Ur. 58. übonnementS'Bedinsun�n: SbomienNNtZ- Preis pränumerando: Bierteljährl. 3£0 Tit., monall. 1,10 Mk„ wöchentlich 28 Psg, frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg, Sonntags- Eingetragen in die Post-Zeitungs- Vreislisie. Unter Kreuzband lür Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Mark, für das übrige Ausland 3 Mark pro Monat. Postabonnemenls nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland. Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. S7. Jahrs. Mchiliit täglich suStr montags. Verlinev Volksblstt. die lniertlonz-Sebilht' keirägt für die fechsgefpaltene Kolonel- geile oder deren Raum 50 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins- und Versammlungs-Anzeigen 30 Pfg. „steine Hniefgen", das erste(fettgedruckte) Wort 20 Psg,, jedes weitere Wort 10 Psg, Stellengesuche und Schlaf- stellen-Anzcigen das erste Wort 10 Pfg, jedes weitere Wort 5 Psg, Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis s Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ijt bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm-Adresse! „Sozialdtrnohrat fUrlin", Zcntralorgan der rozialdcmokratifcbeii parte» Deutfchlands. Redaktion: 8Äl. 68, Linden Strasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Die Sdee des Wahlrechts-Spazierganges hat das lehhajteste Snteresse aller Kämpfer für das gleiche Keeht erweckt. Die 3e- teiligung wird daher eine außerordentlich starke sein. Keiner, dem die Srringung des gleichen, geheimen und direkten Wahlrechts ernst ist, wird hei diesem Spaziergang fehlen. W&WW— 99———9——— Die Krönußs des Werkes. Die Komödie in der Wahlrechtskommission ist aus! Der infame Votksverrat und Volksbetrug ist vollendet. In einer einzigen Sitzung hat die Wahlrechts- kommission des preußischen Abgeordnetenhauses den Bethmannschen Wechselbalg, genannt„Wahlreform", in zweiter Lesung beraten, wenn anders man eine solche Hetz- jagd überhaupt noch eine Beratung nennen kann. Zentrum und Konservative hatten vorher hinter den Kulissen alles fein abgekartet, so daß die Kommission einem vollendeten Kompromiß gegen über st and, das nur noch einer formellen Zustimmung bedurfte. Obwohl diese beiden Parteien sich die redlichste Mühe gaben, durch einige Schönheitspflästerchen die ekelhaftesten Wunden des unglückseligen Kindes zu verdecken, gelang es ihnen doch nicht, auch nur noch einen Angehörigen einer anderen Partei aus ihre Seite zu bekommen. Ten 15 konservativ-klerikalen Stimmen standen 13 Stimmen der Nationalliberalen, Frei- sinnigen. Polen, Sozialdemokraten und— Freikonservativen gegenüber, von denen die Vertreter der vier erstgenannten Fraktionen mit Nein stimmten, weil sie die Vorlage noch nicht einmal als Abschlagszahlung betrachten können, wäh- rend die Freikonservativen ihre ablehnende Haltung damit begründeten, daß es ihnen nicht gelungen ist, die Drittelung in den UrWahlbezirken zu beseitigen, die allein bekanntlich der Sozialdemokratie die Möglichkeit bietet, unter dem Drei- klassenwahlsystem einige Mandate zu erobern. Denen um Zedlitz also ist das geltende Dreiklassen- Wahlsystem noch nicht volksfeindlich genug! Was wird nun die Regierung tun? Wird sie unter das Joch kriechen, das ihr die konservativ-klerikale Gesellschaft er- richtet hat, oder wird sie ihr Machwerk, von dessen Erbarm- lichkeit sie sich inzwischen wohl selbst überzeugt haben dürfte, zurückziehen? Will sie nicht den letzten Rest an Achtung ein- büßen, dann muß sie sich dazu bequemen, denn ihre Vorlage ist in der Kommission in ihr Gegenteil verwandelt worden. Die Regierung legte Wert auf die Beibehaltung der öffentlichen Abstimmung und die Beseitigung der in- direkten Wahl, die Kommission dagegen hat umgekehrt die indirekte Wahl beibehalten und die ö f f e n t- l i ch e Stimmabgabe, wenigstens bei den UrWahlen, durch die geheime ersetzt, zudem die Privilegien der Militär- anwärter und ähnlicher Staatsstützen, deren sich die Regie- rung als Stimmvieh bedienen wollte, kurzerhand gestrichen. Konnte man zu Beginn der Sitzung noch im Zweifel darüber sein, ob auch die Nationalliberalen und Freikonser- vativen am Kompromiß beteiligt waren, so schwand dieser Zweifel schon nach der ersten Abstimmung. Auch der Blinde mußte bald erkennen, daß der schwarz-bloue Block sich mächtig genug fühlt, ohne Hilfe Dritter sein Werk zu krönen und das Volk schmählich um sein Wahlrecht zu betrügen. Vor allem ist es das Zentrum, das bei diesem gemeinen Attentat die führende Rolle übernommen hat. Dieselbe Partei, die pro- grammatisch das allgemeine, gleiche, direkte und geheime Wahlrecht fordert, hat auf die Forderung der direkten Wahl verzichtet, obwohl die Mehrheit dafür in der Kommission ge- sichert gewesen wäre!! *•* Nachdem zunächst gegen die Stimmen beider konserva- tiven Parteien und unter dem Widerspruch der Regierung die geheime Abstimmung bei den Wahlen beschlossen war, erfolgte die Debatte: ob direkte oder indirekte Wahl. Der Redner des Zentrums erklärte sich gegen die Beseitigung der in- direkten Wahl, angeblich weil sonst die geheime Wahl, auf die seine Freunde das größte Gewicht legen, nicht zu erreichen wäre. Das ist natürlich eine ganz faule Ausrede, denn die geheime Stimmabgabe war ja bereits beschlossen, und für das direkte Verfahren in Verbindung mit der ge- Heimen Wahl hätte sich eine aus der gesamten Linkrn, dem Polen und dem Zentrum bestehende Mehrheit ergeden, aber das Zentrum in seiner„gottgewollten Abhängigkeit" von den Konservativen zog es vor, mit den wütendsten Gegaern eines freien Wahlrechts gegen die direkte Wahl zu stimmen, anstatt mit Gegnern des Dreiklassenwahlsystems einer Erweiterung der winzigen Rechte des Volkes seinen Segen zu erteilen. Und was es vollends mit dem„großen Wert" auf sich hat, den das Zentrum auf die geheime Stimmabgabe legt, so sei nur daran erinnert, daß es auch in der zweiten Lesung wieder einen freisinnigen Antrag auf Einführung der geheimen Wahl bei den Wahlen der Abgeordneten n i e d e r st i m m e n half und daß es sich mit aller Entschiedenheit dagegen wandte, daß die Sicherung des Wahlgeheimnisses nach Art des Wahl- gesetzes für den Reichstag gesetzlich festgelegt wurde. Gerade dem Zentrum ist es zu danken, daß die Kommission sich darauf beschränken mußte, eine so ungemein wichtige Forderung in die Form einer Resolution zu kleiden, die die Regierung zu nichts verpflichtet. Fast ebenso heuchlerisch wie das Zentrum benahmen sich die Konservativen. Rühmte es ihr Wortführer doch als ein Zeichen von Selbstlosigkeit, daß die Konservativen sich über- Haupt gnädigst herabgelassen haben, in der Kommission mit- zuarbeiten! Dabei haben die Herren um Heydebrand doch nur versucht, Geschäfte zu macheu und möglichst viel für sich herauszuschlagen... Die Rationallibcralcn haben es jetzt leicht, sich den Mantel der Volksfreundschaft umzuhängen: sie haben gegen den kombinierten Antrag auf Einführung der geheimen und indirekten Wahl, dem sie in erster Lesung ihre Zustimmung erteilt hatten, gestimmt, aber nicht aus prinzipiellen Gründen, sondern weil der Schnapsblock ihnen so gar kein Entgegen- kommen bewies. Nur allzu gern wären sie mit im Bunde gewesen. Hätte die konservativ-klerikale Mehrheit ihnen die Auswahl der Wahlmänner aus dem ganzen Wahlkreise statt aus den Stimmbezirkcn zugestanden, mit beiden Händen hätten sie zugegriffen, um etwas „Positives" zu schaffen! Aber da all ihr Liebes- girren u m s 0 n st war, spielten sie die gekränkte Leberwurst und machten nicht mehr mit. Eine empfindliche Niederlage holte sich die Regierupg noch bei den Paragraphen, die die Bevorzugung der sogen. „Kulturträger" forderten. Die Kommission diese Bestimmungen in erster Lesung abgelehnt. Um He so entstandene Lücke auszufüllen, brachten die Konserva� �n, Freikonservativen, Nationalliberalen und das Zentr'-a Anträge ein, aber alle diese Anträge wurden— allerdings mit wechselnden Mehrheiten— abgelehnt, so daß die Lücke auch jetzt noch besteht und hoffentlich nicht wieder ausge- füllt wird. Von sonstigen Acnderungen der Kommission ist nur noch die Umwandlung der sogen.„Dreimarkmänner" in„Vier- markmänner" zu erwähnen, d. h. den zu keiner Steuer ver- anlagten Wählern werden fortan vier Mark angerechnet! Ursprünglich waren fünf Mark beantragt, aber � nach längerem Schachern und Feilschen einigte man sich schließlich auf 4 M.: eine für die Praxis ganz belanglose Äenderung! Inwieweit weicht nun die Vorlage von dem geltenden Gesetz ab? Die Grundlagen des Dreiklassenwahlsystems sind beibehalten, doch ist die öffentliche Stimmabgabe bei den UrWahlen durch die geheime ersetzt, die„Dreimark- männer" sind in„V i e r in a r k m ä n n e r" verwandelt, und schließlich ist die sogen.„Maximierung" beschlossen, d. h. es werden keinem Wähler mehr als 5090 M. Steuern angerechnet. Das ist alles! Das nennt man in Preußen„Wahl- reform"! Und darauf sind die Herren womöglich noch stolz! Daß unser Vertreter gegen das Gesetz stimmte, ist selbstverständlich, aber unsere Fraktion hatte auch be- schlössen, überhaupt keine Abänderungsanträge zu der Vor- läge einzubringen, weil sie in Uebereinstimmung mit der übergroßen Mehrheit des preußischen Volkes den Entwurf überhaupt nicht für verbesserungsfähig hält. Ihrem prin- zipiellen Standpunkt gab die sozialdemokratische Fraktion dadurch Ausdruck, daß sie durch eine Resolution die Regierung aufforderte, noch in dieser Session eine neue Vor- läge einzubringen, die allen über 2l> Jahre alten Deutschen ohne Unterschied des Geschlechts das gleiche und direkte Wahlrecht mit geheimer Stimmabgabe nach dem System der Verhältnis- Wahlen gewährt und eine Neueintcilung der Wahlkreise nach jeder Volkszählung vorsieht. Die Resolution wurde mit allen Stimmen gegen die des An- tragstellers abgelehnt. Das gleiche Schicksal widerfuhr einigen anderen Reso- lutionen, die eine Neucinteilung der Wahlkreise in mehr oder minder großem Umfange verlangten. Dagegen wurde außer der bereits erwähnten Resolution, die die Wahrung des Wahlgeheimnisses bezweckt, noch eine nationalliberale Rcsolu- tion angenommen, durch die die Regierung ersucht wird, bei der bevorstehenden Revision der Strafprozeßordnung die Auf- nähme einer Bestimmung zu bewirken, wonach die Befragung eines Zeugen darüber, wem er bei geheimer Stiinmabgabe seine Stimme gegeben habe, verboten wird. Daß die Wa h l r e cht s b ewe g u n g durch die schä- bigen Beschlüsse der Kommission neue Nahrung bekommen hat, daß die Sozialdemokraten nun erst recht die Massen auf- rütteln und zum Kampfe ermuntern lverden, das hat unser Vertreter in der Llommission der konservativ-klerikalen Koa» lition gegenüber rückhaltlos und unzweideutig erklärt. Wir werden alles aufbieten, daß dies Wort zur Wahrheit wird. Und wenn der Redner der NatipnglliberalLN im Anschluß an Expedition: SM. 68» Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. diese Erklärung seinem Bedauern darüber Ausdruck gegeben hat, daß nach der neuesten Heldentat der Kommission auch die weitesten Kreise der Bourgeoisie mit in den Wahlrcchtskampf getrieben werden, so freuen wir uns dessen. Wir erblicken darin das Zugeständnis, daß wir auf dem rechten Wege sind. Von diescni Wege lverden wir uns nicht ab» bringen lassen, komme was da will! verlogene Hetze. Die„anständige" Presse vom Schlage der„Kreuz-Ztg.", der„Deutsch. Tagesztg." und der„Post" setzt ihre Hetze gegen die Berliner Sozialdemokratie fort; aber während z. B. die „Kreuz-Ztg." in dem Spazierengehen am Sonntagmittag in einem ganz außerhalb des großstädtischen Verkehrs ge- legenen öffentlichen Park einen Hohn auf die Gesetz- lichkeit und die Staatsautorität sieht, also der kuriosen Ansicht zu sein scheint, im preußischen Kulturstaat gäbe es ein Gesetz, daß friedliche Spaziergänge an Sonntagen verbietet, findet die Kronsbeinsche„Post" die An- kündigung des Spazierganges„sehr gemütlich". Trotz ihrer blutlüsternen Perversität sollten auch die Blätter der Kraut- und Schlotjunker einsehen, daß in den Augen eines jeden Unbefangenen das eine Urteil das andere auf- hebt, und sich deshalb über ein gewisses Schema für ihre ver- logene Hetze verständigen. Natürlich darf bei diesem frivolen Treiben auch daS Blatt nicht fehlen, das die christliche Ethik des modernen Jesuisismus journalistisch vertritt: die ultramontane„Ger- m a n i a Das widerliche bigotte Blatt übergipfclt sogar noch die nach einer Massenabschlachtung lechzende„Kreuz-Ztg.", indem es nicht nur das Spazierengehen als grobe„Gesetz- Widrigkeit" bezeichnet, sondern außerdem auch noch den Text des Leitartikels in Nr. 51 des„Vorwärts" fälscht. Es zitiert nämlich folgermaßcn: „Vielleicht bilden sich der Herr Polizeipräsident und der Herr Polizeiminister ein, durch solche Verbote die Berliner Arbeiter- schaft verhindern zu können, gegen die schmähliche, zu den Ver- Heiszungen der Thronrede im schärssten Widerspruch stehende Wahl« rccdtSvorlage öffentlich zu protestieren. Die Herren und ihre Geistesverwandten im Junkerparlament täuschen sich, wenn sie das meinen, gründlich über den Charakter der Berliner Arbeiterschaft. Das Verbot wird lediglich bewirken, daß daS von der Junkerclique schamlos entrechtete Volk sich sagt: Trotz alledem I... Der Möglichkeiten, andere Kundgebungen zu wählen, gibt eS noch so viele. Wie kann z. B. die Berliner Polizei verhindern, daß sich Hunderttausende von Wahlrechtssteunden im Treptower Park zu einem friedlichen Spaziergang einfinden?" Wie der Vergleich des Zitats mit dem betreffenden Leit- artikel zeigt, hat das ultramontane Blatt einfach in der neunten Zeile des obigen Zitats den Satz fortgelassen: „Wird ums diese Art der Massenkundgebung für unser politisches Recht verboten, so pro- tesNeren wir auf andere Weise, die uns die Berliner Polizei nicht zu verbieten vermag und gegen die es keinen dehnbaren Gesetzes- Paragraphen gibt!" Der Zweck dieser Fälschung ist klar. Das klerikale Blatt will den Anschein erwecken, als handle die Berliner Sozial- dcmokratie direkt der polizeilichen Genehmigungsversagung entgegen, indem sie trotzdem eine Massenversammlung nach dem Treptower Park einberuft. In Wirklichkeit wird dagegen einfach eine Form des Masscnprotestes, die polizeilich verboten worden ist, durch eine andere Form ersetzt, die nicht verboten werden kann, da es bisher, wie sonderbar auch die preußischen Rechtszustände sein mögen, kein Gesetz gibt, daß den Sonn- tagsspaziergang untersagt. Die sozialdemokratische Arbeiter- schaft hat sogar wie jeder Landtagswähler erster Klasse das Recht, tvenn es ihr gefällt, am nächsten Sonntagmittag. unter den Linden oder in den Alleen des Tiergarten spazieren zu gehen und dort die Statuen von„Otto dem Faulen" und„Friedrich I." zu be- wundern. Einige linksliberale Blätter fertigen denn auch die nach Blut verlangenden albernen Hetzereien der agrarkonservativen Preßorgane recht energisch ab. So schreibt das„Berliner Tageblatt": „Die reaktionäre Presse, die schon nach den Wahlrechtskund- gebungen der letzten Wochen wiederholt versucht hat, die Regierung und die Polizei zur gewaltsamen Unterdrückung der Wahlrechtsbewegung zu animieren, verlangt jetzt dringend und einstimmig nach einem Blutbad! Der„Vorwärts" hat, wie wir gemeldet, die Genossen aufgefordert, sich trotz des— juristisch etwas mangelhaft motivierten— polizeilichen Verbots am nächsten Sonntag zu einem„friedlichen Spaziergang" im Treptower Park einzufinden, und die rcaklionärcn Kreise können ihre Hoffnung nicht verbergen, daß eS nun endlich zu einem Straßenkampf, zu einer„blutigen Lektion" kommen werde. Wie auf Verabredung ermahnen sie den Polizeipräsidenten, mit aller Macht die Staatsautorität zu schützen, die offenbar ins Wanken gerät, wenn im Treptower Park die Gozialde, nokraten spazieren gehen und dabei das allgemeine gleiche Wahlrecht leben lassen." Sodann nimmt das freisinnige Blatt darauf Bezug, daß früher die Berliner Polizcileitung selbst Versammlungen unter freiem Himmel für zulässig erklärt hat. wenn vorher die Ge- nehmigung eingeholt werde. „ES muh auch daran erinnert werden, daß daZ Berliner Polizeipräsidium am 13. Februar ein Rundschreiben an die Presse erlassen hat, worin es hieh: „Dagegen bedürfen öffentliche Versammlungen unter freiem Himmel und Aufzüge nur einer Genehmigung der Polizeibehörde und sind zulässig, wenn nicht aus der Abhaltung der Berfa nimlung oder der Veranstaltung des Aufzuges Gefahr für die öffentliche Sicherheit zu befürchten i st." In ganz ähnlichein Sinne sprach sich damals einem unserer Mitarbeiter gegenüber der Polizeipräsident v. I a g o w persönlich aus. Ist nun wirklich eine„Gefahr für die öffentliche Sicherheit zu befürchten", wenn im Treptower Park, ziemlich fern vom Zentrum Berlins, in Reden und Liedern die Wahlrechtsreform gefordert wird? Nur in den reaktionären Kreisen, die ihre bestimmten Absichten und Wünsche haben und zum offenen Konflikt drängen, wird man das ohne weiteres behaupten wollen. Es ist im höchsten Grade bedauerlich und bedenklich, dah der Berliner Polizeipräsident gewillt scheint, dem stünnischen Ver- langen dieser Kreise nachzugeben und auf die bisherige, sehr ver- ständige Taktik zu verzichten. Empörend aber wirkt die zynische Offenherzigkeit, mit der die reaktionäre Preffe ihre Hoffnungen auf eine„journös", auf ein blutiges Gemetzel, ungeniert zu erkennen gibt." Aehnlich urteilt die„Franks. Z t g." über die Polizei- lichen Gründe: „Die Begründung des Bescheides des Polizeipräsidenten ist kein Meisterstück der Logik. Die große Berliner Straße»- demonstration vom 13. Februar hat nicht eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit bewiesen, sondern»m- gekehrt, daß solche Demonstrationen ohne alle Gefahr fiir die öffent- liche Sicherheit vor sich gehen können, wofern nur die Polizei sich zurückhält, und diese Gefahr ist dann erst recht nicht vorhanden, lvcnn die Polizei sich mit den Veranstaltern ins Benehmen setzt. Eine Versammlung im Treptower Park würde überhaupt keine Störungen verursachen, das muß auch das Berliner Polizei- Präsidium wissen. Und selbst die nationalliberale„Köln. Ztg." meint: „Die Begründung dieses Bescheides scheint uns aller- dingS wenig glücklich zu sein, da dieselben De- monstranten, die am 13. Februar gesetzwidrig gehandelt haben, gerade durch ihr Gesuch um Erteilung der Erlaubnis Besserung bewiesen haben. Der„Vorwärts" fühlt sich von diesem Bescheid denn auch keineswegs entmutigt, kündigt vielmehr an, daß man nunmehr auf andere Weise protestieren wolle. ES könne z. B. die Berliner Polizei kaum verhindern, daß sich Hunderttausende von Wahlrechtsfreunden im Treptower Park zu einem friedlichen Spaziergang einfänden, das Verbot sei demnach ein Schlag ins Wasser." Fast scheint es jedoch, als vermöge die hochwohllöbliche Polizcileitung in Berlin noch immer nicht einzusehen, daß sie durch ihre nervösen, gekünstelten Rechts- und Macht- interpretationen selbst ihrer sogenannten Autorität am meisten schadet: denn wie der„Verl. Lokal-Anzeiger" meldet, sinnt man iin Polizeipräsidium bereits über eine neue Auslegung des Wortes„ V e r J a m m l u n g" nach. Das Scherlsche Blatt schreibt nämlich; „Zu dem Spaziergang im Treptower Park, der von der Sozialdemokratie für den kommenden Sonntag geplant ist. hören wir, daß in maßgebenden Kreisen dieser Spaziergang in Ver» biudung mit der angekündigten Demonstrationsabsicht als eine öffentliche Versammlung unter freiem Himmel trtrachtet wird. Die juristische Auffassung der Regierung lvird in einem auSstihr-- lichen Communiqnü der Oeffentlichkeit unterbreitet werden. Im übrigen liegt dl« Entscheidung über die Genehmigung nicht beim Polizeipräsidium, sondern in den Händen des LandralS de« Kreises Teltow." Vorläufig erscheint uns, trotzdem wir sicherlich nicht die geistigen Qualitäten der heutigen preußischen Regierung hoch einschätzen, diese Meldung doch als so kurios, daß wir sie nicht ernst zn nehmen vermögen. Wahrscheinlich handelt es sich nur um eine versteckte Drohung. Aber selbst, wenn die Regiening sich barin gefiele, einen friedlichen Spaziergang— und nur um einen solchen handelt es sich— als eine Versammlung auszulegen, wäre auch noch nichts an der ganzen Sache geändert: denn die AuS- legung der Gesetze steht nicht dem Ministerium oder dem Polizeipräsidium zu, sondern den Gerichten, und ebensowenig wie daraus, daß das Polizeipräsidium die Sonne für den Mond ansieht, aus der Sonne tatsächlich der Mond wird, ebensowenig wird ein bloßer Sonntagsspaziergang zu einer Versammlung!_ Der Ashlrechttkampf. Unter Polizeiaufficht. Die Berliner Polizei ist durch die Demonstrationen etwas nervös- geworden. �Namentlich scheinen sie die Vor- gänge, die sich am letzten Sonntag vor dem Schloß abgespielt haben, mit Sorge zu erfüllen. Das Schloß hat deshalb eine Bewachung von etwa 100 Schutzleuten erhalten, die dort Tag und Stacht Dienst tun. Das Reichskanzler- palais hat ebenfalls größeren Polizeischutz erhalten. Die Provinz-Aagotvs. Der Kieler Polizeipräsident hat die Genehmigung zn einer Versammlung unter sieiem Himmel am nächsten Sonntag auf dem Wtlhelmsplatz oder dem städtischen Sport- und Spielplatz versagt. In der Begründung heißt es: Bei der hochgradigen Erregimg, welche die mit Straßendemonstrationen verbundene Agi- tation gegen die Wahlrechtsvorlage auch in Kiel hervorgerufen und die in anderen Orten bereits zu Straßcntuinulten Veranlassung ge- geben hat, erscheint die Befürchtung begründet, daß die ihrer Zahl nach unbegrenzte Volksmenge, die an der Versammlung und den» Umzüge teilnehmen würde, Ausschreitungen begeht, welche geeignet sind, die öffentliche Sicherheit zu gefährden. In Danzig stellte, wie uns«in Privattelegramm meldet, der Magistrat einen öffentlichen Platz für die DemonstratioiiSver- saninilung zur Bersügung. Der Polizeipräsident verbot aber den Umzug. Ein Protest Stettins. Stettin, 3. März.(Privattelegramm des„Vorwärts".) Die letzte Stadtverordnetensitzung nahm einstimmig Stellung gegen die Wahlrechtsborlage der Regierung. Der RegierungS- Präsident beanstandete den Beschluß. In der heutigen Sitzung beschlossen daraufhin die Stadtverordneten eine Resolution, in der iie energisch Verwahrung gegen diesen Eingriff in daS Petitionstecht einlegen. Die Stadtverordneten beauftragten gleich- zeitig ihren Kollegen, den freisinnigen LandtagSabgeordncten Lipp- mann, diesen Beschluß dem Landtag mitzuteilen. Der Magistrat von Königsberg hat beschlossen, gegen die Beanstandung seines Beschlusses über die Wahlrechts- vorläge durch den Negierungsprüsidenten im Verwaltungswege Klage zu erheben. Eine Reminiszenz. Der Oberbürgermeister C u n o in H a g e n hat bekanntlich im Anschluß an die Verfügung deS Landrats von Hagen alle Versamm- lungen unter freiem Himmel in Hagen verboten. Daß auch in Preußen Bürgermeister, die mit Polizeigewalt ausgestattet und in der Handhabung der Polizeigewalt völlig unabhängig von den staatlichen Behörden sind, anders handeln können, zeigt ein Vorgang auS dem Jahre 18S3: Als damals in Westfalen ein Bergarbeiterstreik ausbrach, ver- boten die Landräte und die Bürgermeister der Städte Dortmund, Bochum und G e l s e n k i r ch e n auf Grund des Preußischen Landrechts sämtliche Bergarbeiter- Versammlungen, so daß Streikversammlungen im ganzen Revier überhaupt nicht abgehalten werden konnten. Eine Ausnahme machte die Stadt Essen. Der dortige Oberbürgermeister Zweigert schloß sich dem Vorgehen seiner Kollegen und der Landräte nicht an, sondern gestattete jede Versammlung. Als er im Organ der Kohlenjunker, der„Rheiniich-Westfälischen Zeitung". scharf angegriffen wurde, kehrte er den Spieß uni und kennzeichnete in öffentlicher Stadtverordnetensitzung die Machinationen gegen ihn. Hierbei schnitt namentlich der damalige Syndikus des Bergbaulichen Bereins Dr. ReiSmann-Grone recht schlecht ab, denn der- selbe hatte den Oberbürgermeister sogar auf der Straße gestellt und ihm mit der Ungnade der Zechengewaltigen gedroht. Man der- gleiche damit die zarte Rücksichtnahme des Bürgermeisters und freisinnigen RcichStagSabgeordnelen Cuno in Hagen, der. um einen, wenn auch nur gesellschaftlichen Konflikt mit dem ihm gleichgestellten Landrat zu vermeiden, daS Versammlungsrecht mit Füßen tritt. Was sagt übrigens der freisinnige Wahl« rechtSauSschuß. waS sagt die Reichstagsraktion dazu, was sagen die Wiemer und Naumann zu einein solchen ReichstagSkollegen?__ Der Ashlkamps in den vorortgemeinden. Neben dem preußischen Wahlrechtskamps, den die politisch entrechtete Klasse mit immer größerer Energie führt, spielt sich gegenwärtig in fast allen Vorortgemeinden Berlins der Ge- m e i n d e w a h l k a m p f ab. Einige Orte haben bereits gewählt, während die weitaus größere Zahl von Gemeinden noch vor den Wahlen stehen. So fällt der durch das Dreiklassenwahlrecht auch in den Gemeinden entrechteten Klasse gegenwärtig eine doppelte Aufgabe zu: Neben dem Kampf gegen das Schandgesetz des Beth- mann darf sie den Kampf um die Vertretung in der Gemeinde nicht vernachlässigen. Zeigen sich doch in den Gemeindevertretungen dieselben Klassengegensätze ztvischen Besitzlosen und Besitzenden im kleinen wie im Preußischen Abgeordnetenhause im großen. Hier wie dort ist das Bestreben der durch das Klassenwahlrecht bevor- zugten Klasse vorhanden, sich auf Kosten der Allgemeinheit zu be- reichern. Was im Land- und Reichstage die Agrarier, sind in den Gemeinden gewisse Jnteressencliquen, Hausbesitzer, Terrain- und Grundstücksspekulanten. Noch nicht allzu lange ist es her, daß diese in den Gemeinden ihre egoistische Jnteressenpolitik fast völlig unter Ausschluß der Oeffentlichkeit treiben konnten. Es gab sogar eine Zeit, wo man in manchen Gemeinden gar nicht wählte, sondern die Mandate selbst der dritten Abteilung gemüt- lich unter„geeignete" Personen verteilte. Mit dem Erscheinen des klassenbewußten Proletariats auf dem kommunalpolitischen Kampfplatz hat der idyllische Zustand ein für allemal ein Ende genommen. Ein Aufteilen der Mandate unter eine kleine Clique von Personen kann jetzt höchstens noch in der 1. Klasse vorkommen. Wer die schöne Zeit ist endgültig vorbei, in der ein Dutzend staaiserhaltender und wohlsituierter Herren im verborgenen Winkel eines besseren Restaurants die Gemeiirdepolitik im Sinne ihrer Gesellschaftsklasse ungestört machen konnte. Die Sozial- demokratie hat trotz des elenden Dreiklassenwahlrechts in den Gemeinden, daS den Besitzenden von vornherein den entscheidenden Einfluß auf die Geschicke deS kommunalen Lebens sichert, Einzug in die Kommunalvertretungen gehalten. Uird es zeigte sich von Anbeginn, welche gewaltigen Aufgabe» auf diesem bisher un- betretenen Gebiete zu löse» waren. Die meisten Gebiete kultureller Betätigung, das Volksschulwesen, die VolkShhgiene, die Munizipalisierung der öffentlichen Dienste, das ganze Gebiet der kommunalen Arbeiterpolitik, der Ausbau der sozialen Gesetzgebung durch die Gemeinden in ortsstatutarischer Regelung usw.. waren völlig vernachlässigt. Es bedurfte und bedarf heute noch aller Energie der in den Gemeindevertretungen sitzenden Genossen, diese Zweige im Interesse deS kulturellen Lebens zur Entfaltung zu- bringen. Wie notwendig diese Mitarbeit der Sozialdemokratie in den kommunalen Körperschaften ist, geht am besten daraus hervor, daß die bürgerlichen Parteien mit allen Mitteln das weitere Eindringen unserer Vertreter zu verhindern bestrebt sind. Sie wissen, daß ihnen durch die Vertreter der Arbeiterschaft die Möglichkeit, ihre Sondcrinteressen auf Kosten der Allgemeinheit zu verfolgen, immer mehr erschwert wird. Daher kann man stets beobachten, daß, wenn es sich um einen Kampf mit der Sozialdemo- kratie handelt, die kleinlichen Streitobjekte unter den in den einzelnen Orten vorhandenen Hausbesitzer- und Jnteressenvereinen begraben werden, um geschlossen gegen die Sozialdemokratie vor- gehen zu können. Und an diesem Kamps sind die Gemeinde- Vorsteher, oft auch der Land rat des Kreises beteiligt, die' im Kampfe gegen den Umsturz die bürgerlichen Parteien zum lieben Frieden ermahnen. Es bestätigt sich hier, waS der konservative Abgeordnete v. G o ß l e r jüngst im Dreiklassenparlament sagte:„In ihrer Hauptaufgabe, dem Kampfe gegen die Sozialdemokratie, haben sich die L a n d r ä t e durchaus bewähr t." Daß die Behörden selbst alle Mittel anwenden, um das Ein- dringen der Sozialdemokratie in die Gemeinden zn verhindern, wird durch die namentlich für die Arbeiterschaft ungünstige Fest- setzung der Wahlzeit bewiesen. Es liegt System darin, daß die Wahl für die dritte Klasse in die Vormittags- oder Nach- Mittagsstunden verlegt wird. Dadurch ist es den meist entfernt vom Ort beschäftigten Arbeitern nur unter sehr erheblicher Ein- büße an Zeit und Arbeitsverdienst möglich, ihr Wahlrecht aus- zuübcn. Ein weiteres Mittel, den bürgerlichen Parteien gegen- über den Arbeiterwählern in der dritten Abteilung ein Ueber- gewicht zu verleihen, bietet das Forensalstimmrecht. Mit den Forensen wird in einer Anzahl Gemeinden der größte Unfug gettittoj jeder auswärts Wohnend� der iD Gemeindebezirk Ker einen Fetzen Land' verfügt, wird in die Wählerliste ackfchenomNen. Solche Stimmberechtigte bilden alsdann bei den Wcöhlen den „Landsturm" der Besitzenden, sobald der Kampf eine für sie un- günstige Wendung zu nehmen droht. Da tritt oft einer der Bürgerlichen an den Wahltisch, um 50, IM und noch mehr solcher Vollmachten abzugeben und damit dann die Arbeiterwählsr zu er- drücken. Dabei sind diese„Foreuscn" zum größten Aeil auf Grund der Landgemeindeordnung gar nicht berechtigt, ihr Stimm- recht auszuüben. Z 43 der Landgemeindeordnung bestimintt. daß nur diejenigen auswärtigen Besitzer stimmberechtigt sind, deren Grundstück mindestens den Ilmfang einer spannfähigen Acker- Nahrung hat. Demnach muß das Grundstück so groß seiie, daß zu seiner Bewirtschaftung dauernd die Haltung von Zugvieh er- forderlich ist, oder aber cZ muß ein Grundstück dem Werte einer solchen Ackernahrung entsprechen. Doch danach wird bei der Auf- stellung der Wählerlisten nicht gefragt; ein Umstand, der in manchen Orten unsere Genossen