Nr. 63. HbonnementS'Redlngungen: Abonnement?- Preis pränmnermido i Bicrtelj-ihrl. SP0 Mb, nionatb l,t0 Mb. wöchentlich 2S Pfg. frei inZ Hau?. Einzelne Nummer s Pfg, SonntaaS» imnimcr mit illustrierter Eonntogs» Beilage„Die Neue Welt" ll> Pfa. Polt« Abonnement: MO Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-ZeitungS- Prei-lisie. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 8 Marl pro Monat, Postabonnements nebmen an: Belgien, Däneniarl, Holland, Italien. Lureniburg. Portugal. Ktunänicn, Schweden und die Schweiz. 37. Jahrg. Crfötint täglich aaßtr tilontagi. * Vcvlinev Volksblatt. vie Inlettionz-eebühi' kclrSgt für die sechsgespallene Kolonet- gelle oder deren Nauin BO Psg,, für politische und gcwcrlschaflliche Bereins- uiid VcrsanimIungs.Anzcigcn Lv Psg. „Ultine Hnrcigen", das erste(fest. gcdriiiltc) P-ort 20 Psg,, jedes weitere Wort 10 Pfg, Stellengesuche und Schlas» flellcn-Anzcigcn das erste Wort 10 Pfg,, jedes weitere Wort 5 Psg. Worte über 1ü Buchstaben zählen für zwei Warfe. Inserate für die nächste Stummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werde:>. Tic Expedition ijt bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm< Kdresfri „SozläMemoKrst Rlriln", Zentralorgan der fozialdemokrati fchen Partei Deutfcblands. Redahtton: SA. 68, Llndcnstraasc 69. Fernsprecher: Slrat IV, Nr. 1983. Dienstag, den 15. März 1910. Expedition: SM. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Str. 1984. Wahlrechtskämpfer heraus! Erscheint in Massen zu den heutigen Versamnt- lungen! Stellt dem Beschluß der Privilegienritter das Volksverdikt entgegen! llurchgepeittcht! Es ist dein blauschivarzcn Block gelungen, in drei Tagen auch die zweite Lesung der Wahlrechtsvorlage durchzupeitschen! Dazu bedurfte es freilich keiner Hexerei, sondern nur einer guten Dosis Skrupcllosigkeit und Brutalität, und daran hat es der Schnapsblock nicht fehlen lassen. Sobald ihm die Gc- fahr zu drohen schien, dasi die Kritik allzu schneidende und gründliche Formen annehmen könnte, ließ er das Fallbeil eines Schlußantrages hcrabsauscn. Dergestalt wurde die Opposition einfach niedergetrampclt. Was aus der zweiten Lesung des Plenums hervor- gegangen ist, ist im wesentlichen der von der Kommission dem Hanse präsentierte Entwurf, jenes Monstruni, das an Ab- scheulichkeit hinter dem Wechselbalg der Negierung in nichts zurücksteht, sich vor ihm höchstens noch durch einen Zug feiger, höhnischer Tücke auszeichnet. Denn die Wahlrcchtsvorlage erklärte sich wenigstens rund hcrailS für die öffentliche Abstimmung. Der widerliche Zwitter dagegen, den Kom- Mission und Abgeordnetenhaus jetzt in die Welt gesetzt haben, gibt den Wählern das S ch e i n r e ch t der geheimen Wahl. das er ihnen jedoch durch die indirekte Wahl und die perfide Bestimmung, daß die Wahkmänner auf dem Lande aus dem Urwahlbezirk entnommen sein müssen, sofort wieder cskamotiert! Zu allem Ueberfluß hat der Entwurf der Kommission noch zlvei weitere Verschlechterungen erlitten. Einmal dadurch, daß an die Stelle der Fristwahl für die Orte mit weniger als 3000 Einwohnern die Terminswahl gesetzt worden ist, ein Wahlmodus, der den Gutsgewaltigcn und anderen agrarischen Terroristen zur infamsten Wahtbeeinflussung und schikanösesten Kontrolle die vortrefflichste Handhabe bietet. Zweitens durch die Verleihung des Privilcgiertenwahlrechts an diejenigen, die ihr Abiturientencxamen abgelegt haben. Für beide Verschlechterungen stimmte natürlich das Zentrum. Im ersten Falle seiner Rolle als Stallknecht der Konservativen getreu; im zweiten Falle, um für die Nationallibcralcn durch Gewährung eines besonderen Privilegicrtenwahlrcchts an sogenannte„Kulturträger" die Brücke zum blauschwarzen Anti-Wahlrechts-Block herüber schlagen zu helfen! Was der Schnapsblock so erfolgreich begonnen, hofft er schon in den nächsten Tagen triumphierend zu Ende führen zu können! Schon am Mittwoch soll die dritte Lesung beginnen und noch vor dem 18. März zum schmachvollen Ende gebracht werden! Die Opposition gedenkt man nötigenfalls abermals niederzutranipcln! Dann bleibt am 12. April nur noch die Wiederholung der Abstimmung, die man aber als bloße Formalität behandeln wird. Auch glaubt man sicher sein zu können, daß Regierung und Herrenhaus der Spottgebnrt des Schnapsblocks ihren Segen nicht vorenthalten werden. Wie sollten sie auch! Sie sind ja Fleisch vom Fleische des Schnaps- blocks und überglücklich, daß das Zentrum durch die lange Kette seiner infanien Volksvcrrätcreien die Wahlreform so ge- staltet hat, daß die Volksniasse schamlos geprellt ist! Das Wahlrecht,»nie es nach den Beschlüssen des blau- schwarzen Blockes aussieht, kann elender gar nicht gedacht werden. Bestehen bleibt die Drciklassenschmach, bleibt die in- direkte Wahl, bleibt die öffentliche Abstimmung der Wahl- männer, bleibt die Terminsivahl, bleibt auch die aller ge- sunden Vernunft mit Fäusten ins Gesicht schlagende skandalöse Wahlkrciseinteilung zugunsten der Krautjunker! Ein solches Wahlrecht kann nicht nur jeder Junker, sondern auch jede Herrenhausmumie mit Handkuß akzeptieren! Welches Wahlrecht hätte selbst das Drciklaffcnparlament beschlossen und hätten Regierung und geborene(Gesetzgeber trotz alles Sträubens und Würgens schlucken müssen, wenn das Zentrum nicht von allem Anfang an dem um sein Wahl- recht kämpfenden Volke in den Rücken gefallen wäre und selbst die schivächlichstcn liberalen Forderungen mit der un- crbittlichen Konsequenz geschworener WahlrechtSseinde im Wetteifer niit den junkerlichen Wahlrechtsmeuchlern ab- gewürgt hätte! Der Schnapsblock ist Triumphator geblieben. Aber bei seinem Siege ist ihm gar nicht wohl zumute. Nicht nur, daß ihm doch vor der Abrechnung der betrogenen Volksinassen graut— er glaubt auch nicht einmal auf das Ja und Amen der Regierung und des Herrenhauses rechnen zu können, wenn eL ihn» nicht gelingt, auch noch die Nationalliberalen als Komplizen für die verbrecherische Rechtsmeuchclnng zu ge- Winnen! Die Frage ist also, ob die Nationalliberalen sich durch die Sirenentöne der Junker verlocken lassen werden! Auch am Montag wieder überboten sich die konservativen Redner in girrenden Serenaden. Freilich war es nur viel Gekreisch und wenig Wolle. Denn die nationalliberalen Anträge wurden von dem Schnapsblock niedergestimmt. Der Kuhhandel dauert freilich fort. Wahrscheinlich werden sich die Koalierten des Schnapsblocks zu weiteren Zugeständnissen in bezug auf Kultnrträgerprivilegieu bereit- finden lassen. Das bedeutete eine weitere Verschandelung des Wahlrechtsmonstrums! Aber die Nationalliberalen der- langen noch mehr, sie fordern statt der Steuerdrittelung nach UrWahlbezirken eine andere Form der Drittclung, durch die der Einfluß des Unternehmergelvsacks noch verstärkt wird! Bis jetzt hat sich außer den Freikonservativen kein Mensch für diese Forderung erwärmt! Rechte, Mitte und Linke sind vielmehr tvenigstcnS darm einmal einig geivesen, daß durch eine andere Form der Steuerdrittelung der ohnehin skandalöse Einfluß dcS Geldsacks nur in unerträglicher Weise vergrößert werden würde. Wir halten es