Kr. 56. flbonnemcnfS'Bedingungen: SIBonnometitä. Preis pränumerando: Lierteljährl. 3,zo Mr., monatl. 1,10 Mc„ wSchenwch 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags. »uuinicr mit illustrierter Sonntags» Beilage»Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- klbonnemenl: 1,10 Mark pro Mo»all Eingetragen in die Post-Zeitunas» Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Mark, für das übrige Ausland 3 Mark pro Monall Postabonncnicnls nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland. Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. S7. Iahrg» Crftcint täglich außer montags. Berliner Volksblatt. Die TnkrtlonS'GebDftr kelrägt für die sechsgespaltene Kolonel» geile oder deren Raum M Pfg., für politische und gcwerkschastltchc Pereins- und Bersammlungs-Anzcigen 30 Psg. „kleine Snreigen", das erste tfctt- gedrucktes Wort 20 Psg., jedes weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlaf» flellen-Anzeigen das erste Wort 10 Pfg.. jedes weitere Wort 5 Psg. Worte über lä Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nunimer müssen bis S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnetr Telegramm-Adresse: „SozIaKnnokrat Berlin" Zentralorgan der rozialdemokrattfchen partes Deutfcblands. Redahtiom 6 Cd. 68, Lindcnstraaee 69. Fernsprechcri Amt IV. Nr. 1983. Expedition: 8 Cd. 68, Ltndenetrasse 69» Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. Oer blamierte Europäer. Ein Hohngelächtcr fleht durch Europa. Das Lachen unserer Genossen im Tiergarten hat ansteckend gewirkt. Berlin ist davon ergriffen worden und Deutschland und die ganze Welt. Die„preußische Eigenart" ist zum Gespött gc- worden; die gefürchtetc Staatsautorität, die mit so grausamer Brutalität alle freien Regungen der Bolksmasscn nieder- zuhalten suchte, hat einen unheilbaren, aber für die Er- ringung der politischen Freiheit sehr heilsamen Stoß erhalten. Wenn das in der ganzen Welt verhaßte und verachtete preußische Regierungssysteni zugleich in der Brutalität, deren eS fähig, und der Tollpatschigkeit, mit der es gehandhabt wird, endlich enthüllt werden konnte, so gebührt das Verdienst vor allem dem Herrn v. I a g 0 w, dem Mann, der das staats- männische Ideal eines anderen Musterpreußen, des Herrn von Kröcher, so restlos verkörpert, höchstens daß sich noch die Herren Vorgesetzten, der preußische Miiiisterpräsideiit und der Minister des Innern in diesen Ruhm teilen dürfen. Und Herr v. Jagow wird nach Gebühr gewürdigt. Als„wenig erleuchteter Politiker", meint der Londoner„Morning Leader", habe sich der Berliner Polizeipräsident in seinen Proklamationen erwiesen und nennt ihn einen kurzsichtigen Ordnungswächtcr, der sich hauptsächlich' damit befasse, friedliche Bürger durch sein Vorgehen zum Sozialismus zu bekehren. Der Korrespondent des „Daily Ehronicle" ist entsetzt über die„Barbarei und Grausam keit der Polizei", ebenso wie der Berichterstatter der„Daily News", der die„groben und ganz überflüssigen Angriffe im Tiergarten scharf verurteilt.„TimeS" und„Daily Telegraph" rühmen die„inusterhafte Ordnung und Disziplin der Massen", konstatieren den erfolgreichen Versuch der Führer, alle Provokationen zu vermeiden, und die„fürchterliche Blamage" der Polizei. Und nicht anders spricht die französische Presse „In keiner Meise seiner Aufgabe gewachsen, ungeschickt und unfähig", so lautet ihr vernichtendes Verdikt. Der Held dieser Affäre sucht sich zu helfen, wie sich ein so erleuchteter Geist nun einmal helfen kann. Konnte er vor der Demonstration nicht genug Worte finden, um in seinen Stilübungen die Gefahren auszumalen, die das Zu fammenströmen von„ 200 000 Menschen" zur Folge haben müßte, so kann er jetzt plötzlich nach den Demon- strationen keine Zahl finden, die klein genug wäre, um die Geringfügigkeit der Kundgebung zu bezeichnen. Log gestern der Polizeibericht die Zahl auf 30000 herunter, so sind es heute gar nur mehr 15 000. Wir erwarten morgen die Zahl auf 7500 herabgesetzt zu sehen, bis dann Ende der Woche der Polizeipräsident selbst verkünden wird, daß seine Reiter ihre wilden Angriffe nur gegen das gewöhnliche Sonntagspnbliknm verübt haben. Man sieht, die Arithmetik des Herrn hält sich auf der Höhe seines Stils. Oder ist Herr v. Jagow vielleicht nur deshalb zur Zahl 15000 gelangt, weil er auch heute noch den Tiergarten und den Treptower Park nicht unterscheiden kann? Auch sonst sorgt der Mann dafür, daß man ihn nicht vergißt. Durch das Wolffsche Bureau läßt er der Welt sein heuttges Werk berichten. Er hat den Offizieren, Wachtmeistern und Schutzmännern der königlichen Schutzmannschaften Berlins und der Vororte seine Anerkennung für ihr gestriges Verhalten ausgesprochen; auch besuchte er die gestern verletzten Schutzleute im Krankenhause beziehungs weise in ihren Wohnungen und belobte sie. Wir wußten nicht, glauben es aber gerne, daß bei den blindwütigen Attacken auch ein paar Schutzleute zu Fall ge- kommen und sich verletzt haben. Daß Herr v. Jagow sie auf- sucht, spricht für sein Solidaritätsgefühl niit den wilden Reitern; daß er das der Oeffentlichkeit mitteilt, ist Aufdring- lichkeit und ungehörige Stimmungsmache. Anders aber steht es mit der„Anerkennung". Kein halb- Wegs vorurteilsloser Beobachter spricht anders als in den Ausdrücken schärfster Mißbilligung über das gestrige Vorgehen der„Schutzleute. In dieser Beziehung stimmen alle ehrlichen Berichte der in- und ausländischen Presse vollkommen über- ein. Wer die Demonstrationen in Berlin von Anfang an mitgcinacht hat, konnte gestern feststellen, daß noch bei keiner früheren Gelegenheit in so absolut un- gerechtfertigter und unmotivierter Weise Angriffe der berittenen Polizei und noch dazu mit blanker Waffe vor- gekommen sind. Man konnte gestern fast den Eindruck ge- lvinnen, daß die Polizei es geradezu darauf angelegt hatte, Opfer zu schaffen, so völlig grundlos war ihr Wüten. Wenn es gestern in T r e p t 0 w, wo die Polizei massen- hast aufgebotenZwar, nicht zu noch schlimmeren Unglücksfällen kam, so deshalb, weil in Treptow die Demonstranten durch ihren baldigen Abzug keine Gelegenheit zu Heldentaten boten. Wenn es im Tiergarten ohne größere Opfer abging, so nur deshalb, weil die Polizei gegenüber den anstürmenden Massen zum Glück so gering an Zahl war. daß sie nach den ersten Versuchen ihre lebensgefährliche Tätig- keit einstellen mußte. Wahrlich nicht das Verdienst der Polizei ist es, wenn der Wunsch der konservativen Auftrag- geber des Herrn v. Jagow nach mehr Blut nicht in Er- füllung ging, sondern das ist einzig und allein der Um- ficht und Besonnenheit der Massen zu danken. Ihr gebührt mit Recht die Anerkennung und der Respekt, der ihr von dem größten Teil auch der bürger lichen Presse gezollt wird. Die Anerkennung aber, die Herr v. Jagow seinen Offizieren und Schutzleuten ausspricht, ist eine neue unerhörte Provokation der Bcr- lincr Bevölkerung. Man sollte wirklich denken, daß Herr v. Jagow andere Sorgen hätte. Er hat die Polizei zu einer ganzen Reihe von Hand lungen benutzt, deren Gesetzmäßigkeit zu beweisen ihm schwer fallen dürfte. Mit welchem Recht wurden auf friedliche Spaziergänger Reiterangriffe konimandiert? Mit welchem Recht dürfen Polizisten Frauen und Kinder miß handeln? Mit welchem Recht wurde der Treptower Park abgesperrt und die Absperrung aufrecht erhalten? Daß Herr v. Jagow die falsche Meinung hatte, in Treptow tvürdc eine verbotene Versammlung abgehalten, rechtfertigt doch nicht die Aufhebung des freien Verkehrs. Warum ließ er sich denn täuschen? Und wenn auch, Un kenntnis schützt vor Strafe nicht. Wäre wirklich die Staats anlvaltschaft die„objektivste Behörde", Herrn v. Jagow wäre die Anklage sicher. So tvird man sich niit der Zivilrecht lichen Verantwortlichkeit begnügen müssen. Wenn Herr v. Jagotv aber mit seiner Provokation den Beweis liefern wollte, daß die gestrige Lektion, die ihm erteilt Ivorden ist, nichts gefruchtet hat, so läßt uns dieser Beweis seiner Unverbesserlichkeit sehr kalt. Es ist nicht unsere Aufgabe, einen Polizeipascha für seine Stellung zu erziehen. Diese Pflicht können wir höchstens im Nebenberuf erfüllen und möchten wünschen, ihr nicht allzu viel Zeit widmen zu müssen. Aber Herr v. Jagow kann sicher sein, daß wir, das was nötig ist, ausführen werden, ob er nun die Gesetze, zu deren Einhaltung er verpflichtet ist, befolgt oder nicht. Wir bleiben auf dem gesetzlichen Wege, aber wir verlangen das auch endlich von den preußischen Machthabern. Wir haben Sonntag eine kleine Probe von der Leistungs fähigkeit unserer Organisationen und von der Disziplin der Massen abgelegt. Die Herren mögen sich gesagt sein lassen, daß ihre Polizeimittel immer wieder so versagen werden, wie sie am Sonntag versagt haben. Für sie sind bei diesem Spiel nur neue Blamagen zu holen, für die Sozialdemokratie sind neue Ehren gewiß. Wir haben nicht den Wunsch, den Kampf ums Wahlrecht zu einem Krieg gegen die Willkür der Polizei Praxis zu gestalten. Aber ebensowenig sind wir geneigt, unseren Wahlrechtskampf uns durch Polizeinkase einschränken zu lassen._ Die Kundgebung. Berichte über Berichte sind am Montag noch bei uns auS allen Teilen Preußens eingelaufen. Samt und sonders verstärken sie den imposanten Eindruck der Sonntagsmeldungen— fast alle zeigen auch, daß das Recht auf die Straße zwar noch nicht voll erkämpft ist, daß das unerschrockene, kaltblütige Verhalten der preußischen Arbeiter schaft, ihr Festhalten an den Straßenkundgebungen, trotz aller polizeilichen Bluttaten und Attacken aber doch schon einen großen erzieherischen Einfluß auf die preußische Polizei ausgeübt hat. Schlimm genug ist es sicherlich noch, was an einigen Orten den Demonstranten und Passanten von der Polizei angetan wurde, aber mit blutigen Heldentaten der Sicherheitshüter, die am 13. Februar aus Halle, Frankfurt a. M., Duisburg, Königsberg und Neumünster zu melden waren, sind die Vor kommnisse des 6. März nicht zu vergleichen. Fast überall hat die Polizei eine erfreuliche Zurückhaltung gezeigt— Solingen und Bochum sind die einzigen Städte, wo es zu ernsten Zusammenstößen gekommen ist. In S 0 l i n g e n. wo bekanntlich neben mehreren Leichtverletzten e i n Schwerverletzter zu verzeichnen ist, rüstet die Arbeiter- schaft schon zur Prote st aktiv n. Ein Telegranun meldet uns: Solingen, 7. März. Die Arbeiterschaft hat für Dienstagabend eine Volks- Versammlung einberufen, die sich mit dem Vor- gehen der Polizei am Sonntag befassen soll. Zur Ergänzung unseres gestrigen Telegramms über die Vorgänge in Bochum wird uns noch geschrieben: Bochum, 6. März. Als der letzte Trupp der VersammlungSbesucher bis an die Kortumstratze, eine der Hauptstraßen Bochums, gekommen war, kam eine Anzahl berittener Schutzleute die um jene Zeit äußerst belebte Straße heruntergeritten, hinter ihnen Fußmann- schakten. Die Beamten wußten offensichtlich gar nicht, was sie eigent- sollten. Die Berittenen zogen blank, ritten von Zeit zu Zeit aufS Geratewohl ans die Bürgersteigr, während die Schutzleute zu Fuß ebenso aufs Geratewohl verschiedene Passanten, die nach ihrer Meinung nicht schnell genug gingen und von denen sie an« nahmen, daß sie Versammtungsbesucher waren, mit Stößen und energischen" Aufforderungen bedachten. Noch kopfloser und zum Teil rücksichtsloser ging die Polizei am Wilhelmsplatz vor. Von'den blindlings auf den Bürgersteig Reitenden wurde ein Kind überritten. Die tollste und zugleich lächerlichste Maßregel war aber die, daß lange, nachdem die Demonstranten sich zerteilt und der allergrößte Teil sich verlaufen hatte, die Friedrich st raße, anfangs vom Wilhelmsplatz ab, später von der Rottstraße ab abgesperrt wurde. Sech? berittene Schutzleute an dem einen Ende, sechs zu Fuß am anderen Ende der Straße, erstere mit blankem Säbel, ein Bild zum Lachen! Die Absperrung dieser Straße hatte gar keinen Sinn, am allerwenigsten um diese Zeit(7 Uhr). Betroffen wurde von dieser Maßregel hauptsächlich nur das sogenannte bessere Publi» kum, das auf jener Straße promeniert, und die Leute, die zum Bahnhof wollten. Ergötzlich tvar das Staunen des honetten Bürgertums, das gar nicht wußte, was eigentlicb lgs war, als eS die riesigen Menschen« massen sah und noch weniger begreifen konnte, daß die Polizei so kopflos hin« und herrannte und dabei die Sicherheit des Verkehrs und die des besagten besseren Publikums in oft wirklich be- ängstigender Weise gefährdete. Noch bis in die späten Abendstunden strichen berittene Patrouillen die Friedrichstraße auf und ab. Warum, wußte kein Mensch. So ist denn die Staatsaktion der Polizei ganz elend verpufft. Wenn sie eine Wirkung gehabt hat, so die, eine große Erbitterung in der Arbeiterschaft wachzurufen und sogar das Bürgertum zu einem guten Teil gegen die Polizei aufzubringen. Ein Erfolg, mit dem die Arbeiterschaft zufrieden sein lann. *** Eine vollständige Wiedergabe der eingegangenen Berichte ist bei ihrer Massenhaftigkeit ausgeschlossen. Wir müssen uns mit summarischer Zusammenfassung begnügen. Wir vcr- zeichnen ans der Provinz Brandenburg noch die folgenden Kundgebungen: Starkbesuchte Versammlungen, zum Teil unter freiem Himmel, und Straßendemonstrationen fanden statt in Jüterbog(409), Velten(800, darunter ein Drittel Frauen). Luckenwalde(2200), P r e n z l a u(300), Sarau(1000), Kottbus(3000), Sommerfeld(800), S ch w i e b u s(350). Spremberg(1500), Strasburg in der Uckermark(1000 Personen). Starkbesuchte Versammlungen sind außerdem zu ver« zeichnen in Nauen, W u st e r h a u s e n(250), P r i tz w a l k(800), W i I s n a ck, M ü l l r 0 s e(600), ßü sirin, Leitersdorf. In Prenzlau, wo 300 Personen erschienen waren, während daS einzige zur Verfügung stehende Lokal nur 80 faßt, wollte man die Versammlung in den Garten verlegen. Es zeigte sich aber, daß der überwachende Kommissar das Reichsvereinsgesetz nicht kannte und nicht kennen wollte— er erklärte die Verlegung für un- statthaft und blieb bei der Anflösungsdrohung selbst dann, als ihm der Genosse Rich. Schmidt die betreffende Bestimmung des Reichs« vereinSgesetzeS vorlas I Indessen sind die Versammelten doch zum Anhören des Referats gekommen, da der Referent von einem ge« öffneten Fenster des Lokales zu den im Garten Stehenden sprach. In P r i tz w a l k hatte der Landtagsabgeordnete des Kreises, Pastor Ramdor, eine briefliche Einladung mit der Bemerkung ab- gelehnt, in einer Versammlung unter freiem Himmel könne er nicht er scheinen.(!) AuS den übrigen Provinzen verzeichnen wir noch die folgenden Meldungen: Köln, 8. März. DaS Wahlrechtsmeeting, über das in der Extra« nummer kurz berichtet wurde, fand auf dem 8000 Quadratmeter großen Jnnenraum der Radrennbahn statt. ES war gemeinsam veranstaltet von der sozialdemokratischen Partei und der demo- kratischcn Vereinigung. Trotz der nicht sehr ausgiebigen Bekannt« machung(erst am Sonnabendmorgen wurden die Plakate an. geheftet), waren mehr als 20 000 Mensche» dem Kampfruf der Veranstalter gefolgt. Eine derartige Massenversammlung steht in der Geschichte der Stadt Köln einzig da. Einen wirksameren und machtvolleren Protest gegen die niederträchtige Wahlrechtsverrätcrei des Zentrums an dessen Hauptsitz läßt sich gar nicht denken. Als Redner wirkten von sozialdemokratischer Seise Reichstags- abgeordneter Z i e t s ch- Charlottenburg, Bernhard Müller und August R i e g e r- Köln, von der Demokratischen Vereinigung Schriftsteller Dr. R. Vre.itscheid- Berlin und Rechtsanwalt Dr. Klein-Köln. Die Genehmigung zu dem Massenmeeting unter freiem Himmel hat der Kölner Polizeipräsident zweifellos unter dem Eindruck der früheren machtvollen Wahlrechtskiind» gebungen der Kölner Sozialdemokratie erteilt. Unsere Genossen hielten durch mehrere hundert Ordner selbst Verkehr und Ordnung in mustergültiger Weise aufrecht. Auch auf dem Rückweg blieb die zahlreich aufgebotene Schutzmannschaft ohne Beschäftigung. >» » Kassel, 7. März.(Privatdepcsche des„Vorwärts". Auf Verlangen der Polizei wurden am Sonntag während der Wahlrechtsdemonstration in den Kasernen drei Kompagnien In» fanterie und eine Schwadron Husaren in kriegsmäßiger Aus» rllstnng bereit gehalten. Den Parteisekretär Genossen Köhne wollte man verhaften, als er, dem Verlangen der Polizei cnt» sprechend, die Volksmenge zum Auseinandergehen auffordern wollte. '.'" Imposante Versammlungen und Straße nkund» gebungen fanden statt in Elmshorn(3000), Glückstadt (700), Osnabrück(5000), Lauterberg a. Harz(700). Hamm i. W.(6000), Wittenberg(400), Bitter fcld (1000), Striegau(600), Peterswaldau(1000), Lan- genbielau(über 1000) und in Graudenz, wo der De- monstrationszug polizeilich genebmigt war. *»* Eine grosie Demonstration während der Arbeitszeit veranstalteten, am M 0 n t a g n a ch m i t t a g die Arbeiter\n Hanau. Pon dort wird uns telegraphiert: Haitau, 7. März. Um 4 Uhr nachmittags vcrlicßcn zirka SWO Arbeiter geschlossen ihre Arbeitsstätten und besetzten schnell sämtliche Räume des Ge- werkschaftShauscs. In drei Versammlungen referierten unker lebhaftem Beifall die Genossen Rudolf-Frankfurt, Ditz- mann-. Hanau und die Genossin G e w e h r- Dortmund. Dann zogen die Massen unter dem Gesang der Arbeiter- Marseillaise und mit Hochrufen auf das allgemeine Wahl- recht durch die Straßen, überall Aufsehen erregend. Die Polizei verhielt sich reserviert. .• Verzweifelte Rechcilkunststücke des Herrn v. Jagow. i Der Herr Polizeipräsident fühlt das dringende Bedürf- ms. die schwere Blamage des Polizeircgiments, die ihm von allen Seiten, von dem größten Teile der bürgerlichen Presse bescheinigt wird— ausgenommen sind nur die Organe der ! krassesten Reaktion und des �ocharfmachertums sowie selbst- verständlich die„unparteiische" Scherlpresse—. aus der Welt zu— rechnen I Er will den Eindruck, den die Schlagfcrtigkeit der Berliner Arbeiterschaft und die völlige Ucberrumpelung der von zahllosen Spitzeln ver- dientermaßen schlecht berichteten Polizei in der Oeffent- lichkeit machen, dadurch abschwächen, daß er die Zahl der Demonstranten im Tiergarten lächerlich gering angjbt. Er möchte der Welt cinreden,_daß nur einige Tausend Men- scheu demonstriert haben, um zu vertuschen, daß das Gros der politisch interessierten Berliner Arbeiterschaft dort zur Kundgebung versammelt war, ohne daß die Polizei es voraus- sah und ohne daß sie es zu hindern wußte. Nachdem schon gestern Woffs Bureau die lächerliche Meldung hatte ver- breiten müssen, daß 30 000 Menschen im Tiergarten gewesen feien, muß es sich heute zur Publizierung des folgenden Hexeneinmaleins hergeben: Berlin, 7. März. Die heute morgen verbreiteten Nachrichten, daß etlva ISO 000 bis 200 000 Personen an dem Demonstrations- zuge im Tiergarten teilgenommen haben, sind stark übertrieben. Der Zug hatte eine Ausdehnung vom Kleinen Stern bis zum Reichs tagsgcbäude, d. h. von zirka 1S00 Metern. Jede Reihe, in einer Breite von höchstens S Mann, benötigte einen Raum von einem Meter(beim Militär rechnet man 1,20 Meter), so daß an dem eigentlichen Zuge etwa 7500 Personen teilgenommen haben. Rechnet man nun die den Zug links und rechts begleitenden Neugierigen pro Reihe und Abstand mit 10 Mann und 1 Meter. so ergeben sich 15 000 Personen, zusammen also über 20 000 Personen. Das kostbare Exempel ist offensichtlich bestimmt- die Provinzpresse zu täuschen, die nicht weiß und nicht ohne weiteres wissen kann, daß der Zug vom Kleinen Stern bis zum ReichstagSgebäude nur einer unter vielen warl Um die Schätzung der anderen drückt sich die famose Rechnung scheu herum I Der Grund ist leicht zu erkennen. Die Zahl von 150 000 Demonstranten ist selbstverständ- lich nur eine ungefähre Schätzung, die nicht auf solchen Merk- malen beruht wie die Lbige Polizeirechnung. Aber sie hat bessere Stützen— sie gründet sich auf die Beobachtungen der Teilnehmer an den ursprünglichen Sammelstellen und sie trifft außerdem zusanimen mit den Schätzungen bürgerlicher Augenzeugen, die bei ihrem Urteil weniger interessiert sind ' als die Polizei. Doch gedulden wir uns. Herr v. Jagow. der jetzt die Zahl der Demonstranten nicht niedrig genug angeben kann, wird nachträglich die Angaben der Sozialdemokratie schon noch als richtig anerkennen. Hat er doch in seinen Warnungen vor dem Spaziergang im Treptower Park zugegeben, daß am 13. Februar in Berlin 200 000 Demonstranten auf den Beinen waren, während er uns am Tage der Demonstration nur 100 000 zubilligen wollte. Noch ein WnhlrechtSprozest. Gegen den demokratischen Schriftsteller v. Gerlach hat die Berliner Staatsanwaltschaft ein Verfahren wegen Aufreizung zum Widerstand gegen die Staatsgewalt und zum Ungehorsam gegen Gesetze eingeleitet. In einem Ar- tikel der„Welt am Montag" vom 21. Februar soll das Ver- gehen begangen worden sein. ### Eine Entschädignngsklage gegen den Polizeipräsidenten. t Die Gastwirte im Treptower Park, denen die Polizei am Sonntag das ganze Geschäft verdorben hat, wollen gemeinsam den Polizeipräsidenten auf Entschädigung verklagen. Sie schätzen den erlittenen Schaden aus mehrere zehntgusende Mark! »# « Die Sistierten in Berlin. Nach polizeioffiziöser Angabe beträgt die Zahl 8er am Sonntag Sistierten 70. davon kommen auf Berlin 50 und Treptow 20. Alle Sistierten wurden nach ihrer Verneh- inung bis auf einen wieder entlassen. Dieser wurde der Staatsanwaltschaft zugeführt- weil er woh- n u n g S l o s war. Verletzungen haben nach derselben! Ouclls zehn Personen davongetragen. * Konservative Hetze. Tie konservätiben Organs fahren fort, den Berliner Polizei- Präsidentm und auch die Polizcibehörden der anderen Orte zu strafbaren Vorgehen aufzuhetzen. Die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung", die„Post", die„Deutsche Tageszeitung" und andere dergleichen Organe, die nach Limanö Bekundung mit einem..geistig schwerfälligen" Leserkreis zu tun herben, entnehmen der konservativen Korrespondenz einen langen Slrtikel, betitelt:„Polizeibehörde und Massendemonstrationen". Des langen Artikels kurzer Sinn ist eine Wiederholung der Rechts- ausführungen, mit denen der Polizeipräsident in seinen berühmten Ukasen eine so zwerchfellerschütternde Wirkung hervorgerufen hat. Nach§ 10. Teil II, Titel 17— so wird in dem Artikel ausgeführt— ist eS das Amt der Polizei,„die nötigen Anstalten zur Erhaltung der öffentlichen Ruhe, Sicherheit und Ordnung und zur Abwendung der dem Publikum o?cr den einzelnen Mitglieder? desselben bc- vorstehenden Gefahren zu treffen". Die Polizei habe danach das Recht und die Pflicht, einzuschreiten, wenn Tatsachen vor- liegen, die es wahrscheinlich machen, daß strafbare Handlungen begangen werden sollen. Wie beweist der Artikel, daß solche Tat- fachen vorgelegen haben? Das altweiberliche Argument, das sei „zweifellos", soll den Beweis ersetzen. Nach dieser albernen Taschen- spielerei wird dann eine Demonstration und«in„Spaziergang" in goldener Rücksichtslosigkeit gegen die übereinstimmenden Ent- fchcidungen des höchsten preußischen und sächsischen Gerichts für «ine„Versammlung" erklärt. Auch kehrt die Entdeckung wieder, die Umgebung ein» strafbaren Handlung fei eine strafbare Handlung. Diese Zusammensioppelung reicht dein Artikelschreiber für seine Schlußfolgerung hin: es müsse der Polizeipräsident und alle Behörden einschreiten, um alle„ungesetzlichen"— soll heißen von Sozialdemokraten zu veranstaltenden— Aufzüge„mit mutiger und unbeugsamer Energie verbieten". Wenn der Polizeipräsident den suggestiven Wirkungen des GallimathiaS der reaktionären Presse unterlegen ist, so erntet er als gerechte Strafe den Spott der ganzen Welt. Den konservativen Hetzern aber fehlt der gute Glaube. Die„Nordd. Allg. Ztg.", die„Post", die„Deutsche TagcS- zeitung" wissen, daß ein Sp a z i e r g a n g und eine D e m o n- st r a t i o n keine V e r s a m m lu n g ist und daß die Umgehung einer strafbaren Handlung keine strafbare Handlung ist. Ihre Aufforderung stellt sich also als eine freche Verhöhnung der Gesetze und als eine schamlose Aufforderung an die Polizei auf, sich öffentlich zusammenzurotten und mit vereinten Kräften Gewalt- tätigkeiten gegen Personen zu begehen, die harmlos spazieren gehen und für ihre politische Ansicht demonstrieren. Das ist klare Ausforderung und Anstiftungzum Landfriedens- bruch und zum Mißbrauch der Amtsgewalt. Der Artikel erwähnt, daß die Polizeibehörde verpflichtet ist, jede straf- bare Handlung zur gerichtlichen Verfolgung zu bringen Der Leser des Elborats der konservativen Korrespondenz müßte demnach er- warten, daß die Polizeibehörden wegen der beleidigenden an sie gerichteten Aufforderung zu den schwersten strafbaren Handlungen gegen die„Korrespondenz" und die genannten konservativen Preß- organe vorgehen werde. Da wir aber in Preußen leben und der Polizeipräsident von den Konservativen als gehorsames Aus- führungsorgan der konservativen Hetzereien betrachtet wird, wird diese Folge, die allein den gesetzlichen Bestimmungen entsprechen würde, schwerlich eintreten. Sie IzgM-KIsmsge im Spiegel vergessen. Das Budgets dgs ig; kommenden gmanzjaijrfi die Mittel für den Ausbau der Altersrenien. die Einführung der Arbeitslosenversicherung und die Inangriffnahme großer natio- »aler Arbeiten zur Linderung der Arbeitslosigkeit liefern sollte. ist in die ungewisse Ferne gerückt, wenn nicht gar fallen gelassen worden. Die Eozialreforln, so heißt eS, kann erst wieder an- gefangen werden, wenn die Frage der Lords entschieden ist, wann den Lords das Recht, über Leben und Tod einer liberalen Maß- regel zu entscheiden, genommen worden ist. Das bedeutet natür- lich das Ende der Soziqlreform: dem, die Frage des Hauses der Lords ist ein Prograinmpunkt. von dem die liberale Partei Eng- lands zehren mutz, solange wie es eben geht; sie bildet den einzigen Punkt im eigentlichen liberalen Programm, für den eine Bolls- Majorität vorhanden ist. Nach den Ereignissen der letzten Wochen scheint c? am Platz: zu sein, einmal der Frage näherzutreten, ob es sich denn der eng- tischen Arbeiterschaft verlohnst den jetzigen Kamps gegen die Lords weiter mitzumachen. Die Erklärung des Premierministers in der Adretzdebatte hat den guten Glauben des Volkes an die Ehrlichkeit der Liberalen tief erschüttert, und die Konzessionen, die letzten Montag den energischen Elementen ii, der Anti-Lords-Majorität gemacht worden, sind auch nicht derart, datz sie für die Sache der Arbeiterschaft viel Gutes versprechen. Ter Kamps gegen die Lords mit papiernen Resolutionen gehört zu dem alten liberalen Melo- drama, bei dem sich die Lloyd George und Churchill in die Brust werfen können und den schwarzen Schurken von einem Lord denunzieren. Die Szene endet dann wie aus der Bühne: Schurke und Held sitzen hinter den Kulissen und trinken ihren Schoppen zu- sammen. Auch ist nicht zu vergessen, datz die Einführung der Reform des Oberhauses in das liberale Programm der ganzen Frage eine andere Wendung gegeben hat. Die Reform des Oberhauses bedeutet eine Stärkung desselben, und die Absicht, dem Oberhause einen pseudodemokratischen Charakter zu verleihen, macht die Sache nur noch schlimmer. Hier kann die englische Arbeiterschaft unmöglich mitmache». Wegen dieser seichten liberalen Verfassungspolitik die Regie- rung zu unterstützen, scheint heute recht unangebracht. Von dem liberalen Dornenstrauch sind keine Trauben zu erwarten. Die englische Arbeiterpartei wollte die erste Gelegenheit benützen, um sich von dieser ohnmächtigen Regierungspolitik loszusagen und sich mit aller Gewalt auf die Sozialpolitik werfen, was auch immer aus dem verpfuschten Feldzug gegen die Lords werden möge. Der Sozialreform sind die Lords nicht so gefährlich, wie es die Libe- ralcn darzustellen belieben. In den letzten viet Jahren haben die Lords daS AlterSpensionSgesetz, das Achtstundengesetz für den Bergbau und Viele andere ähnliche Gesetze von geringerer Acdeu- tung bewilligt, zwar nicht aus Liebe zum Volke, sondern aus Furcht vor dem Volke. Von den LordS droht der Sozialpolitik die geringste Gefahr; denn die Herren wissen, datz eine wirkliche Volks- bewegung, die durch eine Handlung des Oberhauses gegen ein die Lebensinteressen des arbeitenden Volkes tief berührendes Gesetz hervorgerufen, sie wie die Spreu vor dem Winde hinfegen würde. Die Hauptaufgabe der englischen Arbeiterbewegung mutzte jetzt die sein, die sozialpolitischen Projekte, die der SozialliberaliS- mus unzweifelhaft populär gemacht hat, nicht einschlafen zu lassen und systematisch zu propagieren, ehe die Taktiker der liberalen oder der konservativen Partei Zeit haben, sich ihrer wieder für ihre Manöver zu bemächtigen. poUrtfcbe CUberUcbt. Berlin, den 7. März 1910. Flotteupolitik und deutsch-englische Beziehungen. In Fortsetzung der Generaldebatte über den Marineetat. die heute im Reichstage zu Ende ging, brachte zunächst der freisinnige Abg. Dr. Struve eine' Fülle von Einzel- beschwerden vor, die meist Wohl auf örtliche Erhebungen in Kiel zurückzuführen sind. Auch Struve wie später sein FrqMonskollcge Leo«hart hatten Tatsachen vor- zubringen, aus denen hervorging, daß hinter den Worten deS Herrn v. Tirpitz häufig ein verborgener Sinn zu suchen ist. Herrn Struve gelang es auch, einen Protest gegen die anmaßende Kritik des Polizeipräsidenten v. I a g o w an der Parlamentstätigkeit einzuflechten, welchem Protest er die Worte anfügte:„Ich warne den neugierigen Herrn Polizeipräsidenten vor der Wiederholung solcher Ucbcrgriffe". Der reichSparteiliche Herr v. G a m p verteidigte die Marineverwaltung gegen die Angriffe deS Herrn v. Oppers- d o r ff, war aber sonst auch nicht völlig mit dem Mangel an Sparsamkeit in der Marinoverwaltung einverstanden. Bei seiner Polemik gegen die Sozialdemokratie verwickelte er sich in die lustigsten Widersprüche. Dann ergriff der nationalliberale Herr Bassermann das Wort, offenbar in dem Bewußtsein, daß die dürftige Kanzlerrede vom Sonnabend dringend einer sachlichen Ver- vollständigung bedürfe. Er suchte also die Haltung der deutschen Regierung gegenüber England zu rechtfertigen, in- dem er sich auf die englischen Sozialisten