veranlaßt hat, gegen eine solche ungesetzliche ListenaufsteUung im Interesse der bürgerlichen Parteien den Klageweg zu beschreiten. Durch solche und ähnliche Schikanen glaubten die bürgerlichen Parteien unter Mithilfe der Gemeindebehörde die Sozialdemo- kratie nach Möglichkeit fernzuhalten Wenn sich unsere Partei trotz alledem Eingang verschafft, so ist dies ein Beweis dafür, daß das gemeinschädliche Treiben der bürgerlichen Jnteress encliquen immer weiteren Kreisen zum Bewußt- sein kommt. Hätte die Sozialdemokratie sich nicht mit solcher Energie der Kulturaufgabery im kommunalen Leben unterzogen, so wäre es um so manche Gemeinden recht schlecht bestellt. Nur ihrrin Eingreifen, ihren ständigen Anregungen und ihrer auf- merksamen Kontrolle verdanken sie eine Reihe Schöpfungen, um die sich die Bürgerlichen nicht im geringsten gekümmert hätten. Die Gemeinden befänden sich heute noch in viel größerem Maß- stabe in den Klauen der privaten Erwerbsgesellschaften, wenn nicht die Sozialdemokratie unermüdlich den Kampf gegen diese aufgenommen und dem Gedanken der kommunalen Regie immer mehr Geltung verschafft hätte. Wie diese Ausplünderung privcrter Erioerbsgesellschaften vonstatten geht, zeigt unser gesamtes Groß- Berliner Verkehrswesen, das für alle Vorortgemeinden außer- ordentlich nachteilige Wirkungen hat. Auch bei Vergebung von Arbeiten an private Unternehmer werden die Gemeinden oft in skandalöser Weise geschröpft, wie daS zum Beispiel von Lichteüberg-Rummelsburg im Jahre 1907 bewiesen wurde, wo das Tiefbauunternehmersyndikat eine Firma bestimmte, 100 0 M. Aufschlag für einen ihr übergebenen Auftrag zu fordern, damit dieser unter den an dieser Arbeit unbeteiligten Firmen verteilt werden konnte Daß diese Plünderungspolitik betkannt wurde, war ausschließlich das Verdienst unserer Genossen. Aus all dem folgt, daß die Arbeiterklasse auch im jetzigen Gemeindewahlkampf mit aller Energie den Einfluß der Sozialdemokratie in der Gemeindevertretung stärken mutz. Mit dem Kampf um den Einfluß auf die Ge- schicke der Gemeinde» ist zugleich verbunden ein Kampf gegen daS elende Wahlrecht. Erst wenn das Privileg beseitigt ist— und das kann nur durch die Beseitigung des Hortes aller Reaktion und Rückständigkeit. deS preußischen Drei» klassenparlaments, geschehen—. wird die Bahn frei für eine freiheitliche Entwickelung unsere» kom- munalen Lebens. Die Volksschule in Sachsen. Gegen einen Krebsschaden im sächsischen Volksschulaufwand richtet sich ein sozialdemokratischer Antrag, der im Landtage eingebracht worden ist. Er lautet: Die Kammer wolle beschließen: Die Regierung zu ersuchen, dem nächsten Landtage, eine Gesetzesvorlage zu unterbreiten, wonach die Staatsunter» st ü tz n» g für die Volksschulen unter Wegfall der jetzigen Zuwendungen nach folgenden Grundsätzen geregelt wird: 1. Jede Gemeinde hat einen Betrag in Höhe von 25 Prozent des StaatSeinkoinmeiisteuersollS ihrer Einwohner für die Volks- schulen selbst aufzubringen; den darüber hinausgehenden Aufwand hat der Staat zu über- n e h m e n. 2. Die Erhebung von Schulgeld in den Gemeinden nicht mehr g e st a t t e t. Jetzt überläßt es die sächsische Regierimg in der Hauptsache den Gemeinden, den Volksschiilanfwand selbst zu decken. Die rund zehn Millionen Mark StaatSbcihilfen sind nicht nur völlig unzulänglich, eS wird auch bei der Verteilimg die Leistungsfähigkeit oder Be- dürftigkeit einer Gemeinde gar nicht berücksichtigt; ja bei einer besonderen Art Staatsznschuß, da» Volksschuldotativnen, bekommen sogar die reichen Gemeinden weit mehr als die armen Arbeiter- gemeinden. Die Folge dieses Zustnndes ist, daß die ärmeren Ge« meinden 200 bis 300 Prozent ihres Staatseinkommensteuersolls— in einzelnen Fällen sogar noch mehr— zur Deckung des Schulaufwandes aufbringen müssen, während reiche Bauerndörfer und Villenorte mit 13 bis 30 Proz. wegkommen. In manchen Gemeinden find daher die Volksschnllasten kaum noch aufzubringen. Darunter leidet natürlich die Volksschule selbst. Haben sich doch einige Gemeinden schon genötigt gesehen, die mittlere Volksschule in die eine einfache mit unzulänglichen Lehrzielen umzuwandeln. Diesen jetzt unerträglich gewordenen Uebelstand will der sozial- demokratische Antrag beseitigen. Für die Verteilung der Staats- Zuschüsse soll die Leistungsfähigkeit der Gemeinden allein maßgebend sei, der einzig mögliche Maßstab hierfür ist das Staatsei n kommen st euer soll der Gemeinden. Es soll bei der Verteilung der StaatLzuschüsse die Grundlage bilden. Bei Verwirklichung deS sozialdemokratischen Antrages würde eine Gemeinde, die ein StaatSeinkommeiisteuersoll von 100000 M. hat ohne Rücksicht auf die Zahl der Einwohner und Schulkinder 250 000 M. für ihre Schulen selbst aufbringen müssen, dagegen eine Gemeinde mit 10 000 Mark Steuersoll 2300 Mark. Die StaatSzuschüsse würden bei Verwirklichung des sozialdemo- kratischen Antrages etwa dreimal so hoch werden wie bisher, die ärmeren Gemeinden würden weit mehr Zuwendungen erhalten als bisher, die besisituierten ungefähr dasselbe wie jetzt. Der sozial- demokratische Antrag würde zu einer wahren Erlösung für alle armen Gemeinden führen, die jetzt unter den Volksschnllasten fast zusammenbrechen, und außerdem die Entwickelung des VolkSschul- wesenS fördern. Der Form nach weicht der Antrag von der früher im sächsischen Landtage gestellten Forderung auf Uebernahme der Schul» lasten auf den Staat etwas ab; tatsächlich wird mit dem jetzigen Antrage aber dasselbe erreicht, was man mit der früheren Form erstrebte, nämlich ein völliger Ausgleich der Volks» schullasten der Gemeinden; doch sind 13 Millionen Mark StaatSzuschuß mehr nötig._ poUtilchc Ocberficbt» Berlin, den 3. März 1910. Seeschiffahrt und Reichsgesundheitsamt. AuS dem Reichstag, 3. März. In der Weiter- bcratung des Etats fiir. das Rcichsamt des Innern brachte Ocuoffe Schwach- Lübeck die B e s ch w c r d e n der See« l e u t e vor. An der Hand eines ausführlichen statistischen Materials wies er nach, wie auch jetzt noch trotz der vor- handcnen Schutzbcstiinmungen die Seeleute einen genügenden Schutz gegen die vielfachen Unfälle i« ihrem gefährlichen und aufreibenden Beruf nicht genießen. Um einigermaßen dem Bedürfnis entgegenzukommen, fei es notwendig, daß Schiffsi nspcktoren für Schiffe genau so wie Fabrik- infpektorcn für Fabriken eingesetzt werden. Nicht nur den natürlichen Gefahren, sondern auch der Habsucht der Unter- nehmer fallen Seeleute zum Opfer. Schwartz erläuterte das an dem skandalösen Versuch eines englischen Verfrachters, den Kapitän des deutschen Schiffes„Hermine" zum„Wegfetzen des Schiffes" durch Bestechungsgelder zu ködern, um die Assekuranzprämie einzusacken. Der Reeder Siegmund Schiff in Elsfleth hat ja gewißlich auch gezeigt, wes Geistes Kind diese Ausbeuter sind. Unser Genosse legte dann auch noch Photographien einiger beladener Schiffe vor, die es deutlich erkennen lassen, in welch frevelhafter Weise die Verfrachter die schiffe überladen und sogar so die Ladung auf Deck verstauen, daß das Schiff ganz schief auf dein Wasser liegt. Ter Regicrungskommissar L e w a l d verteidigte die Seeberufsgenossenschaft gegen diese Angriffe und nieinte, es müsse doch betont werden, daß die Unfälle von Jahr zu Jahr prozentual auf die beschäftigten Seeleute gerechnet, stark abgenommen haben. Obgleich die Mehrheit des Hauses die sozialdemokratische Resolution betreffs Revision der Seaman nsordnung abgelehnt hat, wird sich die Not- wendigkeit einer solchen Maßregel mit der Zeit doch durch- fetzen, wie früher unsere Forderung auf Erlaß einer See- mannsordnung überhaupt. Der Titel„R e i ch s g e s u n d h e i t s a in t" hatte ein paar Dutzend Redner angelockt. Von unserer Partei sprach zunächst der Genosse Brey für den besseren Schutz für Ar- beiter der chemischen Industrie, insbesondere die bei der Her- stellung von Säuren und Teerfarben beschäftigten. Brey zeigte an zahlreichen Beispielen, wie inangelhaft der Schutz der Arbeiter in solchen gesundheitsschädlichen Be- trieben ist. Ist es doch vorgekommen, daß Arbeiter, die an giftigen Gasen im Laboratorium gestorben waren, tagelang unentdeckt dort liegen geblieben sind. Trotz dieser eindring- lichen Darlegungen wurde dennoch eine sozialdemo- kratische Resolution zur Regelung dieser Frage a b- gelehnt. Genosse Legren begründete eine sozialdemokratische Resolution betreffs der Verbesserung der amtlichen Streik- st a t i st i k. Deren Notwendigkeit wies er an Vergleichen mit der Streikstatistik der Gewerkschaften nach. Es gebt daraus hervor, daß die amtliche Statistik nicht nur höchst unvollkommen ist, sondern direkt tendenziös gehandhabt wird. Weist doch die amtliche Statistik im Jahre 1908 für Berlin 69 Streiks auf, während die Gewerkschaften 197 ermittelt haben. Tie tendenziöse Handhabung der amtlichen Statistik erhellt auch daraus, daß in dem Krisenjahr 1998 eine ganz un- verhältnismäßig hohe Anzahl von Angriffs st rerks und eine viel geringere Zahl von Abwehr st reiks registriert wurden, während die Gewerkschaftsstatistik das umgekehrte und, wie auf der Hand liegt, für ein Krisenjahr jedenfalls zutreffendere Bild ergibt. Legien erklärte es für unverant- wortlich, daß das Reichsamt des Innern, dem alles dos be- kannt sei, nicht selbst für Abhilfe sorge. Der Staatssekretär und feine Räte schwiegen auf diese Anklage. Darauf wurde die sozialdemokratische Resolution ebenso wie eine gleichartige des Zentrums mit großer Mehrheit a n g c- n o m m e n. Im weiteren Verlauf der Debatte brachte der liberale Herr Kabelt die Mißstände zur Sprache, die sich aus der großen Verschied enartigkeit der Nahrungs- in i t t e l k o n t r o l l c in den einzelnen Ländern ergeben. Ter Zentrumsabgcordncte Baumann, der sich im Reichs- tags-Handbuch als ein Händler mit reinem Naturwciu an- preist, führte Beschwerde" über die Handhabung des Wein- gcfetzes. Dann brachte Genosse Lehmann- Wiesbaden die schlimmen Zustände zur Sprache, unter denen die Blei- arbeiter zu leiden haben. Richten doch selbst nach den Angaben der Fabrikinspcktorcn die Erkrankungen an Blei- Vergiftung schauerliche Verheerungen unter der Arbeiter- schaft an, die mit Bleifarben oder auch nur mit VIeiplatten zu tun haben. Auch Lehmanns energisdie Frage, ob denn die Reichsregierung sich noch länger vom Auslande bei der Er- greifung von Maßregeln zum Schutz der Bleiarbciter in den Schatten stellen lassen wolle, blieb seitens der Herren von der Regierung völlig unbeantwortet. Um ty-i Uhr wurde dann die Dauersitzung auf Freitag vertagt._ Aus dem Seniorenkonvent des Reichstags. In der Donncrstagsitzung des Seniorenkonvents kam man überein, vor Beginn der Osterferien nur noch den Etat fertigzustellen. Man hofft bei täglich sechsstündigen Sitzungen (Abendsitzungen abzuhalten wurde allseitig abgelehnt) bis zum 22. März, an dem die Osterferien beginnen sollen, den Etat fertigstellen zu können. Die Osterferien sollen bis Dienstag, den 12. April währen. Nach den Ferien soll mit den ersten Lesungen der noch rückständigen kleineren Vorlagen begonnen werden, zu denen sich die Vorlagen über das Ur- hcberrecht, die Versichcrungsordnung und die Abänderung des Strafgesetzes gesellen werden. Die Kommission für die Vcr- sichcrungsordnung soll den Sommer über die Beratungen be- endigen. Man glaubt, daß der Reichstag vor dem Himmel- fahrtstag vertagt werden wird! Wahltermin im v. Berliner Landtagöwahlbezirk. Der Oberpräsident hat nun endlich die Wahltermine für die Landtagsersatzwahl festgesetzt, die infolge der Mandats- niederlegung des Genossen Heimann nötig wird. Die Wahl- Männerergänzungswahlen für die aus dem Bezirk verzogenen oder durch Tod usw. ausgeschiedenen Wahlmänner sind auf Dienstag, den 13. März anberaumt, etwaige Stichwahlen auf ö c n 30. März. Die Abgeordnetenwahl findet am Dienstag, den 12. April, statt. Die Knebelkommisfion. In der Geschäftsordnungskommission des preußischen Abgeord- netenhauieS wurden die beiden Teile des konservativen Antrages betreffend Aendemng der Geschäftsordnung getrennt behandelt und beschlossen, für de» ersten Teil(„Aufrechterhaltung der Orb- nung") eine S ub ko mmiss io n zu ernennen. Der zweite Teil des Antrags(Einschränkung zu longer Reden) wurde gegen die Stimmen der Konservativen und Freikonservativen ab- gelehnt. Deutsch-schwedischer Handelsvertrag»! Der Entwurf über die Verlängerung des deutsch- schwedischen HandetsvertrageS ist dem Reichstage am Mittwoch zugegangen. Der Entwurf schlägt vor, den zurzeit geltenden Handelsvertrag zwischen Deutschland und Schweden bis zum 1. Dezember 1911 zu verlängern. Ei» dahingehender Entwurf ist von, schwedischen Folkcthing kürzlich verabschiedet worden. Dem Entwurf dürste auch vom Deutschen Reichstage ohne Koinmissionsbcralung zugestimmt werden. Der Krieg als wertvollster Bestandteil der göttlichen Weltordnung. Der zweite Vorsitzende der Deutschen Friedensgesellschast, Stadt- Pfarrer II m f r i d, war in der„Deutschen Reichspost", dein Organ der Konservaiiven Württembergs, persönlich angegriffen worden. In einem kleinen Artikel wurde in spöttischem Tone darauf hingewiesen, Umsrid glaube„in vollem E r n st" ein Abkwnmen über den Rüstungsstillstand zwischen Deutschland und England könnte in der Weise getroffen werden, daß die MarinebndgetS etwa in dem Ver« hältnis von 350 zu 700 Millionen Jahresausgaben festgelegt würden. Darauf schrieb Umsrid eine kurze, in verbindlichem Tone gehaltene Erwiderung mit der Ueberschrift:„Man kann auch vom Gegner lernen". Herr Umfried erhielt keine Antwort. Er fragt dennoch nach Verlaus von zwölf Tagen in höflichster Form nach dem Schicksal seines Artikels. Darauf erhielt er eine Briefkarte folgenden Inhalts: „Sehr geehrter Herr Pfarrer! Den betreffenden Artikel kann ich nicht bringen; ich müßte daran eine sehr geharnischte Polemik knüpfen, die ich vermeiden möchte. Die Bestrrbuugen Ihres Vereins sind für mich direkt pathologisch, eine besondere Form der modernen Neurasthenie. Der Krieg ist etwas Gesundes; der kriegerische Geist ist die wertvollste sittliche Polenz eines Volkes; wer den Krieg abschaffen will, versündigt sich am Natur- gesetz und an Gottes Wcltordnung. Eine Welt ohne Krieg würde an ihrer eigenen inneren Erbärmlichkeit, an Marasmus, zu Grunde gehen._ A. Röder, Chefredakteur." Reichstheatergesetz. In der Nachtversammlung der Schauspielerinnen sind Wünsche geäußert worden, die soziale Lage der Schauspieler und Schau- spielerinnen durch ein Reichstheatergesetz zu verbessern. Hierzu wird einer hiesigen halboffiziösen Korrespondenz geschrieben: ES ist als sicher anzunehmen, daß dem Reichstage voraussichtlich schon im nächsten Winter ein Reichölheatergesetz vorgelegt werden wird, doch dürste dieser Entwurf wesentlich anders aussehen, als man in Schauspielerkreise» annimmt. Das dem Reichstage vor- gelegte Stellen ver mittelungS-Gesetz umfaßt auch daS Theater-Agenturwesen und Mißstände auf diesem Gebiete können bereits durch dieses Gesetz bekämpft werden. Ein Reichstheatergesetz kann nicht Bestimmungen schaffen, die sich mit Gage und Kostüm- frage befassen. Diese Fragen können nicht reichsgesetzlich geregelt werden. Dieser Entwurf kann nur daS Konzessionswesen verschärfen und hier Bestimmungen vorsehen, durch die der Schau- spieler im Falle des Konkurses oder bei Äontraktbruch durch den Direktor mehr geschützt ist als bisher. Auch über Kündigung, Urlaub, Wöchnerinnenschutz könnten Bestimmungen nach der Art der Be- stimmungen für kaufmännisches und gewerbliches Personal auf- genommen werde». In bezug auf Kranken- und Unfallversicherung könnten die Angehörigen des Theaters der neuen Reichöversicherungs- ordnung unterstellt werden. Viel mehr wird sich durch ein Reichs- theatergesetz nicht regeln lassen, das übrige bleibt der Selbsthilfe überlassen._ Bundesratsbeschliiffe. In seiner Donnerstagsitzung hat der Bundesrat den Entwürfen eines Gesetzes betreffend die Zuständigkeit des Reichs- gerichts— sowie eines Gesetzes betreffend Aenderung der Re ch tS a n w a lts or dnun g nach den Anträgen der Ausschüsse zugestimmt._____ Der gebundene Grundbesitz in Prensten. Die amtliche„Statistische Korrespondenz" veröffentlicht eine Ucbersicht über die Verteilung der Fideikommisse auf die einzelnen Bcsttzcr. Danach waren Ende des JahrtS 1907 2 299 797 Hektar Flache fidcikoinmissarisch gebunden. Der ungeheure Grundbesitz ge- hört nur 1075 Persoueu. Von diesen entfallen auf die regierenden Häuser 29 mit 221 975 Hektar, deutsche Staudesherren 39 mit 287 180 Hektar, sonstige fürstliche Häuser 23 mit 299 141 Hektar, Grafen 255 mit 771 883 Hektar, sonstige Adelige 911 mit 794 992 Hektar und Bürgerliche 119 mit 44959 Hektar. Mehrere Fideikommisse waren in einer Hand vereinigt, und zwar hatten von den 26 Mitgliedern regierender Häuser mit 37 Fideikoinmissen 7, von den 39 deutschen Staudesherren mit 55 Besitzungen 14, von den 28 Angehörigen sonstiger fürstlicher Häuser mit 34 Besitzungen 5, von den 255 Grafen mit 295 Besitzungen 32, von den 614 sonstigen Adeligen mit 657 Besitzungen 33 und von den 119 Bürgerlichen mit 117 Besitzungen 1, 2 oder mehr Fideikommisse inne. Die„sonstigen" Adeligen stellen allein nahezu drei Fünftel und demnächst die Grafen fast ein Viertel der Fideikoininißbesitzer, während an der Fideikommißfläche die gräflichen Geschlechter mit rund einem Drittel und hieraus der„sonstige" Adel mit ungefähr drei Zehnteln bei Iveitem am stärksten beteiligt sind. In den Größenverhnlwissen des einzelnen Fideilonimißbesitzers bis zu 5000 Hektar entfallen auf den„sonstigen Adel" die Mehr- zahl, bei 5000 bis zu 10 090 Hektar auf die Grafen und bei den noch größeren Klaffen auf die Mitglieder der regierenden und fürstlichen Häuser und der deutschen Stäudesherren. Die niedrigsten Größenverhälmisse weist der Besitz der Bürger- lichen auf. Bei den bürgerlichen Familien kommen Inhaber eines Fidei- kommißbesitzcs von 5000 und mehr Hektar nicht vor. desgleichen bei den sonstigen fürstlichen Häusern solche mit einem Besitze von weniger als 200 Hektar._ Eine neue Erzbergeriade. Der demokratische Politiker Dr. Breitscheid teilte bor kurzem in einer Wahlversammlung in Mülheim am Rhein mit, Herr Erzberger habe in einem engen Kreise erklärt, daS Jen- trum müsse bei der nächsten allgemeinen ReichStagswahl häufiger mit der Sozialdemokratie gehen; er(Erzberger) bekomme Briefe von G e i st l i ch e n, die zu einem solchen Zusammengehen drängten. In einer Zuschrift an den Kölner„Lokal-Anzeiger" be- stritt Erzberger, in dieser Form gesprochen zu haben; er habe nur erklärt, ein anständiger Sozialdemokrat sei ihm lieber als ein kultiirkämpferischcr Nationalliberaler. Und so dächten auch katholische Geistliche. In einer am Dienstag in Köln abgehaltenen Wahlrechts« Versammlung der Demokratischen Bereinigung erklärte Herr Dr. Breitscheid auf das bestimmteste, daß er seind Mitteilung in der in Mülheim vorgetragenen Form wörtlich aufrechterhalte. Wenn Herr Erzberger bestreite, so sei'das dessen Sache; er stehe bei seiner Behauptung. Ausdrücklich habe, Erzberger gesagt, katholische Geistliche seien an ihn herangetreten, daß bei der kommenden Reichstagswahl möglichst ausgedehnte Abmachungen mit der Sozial de ntokratie getroffen werden. Zeugniszlvangsverfahren. Die im Nürnberger Zeugniszwangsverfahren gegen den Post« fekretär Bengert verhängte Geldstrafe von 100 M. wegen Zeugnis- bcrloeigerting wurde von der Beschwerdetttstanz auf 50 M. ermäßigt und die Androhung der Zwangshaft aufgehoben. Die im übrigen ivegen des gleichen Deliktes verhängten Strafen von 50 M. gegen den Redakteur des demokratischen„Nürnberger Anzeiger" und den Postsckrctär Mozet wurden für rechtskräftig erklärt. Zur Reform der badischen Städte- und Gemeinde« ordnung hat die zuständige Koinmission am Dienstag beschloffen, daß künftig auch die ledigen Gemeindebnrger, welche Umlagen bezahlen, in der Gemeinde wahlberechtigt sind. Bisher war die sogenannte selbständige Lebensstellung Voraussetzung der Wahlberechtigung. Gestrichen wurde ferner die Bestimmung der Vorlage, daß diejenigen nicht wählen dürfen, welche in den letzten fünf Jahren wegen Dieb- siahls, Unterschlagung, Fälschung oder Betrugs verurteilt worden sind. Für die Verleihung des komniunalen Stimmrechts an die Frauen fand sich in der Kommission keine Mehrheit. frankreick. Ein vernünftiger Schritt. Paris, 3. März. In einer gestern abgehaltenen Ver- sammlung kündigte H e r v 6 an, er werde aus der geeinigtcn sozialistischen Partei austreten und mit seinen An- hängern, die Gegner des Parlaments und wirkliche Revo- lutionäre seien, eine neue Gruppe bilden. Eine Lärutszenc. Paris, 3. März. Die D c p u t i er t e n ka m me r nahm in einer Nachtsitzung eine Reihe von Artikeln des Finanzgesetzes an. Auf eine Anfrage betreffend die Zwisck?cnfälle, welche unter dem Personal der We st bahn Beunruhigung hervorgerufen haben, erwiderte der Minister der öffentlichen Arbeiten M i l l e r a n d, er habe dem Personal bereits die Erklärung zugehen lassen, daß eS durch die Verstaatlichung der Bahn nicht benachteiligt werden solle. Die Sache sei übertrieben worden. Die Erregung werde sich um so schneller legen, je heftiger sie gelveseu sei.(Beifall.) Er habe auch zwischen der Südbahn und ihren Angestellten vermittelt, und er hoffe, daß seine Schritte Erfolg haben würden. Schließlich nahm die Kammer mit 446 gegen 67 Stim» inen daS Budget im ganzen an. Als nach der Abstimmung über das Budget die Tagesordnung festgesetzt wurde, kam eS zu erregten Zwischenfällen. Die Kammer beschloß, den ganzen Donnerstag und den Freitag vormittag der Beratung der Schul- g e s e tz e zu widmen. Viele Abgeordnete protestierten lebhaft und schlugen aus die Pulte, einer zerbrack, seinen Pultdeckcl und bediente sich der Trümmer als Trommelstöcke, ein anderer wollte sie ihm entreißen, was zu einer Balgerei führte. Schließ- lich mußte der Präsident um 1 Uhr nachts die Sitzung aufheben. Italien. Sonnino für Parlnmentsdiäten. Rom, 1. März(Eig. Ber.) Die parlamentarische Kommission, die die verschiedenen Gesetzentwürfe über die Abgeordnetendiäten zu prüfen hat, ist gestern vom Ministerpräsidenten empfangen worden, den sie über seine Stellung in der Frage interpelliert hat. Sonnino hat geantwortet, daß er durchaus für die Einführung von Diäten sei und hat erklärt, daß er die Form von Tagegeldern allen anderen vorzöge. Es scheint nun, daß die Kommission, um sich die Unterstützung der Regierung zu sichern, auch die Entschädi- gung in der Form von Tagegeldern annehmen werde. Englanä. Eine Mannedebatte. London, 2. März. Unterhaus. Bei Erörterung des Marine- Nachtragsetats wiederholte der Erste Lord der Admiralität McKenna daS Versprechen der Regierung, daß die vier Kontingent» Dreadnoughts(die sogenannten Eventual-Drcadnoughts) vor dem 31. März 1912 in D i r n st g e st e l l t werden würden. L o u g h (liberal) stellte einen Antrag auf Reduzierung des Etats und sagte, alle alarmierenden Behauptungen des vcr- flcssencn Jahres hätten sich als n i ch t i g e r w i e s e n. A s q u l t h habe im März vorigen Jahres erklärt, Deutschland werde im April 1912 17 Dreadnoughts besitzen und B a l s o u r habe diese Zahl für den August 1912 auf 25 beziffert und dabei einen heftigen Angriff gegen eine befreundete Großmacht gerichtet. Nur um dem deutschen Flottenprogramm zu begegnen, habe die englische Regierung die in dem jetzigen Etat enthaltenen Schiffe vorgesehen. Deutschland habe sich alle Mühe gegeben, um Eng- land zu versichern, daß die Absichten Deutschlands gänzlich mißver- standen worden seien. Dies war, sagte Lough weiter, ein höfliches und freundliches Wort, und wir hatten kein Recht, es gering zu schätzen. Wir haben es nicht nötig, Millionen gedanlen» los wegzuwerfen. Deutschland konnte seine Dreadnoughts nicht so schnell bauen wie wir, und wir hätten es im Jahre 1912 wohl nur mit 13 Dreadnoughts zu tun gehabt. Schließlich tadelte Lough die Regierung, daß sie nicht langsamer vorgehe. Bar- nes(Arbeiterpartei) erklärte, er werde für den Antrag Lough stimmen, da er der Ansicht sei, daß die alarmierenden Er- klärungen der Minister und der Mitglieder der Opposition im vcr- gangenen März unwahr und ungerechtfertigt gewesen seien. Im weiteren Verlaufe der Debatte erklärte Parlaments- fekretär M a c n a m a r a, die Regierung habe nicht den Wunsch, Dreadnoughts zu bauen auf rein kranlhastem Vergnügen daran. Aber sie müsse für die Sicherheit der Nation im weitesten Umfange Sorge tragen. Schließlich zog Lough seinen Antrag zu- rück und der Etat wurde angenommen. Das Flottenabkommcn. London, 3. März. Unterhaus. Im Verlauf der Sitzung richtete ByleS(liberal) an den Staatssekretär des Auswärtigen die Frage, ob er die kürzlich gehaltene Rede des deutschen Bot. schafters beachtet habe, und ob die Regierung in bezug auf die darin geäußerten Anschauungen sich in der Lage sehe, mit Deutschland neuerdings in Verbindung zu treten. um zu einer Vereinbarung über eine Begrenzung der Flotte nrü st ungen beider Länder zu kommen. Der Minister des Auswärtigen Sie Edward G r e y erklärte in seiner Antwort, er habe den Bericht über die Rede gelesen und erwidere herzlichst ihren freundlichen Ton.(Beifall.) Die Rede enthalte nichts über die Fragen der Beschränkung der Jlottenrüstung, der Standpunkt der britischen Regierung in dieser Frage sei von Asquith im letzten Jahre völlig klargestellt und er habe dem nichts hinzuzufügen. In Beantwortung mehrerer Anfragen erklärte Minister- Präsident Asquith, es sei keine Aenderung in der Absicht der Regierung eingetreten, vor Ende des Frühlings vom Hause die Zustimmung zum Budget zu erbitten. Falls nicht unvor- hergesehene Ereignisse eintreten, würde die Regierung daS HauS bitten, die Entscheidung über das Budget zu treffen, sobald daS Unterhaus über die Resolutionen bezüglich der LordS abgestimmt habe. Asquith wiederholte darauf unter dem Beifall der Ministeriellen die Erklärung Lloyd Georges. daß die Regierung nicht im Amte bleiben werde, wenn sie keine Garantien dafür erhalte, daß ihre Vorschläge nicht nur im Unterhause angenomtnen, sondern auch Gesetz werden würden. GcwerkfcbaftUchce- 8cbarfmachcr-Hloblfabrt. Bor wenigen Tagen erst ist die G e r r e s h e i m e r Glas Hütten- Aktien- Gesellschaft durch das Düsseldorfer Landgericht„im Namen des Königs" durch Gc- richtsurteil darauf hingewiesen worden, daß ihre klug aus- gedachte„Wohlfahrtseinrichtung", die darin bestand, den Ar- beitern durch Lohnkürzung eine„Spareinlage" in derselben Höhe zu gewähren und dies durch eine einfache Lohneinbehal- tung zu Wege zu bringen, gesetzlich unzulässig ist, und jetzt versucht sie s ch o n w i e d e r dasselbe, nur auf einem anderen Wege. Durch Anschlag an das schwarze Brett wurde den Arbeitern jetzt das Folgende bekanntgemacht: An unsere Glasmacherl Nach einem Urteile des Landgerichts haben die Arbeitnehmer das Recht, ihre Spareinlagen zurückzufordern. In Verkennung des Sachverhalts sieht das Ge-- richt dieselben als einen Teil des Lohnes an, während— wie auch das Gewerbegericht verschiedenfach entschieden hat— es sich um freiwillige Zuwendungen handelt.(??) Ter durch diese Entscheidung des Landgerichts die Be- dingungen der Rückzahlung eine wesentliche Aenderung erfahren haben, sehen wir unI veranlaßt, die Spareinlage aufzu- lösen. Wenn wir auch glauben, weitere Zahlungen einstellen zu können, wollen wir doch um allen späteren Scherereien aus dem Wege zu gehen(ll). die Beiträge bis zum 19. dieses Monats weiter zahlen. Vom 29. Februar dieses Jahres erlischt das Recht der hiesigen Arbeitnehmer auf die in Frage kommenden Beiträge. Gerresheim.