danach für völlig ausgeschlossen, daß selbst der Schnapsblock zu einer weiteren Verhunzung des Wahlrechts seine Hand bieten könnte! Auf der anderen Seite können jetzt die Nationallibcralen zeigen, ob ihre entrüsteten Proteste gegen die„rokormatio in pejus", die Verschlechterung des Wahlrechts, wirklich ehrlich gemeint tvarcn, oder nur der Ausfluß des AcrgerS ausgeschalteter Makler, die sich dadurch der Möglichkeit beraubt sahen, ihrerseits unter dem Vorwand der Reform das Wahl- recht so zu gestalten, wie es ihren kleinlichen, volksfeindlichen Parteiinteressen paßte! Fallen die Nationalliberalen um, lassen auch sie sich für das Kompromiß des Wahlrechtsverrats einsangen, so sind sie um kein Haar besser, als die schwarze Heuchlcrbande, über die die Herren Friedberg, Schiffer und Konsorten sich doch noch soeben so urkräftig entrüstet haben! Die große Abrechnung des verratenen, gcnasführten, mit Füßen getretenen Volkes würde dann an den Nationallibe- ralen ebenso unerbittlich vollzogen werden, wie am Zentrum! Der Schnapsblock arbeitet mit einem Fleisje, der einer besseren Sache würbig wäre. Wie er es sich vorgenommen hatte, hat er in der Sitzung vom Montag die zweite Lesung der Wahlrechtsvorlage beendet. Eine Beratung kann man das, was da in der Prinz- Albrechtstratze vor sich ging, kaum noch nennen. Zwar ließ die Mehrheit diesmal gnädigst auch unsere Genossen reden, aber sie selbst beteiligte sich so wenig wie möglich an der Debatte. Daß die konservativ-klerikale Majorität fest entschlossen! ist, der Minorität auch nicht das geringste Zugeständnis zu machen, das zeigte sich gleich zu Beginn der Sitzung; sie lehnte einen national liberalen Antrag, wonach die Auslegung der Abteilungslisten nicht in Privaträumen erfolgen darf, wenn in einem Stimmbezirk Geschäftsräume einer öffentlichen Behörde vor- Händen sind� kurzerhand ab. Die um tzeydebrand und Herold wollten damit dokumentieren, daß sie den Nationalliberalen nur unter der Bedingung entgegenkommen würden, daß diese sich ver- pflichten, dem Kompromiß ihren Segen zu erteilen und so das Odium für das Gesetz auch auf ihre Schultern zu laden. Ganz offen erklärte das Fhr. v. Zedlitz(frk.) bei einer anderen Gelegenheit, und auch sein Fraktionsfreund Abg. v. W 0 y n a suchte den Nationalliberalen noch einmal gut zuzureden. Die so viel Um- wordenen sagten weder ja, noch nein, sondern sie hüllten sich in Schweigen. Die dritte Lesung wird ja die notwendige Klarheit bringen. Ihr»vahrcs Antlitz enthüllte die Gesellschaft bei der Beratung des§ 16a, der besagt, daß die Wahlmänncr— außer in Berlin— aus dem Stimmbczirk entnommen werden müssen. Die Nationallibcralen hatten hierzu einen äußerst zahmen Antrag ge- stellt, der eine noch bei weitem nicht ausreichende Er- Weiterung des Kreises bezweckte, aus dem die Wahlmänner entnommen werden dürfen. Aber selbst davon wollte die Mehr- heit nichts wissenl Ter konservative Abg. Fhr. v. Nicht- Hofen erklärte rund heraus, daß daran nur die Sozialdemokratie Vorteil hätte, und das Zentrum, die Partei, die angeblich für das allgemeine, gleiche, direkte und geheime Wahlrecht ist, schloß sich dieser wahlrechtsfeindlichen Auffassung an. Genosse Ströbel geißelte in scharfen Worten den niederträchtigen Verrat, den das Zentrum auch bei dieser Gelegenheit wieder an den Arbeitern verübt. Ueberhaupt wird das Zentrum sich bei den Reden, die unsere Genossen am Montag hielten, kaum sonderlich wohl gefühlt haben. Die sozialdemokratische Fraktion hatte es sich zur Aufgabe gemacht, immer und immer wieder dieser Partei ihre heuchlerische MaKke vom Gesicht zu reißen, und daß ihr das gelungen ist, beweisen die Wutauödrüche der Herold und Konsorten. So nagelte L c i n e r t, natürlich nicht ohne wiederholt zur Ordnung gerufen' zu werden. das Verhalten des Zentrums gegenüber der Frage der Termins- wähl fest. Tie Kommission hatte die Terminswahl gestrichen, aber da die beiden konservativen Parteien mit Rücksicht aus den Terra- rismuS, den sie dabei betreiben können, unbedingt auch die Ter- m inS Wahl beibehalten wissen wollen, beeilte sich daS Zen. trum, ihnen Handlangerdienste zu leisten und einen Antrag cinzubringeii, der in Ortschaften mit nicht mehr als 0000 Einwohnern sowohl die Frist- als auch die Terminswahl gestattet. Ganz besonders verräterisch gcbcrdctc sich daS Zentrum gegen- über dem freisinnigen Antrag, der auch für die A b g c 0 r d n c- tenwahlen die geheime Stimmabgabe eingeführt wissen will. Hierbei schickte diese Partei einen ihrer Renommicrarbcitcr, Herrn Gicsberts vor, der ein Loblied auf die öffentliche Stimmabgabe anstimmte, daß den Reaktionären auf der äußersten Rechten das Herz im Leibe lachte. Zwar zog sich Herr Giesberts eine gründliche Abfuhr seitens des Genossen Ströbel zu, aber was macht sich die Blase daraus? Wenn die„Volksvertreter" nachher in.ihren Wahlkciscn sind, werden sie schon mittels der bclaiintcn München-Gladbachcr Jcsuitenlogik das Blaue, vom Himmel herunter schwindeln und dem Volke Sand in die Augen zu streuen suchen. Wenn wir ihnen nur keinen Strich durch die Rechnung machen! Schließlich hielt noch Genosse Liebknecht bei Beratung eines Antrags auf Sicherung des Wahlgeheimnisses eine Art Ge» neralabrechnung mit dem Zentrum, die sich durch das Eingreisen des Vizepräsidenten Dr. P 0 r s ch höchst dramatisch gestaltete. Hielt Herr Tr. Porsch, selbst ein frommer ZentrumSmann, der in seiner Amtsführung alles andere, nur nicht Unparteilichkeit, an den Tag legt, es doch für geboten, unfern Genossen zu rügen, weil er dem Zentrum vorgeworfen hatte, daß es sein Programm zer- reißt und mit Füßen tritt. So etwas, meint Herr Dr. Porsch, darf man einer„großen" Partei nicht vorwerfen. Mit dicssm Akt schloß die zweite Lesung. Nach einem Ruhe- tage, der zum Kuhhandel benutzt werden soll, beginnt am Mittwoch die dritte Beratung, die spätestens am Donnerstag beendet werden muß, denn am Freitag darf nach den Wünschen der Reaktion nicht mehr über das Wahlrecht geredet tverden, weil dann der IS. März ist. Tic Herren sind wirklich noch ängstlicher als Herr v. Jagow. ver Sshlrechttlismpf. Immer neue Demonstrationen. Ter Sonntag hat in einer ganzen Reihe preußischer Städte großeeind r'u ck s V 0 l I e D e m 0 n st r a t i 0 n e n gezeitigt. Viele Taufende sind an diesen. Tage wieder«m des gleichen Wahlrechts willen auf die Straße gegangen. Die Polizei hat an einigen Orten wieder das Wahlrecht mit dem Säbel und mit Püffen und Stößen beschützt. Es sind Ver- letzungen und Verhaftungen vorgekonmien, die das Bewußt- sein rege erhalten, daß Preußen kein Kulturstaat ist. Indes sind schlimmere Verletzungen bis jetzt nicht gemeldet. Die imposantesten! Kundgebungen haben diesmal F r a n k f u r t a. M. und B r e s l a u zu verzeichnen. Darüber wird uns gemeldet: Frankfurt a. M., 13. März.