Ar. SS. flbonnemcnfS'Bedingungeti: Abonnements- Preis pränumerando i Kicrlcljkhrl. 8,2a Mb, monatl. 1,10 Mb, wöchentlich 2» Ptg. frei inS HauS. Einzelne Nummer S Pfg. Sonntags- nunimcr mit illustrierter Sonntags. Beilage„Die Neue Welt" lOPfg, Post- Abonncnient: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Posl-ZeitungS- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich, Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland L Marl pro Monab PoflabonnementS nehmen an: Belgien. Dänemark, Holland. Italien. Luxemburg. Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz, S7. Jahrg. VIchitot tSglich außer montags. 5? 4>- Verlinev Volksblatk. Bk TnlerflonseGeböör tekiigl für die fechsgespaltene Kolollet« zeile oder deren Raum M Pfg, für politische und gewerlschaslliche Vereins» und Versammlungs-Anzsigen 80 P'g. �Alelne Anreisen", das erste(seit- Wedruckte) Wort 20 Pfg., jedes«eile« Wort 10 Pfg. Stellengcfuche und«chtaf» pellen-Anzeigen das erste Wort 10 Pfg, tedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über W Buchstaben zählen für zwei Wort«. Wnseratc für die nächste Numnicr wüsten plS s Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist pts 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm-Adresse: „SozialiUsiokrat kerlin". Zentralorgati der fozialdcmohratifcbcn partes Deutfdslande. Rcdahtion: 8Al. 68, Ltndcnatrasae 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Donnerstag, den 3. März 1310. Expedition: 8M. 68, �.indenstrasse 69» Fernsprecher: Aolt IV, Nr. 1984. Wer Anhänger des allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Landtagswahlrechts ist, findet sich am nächsten Sonntagnachmittag im Treptower Park zum Spaziergang ein. 1 Uhr Sie Mitichlllälgen. Immer unerträglicher lastet die Herrschaft des schwarz- blauen Blocks auf Deutschland. Immer enger wird das Bündnis, das die Heiligen und die Ritter initeinander ge- schlössen haben. Schon die Vorgänge beim Sturz des Fürsten B ü l 0 w ließen klar erkennen, daß nicht ein vorübergehendes Zusammenarbeiten, sondern ein dauernder und fester politischer Bund geplant ist. Sicher hat die Steuer- scheu der Junker sehr viel zu ihrem Entschlüsse beigetragen, dein Fürsten Bülow den Garaus zu machen, aber unabänder- lich wurde der Beschluß erst, als die Ankündigung der preußischen Wahlreform die Junker mit der Sorge erfüllte, die Alleinherrschaft der Konservativen in der preußi- schen Privilegienkammer könnte erschüttert werden. Da erst fanden sie im Dunkeln den Weg, auf dem sie dem Zentrum begegneten, und da erst wurde das feine Geschäft abgemacht: Wir stürzen euch den Bülow und geben euch eure ausfchlag- gebende Stellung im Reiche zurück, ihr aber versprecht, uns in der preußischen Wahlreform beizustehen und dafür zu sorgen, daß der konservativen Macht auch nicht im geringsten Abbruch getan werde. Um seine Stellung im Reiche wieder- zugewinnen, hat damals schon das Zentrum sich zum Verrat an der preußischen Wahlreform verpflichtet und nur weil der Verrat des Zentrums sicher war, konnte Herr von Heyde- b r a n d in der großen Rede, in der er den Sturz des Fürsten Bülow als Notwendigkeit zu erweisen suchte, die Erklärung abgeben: Die Konservativen seien bereit, an einer preußischen Wahlresorm mitzuarbeiten. Der Führer der Konservativen verließ damit den Standpunkt, den seine Partei und seine Presse bisher stets eingenommen hatte, daß überhaupt keine Reform des Wahlrechts in Angriff genommen werden sollte. Er konnte dies, weil er wußte, daß er der„Mitarbeit" des Zentrums sicher war und daß das Zusammenwirken der kon- servativen Volksfeinde mit den klerikalen Volksverrätern jeden wirklichen Fortschritt vereiteln werde. Wie der Schnaps- block in der Finanzreform den Junkern neue und vermehrte Liebesgaben, dem Volke aber die ungeheuerliche Last der halben Milliarde auferlegt hatte, so will derselbe Block in Preußen das Junkerprivileg auf den schändlichsten Wahl- terrorismus noch befestigen, die Entrechtung des Volkes aber in ihrer ganzen Unerträglichkeit unverändert fortbestehen lassen. Herr von Heydebrand hat sich in dem Zentrum nicht getäuscht und nur weil er des Zentrums sicher war, gestattete er feinem jungen Bcthmann, eine sogenannte Wahlreform einzubringen. Früher, als er selbst es wohl gedacht, ist die Hoffnung, der Herr von H e r t l i n g, der Führer des aristokratisch-kirchlichen Flügels des Zentrums, Ausdruck ge- geben hat, verwirklicht worden. Das politische Ziel seines Anhangs, allen Forderungen der bürgerlichen Linken und der Sozialdemokratie die geschlossene reaktionäre Phalanx der verbündeten Konservativen und Klerikalen gegenübcrzu- stellen, ist im wesentlichen verwirklicht. Die Leidtragenden der Zertrümmerung des Bulowblocks waren vor allem die Nationalliberalen. Sie fühlten sich ja als„Kern des Blocks", sie hofften endlich zu einigem Einfluß und einigem Ansehen zu gelangen. Zwar erwiesen sich schon zu Bülows Zeiten diese Hoffnungen zum größten Teil vergeblich. Die Konservativen behandelten die Natio- nalliberalen nach alter Gewohnheit eu canaille: aber in der seeligen Blockära durfte wenigstens Herr Bassermann von Zeit zu Zeit protestieren und sich vom Fürsten Bülow einige Trostworte spenden lassen. Heute sind die National- liberalen völlig an die Wand gedrückt. Zu einer irgend wirk- samen Opposition wagen sie sich nicht aufzuraffen und die von Herrn von Heydebrand eingesetzte Regierung hat nicht die Erlaubnis, ihre bereitwillig dargebotenen Dienste anzu- nehmen. So spielen sie im Reichstag die Rolle des Aschen- brödels, das von niemandem beachtet wird und nichts ist ihnen geblieben als die Hoffnung auf den Prinzen, der sie einst er- lösen soll. Nun ist es freilich gewiß, daß die Tage der Herrschaft des schwarz-blauen Blocks im Reiche gezählt sind. Denn daß die nächsten Reichstagswablen wieder eine konservativ-kleri- kale Majorität ergeben könnten, ist recht fraglich. Aber die Machtstellung der Konservativen beruht viel weniger auf ihrer Stärke im Reichstag, als auf ihrer Stellung im Preußischen Landtag, wo sie als regierende Partei die Verwaltung und die Regierung ganz in ihrer Hand haben. Nicht durch die Wahlen im Reiche allein, sondern nur durch ihre Ueberwindung in Preußen kann die Herr- fchaft des schwarzen Schnapsblocks vom deutschen Volke abge- schüttelt werden. Das Dreiklassenwahlrecht aber bedeutet die Verewigung der junkerlichen Diktatur. Ohne grundlegende Acnderung des Wahlrechts kann der schwarz-blaue Block in Preußen nicht zerbrochen werden. Und so wird die preußische Wahlrefornr zur Vorbedingung. für jede Aenderung der politischen Verhält- nisse im Reiche wie in Preußen. Das haben nun sogar die Nationalliberalen begriffen. Und auch sie fordern die Wahlreform. Macht doch das geltende Dreiklassenwahlrccht sie politisch im preußischen Landtag völlig entbehrlich und daher gänzlich einflußlos. Nur in den seltenen Fällen, wo Konservative und Zentrum in irgendwelchen Nebensachen miteinander uneins sind, dürfen die Nationalliberalen den Konservativen zur Majorität der- helfen. Gewöhnlich sind sie aber für die reaktionäre Ma- jorität das fünfte Rad am Wagen, während sie als Opposition wegen ihrer Feigheit nur ein komisckze Rolle spielen. Dazu kommt, daß das Privilegienwahlrecht nicht, wie sie so gerne möchten, auf sie selbst, sondern auf Konservative und Zentrum zugeschnitten ist. Obwohl sie nicht viel weniger Stinimen bei den Landtagswahlen aufgebracht haben als die Konservativen — man zählte 318 589 oder 12,71 Proz. an nationalliberalen gegen 354 786 oder 14,5 Proz. an konservativen Stimmen—, haben die Nationalliberalen nur 65, die Konservativen dagegen 152 Abgeordnete. Sind also die Nationalliberalen gegenüber der Sozialdemokratie mit ihren 538 522 Stiinnien und ihren 6 Mandaten noch immer ungeheuerlich bevorzugt, so sind sie doch gegenüber den Konservativen außerordentlich im Nachteil. Ihr Wunsch nach einer Aenderung des Wahl- rechts ist daher begreiflich. Aber diese bornierten Interessen- Politiker wollen nur eine Wahlreform, die ihnen allein Vor- teile bringen, die Entrechtung der Massbn aber erhalten soll. An Stelle des konservativ-klerikalen Privilegs wollen sie das nationalliberale setzen, das Privileg selbst aber erhalten. Deswegen sind sie zwar bereit, für eine modernere Wahl kreiseinteilung und für das geheime Wahlrecht zu stimmen, bleiben aber Feinde des gleichen Rechts. Nun zeigt aber die Erfahrung aller Wahlrechtsdebatten, daß diese Haltung der N-ationalliberalen überhaupt jede Wahlreform, die diesen Namen verdient, unmöglich macht. Und das ist ja eigentlich selbstverständlich. Hinter der nationalliberalen Forderung sieht nichts als ihre 65 Mandate, also eine hoffnungslose Minorität Daß die konservativ-klerikale Majorität die Wünsche dieser Privilegienkämpfcr erfüllen wird, nur um die eigenen Privilegien zu verkürzen, ist natürlich völlig aus- geschlossen. Daß aber die Volksmassen sich in Bewegung setzen werden, um an Stelle der einen Privilegien andere zu setzen, werden die Nationalliberalen selbst nicht glauben. So wäre die Rolle der Nationalliberalen eine überaus lächerliche, wenn sie nicht zugleich eine so überaus schädliche wäre. Denn nur die Feindschaft der Nationalliberalcn gegen das gleiche Recht niacht dem Zentrum seine verräterische Taktik in der Wahlrechtsfrage so leicht und befestigt damit die Herr- schaft des Schnapsblocks. Würden die Natioialliberalen ein- sehen, daß das Privilegienwahlrecht in jeder Form in Preußen eine Unmöglichkeit geworden ist, daß nur für die Erringung des gleichen Rechts sich jene Kräfte ent- fesseln lassen, die zur Ueberwindung der Junkerherrschaft entfesselt werden müssen, dann wäre dem Zentrum sein frevles Spiel mit den Volksrcchten gründlich verdorben. Das Zcn- truni kann im preußischen Abgeordnetenhaus seine Feindschaft für das gleiche Wahlrecht, zu der es sich den Konservativen gegenüber verpflichtet hat, bei den Abstimmungen verhüllen und zum Schein für das gleiche Recht nur deshalb stimmen, weil es sicher weiß, daß die Nationalliberalen im entscheidenden Moment den Konservativen stets zur H i l f e e i l e n. Die nationalliberaleDummheit sichert das Zentrum vor den Folgen seiner Zweideutigkeit und erlaubt ihm jene Heuchelei, welche noch inimer so manchen seiner Anhänger irre führt. NurdieWahlrechtsfeindschaftderNatio» nalliberalen ermöglicht heute die Herr- schaft der vereinigten Konservativen und Klerikalen. Und wenn die Nationalliberalen über die Folgen dieser Herrschaft jammern, so muß ihnen gesagt werden, daß sie die M i t s ch u l d i g e n sind und mit die Ver- antwortung für diese Herrschaft tragen. Und diese Verant- Wartung wird ihnen nicht nur in Preußen, sondern bei den nächsten Reichstagswahlen mit allem Nachdruck vor- gehalten werden. Feinde des gleichen Wahlrechts in Preußen werden vor den Wählern des Reichstagswahlrechts nicht b e st e h e n und die Mitschuldigen des schwarzen Blocks werden keine andere Behandlung erwarten dürfen als die Hauptschuldigen. DennfürdieVerweigerungdes gleichen Rechts gibt es keine Mil.derfings- gründe.-'.. Die reaktionäre Preise und das Verbot der ßablrecbtskund» gebung im treptower Park. Die gestern unter der Ueberschrift„Trotz alledcml' vom „Vorwärts" erteilte Antwort auf das Versammlungsverbot des Herrn Polizeipräsidenten v. Jagow hat in der reaktionären Presse eine höchst komische gereizte Stimmung ausgelöst, die deutlich er» kennen läßt, daß man jetzt auch in den Regierungskreisen einzu- sehen beginnt, wie wenig der Arbeiterschaft die polzeiliche Taktik imponiert. Besonders scheint man es in jenen Kreisen als schmerz. lich zu empfinden, daß die Sozialdemokratie sich weder in bcrcch- tigtcr Empörung über das Verhalten der Polizeilcitung zu einer offenen Widerhandlung gegen das polizeiliche Verbot hinreißen läßt, noch sich demütig der väterlichen Weisheit der Polizciverwal- tung unterwirft, sondern den beabsichtigten Schlag einfach dadurch pariert, daß sie eine andere Form der Bekundung ihres Protestes wählt, die von dem Verbot nicht betroffen wird und gegen keine Paragraphen des Reichsvereins- und-Versammlungsgesetzes ver- stößt. Am meisten wüten natürlich die Blätter, die zum Polizei- Präsidium und dem preußischen Ministerium des Innern gute Be- Ziehungen unterhalten und in den Ministern nichts anderes schen als Vollstrecker ihres Willens, denen sie, wenn ihnen deren Ver- halten nicht paßt, sogar ganz ungeniert zu höchst eigenartigen lukullischen Genüssen einladen. Voran geht die«Deutsche Tageszeitung", die sich zunächst an Herrn Oberbürgermeister Kirschner zu reiben sucht und dann den Polizeipräsidenten v. Jagow als staatserhaltendes Genie feiert— was nicht verwunderlich ist; denn, wie wir schon gestern nachwiesen, reicht die Kongenialität zwischen Polizei- Präsidium und Redaktion der„Deutschen Tageszeitung" so weit, daß beide fast bis auf das Wort die gleichen Gedanken haben. Zum Schluß schreibt das ehrsame Bündlerblatt: „Bei allen staatserhaltenden Parteien dürfte das Verhalten des Ministers und des Polizeipräsidenten volle Anerken» n u n g finden. Man kann aber ruhig noch einen Schritt weiter gehen als der Minister: Nicht einmal für ihre organisierten An- Hänger können die sozialdemokratischen Führer die Bürgschaft übernehmen; Beispiele genug dafür sind vorhanden. Ja noch mehr, selbst unter den Führern dürfte sich mancher finden, den man hier nicht mit gutem Gewissen zum Gärtner setzen könnte. Warum haben die Sozialdemokraten nicht statt der Herren Borg- mann und Ernst etwa den jungen Liebknecht und den Zehn- Gebote- Hoffmann zu den Behörden geschickt? Das wäre ehrlicher gewesen und hätte die Situation in ein richtigeres Licht gesetzt. Dieser Hinweis ist wohl deutlich genug; und wir brauchen uns kaum weiter um den Nachweis zu bemühen, daß die„Bürg» schaft". die unsere sozialdemokratischen Führer für das Verhalten von Wahlrcchtsdemoiistranten anbieten, völlig ungenügend, ja wertlos ist. Der„Vorwärts" kündigt nun an, daß sich die Wahlrechts- freunde im Treptower Park zu Hundcrttausendcn zu einem „friedlichen Spaziergange" einfinden würden. Wir haben das Vertrauen, daß die Berliner Polizei auf der Hut sein und Sorge tragen wird, daß solche Spaziergänge nicht zu unzulässigen Kund» gedungen ausarten. Der Anerkennung und Unterstützung aller staatserhaltenden Kreise kann sie dabei vollkommen sicher sein, und sie erfüllt nur ihre Pflicht, wenn sie nachdrücklich und wirksam dem Gesetze Achtung verschafft und jeder Störung der öffentlichen Ordnung vorbeugt." Die„Kreuz-Zeitung" geht in ihrer nervösen Erregung sogar so weit, daß sie die Polizei auffordert, sich einer offenen Gesetzesverletzung schuldig zu machen und fried- liche Spaziergänger zu attackieren. Das Blatt der Hammcrsteinlinge schreibt nämlich: „Die sozialdemokratische Parteileitung geht, wie man hier sieht, entgegen ihrer seitherigen vorsichtigeren Taktik, darauf aus, die großstädtischen Arbettermasscn direkt zu gesetzwidri. gen Handlungen systematisch aufzureizen. ES ist der Beginn eines sorgfältig geplanten Massenvorstoßes gegen die Staatsgewalt, der jetzt um so größere Beachtung verdient, weil der sozialdemokratische Revolutionsgedenktag,' der 18. März, nicht mehr fern ist. Es wäre zu verwundern, wenn nicht gerade für diesen Tag besonders mächtige Kundgebungen geplant wären. Die Staatsregierung wird sich angesichts dieser fortwährenden Aufregung der Massen, die eine fortwährende Bedrohung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit darstellt, doch nun ein- ma l d i e ernste Frage vorlegen müssen, ob es nicht die höchste Zeit ist, der so dreist verhöhnten Staats« a u t 0 r i t ä t mit aller Strenge Geltung zu verschaffen." Man scheint in den Redaktionsräumen des JunkerblatteS übermäßig einzuheizen. Der sozialdemokratischen Parteileitung ist es gar nicht eingefallen,„direkt zu gesetzwidrigen Handlungen systematisch aufzureize n". Allem An, schein nach sieht in seiner albernen Furchtsamkeit bereits das Blatt in einem friedlichen Spaziergang in äffen t, lichen Parks eine„gesetzwidrige Handlung" und„Ver, höhnung der StaatSautsritä t", die nur durch Mens kÄMlllt gesühnt werden kann.> � Am albernstm ist naiürlich. wie immer, die Kronsbeinsche «P o st". Tie nimmt ohne weiteres an, die Sozialdemokratie hätte nur deshalb eine Versammlung im Treptower Park abhalten wollen, um»die Anlage» hoffnungslos zu ruinieren". Besonders aber findet sie unbegreiflich, dasj die„Sozialdemokratie nicht, wie eS so schön im preußischen Hofjargon heißt, in Devotion vor dm Verfügungen der Polizei„erstirbt". Sie meint: „Die ganze Erklärung des„Vorwärts" ist eine Verhöhnung der Behörden, die sicherlich alle Schritte ergreifen werden, um die geplante Demonstration nicht zur Tat werden zu lassen. Denn jede Nachgiebigkeit bedeutet hier einen empfindlichen Autoritäts- Verlust der gesetzmäßigen Hüter der öffentlichen Ordnung. Dem „Trotzdem" des„Vorwärts" muß ein absolutes„Nein!" und „Unmöglich" schon aus dem Grunde entgegengesetzt werden, �damit die Genossen endlich einmal begreifen, daß ihnen die Straße noch immer nicht gehört." Zluch die„T ä g l. R u n d s ch a u" darf unter diesen Ucbcr- geschnappten nicht fehlen. Sie schreibt mit der ihr eigenen Ucbcr- lcgenheit: „Es ist schwer, mit diesen Leuten zu rechten. Wenn man nicht längst wüßte, daß die Sozialdemokratie das„Recht auf die Straße" im Grunde doch nur i n b c r Absicht fordert, um den Zusammenstoß mit der Polizei und das dabei unvermeid- l i ch e Blutvergießen herbeizuführen, ohne welches der Veranstaltung die aufreizende Pointe fehlt, könnte man meinen, die Herren v. Jagow und v. Moltke sollten dem Begehren stattgeben und abwarten, was kommt. Indessen wird ihr Standpunkt, daß die Sozialdemokratie(selbst wenn sie den friedlichen Ausgang solcher Demonstrationen wirklich ernsthaft wollte) den Janhagel gar nicht in der Hand hat. allseitige Billigung verdienen, so daß das Verbot des„Spazierganges" unzweifelhaft gerechtfertigt ist. Setzt die„Berliner Arbeiter- fchaft" den Plan dennoch durch, so bleibt die Veranlioortung allein bei der Sozialdemokratie, wenn immer auch ihre im sicheren Versteck bleibenden Führer sie von sich abzuwälzen suchen werden." Tie Logik eineS Geisteskranken! Wenn die Sozialdemokratie Zusammenstöße mit der Polizei will, weshalb ersuchte sie dann um polizeiliche Genehmigung einer Versammlung im Treptower Park und weshalb verpflichtet sie sich dann, Garantie für strenge Aufrechtcrhaltung der Ordnung zu bieten. Tie linksliberalen Blätter beschränken sich meist auf AuS- züge aus dem„Vorwärts" mit kurzen einleitenden Bemerkungen. lleue Verschlechterungen? Die Verhunzung der Wahlreform durch den schwarz- blauen Block hat einen begeisterten Bewunderer gefunden. Es ist der tückische Feind des NeichstagswahlrcchtS. der erbitterte Gegner jeder Sozialreform, der unermüdliche Scharfmacher, der freikonfervative Herr v. Zedlitz. Die Bewunderung für die Hinterlist, niit der Konservative und Klerikale ihren in- famen Streich verübt haben, indem sie in das Gesetz die ge- Heime Wahl aufnahmen, um in der Praxis durch Kon- trollierung der Wahlmänner den Zweck der geheimen Wahl völlig illusorisch zu macheil und den Wahl- terrorismusnoch beguemer als bisher aal s- üben zu können, diese Bewunderung drängt sogar das blamable Gefühl in den Hintergrund, niit seiner Voraussage, daß die öffentliche Wahl unumgängliche Voraussetzung des Zustandekommens der Wahlreform im Privilegienhause sei, sich wieder einmal als falscher Prophet erwiesen zu haben. Herr v. Zedlitz ist über die Idee, den Wahlterrorismus auf dem Papier abzuleugnen und ihn in Wirklichkeit desto wirk- samer zu gestalten. so entzückt. daß er diesen Zweck der Hebung, der vom Zentrum namentlich so eifervoll abgeleugnet wird, laut hinauSschrcit. Er schreibt: .Die realpolitische Auffaffung der Konservativen tritt drastisch in der W a h l d e r B e d i n g» n g e n, unter denen die Konser- vativen sich mit der geheimen Wahl abzufinden bereit sind, hervor. Die Wahl der Abgeordneten durch Wahlmänner in öffentlicher Abstimmung beugt einer Ver- schlechten! ng ihrer Wahlaussichtcu wirksam vor. Unter diesem Gesichtspunkte ist unzweifelhaft für sie das Wahlkompromiß vor- tcilhafter als die öffentliche und direkte Wahl nach der RegieruugS- vorläge; daß es trotzdem den Anschein einer weitergehenden Konzession hat als diese, wird gleichfalls als ein Vorteil an- zusehen sein. Daß die konservative Parteileitung unter diesen Um- ständen die bis dahin prinzipiell so hochgehaltene öffentliche Wahl glatt über Bord warf, inacht ihrer realpolilischen Entschlossenheit alle Ehre. Das Gestäudnis aus so sachverständigem Munde, daß das schwarzblaue Machwerk für die Konservativen noch vor- t e i l h a f t e r ist als selbst das Bethmannsche Schandgesetz. wird man sich merken, wird man immer und immer wieder den klerikalen Verrätern vorhalten müssen. Den Führer der Freikonservativen, einer Partei, die politisch nur von dem infamen Klassenprivileg lebt, plagt unter solchen Umständen nur die Sorge, daß die Schniach dieser Verschlechterung auf.den verbündeten Konservativen und Klerikalen, denen sich natürlich als Dritte in dem volksfeindlichen Bunde auch die Freikonservativen zugesellen, sitzen bleiben könnte. Er sucht deshalb nach Mit- schuldigen und sieht diese natürlich in den National- liberalen. Denn eine»von den Konservativen und dein Zentrum allein durchgedrückte Wahlrechtsordnung würde nicht als eine längere Dauer versprechende Lösung der Aufgabe angesehen werden können." Deshalb sollen sich die Nationalliberalen dem Volksverrat an- schließen. Herr v. Zedlitz tut so, als ob dieser Anschluß allein die Regierung und das Herrenhaus von ihrem Wider- stand gegen die geheime Wahl— die aber ja nach semem eigenen'Geständnis gar keine geheime Wahl ist— abbringen könnte. Aber das ist bloßes Geflunker, denn in Wirklichkeit ist es natürlich ausgeschlossen, daß das Exekutivorgan der preußischen Konservativen, die sogenannte Negierung, etwas gegen den Willen ihrer Auftraggeber zu tun wagte. Dieser Trug findet heute keine Gläubigen mehr. Herr v. Zedlitz möchte vielmehr das politische Geschick der Nationalliberalen an das des schwarz- blauen Blocks ketten und sie bewegen, freiwillig einen Teil der Veranüoortung auf sich zu nehmen. Sie sollen mitgefangen sein, wenn es zur Abrechnung kommt, die das deutsche Volk mit den Feinden seines Rechts vor- nehmen wird. Auf die Haltung der Nationalliberalen kann man also gespannt sein. Die Zumutung des Freiherrn v. Zedlitz würde jede andere Partei als Beleidigung nicht nur ihrer politischen Ehre, sondern auch ihres politischen Verstandes ent- rüstet zurückweisen. Bei den Nationalliberalen ist das natürlich zweifelhaft. Schon kommen auch von anderer Seite Meldungen über Verhandlungen, die die National- liberalen zu Helfershelfern des Schnapsblocks machen sollen. ES sollen ihnen auch Zugeständnisse gemacht werden durch— weitere Verschlechterung des jetzigen Wahlrechts! Die alte Forderung der Nationalliberalen, daß die Drittelung nach UrWahlbezirken aufgehoben und nur im ganzen Wahlbezirk gedrittelt werden soll, wird als Köder benutzt. Dies bedeutete, daß die kärglichen Aus- sichten auf eine Vertretung der Arbeiter- klaffe n o ch verringert werden sollen! Also neue Verschlechternnge» sollen die Zustimmung der Nationalliberalen erkaufen! Ob die Nationnlliberalen'dieser Einladung zum politischen Selbstmord folgen werden, werden vielleicht schon die nächsten Tage zeigen. Für die Volksniassen aber folgt daraus die Lehre, daß es in der Frage der Wahlreform kein Zögern geben darf. Was immer die Koalition der Volksfeinde beschließen möge, das Schicksal des gleichen Rechts ruht in den Händen des Volkes selbst und nur auf ihre eigene Kraft ist der Sieg gestellt._ Der Kahlrechttlcgmpf. Klerikale Täuschungsversuche. In welcher verlogenen Weise die klerikale Presse ihren Lesern die heutige politische Loge in Preußen und das Verhalten der Zentrumsvertreter in der Wahlrechtskoinmijsion des preußischen AbgeordneleuhauseS darzustellen sucht, zeigt folgende jesuitische Leistung der bigotten„Köln. VolkSztg.": „Die Parteien der Linken, die in der Wahlrechtsfrage den Standpunkt„alles oder nichts" vertreten, suchen ihrer Forderung durch möglichst geräuschvolles Auftreten Nachdruck zu ver- schaffen. Sie protestieren und demonstrieren, halten landauf und landab Versammlungen mit großen Reden und inszenieren Straßendemonstrationen. Die Rechte und das Zentrum machen keinen Spektakel nach außen, sie operieren nicht mit phrasenreichen Reden, sondern suchen in ruhiger er n st er Arbeit etwas zustande zu bringe ir, von de in sie überzeugt sind, daß es einen Fortschritt gegenüber dem bisherigen Zustande bedeute. Sie suchen bei aller Betonung ihres grundsätzlichen Standpunktes soviel zu erreichen, als unter den gegenwärtigen Verhältnissen durchzusetzen ist, und wenn es auch nicht dem Ideal enspricht. so nimmt man es hin als eine Etappe auf dem Wege zu», Ziele, kurz man treibt ernsthafte Politik durch Erreichung des Möglichen unter Berücksichtigung der realen Ver- hältnijse. Sämtliche sechs Zentrumsmitglieder der Äoniimssion sind wiederholt geschlossen für die lieber- tragung des Reichstags ivahlrechts auf die Wahlen zum Abgeordnetenbau se eingetreten. da§ ist nach wie vor ihr prinzipieller Standpunkt. Allein kein ein- sichtiger Mensch kann sich der Erkenntnis verschließen, daß die Erreichung dieses Zieles zurzeit ein Ding der Unmöglichkeit ist. Bei der jetzigen Zusammensetzung des Abgeordnetenhauses ist das Zentrum gar nicht imstande, seinen Willen einseitig durch- zusetzen; und selbst wenn dies möglich wäre, so kommen immer noch Herrenhaus, Negierung und Krone als gleichberechtigte gesetz- gebende Faktoren in Betracht, die mit in Rechnung zu stellen sind. Würde sich das Zentrum auf den Standpunkt der lmken Parteien stellen, so würde das Gesetz eben ohne es gemacht, und die Befiirchiung. daß Schlimmeres zustande käme, wäre nicht von der Hand zu weisen." Die klerikale Ethik schützt, wie man ficht, nicht bor bewußter Unwahrheit. Es ist geradezu lächerlich, wenn die„Köln. VolkSztg." behauptet, falls das Zentrum nicht mit den Konservativen mogele. sondern die liberalen Forderungen unterstütze, würde das neue Wahlgesetz ohne daS Zentrum gemacht werden. Das ist schon deshalb unmöglich, weil in diesem Fall die nötige Mehrheit fehlen würde. DaS Ergebnis würde in diesem Fall sein, daß vorläufig überhaupt kein neues Wahlgesetz zustande käme— sicherlich kein Nachteil. Vernünftige Polizeipräsidenten. Der Polizeipräsident in K a s s e l hat das für Sonntag, den 6. März, geplante Massenmeeting unter freiem Himmel erlaubt. Der Magistrat hat den größten in städtischem Besitz befindlichen Platz, den sogenannten„Forst", zur Abhaltung deS Massenmeetings freigegeben. Der Polizeipräsident hat außerdem die nach- gesuchte Erlaubnis zu einem Dcmonstrationszug durch die Stadt erteilt. Ebenso hat die Polizeibehörde von Essen eine Wahl- rechtsversammlung unter freiem Himmel und zwar auf einem großen Platz, der mitten in der Stadt liegt, genehmigt. Polizei soll nur ganz wenig auf- geboten werden, dagegen mußten sich unsere Genossen ver- pflichten, bei dem An- und Abmarsch zwei bis drei der be- lebtesten Geschäftsstraßen zu vermeiden. Auch in Solingen wurde die Genehmigung zu einer Versammlung unter freiem Himmel erteilt. Ob sich Herr v. Jagow und der Minister v. Moltke nicht nachgerade schämen V Eine seltsame Richtigstellung veröffentlicht die„Liberale Korrespondenz". Sie schreibt: Phantasievolle Reporter haben dem Abg. Naumann eine eigenartige Rolle bei dieser Gelegenheit angedichtet. Er soll an der Spitze eines Demonsirationszuges marschiert sein, von kräftigen Männern sei er, so hieß es weiter, emporgehoben worden und er habe von den Schultern dieser Männer herab ein dreimaliges Hoch auf das Wahlrecht ausgebracht. Hiervon ist nichts wahr. Abg. Naumann ist ganz einfach, wie Hunderte von anderen Menschen, aus den: Zirkus nach Hause gegangen, und zwar am Schloß vorbei bis nach Unter den Linden, wo er eine Droschke fand und sie bestieg. Unterwegs brachte man ihm Ovationen dar; es ist ihm aber nicht eingefallen, eine Ansprache zu halten, auch wurde er nicht emporgehoben, einen schüchternen Versuch hierzu wies er entschieden zurück. ES gibt ein ganz falsches Bild der Vorgänge, wenn man Naumann als„Führer" eines Demonstrationszuges darstellt. Ein solcher existierte nicht, und Naumann hatte nichts zu führen und iv o l l t e nichts führen. Er war einfach Privatmann, der die Straße benutzte wie andere auch. Die auffällige Weise, in der hier bestritten wird, daß der Abg. Naumann am Zuge teilgenommen hat. wirkt fast komisch. Fast scheint es, als fürchtet man in dem Kreise um Naumann, daß gegen ihn der Staatsanwalt einschreiten könnte. Reaktionäre Stadtverordnete. Die bürgerlichen Stadtverordneten in Kiel, die in ihrer Mehrheit sich zum Freisinn rechnen, haben sich Dienstag abend in der Wahlrechtsfrags genau so reaktionär gezeigt, wie der Oberbürgermeister und der gesamte Magistrat. Nachdem die sozial- demokratischen Stadtverordneten dreimal versucht hatten, die städtischen Kollegien zu einem Vorgehen in der Frage des preußischen Wahlrechts zu veranlassen, diese Ansicht jedoch von dem Ober- bürgermeister verhindert wurde und dieser sogar in einem Schreiben an den Stadtverordneten Adler und den freisstmigen Landtags- abgeordneten und Stadtverordneten Hoff auSsührte, daß er über die Wahlrechtsfrage in den städtischen Kollegien nicht einmal reden laffen werde, brachten unsere Genossen Adler und Niendorf die Wahlrechtsangelegenheit gestern abend in einer besonderen Sitzung der Stadiderordneten zur Sprache. Genosse Adler wollte die Kompetenz des Oberbürgermeisters anzweifeln An- träge von Stadtverordneten nicht auf die Tagesordnung der gemein- samen Kollegiensitzung zu setzen. Genosse Niendorf beantragte, daß jetzt die Stadtverordnetenversamnilung wegen der preußischen Wahl- rechtsvorlage eine Petition an den Landtag richte. Der Stadtver- ordnetenvorsteher erklärte, diese Anträge bedürften deS Dringlichkeits- beschlusses. Die Mehrheit lehnte die Dringlichkeit ab, nur zwei bürgerliche Stadtverordnete stimmten dafür. Damit war auch in der Stadtverordnetenversammlung vorläufig die Stellung- nahine zur Wahlrechtsvorlage unmöglich gemacht. Unsere Genossen werden nunmehr rechtzeitig zur nächsten Stadtverordneten- Versammlung einen neuen Wahlrechtsantrag einbringen. .Haftstrafen gegen Demonstranten. Wie unser Frankfurter Bruderblatt, die„Volksstimme" meldet, hat das Amtsgericht gegen Leute, die am 13. Februar bei den Straßendemonstrationeii am Hohenzollernplatz verhaftet worden waren, wegen groben Unfugs Haststrafen von fünf Tagen und mehr ausgesprochen durch einfachen Haftbefehl. Es wird gerichtliche Ent- scheidung beantragt werden. IMtioinrecht- erpreiiiing- Press» Knebel. Die gestrige Sitzung der Strafjustizkommission beschäftigte sich zuerst mit der zu§ 253 Str.