Nr. 57. flbonncmentS'Bedtogungcn; Äbonncmenlö- Preis pränumerando z Picrtcljährl.:xSü m., monall. 1,10 Mt,. wochcnllich 28 Pfg. frei ins HauZ. Einzelne Plummer 5 Pfg, Sonntags- nmnmer mit illuftticrier Sonntags. Beilage.Die Neue Welt" 10 Pfa, Post- Abonnement: 1.10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Pojt-ZeitungS» Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 3 Marl pro Monat. Postabonnements nebmen an: Belgien. Dänemarl, Holland. Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. 87. Jahr«. Crfftlot täglich außer montags. Verltnev VolksdlÄkk. Zentralorgan der fozialdetnokrati leben Partei Deutfcblands. Die Tnlertlons« Gebühr beträgt für die sechsgespallenc Kalonet- zcilc oder deren Raum 60 Plg., für politische und gewerlschaftliche Verein-- und VersammIungS'Anzeigen 30 Pfg. ..tileine Anreisen", das erste fselt- gedrucktes Wart 20 Pfg., jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlas- stcllcn-Zlnzcigen das erste Wort 10 Pfg. jedcS weitere Wort 6 Pfg. Warle über 16 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist vis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm- Adresse: „SoriäMrmoIilat Rertln". Redaktion: SM. SS» Lindenstrassc 69. Fernsprecher: Amt FV, Nr. 1983. Mittwoch, de» 9. März i»IO. Expedition: SM. 68» Lindenstraesc 6g» Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1084. Die DurchpeMchung des Schandgesetzes. Sechs Jahrzehnte lang mußte das entrechtete Volk Preußens darauf warten, bis die Regierung sich zu der Er- klärung herbeiließ, daß sie zu einer Wahlrechtsänderung bereit sei. Fünfviertel Jahre mußte das entrechtete Volk danach wiederum warten, bis die Regierung die Wahlrechtsstatistik veröffentlichte, die für sie die Unterlage für die verheißene „organische Fortbildung" bildete. Wiederum anderhalb Monate später erschien endlich die Vorlage selbst. Dann aber gings mit einem Male im Töff-Töff-Tenipo. In lumpigen drei Tagen war die erste Lesung beendet. In nur vier Sitzungen passierte das Wahlrechtsscheusal die erste Lesung der Kom- Mission, der es sofort überwiesen worden war. Die un mittelbar darauf folgende zweite Lesung in der Kommission beanspruchte gar nur eine einzige Sitzung, so daß die zweite Lesung im Plenum schon am Freitag dieser Woche beginnen kann. Für diese Lesung rechnet man zwei bis drei Tage, so daß noch vor Ostern auch die dritte Lesung erfolgen soll. So soll also das Gesetz, das dem Hause erst am 5. Februar zugegangen war, bereits spätestens am 18. März — an welchem Tage das Haus sich vertagen will— voll ständig durchgepeitscht sein! Eine eilfertigere und liederlichere Gesetzes macherei hat das Dreiklassenparlament wohl während der ganzen Dauer seiner traurigen Existenz noch nicht getrieben! Wenn eS galt, ein den Junkern genehmes Gesetz zu machen, ließen sich die wackeren Dreiklassenmänner hübsch die Zeit. um auch ja mit allem Raffinement für sich herauszuschlagen. was irgend herauszuschlagen war. Aber auch dann, wenn eS darauf ankam. eine Kultur aufgäbe zu vereiteln, liebten die Junker ganz und gar nicht die Ueberstürzung. Als am 4. Februar 1901 die zweite Kanalvorlage im Plenum zur ersten Beratung stand, brauchte das Junkerparlament vier Tage zu dieser Beratung. obgleich doch alle agrarischen Argumente bereits 1899 bei der Beratung der ersten, von den Agrariern damals zu Fall gebrachten Kanalvorlage erschöpft waren. Die Vor läge wurde dann der Kommission überwiesen, die am 13. Februar zusammentrat. Und dann arbeitete man mit ebensoviel Gründlichkeit wie Gemächlichkeit daran, die Vorlage zu vereiteln. Bis zum 1. Mai, also in 76 Tagen, hielt man 20 Sitzungen ab, in denen man unzählige Anträge einbrachte, um die Vorlage in einen: Wust von Abänderungen förmlich zu ersticken. Wer weiß, wie lange das grausame Spiel der Junker noch gewährt hätte, wenn die Regierung der höhnischen Posse nicht am 3. Mai durch die Auflösung des Landtages ein Ende gemacht hätte So verfährt das Junkerparlament, wo es sich um die rücksichtslose Durchsetzung der Interessen der herrschenden Klassen, ja selbst nur um die einzelner kleiner, aber mächtiger Schichten dieser herrschenden Klaffen handelt. Die Wahlrechtsfrage indessen, das wichtigste Gesetz, das im Dreiklassenhause jemals zur Verhandlung gelangt ist, ein Gesetz, an dem daS Wohl und Wehe, wirtschaftliches wie geistiges Gedeihen des ganzen Volkes hängt, wird in knapp sechs Wochen abgetan! co unerhörte Schmach hat sich in einem Kulturstaate noch niemals ein Volk bieten lassen müssen! Aber unsere Junker und ihre schwarzen Komplicen vom Schnapsblock haben natürlich die triftigsten Gründe für diese freche DurchpeitschungS- und Ucbcrrumpelungstakttk. Konser- vative und Zentrümler sind sich ihres schmachvollen Verrats am Volke so sehr bewußt, daß sie ganz genau wissen, daß eine Verzögerung der Verabschiedung des Gesetzes auch nur um Monate hinaus gleichbedeutend �wäre mit der Vereitelung dieses Vo'lkSverrats. Sie wissen, daß die Empörung der Massen gar bald einen Grad erreichen würde. der die Aufrechterhaltung der infamen Dreiklassenschmach zur totalen Unmöglichkeit machen würde. Deshalb der un- geheuere Eifer der blau-sch>varzen Wahlrechtsfeinde, der aus der Kommission hervorgegangenen Spottgeburt einer Wahlreform so rasch wie möglich die Zustimmung des Plenums zu sichern! DaS böse Gewissen treibt die konservativen Anstifter und die ultrainontanen Gelegenheitsmacher und Helfershelfer des niederträchtigen Wahlrechtsverrats dazu, ihr schimpfliches Werk so rasch als möglich zum Abschluß zu bringen. Vollendeten Tatsachen gegenüber, so wähnen diese Leutchen, werde sich die Erbitterung der Mafien allmählich legen. Und wenn dann erst etwas Gras über die Geschichte gen.-chsen sei, würden sich die geäfften und genassührten Massen von den Zeutrumsdemagogen üoch wieder gängeln und aufs neue mißbrauchen lassen! Eine Rechnung, die ja auch bei der durch Junker und Pfaffen künstlich geförderten politischen und allgemeinen Unbildung leider noch so breiter Massen neunundncunzigmal stimmen mag, die sich aber diesmal denn doch als verfehlte Spekulation erweisen lvird 1• Eine Ironie der Geschichte will es. daß das preußische � Dreiklassenparlament die ungeheuerliche Prellerei am Volke' und heroischem Kampfe daS alte seudal-absolutistische Preußen | in Trümmer schlug und sich auf den Barrikaden seine Rechte erzwang, darunter auch das gleiche Wahlrecht I Dies Jubiläum will das Dreiklassenparlament, diese durch Verfassungsbruch und Revolution von oben zu- stände gekommene Vertretung, nicht des Volkes, sondern des Militär- und JunkerstaateS, in seiner Art dadurch feiern, daß es dem vor einigen sechzig Jahren durch die Bajonette seiner Rechte beraubten Volke klar niacht, daß feudale An- matzung und pfäffischer Trug mitHilse der Bajonette in Preußen noch immer den Aus- schlag geben! Das ist ein Witz der Geschichte, wie ihn beißender kein Witzgenie erfinden, ätzender kein politischer Satiriker in die Seele der Massen eingraben könnte! Vor 62 Jahren errang das Volk seine politischen Rechte! Und mehr als sechs Jahrzehnte später soll dem an Zahl wie politischer Einsicht unvergleichlich ge- wachsenen Volle gerade in diesen Gedenktagen die bereits halbgeöffnete Pforte zun» demokratischen Wahl- recht durch das konservativ- ulttamontane Schand- Kompromiß wieder auf Jahre hinaus verrammelt werden! Nicht einmal der Rechte soll die Volksmasse teil- haftig werden, die selbst die N a t i o n a l l i b e r a l e n, die Partei des wirtschaftlichen Scharfmachertnms, als einen nicht länger zu verweigernden Tribut an das Volk ansahen l Wenn je das frohlockende Wort der Schadenfreude für die Sozialdemokratie am Platze war:„Es leben unsere Freunde, die Feinde!", so in dieser Situation I * m* Ueber die Aussichten der Wahlrechtsvorlage bringt das Scherlblatt einen, wie es versichert, auf„Umfrage bei gutunterrichteten GewährSmanneru* beruhenden Artikel. Dieser derartig inspiriette Artikel versichert, datz die Regierung den Beschlüssen des blauschwarzen AntiwahlrechtS- blockS keinen Widerstand leisten werde. Die Regierung werde, trotzdem man ja die Einführung der von ihr vorgeschlagenen direkten Wahl abgelehnt habe, für die K o m b i n i e r u n g der indirekten und der g c Heimen Wahl zu haben sein. Die Nachgiebigkeit in dielen Punkten werde aufgewogen durch die Boricile, daß die von langer Hand vorbereitete Aktion damit zum Abschluß gelange! Denn, so meint daS Scherlblatt, wenn alles beim Alten bleibe, wenn gar nichts zustande komme, so werde die WahlrechtSbewrgung, die so leidenschaftliche Gärung in die Volksmassen getragen habe, nicht nur fortdauern, sondern die Regierung werde nicht nmhiu können, eine neue WahlrechtSoorlage einzubringen k Wir sehen also, datz das offiziös instruierte Blatt ganz der selben Anficht Ausdruck gibt, die auch wir immer vertreten haben: datz das Scheitern der Wahlrechtsvorlage keineswegs die Vertagung der Wahlrechtsreform überhaupt bedeute, sondern nur den Zwang für Regierung und Parlament, die Wahlrechts- Vorlage dann in anderer und selbstverständlich der- nünftigerer Weise zu regeln! In dem Artikel des Scherlblattes wird des weiteren angedeutet, datz die„Mittelparteien" ebenfalls für das kouservativ-klerikale Kompromitz zu haben seien, wenn man ihrem Wunsche auf Drittelung nicht nach Urwalilbezirken, sondern nach Wahlbezirken Rechnung trage. Da höchstens die Nationallibcralen auf diesen Wunsch irgend welches Gewicht legen, nutzer den Konservativen und dem Zentrum aber auch die ganze Linke, Freisinn, Polen und Sozialdemokraten, dieser Forderung ablehnend gegenüberstehen, wird diese national- liberale Forderung freilich sehr wenig Aussicht auf Verwirklichung haben! Wahrscheinlicher schon ist eS. datz, wie daS Scherlblatt andeutet, die Versuche der Freikonservaiiven und Nationalliberalen, ein Privilcgiertcnwahlrecht für Bildung und Besitz zu sichern,— eine Forderung, die ja auch in der Regierungsvorlage enthalten war— schlietzlich auch bei Konservativen und Zentrum auf keinen W i d e r st a n d stotzcn werden. Charakteristisch ist immerhin. datz die„Märkische VoIkSzeitiing". der Ableger der„Germania', zwar erklärte, datz das Zentrum lieber das ganze Gesetz ablehnen. als in die Drittelung nach Wahlbezirken willigen werde, datz das- selbe ZentrumSblatt aber die ungleich wichtigere Frage des Bildungsprivilegs völlig unberührt lätzt I DaS deutet wohl daiauf hin, datz daS Zentrum zum mindesten von seinen konservativen Verbündeten nicht verlangen wird, datz sie sich einer HerauShcbung der Besitzenden und Gebildeten anö der dritten Klasse gegenüber ablehnend verhalten sollen. Vielmehr liegt die Wahrscheinlichkeit vor. datz das konservativ- klerikale Kompromitz, daS jede, noch so gcriiigfügigstr Adschwächung der Drritlassenschmach sowie die Bcrhunzung der geheimen Abstimmung bezweckte, im Plenum ergänzt werden wird durch ein kon- scrvativ- nationalliberales Kompromitz. durch das infolge der Privilegierung sogenannter Kulturträger der infame Charakter des DreiklasicnwahlrechtS dann nur noch nackter und un- verfrorener hervortritt!_ Die fresse zur Demonstration. Im Schweiße des Angesichts bemüht sich die reaktionäre DDDI Presse, den armen Polizeipräsidenten herauszuhauen und die just in den Tagen des Märzes zu vollenden gedenkt, in denen Blamage der Polizei zu vertuschen. Indes ist sie offenbar vor 62 Jahren dasselbe Volk in prächtigem Enthusiasmus> nicht früh genug aus amtlicher Quelle erleuchtet worden, denn sie zerstört die Wirkung ihrer Schwindeleien durch die un- vermitteltsten Widersprüche; eines dieser edlen Blätter lvird stets vom anderen abgetan, eins schreibt das Gegenteil dessen, was das andere in die Welt setzt, um die Arbeiterschaft zu verleumden und zu besckimpfen. Das eine Blatt verkündet das völlige Fiasko der Demonstration, das andere erklärt, daß ihr Gelingen eine furchtbare Gefahr für die heiligsten Güter der Nation aufgedeckt habe. Am vielseitigsten ist die«Kreuz- Zeitung", die sonst nicht allzu viel Belveglichkeit auf- zubringen Pflegt. Am Montagabend aber war sie unter dem Eindruck der Kundgebung so überlebendig geworden, daß sie aus der zweiten Spalte ihren Lesern>vahr- heilsgemäß berichtet, daß die Sozialdemokratie ihr„Trotz alledem!" wahrgemacht und dem polizeilichen Verbot zuwider ihren Wahlrechts-Spaziergang ab- gehalten hat, und auf der dritten Spalte derselben Nummer beginnt sie dann einen langen Artikel, der über- schrieben ist:„Der mißglückte Wahlrechts-Spaziergang" und der die demonstrierende Arbeiterschaft beschimpft und ver- leumdet, wie es Knuten- Oertel auch nicht wüster machen könnte. Diese Beschimpfungen lassen wir beiseite liegen— das Berliner Proletariat braucht gegen solche dummen und verlogenen Anwürfe nicht verteidigt zu werden. Des Zitierens ivert ist aber die folgende Stelle aus der ersten Notiz des Junkerblattes: .. Natürlich werden sie(die Sozialdemokraten) diesen gelungenen Streich als großen proletarischen Sieg hinstellen. Aber er war weiter nichts als das Ergebnis eines alten Schmuggler- und Gauner-TrickS. Die sozialdemokratische Parteileitung hat die Polizeidebörde hinterS Licht geführt und höhnend Gesetz und Ordnung mit Fützen getreten. DaS ist kein Heldenstück und keine Großtat. Aber der ruhe- und ordnungsliebenden Bevölkerung bat gestern das rote Massenaufgebot im Berliner Tiergarten die Augen darüber geöffnet, über waS für ein starkes und revolutionär geschultes Heer die sozialdemokratischen Macht- Haber bereit» gebieten. Die sozialdemokratische Oder- leitung braucht nur einen Wink zu geben, dann sormieren sich unter ihren Gruppenführern die Haufen, fragen nicht wohin und wozu, sondern gehorchen schweigend. In der Hand gewissenloser und gewalttätiger Männer, wie sie heute an der Spitze der Sozial- d e,m o t r a t i e stehen, ist eine, so auf blinden Gehorsam vis- zipliniertc und im Hätz gegen Staat und Monarchie, gegen Ordnung und Besitz und vor allen Dingen in Mißachtung der göttlichen und der irdischen Autorität gehaltene, leidenschaftlich erregte Masse eine stete Gefahr. Gestern handelte es sich bei der Mobilmachung dieser Masse darum, der Polizei ein Schnippchen zu schlagen und zu zeigen, datz die Sozialdemokratie mit ihrer bisherigen Fiktion, sie wolle ihren Bestrebungen auf gesetzlichen Wegen nachgehen, voll- kommen gebrochen hat. Ein andres Mal wird es sich um ernstere Dinge handeln. Jedesmal aber ist es die blind gehorsame urteilSlose Gefolgschast, die unter Umständen für die„Tapferkeit' ihrer Führer bluten mutz. Denn die eigentlichen Leiter der revolutionären Per- anstaltungen sind entweder durch ihre parlamentarische Jmmnnttät für ihre Person gesichert oder sie bleiben vorsichtig hinler der Front. Die Hauptaufgabe mutz eS also sein, die Massen vor diesen Führern zu schützen und jegliche Verantwortung und alle üblcn Folgen den Führern aufzuladen. Man möge in der Bevölkerung auch nicht vergessen, wie die sozialdemokratischen Massen die ohnehin einem schivierigen und an- strengenden Berufe obliegenden Schutzleute behandeln. Wie sie sie insultieren und tällich bedrohen, wie sie ihnen uionatelang jeden freien Sonntag rauben. Auch datz sie zahlreiche Soldaten durch ihr Verhalten nötigen, die freien Sonntage in der Kaserne zuzubringen, darf den roten Massen und ihren Führern nicht vergessen werden. Den braven Schutzleuten ober mag man eS unter solche» Umständen nicht verdenken, wenn sie einmal einen„Demonstranten' etwas un- sanft anfassen.'..." Die Notiz läuft in einen skrupellosen Versuch auS. die Polizei und die Soldaten gegen die Sozialdemokratie aufzuhetzen. Die bösen Roten nehmen ihnen ihre freien Sonntage! Diese Verkehrung des Sachverhalts ist wirklich genial! Ilm der Arbeiterschaft willen braucht kein Schutzmann und kein Soldat seinen freien Sonntag einzubüßen! Schuld daran, daß so viele Beamte und Soldaten ihn einbüßen, tragen allein die Vertreter des Junkerregiments, die schlechten Gewissens sind und das Zittern bekommen, ivenn das Volk sich regt. Wie unnötig die fürchterlichen Rüstniigen sind— in Berlin durste kein Soldat die Kaserne ver- lassen!— das zeigt ja der Verlauf der Kund- gebung in ganz Preußen! Im übrigen fürchtet die„Krenz-Zeitung" offenbar den üblen Eindruck der Polizeibrutalitäten in In- und Ausland und sucht also nach Entschuldigungen siir die stellenweise wie wahnsinnig wütenden Polizisten. Daß sie dabei die Wahrheit wieder direkt auf den Kopf stellt, die Schutzleute als die sanft- mütigen Lämmlein hinstellt, die von den Demonstranten insultiert und angegriffen werden, paßt zum Ganzen. Die„Norddeutsche Allg. Zt g." macht keinen Ver- such, dad Gelingen der Demonstration zu leugnen. Sie legt sich darauf, zu beweisen, daß die Kundgebung eine Verletzung des VereinSgesetzes, eine ungesetzliche Handlung sei, und ist sehr empört darauf, daß freisinnige Blätter die Demonstrationen als einen Sieg über die Polizei verherrlichen. Die„DeutscheTageszeitung" stößt am Dienstagavend in dasselbe Horn, im wütendsten Stalljargon fällt sie die Blätter an, die„die sozialdemokratische Ueberspanntheit und den Großmannsdünkcl der Genossen noch zu fördern", sich verpflichtet halten. Oertel bestreitet todesmutig, daß die Polizei sich blamiert habe. Ihre Taktik sei verständig, be- sonnen und richtig gewesen, die Polizei sei nicht ae- täuscht worden(I? Deshalb mußten die Schutzleute also erst in Autoiuvbilen in den Tiergarten geschafft werden, deshalb waren also die Spreebrücken nicht abgesperrt!!), und die Polizei habe sich a u S g e z c i ch n e t, besonnen und trefflich benommen und soll an dieser„ruhigen, aber f e st c n Taktik" festhalten. Nur eines fehlt noch, damit alles gut und vollkommen sei— auch im ganzen übrigen Preußen muß nach Jagvwschm Rezepten regiert werden. Das Bündler- blatt dekretiert: „... Es muß in den Maßiiakmien der Polizei gegen Straßen- demonstrationcn größere Einheitlichkeit im Deutschen Reiche oder doch mindestens in Preußen erzielt werden. E-Z darf nicht wieder vorkommen, daß die Polizeibehörden der einen Siadt denen der anderen in der sozialdemokratischen Presse als Muster vorgehalten lverden. Gewiß liegen die Verhältnisse hie und da verschieden; und was au dem einen Orte sehr gefährlich ist, braucht an dem anderen nicht besonders bedenklich zu sein. Wo aber die Verhältnisse gleich oder ähnlich liege», da muß t n gleicher Weise vorgegangen werden. Die Berliner Taktik ist verbändig, zweckmäßig und richtig. Möge sie überall befolgt werden: Ruhig, aber fest!" So hat Herr v. Jagow wenigstens einen, der so tut, als ob er ihn noch als großen Strategen ansehe— und wenn es auch der Oerie! ist, es ist doch süß. im Unglück eine mit- fühlende Brust zu haben. Wieder ganz anders faßte die„Post" die Sache an. Das Scharfmacherorgan ist am Montag offenbar zu kon- sterniert und zu wütend gewesen, um zu überlegen, daß eS die Niederlage der Polizei zugibt, wenn es nach Ausnahmegesetz und Belagerungszustand ruft. Es war jedenfalls ganz und gar nicht der Ansicht des Oertel- Blattes, daß die ruhige und feste Haltung der Berliner Polizei die Demonstration vereitelt habe und alle künftigen vereiteln werde. In den höchsten Tönen tobte das Blatt des weiland Frhrn. v. Stumm: .Für uuö besteht lein Zweifel darüber, daß gegen die Führer und Heber der gestrigen Ansammlungen und Umzüge auf Grund des Strafgesetzbuchs teils wegen Landfriedensbruchs, teils Ivegen groben Unfugs vorgegangen werden könnte und müßte. Sollte aber unsere Rechliprechung in diesen Fällen abermals versagen, so müßten andere Garantien für die Sicherung der öffent- lichen Ordnung geschaffen werden. Die Sozialdemokraten werden sich nicht ipunder» dürfen, wenn diese Garantien in der Richtung eines»cneil IozialisteugescheS oder der Verhäng, mg des Belagernngs- zustaudeS, der ja in Italien. Frankreich und Spanien durch Auf- hchuiig.dcr verfassuiigSmäßigcu Garantien oft genug in Kraft tritt, liegen. Man darf die Bedniimiz dieser WahlrechtSknndgevimg keineswegs unterschätzen. Bon Sonntag zu Sonntag sind sie gefährlicher und uuisassinder geworden. Gestern hat sich die Taktik des„sozial- demokraiischen Gefechtsexerzieren« auf der Straße" außerordentlich gur und raffiniert vorbereitet erwiesen. Sind die Massen erst einmal ans diese neue Heuschreckeutaktit gut eingeübt, dann lvird es außerordentlich schlver sein, ihrer Herr zu werden.... Zugleich aber sind diese Wahlrechtskiindgebimgen, wem» c5 nicht gelingt, sie zu unterdrücken, von ungeheurcr agitatorischer Kraft. Und die Parteien, die ans dem Boden des Heuligen Rechts stehen, und die es verschmähen, ihre polililchen Ueberzeugungen auf der Strotze zu verlreten, werden durch jede weitere solcher Demonstrationen politisch schwer benachieiligt. Denn im Grunde genommen sind diese an sich völlig aussichtslosen Wahlrechtskund- gedungen nichts anderes als riesenhafte Vorbereitungen auf die nächste Wahl. In der Henschreckentaktik der Sozial- demokratie liegen, wenn sie erst weiter ausgebaut und einexerziert fein wird, ganz unbegrenzte Möglichkeiten... Auf diesem Wege, den die Sozialdemokratie jetzt beschritten hat, mutz ihr ein gebieterisches Halt zugerufcit werdest, ES muß den jetzt'frohlockenden Korybanten Liebknechts' und StadthagenS zu ihrem eigenen Besten eine schwere Ernüchterung bereitet werden. Bis hierher und nicht weiter!" Die„Germania" lügt ihren Lesern vor. daß die Sozialdemokratie nicht nur das Recht auf die Straße, sondern auch die öffentlichen Parkanlagen und freien Plätze nach ihrem Belieben für sich allein will, verschweigt also die vielen Zeugnisse bürgerlicher Blätter, daß die Demonstranten streng für die Freihaltung einer Seite der Straße für Passanten und Fuhrwerke sorgten. Nach dem Zentrumsblatt dürfen Gesetz und Ordnung nicht straflos verletzt werden. Im An- schluß daran heißt es weiter: Und wenn das geschehen löimte. dann würde die Befürchtung vieler»icbt ungerechtfertigt sein, daß diese Massendemonstrationen und-Aufzüge aus den Vorabend der Revolution hindeuten. Wir teilen diese Vefürchlliug nicht. Im Zeltalter der kleinlalibrigen Gc- wehre bei einem in strenger Disziplin gehaltenen Heere sind solche revolutionären Volksaufstände nun einmal unmöglich, oder aber werden schon im Entstehen niedergeworsen. Auch gestekn war das Militär in den Kasernen konsigniert, und die Soldaten werden nicht schlecht aus die Sozialdemokraten schimpfen, daß diese ihnen den freien schönen Sonntag verdarben. Was bezwecken denn die Sozialdemokraten eigentlich mit ihren fortgesetzten Massendemonstrationen? Daß sie damit ein ihnen ge- nehmes Wahlrecht— auch das Reichstagswahlrecht geht ihnen ja noch lange nicht weit genug— nicht erzwingen können, dürfte jedem ein- sichligen Sozialdemokraten von vornherein einleuchten. Regierung und Abgeordnetenhaus werden sie mit diesen Demonstrationen schwerlich um- stimmen, aber in maiichen Kreisen umgekehrt immer wieder neue Be- deiiken gegen die Verleihung des„demokratischen" Wahlrecht« hervor- rufen. Gewiß haben die Sozialdemokraten, aber nicht sie allein, sondern alle minderbegüterte» Wähler, das Recht, Protest zu erheben. Aber an die Sozialdemokratie mutz man davei doch ernstlich die Mahnung richten: Nun laßt genug sein deö unnützen Spiels I Die Herren Sozialdemokraten sollten, statt sich und andere unnötiger- weile zu erhitzen, erst einmal in aller Ruhe sich mit den Beschlüssen der Wahlrechtskommission beschäftigen, die viele noch gar nicht zu kennen oder nicht richtig zu würdigen scheinen. Die letztere Annahme ist ein grandioser Irrtum der „Germama". Die Arbeiter kennen die Beschlüsse der Wahl- rechtskommission und den Verrat des Zentrums nur zu gut und'daraus gerade erklärt sich ihre tiefe Erregung. Die„Kölnische Zettung" bringt einen Artikel, der im interessanten Gegensatz zu den oben zitrerten Auslassungen der„Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" steht. Das national- liberale Blatt vom Rhein gibt seiner Freude Ausdruck über den glücklichen Ausgang, nimmt zwar die Polizei in Schutz. bemerkt aber: „Andererseits hätte eine bluiige Unterdrückung des Massen- willens durch Polizei und Militär, von allem andere» abgesehen, doch nur eine Art Pyrrhussieg bedeutet, denn die geistige Beivegnng, die als Seele diesem äußeren Massenaufgebot innewohnt, läßt sich nicht niederknallen. Der Ingrimm wäre nur noch gesteigert worden. Auch der ruhige und vernünftige Teil der Staatsbürgerschaft hätte diesen Ausgang nicht mit ungemischter Freude ansehen koiineil. Ihm hätte zwar eme kraftvolle Bestätigung der Staatsgewalt Genugtuung gewähren können, aber so entschieden er die übertriebenen Forderunzen der Sozialdemokratie zurückzuweisen geneigt ist, das Verhalten eben dieser Staatsgeivalt in der Wahl- rechtSsioge hatte auch seinen Uulvillcn erregt, besonders, seit d i e .Haltung der vereinigten Reaktionäre in der Wahlrechtskommission in ihrer herausfordernden Sprache ans Tageslicht i st." Die„Kölnische Zeitung" hebt schließlich noch hervor, daß. wenn es zu blutigeren Zusammenstößen gekommen wäre, die volle Schuld daran die Konservativen und das Zentrum hätte treffen müssen. Die„Berliner Morgenpost" sagt in einer Bc- sprechung der Danksagung des Polizeipräsidenten an seine Schutzleute: .Wenn unser reaktionäres Polizeiregime auf dem Standpunkt des„Bis hierher und nicht weiter" beharren will, so büßen wir auch ungeheure Kapitalien an Reputation und Prestige in aller Welt ein. Das Ausland macht sich über die lächerliche und brutale Polizei- Wirtschaft, unter der das kulturell so weit fortgeschrittene preußiiche Volk zu leiden hat, lustig. Es verbölmt uns wegen der Handlungen. für die doch nur die Jagow und Moltke und die gesamte andere reaktionär- scharfmacherische Junkerschast verantwortlich sind. Und im deutschen Süden wird man sich imnier ernster und immer dringender mit der Frage beschäftigen, ob denn eigentlich Preußen befugt und befähigt ist, Hüter des Reichsgedaukens und Führer der deutschen Buudesstaaleii zu sein, eben das Preußen, in dem gegen die politische Freiheit so gesündigt wird, wie es etwa in Ruß- laud oder in Cbina oder in Persien oder in irgend einem anderen Erdenwinkel geschieht, über dem die Sonne der Zivilisation noch nicht ausgegangen ist. Die Praxis unseres reaktionären Polizeiregimes bedeutet sonach nicht bloß eine Gefahr für das Berliner Publikum, sondern darüber hinaus auch eine Geiahr des Ausehe»« Preußens und des Reiches. Es muß mit dieser Praxis gebrochen werden. Es ist, um mit Herrn v. Jagow zu sprechen,„genug und übergenug" geschehen mit dieser Praxis. Herr v. Jagow freilicki hat sich in seinen ungeschickten Kund- machungen schon zu sehr sestgeranut. als daß er noch zurückkönnte. Er sollte daher den Platz, für den er sich als ungeeignet erwiesen hat, einem anderen überlassen, der geeigneter ist für die Lösung der Aufgaben, denen er sich nicht gewachsen zeigt. Mit einem Ersatz des Herrn v. Jagow freilich wäre nur wenig getan. Wenn nicht endlich daö reaktionäre System beseitigt wird, dessen Symptome die Polizeiatlacken auf friedliche Bürger nur sind, so wird wenig geändert werden. Scharfe Kritik an der Politik des Berliner Polizeipräsi- deuten übt auch die„Frankfurter Zeitung". Sic schreibt: Die Wahlrechtsdemonsirationen, die gestern in zahlreichen preußischen Städten stattgefunden haben, hinterlassen den gleichen Eindruck, wie die Veranstaltungen der letzten Sonn- tage: überall hat die Bevölkerung in entschiedener und eindrucksvoller Art, zum Teil unter erfreulichem Zusammenwirken von Sozialdemokraten und Linksliberalen, ihren Willen Ausdruck der- liehen, und überall haben sich die Kundgebungen auch im Freien in musterhafter Ordnung vollzogen, solange nicht die Polizei durch unnötiges und übereifriges Einschreiten Verwirrung schaffte. Be- sonders bezeichnend hierfür sind die Vorgänge am Berliner Bis- marckdenkmal, wo ein Trupp von 30 PoliAsten eine Ansammlung von Demonstranten, die sich eben zerstreuen wollte, in diesem Vor- haben ganz zwecklos störte und sich so lediglich als Verkehrs- Hindernis erwies. Die Polizei sollte doch endlich einmal einsehen, daß sie angesichts der jetzt allenthalben mit elementarer Gewalt sich durchsetzenden Wahlrechtsdemonstrationen dann am besten ihr Ansehen und ihre Würde wahrt, wenn sie den Volkswilleu respek- tiert und sich auf die wirklich notwendigen Maßnahmen.zur Auf« rechterhaltung der Ordnung beschränkt. Die wichtigste dieser Maß- nahmen ist die Herbeiführung eines Einvernehmens mit den Arbeiterorganisationen, deren Ordnungsdienst sich bei den ver- schiedensten Gelegenheiten, unter anderem bei der großen Kund- gebung auf der Frankfurter Hundswiese, in hervorragender Weise bewährt hat. Statt dessen hat der Berliner Polizeipräsident, der bei früheren Demonstrationen sich einer erfreulichen Zurückhaltung befleißigt hatte, sich jetzt auf einen Kleinkrieg mit der Sozial- demokratie eingelassen, der ihn selbst offenbar nervöser macht als seine Gegner. Niemand wird behaupten können, daß. für das Verbot der Versammlung im Treptower Park irgsnd welche sachliche Notwendigkeit vorgelegen habe; dies Verbot war vielmehr der erste große.Jehler, den Herr v. Jagow in der vorigen Wach« machte- Beinahe noch verfehlter als die Verweigerung der Versammlungs- genehmigung war dann das Verbot des Treptower„Spaziergangs" und oie zu seiner Durchführung angeordnete Schließung des Trep- tower Park». Diesem zweiten Verbot fehlte überhaupt die gesetzliche Grundlage; denn cs ist eine überaus gekünstelte Konstruktion, einen solchen Spaziergang, bei dem keinerlei Verhandlung statt- findet und keinerlei Reden gehalten werden, als eine Versammlung im Sinne des Vereinsgesetzes hinzustellen. Herr v. Jagow hätte zu dieser Künstelei um so weniger seine Zuflucht nehmen sollen, als die auf ihr basierende Schließung de« Treptower Parks, in dem die Berliner sich Sonntags in großen Scharen zu ergehen pflegen, eine überaus rigorose und erbitternde Maßnahme war, die zudem den angekündigten Wahlrechtsspaziergang nicht einmal verhindert, sondern nur auf einen anderen Schauplatz verlegt hat. Sie englische fresse über den Berliner AshIrechkipsÄergsng. Die großen englischen Blätter, die liberalen wie die kon- servativen. beschäftigen sich größtenteils sehr eingehend mit der Wohlrechtsdemonstration des letzten Sonntags, und alle, auch die st r e n g konservativen, verurteilen das provo- kalorische sinnlose Vorgehen der Berliner Polizei, wobei manches spöttische Wort über den geistvolleil Kopf fällt, der zurzeit diese Polizei leitet. Diese Urteile sind nicht nur in- sofern bedeutungsvoll, als inauche der Korrespondenten der englischen Blätter aus eigenem Augenschein berichten, wäh- rend die Mehrzahl der hiesigen reaktionären Blätter aar keine Berichterstatter an Ort und Stelle hatte und einfach auf Grund der Polizeiangaben und der Mitteilungen einiger liberaler Blätter ihre schönen„O r i g i n a l b e r i ch t c" zu- sammenschmierte, sondern noch weit mehr deshalb, weil diese englische Presse eine riesige Verbreitung hat und im englisch sprechenden Auslande den Ton angibt. Was sind die jämmerlichen Blätter von der Art der„Nordd. Allgcm. Ztg.". der„Post", der„Tägl. Rundschau" usw., die über einen wenige Tausend Leser umfassenden Kreis fast niemand kennt, gegen Blätter wie die„Times",„Daily Mail".„Daily News",«Daily Telegraph"? Der Bericht dieser Blätter geht in die ganze Welt hinaus, und er wird dazu beitragen, das preußische Junkerregiment und die Berliner Polizei noch ver- ächtlicher im Ausland zu machen, als das bisher schon der Fall war. Leider gestattet unser Raum nur. einige dieser Urteile über die Demonstration und die Polizei hier mitzuteilen. Der„Daily Telegraph" schreibt: „Es sind aber sogar der zahlreichen Berliner Polizei, die im größten Teil Berlins nirgends zu sehen war, Grenzen gezogen. Da, wo keine Polizei war, haben sich mächtige Demonstrations- züge zusammengefunden. Es war wie Zauberei. Wie ans der Erde wuchsen die Demonstranten. Kein besserer Beweis von der Vollkommenheit der sozialistischen Organisation hätte geliefert werden können. An der Spitze der Sonntagsnummer des„Vor- wärts" erschien nur die Notiz:„Heute von 1—2� Uhr Wahlrechts spaziergang." Wo dieser stattfinden sollte. wurde nicht gesagt. DaS zeigt, wie vortrefflich die Organisation gewesen ist. Alle Leute meinten, die Demonstration würde im Treptower Park bor. sich gehen. Die Sozialisten wußten eS besser. Ter Plan war geändert worden, und mit geradezu verblüffender Schnelligkeit wurde geheim die Parole erteilt:„Nach dein Tier- garten."&ß ist unmöglich, mit irgendwelcher Genauigkeit die Zahl derer zu schätzen, die an der Demonstration teilgenommen haben. Die, die am besten in der Lage sind, ein Urteil abzugeben, meinen, daß sie noch größer gewesen sei!vie am 13. Februar. Also zwischen 100 000 und 250 000 Personen. Nach und nach, mit der größten Ruhe, strömten die Demonstranten aus den un- geschützten Straßen in den Tiergarten, und bald war dieser große Park überschwemmt. Sie zogen die Alleen in loser Ordnung ent- lang, hier und da singend, aber sie zeigten keine Neigung zur Ausübung irgendwelcher Gewalttätigkeiten. Hin und wieder rief einer unter der Masse:„Hoch das allgemeine Wahlrecht!" und drei- bis vierhundert Personen in seiner Nähe antworteten mit dem gleichen Ruf. wobei sie ihre Hüte in der Luft schwenkten. Die Polizei ist vollständig überrumpelt wovden. Sie hatte nicht diese Entloickelung erwartet. Als der erste Demo»- strationszug den Königsplatz gegenüber dem Reichstagsgebäude erreicht hatte, wurde in aller Eile ein Trupp berittener Schutzleute von den Linden herangezogen. Dieser sprengte in die Menge hinein und bcarbeilete sie mit dem flachen Säbel. Eine Anzahl von Mäniiern, Fraueil und 5liudern wurden über den Haufen gc- ritten, und einige von ihnen von den Hufen der Pferde verletzt. Die Attacke war aber wirkungslos. Es wäre ebenso aussichtsvoll gewesen, einen Schwärm Heuschrecken abzuwehren. ES hätte eine ganz andere Taktik eingeschlagen werden müssen, um die Massen aus dem Tiergarten herauszudrängen. Das gestattet aber das Polizeisystem nicht. ES ist nicht elastisch genug dazu. So wurde denn die Polizeitruppe abberufen und mußte sich damit begnügen, die Massen in Bewegung zu halten." „Daily Chronicle" berichtet: „Das ganze Vorgehen der Polizei war lächerlich und über- trieben. Sie hat durch ihr Vorgehen mehr zur Propagierung des Sozialismus beigetragen, als wenn sie den friedlichen� Demonstrationszug erlaubt hätte. Die öffentliche Meinung ist bis auf den höchsten Grad gereizt, und wenn am Sonntag noch eine Kollision vermieden wurde, so dürfte sie viel- leicht bei der nächsten Demonstration stattfinden." Die„Times" melden: „Um ungefähr 2 Uhr kamen große Mengen aus den un- geschützten Straßen des Südens und Südwestens und drängten die SicgeSallee entlang. In kurzer Zeit war das Reichstags- gebäude umzingelt und die Treppen der Siegessäule, die an den Krieg von 1870 erinnern soll, besetzt. Der ganze KAnigSplatz war mit einer Menge gutgekleidcter und glücklich aussehender Menschen bevölkert, die unter den unsympathischen Standbildern von Bismarck, Roon und Moltke Hochrufe auf das freie Wahlrecht ausbrachten und die Marseillaise sangen. Die Polizei ist genasführt worden; sie wurde vollständig übertölpelt und hatte den Kopf ganz verloren. Sie schlug sogar- den unsinnigen Weg ein, die Treppen der Siegessäule und des ReichstagsgebäudeS durch berittene Schutzmannschaften säubern zu lassen. Während sich die Polizisten mit den Demonstranten herumbalgten, suchten ganz natürlich die scheu gemachten Zu- schauer, darunter Frauen und Kinder, die keine Ahnung von den Vorgängen hatten, auf der Plattform der Siegessäule Zuflndst- Als aber von dieser geschützten Stelle einige Rufe wie„Pfui!", „Bluthunde!" und„Sie können nicht mal reiten!" ertönten, ritten die Polizisten die Treppen hinauf und sprengten in die wehrlose Menge.... Die Demonstration ist mit Erfolg durchgeführt worden. Sie war mit voller Ueberlegung geplant und die Führer haben offen- -sichtlich ihren. Hnfl�ß hghin. ausgeübt,. daß irgendwelche Friedens- stvrüngen zu vermeiden seien. Die Truppen der, Berliner Garnifem waren den ganzen. Tag. üher fonsigniert." � � Ferner fdjimbFFie„Westminster Gazette", daff die Er- eignisse in Berlin cm die Lorgänge in England ivz Jahre 1832 erinnern, an die aufregende Zeit der Wahlrcform, in welcher der Volkswille den Sieg über die Privilegien der bc- sitzenden Klassen davontrug. Durch diese K u n d a e b u n- gen auf der Straße erhielt England erst die Wahlfreiheit, welche es noch heute besitzt. Tie „Pall Mall Gazette" tadeltdieBrutalität. welche die Polizei an den Tag gelegt hat und sagt, daß die Berliner Behörden nicht in der Lage zu sein scheinen, die Bewegung aussichtsvoll zu bekämpfen. Nach drei- bis vierwöchentlicher Tätigkeit sei es ihnen noch nicht gelungen, die Unruhen zu verhindern. Sie mußte die strategischen Ehren des TagcS den Demonstranten überlassen. ver folizeiüberfs» in Solingen. lieber die brutale Attacke auf friedliche Demonstranten. die am Sonntag die Solinger Polizei veranstaltete, um eine rote Fahne zu erobern, geht uns noch der folgende nähere Bericht zu: Solingen, 7. März. Die gewaltigste W a h l r e ch t S k u n d g e b u n g. die Solingen je gesehen hat, war unstreitig die vom gestrigen Sonntag. Die Ar- bciterschaft des ganzen Kreises Solingen war auf den Plan gerufen. Stundenweite Wege wurden von den Arbeitermaffen zurückgelegt, die sich die Teilnahme am Massenmeeting nicht nehmen lassen wollten. Der Auf- und Abmarsch der Massen— wohl an die 20 000 Personen— auf dem weiten Felde vor der St. Sebastian-Schützen« Halle wickelte sich in der größten Ordnung ab. Nach Schluß der Versammlungen zogen die WablrechtSkämpfer durch die Haupt st raßen der Stadt. Schon zu Beginn d e s De- monstrattonSzuges versuchte ein Polizeibeamter sich in den Besitz einer der drei im Zuge mit- geführten xoten Fahnen zusetzen, was ihm aber nicht gelang. Um jede Verschärfung diese? Zwischenfalles zu verhindern, ließ sich einer unserer Genossen von einigen anderen emporheben und ermahnte, die Ruhe zu bewahren und sich nicht provozieren zu lassen. Ein zweiter Vorstoß der Polizei- bcamten mißlang ebenfalls, und ruhig und friedlich näherte sich der gewaltige Zug der Demonstranten, von der Brüderstraße kommend. dem Rathaus. Hier halten, am Eingang zur Kölner Straße, einige Schutzleute Ausstellung genommen. Allen voran wieder riner der „Schutzmänner", der schon früher versucht hatte, die Demon st ratio» zu stören. Ruhig ließ man die Spitze des Zuges vorbeimarschieren. In diesem Augenblick kam ein Straßenbahnwagen vorbeigefahren, und durch die so freigewordene Lücke schob sich plötzlich ein Haufen „Schutzleute", allen voran wieder der schon oben' gekenn- zeichnete Schutzmann— K i n d ist sein Name— um die von einem Demonstranten getragene rote Fahne wegzunehmen. Bevor die Polizei jedoch an ver Fahne angelangt war, ereignete sich etwas Unerhörtes, ivaZ den Zuschauern das Blut in den Adern erstarren ließ. Ohne auch nur im geringsten einen Anlaß gehabt, ohne irgend eine Auffordernng zum Auseinander- gehen gegeben zu haben, zog die Polizei plötzlich blan! und der PolizeisSbel sauste