(Eig. Bericht.) Die Mainstadt sah heute wieder eine Demonstration, die sich der großen Kund. gcbung auf der Hundswiese vor 14 Tagen würdig zur Seite stellt. Dort gingen die linksstehenden bürgerlichen Parteien mit der Sozialdemokratie, diesmal lehnten sie eine Beteilt- gung ab. Den Herren Linksliberalen lvar ihre Straßen- dcmonstration anscheinend zu brcnzlich. Es ging auch ohne sie. Die Demonstration nahm bei gewaltiger Beteiligung einen glän- zenden Verlauf. Von der Parteileitung waren 23 Versammlungen auf 1l/> Uhr nachmittags angesetzt. Es wurden nur kurze Ansprachen gehalten, dann zogen die Versammelten Nach der inneren Stadt, zu dem gemeinsamen Sammelpunkte, dem Theaterplatz. Aus dem Eewerkschaftshause zogen die VersammlungStcil- nehmer in geschlossenem Zuge durch die Allerheiligenstraße zur Kon st ablcr wache, und weiter über die Zeil, Haupt. wache zu dem Theatcrplatz. Bald kamen die anderen Züge an- marschiert, und binnen wenigen Minuten war nicht nur der Thcaterplatz, sondern auch der daran anschließende Goethe. Platz und der Roßmarkt dicht von Demonstranten— unter denen sehr viele Frauen waren— gefüllt. E i n wogendes Mensche nmeer, aus dem die Klänge der Marseillaise und Hochrufe auf das freie Wahlrecht erklangen. Die Spitze des Zugis bog vom Roßmarkt aus j» die K a i s e r st r a ß e— die Haupt- straße Frankfurts neben der Zeil— ein, und ein fast endloser Zug marschierte gegen den Bahnhof zu. Der größte Teil des Zuges hatte schon den Roßmarkt verlassen, da tauchte auf diesem eine starke Patrouille Schutzmannschaften auf. Sie kam zu spät, um dem Zug den Weg zu sperren, und bekam nichts zu tun. Die Polizei hatte natürlich die üblichen Vorkehrungen wieder getroffen. Kurz vor dem Bismarckdenkmal, das jetzt Tag und Nacht polizeilich bewacht wird, fdjiuciiüc der Zu?, cm dem über 20000 Personen teilgenommen haben, in die Neue Mainzer- strahe ein und zog über die Mainbrückc, dem Stadtwold zu. Tie Polizei, die sich diesmal ruhig verhielt, hatte keine Ahnung, welches Ziel der Zug hatte. Sic konnte daher, selbst wenn sie gewollt hätte, den Weg nicht gut versperren. Der Zug gelangte somit ganz Programmgemäß zum Stadtwald, Auf dem Platze, wo alljährlich die Maifeier begangen wird, sam- melten sich die Massen. Von einem Holzstoß herab hielt Genosse Dr. Quarck eine begeisternde Ansprache. Er betonte, die heutige Demonstration habe bcivicscn, daß auf die bürgerlichen Parteien kein Verlaß ist und daß die Arbeiter allein die Träger der Wahlrech tsbcwcgung sind. Mit dem feierlichen Gelöbnis, nicht zu rasten, bis das freie Wahlrecht erobert ist. ging die Masse auseinander. Einigen Spitzeln, die sich im Stadtwald eingefunden hatten, blühte eine Art Spießrutenlaufen. Man hatte fünf Spitzel erkannt und gestellt; unsere Genossen machten einen großen Bogen um sie herum und riefen ununterbrochen:»Betrachtet Euch diese edlen Helden."— Schließlich machte man eine Gasse und ließ die Spitzel. denen der Angstschweiß aus allen Poren gekommen war, laufen. An dem Meeting auf der Hundswicse hatten auch Arbeiter aus den umliegenden Ortschaften Frankfurts teilgenommen. Heute war es die Frankfurter Arbeiterschaft allein, die die Zähl der Demonstranten stellte, was die Bedeutung der Kundgebung noch erhöht. Die Rückkehr zur Stadt vollzog sich im ganzen glatt. Ein Teil der Demonstranten blieb noch im Wald, ein anderer zog nach dem Vorort Niederrad. Der größte Teil ging in losem Zug direkt zurück. Die Polizei hatte unterdessen die Mainbrücke besetzt und ließ nur kleine Trupps von ungefähr 30 Mann gleichzeitig über die Brücke. Da die Polizei sich aber ruhig verhielt— dir Kritik hat doch gewirkt!— kam nirgends eine Störung vor. So verlief die große Kundgebung würdig und ein- brucksvoll. Zum inneren Krieg bereit« Dis„Frankfurter Volksstimme" veröffentlicht im Anschluß an ihren Bericht von der Demonstration einen vom 12. März datierten Al'tcilnngSbcseljl des Artillerieremments Ar. 63 in Bockenheim. Das Manuskript ist von einem Offizier verloren worden, cS wurde vor der Zurückgabe photographiert. In dem Befehl heißt es unter anderem, daß„morgen von 1 Uhr mittags ab zwei berittene Ab- teilungen zum sofortigen Ausrücken bereit sein sollen." Die Sol- baten, die unter dem Befehl zweier Oberleutnants stehen sollten, seien mit Revolvern auszurüsten. » Breslau, 13. März. � Die im„Vorwärts" schon angekündigte hi i e s e n d e m o n st r a- t i o rt im Vorort Morgenau, die die Sozialdemokratie in Gemein- schaft mit den Demokraten und dem Bund für Frauenftimmrecht veranstaltete, ist heute glänzend verlaufen. Schon zwei Stunden vor Beginn der acht Versammlungen begannen die Massen aus der Stadt hinauLzuströmcn. Eine wahre Völkerwanderung entwickelte sich. Schließlich waren sämtliche Säle stark besetzt, während noch große Massen ans der Dorfstraße promenierten. Bürgerliche Abstinenten hatten um die Erlaubnis nachgesucht, in Morgenau Plakate mit der Inschrift:„Meidet den Schnaps herumtragen zu dürfen. Die Polizei hatte dies aber„im Interesse der öffentlichen Ordnung" verboten, und als trotzdem ein solches Plakat auftauchte, stürzten sich ein Wachtmeister und ein Schutz- mann auf den Träger, zerrissen das Plakat und gaben dem Manne die Stange zurück, nachdem sie seine Personalien festgestellt hatten Nach Schluß der Versammlungen strömten die Massen nach der Stadt zurück. Die Zahl derer, die diesmal auf den Beinen waren, wiöd auf 12600 geschätzt. Aus der Menge stiegen bald zahl- reiche Luftballons mit langen roten Fahnen aus Papier ans. Die Polizei hielt alle Zugänge zur inneren Stadt besetzt. Die Demonstranten teilten sich jedoch in zwei mächtige Züge, und suchten unter Umgehung der inneren Stadt nach ihren Wohnungen zu gelangen, sodaß die Polizei durch ihre Absperrungen nur den Verkehr des übrigen Publi- kums hinderte. Wer trotz dieser Absperrungen auf den Ring gelangte, wurde von der Polizei vertrieben. Auf dem K ö n i g s p la tz, wo größere Massen wieder zusamucenkamen, zogen die Schutzleute plötzlich blank und hieben nach allen Seiten auf die Menschenein. Viele Personen erlitten leichtere Verletzungen. Mehrere Verhaftungen wurden vorgenommen. Patrouillen von berittenen Schutzleuten zogen dann noch durch die Straßen. *« « Ju Berlin veranstaltöte die Demokratische Vereinigung am Sonntagmittag eine Versammlung im Feenpalast, die äußerst stark, von über 5000 Per» senen besucht war. Redner waren Herr v. G e r l a ch und Frau Regine Deutsch. Reben der Schandvorlage wurden auch das Ber- fahren des Polizeipräsidenten und das brutale Wüten seiner Mann- schasten am 6. März scharf kritisiert. Eine in diesem Siime gehaltene Resolution, die die Bürger Preußens auffordert. Schulter an Schulter mit den Arbeitern den Kampf zu führen und die das Recht auf die Straße entschieden proklamiert, fand einstimmige Annahme. Aus den Versammlungsteilnehmern, unter denen die Arbeiter- schaft stark vertreten war, fonnierte sich nach Schluß der Verhand- lmlgen ein Deinonstrationszug, der. da die Südseite der Burgstraße und die Friedrichsbrücks gesperrt waren, seinen Weg nach dem Haackeschcn Markt nah», und den Friedrichshain zu erreichen strebte. Der war indes polizeilich hermetisch abgesperrt. Die Demonstranten verslichteu darauf den Exerzierplatz zu erreichen, woran sie aber durch die im Laufschritt vorgehende Schutzmnnnschaft verhindert wurden. An der Vcrnauer Sttaße zog die S ch u tz in a n n f ch a f t blank. Zu weiteren Zusammenstößen ist c8 indes nicht gekommen, doch wurden mehrere Verhaftungen vorgenommen.