupferrohr von 3 bis 4 Meter Länge, zwei Säcke voll Schlemmkreide usw. Was würde man aber erst ge- funden haben, wenn, wie das bei dem moorigen Untergrund allein richtig gewesen wäre, die Absuchung durch Taucher hätte vornehmen lassen. Die Wcrftverwaltung und die ihr dienenden Blätter haben also gar keine Ursache, sich aufs hohe Roß zu setzen und von völliger Haltlosigkeit der Severingschen Beschuldigungen zu sprechen. Entweder hat man die Gegenstände dort versenkt, um sie bei paffender Gelegenheit aus dem Werftbetrlebe hinauSzubringen und zu Geld zu machen, oder man hat sie versenkt, um bei der Jnvenwraufnahme keinen Ueberstand zu haben und sich auf diese Weise unbequeme Schreibarbeit zu ersparen. Die letztere Annahme ist für die Werftverwaltung die blamablere, weil eine solche Materialverschwendung nur in einem Be- triebe möglich ist, wo es selbst der oberen Verwaltung an dem erforderlichen VerantlvortlichkeitSgefühl fehlte. Im übrigen wird im Plenum des Reichstags die Angelegenheit noch gründlich behandelt werden; gründlicher jedenfalls, als es der Marine« und der Danziger Werstverwaltuug lieb sein wird. Die Stichwahl in Mülheim-Wippcrfürth-Gummersbach hat, wie zu erwarten war, mit dem Siege des Zentrums geendet. Die Sozialdemokratie hätte nur siegen können, wenn die Liberalen vollzählig für sie eingetreten wären und noch einige tausend bis- jhcriger NichtWähler mobil gemacht werden konnten. Weder das eine noch das andere war möglich. ES ist der Sozialdemokratie nur gelungen, einige hundert bisher säumiger Elemeüte an die Wahlurne zu bringen und die Nationalliberalen hat sie, von einem kleinen Teil abgesehen, nicht aus ihrer Waschlappigkeit auf- zurütteln vermocht. Es ist ein sonderbares Gemisch, was sich in diesem Wahlkreise„liberal" nennt. Scharfmacherische Groß- industrielle, die den Konservativen verwandt sind, muckerische Bauern von ebenfalls konservativer Gesinnung auf der einen und jungliberale Draufgänger von zum Teil demokratischem Empfinden auf der anderen Seite; dazwischen eine breite Masse gemächlichen Philistertums mit kleinlichen Alltagssorgen und Kirchturmsinter- essen. Die verschiedenen Richtungen ohne Zusammenhang, ohne verbindende und verpflichtende Organisation. So kann es denn nicht wundern, daß von den Liberalen für den zweiten Wahlgang nicht weniger als drei Wahlparolen ausgegeben wurden. Von Mülheim aus, wo die Jungliberalen einigen Einfluß haben, er- «ing die Weisung: Keintz Stimme dem Zentrum! In Gummers- dach, wo ein scharfmacherischer Großindustrieller den Ton angibt, beschloß man, gar keine Wahlparole auszugeben, und in Vensberg kam man überein, sich der Wahl zu enthalten. Mehr an Zer- fahrenheit ist wohl nicht gut denkbar! Und das schönste ist, daß die Wähler überall so ziemlich das Gegenteil getan haben, was die Wahlparole ihrer Bezirke ihnen vorschrieb. In Mülheim, wo die Liberalen den Sozialdemokraten noch am weitesten entgegen- kamen, haben sie sich sehr schlapp benommen, dort haben wir von den 1771 liberalen Stimmen höchstens 300— 400 erhalten; in Gummersbach, wo man nicht mal eine Wahlparole auszugeben wagte, haben die liberalen Arbeiter. Kleinbürger und Bauern teilweise recht zahlreich für uns gestimmt, und in Densberg, wo man Wahlenthaltung proklamierte, sind die Liberalen zum guten Teil auf die Seite des Zentrums getreten. Wirrwarr. Hilflosig» keit und Waschlappigkeit an allen Ecken und Enden im liberalen Lagerl Und in lächerlichem Gegensatz dazu stand die Groß- mäuligkcit der liberalen Redner, die bis zum Tage des ersten Wahlganges taten, als ob sie das Zentrum mit Haut und Haaren verspeisen wollten und, um diesen löblichen Zweck zu erreichen, selbst mit dem Teufel zusammengehen würden, geschweige denn mit den Sozialdemokraten! Von den S600 lib<"-alen Wählern ist noch nicht ein Viertel in der Stichwahl auf die Seite der Sozial- demokratie getreten, und da das Zentrum, wie man genau er- Mitteln kann, nur 300— 400 Christlichsoziale für sich gewonnen hat, so kann man mit Bestimmtheit annehmen, daß an seiner Zu- nähme von 1100 Stimmen 700— 800 liberale Wähler beteiligt sind. Das ist die Art, wie der Liberalismus der blauschwarzen Reaktion gegenüber die Sache der Kultur und des Fortschritts vertritt! Wenn die jetzige Wahl unseren Genossen auch nicht in vollem Maße den gewünschten Erfolg gebracht hat. so ist sie uns dennoch von Nutzen gewesen. Wir betrachten sie als Vorgefecht, als Uebung für die bevorstehenden allgemeinen Wahlen. Wir haben erkannt, wo unsere schwachen Stellen sind— hier werden wir aus- zubeffern haben; wir haben auch erfahren, wo hoffnungsvolle An- sätze sind— hier werden wir auszubauen und vorzudringen haben. Der Wahlkampf ist aus— es lebe der Wahlkampf! Die„Ironie" der Zentrumsdiplomaten. Der„Kölnischen Volkszeitung" ist etivas Un- Angenehmes passiert. Einer ihrer Berliner Mitarbeiter hat in einem an die Adresse von Bethmann Holllveg gerichteten Artikel der Welt offenbart, wie sich die Zentrumsjesuitm die moderne Regierungskunst denken. Danach soll man die Völker durch„allerhand schlaue Tricks" zu„freiwilliger Gefolgschaft" veranlassen und sie durch Arbeit hinter den Kulissen leiten, ohne daß sie es merken. Der Redaktion ist diese Ent- hüllung jesuitischer Diplomatie nachträglich auf die Nieren geschlagen, und jetzt komnit das Blatt mit der Behauptung, daß der Artikel nur ironisch gemeint sei. Dabei vergißt das Blatt, daß in dem Artikel sich die ausdrückliche Versicherung befindet, das Gesagte gelte„nicht bloß im staatlichen, sondern auch vom politischen, kirchlichen und kommunalen Leben". Und weiter heißt es:„Es gibt in der Tat nur einen einzigen Weg, die Menschen zu leiten und für eine bestimmte Tätigkeit zu gewinnen— das ist, daß man sie dazu bringen kann, freudig zu gehorchen. Jeder Geistliche weiß ein Lied davon zu singe n." Will das froiiune Blatt etwa den Vorwurf auf sich nehmen, daß es mit der Kirche und der G e i st l i ch k e i t seinen Spott getrieben habe? Tie Vertrauensseligen. Im Frühjahr 1903 tagte in Köln eine Bezirksversamm- lung der katholischen Arbeitervereine Köln- Mülheim. Die Versammlung beschäftigte sich auch mit der Frage der preußischen Wahlreform und nahm nach einem diesbezüglichen Vortrage eine Resolution an. worin das Dreiklasienwahlsystem be- zeichnet wurde als ein Unrecht, da es den weitaus größten Teil der preußischen Bevölkerung von der Mitbetätigung bei der Staatsverwaltung ausschalte. Dann hieß es: „Die Versammlung richtet an alle volksfreundlichen Parteien das Ersuchen, für die Einführung dcS Rcichstagswahlrechts zu de» preußischen LanMagswahlcu einzulreten. Die wirksamste Agitation gegen das bestehende Wahlrecht glaubt die Versammlung durch Massenbeteiligung an den nächsten Wahlen und durch Stärkung des Zentrums zu finde». Die Versammlung erachtet das Zentrum als eine zuverlässige Partei in dieser wichtigen Frage, denn es hat seil langen Jahren die Uebcr- tragung dcS Rcichstagswahlrechts auf Preußen gefordert." Die katholischen Arbeiter haben bei den LandtagSwahlen 1908 das in dieser Resolutton gegebene Versprechen gehalten, sie haben sich zahlreich an den Wahlen beteiligt und zur Stärkung dcS Zentrums beigetragen. In welcher Weise daS Zentrum ihr Ver- trauen gelohnt hat, beweist das Verhalten dieser Partei in der Wahl- rechtskommission. wo es die„zuverlässige Partei" fertig gebracht hat, daS miserable Machwerk der Regierung noch miserabler zu gestalten. Und waö auch immer dabei herauskommen wird, die katholischen Arbeiterführer werden das Werk des Zentrums als eine „nationale Tat" preisen, genau so wie bei der Reichsfinanzreform, und leider ist Grund zu der Befürchtung, daß auch hier wieder die katholischen Arbeiter ihre Vertrauensseligkeit so weit treiben, der Schwindelpartei weiter zu folgen. Wie Avbeitervertreter im Zentrum behandelt werden. Ein recht bezeichnender Vorgang, der zeigt, eine wie jämmer- liche Rolle die Arbeitervertreter in der Zentrumspartei spielen, trug sich in der Bochumer Stadtverordnetensitzung zu. Die Zen- trumSpartei hat zwei Arbeitersekretären Stadtverordnetenmandate verschafft. Diese beiden Stadtverordneten haben sich aber bisher noch nicht getraut, irgend welche Initiative zu ergreifen. Sie be- willigten ohne Widerrede z. B. 14 000 M. für den Wiederaufbau der Burg Altena und waren stets bestrebt, eS ja nicht mit der reak- tionärcn Mehrheit zu verderben. Der Umstand, daß im lausenden Jahre die Kommunalsteuerzuschläge von 195 auf 220 Proz. erhöht werden sollen, brachte eS mit sich, daß sie sich gezwungen fühlten, einen Antrag auf Cinführung der gewerblichen Kopfsteuer einzu» reichen, der die großen Werke und Zechen zur höheren Steuer- leistung heranziehen sollte. Als nun der Arbcitersekretär Gilsing da? Wort zur Begründung des Antrages erhielt und einige Minuten gesprochen hatte, wurde er von den Werksvertretern und von den eigenen Fraktionsinitgliedern in demonstrativer Weise gestört. So- gar Mitglieder des Magistrats beteiligten sich daran. Schließlich verließ die Mehrheit unter Protest den Saal, mit ihnen der Führer der Zentruinsfraktion, Herr Löchtermann, der erklärte:„Das i st ja eine Schweinerei!" Die Bürgerschaftswnhl in Hamburg. Mit der am Montag vollzogenen„Wahl" der Notabelnberireier sind alle Privilegierten und Klassen der Republik Hammonia zu ihrem„Rechte" gekommen. Bei dieser Wahl— rsods Ernennung— hatten nur wenige Hundert Wähler ihr Votum abzugeben, nachdem sie schon in ihrer übergroßen Mehrheit als Grundeigentümer und als erstklassige Wähler bei den vor kurzem statlgefundenen Wahlen ihre staatserhaltenden Stimmen in die Wagschale geworfen hatten. Die au» der Rechten, dem linken Zentrum liberale" Wahlrechts- räubcr) und der Linken(ein Gemisch von allen möglichen„Libe- ralen") bestehenden alten Fraktionen, die in geheimer Sitzung den Wahlrechlsraub inszenieuen, haben insgesamt fünf, die Sozial- demokraten einen Sitz verloren und die Vereinigten Liberalen, die mit Hilfe der Sozialdemokratie bei den Rotabelmvahlen zwei Mandate erhielten, sechs Sitze gewonnen. Die Rechte zählt setzt 38, das linke Zentrum 35, die Linke 37, die vereinigten Libe- ralen 29 und die Sozialdemokraten 20 Sitze, während einer sich als fraktionslos bezeichnet. Der Wahlrechtsranb hat der Sozialdemo- lratie also ein Mandat gekostet, woraus die scharfmacherischen„Hamb. Nachrichten folgern:.... daß daS bestehende Wahlgesetz seinen Zweck: Eindämmung der Sozialdemokratie— voll- kommen erfüllt, dagegen da« Bürgertum in allen seinen Teilen vollauf zu seinem Rechte gekommen ist." Der als„Republik" firmierte Klassenstaat zeigt noch eine Wider- kichere Fratze als viele monarchische Staatengebilde. Hamburg und die Schiffahrtsabgaben. Am Sonnabend, dem Schlußtage der alten Bürgerschaft, wurde die Beratung de? Staatsbudgets beendet. Bei Titel„SenatSkom- Mission für die Reichs» und auswärtigen Angelegenheiten" fragte Genosse Stalten an, wie der Hamburger Senat im Bundesrat zu den Schiffahrtsabgabcn Stellung genommen habe. Die Hanse- städt« sollen im Gegensatz zu süd- und mitteldeutschen Staaten dem neuen preußischen Projekt zugestimmt haben. Daß die Sache schon definitiv entschieden sein kann, halte er für unmöglich, da zweifellos die Schiffahrtsabgabcn auf natürlichen Wasserläufen gegen Artikel 54 der Neichsverfaffung verstoßen. Er könne nicht glauben, daß der Senat eimm Projekt zugestimmt habe, das im Grunde rein agra- rischen Interessen diene. Die Bürgerschaft könne verlangen, daß sie über so wichtige, die Interessen Hamburgs nahe berühre.nde Fragen rechtzeitig informiert werde. Redner ersuchte um gründ- lichste Auskunft. Senator Dr. Diestel erklärte, der Senat vermeide es, über scbwebende Fragen, die der Bundesrat unter Ausschluß der Oeffent- lichkeit verhandelt habe, zu reden. Wohl aber sei er stets bereit. vertraulich seine Stellung zu wichtigen Fragen zu präzisieren. Der Ausschuß, dem Mitteilung gemacht sei, habe sich befriedigt er- klärt und dem Senat für richtige Wahrung der Interessen Ham. burgs volles Vertrauen bekundet. Von seinem damaligen Stand- Punkt sei der Senat nicht abgewichen. Die Gemeinden nnd das preußische Wahlrecht. Zu den rückständigsten Gemeinden Preußens gehört unzweifel- hast Altona, für die als einziger mildernder Umstand die munittel- bare Nähe Hamburgs in Betracht kommt. Um die Großstadt Altona in modernere Bahnen zu lenken, wählte man im vorigen Jahre den früheren Gemeindevorsteher von Friedenau bei Berlin, Schnacken- churg, zum ersten Bürgermeister. Die großen Gesichtspunkte, nach denen dieser Herr sein Amt zu verwalten versprach, beschränken sich vorläufig daraus, daß er Strafantrag gegen den Stadtverord- neteu Genossen Dr. Herz gestellt hat wegen angeblicher Beleidigung des Leiters der Gasanstalt, obwohl Herz nur allgemein bekannte Mißstände erörtert hat. Von großen Gesichtspunkten getragen war am Donnerstag auch die Antwort Schnackenburgs auf den Antrag der sozialdemokratischen Fraktion Wegen Absendung einer Petition an die Staatsregierung und an das Abgeordnetenhaus um Ein- fiihrung eines nach Art des Reich-tagswahlrechts aufgebauten Land» tagSwablrechts für Preußen. Der Herr Bürgermeister erklärte, der Antrag sei politisch und gehe über den Zusammenhang mit den örtlichen Interessen hinaus. Auch einen liberalen Antrag, um die Einführung der geheimen Wahl bei den Kommunalwahlen zu petitionieren, lehnte Herr Schnackenburg aus den gleichen Gründen ab. Für diesen Antrag stimmten nur einige Bürgerliche und die sozialdemokratische Fraktion. Dieses moderne Staotoberhaupt will aber im Herrenhause für die Einführung des geheimen Kommunal- Wahlrechts eintreten. Der gemaßrcgelte Kriegsgerichtsrat. Dem KriegSgerichtSrat Boll in Königsberg ist verboten worden, noch wetterhin den, Ostmarkenverein anzugehören, und dem Beamten ist jetzt auch nahegelegt worden, aus dein konservativen Verein auszutreten. Der Grund für diese politische Maßregelung liegt darin, daß KriegSgerichtSrat Boll, trotzdem ihn ein Landrat vor diesem Beginnen gewarnt hatte, es durchgesetzt hat, daß der konservative Berein in Königsberg eine Resolution zugunsten der Erbschafts st euer annahm. Diese Opposition hat nun dazu geführt, daß der Kriegsgerichts- rat B o l I aus den politischen Bereinen, in denen er bisher tätig war. ausscheiden mußte. Bon kundiger Seite wird behauptet, daß es der B u n d d e r L a n d w i r t e war, der dieses Vorgehen ver- anlaßt hat._ Ocltemicb-Clnjjarii. Etatberatung. Wien, 1. März. Im Abgeordnetenhaus begann heute die erste Lesung deö Budgets für 1910. Der Abgeordnete Beer(Soz.) verlangte endliche Abkehr von der die gesamte Bolls- Wirtschaft schädigenden bisherigen Zoll- und Handels» Politik und trat für raschesten Abschluß der Handel»» vertrage mit Serhien und den anderen Balkanstaaten ein. Abg.S hl bester wendet« sich dagegen, daß von Regie» rungSdeutschen gesprochen werde. Durch die Ereignisse der letzten Zeit seien die Deutschen von der Regierung noch weiter abgerückt. Die Zusainmenschlicßung nationaler Parteien habe auch die Deutschen veranlaßt, sich auf einer nationalen Grund« läge zusammenzuschließen. Der tschechische Abgeordnete Baxa kritisierte das gegenwärtige RegierungSsystem. Die Beseitigung des jetzigen slavenseindlichen Regimes sei daS Losungswort aller slawischen Parteien. Es gehe nicht an. daß im Hause des allgemeinen Wahl- recht« die Mehrheit der Ministerbank von Deutschen gebildet werde, während die Slawe n sich in entschiedener Minderheit be» fänden. DaS Haus verhandelte dann über DrtnglichkeitSanträg«. Ein klerikaler UnterrichtSminister. Budapest, I.März. Wie das Ungarische Telegraphen-Korrespondenz» bureau aus Wien meldet, erfolgte in der heutigen Audienz des Ministerpräsidenten Grafen Khuen-Hedervary beim Kaiser die Er- nenmmg des Grafen Johann Zichy zum Unterricht»» und Kultusminister._ Obstruktionsfolge». Prag, I. März. Die Finanzkommission de? Landes» a u S s ch u s s e S hat heute beschlossen, mit Rücksicht auf daS wegen der deutschen Obstruktion nickt bewilligte Budget Streichungen an den Ausgaben für Schulzwecke, an Sanitäts-, HumanitätS- und Bautensubventionen im Betrage von 18 Millionen Kronen vorzunehmen. Für HumanitätS« und Sanitätsanstalten allein wurden über vier Millionen gestrichen. Weitere Ersparmtgen werden erwogen. fratikrdcb. Sicherung des Wahlgeheimnisse». Pari», l.März. Der Senat hat den von der Kammer bereits genehmigten Gesetzentwurf betr. die Sicherung der Wahlfreiheih und des Wahlgeheimnisses mit einigen Abänderungen angenommen. In dem Entwurf handelt es sich vor allen: um die Einführung von Briefumschlägen für die Stimmzettel. Snglanck. Eine fromme Rede. London, 1. März. Der König hat heute im Buckiughampalast die Erzbischöfe von Canterbury und Jork und viele Mitglieder der beiden Kammern gelegentlich der Einberufung der Kirchenproviitzen Canterbury und Aoik empfangen. In seiner Antwort auf die an ihn gerichteten Ansprachen sagte der König, die An- erkennung seiner Bemühungen um die Erhaltung des Weltfriedens erfülle ihn mit Freude. Er sei über- zeugt, daß mit der fortschreitenden Gesittung der Einfluß der christlichen Lehre auf die Seelen zunehme und daß die Menschen in immer wachsendem Maße die Liebe zum Frieden in ihre Herzen pflanzten. Bon ihm aber hänge Gesundheit. Glück und Fortschritt aller Rationen ab. Er bete b e st ä n d i g, daß das Land vor den Gefahren und dem Elend eines Krieges bewahrt bleiben möge, da in dieser neuen Zeit ein Krieg den Unter- gang von Millionen herbeiführen würde. Cr danke Gott für die Erhaltung guter Beziehungen und freundschaftlicher Ge- fühle, wischen den Großmächten. Selten in der Geschichte sei der Wunsch nach Frieden so weit durch da» ganze Reich verbreitet gewesen. Die Ruhe der Kolonien sei durch den Abschluß der südafrikanischen Union gefördert worden, dies sei in einem Lande geschehen, wo sie während so langer Zeit schwer gestört war. Nun werde sein Sohn diese vereinigten Kolonien besuchen, um das Siegel unter eine Versöhnung zu setzen, an der holländische und britische Unter- tauen treu gearbeitet hätten. Im jüngeren Jahren redete Eduard weniger vom Beten und mehr von der Liebe. Aber die Zeiten ändern sich. Daß aber der Repräsentant des britischen Imperialismus gar so viel sür den Frieden betet, ist nicht sehr beruhigend. Un» wäre schon lieber, er täte für den Frieden etwas Wirksameres. Marokko. Muley HafidS Nachgiebigkeit. Pari», 28. Februar. Nach einer Meldung der„Agence HadaS' auS FeS hat der Sultan die Abkommen mit Frankreich nun» mehr vollständig ratifiziert. Amerika. Di» Pfaffe» gegen den Sozialismus. In New-Fork hat die katholische Kirche einen Feldzug gegen den Sozialismus eröffnet. In jeder der Versammlungen, die im katho- tischen BereinShauS. Madison Ave., stattfinden, führt ein hoher Geist- licher den Vorfitz, in der ersten der Erzbischof selbst. Dem streit- baren Erzbischof von M i l w a u k e e ist der Versuch, die sozialistischen Irrlehre,» im Kirchenstil zu widerlegen, unseren sachkundigen Ge- «offen gegenüber übel bekommen. Selbstverständlich finden nur Vorträge, zu denen nur Männer zugelassen werden, ohne Diskussion statt. Unter den Rcdnem ist auch der.Arbeiterführer" Mitchell von der Civie Federation. 6cwerfcrcbaftUcbeB. ChrirtenCtaatlicber Ccrror! Wie die„Bergarbeiter-Zeitung" mitteilt, sind an a u s- ländische Verbandsmitglieder im Ruhrbecken Ausweisungsbefehle ergangen. Diese Ausweisungs- befehle werden wieder rückgängig gemacht, wenn die Aus» gewiesenen dein Gewerkvercin christlicher Bergarbeiter bei- treten. So erging es dem früheren Kassierer Müller des Bergarbeiterverbandes in Horstermark. In Disteln ist einem Bergmann die Ausweisung zugestellt worden, der schon li> Jahre im Rnhrbccken ist und sich redlich durchgeschlagen hat. Der katholische Geistliche B r ö ck e r will die Ause Weisung rückgängig machen, wenn der Mann die 5!inder tat bolisch taufen lassen will l! I Herr B r ö ck e r arbeitet- mit größtem Uebereifer gegen den Verband und für den Gemerkverein. Er sucht die WoH» nungen der Verbandsmitglieder auf. Die Folge ist U n- frieden in der Familie! Das Eigenartige ist, daß die christlichen Agitatoren des Gewerkvereins den ausländi'chen Verbaiwsiuitgliedern drohen, daß. wenn sie nicht ihren llrbertritt aus dem Verband in den christlichen Gewerkvercin erklären, sie seitcnc der Polizei ausgewiesen würden. Die„Bergarbeiter-Zeitung" wirft die Frage au,. Ist ein Abkommen zwischen der Polizei im Reckling» hauser Revier und dem Gewerkvercin bezw. der Zentrums- vartci getroffen worden, wonach mit den Ausweisungen so Versahren werden soll, wie oben angegeben? verlin und Clingegend. Die Tarifbelvegung der Holzarbeiter. Nachdem die am 2t. Februar abgehaltene Versammlung der Vertrauensmänner des Holzarbeiterverbandes nochmalige Ver- Handlungen mit den Unternehmern verlangt hatte, haben die Berliner Verbandsvertreter im Laufe der vorigen Woche wieder zwei Sitzungen mit den Unternehmern abgehalten. Ueber die Ergebnisse der erneuten Verhandlungen erstattete Glocke am Montag in einer Vertrauensmänneroersammlung Bericht. Seinen Ausführungen gemäß liegt jetzt folgendes Resultat der VerHand. lungen vor: Zu einer Verkürzung der Arbeitszeit waren die Unternehmer nicht zu bewege». Sie erklärten, sie müßten auf diesem Standpunkt verharren, selbst wenn daran der Abschluß des Tarifs scheitern sollte. Hinsichtlich der schon bei den ersten Ver- Handlungen zugestandenen Lohnerhöhung von 5 Prozent, die am 1. Dezember gewährt werden sollte, von den Arbeitern aber sofort verlangt wird, haben die Unternehmer sich bereit erklärt, die Lohn- crhöhung vom 1. November ab eintreten zu lassen. Die von den Arbeitern verlangte unbedingte Lohnsichcrung bei Akkordarbeiten ist nicht in vollem Maße erreicht worden, jedoch haben die Unter- nehmcr in diesem Punkt ein weiteres Zugeständnis gemacht. Hier- nach soll das Arbeitsverhältnis folgendes sein: Mit jedem Akkord- orbeiter ist in der ersten Woche seiner Beschäftigung ein vorläu- figer und nach Beendigung des ersten Akkords ein definitiver Lohn zu vereinbaren. Bei außertariflichen Akkordarbeiten wird der vereinbarte Lohn garantiert. Bei Minderleistungsfähigkeit des Arbeiters kann das Akkordverhältnis aufgehoben werden.— Das Verlangen der Arbeiter, daß alle Stellen nur durch den paritä- tischen Arbeitsnachweis beseht werden sollen, ist nicht ganz erfüllt worden, doch sind die Unternehmer auch in dieser Hinsicht den Forderungen der Arbeiter einen weiteren Schritt entgegen» gekommen. Zu der bereits vorher vereinbarten Vertragsbestim- mung über den Arbeitsnachweis soll folgende Fassung hinzutreten: Die Parteien verpflichten sich, den gemeinsamen Arbeitsnachweis, Gormannstraße 13, in erster Linie zu benutzen. Eine anderweitige Einstellung von Arbeitskräften ist nur dann zulässig, wenn der paritätische Arbeitsnachweis geeignete Arbeitskräfte innerhalb 24 Stunden nicht vermitteln kann. Andere Arbeitsnachweise sollen nicht benutzt werden. Weiter führte Glocke aus, die Vertreter des Verbandes hätten mit allen Mitteln versucht, den Forderungen der vorigen Vertrauensmännerversammlung Anerkennung zu verschaffen, aber mehr als das vorliegende Resultat sei nicht zu erreichen gewesen. Die Sachlage sei jetzt die: Die Forderungen der Kollegen seien nicht in vollem Umfange erreicht worden. Nicht die Verkürzung der Arbeitszeit, auch nicht die sofortige Lohnerhöhung sei bewilligt worden. In der Frage der Lohnstcherung und der obligatorischen Benutzung des paritätischen Arbeitsnachweises sei dagegen ein Fcrtschritt gegenüber den bisher geltenden Bestimmungen erreicht worden, wenn auch noch nicht alle Wünsche der Kollegen erfüllt seien. Es müsse berücksichtigt werden, daß es sich bei dieser Bc- wcgung nicht allein um Berlin handele, sondern um 42 Städte Deutschlands, die mit Recht verlangen, daß die Berliner Kollegen auch auf die auswärtigen Kollegen Rücksicht nehmen. Da also immerhin ein Fortschttt ohne Kampf erreicht werden könne, so empfehle die Verwaltung, dem Abschluß eines Vertrages auf Grund der Vereinbarungen zuzustimmen. In der regen Diskussion kamen entgegengesetzte Meinungen über die Stellung zu den vorliegenden Verbandlungsergebnissen zum Ausdruck. Ein Teil der Redner erklärten, sie könnten mit dem vorliegenden Resultat keinesfalls zufrieden sein. Es wurde die sofortige Lohnerhöhung und die Verkürzung der Arbeitszeit um mindestens eine halbe Stunde verlangt. Ein Vertrag ohne Ver- kürzung der Arbeitszeit habe keinen Wert. Für diese Forderung könne man den Kampf wagen.— Andere Redner, die auch nicht mit dem Resultat zufrieden waren, erkannten an, daß dasselbe doch einen gewissen Fortschritt bedeute und rieten mit Rücksicht auf alle einschlägigen Verhältnisse, zum Abschluß des Vertrages. Allgemein wurde betont, daß man ein größeres Entgegenkommen der Unternehmer erwartet hätte. Die Versammlung beschloß: Es soll nochmals mit den Unter. nehmern verhandelt werden, um die sofortige Bewilligung der Lohnerhöhung von 5 Prozent zu erreichen. Wenn in dieser Hin- ficht Zugeständnisse gemacht werden, dann soll einer demnächst zu veranstaltenden Generalversammlung der Abschluß de? Tarifs auf der so geschaffenen Grundlage empfohlen werden. Die Vobenleger hielten am Montagabend eine Branchenver- sammlung im Gewerkschaftshause ab. Der Obmann Kley er- stattete einen Bericht über die bisherigen Verhandlungen zum Tarifvertrage im Holzgcwerbe. Auf die Verhältnisse der Boden. leger ging er nur soweit ein, als er daran erinnerte, daß vom 1. April ab die Unternehmer eingegangene Verpflichtungen nach den Abmachungen vom letzten Streik zu erfüllen haben und daß es Sache der Arbeiter sei, streng darauf zu achten, daß besonders die alten Tarifpreise wieder gezahlt werden. Kley hob noch hervor, daß der Streik auch bei den vier Firmen, wo die An- crkennung der Gewerkschaft nicht durchgesetzt werden konnte. Vor- teile gebracht habe, denn auch diese Firmen seien jetzt gezwungen, das zu bezahlen, was der Tarif fordert, wenn sie gute Arbeiter haben wollen.— Die Abrechnung vom jüngsten Streik lag der Versammlung gedruckt vor. Einer Einnahme von 3015 M. stand eine Ausgabe von 2207,40 M. gegenüber; es verbleibt somit ein Bestand von 307,60 M. Töpfer! Der Töpfermeister Otto Rosinski hat unterschriftlich erNärt, für die Zukunft nur organisierte Ofensetzer zu beschäftigen und den vereinbarten Lohntarif zu bezahlen. Die Firma ist daher für organisierte Kollegen wieder freigegeben. In Betracht kommt der Bau, Tempelhos, Friedrich-Wilhelmstr. 