ohne Rücksicht auf die Demon- stranten, Männer, Frauen und auch Kinder, sowie völlig unbeteiligte Personen wieder. Einige Schutzleute entrissen dem Träger die rote Fahne. Unter S ch r e ck e n S r u f e n der Frauen und Kinder stob dte Menge nach allen Richtungen auseinander, und der Rücken der Fliehenden brlam nun erst recht den Solinger Polizeisäbel zu kosten. Ohne Er- barmen, blindlings schlug man auf die Fliehenden ein. Die .Schutzleute" gebürdeten sich wie besinnungslos. selbst auf einen zur Erde niedergefallenen Knäuel Menschen schlug man weiter ein. Mehrere Verhaftungen wurden vor- genommen. Wahllos griff man die Passanten heraus und schleppte sie nach der Wachlstube. Wie ein Lauffeuer verbreitete sich die Nachricht von dein un- erhörten Vorgehen der Polizei durch die Stadt und benachbarten Ortschaften. Reue Scharen zogen heran, um sich von der Wahrheit des Geschilderten zu überzeugen. In Gruppen standen die Menschen beisammen und erörterte» in großer Erregung die Vorgänge. EntrüstungSrufe wurden laut, nirgends fand sich ein Mensch, der auch nur ein Wort der Entschuldigung für die Polizei hatte. Selbst Bürgerliche verurteilten das Borgehen der P o lizei mit aller Schärfe. Die bekannteren Genossen und Organisationsleiter hotten alle Mühe, die Bolksmenge zu be- ruhigen und bis gegen ll) Uhr abends war das Rathau«, wo sich der Borfall ereignete, das Ziel vieler Tausende. Der größere Teil der bürgerlichen Presse sucht die Schuld an den Vorkommnisse» den D e m o n st r a n t e n zuzuschieben. Das ist indes ein absolut aussichtsloses Beginnen. Der Redakteur eines Solinger bürgerlichen Blattes, der an der Stelle, wo sich die blutigen Lorgänge ereigneten, wohnt und den Lorgang von einem Fenster seiner Wohnung aus beobachtete, erklärt in seinem Blatte, daß die Schuld allein bei der Polizei liegt, die ohne jede Beranlassung dreiiigehmie» hat. Die Erregung in der Arbeiterschaft über die Borgänge ist groß. Glücklicherweise haben sich die Verwundungen, die einige Personen erlitte», nicht als so gefährlich erwiesen, wie an- fäuglich angenommen wurde. poUrtfcbe Qcbcrficbt* Berlin, den 8. März töll) Zustände auf de» Werften. AuS dem Reichstage, 8. März. Genosse Severing hatte es übernommen, die mißlichen Zustände auf den Werften eingehend zu beleuchten. In den Lordergrund seiner Erörterungen rückte er das Verhalten der Behörde gegenüber den Arbeitern. Auch die Marine- Verwaltung stellt sich auf den Standpunkt, daß sie Sozial- demokraten nicht zu dulden brauche, obgleich tatsächlich sofort die ganzen Wer-ftbetriebe lahmgelegt tvürdcn, wenn sämtliche Sozialdemokraten— die ja die Mehrheit der Arbeiterschaft aus- machen— die Werften verließen. In der späteren Bcantivortung der Severingschen Ausführungen suchte dann auch der Geheime Admiralitätsrat H a r m L sich zwischen diesen Unstimmigkeiten hindurchzuwinden, indem er einen knifflichen Unterschied machte zwische« dem Recht a u f U e b e r z e u g u n a, das er den Arbeitern gütigst zugesteht, und dem Recht auf Betätigung der Ueberzeugung, das er ihnen verweigert. Hauptsächlich rügte Severing die Schlampereien auf den Werften selbst, insbesondere in Dan zig, wo den ihm zugegangenen Informationen nach ähnlich wie in Kiel Alt- m'akcrial vergeudet" worden ist.' Es soll dort stt einen alten wassergefüllten Festungsgraben wertvolles Material hineingeschüttet worden sein. SeveringS Wünsch',' daß zur Nachforschung an dieser Stelle unparteiische Personen heran- gezogen würden, ist vom Marineamt mißachtet worden. Man hat dem Oberwerftdirettor die Sache in die Hand gegeben. der als Oberaufsichtsbehörde die Mitverantwortung trägt i Herr Harms konnte dann auch triumphierend mit- teilen, daß nichts von Belang gefunden worden sei. Severing machte dem gegenüber geltenv, daß den neuerdings ihm zu- gegangenen Informationen nach nicht gründlich und sorgfältig genug geforscht worden ist. Wie dte Sache liegt, wird sich wohl überhaupt niemals mehr feststellen lassen; denn Leute, die ein Interesse daran haben, daß nichts gefunden wird. können mittlerweile kompromittierendes Material beseitigt haben. Eine interessante Nebenerscheinung hat diese Kontroverse aber noch gezeitigt. Wie aus den Akten hervorgeht, hat die Behörde in Dauzig einen von Severing ausgelieferten Situationöplan der Stelle, wo die Materialien versenkt worden sein sollen, dazu mißbraucht, durch Prüfung des Papiers dem Absender(besten Namen Severing natürlich verschwiegen hat) auf die Spur zu kommen I Das spricht Bände zur Erläuterung der Erklärungen des Herrn V. Tirpttz über sein Verhalten gegenüber den Beamten. Die sozialdemokratische Resolution auf Einsetzung einer Untersuchungskommisston wurde natürlich abgelehnt. Ter Minister gegen Sozialpolitik. Endlich hat der Handelsminister Shdow so eine Art von Pro- gramm entwickelt, wenn das, was er in der TienstagSsitzung des Zlbgeordnetenhauses in Erwiderung auf die Rede unseres Genossen Leinert zum HandelLetat sagte, ein Programm genannt werden kann. Mit Reckst hatte L e i n e r t auf die eigenartige Erscheinung hingewiesen, daß eS in Preußen Sitte geworden ist. daß neu er- nannte Minister ihr Programm nicht vor dem Parlament, sondern bei irgendwelchen festlichen.Veranstaltungen entwickeln. Dieser Unsitte ist auch Herr Shdow treu geblieben: er hat sein Programm auf der Fcstversammlung des Vereins zur Förderung des Gcwcrbefleißes dargelegt, und dieses Programm beiveist, daß der neue Minister sozialpolitischen Fortschritten durchaus ab- g e n e i g t ist. Es war ein anschauliches, allerdings kein erfreu- liches Bild, das Leinert, gestützt auf ein reichhaltiges Material. vor dem Hause entrollte. Mit großer Schärse geißelte er die Rückständigkeit Preußens in allen sozialpolitischen Fragen, kenn- zeichnete er die ganze Art der prcußisch-deutschen Sozialpolitik, schilderte er den inangelhaften Arbeiterschutz, vor allem die un- zureichende Gewcrbeinspektion, deren Ausbau die Sozialdemo- kraten leider vergebens im vorigen Jahr gefordert txtben. Mit Recht, konnte unser Redner in setner wuchtigen Anklagerede be- haupten. daß die Tätigkeit des Handelsministers direkt hinüberführe in das Lager der nationallibcralen und freikonscrvativen Scharfmacher! Vor Leinert hatte der Freisinnige Rosenow«ine Rede vom Stapel gelassen, in der er nach echt freisinniger Art die Jnteresten aller Schichten der Bepölkcrung zu wahren versprach, auf deren Stimmen die Freisinnigen bei der Wahl angewiesen sind: vom Arbeiter über den Handwerker bis zum Großindustriellen. Nach Leinert kam der konservative Renommierarbeiter Hammer zu Worte, der offenbar das Abgeordnetenhaus mit einem Kabarett verwechselte. Inhaltlich bot seine Rede nichts Bemerkenswertes. Denn daß wir die Wutausbrüche des Herrn Hammer über die sozialdemokratischen Straßendemonstrationc» xrpst nehmen� wird er selber wohl nicht glauben� Auch die Antwort des Ministers ist kaum der Erwähnung wert. Sagte er doch selbst, daß er nur deshalb antworte, damit es nicht hinterher heiße, er habe zu den Keulenschlägen LeinertL geschwiegen? So stammelte er denn ein paar Phrasen gegen die Sozialdemokratie, erklärte feierlichst, daß er kein Minister gegen Sozialpolitik sei, sagte den Unternehmern einige Schmeicheleien und setzte sich unter lebhaftem Beifall. Sein Gehalt hat er sich dadurch redlich verdient. Da die Debatte sehr langsam fortschreitet, wurde eine Abend- s i tz u n g anberaumt. Die ivciteren Dispositionen des Hauses gehen dahin, daß am Freitag dir zweite, am Mittwach nächster Woche die dritte Lesung der Wahlrechtsvorlagc beginnt. Vom 18. März bis v. April sind Osterferien. Am 12. April soll dann die endgültige Abstimmung über das Wahlgesetz erfolgen. Tie Reichstagskandidatur des demokratischen Renegaten Blumenthal, des von der lle rikalen Mehrheit de» Gemeinderats von Colmar zum Bürgermeister und LandcsauSickiußabgeordiieten gewählten Vorsitzenden der Elsaß-Lothringischcn Volksportei im ReichStagswahl- kreise Mülhausen, wird von der tlecilolen Presse bestätigt und pro- pagiert, nachdem Blumcnthal selbst soeben ein gewundenes Dementi erlassen hatte. Die Sozialdemokralie wird dafür sorgen, daß die Dreistigkeit diese» politischen Hampelmannes, der als nationalistischer Sammelkandidat austritt, zur gründlichen Lektion für ihn wird. Die Reichsversicherungsordnung. Der Bundesrat hat am Montag dem Entwurf der Reichs- versicherungsordnunsi zugestunmt, so daß das Gesetz, lvie schon früher angekiindigt wurde, noch vor den Osterferien dem Reichstag zugehen wird. Die Jungen unter der Fuchtel der Alten. Unter den I u n g l i b e r a l e n im Westen war es in letzter Zeit zu Erscheinungen und Acußerungcn gekommen, aus denen ein illusionSfähigcS Gemüt hatte schließen können, daß im Herzen der jungliberalen Söhne altliberalcr Väter so etwas wie ein dcmo- kratischer Geist keime, daß die hoffnungsvollc Jugend auf eine Revision des Liberalismus nach der volkstümlichen, freiheitlichen Seite hin wirke. Die Sozialdemokratie wurde hier und da als der im Verhältnis zum Zentrum weniger schlimme Feind erklärt; einzelne verwegene Gemüter stellten die Sozialdemokratie— welche Ehre für uns!— sogar als bündnisfähig für den Libero- lismus hin; nian sah Junglibcrale in demokratischen Vcrsamm- lungen und hörte sie hier— welch ein Radikalismus?— sich für die Einführung des Reichstagswahlrechts in Preußen aussprechen. Das ist in den Kreisen der nationalliberalen Prinzipienwächter übel vermerkt worden und die„Kölnische Zeitung" weiß zu melden, daß derartige Vorkommnisse bei Wahlen, in Vcrsamm- lungen und Schriften„berechtigtenAnlaßzuBedenken" gegeben hätte»,„ob nichtdic nationalliderale Jugend zu sehr die Grenzen zwischen Bürgertum und SozialdemokratieausdenAugenverlorenhätt e." Die nationalliberalen Prinzipienwächter und Geldgeber der libe« ralen Jugendbewegung scheinen den Jungliberalcn ihre„Bedenken" recht eindringlich zum Bewußtsein gebracht zu haben, denn das Organ des jungliberalen Reichsverbandcs bringt in seiner letzten Stummer einen Aufsatz, der. wie die..Kölnische Zeitung" mit Ge- nugtuung bemerkt,„scharf die Richtung zieht für die Politik der nationalliberalcn Jugend". ES heißt in-dem Agfsatz: ,„Der Liberalismus kann nie und nimmer in prinzipieller Berlsirtdimg mit der Sozialdemokratie feine Aufgaben.loten ,'— auch vorübergehend nicht—, sondern allein dadurch, daß er. gerade in unseren Zeiten des politischen Uebergangc« zu neuen Verhältnissen, wehr und kräftiger und immer energischer sich auf seine eigenen Grundlagen besinnt. Nicht Verwischung, sondern Hervorkehrung der unterscheidenden Merl- male, das muß unsere Losung sein! Es ist noch nicht lange her, daß der Liberalismus die Gefährlichkeit seiner ein- gegangenen Verbindung mit rechts eingesehen hat, gerade noch frühzeitig genug, um nicht in dem Extrem rechts teilweise auf- gegangen zu sein: er loird darum jetzt nicht so töricht sein, sich nochmals in dieselbe Lebensgefahr zu begeben, bloß weil sie links von ihm steht. Alle p o l i t i s c n Bündnisse sind fürdenLideralismusporsichtig, sehrbehutsam zu behandeln, sonst verlier ter mehr, als er ge- winnt. Und den unbedingt sestznstellendcn politischen Freiheitsdrang unseres Volkes soll man nicht dadurch zu stillen suchen, daß man blindlings der Masse schmeichelt und der Sozialdcnio- kratie sich an die Rockschöße hängt, sondern dadurch, daß man die theoretischen Grundlagen des Liberalismus der Masse predigt uild sie so von den verderblichen Einflüssen einer alles gleich- machenden Demolratie befreit." Die„Kölnische Zeitung" glaubt, die in diesen Worten enip« fohlcne Behutsamkeit und Vorsicht in der Behandlung der von der nationalliberalcn Partei einzugehenden Bündnisse mit anderen Parteien, besonders der Sozialdemokratie, aufs dringendste empfehlen zu können. Das Blatt des ivaschechte» KommerzienratS- liberaliSmu» dringt sogar darauf, daß die Grenzlinie zwischen den Nationalliberalen und den jetzt geeinigten LinkSliberalen möglichst erkennbar bleibe; gerade in der Rheinprovinz fei es nötig, daß in dieser Beziehung klare Verhältnisse hergestellt würden. Die Jungliberalcn wissen also, was sie zu tun haben. Hübsch im nationalliberalcn Gleise bleiben! Sie dürfen zwar kräftig auf das Zentrum schimpfen, aber nichts tun. um durch den Anschluß an Links dem Zentrum ernstlich zu Leibe zu gehen. Für den nationalliberalen Scharfmacher, den nationalliberalen Professor und erst recht für das nationalliberale Regierungsblatt ist und bleibt der Sozialdemokrat und ihm gleichgcachtct wird jeder, der sich soweit vergißt, an dem Geldsackswahlrecht zu rühren und Preußen in die Reihe der Kulturstaatcn führen zu wollen. Und daß die Jungliberalen nicht nur in ihren Worten, sondern auch in ihren Taten sich der Anweisung der Alten zu fügen wissen, haben sie bei der Ersatzwahl in Mülheim-Gummcrsbach-Wipperfürth be. wiesen, wo sie in der Stichwahl sich so„vorsichtig und behutsam" verhalten haben, daß man nicht das mindeste von ihnen merkte. Aus dem bayerischen Landtag. Mitnihen, 5. März. Verhältnismäßig rasch war die General. diSkussion dcS Etats des Innern erledigt. Eine große An» zahl von Rednern sprach über eine noch größere Anzahl von Gegen- landen. Die Redner aller Parteien, von unserer Seite die Ge- nossen Dorn und S a e ck l e r, forden eine Revision deö Heimat- und A r m e n g e s c tz e L. Beide, besonders das letzte, sind total veraltet, und das Abschieben der Armen und Hilfsbedürftigen von einer Gemeinde in die andere nimmt nicht selten die rohesten und skandalösesten Formen an. Unsere Redner verlangen weiter die Einführung des Pro» portional Wahlrechtes für alle Gemeinden, also auch für die unter 4000 Seelen, und Erweiterung des Kreises der Ge- mcindetvählcr durch Ermäßigung der Bürgerrechts» gebühr. Ein Z w a n g Z c n t c i g n u n g s g c s c tz wird im Interesse des Staates und der Städte�als dringend notwendig erachtet, weil die Weitercitwickelung der Städte nach der einen oder anderen Seite nicht selten durch die unverschämt hohen Bodenpreisc, die von den Besitzern gefordert werden, gehemmt wird. Damit die Gemeinden ihre sozialen Pflichten gegen die Armen und Hilflosen, besonders aber gegen die Jugend und Säug- l i n g e besser erfüllen können, werden staatliche Mittel zur Unter- stützung der Gemeinden verlangt. Ein besonders wichtiges Kapitel bilden zurzeit die Urb er- l a n d z c n t r a I e n, durch die Stadt- und Landgemeinden in weiter Ausdehnung mit elektrischer Kraft versehen werden sollen. Als Kraftquellen sind teils die noch auszubauenden Wasserkräfte, teils die staatlichen Kohlenbergwerke ausersehen. So erfreulich die Idee an sich ist. so unerfreulich ist es, daß nicht der Staat der Träger dieser Zentralen werden soll, sondern die S ch u ck e r t- Gesellschaft. Also auch hier will man für die Allgemeinheit bedeutsame wirtschaftliche Unternehmungen wieder der Ausbeutung des Privatkapitals überlassen. In die G e b ü h r c ii g e s e tz u o v c-l l e, dle tags zuvor erledigt wurde, hat die sozialdemokratische Fraktion noch einige Erhöhungen hineingebracht, die eine Besteuerung der Eitelkeit de- deuten. Sie beantragte die Erhöhung der Gebühren für Titel- und Orden Verleihungen. Danach sollen die neuernannten Kämmerer anstatt 80 M. künftig ÖOO M., die K a ni m e r j u n t c r anstatt 20 M. 200 M. zahlen. Die Ein- tragungsgebührcn sollen beim„von" von 80 auf 00 M., beim Ritt erstand von ö0 auf 100 M.. beim Freiherrnstand von 100 auf 200 M., beim Grafenstand von 300 auf 000 M. erhöht werden. Außerdem wird in einer Resolution verlangt» daß die Gebühren für die erblichen R e i ch s r ä t e, G e h e; in c n Kommerzienräte und dergleichen wesentlich hinaufgesetzt werden. Dieselben sind namentlich gegenüber Preußen lächerlich gering. So kostet der erbliche Reichsrat nur 30 M. und der Ge- Heime Kommcrzienrat nur 100 M., letzterer in Preußen dagegen S000 M. Nach einer eingehenden Begründung der Anträge durch den Genossen v. H a I l c r werden alle Anträge trotz der Einwendungen her Regierung nahezu einstimmig angenommen. Leider wurden auch die Anträge auf Einführung von sehr bedeutenden Gebühren auf die Konzession von Wirt- schaftcn angenommen. Sie kommen zur Erhebung sowohl bei Neuerrichtung als auch beim Inhaber, oder Pächtenoechscl, Gegen diese weitere Belastung des Wirtsgewerbes, das schon durch die Reichösinaiizreform getroffen wurde, wandten sich die Redner der sozialdemokratischen Partei: b. Hall er und Sacckler. In der namentlichen Schlußabstimniung wurde da» ganze Gesetz mit 82 gegen 42 Stimmen angenommen. Dafür votierten Zentrum und Bauernbund,.dagegen Liberale und Sozialdemokraten- Die Jagotvs. Dem„Berliner Tageblatt" wird ans Halle o. S. von einem Jagow berichtet, der seines Berliner NamcnbruderS würdig ist. Es handelt sich um den Porvinziallandtagsabgeordiicten v. Jagow, Landrat in Osterbnrg(Altniarkj. Ter Landeshauptmann hatte in der Prooinziallandtagssitzung dargelegt, daß man vor einer Eteuererhöhung von 11-- Proz. stehe, daß zur Erbauung einer neuen Landesheilanstalt in Erfurt zunächst 3 Millionen und dann nocki 2 Millionen nötig feien, daß zur Unterbringung der Sammlungen der Provinz der Bau cincs Provinzialmuseums geplant werde, und daß sür Lauchstedt mir seinem Älassikertheater 35 000 Mk. auf- geweirdet werden müßten. Da erhob sich Herr v. Jagow und protestierte gegen die vielerlei unnützen Ausgaben, die jetzt in der neuen Zeit auftauchen: „Den Acrzten in unseren Anstalten müssen wir strengste Sparsamkeit zur Pflicht machen. Brauchen denn die immer die neuesten und modernsten Instrumente? Sie sollen sich ein- richte». Aerzte schreiben gern Rezepte, aber Berichte schreiben sie nicht gern. Eine ganz ärgerliche Ausgabe würde eine Be- willigung für Lauchstedt sein. Als wir das Theater übernahmen, hieß es, das lostet 20 000 Mk. Nun will man schon wieder 35 000 M. haben. Die Ucbernahme der altehrwürdigen Kloster- stätte Arendsec Ixrt minder Provinzialausschnß abgelehnt.- Solch eine geistliche Städte steht dckch höher als Lauchstevt. wo Schiller und Goelhe.ihren legiriincn und illegitimen Vergnugungech nach- gingen. Und das Provinzialinuseum endlich! Da können wir doch einfach die einmal übernommenen Sammluiigen irgendeiner Stadt, z. B. Magdeburg, Erfurt, Stendal ojer«alzwedel über» gebcn. Die Straßenbauten kosten uns schweres Geld. Um einen Teil der Ausgaben wieder hereinzukriegen, wollen Wir die Auto- mobile mit einer gehörigen?lbg>ibe belasten." Der Provinziallandtag nahm manche Ausführungen des Herrn v. Jagow mit schallender Heiterkeit auf. Landtagscrsatztvahl in Biclefcld-Herford-HaUe. Bei der DienSiag stattgefundenen Ersatzwahl zum Landtage im Wahlkreise Bielefeld-Herford-Halle wurde an Stelle deü verstorbenen freisinnigen Abgeordneten Lorentz der naiionalliberale Kandidat Meier zu Jerrendorf mit 520 Stimmen gewählt. Der Kandidat der Freisinnigen und eines Teils der Nationalliberalcn. die gespalten waren, erhielt 423 und der christlichsoziale Kandidat 04 Stimmen. Die Sozialdemokratie stimmte für den freisinnigen Kandidaten. Die Äoliservativen sind für Jerrendorf eingetreten. �ankreick. Unterschlagungen von Ortzensgeldern. Paris, 8. März. Der mit der Liquidation mehrerer großer Kongregationen beauftragte gerichtliche Liquidator D uez ist u er- haftet worden. Er ist verdächtig, große Unterschlagungen begangen zu haben. England. Eine Nachwahl. London, 7. März. Bei der Nachwahl für das Unterhaus in Jlteston wurde heute der Unterstaatssekretär im Kolonial- amt Seely. der bei den Hauptwahlcn keinen Sitz errang, mit 10 L04 Stimmen gewählt. Der unionistische Gegenkandidat erhielt 6871 Stimmen. Seine Majorität beträgt also 8300 Stimmen, während sie kürzlich bei den Hauptwahlen 4200 betragen hatte._ Unzufriedenheit der Konservativen. Londou, 5. März.(Eig. Ber.) In einflußreichen konservativen Kreisen herrscht viel Unzufriedenheit mit der Haltung der Führer der Opposition. Ihr Organ ist die„Mvrning Post", die in ihrem Leitartikel Mr. Balfour und Mr. A. Chamberlain einer scharfen Kritik unterzieht. TaS Blatt ist der Ansicht, daß e« die Pflicht der Opposition gewesen wäre, die Regierung zu stürzen und mit Hilfe der Iren, die samt und sonders Schubzöllner und gegen den freihändlerisch«» Etat sind, einen neuen Etat zu ent. werfen, die StaatSfinaiizeii zu regeln und Tarifreform einzn- fuhren. Durch di« Passivität der Konservativen habe die liberale Regierung die Möglichkeit gewonnen, das ihr am besten zusagende Kampffeld zu wählen. Nach Ansicht der„Mornmg Post" wir» die Regierung den Kampf gegen die Lords beginnen und auf Grund dieses Kampfes das Parlament auflösen und Neuwahlen aus- schreiben. Neben dem Kampfe gegen die LordS wird die Regierung auch als Wahlparole den Londse Utscheid in Sachen O s- dorne gegen den Eisenbahnerverband nehmen,„um die Konservativen bei den Arbeitern ebenso zu ruinieren, wie der Toff-Vatc-Entscheid sie in den Januarwahlen 1906 ruiniert hat". DaS Blatt fordert die Opposition auf. ihre ganze Energie anzu- spannen,„um das zweifellos perfide Ministerium, das je dieses Land regrert hat, zu stürzen". ES ist indes der Opposttion nicht mehr möglich, die Regierung zu stürzen, so lange die Iren an den Abstimmungen nicht teilnehmen. Uno blewt die Regierung ihrem Versprechen treu, weder an das alte nock) an das neue Finanzgesctz heranzugehen, bis die Vetoresolutioncn erledigt sind, so hat sie es in ihrer Macht, die Konservativen bei den nächsten Wahle» in die Defensive zu drängen. GcwcrfefcbaftUcbee. KHcgsrüftungen im Baugewerbe. Der„Verband der Baugeschäfte von Berlin." will durch- aus nicht die erwünschten Fortschritts machen, obgleich die Bewegung im Jahre 1907 für ihn einen günstigen Verlaus nahm. Welche Ursachen für diesen Umstand maßgebend sind, soll hier nicht untersucht werden: aber genug, es geht nicht recht vorwärts. Wie uns von unterrichteter Seite mitgeteilt wird, schwankte die Mitgliederzahl seit 1907 zwischen 550 bis 000. Das ist aber nur ein geringer Teil der ständig Arbeit ausführenden Arbeitgeber des Geltungsbereichs jenes Ver- bandes. Im verflossenen Jahre ging aber die Mitglieder- zahl aus 532 herab. Angesichts des bevorstehenden Kampfes wendet der Vor- stand dieses Verbandes sich in einem Rundschreiben „erneut an all« Arbeitgeber im Baugewerbe(Äroh-Berlins, welche dem Verbände der Baugeschäste noch fernsteben, mit der ernsten und dringenden Bitte, endlich die Mitgliedschaft beim Verbände zu erwerben." Da auch bei diesen edlen Herren vom Bau das Klappern zum Handwerk gehört, so arbeiten sie wieder nach der bereits etwas abgegriffenen Methode und verweisen auf die rührige Agitation der Organisationen der Arbeiter und deren Fach- blätter, um damit den spröden und widerspenstigen Geist ihrer„sehr geehrten Herren Kollegen" für den Anschluß an den Verband geneigter zu machen. Dem wohl hinlänglich bekannten Bedenken, daß der Beitrag zum Verbände zu hoch wäre, wird mit dem recht possierlichen Argument begegnet, daß die Herren sa„Tausende für Krankenkassen, Invalidenversicherung, Bernssgenosseu- fchaftcn usw. für ihre Arbeitnehmer ausgeben müssen und daß in jedem Gewerbebetriebe ein Betrag vorhanden sein muß, der für die eigenen Interessen und für das eigene und Wehe aufzuwenden ist." Um den Zeitgenossen zu beweisen, daß der Vorstand allen Anforderungen der Neuzeit gerecht werden will, eröffnet er auch eine billige Woche a la W e r t h e i m und T i e tz und sagt: „Auf Wunsch stehen Ihnen unsere Satzungen zur Verfügung. Der Beitrag beträgt L'/h pro Mille der im Jahre gezahlten Lohn- summe. Weitere Zahlungsverpflichtungen bestehen nicht mehr. Es wird kein Eintrittsgeld mehr erhoben, ebenso wie von der Zahlung zum Garanltefonds bei Eintritt Abstand genommen worden ist. Die Hinterlegung von Sichtlvcchfeln ist in den Satzungen gestrichen und es ist somit alles geschehen, um den Eintritt zu erleichtern." In nicht mißzuverstehcnder Weise wird auf den Ablauf oer Tarifverträge hingewiesen und dann nochmals die drin- gende Bitte ausgesprochen, dem Verbände beizutreten. Die Innung:„Bund der Bau-, Maurer- und Zimmer» mcister Berlins" ergreift einige Zeit darauf ebenfalls zu- gunsten der Agitation des Verbandes das Wort. Sie wendet sich mit einem Rundschreiben an diejenigen Jnnungsmit- glieder, die dem Verbände der Baugeschäfte noch nicht bei- getreten sind und legt ihnen den Anschluß recht dringend ans Herz. Sic erinnert daran, daß seinerzeit der Verband der Baugeschäftc von den Bauinnungen Groß-Berlins gc- gründet worden ist und weist weiter darauf hin, daß der dem- nächstige Ablauf des Tarifvertrages der Arbeitgeberschaft mit besonderem Nachdruck die Pflicht auferlegt, zur Wahrung der Berufsinteresscn lückenlos zusammenzustehen. Der„Leipziger Volkszeitung" ist ein Zirkular des Ver- bandes der Bauarbeitgcber für Leipzig und Umgegend zu- gegangen, aus dem deutlich ersichtlich ist, daß auch die Leipziger Bauunternehmer, deren Vorsitzender Ente sich mehrfach rühmte, den Frieden iin Baugewerbe erhalten zu haben, auf den Kampf hintreiben. In dem Zirkular, das als„vertrau- lief)" an die Mitglieder des Verbandes der Bauarbeitgeber für Leipzig gerichtet wurde, wird zunächst auf die Beschlüsse der Straßburger Hauptversammlung vom 25. Februar hingewiesen und darauf, daß die endgültige Entscheidung in der außerordentlichen Hauptversammlung in Dresden fallen soll. Dann heißt es in dem Zirkular: „Wenn schon eine friedliche Lösung der Tariffrage allseitig dringend erwünscht ist und erhofft wird, so hat der Verlauf der Hauptversammlung doch gezeigt, daß die Möglichkeit eines über ganz Deutschland sich erstreckenden Kampfes nicht durchaus ausgeschlossen ist, sondern eher wahrscheinlich genannt werden muß, da die Spannung zwischen den Forderungen der Arbeiter und dem, was die Arbeiter zur Erhaltung ihrer Autorität in ihren Betrieben für unumgänglich notwendig halten, eine recht große ist. Es ergab sich in Straßdurg aber auch, daß man in allen Teilen des Reiches einmütig und fest entschlossen ist, sich durch die Verhandlungen keineswegs in demütigender Weise zurückdrängen zu lassen, sondern, wenn eine Möglichkeit, durch Verhandlungen zum Frieden zu gelangen, nicht gegeben ist, in den Kampf einzutreten. Wie nun auch die Entscheidung aus- fallen möge,— an uns ist es, nicht zu unterlassen, was unS den cntwaigen Kampf erschweren oder unmöglich machen könnte. Aus diesem Grunde empfehlen wir vor allem bei Verträgen und Abschlüssen, die Möglichkeit eines Kampfes nicht außer acht zu lassen." Aus der Agitation der Arbeitgeber und aus den äuge- wandten Mitteln können die Arbeiter ersehen, wie rührig die ersteren an der Arbeit sind, um die Reihen zu schließen und den Kampf vorzubereiten. Die Arbeiter müssen daraus lernen und das gleiche tun. Auch ihre Parole soll uud kann nur sein: Hinein in die Verbände der baugewerblichen Ar- beitcrorganisationcn!_ Berlin und Umgegend. Die Lohnbewegung in der Herrenkonfektion beschäftigte am Montagabend eine zahlreich besuchte Konfektions» schneidervcrsammlung in den 5königssälen. Wie der Referent Kunze ausführte, haben sich die Verhandlungen in der Herren- konfektiou in letzter Zeit gehäuft, was darauf zurückzuführen ist, daß die Arbeiterschaft mit immer größerer Kraft für die Bewegung eintritt. Bon einem Teil der Arbeitgeber ist in der vorigen Woche die Frage erwogen worden, ob man nicht durch eine Kommission aus ihren Kreisen mit dem Schneiderverband verhandeln und auf diesem Wege für die Firmen, die sich dazu bereit erklärten, einen gemeinsame» Tarif abschließen tönne. Die Vertreter der Arbeit- nehmer erklärten sich wohl mit diesem Plan eicnverstanden, jedoch nur unter der Voraussetzung, daß auf Grundlage der bereits ab- geschlossenen Tarife verhandelt werde. Herr Adam, der im Filial- bureau des Schneiderverbandes war und dort diese AnUvort er- halten halte, hat jedoch bei den übrigen Arbeitgebern keinen Erfolg mit dem Plan gehabt. Die Bewegung muß also in der Weise wie bisher weiter geführt werden, so daß mit jeder einzelnen Firma verhandelt und in jedem Falle getan werden muß, was notwendig ist, um zu einheitlichen Tarifverhältnissen in der ganzen Herren- konfeklion zu kommen. Der Redner berichtete sodann über den Stand der Bewegung hei de» verschiedenen Firmen, deren Arbeiterschaft zu der Ver- sammlung ganz besonders eingeladen war. Bei Adalbert Stier, der bekanutlich�schon im Januar durch den mit großer Einmütigkeit geführten«treik zur Anerkennung des Tarifs ver- Veramw. Redakt.: Richard Barth» Berlin. Inseratenteil veraiitwTI anlaßt wurde, ist jetzt abermals eine Differenz entstanden. Die formelle Unterzeichnung des abgeschlossenen Tarifvertrages ist seinerzeit im Einverständnis beider Parteien hinausgeschoben worden, weil noch einige wenige Positionen im Tars fehlten. Nun wünscht die Firma Aenderungen des Tarifs, will die Löhne fiir Kleinftückc, die namentlich von Arbeiterinnen angefertigt werden, niedriger aufgesetzt wissen und weigert sich, die Unterzeichnung des Tarifs zu vollziehen. Der Redner schlug hierzu der Versammlung vor. die Ortsverwaltung zu beauftragen, die Unterzeichnung des Tarifs binnen vier Tagen zu verlangen, widrigenfalls die Arbeit wieder eingestellt wird. Abgeschlossen ist der Tarif bei M a ch o l u. L e w i n auf der Basis des wtierschcn Tarifs mit unbedeutenden Aenderungen. Es fehlt jedoch noch der Tarif für Loden- und Librecsachen, auf den natürlich nicht verzichtet werden kann. Bei Elsbach Nach f. ist im Laufe des Montags der Tarif abgeschlossen worden. Es war bekanntlich nur noch über die Sport- und Livrecsacken zu ver- handeln und es ist gelungen, auch hierin vollständige Einigung zu erzielen. Ter Tarif soll am 15. April in Kraft treten, lvomit sich die Kommission unter der von der Firma anerkannten Bedingung einverstanden erkkäne, daß sofort eine Lohnerhöhung von 5 Proz. gewährt wird.— Die Streikenden der Firma Elsbach hielten gestern vormittag eine Versammlung ab. um über die Wieder- aufnahm« der Arbeit zu beschließen.— Bei Stern Gedr. ist der Tarif in derselben Weise wie bei den anderen Firmen aner- kannt, bei denen eine Regelung durchgesetzt wurde, jedoch sind noch die Löhne für die Hosen- und Westenarbeit zu regeln. Wenn von dieser Firma neulich in der Versammlung gesagt wurde, daß sie besonders schlechte Löhne zahle, jo bezog sich diese Aeußerung hauptsächlich aus die Tagschneider und trifft nicht in dem Matze aus die übrige Arbeit zu. Die Firma stand übrigens schon seit Jakrcn i» einem Tarifverhältnis mit dem Schneiderverband. Die Verhandlungen mit Cohn u. Sohn haben noch zu keiner Eini- gung geführt. Es sind hier bei einzelnen Arbeiten Löhne ge- boten, die der Versammlung lächerlich gering vorkamen. Dann ist auch noch eine Reduzierung der Serienzahl notwendig. Es soll dort weiter verhandelt werdeil, woraus die Arbeiterschaft der Firma von neuem zu der Sache Stellung nehmen loird. Bei Bcnder>u. Gatt mann ist es zur Anerkennung des Tarifs gekommen,' jedoch fehlt es noch an der Regelung der Tagschneider- löhne, die ebenfalls in der Weise wie in den anderen Geschäften erfolgen mutz. Ferner ist mit der Firma S. Reickmann ver- handelt worden, und zwar mit dem Erfolg, daß der Tarif abge- schlössen werden kann mit der Bedingung, daß eine noch ausstehende Position ebenfalls im Sinne der übrigen Tarifabschlüsse geregelt wird. Ebenfalls ist bei S. Adam die Einigung zustande gekommen, sowie bei Schulmeister entsprechend dem Stierschcn Tarif. Allerdings fehlen in dem Tarif der Firma Schulmeister die Maß- fachen, weil hier bereits ein Tarif der Maßschneider abge- schlössen war. Besondere Beachtung erfordert die Firma Hugo Hermann, die bei den übrigen Konfektionären als außerordentlich konkurrenz- sähig gilt und nun offenbar ihre Konkurrenz durch einen geringeren Tarif, als ihn die übrigen Firmen zahlen müssen, sanktioniert wissen möchte. Sie schlägt eine. Serienstaffelung und� Lohnsätze vor, mit denen sich die Arbeiterschaft unter keinen Umständen ein- verstanden erklären kann. Nur über die Extraarbeiten ist es hier zu einem großen Teil zur Einigung gekommen. Im übrigen aber muß, wenn die Firma sich nicht noch aus gütlichem Wege bereit findet, die Löhne zu zahlen, die andere Häuser bewilligt haben, zu anderen Mitteln gegriffen werden.— Der Redner erwähnte dann noch eine Reihe anderer Firmen, bei denen die Bewegung einxteleitet ist und wies darauf hin, daß diese Arbeitgeber immer wieder versuchen, durch kleine Lohn- zulagcn die Arbeiterschaft von der Durchführung der Tarifsorde- rungen abzuhalte». Es ist selbstverständlich, daß die Konsektions- schneider sich durch dergleichen nicht irreführen lassen dürfen und daß sie, lvenn der Arbeitgeber Verhandlungen, wünscht, ihn stets an. die Kommission vMveisen müssen. Tie von den Unterikchtrtbrfi gebotenen Lohnzulagen Kaden für die allgemeine und einheitliche. Regelung der Verhältnisse in der Herrenkonfektion gar keinen Zweck. Eine dauernde Besserung ist eben nur durch die cinheit- liche Regelung möglich, und dieser Grundsatz w�rd auch bei allen Tarifabschlüsscn zur Geltung gebracht. Die Organisation scheut dabei vor Kämpfen keineswegs zurück. Kämpfe müssen eben gc- führt werden, uni zu geordneten Verhältnissen zu gelangen. Die..Volkszeitung" bringt jetzt fortgesetzt Annoncen, in denen Schneider zu„hohen" oder gar„außerordentlich hohen" Löhnen verlangt werden. Es liegt im Interesse der Arbeitersckmft nament- lich bei Firmen, wo die Tarifbewegung eingeleitet ist, nicht auf diese Lockungen hineinzufallen. Fester Zusammenhalt in der Organisation ist natürlich vor allem notwendig, um die Bewegung erfolgreich durchzuführen.— An das Referat schloß sich eine rege Aussprache über die Zu- stände bei verschiedenen Firmen. Die Vorschläge, den Tarif- vertrügen bei den Firmen, wo sie in vollem Umfange anerkannt sind, zuzustimmen, im übrigen aber weiter zu verhandeln, wurden von der Versammlung gutgeheißen. Ebenso erklärte sich die Ver- sammlung einstimmig damit einverstanden, daß von der Firma Stier die Unterzeichnung des Tarifs binnen vier Tagen ver- langt wird und wenn dem nicht nachgekommen wird, die Arbeit einzustellen ist, sowie, daß bei Hugo Hermann darauf bo- standen werden muß, daß die Firma dieselben Grundpreise anzu- erkennen hat. wie sie bei den anderen Tarifabschlüssen festgelegt sind, und daß. falls die Einigung auf gütlichem Wege nicht zu erzielen ist, die Arbeiterschaft über die weiteren Schritte zu be- schließen hat.— Es wurden schließlich noch für mehrere Firmen Kommissionen gewählt, die über die Einreichung der Tarife zu beraten haben unter Berücksichtigung der besonderen Arbeiten, die hier und da eine Ergänzung der ja im übrigen einheitlichen Tarifvorlage not- wendig machen._ Die Lohnbewegung der Herrenm»g,u)u,-U>er in Stegiiy. In Steglitz und Friedenau sind die Herrcnmaßschneider be- konntlich auch bestrebt, den in ihrer Branche in Berlin durchgeführten Tarif zur Geltung zu bringen. Vor acht Tagen wurden den Arbeit- geben» die Forderungen zugestellt. Von einem Teile der Arbeitgeber liegen nun die mehr oder minder entgegenkommenden Antworten vor. Außerdem hat sich aber der Vorsitzende deS Arbeitgebervereins im Schneidergewerbe von Steglitz an die Ortsverwaliung des Ver- bandes niir einem Schreiben gewandt, in dem behauptet wird, daß dort ei» Tarifvertrag bestehe, der erst einmal gekündigt werden müsse, ehe neue Forderungen gestellt werde» könnten. Tatsächlich ist für Steglitz im Jahre 1906 eine Art Tarif zustande gekommen, es ist jedoch weder darin, noch in dem Protokoll jener Verhandlung irgendwelche Kündigungsfrist festgelegt worden. Die Ortsverwaliung des Schneiderverbandes hat den Vorstand der Arbeitgeber über diese Sachlage unterrichtet. Am Montag waren nun die Herrenmaßschneider von Steglitz und Friedenau wiederum versammelt, um über die Bewegung zu be- raten. Ihr Beschluß geht dahin, daß vorerst mit den einzelnen Firmen verhandelt iverden soll. Was weiter zu geschehen hat, darüber wird später beschlossen werden. In der Eisenkonstruktionswcrlsiatt von Bcltc u. Schnecvogcl i» Wittenau haben die Arbeiter vor einigen Wochen die Arbeit niedergelegt, um eine Verschlechterung ihres LohnverhältnisseS ab- zuwehven. Anstatt des sonst gewohnten Akkordüberschusscö, der bei Belte u. Schneevogel niemals erreicht wurde, zahlte die Firma den Akkordarbcitern nach Fertigstellung des Akkordes eine sogenannte Extravcrgütung, die für den einzelnen Arbeiter 1 bis 8 M. betrug. Kürzlich erklärte die Firma, daß diese Vergütung nicht mehr gewährt wird. Die Arbeiter forderten dann als Eut- sckädiguiig für diesen Aussall«ine Lohnerhöhung von lklü Pf. pro stunde. Tos lehnte die Firma ab. Wiederholte Verhandlungen hatten keinen Erfolg, die Arbeiter traten deshalb in den Streit. Nun wurden vom Arbeitsnachweis der Gelben Streikbrecher ge- lH.GIocke.Bcrlin. Druck u. VerMa■ Vormä-n» Wtichhr„ j schickt, die aber nach erfolgter Aufklärung durch die�Streikenden die Arbeit wieder aufgaben. Die Firma fand andere»Streikbrecher, die in die Fabrik einquartiert wurden, um sie vor jeder Berührung. mit den Streikenden zu sichern. Auch die Gendarmerie trat in einer Stärke von 11 Mann zum Schutz der Unternchmerintcressen an. Die Streikbrecher criviesen sich jedoch als ungeeignet für die Arbeit, sie wurden von der Firma entlassen. Von einer Verständigung mit den Streikenden wollte die Firma aber nichts wissen, sie er» klärte vielmehr, sie werde ihren Betrieb für acht Wochen schließen. Da die Firma mit Aufträgen reichlich versehen ist, so wird an- genommen, daß sie ihre Arbeiten in anderen Betrieben anfertigen lassen will. Um dem entgegenzutreten, hatte der Metallarbeiter- verband am Montag eine Versammlung aller in Eisenkonstruktwns- Werkstätten beschäftigten Arbeiter einberufen. Der Referent Maus trug die Ursachen des Streiks vor und ersuchte die Anwesenden, streng daraus zu achten, daß Arbeiten der Firma Velte u. Schnccvogel in keinem Betriebe angefertigt werden. Um das zu ermöglichen, soll festgestellt werden, welche Bauten gegcntvärtig durch die Firma Belte u. Schncevogel auszuführen sind, so daß die Kollegen wissen, ob die ihnen über- tragene Arbeit Streikarbeit ist, die unbedingt zurückgewiesen werden muß. Der Referent erklärte es als eine Ehrenpflicht aller Eisen- konstruktionsarbeiter, durch Zurückweisung der Streikarbeit den eE< mutig streikenden Kollegen von Belte u. Schneevogel zum Siege zu verHelsen, weiter aber auch für Verbesserung der Verhältnisse im eigene,« Betriebe zu wirken. Die Versammlung erklärte sich mit den Ausführungen deS Referenten durchaus einverstanden. Oeuttches Reich. Erfolg der ausständigen Etuiarieiter in Rathenow. Die Firma R ö s i ck e u. Co. verpflichtete sicki bereits nach Ablauf der ersten Streikwoche zur Anerkennung des Tarifs. Darüber hinaus wurden noch für die Arbeiteriimen eine Arbeitszeitverkürzung von �/« Stunden täglich, sowie l),5l>— 1,— M. Lohnzulage pro Woche erzielt. Die mann» lichen Arbeiter erhalten eine Lobiizulage von 1,59 2,— M. pro Woche. Die Etuis- und Karlonuagensabril von H. R ö d i n g bleibt gesperrt und ist Zuzug nach wie vor streng fernzuhalten. Der Streik der Konfektionsarbeiter in Bielefeld ist beendet. Am 5. März wurde ein Tarifvertrag abgeschlossen. Es wurde eine Ar» beitszeit im Winter von ö, im sommer von Wi Stunden festgelegt. Auch die Löhne wurden geregelt. Es hat bisher dort ein-tanf- vertrag nicht bestanden; dieser gilt bis 1. August 1912. Der Streik der Damenschneider und-Schneiderinnen in Nürnberg wurde durch Verhandlungen beendet. Die Forde- rungen der Ausständige» wurden erfüllt; Dienstag nehmen die Ar- dcitcr und Arbeiterinnen die Arbeit wieder auf. Die Maler in Mülhausen i. E. hoben infolge der ständigen Weigerung der Uulentehmer, die an» 2. Februar begonnenen ort- lichen Verhandlungen weiterzusührcn und die Begingunge» des Reichstarifs anzuerkennen, mit Einstimmigkeit den Streik beschlossen. Zuzug ist fernzuhalten. Austand. Ter Generalstreik in Philadelphia. Der„New Dork Herald" meldet aus Philadelphia: Der General- streik beginnt eine immer größere Ausdehnung anzunehmen. Die Arbeiter der Textilindustrie haben sich mit den Angestellten der Straßenbahn solidarisch erklärt. Die Zehnerkommission gestattet den Bäckern, den Führen» von Milchwagen und Gastwirten, s�wie den Arbeitern von Fabriken, die Lebensmittel herstellen, ihre Arbeit fortzusetzen. Es geht das Gerücht, daß die Behörden die Frage diskutiert haben, ob man nicht die Zehnerkommission arretieren solle. Die Regierung der Vereinigten Staaken hat ein Regiment Artillerie nach Philadelphia geschickt, um die Münze und andere .