— Eine be- sondere Heldentat der Polizei war die Verhaftung der Frau v. Gerlach, die das Verbrechen begangen hatte, in einen Omnibus zu steigen, der durch eine die Kaiser- Wilhelm- Brücke sperrende SchutzmaniiSkette fuhr. Der Polizeileutnant, der dort kommandierte, scheint sich darüber geärgert zu haben, daß diese Tat den Beifall einiger Passanten fand. Durch drei Schutzleute ließ er Frau v. Gerlach vom Wagen zerren, und als sie lebhaft protestierte, ordnete er an, daß sie zur Wache gebracht wurde. Hier ist ihr sie begleitender Gatte im Flur von dem Schutzmann Nr. 479 tn den Rücken gestoßen worden. Herr v. Gcrlach wird Beschwerde führen und gerichtliche Klage erheben. .' AuS den Provinzen werden noch die folgenden Kund- geSungen gemeldet: Remscheid. 13. März. Durch eine eindrucksvolle Straßendemonstration protestierte heute die hiesige Arbeiterschaft gegen die Schandvorlage. Ohne daß «ine öffeniliche Belanntgabe vorausgegangen war. fanden sich gegen 3!4 U hr Tau sende von Demonstranten im Mittelpunkt der Stadt, in der Mecstraße ein. Punkt 4 Uhr wurde das erste Hoch aüfs freie Wahlrecht ausgebracht. Frciheitslicdcr folgten. Aus und ab gehend hielt die Masse die Straße besetzt. Die Polizei wurde kopp los. Mit den Schuppenkettcn unterm Kinn rannten die Polizisten hin und her, ohne etwas Rechtes anfangen zu können. Da. als sich die Masse bereits aufzulösen begann, kannte der Tatendrang der Polizei keine Grenzen mehr. Der Moment zur„Säuberung" schien günstig. Ter Säbel flog aus der Scheide und los gings auf dir Menge! Mehrere Personen wurden verletzt; will- kürlich wurden Verhaftungen— auch solche von Kindern — und Notierungen borgenommen. Kinder von 15 Jahrcl, wurden von den wütenden Polizisten gepackt und zur Wache ge- schleppt. Die Polizei hatte wieder einmal einen„Ehreii'llag!— In der Elberfelder Straße formierte sich ein neuer Zug, der sich durch mehrere Straßen bewegte und sich schließlich am„Volkshaus" auflöste. Die Demonstration war lange beendet; die Fassungslosig- keit der Polizei aber hielt an, denn immer noch sperrte sie tapfer die Alleestraßs ab und störte jeden Sonntagöverkehr. Aus Furch: vor weiteren Demonstrationen richtete sie in der Bismarckstraße und in der Nähe des Rathauses mehrere fliegende Wachen ein. Gegen abend schlug sie sich auf dem Markt mit einigen hundert Kindern herum, die sich an dem polizeilichen Tatendrang ergötzten und Hochrufe ausbrachten. Die Erregung ist allgemein, da durchaus kein Anlaß zum Einschreiten der Polizei gegeben worden war.— TicnStag findet eine große Protestversammlung statt. Marburg, 13. März. Einer großen Protestversammlung der Arbeiter- schaft folgte eine Straßende mon st, ation. Die Versammlungsteilnehmer zogen mit einer roten Fahne zum Marktplatz. Die Polizei nahm einige Verhaftungen vor. Frankfurt a. v.. 13. März. Eine imposante Demonstration fand heute hier unte». freiem Himmel statt. Vor mehr als 6099 Teilnehmern, bte sich auf dem inmitten der Tammvorstadt gelegenen Roßmarkr eingefunden hatten, sprachen Genosse Borgmann und Partei- sekretär Ebert. Die Ruhe wurde nicht gestört, der Verkeyr nirgends beeinträchtigt. Von der Polizei sah man nur diie gewöhnlichen Posten. Gberswalde, 13. März. Hier fand heute eine gewaltige Kundgebung in Gestalt einer Versammlung unter freiem Himmel statt, zu der eine Menschenmenge zusammengeströmt war, wie sie Eberswalde noch nicht gesehen hat. Wohl 5909 Personen hatten sich eingefunden, darunter ein erheblicher Prozentsatz bürgerlichen Publikums. Nach der Ansprache des Lanfotagsabgeordneten Ströbcl zog ein Teil der Versammlung nach der„Mühle", wo Genosse Strübel im ge- füllten Saale eine zweite Ansprache hielt. Stettin, 13. März. In der Provinz Pommern fanden heut- 18 Protest» v e r s a m m m l u n g e n statt, davon fünf unter freiem Himmel. Für Montag abend sind in Stettin und der näheren Umgebimg weitere acht Versammlungen angesetzt. Elbing, den 13. März. Hier tagte heute mittag I'/e Uhr eine sehr stark besuchte Wahl- rechtSversammlnng. Im Garten des.Vereinsgarten' referierte Genosse 83 a r t e l- Danzig. Dann folgte ein imposanter Demonstrationszug durch die Stadt, den der neue Ober- bürgermeister Merten im Vertrauen auf die bewährte Disziplin der Elbinger Arbeiterschaft polizeilich genehmigt hatte! Der Durclizng der proletarisckien WahlrechtSkämpfer erweckte in diesem Mittelpunkt des Wahlkreises des janusch auerlichen Olden- bürg allgemeines Aussehen. In einer einstimmig angenommenen Resolution hatte die Versammlung dem junkerlichen WahlrechtSseinde für die nächste ReichstagSlvahl rücksichtslose Abrechnung in Aussicht gestellt. Line Verfassung für Lliaü- Lothringen. Die Beratung des Ncichskanzleretats in der Montags- sitzung wurde fast ausschließlich durch Verhandlungen über die clsaß-Iothringischen Verfassungszustände in Anspruch ge uommen. Liegt es doch im Zuge der Zeit, daß es in allen deutschen Verfassungen kracht: im Reich, in Preußen, in Mecklenburg, kurz in sämtlichen Einzelstaaten, auch in dem Stiefkinde Deutschlands, dem Reichsland Elsaß-Lothringeir. Es lagen zur elsaß-lothriugischeu Frage drei Resolutionen vor: eine sozialdemokratische, eine von den unabhängigen Lothringern und eine von den partikularistischen Elsassern, nur die der Zentrumspartei angehörigen Elaß-Lothringer hatten keine eigene Resolution eingebracht. Me drei forderten die Erhebung Elsaß-Lothriirgens zum Bundesstaat mit selbständiger Verfassung� Die Resolution der Sozialdemo- traten und die der Lothringer verlangte ausdrücklich die Ein- führung des allgememeu. gleichen, direkten und geheimen Wahlrechts. In der Diskussion unterstützten sämtliche Elsaß- Lothringer, aber auch die Redner der anderen Parteien, die Verfassungsforderung. Der Redner der Reichspartei. der clsasscr Abgeordnete Dr. H ö f f c l, wich aber insofern von dcu übrigen Parteien ab. als er meinte, die Frage des Wahlrechts solle man den Elsassern überlassen. Trotz der wesentlichen Uebercinstimuiung in der Hauptfrage gab es indes ziemlich hitzige Auseinandersetzungen zwischen den Par» teicn. Die Vertreter der klerikalen wie der liberalen Bonr- geoisie»ahmen gegenüber der Regierung eine sehr ergebene Haltung ein und wurden dafür von dem Genossen Bohle- Straßburg weidlich mitgenommen. Unser Redner rechnete aber auch mit der Regierung ab wegen der mißtrauischen Haltung, die sie der Bevölkerung Elsaß-Lothringens gegen-- über seit Jahren beobachtet hat und die auch schroff in den Auslassungen des Reichskanzlers im November vorigen Jahres zum Ausdruck kam. Verlangte der preußische Ober- bureaukrat doch erst„Garantien" der Bevölkerung, che eine selbständige Verfassung gewährt werden�könne. Böhls wies insbesondere die in deutschen Chauvinistenblättern ver- breitete Behauptung zurück, als ob der Wunsch der Elsaß- Lothringer, die französische Sprache auch in der Volksschule zu lehren, auf eine„Verwelschung" des Landes hinziele. In der Abwehr gegen Böhles