(Unterschrift.) Dor eigentümliche Ukas, der kurzerhand erklärt, das ihm nicht passende Urteil sei„in Verkennung des Sachverhalts" entstanden, erscheint alleinstehend nur dadurch besonders be- achtlich, weil zwar erklärt wird, daß die Einzahlung der Gelder in diese famose„Spar"einrichtung durch die Firma aufhört, trotzdem aber davon gar nicht geredet wird, ob den Arbeitern nun wieder der alte Lohn ohne diese eigenartige Lohnkürzung weiter gezahlt werden soll. Be- kanntlich trat diese Spareinrichtung an die Stelle einer Lohn- kürzung. Besonders wichtig wird aber die Mitteilung durch eine andere, die ebenfalls angeschlagen wurde. Sie lautet: An unsere Mitarbeiter! Seitens des Vorstandes der Aktiengesellschaft Gerresheimer Glashüttenwcrke vorm. F. Heye wurde dem Arbeiterausschuß mitgeteilt, daß infolge eines Landgcrichtsurteils die Sparein- richtung aufgehoben werden müsse. Die unterzeichneten Mitglieder des Arbeitcrausschusses haben aber aus der stattgefundenen Besprechung(I) das feste Vertrauen gewonnen, daß, wenn auch von der Firma eine weitere Zahlung an den Sparfonds nicht mehr verlangt werden könne, sie doch aus freien Stücken den Sparfonds nach den Bestimmungen vom 9. Februar und die jeder Arbeitnehmer kennt, dieselben Beiträge zuführen wird. Es ist hierbei selbstverständlich, daß die Firma nur für diejenigen Glasmacher, Schürer und Pfleger frei- willige Beiträge leisten kann, die auch die vorhandenen Gelder in demselben belassen. Wir empfehlen unseren Mitarbeitern daher auf das dringendste, von einer Erhebung des von ihnen aufgesparten Beitrages Abstand zu nehmen, da es in ihrem Interesse liegt und für sie vorteilhafter ist. Gerresheim. Mitglieder des Arbeiterausschusses. (Unterschriften.) Diese beiden Bekanntmachungen, die beide an einem Tage veröffentlicht wurden, stehen ohne weiteres im Zu- sammenhang! Einmal erklärt die Firma kategorisch, daß sie die Lohnabzüge der Arbeiter nicht mehr als eine Spar- einlage betrachten werde, die Arbeiter müssen sich so eine Lohnkürzung gefallen lassen. Zum anderen, und dies er- scheint besonders beachtlich, machen die Mitglieder des Ar- beiterausschusses in eigentümlich offiziösem Stil ihre Kol- legen darauf aufmerksam, daß die Firma zwar nicht mehr dazu gezwungen sei, Beiträge zu zahlen, daß aber„nach der stattgehabten Besprechung" anzunehmen sei, die Firma werde es freiwillig weiter tun. Die Firma fordert zur Abhebung der angesammelten Lohneinbehaltungen auf, der Arbeiter- ausschuß zur Nichtabhebung. Es soll wohl sein, daß die Firma sich gegenüber dem Gerichtsurteil sichern will. Der sogenannte Arbetterausschuß soll das Mittel sein, die profi- table Spareinrichtung weiterhin existieren zu lassen. Die in einem Jahre schon angesammelten 120 000 M. scheint die Firma nicht gern verlieren zu wollen: oder wie ist sonst die glatte Mißachtung des Gerichtsspruches zu erklären? Ueber- dies bleibt außerdem die Frage offen, ob man es hier nicht mit einer solchen„freiwilligen" Verzichtleistung der Arbester zu tun hat, die wider die guten Sitten verstößt. Ganz abgesehen davon, daß nach den Ausführungen der beiden Bekanntmachungen die Arbeiter überhaupt kein Recht mehr auf die Wohlfahrtsspargroschen aus ihrem Verdienste haben, die jetzt durch die Firma freiwillig geleistet werden. Deutlicher ist wohl selten das Unternehmerinteresse an solch „wohltätigen Wohlfahrtseinrichtungen" gezeigt worden. BcrUn und Umgegend. Die Aussperrung in der Waffenfabrik von Schwarzlose. Seit acht Tagen find sämtliche Arbeiter und Arbeiterinnen der Firma Schwarzlose, Waffenfabrik in der Levetzowstraße, aus- gesperrt, weil sie sich nicht mit einer Verlängerung der täglichen Arbeitszeit von 8� auf 9 Stunden und einer Kürzung der Löhne einverstanden erklären wollen. Nach dem zu urteilen, was der Verbandsvcrtreter Behrend und was namentlich die bei der Firma beschäftigten Arbeiter selbst in der gestrigen Versammlung ausführten, muß in dem Betriebe eine Arbeitsmethode und Ar- keitseinteilung herrschen, die eine unglaublich leichtfertige Ver- schwendung von Material und Arbeit darstellt. Das Urteil der Redner ging dahin, daß diese Arbeitsweise nicht Produktion, son- dern Wurstelei fei. Zur Begründung wurde unter anderem gesagt, daß bei Schwarzlose sämtlich« Werkzeuge aus Rapidstahl hergestellt werden, ein Material, das viermal so teuer ist, aber für diesen Zweck weit weniger geeignet, als der richtige Werkzeugstahl. Aus dem Rapidstahl wurden auch Reibahlen hergestellt, mit denen glatte Arbeit geliefert werden sollte. Jeder erfahrene Metallarbeiter weiß, daß Rapid nicht glatt reibt. Erst wurden 59 Stück angefertigt uns � mutzten weggeworfen werden, dann, mit einer kleinen technischen Aenderung, nochmals 59, die auch nicht zu gebrauchen waren. Im letzten Monat sollen nicht weniger als 299 solcher Reibahlen weg- geworfen worden sein. Wenn Arbeiter den Meister fragten, was sie mit dem für ihre Arbeit doch anbrauchbaren Material machen sollten, war die Antwort des Meisters:„Ich habe kein anderes. Wir müssen es schon nehmen." Die Reibahlen kamen das Stück auf 3 M. zu stehen, das Material nicht mitgerechnet. Für Fräser waren früher einmal Zeichnungen vorhanden, sehr gut ausgearbeitet von einem Meister Schnell, der nun nicht mehr im Betriebe ist. Diese Zeich- Verantw. Redakt.: Richard Barth, Berlin. Inseratenteil verantp. lbüngen sind aber, Wie bc�auplek wird. Hüft dem technischen Leiter der Fabrik Dr. Splitter oder dem Ingenieur Schmidt vernichtet worden. Nun müssen die Arbeiben nach Gutdünken des einzelnen Fräsers ausgeführt werden, was zur Folge hat, daß sie manchmal nicht zu brauchen sind. Schrauben sind aus dem besonders wert- vollen Federstahl hergestellt worden, indem die Stücke von 26 Milli- meter auf 14 bis 13 heruntergearbeitet werden mutzten. An Griff- stücken, dem teuersten Stück am Revolver, sollen zwischen Weih- nachten und Neujahr nicht weniger als 5999 in den Ausschuß ge- wandert sein. Nach Meinung der Arbeiter sind auf diese Weise durch die Schlamperei im Betriebe in einem Jahre an 25 999 bis 39 999 M. an Ausschuß verloren gegangen. Was aber überhaupt durch die Mißwirtschaft zugesetzt wird, wurde in der Versammlung auf 299 999 M. veranschlagt. Einer der Herren Aufsichtsratsmit- glicder hat auf der Straße Arbeiter des Betriebes gefragt,� was denn nun werden solle; das ganze Kapital stehe ja auf dem Spiel. Dem Herrn ist geantwortet worden, daß die Sauwirtschaft und der Schlendrian im Betriebe daran schuld seien. Der Herr bat, mau möge die Dinge doch dem Vorsitzenden des Auffichtsrates— einem Fürsten von Hohenlohe— mitteilen, was dann auch zugesagt wurde. In der Versammlung wurde berichtet, daß kürzlich einmal plötzlich alles in beste Ordnung gebracht werden, alle Maschinen in Gang gesetzt werden mußten. Die Ursache war, daß der Aufsichtsrat zur Besichtigung kam. Hatten die Herren aber die eifrige Tätigkeit in Augenschein genommen, wurden Arbeiter plötzlich nach anderen Räumen geschickt, um auch dort den schönen Schein zu Ivahren. Verhandlungen mit der Firma anzuknüpfen ist bisher vergeb- lich gewesen. Statt verständig mit sich reden zu lassen, bietet die Firma alles auf, um Streikbrecher heranzuziehen, und auf ihre ausgesperrten Arbeiter die Polizei zu Hetzen. Kürzlich hatte sie einen Meister nach Suhl in Thüringen gesandt, um Arbeitswillige zu holen. Es war dort jedoch gleichzeitig durch die Presse und auf anderem Wege vor dem Streikbrecherwerber gewarnt worden, und der Erfolg der Reise war denn auch gleich Null. Allerdings hat man anderweitig einige Arbeitswillige gefunden; das sind jedoch Leute, von denen die Firma schwerlich irgendwelchen Nutzen haben wird. Am Montagabend war die Polizei vor dem Fabrikgebäude so außerordentlich stark vertreten, daß dadurch große Menschen- ansammlungen hervorgerufen wurden. Es soll zu einem Krawall gekommen sein. Die Ausgesperrten sind aber der ganzen Sache fern geblieben. Es sollen sich weniger die uniformierten Schutz- leute hervortun, als vielmehr ein Kriminalbeamter Sybold, der in der recht verkehrsarmen Straße mit ihrer breiten Mittelpromenade es den Streikposten verwehren will, ihre Pflicht zu tun. Ihre Lehrlinge hat die Firma entlassen und ihnen gesagt, daß sie Sonnabend ihren Lohn holen sollen. Die Versammlung bildete in ihrem ganzen Verlauf einen Be- weis dafür, daß die Ausgesperrten fest zusammenhalten und nichts sie hindern wird, den ihnen aufgezwungenen Kampf mit ganzer Kraft durchzuführen. Ueber die Firma ist selbstverständlich die Sperre verhängt, und es ist Vorsorge getroffen, daß auch von aus- werden gebeten, von der Sperre Notiz zu nehmen und vor Zuzug zu warnen. Merkwürdig ist, was sich eine Firma, die mit ihren Arbeitern im Streik liegt, unter den Augen der Polizei alles erlauben darf. So herrscbt in der Nachbarschaft der Fabrik helle Empörung über die gemeingefährliche Art, in der die Streikbrecher transportiert werden. Diese werden nämlich im Privatauto des Herrn Direktors befördert; aber wie! Der Chauffeur verläßt die Fabrik mit höchster Uebersetzung und voller Tourenzahl des Motors. Und da die Maschine nach� der Schätzung von Sach- verständigen zirka 69 Kilometer in der Stunde erreichen kaum mag man sich vorstellen, in welcher Weise der Berkehr dadurch gefährdet wird, zumal die Ausfahrt ein halbes Dutzend mal wiederholt werden mutz. Neben dem Chauffeur aber sitzt seelenruhig ein Polizeibeamter(I), der anscheinend nicht merkt, daß hier das berühmte Fünfzehnkilometer-Tempo andauernd überschritten wird. Er verhindert es wenigstens nicht. Oder er denkt: Die Straße gehört dem Verkehr der— Streikbrecher! Und wenws über die Leichen ehrlicher Menschen geht! Von den Verhandlungen im Holzgetverbe. Die Verhandlungen der Ortsvertreter im Beisein von Abge- ordneten der Zentralvorstände werden gegenwärtig in Berlin noch fortgesetzt. Ueber den endgültigen Ausgang der Bewegung läßt sich auch heute noch nichts Bestimmtes sagen, doch kann aus- gesprochen werden, daß die Spannung ein klein wenig nachgelassen hat. Es ist nämlich in bezug auf die Lohnfrage und Verkürzung der Arbeitszeit für eine Anzahl Städte eine vorläufige Verständi- gung zwischen den Vertretern der Ortsparteien erzielt. Es sind dieses die Städte: Leipzig, Köln. Zeitz, Danzig. Oldenburg, Lüneburg, Görlitz, Königsberg, Rendsburg, Göttingen, Greifswald, Spandau, Beuthen, Kattowitz, Königshütts, Quedlin- bürg und Stargard i. P. Für eine größere Anzahl dieser Orte ist auch wegen der übrigen Streitpunkte eine Einigung er- zielt. Allerdings müssen dann die Versammlungen an den einzelnen Orten zu dem Ergebnis der Verhandlungen noch Stellung nehmen. Nach den Beschlüssen des Arbeitgeberschutzverbandes sollen auch die Vorsitzenden aller in Frage kommenden Bezirksverbände zu dem Resultat der Verhandlungen Stellung nehmen, so daß heute noch nicht gesagt werden kann, wie diese Stellungnahme ausfällt. Jedenfalls haben die Holzarbeiter Deutschlands alle Ursache, ihre Rüstungen fortzusetzen, da Zwischenfälle nicht ausgeschlossen sind und der Schutzverband die Parole ausgegeben hat,„entweder Frieden in allen Orten oder Kampf auf der ganzen Linie". Eine Anzahl Ortsvertreter haben wegen einer Reihe Gründe den Auf- trag erhalten, am Orte weiter zu verhandeln. Andere sind vom Erscheinen in B e rl i n entbunden, weil sie glauben, am Orte einig werden zu können. Ob sich diese Hoffnung erfüllen wird, muß abgewartet werden. Ob, falls dieses nicht der Fall ist, ein anderer Ausweg, die Differenzen zu beseitigen, gefunden werden kann, ist sehr fraglich. Die Zukunft ist also noch recht ungewiß und die Wolken haben sich noch nicht verzogen, doch kann die Ent- scheidung nun nicht lange mehr auf sich warten lassen. Bei der Firma Belter u. Schneevigcl, Eisenkon st ruk- tionswerk in Witt en au bei Berlin stehen sämtliche dort beschäftigten 183 Arbeiter seit 14 Tagen im Streik. Der Grund zum Streik waren Abzüge, und zwar dergestalt, daß die Ueber- schüsse, welche nach Fertigstellung der Akkordarbeiten an die Be- teiligten verteilt wurden, nicht mehr gezahlt werden sollten.(Von der Firma werden die Akkordüberschüsse„Geschenke" genannt, auf die die Arbeiter rechtmäßig keinen Anspruch hätten.) Auch bei diesem Streik macht der bekannte Herr Lebius mit seiner gelben Garde den Versuch, der Firma Rausreitzerdienste zu leisten. Die Arbeit ist jedoch eine derartig schwierige, daß von 15 durch den gelben Nachweis gelieferten Arbeitskräften am ersten Tage sofort!2 Mann den Betrieb wieder verließen. Da die Firma mit dem Rest von weiteren Streikbrechern den Betrieb nicht auf- rechterhalten kann, hat sie ihre Arbeiten bei anderen Firmen der Eisenkonstruktionsbranchc untergebracht. Wir ersuchen nun alle Kollegen in den Betrieben, wo Arbeit der Firma Belter u. Schneevogel angeboten wird. unserem Bureau, Berlin. Charitestr. 3. dies so- fort zu melden. Die Verhältnisse in den Betrieben dieser Branche sind derartige, daß sie der Besserung dringend bedürfen. und es ist deshalb nötig, daß die Arbeiter aller hier in Betracht kommenden Firmen zusammenhalten. Wie uns mitgeteilt wird, behält die Firma Belter u. Schnee- vojjel die im Betriebe vorhandenen? Streikbrecher auf Stroh- schütten im Betriebe. Deutscher Metallarbeiterverband, Verwaltungsstelle Berlin'. Deutsches Reich. Anwaltsangestellte! Verschiedene Justizministerien(Preußen, Sachseft, Baherft usw.) haben auf die Petition des Verbandes der Bureauange- stellten hin sich bereit erklärt, diejenigen Anwaltsangestellten, die infolge der am 1. April 1919 in Kraft tretenden Zivilprozeß- reform stellungslos werden, bei Besetzung der in den Gerichts- kanzlcien freiwerdenden Stellungen nach Möglichkeit zu berück- sichtigen. Ter genannte Verband fordert daher alle Anwaltsangestcllten, denen infolge der Zivilprozeßreform jetzt oder später ihre Stellung gekündigt wird, auf, ihre Adressen und, wenn möglich, eine Ab- schrift des letzten Zeugnisses an den Verbandsvorstand, Berlin, Linien st raße 8, einzusenden. Verschmelzung des Mühlenarbeiterverbandes mit dem Branereiarbeiterverband. In der vom Braucreiarbeiterverband borgenommenen Urab- stimmung über die Verschmelzung beider genannter Verbände wurden 17 141 Stimmen abgegeben. Davon votierten 11 578 für und 5414 gegen die Verschmelzung; 149 Stimmen waren ungültig und aus 3! kleineren Zahlstellen steht das Resultat noch aus. DaS Ergebnis der Abstimmung im Mühlenarbeiterverbande fehlt noch. In der Stuttgarter Konfektion haben die Schneider und Zu- schneider Forderungen gestellt. Den Zuschneidern wurde im Ver- lauf dieser Bewegung am 1. Februar gekündigt, und da sie mit vierwöchentlicher Kündigung eingestellt sind, wurden sie am 1. März ausgesperrt. In Verfolg dieser Aussperrung mußten die Schneider bei Dreyfuß u. Lehmann die Arbeit einstellen, da keine zu- geschnittene Ware mehr vorhanden war; auch andere Werkstätten- und Heimarbeiter wurden dadurch in Mitleidenschaft gezogen. Der Tarif für Schneider gilt noch bis 15. März. Die Gärung unter den Gelben. Zu Anfang dieser Woche hatte die Verwaltungsstelle Augs- bürg des Deutschen Metallarbeiterverbandes nach dem„Saalbau" eine öffentliche Metallarbeiterversammlung einberufen, die sich zu einer gewaltigen Demonstration gegen den von den Augsburgcr Unternehmern auf die Arbeiter ausgeübten Terrorismus gestaltete. Nahezu 3999 Metallarbeiter, darunter mehr als die Hälfte Gelbe. waren erschienen und spendeten den Rednern stürniischen Beifall. Als Thema war:„Die Arbeitsverhältnisse der Maschinenfabrik Nürnberg in den Werken Nürnberg, Gustavburg und Augsburg" festgesetzt. Zahlenmäßig konnte nachgewiesen werden, daß, im Gegensatz zu anderen Werken, in Augsburg, dem Sitze der gelben Bewegung, die schlechtesten Lohn- und Arbeitsverhältnisse herrschen, und daß die Erfolge der gelben Organisation in unwürdiger Be- Handlung und Lohnreduktionen— innerhalb eines Jahres wurden die Löhne für Akkordarbeiten bis zu 69 Proz. reduziert— bestehen. Die Aufforderung an die Gelben, aus den gelben Vereinen aus- und in den Deutschen Metallarbeitcrverband einzutreten, wurde mit lautem Bravo aufgenommen. Die Versammlung schloß mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf die Sozialdemokratie, in das die Gelben, ungeachtet der neben ihnen sitzenden Meister und Vorgesetzten, lebhaft einstimmten. Die großartig verlaufene Versammlung hat aufs neue gezeigt, daß die gelbe Bewegung selbst an ihrer Geburtsstätte ihren Höhepunkt überschritten hat und daß die Arbeiter Augsburgs sich wieder auf sich selbst besinnen. Streik im Schneidergewerbe zu Nürnberg. Zu unserer Notiz über die Tarifbewegung der Damenschneider und-Schneiderinnen erhalten wir die telegraphische Mitteilung, daß am Mittwoch bereits die Arbeit niedergelegt würde Letzte Nachrichten und Depcfchen. Der„gute Ton" im Elsass-Lothringischen Landesausschuss. Stratzburg, 3. März.(W. T. B.) Im Landesausschuß für Elsaß-Lothringen kam es bei der Beratung des Etats zu einem Zusammenstoß zwischen den Abgg. des Zentrums Hauß und Dr. Wetterle einerseits und dem Unter st aatssekretär Mandel andererseits, wobei erstere der Regierung Partei- nähme bei den Landesausschußwahlcn in Gebwriler und Mols-s heiig vorwarfen. Unterstaatssekretär Mandel wies diese Vor- würfe zurück und sagte, wenn der Abg. Hauß die Vorwürfe wegen Gebweiler nicht besser zu begründen wisse, solle er lieber still sein. Taraufhin riet der Abg. Hauß der Regierung, auch ihrer- seits den parlamentarischen Ton aufrecht zu erhalten sowie ihn zum eisernen Bestände des Hauses zu machen. Als UnterstaatS- fekretär Mandel erwiderte, er habe nicht gegen die parlamen» tarische Redeweise gefehlt, äußerte sich der Abg. Hauß, er klage auch nur den Ton an, der es dahin bringen würde, daß der Unter- staatssekretär noch die wenigen Freunde im Hause verliere. Hier- auf erklärte der letztere, seine Freunde säßen nicht bei den Freunden des Abg. Hauß. Dr. Wetterle erklärte, daß die Freundschaft des Unterstaatssekretärs nur kompromittierend sei. Gegen russische Polizeispitzel. Petersburg, 3. März.(W. T. B.) Die Duma hat heute die Verhandlungen über den Etat des Ministeriums des Innern be- gönnen. Der Referent, Oktobrist Fürst Golitzhn erklärte, die Reorganisation der Polizei sei äußerst notwendig. Die im Lande herrschenden Zustände seien nicht länger zu ertragen. Die Tätigkeit der Abteilung der politischen Polizei übersteige die Grenze des Möglichen. Die im Manifest angekündigte Nnantastbarkeit der Person sei einfach Mythus. Die Budgetkommission schlage vor, die Ausgaben für die Polizei um 391988 Rubel zu kürzen. Diese Summe, welche für den Unterhalt der unter polizeilicher Aufsicht befindlichen Personen bestimmt ist, zu bewilligen, sei inkonsequent, da die Reichsduma sich für Aufhebung des Rechts der ad.ninistra» tiven Verbannung ausgesprochen habe.(Beifall im Zentrum und links.) Der Gehilfe des Ministers des Innern Krysanowski er- klärte, die Regierung sei einverstanden mit der Streichung der für den Unterhalt der unter Polizeiaufsicht befindlichen Personen aus- geworfenen Summe.(Beifall.)_ Selbstmord oder Verbrechen? Kattowitz, 3. März.(B. H.) Im Walde bei EmanüelSi« fegen wurde ein 69jähriger Mann tot aufgefunden. Die Jden- tität konnte bis jetzt noch nicht festgestellt werden, da irgendwelche Legitimationspapiere sich nicht vorfanden. Es ist auch noch nicht aufgeklärt., ob ein Verbrechen vorliegt oder ob der Unbekannte seinem Leben selbst ein Ziel setzte. 60 Arbeiter getötet. Juueau(Lllaska), 3. März.(W. T. B.) Durch eine Ex- plofion in der Treadwellmine wurden sechzig Arbeiter getötet und viele verletzt. Die Opfer der Eisenbahnkatastrophe. Eveett(Washington). 3. März.(W. T. B.) Wie jetzt fest- steht, beziffert sich die Zahl der Toten und Vermißten in dem von einer Lawine verschütteten Eisenbahnzug im ganzen auf 84 Personen, und es besteht wenig Aussicht, noch Ueborlebende zu bergen. Glocke, Berlin. Druck u.Berlag: Vorwärls Buchdr.u.Perlag«gnstqN Paul Singer 6: Co.. Berlin LW. Hierzu 3 Beilagen u. Ünterhaltungsbl. Ii. 53. 27. Iahrgavg. 1. Stillige des Joimätte" littlin« itollioHatt. frtifaj, 4. Blär) 1910. Reichstag. -arz. ä 47. Sitzung vom Donnerstag, den 8. nachmittags 1 Uhr. Am BundeSratstisch: Dr. Delbrück. Die Beratung deS Etats für das ReichSamt des n n e r n wird fortgesetzt beim Kapitel„Behörden für ntersuchung von Seeunfällen." Abg. Schwartz-Lübeck(Soz.): Als die Seemannsordnung in der Kommission beraten wurde, wurde dort eine Resolution angenommen, in welcher mit tunlichster Beschleunigung ein Gesetzentwurf verlangt wurde, durch den die Frage einer bebördlichen Aufsicht über Seetüchtigkeit, Tief gang, Bemannung und Verproviantierung von KauffaHrtei schissen geregelt, für Abstellung etwaiger Mängel Sorge ge- tragen und zu diesen! Zwecke eine der Oberaufsicht des Reiches unterstehende Instanz bestimmt wird. Leider hat der Reichstag die Resolution in dieser Fonn nicht angenommen, sondern auf einen Antrag Dr. Stockmann hinter„tunlichster Beschleunigung" die Worte eingefügt„und unter Berücksichtigung der praktischen Ersahrungen der Handelsmarine über Tiefgang und Ladelinie".— Diese Berücksichtigung der praktischen Erfahrungen der Handelsmarine ist seit nunmehr acht Jahren geübt worden. Wie lange soll sie noch geübt werden, ehe jene Resolution erfüllt wird? Auf die Anfrage des Abg. Metzger über die Resolution erklärte Herr v. Jonquiere im Reichstage am 12. März 1903, dast die Verbündeten Regierungen die Frage offenbar noch nicht zur Entscheidung für reif gehalten haben. und er fügte hinzu:„Ob man überhaupt einmal zur Errichtung eines Reichsschiffahrtsamtes kommt, darüber ist im Bundesrate keine Ent- schließung getroffen worden. Jedenfalls aber hat man es bisher nicht für richtig gehalten, dieser Resolution des Reichstages Folge zu geben."— Seitdem sind wiederum zwei Jahre vergangen, ohne datz wir etwas von der Sache gehört haben. Daß aber eine Verbesserung der Aufsicht für unsere Schiffe notwendig ist, beweisen die häufigen llnglücksfälle von Schiffen. Nach den Listen des Germanischen Llohd sind in der Zeit vom 1. bis 31. Oktober 1909 23 Dampfer und 41 Segelschiffe total ver- loren, teils durch Strandung, Zusammenftoh, Feuer, schweres Wetter. teils verschollen, gesunken, Verlaffen und kondemniert. In den Jahren von 1890 bis 1907 sind 10 918 Schiffe verunglückt mit einer Besatzung von 15 871 Personen und 2725 Paffagieren. An Menschenleben gingen von der Besatzung 3742 Personen— 23,5 Proz verloren, von den Passagieren 563 Personen— 20,6 Proz. I Im Durchschnitt der 17 Jahre gingen jährlich 642 Schiffe mit einer Besatzung von 934 Personen und 160 Passagieren verloren, von denen 220 Mann der Besatzung und 30 Passagiere ver- u n g l ü ck t e n. Eine tieftraurige Erscheinung im Kapitel der Schiffsverluste sind die verschollenen Schiffe. Niemand weiß, wo sie geblieben sind, keine Kunde kommt zu den monatelang in Hoffen und Harren verbliebenen Angehörigen. In den 16 Jahren von 1890 bis 1906 sind insgesamt 288 Segelschiffe und 64 Dampfer, also 352 Schiffe verschollen. Die Mannschaft dieser verschollenen Schiffe bestand aus 2807 Personen nebst 94 Passa- gieren, die alle bis aus den letzten Mann ihr Grab im Meere gefunden haben. Im Durchschnitt der 16 Jahre sind also jährlich 22 Schiffe mit 175 Mann Besatzung und 6 Passagieren ver- schollen. Die Schiffsunfälle erklären sich aus dem Bestand unserer Handelsmarine. Er bettug nach dem Verwaltungsbericht der See» berufSgenoffenschafl im Jahre 1909 944 hölzerne Segler. 469 eiserne Segler, 20 Segler mit Hilfsmaichinen und 1613 Dampfer. Ferner noch 94 hölzerne Heringslogger, 89 eiserne Heringslogger. 59 Herings- logger mit Hilfsmaschinen. 234 Fischdampfer, wozu noch 476 Fischerei- fahrzeuge koinmen. Von diesen insgesamt 3522 Seeschiffen waren 1630 1 bis 30 Jahre alt. 312 Schiffe hatten ein Alter von 20 bis 50 Jahren, und 10 Schiffe sind über 50 Jahre alt! Bei einem Schiffe ist das Erbauungsjahr unbekannt. Die Bemannung der Schiffe betrug insgesamt 72 450 Personen. Das Verhältnis zwischen Schiffen. Raumgehalt und Besatzung stellt sich bei Segelschiffen im Durchschnitt auf 5,45 Mann pro Schiff, 33,11 Registertonnen kleines feuiNeron. Das Frühlingswetter, das seit Mitte Februar herrscht, hat auch in der letzten Woche wieder ganz abnorme Temperaturverhältniffe mit sich gebracht. Nach dem Bericht des Königl. Preuß. Meteorolo- gischen Instituts war die letzte Februarwoche eine außerordentliche Seltenheit, in Deutschland so gut wie ftostfrei. Die niedrigste Tempe- ratur von wiuus 3 Grad wurde in Schreiberhau(634 Meter Höhe) registriert. In der Ebene hatten nur einige Orte ganz gelinden Nacht- ftost so Koburg(—1 Grad), KöSlin, Lauenburg und Memel, wo das Thermometer 0 und—1 Grad erreichte. Selbst das kalte Marz- grabowa in Masuren hatte nur eine Minimaltemperatur von 2 Grad unter Null. Im Westen, so in Frankfurt a. M. lag die niedrigste Temperatur der Woche noch 4 Grad über dem Gefrierpunkt. Die höchste Temperatur tvurde in Altenburg erreicht, wo am 22. das Thermometer bis auf 17 Grad stieg. Dann folgen, mit 15 Grad Erfurt, Dresden. Leipzig und noch verschiedene andere Orte in Mittel- und Westdeutschland. Auf 14 Grad brachten es Breslau, Oppeln, Liegnitz. Grünberg, auf 13 Grad Wärme Bielefeld. Kassel, Celle, Hildesheim, während 12 Grad Wärme, abgesehen von der Nord- und Ostseeküste, im ganzen Lande beobachtet wurden. Im Küstengebiet erreichten die Tempera- turen aber auch allenthalben 10 bis 11 Grad, selbst in Königs- berg. Die niedrigste Maxinialtemperatur der Woche meldete mit 6 Grad Memel. Das Wochenmittel der Temperatur lag dem- entsprechend im ganzen Lande ungewöhnlich hoch über den normalen Werten. Am geringsten war der Wärmeüberschuß an der linken Rheinseite. Das kommt daher, weil dort ohnehin ein mildes Winterklima herrscht, so daß die Abweichungen vom langjährigen Temperaturmittel dort weniger groß erscheinen. Der Wärme- Überschuß betrug in Aachen aber immer noch fast drei, in Krefeld SVg Grad. In Frankfurt am Main betrug der Ueberzuschutz fast fünf, zu Trier 4>/s Hrad, und je weiter man nach Osten geht, umso größer wird die Abweichung von den mittleren Normo lremperaturen. In Stettin war die Woche um 5,7, in Berlin um 5,8, in Magdeburg um 6, in Halle um 6,2, in Erfurt um 6,4 Grad zu warm. Aehnliche Abweichungen zeigte die inittlere Wochentemperaiur in Posen und Bromberg. Die höchste Abweichung vom normalen Mittel mit fast 7 Grad meldeten Görlitz und Breslau. Hier betrug die mittlere Temperatur der letzten Februarwoche 7 Grad, während 0 Grad normal sind. Es herrschte hier eine Temperatur, die normalerweise erst Anfang April vorkommen soll. Der abnehmende Holzreichtum der Erde. Trotz der immer häufiger werdenden Ersetzung von Holz durch Eisen, Blech oder Emaille ist die Gefahr nicht von der Hand zu weisen, daß die Holz- Vorräte der Welt in den nächsten Jahrzehnten� noch mehr zurück- gehen, als das in letzter Zeit schoir der Fall war. Zwar haben auch frühere Zeiten m den Wäldern des Erdballs ungeheuere Ver- Wüstungen angerichtet: Italien. Spanien, ein großer Teil der Balkan- länder haben sich bereits inr Mittelalter ihrer Waldungen be- raubt, die Chinesen haben weite Strecken ihres Landes entwaldet, netto pro Mann; bei Dampfschiffen auf 30.17 Mann pro Schiff, 38,91 Registertonnen pro Mann. Dieses Verhältnis kann nicht ein befriedigendes genannt werden. Wir müssen unbedingt eine stärkere Beinannung der Schiffe fordern. Die hölzernen Segler haben vom Jahre 1898 bis 1909 um 1338 ab- genommen. Dagegen ist die Zahl der eisernen Segler in der gleichen Zeit von 174 auf 469 gestiegen. Die Zahl der Segler init Hilfsmaschinen, die 1880 noch gar nicht vorhanden waren, auf 20. Ganz bedeutend ist die Zunahme der Dampfer. Ihre Zahl stieg in dieser Zeit von 633 auf 1613. Der Bruttoraumgehalt hat bei den hölzernen Seglern um 90 Proz. abgenommen, während er bei den eisernen Segleni unt 154, bei den Dampfern sogar um 466 Proz. zugenommen hat. Wir verlangen eine staatliche Aufsicht des gesamten Schiffahrtsbetriebes unter Mitwirkung von Personen aus dem Seemannsberuf und Einsetzung eines Reichs- schiffahrtsamtes mit zweckentsprechenden Lokalbehörden. Schon in den neunziger Jahren schrieb der verstorbene Direktor der Hamburger Navigationsschule Niebuhr in einer seiner Vervffent- lichungen: „Früher verlangte man von einem seetüchtigen Schiffe, daß es den schwersten Sturm auf hoher See aushalte, ohne leck zu werden, ohne zu kentern; höchstens im Orkan durfte ein Schiff zugrunde gehen. Heute schickt man Schiffe in See, die bei ebenem, d. h. kräfttgem Backstagswinde kentern, und behauptet hinterher, die Schiffe seien seetüchtig gewesen. Früher verlangte man 3 Zoll Frei- bord für jeden Fuß Tiefgang, heute gehen Schiffe in See, die nicht 'mal einen Zoll Freibord für jeden Fuß haben, und doch sollen sie seetüchtig sein. Hier muß ein Gesetz helfen, denn der Seemann ist der Habsucht und Geldgier gegenüber machtlos." Als im Januar 1895 die„Elbe" unterging, die von dem engli- schen Dampfer„Crahtie" angerannt wurde, wurde hier von dem Frhrn. v. Stumm eine Interpellation eingebracht, in der die Ver- bündeten Regierungen gefragt wurden, ob sie Maßregeln zu ergreifen beabsichtigen, um den durch den Untergang von Seeschiffen verursachten Verlust von Menschleben mehr als dies bisher gelungen ist. zu ver» hüten. Bei der Begründung dieser Interpellation in der Reichstags- sitzung vom 9. Februar 1895 betonte Frhr. v. Stumm, daß er es für eine Anomalie halte, wenn man bei der Seeschiffahrt, die vielleicht das gefährlichste Gewerbe ist, das denkbar ist. eine geringere Staats- aufsicht übt als bei ganz ungefährlichen Betrieben auf dem Lande, und weiter führte er aus: „Mögen auch die Interessenten der SeeberufSgenoffenschaft mit derselben Gewissenhaftigkeit ihre Unfallverhütungsvorschriften erlassen, wie daS die anderen Berufsgenossenschasten tun. Auf die Dauer wird es unvermeidlich sein, die Seeschiffahrt auch formell unter schärfere staatliche Aufsicht zu stellen." Diese Ausführungen fanden bei der großen Mehrheit des Reichs- tags Beifall. Gegen sie wurde geltend gemacht, datz die Schiffahrt«- interesien in der Beaufsichtigung des Schiffsbaues und der Schiffe selbst eine schwere Schädigung ihre? mit sozialpolitischen Gesetzen schon belasteten Gewerbes sehen. Und es wurde auf die fllrsorgende Tätigkeit der Seeberufsgenosienschaft sowie auf die peinliche Sorg- falt des Germanischen Lloyd bei der Klassifikation verwiesen. Aber der Germanische Lloyd ist keine staatliche Körperschaft, sondern eine reine kapitalistische E r w erb S g e s e lls ch aft, welche der Konttolle des Reiches entzogen ist. Auch die Seeberufsgenosienschaftistfür ihre Handlungen dem Reichs- tag nicht verantwortlich, ihre Verwaltungsberichte erscheinen unter Aus- schluß der Oeffentlichkcu und sind der öffentlichen Diskussion ent- zogen. Im Verwaltungsbcricht von 1893 schrieb sie über die See- unlüchtigkeit unserer kleinen Seeschiffe u. a.: „Mag auch zuzugeben sein, daß manche dieser Schiffe nicht im vollen Sinne des Wortes seetüchtig sind(Hört! hört! bei den Soz.), so ist es doch eine ernste Frage, ob es richtig wäre, wegen sttenger und naturgemäß schablonenhafter Anforderungen, bei denen nur die Beschaffenheit des Fahrzeuges, nicht die persönlichen Eigen- schaften ihrer Führer berücksichtigt werden können, diesen Schiffen die Fahrt zu verbieten und daniit ihren Eigentümern in den meisten Fällen den einzigen Erwerb zu entziehen."(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Wie bei einem nicht seetüchtigen Schiffe die persönlichen Eigen- schaften der Führer Berücksichtigung finden sollen, ist nicht verstand- lich.