-G.-B. vorgeschlagenen Aenderung. Unseren Lesern ist aus dem Bericht über die Vorlage und über die erste Lesung in der Kommission in Erinnerung, daß der Vorschlag der Regierung durchaus ungenügend ist, um endlich eine Sicher- stellung der Bedrohung von Arbeitseinstellungen gegen eine Verurteilung wegen Erpressung zu erreichen. ES ist in den Motiven zum Gesetzentwurf und in der Kommission von dem Regierungskommissar besonders betont, daß in jedem Falle der Richter den Wert der beiderseitigen Leistungen in Betracht zu ziehen und abzuwägen habe, ob der „vereinbarte Lohn im Mißverhältnis zu dem wahren Wert der Arbeitsleistung steht". Dadurch wird der Willkür des Gerichts eine weite Schranke geöffnet und die Arbeiterklasse läuft Gefahr, daß der ErpressmigSparagraph in noch schärferem Maße wie bisher als Kampfmittel gegen sie angewendet wird und auch, daß Höchst-Lohntaxen, wie sie bis inS neunzehnte Jahr- hundert hinein zum Nachteil der Arbeiter bestanden, wieder ein- geführt und ihre Ucbertretung mit einer Strafe wegen Erpressung geahndet wird. Unsere Genossen in der Kommission und das Zentrum bemühten sich, diese Gefahr durch Amendements zur Bor- läge zu beseitigen. Ihre Anträge wurden jedoch durch- >oeg abgelehnt. Der Antrag des Abgeordneten Gröber sowie ein Antrag des Abgeordnete» M a y e r- Kaufbeuren wollten der Möglichkeit als Drohung im Sinne deS Paragraphen 253 jede Drohung mit einem Ucbel als hinreichend(also auch die Drohung mit einem Streik) als ausreichend zu erachten, dadurch be- gegnen, daß sie an Stelle der Drohung verlangten zu setzen: „Drohung mit einer rechtswidrigen Handlung, mit Herbeiführung einer gegenwärtigen Gefahr für Gesundheit oder Leben, mit Erstathrng einer Strafanzeige, mit der Stellung oder Nichtzurücknahme eines StrafantrageL oder einer Strafllage, oder niit einer nachteiligen Enthüllung" oder:„Drohung mit einer strafbaren oder einer an sich oder in Verbindung mit der Drohung sittlich verwerflichen Handlung." Bei Annahme einer dieser Fassungen wäre es bei der Möglichkeit einer Bestrafung wegen Erpressung verblieben, wenn die Drohung mit einem Streik gleichzeitig die Drohung mit einem VertrUgS- bruch sein würde. Von unseren Genossen war beantragt, das Wort„Drohung" im§ 253 durch folgende Fassung zu ersetzen: „Bedrohung mit einer strafbaren Handlung oder mit einer Strafanzeige oder mit der Verbreitung einer für den Be- drohten oder für eine ihm nahestehende Person ehrenkränkenden Behauptung." Ferner verlangten sie den Begriff„rechtswidriger Ver- mögensvorteil" im§ 253 zu ersetzen durch„Gewinn leventuell statt Gewinn Vermögensvorteil), den zu erstreben nicht in Wahrnehmung seines berechtigten Interesses oder dem eines Dritten liegt". Für den Fall der Ablehnung dieses Antrags hatten unsere Genossen beantragt, dem§ 253 den schon in letzter Lesung beantragten Zusatz hinzuzufügen, der ausschließt, daß das Verlangen nach bestimmten Löhnen usw. als rechtswidriger Vermögensvorteil erachtet werden kann, und femer, dem§ 253 zuzusetzen:„die Drohung mit einem Nachteile, die der VerkehrSsitle entspricht, insbesondere die Drohung mit einer Einstellung der Arbeit oder mit einer Sperre, ist keine Drohung im Sinne dieser Vorschrift." Nach Ablehnung aller dieser Anträge gelangte die bereits in erster Lesung angeuoinmene Regierungsvorlage gegen die Stimmen unserer Genossen und weiterer drei Kommissionsmitglieder zur Annahme. Die neulich abgebrochene Debatte über die » PreßknebelungSvorschriften wurde darauf fortgesetzt. An Stelle des§ 166a der Beschlüsse erster Lesung, der den Wahrheitsbeweis in erheblichster Weise ausschließen sollte, war folgende Vorschrift als 8 600» vom Abg. Wellstein vor« geschlagen: „Mit Geldstrafe bis zu eintausend Mark oder mit Hast oder mit Gefängnis bis zu sechs Monaten wird bestrast, wer böswillig den Frieden des Privatlebens eines anderen dadurch verletzt, daß er öffentlich oder durch Verbreitung von Schriften, Abbildungen oder Darstellungen Mitteilungen über dessen persönliches, häusliches oder Familienleben macht. Die Verfolgung tritt nur auf Antrag ein. Die Zurücknahme des Antrages ist zulässig. Der Antrag kann bis zur Verkündung eine» auf Strafe lautenden Urteils auf die Verfolgung wegen dieses Vergehens beschränkt werden. Bis zu demselben Zeitpunkte kann die Beschränkung des Antrages zurückgenommen werden. Im Falle der Beschränkung ist eine Beweisaufnahme über die Wahrheit der mitgeteilten Tatsache unzulässig. Der Z 193 findet Anwendung." Sie wurde insbesondere vom Abgeordneten Dr. Wagner(k.) lebhaft befürwortet, auf der anderen Seite von den Abgeordneten Frohme, Stadthagen und Gröber ebenso lebhast bekämpft. Die beiden Letztgenannten führten außerdem noch einmal eindring- lich vor, daß für eine Verschärfung der Strafbestimmung im§ 186 auch nicht der geringste Grund vorliege, daß vielmehr die neuen Vorschläge sehr geeignet seien, die Kritik öffentlicher Miß- stände durch oppositionelle Blätter noch mehr als heute zu er- schweren und insbesondere der Provinzpresse durch die ungeheuer- lichen Geldstrafen(Geldstrafe bis 10 600 M., daneben 20 000 M. Buße und Gefängnis bis zu zwei Jahren) den Garaus zu machen. Bei der Abstimmung fielen die sämtlichen gegen die Presse gerichteten Vorschriften. Die Kommission schlägt mithin vor, es bei dem bestehenden§ 186 zu belass en. Gegen die Strafverschärfung stimmten die Sozialdemokraten. daS Zentrum, der Pole, die Freisinnigen(Abg. Heckscher stimmte Mar gegen die Kumulierung von Freiheit?- mit Geldstrafen, aster für die Erhöhung der Geldstrafe) und Abg> Kölle(Antis.). Die so gestaltete Vorloge wurde cinstimmig angenommen. Durch diese Zustimmung in der Kommission ist selbstverständlich der Stellung der Parteien im Plenum nicht präjudiziert. ES wird im Plenum nochmals der Versuch gemacht werden müssen, den§ 253 so zu gestalten, daß seine mißbräuchliche Anwendung gegen Lohn- kämpfer aufhört. In der heutigen Sitzung beginnt die Beratung über die G e- richtsorganisation und die Strafprozeßordnung. politische(leberltcdt. Berlin, den 2. März 1910. Luftschiffahrt, Hochseefischerei und Hcinmtwesc». Aus dem Reichstag. 2. März. Die Sitzung wurde eröffnet mit der Abstimmung über die zum Titel„Staats- sckretär" eingebrachten sozialpolitischen Resolu- t i o n e n, deren einige angenommen wurden. Die Fülle dieser Resolutionen beeinträchtigt allerdings einigermaßen die antreibende Kraft der einzelnen. Aber die Schuld des Zentrums, das— entgegen der ursprünglich zwischen den Fraktioneil getroffenen Abmachung— etwa anderthalb Dutzend Resolutionen eingebracht und dadurch auch die anderen Fraktionen wenigstens zur t e i l w c i s e n Formu- lierung ihrer weitergehenden Forderungen genötigt hatte. Bei der Einzelbesprechung der Etatspositionen sprang die Debatte naturgemäß zu den verschiedenartigsten Punkten über. Das Hauptinteresse beansprnchte zunächst die Frage der Luftschiffahrt, deren Förderung die Redner meh- rarer bürgerlicher Parteien eifrig befürworteten. Weit auS- giebiger noch war die Erörterung der Maßregeln zur Förde- rung der Hochseefischerei. Nacheinander erklommen fast sämtliche bürgerliche Vertreter der„Waterkant" die Redncrtribüile, um ihr armes Herz für die deutschen Herings- fischer zu betätigen. Tie Wünsche, die da kundgegeben wurden, gingen hauptsächlich dahin, daß die Fischdampfcr und Fischerboote mit Einrichtungen für drahtlose Telcgraphie auf Reichskostcn ausgerüstet werden müßten, damit man ihnen Sturniwarnungen telegraphieren und ihnen selber Gc- legenheit geben kann, in Seenot Hilfe herbeizurufen. Ferner wurde eine Resolution befürwortet und angenommen, die eine Frachtermätzigung für Seefische auf den Eisenbahnen verlangt. Beim Buildcsamt für das H c i m a t w e s e n wurde von dem Zentrumsabgeordneten F r a n ck- Ratibor Klage geführt über die Z i g e u n e r. Nach seiner Darstellung leidet gerade seine Heimat Oberschlcsien ganz besonders stark unter den aus Oesterreich herüberwandernden Zigeunern. Mit wachsendem Erstaunen hörte man, wie dieser Priester der Religion der Liebe allerhand Mittel zur Bekämpfung der„Zigeunerplage". wie er es nannte, in Anregung brachte, die an Unmenschlichkeit sich ungefähr messen können mit der Behandlung, die koloni- sicrcnde Europäer den Tropenbewohncrn angcdeihen lassen. Obendrein mit weinerlicher Stimme redete er vom Fort- nehmen der Wagen und Pferde der Zigeuner, damit sie nicht mehr umherziehen können, ja sogar von Fortnehmen der Kinder, die in Zwangserziehung gebracht werden müßten! Mit süßlichem Lächeln erwähnte er schließlich, es sei ein Vorschlag gemacht worden: die Zigeuner nach einer der deutschen Südsecinseln zu schaffen! Genosse B r ü h n c legte kräftig Verwahrung ein gegen diese crzpriesterlichen Beweise christlicher Nächstenliebe und stellte dann die Notwendigkeit dar, die Gesetzgebung über das Hcimatweseii gründlich zu reformieren, sowohl um den Aus- ländern einen besseren Schutz gegen polizeiliche Drang- salierung zu gewähren und ihnen die Naturalisierung zu er- leichtern, wie auch um die Deutschen iir fremden Ländern besser davor zu beschützen, daß sie ihre Staatsangehörigkeit einbüßen. Nachdem der Konservative Graf C a r m e r- Z i e s e w i tz die Franckschen Angriffe auf die Zigeuner unter- stützt hatte, wenn er auch nicht so weit ging wie der Priester, wurde von der Rechten und vom Zentrum eine auf Einschrän- kung der Zigeuner gerichtete Resolution angenommen. Nationalliberal-klerikales Gezänk. Eine eigenartige Generaldebatte zuin Bergetat war eS. die sich am Mittwoch im preußischen Abgeordnetenhaus entspann. Eigentlich sprachen nur der Minister S y d o w und der polnische Abgeordnete Korfanty zur Sache, ersterer um daS Ergebnis der Ursachen der Radbod-Katastrophe darzulegen, letzterer, um— ähnlich wie am Tage vorher der Sozialdemokrat— stärkere Maßnahmen zum Schutze der Bergarbeiter zu verlangen. Im übrigen wurde die ganze Sitzung ausgefüllt durch eine Auseinandersetzung zwischen National- liberalen und Zentrum, eine Auseinandersetzung, die schon deshalb recht interessant war, weil sie wieder einmal die Richtigkeit des Wortes vom Rabbi und vom Mönch bewies. Alle beide stinken: sowohl die Nationalliberalen als auch das Zentrum, und das Maß ihrer Sünden ist übervoll. Wir können froh darüber sein, daß wir es ge- Wesen sind, die sie veranlaßt haben, mal vor aller Oeffentlichkeit ihre schmutzige Wäsche zu waschen, denn letzten Endes ist das Gezänk doch zurückzuführen auf die Angriffe, die unser Genosse L e i n e r t gegen das Zentrum gerichtet hatte. Einige Renoinmierarbeiter des Zentrums bissen auf den Köder an, sie suchten sich weiß zu tvaschen und die Nationalliberalen als abgefeimte Sünder hinzustellen. Auf diese Vorwürfe entgegneten wieder die Nattonalliberalen. Kurz und gut: eS war ein recht heiterer Nachmittag, der unser Waffenarsenal für die Agitation gegen beide Parteien nicht unbeträchtlich ver- mehrt haben dürfte. Störung brachte nur der Freisinnige G h ß l i n g in die Vor» stellung, der sich plötzlich als Hüter des guten Tones in den Par- lamenten aufspielen zu müssen glaubte. Was geht es Herrn Ghßling an, wenn Zentrum und Nationalliberale sich gegenseitig vor Liebe ausfressen? Fürchtet er vielleicht, daß dann keine Partei mehr übrig bleibt, auf deren Krücken er und seine Freunde in die gesetzgebenden Körperschaften einziehen können? Damit nicht etwa der Anschein erweckt werden könnte, als sei Leinert absichtlich nur gegen daS Zentrum, nicht auch gegen die NationaMberalen vorgegangen, benutzte Genoffe Hirsch die ihm durch die Worte eines Zentrumsredners gebotene Gelegenheit, in Form einer persönlichen Bemerkung unserer Feindschaft gegen die Nationalliberalen Ausdruck zu geben; nur— so meinte er— könnten die Sozialdemokraten doch nicht an einem Tage gleich zwei Par» teien totschlagen! Schließlich erinnerte sich der Präsident daran, daß der Berg» etat auf der Tagesordnung stand; er ließ in aller Eile dem Minister sein Gehalt bewilligen und unseren Antrag, der eine Statistik über die Verhältniffe der Bergarbeiter verlangt, ablehnen. Jetzt waren die feindlichen Brüder plötzlich wieder ein Herz mid eine Seele: sie stimmten geschlossen gegen unseren Antrag, für den nur noch die Polen eintraten. Am Donnerstag fällt die Plenarsitzung aus, damit die Wahl- rechtSkommission arbeiten kann. Am Freitag wird die Beratung des Bergctats fortgesetzt, doch wird vor der Plenarsitzung die Wahl- rechtSkommission noch einmal tagen, um ihre Arbeit zu beenden. Die Herren haben große Eile. Die Bremer Lehrer und das Glückwnnschtelegramm an Bebel. Die Bremischen Lehrer, die aus Anlaß der im Wege deS des Disziplinarverfahrens erfolgten Dienstentlassung Holz- meyerS am 21. Februar versammelt waren, hatten einen Glück- wünsch an den Genossen Bebel abgesandt, in dem der Hoffnung Ausdruck gegeben wurde, daß ihm noch ein recht langes Wirken im Dienste deS Klassenkampfes beschieden fein möge. Das Telegramm, daS in der Parteipresse abgedruckt war, war unterzeichnet:„Die sozialdemokratischen Lehrer Bremens". Die Behörde veranstaltete darauf eine Art Razzia. Es dauerte auch nicht lange und sie hatte 32 Uebeltäter auf der Liste. Die nichtsozialdcinokratischen Lehrer bemühten sich krampfhast uin die Herbeiführung einer Gelegenheit, der Behörde ihre Gesiimungstüchtigkeit zu dokumentieren. Es wurde eine öffent- liche Lehrerversammluug einberufen, die gestern, Dienstag nachmittag, stattfand. Selbstverständlich wurde nicht unterlassen, darauf hinzu- weisen, wie gefährlich ein Fernbleiben von dieser Versammlung für einen Lehrer werden könne. Ferner wurde zugleich nur der Ein- ladung eine Resolution verschickt, die neben einigen Seitenhieben auf die Sozialdemokratie und unser Bremer Parteiorgan die„Politische Demonstratio»"(daS Telegramm der Lehrer an Bebel) als eine Irreführung des Urteils der Oeffentlichkeit über die Lehrerschaft be- zeichnet und dem gegenwärtigen Schulinspektor, mit dem die sage- nannten radikalen Lehrer harte Kämpfe ausgefochten haben, volles Vertrauen ausspricht. Diese Komödie gelang aufs beste. Man hatte- von vornherein wohl berechnet, daß eS zweifellos jedem Lehrer, der diese Resolution ernstlich bekämpfen würde, an den Kragen gehe. Unter solchen Um- ständen ist eS nicht zu verwundern, wenn die Resolution debattelos angenommen wurde, zumal die Radikalen es bis auf wenige Aus« nahmen vorgezogen hatten, die Versammlung nicht zu besuchen. Aber die„Gutgesinnten" haben die Rechnung ohne die Arbeiter- schaft gemacht, denn am Freitag wird sich eine öffentliche Ver- sammlung mit dieser Sache beschäftigen. „Liberale Reformatoren der Sozialdemokratie". Aus Karlsruhe wird uns geschrieben: In Nr. 48 des„Vorwärts" vom 26. Februar ist unter oben an- gegebener Spitzmarke eine Korrespondenz aus Baden abgedruckt, in der auf eine gegen die sozialdemokratische ReichStagSfraktion gerichtete Asußeruug des natioiinlliberalen Abg. Müller- Heiliglrcuz in der Sitzung vom 28. Januar er. lLandwirtschaftsdebatte):„Gott behüte unö vor diesen Freunden" hingewiesen wird. Eö ist da die Be- merkung beigefügt, daß unsere badische Kammerfraktion die Aeuße- rung„äuicheinend einer Erwiderung und Abweisung nicht wert ge- halten habe".— Das ist ein Irrtum. Die Aeußerung Müllers erfolgte, weil unser Fraktionsreduer Brcitcnfeld in eingehender Weise den Vorwurf der Bauernfeindschaft zurückgewiesen, die ernste Besckäftigung der Partei mit der Agrar- frage bezw. den Baueruschutz»achgcivicse» und zu einer ganzen Reihe landwirtschasilicher Spezialsragen sachgemäß Stellung ge- nommen hatte. Müller hat auch ausdrücklich zugegeben, daß die Sozialdemokraten im Landlag„seit einige» Jahren redlich mitarbeiten in Budget- und anderen Gesetzesvorlage», die sich auf die Förderung der Landwirtschaft beziehen". An, nächsten Tage erhielt Müller von unserem Genassen Bechtold die Antwort:„Wenn die Nationalliberalen die freundliche Gesinnung der Arbeiter so weit gewinnen könnten, wie wir durch unsere ehrliche Tätigkeit die Bauern für uns gewinnen, und wenn sie es niit den Arbeitern ebenso ehrlich meinen, wie wir mit den Bauern, dann bin ich zufrieden." In einer weiteren Sitzung kam Genosse Pfeisste auf Müllers Aeußerung zurück, indem er ausführte: In, Reichstag sind unsere Parteifreunde genau so warm für die Landwirtschaft eingetreten, als wir hier im Landtag das tun. Ich erinnere Sie nur an Dr. David und an verschiedene andere, die ein sehr warmcS Herz für die Land- Wirtschaft haben... Die Zentrumspartei macht ja gerade der nationalliberalen Partei immer zum Vorwurf, sie sei eine„Herren- Partei", sie meine es nicht gut und nicht ehrlich mit der Land- Wirtschaft..." Dann wandte sich Pfeiffle sogleich gegen den Zentrumö-Freiherrn von Meutzingen, der in Müllers Kerbe gehauen hatte, und schloß wie folgt:„Daß wir bis jetzt immer die Interessen der Bauern gewahrt haben, das geht daraus hervor, daß wir bei der letzten Landtagswahl beinahe so viele bäuerliche Stimmen er- halten haben, wie das Zentrum, und mehr Stimmen wie die Nationalliberalen,— ein Beweis dafür, daß man uns glaubt, wie ehrlich wir eS mit der Landwirtschaft meinen. Endlich möchte ich dem Abg. Freiherrn v. Meutzingen noch sagen: Die Sozialdemo- traten haben keine Bauern gelegt, legen sie gegenwärtig nicht und werden sie auch in Zukunft nicht legen. Aber die Kreise, denen der Herr v. Meutzingen angehört, haben sich von jeher auf das Legen der Bauern verstanden und sie werden eS auch in der Zukunft verstehen." In derselben Sitzung faßte auch unser Parteigenoffe Schwall, ohne gerade die Angreifer namhaft zu machen, da er der letzte Redner aus dem Haufe in dieser Debatte war. noch einmal kurz zusammen, wie die Sozialdemokratie der heimischen Landwirtschaft geholfen wisse» will, und fügte, sich anderer- seits gegen die Schutzzölle kehrend, hinzu:„Wenn man auf diesem Wege den landwirtschaftlichen Stand zu schützen sucht, wird man ihn untergraben, denn wenn man die Konsumkraft der Be- völkeriing untergräbt, wird auch den Bauern nicht geholfen sein. Gebt dem Arbeiter Geld, dann hat's der Bauer und die ganze Welt! Es wird nicht möglich sein, den Klagen der Landwirtschaft abzuhelfen, wenn nicht den Klagen der Arbeiterschaft abgeholfen wird. Ohne die Lösung der Arbeiterfrage läßt sich die Agrarfrage nicht lösen." Neue Lasten. München, 28. Februar. Heute begann die Kammer die Beratung der Gebühren- gesetznovelle, welche nach dem Vorschlage der Regierung dem Staate eine Einnahme von 1626 006 M. bringen soll. Auch diese Gebührcnnovelle ist geboren auS der großen Finanznot, in der Bayern zurzeit sich befindet. Der Steuersegen nimmt kein Ende mehr: Reichsfinanzreform, bayerische Steuerreform, Bter- steuer und jetzt die Gebühren. In der Generaldiskussion niinmt zunächst Gen. Dr. v. Haller das Wort, un, den im allgemeinen ablehnenden Standpunkt der sozialdemokratischen Fraktion zu begründen. Der sozialdemokratische Redner bezeichnet die Erhebung der Gebühren als eine kleinliche Drückerei auf das Wirtschaftsleben, ohne daß das finanzielle Er» gebnis den Aufwand lohne. Während man so den Berkehr in durchaus unznlkssiger Weise belästige, habe man dagegen die Ge- bühren für StandeSerhöhungen und Titelverleihungen nicht erhöht, trotzdem gegen hohe Gebühren auf die Eitelkeit und Torheit der oberen Zehntausend nichts einzuwenden wäre. Die vorgeschlagenen Gebühren seien abzulehnen, weil sie zum größten TeUe gar keine Rücksicht auf die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Betroffenen nehmen. Auch der Redner der liberalen Fraktion, Abg. Häberlein, spricht gegen die Gebührengesetznovelle. Er sieht darin eine weitere Belastung deS Gewerbes und der Industrie, die um so un- gerechter sei. als gerade daS Gewerbe schon durch die kürzlich an» genommenen Reichs- und Landessteuern schwer betroffen wurde. Für die Gebühren tritt ein der Zentrumsabgeordnete Speck. Er hält schon mit Siücksicht auf die Finanzlage die Amiahme der Gebühren- gesetznovelle für»vtweudig. Reichstagsersatzwahl in Posen. Für die am 8. April stattfindeude Ersatzwahl im Stadtkreis Posen, der durch die Mandatsniederleguug des bisherigen Vertreters v. Charnowskt vakant wurde, haben die Polen dieser Tage den Nor- sitzenden deS polniswen GewerkschaflSverbaudes, Stanislaus Nowicki, als Kandidaten aufgestellt. Nowicki erhielt in der Vertrauens- mäimerverlammlung 11 Stimmen, während auf den von der Hof- Partei präsentierten Rechtsanwalt v. Trainpözinski nur zwei Stimmen entfielen. Dieser sieg der demokratischen Richtung ist darauf zurück- zuführen, daß man mit NowickiS Kandidatur die durch die Haltung der polnischen Fraktion beim letzten Steuerraub kopfscheu gelvordencii Arbeiter zu ködern hofft. Unsere Genossen haben den Ortsleiter des Holzarbcitervecbandes NatuSzewski aufgestellt. Zum Ministerwcchsel in Hessen. Die Zweite Kammer des hessischen Landtages ist heute vor» mittag wieder zusammengetreten. Vor dem Eintritt in die TagcS- ordnung machte Staatsminister Dr. Ewald der Kammer Mitteilung von den Veränderungen im Ministerium und stellte ihr den neuen Minister des Innern Freiherrn von Homberg! zu Vach vor. Er ge» dachte sodann in warmen Worten der Verdienste des früheren inanzmiiiisterS Dr. Gnauth und gab feinem Bedauern darüber uödruck, daß dieser angesichts der finaiiziellen Lage geglaubt habe, von seinem Amt zurücktreten zu müssen. ES sei zu hoffen, daß eS in Znlunft gelingen werde, unter Beschränkung der Bedürfnisse das Gleichgewicht im Staatshaushalt wiederzugewinnen und zu einer den Zeitverhältniffen angepaßten stärkeren"Schuldentilgung zu ge» langen._ Das Beamtenrecht vor dem sächsischen Landtage. Mittwoch nahm der sächsische Landtag cinstimmig einen frei- siitnigen Autrag aus Regelung deS Beamtenrcchts an. Zwei An- träge der Konservative» und Nationalliberalen über Vereinfachungen der inneren Verwaltungen wurden zusammengelegt und ebenfalls einstimmig angenommen. Von sozialdemokratischer Seite sprachen zu den Anträgen die Genossen Lange und Frätzborf. Besonders interessant waren zum ersten Antrag die Ausführungen des Genossen Lange, der an einem konkreten Beispiel nachwies, wie notwendig eine Regelung des Beamtenrechts ist. Es fand nämlich vor kurzem eine Verfämm- lung von Eifenbahnbcamten und-Arbeitern statt. Kurze Zeit darauf erschien ein Zirkular der Generaldirektion, worin die Beamten ge- warnt werden, sich an solchen Bestrebungen zu beteiligen und worin ihnen im Wiederholungsfalle mit Entlassung gedroht wurde. Aus dem badische« Landtag. Bei der Debatte über das Ministerium des Innern wurden auch badische Polizeizustäude besprochen. Der Vertreter für P f o r z h e im- Land Genosse Stockinger beschwerte sich über die Haltung der Pforzheimer Polizei bei dem dortigen Maurerstreik und über einen Schutzmann, der sich nnverschämt dem Abgeordneten Eickhorn gegenüber benommen hatte gelegentlich einer Weih- nachtSfeier der sozialdemokratischen Partei in Pforzheim. Der Minister nahm die Polizei in Schutz, soweit sie sich als Förderer und Schützer der Streikbrecher erwiesen hatte. Er sprach der Pforzheimer Polizei direkt seine Anerkennung in dieser Beziehung aus. Im Falle Eichhorn hat der Schutzmann, der der Meinung gewesen sei, er brauche im Dienst die Anrede„Herr" nicht zu gebrauchen, von seiner vorgesetzten Behörde einen Rüffel bekommen. Der sozialdemokratische Abgeordnete Meier» Heidelberg brackre die st u d e n t i s ch e n Rüpeleien in Heidelberg zur Sprache und rügte die große Milde der Polizei den Studenten gegenüber. Der Minister bestritt, daß außer» gewöhnliche Milde obwalte. Es feien im letzten Jahre nicht weniger als 1200 Studenten wegen Ausschreitungen zur Anzeige gebracht worden: die bekäme» auf die erste Anzeige SM. Geldstrafe, auf eine zweite 6 bis 10 M. Von Haft strafe werde allerdings bei Studenten abgesehen, weil ihre Straftaten nicht auf rohe Gesinnung zurückzuführen seien! Öeftermeb. Eine Rede BienerthS. Wien, 2. März. Abgeordnetenhaus. In der ersten Lesung deS Budgets betonte Ministerpräsident Freiherr von Bienerth zu- nächst die dringende Notwendigkeit, die staatliche Finanzgebarung auf die Grundlage eines endgültigen Voranschlages zu stellen. Die Regierung werde, festhaltend an den wiederholt dar» gelegten Grundsätzen, fortgesetzt angelegentlich bemüht sein, die nationalen Gegensätze sowohl durch positive gesetzgeberische Maßnahmen, als auch durch eine un- parteiische, die berechtigten Ansprüche aller Volksstämme achtende und jedem einseitigen Parteieinflutz entzogene Verwaltung ab- zuschwächen. In bezug auf die organisatorischen Aufaben des Hauses wies der Ministerpräsident hin auf das Problem der Alters- und JnvaliditätSversicherung sowie auf die Notwendigkeit, die Budgetkrise einerseits durch Vermehrung der Einnahmen, andererseits durck Ersparungon dauernd zu beseitigen. Der Minister- Präsident hob die Notwendigkeit der Schaffung einer endgültigen neuen Geschäftsordnung hervor. Für die Bewältigung einer derartigen Fülle von Arbeiten sei die Aufstellung eines in sich geschlossenen Arbeitsprogramms, die Schaffung des Veharrungs- zustandeS in nationalen Fragen und der von einer festgefügten Mehr- Heft bekundete Wille zur Arbeit unbedingt notwendig.(Beifall.) fVankrekb. Die Unterschleife in der Marine. Paris, 2. März. Im Auftrage des SeekriegSgerichtS von Toulon sind bei dem Vertreter des Marine- und des Kriegs» Ministeriums in Lorient, Bragay, sämtliche Geschäfts» papiere beschlagnahmt worden, darunter viele Briefe des verhafteten Lieseranten Baloy. ftnnland. Ein sozialdemokratischer Vizepräsident. HclsiitgforS, 2. März. Zum Talma»(Präsidenten) des Landtags wurde der Jungfinne Svinhufvud, zum ersten Vizetalman der Sozialdemokrat Tanner und zum zweiten Vizetalman der Schwede Sederholm gewählt. Die Sozialdemokraten gaben bei der Wahl des Tal- mans und des zweiten Vizetalmans leere Stimm» z e t t e l ab. Amerika. Der Minimaltarif für die dentschen Kolonien. Washington, 2. März. Präsident Taft erließ die Prolla- mationen, welche weiteren 36 Ländern und Kolonien die Minimal» zolle einräumen, darunter auch sämtlichen deutschen Ko» lonien. Gewerkfcbaftlicbc� Ein arbeitswUUgcr Betrüger. MS vor einigen Wochen die Kutscher und Lagerarveiter der Firma A. Gutschow, Friedrichstr. 234, die Arbeit niederlegten, trat unter anderen Streikbrechern auch der Arbeiter Hauet, Köpenicker- straße Sa wohichaft, als Arbeitswilliger bei der Firma ein. Er hat es verstanden, sich als ein ganz besonders„niitzliches Element", zwar nicht fiir den bestreikten Unternehmer, aber für seinen eigenen Geld- beute! zu erweisen. EineS Tages kam Hauet jammernd und wehklagend zu seinem Arbeitgeber, gab an, seine Frau gehe einer schweren Riederkunst entgegen und bewegte dadurch seinen Chef zur Hergabe eines Vorschusses von IS M. Bald darauf stimmte Hauet neue Klagelieder an: Mit seiner Frau gehe es so schlecht, dab sie in» Krankenhaus aufgenommen werden mugte, er habe kein Geld, die Kosten zu zahlen»sw. Wieder ließ sich der Geschäftsinhaber� durch die Tränen deS Arbeitswilligen zur Hergabe eines zweiten Vor schusses im Betrage von 16 M. bewegen. Einige Tage darauf kam Honet schluchzend und jammernd zur Arbeitsstätte und erzählte den übrigen Streikbrechern, nun sei seine Frau im Kranken hause gestorben, er habe keinen Pfennig und wisse nicht, wie er die Beerdigungskosten bestreiten solle. Gerührt durch den Jammer ihres Mitarbeiters veranstalteten die bei der Firma zurzeit aus schließlich beschäsligte» Arbeitswilligen eine Sammlung, deren Ertrag, 68 M., Hauet erhielt. Man kaufte auch einen schönen Kranz und bestimmte eine Deputation der Arbeiter zur Teilnahme an der Beerdigung, die nach HouetS Angabe am vergangenen Sonnabend stattfinden sollte. Am Sonnabend trat Hauet mit der über raschenden Nachricht auf, die Beerdigung könne noch nicht statlfinden, denn die Leiche sei beschlagnahmt worden, weil der Tod der Frau durch ein grobes Versehen der Heb amme verschuldet sein solle. Aufs neue stimmte Hauet Klagelieder an und löste abermals Mitleid auf allen Seiten aus, was zur Folge hatte, daß ihm der Chef nochmals mit einem Zehn- Markstück unter die Arme griff. Als Hauet am Montag, den 28. Februar, zur Arbeit kam, erzählte er, die Leiche seiner Frau sei am Sonnabendabend freigegebeil und am Sonntag bereits beerdigt worden. Jetzt schöpften die Arbeiter Verdacht. Zwei von ihnen gingen in Houets Wohnung. Dort fanden sie die angeblich gestorbene und begrabene Frau Honet munter und guter Dinge bei ihrer Arbeit. Die Frau war entsetzt und brach in Tränen aus, als sie erfuhr, daß sich ihr Mann eines elenden Schwindelmanövers schuldig gemacht hatte.