Bemerkung, daß eS mit der „Demokratie" der klerikalen Elsässer nicht weit her sei, verstieg sich der Klerikale Dr. R i ck l i n zu der Behauptung, daß er ein„konservativer Demokrat" sei. welch« wunder- aine Demokratenspezies er offenbar bei seinen ärztlichen Studien in einem anatomischen Abnormitätcnkabinett entdeckt hat. Nock, ein ganzer Haufen Elsaß-Lothringer nahmen das Wort, doch erregte es nicht wenig Heiterkeit, daß der Ab- geordnete Wetterlch der wegen seiner Kotillonaffäre vcr- chentlich auch von altdeutscher Seite hart angegriffen war, ich nach anfänglicher Wortmeldung zuletzt streichen ließ. Schließlich wurde es auch klar, weshalb von den maß- gebenden Parteien und dem Präsidenten die Sache so ge- sieickzselt war. daß die elsaß-lothringische Frage zunächst isoliert zur Verhandlung gestellt und daß ihr solch breiter Raum verstattct wurde. Sie sollte dem Reichskanzler als Folie zu einem glänzenden politischen Herausreißer dienen. Nach mehrstündiger Erörterung erhob sich Herr v. Beth- mann Hollweg und kündigte nach einigen Proben der bei ihm stets auf Lager gehaltenen ebenso allgemeinen wie nichtssagenden Betrachtungen plötzlich an. daß die Reichs- rcgierung einen Verfassungsentwurf für die Reichslande habc.der nach Durchberatung im Bundesrat dem Hause zugehen würde. Ein Bravo I der Rechten und des Zentrums lohnte diese Ankündigung, während die bösen Sozialdemokraten lachend den vertrauensseligen Herren zuriefen, sie möchten erst einmal abwarten, wie das Ding dann aussehen würde. Das genierte den Kanzler. Jni Tone tiefer Kränkung rief er: was ist denn da zu lachen? Zur gleichen Klage hatte er gleich nochmals Anlaß. Seine Erläuterungen der kommenden Vor- läge waren nämlich nach dem Schema gearbeitet: Wir werden sehen, wir werden hören, und dann wird sich's zeigen! Wieder lachen die Sozialdemokraten; wieder gekränkte Frage des Kanzlers:„Was ist denn da zu lachen?" Worauf ihm die Antwort wurde:„Wegen der Plattheit der Aus- kunft!" Genosse Emme! gab dann der Stellung der Sozial- dcmokratie zu dem ungcborenen Verfassungswerk kräftigen Ausdruck, indem er ankündigte: würde es nicht das all- gemeine, gleiche, direkte und geheime Wahl- recht enthalten, so wird es auch in Elsaß-Lothringen keine Ruhe geben. Daß seit November sich ein solcher Sinncswandel über die Verfassungsfrage bei Bethmann Hollweg u. Co. heraus- gestellt hat, ist zweifellos dem mächtigen Eindruck der Verfassungs- bewegung zu danken, die ganz Deutschland durchwogt und die auch ihre Wellen nach Elsaß-Lothringen gewälzt hat. Zureden hilft also doch I Also nur immer fest weiter demonstrieren und agitieren! Schließlich bekommt auch die preußische Rc- qicrung ein Verständnis dafür, daß sich das Volk, wenn es Rechte fordert, nicht mit kläglichen Surrogaten abspeisen läßt. poUtifebe Qebcrlicbt. Berlin, den 14. März 1910. Die Reichövevsicherungöordnung. Dein Reichstage ist der Entwurf der Reichsversicherungsordnung am Montag zugegangen und wird am Mittwoch frühestens an die Mitglieder des Reichstags verteilt. Was in den Blättern über den Inhalt der Lorlage gemunkelt wird, ist demnach nichts als Vermutung. Keine Straßendeinonstrationen am 13. März. Einige bürgerliche Blätter wissen zu melden, die zum Dienstag. den 15. März, in Groß-Verlin einberufenen öffentlichen Bolksvcrsamm« lungen dienten nur dem Zweck, Gelegenheit zu neuen Demonstrationen zu bieten. Woher die betreffenden Blätter diese Wissenschaft haben, wissen wir richt. Uns ist von einem Plan, nach Schluß der Ber- sammlungen Straßenauszüge zu veranstalten, nichts bekannt. Da» gegen wissen wir, daß der Emberufer dieser Volksversammlungen, der Genosse Eugen Ernst, auf der vorgestrigen General- Versammlung der sozialdemokratischen Wahlvereine Groß-BerlluS direkt gewarnt hat, am Dienstag in später Abend» oder Nachtstunde in den Straßen zu demonstrieren. Die Sozial- dcmokratie nimmt nach wie vor für sich daS„Recht auf die Sttaße" in Anspruch; aber sie demonstriert, wenn es ihr paßt, chcht wenn die Polizei eS wünscht._ Tie Rülkficht auf die Sozialdemokratie. Die konservativen und klerikalen, teilweise auck, die nationalliberalcn Blätter behaupten, daß die sozialdemo- kratischcn Straßcndcmoiistrationcu für die Einführung des Reichstagswahlrechts in Preußen völlig nutzlos seien, da sich weder die Regierung, noch die bürgerlichen Parteien des Preußischen Abgeordnetenhauses durch diese Demonstrationen im geringsten beeinflussen ließen. Tcmgegenübcr verdient es um so größere Beachtung, daß die„Köln. Ztg." in dem„E i n A n g st p r o d u k t" überschriebenen Leitartikel ihrer Nr. 273 offen zugesteht, die Rcgierung wie auch alle größereu büracr- lichen Parteien würden in ihrem Verhalten zur Wahlrechts- Vorlage in erster Linie durch die Erwägung bestimmt, wie die vorgeschlagenen Maßnahmen» auf die Sozialdemokratie wirkten. Das natioualliberale Blatt schreibt: „Herr v. Bethmann Hollwcg hat einmal— er war noch preußischer Minister des Innern— beklagt, daß bei uns alle gesetzgeberischen Maßnahmen mit Rücksicht auf die Sozia lidemokratie getroffen würden. Uns will scheinen, daß auch er von diesem Fehler nicht frei war, als er als Minister- Präsident die Vorlage zur Reform des preußischen Wahlrechts einbrachte, und deutlich hat der bisherige Verlauf der Beratung im Wgeordnetenliause kundgetan, wie richtig er öamals einen Krebsschaden unserer Zeit gekennzeichnet hat. Denn mehr oder weniger werden dort alle Parteien tn ihren Entscheidungen von der Erwägung be- einflußt: Wie wird das oder dies auf die Ent» Wickelung der Sozialdemokratie wirken? Es mag sein, daß daS die Schicksalsfrage unserer Zeit ist; aber wer sich ganz von ihr bebcrrschen läßt, verliert den Boden der Sach- lichkeit unter den Füßen und fördert die Sozialdemokratie, indem er meint, ihr entgegenzuarbeiten. Denn welche Gestalt das Wahlgesetz auch schließlich erhalten wird, es wird gestempelt sein von dem Willen, unter dem es cutftanden, von der Msichi, einen Damm gegen die rote Flut zu errichten. Diese Absicht ist sicherlich nicht zu tadeln, denn sie entspringt der von der Sozialdemokratie herausgeforderten Notwehr gegen ihr Bestreben, den Staat nach ihren revolutionären Utopien umzu- formen. Aber Regierung und Parteien wären weiter gekommen, wenn sie an ihre Aufgabe mit etivas mehr gemeinbürgschaftlichem Vertrauen auf den gesunden und kräftigen deutschen Bürgersinn und auf die Gerechtigkeit seiner Sache herangegangen wären, wenn sie sich mit etwas inehr Fatalismus gewappnet und die Zukunft einmal hätten Zukunft sein lassen, wenn sie die..orga» Nische Fortentwickekung", auf die sich nun einmal die Reform aufbauen sollte, mehr nach Maßgabe des historisch Gewordenen aufgefaßt hätten."