Pr. 58. FllwnnementS'Bedingungcn: Abonnements- Preis pränumerando Z Bierteljährl. S�o Mb, monatl. 1,10 Mb. wöchentlich 28 Pfg, frei ins Haus. Einzelne Stummer 5 Pfg, Sonntags- »ummcr mit illustrierter Sonntags- Beilage.Die Neue Welt" 10 Psg. Post- Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post.Zeitunas- Preislifte. Unter Kreuzband iür Deutschland und Oesterreich- Ungarn L Marl, für das übrige Ausland 8 Mark pro Monat. Postabonnemenls nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg. Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz, 27. Jähr«. CrMtint täglidU aufitr tnontags. Vevlinev VolksblAtt. Die TntertlonS'Geiiaisr beträgt für die sechsgcspaltene Koloneb- zcile oder deren Raum 50 Psg,, für polltische und gewerkschaftliche Vereins- »nd Versammlungs-Anzcigen 80 Psg. „Kleine Hnieigen", das erste ffett- gedruckte) Wort 20 Psg., jedes weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlaf- ftellen-Anzeigcn das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nuinnier müssen bis SNhrnachmiltagsin der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm-Ad reffe: „Sozialdcmolirat RcrllD-, Zcntralorgan der fozialdcmohrati fehen partei Dcutfchlands. Redaktion t 8Al. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1283. Unerträglid)! - Am Freitag wird die zweite Lesung der Wahlrechts- vorlage beginnen. Die Ncgicrungsvorlage hat gewaltige Veränderungen erlitten; daß sie aber wesentlich besser ge- worden sei, kann auch der rosigste Optimist nicht behaupten. Die einzige Verbesserung ist die geheime Stiinniabgabe, für die aber die von der Regierung angebotene direkte Abstimmung preisgegeben worden ist. Dadurch ist auch die geheime Stimmabgabe für Millionen von proletarischen Wählern illu- sorisch gemacht worden, denn das geheime Wahlrecht verliert für die arbeitenden Schichten auf dem platten Lande jeden Wert durch die Beibehaltung der Wahlmänncrwahlen. Wenn keine unabhängigen Wahlmänncr aufzustellen sind, können die Urwähler trotz des geheimen Wahlrechts auch nicht stimmen! Auch ist dem Zentrum ja gar nicht eingefallen, das Ver- sprechen �es Herrn Giesberts einzulösen, nämlich eine Be- stimmung einzufügen, wodurch auch auf dem Lande für die Auswahl der Wahlmänner ein freierer Spielraum gelassen wurde. In den ländlichen UrWahlbezirken müssen vielmehr nach wie vor die Wahlmänner aus den UrWahlbezirken selbst entnommen werden! Damit ist für alle nichtbesitzenden Wähler des platten Landes trotz der geheimen Stimmabgabe die alte Rechtlosigkeit verewigt!— Ganz bedeutungslos ist die Erhöhung des Betrages, der jedem zur Staatseinkommen» steuer nicht veranlagten Wähler an Stelle dieser Steuer anzurechnen ist, von drei auf vier Mark. Völlig aufrechterhalten dagegen bleibt die unerträgliche Schmach der Dreiklassenwahl! Und unangetastet bleiben soll auch die ungeheuerliche Infamie der Wahlkreiseinteilung, durch die die von dem Agrariertum beherrschten, nach wie vor jedem behördlichen und agrarischen Terrer preisgegebenen ländlichen Wahlbezirke mit ihrer ungleich schwächeren Be- völkerung die volkreichen großstädtischen und industriellen Wahlbezirke vollständig zu niajorisieren vermögen! Das Wahlrecht, mit dem der schwarz-blaue Block der Steuer- und Wahlrechtsräuber das preußische Volk zu be- glücken gedenkt, ist nicht nur das rückständigste Wahlrecht in ganz Deutschland, sondern auch, von dem einzigen Ruß- land abgesehen, das elendeste Wahlsystem, das in allen euro- päischen und außereuropäischen Staaten anzutreffen ist! Der von der Kommission erstattete Bericht enthält auch eine Ueber- sicht über diese deutschen und außerdeutischen Wahlsysteme, die es besonders ungeheuerlich erscheinen läßt, wie man dem Volke eines Staates, das an der Spitze der wirtschaftlichen und geistigen Kultur zu marschieren vorgibt und, von dem junkerlich-bureaukratischen Verwaltungssystem abgesehen, auch wirklich marschiert, ein solch nichtswürdiges Wahlrecht zu bieten sich erdreisten kann! Die Uebersicht über die Wahlrechte in den wichtigsten deutschen und sonstigen Staaten ist geradezu ein Dokument preußischer Schande! Ergibt sich doch aus dieser Uebersicht, daß drei große süddeutsche Staaten, Bayern, Württemberg und Baden, das allgemeine, gleiche, direkte und geheime Wahlrecht besitzen, und sämtliche weiteren Staaten in Nord» und Süddeutschland immerhin Wahlrechte, die sich von dem von der Kommission vorgelegten Entwürfe geradezu wie Tag und Nacht unterscheiden. Selbst Sachsen mit seinem „Wahlrecht der vier Infamien" gibt den Bevorrechteten doch höchstens ein vierfaches Wahlrecht, während in Preußen die Wähler der ersten Klasse im Durchschnitt ein mehr als zwanzigfaches Wahlrecht besitzen, das durch die Wahlkreis- geometrie für eine ganze Reihe ländlicher Wahlkreise bis zu einem Istst- bis LOOfachen Wahlrecht gesteigert wird! Aber nicht nur in Deutschland marschiert Preußen an allerletzter Stelle, sondern auch in der ganzen Welt! Nach der Uebersicht des Kommissionsberichtes haben Oesterreich, Frankreich, Groß-Britannien und die Vereinigten Staaten das allgemeine, gleiche, direkte und geheime Wahlrecht, das nur in Groß-Britannien gewisse, aber verhältnismäßig geringfügige Einschränkungen erleidet. Von den kleineren Staaten besitzt die Schweiz im vollen Umfange das allgemeine und gleiche Wahlrecht. Ein annähernd gleiches Wahlrecht mit geheimer Abstimmung besitzen auch Italien, die Nieder- lande, Norwegen, Schweden, Portugal und Spanien. Ja, selbst Staaten, die in der Entwickelung hinter Preußen im- endlich zurückgeblieben sind, wie Griechenland und die Türkei, sind bereits zum allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahlrecht übergegangen. Das einzige Land, das ein Wahl- system besitzt, das sich an Niederträchtigkeit und brutaler Volksverhöhnung mit dem von der Wahlrechtskommission vor- geschlagenen Wahlsystem messen kann, ist Rußland. Aber selbst in diesem rückständigen Staate besitzt Finnland das allgemeine, gleiche, direkte und geheime Wahlrecht nicht nur für alle Männer, sondern auch für die Frauen! Es ist also eine Schmach ohnegleichen, die der schwarz- blaue Wahlrechtsblock der entrechteten Masse des preußischen Volkes zu bieten wagt! Vier Fünftel des Volkes sollen auch künftig der Willkür des einen privilegierten Fünftels wehrlos preisgegeben sein! Während Süddeutschland die Volksrechte erweitert, will Preußen die Herrschaft der Junker und Schlot- barone ungeschmälert aufrechterhalten, damit in ganz Deutsch. land alle volkstümlichen Regungen danicdergehalten werden können! Und das Zentrum, das in Süddeutschland gelegent- lich nicht genug auf das volksfeindliche Preußen räsonnieren kann, ist gerade der Hauptschuldige an der Vereitelung jeder wirklichen Wahlreform, ist selbst der Schirmherr preußischer Junkermacht! *«• Wie die Presse zu melden weiß, ist die Regierung selbst beflissen, noch in letzter Stunde auch die Nationalliberalen zu dem blauschwarzen Autiwahlrechtsblock herüberzuziehen. Nach dem„Berliner Tageblatt" ist es der Hauptmacher der Regie- rungsvorlage, der Geheiine Oberregieruugsrat von Falken- Hayn, der die Vermittlerrolle zwischen dem Schnapsblock und den Nationalliberalen übernommen hat. Woraus zu ersehen, daß die Negierung geneigt sei, dem Kompromiß seinen Segen zu geben. Die Nationalliberalen seien bisher dem Liebes- werben gegenüber standhaft geblieben, doch sei ihnen nicht zu trauen. Offenbar würden sie sich ganz gerne zureden lassen, wenn ihnen in der einen oder anderen Weise cntgegengekom- inen würde. Als Handelsobjekte kämen für sie die„Privi- legierung", die Wahlkreiseinteilung und allenfalls die Dritte- lung nach Wahlbezirken in Betracht. Auch das Scherlblatt bestätigt die Tatsache solcher Ver- Handlungen. Die Regierung sei durchaus geneigt, den natio- nalliberalen Wünschen in bezug auf die Privilegierung akade- Mischer und mittelständlerischer Kreise entgegenzukommen. Es ist keineswegs ausgeschlossen, daß ein solches Kom- promiß zwischen Schnapsblock und Nationalliberalen unter dem Protektorat der Regierung doch noch zustande kommt, Unwahrscheinlich freilich ist. daß der Schnapsblock in der Frage der Drittelung nach Wahlbezirken mit sich handeln lassen wird, handelt es sich doch hier nicht nur um die Jnter- essen der Arbeiter, sondern um die ureigensten Vorteile der Konservativen und Zentrumsleute l Ebensowenig geneigt werden diese beiden Parteien sein, in der Frage der Wahl- kreiseinteilung Zugeständnisse zu machen. Dagegen hat ja das Zentrum bereits in der zweiten Lesung deutlich genug zu er- kennen gegeben, daß es gegen die Privilegierung gewisser Elemente aus den Kreisen der„Bildung" und des mittleren Besitzes nichts einzuwenden hat. So spottwenig dies Ent- gcgcnkommcn gegenüber den nationalliberalen Wünschen be- deutet, so ist es der Partei Windfahne immerhin zuzutrauen, daß sie sich selbst durch solch kümmerliche Brocken abspeisen lassen könnte. Denn im Grunde ihres Herzens sind die Na- tionalliberalen natürlich nicht minder abgesagte Feinde einer wirklichen Wahlreform, als die Herren vom Schnapsblock. Die kurze Geschichte dieser Wahlreform quillt über von Schmutz und Lüge und unerträglicher Schmach!,-.- des ver Ashlrechtsksmpf. Eine Interpellation der Sozialdemokratie. Die sozialdemokratische Fraktion Reichstages hat beschlossen, folgende Interpellation einzubringen. Ist dem Herrn Reichskanzler bekannt, daß der Polizei- Präsident von Berlin fiir eine zum 6. März nach dem Treptower Park bei Berlin einzuberufenden öffentlichen Versammlung unter freiem Himmel im Widerspruch zum§ 7 des Bereinsgesepes, der die Versagung der Genehmigung nur zuläßt, wenn Gefahr für die öffentliche Sicherheit zu befürchten ist, die Genehmigung ver- weigert hat? Welche Maßregeln gedenkt der Reichskanzler zu ergreifen, um derartigen Beeinträchtigungen des Versammlungsrechts für die Zu- kunft zu verhüten? Als Redner wurden die Genossen Ledebour und Heine bestimmt. Die Polizeiattacken vor den Berliner Stadtverordneten. Das Vorgehen der Berliner Polizei wird in der Berliner Stadtverordnetensitzung zur Sprache kommen aus Anlaß eines Antrages der sozialdemokratischen Fraktion und eventuell beim Polizeietat, der am Donnerstag, den 17. März verhandelt werden wird. Er blamiert sich weiter. Herr v. Jagow fährt fort, seine Befähigung zum Re- dakteur eines— unfreiwilligen— Witzblattes zu erweisen. Am Mittwoch versandte er den folgenden unbezahlbaren Beitrag an die Berliner Presse: Das Polizeipräsidium gibt als charakteristisches Kuriosum folgenden Bericht bekannt: Gelegentlich der wiederholten Zerstreuung von demonstrie- renden Zusammenrottungen durch die von mir am 6. März er. geführten t2 Berittenen, wurde uns gegen 1% Uhr nachmittags von verschiedenen Demonstranten in der Nähe des kleinen Sterns im Tiergarten ein Mann zugetragen, der anscheinend besinnungS- los war und nach den Behauptungen der Demonstranten über» ritten worden sein sollte. Zugleich wurde ein berittener Schutz- mann als Täter bezeichnet. Die Demonstranten wurden ersuchr, den Ueberrittenen der mit der Tiergartenwache verbundenen Unfallstation zuzuführen, wonach sie ihn in eine Droschke packten und davonfuhren. Am Pariser Platz ist später ein Herr an einen Schutzmann herangetreten und hat sich über den Vorfall wie folgt geäußert: „Die Berittenen brauchen sich über den Vorfall im Tiergarten keine Gedanken zu machen, der Mann hat nur simuliert und, nachdem er von Genossen in eine Droschke gebracht war, ist et aufgesprungen und hat sich wie toll benommen und gerufen: „Hoch das allgemeine Wahlrecht!" Der Schutzmann hat um den Namen de? betreffenden Herrn gebeten; er ist ihm jedoch nicht Expedition: 8Äl. 68» Oindenstrasse 69» Fernsprecher: Amt IV, Nr. IS8I. genannt worden,, da der Herr mit dem Gericht nichts zu tun haben wollte. Er erklärte aber, daß, wenn es sein müßte, er dl» Sache dennoch zu bezeug»» sich bereit finden wende.". Der Berliner Polizeipräsident ist also schon auf den „großen Unbekannten" gekonimen! Ob er außer bei der— „Freisinnigen Zeitung", die die Räubergeschichte brühwarm und ohne jede Bemerkung abdruckt, jedenfalls um den er» zieherischen Einfluß der freisinnigen Einigung zu erweisen, Gläubige für diese crschröckliche Historie von der Roten Nieder- tracht und Verstellungskunst findet, wollen wir in aller Fassung dahingestellt sein lassen. Jedenfalls hat sich bei uns nach überwundenem Lachkranips ein unwiderstehlicher Drang zum Dichten eingestellt, der sich schließlich in folgendem Knittelvers niederschlug:< Es ist wahrhaftig nichts zu dumm Für's Königliche Polizeipräsidium l Der Vers ist freilich schlecht— aber für das„charaktc- ristische Kuriosum" noch viel zu gut! Noch ein Aufsitzer des Herrn v. Jagow. Ein reicher Spaßvogel hat sich den Scherz erlaubt, den Herrn Polizeipräsidenten bösartig zu mystifizieren. Wie gut es ihm gelungen ist, zeigt das folgende Bekenntnis des Hinein- gelegten, das er am Mittwoch den Berliner Zeitungen zu- gehen ließ: Dem Polizeipräsidenten ist folgendes Schreiben eine? hoch« angesehenen Berliner Bürgers zugegangen: „Wenngleich aucki meine Gewerbebetriebe durch den gestrigen Sonntag Tausende Schaden erlitten haben, so sehe ich ein, daß das Vorgehen der Behörde gegen die radmilustige, un- mfc Pöbclinassc unbedingt geboten war, nm Eigentum und Besitz des ruhigen Bürgers zii schützen und den vernünftige» Kreisen der Arbeiter ein warnendes Beispiel zu geben. Ich bitte um die Erlaubnis einliegende 3<)0 Mark zur Verteilung an die gestern, in Erfüllung ihrer schweren Pflicht, verwundeten Beamien überreichen zu dürfen." Der Polizeipräsident hat die Spende mit Dank für die Be» dachten angenommen. Ein englischer Nasenstüber für Herrn v. Jagow. Kurz vor den Straßendemonstrationen des 13. Februar haben bekanntlich die Polizeioffiziösen„auf höhere Weisung" den erstaunten Berlinern erzählen müssen, daß in England gegen Straßendemonstrationen viel— preußischer vorgegangen werde als in Preußen selbst. Der blühende Unsinn ist damals von uns und anderen Blättern schon gebührend zurück- gewiesen. Jetzt erhalten die Märchenerzähler und ihre Ein- bläser noch eine sehr kräftige Abfuhr. Der Londoner Korrc- spondent des„Berliner Tageblattes" berichtet über eine Unterredung mit einem der höchsten Beamten des Londoner Polizeipräsidiums, worin dieser über die polizeiliche Behandlung von Demo» st ra- tionen in London erklärt, daß solche Kundgebungen nicht a jr gemeldet z u werden brauchen, mit Aus- nähme derer auf Trafalgar Square, eines inmitten lebhaften Verkehrs liegenden Platzes. Des weiteren heißt es in den Aeußerungen: „... Beim Durchmarsch durch die Straßen können die Demonstranten„leben lassen" und verfluchen, wen und was sie wollen. Sie dürfen nach der Begleitung der im Zuge befindlichen Kapellen politische und nichtpoli» tische Lieder oder nach Gefallen a capella singen, die Polizei läßt sie ruhig gewähren. Ein Eingreifen der Polizei, wie es in Treptow und am Reichstage seitens der Krels» und Berliner Polizei stattgefunden hat, ist hier ganz undenkbar. In einer Straßendemonstration offenbart sich ein Teil des Volks- willens, dem man, ob er berechtigt oder unberechtigt ist, mit Respekt begegnen und den man gewähren lasten muß. Während der Demonstrationszug sich bewegt, werden die Straßenübergänge, die der Zug benutzen muß, von der Polizei abgesperrt, und gegen das sich zu beiden Seiten der Straßen aufstellende Zuschauerpublikum wird der Raum zum freien Ausschrei ten der Demo 11» st r a n t e n freigehalten. An der Spitze des Zuges findet sich ein reitendes Polizeidetachement, und in weiten Abständen schreiten längs des Zuges auf beiden Seiten vereinzelte Polt- zisten., Wie gesagt, der Gedanke des S ch u tz e s d e r D e m 0 n« st r a t i 0 n und des Einwirkens auf eine möglichst schnelle und anstandslose Abwickelung ist die herrschende Tendenz der „Straßenpolitik" der Londoner Polizei., Erhält die hiesige Polizei Wind, daß Komplikationen möglich sind; daß durch das Aufeinanderplatzen von Demonstrationen und Gegendemonstrationen durch Reibereien im Publikum vor den Rednertribünen handgreifliche Streitigkeiten entstehen könnten, so rüstet sie sich für solche Eventualität, aber aus» schließlich mit der Absicht, die streitenden Par» teien zu trennen. Sobald dies aber erreicht ist, zieht sich die Polizei wieder zurück. Der Gegen st and der Mani« feftation interessiert die' Polizei als solche nicht....* So der hohe Londoner Polizeibeamte. Er erteilt der Berliner Polizei eine Lektion, die an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig läßst Leider ist eine erzieherische Wirkung nicht zu erwarten, denn der Londoner Herr redet eine Sprache, die für Berliner Polizeiohren irokesisch ist. Er spricht von einem Volkswillen, den mau respektier en und gewähren lassen muß— das ist für die Herren im Berliner Polizeipräsidium einfach unverständlich. Aber sie werden auHj das schließlich cmutol begreifen lernen, wenn die Berliner Arbeiterschaft in der praktischen Belchrungsarbeit nicht locker läßt. Ein Zeuge. Den Räubergeschichten des Polizeipräsidiums sei das folgende Zeugnis gegenübergestellt. Der freisinnige Abge- ordnete Gothein schreibt in der„Berliner Aolkszeitung" N. a. folgendes: . Uebereinstimmend wird bekundet, daß die Teil- ' nehmer an der Demonstration, die sich auf einen Spaziergang im Tiergarten, im Singen von Liedern im Freien und in Hoch- rufen auf das Wahlrecht beschränkte, sich durchaus gesittet und wohlanständig benommen haben Leider kann man das von der Polizei nicht sagen. Ich selbst habe von dem Fenster meiner Wohnung in der Hiirdersinstraße beobachten müssen, wie sinnlos das Vor- gehen der Schutzleute war. Tie aus dem Tiergarten zurück- kehrenden Menschenmengen wurden von berittenen Schutzmann- schaften die Straße entlang nach der Spree zu ge» drängt derartig, daß mit den Pferden in die Menschen- mengen hineingeritten wurde, daß zwei Pferde nebeneinander auf den schmalen Bürgersteig in die Menschenmassen eindrangen. Was danlidbeztoeckt werden sollte, ist vollständig un» erfindlich, denn an sich hätte die Polizei doch froh sein müssei,, wenn auch durch so verkehrsarme Straßen die Leute nach ihren Behausungen zurückkehren. Wo die Polizei nicht eingriff, voll- zog sich alles in größter Ordnung, und die Störung des Verkehrs beschränkte sich darauf, daß die Automobile und Droschken etwas langsamer fahren mußten, daß ihnen aber auf das Signal überall willig Plah gemacht wurde. Wo eine Störung des Verkehrs ein- trat, hat die Polizei sie bewirkt und in einer Weise, die geeigner ist, die Menschen zu erbittern. Man muß schon ein besonder» ruhiges Gemüt sein, um sich nicht zu empören, wenn einem be, deni ruhigen Benutzen der Bürgersteigc die Pferdehufe auf die Hacken treten, die Pferdeköpfe den Hut vom Kopfe werfen unv man in der Benutzung des Weges ohne jeden Grund durch un- vernünftige Mastregeln der Polizei gehemmt wird. Ich habe sehr ruhige süddeutsche Freunde vorgestern gesprochen, die erklärten, wenn die Polizei sich in Süddeutschland so bc- nehmen würde, so würde jede Stadtverordnetenversammlung, jeder Gemeinderat sofort die..Abschaffung" der Polizei bc- schließen. Ich habe Mecklenburger gesprochen, die er. klärten, schließlich seien die Zustände in dem vcrfassungslosen Obotritenland doch weit besser als in dem Berfassungsstaar Preußens wo die Polizei sich derartiges erlaubt." Der Protest der Solinger Arbeiterschaft gegen den Polizeiüberfall. Solingen, S. März. sPrivatdepesche deS„Vorwärts*.) Eine imposante Versammlung protestierte gestern abend gegen Sie Polizeitaten vom Sonntag. Der Kaisersaal wurde um 8 Uhr abgesperrt, da er vollkommen überfüllt war. An 3000 Personen besuchten die Versammlung. Eine zweite Versammlung mußte noch nach dem Gewerlschastshause einberufen werden. Trotzdem standen»och Tausende vor dem Kaisersaal auf dem Mühlen- platz und in den Nebenstraßen. Redner waren die Genossen S ch a a l und Dittmann, im Gewerkschaftshause Wendemuth. Die Massen sind entrüstet und begeistert. Eine scharfe Protestresolution wurde angenommen. Nach Schluß der Versammlung im Kaisersaale gab es eine Riescndcmvnstration durch die Hauptstraße». Die unllberseh- bare Menge mag 15 000 Teilnehmer umfaßt haben. Der Zug wälzte sich durch die Köluerstraße am Rathaus vorbei, wo am Sonntag der Ueberfall geschah, unausgesetzt Hochrufe aus- st o ß e n d und Freiheitslieder singend. Dann ging eS am Neumarkt vorbei durch die Ufergartenstraße in die Kaiserstraße vor das Haus des nationalliberalen LandtagSavgeordneten Dr. Gott- schall, wo ebenfalls demonstriert wurde. Bon hier aus bewegte sich der Zug durch die Birkenstraße zum Gewerlschastshause. dann zum LandratSanit und ins Stadtinnere zurück, wo sich der Zug langsam auflöste. Polizei war nur am Rathaus und Landratsamt zu sehen, blieb aber ruhig. Trotz der großen Erregung und kolossalen Beteiligung ist die Aktion ohne Zwischenfälle verlaufen, die Partei hatte eine große Anzahl Ordner gestellt. Die Demo»-' stration hat hier einen gewaltigen Eindruck gemacht. Freisinnige Wahlrechtskämpfe. Aus Breslau wird uns unterm 7. März geschrieben: Die Kreslauer Genossen haben beschlossen, nächsten Sonntag ein großes Massenmeeting auf der Pferderemibahn im städtischen „Scheitniger Park" zu veranstalten. Die Demokratische Bereinigung hat ferner zur Teilnahme an dieser Kundgebung eingeladen � den Wahlverein der Liberalen(Freisinnige Vereinigung), den Wahlvereiii der Freisinnigen Volkspartei, die freisinnigen Vereine„Franz Ziegler",„Wäldeck" und„Jungfreisiim", den„Verein für Frauen- stimmrecht" und im übrigen alle Freunde eines freien Wahlrechts und alle Feinde unserer Funker und ihrer amtlichen Stallknechte. Da seit Sonntag alle die hier genannten Vereine der neugegründeten „Fortschrittlichen