— Nachdem sich der Schwindler entlarvt sah, verduftete er schleunigst und ließ sich auf der Arbeitsstelle nicht niehr sehen. Ein wahres Musterexemplar, ein im höchsten Grade„nützliches Element", dieser Honet. Er fällt nicht nur streikenden Arbeitern in den Rücken und verrät dadurch die Interessen der ganzen Arbeiter- klaffe, sondern er weiß auch noch einen Extraprofit für sich heraus- zuschlagen, indem er demjenigen, dem er„nützlich" sein soll, und denjenigen, mit denen genieinsam er die gleiche„nützliche" Tätigkeit entfaltet, belügt und beschtvindelt, um von ihnen Geld loszumachen. Dieser Arbeitswillige hat sich jedenfalls insofern als wirklich nütz- liches Element bewiesen, als er durch seine Manöver gezeigt hat, was ein Arbeitswilliger wert ist. Bei dieser Gelegenheit sei darauf hingewiesen, daß der Betrieb der Firma A. Gutschow zwar durch nützliche Elemente besetzt, für organisierte Arbeiter aber gesperrt ist. Die Leistungen der Arbeits- willigen sind derart, daß die Geschäftsinhaber wohl keine Freude daran haben werden. Unter dem gegenwärtigen Personal der Firma A. Gutschow wird erzählt, die Streikenden seien nur vier Tage unterstützt worden. Das ist unwahr. Der Transportarbeiterverband zahlt noch jetzt Unterstützung an die Streikenden. Berlin und Umgegend. Die Lohnbewegung der Arbeiter der Englischen Gasanstalten Berlins und Umgegend ist in ein ernsteres Stadium getreten. In den Aus- schnßverhandlungen Anfang voriger Woche wurden die Anträge auf Neuregelung der Löhne abgelehnt. Bezeichnend ist eS, daß der Direktor des Gaswerkes Mariendorf bei den Verhandlungen äußerte, die Arbeiter möchten sich an die Agrarier wenden. Er fügte der Ablehnung noch Hohn und Spott hinzu I In fünf großen Versammlungen nahmen die Arbeiter am 1. März den große Erregung auslösenden Bescheid der Direktors entgegen. In einzelnen Abteilungen gelang es nur mit großer Mühe, die sofortige Arbeitsniederlegung zu verhindern. Die Ver- sammlungen beschlossen, die Obleute des Arbeiterausschuffe» haben erneut Verhandlungen und zwar direkt mit der Generaldirektion auf- zunehmen. Von dem Ausgang dieser Verhandlungen sollen die weiteren Schritte abhängig gemacht werden. Differenzen und Lohnbewegungen tut Schneidergewerbe Berlins. D i e Tarifbelvegun g der Harre nkonfektionS. f ch n e i d e r greift auf eine immer größere Zahl von Geschäften über. Ueberall, zvo die Forderungen eingereicht werden, versuchen die Organisa- twnsvertreter zunächst auf gütlichem Wege durch Verhandlungen den Tarif, der eine einheitliche Regelung der Lohn- und Arbeits- Verhältnisse hat, durchzuführen. Gelingt es nicht auf diesem Wege, so ist die Arbeitsniederlegung die unvermeidliche Folge, wie jetzt wieder der Streik bei der Firma Elsbach beweist, der, am Sonn- abend einstimmig beschlossen, ebenso einmütig durchgeführt wuroe. Auch die Heimarbeiter haben am Montag ihre Arbeit der Firma sämtlich wieder ins Hausgebracht und harren ebenso wie die Werk- slattarbeiter im Streik aus. Bei der Firma Elsbach waren alle Ver- suche, durch Verhandlungen zum Ziele zu kommen, vergeblich. Sie hatte das sonderbare Angebot gemocht, einen Tarif abzuschließen, wenn ihr Tarifverträge aus bestimmten Geschäften vorgelegt würden, wo noch keine abgeschlossen waren. Wenn alle Arbeitgeber so ver- fahren wollten, und die Arbeiter ließen sich das ruhig gefallen, wäre es selbstverständlich überhaupt nicht möglich, auch nur einen Schritt mit der Tarifbewegung weiter zu kommen. Bei Verhandlungen mit verschiedenen Firmen sind den Kon- fcktionsschneidern zum Teil Löhne angeboten, die notwendig zum Streik führen müssen, wenn die Arbeitgeber nicht noch rechtzeitig einsehen, daß sie damit doch nicht durchkommen. Am Montagabend hatten sich die Konfcktionsschncider der Firma Stern Gebr. und Hugo Herrmann bei Wille in der Brunnenstratze versammelt, um über das Ergebnis der Verhandlungen mit den beiden Firmen zu beraten. Die Arbeiter dieser Firmen hatten sich bislang etwas lau gezeigt im Besuch der Werkstattsitzungen, aber am Montag waren sie so zahlreich erschienen, daß der große Saal genommen werden mußte, damit alle Platz finden konnten. Aus dem Bericht. den der Organisationsvertreter Krienke gab, ist zu entnehmen, daß bei beiden Firmen sowohl in den Grundpreisen wie in den Lohnen der Tagschneider so geringe Zugeständnisse gemachtwurden, daß «ine Einigung bisher nicht möglich war. Stern Gebr. boten für die Tagschneider, die jetzt mit Sein kaum glaublich geringen Lohn von 22 M. eingestellt werden, 2ö M., statt der 36 M.. die gefordert wurden. Hugo H e r r m a n n, Ivo jetzt der Anfangslohn der Tag. fchneider 25 M. beträgt, hat 27 M. geboten. Dieser Arbeitgeber hat selbst zugegeben, daß em verheirateter Mann mit dem Lohn nicht auskommen kann. Darum will die Weltfirma eben nur jutlge T Daß der Bund deutscher Brauergesellen nach Art der„Gelben' Leute beschäftigen.— Die Arbeiterschaft beider Firmen beschloß! Zuwendungen aus dem Unternehmerlager erhält, beweist auch die einstimmig, die gemachten Angebote nicht anzunehmen, beauftragte j Aeußsrung des Verwalters der Bundeskassen, Bayerl, Braumeister jedoch die Kommission, nochmals mit den Firmen zu verhandeln, um vorerst nochmals zu versuchen, auf diese Weise die Forderungen zur Geltung zu bringen.— ES ist übrigens bemerkenswert, daß die Firma Stern Gebr., dir so schlechte Löhne zahlt und so außer- ordentlich wenig Entgegenkommen zeigt, Lieferant verschiedener, namentlich sächsischer, Konsumvereine ist. Es scheint, daß die Arbeitgeber der Herrenkonfektion eine all- gemeine Aussperrung planen. Wenigstens waren sie am Montag beisammen, um über ein solches Vorgehen zu beraten. Wenn die Herren Konfektionäre bei der jetzigen Wirtschaftslage der- gleichen für angebracht halten, um die im Interesse der Branche so notwendige Regelung der Löhne zu hintertreiben, werden sie ja sehen, wie weit sie damit kommen. » Die Herrenmaßschneider aus den bis jetzt noch nicht vom Tarifvertrag dieser Branche er- faßten Geschäften Berlins hielten am Montag bei Krottendorfer in der Markgrafenstraße eine öffentlich« Versammlung ab, um über die weitere Durchführung des Tarifs zu beraten. Es kommen nur noch einige kleine und mittlere Geschäfte in Frage. Die Versam- melten waren sich darüber einig, daß mit allem Nachdruck vorge- gangen werden soll, um auch diese in das allgemeine Tarifverhält- nis aufzunehmen. Am nächsten Montag soll eine neue Versamm- lung stattfinden, die über die Einreichung der Forderungen be- schließen wird. Auch die Herrenmaßschneidcr von Steglitz hatten sich am Montag zahlreich versammelt, um die tarifliche Regelung ihrer Lohn- und Arbeitsverhältnisse in die Wege zu leiten. Es handelt sich um die Einführung deS Berliner Maßschneidertarifs. Di« Versammlung beschloß einstimwig, den Arbeitgebern die For- derungen einzureichen. Antwort wird bis nächsten Montag er- wartet. Die Herrenmaßschneider Charlottenburgs haben eben- falls einstimmig beschlossen, den Arbeitgebern ihre dem Berliner Tarif entsprechenden Forderungen einzureichen. » In der M i li tä r sch nc i de rbran che Berlins kann unter Umständen die Einführung der neuen Offi- zierSuniformen, über die ja allerdings noch nicht endgültig ent schieden ist, zu Konflikten führen. Im Warenhaus für Armee und Marine ist es schon zu Differenzen gekommen, die jedoch durch die Verhandlungen befriedigend beigelegt worden sind. Man darf viel- leicht hoffen, daß, nachdem dieses große Geschäft die friedliche Eini- gung vorgezogen hat, auch die übrigen Arbeitgeber der Branche es nicht zu ernsten Streitigkeiten kommen lassen werden. Nach der Stimmung, die in den Kreisen der Militärschneider herrscht, zu ur- teilen, werden sie, falls die Arbeitgeber sich weigern sollten, bei der Einführung der neuen Uniformen den rechten Lohn zu zahlen, vor einer Kraftprobe nicht zurückschrecken. » In der Kostümbranche sind in bisher noch nicht vom Tarifvertrag erfaßten Firmen eben- falls die Tarifforderungen eingereicht worden. So unter anderem bei der Firma Hermann Engel, Landsberger Straße, und bei Gebr. O p p l e r, Mauerstraße. Die Schneider und Schneiderinnen stehen auch in dieser Branche fest zusammen, um mit vereinten Kräften die allgemeine Anerkennung ihres Tarifvertrages, soweit es bisher noch nicht möglich war, durchzusetzen. » Für dieLivreeschneider ist ein neuer Tarifvertrag bei der Firma Benedikt, König- grätzer Straße, abgeschlossen worden, der unter anderem Verkür- zung der wöchentlichen Arbeitszeit von 69 auf 56 Stunden, sowie eine bessere Regelung der Löhne gebracht hat. Ueber die Regelung der Verhältnisse der Heimarbeiter soll mit der Firma noch weiter verhandelt werden._ Die Berliner Ringbrauereien und der»gelbe" Brauergesellenbund. Die„Tageszeitung für Brauerei" beschäftigt sich in ihrer Nummer 49 vom 27. Februar d. I. mit dem Abbruch der Tarifver- Handlungen zwischen den in Frage kommenden freien Gewerkschaf- tcn und den Ringbrauereien. Die Tarifverhondlungen scheiterten daran, daß die Vertreter der freien Gewerkschaften es ablehnen, die Verhandlungen gemeinsam mit den Vertretern der„Gelben" zu führen. Das genannte Blatt schreibt dazu wörtlich:„daß sie(die Unternehmer) jede Stellungnahme in dem Kampfe der Arbeit» nehmerorganisationen— unter denen gelbe Gewerkschaften nicht in Betracht kommen— vermeiden und deshalb allen Organisationen. ohne Unterschied der politischen Richtung, Gelegenheit zur Mit- Wirkung an den auf alle Arbeiter sich beziehenden Lohnverhand- lungen geben müßten." Die Behauptung der Unternehmer, daß sie jede Stellungnahme in dem Kampfe der Arbeitnehmerorganisationen vermeiden, werden wir später einmal beleuchten, und den Nachweis erbringen, daß in einer ganzen Anzahl Berliner Brauereien eine systematische Zurück. sctzung der Mitglieder der freien Gewerkschaften und daneben eine ebensolche Bevorzugung der„Gelben" stattfindet. Diese Praktiken werden auch von Brauereien geübt, die in der Oeffentlichkeit vor Arbetterfreundlichkeit überfließen und keine Gelegenheit vorübr- gehen lassen, nach außenhin den Anschein zu erwecken, als ob sie der Arbeiterbewegung unparteiisch gegenüberständen. Ganz absonderlich berührt die Behauptung, unter den Vereinigungen, welche die Un- ternchmer außer den freien Gewerkschaften noch zu den Tarifver- Handlungen hinzuziehen wollten, befänden sich keine„gelbe" Ge- wrkschasten. Wir können den Unternehmern im Berliner Brau» gewerbc nachfühlen, daß es gerade nicht zu den Annehmlichkeiten gehört, eine Vereinigung, der eine Anzahl Berliner Brauereibesitzer. Brauerei direktoren und Braumeister als Ehrenmitglieder ange- hören, als„gelbe Gewerkschaft" bezeichnet zu sehen. In Betracht lommt hier der Bund deutscher, österreichischer und Schweizer Brauergesellen. Durch die Zugehörigkeit der genannten Herren als Ehrenmitglieder wird dieser Vereinigung der Charakter als gelbe Gewerkschaft" attestiert. Sind es doch zum Teil die Ehren- Mitglieder, welche zu den Kosten der Vergnügungen und zur Füllung der Unterstützungskassen des gelben Brauergesellenbundes in erster Linie durch Zuwendung namhafter Summen beittagen. Wir erinnern hierbei an die 16 060 M.-Spende des Herrn Kam- merzienrat Bötzow, an Habel usw. Weiter ist in der Nr. 6 der Bundeszeitung vom 16. Februar dieses Jahres in einem Versammlungsbericht des Berliner Bier- orauergesellcnvereins wörtlich zu lesen:„Unsere Gründungsfeier erforderte auch, um dieselbe des Vereins würdig zu begehen, einen bedeutenden Zuschuß aus der Vereinskass«, der trotz sehr nam. hafter Zuwendungen einiger Herren Ehrenmit- g i i e d e r ein ziemlich hoher war..." Sollte hierdurch der Be- weis, der Bundesgesellenverein sei eine„gelbe" Organisation, für die Ringbrauereien noch nicht erbracht sein, so machen wir zum Ueberfluß noch auf die Stellungnahme der christlichen Gewerkschaf- ten aufmerksam, welche in ihrem Zentralblatt Nr. 23 vom 15. No- vember 1969 in einer Polemik mit den Hirsch-Dunckerschen betr. den Austritt einiger Ortsvereine des BrauergesellenbundeS aus dem Gesamtverband der christlichen Gewerkschaften und deren Ueber- tritt zu den Hirsch-Dunckerschen unter anderem schreiben:.... und als weiter bekannt wurde, daß eine Anzahl OrtSvereine aus dem Untcrnehmerlager Zuschüsse bis zu 2566 M. bekamen, rückten die christlichen Gewerkschaften weit von dem Brauerbund ab." Und weiter ist in demselben Artikel zu lesen:„Wenn die Hirsch-Duncker- schen Ecwerkvereine darüber Freude empfinden, daß alles zweifei- hafte„gelbe Gemüse" bei ihnen ein Stelldichein sucht— wer möchte sie darum beneiden?" der Berliner Unionsbrauerci, welcher auf dem Delegiertentag deS Brauergesellenbundes 1964 in Hamburg wörtlich ausführte: „W e n n unsere Arbeitgeber sehen, daß wir ihnen entgegentreten wollen, dann verlieren wir auch deren Beiträge zu unserer Jnvaliditäts- und Altersunterstützungskasse.(Siehe Protokoll S. 43.) Wenn wir zum Schluß noch darauf hinweisen, daß�es die„Bun» deszeitung", das Organ des gelben Brauergesellenbundes, war, die bei der Brausteuererhöhung das Bier in trautem Verein mit den Vlockbrüdern einen„Luxusartikel" nannte, dann werden uns wohl die Unternehmer den Anblick dieser Herren bei den Tarifverhand- lungen ersparen. Zu den zahlreichen Anfragen aus Gastwirtskreisen bemerken wir, daß diejenigen Brauereien, mit welchen die Verhandlungen beendet sind, im„Vorwärts" bekannt gegeben werden. Die Lohukommission der Bvauerciarbeiter Berlins u. Umg. Achtung, Tapezierer! Die Sperre über die Ledermöbelfirma Stephan Hell» w i g, Frankfurter Straße 14, dauert unverändert fort. Leider haben sich auch hier einige„Auchkollegen" eingefunden, um Raus- reißerdienste zu leisten. Einer von diesen„Auch- kollegen" ist extra aus Gossen bei Stettin gekommen um hier den Arbeitswilligen zu machen. Er ist bereits 1967 bei der Firma Hecker seinen Kollegen in den Rücken gefallen. Wir ersuchen alle Kollegen, diese Firma zu nieiden. _ Die Ottsverwaltung. Frisenrgehilfeni Wegen Differenzen für Verbandsmitglieder gespertt: Arndt, Alexanderstr. 2, Bergmannstt. 112. Geregelt sind die Verhältnisse bei Drews, Reichenbergerstr. 88. Verband der Friseurgehilfcn. Deutkduo Reich. Herr Rexhäuser. Unser Kasseler Parteiorgan, das„Volksblatt", beschäftigt sich in seiner gestrigen Nummer mit der Redigierung des Buchdrucker-„Kor- respondent" durch Herrn Rexhäuser und bettchtet, daß im Buchdrucker» verband die Mißstimmung über das Treiben dieses Herrn in letzter Zeit rasch um sich greift. DaS„Volksblatt" schreibt: „Wir glauben zu der Annahme berechtigt zu seht, daß nun endlich— endlich!— auch bei dem Bor st and des Buch» druckerverbandes der Geduldsfaden gerissen ist. Immerhin bleibt abzuwarten, was geschehen wird. Sollte dem Treiben des Herrn Rexhäuser ein Ende nicht bereitet werden, dann wird die Frage sehr aktuell, waS die Mitglieder des B. d. D. B., die nicht wünschen, daß die stolze Organisation vollkommen zum Spielball eines besinnungSlos-gehässigen Menschen werden soll, zu tun haben. Die skandalöse Tätigkeit dos Rexhäuser am„Kor- respondenten" hat dem Verband ungemein geschadet. Wer die Jugend hat, dem gehött die Zukunft. Die Buchdrucker-Jugend ist von Rexhäuser im Haß gegen die Sozialdemokratte erzogen worden. Inwieweit der Verband in Stunden der Gefahr auf seine Mit- glieder wird zählen können, bleibt abzuwarten. Bisher hat der Korbmacher Fischer— Pardon!— der Herr Rexhäuser sich auf seinem Platze behaupten können, weil ihm der Vorstand die Stange gehalten hat. Sieht der Vorstand jetzt ein, daß es die höchste Zeit ist, den Menschen von seinem einflußreichen Platze zu entfernen. dann wird er den Verband vor Auseinandersetzungen bewahren, die jedem unerwünscht sein müssen, der eS ehrlich mit dem Verband und der Arbeiterbewegung meint." Streik in der Etuibranche in Rathens». Wegen Lohndrückereien legten am Dienstag früh zirka 56 Ar» beiter und Arbeiterinnen der Etui- und Kartonnagenfabriikn von R o e s i ck e u. Co. und R ö d i n g die Arbeit nieder, nachdem der Verbandsvertreter, der mit den Firmeninhabern verhandeln wollte, brüsk abgewiesen worden war. Die Ausständigen, welche größten- teils dem deutschen Buchbinderverband angehören, verlangen tarif» liche Bezahlung.— Zuzug ist streng fernzuhalten. DaS Koalitions„recht" der Effenbahner. Kürzlich hielten die Eisenbahner Leipzigs ein« Versammlung ab, um sich über ihre wirtschaftliche Lage auszusprechen. In einer Resolution forderten sie die gesamten Eisenbahner auf, sich in der Reichssektion der Eisenbahner des Deutschen Transportarbeiterver- bandes zu organisieren. Das hat aber die Generaldirektion der sächsischen Staatsbahnen veranlaßt, gegen die Angestellten und Ar- beiter wiederum das Verbot der Koalition ergehen zu lassen. Sie bedroht jeden mit Entlassung, der es wagen sollte, seine wittschaft. lichen Interessen selbständig vettreten zu wollen!. Uwtest dem 28. Februar erging an alle Leipziger Dienststellen folgender Ukas: „Warnung. Der König!. Generaldirektion ist bekannt geworden, daß vor kurzem in Leipzig eine Versammlung stattgefunden hat, die von einer größeren Zahl von Bediensteten der Staats-Eisenbahnver- waltung besucht gewesen ist, und in der eine, von der Versamm» lungsleitung vorgeschlagene, zum Beitritt zur Reichssektion der Eisenbahner des Transportarbeiterverbandcs auffordernde Re, solution Annahme gefunden hat. Dieser Vorgang gibt der Königl. Generaldirektion Beran» lassung, unser Bezugnahme auf die früher wiederholt ergangenen Verbote vor der Zugehörigkeit zu genannter Reichssektion, vor jeder Unterstützung ihrer Bestrebungen und insbesondere vor dem Besuch der von ihr einberufenen Versammlungen bei Vermeidung der Entlassung aus dem Eisenbahndienst, erneut ernstlich zu warnen. Königl. Generaldirektion der Kgl. Sächs. StaatS-Eisenbahnen v. Kirchbach." DaS ist die alte Knüppelpolitik des sächsischen Staates. Wie wenig Erfolg ihr beschicden ist, das zeigt dex Hiywxis auf die „wiederholt ergangenen Verbote". Letzte Nachrichten und Deperchen. Der Minister und die Eisenbahnangestellten. Paris, 2. März.(W. T. B.) Der Minister der öffentlichen Arbeiten. Millerand, welcher die den Lokomotivführern und Heizern der EtaatSbahnen gemachten Zusagen durch Erlaß be- stätigt hat, empfing heute die Vertreter des Syndikates der Eisenbahnangestellten und gab ihnen bezüglich der Frag« der Arbeitsregelung und der Ruhegehälter der Lokalbahnangestellten befriedigende Erklärungen. Teheran, 2. heute bewaffnet ihres Soldes. Persische Januschauer. März.(W. T. B.) Kaukasische FidaiS drangen in der McdjiliS ein und verlangten Auszahlung vxrantip. Redakt.: Richard Barth,"Berlin. Inseratenteil vergpts.: UH, Glocke, Berlin, Druck u.Verlag:Lorwärt»Buchdr.u.vkrlag»lttrstgU SgaulSingerLrEo�BerlinSW, Hierzu 3 Beilage» v.llgtrrhaltttttg»«, Ar. 32. 27. AakMvg. i KnlM Ks Jotuiiittö" Donnerstag. 3. Marz 1910. Reichstag 46. Sitzung vom Mittwoch, den 2. März, nachmittags 1 U h r. Am Bundesratstisch: Dr. Delbrück. Die zweite Lesung des Etats des Innern wird fortgesetzt bei der Abstimmung über die Resolutionen zum Titel„Staatssekretär". Angenommen werden die Resolutionen der Sozialdemo- kraten. der Nationalliberalen und des Zentrums auf Sicherung desWahlgeheininisses. Bestrafung derBerletzung des Wahlgeheimnisses und Einführung einheit- l i ch e r Wahlurnen, die Resolutionen des Zentrums, der Sozial- demokraten und der Polen auf Regelung des Bergrechts durch Reichsgesetz und geheime Wahl der Knappschafts- ä l t e st e n. die polnische Resolution auf baldige Vorlegung eines Gesetzes über daS Koalitionsrecht der Landarbeiter(Bravo! links), die Resolutionen der Sozial- demokraten, der Nationalliberalen und des Zentrums auf gesetzliche Regelung der Verhältnisse der Privat- beamten in bezug auf Versicherung, Arbeits- zeit usw.. die nationalliberale Resolution auf Unter st ellung der technischen Beamten unter die sozialen Be st i m m u n g e n des Handelsgesetzbuches, die Zentrums resolution zugniisten der T a r i f g e m e i n s ch a f t e n, die Zentrums- resolution auf Maßregeln zugunsten des kaufmänni sehen Mittel st andes(Statistische Erhebungen, Handels- inspektoren. Verbot der Beteiligung der Beamten und Offiziere an der Leitung von Beamtenkonsunivereinen und Beamtenwaren Häusern, Vertretung des Kleinhandels in den Handelskammern, Matzregeln gegen die Abzahlungsgeschäste und Hausierhandel), die Zentrumsresolution aus Ausbau des Koalitionsrechts, die sozialdemokratische Resolution auf gänzliches Verbot der Beschäftigung jugendlicher Arbeiter unter Tag, die Zenirumsresolution auf Zu> ziehung der Arbeiter zur B a u k o n tr o l le. die Zentrums resolution auf baldige Vorlegung eines Kartell- ge setz es, die Resolution verschiedener Parteien auf Ein- sührung der Versicherung der Privatbeamten, die natioiiallibcralen Resolutionen auf Heranziehung der Industrie zu den Kosten der Lehrlings-AuS- bildung im Handwerk und auf bessere Ab- grenzung zwischen Industrie und Handwerk, sowie auf stärkere Berücksichtigung der ein- heimischen Schiffer bei Schiffsfrachten für das Reich, die konservative Resolution auf anderweitige Regelung der Arbeitszeit in Molkereien und die antisemitischen Resolutionen betreffend die gesetzliche Rege lung des Verkehrs mit Düngemitteln und die Bekämpfung der Schmutzliteratur sowie die polnische Resolution auf Regelung der Rechtsverhältnisse der Ausländer in Deutschland. Abgelehnt werden die Resolutionen der Sozialdemokraten auf reichsgesetzliche Regelung des Knappschaftskassenwesens unter Vorzeicknung der dabei zu beobachtenden Richtlinien, auf Schutz der in Stein-, Braunkohlen-, Erz-, Kali-, Schiefer- und Tonwerken beschäftigten Arbeiter sowie der Arbeiter der Grotzeisenindustrie und der Arbeiter in Metallschleifereien und in den Glashütten, auf reichsgesetzliche Regelung der Betriebskassen unter Sicherung der Teilnahme der Arbeiter an der Verwaltung, auf Vorlegung eines Gesetzentwurses über Rechtsverhältnisse der Seeleute(Re- vipon der Seemannsordnung, Reichsschiffahrtsamt, Seegewerbegerichte, staatliche Beauffichtigung des ganzen Schiffahrtsbetriebes), auf Vorlegung eines Gesetzes über den Schutz der Bauarbeiter, ferner die Resolutionen der Polen auf Aufhebung des Sprachen« Paragraphen des Vereinsgesetzes, auf die Errichtung pariiätischer Arbeitsnachweise, aus Einführung eines Maximalarbeitstages für die Feuerarbeiter; die ZentrumSresolution auf Ausdehnung der im Handwerk geltenden Bestimmungen über das Lehrlinaswesen auf die kaufmännischen Betriebe, die Resolutionen der Wirtschaftlichen Ver- einigung auf Regelung der Arbeitszeit in den Molkereien unter An- Rleiues Feuilleton. Die Deutsche Naturwissenschaftliche Gesellschaft, in deren Auf- trag N. H. France die Zeitschrift..Natur" herausgibt, veranstaltete am Dienstag einen Lichtbildervortrag über das Liebesleben der Tiere. Der Vortragende, Herr M. H. Baege, demon- strierte zunächst die ungeschlechtliche Fortpflanzung, wie sie bei Amöben und Infusorien durch einfache Teilung. Knospung oder Abschnürung stattfindet. Immerhin lätzt sich auch hier, wo noch ileine Differenzierung in männlich und weiblich stattfindet, bei den Einzelwesen das Bestreben nachweisen, ihr Körpereiweiß unter- einander zu vermischen, um den schädlichen Folgen einer ins Un- endliche fortgesetzten Inzucht vorzubeugen. Erst die Stoffmischung ergibt neue Entwicklungsmöglichkeiten, und Entwicklung ist das alles Seiende beherrschende Grundgesetz. Bei einem bestimmten Wurm führt die Abschnürung zu einer merkwürdigen Erscheinung. insofern sie noch vor der Teilung des ganzen Individuums auch schon bei dem Tochter- und Enlelgliede stattfindet, sodaß schließ- lich 4— 5 aufeinanderfolgende Generationen in einem Lebeivesen vereint sind. An einem Stock von Glocken-Jnfusorien sieht man, wie sich kleinere Tiere abtrennen und sich den größeren spurlos einverleiben, eben der Mischung wegen. Bei den höheren Orga- nismen vollführt sich nun die differenzierte geschlechtliche Fort- Pflanzung immer nach demselben Prinzip. Die Samenzellen sind sehr klein, aber massenhaft und beweglich: ein einziges genügt dem Zweck. Das um vieles größere Ei(mau denke an Straußeneier!) tapselt sich sofort nach dem Eindringen der einen Samenzelle her- metisch ab, woraus die Kernsubstanz beider Teile ineinander fließt und die weitere Entwicklung einsetzt. Wo die Lebensbedingungen zur Erhaltung der Art schwierig sind, bewirkt die Anpaflung. daß die einzelnen Individuen männliche und weibliche Geschlechts- organe besitzen und sich nötigenfalls selber befruchten, so beim Bandwurm, der nebenbei die ungeheure Menge von 26 Millionen Eiern produziert. Beim Palolowurm, der in Korallenriffen lebt, führt 0»e Anpassung dazu, daß im November 3 Tage nach dem Vollmond morgens früh um 3 Uhr gewaltige Massen von Ei- und Samenzellen zur Abstoßung gelangen; die Fidschi-Jnsulaner lassen sich den seltenen Schmaus nicht entgehen und schöpfen von der Masse, die das Meer weithin bedeckt, so viel sie nur irgend können. Beini Tiplozoon haken sich je ein Männchen und ein Weibchen in früher Jugend fest aneinander und bleiben so in sicherer Ehe- jzemeinschafi das übrige Leben hindurch. Bei einem Siernwurm (Boncllia) sino die Männchen nur winzig klein und leben parasitär direkt im Genitalschlauch des Weibchens, mit der einzigen Auf- gäbe, die vorüberkommenden Eier zu befruchten. Die junge Ohren- qualle würde in den Winterstürmen zugrunde gehen; deshalb er- zeugt sie geschlechtlich erst festsitzende Polypen,.die im Frühjahr dann durch Abschnürung wieder zu frei schwimmenden Quallen werden(Generationswechsel). Ein Papicrnautilus entwickelt einen großen, mit Samen angefüllten Arm, der sich loslöst und in ein Weibchen hineinkriecht. Tie Schnecken sind Zwitter; doch besteht bei ihnen zur Vermeidung der«elbstbesruchtung die Einrichtung, daß sich Ei- und Samenzellen niemals zur gleichen Zeit entwickeln. Die Bevorzugung des Weibchens, auch in der Entwicklung des Ge- Hirns, zeigt sich am besten bei den sozial lebenden Insekten. Ter- Passung an die„Eigenart" des Betriebes und auf Verleihung des Rechts zur Festsetzung von Mindestpreisen an die Innungen. Hierauf wird in der Beratung des Etats des Reichs- amts des Innern fortgefahren. Beim Titel„Jahresbeitrag zu den Kosten der internationalen Organisation für Luftschiffahrt 4606 M." befürwortet Abg. Leser(Z.) eine Resolution deS Zentrums auf Errichtung einer Versuchsanstalt für Luftschiffahrt in Friedrichshafen unter Leitung des Grafen v. Zeppelin. Auch dem Antrag der Nationalliberalen auf Errichtung einer Reickisanstalt für Luftschiffahrt und Flugtechnil in Friedrichs- Hafen werden seine Freunde zustimmen, doch scheint ihm der Name „Zeppelinsche Versuchsanstalt" passender als der Name„Rcichsanstalt Abg. Dr. Hieber(natl.) begründet den zuletzt erwähnten Antrag der Nationalliberalen. Abg. Graf v. Carmer-Zieserwitz(f.): Gras Zeppelin hat mit Rücksicht auf sein hohes Alter abgelehnt, die Leitung einer solchen Anstalt, wie sie die Vorredner wünschten, zu übernehmen. Auch die Platzftage bedarf noch genauer Prüfling. Da die Luftschiffe jetzt ebenfo gut auf dem Lande wie auf dem Wasser landen, kommt auch Berlin in Betracht, wo bereits die mililärische Versuchsanstalt besteht. Trotzdem werden meine Freunde für die beiden Resolutionen stimmen. � Abg. Dr. Delbrück(frs. Vg.): Eine Versuchsanstalt für Luft fchiffahrt ist dringend notwendig. Einen Ort für die Versuchsanstalt zu bestimmen, ist heute noch verfrüht, darüber mutz eine Kommission von Sachverständigen entscheiden. Staatsminister Dr. Delbrück: Das Reichsschatzamt steht der Errichtung einer Reichsanstalt ablehnend gegenüber, schon der Kosten wegen. Auch ich habe Bedenken gegen die Errichtung von Reichsanstalten, welche die Zentrale belasten. Statt dessen scheint es mir besser, dem Reiche nicht die Verwaltung, sondern die Kon- trolle folchcr Anstalten zu übertragen. Eine Kommission von Sachverständigen wird die Platzfrage zu prüfen haben.(Bravo I) Württembergischer BnndeSratsbevollmächtigter v. Köhler: Die württembergische Regierung steht der Errichtung einer Zentrale für Luftschiffahrt sympathisch gegenüber; die in der Diskussion er- hobenen Bedenken gegen die Errichtung der Anstalt in Friedrichs- Hafen werden sicher noch in der weiteren kommissarischen Beratung geprüft werden. Damit schließt die Diskussion. Der Titel wird bewilligt, die beiden Resolutionen werden angenommen. Beim Titel„Zur Förderimg der Seefischerei 356 666 Mark" begründet Abg. Dr. Görckc(natl.) eine Resolution, welche in Anbetracht der schwierigen Lage der deutschen Hochseefischerei die Herab- setzung der Eisenbahntarife für deutsche Seefische wünscht. Abg. Erzverger(Z.) stimmt der Resolution zu und erörtert die Bedeutung der drahtlosen Telegraphie für die Hochseefischerei. Abg. Gothein(frs. Vg.) beantragt Aenderung der Resolution da- hin, daß die Erleichterung nicht der„deutschen Seefischerei", sondern „in deutschen Häfen eingeführten Fischen" zugute kommen soll. Redner weist auf den Zusammenhang zwischen der bedrängten Lage der deutschen Hochseefischerei und der Schutzzollpolitik hin. Die Agrarier suchen mit dem Heringsschutzzoll einen Fischer- seelenfang zu betreiben, besonders in liberal vertretenen Wahl- kreisen. Direktor im Reichsamt de JouquiircS erklärt, daß das Reichs- amt des Innern die Wünsche auf Tarifermätzigung für Produkte der Hochseefischerei bei den cinzelstaatlichen Eisenbahnverwaltungen zu unterstützen gern bereit sei. Abg. Prinz Schönaich Carolath(natl.) bittet, die Vergünstigungen auch den S ü tz w a s s e r f i s ch e r n zu teil werden zu lassen. Abg. Träger(frs. Vp.) bittet um Wohlwollen namentlich für die Heringsfischerei. Der Titel wird bewilligt und die Resolution wird unter Ablehnung eines freisinnigen AbänderungSantrages, welcher statt„für deutsche Seeschiffe" setzen will„für Seeschiffe von deutschen Häfen aus" angenommen. Der Titel„Zur Einrichtung und Unterhaltung regelmäßiger deutscher Postdampferverbindungen mit Ostafien und Australien, 166 666 M.", wird nach unwesentlicher Debatte bewilligt. Ebenso der Titel„Kosten der Matzregeln gegen die Reblauskrankheit, 1666 M.". mitenweibchen sind ungeheuerliche Gebärmaschinen; die Arbeits- teilung ist hier so vorgeschritten, daß sie nichts weiter zu tun haben als dies; sie werden von den anderen gefüttert und sogar gereinigt. Bemerkenswert ist auch die Langlebigkeit der Samenzellen; nach einmaliger Aufnahme von Sperma können Ameisen bis zu zehn Jahren befruchtete Eier hervorbringen. Mit wie erstaunlichen Mitteln die geschlechtliche Anziehung arbeitet, beweisen auch die Duftorgane der Schmetterlingsweibchen, die von den Männchen bis in 3 Kilometer Entfernung wahrgenommen werden. Weismann ließ ein solches Weibchen im Zimmer ausschlüpfen; als es innen an der geschlossenen Fensterscheibe saß, sammelten sich draußen binnen kurzem 64 Männchen derselben Gattung. Licht- und Wärmemcssunge» an der Sonne. Prof. Nordmann vom Pariser Observatorium, dem eS gelungen ist, vor kurzem die Temperatur der Sonne mit 5326 Grad Celfius zu bestimmen, hat nun mit Hilfe eines neukonstruierten Apparats die Summe des Lichts gemessen, die von der Sounenscheibe aus sich in den Welt- räum ergießt. Das von der Sonne geschenkte Licht hat eine Kerzen- stärke, die nur durch eine unvorstellbare Zahl ausgedrückt werden kann, welche mit einer 18 und darauf folgenden 27 Nullen geschrieben ivird. Nach den genauen Berechnungen Nordmanns strömt von jedem Ouadratzentimeter der Sonne eine Lichtstärke von 319 666 Kerzen aus. lieber das Ergebnis seiner Messungen, das am kommenden Montag die Pariser Akademie der Wissenschaften beschäftigen wird, hat der Gelehrte einem Interviewer einige interessante Angaben gemacht.