39. Die Verbandsleitung. Achtung, Kunststeinarbeiter! Die Differenzen bei der Firma gricsecke, Britz, sind am gestrigen Tage zur Zufriedenheit für die eteiligten beigelegt worden._ Fabrikarbeiterverband.. Lerantw. Redakt.: Richard Barth, Berlin. Inseratenteil verantw.: Achtung Schuhmacher! In ver Schubfabrik von Schweiger, Rungestr. 20/21, sind Lohndifferenzen entstanden; sämtliche Ar- bester und Arbeiterinnen haben die Arbeit niedergelegt, respektive keine Arbeit mehr erhalten. Wir ersuchen dieses zu beachten. Schuhmacherverband. Ortsverwaltung Berlin. Kleber, Achtung! Die Firmen Kähne. Winterfeldtstr. 13. und Linberg, Eisenacherstr. 47,— letztere für Dekorateure und Kundenarbeiter— sind gesperrt und streng zu meiden. Kundenarbeiter und Dekorateure sollen als Kleber gebraucht werden. Gesperrt sind ferner folgende Bauten der Firma Baabe u. Dangers: Nürnbcrgerstr. 57/58, N., Peenemünderstr. 10/11. Nindorf, Hersurthstr. 23. Charlottenburg, Pestalozzistr. 54a; Fritsche- straße 29; Witzlebenerstr. I2a: Waitzstr. 13; Kaiierdomm, Ecke Witz- lcbenerstr.; Esinarcksstr., Ecke Neue Grolmanstr.; Brcgcnzerstr. 14. Friedenau, Lesebrestr. 17; Varzinerstr. 8. Rixdorf, Nansenstr. 21; Bergstr. 7/8. NW7., Klopstoüstr. 21. Eharlottenburg, Bruno- Fische rstr. 9. Tegel. Sck>äinweberstraße. Unternehmer Linberg, Schöneberg. Eisenacherstr. 47: Bau Steglitz, Poschingerstr., Ecke Bis. marckstraße, Bau Cohn; Friedrichsruherstraße. Bau Pranztor. Wil- mersoorf, Berlinerstr. 37. Charlottenburg. Wilinersdorferstr. 121. Westend, Kaiserdamm 100/101. Steglitz II, Bcamtenhäuser. Berlin. Große Frankfurterstr. 44. Die Verbandsleitung. Streik der Kotlsandsteinorbeitcr in Wusterhausen. Infolge der in den Kaltsteinwerken von Guttmann, Niederlehnie b. Königs- Wusterhausen, sind am 1 März zirka 400 Arbeiter in den Streit eingetreten. Ocutfcbfft Auf falschem Wege. Unter dieser Ucberschrist nimmt die„Bergarbeiter-Zeötnng'' zu den Angriffen Rexhäusers im„Korrespondent" der Buch. drucker auf den Genossen Fischer und den ,.Vorwärts"-Betrieb Stellung. Wir lassen den Artikel wörtlich folgen: „Der„Korrespondent", das Organ des Deutschen Buchdruckerverbandes, bringt in Nr. 22 vom 22. Februar d. I. an erster Stelle einen Artikel, der sich mit der Person des sozialdemokratitchen Reichstagsabgeordneten Richard Fischer beschäftigt. Der Inhalt dieses Artikels ist mindestens ebenso bedauerlich, als die Angriffe, wie sie seitens einzelner sozialdemokratischen Parteiführer früher gegen Gewerkschaflsbeamte geschleudert worden sind. Immerhin aber haben wir bisher erleben können, daß in den meisten Streit- fällen schließlich es wieder zu einem �friedfertigen Verhältnis zwischen den einzelnen Persönlichkeiten kam, schon mit Rücksicht auf die Arbeiterbewegung selbst. Das war gut. Um so weniger verständlich ist es. wenn es immer noch Leute in führenden Stellen in der Arbeiterbewegung gibt, die ohne Rücksicht auf die gemeinsamen Kämpfe, die nun einmal die sozialdemokra- tische Partei und die freien Gewerkschaften zu führen haben, ihrem gegensätzlichen Haß immer weiteren und schärferen Ausdruck geben. Das ist der Fall mit Richard Fischer und Ludwig R e x h ä u s e r, der Redakteur vom„Korrespondent" ist. Der Streit zwischen diesen beiden Personen will kein Ende nehmen, zum Gaudium der Gegner der Arbeiterbewegung. Fischer ist Ge- schäftsführer des„Vorwärts"°Betriebes in Berlin, nach Meinung Rexhäusers deckt er mit seiner Person und Namen das ganze Ge- schäftsgebaren in diesem Betriebe. Kein anderer Buchdruckerei- lttrieb ist so häufig der Gegenstand von Angriffen seitens des Buchdruckerorgans gewesen, als der„Vorwärts"°Betrieb, von dem wir sagen können, daß nur Uebertreibungen aus ihm das machen können, was der„Korrespondent" aus ihm gemacht hat! In jeder Offizin, vornehmlich in den größeren, kommt imnier etwas vor, was vom gewerkschaftlichen Standpunkt aus hier und da zu verurteilen ist. Aber dann muß auf legalem Wege Ab- Hilfe geschaffen werden. Wer aber den„Korrespondent" seit Jahren verfolgt und seine Angriffe gegen den„Vorwärts" liest und prüft, der muß zu der Ueberzeugung kommen, daß diese An- griffe weniger„schlimmen Zuständen im.,Borwärts"-Betriebe", als persönlichem Haß entspringen. Wir haben Fischer nicht zu verteidigen. Auch von ihm wünschen wir Zurückhaltung und worauf es ankommt, Fischer hätte im Deutschen Reichstag am 12. Februar gegenüber dem nationalliberalen Abg. Dr. Görcke sich mit den sachlichen Feststellungen von Tatsachen über den„Vorwärts". Betrieb begnügen, die Person Rexhäusers aber völlig aus dem Spiele lassen sollen. Das ist leider nicht geschehen. Und so will nun Rexhäuser in einer Broschüre antlvorten— in seiner Weisel Nicht nur der„Vorwärts"-Betrieb und der Abg. Fischer sollen Gegenstand seiner weiteren Angriffe bilden; auch anderes Material gegen die sozialdemokratische Partei soll in der Broschüre Ver» Wendung finden. Käme ein solche Drohung aus dem Lager der München-Gladbacher, oder auS den Kreisen des bekannten Reichs. Verbandes, wir würden mit großer Ruhe die Schrift abwarten. Aber wir legen dagegen heute schon Verwahrung ein, wenn sich innerhalb der Gewerkschaftsbewegung die Praxis breit machen soll, persönliche Kränkungen mit Broschüren ä la Korbmacher Fischer zu beantworten. Dem werden wir nicht ruhig zusehen. Rexhäuser mag seine geistigen Fähigkeiten aufwenden, um wirklichen Mängeln im Buchdruckgewerbe nachzuspüren. Er hat auch das Recht, in ge- niessener Weise einzugreifen, wenn es sich um Abstellung von Mängeln in Partei- und Gewerkschaftsdruckereien handelt. Aber solange er an solchem Platze steht, wie heute, gebietet ihm die Rücksicht auf die gemeinsam« Kampfesstellung der sozialdmeokra- tischen Partei und freien Gewerkschaften, daß er sich Beherrschung auferlegt in der Behandlung von Leuten, die mit in Reih und Glied stehen im Kampfe gegen die Arbeiterfeinde ringsum l Die Zeit ist zu ernst und die Kämpfe der Arbeiter sind zu schlimm, als daß Eigenbrödlern und Ouerulanten Raum gegeben werden kann für ihre unfruchtbaren, ja arbeiterschädigenden Sonderheiten. Hoffentlich ist Rexhäuser vernünftig genug, das einzusehen." Ein gelber Mustertarif. Für die Steinsetzerinnung im Regierungsbezirk Marienwerder besteht ein Gesellenausschuß. dessen Mitglieder samt und sonders in einem Großbetriebe in Thorn beschäftigt sind. Der Inhaber dieses Betriebes verstand es, alle bei ihm beschäftigten Steinsetzer in einen gelben Verein, genannt. GesellenbrLderschaft",eiiizufangen. Dieser Gesellenausschuß hat nun neulich einen.Lohntarif" aufgestellt und bei der Innung zur Annahme gebracht, für den ihm diese ihre wohlverdiente öffentliche Anerkennung ausgesprochen hat. Zunächst forderte der genannte Ausschuß für Steinsetzer einen EinheitSstundenlohn von 70 Pf., ganz gleich, ob die Arbeit am Ort oder über Land ist. Die JnnungSmeister waren vernünftiger und erklärten, daß der Arbeiter über Land höhere Aufwendungen machen und deshalb bei dieser Arbeit etwas mehr verdienen müsse. Sie setzten deshalb die Stundenlöhne auf 63 bezw. 71 Pf. fest. Diesen Vorschlag lehnte der Gesellenausschuß ab und beschloß, daß eS bei den bisherigen Löhnen von 65 Pf. pro Stunde aus ein Jahr bleiben soll. Damit hat dann die Innung sich einverstanden erklärt und dem Gesellenausschuß. wie schon erwähnt, für seine hervorragende .Einsicht" ihr besonderes Wohlwollen ausgesprochen. Es ist wohl selbstverständlich, daß hinter dem Beschluß beS GesellenausschnsseS die den gelben Verein protegierende Firma steckl; ist durch diesen Beschluß doch diese Firma in der Lage, den Jnnungsmitgliedern autzeihalb Thorns die schärfste Konkurrenz zu machen. Die Organisation der Steinsetzer, die im vorigen Jahre in Graudenz einen Tarif zur Annahme gebracht hat, wird natürlich auch noch ein Wörtchen mitreden, wenn die Gelben ihr in» Gehege kommt lind ihre Errungenschaften in Frage stellt. Diese angenehmen gelben Mitbürger sind doch einfach Jdealmenschen für den Unter- nchmer: zwingen den Unternehmer, absolut weniger zu zahlen als er möchte. Hätte der Unternehmer ihnen den höheren Lohn nun doch aufgezwungen, sie hätten vielleicht gestreikt, um einen niedrigeren Lohn zu erreichen._ kt. Glocke. Berlin. Druck u.Verlag: Vorwärts Buchdr. u. VerlagSanstaU Bauschlosser. Nachdem am 26. Februar die Bauschlosser von Gruß» Stuttgart iast einstimiiiig beschlossen hatten, den am 1. April sonst auf ein Jahr weiter laufenden Tarif nickit zu kündigen, lief ain Sonniag, den 27. Februar, bei dem Altgesellen ein Scbreiben der Innung ein, w o r i n diese den Tarif zum3 I.März dieses Jahres kündigt. Die Unternehmer rechnen jedenfalls damit, daß ihnen die Situation im Baugewerbe Gelegenheit geben wird, den Bau- schlossern schlechtere Arbeilsbedinglingen auf» oktroyieren zu können. Die Bauschlosier, die fast voll- zählig im Deut'che» Metallnrbeiterverband organisiert sind, dürften ihnen aber dies Bestreben vorbeigelinge» lasien. Zuzug von Banschlossern aus Stultgart-Cannstatt ist streng fernzuhalten._ Der Streik der Steinscher in Plauen i. V., der im vorigen Jabre bei Eintritt des Winters vertagt wurde, ist iiuniiiehr wieder a»ß,eiionlnien worden. Der Arbeitgeberverband Hai bereits vor einige» Wochen die Vorlage eines Tarifes zugesagt, jedoch bemühen sich die eiiizeluen Unternehmer schon jetzt, einzelne der Slreikrnden zur Aufnahme der Arbeil zu bewegen, bisher mit negativem Eriolg. W- n» Zuzug fern gehalten wird, so werden die voraussichtlich bald stanfiudeuden Verhandlungen zu einem für die Arbeiter günstigen Ersätze tüdren._ Die Schneider in Thalheim im Erzgebirge befinden sich in einer Lohnbewegung. Die Unternehnier haben den Tarif und jede Verhandlung mit der Organisation abgelehnt. Ein Unternehmer maßregelte Berbandsmitglieder. Zuzug nach Thalheim ist zu meiden. In der Schuh- und Schaftefabrik von I. RooS in Speyer t. Pf. haben sämtliche männliche Arbeiter wegen Lohndifferenzen ihre Kündigung eingereicht, nachdem gütliche Verhandlungen erfolglos waren. Zuzug ist fernzuhalten. Kürschner, Achtung! Zuzug nach Leipzig ist fernzuhalten, da die Kollegen der Bisambranch? der Detailgcschafte und der Schweif» branche sich in einem Lohnkampf befinden. _ Die Ortsverwaltung. Die Damenschneider und Damenschneiderinne« in Nürnberg stehen in einer Tarifbewegimg. Für die Schneiderinnen, für die überhaupt noch kein Tarif besteht, soll ein solcher eingeführt werden. Für die Schneider wird eine Verbesserung des seit drei Jahren laufenden Tarifs verlangt. Der Entwurf für den Arbeiterinnen- tarif will u. a. auch der ungebübrlichen Ausdehnung der Arbeitszeit zu Leibe gehen. Er vcrlangi Festsetzung einer Wochenarbeitszeit von 54 Stunden, Zuschläge für Uebcrstunde», Festsetzung von Minimal- löhnen usio. Die Unternehmer zeigen wenig Entgegenkommen, so daß ein Kampf nicht ausgeschlossen ist. SusUmd. Ein Gewerkschaftsblatt in malaiischer Sprache« Die Angestellten der Staatseisenbahn in Holländisch-Jndien haben im letzten Jahre eine Gewerkschaft gegründet, die in ganz energischer Weise die Interessen ihrer Mitglieder wahren und be- sonders zu deren Aufklärung und Fortbildung beitragen will. Seit einigen Monaten gibt sie schon ein eigenes Blatt, wemr auch in bescheidenem Umfange, heraus, das in malaiischer Sprache er» scheint. Die Gewerkschaft hatte im Herbst schon 237 Mitglieder, Letzte JVachnchtcn und Dcpefcben. Zur Lage in England. London, 1. März.(W. T. B.) In Parlamentär!» schen Kreisen sieht man eine Entspannung der politische» Lage als Ergebnis der Vorgänge des gestrigen Tages an. Man glaubt allgemein, daß, wenn nicht unvorhergesehene Schwierig» leiten eintreten, vor Schluß der Beratungen eine neue Krise nicht zu befürchten ist. Die Einbringung der auf das Oberhaus bezüglichen Resolutionen wird für den 29. März erwartet. Ihr« Beratung dürfte etwa einen Monat in Anspruch nehmen. Zu einer KrisiS könnte es also normalerweise frühestens End« April kommen. In liberalen Lkreifen ist man voller Hoff« n u n g, daß das Budget Lloyd Georges schließlich An« nähme finden wird._ Ein liberaler Sieg in England. London, l. März.(W. T. B.) Der kürzlich ernannt« Juniorlord des Schatzes Venn ist in London-Ost (St. Georges) mit 1597 liberalen gegen 1090 konservativ« Stimmen, die auf S i m m o n S fielen, wiedergewählt worden. Bei den allgemeinen Wahlen hatte die liberale Majorität 434 Stimmen betragen. Der schwedische Zolltarif. Stockholm, 1. März.(W. T. B.) Der Regierung«, entwurf über den neuen Zolltarif wurde heute dem Reichs» tag vorgelegt. Darin erklärt der Finanzminister, eS habe sich bei den handelspolitischen Verhandlungen mit Deutschland gezeigt, daß die schwedischen Zollsätze sowohl formell als mate riell wenig geeignet zu einer BasiS für solche Verhandlungen seien. Da nun bald neue Verhandlungen erwartet würden, so wäre eine Revision augenscheinlich notwendig. Der Bericht der im Jahre 1906 dafür ernannten Kommission habe dem RegierungSentwurj als Basis gedient._ Für die Ueberschwemmten. PariS, 1. März.(W.T.B.) Die Deputierten kämme r hat heute den Gesetzentwurf angenommen, welcher die Bank von Frankreich ermächtigt, den Ueberschwemmten unverzinsliche Darlehen bis zum Gesamtbetrage von 100 Millionen Franks auf fünf Jahre zu gewähren._ Eine große Messerstecherei. Donauwörth, 1. März.(B. H.) Unweit des BahnhofSrestau» rantS Harburg bei Donauwörth fand ein« furchtbare Messer» stecherei statt. Der Schlosser Karlinger erstach den Fabrik- arbeiter Gepclbcrger. verlebte den Arbeiter Schäfer lebensgefährlich und zwei andere Arbeiter schwer. Ter Täter wurde verhaftet. Er gab an, die Tat aus Notwehr begangen zu haben. Brand eines Justizpalastes. Konstantinopkl, 1. März.(W. T. B.) In der vergangenen Nacht ist der Justizpalast in Adana abgebrannt. RüstungLkollcr in Amerika. Washington, 1. März.(W. T. B.) Die Marin ekom» Mission des Repräsentantenhauses hat dem Bau von zwei Linienschiffen, einem Rcparaturschiff, zwei Kohlenschiffen und vier Unterseeboote» zugestimmt. �aul Singer Sc Co., Berlin L�V. Hierzu 3 Beilagen«.Unterhaltung»»� Kr. 51. 27. Iahrgavs. 1. KtW des Jorairts" Kerlim MsM. Mittlvoch. 2. Marz(910. Reichstag 4K. Sitzung vom Dienstag, den 1. März, mittags 1 Uhr. Am Bundesratstisch: Dr. Delbrück. Auf der Tagesordnung steht zunächst die Mab! cles praNäenten. Auf Borschlag des Abg. Frhrn. v. Hertling(Z.) wird der Abg. Graf Schwcrin-Löwitz(kons.) per Akklamation zum Präsidenten gewählt. Graf Schwerin-Löwitz: Meine Herren! Ich bin Ihnen für das mir durch die soeben vollzogene Wahl entgegengebrachte Vertrauen aufrichtig dank- bar. Ich weiß die hohe Würde und Ehre des mir von Ihnen übertragenen Amtes, des höchsten, welches das deutsche Volk durch seine Vertreter zu vergeben hat und welches vor mir von einer Reihe so ausgezeichneter Männer bekleidet worden ist, in vollstem Maße zu würdigen. Ich verspreche, für die Erfüllung der mir übertragenen Aufgabelt meine ganze und volle Kraft einzusetzen. sBravo!) Ich verspreche namentlich— was ich eigentlich für selbstverständlich halte— gegenüber allen Parteien und allen Mitgliedern des Hauses un- bedingte und strengste Unparteilichkeit zu wahren. �Lebhaftes all- seitiges Bravo I) Ich bitte aber auch Sie alle, mich in der Erfüllung meiner Aufgaben, in der Förderung der Geschäfte, in der Wahrung der Ordnung und würdigen Führung der Verhandlungen nach Kräften zu unterstützen.(Lebhaftes Bravo I) Wir haben alle, ohne Unterschied der Parteistellung, das gemeinsame Interesse, die Verhandlunge» würdig zu führen und das Ansehen des Reichstages nach innen wie im Auslande gewahrt und gestärkt zu sehen.(Allseitiges lebhaftes Bravo!) In dieser Voraussetzung nehme ich die Wahl nochmals an. (Bravo I) Nachdem der Präsident noch dem Vizepräsidenten Abg. Dr. Spahn für seine zweimonatige Führung der Präfidialgeschäfte den Dank des Hauses ausgesprochen hat, wird die zweite Beratung des Etats für das Reichamt des Innern fortgesetzt. Abg. Dr. Boehme(Bauernbund): In treffender Weise sind die wirtschaftlichen Anschauungen, die ich Herrn Gothein gegenüber bcr- trete, auch von dem sozialdemokratischen Schriftsteller Dr. Schulz in den„Sozialistischen Monatsheften" dargestellt. Herr Hahn hat dem Bauernbund vorgeworfen, er hätte eine Steuerhetze betrieben. Wir befanden uns in der Notwehr; eine wirkliche Hetze mit der Erbanfallsteuer hat der Bund der Landwirte betrieben.(Sehr richtig I links.) Sie(nach rechts) haben die Leute in den Glauben versetzt: Wenn die Erbanfallsteuer Gesetz würde, würde ihnen die Decke unter dem Leibe fortgezogen.(Abgeordneter Dr. Hahn fl.): Das haben doch wir nicht gesagt.) Sie gewist nicht, Sie drücken sich v o r s i ch ti g er aus(Heiterkeit links), aber was Sie sagen, tragen Ihre Agitatoren in vergröberter Form weiter.(Sehr wahr! links.) Nicht wir hetzen, sondern verhetzend wirken solche Aeusterungen, wie sie Herr v. Wangenheim getan hat: datz Bier und Tabak allein fünfhundert Millionen Mark aufgebracht hätten, wenn nicht die feige Rücksichtnahme aus die arbeitenden Klassen dies verhindert hätte!(Hört! hört! links.) Dabei ist die Erbanfallsteuer, die in England allein 460 Millionen Mark bringt, eine viel gerechtere Steuer als beispielsweise die Vermögenssteuer, die Sie(nach rechts) im Abgeordnetenhause bewilligt haben. Wir protestieren gegen ein Parteiregiment; wie kommen z. B. die Landräte dazu, Erhebungen über die Zahl der Mitglieder des Bauernbundes zu machen? Wir bekämpfen die Ansiedelungspolitik des Bundes der Landwirte, die nicht zu einer Besiedelung, sondern zu einer Entvölkerung des Landes führt. Wer wird denn angesiedelt? In e i n e m Jahre waren es sechs Majore a. D.! (Hört! hört! links.) Wenn der Bund der Landwirte ZunS„fahnen- stüchtig" nennt, läht uns das kalt; einer Ihrer Agitatoren bedauerte, dast man die Führer des Bauernbundes nicht standrechtlich e r s ch i e st e n könne I(Heiterkeit links.) Wir treiben weiter Politik im Interesse der Bauen,. die gerade durch die extreme Politik des Bundes der Landwirte gefährdet sind. Abg. Fuhrmann(natl.): Herr Hahn sagte, er bekämpfe die Rationalliberalen seit ihrer Gegnerschaft wider die Finanzreform. Rleims fcinllcton «» Wagneropernbühnen und kein Ende. Ein neuer Sirenensang schreibt Dr. Karl Storck im.Türme r", lockt so viele kühne Kauf- fahrer'unseres MusikgetriebeS an, der besteht aus den wenigen prosaischen Worten:„1313 läuft die Schutzftist für die Werke Richard Wagners ab." Des Bayreuthers Dramen werden dann tantieme- und vogelftei. Keine Stadt hat unter den bisherigen Berhällniffen so gelitten wie Berlin. Die kgl. Oper hatte sich das alleinige Aufführungsrecht für die Werke Richard WagnerS gesichert; nicht nur für Berlin, sondern auch für sämtliche inzwischen zu Grost- städten herangewachsenen Bororte. Sie hat 1300 Plätze, für eine Bewohnerschaft von reichlich drei Millionen, die vielen Tausende von Fremden, die sich dauernd in Berlin aus- hallen und zu den eifrigsten Theaterbesuchern gehören, nicht ein- gerechnet. Kein Wunder, dast alle Vorstellungen Wagnerscher Werke ausverkauft waren, trotzdem oft ganz minderwertige Besetzungen herausgestellt wurden; kein Wunder, dast eS viele bedeutende Musiker gibt, die, auch wenn sie nicht einmal die Kosten zu scheuen brauchten, fest Jahren gar nicht mehr ins Opernhaus gekommen sind. Auch ihre besten Fürsprecher werden der königlichen Oper keine vornehure Ausnutzung dieser Sonderstellung nachrühmen können. Im Verkehr mit dem Publikum ist sie von engster Bureaukratie; in künstlerischer Hinsichi folfsert sie sich aus dem sicheren Besitz das Recht zu völliger Gleichgültigkeit gegen da« zeitgenössische Schaffen... Also nach der Richtung können wir nicht nur eine andere Opern- bühne brauchen; wir müssen sie sogar haben. ES wird ja zunächst nach 1913 nicht schön werden. Ich bin auf eine Wagneritis schlimmster Art gesastt und verhehle niir nicht die recht üblen Folgen, die das bevorstehende Massenangebot Wagnerscher Kunst in allen möglichen Aufmachungen, von der zusammen- gestrichenen Wirtshausaufführung bis zur Erstickung in szenischer Protzerei, durchmachen wird. Aber glücklicherweise ist ja Richard Wagners Kunst und auch der Magen des deutschen Volks stark genug, diese Periode überstehen zu können."... Storck rechnet zusammen, dast Berlin dann den neugeplanten Opernunternehmungen, wozu auch das Charlottenburger Schiller- Theater mit Wagner-Aufführungen treten werde, vom 1. Januar 1914 ab, für den Abend statt über illOV mindestens über 7000 Opernplätze werde verfügen können. Er sieht als Folge einige gründliche Krachs voraus, obwohl dem durch vernünfttge Spezialisierung (deutsches Singspiel, Gluck und die moderne Oper) vorzubeugen sei. „An schöne Programmreden wird es nicht fehlen. An die Taten glaube ich nicht mehr. Und ich sehe schon im Geiste auch die Groste Oper am Kurkürstendamm denselben Weg gehen, den das rühm- rednerisch angekündigte Theater des Westens gegangen ist: das Ende wird Operette und Ausstattungsstück und dergleichen sein." Als Gegcngelvicht gegen den Theaterkapitalismus schlägt der Kritiker des„Türmers" eine starke finanzielle Beteiligung Berlins und seiner Vororte vor, um eine wahrhaft künstlerische Leitung dieser grasten Unternehmungen auch über die Wagnerausbeutung hinaus zu gewährleisten. Man kann diesen Vorschlag bedenklich finden, Er hat es vergessen, dast er schon früher die Nationalliberalen be- kämpfte, datz er sagte, er werde nicht ruhen, bis der letzte National- liberale aus der Provinz Hannover verschwunden sei!(Abg. Dr. Hahn sk.): Habe ich n i e gesagt! Redner verliest den betreffenden Bericht aus der„Deutschen Tageszeitung". Bei der zitierten Stelle ertönt rechts: Sehr richtig! Gr. Heiterkeit.) Welche Leute unterstützte der Bund der Landwirte bei den Reichstagswahlen? Den früheren B a n k b e a m t e n und jetzigen Direktor bes Bundes der Landwirte Dr. Diederich Hahn, den Zeitungsverleger Bruhn(Hört! hört! links) und viele andere Männer„ohne Ar und Halm". Sehr treffend beurteilte die„Kölnische Volkszeitung" Herrn Hahn, als sie schrieb:„Er gehört zu den unbedeutendsten parlamentarischen Persönlichkeiten(Sehr richtig! links); das leuchtet ihm aber so wenig ein, dast sein Auftreten im umgekehrten Verhältnis z,l seiner Be- deutung steht. Als Archivar der Deutschen Bank hatte er Waswzettel zugunsten der Börse für die Presse zu schreiben(Hört! hört! links), und seitdem bildet er sich ein, große volkswirtschaftliche Kenntnisse zu besitzen!(Groste Heiterkeit.) Trotzdem liegt Herr Hahn jetzt dem Zentrum zu Füsten. Wie kein anderer trägt Herr Hahn durch sein Wirken bei zur Verhetzung zwischen Stadt und Land. (Lebhaftes Bravo bei den Nationalliberalen.) Abg. Horn-Sachsen(Soz.): Herr v. Liebert hat hier ein Phantasiegemälde von der Lage der Glasarbcitev entworfen, die nach seiner Behauptung eine austerordentlich glückliche sein soll. Herr v. Liebert ging sogar so weit, zu behaupten, dast wir selbst vom Glück der Glasarbeiter überzeugt sein müstten, denn wir hätten unsere Resolution zugunsten der Glasarbeiter bedeutend eingeschränkt I Wie verhält es sich mit dieser angeblichen Einschränkung? Wir haben eine sanitäre Forderung weggelassen, aber nicht etwa weil lvir sie für überflüssig halten, sondern weil zurzeit über diesen Gegenstand Erhebungen schweben, deren Ergebnis für die Formulierung dieser Forderung von uns abgewartet wird. Von keiner Seite kann bestritten werden und es ist ja auch u. a. vom Zentrum mehrfach anerkannt worden, daß Die Nachtarbeit im Glasgewerbe mit den schwersten sittlichen und gesundheitlichen Schädigungen, sveziell für jugendliche Arbeiter verbunden ist.(Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Aber der philosophische Sinn des früheren Staatssekretärs und jetzigen Reichskanzlers(Heiterkeit) und die sozial- politische Bedächtigkeit des jetzigen Staatssekretärs des Innern haben ver- hindert und verhindern, daß die Gesetzgebung, hier eingreift. Natürlich wissen die Unternehmer brausten, wie der sozialpolitische Wind im Reichs- amt des Innern weht, und sie wehren sich in Handelskammerbeschlüffen und Vereinsabgaben usw. gegen alle Versuche, das Los der Glas- arbeiter besser zu gestalten. Gegen was alles haben sich nicht die Unternehmer gewehrt! Gegen Arbeitszeitverkürzung, Sonntagsruhe, Fabrikinspektton, Gewerbegerichte, Arbeiterausschiisse, Arbeitskammern haben sich die Unternehmer gewandt; es gibt keinen Schritt in der Sozialpolitik, gegen den nicht die Arbeitgeber mit der Behauptung aufgetreten sind, die Industrie werde dadurch vernichtet werden. Da kann eS uns nicht Wunder nehmen, dast der Deutsche Handelstag seine Stimme erhebt gegen jeden wirksamen Glasarbeiterschutz, ja dast er sogar nach vermehrter Ausbeutung der Frauen und Kinder in den Höllen der Glasindustrie ruft.(Hört! hört I bei den Sozialdemokraten.) Die Glasindustrie umfatzt 100 Betriebe mit 86 000 Arbeitern. Die sanitären Verhältnisse dieser bedeutenden Industrie sind keines- wegs genügend durchforscht. Es liegt das einmal daran, dast in dieser Industrie die unabhängigen Krankenkassen fehlen, die un- parteiische Erhebungen vornehmen können; in etwa 76 Prozent der Betriebe existieren Betriebskrankenkassen! Auch die Ge- Werbeinspektion bekümmert sich keineswegs so um diese Dinge, wie sie müßte und sollte. Aber so unzureichend auch das Material ist, die Krankheitsziffern reden eine geradezu erschreckende Sprache. An einigen Krank- heilen sind über 60 Proz. der Glasarbeiter mindestens vorüber- gehend erkrankt!