Volkspartei" angehören, so wird man ja bald sehen, inwieweit man mit dem alten Namen Feigheit und Unentschlossenheit abgelegt hat oder ob auch in der neuen Firma Waschlappigkeit oberstes Prinzip ist. Der Platz, auf dem die Kundgebung stattfinden soll, faßt mehrere Hunderttausend Personen und ist städtischer Besitz. Dadurch erhält zugleich der freisinnige Magistrat Gelegenheit, durch Hergabe oder Verweigerung des Platzes Wahlrechtsstenndschaft oder Furcht vor dem Junkerzorn zu bekunden. Die Antwort auf die Frage, ob die neue„Fortschrittliche Boltspartei" einen energischen Wahlrechtskampf wagen wird, ist schnell erfolgt, wie die folgende Depesche zeigt: Breslau, 9. März. (Privaibepefche des„Vorwärts".) Der freisinnig« Magistrat hat die Hergäbe deS städtischen Rennplatzes für die WahlrechtSkundgebung verweigert. Ebenso haben die freisinnigen Vereine die Beteiligung abgelehnt! Opfer des Wahlrechtskampfes. Dortmund, 8. März. Schnelle Justiz wird jetzt während des Wahlrechtskampfes geübt. Am lt. Februar wurde gegen die Dortniunder„Arbeiterzeitung" ein Strafvor- fahren wegen eines Artikels«Dortmund demonstriert!" ein- geleitet, am folgenden Tage erfolgte die Konfiskation. wenige Tage später die Anklage wegen Aufforderung zum Ungehorsam gegen die Gesetze und wegen Aufreizung zum Klassenhaß, heute schon war H a u p t- Verhandlung und erfolgte der Urteilsspruch. Freilich stand es mit der„Richtigkeit" anders als mit der „Fixigkeit" der Anklage. Die Verhandlung ergab den völligen Aufammenbrnch des Hauptteils der Anklage. ES waren in dem Artikel hauptsächlich folgende Satze inkriminiert worden: „Ihr wollt den Krieg habe», ihr Herren— wohlan— so sollt ihr den haben." „Wir»verde» auch fernerhin tun. was in unserer Macht steht. »nn Blutvergießen zu verhindern, aber aus die Straße gehen jetzt die Massen—- daran wird sie kein Gott und kein Teufel mehr hindern! Und SchutzmannSdrohung erst recht nicht!" „Die Rechte, die man uns nicht freiwillig gibt, nehmen wir uns! Und der Arbeiter, der am Hochofen und in der Grube tagtäglich im Dienste des Ausbeutertums sein Leben aufs Spiel setzt, wird nicht zurückschrecken, wenn der Schutzmannssäbel ihm sein Recht strittig mache» will. Fließt Arbeiterblut für das Kapital, so kann es auch fließen im Kampfe ums Recht!" Der Anklagevertreter erblickt in diesen Sätzen, wie gesagt. Der- gehen gegen die KZ 110 und lZV. Vor allen Dingen sollle gegen Z 130(Aufreizung zun, Klassenhaß) verstoßen sein. Aufgereizt seien die Arbeiter gegen die Schutzleute. Die Schutzleute sind nach Ansicht des Staatsanwalts eine Bevölkerungsklasse(I). Ferner bedeute der Artikel eine Aufforderung zu weiteren Demon st ratio ns- zügen, auch ohne Genehmigung der Polizei. Und das fei e i n V e r g e h e n gegen den tz 110. Der Staatsanwalt beantragte nicht weniger als 6 Atonale Gefängnis. Der Verteidiger deS angeklagten Genossen Beyer, Herr Rechtsanwalt Frank, wies in glänzenden Ausführungen die Un- Haltbarkeit der Anklage nach, namentlich soweit der§ 130 in Frage komme. Schutzleute seien keine besondere Be- völkerungsklassc. Es befände sich auch keine wirkliche Be- völkerungsklasse im Bezirk, die sich zum Wahlrechtsentwurf der Regierung bekenne, sondern er erfahre von allen Schichten mehr oder minder heftige Ablehnung. Freunde der Borlage seien vielleicht nur die ostelbischen Junker. Sicherlich habe der Artikel nicht ge« ivollt. daß die Arbeitermassen deS Jndustriebezirks sich auf den Marsch nach dein Osten begeben sollten, um an Junkern Gewalttaten zu verüben. Aber auch eine Aufforderung zum Un« gehorsam gegen die Gesetze enthalte der Artikel in keinem einzigen Satze. Der Artikel konstatiere lediglich Tatsachen, gebe die Stimmung deS Volkes wieder, sei ein Stimmungsbild über dieVorgänge am 13. Februar. Der Verteidiger beantragte die Freisprechung. Das Gericht wies die Anklage auf Aufreizung zum Klassenhaß ab und erkannte insoweit auf Frei- sprechung, dagegen wegen Aufforderung zu weiteren nicht genehmigten Demonstrationszügen auf 500 M. Geldstrafe. In der Begründung hieß eö, daß es nicht angängig fei, die Schutzleute als eine besondere Bevölkerungsklasse hinzustellen. Selbst wenn angenommen würde, die Schntzlmte feien Werkzeuge der herrschenden Klasse, könne man doch zu keiner Ber« urteilung kommen. Das Gericht hat ferner zugunsten des Angeklagten berückflchtigt die hocherregten politischen Zeitläufte, die Tatsache, daß es in Dortmund noch nicht zu nennenswerten Ge- walttätigkeiten gekommen fei, und endlich, daß auch die Presse der bürgerlichen Parteien hefttge und erregte Arttlel bringe. Ein nationalliberaler Wahlrechtsplan. Die Vertrauensmänner der nationalliberalen Partei für den Wahlkreis Bochum hatten am der- gangenen Freitag eine Sitzung, in der sie sich mit der Wahl- rechtsfrage beschäftigten. Es ist beschlossen»vorden, der nationalliberalen Landtagsfraktion zu empfehlen, für das geheime und direkte Wahlrecht einzutreten. Die Dreiklasseneinteilung sei beizubehalten, doch solle jede Abteilung für sich einen Kan- didaten wählen. Die Neueinteilung der Wahlkreise solle so erfolgen, daß das Abgeordnetenhaus 4(50 Sitze erhalte. *• Der Eindruck in Frankreich. Paris, 7. Marz.(Eig. Ber.) Die Presse aller Richtungen erkennt einmütig an, daß die Sonntagsdemonstration einen groß« artigen Verlauf genommen hat und für die Sozialdemokratie einen gewaltigen Erfolg darstellt. Alle Berichte heben auch die B l a m a g e des Polizeipräsidenten hervor.„Die Berliner Polizei ist von den Sozialisten gefoppt worden." schreibt der„Temps". Die Kundgebung selbst nennt er wahrhaft grandios. Das „Journal des Debats" sagt:„Dank der Vollkommenheit ihrer Organisation und Disziplin haben die Berliner Sozialisten die Vorkehrungen der Polizei zu vereiteln vermocht.„Diesmal wird die Polizei auf dar Höhe der Situation sein," sagten voll Zu- verficht die konservativen Blätter. Und die Scharfmacher zählten darauf, daß die Sozialisten, wenn sie sich nicht ruhig verhielten, eine ordentliche Lektion bekommen würden. Es ist aber Herr v. I a g o w, der eine Lektion in Strategie erhalten hat." Das»Echo de Paris" schreibt:„Die Manifestation war unerhört. Von allen Punkten Berlins ergossen sich Kolonnen in den un- geheuren Park. Im Nu war die Charlottenburger Chaussee und alle angrenzenden Wege schwarz von Menschen und immer weiter rückte das Menschenmeer bor. Verloren wie in einem Ozean tauchten einige Polizisten auf großen Pferden hervor und machten berzweifelte Gesten. Ich versichere Ihnen, sie hatten heute nichts Provozierendes und nian konnte neben ihnen„Pfui Bethmann" rufen, ohne daß sie etwas hören mochten. Die Menge dagegen hatte, im Bewußtsein ihrer Macht, eine stolze Haltung eingenommen, die einen gewissen guten Humor nicht ausschloß. Ich habe niemals der Berliner so entschlossen, so fest, so begeistert gesehen wie unter der sanften FrühlingSsonne. Die Arbeitermarseillaise, unzählige- mal wiederholt, flog über die Massen hin und man hörte nicht aus, Hochrufe auf das allgemeine Wahlrecht auszubringen. Das Schauspiel war in seiner Größe und Macht hinreißend." Der Berichterstatter spricht dann über die Ansprachen, die im Angesicht der ohnmächtigen Polizei gehalten wurden und fügt hinzu:„Das Schauspiel dieser vollkommenen, eroberten Freiheit, war zugleich komisch und furchtbar. Wahrlich, das war ein Tag, den ein Datum in der Geschichte deS preußischen Volkes bleibt. Zum erstenmal hat das preußische Volk den Autoritäten die Stirn geboten und es hat die Probe vollkommen siegreich bestanden. Man hat im Tiergarten seinen Zorn herauszufordern nicht gewagt. Man hat ihn nicht herausfordern wollen, nicht herausfordern können und dies trotz der drohenden, gebieterischen und aufgeregten Phrasen, die gestern auS der autorisierten Feder des Polizeipräftkten geflossen und heute zum Kinder- spott geworden sind."_ poUtilchc üeb erficht. Berlin, den 9. März 1910. Kiautschou. Aus dem Reichstag, 9. März. Als diesmal das unglücklichste Schmerzenskind der deutschen Kolonialpolitik, die Pachtung Kiautschou, zur Verhandlung kam, benahmen üch plötzlich die Redner der bürgerlichen Parteien, als ob sie die unbehagliche Stimmung über die Kostspieligkeit dieses gefährlichen weltpolitischen Spielzeugs überwunden hätten. Sie stöhnten zwar noch etliches über den hohen Reichszuschuß, )er sich nach etlichen bescheidenen Abstrichen in der Kommission noch immer auf mehr als 8 Millionen Mark deläuft« Dann fanden sie aber doch so viel Schönes und Gulcs an dem Hafen» platz Ttingtau, daß sie einige Töne auf der patriotischen Fest- leier riskierten. Ungemischte Freude entquoll sogar dem Munde des konservativen Redners, des Herrn Dr. D r ö s ch e r aus Schwerin. Alle diese Vertreter kapitalistischer Parteien, denen ursprünglich Kiautschou als eine Goldquelle galt, siird jetzt rein ethisch geworden in der Würdigung dieses„Platzes an der Sonne". Sie wollen„moralische" Eroberungen machen bei den Chinesen mit Kunstbauten, Aufforstungen und Unter- richtsanstalten, kurz, sie sind von so moralischer Enthaltsamkeit wie der Fuchs vor den hochhängendcn Trauben. Den sozialdemokratischen Standpunkt vertrat Genosse Noske, indem er gleichzeitig die Verschlcierungstaktik der amtlichen Denkschrift geißelte. Ist darin doch dieses Jahr »viederum in den statistischen Angaben über den Handel Tsingtaus sorgfältig verschwiegen worden, wie stark denn der d e u t s ch c E i g e n h a n d el daran beteiligt ist. Aus anderen Taten ist es aber bekannt, daß dieser Anteil außerordentlich dürftig ist. Auch das bemängelte Noske, daß ein so»vichtigcs,. allerdings höchst unbequemes Ereignis wie der vorjährige Bbykott deutscher Waren durch die chinesischen Kaufleute völlig übergangen ist. Die Unterhaltung einer deutschen Hochschule für Chinesen steht aber in einem auffälligen Gegensatz zu der Tatsache, daß in Deutschland den Ausländern der Besuch deutscher Hochschulen nach Möglichkeit erschwert wird. Wie die deutsche Sozialdemokratie von Anfang an allein der törichten Pachtung Kiautschous entgegengetreten sei, lehnen sie auch jetzt jede Bewilligung dafür ak Als der Etat für Kiautschou um 6 Uhr erledigt»var, wurde noch die Beratung des Postctats begonnen und nach anderthalb Stunden aus Donnerstag vertagt. Abgeordnetenhaus. Das Abgeordnetenhaus bat nun glücklich unter Zuhilfenahme einer Abendsitzung den HandelSetat in zweiter Lesung zu Ende be- raten. Die Debatte am Dienstagabend drehte sich fast ausschließlich um daS ForlbildungSschulwesen, und es ist bedauerlich, daß eine so wichtige Frage in einer Abendsitzung erledigt loird, wo ersahrungs- gemäß von einer gründlichen Beratung nicht die Rede ist. Am Mittwoch verlor sich die Debatte in Einzelheiten, meist lokaler Natur. Bon Interesse ist einzig die Rede unseres Genossen L e i n e r t über die Arbeitsnachweise und die Rechtsberatung Minder- bemittelter. Mit Recht tadelte Leinert die lächerlich geringe Summe, die der preußische Staat für die Arbeitsvermittelung ausgibt, und mit guten Gründen legte er der Regierung die Pflege der Arbeitsvermittelung ans Herz, schon im Interesse der Verringerung der komniunalen Ausgaben für Zwecke der Armen» Verwaltung. Die scharfe Kritik, die er an den Wanderarbeitsstätten übte, verdient ganz besondere Beachtung. In der Tat dürften sich selbst unsere Gegner, wenn sie einmal ehrlich sind, nicht verhehlen. daß es eine Schande ist, wenn für solche Kulturaufgaben noch nicht einmal so viel Geld zur Verfügung gestellt wird, wie für— die Züchtung von Spitzeln, die— wie die Vorgänge vom letzten Sonntag beweisen— sür den Sündenlohn noch nicht einmal ar- b e i t e n I Auch daß die Rechtsauskunftsstellen der Regierung ver- sagen und daß man besser täte, die gewerkschaftlichen Arbeiter- s-kretariote finanziell zu unterstützen, anstatt das Geld für jene Zwecke zum Fenster hinauszuwerfen, wies der sozialdemokratische Redner schlagend nach. Leider predigte er tauben Ohren, denn die in den Etat eingestellte Summe zur Förderung der Rechtsauskunftsstellen dient ja gerade dein ausgesprochenen Zweck, unseren Arbeiter- sekretariaten Abbruch zu tun. Allerdings ein nach wie vor ver« gebliches Bemühen l_ Sozialdemokratischer Wahlrechtsantrag.' Die sozialdemokratische Fraktion des Abgeordnetenhauses hat zur zweiten Lesung der Wahlrechtsvorlage, die am Freitag beginnt, ihren bereits in der Kommission gestellten Antrag auf Einführung des allgemeinen, gleichen, geheimen und diretten Wahlrechts unter Zugrundelegung des Proportional- Wahlsystems für alle über Ä) Jahre alten Männer und Frauen. sowie auf gerechte Einteilung der Wahlkreise von neuem ein- gebracht._ Kein nationallibcrales Kompromiß! Die nationallibcrale„N a t i o n a l z e i t u n g" bringt an der Spitze der Abendausgabe vom Mittwoch eine Auslassung über den Stand der Wahlrechtsverhandluugen. in der es heißt: „Die Regierung will sich vorläufig noch abwartend ver» halten, lieber ihre Ansichten und Absichten wird eine Darstellung verbreitet, die einen durchaus glaubwürdigen Eindruck macht. Es heißt, die Regierung sei nicht taub und blind sür die Wahl- rechtskundgebungen in Berlin und im Lande. Sie wünsche viel- mehr, der Stimmung im Lande dadurch gerecht zu werden, daß sie den Forderungen der gemäßigten Liberalen soweit als möglich Rechnung trägt. Sie wolle deshalb, daß die Wahlreform unlc, keinen Umständen gegen die Nationalliberalen zustande kommt. Im Falle der Wahlreform lägen die Dinge wesentlich anders als bei der Reichsfinanzreform. Hier ständen moralische Güter in Frage, und formell hindere die Regierung nichts, ihre Vor» läge, falls sie ganz oder teilweise vom Parlament verworfen wird, zurückzuziehen und eine neue Borlage einzubringen. E» könne aber weder im Interesse der Regierung, noch in dem der bürgerlichen Parteien liegen, die jetzt schon so lebhaft entbrannte Agitation im Lande weiter fortgesetzt zu sehen. Die Regierung selbst habe bereits zu verstehen gegeben, daß sie mit ihren dem Landtage vorgelegten Acnderungen des bestehenden Wahlrecht» nicht daS letzte Wort gesprochen hat. Sie dürste sich auch boraussichtlich mit einem von der Majorität votierten Gesetz abfinden, soweit sich dieses in dem Rahmen der von der Kommission beschlossenen Acnderungen bewege. Sie wünsche je- doch, daß. mit Rücksicht auf die Stimmung im Lande, wenigstens die gemäßigten Liberalen an dem Kompromiß beteiligt sind. Be- stimmte Vorschläge in der Richtung dürften zwar von der Ne- gierung kaum gemacht werden, sie überlasse es den Parteien, den Weg zu finden, auf dem eine Verständigung erfolgen kann. Soweit die offiziösen Auslassungen. Wir stehen diesem Optimismus der Regierung sehr skeptisch gegenüber. Die unver» bindlichcn Besprechungen, die in diesen Tagen mit den Konserva. tiven gepflogen sind, sind ergebnislos geblieben, weil die Kons«- vativen von ihren Forderungen nicht abgehen wollen. Für dr» nationalliberale Fraktion ist jetzt der Weg vorgezeichnet, den sie gehen muß. Sie wird in der zweiten Lesung mit aller Energie an dem geheimen und direkten Wahl- recht festhalten, ohne das jede Wahlrechtsreform w e r t l o s i st." Hoffentlich fallen die Nationalliberalen nicht noch in letzter Minute um!_ Es bleibt beim Wettrüsten. Die nichtssagende Erklärung des deutschen Reichskanzlers über die Beziehungen zu England sind heute im Unterhause zur Sprache gebracht worden. Ein Londoner Telegramm berichtet: Der Abgeordnete 23 1) I e 5 fragte M a c K e n n a, ob die Erklärung des Reichskanzlers in der ReichStagSfitzung an» 5. März bezüglich der englisch-deutschen Beziehungen das demnächst den» Parlament vorzulegende Flottenbudget in einschrän- kender Weise beeinflussen würde. Mac jlenna erioiderte: Der freundliche Ton der Rede des deutschen Reichskanzlers wird herzlich erwidert, aber ich»nutz darauf hinweisen, dasz unsere Flottenbudgets nicht auf die Annahme basiert werden, dah andere Nationen beabsichtigen, uns gegenüber unfreundlich zu sein oder datz wir beabsichtigen, gegen sie unfreundlich zu sein. lBeikall.) Sie werden aufgestellt. um den Stand unserer Seemacht zu erhalten und hängen von den tatsächlichen Flottenausgaben anderer Mächte ab. Ich weist nichts davon, daß irgend- welche öffentliche Erklärungen deutscher Minister irgend eine Absicht angedeutet hätten, die gesetzlich festgelegten Ausgaben des deutschen FlotteriprogramniS abzuändern. Der englische Marincminister erklärt also, daß die freund- lichen Redewendungen völlig bedeutungslos sind, da ihnen keine Taten entsprechen. Die Engländer werden also weiter Dreadnoughts bauen, so lange die deutsche Regierung nicht endlich vom deutschen Volke zur Vernunft gezwungen tvird und crnschaste Verhandlungen einleitet, um sich mit England über eine beiderseitige Einschränkung der F l o t t e n r ü st u n g e n zu verständigen. Daß die englische Regierung dazu bereit ist, hat sie oft genug zu erkennen gegeben._ Die Bedeutung der Landtagsnachtvahl i« Freudenstadt. Zu dem Wahlausfall in Freudenstadt(Württemberg), den wir bereits in der Dienstagnummer mitteilten, wird uns noch aus Stuttgart geschrieben: Die Nachwahl in Frcudenstadt verdient eine kurze Würdigung. Die Wahl endete, wie vorauszusehen war, mit dein Siege des Volks- parteilers<Ä a i s e r, dem die nationalliberalc Partei ihre Hilfe angedeihen liest. Unser Kandidat, Genojse Härder, der im ersten Wahlgang»nit 2145 Stimmen dein Volksparteiler, der 2211 Stimmen erhielt, sehr nahe gerückt lvar� erhielt im zweiten Wahlgang 2604 Stimmen. Ter VollLPartcilcr brachte cS auf 3418 Stimmen. Von den 1814 nationalliberalen Stimmen sind ihm also rund 1200 zugefallen. Unser Stinunenzahl hat sich seit der letzten Wahl mehr als verdoppelt. Der moralische Eindruck der Wahl ist sehr stark. In bürger- lichen Kreisen ist man geradezu entsetzt über das rapide Anwachsen der Sozialdemokratie in diesein rein ländlichen Wahlkreis. Nun bläst die bürgerliche Presse mit vollen Backen zum Sammeln. „Alle bürgerlichen Partei«»» gegen die Sozial- d e m o l ra t i c!" ist die Losung. Wenn nur„d i c P r e u st e n" die Sammlung nicht gar so schlver inachen loürden. Das verräterische Treiben des Zentrums und der National- liberalen Preutzens in der Wahlrechtsvorlage erschüttert die Stellung dieser Parteien im Süden Deutsch- lands wohl noch starker als in Norddeutschland. Der Süden hat fast durchweg das allgeincine, gleiche, geheime und direkte Landtagsivahlrccht. Und er befindet sich wohl dabei. Man begreift hier einfach den Widerstand der preustischcn Regierung gegen eine zeitgemäße Reform des Wahlrechts nicht. Bei der württembergischen Verfajsungsreform haben sich nicht nur die wnrttembergischen Minister für die Modernisierung der Verfassung ins Zeug gelegt; der König selber förderte das Werk nach Kräften unter Aufopferung monarchischer Privilegien. Die Drohung der „Krcuzzeitung". daß unter solchen Umständen wohl preußische Bajpnette einmal im Süden Deutschlands Ordnung schaffen müßten, beantwortete Wilhelm II. von Württemberg mit einem Dankschreiben an den Ministerpräsidenten, datiert vom 16. Juli 1906. Das Dankschreiben beginnt: Mein lieber Präsident des Staatsministeriums, Staatömini stcr Dr. v. Breitling! Die Vollendung des Werkes der Berfassungsrevision gereicht Mir zur lebhasten Befriedigung und Genugtuung, nicht nur weil Ich in Uebercinstimmung mit Meiner Regierung die Reform für eine dringende Notwendigkeit erachtet habe, sondern auch, weil deren Durchführung einem seit Jahrzehnten gehegten Wunsche des größten Teils Meines Volkes ent- spricht. Zum Schluß spricht der König auch Dank avS„der opferbereiten Hingabe der Vertreter des Landes". Durch die Reform wurde die Zweite Kammer, ein seltsames Zwitierding von Volksvertretung und Privilegienparlainent des württembergischen Adels, zur reinen Volkskammer umgestaltet, das Wahlrecht erweitert, die Zahl der Abgeordneten erhöht, das Recht des Königs, erbliche Mitglieder der Ersten Kammer neu ernennen zu dürfen aufgehoben. Die Vertreter des württemvergischen AdelS in der Zweiten Kammer waren klug genug, der Reform, durch die sie aus der Kammer ausquartiert wurden, zuzustimmen. Sie fürchteten den ungeheuren Nutzen, den ein Scheitern des Reformwerks der Sozialdemokratie gebracht hätte. So traten sie freiwillig von der Bühne ab. Klüger als die norddeutschen Vettern haben sie damit zweifellos gehandelt. Ist die preußische Regierungspraxis, die Art. wie dort ein Königewort eingelöst werden soll, im Süden Deutschlands schon unverständlich, so bewirkt die Haltung der Nationalliberalen und des Zentrums tiefgehende Erbitterung. Daß die preußische Wahlrechtsfrage eine deutsche Frage ist, hat man im Süden nur zu gut begriffen. Die Stellungnahme der bürgerlichen Parteien zur Wahlrechtsrcform in Preußen wird die Zukunft dieser Parteien auch im Süden Deutschlands sehr nachhaltig be- e i n f l u s s e n. Freudenstadt hat ihnen die erste Quittung aus- gestellt._ Der alte Kniff. Ein neuer Schwindelfeldzug deS Zentrums beginnt in Sachen der Wahlrechtsvorlage. Auf Mittwochabend hatte das Zentruin in Essen eine interne Sitzung der Vertrauensleute der Zentrumspartei einberufen, in toelcher der Abg. GieSbertS über den Wert von Straßendeinonstrationen sprach. Danach fand wie zur Zeit der ReichSfinanzreforn» eine ge- schlöffe u e Parteivers ammlung statt. Erst wenn auf diese Weise die Funktionäre eingeseift und fanatisiert sind, geht das Zentrum mit der sogenannten Rechtfertigung seiner Wahlrechts- gauneret in die O e f f e n t l i ch k e i t. Höchstwahrscheinlich wird das Zentrum auch anderweitig so verfahren. Sturm im sächsischen Landtage. Dresden, 9. März. In der heutigen Sitzung der Z tv e i t e n Kammer kam es bei der Beratung der Petition eines aus dem Staatsdienste entlassenen WcrkstättenarbeiterS auf Wiederanstellung zu einem erregten Zwischenfall. Staatsminister