„Von der Intensität des«Sonnenlichtes können Sie sich vielleicht eine Vor- stellung machen, wenn ich Ihnen verrate, daß von jedem Stück der Sonnenoberfläche, das etwa die Größe eines Fingernagels hat, so viel Licht ausgeht, wie wir gebrauchen, um in der Nacht die ganze Avenue de lOpera zu erleuchten. Da die Sonnenoberfläche 569 Millionen Quadratkilometer mitzt, ist das vom Sonnenkörper ausgehende Lichtquantum etwa 51 666 Billionen mal so groß wie die ganze Beleuchtung der Avenue de l'Opera. Prof. Nordniann hat seine Messungen auf eine Reihe größerer Sterne ausgedehnt, die zum Teil noch weit bedeutendere Lichtgeber sind als die Sonne. Der Sirius z. B. entwickelt 36mal so viel Hitze als die Sonne, genau 169 666 Grad Celsius, während der Polarstem 8260 Grad Wärme besitzt. Theater. Friedrich-Wilhelm städtisches Schauspielhaus. Alexander B is s on S Schwank:„Der selige Töupinel" hat, obgleich die den winzigen Kern der Handlung umkleidende SituationS- und Verwechfclungskomik im Vergleich zu der schärfer paprizierten der heutigen Pariser Possenliteratur beinahe harmlos anmutet, noch recht gut gefallen. Es steckt darin autzer viel Blöd- sinn und Unwahrscheinlichkeitcn doch eben auch eine hübsche Portion von grotesker Laune und geistreicher Mache, die sich zeitweise. Haupt- sächlich im zweiten, zum Teil auch im letzten Akte prasselnd entladen. Schließlich entläßt der Autor das Publikum niit der tröstlichen Ge- witzheit, daß die Tugend der legitimen Witwe des„seligen Toupinel" aus allen Fährlichkeiten maiclloö hervorgeht. Ihr selig ver- stocbener Mann, Toupinel nämlich, ist, was sie nun erst in glück- licher zweiter Ehe erfahren nmtz, doch ein richtiger Heuchler. Schwerenöter und Ehehrecher gewesen. der sie ständig mit einer Geliebten hintergangen hat. Daß nun diese etwas Beim Titel „Beitrag des Reiches zu den Kosten der Zentralstelle für Volks- Wohlfahrt 10 000 Mark" schildert Abg. Prinz zu Schönaich-Carolath(nail.) die Organisation und Aufgaben dieser im Jahre 1906 gegründeten Zentralstelle und bittet, für das nächste Jahr eine Erhöhung der Beihilfe in Aussicht. zu nehmen. Abg. Dr. Piper(Z.) rühmt die Tätigkeit der Zentralstelle, namentlich auf dem Gebiete der Jugendfürsorge; leider reichen ihre Mittel nicht, und deshalb wäre es erwünscht, im nächstjährigen Etat die Beihilfe des Reiches zu erhöhen. Abg. Dr. Müllcr-Mciniugen(frs. Vp.): Die Art, wie die Zentral- stelle den Kampf gegen die Schmutz- und Schundliteratur führt, ist keineswegs tendenziös. Durch Hebung der Volksbibliothekcn und durch körperliche Ausbildung der Jugend in der Zeit der Pubertät, also durch Uiiterstützung der Sport- und Turnbelvegung kann dieser Kampf energisch geführt werden. Die Pornographie bekämpfen wir ebenso stark wie das Zentrum. Aber im Gegensatz zum Zentrum halten wir dazu unsere Strafgesetze für ausreichend. Vielleicht noch tvichtiger als die Bekämpfung der Schmutzliteratur ist die Schund- literatur, die unsere Jugend geradezu zu Verbrechen anreizt.(Sebr wahr! bei den Freisiniiigen.) Auf diesem Gebiete eröffnet sich der Zentralstelle für Volkswohlfahrt eine weite Aufgabe. Aber ihr Beirat muß dann anders als in der jetzigen einseitigen Weise zu- sanimcngesetzt lverden. wo lein Künstler, kein Schriftsteller, kein Mitglied der Presse in dem Beirat fitzt.(Bravo! bei den Frei- sinnigen.) Abg. Dr. Heckscher(frs. Vg.) empfiehlt die Gründung einer Nationalbühne für Deutschland; das gewaltige Bildungsniittel deS Theaters müsse vom Staat ebenfo gefördert werden wie Schulen und Universitäten. Staatssekretär Dr. Delbrück: Auf dem Gebiete der Bekämpfung der Sckiniutzliteratur werden wir erst zum Ziele kommen, wenn alle religiösen, sittlichen und ästhetischen Kräfte der Nation mobil gemacht werden.(Bravo!) Aber das Reich kann auf diesem Wege mcht gut anders vorgehen als mit Unterstützungen solcher Institute, wie eS die Zentralstelle für Volkswohlfahrt ist, die keineswegs ein Staats- oder Reichsinftitut ist oder werden soll. Der Titel wird bewilligt. Der Titel„Zu Aufwendungen für Einrichtungen und Ver- anstaltungen. welche allgemeinen Jnteresien deS deutschen Handels und Gewerbes dienen, 86 006 M." ivird nach unwesentlicher Debatte bewilligt. Ebenso der Titel„Zur Förderung deS Abfatzeö land- wirtschaftlicher Erzeugniffe, wissenschaftlicher, technischer und ähnlicher allgemeiner Bestrebungen auf dem Gebiete der Landwirtschaft, 156 666 M." Das Zigeuuerwesen. Beim Kapitel„Bundesamt für Heimatwescn' verlangt daS Zentrum in einer Resolution einen Gesetzentwurf, durch welchen das vandentoeise Umherziehen der Zigeuner verboten wird. Abg. Frank-Ratibor(Z.): Die Zigeunerplage ist nicht nur in Oberschlesie» verbreitet, sondern fast in ganz Deutschland findet man Zigeunerbanden, deren nomadisierendes Leben diese Leute zu Ver- brechen geneigt macht. Deshalb wünschen wir daS völlige Verbot deS bandenweisen UmherziehenS der Zigeuner. Abg. Brühne(Soz.): Wir haben in Preußen gerade genug mit der Polizei zu tun und brauchen nicht Erweiterung ihrer Befugnisse.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Auch von Menschenliebe zeugen die Aus« siihrungen des Vorredners gegen die Zigeuner nicht.(Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Wenn man über eine Zigeunerplage llagt, muß man auch ihre Ursachen untersuchen. Doch nicht darauf wollte ich heute eingehen, sondern auf eine andere Sache: Am 16. April 1967 wurde hier eine Abänderung der Gesetzgebung über das Heimatwesen gewünscht. Der Staatssekretär erklärte da- mals, die Frage sei fortwährend im Fluß. Aber wir haben seitdem nichts mehr davon gehört. Im Reichsamt deS Innern heißt es: Immer langsam voran I Ueber hunderttausend Deutsche wandern jährlich aus und erwerben im Auslande nach wenigen Jahren die Staats- Zugehörigkeit. Es sind nicht die schlechtesten Elemente, die so dem deutschen Volke verloren gehen. Haarsträubend sind auch die Militärgesetze in ihrer Anwendung undelikate Geschichte anS Licht kommt, verdanken alle Be- teiligten den Renommistereien eines Kapitäns, der allerdings auch einer der verschiedenen Liebhaber der fälschlich als Frau ausgegebenen Geliebten des Herrn Toupinal gewesen ist. Der von Leopold v. Ledebur vortrefflich inszenierte Schwank tvurde im ganzen flott heruntergespielt. Schade ist nur, daß Friedrich Holthaus an solche Hanswurstrolleu wie den Kapitän Mathieu sein reiches Können verschwenden muß. Neben ihm sind noch Redolf Lettinger, Olga R a p p o, Maximilian S l a d e k, Elise H e n s ch e l und Emil R a m e a u, der als Diener Franko is eine vorzügliche Charakter» charge bot. lobend zu nennen. e. k. Notizen. — Der Boykott der Dramatiker gegen daß B e r l i n e r T h e a t e r ist aufgehoben. Er wurde verhängt, weil Lothar Schmidt sich vom Berliner Theater schlecht behandelt fühlte. Zwischen der Direktion und dem Verbände Deutfcher Bühnenschrift» stellcr wurde nun ein Schiedsgericht vereinbart. —.Der Feldherrn hü gel", Rodas und RößlerS von der österreichischen und preußischen Zensur gemeinsam unterdrückte „Schnurre", erlebte in dem deutschen Bundesstaate Württemberg (was sagt v. Oldenburg zu dieser Disziplinlosigleit?) seine erste deutsche Aufführung. Im Stuttgarter Schauspielhaufe Hot man sich über daS Stück und nicht minder über die königlich preußische Zensur von Herzen amüsiert. Und der Militarismus hat ein paar klatschende Gcißelhiebe abbekommen. — Ein entthronter Watteau? Unter den frauzösischen Bildern des 18. Jahrhunderts, die Friedrich II., einer de: wenigen Hohenzollern von künstlerischem Geschmack, erwarb, ist»ins der schönsten das Schild des Kunsthändlers Gersaint. Es ist zurzeit in der leider so teueren(waS hier mit vornehm verwechselt wird) Aus- stellung der Akademie zu sehen und entzückt durch sein wundervolles Kolorit. Nun ist überliefert, daß Watteau kurz vor semem Tode in acht Tagen das Doppelbild ge« malt hat. Dazu würde die sorgfältige Durchführung des Berliner Bildes wenig stimmen. Und so sind denn in Paris Stimmen laut geworden, daß das Bdrüuer Bild eine Copie Paters oder LancretS fei, während von dem ersten Bild freilich nur noch ein Teil sich in Paris befinde. Der französische Generallirektor der schönen Künste, Dayot, unterstützt diese Ansicht.— Wenn der A u S st e l l u n g s l e i t u n g an der Feststellimg deS wahren Tat» bestandcS gelegen gewesen wäre, hätte sie den Parifer Watteau mit ausstellen sollen. Aber die Rücksicht auf ihren königlichen Auftraggeber ließ das offenbar nicht zu. — Billige Telegraphie. Unter deni Namen„Tclepost» gesellschaft von Amerika" hat sich in Boston eine Gesellschaft gebildet, die mit Hilfe eines neuerfundenen Telcgraphiesystems den Telegramm- verkehr in ganz Amerika außerordentlich verbilligen wird. Die „Telepostgesellschaft" stützt sich auf eine neue Erfindung des In« genieurS Patrick B. Delaney, die nur einen Draht benutzt und im- stände ist, in der Minute tausend Worte zu telegraphieren, die Leistungsfähiglcft der anderen Telegraphengesellschaften bei weitem übertrifft, da diese mit 65 Drähten nicht mehr leisten können, als der eine Draht deS Delaneyschen Systems. Die Telegramme werden dadurch sehr verbilligt: für 50 Worte will die Gesellschaft nur IM. berechnen. ?>egen solche, die ausgewandert sind und später zuriickkehren. Will ich ein Ausländer hier naturalisieren lassen, so wird ihm daS ander- ordentlich erschwert, wenn er ein einfacher Arbeiter ist. Ein Schuh- macher, der sich in Preutzen naturalisieren lassen wollte, wurde unter anderem auch gefragt, ob er Orden Habel sGroge Heiter- kcit.) Unerhört ist ferner die Spitzelei durch die Polizei. Hat denn die preuhische Polizei gar nichts anderes zu tun? Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Ausländer, die von solchen Achtgroschen- jungen als Note verdächtigt werden, werden ausgewiesen. Das Heimatwesen in Deutschland selbst liegt sehr im Argen; ein Deutscher, der sich in irgend einem deutschen Bundesstaate nieder- läßt, sollte doch dort dieselben Rechte genießen wie der Einheimische I sBravo I bei den Sozialdemokraten.) Abg. Graf v. Carmcr-Zicscrwit» sk.) klagt ebenfalls über die Zigennerplage und empstehlt die Resolution deS Zentrums. DaS Kapitel wird beivilligt, die Resolution wird an» gen o minen. � �Hierauf vertagt das HauS die Weiterveratung auf Donnerstag Schluß 3'/» Uhr._ Mgeorclnetenbaus. K2. Sitzung, Mittwoch, den 2. März 1910, mittags 12 Uhr. Am Ministertischc: S y d o w. Die zweite Lesung des Bcrgetats wird fortgesetzt. Handelsminister Sydow: Eine Denkschrift über die Uutersuchuirg des Radbodungliicks vorzulegen, wird erst möglich sein, wenn die gerichtliche Uutersuchung abgeschlossen ist. Die Entsunipsung der Grube ist beendet, man ist jetzt bei der Aufräumung der dritten Sohle. Die Schwierigkeiten, die den Aufräumungsarbeiten entgegenstanden, waren sehr groß. Eine Zeitlang mußten die Wasser in der Grube bleiben, damit eine Abkühlung der Kohle eintrat und keine neue Selbentzündung erfolgte. Bo» den Leichen sind bis jetzt 123 geborgen, etwas über 170 find noch zu berge»! Die Bergpolizeibehörde hat sich mit großer Sorgfalt der Ueberwachuug der Arbeiten ge- widmet. Der Referent des Handelsministeriums ist selbst sechsmal in der Zeit in die Grube eingefahren, der Bergrevier- beamte an 200 mal. Die Bergbehörde hat die Verwaltung der Grube ersiecht, jedesmal einen Arbeiter zur Befahrung der Grube mitzunehniFU. Es sind zwei Bergleute auf Veranlassung des Re- gierimgSpräsidenten zugezogen worden: später hat der Knappschafts- vorstand die Entsendung weiterer Slrbeitcrvertretcr abgelehnt; aus welchen Gründen weiß ich nicht. Der KnappschaftSvorstand ist in solchen Beschlüssen selbständig, eine Einwirkung der Bergbehörde auf ihn ist nicht möglich! Was die Ursache der Explosion anlangt, so sind Koksherde hier nur in geringen! Maße gefunden worden. Vielleicht aber findet die Explosion in einem anderen Um- stände ihre Erklärung. Es hoben sich in der zweiten Sohle zwei parallel laufende Spalten von etwa 20 Meter Länge gefunden, die vorher nicht vorhanden waren. I» der sozialdemokratischen Presse ist daS ironisiert lvorden:„Nun hätte man mit einem Male einen Anhalt, die Katastrophe auf elementare Einwirkungen zurück- zuführen und die Verivaltung stände rein da". Demgegenüber stelle ich fest, daß wir durch eidliche Vernehmungen die Wahrheit fest- zustellen versucht haben. Neun Bergleute und ein Assessor haben bekundet, daß sie die Spalten vor dem Unglück nicht bemerkt haben, aber bemerkt haben müßten, wenn sie vorhanden gewesen wären. Anderwärts find Fälle vorgekommen, wo große Mengen von Gasen au« solchen Spalten ausgeströmt waren. Im Reichstage ist vom Abg. Sachse behauptet worden, die Bergvcrwaltung habe dem Bergbeamten Holländer die Genehmigung zur Aussage über das Radboder Unglück in dem Beleidigungs- prozeß gegen die„Bergarbeiter-Zeitung" nicht erteilt, wo es sich um die angebliche Aeußerung eines Direktors handelte:„ W a S lebt, das lebt, wir müssen heraufl* Die Sache liegt so: Der Verteidiger stellte eine Frage, die sich ans die Ursache des Radbod-UnglückeS bezog. Holländer war der Meinung, er hätte nur die Genehmigung von der Bergbehörde, über den Gegenstand der Beleidigungsklage auszusagen— das foll kein Vorwurf gegen ihn sein—, während daS Oberbergamt die Genehmigung im w eiteren Sinne hatte geben wollen. Das Gericht hat übrigens die Frage als unerheblich abgelehnt. Was die Frage anlangt, ob noch Arbeiter hätten gerettet werden können,, so ist dafür von Interesse, daß die Leichen, die bis jetzt ge- funden sind— mit Ausnahme von Arbeitern, die beim Transport beschäftigt waren—, an ihrer Arbeitsstelle in der Haltung gefunden worden sind, in der sie gearbeitet haben; zum Teil hatten sie noch das Werkzeug in der Hand, so daß man an- nehmen muß, daß der Feuerstrom der ersten Explosion sie sofort gelötet hat und daß von ihnen keiner mehr hätte gerettet werden können. Um die Wiederholung ähnlicher Unglücksfälle zu vermeiden, sind eine Reihe von Sicherheitsvorkehrungen getroffen. So ist über« all die Benutzung elektrischer Lampen vorgeschrieben; es müssen Vorbohrungen stattfinden sowie eine stärkere Berieselung. Die aus- ziehenden Wetter iverden analhstert auf ihren Gehalt an Gruben- gasen. Um den Kohlenstaub zu vermindern, soll das Wasser mit starkem Druck eingeführt werden. Die Untersuchung wird auch weiter mit größter Unparteilichkeit geführt werden, denn die Ber- ivaltung hat keine anderen Interessen als: die Ursache des Unglücks klarzustellen. Was die Löhne der staatliche» Bergarbeiter betrifft, so sind sie 1903 gegen 1907 durchschnittlich gestiegen: in Oberschlesien um 23 M., im Oberharz um 21 M. In Dortmund ist ein Rückgang von 13 M., im Saarrevier von 3 M. zu verzeichnen, also ein kaum nennenswerter Rückgang. Die Tat- fache, daß trotz der Lohnstcigerung 1906/07 bei der darauf eintretenden allgemeinen Depression kein Rückgang der Durchschnittslöhne zu verzeichnen ist, ist immerhin ei» recht günstiges Ergebnis./z Fr., am 24. Februar dagegen zu 34'/z�3S Fr. gehandelt; weißer Zucker Nr. 3 stieg sogar von 37',(, am 17. Januar auf 39 Fr. ani 24. Februar. Dieser Tendenz entspricht auch die Magdeburger Marktlage. Hier wurde im letzten Drittel des Monats Januar(19.) Kornzucker 88 Grad ohne Sack zu 12,86—12.95 M. pro SV Kilo- gramm verkauft, zirka ö Wochen später(25. Februar) um eine Mark teurer abgegeben. Auch Brotraffinade I ohne Faß ging in der- selben Ze»t von 23,26— 23,80 auf 23,75—24,00 M. in die Höhe. Am 28. Februar wurde auS Magdeburg von einer neuen Hausse am Zuckermarlt berichtet, die die Termmkurfe um 25 Pf. pro Zentner hinauftrieb. Die Kaffeepreise haben am Amsterdamer Markt seit Beginn dieses Jahres von Woche zu Woche in steigender Richtung sich be- wegt. Am 17. Januar wurde Javakaffee good ordiuary zu 41 CtS. vas>/z Kilogramm gehandelt, in den darauf folgenden Tagen (27. Januar bis 7. Februar) zu 42 und seit dieser Zeit bis heute zu 42%. Am New A orker Markt stieg Rio-Kaffee in dem Monat vom 17. Januar bis 17. Februar für die per April und Mai ab- geschlossenen Verkäufe von 6,80 auf 7,05 Cts. per Pfund; in Havre wurde die Marke Kaffee good average sautoS am 17. Januar für Lieferungen per Februar und März zu 47% Frank für 50 Kilo- gramm und unter geringen Schwankungen am 17. Februar zu 48% Frank notiert. Auch am Hamburger Kaffeemarkt war eine ähnliche Tendenz wahrzunehmen. Lieferungen per März wurden am 20. Januar zu 3S% M. und am 24. Februar zu 36% per 100 Pfd. notiert._ Das öffentliche Feurrverficherungswefen. Die Feuerversicherung ist der älteste Zweig deS Versicherungswesens. Bereits im Jahre 1868 war das öffentliche Feuerversicherungswesen so weit entwickelt, daß sich der Versicherungsbestand der öffentlichen Feuerverstcherungs- anstalten aus 16,3 Milliarden Mark belief. Gegen Ende des Jahres 1908 stellte sich die gesamte Versicherungssumme der öffent- iichen Feuerversicherung in Deutschland auf rund 69,5 Milliarden Mark, so daß seit 1868 die Summe auf mehr als das Vierfache angewachsen ist. Die Einnahme an Beiträgen stellte sich im Jahre 1908 92,5 Millionen Mark oder 0,137 Prozent der Versichermigsiumme, während die Gesamteinnahme der öffentlichen Feuerverstcherungs- anstalten sich auf 113 Millionen Mark belief. Gegen 72.4 Prozent der Summe der Versicherungsbeiträge wurden für Schaden- Vergütungen verausgabt. Die Verwaltungskosten betrugen rund 12 Millionen Mark. Das Gesamtvermögen der öffentlichen Feuer- Versicherungsanstalten stellte sich am Ende des Jahres 1903 auf 225 Will. Mark._ Die industrielle Entwickelung der Welt. Der Kohlenverbranch eine? Staates kann in gewissen Grenzen als Maßstab der industriellen Entwickelung eines Landes betrachtet werden. In der nachfolgenden Tabelle bringen wir die Tonnen- ziffern pro Kopf der Einwohner der sechs industriell am weitesten fortgeschrittenen Länder. Es wurden gefördert: Großbritannien steht 1885 allen anderen Staaten weit vorauf. Die Vereinigten Staaten überflügeln bald alle anderen Länder, sie stehen jetzt an der Spitze. Deutschland ist England bedenklich nahe gerückt, es hat aus dem Wege das altindnstrielle Belgien schon überholt. Kanada wird in einigen Jahren sicher mit Belgien xmf einer Stufe stehen. Frankreich hat sich verhältnismäßig langsam weiter entwickelt._ Soziales* Die Schauspielcri» als Weib und Arbeiterin.- lieber dieses Thema sollte in der in der Nacht vom 1. zum 2. März im großen Saal der Philharmonie stattgehabten Massen- Versammlung der Schauspielerinnen gesprochen werden. ES fand sich auch übs große ZuMerschgr sin, Dxr Saah dis Gglzrixv und Logen Karen überfüllt. Aber neben den BühnenangehZrlgekt herrschte das Publikum der bürgerlichen Frauenbewegung vor und in der Menge der gut bürgerlichen„honetten" Frauen tauchten die Schauspielerinnen fast unter. Nach den einleitenden Worten von Frau Minna Cauer konnte man vielleicht erwarten, daß mit dieser Versammlung der Beginn der Befreiung der Schau- spielerin als Frau und Arbeiterin gemacht werden könnte. Doch die Ausführungen der langen Reihe von Rednerinnen und Redner lehrten bald etivas anderes. Gewiß lieferten auch die aus den eigenen Erfahrungen einzelner Schauspielerinnen gegebenen Schilderungen aus dem Leben und der Tätigkeit der Bühnen- künstlerinnen äußerst kraß erscheinende Beiträge zu dem grenzen- losen Elend der Schauspielerinnen. Aber in den vielen Reden fehlte doch jeder leitende, die augenblickliche Ursache dieses sozialen Jammers erklärende Gedanke. Kommen doch zu den nur als Nebenerscheinungen zu bewertenden Folgen des sozialen Elends der Schauspielerinnen: in der Kostümfrage, in der Aus- Nutzung durch den Agenten, im Heiratsverbot uud in der Möglichkeit, daß die Direktoren ledige schwangere Schauspielerinnen so- fort entlassen können, die eigentlichen Gründe der schlechten sozialen Lage der Schauspielerinnen. Die Ueberzeugung, daß auch die Schauspielerin dem Theaterdirektor nichts anderes ist, als ein Objekt wirtschaftlicher Ausbeutung, und daß die Schauspielerinnen von ihrem Arbeitgeber, dem Direktor, genau so ausgenutzt, ja noch viel rücksichtsloser, brutaler und ungenierter ausgenutzt und ausgebeutet werden als wie die Arbeiterin von dem gewerblichen oder industriellen Unternehmer gedrückt und entrechtet ist, kam wohl niemand der anwesenden Schauspielerinnen. Daß diese allzu nahe liegende Erkenntnis aber auch keiner Rednerin und keinem Redner kam, beweist, daß man zur Frage der Lösung des sozialen Elends der Schauspielerinnen so etwas wie die Einführung eines künstlerischen Befähigungsnachweises, Beschränkung des Zuzuges weiblicher Kräfte zur Bühne verlangt. Man rief nach Schutzgesetzen für die Schauspielerinnen, Beschneiden der Aus- beutungsmöglichkeit des Agenten, Lösung der Kostümfrage, Zu» lassung der Frauen zu Direktoren- und Regisseurämtern. Das alles forderte eine Resolution, zu deren Erfüllung man sich auch organisieren wolle. Auch wir sind der Meinung, daß in erster Linie eine kräftige Organisation der Schauspielerinnen notwendig ist. Ja durch sie und einen energischen Kampf der Schauspielerinnen, der syste- matisch gegen die Ausbeutung der Theaterdirektoren geführt werden muß, allem wird eS den Bühnenkünstlerinnen möglich sein, ihre Rechte als Frau, Mutter, Arbeiterin und Künstlerin wirksam geltend machen zu können. Dazu ist aber auch bei den Schauspielerinnen die Erkenntnis der Klassengegensätze, die sich nicht minder als sonstwo zwischen der ausgebeuteten Bühnenkünstlerin und dem Theaterunternehmer aufgetan haben, notwendig. Da mögen die Damen vom Theater, die sich zu ihrem Schaden nur immer als Künstlerin, gar zu selten aber als Weib und Arbeiterinnen fühlen, bei den organi- sierten Arbeiterinnen in die Schule gehen. Mit der fraglichen, zu leicht trügenden Sympathie satter bürgerlicher Kreise, die sich gelegentlich einmal für das„Künstlervölkchen interessieren", und mit Gesetzen allein wird das soziale Elend der Schauspielerinneu nicht beseitigt. Die eigene Kraft, verstärkt und vertausendfacht durch eine straffe Organisation der ausgebeuteten Schauspiele- rinnen, schafft auch den Bühnenkünstlerinnen, diesen ge- drücktesten aller Arbeiterinnen in unseren mit großkapitalistischen Ausbeutungsmaschinen geleiteten„Kunstinstituten" ihr Recht als Frau, Mutter, Arbeiterin und Persönlichkeit. Dazu dürfte aber die Nachtversammluug nur wenig vorgearbeitet hoben. AuS den Reden sei die des Fräuleins Rubner vom Neuen Theater hervorgehoben, welche die Ursachen der Theater. Prostitution, Zustände, an welchen die Direktoren und Publikum die Schuld tragen, schilderte. Ein Krebsschaden ist das ungeheure Mißverhältnis zwischen der Gage und dem Dienstaufwand, das heißt den ToilettenauLgaben. zu denen die Künstlerin kontraktlich verpflichtet ist. Die Gagen betragen bei mittleren Theatern 200 bis 250 M. für 1. Fach, 100—120 M. für 2. Fach, bei kleinen Bühnen 100— 120 M. für 1. Fach, 70— 80 M. für 2. Fach. Bei einer Spielzeit von 6— 7, höchstens 8 Monaten stellt sich das Jahreseinkommen einer Schauspielerin auf 420—2000 M. Ueber 60 Proz. der Bühnen- künstlerinnen haben unter 1000 M. Jahreseinnahme. Aber auch diese Summe gehört ihnen nicht ganz. Davon gehen ab die Reise- kosten, die Prozente an den Agenten, die Kosten für die Vorprobe» tage vor Beginn der Saison. Das Unerträglichste aber ist die Be» schaffung der Toilette. Gerade an Provinzbühnen mit häufigem Repertoirewechsel werden von der Künstlerin in einem Monat, in dem sie 70—120 M. verdient, nicht selten zehn Toiletten verlangt� Was bleibt der Schauspielerin übrig als Schulden zu machen, oder aber sich zu prostituieren, wenn sie Karriere machen will? So manche hat schon den Tod der Schande vorgezogen. Nicht wenige Künstlerinnen müssen Schneiderinnen werden, um Schauspielerin sein zu können. Hungernd, frierend, darbend sitzen sie des Nachts an der Nähmaschine mit der ewigen Angst: wird die neue Toilette auch den Ansprüchen der Regie genügen? Nur wenige haben Glück und kommen, ohne diese aufreibenden Sorgen durchkosten zu müssen, in die Höhe, die anderen müssen sich verkaufen, wenn sie mit jenen „Auch"künstlerinnen konkurrieren wollen, die die Bühne nur als Ausstellungslokal für ihre Reize betrachten. In der heutigen Be- Handlung der Toilettenfrage liegt eine Nötigung, ein Zwang zur Prostitution._ DaS HauSgcwerve im Deutschen Reich. DaS Heft 2 des Bandes 215 der Statistik des Deutschen Reichs enthält die Angaben über das Hausgewerbe in den Bundesstaaten und Landesteilen nach der gewerblichen Betriebszählung vom 12. Juni 1907. Der erste Teil der Tabelle gibt für jede Gewerbeabteilung und Gewerbegruppe die Staaten und Landesteile an, in denen hausgewerbliche Betriebe und Personen vorkommen, während im zweiten Teil für jeden Landesteil die Gliederung des HauSgewerbeS außer nach Abteilungen und Gruppen auch nach Gewerbeklassen und -arten dargestellt wird. Die Ziffern beruhen zum Teil auf Angaben der Hausgewerbetreibenden selbst, zum Teil auf denen der Unter« nehmer, die solche beschäftigen. An hausgewerblichen Betrieben wurden nach den Angaben der Hausgewerbetreibenden im Deutschen Reiche gezählt: 279 546 Haupt» und 36 107 Nebenbetriebe, gegen 300 901 Haupt- und 41 656 Neben» betriebe im Jahre 1895. Die Hauptbetriebe haben demnach um 21 355 oder 7.1 Proz., die Nebcnbetriebe um 5549 oder 13,3 Proz. abgenommen. Von den Hauptbeirieben sind Alleinbetriebe 206 706 oder 73,9 Proz. Hausgewerbetreibende Personen wurden gezählt: Männlich Weiblich 1907 170 712 234 550 1895 250 131 201 853 — 85 419-tz 32 697 Nach den Angaben der Unternehmer dagegen waren Haus» gewerbetreibende wie folgt vorbanden: Männlich Weiblich 1907 154 988 327 418 1895 221 246 229 465 — 06 258-tz 57 983 25 85S Betriebe bJschäftigten überhaupt außerhalb der Betriebsstätten Personen als Hausgewerbetreibende gegenüber 22 307 Betrieben im Jahre 1895, also 8548 mehr als 13 Jahre vorher. Die mangelnde Uebereinstimmung zwischen den Angaben der Hausgewerbetreibenden selbst eiiiersells und der Unternehmer an» dererseits ist wohl dadurch zu erklären, daß einerseits viele HauS- gewerbetreibende sich nicht als solche angegeben haben, andererseits die Unternehmer über die Zahl der von den Zwischenmeiftern usw. beschäftigten Personen iticht unterrichtet sind. Ferner ist darauf hin» zulvcisen, daß viele Hausgewerbetreibende gemäß ihrer Bezeichnung ln den Zählpapieren nicht in derselben Gewerbeart nachgewiesen sind, in die der betreffende Unternehmerbetrieb eingereiht ist. * Gmcbts- Zeitung Eine geborstene Ordnungssäule. Ende August borigen Jahres machte die Verhaftung des Ober- verwaltungssckireibers Kurt Reinhold aus der Königlichen Gewehr- fabrik Erfurt großes Aufsehen. Dieser Herr hatte sich bedeutende Nnterschleife zuschulden kommen lassen in der von ihm verwalteten Sparkasse für die Arbeiter der Gewchrfabrik. Dieser Mann ge- noß das größte Vertrauen seiner Vorgesetzten; durch seine Hände ging die gesamte Korrespondenz der Königlichen Gewehrfabrik. Er war Vorstandsmitglied mehrerer Kriegervereine, auch zugleich Ltassiercr der evangelischen Kirchengemeinde Hochheim bei Erfurt, wo er wohnte. Wie seinerzeit widerspruchslos von der Erfurter „Tribüne" bei Aufdeckung der Unterschleife festgestellt wurde, hatte Reinhold ein Monatsgehalt von 225 M., außerdem verrichtete er nach Feierabend im Bureau des Gewerbcrats Niemeyer in Erfurt Schreibarbeit gegen eine weitere Monatsvergütung von 45 bis 50 M.; auch aus der Bermittclung des Bezuges von Kaffee, Kakao, Tabak, Jnstruttionsbüchern für Arbeiter und Angestellte der Gewehrfabrik zog er ansehnliche Vorteile und endlich betrieb seine Frau einen schwunghaften Gemüsehandel in seinem Wohnort Hochheim. Man kann also nicht sagen, daß Reinhold nus„Not" gehandelt hat, wenngleich er eine zahlreiche Familie zu unterhalten hatte; indessen steht auch fest, daß er gewisse kostspielige Passionen hatte. Am Dienstag hatte sich Reinhold nun vor der Strafkammer in Erfurt wegen der begangenen Unterschleife zu veranworten. Die vorstehend geschilderten Betrügereien wurden ihm nach- gewiesen: er hat Spargelder der Arbeiter unterschlagen, ferner Beträge aus der Kirchcnkasse und aus der Sterbekasse des Deutschen Kriegcrbunde?, insgesamt gegen 5000 M. Einen 65 Jahre alten Gewehrarbeiter hat er um seine gesamten langjährigen Er- sparnisse gebracht. Eines Tages rief er dem Arbeiter zu:„Ich gratuliere Ihnen, 1666 M. sind voll!" Als der Mann sein Spar- buch dann in die Hände bekam, betrug die ganze Eintragung 1,63 M. Wegen Unterschlagung in 29 und Betruges in 6 Fällen wurde Reinhold zu zwei Jahren fünf Monaten Gefängnis verurteilt; fünf Monate wurden ihm auf>se erlittene Untersuchungshaft an- gerechnet.