(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Von bürgerlicher Seite ist behauptet worden, das„gute Herz" der Unternehmer, die„ihre" Glasarbeiter nicht brotlos werden lassen wollen, verhindere die Einführung der Maschinen in der Glasindustrie. Ach, wie irrt der Herr! Nicht das gute Herz der Unternehmer verhindert die Einführung der Maschinen, sondern ein- fach der Umstand, dast die Maschinen sich nicht rentieren würden, da mutz aber doch zugestehen, dast eS eine Kulturschmach ist, datz die grasten und reichen Städte für die Kunst rein gar nichts leisten und von den Problemen, die wir mit dem Schlagwort: Kunst und Volk andeuten wollen, keine Ahnung zu haben scheinen. Theater. Kammerspiele:„Hilfe! EinKind ist vom Himmel gefallen." Tragikomödie von Wilhelm Schmidtbonn. Schmidtbonn, der feinsinnige Erzähler, der in der Geschichte von den anncn nach dem Märchenlande suchenden Ziegelarbeiterkinder so er- greifende Töne kindlicher Sehnsucht wie sonst nur Hauptmann in seinen:„Hannele" fand, der Dramatiker, der auf die stimmungs- vollen Bühnenbilder der„Mutter Landstraste", seines Erstlings, ein Werk von solcher Wucht des Aufstiegs wie der„Graf von Gleichen" folgen liest, enttäuschte leider sehr mit seinem neuen Stück. Das Drama sollte ein Hymnus auf die Mutterliebe werden, die in rückhaltloser Hingabe an das neugeborene Leben freudigen Herzens jeden Eigenzweck opfert und auch beim schwersten, das sie so voll- bringt, nur einem selbstverständlichen Naturtrieb zu gehorchen glaubt. So versteht sich, dast des Dichters Phantasie, um diese Macht in ihrer höchsten Entfaltung darzustellen, ein Schicksal auszusinnen suchte, in dem das mütterliche Gefühl über unerhörte, berghoch auf- gehäufte Widerstände siegreich triumphiert. Hätte er vermocht, in bem Verlaus des Werkes den lebendigen Hauch des Großen, das er seiern wollte, uns spüren zu lassen, die Herzen zu rühren und zu erschüttern, dann wäre es in der Tat kleinlich, an einzelnen Sprüngen und Rissen des äußeren Zusammenhangs oder an der „Peinlichkeit" gewisser Szenen Anstost zu nehmen. Indessen wenn der erste Auszug noch eine Reihe von Momenten enthält, die Mitempfinden weckten, zerflattert die weitere Entwickeluug ganz ins Leere, Wesenlose. Zu den äusteren UnWahrscheinlichkeiten gesellt sich die grellste innere Unwahrheit. Der Dichter will uns eine Heldin zeigen und sieht nicht, dast ihr gepriesenes Handeln, ihr selbsterwähltes Martyrium aus verschrobenen, hysterisch-überspannten Einbildungen fliestt. Der letzte Akt treibt die Verdrehung bis zur Parodie. Dast ein Mädchen von einem Diebe in ihres Vaters Villa ver- gewalligt, daS Kind, das sie empfangen, mit leidenschaftlicher Inbrunst liebt, daß sie um keinen Preis von dem durch ein Verbrechen in die Welt gesetzten unschuldigen Geschöpf sich trennen will, kann wohl als ein Symbol für die geheimnisvolle, allen Vorurteilen gesell- schaftlichcr Konvention trotzende Gewalt des Muttcrinstinktes starken Eindruck machen. Man verstünde es auch, wenn dieses Mädchen auf den Befehl ihres Vaters, das kompromittierende Kind irgendwo bei fremden Leuten zur Pflege unterzubringen, mit ihrem Liebling aus dem Elternhause flieht. Aber die Wendung: dast sie sich in den Kopf setzt, der Junge müsse absolut einen richtigen Taufschein mit dem Namen des Erzeugers erhalten, dast sie dein Verbrecher aufsucht, um ihn durch das Angebot von Geld zu einer Schciutrauung zu bewegen, ver- wandelt die Synrbolik zur Marotte. Von allen anderen hier mit unterlaufenden Lächerlichkeiten abgesehen, reichen denn die Gedanken dieser MütterlichkeitSheroine nicht mal so Weit, um sich zu sage», dast ein ZuchthauSkandidat als offizieller Vater dem Fortkommen ihres Kleinen viel hinderlicher als ein anonyiner sein Niust? Die sie alsbald zu einer Ueberproduktion führen würden l(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Herr v. Liebert hat sich nicht gescheut, zu behaupten, den GlaS- arbeitern gehe es so gut. dast sie sich— Jagden pachten!(Heiter» keit bei den Sozialdemokraten.) Das kann nur jemand behaupten, der sein Material von den Glashüttenbesitzern bezieht.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Ebenfalls kann nur jemand, der von den Unternehmern inspiriert wird, sich die Behauptung leisten— ich will keinen anderen Ausdruck gebrauchen- datz die Glasarbeiter an ihren Unfällen in den Betrieben selbst schuld seien... Herr v. Liebert hat ferner behauptet, datz die Löhne in zwölf Jahren um 36 Proz. gestiegen seien. Um diese Behauptung zu be- weisen, hat Herr v. Liebert alle möglichen Rechenkunststücke an- gewandt und die so gewonnenen Resultate, die bestenfalls als AuS nah n, eerschei nungen gelten können, in unzulässi- ger Weise verallgemeinert. Ich meinerseits weist von Glashütten, in denen im genannten Zeitraum die Arbeiterlöhne auch nicht um einen Pfennig gestiegen sind.(Hört I hört I bei den Sozialdeinokraten.) Wo aber kleine Steigerungen vorgekommen sind, da werden sie durch die Steigerung der Lebensmittelpreise mehr als weit gemacht.(Lebhaste Zustimmung links.) Natürlich marschierten bei Herrn v. Liebert auch wieder die Wohlfahrtseinrichtungen heran. Wir kennen das Lied, wir kennen den Text, wir kennen auch die Verfasser.(Lebhaste Zustünmung bei den Sozialdemokraten.) Mit den Wohlfahrtseinrichtungen erweisen die lliitcrnehmer die größte Wohltat— sich selbst.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Was es mit den gepriesenen Arveiterwohnungen auf sich hat. das müsien— widerstrebend genug— die Berichte der G e w e r b e i n s p e k t o r e n zugestehen. In einem solchen Be- richte heißt es:„.Heizungsaulagen völlig ungenügend.(Hört! hört I bei den Sozialdemokraten.) Ungeziefer häufig."(Hört! hört!) Die Jagd auf Wanzen und Läuse meinen Sie wohl, Herr v. Liebert, mit der„Jagd", die sich die glücklichen Glasarbeiter pachten? (Heiterkeit und Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Ach nein, mit dem paradiesischen Zustand der Glasarbeiter ist es nichts, viel- mehr stehen die Sachen so, dast eine Gesetzgebung, die Wert daraus legt, mit Recht eine sozialpolitische genannt zu werden, zum schleunigen Einschreiten allen Anlast hat.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdeinokraten.) Abg. Dr. Heim(Z.): Die Angriffe der Nationalliberalen gegen Herrn Hahn haben wohl mehr vorbeugende Bedeutung: damit er nicht einmal Staatssekretär werde!(Große Heiterkeit.) In der Rede des Herrn Böhme habe ich manches vermißt. Ein solcher Rummel wie der Bauerubund kostet Geld, und es gibt Leute, die glauben, daß das Geld dazu von: Hansabund gegeben ist, und gerode darüber hat der Generalsekretär des deutschen Bauernbundes. Herr Dr. Böhme, gar nichts gesagt!(Sehr gut! rechts.) Die Sozialdemokraten sagen, die Nationalliberalen wollten die in- direkten Steuern auch bewilligen(Sehr richtig I bei den Ävzial- demokraten) und Sie werden eine Reihe Ihrer Wähler dadurch ab- stoßen, dast Sie bei der positiven Arbeit nur negativ mitgearbeitet haben.(Hesterkeit.) Abg.. Dr. Hahn(k.): Die Reden der Herren Wachhorst de Wente und Fuhrmann sind nicht ernst zu nehmen; sie trugen einfach Klatsch zusammen. So bezecht war ich nie, dast ich sagte, ich wollte der Nachfolger Bismarcks werden. Ich lege Gewicht darauf, daß in der dem Bunde der Landwirte nahe- stehenden Presse politische Gegner nur in vornehm st er Weise bekämpft werden.(Schallende Heiterkeit links.) Wir alten Hannove» raner von der Wasserkante sind seit Jahrhunderten Liberale, aber den Kampf gegen das preustische Wahlrecht machen wir nicht mit.(Schallende Heiterkeit links.) Die Nationalliberalen verlangen die Neueinteilung der Wahlkreise. Wir Bauern wollen uns aber nicht unsere politische Macht schmälern lassen, auch nicht indirekt durch Vermehrung der städtischen Mandate.(Donnerndes Bravo! rechts.) Wir sind noch nicht so vom Modernismus angekränkelt, dast wir in eine Schmälerung unserer Macht willigen. Redner jammert im weiteren Verlauf seiner Ausführungen über den fehlende» Kartoffclzoll! Der Bund der Landwirte hat bei den letzten Wahlen nicht nur nationalliberale, sondern sogar freisinnige Herren in den Reichstag bugsiert!(Groste Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.) Die Rechte treibt nationale Politik selbstlos.(Stürmische Heiter- Szenen in der Diebeshöhle schildern den Burschen als gänzlich verrohten Patron, der aus die Bitte' seines Opfers nur eingeht, um in der Rolle eines angetrauten Gatten vom reichen Schwiegervater ein Vermögen zu erpresien. Was nicht hindert, dast er bei diesem Geschäft im dritten Akt plötzlich sein Herz entdeckt: Maria trunipft ihren eigenen Vater, der sich im höchsten Grade zahlungsunlustig zeigt, als gemütlosen Barbaren ab und wird dem hoffnungsvollen Gemahl getreulich in ein neues Leben folgen. Eine teilweise Entschädigung für die krasse Unnatur bot das liebreizende, anmutig seelenvolle Spiel von Else Heims in der Hauptrolle. Den Grimm und Zorn des Vaters brachte Winter- stein zu überzeugend lebensvollem Ausdruck. Herr Hartau legte sich mit feurigem Temperament für den brutal-edelmüttgen Spitz- buben ins Zeug. Das Publikum, das dem ersten Akt mit Spannung gefolgt war. wahrte bei dem total verunglücktem Schlüsse die Höf» lichkeit. dt, Humor und Satire. Bethmann Hollweg-Z Alle horchen still beklommen, kWanchen überläuft es kalt, Denn jetzt hat das Wort genommen Unser frommer Theobald. Wird er wohl in ernsten Tagen — Oder aber wird er nicht— Die Erlösungsworte sagen? Stille doch l Der Lange spricht. Die Tribüne zum Katheder Und zur Schule wird daS Haus. Hohles Blech und zäheS Leder! Wo will dieser Mann hinaus? Einen Philosophenkäse, Der auch schon in Fäulnis war, Spricht er langsam durch die Näse Tief bewegt und sonderbar. Warum bloh nicht unverhohlen Spricht er das bewußte„nein". Das die Junker ihm befohlen? Mutz eS denn salbadert sein? ikcls v(Peter Schlcmihl im„SimplicissiinuSft) -»Sabgeorl- Uni Notizen. — K u n st ch r o n i k. Die Ausstellung von Werken unga» rischer Maler in, Gebäude der Sezession wird Mittwoch, den 2. März, geschlossen. — Erne PeSne-Ausstellnng im Kaiser-Frie brich- M u s e u in. AuS Anlast der französischen Ausstellung in der Ber- liner Akademie hat das Kaiscr-Friedrich-Muscum in einem Saale des Erdgeschosses eine kleine Reihe von Werken Antoine PeSnes, des Hofmalers deS Soldatenkönigs und Friedrichs II., ausgestellt. Auch Dubuijson, der gleichfalls malende Schwiegervater PcSneS, ist hier vertreten. Im ganzen find es 10 Bilder. feit links) Die Linke will sich dafür bezahlen lassen. Die Linke ist noch nicht reif für die Wurde, mit den Verbündeten Ne- gierungen Gesetze zu machen.(Brausende Heiterkeit links.) Abg. Gothein(frs. Vg.): Wenn alte Freunde auseinandergehen, dann werden Intimitäten' ausgepackt.(L-bhaste Zustimmung bei den Sozialdemokraten und Frcisimiigeu.) Dänemark beweist, daß unter dem Freihandel eine kleinbürgerliche Bevölkerung gedeiht, Herr Böhme sollte diese Verhältnisse besser studieren. Auch über den lintergang des englischen Bauernstandes sollte Herr Dr. Böhme sich besser unter- richten. Den Landarbeitern will Dr. Heim zu einer eigenen Scholle der- helfen. Sehr schön! DaS wird aber umso schwieriger, je teuerer der Gnmd und Boden ist,(Sehr richtig! bei den Freisinnigen) und gerade ans die Verteuerung des Bodens ist unsere Zoll» und Wirtschaftspolitik gerichtet. Herr Dr. Hahn rühmte die„vornehme" Kampfesweise der Presse des Bundes der Landwirte; dann empfehle ich ihm, nachzulesen, wie die„Deutsche Tageszeitung" mich wegen meiner Haltung zum Kali- gesetz angegriffen hat I Es gibt gar leine das Volksleben mehr vergiftende Presse als die des Bundes der Landwirte.(Lebhafte Zu- stimmung bei den Freisinnigen.) Herrn HahnS heutige Rede war eine andauernde Verbeugung vor dem Zentrum. Aber das Zentrum möge nicht zu viel darauf geben. Hahn schlägt sich, Hahn verträgt sich!(Heiterkeit bei den Freisinnigen.) Abg. Prinz zu Schönaich-Carolath(natl.) wiederholt seine frühere Anregung: weibliche Gewerbeinspektoren fest anzustellen. Staatssekretär Dr. Delbrück: Ich bin so glücklich, wieder einige Worte gehört zu haben, die zu ineinem Etat gehören, daß ich dem Vorredner gleich antworten will.(Heiterkeit und Sehr gut I) Die Schwierigkeit einer generellen Regelung der Frage der Gewerbe- assistentinnen liegt darin, dag die Vorbereitung der Damen noch nicht genügend geregelt werden kann. Abg. v. Strombeck(Z.): Mein Freund Göring trat für die Ein- schränkung des Hausierhandels ein, er wünschte Vor Erteilung des Hausierscheines eine Prüfung der Bcdürfnisfrage. Aber wie denkt er sich das? Welche Behörde soll darüber entscheiden, und soll die Prüfung sich auf die einzelnen zu vertreibenden Artikel erstrecken?(Sehr gut l links.) ES ist wahrlich nicht nötig, die blutarmen Hausierer niit neuen Beschränkungen heim- zusuchen.(Zustimmung links.) Staatssekretär Delbrück: Die Ausführungen des Vorredners zeigen, wie schwer es ist, sich in den Resolutionen zurechtzufinden und wie schwierig manche Lösungen sind, die sich die Antragsteller sehr leicht vorstellen. Die Beiteuerung und Beauksichligung der Hausierer ist Sache der Einzelstaaten, und die Bedürfniöfrage ist schwer zu entscheiden. Die Verbündeten Regierungen werden aber das Problem im Auge behalten. Zurzeit wird erwogen, ob es sich empfiehlt, neue reichsgesetzliche Bestimmungen über den Gewerbe- fchein der Hausierer zn treffen. Abg. KulcrSki(Pole): Trotz aller gegenteiligen Behauptungen bleibt die Tatsache bestehen, dag wir keine sozialpolitischen Fort- schritte, sondern Si n ck s ch r i t t e unter dein jetzigen Staatssekretär zu verzeichnen haben. Das haben wir besonders in der Frage der paritätischen Arbeitsnachweise gesehen. Damit schließt die Generaldebatte über den Titel.Staats« sekretär". Dem Staakssekretär wird sein Gehalt bewilligt, worauf da« Haus die Weirerberatung des Etats des Innern, beginnend mit der Abstimmung über die Resolutionen, auf Mittwoch 1 Uhr vertagt. Schluß? Uhr. Mgeorclnetenkaus. 3!. Satzung. Dienstag, den 1. März, vgl« mittags 11 Uhr. Am Ministertisth, S Y d o w. Auf der Tagesordnung steht die zweite Lesung des Etats der Berg», Hütten» und Salincnverwaltung. Abg. V. Kessel(I.) erörtert die Ursache des Rückgangs der Ueberschüsse der Bergverwaltung und kritisiert es, daß bei Ar- beiterentlaffungen immer erst bei der Zentralverwaltung in Berlin angefragt werden müsse. In dieser Richtung sollte den Direktoren volle Freiheit eingeräumt werden. Minister Sydow erklärt seine Bereitwilligkeit, die Arbeiten der zur Prüfung der Rentabilität der Bergverwaltung ein�e- setzten Subkommission durch Zugebotestellen allen Materials mdg- lichst fruchtbringend zu gestalten. Inzwischen ,st ein Antrag der Abg. Borgmann u. Gen.(Soz.) «ingegangen, die Regierung zu ersuchen, 1. in Zukunft in den„Nachrichten von dem Betriebe der unter der preußischen Berg-, Hütten- und Salinenverwaltung stehen. den Staatswerke während des EtatsjahreS" für jedes Staatswerk vollständige und vergleichende Angaben über Alter, Löhne, Be- schäftigungsdauer, Arbeitszeit und Ferien der beschäftigten Ar- bciter vorzulegen; 2. für jedes SchmtSwerk gesondert und soweit als möglich vergleichend zu berichten über den Anteil des Arbeitslohnes an den Selbstkosten der Produkte, die Leistungen der Arbeiter, die gesetzlichen und statutarischen Arbeiter- und Pensionsversiche- rungen, Arbeiterschutzbestimmungen, Zugang und Abgang der Arbeiter. Abg. Macco(natl.): Der Rückgang der Arbeiterleistung kürzt die Jahreseinnahme allein um 1�> Millionen Mark. Den sozial- demokratischen Antrag lehnen wir ab, weil wir es für bedenklich halten, die internen Arbeits- und Betriebsverhältnisse vor das Forum des Parlaments zu ziehen.(Beifall.) Abg. Brust(Z.): An der Steigerung der Rentabilität der Bergwerke sind wir bereit mitzuarbeiten, aber es dürfen darunter nicht die sozialpolitischen Aufgaben der Bergverwaltung leiden. Der Rückgang der Ueberschüsse ist wohl in der Hauptsache auf die großen Neuanlagen zurückzuführen. Wenn teilweise die Arbeits- leistung zurückgegangen ist, so liegt das an den schwierigeren Ar- beitsverhältnissen in größeren Tiefen. Zu dem sozialdemokratischen Antrage bin ich nicht in der Lage Stellung zu nehmen, da er erst im letzten Augenblick an uns gelaugt ist!(Lachen bei den Sozialdemokraten.) Redner führt Beschwerde über Wahlbeeinflussungen durch Betriebsführer in Westfalen: Bedenklich ist die Anordnung, daß in den fiskalischen Gruben bei der Wahl der Sicherheitsmänner nur Stimmzettel verwendet werden dürfen, die von der Grubenverwaltung geliefert sind. Das ist eine illoyale Ausführung der Novelle zum Berggesetz, die die geheime Wahl illusorisch macht. Minister Sydow: Die Anordnung, daß die Stimmzettel ein einheitliches Format haben müssen, ist gerade im Interesse der Sicherung der geheimen Wahl erlassen worden. Natürlich dürfen die Stimmzettel kein Merkmal erhalten. Kommen Verstöße gegen die geheime Wahl vor, so kann die Wahl durch Berschwerdc beim Oberbergamt angefochten werden. Uebrigens ist es ein Irrtum, wenn im Saarrevier geglaubt wird, daß, wo Herdts Sichcrheits- männer bestehcm jetzt, nachdem daS neue Gefetz'v �.aft tritt, keine Neuwahl zu ersolgen hat.(Bravo!)' h Oberbcrghauptmann v. Belsen geht auf.pchwerden des Abgeordneten Brust ein, bleibt aber im einzeln»... auf der Tribüne fast unverständlich. Abg. Leinert(Soz.): Wenn Herr Brust unseren Antrag durchliest, wird er sehen, daß eö ausgeschlossen ist, daß wir eine ueberrumpelung mit unscrm Antrag ausüben wollten. Was unser Antrag fordert, ist durch- aus u o t w e» d i g. Im Gegensatz zu den Nationalliberalen wollen wir, daß der staatliche BergwerkSbctrieb vergrößert wird. Aber wir wollen genaue und systematische Nachrichten über die Verhältnisse der Betriebe. Wir hoffen, daß Sie pnfren Antrag diesmal annehmen. Es ist in den uns zugezangelten„Nachrichten" gesagt, daß die Arbeiter in Staatsbetrieben unter der Verschlechterung der Lage im allgemeinen nicht zu leiden hätten; die Löhne seien in einigen Bcßirken gegen das Vorjahr noch gestiegen, in anderen nur ganz unbedeutend zurückgegangen, Feierschichten nur selten eingelegt worden. Der Beweis für diese Behauptungen fehlt aber völlig; im Gegenteil ergibt sich gerade aus diesem Aktenstück, daß die Lage der Arbeiter sich verschlechtert hat. Auf Seite 11 sagt der Bericht sogar, daß„sehr viele Lohnerhöhungen vorgenommen" seien! Dann wird davon gesprochen, daß der durchschnittliche Jahresarbeitsverdienst der unterirdisch beschäftigten eigentlichen Bergarbeiter z. B. in Westfalen 275, in Saarbrücken 17S M. höher gewesen sei als l8l>l)! Es sind in den„Nachrichten", wo sich die Angaben über Löhne befinden, nicht die Löhne der staatlichen Bergwerksarbeiter angegeben, sondern die der gesamten Berg- arbeiter, sodaß man gar nicht weiß, ob diese Lohne mit denen der staatlichen Bergarbeiter übereinstimmen! Wer sich über diese Löhne unterrichten will, der kann das amtliche Aktenstück nicht gebrauchen. Es macht den Eindruck, als wenn man über die Lage der staatlichen Bergarbeiter nicht das richtige Bild an die Oeffentlichkeit gelangen lassen will. Wo die Löhne wirklich angegeben wurden, ist von einer Lohn. erhöhung keine Rede, im Gegenteil von Lohnreduzierung! In Oberkirchen z. B. ist der Lohn von 003 auf 895 M. zurückgegangen. Einmal wird der Jahreslohn angegeben, manchmal der Schichtlohn, sodaß Vergleiche unmöglich sind. Für einen Bezirk wird eine Steigerung des JaHrrSverdienstes um ganze 3 M. angegeben, und das nennen die„Nachrichten" eine„bedeutende Lohn- erhöhung"!(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Wie traurig es mit den Löhnen in Wirklichkeit aussieht, be- weisen die Mitteilungen auS einem Bezirk, wo die Arbeiter pro Schicht 2,4 t bis 2,53 Mark verdienen.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) In einem Bleierzbergwerk ist der gesamte Durchschnittslohn von 1,98 auf 1,88 M. zurückgegangen, das ist geradezu ein Jammerlohn in einem so gesundheitsschädlichen Betriebe. Sehr.wahr! bei den Sozialdemokraten.) Bei den „WohlfahrtScinrichtungen" dagegen hat man genau berechnet, wieviel auf den Kopk der Ar- beiter kommt. So wird z. B. im Oberharz ausgerechnet, daß durch sogenannte WohlfahrtScmrichtungen, auf die aber die dortigen Arbeiter ein uraltes Recht haben, 48,20 M. im Jahre einem ein- zclnen Arbeiter zugeführt werden. Wenn man hier solche AuS» rechnungc» machen kann, warum nicht auch bei den Löhnen? Das; dem preußischen Landtag dieses ungenügende Material bisher genügt hat, scheint mir ein Beweis zu sein für die Wertschätzung, die die Arbeiter in diesem hohen Hause genießen.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten� Speziell für 1000 sind teilweise direkte Lohnreduzierungen verzeichnet, z. B. im Oberbcvgamt im Bezirk Dortmund von 52 Pfennig pro Schicht! Der Steuerraubzug auf die Taschen des arbeitenden Volkes wird da- durch den Arbeitern doppelt fühlbar gemacht.(Sehr wahrt bei den Sozialdemokraten.) Wehren können sich die Arbeiter gegen solche Maßnahmen nur durch Ausnutzung deö KoalitionSrechtS. Ich frage daher den Herrn Staatsminister, wie er sich jetzt zur Organi- sation der Bergarbeiter stellt und ob er geneigt ist, mit den Berg- arbeiterorganisationen über die durchaus notwendige Erhöhung der Löhne zu verhandeln. Die staatlichen Betriebe soslen doch Musterbetriebe sein, und die staatlichen Werke hätten alle Veranlassung, den Privatunternehmern im Kohlenbergbau auch in dieser Beziehung mit gutem Beispiel voranzugehen.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) WaS aus den Familien der Arbeiter bei solchen niedrigen Löhnen wird, danach fragen die Herren nicht, die mit Rücksicht auf den„Familiensinn" der Agrarier die Erb- schaftssteuer abgelehnt haben.(Sehr gut! bei den Sogialdemo- kraten.) Nun spricht man von einem angeblichen „Rückgang der Leistungen". Das ist eine Verdächtigung der Arbeiter, die um so schwerer wiegt, als man weiter behauptet, der Rückgang sei dadurch herbei- geführt, daß angeblich die straffe Disziplin gegen die Arbeiter nachgelassen hat. Ich erhebe entschieden Protest gegen eine solche Behauptung. Die Regierung hätte die Pflicht gehabt, unS mitzuteilen. tote eigentlich diese Leistungen berechnet werden.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Die Nachweisung der Arbeits- leistungrn vom Jahre 1837 bis 1908, die sich auf der letzten Seite der Denkschrift befindet, kann unmöglich als Beweis dienen, daß wirklich die Arbeiter—> was ja der alleinige Sinn einer solchen Behauptung sein kann— nachlässiger, fauler und bequemer bei der Arbeit geworden seien. Wenn mit derartig beweislosen Be- hauptunaen gegen die Arbeiter vorgegangen wird, können Sie eS uns nicht verdenken, wenn wir den Spieß umdrehen und fragen: Sind denn die Leistungen der B e a m t e n etwa so gestiegen? In der„Münchener Mg. Zeitung" wird gesagt: „Es ist ein offenes Geheimnis, daß in den meisten Behörden viel zu viel Beamte gehalten werden und daß zahlreiche dieser Herren sich in ständiger Verlegenheit befinden, wie sie ihre Zeit ausfüllen sollen. In zahlreichen Kanzleien ist ein ständiges Früh- stücken die Regel... Unter den höheren Beamten gibt eS einzelne, die angeblich erst um 2 Uhr im Bureau erscheinen."(Zuruf rechtS: Namen nennen!) Ich habe gesagt, daß dieS in einem Artikel in der..Münchener Allgemeinen Zeitung" vom September 1008 steht, der Name des Autors, eines Beamten, ist mir im Augenblick entfallen. Ich erinnere die Herren auch daran, daß vor drei Wochen ein Be- amter deS Finanzministeriums, der, weil er nicht genügend Be- schäftigung dort hatte, auf Rennplätzen wettete, die Kirchenkasse bestohlen hat. Dieser Fall ist gerichtlich festgestellt. Von A r- b e i t e r n werden Sie so etwaS nicht behaupten können, die sind die volle Arbeitszeit beschäftigt.(Zuruf rechts: Blauer Montag!) Schon in der Budgetkommission ist darauf hingewiesen wor- den, daß die Ergiebigkeit der Arbeit von GlückSum ständen abhängt. ES ist deshalb ungerechtfertigt, von einem Rückgang der Leistungen der Arbeiter zu sprechen. Das Schmiersystem soll auch auf den königlichen Gruben herrschen. So wird mir mitgeteilt von der königlichen„Luisengrube" bei Zabrze, baß dort die Aufseher mit den Arbeitern loSgrhcn und gemeinsam den Lohn der Arbeiter vertrinken. Es muh unter allen Umständen den Steigern, den Aufsehern wie überhaupt jedem Beamten der» boten werden, daß er nach der Lohnzahlung mit den Arbeitern in die Wirtschaft geht und von den Arbeitern sich mit Schnaps und Bier traktieren läßt ohne Rücksicht darauf, daß die betreffende Familie des Arbeiters satt zu essen hat oder nicht. Diese Zustände sind mir von dort mitgeteilt worden, und ich bitte den Minister dringend, diese Angelegenheit zu untersuchen, um die Arbeiter von derartigen Vorgesetzten zu befreien. Die Arbeiter werden von den Vorgesetzten nicht immer als Menschen angesehen. So ist z. B. von einem Berginspektor in Altenau einem Bergarbeiter erklärt worden:„Auf Eure Gleich- bercchtigung, da— nun darf ich allerdings das Wort nicht aus- sprechen, eö beginnt mit„sch" und endigt mit„ßen". Das ist so gemein, daß man eS eigentlich vow einem gebildeten Manne nicht erwarten dürfte. Wie ist daS gekommen? Der Beamte kommt in den Betrieb hinein und grüßt die Arbeiter nicht. Darauf wurde ein Arbeiter zur Nebe gestellt: Warum er nicht grüße! Er sagte. es sei üblich, daß derjenige grüße, der hereinkomme— eine Bemerkung, die jeder anständige Mensch einem unanständigen Men- scheu gegenüber machen darf. Darauf ist derArbeiterzu2,50M.Strafc verurteilt worden, weil er nicht gegrüßt hat! Nach den Ermitte- lungen auf die Beschwerde des Arbeiters ist jener gemeine AuS- druck deö Beamten gefallen. Aber daS Oberbergamt in Clausthal machte die Bestrafung des Arbeiters nicht rückgängig! DaS ist Iis NehgMMg stggmchex AMtxx. feenn sie dnaal dncffl Bu- gesetzken gegenüber sich im Recht befinden!(Sehr richtig! bei bCft Sozialdemokraten.) Terrorismus von feiten der Vorgesetzten ist auch an der Tagesordnung. Die Steiger werden von der höheren Behörde aufgefordert, eine bestimmte An- zahl Abonnenten auf den„ B e r g in a n n s f r c u n d" beizu- bringen. Gelingt ihnen das nicht, so werden sie schikaniert. Dieser Notschrei der Steiger ist an uns gekommen, weil sie das Vertrauen haben, daß wir die Sache hier vorbringen. Die Steiger müssen von diesem Terrorismus der vorgesetzten Behörden befreit'werden. Man sieht immer wieder, daß die Staatsbetriebe keine Muster- betriebe sind. Die Zustände im Bergwecksbctricbe ähneln den Zuständen in den ostelbischen Gutsbezirken: überall die gleiche Mißachtung der Arbeiter. Der Berginipektor gleicht dem Guts- Inspektor. Nachdem der Staatsminister das dornenvolle Amt eines Schatz- sekretärö abgegeben hat,(Heiterkeit) möge er sich der Arbeiter annehmen. Ich bin aber sehr über das enttäuscht, was er über die Slusgabe der Stimmzettel für die Wahl der Sicherheitsmänner gesagt hat. Wenn ihm das Wahlgeheimnis so sehr am Herzen liegt, dann sollte er dafür sorgen, daß die Stimmzettel ohne jedes Kennzeichen sind, daß es ungedruckte Stimmzettel sein müssen. Wie die Sache bisher gehandhabt worden ist im Ruhrgebiet, ist eS einfach ein Skandal. Die Arbeiter müssen sich die Zettel holen, den Zettel beschreiben und abgeben. Warum sollen sie unter Beobachtung der Beamten den Zettel beschreiben? DaS allcS läßt sich hier nicht mit der Absicht des EtaatSministerS zu- sammenreimcn, er wolle unter allen Umständen das Wahlgeheimnis wahren.