Dr. von Rueger wandte sich gegen die Petition und erklärt u. a.. daß er eine Koalition der Eisenbahnarbeitcr nicht zulassen könne. Durch wiederholte Zwischenrufe aus dem Hause unterbrochen, fuhr der Minister fort: Ich bitte, mir derartige Ungezogenheiten zu ersparen. Sierauf erhob sich auf der linken Seite des Hauses ein tosender türm der Entrüstung. Rufe wie„Unverschämtheit",„Was bilden Sie sich ein!" wurden laut. Dazwischen ertönten in dem Lärm die Hammerschläge des Präsidenten Dr. Vogel, der sich derartige Aeußerungen der Äamincrmitgliedcr verbot. Als der Minister seine Ausführungen beendet hatte, erklärte der Präsident, er besitze leider keine Handhabe, um gegen Aeußerungen eines Regierungsvertreters, wie sie soeben gefallen seien, vorzugehen. Er bedauere diese Aeußerungen zwar, müsse aber die Würde des Hauses wahren und könne den Abgeordneten solche Zwischenrufe, ivie sie soeben laut wurden, nicht gestatten. Darauf erhob sich erneuter Lärm auf der linken Seite, der sich in erregten Rufen laut Machte:„Das lassen wir uns nicht gefallen! Mag der Minister auch die Würde des Hauses wahren!" Der sozialdemokratische Abg. Fleißner erhielt einen Ordnungsruf. Nur langsam legte sich die Er- regung im Hause. Die Petition ließ das Haus schließlich nach längerer erregter Debatte zum Teil auf sich beruhen, zum Teil wurde sie für unzulässig erklärt, und die Sitzung sodann geschlossen. Freifahrtkarten für die Landtagsabgeordneten. Die„Kölnische Volkszeitimg" läßt sich aus Berlin tele- graphiercn: „Die Freifahrtkarten für die LandtagSabgeordneten vom Wohn- sitz nach Berlin und zurück dürften nunmehr gesichert sein. Das Staatsministerium beschäftigte sich damit in der heutigen Sitzung und genehmigte grundsätzlich die Bewilligung der Freifahrtkarten. Die Einführung soll auf dem Verwaltungswege erfolgen, sobald einige Bedenken und formelle Schwierigkeiten beseitigt sind." Vor wenigen Tagen noch ist behauptet worden, daß die Gc- nehmigung von Freifahrtkarten abgelehnt worden sei. Die linksliberale Kompromißpartei. Wie freisinnige Blätter melden, tritt der geschäftsführende Aus- schuß der Fortschrittlichen VokkSpartei am Donnerstag im Reichstag zusammen, um sich zu koustituieren. Vorsitzender der neuen Gesaintpartei wird der Abg. Stadtrat Fisch beck. Die NetchstagSsraktion der Fortschrittlichen Volkspartei hat sich bereits Dienstag abend konstituiert. Es blieb alles so, wie cS in der „Fraktionsgemeinschaft" gewesen: Abg. Dr. W i e m e r ist Fraktions- Vorsitzender, Abg. Dr. Müller-Meiningen, stellvertretender Vorsitzender. Weiter gehören dem Fraktionsvorstand an die Abgg. Kaempf, v. Payer und Schräder. Ein Fraktionsstatut soll demnächst von einer sechsgliedrigen Kommission beraten werden. Die preußische LandtagSfraktian hält ebenfalls Donnerstag ihre erste Sitzung nach vollzogener Fusion ab. Auch dort handelt es sich nur um eine Formalität, und die Zusammensetzung deS Vorstandes(die Abgg. Fischbeck. Kindler, Funck und P a ch n i ck e) wird unverändert bleiben. Immer deutlicher zeigt sich, daß in der neuen Partei die frühere Freisinnige VolkSpartei ein unbestrittenes Uebcrgewicht besitzt und alle wichtigeren Posten besetzt. Die Freisinnige Vereinigung und die süddeutschen Demokraten sind zu bloßen Anhängseln degradiert. Die Freisinnige Volkspartei stellt aus ihrer Mitte nicht nur den ersten Vorsitzenden der Reichstags- und Landtagsfraktion, sondern auch den Obmann des geschäftsführenden AussckmsieS, und zwar ist es eine der reaktionärsten Personen des alten Freisinns, die in der neuen Kompromißpartei die erste Geige spielt: Herr Fischbeck. „Unser" Auswärtiges Amt. In einem norddeutschen nationalliberalen Blatt wird ein charakteristisches Beispiel dafür aiigeführt, wie das Auswärtige Amt praktisch zu arbeiten versteht. Ein Geschäftsmann hatte uin An- gaben über die wirtschaftlichen Verhältnisse in Neuseeland gebeten. Zehn Tage später teilte ihm daö Auswärtige Llmt mit, daß er aus- sührliche Angaben über Neuseeland im Meherschen Großen Konver- sationslexikon finden könne. Der Herr hat auf diese Art der In- sormation verzichtet und sich an das englische Auswärtige Amt ge- wandt, von wo er umgehend die gewünschte Auskunst erhielt. Es ist doch gut, daß ein Konversationslexikon existiert, sonst wüßte man in» Auswärtigen Aint von der Existenz Neuseelands vermutlich überhaupt nichts._ Zentrumsfüchse im Eise. Als am 1. d. M. Genosse Lcinert im preußischen Abgeordneten- Hause nachwies, wie gewissenlos das Zentrum seine früher ab- gegebenen WahlrechtSvcrfprechungen bricht, quittierte die Zentrums- fraktion diese Stäupung mit„Unruhe und Widerspruch". Der Ab- geordneter GranawSki gestattete sich sogar, die Ausführungen Leinerts als unwahr zu bestreiten. Der aufdringliche Eifer jedoch, mit dem das Zentrum heute, um dem Junkertum seine Bündnis- fähigkeit zu beweisen, sein früheres Buhlen um die Gunst des „Umsturzes" leugnet, schlägt zu seinem Schaden auS; denn in verschiedenen Gegenden haben sich unsere Genossen dadurch veran- laßt gefühlt, die alten Vereinbarungen auszugraben, die sie einst mit dem Zentrum getroffen haben. Interessant sind besonders die von unseren Genossen im Jahre 1908 mit dem Zentrumswahlkomitee in Duisburg-Mülheim ge- troffenen Vereinbarungen. Im Wahlkreise des Abgeordneten Sauermann kandidierte da- mals für die Nationalliberalen der großkapitalistische Kommerzienrat Küchen aus Mülheim, der ehrlicherweise sich schon vor der Wahl offen als Gegner des Reichstagswahl- rechtes erklärt hatte. Das Zentrum dagegen paradierte mit der Forderung des allgemeinen, gleichen, geheimen und direkten Wahlrechts auch für den preußischen Landtag. Der Bergmann Sauermann insbesondere ging sogar in seinen Ver- sprechungen noch weiter, indem er auch für N e u e i n t e i l u n g der Wahlkreise eintrat. In den Händen unserer Ge- Nossen lag die Entscheidung. Nichts lag näher, als daß unsere Genossen im Duisburg-Mülheimer Kreise den Bergmann Sauer- mann dem Vertrauensmann der Jndustriemagnaten vorzogen. Und daß sie dabei nicht bedingungslos für Sauermann eintraten, wie das jetzt mit dreister Stirn von den Zcntrumsleuten bchaup- tet wird, das beweist nachstehendes, schriftlich abgegebene Bcr- sprechen: Erklärung. Der Unterzeichnete verpflichtet sich hiermit, im Falle er bei der Wahl am 16. Juni ins preußische Abgeordnetenhaus ge- wählt werden sollte, einzutreten: 1. für Einführung des nllgemeinen, gleichen, geheimen und direkten Wahlrechts im Sinne des Rcichstagswahlrechtes für die Wahlen zum preußischen Landtage; 2. nach Einführung der Wahlrechtsreform in obengenanntem Sinne auch für die Neueinteilung der Wahlkreise einzutreten; 8. die auf die Erreichung der Ziffer 1 erforderlichen Anträge zu unterstüticn event. auch selbst einen solchen Antrag zu stellen. Duisburg-Beek. den 13. Juni 1908. Franz Sauermann. Dies klare, jeden Zweifel über die Versprechungen Sauer- manns ausschließende Dokument dürfte wohl genügen, um die Taschenspielerkunststücke des Zentrums zu kennzeichnen. Daß es Sauermann damals wirklich ernst gewesen sein mag mit seinen Versprechungen, wollen wir zu seinen Gunsten annehmen, wenig- stcns spricht nachstehender, am Tage nach der Wahl an unsere Duisburger Kreisleitung zu Händen des Genossen Schlucht- mann gerichteter Brief dafür: Duisburg-Beek, den 17. 6. 1908. Sehr geehrter Herr Schluchtmann! Meinen aufrichtigsten und herzlichsten Dank für die überaus prompte Einlösung Ihres Versprechens bezüglich der Wahlhilse am gestrigen Tage. Ich bitte, auch bei Gelegenheit den Wahl- männern Ihrer Partei diesen meinen Dank nochmals anszu- sprechen, aber nicht in der Zeitung, weil mir dadurch van anderer Seite sehr, sehr große Schwierig leiten erwachsen würden. Wenn ich auch politisch nicht Ihrer Partei angehöre, so ist es doch selbstverständlich, daß ich als armer, besitzloser Arbeiter auch als solcher denke und fühle und immer an erster Stelle dort zu finden sein wer de, wo es gilt, die Interessen meines Standes wahrzunehmen oder für unsere h e i l i g st c n Rechte zu kämpfen, vor allein für das RcichStagswahlrecht im Königreiche Preußen. Mit vorzüglicher Hochachtung Ihr ergebener Franz Saucrmann. Da Saucrmann es nicht nur duldet, daß mit seinem Rainen Mißbrauch getrieben wird, sondern er selbst auch noch durch sein ganzes Verhalten dieses lügnerische Treiben seiner Parteigenossen zu unterstützen scheint, so rechtfertigt cS sich, wenn unsere Duisburger Genossen nun auch den Brief mit veröffentlichen, der bei ehrlicher Jnnchaltung der Versprechungen natürlich nicht an die Oeffentlichkeii gezogen wäre. Wenn»vir indiskret haben»vcrdcn müsse», so hat Herr Saucrmann das selbst provoziert. Der Brief zeigt übrigens mit aller Deutlichkeit, daß Herr Saucrmann seine Pappenheimer kennt. Priester-Presse. ES gibt bekanntlich Institute, deren Aufgabe eS ist, jungen Leuten, denen für den gewöhnlichen Studiengang die nötige Geduld und Ausdauer fehlte, in kurzer Zeit die für irgend ein Examen nötige„Reife" beizubringen. Man nennt ein derartiges Institut „Presse" und redet in diesem Sinne von einer Fähnrichs-, Referendars- usw. Presse. Aber es gibt auch Priester-Pressen, wie folgendes Inserat der„Kölnischen Pollszeiiung" beweist: Institut für ältere Pricstcrkaudidatcn. Aelterc Jünglinge, die noch Priester werden wollen, werden rasch zur Prima oder zum Abitur befördert. Pension in, Jinernat 1000 M.. außerhalb 600 M., Schulgeld 500 M., Minderbemittelte nach Rücksprache.— Jüngere Schüler aus besserer Familie, die Ostern nicht versetzt Iverden, werden durch das Beispiel ernster, zielbelvußtcr Schüler so weit gebracht, daß sie den Verlust wieder einholen. Fr.-Off. unt. 17.25. 1300 an die Geschäfts st ekle der Kölnischen Bolkszeitung. Sämtl. Abiturienten bestanden. Die Inhaber des Instituts scheinen ihr Gewerbe doch wohl selber nicht für ganz einwandfrei zu halten, soust würden sie es nicht unter verdeckter Flagge ausüben. Oeftermeb. Der Wiener Bürgermeister. Wien, 9. März. Nach dem über das Befinden des Bürger- meisters Lucger heute vormittag ausgegebenen Bulletin ist das Bewußtsein geschwunden und die Atmung unrcgelinäßig. Die Herztätigkeit nimmt ab._ Finanznöte. Wien, 9. März. Das Abgeordnetenhaus setzte die erste Lesung der Finanzvorlage fort. Der Finanzininister betonte, die Rc- gierung habe angesichts des entschiedenen Widerstandes deö Hauses die geplante Biersteuererhöhung fallen- lassen und einen neuen Finanzplan eingebracht. Der Minister»oandte sich dann gegen die Behauptung, daß das Defizit nur fingiert fei, und daß es seine Bedeckung in den erhöhten Erträgnissen des Zollgefälles finde. Diese Erhöhung, welche auf die schlechte Ernte, auf die hohen Getreidepreise und die dadurch notwendig gewordene Weizeneinfuhr aus Rußland zurückzuführen sei, werde zum großen Teil durch die U e bc r s ch r e it u n ge n des Kriegs mini st eriums, welches doch das Gros seiner Ausgaben für den Getreideeinkauf verwende, aufgewogen. Auch durch Ersparnisse könne das Defizit nicht beseitigt»Verden. Daß die Lage der österreichischen Finanzen I e i n e g ü n st i a e sei, ergebe sich auch aus der in den letzten Tagen eingebrachten Kredit« Vorlage. Hierbei betonte der Munter, daß er der gestern vom Zlb- geordneten Renner geäußerten Anschauung, daß Oesterreich schon bankerott sei, nicht-zustimme. Wenn man bedenke, daß die Einnahmen und Ausgaben rund fünf Milliarden betragen, so sei ein Ausfall von 70 Millionen demgegenüber Verhältnis- »näßig klein, so schwer es auch den Steuerträgern falle, diesen Aus- fall zu bedecken. Schuld an der gegemvärtigen Finanzlage seien die absteigende Konjunktur und die erhöhten HecreS- und Marineforderüngen im Zusammenhang mit den durch die jüngsten politischen Verwickelungen notwendig werdenden Ausgaben, die mangels vorliegender Dclegations» beschlüsse aus den Kassenbeständen durch Vorschüsse gedeckt»vorden seien, deren Rückzahlung jetzt dringend erforderlich sei. frankreicb. Die Unterschlaguna der Ordensgcldcr. Paris, 9. März. Die gesamte Presse beschäftigt sich eifrig mit der Vc r h a f t u n g deS Liquidators Duez. Die konservative» und nationalistischen Blätter nehmen den Vorfall zum Anlaß, um an der a n t i k l e r i k a l e n P o l i« t i k der radikalen Regierung der letzten 19 Jahre schärfste Kritik z»» üben und erinnern daran, daß Waldeck-Rousseau, um die Auflösung der Kongregationen zu rechtfertigen, dein französischen Volke versprochen habe, init den Milliarden der Klöster sollten Arbciterpensionskassen und andere gemein- nützige Werke geschaffen werden. Ministerpräsident Br iaird erklärte eincin Mitarbeiter des„Journal": Als Justizininistcr habe ich iin vorigen Jahre die Staatsanwaltschaft auf die Handlungsweise Duez' aufmerksam gemacht. Als Miiuster- Präsident habe ich der Gerechtigkeit freien Lauf gelassen. Mallcher wird sich über das Vorkominnis freuen; mag sein, aber das Land wird sehen, daß wir gleiche Ge- rcchtigkeit für alle»vollen. In der Sei»atskomniission erklärte P e r r i e r. der»nit dem Studium der Akten betraut ist, die Passiven Duez" betrügen zehn, nicht fünf Millionen. Die Koinmission gab der Ansicht Ausdruck, daß das Gericht daniit. daß es 148 Liquidationen nur drei Liquidatoren übertrug, einen schweren Fehler begangen habe. Es wurden dann An- träge angenommen, nach denen untersucht»Verden soll, unter welchen Umständen und durch wessen Fürsprache Duez zuin Liquidator ernannt und in seinem Amte erhalten wurde. Ferner soll die Regierung aufgefordert werden, festzustellen. ob die Zahlungen der Liquidatoren regelmäßig erfolgen! und welche Verwendung die eingezahlten Gelder finden« Kanada. Keine Verständigung mit den Bereinigten Staaten. New Jork, 9. März. Wie der New Uork Herald aus Ottawa meldet, sind die Zo l lta r i sunterhand l u n g en der Re, gicrung mit der amerikanischen Tarifbehörde beendet, ohne daß eine Einigung erzielt wäre,. GewerkfcbaftUchce. Berlin und Omgegcnd. Die Tarifbewegung in der Holzindustrie. Am Dienstag hielt der Holzarbeiterverband eine General- Versammlung für Berlin und die Vororte ab. Die Versammlung hatte über die Annahme oder Ablehnung des Ergebnisses der Tarifberatungen zu beschließen. Glocke gab einen eingehenden Bericht über die Verhandlungen mit den Unternehmern. Bekannt- lich hat die letzte Vertrauensmännerversammlung nochmalige Ver- Handlungen verlangt. Es sollte versucht werden, die Lohn- erhöhung von o Proz., welche nach dem damaligen Stande der Verhandlungen an, 1. November in Kraft treten sollte, sofort mit der Einführung des neuen Vertrages zu erhalten. Die neüen Verhandlungen haben stattgefunden; es war den Verbands- Vertretern aber trotz aller Bemühungen nicht möglich, mehr zu erlangen, als daß die Lohnerhöhung vom 1. Oktober an gezahlt werden soll. Dem Bericht G lock es folgte eine längere Diskussion. Alle Redner brachten zum Ausdruck, daß niemand mit dem Ergebnis der Verhandlungen zufrieden sein könne, da viele Wünsche der Arbeiter unberücksichtigt geblieben seien. Andererseits wurde aber anerkannt, daß die neue Tarifvorlage manche Verbesserungen des alten Vertrages enthalte, also immerhin einen, wenn auch kleinen Fortschritt bedeute. Aus diesem Grunde sowie mit Rücksicht auf die allgemeine Lage und die an der Bewegung beteiligten Kollegen im Reiche glauben die Berliner Mitglieder, ihre weiteren Wünsche für dieömal zurückstellen und dem Abschluß eines neuen Tarifs gemäß den vorliegenden Verhandlungsergebnissen zustimmen zu können. Unzufriedenheit herrschte besonders darüber, daß der neue Vertrag keine Verkürzung der Arbeitszeit bringt und daß die Lohnerhöhung nicht sofort eintritt. Nach einem Schlußwort Blockes stimmte die Versammlung mit großer Mehrheit dem Entwurf des neuen Vertrage» zu. Ferner wurde auf Antrag Blockes beschlossen, den jetzigen Bei- trag von l.öv M. vom Abschluß des Vertrages an auf 1 M. herab- zusetzen. Gestern nachmittag haben auch die Verbände der Holz- industriellen in einer gemeinsamen Generalversammlung zu dem Ergebnis der Tarifverhandlungen Stellung genommen. Unser Berichterstatter, den wir in die Versammlung geschickt hatten, wurde auf Anordnung des Obermeisters Rahardt hinaus- komplimentiert. Wenn die Unternehmer während der Vcrtragsverhandlungen ihre Versammlungen unter Ausschluß der Presse abhielten, so konnte man das allenfalls verstehen, denn sie mögen manches zu sagen gehabt haben, was sie für sich behalten wollten. Wenn aber selbst die entscheidende Versammlung, die nur noch ja oder nein zu den getroffenen Abmachungen zu sagen hat, unter Ausschluß der Oeffentlichkeit abgehalten wird, dann ist das doch recht be- denklich. Eine Angelegenheit, die seit Monaten das öffentliche Interesse erregt, sollte doch, wie es bei den Arbeitern selbstverständ- lich der Fall ist, öffentlich entschieden werden. Weshalb scheut denn Herr Rahardt die Anwesenheit unseres Berichterstatters? Jedenfalls fürchtete er, es könne uns durch die Debatten in seiner Versammlung Einblick gewährt werden in die Gegensätze, die in den Reihen seiner Gefolgschaft herrschen. Als ob uns diese Dinae nicht längst bekannt wären. Durch die großen Kämpfe, die dem Abschluß des bis jetzt geltenden Tarifs vorausgingen, sind den Tischlermeistern, besonders den weniger kapitalkräftigen, schwere Wunden geschlagen worden. Unzufriedenheit mit den führenden Geistern machte sich infolge- dessen bemerkbar. Die Macher der Bewegung suchten der Un- zufriedenheit zu steuern und ihre Mitglieder bei der Stange zu halten, indem sie ihnen in Aussicht stellten, beim Wschluß eines neuen Vertrages würde alles besser werden. Das heißt, die Unter- nehmerorganisation würde den Vertrag diktieren und die Arbeiter müßten sich dem Willen der Unternehmer fügen. Das ist es, was man den Tischlermeistern seit Jahr und Tag in den Agitations- Versammlungen in Aussicht gestellt hat. Sie sind der Fahne Rahardts gefolgt in der Hoffnung, daß sie den Arbeitern keinerlei Zugeständnisse machen brauchen. Doch es ist anders ge- kommen. Nachdem die Unternehmerorganisation den Vertrag ge- kündigt hatte, verlangten die Arbeiter Verbesserungen, und diese mußten, wenigstens zum Teil, anerkannt werden. Nun geht es vielen Tischlermeistern gegen den Strich, daß es den Arbeiter- organisationen gelungen ist, gewisse Verbesserungen im neuen Vertrage durchzusetzen, und daß die Verheißungen ihrer Leitung, es würde nichts bewilligt werden, nicht erfüllt werden konnten. Besonders die Vertragsbestimmung, welche verlangt, daß der paritätische Arbeitsnachweis in erster Linie benutzt werden muß, hat viele Tischlermeister mißmutig gemacht. Sie bildeten sich ein, ihre Verbandsleitung könne sie vor jeder Forderung der Arbeiter sichern, und fühlen sich nun enttäuscht darüber, daß sie doch etwas bewilligen müssen. Darum haben sie doch der Tarifkündigung nicht zugestimmt.— Die Gegensätze, welche zwischen den kleinen Meistern und den großen Unternehmern naturgemäß bestehen, sind durch diese Tarifbewegung noch mehr verschärft worden. In der am Montag abgehaltenen Vorstands- sitzung der Unternehmerverbände platzten diese Gegensätze scharf aufeinander. Herr Rahardt hat jedenfalls annehmen müssen, daß diese Gegensätze, diese Unzufriedenheit der Mitglieder mit dem Vor- stände, der ihnen mehr versprochen hat als er halten kann, auch in den Debatten der gestrigen Generalversammlung zum Austrag gebracht werden würden. Deshalb die Furcht vor der Anwesen- heit unseres Berichterstatters.— Die Herren haben sich aber ver- rechnet, wenn sie glauben, uns die Vorgänge in ihren Reihen ver- heimlichen zu können. Sie sind uns nur zu gut bekannt. Zu der Situation im Rohrlegergewerbe. Den Verhandlungen der Arbeitgeber im Rohrlegergewerbe mit dem Allgemeinen Metallarbeiterverband über einen neuen Tarifvertrag tritt der Deutsche Metallarbeiterverband energisch entgegen, soweit der Allgemeine Verband sich herausnimmt, einen Tarif abzuschließen, der für die Rohrleger und Helfer von Groß- Berlin maßgebend sein soll. Dieser Standpunkt wurde in einer allgemeinen Rohrlegerversammlung, die der Deutsche Metall- arbeiterverband zum Dienstagabend nach Freyers Festsälen, Koppenstratze, einberufen hatte, mit aller Entschiedenheit zum Ausdruck gebracht. Die Versammlung war sehr stark besucht; etwa 120(1 Mann hatten sich eingefunden und sie folgten den Dar- legungen des Referenten H a n d k e mit großer Aufmerksamkeit. Der Redner schilderte, wie die Mitglieder des Allgemeinen Ver- bandes durch die Leiter desselben schon seit Monaten an der Nase herumgeführt werden. Schon im August vorigen Jahres beschloß dieser Verband, eine Teuerungszulage zu fordern. Die Mitglieder warteten in mehreren Versammlungen vergeblich auf einen Bericht ihrer Verbandsleitung, wie diese Forderung auf- genommen wurde, oder was zu ihrer Durchführung zu geschehen habe. Im Dezember verbreitete dann die Leitung des Allgemeinen Verbandes die Nachricht, daß man einen Tarifvertrag zustande gebracht habe, der nur noch der Zustimmung der beiderseitigen Generalversammlungen der Mitglieder bedürfe; man sprach von Errungenschaften in bezug auf Lohnerhöhungen und paritätischem Arbeitsnachweis. Man ging so weit, zu erklären, daß niemand Aussicht habe, als Rohrleger Arbeit zu erhalten, der bis zum 1. April 1910 nicht Mitglied im Allgemeinen Verband sei. Alles war unrichtig, Täuschung der eigenen Mitglieder und der Oeffent- lichkeit; man ging damit nur aus M i t g l i e d e r s a n g aus. Der Arbeiigebervcrband selbst ließ bekannt machen, daß er von einem solchen Tarifvertrag nichts wisse. Am 16. Januar hielt der Allgemeine Verband eine Versammlung ab, in der die Leitung er- klärte, daß über den Tarifvertrag„noch verhandelt" werde. Ebenso hieß es in einer Versammlung am 30. Januar. Und dann kam eine sonderbare Aufklärung in einer Versammlung am 20. Februar, warum von dem— angeblich im Dezember schon fertiggestellten— Tarifvertrag noch gar nichts zu merken war. Ein Brief der Arbeitgeber wurde verlesen, worin diese mitteilten, daß sie noch gar nicht darüber klar geworden seien, ob hinter dem Allgemeinen Verband die Mehrheit der Rohrleger stehe. Der Schwindel lag offen zutage; es handelte sich eben nur um eine Vorlage, um einen Entwurf des Allgemeinen Verbandes, nicht um einen Tarifvertrag, und die Unternehmer kümmerten sich nicht einmal darum. Jetzt trat die Leitung, um die Mitglieder weiter zu täuschen, sehr geräuschvoll auf, man machte große Worte, sprach pathetisch vom„Siegen oder Sterben" und beschloß eine gewisse„passive Resistenz", die darin bestand, daß die Mitglieder keine Ueberstunden mehr machen sollten, und anderen schweren Eni- schlüssen. Man rief das Einigungsamt an und am 3. März fand eine Verhandlung statt. Hierbei war sehr bemerkenswert, daß die Unternehmer mit der Oeffentlichkeit der Verhandlungen ein- verstanden waren, während der Vertreter des Allgemeinen Ver- bandes den Ausschluß der Oeffentlichkeit verlangte und diesem Verlangen wurde stattgegeben. Man muß annehmen, daß er die Oeffentlichkeit zu fürchten hatte. Am 6. März, am Wahlrechtsdemonstrationstage der Berliner Arbeiter, fand eine Versammlung des Allgemeinen Verbandes statt, in der die Mit- glieder einen Bericht erwarteten. Nach der„Volks-Zeitung" wurde in der Verhandlung vor dem Einigungsamt über den Tarifvertrag selbst gar nicht gesprochen, sondern nur über die Vertrags- f ä h i g k c i t des Allgemeinen Verbandes. Diese Vertragsfähig- keit wurde schließlich anerkannt, nachdem der Leiter die Mit- gliederzahl des Verbandes als zwischen 2280 bis 2300(Großes Gelächter in der Versammlung) schwankend migegeben hatte. Handle bemerkte dazu, daß es sonderbar sei, daß von dieser großen Zahl immer nur 200 bis 300 zu den Versammlungen des Verbandes kommen. Die Vertragsfähigkeit anerkannt, das ist das ganze Resultat, das bisher erzielt wurde, und daraufhin wurde sofort die„passive Resistenz" ausgehoben. Die„Arbeitgeber- Zeitung" schrieb, daß die Unternehmer alle Forderungen ablehnen und nur eine 2�prozentige Erhöhung der Minimalsätze an- nehmen würden. Die Unternehmer kennen die Schwäche des Allgemeinen Verbandes. Jedenfalls darf aber der Vertrag, den dieser Verband abschließt, nicht maßgebend werden.