berief, die weit patriotischer seien als die deutschen. Dann führte er auch zur Unterstützung seiner flottenpatriotischcn Ansichten- den österreichischen Genoffen Karl Leuthner ins Feld, der in den„Sozialistischen Monatsheften" einen Artikel ganz im Sinne seiner eigenen Auffassung veröffentlicht habe. Genosse Ledcbour rechnete gleichzeitig mit Herrn v. Bethmann und Bassermann ab, indem er an der Hand deS Schicksals der vorjährigen sozialdenlvkratischen Abrüstungs- resolution nachwies, daß von der Regierung ein verständiges Eingehen auf Abrüstungsmaßregeln zur Sicherung des Friedens nicht zu crlvartcu sei. Als Ledcbour zum Schluß den Nach- weis für die Schädigung des deutschen Ansehens im Auslände durch die verderbliche Jnlandpolitik des Herrn v. Bethnmnn und die volksfeindlichen Maßregeln des Herrn v. Jagow er- brachte, versuchte der Vizepräsident Erbprinz zu H o h e n l o h e seine Ausführungen abzuschneiden, ließ sich aber über- zeugen, daß der Zusammenhang mit der Tagesordnung zu rechtfertigen sei. Unter dem Toben der Rechten schloß Ledebour mit der Erklärung, daß die Sozialdemokratie mit aller Macht auf die Beseitigung dieser unfähigen, das Ansehen Deutschlands im Auslände schädigenden Regierung hinarbeiten werde. Nach einigen weiteren Ausführungen des Abg. Erzberger gegen die doppeldeutigen Auskünfte deS Marincmmisters wurde die Generaldebatte uni 7>/z Uhr geschloffen. Morgen stehen die Werftverwaltungen zur Debatte._ Konservative Städtcfcindlichkcit und sozialpolitische Riiikständigkeit. DaS Abgeordnetenhaus genehmigte am Montag zunächst eine Reihe von Eingeincindungsvorlagcn, darunter auch die Vorlage betr. die Auflösung des Landkreises Frankfurt a. M. und E r w e i t e- kvng dxs StgdtkreiscZ£ia»I|urt Dix boden fonferSaKMn Parte'«»?enuhlen die Gelegenheit, ihrer Städte- feindlichkeit Ausdruck zu verleihen, nicht nur dadurch, daß sie in ihrer großen Mehrheit gegen diese Vorlage stimmten, sondern auch dadurch, daß sie einige Reden vom Stapel ließen, die den Gipfel der Rückständigkeit bedeuten. Erklärte doch der vor kurzem erst ins HauS eingetretene Abg. v. Kardorff(fk.), ein Sohn des bekannten verstorbenen Parlamentariers, daß für die ablehnende Haltung seiner Freunde das demokratische Kommunalwahlrecht für Frankfurt a. M. ausschlaggebend sei: ein Wahlrecht, das eine für Straßendemonstrationen schwärmende Mehrheit hervorgebracht habe! Es war unserem Genossen Borgmann ein leichtes, diese „Gründe" zu widerlegen, die Städtefeindlichkeit derer um Kardorff gebührend zu kennzeichnen und die NoUvendigkeit einer Einge- meindung großen Stils nachzuweisen. Die Konservativen und ihr freikonscrvativer Anhang blieben denn auch dieses Mal erfreulicher- weise in der Minderheit. Das Haus setzte sodann die am Sonnabend abgebrochene Generaldebatte zum Handelsetat fort. Wie immer, so wurde auch jetzt wieder die Regierung von verschiedenen Seiten, ins- besondere von den Nationalliberalen, dringend ersucht, auf sozial- politischem Gebiete zu bremsen! Als ob ein solcher Rat der preußischen Regierung gegenüber überhaupt erst nötig wäre! Schon die eine Talsache, daß an der Spitze des„Ministeriums für Sozial- Politik" der Mann steht, der als Reichsschatzsekretär die famose Reichsfinanzreform zustande gebracht hat, beweist zur Genüge, daß man in Preußen an Fortschritte auf sozialpolitischem Gebiete längst nicht nichr denkt. Und tatsächlich ließ denn auch der Minister S Y d o w keinen Zweifel darüber, daß er sozialpolitisch genau so nach dem Herzen der Schlotjunker zu regieren denkt wie seine Amtsvorgänger Möller und Delbrück. Die Bäckereiverordnung z. B. will er, obwohl er die skandalösen Zustände in Bäckcreibetricben zugeben muß, möglichst milde handhaben, den zweiten Teil des Gesetzes betr. die Sicherung der Bauforderungcn will er erst in Kraft treten lassen, wenn der erste Teil sich bewährt hat, mit einem Wort: er will alles tun, was in seiner Macht steht, den Großindustriellen und ihren Kostgängern gefällig zu sein. Daneben wurde über allerhand unbedeutende Kleinigkeiten gesprochen: über Terrorismus der Sozialdemokratie und des Bundes der Landwirte gejammert, ein Loblied auf den Hansabund angestimmt; kurz und gut: die Debatte verlor sich ins Uferlose. Die Berantwortnng der Nationalliberale«. Schon am nächsten Freitag soll die zweite Lesung der Wahlrechtsvorlage beginnen. Dcir Schnaps- block hat die Absicht, das Gesetz so rasch als möglich durchzu- peitschen. Wiegt er sich doch in dem eitlen Wahn, daß, wenn der elende Wechselbalg nur erst Gesetz geworden, dann die Be- wcgung der Volksmassen schon allmählich aufhören werden. Denn dies ist die einzige Sorge der Privilegienritter. Sie wissen, daß ihnen parlamentarisch nicht beizukommen ist. Denn dafür sorgt ja das Dreiklassenwahlrecht; wenn die konservativ-klerikale„Reform" erst Gesetz geworden, noch besser als bisher. Aber die Bewegung der Massen— das zeigt das tobsüchtige Wüten der blutlüsterncn konservativen Presse— macht sie ängstlich. Und so möchten sie allzu gerne, daß ihre „Reform" als ein„endgültiger Abschluß" erscheine. Daher ihr Interesse an der Mitwirkung der N a t i o n a l li b e- r a l e n. Auf zweifache Weise sucht man diese Partei, deren Feindschaft gegen das gleiche Wahlrecht ja das Zusammenwirken von Zentrum und Konservativen über- Haupt erst möglich gemacht hat. dazu zu bewegen, dem schwarzblauen Block die Kastanien aus dem Feuer zu holen. Ein Teil der reaktionären Presse muß den Nationalliberalen vorstellen, ihr Widerstand sei nutzlos, die Regierung werde ja ohnedies das Werk des Schnapsblocks akzeptieren, also sollen die Nationalliberalen sich doch nicht wieder„ausschalten" lassen. Der andere Teil versichert umgekehrt, daß die Re- gierung die Reform nur annehmen könne, wenn auch ein Teil der Liberalen dafür stimme. Die Verantwortung der Na- tionalliberalen sei also groß; ihr Nein könnte bewirken, daß das ganze Gesetz scheitert. Wir sind nun freilich nicht so optimistisch, anzunehmen, daß der Mann der gottgegebenen Abhängigkeiten sich den Luxus eines eigenen Entschlusses gestatten und die Wünsche der Junker und Klerikalen unerfüllt lassen darf. Wäre es wirklich so, dann würden die Nationalliberalen, wenn sie für das Gesetz stimmten, allerdings einen Verrat begehen, der um nichts schlimmer wäre als das elende Gaukelspiel des Zen- trums. Da aber Herr v. Bethmann gar nicht an einen Wider- stand gegen die Gebote des Schnapsblocks denkt, wäre es eine selbst für Nationalliberale außergewöhnliche Dummheit, sich zu den reaktionären Volksfeinden zu gesellen. Sie werden auch so an ihrer Feindschaft gegen das gleiche Wahlrecht schwer genug zu tragen haben. Die Konservativen sind auch wirklich zu unbescheiden. Die armen Nationalliberalen kriegen nicht die geringste Konzession und sollen dafür noch den Junkern den Dienst leisten, eine möglichst imponierende Mehrheit für das Schandgesetz aufbringen zu helfen. Wie tief doch diese Junker die politischen Fähigkeiten der Naiionalliberalen ein- schätzen! Ob es ihnen diesmal gelungen ist, sie zu unter- schätzen, muß freilich abgewartet werden, da hinter den Ku- lissen neue Mogeleien im Gange sind. Aber das eine kann schon heute ruhig gesagt werden: Ob die Nationallibe- ralen umfallen oder nicht, das ist auf die Volksbewegung wirklich ohne jeden Einfluß. Demi: Keine Ruhe in Preußen, bevor das all- gemeine, gleiche, geheime und direkte Wahl- recht errungen ist._ Konservative über das indirekte Wahlrecht. Die„Nationalztg." bringt folgendes Zitat aus dem Wahlbüchlein der badischen Konservativen, das vor den Landtagswahlen 1905 erschien: „An sich ist dieser Kampf(für die Beseitigung des indirekten Wahlverfahrens) vollständig zu verstehen. Das indirekte W ah l r e ch t, rein für sich betrachtet, paßte in die g e- schlossene beengte Zeit zu Anfang des Jahr- Hunderts, wo die Masse des Volkes kaum mit einem Land- tagskandidaten selbst Fühlung nehmen konnte, wo die Bekannt- schaft des kleinen ManneS aus dem Volke nicht über den Bann- kreis der eigenen und höchstens noch der Nachbargemeinde hinaus- reichte. Hier war an direkte Wahl dem zum Landtag zu ent- sendenden Abgeordneten nicht zu denken. Das ist heute im Zeitalter des Verkehrs und der bis in die kleinsten Dörfer hineindringenden Presse anders geworden. Die allgemeine Schulpflicht und die allgemeine Wehrpflicht haben unser Volk tatsächlich in gutem Sinne demokratisiert und auch— obwohl man noch oft daran zweifeln konnte— politisch reifer gemacht. Die Zeit, wo tatsächlich vor den Wahlmännerwahlen noch von keinem Kandidaten die Rede war, wo tatsächlich der Kandidat erst nach vollzogenen Wahlmänncr- Verantw. Redakt.: Richard Barth, Berlin. Inseratenteil verantv. Wahlen von den Wahlmännern erkürt wurde, ist vorbei. In den letzten Jahren stets war der Kandidat schon längst vor den Wahlmännerwahlen nicht bloß aufgestellt, sondern persönlich in allen Orten des Wahlkreises zugegen gewesen. Die Wahlmänner- kandidaten wurden bereits auf ihn eingeschworen und auf seinen Namen gewählt. Die Wähler hätten tatsächlich leichter und lieber direkt gewählt, als indirekt einen Wahl- mann, von dem sie ja manchmal gar nicht sicher wußten, ob er auch seinem Versprechen fest bleiben, ob er nicht umfallen würde. Die indirekte Wahl— rein an sich betrachtet, ohne Rücksicht auf die Folgen der an ihre Stelle tretenden direkten— hat sich also tatsächlich überlebt. Daß nach Bewilligung des weitgehenden direkten Reichstagswahlrechtes der Kampf gegen dasselbe auf der ganzen Linie der Einzelstaaten entbrannte, darf niemand wundern." In Preußen aber suchen die Kern�rvativen die überlebte indirekte Wahl aufrechtzuerhalten, weil sie nur so den infamen Terrorismus in den ländlichen Bezirken, auf denen ihre Macht beruht, ausüben können. Und das Zentrum hilft ihnen noch dabei._ Landtagsnachwahl in Württemberg. Im Oberamt Freuden st adt fand am Sonnabend der zweite Wahlgang statt und führte zur Wahl des Volksparteilers Gaiser mit 3421 Stimmen lHouptwahl: 2211), während der sozialdemokratische Kandidat Härder 2604 Stimmen(Hauptwahl: 2145) erhielt. Die Nationalliberalen, auf deren Kandidat Walter im ersten Wahlgang 1814 Stimmen gefallen waren, hatten nach längerem Sperren und nachdem sich die Volkspartei vor ihnen genügend gedemütigt hatte— sie mutzte auf Verlangen der Nationalliberalen ein ausdrückliches Bittgesuch einreichen—, schließlich Parole für die Volkspartci ausgegeben und damit der letzteren das Mandat noch einmal gerettet. Die Sozialdemokratie, die schmr in der Hauptwahl ihre Stimmenzahl verdoppelt hatte, erhielt aus eigener Kraft noch einen Stünmenzuwachs von 44g Stimmen und ist der Volkspartei so nahe gerückt, daß der schließliche Gewinn dieses industriearmen, aber vornehmlich von Waldarbeitern be- wohnten Kreises eine Frage der allernächsten Zeit sein wird. Die Schiffahrtsabgabeu. Dem Herrn v. R h e i n b a b e n scheint alle junkerliche Schneidig- keit, die er gegen das klare Recht der Abgabenfreiheit auf den deutschen Flüssen zu entwickeln versteht, nicht viel helfen zu wollen. Jeder Widerstand der deutschen Bundesstaaten wäre schließlich durch preußische Brutalität, die von ihrer Macht stets rücksichtslosen Ge- brauch macht, erstickt worden. Zum Glück für das deutsche Volk hat aber diesmal nicht die preußische Regierung allein, sondern auch das Ausland ein Wort mitzureden. Infolgedessen dürften diesmal die deutschen Volksinteressen vor Schädigung bewahrt bleiben. Die von uns bereits gemeldete Rede des öfter- reichischen Handels mini st ers, der mit solcher Ent- schiedenheit die Zustimmung Oesterreichs zur Einführung der Schiff- fahrtsabgaben verweigert, macht wohl den Plänen Preußens, wenigstens so weit sie eine Verkehrsstörung auf Elbe und Donau bezweckten, ein Ende. Für die preußischen Junker und ihre Re- gierung endet ihre verkehrsfeindliche Arbeit mit einer großen und verdienten Blamage._ Ausweisungsschande. Ein in Herten(Wests.) wohnender österreichischer Bergarbeiter erhielt im Februar dieses Jahres die Aufforderung, Herten und das preußische Staatsgebiet binnen wenigen Tagen zu ver- lassen. Der Mann wurde während der Frist krank und zwar derart, daß er mittels Krankenwagens nach dem Krankenhaus in Recklinghausen gebracht werden mußte. Am 2. März wurde er aber schon wieder entlassen. Als der Mann pflichtgemäß sich seinem zuständigen Kuappschaftsarzt vorstellte, erklärte dieser, daß er i h n unmöglich arbeitsfähig schreiben könne; er begreife gar nicht, wie das Krankenhaus ihn als geheilt habe entlassen können. Am S. März aber wurde schon der kranke Mann per Schub über die Grenze gebracht I Die Demokratische Bereinigung veranstaltet anläßlich d«S Verhaltens der Polizei am gestrigen Sonntag eine öffentliche Protest- Versammlung im F e e n p a l a st, Burgstr. 24, am Sonntag, den 13. d. Mts., mittags 12 Uhr. In dieser Versammlung werden Dr. Rudolf B r e i t s ch e i d, Frau Regine Deutsch, Oberst Gädke und H. v. Gcrlach Ansprachen halten. vlngarn. Wahlrechtsdemonstration. Budapest, 7. März. Anläßlich der gestern gehaltenen Pro- grammrede des Grafen Tisza kam es in Szegedin zu großen Straßendemonstrationen. Die sozialdemokratischen Ar- be i te r empfingen den Grafen Tisza mit Abzugsrufen und Rufen nach dem allgemeinen Wahlrecht. Tisza wurde aus der Menge mit faulen Eiern beworfen. Die Polizei trieb die Demon- stranten auseinander. franhrdcb. Die Unterschlagungen in der Marine. Toulon, 7. März. Im Laufe der Untersuchung wegen der im Arsenal begangenen Unregelmäßigkeiten wurde fest- gestellt, daß die Lieferanten wiederholt Beamte be- stochen hatten, um sich der Zahlung der für verspätete Liefe- rungen vorgesehenen Konventionalstrafen zu entziehen. In solchen Fällen wurde in den Büchern daö Datum der Lieferungsfristen gefälscht. Spanien. Die allgemeinen Wahlen. Madrid, 5. März.(Eig. Ber.) Nach einer offiziösen Verlautbarung finden die nächsten Wahlen in der ersten Hälfte des Mai statt. Die republikanisch-sozialistische Koali- tion entfaltet im ganzen Lande eine sehr energische Agitation. Sie hofft in allen großen Städten, besonders in Madrid, Barcelona, Valencia, Bilbao und Saragossa, den Sieg davon- zutragen. Snglanck. Parlamentarische Nachwahl. London, 4. März.(Eig. Ber.) Am 7. d. M. wird in Jlkeston (Derbyshire) eine parlamentarische Nachwähl vorgenommen, da der siegreiche liberale Kandidat zurückgetreten ist, um dem bei den letzten Wahlen unterlegenen Unterstaatssekretär der Kolonien. O b e r st S e c l y, zu einem Mandat zu verhelfen. Es kandidieren dort: Seely(liberal), Wright(konservativ). Bei den Januar- Wahlen siegte der Liberale mit einer Mehrheit von 4200 Stimmen, so daß das Mandat den Liberalen gesichert erscheint. Die Snffra- gets agitieren dort gegen den Regierungskandidaten. Wie heute aus Jlkeston berichtet wird, wurden sie von den Liberalen miß- handelt._ Tie Londoner Grafschaftswnhlcn. London, 6. März. Bei den gestrigen Wahlen für den Londoner Grafschaftsrcck wurden 59 Mitglieder dex kvmmu- Utz, Glocke, Berlin. Druck U.Verlag: Vorwärts Buchdr. u. BerlagsanstaU nalen Neformsiarlei un? 57 Fortschrittliche gewählt. Zwei Ergebnisse stehen noch aus und dürften am Montag zu- gunstcn der Fortschrittlichen entschieden werden, so daß dann beide Parteien gleich stark sind. Die kommunale Reform- Partei hatte im Jahre 1907 zum ersten Male die Mehrheit im Grafschaftsrat. Die Fortschrittlichen, die im Gegensatz zu den Reformisten im allgemeinen den Grundsatz des kommu- nalen Eigentunis an den öffentlichen Verkehrs-, Beleuchwngs- einrichtungen usw. vertreten, haben gestern 31 Sitze ge- lvoitnen. Rußland. Die Arbeit des Galgens. Die juristische Wochenschrift„ P r a w o" berichtet in ihrer letzton Nummer über die Ergebniffe der Henkerjustiz in den letzten 6 Jahren in Rußland.„Im ganzen wurden in den letzten ö Jahren 6268 Todesurteile gefällt und 2855 Hinrichtungen vollstreckt. Im, Durchschnitt entfallen in dieser Periode auf jeden Monat 164 Todesurteile und 43 Hinrichtungen, auf jede Woche 24 Todesurteile zwei Hinrichtungen. Im Jahre 1906, als die Kriegsfeldjustiz in Kraft war, erreichte die Zahl der Todes- urteile in einzelnen Monaten die Höhe von 220. Im Jahre 1S07 belief sich daS Maximum der Hinrichlungen pro Woche auf 29, im Jahre 1903 auf 36, wobei in dem letzten Jahre keine einzige Woche ohne Hinrichtungen verstrich. Im Januar 1908 belief sich die Zahl der vollstreckten Hinrichtungen an einzelnen Tagen auf 8, 9, 11, 12; im Februar belief sich das Maximum der an einem Tage vollstreckten Hinrichtungen auf 141" Die Zeitschrift bemerkt zu diesen furchtbaren Zahlen:„Nach der Zahl der Hinrichtungen erinnern diese fünf Jahre an die b l u t i g st e n Perioden des Mittelalters. Auch die russische Geschichw kennt nicht viele solcher Momente, die sich nach der großen Menge der Hinricbtungen mit unserer Zeit messen können." Der Unterschied zwischen dem Mittelalter und der Gegenwart ist bloß der,' daß der moSkowitische Zar Iwan IV. den Namen „Iwan der Schreckliche" erhielt, während Nikolaus II., der die Schreckenstaten JwanS weit in den Schatten stellt, von der offiziellen Geschichtsschreibung noch immer als„FriedenSzar" gepriesen wird._ Die administrative Verschickung. Petersburg, 5. März. Reichsduma. Bei der Beratung deS Etats deS Ministeriums des Innern bestätigte der Direktor d e S Polizeidepartements die von mehreren Rednern aus- gesprochene Ansicht, eS sei unwahr, daß die Regierung ihr V e r- sprechen betreffend die administrative Verbannung nicht erfüllt habe. Am 1. Februar 1902 habe die Zahl der nach den entfernt liegenden Gouvernements verschickten 17 t20 betragen, am 1. Februar 1910 12 200; im Jahre 1906 seien 7677, im vorigen Jahre 1991, in den ersten zwei Monaten des Jahres 1910 171 Per- sonen verbannt worden. Gegen die ersten zwei Monate deS Vor« jahreS betrage die Abnahme 50 Proz. Orkei. Die Korruption unter Abdul Hamid. Konstantinopel, 5. März. Wie im Waknfministerium(Ministerium der fronimen Stiftungen) wurden numnehr auch im Kriegsministerium riesige Unterschlagungen, die während des Hamidischen Regimes stattgefunden haben, konstatiert. Die defraudierten Summen betragen viele Millionen. Am meisten wurde während der Minislerschaft R i' s a Paschas, des letzten KciegSministerS der absolutistischen Herrschaft gestohlen. Risa Pascha wurde nach dem Sturze des Absolutismus nach der Insel RhoduS verbannt. Man hat ihm damals schon einen Teil seines Raubes abgenommen. ES soll ihm aber jetzt abermals ein Teil seines noch immer bedeutenden Vermögens entrissen rerben. Die zur Untersuchung der Diebstähle hamidischer Kreaturen gebildete Kommission wird eine Liste jener Perionen feststellen, die im Kriegs- Ministerium geraubt und unnachsichtig die geraubten Millionen zurück- fordern. Da diese Herren alle Millionäre geworden sind, hofft man auch ohne Schwierigkeiten, die gestohlenen Gelder von ihnen ein- treiben zu können. Monaco. Eine Straßendemonstration für die Verfassung. Paris, 7. März. Aus Monaco wird gemeldet: Gestern zogen etwa 700 Einwohner, darunter auch Frauen, vor das Schloß, um der Forderung nach einer Verfassung Ausdruck zu geben. Eine Abordnung von drei Perjonen legte dem Fürsten die Wünsche der Bevölkerung vor. Der Fürst der- sprach, die Frage durch eine Kommission prüfen zu lassen, die aus drei von ihm zu ernennenden und drei von der Be- völkerung zu wählenden Mitgliedern zusammengesetzt wer- den soll. Vielleicht schickt man den Herrn v. I a g o w nach Monaco, um dort vernünftigere Polizeipraxis zu lernen. Letzte JVaebriebten und Depeftben. Gemeindevertreterwahl. Steglitz, 7. März. Die heutige Gemeindevertreterwahl endete in beiden Bezirken mit einer Stichwahl zwischen den Kandidaten der Sozialdemokratie und denen des Mieter- Vereins. Dienstag(8. März) findet die Ersatzwahl im ersten Bezirk statt._ Ein fürchterliches Verbrechen. Beuthen, 7. März.(B. H.) Im benachbarten Orte B i s i a wurde ein 50 jähriger Waldarbeiter namens Steinert von Arbeits- kollegen auf furchtbare Weise ermordet. Man trieb dem Unglück- lichen ein Stemmeisen in die Brust und durchsägte den Unterleib teilweise. Die Täter wurden verhaftet. Eine schwere Explosion. Genf, 7. März.(B. H.) Eine heftige FeuerSbrunst ist heute in einem Benzindepot ausgebrochen. Das Feuer nahun mit großer Geschwindigkeit eine enorme Ausdehnung an. Fortwährend vernahm man Explosionen von Brnzinfässern. Die ganze Stadt ist in eine Rauchwolke gehüllt. Brennendes Oes ergießt sich in einem Umkreis von 399 Metern um das Depot und bedroht einen Teil der anstoßenden Gebäude. Die gesamte Feuerwehr ist an Ort und Stelle. Wahrscheinlich werden Truppen zur Hilfeleistung herangezogen werden, um eine Katastrophe zu verhindern. Aus dcr russischen Duma. Petersburg, 7. März.(W. T. B.) Die Duma hat heute den Etat des Ministeriums des Innern angenommen. Kadetten, Sozialdemokraten. A r b c i te r g r u pp e und Musel« in au cu stimmten gegen die Annahme. Paul Singer Lc Co.» Berlin LW, Hierzu 3 Beilagen n. Unterhaltungsbl, l |i. 56. 27. IahiMg. t KtilW Ks Jotiüärls" Dienstag, 8. Marz l9t6. ikeickstag. vo. Sitzung vom Montag, den 7. März, nachmittags 1 Uhr. Am Bundesratstisch: v. Schoen, v. Tirpitz. Aus der Tagesordnung steht zunächst die erste Beratung deS am 18. Okrober 1909 abgeschlossenen neuen Vertrages betr. die Gotthard- baha zwischen dem Deutschen Reich, Italien und der Schweiz. Staarssetretär v. Schoen empfiehlt die Annahme des Vertrages; evw Abänderung der bisherigen Verträge sei notwendig geworden, weil die Gotlhardbahn am 1. Mai 1909 aus dem Besitz einer Privatgesellschaft in den der Schweizerischen Eidgenossenschaft über- gegangen sei. Präsident des Reichseisenbahnamts Dr. Wackerzapp empfiehlt den Verlrag ebenfalls, der für alle Beteiligten als gerecht und billig zu bezeichnen sei. Abg. Fürst Hatzfcldt Wir können also hoffen, Herrn Frhrn. v. Gamp-Massaunen demnächst— gleich einigen Demokraten— bei unseren Demonstrationen zugunsten der freien Meinungsäußerung am unserer Seite zu finden. (Große Heiterkeit links.) Aber in einer gewissen nervösen Weise hat Herr v. Gamp sich gegen jede Kritik gelvcndet.(Widerspruch rechts.) Zunächst wandte er sich feierlichst gegen Herrn Oberst Gädke, wobei er sich im Einklang befand init den Herren Gans Edler zu Putlitz und Bassermann. Mir liegt es fern, mich in eine Verteidigung der Ansichten Gädkes einzulassen. Gädle ist Mann geim« sich selber zu verteidigen, und er läßt sich auch durch die Attacken der Patrioten hier im Reichstage nickt einschüchtern.(Sehr richtig, links.) Daß Sie hier bei jeder Gelegenheit die Erklärung abgeben, auf die Ansichten und Ausführungen des Herrn Gädle dürfe man nichts geben, hat ja seinen Grund lediglich in dem Aerger, daß ein Offizier sich soweit von den anerzogenen Gewohnheiten emanzipiert hat, daß er eS wagt, seine Meinung frei herauszusagen über die Dinge, von denen er was versteht.(Lebhafte Zustimmung links.) Die Erklärungen des Herrn Gans Edlen zu Putlitz, deS Freiherr» von Gamp-Massaunen und der anderen erinnern nur daran, daß die schwarzen Krähen innner versuchen, der weißen die Augen auszuhacken.(Sehr richtig! links.) Daß er ein Militär war, wird dem Mann furchtbar übelgenommen von den Militaristen und noch mehr von den angefärbten Militaristen: den Reserve» offizieren.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Mit gleicher Erregung hat sich Frhr. v. Gamp gegen den Grafen OpperSdorff und den Abg. Südekum gewendet. In der K o m» Mission, meinte er, hätten sie ihre Kritik anbringen sollen. Was den Kollegen Südekum betrifft, so ist diese Meinung ganz de- plaziert, am allerdeplaziertesten im Munde des Vorsitzenden der Audqetkommission. Mit diesem Vorsitzenden, dem Frhrn. v. Gamp- Maffaunen, bin ich ja nicht oft einverstanden, aber eS hat mich immer gefreut, daß er beständig darauf lauert, jede Gelegenheit zu ergreifen, die Verhandlungen der Kommission abzukürzen, und er besitzt in dieser Neigung eine anerkennenswerte Unparteilichkeit und Rücksichtslosigkeit nach allen Seiten hin(Große Heiterkeit), auch gegenüber den Herren Staatssekretären. Hätte der Abg. Südekum, was er vorgestern hier ausgeführt hat, in der Budget- kommisson vorgebracht, so würde der Vorsitzende, Freiherr v. Gamp, ihn mit vollem Recht mit der Bemerkung unterbrochen haben: daß allgemeine, politische Erörterungen ins Plenum gehören l(Lebh. Sehr richtig I rechts.) Sie rufen Sehr richtig, Herr v. Gamp! Sie haben also schon vergessen, daß Sie dem Abg. Südekum vorgeworfen haben, er hätte seine Ausführungen nicht in der Budgetkommisfion gemacht!(Große Heiterkeit.) Nun komme ich zu den anwesenden und abwesenden Herren. Der Reichskanzler hat in seiner kurzen Rede einige Ansichten über die Flottenpolitil geäußert, die bei ähnlicher Gelegenheit seit dem Bestehen des Reiches jeder Reichskanzler äußern kann und äußert: allgemeine Ansichten über die Tendenz der Politik, daß unsere auswärtige Politik nicht nur England, sondern allen Mächten gegenüber darauf gerichtet sei, die wichtigen kulturellen Kräfte der Nationen zu fördern, daß diese Richtlinien in der Politik nicht willkürlich gewählt seien. sondern sich aus dem Dasein der kulturellen Kräfte ergeben. Alles ganz richtig. Und ich bezweifle auch nickt, daß der Reichs- kanzler die besten Absichten hat. Aber all' das ttifft nicht den Kern der Sache. Was Kanzler, Minister, Diplomaten bei solchen Gelegenheiten hier oder bei Festessen oder auf einer Rordlandsreise irgend einer Korona von Zuhörern sagen, ist ganz gleichgültig für die auswärtige Politik. Die Diplomaten beurteilen sich nicht nach dem, waS sie bei offiziellen Gelegenheiten sagen— womit ich übrigens nicht betonen will, daß Herr v. Bethmann Hollweg sich schon als Diplomat qualifiziert hat.(Heiterkeit.) Also: die Diplomaten urteilen nicht nach dem, was einer sagt, sondern nach dem, was einer tut oder unterläßt. Und die Taten und Unterlassungen der Reichsregierung und auch des Herrn v. Bethmann Hollweg sind es, welche in Eng- land Beunruhigung hervorgerufen haben, und auch die neueste Leisttmg des Reichskanzlers wird in England den Glauben be- stärken, daß das, waS die Herren über die Flottenpolitik sagen, keine Bedeutung hat. Mit keinem Worte ist der Reichskanzler auf die wichtigste Frage für unsere Beziehungen zu England eingegangen: auf die Frage, ob England und Deutschland nicht dazu kommen könnten, eine Verständigung über die Abrüstung herbeizuführen.(Sehr richtig I b. d. Soz.) Und da muß ich darauf Notizen. — Vorträge. Pros. Dr. Schubert spricht Dienstag, abends 8 Uhr. in der Urania über„DaS Klima Norddeutschlands und seine Ursachen". Am Mittwoch spricht Prof. Rathgen über „Mörtelwaren und Kalksandstein", Donnerstag Dr. Bern dt über „Kultur- und Wirtschaftsleben auf niederen Stufen" und Sonnabend Dr. Gehl hoff über„Die physikalischen Grundlagen der elektrischen Leuchttechnik". — Deutsche Polarpläne. In der Berliner G es elk» schaft für Erdkunde entwickelte am Sonnabend Wilhelm F t l ch n e r. der sich durch seilte Reisen in Tibet bekannt gemacht hat, den Plan einer neuen deutschen Südpolarexpedttion. Hauptzweck soll die Erforschung des gewaltigen Innern der Antarktis sein. Der Vorstoß soll von der weit nach Süden offenen Wcdellsee und womöglich gleichzeitig mit einer zweiten Expedition von der Roßsee aus unternommen werden. Die Mittel(1,2 Millionen für ein und 2 Millionen für zwei Schisse) hofft Filchner privatim aufzubringen. Prof. Penck und der schwedische Forscher Otto Nordensyöld begrüßten den Plan, der vorauSfichtlich im Oktober 1910 in» Werk gesetzt werden soll. In Hamburg tagte der Arbeitsausschuß der Zeppelin» Polargesellschaft, die bekanntlich im Luftschiff Polforschungen unter» nehmen will. In Hamburg soll eine Station errichlet werden für zwei Lustschiffe, um Vorstudien für die Polarreise zu unternehmen. Ein Luftschiff stiftet Zeppelin. Im Hochsommer soll mit Borstößen ins Polareis auf dem ReichSforschuitgsdaiitpfer„Poseidon" begonnen werden. — Jeanne Marni, eine der bekanntesten französischen Schriftstellerinnen, ist in Cannes im Alter von SS Jahren gestorben. Sie hat sich zuerst auf dem Theater versucht und begann erst in reiferen Jahren alS Schriftstellerin hervorzutreten. Ihr erster Roman erschien 1887. Einen großen Erfolg hatten die„Courtisanen- gespräche", die sie gemeinsam mit Maurice Donna y für die„Vie Parisienne" schrieb. Mit dialogischen Szenen auS der„Gesellschaft" hat sie am meisten Gliick gehabt. Ihre größte Produktivität und der Höhepunkt ihres literarischen Ansehens fällt in das Jahrzehnt 1890 bis 1900. Begabung hat sie sicher besessen, aber eigentlich war eS die Oberflächlichkeit und die eben noch gesellschaftlich er- laubte Schlüpfrigkeit ihrer Produktionen. die ihnen einen Platz in sranzösischen und auch deutschen Bourgeoisblättern verschaffte. — Ein neues Drama von Perez GaldoS, dem hervorragendsten unter den lebenden spanischen Drc.matilern. wurde. wie uns aus Madrid geschrieben wird, am vergangenen Montag im Madrider Spanischen Theater aufgeführt. Es heißt„3 a s an d r a" und gehört in die Reihe der früheren antiklerikalen Dramen;„Gloria". „Donna Perfecta".„Nazarin",„Halma" und„Elektra". In„Casandra" ist ein neuer Fall der religiösen Entartung dargestellt, die in der bürgerlichen spanischen Gesellschaft wütet. Die Hauptperson Juana Samantego verkörpert den tu Spanien so häufigen Typus der Fanatttkerin, deren Unduldsamkeit schließlich die Existenz ihres Gatten und ihrer Kinder opfert.