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Jeder sollte sich den Stimmzettel da beschaffen können, wo er will. Die Ein- richtungen bei der R e i ch S t a g s w a'h l sollte man sich zum Muster nehmen. Wann werden wir eine Denkschrift über die Ursachen des RadbodunglückS bekommen? Ein Vertreter des Bergarbeiterverbandes und ein Vertreter des christlichen Bergarbeiterverbandes sollten zu den Ar- betten der Untersuchung herangezogen werden. DaS ist aber nicht geschehen!(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Will man so lange warten, bis alle Spuren zur Beurteilung der Schuldfrage verwischt sind? Die Witwen in Radbod haben ihren Prozeß wegen Zahlung der gesammelten Spende ver- loren, konnten aber die Gcrichtskosten nicht aufbringen und sind infolgedessen gepfändet worden! Da sie aber nicht einmal pfändbare Sachen besitzen, wird ihnen ihre Rente gekürzt! DaS fordert den Widerspruch aller fühlenden Menschen heraus. DaS ist ein echt preußisches Kultnrdokument! (Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Ich muß mich jetzt mit den neulichen(ngrisfen deS Herrn Gronowski vom Zentrum beschäftigen. Er hat seiner Liebe zum Kaiser Ausdruck gegeben. Ich glaube ihm das aufs Wort. Die Bergarbeiter im Ruhrrcvicr werden sich wohl ihre besonderen Ge« danken dabei gemacht haben. Denn im Ruhrrevier ist eS gewesen, wo der Kaiser das Zuchthausgesctz ankündigte, das ja auch die christlichen Bergarbeiter in ihrer Organisation vollständig ver» Nichten sollte. Ich verstehe eS deshalb sehr wohl, daß der Abge- ordnete Gronowski hier herkommt und seiner Liebe für den Kaiser und König Ausdruck gibt.(Zuruf des Abg. Brust.) Warten Sie nur einen Augenblick! Nachdem also Herr Gronowski sich hier als königstreuer Mann hingestellt hat, erklärt er die Sozialdemokratie als Inbegriff aller Schlechtigkeit, und nachdem er uns dann in der üblichen Art des Zentrums herabgesetzt hat, wendet er sich zu den Nationalliberalen und sagt: Mit solchen Leuten gehen Sie zu- sammenl DaS Zentrum sieht er als die verfolgte Unschuld, ja als eine strahlende Sonne an.— Ich habe mich darüber sehr gewundert, daß Herr Gronowski uns Sozialdemokraten als solche Scheusale hinstellt. Hat daS Zentrum nicht gemeinsam mit den Sozialdemo- traten früher gegen die Nationalliberalen zusammengestanden? (Unruhe im Zentrum. Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Wir sind daran nicht unschuldig, aber Sie(zum Zentrum) sollten sich auch nicht als unschuldig ausgeben und nicht immer die ge- kränkte Leberwurst spielen.(Heiterkeit.) Früher waren wir für daS Zentrum bündniSfähia, und daS hat gehalten bis 1908 zu den Landtagswahlen.(Lebhaftes Hört? hört! bei den Sozialdemo- kraten.) Wenn die Abgeordneten Gronowski und Sauermann im preußischen Landtag sitzen, so war daS nur möglich, weil w'ir f i e gewählt haben!(Lebhaftes Hört! Hort! bei den So» zialdemokraten. Lachen im Zentrum.) Herr Gronowski zitierte Bebels Worte von 1003. Wenn er also schon seit 1903 wußte, daß wir seine Todfeinde sind, wie konnte er, als der königstreue Mann, uns 1007 und 1903 in die Arme sinken?(Rufe im Zentrum: Wo denn?) Wie konnte da» Zentrum uns gegenüber sogar Verpflichtungen ein- gehen?(Rufe im Zentrum: Ist unwahr!) Herr Gronowski sagte, er hätte auf den Brief unseres Vertrauensmannes nur aus Höflichkeit geantwortet. Warum hat er nicht bis acht Tage nach der Wahl gewartet?(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Warum hat er geantwortet, daß er für die Uebertragung des ReichStagswahlrechtes auf Preußen eintritt und auch für eine neue WahlkreiSeinteilung?(Lebhaftes Hört! hört! bei den Sozialdemo- kraten.) In Dortmund hat Herr Gronowski in einer Zentrums- Versammlung erklärt, es sei unwahr, wenn von sozialdemokratischer Seite behauvtet wird, daß er eine Erklärung betr. daS Wahlrecht ohne Aufforderung gegeben habe; hier im Landtag behauptet er gerade, er habe die Erklärung freiwillig gegeben.(Hort! hört! bei den Sozialdemokraten.) Tatsache ist. daß vor der Abge- ordnetenwahl von unserer Seite an das Zentrumswahlkomitee ge- schrieben worden ist: daß unsere Wahlmänner im Kreise Dortmund- Stadt und-Land geschlossen für das Zentrum stimmen würden unter der Voraussetzung, daß, falls in Dortinund-Land der sozial- demokratische Kandidat in Stichwahl käme, das Zentrum sich ver- pflichtete, für ihn zu stimmen.(Hört! hö»t! links.) Am Tage der Wahl morgenö wurde daraufhin unserem Wahlkomitee tele» phonisch mitgeteilt, daß es für die Zentrumspartei Ehre n f a ch e sei, diese Bedingungen zu erfüllen!(Hört! hört! linkS. Wider- spruch im Zentrum.) Ich kann Ihnen dafür, daß dieS regelrechte Abkommen getroffen worden ist, drei Zeugen benennen. Wir schämen uns deö Abkommens nicht, aber ich kann Ihnen wohl nach- fühlen, daß Sie es nicht eingestehen wollen, nachdem die Finanz- reform die Gemüter aufgeregt hat und Sie im Begriffe stehen, jetzt beim Wahlrecht Verrat zu üben.(Sehr wahr! bei den Sozial- demokraten. Unruhe im Zentrum.) Vizepräsident Dr. Borsch: Ich habe Ihnen den weitesten Spiel- räum gelassen, bitte Sie aber, nicht auf das Wahlrecht zu kommen. Abg. Leinert(fortfahrend): Das war auch nicht meine Absicht. Ich will aber noch etwas sagen: Hier sitzt auch Herr Säuer- mann. AIS bekannt wurde, daß wir bei der Wahl den Ausschlag geben, hat man einen anderen Kandidaten an seiner statt aufstellen wollen und untz ist es zu danken, daß Herr Sauermann gewählt wurde, weil wir auf einen anderen nicht eingegangen sind.(Un- ruhe im Zentrum.) Ich begreife ja. daß Ihnen daS unangenehm ist. Es ist unwahrhaftig und verlogen vom Zentrum, wenn eS jetzt die Sozialdemokratie als nicht bündnisfähig hinstellt. Herr Gro- nowSki hätte wirklich keinen solchen Kraftaufwand zu diesem Zwecke gebraucht, denn selbst die Rechte ist ja in dieser Beziehung nicht ganz rein. Der konservative Abg. Feldman» ist ebenfalls mit unserer Hilfe gewählt und hat sich auf unsere Bedingungen ver- pflichtet!(Hört! hört!) Er hat sich dann darüber entrüstet, daß wir von ihm verlangen, er solle diese Verpflichtung auch erfüllen, (Hvtc.r.leit lintt.) Nun die Fxeiisnsexvgtiven jind feine Verpflichtungen eingegangen. DaS ist ja schr erklärlich, denn sie haben keine Bereine, sie haben überhaupt mehr Abgeordnete als überzeugte Wähler.(Grohe Heiterkeit.) Durch das Herumreiten auf der Affäre mit dem Dreißig- tausendmarkflugblatt verfolgt das Zentrum lediglich den Zweck, die Arbeiter von der Finanzreform und der Wahlreform abzulenken. Tie Arbeiter sollen vergessen, daß das Zentrum Branntwein, Tabak, Bier, Tee und Zucker verteuert hat und die Fahrkartenstcucr nicht abschaffen will. WaS draußen von der Zentrumspresse über Bergarbeiterfragen zusammengelogen wird, dafür nur ein Beispiel: Im vorigen Jahre trat ich hier dafür ein, eine Petition der Schaumburg-Lippeschen Bergarbeiter um Lohnerhöhung von 30 Pf. der Regierung zur B e- rücksichtigung zu überweisen. Herr Brust kam hinter mir und beantragte Uebcrgang zur Tagesordnung. Die Zentrumspresse hat aber dann geschrieben, daß i ch gegen die Forde- rung der Arbeiter aufgetreten sei, Herr B r u st habe sie befür- lvortrtl(Lebhaftes Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Das ist so frech und gemein erlogen, daß man dafür keine Worte hat. (Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) So wird in der Zentrums- presse Stimmung gemacht gegen die Sozialdemokratie. Es ist ja vielleicht möglich, aus weiß schwarz zu machen, aber aus schwarz weiß kann man niemals machen.(Große Heiterkeit und Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Hier tritt das Zentrum scheinbar für die Rechte der Berg- arbeiter ein, aber im Sonntagsunterhaltungsblatt der„Westfäli- schen VolkSzeitung". das für die Frauen der Bergarbeiter bestimmt ist. steht ein Artikel, worin Streikende als Opfer auftvicglerischer Reden von Arbeitsscheuen, die im trüben fischen, bezeichnet werden! Der Streikbruch wird darin als edle Tat gefeiert! So macht das Zentrum von hinten herum bei den Frauen das zunichte, was es in der Oeffentlichkeit theore- tisch vertritt.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.)— Um all den Verrat an den Arbeiterinteressen bei der Witwen, und Waisen- Versorgung, bei der Berggesetznovelle usw. zu verdecken, kommen Sie nun mit der Mlugblattgeschichte und verdächtigen meine Genossen Hue und Sachse, unehrlich gehandelt zu haben. Dabei ist Herr Jmbusch wegen Beleidigung von Hue und Sachse zu ö 0 M. Geldstrafe verurteilt! Nach dem mir vorliegenden Urteil ist der Vorstand des Bergarbeiter- Verbandes in der Sache vollständig gerechtfertigt! Es wird darin festgestellt, daß Sachse Spaniol gegenüber seiner Entrüstung über das Flugblatt Ausdruck gegeben und alles getan hat, um die Verteilung zu verhindern, und als dies nicht mehr möglich war, in der..Arbeiterzeitung" die Empfänger des Flugblatts davor gewarnt hat, sich durch dasselbe becinflusicn zu lassen. ES ist festgestellt, daß nicht bewiesen ist, daß der Vorstand des BcrgarbettervcrbandeS von dem Streich gewußt oder ihn gar angeraten hätte.(Hört! hört! b. d. Soz.) Jmbusch hat nichts ge. tan, um die Sache aufzuklären; er hat erst drei Tage vor dem Termin einen Zeugen genannt und nachher die eingelegte Be- rufung zurückgezogen.(Hört! hört! b. d. Soz.) Spaniol be- hauptet, ein Vorstandsmitglied des christlichen Bergarbviterver- bandeö habe ihm die im Flugblatt behauptete Mitteilung, daß Brust von den Werkdesitzern mit 30000 M. bestochen sei, gemacht. (Hört! hört! b. d. Soz.)' Sachse und Hue hatten nach dem, was von Brust bekannt Ivar, keine Ursache, an dieser Mitteilung zu zweifeln, zumal da tein Grund vorlag, Spaniol für fähig zu halten, eine solche Mitteilung aus der Luft zu greifen. Herr Brust ist mehrfach wegen wissentlich falscher Verdächtigung vor Gericht gewesen. Ich erinnere an die Verdächtigung des Genossen Ludwig Schröder, die Brust uwnatelang ins Land gehen ließ. um dann vor Glicht zu erklären, er könne den Beweis der Wahr- hat nicht antreten. Ich erinnere an den Prozeh Hue-Brust von 1300: Nachdem Brust jahrelang die gemeinsten Vorwürfe gegen Hue und die Verbandsleitung erhoben hatte wegen unredlicher Ge« schäftSführung, Bcgaunerung der Bergarbeiter usw., nannte schließ. lich Hue den Brust einen moralisch verkommenen Menschen! Brust klagte, Hue reichte Widerklage ein. Im Prozeß erklärte der Ver- leidiger BrustS, dieser könne den Wahrheitsbeweis nicht führen. (Hört! hört! b. d. Soz.) Ein Jugendkamerad von Brust erklärte als von Hue geladener Zeuge. Brust habe ihm auf Vorhakten, warum er die Verbändler fortgesetzt verleumde, gesagt: „Ich»ociß, das, die Berbandöleitung ehrlich ist, aber»S ist mein Geschäft, so gcgr» sie vorzugehen, es ist mein Geschäft, st« zu ver- lcumdcn! (Hört! hört! b. d. Soz.) Brust hat zugegeben, daß dieser Zeuge ein wahrheitsliebender Mensch war. Vizepräsident Dr. Pvrsch ersucht den Abg. Brust, der fort- gesetzt„unwahr!" dazwischenruft, die Unterbrechungen zu unter. lassen. Ich erinnere auch an die scharfen Angriffe, die der christliche Gewerkveretn nach der Absetzung Brusts gegen seinen früheren Vorsitzenden gerichtet hat. Es wurde ihm unter anderem vorge» worfe», et liebäugle mit den Unternehmern: nur so sei seine Wahl zu erklären! Jahrelang hatte der christliche Verband gemeinsam mit unserm Verband die KnappschaftSwahlen gemacht. 1004 kommt Herr Brust und nimmt die Vertreter de» ZechenvevbandeS, die Zechenälteften, auf seine christliche Liste. Dieses Vorgehen hat der Manung, daß Herr Brust bestechlich fein könne, neue Nahrung ge- geben. Bei der Wohl gab Brust ein Flugblatt heran?, von dem ein untcrnehmcrfrcundliches Blatt, ÄS„Rheinisch-Westfälische Tageblatt", schrieb: „Die wüsten Schimpfereien übersteigen s o alles Zulässige, daß man sich nicht wundern kann, tvenn viele Bergleute sich davon ge- radezu angewidert fühlen und lieber gar nicht zur Wahl gehen als sich zum Bundesgenossen eines solchen Schimpfgenies zu machen." (Hört! hört! b. d. Soz.) EL ist gesagt worden, daß nur das Zentrum Arbeiter als Ab° geordnete in den Landtag geschickt habe. Ich gestatte mir, zu be- merken, daß auch ich ein Arbeiter gewesen bin. Herr Brust aber gehört zu den Arbeitern, die in gottgewollte Abhängt akeit von ZcntrumSgrößen geraten sind. lSehr gut! b. d. Soz.) Die Zen- trumSgrößen haben sich nur mit großem Widerstreben dein gefügt, daß auch Arbeiter in das Parlament kamen. Herr Jmbusch und Herr Beyer werden wissen, welchen Kampf es gekostet hat, ihre Kan- didatur aufrecht zu erhalten. In Osnabrück wurde ein Zentrums- arbeiter wenige Tage vor der Wahl gezwungen, zugunsten eines Rechtsanwalts zurückzutreten!(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Es sind lediglich Renommirrarbeiter. die vom Zentrum hierhergeschickt sind.(Sehr wahr! bei den So- zialdemokraten) Rcnommierarbeiter des schwarz-blauen Blocks, denn die Herren Konservativen haben ja mit großem Behagen auf diese Zentrumsarbeiter hingewiesen. Für die 46 Millionen LiebeS- gaben, die das Zentrum den Agrariern bewilligt hat, nahm man diese Renommierarbetter gern hin. Daher ist eS auch begreiflich, daß vom Zentrum gegen die wirklichen ArbCitervertreter in dieser Weise vorgegangen wird, deshalb der Haß gegen Herrn Effert, der erklärt hatte: der gewerkschaftliche Kampf würde sich zu einem politischen entwickeln und bei diesem politischen Kampf würde das Zentrum eben nicht auf seine Rechnung kommen.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Wenn das Zentrum die Unterstützung, die es von uns erbeten und erhalten hat und die wir von ihm erhalten haben, abstreitet, so müssen wir sagen: Eine niederträchtigere und so mit be- wußter Heuchelei arbeitende Partei wie das Zentrum gibt es nicht mehr!(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Abg. Spinzig(frkü: Mit solchen häuslichen Auseinander- setzungen sollte man unsere Arbeit im Parlament nicht aufhalte». lSehr richtig! rechts.) Diese Rede war eine rednerische Aus- schreitung.(Erneute Zustimmung rechts.) Ich hätte nicht ge- glauvt, daß das Radbeounglück hier wieder besprochen würde, da die Untersuchung noch schwebt. Der Redner verliest eine Reihe von Briefen, wonach bei den Auffindungsarbeiten in Radbod stets Arbeitervertretcr zugegen gewesen wären. Die entgegengesetzten Behauptungen von sozialdemokratischer Seite seien unrichtig. Das Haus vertagt sich. Persönlich bemerkt Abg. Gronowski(Z.): Ich habe mit den Sozialdemokraten in Dortmund nicht verhandelt. Ich stand bei der Wahl einem national- liberalen Scharfmacher gegenüber, und da konnten die Sozialdemo- traten gar nicht anders als mich wählen. Ich kann auch nicht olitischen Gegnern verbieten, mich zu wählen. Der Abg. Leinert at heute als sog. Arbeitervertreter die Geschäfte der national- liberalen Partei besorgt.(Zustimmung im Zentrum.) Abg. Leinert(Soz.): Ich habe nicht gesagt, daß der Abg. Gronowski mit dem sozialdemokratischen Vertrauensmann bei den Wahlen in Dortmund verhandelt hat, sondern daß mit dem Zentrumswahlkomitee von unserer Seite aus verhandelt worden ist. Abg. Gronowski(Z.): Dem Zentrumswahlkomitee habe ich gar nicht angehört. Nächste Sitzung: Mittwoch, 12 Uhr.(Fortsetzung der heutigen Beratung.) Schluß 5 Uhr._ parlamemarilebes. Aus der Strafjustizkommission. Die Strafjustizkomnnssion bestätigte gestern die Beschlüsse erster Lesung zu§§ 248a, 264a und 370, Ziffer 6, Strafgesetzbuchs. Durch die Beschlüsse werden einige Eigentumsdelikte, falls sie aus Not begangen sind und nur geringwertige Gegen- stünde betreffen, zu einem AntragSdelikt gemacht, ferner verhindert, daß die harten Rückfallvorschriftcn auf sie Anwendung finden, und endlich die Strafhöhe bei Diebstahl und Betrug auf Geldstrafe bis 300 Mark oder Gefängnis bis zu drei Monaten(statt nur Ge- fängnis und zwar bis zu fünf Jahren) herabgesetzt. Der K 370, Ziffer V, der heute nur wegen Entwendung von Nahrun gS- ober Genußmitteln in geringer Menge oder von unbedeutendem Wert Geldstrafe bis 160 M. oder Haft androht und die Verfolgung von einem Antrag abhängig macht, ist auf die Entwendung von Gegen st än den des Hauswirt« schaftlichen Verbrauchs(z. B. Kohle») ausgedehnt. Unsere Genossen Stadthagen, Frohme und Z t e t s ch beantragten, die Möglichkeit im Gesetz aufzunehmen, wegen Bettel US au« Not Straflosigkeit eintreten zu lassen. Sie erklärten mit Rücksicht darauf, baß nur ein Notgesetz vorliege, haben sie davon Abstand genommen, obligatorisch die Freisprechung für alle aus Not begangenen Betteleien auszusprechen, verlangten aber, dem Richter wenigstens die Möglichkeit zu geben, auf Frei- sprechung zu erkennen. DaS sei erforderlich, zumal nach der zu ß 264» beschlossenen Aenderung jemand, der Täuschungsmittel beim Betteln anwendet, nur bestraft werden kann, wenn ein Strafantrag vorliegt, während der ohne Anweiidung solcher Mittel aus Not Bettelnde stets bestraft werden werden muß und im WioderholungS- falle sogar mit ArbeitShauSstrafe belegt werden könnt. Außer- dem gebe auch der Strafgesetzentwurf für alle Fälle der Bettelet aus Not die Möglichkeit, von Strafe abzusehen. Das Zentrum vertrat denselben Standpunkt und stellte ähnliche Anträge. Die Regierung führte gegen die Anträge, deren materielle Berechtigung sie anerkannte, an, eS sei erforderlich, die schwierige Materie der Bettelei in anderer Weise umfassend zu regeln. Würde hier der eine Punkt herausgegriffen, der vielleicht in 00 von 100 Fällen zur Freisprechung führe, so sei der Entwurf gefährdet, zum mindesten seien längere Beratungen über sein« Annehmbarkeit zwischen den Regierungen erforderlich. Dadurch würde die Erledigung hinausgeschoben. Die Anträge wurden mit 13 Stimmen(Zentrum. Sozialdemokraten, einem Teil des Freisinns und Abg. Kolbe jfk.j) gegen 14 Stimmen a b- gelehnt. Die Beratung über den Erpressungsparagraphen, zu dem die Sozialdemokraten und das Zentrum Abänderungsvorschläge gestellt hatten, kam nicht zum Abschluß. Er soll in der heutigen Sitzung erfolgen, die sich auch mit den BerschärfungSvorschlägen zum 8 186(Beleidigung, insbesondere durch die Presse) und dem Abschneiden deS Wahrheitsbeweises befassen soll. Der teure Gouvernementspalast.— Schlampereien.— Abgelehnte Kolonialfahrt.— Religionsunterricht.— Chinesische und deutsche Gehälter. Bei Beratung de« Etats der Marinestatton Ktautschou in der Budgetkommission des Reichstages fragte Abg. Erzberger an: was der GouvcrnemcntSpalast alles in allem gekostet habe. CS sei nämlich wieder einmal eine ungeheure Verschwendung getrieben und zum Teil direkt unsinnig gebaut ivorden. Ferner habe man die bei Errichtung der Marconistation erübrigten Gelder widerrechtlich dazu verwendet, einen Torbogen im Stile deö GouvernementSgebäudes zu erbauen. 80 000 M., die zur An« läge eines Forst garten« bewilligt waren, seien für einen Garten bcrm Gouvernement verwendet worden usw. Der Staatssekretär„leugnete alles und erwartete den Gegenbeweis".— Daß daS Gebäude so teuer geworden sei, müsse auf da« Steigen deS Dollarkurses in Ostastcn zurück- geführt werden; über die sonst noch vorgebrachten Beschwerden wolle er sich informiere».... Der nationalliberale Abgeordnete Dr. G ö r ck e beklagte, daß keiner von den RcichStagSabgeordneten„unser Ktautschou" kenne I (Die Abgeordneten, die dor einigen Jahren die Fahrt nach Ostasien mitgemacht haben, find bei der letzten Wahl sämtlich durchgefallen. D. B.) Diesen Gedanlen griff der regsame Herr Erzberger sofort ans und empfahl nun auch seinerseits eine solche Fahrt auf ReichSkostcn durch Sibirien nach dem Gelben Meer l Damit nun aber niemand den Kollegen Görcke und diejenigen, die etwa noch mit nach Ostasten delegiert würden, beneide, unterließ eS Herr Erzberger nicht, zu erklären, daß eine solche Reise kein Vergnügen sei, sondern ein erhebliches Opfer bedeute I— Da der Anregung gegenüber der Staatssekretär sich taub und stumm stellte und auch von keinem anderen Abgeord- neten der Gedanke weiter verfolgt wurde, so wird au» der Reise wohl nichts werden. Zu einer längeren Debatte kam es noch bei dem Titel„Lehr- an st alten für chinesische Schüler", wofür 40 400 M. gefordert wurden. Es handelt sich um die deutsch-chinesische Hoch- schule in T s i n g t a u. die vorigen Herbst eröffnet worden ist und jetzt 70 Schüler zählt. Von diesen ist der jüngste in der unteren Stufe 13, der älteste in der Oberklasse 28 Jahre alt. Der Ab». Erzberger beklagt sich darüber, daß den Schülern, die zum Christentum übergetreten seien, von der chinesischen Regierung Schwierigleiten gemacht würden. Genosse Ledebour entgegnete: Daß(eS das beste sei,«venu man den Religionsunterricht aus dem rigeutlichen Lehrplan über« Haupt ausscheide und es den einzelne» Konfessionen bezlv. religiösen Weltanschauungen überlasse, wie sie ihre Anhänger unter- richten wollen. Wenn für diesen Religionsunterricht(der für die Chinesen als Anhänger des Konfuzius nur ein Moralunter- r l ch t sei) ein Tag in der Woche freigegeben würde, so könnte der angestrebte Zweck leicht erreicht wdrdön. Beim Titel„verschiedene Ausgaben" lvCrden einige ungerechte Forderungen(darunter 1600 M. besondere Dienst- e n t s ch ä d» g u n g für einen mit der Opimnkolitrolle beauftragten Potizeiwachtmeister!) in Höhe von 22500 M. gestrichen. Welch riesiger Abstand zwischen den Gehältern der europäischen und denen der eingeborenen Beamten in Ktautschou besteht, zeigen die folgenden Beispiel«: Bei der Landesverwaltung erhält der Literat der chinesischen Kanzlei 1248 M.. die sonstigen Literaten, Schreiber und Dolmetscher 800 bis 1200, Polizisten, Gefangenaufseher, Bureaudiener 240 bis 432 M. usw. Dagegen bekommt ein deutscher Oberlehrer, desgleichen ein deutscher Richter in Kiautschau nach einem Jahre 8200 und nach sechs Jahren 1t 000 M., ei» Gouvernementssekretär 7700, nach sechs Jahren 10 000 M. Man vergleiche damit die oben angeführten er» bärmlichen Gebälter der chinesischen Literaten, die denselbe" Rang bekleiden, wie ui Deutschland die studierten Akademiker, jedenfalls beweist die Differenz in den Gehältern zwischen dei'.tschen und eingeborenen Beamten, daß das Geld dort leine so geringe Kauf- kraft haben kann, wie von interessierter Seite so gern behauptet wird, denn sonst müßten die Chinesen— auch wenn man ihre Lebenshaltung noch so niedrig einschätzt bei ihrem Einkommen direkt verhungern._ Bergverwaltung. Zum Etat der Bergverwaltung hat die sozialdemokratische Fraltion des preußischen Abgeordnetenhauses folgende Anträge eingebracht: die Regierung zu ersuchen: 1. In Zukunft tu den Nachrichten von dem Betriebe der unter den preußischen Berg-, Hütten- und Salinenverwaltung stehenden Staatswerke für jedes Werl vollständige und vergleichende Au- gaben über Alter. Löhne, BeschästigungSdauer, Arbeitszeit und Ferien der beschäftigten Arbeiter vorzulegen. 2. Für jedes Staatswerk gesondert und, soweit möglich, vergleichend zu berichten über den Anteil des Arbeitslohnes an den Selbstkosten der Produkte, die Leistungen der Arbeiter. die gesetzlichen und statutarischen Arbeits- und Peiisions- Versicherungen, Arbeiterschutzbestimmungen, Zugang und Abgang der Arbeiter._ Hua der parte!» Der Sozialdemokratische Verein für den ReichStagswahlkreiS Bielefeld-Wiedenbrück hielt am Sonntag, den 27. Februar, seine Generalversammlung ab. Der Verein zählte am 31. De- zembcr 1000 in 17 Ortsgruppen 4874 Mitglieder(4507 männliche, 277 weibliche) gegen 4liog(4416 männliche, 238 weibliche) am 30. Juni 1909. DaS ist eine Zunahme von 221(182 männlichen, 30 weiblichen) Mitgliedern. In den verflossenen beiden Wahl- rcchtskampsmonaten sind weitere 428 Mitglieder(806 männliche. 122 weibliche) aufgenommen worden, so daß der Verein jetzt 5302 Mitglieder(4003 männliche, 300 weibliche) zählt. Von 13 642 sozialdemokratischen Wählern bei der Hauptwahl 1907 sind also 36 Proz. politisch organisiert. Der Kassenbericht für das zweite Halbjahr 1009 weist inklusive eines Kassenbestandes von 6001,17 M. an Einnahmen auf: 13 838,95 Mark. Die Ausgabeil betrugen 0698,93 M.; es verblieb somit ein Kassenbestand von 4140,02 M. Der Verein hielt im verflossenen Halbjahr 74 Mitgliederver- sammlungen, 17 Bezirkabcnde mit Vorträgen, 9 Volks- und 6 öffentliche Fraueiwersammlungen ab. 42 000 Flugblätter „500 Millionen Mark neue Steuern" und 20000 für den Schnapsboykott wurden verbreitet. Außerdem gelangten 4300 Exemplare der„Volksmacht" zur besonderen Verbreitung, wodurch das Parteiblatt einige hundert neue Abonnenten gewonnen hat. Die Bibliothek umfaßt insgesamt 2533 Bücher. Die K o m ui u n a l w a h l« n in 0 Orten brachten uns einige neue Mandate. Unsere Partei hat jetzt in Bielefeld und in 8 Ge» meinden 43 Vertreter(15 Stadtverordnete und 23 Gemeinderats» Mitglieder), von letzteren 4 in der zweiten Klaffe. Beschlossen wurde: Der monatliche Beitrag wird vom 1. Juli dieses Jahre» für männliche Mitglieder von 20 auf 30 Pf. erhöht. kür weibliche von 10 auf 15 Pf. Auf 1 bis 50 Mitglieder kommt «n Zukunft ein Delegierter zur Generalversammlung(bisher 1 bis 25). Die Generalversammlung setzt sich zusammen aus den Dele» gierten und 1 Bevollmächtigten der Ortsgruppen, dem Vorstande, den Revisoren und dem Sekretär, den gteichs- und Landtags- abgeordneten bezw.