_ Der Aufruf der Fortschrittlichen Volkspartei. Der Zentralmisschuß und der geschäfisführende Ausschuß der neugegründete» LolkSpartei fordern in einem öffentlichen Aufruf zum Eintritt in die„große neue Partei der bürgerlichen Linken" auf. die besiinmtt sei,.das Erbe" der bisherigen drei linkSliberalen Parteien nutzbar zu machen. In dem Aufruf heißt eSp „DaS Ziel ist die Wohlfahrt des ganzen Volkes, das Mittel die planvolle Berbeffenmg der staatlichen Einrichttwgen und die fteie Entfaltung der geistige» und wirtschaftlichen Kräfte. Qlle Anhänger der nunmehr gecinigtcn Parteien fordern wir auf, in der Fort- schrittlichen BolkSpartei mit alter Treue fortzuwirken. Die Festigung unserer Organisationen durch raschen Zusmnmenschhch aller Parteifreunde und Vereine ist geboten und die Mitwirkung jedeS Einzelnen unentbehrlich. Aufgefordert und willkommen sind auch jene, die sich zu einer freiheitlichen StaatSauffafsung be- kennen, aber bisher wegen der Parteizersplitterung beiseite standen und ihre Mitwirkung unS versagt haben. Von allen erwarten wir einträchtige und tatkräftige Mitarbeit an der Hebung von Wohlfahrt und Volksbildung, am Ausbau der politischen Freiheit und an der Verwirklichung de-Z gleichen Rechtes aller Staatsbürger. Der politische und soziale Fortschritt ist die Losung unserer Volks- Partei." Recht schöne Worte!_ Eine ungewollte Kritik preußischer Polizeipraxis. Die Bremer Polizei hat für den letzten Sonntag Straßen de in on st rationen au? Anlaß der Lehrer- Maßregelungen erwartet. Aus diesem Grunde verfügte der Polizeisenator,' daß die Schutz Mannschaften zuzeiten ellvaiger Demonstrationen in den Polizeibureaus ver- bleiben sollen, um Z u s a ni m e n st ö tz c mit den Demonstranten zu vermeiden. Ein Einschreiten soll nur in außergewöhnlichen Fällen erfolgen, zum Beispiel bei Beschädigung von Privateigenlinn, bei tätlichen Angriffen aus andere Personen, bei Aufpflanzen von roten Fahnen aus öffent- lichen Gebäuden und sonstigen Baulichkeiten sowie bei Abhaltung von Versammlungen unter freiem Himmel. Im letztere» Falle sollen die Redner am Sprechen verhindert und daS Publikum aufgefordert werden, ruhig auseinanderzugehen. Herr v. Jagow und diverse seiner Kollegen in Preußen könnten aus dieser Verfügung viel lernen. wenn'S ihnen die Junker er- laubten. Freilich, so wohltuend sich diese Verfügung von denen preußischer Polizeipräsidenten abhebt, soweit steht' sie immer noch hinter der englischen Polizeipraxis zurück. Herr Sauermann. Herr LaudtagZabgeordncter Sauermann(Zentrum) hat endlich eine Antwort gesunde» auf unsere Notiz„Z e u t r u m S f ü ch s e im Eisen"(Nr. 68 des„Vorwärts"), in der nachgewiesen wurde, wie er sich im Juni 1908 verpflichtet hat, sowohl für die Uebertragung des ReichStagSwahlrechtS aus Preußen als auch für eine Neu- einteilung der Wahlkreise inr preußischen Abgeorduetenhause ein- zutreten. Aber trotz des langen Nachdenkens, das Herr Sauermann für seine Antwort gebraucht bat, ist diese recht täppisch ausgefallen. Er wagt nicht die Richtigkeit der von uns mitgeteilten Er- klärung und des Wortlauts seines Briefes vom 17. Juli 1903 zu bestreiten, sondeni verlegt sich lediglich darauf, über die Unanständigkeit der Veröffentlich« jenes Briefes, den er einen„Privatbrief' nennt, zu jammern. Die Genossen im Rheinlande werden hoffentlich daraus die Folgerung ziehen, nie mehr den Versprechungen eines Zentrum'- mauneS zu trauen, mag er Bourgeois oder Arbeiter sein-und seine Zusagen mit hundert Eiden beschivören. Der Sunipf der ZenttumZ« korruption verdirbt jeden Charakter. Der alte Kuiff. Zum Dementi des Zentrumsabgeordneten GiesbertS in unserer SonntagSnummer wird uns aus Essen geschrieben: „Zu der in Frage stehenden Sitzung haben die Zentrumsleute mit dem besonderen Bemerken eingeladen, daß Herr GiesbertS in dieser Sitzung über Straßendemonstrationen sprechen werde. Warum die Einladung in dieser Form erfolgte, oder warum Herr GicSbertS auf eine etwa in Aussicht genommene Beteiligung an dieser Sitzung verzichtete, entzieht sich unserer Kenntnis." Die Sache verhält sich demnach so, wie wir gleich vermutet haben. Außerdem wird uns aus Essen gemeldet: „Die ZentrumSpreffe bestreitet übrigens auch die Behauptung des Genossen Ledebour, daß ZeutrumSlcute an der großen Essener Wahlrechtsvcrsammluiig teilgenommen haben. Dazu können wir feststellen, daß sich Geistliche als Zuhörer an den aus den Platz gehenden Fenstern befanden, daß aber außerdem eine er- heblicke Anzahl Zentrumsarbeiter ihren schon vor der Versammlung zuni Ausdruck gebrachten Entschluß, an dieser Versammlung teil- zunehmen, ausführten, und sich ruhig die Redner anhörten. Einige vorlaute Zentrumssöldlinge mußten allerdings auch energisch zur Ruhe gewiesen werden."_ Neuer Aktendiebstahl in Kiel. Im Landgericht Kiel ist ein neu« Akiendiebstabl«ildeckt worden. Im Verlaufe deö Kieler Wcrftprozesseö wurde festgestellt, daß ver- schiedeue wertvolle Papiere, durch die die Angeklagten schwer be- lastet wurden, aus den Alten verschwunden waren. Gegen vcn frei- gesprochenen Angeklagten Großkaufmann Fraukenthal ivurde später ein Verfahren' wegen Steuerhinterziehung eingeleitet. Nachdem bereits umfangreiche Vernehmungen stattgesunden haben, stellt sich nunmehr heran?, daß aus dem Zimmer des Untersuchungsrichters die Hauptbücher de» Ängeklagtcu. die als Belastungsmaterial dienten, wieder gestohlen worden sind. Heber den Verbleib der gestohlenen Bücher ist noch nicht näheres bekannt geworden. Mobilmachung der Kriegcrvereiue! Der Wiesbadener Krieger- und Militärverein versandte an seine Mitglieder ein Geheimzirkular, worin eS heißt: Zur besonderen Beachtung I Um strengste Geheimbaltnng deS Nachstehenden wird dringend ersucht. Die Militärbehörde bcab- sichrigt, im Falle einer Mobiliiiachung oder bei drohender Kriegs- gciahr einen besoiidercu Schutz der Eisenbabulinien unter Miiwirkung der Kriegerverciiie zu organisieren. ES konunen dafür in Frage: Freiwillige Unierofsiziere und Mannschaften der Londivehr II, freiwillige Unteroffiziere und Maiiuschafteii deS aus- gebildeten Landstunn?, freiwillige, nicht mehr landsturmpflichtige Soldaten aller Waffengattungen. Der Dienst besteht in Posten- stehen und Patrouillengäiigen an den Eisenbahnlinien WieSvadenS. Kameraden wollen sich melden unter Angabs des ZivilberufeS, Namens, Lebensalters usw. und ob sie im Besitz eines brauchbaren Gewehres find. ES wird nochmals um sorgfältige Geheimhaltung dieser letzteren Angelegenheit dringend gebeten. ES ist bekannt, daß im Kriegssalle die Eisenbahnen bewacht werden, um zu verhindern, daß der Aufmarsch der Truppen durch herbeigeführte Eisenbahnunglücke erschwert wird. Bekannt ist auch, daß hierzu die nicht mehr kriegStiichtigen Mannschaften verwendet werden. Merkwürdig ist aber die Frage, ob die betreffenden sich im Besitz eines brauchbaren Gewehrs befinden. Sollen die Krieger- vereine auch noch in anderen Fällen als Polizeihilfstruppen ver- wendet werden? Vielleicht gegen den inneren Feind? Tie döllige Anfhebttug des Oktrois beschloß der Gcinoinderat der obcreliässischcn Kreisstadt Eebweik« mit 13 gegen 12 Stimmen. Die Mehrheit setzl sich auS 8 Sozial« dcmolratcii und 6 Liberalen zujammen, die Minderheit auS Klerikalen und Vertretern des Großkapitals. Stach der Abstimmung legten 7 klerikale GemeinderatSmitglieder ihr Amt nieder, io daß ErgänzunaS- wählen zum Gemeinderat erforderlich werden. ES wird damit ve« zweckt, die Regierung zn einem Eingriff in die