— Der Erfolg war außerordentlich stark. DaS Publikum bereitete dem Dichter eine Ovation und be« gleitete ihn bis in seist? Wohnung. verweisen, basj wir im Domen Jakne eine Resolution eingebracht hatten, die es der Regierung seht erleichtert hätte, ein solches Abkommen mit England zu treffen, weil wir in der Resolution auch wiinschten. daß in einem solchen Abkommen auch die Frage des Prisenrechts geregelt werden sollte. Aber die Regierung hat sich ablehnend verhallen und ebenso die bürgerlichen Parteien dieses Hauses mit alleiniger Bus- nähme der Freisinnigen. Jetzt könnte man ja nach den Aeusjerungen des Grafen v. Oppersdorf glauben, dah in einem Teil der bilrger- lichen Parteien Neigung ftir ein solches Abkommen vorhanden wäre. Sie sehen auch hier wieder, wie solche Anregungen der Sozialdemo- kraten, die zuerst auf allgemeine Abneigung stotzen, von den bürger- lichen Parteien aufgenommen werden. sZuruf im Zentrum.) Sie sagen, Sie haben diese Meinung längst gehabt! Dann ist eS nur bedauerlich, daß Sie diese Ansicht nicht in die Tat umgesetzt haben (Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Im Zusammenhang mit oen Ausführungen des Herrn V. Bassen mann über die Haltung Englands will ick nur darauf hinweisen wie die Engländer die Rede des Herrn v. Bethmann beurteilen, sie geben Acht auf das, was er verschiveigt, und gehen achselzuckend über die allgemeinen Redensarten hinweg. Ein beutiges Mittagsblatt bringt Auszüge der englischen Tageszeitungen über die Rede des Reichs- kanzlers. Zunächst konstatiert eS, datz die liberalen Blätter sich sehr kühl ausschweigen und auch die konservativen Blätter kommen über kühlsreundliche Redewendungen nicht hinaus. Die verhältnismäßig freundlichste Besprechung ist die des„Daily Graphic" DaS Blatt sagt: „Niemand zweifelt Deutschlands Recht an, als unabhängiger Staat eine gewaltige Flotte zu bauen. Dies schlieft jedoch nicht aus, datz andere dadurch verletzt werden. Die Wahrheit ist, das; die öffentliche Meinung dieses Landes erregt und erstaunt ist, nicht weil dem englischen Steuerzahler dieselben Lasten wie dem deurschen aufgebürdet werden, sondern vor ollem. weil diese Rüstungen eine Verminderung der deutschen Freundschaft bedeuten Zweifellos wird dies Deutschland bestreiten. Eine Freundschaft aber, die uns viele Millionen pro Jahr kostet und durch Mist trauen so verbittert ist, da» sie Garantien in Dreadnoughts suchen mutz, kann niemals mehr als diplomatische Redensart fein." Die Erregung, die in England fortgesetzt besteht, hat ihren Grund darin, das; die Engländer sich mit gutem Recht sage»: Wollte das Deutsche Reich weiter nichts, als seine Äüsten und seinen Handel schützen, so brauchte eS eine so große Flotte nicht. Diese kann nur oen Zweck haben, eventuell für einen großen See- krieg mit einer großen Seemacht gerüstet zu sei». Und das kann, wie die Dinge liege», nur ein Krieg mit England sein; sie sagen sich also zweifellos: Deutschland vräpariert sich aus einen evenluellen Seekrieg mit England. Und da arbeiten natürlich die englilchsn JingoS, das für ihre Zwecke zu verarbeiten, wie uiisere Chauvinisten die englischen Rüstungen ausnutzen, um hier für den Fiotlenbau Propaganda zu machen. Und deshalb müssen alle Leute, welche diese jingoistischen und chauvinistischen Verhetzungen in beiden Ländern bekämpfen wollen, alles aufbieten, um den Jingos und den Chauvinisten im eigenen Lande entgegenzutreten und sie zu bekämpfen.(Sehr wahr I bei den Sozialdemokraten/ Wenn Sie zu unS sogen, sorgen Sie doch, daß die Engländer eine andere Meinung von Deutschland bekommen, so erwidere ich Ihnen: Die Engländer können wir von hier aus nicht belehren, wohl aber müssen wir unsere eigenen Chauvinisten bekämpfen, damit sie ihre Flottenrüstnngen zurückschrauben. Und genau das verlangen in England unsere Parteigenossen von den englischen Dingos I(Sehr wahr I bei den Sozialdem.) Herr Bassermann sagte. in England verhielten sich die Sozialdemokraten ganz anders, da be- willigten sie die Mittel für die Flotte. Zufällig hat unser Genosse Südekum gerade heute einen Brief von dem Borsitzenden der englischen Labour-Party bekommen, in welchem darauf aufmerksam gemacht wird, daß von den englischen JingoS und Flottenhetzern die Anficht verbrettet wird, die deutschen Sozialdemokraten träten für erhöhte Flottenrüswngen ein. Er fügt hinzu:„Wir glauben das nicht, aber durch die Verbreitung dieser Anstcht kommen wir im Unterhaus« in ein» schwierige Lage". Es ist sehr charakteristisch. daß die englischen JingoS mit allen Mitteln die Ansicht zu ver- breiten suchen, die deutschen Sozialdemokraten seien marine- freundlich, genau wie eS hier alle Augenblicke heißt:„Nehmt Such ein Beispiel an den englischen Sozialdemokraten, da? find Patrioten I" Ich hoffe, Ihnen dieses Argument ein für allemal au? der Hand ge> schlagen zu haben.(Bravo I bei den Sozialdemokraten.) Man sagt nun. wir brauchen „die Flotte zur Verteidigung unserer Küste und de» Handel»." Demgegenüber berufe ich mich auf einen Gewährsmann, der Ihnen naher steht als uns: auf den früheren Staatssekretär v. Hellmann, der gesagt hat: Die deutschen Küsten verteidigen sich selbst! (Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Eine ganz verkehrte Anschauung ist es, als ob der Handel durch eine starke Kriegs. flotte geschützt werden könnte. Wenn Sie den deutschen Handel für den Fall eines Krieges, zu dem es ja hoffentlich niemals kommen wird, schützen wollen, so muffen Sie nach unserer vor- jährigen Resolution handeln, die verlangte, daß da» Scebeuterrecht beseitigt wird.(Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) DaS ist natürlich nur zu erreichen durch eine Verständigung mit Eng- land und durch ein Entgegenkommen gegenüber dem englischen Wunsche auf Beschränkung der Rüstungen.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.)' Wenn Herr Baffermann sich auf den Genoffen Leuthner be- rufen hat, so bemerke ich zunächst, daß Leuthner Oesterreicher ist. Im übrigen ist er in hohem Maße angekränkelt von alldeutschen Anschauungen. Auch sind die„Monatshefte" ein von der Partei völlig unabhängiges Blatt, und aus Artikeln, die in den„Monats. heften" erscheinen, auf offizielle Ansichten der Partei zu schließen, ist absolut unberechtigt. Im übrige» steht Leuthner in der Partei allein mit seinen alldeutschen chauvinistischen Phantastereien, die bei unS nur Heiterkeit erregen. Damit kann also Herr Baffermann leinen Staat machen. kMnterKältigKett und Mngel an Offenheit Ich muß dann noch auf eine allgemeine Erscheinung bei unseren leitenden Staatsmännern kommen, die viel dazu Ixiträgt, das Mißtrauen im Auslände gegen die Politik der deutschen Re- gierung zu mehren. Mein Parteigenosse Südekum hat schon einen Ausspruch des verstorbenen Abgeordneten Eugen Richter über die Methode der Auskünfte des Herrn Staatssekretärs von Tirpitz angeführt. Richter sagte damals:„Der Erlaß(auf den sich seine Red« bezog) enthält das Eingeständnis einer Hinterhältigkeit, eines Mangels an Offenhett, dem wir leider bei Herrn Staatssekretär v. Tirpitz nicht zum ersten Male begegnen." Ich rief dazwischen: „Und dem wir ja nicht aum letzten Male begegnen!" Wir sind dieser Methode auch bei anderen Vertretern der Retchsregierung VtelmeHr fortwährend begegnet. Ich erinnere zum Beweise auch an die Auskünfte des Fürsten Bülow und des Herrn v. Tirpitz in bezug auf die Verständigung mit England. Auf eine Anfrage des Abg. Haußmann erklärte cmt 10. Dezember 1908 Fürst Bülow: „Es ist gefragt worden, warum wir gegenüber englischen Vorschlägen in bezug auf eine Einschränkung der Rüstungen eine ablehnende Haltung eingenommen hÄten. Ich stelle zunächst fest, daß ein solcher Vor- schlag an unS nicht herangetreten ist.(Hört! hört! bei den Sozia- demokraten.)... Unsere Zurückhaltung geht hervor auZ Zweifeln an der Praktischen Durchführbarkeit." Als dann im englischen Parlament Herr Asquith erklärte, daß allerding» die R«- gierung mit einer Offerte an die deutsche Regierung herangetreten fei. damit diese ihre Hand zu Vereinbarungen über die Herab- setzung der Rüstungen biete, wurde das in der Budgetkommiffion vorgebracht. Darauf erklärte Herr v. Tirpitz am 17. März, indem er Bezug nahm auf die Erklärungen des Reichskanzlers Fürsten Bülow, nochmals:„Ich stelle fest, daß ein solcher Vorschlag an uns nicht herangetreten ist."(Hört! hört! dpi de» SozigldeMkrztcn.) Die Form dieser Abstreitung mußte jeden glauben machen, daß niemals ap die deutsche Regierung eine solche Anregung gelangt fei. Und was war die Wahrheit? Es kam schließlich heraus, daß die englische Regierung zwar nicht in offizieller Form, aber doch unter der Hand in formloser Weise der deutschen Re- gierung wiederholt nahegelegt hatte, ob fie nicht zu solchen Ver- Handlungen die Hand bieten wolle. Und die englische Regierung hatte diese formlose Methode gewählt, weil es eben diploma- t i s ch e r Gebrauch ist, bei solchen Verhandlungen zwischen zwei Staaten einen formellen Vorschlag erst zu machen, wenn vorher in formloser Weise eine prinzipielle Verständigung erzielt ist! Angesichts dieser Tatsachen beweist die Auskunft unserer Regierung die Berechtigung des Vorwutfs der Hinterhottigkeit. Die Regierung wird sich ja wahrscheinlich aus den Siodpunki stellen, fie verhandele eben mit dem Reichstag auch diplomatisch. DaS ist ja ihre Methode, daß fie den Reichstag wie eine fremde Macht behandelt, mit allerhand Kniffen auf ihn Einfluß zu üben sucht und ihm niemals klaren Wein einschenkr. Die Regierung behandelt daS Parlament so wie der Polizeipräsident v. Jagow die Bevölkerung Berlins als feindliche Macht behandelt, nur daß dieser nicht diplomatische Mittel gebrauchen, sondern direkt ans friedliche Leute einbauen läßt.(Sehr wahr l bei den Sozial demokraten.) Ich erinnere auch an die Haltung de? Herrn v. BeUp mann Hollweg beim Sprachenparagraphenl Nach all den Erfahrungen trauen wir den Leuten von der Regierung überhaupt nicht mehr zu, daß fie offen und ehrlich uns gegenübertreten. Wir fragen uns immer, wenn einer der Herren eine Erklärung abgibt: Was bezweckt der Mann damit? Hat er Hintergedanken?(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Welchen Eindruck muß da? aber nach außen machen, auch aus die öffent liche Meinung im Ausland I Sie wird dadurch nur verstärkt in dem Glauben, daß hinter all den Redensarten voller Friedfertigkeit bösartige Hintergedanken stecken. Indem die Herren von der Re� gierung diese diplomatischen Mittel der doppeldeutigen Auskünfte in das öffentliche politische Leben einführen, diskreditieren fie ntchi nur sich in Deutschland, sondern fie diskreditteren auch unser Vaterland gegenüber fremden Mächten. Vizepräsident Erbprinz z« Hohenlohe: Sie dürfen nicht von der deutschen Regierung sagen, daß fie unser Vaterland gegenüber fremden Mächten diskreditiere. Abg. Lededour: Ich habe gemeint, die Haltung unserer Regie rung wirke diskreditierend im Auslande; daß die deutsche Regierung unser Vaterland nicht diskreditieren will, bezweifle ich nicht; die Herren find fich eben nicht klar über das, was sie tun 1(Sehr gut I bei den Sozialdemokraten.) Die Folge ist jedenfalls, daß das Ansehen Deutschlands im Auslände immer mehr finki, wenn das Ausland ficht, wag fich das deutsche Volk gefallen lassen muß von den Mitgliedern der Regierung, die nach unserer Ileberzetigung überhaupt nicht den vollen Kredit ernst hafter Staatsmänner haben.(Sehr wahr I bei den Sozialdemo� kraten.) Genau so wie da» Ansehen Rußlands im Busland unter den Nullpunkt gesunken ist durch die RegierungSmethoden der zarischen Bureautratte, so sinkt das Ansehen Deutschlands im Ausland durch die RegieningSmetbode der preußischen Bureaukratie. die das eigene Volk wte eine feindliche Macht behandelt. Ist«S doch, wie gesagt, schon so weil gekommen, da» dieser unsagbare Herr v. Jagow sicl erlaubt, auf friedliche Spaziergänger seine Gendarmen und Schutz leute einhanen zu lassen.(Unruhe rechts.) Vizepräsident Hohenlohe: Ich bitte Sie» bei der Sache zu bleiben. Abg. Lededour(fortfahrend): Ich will den Nachweis führen, daß durch die jetzige RegierungSmethode daS Ansehen Deutschlands im Auslande ans daS schmählichste gefährdet wird. Sie werden mir es doch nicht unmöglich machen wallen, gegen den Reichs kanzler, der diese Fragen der auswärtinen Politik hier in die Debatte hineingebracht hat, zu polemtfieren. Haben Sie so wenig Vertrauen zu dem Herrn, daß er fich nicht selbst verteidigen kann?(Sehr gut I bei den Sozialdemokraten.) Also die Herstellung eine? friedlichen Verhältnisses zu England wird durch diese Methode der Regierung gegenüber dem Parlamente und dem Volke aus das schwerste gefährdet. Deshalb ist es Aufgäbe des Reichstages, dafür zu sorgen, gestützt aus die Bewegung im Volke, daß diese Leute van der Regierung beseitigt werden, die nicht fähig sind. daS Ansehen Deutschlands in England zu wahren, die nicht sähig find, Deutschland die Stellung zu verschaffen, die einer» großen, fortgeschrittenen, fteien Kulturvolle gebührt.(Sehr gut I bei den Sozialdemokraten. Unruhe recht«.) Wenn Sie(nach recht«) unS im Stiche lassen dabei, so werden wir den Kamps allein führen, und wir werden eS schließlich dahin bringen, daß diese absolut un- fähige Regierung um so schneller verschwindet.(Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Staatssekretär». Tirpitz: E» ist eine«eußerung de» ver- storbenen Abgeordneten Richter zitiert worden. Der betreffende Erlaß ist damals von Herrn Richter so verstanden worden, als ob er eine Beschleunigung unserer Indienststellung beabsichtigt. Diese Absicht hat niemals vorgelegen, es war dies ein Mißverständnis deS Herrn Richter. Der positive Beweis liegt jetzt vor: darin, daß wir nicht ein Jota schneller vorgegangen find, als in dem Flottenprogramm vor- gesehen war. Damit ist der Vorwurf der Hinterhältigkeit in diesem Falle vollständig zurückgewiesen Ebenso muß ich den Vorwurf der Hinterhältigkeit in bezug auf unsere AiiSfübuiitgen bezüglich Vereinbarungen mit England über die Flottenrüsiungen aufS nachdrücklichste zurückweisen. Ich kann jedes Wort anstecht erhalten, das ich in dteser An- gelegt gesagt habe. TS hieß damals in der Erklärung der Regierung:„Die englisch« Regierung hat zwar allgemein ihre Bereitwilligkeit zu erkennen gegeben, in dteser Frage zu einer Ver- tändigung zu gelangen, aber tn den unverbindlichen Gesprächen ist niemals ein englischer Vorschlag hervorgetreten, der nach unserer Auffassung als BastS für amtliche Verhandlungen hälte dienen können." Danach werden Sie mir zugeben, daß ich voll berechtigt bin, den Vorwurf der Hinterhältigkeit zurückzuweisen.(Bravo I rechts.) Abg. v. Oeryen(Rp.): Herr Lededour hat kein Recht, uns als JingoS zu bezeichnen, denn das würde heißen, wir bauen die Flotte zu Angriffszwecken, und das muh ich zurückweisen. Bedauerlich ist, daß man in England die Ausführungen deS Herrn Ledebour als die eines Vertreters der Arbeiterpartei ansehen wird, denn man versteht eS in England nicht, daß sich eine Arbeiterpartei mtt der Existenz deS ganzen Staates in Widerspruch setzt, wie das in Deutschland die Sozialdemokratie tut. Redner wendet sich dagegen, daß Beamte ohneErlaubni» ihrer Borgesetzten Mitteilungen an Parlamentarier machen. Der Beamte soll gewiß das Recht der freien Meinungsäußerung und das Recht haben, seinen Verkehr nach Belieben zu wählen: er 'oll aber nicht hinter dem Rücken seiner vorgesetzten Behörden sich mit Abgeordneten in Verbindung setzen und dadurch die Beamten- disziplin gefährden.(Lebhaftes Bravo! rechts.) Abg. Herzog(Wirtsch. vg.): Herrn Ledebour ärgert natur- gemäß die Kürze der Rede de? Herrn Reichskanzlers. Wir aber sind mit den kurzen und würdigen Worten des Reichskanzlers vollauf zufrieden. Wenn die Erklärung wenig Neues bot, so bot auch die Rede de? Abg. Ledebour trotz ihrer Läng« wenig Neues.(Zustimmung rechts.) Abg. Werner(Aniis.): Uedcr den Kieler Werftprozeß ist genug gesprochen worden.(Redner verbreitet sich sehr ausführlich über den Kieler Werftprozeß.) Herr Ledebour hat den Reichskanzler und Herrn v. Tirpitz alS unfähig hingestellt. Er sollte doch nicht den Maßstab seiner eigenen Fähigkeit an andere Staubgeborene anlegen.(Heiterkeit recht«.) Abg. Graf Oppersdorfs(Z.) betont erneut und nachdrücklich die Notwendigkeit, eine Konkurrenz gegenüber Krupp zu schaffen.— ES ist ein Denkfehler, wenn die Verständigung über eine Begrcit- zung de? FlottenbaueS mit Abrüstung identisch gesetzt wird. (Sehr richtig! im Zentrum.) Wir halten durchaus an dem Flotten» ersetz fest dg» schließt gber nicht gtfS, daß nicht(cftphl der StggtS» , fekretär des ReichsmarineamtS als bielmehr das SuSwärkige Ami 'sich sehr ernst mit der Frage der internationalen Verständigung beschäftigt. Hat doch ein Mann wie Herr v. Holstein die Beschrän. kung der Flottenrüstungen durch internattonale Abmachungen für sehr diskutabel erklärt.(Lebhaftes Hört! hört! im Zentrum und bei den Sozialdemokraten.) Herr Bassermann täte gut, solche Bestrebungen nicht mit Rede- Wendungen wie„Aufgabe des nationalen Selbstbestimmungsrechts". „Harmlosigkeit" usw. oder tttit dem Vergleich Deutschlands und Serbiens abzutun. Mit Serbien stellt sich Deutschland noch längst nicht auf eine Stufe, wenn es den Gedanken einer vertragsmäßigen Beschränkung der Flottenrüstungen in Erwägung zieht.(Lebhafte Zustimmung im Zentrum und bei den Sozialdemokraten) Abg. Dr. Leonhardt(Fortschr. Vp.): Fragen von der eminenten Bedeutung der Flottenrüstungen sollten nur in Gegenwart des Reichskanzlers verhandelt werden. Herr v. Bethmann Hollweg ist ja auch am Sonnabend hier gewesen, aber nur auf sehr kurze Zeit. Er hat sehr schnell den Staub des ReichStagssaales von seinen Füßen geschüttelt.(Heiterkeit und Sehr wahr! links.) Redner kritisiert erneut das bekannte Verbot des Kieler Oberwerftdirektors und ersucht den Staatssekretär, solchen Eingriffen in die staatS- bürgerliche Freiheit der Beamten, die zugleich einen Eingriff in die Tätigkeit der Abgeordneten darstellen, ein Ende zu machen. (Lebhafte Zustimmung links.) Den Antrag auf Wiederherstellung der gestrichenen Messegelder bitte ich dringend abzulehnen. Durch die Meffegelder haben sich die einzelnen Offiziere Ersparnisse bis zu 29 999 Mark erübrigt.(Lebhaftes Hört! hört! links und im Zentrum.) Mit diesem Mißbrauch muß unbedingt gebrochen werden.(Lebhaste Zustimmung links.) Staatssekretär v. Tirpitz: In bezug auf das Verhältnis von Beamten zu den Herren Abgeordneten stehe ich ganz auf dem Standpunkt des Herrn v. Oertzen. Vom Admiral v. Usedom wird mir telegraphisch mitgeteilt, daß er auf das bestimmteste in Abrede stelle, Untersuchungen eingeleitet oder angeordnet zu haben, um Beziehungen zwischen Abgeordneten und Beamten festzustellen. Abg. Dr. Struve(Fo. Vo.): Ich werde eS gewiß nicht billigen, wenn Beamte unrichtige Details an Abgeordnete bringen, um die Verwaltung zu schädigen aber wir dürfen andererseits den Be- amtcn in keiner Weise ihr Staatsbürgerrecht nehmen: als einzige wirkliche Sachkenner auf öffentliche Mißstände hinzuweisen. Abg. Erzberger(Z.): Also der Staatssekretär hat die Er- Mittelungen über das Verhältnis der Beamten zu den Abge- ordneten nicht angefordert und der Oberwerftdirektor auch nicht, das haben wir gehört. Nun soll er aber auch positiv sagen, wer oder welche Stelle diese Ermittelungen angeordnet hat!(Sehr richtig!) Die Aengstlichkeit vor der Kritik muß den Verdacht er- wecken, als ob nicht alles so gut und schön bestellt ist wie der Staatssekretär gern« glauben machen möchte. Einem blinden Autoritätsglauben an die Firma Krupp wollen wir nicht huldigen; dieser blinde Autoritätsglaube hat uns schon einmal bare 109 Millionen Mark gekostet!(Sehr richtig! nn Zentrum.) Dieser Autoritätsglaube führte früher einmal dazu, daß unsere Artillerie gegenüber der französischen minder- wertig war(Sehr wahr! links und im Zentrum), und es kostete schweres Geld, den Vorsprung wieder einzuholen. Damit schließt die Diskussion. Persönlich bemerkt Abg. Ledebour(Soz.): Der Staatssekretär v. Tirpitz hat durch sein Zitieren der vorjährigen Worte des Staatssekretärs v. Schoen, die ich nur angedeutet hatte, nur bestätigt, was ich gesagt habe. Ich bin ihm für diese Unterstützung dankbar; notwendig war fie freilich nicht. Der Titel wird bewilligt; einige weitere Titel werden debattelos bewilligt. Darauf vertagt das HauS die Weiterberatung auf DienStag 1 Uhr. Schluß 7% Uhr._ Mgeoränetenkaus. 35. Sitzung: Montag, 7. MSrz, vormittag» 11 Uhr. Am Ministerttfch: Shdow. Auf der Tagesordnung steht zunächst die zweite Beratung des Gesetzentwurfs, betreffend Auflösung des Landkreises Frank» f u r t a. M. und Erweiterung des Stadtkreises Frankfurt. Abg. v. Kardorff(fk.) wendet sich gegen die Vorlage: Ausschlag- gebend für unS ist, daß die Stadt Frankfurt ein außerordentlich weitgehendes Wahlrecht besitzt. Es ist dort das geheime, direkte und annähernd gleiche Wahlrecht eingeführt, das für die Kommunen jedenfalls das ungeeignetste ist. Bezeichnend ist, daß die Wahl- rechtSdemonstrationen in Frankfurt den Beifall der Mehrheit der dortigen Stadtverordnetenversammlung gefunden haben. Das ist keine Stadtverordnetenversammlung, der wir die Interessen preußischer Landgemeinden an- vertrauen könne nl(Bravo! rechts.) Wir erkennen an, daß der jetzige Oberbürgermeister Adickes durch seine Bodenpolitik großes geleistet hat, aber was soll später werden, wenn einmal ein Mann an der Spitze Frankfurts stsht, der Geist vom Geiste der Mehrheit der Stadtverordnetenversammlung ist? Aus diesem Grunde können meine Freunde der Stadt Frankfurt die un, begrenzte ErmiterungSmöglichkett nicht geben.(Bravo! rechts.) Ein RegierungStommiffar erwidert: Wenn Sie die Vorlage ablehnen, so dingen Sie damit zum Ausdruck: wir wollen die Wirt- schaftliche Entwickelung, wie sie sich tatsächlich vor den Toren Frank» furtS vollzieht, zum Halten bringen. Das können wir nicht wollen. wenn wir vom Standpunkt des öffentlichen Interesses ausgehen. (Sehr gut! links.) Daß Frankfurt eine ausgezeichnete Verwaltung hat. hat auch der Herr Vorredner anerkannt. Wenn er meinte, daß das an der Person deS Herrn Oberbürgermeisters AdickeS hängt, so erinnere ich daran, daß die Stadt Frankfurt eS stets verstanden hat. aus- gezeichnete Männer an die Spitze der Verwaltung zu berufen. (Sehr richtig! links.) Abg. Funck.(frs. Vp.): ES handelt sich bei der Rechten um einen politischen Borstoß gegen daS demokratische Frankfurt. Uebrigens stammt das Frankfurter geheime Wahlrecht aus dem Jahre 1867 und ist, wie ich zur Beruhigung des Herrn v. Kardorff mitteilen will, an einen Zensus von 1299 M. gebunden I Der Geist der Stadtverwaltung wird auch keineswegs allein durch den Ober- bürgermeister beeinflußt, sondern die Frankfurter Bürgerschaft hat immer einen lebendigen Sinn im Interesse der Allgemeinheit be» stätiat.(Bravo! ltnkt.) Abg. v. Bülow-Homburg(natl.) spricht sich f ü r die Vorlage au». Abg. v. Pappenheim(k.): Ein großer Teil metner Freunde wird gegen die Vorlage stimmen. Ich persönlich erkenne aller. dingS aus meiner Kenntnis der Verhältnisse heraus an, daß ein dringendes Bedürfnis zur andettveitigen Abgrenzung Frankfurts vorliegt. Die Berquickung der Wahlrechtsfrage lehne ich ab, für mich kommt hier allein daS öffentliche Interesse in Frage. Abg. Kirsch(Z.) erklärt, daß die Mehrheit seiner Freunde sür die Vorlage stimmen werde. Abg. Borgmann(Soz.): Herr v. Kardorff scheint selbst seine sachlichen Gründe gegen die Eingemeindung nicht für besonders stichhaltig zu halten, da er als Hauptgründe andere vorgebracht hat, die mit der Borlage gar nichts zu tun haben, nämlich die Gefahr späterer weitergehender Eingemeindungen und die Frage des Wahlrechts. Da es sich hier nur um Frankfurt handelt, kann ich leider nicht, wie ich eS gern getan hätte, auf die gestrigen Berliner Demonstrationen in; Tiergarten eingehen. 'Nach den Ausführungen des Herrn v. Kardorff sah eS beinahe so aus. als wenn die Rechte eiue Art Strafverfahren gegen Fran!- furt einleiten wollte durch Ablehnutm dieser Vorlage. Da» wäre dpch eis Cvberordelltljch vewliches Verfahren.(Sehr wghkl bei Sen Sozialdemokraten.) WaS die Ausführungen des Herrn von Zlardorff über den Oberbürgermeister Adickes betrifft, so irrt er sich außerordentlich, wenn er meint, dah alles, was Frankfurt ge- leistet hat. aus dem Kopfe des Herrn Adickes hervorgegangen sei. Auch die Mitglieder der städtischen Verwaltung haben ihr redlich Teil zu der wntwickelung Frankfurts beigetragen. Ich kann ja verstehen, daß Herr v. Kardorff als L a n d r a t gewohnt ist. sich in seinem Kreise als den lieben Gott anzusehen, von dem alleS ausgeht.(Heiterkeit.) Er hat offenbar nicht das geringste Ver» stand ms für die Wirksamkeit der S e I b st v e r w a l t u n g.(«ehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Wenn Herr v. Kardorff be« hauptet, die Landgemeinden könnten ebenso gut für die Verkehrs- bedurfnisse usw. sorgen, wenn sie s e l b st ä n d i g blieben, so beweist die Begründung der Vorlage das Gegenteil. Gibt eS doch für die 30 000 Einwohner des Landkreises gar kein Krankenhaus z die Bewohner des Landkreises sind ja auf die Stadt Frankfurt ongelviesenl(Hört! hört!) Ebenso wenig gibt es natürlich eine höhere«chule in diesem Landkreise. Die Ausführungen des Herrn v. Kardorff haben wieder er. kennen lassen, daß in den Kreisen der Konservativen eine hoch. aradige Städtefeindschaft vorhanden ist.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Ich bin überzeugt, die Mehrheit dieses Hauses wird sich dem nicht anschlietzen, sondern wird anerkennen, daß hier eine zwingend- Notwendigkeit vorliegt, im öffentlichen Interesse die Eingemeindung vorzunehmen.(Bravo! bei den Sozialdemo- traten.) Abg.». Kardorff(fk.) protestiert dagegen, daß die Konser- vatwen Feinde der Städte wären. Damit schließt die Debatte. Die Borlage wird gegen die Stimmen der Mehrheit der Konservativen und eines Teils des Zentrums angenommen. Eine Reihe weiterer Eingemeindungsvorlagen werden in dritter Lesung debattcloS angenommen. ES folgt die Fortsetzung der Beratung des Etats der Handels- und Gewerbe- Verwaltung. Abg. Dr. SchrSder-Kasiel(natl.): Handel, Gewerbe und In- dustrie find zweifellos zu gering in den Parlamenten vertreten. Diesen Zustand zu beseitigen, ist Aufgabe des HansabundeS. Der Hansabund stellt sich durchaus nicht in Gegensatz zur Landwirt- schaft, sondern nur zu der verhetzenden Tätigkeit des Bundes der Landwirte.(Sehr richtig! links.) Als in einem Orte an der Nahe eine Ortsgruppe des HansabundeS sich bildete, erklärten die An- gehörigen des Bundes der Landwirte, bei den Vorstandsmitgliedern dieser Ortsgruppe auch nicht für einen Groschen mehr taufen zu wollen!(Hört! hört! links.) Ist dieser Terror des Bunde? der Landwirte um ein Haar besier als der Terrorismus, den man der Sozialdemokratie vorwirft?(Sehr gut! links, Zuruf deS Abgeordneten Borgmann: Und den das Zentrum treibt!)— Gegen- über neuen sozialpolitischen Vorschlägen ist dringend Borsicht ge- boten, denn Industrie und Handwerk sind ohnehin schwer belastet. (Bravo! bei den Nationalliberalcn.) Abg. Rahardt(srk.): Die Bäckereiverordnung sollte möglichst milde gehandhabt werden! Der Erlaß des MlmsterS, der den korporativen Beitritt von Innungen zum Arbeitgeberverbande ge- stattet, ist dankenswert. Ich verstehe nicht, wie die Linke sich da. gegen wendet, denn gerade dadurch wird doch die Einbürgerung der Tarifverträge ermöglicht. Die Lage der selbständigen Handwerker ist vielfach schlechter als die der Industriearbeiter. Mit der Ver. clendungStheorie der Sozialdemokratie ist es ctlso nichts. Die Be- rücksichtigung bei Submissionen und öffentlichen Lieferungen ist uns immer wieder zugesagt worden, aber eö ist leider bei den schönen Worten geblieben. Handelsminister Svd-w: E» ist eine der wichtigsten Aufgaben deS HandclSministerS. dafür zu sorgen, daß selbständige Existenzen durch die Fürsorge für das Handwerk erhalten und vermehrt werden. (Bravo! rechts.) Lieferungen an das Handwerk sind vor allem von der Militärverwaltung in erheblichem Umfange vergeben worden. Die Frage der Abgrenzung von Fabrik, und Handioerk steht jetzt zur Entscheidung.— Di« Backereiverordnuna wird keines. weg? rigoros gehandhabt, sondern es wird so nachsichtig wie irgend möglich bei ihrer Durchführung verfahren! Die ganze Verordnung nur auf Neubauten anzuwenden, ist unmöglich, denn eS bestanden doch um Teil in den Bäckereien ganz anßerordentlich« Mißstände. (HSrtk hört! bei den Sozialdemokraten.) Aus Gründen der Humanität müßte dagegen eingeschritten werden.(Sehr richtig!) Bon feiten der Bäckergesellen sind gerade Eingaben an uns ge» kommen: nicht zu langsam mit der Durchführung der Verordnung vorzugehen.(Zuruf rechts: Das ist selbstverständlich! DaS ist die andere Seite!) Jawohl, aber auch die mußte berücksichtigt werden angesichts der wirklich groben Mißstände.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.)— Was das Gesetz betr. die Sicherung der Bauforderungen anlangt, so sollen erst die Erfahrungen mit dem ersten Teil abgewartet werden, che der zweite in Kraft gesetzt wird. Abg. K-rfanttz(Pole): Es ist in Rufsifch-Polen so weit ge. kommen, daß deutsche Waren als.englische" bezeichnet werden mußten, um nicht boykottiert zu werden. Auch die kleinen Hand» werker haben unter der verkehrten Polenpolitil außerordentlich zu leiden.(Sehr richtig! bei den Polen.) Wenn Herr Rahardt forderte, daß die Kosten der Sozial. Politik aus allgemeinen Steuermitteln aufgebracht werden sollen, so segelt er bereit» mitten in« sozialdemokratische Fahrwasier hin- ein. Ich bestreite, daß die Konkurrenzfähigkeit der deutschen In- dustrie unter der Sozialpolitik irgendwie gelitten hat, im Gegen- teil, ihr Absatzgebiet hat sich vergrößert infolge ihres gesunden und intelligenten ArbeiterstandeL.(Bravo! bei den Polen.) Hierauf vertagt das Hau» die Weiterberatung auf Dienstag 11 Uhr.(Vorher dritte Lesung von Eingemeindungsvorlagen.) Schluß 4 Uhr.__ parlamcntarifcbeö* Ein Marinepalast für 5 Millionen.— Der Postetat erledigt. Die Budgetkommission des Reichstages behandelte am Montag zuerst noch eine Marinesache: die Marineverwaltung will einen Palast errichten; sie ist deshalb mit der Hochbahngesellschaft in Unterhandlung getreten. Nach den vorläufig getroffenen Ver» einbarungen tritt das Reich fünf verschiedene reichseigene Grund» stücke in Größe von 6000 Quadratmetern ab und tauscht dafür ein Grundstück von 20 300 Quadratmetern an der Kaiserin-Augusta- und Bendlerstrahe ein. Die Unkosten für die Ablösung der Mieter usw. werden sich auf etwa 1,3 Millionen Mark belaufen, die von der Hochbahngesellschaft getragen werden.