— Da die Sparkasse als Privatsparkasse von der Direktion der Gewehrfabrik betrachtet wird, so hat es den Anschein, als wenn die Arbeiter für den Perlust keinerlei Ersatz von der Direktion zu erwarten haben. Jedenfalls steht das eine fest, daß man jahrelang keine Revision der Kasse vorgenommen hat, denn es wäre ja eine Beleidigung für den Herren Oberverwaltungs- schreiber gewesen, ihm als Vertrauensperson seiner Vorgesetzten auch nur das leiseste Mißtrauen zu zeigen. Kabarettklatsch vor Gericht. Als Privatkläger trat gestern vor dem Amtsgericht Berlin- Mitte der Schriftsteller Rudolf Baron aus, der eine Variete- und Konzert-Agentur und den Reveraverlag betreibt. Angeklagt war der Redakteur der„Großen Glocke", Felix Wolff. Unter dem Titel „Aus Berliner Soubrettenschnlen" veröffentlichte die„Große Glocke" am 7. Juli 1999 einen längeren Artikel, der die in manchen Soubrettenschulen angeblich vorhandenen Uebelstände geißelt und auch den Privatkläzer heftig angriff. Auch er wurde als„Sou- brettenmacher" gekennzeichnet, dem es nur darauf ankomme, mög- lichst viel Kapital aus seinen Schülerinnen herauszuschlagen. Es wurde behauptet, daß er sich zu Elevinnen solche Mädchen aus- suche, die ein reiches Verhältnis haben und so über die nötigen Mittel verfügen, um seine Honorare bezahlen zu können, die in gar keinem Verhältnis zu seinen Leistungen ständen, er lasse sich 2909 M. als Anzahlung zahlen, sei aber gar nicht imstande, eine Dame auch nur für eine zweitklassige Bühne vorzubereiten. Er selbst sei nur imstande, Klavier zu spielen und Kompositionen zu schaffen, die dem Original sehr ähnlich sähen, er habe kaum ein Recht dazu, sich als Lehrer zu gerieren; auch besorge er den Damen Kostüme und auch gleich die zu einer wirksamen Bühnenerscheinung nötigen Brillanten, zu welchem Zweck er mit allen möglichen Händ- lern in Verbindung stehe usw. usw. Die Beweisaufnahme fiel völlig zuungunsten des Beklagten aus. Nur ein Zeuge Albert Kühne, der Conferencier des Linden- Kabaretts, gab allerlei Klatsch wieder, der über den Privatkläger in Artistenkreiscn im Umlauf sei, konnte aber irgendeine bestimmte Person, die über diese dem Privatkläger ungünstigen Gerüchte vor Gericht vernommen werden könnte, nicht namhaft machen. Der Zeuge, der selbst eine Soubrettenschule hat, hat mit dem Ange- klagten über diese Dinge gesprochen; er hält den Privatkläger nicht für geeignet, Soubretten auszubilden.— Das Gericht verurteilte den Angeklagten aus Z 186 St.-G.-B. zu 399 M. Geldstrafe even- tuell 69 Tagen Gefängnis und sprach dem Beleidigten die Publi- kationsbefugnis zu. Die Beleidigungen seien sehr schwere, der Wahrheitsbeweis sei völlig gescheitert. Denn auch das, was Herr Kühne bekundete, seien haltlose Verdächtigungen gewesen, ohne Tat- fachen, an die man sich halten könne. Andererseits sei dem Ge- richtshof bekannt, daß in den Soubrettenschulen schwere Mißstände herrschen und deshalb sei dem Angeklagten zugute gehalten worden, daß er in einem gewissen öffentlichen Interesse gehandelt habe. Wiederaufnahmeverfahren. Die vor 8 Jahren begangene Mordtat des Arbeiters Paul Lippke soll nunmehr nach mehrfachen Vertagungen am 12. März das Schwurgericht am Landgericht I Berlin beschäftigen. Der Angeklagte, der jetzt im 31. Lebensjahre steht, hat am 12. Juni 1992 seine Ehefrau im Hause Neue Hochstr. 2 durch einen Revolver- schuß getötet. Das Schicksal des Angeklagten ist, wie schon mehr- fach berichtet worden, ein überaus wechselvolles und dürfte in der Kriminalgeschichte kaum seinesgleichen haben. DaS Schwur- gerichi hak ihn am 9. März 1993 zum Tode verurkeilk, nachdem die Zweifel, die an seiner Zurechnungsfähigkeit entstanden, durch die Beobachtung, der er sich in der Charite zu unterwerfen hatte, be- seitigt worden waren. Im Untersuchungsgefängnis zeigte er dann ein so eigenartiges Benehmen, daß abermals Zweifel an seiner Zurechnungsfähigkeit entstanden. Von der Vollstreckung des Todes- urteils wurde daher abgesehen und die Strafe im Gnadenwege in lebenslängliche Zuchthausstrafe umgewandelt. Sein Verhalten wurde aber immer befremdlicher, so daß er wiederum der Charite überwiesen wurde. Dort haben Beobachtungen seines Geistes- zustandcs durch mehrere Sachverständige stattgefunden, die schließ- lich dahinführten, daß er entmündigt und nach Dalldorf gebracht wurde. Auf Grund der Gutachten aus der Charite und der Dall- dorfer Anstalt und eines Obergutachtens des Medizialkollegiums hat dann Lippkcs Verteidiger das Wiederaufnahmeverfahren be- trieben, das von der 7. Strafkammer im Mai 1997 beschlossen worden ist. Die Ansehung eines Hauptverhandlungstermins hat sich verzögert, weil Lippke, der sich inzwischen wieder in der Irren- anstalt Dalldorf befand, mehrere Male von den medizinischen Sach- verständigen für nicht verhandlungsfähig erklärt wurde. Nachdem nunmehr die VerHandlungsfähigkeit eingetreten ist. wird die alte Mordsache am 12. d. M. verhandelt werden. Den Vorsitz im Schwurgericht führt Landgerichtsrat Pohlmann. ' Der Görlitzer Stadthallen-Einsturz. Wie wir bereits gestern aus Grund eines Telegramms melde- ten, ist der Ingenieur Martini verurteilt. Als mitschuldig muß aber nach den zahlreichen Gutachten die Görlitzer Baupolizei be- trachtet werden. Ihre Tätigkeit wurde von den Sachverständigen ausnahmslos scharf verurteilt. So warf der Konstrukteur des Ber- liner Domes, Geheimrat Dr. Müller-Breslau von der technischen Hochschule, der Baupolizei„ungeheure Oberflächlichkeit" vor. Aehn- lich sprachen sich Kgl. Baurat F. Jaffe-Berlin, der Direktor der Technischen Hochschule in Charlottenburg, Bost, und nahezu 29 an- dcre aus. Baurat Jaffe ist der Ansicht, daß es gesetzlich unzulässig sei, daß die Stadt Görlitz die Verantwortung auf andere abwälze. Es sei ein Irrtum von Stadtbaurat Uhlig, daß die Baupolizei nur das zu prüfen habe, was ihr vorgelegt wurde, im Gegenteil habe sie alles so zu berechnen, daß keine Gefahr besteht. In den Urteils- gründen wurde betont, daß„das eventuelle Verschulden anderer mit dem des verurteilten Angeklagten lediglich konkurriert". Die armen Opfer der Stadthallenkatastrophe, ihre Hinter- bliebenen haben danach ein Recht auf Schadenersatz auch gegen die Stadt Görlitz._ eingegangene Druchrchriften. Rudolf und Camilla. Roman von Auguste Hauschner. li M. E. Fleische! u. Co., Berlin W. Verkommener Adel. NamenSheiraten. Adelige Zu- Halter. Adelige Geisteskranke. Bon Vollrath von Lepcl. 89 Pf. Volkswort in Zürich. SozialdemokratlselierWaiiiyereii] für den GörliNer Viertel. Bezirk 217. Teil l. Den Mitgliedern zur Nachricht. daß unser Genosse, der Arbeiter ttermslia Hänel Wienerstr. 36 gestorben ist. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 3. März, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- Halle des ZionS- KtrchhoseS in Nieder- Schonhausen(Nordend) aus statt. 216/4 Der Toratand. I Deutseber Ttansportarbeiter-ferbanil. Bezirksverwaltung GroB-Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Hausdiener Hennanv Häneit am 27. Februar im Alter von 48 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenke« k Die Beerdigung findet heute Donnerstag, den 3. d. Mts., nach- miitagS 4 Uhr, von der Leichen- halle des Zions-KirchhoseS, Nord- end, aus statt. 66/18 Die Bezirksverwaltung. iZozlaliieWlii'atizcber Mdlverel» Z 6«, ß. Herl. Reichstags- Wahlkreises. Todes» Anzeige. Am 27. Februar verstarb unser Mitglied, der Schankwirt psul Schonenschestr. Hoiyi chestr. Ii Ehre seinem Andenke»: Die Beerdigung findet heute Donnerstag, den 3. März, vor- miitagS S'/z Uhr. von der Leichen- Halle des städtischen FriedhoseS in Friedrichsseide aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 223/16 Der Torstand. Oeutschsr Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes- Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Riitglied, der Heiser Luxen preuksckat am 28. Februar an Nierenleiden gestorben ist. Ehre seinem Andenken'. Die Beerdigung findet am Freitag, den 4. März, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- halle des Luther- Kirchhofes in Lankwitz ans statt. Rege Beteiligung erwartet 112/13 Die OrtSverwaltung. Terleid-Institnt: Friedrichst.l 15/1, a.Orabg. "Tor. Eleg. Frack, Gehrock 1,39, Hose 1,99, Weste 39Pf. Rixdorf. Nachruf. Am 26. Februar verstarb unser Mitglied, der Apotheker Edwin Lewinsobn (12. Bezirk). Ehre seinem Andenken: Di« Einäscherung ist in Ham- bürg ersolgt. 234/19 Der Torstand. HdeinM. Wahlverein Rixdorf. Am 1. März verstarb unser Mitglied, der Kassterer Otto Eipel (24. Bezirk.) Ehre seinem Andenke«: Die Beerdigung findet am Freitag, nachmittags 2 Uhr, von der Halle des neuen Rixdorser FriedhoseS(Mariendorser Weg) aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 234/11 Der Borstand. Zentral-Kranken- o. Sterhekasse der deutschen Wagenhauer. (E. H.), Ortsverwaltung Berlin 2. tiermit zur Nachricht, daß unser glied ' Martin Hupfeld am 1. März verstorben ist. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet am Freitag, nachmittags 3'/, Uhr, aus dem Georgen-Friedhos, Landsberger Mee, statt. g2Sb Die Ortsverwaltung. Sie trelVen den Nagel auf den Kopff— wenn Sie morgens und nachmittags Kathreiners Malzkaffee trinken. Denn Kathreiners Malzkaffee ist nicht schädlich, sondern jederzeit zuträglich, wohischmek- kend und billig.— Machen Sie also einen Versuch! Todes-Anzeige. Am Sonntag, den 27. d. M., verstarb nach langem, schwerem Leiden meine innigstgeliebte Frau Helene Hergemann . geb. Wlike im Alter von 49 Jahren. sZ69b DieS zeigt ticsbcirübt an Ksrl Bergemann. Die Beerdigung findet heute. Donnerstag, den 3. d. M., nach- mittags i'l, Uhr, von der Halle des städtischen FriedhoseS, Müller- straße. Ecke Secstraße, aus statt. Soeben erschienen: Sie jlrbriterklasse und der Strafgeietzentwurf von Dr. Siegfried Weinberg. Preis 40 Pf. Expedition des Vorwärts Berlin SW. 6S Lindenstr. 69, Lade». Herren- Vortrag. Morgen, Freitag, den 4. März, abends 9'/, Uhr. spricht Herr Spezialarzt Dr. Karl Ueinbardt im Restaurant Ä. Mieihe, Schöneberg, Hauptstr. 5(am alt. Botan. Garten) über: Haut» und Harnleiden wirksame u. schwindelbaste mit marktschreierischer Reklame angekündigte Heilmethoden. Jeder Kranke besuche im eigenen Interesse diesen Vortrag. Eintritt srei."ME 276/19 DI« reelisten und billigsten 44961/ Möbel and Polsterwaren auf Teilzahlung zu Kassenproisen und Zinsvergütung erhält man in der seit 32 Jahren bestehenden Möbelfabrik unter 19] ähriger Garantie Schulz Reichenb0r9er Bester Dänischer Kautabak M. Hansen Inn., Hadersleben. 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Es fanden eine größere Zahl von Versammlungen und mehrere Flugblattverbreitungen statt. Tie Frauen wählten zum Parteitag gesonderte Delegierte. Zur Vorsitzenden der Kinder- schutzkommission wurde Genossin Geiser gewählt. In Sachen des Genossen Israel hat das Schiedsgericht von dem Ausschluß abgesehen, da der Betreffende eine zufriedenstellende Erklärung und Zusicherung abgegeben hat. Lebhaftes Bravo löste die Mit- teilung aus, dag der Schnapsumsatz seit Bestehen des Boykotts um 286 000 Hektoliter(33% Proz.) zurückgegangen sei. Die Kandi- dotcnfrage für den ersten Kreis wird nun ernstlich erwogen werden müssen. Mit der Frage, wie wir unsere Organisation stärken, soll sich demnächst eine Versammlung befassen, in der alle Genossen Zutritt haben. Den Kassenbericht erstattete Bittn er. Die Einnahme beträgt 3382,76 M., die Aus- gäbe 2741,92 M.. bleibt Bestand 640.84 M. Der Mitgliederbestand betrug am 31. Dezember 1909 82 weibliche, 670 männliche, zu- sammen 752. Zum Bericht der Presskommission teilt W o l d t mit, daß besondere Ereignisse nicht zu verzeichnen sind. Schuster von der Agitationskommission ersucht um tatkräftige Unterstützung bei der Nachwahl im Kreise Ost- und West-Sternberg und wünscht eine Hilfskraft zur Agi- tation. Bittner hält zwei Agitatoren nicht für nötig. Schuster: Sein Wunsch entspringe der Notwendigkeit und stütze sich auf eine Einrichtung, die in den anderen Berliner Kreisen besteht, die auch einen Begleiter gewährten. Fest stehe jedenfalls, daß Bittner nicht gern Geld herausgebe.(Große Heiterkeit.) Aus der Lokalkommission berichtet Bartsch. Stoltenberg hält cS für angebracht, über die„Zelte", besonders über das„Kistenmachcrschc", die Sperre zu verhängen. Gerade dort verkehrten sehr viele Arbeiter, die sehr willkommen seien, solange sie nicht als Sozialdemokraten kämen. Ege weist darauf hin, daß die„Zelte" auch jetzt nicht frei sind. Bittner stellt folgenden Antrag, der der Verbands- generalversammlung unterbreitet werden soll: „Die Verbandsgeneralversammlung wolle beschließen: Der Beschluß des Zentralvorstandes vom 6. Januar betreffend die Maifeier ist aufzuheben. An dessen Stelle ist ein Komitee aus den sechs Kreisen zu bilden, welches für die Veranstaltung der Maifeier zu sorgen hat. Einnahmen und Ausgaben hat der Verband zu übernehmen." Der Antrag wird nach längerer Debatte mit 55 gegen 27 Stimmen angenommen. Als Delegierte sind gewählt und werden von der Versamm- lung bestätigt: Franz Lucht, W. L i e p m a n n, Joseph Eiben, PH. Sommer, Martin Stoltenberg, Kunze, A. Bloch, Franz C i ch r o s k i. Zwei Wahlen stehen noch aus. Zweiter Wahlkreis. In der Generalversammlung des zweiten Kreise?, die im „Hofjäger-Palast" tagte, wurden zunächst die zur Generalversamm- lung Groß-Bcrlins vorliegenden Anträge zur Beratung gestellt. Der 143. Bezirk beantragt, zu beschließen: „Der Zentralvorstand wird beauftragt, ein Sparkarten- system zur Erwerbung von Büchern sowie Einbänden von Licferungswerken nach dem Muster der„Leipziger Volks- zeitung" für Groß-Berlin einzuführen." Der Genosse Radler führt, den Antrag begründend, auS, baß cS dem Proletarier außerordentlich schwer wird, sich die für seine Bildungsbestrebungen unentbehrlichen Bücher zu beschaffen und daß das in Leipzig eingeführte System sich sehr gut bewährt babe, was die sehr starke Beteiligung der dortigen Genossen be- weise.— Der Antrag wird nach kurzer Debatte gutgeheißen. Ein Antrag des 95. Bezirks verlangt, den Monatsbeitrag auf 40 Pf. zu erhöhen und die Sammellisten und Bons abzuschaffen. Der Antrag, begründet vom Genossen Schulz, wird nach kurzer Debatte abgelehnt. Vom 110. Bezirk lag ein Antrag vor, wonach dem„Vorwärts" vierteljährlich eine Liste der Zahllokale beigelegt werden sollte. Dieser Antrag ist von der Bezirksführerkonferenz abgelehnt worden, und zwar, wie der Vorsitzende Schwemke ausführt, teils wegen der großen Kosten, teils wegen des Um- standeS, daß die Zahllokale oft wechseln. Aus diesen Gründen Icbnt auch die Generalversammlung den Antrag ab.— Ebenfalls abgelehnt wird ein Antrag, das„Mitteilungsblatt" abzuschaffen. Weitere Anträge lagen nicht vor.— Die Delegierten zur General- Versammlung wurden entsprechend den Vorschlägen der Bezirke einstimmig gewählt. Hierauf hielt Genosse Wissel! einen lehrreichen Vortrag: „Aus der Praxis eines Arbeitersekretärs". Der Redner zeigte an Zitaten aus der Unternehmcrpresse, wie von dieser Seite gegen die Rechtsprechung in Unfallsachen geradezu gehetzt wird in der Richtung, als ob sich eine grenzenlose Humanitätsduselei zum schweren Schaden der Berufsgenossen geltend mache, und lieferte dann auf Grund verschiedener Fälle aus der Praxis der Recht- sprechung den Beweis, daß das Gegenteil Tatsache ist, und daß es den Unfallverletzten wie den Hinterbliebenen nur zu oft unmöglich gemacht wird, zu der ihnen zustehenden Rente zu kommen. Der Vortrag fand lebhaften Beifall. Als Revisor wurde, zum Ersatz für den auS dem Kreise der- zcgenen Genossen Belger, Genosse L e u e gewählt.— Zum Schluß teilte der Vorsitzende, Genosse Schwemke, mit, daß der Polizei- Präsident seine Genehmigung für die auf kommenden Sonntag geplanten Meetings abgelehnt hat, und forderte zum vollzähligen Besuch der Extrazahlabende am Freitag aus. Dritter Wahlkreis. Die Generalversammlung für den dritten Wahlkreis tagte im G e w e r k s ch a f t s h a u s e. Der erste Punkt der Tages- ordnung betraf Antrag-- zur Generalversammlung beS Verbandes. Genosse Hinze beantragt, zu veranlassen, daß bei größeren Aktionen, die von der Partei unternommen werden, wie Flug- blattverbreitung für den„Vorwärts" und die Wahlvercin usw., die Gewerkschaftsmitglieder von dem Ausschuß der Berliner Ge- Werkschaftskommission zur Beteiligung aufgefordert werden. Genosse Schulz: Es sei die Frage aufzuwerfen, ob die Art der bisherigen„Vorwärts"-Agitation nicht durch eine bessere zu ersetzen sei. Ter Erfolg wäre zu gering, wenn acht Tage vor dem Einsammeln von Abonnenten ein Flugblatt verbreitet werde. Ein Flugblatt genüge nicht bei den meisten Leuten, sie zum Abonnement auf den„Vorwärts" anzuregen. Andere Zeitungs- Verleger schickten den Leuten ihre Zeitung acht bis vierzehn Tage lang unausgesetzt ins HauS. Aehnlich könnte der„Vorwärts" verfahren. Allerdings brauche man Kapital dazu. Unsere ganze Agitation koste ja aber auch Geld. Die Kosten brächten die ge- wonnenen Abonnenten wieder ein. Er denke es sich so, daß man immer einige Bezirke herausgreife und den Leuten durch die Frauen die Zeitung eine Zeitlang zustellen lasse. Nachher, wen» sich die Bedachten von der Schreibweise des„Vorwärts" informiert hätten, dann könne man eher auf Erfolge rechnen. Bei der Diskussion wurden Erörterungen über die An- regungcn Schulz's ausgeschieden als nicht zu der gestellten Resolution gehörig. Der Antrag Hinze wurde abgelehnt. Nach den Ausführungen verschiedener Redner hielt man zwar den An- trag für gut gemeint, aber für nicht geeignet, den gewollten Zweck zu erreichen.— Darauf erfolgte die Wahl der Delegierten zur Verbandsversammlung. Die Lokalffrage zum 1. Mai kam dann zur Verhandlung. Der Vorsitzende, Genosse Pohl, verwies auf die Erörterungen und den Beschlutz der letzten General- Versammlung des dritten Kreises betreffend die„Neue Welt" und erteilte dem Genossen Eugen Ernst als Vertreter des an- wesenden geschäftsführenden Ausschusses von Groß-Bevlin das Wort. Unter anderem führte Genosse Ernst aus: Nach dem Be- schluß der letzten Generalversammlung im dritten Kreis scheine es allerdings, als ob es unnötig wäre, nochmal darauf einzugehen. Der Ausschuß sei aber in die Versammlung gckomnien, um noch- mal an den Kreis zu appellieren, die Beschlüsse der Verbands- generalversammlung hochzuhalten. Schon früher sei den Genossen des dritten Kreises nabegelegt worden, auf die„Neue Welt" als Maifeierlokal zu verzichten. Es sei damals erklärt worden, der Vertrag laufe bis 1908. Die Frage ruhte nicht. Dann sei mit- geteilt worden, der Vertrag dauere bis 1913. Man habe immer versucht, die Streitfrage gütlich zu erledigen. Als es nicht gelang, sei Teltow-Beeskow erneut herangetreten mit dem Verlangen, diesen: Kreise das Lokal zu überlassen, da der Kreis, in dem ein Lokal liege, in erster Linie ein Anrecht darauf Izabe. Schließlich habe eine Verbandsgeneralversamnilung darüber beschlossen und entschieden, daß die„Neue Welt" dem Kreis Teltow-Beeskow zu überlassen sei. Der dritte Kreis hätte sich nichts vergeben, wenn er sich dem Entscheid der höchsten Instanz gefügt hätte. Er habe mit Nein geantwortet, und, was sein Recht war, bei einer nächsten Verbandsgeneralversammlung beantragt, den früheren Beschluß umzustoßen. Der Beschluß sei aber aufrecht erhalten worden mit der Maßgabe, daß der Zentralvorstand Mittel und Wege zu seiner Durchführung finden solle. Man sei dann mit dem Vor- stände des dritten Kreises zusammengekommen, ohne daß eine Einigung erzielt worden sei.— Die Sache liege nun so: Es sei keine Streitfrage zwischen Zentralvorstand und Aktionsausschuß einerseits und dem dritten Kreis andererseits. Sondern die Frage sei nur die, ob ein Kreis die Beschlüsse der Verbands- generalversammlung nicht beachten brauche. Er bitte, die Frage: „Recht oder Unrecht?" beiseite zu lassen. Jetzt läge eS so, daß, nachdem die Verbandsgeneralversammlung beschlossen habe, ein Kreis nicht dagegen angehen könne, wenn er mit seinen Anträgen noch ernst genommen werden solle. Denn der dritte Kreis ver- lange doch auch von anderen Kreisen, daß seine, vom Verband angenommenen Anträge durchgeführt werden. Wenn sich ein Kreis nicht an die Beschlüsse des Verbandes halte, dann könne er keine Anträge an die Vcrbandsgeneralversammlung stellen. Ein Kreis, der nicht die Beschlüsse der höchsten Instanz achte, schneide sich ins eigene Fleisch. Er appelliere nochmals an das demokratische Ge- fühl. Im übrigen aber sei die Frage der Benutzung der„Neuen Welt" wirklich nicht von der Bedeutung, einen Streit in die Ge- nossenkreise hineinzubringen. Genosse Pohl bemerkte: Er müsse einer Auffassung entgegen- treten, die den Worten des Genossen Ernst zu entnehmen wäre; nämlich der Auffassung, daß die Verlängerung des Vertrages mit der„Neuen Welt" erfolgt wäre, als schon der Zentralvorstand mit der Sache befaßt gewesen sei. Die Verlängerung des Ver- träges sei am 9. April 1907 erfolgt und im Juni 1907 habe sich zum ersten Male der Zentralvorstand mit der Sache beschäftigt. Rixdorf habe dann Beschwerde beim Zentralvorstand eingelegt, nachdem es von der Verlängerung gehört habe. Es folgte nun eine sehr lebhafte, zum Teil recht erregte Debatte, aus der die folgenden Ausführungen hervorzuheben sind. Genosse S t a I l ni a n n: Ein Kreis, der sich nicht den Be- schlössen der oberen Instanzen fügt, verwirkt das Recht, in den Verbandsgeneralversanimlungen vertreten zu sein. Peinlich sei ja die ganze Sache für den dritten Kreis, indessen die Beschlüsse der Zentralinstanz seien hochzuhalten. Genosse Fr. Schmidt verteidigt die Stellungnahme dev dritten Kreises und beruft sich zur Rechtfertigung auf den tz 14 des Statuts, wonach den einzelnen Kreisen die Selbstverwaltung zustände. Uebrigens könnte Rixdorf die Maifeier gemeinschaftlich mit dem dritten Kreise machen. Genosse K r ä ck e r: Die Rechtsfrage sei zugunsten des dritten Kreises enschieden, und zwar durch den Privawertrag mit der „Neuen Welt", wonach das Lokal für die Maiseier bis zum Jahre 1913 dem Kreise gehöre Von da ab könne Rixdorf sie haben. Man habe Rixdorf angeboten, die Maifeier gemeinschaftlich mit dem dritten Kreise zu machen, bis zum Ablauf des Vertrages. Wenn man irgendein Lokal, das passend sei, im dritten Kreise hätte, dann würde man sich um die ganze Streitfrage nicht mehr kümmern. Man könne mit aller Ruhe dem Beschlüsse der Ver- bandsgeneralversammlung entgegensehen. Wenn dort die Friedens- liebe durchgreife, dann werde die Generalversammlung schon dafür sorgen, daß die Rixdorfer mit dem dritten Kreise gemein- schaftlich feiern. Möge man das nicht, dann könnten die Rixdorfer 1913 wiederkommen. Genosse H i n tz e führte auS, daß Rixdorf genug passende Lokale habe und sich nicht auf die„Neue Welt" kaprizieren brauchte, während der dritte Kreis sehr schlecht gestellt sei ohne die„Neue Welt". Genosse Adolf Harndt wendete sich gegen die Berufung Ernsts auf das demokratische Gefühl. Es widerspräche dem demo- kratischen Gefühl, wenn man einen kleinen Kreis wie den dritten an die Wand drücke. Man müßte sich schließlich ernstlich die Frage vorlegen, ob es nicht besser sei, dem Groß-Berliner Ver- band den Rücken zu kehren. Entweder machten die Rixdorfer die Feier mit dem dritten Kreis zusammen oder der dritte Kreis mache sie allein in dem Lokal bis zum Ablauf des Vertrages. Genosse Gehrmann meinte wie Ernst, daß die Frage, wer ein Recht aus die„Neue Welt" habe, jetzt ausscheiden müsse. Er sei ja auch noch der Meinung, daß man nicht mir nichts dir nichts dem Kreise das Lokal nehmen sollte. Aber etwas anderes sei die Stellung des dritten Kreises zur Zentralisation und ihren Be- schlüssen. Sie Sache sei jetzt nicht mehr Angelegenheit des dritten Kreises. Man habe sich an den ganzen Verhandluiigen darüber in der Zentralisation beteiligt. Da bleibe nichts übrig, als sich den Beschlüssen zu fügen. Und dann: solle man sich wirklich wegen einer an und für sich so nebensächlichen Angelegenheit in Gegen- satz setzen zur Zentralisation? Er könne nur den Rat geben, sich den Beschlüssen der Zentralisation zu fügen. Es. sei auch nicht zu vergessen, daß der Kreis von der Zentralisation Vorteile gehabt habe. Genosse K a w i e r bestritt der Zentralisation das Recht, in der Frage der Meifeier solche Entscheidungen zu treffen. Die Maifeier sei bisher nicht zentralisiert. Wäre das der Fall, dann hätte Groß-Berlin darüber zu sprechen, wo man hingehöre� so aber nicht. Genosse Hirschfeld berührte hauptsächlich die Kompetenz- frage und kam zu dem Schluß, daß die Verbandsgeneralversamm- lung nicht kompetent gewesen sei, jene Entscheidung zu treffen. Er leitete das her aus den Verbandsstatuten, deren Bestimmungen über die Befugnisse des Verbandes er durchging. Ein Eingriff in die garantierte Selbstverwaltung der Einzelkreise liege vor. Genosse A y s ch e bat ebenfalls, bei der Stellungnahme deZ Kreises zu verharren. Genosse Schmal stützte sich auf die Kompetenzfrage im Sinne des Genossen tzirschfeld. Wenn die Maifeier zentralisiert wäre- dann wäre es anders. Genosse Ernst nahm, nachdem nachdem Debattcschluß be- schlössen war, als Redner, der die Debatte eingeleitet harte, noch- mals das Wort. Er betonte, daß es wirklich der Zentralleitung an sich gleichgültig sein könne, wo der dritte Kreis seine Maifeier abhalte. Der Begriff der Demokratie sei aber in der Debatte ganz falsch gewcrtet worden. Wenn in einem geschlossenen Kreise eine Mehrheit etwas bestimme, dann sei es demokratisch, sich zu fügen. So sei es in diesem Falle hier. Er verweist aus die Statuten des Verbandes und leitet daraus den gegenteiligen Schluß her wie Hirschfeld. Es heiße im Statut, daß die Beschlüsse der Vcrbandsgeneralversammlung maßgebend seien für alle acht Groß-Berliner Wahlkreise. Der geschäftSführenoe Ausschuß appelliere nochmals an den Kreis, die Streitfrage zu begraben, indem man sich demokratisch unterordne.— Eine Reihe Zwischen-, rufe veranlaßien dann den Genoyen Ernst, abzutreten. Es folgten eine Reihe persönlicher Bemerkungen. Genosse L i e p m a n n ließ aus der Rednerliste feststellet, daß unter den Rednern, die infolge Schlusses der Debatte ihre Meinung nicht mehr sagen konnten, auch er und der Genosse B ö s k e. das dritte anwesende Mitglied des geschäftsführcnden Ausschusses, sich befinden. Mit großer Mehrheit wurde dann folgende Resolution an« genommen: „Die Generalversammlung des dritten Kreises steht nach wie vor auf dem Standpunkt, daß der Beschluß der Verbands- generalversammlung lediglich als Machtfrage behandelt wurde und undemokratisch ist. Sie fordert die Verbandsgeneral» Versammlung auf, möglichst schnell auf eine Zentralisation der Maifeier hinzuwirken." Pohl wies auf das Vorgehen der Berliner Zentralleitung beim Polizeipräsidenten usw. Hrn.— Genosse Ernst nahm dazu noch das Wort, um in begeisternder Rede darzulegen, daß Polizei- Präsident und Minister sich irrten, wenn sie etwa glaubten, daß die Arbeiterschaft nun daraus verzichten werde, ihren Standpunkt öffentlich kundzutun.(Lebhafte Zustimmung.)� Vierter Wahlkreis. Die Generalversammlung des Wahlvereins für den vierten Berliner Wahlkreis tagte in dem großen Kellerschen Saal in der Koppenstraße. Den Tätigkeitsbericht des Vorstandes erstattete der Vorsitzende Genosse H o f f in a n n. Danach zählte der Kreis am 1. Januar 1909 20 967 Mitglieder. Dem Abgange von 6265 Mitgliedern steht ein Zugang von 6541 Mitgliedern gegenüber, so daß am 1. Januar 1910 ein Bestand von 21 243 Mitgliedern, also eine Zunahme von 276 Mitgliedern verzeichnet werden konnte. Bemerkenswert ist. daß allein 2852 Mitglieder nach anderen Kreisen verzogen, aber nur 1094 Mit- glieder zugezogen sind. Die durch die politischen Ereignisse hervor- gerufene Erregung im Volke ist agitatorisch gründlich ausgenützt worden. Es sind 64 000„Vorwärts"nummern und 12 verschiedene Flugschriften in einer Gesamtauflage von 1225 300 Exemplaren verteilt worden, mit dem Erfolge, daß 800 neue„Vortoärts"lescr und 2100 neue Mitglieder für den Wahlverein gewonnen wurden. Die von verschiedenen Seiten gegebene Anregung, Straßendemon- strationen und große Straßenmeetings unter freiem Himmel auf gesetzliche Weise abzuhalten, hat die Berliner Parteileitung auf» genorrtmen und ist den Polizeipräsidenten um die Genehmigung der für den nächsten Sonntag geplanten derartigen Veranstaltungen angegangen. Die Genehmigung ist aber rundweg abgelehnt wor» den. Um so zahlreicher mutz sich aber das Proletariat am kommen» den Sonntag zu gemeinsamen Spaziergängen zusammenfinden. Diese gemeinsamen Spaziergänge bedürfen einer polizeilichen Ge» nehmigung nicht und können auch nicht verboten werden. Da wir auch in diesem Jahre schon die Vorbereitungen zum nächsten Wahl« kämpfe zu treffen haben, müsse jeder der Mahnung eingedenk sein! „Stärkt und schließt die Reihen!" Barenthin gab hierauf den Kassenbericht. s Derselbe zeigte, daß die wirtschaftliche Krise auch im verflossenen Jahre auf die Finanzgebarung des Vereins nicht ohne Wirkung gewesen ist; besonders das erste Halbjahr läßt diese ungünstige Wirkung deutlich erkennen. Am 1. Januar 1909 war ein Kassen- bestand von 1118,53 M. vorhanden. Vereinnahmt wurden 96 071,20 Mark, darunter 54 721,10 M. an Beiträgen. Die Ausgaben be- lausen sich auf 95 572,97 M., wovon insgesamt 56 674,86 M. an die Verbandskasse abgeführt wurden. Es war somit am 1. Januar 1910 ein Kassenbestand von 1616,81 M. vorhanden. An die Be» richte schloß sich eine längere DiSkussson) an. In derselben wird gewünscht, daß die Gewerkschaften die Partei etlvas mehr in der Agitation unterstützen sollten, und die Herausgabe einer Abendausgabe des„Vorwärts" angeregt. Ein Redner wünscht, obwohl die Stratzendemonstrationen große Erfolge gehabt hätten, die Anwendung schärferer Mittel zur Bekämpfung der Wahlrechtsvorlage. Empfohlen wird auch die Abhaltung von Viertelsversammlungen mit belehrenden und aufklärenden Vor- trägen. Büchner führt auS, daß die Frage der Herausgabe eines Abendblattes bereits in der Preßkomniission crörtort worden sei. Es stehen dem aber noch erhebliche Schwierigkeiten im Wege. Die Viertelsversammlungen wären schon gemacht worden; wir stehen aber in einer sehr bewegten Zeit, wo schon alle Kräfte sehr in Anspruch genommen werden. Bis zur Beendigung der Wahlrechts- belvegung müsse schon damit gewartet werden. Schabe! regt an, daß der Kassenbericht in Zukunft der Generalversammlung schrift« lich unterbreitet wird. In seinem Schlußwort wendet sich Hoffmann gegen einig« von Ostrowski und Glatz gegen den Vorstand erhobenen Vor- würfe. Die Lokale zur Vornahme der Urabstimmungen, die zu klein gewesen sein sollen, sind nicht durch den Vorstand, sondern von de» Viertelsleitungcn hierzu bestimmt worden. Den polnischen Genossen ist die Parteileitung entgegengekommen, indem ihnen im Landtagswahlkomitee Sitze eingeräumt wurden. Hierauf wird die von Zenner namens der Revisoren be« antragte Decharge ausgesprochen. Zum 2. Punkt Anträge zur Vcrbandsgcncralversammlung.