(Am Mitt- woch fanden die Verhandlungen mit dem Allgemeinen Verband über einen Tarif vor dem Gewerbegericht statt.) Im Namen der Agitationskommission legte der Redner der Versammlung die folgende Resolution vor: „Die am 8. März tagende Versammlung der Rohrleger und Helfer Berlins und Umgegend erklärt, daß der Allgemeine Deutsche Metallarbeiterverband in keiner Weise das Recht be- sitzt, sich als die einzige Interessenvertretung der Rohrleger und Helfer zu bezeichnen. Durch ihr verräterisches Treiben und andere Machinationen hat die Leitung dieses Verbandes versucht, die Oeffentlichkeit, insbesondere die Arbeiterschaft, zu täuschen, indem unwahre Mitteilungen über den Stand der Tariffrage von dieser Seite verbreitet wurden. Deshalb erklärt die Versammlung, daß, falls die Arbeit- geber einen Tarif mit diesem Verband vereinbaren, derselbe in keiner Weise für die Rohrleger und Helfer Berlins maßgebend sein kann. Die Versammlung beauftragt die Agitationskommission, in Verbindung mit der Ortsverwaltung des Deutschen Metall- arbejterverbandes, zur geeigneten Zeit Maßnahmen zu treffen, um solche Lohn- und Arbeitsbedingungen im Rohrlegergewerbe zu schaffen, wie sie eine organisierte Arbeiterschaft ver- langen kann." H a n d k e s Vortrag fand den lebhaftesten Beifall der Ver- sammelten und einstimmig wurde die Resolution angenommen. Trotz wiederholter Aufforderung meldete sich kein Gegner zum Wort. An die Anwesenden wurde die dringende Mahnung ge- richtet, für den Deutschen Metallarbeiterverband unter den Rohr- legern die regste Agitation zu entfalten, da nur dieser Verband die Interessen der Arbeiter zu wahren die Kraft und den Willen hat._ Achtung, Musikschallplattenpresser! Die Firma Dr. Grün- bäum, Rixdorf, Schinkestraße, ist nach wie vor für Presser und Schleifer gesperrt. Fabrikarbeiterverband. Ausland. Ter Bürgerkrieg in Philadelphia. Man schreibt uns aus New Uork: Drei Tote, neun im Sterben liegende, 91 schwer- und hunderte leichter verletzte Personen, das waren bis zum 24. Fe- bruar die beiderseitigen Verluste in dem Streik der 9000 Straßen- bahner Philadelphias, und weil damit der Blutdurst der herrschen- den Clique noch nicht gestillt war, rückten an diesem Tage einige Hundert„Kosaken" in die Stadt ein. wie der Volksmund die eigens für die Verwendung bei Streikfällen organisierten und auf den Arbeitermord dressierten berittenen StaatSpolizisten nennt, die denn auch bereits am gleichen Tag mit stundenlangen Reit- Übungen, lange Kracheisen, Knüppel und Handfesseln mit sich führend, einen echt kosakischen Terrorismus in der„Stadt der Bruderliebe" etablierten. In den Gerichtssälen hagelt es Zucht- hauSurteile gegen Leute, die nur verdächtig sind, Steine gegen diese Mordknechte erhoben zu haben. Der weiße Schrecken, den die Horde verbreitet, und die angekündigte Invasion weiterer Kon- stablertrupen wie der ganzen Staatsmiliz, haben der Frechheit der Bahnmagnaten natürlich gewaltig den Rücken gestärkt, und auf der anderen Seite die Streikenden veranlaßt, die Versuche der ge- waltsamen Vertreibung de? Streikbrechergesindels vorläufig ein- zustellen; zugleich ist damit aber auch eine Situation geschaffen, die erwarten lassen kann, daß dieser Streik sich vielleicht zu dem bedeutungsvollsten, geradezu epochemachenden sozialen Konflikt auswächst, den die neue Welt bisher gesehen hat. Bezeichnend hierfür sind die Umstände der Verhaftung des Präsidenten Murphy von der Central Federated Union(dem örtlichen Kartell der zur American Federation of Labor gehörigen Gewerkschaften). Die bürgerliche Lokalpresse hatte über den Inhalt eines Ge- sprächs berichtet, an dem Murphy teilnahm, der sich im Laufe der Unterhaltung erhitzte und meinte:„Seien Sie versichert, daß am nächsten Sonntag der Generalstreik angeordnet wird. Wenn in Kensington auch nur ein Mann von den Staatskonstablern er- schössen wird, so gibt eS einen blutigen Aufruhr, über den sich das ganze Land entsetzen wird. Die Verantwortung für eine solche Erhebung bin ich bereit, zu übernehmen. Die Staatspolizei wäre hilflos. Im nordwestlichen Teile der Stadt gibt es Männer, die mit Schußwaffen so gut umzugehen wissen, wie irgendein Soldat. Warten Sie nur noch kurze Zeit die EntWickelung der Dinge ab. und die Augen werden Ihnen aufgehen." Gleich nach der Ver- öffentlichung dieser Auslassung des Gewerkschaftsführers befahl der Polizeichef die Arretierung Murphys, die aber erst Tags darauf vor dem Polizeirichter gelang, dem sich der Gesuchte stellte. Murphy wurde prompt wegen Aufreizung zum Aufruhr für verhaftet erklärk, aber gegen 300 Dollar Bürgschaft gleich Wieden auf freien Fuß gesetzt. Murphy bewährte sich als Mann, als echter Arbeiterführer, als Wortführer der ungeheuren Erbitterung, die in den Herzen der schassenden Hunderttausende dieser größten Arbeiterschaft der Welt kocht. Er erklärte:„Die Darstellung der Zeitungen über meine gestrigen Aeutzerungen ist so ziemlich zu- treffend. Mögen die Gerichte sehen, wie weit sie meine Worts gegen mich verwenden können. Die städtischen Behörden bemühen sich, die Sache so darzustellen, als ob ich die hiesigen Arbeiter auf- gefordert hätte, auf die Polizei zu feuern. Das ist durchaus falsch. Ich sprach nur die Ansicht aus, daß die Arbeiter das Feuer erwidern werden, wenn die Polizei zu schießen anfängt, lind das ist auch jetzt noch meine Ueberzeugung." Nach allem, was man aus Philadelphia hört, hat Murphy die Stimmung der dortigen Arbeiterschaft zum Ausdruck gebracht, und gerade das Vorgehen gegen die Führer Platt und Murphy hat den Ingrimm der Arbeiter außerordentlich vertieft. Der gestrige Tag führte wieder zu fortgesetzten Bekundungen der Volkswut über die aus den Vcrbrechcrquarticren New Dorks usw. rekrutierten Streikbrecher und das Bahnkapital, das sich auch beim Publikum schon lange vor Beginn des Streiks gründlich miß- beliebt gemacht hat. War es doch, wie seit dem Ausbruch des Streiks, so auch gestern wieder das mit den Arbeitern sympathi- sierende Publikum, das die bewaffcnte Macht, Polizisten wie Staatskonstabler, mit ständigen Angriffen auf verkehrende Straßenbahnwagen und ihre Streikbrecherbemannung in Atem hielt. Trotz des entfalteten Staatsterrors hat Philadelphia, wie von dort berichtet wird, seit der Arbeitsniederlegung der Straßen- bahner noch keinen so stürmischen Tag, wie den gestrigen, erlebt. Ein Toter und 60 Verwundete waren die Opfer. Der Getötete ist ein Knabe. Fünf der Verletzten befinden sich in kritischem Zu- stände. Mit der Verhaftung eines Streikenden namens Copland und eines in seiner Begleitung getroffenen New Dorkcrs will die Polizei ein„Bombcnattentat" auf einen mit 50 Passagieren be- setzten Straßenbahnwagen vereitelt haben. Die Arbeiter et» klären die Anklage für einen Bombcnschwindcl. Philadelphia, 9. März.(Depesche.) Auch gestern abend wurden die Wagen der Straßenbahn von der Menge mit Steinen beworfen. Dabei wurde einer der Arbeitswilligen verwundet. Die in dem Wagen befindlichen Arbeitswilligen gaben hierauf Re- volvcrschüsse ab und verwundeten sechs Personen, darunter ein junges Mädchen. Die wütende Menge demolierte mehrere Wagen. Letzte Nacbricbtcn und Dcpcfcbcn. Raubmordprozcß Wcdzicki und Genossen. Das um 1114 Uhr nachts gesprochene Berdikt der Geschworenen sprach die Angeklagten Wedzicki, Bluhm und Thimm des versuchten schweren Raubes, den Angeklagten Powalla der Anstiftung schuldig. Allen vier Angeklagten wurden mildernde Umstände zugebilligt. Der Gerichtshof verurteilte Wcdzicki zu 1 Jahr Gefängnis, Bluhm, Thimm und Powalla zu je 3 Jahren Gefängnis, die letzten drei auch zu je 5 Jahren Ehrverlust. Den Angeklagten wurden je 6 Monate auf die Untersuchungshast angerechnet. Die Reform des Oberhauses. London, 9. März., Glocke, Berlin. Druck u.Vcrlag:VorwärtsBuchdr.u.Perlag»anstal» KaulSingcrLcCo.,BerlinSV/. Hierzu 3 Beilagen«».Unterhaltung»«, Kr. 58. 27. Jahrgang. 1. Inline kü Jjtiüärts" Iniinn InllisMiitl. Donnerstag. 10. März 1910. Rcicbstaci» für 62. Sitzung vom Mittwoch, den S. März. nachmittags 1 Uhr. Am BundeSratStisch: v. Tirpitz. Auf der Tagesordnung steht zunäckst die Beratung deS Etats das Schutzgebiet kiautschou und das ostafiatische Marine- detachement. zugleich mit der Besoldungsordnung und der Wohnungsordnung für das Schutzgebiet Kiautschou. Abg. Erzberger(Z.): Kiautschou hat uns alles in allem toll Millionen Mark gekostet. Dafür ist ja auch etwas geleistet. Der Grundsatz„Kaufleute vor die Front. Militär hinter die Front!" scheint aber in Kiautschou nicht genügend befolgt zu werden; der deutsche. Kaufmann hat in Kiautschou weniger Selbständigkeit als in Schanghai und Hongkong. Die Selbstverwaltung inufl in Kiautschou gestärkt werden, und die Zivilverwaltung mutz mehr als bisher hervortreten. Leider kennt kein Abgeordneter Kiautschou aus persönlicher Erfahrung. Einige Abgeordnete des vorigen Reichstags waren ja dort, aber Kiautschou scheint für Reichstagsabgeordnete ein ungesundes Klima zu haben, denn sämt- liche Abgeordnete, die dort waren, sind bei der Wahl durchgefallen. (Heiterfeit.) Es sollten einige Abgeordnete hingeschickt werden, die einen festen Sitz haben. In Kiautschou haben wir einen viel zu grotzen Beamtenapparat, und zwar auf allen Gebieten; bei den hohen Gehältern dort mutzte jeder Beamte voll ausgenutzt werden. Ein sehr wichtiges Kapitel bilden ferner die Bauten. Das HauS deS Gouverneurs war auf 460 000 M. veranschlagt, tatsächlich kostete cS 680 000 M. I Der Gouverneur scheint ganz übertriebene Anschauungen von seinen Repräsentationspflichten zu haben. Wie beim Gouvernementspalast ist auch bei vielen anderen Bauten in Kiautschou ein übermätziger Luxus getrieben. Ich habe den dringenden Wunsch, datz der Reichszuschutz für Kiautschou erheblich zurückgehen möge. Aber ich erkenne an, datz in Kiautschou sich Keime der EntWickelung zeigen, die vorbildlich für andere Schutzgebiete sein können. Das gilt in erster Reihe von der Justiz pflege, die in unseren anderen Schutzgebieten der wundeste Punkt ist. Wir müsien dazu komnien, ein selbständiges Kolonial recht zu schaffen. Notwendig ist dazu, datz wir in der Heimat Lehr stühle für Kolonialrecht an den Universitäten schaffen. Nötig ist ferner die Errichtung einer Hypothekenbank in Ostasien. Ebenso wichtig ist die Ausgestaltung des Schulwesens in Kiautschou und in der Provinz Schantung; dafür sollte auch die deutsche Industrie Geld zur Verfügung stellen. Aber eS mutz dabei alles geschehen, um Reibungen mit der Chinesenschast zu vermeiden; denn nur Hand in Hand mit der Chinesenschast können wir in Kiautschou vorwärts kommen.(Bravo I im Zentrum.) Staatssekretär v. Tirpitz: Kiautschou hat uns bisher nicht 150 Millionen gekostet, wie Herr Erzberger meinte, sondern ISl Millionen. Bezüglich der Selbstverwaltung teile ich die Ansicht des Herrn Erz berger, wir werden alles tun, sie vorwärts zu treiben, aber die Parole mutz sein: Selbstverwaltung bei Selbsterhaltung l— Eine Reise eines Abgeordneten nach Kiautschou würden wir gern sehen, dadurch— glaube ich— würde manches Vorurteil schwinden. Den Etat haben wir mit der äutzersten Sparsamkeit aufgestellt. Die Ueberschreimngen beim Bau des Gouverneurpalastes sind zum grötzten Teil auf die Steigerung der Löhne und Materialpreise zurückzuführen. Der Reichszuschutz ist von Jahr zu Jahr um eine Million zurückgegangen und ich habe das ernste Bestreben— nehmen Sie es mir nicht übel— vom Reichstag loszukommen.(Heiterkeit.) die Anregung des Abg. Erzberger. die Industrie möge Schulen in Kiautschou unterstützen, kann ich nur auf das wärmste unterstützen. (Bravo! rechts und im Zentrum.) Abg. Dr. Paafche(natl.): Auf das, was in der Kolonie Kiau- tschou geschaffen ist, können wir als Deutsche stolz sein. Die Fest- setzung in Kiautschou hat gleich von Anfang an den Beifall Eugen Richters gefunden.(Lebhafte Zustimmung bei der Fortschrittlichen Volkspartei.)— Bei aller Anerkennung der günstigen EntWickelung Kiautschous mutz auch ich die dringende Forderung erheben, datz sparsamer gewirtschaftet wird. Die Kosten der Berwal- tung dieses Gebietes, das kaum so grotz ist wie ein preutzischer Landratskreis. sind exorbitant hoch. Tsingtau leistet sich eine so kostspielige Verwaltung wie keine deutsche Stadt von 160 000 Einwohnern(Lebhaftes Hört! hört!), obwohl es eine europäische Bevölkerung von nur 1500 Köpfen hat! Für gar nicht existierende Hochbauten sind Beamte mit im ganzen 40 000 M. Gehältern angestellt!(Erneutes lebhaftes Hört! hört! links und im Fentrum.) Die Aufforstungskosten pro Morgen, die in Deutschland äö— 30 M betragen, kommen in Kiautschou auf ungefähr 600 M., also fast auf das Zwanzigfache zu stehen!(Lebhaftes Hört! hört!) So nötig Kritik und Besserung im einzelnen ist, so dürfen wir doch nie und Kleines feuilleron. Ter Bibliotheksindikator. Für eine große, moderne Bibliothek, di» mit starkem Verkehr zu rechnen hat, gibt es keinen bequemeren Wegweiser und Kontrolleur als den von Amerika und England aus eingeführten Indikator. Es ist dies ein äutzerst sinnreich konstruierter Apparat, der aus mehreren grotzen Rahmen besteht, die durch kleine Blechplättchen in Tausende von kleinen Fächern geteilt werden. Jedes dieser kleinen Fächer, die etwa in der Regel in ihrer Autzenfläche zwei Quadratzentimetcr umfaffen, dient zur Aufnahme eines Metallkästchens, das nach einer Seite bequem herauszuschieben geht. An den beiden Autzenjeiten des Kästchens befindet sich die betreffende Buchnummer. Wahrend die eine Seite blau gestrichen ist, ist es die andere rot, um so zu er- möglichen, datz an der dem Entleiher zugekehrten Farbe zu er- kennen ist, ob das Buch vorhanden oder ob es verliehen ist. Auf den genannten Feldern ist natürlich die Buchnummer vermerkt. Dieses System ist also ftir den Leser außerordentlich bequem, denn wenn er die von ihm gewünschte Buchnmnmer weiß, die er dem gedruckten Kataloge entnimmt, genügt ein Blick auf den Indikator, um ihn zu informieren, ob das Buch vorhanden ist oder nicht. Wie oft kommt es in Bibliotheken ohne einen solchen Indikator vor, datz der Besteller oft nach stundenlangem Warten erst erfährt, daß das gewünschte Buch überhaupt nicht verleihbar ist, wahrend hier ein Blick die informierende Gewißheit gibt. Llbcr auch für die Bibliotheksverwaltung bietet der Apparat einen ungeheuren Vorteil dadurch, daß im Innern des Kästchens sin kleines Büchelchen angebracht ist, in dem der Titel und der Autor- name des Werkes nebst Erscheinungsort und-jähr, Verleger, Auf- lagezahl und Bändezahl angegeben ist. Da auch die Lesekarten- nummer des Entleihers sowie der Tag der Ausgabe in das In- dikaturbüchelchcn eingetragen werden, ist es leicht zu ermitteln, wie oft und von wem das betreffende Buch gelesen wurde. Datz eine jährliche Statistik über Werke und Leser durch den Bibliotheks- tndikator aus den angegebenen Gründen verhältnismäßig leicht und schnell vorgenommen werden kann, ist selbstverständlich. Aber auch für den Bibliotheksbeamten ist der Apparat außerordentlich zeitsparend. Ten ersten Indikator dieser Art auf dem Festlaude führte die von dem Genossen Heimann errichtete öffentliche Bibliothek und Lesehalle in Berlin ein; er enthielt zwanzigtausend solcher geschilderten kleinen Felder mit Buchnummern und In- formationsbüchclchen. Er ist wohl der einzige dieser komplizierten Art innerhalb Berlins; allerdings hat das Beispiel bereits Nachahmer gefunden, indem einige gewerkschaftliche Bibliotheken einen ähnlichen Indikator anschafften, der aber nur die rote oder blaue Farbe zeigt, also angibt, ob das Buch ausgeliehen oder vor- Händen ist, wobei das Jnforyiationsbüchclchen gänzlich fehlt. werden wir nie verkennen, datz wir in Kiautschou vor allem einen hochbedeutsamen Ausstrahlungspunkt deutscher Kultur in Ostasien be- sitzen.(Lebhafter Beifall bei den Nationalliberalen. f Abg. Dr. Dröscher(k.): Gewitz: ein militärischer Stützpunkt, als der er ursprünglich gedacht war, ist Kiautschou nicht. Dafür ist eS ein Zentrum deutscher Kultur, deutscher Tüchtigkeit, deutschen Wesens, deutscher Gründlichkeit! Und darum können wir uns nicht io ohne weiteres dem Rufe nach Sparsamkeit anschlietzen. Kiautschou soll die Musterkolonie bleiben, die eS unter der zielbewutzten Ver- waltung des Reichsmarineamts geworden ist. Die Frage der Wert- zuwachssteuer ist in Kiautschou mustergültig gelöst. Auch den Klagen über den Luxus können wir uns nicht ohne weiteres an- schlietzen. Andere Nationen statten ihre Staatsrepräsentanten in den Kolonien noch weit luxuriöser aus.(Bravo! rechts.) Staatssekretär v. Tirpitz sucht den Eindruck der Ausführungen Dr. Paaiches über die verschwenderische Verwaltung in Kiautschou abzuschwächen und lädt ihn herzlich zu einem Besuch deS ostasiatischen Schutzgebietes ein. Die Möglichkeit jedoch, mit vennindertem Be- amtenpersonal auszukommen, fei anzuerkennen, und er, Redner, werde sich in dieser Richtung bemühen.(Beifall rechts.) Abg. Starz(Fortschr. Vp.): Namens der Fortschrittlichen Volkse Partei(Heiterkeit) habe ich zu erklären, datz wir sehr befriedigt find über die Erklärung des Staatssekretärs, wonach nicht beabsichtigt ist, Kiautschou unter dem Gesichtspunkte eines militärischen Stützpunktes zu betrachten. Sehr zu begrüßen ist die Pflege des Schulwesens in Kiautschou die Verbreitung der deutschen Sprache in China kommt ja auch dem deutschen Handel zugute. Wir sind überzeugt, datz der Gouverneur auch mit 40 000 M. auskommen kann. Herr Dr. Dröscher sagt zwar, in Ostafien wird der Mann nur nach seinem Einkonimen be- inessen. Wir haben aber keine Veranlassung, diese materialistische Auffasiung des chinesischen Mandarinentums uns zu eigen zu machen. (Sehr gut! links.) Durch die zu hohen Beamtengchälter gefährdet man auch die Entwickelung zur Selbstverwaltung.(Bravo! bei der Fortschrittlichen Volkspartei.) Mg. N-Ske(Soz.): In der Budgetkommission wurde am Etat für Kiautschou dies mal vielmehr Kritik geübt als früher. ES ist das ein Ausdruck deS Unbehagens, der bei vielen deshalb besteht, weil die Erwartungen, die man bei der Pachtung von Kiautschou gehabt hat, nicht in Er- füllung gegangen sind und auch gar nicht in Erfüllung gehen konnte. Nur Herr Dröscher hat hjxr in ilnangebrachter, überschwäng- licher Weise seiner Freude darüber Ausdruck gegeben, was alles in Kiautschou geleistet ist, und welche glänzende Zukunft wir dort haben. Trotz der geübten Sparsamkeit aber bleibt die un- angenehme Tatsache bestehen, daß der Zuschuß auch in diesem Jahre recht hoch ist: noch über 8 Millionen Mark! Bezüglich der Selbstverwaltung stehe ich auf dem Standpunkt, datz an sie herangegangen werden soll, wenn die in Kiautschou an- sässigen Leute die Mittel dafür aufbringen, ihr Gemeinwesen zu be- zahlen. Wir können ihnen nicht die Verfügung über Mittel für ihre Schulen lassen, die das Reich aufbringt. Der Staatssekretär hat lobende Äeutzerungen über die Entwickelung Kiaütschous zitiert. Die Tatsachen reden aber eine ganz andere Sprache. Der Staatssekretär will pessimistische Aeutzerimge» mit solchen Lob- sprücheu bekämpfen, aber zu uugüiistiger Beurteilung liegt reichlich Anlaß vor. Bei der Pachtung von Kiautschou ging man von ganz anderen Erwartungen aus, als die gegenwärtige EntwickelungS- Möglichkeit zuläßt. Ein größerer Reinfall ist kaum denkbar. Bei der Pachtung war keine Rede davon, daß Kiautschou nur ein bescheidener Stützpunkt, eine Kohlenstation werden soll, sondern immer und immer wieder sagte man, Deutschland habe rasch zugreifen müssen, um bei der Verteilung der chinesischen Beute nicht zu kurz zu kommen. Immer wieder spielte man mit der Idee, das kleine Schutzgebiet werde bald eine Ausdehnung erfahren. miiidestens auf die große Provinz Schantung!