össcntlichc Gebäude zu schützen. Der Einnahmeausfall der Eisenbahngesellschaften während des Streiks beträgt bis jetzt schon eine Million Dollar. In den Vororten von Philadelphia hat man Dynamit unter die Straßenbahnwagen ge- warfen, wodurch niedrere Personen verletzt wurden. Die Polizei bat zahlreiche Verhaftungen vorgenommen. Der erste Tag des Generalstreiks ist verhältnismäßig ruhig verlaufen. Die Tor« der Mehrzahl der Fabriken sind geschlossen, auf den Straßen sind Straßeil- bahnwagen selten, Autotaxameter überhaupt nicht zu finden. Es ist im Augenblick noch unmöglich, eine genaue Zahl der Streikenden anzu« geben. Die Führer der Bewegung erklären, daß sich wenigstens 150 009 Mann dem Ausstände angeschlossen haben. Wenn das Komitee eine Unterstützung der Streikenden für not« wendig hält, so wird von den Mitgliedern der Föderation ein außer« ordentlicher Beitrag für Philadelphia eingefordert werden. Letzte JVachnchtcii und Dcpefchen« In den Streik getrieben. Köln, 8. März.(Privatdepcsche des„Vorwärts".) Die Lcrhandluntien der Lohnkommission mit dem Schutzverbande der Brauereien sind gescheitert, trotzdem die Arbeitervcrtreter mit den Forderungen noch weiter zurückgingen. Daraufhin legten heute vorinittaa die Arbeiter in der Adlerbrauerer einmütig die Arbeit nieder. Zur Verhaftung des Liquidators Duez. Paris, 8. März. kW. T. B.) Der Verhaftung des Liqui« datorS der Kongregationen Duez war auf die Anweisung der Staatsanwaltschaft eine Prüfung der Bücher des Liquidators vorausgegangen, mit der ein Bnchführungssachvcrständiger betraut worden war. Die Untersuchung zog sich etwas in die Länge. als»nan plötzlich riesige Unterschlagungen entdeckte. Der Staats« anwalt forderte hierauf von Duez Aufklärung. Dieser ver- sicherte, in 21 Stunden jene Summen herbeischaffen zu wollen, deren Verschleuderung man ihm vorwarf. Da Duez dieses Ver» sprechen nicht hielt, ließ ihn der Staatsanwalt verhaften. In parlamentarischen Kreisen hat die Verhastung deZ gerichtlichen Liquidators Duez großes Aufsehen hervorgerufen. Duez gestand, daß er bei der Liquidation der KongregationSgüter vier Millionen Frank und bei der Liquidation anderer ihm vom Gericht zugewiesenen Geschäfte eine Million veruntreut habe. Ein Ivjähriges Mädchen verschleppt. Oberhausen(Ruhr), 8. März.(Privatdcpesche des„Vor- wärts".) Ein Ikjährigcs Dienstmädchen, das von einem Ausgange seinerzeit nicht zurückkehrte, ist uach Brüssel ver- schleppt worden, von wo ein Brief eines Zahnarztes an die Eltern gelangte, 20 M. für die Rückreise des Mädchens ein- zusenden. Die Angehörigen reisten daraus alsbald nach Brüssel, wo unter Zuhilfenahme des deutschen Konsuls das Mädchen mit drei Entführern angetrosfr» wurde. Letztere wurden sofort verhaftet._ Der Schrecken des Hallehschcn Kometen. Budapest, 8. März.(B. H.) In der Ortschaft Zsoszana verübte der Insasse Adam Toma aus Furcht vor dem Hallepschc« Kometen Selbstmord. Er äußerte, sich lieber selbst das Leben zu nehmen, als durch den Kometen vernichtet zu werden! anlS'nqer&Co., Berlin SW. Hierzu 1 Beilagen u. Nnt rhaltungSbl.~ Nr. 37. 27. Jahrgang. 1. KtilM Ks Jotitärts" Klllimr llolliütilatt. pttmili. 9. pt! 1910. Reicbstag. öl. Sitzung vom Dienstag, den 8. März, nachmittags 1 Uhr. Am BundeSratstisch: v. T i r p i tz. Die Beratung des Biarinertats wird fortgesetzt und zwar beim Kapitel.Intendanturen". Abg. Werner(Antis.) wünscht eine Aenderung deS Titels der Jntendantursekretäre. Vizeadmiral Capelle: Diese Aenderung werden wir vornehmen, sobald sie bei der Armee erfolgt. Das Kapitel wird bewilligt. Beim Kapitel„In dien st Haltungen" beantragt� die Kommission eine Neuregelung der Bestimmungen über die Tafel- und Mcsjegelder im Laufe des Rechnungsjahres 1910 und eine Denk schrin über daS gesamte Zulagewesen der kaiserlichen Marine. Ferner verlangt ein kouservativ-nationalliberaler Antrag die Erhöhung der Tafel- und Messegelder um 180 000 M.(die von der Kommission gestrichen sind). Ter Antrag wird debatteloS abgelehnt; für ihn stimmen nur die etwa zehn anwesenden Konservativen und National- liberale».(Heiterkeit.) Bei der Abstimmung über die Resolution erklärt der P r ä s i d e n t sie zunächst für abgelehnt(Lebhafte Rufe: Gegenprobe!); nach kurzer Besprechung mit dem Bureau erklärt der Präsident die Resolution für angenommen. Beim Titel.Schiffsverpflegung" beklagt Abg. Hormann(Fortschr. Vp.), das; auf den Schiffen auS ländischer Tabak ohne Zoll viel geraucht wird, zum Schaden der deutschen Produktion. Vizeadmiral Capelle: Die Marineverwaltung ist stets bestrebt, daL heimische Gewerbe zu schützen; aber ein direktes Verbot, fremdes Fabrikat zu benutzen, kann den Kantinen nicht auferlegt werden. Abg. Lronhart(Fortschr. Vp.) und Abg. Hormanu(Fortschr. Vp.) behaupten, daß den Kantineninhabern ein solche» Verbot sehr wohl auferlegt werden könne. Beim Titel„Betriebs- und sonstige Materialien" wünscht Abg. Paasche(natl.), dag in stärkerem Mahe von der Kohlen feuerung zur Petroleumfeuerung übergegangen werde; in Amerika und England gehe man damit um. die Kohlenfeuerung in der Kriegsmarine ganz durch Petroleun, feuerung zu ersetzen. Staatssekretär v. Tirpitz: Die Marineverwaltung ist durch drungen von der Bedeutung, welche die Oelfeuerung für Kriegsschiffe haben kann, und behält die Frage ständig im Auge. DaS Kapitel wird bewilligt. Beim Titel„Bekleidung" wünscht Abg. Dr. Görcke(natl.), die Verwaltung möge da? Leder direkt vom Gerber kaufen, um 3 Proz. Vcrmittelungöproviston für die Ledervereinigung zu sparen. Vizeadmiral Capelle: Die Marineverwalwng ist an die Leder» Vereinigung nicht gebunden und bei Ueberteuerung auch von ihr abgegangen. Die Gerbervereinigung wird von der Marine- Verwaltung ebenfalls berücksichtigt. DaS Kapitel wird bewilligt. Beim Kapitel„Instandhaltung der Flotte und der Werften" beantragen die Abgg. Albrecht u. Gen. die Einsetzung einer llntersuchuugskommission, deren Mitglieder zur Hälfte vom Reichstag aus semer Milte ernannt werden, zur Untersuchung der Ursachen der Unregelmäßigkeiten in der Verwaltung der ReichSwcrften und zur Beratung von Mastnahmen zur Resorm der Werftbetriebe aus sozialpolitischem, technischem und kaufmännischem Gebiete. Abg. Severing(Soz.): Der Staatssekretär hat bereit» in seiner Antwort an den Grafen Oppersdorff der Erwartung Ausdruck gegeben, dast eine ausführliche Debatte über den Vertrieb des alten EisenS bei diesem Kapitel einsetzen werde. Ich must aber seiner Auffassung entgegentreten, als ob die Kritik im Dezember vorigen Jahres sich nur gegen den Alteisenvertrieb richtete. Der Staatssekretär steht unter einer Autosuggestion. Er meint, alle Betriebe sind intakt, nur in Kiel seien beim Alteisenvertrieb einige unliebsame Erscheinungen vorgekommen und deshalb sei die Aufregung im Publikum und im Parlament nicht berechtigt. Aber im vorigen Jahre hat in der Budgetkommissioii der Admiral Heusfing davon gesprochen, dast die Summe der Unterschlagungen eine Million erreichet Der Berichterstatter der Kommission sagte auch im Plenum, dast diese Unregelmähigieiten zur Sprache gekommen seien; die un- Kleines feuilleton. Kelten und Germanen. In Paris ist vor einigen Tagen der Historiker Henry d'ArboiS de Jubainville gestorben, der sich vornehmlich mit der Urgeschichte Frankreichs beschäftigt hat. Hierbei kam er zu Folgerungen, die geeignet scheinen, das Gemüt uianches deutsch-nationalen Oberlehrers in Wallung zu bringen. So behauptete er namentlich, dast die Kelten, die einst ganz Europa vom Schwarzen Meer bis zum Atlantischen Ozean und »ach Süden hin bis zur Provinz von Ancona und Südportugal besetzt gehalten haben, in Germanien viel länger geblieben seien, als in Gallien, so dast man annehmen müsse, dast die heutigen Deutschen mehr keltisches Blut in den Adern hätten als die Franzosen. In derselben Richtung wirkten die burgundischen, westgotiseben, fränkischen und normannischen Eroberungen in Frankreich. d'Arbois de Jubainville war der Meinung, dast diese mehr germanisches Blut nach Frankreich gebracht hätten als in Deutschland geblieben sei, so dast zwischen den„Erbfeinden" rechter Hand linker Hand alles vertauscht wäre. Er nimmt weiter an, dast die indo-europäischen Eroberer Frankreichs: die Ligurer, Kelten und Römer wellig zahlreich waren. Die römische Okkupation hat länger gedauert als die keltische. Von der Urbevölkerung in der paläolithiscken und neolitbischen Zeit weist man natürlich nichts Be. stimintes. Für die bestrittenen Vaterschaftsrechte an die heutigeil Patentdeutschen gibt d'ArboiS de Jubainville den alten Germanen einen Ersatz, indem er ihnen die Erfindung der Hosen zuschreibt, die man bisher gewöhnlich als Erzeugnis deS keltischen Geiste» ansah. Die Gallier haben die Hosen nur von den unterworfenen germanische» Völkerschaften übernommen. Später machten auch die Römer die Mode mit, nur dast sie das neue Gewand der� Togo zuliebe verkürzten. E» gab römische Feldherren, ja sogar Zäsaren in Unterhosen. DaS ist immerhin ein Trost. Vielleicht findet sich noch ein deutsches Komitee zur Errichtung eine» Nationaldenk. mals für den Erfinder der Hosen zusammen. Tie Roeren, Bohn uslv. werden zweifellos an der Ehrung dieses germanischen Vor. kämpfers guter Sitte teilnehmen wollen. Die nötigen Mittel aber könnte man bei Konfektionären mosaischen Glaubens sammeln. Die Entlarvung eines berühmten Mediums. Unter den spiriti- stischen Aledien, die im letzten Vierteljahrhundert zu einer gewisse» Berühmtheit gelangt sind, steht Eusapia Paladino an erster Stelle. Sie übt ihre..mediumistischc" Tätigkeit noch heute aus. und die naiven Menschenkinder, die an ihre wunderbaren Fähigkeiten glauben, erklären mit Stolz, dast hervorragende Gelehrte die von Gott begnadete Dame genau geprüft haben, ohne dast ihnen irgend- etwas an ihr verdächtig erschienen wäre. Wahrscheinlich waren die betreffenden Gelehrten auf diesem Gebiete nicht sachverständig ge- bedeutendsten seien in Wilhelmshaven vorgekommen, schlimmer sei !die Sache in Kiel gewesen, wo grössere Quantitäten Oel, Quecksilber, Tauwerk entwendet sind. In diesem Jahre bedauerte der Staalsiekretär I in der Budgetkommission, dast Admiral Heusfing beizeiten daL Schlacht- feld verlasse» habe. Ich mustte dabei an die Worte Burleighö in„Maria Stuart" denken:„Graf, dieser Mortimer starb Euch sehr gelegen!" Ich meine, der Staatssekretär hatte Ursache, sich zu freuen, dast Admiral Heuising in diesem Jahre an unseren Erörterungen nicht teilgenommen hat! Denn wenn der Admiral von ihm aufgefordert worden wäre, zu sprechen, so hätte er zugeben müsien, dost Unregelmässigkeiten in allen Betriebs zweigen auf der Werft in Kiel vorgekommen sind, ebenso aber auch in Danzig und Wilhelmshaven, und dast diese Unregelmästigkeiien zur Kenntnis der Marineverloaltung gekommen sind!(Hört! hört' bei den Sozialdemokraten.) Deshalb sind meine politischen Freunde der Ausfassimg, der Reichstag habe alle Veranlassung. den Ursachen dieser Unregelmähigkeiten nachzugehen und au' Mittel ihrer Abstellung zu dringen.(Sehr richtig! bei den Sozial demokraten.) Wir haben deshalb die Resolution, obwohl sie in der Budgetkommission abgelehnt ist, hier wieder eingebracht und bitten um ihre Annahme. Ich möchte darauf aufmerksam machen, dast der Reichstag vor etwa zwei Jahren einer Resolution zustimmte, die in ihrem ersten Teil eine Förderung des Tarisgedankens enthielt und in ihrem zweiten Teil die Marineverwallung aufforderte, bei einer New ordnung der Arbeitsverhältnisse die Arbeiterausschüsse zur Mitwirkung heranzuziehen. In Bezug auf den ersten Teil führte vor wenigen Tagen der Staatssekretär deS Reichsamts des Inner» aus, nicht die formelle Seite des Tarifwesens verursache Schwierigkeiten, sondern die Abneigung vieler gegen den Tarifvertrag, die von ihm eine mistverständliche Auffassung haben. Bei diesen Ausführungen hatte ich das Gefühl, dast zu diesen vielen in erster Linie auch die mast- gebenden Stellen des ReichsmarineamtS gehören.(Sehr wahr! beiden Sozialdemolraten.) Bei einigem guten Willen wäre die Marineverwaltung sehr wohl in der Lage gewesen, m zahlreichen Betrieben eine Förderung des Tarifgedankens durchzusetzeil. Herr Admiralitätsrat Hanns hat, glaube ich. für die Verwaltung des Marineamtes eine Erklärung ge» geben, durch seine Ausführungen in einer Generalversammlung der Schiffsbauindustnelle», die bald„ach jenem Beschlust des Reichs tages stattfand. Diese Industriellen liefen Sturm gegen den ersten Teil der Resolutton, und Herr Admiralitätsrat Harms beruhigte sie durch die Erklärung, daß ja an die Ausführung der Beschlüsse des Reichstages im ReichSmariueantt nicht sofort gedacht würde (HörtI hört! bei den Sozialdemokraten.) Ich habe nichts dagegen, dast das ReichSmarineamt sich nach der Meinung der Industriellen erkundigt. Dasselbe müstte sie aber auch bei den Arbeitern tun.(Lebhaftes Sehr richttg I bei den Sozialdemo. kraten.) Aber davon habe ich nichts gehört, dast ein Vertreter des ReichsmarineamteL sich jemals zu einer Generalversammlung einer Gewerkschaft einfand. Ich gebe zu. dast die Ausführung der Resolution für da« Manne amt etwas schwierig ist. Das steht im Zusan,menhange mit der Monopolstellung von Krupp und Dillingrn. Wenn ich auch der Meinung bin, dast angesichts der bestehenden Verhältnisse der Abschlust eines Tarifvertrages sich in diesen Be- trieben nicht durch daS ReichSmarineamt ohne weiteres erreichen lästt, so kann doch die Marineverwaltung dahin wirken, dast die Arbeits Verhältnisse in diesen Betrieben medr den Verhältnissen in der Eisen industrie angepastt werden. Wenn es gelingen sollte, eine Konkurrenz ins Leben zu rufen, möchte ich das ReichSmarineamt schon heute ersuchen, in den Verträgen möglichste Rücksicht-zu nehmen auf die Bestimmuiigeii. die in unserer Resolution vom Jahre 1908 enthalten sind und sich auf die Mitwirkung der Arbeiterausschüsie beziehen. Der Reichstag hat damals der Resolution mit erdrückender Mehrheit zugestimmt. Nur einige Herren von der Rechten und von den Nationalliberalen waren dagegen. Man hätte nun erwarten dürfen, dast der Mit- Wirkung der Arbeiterausschüsse durch. die Mattneverwaltung keine Schwierigkeiten bereitet werden(Sehr richtig I bei den Sozialdemo. kraten). aber bereits wenige Monate nach der Annahme der Reso. lution wurde mir mitgeteilt, dast das Gesuch des ArbeitcrauSschusieS in Wilhelmshaven, bei der Festsetzung der Löhne und Arbeiisbedingungen mitzuwirken, durch einen Vertreter deS OberwerstdircktorS abgelehnt worden sei!(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Aber auch aus anderen Orten sind mir Mitteilungen zugegangen, dast der doch wahrlich recht bescheidene Wunsch des Reichstags nicht erfüllt worden ist. DaS ist doch wahrlich eine Richtbeachtung der ReichStagStrfchlüssr. (Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Ich freue mich, dast auch die Herren von der nationalliberalen Partei versuchen wollen, dast das, was die Marineverwaltuug versäumt hat, möglichst schnell nach geholt wird. nug. Nach den Erfahrungen aus neuester Zeit aber sind die Kniffe der Medien gar nicht sehr kompliziert; sie sind im Gegenteil von einer wahrhaft verblüffenden Einfachheit und... Keckheit. Das gilt vor allem von Eusapia Paladino.. Seit 1880 aber trat Eusapia in allen Groststädten aus und wurde viel bewundert. Natürlich erlitt sie auch empfindliche Niederlagen. Das Publikum aber liest sich dadurch nicht beirren und blieb gläubig. Jetzt scheint Eusapia aber endgültig entlarvt zu sein. Sie war vor einiger Zeit nach Nordamerika gereist und veranstaltete dort Säancen. In der Februarnummcr des„Metropolitan Maga- zine" erzählt Professor Münsterberg, der demnächst als Austausch- Professor nach Berlin kommen soll, folgendes:„Eine Woche vor Weihnachten, gegen Mitternacht, fast ich zur Linken der Frau Paladino, während Herr Carrington, ein bekannter Itatursorscher, zu ihrer Rechten fast. Wir hielten sie unter strenger Beobachtung. Ihre linke Hand hielt meine.Hand. Ihre rechte Hand lag in der Hand ihres Nachbar» zur Rechten. Ihr linker Just ruhte aus meinem Fust, während ihr rechter Fuh sich auf den Fust meine» Kollegen stützte. Wir sahen im Finstern und warteten neugierig und gespannt. Carrington bat den Geist John, meinen Arm zu be- wegen und ein Tischchen, das hinter mir stand, von der Stelle zu rücken. Und John kam. Er berührte mich zuerst am Handgelenk, wnn am Unterarm und am Ellbogen. John sollte auch den Tisch heben. Wir hielten noch immer die beiden Hände EusapiaS; wir verloren nicht die Berührung mit ihren beiden Fügen. Trotzdem begann der Tisch hinter ihr zu trappeln, und wir erwarteten, dast er sich vorwärts bewegen würde. Statt dessen ertönte Plötzlich ein wilder Schrei, ein Schrei, wie ich ihn noch nie zuvor gehört hatte. Was hatte sich zugetragen? Weder das Medium, noch Herr Carring- ton hatten eine Ahnung davon, dast im Zimmer ein Mann lag, der geräuschlos bis hinter Eusapia gekrochen war. Ich hatte ihm diesen Auftrag gegeben, da ich vermutete, dast geheimnisvolle Fäden irgend- einen Teil des Körper» mit den Gegenständen, die es von der Stelle bewegen sollte, verbinden mühten. Der Mann hatte zu seiner größten Ueberrascbung bemerkt, dag Eusapia einen Fust aus dem Stiefel gezogen hatte, und daß sie durch wahrhaft athletische Bein- bewegungen die Gegenständ« erreichte, die sich auf so geheimnis- volle Weise bewegtem Er hatte sofort den Fust gepackt und hatte ihn an den Fersen stark gedrückt. Das entlockte ihr den geradezu tierisch wilden Schrei. Der Streich war glänzend gelungen." Die größten Fernrohre der Welt. Mit den riesigen modernen Apparaten, die heute im Dienste der Astronomie stehen, beschäftigt sich die„Revue Seientisique"; das grösttc Fernrohr der Welt be» sitzt Amerika; es ist das Teleskop des Acries-Observatoriums der Universität Chicago, das im Jahre 1899 aufgestellt wurde. DaS Objektiv dieses Riesenfcrnrohrs mistt nicht weniger als 1 Meter. Das Teleskop erzeugt eine LOOOsache Vcrgrösterung, die durch ve» sondere Umstellung auf eine LOOOfache verstärkt werden kann. Da» Die Auffassung, dast die Mitwirkung der ArbeiterauSschüsse bei der Festsetzung der Lohnverhälwisse durchaus notwendig ist, auch im Interesse der Werft, wird auch von höheren Wcrftbeamten ge« teilt. Ich fteue mich, darauf hinweisen zu können, dast noch un letzten Jahre der Torpedodircktor in Wilhelmshaven sich eingehend mit der Mitwirkung der ArbeiterauSschüsse bei der Neuordnung und Festsetzung der Lohnverbältuisse beschäftigt und diese Mitwirkung direkt verlangt hat. Man kann diesen Herrn Torpedodirektor, der solche vernünftige Anschauungen zum Ausdruck brachte, jedenfalls nicht im Verdacht haben, dast er dies um der schönen Augen der Arbeiter willen getan hat. Von dem Gutachten deS Torpedodirektors heißt es u. a.: „Der Meister verteilt mit seinem Werkmeister die Leute fast selbständig. Damit hat er eS in der Hand, ihnen nicht nur leichtere oder unangenehmere, sondern auch einträglichere oder schlechter bezahlte Arbeit zuzuweisen.(Hört l hört! bei den Sozialdemokraten.) Dast diese Verteilung nicht immer der Gerechtigkeit entspricht, kann wohl nicht bezweifelt werden."(Sehr richtig! bei den Sozial» demokraten.) Der Torpedodirektor gibt auch eine Erklärung dafür, weShalb sich die Arbeiter, wenn ihnen Ungerechtigkeiten widerfahren, nicht beschweren: „Man wundert sich vielleicht oft, daß die Arbeiter berechtigte Beschwerden selbst wohlwollenden Vorgesetzten gegenüber nicht vorbringen. Erkennt man aber, wie machtvoll der Einfluh deS Be« amtenpersonalö ist, dann sieht man ein, dast der Arbeiter ganz richtig handelt, wenn er schweigt.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Gerade der tüchtige Arbeiter ist in einem solchen Falle gewöhnt, zur Kündigung zu schreiten."(Hört! hört l bei den Sozialdemo« kraten.) Der Torpedodirektor führt in seinem Gutachten weiter auS: „Es kommt mitunter vor, daß ein Arbeiter selbst bittet, die Klage nicht weitergehen zu lassen, daß er lieber auf die Klage ver- zichtct, als dast er namhaft gemacht wird. Er fürchtet, dast ihm sonst schlechte Arbeit zugewiesen werden könnte."(Hört! hörtl bei den Sozialdemokraten.) Mit diesen Darlegungen dürfte der Grund aufgeklärt sein, weS» halb so mancher Mißstand innerhalb der Werstverwaltung nicht aufgedeckt werden kann. Die zahlreichen Fälle von Mastregelungen beweisen ja auch, dast gegen die Arbeiter in solcher Weise vor- gegangen wird, wenn sie sich beschweren.(Hört! hört I bei den Sozialdemokraten.) Daber ist eS wohl begreiflich, dast sie lieber Miststände geschehen lassen, als dast sie sie zur Anzeige bringen. Wenn es dahin kommen sollte, dast die Arbeiter ihre Wünsche und Beschwerden vorbringen können, ohne sich der Gefahr der Mast- regelung auszusetzen, dann werden die Arbeiter in die Lage versetzt werden, bestehende Miststände zur Kenntnis der Werftverwaltung zu bringen.(Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Heute wird der Arbeiter vor feiner definitiven Anstellung auf einer Werft sehr genau daraufhin geprüft, ob er nicht etwa Sozial- demokrat ist.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Nun hat Kollege Leonhart bei der Besprechung der Werstinterpellationen sehr richtig darauf hingewiesen. daß die Werftverwaltung überhaupt nicht in der Lage wäre. auch nur ein einziges Schiff zu bauen, wenn sie grundsätzlich alle Sozialdemokraten von der Werftarbeit ausschliesten wolle. Mit welchen kleinlichen Mitteln will man doch der sozialdemokratischen Partei Abbruch tun und versucht man, sozialdemokratische Arbeiter von der Werft fernzuhalten!(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Die Werftverwaltung zieht ihre Erkundigungen über die bei ihr um Arbeit nachsuchenden Arbeiter bei den P o li z e i b e h ö r d e n ein. Glaubt sie etwa, auf diese Weise objektive Berichte zu bekommen? (Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Wie soll z.B. Herrv. Jagow, der Berliner Polizeipräsident, objektiv über Arbeiter berichten können? Er, der noch nicht einmal die Gesetze richtig kennt!(Lebhaftes Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Was bei diesem Erkundigung?- verfahren herauskommt, ist natürlich mir eine Spitzelwittschaft. (Lebhaste Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) In den Ver- dacht sozialdemokratischer Bestrebungen bei der Marineverwaltuug zu kommen, ist austerordentlich leicht. Jede Opposition gilt einfach als sozialdemokratisch. Wenn einmal die ver« ehtten Kollegen Leonhart, Struve oder sogar Erzberger ihre Mandate verlieren und— was Gott verhüten möge— bei der Kieler Werftverwaltung um Arbeit nachsuchen müßten(Graste Heiterkeit), etwa als Jnstrumentenmacher oder Minenleger (Stürmische Heiterkeit), so würden sie sicher, da sie bisweilen der Mattneverwaltung Opposition gemacht haben, als sozialdemokratischer Gesinnung dringend verdächtig abgewiesen werden! Alle Pattcien dieses Hauses, denke ich, sind darin einig, dast auf den Werften als solchen keinerlei Propaganda und Agitation getrieben werden soll. zweitgrüstte Teleskop ist das Riescnfeiprrohr des Lick-Observa- toriums auf dem Hamiltonbcrg bei San Franziska. Im April des vergangenen Jahres ist das neue graste Teleskop der Trep- t o w stcrnwarte bei Berlin eingeiveiht worden. Es erreicht zwar im Durchmesser des Objektivs nicht die Mäste der grasten ameri- kanlschen Teleskope, weist dagegen eine erheblich gröstere Länge auf und kann auch ungleich bedeutendere Vergrösterungcn erzielen: daS Maximum ist eine OOOOfache Vergrößerung. Unter der Aufsicht der Carnegie-Jnstitution arbeitet man gegenwättig in Washington an einem grasten Spiegelteleskop, das einen Durchmesser von 2,60 Meter haben soll. Der Glasblock, aus dem die Linse hergestellt wird, wiegt nicht weniger als 00 Zentner. Humor und Sattre. Im Tiergarten. Von Osten nach Weste» Karriere reiten (um die Kosten des Gelächters zu bestreiten) »iustten diese Ritter vom Zanderplatz. fast sprengte eS ihnen den Hosenlatz: Treptow— Tiergarien in einer Hätz! Der Himmel lachte sein frciesteS Blau und einem Gewissen ward eklich mau; denn bei sogenanntem Hoheiizollernivetter fühlt man sich gern als doller'n Retter des überaus prelistische» Vaterlands sowie der erhabenen WonneganS. Da fährt ein Schreck in die adligen Hintern, in die Knickebeine der Wvhlgesinnter'n: es brodelt die rote Hexenküche >nit einem Mal mang die Mannorbrüche der hochherrschaftlichen Siegesallce— Ja so was tut allen Schweisthunden weh; die krochen im Schlesischen Busch herum und fühlten sich schon als Napolejum. Indessen sindttvir vorm Reichstag da. eö braust das Arbeitergloria, und daS Publikum must mit Achtung gesteh«: keinem Grashalm ist Leids geschehn l Aber dann— ihr gut besteuerten Bürger dann fielen euch an die GesetzeSivllrgcr, auf eure Frauen prasselten Hiebe— so taten'S sonst nur die Pompadourdiebe! Eure Kinderwagen wurden zerstampst. und ihr seid Männer und ihr bleibt sanft? Tretet sür'S Wahlrecht nicht mit iu'S Glied. wenn so wahllos vom Leder zieht diese Prätorianer-Kohorte, die ihr bezahlt dem Unrecht zum Horte?! (Staatssekretär v. Tirp!tz ruft: Sehr richtig!) Das freut mich sehr, Herr Tirpitz, daß auch Sie dieser Meinung find sGrosze Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.) Aber' wie kommt es denn, datz auf den Werften z.B. Vorträge von Kaplänen angekündigt werden über Themata wie.Die Gottheit Christi, eine Antwort auf sozialdemokratische Fragen" oder „Wie agitieren wir für die katholischen Vereine? lLebhaftes Hört! hörtl bei den Sozialdemokraten.) Man verstehe mich nicht falsch I selbstredend haben wir gar nichts dagegen, dab die Herren Pfarrer oder Kapläne solche Vorträge halten. Ganz inz Gegenteil. Dem Lizentiat Mumm haben wir gern einen Saal im Berliner Gewerkichaflshaus eingeräumt, damit er dort die Sozial demolratie bekämpfen kann. Hier handelt es sich aber um die amtliche Bekanntmachung solcher Vorträge � au den Werften I Entweder haben solche Bekanntmachungen über Haupt zu unterbleiben oder eine Partei hat denselben Anspruch darauf wie die andere. Wenn aber der Staatssekretär Sozial- demokraten ausschliefen will von den Rechten, die er anderen gelvährt, dann möchte ich ihn fragen: Will er auch im K r i e g e die Sozial- demokraten ausschließen?(Sehr gut I bei den Sozialdemokraten/ Wenn wir Sozialdemokraten aber gut genug sind, im Kriege unser Blut für das Vaterland zu vergießen, so beanspruchen wir auch im Frieden gleiches Recht mit andere nl(Lebhafte wieder Holle Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Einen breiten Raum in den Erörterungen der vorigen Tage nahm die Frage ein, ob es den Beamten erlaubt sein dürfe, sich mit den Abgeordneten in Verbindung zu setzen. Der Staatssekretär und verschiedene Kollegen aus dem Hause, wie Herr v. Oeryen, Abg. Herzog usw., sprachen von„Denunziantentum", das dadurch groß' gezogen werde. Der Herr Staatssekretär v. Tirpitz ist nebenbei preußischer Staatsminister, Minister eines Staates, welcher ohne Spitzelei und Denunziantentum gar nicht glaubt auskommen zu können I(Stürmische Zustimmung bei den Sozialdemokraten. Unruhe rechts.) Wenn Herr v. Tirpitz ein so großer Gegner des Denunzianten- tums ist, so mache er seineu Einfluß auf seinen Kollegen v. Moltke dahin geltend, daß dieser mit seinem System der politischen Spitzelei bricht.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Wir sind außerordentlich vorsichtig mit der Prüfung und Ver Wendung des Materials, das uns zugetragen wird. Sobald wir unlautere Absichten vermute», lehnen wir es ab, uns damit zu be fassen. Anders freilich steht die Sache, wenn uns Leute, von deren Rechlschaffenheit wir überzeugt find, Dinge berichten, die sie aus begründeter Furcht vor Maßregelung an anderen Stellen nicht vorzu bringen wage». Ich habe verschiedene Anfragen an den Staatssekretär zu richten. Schon bei Gelegenheit der Werftinterpellation habe ich mich nach den Gründen der Maßregelung des Kieler Arbeiterausschußmitgliedes Fischer erkundigt. Bisher haben wir keine Antwort erhalten. Der Staatssekretär verläßt sich augenscheinlich zu sehr auf seine Ge wührsmänner: auf die ihm unterstellten Behörden. Es liegt mir fern, denk subsektiven guten Glauben deS Staatssekretärs an die GlaubwürdigkeitseincrGewährSmänner irgendwie bezweifeln zu wollen, aber tatsächlich liegt die Sacke so, daß Auskünfte sehr bedenklick ausfallen müssen, die bei den Stellen eingeholt werden, über die Beschwerde geführt wird.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozial' demokraten.) So war die amtliche Auskunft völlig unrichtig, die hier über den Fall des Korvettenkapitäns Simon gegeben'' wurde, der rechtswidrig Mittel der Krankenkasse für das uneheliche Kind eines Leutnants verwandt hat.- Das Arbeiterausschuß Mitglied, das pflichtgemäß diese Rechlswidrigkeit monierte, ist, wie ich hier bei Gelegenheit der Werftinterpellation ausführlich dargelegt habe, ge maßregelt worden.(Hört I hört' bei den Sozialdemokraten.) Nun wurde damals behauptet, der Mann sei wegen der verbotenen sozialdemokratischen Agitation auf der Werft gemaßregclt worden. Das stimmt nicht. Nach neuen genauen Fest' stellimgen von unserer Seite ist der Mann nur wegen feines pflichb gemäßen Monitums an der rechtswidrigen Handlung des Korvetten- kapitäns gemnßregelt worden. Im Dezember war es auch, daß sich der AdmiralitätSrat Harms hier gegen die Arbeiterforderungen wandte und unter andern die merkwürdige Mitteilung machte, der Reichstag habe den Grundsatz aufgestellt, die Löhne in Staatsbetrieben dürsten nicht höher sein als in Privatbetrieben, Mir ist von einem solchen Grundsatz nichts bekannt, wohl aber kenne ich einen anderen: Reichs- und Staatsbetriebe sollen Musterbetriebe scinl Ich stelle fest, daß durch Admiralitätsrat Harms festgestellt ist, daß noch heute in der Marincverwaltung den Arbeitern weniger gezahlt wird, als in den gleichartigen Privatbetrieben!— Nun meinte Herr Harms, nach den Marktpreisen sei die Lebens- Haltung der Arbeiter nicht teurer geworden.(Lachen bei den Sozial- demokraten.) Daß durch die Finanzreform die Marktpreise erhöht find, brauche ich nickt näher auszuführen. Aber auch die WohnungS- preise sind gestiegen: durch die beabsichtigte Verlegung deS Geschwaders nach Wilhelmshaven haben die Hausbesitzer eine be- trächtliche Steigerung eintreten lassen, von der auch die Arbeiter betroffen werden. Herr Harms hat ja zugegeben, daß in K i e l die Preise ein wenig angezogen haben. Trotzdem finden wir aber auch in Kiel nicht das geringste Entgegenkommen auf die Wüniche der Arbeiter I Der Staatssekretär sagte, bei Entlassungen solle in Zukunft milde verfahren werden. Ich weiß nickt, ob die nachgeordneten Stelle» sich danach richten. In Wilhelmshaven ist Leuten gekündigt, die schon acht Jahre dort beschäftigt waren! Würde die Arbctt besser verleilt, so brauchten keine Entlassungen stattzufinden, vor allem aber sollte der Staatssekretär ganz generell eine Ver- kürzung der Arbeitszeit anordnen, bevor Entlassungen ein- treten.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Auch in jeder anderen Beziehung fehlt der Nachweis, daß die Arbeiter in Staatsbetrieben besser gestellt sind als in Privatbettieben. Die Wohltat des 8 616 des Bürgerlichen Gesetzbuches z. B. besteht in zahlreichen Privatbetrieben, bei der Oberwerft- Verwaltung aber nicht! Arbeiter aus Wilhelmshaven, die als Ge- schworne tätig sind, erhalten nur die Hälfte deS ihnen entgangenen Arbeitsverdienstes! Ferner wünschen die Arbeiter nach zwei Jahren einen Sommer- Urlaub von sechs Tagen, nach zehnjähriger Beschäftigung einen solchen von zehn Tagen. Auch hier zeigt die Marinevcrivalrnng nicht das geringste Entgegenloimnen, während in zahlreichen Betrieben der Metallindustrie über 7S OVO Arbeiter Ferienurlaub haben! Auf die Forderung der wöchentlichen Lohnzahlung hat die Marine- Verwaltung überhaupt nicht geantwortet! Herr Struve lvies gestern daraus hin, daß die Beamten heute noch auf die Erledigung ihrer Gchaltsansprüche warten. Mit den Arbeitern verfährt man noch ganz anders. Neberstniiden ans dem Januar 1908 sind im Januar 1910 noch nicht bezahlt!(Lebhaftes Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Schon vor einem Jahre habe ich diese Be- schioerde erhoben, noch heute ist ihr nicht Folge gegeben, ich weiß nickt, ob ihr überhaupt nachgegangen ist. Diese Verzögerung ist reckt symptomatisch für den Geist unserer Verwaltung. Ebenso zeigt er sich an einem Lohnzettel, wo einen, Arbeiter Ende des Jahres 1909 1,10 M. in Abzug gebracht sind, die er 1907 zu viel erhalten haben soll I(Ztirns bei den Sozialdemokraten: Zu solchem Abzug besteht gar keine Berechtigung mehr!) Jedensalls ist danach verfahren und 1,10 M. abgezogen. Jrv werde alle diese Beschwerden noch einmal an die Arbenerausschüsse bringen und hoffe, daß sie dann endlich abgestellt werden. Auch in bezug auf dir Arbeitszeit sollen Beamte und Arbeiter gleich behandelt werben. Namentlich die höheren Beamten ericheinen erst nach 9 Uhr morgens und ver- schwinden schon gegen 2 Uhr.(Hört I hört I bei den Sozialdemo- kraten.) Bei den Arbeitern aber besteht die schärfste Kon- trolle, und wenn einer vergißt, seine Kontrolluhr zu stechen, so büßt er zwei Stunden Lohn ein!(Zuruf bei den Sozialdemokraten Das ist ja im Reichstag auch so! Große Heiterkeit.) Jedenfalls sollte die Marineverwaltung einen Fehler im Diätengesetz nicht nachmachen. In bezug auf das Danziger Wasserloch ist mir Sensationssucht vorgeworfen, man schrieb von sozial- demokratischen„Lügen", von sozialdemokratischen U e b e r- treib n ngen, man behauptete, die Beamten sollten grundlos ver- dächtigt werden. Wie man angesichts der Enthüllungen des Kieler Prozesses noch von Sensationshascherei sprechen kann, ist mir unerfindlich. Irgend eine neue Unregelmäßigkeit der Werst' Verwaltungen ist ja doch der Oeffentlichleit nichts Neues und Unerwartetes mehr(Sebr richtig I bei den Sozialdemokraten) und die Nachrichten über das Danziger Wafferloch würden nicht ein solches Aussehen erregt haben, wenn nicht ein so merkwürdiger Unter' fucvungsbericht veröffentlicht worden wäre.(Sehr wahr I bei den Sozialdemokraten.) Weiter ist mir vorgeworfen, ich hätte den Staatssekretär nicht vorher von den Beschuldigungen benachrichtigt. Im vorigen Jahre habe ich ihn darauf hingewiesen, day ich mich im Dezember 1903 an die Marineverwaltung gewandt habe um Abstellung eines Miß standes in Wilhelmshaven. Darauf bekam ich den Bescheid, daß solche Wüniche nur durch den Arbeiterausschuß vorzubringen seien und daß jede davon abweichende Form nicht berücksichtigt werden könne! Der Staatssekretär suchte das damit zu entschuldigen, daß ich im Auftrage der Arbeiter gehandelt hätte. Dos ist mir aber gar nicht eingefallen! Ich habe mich in meiner Eigenschaft als Abgeordneter an die Marineverwaltung gewandt und auf einen cnigrgenlommenden Bescheid gerechnet. Schon aus Selbstachtung also wollte ich diesmal mein Material den Herren nickt aufdrängen.(Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.' Der Staatssekretär hat mich nun um daS Material gebeten. Ich habe es ihm unterbreitet, und ich werde das auch in Zukunft tun, wenn ich voraussetzen kann, daß eine unparteiische Untersuchung erfolgt. Nun ist mir aber bekannt geworden, daß diese Voranssetzimgen nicht beobachtet worden sind bei jenen Beschwerdefällen, die ich den Herren vom Reichsmarineamt mitgeteilt habe. Im Gegenteil: Die„Iliitersuchnngen" sind ein Schulbeispiel dafür, wie Untersuchungen nicht geführt werden sollen. Wenn Personen mit der Untersuchung betraut wurden, die selbst in die Affäre verwickelt sind, so ist' es begreiflich, daß diese sich nicht selbst belasten, sondern die Sache möglichst harmlos dar stellen werden. Auf diese Weise kann man ein klares Bild von den Zuständen nicht bekommen.(Sehr richtig I bei den Sozialdemo' kraten.) Deshalb ersuche ich nochmals dringend, daß in Zukunft die Untersuchungen ander? als bisher geführt werden. Ich hatte den Geheimrat Hanns, als ich ihm das Material übersandte, gebeten, er möchte mir über das Ergebnis Bericht erstatten. Bis heute habe ich noch keinen Bericht bekommen.(Hört! hört! bei den Sozial demokraten.) Ich bin überzeugt, der Geheimrat Harm? wird auch heute wieder behaupten, daß die von mir vorgetragenen Fälle unrichtig und unwahr sind. Wenn ich aber auch von ihm keine Mitteilungen erhalten habe, so weiß ich doch, wie die Untersuchung geführt wurde. Ich habe auch für Wilhelms' haben eine genaue Karte überreicht mit Angabe der Stellen, wo die Untersuchung geführt werden soll. Ich werde diese Karte aber heute nicht dem Hause überreichen, sondern warten, bis ich mich an Orf und Stelle überzeugt haben werde, ob die Untersuchung tatsächlich stattgefunden hat. Nun hat mich der Herr Staatssekretär in der Budgetkommisston aufgefordert, wenn mir daran liege, eine genaue Untersuchung herbeü zuführen, so möge ich meine Behauptungen in der Oeffentlichleit wiederholen. Das ist ein.Bluff, auf den weder ich hereinfalle noch sonst wohl irgendein Abgeordneter. 1 ick hier als Abgeordneter tue oder unterlasse, muß ich mit meinem Gewissen abmachen. Da lehne ich jeden Ratschlag, besonders in dieser Form, ab.