(Sehr richtig! bei den Soz.) Um so weniger, als gerade auf solchen Schiffen die Führer in den meisten Fällen der dem Unter- gange geweihten, bei dem Konsul um Schutz nachsuchenden Besatzung sehr rigoros gegenübertreten. Der Menschenleben erfordernde Erwerb darf eben nicht geschützt werden. Unter den Unfall- und was der Beispiele mehr sind. Aber vor 50 Jahren waren doch noch riesige Gebiete der Erdoberfläche mit Wald bedeckt, die ihn heute verloren haben: namentlich Nordamerika, wo ja ein arger Raubbau mit den Waldungen getrieben worden ist. Selbst in Ländern, die eine vorsichtige Waldpolitik tteiben, beginnt sich infolge der zunehmenden Bevölkerung und der steigenden wirtschaftlichen Bedürfnisse Holzmangel bemerkbar zu machen. Deutschland z. B., von dessen Flächeninhalt noch etwa 26 Proz., also mehr als der vierte Teil, von Wald bestanden ist, führt jährlich für etwa 240 000 M. Holz ein. In Großbritannien gar beträgt die jähr- liche Einfuhr 540 Millionen Marl für dm Durchschnitt der Jahre 1904—1908. Ein Menschenalter zuvor(1889—1393) betrug die jährliche Einfuhr von Holz nach Großbritannien nur 360 Millionen Mark. Allerdings sind die eingeführten Holzmengen nicht in gleichem Matze gewachsen wie die dafür verausgabten Summen. Denn Holz der besten Sorten ist in England im Laufe der letzten 15 Jahre um 28 Proz. im Werte gestiegen. Immerhin ist eine Zunahme der Einfuhr auf alle Fälle zu bemerken gewesen. Anderer- 'eitS haben Länder, die über großen Waldreichtum verfügen, so viel Holz ausgeführt, daß sie in Gefahr sind, ihre Waldungen dadurch allzusehr zu reduzieren. Dies gilt z. B. von Schweden, das jetzt Jahr für Jahr etwa 100 Millionen Kubikfuß mehr Holz fällt als neu heranwächst. Der russische Holzexport ist in den letzten Jahren sogar schon zurückgegangen. Kanada hat, um seine Wälder vor allzu großer Ausnutzung durch Unternehmer der Vereinigten Staaten zu schützen, bereits vor einigen Jahren die Holzausfuhr mit verhältnismäßig hohen Zöllen belegt. Alle Kultur staaten werden also ein wachsameSÄuge darauf haben müssen, daß ihr Holzreichtum sich nicht allzu schnell vermindert. Humor und Satire. B I o ck h y m n e. Der Block, der Preußen sckinapsen hieß, der wollte nichts als Knechte; drum gab er Browning, Schwert und Spieß dem Schutzmann in die Rechte; drum gab er uns den Theobald den Mann der freien Rede, daß der nun stachle init Gewalt das Volk zur letzten Fehde. Der mag denn, loa? der Block gewollt, in rechten Treuen halten, mit Gott und mit Ächtgroschensold die Menschenschädel spalten: denn wer fürs freie Wahlrecht spricht, den haut man gleich in Scherben, der braucht in prenß'schen Landen nicht an preuß'schem Hunger sterben. O Preußen, heil'geS Vaterland I O deutsche Lieb' und Treue! Du einziges Schlaraffenland für schwarz' und blaue Säue: verhütungSvorschrikien der SeeberufSgenoffenschaft steht freilich: „Jedes Schiff muß bei Antritt jeder Reise in seetüchtigem Stande gehörig eingerichtet und ausgerüstet sowie gehörig bemannt und ver- proviantiert sein. Das Schiff darf nicht überladen und muß mit dem nötigen Ballast und der crsorderlichen Garnicrung versehen sein." Aber diese Vorschriften stehen nur auf dem Papier! Schon am 21. Februar 1903 sagte ich hier im Reichstage und wiederhole es heute: „Wer kontrolliert die Unfallverhlltungsvorschriften der Seeberufs- genosfenschaft? Ich stelle hier ganz frei und offen die Behauptung auf, daß, wenn Sie hier die Kraft und die Macht hätten, zu be- schließen, daß morgen sämtliche in allen deutschen Häfen liegende deutsche Schiffe untersucht werden müssen darauf: ob sie und ihre Böte in einem seetüchtigen Zustande sind und ob die ganze Schiffs- einrichtung ist wie sie sein soll, datz dann diese Enquete sehr kläg- lich ausfallen würde." Heute ist man in Reederkreisen mehr als je gegen eine staatliche Ueberwachung der Schiffe. Herr Adolf Schiff in Elsfleth schrieb 1892 an einen Kapitän: „Eugen" und„Rebekka" habe ich total verloren und freue mich, die Affekuranzgelder eingeheimst zu haben. Leider ist dabei die Mannschaft gerettet worden."(Hört! hört I bei den Sozial- demokraten.) Herr C. Ferdinand LaiSz schrieb am 18. Februar 1896: „Die UiifallverhütungSvorschriften haben meines Erachtens weniger einen dirclten praktischen Zweck, als daß sie zur Dekoration dienen, um den Behörden und dem Publikum zu zeigen, wie vortrefflich die Seeuiifall-Berufsgcuossenschaft alles geregelt hat. Von diesem Gesichtspunkte aus sollten wir jede auftauchende Frage durch eine hübsche Unfallverhütungsvorschrift zu lösen trachte», je harmloser, desto besser, äluailus mit dccipi, das heißt: Die Welt will betrogen sein.(Hört I hört I bei den Sozial- demokraten.) lieber die Verluste an Menschenleben bei verschollenen Schiffen schweigt sich die Seeberufsgenosienschaft aus. Dagegen behauptet sie. daß durch die amtliche» Untersuchungen über die Ursachen der Verluste festgestellt sei, daß keine Verstöße oder Mängel auf dem Gebiete der Seetüchtigkeit, Beladung und Ausrüstung in Frage kommen I In den Sprüchen der Seeämter heißt es auch immer: „Ursache hat nicht ermittelt werden können", oder „Bei der Ausreise war das Schiff durchaus fee- tüchtig und auch nicht überladen", oder:„Das Schiff ist wahrscheinlich um die und diegeit im schweren Sturm, Orkan oder Taifun unter- gegangen".— Wer untersucht denn die Schiffe bei der Ausreise? Es ist vorgekoinmin, daß die Holzladung bis an die Kommandobrücke reicht, daß ein Schiff eine ungeheuere Schlagseite hat, d. h. daß es sich beständig auf die Seite legt, ober die Reeder verlangen eben,' daß dies und jenes immer noch mit- genominen wird, und die Kapitäne müssen folgen. Ich lege hier einige Photographien derartig überladener Schiffe auf den Tisch des Hauses nieder.(Die Photographien werden von dem Direltor»in ReichSamt oes Innern v. JonquiörcS und einigen Abgeordneten mit Interesse betrachtet.) I» den Bestimmungen, die der Norddeutsche Lloyd seinen Ossi- zieren zugehen läßt, wird ihnen die größte Vorsicht bei der Nävi- gierung anempfohlen. Die Entlassung'wegen allzu großer Borficht wird niemals angedroht, wenn aber die Borsicht allzu gewissen- hast geübt wird, so wird man die Entlassung schon auS anderen Gründen— wegen„Unfähigkeit" usw.— anzuordnen wissen. Als Schutz steht dem Seemann nur der 58 der Seemann«- ordnung zur Seite, wonach ein Schiffsoffizier oder drei Schiffs- leute Beschwerde eibeben können, datz das Schiff, für welches sie angemustert sind, nicht seetüchtig ist, und das Scemannsamt hat dann mit möglichster Beschleunigung eine Untersuchung zu veran- lassen und, falls die Beschwerde sich als begründet erweist, für Ab- Hilfe zu sorgen. Kommt der Kapitän den Anordnungen des SeemannsamteS nach, so dürfen die Leute ihre Entlastung fordern. Aber hinter diesem Paragraphen kommt dann der§ 108, wonach mit Gefängnis bis zu drei Monaten bestraft wird, wer wider besseres Wissen eine auf unwahren Behauptungen gestützte Beschwerde über Sceuntüchtigleit des Schiffes vorbringt, und mit Geldstrafe bis zu. Dem Junker und dem Pfaff' die Macht. den Drohnen und den Raben I So zieh'n sie aus zur WahlrechtSschlacht und wollen Opfer haben: „Laßt demonsttieren, was nur kann, in hellen, lichten Haufen! Was kommt auf die Proleten an, die unfern Schnaps nicht saufen. Hackt ihnen alle Glieder ab, die Nasen, Ohren, Hände und schreibt dann ans das Massengrab: Da? Wahlrecht hat ein Ende!" _ Fl-z. Notizen. — Kunst abend e. Einen Paul Hehse- Abend, zur Feier de? achtzigsten Geburtstages des Dichters, veranstaltet das Schiller- Theater am Sonntag, den 6. März, 8 Uhr, im Bürgersaale des Berlinischen Rathauses. — Bode, hilf! Das Firnienschild Watteau?, aus dem Hohenzollcrnbesitz wird ftanzösischerseitS in seiner Echtheit bestritten. Der preußische Akademiepräsident Kampf hat daraufhin mit preußi- scher Schneidigkeit erklärt, daß an der Echtheit gar kein Zweifel sein könne. Er verfügte: „Es gibt gar keinen anderen Künstler, der eS so hätte malen können, das sieht man an jedem Pinselstrich. Kein Kopist wäre im- stände gewesen, es so nachzubilden." Darauf erwidert der französische Inspektor der schönen Künste B a y o t:„Ich bin nicht der Einzige, der an der Echtheit zweifelt. Die einzige Lösung der Frage wäre die Einberufung einer intcr- nationalen Jury, der alle Dokumente unterbreitet werden müßten, die geeignet sind, Klarheit über die Echtheit zu fassen. Diese Jury würde auf Grund des vorliegenden Materials Watteau geben, was Watteau gebührt und dem Kaiser, was des Kaisers ist." Was Bayot vorschlägt, iväre fteilich das verimnftigste. Und wenn die preußischen Watteauschwärmer ihrer Sache so sicher sind, wäre es sogar ein geschickter Schachzug. daraus einzugehen. Aber die Herren dekretieren lieber und machen sich dadurch in der ganzen Well unbeliebt. Sie werden statt einer objektiven llnterluchung wahrscheinlich lieber Bode orakeln lassen, der dann den Watteau für ebenso echt wie die Flora erklären und jede ausländische Einmischung ablehnen wird. — Renntiere in der Schweiz. Im Bezirk Engadin de? Kantons Graubünden sind zwei von einem Hotelier gekaufte Reimtiere eiilgettoffen, die man in der Gegend zu akklimatisieren hofft. Bei der Höhe dieses Bergtales<1850 Meier) und dem fünf Monate festliegende» Schnee glaubt man. diese Tiere balten und zu nützlichen Dienstleistnngeil verwenden zu können. Im Sommer müßte man sie freilich an höheren Orten in möglichster Schnccnähe unterbringen Auch in der Gegend des großen St. Bernhard(2500 Meter), des Simplon und in de» Hochtälern des Juragebirges würden die Renntiere treffliche Dienste leisten. Ein vor 40 Jahren schon im Val Rosegg gemachter Versuch ist fehlgeschlagen. 100 SR. wird bestraft, wer leichtfertig durch eine auf unwahre Be- Häuptlingen gestützte Beschwerde über Seeiintiichtigteit deS Schiffes oder Mangelhaftigkeit des Proviants eine Untersuchung veranlagt I So nimmt dieser K t08 dem Seemann die Möglichkeit, die Beschwerden vorzubringen; denn jeder vernünftige Mensch wird sich sagen, daß er daniir ja doch nicht durchdringt und daß er deshalb die Dinge lieber laufen läßt, Ich meine, die Regierung sollte doch ernstlich die Frage prüfen, ob sie nicht der Resolution, die ich zu Anfang verlesen habe, jetzt endlich Folge geben will. Weil eben die Kommission damals selbst Zweifel hegte, daß der Seeniann durch die SeemannSordnung ge- niigend geschützt sei, hat sie diese Resolution beschlossen, die dann der Reichstag einstimmig angenommen hat. Wenn die Kommission geahnt hätte, daß die Resolution von den Verbündeten Regierungen einfach aä acta gelegt würde, so würde die Seemannsordnung in ihrer heutigen Gestalt nicht Gesetz geworden sein.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Auf dem Lande haben wir Fabrikinspektoren und andere Instanzen, welche kategorisch auf Durchführung von Unfallverhütungsvorschriften dringen, aber den reichen Reedern darf man inemals sagen: dies oder jenes müßt Ihr durchführen I Die inuß man immer mit Samthänden anfassen. Wenn die Re- gierung der Resolution Nicht nachkommt, so macht sie sich zum Mit- schuldigen der kapitalistischen Großreederinteressen. Will sie vielleicht warten, bis«in zweiter Fall„Elbe" eintritt? Ii» den letzten November- und Dezemberstürmen hätte sich das sehr leicht ereignen können. Im Namen der Menschlichkeit und Gerechtigkeit fordern wir endlich die Durchführung der vor acht Jahren beschlossenen Neso- lution. sLebhastes Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Bundeskommissar Geheimrat Lcwald: Herr Schwartz hat über die Unfälle zur See eine Durckschnitlsstatistik der letzten sechzehn Jahre angegeben. Das ist irreführend, denn dabei kommt nicht zum Ausdruck, wie sehr die Unfälle gerade in den letzten Jahren abgenommen haben. Bei der Resolution vom Jahre 1902 war eine der Hauptforderungen die Tiefladelinie. Diese Forderung ist inzwischen erfüllt und auf internationalem Wege zwischen England, Frankreich und uns die Vereinbarung getroffen, daß unsere Tiefladelinie auch dort anerkannt Wird. Bei den Verhandlungen mit Frankreich hat sich gezeigt, daß unsere Einrichtungen der Schiffe geradezu vorbildlich sind, und sie sind von Frankreich auch aum Muster genominen. Die SceberufSgenoffenschaft hat immerhin einen halbamtlichen Charakter. Ich freue mich, daß der Vorredner so viel Vertrauen zur staatlichen Aussicht bat, aber würden wir die Auf- ficht der Sceberufsgenossenschafl nehmen und die volle Staats- aufsicht einführen, so Würde sie doch in den Händen derjenigen Per- fönen bleiben, in denen sie jetzt liegt. Die Zahl der Unter- fuchungen der Seeberufsgenossenschaft ist in den letzten sechs Jahren von 1150 auf über 5000 gestiegen, die hierfür aufgewendeten Kosten von 70000 M. auf 230 000 M. Wir haben also gar keinen Anlaß, unser durchaus sicher wirkendes System, bei dem die Kontrolle durch unabhängige Männer— wenn sie auch von der Seeberufsgenossen- schaft angestellt sind— ausgeübt wird, zu ändern. Ein gewisser Mangel war bisher, daß die Kontrolle in außerdeutschen Häfen nicht ausgeübt wird, aber auch das ändert die Seeberufsgenossenschaft jetzt ab.(Beifall rechts.) Abg. Heckscher(frs. Vg.): Die SeeberufSgenoffenschaft leistet ganz Ausgezeichnetes. An dem Fall der„Hermine" ist sie nicht schuldig. Eine englische Charterfirma ist an den deutschen Kapitän mit der schamlosen Aufforderung herangetreten, gegen eine hohe Summe das Schiff auf den Strand zu setzen. Ich erkenne an, daß es ein Verdienst de» Herausgebers des lozialdemokratischen �ach« organS, Müller, gewesen ist, diese Sache an die Oeffentlichkeit zu bringen. Er»st deshalb wegen Beleidigung angeklagt, aber glänzend freigesprochen. Der Kapitän hätte richtiger ge- tan, den elenden Kerl, der ihm die 6000 M. bot, über Bord zu iverfen(Heiterkeit), statt sich überhaupt auf Verhandlungen mit ihm einzulassen.(Sehr richtig!) D>e allgemeinen Folgerungen wie Herr Schwartz kann ich aus diesem einen Fall nicht ziehen. Protestieren muß ich auch gegen die Behauptung deö Herrn Schwartz:„Die Seeleute arbeiten und der Kapitän und die Schiffsoffiziere befehlen." Einem alten Seebären hätte ich eine solche Aeußerung nicht zugetraut.(Bravo! bei den Freisinnigen.) Abg. Dahlem(Z.) wünscht Einführung der Sonntags« und Nacht- ruhe für die deutsche Schiffsbevölkerung. Das Kapitel wird bewilligt. Beim Kapitel Statt st isches Amt kritisiert Abg. Dave(frs. Vg.) eine Statistik über die Ein- und Ausfuhr, die den Handelskammern zugegangen sei. Staatssekretär Delbrück betont, daß die den Handelskammern zugegangene Denkschrift nur Zahlenmaterial, das sonst nicht zugäng- lich war, zur Verfügung stelle, aber nichts beweisen sollte. Abg. Bassermami(natl.) spricht ebenfalls zugunsten der Sonntags- xuhe der Schiffer. Staatssekretär Delbrück erklärt, daß man gleich nach dem Ein- laufen des Gutachtens des ReichSgesundheitSamtes an eine Regelung der Materie durch ReichSgesetz herangehen werde. Abg. Brey(Soz.) begründet die Resolution Mbrecht auf Er- Hebungen über die Arbeitsverhältnisse der bei Herstellung von Säuren und Teerfarben beschäftigten Farben, namentlich in den Betriebsabteilungen, in denen mit giftigen und explosiven Stoffen gearbeitet wird. Die Erhebungen sollen sich erstrecken auf die Ge- fahren für Leben und Gesundheit in diesen Betrieben, aus Schicht- Wechsel, Arbeitszeit, Zahl der Schichten und Doppelschichten, auf Länge der Wechselschichten, Ueberstunden und auf die Frage, inwie- fern die Einführung eines sanitären MaximalarbeitStages geboten erscheint. Darüber, daß gesetzliche Hilfe zur Abstellung der Mißstände in der chemischen Industrie dringend geboten ist, sind sich alle in dieser Industrie beschäftigten Arbeiter, unbekümmert um ihre politische und gewerkschaftliche Stellung, einig. Die Unternehmer sind freilich der Meinung, daß eigentlich schon zu viel Arbeiter- schütz in der chemischen Industrie vorhanden sei! So führt die Farbenfabrik Elberfeld in ihrem Geschäftsbericht bewegliche Klage über die Belastung durch die sozialpolitische Gesetzgebung. Sie behauptet, das gute Verhältnis zwischen Arbeitgebern und Arbeitnebmcrn werde durch die zahllosen geplanten Vorschriften nicht gefördert. Dabei betrug der Nettogewinn dieser Farbenfabrik 18 Millionen Mark, pro Ardeiter einen Profit von 1000 Mark (Hört! hört I bei den Sozialdemokraten), und trotz dieses berauschenden Gewinnes das Stöhnen über sozialpolitische Eingriffe! In Wirk« lichkeit sind die Arbeiter in der chemischen Industrie ganz unzuläng« lich geschützt. Ihre Ausnutzung kennt hier fast keinerlei Beschränkung. Wie mangelhaf» die Fürsorge der Unternehmer für den Schutz der Gesundheit ihrer Arbeiter in dieser Industrie ist, beweist ein typischer Fall, der sich 1907 in der Ehemilchen Fabrik Schering u. Co. er- eignete: Ein Arbeiter war durch flüssige Gase zu Tode gekommen, und in dem Obergutachten. daS Professor Lewin in dem Kampfe der Witwe um die Rente anstellte, gab er eine Reihe von Maßnahmen an, die von der Betriebsleitung zum Schutze des Arbeiters hätten getroffen werden müssen, und sagte am Schluß, eS sei wunderbar, daß hier nicht strafrechtlich eingeschritten sei.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Durch die Erhebungen des Beirats für Arbeiterstatistik ist die einzige Möglichkeit gegeben, die Arbeiter an der Klarstellung dieser Zustände teilnehmen und sie aus ihrer praktischen Erfahrung heraus Vorschläge zum Schutze ihres Lebens und ihrer Gesundheit machen zu lassen. Natürlich müßten bei der Beaufsichtigung auch aufrechte, organisierte Arbeiter herangezogen werden. Die chemische Industrie, die ein Bild � der Kapitalkonzentration und Solidarität bietet, wie eS einzig dasteht. verfolgt die organisierten Arbeiter mit glühenden, Haß.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) CS , mißte der ganze Gefahrenkomplcx der chemischen Industrie durch den Beirat für Arbeiterstatistik erforscht werde». Wir verkennen aber nicht die Schwierigkeiten, die dieser Aufgabe entgegenstehen, und schlagen daher nur vor. die Erhebungen auf die Herstellung von Säuren und Tyrrfarben zu beschränken. Die Gefahrengröfie in der chemischen Industrie wird beleuchtet durch die Zahl der Unfälle, die die Zahl kn allen anderen gewerblichen Berufsgenossenschaften übertreffen und in den letzten zehn Jahren fortgesetzt gestiegen find.(Hört I hört I bei den Sozialdemokraten.) Das beweist am besten, wie berechtigt der Ruf nach Arbeiterschutz in der chemischen Industrie ist. Bei der Herstellung von arsenhaltigen Säuren kommt es zu Vergiftungen und Ver- äyungen. Die Krankheitserreger gelangen durch die Haut in die Verdarnmgsorgane, dringen durch die Lunge in daS Blut. Aehn- liche Erscheinungen beobachtet man bei der Salpetersäure. Hier kommen noch hinzu schwere nervöse Störungen, Krämpfe, Er- krankungen des Herzens, die zu Zerrüttungen des Organismus führen. In diesem Znstand finden die Arbeiter dann nur noch sehr schlecht bezahlte oder gar keine Arbeit mehr; sie verbluten an unsichtbaren Wunden, die sie auf dem Schlachtfelde der Industrie erhalten haben, ohne daß sie die Hilfe in Anspruch nehmen können, welche für die übrigen Opfer der Industrie durch die Gesetzgebung geschaffen ist, Weil nur in den allerschwcrsten solcher Bergiftungcn ein Unfall als vorliegend erachtet wird.(Hört! hört! bei den Sozial- demokraten.) Besonders gefährlich sind auch Salpeter und Nitrin- säure, die zur Herstellung von Explosivstoffen verwendet werden. Selbst jugendliche Personen Werden in so gefährlichen Betrieben be- schäftigt.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Ein solcher jugendlicher LaboratoriumSgehilfe, der verunglückte, Wurde erst am nächsten Morgen gefunden I Einem so schaurigen Schicksal bilsloS ausgesetzt zu sein, daS hebt sicher nicht die Freude an der Arbeit. (Sehr Wahr! bei den Sozialdemokraten.) Daß hier nicht sofort Hilfe dabei gewesen ist, beweist die Mangelhaftigkeit des Arbeiter- schutzes. Die Explosionen haben sich übrigens feit dem Unglück in Griesheim- Elektrum recht oft wiederholt. Zwei Explosionen ereigneten sich in R a d e b e u l. Von den schwerverletzten Arbeitern befinden sich noch vier im Krankenhause. Man muß in solchen Bezirken geweilt, man muß die verstümmelten Gestalten, die entstellten Gesichter gesehen, die Klagen der Witwen und Waisen gebört haben, um zu der Ueberzeugung zu gelangen, daß schnelle und durchgreifende Hilfe notwendig ist. (Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Im Auslände hat man schon Maßregeln ergriffen. In England sind Aerzte und Standesämter zur Anzeige jedes durch Vergiflung herbeigeführten Todesfalls verpflichtet, und in Nordamerika sind die Arbeitskanimern mit Erbebungen über die chemische Industrie betraut worden. Es ist dort festgestellt worden, daß 19 Proz. aller in der Farbindustrie beschästigten Arbeiter tuberkulös sind. (Lebhaftes Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) So unvollständig das Material auch ist, daS uns vorliegt, so viel steht fest: daß in der deutschen Farbindustrie die' Verhältnisse mindestens ebenso schlimm sind. DaS zeigen z. B. die erschreckenden Ziffern der Badischen Anilinfabrik. Wie.ein Hauch des TodeS lagert es sich über die Nachbarschaft solcher chemischen Fabriken. Nichts gedeiht dort: die Blumen verwelken, die Fruchtbäume tragen kein Obst. Da sollte man doch daran denken, endlich für die Leute etwas zu tun, die in allererster Linie, direkt und unmittelbar, von den schrecklichen Wirkungen dieser Blut- und Magengifte betroffen werden. Dabei sind die Ausdrücke, die die Vertrauensärzte dieser chemischen Fabriken wählen, ganz außerordentlich vorsichtig gefaßt. Von„Erkrankung der Atmungsoraane",«Erkrankung der Haut" wird gesprochen, wenn reguläre Arsenik-Anilinvergiftungen vorliegen! (Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Unsere Resolution verlangt, daß auch über den Arbciterwcchsel in der chemischen Industrie Erhebungen veranstaltet werden. Dieser Arbeilerwechsel ist ein ganz kolossaler, steigt stellenweise auf 60 pro 100 Arbeiter.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Der Arbeiterwechsel bezweckt, die Betriebskrankenkassen vor allzu großer Belastung zu bewahren; er ist übrigens, wie die Sachen jetzt leider liegen, der einzige Schutz der Arbeiter vor den schrecklichen Folgen der Beschäftigung in der chemischen Industrie. Wir verlangen daher, daß umfassende Er- Hebungen über die Arbeitszeit und den Schichtenwechsel veranstaltet werden. Wenn irgendivo, so ist eine Verkürzung der Arbeitszeit gerade hier geboten. 18stllndige, 24stündige, sogar ZSftllnclige 8chicbten kommen hier vor!(Lebhaftes Hört! hört! bei den Sozialdemo- kraten.) Es ist ein wahrer Raubbau an der Gesundheit, am Leben der Arbeiter, der hier betrieben wird.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Dazu kommt die Vorliebe der Herren in der chemischen Industrie für die Beschäftigung jugendlicher Personen. Dadurch wird älteren Arbeitern die Arbeitsgelegenheit genommen. Mit dem Entlaste» krank gewordener Arbeiter, der Invaliden vom Schlachtfelde der Industrie, ist man gerade in den chemischen Be- trieben äußerst schnell bei der Hand. Die chemische Industrie ist sehr wohl in der Lage, einen wirk- samen Arbeiterschutz zu ertragen. Aber die in ihr maßgebenden Herren denken nicht daran; sie rühmen sich vielmehr ihres Einflusses auf maßgebende Stellen, den sie im Sinne der Hintertreibung ernsthafter politischer Matzregeln benutzen. Demgegenüber hat der Kongreß der chemischen Arbeiter die Mindestforderung zu- sammengeftellt, die zum Schutz von Gesundheit und Leben erhoben werden müssen. Unsere Resolutwu stellt diese Mindestforderungen zusammen. Die Arbeiter der chemischen Industrie bitten dringend um Erfüllung ihrer wahrlich nicht unbescheidenen Wünsche. Wir bitten im Namen der chemischen Arbeiter um möglichst einstimmige Annahme unserer Resolution.(Lebhafter Beifall be» den Sozialdemokraten.) Abg. Faßbender(Z.) bedauert das Eingehen des statistischen Jahrbuchs der ZentralgenossenschaftSkasse und wünscht, daß die Ge- nossenschasten reichSgesetzlicki zu Mitteilungen an daS reichsstatistische Amt verpflichtet werden sollen. Abg. Gothein(frs. Vg.) äußert im Hinblick auf die ungünstige Lage der Schiffahrt und auf die Ungunst deS Klimas im östlichen Deutschland Bedenken gegen die generelle Regelung der Sonntags« ruhe der Binnenschiffer. Abg. Legien(Soz.): In bezug auf die Statistik der Genossenschaften kann ich mich den Ausführungen des Kollegen Faßbender nur anschließen. Hoffentlich wird aber auf dem Gebiete der GenoffenschaftSstaiistik nickt derartig langsam und lückenhaft gearbeitet wie auf dem Gebiete der Streikstatistik. Auf dem Gebiete der Streikstanstik ist die amtliche Methode vollkommen falsch und unzureichend. Anstatt aber die Grundlage der Methode zu ändern und die Statistik dadurch besser und ver- gleichbar mit der Statistik der Gewerkschaften zu machen, wird die Methode noch verschlechtert, und man macht sie dadurch völlig unvergleichbar mit der Statistik der Gewerkschaften. Daß die amtliche Statistik unbrauchbar und unzuverlässig ist, beweist schon der Umstand, daß sie weniger SireikS aufzähli als die gewerk- schaftliche. Die Statistik der Gcneralkommission der Gewerkschaften kann doch nur die Streiks der Arbeiter nachweisen, die denjenigen gewerkschaftlichen Organisationen, welche an die Generalkommission angeschlossen sind, angehören, dagegen nicht die der christlichen Organisationen, der Hirsch-Dunckerschen Gewerkvereine, vor allem nicht die Streiks der unorganisierten Arbeiter. Bis zum Jahre 1903 hat denn auch die amtliche Statistik mehr Streiks nachgewiesen als die gewerkschaftliche, und zwar betrug das PluS vom Jahre 1901 bis zum Jahre 1906 989 Streiks. In den Jahren 1907 und 1903 aber weist sie 527 Streiks weniger nach l Ans dieser einfachen Tatsache erhellt schon, daß die amtliche Statistik unbrauchbar und für die wiffenschaftliche Untersuchung unverwendbar ist. Weiter zählt die amtliche Statistik in der letzten Publikation 1106 Angriffsstreiks und 211 Abwehrstreiis auf, und das in einem Jahre der größten wirtschaftlichen Depression! Wer nur einiger- maßen die»virtschaftlichen Verhältnisie kennt, muß sich sagen, daß daS ein Unsinn ist, da in einem Krisenjahr die Angriffsstreiks nicht die Abwehrstreiks überwiegen können. Die gewerkschaftliche Statistik weist das auch nach, fie enthält 651 Angriffsstreiks und 1090 Abwehrstreiks.(Hört, hört! bei den Sozialdemokraken.) Mfo«ich diese Angabe zeigt, daß die amtliche Statistik nichts wert sein kann. Weniger Wert will ick, darauf.legen, daß die amtliche Statistik im Jahre 1908 nur t5,3 Proz. erfolgreiche und 52,3 Proz. erfolglose Streiks kennt, während nach der G e w e r k s ch a f t s st a t i st i k 17,7 Proz. erfolgreich waren und 32,3 Proz. erfolglos. Die amt- liche Statistik bedient sich hier eben der Auskünfte, die sie von den Polizeiorganen bekommt, und kann daher nicht zu- verlässig sein. Die amtliche Statistik weiß auch nichts von dem Verlust an Arbeitsverdienst, nichts von den Errungenschaften der Gewerkschaften, vor allen Dingen nichts von den erfolgreichen Lohnbewegungen, die ohne Arbeitseinstellung zum Ziele geführt haben; sie ist also Wertlos, völlig falsch und irreführend» und ich nehme keinen Anstand, zu erklären, daß man daS im Reichsamt des Jimer» sehr gut weiß. Durch diese Statistik wird das Ausland über die wirtschaftlichen Kämpfe in Deutschland irregeführt, und ich halte es für geradezu unverantwortlich, daß das Reichsamt des Inner» dazu seine Hand bietet.(Sehr'wahr I bei den Sozialdemokraten.) Um eine Aenderung der amtlichen Statistik herbeizuführen, ver- langten wir bereits, daß das Statistische Amt mit den Gewerkschaften sich in Verbindung setzt. Der Staatssekretär erklärte aber im vorigen Jahre, er werde sich von den Arbeitern keine Vorschriften machen lassen. Wir wollen es nunmehr mit einem anderen Wege versuchen: wir wollen, daß der Reichstag zu der Frage Stellung nimmt, und haben deshalb eine Resolution eingebracht: der Reichskanzler möge eine Aenderung der Formulare für die Statistik über die Streiks und Aussperrungen in Deutschland veranlassen, wo« nach das Reichsstatistische Amt an Stelle der heutigen unvollständigen und unzuverlässigen eine wissenschaftlich einwandfreie Streik- statistik veröffentlichen kann. Man sollte doch erwarten, daß einer solchen Resoliliton alle Parteien deS Reichstages zustimmen. Aber wir erleben eö, daß sofort, nachdem unsere Resolution vorliegt, vom Zentrum eine andere eingebracht wird, welche die unserige abzuschwächen sucht, indem der Beirat für Arbeiterstattstik mit Beratungen beauftragt werden soll. wie die Streikstatistik zu verbeffern und weiter aus- zugestaltcn ist. Wozu denn dieser Umweg statt deS direkten Weges, den wir vorschlagen? Schon vor zwei Jahren mußte sich daS Statistische Amt außerstande erklären, eine Aenderung der Streik- statistik herbeizuführen, weil eine Aenderung der Erhebungs- formulare nur vom Bundesrat angeordnet werden kann, nicht vom Beirat für Arbeiterstatistik.(Zuruf im Zentrum: Der Beirat kann Vorschläge machen!) Gewiß, aber wozu denn dieser Umweg? Ich bitte auch die Herren vom Zentrum, in erster Linie den Weg zu gehen, den unsere Resolution weist. Liegt einmal ein Beschluß des Reichstages vor. so wird wohl auch der Staatssekretär sich genötigt sehen, den Wunsch des Reichstages zu erfüllen.(Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Hiermit schließt die Diskussion. Der Titel wird bewilligt. Vizepräsident Erbprinz zn Hohenlohe stellt zunächst die von Legien empfohlene Resolution zur Abstimmung und erklärt das Resultat für z w e i f e l h a s t: er müsse die Abstimmung wiederholen lassen.(Bei der schwachen Besetzung der Rechten und des Zentrums steht die Mehrheit des Hauses. Lebhafte Zurufe bei den Sozialdemokraten:„Dir Mehrheit steht!") Der Vizepräsident erklärt nunmehr die Resolution für angrnommc».(Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Daraus Wird die Resolution des Zentrums angenommen, die andere sozialdemokratische Resolution auf Erhebungen über die Arbeitsverhältnisse in der Säuren- und Teerfarbenindustrie) ab- gelehnt. Beim Kapitel „Gesundheitsamt spricht Abg. Jäger12— 3 Uhr Heute Real turtle soup Cocky Lecky Mutton-chops mit haricots verts Ham and eggs Nachmittags Afternoon tea mit toast, Butter und Marmelade Kranzler-Büfett Erfrischungsraum— Kaffee pro Pfund 2.00 RAcl-�lliincr�n auf kalte Platten, div. belegte Brötchen, PCS teil uug cn Mayoimaisen> Salate) Kuchen, Torten und Eisspeisen werden sorgfältig ausgeführt Rollschinken tJfcJ f�pfd. 1.25 Schinkenspeck.... m 98 Pf. Holst. Zervelatwurst pfd.1.10 Holsteiner Salami.p» 1.10 Schinkenwurst 1.20 Teewurst.........?«. 