— Die Kom- Mission beschloß als erste Rat« für den auf d Millionen Mark ge- schätzten Neubau 760 000 M. in den Etat einzustellen, obgleich ihr weder Baupläne noch Kostenvorschläge vorgelegt wurden! '. Bei der Weiterberatung de« Postetatö kam es wegen eine» vom Referenten, dem nationalliberalen Abg. B e ck- Heidelberg. beantragten Abstriches zu einer längeren Debatte. Der Referent hatte von den für„S t e l l v e r t r e t u n g s k o st e n und Tage- gelber" für erkrankte Beamten(wofür 18 888 000 M. angesetzt sind) 1 Million abzustreichen beantragt. Er wurde vom Abg. Erzberger darin warm unterstützt, der den Standpunkt verirat, daß, wenn ein Beamter erkrankte, die anderen die Arbeit vorübergehend mitverrichten sollten! Hiergegen legte Ge- noss« Schöpf lin entschieden Verwahrung ein, denn die Post- veamten seien im allgemeinen gerade genug angestrengt. Den gleichen Standpunkt vertrat der Abg. Eickhofs. Der volle Betrag wurde denn auch mit knapper Mehrheit bewilligt; vom Zentrum stimmt«, zwei Mitglieder für. die ggderep gegen Hie Bewilligung der ffijfitta Summe. Beim Titel„Telegraphier beschwerte sich der Abg. Zübeil über die differenzierte Behandlung der Telegraphen- arbeiter gegenüber den Postunterbeamten, indem jenen bei ihrer Festanstellung die Dienstzeit, die sie als Arbeiter verbracht haben, nicht angerechnet werde. Weiter beklagte unser Redner, daß die Postverwaltung bei Arbeiterentlassungen nicht immer die notwendige Rücksicht walten lasse. Der Staatssekretär er- widerte, daß Arbeiterentlassungen nur in zwingenden Fällen vor- genommen werden. Auch würde hierbei nicht schematisch ver- fahren, sondern zuerst die jüngeren Kräfte entlassen; daß die Verwaltung aber die an einem Orte überflüssig gewordenen Kräfte da verwende, wo Neueinstellungen erfolgten, das sei nicht durch- zuführen, weil man die Arbeiter nicht wie Beamten ver- setzen könne.... Die Gesamteinnahmen sind mit 6SZ226 325 M.(20 578 725 TO. mehr als im Vorjahre), die Ausgaben mit 641 027 977 TO.(1 685 932 Mark weniger als im Vorjahre) eingesetzt. Läßt man den Nach- trag, der wahrscheinlich auch dieses Jahr nicht ausbleiben wird, unberücksichtigt, so verbleibt dem Reiche aus seinem Postbetrieb ein Ueberschuß von 52 198 348 M. Ueber die Petitionen, sotoeit sie die Aufbesserung der Be- amtengehälter betreffen, ging die Kommission mit Rücksicht auf die erst im vorigen Jahre erfolgte Neuregelung zur Tages- ordnung über.(Die. anderen Vetitionen sollen später noch verhandelt werden.) Damit war ver Postetat verhältnismäßig rasch und für den Staatssekretär Kraetke relativ günstig erledigt. Am Dienstag: Reichseisenbahnamt. Em der partes. Hervö und die geeinigte Partei. Paris, 5. März.(Eig. Der.) Seit einigen Tagen bringen bürgerliche Blätter verschiedener Richtung Berichte und Artikel über den angeblichen Entschluß HervöS, die sozialistische Partei zu verlassen. Es liegt indes keine Veranlassung vor, das Gemüt auf Abschied zu stimmen. Richtig ist nur, daß Hervö jetzt gemeinsam mit dem Anarchisten Sebastian Faure eine„revolutionäre Partei" gründet, die die„insurrektionellen Sozialisten" mit den»revolutionären Syndikaten" und den Anarchisten vereinigen soll. Aber daraus zu schließen, daß Herve seine alte Partei verlassen will, wäre etwas voreilig. Hervö ist klug genug, um zu wissen, daß er seine Berühmtheit nur dem Umstand verdankt, daß er seine Reklametrompete auf der Estrade der Partei bläst und ihr ein Echo überall dort wachruft, wo man dem Sozialismus übel will. Wer würde dem Angehörigen einer ohnmächtigen Konspiratorenblase noch Aufmerksamkeit schenken. ES bleibt nur noch die Frage, ob die sozialistische Partei selbst zusehen will, daß eines ihrer Mitglieder für eine andere politische Partei tätig ist und für ein Programm Propaganda macht, dessen Bekenner längst von den internationalen Sozialisten- kongressen ausgeschlossen sind. Wer man weiß, daß die französische Partei in diesen Dingen gar nicht empfindlich ist. Sicher wäre eS— um nur ein neues Faktum zu erwähnen— in anderen sozialistischen Parteien schwerlich möglich, daß ein Genosse Der» sammlungen einberuft, von denen er die anderen Meinungen ern- hängenden Genossen ausschließt, wie«6 Herbe bei seinen Ver- sammlungen der„Insurrektionellen" verfügt. Geht au» diesen Einberufungen hervor, daß in der Tat schon innerhalb der Partei eine spezielle insurrektionelle Geheimorganisation besteht, so stellt der Versuch, ste nunmehr neben der Partei zu etablieren, keinen grundstürzenden Disziplinbruch dar. Weiter läßt sich nicht ver- kennen, daß Hervö sowohl von den inneren Parteigegensätzen, wie von der Brutalität der Bourgeoisie profitiert. Bald glaubt die eine, bald die andere Richtung, die Kongreßstimmen der In- surrektionellen in ihre Kombinationen einbeziehen zu müssen, und ein AuSschließungSantrag findet wenig Sympathie, wenn er zeit« lich mit einer Aktion der Bourgeoisjustiz gegen Herst zusammen- fällt. Gerade jetzt aber macht das ungeheuerliche Klassenurteil, das über Herve wegen eines wohl wenig geschmackvollen, aber juristisch tatsächlich unangreifbaren Artikels vier Jahre Gefängnis verhängt, in allen freiheitlich empfindenden Seelen für ihre Ge- fühle der Solidarität lebendig. Unter diesen Umständen bleibt ihm wohl in der Frage seines Verhältnisses zur Partei die Initiative überlassen. Vermutlich wird er ihre Tür zuschlagen, aber— wie bisher immer— von innen. In Erwartung vsn Neuwahlen. London. 4. März. Der Vorstand der Sozialdemokratischen Partei beschloß, Genossen Hyndman wieder in Burnley auf» zustellen. Es soll hier gleichzeitig bemerkt werden, daß sich die Parteien bereits zu den Neuwahlen rüsten. Zus InÄuftrie und ftandel Zur Geschäftslage in der Textilindustrie. Die Lage der Baumwollspinnereien ist anhaltend ungünstig. Die Nachfrage nach Garne» entspricht durchaus nickt dem Angebot. Die Marktlage des Rohstoffes reizt nicht zu Eindeckungen mit Ge- fpinsten. Die Baumwollpreise find noch immer hoch. Üppland middlin� notierte in Bremen am 3. März 76 Pf. pro'/ä Kilogramm. Obgleich die Preise schwerlich in nächster Zeit sehr zurückgehen werden, hallen die Verbraucher sich doch lehr zurück. I» fast allen Ländern Europas sind erhebliche Produktionscinschränkungen durch- geführt. In einigen Bezirken auch in Deutschland. Eine stärkere Einschränkung dürfte mit dem 1. April erfolgen. An einer ganzen Reihe bedeutender Plätze, so in Leipzig, Chemnitz, sind den Arbeitern entsprechende Ankündigungen gemacht worden. Bei der weit über den Bedarf hinau« vorgenommenen Neuaufstellung von Spindeln wird die Wiederkehr einer so glänzenden Konjunktur wie 1906 und 1907 wohl noch länger auf sich warten lassen. DaS gilt von den Baumwollspinnereien wie von vielen Zweigen der Bauwollweberei. In Oberfranken arbeiten einzelne Betriebe nur vier Tage in der iWoche. Daß in solchen Zeiten gegen die Arbeiter mit besonders rigorosen Maßnahmen vorgegangen wird, ver- steht sich am Rande. In Langenbielau stehen noch 200 Stühle still. Andere Weber müssen 2—8 Tage ans Arbeitsmaterial warten. Etwas besser geht das Geschäft in der Hoser Weißivebcrei, der Frottierwaren- und Hosenstoffbranche der sächsischen Lausitz. Auch die Fabrikation von Chenillctüchern, Schals. Phantasiedecken, Wasch- decken, Portieren im Hohenstein- Ernstthaler und Lichtenstein- Callenberger Bezirk ist als gut zu bezeichnen. Glänzend ist an- dauernd da» Geschäft in allen Gebieten der Kamingarnspinnereten und Wollkämmereien. Alle Abschlüsse, welche bis jetzt ver- öffentlicht wurden, lassen einen wahren Goldregen für die Aktionäre erkennen. Die Kammgarnwebereien für Damen- stoffe waren bisher sehr stark beschäftigt. Momentan macht sich der alljährlich toiederkehrende Wechsel von der Sommer- zur Wintcrsaison störend bemerkbar. Die Aussichte» für die bevorstehend« Wintersaison sind ausgezeichnet. Die Tuch- und Buckskinbranche hat, soweit Herrenkammgarnstofte in Frage kommen, gute Aussichten. Die geringeren BuckskinS hingegen werden wenig begehrt. Aachen, Crimmitschau, Werdan, Spremberg, Neumünster. M-Gladbach(Herren- kammaarnstoffe) melden flotten Geschäftsgang. Klagen kommen aus Grünöerg, Sora«, Luckenwalde. Cottbus. Entsprechend der ge- steigerten Produktion in den Kammgen»Webereien sind auch die Färbereien, Appretur-, Dekaturanstalten mit Aufträgen überhäuft und wird mit Ueverstunden gearbeitet, so in Bielefeld,«reiz, Zittau, Glauchau. Markirch u. a. Rege« Leven herrscht jetzt in den Flachsspinnereien Biekefekd« und LandeShutS. Desgleichen in den Leinenwebereien der beiden Städte und de» Taschenluchwebereien LauvanS. In den Sorauer Leinenfadriken wird ebenfalls mit Ueberjtunden gearbeitet. Gleich Günstiges kann von der Jutebranche berichtet werden. Der Beschäftigungsgrad in der Trikotaqenbranch«, den Strickereien und Wirkereien hat sich gebessert. DaS gilt für Süddeutschland, Sachsen und Thüringen. Nur in Chemnitz haben die Strumpfwirkereien wenig zu tun. Flotter Geschäftsgang wird wieder berichtet aus den Bandwebereien und Riemendrehereien deS Wuppertals. Folge» der Tabaksteuer. Der ArbeitSmarft des Tabakgewerbes steht noch im Zeichen starker Depression. Der Andrang Arbeit» suchender ist in diesem Winter so hoch gewesen, daß ans eine geradezu beängstigende Arbeitslosigkeit zn schließen ist. Es kamen nämlich im Reichsdürchschnitt auf je 100 offene Stellen im Januar nicht weniger als 800 Arbeitsuchende, während der Andrang im Januar 1909 knapp 200 betragen hatte. Ganz besonders hat fich die Arbeits- gelegenheit für männliche Tabakarbeiter verschlechtert, bei denen sich der Andrang im diesjährigen Januar auf 1130 pro je 100 offene Stellen belief gegen 210 im Vergleichsmonat 1909. EL wird danach wohl die arge Verschlechterung deS GesamtarbeitSmarkteS im Tabak» gewerbe aus die überaus umfangreichen Entlassungen männlicher Tabakarbeiter zurückzuführen sein. Ziegeleisyndikat. Die Bemühungen der Berliner Ziegeleibefitzer. einen Zusammen- schluß aller am Berliner Baumarkt interessierten Ziegeleien herbei» zuführen, haben Erfolg gehabt. Nachdem es gelungen war, 90 der in Betracht kommenden Firmen zu einigen, ist daS Syndikat errichtet worden. Die Preise sollen nun wahrscheinlich durch die Konvention weiter hinaufgetrieben werden. In den letzten Monaten betrug der Preis für Hintermauerungssteine schon 23 M. Ein noch höherer Preis würde den Baumarkt sicher ungünstig beeinflussen. Die Kartelle und Syndikate treiben die Preise hinauf, erhöhen dadurch die Gestehungskosten und an den Arbeitslöhnen sollen Ersparnisse erzielt werden._ Amerikauische Invasion. In der„New Yorker Handelszeitung" lesen wir:„Europa steht vor einer neuen amerikanischen Invasion. Nachdem in der Bekleidungsbranche amerikanische Schuhe in den europäischen Märkten sich einen hohen Ruf erworden haben, steht den europäischen Kleidersabrikanlen im eigenen Markte jetzt nicht zu unterschätzende amerikanische Konkurrenz bevor. Hat da» Angebot von amerikanischen Schuhen den Geschmack des europäischen Publikums beeinflußt und daher die Fabrikanten drüben veranlaßt, mit Hilfe amerikanischer Methoden und Maschinen ähnliche Ware zu produzieren, so mag solche Wirkung sich noch in erhöhtem Maße aus dem bevor- stehenden Angebot von Herrenkleidung nach New Yorker Mode» und Machart ergeben. Da« Verdienst, den Anfang mit diesem neuen. höchst aussichtsreichen Zweige des Exportgeschäftes mit Europa ge» macht zu haben, gebührt der hrestgen Großfirma Alfted Benjamin u. Co.. deren Teilhaber. Herr®. A. Josephy. soeben von emer erfolg- reichen Tour durch die Großstädte Europas mit großen Orders für feine FrühjahrS-Herrenlleidung,„wscks in Nvw York" zurückgekehrt ist.... Vertrustung i» der Petroleummdustrie. Die ungarischen Petra» leumindustriellen beschlossen die Schaffung eines Kartells nach russischem Muster. ES wurden Verhandlungen mit den großen österreichischen Firmen eingeleitet. Falls diese zu einem günstigen Resultat führen, wird in Budapest ein Zentralbureau eröffnet werden. Die ungarischen Petroleumfirmen wollen auch die Benzinfabriken in das Kartell einbeziehen, dagegen sträubten fich aber die öfter» reichischen._ Sozialee« Eine köstliche Wahlepisod« erlebte» unsere Genossen am 2. März bei der Wahl bo» Arbeiö» nehmervertretern zur Allgemeinen Ortskrankenkasse in Stolpe. I» dieser Kasse, die weit über 3000 Mitglieder zählt, ist eS den Ge» werkschaften noch nicht gelungen, Vertreter hineinzubekommen. Der Wahlkampf war ein äußerst heftiger. Wiewohl oder weil die Ord- nung dabei niemals gestört wird, ist jedesmal ein l�albeS Dutzend Polizeibeamte anwesend. So auch diesmal. Von feiten des Wahl» Vorstandes war ein Mitglied beauftragt worden, einem jeden Wähler ein Kuvert zu überreichen, in dem er seinen Stimmzettel hineinsteckte. Plötzlich stand an dessen Stelle ein uniformierter Polizeibcamter und teilte fleißig Kuverts aus. Darüber herrschte Verblüffung, die sich aber in allgemeine Heiterkeit auslöste, als man sah, wie eiftig dieser Ordnungshüter fem Amt versah. Natur- lich wurde er von den Genossen zu seinem Amte beglückwünscht, Wohl der Tätigkeit diese» Braven ifl e» zuzuschreiben, daß die Gewerkschaften mit 5 Stimmen unterlagen. Die Wahl wird wohl mit Erfolg angefochten werden. Bei den Gewerbegerichtswuhlen für dab Amt Rüstringen im Großherzogtum Oldenburg siegte die vom Gewerkschaftskartell aus» gestellte Liste der Arbeitgeber und Arbeitnehmer, Gericbts- Leitung. Da? schwere Bahnunglück bei Rofenthal, welche» sich am 12. Oktober v. I. ereignete, unterlag gestern der Nachprüfung der ersten Strafkammer des Landgerichts III. Unter der Anklage der Gefährdung eines Eisenbahntransports, der fahr» lässigen Tötung und der fahrlässigen Körperverletzung hatte sich der Schlächtermeister Adolf Maiwald, früher in Reinickendorf, jetzt in Nixdorf, zu verantworten. Dqö Unglück ereignete sich abend» 7 Uhr an der Reinickendorf» Liebenwalder Kleinbahn. Der Angeklagte besaß in Wilhelmsruh ein Stück Land, auf dem er Kartoffeln angepflanzt hatte. An dem Unglückstage ließ er seine beiden 5 und 2 Jahre alten Kinder Grete und Hans in Begleitung des Dienstmädchens Berta Hentschel wegen des schönen Wetters nach seiner Wilhelmsruher Besitzung fahren. Eine 10jährige Frieda Arndt und zwei 10- und 8jährige Knaben TOax und Ewald Conrad fuhren mit hinaus. Die ganze Gesellschaft fuhr abendß auf dem Maiwaldschen Sdjlächterwagen. auf dem sich noch der 18 Jahre alte Maiwaldsche Kutscher Fritz Munchow befand. Bei der Rückfahrt lenkte der Angeklagte selbst das Pferd. Man fuhr langsam durch Rosenthal und näherte sich auf der nach Wittenau führenden Straße dem Punkte, wo die Liebenwalder Kleinbahn den Weg kreuzt. An dieser Niveaukreuzung wurde der Wagen des Angeklagten plötzlich von einem herannahen- den Zuge erfaßt und überfahren. Die Lokomotive erfaßte den Wagen von der Seite, schleifte ihn mit, nachdem er gewissermaßen durchgespalten war. Die Insassen des Wagens wurden heraus- geschleudert und wurden teils getötet, teils schwer verwundet. Getötet wurde der Kutscher Münchow, das Dienstmädchen Hentschel, der Sohn deS Angeklagten Hans und der Knabe Max Conrad. Verletzt wurden außer dem Angeklagten selbst der Knabe Ewald Conrad und die zehnjährige Frieda Arndt. Der Angeklagte bestritt, daß er durch Fahrlässigkeit das schwere Unglück verursacht habe. ES sei an jenem Abend recht dunkel ge- wesen und er sei recht vorsichtig und langsam gefahren. Er habe sein Augenmerk intensiv auf den Weg richten müssen und habe selbstverständlich angenommen, daß die Bahnkreuzung, deren Vor» handensein ihm bekannt war, sich ihm rechtzeitig durch einen Be- leuchtungSkörpcr bemerkbar machen würde. DaS fei«der nicht der Fall gewesen: rs fei weder eine Schranke, noch eine Laterne vor» Händen gewesen. Da habe sich sein Wage» plötzlich aus den Schienen befunden, ein Heller Schein habe sich gezeigt und sein Wagen fei von der Lokomotive erfaßt worden. Er selbst wurde vom Magen gesUcMrj M.d blich hchMtloS liegen. Mma Kk> hauptet worden, daß er im Trabe gefahren und kurz bor den Schienen, auf dem Wagen stehend, versucht habe, den Wagen noch vor dem Zuge über das Gleis-zu bringen, so sei das unrichtig.— Der Führer des Unglückszuges Peterson und der Heizer Müncheberg behaupteten, daß der Zug �fahrplanmäßig um K Uhr 35 Min. abgefahren sei und keine übermäßig schnelle Gang- art hatte. Das Läutewerk sei rechtzeitig in Bewegung gesetzt worden. Plötzlich habe sich auf dem Schienenkörpcr vor der mit hellen Laternen versehenen Lokomotive ein Pferdekops gezeigt, und trotz aller Bemühungen mit der Bremse und Gegendampf sei der Zusammenstoß nicht mehr zu vermeiden gewesen. Zeuge Peterson behauptete, daß er gesehen habe, wie im Wagen des Angeklagten jemand aufrecht stand und auf das Pferd einschlug; der Mann hätte bloß das Pferd rechts umdrehen brauchen, dann wäre es nicht zum Zusammenstoß gekommen. Es sei allerdings dunkel ge- wesen und cS stieg schwacher Nebel auf, doch hätte das Herannahen de» Zuges rechtzeitig bemerkt werden müssen.— Landrichter Wagner ist auf Grund der vorgenommenen Augenscheinnahme zu dem Ergebnis gekommen, daß an dem Tage, an welchem er an Ort und Stelle war, von dem Bahnübergang nichts zu sehen war-, eS leuchtete keine Laterne, die Strecke war nicht beleuchtet, und wer nicht wußte, daß dort eine Niveaukreuzung sich befand, konnte nicht vermuten, daß es so sei. Im übrigen sei die Uebersichtlichkeit über eine weite Strecke des Bahnkörpers vorhanden gewesen, so daß ein herannahender Zug wohl zu sehen war.— Ein Radfahrer, der an jenem Abend die Strecke passierte, hat den Zug schon längere Zeit nahen sehen und auch das Läutewerk gehört. Auch ein im Zuge als Fahrgast weilender Eisenbahnbeamter erklärte, daß das Läute- werk rechtzeitig in Tätigkeit gesetzt worden sei.— Zur Sprache kam, daß schon verschiedene Male über die Gefährlichkeit des Neber» ganges, das Fehlen einer Laterne nfw. Beschwerden erhoben worden sind, die aber keinen Erfolg gehabt haben. Die Niveauverhältnisse seien so eigenartig, daß man keinen rechten Matzstab für die Ent- fernung des Bahnüberganges habe; man glaubt diesen noch etwas entfernt und stehe plötzlich zu seiner Ueberraschung auf den Schienen. Verschiedene Zeugen bekundeten, daß es am Unglücks- abend etwas neblig war. Der Postschaffner Garnab, der sich im Eisenbsihnzuge befand, erinnerte sich, daß noch während der Fahrt geläutet worden ist; er bestätigte auch, daß es dunkel gewesen sei. Ein anderer Fahrgast behauptete, daß der Zug mit etwa 5 Minuten Verspätung von Reinickendorf abgefahren sei. Von einem Läuten hat dieser Zeuge nichts gehört. Häufig werde geklagt, daß an diesem Bahnübergange nicht geläutet werde. Am Tage nach dem Unfall hat, nach der Behauptung des Zeugen Jllig, es sich auf der- selben Stuxcke ereignet, daß der Zug bei der Kreuzung einer be- lebten Chaussee nicht geläutet hat. Der Zeuge behauptet, daß er in Gemeinschaft rnit einem Begleiter genau darauf geachtet habe.— Einem Zeugen Kchaeffer gegenüber hat das bei dem Unfall un- verletzt gebliebene Mädchen auf Befragen gesagt, daß der Vater noch rasch über die Schienen fahren wollte, dann aber seien sie überfahren worden.— Ein Zeuge behauptete, daß der Zug bei Abgang von Reinickendorf Verspätung hatte und schneller als sonst gefahren sei. anscheiuend um das Versäumte einzuholen. Der Lokomotivführer Peterson bestritt dies ganz entschieden. Dagegen bekundete ein anderer Fahrgast, daß nach seiner Meinung der Zug an jenem Abend schneller als gewöhnlich fuhr. Ein« gewisse Stach- lässigkeit im Läuten sei allgemein bekannt. Ein Zeuge hat mit mehreren Bekannten vor einigen Tagen festgestellt, daß derselbe 6,3S-Zug auf der Strecke von Roseuthal bis Blankenfelde nicht geläutet ffat, obgleich dort einige nicht ungefährliche Bahnüber- gqnge vorhanden sind. Aehnliche Angaben machen mehrere hierauf» vernommene Zeugen. Das Gericht beschloß, im Gegensatz zu dem Antrage des Staats» anwalts, den Lokomotivführer Peterson und den Heizer Münche» terg wegen Verdachts einer Mittäterschaft nicht zu vereidigen. Staatsanwalt Mehner vertrat in einem längeren Pla, daher den Standpunkt, daß der Angeklagte den Zug wohl gesehen, dann aber fahrlässigerweise versucht habe, noch vor dem Zuge über die Gleise hinwegzukommen. Hierin liege eine große Fahrlässigkeit, für welche der Angeklagte die strafrechtliche Verantwortung zu tragen habe. Mt Rücksicht auf die schweren Folgen des Unglücks- falleS beantragte der Staatsanwalt eine GefäugniSstrafe von neun Monaten. Das Gericht kam nach einer nur wenige Minuten währenden Beratung zu einer„Freisprechung" deS Angeklagten. Das Gericht hielt insbesondere für festgestellt, daß von dem Zuge tatsächlich keine Läutesignale gegeben worden waren und bezeichnete das Zeugnis der beiden Bahnbeamten al» ein sehr bedenkliches und von Widersprüchen erfülltes. Generalstreik.— Militär gegen Streikende. � G-tte»lSsterung. Ein Schreckensurteil gegen einen Anarchisten hat gestern die siebente Strafkammer des Landgerichts l gefällt. Vor ihren Schranken stand der Packer Rümrnapp, der das anarchistische Wochenblatt„Der freie Arbeiter" verantwortlich gezeichnet hatte. Mehrere Artikel, die im Dezember v. I. erschienen tvaren. lagen der Anklage zugrunde. Einer dieser Artikel ivendet sich gegen den Parlamentarismus sowie gegen die politische Taktik der Sozial» demokratie und preist den Generalstreik als das einzige Mittel, um die kapitalistische Gesellschaft zu stürzen. Im Anschluß an diese Ausführungen schließt der Artikel mit den Worten:„Auf. und wollet I" In einer anderen Nummer des Blattes ist aus einem französischen Blatte der Brief einer Mutter abgedruckt, die ihren beim Militär stehenden Sohn ersucht, den Idealen der Arbeiter» klasse treu zu bleiben und, wenn er gegen streikende Arbeiter kommandiert werde, nicht etwa aus seine Vorgesetzten, aber auch nicht auf die Arbeiter, sonder» in die Luft zu schießen. Diese beiden Artikel sollen der Anklage zufolge gegen§ 110 des Strafgesetzbuches verstoßen, also Aufforderungen zum Ungehorskm gegen Gesetze und so weiter enthalten.— In einer dritten Ni mmer des Blattes werden Weihnachtsbetrachtungen angestellt. Es wird hingewiesen auf den Gegensatz, welcher besteht zwischen den menschlichen Ver- Hältnissen wie sie wirklich sind, und wie sie sein müßten, wenn die christlichen Lehren in die Tat umgesetzt würden. Unter Hinweis auf die heutige Lage der Arbeiterklasse wird die christliche Botschaft: „Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen" als eine freche gleitznerische Lüge bezeichnet.— In diesen Ausführungen erblickt die Anklage einen Verstoß gegen g 166 des Strafgesetzbuchs. Der Staatsanwalt vertrat den Standpunkt, die Aufforderung zum Generalstreik sei gleichbedeutend mit einer Aufforderung zum Kontraktbruch und verstoße deshalb gegen Z 110, ebenso wie die Aufforderung, daß ein Soldat dem Beseht seines Vorgesetzten, auf Streikende zu schießen, nicht folgen solle. Die Weihnachtsbetrach- tungen seien eine Verhöhnung des PriestertumS und der Weih- nachtsfeier. Der Staatsanwalt beantragte, wegen Aufforderung zum Ungehorsam 9 Monate, wegen Beschimpfung der christlichen Kirche 6 Monate Gefängnis zu verhängen und beides auf 1 Jahr Gefängnis zusammenzuziehen. Ter Verteidiger, Rechtsanwalt Dr. Halpert, führte unter anderem aus: Der§ 166 will nur das religiöse Gefühl, soweit es sich in dem Gottesbegriff kondensiert, schützen. Von Gott ist aber in dem ganzen Artikel gar keine Rede. Wendungen, durch die einzelne Priester getroffen werden, sind keine Beschimpfungen des geistlichen Amtes als einer kirchlichen Einrichtung. Wenn die Weihnachtsbotschaft als eine Lüge bezeichnet wird, so ist doS nichts anderes, als die Ansicht des Angeklagten über eine Lehre der cht, st» lichen Kirche. Die Bekundung einer solchen Ansicht fällt nicht unter § 166. Das Reichsgericht hat sogar einen Angriff auf die Unfehl- barkeit als keine Beschimpfung kirchlicher Einrichtungen erklärt. — In dem„Brief einer Mutter" wird dem Soldaten ans Herz gelegt, nicht auf seine Brüder zu schießen. Das ist eine moralische These. Die Moral spricht für die Auffassung, aus welcher der Rat der Mutter entsprungen ist. Solange es ideal denkende Menschen gibt, wird man darüber streiten, ob es menschlich ist, wenn das Militär auf Bürger des eigenen Staates schießt. Doch über mora- lische Fragen hat das Gericht nicht zu entscheiden. In dem Artikel wird nur gesagt, daß die Soldaten auf ihre streikenden Brüder nicht schießen sollen. Wenn durch die Bestrafung dieser Aeußerung die antimilitaristische Propaganda getroffen werden soll, so ist zu berücksichtigen, daß nicht jede antimilitaristische Propaganda straf- bar ist. Wieweit sie strafbar ist, hat das Reichsgericht in der Straf- fache gegen Liebknecht gesagt. Da ist die antimilitaristische Propa- ganda, jedoch nur unter gewissen Voraussetzungen, als Hochverrat erklärt worden. Im vorliegenden Falle denkt wohl der Staats- anwalt, da es nicht mit dem Hochverrat geht, muß der 8 11° herhalten. Er sagt, die Aufforderung, nicht zu schießen, sei ein An- griff auf die unpersönlichen Grundlagen der Verfassung, zu denen das Militär gehöre. Das Militär ist aber in dem Artikel gar nicht angegriffen. Es wird nur protestiert gegen dessen Verwendung bei wirtschaftlichen Differenzen zwischen Arbeitern und Unter- nehmern. Die Verwendung des Militärs gegen Streikende gehört nicht zu den unpersönlichen Grundlagen der Staatsverfassung. Der Staatsanwalt beruft sich auf ein Urteil des Reichsgerichts im Falle Reetz, eines anarchistischen Redakteurs, der auch aus§ 110 verurteilt ist. Im Falle Reetz lautete die Anklage auf Hochverrat durch antimilitaristische Propaganda. Das Reichsgericht hat aber nicht wegen Hochverrat, sondern wegen Vergehen gegen§ 110 verurteilt, obgleich der Reichsanwalt vorher erklärt hatte, er lege auf§ 110 kein Gewicht, weshalb auch die Verteidigung auf§ 110 nicht ein» ging. Anderenfalls wäre das Urteil vielleicht anders ausgefallen. Da das Reichsgericht im Falle Reetz nicht RevisionS», sondern Jnstanzgericht war, so bedarf das Urteil einer Revision durch andere Instanzen. Im Falle Reetz handelte eS sich um direkte Aufforderung zur Verletzung bestimmter Strafparagraphen. Es wurde aufgefordert, den militärischen Dienst zu verweigern. Das ist also etwas ganz anderes, als wenn im vorliegenden Falle auf- gefordert wird, nicht» auf Streikende zu schießen. Im Falle Reetz hat ja das Reichsgericht auch die Aufforderung zum Generalstreik als Verstoß gegen§ 110 verurteilt. Diese Aufforderung ging aber ausdrücklich dahin, daß der Streik ohne Kündigung, ja unter Bruch des Arbeitsvertrages ins Werk gesetzt werden sollte. Im gegen- wältigen Falle hat der Angeklagte aber nur zum Generalstreik auf- gefordert, ohne von Kündigung überhaupt zu reden. Die rechtliche Grundlage ist also eine andere wie im Falle Reetz. Aber selbst wenn jemand zur kündigungslosen Arbeitsniederlegung auffordern würde, so wäre daS keine Verletzung des Z 110, denn dieser stellt nur die Aufforderung zum Ungehorsam gegen Strafgesetze und gegen die Exekutivgewalt unter Strafe. Er steht ja unter der Ueber- schrift: Widerstand gegen die Staatsgewalt. Privatverträge, die durch das bürgerliche Recht geregelt werden, fallen nicht unter Z 110. Diese Ansicht vertreten auch hervorragende StrafrechtS- lehrer, wie Lifzt und Franke.— AuS rein juristischen Gründen mutz der Angeklagte freigesprochen werden. Wir wollen bei poli- tischen Gegnern nicht verurteilen, was wir bei jedem Menschen an- erkennen: den Idealismus. Ist denn das Menschenleben so wenig wert, daß man wegen Vertretung idealer Forderungen, die ja von vielen nicht gebilligt werden, ein Jahr aus dem Leben des Angeklagten hinwegstreicht? Die Bestrafung deS Angeklagte»•Wfl auch die Bewegung, die er vertritt, nicht beseitigen. Nach einstündigcr Beratung des Gerichts verkündete der Vor- fitzende, Landgerichtsdirektor Splettstößer, das Urteil: Hinsichtlich der Aufforderung zum Ungehorsam kann sich das Gericht nur der Auffassung des Reichsgerichts im Falle Reetz anschließen. ES hätte auch keinen Zweck, anders zu urteilen, denn daS Urteil würde doch vom Reichsgericht geändert werden. Wenn Soldaten aufgefordert werden, entgegen dem Defehl ihrer Vorgesetzten, absichtlich vorbei- zuschießen, so ist das ein Verstoß gegen§ 110. DaS gilt auch für die Aufforderung zum Generalstreik. Denn der kann ja gar nicht anders gedacht werden, als daß alle Räder stillstehen. Durch die Bezeichnung der Weihnachtsbotschaft als eine gleitznerische freche Lüge wird die christliche Kirche beschimpft. Tos schlimmste, waS der Angeklagte getan hat, ist die Aufforderung zum Ungehorsaur der Soldaten. Das andere kommt erst in zweiter Linie. Wenn das Militär zum Ungehorsam aufgefordert wird, dadurch kann großes Unheil angerichtet werden.— Das Gericht verurteilt« den Angeklagten dem Antrage des Staatsanwalts entsprechend zu einem Jahr Gefängnis und verfügte, ebenfalls auf Antrag de» Staats- anwalts. den Angeklagten sofort in Haft zu nehmen. Das ist ein Tendenzurteil herbster Art. Denn verurteilt ist nach den Gründen im wesentlichen die von der der Richter ab- weichende politische Ansicht des Täters. Was daS Gericht über die Aufforderung zum Generalstreik sagt, ist jedem gesunden Rechts- empfinden ins Gesicht schlagend. Der Arbeiter hat das Recht, seine Arbeit niederzulegen wann er will. Verletzt er dabei einen zivil- rechtlichen Vertrag, so macht er sich schadenSersatzpflichtig. Aber durch Aufforderung zum Nichteinhalten eines zivilrechtlichen Ver- träges kann nimmermehr der Tatbestand des§ 110 deS Straf« gesetzbuches erfüllt werden. Die Künstelei, mit der das Re'.chZ- gericht seit dem Bergarbeiter streik im Jahre 1880 das Gegenteil konstruiert hat, verträgt sich, wie recht bedeutende Rechtslehrer an- nehmen, mit dem Sinn und Wortlaut des Strafgesetzbuches nicht. Völlig ungereimt aber ist eS, aus einer allgemeinen Aufforderung zur Arbeitsniederlegung eine Aufforderung zum Vertragsbruch herauszulesen. Nur Klassenjustiz behauptet daS Gegenteil. Rittergutsbesitzer Holtz verurteilt. Stolp i. Pommern, 7. März.