-c nimmt Bethge das Wort, um folgenden vom 338. Bezirk ge» stellten Antrag zu begründen: i Die Generalversammlung Graß-Berlins wolle beschließen: Die Wahl als auch die Bestätigung der Kandidaten zu inter- nationalen Kongressen ist, wie das bis dahin auch bei den Wahlen zum Parteitag der Fall war, Sache der einzelnen Wahlkreise. Hackelb usch wendet sich gegen den Antrag. Es läge bei den Wahlen zum internationalen Kongreß doch anders als bei den übrigen Wahlen, denn die ganze Provinz Brandenburg habe nur 5 Delegierte, Groß-Berlin 13 Delegierte zu entsenden; dabei soll eine Genossin sein, die der sechste Kreis entsenden solle. Nachdem sich Bethge nochmals dafür aussprach, daß die Souveränität der einzelnen Kreise gewahrt werden müsse, wird der Antrag angenommen. 59 ef Ii gc Begtunb'e! alsdann einen ideiterett dum G38. Bezirk gestellten Antrag, der nach längerer Diskussion und einigen Ab- änderungen in folgender Fassung zur Annahme gelangte: Dem§ 13 des Statuts der Kreiswahlvereine soll hinzugefügt Werden: a) Beitragserhöhungen können nur per Urabstimmung er- folgen. d) Wird von mindestens einem Drittel aller auf der Ver- bandsgeneralversammlung anwesenden Delegierten eine Urab- stimmung verlangt, so ist eine solche unverzüglich von der Ver- bandsleitung in die Wege zu leiten. Das Resultat dieser Ab- stimmung ist im �Mitteilungsblatt" bekanntzugeben. Ei» vom IVO. Bezirk gestellter und von Ewcrt begründeter Antrag wird gleichfalls angenommen. Er lautet: Erlab der Beiträge für die weiblichen Mitglieder bei Ar- beitslosigreit des Dkannes, der Mitglied des Wahlvereins ist. Ueber einen von lker 3l. Abteilung gestellten Antrag, nach dem die Genossen in Rücksicht darauf, das} ihnen die diesjährige Maifeier keinen Lohnausfall verursackit, verpflichtet sein sollten, bei winde- stens halbjährlicher ununterbrochener Beschäftigung einen halben und bei einer jährlichen ununterbrochenen Beschäftigung einen ganzen Tagesverdienst an die Parteikasse abzuliefern, wird zur Tagesordnung übergegangen. Eine Anzahl weiterer Anträge werden der 5kreiSkonferenz über- wiesen. Darauf werden die IIS Delegierten zur Verbandsgeneralver- sammlung bestätigt. Unter„Verschiedenes" wurden etliche weniger interessierende Angelegenheiten zur Sprache gebracht, worauf die Versammlung geschlossen wird. Fünfter Wahlkreis. In der im Alten Schützenhausc abgehaltenen Versammlung erstattete der Vorsitzende Frredländer den Bericht des Borstandes für das abgelaufene Geschäftsjahr. Obgleich im Laufe des JahrcS 362 männliche und 46 weibliche Mitglieder eingetreten und 267 männliche sowie 24 weibliche Mitglieder aus anderen Wahlvereinen übergetreten sind, hat sich die Zahl der Vereinsmitglieder doch nur um 25 vermehrt. Es herrscht unter den Mitgliedern eine lebhafte Fluktuation, die sich aus der eigenartigen Lage des fünften Wahl- kreises erklärt. Es findet nämlich ein starker WohnungS- und da- durch bedingter Mitgliederwechsel nach und von'den benachbarten Kreisen statt. Gegenwärtig hat der Verein 151X1 männliche und 185 weibliche Mitglieder. Die VcreinStätigkeit war ziemlich leb- Haft, fast jeden Monat wurden zwei Versammlungen abgehalten. Neben den Vereinsversammlungcn wurden auch öffentliche Ver- sammlungen abgehalten, die der Agitation dienten. Die beiden ZeitungSspaditionen des Kreises verbreiten zirka 6066 Exemplare des„Vorwärts", davon etwa 2600 im Kreste selbst, den Rest in Teilen der angrenzenden Kreise. Von der„Gleichheit" werden 77, vom„Wahren Jakob" 400, vom„Süddeutschen Postillon" 20, von der„Arbeiter-Jugend" 30—40 Exemplare verbreitet. Die Zahl der „Gleichheit"- und der„VorwärtS"-Abonnenten ist für die Ver- hältnisse des Kreises zu gering. Für weitere Ausbreitung der Partciprcsse müssen die Genossen bemüht sein. Wenn mancher Parteigenosse noch den„Lokalanzeiger" hält und sich darauf beruft, daß seine Frau dies Blatt wegen der Romane liest, so ist eine solche Ausrede, abgesehen von unserer grundsätzlichen Stellung gegen den «Lokalanzeiger" schon deshalb hinfällig, weil sich der gegenwärtig tm„Vorwärts" erscheinende Roman in jeder Hinsicht mit den Ro- manen des„Lokalanzeigers" messen kann.(Heiterkeit und Zu- stimmung.) Da der„Lokalanzeiger" hinsichtlich unserer Wahlrechts- bewcgung eine nicht nur reaktionäre, sondern geradezu nieder. trächtige Haltung einnimmt, so mutz jeder Parteigenosse dies Blatt von sich weisen und auch die Gastwirte, welche Parteigenossen sino, sollten den„Lokalanzeiger" nicht mehr auslegen. Ein« Massen- obbestellung des Blattes durch etwa 3000 sozialdemokratische Gast. Wirte würde Eindruck auf den Verleger machen. Im allgemeinen ist die Lage des Vereins befriediaeno, die Beteiligung an seinen Veranstaltungen war eine rege, jedoch dürfen die Genossen in der Werbung neuer Mitglieder und weiterer Verbreitung der Partei- presse nicht nachlassen.» Der vom Genossen Kirste erstattete Kassenbericht zeigt eine Einnahme von 7287,42 Mk., eine Ausgabe von 6405,83 M., so dah ein Bestand von 701,51 M. bleibt.— Die Bericht« gaben keinen Anlaß zu Ausstellungen, der Vorstand wurde entlastet. Genosse Wels gab einen Bericht von der Prehlommission. Er konstatierte, daß die früheren Differenzen zwischen dem Ver» läge und der Redaktion wegen des von der letzteren beanspruchten Umfanges des Blattes durch ein Abkommen über die jährlich zu verbrauchende Bogenzahl endgültig beseitigt sind. Durch das Aus- scheiden des Genossen D a v i d s o h n am 1. April tritt eine Va- kanz in der Redaktion nicht ein, die Preßkommission hat oaS Aus. schreiben der Stelle deshalb nicht für erforderlich gehalten. Die puristische Sprechstunde ist neu geregelt worden und wird vom I.April ab wieder in den Räumen des„Vorwärts"-Hauses abgehalten. Der Rückgang, den die Abonnentenzahl in den Krisenjahren erfahren hat, ist noch nicht wieder eingeholt worden. Die gegenwärtige Auflage beträgt 130 000. wovon 122 000 auf Grotz-Berlin kommen. Im Hinblick auf die Stärke der Arbeiterbewegung kann diese Zahl nicht als befriedigend betrachtet werden, es mutz deshalb für Ver- Mehrung der Zahl der ,.Vorwärts"-leser agitiert werden. In der DtSkufsio« wünschte Genosse Timm, daß der Lesestoff im„Vorwärts" über- sichtlicher angeordnet werde, so dah sich die Leser schneller zurecht. finden können. In der bürgerlichen Presse sei die Uebersicht eine bessere, der Leser könne deshalb schneller damit fertig werden. ES sei notwendig, daß zur Herausgabe eines Abendblattes ernstlich Stellung genommen werde. Die Einführung eines Wochenabo'wv» MentS würde zur weiteren Ausbreitung des„Vorwärts" beitragen. Wels bemerkte hierzu: Auch die Prehlommission habe der Redaktion schon öfter nahegelegt, sie möge dem Wunsche der Ge- nossen nach einer kürzeren und populären Schreibweise Rechnung tragen. Die Einführung eines Abendblattes fei durchaus notwen- dig. In dieser Hinsicht sei ja die GeschästSleitung mit der Auf. Stellung einer rechnerischen Grundlage betraut worden. Er werde nese Angelegenheit in der Preßkommission wieder zur Sprache bringen. Die Einführung eines Wochenabonnements sei ja bereits durch eingehende Feststellungen als unzweckmäßig erkannt worden und könne deshalb nickst empfohlen werden. Fischer wünscht den Ausbau des lokalen Teils und meint, dadurch könne den bürgerlichen Blättern das Wasser abgegraben werden.— Ritter wandte sich gegen«ine Erweiterung des lo- kalen Teils. Genosse Zucht gab einen Bericht der AgitationSkommissio». Er konstatierte, daß die Kommission eine erfolgreiche Tätigkeit ent- faltet hat. Die Zahl der organisierten Genoffen in der Provinz »st gestiegen. Der Kalender»st in 820 000 Exemplaren verbreitet worden und wird von der Bevölkerung gut aufgenommen, dasselbe gilt von der„Fackel", die in 20 000 Exemplaren verbreitet wird. Die Landarbeiterorganisation macht gute Fortschritte, sie hat schon 5000 Mitglieder in Deutschland. Unter den einzelnen Landesteilen steht die Provinz Brandenburg hinsichtlich der Landarbeiteroraani- sotion an dritter Stelle. 00 000 Flugblätter sind zum Zweck der Parteiagitatson verbreitet worden. Die politischen Organisationen in der Provinz haben 20 000, die Gewerkschaften 80 000 Mitglieder. Diese, soweit sie der Partei noch fern stehen, für sie zu geloinnen, muß uusere Aufgabe sein. In den letzten Wochen wurden 80 Frauen- Agitationsversammlungen abgehalten. Tie Abonnentenzahl der Parteipresse ist gestiegen, und zwar die der„Brandenburger Zei- tung" von 10 000 auf 12 000 uno die der«Märkischen Volksstiinrnc" von 11 000 auf 13 000. Die Rxichsfistanzreform hat einem großen Teil der indifserenken Massen die Augen geöffnet und unsere Agi- tation begünstigt. Nachdem die Berichterstattung beendet war, wählte die Ver- sammlung die von den Abteilungen vorgeschlagenen Delegierten zur Gcnerolversannnluna des Verbandes. Zum Schluß machte Friedländcr Mitteilung von der Wei- gerung des Polizeipräsidenten, uns die Abhaltung von Versamm- lungcn unter freiem Himmel zu genehmigen. Genosse' F r i ed- l ä n d e r betonte unter allgemeiner Zustimmung der Aersamm- lung, datz uns diese Haltung der Polizeibehörde natürlich nicht ab- halten wird, in der Weise, die wir für geeignet und wirksam halten, für dir Uebertraaung des Reichstagswahlrechts auf Preußen zu demonstrieren. Wir werden auch nicht unterlassen, uns auf der Straße zu zeigen, um unseren Willen kundzugeben und die indiffe- rcntcn Massen für unsere Bewegung zu interessieren. Sechster Wahlkreis. Die Generalversammluttg des WahlvercinS des 6. Kreises fand in den„Prachtsälen Norvwest", Moabit, statt und war autzerordent- lich stark besucht. Das Hauptinteresse der Versammelten war aus die Borlage zur Einführung des Delegiertensystems für die Generalversammlungen des Kreises gerichtet. Um diesen Punkt der Tagesordnung genügend besprechen zu können, wurde er auf Antrag aus der Versammlung den» Vorstands- und Kassen- bericht vorangestellt. Nachdem der erste Punkt der Tagesordnung, die Bestätigung der Delegierten zur Verbands-Generalversamm- lung, ohne Diskussion erledigt war, nahm der Vorsitzende, Genosse H e n s ch e l, daö Wort als Berichterstatter über den an den Vor- stand gelangten Antrag, für die Generalversammlungen des Wahl- Vereins das Delegiertensyftem einzuführen. Der Vorstand hatte die Aufgabe, eine Vorlage auszuarbeiten und den Mitgliedern zur Diskussion und Abstimmung zu unterbreiten. Die KreiSkonferenz gab dem Antrage ihre Zustimmung, nachdem er in den Abteilungen gründlich diskutiert worden war, und sie empfahl auch die Annahme des Entwurfs, der von dem Vorstande vorgelegt wurde. Bei den Mitgliedern stieß dieser Entwurf aber auf heftigen Widerstand, und eine Reihe von Abänderungsanträgen liefen beim Vorstande ein. H e n s ch e l betonte, daß die Anträge sich nicht gegen das Tele- giertensystem überhaupt richteten, sondern nur eine andere Fassung bezweckten. Er besprach die einzelnen Anträge und verteidigte die Vorlage. Seiner Ansicht nach sollten alle Abänderungsvor- scbläge abgelehnt und nur der folgende Spezialantrag zur Annahme gelangen, der vom Bezirk 723 einging und lautet: „Wegen der großen Wichtigkeit der Frage der Delegierten. Vertretung möge die Generalversammlung beschließen, daß über den vom Borstand und der Kreiskonferenz vorgelegten Entwurf eine Urabstimmung stattzufinden hat. ähnlich wie bei Einführung der Entschädigung der Funktionäre." Nach einer hitzigen Geschäftsordnungsdebatte begann die Diskussion, in der einzelne Abänderungsanträge eingehend begründet wurden. Ter Vorwurf, daß das demokratische Prinzip nicht gebührend be- rücksichtigt werde, kehrte immer wieder. Hauptsächlich wurde ver- langt, daß die Funktionäre-nicht gebunden sein sollen durch die Kreiskonferenz, und daß jedem Bezirk das Recht zustehe, einen Delegierten zu entsenden. Daß das Delegiertenshstein im 0. Kreis zur Notwendigkeit geworden ist, darüber waren sich die meisten Redner einig. Nachdem ein Antrag auf Schluß der Diskusston angenommen und wieder eine hitzige Geschäftsordnungsdebatte zum Anstrag gebracht war, wurde beschlossen, die ganze Materie, die Vorlage sowie die Abänderungsvorschläge in den Zahl- abenden zur Urabstimmung zu bringen. Der Bericht deS Vorstandes lag den Mitgliedern gedruckt vor. Genosse Theodor Fischer gab einige Erläuterungen dazu. Der Wahlverein blickt mit dem Abschluß des Jahres 1000 auf eine zwanzigjährige, unermüdliche Tätigkeit zurück. Reiche Arbeit brachte auch das Jahr 1000. An den öffentlichen politischen Versammlungen und Aktionen, an den Versammlungen mit den Gewerkschaften und zahlreichen Vera». staltungen, die im Bericht genau aufgezählt werden, waren die Genossen und die Genossinnen des 6. Kreises stets stark beteiligt. Die Agitation unter den Frauen und unter den Jugendlichen wurde nach Kräften gefördert. 3305 weibliche und 22 020 männlich« Mitglieder zählte der Wahlverein am Schlüsse des Jahres 1000. Die Abonnentenzahl für den„Vorwärts" ist im Berichtsjahre um 1633 gefallen, was auf die schlechte wirtschaftliche Lage zurückgeführt wird. Die Abonnentenzahl beträgt im Kreise 32 470. Den Kassenbericht erstattete der Genosse Müller. Einer Einnahme von 110 651,55 Mark steht eine Ausgabe von 117 892,80 M. gegenüber, somit ver- bleibt ein Bestand von 1758,75 M. Die Geschäftsführung wurde auf Antrag der Revisoren entlastet. Genosse Fischer gab der Versammlung bekannt, welchen Be- scheid der Polizeipräsident auf das Ersuchen der Genehmigung zu öffentlichen Versammlungen im Treptmver Park erteilt habe. All- gemein« laute Pfuirufe erschallten, als die Versammelten diesen Bescheid hörten und mit Gelächter wurde die Erklärung deS Mini- sters von Moltke aufgenommen, die Fischer ebenfalls bekannt gab. Donnernder Beifall ertönte, als der Redner erklärte, daß solche Bescheide die Berliner Arbeiterschaft nicht abhalten könnten, für ein freies Wahlrecht auch fernerhin offen einzutreten. Die Polizei hatte in der Nähe deS Versammlungslokales ein starkes Aufgebot zusammengezogen, als erwarte sie ein Ereignis. Sie wartete vergeblich, die Versammlung dauerte bis Mitternacht und erledigte ihre Angelegenheiten, zu denen, wie der Vorstand betonte, eine Demonstration diesmal nicht gehörte, wenn die Polizei sich auch schon darauf eingerichtet habe. Er legte den An- wesenden nahe, nicht so sehr die kleinen Streitfragen in der Or- ganisation gegenwärtig in den Vordergrund zu rücken, sondern vielmehr de» größeren Dingen, besonders in der Wahlrechtsfrage, die ungeieclte Aufmerksamkeit zu widmen. Hvis der frauenbe�vcgung. Clara Zetkin über den preußischen Wahlrechtskampf. Am vorletzten Sonntag tagte in den„P r a ch t k ä l e n Nordwest" eine öffentliche politische Versammlung,»n der Genossin Zetkin über das Thema sprach:„Unsere Aufgaben im preußischen Wahlrechtskampf." Trotz der ungünstigen Zeit und des lockenden Wetters war dag weite Lokal, das 3000 Personen faßt, bis auf das letzte Plätzchen besetzt. Die Referentin, von lebhaftem Beifall begrüßt, führte in den Hauptpunkten das Folgende aus: Der Kamps um das Wahlrecht in Preußen ist in ein neues Stadium getreten. Zwei Erscheinungen charakterisieren es. Der Rcgierungßentwurf zu einer Wahlrechtsreform und der starke Verstoß der proletarischen Massen durch die Demonstrationen. Die Elite des kämpfenden Proletariats hat die Straßen benutzt, in vielen Orten gegen das ausdrückliche Verbot, hier und da gegen den brutalen Widerstand der Polizei. Die arbeitenden Massen haben dadurch ihrer festen Entschlossenheit Ausdruck gegeben, der Losung des Prcußentags gemäß zu handeln, unaufhaltsam vor- wärts zu gehen, im Kampfe um ihr Recht alle Mittel anzuwenden, die sich aus ihrer Klassenlage ergeben und deren Anwendung der Ernst der Stunde notwendig macht. DaS ist die einzig würdige Antwort auf den Regierungsentwurf, diese Spottgeburt einer Wahlrechtsreform vom Dreck, ohne Feuer. Was ändert, um mit Bismarck zu reden, dieser Entwurf an den vier Infamien, die das Wesen deS elendsten und des widersinnigsten oller Wahlsysteme anSniachen?— Die Rednerin kennzeichnete dann kurz und scharf das geltende Wahlrecht als eine einfache Mauer zum Schutze nicht bloß der Junkerinteressen, sondern der besitzenden und aus- beutenden Klassen überhaupt, sodann folgte eine Kritik deS RegiernngSentwurfS. Kr ist sicherlich ein Ausdruck der Jimlerherr- schuft und Jsunkcrfrechheik. AB« noch ein andere?: eine Quittung über den Verfall des Liberalismus, für die Lauheit, ja tvachsende Feindschaft, mit der er— als politischer Repräsentant der Bourgeoisie— dem politischen Recht der Massen gegenübersteht. tLebhafte Zustimmung.) Existierte in Preußen, in Deutschland eir» Liberalismus, der diesen Namen verdiente, so wäre dieser Ent- warf unmöglich gewesen. Es erhebt sick die Frage nach der Wurzel der Junkerherrschaft, die in unserer Zeit wie ein Anachronismus erscheint. Die wirtschaftliche Entwickclung Preußens hat das Schwergewicht aus der Landwirtschaft in die Industrie, in Handel und Verkehr verlegt. Soweit sich die Junker wirtschaftlich nicht mit den industriellen Großkapitalistcn gekreuzt haben, eine Ver- bindung von Agrarier und Großkapitalist darstellen, halten sie sich nun als wirtschaftlich herrschende Klasse, als Krippenreiter des Kapitalistenstaats, dank deS Zollwuchers, ergänzt durch die fettesten Stellen im Heer, in der Staatsverwaltung usw. Ihr soziales Verständnis erweist das Kaiserwort, daß in Eadinen die Schweineställe besser seien als die Arbeiterlvohnungen.� Ihre kulturellen Leistungen werden durch die gerichtliche FeststellunA beleuchtet, daß die edlen Pferde in Trakehncn besser untergebracht würden als wie Tausende preußischer Voltsschüler. Ihre politische Bedeutung künden Staatsmännlein von der Bedeutungslosigkeit und Arbeiterfcindlichkeit eines Bülow und des noch kleineren Äethmcmn Hollwcg. Von ihrem Werke für den„Schutz des Vaterlandes" redet Jena eindringlichst. Welches Gebiet des öffentlichen, deS kulturellen Lebens wir prüfend nach der Bedeutung der Junker- klaffe mustern: diese ist historisch gerichtet!(Lebhafter Beifall.)! Und trotzdem hält sie sich in Preußen als regierende Klasse, sie beherrscht oaS Parlament des Landes, sie monopolisiert seine Staats- Verwaltung, sie braucht und mißbraucht ihre Machtposition in Preußen, um die gesamte deutsche Politik ihren brutalsten Klassen- Interessen dienstbar zu machen. Und doch findet sich die Bourgeoipe damit ab. Sie zahlt damit den Preis für die politische Knebelung und Darniederhaltung des Proletariats. Die Bourgeoisie steckt lieber alle Fußtritte vom Junkertum ein, als daß sie der Arbeiter- klaffe die geringste Konzession macht. Sie braucht das Junker- tum als Kettenhund gegen die werktägigcn Massen. So herricht dieses mit ihrem Segen, nach ihrem Willen.(Lebhafter Beifall.), Die Bourgeoisie bedarf wohl für ihre Herrschaft des Parlamen- tariSinus, aber nicht eines demokratischen Wahlrechts. Die Rednerin zeichnet an der Hand der Geschichte daS Verhalten des Liberalismus seit 1848 bis beute: den Verrat der Revolution aus Furcht vor dem Proletariat; die geltende provi- sorische WahlrechtSordnuug von 1849 als Vorfrucht der konser- vativ-libcralen Paarung; Gegnerschaft der Fortschrittspartei im Preußischen Abgeordnetenhaus gegen das allgemeine Wahlrech. zur Zeit ihrer Blüte und Majorität; Lassalles stolze Antwort darauf usw. Diese oft von Zustimmung unterbrochenen Au?» führungen endeten mit dem Hinweis auf den Widerstand, den die Liberalen in Bayern der Wahlrechtsbewcgung entgegengesetzt haben, auf ihre Bundesgeuossenschaft mit den Konservativen zur politischen Entrechtung der Massen im Staat, in Sachsen, Ham» bürg, Lübeck; ihre Mitwirkung— die Freisinnigen hier inbegriffen — an den kommunalen Wahlrechtsattentaten in Königsberg, Kiel, Rixdorf usw.— So sind bis jetzt keine neuen Tugenden des Liberalismus da. welche seine alten Sünden vergessen machen könnten. Der Liberalismus hat all diese 60 Jahre im Abgeordneten. hous auf den Kampf für das Wahlrecht verzichtet, er hat erst recht darauf verzichtet, den Kampf dorthin zu tragen, wo die entscheidend« Kraft ruht: uuter die Massen! Das Zentrum macht«benfall.» einen Teil dieses Liberalismus auS; eS proklamiert sich ja selbst als demokratische Partei. Sein feiges und zweideutiges Per- halten ist um so schändlicher, als es im G�gensah zu den übrigen Parteien des Liberalismus große Massen Proletarier in seinem Gefolge führt. Dank dem Vorstürmen des Proletariats, unter Führung der Sozialdemokratie, ist die Wahlrechtsfrage in Fluß gekommen. Sogar die saure Traube des RegierungsenNvurfs wäre ohne den Druck der proletarischen Massen nicht gewachsen. Zu der Zeit aber, wo der WahlrechtSkampf sich verschärft, konzentriert sich selbst der Linksliberalismus nach rechts. Bclveis: das EiniaungS- Programm.— Die Rednerin zeigte dann, daß keine der vurger- lichen Parteien den Kampf für das Recht der Massen jetzt im Plenum des Abgeordnetenhauses ernsthaft aufgenommen habe, daß die Kommissionsarbeiten nicht im Zeichen des Kampfes gegen Regierung und Konservative, sondern des Schacherns mit innen ständen. Ganz besonders nagelte sie dabei das schmachvolle Ver- halten des Zentrums fest.— Die Parteien des Liberalismus,»n- klusive Zentrum, sagen mit Björnsons Musterkapitalisten:..Wa» wir an Freiheit verlieren, gewinnen wir an Sicherheit wieder. Sie geben mit den Interessen der Arbeiter auch die der Klein- bürger, Intelligenzler und Bauern preis. Sie ducken lieber vor der Regierung, als daß sie den Kamps unter die Massen tragen. Für ihr Verhalten im WahlrechtSkampf gilt das Wort RobespierreS:„Die Tugend muh mit Schrecken regiert werden". Die Peitsche unserer Kritik muß sie vorwärts treiben.— Die Rednerin wies dann nach, daß eS im jetzigen Kampfe nicht nur um das Wahlrecht in Preußen gehe, vielmehr auch um die Sicher- beit des Reichstagswahlrechts. Die reaktionäre Hätz gegen da» ReichStagswahlrecht hat in den frechbornierten Angriffen Beth- mann Hollwegs einen Gipselpunkt erreicht, einen offiziellen Aus- druck gefunden. Der preußische Ministerpräsident durfte e» als Reichskanzler wagen, seine Feindschaft gegen daS NeichStagswahl» recht auS dem Hause des Geldsacksparlaments vor daS Haus des allgemeinen Wahlrechts tragen.— Die Weigerung aller großen bürgerlichen Parteien, den Ordnungsruf gegen Lcdebour aufzu- heben, ist ein klassisches Beispiel für. den Verfall deS Pariamen» �'Die�Rednerin setzte dann die LebenSnotlvendigkeiten auseiu- ander, die das Proletariat in Preußen in den Kampf für daS freie Wahlrecht treiben. Sie zeigte die wirtschaftliche Revolution, die sich seit 1849 vollzogen und Preußen zu einem Lande gemacht hat, das die reifsten Formen der kapitalistischen EntWickelung aufweist. Sie zeigte ihr Gegenstück: die wachsende Bedeutung des Proleta- riats und seine wachsende Reife, die eS bei den ReichStagSwahlen und vor allem auch durch den Aufbau, die Ausgestaltung seiner politischen und gelverkschafilichen Organisationen und deren reiche?. tultursörderndeS Leben bekundet. Aber nicht bloß trotz seiner Reife. gerade wegen seiner Reife will man daS Proletariat in politi- schem Helotentum erhalten. Machte eS sich zum Packesel der Kon« servativen. zum frommen Zirkuspferd liberaler und klerikaler Kunstreiter und Clown», so würden die bürgerlichen Parteien für daS Wahlrecht des BruderS Arbeiter schwärmen. Ter rickitigx Ge- brauch de» Wahlrechts durch die Arbeiter macht eS verhaßt.(Leb- hafter Beifall.) Tie Verweigerung des Wahlrechts ist die Strafe für die politische Reife des Proletariats. DaS Proletariat braucht daS Wahlrecht als eines wichtigen Mittel»— wenn auch nicht de» einzigen— um Macht zu erlangen. Allen bürgerlichen Parteien gegenüber ist Mißtrauen die erste demokratische Tugend. Da» Proletariat würde zu der Peitsche der politischen Entrechtung die Narrenkappe verdienen, wollte eS daS vergessen und Illusionen nähren.(Lebhafte Zustimmung.) Gewiß gibt eS große nichtprole- tarische Schichten des Volks, die auch das höchste Interesse an dev Zerschmetterung des Dreiklassenwahlrechts haben. Sie gilt e» auf, zurütteln, damit sie die bürgerlichen Parteien vorwärtSpeitschen. die ihre Vertretung sind. Das Gleiche muß sonst vor allem betreff» der Arbeitermassen geschehen, die das Zentrum noch im Schlepptau führt. Das wirksamste Mittel ist der schärsste. entschiedenste Kampf de? Proletariats selbst. Er trägt das Problem des Wahlrechts vor die breitesten Massen und zwingt alle sozialen Schichten zur Stellungnahme. Treten in dem Kampfe andere Klassen neben da» Proletariat, andere Parteien neben die Sozialdemokratie, sie sind willkommen. Keine Konzessionen darum in Forderung und Taktik an die bürgerlichen Wahlrechtsfreunde.(Lebhafte Zustimmung.); Solche Konzessionen würden die Herrschenden nie täuschen und entgegenkommend stimmen, wohl aber daS Bewußtsein der Majsctt trüben und ihre Kampfesenergie schwächen. Nicht der parlamenta» rische Schacher, die Haltung der proletarischen Massen wirft da» Los über die Wahlrechtsreform. TvS schöpferische politische Leben liegt nicht im Parlament, sondern außerhalb seiner; in den Massen. Tos Parlament liquidiert nur das Kräfteverhältnis der verschiede- nen sozialen Klassen außerhalb des Parlaments. Es ist der Pegel, der die schwellende Flut der Massenaktion anzeigt. Die neunmal- klugen Rechenmeister der parlamentarischen Konstellation ver- wechseln Ursache und Wirkung, wenn sie meinen, diese Konstellation sei entscheidend. Wie jedes Parlament, so wird auch der Preußische Landtag die Wablrechtsresorm beschließen, die es beschließen mutz, wenn der unnachsichtliche Druck der Massen einsetzt.(Sehr richtig 1) Die Rednerin weist das an den beiden geschichtlichen Beispielen der Wahlrechtsrcform in Oesterreich und Finnland nach. In beiden Ländern beschloß eine stockreaktionäre, verrufen arbeitsunfähige gesetzgebende Körperschaft fast über Nacht die Wahlrechtsreform, als an den Flammen der russischen Revolution die revolutionäre Kampfbereitschaft sich entzündete und der Massenstreik vor der Tür stand, beziehungsweise Wirklichkeit wurde. Die Sozialdemokratie muß daher dem Wahlrechtskampfe das stolze Banner ihrer eigenen Programmforderung voller politischer Demokratie vorantragen. (Stürmischer Beifall.) Die Rednerin hebt davon die zwei Punkte des Frauenwahlrechts und der Herabseching des Wahlalters heraus und wendet sich dann der Frage der Taktik im Wahlrechtskampfe zu. deren oberste Grundsätze sein müssen: vollste Unabhängigkeit von der Rücksicht auf bürgerliche Parteien, die eventuell in den .Kampf getrieben werden; Beweglichkeit in der Wahl der Mittel nach den Umständen.(Sehr richtig!) Versammlungen und Reso- lutionen allein haben als Kampfesmittel versagt. Die Demonstra- tion ist unserem Arsenal einverleibt worden. Ihre Bedeutung liegt in der Bekundung de» festen Willens der Massen, den Kampf mit aller Wucht weiterzuführen und in ihm alle Methoden anzuwenden, die sich aus der proletarischen Klassenlage ergeben. Wer das sjiel will, der muß auch die Mittel und Weg« wollen, die zum Ziele führen. Die Strategie von Leuten darf für uns nicht bindend sein, die ihr« Schlachten im Schlafrock und Pantoffeln mit Worten von der gemütlichen Ofenecke aus schlagen. Das Proletariat ist klug genug, die Gesetzlichkeit zu beachten. Es beachtet sie und nutzt sie aus. Sobald aber die Gegner den Boden der Gesetzlichkeit zer- trümmern. indem sie das gemeine Recht zur Praxis des gemeinsten Unrechts werden lassen, so haben wir nur eine Antwort. Eö ist die gleiche, die Bebel gab, als das Ausnahmegesetz geschaffen wurde: „Nun erst recht!"(Lebhafter Beifall.) Wer— von den warnenden bürgerlichen Schulmeistern— fragt nach dem Leben der Arbeiter, das mitten im grauen, furchtbaren Alltag der bürgerlichen Ordnung die kapitalistische Ausbeutung verschlingt. Arbeiterblut ist kostbar! Reden wir davon: Von 1888 bis 1306 wies die Unfallversicherung mehr als 140 000 Tote und mehr als 660 000 Schwerverletzte als Opfer auf dem Schlachtfelde der Arbeit aus. Hunderttausende sind in der Zeit von Berufsleiden dahingerafft worden oder der Prole- tarierkrankheit erlegen, die in den Höhlen der Heimarbeit hockt, die aus Unterernährung, Ueberarbeit, erbärmlichen WohnungSver- Hältnissen geboren wird. Keine Revolution, keine Schlacht hat an- nähernd so viel Tote und Verwundete gekostet, wie der kapitalisti- schen Ausbeutung jahraus, jahrein zum Opfer fallen. Dem steigen- den Goldstrom des kapitalistischen Gewinns wälzt sich ein schwellen- der Blutstrom durch die Gesellschaft. Tie Rednerin setzt sich dann mit der Ansicht auseinander, daß Straß«ndemonstrationen nutzlos seien. Sie verweist auf eine Aeutzerung des österreichischen Ministerpräsidenten Gautsch, aus dse Kapitulation Friedrich Wilhelm IV. vor der Straße. jTie Anwesenden bekunden ihre Zustimmung mit den Gedankengängen der Rednerin. Der Kampf um die politische Demokratie in Preußen ist die Sache der gesamten deutschen Arbeiterklasse. Er wird mehr und mehr zu einem Ringen werden, in dem sich alle reaktionären Gewalten in ganz Deutschland mit allen revolutionären Mächten messen.