(Lebhafte Zustiminung bei den Sozialdemo kraten.) Was würde denn der Herr Staatssekretär sagen, wenn ich an ihn die Frage richten würde, ob er bereit sei, alle Angaben, die er in der Komin issiou oder hier macht, auf seinen Eid zu nehmen? (Sehr gut l und Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.) Das würde der Staatssekretär entrüstet ablehnen, weil vorausgesetzt werden muß, daß alle seine Mitteilungen absolut richtig sind. Es kann ihm aber doch nachgewiesen werden, daß er Angaben gemacht hat. die mit der Wahrheit nicht übereinstimmen. Ich nehme natürlich an, daß daS gegen seinen Wunsch der Fall ist. Der Herr Staatssekretär hatte schon früher die Gelegenheit, ihm unterbreitete Beschwerden auf ihre Richtigkeit zu prüfen, er hat aber davon keinen Gebrauch gemacht. Deshalb muß ich auf die Denk- 'chrift deS Metallarbei.t erVerbandes zurückkommen, die ebenso schwerwiegende Anschuldigungen enthält, wie ich sie vor- gebracht habe. DaS ist bereits 1906 geschehen, der Herr StaatS' ekreiär aber hat geschwiegen. Ich habe auch in der Kommission darauf biiigewiescu, daß die„Schlesische Volkszeitung", die ja in Regierungskreisen immer sehr beachtet wird, mehrere Be- fchwerden veröffentlicht hat. Eine Klarstellung aber ist nicht erfolgt. Nach diesen allgemeinen Vorbemerkungen komme ich nun direkt Zur Danziger Wasscrlochaffäre. Mir wurde mitgeteilt, daß in Danzig wertvolle Materialien versenkt wurden, und ich habe auch eine Person genannt, die ich für den Schuldigen hielt. Ich möchte diese Vermutung aber nicht aufreckt erhalten, weil ich auch nicht einmal den Anschein erregen möchte, als ob es mir bei meiner Anschuldigung um die Diskredi- tiernng eines Beamten zu tun sei. Ich habe nur das Bestreben, daS S y st e ni zu beseitigen. auS dem solche Vorkommnisse resultieren. (Sehr gut I bei den Sozialdemokraten.) Mir sind mehrere Beispiele bekannt, daß solche Materialien auf hoher See versenkt oder, wen» das Schiff im Hafen lag. versteckt wurden! Das bedenklichste an der ganzen Affäre ist die Art, wie die Untersuchung geführt wird. �ch hatte dem Geheimrnt Harms eine Skizze überreicht, auf der verzeichnet war, wo die Versenkung erfolgt sein soll, und halte ge- beten, einen unbefangenen Herrn mit der Untersuchung zu be« auftragen. Als befangen hatte ick den Obcrwerttdireklor v. Schinmielmann bezeichuet. Der Kollege Dr. Goercke hatte in der Budgetkomniisfion erklärt, daß die Marincverwaltung das größte Juteressc.daran haben müsse, die Iliitersuchiing so zu führen, daß, jeder Zweifel an der Richtigkeit des Er- gebnisicS ausgeschlossen sei; dazu gehöre, daß die Arbeiter verhört würden, die mit der Versenkung bcauflragt waren. Ich hatte gebeten, daß der Graben, der als Versenkuiigsstelle in Be- tracht kann eingedämmt werde. Was ist nun aber geschehen? Im amilichen UiitcrsnckmigSprotokoll heißt es, daß unter behörd- licher Aussicht der Grabe» abgefischt wurde.(Znrnf: Mit einer An gell Heiterkeil.) Ich komme noch darauf. Er ist also weder eingedämmt»och nnsgcpumpt worden, sondern einfach abgefischt! Wenn mir eine solche Beichuldi- gung gegen einen mir unlerslellleii Beamten mitgeteilt würde, so würde ich die Untersnchung selbst überwachen und sie nicht »nlergeordiiclen Organen, die mich ja wieder beschwindeln können, überlassen.(Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Der Herr Obrrwcrstdircktor aber ist an der Nntersuchungsstclle vorgefahren, hat einige An- ordnungen getroffen und einen Kapitmileiilnani benuftragt, das Wasser gründlich zu uiitersnchen, dann ist er wieder verschwunden. Die „Uiitersuchiiug" dmierte tatsächlich kaum'/s Stunde I Als Werkzeuge dienten lediglich ein paar Haken, die sich als ganz untauglich zur Uiltcrsnchnng erwiesen. Zunächst wurde ein Lock? in? Ei? gehauen, und man fand auch alSbnld einen Sack mit allerhand In- halt. Räch 30 Minuten langem Suchen aber wurde der Beseht erteilt, die weitere Untersuchung zu unterlassen, da die Werkzeuge für untauglich erklärt wurden. Der aufsichtführende Kapitänkeutnant spielte während der„Untersuchung" mit seine» Hunden.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Daß bei einer solchen„Unter- suchung" nichts herauskommen konnte, besonders wenn man nichts finden wollte, ist klar.(Lebhaste Zustimmung bei den Sozial- demokraten.) Nun hat man doch aber etwas gefunden! Der vernommene Artilleriewart MalolewSki hat in dieser Beziehung bekundet: „Es ist richtig, daß ich sowohl Sachen ins Wasser habe werfen als auch unter dem Betricbskessel habe verbrennen lassen. ES waren dieses jedoch nicht Sachen, die ich der Revision entziehen wollte, sondern nur Teile von zerlegten Fnventarien, die durch die Artillerie- Revisionskommission zur Ver- nichtung bo stimmt waren. Es waren dies Gummiteile von Akkiimulatoren, zerbrochene Glasteile, alte Blechbüchsen usw." Als ich dieses „usw." las, da sagte ich mir. daß sich hinter diesem Wort alles das verbirgt, was MalolewSki nicht ausführen wollte.(Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Wenn man etwas nicht sogen will, dann hält man schön still und sagt einfach:„usw."(Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.) Wenn er das„usw." nicht gesagt hätte, dann hätte er nämlich folgendes sagen müssen, was gefunden worden ist: Ein größeres Segeltuch, einen halben Meter breit und sieben Meter lang, das noch gut erhalten war, ein Kupferrohr, zwei Meter lang, ein anderes Kupferrohr, drei bis vier Meter lang, schlangen- förmig gewunden, ein Faß mit Schlemmkreide, zwei zugebundene Säcke mit Schlemmkreide, ein Holzstab, mit Eisen beschlagen, ein Eisenstab, vom Bugspriel herrührend!(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Wenn man diese Dinge verschweigt, dann ist eS natürlich leicht, ein solches Protokoll herzustellen und in die Welt hinauszurufen, daß alle Beschuldigungen„nicht wahr" seien. Was ist nun die Ursache dafür, daß man diese Sachen beseitigt oder verbrannt hat? Daran glaube ich nicht, daß die Beamten sich mit diesen Gegenständen bereicvern wollten. Vielmehr glaube ich, und daS ist auch in anderen Fällen bestätigt worden, daß die Ur- fache das Bestreben war. nichts über den etatmäßigen Bestand hin- aus an solchem Material vorrätig zu haben.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Es ist mir mitgeteilt worden, daß auch das auf der Kieler W:rst veruntreute O e l das Oel gewesen ist, daS über den etatsmäßigen Bestand hinaus vorhanden war l lieber den Verkehr zwischen Ardeitern und Beamten mit Abgeordneten hat der Staatssekretär gestern gesagt, daß er von der Verfügung des Kieler Oberwerfldirektors nichts gewußt habe. Der Kieler Ober- werftdirektor und der Staatssekretär haben erklärt, daß eine Weisung. die den Berkehr mit Abgeordneten verbietet, nicht erlassen sei. Bei der Bestimmtheit, mit der diese Worte abgegeben wurden, ist ein Zweifel nicht gut möglich. Der Staatssekreiär muß sich aber dar- über hinaus zu der Erklärung bequemen, daß er es mißbilligt, wenn die nachgeordneten Behörden solche Weisungen erlassen.(Sehr richtig I links.) Bei der Untersuchung in Danzig hat man nämlich weniger danach geforscht, ob die Materialien auf dem Grund der Weichsel vorhanden waren oder nicht, sondern man hat Haupt- sächlich geforscht nach dem Urheber der Denunziation! Der Kapnän« leutnant Lauper hat im Protokoll erklärt, dag er über den denim- zierenden Briesschreiber keine Vermutung habe I(Hört I hört l bei den Sozialdemokraten.) Und der Betriebsleiter des Artillerie» konstruktionsbureauS Körner hat folgende Erklärung zu Protokoll gegeben: „Aus der Handschrift, Zeichnung und der Qualität des verwen- deten Papiers der mir vom Jntendanturrat Hedicke vorgelegten Skizze betreffend Vernichtung von Materialien beim Artillerie« refiort, kann ich nicht erkennen, ob die Skizze von Angehörigen deS Artillerielonstruktionsbureaus angefertigt worden ist.(Lebhaftes Hörti hört! bei den Sozialdemokraten.) Papier der zur Sktz'ze verwendeten Art. ebenso auch das zum Durchpausen benutzte Blau- papier wird meines Wissens im Konstruktionsbureau beim Ressort 2 nicht verwendet. Zeichnungen des Ressortgeländes sind im Kon- struktionsbureau und auch im Zimmer des Artilleriedirektors vor» handen, doch gleicht keine der mir bekannten Zeichnungen der vor» gelegten Skizze. Sonach habe ich vorläufig keinen Anhalt für den anonymen Angeber."(Lebhaftes Hört I hört l bei den Sozialdemo» kraten.) Das„vorläufig" ist gut, denn es gibt zu erkennen, daß man noch weiter nach dem Anzeiger forschen wlll I Ich kann die Ver- mutung nicht unterdrücken, datz diese Dinge auf die Weisung deS ReichSinarineamlS ins Protokoll gekommen sind. Wir haben es hier mit einem scharfen Gegensatz zu den Aeußerungen deS Staats- t'ekreiärs zu tun, und der Staatssekretär hätte alle Veranlasiung, durch eine Erklärung jeden Zweifel zu beseitigen.(Sehr richtig l bei den Sozialdemokraten.) Sonst müssen wir befürchten, daß auch die anderen Mißstände so lax untersucht werden, wie eS hier geschehen ist. Ich mutz nun noch eine Reihe von Mißständen zur Sprache bringen, die mit dem ganzen System verbunden sind, und ich will damit beweisen, daft dieses ganze System geändert werden must. Zunächst klagen die Arbeiter über die Praxis, die bei ihrer Ueberweisung in andere Ressorts geübt wird. Während in einem großen Privatbetriebe eine telephonische Verständigung genügt, müssen hier die Arbeiter von einem Meister zum anderen laufen, ehe sie an die richtige Stelle kommen., Gegenstände, die ruhig aus billigem Messing hergestellt werden können, werden aus teurem schweren Bronzeguß verfertigt, der noch dazu weniger praktisch ist. Ans gutem alten Kiefeinholz macht man Kisten, die auS wert» losen Brettern hergestellt werden können. Für die Veischwcndung, die man mit den Steuergroschen der Bürger treibt, ist eS bezeichnend, daß nian den aufsichtführenden Offizier'von der Kieler Werft eine besondere Piuasse zum Uebersetzen zur Verfügung stellt, während er früher die gewöhnliche Fähre benutzte. So kommt die Ueberfahrt des Offizier», die sonst 10 Pf. kostete, auf 3,60 M. zu stehen I(Lebhaftes Hört! hört!) Da werden teure Maschinen angeschafft, die sich alsdann als gebrauchSunsähig erweisen oder erst kostspieliger und langwieriger Reparaturen bedürfen, um instand gesetzt zu werden. So hat man in Kiel vor 0 Jahren eine Walze angeschafft, die bis heute noch nicht gebrauchsfäbig ist!(Lebhaftes Hört! hört!) I» der Kieler Lsfiziersmesse wurden Verzierungen im Werte bis zu 2000 M. entfernt, weil der Werftdirektor auf den sehr ver- nsinfligen Gedanken kam, daß größere Einfachheit ge» boten sei— leider aber erst nachträglich, als das Geld schon ausgegeben war.(EnicuteS Hört I hört!) In kurzen Zwischen- räumen iverden wohl ohne Bestellimg teure Motorboote mit großer Mahagoiiivcrschwendnng für den Kaiser und den Prinzen Heinrich gebaut, gewiß weil die betreffenden Instanzen sich oben lieb Kind machen wollen. Die Ausstattung der Kaiserjacht„Hohenzollern" er- folgt auch nicht gerade nach den Grundsätzen altprcußiicher Spar- famkeit. Die zweimal jährlich erfolgtude Renovierung mit neuer Lnrkierung, neuer Bergolduug usw. kommt auf ungefähr eine halbe Million zu stehen.(Lebhaftes Hört! hört!) Ich habe noch eine große Fülle van Material über dies System der Veiscdwenduiig, das oft mit Zcistörungslusl und Vandalismus gepaart ist. Doch das Angeiührle genügt wohl zur Begründung unserer Resolution. Nur noch ein paar Talsachen: Kisten der wertvollsten Bausteine verioendet man zur Funda- menticrung, während gewöhnlicher Mörtel denselbe» Dienst geleistet hätte. Flaschenzüge im Werte von 160 M., nach dem Urteil der Sach- verständigen noch gut zu gebrauchen, verkauft man zu 6 M.I(Lebh. Hörtl börtl Rufe b. d. Aatl.: Beweise!) Ach. Herr Kollege Weber, Sie rufen nach Beweisen. Ich habe schon bei früherer Gelegenheit gesagt, daß ich meine Gewährsmänner nennen werde, wenn der Staatssekretär öffentlich erklären würde, daß sie nicht gemaßregelt werden. Ich verweise ferner auf den Vorschlag des Kollegen Mugdan, man solle mir Gelegenheit geben, an der Untersuchung persönlich teilzunehmen. Ich und meine Fraktion verlangen aber gar nicht solche Extrawurst. Wir verlangen die Einsetzung einer unparteiischen parlamentarischen Kommission. Was mein Material betrifft, so habe ich es in Wilhelmshaven, Kiel, Friedrichsort und Danzig gesammelt. Auf meine Angaben hin, daß auch in den Betrieben in Wilhelmshaven Verschwendung an Material getrieben worden ist, wurden dort Untersuchungen an- gestellt; sie wurden aber so geführt, daß angesichts des von mir eingangs meiner Ausführungen geschilderlen Maßregelungssystems die Arbeiter nicht wagen konnten. Aussagen zu machen.(Hört! hört! bei den Sozialdemokralen.) Ich bitte den Reichstag dringend um Annahme unlerer Resolution. Die Herren von der Rechten haben sich auf den Standpunkt gestellt, daß es sich nicht empfehle, wenn einzelne Abgeordnete die Werften besuchen. Man kann darüber verschiedener Meinung sein. Der narionalliberale Herr Görcke hat z. B. angeregt, einen Abgeordneten zur Unteriuchung nach K i a u t s ch o u zu senden.(Hört I hört! bei den Sozialdemokraten.) In der Kommission war außer Herrn Mugda» auch Herr Erzberger dafür, mich an der Untersuchung zu beteiligen. Die Herren von der Rechten und die Nationalliberalen wandten sich allerdings eifrig da- gegen.(Zurufe bei den Nationalliberolen.) Ich jage nochmals, daß ich wirklich keine Extrawurst beanspruche, aber so sachverständig wie Herr Görcke über ostasiatische Dinge, glaube ich auch noch über die Fragen der Materialverwendung usw. zu sein.(Sehr gut! bei den Sozialdemolratcn.) Hier ist in den letzten Tagen sehr oft von.nationalen Taten" geredet worden. Für Herrn Erzberger ist die Finanzreform eine .nationale Tot", für Herrn Semler die Flottenvermehrung. Ich meinerseits würde es als eine nationale Tat ansehen, wenn der Reichstag gründlich in die Marinevcrwaltung hineinleuchten wollte. In dieiem Sinne bitte ich noch einmal drüigend um die Annahme unserer Resolution.(Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Geh. Admiralitätsrat Hanns: Die Frage der Tarifverträge kann nicht vom Reichsmarineamt gelöst werden. Der geringe Einfluß, den das Reichsmarineamt bei Lieferungsaufträgen in diesem Sinne ausüben kann, wird aber an- gewandt. Die von der Marineverwaltung beschäftigten Arbeiter dürfen nicht sozialdemokratiiche Agitatoren lein oder eine Tätigkeit ausüben, die das friedliche Verhältnis zwischen der Verwaltung und den Arbeitern stört. Solche Leute werden nicht angenommen bezw. entlasse».(Bravo! rechts. Zuruf bei den Sozialdemokraten.) Aber nach der politischen Gesinnung der Leute forschen wir nicht.(Lachen bei den Sozialdemokraten.) Das ArbeiteranSschnßmitglied Fischer in Kiel ist entlassen worden, weil der Mann iozialdemokratischc Agitation trieb. Solche Leute können wir nicht gebrauchen I(Bravo I rechts. Unruhe bei den Sozialdemokraten. Abg. Ledebour ruft: Werftpolizei.) Redner bestreitet die Nichtigkeit der Ausführungen Severings über den Korveltenkapitän Simon. Nimmt man die Löhne unserer Arbeiter insgesamt, so stehen sie im Durchschnitt höher als in der Privatindustrie. Bei einzelnen Kategorien ist das nicht der Fall, aber dieie wollen wir aufbessern. Wir werden wegen unserer guten Arbeitsverhältnisse auch geradezu überlaufen von Arbeitern.(Sehr richtig I bei den Nationalliberalen.) Wir haben die neunstündige Arbeitszeit, wir haben eine UnterftützungS- laste, wir haben auch— entgegen der Behailplung des Abg. Severing— den§ 616 dcö B.G.B.(Hört! hört! rechts. Abg. Severin gsSoz.s: Auf dem Papier!) Ferner hat Herr Severing die Untersuchung des Wasserlochs in Danzig beanstandet. Wir können sie doch nur von den zu- Windigen Beamten ausführen lasten. Aus den ArtilleriedepotS stammte von den aufgefundenen Sachen nur wertlos� Zeug. Das Wasierloch ist seit langeni als M ü l l g r u b e bestutzt sowohl von der Werftverwaltun'g wie von den Schiffern.' Woher die gefundenen Kupserrohre und Ofenrohre stammen, dafür fehlt jeder Anhalt! Herr Severing verlangte, daß ein Taucher hinunter- ginge. Ein solcher hätte nichts gefunden, sondern mit seiner schweren Rüstung alles in den Modder getreten. AuSpuinpen, wie Herr Severing verlangte, ist ebenfalls unmöglich. Er möge seine Beschuldigungen gegen den die Untersuchung leitenden Beamten außer- halb des Hauses wiederholen: dann wird er wohl noch eine andere Untersuchung bekommen.(Zustimmung rechts.) Abg. Monimseu(Forlschr. Vp.): Die Sozialdemokraten verlangen Unparteilichkeit. Sehr schön: dann sorgen Sie aber auch für Unparteilichkeit in den Arbeiterausschüssen, zum Beispiel in Danzig. Aengstlich werden Nichtsozialdemokraten aus diesem Ausschuß fern- gehalten.(Hört! hört I bei der Fortschrittlichen Volkspartei und rechts.) In Parenthese: Es ist nötig, das Proportional- s y st e m bei den Arbeiterausschußwahlen einzuführen. Redner der- breitet sich ausführlich über den kaufmännischen bezw. nichtkaufmänni- scheu Geist in der Werftverwaltung. Staatssekretär v. Tirpitz verbreitet sich über die Beamten- Verhältnisse auf den Werften, wendet sich gegen die ungeteilte Arbeitszeit und erklärt, daß er auf Tüchtigkeit und nicht auf Ancicnnität sehe. Abg. Schirwer(Z.): Mit schönen Worten kommt man über den schlunme» Eindruck, den die Mitteilungen des Herrn Abg. Severing über das Danziger Wasserloch im Reichstage und im Volke gemacht haben, nicht hinweg. Meines ErachlenS kommt eS nicht so sehr darauf an, welchen Wert die Gegenstände haben, sondern das) man solche Sachen überhaupt ins Wasser versenkt! Die Marine- Verwaltung ist offenbar über bestehende Mißstände nicht genügend unterrichtet. Was die Resolution Albrecht anlangt, so ist ihr Gedanke bereits in der Kommission verwirklicht werden. eS ist dabei aber nichts herausgekommen. Daher lehnen mein« Freunde dieS unwirksame Mittel ab. Abg. Dr. Weber(natl.): Auf die Tarifverträge kann man die Marineverwaltung nicht festlegen; sind sich doch z. B. die Arbeiter des Baugewerbes noch gar nicht darüber klar, ob sie zum 1. April einen Tarif haben wollen oder nicht.(Lachen bei den Sozialdemo- Iraten.) Daß sozialdemokratische Agitatoren nicht in Staatsbetrieben beschäitigt werden, ist selbstverständlich. Wenn ich als national- liberaler Agitator mich als Setzer im„Vorwärts" melden würde, würde mau mich auch zurückweisen.(Lachen und Zurufe bei den Sozialdemokraten.) Sie lasten auch auf den Baute» keine Andersorganisierten zu.(Zuruf b. d. Soz.: Räubergeschichten!) Erst vor kurzem sind in meinem Wahlkreis zwei alte Maurer, die nicht freigewerkschaftlich organisiert waren, von Mitgliedern des Maurerverbandes aus der Arbeit verdrängt.(Ruf bei den Sozial- demotraten: Das ist unrecht I Lachen rechts.) Hier mißbilligen Sie das, aber die Gewerkschaftsführer. lehnen ei» Eingreifen ab. Was die Anklagen des Herrn Severing betrifft, so möge er die Namen seiner Gewährsmänner nennen; der Herr Staatssekretär hat in der Kommission erklärt, er verpflichte sich, den Leuten nichts zu tun.(Widerspruch bei den Soz.) Ich war selbst dabei, er lvird jeden- falls diese Erklärung im Plenum wiederhole». Wenn Sie die Sache klar- stellen wolle», müssen Sie dem Reichsmarineamt die Möglichkeit geben, die Leute gerichtlich zu vernehmen. Ahg. Leonhort(Fortschr. Vp.): Die Vernehmungen von Beamten wegen ihres Verkehrs mil Abgeordneten sind von dem Konteradmiral Dyck im Auftrage des OberwerftdircktorS vorgenommen lvorden. Herrn Admiraliiätsrat HarmS gegenüber betone ich, daß eS die Ver- waltung gar nichts angeht, was ein Arbeiter in seiner freien Zeit tut: ob er Sozialdemokrat ist oder nicht.(Lebhaftes Sehr richtig l links.) Der Kieler Prozeß hat manch« Schäden aufgedeckt; man sollte der Oberwerftdirektion einen Zahlmeister als Assistenten betgeben. Abg. Severing(Soz.): An den Oberwerftdirektor sollen sich die Beamten nicht wenden, an Abgeordnete auch nicht; ja, was sollen sie denn tun, wenn sie ernstlich vestrevt sind, den deutschen Namen vor Schmutz zu be- wahren? Herr Geheimrat HarmS klagte, ich hätte die Zustände der Ver- waltung als beina he nissisch hingestelltl Man wird bei solchen Dingen vielleicht bald mit Fug und Recht nickt mehr von russischen Zuständen sprechen, sondern von deutschen Zuständen!(Große Unruhe recklS.) Heute ist es noch nicht so. aber wir wünschen mich, daß eS nicht so wird, wir wollen den deutschen Namen vor diesem Flecken bewahren.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozial- demokraten.) Was Herr Geheimrat Harms hier berichtet hat, ist ihm so berichtet worden; aber richtig ist es nicht. Er verwies auf das Gut- achten eines Torpedodirekrors: daß die Manneverwaltung ernstlich bestrebt sei, Mißstände abzustellen, und nicht engherzig sei in bezug auf die Mitwirkung der Arbeiterausschüsse. Dieses Gutachten rührt vom Sepiember 1909 her. und einen vollen Monat spärer noch kam ein Befehl: die Tätigkeit der Arbeiterausichüssc einzuschränken!(Hört! hört! bei den So-''ldemokraten.) Auch nachdem der Reichstag be- schlosten hatte, di. Arbeiterausschüffe folllen bei der Neuregelung der Arbeiterverhältnisie gehört werden, sind die Gesuche der Arbeiter- auSschüsse um Mitwirkung oder Anhörung abgelehnt worden! WaS will also das Gutachten eines einzelnen Direkiors besagen? Geheiinrat Harms hat dann behanplet, es würden mir die ent- lasten, die im Betriebe agitierten, und hat auf den Fall Gcrlvff exemplifiziert, Gerloff soll eine solche Agitalion vor Gericht z u- gegeben haben. AuS den GerichiSakien habe ich festgestellt, daß Gerloff eine solche Erklärung nicht abgegeben hat. Weiter habe ich hier ein Zeugnis des Danziger Oberwerftdirektors Freiherrn v. Schimmelmann, wo es heißt: „Durch seine d i e n st l i ch e Führung sowie seine Führung im Privatleben hat er keinen Anlaß zum Tadel gegeben, wogegen seine Führung im öffentlichen Leben nicht tadelnsfrei war."(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Dadurch ist bewiesen, daß der Mann deshalb entlassen ist, weil er als Sozialdemokrat sich erkühnte. Mißstände zur Sprache zu bringen. Geheimrat Harms wies weiter darauf Hirt: Die Betriebe müßten doch gut sein, denn sie seien von Arbeitsuchenden über- lausen! Das ist in der Zeit der wirtschaftlichen Krise wirklich kein Grund. Die Arbeiter wollen leben und müssen irgendwo unterkommen. In bezug auf die Nichtaufhebung des Z 616 B. G.-B. ist Ge- heimrat Harms nicht richtig informiert. Ich verweise aus eine Verfügung des Oberwerstdirektors von Wilhelmshaven vom 9. Juli 1907: „Der Antrag der Kommuualvertreter auf Freigabe des ganzen Nachmittags mit Lohnzahlung bei Sitzungen wird abgelehnt." Die Kosten einer erweiterten UrlanbSerteilung an Werft- arbeiter wären leicht durch Ersparnisse aufzubringen, wenn z. B. nicht jährlich zweimal das Linoleum auf Deck der„Hohenzollern" erneuert und mit dem Material etwas sparsamer umgegangen würde. Herr Geheimrat Harms hat dann die Sachen angeführt, die aus dem Danziger Wasterloch gehoben sind. Wieviel derartige Sachen aber noch im Graben liegen, davon hat er nichts gesagt!(Gelächter rechts. Abg. Mommsen: Das wissen Sie ja auch nicht!) Gctoiß, aber ich habe mich ja erboten, bei der Hebung der Sachen mitzuwirken und ich erkläre mich noch heute dazu bereit, wenn die Marineverwaltung dazu die Ermächtigung erteilen würde! Denken Sie doch, wie ich dastehen würde, wenn dann nichts gefunden würde! Also bereiten Sic mir doch die Blamage— ich bin sogar gern bereit, die Kosten zu tragen, falls nichts dabei herauskäme! Ich würde schon die Anordnungen treffen, die Herr Harms für„unmöglich" er- klärte, daß die Stelle eingedämmt und ausgepumpt würde. Dann würde nian all die kostbaren Materialien finden und auch fest- stellen können, zu welchem Zwecke sie versenkt wurden. Wenn Sie mir aber die Möglichkeit, dabei mitzuwirken, nicht geben, dürfen Sie mir keine Vorwürfe machen!(Sehr wahr! bei den Sozial- demokraten.)', Herrn Mommsen möchte ich nur sagen: Daß meine Mittei- hingen richtig siizd, pseifen in Danzig die Spatzen von den Dächern! Di« Danziger Bevölkerung wird jedenfalls verwundert den Kopf schütteln, daß ihr Abgeordneter, ohne sich persönlich an Ort und Stelle zu informieren, der Regierung beispringt.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Herr Mommsen sagte, wir Sozialdemokraten seien schuld, daß in die Arbeiterausschüsse nur einseitig Sozialdemokraten gewählt werden. Daran sind vielmehr Sie s e l b st schuld, indem Sie unseren Antrag ablehnten, daß die gewerkschaftlichen Organi- setionen mitwirken sollten; dann hätten auch die christlichen und Hirsch-Dunckerschen Organisationen mitgewirkt. So aber werde» nur Leute des Vertrauens der Arbeiter gewählt, und das sind natürlich nur Sozialdemokraten.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) DaS würde auch bei dem Proportionalsystem nicht anders werden. Herr Weber meinte, die Werftverwaltung könne bei Liefe- rungen nicht nur Firmen berücksichtigen, welche die Tarifverträge innehalten, weil die Bauarbeiter z. B. sich selbst noch nicht klar darüber seien, ob sie zum 1. April einen Tarif haben wollen oder nicht. Hier handelt es sich aber nicht um die prinzipielle Frage, ob Tarif oder nicht, sondern darum, wie der Tarif ausgestaltet werden soll.(Sehr richtig links.) Herr Weber erwähnte auch wieder den„Vorwärts"-Betrieb. Nun, im„VorwärtS"-Betrieb sind auch Personen beMssigt. die nicht Sozialdemokraten sind. Die dort Beschäftigten haben auch das Recht, zur GeschästSleitung zu gehen und Vorschläge zu machen und ihre Beschwerden ö f fe n t- I i ch zur Sprache zu bringen. Wenn Sie also die Einrichtungen sozialdemokratischen Betriebe auf die der Marineverwaltung über- tragen wollten, haben wir nickts dagegen, sie werden dann wirklich Musterbetrieb« sein.(Lebhaftes Bravo! bei den Sozial- demokraten.) Damit schließt die Diskussion. Das Kapitel wird bewilligt. Di« Resolution Albrccht(Soz.) auf Einsetzung einer Untersuchungikommission wird gegen die Stimmen der Sozial- demokraten und einiger Fortschrittler abgelehnt! Eine Reihe weiterer Titel und Kapitel wird debatteloS erledigt. Beim Kapitel„Verschiedene Ausgaben" wendet sich Abg. Ahlhorn(Fortschr. Vp.) gegen die Beamtenkonsumvereine. Die Beamten müssen Rücksicht auf den kleinen gewerblichen Mittel- stand nehmen._ Abg. Dr. Heckscher(Fortschr. Vp.)(mit Unruhe empfangen) fordert— um 8� Uhr— die Abgeordneten auf, ihm„auf ein Stündchen"(Große Heiterkeit) ins Marine-Museum zu begleiten. (Rufe: Das ist jetzt geschloffen! Stürmische Heiterkeit.) Das Kapitel wird bewilligt. Damit ist der ordentliche Etat erledigt. Die einmaligen Ausgaben werden mit den Streichungen der Kommission beschlossen. Damit ist der Marincetat angenommen. Hierauf vertagt sich das Haus. Nächste Sitzung Mittwoch 1 Uhr.(Etat von Kiautschou, Postetat.) Schluß 6V, Uhr._ Hbgeordnetcnbaiiö« 36. Sitzung, Dienstag, den 8. März 1010, mittags 11 Uhr. Am Ministertische: S y d o w. Vor Eintritt in die Tagesordnung erklärt Abg. Gras Praschma(Z.). daß da« Blatt„Donaiiwarte". aus dem neulich der nationalliberale Abg. Lehmann einen gehässigen, auf Unwahrheit beruhenden Angriff gegen den Kronprinzen zitiert halte, kein ZentruniSorgan, sondern vielmehr ein s o z i a l d e ,n o k r a t i- s ch e S Blatt sei. Abg. Borgman»(Soz.): Gegenüber dem Herrn Vorredner kann ich erklären, daß innerhalb unserer Parteiprejje ein Organ namens „Donaiiwarte' nicht existiert. Ich muß e« dem Hause überlassen, zu beurteilen, welchen Zweck der Herr Vorredner mit dieser Angabe ver- folgte.(Zuruf bei den Sozialdemokraten: Demagogie des Zentrums!) Jedenfalls entspricht seine Behauptung nicht der Wahrheit. Auf der TageSordining steht zunächst die zweite Beratung des Gesetzentwurfs bc.r. die Erweiterung des Stadtkreises Spandau. Abg. Borgmann(Soz.): Die Gemeinde Spandau soll an den Kreis Osihavelland für die Eiiigeiiieinduiig eine Eulschädigung von 2 656 060 M. zahlen. Man hat in der Kommission anerkannt, daß die Summe etwas hoch sei, meinte aber, da die Spandauer Stadlverordnetenversaminlung ein- stimmig die Entschädigung bewilligt habe, könne man darüber hinweg- gehen. Nun eriiincre ich daran, daß, als bei der Eingemeindung von Eckernförde in Kiel diese Stadt sich iveigerte, eine Absindung an den Kreis zu zahlen, die Regierung zugunsten des Kreises eingegriffen hat. Hier aber, wo es sich um die Wahrung von städtischen Jnter- essen handelt, versagt die Regierung.(Hört I hört I bei den Sozialdemokraten.) Die Regierung sollte aber um so mehr Wider- sprnch dagegen erheben, daß seitens des Kreises der Stadt in dieser Weise eine Daumeiischraube angelegt wird, weil dieser Vor- gang natürlich die Begehrlichkeit anderer Kreise außerordentlich wecken wird. Tatsache ist doch, daß der Kreis für den Bezirk, der jetzt ein- gemeindet werden soll, absolut nichts geleistet hat. Das Verlangen einer Abfiiidiing ist deshalb ganz ungerecht- fertigt.(Sehr richng! bei den Sozialdemokraten.) Ein Regier» n gskommissar erwidert, daß die Ver- Handlungen zwischen Stadt und Kreis ohne Eingreifen der Aufsichts- bcbörde stattgefunden und daß beide Teile sich durch einstimmigen Beschluß den Bedingungen gefügt hätten. Es wären auch in dem Bertrage eine ganze Reihe von Bestiininungen, z. B. über Chaussee- bauten usw. festgelegt, die mit der Eingemeindung nichts zu tun hätten. Abg. v. Brandenstein(k.): Es ist richtig, daß eS eine rechtliche Grundlage für die sogenannte Abfindung des Kreises nicht gibt; das liegt an der mangelhafien Ausbildung des EingemeindungS- rechts. Wenn aber einem Kommunalverband ein für seine Steuer- kraft besonders bedeutungsvolles Gebiet abgenoninien und einem anderen Kommunalverband zugelegt wir� der dadurch einen enormen Gewinn hat. und dies sollte ohne Abfindung geschehen, so würde das von einem natürlich denkenden Menschen kaum verstanden iverden. Da muß man schon ungeheuer viel staatsrechtliche Kennt- nisse haben, um daran Anstoß zu nehmen. Abg. Borgmann(Soz.): Gegpnübcr der letzten ironischen Be- merlung des Herrn v. Brandenstein kann ich nur feststellen, daß meine Ansicht geieilt wird von dem höchsten preußische» Verwaltiings- gericht. Ich weiß nicht, ob die staatsrechtliche Auffassung des Herrn v. Brandenstein höher ist als die des preußischen OberverwallungS- gerichts. Nach Lage der Verhälinisse ist die Abfindung durchaus ungerechtfertigt.(Sehr richtig I bei den Sozialdcmvkrateii.) Die Bo..age wird hieraus angenommen, ebenso in dritter Lesung die Eingeiueuiduiigsvorlagen betreffend F r a n k f u r t a. M. niid Essen. ES folgt die Fortsetzung der zweiten Beratung deS Etats der Handels- und Gewerbeverwaltung. Abg. Roscnow(Fortschr. Vp.): Im Interesse der Entwickehing von Handel und Industrie legen wir großen Wert ans freundschasiliche Beziehnngeii zu England. Leider wird von gewissen Seiten immer noch der Gegensatz zwischen uns und England geschürt. Von der Sozialpolitik hat der Handiverkcr leider wenig. Soweit die Handwerker eS wünschen, sollte es vielen ermöglicht werde», an der sozialen Versicherung be- teiligt zu werden. Em Uebermaß von Sozialpolitik für die Arbeiter verwerfen auch wir. Aber man»intz berücksichtigen, daß die Leistungen der Sozialpolitik der gesamten Industrie zugute kommen, indem sie zur Schaffung eines besseren, gesunden Arbeiterstandes beitragen. Dem gegenüber sollte» die Arbeitgeber nicht so sehr betonen, daß sie schiver belastet lperden. Die Arbeiterlöhne sind gewiß erHöhr, aber da« war die notivendige Folge der Verteuerung der ganzen Lebenslage durch unsere Zoll- urtd Steuerpolitik. Die Frauenarbeit. Hai einen großen Umfang angenommen. Das Bestreben der Frauen, dieselbe Ausbildung als Lehrlinge, Gesellen und Meister zu erhalten wie die Männer, können wir nur unter- stützen. Wo die Bediiigunge» der Sauberkeit und der Hygiene in den Bäckereien gewahrt sind, sollte den Bäckermeistern und Hausbesitzern eine gewisse Schutzfrist zur Ausführuiig der Bäckereiverordnung gewährt werden. Ein großer Mißstand ist die in der Provinz Brandenburg verfügte Verhängung der Schaufenster an Sonn- und Feiertagen. In anderen Provinzen kennt man diese rückständige Art der Handhabung der Polizeigewalt nicht. Redner wünscht des weiteren, daß in der Saison die Arbeiterinnen am Sonnabend zwar acht Stimden, aber bis abends 9 Uhr mit einer längeren Pause am Mittag beschäftigt werden dürfen.(Bravo! bei der Fortschrittlichen Volkspartei.) Abg. Leinert(Soz.): Es ist gesagt worden, daß man den bisherigen Handelsminister mit Bedauern habe scheiden sehen. Wir könneii uns diesem Bedauern nicht anschließen, höchstens können wir bedauern, daß er Staals- sekretär für Sozialpolitik im Reiche geworden ist. Wir alle hoffen aber, daß das Reichstagswahlrecht dazu beitragen wird, daß auch dieser Minister, dessen Arbeilerfreilndlichkeit nicht allzuweit her war, sich entwickelt wie Graf Posadowsky. Wenn wir uns in dieser Hoff- nuiig täuschen sollten, wird die Arbeiterklasse schon dafür sorgen, daß die Sozialpolilik nicht still steht. Die Berufung von Ministem be- deutet beute kein Prograimn mehr. Sein Programm hat der jetzige Herr Handelsminister auf der Festversammlung de? Vereins zur Förderung des Gewerbeflcißes dargelegt. Dort sagte er: „DaS Bestreben der Arbeiter zur Besserung ihrer kulturelleii Lage ist natürlich anziierkemien, aber andererseits ist auch die Kampf- stellung, in der sich das vollzieht, kein Glück für die Industrie. Unternehmer und Arbeiter sind nicht Gegensätze, sondern haben im letzten Grunde solidarische Interessen." Die bisherige Tätigkeit deS Minister« schlägt diesen Anschauungen in« Gesicht. In seinen Anweisungen zur AuSsühruiig der Gewerbe- ordnungsnovelle hat der Handelsmiiiistcr alle Bestimmungen zu- gunsten der Arbeiter im Interesse der Untemehmer ausgemerzt. Die GewerbeiufpeKtiou. Ein Fortschritt ist immerhin erzielt, indem es den Gewerbe- inspektoren überlassen worden ist, zu entscheiden, ob Aus- nahmen vom gesetzlichen Arbeitcrschutz zu erfolgen haben. DaS bringt allerdings eine neue Arbeitslast für sie. Dabei sind im Etat nur acht neue Gewerbeinspektorcn vorgesehen! Darunter wird die Revision der gewerblichen Betriebe leiden. Von 141000 Betrieben sind 1908 nur'70000--- 47,9 Proz. revidiert worden mit 32,1 Proz. der vor- haiidcncn Arbeiter. Eine große Reihe von Betrieben ist also nicht revidiei t worden.(ZnrufrechtS: DaS schadet nichts!) Gewiß, der Arbeiterschutz ist für Sie ja Nebensache! Die nicht revidierten Betriebe sind gerade die kleinen, in denen 22 Proz. der Arbeiterinnen und 21,6 Proz. der jugendlichen Arbeiter und Arbeiterinnen beschäftigt sind.(Hört! hörtl bei de» Sozialdemokraten.) Ueber 2000 im Jahre 1903 ncil entstandene Fabriken sind überhaupt nicht revidiert worden. Wir müssen also eine erhebliche Vermehrung der Zahl der Gewerbe- inspektoren verlangen. Daß wir jetzt wieder einen Minister gegen Sozialpolitik haben, beweisen die erwähnten NussührungSanwelsungen, auS denen eine Reihe von Aestimniungeii zugunsten der Arbeiter, z. B. in bezug auf Ueberarbeit und«onntagSruhe usw., herausgestrichen worden sind. AlS Grund führt der Minister an, daß die Fassung der Vor- schriftcn zu manchen Mißverständnissen Anlaß gegeben habe! ES sei zu erwarte», daß auch so die Gewerbebeamten einen billigen Slusgleich zwischen den berechtigten Interessen der Arbeit- geber und der Arbeiter finden würden. Es bandelt sich aber hier gar nicht um berechtigte Jntereffon dcre Arbeitgeber, sondern um den Schutz der Arbeiter, der gesetzlich festgelegt ist und von dem AuSnah ineu zuungunsten der Arbeiter gestattet sein sollen. Die Unternehmer werden jetzt darauf hinweisen, daß eS nur an dem guten Willen der Gelvcrbeinspettoren liege, wenn diese Ausnahmen nicht gestattet werden, und der Widerstand der Arbeitgeber gegen die Geiverbeaussichtöbeamten wird su lediglich gestärkt. Jnter- essant ist. daß die„Deutsche Arbeitgeberzeitung" im November ISllS alle wirtschastttchen Verbände aufgefordert hat, sich mit Eingaben an die Landeözentralfxchorde« zu wenden, um eine anderweitige Gestaltung der Ausführungsvorschriften im Interesse der Unter- iiehmer zu erzielen, und daß wenige Tage nachdem diese Eingaben an die Landeszcntralbebördcn gerichtet waren, die neue Ausfüh- rnngsanweisung des Handelsministcrs erlassen wurde, in der die Borschriste», die die Arbeitgeber nicht haben wollte», weggelassen waren!(Hort! hört! bei den Sozialdemokraten.) Also der Ar- beiterschutz ist für den Minister nicht die Hauptsache bei Schaffung solcher Bestimmungen, sondern die„berechtigten Interessen" der Unternehmer. Ich meine, die Gesundheit der Arbeiter muß hier das höhere Interesse sein gegenüber allen Wünschen der Unter- nehmcr.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Die wenig arbeiterfrenndliche Haltung des Ministers hat sich auch in seiner Auslegung des§ 100 der Gewerbeordnung gezeigt, indem er es für zulässig erklärte, daß Arbeiter, die in einer Werkstatt beschäftigt sind, in der dem Handels- g e w e r b c freigegebenen Zeit im Handelsbetrieb desselben Arbeitgebers beschäftigt werden dürfen? Er begründet das fol- geiibennaßen:„Wenn auch nicht zu verkennen ist, daß infolgedessen die Sonntagsruhe der Arbeiter in unerwünschter Weise beeinträch- tigt werden kann, so muß doch beachtet werden, daß diese Arbeiter nicht schlechtergestellt sind als zahlreiche Arbeiter, die im Schneider-, Schuhmacher- usw.-Gewerbe sowohl in der Werkstatt als auch im Ladengeschäft ihres Arbeitgebers tätig sind." Diese Begrün- dung ist geradezu klassisch. Mit demselben Recht�könntc man sagen: die Bestimmungen der Gewerbeordnung zum Schutz der Arbeiter brauchten nicht angttvandt zu werden, weil solche Bestimmungen für die Landarbeiter nicht bestehen. Wir Meinen, man darf nicht auf die ungenügend geschützten Arbeiter zurückgreifen, sondern muß dafür sorgen, daß die Bestimmungen zum Schutz der Arbeiter rücksichtslos durchgeführt werden.(Sehr wahr! bei den Sozial- demokraten.) Die Gerichte werden hoffentlich eine andere Stellung einnehmen. Dem Wunsche des Herrn Rosenow, die Beschäftigung von Ar- Retterinnen am Sonnabend bis 3 Uhr ohne Verlängerung der Arbeitszeit zuzulassen, könne wir nicht zustimmen, weil die Ein- Haltung der Arbeitszeit dann unmöglich zu kontrollieren wäre. (Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Von der Bestimmung, daß die Bescbästigung der weiblichen Arbeiter Sonnabends um 6 Uhr aufzuhören hat, darf nicht abgegangen werden. Ter preußische Handelsminister wird sich noch manche Schlappe durch die Gerichte holen, wenn er mit seinei»„Auslegungen" kommt. Eine Niederlage chit er ja schon erlitten durch den Erlaß gegen die Krankenkasse der Kaufleute Berlin» und ihre Wohnungsenquete. Tie Voraussage meines Parteigenossen Borgmann im vorigen Jahre, daß dieser Erlaß vom Cbervertvaltungsgericht nicht aufrechterhalten werden könne, ist eingetroffen. Der Minister hätte besser getan, sich nicht auf die Eingabe der Haus- und Grundbesitzer zu verlassen, denen natürlich die Enthüllung der schauderhasten Woh- nungszustände durch die Krankenkasse sehr unangenehm war und die deshalb eine Verhinderung solcher Veröffentlichungen ver- langten. Aber das Mlnisterium für Arbeiterschutz entwickelte sich hier zum Ministerium für die Vertretung der Interessen rück- stündiger Haus- und Grundbesitzer und zum Ministerium gegen Wohnungsreform.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) In dem Urteil wird anerkannt, daß die Feststellungen der.Kasse den Aerzten häufig wertvolle Anhaltspunkte für die sachgemäße Erle.di- gung der llnterstützungssälle böten. Das mußte sich der Handels- minister auch sagen, aber er schätzte die Interessen der Grundbesitzer höher als diejenigen kranker Arbeiter.