-Kandidaten, den Mitgliedern der Handels» gesellschaft und der Prcßkommisston, dem kaufmänniscken Per» sonal und den Redakteuren der..Volksmacht". Neu uno hervor» zuheben ist, daß die Delegierten für das ganze Geschäftsjahr ge» wählt werden, analog den Generalversammlungen der Kranken- lassen, so daß die zwei regelmäßigen Generalversammlungen im Jahre dieselbe Zusammensetzung haben. Das ist von großem Vor- teil für die Altionsfähigkeit der Organisation und deren Geschäfte. Auch kann dadurch innerhalb Tagesfrist die Generalversammlung zusammentreten, was bei jedesmal neuvorzunehmenden Dele- giertenwahlen nicht möglich ist. Die Maifeier soll, wie übliche durch Ausflug vormittags bezw. durch Abendversammlungen mit dem Tage entsprechenden festlichen Darbietungen begangen lverden. Erfolg der HanSagitation. Eine in einzelnen Orten deS Wahlkreises Bochum vorgenommene HauSagitation, die sich hauptsächlich auf die Gewinnung der Gewertschaftömitglieder zu Abonnenten der Arbeiterpreffe und zur Parteimitgliedschaft erstreckte, hatte das Resultat, daß 450 neue Abonnenten auf daS„VolkSblatt" und 250 Parteimitglieder gewonnen wurden. poUreiUehes, OcnchtKchc» uta» Ein„unparteiischer" Richter." Der AmtSgerichtSrat Rück er t in Frankfurt a. M. hat wiederholt in mehreren Verhandlungen gegen Redakteure der „Frankfurter Volksstimme" eine offensichtliche Voreingenommen- heit gegen unsere Genossen gezeigt. In der..Volksstimme" wurde diese nchterlickje„Objektivität" schon des öfteren scharf kritisiert — ohne daß ocr Amtsgerichtsrat sich dagegen gewendet— und lehnten unsere Genossen diesen Richter schon mit Erfolg wegen Befangenheit gegenüber Sozialdemokraten ab. In der Beleidigungsklage des ReichsverbandSgeneralS v. Lieber t gegen den Genossen Quint als Redakteur der„Polls- stimme" zeigte der Herr AmtSgerichtSrat Rückert seine„Uri-- parteilichkcit" in besonders hellem Lichte. Er sehnte sämtliche BeweiSanträge deS Verteidigers kurzerhand ab, weil sie nichts zur Sache täten und leistete sich Ausfälle gegen die Sozialdemo- kratie. Die„Frankfurter Volksstimme" brachte dann in ihrer. Nummer vom 29. November 1909 einen Leitartikel mit der Ueber- schrift:„Nichts zur Säckel", in dem die Verhandlung und besonders auch der Vorsitzenoe. AmtSgerichtSrat Rückert, in ge- bühsender Weise gewürdigt wurde. EL heißt in dem Artikel: ..... Je weiter die Verhandlung fortschritt, desto mehr gewann es den Anschein, daß für Herrn Rückert alle» nichts zur Sache tue, mit Ausnahme des einen, das hüben ein sozialdemokratischer Redakteur und drüben ein konservativer Reichstazsabgeordneter, eine Exzellenz und ein guter Freund BülowS fund". Wegen diesen Artikels stellte nun nickt etwa der Amtsgerichrsrat Rückert, sonoern der Landgerichtspräsivent Strafantrag, un!» die Staats» anwaltschaft erhob Offizialklage. Am Montag hatte sich Genosse Redakteur Hermann Wendel wegen des Artikels vor der Strafkammer zu verantworten. Ge- ncsse RcichstagSabgeordneter Dr. Frank stand ihm als Vertei- diger zur Seite. Unter Anklage stand der ganze Ariitel; in dem oben zitierten Satz wurde der Vorwurf der Parteilichkeit erblickt. Genosse Wendel betonte in der Verhandlung, daß er in dem Artikel natürlich die persönliche Ehre deS Amtsgerichtsrat Rückert nicht habe angreifen wollen. Dieser habe gewiß nickt wider besseres Wissen so gehandelt, sondern aus den Anschauungen seiner Klasse heraus. Solange es zwei Klassen gebe, würden Angehörige der bürgerlichen Klaffen auch als Richter aus der Haut ihrer Klaffe nicht heraus können. Ter Vorsitzende hielt dann dem Angeklagten den oben aus dem Artikel zitierten Satz vor, und meint, einen größeren Vorwurf könne man einein Richter nicht machen, äifißilfil berief, lich auu als Beweis tm tkaeteilichksit Rückert» gegenüber Sozialdemokraten auf das Urteil preußischer Richter, die Rückert als befangen gegenüber einein Redakteur der „Volksstimme" erklärt hatten. Der diesbezügliche Beschluß des Landgerichts wurde verlesen; aus den Gründen ist zu entnehmen, daß die Ablehnung als begründet erachtet wurde, weil Rückert be- hauptet hatte, die Sozialdemokraten gingen leichtfertig mit der Ehre ihrer Mitmensche» um. Der Staatsanwalt beantragte eine Gefängnis st rase von drei Monaten. Der Angeklagte habe bewußt versucht, iRückert verächtlich zu machen und in der öffentlichen Meinung herunterzusetzen. Vergehen gegen die Z§ 185 und 186. Verteidiger Dr. Frank beantragte Freisprechung. Es konnte höchstens der Z 185(formaler Beleidigung) in Betracht kommen. Das Gericht batte als wahr unterstellt, daß der Amtsgerichtsrat Rückert Bewcisanträge des Verteidigers in höhnischer Weise unterbrochen habe. Das beweist, daß Rückert nicht mit der nötigen Objektivität und Ruhe dem Angeklagten gegenüberstand. Dem Angeklagten ist deshalb nicht übel zu nehmen, daß er Rückschlüsse auf das Innen- leben des Rückert zog. Die Grundtendenz des Artikels sei gewesen, die Schäden der Justiz offen zu legen und zu kritisieren. Der An- geklagte habe auch in Wahrung berechtigter Interessen gehandelt. In der schriftlichen Begründung des gefällten Urteils in der be- treffenden Verhandlung gegen Quint habe Rückert ausgeführt, die Beweisanträge wären nur gestellt worden, um dann ihre Ab- lebnung in der Presse kritisieren zu können, diese hätte nur die übliche Demonstration bezweckt. Wenn ein Richter das schreibe, dann sei der Beweis geführt, daß er nicht objektiv ge- handelt habe.— Das Urteil lautete auf eine Geldstrafe von 6 0 6 M. und Publikation in vier Frankfurter Zeitungen. Der Artikel enthalte eine strafbare Beleidigung des Amtsgerichtsrats Rückert. Diesem sei der Vorwurf der Parteilichkeit nicht im allgemeinen, sondern im Anschluß an einen konkreten Vorgang gemacht worden. Deswegen komme der§ 186 in Betracht. Die Beleidigung sei eine schwere. Strafmildernd sei, daß die sozial- demokratische Partei geglaubt habe, gegenüber dem Verhalten deS Amtsgerichtsrats Rückert Schlüsse ziehen zu können. Mus Incluftrie und ftandel. Die Foudsansammlung in de» große» Städten Deutschlands. Die größeren Städte gehen in letzter Zeit immer mehr dazu über, sich gegen die Schwankungen ihrer Rechnungsergebnisse, die entweder eine Folge der Mindererträge der Gemeindesteuern in Zeilen der Depression oder außergewöhnliche Mehrausgaben sind, durch Anlage besonderer Fonds zu schützen. Das Kölner Statistische Amt hat nlin eine Zusammenstellung der am 31. März 1907 bestehenden Rücklagen dieser Art gemacht, die recht interessante Ergebnisse zeigt. Hervorzuheben ist dabei freilich im voraus, daß ein eigentlicher Vergleich zwischen den Fonds der einzelnen Städte nur bedingt möglich ist, da diese Einrichtungen nicht überall gleich alt sind. in der einen Stadt z. B. erst in der Eniwickelung sich befinden, während sie in der anderen schon vollständig ausgebildet oder ihrer Verwendung übergeben sind. Die Darstellung umfaßt auch nicht alle Fonds, sondern nur solche, die häufiger wiederkehren und die Kapitalansamnilung für periodische oder außergewöhnliche Geldbedürfnisse besonders veranschaulichen. Es find dies die Be- triebs«, Reserve-, Ausgleichs-, Tilgungs-, Erneuerungs- und Bau- fonds der allgemeinen Verwaltung, sowie die der selbständigen Be- triebe. Nicht berücksichtigt sind dagegen z. B. die Straßenbau- und Kanalisationsfonds für nicht-historische Straßen, die Grabenunter- Haltungsfonds, die Einquartierungsfonds, ebenso die Fonds der Sparkassen. Leihämter, Hypothekenämter usw., alles Kapitalrücklagen, die von Interessenten gebildet werden. Es waren demnach an Gesamtbeträgen aller in Betracht kommenden Fonds vorhanden überhaupt auf 1000 Einwohner Mark Mark 12 663 926 36 013 14 552 415 23 164 4 742 719 27 381 14 184 604 25 990 10 265 073 13 655 3 001 734- 17 462 2 643 373 16 869 1 717 508 16 383 4 156137 16 081 31 343 548 14 962 3 781 327 14 806 2 862121 14 752 2 463 310 14 751 3 141 260 13 891 2 037 545 12 245 Düsseldorf.... 3265144 12245 Breslau..... 4 648 494 9 524 Stettin..... 2 143 670 9 188 Stuttgart.... 2 345 200 8 922 Magdeburg.... 1 967137 8011 Nürnberg.... 2 203 522 7 066 Köln...... 2 794 039 6 158 Augsburg.... 297 044 3 077 Die Höhe der angesammelten Fonds schwankt also bei den an- geführten Städten zwischen 36 018 M.(Frankfurt a. M.) und 3077 M. (Augsburg) pro 1000 Einwohner. Die Reichshauptstadt steht mit 14962 M. etwa in der Mitte. Was die einzelnen Fonds anbelangt, so ist deren Verteilung natürlich außerordentlich verschieden. So spielt z. B. in Berlin der Erneuerungsfonds der Gaswerke die Hauptrolle, auf den allein 28 601 754 M. oder 13 652 M. pro 1000 Einwohner, d. h.°/,<> der Gesamtsumme fallen. In Breslau steht der Betriebsfonds der Kämmerei m Frankfurt a. M... Leipzig..... Mannheim.... Dresden..... München..... Altona..... Schöneberg.... Wiesbaden.... Charlottenburg... Berlin...... annover.... ortmund.... Elberfeld..... Königsberg.... mit 2 Millionen Mark an erster Stelle, in Frankfurt a. M. der Er- neuerungs- und Reservefonds der Elektrizitätswerke(3 832 393 M.), in Charlottenburg der Erneuerungs- und Tilgungsfonds der Gast- anstalt, in Leipzig der Tilgungsfonds für das Wasserwerk(3110593 Mark.) Ebenso verschieden ist die Anzahl der von den einzelnen Städten gebildeten Fonds. So hat Berlin zum Beispiel nur fünf Fonds. Leipzig dagegen zwanzig. Die meisten Fonds hat Frankfurt, das ja auch die größte Summe pro 1000 Einwohner erreicht: es ver- ivaltet 23 Fonds und hat für fast jedes städtische Unternehmen— Gaswerk, Wasserwerk, Schlachthof, Schwimmbäder usw. Kapital- rücklagen gemacht._ BetriebSerweitcrung. Die Gewerkschaft Deutscher Kaiser erwarb. wie gemeldet wird, in Seckenheim bei Mannheim ein Terrain in Größe von 440 000 Quadratmeter. Der Kaufpreis soll zirka Mill. Mark betragen. Auf dem Gelände sollen industrielle Anlagen er- richtet werden. Hus der frauenbewegung, Das Frauenwahlrccht eine praktische Forderung. Wir haben bereits nachgewiesen, daß die Forderung des Frauenwahlrechts ihre feste Begründung finde in der Wirtschaft- liehen Stellung, welche die Frau in der heutigen Gesellschaft ein- nimmt. Nach der letzten Berufs- und Gewerbezählung vom Jahre 1907 sind von der weiblichen Bevölkerung in Deutschland 19 935 765 Frauen und Mädchen erwerbstätig; wir können hinzu- fügen: ihre Zahl ist in stetem Wachsen begriffen! Die Arbeits- teistung von über 10 Millionen Frauen bildet einen wichtigen und unentbehrlichen Teil der Gesamtproduktion. Und auf Grund dieser Arbeitsleistung für die Gesamtheit haben die Frauen einen Rechtsanspruch auf volles Bürgerrecht. Doch auch jene Frauen, die zwar nicht erwerbstätig, die aber durch treue Er- füllung ihrer Hausfrauen- und Mutterpslichten der Allgemeinheit nicht minder wertvolle Dienste leisten, haben den gleichen Rechts- anspruch auf die Einräumung demokratischer Staatsbürgerrechte. Ganz zu schtveigen davon, daß die Steuerlast, direkte und indirekte, welche die Frauen zu tragen haben, die gleiche ist, wie bei den Männern. Der Anspruch der Frauen auf das Wahlrecht ist zweifelsfrei als berechtigt erwiesen. Und immer größer wird erfreulicherweise die Frauenschar, die mit Begeisterung den Kampf um die Er- oberung dieses wichtigen Staatsbürgerrechtes führt. Die proletarischen Frauen sehen jedoch im Frauenwahlrecht nicht nur, ja nicht einmal in erster Linie, ein Recht, das sie zu nutzen gedenken im Interesse des weiblichen Geschlechts; sie be- trachten das Frauenwahlrecht vielmehr als eine vorzügliche Waffe, deren sie bedürfen, um gemeinsam mit den proletarischen Männern, Klassenforderungen der Arbeiterschaft durchzusetzen. Die Erfahrung hat die proletarischen Frauen gelehrt, daß ihr Interesse keineswegs an der Seite bürgerlicher Frauen, sondern nur an der Seite proletarischer Männer, an der Seite ihrer Klassengenossen gewahrt irnrd. Die Ausbeutung durch das Kapital und die Abhängigkeit von demselben bedingt es, daß die Arbeiterklasse alle Kräfte zu- sammenfasse zum Kampfe um ein Empor und um die endliche Be- freiung. Und diese endliche Befreiung aus Kapitals Banden wird auch erst die Befreiung der proletarischen Frauen aus der Ge- schlechtssklaverei erinöglichen. Aus der Erkenntnis dieser Tat- fachen erwächst das Solidaritätsempfinden und die Befähigung von Mann und Frau für den gemeinsamen Kampf der Arbeiterschaft. Die Eroberung des Frauenwahlrechts würde den Parlamentarischen Einfluß der Gesamt-Arbeiterschaft ungemein verstärke» und je größer der parlamentarische Einfluß der Arbeiterschaft, desto leichter ist es, dringend notwendige Reformen durchzusetzen. So würde zum Beispiel, im Besitze eines wirklich demokra- tische» Wahlrechts zum Preußischen Landtage, die Arbeiterschaft den so notwendigen Ausbau des Fabrikinspektorats leichter er- zwingen können. Eine Forderung von eminent praktischer Bedeutung für das Proletariat!— Zeigt doch die Unfallstatistik Deutschlands, daß im Jahre 1903 4SI 991 Personen verletzt wurden, und von diesen 74 581 Personen schwere Verletzungen er- litten und 5939 Personen den Tod infolge Verunglückung fanden. Diese Zahlen, die ein grauses Bild geben von de» immensen Opfern, die alljährlich das Schlachtfeld der Arbeit fordert, könnten zweifel- los stark herabgemindert werden, wenn wir mehr Fabrikinspektoren hätten, wenn die Zahl der weiblichen Jnspektionsbeamten vermehrt, wenn Assistenten, männliche und weibliche, aus den Kreisen der Arbeiterschaft, den Inspektoren beigesellt und wenn Aerzte an- gestellt würden. Diese Forderungen vermag die Arbeiterschaft heute noch nicht durchzusetzen, weil bei dem elenden Dreiklassenwahlrecht der Ein- fluß der herrschenden Klassen ein zu großer ist. Diese Klassen sträuben sich gegen den Ausbau der Sozialgesctze ebenso sehr, wie sie sich sträuben gegen deren Ueberwachung und strenge Beachtung. Wenn in der Folge das Blutmeer noch weiter steigt, wenn die Zahl derjenigen anschwillt» die mit zerschlagenen, zermalmten und zerfleischten Gliedern von der Arbeit heimgebracht werden, wenn zahllose Existenzen dadurch vernichtet, das Familienglück Tausender und Abertausender zerstört und Not und Sorge in den Kreisen der Betroffenen immer größer und drückender wird, so sind dafür jene Leute verantwortlich, die der Arbeiterschaft ihr erstes Staats- bürgerrecht vorenthalten und damit die Waffe, mit deren Hilfe sie sich einen wirksamen Schutz gegen maßlose Ausbeutung und Unfallgefähr erzwingen könnte. Dieses eine Beispiel aus der Tatsachenfülle zeigt klärlich den praktischen Wert eines Wahlrechts auf breitester demokra- tischer Grundlage(also mit Einschluß deS Frauenwahlrechts) für die Arbeiterschaft. Die Gestaltung ihres täglichen Lebens ist vom Besitz oder Nichtbesitz dieses Rechtes in eminenter Weise abhängig. Die Frauen und Töchter der Arbeiter handeln deshalb im ur- eigensten Interesse, wenn sie de» gegenwärtigen Wahlrcchtskampi in Preußen in den Reihe» der Sozialdemokratie kämpfen. Ist doch die Sozialdemokratie die einzigste politische Partei, die nicht nur grundsätzlich sich zu dem Frauenwahlrccht bekennt, sondern auch energisch und zielklar dafür eintritt, Die weibliche Fabrikinspektion in Norwegen. Auf Grund des neuen norwegischen Fabrikgesetzes hatte die Stadtverordnetenversammlung von Kristiania am Donnerstag ein weibliches Mitglied zur örtlichen Fabrikaufsichtsbehörde zu wählen. Das führte zu einer heftigen Debatte. Die Konservativen wollten eine OberlehrerSfrau Närup gewählt wissen, die von sogenannten .Arbeitervereinen" der Rechtspartei und von den— Texiilfabrikanten vorgeschlagen war. Die sozialdemokratischen männlichen und weiblichen Stadtverordneten betonten demgegenüber, daß es bei einer Fabrik- inspektorin vor allen auf das Vertrauen der Arbeiterinnen ankomme; das Fabrikgesetz richte sich ja gewissermaßen gegen die Arbeitgeber, wenigstens insofern, als sie gezwungen werden sollen, die zum Schutze von Leben und Gesundheit der Arbeitnehmer erlassenen Vor- schriften zu befolgen. Die sozialdemokratische Fraktion empfahl Frau Anna Pleym, die vom Frauenverband der sozialdemokratischen Arbeiterpartei, vom Frauenbureau der Partei und Gewerkschaften so- wie vom Ortskartell und der Landesorganisation der Gewerkschaften vorgeschlagen worden war. Frau Pleym war18Jahre lang als Arbeiterin in Textilfabriken tätig, ist jetzt Witwe mit zwei erwachsenenKindern. Durch eigenen Fleisch erwarb sie die für die Fabrikaufsicht nötigen Kenntnisse. Es war noch eine dritte Kandidatin aufgestellt, Frau Dr. Dagny Bang, vorgeschlagen vom„Verein des weiblichen Handelsstandes". Diese Dame hat sich dadurch ausgezeicknet, daß sie fleißig gegen das Verbot der Frauennachtarbeit agitierte und so die Gleichberech« tigung des Unternehmertums in der Ausbeutung der weibliche:: und männlichen Arbeitskräfte zu wahren wußte. Die Abstimmung über die Kandidaten ergab zunächst 37 Stimmen für Frau Närup, 31 für Frau Pleym und 7 für Frau Bang. Da somit eine ausschlaggebende Mehrheit nicht erreicht war. erinnerte sich der schlaue Vorsitzende daran, daß er von seinem Stimmrecht leinen Gebrauch gemacht hatte und wollte nun nachträglich seine. Stimme für Frau Närup abgeben, um sie mit 38 Stimmen für gewählt zu erklären. Gegen dieses Verfahren protestierten unsere Genossen mit dem Erfolg, daß eine regelrechte Sttchwahl stattfand, die die Wahl unserer Parteigenossin Pleym mit 37 gegen 36 Stimmen ergab. Einige Konservative waren nach der ersten Abstimmung nach Hause gegangen. Versammlungen— Veranstaltungen. Beredt für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse. Am Donnerstag, den 3. März, abends S'/a Uhr. im Neuen Klubhaus, Komman- dantenstraße 72: Generalversammlung. ßriefhaften der Redahtion. £le wrlstlsche«prechstande findet Linde» st rape S,«»itter dritter Eingang, vier Treppen. IM- F a h r ft» h l-WpZ«»arnttglich abends von 7% bis 9% US- statt. Geöffnet 7 Uhr. Sonnabends beginnt die Sprechstunde«m K Uhr. Jeder Anfrage ist ein Buchstabe und ein« Zahl all Merkzeichen beizufügen. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. Bis zur Beantwortung tu, Brteftafte» tönne» 14 Tage p ergehe». Eilig« Frage» trage mau in»er Sprechstunde vor. F. H. SV. Ihre Anfrage ist bereits in der Skr. 31 vom 6. Februar mit .Nein" beantwortet.— F. D. 484. Fechten Sie den Vertrag sofort wegen Irrtum(§ IIS des Bürgerlichen Gesetzbuchs) und arglistiger Täuschung(§ 123 deS Bürgerlichen Gesetzbuchs) an und verlangen Sie Rückzahlung gegen Rückgewähr des Ringes eventuell im Wege der Klage. — I. A. 78. 1. Ja. 2. Ist das Kind nach dem 1. Januar 1900 geboren— wie wir annehmen— so besteht sür den unehelichen Bater kein Recht, Herausgabe zu verlangen.— F. L. 58. Ihre Frau hat Anspruch aus den Pflichtteil, da» ist hier— wenn nicht noch weitere Geschwister als die von Ihnen erwähnte Schwester vorhanden sind—>/. des Nachlasses. — Friedrich, Rixdorf 109. 1. Zur Veröffentlichung der ganzen Tore reicht der Raum nicht aus. Bei ewer regelmäßigen Geburt sind 10—30 M. zu zahlen, je nach dem Einkommen und Vermögen, außerdem sür jeden Woche, ibcsuch bei Tage 1— 2 M. ES empfiehlt sich die Vereinbarung einer Pauschale. 2. Die Frage ist nicht verständlich. Die HUseleiswngen sind im wesentlichen w das pflichtgemäße Ermeffcn der Hebamme gestellt. — C. K. 17. 1. Nach§ 135 der Gewerbeordnung ist eine höchstens zehn» stündige Arbeitszeit zulässig, sallS eS sich um ewen Betrieb handelt, in dem mindestens zehn Arbeiter beschästigt sind und der Betreffende noch nicht IS Jahre alt ist. Eine Verpflichtung zur Ueberschreiwng der in der Arbeits- ordnung seslgesetzten Arbeitszeit liegt nicht vor. 2. und 3. Bezügliche Sc- en sinden Sie in den sitz 134o und solgende der Gewerbeordiiurni " nerinnen-Helm). ' 46. 1. Rück. BIS jetzt noch ._________ Tell' Jahreseinkommens betragen.— C. W. 6. sie hasten für die bis zu Ihrem Ausscheiden erwachsenen Verbindlichkeiten.— W. B. 7. Wenden Sie sich an die Stiftungsdeputation. Poststr. 16.— E. M. 190. 1. Ja. wenn wegen des Ehebruchs die Ehe rechtskrästig geschieden ist und der Au- trag binnen drei Monaten nach Rcchtskrast gestellt wird. 2. DaS Eheverbot wirkt auch für den Fall der Bcstrasung weiter. Es ist aber Besremng durch den Justizminister zulässig. 3. Wenn Ihre Frau bisher den Unterhalt der Kinder bestritten hat: ja, und zwar die Hälfte deS Krankengeldes.— P. W. 18. 13. ES ist die von der Gemeinde erlassene Sieuerordnuiia maßgebend. Auch u. E. ist der Zeitpunkt der Auslassung ausschlaggebend) ..____„.. wstriche nicht. Die Einkommensmtnderung muß mehr als den fünften Teil des Sekllte gegen Inflnenza. Santa Lucia Qaranüttri seistwrumftPChftdlichon (ro> vpn Wir empfehlen ein Bild von � Angust Kelitl. Neueste Aufnahme. Tadellose Ausführung. Bildgröße 30 X 40 cm Kartongröße 60X90 cm Preis 8.59 M. EzpBiiBi! des„Vorwärts" Berlin SW. 08, Lindenstraße 69, Laden. Rixdorf, Seichover Str. IS, 3 Zimtner und Küche, �eisca sooM \ n. 2 ,, ,, ,,» 215—324„ Ä Itäden, passend für jedes Geschäft, 336, 540 M. 448 IL' Lege-Hühner, garantiert junge, beste Leger, 2'/, M.. Enten, Tauben, Puten empfiehlt reellst Wegner, Berlin SO., Mariannenstr. 34 (l Haben Sie Stoff? ich /ertu;e davon Anzug od. Paletot nach Mass, schick, dauern. Zutaten, von 20 Mark an. Moritz Labaad, Neue PromenadtS, Il.( Stdtb. Börse). V Sofort zu vermieten: 44S3L* Tegel, Bahnhof-Str. 17 l8 2 Zimmer u. Küche. Preis 330 M. 'Verantwortlicher Redakteur Richard Barth, Berlin. Für Ys» Jnseraleuteil peraviv� Th. Glpcke, BMo. ZruS«.Berlsg; BsMäätNvMrnck«£i Ii. BxilggtzantzÄt Vültl Singer& Co., Berli» ÜW, #,.51. vMim. 2. Ktilllge des LmlMg" Ktllim Nsldsdllllt. Ww«ch.z.M!,M Soziales. Bon der Reichsverficherungsorbnunz. Nach einer parlamentarischen Mitteilung ist die dritte Lesung der Reichsversicherungsordnung am Sonnabend, den 26. Februar, in den Ausschüssen des Bundesrats beendet worden. Nachdem in den ersten beiden Lesungen sehr wesentliche Aenderungen ma- teriellcr Art an dem Entwurf vorgenommen waren, sind in der dritten Lesung noch verschiedene Umgestaltungen in formeller Be-> ziehung vorgenommen. Man kann nunmehr annehmen, daß das Plenum des Bundesrats sich in einer seiner nächsten Sitzungen mit der Vorlage beschäftigen wird. Die Drucklegung der Vorlage und ihrer eingehenden Begründung wird dann noch mehrere Tage in Anspruch nehmen, so daß der Entwurf dem Reichstage wenige Tage vor dem Beginn der Osterferien zugehen dürfte. Die erste Lesung soll gleich nach den Osterferien stattfinden. Man nimmt an, daß der Reichstag die Vorlage dann einer Kommission über- weisen wird, die— wohl jedenfalls mit Diäten ausgestattet— den ganzen Sommer über die Reichsversicherungsordnung durchberaten wird. Es erscheint dies als das einzige Mittel, um die Vorlage noch in dieser Legislaturperiode zu verabschieden. Ein scharfer Protest gegen die von der Regierung und den bürgerlichen Parteien be- triebene Verschleppung betreffend die Privatbeamtenversicherung wurde in einer in Dresden stattgefundenen Versammlung der Privatbeamten, die von zirka 666 Personen besucht war, erhoben. Die beiden Referenten, Ingenieur Gramm und Handlungsgehilfe Löhner ließen den ganzen bisherigen Gang der Sache Revue passieren und sprachen sich dahin aus. daß gegen ein derartiges „an der Nase herumführen" auf das entschiedenste protestiert wer- den müsse. Eine besonders scharfe Rede schlug der Ingenieur Gramm an. Er wies darauf hin, daß die Arbeiterschaft einen immer größeren Einfluß in Reich, Staat und Kommune gewinnt und diese in ausgiebiger Weise darin zu unterstützen Aufgabe der Privatbeamten sei. Ein nationaler Handlungsgehilfe, welcher hier dazwischen rief:„Es geht auch ohne Sozialdemokraten!" erfuhr eine derbe Abfuhr vom Referenten, indem er ausführte, daß der Zwischenrufer mit seinem verständnislosen Zuruf beweise, daß die ganzen wirtschaftlichen und politischen Ereignisse der letzten eit an ihm spurlos vorübergegangen seien.