(Sehr wahr I bei den Sozialdemokraten.) Alle diese Hofsnungen sind zusammengebrochen. Die Leute, welche diese Hoffnungen hatten, hatten keine Ahnung von der Entwickelungsfähigkeit Chinas, keiner konnte boraussehen, datz die Wiedererstarlung Chinas in so kurzer Zeit eintreten könnte. Kiautschou hat uns— wie alle Kolonien— ein gutes Stück Geld gekostet, ohne nennenswerte Erfolge im Wirtschaftsleben. In den 10 Jayrrn sind rund 150 Millionen Mark hineingesteckt. Dabei ist das ganze Gebiet etwa so grotz wie das von Bremen. Dazu kommt als mittelbare Folge der Pachtung die aufständische Bewegung in China. .u deren Bekämpfung ein Expeditionskorps hinausgeschickt wurde, ür welches 250 Millionen aufgebracht werden mutzten. In diesem Jahre ist auch der PensionsfondS wieder mit vier Millionen belastet aus Anlaß dieser Expedition! Und Dieser Apparat dient dann wohl zur Bequemlichkeit des Publikums, läßt aber keine statistische Kontrolle über Buch und Leser zu. jedoch erspart auch er dem Bibliotheksbeamten ein vergebliches Suchen nach einem zurzeit ausgeliehenen Buch. Der Preis dieser Apparate ist natürlich nicht niedrig. Je nach dem Umfang beträgt er für zwei- bis dreitausend Buchnummcrn ungefähr tausend Mark. Da» Hnndedenkmal von Batterfca. In dem schönen Battersea-Park, der im besten Stadtviertel deS Londoner Westens an der Themse gelegen ist, hat sich eine merkwürdige Ge° schichte mit einem Hnndedenkmal abgespielt, die die Wochenschrist „Lancet" berichtet. Sie beginnt mit einem Prozeß, den ein Physiologe vom University College in London, Dr. Baylitz gegen den Ehrcnselretär der AntivivisektionS- Gesellschaft wegen einer Beleidigung durch die Schrift angestrengt hatte. Der Beklagte wurde nach mehrtägiger Verhandlung zu der Summe von 40 000 Mark Schadenersatz und Kosten verurteilt. Die Schrift hatte behauptet, datz Dr. Baylitz einen„grotzen braunen Hund vom Terrier- TypnS" bei wissenschaftlichen Versuchen mit äutzerster Grausamkeit behandelt habe, und der Inhalt dieser Beschzildigungen war auch in die Tagespressc übergegangen. Als Zeugen wurden zwei ausländische Damen genannt. Bei der Gerichtsverhandlung stellte sich aber heraus, datz sich unter den übrigen Teilnehmern jener ivisienschaftlichen Vorführung nicht ein Einziger fand, der diese Aus- sage bestätigt hätte, während Dr. Baylitz im Gegenteil nach- iveisen konnte, datz dem Tier die übliche Betäubung zu teil geworden wäre. Es vergingen drei Jahre und man glaubte die Angelegenheit schon als vergessen betrachten zu können, äks plötzlich ein Denkmal jenes„braunen Hundes" auf der Bildfläche erschien, das vom Jnler- nationalen Antivivisektionsrat dem Stadtrat von Battersea zur Auf- stellnng in dem dortigen Park angeboten wurde. Der Stadtrat nahm daß Anerbieten an und zwei Monate später wohnte er der feierlichen Enthüllung des Hundedenkmals bei. Die Kosten deS Denkmals waren von einer Dame bestritten worden, die im übrigen ungenannt blieb. Das Denkmal bestand in einem kleinen Brunnen auö Granit, auf dem das Bronzebild eines Hundes thronte. Am Sockel befand sich die Inschrift:-Zum Gedächtnis des braunen TerrierhundeS. der in dein Laboratorium deS Univerfity College im Februar 1003 dem Tode über- antwortet wurde, nachdem er über zwei Monate lang Vivi- sektionen erduldet hatte und von einem Vivisektor zum andern geschleppt worden war, bis der Tod ihn erlöste." Darunter befand sich noch die Ergänzung:„Auch zum Gedächtnis der 232 Hunde, die an derselben Stelle während des Jahres 1002 viviseziert wurden. Männer und Frauen von England! Wie lange soll das noch dauern?" In diesem Zustande wurde das an sich harmlose Denk- mal als eine Beleidigung einer der größten medizinischen Anstalten Englands aufgefaßt. Scharen von Studenten diese Ausgaben steigen, weil immer noch Offiziere, die jetzt pensioiiiert werden, höhere Ansprüche erheben, weil sie in jenem Feldzuge den oder jenen Schaden erlitten haben.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Es ist jetzt keine Rede mehr davon, die deutsche Macht über einen größeren Teil Chinas auszudehnen, sondern niau spricht nur noch von„moralischen" Eroberungen. Man hat darauf bei der Forderung der Mittel zur Begründung der chinesischen Hochschule hiilgewiesen. Dieser Hinweis stand in cinein merkwürdigen Gegensatz zu der Aeutzerung, die vor einer Reihe von Jahren gemacht wurde: man müsse die Chinesen so klopfen, datz sie auch in hundert Jahren nicht wagen, einen Deutschen scheel anzusehen!(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Bei dem Versuch, auf diese Weise„moralische Eroberungen" �u machen, kann aber Deutschland mit anderen Ländern nicht konkurrieren. So hat Amerika auf die Kriegskosten verzichtet, falls die Summe für Bildungszwecke verwendet wird. Die Mahnung, deutsche Kapitalisten möchten für Bildungszwecke Summen zur Verfügung stellen, wird wenig Erfolg haben. Wenn sie das tun wolle», so wäre reichlich Anlaß, mit diesen Summen das Bildungsniveau breiter Kreise in Deutschland zu erhöhen.(Lebhaftes Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Eine Art Wettlauf der Nationen, China die höchsten tuwendungen zu machen, wäre natürlich nicht empfehlenswert. 'auenid kann damit die chinesische Freundschaft nicht erhalten, der chinesische Markt nicht erobert loerden. Wenn der chinesische Markt erst für große Warenmeiigen aufnahmefähig sein sollte, wird diejenige Industrie den Vorrang haben, welche durch Güte und Preis- Wertigkeit die Konkurrenz schlägt.(Sehr richtig! bei den Sozial- demokraten.) Gewiß wäre es im Interesse der Arbeiterschaft, unseren Export zu steigern. Aber große Erwartungen sind nicht daran zu knüpfen. China wird eher in der Lage sein, moderne Jndiistrie- Produkte h e r z u st e l l e n als zu verbrauchen. So verbrauchen in Amerika die Chinesen vielfach chinesische Produkte, nicht ameri« kanische. Auch für die Weltpolitiker hat eS doch nur dann Sinn, Kiautschou zu halten, wenn Industrie und Handel dadurch eine Förderung erfahren. Bisher kann nicht davon gesprochen werden, aber man hofft aus die Zukunft.—— Doch wenn ich mich nicht gründlich verhört habe, hat selbst der Staatssekretär in der Kommission davon gesprochen, datz es durchaus unklar sei, ob die europäischen Mächte wirklich günstige Chancen bei der Eroberung des chinesischen Marktes haben! Auch in dieiem Jahre fordert die Regierung einen Reichszuschutz von fast 8Vs Millionen für Kiautschou, nur 122 000 M. weniger als im Vorjahre. Dabei ist noch zu beachten, datz die kostspieligen Hafenbauten fast vollendet sind, wodurch der Zuschuß natur- gemäß geringer werden mutz. Die Kommission hat ja einige hunderttausend Mark gestrichen, doch bleiben immer noch über 8 Millionen Mark. Was ist nun für diese kolossalen Summen in Kiautschou geschaffen? Herr Erzberger meinte, eS sei doch manches Gute geschaffen, und ich gebe das zu; Herr Paaschs rühmte in geradezu begeisterter Weise, was alles heraus- geholt sei. Er schwärmte förmlich von den bewaldeten Höhen ni Kiautschou. Aber wenn wir so viel Geld auf ein räumlich so beschränktes Gebiet in Deutschland verwenden würden� so würden wir auch da glänzende Resultate erzielen können.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Mit den Summen für Forft- und Obstknltur. die in Kiautschou ausgegeben sind, könnte man auch sehr wohl auf dem Brocken, aus der S ch n e e k o p p e, auf dem Fichtelgebirge zum Beispiel— Spargelkulturen anlegen.(Heiterkeit und Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Besonders spatzig erschien mir heute Herr Paaschs. Ich möchte ihn daran erinnern, datz noch vor zwei Jahren ein Herr, der ihm sehr ähnlich sieht, den Stoßseufzer von sich gab:„Kein Mensch würde heute noch daran denkeii, nach Kiautschou zu gehen, aber wenn wir es loslietzen, würde uns ja die ganze Welt auslachen!" Ich gebe zu, datz nach den großsprecherischen Redensarten dieses Aus- gelachtwerden eintreten würde. Aber deshalb sollte man doch den deutschen Steuerzahlern nicht zumuten, weiter Jahr für Jahr derartige Beträge für Kiautschou auszugeben.(Sehr wahr! bei den Sozial- demokraten.) Das Vergnüglichste find die Denkschriften. die Jahr für Jahr über die EntwickelungSmöglichkeit Kiautschous herausgegeben werden; doch sind sie mit Vorsicht zu genießen. So wurde der Hafen von Tsingtau der Kommission im Bilde vorgeführt, angefüllt mit Schiffen, und als dann festgestellt wurde, datz nur sehr selten dort mehrere Schiffe liegen, sagte man: Wir konnten doch den Hafen für die Reichstagsabgeordneten nicht photographieren, als keine Schiffe drin waren.(Heiterkeit.) Nach diesem Rezept wird auch heute noch verfahren. Man weist auf der Medizin versuchten es zu demolieren, aber die Partei der Anii- vivisektionisten organisierten einen regelmäßigen Berteidigungsdienst, für den nicht weniger als 14 000 M. innerhalb eines JahreS bewilligt wurden. Nun hat die Geschichte endlich doch ihr Ende erreicht. denn der Stadttat von Battersea hat sich schließlich veranlaßt gesehen, das Denkmal seinen Stiftern zurückzugeben. Humor und Satire. Vorfrühling. Frau Sonne guckt aus dein Himmelstor Und mustert drunten die Erde: „'s ist Zeit, Herr Winter, datz ab ihr fahrt, Und eS wieder mal Frühling werde. Die arme Menschheit verkommt mir sonst Und versauert an Herz und Gemüte. Sie soll in Garten und Park hinaus, In Duft und keimende Blüte." Und sieh am leuchtenden Tag des Herrn Liegt die Welt im sonnigen Kleide, Der Schutzmann schnallt den Revolver sich um, Und lockert das Schwert in der Scheide. Draußen strömt friedlich die Menge vor? Tor, In den sprossenden Lenz, den warmen, Und mit gesträubtem Schnauzbart lauern am Tor Die Treptower Herren Gendarmen. Noch ist kein Blauveiglein in Feld und Park Am Sechsten des Märzen zu schauen, Dafür hat der Herr Polizeipräsident Uns beglückt mit all seinen„Blauen". Die Vöglein zwitschern, ahnend den Lenz, Ihr Liedlein hinaus in die Weiten, Und schnaubende Rosse harren deS-Los!", Um eine Attacke zu reiten. O herrlicher Sonntag! O wonnige Lust! Rings Plaudern, Lachen und Singen, Und über den Häuptern im Sonnengold Hellblitzende Schutzmannsklingen: „Wat schert mich Weib, wat schert mich Kind? Man druff uff die blöde Kanaille!" So schlugen sie am Sechsten des März Die Berliner VorfrühlingSbataille. Frau Sonne aber schaute in Ruh Herab auf den Jammer auf Erden: „Geduld. eS mutz ja im deutschen Land Doch auch wieder Frühling werden." Satyr. die„Steigerung des Handels" hin; aber die ausgeführten Waren kommen nicht au-Z dem Schutz- gebiet, und die eingeführten Waren gehen nicht hin. denn Tsingtau ist nur Durchgangshafe in Ich sagte vorher schon, das; die Chinesen sich daraus einrichten werden. Waren zu exportieren, nicht zu i m p o r t i e r e in Das zeigt auch die Handelsbilanz dieses Jahres. Die Einfuhr ist geringer als die Ausfuhr, und auch die Einfuhr ist zum großen Teil chinesischen Ursprungs. Mit keinem Worte sagt die Denkschrift, für wieviel Geld deutsche Waren eingeführt sind. Wahrscheinlich ist das so wenig, daß man sich geniert, die Summe zu nennen. Ich bitte aber trotzdem, daß dieS im nächsten Jahre geschieht. Ich stimme in die Klagen mit ein, daß die Zahl der Beamten sehr groß ist. In gewisser Beziehung liegen die Verhältnisie eben so wie in Ostafrika. Ziehen wir die Beamten und die Garnison zurück, so würde ein vollkommener wirtschaftlicher Zusammenbruch der europäischen Geschäfte eintreten. Die Denkschrift verweist auf das Vertrauen, das auch aus- ländische Firnien zur Entwickelung Kiautschous haben. Dabei kann nur eine einzige genannt werden, die sich dort niedergelassen hat! Die deutschen Reedereien wissen genau, Ivo Geld zu verdienen ist. Bisher waren sie noch nicht der Ansicht, in Kimitschou sei'was zu holen: denn die Denkschrift klagt, daß bisher die Postdampfer Tsingtau nur aus besonderen Anlässen anlaufen. Auch sonst haben die deutschen Kapitalisten eine feine Witterung dafür, Ivo Geld zu verdienen ist; sie haben aber keine Neigung verspürt, sich in Tsingtau in Unkosten zu stürzen. Und deshalb haben wir die Borlage ge- habt, die für Kiautschou die Ausgabe kleiner Aktien erniöglicheu sollte. Dann könnte das Risiko fauler Gründungen auf die kleinen Leute abgeschoben werden!2. healih snuff fobacco. Tabac ä priser de sanie. Tabaka do zaiywania dla zdrowia. Tabacco da naso aila saiure. Öpcrngläier. Rcifcgläjcr, Neip. �«Ugc, Negulatorcn. Freischtvittger, Harmonikas, Geigen,.ffithern spott- billig. Lücke. Oranienstratze 13t. Zuchthaus, Ach! Jahre. Levens- eriimcrüngelt von Sepp Ocrtcr. vochintcressaitt. Preis 1 Mark. Zu beziehen Buchhandlung Vorwärt?- «in Z»sie5, feines Gcslchi, rosiges. jug«nd/risch«s Aussehen, weiss«, samm«l*«iche Maul und blendend« schönen Teint? /lies dies bewirkt nur die allein«cht« StcckcnpfcrOsCiHcnmücIjs von Bergmann 3- Co., Radebeuf. a Stuck 58 Pfg. in allen«potheken, Drogerien n, Parfümerlen. Wahlrecht- Spaziergang- Postkarten ä la Hauptmann von Köpenick 1066b* y zum Absingen in Voreinen etc., erscheint Donnerstag. Zu beziehen durch alle Postkartengeschäfte. A. 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C.) umfaßt 117 Geviertmeilen(rund 300 Geviertkilometer) mit einer Einwohner zahl von fünf Millionen und einem steuerbaren Werte von 14,5 Millionen Pfund Sterling<890 Millionen Mark). Der L. C. C. ist indes nicht die einzige Behörde der Hauptstadt des Britischen Reiches. Neben ihr bestehen noch 28 Städteverwaitungen (Borough Councils), dieCityKorporation, 31 Armenverwaltungen, Asyl-, Wasser-, Themse- und Lea- und Londoner Hafenbehörden, schließlich die Polizeiverwaltung, die mit einander nur lose verbunden oder ganz unabhängig von einander sind. Der Widerwille der Engländer gegen straffe Zentralisation, in der sie eine Feindin der persönlichen Freiheit erblicken, und die Vorliebe siir kleinere autonome Körper, schaffen, sowie die Anhänglichkeit an traditionelle Einrichtungen sind für die Zersplitterung der Verwaltung Londons verantwortlich. Obwohl diese zahlreichen Körperschaften ihre lokalen Aufgaben zu erfüllen haben, so ist doch der Verwaltungskreis des L. C. C. so bedeutend, daß er an die Spitze aller anderen lokalen Behörden zu stellen ist. Er wird im Laufe der Zeit alle anderen absorbieren und zur einzigen demokratischen Verwaltung Londons werden. Das ist auch das Ideal der Sozialrcformer und Sozialisten. Zum Zweck der munizipalen Verwaltung ist London in 58 Wahl- kreise eingeteilt. Jeder Kreis wählt zwei Räte, mit Ausnahme der City(der inneren Stadt, des Sitzes der Banken, Börse usw.), die vier Räte wählt. Insgesamt 118 Räte. Außer diesen 113 Räten gibt es 19 Aldermen. Die Räte wählen drei Präsidenten und die stellvertreteudc» Präsidenten entweder aus ihrer Mitte oder von außerhalb. Der Präsident Londons bedar selbstredend nicht der Bestätigung durch den König. Er ist eine viel wichtigere Persönlichkeit als der Lordmayor(Oberbürger, meister) der City, aber letzterer bekleidet ein historisches Amt und steht mit der Hochfinanz, der Aristokratie und dem Hofe in engerer Verbindung als der Präsident des L. C. C. Der Grafschastsrat wurde erst im Jahre 1888 ins Leben gerufen; eS fehlt ihm der Heiligenschein der Tradition, dafür aber ist er ein wirklicher sozialer Faktor. Die Zahl der Grafschaftswähler beträgt rund 815 000, darunter 148 000 weibliche(unverheiratete Frauen und Witwen). Die Parteien des L. C. C. sind von denen des Parlaments einigermaßen verschieden. Was im Unterhause liberal oder radikal ist, nennt sich im Grafschaftsrat progressistisch. Ein Progressist ist ein Liberaler mit sozialpolitischen Tendenzen. Die Gegenpartei nennt sich Munizipalreformer oder Gemäßigte. Sie ist konservativ mit individualistischen Tendenzen. Wo der Progressist für Berstadt- lichung eintritt, tritt der Munizipalreformer für Privatunter- nehmungen ein. Der Munizipalsozialismus ist das eigentliche Gebiet des Progressisten, aber der Schrecken des Munizipalreformers. Es gab eine Zeit— und eS ist gar nicht so lange her wo viele Sozialpolitiker glaubten, die städtische Verwaltung sei der Hebel aller sozialen Reform. Das war die Zeit bis 1906, als die Konservativen den Parlamentarismus durch Untätigkeit in Mißkredit gebracht hatten. In den letzten drei Jahren hat sich dies vielfach geändert; jetzt sieht man mehr und mehr ein, daß ohne eine sozialpolitische und demokratische Legislatur sehr wenig durch die Munizipalität geschehen kann. Vom Jahre 1889(dem erste» Jahre des L. C. C.) bis 1907 waren die Progressisten im Grnfschaftsrate in der Mehrheit und ihnen verdankt London erhebliche Verbesserungen des Schulwesens, des SanitätSwesens, der Arbeiterwohnungen und des Verkehrs. Den sozialpolitisch gesinnten Liberalen fiel die Aufgabe zu, die am städtischen Leben begangenen Missetaten der individualistischen Liberalen und der Junker einigermaßen zu tilgen und die Stadt gesünder, schöner und sittlicher zu machen. Diese Tätigkeit, so mangelhaft und inkonsequent sie vom sozialdemokratischen Standpunkte sein mag. kostete viel Geld. Die Gemeinde- schulden und die Gemeindesteuern(Rates) wuchsen. Die Schuldenlast(aller lokalen KörperschaftenLondonS) betrug imJahre 1889 41.3 Millionen Pfund Sterling, im Jahre 1899 53,2 Millionen, im Jahre 1903 75,4 Millionen Pfund Sterling. Die Gemeindesteuern (für alle lokalen Verwaltungen Londons) beliefen sich im Jahre 1889 auf 7,7 Millionen oder 5 Schilling pro Kopf des Londoners, im Jahre 1906 aber aus 15,4 Millionen Pfund Sterling oder 7 Schilling (Mark) pro Kopf. Es ist wohl wahr, daß städtische Schulden nicht mit staatlichen Schulden verglichen werden können. Jene werden zu Kulturzwecken gemacht, während die Staatsschulden meistens für militärische Zwecke aufgenommen werden. Allein die Konservativen (Munizipalreformer und Gemäßigten) sind gegen sozialpolitische und für sozialschädliche Anleihen und Ausgaben. Infolge des Wachsens der städtischen Steuern und Schulden entstand eine Rebellion der Steuer- zahler, die in den Märzwahlen 1907 erfolgreich war. Die pro- gressistische Mehrheit von 57 wurde hinweggefegt und an ihre Stelle trat eine reaktionäre Mehrheit von 41. Die ganze Tätigkeit der Munipalreformer bestand in Versuchen, die städtische Sozialpolitik einzuschränken, die städtischen Unternehmungen soweit als möglich Privatunternehmern auszuliefern und die Entwickelung des Schub Wesens zu unterbinden. Die Unabhängige Arbeiterpartei hatte diesmal neun Kandidaten aufgestellt, die sozialdemokratische Partei einen in Deptford. wo Sidney Webb, der seit 1889 den Kreis vertrat, nicht mehr kandidieren will. Im ganzen wurden 59 Konservative, 55 oder 56 Fortschrittler und drei Kandidaten der Arbeiter gewählt, die Genossen L a n s- bury, Ensor und F. Smith; dieser gehörte dem Graf- schastsrat schon früher an. Wie aus den obigen Ziffern ersichtlich ist, stehen den 59 Re- aktionären(im letzten GraffchaftSrat waren sie 79 Mann stark) drei «rbeiterparteiler und 55 oder 56 Fortschrittler gegenüber. In einem Wahlkreise haben nämlich Fortschrittler und Munizipal-'c reformer die gleiche Zahl Stimmen erhalten. Unter gewöhnlichen Verhältnissen entscheidet in solchen Fällen der Wahlbeamte, der dann den Ausschlag geben kann. Unter den obwaltenden Ver- hältnisien weigert sich der Wahlbeamte jedoch, von seinem Rechte Gebrauch zu machen. Das ist leicht zu verstehen. Die eine Stimme, um die es sich handelt, gibt entweder den Munizipalreformern eine Majorität von zwei oder führt zur Stimmengleichheit zwischen den fortschrittlichen Parteien und der Reaktion. Dazu komnit noch, daß diese eine Stimme einen ausschlaggebenden Einfluß auf die Koop- tierung der Ratsherren ausübt. Der Londoner Grafschastsrat hat neben den 118 alle dreiJahre zewähltenMitgliedern auch 19Ratsherren, (alcksrmen). die von den Mitgliedern kooptiert werden und die sechs Jahre im Amte bleiben. Alle drei Jahre scheidet die Hälfte der Ratsherren slv oder 9) aus. In diesem Jahre befinden sich unter den 10 aus- I scheidenden Ratsherren 7, die der Fortschrittspartei oder der Arbeiter- spartet angehören. Von den 9 im Amte verbleibenden Ratsherren gehören 7 den Muuizipalreformenr an. Da von den Ratsherren die Bildung einer Majorität im Grafschastsrat abhängt, so kann man sich leicht vorstellen, in welche Verlegenheit dieses höchst sonderbare Wahlergebnis alle Parteien gebracht hat. Höchst wahrscheinlich wird eine Neuwahl in dem betreffenden Wahlkreis die Schwierigkeiten aus der Welt schaffen. Der Sieg der Reaktion, die im Jahre 1907 in dem Schafs- kleide der Gemeindereform vor die Wähler trat, hat nicht lange gedauert. Ist auch die Unternehmerhorde, die sich auf Kosten der Stadt London zn bereichern trachtet, nicht gänzlich aufs Haupt ge- schlagen worden, so wird das geschaffene Gleichgewicht der Kräfte doch verhindern, daß jene skandalösen Verhältnisse weiter forlbestehen, unter denen die hungerigen und bedürftigen Schulkinder und das ganze Schulwesen vernachlässigt und das Eigentum der Stadt zum Vorteil der großen Unternehmer verkauft worden ist. Die Erfolge der I. L. P. sind quantitativ vielleicht nicht groß; qualitativ sind sie aber dennoch bedeutend. Alle drei der gewählten Grafschaftsmitgliedcr sind nicht allein absolut verläßliche Sozialisten, sondern auch ganz hervorragende Kräfte auf �denr Gebiete der Gemeindepolitik._ Hus der Partei. Die Maifeier iu Dresdcu dürfte in diesem Jahre zu einer besonders imposanten werden. Der 1. Mai fällt bekanntlich auf einen Sonntag. Dem Dresdener Mai- komitce war es trotz eifriger Bemühungen nicht gelungen, ein zur Feier geeignetes Gartenlokal zu