(Sehr wahrl bei den Sozial- demokraten.) Auf dieser schiefen Ebene geht die Tätigkeit des Handelsministeriums weiter direkt hinüber ins Lager der national- liberalen und freikonscrvativen Scharfmacher. In der Interpellation über den Zechennachweis habe ich be- reits angeführt, daß der Minister den Innungen die Erlaubnis er- teilt hat, sich den Arbeitgeberverbänden anzuschließen. Der frühere Handelsminister Möller hatte mit Recht betont, die Aufgabe der Innungen sei: ein gedeihliches Verhältnis zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern herbeizuführen, die Arbeitgeberverbände aber seien Kampfvereine gegenüber den Organisationen der Arbeit- nehmer; deshalb sei der Beitritt einer Innung zu einem Arbeit- gcbervcrband eine das Gemeinwohl gefährdende Handlungsweise. Es berührt eigenartig, daß in der kurzen Zeit, seitdeni ein neuer Handelsminister im Amte ist, nun auf einmal eine andere Auf- sassung über die Arbcitgederverbände im Handelsministerium vor- Händen ist. Herr Shdow ist offenbar über das Wesen der Arbeitgeberverbiinde nicht recht unterrichtet. Es zeugt von etwas großer Naivität, wenn er meint, daß die Innungen sich von solchen Arbeitgeberverbänden fernhalten würden, die reine KampfeSorganisationen seien. Im Gegenteil, die Absicht der Innungen ist gerade daraus gerichtet, sich in den Dienst der Äampforganisationen gegen die Arbeiter zu stellen. Die Zwangsinnung im Baugewerbe hat denn auch keinen Anstand genommen, sich über diesen Wunsch des Handelsministers einfach hinwegzusetzen. Die Herren haben nicht daran ge- dacht, ihren Ardeitgeberverband von der Innung loszulösen, sie haben das Kontor de» Arbeitgcberverbandes in das Bureau der Innung verlegt! Daß die EntWickelung der Arbeitgeberverbände nicht dabin geht, eine friedliche Verständigung mit den Arbeitern herbeizuführen, sondern daß sie die Arbeiterorganisationen unter ,hre Macht beugen wollen, beweisen die verschiedensten Aecrßerungen der Arbeitgebcrverbände So hat der Vorsitzende des Zentralver- handes deutscher Industrieller es offen ausgesprochen, daß eine Gleichberechtigung der Arbeiter gegenüber den Arbeitgebern nicht anerkannt werden könne! Er nannte die Gleichberechtigung em Schlagwort, mit dem ungeheurer Unfug getrieben werde; gleichberechtigt sei der Arbeiter in der Politik und vor Gesetz und Recht, aber nicht im sozialen und wirtschaftlichen Leben.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Ich erinnere weiter an den Be- schluß des Arbeitgeberverbandes für das Baugewerde, die Geschäfte am 1. April zu schließen, falls das von den Arbeitgebern vorgelegte Tarifmuster von den Arbeitern nicht anerkannt werden sollte. Das bedeutet also nichts anderes, als daß der Arbeitgeberverband für das Baugewerbe den Arbeitern ein Bertragsmustcr, das einseitig von den Arbeitgebern aufgestellt ist, aufzwingen will.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Wie ein solches Verhalten zum Aus- gleich der Gegensätze zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern führen kann, vermag ich nicht einzusehen. Der Syndikus der Handelskammer zu Saarbrücken. Dr. Tille. schrieb in einer seiner zahlreichen Flugschriften: „Das deutsche Unternehmertum ist fest entschlossen, das Nach- geben gegenüber den Arbeitern nicht so weiter laufen zu lassen und das Selbitbestimmungsrecht der Arbeitgeber in den einzelnen Betrieben nicht verkümmern zu lassen. Trotz Gewerbegericht und Einigungsämter wird man sich das heilige Recht der Wirtschaft- lichen Vertragsfreiheit bei Ausständen nicht nehmen lassen." (Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Die Arbeitgebcrverbände haben also nicht aufgehört, Kampfvrgaiiisatiouen gegen die Arbeiter zu sein. Die Anordnung des Ministers können wir daher nur als eine den Interessen der Arbeiter ins Gesicht schlagende Maßnahme ansehen.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Warum er- kündigt sich der Minister nicht vor Erlaß solcher Matznahmen bei den Arbeitern, bei den Aesellenausschüssen? Oder bei der General. kommission der Gewerkschaften in Deutschland, an die die Reichs- b ehör de n sich bei der Streitstatistik auch immer wenden süssen! Die Arbeiter tönneii dieselbe Achtung verlangen wie die Arbeitgeber. lSehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Man verläßt sich aber lediglich auf das Urteil der Arbeitgeber, selbst bei Fragen, die nur die Arbeiter angehen. Gestern, als der Minister die Stellung der Bäckergesellen zur Bäckereiverordnung erwähnte, rief man rechts: Sozialdemokraten! Das ist recht bezeichnend und zeigt, daß man nicht Leben und Gesundheit der Arbeiter ichützen will. Sozialdemokraten sind auch Menschen. Tie Durchführung des Arbeiterschutzes ist eine größere kulturelle Tat als eine Finanzreform. Bei der Durchführung der Bäckereiverordnung, dei der es sich also um den Schutz der Arbeiter handelt, will der Minister Arbeitgeber zuziehen, die sich doch direkt gegen die Bäckereiverordnung ausgesprochen haben. Warum will der Handelsminister nicht Arbeiter zuziehen? Die Ar- beiter müssen in den elenden Löchern wohnen und haben Anspruch darauf, gehört zu werden. Die Arbeiter können sich nicht damil zufrieden geben, als eine miiiderwertige Masse behandelt zu iverden. Auf der Arbeiterklasse ruht die ganze Existenz der bürger- lichen Gesellschaft. Entivrechend ihrer Kulturmission müssen die Arbeiter behandelt werden.(Sehr richtig? bei den Sozialdemo- trateil.) Innungen dürfen sich Arbeitgeberverbänden anschließen, die gegen die Arbeiter austreten, aber nicht dem Hansabunde, der den Kampf führt gegen die Ritter und Heiligen der Finanzreforni. (Sehr richtig! bei den Sozialdemokrateii.) Der Handelsminister, der zivar dem schwarzblauen Block seine jetzige Stellung verdankt. darf sich nicht in den Dien st des schwarzblauen Blocks stellen. Der Bund der Landwirte, Bauernbund und Hansabund werden trotz aller Differenzen untereinander sich immer gegen die Arbeiter- klasse zusammenfinden, soweit sie sozialdemokratisch ist.(Sehr richtig! rechts.) Bei den nächsten Wahle» wird der Hansabund den Juliusturm des ZeniralvcrbandeS deut- scher Industrieller in seinen Dienst stellen. Dieser Wahlkampf wird alles bisher Dagewesene in den Schatten stellen. Unsere Anträge auf Zuziehung der?lrbe>ter zur Gewerbe- inspektion hat man in der Kommission abgelehnt. Sie werden sich aber daran gewöhnen müssen, die Sozialpolitik mit den Organisationen der Arbeiter durchzuführen, und Sie werden sich noch an sehr viele andere Dinge gewöhnen müssen! Hier in Preußen kann die Sozialpolitik nicht die nötige Unterstützung finden, weil der Arbeiter bei den Wahlen vollständig ausgeschaltet ist. Die Sozialpolitik in Preußen kann sich daher auch nicht mit der des Reichslags messen. Tie Gewerkschaften haben zur Selbsthilfe greisen müssen, haben Kinderschutzkommissioiien, Beschwerdestellen für Arbeilerinncn und Arbeiterinnenschutzkommissionen geschaffen. Ich ersuche den Minister, bei Arbeitcrschutzvorschristen diese Stellen zu befragen. Es ist notwendig, daß die Arbeiter ihre Erfahrung in den Dienst der Sache stellen. Die Arbritslvsenfürsorgc muß auch in Angriff genommen werden. Ich bringe dies jetzt bei der aussteigenden Konjunktur gerade in Anregung, damit man nicht wieder— wie früher— sagt, bei wirtschaftlichem R i e d e r- gang könne man ein solches Werk nicht in Angriff nehmen. Baden hat 100000 M. bewilligt, um dieses Problem zu lösen. Das ist besser als 00 000 M. zur Entschuldung der Rittergüter! lSehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Die getverblichcn Fort- bildungsschulen bedürften einer ausreichenden Fürsorge. Die Schulzeit darf aber nicht in die Arbeitszeit fallen. Der Sozial- Politik dürfen nicht die Flügel beschnitten werden. Ter Argrar- schütz hat den Landwirten einen ungeheueren Gewinn auf Kosten der übrigen Bevölkerung zugeschanzt, die die Landwirte zu Luxus- bauten veiwaiidt haben, aber nicht zu Arbeitertoohnungen. Der Abg. Malkewitz hat von der gewaltigen Zunahme der Arbeiterlöhne� in Deutschland gesprochen und gesagt, Deutschland habe sogar England auf diesem Gebiet übertroffen. Wenn die deutsche Arbeiterklasse in der Tat die letzte Krisis in der Weise überstanden hat, so hat sie da» wesentlich ihren gewerkschaftlichen Organisationen zu verdanken. Die gewerkschaftlichen Organisationen haben im letzten Jahr allein an Arbeitslosenunterstützung 8100 000 Mark ausgegeben.(Hört! hört! bei oen Sozialdemokraten.) An Arbeitsunfähige und Kranke wurden 8100 000 M. gezahlt und an Reiseunterstützung sast 2 Millionen Mark.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Insgesamt wurden also für diese Unter- ftützungszwecke rund I8V2 Millionen JVIarfc ausgegeben.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Vergleichen Sie diese gewaltige Kulturleistung mit der Jämmerlichkeit, in der sich die Wohlfahrtseinrichtungen des preußischen Staates für die Arbeiter entwickeln! Der Abg. Malkewitz hat auch gemeint, von hungernden Ar- beitern könne nun nicht mehr geredet werden. Zunächst möchte ich Ihn darauf verweisen, daß der Durchschnittslohn in England 6l Pf. pro Stunde, in Deu t sch la n d 10 Pf. pro Stunde beträgt!.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Und was das Fehlen hungernder Arbeiter anlangt, so verweise ich auf einen Artitel der deutschen„Bergwerközeitung", der sich gegen den von der Rechten so vergötterten früheren Landwirtschaftsminister v. Podbielski richtete. Dieser Artikel wandte sich gegen die ein- seitige Bevorzugung der Interessen der Landwirtschaft und führte aus, daß es der Industrie trotz aller Anstrengungen und trotz der größten Opfer nicht möglich gewesen ist, sich auf der Höhe zu halten. Die Folgen der Podbielskischen Politik werden als u n- erhört und industrieschädlich bezeichnet. Das wird aus- geführt vo» nationalliberalcn Industriellen! Die„Pädagogische Reform" brachte kürzlich die Erzählung eines Lehrers, der ein lljähriges Mädchen in der Klasse hatte, dessen blutloses Gesicht ihm Jammer und Mitleid einflöhte. Er fragte das Kind, ob es am Morgen Kaffee getrunken habe, und das Kind antwortete Nein? Es hatte nichts gegessen und»tchts getrunken! Dabei hatte es nasse Füße, die Mutter war krank, und die Eltern waren ordentliche Leute. Als er dem Kinde darauf ein Stück Brot gab und sah, wie es das Brot bange und scheu ver- zehrte, wie das Kind so viel Glück gar nicht fassen konnte, da dachte der Lehrer an die Erhöhung der Getrcidezölle, an die großen Landwirte und dann an die Tausende von Kindern, denen es wohl ebenso geht wie diesem armen Mädchen. (Lachen rechts!) Ter Lehrer sagt: Solange es solche hungernden Kinder gäbe, würde Christus nicht auf der Seite derer stehen, die die Getreidezölle be- schlössen haben.(Lachen rechts.) Damit habe ich bewiesen, daß heute noch viele Arbeiter mit ihren Kindern hungern müssen. (Lachen rechts.) Sie auf der Rechten haben keinen Begriff vom Hunger und Sie kennen die Lage der Arbeiterklasse ja gar nicht!(Sehr richtig! bei de» Sozialdemokraten.) Jedenfalls möchte ich den Minister dringend bitten, sich der Lage der Arbeiter anzu- nehmen. Möge der Minister nicht Bremser auf sozialpolitischem Gebiet sein, sondern möge er alles tun, um sich das Vertrauen von Millionen von Arbeitern zu erwerben.(Beifall bei den Sozial- demotraten.) Abg. Hammer(k.): Die Einnahmen der Geschäftsleute in Berlin werden durch den Achtuhrladenschluß stark beeinträchtigt. Die Berliner Geschäftswelt hat sich mit ihrer Litte um weitere Ausnahmetag..' an den Polizeipräsidenten gewandt, dem ich dei dieser Gelegenheit meinen herzlichsten Dank und meine Hochachtung für seine in den letzten Tagen bewiesene Haltung ausspreche!(Gelächter bei de» Sozialdemokraten.) Der Polizei- Präsident hat die Geschäftsleute abschlägig bcschieden auf Grund der Ergebnisse einer Rundfrage durch Schutzleute. Nach meiner Meinung sind Schutzleute für solche Rundfragen nicht geeignet. (Abg. Borgmann. Soz.: Aber zum Prügeln!) Herr Leincrt hat die Angaben des Abg. Malkewitz über die gute Ernährung der deutschen Arbeiter bestritten. Durch die Statistik des Deutschen Reichs aber ist festgestellt, daß 1905 der - Durchschnittsverbrauch an Fleisch in Frankreich, Belgien, TINO« mark und Schweden 32,6 Kilogramm betrug, in Deutschland aber 00,6 Kilogramm.(Hört? hört! rechts.) Da kann man nicht von einer Unterernährung der deutschen Arbeiter sprechen.(Bravo! rechts.) Handelsminister Sybow: Ich möchte einige unrichtige Behauptungen des Herrn Lcinert nicht unwidersprochen ins Land gehen lassen, damit es nicht nach» her in der sozialdemokratischen Presse heißt:„Gegenüber den Keulenschlägcii, die der Abg. Leinert auf den Minister nieder- schmettern ließ(Heiterkeit rechts), wußte dieser kein Wort zu er- widern."— Richtig ist, daß ich die Interessen der Arbeitgeber und Arbeitnehmer als solidarisch ansehe. Es ist der Hauptfehler der Sozialdemokratie, daß sie— ohne Rücksicht auf die Interessen von Industrie, Handel und Gewerbe— einseitig die Interessen der Arbeiter vertritt. Die englischen Arbeiter sind darin viel ver- ständiger, denen ist lange zuiii Bewußtsein gekommen, daß Arbeit- geber und Arbeiter im Grunde gemeinsame Interessen haben. Daß ich nicht einseitig die Interessen der?lrbeitgeber vertrete, habe ich durch meiiic Ausführungen beim Zechennachweis und bot der Bäckereiverordnung bewiesen. Was meine Ausführungsanweisungen zur Gewerbeordnung betrifft, so gibt die Gewerbeordnung genau die Voraussetzungen an, umer denen Ucberarbeit genehmigt werden kann, und bestimmt auch, wie lange die Ucberarbeit dauern darf. Innerhalb dieser Schranken kann man den Gewerbeaufsichtsbeamten wohl freie Hand lassen. Bei der Frage, wieweit Arbeiter, die in sogenannten pro» duktiven Gewerben iverktags beschäftigt sind, sonntags anderweitig beschäftigt werden dürfen, handelt es sich lediglich um eine Aus- lcgungsfragc. über die die Gerichte zu entscheiden haben. Lei meinem Erlaß gegenüber einer Ortskrankentasse soll ich mir dann eine Schlappe zugezogen haben.„Verurteilung des Handelsminister s" war der betreffende Artikel dcS „Vorwärts" überschrieben. Es heißt aber in dem Urteil: „Uebrigens ist zu bemerken, daß der Inhalt der Veröffentlichmigcn über das durch das Krankenversicherungsgesctz bestimmte Maß weit hinausgeht. In zahlreichen Fällen werden Angriffe gegen den Verband der Haus- und Grundbesitzer gerichtet, häufig finden Er- örtcrungen über die Notwendigkeit einer allgemeinen WohnungS- reform statt, noch dazu mit Photographien von Wohnungen ver- sehen. Die Veröffentlichungen der Kasse müssen daher zu wesent- lichsten Teilen als Streitschrift und als Beiträge zur allgemeinen Besserung des Wohnungswesens angesehen werden. Die Her- stellung derartiger Arbeiten aus Krantenkassenmitteln ist unzulässig und die strittige Anordnung daher insoweit gerechtfertigt." Wer ist nun da der Verurteilte?(Sehr gut! rechts.) Endlich hat Herr Leinert noch de» Erlaß bekämpft, durch den ich den Innungen den Lcitrilt zum Arbettgeberv er bände gestattet habe. In anderen Staaten hatten die Innungen das Recht bereits. und ich meine, wenn auf die Dauer ein gutes Verhältnis zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern bestehen soll, so ist das nur möglich, wenn ein gewisses Gleichgewicht der Kräfte auf beiden Seiten besteht. Es ist daher der richtige Weg zum Frieden, wenn man beiden Teile» behilflich ist. ihre Kräfte zusammenzufassen. (Sehr richtig! rechts.) Herr Leinert hat mir dann prophezeit, ich würde einmal als Minister gegen Sozialpolitik bezeichnet werden. Das wird gewiß nickst geschehen, ivenigstens nicht von ruhig Denkenden. Ein Minister für Sozialpolitik in dem Sinne zu sein, wie es Herr Leinert versteht, dafür danke ich allerdings.(Lebhafter Beifall rechts.)„.,„ Ein Regiernngskommiffar erläutert den Erlaß be» treffend Auslegung des Z 105 der Gewerbeordnung. Nach weiteren Bemerkungen der Abgg. Hirsch-Effen(natl.) und Dr. Bell(Z.) wird die Debatte geschlossen. Der Titel„Minister. gehakt" wird bewilligt. Hierauf vertagt das Haus die Weiterberatung auf abend» M Uhr. Schluß iVz Uhr. � *• Abendsitzung.— Dienstag, den 8. März, 73£ Uhr. Am Ministcrtisch: S y do w. Anwesend sind gegen 20 Abgeordnete. Auf der Tagesordnung steht die Spezialberatung de» Etats dcrHandels- undGewerbevcrwaltung. Beim Titel„F 0 r t b i I d u n g s s ch u l w e s e n" führt Abg. v. Schcnckendorsf(natl.) an: Seit vier Jahren geht ver Zuschuß zum Fortbildungsschukwesen stetig zurück, gegenwärtig auf 120 000 M. Auch das angekündigte Gesetz für das Fortbildungs- schulwesen ist ausgeblieben. Geschah das auch aus Sparsamkeit? Preußen steht darin hinter allen Mittelstaaten und vielen Klein- staaten zurück. Ein solches Gesetz sollte lückenlos alle Jugend- lichen heranziehen. An den Fortbildungsschulen sollten auch Haupt» amtliche Lehrer angestellt werden. Die Lehrerausbildung für die Fortbildungsschulen ist ebenfalls gesetzlich noch nicht geregelt. Die Zeit vom Verlassen der Schule bis jjur Reife ist die sittlich. auch körperlich und geistig am meisten gefährdete. Das Streben. hier helfend einzugreifen, wird fast auf allen Seiten, von Staat. Gemeinden und Wohlfahrtsvercinen, gefördert. Die Minister des Handels, des Unterrichts und des Innern haben seit Jahren Be- ratungen hierüber gepflogen. Auch die großen Korporationen zur Förderung der Leibespflege sind 1908 zu einer zweitägigen Be- ratung hierüber zusammengetreten und empfehlen die Aufnahme regelmäßiger Leibesübungen als eine öffentliche Maßnahme zur Gesunderhaltung des deutschen Volksstammes. In der schon ver- wahrlosten Jugend muß irgendein Interesse geweckt werden. DaS hält am wirksamsten von schlimmen Handlungen ab. Es gibt keine wichtigere soziale Frage als die der schulentlassenen Jugend. Staat und Reich sollten hier nachdrücklicher vorgehen. Ich habe den guten Glauben zu dem gesunden Sinn des Volkes, daß man der sittlichen und gesundheitlichen Verwahrlosung der Jugendlichen noch Herr werden wird.(Beifall.) Minister Sydow: Ein FortbildungSschulgesctz wird dem Land» tag in der nächsten Tagung zugehen. Es bringt für alle Ge» ineindcn über lOOOO Einwohner den Zwang zur Errichtung solcher Schulen! Tie Regelung der Fort- bildungsschullehrcrfragen wird aber dabei nicht möglich sein, da wir in das SelbstbestimmungSrecht der Gemeinden nicht zu sehr eingreifen wollen. Die Abgg. Dr. Crtiger-Sagen(Fortschr. Bp.) und Hammer (k.) sprechen sich gleichfalls für die weitere Förderung des Fort- bildungsschulwesens aus. Abg. Hammer bringt unter der Heiterkeit des Hauses einen Fall zur Sprache, bei dem in einem Berliner Vorort ein FortbildungsschrilleHrer seine Schüler über die Pflichten des Ehemannes aufgeklärt hat. Weiter hat dieser Lehrer unter Hinweis auf das traurige einsame Leben Robinson Crusoes auf seiner Insel die Vorzüge des Lebens zu Zweien seinen Schillern geschildert, wobei er hinzufügte, daß den Haus» s ch l«l s s e l allerdings die Frau haben müsse.(Anhaltend« Heiterkeit.) Geh. Oberregierungsrat Seefcld: Herr Hammer hat die Ge- schichte entstellt. Der betreffende Lehrer hat das Thema der Familie und der Pflichten des Hausvaters behandelt. und daraus haben Witzbolde„Die Pflichten des Ehemannes" ge». macht. Hierauf vertagt das Haus die Weiterberatung auf Mittwoch 11 Uhr. Schluß 10� Uhr. EinZegangene Druchrchriften. Das Zystem des Marxismus. Darstellung und Kritik von Dr. G. Ckarasofs. 317 Seiten.— Fürst v. Bülow. Bon üliidra Tradicu. 336 Seiten. H. Bondq, Berlin. Die Gartenstadt München-Perlach. Von Berlepjch.ValendaS und 2,80 M. E. Neinb>rdt, München. _________________._____________ �__________ Wachet auf I Bon Dr. A. Schlesinger. 50 Pf. O. Raier, Leipzig. Verantwortlicher Reoälteur Richard Barth, Berlin. Für den gnserätenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u7Berlag:'Borwärt«Buchdruaelei u.Verlagschistal�Paul'Singer& Eo„ Berlin SW« 1. 57. 27.»«. 2. Ktilllge des Jormirts" Knlilltt WldslllM. Kspitslistischer fluch. ,Wenii ein einzelner einem anderen kärperliSen «cbaden tut. und zwar solchen Schaden, der dem Be- schädigten den Tod zuzieht, so nennen wir das Tot- schlag; wenn der Täter im voraus Wichte, daß der Schaden tödlich sei» würde, so nennen wir seine Tat einen Mord. Wenn aber die Gesellschaft Hunderte von Proletariern in eine solche Lage versetzt, das; sie not- wendig einem vorzeitigen, unnatürlichen Tode ver- fallen.... so ist das ebensogut Mord wie die Tat der einzelnen, nur versteckter, heimtückischer Mord, ein Mord, gegen den sich niemand wehren kann, der kein Mord zu sein scheint, weil man den Mörder nicht sieht, weil alle und doch wieder niemand dieser Mörder ist, weil der Tod des Schlachtopfers wie ein natürlicher aus- sieht..." FriedrichEngelS. Im deutschen Bergbau, vornehmlich im Ruhrbergbau, sind in den letzten Jahren technische bezw. maschinelle Einrichtungen ge- troffen worden, deren Wirkungen Erstaunen und Erregung hervor- rufen müssen. Schon durch die natürlichen inneren Gefahren ist der Bergbau zu einer traurigen Berühmtheit gelangt. Die Unfall- und ErkranknugSziffem sind so hoch und erfahren noch fortgesetzt eine solche Steigerung, dag jeder Menschenfreund eine günstigere Wendung herbeisehnen muß. Der Betrieb im Bergbau geht immer tiefer und wird fortgeletzt komplizierter. Dadurch erhöhen sich schon die Gefahren von selbst. Hinzu kommen noch die verkehrten A b b a u m e t h o d e n, die zwar den Betrieb rationeller ge- stalten, aber den G e f a h r e n g r a d für die Bergarbeiter ganz be- deutend in die Höbe treiben. Wir haben hier z. B. den umfang- reichen und hohen Strebeabbau im sogenannten stehenden oder steilen Gebirge im Auge. Gebirgsbeweguugen, die Gesteindstürze nach sich ziehen, können von den Bergleuten hier nicht früh genug bemerkt werden. Und wenn das doch möglich wird, so ist der Fluchtweg ein solcher, dag den Gefahren nicht schnell genug ent- rönnen werden kann! Die Folgen sind Berunglückungen. Uns wundert, wie die Bergbehörde solchen Abbamneihoden gegenüber sich passiv verhalten kann. Doch eS kommt noch schlimmer I In Gruben mit sogenannten flachen(liegenden) oder nur wenig steigenden Kohlenflözen ist man dazu übergegangen, sogenannte Schüttelrutschen als Transportmittel für Kohlen einzuführen. Diese Schüttelrutschen sind mitunter IVO und mehr Meter hoch (lang). Bis zu 23, je 4 Meter lange eiserne Rutschen werden aneinander gekoppelt und durch eine Maschine in Bewegung gesetzt. Durch Rück- und Vorwärts st oh en des ganzen Schüttet- Werkes werden die Kohlen in die Wagen(Hunte) geschüttelt; 12 bis 18 und mehr Arbeiter find damit beschäftigt, die Kohlen zu ge- Winnen und zum Transport die Kohlen in die Schüttelrutschen zu schaufeln. Diese Schüttelrutschen haben schon manchem Arbeiter und Beamten die einzelnen Glieder zerbrochen. Aber darin liegt nicht die schlimmste Gefahr. Sind die Rutschen im Betrieb, dann entsteht ein wahrer Höllenlärm, ein Krachen und Getöse; ein Zischen und Fauchen, daß den hierbei beschäftigten Arbeitern H ö• u ti und Sehen vergeht l Man kann sich über den Skandal tems Vorstellung machen. Nun gehört unbedingt zum Berufe eines Bergarbeiters ein gutes Gehörl Wir sagen unbedingt l Do sich das Gebirge vor dem Zusammenbrechen in der Regel durch Stöße, Krachen oder Knistern bemerkbar macht, so weiß der Bergniann, was die Glocke geschlagen hat. Die Gefahr des Zusammensturzes ist nahe; er und feine Kämeraden flüchten und sind gerettet! Leider passiert ein ngeheuerer Prozentsag der Unfälle überhaupt durch Kohlen- und Steinfall. Aber diese Unfälle würden sich gegen heute noch verdreifachen, wenn nicht die Bergarbeiter, durch ihr Gehör auf die hereinbrechenden Gefahren auf- nierksam gemacht würden und sich deshalb noch frühzeitig genug in Sicherheit brächten. Bergarbeiter, die schlecht hören können, werden sür den unterirdischen Betrieb nicht zugelasie». Was aber nutzt den Bergarbeitern ihr Gehör, wo die Schüttelrutschen im Betrieb sind? Nichts I Das Schicksal der Bergarbeiter ist hier dem blinden Zufall verfallen. Von einem vorhergehenden Erkennen der Gefahren ist keine Rede mehr. Hinzu kommt, daß wie toll gearbeitet wird und daß die Schüttelrutschen selbst in Flözen verwendet werden, die schlechtes Gebirge haben, wo letzteres klüftig und druckhaft ist. Tod und Verderben drohen ständig Beamten und Arbeitern und alles das nur, um die Förderung zu steigern, die A r b e i t S l e i st u n g zu erhöhen! Wenn der technische Fortschritt auch Menschenopfer fordert, so wird das ja wieder paralysiert durch den höheren Werksgewinn. Das mag manchen Leuten zum Trost gereichen, den Arbeitern aber gewiß nicht. Der Vernichtung von Menschenleben und Menschengesundheit dienen weit mehr noch als die Schüttelrntsckien die seit einigen Jahren eingeführten Bohrhämmer, die auch Revolverbohrniaschinen genannt werden. Der Bohrhammer wird benutzt bei G c st e i n ö- arbeiten in den Gruben und er ist in allen Steinkohlenrevieren Deutschlands jetzt verbreitet. Ein Mann mit dem Bohrhammer bohrt gerade soviel Löcher in das Gestein, als 4—3 Mann mit der Hand bohren können! Der Bohrhammer wird sogar größeren Bohrmaschinen vorgezogen, da er gleich nach dem Abschießen der Schüsse wieder in Gebrauch genommen werden kann, während bei großen Bohrmaschinen erst die Aufräumung des niedergeschossenen Gesteins erfolgen muß. Wo diese Bohrhämmer eingeführt werden, da wird das Gedinge (der Lohnsatz) der Arbeiter um ein Drittel herabgesetzt I Schon diese eine Tatsache ließ eS als selbstverständlich erscheinen, daß die Werke die Gelegenheit, überall Bohrhämmer einzusühren, sich nicht entgehen lassen. Allmählich haben sich denn auch die furcht- baren Folgen eingestellt. Heute sind diese Folgen übersichtlich. Der Vor st and des Bergarbeiterverbandes bat eine Umfrage über die Einführung der Bohrhämmer und über deren Einfluß auf die Arbeiter gehalten. Zahlreich sind die Zuschriften, die der Verband aus ollen Bergrevieren Teutschlands erhalten hat. Derjenige muß schon über eine große Portion Menfchenverachtung verfügen, der diese Zuschriften, die von wüstcr Menschcnvcrachtung zeugen, mit Ruhe zu lesen vermag. Wir geben einige oder auch Auszüge aus iolcben Zuschriften hier wieder. So schreibt u. a. ein Bergarbeiter aus dem Dortmunder Revier folgendes: „... Welchen Nutzen aber hat(von den Revolverbohrmaschinen) der Arbeiter? Keinen I Dafür um so mehr Schaden. Weil das Gedinge gekürzt wird, muß viel mehr aufgefahren werden. folglich müssen auch viel mehr Steine geladen werden. Auch mutz mehr Nebenarbeit, wie Holzsetzen, Schienenlegen, Latten ein- bauen und dergleichen gemacht werden. Dies alles verursacht aber einen sehr großen Aufwand von Arbeitskraft. Dann ver- ursacht die Maschine ein derartiges Getöse, daß der Arbeiter nack der Schicht auch zu Hause wie taub uniherläuft! Weiter werden durch das Halten der Maschine die Glieder, wie Hände, Schulter, Knie, Schienbeine usw. geschunden, daß man nach vollbrachter Schicht sich fühlt, als müßten die Knochen im Sack herausgeschafft werden. Wer lange mit solchen Bohrmaschinen arbeitet, dem werden die Nerven zerrüttet! Von größter Schädlichkeit für den menschlichen Körper ist die Einwirkung des Steinstaubes(Bohrmehl). Das Bohren verursacht kolossale Mengen Staub(besonders mit Hohlbohrer). Der Staub setzt sich in Nase. Mund und Ohren fest, so daß man nur mit offenem Munde atmen kann! In kurzer Zeit ist der Kehlkopf, die HalSröhre und die Lunge von Steinstaub bedeckt und zerrissen. Kehlkopfleide», Asthma, Nervenzerrüttung und Schwindsucht sind die traurigen Folgen dieser Mord Maschinen' Am schlimmsten aber ist die Stanbentwickelung in den Auf- brüchen(Stapel), so daß derjenige Arbeiter, der zivei bis drei Aufbrüche von 10V Meter Höhe ausgefahren hat, ent- weder kaput ist oder sich als junger Invalide mir knapper Rente von einem Tag zum andern durchschleppen muß. Betrachten wir also den Nutzen dieser Maschine, so müssen Ivir sagen, bei den Unternehmern große Anffahrungen, Ersparnis von Arbeits- kräflen, und was das wichtigste ist, Erhöhung des Profits, denn was schert eS die Grubenherren, ob jährlich hunderte oder taufende Arbeiter zu Tode kommen oder als Invaliden langsam dahin- sterben. Es ist so, als wenn jedes menschliche Gefühl zu er- sterben hat, sobald der Profit in Frage kommt. Für den Arbeiter ist der Bohrhammer die reinste Mordmaschine, ein Fluch für die Arbeiter!.. Mit Recht verlangt dieser Bergarbeiter an anderer Stelle seiner Zuschrift, daß Arbeitsunfähigkeit, verursacht durch die Bohrhammer, als Betriebsunfall angesehen werden muß. Er verlangt auch, daß mindestens die Hohlbohrer abgeschafft werden müssen, daß sie sür die Bohrer in den Aufbrüchen gar nicht zur Anwendung kommen dürfen. Die Arbeiterschutzgesetzgebung soll sich mit dieser Einführung befassen. Ein Bergarbeiter auS dem Gelsenkirchener Revier schreibt: „Die Bohrhämmer sind auf den Zechen im Gelsenkirchener Bezirk fast durchweg eingeführt. GesundbeitSruinierend sind diese Maschinen dadurch, weil der Bohrer sie selbst festhallen muß. Nur ganz kräftige Naturen sind in der Lage, dieses längere Zeit aushalten zu können. Aber auch der kräftigste Mensch wird ruiniert. Das forlgesetzte Rütteln, Stoßen hält niemand auf die Daner aus. Der Bohrhammer führt in der Minute bis zu 60 Stöße aus. Jeder Stoß über- trägt sich auf den menschlichen Körper. So wie bei einem Elektrisierapparat der elektrische Strom durch den Körper zieht, so auch zieht dieses fortgesetzte Rütteln und Stoßen durch den Körper, das zerrüttet das ganze Nervensystem. Wir werden also für die Zukunft nicht nur mit nervenkranken Bureaukratcn, sondern auch mit nervenkranken Bergleuten rechnen müssen. Auch wirken die Maschinen noch durch die stärkere Staub- bildung gesundheitsschädlich. An und für sich ist der Steinstaub viel schädlicher wie der Kohlenstaub. Der Kohlenstaub löst sich wieder einigermaßen, während der Steinstaub sich in den Lunge ngeweben festsetzt. Bei Gesteinsarbeiten werden diese Instrumente durchweg benutzt. Beim Abteufen ist die Staub- bildung. welche durch die Bohrhämmer hervorgerufen wird, am schlimmsten. Der Staub wird durch den Luftdruck des Bohrhammers erst hoch getrieben und senkt sich dann wieder, so daß der damit arbeitende Kumpel doppelt unter dem Staub zu leiden hat." In einem Briefe auS dein Hammer Revier heißt es: „Man hat hier fast überall zwei Maschinensysteme: Stoß- und Kratzbohrer. Letztere sind die Schlangenbohrer. Den meisten Staub verursachen die Stoßbohrer. Diese Bohrer sind hohl und wird der Stahlstaub durch Luftdruck, der durch das Bohrloch geleitet wird, auS dem Bohrloch herausgeblasen. Man bohrt mit diesen Maschinen stets trocken! Die Ansicht sämtlicher Kameraden, mit denen ich über dieses System gesprochen habe, geht dahin, daß die Arbeit eine u n- geheure nerve«zerrütten de ist. Einige Kameraden, anfangs der dreißiger Jahre stehend, sagten mir. wenn man zwei oder drei Tage nichts tut, kann man keine Luft kriegen, sie spuckten dann S t e i n k l ü m p ch e n aus, so groß wie ein kleiner Wäscheknopf! Die Meinung geht allgemein dahin, daß, wer fünf Jahre mit diesen Maschinen gearbeitet hat. bergfertig ist." Ein anderer Bergmann gibt u. a. folgendes Urteil ab: „Beim Gebrauch des Revolverbohrhammers im festen Gestein (Saud und dergl.) werden die Glieder aufs äußerste, besonders Arme nnd Oberichcnkel, angestrengt, weil diese beiden Glieder am Körper am meisten bei der Arbeit gebraucht werden. Muß die Schulter auch in Anfpruck genommen werden(was beim Bohren in der Firste der Fall ist), können oft die Schmerzen nicht beschrieben werden! Beim Bohren im Schiefergestcin ist es. nicht so schlimm. Gesundheitsschädlich ist der Bohrhammer aber schon allein durch seine furchtbare Staubentwickelung. Sobald zwei Mann, jeder niit einer Maschine am Arbeiten sind, kann sozusagen einer den anderen kaum sehen." Und ein anderer wieder schreibt: „Wo mehrere dieser Maschinen im Ouerschkag zugleich ge- braucht werden, da gibt es soviel Staub, daß die Arbeiter sich einen Schwamm vor den Mund binden müssen!! Derjenige, der eine Schicht mit solcher Maschine gearbeitet hat, ist für den Tag fertig! Das Stoßen und Rütteln des Körpers durch die Maschine ist zu ver- gleichen, als loeim man acht Stunden hindurch elektrisiert worden wäre. Die Maschinen verursachen ein furchtbares Geräusch, wodurch das Gehör der Arbeiter leidet. Die Maschinen wiegen ohne Bohr und Schlauch, 30 Pfund. Dieses Gewicht acht Stunden frei in den Armen vor den Leib oder auf die Schulter zu halten, ist sicher eine solche Arbeit, die den stärksten Menschen in kurzer Zeit ruinieren muß. In den Aufbrüchen ist die Arbeit mit diesen Maschinen derariig, daß der Staub alles weiß macht. Das Gesicht der Arbeirer ist vollständig mit einer dicken Staublage bedeckt. Das ist erklärlich, da die an der Seite der Bohrmaschine ausströmende Luft, das Bobr- mehl, das ans den Löchern fällt, sofort in die Höhe treibt und nicht zur Lagerung kommen läßt. Hinzu kommt noch, daß öfter schlechte und stinkende Lust(man iicimt sie verbrannte Luft) zugeführt wird, die den Arbeitern das Almen erschwert! Als Krankheitserscheinungen stellen sich bald Brustschmerzen ein. Der Staub zerfrißt die inneren Organe. Aerztliche Kuren helfen da n i ch t I Ebenso leiden die Auge n. Die kräftigsten Arbeiter erschöpfen in kurzer Zeit ihre Lebenskraft. Sie gehen sicherem Siechtum entgegen!" Ein Vertrauensmann des Vergarbeiterverbandcs aus dem Ruhr- becken klagt: „Ich habe jetzt auf der Zeche den zweiten Aufbruch fertig gemacht. Wegen BrustleidenS habe ich schon seiern müsien. I ch weiß, wann ich den dritten Aufbruch fertig habe, ich in meinen jungen Jahren Invalide werden muß." So reiht sich ein Schreiben an das andere. Die Klagen, die die Zuschriften enthalten, verdichten sich zu schwere» Anklagen gegen die Gesetzgebung, die Bergverwaltnng, die Hütteubesitzer, überhaupt gegen den Kapitalismus. Der letztere läßt die technischen Errungen- sch.rste» zum Fluch für die armen Arbeiter werden. Jeder denkende Mensch sollte darin» mitarbeilen, daß die Maschine nicht mehr den einzelnen zu Diensten zu sein hat. sondern dem Gemeinwohl. Das aber ist nur in einer sozialistischen Gesellschaft möglich. Schon jetzt aber erheben wir den Ruf: Fort mit diese» Mord- Maschinen aus den Bergwerken, so lange ausreichende Schutz- maßregeln fehlen.______ parlamciitanrcbcö» ReichScisenbahne».— ReichSschatzamt.— Der BiermillioncnfondS der Tabakarbciter. Die Einnahmen der RcichSeisenbahnen sind für daS Jahr 1910/11 mit 122 319 000 M.(742 000 M. weniger als im Vor- jähre) eingestellt. AuS dem Personen- und Gepäckverkehr wird die Einnahme um 460 000 M. höher geschätzt, während die Verwaltung aus dem Güterverkehr 1 232 000 M. weniger einzunehmen glaubt. Worauf sie letztere Ansicht stützt, ist nicht klar geworden. Es wurde ihr sogar nachgewiesen, daß sie an einer anderen Stelle ihres Etats mit einer Steigerung der Einnahmen des Güterverkehrs rechnet! Bei den Petitionen wurde kurz die Arbeiterfrage erörtert. Genosie B ö h l e empfahl, die Petitionen der Arbeiter um höhere Löhne der Regierung empfehlend zu überweisen, und er ersuchte diese dringend, die Löhne unverzüglich, wie die Arbeiter verlangten, um 1v Proz. zu erhöhen; eigentlich sollte man nicht nötig haben, die Verwaltung darum bitten zu müssen, sondern sollte das von hier aus bestimmen können, damit die Löhne immer in einem richtigen Verhältnis zu den Lebensmittelpreisen stehen, was jetzt nicht der Fall sei. Staatsminister von Breitenboch erklärte, däß die Ver- waltung bestrebt sei, die Löhne so zu halten, daß sie nicht unter dem blieben, was für die gleiche Arbeitsqualität in der Privat- industrie gezahlt werde. Wenn der Lohn von 2,40 M. für die Rottenarbeiter nicht gerade hoch sei, so müsse man bedenken, daß diese Stellung für viele nur als Vorstufe für einen Beamten- Posten diene.— Vom Abgeordneten Erzberger wurde dem- gegenüber unter Berufung auf anwesende bayerische nnd b irdische Abgeordnete festgestellt, dag in Bayern der niedrigste Lohn 2,60?)