(Sehr richtig!) Wir müssen daher die größten Massen ins Gefecht zu führen suchen, alle Entrechteten, die außerhalb unserer proletarischen Kampforaanisationen, die jenseits der Sphäre stehen, die von der sozilaistsichcn Ideenwelt ergriffen ist. Ein Kampf von der Bedeutung und Tragweite deS preußischen Wahl- rechtskampfes wird im Zeichen des Heinrich Heineschen Worte? ge» schlagen:„Die Menge tut es." Gerade darum müssen wir unsere Organisationen erweitern, stärken, ausbauen. Ihnen fallen neue Verantwortungen und Aufgaben zu. Sie müssen in den Massen das Bewußtsein ihrer revolutionären Macht erwecken, aber auch den größten revolutionären Idealismus entzünden. Sie müssen der Bewegung der Massen Inhalt und Ziel geben, ihr organisatorisches Rückgrat, aber auch ihr denkendes und leitendes Hirn sein. Durch tausend Kanäle müssen sie ihr eigenes Leben zu dem der Massen machen. Die Sozialdemokratie von allen Parteien allein darf es wagen, hinabzusteigen zu den Müttern der politischen Macht, zu den Massen. Und sie mutz es wagen! Bereiten wir in Arbeit und Kampf deS geschichtlichen Alltags den gewaltigen Hammerschlag der sozialen Revolution vor. Von seiner Bedeutung für die Mensch- heitSgeschichte gelten die wundervollen Verse des genialen Hölderlin — eines DichterS der geistig revolutionären Bourgeoisie: „Mit ihrem heiligen Wetterschlage, Mit Unerbittlichkeit vollbringt Die Not an einem großen Tage, WaS kaum Jahrhunderten gelingt." Stürmischer, wiederholter Beifall zeigte die Stimmung der Versammelten und ihre»olle Uebereinstimmung mit den AuSfüh- rungen der Referentin. Aus der Mitte der Versammlung wurde ein Antrag ein- gebracht, Genossin Zetkin möge den Vortrag als Broschüre heraus- geben, da er in wirksamer Weise den Wahlrechtskampf fördern werde. Die einstimmige Annahme deS Antrags wurde mit lebhaftem Bravo begrüßt. Leseabende. Friedenau. Heute, Donnerstag, abends 3 Uhr, Schönefeld, Friedenau. Rheinstraße 31. Leseabend bei ISasserftanDS.Na«t*«te» der LandeSanstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Welterbureau. st 4- bedeutet Buch».— Fall.— st llnlerpeqet.— st Schollen- treiben. DaS Hochwasser de« R h e i n S ist im Wlaufen. Bei Ruhrort ist ei» etwas höherer Wasserstand eingetreten alS bei den Hochwassern im Januar und der ersten Hälste deS Februar, der Unterschied ist aber gering und schlietzt keine Gefahr m sich.— Die EiSstopsung in der M s m e l bestand heute vormittag mit ziemlich unverändertem Wasserstand bei Schmallevingke» noch fort. Unterhalb hatte der Strom nur Schollentreiben. Amtlicher Marktbericht der städtischen Marstballen-DireMon über den Großhandel in den Zenwal-Martthallen. Marktlage: Fleischt Zusubr schwach, Geschält still, Preise unverändert Wild: Zufuhr knapp» Geschält unbedeutend, Preise unverändert G e s I ü g e l: Zufuhr genügend, Geichäst etwas lebhaft, Preise befriedigend. Fische: Zufuhr genügend, Geschält ziemlich lebhast, Preise wenig verändert Butter und Käjc: Geschüst ruhig, Preise unverändert. Gemüse, Obst und Süd« s r ü ch t«: Zusuhr reichlich, Geschäft still, Preise kaum verändert. «SitterunqsUderstch» vom S. März 1910, morgens 8 Uhr. CtatUaai II sl Swtnemd« Hamburg Serliv Frantt.aM. Äünchev Wie» 770 S 770 W 763 SO 771 ZW 77lNW 763 NO Vetter 2NeSeI 1 Nebel 2 bedeckt 1 Nebel 3 Regen »bedeckt vi« ri« »» h w« «Unionen I! -c§ 5 5 Detter c* Ii Saoaranda 770 Still i Nebel— 15 UerSburg 770 WSW 1 bedeckt i Sctllh 76-. SSW 6 bedeckt 7 •ilberdeen-752 SSO,»Regen 6 Part» i 770 Still| wolkenl-2 Wetterprognose für DonuerStag, den 3. März 1910. Zunächst aufklarend, am Tag« wärmer bei mählgen südlichen Winden; später wieder zunehmende Bewölkung ohne erhebliche Niederschläge. Berliner We«ierdur«au. ttci«VL\kw hetz LEIPZIGER STRASSE Donnerstag, Freitag, Sonnabend ALEXANDERPLATZ FRANKFURTER ALLEE Soweit Vorrat; Besonders preiswert: 2 Waggon Gemllse- u. FruchMConserveB Erstklassige Fabrikate.(Musterdosen sind zur Ansicht geöffnet.) stl Ooao% Oon Junge Schoten........ 38 24pf. Junge Schoten«tr. ,.in 80 45 pt. Kaiserschoten........ I05— Spinat................ 35 23 p* Bayrische Steinpilze. 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Vortrag der Stadtverordneten �Valdedi Manasse»■ Adolf Hoffmann in Rozyckis GestilschnstshlUls in yanhoin, Krtiiistraßt 3—4 :::: am Airnstag, den 8. März rr., abends 8 Uhr.:::: ------------------- DisIcussZon.......------ 57.3* tSQT Die Geistlichen aller Konfessionen sind eingeladen! Eintrittspreis 10 Pf. Der Einberufer: A. Hamdt, Pappel-Allee 15—17. fMWVlllVI WI 9 Bureau: Melchiorstraftc 28, parterre. Filiale Berlin. Telephon: Amt IV, 4787. Freitag, den 4. März 1910, abends 8 Uhr, im Gewerkschaftshanse, Engeluser 15(grofter Saal): JVKtjjUeder Versammlung. TageS-Ordnung: 1. Bericht der Delegierten von der austerordentlichen Generalversammlung in Dresden. 2. Diskussion. 128/17' -------------- MtgUeclsbucb legitimiert.--------------- Zahlreiches Erscheinen erwartet Die OrtsverwaliUllg. Zur Beachtung! Die volle Arbeitszeit beträgt pro Tag 9 Stunden und beginnt mit dem ersten Montag im Monat März(7. März) und endet am 15. Oktober. D. O. Zum Küssen schön ist ein Mund mit Konntag, den 6. März, abends 7 Uhr: Tugend-Versammlung in den PrachWen„Uord-West", Wiclefstraße 24. Uedtdilöervortl'sg des Herrn Rez über: s= Wilhelm Bäsch.— Alle Lehrlinge, jugendlichen Arbeiter und Arbeiterinnen sind zu dieser Versammlung srcundlichst eingeladen. 283/17' SteinaHbeiter! Sektion 1. (Ban- n. Grabsteinbranche) Freitag, den 4. März, abends 7'/, Uhr, in den.Armin- hallen, Kommandantcnstr. 58: Sektion II. (Marmorbranche) Donnerstag, den 5. März, abends 8 Uhr, im VcrbandSlokal. Sehdelstr. 30: Mitglieder- Uersammlnng. TageS-Ordnung: Stellungnahme zur Tariffrage. Kollegen! Agitiert für guten Besuch! Kein organisierter Kollege darf fehlen l In diesen Versammlungen sind auch die Adressenänderungen anzu. n, damit die Zustellung deS„Steinarbeiter" keine Unterbrechung erfährt. Ble OrtsTcrwaUnns. geben. 171/3* I» Mtiar ArbeitSnattiweiS: Verwaltungsstelle Berlin. Hauptbureau: Hos l. itmt 3. 1233. CharittstraBe 3. Hos III. Amt 3. 1987. Freitag, den 4. März 1910, abends 8 Uhr: Große Versammlung mit ülchtbUdem in der Kronenbrauerei, Alt-Moabit 47/48. TageS-Ordnung: Vortrag deS Genossen Ehagrin über: „Lines Arbeiters �eise um die Wdt.'4 Kollegen! Der Genosse Ekjagtjn dürste allen bekannt sein durch seine guten Reiscbeschreibunge jeder Kollege es möglii 'Auch dürste eS angebra bringen. Der Eintritt hoben. in der.Metallarbeiter-Zeitung*. Deshalb sollte ) machen, in dieser Versammlung zu erscheinen >t sei», die Frauen zu dieser Versammlung mitzu» ostet 10 Pf. und wird durch Tellersammlung er- Wt-is-. ßezlrls Steglitz. Den Kollegen zur Nachricht, daß sich die Bezirksbibliothek jetzt bei F r i t s ch, Steglitz, Florastr. 2a befindet. 112/12 Ble OrtsTerwaltnng. Nerheuhd-rMlilkr.Luillittn.Austttiihcr--. Mclchiorstr. 28, Part. Telephon: Amt IV, Nr. 4787. im Heute Donnerstag, den 3. März, abends 8'/, Uhr, Gewerkschaftshause, Engelnfer 15: MltgHeÄHr- Tersammlimg der Sektion der Lockierer. Tagesordnung: 1. Schöpfung oder EntWickelung. Vortrag vom Genossen A. Bomnlck. 2. Diskussion. 3. Sektionsangclegen- h-tten. 127/00 Zahlreichen Besuch erwartet_ Die SektionSleitnng. Krßdlt E' Molbill Teilzahlung r" bei allerklelnutor An- n. Abzahlnng. Größte RQcksicht £ aXiuiXI'IiC E. Cohn, Cr. Murlerstr.Sl I mit echten Platinstiften. I Unter Garantie für absoluten I I Sitz und Brauchbarkeit setbst I I in den schwieriffsten Fällen.[ Belohnun I demjenigen, der uns nach- | weist, daß unsere Zähne I | nicht mit echten Platin- 1 stiften versehen sind.— Fas�gänzffch 5chmerrfos'3s Zäliniiehen B von uns endlich erreicht und j zur größten Berühmtheit der Eefonn-Zahnpraxis geworden. Beweis: Nach Aussage von | Patienten in den meisten I Fällen vollständig schmerzlos, Reparaturen von 1 M. an. Zahn-Praxis Carl Rudolph I.Praxis: Elsjsser Str. 14. 1 2.„ Friodrichstr. 35. 3.„ Oranienstr. 61. 4.„ Palieadenstr. 108. | 5.„ Moabit, HUttonstr. 65. 1 6.„ Charlottenb.,Wilmers- dorler Str. 117. 1 7.„ Lichtenberg, Frankfurter Allee 169. „ Spandau, Neuendorfer Str. 106. Bequeme Zahlungsweise. 1— UBI.«...!....»..!« Dr. Schünetnann Spezialarzt für Haut- und Harnleiden, Frauenkrankheiten,* Friedrichstr. 203, Ecke Schützenstr. Wochentags 40— S, 0—7. Kl zlt-MdItr.W!SL: grundsIOok verkäuflich in Mitte der Stadt Schwedt. 13000 M.. 3000 An. Zahlung. A. Hinze, Zäckerick.* *€€e€€6e€€6€€€€€€e€€€«e9» Sozialdemokratischer Wahlverein des VI. Berliner Reichslags-Wahlkreises. STIFTUNGS-FEST am Sonnabend, den 5. März 1910, abends 8 Uhr, im Palast-Theater, Burgstraße(Ecke Wolfgangstraße). Konzert K Spezialitäten«J Theater Slansengesänge, ausgeführt von Gesangvereinen des„Arbelter-Sänger-Bundes". Pestrede X Tanz* Herren, die am Tanz teilnehmen, zahlen SO Pf. nach. EinlaBkarte 25 Pf. Programme gratis 225/11* Das Ksmiiee. - G 1 !& | B * W w E «/ «/ vi/ «/ w «SSSSSSSSSSSSSSKSSSSSSS» 65. Stiftungsfest am Sonntag, den 6. März, nachmittags 5 Uhr, in Kellers Festsälen, Koppenstr. 29. 67/4 Mitglieder 25 Pf. �SAJZJZJZAESAJJJJJAJES«» Eingeführte Gäste 50 Pf. >- Tanz frei. k iii- a rV\� Tft •V muss es tagen, data daa Kaufhaus auf Kredit Für alle Well •ft 6� r ScMnäerg, Hauptstr.19, ÄnKÄhgÄ In allen seinen Darbietunaen nicht zu Obertre«eu ist. Dort erhSIt Jeder auf gW allerbequomute Ber* Teilzahlung Herren-, Damen- und Kinder-Sarderobe (Die Frühjahrs-Neuheiten sind bereite eingetroffen) Einsegnungsstaat für Knaben und Mädchen Hanufsktur- und Weisswaren, Wische etc. Möbel und Polsterwaren Spezialität: Lieferung valletämilger Wohnunga-Einrlchtanjen von der oinlaohilcn Wo nir gedlegenoten bargerilohen Anutattcng Toppich», Betton, Stoppdsokon, Bardlnon Relohhaltlgct. 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In MarkgrafpirSke(Teltow-BerSkow) steht nur das Lokal„Fe st Halle", Kirchplatz 2, ßnh. Ketzrich zu allen Ver- anstaltungen zur Berfiigung. Die Lokalkommission. Zweiter Wahlkreis. Sonntag, den 6. März, abends K Uhr. findet bei Rabe, Fichtestr. LS, ein Familienabend statt. Vor- trag des Genossen Stadlverordneten Dr. Alfred Berustem. Nachher Tanz. Um recht rege Beteiligung ersuchen Die Mteilungsfiihrer. Groß-Lichterfelde. Morgen, Freitagabend, findet eine Flugblatt- Verbreitung statt. Das Material wird heute abend an den be- kannten Stellen ausgegeben. Die Zahlabende bei Zierrath und Lähn haben sich verschmolzen. Der gemeinsame Zahlabend findet zukünftig bei L. LLronncki, Ring- straße 17, Ecke Holbeinstratze, statt. Lankwitz, Am heutigen Donnerstag, abends pünktlich 8 Uhr: Wichtige Flugblattverteilung von den bekannten Bezirkslokalen aus. Der Vorstand. Tegel. Heute Donnerstag, abends 7 Uhr, findet von den be- kannten Bezirkslokalen aus eine Flugblattverteilung statt. Morgen Freitag, den 4. März, abends 8'/» Uhr: Oeffentliche Versammlung. Tagesordnung: Sozialdemokratie und Gemeinde- Politik. Referent: Stadtverordneter Paul D u p o n t- Berlin. Agitiert für Massenbesuch. Die Bezirksleitung. Borsigwalde. Am Freitag, den 4. März, abends 8>/z Uhr, findet ini Saale von Jaschinsky eine öffentliche Versammlung statt. Tagesordnung: Vortrag über Sozialpolitik in der Gegenwart. Die Genossen werden ersucht, Außenstehende auf die Versammlung auf- merksain zu machen._ Die Bezirksleitung. Berliner JVacbricbten. Ter Verkehrskobold. Das„Recht auf die Straße" hat schon einmal ein Berliner Polizeipräsident— nicht verkündet. Es war in den siebziger Jahren. Berlin marschierte schon flott auf den Weltstadttitel zu. Handel und Wandel hoben sich zu- sehends. Da wurden eines schönen Tages die Berliner durch eine Polizeiverfügung überrascht, die gleich eine ganze Wolke von preußischein Moderduft und Aktenstaub in das Verkehrs- leben wehte. Tie gesamte Bevölkerung, die Polizeigefolg- schaft natürlich ansgenoinmen, war einfach basf. Der da- malige Polizeipräsident, den heute längst der Rasen deckt, mußte wohl plöblich aus hundertjährigem Schlafe erwacht sein, denn sein Ukas verlangte in bündigster Form nichts mehr und nichts weniger:„Jedes weibliche Wesen, das sich nach 10 Uhr abends ohne Herren- begleitung auf der Straße blicken läßt, wird arretiert!" War Berlin in Schöppenstedt ver- wandelt worden? Nur ein Mensch, der mit seinen reaktionären Gedanken noch im vormärzlichcn Berlin weilte, wo nian auf offener Straße noch nicht mal rauchen durfte, nur ein völlig weltfremder, vcrkehrSunverständiger Beanrter konnte solchen Unsinn in die Welt setzen. Er wollte, was gleichfalls llteglementierungsunsinn war, die Halbwelt treffen und traf die ganze Bevölkerung. Erst waren die Berliner sprachlos, dann entrüsteten sie sich gewaltig, und schließlich brach das einzig richtige Gefühl durch: die Sehnsucht nach dem Lachen. Man lachte, daß es vielhundertstimmig nach dem Polizeigebäude scholl und sämtliche Aktenwürmer aus den Löchern scheuchte. Und es kain wie in der bekannten Militärhnmoreske. Der jeweilige Vorgesetzte donnerwetterte immer auf den nächstfolgenden Untergebenen, bis die Schuld an einem harmlosen Polizeitintenkuli vom grünen Tisch hängen blieb. Denn daß unter der Verfügung der Namens- zug des Polizeipräsidenten stand, hatte ja mchts zu sagen. Solche Unterschriften werden im„korrekten" Preußen blind- lings geleistet. So fand denn diese talentvolle Verfügung schon nach wenigen Wochen das verdiente Begräbnis erster Klasse. Seitdem sind über drei Jahrzehnte vergangen. Erst die Welt des zwanzigsten Jahrhunderts, die im Zeichen des Verkehrs stehen soll, sah eine ähnliche Tragikomödie. Wird sich der Verkehrskobold am Alepanderplatz, nachdein er die Berliner nnt ein paar derben Spaßen wieder mal aus dem Schlaf aufrüttelte, nun endlich verkrochen haben? Es scheint ja so, als ob die Lektion, die das Publikum und Frau Justitia dem gehörnten widerspenstigen Polizeigeist erteilte, gute Früchte getragen hat. Wo die Widerhaken so tief sitzen, gehört Zeit dazu, sie mit Stumpf und Stiel auszurotten. Mit dem Berliner Eissport war es in diesem Winter leider nichts und wird es wohl auch nichts mehr werden. Nicht eine einzige Natureisbahn bekam Leben, und auch die künstlichen Eis- bahnen blieben auf dem Trockenen, weil die Winternatur streikte. Ueber ganz schwache Ansätze zum Eislauf ist es im Freien nirgends hinausgekommen. Die Eisbahnpächter haben davon keinen Schaden gehabt, denn sie schließen neuerdings in der Regel nur solche Pacht- Verträge ab, in denen die Höhe der Pachtsumme von der Zahl der Frosttage abhängig gemacht wird. Fielen sie mit dem erhofften Gewinn aus, so hat der Eispalast im Berliner Westen desto mehr seine Kassen gefüllt. Man ist dort draußen sehr üppig geworden und hat das Publikum, das ja auf diese eine Eisbahn angewiesen war, nach Strich und Faden geschröpft. Wenn deshalb schon der «Berliner Lokal-Anzeiger" wochenlang eine Fehde mit der Eispalast- Direktion führte, muß es happig gewesen sein. Das ficht aber die Leitung des Eispalastes nicht viel an. Man setzt dort hohe Eintrittsgelder fest, weil man nur zu gut weiß, daß die Eisbude ja doch voll wird von zahlungskräftiger Lebewelt. und nimmt übermäßig hohe Summen auch den verschiedenen Pächtern ab, die ihrer- seiis wieder das Publikum schröpfen müssen, um auf Kosten und Gewinn zu kommen. Die Hoffnung, daß die Eispalastdirektion auch für das weniger bemittelte Publikum etwas übrig haben und billige Volkstage einrichten werde, darf man wohl ruhig aufgeben. Für so etwas ist in der Akartin-Lutherstraße, inmitten der Groß- stadtmillionäre. offenbar kein Verständnis zu wecken. Der Berliner Verein zur Förderung der Blumenpsicge in der Schule hielt am 28. Februar unter Leitung seines ersten Vorsitzenden, des StadtschulratS Dr. Fischer, seine Generalversammlung im Bürgersaal des Rathauses ab. Den zahlreich erschienenen Besuchern bot sich ein anziehendes Bild dar. Auf langen Tischen standen blühende Hyazinthen, die von den Kindern in Töpfen getrieben waren. Die Mittel dazu hatten Stadtbaurat Dr. L. Hoffmann und Stadtrat Maas gespendet. Den Jahresbericht erstattete der Schrift- führer. Rektor Heinrich Schmidt. Ausgehend von der gegenwärtig allerorts erhobenen Forderung der sogenannten Arbeitsschule, die Handtätigkeit der Schüler zu üben, wo immer der Unter- richt dazu Gelegenheil bietet, wies der Berichterstatter in überzeugender Weise nach, wie durch die Blumeiipflege im botanischen Unterricht diese manuelle Tätigkeit der Kinder geübt wird und welche Fülle reiner Freude den Schülern aus dieser Be- schäftigung erwächst. Daß dieser Gedanke immer mehr Anerkennung findet, zeigt das Wachstum des Vereins, dem jetzt löiZ Schule» (gegen 140 im Vorjahre) angehören, in denen die Blumeiipflege mit Hingebung getrieben wird und in denen im letzten Sommer So 000 Pflanzen für diesen Zweck gebraucht wurden. Mit Worten deS Dankes hob Redner die Sriftnng des StadtschulratS Dr. Fischer von 1800 M. aus de» Ertrnguissen der Schülerkoiizcrte im Zirkus Busch hervor, aus dessen Zinsen für unbemittelte Kinder Pflanzenstecklinge beschafft werden. Dem gleichen Zweck dient die vom Magistrat ge- leistete Subvention von 200 M. Die Große internationale Garten- banausstellung, die im April 1909 in Berlin stattfand, hat dem Verein in Anerkennung seiner Bestrebungen die große silberne Medaille verliehen. Nach Erstattung des Kassenberichts durch den Kassenwart Rekror Meinke und die Wiederwahl des Vorstandes, in den auch der neue Garteildirektor Broderseu und Obergnrtner Weiß gewählt wurden, beschloß der Verein, im August dieses Jahres eine allgemeine Ausstellung der von den Kindern gezogenen Blumen zu veranstalten. Dann hielt der Stadtschulrat Dr. Fischer einen Vortrag. Er hatte sich das Thema gestellt:„Einige unserer Pflanzen in ihrer Beziehung zum Glauben und Brauch des Volkes" und behandelte in fesselnder Weise Holunder, Wacholder. Flieder, Rosmarin, Gänse- blümcken und Mistel. Zur Beraitschaulichung waren die ineisten dieser Pflanzen zur Stelle, Es war ei» Stück Kulturleben, das im Geiste dem aufmerksamen Zuhörer vorgeführt wurde. Kiltderausbeutung. Die„Darmverwertung Berliner EngroS- schlächter", ein Schwesterbetrieb der Margarincfabrik„Berolina", scheint es in Pmikto Kinderausbeutung in der kurzen Zeit ihres Bestehens sehr weit gebracht zu haben. Es wird uns hierzu ge- schrieben: Die Firma beschäftigt in der Darmbranche 6ö— 75 Per- svuen, die ArbeitSräimie befinden sich im Berliner Schlachthof. Es werden da hauptsächlich Därme geschleimt und gesalzen. In letzter Zeit hat die Firma täglich zehn Schulkinder nach Schluß der Schul- zeit mit Dannschleimen beschäftigt. Am Sonnabend, 26. Februar, wurden die Kinder mit der Bemerkung entlassen, daß sie in 14 Tagen wiederkommen könnten, zurzeit sei die Beschäftigung von der Behörde untersagt. Es ist geradezu unverantwortlich, Kinder in einem solchen Betriebe zu beschäftigen. Die Schlachlhofdirektion ist hier nicht ganz unschuldig und im gewissen Sinne mitverantwortlich Nach den Bestimmungen des Schlachthofes muß die Direktion den bei der Darniverwerning beschäftigten Kindern Einlaßkarten aus- gestellt haben. Schon im vorigen Jahre hat die Direktion zugunsten der Dannverwerimig Zustände geduldet, die bei den kleinen Schleimereibesitzern streng bestraft werden. Die Beschwerden der Organisation wurden nicht beachtet, nicht einmal Antwort hat man ihr gegeben. Wenn eS gilt, die Organisation der Geselle» zu be- kämpfen, ist die Direktion stets bereit, ihr möglichstes zu tun. jedoch den reaktionären Jnnungskrautern gegenüber hat sie nicht den Mut, auf die Einhaltung der Schlachthosbestimmungen zu achton. Bemerkt sei noch, daß im Betrieb der Darmverwertung organisierte Arbeiter nicht geduldet werden, ein Spitzelsystem sorgt dafür, daß dieselben sofort wieder fliegen. Zusammenstoß zweier Straßenvahnwagcn. Ein Zusammenstoß zwischen einem Straßenbahnwagen der„Großen Berliner" und einem Zuge der Siemens u. Halske-Bahn Treptow— Behrenstraße, ereignete sich gestern früh gegen l/-ß Uhr in der Markgrafenstraße, Ecke Koch- straße. Dort fuhr der"Motorwagen 2823 der Linie 98(Richtung Görlitzer Bahnhof) gegen die rechte Seitenwand des Anhängerlvagens eines die Kreuzung' passierenden Zuges der Straßenbahnlinie Treptow— Behrenstraße, der in der Richtung nach Treptow fuhr. Durch den Anprall wurde der Anhängerwagen mit der Hinterachse aus dem Gleis gehoben und zwei Seitenscheiben an demselben ein- gedrückt. An dein Wagen der Großen Berliner Straßenbahn wurde die Schutzweste und die Anschlußdose beschädigt. Das auf dem Hinterperron des Motorwagens der Linie 9s stehende Fräulein Lüdicke, Wilhelmstraße 34 wohnhaft, erlitt einen Nervenchok, konnte aber ihren Weg allein fortsetzen. In einem Wannscehahnzuge erschossen. Jung in den Tod ge- gangen ist der Schreiberlehrling Max Kimmerling. K„ der erst im siebzehnten Lebensjahre stand, war bei dem Bücherrevisor B. in der Potsdamer Straße 109 angestellt. Er pflegte frühmorgens mit der Wannseebahn nach Berlin zu fahren. Gestern morgen jagte er sich kurz vor Ankunft des ZugeS auf dem Potsdamer Bahnhof vor den Augen der anderen Fahrgäste eine Revolverkugel in die rechte Schläfe. Zerftörmigen von PostSricfkiiste». Freche Burschen machen sich seit einiger Zeit an die Briefkästen auf den Straßen heran und führen an diesen Diebstähle ans. So reißen sie beispielsweise an- gebrachte Metallbuchstaben herunter und ruinieren die Schriftzeichen. Mit gefälschten Empfehlungsschreiben versucht neuerdings ein Betrüger sein Glück. Der Gauner gibt an, er sei ungerechlerweise ans seiner dienstlichen Stellung entlassen worden und nunmehr dem Elend preisgegeben. Er zeigt dann seinen Opfern EmpfehlungS- schreiben vor, die er fälschlicherweise angefertigt hat. Aus Grund dieser Papiere sucht sich der Betrüger pekuniäre und andere Vorteile zu verschaffen. Ein Znsammenstoß zwischen drei Gefährten trug sich gestern nachmittag in der Potsdamer Straße zu. Dort wurde die Auto- droschke 8666 von einem Omnibus der Linie 5 der Allgemeinen Berliner O-nnibus-Aklicugesellichaft angefahren und gegen die rechte Seitenwand des Anhängerwagens eines in gleicher Richtung fahrenden Straßenbahnzuges der Linie 83 geschleudert. An dem Bahnwagen wurden durch den dreifachen Zusammenstoß drei Seilew scheiden eingedrückt, an dem Auto war der Steuerschenkel verbogen, die Laterne und das Trittbrett stark beschädigt. Personen sind glück- licherweise nicht verletzt worden: eine Betriebsstörung entstand nicht. Kollision zwischen zwei Straßenbahnwagen. An der Ecke der Frankfurter Allee und der Proskauerstraße, im Osten Berlins, er- folgte gestern nachmittag kurz nach 4 Uhr ein heftiger Zusammenstoß zwischen einem Straßenbahnwagen der Linie 71 und einem Wagen der Linie 78. Die Kollision wurde dadurch herbeigeführt, daß der Bahnwagen der Linie 71 auf den Wagen der Linie 78, der dort hielt. auffuhr. Bei dem Anprall erlitt ein zwölfjähriger Schüler Bruno Holz auS der Niederbaruimstraße 1 eine Wunde am Hinterkopf. Die übrigen Fahrgäste wurden stark durcheinandergerüttelt, kamen aber mit dem Schreck dabon. Ein Leichenfund wurde gestern nachmittag um 3 Uhr auf dem unbebauten Magistratsgrundstück in der Kleineu Alexanderstraße 25 gemacht. Dort lag in Zeitungspapier gewickelt ein neugeborener Knabe. Die Leiche wurde der Polizei überliefert, die nach der Mutter Ermittelungen anstellt. Einiges Aussehen erregte, wie wir gestern schon berichteten, Montag abend um 6 Uhr ein Leichenfund, den Schiffer in der Spree vor dem Hause Schiffbauerdaimn Nr. 4 machten. Sie landeten dort eine Frauenleiche, die 1,68 Meter groß ist, einen grauen Stock und eine dunkle Bluse trug und schon längere Zeit im Wasser gelegen hatte. Die Wäsche war mit dem Buchstaben ll. gezeichnet. Ein Gerücht, daß eS sich um ein Verbrechen handele, ist darauf zurück- zuführen, daß die Schiffer bei der Landung einen Strick an der Toten befestigten. TcueningSzulagen streben die Bureaunngestelltcn der Berliner Rechlsanwälte an. Sie begründen diese Forderung mit der an- dauernden Steigerung der Lebensmittelpreise und Wohnungsmieten. die mit den schlechten Gehältern der Angestellten nicht in Einklang zu bringen ist. Durch die am 1. April 1910 in Kraft tretende Reform der Gebührenordnung erhalten die Rechtsanwälte eine weitgehende Erhöhung ihrer Bezüge. Der Deutsche Reichstag hat die hohe Festsetzung der Auslagenpauschale für Schreibgebnhren und Porti ausdrücklich damit begründet, daß den Anwälten die Möglichkeit einer besseren Bezahlung ihrer Angestellten gegeben werden soll. Um nun der Forderung nach Ge» Haltserhöhung größeren Nachdruck zu verleihen, findet Freitag, den 4. März 1910, abends 8>/z Uhr. im großen Saale der Musikcrsäle, Kaiscr-Wilhelm-Str. ISm,� eine öffentliche Versammlung der Bureauangestelllen der Rechlsanwälte Groß-Berlins statt, in der der Landtagsabgeordncte Dr. Karl Liebknecht über:„Die Ursachen der wirtschaftlichen Teuerung" spricht. Im Anschluß hieran sollen die zu fordernden Gehaltszulagen festgelegt werden. Die Oeffentliche Lesehalle der Deutsche» Gesellschaft für ethische Kultur, Riingcstr. 25/27, ist im Monat Februar von 8713 Personen besucht worden. In der Lesehalle wurden außer Zeitungen und Zeitschriften 917 Bücher gelesen i nach Hanse entliehen 3073 Bände, zusammen 3990 von denen 1309 wissenschaftlichen oder belehrenden Inhalts waren. Die Lesehalle ist werktäglich geöffnet von 12 bis 3 Uhr mittags, ö—10 Uhr abends, Sonntags von VzIO— 1 und 5-10 Uhr. Einen empfindlichen Verlust hat ein Arbeiter zu beklagen; der« selbe verlor gestern in der Beusselstraße ein schwarzes Portemonnaie mit 35 M. Der ehrliche Finder wird gebeten, dasselbe bei Hein, Veusselstr. 90, parterre, abzugeben. I« der Generalversammlung deS dritten Kreises im Gewer!» schaftsbause ist ein Portemonnaie mit Inhalt gefunden worden. Dasselbe ist vom Verlierer beim Vorsitzenden des Kreise? Genosse» Pohl, Naunynstr. 30. in Empfang zu nehmen. Vorort- I�ackricdten. Die Gemeindetvnhlbetvegung. Mahlsdorf a. d. Ostbah». Mit den bevorstehenden Gemeindevertreterwahlen beschäftigte sich eine im„Heidekrug" in Mohlsdorf» Süd tagende gut besuchte Volksversammlung. Der Referent Genosse Hugo Scheibe beleuchtete in kurzen treffenden Zügen die Tätigkeit der jetzigen bürgerlicken Vertreter im Gemeindeparlament und recht- fertigte die Maßnahmen unserer Vertreter bei den verschiedenen Abstimmungen, so z. B. in der Rathausfrage. Redner zog ferner zur Klarstellung den Schulhausanbau heran und beleuchtete die Maßnahmen der Schulkomniission, die, da sie leider nur aus Mit- gliedern der bürgerlichen Parteien besteht, den Ansprüchen der Be» wohner von Mahlsdors-Siid nicht Rechnung trägt.