(Privatdepesche des„Vor- wärts".) Der Rittergutsbesitzer Holtz aus Treptow bei Stolp, der am 2. Juni vorigen Jahres mit seinen Leuten, Galiziern, in Streit geraten war, diese geschlagen hatte, wurde heute vom Schöffengericht zu Stolp zu vier Monaten Ge- fängnis verurteilt. Als der Stettiner„Volks-Bote" seiner- zeit über die Schlägereien berichtete, wurde Genosse Mehlich als verantwortlicher Redakteur angeklagt und auch wegen Beleidigung des Holtz zu 1S0 M. Geldstrafe verurteilt. Ein teurer Sprung im BierglaS. DaS Reichsgericht hatte sich in den letzten Tagen mit folgendem Rechtsfall zu beschäftigen: Der Schmiedemeister W. befand sich eines Tages mit mehreren Nachbarn bei dem Beklagten G. in einer ländlichen Gastwirtschaft bei Stettin. Als W. in der Hitze des Gesprächs ein Bierglas, in dem ihm vom Wirt selbst ein Trunk gc- reicht worden war. etwas scharf auf den Tisch stellte, brach das schon gesprungen gewesene Glos entzwei. Kurz darauf spritzte Blut aus der Hand des W. Infolge der erlittenen Schnittwunde wurde W. in seiner Arbeitsfähigkeit beeinträchtigt. Er erhob gegen G. Klage auf Schadloshaltung, weil dieser den Unfall dadurch ver- ursacht habe, daß er das schon gesprungene Glas weiter verwendete. DaS Landgericht Stettin erkannte den Anspruch des Klägers dem Grunde nach als gerechtfertigt an, und das OberlandeSgrricht Stettin billigte das landgerichtliche Urteil unter Zurückweisung der von dem Beklagten eingelegten Berufung. Es legt zur Begründung des klägerischen Anspruchs etwa nachstehendes dar: Der Beklagte hat dem Kläger das Bier in einem eingesprungenen Henkelglas verabfolgt. DaS Zerspringen des Glases und die dabei entstandene Verletzung des Klägers ist ans die in dem Glase befindlichen Risse zurückzuführen. Da der Beklagte für die ordentliche Instandhaltung seiner Gerätschaften verantwortlich ist, so hat er darzutun, daß er oie im Verkehr erforderliche Sorgfalt bei dem zersprungenen Glase beobachtet hat. In dieser Beziehung hat er indessen nichts erbracht. Eigenes Verschulde» deS Kläger? liegt nicht vor. Von einem Schmiedemeister, der in einem ländlichen Gasthause einkehrt, kann nicht verlangt werden, daß er sein Glas nach einem Trunk mit besonderer Vorsicht auf den Tisch zurückstellt, zumal da ein schützen-. der Untersatz für daS Glas vorhanden war. Es ist hier der Ge» wohnheit der Gäste Rechnung zu tragen. Daß der Kläger von dem Sprung Kenntnis hatte, ist nicht erwiesen. Eine Pflicht, ein ihm vorgesetztes GlaS auf seine Haltbarkeit hin zu prüfen, besteht für den Gast nicht. Der Beklagte ist somit nach 8 276 deS Bürgerlichen Gesetzbuches hastbar. v � Die gegen diese Entscheidung des OberlandeSgerichtS Stettin eingelegte Revision ist nunmehr vom Reichsgericht zurückgewiesen worden._ Amtliche« Marktbericht der ftädttlchm Marltballen-Dtrektion über den Krotzbandel m den Zenwal-Marktball-n. Marktlage: Fl et IS: Zufuhr mäßig,«Aelchäst scklevpend. Preist wenig verändert. Butter und Käse: Geschäft lebhaft, Preise sür Butler anziehend. Gemüse, Ob» und Südfrüchte: Zusuhr stark, Geschäft still. Preise wenig verändert. 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Bei dem großen Interesse, das gegenwärtig mit Recht die preußische Wahlrechtsbewegung in Anspruch nimmt, wäre bei- nahe eine Episode der öffentlichen Aufmerksamkeit entgangen. die„dieserhalb und außerdem" ein besseres Schicksal verdient hat. Aber glücklicherweise haben die Dinge der Welt ihre eigene Logik, durch die sie sich letzten Endes die Beriicksichti- gung erzwingen, die sie verdienen. Und so sorgt eine un- rühmliche Fortsetzung der Episode dafür, daß auch ihr un- rühmlicher erster Teil der Vergessenheit entrückt und der öffentlichen Stäupung preisgegeben werden kann. In der kleinen Republik Bremen, dem angeblich liberal regierten hanseatischen Freistaat an der Weser, hatten in den letzten Jahren die Lolksschullehrer öfter in achtungs- werter Weise von sich reden gemacht. Eine glückliche Ver- kettung von Umständen brachte es mit sich, daß dort sozial- demokratische Erkenntnis in die Kreise der Lehrerschaft ein- drang und wie das auch sonst der Fall zu sein pflegt— gerade die Köpfe der Besten und Tüchtigsten erhellte. Sozial- demokratische Erkenntnis aber ist nichts Passives, sie begnügt sich nicht damit, den Erwerber besserer politischer Einsicht innerlich zu beglücken, sondern sie ist in höchstem Maße aktiv, sie will fortzeugend gutes gebären, sie will sich im Kampfe für die Ideale des Sozialismus ringend und werbend be- währen. In diesem Sinne sind auch die sozialdenwkratischen Volks- schullehrer Bremens tätig gewesen. Sie haben für die wich- tigsten Prinzipien der sozialistischen Pädagogik, für die Welt- lichkeit und Einheitlichkeit des Schulwesens, und für den Ge- danken der Arbeitserziehung in jahrelanger Aufklärungsarbeit gekämpft. Aber sie haben neben der theoretischen Vertiefung ihrer pädagogischen Tätigkeit auch nicht den unmittelbaren praktischen Kampf aus dem Auge gelassen. Den Höhepunkt dieses Kampfes bildete die Beseitigung des ehemaligen bremi- fchen Schulinspektors, eines orthodoxen, aus Preußen impor- tierten Schulbureaukraten. Da man in deni kirchlich liberalen Bremen Sottisen gegen die Religion nach Herzenslust auf den Markt bringen darf, so bewahrten die Regierung und die hinter ihr stehenden maß- gebenden Kreise Bremens dem religiösen Vorstoß der radikalen Volksschullehrcr gegenüber noch einigermaßen Haltung und Tournllre. Zwar ließen sie die Haupträdelsführer auch nicht ungerupft, aber es blieb doch bei Geldstrafen und Verweisen. Die sozialdemokratischen Volksschullehrer haben sich weder durch das eine noch durch das andere ins Mauseloch jagen lassen. Sie haben durch Wort und Schrift und insbesondere durch Beschlüsse, zu denen ihre Beredsamkeit und ihre Logik den Lehrerverein zwang, ihren Kampf um die Hebung der Schule und uin die Durchsetzung der befreiende� Grundsätze der sozialistischen Pädagogik fortgesetzt. Lkeinen Augenblick haben sie sich auch dadurch irreführen lassen, daß die Behörde an die Stelle des offenen und ehrlichen Reaktionärs als Schul- inspektor einen versteckten liberal schillernden Reaktionär setzte, einen ehemaligen bremischen Volksschullehrer, der es durch strebendes Bemühen und unanfechtbare Gesinnung zum „höheren" Lehrer gebracht hatte, und der sofort den Lehrern den löblichen Beweis zu erbringen bemüht war, daß es von keinem erheblichen Unterschiede ist, ob man auf orthodoxe Art gesotten oder auf liberale Weise gebraten wird. Die Lehrer verlangten einen Schulkonvent, damit sie in Sachen der Schule ein Wörtlein mitreden konnten. Die Be- Hörde setzte zwar einen Konvent ein, aber mit solchen reaktiv- nären Wahlbestimmungen, daß das Wort der Lehrer darin nicht zur Geltung kommen konnte. Und außerdem suchte noch der neue Schulinspektor jeden Versuch einer freien Meinungs- öußerung im Konvent selbst zu unterdrücken. Die Lehrer verlangten die Einheitsschule und als Uebergang dazu die Milderung der Unterschiede zwischen höheren und niederen Schulen. Die liberale Regierung in Bremen hält aber mit würdiger Zähigkeit sogar an der nicht einmal in Preußen mehr vorhandenen Scheidung der Volksschulen in entgeltliche und unentgeltliche(sogenannte„Frei"- und Armenschulen) fest. Die bremischen Lehrer sind in ihrer großen Mehrheit für die Beseitigung des Religionsunterrichts aus dem Lehr- plane der Schule. Die Behörde aber stellt einen ehemaligen Pfasfen als Lehrer am Lehrerseminar an und zwingt die Lehrer zur Abhaltung von religiösen Morgenandachten. Und was dergleichen Steine des Anstoßes mehr sind! Da wallt einem der bremischen Lehrer, einem ihrer besten, dem auch in weiteren Arbeiterkreisen durch seine naturwissen- fchaftlichen Schriften bekannten Paul Sonnemann, sein Blut, und er bringt im Lehrerverein eine Anfrage ein:„Welche Schritte gedenkt der Vorstand des bremischen Lehrervereins zu tun. um gegen die Zurücksetzung der Lehrer- fchaft und die Nichtachtung ihrer Beschlüsse zu protestieren und der Würde des Lehrervereins und seiner Beschlüsse mehr Nachdruck zu verleihen?" Sonne- mann selbst kann wegen Krankheit die Anfrage nicht vertreten. Da springt Wilhelm Holzmeier, ein alter Kämpe der radi- kalen bremischen Lehrerschaft, seinerzeit ihr Wortführer auf der Münchener Lehrerversammlung, und ungezählte Male ihr Führer in anderen Schlachten, auf den Plan und begründet die Anfrage. �, In dieser Anfrage und ihrer Begründung sah die vre- mische Schulbehörde eine ungebührliche und gröbliche Ver- letzung ihrer Würde. Sie zog Holzmeier zur Verantwortung, den aber die alten Wunden, die er sich im jahrelangen Kampfe für die Interessen der Schule und ihrer Lehrer zugezogen hatte, nicht schreckten, sondern der kampfesmutig wie immer auf den einen Schelmen der Behörde andcrthalbe setzte. Er beantwortete die Vernehmung durch eine Eingabe, in der er sich freimütig über das Staatsbürgerrecht und die Beamten- Pflicht aussprach und für die Beamten das Recht der freien politischen Meinungsäußerung verlangte. In dieser Eingabe sah die Behörde ein neues Vergehen, eine„unzulässige Kritik". die sie dem Angeschuldigten zu seinen sonstigen Sünden aufs Kerbholz schrieb Aber auch dadurch ließ sich Holzmeier noch mcht biegen. Ms Mitglied des Schulkonvents beantragte er:„Es soll verboten sein, bei sogenannten patriotischen Festen den Lehrer zur heuchlerischen Betätigung von Ansichten, Gesin- nungen und Gefühlen direkt oder indirekt zu zwingen, die seiner Ueberzeugung zuwiderlaufen." In diesem Antrage sah die Behörde eine neue„Unbotniäßigkeit". die der Anklage- schrift gegen Holzmeier mit eingefügt wurde. Und als letztes Verbrechen bielt sie ihm vvr, daß er es als eine«würdelose Posse" hingestellt habe, wenn ein Lehrer gegen seine Ueber- zeugung den Unterricht mit Gesang und Gebet beginnen müsse. Gegen diese vielen Sünden rückte die Behörde mit allezz Machtinitteln des Disziplinargesetzes vor, und— siehe da!— es gelang ihr, den verstockten Sünder, der sich vor der pädago- gischen Einsicht bremischer Pfefferfäcke und dem Rohrstöckchcn eines strebsamen ehemaligen 5klassenkollegen vom Seminar nicht biegen wollte, zu brechen, radikal abzubrechen vom Baume der bremischen Volksschullehrerschaft. Holzmeier wurde seines Amtes entsetzt, das er über 25 Jahre mit dem größten Geschick und mit der aufopferndsten Liebe zu den ihm anver- trauten Proletarierkindern ausgeübt hatte. Was diese Verurteilung vor aller Welt als eine politische Maßregelung schlimmster Art bloßstellte, sind die Zeugnisse, die Staatsanwalt und Disziplinargericht bei aller Gegner- schaft dem Angeschuldigten ausstellen mußten. Nach dem Staatsanwalt„steht es außer allem Zweifel, daß der An- geklagte eine energische Natur ist, der den besten Willen mit idealem Streben verbindet". Und in der Begründung des Urteils wird dem Angeklagten seine Ueberzeugung von der Richtigkeit seiner Ideen und sein„Idealismus" zugute ge- halten. Idealismus und ideales Streben aber ist mit dem Beamtengesetz nicht zu verbinden. Darum hinaus mit dem energischen, überzeugten Idealisten aus dem Reiche des kapita- listischen Klassenstaates! Natürlich hat Holzmeier auch dieser Schlag nicht der Haltung beraubt. Er weiß, wo Idealismus, ideales Streben und Ueberzeugungstreue noch eine Stätte finden. Bereits am vergangenen Freitag stand er vor einer überfüllten Massenversamnilung der bremischen Arbeiterschaft und sprach — nunmehr auch aller äußerlichen Fessel ledig— über die interessante Frage:„Warum ich nicht mehr Volks- schullehrer sein dar f?" Aber es scheint, als ob die bremische Behörde ein unnatür- liches Gelüst danach trägt, diese Frage auch noch von anderen breinischen Volksschullehrern beantwortet zu sehen. Am Tage der Dienstentlassung Holzmeicrs fand sich eine Reihe seiner gesinnungsverlvandten Kollegen mit ihm zu- sammen, um ihni zu zeigen, daß er nicht allein stehe. Da am Tage darauf Bebels siebzigster Geburtstag war, tauchte der naheliegende Gedanke auf, diesem leuchtenden Vorbild für unerschütterliche Ueberzeugungstreue und unerschrockenen Kanipfesnmt ein Glückwunschtelegramm zu senden. Daß eine solche harmlose Höflichkeit in Preußen-Deutschland uffid ins- besondere in Bremen besonderes Aufsehen und bei allen Nicht- sozialdemokraten Bestürzung oder gar Entrüstung hervor- rufen kann, beweist nichts gegen die Absender des Tele- gramms, wohl aber sehr viel gegen die skandalöse Rückständig- keit der deutschen Zustände. Nun hätte man meinen sollen, daß der Liberalismus aller Parteischattierungen, vor allen Dingen aber die bremischen Lehrer, wcs Geistes Kinder sie in anderen Fragen auch immer sein mochten, sich geschlossen hinter das kleine Häuflein sozialdemokratischer Lehrer stellen würden, die den Mut gehabt haben, ihrer inneren Ueberzeugung in einer an sich durchaus bedenkenfreien Weise offenen Ausdruck zu geben. Aber da offenbarte sich wieder einmal die ganze Erbärmlich- keit der politischen Erziehung des deutschen Bürgertums, vor allen Dingen aber die schon von Diesterweg mit so unerhört scharfen Worten gegeißelte hündische Demut des deutschen Volksschullehrers! In feigster Weise lassen sie ihre Kollegen, die in politischen Fragen von ihnen abweichen, im Stich: mit widerlichster Eilfertigkeit bekunden sie der„Behörde", den „Vorgesetzten" ihre Ergebenheit und Treue, und zum selbst- schänderischen Beweise ihrer Gcsinnungstüchtigkeit speien sie ihren andersdenkenden Kollegen ins Gesicht. Der Wahlrechtskampf, so sagten wir zu Anfang, nimmt das politische Interesse der Oesfentlichkeit mit Recht fast völlig in Anspruch. Aber so weit darf dieses Interesse nicht gehen, daß nicht auch Vorgänge wie die jüngsten bremischen Schulkämpfe die ihnen zukoinmende Würdigung erfahren. Es handelt sich um Liberale, die in Bremen gegen andersdenkende Männer mit Mitteln kämpfen, an denen sich ostelbische Junker ein Beispiel nehmen können, wenn sie wieder einmal liberale Lehrer wie seinerzeit Nickel in Tra- kehnen zu maßregeln gedenken. Gerade im preußischen Wahl- rechtskampf muß den Liberalen die Erbärmlichkeit ihrer bremischen Spielart vor Augen gehalten werden. Vielleicht sorgen sie dafür, daß die bremischen Liberalen ihre ostelbischen Gelüste ein wenig zügeln lernen. Wenn nicht— auch gut! Dann werden die Arbeiter und die Lehrer innerhalb und außerhalb Bremens daraus ihre wertvollen Schlüsse ziehen. Öewcrkrcbaftlicbee. Dicke zentruinscbriftltcbc— Cdabrheiten I Bei den Auseinandersetzungen zwischen den katholischen Fachabteilungen und den christlichen Gewerkschaften kommt auch der Humor zu seinem Recht. Auf beiden Seiten würden die katholischen Christen ja in„heilige" Entrüstung geraten, wenn wir von wissentlicher Entstellung reden würden, um dem frommen Zentrumsbruder aus dem anderen Lager eins auszuwischen. Lassen wir die Zentrumsleute selbst reden. In ihrer Fachabteilungs-Nummer kam die„Westdeutsche Arbeiter-Zeitung" auch auf den Trierer(jetzt Berliner) Eisen- bahnerverband zu sprechen. Der widerstand bekanntlich dem christlichen Liebcswerbcn beharrlich. Der christliche Bruder griff dann zu recht schoflen Mitteln, um sich für die vergeb- liche Mühe zu rächen. Der Trierer Verband wird nämlich als „sozialdemokratisch" verseucht hingestellt und so der Beachtung der Regierung empfohlen. Es heißt in Nr. 5 der„Westdeutschen Arbeiter-Zeitung": „Vor einigen Jahren hätte sich der Anschluß de? Trierer EiscnbahnerverbandeS an den Gefaintverband der christlichen Ge- werkschaften ohne nennenswerte Schwierigkeiten vollziehen lassen. In der Zwischenzeit hat das Trierjche Verbandsorgan in erziehlicher Hinsicht vollständig versagt, die Sozialdemokratie dagegen ihre Zeit auszunutzen verstanden. Sie suchte sich im Stillen der Ei s en b a h n h a n d w e r ke r und Arbeiter zu be- mächtigen mit dem Erfolge, daß heute der Triersche Eisenbahnerverband, der sich inzwischen deS Molz entledigte und seinen Sitz nach Berlin verlegte, schon st ark sozialistisch durchsetzt i st." Der Zweck dieser zentrumsbrüde.rlichen Ucbung ist völlig klar. Humorvoll ist nun, daß das Blatt der Eisenbahner an die bekannte Aeußerung des christlichen Bergarbeitersekretärs Effert anknüpft und daraus nun seinerseits den Schluß zieht, daß sich dieAn sichten, dieEffert bekunde. in nichts von den Anschauungen der roten, internationalen Sozialdeniokraten unter« schieden. Die anderen Christen seien bloß „vorsichtiger". Demnach ist also, wenn die f r o m m e n Z c n t r u m s« christen in beide ti Lagern dicWahrheit sagen, die ganze Zentrumsarbciterbewegung völlig der Sozialdemo- kratie verfallen! Lei-lm und llmgegend. Die Aussperrung in der Waffenfabrik von Schtvarzlose. Die ausgesperrten Arbeiter und Arbeiterinnen der Firma Schwarz lose hatten sich gestern vormittag wiederum in den „Moabiter Bürgersälen" versammelt, um über die Lage des Kampfes, der sich bekanntlich gegen die Verlängerung der täglichen Arbeits- zeit und die Verschlechterung der Löhne richtet, zu beraten. AuS dem Bericht, der teils von dem Verbandsvertreter B e h r e n d, teils von den Streikenden gegeben wurde, ist zu entnehmen, daß die Firma selbst noch hartnäckig auf ihrem Standpunkt behart. ES sind jedoch nach anderer Richtung hin Verhandlungen angebahnt. ES ist klar, daß die Aktionäre, die ja schon bei der alten Mißioirt- schaft im Betriebe, wie wir sie in Nr. 53 des„Vorwärts" schilderten, keinerlei Aussicht auf Gewinn haben konnten, sich nun erst recht sage» müssen, daß es so nicht weiter gehen kann. Die Firma hat zwar eine Airzahl Streikbrecher herangeholt, sie können jedoch die 13l1 Ausgesperrten nicht im mindesten ersetzen. Es sind eben Arbeits- willige, mit denen eine Produktion nicht möglich ist. Sie sollen auch bereits, statt Revolver zu produzieren, Arbeitsmaschinen ruiniert haben. Die Firma gibt sich alle Mühe, durch Annoncen in zahlreichen Provinzblättern brauchbare Arbeitskräfte heranzu» schaffen. Dabei hat sie Arbeiter nach Berlin gelockt, die durchaus nicht Lust haben. Streikbrecher zu spielen, uno die nun, weil sie über die Lage irregeführt worden sind, die Firma schadenersatz- pflichtig machen. Aus den Reihen der Ausgesperrten sind nur zwei Arbeiter und drei Arbeiterinnen abtrünnig gelvordcn, und daS sind solche, bei denen man von vornherein gar nicht damit rechnete, daß sie am Kampfe teilnehmen würden. Einer von diesen, ein Sohn des Restauratcurs König iii der Zinzendorfftraße 7, war sogar noch in die gestrige Versaminlung gekommen und benahm sich da so, daß man es für angebracht hielt, ihn hinauszubefördern. Es wird vermutet, daß die Firma Ludwig Löwe an sie gerichtete Gesuche um Arbeit dazu auszunutzeu sucht, der FEma Schwarzlose Streikbrecher zuzuführen. Es ist also auch in dieser Hinsicht Bor- ficht notwendig. Dis Polizei, als Beauftragte der Firma, versucht forigesctzt, wie bereits in der Sonntagsnummcr des„Vorwärts" geschildert. den Ausgesperrten die Ausübung ihres Koalitionsrechtes unmöglich zu machen. Die Ausgesperrten selbst halten sich vor dem Fabrik- gcbäude in der Levetzowstratze nur insoweit auf, wie sie als Streik- Posten dazu verpflichtet sind. Bei dem Aufsehen, das die außer- ordentlichen Polizeimaßregcln hervorrufen, ist es natürlich nicht zu vermeiden, daß abends nach Feierabend andere Leute kommen, um sich die Zustände einmal anzusehen. Wenn dabei wirklich einmal Ausschreitungen vorgekommen sind, so sind die Ausgesperrten sicherlich nicht daran schuld. Merkwürdig ist, daß die Polizei eine tSjührige Arbeiterin, die weit davon entfernt ist, sich durch starken Körperbau auszuzeichnen, vorgeladen hat, weil sie einen großen starken Mann geschlagen haben soll. Die Beschuldigung erscheint von vornherein ganz unglaublich und erregte dann auch in der Versammlung allgemeines Gelächter. Im übrigen bewies der ganze Verlauf der Versammlung, daß die Ausgesperrten treu und fest im Kampfe ausharren. Die wenigen unzuverlässigen Leute, denen man von Anfang an nicht traute, sind ausgeschieden, und nun herrscht der einmütige Wille, die Verschlechterung der Arbeitsbedingungen abzuwehren, koste es. was es mag.„Wir können es noch wochenlang aushalten," sagten die Arbeiterinnen, und natürlich haben auch die männlichen Arbeiter deutlich zu verstehen, daß sie hinter ihren Kolleginnen in Kampfes» mut und Ausdauer nicht zurückbleiben. Die Tariffrage in der Herrenkonfektion. Wie wir schon mitteilten, ist eS bei Elsbach N a ch f. zu einer teilweisen Einigung über den Tarif gekommen. In der Werk- stätteiiversmnmlnng am Sonnabend berichtete Kunze ausführlich über das Ergebnis der Verhandlungen, soweit sie bis dahin gediehen waren. Für Zivilsachen hat die Firma den bei Macholl u. Lewin abgeschlossenen Tarif anerkannt. Sie hatte sich hierzu übrigens zu- nächst sehr schnell bereit erklärt; als sie dann aber von dem Tarif genaue Kenntnis erhielt, wurde eS ihr bei manchen Positionen doch nicht so leicht, ihre Zustimmung zu geben.— Es komml oft vor. daß Firmen bei den Verhandlungen erklären, sie wollten den Macholl und Lewinschen Tarif sehr gern bewilligen, und zwar in der Meinung, daß die Preise bei jener sehr konlnrr-�iztüchtigen Firma außerordentlich niedrig sein müßten. Dies triffi jedoch bei weitem nicht in dem Maße zu, wie die anderen Konfektionäre glauben.— Für Maßarbeit ist bei Elsbach ebenfalls dasselbe wie bei Lewin u. Macholl bewilligt. Auch für die Tagschneider ist 30 M. als Mindestlohn anerkannt; ebenso sind die Ferien für die Tagschneider bewilligt. Bei den noch vorliegenden Differenzen handelt eS sich hauptsächlich um die Sport- und Lodensachen. Die Berliner Konfektionäre pflegen sich hier bei ihren niedrigen Angeboten auf die süddeutsche Konkurrenz zu berufen, was jedoch, nachdem nun auch in Süddeutschland die Konfektionsschneider in Lohnbewegung getreten sind, nicht maßgebend sein kann, zumal der Münchener Tarif, verglichen mit den Berliner Verhältnissen, ziem- lich hohe Lohnsätze enthält. Der Hauptkonkurrcnzort in Loden« fachen wird also auch nicht in der Lage sein, an den Arbeitslöhnen zu sparen. Die Firma Elsbach wünscht, daß der Tarif erst am 15. April in Kraft trete und beruft sich daraus, daß auch bei den anderen Firmen kein früherer Zeitpunkt angesetzt sei. Das ist nicht zutreffend. Wenn auch bei Adalbert Stier die Sache so liegt, so ist dort doch auch schon eine Lohnerhöhung sofort durchgeführt worden, und bei anderen Firmen ist teils der 1. April als Datum für das Inkrafttreten der Tarife eingesetzt, teils sind die Tarife schon durch- geführt. Bei Firmen, wo wie bei Elsbach ein Streik notwendig wurde, um zum Ziele zu kommen, muß die Arbeiterschaft um so mehr verlangen, daß der Tarif sofort durchgeführt wird. Gemeinsam mit den Elsbawschen waren die HerrenkonfektionS- schneid« der Firma Cohn u. Sohn versammelt. Die Verhand- lungen sind hier im Vergleich zu denen mit einer Reihe anderer Firmen ziemlich weit gediehen. Die Differenzen, die bei Cohn u. Sohn noch vorliegen, sind nicht so bedeutend. Allerdings liegt noch eine Reihe strittiger Positionen vor, namentlich soweit die billigsten Sachen in Frage kommen. Auch über einzelne Extraarbeiten ist noch keine Einigung zustande gekommen. Dann scheint eö unmöglicki, auf das Verlange» der Firma einzugehen, daß der Tarif erst am 1. Mai in Kraft treten soll, was in der Diskussion ganz besonders scharf betont wurde. Im übrigen wurden in der Diskussion, die sich bis gegen Mitter« nacbt hinzog, die noch bei beiden Firmen vorliegenden strittigen Positionen gründlich besprochen. Daß bei Elsbach die Arbeit nicht eher wieder aufgenommen wird, als der Tarif im ganzen Umfange festgelegt und anerkannt ist. war für alle selbstverständlich. Die Ver- sammluug beschloß einstimmig, die Angebote der Firma Elsbach in Zivilsachen anzunehmen und ebenso bei Cohn u. Sohn die Angebote, soweit sie mit den geforderten Löhnen übereinstimmen, gutzuheißen. Im übrigen beauftragte die Versammlung die Kominission, bei beiden Firmen, soweit die Einigung nicht erzielt ist, auf Grundlage der geforderten Löhne weiter zu verhandeln und auch den Zeitpunkt für das Inkrafttreten der Tarife gemäß den Wünschen der Arbeiter» schaft festzulege» Achtung, Töpfer! Degen BeschafttgUng von Wildm und Nichtbezahlung des Tarifes verhängen wir hiermit über die Firmen C. T r« semer. Rykestr. 24, Bau Gorschstraste. Pankow, und Hell, Bau Friedrich Karl-, Ecke Friedrich Franzstraße. Tempelhof, die Sperre. Die Berbandsleitung.' Achtung, Maler! Die Differenzen bei der Firma P. F i n k e betr. Lohnzahlung sind beigelegt und ist hiermit die verhängte Sperre wieder aufgehoben. Die Ortsverwaltung. Veutkebes Reich. Gegen die Rexhaufersche Kampfeswcise protestierte am Sonn- abend in Köln eine Versammlung des Ortsvercins des Verbandes deutscher Buchdrucker. Die Versammlung nahm nach einem Referat von R a n s e n b e r g über das Thema:„Ist die Schreibweise des Korrespondent in jüngster Zeit im Interesse des Ver- bandes und der gesamten organisierten Arbeiterschaft gelegen?" eine Resolution an, in der der Zentralvorstand aufgefordert wird, dafür Sorge zu tragen, daß der Raum des Verbandsorgans nicht zu persönlichen Angriffen RexhäuserS benutz! wird. Ferner bedauerte die Versammlung, daß am 22. Februar. dem Tage der 70. Wiederkehr des Geburtstages August Bebels, im„Korrespondent" keinerlei HnuveiS auf diesen Tag gebracht wurde, MelnieHr am selben Tage der gehässige Artikel.Richard Fischer" erschien. Der Rheiiifelder streik und die christlichen GeWerk- schaften vor dem Badischen Landtag. Karlsruhe, 5. März. Tie Rolle� die die christlichen GeWerk- kchaften im vorigen Jahre bei dem Streik in Nheinfelden gespielt haben, insbesondere der christliche Metallarbeiterverband und ihr AgitatorEngel, kam gestern und heute vor der 2. Kammer des badischen Landtags zur Verhandlung. Auf der Tagesordnung stand das Budget des Ministeriums des Innern, und zwar der Titel betr. die Gewerbeaufficht und die Durchführung der sozialen Gesetz- gebung. Namens der Budgetkommission erstattete unser Genosse Willi den Bericht. Dabe' kam er auch auf Broschüren zu sprechen, welche die christlichen Gewerkschaften über den genannten Streik verbreiteten und auch im Landtag umgehen ließen, und in denen dem Vorstand der badischcn Fabrikinspektion, Oberrcgierungsrat Bitt. mann, sowie dem um die Beilegung des von den Christlichen in Szene gesetzten Streiks der Aluminiumfabrik ebenfalls bemüht gewesenen Landeskommissär Straub die schwersten Vorwürfe gemacht worden, die auf nichts Geringeres hinauslaufen, als auf den Vorwurf der Parteilichkeit. Der Berichterstatter bat daher die Regierung um Auskunft, die um so nötiger wurde, als der Freiburger christliche Arbeitersekretär Reinhardt, der der Zen- trumsfraktion der Kammer angehört, gleich nach Willi die Be- hauptungen der Broschüren wiederholte. Gestern nun gab der Vorstand der Fabrikinspektion in zwei- stündigen Ausführungen das ganze Material kund und führte aus, daß der Streik lediglich durch den genannten Engel inszeniert worden war, wiewohl nicht die geringste Aussicht auf ErfolS bestand und wiewohl die Arbeiter sich erst dadurch zum Streik bewegen liehen, daß ihnen von Engel drei Mark Streikunterstützung zu- gesichert wurden, wiewohl das Streikreglemcnt nur 2,50 M. Unterstützung vorgesehen hatte. Es wurde ferner aktenmäßig festgestellt, daß die Fabrik in keiner Weise nackgegebcn hat, daß al>o eine voll- kommene Niederlage der Streikenden die Folge war, daß aber Engel trotzdem in einem Telegramm an einen anderen Gswerk- schaftSbeamten von einem Siepe sprach. Er hat freilich versucht. den Streikenden vor dem Friedensschluß vorzureoen, die Fabrik habe Lohnerhöhungen zugesagt, aber es wurde ihm in den betreffenden Verhandlungen mit der Streikkonlmission sofort durch den Landeskommissär, welcher die Verhandlungen mit der Fabrik geführt hatte, sowie vurch Herrn Bittinann entgegengetreten und ihm dringend nahegelegt, nichts auszulegen, da» Anerbieten der Fabrik sei klipp und klar in kurzen Sätzen formuliert. Als ihm diese Auslegungen Nicht gelangen, vcrsuchie er es mit seinem Ehrenwort, und hat fünf- oder siebenmal sein Ehrenwort gegeben, zuletzt dahin, daß er überzeugt sei, dah die Fabrik wahrscheinlich bis zu dem und dem Termin eine Lohnerhöhung eintreten läßt. Herr Bitt mann schilderte der Kammer eingehend, wie Herr Engel södann in der Presse immer wieder falsche Mitteilungen über die Sache veröffentlichte, und wie er auch weiter zu unrichtigen Schlüssen und Mitteilungen an ihn und a» andere gelangte, wie er. der Redner, sich an andere christliche Gswerkschaftsführer ge- wandt habe, um Engel zur Einstellung seiner Agitation zu be- wegen. Als das olles nichts genützt habe, sei er direkt nach Köln gefahren, um die SuSpendterung des ManneS von seinem Amte und seine Versetzung in eine weniger verantwortliche Stellung zu erreichen. Das ,st ihm auch geglückt; aber nachher haben dst ch-ist- lichen Führer die Sache wiederum aufgegriffen und eine Unter- suchung an Ort und Stelle vorgenommen, ohne sich mit dem Landes- kommissär und dem Fabrikinspcktor in Verbindung zu setzen, und schließlich auch eine Entscheidung zustande gebracht, die dem Engel günstig, den beiden Beamten ungünstig war. Engel, Kam- merer, Theelen, Kiefer und S t e g e r iv a l d,— alle diese christlichen Gewerkschaftsführer und»och manche andere hat Herr B t t t m a n n in dieser Sache bemüht, teilweise zunächst mit Erfolg, aber schließlich doch immer mit der Erfahrung, daß die Herren mit der Wahrheit nicht gern etwas zu tu» haben mögen. Atemlos lauschten baS Haus und die dichtbesetzten Tribünen dem Gericht, das damit den Christlichen gehalten wurde. Die Arbeit des Herrn B i t t m a n n vollendete der Minister des Innern, Freiherr v. Bodman, indem er dem Mannheimer Stadtpfarrer Knebel, welcher inzwischen gesprochen und zu retten gesucht hatte, waS nicht mehr zu retten war, sagte, daß mit den inneren Besse- rungSvcrsuchen, die dieser der Menschheit verkündete, bei dem Engel begönne werden möge; er hätte sagen können, bei den Engeln der„Christlichen". In kurzer treffender Weise resümierte dann noch unser Genösse Kolv, tväS vorgebracht Warden war, und stellte fest, daß der ganze Vorgang nur ein Schulbeispiel dafür ist, wie die christlichen Gelverkschaftcn Mitglieder einzufangen suchen. Er bedauerte die Vorgänge in Rheinfelden und ihre traurigen Folgen, nock vielmehr aber, daß dabei eine ganze Reihe von Per- sonen, die sich als Führer der Arbeiterbewegung aufspielen, in diesem Ding eine so traurige Rolle gespielt haben. Hushmd* Ein Streik und seine Lehren. New N o r k, 25. Februar.