!. und in Baden 2,70 M. seil Die Petitionen wurden der Regierung empfehlend überwiesen. Es folgte die Beratung des Reichsschatzamts-Stats. Beim Titel„Ueberweisung von Mitteln a n die Bundes st aaten zur Unter st ützung der arbeitslos gewordenen Tabakarbeiter, wofür 1500 000 M. ein« gestellt sind, teilte Staatssekretär Mermuth mit, daß es un- möglich sei, mit den 4 Millionen Mark auszukommen, da bis zum Schlüsse des Jahres schon 3 Millionen Mark verausgabt seien! Es entspann sich eine Debatte über die Möglichkeit einer Erhöhung des Fonds. Von nationalliberaler Seite wurde die Ansicht vertreten, daß der Fonds ohne eine Aenderung des Tabaksteuergeschcs nicht erhöht werden könne, weil dort die Beschränkung auf 4 Millionen Mark festgelegt sei. Abgeordneter Erzberger war anderer Mei- nung: Es genüge vollkommen, wenn ein neuer Posten in den Etat eingestellt und dabei eine entsprechende Bemerkung fixiert werde. Staatssekretär Mermuth neigte auch der Ansicht zu, daß es einer Wanderung des Gesetzes bedürfe. Die Frage soll recht bald noch- mal serörtert werden, damit die notwendige Erhöhung des Fonds noch in diesem Budget vorgenommen und für die Beschaffung der entsprechenden Einnahmen gesorgt werden kann. Mittwoch: Auswärtiges Amt. HauSarbeitsgcsetz. Die Kommission zur Beratung des HauSarbeiisgesetzes ver» handelte am DienLtag über die allgemeine Einführung der Lohn- buch er und Lohn zettel, wie es unsere Parteigenossen fordern. Von Zentrum wird das Kompromiß vorgeschlagen: daß bei dieser allgemeinen Anforderung der Bundesrat Ausnahme u zulassen kann. Die RegierungSvertreter wenden sich gegen alle Anträge, die eine allgemeine Einführung der Lohnbücher fordern. Schließlich wird die Beschlußfassung ausgesetzt; man will durch eine Vereinbarung eine passende Form aus der Grundlage deS Zeiitrumsvorschlages finden. Im§ 4 will die Regierungsvorlage, daß für eine geregelte Wfertigung bei der Wlieferung der Heimarbeit auf Antrag deS Gewerbeinspektors die Polizei Vorschriften erlassen kann. Unsere Genossen beantragen: „Gewerbetreibende, die außerhalb ihrer Arbeitsstätte ge- werbliche Arbeit verrichten lassen, sind verpflichtet, den Betrieb so zu regeln, daß bei der Ausgabe oder Ablieferung der Arbeöt den Hausarbeitern keine Zeitversäumnisse entstehen, welche nicht in der Natur des Betriebes begründet sind." Abg. Manz(Fortschr. Vp.) bekämpft den Antrag. Genosse A l b r e ch t begründete den Antrag damit, daß er einen viel be- obachtetcn Mißstand beseitigen soll, denn die Heimarbeiter müsse» oft durch stundenlanges Warten bei Wlieferung der Arbeit unnötig Zeit verlieren. Dafür soll den Heimarbeitern der Anspruch aus eine Entschädigung gesichert werden. Manz(Fortschr. Vp.) will in einem Antrag nur besondere Mißstände durch die Polizei» behörde beseitigen. Den gleichen Standpunkt vertritt ein Antrag Kolbe(Rp.). Abg. Fleischer(Z.) toendet sich sehr entschieden gegen die Absicht des Antrages unserer Genossen, der dem Arbeiter eine Schadenersatzpflicht zuerkennen will. Abg. Becker- Arns» berg(Z.) erklärt sich für die Pflicht eines Schadenersatzes; es handle sich mehr um eine moralische Verpflichtung für den Unter- nehmer; die Schadenersatzklage werde wohl nicht viel erhoben werden. Bei der Abstimmung werden sämtliche Antrage abgelehnt, und die NegierungSvsrlage wird unverändert an- genommen. Für unseren Antrag stimmen, nachdem eine redak- tionelle Aenderung, die Abg. Fleischer(Z.) beantragte, abgelehnt war, außer unsere» Genossen nur der Vertreter der Polen. Zur Debatte gelangt hierauf folgender Antrag unserer Genossen: „Räume, in denen Hausabeiter mit der Anfertigung, Be- orbeitung, Verpackung, Ausbesserung, Reinigung oder Zurichtung gewerblicher Erzeugnisse beschäftigt sind, sind so einzurichten und zu unterhalten, daß die HauSarbeiter gegen Gefahren für Leben und Gesundheit geschützt sind. Insbesondere müssen die Räume hell, trocken, heizbar und leicht zu lüften sein, und mindestens 12 Kubikmeter Luftraum für jede darin beschäftigte Person enthalten. Zum Schlafen oder Kochen dürfen die ArbcitSräume nicht benutzt werden. Ten vorstehenden Bestimmungen stehen weitergehende landes- gesetzliche Vorschriften nicht entgegen. Hausarbeiter, welche Räume für die Ausführung gcwerb- licher Arbeit in Benutzung nehmen wollen, haben hiervon der nach den Landesgesetzen zuständigen Ortsbehörde Anzeige zu machen und derselben die Räume genau zu bezeichnen. Die Ortsbehörde hat über die erfolgte Anzeige und darüber, daß die Räume den Bestimmungen des Absatz 1 dieses Paragraphen entsprechen, innerhalb drei Tagen nach erfolgter Anzeige eine Bescheinigung in zwei Exemplaren kostenlos auszustellen. Die Bescheinigung muß eine Angabe über den Kubikinhalt der zu benutzenden Räum« enthalten und über die Personenzahl, welche nach den Bestimmungen des Absatz 1 darin beschäftigt werden darf. Entsprechen die Räume den Bestimmungen des Absatz 1 diese» Paragraphen nicht, so ist die Bescheinigung zu versagen. Gewerbetreibende dürfen nur solche Hausarbeiter beschäf- tigen, welche ihnen die behördliche Bescheinigung über die An- zeige ihrer Arbeitsräume vorlegen. Die Gewerbetreibende» baben eine Liste der von ihnen beschäftigten HauSarbeiter mit Angabe der Arbeitsräume derselben anzulegen und der nach den Landesgesetzen zuständigen OrtSbehörde einzureichen. Aenderungen und Ergänzungen dieser Liste sind innerhalb drei Tagen, nachdem sie eingetreten, der Behörde anzuzeigen." Genosse Molkenbuhr begründet den Antrag, der gewisse sanitäre Vorschriften in der Heimarbeit erfüllt sehen will. Von den RsgierungSvertretern wird behauptet, daß mit dem Antrag die Heimarbeit vernichtet würde. Man könne nicht verbieten, in Schlafräumen oder Küchen Heimarbeit zu verrichten! Dieser Ausfassung geben auch die übrigen Redner der bürgerlichen Par- teien Ausdruck, unter großer Entrüstung über die polizeiliche Be- vormundung, die wir einführen wollen! Manz(Fortschr. Vp.) wirft unseren Genossen vor, daß sie die Arbeiter in die Fabrik drängen wollen, um sie für sich zu gewinnen. Genosse A l b r e ch t hält dem entgegen, man könne danach also behaupten, daß die bürgerlichen Parteien die Heimarbeit für ihre politischen Zwecke aufrechterhalten wollen! Genosse Molken. buhr weist daraus hin, dah die Regierung im vorigen Jahre in ihren Gesetzentwurf für die Zigarrenindustrie eine ganze Anzahl Vorschriften aufgenommen habe, die unserem Antrag ähnlich sind; dann habe also die Regierung im vorigen Jahre nach ihrer heutigen Erklärung die Absicht gehabt, die Zigarrenarbeit totzuschlagen. ES ist keine unbescheidene Forderung, daß ein genügender Arbeitsraum für jeden Heimarbeiter vorhanden ist, es ist dies im Interesse sanitärer Zustände notwendig. Wenn mit dem Verhalten der Ver- treter der bürgerlichen Parteien zugestanden wird, die Verhältnisse in der Heimindustrie stehen so übel, daß so minimale Anforde- rungen nicht erfüllt werden können, dann gestehen die Herren selbst zu, daß sie der Heimarbeit keine Hilfe bringen wollen. Auch die Abgg. Schiffer(Z.>, B e h r e n S(Wirtsch. Vg.) und B e ck e r. Arnsberg lZ.) entrüsten sich über unseren Antrag: der Heimarbeit könne man diese Verpflichtung nicht auferlegen, die Heimarbeiter müßten ihre Küche und Schlafräume�zur Arbeitsstätte benutzenl Wie nicht anders zu erwarten, wurde der Antrag gegen die Stimmen unserer Genossen abgelehnt. /Iiis der Partei. Badischcr Parteitag. Der außerordentliche Parteitag, welcher am 6. März in Offenburgsten der Kasse angeschafften sozialdemokratischen Lektüre betrifft, fo beruht sie auf der Tatsache, daß der Vorstand den Bureauangestellten em- mal zur Beschaffung von Gesetzbüchern und zum Abonnement auf die Zeitschrift„Arbciter-Veriorgung" 50 M. überwiesen hat. Fördert dieser Lesestoff die sozialdemokratische Gesinnung, so mag der Reichsoerband sich deswegen mit dem Gesetzgeber auseinander- zusetzen. Erwähnt sei noch die Behauptung des Reichsverbandes, daß sechs andere Vorstandsmitglieder eine Anstellung bei der Kasse er- halten hätten. Es ist nun einmal das Pech des Reichsvcrbandes, mit den Tatsachen auf gespanntem Fuße zu stehen. So muh denn auch in diesem Falle bemerkt werden, daß nicht sechs, sondern drei ehemalige Vorstandsmitglieder eine Anstellung bei der Kasse er- halten haben. Einer ist Hauswart, zwei sind Krankenkontrolleur« geworden. Es ist nicht ersichtlich, worum die Zufälligkeit, daß ein Kassenmitgiied in den Vorstand gewählt wurde, die in Betracht kommende Person disqualisizieren sollte. Selbstverständlich läuft das ganze Geschreibsel des Reichs- Verbandes darauf hinaus, daß den Scharfmachern und der ihnen ergebenen Regierung im gemeinsamen Kampfe gegen die heutige Rechteverteilung im Krankenkassenmesen der Rücken gesteift werde. Daher müssen die Tatsachen gefälscht werden. Auch im vorliegen- den Falle ist die strenge Unparteilichkeit des Knssenvorftandes zum Ueberfluß noch dadurch bewiesen, daß die eine Hälfte der Kasten- angestellten dem freien und die andere Hälfte dem„nationalen" Verbände angehört. Aber Gewissenhaftigkeit und Tüchtigkeit in der Kastenleitung sind dem Scharfmacher Dinge, die man um des löblichen Zweckes willen korrigieren muß. Und dieser Zweck besteht eben darin, daß der Einfluß der Arbeiterklasse in dem einzigen populären Zweige der Gesetzgebung gebrochen werde. Da es mit der Wahrheit nicht geht, da auch durch das Zeugnis der Arbeitgeber immer von neuem wieder die Lauterkeit und Geschäftstüchtigkeit „sozialdemokratischer" Kastenverwaltungen bestätigt wird, bleibt eben gar nichts anderes übrig, als es verzweiflungsvoll auch in kleinen Dingen mit der brüchig gewordenen ReickSverl-andSmethode zu versuchen. Wer sich des nculichen Reinfalls des Reichsverbands- Häuptlings v. Liebert im Reichstage entsinnt— er eskamotierte bei seiner Berechnung bekanntlich auS Gesetzesunkenntnis die verschiedene Berechnungsart für den JahreSarbeitSverdienst im Sinn« ves Unfollgesctzes vor und nach 1900— versteht es. daß der Reichs» verband Kenntnis der Gesetze und Betätigung dieser Kenntnis und der Wabrheit für eine niederträchtige sozialdemokratische Eigen- schast hält._ Verrichtung von Lohnarbeit durch Rentenempfänger. In den Kreisen der Arbeitgeber und der Versicherten treten, wie die„Amtlichen Mitteilungen der LandeSversicherungsanstalt Berlin" mit Recht hervorhoben, bisweilen noch Zweifel darüber hervor, ob Personen, die auf Grund deS Reichsgesetzes betr. die Invalidenversicherung Renten beziehen, noch nebenher Lohnarbeit verrichten dürfen, Diese Frage ist bedingungslos zu besahen. Die Tatsache, daß i>aS Gesetz bestimmt, Invalidenrenten- empfänger sonders steht eS mit den Altersrentenempfängern) dürfen keine OuittungSkarte haben und für Rentenempfänger dürfen keine Beitragsmarken zur Invalidenversicherung verwendet werden, bildet keinen Hinderungsgrund für die Arbeitgeber, einen Rentenempfänger gegen Lohn— also ohne OuittungSkarte— zu beschäftigen Die bloße Arbeitsleistung hat auch keineswegs die Renten. entziehung zur Folge. Eine solche hat nach dem Gesetz vielmehr nur dann einzutreten, wenn in dem Gesundheitszustände des Rentenempfängers eine solche Veränderung zum Besseren ein- getreten ist, daß er nicht mehr als erwerbsunfähig anzusehen ist. d. h. daß er wieder für imstande zu erachten ist, ein Drittel des- jenigen zu erwerben, was körperlich und geistig gesunde Personen derselben Art und mit ähnlicher Ausbildung in derselben Gegend durch Arbeit zu verdienen pflegen. Gilt für Heimarbeiter Kündigungsfrist? Obwohl die Gerichte der vielfach verbreiteten, aber völlig irrigen Ansicht, daß die gesetzlichen Vorschriften über die Kündi- ßiingSfrist für Heimarbeiter keine Geltung haben und diesen ohne lede vorherige diesbezügliche Abrede jederzeit die Arbeit entzogen werden kann, bei jeder Gelegenheit entgegentreten, sitzt sie doch in manchem, der sie in sich aufgenommen, so fest, daß er jeder Rechtsbelehrung unzugänglich ist. So erging es auch dem Schuh« machermeisler Hermann Eichstädt. Er gab dem für ihn arbeitenden Schuhmacher Z. einige Tage lang keine Arbeit. Der Arbeiter fragte fast täglich vergeblich um Arbeit nach. Am 16. Februar ließ ihn Eichstädt sagen, daß er ihm keine Arbeit mehr gebe. Als Z. daraus seine Ansprüche auf Entschädigung der Kündigungsfrist geltend machte, wies ihm E. kurzerhand„wegen solcher Frechheit", wie er sich auszudrücken beliebte, die Tür. Z. machte nun am Montag beim Jnnungsschiedsgericht seinen Entschädigungsanspruch von 40 M. geltend und erzielte die dementsprcchende Verurteilung des Beklagten. Zum Bocholter Berztefirei� Ueber den Stand dieser Angelegenheit wurde vor kurzem in einer Versammlung des Krankenkastenverbandes ein ausführlicher Bericht erstattet. Hierbei wurde unter anderem da» Eingreifen des Bürgermeisters Wesemann als Aufsichtsbehörde, die Hinzu- ziehung des Kreisärzte» Dr. Heising-Borken als Kontrollarzt und die Abneigung der Hebammen gegen die neuen Aerzte getadelt. Es wurde ferner betont, daß die alten Aerzt« anscheinend mit allen Mitteln die neuen an den Pranger stellen wollten. Die Versammlung gab nun Veranlassung zu einem Federkrieg zwischen den streitenden Parteien, wobei Kreisarzt Medizinalrat Dr. Heising in parteiischer Weise für die früheren Kassenärzte eingreift. Er schrieb unter anderem in einer Berichtigung im„Bocholter Volksblatt":„Eine Verpflichtung durch Standessitte kann ich aber gegenüber Aerzten, welche sich selbst in schroffste» Gegensatz zu ihrer Standesvertretung gestellt haben, nicht als vorliegend er- achten." Die Aerzte wehren sich denn auch mit aller Entschieden- heit gegen diese Auslastungen des Kreisarztes, in denen sie mit Recht Beleidigungen gegen sie erblicken. Sie erhaben gegen den Kreisarzt den Vorwurf der Verletzung der Neutralität in wirt- schaftlich interessierenden Fragen, während er in seiner Eigenschaft als Beamter zu strenger Unparteilichkeit verpflichtet sei. Auch wollen sie sich bei der Regierung und Aerztekammer über den Kreisarzt beschweren. Andererseits stellen sich nun auch die Heb- ammen ziemlich offen auf feiten der früheren Aerzte. Sie er- klären, denjenigen Aerzten das meiste Vertrauen entgegen- zubringen, mit denen sie eine Reihe von Jahren zusammen- gearbeitet hätten. Auch betonen sie, daß nur dem Kreisarzt die Kontrolle über die Hebanimen zustände. Seitenz der alten Aerzte ist immer noch das LoSkaufsystem im Schwange. Vor einigen Tagen wurde noch ein neuengagierter Arzt„losgekauft". Er soll 4206 M. für Vertragsbruch erhalten haben. Für den Bocholter Krankenkassenverband sind jetzt sechs Aerzte tätig, für deren Kassen- praxis 16 700 Personen in Betracht lonimen. Daneben werden die neuen Kassenärzte aber auch eifrig für Privatpraxis in An- spruch genommen und, was die Hauptsache ist, allgemein gelobt. Die neun früheren Kassenärzte weilen sämtlich noch am Orte ihrer bisherigen Tätigkeit, haben aber bitterwenig Aussicht, hier wieder zur Kassenpraxis zu gelangen. Im„Zentralblatt der Reichsversicherung", Zeitschrift für sozialrechtliche und sozialmedizinische Fragen Kirch- hofeS in Nordend au» statt Um rege Beteiligung«sucht Der Zwrigvereinsdsrftan fcnlral-Meii' u. Sterbekasse der deiitscbeu Wagenbauer. (E. H), Ortaverwaltung Rixdorf. Todcs-Anzelge. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß mijer Mitglied, der Klenipner Rau! Schmidt am 6. März verstorben ist. Ehre seinem Andenke«! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 9. März, nacbm. 8 Uhr, von der Zeichenhalle deS Rixdorf« Aemcindc- Friedhofes, Mariendorser Weg, aus statt. Um rege Betelltgung ersucht Dt« LrtSverwaltnng. veulseher Holzarbeiter-Verband Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Tischler Hugo Lockhof am 7. März gestorben ist. Ehre seine« Andenke» k Die Beerdigung findet morgen Donnerstag, de» 10. März, nach. mittag» 4 Uhr, von der Leichen- hall« deS neuen Rixdorf« Gemeinde-Friedhose« am Marien. darf« Weg aus statt 80/7 Rege Betelligung erwartet Die Ortsverwaltung. Tantsagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die herrlichen Kranz- spenden anläßlich des Hinscheidens meiner lieben Frau sage ich allen Verwandten und Bekannte«, dem Personal, Kollegen und Kolleginnen sowie dem Sängerchor der Firma F. Sittenseld, auch meinen Kollegen Hutten- und Bollastraße meinen herzlichsten Dank.. 10öSb Bernhard Vogt. Heute vormittag um 8'/« Uhr verstarb nach langem, schwerem Leiden mein lieber Mann, unser auter Bat«, Schwieg«- und Großvater, Bruder, Schwager und Onkel, der Rcstauratcur Kar! 8te!nmann im 48. Lebensjahre. Dies zeigt tiesbetrübt im Namen der Himerbsiebenen an[10696 Frau Emilie Steinmann. verlin N. 20, den 8. März 1910. Badstr. 25. Die Beerdigung findet am Freitag, den 11. März, nachmittags 4 Uhr, von d« Kapelle des neuen St Pauls-Kirchhoss am Plötzense« auS statt. DanUsaeans. Für die herzliche Tellnahme und dt« reichen Kranzipenden bei der Beerdigung des BrunnenarbeiterS Hermann Cfraeber sagen wir allen unseren ausrichttgen Danl. 45942 Wwe. Helene Craeber nebst Kindern, Dr. Simmel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzenstr. 4!. ÄuT*. 10—2, 6—7. Sonntags 10—12, 3—4. Danksaganc. Allen meinen Gästen und Freunden, welche meinem Mann die letzte Ehre erwiesen haben, sage meinen herz. lichften Dank. 1053d Krau Anna Stief nebst Salm. Hxtra-Abtoilung . Gesch.: Berlin W., Mohren- 1 StraBe37a(2 Haus von der| Jerusalemer StraSe). III. Gesch.: Berlin NO., Grolle j Frankfurt Str.ltS(2. Haus von der AndreasstraBa). I Sohjgr. Ausw. fert. Kleider, I Hüte, Handschuhe, Schleier oto v. einfachsten bis zum I | hochelegant. Genre z.llußerst| niedrigen Preisen. Sonder-Abteilong: fflaBanfertiKung in 10 bis 12 Stunden. teppdecke» Ä nur eigene Fabrlkaticn im Haufe. Einzelverk. an Private zu Fabrikpreisen. Bernhard Btrolimandel,* Berlin, Wallstr. 7S. wo auch alt« Steppdecken ausgearbeitet werden.— Lllustr. Preiskatalog gratis. Gebe hleimit meiner werten Nach« barschast zur gesälligen Kemiinis, daß ich am 14. März er. die bewilligte Bäckerei deS Herrn Weistlcder, Erlang er Straße 9 übernehmen werde und bitte ich, das meinem Vorgänger gewährte Ber- stauen steundlichit auch mir gewähren zu wollen. Hochachtungsvoll Ernst llahrhola. Wir empsehlen: Arbeiter- Gesundheitsbibliothek H-st 18: Der Qesehleetitstrißb. Von Eduard Bernstein. VreiS... SO Pf. Gute Ausgabe 50. Expedition des„Vorwärts" «erlin SW.«8 Lindenstr. 00, Laden. H.PfaUiJaiiiiaglst Dircksenstraße 20 zwischen Bahnbos Alcxanderplatz und Polizeipräsidium.— Amt VII, 13799. Eist Damen Frauen-Bedienung.• Lieferant sür alle Krnnkenkasfe». wv- W)' Neugierige bittet Westmann BÄ" Mohrenstrasse 37. »Äü Grosse Frankfuriorstr. 115 am mOgllelist zahlreichen Besuch xar Eesicbtlgung der Frilbjohrsneubolten in Maateln und iCos'ümen. Beachten Sie meine S Prinzipien: Sdiidte Kontektioii, gute Mi wteillialis Prei»! Modtüe schon zum feil tür die Hildo des regul. Proint flaniierta Kleider!— üemgaegsmäntel! Kimonos, lac'ceits, Böcke, Blasen! 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Marz 1910, abends 6Vs Uhr, im Gemerkschaftshaust, Engelufer 15 igroßcr Saal): ZVlitgUecler-Versammlung. TageS-Ordnung: 192/S 1. Stellungnahn» zu der Verschmelzung mit den Porzellan- und Glasarbeiter-Verbänden. Rcserent: Kollege A. Drnnsel. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Der äusserst wichtigen Tagesordnung halber ist es notwendig, daß sämtliche Kollegen erscheine». Zu dieser Versammlung sind die Zentral- und Filialvorstände der Porzellan- und GlaSardeiter-Verbände eingeladen._ Der Vorstand. Verband der Sattler und Portefeuiller. -'■- OrtsvenvaUung Serlin.—-- Treibriemensatller. Dounerstag, 10. März, abends 81/, Uhr, im Gcwerkschaftshause <«aal 1). Engelufer IS: �ukeroräentl. Versammlung. TageS-Ordnung: 1� Stellnnguahme zur Verbesserung der Lohn- und Arbeits- bi'dinguugen. 2.'Verschiedenes. 156/9 6 ff«, Die Wichtigkeit der vorlegenden DageSordnung erfordert, dajz «ouegeil. tcM Treibrieinensaltler diese Versammlung versäumt. Die Itranchenlettniiff. Wir empsehlen: Arbeiter- Gesundheitsbibliothek H°st ii- Frauenleiden u. deren Verhütung. Nebst einem Anhang: DieBerhiitung der Schwangerschaft. Von 0e. I. Zadel!. Preis... 30 Pf. Gute Ausgabe SO„ Spedition des„Vorwärts" Berlin SW.? Lindenstr.OS, Laden. ■C •0 Kohlengroßhandlung Amt IV 9345 Amt IV 9345 BERLIN S. 59 Urbanstraße 114—115 Frei Keller großes Format..... 1000 Stück M. So 25 SalonsBriketts IndUStrle'BrikettS bei 10 Zentner.. Steinkohlen Nuß n, gesiebt....... Gas-Koks Städt., zerkleinert....... daa-Wrktrc Stadt., grob, für Zentralheizung, VJilS-IVlllva in Fuhren von 30 Zentner ab 7... Anthrazit engl., Ia CadÄ und Lönhold.... Schmiedekohlen eng!., Ia bei 10 Zentner. Holzkohlen Kiefern-, mittel, bei 5 Tonnen.. ä, Zentner M. OoS5 ä Zentner M. 1#40 k Hektoliter M. 1.55 k Zentner M. 1.22 k Zentner M. 2»40 k Zentner M. 1,40 k Tonne M. 3*40 veutlcher Cransportarbciter--Vcrband Bezirk QroßsBerlin* IV 3348 ArbettsnachweiS: Engeluser 15. I 2632 m Alte Leipziger Str. 1. BurrauS: Engeluser IZ.s Fernsprecher: Amt IV. 2382. 4747. Donnerstag, 10. März, abends 8V2 Uhr, in Keller� Festsälen, Koppenstr. SS: Z5 Ordentliche � General Uersammlnng.�� TageS-Ordnung: 1. Mitteilungen. 2. Geschäftsbericht für das Jahr 1909. 8. Kassenbericht pro 4. Quartal 1909. 4. Neuwahl der Bezirksverwaltung und der Revisionskommission. 5. Geschäftliches. 67/2 HB Bei der hochwichtigen Tagesordnung dürfte ein wirklich zahlreicher Besuch NW als selbstverständlich zu betrachten sein. IM Mitgllthsllllch Ifsiitillliftt! Wer länger als 10 Wochen mit seinen Beiträgen im Rück- stände ist, hat keinen Zutritt. VI« IlSzirksvSrwaltnng. I. A.: Aug. Werner. Orts- Krankeukahe der Gelb- und Zinngießer. Die Generalversammlung' der Vertreter der Arbeitgeber und Arbeit- nehmer findet am Mittwoch, den 10. März, abend? 7 Uhr. im GewerkschaftShanse, Engciufer 15, Saal 8. statt, wozu sämtliche Ver- treter hiermit eingeladen sind. Tagesordnung: 1. Verlesung der Protokolle. 2. Vor- sage und Abnahme der Jahres- rechnung pro 1909. 3. Bericht des RcchnungsauSschllsieS und Decharge- ertcilung. 4. Antrag des Rendanlen um Bewilligung einer Teuerung?- zulage. 5. ziasienangelcgcnheiten. 6. In getrennter Versammlung: Ersatzwahl für zwei ausgeschiedene Vorstandsmitglieder der Arbeitnehmer. Berlin, den 8. März 1910. 1057b Der Vorvtand. Wir empsehlen: AMer- Gesundheitsbibliolhek Hest 20: Die proletarierkrankbeit ihre Entstehung und Verbreitung, Verhütung und Heilung. Von 0r. Zadek. Preis... 30 Pf. Gute Ausgabe SO„ EFpedition des„Vsmürts" Berlin«VF., Lindeuftr. OS (Laden) otms Streichholz zu entzünden! „Etzel" ist unentbehrlich bei ttdr- misehem Wetter „Eeret" ist nn entbehrlich für Jagd, Si-ort und Seereisen „Etzel" Ist unentbehrlich Wr jeden Eauoher, der sich viel im Freien auf halt „Etzel" cntrftndet sich an einer an der Schachtel befindlichen Belb- fische wie ein Streichholz „Eszet" ist frei von jedem fremden Geschmack und Geruch „Eszet" ist hergestellt ans den feinsten türkischen Tabaken „Eszet" wird deshalb t on Quall- tät.rauchem bevorzugt „Eszet" ist zn haben in Blech- naek engen a 20 Stück von 2'/, bis 20 Pf. pro Stück „Eszet" ist in Spezial- Zigarren- gesch&ften zu haben Cigarettenfabrik VIOLA-COMPAGNIE HAMBURG 6. Generalvertretung für Berlin; Scheler& Löwenberg, Hell- bronner Str. 19. Tel. VI. 16730. Kiefern-, Sueben-, Sieben-, Glsenbotz zu den billigsten Preisen. Bei Waggonbezügen Preisermäßigung. ttei Husten, Heiserkeit Wirten Betohel«! Hnstentropien Überraschend ■ehnell unb sicher| Nur eent, wenn] mit Marke[ „Medico''! 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Alle Werkstätten müssen vertreten sein.-ME J>ie Branchenkonuulsiaion. Mtrhiiui-nam JeülSC 1 andS.(Zahlstelle Berlin.) 3 ezirksver Sammlungen: toatiflr I Am Donnerstag, den 10. März, beim Kolleg« DeZiril I. Brüfchke. Alt-Moabit. f Am Freitag, den 11. März. beim Kolleg« ,, l" Wolffgram. Atftrftr. 6/7. ? Am Freitag, den 11. März. beim Kolleg« «J.(Äranze, Schönhauser Allee 156. Am Freitag. den 11. Litfin, Memelerstr. 67. März, beim Kolleg« »» 4. 5 Am Donnerstag, den 10. März, beim Kollegen ' Bercht. Riiterstr. 75. 6 Am Freitag. den 11. März. beim Kollegen • Sicht, Grenadierstr. 35. BV Sämtlich nachmittags 5 Uhr. 94Ü 74/13 . In allen Versammlungen: Vorträge.- Zahlreichen Besuch erwartet_ Ble Ortwvervvulfqng. Oskar ¥oelk©p sozial-hygienischer Schriftsteller und Direktor der Berliner Liclitlieilanstall, hält wieder an solgendeii Tagen: Mittwoch, 9. März 1910 Habels Brauerei-Ausschank abends B'/s Uhr(gr. Saal) Berlin S., Bergmannstr. S/7 j Donnerstag, 10. März 1910 Prachtsäie Nordwest(gr.saao| abends VI, Uhr Berlin NW., Wielefstr. 24 Freirag, 11. März 1910 abends VI, Uhr Fröbels Allerlei-Theater Berlin 3 öffentliche (gr. Saal) N.,Sch£nhaus. Allee 14S| Herren-Vorträge über das Thema: Was jeder Mann über die Entstehung, Verhütung j und Folgen der u Geschlechtskrankheiten s wissen muß, "SJäSm8 Lichtbilder. IVar Beirren über 18 Jahre haben Zutritt! Eintritt 30 Pf. Beserviert 50 Pf. Verantwortlicher Redakteur Richard Barth, Berlin. Für dengnseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck it. Verlag-Vorwärts Buchdruckerei u. VerlagSanjtatt Paul Hinger& Co., Berlin SW. Nr. 57. 27. Jahrgang. 3. KkiilP i>ks Joiiniitts" Krlim Mitivolh, 0. Mar; 1910. Hus der frauenbewegung. Bund für Mutterschutz. Fräulein Dr. Helene Stöcker sendet uns eine.Zur Abwehr" betitelte Erklärung zu den gegen sie erhobenen Borwnrfen. Da sie dabei auf Details eingeht, von denen wir keine Kenntnis genominen haben, erübrigl sich auch die Wiedergabe der Abwehr. Mitgeteilt sei daraus die Erklärung, dah die Verlegung des Sitzes der Bundesleitung nach Breslau gerade ihren Wünschen entspreche. Schon in, Dezember vorigen Jahres habe sie dem Ge- samlvorstande die Mitteilung gemacht, dag sie die Geschäftsführung nur bis zur nächsten Generalversammlung behalten werde. Da Dr. Stöcker. wie sie weiter mitteilt, gegen einige ihrer Gegner Klage wegen verleumderischer Beleidigung angestrengt hat, dürfte die Angelegenheit ja auch noch durch gerichtliche Berhandlung geklärt werden._ 6ericht9- Zeitung» Aus den Schwurgerichten. In den KriminalgerichtSgebäuden in Moabit tagen augenblick- lich drei Schwurgerichte zu gleicher Zeit. Am Landgericht I werden die Verhandlungen vom Landgerichtsrat Pohlmann als Vorsitzen- den geleitet, am Landgericht II begann eine neue Tagung des Schwurgerichts unter Vorsitz des Landgerichtsrats Ellend und am Landgericht III tagt das Schwurgericht unter Borsitz des Land- gerichtsdirektors Liebenow. Sogenannte Kapitalverbrechen stehen nicht zur Verhandlung. Die Geschworenen des Landgerichts I werden sich am 9. mit dem dreisten Raubattentat zu beschäftigen haben, das am 13. August vorigen Jahres in dem Bankgeschäft Friedrich- srratze I53s an dem Sohne des Geschäftsinhabers, Artur Silber- mann, verübt worden ist. In dem an der Ecke der Mittelstratze gelegenen Bankgeschäft erschien in aller Frühe, als der LSjährige Artur Silbermann allein im Geschäft und mit dem Auslegen der verschiedenen Geldarten im Schaufenster beschäftigt ivar, ein junger Mann und verlangte für 100 M. französisches Geld. Als Herr Silbermann, über den Ladentisch gebeugt, den Wertunterschied zwischen den, französischen und dem deutschen Gelde berechnen toollte, erhielt er plötzlich einen Schlag über den Kopf, so datz ihm der Kneifer von der Nase fiel und Blut von seiner linken Kopfseite herabrieselte. Ter junge Mann hatte es auf ejne Beraubung ab- gesehen; er erreichte aber seinen Zweck nicht, denn der Ucberfallene stürzte sich auf ihn, und als dieser sich losritz und die Flucht er- � griff, verfolgte ihn Herr Silbermann unter lauten Rufen, datz er l überfallen sei. Im Gewühl der Stratze entkam der freche Räuber und mit ihm ein Komplize, der vor dem Geschäft„Schmiere" gestanden hatte. Vier Personen, nämlich der Kellner Artur Powell«, der Heizer Otto Bluhm, der Lloch Franz Wedzicki und der Kellner Friedrich Thimm haben sich jetzt wegen versuchten Raubes bezw. Anstiftung vor dem Schwurgericht zu verantworten. Gleichzeitig mit den„Spitzbuben im Richtertalar", die vor dem Schwurgericht des Landgerichts I zur Aburteilung kommen, ist vor dem Schwur- gericht Berlin II am 10. und 11. dieses Monats Termin zur Haupt- Verhandlung gegen Hotze und Genossen, die am 28. Januar vorigen Jahres den dreisten Raubversuch im Juwelierladcn der Frau Richter, Potsdamer Stratze 53, verübten. Tie Odystee eines jugendlichen Postgehilfen kam in einer Verhandlung zur Sprache, welche gestern unter Vor- sitz des Landgerichtsrats Ellend das Schwurgericht des Land- gerichts II beschäftigte. Angeklagt wegen Unterschlagung im Amte war der erst 20jährige Postgehilfe Franz Diekow.— Der Angeklagte war bei dem Postamt I in Friedenau angestellt gelvesen. Eines TageS trat an den jungen Menschen die Versuchung heran, sich einen,' Teil der Postanweisungskasse anzueignen. Er nahm den Betrag. von"00 M. und suchte damit das Weite. In Charlottenburg kaufve sich der jugendliche Defraudant Lackstiefel und einen neuen Anzug. Von hier aus ging es nach der Rennbahn Karlshorst, wo D. die Bekanntschaft einer sehr liebenswürdigen Dame machte, die er so- fort zu seiner„Reisebegleiterin" ernannte. Das Pärchen reiste nun kreuz und quer durch Deutschland und kam schlietzlich über Hannover. Köln und Stratzburg nach München. Hier versah sich der Angeklagte mit einer kompletten Gebirgsausrüstung und zog dann mit Eispickel, Lodenpelerine und Nagelschuhen in das Ge- birge. Als in der Reisekasse des D. eine Ebbe eintrat, fuhr er nach der Rennbahn Weitzensee zurück, wo er den Rest des veruntreuten Geldes am Totalisator verlor. Von irgendeiner Seite erhielt er dann Mittel, um nach Hamburg, zu fahren und von do.rt nach Amerika zu flüchten. In Hamburg verlieh ihn jedoch der Mut, die Fahrt über den großen Teich anzutreten, er stellte sich vielmehr freiwillig der dortigen Polizei. Vor Gericht war der Angeklagte ,n vollem Umfange geständig. Rechtsanwalt Dr. Donig bat mit Rück- ficht darauf, datz die Eltern des leichtsinnigen jungen Menschen den Schaden voll ersetzt haben, um Zubilligung mildernder Umstände. Das Gericht erkannte wegen Amtsunterschlagung unter Zubilligung mildernder Umstände aus 8 Monate Gefängnis unter Anrechnung von einem Monat der Untersuchungshast. Verantwortlichkeit der Hebamme. Den Tod einer Wöchnerin hat die Fahrlässigkeit der Hebamme Berta Gchrke herbeigeführt. Das Landgericht Stettin hat sie des- halb am 1?. Dezember vorigen Jahres zu 5 Monaten Gefängnis verurteil!. Die Angeklagte entband im Juni vorigen Jahres eine Frau D. Sie reinigte zivar ihre Hände in desinfiziertem Wasser. benutzte dazu aber eine Schüssel, in welcher sie auch einen Lappen wusch, mit dem sie ihre eitrige Beinwunde reinigte. Sie hätte, mit einer solchen Wunde behaftet, überhaupt keine Entbindung vornehmen dürfen. Ihre Revision wurde aur Montag vom Reichs- gerjcht als unbegründet verworfen. «VitterunqsuderNan vom 8. Mörz 1010, morgen» 8 Utir. »tationen « 5 E Ii _ l! Oettn äromtmbe 771 S Mamburg 770 SSO S-rlm 771 SO antUM 77032 ünchen 771 SW Wien 772 Süll fei 3 bedeckt 4 Nebel 3 bedeckt 1 Nebel 2 heiter MB c« e" h wi 1 1 -0 1 1 wölken!— 1 «tgttonen i s« S| . s i« i| Ii- 8f I Bettet «-» fii Havaranda 768 SW Petertburg> Ecill» 760® Überdeen 757 SSO Bart- ,769® 2 bedeckt—8 5 bedeckt 4 bedeckt 1 heiter 10 5 2 Wrttrrvrognoie kür Mittwoch, den H. Mörz 1010. Etwas wärmer, zeitweise nebelig, sonst ziemlich heiter und trocken, bei mäßigen südlichen Winden. Berliner Wetterbnreau. _«Safler ftandS-Rachrietiten_ Wasserstand Memel, Tilllt B r e g e l, Jnsterburg Weichsel. Tborn Oder, Raübor , Krassen , Frantturt Warthe, Schrimm , llandsberg Netze, Vordamm Elbe, Leitmeritz „ Dresden , Bardo . Magdeburg *)+ bedeutet Wucbs,— Rull.—•) Unterpeael. {an Mgtnach Deutschlands allergrösstem Waren« und Möbel-Kredithaus von xl 4 Brunnen- Strasse 1 direkt am Rosanthaler Tor '■ Frankfurter Allee 89 Ecke Mögliner Strasse n. 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Wenn Vcr- Handlungen, welche wir mit den Verwaltungen der Breslauer Wechslenbant und der schon bisher durch Aktienbesitz mit uns verbundenen Württem- ber-gischen rlandeSbank gesührt haben, zum Abschluß gelangen, werden wir aus Grund von Fusionsverträgen die Geschäfte der genannten Banken für die neuen Niederlafiungcn übernehmen. Ferner haben wir Vereinbarungen getroffen, um uns an der Slltiengesellfchast Banque S. A l l a r d u. G ic, in Paris durch Uebernahme einer neuen Aliienemlssion derselben naor- hast zu beteiligen. Sobald die für diese drei Vereinbarungen von- bereiteten Verträge forniell getätigt sind, werden wir einer zu diesem Be- Hufe clnzuberusenden augerordentlichrn Generalversammlung eine Erhöhung des AllieiiknvitalS unserer Bank um R. 20 Millionen in Vorschlag bringen. Der Abschluß für das Jahr 1909 ergibt, nachdem wiederum reichliche Abschreibungen und Rückstellungen vorweg gemacht find, einen Brutto- gewinn von M. 34 182 787.80 gegen M. 81 047 330.25 im Vorjahre. Nach > Abzug tet HandlungSunkoiten, Steuern usw. verbleibt ei» Reingewinn von M.-22 131058,60(gegen M. 19 287 977,65 im Vorjahre), welcher die Verteilung einer Dividende von 81), Pro,, gestattet. Die erzielten Gewinne bezissern sich aus Sorten- und GvuponS-Konlo... „. Zinsen-Konto, i..... , Wechsel-Konto....... „ Pravistons-Äoiito....... „ Esfekleti- und Konsorlial-Konto.. „»onto der dauernden Beteiligungen 1909 gegen 239 326,45 M, 7 858 225.60 3 855 b02Aö 10 866 421,65 4 298 978,05 1 469 833,85 1908■ M, 239 326, 4"ä"M, 257 890,45 6 456 094,75 11 296 246,40 8 493 326,25 2 638 030,25 1433 891,88 Aus dem Konto der.dauernden Beteiligungen hei fremden Banken� sind eutsprechend der regelmäßigen Uebung die pro 1908 vcreinnahmtei) Dividenden verrechnet, während die Dividenden des JahreS 1909 der Per- rechmuig im nächsten Lahre vorbehallcn bleiben. -Der Gesamtumlatz aus einer Seite deS Hauptbuches stellte sich au M. 69 738 141 111,30.gegen")!. 58 857 108 771,20 in 1998, die Zahl der bei der Bank geführten Konten aus 124 729 gegen 114 730 in 1908. Die Zahl unserer Augeslelllen bclief sich am Jahresschlüsse aus 3449 gegen 3015 im Jahre 1908, Im II, Seinester des Berichtsjahres haben wir eine»eue Filiale in Leipzig errichict� Außerdem haben wir die Zahl unserer Depositenkassen in Berlin nebst Vororten und an einigen größeren Plätzen unserer Nieder- lassungen weiter vermehrt, sowie solche in Wiesbaden, Fulda und Gjchwege eröjjnet. ' Die Lage der internationalen Märkte war durch die zunehmende, nur am Schtnfie des Berichtsjahres vorübergehend unterbrochene Geldjlüsiigkeit, weiche in naturgemäßer Reaktion aus die geschästliche Depressioil»tntrat, und durch daS zunächst in Nordalnertka wieder erwachende und dann über- raschevd schnell aus de» Konliiieiit übergreisende Aertrauen aus einen neuen Aui'chwung der Edchäste gekennzeichnet, wiewohl sich die Anzeichen einer Besserung in dem Absätze und m den Preisen der industriellen Produkte nur langsam bemerkbar machten. Die kausmänniichen Berusskretsc schlössen sich dabcr erst zögernd der vertrauensvolleren Stimmung an und zeigten gegenüber neuen Unternehmungen noch große Zurückhaltung, Dieser Situation entspricht der aus unserer Bilanz ersichtlich« starke Zufluß sremder Gelder, während eine Inanspruchnahme neuer Kredite nur in mäßigem Umfange hervortrat und deinzusolgc die Ziffer unserer Konio-Korrent- Debitoren trotz der allgemeinen Ausdehnung unseres Geschästskreijes gegen ,daS Vorjahr nicht gestiegen ist. In weiten Kreisen des Kapitalisten- , Publikums aber grisj die zuversichtliche Beurteilung der ZulunstsauSsichlen rascher Platz, so daß sich daS Glsetten-KommissionSgeschäst, namentlich in den per Kasse gehandelten JndUstriepapieren, auch der Handel tn nicht an der Börse notierten Werten durchschnittlich recht lebhast gestaltet« und die Kurse melsnch schon eine Höhe erreichte», durch welche die erwartete bessere .Koiiiuuktnr ziemlich eskomptiert erscheint,■■■■■ Die Zinssätze stellten sich wesentlich niedriger älS im Vorjahr«, Die DiSkonlraie der Reichsbank war im Jahresdurchschnitt 3,922 Proz. gegen 4.774 Pro.,, i» IVOS und 6,033 Proz. in 1907. Der PrivatdlSkon» an der Berliner Börse beirug im Jahresdurchschnitt 2,867 Proz, gegen 3,527 Proz. in 1908 und 5,106 Proz in 1907. Daraus erklärt sich, daß das Erträgm» aus Wechsel-Konlo, obwohl die Durchschnittsanlage in unserem Wechsel- pvrleseuille stärker als im Vorjahre war, gegen das letztere beträchtlich ge- mindert ist unS das GesamierlräguiS aus ZinS» und Wechsel-Konto gegen die vorjährigen Ziffer» um ca. 1 Million zurückbleibt. Dl« mehr zu- geslessenen sreuiden Gelder haben, wie die Bilanz zeigt, nicht in Kontos Korreiit.Debiiore», sondern tn den leichter liquiden, aber minderen Zins- ertrag lieserliden fikonlen— Reports und Lombard»— Verwendung gesunden, Recht besriodigend verlies das Geschäftsjahr für das eigen« irfsekicn- und. Konloilialgeschäst, Wie die unten solgenden Nachweis», igen ergeben, waren wir an einer großen Anzahl, meist mit angemessenem Nutzen bereiiS abgewickelter Geschäsie, vorzugsweise in fest verzinslichen Werten, beteiligt, während neue größere Transaktionen aus industriellem Gebiete nicht statt- gesunden haben. Dagegen ist es uns bei der hierfür günstigen Lage der Efiekteiimärlte gelungen, durch Abstoßung älterer, niedrig bewerteter Be stände bedeutende Gewinne zu erzielen und unsere Sngagiment« aus diesen beiden Koirlen bis zum Jahresschlüsse per Saldo um 8,8 Millionen zu vermindern. Obwohl der größere Teil dieser Gewinne iviederum zu Ab- Ichreibungeri und Rückstellungen verwendet worden ist, übersteigt der in das Gewinn- und Verlust-Konlv cinaestelltc Betrag von M. 4 293 978,05 die vorjährig« Ziffer noch um M. 1 767 947.80, Unter den s-stv-rzinslichen Werte», welche in unseren Efietten- und Konsortialbesländen mit einem Buchiverte von M. 48 816 172.— enlhaiten sind, befinde» sich Schuldverschreibungen des Deutichen Reiches und der deutschen Bundesstaaten im Buchiverte von M. 25 319 932,—. Bezüglich der noch nicht zur Abwicklung gelangten älteren EngagemtniZ sind wesentliche Veränderungen nicht zu berichten, so daß wir in dieser Beziehung aus die aussührlichen Darlegungen üi unseren früheren Berichten und aus die nachjolgenden Verzeichnisse verweisen können. Hervorheben wollen wir nür die unseren ErwarMngen entsprechende Entwicklung der beiden Auslandsbanken, der Deutschen Ortenibank und der De u t sch- Südamerikanischen Bank, Die erstcrc, deren ägyptische Nieder- lassungen besonders erfreuliche Ergebnisse zeigen und deren KeschüstSkreiS in der Türkei im neuen Jahre durch Fllinlc» in Adrmnopel, Mersina und Aleppv erweitert werden soll, wird für da« Ber-ichtsjahr in der in der Lage sein, ihre Dividende zu erhöhen. Die Deutich-Südamerikaiiische Bank hat nach Ueberwtndung der anfänglichen OrganisaiionSschwiSrtgketten tn Buenos Zirres dort und in Mexiko gut gearbeitet, so daß sie voraussichltich mit der Dividendeiizahinng begiilnei, ivird. Im neuen Jahre wird sie eine Nieder- lasstmg für Chile irr Balparafio errichten, Im neuen Jahre haben die ersten beiden Monate einen etwas stilleren Geschäitsgang gebracht. Im internatronalen Verkehr dürste biS zur Klärung der romschastlichen und lynerpoiitliche» Berhättnific in Nordamerita und England eine gewisse Zurückhaitimg beobachtet werden. Wenn indessen, ivie anzunehmen ist. ernstere politische Verlor ckelnugen serngehaltrn werden, so ist als wahrscheinlich zu betrachten, daß wir wieder einer Periode stüssraen Geldftandes entgegengehen und in dessen Folg« eine weiter« Belebung deS Unternehmungsgciste« in Handel und Industrie, wie tn dem seit langer Zeit daniederikgenderr Baugewerbe Platz greifen roird. Sticht am wenigsten wird dazu die erfreulich günstige Lage der Landwlrischast beitragen. Wenn wir auch in naher Zeil weder eine industrielle Hochkotijiuittur noch eine all, gemeine Hausscbcioegung an den Börsen erwarten, so sehen wir doch keinen Grund, zu irgenowclcher Besorgnis, daß es den im Äankgewerbe verfügbaren Millein an Gelegenheit«U nutzbringender Verwendung jehlen löiiirtc, Nachstehend die übiichen Erläuierungen über die einzelnen Positionen der Bilanz:«assa-Kontv. Bestand am 31, Dezember 7908........ M, 29165 509.20 Eingang...............-- ��»�76�62b6870si5 WM>�W�WWM 635 iöL 380.15 "W Uusgong................„�i5�5M 520�6A0 Es verblieb demnach bei einem Gesanriumsatz von. Ak. 31 205 8iÜ7 497,36 am 81 Dezember 1909 laut Bilanz ein Bestand von M, 35 9�1 Sorten- und Coupons Konto. Bestand am 31. Dezember 1903........ M. 14 960 681.20 Eingang...............» 522 617 245.10 - 537.-,77 8?(ii0 Aufgang..........« 624 182 786. es ergab sich demnach für de» am 81. DezeöiberlSOo oerbiirtiencil Bestand ein Saldo von...... M, laut. Pstanz. im Werte von'........ mithin Kursgewinn...,...... N7 13 395 090.30 13 634 416.75 2Ä 3�.45 Wechsel-Konto. Bestand am 31. Dezember 1908: Stück 64 951 Wechsel im Betrage von 3 866.198 Bechicl Eingang M. 24« 666 816.— 8 512 817 233.30 Stück 3 931 149 Wechsel im Betrage von , 3 863 960 Wechsel...... Ausgang M. 8 761 484 049.30 8 512 716 793.65 Der am 31. Dezember verbliebene Bestand vvn Stück 67 189 Wechsel im Betrage von..... M. 248 767 255.65 ergab laut Bilanz einen effektiven Wert von.. 257 622 758.10 davon M. 232 395 911.15 in Wechseln auf deutsche Ptätzc, „ 25 226 846 95 in fremden Valuten M. 257 622, M. zus. mithin einen Kurs- 756 10 und Zinsengewinn von 8 855 502.45 Effekten-«nd Rcport-Konto. Bestand am 31. Dezember 1908........ Eingang............... M. IT Ausgang.............., Es ergab sich demnach firr den am 3l. Dezember 1909 152 862 063,05 6 656 457 786 40 6«09 319 850.05 6 567 751 652.10 verbliebenen Beistand ein Saldo von........ M, 241568 197.95 laut Bilanz(einschl. des aus dieses Konto, wie bisher, übcrtrageium Ergebnisses des Konsortialbeteiligungs- Koritos) im Werte von. �........., 247 332 009.85 so daß ein Gewinn verbleibt von......... M. 4 293 978.05 zrnd als Erträgnis aus unseren dauernden Beteiligungen an fremden Banken............. M. Anleihe von 1309 der Württembergischcn Eonsolidatcd, Eigene Effekten waren am 31 1» Feft-'erzmsüche Werte: x) Staats-, Prooinzial-, Kommunal-, landschaftliche Obll- gationen und Werte anderer staatlicher Korporationen.. d)> Hypotheken-Psmibbriese, Eisen- babu-, Straßenbahn- und zJndustrie-Obligatianen.. 2. ZlkNr.« von Eisenbahn� Straßen- bahn- und Transport-Unter» iiehmiNtgen........ 3. Aktien rwri Banken lrud Vcr- sicherungSaeselljchajtei!.... 4. Terrain.-At>'ieii....... 5. Jndustnie-Allicn.... 