erhalten. Man hat sich schließlich an den Stadtrat gewendet mit dem Ersuchen, den Aysstellungspalast zur Verfügung zu stellen. Dieses Verlangen war gewiß billig, denn der Ausstelluugspalast ist bereits anderen politischen Parteien zur Verfügung gestellt worden. Die Hergäbe des Ausstellungspalastes zur Maifeier ist aber verweigert worden. Auf Vorstellung des Mai- komitees ist indes die Hergabe eines großen st ädti scheu Areals, wo sonst die vaterländischen Festspiele abgehalten werden, zugesichert worden. Der Platz faßt mehrere Zehntauseude und liegt sehr bequem. Die Maifeier dürfte demnach eine machtvolle Kund- gebung des Proletariats werden. Gemeindewahlerfolg. Bei den am Sonntag, den 6. März, in der Stadt Sulz (Kreis Gebweiler, O b e r e l s a ß> vollzogenen Gemeinderats- ersatz walen für sechs Ratsmitglieder, erhielt kein Kandidat das absolute Mehr, so daß am nächsten Sonntag ein zweiter Wahlgang startfindet, bei welchem das relative Mehr entscheidet. Die höchste abgegebene Stimmenzahl erhielten zwei sozialdemo« kratische Kandidaten mit 340 und 336 Stimmen; ihnen folgt ein Zentrumskandidat mit 247 Stimmen, und danach kommen die übrigen vier sozialdemokratischen Kandidaten mit 198 bis 222 Stimmen. Alle anderen bürgerlichen Kandidaten haben weniger Stimmen. Unsere Genossen in Sulz, die infolge des Zusammen- gchens aller bürgerlichen Parteien bei den Hauptwahlen von 1908 im Gemeinderat seit diesem Jahre nicht mehr vertreten sind, treten mit den besten Aussichten auf Erfolg in den Stichwahlkampf ein. Die Wahlbeteiligung betrug 77 Proz., das absolute Mehr der ab« gegebenen gültigen Stiinmen, das von keinem Kandidaten erreicht wurde, 389._ Hus Induftne und Dandel. So wirken Streiks. Die Dividende des Solnhofer Aktienvereins in Solnhof wird, wie die„Münchener Neuesten Nachrichten" melden, 3 Prozent(im Vorjahr 7 Prozent) betragen. Der Rückgang ist auf die geringe Abnahme seitens Amerika und infolge eines Streiks eingetreten. Ucbcr die Wirkung der neuen ZLndholzstcucr auf die Zündholz- industrie macht der Geschäftsbericht der Aktiengesellschaft Union vereinigte Zündholz- und Wichsefabriken in Augsburg, eine der größten deutschen Zündholzfabriken, nach dem„Berl. Tagebl." folgende bemerkenswerte Ausführungen: „Die Jagd nach dem Streichholz" setzte in dem Augenblick ein, als die Steuervorlage greifbare Gestalt an- zunehmen begann, und das Streben'ging dahin, noch möglichst große Quantitäten vor dem Inkrafttreten des höheren Ein- gangszolles am 1. August einzuführen. Die Zündholzfabriken konnten daraus keinen Nutzen ziehen und keine neuen Bestellungen annehmen. Die Abnehmer holten die ältesten Schlüsse mit den schlech- testen Preisen hervor, und es erfolgten Abrufe in einem Umfange, daß auch die gesamte nächste Wintererzeugung nicht ausgereicht haben würde, solch beispiellosen Anforderungen zu genügen. Die Folge war die Einführung enormer Quantitäten aus dem Auslande. Mit dem 1. Ok- tober verschwand die Nachfrage, und trotz bedeutender Reduzierung der Arbeitszeit schwollen die Lager wieder erheblich an." Von Interesse ist der Hinweis, daß die durch die Steuergesetzgebung geschaffenen Verhältnisse den direkten Anreiz zu einer Verständigung unter den Fabrikanten gaben und zur Bildung eines Verkaufs- syndikats führten. Die Augsburger Gesellschaft hat trotz der schwierigen Berhältniffe ihren Umsatz von 4 318 791 M. auf 4 522 819 M. erhöhen können und schlägt auö 378 137 M.(i. B. 283 509 M.) Reingewinn wieder 9 Proz. Dividende vor. Ein Grosiziegeleisyndikat. Am 1. Oktober wird nach dem Vorbilde des KohlensyndikatS in Dortmund ein Großziegeleisyndikat in Kraft treten, das für den ganzen Jndustriebezirk berechnet ist. Die Zolleinnahmen der Schweiz haben ganz überraschenderweise im Jahre 1909 das bisherige Maximum mit 74,39 Millionen Frank erreicht und betragen 4.06 Millionen mehr als 1903. Die„frei- sinnige" Wirtschaft im Bunde wird auch mit dieser Summe fertig, ohne daß davon etwas für die Arbeiter übrig bleibt, deren Forde- rungen immer mit der„prekären Finanzlage" zurückgewiesen werden. Die russische Zuckerproduktion. Der Finanzminister beantragte im Ministerrate, die Zucker- Produktion für 1910/11 auf 72 Millionen Pud festzusetzen. Soziales. Rechtsanspruch auf Gratifikation? Gestern klagte vor der 7. Kammer des Gcwerbcgerichts der Bete K. gegen die Kommerz- und Diskoiitobank. Er verlangte die Herausgabe einer Photographie, 105 M. rückständigen Lohn für Monat Februar und, da ihm für die Jahre 1907 und 1908 jedes- mal nach der Generalversammlung eine Gratifikation von 50 M. gezahlt worden ist, auch eine solche in gleicher Höhe für 1909. Die Beklagte wendete ein: Der Kläger sei der Aufforderung, den von ihr gelieferten Dienstmantel sowie die Dienstmütze zurück- zugeben, noch nicht nachgekommen, und deshalb sind Photographic und Lohn von ihr einbehalten worden. Auf die Gratifikation habe der Kläger keinen rechtlichen Anspruch, denn nach dem mit? ihm christlich abgeschlossenen Vertrage sei sie eine derartige Verpflich- tung nicht eingegangen. Es werden allerdings den Angestellten Gratifikationen gegeben, doch seien dies durchaus freiwillige Leistungen ihrerseits. Sie haben tadelloses Betragen und Dienst-. eifer der Angestellten zur Voraussetzung. Diese Voraussetzungen seien aber beim Kläger nicht vorhanden. Seine Nachlässigkeit im Dienst und sein Betragen haben zu Tadeln Anlaß gegeben und schließlich zur Entlassung geführt. Eine weitere Voraussetzung sei, daß der Angestellte zur Zeit der Fälligkeit der Gratifikation noch im Vertragsverhältnis steht. Die Gratifikationen seien erst fällig, wenn der Rechenschaftsbericht von der Generalversammlung gutgeheißen worden ist. Diese Generalversammlung habe aber noch nicht stattgefunden. Auf den Dienstinantcl und Mütze glaubte Kläger ein Eigen- tumsrecht zu besitzen, da durch den Vertrag die Beklagte die Ver- pflichtung übernommen hat, alljährlich einen neuen Mantel und eine Mütze zu liefern. Diese Jahresfrist ist um. Die an Mantel und Mütze befestigt gewesenen Abzeichen sind der Beklagten vom Kläger zurückgegeben worden. Das Gericht unter Vorsitz des Magistratsasiesiors Dr. Lehmann verurteilte die Beklagte, an den Kläger 195 M. zu zahlen und die Photographie Zug um Zug gegen Rückgabe des Mantels und der SRütze hcrauszugebc». Die Mehrsorderuug— den Gratifikationsanspruch— wies es ab. Begründend wurde ausgeführt: Ter Lohn mutz deshalb gezahlt werden, da nach§ 391 B. G.-B. in Ver- bindung mit§8 1 und 2 des Lohubeschlagnahmegcsetzes der Beklagten ein Zurückbehaltungsrecht gegenüber Lohnforderungen nicht zusteht. Die Photographie ist keine Lohnforderung und brauche nur gegen Zurückgabe des Mantels ausgehändigt werden. Dem Gratifikationsanspruch konnte nicht stattgegeben werden, da, selbst ivenn man durch die mehrmals erfolgte Zahlung einer Grati- fikation einen stillschweigend getroffenen Vertrag aimehmcn wollte, dieser doch nur so ausgelegt werden kann daß die Verpflichtung zur Zahlung erst dann vorliegt, wenn alle Voraussetzungen dafür gegeben sind, d. h. durch Wohlverhalten eine Extrabelohnung gerechtfertigt erscheint. Die Beweisaufnahme hat jedoch ergeben. daß diese Voraussetzungen nicht erfüllt sind. Ter Beklagten wurde nachgelassen, durch Hinterlegung von 195 M. die Zlvangsvoll- streckung abzuwenden._ Die Ucbcrtrctmiq des AchtuhrladcnschlusscS vor dem Kaufmannsgcricht. Eine Entscheidung von prinzipieller Bedeutung fällte in ihrer letzten Sitzung die zweite Kammer des Berliner Liaufmanns- gerichts. Der in dem betreffenden Rechtsstreit als Kläger auf. tretende Verkäufer Wilhelm W. war von dem beklagten Kolonial- Warenhändler Rud. Fink sofort entlassen worden, weil er fast regelmäßig statt um 7 Uhr früh erst 10 bis 20 Minuten später seine Tätigkeit aufnahm. Ter Kläger machte als Entschuldigung geltend, daß abends immer bis M-O, oft auch bis%9 Uhr zu tun !var und die anstrengende Tätigkeit nur durch eine kurze Eßpause unterbrochen wurde. Der Chef habe dem Personal ausdrücklich anbefohlen, daß erst um Viü Uhr mit dem Einräumen begonnen werden solle. Ein Zeuge bestätigte, daß regelmäßig so lange gc- arbeitet wurde und daß infolgedessen auch die anderen jungen Leute des morgens 10 bis 15 Minuten später im Geschäftslokal erschienen. Das Kaufmannsgcricht verurteilte den Beklagten zur Zahlung von 106 M. Restgehalt mit folgender Begründung: Um 8 Uhr ist polizeilich festgesetzter Ladenschluß. Diese polizeiliche Maßnahme ist im wesentlichen zugunsten der Angestellten er- gangen, und entgegen dieser Verfügung h-st der Beklagte an- gewiesen, daß bis �9 Uhr offenzuhalten sei. Wenn nun der Prinzipal seine Angestellten so lange beschäftige, so darf er auch aus einer Verspätung am nächsten Morgen nicht diejenigen Kon- sequenzen ziehen, wie ein Chef, der für pünktlichen Schluß sorgt. Die sofortige Entlassung ist darum für unberechtigt zu erachten. Hus der Frauenbewegung. Schwedische Frauen in der Wahl. Gegenwärtig finden in Stockholm die Gcmeindcwuqccn statt, die sich aus die Hälfte der 100 Stadtverordnetenmandatc erstrecken. Dabei kommen zum ersten Male die neuen Wahlrechtsbestim- mungen in Anwendung, die die Anfang des Jahres 1909 endgültig beschlossene Wahlrechts- und Vcrfassungsreform gebracht hat. Zum ersten Male haben die Frauen unter denselben Bedingungen wie die Männer bei den Stadtverordnetenwahlen nicht allein das Recht zu wählen, sondern sie sind auch berechtigt, gewählt zu werden. Allerdings hängt das aktive wie" das passive Wahlrecht von der Steuerzahlung ab, und die Stcucrleistung des Mannes gilt nicht, wie das zum Beispiel in Norwegen der Fall ist, auch für seine Ehefrau, sondern die Frau mutz selbst für ein eigenes Einkommen Steuer gezahlt haben. Aber dieses eigene Ein- kommen der Ehefrau braucht in Stockholm nur 15 Kronen zu be- tragen, wofür pro Jahr eine Krone Steuer zu entrichten ist, um der Frau daS Wahlrecht zu sichern, vorausgesetzt, daß das ge- meinsame Einkommen von Mann und Frau daS steuerfreie Mi- nimum, in Stockholm 650 Kronen, um mindestens 50 Kronen über- steigt. Unverheiratete Frauen müssen allerdings selbst mindestens 700 Kronen Jahreseinkommen haben, um wahlberechtigt zu werden. Durch die Wahlrechtsreform ist auch das Proportionalsystem eingeführt worden. Die Sozialdemokratie, die sich bisher nur mit Hilfe der liberalen Demokraten imstande fühlte, einige Partei- genossen in das Stadtvcrordnctcnkollcgium zu bringen, schreitet nun zum ersten Male mit seinen Parteilisten zur Wahl. Sie hat unter ihren Kandidaten auch bereits eine Genossin, Fräulein Gertrud Mansson, aufgeführt, und zwar so, daß sie sicher gewählt wird, als die erste weibliche Stadtverordnete der schwedischen Sozialdemokratie. Auch die bürgerlichen Parteien haben hier und da einige weibliche Kandidaten auf ihren Listen, haben sie aber meist so aufgeführt, daß sie nicht viel Aussicht haben, gewählt zu werden und mehr als Dekoration wirken sollen. Von den Frauen und unter den Frauen wird eine sehr rege Agitation entfaltet, wie auch im allgemeinen die Wahlbewcgung sehr lebendig ist. Die Wahlen werden voraussichtlich eine starke Veränderung in der Zu- sammensetzung der Stadtverordnetenversammlung herbeiführen, wenngleich keineswegs zu erwarten ist, daß etwa die nun zur Wahl stehende Hälfte der Mandate der wirklichen Stärke der Parteien entsprechend verteilt wird. Nicht die Zahl der Wähler entscheidet. sondern ihre Stcuerkraft, ihr Geldsack. Die kommunale Wahl- rechtSreform hat ja hierin nur die Milderung gebracht, daß man nach dem Maße seiner Steuerkraft nicht mehr bis zu 100, sondern höchstens 40 Wahlstimmen in die Wagschale werfen kann. Leseabcnde. Mariendorf. Der heutige Leseabend fällt besonderer Umstände halber aus und findet acht Tage später, am Donnerstag, den 17. dieses Monats, bei Löwenhagcn, statt. Amtlicher Marktbericht der»ädtilchen Marktballen-Direktlon über den Großbaubel in den Zenwal-MarktbaNen. Marktlage: Fleisch.- Zulitbr schwach, Geschäft still, Preise unverändert. Wild: Zufufir ohne Bedeutung, Geschäft rege, Preise sest. Geslügel: Znsuhr genügend, Geschäft rege, Preise fest. Fische: Zusuhr genügend Geschäft etwas lebhafter. Preise wenig verändert. Butter und Käse: Gcsidäft ruhig, Preise unverändert. Gemüse, Obst und Südsrücht«: Zusuhr genügend, Geschäft wenig befriedigend, Preise fast unverändert. tfat jemand Rheumatismus, Gicht. Gliederreißen, Nervenschmerzen ein einfaches und unschädliches Naturprodukt von starker. diirchgretfendcr Wirkung-„KIvetrIcaiii" wirkt wie elektrisierend auf de» Körper und nicht wie spirituöse Einreibungen nur momentan und oberflächlich, sondern nachhaltig und gründlich. Zl- M- l,— und 2,—■ Die Wirkung wird noch erhöht durch innerlichen Gebrauch von Riicbsl» Wacholder. Extrakt, in Originalpackungen a M. 1.SV»- S.S0 tProbe-Al- 75 Pf.). Wo in den Apotheken u- Drogerien nicht erhältlich, direkt zu bezichen durch Otto Reiciiel, Berlin 43, Eisenbalinstr. 4. M IV. 47«75»T!I2' Man nehme aber nur die echten Ortginalfiillnngen und achte fcharf auf die Marke„Al««Uco"! 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Abends 8 Uhr: Der dunkle Punkt. ZiviiS» Operctton-Thcater. Heute und solgende Tage 8 Uhr: Der Graf von Luxemburg. Sonntag nachmittag 3 Uhr zu er« müßiglcn Preisen: ller Zlflouncrba.-on. friedrich-Wilhelmstädtisches Schauspielhaus. Donnerstag, 10. März, abends 8 Uhr: Der selige Toupinel. zum erstenmal: Streber. tn 4 Sitten von A. Ohorn. : Die Jungsrau von Fcriiag Saiauspiel. Sonnabend Orleans. Volhs-IIper. SW-. Belle.Allia»cc.Strabe Nr. 7/8. Abends>/.v Uhr: Vesamtgastspiel des Neuen Schall- spielhauies: Alt- Heidelberg. (Außer AVonnement) Urania. Wissonschal'tlichos Theater. Abends 8 Uhr: Im Firnenglanz des Ober- Engadin. Hörsaal 8 Uhr; Dr. W. Bernd»: Kultur und Wirt» schaftslebcn aui niederen Stufen. Residenz-Theatßr Direktion: Richard Alexander. Abends 8 Uhr: Im Taubenschlag. Schwank in 3 Alien von Hennenuin und Veber. Morgen und solgende Tage: Dieselbe Borftellung. Sonntag, 13. März nachm. 3 Uhr: Kümmere Dich um Amelte. Luisen-Theater. Abends 3 Uhr: Bater und Sohn. Freitag: Was Gott zusammen- lügt._ s�clillter- Sehiller-Thealer O.(Wallner-Theat). Donnerstag, abend» 8 Uhr: Wsllsn»t«ina Lager lila Piooolomlnl von Friedrich Schiller. End« 11 Uhr. Freitag, abends 8 Uhr: Zicac Jagend.(Johan Ulfstjerna.) Sonnabend, abends 8 U h r: Zum erstenmal/, Uhr: Gr. WvhltätigkcitS- Borst. zum Besten d. NationaldankeS für Veteranen des XII. Kreiskommissariats. Gala-Programm. Neu! Neu! Die Amerikaner Aerial Lllsws. Eisenherz. ger. v. Kommlssic.is- rat<*aHtuv8ton8beck a. G. Ml« tällva I.oyal mit dressierten Tauben. Barbarentänze der hen R1 Tchave«. Um O'l, Uhr Ende 11 Uhr Die drei Rivalen e Fcerie in 5 Akten. Folies Caprice Oer Cuftturner. S/ener bunter Teil. Herr Wasserkropf. Ansang 8'/, Uhr. Borverk. 11—2 Uhr. Zirkus Busch. Heute Donnerstag, den 10. März, abends T'/j Uhr präz.: Gr. Gala-Vorstellung. Therese Fillis, James Leon Fillls jun., Heinrich Fillis, in ihren Produktionen d. hohen Sohnle. Die Hassan»! Die Lockford-Truppe! Ferner; Reiterfomüie Prpserpi. Herr Ernst Schumann, Meister- dreesuren. Gigerlclown Alfred Daniele. Zwergclown Franoois, Kunstreiter. 9'/; Uhr ca. Ende c». KP/.Ubr: Die russ. Sensatlonspantomime FW- Marja! fag Vorher das grobe Galapregramm. Sonntag: Zwei Vorstellungen. Casino-Theater Lothringer Straße 37. Ansang 8 Uhr. Berlin bei Nacht. Posse in 3 Akt. v.®. Schätzler.Pärassini. Sonnt. 411.: Trndohens Sommerreise. Voigt-Theater Gastspiel im'Artushof, Moabit. Perleberger Straße 28. Donnerstog. den 10. März: Aschenbrödel. Lustpiel in 4 Auszügen v. R. Benedlx. Kasienerössnung 7, Ansang 8 Nbr. Ssnssouvß, 8.°rafl7" Direktion Wilhelm Reimer. Heule Donnerstag: Neues Programm. Elite-Soiree Ä« v. Hoiim. liorild. Sängero. Aübelnder Beifall von Mein Trompeter f. immer Lperetten-BurieSke. Löwennint. Lustspiel in 1 Akt. Beg. Donnl. ö.wochenl. 811. !.» lll»'. Heute 8'/, Uhr ringen: Entscheidunaskampf: Alb. Sturm. Berlin, gegen Leo» de Wolf. Belgien. Prämie» Ringkampf: Akb. Hein, Berlin, gegen Max Schneider, Luckenwalde. Lilb. Hein hat sich verpflichtet bei Schneider mindeste»» eine Stunde Stand zu halten, wldrigeuSsalls er 200 M. an Schneider zahlen will. Im untere» Saale: GrostcS Spewer-MrlWl mit Doppel-Konzert. Kö» Igstadt- K aniuo. Hoizmarkiilraße 72. Täglich: Franx Sobanahl. Neu: Else Marion! neu: Adda und Otlsried Neley. Neu: Ellen Eiiila. Neu: Les Sllexandrow. Prolongiert: Viktor Ritter. Das sensationellste Schaustück. Rad« rennen aus der Bühne, jstm dunklen Korridor. Schw. i. k Akt. I SchloP- Brauerei| f Schöneberg, Hauptstr, 122. ♦ J_ Joden Sonntag: | Jaul Springers| Kabarett- und Possen-Gesellschaft. Anf. Konz. 5 Uhr., Vorst. 7 Uhr. Tanz. Karl Haverland Ansang Tlicator. präz. 8 U. 77/79 Kommandantenstraße 77/79. Nene erstklassfge Spezialität. EiliplitM-fnippe pniengieft. Heute nach d. Vorstellung: Ball. HeledLdsllell-Ideslei'. StettinerSänger Oer Naehtwächter von Zerpensohleusa von Meysel. Ansang: Wochiitl 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. Für de» Inhalt der Jnlerare «ibernimmt die Redaktion de« Publikum gegenüber keinerlei Berantwortnng. Moabit!-WU UM" Moabit! Tonnerstag. den 10. März, abends 8'l3 Uhr: Oessklitliihe NüIKs-Ntchiltiiilliiig bei Kirschkowski, Beunetstr. S. r. Militarismus und Antimilitarismus. Referent: Een. Berthold Cahn« 2. Freie Aussprache. IVLöh Zahlreiches Erscheinen erwartet Ter Einberufer: Ernst Decker, BurgZdorssstr. 13. Meiter-KiMungsschule. Sonntag, den 13. März, im großen Saale des GewerkschaftShanseS, Engcluscr 15:_ freflfgrath-Hbcnd. Fest-Vortrag □ Gesang □ Rezitationen I Herr Heinrich Schul»(Vortrag). Mitwirkende:,.(jcrr HViiiter«chnr«!(Gelang). ( Herr Emil Kühne(Rezitation). —--- GrSffnnng 6 Uhr.--- Beginn 7 Uhr.——— Billetts A 60 Pf. sind in der Schule, an de» bekannten Stellen und an der Kasse zu haben.— Garderobe frei. — �----- Nachher: TANZ.■'■ 14 eigene Fischdampfer Essen Sie Seefische! von frischen Fängen unserer Darapferflotto bringen wir UonncrMtug, Ereltag und Sonnabend zu folgenden billigen Preisen zum Verkauf: ff. fetter Kabeljan im Anschnitt... pro Pfd. 28 Pf. ,, ,, Seeluchs im Anschnitt... n„ 28„ „„ Schellfisch im Anschnitt...„„ 35„ aUe anderen Seefische gleichfalls sehr preiswert. BV" Probieren Sie unsere: Rieson-FeMherlnge p. St. 10 Pf.| Oer. Lacsuherlnge p.St lOu. 16Pf. rei! Grüßte HocIiBecfisclierei Dentschlands Hauptgeschäft: Berlin C., Zs!lovol Börse. Verkanfsatcllen C.: Bahnhof Börse, Bog. 9-10. JJ.: Invalidenstraßo 181. JtO.: Landsherger Str. 52-53. O.: Gr. Frankfurter Str. 85. O.: Madaistraße, Bogen 8-9 (Fruchtstraßa gegenüber). S.: Prinzenstraßo Ol. XW.: Turmstr. 73. 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Geschäfts- und Kasseitvericht für das Jahr 1009. 3. Gewerkschaftliches. Mitgliedsbuch legitimiert, ohne dasselbe kein Zutritt. 138/18» _ VollzäbligeS Erscheinen erwartet_ Per Zwclgverelnav orstan d. ßntsnsteh. Firma emptiohltf�'""\ sich bestens den Lesern dies, i WiL* Möbel auf Teilzahlung Ibei allorklelnstcr An- n. Abzahlung. Größte Rücksicht undArÄTÄert! E. Cohn,Gr.Fraiikirurterstr.§« mit echten Platiii»tilccu. Unter Garantie für absoluten Sitz undBrauchbarkeitsolbst in d«n schwierigsten Fellen. Belohn un 3 der uns nuon- weist, daß unsere Zähne nicht mit echten Platin- stiften versehen sind.— demjenigen, daß Fast gänzlich schmerzloses Zahnziehen Iii von un» endlich erreicht und zur größten Berühmtheit der Reform-Zahnpraxis geworden Beweis: Naon Aussage von Patienten in den meisten Fällen vollständig schmerzlos Reparaturen von t M. an. 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Lebensjahre. 1072b Um stille üeilnabme bittet im Namen der Hinterbliebenen dobann Kropkat tmbftinb. Berta. Kyburg. Eharlottenburg, 9. März 1910. Kaiserin.Augusta-2illee 15. Die Beerdigung findet heute den 10. März, nachmittags P/3 Uhr, von der Leichenhalle der Heilands- gemeinde(Plötzensee) aus statt. Verband der freien Gast- und Sebankwirte Deutsdilands. Zahlstelle Charlottenburg. Den Mitgliedern zur Nachricht. dast die Fran unseres Kollegen Joh. Krupkat Kaiserin- Augusta- Allee Rr. 15 durch Unfall verstorben ist. Die Beerdigung findet DonnerS- tag. 10. März, nachmittags 4'/, Uhr. von der Leichenhalle der Kaiser Friedrich- Gedächtnis» Gemeinde 5 aus ftati. 74/15 Um recht rege Beteiligung er- sucht Die Bezirksleitung. HIB. Die Kollegen treffen sich um 3 Uhr beim Kollegen OSlar Rippberger, Beufielstr. 82. Verbafiddertreiefi Gast- und Schankwirte Deutschlands. Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege Kerthold Ramm Romintener Etr. 34(Bezirk 4) gestorben ist. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet am Freitag, den 11. d. M., nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- halle des Zentral-Friedhose» in FriedrichSselde au» statt. Um rege Beteiligung ersucht 74/14 Die Ortöverwaltnug. Turnverein�, „Jahn" TF Treptow. Baamgchulen- weg M. d. A..T..B. Am Montag, den 7. März, ver- starb infolge eines Unfälle» In der tabrif von Kuhnheim unser treuer urngenosse krnst 8chne!ller. Ehre seinem Andenke« I Die Beerdigung findet am Freitag. 11. März, nachm. 3 Uhr. vom Trauerhause Baumschulen- slraste 78 au» statt. t077b Um recht zahlielche�DeteUi> ersucht Ter Elgvao Eabrlkation Im Hanse! Danksagung. Für die uns anläßlich der Beeidigung meines lieben Manne», unseres gute» Bater«, Schwieger- und Grotzvater», de» Refianratenr» 1067b Friedrich Cfröbkc erwiesene Teilnahme sagen wir alle» Verwandten, Freunde», Bekannten und Parteigenossen, insbesondere dem Herrn Stadtverordnete» Obst und dem SchönebcrgerMämterchor.unserea herzltchsten Dank. 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Für de» gnseratenteil verantw,: Th. Glocke, Berlin. Druck»,Lerlag:Vorwärt» Buchdruckerei».BerlagSanstalt Paul Emger S, Co., Berlin SÄ» it. 58. 