1.10 Mettwurst(Bnumschw. Art) Pfd. 90 Pf. Feine Leberwurst. Pfd. 95 Pf. Landleherwurst... Pfd. 85 Pf. Rotwurst 1 und II pfd. 70, 50 Pf. Kassel. Rippespeer Pfd.85»95 Pf. Kasseler Filetstück Pf»nd 1.00 SCHWEINEFLEISCH Schinken......... Pfund 75, 80 Pf. Kamm und Schuft... Pfand 85 Pf. Bauch.............. Pfand 70 Pf. Rückenfett.......... Pfand 70 Pf HAMMELFLEISCH Keule........... Pfand 85 b« 90 Pf. Dicke Rippe..... Pfand 75 bis 80 Pf. Kamm.............. Pfand 75 Pf. Dünnung............ Pfand 60 Pf. Leb.Hechte pfd.90 pt. j Leb. Schleie Pfd. 1.10 1 Rehfleisch buh st 2.00 bis 2.50, ic-ni° st 6.00 bis 8.00, Rücken st. 8.00 bis 10.00 In der BÜCH ER- Abteilung Verkauf gelesener, gut erhaltener Bände der Leihbibliothek Einbändet' zuir Hälfte des regulären Preises BARTSCH, Elisabeth Kött 9 Cfk statt 5.00 nur BRAUN, Memoiren einer Sozia- kZ 9� listin.... statt 7.50 nur-J*' FRENSSEN, Klaus Hinrich Baas O Aft statt 6.00 nur HART, Das heilige Feuer O AA statt 6.00 nur-'•'-'U HEDIN, Transhimalaja"1 A AA statt 20.00 nur-lv.UU HEIMBURG, Diverse Romane f) AA statt ä 4.00 nur ä HERZOG, Hanseaten 9 statt 5.00 nur �»»7" KAHLENBERG, Spielzeug 0 0� statt 4.50 nur MANN, Königliche Hoheit D 9� statt 6.50 nur MARL1TT, Diverse Romane 9 AA statt ä 4.00 nur ä MAY, Reiseromane 9 CA statt ä 4.00 nur a OMPTEDA, Exzelsior O"IC statt 7.50 nur SOHNREY, Grete Lenz 9 CA statt 5.00 nur STRATZ, Für Dich 9 CA statt 5.00 nur SUDERMANN, Das hohe Lied O AA statt 6.00 nur O.V/li VOSS, Alpentragödie 9*7C statt 5.50 nur WERNER, Diverse Romane' 9 AA statt ä 4.00 nur ä WOLFF, Der Sachsenspiegel O AA statt 6.00 nur-J-UU ZAHN, Einsamkeit O OC statt 4,50 nur PERFALL, Aus meinem Jägerlehen 9 OC statt 4.50 nur Verantwortlicher Redakteur Richard Barth, Berlin. Für den Lnscratcntcil vcrantw,: Th, Glocke, Berlin, Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u, Vcrlagsanstalt Paul Singer Lc Berlin LW, Nr. 53. 27. Iahrgavg. 2. KtilU Ks J«Stfs" KerüM itollislilalt. Irritns, 4. Püti 1910. Stadtverordneten'Versammlung. 8. Sitzung vom Donnerstag, den 3, März. nachmittagsSUHr.! Der Vorsteher Michelet eröffnet die Sitzung nach S'/h Uhr und veranlaßt zunächst die nachträgliche Einführung des im November v. I. wiedergewählten Stadtv. Dr. K n a u e r. Der Stadtv. Singer(Soz.) hat wegen schwerer Erkrankung Weiteren Urlaub angezeigt. Die Vorlage betr. die Auswahl der im Rechnungsjahre 1310 neu- bezw. um zupflasternden Straßen und Plätze wird wie üblich einem besonderen Pflasterausschuh überwiesen. Es folgt die Berichterstattung über die Vorlagen betr. 1. die endgültige Fastung der Umsatzsteuerordnung. 2. die Einführung einer Wertzuwachssteuer. Referent Stadtv. Gallnnd hebt hervor, daß auch jetzt wieder im Ausschusse verlangt worden sei, daß die Umsatzsteuer auf die Wert- zuwachsstcuer ganz oder teilweise angerechnet werden solle. Die Mehrheit habe dieses Ansinnen um so mehr abgelehnt, als zurzeit das finanzielle Ergebnis der Zuwachssteuer absolut nicht zu über- sehen sei; vielleicht möchte es in späterer Zeit, wenn die Reichs- zuwachssteuer gewisse Grundzüge für die Beurteilung dieser Frage geliefert hätte, tunlich sein, einen Teil der Umsatzsteuer anzurechnen. Den neuen Gesichtspunkt der Vorlage, die Heranziehung der Ge- scllschaften mit beschränkter Haftung und der Vereine zur Umsatz- stcuer, auch im Falle von Personalveränderungen, hat der Aus- schuh nur in beschränktem Umfange gelten lasten können, nämlich nur insoweit derartige Gesellschaften usw. satzungsgemäh oder tatsächlich den Erwerb und die Veräußerung oder die Verwertung von Grundstücken oder von Rechten, die Grund- stücken gleichstehen, bezwecken. Auf Antrag der Stadtv. Sökeland(A. L.) und�Werncr(N. L.) wird die neue Fastung der Umsatzsteuerordnung ohne weitere De- balte en bloc genehmigt. Referent Stadtv. Dr. Levy: Ich betrachte diese Beschlußfassung als ein gutes Omen für die Wertzuwachssteuer. Der Aus- schuh Ijat in 8 schweren, mühevollen Sitzungen trotz der Schwarz- seher ein zwar nicht vollendetes, aber relativ sehr gutes Werk zu- stände gebracht, das mit allen gegen 2 Stimmen Annahme fand. Vor 3 Jahren, als die damalige Vorlage abgelehnt wurde, lagen unsere Finanzen so glänzend, wie sie heute ungünstig liegen. Da- uials stand es auch weit besser um den Zuwachs der Bevölkerung und die Zahl der unvermieteten Wohnungen; man braucht also jetzt auch nicht zu fürchten, daß ein Teil des Baugewerbes in die Vor- orte auswandert, zumal diese inzwischen auch fast alle die Zu- wachssteuer eingeführt haben. Wir wollen die Stcuer und wir brauchen sie. Als Milderung hat der Ausschuß unter anderem be- schlössen, die Anrechnung der Kosten des Erwerbspreises statt mit 3 mit bis zu 5 Proz. Völlig umgestaltet haben wir im Ausschuß das Ermittelungsverfahren für die Berechnung des Wertzuwachses. Verschärft haben wir dagegen die Progression der Steuer; wir machen nicht mit ö Proz. bei 43 333 Mk. Wertzuwachs Halt, sondern gehen bis 3 Proz. bei Beträgen von über 433 333 M..doch sollen inklusive der Zuschläge in keinem Falle mehr als 25 Proz. zur Er- Hebung gelangen. Als unberechtigt gestrichen wurde die Beftim- mung, wonach nur drei Viertel der Sätze zur Erhebung gelangen sollten, wenn die die Steuerpflicht begründende Tatsache mehr als 33 Jahre nach der letzten Veräußerung eintritt. Stadtv. Heimann(Soz.): Bei der ersten Lesung habe ich die jetzige Vorlage mit der früheren vergleichen müssen. Der Vergleich siel durchaus zuungunsten der neuen Vorlage aus; erheblichen Ver- schlchterungen standen einige Verdesserungen gegenüber. Diese Verschlechterungen und Abschwächungen der Vorlage hatte der Ma- gistrat teils freiwillig, teil suntcr dem Zwange einer preußischen Ministerialverfügung vorgenommen, die den Zweck hatte, die Steuer unergiebiger zu machen. Ich hielt schon bei der ersten Lesung die Taktik des Magistrats für falsch, und der inzwischen uns vorgelegte Etat hat mich in dieser Meinung nur bestärkt. Wir müssen sehr bedauern, daß es jetzt, wo der Mogistrat selbst eine so schwächliche Stellung eingenommen hat, kaum noch gelingen wird, eine wirk- lich kräftige Wertzuwachssteuer, wie sie Berlin sehr gut ertragen kann, zustande zu bringen. Die Wertsteigerung der Grundstücke im Innern der Stadt ist eine ungeheure; für diese spielt das bißchen Wertzuwachssteuer gar keine Rolle. Der Mag:- strat hat in den Etat nur 553 033 M. als Aufkommen eingesetzt. In Berlin haben in den letzten Jahren eine Menge Grundstücks- Umsätze zur Errichtung«euer Warenhäuser stattgefunden. Allem in der L e i p z i g e r S t r a tz e hätte die Steuer davon eine halbe Milli-n betragen.(Hört! hört!) Das zeigt, welche Riesensummcn bei unserer EntWickelung den Grundbesitzern zufließen, und cS zeigt, welche Summen wir durch die Ablehnung der Steuer vor drei Jahren verloren haben.(Zustimmung.) Denn unter nor- malen Verhältnissen ist der weitere Umsatz solcher Grundstücke doch ausgeschlossen. Ich will mich nicht weiter in Rekriminationen über die Vergangenheit ergehen, sondern meine Freude darüber aus- sprechen, daß überhaupt die Beratungen über die Wertzuwachssteuer im Ausschusse so rasch haben zu Ende geführt werden können. Unsere Bemühungen, dort an der Borlage noch zu bessern, sind leider vergeblich gewesen. Der Ausschutz hat zu den vielen Anrechnungen, die die Vorlage zuläßt, noch eine Menge weiterer hinzugefügt. Damit wird direkt die verderblichste Form der Spekulation, die Grundstücksspekulation, begünstigt und den Spekulanten eine Ansnahmestellung gewährt. Daß bei uns in Berlin unbebautes Gelände dauernd im Werte sinken könnte, ist ausgeschlossen. Zweifel- Haft kann nur die größere oder geringere Höhe des Gewinnes sein; Risiken trägt der Spekulant überhaupt nicht. Dazu kommt »iun noch, daß er unter allen Umständen bei späterem Verkauf seinen Erwerbspreis Plus aller Anrechnungen frei herauskriegt. Das wird ihn veranlassen, seine Grundstücke so lange liegen zu lassen, bis ihm der Verkauf rätlich erscheint. Diese Bestimmung auszumerzen ist leider nicht gelungen. Sehr empfindlich schmälert den Stadtsäckel auch dre Bestimmung, daß die nachgewiesenen Ausgaben nicht von dem Veräußcrungsprcis abgezogen, sondern dem Erwerbspreis hin- zugerechnet werden sollen; darin liegt abermals eine sehr große Begünstigung der Grundbesitzer. Der Stcuertarif ist ja erfreu- lickerweise im Ausschutz verbessert worden; insbesondere die Staffe- l»ng ist durch Annahme der Anträge Arons zu der besten und gleichmäßigsten gemacht, die existiert. Leider aber hat man auch hier wieder dem Baugewerbe eine Vorzugsstellung eingeräumt, die um so unnötiger wäre, als es ohnehin schon außerordentlich be» günstigt worden ist. Hauptsächlich Anstoß nehmen wir aber an der Bestimmung, daß die sogenannte rückwirkende Kraft sich nur bis zum 1. April 1835 erstrecken soll. Diese Vorschrift ist absolut un- gerecht; aber unser Versuch, diesen Stichtag zu beseitigen, oder ihn wenigstens bis 1873 zurückzudatieren, ist mißglückt. Diese eine Konzession des Stichtages von 1835 an die Grundbesitzermehrheil der Versammlung wiegt hundert- und tausendfach alle kleinen Ver- besserungen auf. Wir sehen aber von Gegenanträgen ab, weil sie aussichtslos sind; wir wollen nichts tun, was die Erledigung der Sache noch weiter verzögern könnte. Wären wir in unseren Entschließungen völlig frei, so würden wir uns sehr überlegen, wie wir zum Ausschußantrage Stellung nehmen sollten und ich bin sehr zweifelhaft, wie die Stellungnahme ausfiele; aber wir sind ja eben nicht frei. Die Mehrheit der Versammlung hat solange mit der Steuer gewartet, bis sie zur Einführung gezwungen wurde. Jetzt schwebt auch über uns die Reichssteucr wie ein Damokles- schwcrt; sie kommt, und zwar sehr schnell, und dann hätte Berlin überhaupt keine Möglichkeit mehr, sie einzuführen, und der Anteil Berlins an der Reichsstcuer würde sehr minimal sein oder ganz wegfallen, denn mgn könnte im Reichstage argumentieren, Berlin benötige, wie seine Haltung bewiesen habe, die Erträge aus einer solchen Steuer überhaupt nicht. Solche Schädigung der Kommune Berlin zuzufügen, wollen wir nicht verantworten, und schweren Herzens werden wir für die Ausschußbeschlüsse stimmen. Für die Einzclbestimmungen der Vorlage lehnen wir aber ausdrücklich jede Verantwortung ab(Heiterkeit bei der Mehrheit). Wir wollen noch im letzten Augenblick für Berlin retten, was zu retten ist, und wir stellen deshalb unsere prinzipiellen Bedenken zurück. Wir wollen helfen das Prinzip zum Durchbruch bringen, daß die Wert- steigerung des Grund und Bodens lediglich entsteht durch die Tätig- keit und die Aufwendungen der Kommune, und daß der Zustand nicht länger ertragen werden kann, daß dieser Gewinn unverdient den zufälligen Besitzern zufließt. Von der sozialen Seite der Frage zu reden, davon haben wir im November und jetzt abgesehen. Von sozialen Wirkungen der Vorlage nach der Seite des Wohnungs- Wesens zu sprechen, erschiene mir wie der reine Hohn; sie hat ledig» lich fiskalische Zwecke und erreicht auch diese nur unvollkommen. Der„schwarze Tag" von 1337, wo die erste Vorlage fiel, wird nicht ausgelöscht, wenn heute die Vorlage zur Annahme gelangt. Tic Schädigungen, die die Stadt durch jene Beschlüsse erfuhr, sind micht mehr wett zu machen. Man scheint ja jetzt in liberalen Kreisen mit etwas mehr Energie als früher gegen die Privilegien der Grundbesitzer auf dem Lande Ankämpfen zu wollen; soll es aber bei uns in Preußen besser werden, dann müssen nicht nur deren gesetzliche Privilegien, sondern mindestens eben- so diejenigen der Grundbesitzer in den Gemeindevertretungen fallen und letztere auf breite demokratische Grundlagen gestellt werden. Die Frage eines vernunftgemäßen Wahlrechts für Preußen(Große Unruhe; Rufe:„Gehört nicht hierhcrl") wird nicht eher zur Ruhe kommen, als bis sie im Sinne dieser Massen gelöst ist; ist das der Fall, dann wird die Umgestaltung des Gcineindelvahlrcchts folgen.(Der Vorsteher unterbricht den Redner; große Unruhe bei den Sozialdemokraten.) Kein späterer Gesetzgeber kann an der Tatsache vorübergehen, welches Bild die jetzige Zusammensetzung der Gemeindevertretung bietet. Wenn die Mehrheit sich jetzt dem Streben nach der Wertzuwachssteuer nicht mehr schroff widersetzt, so ist das einzig und allein dem Zwange von Verhältnissen zu danken, die mächtiger sind als ihr Wille; möchten die Lehren, die daraus zu ziehen sind, im Interesse der Gemeinde im allgemeinen und für die Entwickelung unseres Verkehrswesens im besonderen, nicht unbenutzt vorüber- gehen!(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Stadtv. Werner(N. L.): Nicht vor 3 Jahren, sondern jetzt erst sind die Voraussetzungen zum Zustandekommen einer Berliner Wertzuwachssteuer gegeben. Herr Heimann polemisiert gegen uns; er sollte sich erst mit seinen Freunden, die eine von der seinigen abweichende Auffassung vertreten haben, auseinandersetzen. Mit den Ausschußvorschlägen bin ich einverstanden, ohne deshalb die Steuer als eine berechtigte anzuerkennen. Ich empfehle die An- nähme der Vorlage. Stadtv. Cassel(A. L.): Herr Heimann tut so, als ob uns beinahe die Welt verloren wäre, weil wir vor 3 Jahren die Vor- läge nicht angenommen hätten. Der Ausschuß hatte eine ungemein schwierige Aufgabe zu bewältigen. Die Anrechnungen, die er hin- zugefügt hat, sind nur die Erfüllung des Gebots der Gerechtigkeit, denn es soll doch nur der Wert zuwachs besteuert werden. Nicht jeder Grundbesitzer erlebt die Erhöhung des Wertes seines Grund- besitzes. Die guten Lehren des Kollegen Heimann können wir nicht annehmen: er läßt dazu jede Objektivität zu sehr vermissen. Daß er die Mehrheit der Versammlung als eine Grundbesitzer- Mehrheit bezeichnet hat, müssen wir zurückweisen; wir werden auch mit unseren heutigen Beschlüssen vor unseren Wählern bestehen. (Lärmender Beifall bei der Mehrheit.) Stadtv. Dr. Preuß(soz.-fortschr.): In Wahrheit verdanken wir die jetzige Wertzuwachssteuer dem schwarz-blnuen Block und der Reichsfinanzreform: sie hat uns zu einem Fortschritt ge- z w u n g e n. In der Charakteristik der Vorlage und der Ausschuß- beschlösse schließe ich mich dem Kollegen H e i m a n n an. Wir freuen uns, daß in zwölfter Stunde überhaupt noch etwas zu- stände kommt. Man sollte die Vorlage cn bloc annehmen und von weiteren Abschwächungsversuchen abstehen. Stadtv. Haberland(A. L.): Ich habe meine Ueberzeugung in der Sache nicht geändert, bin auch der Meinung, daß das Reich sich durch die Berliner Wertzuwachssteuer nicht beirren lassen wird. Der unverdiente Wertzuwachs läßt sich von dem durch Arbeit und Intelligenz erworbenen und wohlverdienten gar nicht trennen. Die Grundstücksspekulation ist außerordentlich wichtig und nötig. Daß die Steuer die denkbar gerechteste ist. daß sich jetzt auch der Magistrat zu dieser Meinung bekehrt hat, ist sehr be- dauerlich, denn für Berlin wird sie für höchstens 15 Jahre von Bedeutung sein.— Der Redner begründet dann einen Antrag auf Abänderung des§ 3, um einen weiteren Schutz des Bau- gewerbes vor der Steuer herbeizuführen. Im übrigen schließt auch er mit dem Wunsche, daß die neue Steuer Berlin zum Segen gereichen werde. Stadtv. Moiumscn(Fr. Fr.): Es kommt hier doch lediglich auf die Praxis, nicht auf theoretische Erwägungen an. Im Herzen sind auch heute noch die Hälfte von uns Gegner der Steuer? um so wertvoller ist das im Ausschuß erzielte Kom- promiß. Herr Haberland sollte seinen Antrag zurückziehen., um die en bloc-Annahme zu ermöglichen. Stadtv. Haberland zieht, in der Hoffnung, daß das Reichs- wertzuwachssteuergesetz den erhöhten Schutz des.Baugewerbes bringen wird, seinen Antrag zurück.(Beifall.) Stadtv. Borgmann(Soz.) zieht hiernach auch einen von den Sozialdemokraten gestellten Antrag auf namentliche Abstimmung zurück.(Erneuter Beifall.) Stadtv. Ladewig(N. L.): Die große Mehrheit meiner Freunde stimmt für die Steuer; mit der Motivierung, die der Kollege Werner vorgetragen hat, steht er aber beinahe allein. Wir sind für die Stcuer, weil wir sie für eine der allergerechtesten halten. Stadtv. Dr. Knhlmann(Fr. Fr.): Im Interesse des Bauge- werbes und der Terrainspekulanten bedaure ich die Vorlage außerordentlich. Ich halte den heutigen Tag, wenn die Vorlage angenommen wird, für einen schwarzen Tag, denn zum erstenmal wird hier ein Beschluß gefaßt, der stark in die Eigentumskonfis- kation hineingeht.(Rufe: Hu! hul und Heiterkeit.) Die Borlage wird hierauf en bloc fast einstimmig angenommen. Mit der Schließung der Markthalle XIII in der Wörther und TrcSckowstr. am 1. Juli 1313 erklärt sich die Versammlung einverstanden. Die Vorlage wegen Erweiterung der städtischen Volköbabcanstalt in Moabit wird von den Stadtverordneten Hcrzbcrg(Fr. Fr.) und Cremer (A. L.) als nicht genügend durchgearbeitet bemängelt. Die Vor- läge geht an einen Ausschuß. Die Vorlage betreffend Festsetzung des Krontarifs für die elektrischen Kräne der städtischen Lagerhalle am Humboldt- Hafen beantragt. Stadtv. Cohn(Soz.), an einen Ausschutz zu geben, der insibe- sondere die Frage zu prüfen hätte, ob die Stadt nicht von dem immerhin wichtigen Stück wirklichen oder vermeintlichen Aufsichts- recht des Staates, um das es sich dabei handeln könnte, zu befreien wäre. Stadtrat Alberti glaubt nicht, daß Ausschußberatung etwas nützen könne. Stadtv. Jacobi(A.-L.) ist auch gegen Ausschußbcratung, ebenso Stadtv. Dyhrenfurth(Fr. Fr.), da die Stadt eigentlich von dem Tarif nur Kenntnis zu nehmen habe. Ter Antrag Cohn wird abgelehnt, die Borlage angc» nommcn. Es folgt die Vorlage betretend den Abschluß eines Vertrages über die Schnee-„nd Kchrichtaofnhr aus den Straßen Berlins. Stadtv. Dr. Rosenfcld(Soz.): Wir beantragen auch für diese Vorlage Ausschußberatung. Ihr steht zunächst unser Be- denkap entgegen, daß sie die Möglichkeit der Kommunalisierung der Kehrichtabfuhr um weitere 3 Jahre hinausschiebt. Prinzipielle Bedenken gegen eine solche Verstadtlichung sind bisher nicht geltend gemacht worden. Wir haben eine städtische Straßenreinigung: hat die Stadt einmal A gesagt, so muß sie konsequent auch B sagen. Die Verbindung mit den Rieselfeldern würde die Durch- sührung der Maßnahme noch erleichtern. Schon 1936 hat im Etat- ausschutz der Oberbürgermeister diese Anregung nicht ganz von der Hand gewiesen, und 1933 sind auch andere, so der Kollege Jacobi, dem Gedanken näher getreten. Wird jetzt der Bertrag, der 1333 auf drei Jahre bis 1312 geschloffen ist, bis 1315 verlängert, so möchte der Magistrat vielleicht in eine Erwägung der Frage gar nicht mehr eintreten. Die Vorlage erscheint an sich schon höchst auffällig; der Vertrag mit den drei Unternehmern ist erst seit einem Jahre in Kraft, und schon jetzt wünschen sie die Berlängc- rung bis 1315 und wollen eine Ermäßigung der Fuhrenprcise ein» treten lassen, und eine gar nicht unerhebliche, nämlich allein bei der Kehrichtabfuhr 233 333 M. Wie konnte der Magistrat dazu kommen, mit der Zumutung der Ermäßigung an die Unternehmer heranzutreten? Es soll dadurch ermöglich werden, in dem Be- triebe günstigere Einrichtungen zu treffen. Die Versammlung würde durch die Annahme dieser Vorlage sich mit ihren eigenen Vcschliissen in Widerspruch setzen. Es ist 1339 im Gegensatz zu dem Wunsch der Unternehmer nur ein dreijähriger Vertrag ge» schloffen worden; jetzt suchen sie auf einem Umweg eine Verlange- rnng auf sechs Jahre zu erreichen. Wir haben auch gesehen, daß sich auf diesem Gebiet ein Unternehmerring gebildet hat, dessen Einfluß wir durch die Annahme der Vorlage noch verstärken würden. Vom Magistrat wurde in diesem Punkt schon vor Jahres- frist eine Untersuchung verlangt; vielleicht ist die Preißerinäßigung eine Frucht der Untersuchung. Wir wollen im Ausschuß auch unter- sucht wissen, ob die zahlreichen Klage» der Arbeiter berechtigt sind(Unruhe bei der Mehrheit), die bei Tabbert, Fr icke und Krause beschäftigt sind. Es kommt doch darauf an, ob die Ar- beiter für die Stadt Arbeit leisten; sie leisten sie für die Stadt, auch wenn sie von Zwischenmeistern heschäftigt werden. Wie dec Magistrat, sind auch die Unternehmer tarifuntreu:„Wie der Herr, s o's Gcschcrr". Die Arbeitszeit dehnt sich bis zu Wlii, ja 17 Stunden aus. Der Tagelohn der Kutscher ist 3,53 M., nicht aber 5 M., was tarifmäßig wäre. Selbst die Wirtschaftsgenossen- schaft der Berliner Grundbesitzer zahlt den Kutschern 5,75 bis 6,53 M. pro Tag. Es herrscht bei Tabbert ein Strnfgeldcrsvstem, über welches Rechenschaft nicht abgelegt wird; bei Fricke wird den Kutschern der Lohn in einer Gastwirtschaft ausgezahlt, entgegen den Vorschriften der Gewerbeordnung. Die Arbeiter werden also in übermäßiger Weise ausgenutzt. Tie Borlage setzt sich auch in Widerspruch zu den allgemeinen Submissionsbedingungen der Stadt; die Unternehmer halten die vereinbarten Tarife nicht ein. Die Kulturaufgabcn sollen nach der Meinung der Wortführer dieser Versammlung nicht leiden; lassen Sic diesen Worten die Tat folgen, denn es ist eine.Kulturaufgabc, diese Kutscher besser zu stellen und sie auf eine höhere Kulturstufe zu heben.(Unruhe bei der Mehrheit.) Stadtv. Goldschmidt(N. L.) unterstützt den Antrag auf Aus- schußberatung. Stadtv. Jacobi(A. L.): Herr Rosenfeld hat eine Hymne auf die Verstadtlichung gesungen. BZir aber wollen genau prüfen, was sich dazu eignet, und ob wir dabei gut wegkommen. Die Unter- nehmer hätten uns diese guten Bedingungen vielleicht nicht ge- stellt, wenn sie sich nicht gesagt hätten: selbst der Jacobi hat mit Verstadtlichung gedroht.(Große Heiterkeit und Sehr richtig!) Die uns gemachte Offerte ist eine außerordentlich günstige. Mit deir Ringbildungen müssen wir rechnen. Herauskommen wird nichts aus einer Ausschußberatung. Stadtv. Solinger(N. L.) unterstützt den Antrag auf AuS- schußberatung. Die Versammlung beschließt demgemäß. Die Vorlage wegen Außerkraftsetzung des Vertrages mit der Laterncn-Rcklamegcsellschaft m. b. H. auf die Dauer von 4 Monaten wird auf Antrag des Stadtv. Ullstein(soz.-fortschr.), der das völlige Fiasko der„Manschetten" konstatiert und sich auch von der Anstellung andcrweiter Versuche keinen Erfolg für die Gesellschaft verspricht, ohne weitere Tis- kussion abgelehnt. Schluß der öffentlichen Sitzung 3VL Uhr. Sozialea* Gewerbcgericht. Aus der Sitzung der Kammer 8 vom 3. März 1313. Vorsitzender: Magistratsassessor Schultz. 1. Drückmi vor Tarifvereinbarungen. Die Falzerin Sch. klagte gegen den Buchbindereibesitzer Johannes Ginster auf Zahlung von 7,98 M. Lohn für 133 Stun- den. Sie ist mit 26 Pf. für die Stunde entlohnt worden, hätte aber 32 Pf. erhalten müssen. Die Sache hat bereits das Tarif- schiedsgericht der Buchbinder beschäftigt, das den Lohn von 32 Pf. als den richtigen anerkannt hat. Ter Beklagte zahlte auch vom Tage nach der Entscheidung diesen Lohn, entledigte sich aber bald der unbequemen Arbeiterin. Vor dem Gewerbegericht bestritt er, daß diesem Schiedsspruch rückwirkende Kraft innewohne. Das Gewerbegerickst verurteilte den Beklagten dem Klageantrag ent- sprechend, weil er als Mitglied der Tarifgemcinschaft zur Zahlung tariflicher Löhne verpflichtet ist. Daß der geforderte Lohn dem tariflichen entspricht, ist durch das Schiedsgericht bereits festgestellt. 2. Eine UcberstundcnveNveigernng als beharrliche Arbeits- Verweigerung. Der Hausdiener F. klagte gegen die Firma Lück u. Vetter, Buchbinderei, auf Bezahlung des Entlassungstages. Er ist des Morgens entlassen worden, weil er am Abend zuvor die erfovder- lichen Ueberstunden nicht geleistet hat. Das Gericht wies den Klageanspruch ab, weil es in der Ueberstundenverweigerung in diesem Falle eine beharrliche Arbeitsverweigerung erblickte. Dem Kläger sei als langjährigem Bnchhandlungspacker bekannt gewesen, daß die lleberstnnden unumgänglich notlvendig sind und ist auch noch von seinem Mitarbeiter darauf hingewiesen worden. 3. Dir berüchtigte Tütenfabrik Heitmann u. Rothe. Der bekannte Kautionsschwindler Albert Rothe befindet sich jetzt dank der Hinweise im„Vorwärts", der sich der Opfer dieses Herrn energischer annahm als die Polizei, in Nntersuchungshaft. Tie Betrogenen suchen nun mit Hilfe des Gcwerbegerichts wieder zu ihrem Gelde zu gelangen. Fast täglich gehen neue Klagen gegen die vorgeblichen Inhaber der Tütenfabrik in der Grünihaler Straße ein. Gestern klagte der Arbeiter Sckp. der mit acht anderen zusammen je 533 M. Kantion gestellt hat. Beide Beklagte sind im Termin nicht erschienen, so daß Versäumnisurteil erging. Leider besteht nicht die geringste Aussicht, daß die Kläger wieder zu ihrem Gelde gelangen werden. Die ansehnliche Zahl der Be- trcgenen läßt darauf schließen, daß die Warnungen zur Vorsicht bei Kaljtionsstcllungcn noch immer nicht genügend beachtet werden. i, WllNtt lkcgi in bcltl Zsttssctzeft Ker bis FeierlSgswocho ri'iie Umgehung des Tarifs? Ein NcchtLstreii, der sich hauptfächlich um die Auslegung der Bestimmungen des Tarifs für das Steindruckgewerbe handelte und dessen Ausgange auch der Arbeitergeberschutzverband im Stein- druckgewerbe cm lebhaftes Interesse entgegenbrachte, kam gestern tur Entscheidung. Es klagte der Lithograph W. gegen die Firma L. Boehme auf Bezahlung des ersten Weihnachtsfeiertages mit S M. ES war um die Weihnachtszeit ein schwacher Geschäftsgang eingetreten. Die Geschäftsleitung forderte, daß das Personal ab- wechselnd je eine Woche aussetze, wobei es den Arbeitern überlassen wurde, in welcher Woche sie aussetzen wollen. Der Kläger cnt schied sich mit sieben anderen Kollegen für die Woche vom 29. bis 25. Dezember. Tab Gericht wieS den Klagcanfpruch ab, sprach aber aus. daß wenn das Aussetzen eines erheblichen Teiles des Personals für die in Rede stehende Zeit von der Geschäftsleitung angeordnet worden wäre, hierin eine Umgehung der tariflichen Bestimmungen erblickt wäre, nach denen den Arbeitern die Feiertage zu bezahlen sind. Im vorliegenden Falle sei eine solche Umgehung des Tarifs nicht anzunehmen, weil die Arbeiter ihr Einverständnis erklärt hatten._ Selbstgcschaffene Gefahr". Die Rechtsprechung des Reichsversicherungsamtes„ent wickelt" sich immer mehr und das Wort von der„selbstgeschaffenen Gefahr" nimmt immer mehr Bedeutung an. Dies sollten wir wieder an einem Musterbeispiel erleben. Der Straßenreiniger H. zu Frankfurt a. M. war einige Tage im Dienst, als er mit seinen Nebenkollegen ein Gleise der Eisen- bahn passieren mußte, um zu dem Depot der Strahenreinigung zu kommen. Auf diesem Wege, mitten in der Betriebstätigkeit, wurde er von einem Eisenbahnzug überfahren und auf der Stelle getötet. Der armen Witwe des Getötete» schrieb die Bcrufsgenossen schaft zum Trost, daß sie keine Rente bekoinmen könne, weil der Vater ihrer Kinder einen verbotenen Fußpfad gegangen und daher durch eine selbstgeschaffene Gefahr getötet worden sei. Dem Schiedsgericht wurden nun Protokolle der Vorgesetzten des Getöteten vorgelegt, welche bekundeten, daß sie dem Per- storbencn„Anfang März 1908" den Weg ausdrücklich verboten hätten. Als die Witwe erwiderte, daß ihr Ehemann ja erst Ende März in den Dienst der Stadt getreten sei, wurde zugegeben, daß dieses Verbot auch Ende März erfolgt sei. Das Verbot sollte auch in Gegenwart mehrerer Mitarbeiter geschehen sein, doch meldete sich kein Zeuge dafür. Die Berufung der Frau wurde vom Schiedsgericht abgewiesen, da der Unfall zweifellos nur durch das Betreten„des Bahnkörpers, d. h. durch Uebertretung einer bahnpolizeilichen Vorschrift sich ereignet habe". Der Getötete sei also einen, Verbote zuwider den gefahrvollen Weg gegangen und „löste er damit den Zusammenhang mit dem Betriebe aus und setzte sich selbst einer Gefahr aus, die nicht mehr in den Rahmen seiner Betriebstätigkeit fiel". � Die Witwe bemühte sich nun, Zeugen aufzufinden, welche mit ihrem Ehemanne gearbeitet hatten. Dies ift ihr gelungen und wurden die Zeugen vom Neichsversicheruugsamt auch eidlich vernommen. Der Aufscher blieb bei seiner Aussage, daß er dem Getöteten auch die Benutzung des gefährlichen Weges verboten habe, konnte aber die Namen der Mitarbeiter nicht nennen, welche zugegen gewesen sein sollten. Ein Mitarbeiter des Getöteten sagte aber unter Eid aus, daß ihm„nichts bekannt war, daß den Arbeitern der Straßenreinigung jemals verboten worden sei. den Weg ent- lang dem Bahnkörper zu beschreiten. Ich glaube auch nicht, daß dem Verunglückten ein solches Verbot bekannt gegeben wurde, weil ich mit H. am selben Ort und zur selben Zeit gearbeitet habe. H. war fremd und wußte mit dem Weg noch nicht genau Bescheid, sonst wäre er schwerlich auf diese Seite gegangen". Ein weiterer Zeuge bekundete, daß er selbst diesen Weg sehr häufig benutzt habe. „Ein Verbot, diesen Weg zu benutzen, ist mir vor dem Unfall niemals bekannt gegeben worden." Er habe mit dem Getüteten mehrere Tage zusammen arbeiten müssen und glaubt nicht, dqß diesem ein Verbot bekannt war.„Der Wog ift aber vielfach benutzt worden unter anderem auch von Schulkindern, so daß ich mir nichts weiter dachte, vielmehr annahm, das Betreten werde von der Eisenbahn stillschweigend geduldet." In der Gegenschrift mußte die Berufsgenossenschaft zugeben, daß es„zwar schon vorgekommen sei, daß die erwähnte Bankette von Eisenbahnbediensteten benutzt worden sei" usw. Es fand sich in letzter Stunde noch ein Hilfsbahnwärter, welcher bezeugte, daß er„nachträglich hörte, daß der Mann von der Straße aus kommend übergestiegen sej". Das genügte aber dem Reichs- versichcruugsamtc, um den erhobenen Rekurs der Witwe abzuweisen. Die Vorinstanzen hätten richtig angeführt, daß H.„sich durch das Betreten deS Weges, auf dem er getötet wurde, einer selbst- geschaffenen, mit der ordnungsmäßigen Zurücklegung des Weges zum Depot nicht verbundenen Gefahr ausgesetzt hat".