1 469 833,85 Dezember 1909 vorhandene w 201 Posten M. 27 712 079.80 171 34 23 14 99 542 Posten mit M. 10 308 813,80 11 816 947— 1 022 786.35 2 861 661.25 4133 112.65 57 855 400.85 Die Effet, ien sind, sowckt börsengängig, zu llebernahmspreisen bezw. zum TageSkurS vom 31. Dezember 1909, wenn dieser niedriger war, aus- genommen work>en, Dauernde Beteiligungen bei fremden Banken: M. 31 019 368,504 Di« Erhöhung dieses Kontos resultiert auS der Uebernahme ewiger Beteiligungen des A, SchaussHarrsenichen Bankvereins, die bei der Ablösung b«S Anteils deS lSsrterrn an dem Erträgnis unserer Frankfurter Filiale an uns abzutreten war en. Report-chtonto: Ulllmo Dezember 1909 oder früher hereingenommene und an späteren. Terminen abzuliesemde Effekten.. M. 158 457 240,50 K onsortialbetriltgungs-Konto. Wir haben bei solgomven Geschäften als Kontrahenten uutgewirkt: 4 proz. Deutsche Reichsmrlcihe, 3'/i proz, Deutsche Rch'chs-Anleihe, 4 proz. Preußische koirjVtidierte Siaats-Anlethe, isi/rprgz Preußische koiziollbierte tataats-Arileihe, 4 proz. Bayerisches Elset'bahu-Anlehen,. V »proz, BckyMch»» SlllgKsiieme» Anleben.--r-- »proz. Bremer Staals-Ä.nlcibe von 1909.,.g■r.z.r., C: 4 proz. Buljadinger AmtStverbandS-Anlcihe von 1909, »proz. Oldenburgische koniotldierte StaatSilAnleihe von 1309, »proz, Schleswig.HaUtetnißch« Provinzial-Anleihe von 1909, 5 proz. innere GolS-Anleihe von 1909 der Argcritwischen Republik, 5 proz, kaiserl. chwcs, Tientftn-Pukowcr Staaiseisenbahn-Anleihe von 1908, II, Serie,> 6 proz. Pari(Ver. Staaten t>on Brasilien) Treasury BondS, 5 proz, Gold-Anleihe von 1900 der Stadt Rw de Janeiro(BundeSdistrikt der Vcr, Staaten von Äraßlrcn). »proz, Anleihe der S-adt«erlw von 1904. Serie II, L, Ausgabe, »proz. Anleihe der Berliner Stadlsynode von 1303, »proz. Anleihe der Stadt DreSden von 1908/09, 4 proz, Anleihe der Stadt Hamioocr v« 1909, 4 proz. Anleihe der Stadt Kiel«an 1907, Serie 21—25, 4 proz. Anletye der Stadt Leipzig von 1908, 4 proz, Anleihe der Stadt Münch en von 1309. « proz, Anleihe der Skadt Regeni-burg von 1909, 4 proz, Anleihe der Stadt Karlöbtch von 1909, 4 proz, Hyßotheten-Psandbriese der Deutschen Grund kredit-Bank zu Gotha, Abt, XVI, 4 proz, Hypothekeit-Psandbrlese dcS.JraMurterHYPoiheken-Zkredlt.PerelnS. Serie 43(Einführung), � �. 4 proz, Hypotheken-Pfandbrl-fe des Frankfurter HhpoicheäenJkredU-VerewS. Serie 43(Einführung),...._.„ 4 proz. Hypolheken-Psaiidbriese de» Frankfurter Hypotheken-Krehit-Verew», Serie 49(Eirisührung), 4 proz, Psandbries« der Grundrenten- und HypothekmÄnstalt der Stadt Dresden. Reihe Vll, 4 proz. Psandbries« und Kommunal- O bligationen der Hesfischen Lande»- Hypotüekcnbank A,-G, tn DartNsiadt, 4 proz. Hypaihete». Pfandbriefe der Preußischen PsandbAes-Bank(Ew. sührung), 4 proz, Hhpolheken-Psandbriefe der Söchsifihen Bodenkrebttanstalt, Serie IX. 4 proz. Hypoihelen- Psandbries« der Schtoarzburgischen Hypothek«!,. Bank m Gondershausen, Gerte VIII(Einsühvung), »>/, proz, Goldanleihe der Tchuantepec Ntiiional 4'/z proz, a 103 Proz, rückzahlbare hypothekarische Verewigten Strohstoff-Fabrikcn w Dresden, 4 proz, a 103 Proz, rückzahlbare Obligationen der Ersenbahn-Gesellschaft in Swttgart,> 6 proz, First Mortgage Dedenwres der West Rand Mincs, Ltd,. Neue Aktien der Deutschen Grundkredit-Bank zu Gotha, Neue Aktien der Märkischen Bank in Bochum(Eursührmig), Neue Zlklieu der Preußischen Psaydbries-Bank, Neue Aktien der Rheinischen Bank in Esten a, d, Ruhr(Ewsührung), Aktien der Aktiengesellschaft Hahn für Optik und Mechanik in Gaffel, Neue Aktien der Ziktiengesellschaft Lauchhammer, Neue Aktien der.Allianz" Verficherungs-Nkliengesellschast, Berlin, Neue Aktien der Berliner Eleltrizitäts-Wer le Slammaktien(Eiusührmiz), Reue Aktien der Bismarckvütle in Bismarckhütte(Oberschlesien), Neue Aktien der Budernsschen Eisenwerke m Wetzlar, Neue Aktien der Chemischen Fabrik von Heyden Aktlengesellschckst In Radebeul, Aktien der Deutschen Lustschissahrts-Eesellschast, Frankfurt a, M,. Neue Aktien der Deuisch-Luremburgischen Bergwerks« und Hütten-AMen- Gesellschast, Neue Aktien der Dentsch-Ueberseeischen ElektrizstätS-Gelellschast, Reue Aklien der DitterSdorser Filz- und Kratzentuchsabrik, Dittersdorf. Nene Aklien der Elettrizitäls-Akiiengesellschajt vorm. Hermann Pqge, Chemnitz, Neue Aklien der Elektriziläls-Aktiengesellschast vorm. W. Lahmeher u. Co., Frankfurt a. M,(Einführung), Neue Aktien der Gesellschast für elektrische Unternehmungen, Neue Aktien der Gclsenkirchener Bergwerks-Aktiengesellschast, Neue Aktien der Harpener Bergbau-Äkliengesellschast, Aklien der Maschinenbau-Attiengesellschasi vormals Beck u. Henkel, Ccksfel (Ewsührung), Reue Aktien der Maschlnenbau-Anftalt Humboldt w Kalk bei Köw, Neue Aktien der Münchener Rückocrsicherungs-Glsellschast/ Neue Aktien der Nürnberger Metall- und Lackierwarenfabrik vorm. Ge- brüder Bing Aktiengesellschajt(Einführung), Neue Aktien der Oren stein u. Koppel— Arthur Koppel Aktiengesellschast, Neue Aktien der Rusfischen Gesellschast.Allgemeine Elekttizitats- Gesellschast", Aklien der Sächsischen Waggonfabrik Werdau, Aktiengesellschast, Werdau, Reue Aktien der Schantung Eisenbahn-Gesellschast in Tswgtau(Em- sührung), Neue Aktien der Tüllfabrik Flöha Aktiengesellschast in Plaue bei Flötja, 6 proz, Vorzugsaktien der Vereinigten Bautzner Papierfabriken, Bautzen, Anteile der Stock Motorpfiug G, m, b, y, Nene Anteile Reihe IZ der Deutschen Kolonial-Gesellschaft für Südwest- Afrika, Zwteile der Diamanten-Regte des südwestasrikanischen Schutzgebiete», Neue Aktien der Meyer u, Cbarlton Gold Mining Company, Ltd., Neue Aktien der New Goch Gold MineS, Ltd,, Z!«u« Aklien der Rand Collieries, Ltd.. Neue Aktien der der Roodepoort Unstcd Maw Rees Gold Mning Company, Ltd. Außerdem waren wir bei einer großen Anzahl seitens unserer Freunde im In- und Auslande entrierter Finanzgeschäste unterbeteiligt. Von den vorstehend erwähnten Geschäften ist der größte Test im laufenden Jahre abgewickelt und der Gewinn daraus verrechnet. Von größeren Geschäften au» früher»» Jahren nennen wir als abgewickelt die Beteiligung von: 3>/.proz, Obligationen der BraimschweigischenLandeS-Eisenbahn-Gesellschast, 4>/,proz, Obligationen der Elektrizitäts-Aktten-Gelellschafi vorm. W. Lay- meyer u, Co,, »proz, Obligationen der Compagnie Generale de» TramwahS de Buenos Ayres, Aktien der Bremen-Befigheimer Oelfabriken Akt,-Gef,, Aklien der Deuisch-Luremburgischen Bergwerk- und HüttM-AMeNgesellschast, i'l- proz Gesell Railwah Co., a 102 Proz, rückzahlbare Obligo ilonen von 1909 der Attten- � last für Anilinsabritation, »>/. proz, a IN Proz, rückzahlbare Obligationen der Aktien-Gesellschast Daxer Koblonveretn i» Dresden, 5 proz, a 102 Proz, rückzahlbare hhpothekattstche Anleihe der Aktten-Desell- schast für chemische Produkl« vorm, H, Säieidcmandel in BerUn, »>/, proz, a 102 Pro», rückzahlbare hypothekarische Anleihe von 1909 der Aktten-Bierbrauerei zu Reisewitz, i'j.. proz, a 102 Proz, rückzahlbare hypoihekä rische Anleihe der Aktien- Gesellschast fiir Federflahl-Jnduslrie vorm, A, Hirsch u. Co., »J/, proz, a 102 Proz, rückzahlbare hypothekarisch» Änieihe der Chemischen Fabrik Aktien-Gcsellschast vorm. Moritz Misch u. Co, in Posen, 5 proz, a 103 Proz, rückzahlbare Obligationen.der Deutsch-Ueberseeffchen ElektrizikätS-GAellschast Serie V, »>/, proz, a 103 Proz, rückzahlbare hhpolhekarlsch�e Anleih« der Deutsch. Luxemburgijcheri Bergwerks- und Hülteii-Aktlen.i stesellschasi(Elnsührrmg), 4>/, proz, Obligatlone» der Deutsch- Südamerikanischen Telegraphen- Gesellschaft, i'j, proz, a 103 Proz, rückzahlbare Obiigalionen voll 1908 der Elektriziläts- Aktien- Gesellschaft vorm, W, Lahmeyer u, Co,,.Frankfurts», M,(Ein- 4 proz. Obligationen der Sisenbahn-Reitten-Bank(Einführung), 5 proz. a 103 Proz, rückzahlbare bnpothekarstch« Anusih« der Gewerkschaft Großherzog Wilhelm Ernst in OlviSieben, 4 proz, Obliaalioiren der Gelienkirchener BergwerkS-Zi'klien-Gesellschast, 4 proz, a 105 Proz. rückzahlbare Obligationen det Großen Gaffeler TN aßenbahn-Aktien-Gesellschast, i'h proz, a 108 Proz, rückzahlbare Obligationen Volt 1909 der Gebr. Körting Aklieu-Gesellschast, »st. proz, hypothekarische Anleihe der Mechanischen Segeltuch-Weberei Fröhlich w Wolft. Cassel, i'l, proz. a 102 Proz ruckzahlbar« hypothekarische Anleihe der Nürnberger Metall- und Lackierwarensadrik vorm. Gebr.«Wo Akhien-Gesevschast, i'l, proz, a 108 Proz. rückzahlbare hypothekarische Anlehh« der Portland Cemcntsabr-k Hemmoor, i'l, proz, a 103 Proz, rückzahlbare hypothekarische Anleihe der Rhcw- und See-SchlffahrkS-Keselisiliast. »st, proz- a 102 Proz. rückzahlbare Obligationen der Sächsischen Oscu» und Chamoltewaren-Fabrik(vormals Ernst Teicherll, RWijgen, Ist» vroz, a 103 Proz, rückzahlvar« hypolhckarijchc Anleihe der Slein- iohlengcwertjchast Eharlolle zu Ezeruttz O�S., Aktien der Deutschen Tiesbohr-Aktienaesellschast, Aktien der Gesellschast für Atektiiiche ittniernehmungen, Aktien der Jnlcrnattonalen Ekekirizitäts-Gesellschasl(Poop), Aktien der Maschnrenban-Zlnstgle Heimboldt, Aktien der SocroiS fimmcisre de iranchortS ei d'enirepriseS industrielle» in Brüssel. Unser Konsorlialbeleiligungskonio zeigt folgende Zusammenfetzung: 1. Dreizehn Beteiligungen an festverzinslichen Werten. M. 10 705 273.25 2. Neun Beteiligungen an Eisenbahn- und Straßendahn- Unternehmungen-Akticn........... 5 190 312.20 3. Fünf Betetltgungrii an Bank-Aktien......„ 596 682.45 4. Drei Beteiligungen an VersicherungS-Gesellschasten,„ 438023.70 5. Eis Beteiligungen an TerrainS und Terratn-Gesell- schasten..............., 4 802895.85 6. Bierzehn Beteiligungen an überseeischen Unter- nehmungen............... 4 642 060.95 darunter befinden sich unsere Beteiiigungen bei; General-Mining and Fwance Corp. Ltd. Schantung-lwternehmungen, Compagme Generale de« TramwahS de Bueno» AyreS, 7. Acht Betelligungen an elektrischen und Kabel-Unter» nehmungen............... 3 065 387.15 8. Sieben Beteiligungen an Bergwerks- und Hüsten- Unternehmungen............, 5 176 468.75 9. Dreiundzwanzig Beteiligungen an anderweitigen Unternehmungen.......... 176 458.75 1». 30 730 465.05 Konto-Korrent-Kouto. Bei einem Umsatz« im Debet von..... M. 22 253 951 961,35 betrug derselbe im Kredit........... 22 230 950 313. tö so daß im» am 81. Dezember 1309 ein Guthaben verblieb von.-.......... W. 83 001 048.20 und zwar laut Bilanz: M. 51 654 671.75 verfügbare Guthaben bei ersten Banken und Bankers Debitoren: w Dresden M, 32 261 401.60 in Berlin. 176 673 445,65 bei den Filialen„ 234 674 819,70 M, 443 629 666,95 verteilt aus 16 670 Konten, hiervon M. 47 270 676,90 Banken und Bankiers, durch Effekten gedeckt. , 288 909 620,46 sonstige Debitoren, durch Effekten und andere Sicherheiten gedeckt. Kreditoren: M. 472 183 290.60 verteilt aus 23 164 Konten, hiervon auf feste Termine M. 197 700 604.60. ES wurden gewonnen an Proviston abzüglich gezahlter Provisionen.. M. 19 865 421.65 an Zinsen(wkl. der Zwsen aus Lombard-, Effekten-, Report-u. Konsorttal-Konto, abzgl. gezahll.Zwscn M. 7 858 225,60 Die Zahl der Konto-Korrent-Berbind. beträgt 39824 gegen 36642 in 1S0S, Lombard-ttouto. Am 31, Dezember 1909 waren an Lombard-Darlehen in Dresden..... M. 1184 012.90 . Berlin....... , Frankfurt a, M...... , London........ . Hamburg....... „ Bremen........ „ Hannover....... „ Zwickau i. Sa....... „ Leipzig........ bei anderen Filialen..... verblieben.......... 4 215 949.90 1 043 862.55 5 607 918.40 4 093 1914)0 1 037 847.80 892 267.20 79« 718,65 460 138,25 570 481.20 M, 20052388.15 Waren-Report-Kouto. Ultimo Dezember 1909 waren hereingenommen zu späteren Termwen abzülieserndc Ware für........... M. 7 376 028.25 Vorschiisic auf Waren„nd Marcir-Vcrschissungen. Arn 31. Dezember 1909 wäre» in Berlin, Loudou, Hamburg, Bremen, Manitbctm und Leipzig Waren zusammen mit R. 41390 206.80 bWorschußt. Ukzept- und Scheck-Konto. Am 3t. Tezctaücr 1909 bchurd« sich Tratten und Schecks ans uns im Nmlaof M. tSS14öZllUa jeruer ivarden ausgeschrieben auf Dresden/.... 9?. 63 84874120 „ Berti»....... 101�31356280 » Misere Wiale»... Z 14»3Sci75»L5„ 3 224 S5Z rBS.75 St. 2413 008262.85 öS wurden emqelöst tn Dresden..... M. 67 217396.55 . BcrLn....... 1 005 781 425.15 bei aufereu Filiale»... 2144 84228120. 3 21? 921 108.60 so dofe am 31 Dezember 1900 in Airlulation verblieben auf Dresden..... M. 7957 253.65 . Berlin....... 44 167 849�5 . wnere Malen... 143752160�5 M. Jmmodilien- und Modilieu-Äonta. 1 Bantgebäude. Auf diesem Konto erfchemr» die Bmikgebände in Dresden...... M. I 800000.— . Berti-........ 6000 000,— . Frankfurt a. 3S..... 195 8� 203.25 Dürnberg 1400000.- 2 000000.— 1 500 000.— 650000-— 140 000.— 750 000— 150 000.— 175 000.— 500 000.— 100 00«-— 500 000.— 40 000.— 100000.— 100 000.— „ Detmold . Mannheim „ Planen t C. . Chemnitz. , Eiudea.. , Freiburg. tr �roicCait« �?Nünchen....... 2000 000.— , Leer......... 45 000.— , Cassel........ 400 OOO.— , Zittau.......„ 116 836.20 R. 2. Neubau-Konto. Neubau resp. bauliche Veränderungen in Berlin, Dresden, Zreiburg, Nürnberg. Leipzig. Leer uud Zittau M. W 18 466 833 LO 3. DioerfeJmmobilien. K aifer-Wilhelm- Straße...!N. 197 495.45 Dioerf« Grundstücke..... SR. 1 227 723.— 2 875 97725 21 342 812.45 ». W 1 423 218.45 22 768 030.90 Unser gesamter Immobilbesitz ist zurzeit mit N. 1 800 204.05 Htipotheken belastet, deren Abstoßuug tiach de» bestshcndca Verträgen bisher nicht tunlich war. 4. Mobilien-Konto. Die NeltlNlschaffung ist m Höhe von..... M. 441 573.45 die in der �Hniptsache die Errichtung neuer Wechsel- stuben betr-Gm, find, wie m de» Vorjahren, ab« geschrieben»wichen. Mit der fiarken Ausdehnung unserer Geschäftstätigkeit und der grossen Vermehrung unseres Personals mutzte natmgemätz eine erhebliche Steigerung des NaumbiBzarscS Hand w Hand gehe«. Nachdem die Sieubaut«» in Hannover u ed München kaum vollendet waren, komiicu wir unS der Not- woidigkeit nHht verfchlietzen, einen Erweiterungsbau w Nürnberg und riiicn Neubau in jKeiburg i. Br. auojührrm Im ucurn Jahre werden, abgesehen von einig«! GrundstückScrwerbungen au Heineren Plätzen, Erwciterungü« baute» i»?!»eZdcll u»d Frankfurt a. M. w Angriff zu ncbmen sein. In Verb» hat Och, da wir über die von»ns erworbenen Psassschen Grundstücke erst nach ev«er Reihe voo Jahren vcriügcn lönncn, et» derartiger Raummangel cuMchen, datz wir uns rntschlictzcn mutzten, u»S das in unserem Häuserblock»och srhlcndr Grimdstück Behrcnstratze 36. deffen täuslichc Er- Werbung b»i möglich war, durch etncn langjährigen MietSvcrtrag zu sichern und mit dnn Besitzer Vereinbarungen zu treffen, welche uitS die Errichtung eines mit liaiseren anderen Geschäftsräumen in durchlaujendrr Verbindung stehenden Neubaues gestatten. In Leipzig bat sich insofern eine glückliche Kombinatii« geboten, als es uuL gelmtgeu ist, unt dem FiöknS ein Ab- kommen z>« treffen, wonach von letzterem auf einem der Universität ge- hörigen S-undstück in bester Lage ein monumentaler Neubau errichtet und uns auf bange Zeit mietSwcis« überlassen wird. Bei Feststellung des Bau- planes P am unsere Bedürsniffe mid daraus, datz ww die zunächst nicht gebraucht» Räume emstweilen widerweit vermiete» töimcn, gebührende Rücksicht genommen. Verzinsliche Depositen. Es»»rden bei uns zur Berzmsung hinkerlegt Gelder im Betrag« t»n................ M. 1 089 232 48640 hiervon stirb zurückgezahlt worden...... 833 608 077.05 und verblieb e» somit am 3l. Dezember 1909.... M. 255 624 409.35 verkeilt a>»f 84 905 Konten, und zwar: M» 142 622 429.05 in 68 416 Konten mit täglicher Verfügung. , 113 001 980.30„ 16 489„. 1 bis 12monalüchcrKündigung, Atz 255 624 409.35 m 84 905 Konten Die Zahl der Depostten-Konten ist von 79 188 in 1908 aus 84905 gestiegen. Pensions-FondS-Konto. DaS Guthabe» des im Jahre 1879 begrüudelen PeufionS-FoudS beirug am 31. Dezember 1903......... M. 2 900 000.— hierzu kamen Zinsen im Jahre 1909........„ 127 437.30 M. 8027437.20 hiervon ab gewährte Penston«» in 1909. 127 663.70 M. 2 899 773.50 300 226.50 durch die von UNS beantragte Zuweisung von.. wird derselbe die Höhe von.......... M. 3 200 000.— erreichen. Deal unter der Aeglde dcS Zentralverbandes beS Deutschen Bank- uud Bankirrgewerbes gegründeten Bcamtenversichermigs-Lereine sind«vir mit de» seit dem 1. Juli 1909 von unS engagierten Beamten beigetreten. Die von uns im April 1905 begründete, Untrrstützungszwecke» dienende König-Friedrtch-Angust-Stiftung wies am 31. Dezember 1908 einen Bestand von.. M. 101 352.20 aus, hierzu kamen in 1909 an Zinsen....... 3 750.— hiervon ab gewährte Unterstützwegin in 1909 mithin bleibt ein Bestaub von..... M. 105 102.20 360920 M. 101 193.— HandlungS-Unkosten-Kont». Hauch lungs-Unlostcn........... M. 9 922 Stenern................. 1 672 9 922 856.30 108.70 Die Steigerung der Unkosten ist zu ewcm Teil aus die nicht un- wescntlcbc Bermrhrrmg de» Personals, welch« insolge der Errichtung neuer Niedcrhatungcn und Wechselstuben sowie der AuSdednung der Geschalte bei ollen Bnricbsstellcn erforderlich gewesen ist, zurückzusühren, zum anderen Tell da»»ius, datz unsere Beamten nach der vorgesehenen Skala turnuö- mÄtzig in die höheren Gehalts klaffen ausrücken. Rcserve-FoudS-Konto» Der ordentliche Reserve-FondS beläust sich aus... M. 41 800000.— der Reserve-Fonds B aus............ 0 700 000,— Die Gesamt-Reseroen betragen demnach M. 51500000.— gleich 28,61 Proz. unseres Allien-KapitalS. Als Ueberschutz der Aktiva über die Passiva laut Gewinn- u. Berlust-Konto ergibt sich ein Reingewinn von M. 22 131 953.50 In Uebereinftiinmung mit dem AuffichtSrate bean- tragen wir, deniclben wie folgt zu verwenden Slbschreibung aus Bankgcbäude. M. 600 000.— Zuweisung zum Pensions-Fonds.. 300 226.50 Reserve sur die Talonstcuer.., 200 000.— 4 Proz. Divid. aus M. 180000000, 7 200 000.—, 8 300 236.50 Tantieme an den Slussichtsiat, 1 009 208.— Verlragsinätzige Taniiemc an die Dircltoren, stcllvcrtr.Dircktoren utid Dirrktorcu der Filiaien., 2 844 767.— Gratistkationen an die Beamten. 1 600 000.— l'/s Proz. Superdividrnde aus M. 180000000....... 8100000.— Vortrag.. 277 762.— M 13 831 727— Dresden, im März 1910. Die Direktion. E. Gutmann. G. Klempcrcr. Mueller. L. von Stelger. Nathan. Schuster. Große Berliner Straßenbahn. Bilanz am 31. Dezember 1909. Aktiv*. Konto Bau d«S Geiamt-BahnkörpetS.. 63 448 429.62 M. Bau sämtl. Bahnhöfe«. Werkstätten 20 591 134.63„ Wagen-Konto........... 34 154 220,03„ 118 193 781,28 jk. Abschreibmigcn.......... 1 500 OOO,—, (llutzerdem sind noch abgeschrieben für 1909 auf Bahnkörper, Bahnhüse, Werkstätten und Wagen 500000,— M., welche dem Bahnkörper-AmortisationSsondS überwiesen find.) .Nasch inen-Konto nach Abschreibung von.. 19 771.20 M. Mobilien-Konto,„„.. 5 192F2„ Uiensilien-Konto............... Merde-Konto nach Abschreibung von.... 19 965,— R. Geschirr-Konto................■ Bekleidungen-Konto nach Llbschreibung von. 382 658.47 M. Jnoenturen-Konw, Bestände an Materialien uud Futter. Kontokoricnt-Konto, verfchiedcne Gutbabeu...... >laffa-Äontö, Bar am 31. Dezember 1909.......... .Kotzt», Kantionen bei Bepörden. bei diesen hiNfetlegt.... efiiWt- ir Dokumente-Koittö.Essckhcp- it. Hypothetachcftände als Anlage des Reservefonds. V.... und des Bahntorper-AinortilalionssondS..... Effekten oeS Beamten-itautlonofoudS...... Mark IIS 093 784�8 177 940,78 1- 1.— 1- 1- 1,— 2 489 559,17 10 217 496,69 24 252 07 519,013,23 '4619»11,50 18 812 841,50 Nicht begebene 3>L»/, Obligatioueu 'J 4 P«MtlV*. Aktietckapital-Konto............... ü'l,"U LDligatlonen-KapItal-Koulo.......... i'lo,..».......... Hffvotheletistilonto..............-> Dividende»-Konto, noch mibehobeue Dividende..... 'I, ObligastonS-Ausloslmgs-.Konto, uubehobene ObUga- lwnen imd Zinsen....... S'L%,.Zinsen-Konto, Zinsen per 1. Oktober bis 31. Dezember 1909...... ReservefondS-Kolito............... Bahnlörper-AinorliiationSjonds-Konto........ Talonstcu«rBiucksIeumigs--Konlo.......... Bcamtenkautlonen-Zlonto............. Hastpflicht-Berficherunassonds-Konto......... Reservc-Konto, Enischädigungssorderung gegen die Stadt Berlin aus Konkurrenzbetrieben Konwlorrent Konto. verschiedene Gläubiger u. Bar-Kantwnen Erneuerungssonds-Konto............ Gewinn- und Verlust-Konto............ 370 965,43 313 000,— 265 000,— 154 503 199,10 100 082 400,- 2 402 600,— 467 000,— 1 726 000,- 6 645,50 43 444,23 18 284,- 10 384 376,40 20316 697,41 100000,— 370 476,20 320125,09 173 008,73 1 620 304,42 5 059 658,33 1 489 157,— 9 922 421,72 iköüdl'jM Gewinns und Vcrluflt»Kon4o. »oll. Hypothelen-Zinsen-Konto............. O'/j"/(, Lbligationen-ZInsen-Konto.......... tlZZ 076,75 4ö/o w u»....•••••• Jä>#— e»..'........... 2 427 594/19 Gelamlabschreibunaen........ Reserve- Konto, EiitschädiguimS- Forderung gegen die Stadt Berlin aus Kon- kurtenzbetrieben Rückstellung aus Talonsteuer 173 608.75 M. 100 000.—„ 272608.73 Abgabe» an die Gemeinden............ 2 040 275,04 ErneuerungssondS-Konto I, Zuweisung aus den Betrieb«- Einnahmen n.§ 30 des Statuts . II, Zuschutz au» 1909..... Saldo, Reingewinn............... Haben. Gewinn- und Verlust-Konto, Gewtnavortrag aus 1908., Jntercsien-Konto, eingenommene Zinsen....... Konlo-Sittsch�xiginigSfordcruugen gegen die Stadt Berlin ans Konlurrenzbetrieben.... Betriebs-Konto sämtlicher Linien � Die Einnahmen betragen.. 38 610 757,20 M. „ AuSgabcn„.. 21 164 732,76, 2300000,— 475000,- 992 421,72 imviiM 33 176,34 570 488,91 172 608,75 Eh Ipozlem Direkte, geheime und offene Wahl. Geheim für Vater wählt die Mutter Den Soinmer-Uebei zieher aus, Mit Seiden- oder anderm Futter— In kleinsten Raten gleicht sie'» au». Ganz offen w&hlt dort der Beamte, Wenn Wäsche und Garderobe knapp, Und zahlt die Summe, die gesamte, In ganz bescheidenen Raten ab. Ein Brautpaar bat mit grosser Freude Das Haas..Ffir alle Welt" entdeckt, Und auf Kredit doit wählen beide Aussteuer, Einrichtung direkt I Geht man spazieren— wie so viele— Steht man vor einem Wunderwerk; Wie alles strömt räch einem Ziele— Hauptstrasse 19. Sctiönebergl Man kann ia den bekannten Räumen Vereint sie finden allemal, Sowohl zur offnen, zur geheimen, -.-Ais wie auch, zur direkten VVahl. Im Warenhaus sieht man sie wählen t- w>f Im Warenhaus„Für alle Weit"— Wo Tische. Sofas mi< Paneelen, Kurz, alle Möbel man erhält Sehr wichtig ist's, dass jede Seele Das Wahllokal genau sich merk'— Dass auf Kredit man alles wähle Hauptstrasse 19, Schöneberg! Auf allerhequemste TePiahlnna: Herren-, Damen-, Kindergarderobe vom einfachsten bis zum elegantesten Genre Manufaktur- und Weisswaren Teppiche, Gardinen, Portieren. Steppdecken Kleider- und Futterstoffe, Wäsche elc.;; MÖBEL und POLSTERWAREN sowohl einzelne Stücke als auch komplette Wohnungs-Einrichtungen in allen Pretslaeen Reichhaitigste Auswahl in allen Abteilungeti.] Kaufhaus auf Kredit „Für alle Welt" Schöneberg, Hauptstr. 19, Äua 11 /l � w f Man werde Kunde bei uns und sammle ft ck» unsere Annoncen.— ÜMfkiarrtWB dewmaohet. I Bleibt Ueberschutz 17 446 024,50 18 223 208, 5(V Berlin, de« 10. Februar 1910. Di« Direktion. gez. br. Micke, gez. Koehler, gez. Meysr. Nach vorgenommener Prüfung der Belege und Bücher der(desellschast bescheinigen wir hiermit die ordnuiigomätztge Führung der Bücher und die- Ueberemf.immuiig der vorstehenden Bilanz, sowie de« Gewinn-»nd Verluste Kontos mit denselben. Berlin, den 10. Februar 1910. gez. Orkar Zwickau, öffentlich angestellter, beeidigter Bücherrevisor. gez. Emil Kryniü, gerichtlicher Bücherrevisor. 4433L* __ Solort zu vermieten t Tegel, Bahnhof-Str. 17-18- 2 Zämmer u. Küche. Preis 330 M. U8W. Eingötroffen sind: Muster-Coupons u. Reste für Anzüge, Paletots, Kostüme direkt aus der Fabrik. Enorm bllllR! Meter 8.—, 4.-, S.— Mark. vA> Nur Saison-Nenheiten!-fM Spezialliaus moderner Herren- und Oamensioffe. Koch& Seeland Geaellschaft m. b. H.* BERLEV C., Roßstraße 2, sonntac«»cöfTnet. Würzburger Hühneraugenmittel von Dr. H. Ungor.— Segen HO Pfennig aus 10 Ps. Llnweisung frei. OhneZweisel die bequemst« u. wirksamste Hilfe. Der Schmerz IstinSAlin. fort. 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Für die Bezirke 268—273 findet der ge- meinschaftliche Zahlabend im Gcwcrkschaftshaus, Saal 7. statt. Vor- trag des Genossen Adolf Ritter. Der Vorstand. Eharlotteuburg. Am Dienstag, den 15. d. M., sindct im grossen Saale des Volkshauses ein Lichtbildervortrag des Reichstagsabgc- ordneten Genossen Geck über:„Die badische Revolution 1848/49" statt. Dieser Veranstaltung, die eine Erinncrungsfeier an das grosse Jahr 1848 sein soll und welche durch Vorträge der„Ehar- lottenburger Liedertafel" sM. d. A.-S.-B.) verschönt werden wird, wird hoffentlich kein Genosse fern bleiben. Billetts ä 10 Pf. gelangen im heutigen Zahlabend zur Ausgabe. Ter Vorstand. Friedenau. Heute. Mittwoch, abends 9 Uhr, gemeinsamer Zahlabend bei Mechclke, Handjerystr. 58. In?lnbctracht der bevorstehenden Gemeindewahl ersuchen wir jeden Genossen, zu erscheineit. Der Vorstand. Lichtenberg. Sonnabend, den 19. März, findet im„Schwarzen Adler", Frankfurter Chaussee 5/6, das Stiftungsfest des Wahl- Vereins Bezirks Lichtenberg statt. Billetts sind bei sämtlichen Bezirks- und Gruppenführern zu haben. Zahlreichen Besuch der Genossinnen und Genossen erwartet Die Bezirksleitung. Tempclhos. Tie Genossen werden ersucht, wegen der am Mittwoch, den 16. d. M., stattfindenden Gemein dewahl zu dem heutigen Zahlabend sowie zu der am Donnerstag stattfindenden Klugblattvcrbreitung sich zahlreich einzufinden. FrederSdorf-Petershagen. Heute Mittwoch: Zahlabend bei Otto Giese in Petershagen. FranzSsssch-Buchholz. Morgen abend 8 Uhr Mitgliederver- sommlung des Wahlvercins bei Kähne. Erkner. Mittwoch, den 9. März: Mitgliederversammlung deS Wahlvereins. Tagesordnung: 1. Bericht der Lokalkommission. 2. Bericht des Wahlkomitces und Aufstellung der Kandidaten zur Gemeindevertretcrwahl. 3. Aufnahme neuer Mitglieder. 4. Vcr- schiedencS. RUderSdorf-Kalkbergr. Am Sonntag, den 13. März d. I., findet im Restaurant„Weiher Schwan". Jnh. Paul Hoffmann, Vogels- dorfer Straße 1, eine Volksversammlung statt. Tagesordnung: Junkerhah gegen Volksrechte. Die Wahlrcchtsvorlagc in Preußen. Referent: Ucko-Berlin. Diskussion. Berliner JNachricbten. Zu einet intimen Geburtstagsfeier: gestaltete sich die am Montag im 6. Kreise stattgefundene Be- zirksfuhrerkonfcrenz. Der geschäftliche Teil war schnell zu Ende geführt, da ausnahmsweise an diesem Abend Lust zur Diskussion nicht vorhanden war und eö begann ein geselliger Teil. Um dringliches Erscheinen zu dieser Konferenz, die von nahezu 4lX> Funktionären besucht war, war der Ab- geordnete des Kreises, Genosse Ledebour. gebeten �worden. Tiefer Einladung war er auch gefolgt. Als er den Saal bc- trat, ertönte von der Galerie das Lied:„Krönt den Tag!" Dann betrat der Vorsitzende des Wahlvereins, Genosse Hen- fchel, die Tribüne und hielt eine längere Ansprache, die dem Genossen und Waffenbruder, dein Abgeordneten des Kreises, Genossen Ledebour, galt, der an diesem Tage seinen 60. Geburtstag feierte. Wenn die Genossen des Kreises ihrem Abgeordneten ihre Glückwünsche darbrächten, so ge- schehe das nicht, um ihn persönlich zu beweihräuchern. Die Genossen wüßten, daß Ledebour ein Feind solcher Anhimmo- lung sei, wohl aber wünschen die Genossen, daß ihr Abgc- ordneter noch recht lange im Dienste des Proletariats und in treuer Kameradschaft mit den Genossen des Kreises kämpfen möge. Gerade die Genossen des 6. Kreises freuten sich, in Ledebour einen Vertreter gefunden zu haben, der furchtlos und unerschrocken seine Meinung sage ohne jedwede persön Ii che Rücksicht und der nicht hin- und herschwanke. Genosse Henschel entwickelte in großen Zügen ein Bild des Wirkens des Geburtstagskindes und schloß unter lautem Beifall der Genossen mit einem Hoch auf Ledebour. Der Gefeierte nahm dann selbst das Wort und dankte für die ihm zuteil gewordene Ehrung. Dann gab er in launiger Weise ein Bild seiner politischen Entwickelung zum besten, unter welchen Umständen er aufgewachsen und welche Ereignisse seinen politischen Entwickelungsgang bestimmt hätten. Er erklärte es für seine heiligste Pflicht, seine ganzen Kräfte in den Dienst des Proletariats zu stellen. Er habe bisher getan, was er tun zu können glaubte, oft habe er es noch besser machen wollen, aber immer gelänge das nicht. Jedenfalls wollten die Genossen sich versichert halten, daß er es immer ehrlich gemeint habe. Lauter Beifall lohnte diese Ausführungen. Dann trat der unterhaltende Teil in sein Recht. Die vereinigten Sänger des Wedding gaben einige Freiheitslieder zum besten, Konzertvorträge wechselten ab mit einigen Rezitationen und das Berliner Ulk-Trio sorgte durch Vorträge politisch-satirischer Natur dafür, daß der Humor zu seinem Rechte kam. Und als das Trio nun gar noch die Blamage des Polizeipräsidenten am verflossenen Wahlrechtssonntag und unseren Wahlrechtsspaziergang im Tiergarten besang, war die Stimmung eine recht gehobene geworden. So ging es bis gegen 12 Uhr, wo die schlichte und doch herzliche Geburtstagsfeier ihr Ende fand. Auch wir schließen uns den Gratulanten des KreiseS an und wünschen dem Genossen Ledebour, daß er noch recht lange die Kraft haben möge, unseren Gegnern manchen Tanz aufzuspielen._ lieber die Heldentaten der Polizei am Sonntag im Treptower Park gehen uns fortgesetzt Mitteilungen zu, in denen die SKreiber ihrer Entrüstung Luft machen. Alle 1 Schreiben gipfeln darin, daß die Polizei ohne jeden Anlaß in der unerhörtesten Weise auf die Massen mit blankem Säbel einge- hauen hat, geradezu sinnlos ist gewütet worden. Der Geist, von dem die Leute des Herrn v. Jagow erfüllt waren, kommt am deutlichsten zum Ausdruck, wenn wir die Ausdrücke registrieren, mit denen sie auf das Publikum losgingen:„Hund".„Plunder", „Lumpen",„Bande", das waren die Schnlcichelworte, mit denen Schutzleute zu Pferde und zu Fuss auf die Menschen einstürmten und cinhieben. Eö ist gar nicht möglich, alle die polizeilichen Ausschreitungen auch nur zu registrieren, bergehoch häuft sich das Material. Nichts- destoweniger ist es wünschenswert, von allen wichtigen Lorgäirgen am Sonntagvornrittag Rachrichten zu erhalten. Notiz nehmen wollen wir aber zur Beleuchtung der Jagowschen Anordnung, Frauen und Kinder zu schonen, von folgenden Zu- schriften: „Zwischen und V-4 Uhr nachmitiags wollte ich durch das Brandenburger Tor Unter die Linden gelangen, wurde aber von der Polizei zurückgewiesen. Unter anderem wollten aber auch zwei Herren mit zlvci Damen denselben Weg gehen. Diese wurden jedoch ebenfalls an ihrem Porhaben gehindert. Als wir und andere von der Polizei zurückgedrängt wurden, empörte sich eine von den Damen über das Vorgehen der Polizei und äusserte unter anderem: „Für was zahlen wir denn unsere vielen Steuern? Nicht einmal ungehindert laufen darf man, kein Mensch müßte mehr Steuern zahlen!" Verwundert rief nun die andere Dame:„Wo ist denn aber unser Herr Staatsanwalt geblieben, dem ist wohl gar ein Leid passiert?" Doch dieser Begleiter(der Herr Staatsanwalt) war nicht mehr zu sehen. Bei dem weiteren Gespräch der Be- treffenden stellte sich heraus, daß der sich wieder eingcfundene Herr ein Richter war. So unangenehm wie letzterem wohl das Vorkommnis sein mochte, er verhielt sich trotz der starken Empörung der einen Dame ziemlich gelassen." Ein anderer Fall:„Eine Dame, dem Anschein nach ebenfalls aus dem besseren Stande, die gleichfalls durch das von der Polizei stark beschützte Brandenburger Tor wollte, hatte auch die Rechnung ohne den Wirt gemacht: Die Dame wollte zur Ausstellung. Der Schutzmann fährt sie barsch an:„Hier ist kein Durchgang!" Die Dame:„Aber mein Herr, ich will tatsächlich in' die Ausstellung!" Der Schutzmann:„Ouatschen Sie nicht, das kann mir jeder vor- reden." Die Dame:„Ich kann mich doch aber legitimieren." Der Schutzmann:„Unsinn, hier dürfen Sic nicht durch!" Die Tau« zeigt nun die Einlasskarte zur Ausstellung, der Schutzmann reißt ihr dieselbe aus der Hand, rollt die Augen, liest sie ober- flächlich durch und nun konnte endlich die vor Schreck einmal rot und dann wieder blaß gewordene Dame das geheiligte Tor und die Linden passieren." Ein dritter Fall: Durch reitende Schutzleute wurden Demon, stranten und Spaziergänger vom Wege ckbgedrängt und bis auf den Rasen verfolgt. Eine Frau P. wurde von einem Schutzmann, dessen Nummer uns bekannt ist, betitelt?„Verfluchte Sau! Vcr- fluchte Hexe!" Das ist Schonung von Frauen nach dem Rezept de» Herrn v. Jagow.._ i Schwangere Frauen als Studienobjckte. Von rund 59 666 Eintbindungcn, die alljährlich in Berlin er- folgen, werden annähernd 6666 in Anstalten oder sonstwie ausser- halb des eigenen Heims vorgenommen. An diesen 6666 Eni bindungen sind beteiligt die Gebäraiestalt der Charitä und die Frauenklinik der Universität mit zusammen ctiva 4666; die übrigen 2666 verteilen sich auf andere öffentliche Krankenhäuser und private Kliniken, auf ein paar kleine Wöchnerinncnheime, und auch die in Hebannnenwohnungcn vorgenommenen Entbindungen(rund ein halbes Tausend im Jahr) sind hier mitgezählt. Jene 4666 Schwangeren, denen die genannten Anstalten der Uni v e r s i t ä t— auch die Charite ist ja nur als Hilfsanstalt der Universität zu betrachten— Aufnahme gewähren, werden nicht um ihrer selbst willen, sondern zu dem Zweck aufgenommen, sie als Studicrobjektc zu benutzen. Das ist in der Be völterung wenig bekannt oder wird von ihr nicht in voller Trag weite gewürdigt, und daher gibt es nicht selten sehr unangenchine Auftritte, wenn plötzlich eine Schwangere oder Wöchnerin sich dazu hergeben soll, von einer Schär junger Studenten sich beschauen und betasten zu lassen. Man tann der Meinung sein, daß die Scheu hiervor zu jenen Empfindungen gehört, die man zu überwinden suchen muß. Es läßt sich aber begreifen, daß vielen Mädchen und Frauen das nicht gelingt, und man darf es ihnen nicht übel nehmen, wenn sie lieber den genannten Anstalten von vornherein fernbleiben. Auch das kommt vor, daß eine Schwangere, die bereits aufgenommen worden ist, sich hinterher noch der Benutzung als Studienobjekt zu entziehen sucht. Eine Schwangere, die in der Un iv er sitäts- Frauen- klinik(Artillerie st raße) zu diesem Mittel griff, teilt uns mit, wie es kam, daß dann ihre Entbindung dort überhaupt nicht vorgenommen wurde. Ende Januar meldete sich ein Frl. K.. in der Frauenklinik zur Aufnahme in die Schwangerenabtcilung an. Sie wurde untersucht, hatte 1 M. Aufnahmegebühr zu entrichten und durfte wieder nach Hause gehen, doch gab man ihr die Weisung mit, in drei Tagen wiederzukommen. Das Wozu war ihr nicht sofort klar, aber das wußte sie, daß an eine Entbindung noch lange nicht zu denken war. Da wurde ihr von einer anderen Schwangeren auseinandergesetzt, was ihrer an dem verabredeten Tage harre. Sie selber sei, fügte die andere hinzu, an einem Tage von sieben verschiedenen Personen hintereinander untersucht worden. Wir sind nicht in der Lage, zu prüfen, ob das richtig war. doch auf die Zahl kommt es hier ja auch nicht an. Genug, daß auf diese Mitteilung hin Frl. K. beschloß, sich an dem festgesetzten Tage nicht in der Frauenklinik einzufinden und einstweilen überhaupt nicht wieder dorthin zu gehen. Erst nach vollen fünf Wochen. Ende Februar, als sie ihre Entbindung heran- nahen fühlte, suchte sie in Begleitung einer Tante die Klinik auf, und zwar mitten in der Nacht, weil Eile not zu tun schien. Wieder wurde sie untersucht, dann sagte man ihr, sie sei doch wohl erst im siebenten Monat der Schwangerschaft, mindestens sei noch leine Entbindung zu erwarten, sie möge nur wieder nach Hause gehen. Sie selber fühlte, daß ihre Stunde nahe sei, aber die Hebamme glaubte, es besser zu wissen und schickte die Schwangere wieder nach Hause. Wenige Stunden später, morgens um 7 Uhr, kehrte Irl. K., diesmal in Begleitung der Mutter, nach der Klinik zurück, bat dringend um Ausnahme, wurde wieder untersucht und wurde nun- mehr dabehalten. Mantel und Tuch gab sie der Mutter mit nach Hause, dann wurde sie gebadet und in Anstaltöklcidung gesteckt. Am Vormittag sagte ihr eine Hebamme:„Sie sind doch schon mal herbestellt gewesen! Hätte ich gewußt, daß Sie damals nichtgckommen waren, dann hätte ich Sie nicht aufgenommen." Später wurden dem Frl. K. von einer anderen Angestellten, die ihr als Oberhebamme galt, aus demselben Grunde Vorwürfe ge- macht, und schliesslich wurde ihr gesagt:„Ziehen Sie sich an, Sic 'können wieder gehen, Sie können nach der Charite fahren." Man brachte ihr, was sie an Kleidern dabehalten hatte—, Mantel und Tuch waren, wie gesagt, von der Mutter mitgeimmmen worden— und nach Aushändigung der Aufnahmegebühr wurde sie entlassen. Von der Artilleriestrasse ging Frl. K. bis zur Gcorgenstrahe, um selber eine Droschke zu suchen und von dort nach der Charite zu fahre». Das war mittags etwa um 12 Uhr — und am Abend desselben Tages erfolgte in der Charitö die Entbindung. So stellt Frl. K. den Hergang dar, so ist es von ihr ihren An- gehörigen mitgeteilt worden, und so hat sie ihn auch uns vorgc- tragen. Frl. K/s Ansicht über den Grund der Entlassung wird geteilt von den Angehörigen. Nach dem Grund fragten die Mutter und die Tante noch an demselben Tage in der Frauenklinik, und sie bekamen eine Antwort, die sie so verstanden:„Weil sie da» mals nicht wiedergekommen i st." Diese Antwort sowie die Begleitumstände der Entlassung erscheinen uns so bcfremd- lich, daß wir eine Ausklärung für dringend wünschenswert halten. Kann eine unserer Leserinnen uns Mitteilungen machen, die diesem Zweck dienen würden? Ter Berein für Kindcr-Bolksküchcn hielt dieser Tage im Rat- hause seine diesjährige Generalversammlung ab. Der Verein, welcher im Jahre 1893 gegründet ist, blickt auf eine 17 jährige Tätigkeit zurück, und hat während dieser Zeit 16 125 562 Portionen Mittagessen an bedürftige Kinder verteilt. Das Berichtsjahr um- faßt die Zeit vom 1. Oktober 1968 bis 1. Oktober 1969.„Während dieser Zeit wurden an bedürftige Schulkinder und nichtschulpstich- tige Kinder 2 l 94 293 Portionen verabreicht. Der Berein unter- hielt 17 zumeist in der Peripherie gelegene Anstalten, in denen die Speisen zubereitet Ivurden. An Schulkinder, welche von den Rektoren der Berliner Gemeindcschulcn den Anstalten überwiesen, wurden 1 566 999 Portionen Mittagessen gowährt. Die Subvention der Stadt Berlin betrug 116136,45 Mk. Außerdem hat der Verein an nichtschulpflichtige Kinder, welche demselben von der Auskunfts- und Fürsorgcstclle für Lungenkranke, den städtischen Säuglings- Fürsorgestellen und anderen Wohltätigkeitsvcreinen überwiesen, 411323 Portionen verteilt. Der Verein hat seine Bestrebungen dadurch erweitert, daß derselbe denjenigen Kindern, welche durch ungünstge häusliche Verhältnisse im elterlichen Hause unbeaufsichtigt bleiben, in seinen Anstalten in den Nachmittagsstunden unter Aus- ficht von Kindergärtnerinnen bei Anfertigung der Schularbeiten aushilft, auch erhalten dieselben Handarbeitsunterricht und werden auch im Kochen unterwiesen. Großfcuer i« einem Lumpenspcicher. Ein umfangreicher Brand, der die Berliner Feuerwehr standenlang beschäftigte, kam gestern nachmittag kurz nach 3 Uhr in der Prinzenallec 28, im Norden Berlins, zum Ausbruch. Auf dem Grundstück, das dicht an der Biesenihalcr Straße liegt, befindet sich auf dem zweiten Hofe in einem cineinhalbstöckigcn Gebäude die Lumpenstampfe von Cäsar Alexander. Der Brandherd lag im Obergeschoß, wo große Vorräte von Lumpen, Filz-, Leder- und Baumwollabfällen auf- gestapelt lvaren. Vermutlich ist das Feuer durch Unachtsamkeit einiger Frauen verursacht worden. Als die Gefahr bemerkt wurde. drang schon aus allen Ecken des Daches dichter Rauch. Auf mehr- fachen Alarm eilten drei Löschzüge der Feuerwehr herbei. Nach wenigen Minuten waren sechs Schlauchleitungen in Tätigkeit, und sowohl von der Prinzenallce aus. wie auch von einem Nachbar- Hause der Biesenihalcr Straße gingen die Rohrführer gegen das Feuer vor. Um eine Wciterverbreitung der Flamuien nach dem Untergeschoß zu verhüten, ließ Brandmeister Hammer die im Par- terre lagernden Lumpen- und Filzvorrätc von den Mannschaften schleunigst ausräumen, eine Arbeit, die viel Mühe kostete, aber unbedingt nötig war, da der Fußboden und die Balkenlage bereits an einigen Stellen durchgebrannt war. Gegen 5 Uhr konnte die Hauptgefahr als beseitigt gelten. DaL Lager im Obergeschoß ist fast völlig vernichtet worden. Die vollständige Ablöschung und die Aufräumungsarbeiten zogen sich bis in die späten Abendstunden hinein, da die glimmenden Ballen einzeln mühsam abgelöscht werden mußten. Unfälle waren nicht zu verzeichnen. Ein entsetzlicher Unglücksfall hat sich gestern nachmittag in der Wilhelmstraße zugetragen. Auf dem Grundstück Wilhelmstr. 