27. Mm* 3. Keilllge des Ismarls" Kerlllltt MldsblM.-«> m- Partei-?Zngelegenkeiten. Tie Generalversammlung des Verbandes sozial- demokratischer Wahlvereine Berlins und Umgegend findet am Sonntag, den 13. März 191l), mittags 12 Uhr. in Kellers Festsäleu(Jnh. Freyer), Koppenstr. 29, statt. Als Provisorische Tagesordnung ist festgesetzt: 1. Vorstands- und Kassenbericht. 2. Beratung der eingegangenen Anträge. 3. Partei- und Verbandsangclegenhciten. Die Delegiertenkarten sind den Kreisen bereits zu- gegangen. Das Bcrbandsbnreau. Anträge sind eingegangen: Erster Kreis. Die VerbandSgeneralversammlung wolle beschließen: Der Be- schlich dcS Zentralvorstandes vom 6. Januar, betreffend die Mai- feier, ist aufzuheben. An deffen Stelle ist ein Komitee aus den sechs Kreisen zn bilden, welches für die Veranstaltung der Maifeier zu sorgen hat. Einnahmen und Ausgaben hat der Verband zu übernehmen. Zweiter Kreis. Der Zentralvorstand wird angewiesen, ein Sparkartenshstem zur Erwerbung von Büchern sowie Einbänden von Lieferungswerken nach dem Muster der„Leipziger Volkszeitung" für Groß-Berlin ein- zusühren. Dritter Kreis. 1. Die heutige, am 25. Januar 1910 tagende Generalversamm- lung des dritten Kreises erwartet, daß die Zentralisation der Mai- feier für Klein- Berlin, einschließlich der größeren Vororte, im Interesse der Partei durchgeführt wird. 2. Die Generalversammlung des dritten Kreises steht nach wie vor auf dem Standpunkt, daß der Beschluß der Verbandsgeneral- Versammlung lediglich als Machtfrage behandelt wurde und un- demokratisch ist. Sie fordert die Berbandsgeneralversammlung auf, möglichst schnell auf eine Zentralisation der Maifeier hinzuwirken. Vierter Kreis. 1. Die Generalversammlung Groß-BerlinS wolle beschließen: Die Wahl als auch die Bestätigung der Kandidaten zu inter- nationalen Kongressen ist, wie das bis dahin auch bei den Wahlen zum Parteitag der Fall war, Sache der einzelnen Wahlkreise. 2. Dem§ 13 des Statuts der Kreiswahlvereine hinzuzufügen: g.) Beitragserhöhungen können nur per Urabstimmung erfolgen. b) Wird über einen in der Berbandsgeneralversammlung an- genommenen Antrag von mindestens einem Drittel aller anwesenden Delegierten eine Urabstimmung verlangt, so ist eine solche unverzüglich von der Verbandsleitung in die Wege zu leiten. Das Resultat dieser Abstimmung ist den Partei- genossen im„Mitteilungsblatt" bekanntzugeben. 8. Erlaß der Beiträge für die. weiblichen Mitglieder bei Arbeits- lostgkeit des Mannes, der Mitglied des Wahlvereins ist. Antrag des Zentralvorstandes. Nochmalige Abstimmung über den früheren Antrag des vierten Kreises:„Bei wichtigen Statutenänderungen— insbesondere Er- höhung der Beiträge— hat Urabstimmung zu erfolgen."— Der Antrag wurde mit schwacher Mehrheit in der Generalversammlung vom 22. August 1909 angenommen. Nach§ 18 des Verbandsstatuts ist aber zur Annahme eine Zweidrittelmehrheit der auf der Verbands- generalversammlung Anwesenden erforderlich. Die Abstimmung mutz daher auf Beranlasiung deS Zentral- Vorstandes nochmals vorgenommen werden. Zweiter Wahlkreis(Friedrichstadt). Zahlmorgen für Buchdruckerei-Nachtarbeiter am Sonntag, den 13. März, bei Jul. Meyer, Oranienstr. 103. Tagesordnung: 1. Geschäftliches. 2. Vortrag. 3. Diskussion.— Regen Besuch erwarten Die Bezirksführer. Groß-Lichterfelde. Freitag, abends 8'/g Uhr, findet bei Wahren- darf eine öffentliche Gewerkschaftsversammlung statt. Vortrag des ArbeitersekretärS Link über„Soziale Gesetzgebung". Das Erscheinen aller Parteigenossen ist erwünscht. Der Vorstand. Tegel. Heute Donnerstag, den 10. März, findet für Tegel der Zahlabend statt. Die Billetts zum Marccll Salzer-Abend inüffen abgerechnet werden. Die Bezirksleitung. Lerlmer JVacbrichtm Armcnwvscn, Waiscnpflege und Fürsorgeerziehung wurden in der letzten Sitzung des Eiatsausschusscs eingehender erörtert. Was das Armenwescn betrifft, so wurde bemerkt, daß die vom Kämmerer in der Plenarsitzung genannte Quote von 4,2 M. auf den Kopf der Bevölkerung allerdings etwas höher er- scheine, aber zur Beurteilung der von ihm genannten Vergleichs- ziffcrn mit anderen Städten sei nötig zu wissen, auf welche Art die Berechnung zustande gekommen sei und welche Ausgaben als Unterlage dienten. Nichtsdestoweniger gäbe es— wenn man Vergleiche ziehen wolle— Städte, die höhere Quoten aufweisen; so zahlen Köln 5,29, Düsseldorf 5,04, Eharlottcnburg 5,84 M. pro Kopf. Die vom Kämmerer für Rixdorf genannte Zahl von 0,57 stimme nicht, wenn man die gemachten Armcnausgaben mit der Bevölkerungsziffer vergleiche, eine eigene Berechnung habe die Ziffer von mindestens 2 M. ergeben. Der Kämmerer erwidert«, daß seinen Berechnungen nur die gegebenen Barunterstützungen zu- gründe gelegt seien. Erklärt ivnrdc die hohe Quote mit der Tat- fache, daß Berlin in seiner Bevölterung anders zusammengesetzt sei, als viele andere Städte. Dazu käme aber, daß viele Ge- meiden Untcrstütznngs- und Hilfsbedürftige oft nach Berlin ab- schöben und von den Gemeinden nur schwer Rückzahlung zu er- langen sei. Dans aber hätte Berlin 3000 chcverlaffene Personen zu unterstützen b«K'. deren Kinder. Die Ehemänner seien nur unter schwierigen Verhältnissen zur Erstattung heranzuziehen, hinzu käme, daß die Gerichte gegen die ihre Unterhaltungspslicht vernach- lässigenden Ehemänner zu milde verführen. Weiter aber würden vielfach Unterstützungen gegeben an Personen, die es weniger be- dürftig seien, während bei anderen Bedürftigen zu engherzig der- fahren würde. Das läge daran, daß die Armenkommissionen nicht immer so zusammengesetzt seien, wie man das wünschen müsse. Allgemein geteilt wurde der Standpunkt des Vertreters der Armen- direktion, die weiblichen Bedürftigen angemessen zn unterstützen. aber alles zu tun, um die Schmarotzer aus den Unterstützungs- listen zu entfernen. Daß bisher zu reichlich unterstützt tvorden sei, konnte niemand behaupten, denn die jetzigen Sätze sind in der Tat sehr minimale und bei den jetzigen Lebensverhältnissen eher einer Erhöhung bedürftig. Von bürgerlicher Seite wurde aus- gesprochen, daß in verschiedenen Armenkommissionen unsere Partei- freunde sogar sehr knausrig seien. Ter Legende, daß die Armen, die sich„nach oben" wendeten und hier sofort reichlich unterstützt würden, trat der Vertreter der Armendircktion entschieden cnt- gegen. Diese Beschwerden gingen den von ihni selbst früher vor- geschlagenen Weg, nämlich an den Armenkreis. Diese Erledigung der Beschwerden wurde von unserer Seite als untunlich be- zeichnet, man mache den Bock zum Gärtner. Es müsse ein andere� Modus gefunden werden, Ter Vertreter der Armcndircltion müsse I bei der Verantwortung, die er doch habe, das Recht haben, durch 1 besondere Beamte eine Nachprüfung eintreten zu lassen. Auch die Armenspcisung lam zur Sprache. Es wurde von sozialdemokratischer Seite daraus hingelviesen, daß im ver- gangenen Etatsjahr 81000 M. für diesen Zweck verbraucht lvorden seien, obwohl bereits am 1. März die Armenküchen geschlossen weyden mutzten wegen Mangel an Mitteln. Jetzt seien nur 50 000 Mark eingestellt, es seien mindestens noch 50 000 M. notwendig und es wurde beantragt, diese 50 000 M. in den Etat einzustellen. Der Antrag wurde abgelehnt. Maßgebend waren die Erklärungen des Vertreters der Armendirektion und eines anderen Magistrats. Vertreters, der Vorsitzender der Armenspeiseanstalt ist. daß die Mittel genügten, wenn man in Zukunft die Küchen erst am l. Januar eröffiicte. Der Erstere betonte noch besonders, daß er diese Form der Unterstützung für überlebt erachte und dahin strebe, diese Untcrftützungsart überhaupt abzuschaffen. Es sei ihm deswegen bereits der Vorwurf gemacht worden, daß er kein Herz für die hungrigen Mütter habe. Das sei ungerecht. Er meine, daß durch die Vcrabfolgung von Suppen in vielen Fällen nicht diejenigen unterstützt würden, die es bedürften. Auch eine Reform der Slrnienbestattung wurde angeregt, eine Kommission in der Armendirektion beschäftigt sich mit der Sache. Eine interessante Debatte entspann sich beim Etat der Waisenpflege. Bon einem Herrn der Mehrheit wurde die „falsche und teure Humanität" gerügt, die mit frühgeborenen Kindern JmrdH künstliche Ernährung und Erhallung getrieben würde. Solche Kinder, die oft von idiotischen, syphilitischen Müllern herrührten, würden in Glaskästen künstlich erwärmt und gezogen. Das sei ein teures Vergnügen und nicht Sache der Waisenvcrwaltung. Demgegenüber wurde betont, daß die Stadt die Verpflichtung habe, alle zur Verfügung stehenden Mittel zur Erhaltung des Lebens der der Waisenpflege itbergebenen Kinder anzuwenden. Man könne heute doch nicht mehr nach dem Rezept der Spartaner verfahren, die weniger kräftige Kinder nach der Geburt ins Jenseits beförderten. Die Kosten seien nicht einmal besonders hohe. Schließlich wurde noch über unser Fürsorge- Wesen gesprochen und gewünscht, einen eingehenden Bericht zu erhalten von den Arbeiten der Kommission, die mit Reformen auf diesem Gebiete beschäftigt ist. Das wurde zugesagt, wenn die Kom- Mission ihre Arbeiten beendet habe, was in Bälde zu erwarten sei. Auch soll der Wunsch berücksichtigt werden, eine» besseren«in- gehenderen Verwaltungsbericht über das Fürsorgewesen zu er» halten. Es war nämlich gerügt worden, daß unser jetziger Ver- waltungsbericht sehr dürftig sei und nicht einmal den knappen Bericht enthalte, den die Stadt dem Ministerium einreicht. Eine Reihe anderer Etats wurden debattelos erledigt. Die Leere in den städtischen Heimstätten ist von uns in letzter Zeit wiederholt erörtert worden. Ein Haupt- grund ist der Beschluß der städtischen Körperschaften, die Ver- pflegungskosten heraufzusetzen, infolgedessen diele Krankenkassen nicht mehr in der Lage sind, in dem Umfange wie früher Kassen- Patienten in die städtischen Heimstätten zu senden. Dazu kommt aber, daß auch die Behandlung und Verpflegung vielfach zu wünschen übrig läßt. Während über Gütergotz über schlechtes Essen geklagt wird, kommen über die Heimstätte in Buch lebhafte Klagen über die Behandlung. Der dort amtierende Chefarzt Dr. Reuter übt ein Regiment, das vielen Patienten mit der Zeit un- erträglich wird. Die Patienten klagen über militärischen, barschen Ton des Herrn Dr. Reuter, der außerdem recht kurz angebunden sei. Dann wird geklagt darüber, daß auf den einzelnen Stuben junge Leutchen im Alter von 12— 16 Jahren unter die älteren Leute gesteckt sind und daß erstere sich oft recht naseweis in die Gespräche der älteren mischen. Während der Liegezeit ist das Sprechen ver- boten, auch das Lesen. Einem Patienten, der ein Buch las, wurde dasselbe von Herrn Dr. Reuter aus der Hand gerissen und an die Erde geworfen. Auch die freie Zeit wird beschränkt. Leuten, die sich ihre Zeit mit Kartenspielen vertreiben, wurden die Karten weggenommen und zerrissen. Am Dienstag hatte ein junger Mensch im Alter von etwa 16 Jahren, den die Patienten für idiotisch hallen, einem Patienten H. den„Vorwärts" weggenommen. Als H. dem S.. so heißt der junge Mann, das Blatt fortnahm, gebrauchte dieser die be- leidigendsten Redensarten, und das Ende vom Liede war, daß Dr. Reuter dem Patienten H.. nicht dem S., zur Strafe eine Stunde längere Liegezeit zudiktierte. Darüber empörten sich die übrigen Patienten. Sie ersuchten gestern Herrn Reuter um Zurücknahme seiner Verfügung, was dieser aber ablehnte; er lehnte auch ab. die jungen Menschen zusammenzulegen. Die Folge war, daß gestern 23 Patienten der Heimstätte Buch den Rücken kehrten. Es wird Sache der Verwaltung der Heimstätten sein, diesen Klagen nachzugehen und für eine verständige Behandlung der Patienten Sorge zu tragen. Ein Opfer der Polizciattackcn in Treptow ist auch der Gast- Wirt Ferdinand Krause geworden, der an der Ecke der Köpenickcr Landstraße und der Elsenstraße das Lokal„Rennfahrer- heim" bewirtschaftete. Herrn Krause haben die Attacken, die dort von Gendarmen und Polizisten ausgeführt wurden, sogar das Leben gekostet. Er hat zwar nicht unter den Polizeisäbeln geendet. aber zum mindesten indirekt ist sein Tod auf das Walten der „Ordnungswächter" zurückzuführen. Am Sonntag wurde sein Lokal viermal gestürmt von Polizisten, die ohne jede Rücksicht die Gäste hinauswarfen. Ein Gast wurde sogar vom Klosett heruntergeholt und gleich den anderen auf die Straße hinausgejagt. Aus welchem Grunde und mit welchem Rechte in dieser Weise gewütet wurde, bleibt unklar. Hätten die Gäste irgend etwas Strafbares begangen gehabt, so wären sie doch wohl festgehalten und in Haft genommen worden. Man hat aber in den meisten Fällen— wenn nicht in allen— sich damit begnügt, sie hinauszuwerfen und davonzujagen. Herrn von JagowS Angst vor einer Wahlrechtsdemonstration kann doch unmöglich als ein ausreichender Grund zu solchem Vorgehen angesehen werden. Den Herrn Krause, der bereits im 57. Lebensjahre stand, nahm die Ausregung über diese wiederholten Attacken schwer mit. Am Abend um 8 Uhr, als endlich Ruhe für ihn eingetreten war, und er noch mit Gästen über die Erlebnisse dieses blutigen Tages sprach, sank er plötzlich zusammen. Er war von einem Schlag- a n s a l l betroffen worden. Seine Angehörigen schafften ihn schleunigst nach einem Krankenhanse, aber er starb dort noch in derselben Nacht. Ein auffälliges Verfahre» leistet sich die Kriminalpolizei an- läßlich der SonntagSdemonstration. Die Polizei hatte am Sonntag in der Treptower Gegend wie auch am Reichstagsgebäude eine Reihe Personen sistiert aus vielfach unerfindlichen Gründen und diese Personen zum Teil erheblich längere Zeit auf den Wachen zurnckbehaltm. Am Montag bezw. Dienstag früh sind nun eine Reihe dieser"Leute in aller Frühe, um 6—7 Uhr, aus ihren Wohnungen geholt— teils aus den Betten— und nach dein Polizei- Präsidium gebracht worden. Nach Vernehmung durch Kommissare wurden die auf diese ganz sonderbare Weise„Geladenen" nach stundenlangem Warten entlassen. Wie kommt die Polizei zu diesen Maßnahn, en, die durch nichts gerechtfertigt sind. Womit will sie dieses Verhalten begründen? Nene Art der Einschulung in die Pflichtfortbildungsschule. Die aus den Gemcindeschulcn zur Entlassung kommenden sortbildungS. schulpflichtigen Personen erhalten keine Einschul ungs- karten. Sie haben sich ohne weitere Aufforderung m ihre zu- ständige Pflichtfortbildungsschule zu begeben, und zwar: a) alle Lehrlinge am 1. Schultage, nachmittags 5 Uhr, d) alle ungelernten Arbeiter am 2. Schultage, nachmittags 5 Uhr. c) alle vorübergehend noch Unbeschäftigten gleichfalls am 2. Schultage, nachmittags 5 Uhr. Der Schulanfang wird rechtzeitig vor Beginn jedes Schulhall*» jahrcs durch Säulcnanschlag bckanntgemacht. Zur Einschulung hat jeder Schüler sein Schulentlaffungs- Zeugnis sowie Schreibmaterial(Schreibheft, Federhalter und Feder) mitzubringe». Das Sommerhalbjahr beginnt diesmal am 4. April 1910. Ein schwerer Betriebsunfall ereignete sich vorgestern im Siemens-Werk in der Franklinstraße. Dort waren gegen 3 Uhr nachmittags mehrere Arbeiter in einem der Fabriksäle mit Auf- räumungsarbeiten beschäftigt. Als sie ein sechs Zentner schweres Eisenstück auf einen Wagen laden wollten, kam die Last ins Rutschen und fiel auf den daneben stehenden Arbeiter Wilhelm Thiele, der unter der schweren Last begraben wurde. In be- sinnungslosem Zustande wurde der Verunglückte nach dem Krankenhause Westend gebracht, wo ein komplizierter Beckenbruch und schwere innere Verletzungen festgestellt wurden. Ein gewerbsmässiger Schwindler wurde von der Kriminal- Polizei in der Person des 26jährigen Landwirts Arnold Jörb, der in der Schönhauser Allee 90, wohnhaft ist, verhaftet. Der» selbe hatte es hauptsächlich auf Abzahlungsgeschäfte abgesehen, von denen er Klaviere, Schreibmaschinen usw. gegen Anzahlung kaufte, die er sofort wieder verkaufte. So verkaufte er auch vor kurzem in Rixdorf einem Händler eine Schreibmaschine. Als er nun wenige Tage später' demselben Händler ein Klavier anbot, ging dieser zum Schein auf den Kauf ein und zahlte 50 M. an. Er ließ den Schwindler, als er sich den Rest abholen wollte, ver- haften. Als Mitschuldiger wurde in der Schönhauser Allee der Eigentümer F. in Haft genommen, bei dem sich der Schwindler unter falschem Namen ein möbliertes Zimmer gemietet hatte. Der Eigentümer F. hat bei Verschärfen der Sachen durch eides- stattliche Versicherungen Hilfe geleistet. Ein ausgesetzter Knabe wurde vorgestern im Hause Wils- nacker Straße 34 von Hausbewohnern auf einem Treppenabsatz gefunden. Der Knabe, der blaue Augen und hellblondes Haar hat, ist etwa 9 Monate alt, war in einen weißen Unterrock ge- wickelt und trug schwarze Strümpfe. Die Polizei brachte ihn nach dem Waisenhause. Um die Ermittelung der AngehSrigen eines fünf Jahre alten Knaben, der vorgestern vor dem Hause Lintzenstraße 191 über- fahren und nach dem Krankenhause am Urbcm gebracht wurde. ist die Polizeibehörde bemüht. Der Knabe, der seinen Namen nicht angeben kann, trug eine graue Hose, einen dunkelblauen Mantel mit Ankerknöpfen und eine Schürze aus Wachsleinewand. Stadtbahnfleddercr treiben wiederum auf den Zügen des Nordringes ihr Wesen. Gestern benutzte der Schlosser Friedrich S. aus der Friedelstraße 41 in Rixdorf einen Nordringzug, den er auf der Station Beusselstraße bestieg zur Fahrt nach Hause. S.. der sehr müde war, schlief bald ein und erwachte erst, als der Zug auf der Station Westend hielt. Hier mußte der Arbeiter die unangenehme Entdeckung machen, daß er einem Stadtbahnfledderer in die Hände gefallen war, der ihm das zirka 6 M. enthaltende Portemonnaie sowie die Taschenuhr nebst Kette abgenommen hatte.— Wertobjekte im Werte von mehr als tausend Mark fielen einem anderen Fledderer auf der Stadtbahn in die Hände. Der Kaufmann N., Mommscnstr. 61 wohnhaft, war gleichfalls während einer Fahrt im Ringbahnzug eingeschlafen. Währenddem wurden ihm die goldene Uhr mit Kette, Trauring und eine wertvolle Krawattennadel geraubt.— Einem Arbeiter, der am Sonntagmorgen die Tour Weißensee— Frankfurter Allee benutzte, wurde gleichfalls die Taschenuhr gestohlen. Es ist des- halb dringende Vorsicht geboten. Sechster Wahlkreis. Von der auf dem Stiftungsfest von dm Genossinnen vorgenommenen Verlosung Sonnebcrger Spielwaren sind die Gewinne der nachfolgenden Losnummern im Bureau desWahlvcreinS, Ravenestr. 6, in Empfang zu nehmen: 28, 58. 194. 120, 165, 227, 250, 284, 286, 308, 353, 364. 405, 437. 503, 535, 546. 556, 615, 620, 625, 656, 668, 812, 815, 877, 885, 1128, 1255, 1276, 1662, 1664, 1723, 1919, 1922. 1924, 1928, 1934, 1938« 1955, 1994, 2904, 2015, 2202, 2246, 2323. 2329. 2339. 2378. 2494. Zeugen gesucht. Am Freitag, den 4. März, vormittags gegen 11% Uhr, wurde auf dem Spittelmarkt ein Arbeiter mit einem Dreirade, das mit Waschmaschinen beladen war. von einem Schlächterfuhrwerk angefahren. Zeugen wollen sich melden bei Herrn Paul R a u. Berlin LO., Skalitzer Straße 128(bei Hollstein). Besonders melden wollen sich der Hausdiener und der Fahrradschlosser, die das Rad und die Maschinen wegbringen halfen. Am Sonntag ist in Treptow ein Schirm gefunden worden und bei uns abgegeben, er kann in unserer Redaktion von dem Eigen- tümer in Empfang genommen werden.— Abhanden gekommen ist am Sonntag in Treptow im„Sport-Restaurant" ein Damen» schirm. Der ehrliche Finder wird ersucht, seine Adresse an di? Redaktion des„Vorwärts" einzusenden. Vorort- JVacbncbtern Tie Gemeindcwahlbewegung. Britz-Buckow. Freitag, den 11. d. M„ nachmittags von 3—4 Uhr, findet in Buckow im Gemeindeschulhause die Gemeinde- vertretcrwahl der dritten Klasse statt. Alleiniger Kandidat der Sozialdemokratie ist Genosse Joseph Hadameck, Bahnhofstr. 12. ES ist Pflicht aller Arbeiter, sich um''/ß Uhr im Wahllokal einzufinden» Arbeitskollegen, Freunde und Genossen werden ersucht, in Buckow Wohnbafie auf ihre Wahlpflicht aufmerksam zu machen. Wenn jeder seine Pflicht tut, so ist der Sieg unseres Kandidaten gesichert. Schöneiche(Nieder-Barnim). Heute nachmittag von 4—6 Uhr findet die Wahl der dritten Klasse zur Gemeinde- Vertretung statt. In letzter Sttmde können wir noch ein Dokument veröffentlichen, welches zeigt, wie unseren Genossen dank der Un- kenntnis des jetzigen Gemeindevorstehers Heyden, entgegen den gesetz- lichen Bestimmungen und Ministerialerlassen, die Wahlarbeiten erschwert werden. Herr Heyden hatte unserem Genossen Rühl die Abschrift der Wählerliste verweigert; auf die sofort eingelegte Be« schwerde ist jetzt folgender Bescheid eingetroffen: Königlicher Landrat des Kreises Rieder-Barnim. Berlin, den 3. März 1910. Tgb.