Selbstverwaltung der Gemeinde zu veranlassen, derart, daß dein GemeinderaiS- beschluß die erforderliche Genehmigung des Bezirkspräsidcnten ver- sagt bleibt._ „Patrioten" und Wahlrechtsdemonstrante» vor der Justiz. Vor dem Schöffengericht in Halle stand dies« Tage der Arbeiter Franz Heinrich von dort, um sich gegen eine aus Anlaß der WahlrechtS- demonstration am 19. Januar erstattete Strafanzeige wegen Wider- stand und Körperverletzung zu verantworten. Der Angeklagte war zufällig zwischen die Dcnionstrante» geraten. Infolge der Polizei- lichen Absperrung einer Straße ciitstaiid eine Stauung der Menge, auS der mehrere„Ruhestörer" verhaftet wurden. Die Polizisten wollen bei dieser Gelegenheit getreten und gestoßen worden sein. Einer will deutlich gesehen haben, wie der Angeklagte„seinen Fuß zurückzog". Andere Zeugen sagen aus, daß der Angeklagte gar nicht in Frage kommen könne, da er von dem Fleck, wo getreten worden sein soll, entfernt stand. Das Gericht«kannte auf e i n e n M o u a t G e f ä n g n i s. da es die Schutzleute natür- lich für glaubwürdig hielt. Ebenfalls in Halle wurde gegen einen Studenten aus Merseburg»«handelt, der dort anläßlich deS sogenannten Sedantageö sich mit anderen„besseren Herren" stark'betriinken und in diesem Zustande gröblichsten Unfug verübt hatte. So riß er GeschäftSleutei, die Firmenschilder herunter, wobei die Hausmäuern stark be- schädigt tviirden usw. Als ihn ein Polizist stellte, hieb der hoffnungsvolle Jüngling auf diesen mit dem H a n d st o ck l o S. Schließlich wurde er zur Wache geführt. Das Gericht erblickte in dein Verprügeln des Polizisten keine Körperverletzung, da der Beamte sich nicht in rechtmäßiger AuS- übiiiig seines Amtes befunden hätte(der Student hatte nämlich seine Karte vorgezeigt), und erkannte nur wegen Unfugs auf 46 M. Geldstrafe. Die beiden Urteile sprechen für sich selbst. Wann befindet sich ein Polizist einmal einem Wahlrechtsdemonstranten gegenüber in „nicht rechtmäßiger Ausübung seines Amtes"! franftrefeb. Kompromittierte Politiker. VariS. 14. März. Die Haussuchungen in der Angelegenheit D u e z dauern fort. Bei seinem gestrigen Verhör erneuerte D u e z seine Geständnisse, weigerte sich jedoch, sich in irgendeiner Weise zu rechtfertigen. Ein Teil der beschlagnahmten Akten ist eröffnet worden; ihr Inhalt ist äußerst interessant. Diese Papiere be- treffen größtenteils die politischen und geschäftlichen Beziehungen, die der Liquidator unterhielt, sowie auch seine Beziehungen zur Presse. Unter den in den Papieren entdeckten Namen von Politikern und Mitgliedern der Presse befindet sich auch der Name eines antisemitischen Agitators, der vor zehn Jahren viel von sich reden machte. Duez verteilte die Zuwcn- düngen an die in der gefundenen Liste genannten Persönlichleiten ausschließlich gegen Quittung. So wurde u. a. eine Quittung aufgefunden über eine Summe von 10 009 Franken, unterzeichnet „JacqueS". Auf der Rückseite der Quittung hatte Duez den Namen eines Revolverblattes vermerkt. Der Untersuchungsrichter konnte jedoch feststellen, daß ein Duplikat der Quittungen mit dem richtigen Namen der Empfänger vorhanden ist. Als er Duez auf- forderte, ihm diese Duplikate auszuhändigen, erklärte Duez in spöttischem Tone:„DaS ist mein Schutzmantel, ich allein besitze den Schlüssel, und Sie werden ihn nicht erhalten." Der Untersuchungsrichter hofft trotzdem, den Schlüssel aufzufinden, und zwar speziell unter den bei Martin beschlagnahmten Pa- Pieren. Es handelt sich um über IhO Personen, hauptsächlich Politikern und Journalisten, die von Duez Bestechungen er- hielten. Auch Mitglieder der Rechten scheinen durch die Eni- hüllungen über die guten Getvinnc. welche die Kongregationen er- zielt haben, und über das Zusammenarbeiten gewisser Kongrcga- tionen mit dein verbrecherischen Liquidator kompromittiert. Ministerpräsident Briand hat bereits am Freitag in der Kam- mer mehrere Anspielungen hierauf gcmacht, auf welche die Rechte schwerlich zurückkommen wird und deren Präzisicrung sie kaum wünschen dürfte. Es ist daher wahrscheinlich, daß die Debatte in der Kammer keine politische Wendung nimmt. Weiter wird mit- geteilt, daß Briand im Laufe einer Unterredung über die An- gelegenheit erklärte, für den Fall, daß in der Kammer ein Autrag auf Einsetzung eines Untersuchungsausschusses gestellt werden sollte, würde cr erklären, daß ciu solcher Ausschuß zwecklos sei angesichts des bereits im Senate bestehenden Aus- schusscs. Man würde nicht wissen, welchem dieser beiden Aus- schüsse die notwendigen Schriftstücke zuerst ausgehändigt werden müßten. UebrigenS werde die Kammer in drei Wochen ausein- andergehen, denn es sei zweifelhaft, ob bis dahin der Unter- suchungsausschuß seine Arbeiten beendet haben würde. Paris, 14. März. Die Deputiertenkammer sctzie heule die VerhandliMF der Interpellationen über die Liquidatoren fort. Minister Millcrand erwiderte aus die Zwischenrufe, welche zwciDeputierte der Rechten in der Sitzung am Freitag gemacht hatten. Er habe für den Liquidator Duez in einem Prozeß plädiert, in welchem besonders schwierige Prinzipien- Fragen ans dem Spiele gestanden hätten und weil er seiner Ansicht nach nicht das Recht gehabt habe, sich der Äertcidigung eines Werkes des Ministeriums Waldeck zu entziehen, dem er selber angehört habe. Millcrand erinnert daran, daß cr sich bereits gegen die Anschuldigung eines Senators der Rechten gerechtfertigt habe, in fictiven Prozessen 10 900 Francs erhalten zu haben. Diese Hönv-- rare stellten in Wirklichkeit die Kompensationen für eine jähre- lange Arbeit für Ratschläge, Konsultationen, und PlaidoycrL so- wohl in Paris wie in der Provinz dar. Millcrand versicherte zum Schluß unter dem Beifall der Linken, es gäbe in seinem ganzen Leben keine einzige Handlung, die cr nicht laut bekennen könne. Hierauf erklärte Justizminister B a r t h o u, daß die Wahl der Liqui- datorcn nicht von politischen Erwägungen geleitet worden sei. Die Regierung wolle nichts verbergen. Die Verantwortlichkeiten wer- den festgestellt und die notwendigen Bestimmungen getroffen wer- den. Die Regierung werde die Aufmerksamkeit der Ge- richte auf gewisse Urteile lenken, welche infolge von Abmachungen zwischen den Liquidatoren und den Kongregationen vorgekommen seien. B a r t h o u formulierte seinen Vorbehalt gegenüber den Dokumenten, deren sich Jaures in der Angelegen- heit der Grande Chartreuse bedient habe. Die Strafkammer in Grenoble habe die Vermutung zurückgewiesen, daß ein betrüge- rischeS Einvernehmen bestanden habe zwischen dem Liquidator und dem Industriellen, dem der Zuschlag für die Marke Grande Char- treuse erteilt worden sei. Wenn die Rechtmäßigkeit von Strafver- fügungen betreffend den Liquidator Lecouturicr dargetan wäre, so würden diese Verfügungen erlassen werden. Was Duez anbe- treffe, so habe die Regierung ihre volle Schuldigkeit getan. Die Staatsanwaltschaft und der Minister hätten die Notwendigkeit seiner Verhaftung festgestellt Barthou kündigte sodann die Reorga- nisat'.on der Körperschaft der Liquidatoren an, die einer scharfen Kontrolle unterstellt