— Ja, das NeichsversicherungLamt legte gar keinen Wert darauf, daß der Verunglückte ein Neuling im Betriebe war oder gar kein Verbot gekannt haben könnte, denn„tatsächlich hat sich der Verstorbene von den links gehenden Arbeitern getrennt und ist auf einem rechts von dem eigentlichen Bahnkörper führenden Weg verunglückt, dessen Gefährlichkeit dem Verstorbenen, auch ohne daß ihm gegen- über ein ausdrückliches Verbot, diesen Weg zu gehen, ergangen war» keineswegs zweifelhaft sein konnte, weil eS allgemein bekannt ist, daß das Gehen in unmittelbarer Nähe der Schienen— noch dazu in Tunnels, wo ein Ausweichen nicht möglich ist— überaus gefährlich und deshalb verboten ist". Jetzt weiß auch die unglückliche Witwe, daß ihr Ehemann einem„Verbote zuwider" gehandelt, und wenn das Verbot gar nicht ergangen ist, doch wissen mutzte, daß der Weg gefahrvoll war und daher einer„selbstgeschaffenen Gefahr" zum Opfer gefallen ist. Von dem alten Ruhme des Reichsversicherungsamtes unter einem Boediker ist so gut wie nichts mehr übrig. Das Reichsgericht hat bis zum heutigen Tage das Haftpflichtgesetz weit humaner als das NeichsversicherungSamt ausgelegt. Die Ausweitung der Konstruktion einer„selbstgeschaffenen Gefahr" hat eS stets mit Entichtedenheit als dem Geist des Gesetzes widersprechend ab- gelehnt. Und das NeichsversicherungSamt sollte doch sozialer ent- scheiden als das Reichsgericht. Wohnungsenqueten von Krankenkasse». Am 8. Januar berichteten wir über das Urteil deS Oberver- toaltungsgerichts, welches die allgemein gegen die Herausgabe der Wohnungsenqueten der Ortskrankenkasse für den Gewerberrieb der Kaufleute, Handelsleute und Apotheker in Berlin gerichtete Ber. fügung des preußischen Handelsministers als ungesetzlich aufhob. Das Gericht hatte aber, wie wir mitteilten, angenommen, daß der Krankenkassenvorstand über den Rahmen seiner Aufgabe hinaus- gehe, wenn die Wohnungsenquefen benutzt würden, um eine all- gemein wissenschaftliche Arbeit über die speziellen Zwecke der Kasse hinaus herzustellen. Im letzten Ministerialblatt des Handels- Ministeriums wird daS Urteil in feinem Wortlaut wiedergegeben. Der einengende Passus im Urteil des Oberverwaltungsgcrichts lautet: �Uebrigens ist zu bemerken, daß der Inhalt der Eingangs beschriebenen Veröffentlichungen über daS durch§ 29 Abf. 2 des Ärqnkxnverjicherpngsgcsetzes bestimmt« Maß nicht hinausgeht. An "\ j zahlreichen Stellen Wörden die Angriffe des Preußischen Landes- Verbandes der Haus- und Grundbefitzervereinc abgewehrt und mit Angriffen auf diesen Verband erwidert. Noch häufiger finden sich Erörterungen über die Notwendigkeit einer allgemeinen Wohnungsreform und über die dabei anzuwendenden Grundsätze. Die noch dazu mit Photographien von Wohnungen versehenen Ver- öffentlichungen müssen daher zu einem wesentlichen Teile als Streitschriften und als Beiträge zu einer allgemeinen Besserung des Wohnungswesens angesehen werden. Die Herstellung der- artiger Arbeiten ist unzulässig und die streitige Anordnung inso- weit gerechtfertigt(vergleiche daS bereit» angeführte Urteil des Kammergerichts vom 12. Dezember 1997, Arbeitcrversorgung von 1998, Seite 91 Ende und 95 Anfang)." Diese Ausführungen beweisen dringend die von uns wieder holt geforderte Ausdehnung des Inhalts des Z 29 des Kranken versichcrungSgesctzcs._ Vom Krebsgang der Sozialrrform. Das Reichsversicherungsamt hat soeben seinen Geschäftsbericht auf das Jahr 1999 veröffentlicht. Es ist im allegemeincn kein günstiges Bild, welches er von der EntWickelung der Unfall- und Invalidenversicherung entwirft. Bei den gewerblichen Berufsgenossenschaften sank die Zahl der Versicherten von 9 918 397 im Jabre 1998 auf 8 917 772 im Jahre 1999. Das ist natürlich eine Folge der wirtschaftlichen Krise. Für die landwirtschaftliche Unfallversicherung wird zwar eine Steigerung der Zahl der Versicherten nachgewiesen, doch ist das nur auf eine andere Berechnungsart zurückzuführen. Die Zahl der angemeldeten Unfälle verminderte sich von 955 859 im Vorjahr auf 953 879 im Berichtsjahre, hat also eine kleine Abnahme erfahren. In weit höherem Maße verminderle sich die Zahl der entschädigten Unfälle, nämlich von III 848 auf 139 441. Die Rentenquetscherei hat also weitere Fortschritte ge- macht. Die Zahl der Personen, welche insgesamt auf Grund der Unfallversichcrungsgesetze Entschädigung erhielten, stieg gleich- wohl von 1 149 234 auf 1 147 919, die Gesamtsumme der Ent- schädigungen von 157 Millionen auf 192 Millionen Mark. Diese Steigerung ist darauf zurückzuführen, daß der Bestand an Renten- empfängern durch den fortwährenden Zugang natürlich eine Er- höhung erfährt. In der Invalidenversicherung ist die Zahl der festgesetzten Renten ebenfalls zurückgegangen. Es wurden bewilligt: Invaliden- Kranken- Alters- Renten � rente rente rente überhaupt 1998 116 852 11 951 19 989 137 789 1999 115 294 12 763 11998 138 980 Demnach sind im Berichtsjahre zirka 899 Renten weniger fest- gesetzt worden. Die Zahl der laufenden Invalidenrenten hat zwar nur ein wenig zugenommen, doch verminderte sich die Zahl der laufenden Krankenrenten von 19 987 auf 18 592 und die Zahl der laufenden Altersrenten von 198 637 auf 192 362. Zu Beginn des JahreS 1919 liefen insgesamt 1914 449 Renten aus Grund des Invaliden- versicherungsgesctzes. Auch die Beitragserstattungen haben ab- genommen, und zwar wo« insgesamt 188 715 rm Jahre 1993 auf 186-557 im Jahre 1990. Diese Abnahme ist insbesondere auf die geringere Zahl der Rückerstattungsanträge bei Heiraten zurück- zuführen._ Die Invalidenversicherung gewährte im Berichtsjahr zirka 199. Millionen Mark Entschädigungen, wovon zirka 50 Millionen auf das Reich als Rcichszuschuß entfallen..i Für die Unfallversicherung ist die Sunune der eingehobenen Beiträge nicht nachgewiesen. Zu der Unfallversicherung betrug die Beitragseinnahme 187 Millionen Mark. Das sind zwar 3 Millionen Mark mehr als im Jahre 1998, doch ist diese Mehr- einnähme nicht auf eine größere Zahl von eingehobenen Wochen- beitrügen, sondern darauf zurückzuführen, daß die Versicherung mehr und mehr in den höheren Klassen stattfindet. Und das ist wieder in der Hauptsache eine Folge der verschärften Kontrolle der Beitragsentrichtung. Die Zahl der Kontrolleure wird ständig vermehrt. Der Krebsgang der Sozialreform kommt besonders in der Rechtsprechung zur Unfall- und Invalidenversicherung zum Aus- druck. In der Unfallversicherung blieb die Zahl der von den Be- rufSgenossenschaften ergangenen berufungsfähigen Bescheide ziem- lich gleich. Trotzdem stieg die Zahl der von den Verletzten ein- gelegten Berufungen von 74 579 im Vor-, auf 79 352 im Berichts- jähr. In noch weit höherem Maße stieg aber die Zahl der von den Berufsgeuossenschaften an die.Schiedsgerichte gerichteten An- träge gemäß§ 88 des Gewerbeunfallversichcrungsgesetzes auf Herabsetzung der Renten. Diese vermehrten sich von 14 591 im Jahre 1996 auf 29 511 im Jahre 1998 und 39 493 im Jahre 1999. Drastischer kann der immer schärfer werdende Kampf um die Rente nicht nachgewiesen werden! Die Urteile der Schiedsgerichte neigen sich immer mehr zugunsten der Berufsgenossenfeljaften. Im Jahre 1906 wuvden noch 20,4 Proz. der Berufungen zugunsten der Verletzten erledigt. Im Jahre 1999 aber nur noch 17,8 Proz. In der gleichen Zeit vermehrten sich die zugunsten ber Berufs- genossenschaftcn erledigten Berufungen von 69,2 auf 72,7 Proz. Die Zahl der Rekurse gegen die Schiedsgerichtsurteile hat eben- •allS ständig zugenommen. Auch hier zeigt sich, daß das Vorgehen ?er Verletzten imnier seltener von Erfolg gekrönt ist. Im Jahre 1995 wurden noch 29 Proz. der Rekurse der Verletzten zugunsten derselben erledigt, im Jahre 1999 aber nur noch 16,1 Proz. Ein ähnliches Bild zeigt die Rechtsprechung in der Invaliden- Versicherung. Die Zahl der Versicherungsanstalten welche Renten feststellen, verminderte sich gegenüber dem Vorjahre von 136 961 auf 135 236. Tagegen vermehrten sich die Ablehnungs- bescheise von 29 529 auf 39 944. Hieraus ist es erklärlich, daß die Zahl der eingelegten Berufungen erheblich stieg. Fiskalische Hörigkeit. Am 39. März 1909 fand die Generalversammlung der Be- triebskrankenkasse der Kaiserlichen Werft zu Danzig statt. Dort teilten die Revisoren mit, daß der Vorsitzende, ftorvettenkapitän Simon, statutwidrig und ohne Zustimmung des Vorstandes 159 Mark, hauptsächlich zur Pflege des unehelichen Kindes des In- anterieleutnants Wiesotzki, aus Kassenmitteln verbraucht und trotz Aufforderung nicht zurückgezahlt habe. Darauf beantragte der Arbeitervertreter Gerloff, die Decharge so lange auszusetzen, bis die Rückzahlung erfolgt sei. Trotz des Widerspruches Simons wurde dieser Antrag einstimmig sogar mit Zustimmung des Direktions- Vertreters angenommen. Am 6. April erhielt Gerloff, der bereits 19 Jahre auf der Werft arbeitete, noch niemals Differenzen hatte und von seinen Vorgesetzten wegen seiner besonderen Tüchtigkeit bhr geschätzt wurde, die verkürzte Strafkündigiing zum 29. April. Die Entlassungsgründe wurden ihm trotz aller Vorstellungen nicht mitgeteilt. Auch das Reichsmarineamt bestätigte die Entlassung. Die Angelegenheit ist bekanntlich kürzlich von sozialdemokratischer Seite im Reichstag besprochen. Sie hat noch folgendes Nachspiel. Der Danziger Oberwerftdirektor Freiherr von Schimmclmann erteilte dem Entlassenen im Entlassungszeugnis folgende Zensur: „Gerloff hat die ibm übertragenen Arbeiten zur Zufriedenheit ausgeführt. Seine Führung war nicht zufriedenstellend." -Diese Kennzeichnung mußte selbstverständlich bei jedem Unter- nehmer als Uriasbricf wirken und die ewige Aushungerung des Gemaßregelten verursachen. G. klagte deshalb gegen die Werft auf Ausfertigung eines wahrheitsgemäßen Zeugnisses. In dem Prozeß rückte die Direktion auch mit ihren„Gründen" für die eigenartige Fassung heraus: G. sollte dem Ausschuß zur Gründung einer west- preußischen Arbeiterzeitung angehört haben und Berichte für die „Königsberger Volks-Zeituug" geliefert haben! Es war allerdings richtig, daß G. sich. als- Vertreter seiner Gewerkschaft für die Zeitungsgründung bemüht hatte. Das war aber selbst nach den offiziellen Erklärungen der Marineverwaltung sein gutes Recht. Stach am 14. März 1904 versicherte der Admiralitätsrat Harms Zierlichst im Reichstage, daß auf den Staatswerften Gesinnnngs- riecherei nicht getrieben wexbe. und daß man sich dort um die Kx» beiterorgaliisationen überhaupt nicht kümmere, ttcbec Sic Mitarbeit G.s an der„Königsberger Votts-Zeitung" war die Direktion von ihren Spitzeln in der gröbsten Weise angelogen. Er hat nice inals auch nur eine Zeile für das Blatt geschrieben. Das Landgericht Danzig erklärte dann auch am 39. Juni 1999, daß die Direktion die Führungszeugnisse nicht willkürlich, ohne Rücksicht auf das Verhalten der Arbeiter und die Wirkung für deren Zukunft abfassen dürfe. Auch für sie seien die Gebote von Treu und Glauben verpflichtend. Trotzdem sah auch das Gericht in der Beteiligung an der Zeitungsgründung einen die Führung tadelnden Umstand. Es verurteilte die Direktion, das Zeugnis für den Kläger erheblich so zu fassen:„daß die Führung, abgesehen von der letzten Zeit, zu Tadel nicht Veranlassung gegeben hat". Gerlosf legte Berufung beim Oberlandesgericht Marienwerder ein. Und am 7. Januar 1919 entschied dies, daß sie in das Zeugnis nur schreiben dürfe:„Daß G. durck? seine dienstliche Führung sowie seine Führung im Privatleben keinen Anlaß zum Tadel gegeben hat, wogegen seine Führung im öffentlichen Leben, während der letzten Zeit, nicht tadelsfrei war." Das Gericht schränkte also den noch allein zulässigen Tadel ganz ausdrücklich nur auf die letzte Zeit ein. Darum kümmerte sich aber die Werftdirettion nicht. Freiherr v. Schimmelmann unterschrieb eigenbändig ein neues Zeugnis vom 15. Februar 1910, in dem im Widerspruch zu der richterlichen Entscheidung ohne Beschränkung gesagt ist: „wogegen seine Führung im öffentlichen Leben nicht tadelsfrer war." Es wird nunmehr Zwangsvollstreckung gegen die Kaiserliche Werft zwecks Ausstellung eines dem Gerichtserkenntnis ent- sprechenden Zeugnisses einzuleiten sein. Die Urteile der Gerichte beschränken übrigens das Recht des Arbeiters in einer durchaus dem Gesetz widersprechenden Weise. Das Zeugnis hat sich ledig- lich auf die Führung im Dienst, nach keiner Richtung hin aber auf das öffentliche Leben des Arbeiters zu erstrecken. Um ähnlichen Entgleisungen vorzubeugen, wird eine andere Fassung des§ 113 der Gewerbeordnung bei Beratung der GewerbeorduungSnovelle zweckmäßig sein. Hus Induftm und FtandeL Teure Butter. Die Butterpreise erreichen zurzeit im Kleinhandel einen bisher noch nie erreichten Stand. Für gute Ware wird 1,59 M. pro Pfmid gefordert, ja sogar 1,69 M. muß bezahlt werden. Allem Anscheine nach will der Handel den kürzlich angekündigten Preisaufschlag durchdrücken. Er beruft sich dabei auf die gestiegenen— Futter- mittelpreise! Tatsächlich ist nun aber der Großhandelspreis etwas zurückgegangen, sodass für den Kleinhandel sicherlich keine begründete Ursache für eine Preiserhöhung vorliegt. Allerdings sind auch die Grosshandelspreise ausserordentlich hoch, aber sie sanken doch nun wieder unter den Satz des JahreS 1998. Damals ist der Klein- bandelSpreiS nicht über 1,39—1,49 M. hinausgegangen. Wie im Grosshandel die Preise gegenüber dem Jabre 1997 hinaufgeschnellt sind, veranschaulicht die folgende Zusammenstellung. Es notierten am gleichen Tage(2. März) nach dem amtlichen Bericht der städtischen Markthallendirektion 69 Silogramm franko Berlin: 1997 1908 1999 1919 M. M. M. M. I»... 114— IIS 139-132 118-122 IM�lZZ IIa... 119—114 124—126 112—118 126—128 IHa... 197 129-124 195—119 112—120 Abfallende. 96—199 115—129 199—104 105—112 Die Regierung und das Zentrum haben sich mit Eifer und Er- folg bemüht. den Agrariern und Händlern die Voraussetzungen zu solchen Preistreibereien zu schaffen. Verteuerung deS Viehes durch Zoll- und Grenzsperren, Einfuhrerschwerungen für Milch und Butter usw. Jetzt fehlt nur noch ein Zoll auf Milch und Butter, wie ihn die Junker wünschen, dann werden die meisten Arbeiter Naturbutter bald nur noch dem Namen nach kennen. Weizenprcise. Die Preisabschläge, die verschiedene Male erfolgten, würden immer wieder von Zunahmen abgelöst, so daß der Weizenpreis jedenfalls noch überall in Deutschland höher als im Vorjahre steht. So notierte der Grosshandelspreis für Weizen in Berlin im Januar pro Tonne 227,06 Mark gegen 299,63 Mark im Vorjahr, in Danzig betrug er 231,81 qeaen 299.68, in Frankfurt a. M. 234,50 gegen 213,59, in Leipzig 229,59 gegen 200,17, in München 239,00 gegen 218,09. In der dritten Februarwoche wurde in Berlin für eine Tonne Weizen 225—223 Marl bezablt, im Vorjahr zu genau der- selben Zeit 217—229. In anderen Orten ist die Differenz zum Teil noch grosser._ Wiederum 25 Prozent Dividende bringen die Adler-Werke vorm. Kleyer zur Verteilung. DaS Geschäftsjahr 1998/99 erbrachte einen Reingewinn von 2 393 410 Mark gegen 1 879 959 Mark im Vor» jähre. Das heilige Eigentum. Wie berichtet wird, will der amerikanische Getreidespekulant James«. Patten sich ins Privatleben zurückziehen. Sein Vermögen wird auf 490 Millionen Mark geschätzt. Dieses nun geheiligte Eigentum hat er in der Hauptsache durch Machinationen an der Getreidebörse„verdient". Er hat den Armen und Aermsten das Brot verteuert. Wer von den bewucherten Armen ihm einen Pfennig abstiehlt, wird natürlich als Dieb bestrast, Patten aber ist ein Ehrenmann und spielt vielleicht auch bald sich als gottgesandter Wohltäter der Menschheit auf. Vom amerikanischen Eijenmarkt berichtet„Iran Age", daß Gross- abnehmer zu nachgebenden Preisen einkaufen könnten. Der Stahl» trust hat seine Roheisenproduklion von 96 Proz. der Leistungsfähigkeit im Januar auf 91 Proz. im Februar eingeschränkt. Ens der Frauenbewegung. Frauen und Mädchen, in den Wahlrechtskamps! Immer höher gehen die Wogen des WahlrechtskampfeS in Preußen! Zu der Empörung über den Wechselbalg von Wahl- rechtsvorlage und der Erbitterung über die Angriffe und die Herabwürdigung des ReichstagSwahlrcchts durch den Reichskanzler gesellt sich der Zorn über den Volksvcrrat der Konservativen und Zentrümler in der WahlrechtSkommission des Landtages. Ausserdem ist die Empörung des Volkes aufs neue auf- gestachelt durch die blindwütigen Angriffe der Polizei auf die WahlrechtSdemonstranten, wie sie aus Halle, Frankfurt a. M., Königsberg und Neumünster gemeldet wurden. Zu immer wuchtigeren Angriffen auf daS elende Wahlrechts- system in Preußen, zu immer gewaltigeren Demonstrationen und Kämpfen peitscht Empörung und Zorn das Volk auf. Bei diesen Käinpfcn aber sollt Ihr, Frauen und Mädchen btS Volkes, in den ersten Reihen stehen! Bedenkt, daß Ihr als Erwerbstätige oft schlimmer denn ein Lasttier fronen müßt, daß Ihr als Mütter, beim Akte der Geburt, oft dem Tode ins Auge geschaut, daß Ihr als Steuerzahler zu den Lasten der Staatserhaltung beitragen müßt, aber als Staats- bürgerinncn den Heloten gleichgestellt seid, nach dem Willen der Regierung und der Herrschenden auch bleiben sollt, und daß ferner die Polizei bei den Angriffen auf die Wahlrechts- demonstranten Euch und Eure Kinder so wenig schonte wie die Männer. Das vergossene Blut Eurer Schwester» und Brüder, eS mahnt Euch täglich, stündlich, nicht zu erlahmen im Kampfe, bis der LtampfcSprcis errungen ist: DaS freie Wahlrecht für Man« und Weib! Deshalb, Ihr Frauen und Mädchen Preußens, schließt die Reihen, werbet neue Kampfgenossinnen aus den Kreisen der uns noch Fernstehenden. Saht Euren We�eruf hinemschallen in die Fabriken und Weristäiten, in die Läden und Kontore, in die dumpfen Stuben der Heimarbeit und in die engen Wohnungen der Tiietskasernen; auf dem Felde und auf Lauten, allwo Eure Arbeitsschwestern in schwerer Tagesfron sich mühen, Iaht ihn vernehmlich werden. �oagt allen, dast die Stunde gekommen ist, die Großes von ihnen fordert, die von ihnen fordert, daß sie sich ihres Rechtes bewußt sein sollen und im Bewußtsein ihres Wertes stolz erhobenen Hauptes zu fordern, was man ihnen solange vorenthalten hat: Volles Staatsbllrgerrecht! Sagt ihnen, daß nur die Sozialdemokratie mit ihnen und in ihrem Namen dieses Reckt fordert und erkämpft und daß sie als Kampfgenossinnen in die Reihen der Sozialdemokraten zu treten haben, um mit Einsetzung der ganzen Persönlichkeit den heiligen Kampf zu führen unter der Parole: Gegen die Reaktion! Für die Volksfrcihcit! Weibliche Staatsangestellte in Rußland. Wie in einem Artikel de? Brüsseler„Pcuple" berichtet wird, gehen die Bestrebungen der russischen Frauen auf Aufnahme in den Staatsdienst schon auf mehr � als fünfzig Jahre zurück. Die Regierung verhielt sich jedoch erst ablehnend. Indessen zwang die Not des vom Kapitalismus bedrängten Mittelstandes zur Aenderung dieser Auf- sassung, die noch 187ö in einem ausdrücklichen Verbot, Frauen in Re- gierungsbureaus zu beschäftigen, zum Ausdruck gekommen war. Seitdem ist die Verwaltung zur Annahme von weiblichen Angestellten in großem Maße übergegangen! um so lieber, als sie damit die Mög- lickkeit zu einer gewalngen Lohn drückerei erhielt. Die Be- zahlung beträgt im Anfang nur 40 M. im Monat und steigt alle fünf Jahre um 8—12 M., so daß die große Mehrzahl 20—25 Jahre iin Dienst sein muß, um 80 M. zu verdienen. Dazu sind alle höheren Posten den Frauen verschlossen. Unter solchen traurigen Bedingungen arbeiten rund 30(XXI Frauen bei den Eisenbahnen, SOlXX) an der Post usw. Dazu komnit die unerträgliche Bevormundung. Trotz ihrer früher ausgesprochenen Verehrung deZ natürlichen Berufs der Frau tut die Verwaltung alles Mögliche, ihren Mitarbeiterinnen das Heiraten zu erschweren. So nimmt die Post nur ledige Frauen von 13—30 Jahren an. Zu heiraten ist ihnen nur gestattet, wenn sie einen Beamten des gleichen Ressortö wählen. Schon die Ver- heiratung mit einem Beamten anderer Art zieht Entlassung nach sich. Der Gcneralpostmeister hat diese seltsame Vorschrift vor kurzem einem Journalisten gegenüber damit begründet, daß die weiblichen Angestellten besser unterrichtet und gebildet seien als die niännlichen. Um das Niveau dieser letzteren zu heben, sollen die weiblichen Kollegen sich mit ihnen verheiraten. In anderen Ver- waltungen dürfen Frauen heiraten, müssen aber ausscheiden, sobald sie Mütter werden. Eine Ausnahme davon macht allein der Rechnungs- hos. Doch müssen auch dort die Frauen nach dem fünften Monat der Schwangerschaft ihren Dienst unterbrechen und ihre Niederkunft ohne Anspruch auf Gehalt erwarten.— Versammlungen. Der Deutsche TranZportarbeiterverband hatte am Sonntaguach- mittag seine Mitglieder aus den Brauereien und Bierniederlagen Berlins und Umgegend im Gewerkschaftshause versammell. Der Tätigkeitsbericht der Branchenleilung stand zuerst auf der TageS- ordnung. A lisch als Berichterstatter erklärte, daß das verflossene Jahr eine sehr umfangreiche und schwierige Agitationsarbeit er- forderte. 97 Verhandlungen mit den Brauereien waren notwendig und zahlreiche Beschwerdefälle kamen zu einer günstigen Erledigung. Dreimal wurde das Einigungsanft in Anspruch genommen. 228 Betriebsversammlungen, 52 Branchenversammlungen, 23 Vertrauens- männersitzungen und 33 sonstige Sitzungen fanden statt. Die Mit- gliederzahl ist gewachsen, sie betrug für Bierfahrcr 1983 gegenüber 1534 am Schlüsse des Jahres 1008, und für Kellerarbeiter in Mineralwasser-, Wein- und Bierniederlagen und Arbeiter in ähnlicher Beschäftigung 1524 gegenüber 1265 am Schlüsse des Jahres 1903. Viele Verbesserungen in den Lohn- und Arbeusbedin- gungen in verschiedenen Betrieben wurden erzielt, und viel Sckutz und Hilfe konnte den Mitgliedern gewährt werden; so wurden 2200 M. an Krankenunterstütznng, 4300 M. an Arbeitslosenunterstützung aus- gezahlt und in 52 Fällen gewährte der Verband Rechtsschutz.— A l i s ch und U l h e s machten auf den gegenwärtigen Stand der Dinge in der Tarifbewegung aufmerksam und mahnten zu einer regen Agitation für den Verband.— Zum zweiten Punkt der Tagesordnung, Neuwahl der Branchenleitung. machte der Vorsitzende bekannt, daß in der Vertrauensmänner- Versammlung beschlossen worden ist, die Branchenleitung dahin zu erweitern, daß statt der bisherigen neun Personen 17 daran teil- nehmen je nach den verschiedenen Gruppen, die vertreten sein sollten. Auch die jugendlichen Arbeiter wünschten in der Branchenleitung vertreten zu sein und die Versammelten waren damit einverstanden, wie auch mit dem Vorschlag der Vertrauensmänner. Ter Vorstand des dritten Kreises ersucht unS um die Mit- teilung, daß die zur Maifeier-Lokalfrage angenommene Resolution von der Generalversammlung mit alle» gegen 10 Stim- m e n angenommen sei. Gleichzeitig sei berichtigt, daß nicht Hintze, sondern Hin« ausführte, daß Rixdorf genug passende Lokale habe. Berichtigung. Der Bericht der Generalversammlung im fünften Kreis läßt mich beim Bericht der Preßkommission sagen: daß durch die Kündigung des Genossen Davidsohn eine Vakanz nicht ent- standen sei. Diese Fassung kann leicht zu einer Auslegung führen, die dem Genossen Davidsohn ungünstig wäre und auch im Wider- spruch mit meiner Auffassung über seine Tätigkeit in der Redaktion stände. Ich habe lediglich zum Ausdruck bringen wollen, daß die notwendige Regelung der Ressortbesetzung und eine eventuelle Aus- schreibung erst später stattfinden werden, Otto Wels. Verrmfcbtcs. Gewaltiger Erdsturz. Wie au? Paris gemeldet wird, hat sich in der Nähe der Stadt Cacour bei St. GironS ein bedeutender Erd- stürz ereignet. Man glaubt, bgß derselbe durch die Arbeiten an der Eisenbahnlinie, die die Pyrenäen von St. Girons nach Salau de Lerida durchschneidet, herbeigeführt worden ist. Eine Masse von Erde und Felsen von ungefähr 70 000 Kubikmeter ist in der vor- gestrigen Nacht zusammengebrochen und hat das Bett des Salat- flnsies vollständig ausgefüllt. Infolgedessen ist eine bedeutende Steigung des Flusses eingetreten. Der Kanal, der die Fabriken von Dordech mit Wasser speist, ist ebenfalls aus seinen Ufern getreten und hat die Fabriken unter Wasser gesetzt! man befürckue» den Ein- stürz der Grundmauern. Die Maschinen stehen im Wasser. Auch hegt man Befürchtungen für eine große Anzahl von Gebäuden auf der linken Seite des Flusses, da das Wasser in fortwährendem Steigen begriffen ist und die Schaffung eines Abzugskanal» durch die'niedergegangenen migeheuren Erb- und Fclsmassen un- möglich ist. Kleinbahn-Zusammenstoff. AuSManSfeld wird vom gestrigen Tage gemeldet: Heute vormittag stießen auf der Strecke Kloster ManSfeld und Schloß ManSfeld zwei Wagen der elektrischen Klein- bahn infolge dichten Nebels zusammen. Ein Wagenführer wurde schwer, drei andere Fahrbeamte und drei Fahrgäste wurde» leicht verletzt._ Die Opfer der Lawinenkatastrophe. Einer Meldung auS Everett(Washington) zufolge sind bisher aus dem im Kaskadengebirge von einer Schueelawine verschütteten Zuge 30 Leichen geborgen worden. Die Bcrkehrsstönmgen in Nordamerika. AuS New Dork wird gemeldet: Von den Nordamerika durchguerendcn Pacificbahnen halten nur die Strecken im Süden den Verkehr ungestört aufrecht. Die Central Pacific, die Northern Pacific, die Great Northern und die anderen nördlichen Bahnen habe» den Verkehr dort eingestellt, wo die Linien durch Ucberschweminungen oder Lawinen gesperrt sind. Amtlicher Marktbericht der städtilchcn Marktballen-Dlrektion über den Großbandel in den Aentral-Marktballen. Marktlage: F l e i I ch: Zusubr stark, Keschäsl rege, Preise für Kalbfleisch anziehend, sonst rmverättdert. Wild: Zusubr knapp, Geichäst schleppend, Preise gut. Geslügcl: Zu» suhr in Hühnern reichlich, sonst knapp, Geschäst sehr rege, Preise gut. Zische: Zusnhr genügend, Geschält lebhast, Preise wenig verändert, sllr Hechte nachgebend. Butter und Kaie: Geschäft ruhig, Preise un» verändert. Gemüse, O b ft und S ü d s r Ü ck> e: Zusubr genügend, Geschäft matt, Rotkohl fast unverkäuflich, Presse wenig verändert. «vasserstandS-Stachrtchten der LandeSanstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wrlterbureau. Wasserstand Memel, Tllstt B r e g e l, Jnstrrburg Weichsel. Tborn Oder, Raftbor , Krassen , Frankfurt Ka r t h e, Sckrtmm , Landsberg Rehe, Vordamm Elbe, Leitmcritz , Dresden , varbo , Magdeburg >)+ bedeutet Wuchs,— Fall,—•) Unlerpegel.—•) Schollen- treiben. Die Eisstopsung in der M e in e l bei Schmalleningken hat sich gestern um 5 Uhr nachmittags gelöst, und der Wasscrüand ist dort seitdem um säst 1 Meter gesunken. Weiter unterhalb ist das Eis bis jetzt in Bewegung geblieben und sind Wasserstände von gefährlicher Höhe nicht eingetrele». ßrlefhaften der Redahtfon. H. 58. Die Gerichtskostcn werden in solchen Fällen alljährlich er« fordert. Um den Prozetz zu beendigen, oernnlasien Sie die neue Ladung. — W. K. IVO. Eine Einziehung zum stehenden Heere kann nicht mehr erfolgen, jedoch können Sie zu drei Ucbungc» von tv, V und 4 Wochen herangezogen werden.— P. Sch. 70. Sosern die Wanzen schon bei Ihrem Einzüge vorhanden waren, fordern Sie den Eigentümer unter Setzung einer Frist zur Beseitigung aus; kommt er dieser Aussordcrung nicht nach, so lassen Sie die Wanzen durch aceigiiete Mittel enlsernen und verlangen, eventuell durch Klage, Erstattung der Unkosten.— B. S. Ja. SozialdemokriitiscIierWalMii für den l Earl. fleieiistagswalreis. Den Genossen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Heljcr Luxen preukscdgt am 2H. Februar an Nierenleiden gestorben ist. «Shre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet am Freitag, den 4. März, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- balle des Luther-zpirchhoseS in Lankwitz aus statt. Rege Beteiligung erwartet Der BoLstoud. So�sIdemMüLdLfMime!» für den 4. Herl. Heictisläfls-Walreis. Stralniier Viertel. Bezirk Nr. 337. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Arbeiter Max Wiebach Rüdersdorf er Straße 1 gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 5. März, nach- mittags 2 Uhr. von der Leichen- Halle de» Zentral» Friedhofe« in FriedrichSsclde aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Voritand. Verband deutscher ßastwirfsgebilfen .(Ortsverwaltung Berlin I.) Am 1. März verstarb nach längerem Leiden unser Mitglied Hermann Schulz an der Prolclarierkrankheit im Aller von 50 Jahren. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet Iiente Freitag, den 1. März. nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- Halle des AufcrstehungS- Kirch- bojeS in Weißensee, Lichlcnberger Straße 119/123, auS statt. Um rege Beteiligung ersucht 283/18 Der Bvrstanb. Deutscher Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes• Anzeig/e. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Stößer Karl Schneider am 1. März an Magenleiden gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet hrutc Freitag, den 4. März, nach- intttagS 3'/, Uhr, von der Leichen- ball» dcS Gnaden-KirchhofeS in der Barfusstraße auS statt. Rege Bctelligung erwartet 112/15 Die Ortsverwaltong. Verband deutscher Textil- arhoiior �Ulale Berlin. dluclloli Bezirk KSpeniek. Tode«- Anaelco- Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege Wilkelm Kunze am 2. März an Gehirnschlag ge< starben ist Ehre seinem Andenken! Die Bcerdlgiing findet am Sonnabend, den 5. März, nach- iniltagS 5 Uhr, von der Leichen- Halle des KöpenickerFriedhoscS aus statt.— Rege Beteiligung crioartet 197/3 Di# Ortsverwaltung. OankMatfuns. Allen Verwandten, Freunden, Ge- nassen und Genossinnen sotvie Be- kannte» für die herzliche Teilnahine und die zahlreichen Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unsere« guten Vaters, sagen wir hier- durch unseren herzlichste» Dank. vi« trauernden Hinterbliebenen. 39 tue. Marie Walter und Kinder. Huffiteiiswaße 35.[9715 Verbaud der Maler, Lackierer, Austreicher usw. Filiale Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege, der Lackierer Martin Hupfeld am 1. März verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute, Freitag, den 4. März, nach« mittags 3'/, Uhr, von der Leichen. halle des Giorgen-Friedhose« in der Landsberger Allee aus statt. 128/18 vis Ortsverwaitung. Nachruf. Mittwoch. den 2. März, der- schied nach kurzem, schwerem Leiden insolg« eine« Unfalles unser lang« jähriger, treuer Mitarbeiter, der Kutscher Herr kiadvIF Rothe. Sein uncrmüdlichci Fleiß, seine GcwisscnhastigkcU und Pstichttrelie sichern ihm bei uns ein ehrende» Andenken weit über daS Grab hinaus I Mineralwasser• Fabrik Apotheker E. Sichting Inh. Gebr Schwanekow. Berlin, den 3. März 1910. Hühner, ftV'S: sofort festsitzende Brutputen, Brut, rier hochedelstcr Rassen, empfiehlt unter Garantie für Reeltitäi Wexner, Berlin SO., Ma> riannenstraste 34. Stakschalen liefern direkt an State, meifter. An- sragen unter J. V. 0416 befördert Rudolf iHo.ae, Berlin SW. s lutnen-u. Kranzbinder si Aug. Krause, Wiener Strafle 7, liefert Bereinslränze usw. billigst. Dn. Simmel Spezial-Arzt* für Haut- und Harnleiden. Prlnzenslr. 