�Nr. A. 2772. Bescheid auf Ihre Beschwerde gegen den Herrn Gemeinde- Vorsteher Heyden daselbst wegen verweigerter Avschriftnnhme der Gcineindeioählerliste vom 25. Januar d. I. Den Herrn Gemeindevorsteher habe ich angewiesen, Ihnen die Abschriftnahme der Wählerliste in dem durch die Rücksicht auf die Gebeimbaltung der Steuermerkmale und die Ansprüche anderer gleich Berechtigter beschränkten Umfange zu gestatten. Wie mir der Gemeindevorsteher mitteilt, war eS ihm jedoch nicht mehr möglich, Sie noch vor Ablauf der Auslegungsfrist. deren letzter Tag ein Sonntag war, zu benachrichtigen, da Ihre Beschwerde erst kurz vor Ablauf dieser Frist erhoben worden und dementsprechend mit meiner Entscheidung erst am letzten Tage beim Gemeindevorsteher eingegangen ist. An gez.: Graf von Roedetn. Herrn Johann Rühl in Schöneiche. Dieser Niederlage des Herrn Heyden werden unsere Genossen heute noch eine zweite zuzufügen haben. ES gibt keinen bessere» Protest gegen die Beschneidung unserer Rechte als den, unseren Genossen Rühl als ersten Sozialdemokraten in die Gemeindevertretung einziehen zu lassen. Genossen! Tut Eure Pflicht I RMerShof. Die Wähler der dritten Abteilung waren in letzter Stunde nochmals zur Aussprache über die Notwendigkeit der Wahl- beteiligung zusammengerufen und auch recht zahlreich in dein Baierschen Lokale erichienen. Der Kandidat Genosse Horlitz zeichnete in kräftigen Ajäorten die Wirkung, welche überall, wo sozial- demokratische Gemeindevertreter tätig sind, erzielt worden ist. Der Redner schloß mit einem warmen Appell an die Erschienenen, am Tage der Wahl ihre Pflicht zu erfülle» und für den sozialdemo- kratiichen Kandidaten zu agitieren und ihre Stimme abzugeben. In der Diskussion ergänzten die Genossen Hildebrandt und Ligner die Ausführungen. Weißcnsee. Die Wahlen zur Gemeindevertretung finden für die dritte Abteilung am M o n t a g. 14. März, von 4 bis 8 Uhr nachmittags und für die zweite Abteilung am Dienstag, 15. März, von 2 bis 5 Uhr nachmittags statt. Unsere Genossen beteiligen sich auch in der zweiten Abteilung mit eigenen Kandidaten. Eine neue Erscheinung ist diesmal der Mieter- verein, der sein Hauptgewicht auf die zweite Abteilung legt, da für die dritte die Trauben zu sauer sind. Aber das sonderbare an der Geschichte ist. daß da. wo Nichthausbefitzer gewählt werden können. der Mieterverein nur eines seiner Miiglieder aufstellt und daneben noch zivei Hausbesitzer aus anderen Bereinen. Vom Haus- und Grundbesitzerverein wird nur ein Ausscheidender wieder ausgestellt, während die übrigen Kandidaten sich aus den Wortführern und Schreiern auf die Gemeindeverwaltung des letzten Jahres rekrutieren. Im übrigen hat sich die streitende Hausbesitzergesellschast wie schon vorausgesagt wieder vereint. Im alten Ortsteil will allen Ernstes der Grundbesitzerverein uns das bisherige Mandat streitig machen, indem dort ein alteingesessenes Kriegervereiusmitglied aufgestellt ist; eS sind daher sämtliche„staatserholrenden Vereine" aufgefordert worden, für den Kandidaten einzutreten. Unsere Genossen werden jedoch dafür zu sorgen haben, daß der Montag und Dienstag nächster Woche ein Siegestag für die Sozialdemokratie wird. Auch muß durch eine imposante Stimmabgabe gegen das elende Drei- llassenwahlrecht in der Kommune demonstriert werden. Wahlergebnisse. Schmargendorf. Einen glänzenden Sieg errang unsere Partei bei den gestrigen Gemeindevertreterwahlcn. Unsere beiden Kan- didaten wurden mit' einer Mehrheit von 7l> Stimmen gewählt. Friedrichshage», Bei der am Dienstag, den 8. März, statt- gefundenen Gemeindewahl der dritten Klaffe im zweiten Bezirk erhielt der bisherige Vertreter, Genosse Otto Barth, 445 Stimmen. Trotz eifrigster Agitatton des.nationalliberalen Bürgerausschusses' und des Appells an.alle gutgesinnten Wähler", die.Macht der sozialdemokratischen Verttetergruppe zu brechen", fielen auf den nationalliberalen Kandidaten.»Registrator�Telto m Großen General- stab", nur 73 Stimmen. Alle Mühe war vergebens: die dritte Klasse gehört der Sozjaldemokratte! Tegel. Einen glänzenden Erfolg errangen unsere Genossen bei der vorgestrigen Wahl in der dritten Abteilung. Von 2897 ein- geschriebenen Wählern übten 1544 ihr Stimmrecht aus, davon erhielten unsere Genossen A r e n d s e e 1034 und R a d u n z 990, die Gegner beider Richtungen brachten es auf 410 Stimmen. Der Bürgermeister Weigert leitete selbst die Wahl und er zeigte gleich am Anfang, wie geeignet er dazu war. Als neben den Bürgerlichen auch unsere Genossen die Beisitzer vorschlugen, be- stimmte Herr Weigert einfach, daß seine Freunde und Gönner im Wahlburcau sitzen sollen, und das, trotzdem unsere Genoffen in der Mehrheit waren. Trotzdem hat die Sozialdemokratie dem Herrn gezeigt, daß sie auch ohne Beisitzer ganz schön mit ihm fertig werden kann. Bei der letzten Wahl 1909 erhielten die sozialdemo- kratischen Kandidaten 914 Stimmen, die Gegner 829. Heinersdorf. Zum ersten Male haben sich unsere Genossen in HeinerSdorf an der Gemeindeverordnetenwahl beteiligt. Nach einer von den Weihenseer Genossen einberufenen öffentlichen Ver- sammlung, zu welcher zum ersten Male der größere Saal des Ortes zur Verfügung stand, fand am Dienstag, den 8. März, die Wahl statt. Von den 179 eingetragene» Wählern gaben 93 ihre Stimmen ab, gegen kaum die Hälfte bei früheren Wahlen. Hiervon entfielen 94 auf einen Oberfeuerwehrmann der hiesigen freiwilligen Wehr, 20 auf Genossen Berlin(bei acht organisierten Genossen, welche in die Wählerliste eingetragen sind) und 13 Stimmen auf den HauS- und Grundbesitzerkandidateu. Zum ersten Male ist der letztere aus dem Dorfparlament verdrängt worden. Man hofft im Orte demnächst die dritte Abteilung für die Sozialdemokratie erobern zu können. Als Kuriosum sei erwähnt, daß das Amt des OberseuerwehnnannS in einem Flugblatt als ausschlaggebend für die Qualifikation zum Gemeiudeverordneten bezeichnet wurde. Biesdorf. Bei der gestrigen Gemeindevertreterwahl, an der sich unsere Genossen zum ersten Male beteiligten, erhielten Stimmen: Der sozialdemokratische Kandidat August Müller 79, der Kandidat der vereinigten Bürgerlichen 50 und der Kandidat des Bezirlsvcrcins 32 Stimmen. Es hat somit Stichwahl statt- zufinden zwischen dem Kandidaten der Sozialdemokratie und dein der Bürgerlichen. Dabendorf bei Zossen. Bei der am M o n t a g stattgefundenen Gemeindcvertreierwahl unterlag unser Genosse Karl Wendorf in der dritten Abteilung mit 17 gegen 28 Stimmen, welche auf den Bauernkandidaten entfielen. Unsere Stimmen haben sich seit der Wähl vor zwei Jahren verdoppelt. In der zweiten Abteilung siegte der Kandidat des Grundbesitzervereins Herr Welk gegenüber dem Bauernkandidaten. Hoffentlich wird es unseren Genossen bei der nächsten Wahl gelingen, einen Sozialdemokraten in das Dorf- Parlament zu cutsenden. Nru-Zittau. Bei der hier am 5. März erfolgten Gemeindewahl „siegten" die Bürgerlichen. Sie haben ihren Erfolg dem Umstände zu verdanken, daß der Wahllenniu auf Sonnabend nachmittags 2 Uhr festgesetzt war, also auf eine Zeit, die eS den außerhalb beschäftigten Arbeitern fast unmöglich machte, ihr Wahlrecht aus- zuüben. Gegen diesen indirekten WablrcchtSraub protestierte eine öffent- liche Versammlung, in der Genosse Schulz mit aller Schärfe das Verhalten der Gemeindevertreter sowohl wie auch das deS Gemeindevorstehers kennzeichnete. Der Ortsgewaltige halte auf das Ersuchen, die Wahlzeit günstiger festzusetzen, nur die Antwort: man müffe doch auch sein Abendbrot zur gewohnten Zeit einnehmen. Die Versamm- lung nahm einstimmig eine Protestresolution an, die dem Landrat zugesandt wurde. Rixdorf. Stadtverorbiietcnversamullung. In der Sitzung am Dienstag- nachmittag stand an erster Stelle der Bericht des Aus- Verantwortlicher Redakteur Richard Barth, Berlin. Für de schusscS. dem die bor längerer Zeit vom Magistrat eingebrachte Vorlage über die Errichtung einer Rettungswache überwiesen Ivorden war. Der Referent, Stadtverordneter Dr. Müller, er- suchte, trotz des noch in letzter Stunde den Stadtverordneten durch das Kuratorium der Berliner Unfallstationen zugestellten billigeren Angebot»(9000 M. Zuschuß pro Jahr) dem Abkommen mit dem Aerzteverein des Berliner Rettungswesens zuzustimmen und ein- malig 10 500 M. und laufend jährlich 8390 M. zur Einrichtung und Unterhaltung einer neuen Rettungswache zu bewilligen. Dieselbe soll im Hause N o g a ist r. 4 0 untergebracht werden. Die Rettungs- wachen sind den Unfallstationen vorzuziehen, da hinter ihnen die Gesamtheit der Aerzte steht; auch ist die eventuelle Uebernahmc in städtische Regie leicht möglich. Letztere wurden von den Berufs- genosscnschaften seinerzeit gegründet, nicht zuletzt, um Einfluß auf die Rentenfestsetzungen zu bekommen; sie sind jetzt ein kleines Monopol der wenigen darin angestellten Aerzte. Die Stadtverord- neten Rahmig, Gröpler, Seltmann erklärten sich gegen die Rettungswache wegen der von dem Angebot der Unfallstationen abweichenden höheren Kosten. Tagegen traten die Stadtverord- neten Dr. Silberstein(Soz.) und Heller(Soz.) warm für die Borlage ein, über welche man sich doch im Ausschuß— einschließlich des Herrn Rahmig, der dort ein eifriger Befürworter war— völlig geeinigt hatte. Es war da entscheidend die Ueber- zeugung, daß nur eine von allen Rixdorfer Aerzten unterstützte Rettungswache mit entscheidendem städtischen Einfluß ihre Auf- gaben im Interesse der Allgemeinheit erfüllen könne. Die Vorlage wurde schließlich trotzdem mit 33 gegen 25 Stimmen abgelehnt. Hierauf trat die Versammlung in die Spezialberatuny des Haushalt-Voranschlages für 1910/11 ein. Be- gönnen wurde mit dem Kapitel II, Kämmereiverwaltung. Stadtv. Abraham beantragte, die eingestellten 6000 M. für die Straßenbahn karten der Stadtverordneten zu streichen, da er diese Zuwendung als unangenehm empfinde. Auf diese Kleinigkeit käme es nicht an, wo man Hunderte und Tausende im Dienste der Stadt opfere. Diese„Sparerei" bezeichnete Stadw. B ö s k e als kleinlich, die ja auch nichts als verärgerte Bosheitspolitik sei; er halte die geringfügige Erleichterung der kommuivlen Tätigkeit der Stadt- verordneten, wie sie die Fahrkarten bezwecken, für durchaus ge- rechtfertigt. Die Stadtvv. Kode und S i e g e l k o w plädierten ebenfalls für Streichung des Betrags. Letzterer erklärte unter heftigen Entrüstungsrufen:„Geben wir ihnen doch eine Karte für den städtischen Omnibus, dann können sie fahren, so viel sie wollenl" Er erhielt ob dieser hochfahrenden Zumutung eine euer- gische Zurechtweisung vom Stadtv. Wutzkp(Soz.) In gleicher Weise ging Stadtv. Kloth sSoz.) mit dem Antragsteller ins Ge- richt: Wenn von Opfern von Hunderten und Tausenden geredet werde, so habe das seinen Haken: denn bürgerlich« Stadtverordnete wiffen auch ihre kommunale Tätigkeit nicht selten sehr ertragreich auf Kosten der Allgemeinheit zu gestalten. Beispiele gebe es dafür in Menge. Stadtv. Abraham versuchte diese Vorwürfe zu cnt- kräftcn, mutzte sich aber auch von seinem Freund Rahmig eine Zurechtweisung gefallen lassen, der ihm zurief:„So was ist nicht feinl Das ist Unsinn l" Nachdem noch die Stadtvv. Winter und Z o n f a l l für Beibehaltung der Fahrkarten plädiert hatten, wurde dementsprechend mit großer Mehrheit beschlossen.— Beim Titel „Polizeiverwaltung" forderte Stadtv. B ö s k e( Soz.) den Oberbürgermeister auf, hier mal zu untersuchen, ob nicht zu viel Polizeibeamte von der Stadt unterhalten werden müßten. Das sei offenbar der Fall; denn am letzten Sonntag konnten fast alle ab- kommen, um im Treptower Park bei der Attackicrung der für ihr Recht demonstrierenden Bürger Verwendung zu finden. Gegen derartige Polizeitaten müsse von der Stadt Protest eingelegt wer- den. welche die Schutzmannschaft zwar bezahlen, obendrein aber noch zusehen darf, wie diese die Bürgerschaft ohne Grund und Berechtigung mißhandelt.— Der von den Sozialdemo- traten gestellte Antrag auf Erhöhung der Tagegelder für die Gewerbegerichtsbeisitzer von 4 auf 6 M. wurde vom Stadtv. Emmeluth mit der Behauptung bekämpft, daß die Sitzungen des Gewerbcgerichts fast ausschließlich nur bis mittags 12 Uhr dauern und die Beisitzer daher bei der Erhöhung ein Geschäft machen würden. Die Mehrheit beschloß darauf die Beibehaltung des bisherigen Satzes.— Die Kämmereiverwattung schließt in Einnahme mit 308 000 M.. in Ausgabe mit 4 307 500 Mark ab, erfordert also einen Zuschuß von 3 999 500 M. Das Kapitel III„Gewerbliche Unternehmungen" wurde debattelos genehmigt. Einer Einnahme von 1 558 500 M. steht eine Ausgabe von 172 490 M. gegenüber; es ergibt sich dem- nach ein Ueberschuß von 1 386 100 M. Im Kapitel IV„Veranstaltungen und Einrich- t u n g e n" wurden die Ausgaben für die D e s i n f e k t i o n ö» anstalt mit Rücksicht auf deren erhöhte Inanspruchnahme um 5900 M. erhöht und mit 17 800 M. festgestellt. Die vom Magistrat beantragte Einstellung je einer weiblichen Hilfskraft in der Volksvibliothek und im städtischen Arbeitsnachweis, so- wie 6 weiterer Feuer männer für die Berufsfeuerwehr wurde genehmigt. Letztere besteht dann neben dem Oberführer aus 5 Oberfeuermännern und 25 Feuermännern, von denen 18 auf der Hauptwache Erkstraß« und 12 auf der Wache Emser Straße stationiert werden. Für die Säugling Sfür sorge wurden die Kosten von 9000 auf 10 700 M. erhöht, da die Konsultationen bedeutend gestiegen sind(von 3201 im Jabre 1907 auf 9712 im Jahre 1908) und die Anstellung eines Assistenzarztes und ver- mehrte Unterstützungen Unbemittelter notwendig machen. Dem Freiwilligen Erziehungsbeirat wurde der Zuschuß von 9500 auf 11 481 M. erhöht, desgleichen der Beitrag an den Asylverein für Obd achlose in Berlin von 900 auf 1000 Mark. Der Antrag des Stadtv. BöSke(Soz.), der Arbeiter- Samariterkolonne ebenso wie der Freiwilligen Sanitätskolonne vom Roten Kreuz eine Zuwendung zu machen, und zwar in Höh« von 200 M. wurde mit 25 gegen 23 Stimmen abgelehnt. Das Kuratorium der Berliner Unfallstationen erhielt statt der bisherigen 1500 M. künftig 5000 M. Gestrichen wurden die für den Oratorienverein eingestellten 300 M., für Ver- anstaltung volkstümlicher Vorträge statt der vor- geschlagenen 900 M. dagegen 900 M. eingestellt. Auf Vorschlag des Stadtv. Wutzkh lSoz.) wurde für den Beitrag zum Theater- unternehmen eine Erhöhung von 9000 auf 7000 M. mit geringer Mehrheit beschlossen. Tie Treptow-Sternwarte erhält einen Beitrag von 300 M.— Das gesamte Kapitel erfordert bei einer Einnahme von 226 790 M. und einer Ausgabe von 281 500 Mark einen Zuschuß von 54 890 M. Das Kapitel V„Armen- und Waisenpflege, Für. sorgeerziehuna" wurde genehmigt. ES bedarf eines Zuschusses von 426 900 M.. da der Einnahme von 139 500 M. die Ausgaben in Höhe von 565 500 M. gegenüberstehen. Die Weiterberatungi des Etats wurde hierauf auf Dienstag vertagt und in eine geheime Sitzung eingetreten. DaS Opfer eine? schrecklichen Unglücksfalles wurde der 23 Jahre alte Arbeiter Josef Owozoroczeck, Lessingstr. 27 wohnhaft. O. war in der Rirdorfer Linoleumfabrik beschäftigt.� Vorgestern geriet er bei der Arbeit durch ein Versehen so unglücklich mit dem linken Arm in das Getriebe einer Maicbine hinein, daß ibm die Hand glatt abgeschnitten wurde. Der Unglückliche wurde, nachdem er auf der Unfallstation in der Stcinmetzstraße einen Notverband erhalten, nach dem städtischen Krankenhaus gebracht. Wer ist der größte Redner der Gegenwart? Diese Frage stellie der Lehrer Herr Äicslich vor einigen Tagen seinen Schülern von der 2s-Klasse der 31. Gemeindeschule in der Nütlistraße. Herr K. konnte, da Kinder sehr oft ein Urteil der erwachsenen Welt wiedergeben, sich auf eine auch ihm nicht genehme Beantwortung der Frage gefaßt machen. Wie es scheint, hatte Herr K. ertvartet. daß auf seine Frage Herr Bethmann Hollioeg. Bülow oder Wil. Helm II. genannt werden würde. Doch er wurde enttäuscht. Ein Schüler meinte, Bebel sei der größte Redner der Gegenwart. Wie man uns nun mitteilt, hat Herr K. dem diese Antwort gebenden Schüler eine Ohrfeige verabreicht. Inseratenteil vercmtw.: Xh. Glocke, Berlin. Druck«.Verlag: Borwärt» Kein Mensch wird eS verstehen können, wie Herr K. dem Knaben eine Ohrfeige geben konnte. So wenig eine einheitliche Beantwortung dieser Frage selbst unter der gebildeten erwachsenen Welt erfolgen kann, konnte Herr K. gar von einem unreifen Schule» keine gerade seinem Geschmack zusagende Antwort erwarten. Ein Pädagoge, der Kindern weit über ihren geistigen Horizont hinausgehende Fragen stellt, handelt pädagogisch unklug, wenn er der nach seiner Auffassung unzutreffenden Antwort Strafe folgen läßt. Die Antwort des Schülers wird jeder Mensch, der das an sich schwere pädagogische Amt nicht mit der Politik verknüpft wiffen will, als harmlos auffassen. Bon einem Straßenbahnwagen überfahren und getötet wurde gestern nachmittag das vierjährige Söhnchen Erich deS Tischlers Breitscbuh aus der Rndower Straße. Der Kleine hatte sich mit anderen Kinder» an der Ecke der Rudower und Johnstraße auf dem Bürgersteig aufgehalten. Als er sich dann auf den Fahrdamm wagte, liek er gegen einen entgegenkommenden Straßenbahnwagen der Linie 47 und wurde unter die Räder gerissen. Das bedauernswerte Kind wurde tot unter dem Wagen hervorgezogen. Die Leiche ist von der Polizei beschlagnahmt worden. Jugendveranstaltungen. Lichtcnbcrg-FriedrichSfelve. Der Jugendausfchuß veranstaltet am Freitag, den 11. März, im Lokal von Ertcl, Pfarrftr. 74, einen geselligen Abend. Charlottenburg. Auf eigenartige Weise schwer' venrngliickt ist vorgestern der 24jährige Monteur Walter Schinezdorf aus der Kanalstr. 19. Er passierte gegen°/,8 Uhr aus einem Zweirade die Cauerstraße, um sich nach seiner Arbeitsstelle zu begeben. An der Ecke der Guericke- straße stieß er mit einem auf Rollschuhen zur Schule fahrenden t3jähr!gen Knaben zusammen und kam mit der Maschine zu Fall. Sch. stürzte so unglücklich, daß er unter die Pferde eines vorüber- fahrenden Mörlelwagens geriet, die ihn durch Huftritte im Gesicht, am Hinterkopf, an den Händen und an der Brust schwer verletzien. Der Monteur erhielt aus der Unfallstation in der Berliner Srraße die erste Hilfe und wurde auf seinen Wunsch nach seiner Wohnung gebracht. Wittenau-Borfigwalde. In einer gut besuchten Versammlung referierte Genosse Düwell über daS Thema;„Soziotpolnik in der Gegenwart". Der Referent schilderte in seinem IV-stündigen Vortrage das mangelhafte sozial- politische Verständnis der Regierung sowie der bürgerlichen Parteien. Der Vortrag wurde mit großem Beifall aufgenommen. In zündenden Worten forderte Redner die Anwesenden auf, sich den Organisationen anznschließen und die Arbeiterpresse zu abonnieren. Auch für die bevorstehende Gcmeindevertreterwahl muß eine rege Agitation entfaltet werden. Die Aufforderung des Vorsitzenden, die gehörten Worte zu beherzigen, waren von Erfolg, denn eS'wurden verschiedene Aufnahmen gemacht. Spanva«. Arbeiter-Samariter-Kolonur. Am heuttgen Donnerstag, abends 8'/z Uhr. findet bei Böyle, Havelstr. 20. ein Vortrag des Herrn Dr. Kallner statt._ Vermischtes. Schiffszusammenstost. Wie eine Meldung aus Cuxhaven besagt, stieß der deutsche Gaffelschooner„Gertrud", Kapitän SchreckhaaS, mit Salzladung von Harburg nach England bestimmt, gestern nacht am zweiten Feuer- schiff mit dem von New Dork einkommenden Dampfer„Pennsylvania" zusammen. Der Schooner ist gesunken, der Kapitän und drei Mann der Besatzung sind ertrunky». Der Steuermann wurde vom Rettungsboot deS zweiten Feuerschiffes gerettet. Aus Hamburg(offenbar aus dem Bureau der Amerika-Linie) wird hierüber weiter gemeldet:„Der Zu» fammenstoß des Schoners„Gertrud" mit dem Dampfer„Pennsyl- vania" der Hamburg» Amerika- Linie erfolgte dadurch, daß die „Gertrud" mit falschem Manöver vor den Bug der„Pennsylvania" segelte. Obgleich die„Pennsylvania" rechtzeitig auswich, ließ sich der Zusammenstoß infolge des Fehlers des Schoners(I) nicht mehr vermeiden. Der gerettete Steuermann befindet sich an Bord der „Pennsylvania".— Diese Darstellung soll offenbar den Führer der .Pennsylvania' entlasten. Ob sie dazu geeignet ist, ist eine andere Frage. Mach dem internationalen Straßenrecht zur See hat ein Dampf» schiff jedem Segler unbedingt auszuweichen I Licbestragödie im Hotel. Gestern vormittag hat in einem Münchener Hotel in der Neuhauser Straße ein gewisser Friedrich Babel seine mit ihm im gleichen Zimmer wohnende, etwa 25 Jahre alte Geliebte Elise Taschhuber im Bette durch Schüffe ins Herz und in den Kopf getötet. Hierauf richtete der Mörder die Waffe gegen sich selbst und verletzte sich lebensgefährlich. DaS Paar wohnte seit drei Tagen in dem Hotel und hatte sich als Ehepaar aus Stuttgart ausgegeben. Babel führte allerlei konfuse Schrift- stücke mtt sich. Eine Familie mit Sublimat vergiftet. Einer Meldung auö Worms zufolge hat gestern früh der Buhnhofsvorsteher Graeber zu Offstein sich selbst, seine Frau und drei Kinder mit Sublimat zu ver- giften versucht. Die Ehefrau ist tot. Graeber wird kaum mit dem Leben davonkommen; die Kinder können dagegen als gerettet be- trachtet werden. Den Beweggrund zu der Tat bilden unerqnickliche Familienverhältnisse. Ermordet aufgefunden. In Schöneich. Kreis Kulm, wurde, wie aus Graudenz gemeldet wird, gestern morgen der l8jährige Müller- bursche deS Müllers Bichs« mit einer Axt ermordet aufgefunden. Der Tat dringend verdächtig ist ein Knecht, ein Russe, der heute morgen abgereist ist. Ein schwerer Automobilunfall ereignete sich bei Himberg in der Nähe von Wien. Ein mit sieben Chauffeuren besetztes Schul- automobil der neugegründeten Wiener Lohnwagen-llnternebmung überschlug sich an einer Kurve und begrub die Insassen unter sich, von denen einer getötet, drei schwer und zwei leicht verletzt wurden. Bluttat eines Gymnasiasten. AuS Wilna wird vom gestrigen Tage gemeldet: Die Gattin deS Kurators deS Lehrbezirks Lewitzki wurde heute in ihrer Wohnung von einem Gymnasiasten erschossen; seine Tochter durch einen Schuß leicht verwundet. Der Täler be» ging Selbstmord._ Obdachlosen-Schicksal in Rom. Eine krasse Episode der Obdachlosigkeit in dem von Palästen und Kirchen strotzenden Rom hat, wie unS von dort berichtet wird, am 0. d. M. im Hospital von St. Spirito ihren Abschluß gefunden. Ein 74jähriger Tagelöhner, der untcrkunftölos war, ging allabendlich auf die Loggia bei den Glocken der Peterskirche, um hier zu schlafen. In der Nacht vom 4. stürzte der Unglückliche von dieser Loggia, die durch kein Geländer abgegrenzt ist, ab und fiel auf den Platz der Sakristei. Nach zweitägigem Leiden ist der alte Tagelöhner im Krankenhause gestorben. Neben dem PeterSdom, der Schätze für den Wert von vielen 100 Millionen birgt, neben dem endlosen nur zum geringsten Teil bewohnten Vatikan, hat so der obdachlose Arbeiter nicht einmal ei» Fleckchen Erde gefunden, wo er gefahrlos sein altes Haupt niederlege» koiintc. Die Kirche, die ihre ungeheuren Reich- tümer so ungeniert zur Schau stellt wie die„radilale" Stadtverwaltung. tun nichts, um daS Elend für Tausende und Aber» tausende römischer Obdachloser zu mildern._ Buchdruckcrei U. Berlagsanstalt Paul Singer L- Co„ Berlin LW.