(Eig. Ber.) Was alle Einsichtigen vorausgesagt, ist eingetroffen. Die Straßenbahngesellschaft in Philadelphia hat in schnöder Verletzung des am 4. Juni vorigen Jahres abgeschlossenen Vertrages ihrem Fahrpersonal einen neuen Kampf aufgedrängt. Seit Sonnabend letzter Woche stehen die organisierten Kondukirure und Motor- führer, rund 5000 an der Zahl, aus, weil 600 von ihnen wegen ihrer Zugehörigkeit zur Gewerkschaft Knall und Fall entlassen worden waren. Die gesamte Arbeiterschaft und auch ein großer Teil der Bürgerschaft nehmen Partei für die Streikenden; anderer- scits geriren sich die städtischen Behörden als Sachwalter der Straßenbahngesellschaft und bieten die Machtmittel der Stadt und des Staates auf, um einem wortbrüchigen Unternehmertum zum Siege zu verhelfen. Als das Fahrpersonal der Straßenbahn am 24. Mai letzten Jahres die Arbeit einstellte, übten die Führer der in Philadelphia allmächtigen republikanischen Partei auf den Mayor sBürger- meister) und dieser hinwiederum einen Druck aus, der genügte, um die Straßenbahngesellschaft zum Nachgeben zu bewegen. Eine andere Anordnung der Dienststunden, eine geringfügige Lohn- erhöhung wurden zugestanden, die Verpflicktung der Bediensteten, ihre Uniformen durch Vermittelung der Gesellschaft zu teuren Preisen zu kaufen, aufgehoben, eine abermalige Lohnaufbesserung vom 30. Juni dieses Jahres an in Aussicht gestellt und die Gewerkschaft durch die Schaffung eines Arbeitrrausschusscs tatsächlich, wenn auch nicht formell anerkannt. Damals standen die Vorwahlen, bei denen über die Aufstellung der Kandidaten entschieden wird, in Aussicht. Die Herrschaft der offiziellen republikanischen Parteileitung stand auf dem Spiele, wenn die Arbeiter dem Staatssenator Mc. Nicholl die Gefolgschaft versagten. Daher das Eingreifen Mc. Nicholls und Mayors Nehburn. In der vorigen Woche errang die offizielle Organisation der Republitaner in Philadelphia bei den Frühjahrswahlen einen über alle Erwartungen glänzenden Sieg. Die Demokraten brachten noch nicht einmal die gesetzlich der Minderheit zu- gestandenen Kandidaten durch, da die Republikaner, ohne ihre SieaeSauSstchten zu gefährden, eine hinlängliche Anzahl Wähler zu der zum Zwecke 5er Verdrängung der Demokraten gebildeten ,. Arbeiterpartei" abkommandieren konnten, um deren Kandidaten eine größere Stimmenzahl zu verschaffen, als die demokratifAen Bewerber auf sich vereinigten. Die Ärbeiterstimmen haben ihre Schuldigkeit getan, nun glauben die republikanischen Führer ihre Maske abwerfen zu können. Auf die erste Kunde von dem Beginn des gegenwärtigen Straßenbahncrstreiks reisten die republikanischen Slaatssenatoren „Jim" Mc. Nicholl und Billy Vare von Philadelphia nach Florida. Sie waren also für die Arbeiter nicht zu sprechen. Deshalb wandte sich eine Deputation von Philadelphiaer Gewerkschafts- führern an den in Washington weilenden Bundessenator Penrose, um ihn um seine Vermittelung anzugehen. Penrose schien nicht abgeneigt. Befriedigt fuhren die Gewerkschaftsdelegierten nach Philadelphia zurück. Kaum waren sie wieder daheim, mußten sie von Penrose telephonisch hören, er babe nicht Ienau verstanden, ob er als Schiedsrichter vorgeschlagen sei oder nur eine schiedSgericht- lichc Beilegung d'es Streiks in die Wege leiten solle. Inzwischen aber wurde die vor einigen Jahren von der penn- syll'rnilischew Legislatur eingestandenermaßen zpm Zwecke der Unterdrückung von Ausstanden geschaffene Truppe der StaatSkon- stabler von dem Gouverneur nach Philadelphia geschickt, und zwar auf Ersuchen dcS dortigen Mayors. Diesen„Kosaken", wie der Volksmund sie nennt, sagen die großkapitalistischen Blätter rühmend nach, daß sie ohne Zögern auf Volksansammlungen schießen und daß„sie feuern, um zu töten". Dieses Lob haben die StaatSkon- stabler bisher„redlich" verdient. Schon vor ihrem Eintreffen war in Philadelphia viel Blut geflossen. Vier Tote, über 40 Schädel- bräche, zahlreich« auf andere Art Verletzte, 500 Verhaftungen sind bis jetzt neben einem halben Hindert von den Großgeschworencn erhobenen Anklagen und drakonischen Selireckensurteilen das Fazit des Streiks. Gegen einen Arbeiter, der einen Stein geworfen, erkannte ein Richter auf sechs Jahre Zuchthaus. Infolge der Brutalität der Ordnungsbanditen kommt es an allen Ecken und Enden zu Zusammenstößen zwischen Polizei, ..Sicherheitsmannschaften" und Arbeitern. In dem Fabrikdistrilt Kenstngton wurden zwei Kompagnien„Fenclbles"(eine Parade- truppe) entwaffnet. Männer und Frauen rissen in ihrer Em- pörung den„Fencibkes" die Uniformen vom Leib. Erklärlicher- weise werden auck die Streikbrecher, die notorische Verbrecher sind. nicht mit Samtpfötchen angefaßt. Und als Protest gegen die Stellungnahme der Behörden zugunsten der wortbrüchigen Bahn- Magnaten wird die Erllärung eines Generalstreiks in Aussicht genommen. Auch gegen die republikanischen Politiker richtet sich die Empörung. Aber die Wahlen sind vorüber, und VIS zur nächsten Wahl dürften die Arbeiter Philadelphia» die Lehren des Eisen- bahncrstreiks leider wieder vergessen haben. Uebor dl« gegenwärtige Situation berichten verschiedene Telegramme: New N-rk, 6. März. In Philadelphia veranstalteten etwa 10000 Personen eine Demonstration vor der Unabhängigkeitöhallc. Infolge eines Mißgriffes der Leitung der Polizei ritten viele Ab- ieilungen der Polizei in die Volksmenge hinem. woraus schwere Ruhestörungen erfolgten. 25 Straßenbahnwagen wurden demoliert, Eine Straße war vollständig in den Händen des Lolkshanfens. Viele Verhaftungen wurden vorgenommen. Philadelphia, 7. März. Die Unruhen erneuerten sich im Lause des gestrigen Tages. Mehrere Personen, darunter eine Frau, wurden durch Schüsse, zahlreiche andere durch Schläge mit Polizei- knütteln zum Teil schwer verletzt. Eine Anzahl Demonstranten wurde verhaftet. Philadelphia, 7. März. In Philadelphia stellten die Arbeiter- bereine genaue Zähllisten auf, in der die Anzahl und Besäsiistigung der Streikenden genau verzeichnet wurden. Nach diesen Listen streiken etwa K0 000 Mann. Heute wird Zuwachs erwartet. Viele Theater- und Vergnügungslokale sind geschlossen. Die Warenhäuser haben Hunderte von Verkäufern entlassen müssen. Obgleich ein Drittel der gewöhnlichen Wagcnzahl sich im Betriebe befindet, be- tragen die Einkünfte der Straßenbahngesellschaft vielleicht ein Zehntel der gesamten Einahmen in normalen Zeiten, da einer- scits sehr wenig Fahrgäste vorhanden sind und andererseits die streikbrechenden Kondukteure einen große» Teil der Fahrgelder unterschlagen, da sie wissen, daß sie, falls die Streikenden siegreich bleiben, entlassen werden. Philadelphia» ö. März. Die Streikenden haben sich bereit er- klärt, sich einem Schiedsgericht zu unterwerfen, wenn sie vorher wieder eingestellt werden. Es ist aber unwahrscheinlich, daß die Arbeitgeber diese Bedingung annehmen werden. Wie verlautet, beabsichtigen die Streikenden, den Präsidenten Taft um seine Ver- Mittelung zu bitten. Bei den gestrigen Tumulten bewarfen Männer, Frauen und Kinder die Straßenbahnwagen und die Polizei mit Steinen. Die Schutzleute machten von ihren Stöcken Gebrauch, wobei zahlreiche Personen verletzt wurden. Bus der frauenbe�vegung. Frauen, erwacht! Das war ein Wahlrechtssonntag in Berlin! Zu seinem Ge- lingen haben die Frauen und Mädchen des Proletariats in vollstem Maße beigetragen. Auch daS„schwache Geschlecht" fügte sich nicht dem ungesetzlichen Verbot des durch Selbstbewußtsein und Un- geschicklichkeit ausgezeichneten Berliner Polizeipräsidenten. Zu Zehntausenden sind unsere Frauen und Mädchen mit in Reih und Glied marschiert und haben mit dem allgemeinen, gleichen, direlten und" geheimen Wahlrecht auch das volle Staatsbürgerrecht de» Weibes gefordert.> Wir wünschten, daß unsere Genossinnen vom Lande nnd aus den kleinen Provinzstädtchen sich ebenfalls hätten beteiligen können. Wenn sie den Massentritt der Arbeiterbataillone gehört, das hunderttausendköpfige Heer ihrer Parteigenossen und-Genossinnen gesehen hätten, würde jeglicher Kleinmut verschwinden. Mit Stolz und Freude würden sie erkennen, daß der Sozialismus seine Wurzeln auch in der Mass- der Frauen geschlagen und hinter den sozialistischen Idealen eine Macht steht.> Die Verbreitung dieses Mächtbewußtseins in der Arbeiter- klasse und bei den Frauen ist es ja auch, was die Herrschenden fürchten und was sie gegen die Demonstrationen so wüten läßt. Mögen sie toben! Alle die Frauen und Mädchen, die am Sonntag zur Heerschau eilten, aus der dumpfen Werkstatt, aus Fabriken und Kontoren, aus den Berkaufsläden, aus der Enge des Hauses und den Mansardenstuben der Heimarbeit, sie förderten das prole- tarische Machtbewußtsein. Möge ihr Beispiel ein Ansporn für unsere Genossinnen im Lande sein. Arbeiterfrauen und Mädchen Preußens, folget dem Rufe der Parteil Frauen und Mädchen im ganzen Reich: unterstützt die preußischen Wahlrechtskämpfer, denn erst durch den Sturz der preußischen Reaktion wird der Weg frei für die politische Gleichr berechtigung der doppelt entrechteten Frauen! Dankend abgelehnt! In Hamburg gaben die Ueberbrettlteutonen, die im soaenaNn- ten„Deutsch-Nationalen HandlungSgehilfen-Verband" schon so viele Proben ihrer kleinlichen Konkurrenzangst vor der Kollegin ab- legten, und damit teils Heiterkeit, teils aber auch Scham ob solcher Volksgenossen auslösten, kürzlich eine neue Bravourvorstellung auß diesem Gebiete. Ter Hamburger Senat unterbreitete der Bürger- schaft«inen Antrag ans Bewilligung von 00 000 M., die dem Zwecks der Ausbildung weiblicher Angestellter dienen sollten. Das traf dia vorzüglich auf Hurrabrüllen und„Teutschlano, Teutschland über alles" grölenden Urteutonen inL patriotische Herz. Lrcaft ihrer guten Gesinnung und dergleichen Qualitäten mehr, forderten sis Ablehnung der Vorlage. Vergeblich! Sie wurde angenommen. Nun sinnen die Gcstnnungstüchtigen Rache und drohen mit dem Sozialdemokratisch werden. So schreibt ein„älterer HandlungS-! gehilfe" im Sprechsaal der„Hamburger Nachrichten": „Der Scnatsantrag betreffend die 60000 M., der neulich in der Bürgerschaft mit knapper Mehrheit angenommen wurde, mutz die männliche Handlungsgehilsenschast sehr entmutigen. Man- cher Handlungsgehilfe wird dadurch eventuell zu einem Ab- schwenken ins sozialdemokratische Lager veranlaßt worden sein. Denn eS gibt leider eine Masse politisch unbeschlagener Geistev darunter, die gar nicht wisse», daß gerade die Sozialdemokratis und ihr Anhang die Frauenkoiikurrenz begünstigen."> Wir danken auch vor dem Zuzug. Für solche Musterexemvlare von Rückständigkeit und Unzuberlässigkeit ist bei uns kem Platz. Gern aber akzeptieren wir das Eingeständnis, daß im gegnerischen Lager Dummheit, Stolz und Gesinnungslumperei auf einem Holz wachsen. Früchte teutonischer Erziehungl Theater und Vergnügungen Vi ex Stög, den 8. März. .Ansang 7'l, Uhr. ftdiiigl. C�cnihnufl. Der Prophet. Königl. S-'-chausPtelhaus. Der deutsche Khnig. Neues königl. Lpern-Dheater. Geschlossen. Deutsche». Judith. Kammerspiele. Der gute König Dagobert. lAasang 8 Uhr.) Anlaiiq 8 Uhr. Berliner. Talfun. Sesstug. Das Konzert. Neues SchauivtelhauS. Der Herr Verteidiger. Neues. Der Philosoph von Sanssouci. Westen. Die geschiedene Frau. Komische Qpcr. Zigeunerliebe. Neues Lverette«. Der Sras von Luxemburg. Drianon. Theodore«. Tie. Kleines. Der grotze Name. Residenz, gm Taubens" Thalia. Die Dollarprinzes Schiller«.«smuiei. �oraler.) Kabale und Liebe. Sch(5bariottendurg. Egmont. ebbet. Kavaliere. riedrich-WilvelmItäditsches. Die Jungsrau von Orleans. Bolksover. Die lustigen Seider von Windsor. Luisen. WaS Gott zusammensügt. Roie. Die Ehr«. LustsPiclhauS. Der dunlle Punkt. Metroxoi. HallohII— Die grotze Revue. AolieS Caprice. Herr Wasserkropf. Der Lusiturner.. Der Zechpreller. Spezialitäten. Wintergarten. Spezialitäten. RrichsvoNen. Steitiner Sänger. Palast. Spezialitäten. Pas>»gr. Sveziatitäten. Karl Haderlaud. SveziaMäten. Walballa. Spezialitäten Bnggcnhoge». Spezialitäten.(An- Urania. � ttaudenstrahe tHU9. Kachm. 4 Uhr: HanS Hilden br an dp Die Photographie in»atürllchen Farben. Abend» 3 Uhr: Eugen Zadel: Vom Kreml zur Newa. Hörsaal 8 Uhr- Prosessor Dr. Schubert: Das Klima Nord- deutschland» unv leine Ursachen. Sternn-nr»», Jnvalidenstr. 67— 68 liesning'Tbeater. 8 Uhr: Das Konzert. Mittwoch. 8 Uhr: Das Konzert. Donnerstag, 8 Uhr neu einstudiert: «in Bolksfetnd. Berliner Theater. Heute: Taiflltla» Uhr. Morgen: Tatfun. lieues Theater. Abend» 8 Uhr: Der Philosoph von Sanssouci. Morgen und solgende Tage: ver pdiloaopb von Lansxvucs. fhealei' lies Westens. Abend« 8 Uhr: Die geschiedene Frau. Sonnt. S�/, Uhr: Der sidelr Bauer. Lustspielhaus. Abends 8 Uhr; Der dunkle Punkt. Aiei>«B Operetten-Theater. Heute und solgende Tage 8 Uhr: Der Graf Von Ltirembnrg. Sonnlag nachmittag 8 Uhr zu«r- Preisen: Der Zlaeunerbii mätzlgten Der Zlgeunerbaron. OSEfTHEATE franfsurter Str. Ihr. Ende" ATER Str. 13a. 1 11 Uhr. *c* J «ratze Ans.«. Die Ehre Schauspiel in 4 Allen von Hermann Sudermann. Mittwoch: Die«isenbahnräuber. Donnerstag und solgende Tage: Die Ehre._ T rianon-Theater. Heule und folgend« Tag«, 3 Uhr: Theodore A Cle. Sonnlag nachm.: Pariser Witwe». CJraitla. Wissenschaftliches Theater. Nachmittags 4 Uhr; Hans Hildenbrand: Die Photographie in natürlichen Farben. 8 Uli Eugen Zabel: Vom Kreml zur Newa. Hörsaal 8 Uhr: Prof. Dr. Schubert: Das Klima Norddeutschlands und seine Ursachen. Friedrich-Wilhelmstädtisches Schauspielhaus. DIenStog, 8. März, abends 8 Uhr: zlie Jungfrau van Orleans. Mittwoch: Der selige Touplncl. Donnerslag: Der selige Tonpinel. Freitag: Der selige Toupincl. Residenz-Theater Direktion: Richard Alexander. Abends 8 Uhr: Im Tanbeuschlag. Schwank in 3 Alien von Henuequin und Veber. Morgen und solgende Tage: Dieselbe Borstellung. Sonntag, 13. März, nachm. 3 Uhr: Kümmere Dich um Amelie._ Volks-Oper. SW., Belle-Alliariee-Stratze Nr. 7/8. Abend»>/,S Uhr: Die iustixen Weiber von Windsor. _(Nutzer Abonnement.)_ Luisen-Theater. Abend» 8 Uhr: Vss Hill imnU Schauspiel in sllns Akten von Ernst Ritterseldt nach freier Benutzung einer Erzählung von Eourths-Mahler. Mittwoch: Die Reise um die Erde w 80 Tagen. Donnerstag: Vater und Sohn. Freitag: Wa» Gott zusammen« sögt._ SSÖ Passage-Tbealer. Abends 8 Uhr: Das j gesellschaftliche «Ereignis von Benin Anltrcten der schönen ! Sislers Ridlej 1 in ihren historischen Tänzen. | Georg Kaiser Schneider- Uuncher \ und das große Programml Passage-Panoptikuni Senegal in Berlin! RA wilde Weiber Männer, Kinder. Drei Negerdörfer Ohne Extra-Entrce! W. XCoachs Theater «rmmenftr. 16, am Rosenihaler Tor. Abends'l£ Uhr: Aeber's Grab hinaus. LevenSbild in S Bildern. MItwoch: Der Sonnwendhof. Donnerstag Bcneiiz Henke: Der Pfarrer von Ktrchfeld._ Karl Haverland Ansang Theater, präz. 8 U. 77/79 Kommandontensiratz« 77/79. Nene erstklassige Spezialität. Heute nach d. Borstellung: Ball. i�vlAlUer-TIkvkktvi'. Schiller-Theater 0.(Wallner-Theat.). Dienstag, abends 8 Uhr: Kabale nnd I.lcbe. Ein bürgerliches Tranerspiel inb Ausz. von Friedrich Schiller. Ende 10',, Uhr. Miltwoib. abend« 8 Uhr: Aallensleins leger. Die Piccelcminl Donnerstag, abends 8 Uhr: Vtailenstelns Lager. Die Piccolomlnl. Schiller-Theater(Charlottenburg). Dienstag, o b e n d S 3 Uhr: kginont. Ein Trauerspiel in S'Auszügen von Lohann Wolfgang v. Goeihe. Ende U',, Uhr. Mittwoch, abend» 8 Übe: �cncdogcad.(Johan UKstjerna.) Donnerstag, abends 8 Uhr: Mcnediigcad.(Johan UKstjerna.) Castan's Panopticum Frledrlchst. 165. Pschorrpal. ■ Neu! Sensationell! Ilr Frank Lentlnl mii der Ooppelmann einzig In der Welt. All Ben Mohamed, 0r,Ä?!"r Mr. Wldowskl, Schwert- und Bajonettkünstler. Täglich 7'/, Uhr abends und Sonntags zwei Vorstellungen: Heilere Vorträge. Brauerei Friedrichshain am Königstor. Ehrengruber- Abschiedswoche. Heute. Dienstag, den 8. März DUO: Bin Fest aal der Alm. Großer Bock- Jubel nnd Trubel Scliorseli Ehrengruber mit seiner Truppe(60 Miiwirkende) aus MQnchen. Gcschcnlhagel— Ueberraschungen jeglicher Art ulw. Ansang 8 Uhr. Entrec SO Ps. Die grünen Pasfierkarten behalten volle Gültigkeit. Morgen, Mittwoch: Elitetag.— Donnerstag: Da» gr. Alpenfest. Eiiiiriitskarten inkl. Ball 75 Pf. Srneld Scholz Neue Welt Dienstag, den 8. März 1910: Hasenheide 108/114 Elltctac t Dienstag, den 8. März 1010: Elltctag! Bockbierfeft in den baverliclien fllpen$ Prämiierung der ältesten Veteranen J die nachweislich die meisten Gefechte raitgomaoht haben. _ Ausweispapiere sind mitzubringen. 0V* Anmeldung bis 10 Uhr abends an der Kasse.'W Preise SO, 30, SO Mark. Die in den Vorjahren prämiierten Veteranen scheiden aus. Anfang 7 Uhr. Entree SO Pf. »»••»Ii~* Das Dreigestirn weiblicher SchSnheit, Grazie o. Kunst Rosario Guerrero Marie Lafargue Odette Valery und die anderen — Siar-Ältraklionen.— per größte FniHerfolg! S'/, Uhr:«'/. Uhr: Konrad Dreher als Der Zechpreller. Borher ab 8 Uhr: DI« neuen Spczialtthten. Palast-Theater. Burgslratze 24, am Bahnhof Börse. Intornatlonalew Ringkampf-Championat um die WeltmclHteracliatt. Proicttor; Herr Pros. H. Hundrieser. Preise: 10 ODO M. in bar. DieuStag, 8. März ringen: John Pohl-Abs Ii. geg. Eharler» d'Anver». Antwerpen. Nödl. Meisterringer v. Bayer», geg. Chambers Zipper, Nordamerika. Massetti. Italien, gegen Scott. Transvaal. velimelster Jeft Pederfen, gegen Eltment d'Angers, Frankreich. Borher: DI» glänzenden 8pezIaIUäten. Ans. 8 Uhr. Preis« 80 Ps. bii 3 M. Zs Irkns-TM arrasam alter Botanischer Garten. Olanstag, den 8. März 1910, abends 8 Uhr: Sonsatlonelle Vorstellung mit einem rein zirzensischen Programm. Ab 9'/, Uhr: Fortsetzung der Ringkampf-Konkurrenz unter dem Protektorat des Herrn Prof. Reinhold Begas. Es ringen: Lassartesse gegen Strenge. Van der Berg gegen Krook. Jack Lewis gegen Miohalloff. ISntschcidangHkanipf: Bernard gegen Nitschke. Casino-Theater Lothringer Siratze 37. Ansang 8 Uhr. Berlin bei Nacht. gösse in Z Aki. v. i sonnt. 4 U.: Trudchens ler-PärassinI. 'ommsrreiae. Tonöild-Tfieater t t« Das u schönste 1; Programm o Berlins,_ c lausend vom S.— T.�Stärz � � ii. a.: Srn Hole einer äg/pl.» ü Mestaline. Kunstsilm 1. Rang.» 3 3. Platz 30 Pf. af Kind. 10 Ps. ohn. Nachzahlung. Dauervorstcll. v. 4— tl Uhr. N.äep. Uder, rnÄv'5#: Tabak-Großliandlnnf und Tabakfabrik. 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Vorverlaus U— 2 Uhr. DienStag, den iS. März: Beginn des grotzen Kerrchld-Zölillls. ES werden solgende Stück« aus. gesühri:.Endlich allein'..Fall Blumentops-..Die Welt geht unier-. Letzte Ehre'..Familientag im Hause I. Serie: Die Original Klabrlaapartl« und Es lebe das Nachtleben mit Anton und Donat Herrnfeld in den Hauptrollen. iMP Billett» hierfür ab heute bereits zu haben. Ait-MoaUt 47/48. Donnerstag, den 10. März: Madame Bonivart oder: Ueberraschungen der Ehescheidung. Schwank in drei Akten von Bisson und Mar». Deutsch v. E. Neumann. V oigt-Vheater Oastsplel In Puhlmanna Theater, Schönhauser Allee 148. Dienstag, den 8. Mär,: Aschenbrödel. Lusiplel in 4 Auszügen v. R. Bcnndix. Kalsenerösfnung 7, Anfang 8 Uhr. BS diHdllcl- V'iffe Theater Welnbergsweg 19-20, Rcssnth.Tor. Ansang 8 Uhr. Das grotzeProgr. I Watt, das lebende Elektrlzltäfs- werk u. die übrigen Spezlaiitätsn.[ Tunnel: Die allorgröSte Kanne. Theaterbesuchern freier Eintritt I Folies Caprice Der Cuftturner. Nener hnnter Teil. Herr Wasserkropf. Ansang 3'/, Uhr. Vorverk. Ii— 2 Uhr IA vi, Igmtael t- Ii Holzmarklstratze 72. Täglich: Ez-ana 8obanakl. Neu: Else Marlon; neu: Adda und Ottstied Reley. Neu: Ellen Ellita. Neu: LcS Alexandrow. Prolongiert: Bittor Ritter. Das sensationellste Schaustück. Rad» rennen aus der Bühne. Im dunklen Korridor. Schw. i. 1 Ai 2iehus Busch. Heute Dienstag, den 8. März, abends 7'/, Uhr präz.: Gr. Gala-Vorstellung. Therese Flllls, James Leon f Ulis jun., Heinrich Fillis, in ihren Produktionen d. hohen Schule. Die Hassans! Die Lockford-Truppe! Ferner: Roiterfamilio Proserpi Herr Emst Schumann, Moister- dressuien. Gigerclown AUred Daniels. ZworgclownFroncois, Kunstreiter 9'/, Uhr ca. Ende ca. iOA, Uhr: Die rusa. Sensatlonspantomime Marja! Vorher das groBe Galaprogramm. Sonntag; Marja. Hetropol-Theater Abends 8 Uhr: Hallo!!! Die große Revue! In 8 Bildern von JuL Freund. Musik v. Paul Idnoke. In Szene gesetzt vom Dir. Rieh. Schultz. Anfang 8 Uhr. Rauchen gestattet. ReicbshalleQ-Tiieater. StetiinerSänger Oer Nachtwächter von Zorpenschleuae von Weys«L Ansang: Wochent. 8 Uhr. Sonntag» 7 Uhr. Sanssouci, Direktion Wilhelm Reimer. Sonntag, Montag und Donnerstag: Ooftii'MiK Rorä Sänger und Danzkränzchcn. Stets neues, Hochakt« Soiree-Programm! Die drastischsten� MM- Schlager! Morgen Mittwoch: ThcatcR-ahcnd. Maria Magdalene. Schauspiel in _ 6 Alien von Hebbel.___ imimiimiMi am Morifiplsiz Wi.« Heute 9'/, Uhr ringen: 2 gr. Entscheidungskämpfe: Duomisto, Finnland gegen Leo« de Wolf. Belgien. Max Schneider, Luckenwalde, geg. Albert Hein, Berlin. Im unteren Saale: GrofteS LMier-MlersWl mit Dnnpcl-Monaect. mtuti" SO.BRÜCKen R.z Mi Aer JanoowltibrUeke. Deutschlanils giössle und vomuhmstu Lichtbine «SO Sltzpintz» F«enH«tU AuiiUtlune Beginn: Wochentag« 4 Uhr. Sonntag« 8„ Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber Verantwortung. keinerlei Die reellsten und hllligslen Möbel anter IQjährlget Garantie und Polflteriraren auf Teilzahlung Vergütung erhält man in der aeit 32 Jahren fabrik unti 4406L* zu Kassenpreisen nnd Zins- bestehenden Möbel« Relchenberger StraBe 8. A. Schulz, Sozialdemokratischer Wablverein (Dr den i Berliner Reiehsiags-Vahikreis. Frankfurter Viertel. Bezirk 30«. Den Mitgliedern zur Nachricht, dag unser Genosse, der Schuh- macher Herrrmrm Adam FriedrichSberger Str. 27 gestorben ist. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den März, nach- mittags 3'l, Uhr. von der Salle des Zentrul-Friedhoses in Friedrichs- selbe aus statt. Der Vorstand. Sozialdemokratischer Vahiverei» tüe den i Beri. Rsichstags-Wahlkreis. Frankfurter Viertel. Bezirk Nr. 292. Den Mitgliedern zur Nachricht, datz unser Genosse, der Hutmacher Alex ZeBlner Krautstr. 553 gestorben ist. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet heute Dienstag, den 6. März, nach» mittags 2>/, Uhr, von der Leichen- halle des Zentral-Friedhoses in Friedrichsselde aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 216/« Der Vorttand. Allen Verwandten, Bekannten und Freunden die traurige Nach- richt, dag mein inniggeliebter Mann, unser herzensguter Vater, Bruder, Schwager und Onkel, der Zimmerpolier ]£ai'K Htelir am Sonnlagvormittag infolge eineS Lungenschlages im Alter von 51 Jahre» verschieden ist. Um stilles Beileid bitten Die Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 9. März, nachmittags l'/a Uhr, von der Leichenhalle des Zentral- Friedhoses in Friedrichs- selbe aus statt. 1054b Zentral-MenjMekasse der Ziwrer Oeutsehlands. (6. H. Nr. 2, Hamburg.) Den Mitgliedern zur Nachricht, dag unser Mitglied, der Zimmer- polier KspI Stehn Steinmetzftr. 2 am 6. März verstorben ist. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet morgen Mittwoch, den 9. März, nach- mittags'1,2 Uhr, von der Leichen- halle des Zentral- Friedhoses in Friedrichsselde aus statt. 253/3 Um rege Betewgung ersucht Der Borstand. Bezirk I. Zentral-Verband der Zimmerer Deutschlands. Zahlstelle Berlin und Umgegend. Den Berussgenossen zur Nach- richt, dag unser langjähriges Mit- glied Karl Stehn am 6. d. M. an Lungenschlag ver- starben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mitt- wach, den 9. Marz, nachmittags ll,2 Uhr, von der Leichenhalle des Zentral-Friedhoses in Friedrichsselde aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 254/7 Der Borstand. 1 Sdiöneherger Mhnoer-Chor. Am 5. d. MtS. oerstarb unser Mitglied, der Restaurateur krtediidi öröbke; Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet beute I nachmittag 5 Udr von der Leichen- i Halle(Blanke Hölle) aus statt. i 60/9 Der Vorstand. NB. Die Sänger treffen stch I Punkt>/,5 Uhr bei Fintel am Kirchhos. Betitseher Transportarheiter- Verband. Bezirksverwaltung GroB-Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, dag unser Kollege, der Bier- sahrer«7/1 Wilhelm Gläske am 5. März im Alter von 33 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet am Dienstag, den S. d. MtS., nach- miitags 3 Uhr, von der Wohnung, Heidenseldstr. 10, aus nach dem AuserstehungS-Kirchhos w Weißen- see statt. Die Bezirksverwaltung. Allen Freunden und Bekannten zur Nachricht, daß am 7. März mein lieber Mann, unser guter Vater, der Tischler 1051b Muxo Lockhoff nach langem, schwerem Leiden im 64. Lebensjahre verstorben ist. Die trauernden Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 10. März, nach- mittags 4 Uhr, von der Halle des Rixdorfer Gemeinde- Friedhoses am Mariendorser Weg aus statt. Allen Freunden und Bekannten I die traurige Nachricht, daß unser einziger lieber Sohn «kalten im noch nicht vollendetem 15. Lebensjahre am 5. März, abends 8 Uhr, nach kurzem schweren Leiden verschieden ist. Dies zeigen tiesbetrübt an Die trauernden Eltern Karl Knhl nebst l'ran, Schönholzer Str. 7. Die Beerdigung findet am Mitt- woch, den 9. März, nachmittag« 4 Uhr, von der Leichenhalle des Zions-Kirchhoses in Nordend aus statt. 458t L Allen Verwandten, Freunden und Bekannten hiermit die traurige Nachrichi, daß unsere liebe Tochter und unsere liebe Schwester, die Arbeiterin 1053b Anna Krause nach langem, schwerem Leiden sanst entschlasen ist. Dies zeigen tiesbetrübt an Hie trauernden Hinterbliebenen k�erd. Krause nebst Frau und Söhnen. Die Beerdigung findet am Mitt- woch, den 9. d. M., nachmittags 3 Uhr, vom Trauerhause, Schlie- mannstr. 42. aus nach dem Geth- semane-Kirchhos in Nordend stall. Allen Verwandten, Freunden und Bekannten die traurige Nach- richt, daß meine liebe Frau, meine gute Tochter und Schwester AUpSte OttO g°b- Banth am 5. März, früh 3 Uhr, nach langem Leiden verstorben ist. Dies zeigen tieft., irllbt an Die trauernden Hinterbliebenen WUbvIm Otto, Anna Kauth nebst Sohn. Die Beerdigung findet am Mitt- woch, den 9. März, nachmittags 3 Uhr, vom Trauerhause, Acker- straße 93, nach dem Kirchhos der Elisabcth-Gemeinde.Prinzen-ülllee. aus statt._ 4580L Am 4. d. MtS. verstarb meine liebe Frau 1044b Ihoroso Saemann geb.Fiedier. Der trauernde Gatte nebst Kindern F'ran» Saemann, Culmstr.32. Die Beerdigung findet am Mitt- woch. den 9. d MtS., nachmittags 2'!, Uhr, von der Leichenhalle deS stätdischen Friedhofes in Friedrichs- selbe aus statt. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die Kranzspenden bei der Beerdigung unseres lieben Bruders und Schwagers Unsen Prenkschat lagen wir allen Freunden und ve» kannten, besonders den Kollegen der Firma Fritz Werner, Lützowstraße 6, aufrichtigsten Dank. Die trauernden Geschwister Pro« kschat. 10415 Örts-Krankenkasse für den Gewerbebetrieb der Kaufleute, Handtlslkute n. Apothtlikr zu Kertin. Bekanntmachung. Dienstag, den>S. Mörz, abendS 8'/, Nhr s iDÜerordi. Generalversamittliiög in Meyers(fr. Frankes) Festsälen, Sebastiaustr. 39. Tages. Ordnung! Antrag des VorttandeS aus Grund- stückserwerb zum Bau eweS eigenen Verwaltungsgebäudes. 1040b »er Vorstand. Riehard Nürnberg, Jonas Stahl, Vorsitzender._ Echristsührer. Stempel-Fabrik von 3634L» Robert Hecht, Berlin S.» Oranicliftr. 142, liefert schnell und billig alle Arten Stempel in bester _ AnSsührung. Kautichuk-Xypei,»Perfekt« St t» ts t. s v �" rr zum Zusammensetzen einzelner Wörter sowie ganzer Sätze von 1,39 M. au �antwortlicher Stedalteur Richard Bartj/, Berlin. Aür de» �wetxveretn kerlin. Uli If in Ii Sektion der S!ps- und Zementbranche. Mittwoch, den 2. Marz 1910, abends 8 Uhr, im Engelnfer 15(großer Saal): General Uersammtimgi 136/15* TageS. Ordnung- 1. Jahres- und Kassenbericht des Sektionsvorstandes. 2. Neuwahl des Settionsvorsitzenden, der Revisoren und des Arbeitsvermittlers sowie der Mitglieder der Schlichtungskommissionen. 3. Verschiedenes. Mitgliedsbuch oder-Karte legitimiert. Ohne dasselbe kein Zutritt."MU Zahlreichen Besuch erwartet_ Der Sektionsvorstand. Dentscher Kolzarbeiter-Verhand. Heute» Dienstag, den 8. März 1V10: Gemeinsame General-Versammlung für die Orte Serlin, Charlottenburg, ftixdorf, Schöneberg, Weißensee im Gewerkschaftshause, Engelufer 14/15(Saal 4). TageS-Ordnung: 80/3 Kericht über die Urrhandlungen mit den Unternehmern und Stellungnahme zum Abschluß des Vertrages.___ Arbettonacbweis: Hos l. Ami 3, 1239. Verwaltungsstelle Vrrltn. Hauvrdureau- ChariitzstraSa 3. Hos UL Ami 3, 1987. Heute» Dienstag, den 8. März» abends 8 Uhr: .AlKKSmStn« Versammiimg der kohrleger und Ihelfer Berlins und Umgegend in Freyers Festsälen(früher Keller), Koppenstr. 29. TageS-Ordnung: 1. Die gegenwärtige Situation im Rohrlegergewerbe,»ud welche Stellung müssen jetzt die gesamte» Kollege» etunehmen? Reserent: Kollege Handle. 