(Stürmischer Beifall.) ine scharfe und berechtigte Kritik übte Herr Gramm an den Wcrks-Pensionskassen. Es müsse auf Beseitigung dieser PensionS- tasscn hingearbeitet werden, denn sie erwecken einen ganz falschen Anschein. Die Pcnsionskassen sind von den Unternehmern nur eingerichtet, um sich willige und billige Arbeitskräfte zu erhalten, damit wird nur das Kriecher- und Strebertum großgezogen. Es wurde schließlich eine Resolution angenommen, in der gegen die Verschleppungspolitik der Regierung in dieser Frage energisch pro- testiert und eine soziale Versicherung der Privatbeamten im Rahmen der Reichsversicherungsordnung gefordert wird. Haftung für Fahrlässigkeit bei Ausstellung von Häckselschneidemaschine». Der Anbauer P. in W. in der Provinz Hannover hatte auf der Tenne seiner Scheune eine Häckselschneidemaschine unverwahrt stehen. Der etwas über sieben Jahre alte Sohn seines Nachbars S. spielte eines Tages mit anderen Kindern an der Maschine und kam mit der rechten Hand zwischen die Kammräder, wobei er derart verletzt wurde, daß der Zeigefinger und zwei Glieder des Mittelfingers ab- genommen werden mußten. Der Vater des Knaben klagte nunmehr auf Ersatz des entstandenen Schadens. Das Landgericht Lüneburg und das Oberlandesgericht Celle haben den Beklagten auftragsgemäß verurteilt. Das letztere legte dem Beklagten eine nach 8 823 Abs. 1 des Bürger» lichen Gesetzbuches zum Schadenersatz verpflichtende Fahrlässigkeit um deswillen zur Last, weil er die Häckselschneidemaschine(während sie nicht im Gebrauch war) an einem Orte an dem Kinder verkehrten, ohne eine Schutzvorrichtung, die einen gefährlichen Mßbrauch der Maschine zu verhüten geeignet war. unbeaufsichtigt hatte stehen lassen, Daß ein solches Handeln bei der- Gefährlichkeit derartiger Maschinen für jugendliche Personen in hohem Maße fahrlässig sei, erscheine so selbstverständlich, daß die dadurch hervorgerufene Gefährdung auch dem einfachsten Landmann klar sei. Hiermit stehe auch die Bekundung deS vernommenen Sachverständigen im Einklang, daß selbst in kleineren ländlichen Betrieben die Verpflichtung zu Sicherheitsmaßregeln zwecks Verhütung derartiger Unglücksfälle an- erkannt sei. Der Beklagte habe ferner damit rechnen müssen, daß die Kinder, namentlich Nachbarkinder, die wie der Verletzte aus den Hof kamen, um mit den Kindern des Beklagten zu spielen, die un- verschlossene Scheune betreten würden. Der Einwand des Beklagten, es sei allgemein üblich, jedenfalls ortsüblich, derartige Maschinen in dieser Weise stehen zu lassen, sei zu verwerfen. Die vom Beklagten gegen dieses Urteil eingelegte Revision wurde vom Reichsgericht zurückgewiesen. In den reichsgerichtlichen Entschcidungs- gründen heißt es in bezug aus die geltend gemachte Ortsüblichkeit: Niemals aber kann eine Uebung maßgebend sein, die in Wahrheit eine Unsitte, einen Schlendrian darstellt; und das wäre der Fall, wenn die Landwirte am Wohnorte des Beklagten jegliche Vorsichts- maßregeln bei Ausstellung der Häckselmaschinen, die Kindern ge» fährlich werden können, unterlassen haben sollten. Die Behauptung des Beklagten, es sei dies allgemein auch an anderen Orten bei kleineren Landwirten üblich, hat das Oberlandesgericht einwandSfrei als widerlegt angesehen. Sericbts- Leitung. Eine drakonisch harte Strafe erhielt gestern der Schlosser Adolf Sternihke wegen einer ab» fälligen Kritik des Militarismus. Er hatte sich wegen Beleidigung der Offiziere und Unteroffiziere des deutschen Heeres vor der 10. Strafkammer des Landgerichts l zu verantworten. Der An» geklagte fuhr eines Tages auf dem Hinterperron eines Straßen- bahmvagens, auf welchem sich auch der Sergeant Ackermann als Fahrgast befand. Er fing mit einem anderen Fahrgast ein Gespräch an, bei dem er gesagt haben soll, die ganze militärische Disziplin gehe nur auf eine Drangsalierung der wehrlosen Mannschaften hinaus, es sei ein Skandal, daß so etwas von oben her geduldet werde, die Unteroffiziere, Sergeanten und Feldwebel seien die größten Lumpen usw. usw. Der Sergeant Ackermann ließ die Persönlichkeit des Angeklagten feststellen. Die Folge war die Er- Hebung der Anklage. Der Angeklagte stellte die Sache so dar, daß seine Acußcrungen teils mißverstanden, teils zu seinen Ungunsten aufgebauscht worden seien. Zwei Belastungszeugen sagten jedoch zu seinen Ungunsten aus. Der Staatsanwalt beantragte mit Rücksicht auf die Schwere der ausgestoßenen Beleidigungen sechs Monate Gefängnis. Das Gericht verurteilte den Angeklagten zu vier Monaten Gefängnis und sprach dem Kriegsminister die Be» sugnis zur Veröffentlichung deS Urteilstenors in der„Parole" zu. Ganz abgesehen von der Rechtsfrage, ob die eventuelle Be- leidigung„in Beziehung auf den Berus" der vermeintlich Be- leidigten erfolgt ist, erscheint das Urteil der Art und Höhe der Strafe nach ungeheuerlich. Dem gesunden Rechtsempfinden wider- streitet eZ, aus einer Kritik eine Kollektivbeleidigung heraus zu konstruieren. Die Rechtsprechung selbst hat sich zu dieser Folge juristischer Begrisfshimmelei auch erst nach langem Schwanken bekannt. Aber sie ist nicht konsequent geblieben. Sie hat eine Kollektivbeleidigung Offizieren, Soldaten, Richtern, Junkern und Reichsverbändlern gegenüber angenommen, sie aber z. B. Arbeitern und Sozialdemokraten gegenüber abgelehnt. Stellt man sich aber auf den Standpunkt, daß die abfällige Kritik einer Institution eine Beleidigung der zur Institution Gehörigen darstelle, so wäre eine geringfügige Geldstrafe völlig ausreichende Sühne gewesen. Es muß schlimm mit einer Institution stehen, wenn wegen viel- leicht in beleidigender Form erfolgender Kritik vermeintlicher Mängel auf hohe Strafen erkannt wird. Im Görlitzcr Stadthallenprozeß wurde gestern, wie uns ein Telegramm meldet, der Ingenieur Martini, früherer Mitinhaber der Firma Martini u. Co. in Sorau und jetziger Ingenieur in Dresden, zu 3 Monaten Gefängnis ver- urteilt. Der Bauführer Naumann wurde freigesprochen. Durch das unvorsichtige Umgehen mit einer Schußwaffe seitens eines„Sachverständigen" ist wieder einmal ein schwerer Unfall verursacht worden, der gestern vor dem Schöffengericht Berlin-Mitte ein Nachspiel hatte. Angeklagt wegen fahrlässiger Körperverletzung war der Verkäufer Brand. Bor einiger Zeit erhielt ein Kaufmann Becker von einem Be- kannten einen geladenen Armeerevolver geschenkt. Da er mit der Konstruktion der Waffe nicht vertraut war, begab er sich in ein Waffengeschäft in der Friedrichstratze, wo er schon häufig Einkäufe gemacht hatte. Hier übergab er dem dort angestellten Angeklagten den Revolver mit dem ausdrücklichen Hinweis, daß die Waffe scharf geladen sei. Der Angeklagte hantierte mit der Waffe herum, um sie zu entladen, beging aber dabei den schon vielfach gerügten Fehler, die Mündung des Revolvers nicht nach unten zu richten. Plötzlich krachte ein Schuß und der kleine zehnjährige Sohn des B., der sich in seiner Begleitung befunden hatte, sank mit einem lauten Aufschrei zu Boden. DaS schwerverletzte Kind wurde sofort in ein Krankenhaus geschafft, wo sich herausstellte, daß die Kugel in die Schulter deS Knaben eingedrungen, quer durch den Körper ge- gangen und in der Wirbelsäule stecken geblieben war, aus der sie nicht wieder entfernt werden konnte. Vor Gericht behauptete der Angeklagte, daß er den Hinweis, daß die Waffe geladen sei, nicht gehört habe. Das Gericht hielt jedoch eine Fahrlässigkeit schon darin für vorliegend, daß er sich als Fachmann nickt erst überzeugt habe, daß der Revolver geladen sei, bevor er an der Waffe herumhantierte. Mit Rücksicht auf die bisherige Unbescholtenheit des Angeklagten nahm das Gericht von einer Freiheitsstrafe Abstand und erkannte auf 166 M. Geldstrafe. Traurige Ehezustände. Unter der Anklage der gefährlichen Körperverletzung mitrels einer das Leben gefährdenden Behandlung hatte sich gestern vor der 3. Strafkammer des Landgerichts III die verehelichte Straßen- bahnfahmehefrau Stege zu verantworten. Die Angeklagte, die 17 Jahre verheiratet ist und drei Kinder hat, soll am 27. Oktober ihren Ehemann absichtlich durch Uebcrgicßen mit heißem Wasser arg verbrüht haben. Wie die Verhandlung ergab, ist die Ehe der beiden jetzt getrennt lebenden Eheleute nicht gerade die glücklichste gewesen und manckmal durch heftige Auftritte, bei welchen cS auch zu gelegentlichen Vcrpriigelungc» der Frau kam, gestört worden. Die Frau behauptet auch, daß es ihr nicht möglich gewesen sei, mit dem geringen Wirtschaftsgeld, das sie erhalten, die auS fünf Köpfen bestehende Familie zu ernähren, zumal sie auch noch die Kosten für die Fütterung der von ihrem Ehemann gehaltenen Tauben und Hühner zu bestreiten hatte. Sie wußte, daß ihr Mann ein Sparkassenbuch über 666 M. im Hause hatte und ging eines Tages hin und hob auf eigene Faust 166 M. darauf ab. Am 26. Oktober verlangte plötzlich der Ehemann das Sparkassenbuch zu sehen und geriet in große Erregung, als ihm die Frau sagte, sie müsse es verlegt haben und könne es augenblicklich nicht finden. Er kündigte darauf der Frau an, daß cs ihr schlecht gehen würde, wenn sie bis zu seinem Dienstantritt am nächsten Morgen 5VH Uhr das Sparkassenbuch nicht vorweisen könnte. Die Frau geriet darüber in große Angst und schlief aus Furcht vor Prügeln die ganze Nacht nicht. Als die kritische Zeit, wo der Ehemann geweckt werden sollte, näher und näher rückte, wurde die Angeklagte immer er- regier. Schließlich nahm sie den Kessel, in welchem das Kaffee- Wasser kochte, vom Feuerherd, trat damit an das Bett ihres Mannes und goß dem noch Schlafenden das heiße Wasser über Gesicht und Brust. Während der Mann unter lautem Schmerzensschrei aus dem Bett emporschnellte, stürmte die Frau in die Küche zurück, deren Tür sie verriegelte. Der Mann eilte ihr nach, verschaffte sich gewaltsam Eingang in die Küche und fand schließlich seine Ehe- frau in der Speisekammer sitzend, wo sie ihn mit den Worten empfing:„Baterken, habe ick Dir denn verbrüht?" Die Antwort darauf soll in recht fühlbarer Weife erfolgt sein. Der Ehemann hatte durch diesen Akt der Angeklagten sehr schwere Verletzungen im Gesicht und auf der Brust davongetragen; er hat 9 Monate lang im Paul-Gerhardt-Stift auf dem Krankenlager zugebracht und ist auch heute noch nicht ganz wiederhergestellt. Die Angeklagte behauptete, daß sie gar nicht wisse, was sie an jenem Morgen ge- tan. denn sie sei zu erregt und in großer Furcht gewesen. Das Schöffengericht Berlin-Wedding verurteilte die Angeklagte mit Rücksicht auf die ungemein rohe Handlungsweise zu 2 Monaten und 2 Wochen Gefängnis. Die hiergegen eingelegte Berufung wurde gestern von der Strafkammer verworfen, nachdem Geh. Medizinalrat Dr. Straßmann begutachtet hatte, daß die Angeklagte zwar hysterisch sei, der 8 öl St.-G.-B. aber keine Anwendung finden könne. Der Vorsitzende eröffnete der Angeklagten, daß die Strafkammer sie zu mindestens 1 Jahr Gefängnis verurteilt haben würde, wenn dieser Gerichtshof als erste Instanz über diesen Fall zu befinden gehabt hätte! Was sind Masken im Sinne der Lustbarkeitsstener-Ordnungen? Diese Frage hatte daS Oberverwaltungsgericht zu entscheiden. Fast alle Lustbarkeitssteuer-Ordnungen erhöhen die für Tanzlust- barkeiten zu entrichtenden Lustbarkeitssteuern um ein beträchtliches für den Fall, daß solche Lustbarkeiten von Masken besucht werden. So auck die Steuerordnung für Marienwerder. Die erhöhte Steuer sollte für ein von der Kasinogesellschaft in Maricnwerder veran- slaltetes Kostümfest gezahlt werden, bei dem niemand eine Gesichts- larve trug. Es handelte sich um einen sogenannten Fischerball. Eine Anzahl der Teilnehmer erschien in Straßenkleidung, ein anderer Teil in Fischcrkleidern. Die letzteren sah der Magistrat als Masken im Sinne der Steuerordnung an. Er hielt es für gleichgültig, daß Gesichtslarven von niemand getragen wurden.— Die Gesellschaft verlangte durch Klage im Verwaltungsstreitver- fahren die Herabsetzung der Steuer auf den gewöhnlichen Satz für Tanzlustbarkeiten gewöhnlicher Art, indem sie geltend machte, daß unter Masken nur Leute zu verstehen seien, welche Gesichtslarvcn tragen.— Der Bezirksausschuß wies jedoch die Klage ab und das Oberverwaltungsgericht bestätigte das Urteil als zutreffend. Be- gründend wurde ausgeführt: Es handele sich hier um die AuS- legung des Begriffs der„Masken". Die Frage sei, ob für den Begriff der Maske ausschlaggebend sei die Verhüllung deS Gesichts durch eine Larve. Der Senat stelle sich gleich dem Bezirksausschuß auf den Standpunkt, daß es auf die Verhüllung des Gesichts nicht ankomme. Als MaSke sei nach Meinung des Gerichts eine Person auch dann anzusehen, wenn sie das Gesicht nicht verhüllt, aber ein Kostüm angelegt habe, das sie als etwas anderes erscheinen lasse, als was sie wirklich sei. Alle von solchen Personen besuchten Tanzlustbarkeiten seien als von Maskey besucht anzuseheg, jvowit müsse Klägerin abgewiesen werden.'' Versammlungen» Industrie und Arbeiter in Amerika. Genosse C h a g r i n schilderte am Mittwoch in einer großen Metallarbeiterversammlung, die in BallschmiederS Saal tagte, die Eindrücke, welche er bei seinem Aufenthalt in der amerikanischen Union von den dortigen Verhältnissen erhalten hat. Er schilderte Nordamerika als das Land, wo sich die kapitalistiscqe Wirtschaft bis zur höchsten Potenz entwickelt habe. Demgemäß machen sich auch die korrumpierenden Einflüsse des Kapitalismus auf allen Gebieten bemerkbar. Nach der Darstellung des Bortragenden stehen die Führer der republikanischen wie der demokratischen Partei in gleicher Weise wie die Gesetzgebung, die Justiz und die Verwaltung des Landes unter dem Einfluß mächtiger kapitalisti- scher Cliquen. Man kennt keine Ideale. Dem Dankee ist alles nur Geschäft. Die Jagd nach dem Dollar ist ihm das höchste. Diesem spezifisch amerikanischen Geiste passen sich auch die deutschen Einwanderer in kurzer Zeit an. Sind sie erst mit den Verhält» nissen vertraut, so gehen sie bald völlig in dem amerikanischen Wesen auf. Die durch den Kapitalismus verursachte Korruption wird von der Bevölkerung gar nicht als ein Uebel empfunden; denn jeder bedient sich mehr oder weniger dieses Systems, um emporzukommen. Selbst der amerikanische Arbeiter hält � die korrupte Wirtschaft des Kapitalismus für etwas Selbstverständ- liches. Er paßt sich diesem System an und sucht für sich möglichst viel Nutzen daraus zu ziehen. Die Einwanderer werden von den einheimischen Arbeiter mit Mißgunst betrachtet. Was die wirtschaftliche Lage der amerikanischen Arbeiter be- trifft, so sind sie wesentlich besser gestellt als die Arbeiter in Deutschland und anderen europäischen Ländern. Die Löhne sind in Amerika viel höher als in der alten Welt. Dazu kommt, daß die Lebensmittel billiger sind, so daß der amerikanische Arbeiter für Kleidung, Wohnung, Vergnügen usw. erheblich mehr aufwenden kann wie der deutsche Arbeiter. Seit einigen Jahren sind aber in Amerika die Verhältnisse der Arbeiter ungünstiger geworden. Zwar sind die Löhne in den letzten Jahren durchschnittlich um 26 Proz. gestiegen, aber die Preise der Lebensmittel haben eine Steigerung von mehr als 46 Proz. erfahren. Die glänzende Lage der amerikanischen Arbeiter verschlechtert sich also mehr uno mehr.— Die amerikanischen Gewerkschaften, obwohl sie 2 Millionen Mitglieder zählen, können einen erfolgreichen Kampf gegen die mächtigen Jndustriekönige und die gewaltigen Trusts nicht führen. In den letzten Jahren hat keiner der größeren Streiks Erfolg gehabt.— Arbeiterschutzgesetze und staatliche Arbeiterversicherung gibt es nicht. Uneingeschränkt waltet die kapitalistische Brutalität gegen die Arbeiter. Hat der Arbeiter seine Kraft im Dienst des Kapitalismus verbraucht, was im allgemeinen beim 46. Lebens- jähre eintritt, dann wird er rücksichtslos auf die Straße gesetzt und seine eigenen Klaffengenossen halten das für so selbstverständ- lich, daß es niemandem einfällt, für so einen Kollegen einzutreten. — Wo in einem einzelnen Bundesstaate Arbeiterschutzgesetze er- lassen wurden, sind sie niemals zur Anwendung gekommen. Wenn in solchen Fällen die Gerichte angerufen wurden, so haben sie sich stets auf die Seite der Kapitalistenklasse gestellt und die Ar- beiterschutzgesetze als unvereinbar mit der Verfassung erklärt, welche bestimmt, daß kein Bürger in der Verwertung seiner Arbeit und seines Eigentums beschränkt werden darf. Ist doch auch das Antitrustgesetz niemals gegen die mächtigen Trusts, wohl aber gegen die Arbeiter angewandt worden, welche durch das Gesetz gegen den Trust geschützt werden sollten. Die Gewerkschaften könnten wohl viel tun, um die Arbeiter vor der rücksichtslosen Brutalität des Kapitalismus zu schützen, wenn in ihnen ein anderer Geist herrschte als der, welcher tat- sächlich vorhanden ist. In den amerikanischen Gewerkschaften steht man noch auf dem Standpunkt, daß Harmonie zwischen Kapital und Arbeit herrsche. Ja, die kapitalistische Korruption reicht bis in die Gewerkschaften hinein. Hervorragende Angestellte der Ge- werkschaften warten nur darauf, daß sie eine besser bezahlte Stelle im Dienste der kapitalistischen Organisationen bekommen. ES sind auch Fälle vorgekommen, wo Gewerkschaftsbeamte einen Judaslohn vom Unternehmer annahmen und dafür gegen die Jnter» essen der Gewerkschaft arbeiteten. Solche Vorkommnisse werden von den Gewerkschaftsmitgliedern viel milder beurteilt, als es in Deutschland der Fall sein würde. Der amerikanische Arbeiter hat eben kein Verständnis für die Verwerflichkeit der Korruption. Das ist auch der Grund, weshalb es so ungeheuer schwer ist, in Amerika eine starke, klassenbewußte Arbeiterbewegung ins Leben zu rufen.— Die einzigen, welche neues Blut und neuen Geist m die Gewerkschaften bringen könnten, würden die eingewanderten und ungelernten Arbeiter sein. Diesen aber sind die Gewerk» schaften verschlossen, denn die gelernten Arbeiter wissen, daß sie nur deshalb hohe Löhne erhalten, weil die ungelernten Arbeiter sich mit einem um die Hälfte niedrigeren Lohn begnügen müssen. Dieser Zustand ließe sich nicht aufrechterhalten, wenn man die Un» gelernten in die Gewerkschaften aufnehmen würde. Also läßt man den unbequemen Arbeitsbruder nicht erst hinein. Die sozialdemokratische Partei ist in Amerika noch schwach, und zudem in zwei Gruppen gespalten. Der amerikanische Arbeiter ist sehr schwer für den Sozialismus zu gewinnen. Im wesentlichen sind es die eingewanderten deutschen Arbeiter, welche die sozial- demokratischen Zeitungen lesen und die Fahne der Sozialdemo- kratie hochhalten. Sie sind es, die in Amerika für die Ausbreitung des Sozialismus arbeiten. In ihrer schweren Arbeit werden sie gestärkt und mit neuer Hoffnung erfüllt durch die Nachrichten vom Fortschritt der sozialdemokratischen Bewegung im Vaterlande. Jede SiegeSnachricht, die aus Deutschland über den Ozean dringt, ist für die dortigen Parteigenossen eine Freudenkunde. Der Fort» schritt der Sozialdemokratie in Europa bedeutet auch für die Ar- beiter in Amerika einen Fortschritt zu einer neuen, besseren Zukunft. Der Vortrag fand lebhaften Beifall. Genosse C h a g r i n führte dann eine Reihe von Illustrationen seiner Reise in Licht, bildern vor, die ebenfalls allgemeine Anerkennung fanden. Den Kchtuhrlabenschluß für daS Barbier- und Friseurgewerbe forderte eine öffentliche Versammlung von Angestellten und Meistern, die am Montag in den„Jndustric-Festsälen" stattfand. U ck o referierte und beleuchtete in seinen einstündigen Ausführun- gen den Wert und die Notwendigkeit dieser Forderung, sowohl in kultureller als auch sanitärer und hygienischer Hinsicht. Heute sei auch schon in weiten Geschäftskreisen erkannt, daß durch früh. zeitigen Ladenschluß der Umsatz nicht leide. In der Diskussion traten mehrere Meister für den Achtuhrschlutz ein. Ein Gehilfe beklagte, daß unter den Kollegen noch zu viel Zwietrackt herrsche. Einzelne Gruppen, z. B. die Damenfriseure, hielten sich für waS besseres als die Barbiere. Folgende Resolution wurde einstimmig angenommen: „Die heutige öffentliche Versammlung erklärt sich mit dem Referenten einverstanden, und die Anwesenden verpflichten sich, mit allen Kräften für die Einführung des AchtuhrladenschlusseS einzutreten. Die Agitationskommission wird beauftragt, mit allen Gehilfen- und Arbeitgeberorganisationen in Verbindung zu treten, um einen gesetzlichen Achtuhrladenschluß zu erreichen." Sozialdemokratischer Lese- und Dlskntierklud„Heinrich Heine". Heute abend 8'/, Uhr: Sitzung bei Bolze, Rodenbcrgstratze 8. Lese- und Diskutierklub„Süd-Ost". Heute abends 8'/, Uhr: Ver» 1 a m m I u n g bei Ncidhardl, Görlitzer Str. 58. Tagesordnung: Vortrag über.Die Entstehung des Deutscheo Reiches". Diskussion, Gäste will- tommtu, SoziaidemokratlscberWalilYerelDi des 6. Beri. Reiclistags-Wäiilkreises. Todes- AnBclge. Ani 27. Februar verstarb unser Mitglied, der Monteur krAi» QBatee* Utrcchter Strafe 28. Ehre feinem Andenken! Die Beerdigung sindet heute Mittwoch, den 2. März, nach- mittags 4 Nhr, von der Leichen- Halle des Virchow-KmnkenhauseS aus nach den» städtischen Fried- Hose tn der Müllerstratze statt. Uni rege Beteiligung ersucht 225/14 Oer Vorstand. Am Sonntagvormittag verschied plötzlich insolge eines Herzschlages unser innigstgeliebter Vater, tÄrotz- vater und Schwiegervater im Aller von 7ö Jahren, der Zigarren- sabrltant Ulbert Tietz Jnvalidenstr. 124. Um stille Teilnahme bittet im Namen der trauernden Hinter- bliebene« Mnflkdirigent Rudolf Tlctz. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 3. März, nach- inittaas 3°/, Uhr, von der Halle der Philippus-Apostel-Gememde. Müllerstratze 44/45, Ecke Seestratze, aus nach dem danebenltegenden städtischen Friedhose statt. SozialdeinokratiselierWaiiiyefeiß des 6. Beri. Beichstags-WaiMes. Todes-Anxcige. Am Sonntag, den 27. Februar, '' Mitglied, der 225/15 verstarb unser Ztgarrensabritant Albert Tietz Jnvalidenstr. 124. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 3. d. MtS., nach- mittags 3'l4 Uhr, von der Leichen. �alle des Philippus-Apostel-Kirch- .oss, Müllerstr. 44/45, aus nach dem städtischen Friedhos statt. Um rege Beteiligung ersucht Oer Vorstand. Deutseder Kürschner-Verband Filiale Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, datz miser Mitglied, der Zurichter Psml JLorek gestorben ist. 102/5 Ehre feinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 2. März, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- Halle des Pius. Kirchhofes in Wilhelmsberg aus statt. Rege Beteiligung erwartet Die Ortsverwaltung. Bozlrksvorwaltung QroB-Berlln. Den Mitgliedern zur Nachricht, datz unser Kollege, der Wächter Wildelm Schaar? am 20. Februar im Alter von 58 Jahren verstorben ist. Ehre feinem Andenke»! Die Beerdigung findet heute Miittvoch, den 2. d. MtS., nach- mtitagS 3>/z Uhr, von der Leichen- Halle des Hellig-Kreuz-Ktichboses, Mariendors. auS statt. 00/17 Die BezirkSverwaltnug. Deutscher Holzarbeiler- Verband Den Mitgliedern zur Nachricht, datz unser Kollege, der Tischler (ieot-x Müller am 28. Februar gestorben ist. Ehre feinem Andenken! Die Beerdigung sindet am Donnerstag, den 3. Mäiz, nach. mittags 2'/, Uhr, von der Halle des HedwigS-Kirchhoie» tn Rei- nickenoors, Berliner Slratzc, aus statt. 79/20 DI« OrUverwaltung. Danksagung. Für die herzliche Teilnahme und vielen Kranzspen de» bei der Beerdigung meiner lieben Frau sage allen Ber- wandten. Freunden. Kästen sowie den Genossen des 524. BezirlS, dem Ber« band der freien Gast« und Echank« Wirte, dem Gesangverein»Morgen grauen', dem Zentrawerband der Maurer, Sektion der Gips» und Zemenibranche, den Kutschern der Finna F. Moniag, den Tischlern der Firma A. G. Schneider, dem Lotterieverein»Norden 1903' und den Arbeiterinnen der Firma Felix Lanbä «emen berzlichsten Dank 4491L Der trauernde Gatte Vau» Schmidt uevst Soy». Für die dielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes und guten BaterS jagen wir hierdurch allen, ins- besondere den Kollegen der Brauerei vappoidt, dem sozialdemokratischen Wahlvcrein Rixdors und dem Zentral- verband deutscher Brauereiarbeiter unseren herzlichsten Dank. Die trauernde Witwe bla Heinrich nebst Kindern. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes sagen wir allen Ber- wandten und Bekannten, speziell dem Verbände der freien Gail- und Schank- wirte, dem Wahlverein, dem Zentral- Raucherbund, dem Klub.Vorwärts- schreiten" sowie denMcistern.Ardeitern und Arbeiterinnen der Firma Protzen u. Sohn unseren innigsten Dank. Witwe Routzol ncbst Kindern. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines guten unvergetzlichen Mannes, unseres lieben Baters, sage ich allen Vereinen, Bekannten und werten Gästen meinen herzlichen Dank. 41322 Die trauernde Witwe Klara Baumgartner nebst Kindern. Dr. Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prlnzenslr. 41, am 10-2, 5—7. Moritzplatz, Sonntags 10— 12, 2— 4. Danksagung. ür die anlätzlich der Beerdigung unseres verstorbene» SohneS und Bruders Auc/nst Kölln bewiesene Teilnahme sagen wir hier- mit unseren herzlichen Dank. Ins- besondere aber danken wir dem Ge- sangverein des Deutschen Transport- arbeiter-Verbandes jur den Gesang, sowie der Verwaltung des genannten Verbandes, den Kollegen der Firmen Arnhcim u. Co., Glaicrinnung und der gesamten Fensterreinigerbranche für die herrlichen Kranzspenden. Für die trauernden Hinterbliebenen 00/10 Emil Kölln. Für die 'eilv Danksagung. 9495 vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die überaus reichen Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unseres guten Vaters sagen wir allen, insbesondere dem Verband der Freien Gastwirte, dem sozialdemokratischen Wahloerein, dem Gesangverein Lichtenberger Männerchor. dem Theaterverein Lichtenberg, sowie dem Skattlub Beroliiia, unseren werten Stamm- gästen, sowie dem Redner für die trostreichen Worte am Grabe meines ManneS unseren herzlichsten Dank. Witwe Anna Kluger nebst Kindern. MiMsTraueriigaziDl Extra- Abteilung 1 1. Gesch.: Berlin W., Mohren- 1 Stralle 37a(2. Haus von der| . Jerusalemer Straße). II. Gesch.; Berlin NO., Große Frankfurt. Str. 1 15(2. Haus von der Andreasstraßo). I 1 Sehrgr. Ausw.fert. Kleider, j Hille, Handschuhe, Schleier| etc. v. einfachsten bis zum i | hochelegant. Genre z.äußerst j niedrigen Preisen. Sonder- Abteilung: Slaßanfertignng in 10 bis 12 Stunden. f VI 9 Bureau: Melchiorsiratze S8, parterre. Elllalv Berlin. Freitag, den 4. März 1910, abends 8 Uhr, im Gewerkschastshanse, Engelufer IS(groster Saal): ele. Telephon: Amt FF, 4787. jvntgliedcr-Versammlung. TageS-Ordnung: i. Bericht der Delegierten von der auherordentlicheu Generalversammlung in Dresden. 2. Disruifion. iW/i?» -------------- IMitgliedsbuch legitimiert.-------------- Zahlreiches Erscheinen erwartet Die CktsVEIWSltuNF. Zur Beachtung! Die volle Arbeitszeit beträgt pro Tag 0 Stunden und beginnt mit dem ersten Montag im Monat März(7. März) und endet am 15. Oktober, v. O. Steinarbeiter! Reste DameBloche, cchwen und farbig, Co nturaeB-Otorfe.iieaeele Munter Trlcot-Stolf«, Belden- Plflech. Reinmete, Seide ete. Co® fecuo® — P&letots, Jaeuett«, Ötanb- mäntel, Coatomee and Costum- röok« fa grosaer Auswahl. C. Pelz, Kottbuserstr. 5- Sektion I. (Bau- u. Grabsteinbranche) Jreitag. den 4. März, abends 7'/, Uhr, w den Armin- hallcn, Kommandantenftr. 58: Sektion II. /, Hefer Sfaft zn einem Rocli bei einem Einkauf r. 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Wir empsehteu de» Kollegen, zu dieser Versammlung ihre Frauen mitzubringen. 112/11 Ol« OrtsTerwaltnng. Bitte ausschneiden, aufbewahren Große wissenschaftliche ftehtbilder Vorträge ßraftsIrsURamtoz) � Hern Mreditf ilhli-i.»» Mtldsiiiialoilm Sydi». 'S, zieHdeni-KDlf/S'K! IS.: Amishülfs.'Nx?.?.?»«» ich-�l n i Gybln.ß iergerstr.31. 1 Damen. HnnkeSdMha r»,, KUm- fifuiir. TS: SlifBS Itpif, AbendS-/,» Uhr Für Dameu üb» 18 Jahre. I. Teil. Die Wärmekultur, die gröhtr Errungenschaft «euerer Heilkunde. Selbsthilfe bei soigenschweren Erkältungen, plötzlichen Erkran» hingen. Nervenelend, Arterien- und Hcrzenlartung, Ur» fachen, Symptome, Abhilfe. II. Teil. Schöiiheitöunfug. III. Teil. Die Noturherr- lichteilen von Lybiu. Winter» fport tu Ohbiu. Für Htm« über 18 Jahre. I. und II. Teil. Wie im Tamenvortrag. III. Teil. Waö Männer über dir Leiden ihrer Kraue« und Töchter wissen mühten 7 Arewi.ow. Nach den Vorträgen: Artemn-atleriauafkjfflg yragenbeantwortung. 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Frankf. Str. 9, pt, c Uhren u. CoSdwaren Arlt, Herrn., Manteuffelstr. 114. Bürger, Jul., Müllerstr. 6. David, Max, Brunnenstr. 43. Eberl, Otto, Ellinghausen» Gebr., Grünerweg 46, Fabian, Max, SO 36, Wienerstr. 25. Fliegenschmidt, M., Bergmannstr.•. Friese, Konrad. Müllerstr. 4. George, Adolph, Badstr. 65. Goencke, C.» Pücklerstr. 36. Gromadies, P., Andreasstr. 29. Kniebusch, W.» Frankft. Chaussee®! Lehmann, Alb., Frankf. Allee 40. Lewin, Adolf, Linde. Max, Tegel, Berlinerstr. 33. Lux, Carl, N, Chausseestr. 41. Mlidt, A.» Charl., Krummenstr. 14. Nahr» Gust.» Gr. Frankfurter Str. 91. Osterloh, M.» Gr. Frankfurt. Str. 136. Quitzow, Joh., Müllerstr. 1a. Rapp,Chr.» Weißense©, Ga8t.Adolf8tr.l57 Rudolph, H., Schräder, Otto, Frankji;r�aus89* Schroth, Emil, Kottbuserdamm 101. Sdiulz, Osw.» Frankfurter Allee 24. Schumacher, O.» Tegel, Berlinerst. 6a. Sturm» Erich, Tegel, Hermsdorf.-Str.l Lee kermann, G�itämaÄ.