41, Äz. 10—2. 5— 7. Sonntags 10— 12. 2—4. 100 Morgen neues Terrain vermessen. tOOParzellenMKAi Unweit Station Buch. Sellin& Brunn- hoter, Berlin. 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Dienstag, den 8, März 1910; Gemeinsame General-Versammlung für die Orte Serlin, Chavlottenburg, Klixdorf, Schöneberg, Weißensee im Gewerkschaftshause, Engelufer 14/15(Saal 4). Tages-Ordnung: 80/2 Die Verhandlungen mit den Unternehmern und die weiteren Dertragsadandtrungen. Mitgliedsbuch und Delegiertenkarte legitimiert.__ Die Ortsverwaltung. Heute Freitag, adds. 8>/z Uhr, i», Gcwerlsch aftshause, Engclufer 14/15 Saal 4(Zlrbeitslosensaal): Sitzung der Ortsverwaltung. Zur Beachtung! Am Sonnabend, den 5. März, werden wegen deS Kostümfestes die Beiträge auf den Zahlstellen.von 7 bis U Uhr kafsiert. Am 27. März(1- Osterfeiertag) findet eine Urania-Borstellung statt. Eröffnung nachmittags um 4 Uhr, Vorstellung um 5 Uhr. 80/1 Im Mrnenglanz des Ober-Engadin. Arbeitsnachweis: BerwaltuugSftelle Berlin. Hauptbureau- Hof l. Amt 3, 1239. CharitSstraBe 3. Hof III. Amt 3, 1987. Montag, den 7. März: Bezirks- Versammlungen für die gesamte Verwaltungsstelle Berlin in folgenden Lokalen: Norden I«»I«, Mnllerstr. 142, abends 81/, Uhr. Nordeil* 0bll�loa Schwebtet Straße 23, abends NOrdCIl I Franken Festetäle, Badstr. 19, abends S'/i Uhr. MOObit*''racht8tt'0®OP�"�*re8*' Wiclefftraße 24, abends Westen und Schöneberg:'-bends 8'/, Uhr. Neuwahl der BezirlSleitung. Bzlen lliul Uelileiiberii: 5iritl»a viul Bummestbueg: i?, abends 8'/, Uhr. Bericht und Neuwahl der Bezirksleitung. Süden und SOdosl:*n°"u"' 15 Tanal* Borsiewnlder FestBiilo. Borsigwalde, ILycl. Spandauer Straße, abends« Uhr. Nixdorl: Vereinskraaerei, Hermannstr. 214, abends 8'/, Uhr. Cianlifv* Bchellhases Feststtlc, Ahornstrafte 15a, OltgillZ. abends 8'/, Uhr. Charlottenburg: Volfcshans, Roftnenstr. 3, abends S'/a Uhr. WaiRanraa• KoBkopfs Bestanrant, KSnigs-Chauffee 38, ncllirnscc. abends 8',. Uhr. Köpenick u. Friedrichshagen; Friedrichshagen, Friedrichstr. 69, abends 8'/, Uhr. Cnandan• Bestanrant Torwhrts, Schönwalder Straße, SpallUaU. abendS 8-,. Uhr. Ober-Schöneweide: W«1w?mi�nho�aße I8?abds. s'/a Uhr. TageS-Ordnung: HteUnngnahme zur Generawersammtnng. 0WU- Mltglledshuch legitimiert."WI Zahlreichen Besuch erwartet 112/14 __ Die Ortsverwaltung. Herren- Vortraj »'/<... Herr Spezialarzt Br. Barl Beinhardt im Restaurant Heute, Freitag, de» 4. Marz. abendS rag. 9-/. Uhr. spricht I. Miethc, Schöneberg, Hanptstr. 5(am alt. Botan. Garten) über: Haut-« und Harnleiden wirkfame u. fchwindelhafte mit marktschreierischer Reklame angekündigte Heilmethoden. Jeder Kranke besuche im eigenen Interesse diesen Vortrag. AM- Eintritt frei.~W Gfrößtes Sperialgcscliäft.< Kotinen& Jöring, fJZn Alexandersir. 12. 1 1,ands>berger Aliee 148. Bixdort: BergMtr. 66. j BerantwortliK« Redakteur Richard Barth, Berlin. Kür den Inseratenteil verantm.; TH.Glpcke, Berlin. Krufk u. Verlag: WorNärtOBuchdrMerci u, VeftaMnkÄt.PM Kinger& io* Berlin 5W» »-» 3. ii« Jmmärtä" J diiitt JolWliilt Ae«te Freit«» Grtra-Zahiabeird i« Groß-Herlw-■ parte!- Hngelegenbeiten* Zur Lokalliste. Huf Anfragen teilen wir mit, dast uns in Markgrafpicsle(Teltow-Beeskow) autzer dem gestern genannten Lokal „Fefihalle�, Kirchplatz 2, die Lokale: Oswald Fischer, Langestr. 31, und Wilhelm GraSnick, Langendammer Strabe, nach wie vor zur Verfügung stehen. Die Lokalkommission. Groß-Lichterfelde. Der Extra-Zahlabend findet auch hier statt. Für den Osten in, Kaiserhof und für den Westen bei Wahrendorf und im Schultheiß-Restaurant, Ringstraße, Ecke Holbeinstraße. Der Vorstand. Friedenau. Der heutige Extra-Zahlabend findet auch für unseren Ort statt. Der Vorstand. Steglitz. Der Extrazahlabend findet auch in unserem Orte heute Freitag statt. Zchlendorf(Wannseebahn). Heute Freitag Extrazahlabend in allen Bezirken. Der Vorstand. Johannisthal. Auch in unserem Orte findet heute abend bei Gobin ein gememsamer Zahlabend statt. Marirndorf. Heute Freitag, abends 8>/z Uhr, findet im Lokal von Lukas, Königstraße, ein gemeinsamer gahlabcnd statt. Maririifrlde. Der Wahlverein feiert am Sonnabend, den 6. März, im Lokal deS Genossen Ad. Berger, Berliner Straße 114, sein SlifiungSfest, bestehend in Thealervorstellung, Verlosung, Prämienschietzen und Ball. Anfang 8 Uhr. Eintritt 25 Pf. Da weder Mühen noch Kosten gescheut find, werden die Genossen und Genossinnen ersucht, recht zahlreich zu erscheinen. Der Vorstand. Neuenhagen und Umgegend. Am Sonntag früh findet in samt- lichen Orten des Bezirkes eine Flugblattverbreitung statt. Die Flug- blätter find von den Bezirksführern der einzelnen Orte zu entnehmen. Die Bezirksleitung. Köpenick. Auch hier findet heute der Zahlabend in den bekannten Lokalen statt. Der Vorstand. Lichtenrade. Am Sonnabend, den 5. März, findet bei R. Deter. Bahnhosstratze, die ordentliche Mitgliederversammlung des Wahlvereins statt. Königs-Wusterhausen. Sonntag, den 6. März, mittags 1 Uhr, findet im Lokale WedhornS altes SchützenhauS eine gemeinsame Demonstrationsversammlung für folgende Wahlvereiue statt: Königs- Wusterhausen, Eichwalde. Grotzbesten, Mittenwalde, Schenkendorf, Senzig, Zernsdorf. Tagesordnung:.Wahlrechtsfrage, Volks- entrechtung". Hierzu Sonnabend abend 8 Uhr für sämtliche Wahl- vereine von den bekannten BezirkSlokalen aus Flugblattverbreilimg. Der gemeinsame Spaziergang findet am Sonntag um 12'/a Uhr vom KönigS-Wusteryausener Bahnhof aus statt. Pankow. Morgen Sonnabend, den 5. März, abends 8'/, Uhr, findet vom sozialdemokratischen Wahlverein ein Vergnügen in,'Saale von R o z y ck i. Kreuzstr. 3/4. statt. Autzer einer Theater- auffiihrung„Achtung I Bombe 1", ein FriedenSfest an der Panke, finden Verlosungen und Volksbelustigungen aller Art statt. Zahl- reiches Erscheinen wird erwartet. Tegel. Heute Freitag, abends 8>/z Uhr, findet eine öffentliche Versammlung statt. Tagesordnung:„Sozialdemokratie und Gc- metndepolttik�. Referent: Stadtverordneter Genosse Dupont-Berlin. Genossen und Genossinnen I Agitiert für Massenbesuch. Am Sonntag, den S. März, früh 8 Uhr, finden sich die Ge- noffen und Genossinnen in ihren BezirkSlokalen ein zu wichtiger Parteiarbeit. Die Bezirksleitung. Heute Freitag in allen Bezirks- Die Bezirksleitung. Nieder-Schönhausen- Nordend. lokalen Extrazahlabend. Wilhelmsruh. Die am DienStag, den 1. März, vertagte Mit- gliederversammlung findet heute, Freitag, abendS 8 Uhr. im Lokal von Kollmann, Kronprinzenstratze 2. statt. Die Bezirksleitung. Reinickendors-Ost. Der Zahlabend für den 1 a Bezirk findet heute bei Hirich. Lmendestr. 83, statt, die übrigen in den bisherigen Lokalen. Beginn pünttlich 6 Uhr. Die Bezirksleitung. Spandau. Zu dem am Sonntag, den S. März, 3 Uhr, in Hakenfelde stattfindenden Massenmeeting findet heute Freitag, den 4. März, abends 7 Uhr, eine allgemeine Flugblattverbreitung von den BezirkSlokalen aus statt. Parteigenossen, GewerkschaftSkollegenl Wir erwarten eine rege Beteiligung, da unS die Anschlagsäule» zur Bekanntmachung der Versammlung nicht zur Verfügung stehen. _ Der Kreisoorstand. Berliner JVacbricbten. DaS UntcrrichtSwesen der Stadt Berlin beschäftigte am Mittwoch den mit der Borberatung des städtischen Etats betrauten Ausschuß. Mit Argusaugen wird jeder einzelne Etat darauf geprüft, ob sich nicht irgendwo noch Abstriche machen lassen, um das Endziel der Mehrheit, aus 100 Proz. zu kommen, zu erreichen. So wurde beim Etat der Fachschulen die Tatsache erörtert, daß die Schulen von vielen in Vororten wohnenden Personen besucht würden und daß dafür Sorge getragen werden müßte, daß für diese Kategorie von Besuchern ein höheres Schulgeld erhoben werden miißte, weil die Vororte für das Fachschulwesen gar nichts täten. Beispielsweise beständen die Besucher der Gärtnerschule zu% aus Vorortbewohnern. Der Magistrats- Vertreter legte dar, daß die zuständige Deputation in Er- wägung darüber eingetreten sei, ob für einzelne Schulen eine Aenderung deS bestehenden Zustandes eintreten könne, aber so allgemein mit einer Schulgelderhöhung für Auswärtige vorzugehen, könne nicht aus dem Handgelenk heraus be- schlössen werden. Von anderer Seite wurde bemerkt, daß die Verhältnisse bei unserem Fachschulwesen sehr verschieden lägen und sehr kompliziert seien. Mit verschiedenen Innungen be- ständen Verträge, nach denen die Innungen Beiträge leisteten, in einigen Fällen gebe auch der Staat Zuschüsse: dazu käme. daß viele Gesellen bei Berliner Meistern arbeiteten. Es läge doch im Interesse unserer Gewerbetreibenden, daß möglichst tüchtige Arbeiter herangebildet würden. Schließlich wurde mit 8 gegen 7 Stimmen beschlossen, daß der Magistrat in Erwägung ziehen solle, ob vom April 1911 ab für auswärts wohnende, die hiesigen Fachschulen Besuchende erhöhte Schul- geldsätze eintreten könnten. Beim Etat der P f l i ch t f o r t b i l d u n g s s ch u l e n wurde von unseren Genossen die Ausübung des Strafsystems durch die Direktoren einzelner Schulen besprochen. Einzelne Direktoren verführen sehr willkürlich und mit einer großen Härte, die nicht gerade auf tüchtige pädagogische Leitung schließen ließe. Das träfe vor allem auf die von Herrn Dage- forde geleitete Anstalt in der Wartenburgstraße zu, in der an Sonntagen oft 20 und mehr Schüler Strafen verbüßen müßten. Der Magistratsvertreter sprach davon, daß mit größter Milde verfahren würde. Es werde jetzt eine Nach- Weisung der verhängten Strafen eingefordert, aus welcher der Grund und der Umfang der an den einzelnen Schulen voll-, streckten Strafen ersichtlich sein soll. Die wichtigste Erörterung erfuhr der Etat der Ge- m e i n d e s ch u l e n. Von sozialdemokratischer Seite wurde auf Unzulänglichkeit des Gemeindcschuletats hingewiesen, der durch Streichung von zirka 3 Millionen Mark durch den Kämmerer in ganz unverantwortlicher Weise gekürzt worden sei. Diese Politik sei eine sehr kurzsichtige und würde sich schwer rächen. Für als dringend bezeichnete Schulbauten seien nicht einmal erste Vauraten eingestellt worden, nur bei vier längst beschlossenen Schulen sei das der Fall, und zwar bei den Schulen in der Antonstraße, Scherenbergstraße, Ibsen- und Pettenkoferstraße. Wenn in diesem Jahre so gekargt würde, so machten sich doch im nächsten und in den folgenden Jahren die Ausgaben um so dringender bemerkbar: man spare nicht nur nichts, sondern schade der Allgemeinheit. Der Kämmerer suchte diese Darlegungen zu entkräften durch den Hinweis auf die in den letzten Jahren für Schulen verbauten Summen. Die Bevölkerung nähme nicht in dem Maße zu, in dem gebaut würde, zudem seien ja die dringendsten Mittel bewilligt. Vertreter der Mehrheit glaubten die Gelegenheit benutzen zu sollen, von diesem mageren Etat noch weitere Summen zu streichen: es wurde beantragt, 700 000 M. ab- zusetzem Später stellte sich die Unmöglichkeit heraus, da die für vier Schulen geforderten Summen R e st s u m m e n waren und daß die Schulen schon ziemlich fertig sind. Im Oktober sollen sie bereits bezogen werden. Nach lebhafter Debatte wurde der Antrag schließlich zurückgezogen, dafür aber ein neuer Antrag gestellt, bei den vier oben genannteil Neubauten 100000 M. zu streichen. Die Debatte kam nicht zu Ende und soll Freitag fortgesetzt werden. Festgestellt wurde aber, daß diese Neubauten so dringlich sind, weil sie Ersatz schaffen sollen für Mietsschulen und Barackenschulen. So wurde erklärt, daß beispielsweise die Schule in der Anton- straße die in der Pankstraße liegende Mietsschule aufnehmen soll, die selbst von der Negierung als für Schulzwecke un- geeignet erklärt worden sei. Die Regierung nötige die Stadt zu schnellem Ersatz. Soweit ist es also schon mit unserer Selbstverwaltung gekommen, daß das Provinzialschulkollegium die Stadt an ihre Pflichten erinnern muß. Die Fllrsorgesielle für Geisteskranke, die nach einer von uns gemachten Meldung für Berlin geplant ist wenn der Magistrat zustimmt'—, ist vor allem bestimmt, entlassene Geisteskranke zu unterstützen und pflegen zu lassen. Ausgesprochener Zweck der Organisation ist, Rückfälle von Geistes- krankheiten oder Verschlechterungen des ZustandeS, die zur Auf- nähme führen müßten, nach Möglichkeit einzuschränken. lieber den weiteren Zweck der begrüßenswerten Einrichtung erfahren wir: l. Um der Fürsorgestelle die Einwirkung auf die Geistes- kranken zu ermöglichen, ist eS erforderlich, ihr die Unterstützung derselben in die Hand zu legen, das heißt ihr dazu Mittel zu be- willigen. Da die Fürsorgestelle im Anschluß an die Anstalts- behandlung zu wirken hat, ist ieS nötig sie der Deputation, nicht der Armendirektion zu unterstellen. Die Fürsorge wird ausgeübt durch Beiräte, deren je einer auf die beiden städtischen Aufnahme- bezirke kommt. Den Vorsitz führt in jedem der Beiräte ein Mit- glied der Deputation. Zu Mitgliedern des Beirats sollen ehren- amtliche Organe in erster Linie berufen werden. Gedacht ist dabei an Mitglieder gemeinnütziger Vereine, besonders der Antialkohol- Vereinigungen, Anstaltsgeistliche und andere Personen, die zur Fürsorge bei Geisteskrankheiten geeignet oder bereit sind. Dieser Beirat soll nicht nur eine sseratende, sondern in erster Linie nach den unten entwickelten Grundsätzen eine ausführende Tätigkeit ausüben. Dem Beirat steht ein Arzt zur Seite. Zunächst soll ein Arzt der Irrenanstalt(Arzt der Familienpflege) dazu bestimmt werden. Erst später, wenn die Einrichtung sich bewährt» kommt ein eigener Arzt in Betracht. Seine Tätigkeit im Beirat ist einmal die Aufklärung der Mitglieder über allgemeine Fragen sowie über den einzelnen Kranken; dann aber übt er da, wo eS erforderlich ist, auf Ersuchen von Mitgliedern des Beirats, Angehörigen oder des Kranken in dem unten näher erläuterten Rahmen die Tätig- keit eines behandelnden Arztes aus. Die nötigen Bureaugeschäfte, Verrechnung des Geldes, eventuell auch einzelne Pflegschaften, so- weit sie lediglich sich auf die Fürsorge für das Vermögen er- strecken, übernimmt ein im übrigen von der Deputation ressor- tierender Bureaubeamter(Magistrats-Bureauassistent). Eine oder zwei Helferinnen für jeden Beirat besorgen zum Teil die äußeren Geschäfte des Beirats und überwachen gleichzeitig die Pflege- stellen der Geisteskranken laufend. II. Gang der Geschäfte. In erster Linie bestimmen die An- staltsdirektoren die Personen, die bei ihrer Entlassung unter die Fürsorge des Beirats treten. Tann aber ist die Armendirektion befugt, Personen, die wegen Geisteskrankheit sich nicht für die Pflege durch die Armenkommission eignen, der Fürsorgestelle zuzu- führen. Bei den aus der Anstalt zu Entlassenden erfolgt Ivomög- lich vorher die Mitteilung der Direktion an den Beirat eventuell unter Charakterisierung des Falles, der Arbeitsunfähigkeit usw. Der Beirat sorgt 1., wenn nötig, für Wohnung oder Pflegestelle. Das Pflegegeld ist in letzterem Falle in der Regel an die Pflcgestclle zu zahlen. 2. Er sucht eine Beschäftigungsstelle(nach dem Vor- btld der Arbeitsnachweise für minder arbeitsfähige Sträflinge). 3. Er regelt den Verkehr(Anschluß an Antialkoholistenvereine usw.�. 4. Er unterstützt die entlassenen Geisteskranken durch Rat eventuell auch durch Uebcrnahme der Besorgung von Geschäften oder von Pflegschaften. Er wird dabei unterstützt im Außendienst durch die Helferin, im Innendienst durch den � Bureaubeamten. Etwa zweimal wöchentlich wird an zwei bis drei Stellen des Auf- nahmebezirkS eine Sprechstunde von einem oder mehreren Mit- gliedern des Beirats abgehalten, bei der auch die Helferin des Bezirks zugegen ist. Dort wird den Kranken oder ihren Ange- hörigen Rat erteilt, kleine Extraunterstützungen gegeben, Anwei- sungen auf Kleider gereicht usw. Einmal wöchentlich ist in der Sprechstunde der Arzt zugegen, um, wo vom ärztlichen Standpunkt nötig, zu raten und zu helfen. Alle wichtigeren Geschäfte erledigt der Beirat in periodischen Sitzungen. III. Errichtung eines Probebeirats. ES soll zunächst zur Probe ein Beirat für einen Aufnahmebczirk oder einen Teil eines solchen errichtet werden. Diesem werden alle(eventuell von einer Anstalt) in den Bezirk entlassenen Geisteskranken unterstellt werden. Verzieht eine der Fürsorge unterliegende Person in einen anderen Bezirk, so soll sie, solange als möglich, auch in ihrer neuen Wohnung von der Fürsorgestelle aus unterstützt werden. Eine sehr unangenehme Ucberraschung erlebten am Mittwoch die von auswärts nach Berlin gereisten Eltern eines Dieners, der vor kurzem hier gestorben und am Mittwoch auf dem Dorotheen» städtischen Friedhof in der Liesenstraße beerdigt werden sollte. Die tiefgebeugten Eltern hatten daS Verlangen, den Sohn noch einmal zu sehen und ließen daher den Sarg öffnen. Wer be- schreibt ihr Erstaunen, als sie in dem Sarge diil Leiche eines alten Mannes vorfanden! Die Ermittelungen, die nun an- gestellt wurden, hatten das überraschende Ergebnis, daß der Tote der G3jährige Kassenbote Cbert war. der schon am Tage vorher dort auf dem Kirchhofe beerdigt sein sollte. DaS Rätsel löste sich schließlich dahin auf, daß der 23jährige Hausdiener S ch. mit dem KLjährlgen Kassenboten E b e r t verwechselt worden war und daß der Hausdiener Sch. bereits am Dienstag von den Angehörigen des Ebert zur letzten Ruhe geleitet war. Die Angehörigen der beiden Toten sind nun außer sich über diesen Vorfall, was man ihnen sicher nachfühlen wird. Daß der Irrtum im Drange der Geschäfte vorgekommen sein sollte, ist auf dem wenig benutzten Dorotheenftädtischen Kirchhofe nicht anzunehmen. Der 63jährige Kassenbote Ebert war bei einer bekannten Bankfirma Unter den Linden beschäftigt. Eine weitere Meldung besagt:- Der zuerst begrabene junge Mann ist wieder aus der Gruft herausgeholt und nach Oeffnung des Sarges aufs neue beigesetzt worden. Der ältere Mann ist dann auch nach einer stillen Feier an der richtigen Stelle beerdigt worden. Der Gummiknüppel im städtischen Obdach spielte gestern morgen eine große Rolle. Die Insassen mehrerer Säle wurden in den Verwarnungssaal geführt. Bei dieser Gelegenheit versuchte ein Obdachloser die Flucht zu ergreifen, indem er an einer zu den Oberlichtfenstern führenden Kette emporkletterte, um aus das Dach zu kommen. Dort aber wurde er von zwei Aufsehern ergriffen, die den Mann in der unmenschlichsten Weise mit Gummiknüppeln verprügelten. Der Ergriffene wurde dann der Polizei zugeführt, die ihn mit anderen Obdachlosen mit dem grünen Wagen nach dem Präsidium bringen ließ. UnS wird be- richtet, daß die Aufseher den Obdachlosen gegen 36 Hiebe mit dem Gummiknüppel versetzt haben sollen. Wird dieses Vorkommnis auch wieder wie frühere abgestritten werden? Der Verprügelte soll stark gehinkt haben, waS auf ein Bein- leiden schließen ließ, vorausgesetzt, daß er nicht infolga der Prügel schwer gehen konnte. DaS geplante Lungentuberkulose-KrankenhauS. Robert Koch, Berlins Ehrenbürger, war gestern im Rathause er» schienen, um der vom Magistrat eingesetzten Kommisston für da» Bauprogramm deS geplanten Tuberkulosekrankenhauses seinen Rat zu leihen. Professor Koch erklärte sich zunächst grundsätzlich mit dem Plan der Gemeindebehörden, ein Krankenhaus für Lungenleide, lde zu schaffen, einverstanden, riet aber dazu, dieses Krankenhaus nur für Schwindsüchtige, d. h. an offener Tuberkulose Leidende jeden GradeS zu bestimmen. Die Vermehrung der Krankenbetten für dieses Leiden sei das wirksamste Mittel zur Herabsetzung der hohen Sterbiichkeitöziffer an Tuberkulose. Da nun unter Kindern die offene Lungentuberkulose, bei der Tuberkel- Bazillen ausgehustet und in der Umgebung verstreut werden, ver- hältniSmäßig selten vorkommt, riet Koch die neue Anstalt nur für Erwachsene einzurichten und dreiviertel der Bettenzahl für Männer, ein Viertel für Frauen zu bestimmen. Für den Ort des neuen Krankenhauses müßte vor allem entscheiden, daß die Kranken dort trockene Luft und Sonne vorfinden. Die Lage am Walde, die für Buch innerhalb der Krankenhaus-Deputation gesprochen habe, hält er nicht für wichtig genug,»rn den Bauplatz zu bestimmen. Ein Bau auf einem näher der Stadt gelegenen Baugrund etwa in Rummelsburg oder Treptow könnte ebenso geeignet sein. Doch sei aus der Entfernung von Buch kein Bedenken gegen dessen Wahl herzuleiten. Der Bau miißte so einfach und schlicht wie möglich gehalten sein, dafür aber recht vielen Kranken Aufnahme in Zimmern mit nicht zu großer BelcgungSzahl gewähren können. Professor Koch verwies auf seine Erfahrungen in dem von ihn, in seinen Hygienevorlesungen immer als Muster hingestelllen Krankenhaus Moabi, und in den GipSdielen- Baracken auf den, Charitö-Gruudstück, um darzutun, daß man mit sehr einfachen Einrichluiigen hier vorbildlich wirken könne gegen- über dem sich in den letzten Jahren immer mehr gellend machenden Bestreben der Gemeinden, sich an Eleganz und Komfort dieser Lungenkrankenhäuser zu überbieten. Der Vorsitzende der Kom- misston, Stadtrat Dr. Weigert, dankte Professor Koch für die reiche Belehrung, die die Kommission durch ihn empfangen habe und bat ihn, seine Erfahrung auch in der weiteren EntWickelung der Sache der Gemeinde zur Verfügung zu stellen, was Herr Koch gern zusagte. Der Magistrat wird in allernächster Zeit zu diesen, das ursprüngliche Bauprogramm beeinflussenden Anregungen der fast zweistündigen Besprechung Stellung nehmen. Vom Lastkahn ins Wasser gestürzt und ertrunken. Von einem beklagenswerten Geschick ist die sechzehnjährige Tochter des Schiffers Zecher betroffen worden. Das zunge Mädchen litt seit Jahren an Krämpfen. Als Z. nun gestern mit seinem Fahrzeug die Oberspree passierte, bekam die Tochter, während sie an Bord stand, einen Krampfanfall und stürzte rücklings ins Wasser. Ob- wohl der Unfall sofort bemerkt und Rettungsversuche unter» nommen wurden, konnte daS Mädchen doch nur als Leiche geborgen werden. Fenrr in einer Gemeindeschule. Gestern nachmittag kurz nach 5 Uhr wurde die Feuerwehr»ach der 1t7. und 178. Gemeindeschule in der EberSwalder Str. 16 im Norden Berlins gerufen. Als die Löschzüge dort eintrafen, brannten in der Turnhalle Kisten mit— Tieren usw. Durch schnelles Eingreifen konnte das Feuer leicht be- seitigt werden. Die Brandursache ist noch unbekannt. Die Lohnordnung des Personals der städtische» Zentrale Buch brachte in der MittwochSsiyuna des EtatSausicdusseS Genosse Borg- mann zur Sprache. Die Lohnsätze seien unzulänglich, die Arbeiter seien schlechter gestellt als die Angestellten in allen übrigen städtischen Anstalten. Dazu läge gar keine Veranlassung vor. Viele Arbeiter müßten in Berlin wohnen und hätten dieselben Ausgaben wie andere städtische Arbeiter. Und die in Buch wohnenden, müßten bei der WobnungSknappheit erhebliche Mieispreise zahlen. Der Magistrat werde um Berücksichtigung der Wünsche der Arbeiter ersucht. Der Kämmerer, der in diesen Fragen ausichlaggcbend ist, denn er redete sofort dazu, gab eine Antwort, die nicht kalt und nicht warm war. Der Magistrat wolle die Sache prüfen. Nack der Stellung, die der Kämmerer in der Stadtverordneten» Versammlung zu der Lohnfrage der Arbeiter eingenommen hat, weiß man im voraus, was aus einer„Prüfung" herauskommt, bei der er bestimmenden Einfluß ausübt. Benicrkeiis- ivert ist. daß die Zentrale sich gut entwickelt, was an der Hand der Etats eingehend nachgewiesen wurde. Der Bau eines Berwaltungs» gebäudeS ist in Aussicht genommen. Von dem EtatSansatz zu diesem Zwecke wurden 56666 M. gestrichen, obwohl sich der Magistrats- Vertreter heftig sträubte. Die Freude über diesen ersten„Erfolg* war bei der Mehrheit groß. Eich selbst bezichtigt. Eine Korrespondenz meldet: Ein Ehepaar s sckmttlich SS Tage. DaS Körpergewicht stieg um durchschnittlich tri. rrtufierifVhur ormnrh«*f 21t finfipn Fintfp QRfitnh• int pmapTntm finffpn IQ Q�rttipiifpit PlNP ßJpfrnrfitiS:» auf Stubbenkammer in räuberischer Absicht ermordet zu haben, hatte ein friiherer Fürsorgezögling Otto Zukowski der Polizei gemeldet. Die Selbstbezichtigung stand auf einem Zettel, der Anfang November auf dem Hofe des Polizeipräsidiums gefunden wurde. ES wurde in der Tat erniittelt, dasi sich der Fiirsorgezögliug um die fragliche Zeit auf dem Polizeipräsidiuui befunden hatte und von dort nach der FiirsorgeerziehnugSanstalt zurückgebracht wurde. Aus der Anstalt entwich er wiederum und wurde jetzt von der Kriminalpolizei wieder aufgegriffen. Er gibt zu. den Zettel geschrieben zu haben, und zwar in der Absicht, nicht in die Erziehungsanstalt, sondern in ein Gefängnis zu kommen. Er wusite, dag, wenn er auf Grund des eingestandenen Doppel raubmordcS auf die Anklagebank gekommen wäre, er als ISjähriger Mensch nicht zum Tnde, sondern nur zu einer Gefängnisstrafe verurteilt werden könnte. Im Gefängnis wollte er dann die drei Jadre zubringen, die- er noch in der Erziehungsanstalt hätte zurückbehalten werden können, und dann mit dem Beweis hervor« treten, daß er nicht der Täter sein könne. Der Beweis soll dadurch geführt werden, daß er um die fragliche Zeit mit einem Zauberkünstler Chevalier Nonard aus Rügen gereist sei.(Alte Fähre.) Dieser Zauberkünstler stamme ans Wien und sei österreichischer Offizier gewesen. Um die Richtigkeit der Angabe» des Znkowski zu prüfen, ist erwünscht, datz sich der Zauberkünstler selbst oder Bekannte bei der Kriminalpolizei melden." Ist das hier Gemeldete richtig, so würde von neuem bewiesen werden, dasi die Behandlung in den Fürsorgeanstallen schlimmer als in den Gefängnisse» ist./ Deutscher Arbeiter-Sängerbund, Gau Berlin. Die Ucbungsstunde und Ausschuffsitzung am 6. März findet umstände- halber nicht statt. Siehe heutiges Inserat. Vorort- nickten. Die Gemcindcwahlbewcgung. Boxhitgen-Rummclsburg. Die Wahlen zur hiesigen Gemeindevertretung finden für die dritte Wählerklasse am Dienstag, den 8. März, von nachmittags 3 Uhr bis abends 8 Uhr statt. Gewählt wird in dem ersten, vierten, fünften und siebenten Wahlbezirk, und zwar je ein Vertreter. Der e r st e Wahlbezirk, umfassend: Simon-Dach-Strahe l— 7 und 39— 46, Romintener Strahe 27—30, Grünberger Strohe 6— 19, Gärwerstratze 20—24, Gabricl-Max-Stratze 6—17, Krossener ätiatze 11—14, Box. Hagener Slratze 24a., Boxhagcner Cbanssee 7—16. wählt bei s t i m m i n g, Simon-Dach-Siratze 1.— Kandidat ist Genosse Dh. Ritter. Der vierte Wahlbezirk, umfassend: Alt-Boxhagen 4—36, Boxhaaener Cbanssee 1—6,.Krossener Strotze 1—10, Gärtnerstratze 11—19, Glatzcr Si ratze 1—7, Grünberger Slratze 1—5 und 20—24, GryphiuSstratze 16-20, Holleiitratze 14--22, Neue Bahnhositratze 18— 26a, Seumcstratze 13—20, Wescrslratzc 26—48. Wismarplatz 1-6, wählt bei Wolfram, Krossener Slratze 5—6.— Kandidat ist Genosse Otto Günther. Der s ü n s t e Wahlbezirk, umfassend: Sonntagslratze 1—7 und 32—36, Neue Babiihosslratze 1— 7 und 26b— 37, Ludwig-stchmann-Stratze 1—5, Lcnbachslratze 11—22, Alt- Boxhagen 1—3 und 50—57, wählt bei Schneider. Sonntagstratze 1.— Kandidat ist Genosse Otto John. Der siebente Wahlbezirk, umfassend: Vittoriaplatz, Türrschmidt- stratze 1—36, Rathansstratze, Punz-Alberl-Stratze 1—46, Portlandslratze, Mozartstrntze 8- 11, Liebigstratze, Lessingstratze 16a— 18. Kanlstratze 12— 40 und KarlShorster S trotze, wählt im.Roland", Viktoriaplatz.— Kandidat ist Genosse Gust. Stephan. Unsere Gegner im Bürger- und Grundbesiyerverein, welche uns bei den Gemeindewahlen vor zwei Jahren auf Grund eines beiderseitigen Kompromisses geschlossen gegenüberstanden, hatten es infolge Begünstigung durch die neue künstliche Wahlbezirkseinteilung fertig gebracht, den Beamtenwahlbezirk für sich zu behaupten. Diesmal ist aber wegen der Verteilung der Mandate zwischen Bürger- und Grundbesitzerverein auf Grund des Abkommens vor zwei Jahren zwischen beiden Herrschaften ein arger Streit ent- brannl— beide Vereine bezichtigen sich gegenseitig der gröbsten Unwahrhafligkeit und bekämpfen sich in Versammlungen und Flug- blättern in einer Art und Weise, die den besten Beweis dafür bieler, welch nackte Jnteressenpolitik von beiden Vereinen betrieben wird. Für uns gilt es nun. nicht nur in der dritten Klaffe, sondern auch in der zweiten Klasse durch die Wahl der sozialdemokratischen Kau didaten den Herren das Spiel zu verderben. Schöneberg. Zur Bekämpfung der Tuberkulose besteht hier seit nun sechs Jahren ein Verein, der von der Stadt unterstützt wird. Sein vom Vorsitzenden Oberbürgermeister Wilde erstatteter Jahresbericht für 1900, der uns vorliegt, will ein Bild der Leistungen des Unter nehmens geben. Gegenwärtig unterhält dieser„Verein zur Bekämpfung der Tuberkulose in Schöneberg' folgende Einrichtungen für Tuberkulöse: eine Auskunfts- und Für sorgestelle in Schöneberg selber sEbersstratze 2), eine Walderholungs. stälte mit Nachtstation bei Eichkamp, eine Heimstätte für Erwachsene in Sternberg(i. d. Neumark), ein Erholungsheim für Kinder in Boldixum lauf Insel Führ). Die Auskunfts« und Fürsorge st elle ist heute sa zusagen ein Unternehmen der Stadt. Sie wurde im dritten Jahr ihres Bestehens von der Stadt übernommen, doch sicherte der Verein sich damals die Fortdauer einer gewissen Mitwirkung. Zu ihren Aufgaben gehören Wohnungsfürsorge, Schutz gegen lieber tragung der Tuberkulose, vorbeugende Kinderfüriorge. Die WobnungSfürsorge besteht in Gewährung von Zuschüssen zur Miete, von Feuerung, Decken, Betten, von Desinfektionsmitteln, Speiflaichen usw. Dazu kommen Kontrollbesuche zweier Fürsorge- schweslern in den Familien, Belehrung durch niündliche Unier- redung und durch Merkblätter. Ueber den Umfang dieser Leistungen macht der Bericht zumeist keine genauen Angaben. Wo er Zahlen nennt, sind sie dürftig. An einer Stelle lesen wir zum Beispiel, daß die Mietszufcbüsse, die sicherlich zu den wichtigsten Hilfsmitteln der WohnungSfürsorge gehören, nur 49mal gelvährt wurden. Wie hoch sie waren, erfährt mau nicht. Als ein Hilfsmittel der WohnungSfürsorge werden auch die Desinfektionen erwähnt, die die Stadt leistet. Sie wurden in allen Fällen un- entgeltlich ausgeführt, 123mal nach Tod an Lungen- oder Kehlkopf- tuberkulöse, 129 mal zu Lebzeilen der Kranken, besonders bei Wohnungswechsel. Zu noch wirksamerem Schutz gegen Ueber- tragung der Tuberkulose wurden die Kranken in ihren Familien möglichst isoliert. Wie weit das in der � beschränkten Wohnung einer Arbeiterfamilie überhaupt möglich ist, sagt der Bericht nicht. Daneben wurde auch Unterbringung in Anstalten bewirkt, 12S Männer und 262 Frauen, von denen viele an„offener" Lungentuberkulose litten und für ihre Umgebung in Familie, Werkstätte, Fabrik nsw. eine Gefahr bildeten, wurden in Heilstätten untergebracht. Die Jso- lierung, die dadurch erreicht wurde, dauerte meist nicht lange, Haupt- sächlich infolge Geldmangels des Vereins. In den Anstalten ver- licren sich aber bei vielen Kranken die Bazillen, womit ihre„offene" Tuberkulose zu einer„geschlossenen" wird und die Gefahr für die Umgebung sich mindert. Auch die K i n d e r f ü r s o r g e der Für- sorgestelle arbeitete besonders mit Unterbringung in Anstalten usw. In Seebospize und Erholungsstätten wurden 165 Kinder geschickt, zirka 300 wurden in ländliche Kolonien gegeben. Dazu kam die eigene Walderholungsäätie des Vereins und sei» eigenes Kinderheim, die weiter u»teii besprochen werden. In der Obhut der Fürsorgestellen waren im letzien Jahre überhaupt 1856 Fannlien mit 7625 Köpfen. Aus ihr wurden entlassen 176 Faniilien mit 553 Köpfen, und neu wurden aufgenommen 561 Personen(die Zahl der Familien fehlt hier im Bericht). Die Heimstätte in Sternberg verpflegte 242 Kranke aller Stadien. Für 186 davon, die im Laufe des Jahres ausschieden, bringt der Bericht nähere Angaben. Unter ihnen waren 54 männliche (erst seit Mai 1909 werden Männer aufgenommen) und 132 weib- lickie. Das Alter lag zwischen 14 lind 57 Jahren; 81 Ware» ledig, 405 waren verheiratet.