13 wird gegenwärtig ein teilweiscr Umbau vorgenommen. Auf dem Hinteren Gelände wird ein Neubau errichtet, der bis zur fünften Etage gediehen ist. Gestern wollte der Bauarbeiter Franz Körting. der mit Auftäumungsarbeiten beschäftigt war, cinje belade ne Lowry aus den Lastenfahrstuhl schieben, übersah aber, daß der Förderkorb hinuntergegangen war und stürzte mit der Lowry in die Tiefe. Körting blieb besinnungslos liegen. Auf Veranlassung eines hinzugerufenen Arztes wurde der Schwerverletzte nach dein Krankenhaus am Urban gebracht, wo er hoffnungslos daniederliegt. Opfer der Straße. Ein bedauerlicher Unglücksfall, bei dem ein Kind den Tod fand, ereignete sich am Dienstagnachinittoa gegen %5 Uhr in der Frankfurter Allee in der Nähe des RingbahnhoseS. Dort versuchte der neunjährige Sohn Hellmuth der in der Frank- furter Allee 189 wohnhaften Witwe Böttcher vor einem in der Richtung nach der Hubertusstraße fahrenden Straßenbahnwagen der Lime 78 über das Gleis zu laufen. Der Knabe wurde jedoch von dem Vorderperron des Bahnwagens erfaßt, zu Boden gerissen und geriet unter den Sebnhrahmcn. Die Feuerwehr wurde alar- miert und von ihr der Waggon hochgehoben, doch konnte der Ver° unglückte nur noch tot hervorgezogen werden. Dem Kleinen war der Brustkasten vllständig eingedrückt worden. Die Berzwciflungstat eines Wohnungs- und Arbeitslosen rief gestern an der Oberbaumbrücke großes Aufsehen hervor. Der Lebensmüde stürzte sich von der hochgelegenen Brücke in die Fluten der Spree hinab und verschwand in der Tiefe. Sofort wurde ein Rcttungskahn flott gemacht, und als man den Selbstmörder, der inzwischen wieder an die Oberfläche gekommen war, erreicht hatte, sträubte er sich gegen seine Rettung. Mit Gewalt mußte er in den Kahn hineingezogen werden. Er wurde nach dem Krankenhaus Bethanien gebracht und als der arbeitslose Vergvlder Johannes Lehmke festgestellt. Wer«mr am letzten Wahlrechtssonntag Zeuge des Vorganges, bei dem etwa um"'tS Uhr nahe dem Ringbahnhof Treptow in der Elsenjtraße eine Frau niedergeritten wurde? Wir haben darüber in unserer Dlenstagsiiummer berichtet. Es handelt sich um jene Frau, die zu einem Begräbnis nach dem Treptower Friedhof hatte gehen wollen. Gegen sie kann doch gewiß nicht der Satz geltend gemacht werden, daß auch der Neugierig« die Säbelhiebe und Huf» tritte hinnehmen müsse, die die Junkerpresse den WahlrechtSdemon- stranten gönnt. Die Frau wurde erheblich verletzt, und eine zehnjährige Tochter, die in ihrer Begleitung war, entging mit knapper Not dem Schicksal, gleichfalls unter die Hufe der Pferde zu ge- langen. Uns ist die Adresse der Frau mitgeteilt worden und zu- gleich hat man uns gesagt, t�lh sie Schadenersatz fordere oder ein- klagen werde Wir haben uns bereit erklärt, für sie die Adressen von Zeugen entgegenzunehmen. Im besonderen sollten sich jene beiden Männer melden, die ihr und ihrer Tochter beigestanden haben. Arbeiter-Bildungsschule. Der Unterricht in Gesetzes- künde beginnt heute abend um 8 Uhr. Die Teilnehmer wollen dies beachten und pünktlich'erscheinen, damit sie ihren Zahl- obend noch besuchen können. Gesperrt ist die Lynarstraße von der Tegeler Stratze bis zum Nordufer. Bei dem Wahlrechtsspaziergang am vergangenen Sonntag ist in Treptow ein Damenschirm gefunden worden. Abzuholen in der Parteispedition Treptow, Kiefholzstr. 412, Laden. Vorort- JVachncbtcn. Die Gemeindewahlbetvegung. Ober-Schöneweide. Die Ergänzungswahlen zur Gemeinde- Vertretung für die dritte Klasse finden am Donnerstag, 10. März, nachmittags von 4—7 Uhr statt. Für den ersten Wahlbezirk: um- fassend die Tnbbert-, Siemens-, Nalcpa-, Watt-, Deul-, Westend-, HelniHoltz-, Edison« und Röd ernstratze, ist das Wahllokal die Turn» Halle in der Wattstratze. Für diesen Bezirk ist ein Nichtangesessener zu wählen. Kandidat ist der Genosse Gustav M u t h. Für den zweiten Wahlbezirl, umfassend die Wilhelminenhos-, rischen-. Laufener-, Marien-, Klara-, Mathilden-, Luisen-, athenaustratze und den gesamten Ortsteil Ostend ist das Wahl- lokal die Turnhalle in der Frischenstratze. Für diesen Bezirk ist ein Hausbesitzer zu wählen. Kandidat'ist hier der Genosse Otto Imberg. Es ist Pflicht unserer Genossen, sich nicht nur vollzählig an der Wahl, sondern auch an der Wahlarbeit recht rege zu beteiligen. Heute Mittwochabend 7 Uhr findet eine Flugblaltverbreitung Von den Bezirkslokalen aus statt. Jeder tue seine Schuldigkeit. Fredersdorf. Die Gemeindevertreterwahlen finden am Freitag, den 11. März, im Lokal von A. H ö r n i ck e statt, und zwar wählt die dritte Klasse von 2— 4'/, Uhr; die zweite Klasse von ö bis S�/« Uhr und die erste Klasse von 6— fst/z Uhr, Kandidaten der Sozialdemokratie sind in der dritten Klasse: Adolf Euen, Tapezierer! in der zweiten Klasse: Albert Monzel, Töpfer; in der ersten Klasse: Herm. Locke, Tischler,— Wählerl Fehle keiner von Euchl Zeigt, daß Ihr nicht gewillt seid, von Industriellen und vom Gut Euch länger bevormunden zu lassen und wählt obige Kandidaten. Pankow. Eine Woche nur noch trennt uns von den Gr- meindewahlen. Am Ig, und 17. März soll über die Besetzung der vier in der dritte» Wählerabteilung erledigren Sitze in der Ge- meindevcrtretung entschieden werden. Unsere Kandidaten für die Ergänzungswahlen am 16. März find im ersten Bezirk Genosse Johann Hirschmeier, im zweiten Bezirk Genosse Wilhelm Kubig. Für die am darauffolgenden Tage, den 17. März, stattfindeuden Ersatzwahlen kandidieren im ersten Bezirk Genosse Karl Winkler, im zweiten Genosse W i l h e l m B r a l l. An den Genossen ist es nun, die kurze Spanne eil voll auszunutzen und durch rührige Agitation für unsere andidaten wie durch fleitzige Beteiligimg an allen Wahlarbeiten da- für Sorge zu tragen, datz wir dem Reichsverbande und seinen Auf- traggebern, dem bürgerlichen Mischmasch, ein stegreiches Treffen liefern._ Wahlergebnisse. Steglitz. Stichwahl in beiden Bezirlr», das ist. wie schon gestern kurz gemeldet. daS Resultat der Gemeindewahlen vom letzten Montag. Im 1. Bezirk fehlten uns zur absoluten Mehrheit nur 28 Stimmen, während wir im 2. Bezirk, wo wir vor zwei Jahren nicht einmal in die Stichwahl kamen, an die zweite Stelle gerückt sind. Nachstehende vergleichende Zahlen zeigen, daß «s auch bei uns vorwärts geht. 1. Bezirk. 1910 1908 Sozialdemokraten. 899 76-1 Mierervcrein... 760 583 Hausbesitzer... 138 214 2. Bezirk. Sozialdemokraten". 582 868 Mieterverein,,. 625 526 Hausbesitzer... 149 429 Der anscheinend rapide Stimmenrückgang der Haus- besitz er erklärt sich sehr einfach aus der Tntsache, datz der Kommunalverein früher mit den Hausbesitzern zusammen- ging, während dieses Zwittergeschöpf diesmal die Mieter» k a, d i d a t e n unterstützte. als desien weitere Hilfstruppe auch noch der neue HauSbesitzerverein aufmarschierte. Berücksichtigt man diese Veränderungen, bann kann nur bei der Sozialdemo» k r a t i e von einem Stimmenzuwachs gesprochen werden. Noch eine Stichwahl. In der gestrigen Gemeindevertreter. Ersatzwahl wurden 1792 Stimmen abgegeben. Davon entfielen auf den Kandidaten der Sozialdeurokratie 884, den des Mietervereins 696, den der Hausbesitzer 265 Stimmen. 7 Stimmen waren zersplittert. Es hat demnach Stichwahl statt- zufinden zwischen dem Kandidaten der Sozialdemolratie und dem des Mietervereins. Lankwitz. Bei der Gemeinbcvertreterwahl am Dienstag gaben von 1492 eingeschriebenen Wählern 678 ihre Stimme ab. Davon entfielen 317 auf den sozialdemokratischen Kandidaten Genossen Ott- Franke, 239 auf den Konservativen H i l d e b r a n d t und 120 auf den B ü r g e r v e r e i n l e r Photographen Camp- Hausen. Es hat mithin Stichwahl stattzufinden zwischen unserem Genossen Franke und dem Konservativen Hildebrandt. BoLhagen-Rummelsburg. Bei der gestrigen Gemcindcvertreter- Wahl der dritten Wählerklasse wurden die Kandidaten der Sozial- demokratie, da Gegenkandidaten nicht aufgestellt waren, einstimmig gewählt. Genosse Ritter erhielt im ersten Bezirk 433 Stimmen. Genosse Günther im vierten Bezirk 413 Stimmen. Im fünften Bezirk erhielt Genosse John 373 Stimmen und im siebenten Bezirk Genosse Stephan 383 Stimmen. Die Beteiligung betrug durchschnittlich 35 Proz. der eingeschriebenen Wähler. Klein-Schönebeck-Fichtenau. In der gestrigen Gemeindevertreter» Wahl siegte der sozialdemokratische Kandidat Genosse Ernst Klockow mit 92 Stimmen über den Kandidaten der Grundstücksspekulanten- gruppe, der 80 Stimmen erhielt. Riedcrlehme. Bei der am Montag stattgefundenen Gemeinde- vertreterwahi siegte unser Kandidat der dritten Klasse Genosse Gustav Koch mit 117 Stimmen gegen 4 Stimmen der Gegenparteien. Ein klarer Beweis, datz auch unter den Kleinbauern der Gedanke Platz gegriffen hat, datz nur allein die Sozialdemokratie im Gemeinde- Parlament für sie ehrlich und kraftvoll eintritt. Die Niederlehmer Einwohnerschaft hat den Beweis erbracht, datz Einigkeit und Geschlossenheit zum Ziele führt! Hoffen wir, datz die Einwohnerschaft der beiden Nachbarorte Königs- Wusterhausen und Wildau, deren Gemeindevertretrrwahlen auch noch in diesem Monat stattfinden, das gleiche Resultat verzeichnen-können. Französisch- Buchholz. Bei der gestrigen Gemeindevertreterwahl siegte der sozialdemokratische Kandidat Albert Neumann mit III gegen 80 bürgerliche Stimmen. Dieser günstige Ausgang der Wahl ist um so beachtenswerter, als die ungünstige Wahlzeit von 2 bis 5 Uhr nachmittags der Arbeiterschaft besondere Opfer kostet. Mühlenbcck. Bei der Gemeindevertretcrwahl am 5. März sind unsere Kandidaten den Bürgerlichen unterlegen, Sie erhielten 67, die Gegner 80 Stimmen. Das Resultat erscheint erklärlich, wenn man bedenkt, datz die ungünstige Festsetzung der Wahlzeit snach- mittags von 2—4 Uhr) eS einer Anzahl Arbeiterwähler unmöglich machte, ihr Wahlrecht auszuüben. Dennoch haben wir eine Zunahme von 13 Stimmen gegenüber der Wahl von vor zwei Jahren zu ver- zeichnen. Im übrigen wollen wir nicht unerwähnt lassen, datz die Bürgerlichen in den Lehrern und Briefträgern wieder eifrige Wahl- schlepper fanden. Schönederg. Die Stadtverordnetenversammlung setzte in ihrer letzten Sitzung die zweite Beratung der Etats fort. Beim Etat der allgemeinen Verwaltung wurde ein Antrag des Aus- schusses, 10 090 M. für Kunstzwecke einzusetzen, abgelehnt. Dann wurde der Magistrat beauftragt, Untersuchungen anzustellen, ob und in welcher Weise sich eine Besserung bei oer Aufnahme der Stadt- verordnetenverhandlungen und event. eine Drucklegung derselben herbeiführen läßt. Zustimmung fand auch eine Resolutwn, wonach den städtischen Arbeitern Familienzulagen bereits bei einem Hans- stand von drei Kindern gewährt werden sollen. Anspruch auf An- gehörigenunterstützung haben alle diejenigen Arbeiter, die ver- pflichtet sind, Anverwandte sowie Kinder bis zum 14. Lebens- jähre zu verpflegen und zu beköstigen. Längere Auseinander- � fetzungen brachte der Antrag des Ausschusses, eine weitere Stelle eines besoldeten Stadtrates unter gleichzeitiger Auf- Hebung der bestehenden Stelle des Stadtarztes mit der Matzgabe zu schaffen, datz für die Wahl in diese Stelle der gegenwärtige Stadtarzt Dr. Rabnow in Aussicht genommen wird. Dieser An- trag des Ausschusses gab einigen Herren der rechten Seite in der Versammlung Veranlassung, ihrem Unmut gegen die Aufwendungen zur Bekämpfung der Tuberkulose Luft zu machen; sie wandten sich gegen den Antrag. Stadtv. Küter lietz den Herren eine derbe Abfertigung zuteil werden. Seiner Meinung nach handelt es sich nur um eine Hetze gegen die Person des Leiters der Wohl- fahrtseinrichtungen, der den Herren von der Rechten durch sein fortgesetztes Drängen zum weiteren Ausbau der Wohlfahrtseinrich- tungen unsympathisch geworden ist. Der Antrag wurde darauf mit großer Mehrheit angenommen. Ohne Debatte erledigt wurden der Etat für das höhere Schulwesen und für das FortbildungSschulwesen. Bei letzterem kam eine Resolution zur Annahme, worin der Magistrat ersucht wird, Mittel für die Ausdehnung der Pflichtfortbildungs- schule auf ungelernte Arbeiter im Etat für 191 l vorzusehen. Beim EtatderVoltS schulen nahm die s o z i a l d e m o- k r a t i s ch e Fraktion den im Etatsausschutz abgelehnten Antrag auf Einführung der Unentgeltlichleit der Lehr- und Lernmittel wieder auf. Stadtv. Magna» lSoz.) führte in seiner Begründung des An- träges aus. datz derselbe ein alter Bekannter sei. Während im Jahre 1907 außer der sozialdemokratischen Fraktion nur noch wenige Stadtverordnete für den Antrag stimmten, fehlten im Jahre 1903 zur Annahme desselben nur 4 Stimmen, er wurde damals mit 31 gegen 23 Stimmen abgelehnt. Es sei demnach zu boffen, datz der Antrag nunmehr angenommen werde. Die Durchführung der Unentgeltlichkeit der Lehr- und Lernmittel sei vielfach erprobt und habe gute Resultate gezeitigt. Die Unentgeltlichfeit wirke erzieherisch auf die Kinder und werde auch von pädagogischer Seite empfohlen. Die Lieferung der Lernmittel sei die notwendige Kon- sequenz von der Einführung des Schulzwangcs. Für kinderreiche Familien bedeute die Anschaffung der nötigen Bücher eine große Last. Die jetzige beschränkte Lieferung unentgeltlicher Lernmittel genüge keineswegs, sie komm? einer Armenunterstützung gleich. Redner wandte sich sodann besonders an die Mitglieder der liberalen Fraktion, die, ihrer bisherigen Stellungnahme entsprechend, ver- pflichtet seien, für den sozialdemokratischen Antrag zu stimmen. Stadtv. Starke slib. Frakt.) erklärte, datz seine Fraltions- kollegen dem Antrage sympathisch gegenüberstehen und ihn auch als Endziel in dieser Beziehung betrachten. Die Sache lasse sich jedoch nicht überS Knie brechen. Seine Fraktion könne dem sozialdemo- kratischen Antrage noch nicht zustimmen, sondern sie würde für den Antrag des Ausschusses eintreten, der die Unentaelllichteit nur für.die drei oberen Klassen eingeführt wissen will. Ehe man weiter- baue, mühten erst Erfahrungen gesammelt werden. Stadtv. Magna»(Soz.) bedauerte den Standpunkt der Libe- ralen Fraktion, die vor zwei Jahren geschlossen dem sozialdemokra- tischen Antrage zugestimmt hatte. Die Liberale Fraktion habe sich also jetzt schon nach rückwärts revidiert. Erfahrungen üjber die Un- entgeltlichkeit der Lernmittel lägen bereits in reichlichem Mahe vor, die brauchen nicht erst abgewartet zu werden. Wenn man in Bc- tracht zieht, datz die Stadt Schöneberg für jeden Schüler der höheren Schulen 227,69 M. im Jahre ausgibt, für jeden Mittelschüler 161 Mark und für jeden Voltsschüler nur 139 M., so sei es einfach unver- ständlich, wie man die Forderung der Unentgeltlichkeit der Lern- mittel in den Volksschulen ablehnen könne. Stadtv. Zobel(Lib. Frakt.) suchte den Standpunkt seiner Fraktion zu rechtfertigen. Datz die höheren Schüler in Schöneberg mehr bevorzugt würden, liege in der Natur der Sache. Den höheren Schulen werde eine grötzere Aufmerk- samkeit gewidmet, weil die Stadtverordneten ihre Kinder dorthin schickten. Die höher«, Schulen bringen uns, so betonte Herr Zobel, auch ein stellerkräftiges Publikum. Nach abermaligen Ausführungen des Stadtv. M a g» a n(Soz.) wurde der sozialdemokratische Antrag dann in namentlicher Ab- ftimmung abgelehnt. Dafür stimmte außer der sozialdemo- kratischen Fraktion nur der Stadtverordnetcnvorsteher. Auge- nomine» wurde der Antrag des Etatsausschusses, wonach den Schülern der drei oberen Klassen der Volksschulen die Lernmittel unentgeltlich geliefert werden sollen. Stadtv. B ä u m l e r(Soz.) wandte sich sodann gegen die Ge- Währung eines PauschquantumS an die Schuldiener für die Reini- gung der Schulräume. Er verlangte, datz der alte Zustand bei- behalten wird, wonach die Stadt selbst über die Anstellung und Entlöhnung der Reinemachefrauen zu bestimmen hat. Die Mehr- heit schloß sich jedoch dieser Ansicht nicht an. Eine Anfrage des Stadtverordneten Küter(Sog.), wie sich der Magistrat zu der geplanten Einführung einer dritte» Turn- stunde und Streichung einer Stunde in„Deutsch" stelle, beant- wartete der Bürgermeister Blanken st ein dahin, datz die Re- gierung ein derartiges Ansinnen an die Schuldeputation noch nicht gestellt habe. Die Anstellung von zwei weiteren Lehrern für die Fortbildungs, schule wurde genehmigt. Rixdorf.. Ein Unglücksfall ereignete sich gestern nachmittag 4 Uhr in der Kaiser-Friedrich-Stiatze, Ecke der Erksiratze. Ein Sirotzenbahnwagcn der Linie 27, der die Kaiser-Frirdrich-Strotze entlang fuhr, wollte an der Ecke der Erlstratze anhalten 8118 kurz vorher ein Arbeiter im Aller von 26—39 Jahre» absprang, geriet derselbe mit de», rechten Fuß unter den Wagen. Nachdem der Verletzte ans seiner Lage befreit worden war, wurde er miitels Krankenwagen nach« der Ulisallstation in der Sleinmetzstratze gebracht. Sonntag, de» 13. Mär.?, nachmittags 2','z Uhr. gelangt im Rixdorfer Srnduheater, Bergsir. 147,.Johamüsseiltr" von Snder- mann zur Ausführung.— Eintritt 60 Pf. inkl. Garderobe.— Montag, den 21. März: Humoristischer Mai cell S alz er- Abend. Eintritt 50 Pf. inkl. Garderobe. Billetts sind auf dem heute stattfindenden Zahlabend zu eutiiehmen. Ferner findet am 28. März<2. Osterfeierivg), nachmittags 3 Uhr, für unsere Jugend ein Lichtbildervortrag statt. Thema:„Die Reise um die Erde". Eintritt 19 Pf. Die erste Vorslellung„Das Tal des Lebens" von Max Dreher ist am 19. April festgelegt. Der BildungsauSschuß. Ober-Schöneweide. Gcmeiiidcvcrtretcrsitznng. Verschiedene SpezialetatS des die?- jährigen W i r t s ch a f r S p l a n e s fanden, nachdem dieselben schon durch die Etalskominiisiou vorberateu waren, ihre schuelle Erledigung. Als Vorsitzender für das demnächst seine Täligkeit beginnende Gewerbegerichi wurde der Gemeindevorsteher gewählt, und zwar au Stelle des für diesen Posten vorgesehenen besoldeten Schössen, desien Stelle bisher noch nicht besetzt ist. Ein 16 Morgen großes Grundstück soll vom Forslfiskus zum Preise von 12,50 M. pro Quadralmelcr angetanst werde», um, da es vor dem Krankeuhause liegt, für spätere Erweueruiigeu des letzteren freie Hand zu haben. Ein Pacht- augcbot für das der Gemeinde gehörende Grundstück, welches zur- zeit fast den einzigen freien Zilgang am Spreeufer bildet, wird um deswegen ausgeicklagen. weil zu erwarten steht, datz dadurch die Benutzimg des Spreeufers durch das Publikum illuionich würde, indem dort ein Gewerbebetrieb errichtet wird. Es wird die Ver- Pachtung an den Gastwirt Schneider beschlossen mit der Matz- gäbe, datz der Zuirirt niemand verwehrt werden darf. Der Ausschank vou alkoholfreien Getränken darf dort statt- finden. In der Angelegenheit des �Feuerlöschwesens wurde das Angebot der Neuen Autoinobil-Gesellschast an- genommen, der Gemeinde gegen äutzerst günstige Zahlungsbedin» gungen einen Autoinobillöschzug herzustellen; es soll ei» Kosten» anichlag vorgelegt werden. Die vorgesehene Weckeinrichtung für in der Nähe des Depots wohnende Feuerwehrleute wurde auf Antrag des Genossen Grunow aus den, Etat gestrichen, da der Preis von zirka 4990 M. für ein solches Provisorium viel zu hoch sei. Ein Teil des neuerworbenen Grundstücks in Größe von 4999 Quadrat- meiern soll an die Benzingesellichast zum jährlichen Preis von 99 Pf. sllr das Onadratmeter verpachtet werden. Lichtenberg. Die Schmlkkonzcssioussteuer bringt der Magistrat von neuem in Vorschlag, auch die Erhöhung der Hundesteuer ist wieder Gegenstand einer Vorlage. Beide Steuerarten sind erst gelegentlich der Etat- beratung des Vorjahres von der Stadtverordnetenversammlung ab- gelehnt. Der Erhöhung des Preises für KochgaS soll nun auch die Erhöhung des Preises flir eleltrische Kraft folgen. Der Magistrat rechnet mit Annahme der Vorlage so sicher, datz die erhöhten Ein- nahmen bereits im Etat berücksichtigt sind. Auch die Besitzenden sollen an der Allgemeinerhöhung in etwas beteiligt sein. Die Bei- träge zu den Lasten der höheren Schulen sollen ihnen durch ein erhöhtes Schulgeld der Gemeinde verringert werden. Die öffentliche Sitzung der Stadtverordneten am Donnerstag, abends 6 Uhr, wird sich mit diesen BeratungSgcgenständen noch vor der Etatberaiung beschäftigen. Der Etat selbst befindet sich noch nicht in den Händen der Stadtverordneten. Tempelhos. Eine über die baupolizeilichen Borschriften hinausgehende Ausbreitung nimmt der in der Manteuffelstratze, Ecke Bosestratze, er- richtete Bauzaun an. Hier begnügt sich der Bauausführende nicht nur mit dem Bürgcrsteig, sondern benutzt auch noch den sogenannten Reitweg. Der Bauzaun ist autzer einem Verkehrshindernis bei Dunkelheit auch eine Gefahr für die Passanten. Sache der öffent- lichen Sicherheitsorgane ist es. auf die Beseitigung dieser zuweilen auch bei anderen Bauten anzutreffenden Mißstände hinzuwirlen. Nieder-Schöneweide. Durch giftige Gase getötet wurden Montag früh 7 Uhr in der chemischen Fabrik von Kunheim die Arbeiter Ernst Schneider und Fritz Schmidt aus Baumschulemveg. Schneider erhielt den Auftrag, die Zuflußrohre einer Grube, welche mit Wasser und Chemikalien zum Teil gefüllt war, zu reinigen. Nach kurzer Arbeit verlor er die Besinnung, konnte aber noch seinen Arbeits- tameraden Schmidt, dem die Bedienung einer Maschine, welche die Schwcmmvorrichtung in Bewegung hält, oblag, rufen. Schmidt stieg eiligst die Leiter hinab und suchte den bereits leblos im Wasser Liegenden herauszuschaffen. Durch die aus der Grube aussteigenden Wasserschwefelgase verlor auch er die Besinnung und fiel mit Schneider in die Grube zurück. Hinzueilende Arbeiter und Meister holten beide in leblosem Zustande herauf. Der im Betriebe tätige Heilgehilfe holte den Sauerstoffapparat herbei. was jedoch einige Zeit dauerte, weil der Schlüssel zu dem betreffen- den Spinde nicht zu finden war; er stellte alsdann Wiederbeledungs- versuche an. Leider erfolglos. Die Schuld an diesen tiefbeklagenSwerten Todesfällen schreiben die Arbeiter den unzulänglichen Schutzmatzregetn für die Arbeiter zu. Schon vor 14 Tagen sollen Arbeiter den Oberingcnieur auf die Todesgefahr beim Arbeiten in dieser Grube aufmerksam ge« macht haben. Leider vergeblich. Groh-Lichterfelde. Um der hiesigen Arteiterschaft Gelegenheit zu geben, mehr in die soziale Gesetzgebung einzudringen, veranstaltet das Gewerkschafis- tartell am Frciiag. den 11. d. Mts., bei Wahrendors. Bäkestratze 22, einen diesbezügliche» Vortragsabend, Referent ist Genosse Link. Besonders ist der Vortrag für die Delegierten der Ortstrankenkasie sowie alle sonstigen Funktiouäre des Wahlvereins und der Gewerk- sibaften bestimmt. Aber auch der übrigen Arbeiterschaft ist Gelegen- heit gegeben, zu erscheinen. Weihensee. Eine Anrempelung gegen den Genosse» Taubmann glaubte sich daS„Weitzenseer Tageblatt" erlauben zu dürfe». Genanntes Blatt hatte gegen den Gemeindevorstand den Vorwurf erhoben, datz für das Jahr 1997 noch keine Rechnung gelegt worden sei; in einer Wahlversammlung des Mietervereins wurde dieser Vorwurf gegen die Gemeindeverwaltinig ins Feld gesührt. Der als Gast anwesende Genosse Taubmann stellie u. a. fest, datz die Rechnungslegung für 1997 schon vor Monaten erfolgt und der Bericht des„W, T." falsch sei. Hierauf fordert in einem längeren Artikel das Blatt Taubmann auf, den Wahrheitsbeweis anzutreten. Anstatt datz sich das„W. T." von den ih», nahestehenden bürgerlichen Vertretern Aufschlutz geben läßt, bleibt es bei seiner Behaupning. Die bestrittene Rechnungs- legmig hat indessen schon am 13. August 1999 vorgelegen, und eS ist auch dem Gcmcindevorstande einstimmig Entlastung erteilt worden. Wenn auch das genaimtc Blatt erst am 1. November 1999 seine Spalten geöffnet hat. müßte es doch so gewissenhaft sein, nicht etwas zu behaupten, wovon eS aus eigenem nichts weiß. Vermischtes. Ein Scnsntionsprozksi in Venedig. AuS Rom wird uns gemeldet: Durch einen für Italien recht unglücklichen Zufall hat die Frau Tarncwsky gerade Venedig zum Schauplatz eines Verbrechens gewählt, das sie langer Hand in Rußland, Oesterreich und Frank- reich vorbereitet hatte. Deixt Prozeß, der am 4. d. M. vor den Assisen von Venedig begonnen hat, liegen, der Anklage zufolge, die nachstehenden Ereignisse zugrunde. Die TarnowSky stammt aus adeliger russischer Familie uud heiratete im?lltcr von 18 Jahren gegen den Willen ihrer Eltern ihren jetzigen Mann. Ihre Verschwendungssucht und geschlechtliche Ausschweifung machten viele Ehe zu einer lehr unglücklichen, Die Perlon war imstande, mehr oder weniger 4-186 + 173 — 26 4-164 + 99 — 280 an einem Abend 600 Rubel für ein Abendessen auszugeben und soll in zwei Jahren 30 000 Rubel für ihre Toiletten verbraucht haben. Ihrem Riann war sie beständig untreu und trieb mehrere ihrer Liebhaber in den Tod. Schliesslich hetzte sie auch ihren Mann gegen einen auf, augenscheinlich nur zu dem Zweck, den Mann durch den Totschlag ins Gefängnis zu bringen. Das gelang ihr auch, und während des Prozesses lernte sie einen vielbeschäftigten Rechtsanwalt in Moskau kennen, einen gewissen Prilukofs, den wir heute auf der Anklagebank sehen. Sie brachte ihn ganz unter ihre Herrschaft und bewegte den bis dahin hochgeachteten Mann dazu, ein Depot von 80 000 Rubel zu unterschlagen. Beide gingen ins Ausland, wo das Geld natürlich schnell verbraucht wurde. Nun fesselte sie einen Grafen Äamarowskh an sich, der sehr reich war, und den sie, nachdem sie sich mit Prilukoff beraten hatte, dazu brackte. ein Testament zu ihren Gunsten zu machen und sich für 500 000 Lire das Leben zu ver- sichern. Inzwischen hatte sie sich auch einen anderen Liebhaber genommen, einen gewissen Naumoff, den wir auch auf der Anklage- bank finden. Dieser wurde ausersehen, den Grafen zu ermorden. Um ihn dafür gefügig zu machen, zeigte man ihm ein gefälschtes Telegramm� in dem der Gras die Tarnowsky beleidigte. Während der Mörder sich als� Freund beim Grafen melden ließ, wartete Prilukoff unten, um der in Rußland weilenden TarnowSkh sofort Nachricht von der gelungenen Tat zu geben. Er hörte den Schutz, gab Naumoff für verloren und reiste nach Wien ab, wo er die TarnowSkh treffen sollte. Hier wurden beide verhastet, ebenso die Kammerstau der Tarnowsky, eine Schweizerin. Naumoff hatte inzwischen seine Arbeit nicht nach Wunsch vollendet. Er hatte den Grafen in den Unterleib geschossen, ohne den sofortigen Tod herbeizuführen. Der bittere Jammer des Verwundeten, der seinen Mörder vorwarf, sein Äind aus erster Ehe zur Waise gemacht zu haben, hatte Raumoff so erschüttert, daß er zu weinen anfing. Man ließ ihn daher ruhig fortgehen, weil man ihn für einen Freund des Verwundeten hielt. Dieser klärte dann selbst die Sache auf, worauf Naumoff verhaftet wurde, der wieder die Mitschuld der übrigen an den Tag brachte. Inzwischen flehte der sterbende Graf die Tarnowsky telegraphisch an, zu ihm zu kommen. Sie war schon in Wien verhaftet, als derrGraf am 8. September an Bauchfellentzündung starb. Der Prozeß dürfte mehrere Wochen dauern. Dammrutsch auf der Moseltalbahn. Einer Meldung aus Trier zufolge ist gestern auf der Moseltalbahn bei der Station Detzem ein Dammrutsch erfolgt, wodurch die Gleise zwanzig Meter lang verschüttet sind. Der Berkehr wird nur durch wenige Züge auf- rechterhalten; die Reisenden müssen umsteigen. Zwei Personen getötet. AuS Köln wird gemeldet: In einer hiesigen Walzen- und Formenfabrik explodierte gestern abend eine Flasche Salpetersäure. Durch die sich entwickelnden giftigen Gase wurden einer der Inhaber der Fabrik und ein Arbeiter getötet: drei andere Arbeiter liegen schwerkrank danieder. Einen TodeSsturz machte, wie aus Beuthen gemeldet wird, der Arbeiter Winkler von der Flurtreppe. Er glitt auf der obersten Stiege aus und fiel so unglücklich, daß er aus der Stelle tot war.. Ein schweres Automobilnttglück ereignete sich, einer Meldung aus Hannover zufolge, dort am Bahnhof Fifcferhof. Ein Privatauwmobil, in welchem sich drei Personen befanden, fuhr gegen die Planke des Bahnhofs. Das Automobil wurde 0 o_l l- ständig zertrümmert. Der Chauffeur flog über die Ein» friedigung hinweg und erlitt schwere Verletzungen. Ein Passagier wurde ebenfalls aus dem Wagen geschleudert und erlitt leichte Kontusionen im Gesicht. Die anderen kamen mit dem Schrecken davon._ Amtlicher Marktbericht der städtilchen Marttdallen-Dlrektion über den Grohbcmdel in den Zentral-Wniktballen. Marktlage: Fl ei Ich: Zutlidr genügend, Geichäsl flau, Preise linoerändert. Wild: Zufuhr ohne Bedeutung, Geichäfl rege, Preise seft. Geflügel: Zusuhr genügend. Geichäfl rege, Preise hoch Fische: Zufuhr etwas reichlicher, fflcidjäit schleppend, Preise wenig verändert. Butter urtd Käse:(Scschäjt ruhig. Prelle unverändert. Keuiüse, Obft uud Südfrüchte: Zusuhr genügend, Geschäft etwas lebhaster, Preise unwesentlich verändert. Theater und Vergnügungen Mittwoch, den 3. März. Ansang 7'/, Uhr. Könlgl. Cperuhaus. Sinsonie- lonzert der Kal. Kapelle. Königl. Schauspielhaus ©c, Opern-Theater. schlössen. Neuro königl (Selchlossen. Deuüchrs. Der Widerspenstigen Zähmung. K a m m e r s p i e I e. Der gute König Dagobert.(Ansang S Uhr.) Aman« 8 Uhr. Berliner. Taifun. Lcssing. Das Konzert. Neues Schauspielhaus. Der Herr Verteidiger. Neues. Der Philosoph von Sans» souci. Weste». Die geschiedene Frau. Komische Oper. Tosca. Neues Overetten. Der Graf von Luxemburg. Trianon. Theodore u. Cle. Kleines. Der grosse Name. Residenz. Im Taubenschlag. Thalia. Die Dollarprtnzessut. Schiller O. SMuniei- erntet.) Wallensteins Lager. Die Picea» lomtni. Schür, Charlottcnburg. Neue Jugend. Hebbel. Kavaliere. Friedrich Bstllielmilädttschcs. Der selige Toupinel. Volksoper. Kalij Storch. Luise». Die Reise um die Erde in 80 Tagen. lliote. Der Elsenbahnräuber. Lustspielhauo. Der dunlle Punkt. Mrtrovoi. Hallohll— Die gross« Revue. Folieo Eaprice. Herr Wasserkrops. Der Lustlurner.(Ans. 6lli Uhr.) Easino. Berlin bei Nacht. Bebr. Herrnfeld. So muss man'S machen. Eine Uebergangs-Eb«. Stadttheater Moabit. Geschlossen. Parodle. Lohenarün.(Ans. 80, Uhr.) Apollo. Der Zechpreller. Spezia. lititea. Wintergarten. Spezialitäten. «eichst, allen. SIelttner Sänger. Palast. Spezioliläten. tvai'.ige. Spezialitäten. Karl Haverland. Spezialitäten. Waldalla. Sveziatiräien Bnggenhagen. Spezialitäten.(An- VI, Uhr). Urania. L„,>be»iiras>e*8/4«. Hörsaal 8 Uhr: Prosessor Dr. Rathgen: Mörtelwaren und Kalk- fand stein. Cternii'iirir, Invaliden str. 67—62 LeitHinic-Thcater. 8 Uhr: Tas Konzert. Donnerstag, 8 Uhr neu einstudiert: Ein Volksfeind. Freiing. 8 Uhr: Tas Konzert. Berliner Theater. Heute: TatfUll. S Uhr. Morgen: Taifun�_ Neues Theater. Abends 8 Uhr: Der Philosoph von Sanssouci. Morgen und folgende Tage: ver Kbilosopd von Sanosoncl. Theater des Westens. Abends 8 Uhr: Tie geschiedene Frau. Sonnt. S>/,Ubr: Der fidele Bauer. slksu». Abends 8 Uhr: Der dunkle Punkt. Operetten-Theutor. Heute und folgende Tage 8 Uhr: Ter(Sraf von Luxemburg. Sonntag nachmittag 8 Uhr zu er- »lässlgten Preisen: ver Zigeunerbaron. Passage-Panoptikum Senegal in Berlin! RA wilde Weiber Männer, Kinder. Drei Negerdörfer Ohne Extrn-Kntrce! Urania. Wissenschaftliches Theater. Abends 8 Uhr: Wissenschaftlicher Vorein: Geh. Beg.-Rat Prof. Reichel: Die Ausnutzung der Wasserkräfte. Hörsaal 8 Uhr: Professor Dr. Rathgen: Mörtelwaren und Kalksandstein. Friedricti-Wiltielmstädtiscties Schauspielhaus. Mittwoch, 9. März, abends 8 Uhr: Der selige Toupinel. Donnerstag: Der selige Toupinel. Freitag: Der selige Toupinel. Sonnabend: Die Jungfrau von Orleans. i.ui8ön-Ihsafei. Abends 8 Uhr: Die Reise«m die Erde in 80 Tagen. Grosses Ausstattungsstück in lt Bild. von A. Ennert, u. Jules Verne. Donnerstag: Vater und Sohn. Freitag: Wa» Gott zusammen- lügh_ Residenz-Theater Direktion: Richard Alexander. Abends 8 Uhr: Im Tanbenschlag. Schwank in 3 Allen von Hennequin und Vcber. Morgen und folgende Tage: Dtesclbe Vorstellung. Sonntag, 13. März nachm. 3 Uhr: Kümmere Dich um Amclie. Volks-Oper. SW, Belle-Alllance-Strasse Nr. 7/8. Abend»>/,» Uhr zum erstenmal: Kalif Storch. Opern- Schwank in 4 Akten von Max Essmann. osc-imift Grosse Franksurter Str. 132. Stuf.« Uhr. Ende st,1 l Uhr. �Aer EistubsiMöubkrl Schwant in 3 Alten von F. Gräbert. Donnerstag: Die Ehre. Freitag: Teborah. Sonnabend nachm.: Ter gestiefelte Kater. AbendS: Tie Ehre.' Passaoe-Ttieater.[ Abende 8 Uhr: Das ! gesellschaftliche {Ereignis von Berirnj I Aoitreten der schönen ' Sisters Ridley in ihren hiitorltchen Tänzen. , Georg Kaiser Schneider- Dnncker. Sund das großejjograniiii! j Metropol-Theater Abends 8 Uhr: Hallo!!! Die große Revue! In 8 Bildern von Jnl. Freund. Musik v. Paul Linoke. In Szene gesetzt vorn Dir. Rieh. Schultz. Anfang 8 Uhr. Rauchen gestattet. W. Koacks Theater hnumciutt. 16, am Roienthaler Tor. Abend«'IJi Uhr: Der Sonnwendhof oder: Tie Tochter des VrandstifttrS. VollSstück in 5 Alten. Donnerstag Benefiz Henke: Ter Pfarrer von Kirchfeld. �«1>1IIS»'- achlller-Thenler 0.(Wallner-Theat). Mittwoch, abend« 8 Uhr: YI'allcnNtclnfi I,agcr. Hierauf: I»l« Plccolomlnl von Fncdnch Schiller. Eude 10-/. Uhr. Donnerstag, abends 8 Ubr: Wallensteins Lager. Die Piccolomini. Freitag, abends 8 Uhr: Mene Jugend.(Jchan Ulfstjema.) Tiieater. Schiller-Theater(Charlottenburg). Mittwoch, abends 8 Ubr: stkcuc-Inxcnd.(Johan Ulfstjema.) Schauspiel in 5 Akten o. Tor Hedberg. Deutsch von Hermann Blocher. Ende lO'l, Uhr. Donnerstag, abends 3 Uhr: Rene Jugend.(Johan Ulfstjema.) Freitag, abends 8 Uhr: Egiuunt. Brauerei Friedrichshain am Könissior. Grüßte SehenstTUrdlgkcit Berlins. Heute Mittwoch: Vorletzter Elitetag. „Auf der Alm." Großer Bock- Jubel uud Trubel ®eÄrtte Sehorseli Ehreng ruber mit setner Truppe(60 Mitwirkende) aus MUnchen. Gratisverlosung vou 100 Wertgegcuständen. Jeder Besucher erhält ein Los gratis. Anfang 8 Uhr. Entree SO Pf, Die grünen Passierkarten behalten volle Gültigkeit. Morgen, Donnerstag: Tos grosse Alpenfest. »OOOOO>OHO>G»»»»<»HGO»«»OS»«Se>GS»»»«»0»t« �eae Welt bis Sonntag, den 13. ßodtltierfeft in den bayerischen Wen» m Arnold Scholz j�( Clt Hasenheide 108/114§ Xur noch bis Sonntag, den 13. ZlKrs lOiO:• Voranzeige! Donnerstag, den 10. MSra; Voranzeige! | Prämiierung der schönsten, modernsten Damenfrisur. 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Ts Irkus-mt-w arrasani alter Botanischer Garten. Mittwoch, den 9. März 1910: 2 briiiante Vorstellungen 0 nachm. 4 u. abends 3 Uhr.—■ In beiden Vorstellungen ein rein zirzensisches Programm. Nur ab 9'/, Uhr: Fortsetz, der Ringkampf- Konkurrenz unter dem Protektorat des Herrn Prof. Reinhold Begas. Es ringen: Bsrnard gegen Strenge. Keykowicz gegen Reglln. Reckling gegen Mlohalloff. Entscheldiingskaiiipff: Jack Lewis gegen Nitschke. Weinbergsweg 19-30, Rosenth.Tor. Ansang 8 Uhr. Das grosse Progr. Watt, das lebende Elektrizitätswerk u. die Übrigen Spezialitäten. Tunnel: Die allergrollte Kanne. Theaterbesucher» freier Einteittl Alt-Hoablt 47/48. TonnerStag, den 10. März: Madame Bonivarf oder: Uebcrraschungen der Ehescheidung. Schwant in drei Alten von Bijson und MarS. Deutsch v. E. Neumann. Polles Lsprice ver Cuftturner. Nenor bunter Teil. Herr Wasserkropf. Ansang 8V, Uhr. Vorvcrk. 11—2 Uhr Kßn i gütad t- K awino. Hoizmartlltrasse 73. Täglich; Er an» Sobanshl. Reu: Else Marion; neu: Adda und Ottfrled Reley. Neu: Ellen Elitta. Neu: LeS Alexandrow. Prolongiert: Viktor Ritter. DaS sensationellste Schaustück. Rad- renne» aus der Bühne. Im duutlen Korridor. Schw. L 1 AN. Mittwoch, den 0, März, abends 7'/, llhr: Brillante Vorstellung. Neu! Nenl Die Amerikaner �erial 8ka�s. »Eiscnhcrz« v. Meistersinger a. d. Eloge, ger. v. Kommisfions- rat Vnvtnv 8tcn»bech a. G. ßarbarentünze Ee» Kl Tchaves. Um 9'/, Uhr Ende 11 Uhr Die drei Rifalen Grosse Feerie in 6 Akten aus der Hugenottenzett. Palast-Theater. Vurgstrasse 24, am Bahnhos Börse. Intcrnatlonalc» kingkMpl-eiismpioM am<> ic eil nu-ls tecMchaf t. Proteltor-: Herr Pros. H. Hundrieser. Preise: 10 000 M. in bar. Mittwoch, den 0. März: EntscheidnngSkaiupf: Bahn. Bicuien. gegen Aiinable de la Ealuiette. Frairlresch. Ferner ringen: Clbmentd'ZlugerS, Frankreich, geg. Raneati. Italien. Mastetti. Italien, gegen Eara- nague, Fraiittreich. Steurs. Belgien, geg. Hernnann, Berlin. Vorher: Die glänzenden Spezialitäten. Auf. 8 Ubr. Preise 80 Ps. bis 3 M. Mens Welt Hasenheide. Mittwoch, den 9. März: �«vhtvnhA'ÄÄvl. Lustpiel in 4 Auszügen v. R. Bendlx. Kassener-össnung 7, Anfang 8 Uhr. Ksr! Haverland Ansang Theater, präz. 8 U. 77/79 Kommandantenstrasse 77/79. Neue erstklassige Spezialität. Heute nach d. Vorstellung: Ball. Casino-Theater Lothringer Strasse 37. Ansang 8 Uhr. Berlin bot Nacht. Posse in 3Akt.v. G. Schätzler.PärassinI. Sonnt. 4 U.: Trudohens Sommerreise. Sanssouci, Direktion Wilhelm Reimer. Heute Mittwoch: Theaterabend Beginn 8'/, Uhr. Zum erstenmal: Maria Magdaleue. Schauspiel in 5 Akten von Hebbel Morgen Donnerstag: BoRinanns Nordd. Sänger und Tauztränzcheu. Beg. Sonnt, b, wochent. 8U. kelelisksüöll-Iliester. 8tetljner8Snger vor Nachtwächter von Zerpensohlause vonMeyfel. Anfang: Wochent. 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. Zirkus Busch. Heute Mitiwoclr. den 9. März, abends 70. Uhr präz.: Gr. Gala-Vorstellung. Therese Fillis, James Leon Fillis jun., Heinrich Fillis, in ihren Produktionen d. hohen Schule. IM© Hassans! Die Lockford-Truppe! Ferner: Reiterfamilie Proserpi. Herr ErnstSohumann, Meister- 1 dressuren. Gigorlclown Alfred Daniels. Zwergolown i'ranoois, Kunstreiter-. O'/pUhrca. Endo ca. KP/, Uhr: Dieruss. Sensationspantomime MD Marja! Vorher das grolle Galaprcgramm. Sonntag: Zwei Vorstellungen. an der JannowltcbrUeke. Deutsciilaniis pössle und vornBlirasie Liclilins «so sitzpiatxo Fecnhr.H« Austlrttung Beginn: Wochentags 4 Uhr, Sonntags 9 n Tonbild-Tfieater Das sehSnste Programm Berlins,_ laufend oom 8— 14. Wiärz u. a.: Am Hofe einer ägypt.; Messaline. Kunstsilm 1. Rang.. 3. Platz 3" Ps. Kind. 1D Ps. ohn. Nachzahlung. Dauervorstell. v. 4—11 Uhr. f KOslinor Straße 8. % Heute sowie jeden Mittwoch; J |?su! Springers ♦ Kabarett- und Possen-Qescllschall. Anfang S'/j Uhr. Frei-Tauz. Heute 9'/, Uhr ringen: S gr. Entscheidungskämpfe: M. Schneider, Luckenwalde, gegen Leo» de Wolf, Belgien. 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