2. DtSkusston. Kollegen! Da eS endlich an der Zeit ist, eine wirklich wahrheitsgemäße Darstellung der gegenwärtigen Verhältnisse im Rohrlegergewerbe der Oeffcntlichkeil mit- zuteilen, ist eS notwendig, daß Ihr alle in dieser Versammlung erscheint. Lange und ost genug hat man von anderer Seite, des sogenannten.All- gemeinen Deutschen Metallarbeiter-VerbandeS' versucht. Euch, Kollegen, und die Oeffentlichkeit zu täuschen. In dieser Versammlung soll fich zeigen, wo und wie die Interessen der Arbeiterschaft am besten vertreten werden. Darum agittert für einen Massenbesuch der Rohrleger und Helfer zu dieser Versammlung. Keiner darf fehlenk >12/19_ Die Ortsverwaltung. Ortskrankenkasse der Maschinenbauarbeiter and verwandten Gewerbe»a Berlin. Berichtigung. Die in der Nummer vom«. Mörz erschienene Annonce enthält insofern einen Druckfehler, alS eS unter I heißen muß: I. Die Wahlen von 143 Vertretern der verficherungSpflichtigen und 8 Vertretern der sieiwilligen Mitglieder für die Generalversammlungen pro 1910/1911(nicht 1910/1915) gemäß S 44 deS Statuts usw. Iber Vorstand. _ Fr. Schulde. W. Heidenhat«._ Groste wissenschaftliche vchtbilller- vortrage tu tan Olrtklgr Uhllg mm WallsanaUm In Ostia, Klum t'Wk, AbendS'1,9 Uhr Für UlllNkll über 18 Jahre. Dienstag, S. März: I. Till. Die Wärmeknltur, die größte Errungenschaft neuere» Heilkunde. Selbsthilfe bei folgenschweren Erkältungen, plötzlichen Erkran- lungen. Nervenelend, Ar- terien- und Herzcntartung, Ur- fachen, Symptome, Abhllse. II. Teil. SchöuhettSuufug. HI. Teil. Die Raturherr- lichkeltrn von Oybt«. Wintersport in Oybin. FllrHtrrellüb«rt8Jahrt. I. und II. Teil Wie im Damenvortrag. III. Teil Was Männer über die Leiden ihrer Frauen und Töchter wissen mühten? Nach den Vorträgen: Fragenbeantwortung. Eintritt: 50 Pfennig, 75 Pfennig, 1 Marl. dncrta-a tlenentartun; Fflp Wohnungen ohne W.-C. ist Automors unentbehrlich, da es Geruchlosigkeit der Abort* anlagen verbürgt und jede Ansteckung durch diese verhindert IKIempncrci, ohne Konkurrenz i Stadt Nord- dcutlchlands soll sofort verk. werden. Groftartige Existenz. Ausgedehnte Land- u. Baukundschast, floiteS Laden- gefchäst i. eigenem Grundstück. Bnes- lich genaueste Auskunst an bemittelte ernstliche Reflektanten. Makler zweck- loS. Off. unter W. B. 40 an Rudolf Bosse, Stralsund. iDTentar-Extrapreise nur einmal Jährlich im teppdecken Spezialhaus Emillefevre Berlin Süd. Seil 1882 nur Oranienslr. 188 Unterhalte Färb. rot blau|05O ßSO nirgends Filialen! Similisside Ä 4'° 525 Ersatz f. Seide Wollatlas Bunt© Normal* �<*9 am oko ScHlafdeoken I65* 3 Wolldecken S 8°° i°° »»M rrK Inventur-Extraliste] gratis and (ana franko. wöchentliche Teilzahlung liefere elegante tcrtlge Herren- u. Knaben- Garderobe Ersatz für MaB. 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Wir haben mitgeteilt, dah die Abgeordnetenwahl auf Dienstag, den 12. April festgesetzt ist. Vorher aber müssen noch Wahlmännerergänzungswahlen vollzogen werden für die Wahlmänner, die durch Verzug, Tod usw. ausgeschieden sind. Diese ErgSnzugswahlen finden am DienStag. den IS. März statt. ES kommen folgende Urwahlbezirke in Frage: ttrwnftlbczlrl 4SK. AI exnnd erste. IS und 20, Hotzmarltstr. 1—11 und 60—72,?ln der Jannowitzbrücke, Sladtbahnbogcn 66—71, Stadt« bahnhvf Jannowtddrück«(1657). 1. Wl. für 2 fehlende WahlmSnner, deren Wahl nicht zustande gekommen ist. Urwahl bezirk S00. Langcstr. 4—12 und 102—107(1613). 2. Abt. sür den Modelleur Richard Ruh. Urwahlbeztrk SOS. MarluSstr. 1—18 und 47—53, Kleine Markus. strahe 1—5 und 26— 80(1516). 2. Slbt. für den Kausmann Otto Diltinann. Urtvahlbezlrk VOO. Blumenslr. 33—84, Krautftr. 2b— 3a und 6— 10 und 47—52 und 64a— 55a(1604). 8. Abt. für den Restaurateur Richard Lehmann. Nrwahlbezirk S10. Große Franlsurter Straße 4S— 63, Waßmann- straße 16—26(1602). 2. Dvt. sür den Kausmann Geowi Bodendors. urwahl bezirk 511. Blankenseldestr. 2—14, MarfilluSstr. 7 und und 16(1692). 3. Abt. sür den Gülller Ernst H-tmann. Urwahlvezirk SSS. Gr. granksurter. Str. 35—43, Strausberg«? Str. 21, Weberstr. 1—2 und 64—66(796). 8. Zlbt. sür den Schriftsetzer Rudols-PrSIS. 1. Abt. sür den Tischlermeister Emil Hirsch. Nrwahlbezirk 534. FrledrichSSerger Str. 15—17, Fürftenwalder Strahe 1 und 24, Lebuser Str. 10 und 11, Paltsadenstr. 30—35 und 79 b!Z 87(1438). 2. Abt. für de» Kaufmann Hermann Lewinsohn. Urwahlbezirk 530. Koppenstr. 88—40 und 50, Palisadenstr. 38 und 66—78(1552). 1. Zlbt. sür den Lehrer Wilhelm Päßler. Urtvahlbezirk 542. Gr. granksurter Str. 11—13 und 128—130(1020). 2. Abt. sür den Schlosiermeister Karl Rcumann. Urwahlbezirk 5li4. Jriedenstr 74— 82, Fruchtftr. 40—45, Pallsaden- stratze 61—52(1549). 3. Abt. sür den Bureauarbeiter Robert Weber. Urwahlbezirk«45. AndreaMtr. 85—44 und 47—53, Blianen» strahe 38/39(1573). 2. Abt. sür den Kausmann Alexander Reimann. Urwahlbezirk 555. AndreaSstr. 3—13 und 69—76, BreSlauer Str. 11 bis 14 und 18—21, Langestr. 28, Stadtbahnbogen 1—7(1640), 1. Abt. für den Kaufmann Emil Braun. Urwahlbezirk 557. BreSlauer Str. 1—10 und 22—23, Holzmarlt- strahe 42. Krautsir. 80. Stadtbahnbogen 8—27(1646). 1. Abt. sur den Kassierer Wilhelm Dodlichct. Urwahlbezirk 559. Mühlenstr. 2—24 und 64a-S0(1523). 2. Abt. für den Gymnasialobcrlehrer HanS Franke. Urwahlbezirk 503. Bcymestr. 12—20 und 30/31, Ehrenbergstraße, Naglcrsir. 1—12, Rotberslr. 4—11 und 20—26, Nudolsslr 5—17, Stralauer Allee 3 und 37—43. Terrain der Ost« und Schiefischen Bahn von Warschauer Straße bis Rudolfplah(759). 1. Abt. sür einen fehlenden Wahlmann, dessen Wahl nicht zustande gekommen ist. Urwahlbezirk 505. Bebmestr. 1—10 und 21—29, Stralauer Allee 4 und 34a— 36(1551). 2. Abt. für de» Eigentümer Paul Fengler. 4. Abt. sür dm GcrichtSselretär Otto Pieptoru. Urwahlbezirk 507. Caprivistr. 2-11, Am Rudolfplatz 1(1322). 4. Abt. sür den Prokuriile» Johannes Berger. Urwahlbezirk 570. Fruchtftr. 14—15 und 74—79, Langestr. 49—59, Madaistr. 1—9(1552). 3. Abt. für den Former Max Klose. Urwahlbezirk 577. Langestr. 41—48 und 60-68(1523). 4. Abt. für dm Eisenbabnobei'sekretär Augusi Baum. Urwahlbezirk 580. Friedrichsselder Str. 18—30, Fruchtstr. 16—19 und 72—73(1540). 2. Abt. für den Schuhmachermcistcr Franz ezhgulski. Urwahlbezirk 582. FrtedrtchSselder Str. 2-9 und 38—48(1516). 4. Abi. sür dm Eiaentümer/Fuhrherrn Max Schüncke. Urwahlbezirk 584. Münchcberger 9—13 und 22—28(1267). 4. Abt. für den Grünkramhändler SywwS Solomon. Urwahlbezirk 580. Koppenstr. 13—19 und 73-80, Müncheberger Str. 18(811). 8. Abt sür den Schankwirt Karl Köhler. Urwahlbezirk 595. RüderSdorser Str. 2—12 und 22— 33(1633) 3. Abt. sür den Drechsler Ernst Nielisch. Urwahlbezirk 595. Fruchtstr. 33—38«nd 51—55, Menieler Str. 88 (780, 2. Abt. sür den Gastwirt August Eolumbu«. Urwahlbezirk 590. Fruchtstr. 29—34 und 56—60(1139) 2. Abt. sür dm Gastwirt Zldols Weih. Urwahlbezirk 598. Königsberger Str. 8—8 und 35—38(1654) S. Abt. für den Arbeiter Ernst Großmann. Urwahlbezirk 604. Gilben« Str. 4—12 und 55—57(1592) 2. Abt. für dm Gastwirt Paul Dielitz. Urwahlbezirk 010. Bromberger Str. 13 bis Ende, Rüdersdorf« Straße 64—62 und 66—71(1313) I. Abt. für dm Buchdruck« Leo Kaminski. Urwahlbezirk 082. Libau« Str. 2—8 und 15—22(1347) 1, Abt. kür dm Maurermeister Karl Hundt.. � Urwahlbezirk 024. Libauer Straße 4—11, Revaler Straße 6—3, Darichauer Str. 65/56(1511). 2. Zlbt. sür dm Schankwirt Emst Gumllch. Urwahlbezirk 052. Boxhagener Str. 16— 21 und 29—33(1622). 1. Abt. sür einen sehlendm Wahlmann, dessen Wahl nicht zustande ge« kommen ist. Urwahlbezirk 054. Boxhagen« Str. 22—24 und 25—28(325). 1. Abt. für den Magistralsbureauassislenten Otto Daube. Urwahlbezirk 058. Franlsurt« Allee 75—30 und 117a— 12l. Litthauer Str. 1—2. Tiistter Str. 1—6 und 85—01, Weidenweg 25(1584). 1. Abt. für einm sehlendm Wahlmann, dessm Wahl nicht zustande ge- komme» ist._ Zweiter Wahlkreis, Frirdrichftadt. Zahlnacht für Buch- druck er usw Mittwoch. 9. d.M., nachts 11'/, Uhr. bei Jul. Meyer. Oranienstr. 103. Tagesordnung: 1. Geschäftliches. 2. Bortrag des Neichsiagsabg. Hildenbrand:»Politische Pfli-titen der Arbeiter'. 8. DiStuision. Die Vertrauensleute. Zehlendorf Am Mittwoch findet der Zahlabend (nur dieses Mal) für den 4. und 2. Bezirk bei Mieck. Karlstrabe, g. und 4 Bezirk bei Schöne. Potsdamer Chaussee, statt. Ferner werden die Parteigenossen ersucht, am Donnerstag, den 10. März. die öffentliche demokratische Versammlung im Kaiserhof zu besuchen. Der Vorstand. Johannisthal. Heute DienStag, den S. März, fällt die Mit- oliederversammlung des Wahlvereins auS. Abends 8 Uhr findet in SenstlebenS Feftsäle, Friedrichstr. 48, eine Wählerversammiung Tagesordnung:.Ein letztes Wort an die Gemelndewählcr Johannisthals'. Referent: Stadtverordneter Alex P a g e l S. Kein Arbeiter darf dieser Versammlung fernbleiben. Der Vorstand. Grünau. Die regelmäßige Mitgliederversammlung morgen abend fällt auS, dafür findet in den nächsten Tagen eine öffentttche Versammlung statt. Näheres wird noch bekannt gegeben. Der Vorstand. Reinickendorf-West. Donnerstag, den 10. d. M.. abends 3 Uhr. findet im Lokal von E. Muster, Berliner Str. 29. eine Volköver- sammlung statt. Tagesordnung:.Die Aufgaben einer Gemeinde- Vertretung'. Referent: Gemeindevertreter Otto Ohl. Zu dieser Versammlung find« Mittwoch abend 7 Uhr eine Handzettelverbreitung von den bekannten Lokalen auS statt. Die Bezirksleitung. Pankow. Heute Dienstag, abends 8 Uhr, findet eine große Volksversammlung bei Rozycki. Kreuzstr. g/4. statt. Es sprechen Adolf H o f fm a n n und Äaldeck Mo nasse über daS Thema:.Was treibt unS auS der Kirche?* Alle Geistlichen Pankows find hierzu eingeladen. Den Parteigenoffen von P a n k o w- S ü d zur Kenntnisnahme, daß wegen der bevorstehenden Gemeindewahlen der gemeinsame Zahlabend im Türmchen nicht stattfindet. Am nächsten Zahlabend gehen die Genossen und Genosfinnen wieder in ihr« Bezirkslokals. Berliner JMachricbteno Die Leute beS Herrn von Jagow. Vom Wahlrechtssonntag werden noch zahlreiche Einzelheiten bekannt, die ein geradezu entsetzenerregendes Bild davon gcbkn, wie in Straßen und Parkanlagen gegen die Bevölke- rung von der Polizei Berlins und der ihr zugesellten Gendarmerie gewütet worden ist. Am ärgsten ging es zu in der Umgebung des Bahn- hofeS Treptow, die trotz des frühen Beginns der Sperre und trotz der Naffenhaftigkeit des Polizei- und Gendarmerieaufgebotes schwer ganz von Zivilisten zu„säubern" war. MS im Treptower Park in der Mittagsstunde ein Trupp berittener Gendarmen, dem schrillen Ton der Signalpfeife folgend, sich in Trab setzte, um zur ersten Attacke vorzurücken, kam Bewegung auch in die Reihen einer abseits in Reserve stehenden Gruppe von Fußschutzleuten. Ein älterer Schutzmann rief, wie fiebernd vor Erregung:„Da! Jetzt! Jetzt geht es loS! Jetzt müssen die verfluchten Hundezufammengehauen werden, daß die Fetzen fliegen!" Der sinnlosen Wut dieser Aeußerung entsprachen denn auch die Attacken, die da draußen in immer erneuter Wiederholung ge- macht wurden. Rücksichtslos wurden Wehrlose angegriffen, Frauen wurden nit-dergeritten, auf Fliehende wurde eingehanen. Vom Bahnhof her trieben Schutzleute eine Menschenmenge durch die Elsensfraße nach der Köpenicker Landstraße. Berittene Gen- barmen, die Zdort standen, zogen plötzlich blank. Sie ritten in die ihnen entgegengedrängte Menge hinein, wobei mehrere Personen unter die Pferde gerieten. Auch mit dem Säbel wurde drerngefchlagen, daß Blut floß. Ein Mann, in dessen Begleitung sich seine Frau und sein anscheinend etwa dreijähriges Kind befanden, erhielt zwei Säbelhiebe über den Kopf. In der Elsenstraße wurde um 943 Uhr zwischen dem Straßen« bahndepot und dem Graßmannschen Lokal eine Frau auf dem Trottoir von einem Gendarmen überritten und durch Pferdehufe verletzt. Sie hatte zu einer Beerdigung gehen wollen, die auf dem Treptower Friedhof bei Baum- schnlenweg stattfinden sollte. Ein Mann sprang zu und hob die Frau auf, ein anderer Mann nahm sich der zehnjährigen Tochter an. die in ihrer Begleitung war. Die Untersuchung durch einen Arzt ergab, daß die Frau einen komplizierten Bruchdes linken Oberarms, starke Quetschungen des linken Oberschenkels und eine Hautabschürfung an der Stirn erlitten hatte. Um �4 Uhr befanden sich in der Umgebung des Bahnhofes Treptow nur noch wenige Passanten. Da sprengten plötzlich die Gendarmen die Elsenstraße herauf nach dem Bahnhof zu. Vor den Säbeln, mit denen sie um sich schlugen, rannte alles entsetzt davon. Einem Mann flog unter einem Säbelhieb der Hut vom Kopfe. Ein anderer Mann, anscheinend etwa 42— 50 Jahre alt, erhielt einen Säbelhieb. Ohne zu wissen, waS ihm geschehen war, griff er bestürzt nach seinem Kopf. Blut strömte ihm über den kahlen Schädel und über die tastende Hand. Von der anderen Seite eilten Passanten herbei, nahmen sich des ManneS an und führten ihn fort. Um 49fc Uhr nachmittags glich Treptow noch einem Schlacht- felde. Noch sah man immer wieder Berittene auf harmlose Spazier- ganger einsprengen, auf Männer, Frauen und Kinder, die mit entsetztem Geschrei flüchteten. AuS einer vorbeifahrenden Droschke rief ein Herr einem Leutnant zu, daß das doch unmöglich so weiter gehen könne. Ein Schutzmann antwortete ihm mit drohenden Worten und wütenden Geberden. An der Köpenicker Landstraße wurde eine Attacke auf daS Gartenlokal»Neues GefellschaftShauS" gemacht. Schutzleute drangen schimpfend in den Vorgarten ein, in dem G ä st e bei Bier oder Kaffee saßen. Junge Leute wurden im Ge- nick gepackt, Frauen wurden von den Stühlen emporgerissen, und alle wieder hinauSgetrieben. Auf der Görlitzer Eisenbahn hatte man auch die Bahn- beamten mobil gemacht. Die Strecke von der Kreuzung mit der Ringbahn bis zur Station Baumschulenweg war von mor- gen? 10 Uhr an mit zahlreichen Beamten besetzt, die besonders die Brücken bewachten. In dem Turm der Blockstation hinter dem Turnplatz des Turnvereins„Fichte" steckten 12— 20 Beamte. Schimm hauste die Polizei auch in der Umgebung der Schlesischen Brücke. In einer Gastwirtschast auf dem GrundsMick Schlesische Straße 8 weilten Gäste, die Lieder sangen. Plötzlich stürmte» Polizisten herein und trieben die Gäste Hinairs, wobei es nicht ohne Verletzungen abging und dem Gast- Wirt die Tür zerschlagen wurde. An der Schlesischen Brücke wurde abends um 948 Uhr ein Passant von einem Schutzmann über den Haufen ge- ritton. Er stürzte auf das Pflaster und fiel so schwer, daß er, nach einem Hausflur geschafft, zunächst wie tot dalag. Zwei später hinzukommende Schutzleute brachten ihn nach der Wache, legten ihn auf den Fußboden und wiesen dann schroff die Per- sonen hinaus, die Hilfe geleistet hatten. Auch im Innern der Stadt kam cS infolge der Au f- geregtheit der Polizei mitunter zu Zusammenstößen. Ein Zug von Demonstranten, der durch die Köpenicker Straße nach dex Gegend des GewerkschaftshanscS gezogen und von da auS schließ- lich vis zur Friedrichstadt gelangt war, wurde dort von Polizei attackiert.„Wollt Ihr zurück, Ihr Hunde!" schrie ein LeutiMnt, und mit gezogenem Säbel stürzten seine Leute sich auf die Wehrlosen. „Die Straße dient lediglich dem Verkehr!" Wie ein Hohn auf dieses Wort des Polizeipräsidenten wirkte die von ihm angeordnete Sperre, durch die die gesamte Bevölke- rung des Südostens der Stadt von dem Trep- towrr Park abgeschnitten wurde. Da haben wir Sozialdemokraten besser dafür zu sorgen gewußt, daß die Straße, wo sie nicht von Polizei behütet wurde, tatsächlich dem Verkehr erhalten blieb. Ueberall und besonders an den VerkchrSstraßenpunkten wurde darauf ge- achtel daß Straßenbahnwagen, Omnibusse usw. den Vortritt vor den Demonstranten hatten und ohne Aufenthalt durchfahren konnten. So geschah eS auf der Potsdamer Brücke, daß auS«inem Zuge ein Genosse heraustrat und während des zirka 20 Minuten dauernden Vorbeimarsches durch seine mit Umsicht gegebenen Kommandos jede Stockung des WagenverkehrS verhütete. DaS Militär wurdcr in den Kasernen zusammengehalten. und scharfe Patronen lagen bereit. Man erzählt, auf dem Dach der Kaserne des 8. Garderegiments in der Köpenicker Straße habe bis 3 Uhr ein Hornist Ausschau halten müssen nach dem„Feind", den man anrücken zu sehen erwartete. Lachpillen. Der selige Schusterstift aus Alt-Vcrlin telegraphiert drahtlos vom Himmel herunter„Det habt a mal� sauba jeschob'n. So wat imponiert mir. Ick nehme et in alle Ehren höflichst zurück, det Ihr seit achtundvierzig jeschlafen habt. Nu sehe ick janz deitlich, det die preitz'schen Schlaf- mutzen auSjeschlafen ha'm. Nee so wat! Selbst der liebe Iott saachte, als a de Polente in Teptower Park un Euch in' Tierjarten uffmarschieren sah: da bleibt uff de Erde keen Ooge drocken! Die janze himmlische Heerscharen flogen zu- sammen. Petrus schob de Kulissen beiseite, un liu kiekten wa ohne Fernrohr uff de lachende Mutter Erde. Et war eenfach een Schauspiel sor Jotter. Wa alle hier oben können et uff'n Diensteid nehmen, det Wieda, wie schon zu meine Glanzzeit, de Pollizei anjefangen hat. Der liebe Jott war wietend un hätte am liebsten uff die uniformierten Unmcn- schen— jenau so hat a sich ausjedrückt een paar kräftige Blitze, die nich von Pappe war'n, runterjewienert. Aba et sing nich, weil a die hundertfufzigtausend Spaziergänger, die in de Woche weiter nischt wie Ärbeet ham,\;t Sonntagsnach- mittagSvajniejen nich vaderben wollte. Aber a hat eifrig in det jrotze Himmelskontobuch jeschrieben un nachher'ne lange Konferenz mit den Höllenfirsten jehabt. Der jlänzte wie'ne Speckschwarte von wejen det jute Jeschäft. Det war ooch so 'ne Art Pollizeikonferenz, aba'ne andre Jarnitur, an die sich jcwisse Leite eklich de Finga vabrennen wer'n. Jclacht Hanl wa, det da janze Himmel wackelte. Valleicht gittert noch nachträglich ooch de Erde davon. Wie in Tieriartcn an j rohen Stern der feine Herr mit'n Anistrichter an den Pollizeihauplmann ranjung, da saachte een Engel:„Scheen is een Zylinderhut, wenn man ihn besitzen dut... �aßt mal Achtung... jetzt hört de Pollizei uff, mit de Klingen zu fuchteln un uff de Hllhneroogen rumzutrampeln. Denn for een' Tintenproppen un for'n hohen Namen, der darunter steckt, hat je mächt'je Manschetten." Un richtig— et wurde 'ne Weile jestoppt mit die Niederreiterei. Jraf Hoensbroech, der jrade deswejen mal in' Himmel rinkommt, saacht der liebeiJott, weil a keen Jesuit mehr is, is et ja nich jewesen, aber sicha een änderet jrohet Tier. Det kann valleicht noch jut wer'n un Wieda'ne neue Blamasche absetzen. Eure janze Pollizei, die for de Katze is. muh nich mit SeebelS un Pistolen— nee, mit Brillen ausjerüst' wer'n, weil se so furchtbar kurzsichtig is. Wer lacht da? Ick lache mit. Un wat saacht denn eijentlicb euer Oberburgermeester zu det neuste pollizeiliche Heldenstück? Wenn det da richtije Mann an de Spritze wäre, Wierde er mal'ne jewaltige Lippe ris- kier'n un sich janz energisch vabitten, det die Pollizei, vor die ihr Bierga jedet Jahr ville Millionen berappt, euch um det Sonntagsvajlttegen un de Jeschäftsleite um de Sonntags» einnähme bringt. Ellbogenfreiheit, Herr Oberburgermeester! Ick jlaube, det nu eure unverjleichliche Pollizei den Kanal voll hat un einsehen wird, det die deutschen Arbeeter keene wilden Tiere, aba ooch keene Bangebüchsen sind. Die Haupt- fache is, det ihr immer den jraden Weech jeht. Denn kann euch die Pollizei un der Staatsanwalt, for den in Himmel ooch nicht ville Platz iebrich is, sonst wat." � August Friedrich Schulzes himmliche Botschaft soll einen Ehrenplatz im Redaktionsarchiv erhalten, neben den Bot- schaften des Polizeipräsidenten, der durch seine Verfügungen uns die größten Dienste leistet. Für 22 Pf. Schwindel. Unter den Berliner„klugen Frauen' ist die Konkurrenz bereits so groß geworden, daß sie crbeblich auf die Preise drückt. Also auch die Dummheit macht sich nicht mehr so wie bisher bezahlt. Moderne Wahrsagerinnen und Kartendeuterinnen, die weiter nichts als Schwindlerinnen sind, kündigen durch öffentliche Zettelverteilung an, daß sie stir jeden Besuch nur noch 22 Pf., auch Sonntags, verlangen. Selbst dieser geringe Betrag ist fortgeworfenes Geld. Dafür soll man sich lieber Brot kaufen. Hausierende Kindcr-Photographen. Der beliebte Trick hausierender Photographen, die Großstadlhäuser mit den zum Fenster hinaus- schauenden Bewohnern abzukonterfeien, zieht nicht mehr recht. Oft meldeten sich in einer Woche drei solche Kamerakünstler. Der zweite machte dann regelmäßig schlechte Geschäfte, weil das Feld schon ab« gegrast war. Jetzt sind die hausierenden Photographen auf einen sehr hübschen neuen Kunstgriff verfallen. Sie klingeln an jeder Wohnungstür und bitten:„Schicken Sie Ihre Kinder nach dem Hof ... der Photoaraph kommt gleich I' Das lassen sich die Mütter nicht zweimal sagen, und unter den Kindern herrscht Heller Jubel. Selbstverständlich gehen diese Kinderbilder für ein paar Nickel weg wie die warmen Semmeln. Die Deputation der städtischen Gaswerke beschloß in ihrer gestrigen Sitzung die Einrichtung der Preßgasbeleuchtimg in der Hitzigstraße, Mäthäikirchstraße und in dem Berliner Teil deS Kur- fürstendammeS und eine wesentliche Verbesserung der Beleuchtung auf dem Strausberger, Küstrin«, Strctlauer und Mariannenplay. Ferner beschloß die Deputatton einen weiteren Teil des Gasanstalts- grundsiücks zu Schmargendorf an den Berliner Verein sür Luft« schiffahrt zu verpachten. Die Einnahmen der städtischen Straßenbahnen im Februar be- trugen 105 637,20 M. gegen 28 Ol l.20 M. im Februar 1909. das ist eine Tageseinnahme von 3772,77 M. gegen 2071,83 M im Februar 190!). ES wurden insgesamt 1222 492 Personen gegen 623 139 Personen im Borjahre befördert. Die Anzahl der im Februar ge- fahrene» Wagenkilometer(Motorwagen und Anhängewagen) ist von 112 834 des Vorjahres auf 186 033 gestiegen. Die Einnahme für das Wagenkilometer beträgt 60,73 Pf. gegen 21,41 Pf. im Vor- jähre. Fcrienordnung für die Berliner Fortbildungsschulen 1910. Die Ferien deS Jahres 1910 für die Berliner Fortbildungsschulen sind folgendermaßen festgelegt worden: Ofterferien: Schulichluß: Mitt- ivoch, den 23. März; Schulanfang: Montag, den 4. April. Pfingst- fcrien: Schulschluß: Mittwoch, den 11. Mai; Schulaiifang: Montag, den 23. Mai. Sonimerferien: Schulsckiluß: Mittwoch. 6. Juli; Schulanfang: Donnerstag, 11. August. Herbstferien: Schulschluß: Mittwoch, den 23. September; Schulanfang: Montag, den 10. Ok- tober. WeihnachtSfcrien: Schulschluß: Somiabeud, den 3. Dczenibcr 1910; Schulanfang: Montag, den 2. Januar 1011.— Schluß des Schuljahres; Freitag, den 81. März 1010. Die Straße dient dem Verkehr ließ kürzuch Herr v. Jagow an die Litfaßsäulen schreiben, lieber die an» Sonntag durch die Polizei angeordneten VerkehrSbcschränkungen im Betriebe der Großen Berliner Straßenbahn wird berichtet: Die Treptower Chaussee war vollständig gesperrt. Die nach Treptow. fahrenden Linien muhten während der Zeit Von 1t Uhr vormittags bis 2 Uhr nachmittags an der Schlefischen Brücke umlegen und von 2 Uhr bis 6 Uhr durften die Wagen sogar nur bis zum Schlefischen Tor ver- kehren. Die den Opernplatz passierenden Straßenbahnwagen muhten von>/st bis VaS Uhr von der Hedwigstirche bis zur Eisernen Brücke nnt geschlossenem Gitter fahren. In der Zeit von 1.25 bis Uhr nachmittags muhten die Fahrgäste der Linien dl, t), 8, T und U die in der Richtung nach dem Kupfergraben verkehrenden Wagen am Brandenburger Tor verlassen. Der Stadtälteste Hermann Blankenstein, der lange Jahre Stadt« baurat von Berlin für den Hochbau war. ist in der Nacht zum Sonntag nach längerem Leiden im 82. Lebensjahre gestorben. Ein tödlicher Straßcnbahnunfall ereignete sich am Sonnabend- abend gegen 8 Uhr in der Cdansseestrahe. Dort trat vor dem Hause Nr. 58 ein etwa öljähriger, gutgekieideter Herr, dessen Personalien bisher noch nicht festgestellt werde» konnte», unmittelbar vor einem in der Richtung nacv den Linden fahrenden Strahenbahnwagen der Linie 32.E auf' das Gleis und wurde.nnigestohen. Der Unbekannte geriet ilnlcr den Vorderperron vor den Schutzrahmen und erlitt eine schwere Brustqnelschung sowie eine klaffende Wunde an der rechten Kopfseite. Der Vcrnugluckle wurde nach dem Augusta-Hospilal in der Scharnhorststtahe gebracht, wo er in der verflossenen Nacht ver- starb. Hilflos aufgefunden wurde gestern Mittag in der Gneifenau- strahe vor Nr. 65 ein etwa 35 Jahre alter Arbeiter. Man brachte ihn nach dem Krankenhans ani Utban, wo er die Besinnung noch nicht wieder erlangt hat. Seine Kleidung besteht aus einem dunklen Anzug, Schnürstiefeln, einer roten Krawatte und einem schwarzen Hut. In der Dunkelheit in de» Teltowkanal geraten und ertrunken ist der 23 Jahre alte Mechaniker Otto Schmidt aus der Fichtestr. 70 zu Steglitz. Der junge Mensch halte Bekannte in Groh-Lichlerfelde-Ost beilicht und als er in später Abendstunde heimwärts ging, befand er sich in etwas animiertem Znstand. Er geriet nun an das Ufer des Teltowkanals heran und tappte im Finsteren so unglücklich, daß er die Böschung hinunterstürzte und hilflos ertrank. Die Leiche des Aermste» wurde gestern geborgen. Die Leiche mit de» Strangulationsmarkcn. Siebzehn Pfennige waren das ganze Besitztum eines Toten, dessen Leiche unter recht eigenartiges Begleiiuinftäuden aus dein Teltowkanal gelandet wurde. Alis dein Zehleiidorfer Gebiet sahen Schiffer auf der Oberfläche des Kanals elnen Leichnam schwimmen, den sie ans Land schafften. Der Tote, eine etwa 18 Jahre alte männliche Perion, zeigte am Halse verdächtige Strangnlaiionsmarken. Wo diese Zeichen herrühren, war nicht festzustellen. Dah sie sich der Unbekannte eliva selbst bei- gebracht haben kvnnte. ist schiver anzunehmen. Die Leiche loar bereits vollständig in Verwesung übergegangen; sie ist daher gänzlich unkenntlich. In den Taschen des Toten fand n,an ein Portemonnaie mit 17 Pfennigen. Die K-nsunigeuofleuschaft Berlin und Umgegend hatte im Februar dieses Jahres einen Umsatz von 364 177,69 M., im gleichen Monat des Vorjahres. 247 219,84 M., das find 116 957,85 M. mehr. In den 8 Monaten dieses Geschäftsjahres beträgt der Umsatz 2 462 041,87 M., während die gleichen Monate des Vorjahres 1635 592,20 M. brachten, also 726 439,67 M. Zunahme des Um- satzes. Die Mitgliederzahl beträgt zurzeit etwa 28 000. Von den HauSanteilen sind über 270 000 M eingezahlt. Die Ab- und Aus- schachtungsarbeiten auf dem Grundstück in der Rittergutssttatze sind rege im Gange und wird auch die Bautätigkeit in dieser Woche wahrscheinlich einsetzen.— Es ist lebhaft zu wünschen, daß durch Zutritt neuer Mitglieder die Genoffenschaft weitere Fortschritte macht. Beim Wahlrechts- Spaziergang am Sonntag sind verschiedene Gegenstände verloren bezw. gefunden worden. Unweit des Großen Sterns im Tiergarten wurde eine Tasche gefunden, enthaltend vier Schlüssel sHaus-, Korridor«. StubenichUissol). Auskunft über den Finder erteilt die Redaktion. In der Bellevue-Mee, Ecke Charlotten- burger Chaussee, ist bei der ersten Attacke ein Stock und eine Schirmmütze aufgehoben ivorden und in unserer Redaktion abzuholen. An der Siegessäule ist ein Spazierstock verloren worden; abzugeben im Verbandsbureau. Zeugengcsuch. Am 1. Februar 1910 wurde nachmittags 4,35 Uhr vor dem Hause Ebertystr. 40 von dem Strahenbahnwogeen Nr. 41 der Linie Virchow-KrankenhauS— Warschauer Brücke ein ll'/zjähriger Knabe überfahren. Personen, welche den Vorsall gesehen haben. werden gebeten, ihre Adresse Boltastr. 44 bei Werner, vorn 3 Treppen abzugeben. Vorort- Nacbncbten. Die Gemeindewahlbewegung. Zehlenborf sWannseebahn). Besondere Hindernisse scheint die Gemeindeverwaltung der Arbeiterschaft aus Anlaß der� bevor- stehenden Gemeindewahl bereiten zu wollen. Für den Südbezirk ist auch in der dritten Klasse eine Ersatzwahl erforderlich, für den schon seit vielen Monaten ausgeschiedenen Hofrat Kunow. So- lange hat die Ersatzwahl Zeit gehabt. Jetzt hat man sie zum 14. März von 5— 8 Uhr und die Neuwahl zum 16. März von 5 bis 8 Uhr angesetzt. Die Rechnung ist ja sehr durchsichtig. Man will die geringen Aussichten der Arbeiterschaft noch schlechter gestalten, indem man hofft, durch das Heranziehen der Wähler an zwei so kurz aufeinanderfolgenden Tagen gerade einen großen Teil der Arbeiterschaft von der Wahl fernzuhalten. Aber gerade, wsil diese Rechnung gar so durchsichtig ist. müssen die Wähler der dritten Klasse des Südbezirks diesen Streich wirkungslos machen, indem sie Mann für Mann am 14. sowohl wie am 16. zur Wahl gehen und dem Kandidaten der Sozialdemokratie ihre Stimme geben. Mariendorf-Südende. Die Wahlen zur Gemeindevertretung sind jetzt ausgeschrieben. Für die dritte Klasse ist die Wahl in Martendorf am 14. März von 11—7 Uhr festgesetzt. Im Ortsteil Südende findet sie am 15. März statt. Zu wählen sind ein An- gesejsener und ein Nichtangescssener. Am Donnerstag, den 10. März, abends 3 Uhr, findet bei Preuß eine öffentliche Wählerversamm- lung statt, in der gleichzeitig die Kandidaten aufgestellt werden. Am Mittwoch abends 7 Uhr Flugblattverbreitung zu dieser Ver- sammlung. Lankwitz. Ain heutigen Dienstag von 11—1 und 3—7 Uhr findet in der Turnhalle des Realgymnasitzms die Ersatz w o h l zur Geineindevertretung für die dritte Klasse statt. Pflicht jedes Genossen und Arbeiters ist eS, für den Sieg des sozialdemokratischen Kandidaten, des Maurers Otto Franke Sorge zu tragen. Fricdrichshngen. Heute, Dienstag, den 8. März, findet für die dritte Klasse im z w e i t e n B e z i r k von nachmittags 5— 8 Uhr die Gemeindewahl statt. Wahllokal: Restaurant Brauerciausschank, Sccstr. 23. Parteigenossen! Wähler! Gebt geschlossen Eure Stimme unserem Kandidaten Otto Barth. Erscheint schon vor 5 Uhr im Wahllokal, damit Genossen in den Wahlvorstand gewählt werden. Adlcrshof. Die Arbeiterschaft unseres Ortes sei darauf auf- merksam gemacht, daß die Gemeindewahl für die dritte Abteilung morgen, Mittwoch, d e n 9. März, im Lokal des Herrn Eschncr, Bismarckstr. 60, von nachmittags 4 Uhr bis 9 Uhr abends, statt- findet. Kandidat der Sozialdemokratie ist: Tischler Albert Horlitz, Bismarckstr. 11. Da es auf jede einzelne Stimme an- kommt, ist es Ehrenpflicht aller Arbeiter und Genossen, ihr Wahl- recht auszuüben. Heute abend 8VL> Uhr findet im Lokal von Beicr, Bismarckstr. 