(Für Alter und Familienstand im Bericht die GeschlechtSuntelscheidung.) Die 13V, g Pfund; im einzelnen hatten 19 Patienren eine Gewichts abnähme, 167 Gewichtszunahme, die im Höchstfall bis 39 Pfiind reichte, aber meist nicht über 20 Pfund hinausging. Tuberkelbazillen im Auswurf wurden bei der Anfiiahine bestiniuit nachgewiese» bei 64 Personen, von denen 23 bis zur Entlassung die Bazillen verloren Entlassen wurden alS„geheilt" 18 Patienten, als gebessert 152, ale ungebesfert 12, gestorben waren 4. Die Arbeitsfähigkeit wurde bei 156 teilweise öder ganz wiederhergestellt. Der Bericht verzichtet hier auf Angabe der Berufe, und immer fehlt auch wieder die Geslblechtsunr'ersckieidung, Die Anstalt erhielt sich selber ans den Verpflegiingsgeldern. die zum größeren Teil durch Krankenkassen(auch durch die Juvalideiiversicherung), zum kleineren durch Selbstzähler und durch die Stadt gezahlt wurden. Die W a l d e r h o lu n g s st ätte bei Eichkamp verpflegte von Mai bis September 6l4 von der Schule ailSgesilchte Kinder und 36 von der Fürsorgestelle ausgesuchte, die zum Teil nock nicht schul pflichtig waren. Die 650 Kinder erhielten volle Beköstigung vom Morgen bis zum Abend, 90 davon blieben auch über Nacht dort. Pro Kind wurden 30 Verpflegungstage geleistet, im ganzen 19 500. Die Gewichtszunahme betrug zwischen 1 und 4 Kilogramm. Die Kosten wurden fast gänzlich von der Stadt gezahlt. Das Kinderheim in Boldixum nahm l31 Mädchen, 121 Knaben, zusammen 252 Kinder ans und entließ 193 nach durch- schnittlich 52 Tagen, im Höchstfall nach 4 Monaten 3 Tagen. Auf- nahmegrund war Blutarmut bei 27 Proz., Skrophulose der Haut, Schleimhaut, Sinnesorgane bei 31 Proz., der Drüsen bei 11 Proz., der Knochen und Gelenke bei 3 Proz., Lungenkatarrh bei lO Proz., Herzfehler und allgemeine Schwäche bei 4 Proz.. erholungsbedürftige Rekonvaleszenz bei 5 Proz. Meist wurde erhebliche Beiierung, oft volle Heilung erzielt; die wenig oder gar nicht Gebefferten waren am zahlreichsten bei Lungenkatarrh mit 30 Proz. dieser Kranken, bei Skrophulose der Knochen und Gelenke mit 22 Proz,, der Drüsen mit tO Proz, dieser Kranken. Immerhin hob aber das Allgemein befinden sich in fast allen Fällen. Die Gewichtszunahme während der Kur war groß, bei manchen Kindern so gar größer, als sie für dasselbe Alter normalerweise im ganzen Jahr ist. Der Bericht betont diesen Erfolg, Um ihn aber recht beurteilen zu können, niüßlen wir erfahren, welches das Gewicht vor der Kur war. Wir würden da mit Schrecken sehen, um wieviel die aufgenonimenen Kinder hinter den normalen ihres Alters zurückgeblieben waren. Dann versteht man es eher, daß in einer Kur von durchschniltlich 52 Tagen manche nachholend mehr zw nahmen, als normale Kinder in 52 Wochen zunahmen. Und hiermit berühren wir den lvichngsten Punkt in jedem Kampf gegen die Tuberkulose, die Frage nach ihren U r- fache n. Diese Unzulänglichkeit der Körperentwickelung vieler Arbeilerkinder, eine Folge der Vererbung, der Mängel in Pflege und Ernährung, der unhygienischen WohnungSzustände, bereitet früh- zeitig den Boden für die Enlstehung der Tnberknlose. Später tun dann überlange Arbeil in gesundheitsschädlichen Räumen bei un- genügender Entlohnung ihr übriges zur raschen Entwickelimg jener Krankheit, die man mit Recht die Proletarierkrankheit nennt. Die Tätigkeit des genannten Vereins ist gewiß nützlich und nötig, aber sie beschränkt sich fast nur darauf, schon entstandene Ge- snndheitsichädigungen zu mildern und wo möglich zu beseitigen. Die Volksgeinndheit allgemein zu heben und Schädigungen möglichst von vornherein zu verhüten, ist eine Anfgabe, zu deren Lösung es einer tiefgrerfenden Aenderung unserer sozialen Z u st ä n d e bedarf. Wilmersdorf. Die Stadtverordnetenversammlung gegen die Sozialpolitik. Die Stadtverordnetenversammlung begann in ihrer Sitzung vom 2. März mit der Beratung des Etats. Aus den Zahlen des Voranschlages sei das Folgende hervorgehoben: In Einnahme und Ausgabe schließt der Voranschlag mit 16 190 380 M. ab, das ist gegen das Borjahr eine Erhöhung von 2 236 480 M. Hiervon entfallen auf die ordentliche Verwaltung 3 775 000 M. gegen 8 043 000 M. im vorigen Jahre. Von den Einnahmen und Aus- gaben der außerordentlichen Verwaltung entfallen 6 132 000 M. auf die Untergrundbahn, 747 780 M. auf die Hochbau- Verwaltung und 485 M. auf die Kanalbauverwaltung. Erwähnt sei ein Betrag von 200 000 M. zur Errichtung einer Schwimm- halle, serner ein Betrag von 30 000 M. für Vorarbeiten zum Krankenhausbau. Beide Anstalten fehlen noch in der mehr als 100 000 Einwohner zählenden Stadt; wer baden will und keine Einrichtung dazu im Hause hat, mutz nach Berlin oder Charlotten- bürg gehen, wie denn ebenfalls ein Bürger, der der Krankenhaus- behandlung bedarf, in der steuerkräftigsten Stadt Deutschlands auf die Gnade einer auswärtigen Krankenhausverwaltung ange- wiesen ist. Zum ordentlichen Etat bemerken wir, daß die AuS- gaben für höhere Schulen sich um 27 Proz., die für Volksschulen um 28,3 Proz. erhöht haben. Die Einnahmen der höheren Schulen weisen im Voranschlag ein Mehr von 8,24 Proz. auf. Die Ar- men-, Waisen- und Armenkrankenpflege hat eine Einnahme von 40 450 M.(i. V. 35 250 M.) und eine Ausgabe von 191 950 M.(143 570 M.). Neu eingestellt sind 10 000 M. zur Be- kämpfung der Tuberkulose. Die Einnahmen für Wohl- fahrtspflege sollen sich im kommenden Jahre auf 4350 M. (2150 M.). die Ausgaben auf 80 200 M.<53 280 M.) stellen. Für Ferienkolonien sind wie im vorigen Jahre 15 000 M., für die Krippe und die Fürsorge für die schulentlassene Jugend 6500 M. (4500 M.) vorgesehen. Auch der Etat für Wohlfahrtspflege weist 17 010 M. auf, die zur Bekämpfung der Tuberkulose verwendet werden sollen. Im vorigen Jahre wurden für diesen Zweck 8130 Mark bewilligt. Was die Steuern am Ort betrifft, so soll auf Betreiben der Regierung zum ersten Male der seit 1896 auf 90 Proz. be- messene Zuschlag zur Einkommen st euer auf 100 Proz. er- höht werden. Hierdurch wird sich nach dem Voranschlag die Ein- nähme um 300 000 M. vermehren. Auch bei der Gewerbe- steuer ist in Klasse IV der Zuschlag von 90 Proz. auf 100 Proz. erhöht worden. Die Gemeindegrundsteuer bleibt bei dem vorjährigen Satze von 2,2 Promille für bebaute und 4,4 Promille für unbebaute Grundstücke bestehen, hingegen will der Magistrat die Kanalisationsgebühr von l'ch Proz. auf 2 Proz. des Gebäudcsteuernutzungswertes erhöht wissen. Bei der Umsatzsteuer wird auf eine Einnahme von 800 000 M. gerechnet. Ganz bedeutend will der Magistrat den Beamtenapparat vermehren; es werden 150 000 M. für 63 neue Beamtenstellen ge- fordert. Die EntWickelung der Stadt sei noch in Kürze an folgenden Zahlen veranschaulicht. Setzt man für das Steuerjahr 1901 die Be- völkerung, die Zahl der Zensiten und das Staatscinkommensteuer- soll immer gleich 100, so stellt sich für das Steuerjahr 1908 die Be- Völkerungszahl auf 267,63, die Zahl der Zensiten auf 380,5�, das Staatseinkommensteuersoll auf 455,75. Kein anderer Ort im Reich ist so wie Wilmersdorf an Steuerkraft gewachsen, keiner ist aber auch im Verhältnis so arm an sozialpolitischen Leistungen. Wie anderswo, so gibt auch hier die Etatsdebatte ein Bild von dem Grade der sozialpolitischen Einsicht in der Stadtverordneten- Versammlung. Und da muß denn an der Hand der am Mittwoch kundgegebenen Anschauungen leider festgestellt werden, daß sich in Wilmersdorf noch eine Rückständigkeit breit machen darf, wie sie, wenigstens in deutschen Großstädten, wohl nirgendwo sonst mehr zutage tritt. Nachdem der neue Stadtkäinmerer R o h d e in wenig be- merkenswerten Darlegungen den Etat erläutert hatte, glaubte der Vorsitzende Prof. Dr. Leidig die Stadt Wilmersdorf gegen Bor- würfe in Schutz nehmen zu müffen, die nach seiner Darstellung am Montag in der Stadtverordnetenversammlung von Schönebcrg erhoben worden sind. Der Stadtverordnete K ü t e r habe bei der Erörterung des Krankenhauswesens fehlt! es für richtig befunden, von der sozialpolitischen Rück- Kur dauert durch»'ständigteit Wilmersdorfs zu sprechen. Wenn in der Stadtverordnekenbersammlung von Wilmersdorf derartige Aeußerungen Schöneberg gegenüber gefallen wären, sd würde er als Stadtverordnetenvorsteyer es für seine Pflicht gehalten haben. den Redner auf die U n z u l ä s s i g k c i t einer solchen Kritik hin- zuweisen. Auf die sachliche Berechtigung des Tadel-- ging Herr Leidig nicht weiter ein. Er begnügte sich damit, durch seine eigenen, den Anschauungen der Mehrheit entsprechenden Aeußerungen diese sachliche Berechtigung der sozialdemokratischen Kritik stark zu unter st reichen. Der Armen- und Wohlfahrts- etat, der nebenher bemerkt im Vergleich mit dem der Nachbarorte geradezu lächerlich geringe Summen beansprucht, ist nach Herrn Leidig so stark gestiegen, daß der Etatsausschutz,„bei allem Willen, zu geben, was notwendig sei, strenge zu prüfen hat, ob nicht Abstriche zu machen find". Auch fand Herr Leidig es an- gesichts des Umstandes, daß voriges Jahr erst der noch nicht ge- brauchte Betrag von 30 000 M. für den geplanten Kranken- Hausneubau eingesetzt ist, sehr bedenklich, jetzt schon wieder' die gleiche Summe zu bewilligen. Und dabei steht der Krankenhaus- neubau in der Wilmersdorfer Gemeindevertretung schon bald zehn Jahre auf der Tagesordnung. Mit Entschiedenheit muß aber nach den weiteren Ausführungen des Herrn Leidig der Grundbesitz vor weiteren Belastungen geschützt werden, obgleich er nach den Darlegungen eines andexen Redners in Wilmersdorf immer noch um ein gutes Stück besser daran ist als in«chöncberg und Char- lottcnburg. Auch der S ch u l e t a t verdient nach Herrn Leidig mit Vorsicht geprüft zu werden. Entschiedenen Tadel hatte er aber dafür, daß im Etat noch ein Betrag für den von ihm herbei» gesehnten Bau eines Amtsgerichts fehlt. Andere Redner sekundierten Herrn Prof. Dr. Leidig nach Kräften. Dem Stadtverordneten D r ö s e war es nicht recht, daß die städtische Bauverwaltnng auf eine gewisse Eleganz bei den Schulbauten hält.„Schulpaläste brauchten nicht aufgeführt zu werden." Auch diesem Herrn hatte es der Fonds für Wohl- fahrtspflege mächtig angetan. Es sei zu befürchten, so sagte er, daß sich hier geile Triebe ausbildeten, und diese müßten nach Kräften beschnitten werden. Der Wohl- fahrtspflege gegenüber fei das Wort des Zirkusdirektors am Platz:„Nur immer recht langsam mit den jun- gen Pferden!" Nachdem der Herr in dieser Weise vom Stand- Punkt eines Zirkusdirektors aus das bißchen Sozialpolitik bekämpft hatte, mit dem der Magistrat sich endlich schüchtern hervorwagt. galt sein Kampf der W e r t z u w a ch s st e u e r. Er wolle hoffen. so verkündete er unter dem lauten Beifall der Mehrheit, daß Wilmersdorf in Groß-Berlin der letzte Ortsei. der die ja leider nun einmal unausbleibliche Wertzuwachs st euer einführe» werde. Stadtverord- neter Dr. Schwarz rechnete der Mehrheit vor, daß, auf den Kopf der Bevölkerung berechnet, für Wohlfahrtspflege 1909 aus- gegeben wurden von Charlottenburg 1,20 M.. von Schöne» b e r g 1 M., von dem viel steuerkräftigeren Wil- mersdorf hingegen nur der beschämend geringe Be- trag von 60 Pf. Der Stadtverordnete Körte trat, ohne natürlich die geringste Beachtung zu finden, sogar für einen Aus- gleich der sozialen Lasten in Groß-Berlin ein. Stadtverordneter K l e t k e wußte zu tadeln, daß der Magistrat die städtischen Arbeiter, die vor anderthalb Jahren um die Einsetzung eines Arbeiterausschusses eingekommen sind, bis jetzt noch nicht einmal einer Antwort gewürdigt hat. Vielleicht will der Ma- gistrat auf diese Weise den Unorganisierten die Notwendigkeit deS Anschlusses an den Verband der Gemeindearbeiter demonstrieren. Ganz besonders trat aber der sozialliberale Stadt- verordnete Dr. Moll, der als Neugewählter zum ersten Male an den Verhandlungen teilnahm, unter dem lauten Murren der Versammlung für eine der Würde Wilmersdorfs entsprechende Sozialpolitik und für die Wertzuwachssteuer ein. Zum Schluß fand noch der Stadtverordnete Dr. E de l einige Worte gegen die sozialpolitische Rückständigkeit der Mehrheitsvertreter. Der Etat wurde schließlich den aus der ganzen Stadtver- ordnetenversammlung gebildeten drei Etatsausschüssen überwiesen. Bemerkt sei noch, daß Herr Moll den Stadtverordneten einen gegen die preußische Wahlrechtsschmach gerichteten Antrag zur Unterschrift vorlegte. Erst am Schluß der vierstündigen Ver- Handlung hatten sich die nach der Geschäftsordnung erforderlichln fünf Unterschriften zusammengefunden. Somit ist Aussicht vor- Händen, daß die Wilmersdorfer Interessenten des Dreiklassenwahl- rechts in der nächsten Sitzung Farbe bekennen müssen. Nixdorf. Die Wertzuwachssteucr angenommen? In der gestrigen Stadt- verordnetenveriommlnng wurde die Wertzuwachssteuer mit 37 gegen 32 Stimmen im Prinzip angeiwmmen. Die SchankkonzessionS- steuer wurde mit großer Mehrheit abgelehnt. Die Vorberalung der Steuerordnungen ist einem Ausschuß von 15 Mitgliedern überwiesen. Ein Notschrei geht dem„R. Tgbl." von den Bewohnern des Hauses Jonasstr. 69 zu. Dort wurde am Montag der Seifensieder Haller in seiner Wohnung erhängt anfgefunden. Wahrscheinlich bat H. sich bereits am letzten Freitag entleibt, denn an diesem Tage hat man ihn zuletzt gesehen. Die Leiche ist daher bereits stark in Ver- wesung übergegangen, trotzdem befindet sich dieselbe aber noch in der Wohnung und verpestet das ganze Haus. Auf demselben Korridor wohnt die Porlierfamilie mit drei Kindern sowie zwei junge Leute. Dicht daneben, nur durch eine Rabitzwand getrennt, eine andere Familie. Alle diese Personen sind trotz aller Des- infektion in großer gesundheitlicher Gefahr, da der Verwesungs- gernch unerträglich ist. Beschwerden bei der Rcvierpolizei sind bisher erfolglos gewesen. Es ist geradezu skandalös, daß ein solcher Zustand geduldet wird. Soll in dem betreffenden Hause vielleicht eine Seuche ausbrechen? Frau und Kinder erschlagen wollte gestern der Wjährige Arbeiter Otto Meinhardt aus der Kopfstr. 34. bei welchem plötzlich Wahnsinn zum Ausbruch gekommen war. Die Bedrohten vermochten sich glücklicherweise zu flüchten. M. zertrümmerte in der Wohnung alles und rannte mehrmals mit dem Kopfe an eine Wand, um sich zu tölen. Vom Rixdorier Kreisarzt wurde die Ueberführung des Wahnsinnigen nach einer Irrenanstalt angeordnet. Das geheimnisvolle Verschwinden eines 56 jährigen Malers Theodor Roth aus der Richardstr. 99 beschäftigt gegenwärtig die Polizeibehörde. Roih hatte plötzlich 17 000 M. geerbt und prahlte sehr mit dem Gelde, so daß vernintet wird, daß R. einem Verbrechen zun, Opfer gefallen sei. Treptokv-Banmschnlenweg. Sein zehnjähriges Stiftungsfest feiert der Gesangverein„Liedes- freundschaft"(M. d. A.-S.-B.) morgen Sonnabend, den 5. März, in den.Koiikordia-Fesisälen"(früher„Karpfenteich"), Köpenicker Land- siraße, unter Mitwirkung des Berliner Ulk-Trio. Da der Verein der Partei gegenüber stets seine Pflicht erfüllt hat. so ersuchen wir die Parteigenossen, mit ihren Angehörigen das Fest nach besten Kräften zu unterstützen. Schmargendorf. Zu dem Bericht über die öffentliche Versammlung wird uns be» richtigcnd mitgeteilt, daß es nicht die„Erhöhung der Gemeinde» vertreterzahl, sondern die„Einführung der Bezirkseintcilung" war. sür die der im Bericht erwähnte Herr Dr. Nathan gesprochen aber dagegen gestimmt habe. Jngendveraustaltungen. Kreie Jugendorganisation Berlin."Abteilung XVI. Sonntag, de» 6. März, findet eine Besichtigung deS Verkehrs- und Bau- Museums statt. Treffpunkt: pünktlich>/zl0 Uhr Alexauderplatz(Berolina). Sachkundige Führung. Rcinieteii0orf-Ost. Am Sonnabend, den 5. März, abends 8 Uhr, findet bei Gründer, Hoppeltr. 24. eine Versammlung der Jugendlichen statt, in der Genosse D o m n i ck das Thema.Schöpfimg oder Enlwickelung" behandeln wird. Wir bitten alle proletarischen Eitern, die erwachsene Jugend aus diese Veranstaltung ausmerljam zu machen und sie zum Besuch dersetbc» zu veranlassen. Der JugcndanSschuß. Clngegangene Druchfchnftcn. Von Set»Neuen Zelt«(Staffgatt, Paul Singer) ist socken Sas 28. Hesf des 28. Jahrgangs erschienen. Es hat solgendcu Inhalt: Das neue Scheusal.— Nach den Wahlen in England. Von Th. Rothstein. — Die deutschen Gewerkschaften am ftreitjmcg. Bon August Bringmaun (Hamburg).— Der Kongrest von Nimes. Von Eh. Nappohort(Paris)— tur Aibeitsnachweissrage. Von Richard Seidel.— Literarische Rundschau: rosestor Dr. G. v. Below, Das parlamentarische Wahlrecht in Deutschland. Bon M. N. Die„Neue Zeit' erscheint wöchentlich einmal und ist durch alle Buch- Handlungen, Postanstalten und Kolporteure zum Preise von 3.25 M. pro Cuartal zu beziehen; jedoch kann dieselbe bei der Post nur pro Quartal abonniert werden. Das einzelne Heft kostet 25 Pf. Probenmnmetn stehen jederzeii zur Versügung. Vom»Kampf«, der Monatsschrist ber deutsch-öster- reichischen G e n o s s e n, erschien soeben Heft S des 3. Jahrganges mit solgendem Inhalt: Otto Bauer: Gesaliren des ResörniiSinus. Martin Rapoldi: Wirtschaftliche und politische Umwälzungen in Tirol. Karl Renner: Die nationalen Minderheitsschulen. Arnold Holitscher: Die Be- steuerung der geistigen Gelränke. Ernst Lieben: Die Angebörigenversicherung und ihre sozialhhgieniiche Bedeutung. Adolf Braun: Statistik und Ver- waltung. Anton Walter: Die armenrechlliche Stellung der österreichischen Staatsangehörigen in Bayern. I. Hiippy(Zürich): Entwickelung und Tätigkeit der Gewerkschaften in der Schweiz. C. S.: Aus der serbischen Arbeiterbewegung. Otto Witwer: Der Sozialismus und die Kunst Bücherschau: Sozialwissenschaft. Wulschastsgeschichte. Kunst. Oesterreichijche Gewerkschaftsgeschichte. Handbuch der sozialdemokratischen Parteitage l86Z— litOi), bearbeitet von Wilhelm Schröder, komvlett in 13 Lieserungeii a 30 Pf. zu je 32 Seiten. Verlag von G. Birk u. Co. m. b. H., München. elationm L£ 5.2 Sf Fwmemde 774 N Hainburg 1774O Berlin j 774 NO ifraiitf.a®t. 770RD Rnncheu 770 NO Wien!770N Setter 1 Nebel 1 wolkenl 2 Nebel 3 wolkenl 4 bedeckt 3 bedeckt 0% 4" S? Mo Llattonen 5= |R=H i? Havaranda 709 Still Petersburg 772 WSW Scillv 1 701 SSW Wetter "Zi e* fil ilberdee» Pari» 762 SSO 09 NO Nebel.—3 1 bedeckt—0 o bedeckt 8 ö wolkig j 7 2 wolkenl—0 Wetterprognose für Freitag, den 4. März lSIO. Ziemlich kühl, zeitweise ausklarend, vorwiegend nebelig bei schwachen östlichen Winden i keine erheblichen Niederschläge. Thealer und Vergnügungen □□□ fr ei tag, den 4. März. Ansang 7-', Uhr. Königs. Opern lianS. Die Meister- jinaer von Nürnberg.(Ansang 7 Uhr. Königl. Schauspielhaus. Strand- linder. NeucS königl. Opern-Theater. Geschlossen. Deutsches. Ein Sommernachts- träum Kammerspiele. Der gute König Dagobert.(Ansang 8 Uhr.) Anfang 8 Uhr. Berliner. Taifun. Lessing. Das Konzert. Neues Zthanipiellmus. Der Herr Verteidiger. Neues. Der Philosoph von Sans- souci. Westen. Die geschiedene Frau. Komische Oper. Tiesland. Neues Overetten. Der Graf von Luxemburg. Trianon. Theodore u. Cie. Kleines. Ter große Name. Residenz. Im Taubenschlag. Thalia. Die Dollarprinzessin. Tchilier<». W»ii»e zwealer.) Viel Lärmen um nichts. Tch ii. Cliarlotteuburg. Egmont. Hebbel. Kavaliere. Friedrich-Wilbetinstädtisches. Der selige Toupinel. Voltsoper. Nndine. Luisen. Was Gott zulammensügl. Ro-e. Der Eisenbahnräuber. Sustfpielhaus. Der dunkle Punkt. Met-o>>oi. HallohII— Die große Revue. FolieS Eaprice. Herr Wafserkropj. Der Lusllurner.(Ans. 8-/« Uhr.) Casino. Berlin bei Nacht. Gebr. Herrnfeld. So muß man'S machen. Eine Uebergangs-Ehe. Nvatts. Uebers Grab hinaus. Stadttheater Moabit. Geschlossen. Parodie« Lohengrün.(Ans. 8ft, Uhr.) Ap>'l>o. Der Zechpreller. Spezia- litäien. Wintergarten. Sveziaiitälen. ReichSllallen. Stettiner Sänger. Palast. Spezialitäten. M-ix»ge. Soezcalitäten. Karl Havelland. Spezialitäten. Walballa. Svezcalstälen Buggenhageu. Spezialitäten.(An- TU Uhr). Urania. Tanbenstrahe 4M/48. Abends 8 Uhr: Vom Kreml zur Newa. gteniniurfe, Jnvaltdenstr. 57— 62. Lcssl ng-Tlieat«r. 8 Uhr z. 50. Male: Das Konzert. Sonnabend, 8 Uhr: Das Konzert. Sonntag, 3 Uhr: Hedda Gabler. Sonntag, 8 Uhr: Tas Konzert. Berliner Theater. Heute: T a2f Uli.« Uhr. Morgen: Taifun._ Neues Theater. Abends 3 Uhr: ver pdilosopd von Lanssouci. Morgen und folgende Tage: Ver plrilozopd von Sanssouci. Theater des Westens. Abends 8 Uhr: Die geschiedene Frau. Sonnt. 3'/. Uhr: Der fidele Bauer. L-nstspisIlisus. Abends 8 Uhr: Der dunkle Punkt. Operetten-Theater. Heute und folgende Tage 8 Uhr: Der Graf no» Luxemburg. Sonntag nachmittag 3 Uhr zu er- mäßigten Preisen: Der lkigounsrbaron fsl'ellsielt-WilltölmZtzMeiiez ZeliZUMi'eliigtK. Freitag, den 4. März, Ans. 8 Uhr: Der selige Toupinel. Sonnabend: Im bunten Rock. Sonntag nachm. 3 Uhr: Die Jung- frau von Orleans. Abends 8 Uhr: Der selige Toupinel. Rk8!llöii?-Tlikalks Direktion: Richard Alexander. AbendS 8 Uhr: Im Taubenschlag. Schwank in 3 Akten von Hennequin und Veber. Morgen und folgende Tage: Tieselbe Vorstellung. Sonntag, 0. März, nachin. 3 Uhr: Schlaswagenkoiitrollcur._ T rianon-Theater. Heute und folgende Tage. 8 Uhr: Tlicotlorc& Clc. Sonnlag nachin.: Pariser Witwen. Urania. Wissenschaftliches Theater. Freitag 8 Uhr: Eugen Zabel: Vom Kreml zur Newa. Volksoper. SW., Belle-Alliance-Straße Nr. 7/8. Abends»/a9 Uhr: Imliue. (Außer Abonnement.) Luisen-Tiieater. AbendS 8 Uhr: Was Colt ziisaKigt Schauspiel in fünf Akten von Ernst Nstterseldi nach freier Benuhnng einer Erzählung von Courths-Mahler. Morgen und folgende Tage: Was Gott zusainnienfOgt, IOSE=THEATE Große Frankfurter Str. 132. Anf. s Uhr. Ende'/,1I Uhr. i1 per Elsknbllhnrmlber Schwank in 3 Akten von F. Gräbert. isonnabend nachm. 4 Uhr: Frau Holle. Abends: WaukenderVoden. Sonnlag nachm.: Maria Stuart. AbendS: Wankender Bode«. Metropol-Theater Hallo!!! Die große Revue! In 8 Bildern von Jul. Freund. Musik v. Paul Lincke. In Szene gesetzt vom Dir. Rieh. Schultz. Anfang 8 Uhr. Rauchen gestattet. Abends 8'/, Uhr: Novität! Der Zechpreller. (e mit Gesang in 3 Akten von iax Real und Konrad Dreher. Musik von Kaiser. Hauptrolle: Professor Streufand: Konrad Dreher a. G. Vorher ab 8 Uhr; Die neuen Spezialitäten. Das Drolgentlrn weiblicher Schönheit, Grazie u. Kunst « Rosärio Guerrero. Dr. Angeloa, lebende Skulpturen. The Harmbny Four, ein musikal. Ulk TheSMerrills, komische Radfahrer. Gare HortZj Zauberkünstler und Illusionist, assistiert von Mill Emilie D'Älzow. Elise, Wulff u. Waldofl: Nach dem Fußballspiel. Baggesen, der Urkomische. Bruinins Originalszene: Im Billard- salon. Emilie Rose, Kontorsionistin. Biograph, neueste Aufnahmen. alhalla- Variefe ♦Theater iWeinkergswcg 19-20, Rosenth.Tor. Anfang 8 Uhr."Bas große Progr. Walt, das lebende Elektrizitätswerk u. d übrigen Spezialitäten. Tunnel: Die allergrößte Kanne.„ Theaterbesuchern freier Eintritt! jj Reiclisliailen-Tlieater. SteltinerSänger (Herren Meysel, Britten, Schräder otc.) Ansang: Wochent. 8 Uhr. Sonntag» 7 Uhr. Schiller-Theater 0.(Wallner-Theat.). Freitag, ab e n d s 8 Uhr: Viel I.tlnsien Hin nichts. Lustspiel in 5 Akten v. W. Shakespeare. Ende 10'/, Uhr. Sonnabend, abends LUHr: tücspenstcr. Sonntag, nachm. 3 Uhr: ver Herr Ministerialdirektor. Sonntag, abends 8 Uhr: �Vallchstclns I.nger. Hierauf: Die Plccolominl. Tlieater. Schiller-Theater(Charlettenburg). Freitag, abends 8 Uhr: Pgmont. Ein Trauerspiel in 5 Auszügen von Johann Wolsgang v. Goethe. S o n n a b e n d, n a ch m. 3 U h r: Die �iinxki'Qn von Orleans, Sonnabend, abends 8 U h r: Xene Jugend,(iohan Ulfstjerna.) Sonntag, nachm. 3 Uhr: Der Tteineldbaiier. Sonntag, abends 8Uhr: Kene Jagend.(Johan Ulfstjerna.) Brauerei Friedrichshain am Königstor. Größte Sehenswürdigkeit Berlins. Heute, Freitag: Elite-'I'ax: Größter Boek-Jiiliel ühiI Trufte! iui öer Air. Der beiiihuiteste Festwirt Zchorsch Ehrengruhsr mit feiner Truppe(60 Mitwirkende) ans München. GratiSverlosung von 10U Wert gegen ständen. Jeder Besucher erhält ein Los gratis. :g Anfang 8 Uhr. Entiee 2(1 Pf. Die grünen Passierkarten behalten volle Gültigkeit. SV ärnold Scholz Neu© Welt TUglich: HasenheidelOS/Mt i ßoekbierfeft in den bayerlfcben fllpen Voranzeige! Mittwoch, den 9. März 1910: Voranzeige! Soniniorfest In den bayerischen Alpen Hauses. Freitag, den 4. März 1910, abends 7ft, Uhr: Große Sport-Borstettung. Neu! Neu! Darbgrentsu�s I-os Dl» Tchares, 11 Perf. „Eisenherz« v. Meistersinger a. d. Eloge, ger. v. Kommissions. rat Gnstav Stcusbcck a. G. Neu! Die Amerikaner Neu! �eriul Shaws. Bagongbl, der kleine Reiter. Um 9'/, Uhr: Ende 11 Uhr: Qie drei Rivalen oder das mysteriöse Schloß in der Normandie. Sonntag zwei Vorstellungen. Nachm. und abends ungekürzt: Die drei Rivalen. Nachm. ein Kind frei._ Karl Haverland Ansang Theator. präz. 8 U. 77/79 Kommandantenstraße 77/79. Neue erstklassige Spezialität. Heute nach d. Vorstellung: Ball. Deutseder Holzarbeiter-Verband. Zahlstelle Berlin. Sonnabend, den 5. März, abends 8 Uhr, in der„Neuen Welt", Hasenheide 108—114: Kostümfest. „Ein Qebirgsfest in den Eröffnung 8 Uhr. Tyroler Alpen". Eintritt 50 Pf. SMP Die Festteilnehmer werden ersucht, in Alpenkostüm oder Sommertoilette zu erscheinen. Das Komitee. Restaurant Zehrendf, Hasenhcido 9, schrägüber der„Neuen Welt"; bei M. London, Rixdorf,„Ideal-Kasino" und im Zigarrengoschäft des Kollegen Schwemke, Schönleinstraße 34, Ecke Kottbuser Damm. U A MMII Kommandanlenstr. 57. T. A. 4, 5083. Zum 24. Male: mit Anton und Donat Herrnfeld. Ansang 8 Uhr. Vorverkauf 11 bis 2 Uhr. Sonntag nachmittag 4 Uhr: �leiue-Deuie Tochter. 3 Passage-Theater. Abends 8 Uhr: » l Sisters Ridley ! Georg Kaiser i ! Cornelia Fabian! £ Das große Programm�J Passage-Panoptikum Senegal in Berlin! RA wilde Weiber Männer, Kinder. Drei Negerdörfer Ohne Extra-Entroo! W.lVoacbs Theater Srunnenitr. 16, am Rosenthaler Tor. AbendS'/,g Uhr: Zlkber's Grab hiuaas. Lebensbild mit Gesang in 6 Bildern Sonnabend nachmittag 3 Uhr: Letzte Kindervorst. Frau Holle. Paiasi-TIiealer. Burgstraße 24, am Bahnhof Börse. Intoi-nntloimlo» Ringkampf-Championat nm die WeltmeiMtcnschatt. Protektor: Herr Pros. H. Hundrieser. Preise: 10 00« M. in bar. Freitag. 4. März ringen: Petersen. Dänemart, gegen Carca- nague. Frankreich. LouiS de Lyon. Frankreich, gegen Herrmann, Berlin. Massetti, Italien, geg. Schneider, Tirol. Reofch, Leipzig, gegen Stenrs, Belgien. Clement d'Angers, Frankreich, geg. Kasuba, Böhmen. Beginn der Ringkämpfe 9'!, Uhr. Vorher: Oiogiänrondon Spezialitäten. Ans. 8 Uhr. Preise 50 Pf. bis 3 M. Tonbild-Tlieater Das u schönste — Programm = Berlins,_ c laufend vom 2.-7, März £«. a.: Am Hofe einer ügypt. ch! Messalino. Kunstfilm 1. Rang. 3. Platz 39 Pf. af Kind. 10 Pf. ahn. Nachzahlung. Dauervorftell. v. 4—11 Uhr. pyirkus LSarrasani alter Botanischer Garten. Freitag, den 4. März 1910, abends 8 Uhr; Sensationelle Vorstellung mit einem rein zirzensischen Programm. Ab 9'/, Uhr: Portsetzung der Ringkampf-Konkurrenz unter dem Protektorat des Herrn Prof. Reinhold Begas. Es ringen: Nitschke gegen Reckling. Paradanoff gegen Strenge. Cazeaux deBastieux gegen Krook. Reykowicz gegen Andröe. Ontschcidungskampf: Jack Lewis gegen Lassartesse. V©Igt-Tlieater Gesundbrunnen Badstraße 58. Freitag, den 4. März 1910: Fncindt vom Thtow. Vaudeville in 6 Bildern von Pohl. Kaffenerössnung 7, Ansang 8 Uhr. an der■Taniovltsbrüok-!. DeutscIiMs psste rnid fornelimste LiclUbine CSO Sitzplatze Fcenhallo Ausstattung Beginn: Wochentags 4 Uhr. thonntags S M Zirkus Busch, j Heute Freitag, den 4. März, abends 71/, Uhr präz.: Große"Vorstellung. Ther. Ffllis, James Leon Fillis jun., 1 Heinrich Fillis in ihren Produk- 1 tionen der hohen Schule. Xen! Die\eu t Lockford-Truppe! I>le Hassans!! Hr. E. Schumann, Neudressuren. 1 Zwergclown Franpois, Kunstr.[ Die russ. Sensationspantomime Marja!"PU Vorher das große Galaprogramm.| Folies Caprice Der Cuftturoer. Neuer bunter Teil. Herr Wasserkropf. Anfang 8'/, Uhr. Vorverk. 11—2 Uhr Königstadt-Kasiino. Holzmarktstraße 72. Täglich: Franz Sobanakl. Neu: Else Marion; neu: Adda und Ottsiied Reley. Neu: Ellen Elilta. Neu: Les Alexandrow. Prolongiert: Viktor Ritter. Das sensationellste Schaustück. Rad- rennen aus der Bühne. Im dunklen Korridor. Schw. i. 1 Akt. 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