�;98 Rampmaier, F, Skalitzerstr. 23. Schönemann, G, Ri., Berlineretr.TS. Truxa, W., Frankft. Allee 185.' Werner, Herrn., Willer, Hans, Rosenthalerstr. 63/64. Winkler, W., Reinlckendorfstr. 22. Ad., Berit™; 44. Wolter, M.,Ri.,a.Bahnh., Hermannstr. Wüsteney, O-, Brunnenstr. 106. Warenhäuser D Brünn, Nachf., A«�en"i. Loewenberg& Co., Si?"« am Baltenplatz. Pinkus, Paul, Simon-Dachatr. 84. Weiss, H.&Co. Sul",', A.WejSS& Cfl. Nachf. Schöneborg, Hauptstr. 11. Weine u. Fruchtsäfte Hugo Beling Weine ♦ Liköre. FiaacbenTerk. zu Engrospreisen. 50 Filialen in Berlin u.Vororten. Bettinger, Eng., Wald- Ecke, Wicklet. Dennhardt4Schu!tze,Brunnen8tr.53. Eile m. Wcyle, l.ikcrfsbr., Gtricbtslr. 16, Großd.„ZurSonae", Paul Frendenberg. Krüger, Brunnenstr.188, Kast.Alleeä4. Merten, Louis, Belle-AUiancestr. 19. U/M~ S— ca Gr.- Dest Scharrea- XCdälS» Eck« WÜBendorferati. Rieß, Fritz, Ri., Hermannaplatz 6. m\i Otto im., ää15* Schwcndy, H, Rosenthalerstr. 67. Sello, Hermann, stadüol'i« Einzelverkauf zu Engrospreisen. I__. anoh Liköre n. Säft«. MSßiiOarvÄ Weihe, W, Hermannstr. 160. Wendig, Herrn., Elsasserstr. 11. Wermuth, Oswald, Kopeatitgnenti. f. �W���W�Iw��jkotag�� mmi m,ZTuT�s,n. Bredow, Otto, Ri., Hermannstr. 56. Pr-rre»! C? Wienerstr. 33, Iwligcl, IV., Ecke Forsterat». Ciaff: Heyn. Ä7Är Kaufhaus London, Ri., Bergstr. 47. Klahr, H.» Reichenoerger Str. 139. Kaufbaus Levy, F., Ri.» Herm&miitr.62i Pflaume, Gebr., Friedrichstr. 205. Raehraer, C» Andreasstr. 69. Tichauer, S., Ri., Hermannstr. 51, �2sh�toL�??»hnkünsU?� Beyer, R., Be�Ä. Bollbrncfa, Herrn., Fmnkstr.d, gegr. 1871. Jordan, Alfr., Fennstr. 61, gegr. 1888. Lfidscke, Franz, Greifswalderstr. 31. Richßrd Ssrtö, Äeslin, gut des 3.-{c£ai«U{U eticai 2 ö. gleite, Sctlin. 3D;uiu.�«Iaa; Sara-jitJ Luchdruckttei u. VerlagSanZtalt Paul Singer St So« Berlin SW. Dr. A. 27. IahrMg. Z. Keilaze Ks Lswiirls" Kerliim DslkdlM Mtw-ch, 2. M-! 1910. parte!- Hngelegenbeitcn. Biesdorf. Am Mittwoch, den 2. März, abends 8'/-> Uhr, bei Gustav Berlin, Marzahner Str. 24: Extrazahlabend. Stellung- nähme zu der am 9. März stattfindenden Gemeindewahl. Tegel. Morgen. Donnerstag, von abends 7 Uhr ab findet von den bekannten Bezirlslokalen aus eine Flugblattverteilung statt.— Am Freitag. M 4. März, öffentliche Bersammlung in W. Trapps Festsalen, Bahnhofftr. 1. Agitiert für Mafienbesuch. berliner j�acbricdten. Tie Veräußerung des Scheunenviertelß bildete am Moittag den Gegenstand längerer Erörterungen in dem zum erstenmal zusammengetretenen Etatsausschuß. Ein gewisser Unwille kam zum Ausdruck, daß die im Schcunenviertel belegenen, der Stadt gehörigen Grundstücke nicht schon längst verschärft sind, denn die 8 Millionen, die das Gelände bewertet ist, kann in diesem Jahre die Stadt- Hauptkasse gut gebrauchen. Tie Verkaufsverhandlungen wegen Veräußerung von Grundstücken gingen sehr schleppend vonstatten, es müsse schneller und kaufmännischer verfahren werden. Zu diesem Ztvecke sei es nötig, daß eine Aenderung des bisherigen Zustandes eintrete. Es wurde der Antrag gestellt:„Wir beantragen, zu beschließen, der Stadwer- ordnetenversammlung zu empfehlen, den Beschluß vom 25. Februar 1909 dahin zu ändern, daß der Verkauf des freigelegten Terrains des sogenannten„Scheunenviertels" ausschließlich in die Hand einer dafür einzusetzenden Kom- Mission von fünf Mitgliedern gelegt wird." Dieser Antrag, der mit 8 gegen 7 Stimmen Annahme fand, ist unzulässig. Nechtswirksam sind nach der Städteordnung nur Beschlüsse, die von beiden Körperschaften, Magistrat und Stadtvcrord- netenvcrsammlung, gefaßt sind. Diese beiden Behörden können nicht, wie das im vorliegenden Falle verlangt wird, ihre Rechte und ihre Verantwortung ohne weiteres delegieren. Das wurde in der Sitzung auch geltend gemacht. Vom Ma» gistrat wurde betont, daß er sich wohl bemühe, die Grundstücke im Scheunenviertel zu verkaufen, aber man wolle, wenn irgend möglich, gleich auf einmal das gesamte Gelände los- schlagen. Erreiche man dabei, daß der Käufer die Bedingung eingehe, große, mit allem Komfort ausgestattete Wohnungen zu bauen, so käme das der Stadt auch noch in der Weise zw gute, als man steuerkräftige Einwohner nach Berlin ziehe. Von sozialdemokratischer Seite wurde bemerkt, daß eine Aenderung des jetzigen Zustandes, nach der die Scheunew viertelromnussion d:e vorbereitenden Schritte zur Ver» äußerung der Grundstücke tun soll, nicht nötig sei. Wenn der Wille da sei, können Magistrat und Stadtverordnete auch sehr schnell arbeiten. Uebrigens müsse man denn ver kaufen? Die Stadt könne ja selber bauen, wie das schon ver schiedene Städte getan. Natürlich fand die letztere Anregung keine Gegenliebe, worauf bei unserer Hausbesitzermehrheit vonvornherein nicht zu rechnen ist. Auf allgemeinen Widerspruch stieß die Mitteilung des Magistratsvertreters, daß ein Teil des Geländes im Scheunenviertel auf eine gewisse Zeit an Hagenbeck verpachtet werden solle. Davon wollte niemand recht etwas wissen, so gern die Pachteinnahme genommen wird. Dann werde es in jener Gegend noch schlimmer werden. Schon jetzt klagten viele Geschäftsinhaber und Hausbesitzer über schlechte Ge- schöfte und große Verluste. Viele ständen vor dem Ruin. Der Verein der Berliner Wohnungsmieter hat folgendes Schreiben an den Magistrat gerichtet:„Auf Grund des Be- schlusses unserer letzten öffentlichen Versammlung ersucht der Vorstand des Vereins Berliner Wohnungsmieter den Ma- gistrat der Stadt Berlin, für eine beschleunigte Bebauung des Scheuneuviertels zu sorgen, denn die um- und an- wohnende Geschäftswelt steht vor dem Ruin, weil Tausende von Kunden ihm entzogen sind. Wir bitten den Magistrat, das Gelände nach dem Vorbild anderer Städte in gemein- nütziger Weise mit Musterhäusern zu bebauen. Hierfür kämen drei Formen in Betracht: 1. die Form des Erbbau- rechts, die schon einmal unter dem Oberbürgermeister Hobrecht 1872 angewendet werden sollte, 2. die �orm des Wiederkaufrechts nach Ulmer System, 3. Bebauung in eigener Regie für Beanitenwohnungen." Wie wir schon oben dargelegt haben, besteht keine Nei- gung, auf diese Anregungen einzugehen. Die städtische BerkchrSdeputation beriet in ihrer gestrigen Sitzung die Veränderungen an dem Entwurf für die städtische Nord-Süd-Unterpflasterbahn, die in einer Länge von 7,9 Kilometern von der Seestraße aus mit den Haltestellen Gerichtstraße. Wedding, Schwartzkopff- straße, Jnvalidenstraße, Oranienburger Tor, Bahnhof Friedrichstraße. Behrenstraße, Leipziger Straße, Kochstraße. Hallesches Tor nach der Gneisenaustraßc führen soll. Die Veränderungen an dem von der Staatsbehörde genehmigten Projekt bestehen einmal darin, daß die Weidendammer-Brücke nicht mehr umfahren, sondern unmittelbar im Zuge der Friedrichstraße unterfahren wird, wodurch der Betrieb sich erleichtert und verbilligt und das Anschneiden von Grundstücken an der Brücke sich erübrigt, und ferner in der Veränderung des Endpunktes. Der jetzt gewählte Endpunkt läßt offen, welchem der vorliegenden Anträge auf Verlange- rung der Bahn, ob nach Westen(Schöneberg), Süden (Tempelhof) oder Osten(Rixdorf) später Folge gegeben wird. ?ln der städtischen Lagerhalle Am Humboldthafen soll ein dritter Kran mit 15 000 Kilogramm Tragkraft errichtet werden._ Ein altes Streitobjekt. Gegenwärtig ist das Tempelhofer Feld wieder Mittelpunkt eines Streites. EL wiederholt sich damit eigentlich ein Zustand, der lange Zeit bestanden hat. denn das Feld war schon in früherer Zeit Streitgegenstand zwischen den be- teiliaten Gemeinden und Behörden. Ursprünglich Feldmark des Dorfes Tempelhof und al» solche l3M bereits erwähnt, diente es seit 17W als Revue- und Manöverplatz für. die Berliner Garnison. Aber gegen diese Benutzung haben die Gemeinden stets protestiert und noch 1829 machte der Landrat v. Bandemer eine Eingabe an die Justizbehörden gegen die Benutzung deS Feldes zu militärischen Zwecken. 1826 wurden deshalb Verhandlungen mit Tempelhof ge- pflogen, die ergebnislos blieben, aber den FiSkus zum Ankauf von Ländereien auf der Feldmark bestimmten und 1839 zur Separation des Feldes führten, das seitdem den Truppen vorbehalten blieb. Schon 1836 wurde indessen ein Teil des Feldes wieder verkauft und es entstanden dort die Häuser Bellealliancestraße 53—74. die Straße am Tempelhofer Berg usw. Auch hier gibt es also nichts Neues unter der Sonne, vielmehr wiederholt sich nur der alte Streit. Eine Kirchenstcuersache. Die Ehefrau des Magistratsbureau- Assistenten Vogt, die evangelisch ist, wurde für das Jahr 1906 von dem geschäftsführenden Ausschntz der Berliner Stadtsynode zur Kirchen- steuer herangezogen. Die Zustellung der Verfügung erfolgte erst am 11. September 1907; die Eheleute Vogl waren aber schon am 29. März 1997 von Berlin nach Nieder-Schönhauien verzogen. Bogt verlangte, indem er den vorgeschriebenen Jnstanzenzug ging, die Freistellung seiner Frau von der geforderten Steuer. Er machte prinzipiell geltend, daß die Erhebung der Steuer im September 1997 nicht mehr zulässig gewesen sei, weil erstens das Steuerjahr 1996, für das die Steuer erhoben wurde, bereits abgelaufen war, und weil zweitens die Er- bebiiiig der Steuer erst nach ihrem Wegzüge erfolgte. In letzterer Beziehung sei entscheidend, daß das Band zwischen dem Zensiten und der die Steuer erhebenden Gemeinde bereits zerrissen gewesen sei. Schon unter diesen Umständen sei die Steuererhebung nicht mehr zulässig. Das Oberverwaltungsgericht als letzte Instanz wieö aber die Klage ab und führte auS: Es handele sich hier um die Frage, ob zur Begründung der Steuerpflicht notwendig sei. daß der Wohnsitz des Zensiten in der Sleuergemeinde vorhanden sei zu der Zeit, wo die Steuerforderung durch Zustellung erhoben werde. Das Gericht verneine die Frage. Die Steuer- Pflicht ergebe sich aus dem Gesetz. Für � den Zeitraum, wo der Wohnsitz vorhanden ist, bestehe die Sleucrpflicht. Dagegen sei es unerheblich, ob der Wohnsitz noch zu der Zeit der Ver- anlag ung und Bekanntgabe vorhanden sei. Der Verwal- tungsali der Veranlagung könne unabhängig davon ergehen, ob der Wohnsitz schon aufgegeben sei.— Zulässig sei auch, daß die Beran- lagung erst nach Ablauf deS RechiiungSjahrcs erfolgte, denn die Zensitin sei im Gegensatz zum Gesetz wahrend des Steuerjahres übergangen worden. Die spätere Heranziehung konnte deshalb er- folgen._ vom städtischen Jrrenwcsen. Die Deputation der städtischen Jrrenpflege beschloß in ihrer gestrigen Sitzung unter Vorsitz des Stadtrats Geheimen SanitätSrat Dr. Straßmann mit Rücksicht auf die Hilflosigkeit und schlechte Lage der aus den Irrenanstalten als geheilt Entlassenen, der Errichtung eines Fllrsorgeamtes näher zu treren und zunächst an einer Stelle versuchsweise>einen Beirat einzurichten, welchem auch Frauen an- gehören sollen. Diesem Beirat dürfte die Aufgabe zufallen, für die Unterbringung der entlassenen Geisteskranken und ihre Beschäftigung Vorsorge zu treffen und, so weit ihre Kranlheit mit dem Mißbrauch geistiger Getränke in Zusammen- hang steht, darauf zu achten, daß sie nicht wieder rückfällig werden. Das Einverständnis des Magistrats mit diesem Vorschlage soll ein- geholt werden. An der Beratung nahm auch Stadtrat Dr. Münster- berg als Vorsitzender der Armendirektion teil, die an erster Stelle finanziell und durch Inanspruchnahme ihrer Organe an der neuen Einrichtung beteiligt rst._ Zur Kostümfrage deS schwulen Peter schreibt unS unser GewährS- mann: Die Bemühungen des Herrn Fischbech, die Bekleidungsfrage des Peter möglichst harmlos erscheine» zu lassen, gehen fehl; sie scheitern an den Tatsachen. Genosse Hoffmann richtete die Frage an den schwulen Peter:„Haben Sie in dieser Kleidung das Obdach besucht?", worauf Herr Fischbcck an Stelle des Gefragten selbst die Antwort gab:„Neiit, die haben wir ihm gegeben, damit er hier erscheine» kann." Also nicht ans dem Grunde ist dem Manne in erster Linie die Kleidung gegeben worden, daß er sich um Arbeit bemüht, sondern daß er im Kuratorium sich vorstellen konnte. Daß Herr Fischbeck persönlich dem Peter die Kleidung(nicht nur Jackett, auch die tadellos weiße Wäsche usw.) gegeben hätte, ist nirgends behauptet worden. Ein schwerer Straßcnbahnunfall ereignete sich gestern abend gegen 7 Uhr an der Ecke der Seller- und Müllerstraße. Dort ver- suchte der 39 jährige Kaufmann Franz Schneekiot aus der Pslug- straße 17 uinnitteibar vor einem herannahenden Wagen der städtitchen Straßenbahnlinie Zentral-Vichhof— Rudolf-Mrchow-Krankenhaus das Gleis zu überschreiten. Er wurde jedoch vom Borderperron erfaßt und so heftig zu Boden gestoßen, daß er besinnungslos liegen blieb. Der Vernngiückte wurde nach der Unfallstation in der Lindower Straße gebracht, wo erhebliche Quetschungen am Rücken und am Kopf und schwere innere Verletzungen festgestellt wurden. Nach An- legiutg von Notverbänden wurde Sch. nach dem Rudolf-Virchow- Kranlenhause übergeführt, wo er im bedenklichen Zustande danieder« liegt. Ein sonderbarer Heiliger scheint ein Herr Düsterwald, Alexander- straße 3. zu sein, der sich mit Herstellung von Blusen. Hauskleidern und dergleichen Dingen befaßt. Brachte da dieser Tage eine bei ihm beschäftigte Schneiderin Arbeiten zurück mit der Motivierung, keine Arbeiten mehr für das Geschäft anfertigen zu wollen. Das war der im Geschäft tätigen Tochter und der Frau des Herrn D. nicht recht, weshalb sie die Arbeiterin zur Rede stellten, weil sie anscheinend die Arbeit not- wendig gebrauchteir. Schließlich fand sich auch Herr Düsterwald ein:„WaS, Sie wollen nicht arbeiten?" schnauzte er..die Sozial- demokraten sind eine faule Bande; wollen sich vom Staate ernähren lassen. Aufzüge in den Straßen wollen sie machen, Häuser demo- lieren. Ohrfeigen müßte man Siel? Das waren die Wutausbrüche diese« offenbar recht nervösen Herrn. ES genügt, wenn wir die Aeußerungen niedriger hängen, sie kennzeichnen sich selbst. Die freie Bereinigung sclbstündiger Schuhmacher des Halleschen Tordezirks richtet an ihre Kundschaft folgende Bitte: .Jeder Handwerker, jeder Arbeiter hat seine begrenzte Arbeits- zeit, Sonnabend sogar em bis zwei Stunden früher Feierabend, sollte eS in unserem Gewerbe nicht möglich sein? ES ist möglich! Darum richlen wir an Sie die Bitte, bringen Sie die zu reparierenden Stiefel möglichst anfangs der Woche, aber spätestens bis Freitag, wenn sie dieselben bis Sonnabend abend noch haben wollen, dann kann sich der Schuhmacher die Arbeit besser ein- richten und Sie haben den Vorteil, daß die Stiefel(wenn der Schnh- macher am Sonnabend nicht so überlastet ist) besser und gewissen- hafter wieder hergestellt werden. Folgen Sie bitte diesem unseren Mahnruf, und Sie werden stets einen dankbaren Schuhmacher haben. Auffindung einer Frauenleiche. Am Schiffbauerdamm wurde Dienstag nachmittag aus der Spree die Leiche einer Frauensperson aufgefischt, deren Kopf ganz blutig war und Verletzungen aufwies. Die Leiche wurde nach dein Schau- Hause gebracht, dieselbe scheint mehrere Tage im Wasser ge- legen zu haben. Nähere Einzelheiten fehlen bis zur Stunde. Kafino-Theatcr. ,.V e r l i n bei Nacht" ist eine Lokalpoffe be- titelt, die allabendlich im Kasino-Theater in Szene geht. Sie ist von Herrn G. Schätzler- Perasini eigenS zusammengestellt. Den Frauenrechtlerinnen ist in dem Stück eine keineswegs beneidenS« werte Rolle zugedacht. Die Frau eine» Margarinefabrikanten aus Prenzlau, die mit ihrem Manne zum Besuchs des Schwieger- sohnes nacb Berlin gekommen war, will mit ihrer Tochter einen Kongreß der Frauenrechtlerinnen besuchen, gerät aber durch die Unvorsichtigkeit eines betrunkenen Kutschers in ein falsches Lokal.! In dieses Lokal hatte» sich inzwischen die für de» Abend von den Frauen verlassenen Männer mit einem zukünftigen Schwiegersohn begeben, um einen Witwenball mitzumachen. Die verschiedenen drolligen Situationen in Verbindung mit den am anderen Morgen folgenden.Aussprachen' brachten die Lachmuskeln der Zuhörer in' lebhafte Bewegung. Das bekannte Personal mit Direktor Berg an der Spitze tat, was eS konnte. Der Berliner Arbeiter-Radfahmbund hat am Sonnabend in der „Neuen Welt" ein Fest abgehalten, bei dem er ein Fahrrad verloste. Angesichts des UmstandeS, daß eine große Zahl Festteilnehmer das Fest frühzeitig verließen, aber Interesse haben, wer der glückliche Geivinner des RadeS geworden ist, bittet uns der Vorstand mitzu- teilen, daß Herr Richard Rusile, Mitglied der 1. Abteilung deS Vereins, auf die Nr. 43 das Rad gewonnen hat. Treptow-Sternwarte. In die Vulkanwelt am Kiwusee führt der Vortrag:..Auf Zentralafrikas Feuerbergen", den der geologische Begleiter des Herzogs Adolf Friedrich zu Mecklenburg, Egon Fr. Kirschstein, am Donnerstag, den 3. März, abends 8 Uhr, im großen Vortragssaal der Treptow-Sternwarte hält. Die Schilderungen des Forschers werden durch eine große Zahl farbiger Lichtbilder erläutert. In Schnee und Eis erstarrte Berggipfel und dampfende Vulkanschlünde, die einen interessanten Einblick in das gcheimnis- Polle Walten der unterirdischen Kräfte gewähren, wechseln in bunter Reihenfolge mit Urlvaldszenerien und Bildern von Land und Leuten ab, die Ergebnisse wissenschaftlicher Forschung mit heiteren Episoden und tiefernsten Erlebnissen. Fast volle 7 Monate hat der kühne Forscher in der rauhen Wildnis der Berge zugebracht und als erster Europäer sämtliche acht Virunga-Vulkane bestiegen, die bekanntlich jetzt der Gegenstand diplomatischer Verhandlungen zwischen Deutschland, England und Belgien bilden. Arbciter-Saumriter-Kolonne. Heute abend 9 Uhr 5. Abteilung in Rixdorf bei Knushold, Erkstr. 8. Morgen Donnerstag 3. Ab- tcilung in Schöneberg bei Wieloch, Grunewaldstr. 82, und 4. Ab- teilung in Lichtenberg bei Beckmann, Samariterstr. 82. Vortrag iu allen Abteilungen über: Gefahrdrohende ÄrankheilLzustände mit«lach-- folgenden praktischen Uebungen. Vorort- JVaebriebtem Die Gemeindcwahlbewegung. Zehlendorf(Wannseebahn). Äuf eine lebhafte Wahlbewegnng bei der Geineindcwahl haben«vir uns diesmal gefatzl zu machen. Der Kuhhandel darüber, welchem von den neuen kommunalen Vereinen diesmal die Kandidaten zufallen sollen, ist schon seit vier Monaten in vollem Gange, aber noch ist eine Einigung nicht erzielt worden, und die letzten Verhandlungen der vereinigten Wahllommissionen sind wieder resultatlos verlaufen. Demgegenüber steht die Arbeiterschaft völlig gerüstet. Mehrere Ge- nassen haben ein aufklärendes Flugblatt verbreitet, das das unfrucht- bare Arbeite» der bisherigen Gemeindevertretung beleuchtet. Dieses Flugblatt hat ein Kampfhähnchen auf den schnurrigen Gedanken ge- bracht, sich im„Zehlendorfer Anzeiger" die ersten Sporen im Kanipfe gegen die Sozialdemokratie zu verdienen. Zu der am Sonn- abend einberufenen Wählerversammlmig konnte der Herr jedoch trotz der schriftlichen Einladung unserer Genossen nicht erscheine«!. In dieser sehr zahlreich besuchten Versammlung entivickclte der Landtagsabgeordnete Genosse Leinert an Stelle des durch Krankheit verhinderten Genossen Liebknecht ein Bild von der Rückständigkeit unserer Landgemeinden, die sich nicht entfalten können, weil sie in die Klammer der Landratsaussicht eingespannt sind. Wohl gibt e» trotzdem auch Gemeinden, in denen die Anfänge zur Verwirklichung von Kulturaufgaben zu sehen sind, aber im allgemeinen zeigt doch daS Gesamtbild, daß erst dann hiermit Ernst gemacht wird, wenn die Sozialdemokratie in die Gemeinden einzieht.— In der Diskussion gab zunächst Genosse Göhre zu. daß einige geringfügige Anläufe zur Lösung von Kulturaufgaben in Zehlendorf allerdings gemacht seien. Sie sind aber so unbedeutend, daß sie gegenüber all dem, was man an Vorteilen für die besitzenden Klanen schaffe, gar nicht ins Gewicht fallen. Eingehend auf die Tätigkeit der bisherigen Gemeindevertretung verglich es diese treffend mit einem OninibuS, der mit 18 Pferden bespannt sei. Hiervon wolle aber die eine Hälfte„hü", die andere„bott". Der Kutscher aber, der Gemeinde« vorstand, säße auf dem Bock und hätte Zügel und Peitsche verloren und wisse sich nicht zu helfen. Die Herren Weber und Schnabel, als voraussichtliche bürgerliche Kandidaten, äußerten sich in zustimmendem Sinne. Sie meinten, unsere Forderungen eben- falls vertreten zu können. Dazu brauche eS also keiner Sozial- demokraten. Demgegenüber wies Genosse Ulm»nit aller Ent- schiedenheit darauf hin, daß, selbst wenn man den besten Willen bei den Herren voraussetze, sie einfach nicht imstande feien, die Arbeiter- schaft zu vertreten, ihnen fehlt zu allem der klare Blick für die pro- letarischen Verhältnisse. Diese Auffassung wurde vom Genossen Kutta noch unterstrichen, der an einer ganzen Reihe von Beispielen das Arbeiten der bürgerlichen Wahltommisstonen beleuchtete. Auch Herr Brutschke war nn wesentlichen mit dem Referenten ein- verstanden. Als Kandidaten wurden ohne Widerspruch für den Süd- bezirk die Genossen Göhre und Jäkel, für den Norddezirk Genossen Kutta nnd Ulm aufgestellt. Tue nun jeder bis zur Wahl seine Schuldigkeit, dann wird der Sieg nicht ausbleibe««.! Lankwitz. Die Ersatzlvahl für die S. Klasse zur Gemeinde- Vertretung findet am Dienstag, den 8. März, von 11—1 und 3—7 Uhr statt. Parteigenossen I Nutzt die kurze Zeit gut auS und sorgt für den Sieg unseres Kandidaten, Maurer Otto Franke. Die Wahl findet in der Turnhalle des Real- gymnasiums statt. Freitag, den 4. März, abends 8 Uhr, findet eine öffent« liche Konimunallvählerversammlung im Restaurant Schulz, Mühlen- straße, statt, in der Genosse Grauer über„Die Sozialdemokratie in der Kommune" referieren wird. Genossen I Sorgt für Massenbesuch der Versammlung. Schmargendorf. Die Zustände im hiesigen Gemeindeparlamei«t wurden in einer an« Monlag tagende» öffentlichen Versammlung beleuchtet. Nach einem beifällig aufgenommenen Referat des Ge- nossen Maß kennzeichnete Genosse Weigert den Versammelten das persönliche Regiment deS hiesigen GemeindevorsteberS. Bon den zurzeit in der Gemeindevertretung sitzenden bürgerlichen Verlretcrn habe sich noch kein einziger zur Opposition gegen diesen Herrn auf« geschwungen. Trotzdem die bürgerlichen Vertreter schriftlich zu der Ver- sammlung geladen«oaren, war keiner derselben erschienen. Herr Dr. Nathan hatte sich wieder schrtftlich entschuldigt. Selbst hatte er sich bei der letzten Wahl als den richtigen Mann bezeichnet, der im Parlainent aufiäumen wollte. Ein Antrag«nserer Genossen auf Erhöhung der Zahl der Gemeindevertreter fand Herrn Dr. Nathan« Beifall. Als es jedoch in der Gemeindevertretung zur Abstinimung hierüber kam, stimmte Herr Nathan gegen den Antrag. Genosse Hildebrandt entwickelte hierauf unser Komuiunalprogramm; er wies darauf hin, daß es unbedingt notwendig fei, Sozialdemo- kraten in die Gemeindevertretung zu wählen. Als Kandidaten wurden die Genossen Buchdrucker Viktor Werger und Ingenieur Paul Hildebrandt aufgestellt. tlchtenai«. Unsere Tätigkeit in der Gemeindevertretung lautete herna, über welches der Gemeindevertreter Genosse Max Tobias i» einer öffentliche» Gemcindeivählerversammlung am Sonntag referierte. Redner gab in großen Zügen ein Bild von den Arbeiten und dem Wirken unserer drei Verlreter der dritten Klasse. Sie haben sich redlich gemüht, die Interessen ihrer Wähler ivie auch die Gesamtinteressen der Gemeinde«vahrzunehinen, allerdings fei ihre Arbeit teilweise dadurch illusorisch gemacht worden, daß eine gewisse Clique, die im BerschönerungSverein ihre Stütze findet und die Gemeinde al» milchgebende Kuh betrachtet, alles getan hatte, um das niederzureißen, was mit Mühe aufgebaut wurde. Jetzt sei die Zeit gefommen, um diesen Gcmeiudeschüdlingen, deren ganzes Tratten nur dahin geht, sich von ihren Steuerlasten iGrundwerl- und WertzuwachSsteuer> zu be- freien und diese der arbeitenden Bevölkerung aufzulegen, die der- diente Quittung zu geben. Eine Ehrenpflicht der Arbeiterschaft sei es, dafür Sorge zu tragen, daß die Kandidaten des Verschönerungs- Vereins in der dritten'Klasse keine Arbeiterftiuune erhalten. Die Diskussionsredner erklärten sich mit der bisherigen Haltung unserer Vertreter einverstanden. Hingewiesen wurde darauf, datz unsere Gegner versuchen, teils durch Schwindelmanöver, teils durch Druck auf die abhängigen Arbeiter in Klein- Schönebeck Stimmen zu er- schleichen, um die jetzige Vertretung der dritten Klafle, die ihnen schon lange ein Dorn im Auge ist. herauszudrängen. Die Parteigenossen werden alle Kräfte einsetzen müssen, um diesen Herzens- Wunsch nicht in Erfüllung gehen zu lassen. Einstimmig wurde so- dann wieder Genosse E r n st K l o ck o w als Kandidat der dritten Klasse aufgestellt. Mit dem Hinweis, dah die Gemeindeivahlen am Dienstag, den 8. März, nachmittags von 3 bis 7 Uhr. für die dritte Klasse stattfinden, und der Aufforderung, alle Kräfte an- zuspannen, damit dieser Tag einen Sieg der Sozialdemokratie bringe, schloß der Vorsitzende die Versammlung. Zeuthen. In einer von über 100 Personen besuchten Gemeinde» wählerversammlung referierte am Sonnrag im Restaurant von Trill Genosse Ritter über„Kommunale Aiigelegenheiten". Redner ent- rollte in großen Zügen ein Bild sozialdemokratischer Genieindcpolitik. In der Diskussion ersuchte Genosse Mahle die Versammelten, für die bevorstehende Gemeindewahl eine intensive Propaganda zu entfalten, damit es diesmal auch gelinge, den zweiten Vertreter in das Dorf- Parlament zu bekommen. Nachdem Genosse Feiertag noch einen kurzen Bericht über seine bisherige Tätigkeit in der Geuieiudcvertrelung gegeben, wurde als Kandidat der dritten Abteilung Genosse Karl Kalies aufgestellt. Treptow-Baumschulentveg. Die gestrigen Gemeindevcrtreterwahlen der 8. Klaffe, die im 2., 3. und 4. Kommunalivahlbezirk stattfanden, ergaben folgendes Resultat: Im 2. Bezirk übten von den 10SS eingeschriebenen Wählern 562 ihr Stimmrecht aus; es erhielt unser Genosse Joseph H a r t> mann 313 Stimmen; die Grundbesitzer vereinigten IIS, die Frei' sinnigen 31 und die Demokraten 36 Stimmen aus sich. Mithin ist Genosse Hartmann mit 61 Stiuuncn Mehrheit gewählt. Im 3. Bezirk übten von den 777 eingeschriebenen Wählern 464 ihr Stiininrecht aus; unser Kandidat Genosse Richard Müller er- hielt 361, der Gcundbesitzerkandidat 7g, der Freisinnige 7 und der Demokrat 14 Stimmen. Gewählt ist somit Genosse Richard Müller mit 196 Stimmen Majorität. Im vierten Bezirk wählten von 1161 eingeschriebenen Wählern nur 532. Von diesen 532 Stimmen vereinigte Genosse H e n s e l 443 auf sich. In die übrigen Stimmen teilten sich die Grundbesitzer mit 65, die Demokraten mit 11 und die Freisinnigen mit 10. Mit einer großen Majorität siegte auch hier der Kandidat der Sozial- demokratie Genosse H e n s e l. In vorstehenden Bezirken wurde zum ersten Male bezirksweise gewählt. Es beteiligten sich im 2. Bezirk 52 Proz., im 3. Bezirk 65 Proz. und im 1. Bezirk 49 Proz. der eingeschriebenen Wähler an der Wahl. Als früher noch im ganzen Ort gewählt wurde, be- teiliglen sich 51 Proz. aller eingeschriebenen Wähler.