— In der sehr regen Diskussion, an der sich hauptsächlich die anwesenden Mitglieder des Bezirksvereins Mahlsdorf-Süd sowie unsere Genossen Oertel, Giese, Schmidt und Käming beteiligten, lvurde, an verschiedene Vorkommnisse der letzten Zeit anknüpfend, der Standpunkt der sozialdemokratischen Gemeindevertreter klargelegt. Genosse Käming, der in treffender Weise unser Kommunalprogramm erläuterte, wies ganz besonders darauf hin, daß nur die Sozialdemokratie die Interessen der Allgemeinheit auf das nachdrücklichste vertreten könne, er forderte aus diesem Grunde alle Anwesenden auf. dafür zu sorgen, daß am v. und 10. März unsere Kandidaten zum Siege gelangen. Neuenhagen(Ostbahn). Am Sonntagnachmittag konnten wir im Lokal Fagerstern, direkt im Dorf, die erste Versammlung abhalten. Genosse Spieker mann- Lichtenberg referierte über die kommenden Gemeindevertreterwahlen: er übte scharfe Kritik am Dreiklassen» Wahlrecht und erläuterte in eingebender Weise unser Kommunal- Programm. Nach einer Diskussion im Sinne des Referats wurden die Genossen Otto Göller, Sattler, und Karl Köscling, Ofensetzer, als Kandidaten für die dritte Klasse aufgestellt. Virkcnwerder(Nordbahn). In öffentlicher Wählerversammlung erfolgte am vergangenen Sonntag die Ausstellung von zwei Kandidaten zur Gemeindevertretung in den Personen der Genossen Putiitz und Mäcker. Die Versammlung verlief recht interessant, da auch ein Gegner das Wort ergriff. Das Referat hatte Genosse Sonnenburg- Friedrichshagen, der unser Kommunalprogramm in zirka l'/zstündigem Vortrag erläuterte. Die Gemeindevertretung hat unseren Einspruch gegen die Wählerliste, in der sich über 100 sogenannte Drei-Mark-Forensen zu Unrecht befinden, abgewiesen. Es wird gegen diesen Beschluß der Gemeindevertretung nunmehr iin Wege der Klage vorgegangen. Schöneberg. WaS die Meinung eines Arztes wert ist, darüber hat ein Ehe» paar A. in Schöneberg sich allerlei Gedanken gemacht aus Anlaß des plötzlichen Todes ihres fiinsjährigen Sohnes. Die Au- gelegenheit liegt schon um mehrere Wochen zurück; sie ist uns von dem Vater des KindeS erst jetzt mitgeteilt worden. Der Knabe klagte am 26, Januar mittags über Kopfweh, auch trat bald Er- brechen und Diarrhöe ein und Anzeichen hohen Fiebers wurden be- merkbar. Ein am Abend desselben Tages herbeigerufener Arzt stellte tatsächlich hohes Fieber fest— Herr A. verstand: 40 Grad— und auch Erbrechen wurde von dem Arzt selber beobachtet. Er beruhigte aber die geäiigstigten Eltern und verordnete Emser Salz und Selterwasser mit Milch. Am nächsten Morgen wurde ein anderer Arzt herbei» gerufen, und dieser riet nunmehr zu sofortiger Ueberiveisung in ein Krankenhans. Das Kind wurde schleunigst nach dem Auguste« Viktoria» Krankenhaus für Schöneberg gebracht, starb aber dort schon in der nächsten Viertelstunde nach der Eiulieferung. Zwei Tage darauf wurde vom Krankenhause dem Vater auf seinen Wunsch ein Attest über die Todesursache aus- gestellt, worin der Assistenzarzt D r. K a tz erklärte:„Der Knabe Max A. erkrankte 24 Stunden vor seinem Tode plötzlich au Atemnot und Fieber, wurde am 27. Januar 1910 vormittags in völlig pulslosem Zustande ins hiesige Krankenhaus eingeliefert und verstarb etwa eine Viertel- iunde später an Herzschwäche. Die Sektion am 28. Januar ergab Luftröhrenentziindung, Magen-Darmkatarrh, vereinzelte Darm- geschwllre und vereiterte Drüsen des Darmgekröses und Spulwürmer." Die Eltern erinnern sich nicht, daß irgend jemand sie um ihre Zustimmung zur Vornahme einer Sektion ersucht oder ihnen überhaupt etwas von einer Absicht zu sezieren gesagt hätte. Sie waren aber zufrieden, die Meinung des Ärzte» über die Ursache dieses rätselhaft schnell cillgetreteuen Todes kennen zu lernen, und sahen schließlich ein. daß ebne Sektion die Ursache schwer festzustelle» gewesen wäre. ES scheint indes, dah im Krankenhaus selDer dem A t t e st, das der in dieser Anstalt tätige Dr. Kotz ausgestellt hatte, kein grober Wert beigemessen wurde. Als der Vater d'eS so jäh verstorbenen KindeS am 29. Januar nachmittags im Krankenhausbureau das Attest in Empfang nahm, wurde ihm gleich- zeitig zu seiner nicht geringen Ileberraschung angedeutet, es sei schon ein Schreiben an ihn unterwegs, das die B e s ch l a g n a h m e der Leiche zum Zweck einer Feststellung der Todesursache ankündige. Tatsächlich fand dann Herr A. bei seiner Heimkehr ein Schreiben des Inspektors Korbacher vor, das so lautete:»Teile Ihnen hierdurch ergebenst mit, daß die Leiche Ihres hier ver- storbenen Kindes Max zwecks Feststellung der Todesursache beschlagnahmt werden mußte. Sowie die Beerdigung erfolgen kann, werden Sie davon Mitteilung erhalten". A. schüttelte ver- wundert den Kopf, als er das las und eS mit den Angaben des Arztattcstes verglich. Die Beerdigung war auf den 30. Januar fest- gesetzt, auch waren bereits alle nötigen Borbereitungen erledigt, aber sie niußte nun zunächst unterbleiben. Am 31. Januar begab A. sich zur zuständigen Staatsanwaltschaft, trug seine Sache vor, überreichte auch das Arztmlest— und bekam die Annvort, m a n w i s s e j a v o n g a r n i ch t s. Auf den Rat des Staatsanwalts ging A. dann zur Polizeidirektion Schönebergs, teilte ihr die Angelegenheit mit, legte wiederum das Aitest vor— und bekam wiederum die Antwort, auch hier wisse man noch von nicht«. Nunmehr wandte A. sich an das sür das Krankenhaus zuständige Polizeibureau, und hier wurde die Auskunft gegeben, es sei zwar ein aus den Todesfall bezügliches Schreiben der Krankenhausverwaltung eingelaufen, aber die Polizei könne daraus keinen Anlaß zu einer Beschlagnahme der Leiche entnehmen. A. ging jetzt nochmals zum Bureau des Krankenhauses, um eine Aufklärung dieser merkwürdigen Affäre zu erzwingen. Von hier aus fragte ein Krankeuhansbeamter telephonisch beim Polizeibureau an, warum die Leiche nicht beschlagnahmt werde. Er erhielt die Antwort, aus dem Schreiben gehe nicht hervor, daß Beschlagnabme gewünscht werde. Ja, war sie denn überhaupt nötig? Einen leitenden Arzt des Krankenhauses, der um Entscheidung ersucht wurde, wies A. darauf hin, daß ja schon ein Attest eines Arztes der An st alt vorliege. Der Herr Professor entschied jetzt, daß die Leiche beerdigt werden könne. Er machte aber den Zusatz, daß A.— so verstand dieser den Herrn Professor— sich eventuell die Wiederausgrabung der Leiche gefallen lassen müsse. Das Kind wurde dann mit einer Ver- spätting von zwei Tagen beerdigt, und bis heute ist eS keinem Menschen eingefallen, die Wiederansgrabung zu fordern, zu der offenbar auch keinerlei Anlaß gegeben war. Wird man an zuständiger Stelle das Bedürfnis empfinden, sich öffentlich darüber zu äußern, wie diese Konsusion möglich geworden ist? Das sind ja merkwürdige Zustände, die man da aus dem Auguste-Viktoria- Kraukenhausc zu Schöueberg erfährt I Rixdorf. Mit einer wichtigen Tagesordnung hat sich die am heutigen Donnerstag, nachmittags 6 Uhr, im neuen Sitzungssaal des Rathauses, Berliner Str. 63, stattfindende Stadtverordnetenversammlung zu beschäftigen. Es stehen außer der prinzipiellen Beschlußfassung über die Wertzuwachs st en erVorlage sowie die Einführung der S ch a n t k o n z e s s i o n s st e u e r noch andere wichtige Punkte unter anderem Errichtung einer Rettungswache zur Be- ratung. Ein schwerer Straßenbahminfak, dem leider ein Kind zum Opfer fiel, ereignete sich am gestrigen Mittwochnachmittag gegen V23 Uhr in der Hcrmannstraße. Dort versuchte der sechsjährige Sohn Willi deS in der Jnliusstraße 32 wohnenden Dachdeckers Müller un- mittelbar vor einem in der Richtung nach Britz fahrenden Straßen- bahnwagen der Linie 23 den Straßendamm zu überschreiten. Ob- wohl der Führer des Wagens sofort die Gcfahrbremse anwandte, wurde der Knabe umgestoßen und geriet unter den Schutzrahmen. Mit Hilfe mitgesührter Winden wurde der Bahnwagen innerhalb weniger Minuten hochgehoben, doch konnte der Knabe nur noch a l S Leiche hervorgezogen werden; ihm war der Brustkasten eingedrückt worden. Die Leiche des verunglückten Kindes wurde nach dem Krankenhause am Mariendorfer Weg geschafft. Den Straßenbahn- führer soll an dem bedauerlichen Vorfall keine Schuld treffen. Chart ottcnburg. Der hiesige Schwimmverein„Freie Schwimmer"(M. d. Arb.-Schw.°B.) veranstaltet ani kommenden Sonntag, den 6. März, nachmittags 3 Uhr, im Städtischen Volksbad, Krnnnne Straße 19. sein fünftes Schwimmfest. Das abwechselungsreiche Programm verspricht einige genußreiche Stunden. Nachfeier mit Tanz im großen Saale deS Volk-Hauses, Rosinenstr. 3. Billetts a 50 Pf. sind bei Franz Schmidt, Zigarrcngeschäft, Wilmersdorfer Straße 130, und in der Badeanstalt zu haben. Von einem Automobil überfahren wurde gestern mittag gegen 1 Uhr der Wachbcamte Gottlieb Kolvolski aus der Mainzer Str. 14. Er lvollte den Kurfiirstcndamm Ecke der Kursürstcnstraße überschreiten und geriet dabei gegen ein vorüberkonnnendes Privatautomobil. K. wurde umgerissen und überfahren. Er erlitt eine schwere Quetschung des linken BcincS, eine dlulende Kopfwunde und erhebliche Haut- abschürfiingen im Gesicht. Der Verunglückte erhielt in der Unfall- stalion am Zoo die erste Hilfe und wurde dann nach seiner Wohnung geschafft. AuS dem Bodenfcustcr abgestürzt. In selbstmörderischer Abficht stürzte sich gestern die 33jährige Frau Berta deS Straßenbahnführers Ebclt aus dem Bodenfenster ihre- Wohnhauses am Spandauer Berg 4 auf den Hof hinab. Die Unglückliche blieb mit schweren Knochen- brächen und anscheinend inneren Verletzungen liegen und wurde nach dem Westender Krankenhause transportiert, wo sie Aufnahme fand. Ihr Zustand ist bedenklich. Es wird vermutet, daß die Frau die Tat in einem plötzlichen Anfall von Nerveuüberreizuirg begangen hat. Friedenau. Die für Februar fällige Mitglicdcrversammluiig des Wahlvereins war auf den 22. v. M. verlegt worden, um den Genossen Gelegenheit zu geben, an dem Geburtslage des Genossen Bebel zusammenzu- kommen. Nachdem in einer kurzen Ansprache der Vorsitzende deS gelreuen Eckards des Proletariats gedacht hatte, eröffneten die Friedenauer Mitglieder des Gesangvereins Steglitz-Friedenau die Feier mit dem Liede„Krönt den Tag". Hierauf nahin die Genossin Oswald das Wort zu einem zu Herzen gehenden Vortrag über den Lebensweg Bebels. Der Vortrag wurde mit großem Beifall aufgenommen. Der Gesangverein schloß die Feier mit dem Liede„Empor zum Licht". Nach Erledigung einiger Neu- aufnahmen gab Genosse Nichter zunächst einen Bericht über die bis- herig« Tätigkeit des Wahlkomitees. Als Kandidaten werden die Genossen Handlungsgehilfe Paul N i ch t e r und Hausbesitzer H u h n aufgestellt. In der Diskussion(jing man dann etwas näher auf die Friedenauer Verhältnisse ein. Wie aus dem Lokal- blättchen hervorgeht, ist man bereits hinler den Kulissen eifrig für die Gemeindewahl tätig. Der Grundbesitzcrverein ist darüber entrüstet, daß sich auch hier ein Verein zur Bekämpfung der Tuber- kulose gegründet hat. er glaubt eS könnte dadurch der Zuzug ver- mindert werden. Dabei mußte zugegeben werden, daß hier genau soviel Tuberkuloscfälle vorkommen wie in anderen Orten, nur daß die Kranken, da Friedena» ein eigenes Krankenhaus nicht besitzt, in auswärtigen Krankenhäusern sterben. Im übrigen sorgen die Grundstücksspekulanten durch Ausnutzung jeden Winkels auch hier zur Genüge, daß die Schwindsucht, die Geißel der ärmeren Volksschichten gedeiht. Auch in Friedenau fehlt es längst nicht mehr an engen Straßen und Höfen, wo die Sonne nur schwer Zutritt hat. Nicht ohne Grund scheint der Terrainspekulant Haberland der Gemeinde Friedenau den Sintflutbrunnen geschenkt zu haben. Durch seinen Bebauungsplan ist ein Teil Friedenaus bloß weil Herr Haberland und seine Freunde Riesengewinne ein- heimsen wollten, verschandelt worden. Der Sintflulbrunnen soll sicher ein Simbol darstellen, eingedenk des Grundsatzes:„Nach uns die Sint- flut"! Es wurde in der Versammlung auch mit Recht darauf hingewiesen, daß der Gemeindevertretung jegliches soziale Verständnis abgeht. Das beweist am besten die Tatsache, daß der kürzlich der Gemeinde- Vertretung vorliegende Antrag auf Einführung einer Arbeitslosen« Versicherung mit höhnischem Lächeln abgetan wurde. Auch fehlt eine Volksbadeanstalt. Dabei hatten sich die Herren aus Anlaß der Ge- buristagsfeier des Kaisers 600 M. zum Festichmaus aus allgemeinen Mitteln bewilligt, damit ihnen die Betätigung ihres Patriolismus nicht so teuer werde. Auch sonst wurden' noch eine Anzahl Miß- stände, aus die wir bereits in Gemeindeberichten Bezug genommen haben, zur Sprache gebracht. Es wurde ersucht, daß sich zu den Gemeindevertretungssitzungen mehr Zuhörer einfinden inöchlen. Das sei den Herren ersichtlich unangenehm. In die Verbandsversammlung wurde Genosse Rich. Hagen delegiert. Am 1. Mai vormittags soll eine öffentliche Versammlung aller Ge- werkschaftler abgehallen werden. Am 7. März finden im Rheinschloß und am 14. März bei Schelhafe in Steglitz Vorträge über Darwinismus und Sozialismus statt.— Gelegentlich des Sliftungs- festes ist ein Stock mit Elfenbeinkrücke verloren gegange». Der Finder wird gebeten, denselben bei Schönefeld. Rheinstraße 31, ab- zugeben. (Srunewald. Rangierers Tod. Einen schrecklichen Tod fand der Hilfsrangierer Zech aus Schmargendorf. Zech war auf dem Bahnhos Grunewald tälig. Beim Ankoppeln einer Lokomotive an einen Güterzug geriet er so unglücklich zwischen die Puffer, daß ihm der Brustkasten fast vollständig eingedrückt wurde. Der Bedauernswerte war auf der Stelle tot. Die Leiche wurde durch die Behörde mit Beschlag belegt. Lichtenberg. Genosse Paul Kluger, einer von der alten Garde, wurde am Sonntag zu Grabe getragen. Kluger war Mitbegründer des Lichtenberger Arbeiterbildungsvereins und er entfaltete selbst unter dem Sozialistengesetz eine rührige Tätigkeit. Durch sein un- erschrockenes Eintreten sür die Forderungen der Arbeiterschaft mutzte er später seinen Beruf als Weber aufgeben. Sein lauterer Charakter, seine stete Hilfsbereitschaft sichern ihm bei den Lichtenberger Arbeitern ein ehrendes Angedenken. Grosj-Lichterfelde. Bei der gestern pattgefundenen Gemeindevertreterwahl wurde der Bürgerliche Thiel mit 375 Stimmen gewählt. Unser Genosse Wenzel brachte es nur auf 332 Stimmen. Für den Gegner wurden insgesamt 58 Forensenstimmen abgegeben. Waidmannslust. Bei der gestern fiattgrfnndenen Gemrindevertreterwahl erhielten Stimmen: Der Genosse K est in 157. der Genosse Luscher 151, die gegnerischen Kandidaten Dietrich 135» NeSke 132. Die Sozialdemokratie hatte bisher nur ein Mandat inne. Gestern wurde durch die Wahl unserer beiden Kandidaten ein neues Mandat hinzuerobert. Schöneiche(Kreis Teltow). In ihrer Hauptaufgabe, dem Kampfe gegen die Sozialdemokratie, haben sich die Landräte durchaus bewährt, äußerte sich bekanntlich der konservative Abgeordnete v. Goßler am Sonnabend im Dreiklassen- Parlament. Neben dieser Hauptaufgabe haben aber die Landräte noch eine ganze Reihe wichtiger Funktionen zu erfüllen, damit die Staatskutsche nicht stecken bleibt. Wie am Sonntag der Leiter einer öffentlichen bürgerlichen Versammlung in Fichtenau mitteilte, hat der Landrat des Kreises Niederbarnim den Wunsch aus- gesprochen, daß die beiden auf dem Kriegspfade befind- lichen bürgerlichen Vereine so schnell als möglich Frieden schließen mögen. Der Amtsvorsteher v. Wrede habe des- halb den Auftrag erhalten, die nötigen Verhandlungen zur Einigung einzuleiten. Bei dieser vielseitigen Tätigkeit des Landrats ist es allerdings erklärlich, daß unser Genosse Rühl, der bereits am 25. Januar 1910 gegen den Gemeindevorsteher Heyden, Schöneiche, wegen Verweigerung der Abschriftnahme der Wählerliste Beschwerde erhoben hat, bis jetzt vom LandratSamt ohne Bescheid geblieben ist. Da unserem Genossen an diesem Bescheide aber sehr gelegen ist, richten wir an alle staatserhaltenden Krieger-, Kegel-, Gesangs- und Ortsvereinchen daS dringende Ersuchen, wenigstens für einige Wochen Frieden zu halten und nicht die Kräfte des LandratS allein in Anspruch zu nehmen. Senzig.(Kreis Teltow.) Eine öffentliche Versammlung hörte am Sonntag ein Referat der Genossin Thicl-Tempelhof über„Die Mitarbeit der Frauen bei den Gemeindewahlen" an. Am Schlüsse der Versammlung ließen sich 9 Frauen in den Wahlverein aufnehmen. Potsdam. Wie aus dem BcrwaltunzSSericht hervorgeht, umfaßt der städtische Grundbesitz jetzt 92 Hektar. Im Krankenhaus kostet jeder Patient 2.51 M. iVerpflegungsiatz 2,50 M.j. Auf den Kops der Bevölkerung beträgt der Fleischkonsnm nach den genauen Feststellungen bei der Fleischsteuerkontrolle 56,78 Kilogramm. Die Feuerwehr bedarf dringend anderweite Alarmvorrichtungen für die Nachtzeit. Wasser- werk, Elektrizitäiswerk und Straßenbahn haben sich gut entwickelt, sie erbringen 440 000 M. aus ihren Ueberschüffen sür die allgemeine Verwaltung. Das Elektrizitätswerk versorgt außerdem zehn Vororte mit Licht und Kraft. Die Schulen erfordern einen Zuschuß von 748 000 M,. davon die Gemeindeschulen 313 000 M. und die höheren und Mittelschulen 435 000 M. Während die letzteren an Schlllerzahl. allerdings fast ausschließlich von auswärts, zunehmen, nimmt sie bei den Gemeindeschulen ab. Von 5595 im Jahre 1903 bis auf 4805 im Berichtsjahre, das sind 790, also eine ganze Gemeindeschule, und dabei besuchen annähernd 200 Gemeindeschüler von auswärts noch die Schulen in der Teltower Borstadt. Die Sparkasse hatte infolge der täglichen Verzinsung eine Einlage von 1 200 000 Mark, die Gesamteinlagen betragen rund 21 Millionen Mark. Die Schuldenlast der Stadt beträgt 14� Millionen, ihr gegenüber stehen Aktiva von 20 Millionen. Zum Schuldendienst sind �4 Millionen Mark erforderlich und zwar V» Million zur Verzinsung und'/« Million zur Amortisation. Selbstmord eines OffizierSbnrschen. Wie mitgeteilt wird, hatte der Bursche des Leutnants von Vahl vom 1. Garde-Ulanenregiment vorgestern Zwistigkeilen mit seinem Leutnant, er wurde Nachmittag abgelöst. In der Nacht ging er in den Park von Sanssouci und schoß sich eine Kugel in den Kopf. Gestern morgen wurde er tot aufgesnndeil und ins Garnisonlazarett geschafft. Vermilcbtes. Zum Frauenmord in Görlitz. Die gestern ermordet aufgefirndene Frau wurde, wie aus Görlitz gemeldet wird, als die 29jährige Näherin Anna Sprenger rekognosziert. Der mutinaßliche Täter ist der Hilfsgerichtsdicner Scholz. Eine spätere Meldung aus Görlitz lautet: Der Hilfsgerichts- diencr Scholz gestand ein, den Mord an der Anna Sprenger am 28. Februar abends verübt zu haben. Er schnürte dem Mädchen zunächst mit einem Strick den Hals zu, durchschnitt ihr dann die Kehle und warf sie ins Wasser. Das Motiv der Tat ist an- geblich Schwangerschaflsverdacht, der sich aber als unbegründet herausstellte. Zwei Arbeiter ertrunken. Hainburger Meldung zufolge sind gestern mittag bei einer Kahnpartie auf der Außenalster zwei Arbeiter ertrunken. Ucberfahren und getötet. Aus Posen wird vom gestrigen Tage gemeldet: Heute früh um 7 Uhr wurde auf dem Eisenbahn- dämm der Strecke Posen— Stargard an der Ziegelstraße die Leiche eines etwa 12 Jahre alten Knaben aufgefunden, dem die Schädel- decke abgesckmilten und Arm und Fuß gebrochen waren. Es wird vermutet, daß der Knabe auf der bezeichneten Stelle in der Nacht von einem Eisenbahnzug überfahren worden ist. Raubanfall auf einen Kassenbotcn. Gestern morgen um 10 Uhr wurde, wie aus Chemnitz genietdet wird, auf den Kassenboten einer dortigen Bankfirma, der einen größeren Geldbetrag einkassiert hatte, auf offener Straße ein Raubanfall verübt. Der Täter, ein junger Mann im Alter von 20 bis 22 Jahren, verletzte den Boten mit einem scharfen Instrument am Kopfe und ergriff dann die Flucht, konnte aber bald darauf verhaftet werden. Selbstmord eines Ehepaares. Ans Solingen wird berichtet: Ein gestern aus Krefeld hier zugereistes junges taubstummes Ehe- paar namens Platzen bat in der Nach: durch Oeffnen der Gashähne Selbstmord verübt. Das Motiv sind anscheinend Nahrungssorgen. Ein Eisenbahnzug von einer Lawine verschüttet. Ein Telegramm aus Everett(Washington) meldet: Ueber einen Personenzug der Great Northern-Eisenbahn, der seit Donnerstag im Kaskadengebirge festliegt, ging gestern eine Schneelawine nieder. Ein Hilfszug ist nach der Unfallstelle abgeschickt worden. Bis jetzt sind 20 Personen geretiet und 25 Leichen geborgen worden; 25 Personen fehlen noch. Die Geretteten haben mehr oder minder schwere Verletzungen davongetragen. Lese- und Diskntierklub»Johann Jacoby". Heute abend 8'/, Uhr bei Bugge, Kastanien-Allee 35/96: Sitzung. Freie Jugendorgaiitsntion Berlin. Abteilung NI. Sonntag, den 6. März, nachmittags 3 Uhr: Abtetlungs-Versammlung bei Pauline Kranz, Dunckerstr. 8, Ecke Raumerstratze. Vortrag des Kollegen Scholz:»Ausgaben der Freien Jugendorganisation." Gäste will- lominen. Zentralverband der Handlungsgehilfen und Gehilfinnen Deutsch- lands. O r t s v e r w a I t u n g Erotz-Berlin. lBezirk Süd- Gest.) Heute abend 8Y, Uhr bei Junns Meier, Oranienstr. 103: Vortrag deS Kollegen Zinimermann über„Detlev v. Lilieiicrcm". Verband der Frtseurgehilse» Deutschlands. Zweigverein Berlin. Donnerstag, den 3. März, abends 3'/, Uhr, Rosenthater Straße 11/12: Generalversammlung. Lviefkaften der Redahtfon. Sie lurlftlsche Sprechstunde findet Llndenstrahe 3, zweiter Hof, dritter Eingang, vier Treppen, StT" Fahrstuhl WifL wochentit glich abendS von IM bis 9V4 Uhr statt. Geöffnet 7 Uhr. Sonnabend» beginnt die Sprechstunde um 6 Uhr. Jeder Anfrngr ist ein Buchstabe und eine Zahl als Merkzeichen beizufügen. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. Bis zur Beantwortung tm Briefkasten können 14 Tage vergehe». Eilige Frage» trag« ma» i» der Sprechstunde tot. Cino 19. 1. Jnvaltdenmarken sind zu Neben, falls die Frau nicht noch anderweit in erheblicherem Matze erwerbstätig ist. Die Beiträge sind zux Halste vom Hauswirt, zur anderen Halste von der Frau zu decken. Eine Versicherungspflicht sür den Krankheitsfall besteht leider nicht. 2. Ein Kursus ist unseres Erachtens nicht erforderlich. Die»öligen Kenntnisse er- werben Sie sich in einigen Stunden in jedem größeren einichtägigen Ge- schäst, wo der Kundschaft aus Wunich derartige Apparate oorgesübrt werben. In Frage kommende Geschäfte sinden®ie im Adreßbuch, Band II, Teil IV, Seite 207 und folgende.— G. B. 10. Für die Zeit bis einschlletz« lich 1909— das Kalenderjahr gerechnet— find Sie noch zahlungs» pflichtig, sür die spätere Zeit nicht. Reklamationen find zu richten an das Konsistorium der Provinz Brandenburg, Schützenstratze 26.— — E. K. S. Wir halten eine Beleidigungsklage sür durchführbar, die binnen drei Monaten nach der Veröffentlichung bezw. nach dem Zeitpunkt, zu welchem Sie KenntmS erlangt haben, eingereicht sein mutz.— Buchholz. Daraus, bestimmte Rechtsanwälte zu empfehlen, können wir uns nicht einlassen.— F. P. 40. 1. Ja, beim Magistrat derart, daß die Ab« Meldung noch in diesem Monat eintrifft. 2. Ja. 3. Eine Verpflichtung bc- steht nicht, ist aber zweckmäßig wegen der eventuellen Inanspruchnahme für entstehende Schäden.— E. R. 100. Klaoen Sie beim Amtsgericht aus Zahlung und Abnahme.— R. 03. Der Vermieter kann aus Räumung und Zahlung klagen, auch die Sachen, soweit sie nicht zu den unentbehr- lichen gehören, psänden lassen bezw. einbehalten.— 18 A. A. Sie sind auch dem neuen Eigentümer gegenüber an den Mietsvertrag gebunden.— E. S. 20 Rixdorf. Da Sie nach ihrer Darslellung"sowohl kaujmännische als auch technische Dienste leisten, ist sür die Frage cnischeidend, womit Sie überwiegend bcschästigt sind. Wir halten aber die Vorschristen der §§ 133a und folgende der Gewerbeordnung serlassen sür Betriebsbeamtc. Werkmeister und mit höheren technischen Dienstleistungen Betraute) anwend» bar sür den Fall, daß Ihre Dienste nicht überwiegend kausmännische find. Gelten Sie als kaufmännischer'Angestellter, so kommt daS Kausmannsgertcht in Frage, sonst das Gewerbegericht, wenn der Jahresverdienst 2000 Mark nicht übersteigt.- E.?1ttrbachstr. Nein. — R. W. 40. 1. Wir sind der Ansicht, daß daS Fahrgeld abzugSsäbig ist. Doch ist die bezügliche Rechtsprechung schwankend. 2. Diese Beiträge find abzugsjähig. 3. Ebensalls in Höhe von 50 Mark.— 50 Neiffe. 1. Wenn keine näheren Verwandten vorhanden sind: Ja. 2. Durch Nach- frage bei dem Nachlatzgericht, das ist das Amtsgericht desjenigen Ortes, an dem die Betreffende verstorben ist. 3. Zunächst abwarten, welche Austunst das Nachlatzgericht erteilt.— R. G. 31. Eine solche Bezeichnung gibt eS nicht; die Buchstaben sind unrichtig angegeben.— Zwei Wettende. Zum AuStrag von Wetten ist der Raum des.Vorwärts' nicht da. E. H. 13. Soweit ersichtlich, zu der im Vertragsentwurs sestgesetzten Zeit. Ihre Darstellung gibt aber nicht genügenden Anhalt zu einer bestimmten AuSkunst; kommen Sie event. in die Sprechstunde.— S. 100. 1. Fordern Sie eine Urteüsaussertigung vom Gericht ein. Bis zum Eingang vergehen etwa 14 Tage. 2. Binnen 14 Tagen nach Zustellung an die Oberstaats- anwaltschasl bei dem kgl. Kammergerlcht.— M. 38. 1. Bezüglich des Barnachlasses: ja, sofern Eltern, Geschwister oder Großeltern vorhanden sind. 2. Durch gemeinschaslliches Testament, das entweder durch eigen- bändige Niederschrift oder vor cincin Notar oder Nichter errichtet werden kann. Bei einem eigenhändig niedergeschriebenen Testainent ist zu beachten, daß Angabc des Ortes und des Dalums erfolgt und das Testament auch die Unterschriften trägt. Beispiele sür ein gemcinschastlichcS Testament finden Sie Seite 238/39 des dem„Arbeiterrecht" von Stadthagen angehängten Führers. Das Buch liegt in den öffentlichen Bibliotheken aus.— — Eingesandt aus Amerika. Wir konnten die Höhe der Löhne der Aussteller nicht mehr genau feststellen. Die Möglichkeit, datz solch niedrige Löhne in rückständigen Orten gezahlt werden, liegt vor. Aller Wahrschein- lichkeit nach wird es sich um niiorganisierte Arbeiter handeln.— L. 37. Die Ablegung der Gesellenprüsimg empsiehlt sich; sie kann abgelegt werden unabhängig davon, ob der Betrieb der Innung zugehört oder nicht. Wenden Sie sich an die Handivertskammer, Berlin, Neue Friedrichstr. 47. Nach Beendigung der Lehrzeit brauchen Sie nicht mehr sür das Kostgeld weiterarbeiten, auch wenn die Prüfung noch nicht staltgesunden hat. — W K. 87. 1. An die Polizeibehörde Ihres Heimatsortes. 2. Eine Bestrafung könnte noch erfolgen. Der Betreffende soll vorher bei dem Generalkommando in Stratzburg ansragen.— H. K. Ja, etwa acht Tage. Die Geburtsurkunden sind notwendig. Kosten bei einer Zivilehe etwa iOO M. Kann eine bestimmte Aufenthaltssrist dar�etmi werde», so sind die Kosten geringer. Ain zweckniätzigstcn wenden Sie sich vorher mit einer Anfrage an den Lord Mayor in London.— Etuis 14. 1. Der aus den Akkordlohn gegebene Vorichutz kann in voller Höhe abgezogen werden. 2. u. 3. Wenn ei» Wochenlohn von weniger als 28,85 M. vorhanden ist, braucht der- Arbeitnehmer sich einen derartige» Abzug nicht gefallen lassen; er mutz eventuell klagen. M. R. 15. Wenn Ihre Nichte gekündigt hat— nicht etwa von der Dienstherrschast die Kündigung ausgegangen ist— und wenn ferner nicht die Gewährung des Geschenks im voraus vereinbart ist, so ist der Abzug leider gesetzlich berechligt. — E. D. 31. Wenden Sie sich an die Geschäftsstelle des Deutschen Momstenbundcs, Kurjürstenstratze.— F. H. 137. Auskunst erhalten Sie beim Deutschen Rennsahrer-Bund, Wilhclmstr. 99.— D. 13. Ihr'Antrag, der an das Polizeipiäsidium zu richten ist, hat Aussicht aus Erfolg.— O. St. 100. Wir haben aus dem Gebiete leider nicht die ausreichenden Kenntnisse; mit dem Hosmarschallamt stehen wir nicht in Verbiudimg. Die von Ihnen beobachtete Begebenheit mag mit der angeblich bcabsichttgten und ausgegebenen Ausfahrt des Kaisers zusammenhängen.— H. S. 71« Fragen Sie bei dem Gastwirtsgehiisen-Berband, Hamburger Str. 18/19, an. Verlangen Sie beim Einkauf von Bouillon-Würfeln stets ausdrücklich � MäGEF Mllon-lürrel»5"' .'V?;.. Der Name MAGGI bürgt für vorzüglichste Qualität! .■>•-�y:i.--•:-•;.\.•—;--- V. MÄöGi Bouillo'}* Würfel Für Ve— Vo Liter je nach Geschmack. Thealer und Vergnügungen Donnerstag, den 3. März. Anfang 1% Uhr. «önigl. Qvernliaus. Der Probhet. Königl. Tchaufpielhaus. Die Well, in der man sich langwellt. Neues königl. Opern-Theater. Gefchlosfen. Deutsches. Judith. K a m m e r f P i e l e. Der gute König Dagobert.(Anfang S Uhr.) Aniang 8 Uhr. Berliner. Taifun. Lesfiug. Tanlris der Narr. Neues Schauspielhaus. Der Herr Verteidiger. Neues. Der Philosoph von SanZ- souci. Westen. Di- g-fchieden« Frau. Komische Lper. Zigeunerliebe. Neues Oneretten. Der Graf von Luxemburg. Trianon. Theodore u. Cie. Kleines. Der grohe Name. Residenz. Im Taubenschlay. Thalia. Die Dollarprinzessin. Schiller«». Walluer> realer.) Neue Jugend. Schine,(iharlotteuburg. Der Meineldbauer. Friedrich'Wildelmftädrisches. Der selig- Toupinel. Bolksoper. Der Trompeter von Säckingen. Luisen. Was Gott zufammenfügt. Roie. Die Ehre. Lustspielhaus. Der dunkle Punkt. Metronol. Hallohll— Die große Revue. Folies Caprice. Herr Waflerkropf. Der Lustturner.(Ans. S1!, Uhr.) Easino. Berlin bei Nacht. Gebr. Herrufeld. So muß man'S machen. Eine UebergangS-Ehe. Hebbel. Kavaliere. Noacts. UeberS Grab hinaus. Stadttheater Moabit. Geschloffen. Parodie. Lohenarün.(Auf. 8'/, Uhr.) ZlpeUo. Der Zechpreller. Spezia- litäten. Wintergarte«. Sp-ztalitäten. Reichsvollen. Stettiner Sänger. Palast. Spezialitäten. tvai'age. Svezialitäten. Karl Haverland. Svezialitäten. Walhalla. Soezialiläien Buggeuhagen. Spezialitäten.(An- VI, Uhr). Urania. Tonbenitraste Abends 8 Uhr: Im Firnenglanz des Ober-Engadin. Im Hörsaal 8 Uhr: Dr. W. Berndt: Du Faktoren der Auswärts- enlwickelimg de» Menschen. Sterntvarie, Jiivalideuftr. 57—62 hessmg-Iliester. 8 Uhr: Tantris der Narr. Freitag, 8 Uhr: Das Konzert. EJerliner Theater. Heul«: Taifun« 8 Uhr. Morgen: Taifun._ Neues Theater. Abends 8 Uhr: Der Philosoph von Sanssouci. Morgen und folgende Tage: Der Philosoph von Sanssouci. friadficii-Wilheimstädtisches Schauspielhaus. Donnerstag, 3. März, Ans. 8 Uhr: pt Imilifrau von Orleans. Freitag: Der selige Toupinel. Sonnabend: Im bunten Rock. Sonntag nachm. 3 Uhr: Die Jung- srau von Orleans. Abends 8 Uhr: Der selige Toupinel._ TliealeF des Westens. Abends 8 Uhr: Die geschiedene Frau. Sonnt. 3'/. Uhr: Ter fidcle Bauer. Ii,«««« Qpei-l-tt?N'T'li«-»tvr. Heute und folgende Tage 8 Uhr: Der Graf von Luxemburg. Sonntag nachmittag 3 Uhr zu er- mäßigten Preisen: Oer Zigeunercharon. LustspielKaus. Abends 8 Uhr: Ter dunkle Punkt. Tlrania. Wissenschaftliches Theater. Abends 8 Uhr: Im Firnenglanz des Ober- Engadin. Hörsaal 8 Uhr: Dr. W. Berndt: Die Faktoren der Aufwärtsent- wickelnng des JJensehen. Residenz-Theater Direktion: Richard Alexander. Abends 8 Uhr: Im Taubenschlag. Schwan! in 3 Akten von Hennequin und Veber. Morgen und folgende Tage: Drcselbe Borstellnng. Sonntag, 6. März, nachm. 3 Uhr: Schlaswagcnkvntrolleur._ Luisen-Theater. Abends 8 Uhr: 1 Schauspiel in fünf Akten von Ernst Ritterseldt nach freier Benutzung einer Erzählung von Courths-Mahler. Morgen und folgende Tage: Was Kult zusammenfügt. Volksoper. SW., Bellc-Alllance-Siraße Nr. 7/8. Abends'/i9 Uhr: Die Afrikanerin. OSE=THEATE| Große granksurtcr Str.>32. Bei ausgehob. Abonnement. Benefiz sür d. Oberregisseur Heinrich Richter: Die Ehre. Schauspiel in 4 Akten von Hermann Sudermann. Ans. 8 Uhr. End- tl Uhr. Freitag: Der Eiseubahnräuber. Abends 8>t, Uhr: promlors:„v«»- e mit Gesang in 3 Akten von ax Neal und Konrad Dreher. Musik von Katscr. Hauptrolle: Professor Streusand: Konrad Dreher a. G. Vorher ab 8 Uhr: Die nenen Spezlalltiiten. Helropol-Theater Hallo!!! Die große Revue! In 8 Bildern von Jul. Freund. Musik v. Paul Linoke. In Szene gesetzt vom Dir. Rieh. Schultz. Anfang 8 Uhr. Rauchen gestattet. weiblicher Schönheit, Grazie u. Kunst. Rosario Cuerrero. Dr. Angelos lebende Skulpturen The Harmony Four, ein musikal. Ulk The 3 Merrills, komische Radfahrer Gare Hertz, Zauberkünstlsr und Illusionist, assistiert von Hill Emilie D'Älzow. Elise, Wulff ü. WaldoS: Nach dem Fußballspiel. Baggesen, der Urkomische. Bruinins Originalszene: Im Billardsalon. Emiila Rose, Contossionistin. Biograph, neueste Aufnahmen. •n der Jannowltzbrtieke, Deufscltlands giösste und vornelinisle IiMiilm C50 Sifzplfttzo Fecnhafto Au5stEUun3 Beginn: Wochentags 4 Chr. Sonntags L„ Schiller Schiller-Theater 0.(Wallner-Theat.). Donnerstag, abends 8 Uhr: Keno Jugend,(lehan Ulfstjerna.) Schauspiel in 5 Akten v. Tor Hedberg. Deulsch von Hermann Blochcr. Ende 10'/« Uhr. Freitag, abends 8 Uhr: Viel Carmen um nichts, Sonnabend, abends LUhr: Ciespenster�_ Theater. Schiller-Theater(Charlottenburg). Donnerstag, abends 8 Uhr: Der Zleineiddauer. Bolksstück in 3 Akten von Ludwig Anzengruber. Ende iÖ3l( Uhr. Freitag, abends 8 Uhr: £gniont. 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