10, eine öffentliche Versammlung siatt. Tagesordnung: »Die Sozialdemokratie in der Gciueindc." Referent: Genosse A. Horlitz. Die Genossen werden ersucht, für diese Versamm- lung zu agitieren.' Tcmpclhos. Die Wahlen zur Gemeindevertretung sind für die dritte Klasse auf Mittwoch, den 16. März, vormittags von 8 Uhr bis abends 8 Uhr, anberaumt. Von der dritten Klaffe können nur Hausbesitzer gewählt werden. Unsere Kandidaten sind: Max Schmidt, Martin Müller und Louis Frantz. Schmargendorf. Die Gemeindewahlen der dritten Abteilung finden am 9. März nachmittags von 4 bis 8 Uhr im Saale des hiesigen Rathauses statt. Wer irgend Zeit hat, erscheine um?L4 Uhr im Lokal von Pötscher, Spandauer Straße, gegenüber dem Rat- hause, um möglichst bei der Zusammensetzung des Wahlbureaus zugegen zu sein. Unsere Kandidaten sind: 1. Viktor Weigcr, 2. Paul Hildebrandt. Es wird ausdrücklich betont, daß die Kandidaten nur in dieser Reihenfolge zu nennen sind, weil Kan- didat Nr. 1 für die Ergänzungswahl und der Nr. 2 für die Neu- wähl(Vermehrung der Gemeindevertretung) bestimmt ist. Die Genossen, denen es möglich ist, wollen sich für die Handzettelver- teilung am Mittwoch früh an den Wegen zur Bahn und den Halte- stellen der Elektrischen bei ihren Bezirksführern melden. Am Mitt- wochabend soll in einer öffentlichen Versammlung bei Pötscher, Spandauer Straße 46, die Verkündung des Wahlresultats erfolgen. Biesdorf a. d. Ostbahn. Am Mittwoch, den 9. März, nach- mittags von 5—8 Uhr. finden die Gemeindewahlen für unseren Ort statt. Da sich die Sozialdemokratie zum erstenmal an der Gemeindewahl beteiligt, ist es Ehrenpflicht unserer Parteigenossen, ihre ganze Kraft einzusetzen, um siegreich aus dem Kampf hervor- zugehen. Jetzt gilt es Bresche zu legen in das Dorfparlamcnt, das nur eine Interessenvertretung der bürgerlichen Vereine ist. Wie wenig die Wähler von den Bürgerlichen beachtet werden, beweist die Tatsache, daß sie erst in letzter Stunde mit ihrem Kandidaten an die Oeffentlichkeit treten. Wir ersuchen alle Parteigenossen, soweit sie mit Bicsdorfer Einwohnern zusammen arbeiten, dieselben auf ihre Pflicht aufmerksam zu machen, damit am Tage der Wahl der Vertreter der Sozialdemokratie, unser Genosse Schriftsetzer A u g u st Müller, als Sieger hervorgeht. Pctershagen bei Fredersdorf. Als starker Mann wollte sich am Sonntag in einer vom Haus- und Grundbesitzerverein tagenden Gemeindewählerversainrnlung der hiesige Gemeindevorsteher gegen- über unserem Genossen Sliininig erweisen. Nack einen,'Referat eines Herrn Döring, der sich in einigen reichsverbändlerii'cken Aus- fällen gegen die Sozialdemokratie erging, nahm jp der Diskussion Genosse Stimmig das Wort, um die vom Referenten gemachten Ausführungen auf ihren wahren Wert zu prüfen. Unter anderem stellte der Redner auch fest, daß der Referent im Irrtum sei, wenn er glaube, daß in bezug auf Armenpflege am Orte zu viel getan würde. Wenn eine Gemeindevertretung es schon ablehne, den Fußboden des Armenhauses mit Dielen zu verseben, bloß weil, wie ein Herr geäußert habe, die Vorfahren anch keine gedielten Wohnungen ge- habt hätten, so zeige das den Tiefstand der Gemeindevertretung. Bei diesen Worten erhoben sich die konservativen Bauern mit dem Gemeindevorsteher und riefen dem Redner ein„Raus"!„RauS" I zu. Der Gemeindevorsteher fuchtelte hierbei noch dem mit Spazierstock herum. Unser Genosse fragte mit heiterer Miene den Vor- sitzenden der Versammlung, ob der Gemeindevorsteher das Wort habe oder er, worauf ihm gestattet wurde, noch kurze Zeit zu sprechen. Von den Bürgerlichen wurde unser Redner nach Kräften unterstützt und dem Herrn Reichsverbändler ganz offen gesagt, daß für ihn am Orte keine Lorbeeren zu holen sind. Als nun gar noch bei der Kandidatenaufstellling ein Herr Riese von den Bürgerlichen erklärte, er wollte eigentlich kein Mandat annehmen, aber nach einem derartigen Referat sehe er ein, daß eS höchste Zeit sei, die Bauern aus den, Dorspärlament zu verdrängen und er des- balb annehme, da erscholl es zustimmend durch de» Saal. Der Herr Reichsverbändler packte seine Sachen und verschwand. Aus vorstehendem geht hervor, daß es Pflicht unserer Genossen ist, die kurze Zeit zu leohafter Agitation für unsere Kandidaten aus- zunutzen. Dieselben sind in der 2. Klasse EMedient Erwin Hösel- b a r t h, in der 3. Klasse Buchdrucker Fran� Stimmig. Die Wahl findet statt am S o n n a b e n d, den 12. März für die 3. Klasse in der Zeit von 2'/a—4t/3, für die 2. Klasse in der Zeit von 5—6 und für die 1. Klasse in der Zeit von 6>/�— 6� Uhr. Hcrmödorf. Mit den Gemeindewablen wird sich der morgen, Mittwoch, stattfindende Zahlabend beschäftigen. Die dritte Klasse wählt am Dienstag, den 15. März, nachmittags von 3 bis 3 Uhr. Sämtliche Funktionäre haben ihr Material in Empfang zu nehmen._ Wahlrechtsdemonstrationen haben, wie uns noch nachträglich berichtet wird, in einigen von Berlin entfernteren Vororten stattgefunden. In KöiligS-Wustrrhausen demonstrierten 700 Personen durch einen Spaziergang gegen das Wahlnnrecht. vom Bahnhos kommend, die Schloßstraße entlang nach dem Wedkornschen Grundstück, wo die Protestversammlung unter freiem Himmel abgehalten wurde. Der Referent Genosse Adolf Cohen- Berlin beleuchtete durck treffende Worte die Wahlrechts- frage. Reicher Beifall lohnte sein Referat. Eine vom Genossen Pleikier vorgelesene Resolution wurde mit lebhaftem Beifall ein- stimmig angenommen. Der DemonstrationSzug begab sich geschlossen wieder dieselbe Straße zurück unter Absingen der Marseillaise und Hochrufen aus das allgemeine, gleiche und direkte Wahlrecht. Durch ruhiges Verhalten der Demonstranten und der Polizei sind keine Zusammenstöße vorgekommen. Strausberg. Hier hatten sich 450 Männer und Frauen im Garten des Herrn Rose eingefunden. Das Referat hielt Genosse Schütte. Die Versammlungsteilnehmer zogen unter Hochrufen auf das freie Wahlrecht durch die Mittelstraße der Stadt. Die Polizei verhielt sich ruhig, da unsere Ordner für Rabe sorgten. Eine solche Demonstration hat Strausberg noch nicht erlebt. Dahme. Zu einer gewaltigen Kundgebung gegen die Wahl- rechtsvorlage gestaltete sich die hier veranstaltetcte Versammlung. In scharfen Worten kritisierte Genosse W ü ck e- Berlin dieses Schandwerk der Wahlrcchtskommission. Mit der Aufforderung, daß sich alle Arbeiter beiderlei Geschlechts der sozialdemokiatischen Organisation anschließen sollten, schloß der Referent seine mit stürmischem Beifall aufgenommenen Ausführungen. An diese Versammlung schloß sich ein imposanter DemonstrationSzug an. Dieser bewegte sich durch sämtliche Hauptstraßen der Stadt bis vor das Rathaus. Hier wurden Hochrufe auf das freie Wahlrecht sowie Rufe:„Nieder mit Bethmann Hollweg 1",„Nieder mit der Aeaktion!" ausgebracht. Die Polizei, die verstärkt worden war, sistierte mehrere Genossen. Zossen. Hier sprach Genosse P o e tz s ch vor etwa 4 00 Teil- nehmern. Anschließend an die Versammlung formierte sich ein Demonstratioiiszug durch die Stadt bis zum Bahnhof, wohin die Versainmelten den Referenten unter Absingen von Freiheitsliedern und Hochrufen aus das gleiche Wahlrecht begleiteten. Trebbin. Die Dcmonstrationsversainmlimg war von 300 Per- sonen besucht. Nach Schluß der Versaminlnng marschierten die Teilnehmer vor das Rnthaus und brachten hier Hochrufe auf daS allgemeine Wahlrecht aus. Von hier zogen die Demonstranten nach Löwendorf, wo sie sich nach einer kurzen Ansprache trennten. In Bietz a. d. Ostbahn fand eine Demonstrationsversammlung unter freiem Himmel statt, die von 500—600 Personen be- sucht war. DaS weibliche Element war stark vertreten. Die Aus- führungen de? Referenten B a n e r- Berlin fanden begeisterte Zu« stimmnng und es gelangte die Resolution einmülig zur Annahine. Die Gendarmen beobachtete» die Versauunlung aus respektvoller fernung."-i?' Britz. Gciueindcwahlsieg. Bei der heute hier stattgefundenen Ge» m e i n de v e r t e r w a h l errangen unsere Genossen einen glänzen- den Sieg über den bürgerlichen Mischmasch. Es erhielten Stimmen die Genossen Kitzing und Eberhardt je 525 und der Genosse Dorn 524. Die bürgerlichen Kandidaten brachten eS nur auf 205 bis 208 Stimmen. Charlottenburg. Festsetzung der Zahl der Stadtverordneten. Nach Z 12 der Städreorduung für die östlichen Provinzen Preußens vom 30. Mai 1853 ist bei 120 000 Einwohnern die Zahl der Stadtverordneten auf 60 festgesetzt. In Gemeinden von größerer Einwohnerzahl sollen für jede weiteren 50 000 Einwohner 6 Stadtverordnete hinzutreten. Ob diese Verinehrrnig bereits für ein angefangenes oder erst für ei» volles 50 000 des Bevölkerungszuwachses eintritt, ist eine alte Streitfrage, über welche eine Entscheidung des Ober» verwaliungsgerichts noch nicht vorliegt. Um die Streitfrage zu erledigen sowie mit Rücksicht darauf, daß die erwähnte Vorschrift der Städ'teordiiuug für Städte von dem schnellen Wachstum Char- lottenburgs sich lvenig eignet, hat der Magistrat nach dem Vorgange einer größeren Anzahl preußischer Städte zu dem Auswege gegriffen, von dem in Z 12 der Städteordnung gegebenen Rechte Gebrauch zu machen, die Zahl der Stadtverordneten abweichend durch Ortsstalut festzusetzen. Er hatte deshalb bei der Stadtverordnetenversammlung beantragt, zu beschließen, daß die Zahl der Stadtverordneten so lange ans 72 beschränkt bleibe, bis die Volkszählung eine Einwohnerzahl Charlottenburgs von mehr als 400 000 ergibt; alsdann sollte die Zahl der Stadtverordneten auf 90 erhöht werden und auf diese Zahl endgültig beschränkt bleiben. Demgegenüber schlägt der zur Beratung der Vorlage eingesetzte Ausschuß der Stadtverordneten- Versammlung vor, zunächst die Zahl der Stadlverordneten vom 1. Januar 1912 ab aus 78 zu erhöhen. Weitere Erhöhungen um je 6 Stadtverordnete sollen alsdann eintrete», sobald die im Wege der Volkszählung ermittelte Bevölkerungsziffer gegenüber einer Grundzahl von 300 000 Einwohnern eine Erhöhung um volle 50000 Einwohner aufweist, und zwar soll auf diese Weise eine Ver- mehrimg der Stadlverordneten nur zweimal eintreten, d. h. bis die Zahl der Stadtverordneten 90 beträgt. Bei dieser Zahl soll eS dann verbleiben. Die hiesige Gewerkschaftskommission nahm in ihrer am 5. März abgehaltenen Sitzung zunächst den Tätigkeitsbericht des Ausschusses über daS verflossene Geschäftsjahr 1909 vom Obmann Genossen Flemming entgegen. Redner verbreitete sich in demselben besonders über die von der Stadt Charlottenburg in Beratung stehende Ar- beitslosenfürsorge in Gestalt des bekannten„Genter Systems" und ging dann noch näher ckuf die stattgefundenen Wahlen, insbesondere auf die Gewerbegerichtswahlen ein. Nach einer regen Diskussion, die sich in der Hauptsache um die Gewerbegerichtswahlen drehte, wurden die Wahlen der Funktionäre vorgenommen. In den Aus- schuß wurden gewählt die Genossen: Ahrens. Buchdrucker; Lange. Maler; Nordmann. Transportarbeiter; Richter, Metallarbeiter und Storch, Holzarbeiter. Zum Obmann der Gewerkschastskommission wurde Genosse Wilhelm Richter, Rosinenstr. 7, mit Majorität ge- wählt. Zu Revisoren wurden die Genoffen Bollentin, Tranport- arbeiter, und Mende, Metallarbeiter, bestimmt. Als Vertreter der Gewerkschaftskommission in den Volkshaus-Ausschuß wurden die Genossen Bade, Bauhilfsarbeiter, Hennig, Metallarbeiter, und Mit- sching, Töpfer, gewählt. Als Vertreter in den Jugend- und BildungSausschuß wurden die Genossen Graudenz, Richter und Storch gewählt. Dem Metallarbeiterverband wurde nach kurzer Debatte das Recht eingeräumt, einen vierten Vertreter in die Ge, werkschastskommission entsenden zu können. Mit einem Dankworte des Genossen Ähren» über die fünfzehn« jährige rührige Tätigkeit des bisherigen Obmannes der Kommission, Genossen Flemming, der jetzt aus der Kommission ausscheidet, schloß die gutbesuchte Sitzung. Köpenick. Ans der Stadtverordnetenversammlung. Mit der Festsetzung des Etats der Gemeindeschulen wurden die Verhandlungen der letzten Sitzung eröffnet. Derselbe schließt in Einnahme und AuS- gäbe mit 294 805,14 M. ab. Der Voranschlag wurde nach einem früheren Beschluß der Versammlung dem Etatsausschuß überwiesen. Stadtv. Rohrbeck(Lib.) wies darauf hin, daß die vereinigten Krankenkassen beim Magistrat eingekommen wären um lieber, lassung einer Schulaula zur Abhaltung der von der Zentralkom- Mission der Krankenkassen Berlins und der Vororte veranstalteten Vorträge. Der Magistrat habe jedoch nach Anhörung der Schul» deputation dieieni Antrage nicht entsprochen. Jetzt sei dem„Ge- mischten Chor' die Schulaula bis zum 1. November d. I. zu den Gesangsübungen überlassen worden. Er hoffe, daß in Zukunft er- neuten Anträgen der Kassen Rechnung getragen wird. Stadtv. Cunitz(Lib.) hat sein Mandat niedergelegt. Die dadurch erledig, ten Sitze in der Schuldeputation, dem Kuratorium der Realschule» dem Steuerausschusse für die Veranlagung der Gemeindegrund» stücke sollen erst nach erfolgter Neuwahl besetzt werden. Für die Erweiterung des Gasbehälters beim städtischen Gaswerk forderte eine Magistratsvorlage 50 000 M. Diese sollen durch eine Anleihe aufgebracht werden, die mit 4 Proz. verzinst und mit 2 Proz. getilgt wird. Stadtv. Nieke(Soz.) regte an, in der Kietzer Vorstadt, vielleicht in der Nähe des Elektrizitätswerkes, einen Gasometer aus- zustellen. Das ungünstige sei bei der Gasanstalt, daß diese zu weit vom Wasser entfernt liege. Bei Hirschgarten werde man doch ein- mal eine Brücke über die Spree errichten müssen. Darum plädiere er dafür, daß dort der Gasometer errichtet werde. Nachdem Stadt- verordneter Dr. Schulze(F. V.) dem widersprochen, wurde die Vorlage angenommen. Die Grünauer Fähre ist vom Kreis an die Stadt übergegangen. Zu den bisherigen Bedingungen soll dieselbe gemäß einem Magistratsanrtage auf ein Jahr für den Preis von 2000 M. dem jetzigen Pächter Grunow belassen werden. Die Vor- läge wurde in der geheimen Sitzung angenommen. DaS gleiche Schicksal auf Verweisung in die geheime Sitzung hatte ein Antrag der Baukommission aüf Errichtung eines Bollwerks am städtischen Pachtgrundstück in Marienlust. Die Anlage soll nicht mit in der Taxe aufgenommen werden. Der Antrag erhielt in der geheimen Sitzung ebenfalls die Mehrheit. Der Abänderung der Biersteuerordnung wurde gleichfalls zu- gestimmt, nachdem dieselbe bereits dem Etatsausschusse vorgelegen hatte. Bis dato wurde das eingeführte Bier nach Hektoliter- zahl und das am Orte hergestellte nach dem Verbrauch von Malz versteuert. Beide Biere sollen, um den gesetzlichen Vorschriften nachzukommen, gleich besteuert werden. Obwohl das Gesetz für die Herabsetzung der Steuer für Bier mit geringem Alkoholgehalt noch eine Frist bis zum 1. Oktober 1915 vorsieht, soll diese Vermindc- rung sofort erfolgen. Nieder-Schönhausen. Mit der Durchbcratung des Etats hatte sich die letzte Sitzung der Geineindevertretung zn beschäftigen. Bürgermeister Abraham gab einen kurzen Ucberblick über die finanzielle Lage der Gemeinde. Sei die Finanzlage keine rosige zu nennen, so kann die Gemeinde trotzdem mit ruhigem Gewissen der Zukunft entgegensehen. Die BesoldnngSwüniche der Lehrer und Gemeindebeanilcn konnten in dem Etat vorläufig nicht berücksichtigt werden, aber in allernächster Zeit werde sich eiue Kommission mit der Angelegenheit beschästigen. Der Voranschlag weist in Einnahme»nd Ausgabe die Summe von 1 130 045 M. auf(im Vorjahre 1 491 100 M.j. Die Einzeletats ge- stalten sich folgendermaßen: A. Ordentliche Verwaltungen: Allgemeine Verwaltung: 51 100 M. Einnahme. 176 900 M. Ausgabe� Steuerverwaltung: 487 255 M. Einnahme. 49 504 M. AnSgabe; Straßenverwaltung: 11700 M. Einnahme, 121 000 M. Ausgabe; Armenverwaltung: 11400 M. Einnahme, 32 700 M. Ausgabe; Volksschulen: 10 100 M. Einnahme, 185 400 M. Ausgabe; höhere Mädchenschule: 17 300 M. Einnahme, 23 600 M. Ausgabe; höhere Knabenschule: 8600 M. Einnahme. BOW-iK. Ausgabe; Friedhofsverwaltung: 6740 M. Einnahme. B190 M. ÄuSgave. B. Betriebsverwaltungen: Wasserwerk: 205 950 M. Einnahme und Ausgabe; Kanalisation: 80 800 M. Einnahme und Ausgabe. C. Außerordentliche Verwaltung: 240 000 M. Einnahme und Ausgabe. In den Armen- etat wurden 450 Vi. für die Berliner Ferienkolonie eingestellt. Für die Volks- und Schulbücherei sowie für den Verein .Frauenhilfe" sind je 300 M. eingesetzt worden. Die freiwillige Sanitätskolonne erhält wieder 200 M. Für Lernmittel an arme Rinder wurde die horrende Summe von 225 M. festgesetzt. Der seitherige Beitrag von 50 M. an den Vaterländische» Frauen- verein Pankow-Nieder-Schönhausen zur Bekämpfung der Säuglings- sterblichkeit ist diei'eSmal gestrichen. Sonstige soziale Einrichtungen find in dem Etat nicht zu finden. Für die Amis- und Polizei- Verwaltung hat die Gemeinde die Summe von 32 000 M. zu bezahlen. Es sollen, wie bisher, 120 Prozent Gemeindeeinkommen steuerzuschlag erhoben werden. Nach kurzer Debatte wurde der Etat angenommeu. Ferner wurde die Aufnahme einer Anleihe von 100 000 M. zur Deckung der Kosten von Landerwerb für die Ver- größerung des Wasserwerks beschlossen. Die Geineindewnhlen sind, wie der Bürgermeister mitteilte, für die dritte Ableilung auf den 14. März und für die zweite und erste Abteilung auf den 15. März festgesetzt. In der dritten Abteilung find zwei Vertreter zu wädlen, die beide Hausbesitzer fein müssen. Die Wahlzeit ist von 11 bis 8 Uhr abends festgesetzt. Die Wähler der dritten Abteilung sollen im Laufe dieser Woche vom Gcnleindevorstand eine LcgilimationSkarte erhallen. Hierauf folgte eine nicht öffentliche Sitzmrg. Potsdam. Die Etatsberatungen wurden in der letzten Stadtverordneten- sitzung zu Ende geführt und für 1910 folgende Steuerzuschläge fest- gesetzt: 110 Proz. zur Staatseinkommensteuer, 186,26 Proz. Grund- wcrtsteuer, entsprechend dem Steuersatze von 3 pro Mille, je 135 Proz. Gewerbesteuer und Betriebssteuer. Der H a u p t a b- schlutz balanziert in Einnahme und Ausgabe mit 6 054 442 M. Im Kapitel„Verschiedenes" sind 30 000 M. für Regulierung der Beamtengehälter eingesetzt. Von Arbeiterlöhnen stand nichts darin. Beim Etat„Gemeindeschulen" wollte der erst vor kurzem in der Stichwahl wiedergewählte Statdverordnete der dritten Abteilung, Bernhardt, 150 M. für Blumenpslege ablehnen. Das seien Spielereien, die nicht in die Schule gehören. Er blieb allein mit seiner Ansicht'und wurde arg abgeführt. Der Verein der Gärtner und Blumenfreunde hat außerdem kostenlose Unterstützung zugesagt. Stadtv. Winzler beantragte, nachdem im Vorjahr Spiel- geräte für die höheren Schulen angeschafft worden sind, durch den Etat ebenfalls Mittel für die Gemeindeschulen bereitzustellen. Die hätten es nötiger und müßten mit gleichem Maße gemessen werden. Schon die Erklärung des Dezernenten, daß für die Gemeindeschulen gesorgt ist. genügte für ihn. Er sollte sich nur einmal den Spiel- betrieb zwischen höheren und Gemeindcschulen etwas näher an- sehen! Der außerordentliche Etat schließt mit 1 580 000 M. ab. Er erscheint überhaupt erst zum zweitenmal im städtischen Haushalt und enthält Ueberschüsse der gewerblichen Anlagen, die Vermögensbestände and den Fonds für Ankauf und Verkauf städti- scher Grundstücke. Für 1910 bringt er u. a. noch einige Ueber- raschungen: 3000 M. sollen dem Verein für Jugendspiele für eine großartige Feier des Sedanfestes bewilligt werden, dann einige neue Straßenbeleuchtungen mit elektrischem Licht usw. Jugendveranstaltungen. Rixdorf. Im Jugendheim der Rixdorfer Arbelterschast, Ideal- paffage S lVortragssaal), findet heute abend 8 Uhr der 5. Vortrag des laufenden Oartals statt. ReichStagsabgeordneter Robert Schmidt spricht über:«Die deutsche Gewerkschastsbewegung". Den letzten Vortrag dieser Serie hält am Dienstag, den 15. März, Frau Juli« Zadel unter dem Titel:«Einsührung in die Lite- r a t u r". Zutritt zu den Vorträgen haben alle Jugendlichen im Alter von 14— 18 Jahren und zwar ohne jedes Entgelt. Für Sonntag, den Zahren und zwar ohne jedes Entgelt. Für Sonntag. 10. April, ist im großen Saale von Hopp«, Hermannstr. 4S, eine künstlerische FrühlingSseier von leiten des JugendausschusseS geplant. Verfammlunolen. Die Sektion der Gips- und Zementarbeiter(Maurerberband) hielt am Mittwoch eine Generalversammlung ab. wo der Sektions- leiter H a e f e den Geschäftsbericht für das vergangene Jahr er- stattete. Dem Bericht ist folgendes zu entnehmen: Die im ersten Vierteljahr noch ungünstige Konjunktur besserte sich in den Sommermonaten wesentlich. Infolgedessen brachte auch die Agitation mehr Erfolg als in der schlechten Zeit, doch sind die Erfolge keineswegs befriedigend. Am Schluß des Jahres 1908 hatte die Sektion 1240 Mitglieder. Die Zahl stieg bis Ende 1909 auf 1705, die sich auf die einzelnen Gruppen so verteilt: Putzer 436, Spanner 255, Träger 199, Zementierer 151, Einschaler 290, Hilfsarbeiter 375. Die Organisierung der Hilfsarbeiter in der Sektion ist auf Grund eines Beschlusses der im April abgehaltenen Betonbauarbeiterkonferenz erfolgt. Diese Organisationsarbeit war nicht leicht, weil der Organisationsgedanke bei den Hilfs- arbeitern des Baugewerbes schwer Eingang findet.— Während des guten Geschäftsganges im Jahr« 1909 waren in der Gips- Zementbrancho 3989 Arbeiter beschäftigt. Außer den 1705 Mit- gliedern der Sektion sind noch etwa 700 Berufsangehörige in anderen Verbänden organisiert. Die Gesamtzahl der Organi- sierten beträgt also etwa 2400 oder 60,17 Proz.— Der Agitation sowie der Erledigung der geschäftlichen Angelegenheiten dienten 7 General-, 12 Gruppen-, 40 Bezirks-, 46 Firmen- und Bauversammlungen. Außerdem wurden 15 Vorstands-, 6 Obmänner- und 51 Bezirkssitzungen abgehalten.— Der Arbeitsnachweis der Sektion wurde von den Unternehmern infolge der lebhafteren Bautätigkeit mehr in Anspruch genommen als im Jahre 1908. Von den Arbeitsuchenden wird der Nachweis bei gutem Geschäfts- gange stärker in Anspruch genommen wie bei schlechtem Geschäfts- gang, wo sich die Arbeiter unter Umgehung des Nachweises ander- weit Beschäftigung zu suchen pflegen. Im Laufe des Jahres ließen sich 3017 Arbeitslose einschreiben(im Jahre 1908 2626), 1988 Stellen wurden gemeldet und besetzt 1908 777), durch Um- schau erhielten 959(1908 1736) von den Eingetragenen Arbeit.— Die Jahresabrechnung der Sektion schließt mit einer Einnahme von 47 667,47 M., einer Ausgabe von 40 908,80 M., einem Bestand von 6758.67 M. Zum Schluß wies Haese darauf hin, daß die Gips- und Zement- arbeiter durch die Kündigung der Verträge beider Branchen be- kündet haben, daß sie eine Lohnaufbesserung für notwendig halten. Die Unternehmer aber haben durch ihr seitheriges Verhalten er- kennen lassen, daß sie nicht an Lohnerhöhungen denken, sondern die Arbeitsbedingungen noch verschlechtern möchten. Der Kampf scheint demnach unvermeidlich, um so mehr, da die Unternehmer, welche bisher dem Verein der Eisenbetonbaugeschäfte angehörten, dem Verbände der Baugeschäfte beigetreten sind und dieser den Tarif der Betonarbeiter mit dem Tarif der übrigen Baubranchen verbinden will. Die Aussperrung im Baugewerbe bedroht also auch die Arbeiter der Beton- und Zementbranche. Diese haben deshalb für Ausbreitung ihrer Organisation zu wirken, damit sie den Kampf mit Erfolg durchführen kann. Nach einer Diskussion, die sich auf unwesentliche geschäftliche Angelegenheiten bezog, wurden folgende Wahlen vollzogen: Vor- sitzender Haese, Arbeitsvermittler Hirschmeier, Revisoren Herr- mann, Korthe und Drechsler, Schlichtungskommission Grundmann und Lemm(Gipsbranche), Scherbarth(Betonbranche). Vermifcktes. In einer Kiesgrube getötet. Einer Meldung ans LandShut (Bayern) zufolge stürzte bei ReiSbach am Sonnabend in einer Kies- grübe ein Teil der zehn Meter hohen Wandung ein und begrub und tötete zwei Arbeiter. Zwei weitere Arbeiter wurden mit Mühe gerettet. Im Betriebe getötet. Wie uns auS Wilhelmshaven gemeldet wird, wurde dort durcb die Explosion eines zum Zerickmeiden von Eisenplatten bestinimten Apparates im Betriebe der Firma Philipp Holz« mann u. Co. ein Arbeiter sofort getötet, ein anderer schwer verletzt. Totschlag. Posener Meldung zufolge wurde vorgestern dort der 55 Jahre alte Maurerpolier Pekrywka aus Winiarh in einem Chausseegraben tot aufgefunden. Die Leiche wies zahlreiche Verletzungen auf, besonders am Kopfe. Die Ermittelungen haben ergeben, daß es sich um Totschlag handelt. Den Tätern ist man bereits auf der Spur._ Di« Opfer der Lawinenkatastrophe. Wie eine Meldung aus Winnipeg besagt, find durch die Lawine, die von dem Kamme des SelkirkgebirgeS auf den Rogers Paß nieder- gegangen ist, 92 Personen umgekommen. Eingegangene Dmckrdmften. Die soeben erschienene Nummer 6 deS„Postillon" enthält an Voll- bildern und Jllustrationenh'Jm preußischen Realtionszirkus.— Der reifste Sohn der Zeil.—«Der Landwlrlschast geht es ja jetzt leidlich gut."— Philosoph Betdmann.— Patentchristen. Usw. Aus dem Texte erwähnen wir: Die Ordnung.— Klerikale Klage.— Gedanken eine« preußischen Polizeipräsi- denken.— Siegeslied.— Krawutlchke.— Märzenlied.— Ein Brief au» der Hölle.— Aus der Retirade.— Weichselgold.— Bries au» Berlin. Usw. Der Preis der Nummer ist 10 Ps. Probenummern sind jederzeit durch den Verlag Paul Singer in Stuttgart sowie durch alle Buchhandlungen und Kolporteuren zu beziehen. Gin Jahr in Dunkelhausen. Eine Lehrer- und Pastoren-Keschlchte aus dem modernen Schiida. Von K. Heinz. Silva-Verlag, Berlin N. 20. Levens- Fragen. Von Waldeck Manasse. 20 Ps. O. Roth, Berlin HO. 43. �, August Graf von PlatenS Leben und Tchaffen. Bon Professor Dr. M. Koch. 2,50 M. M. Hesse. Leipzig. Taschenatlaö von Oesterreich-llngarn.»910. Bon Prosessor A. L. Hickmann. 4.20 M. G. Freylag und Berndt, Wien VII. Aus Natur und Geisicswelt. Bd. 54.- Au» der Werde, est dcs Chrisicntums. Von I. Gcffcken. Bd. 232.— Vergleichende Anatomie der Sinnesorgane der Wirbeltiere. Von W. Lubosch. Bd. 284.— Spektroskopie. Von L. Grebe. Bd. 287.— Das Drama. Von B. Buhe. Bd. 300.— Die Luftschiffahrt. Von R. Nimsühr. Einzelband 1 M., geb. 1.25 M.— B. G. Teuvner, Leipzig. Dao Jmvfgeschäft als starrstes Dogma der moderneu orthodoxe» Medizin. Von W. Resscl. 30 Ps. Jinpsgegncr-Vercin, Dresden-A., Albrechtstr. 35. Ter Kampf. Heft 6. Sozialdemokratische MonalZschrist. Bezugspreis jährl. 6 Kr. Wien VI, Mariahilserstr. 80. Briifkarten der Redaktion. Sie luristtlche Sprech stunde findet Lindensteusse 3, zweiter Hol-, dritter Eingang, vier Treppen, WEP" Fahrseutzl wochentägltch abends von 7s,-, bis 0� Übt statt. Gesssnet 7 Uhr. Sonnabends beginnt die Sprechstunde NM 6 Uhr. Jeder Ansragc ist ein Buchstabe und eine Saht als Mertzcichrn bcij»fi:gcn. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. BIS zur Beantwortung im Brirstastcn können 1t Tage vergehen. Ellige Fragen trage man in der eprrchftnndr vor. E. K. 3!!. Liegt ein rechiSgüliigcs Testament vor, so brauchen Sie nichts herauszugeben. Kommen Sie mit dem Testament in die juristische Sprechilunde.— O. H. 30. 1. Strasauzeige gegen sämtliche Beteiligte. 2. Der Besitzer der Klinik ist zur Herausgabe unter Setzung einer Frist aliszusördern und..salls'er der Aufforderung nicht nach kommt, bei dem Amtsgericht zu verklagen.— A. B. 24, fut-baol.— S. F. 80. In einem Ehescheidiingsprozeß können Sie die Behauptung, unter Berufung ans daZ Zeugnis des Betreffenden, ausstellen.— E. H. 8». Sie versuche» am zweckmäßigsten, sich mit der Malchinennäherm gütlich auseinander- zuietzcn; vielleicht legt sie eine Gummiplatte unter. Gelingt das nicht, so fordern Sie den Vermieter zur Beseitigung der Störung unter Setzung einer Frist aus. Eine Klage, die gegen den Vermieter beim Amtsgericht anzustrengen wäre, hallen wir sür schwer durchsührbar.— E. öt.»00. Ihnen kann nur der gesetzmäßige Anteil— die Hälste— sür die be-dcn letzte Monate in Abzug gebracht werden.— O. 0. Ja. — K. D. 88. 1. Die Beantwortung der Frage hängt von der Höhe de? Lohnes, den Sie vor dem Unfall erdallcn haben, ab. 2. Der Arbeitgeber tan» sür den Fall der Lohnzulage nicht mit der Behörde in Konflikt kommen.— C. K. 4. 1. Ihre Bestellung zum Vormund ist zulässig. 2. Es entscheidet das zweckmäßigfleu von anderen — K. M. 100. 1. Nein. 2. Ja. Sosern Ihre Handlungen aber gegen das Interesse des Kindes verstogen, lann daS Vmmundschastsgericht ein« anderweitige Anorduung treffen. 3. Damit hat die Parleivrganisatimi nicht» zu tun. 4. Ja, strafrechtlich binnen 3 Monaten nach Rechtskrast des Urteils. — M. D.>00. Svczielle Vorkenntnisse sind nicht erforderlich. Meldung hat bei der Verwaltung derjenigen Anstalt zu eisolgen, bei welcher Sie ein- zutreten beabsichtigen, eventuell bei mehreren.— Gastwirtsgehilfe Luckenwalde. Wenn es sich um ein Vergnügen im geschlossenen Kreise, unwr Teilnahme der Mitglieder und geladenen Gäste, handelt, unbeschränkt bis zum Beginn des Hauplgotlesdienstes. Die äußere Hoilighaltung des Sonntags darf aber nicht beeinttächtigt werde».— A. Z. 3. Fordern Sie den Vermieter unter Setzung einer Frist zur Einräumung der Kammer auf, event. Nage» Sie. x.-oxsicuuuy QUiti jiy» Vormundlchastsgcricht. an welches ein Antrag(am itldereu nahen Verwandten des Kindes) zu richten ist. WittrrunqSuverficht vom 7. Mär,»9»0, morgens 8 Ndr. Stationen 8 Ii 2« «5 sff Swittemde Hamburg Berlin Frants.a.M. München Wien 771 SSO 770 SO 770D 769 Still 77t SW 770 WNW Stationen D-s SZ si Savaranda 768 Still etersburg 777 NW Sctlly -tlderbeeu Baris Vetter Ii' tk Nebel-8 1 bedeckt—3 ,763 SSW 4wolkig ,761 SSO, 1 wolkig 38 SSO! 1 heiter ,i I l 1 woltcnl i 3 Wetterprognose für Dienstag, de» 8. März 1910. Zeitweise nebelig, sonst ziemlich heiter und trocken, nacht» kühl, Tage wieder etwas wärmer bei mäßigen südöstlichen Winden. Berliner Wetterbureau. 8 5 5 am WafferstandS-Nach richten der LandeSanstalt für Gewöfferkundc, mitgeteilt vom Berliner Weltcrbureau. >) 4- bedeutet Wuchs,— Kall.—- 1 llnlerveael.—») eissret. und elegant sich kleiden will, empfehlen wir große Posten beste MonalSgarderobe. Unsere Sachen sind In seinsten Werkttälten(teils aus Seide) gearbeitet, von tzmfchaslen, Doktoren, Kavaliere» nur kurze Zeit gebraucht. Für jede Figur(auch jür den stärksten Herrn) haben wir paffende Sachen aus Lager, sabelhast billig. Außerdem Herren.PaletotS... 8»8»4»8 M. I Gehroit-Anziige...»4»8 88 8« M. 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