— Die Gegner. die in den letzten Tagen mit Hochdruck arbeiteten, haben in allen drei Bezirken eine glänzende Niederlage erlitten. Schöneberg. Die letzte Stadtverordnetenversammlung stimmte zunächst einem Antrage zu, worin der Magistrat ersucht wird, durch ge- eignete Maßnahmen dahin zu wirken, dah die La n d e S j u st i z- Verwaltung bestimmt: 1. Schöneberg und Berlin werden als ein Ort im Sinne des§ 8 Abs. 2 der Deutschen Rechtsanwalts. ordnung angesehen; 2. die bei dem Amtsgericht Berlin-Schöneberg zugelassenen Rechtsanwälte werden auf ihren Antrag auch bei dem Landgericht II zugelassen. Die Erneuerung des Pachtvertrages mit der Eisenbahn» Verwaltung über den Marktplatz an der Ebers st rahe wurde ohne Debatte genehmigt. Die Stadt Schöneberg hatte bisher einen jährlichen Mietszins von 2810 M. zu zahlen; in dem neuen Vertrage ist diese Summe bis auf 5000 M. jährlich erhöht worden. Am 8. November 1901 hatte die Stadtverordnetenversammlung einen sozialdemokratischen Antrag angenommen7 nach welchem der Magistrat aufgefordert wurde, die Pflichtsortbildungs- schule auch auf die sogenannten ungelernten Arbeiter auS- zudehnen. In der letzten Sitzung teilte der Magistrat mit, dah er nicht in der Lage ist. diesem Beschlüsse jetzt beizutreten. Stadtv. M a g n a n(Soz.) bedauerte den Beschluh des Magistrats. Be» einigermahen gutem Willen hätte sich die Ausdehnung möglich machen lassen. Gerade die ungelernten Arbeiter haben am wenigsten Halt in der Familie. Auch Stadtv. Bamberg(lib. Frakt.) schloh sich dieser Ansicht an. Stadtv. Molkenbuhr sSoz.) wies noch darauf hin, dah das Fortbildungsschulgesetz nun» mehr schon 16 Jahre bestehe. Schöneberg hätte schon längst Vor- kehrungen treffen müssen, damit die Anstalt auch auf die un- gelernten Arbeiter ausgedehnt werden kann. Bürgermeister Blanken st ein erklärte, dah der Magistrat bereit sei, nochmals eine Prüfung der Angelegenheit später vorzunehmen, und wenn sich das Bedürfnis herausstelle, so würde er auch mit einer ent- sprechenden Vorlage kommen. Beini Krankenhausetat wurde von der sozialdemokrati- schen Fraktion beantragt, die Kur- und VerpflegungS- sätze für auswärts wohnende Kranke von 5 M. auf 3,50 M. herabzusetzen. Stadtv. M a g n a n lSoz.) führte in der Begründung des Antrages auS, dah die Stadt- verordnetenversammlung im vergangenen Jahre in unüberlegter Weise gehandelt habe, als sie den Satz für auswärts Wohnende von 3,50 auf 5 M. erhöhte. Schöneberg nähme mit diesem Say eine Ausnahmestellung unter allen Krankenhäusern Groh-Berlins ein. Nicht ein einziges Krankenhaus fordere für auswärtige Kranke denselben Satz. Die Absicht Schönebergs, sich durch den hohen Satz gegen die Nachbargemeinde Wilmersdorf, die kein Krankenhaus habe, zu schützen, liege keineswegs im Vorteil der Einwohnerschaft Schönebergs. So habe Berlin z. B. eine Be- stimmung getroffen, nach welcher Kranke aus anderen Vororten nur 3,50 M. pro Tag zu zahlen haben, während diejenigen aus Schöneberg den gleichen Satz(5 M.) zahlen müssen, den Schöne- berg für auswärts Wohnende fordert. Stadtrat Leidig erwiderte, dah Schöneberg in erster Linie dafür zu sorgen habe, seine eigenen Kranken unterzubringen. Erst wenn der Ausbau des Krankenhauses beendet sei, könne über eine Herabsetzung der Sätze für auswärtige Kranke geredet werden. Während Stadtv. K u tz n i tz t y(lib. Frakt.) dem Magistrats- Vertreter beipflichtete, traten unsere Genossen Molkenbuhr, Küter, Bern st ein und M a g n a n wiederholt für die An- nähme des sozialdemokratischen Antrages ein; sie hielten die vor- gebrachten Cunwendungen in keiner Weise für stichhaltig; der zetzige Zustand sei unhaltbar und eine grohe Ungerechtigkeit. Wenn wirklich der Krankenhausetat um eine geringe Summe entlastet würde, so werde sich im Armenetat eine um so höhere Belastung zeigen. Es wäre doch am besten, mit den anderen Krankenhäusern »n ei» Kartellverhältnis zu treten. Der Antrag wurde darauf abgelehnt; dafür stimmte Nur die sozialdemokratische Fraktion. Weiter lvurde von sozialdemokratischer Seite angeregt, die 1. Klasse im Krankenhause abzuschaffen. Der Magistrat erwiderte, dah die Verträge mit den Aerzten dem entgegenständen, eine Auf- Hebung der 1. Klasse daher unmöglich sei, Der gesamte KrankenhauSetat wurde darauf en bloc an- genommen. Der Magistrat beantragte den Verkauf eines Eck- Grund st ückes, das bisher provisorisch als Spielplatz benutzt worden ist. Nach längerer Debatte wurde der Verkauf genehmigt in der Erwartung, dah der Magistrat mit aller Kraft dafür wirken möge, daß die Schulhöfe als Spielplätze freigegeben werden. Eine Reihe von Petitionen wurden nach den Beschlüssen des Ausschusses erledigt. Ueber die Petition des Schöneberger Arbeiterturnvereins berichtete Stadtv. Hoffmann(Soz.). Ge- mäh seinem Antrage beschloh die Versammlung, den Magistrat zu ersuchen, recht bald für den Bau einer städtischen Turnhalle Sorge zu tragen. Ohne Debatte wurde dann der Etat der WohlfahrtS- einrichtungen(Einnahmen 8820 M-, Ausgaben 165 988 M. genehmigt. Derstädtische Zuschuh an unsere Schone- berger Parteigenossinnen zur Veranstaltung von Ferienausflügen wurde von 1400 auf 1 8 0 0 M. erhöht. Der Magistrat soll erwägen, ob es möglich ist, die Kurdauer für die in der Klnderheilstätte in Wyk unter- gebrachten Kinder von 6 auf 9 Wochen zu erhöhen. Dem Umbau des alten Rathauses zur Erweite- rung der Räumlichkeiten für die städtische Sparkasse wurde zu- gestimmt. Die Kosten, die von der Sparkassenverwaltung getragen werden, belaufen sich auf 266 400 M. Ein Zusamwenstoß zwischen einem Automobil und cincm Straßen- bahnwagen ereignete sich vorgestern abend gegen 8 Uhr in der Grunewaldstraße. Dort versuchte der Chauffeur Mey mit einem von ihm geführten Antodreirad der Firma Pabjt aus der Rheiustr. 32/33 kurz vor einem Straßenbahnwagen der Ringlinie 5 die Gleise zu kreuzen. Dabei blieb das Auto plötzlich in dem infolge von Bau- arbeiten aufgewühlten Erdboden stecken und wurde von dem Straßen- bahnwagen angefahren. Bei dem Zusammenprall wurde der Chauffeur von seinem Sitz geschleudert und erlitt einen Bruch des linke» Unterschenkels sowie Hautabschürfungen im Gesicht und an den Händen. Er erhielt in der Unfallstation in der Herbcitstraße die erste Hilfe und wurde dann nach seiner Wohnung übergeführt. An dem Bahnwagen war die Bremskuppelung beschädigt, an dem Auto das Vorderrad verbogen. Nixdorf. Bon einem Brauerwagen überfahren wurde der 51 Jahre alte Arbeiter Paul Stenglowsky aus der Ziethenstraße 35. Beim Ueber« schreiten des Fahrdanunes der Hermannstraße kam ein Brauerwagen in scharfem Trabe auf St. zugefahren. Der Bedrohte vennochte sich nicht mehr aus den schützenden Bürgersteig zu retten und wurde zu Bode» gerissen. Die Räder des schweren Gefährts gingen ihn, über die Beine hinweg und zermalmten sie. St. fand im städtischen Krankenhaus Aufnahme. Zehlendorf(Wannseebahn). Ein tödlicher Bauunfall ereignete sich gestern nachmittag VzllUhr in der Beerenstraße. Dort stürzte der aus dem Neubau beschäfsigte verheiratete Steinträger Hermann Lehmann auS Potsdam durch Abgleiten von der Balkenlage mit voller Last auS dem obersten Stockwerk in die Tiefe. Der Verunglückte erlitt einen Schädelbruch und war sofort tot. Stralau. „Cromwell und die englische Revolution" lautete das Thema, über das Genosse W u s ch i ck in der leider nur mäßig besuchten Versammlung sprach Die Frage der Erhebung eines ExtrabeitrageS wurde zur nochmaligen Besprechung an die Bezirke verwiesen. DaS Weihnachtsvergnügen hat einen Ueberschuß von 24,60 M. ergeben. Köpenick. Der BildungSauSschuß veranstaltet morgen Donnerstag, den 3. März, seinen zehnten Theaterabend im Stadt-Theater, in welchem das vieraktige Lustspiel.Jugendfreuiide" von Ludwig Fulda zur Ausfüvrung gelangt. Eintrittskarten a 60 Pf. find an der Kasse zu haben. Zossen. In der Mitgliederversammlung deS WahlvereinS wurde zunächst auf das am Sonntag, den 6. März statlfindende Stiftungsfest hin- gewiesen und ersucht, für regen Besuch desselben Sorge zu tragen. Der Vorsitzende machte darauf aufmerksam, daß in kürzester Zeit eine Volksversammlung stattfindet, in welcher das Thema:„Die Frau im öffentlichen Leben' behandelt werden soll. DeS weiteren wurden die Genossen aufgefordert, reger wie bisher an der für das Gedeihen der Bewegung unerläßlichen Kleinarbeit teilzunehmen. Zur Aufnahme hatten sich 6 Genossen gemeldet. Pankow. Auf dem Weg« vom Krankenhause vom Tode ereil» wurde vor- gestern der 59 jährige Kaufmann Siegmund Berg. B. war längere eit im Krankenhauie gewesen, vorgestern wurde er als angeblich geheilt entlassen. Auf der Straße wurde er aber von einem Schwäche- anfall henngefuchl und in der Breiten Straße brach er besinnungslos zusammen. Man brachte ihn schleunigst wieder noch dem Kranken- Haus zurück, doch bereits auf dem Transport starb Berg. Spanda«. Der Arbeiter-Samariterkursn» findet umständehalber nicht mehr Mittwoch», sondern Donnerstags, abends 8 Uhr, bei Böhle, Havel- straße 20 statt. Potsdam. Stadtverordnetenversammlung. Nach dem VerwaltnngSbericht de« Oberbürgermeisters VoSberg, der zugleich eine Euiführnng des Etats für 1910 war, fanden EtalSberatungen statt. Der ganze Etat Ichließt mit 6 Millionen 54 000 M. im Ordinarium und 1 Million 500 000 M. im Exlra ordinarium ab. In den letzien vier Jahren hat der Etat um 2 Millionen Mark zugenommen. Der Ausfall von 470 000 M. gegen das Vorjahr an Schlachtsteuer und Staatszuschuß für Schule» wird gedeckt durch erhöhte Ueberichüsse der städtischen gewerblichen Unternehmungen, durch Mehreinnahen bei der Ein- komniensteuer von 84 000 M. und durch 150 000 M. der eingeführten Müllabfuhr und Kanalisationsgebühr siir Mieter. Die Steuer- zuschlüge bleiben dieselben wie im Vorjahre. Für die städtische Flußbädeanstalt für Frauen wurden 7000 M. ans den Ueberschüssen der Sparkasse nachbewilligt. Diese Mehrausgaben sind entstanden, weil der Polizeipräsident die Anlage z w e i e r NichtschwimmerbassinS, getrennt für Kinder und Erwachsene, verlangt. Diese BaisinS dürfen nicht durch Einschütten von Sand, sondern durch stellbare Kästen mit Holzböden hergestellt werden.�— Auf Antrag deS Kreisarztes soll im städtischen Krankenhause eine besondere Baracke für gemein- gefährlich Erkrankte(Pocken, Cholera) errichtet werden. Die bis- herige Isolierbaracke ist anderweit besetzt; im Vorjahre mußte ein derartig Erkrankter abgewiesen werden. Die Kosten betragen 6300 M. Gewerbe- und KaufmannSgericht. Beim Gewerbegericht wurden 1909 135 Klagen anhängig gemacht, die sich in der Hauptsache auf Lohnansprnche und Schadenersatz bezogen. Erledigt wurden durch Vergleich 63, und durch Endurteil 22. In 64 Fällen betrug das Sireilobjekt unter 20 M.. in 5 über 100 M.— Beim KaufmannSgericht klagten fast nur Verkäuferinnen. Von den 35 eingereichten Klagen wurden 25 in weniger als einer Woche Zeitraum erledigt. Gegen je ein Urteil vom Gewerbe- beztv. Kaufmannsgericht wurde Berufung eingelegt. Potsdam-Nowawes. Scharfmacher an der Arlelk. Dem Direktor des kgl. Schauspielhauses ist die Abhaltung der Extravorstellnng am Sonnabend, den 5. März, zu welcher ein Teil der Eintrittskarten von den vereinigten BildungSanSschüssen PotSdain-NowaweS gekauft waren, unmöglich gemacht. Die Vorstellung fällt infolgedessen auS. Die Billetts müssen in den Verkaufsstellen wieder zurückgegeben werden. — Man hielt jedenfalls die Aufführung deS harmkosen Lustspiel» Dr. Klaus vor einen, Publikum, das sich zum Teil aus Arbeiter- kreisen zusammensetzt, für st a a t s g e f ä h r l i ch. Jugendveranstaltungen. Tempelhof- Maricndorf. Der dritte Bortrag deS vom Jugend- auSichuß veranstaltctcn Kursus wird heute abend 3 Uhr im Restaurant Apclt, Teinpclhos, Berliner Str. 4l/42. abgehalten. Herr Dr. E. Bab spricht über das Thema:.Der werdende Mensch'. Vermifcktes. Eine Fahrt deS„Parseval V" nach Berlin. Das neue Sportluftschiff„Parseval V, das bisher in Bitterkeld stationiert war, hat gestern vormittag die Fahrt von dort hierher angetreten, nachdem es in den letzten Tagen reisefertig gemacht war und man alle Vorbereitungen zum Aufstieg getroffen hatte. Die zirka 120 Kilometer lange Wegstrecke wurde in ungefähr 3Vz Stunden durchmessen. Um!>/« Uhr nachmittags kam da« Luftschiff nach flott verlaufener Fahrt— es absolvierte reichlich 30 Kilometer in der Stunde— bei Spandau in Sicht, legte in wenigen Minuten die kurze Endstrecke bis Tegel zurück und vollzog dann auf dem dortigen Schießplatz eine glatte Landung. Ueber den Aufstieg des Bullons in Bilterfeld und die einzelnen Phasen der Fahrt wird gemeldet: Bitterfcld, 1. März. Das Luftschiff? 5 stieg heute vormittag 10 Uhr 15 Minuten zu einer Fernfahrt nach Berlin auf. In der Gondel befinden sich Oberleutnant Stelling als Führer und Werkmeister Hausknecht. Die Fahrt geht über Wittenberg, Jüterbog, Luckenwalde, Trebbin, Charlottenburg, Tegeler Schietzplatz. Dort landet der Ballon auf dem Gelände des LuftschifferbataillonS. Jüterbog, 1. März. Der Lenkballon Parseval V hat um 12 Uhr 15 Minuten Jüterbog passiert. Uni 1 Uhr 55 Minuten landete der Ballon in bester Verfassung auf dem Tegeler Schießplatze. „Parseval V" ist der lleinste bisher nach unstarrem System er» baute Parseval-Luflkrenzer. der trotz seiner geringen Kapazität von nur 1200 Kubikmeter Gasinhalt eine bedeutende Tragfähigkeit hat. Außer den zwei Bedienungsmannschaften und der Mit- nähme von 400 Kilogramm Ballastabgabe vermag das Luftschiff noch 4 Personen mit aufzunehmen. Das Luftschiff hat die Länge von ungefähr 30 Meter und stellt gegenüber allen seinen bisherigen gebauten größeren Vorgäiigeni einen ganz besonderen Konsiruktions» typ dar. Während bei allen Parseval-Luftschiffe» I. II. IU und IV zwei innere Luftballonets, die gleichzeitig die Höhensteuerung be- wirken, angeordnet sind; ist beim„Parseval V* nur ein Ballonet eingelassen, das lediglich nur dazu dienen soll, dem Gasträger in seiner Längsform die nötige Prallheit und Festigkeit bei eintretenden Gasverlusten zu erhalten. Auch wird die Höhensteuerung hier nicht durch BallonctS-Steuerung bewirkt, sondern versuchsweise durch ein unterhalb der vorderen Spitze des Ballons angebrachten aeroplan- artigen Flächensteuers ansgeiührt, ähnlich wie es bei den Militär- Luftschiffen„Groß 1' und„II" der Fall ist. Auch die Luftschraube ist hier nicht unstarr, sondern halbstarr konstruiert. Tie Latvincnkatastrophe in Idaho. Ueber das Lawinenunglück in Idaho wird aus New Jork ge» meldet: Von der Lawine, deren Gelöse 13 Kilometer von dem Orte der Katastrophe hörbar war, wurde die ganze Stadt Mace voll- kommen zerstört und alle Bewohner, ungefähr 100 Personen sowie 50 Arbeiter der Northern Pacisic-Bahn verschüttet. Als die Nackricht der Katastrophe in der Stadt Walace, 7 Kilometer von dem Schauplatz deS Unglücks entfernt, bekannt wurde, läutete man die Glocken, um die Bewohner aus dem Schlaf zu wecken und den Verunglückten zur Hilfe zu eilen. Als sie auf dem Schauplatz der Katastrophe ankamen, fanden sie das Tal in einer Länge von nahezu zwei Kilometer durch Schneemassen vollständig verschüttet, aus denen Fels» blöcke und von der Lawine mitgerissene Baumstämme hervorragten. ES war kurz vor Mitternacht am Sonnabend, al» die Lawine über die Stadt niederging. Die Bewohner lagen in tiefem Schlaf. Seit mehreren Tagen schon hatte in den Bergen ein warmer Wind ge» webt, der in der dortigen Gegend Chinook genannt wird, der die Schneemasien sehr mürbe gemacht hatte. Am Sonnabend folgte dem Winde em Regen. Man hätte annehmen sollen, daß die Bewohner von Mace vorsichtiger gewesen wären in Erinnerung an die Kata» strophe, die vor wenigen Jahren die Rachbarschast Bücke heimsuchte. Sie begingen aber die Unvorsichtigkeit, sich in den nahen Forst zurückzuziehen, um einer Lawinengefahr zu entgehen. Sie bezahlten diese Unvorsichtigkeit mit ihrem Leben. Die Lawine kam im Tal nach einem Fall von 300 Metern an; mit einer furchtbaren Gewalt fiel sie auf die Stadt nieder und zertrümmerte alles, was sich ihr ent- gegen stellte. Die Häuser und die Eisenbahnwagen, in denen 50 Arbeiter kampierten, wurden vollkommen vernichtet. Als die Retter ihre Arbeit begannen, stellten sich ihnen fast unüberwindliche Schwierigkeiten durch die von der Lawine mitgerissenen Felsmassen entgegen. Trotzdem gelang es ihnen, fünfundzwanzig Personen lebend aus den Trümmern hervorzuziehen. Wenn man einem Gerücht glauben darf, dann ist auch das Standard» Hotel, in dem 800 Reisende logierten, ebenfalls zerstört. Gestern ist in den Bergen eine weitere Lawine niedergegangen und hat die Stadt Bücke zerstört; dadurch ist die Zahl der Toten und Ver» schütteten vermehrt worden. Die Stadt Bücke zählt 900 Einwohner. DaS Unglück in Mace hatte die Bewohner gewarnt, so daß die meisten ihre Häuser vorher räumen konnten. Mäßige Schätzungen nehmen die Bcrlustziffer an Mruschenleben in beide» Orten mit 50 bis 00 an._ Ei» Frauenmord. Einer Meldimg aus Görlitz zufolge wurde gestern früh um>/z8 Uhr bei der Badeanstalt in der Weinlache ein« Frauensperson mit zusammengebundenen Gliedern gesunden. Die Leiche wurde mittags aus dem Wasser gezogen und festgestellt, daß es sich»m einen Mord handett. Die Leiche wies eine» Schnitt vom linken Ohr quer durch die Kehle auf. Die Ermordete soll angeblich Pohl heißen._ Eine Werst in Flammen. Die Londoner Lloyds Agentur meldet aus Boston, baß auf der dortigen Werft der Clyde Steamship Company Feuer aus» gebrochen ist und einen Schaden von drei Millionen Dollar cur» gerichtet hat._ Ueberschwemmnngen in Ohio. Wie aus New Jork gemeldet wird, haben Ueberschwemmnugen. die infolge der Schneeschmelze und starker Regengüsse eintraten, in den letzten Tagen mehrere Orte in Ohio verwüstet. ES sollen einige Menschen umgekommen sein. Mehrere hundert Personen sind ohne Obdach. Biele Fabriken beabsichtigen die Arbeit einzustellen. Auch in dem nördlichen Teile des Staate» New Dork sind infolge deS SteigenS deS Hudsonflusses Ueberschwemmungen eingetreten. Automobilnnglück. Einer Meldung auS Bordeaux zufolge ist der frühere argentinische Minister Carlo» Matschwitz durch ein Automobilnnglück auf oer Fahrt von Biarritz nach Bordeaux umS Leben gekommen. Seine Gattiu. die ihn begleitete, erlitt einen Bruch des Schlüsselbein». Cht schwerer Vammfall. An einem Neuvau in Oberhausen stürzte Dienstag nach- mittag eine Mauer ein und begrub mehrere Arbeiter unter sich. Zwei von ihneu sind tot. Neue Uebcrschwemmungen im Seine-Gcbirt. Nach einer Pariser Meldung ist die Seine in den letzten 24 Stunden um 4v Zentimeter gestiegen und steigt weiter. ebenso die Marne. Der Kai m Auteuil ist überschwemmt. Eingegangene Drochfcbriften. Untversal-Bibliothet. 5161. Aus unseren vier Wänden. Bilder auZ dem Kinderleben von R. Reichenau.— 5162. Das goldene Kreuz. Over von H. S. v. Mosenthal.— 5163— 65. Jfflands Briefwechsel mit Schiller, Goethe, Kleist. Dieck«. a. Heranszegeben von C. Müller.— 5166. Die GiPSkahe und andere lustige Geschichten. Von Aassy Torr- mund.— 5167. Das Gastmahl zu Powia. Gedicht von I. Tralvw.— 5168. Die Benno von Ille. Erzählungen von Prosper Merimse.— 5169—70. Aus dem Schwarzbuche eines Polizeibeamte». Von I. Erler. II. Bd.— Einzelnummer 20 Pf. Ph. Rcclam, Leipzig. In Memoriam. Von Helene Scheu-Riest. 2,50 l>t.— Gedichte von Th. Schenkel 2.50 M.— Ein Franen-Liebling. Eine Künstlcrgcschichle von Therese Juriisch. 2 M.— Der Mensch und sei» Leben. Von F. Dorlhe. 2 M. E. Konegen, Wien. Reue Vcrkehrskarte der Provinz Brandenburg. 30 Ps. O. Eulitz, Lissa i. P. Amtlicher Marktbericht der städtischen Markidallen-Direktion üder den Grogbande! in den Zzenwal-Marllhallen. Marktlage: Fleisch: Zufuhr genügend, Geichäst lebhaft, Preise unverändert. Wild: Zu- fuhr unbedeutend, Gcichäit ruhig, Preise fast unverändert. Geflügel: genügend, Geschäft ziemlich lebhaft, Preiic gut. Fische: Zufuhr gc- nügend, Gcichäit etwas lebhafter, Preise wenig verändert. Bult er und 5� ä J L!®c[rf)ä|t ruhig, SRvpiip mThprrrrth�vf(ff, omni© Pi F» ft it S Südfrüchte: ändert. Preise unverändert. Zufuhr genügend, Geschäft Gemüse, Obst und ruhig, Preise wenig ver- WitterungSüberstcht vom 1. März 1910, morgens 8 Uhr. «tatlonen Swmcmde ,rrani!.a ai München Wien Stall onen LS Z* °s LZ »«H c 3 KS tavaranda 760 R eterSburg 767® Sctllh 764 WSW llberveen>757 SW Pari» I7649i I Vetter •ss B"* t- £ä 2haw bd.— 12 2 bedeckt> 2 4 wollig � 8 1 woikcnl 0 2 halb bd. 4 i> Wetterprognose kür Mittwoch, den Zeitweise heiter und am Tage mild, aber Niederschlägen und mähigen südlichen Winden. Berliner Wetterb nreau. S. März 1910. veränderlich mit geringen WasserstandS.Nachrtchte« der Landesanstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vam Berkner Wellerbureau. Wasserstand M e m e l. Tilfit Siegel, Jnfterbnrg Weichsel, Tborn Oder, Ratibor , Ztroisen , Fransturt Warthe, Scbrimm , Landsberg Netze, Vordamm Elbe, Leitmeritz , Dresden » Barbv , Magdeburg am 28. 2. am 520') 183 230 281 186 184 114 128 56 123 10 290 236 teil 27. 2. am Z —8 +9 -f30 — n +19 +4 — 4 — 8 +6 +9 +11 +15 +16 Wasserstand Saale, Grochlitz Havel, Svandau») , Ziathenow') Spree, Svremberg') , Becskow W e f« r, Münden , Minden Rhein, MmsmilianZau , Kaub Köln Neckar, Heilbronn Main, Werlheim Mosel, Trier am seit 23. 2. 27. 2. oiv') oin 323 127 154 88 154 271 312 556 440') 653 188 328 493 +23 +4 0 0 +2 +29 —3 +1» +3 +61 —10 +7 -47 '1+ bedeulel Wuchs,— Fall.—•) Nnierpegel.—•) Eisgang.— ') höchster Stand am 27., 1 Uhr nachm.: 444 cm. I» der M e m e l ist vorgestern abend bei Eisgang am Pegel Schmolle n ingken eine Eisstobfung eingetreten, die gestern mittag noch fortbestand und ein starkes Steigen des Wassers zur Folge ge- habt bat.— Das Hochwasser der M o s e l hat weiter abgenommen. Heutiger Wasserstand am Pegel Trier immer noch 445 cm.— Der Rhein erreichte bei Koblenz mit 590 om. seinen höchsten Stand und ist bis heute aus 565 cm. gefallen. <�1D l£=|[ O Mittwoch, den 2. März. Ansang 7 Uhr. KSnigl. Qprruhaus. Der Barbier von Sevilla. Ansang 7ll, Uhr. Königl. Schauspielhaus. Strand- linder. Neues lönigl. Oper»-Theater. Geschlossen. De« i ich es. Der Widerspenstigen Zähmung. Kammerspiele. Hilfe I Ein Kind ist vom Himmel gefallen. Aniang» Ubr. Berliner. Hohe Politik. Lessiug. Das Konzert. Neues TcbauipteldauS. Der Herr Verteidiger. Neues. Der Philosoph von Sans- souci. Westen. Die geschiedene Frau. Komische Over. Zigeunerlieb«. Neues Operette». Der Gras von Luxemburg. Trtano». Theodore u. Ei«. Kleines. Der große Name. Restdruz. Im Taubenschlag. Thalia. Die Dollarprinzessm. Schiller O. Wallner- iucaler.) Neue Jugend. Schur» Eharlotteuburg. Miß Hobbi. Friedrich, Wtibelmstädlisches. Der selige Toupinel. Bolksoper. Der Trompeter von Säckinaen. Luise». WaS Gott Roie. Wmilender Boden. Luftipielhaus. Der dunlle Punkt. Metrov oi. Halloh il— Die große Revue. FolieS Caprtce. Herr Wasserkrops. Der Lustturner.(Ans. 8'/« Uhr.) Eofino. Berlin bei Nacht. Gebr. Herrnscld. So muß man'S machen. Eine UebcrgangS-Eb«. Hebbel. Zwischen ihm und ihm. Frosch. Trauerdiner.(Ansang S Uhr.) Noacks. Die Anna-Lise. Stadttheaier Moabit. Geschlossen. Parodie. Lohengnin.(Ans. 81/, Uhr.) Ap>> Uo. Der LiebeSwalzer. Spezia- litäten. Wintergarten. Spezialitäten. Reichsbalien. Stelttner Sänger. Palast. Spezialitäten. Po,,, ige. Svezialiläten Karl Havelland. Svezlalttiten. Walballo Soezialiläien Buggenhagcn. Spezialitäten.(An- 7'/. Uhr). Urania. raubeiiiiraße 48/49. Nachmittags 4 Uhr: In den Dolomiten. Abends 8 Uhr: Eugen Zabel: Vom Kreml zur Newa. Im Hörsaal 8 Uhr: Pros. Dr. Rathgen: Schwefelsäure, Koch- salz, Salzsäure und Soda. Gteiuioui««. Jiivattdeiistr. 57— 62. l,eB8i ng-Thcater. 8 Uhr: Das Konzert. Donnerstag, 8 Uhr: TautriS der Narr. Freilag, 8 Uhr: Das Konzert. EterUner Theater. H-«'-- Jtohe Politik,«mr. Morgen: Taifun._ Neues Theater. Abends 8 Uhr: Der Philosoph von Sanssouci. Morgen und folgende Tage: ver Philosoph von Sanssouci. Theater des Westens. Abends 8 Uhr: Die geschiedene Fran. Sonnt. 3'/,Ubr: Der sidele Bauer. Bie,»«»<>p«»'<>tr»-n-DI><'»t«r. Heute und folgende Tag« 8 Uhr: Der Gras von Lnxeinburg. Sonntag nachmittag 3 Uhr zu er- mäßigten Preisen: Ose Zigeunerbaron. rnedrlch-Wiliielmstddtisches Schauspielhaus. Mittwoch, den 2. März, Ans. 8 Uhr: Der selige Toupinel. Donnerstag: Die Jungfrau von Orleans. Freitag: Der selige Toupinel. Sonnabend: Im bunten Rock. vl'AIAj». WisssnschsftlicKes Theater. Nachmittags 4 ühr: In den Dolomiten. 8 ühr Eugen Zabel: Vom Kreml zur Newa. Hörsaal 8 ühr: Prot Dr. Rathgen: Schwefel- säure, Kochsalz, Salzsäuren. Soda. Lustspielhaus. Abends 8 Uhr: Der dunkle Punkt. Residenz-Theater Dtreltion: Richard Alexander. Abends 3 Uhr: Im Taubenschlag. Schwank in 3 Akten von Hennequin und Beber. Morgen und folgende Tage: Dieselbe Vorstellung. Sonntag, 6 März, nachm. 3 Uhr: Schlaswagcnkonirolleur._ Volksoper. SW., Belle-Alliance-Straße Nr. 7/8. Abend»'/,» Uhr: rcr Trompeter von Säckingen. Luisen-Theater. Abend» 8 Uhr: Vis Holl nmiigl. Schauspiel in fünf Akten von Ernst Rllterscldt nach freier Benutzung einer Erzählung von Courths-Mahler. Morgen und folgende Tage: Was Gott zusammenfOgt. Schiller Schiller-Theater 0.(Wallner-Theat.). Mittwoch, abends« llbr: IVeae Jugend.(Johan Ulfstjerna.) Schauspiel in 5 Sitten o. Tor Hedbcrg. Deutsch von Hermann Blocher. Ende>0«/. Uhr. Donnerstag, abends 8 Uhr: �(ene Jugend.(Johan Ulfstjerna.) Freitag, abends 8 Uhr: Viel I.lirmcn nm nichts. Theater. Schiller-Theater(Charlottenburg). Mtttwock. abends 8 Uhr: Egmont. Ein Trauerspiel in 5 Aufzügen von Johann Wolsgang v. Goethe. End- 11>/, Uhr. Donnerstag, abends 8 Uhr: Der Melnei.Iknner. Freitag. abends3Uhr: Egmont Brauerei Friedrichshain arn Köntpstor. CiröSte Sehcnawürdigkeit Berlins. 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