werden würde. Der Minister forderte zum Schluß alle Republikaner auf, die Regierung bei der Enthüllung aller Delikte zu unterstützen, um alle Schuldigen zu bestrafen. (Beifall). Ter Progressist Beauregard erklärte, die Majorität, welche nicht gewollt habe, daß die Liquidationen der Kongregationen auf administrativem Wege durchgeführt würden, sei verantwortlich für die jetzige Lage der Dinge. Der Progressist Prache sprach sich in demselben Sinne wie Beauregard aus, worauf die Verhandlungen auf morgen vertagt wurden. Spanien. Gegen den Klerikaliömus. Zaragoza, 13. März. Nach einer Versammlung, die heute hier abgehalten wurde, um gegen die L a i e n s ch u l e n zu prote- fticreii, kam es zu einem Zusammenstoß zivischen Katho- l i k e n und deren Gegnern. Nachdem die Polizei wieder- halt eingeschritten war. wobei mehrere Personen per- wund et wurden, wurde die Ruhe wiederhergestellt. Englanä. Tie Marinedebatte. Loiibon, 14. März. Unterhaus. Ter erste Lord der Ad- miralität, Mc. Ken na. brachte den Voranschlag des Marine- budgets ein und führte aus, daß nur die dringendste Notwendigkeit, die Sicherheit des Landes zu schützen, solche Summen rechtfertige, wie sie in dem Voranschlag enthalten seien. Wenn aber diese Rechtfertigung vorhanden sei, so sei cr überzeugt, daß sowohl das Haus wie das Land ebenso bereit seien. Opfer zu bringen, wie früher. Er erwarte eine Kritik aus dem oppositionellen Lager, hoffe jedoch nachzuweisen, daß der Voranschlag weder über- trieben noch ungenügend sei. Es seien in dem Voranschlag zwei Schiffe nicht erwähnt, welche von den Regie- rungen von Australien und Neuseeland gebaut würden. Diese Schiffe werden im Sommer 1912 vollendet sein. Sie würden jedoch die europäischen Gewässer nicht ver» lassen bis gegen das Ende des Herbstes, wo die fünf Schiffe des neuen englischen Flottenprogramms ihrer Vollendung clitgcgen» gehen würden. Mac Ken na führte weiter auS: Die tatsächliche Stärke unserer Flotte in den Heimatgewässern an DrradnoughtS und Kreuzern wird dann folgende sein: Wir werden im März 1912 20 von diesen Schiffen besitzen, im Sommer 1013 zwei weitere Schiffe der Kolonien, und bevor diese unsere Gewässer verlassen haben, werden fünf Schiffe de-Z neuen Programms sich ihrer Vollendung nähern. Wir können daher gewiß fein, daß während des ganzen Jahres 1912 bis zum 31. März 1913 unsere absolute Uebcrlegcnheit an Schiffen des neuen Typs gesichert ist. Hinter diesen Schiffen befindet sich eine unvergleichliche Flotte älteren Typs. Er behaupte daher, daß die britische Flotte im strengen Sinne des Wortes den Zweimächte st andard behaupte, er be- dauere, daß er nicht die geringste Hofsnung auf irgend eine künftige in Betracht kommende Min« derung des Budgets machen könne. Bei der Aufstellung des Budgets habe sich die Admi- ralität von der Rücksichtnahme auf die bestehenden Flottcnpro- gramme der anderen Länder leiten lassen. Er hoffe nicht, daß das Haus von ihm ein Eingehen auf diese Programme Im' Einzelnen erwarte. Im vergangenen Jahre habe er es mit Bezug aus. das Programm eines Landes getan und er habe sich damit Schwierig- keilen gcschassen. Wenn er auch noch so gemäßigt und mit noch so sorgsamer Veriiierdung jeder Art von Ucbertreibung der Admiralt- tat bekannte Tatsachen anführen würde, so würde sich eine gewisse Presse sofort derselben bemächtigen und eine Panik schaffen. Wenn cr aber Tatsachen nicht anführe, so werde er sicher von der Opposition beschuldigt werde», das, er Geld ohne hinreichende Begründung ver- lange. Er ersuche daher das Haus� sich mit der Erklärung zu be- gnügcn, daß während des lchien Jahres keine Bermindcrung frem- der Flottenban-Programme stattgefunden habe. Eine Prüfung der Entwicklung der Britischen und der fremden Flotten würden daS Progrcuiiin der Admiralität rechtfertigen. Robert Harcourt unterbrach den Redner mit dem Zwischenruf: „Kanu uns Mc. Kenna nichts über dir dreizehn oder vierzel»» deutschen Dreadnoughts im Jahre 1912 mitteilen, welche den Grundzug der vorjährigen Debatte gebildet haben? Mc. Kenim antwortete, augenblicklich hat Deutschland dreizehn Dreadnoughts im Bau. Nach seinem Programm sollen vier weitere Schiffe im Laufe deS Jahres 1910/11 begonnen werden. Nach dem deutschen Gesetz können diese Schiffe an jeden. Tage des Jahres 1910/11 begonnen werden.(Beifall der Opposition.) Mc. Kcnna schloß: Wenn die vier Schiffe des deutschen Bau« Programms per 1910/11 am 1. April auf dem Kiel gelegt iverdeij können, und wenn irgend eine Notwendigkeit oder ein Entschluß vorliegt, es zu tun. so können sie, glaube ich, so schnell vollendet werden, als die„Nassau" oder„Westfalen", und so sollten vier weitere Dreadnoughts in 2 Jahren 2 Monaten in Dienst gestellt fein. Wir aber treffen hinreichende Maßregeln gegen jede Nlög- lichkeit. Ich hoffe, daß das. lvas ich gesagt habe, nicht als Grund für eine Panik angesehen werden wird, daß eine befreundete Macht ihr Programm in irgend einer feindseligen Absicht gegen unS bc- schleunig!. Aber wir haben für unser Bauen mit Tatsachen zu rechnen, und wir entsprechen diesem Gebote der Vorsicht jetzt durch ein Baujjreqramm von fünf großen Panzerschiffen, um unS gegen jede mögliche Gefahr zu sichern und um die Suprematie des britischen Reiches auf den Meeren aufrecht zu erhalten. Kulgarlen. Ein blutiger Zusammenstoß. Sofia, 14. März. In R u st s ch u k hat ein blutiger Zusammen- stoß zwischen Militär und der Nolksmcnge stattgefunden. Die Ursache ist nach der amtlichen Darstellung darin zu suchen, daß die Menge eine Türkin, die gegen den Willen der Eltern einen Bulgaren geheiratet hatte, aus dem Polizeiamte befreien wollte. Der Pöbel griff daS Militär mit Steinwürfen an und schoß auch auf die Soldaten, worauf eine Salve zunächst in die Luft abgegeben. und, uachdciu General Dimitriew verwundet worden war, auch eine scharfe Salve abgefeuert wurde. Die Zahl der Getöteten ivird mit 17 und die der Schwervcrwundcten mit 32 aiigegeben. Auch tvurdcn mehrere Personen leicht verwundet. Bor dem Hause des DivisionsgencralS Dimitriew hat die Volksmenge mit schwarzen Fahnen demonstriert und die Fenster eingeworfen. Die Türkin, derctwegen die Demonstration entstand, soll mit ihrem Entführer, einem bulgarischen Bankbeamten, nach Rumänien ent« flohen sein. Argentinien. Präsidentenwahl. Buenos Aires, 14. März. Die Wahlen der Delegierten für die im Juni stattfindenden Wahlen des Präsidenten und deS Vizepräsidenten haben stattgefunden. Die Gewählten ge» hören zum großen Teil der Partei an. die für S a e n z Pena eintritt; die Anhänger von Udaondo enthielten sich � der Ab» stimmung. 6ewerhrcbaftUchee. dozfoldemobratifche und konservative Moral. Eine Notiz der.Freisinnigen Zeitung", nach welcher der Maurerverband es ablehnte, Sterbegeld für die Frau eines Mit- glicdes zu zahlen, die 2V3 Jahre vor ihrem Tode von ihrem Manne getrennt lebte, macht die Runde durch die ganze bürgerliche Presse. Alle Zeitungen entrüsten sich in ihrer Art. Bemerkenswert ist aber die Entrüstung der„Kreuz-Zeitung". Das fromme Junker- blatt findet in dem Umstand der Ablehnung der Auszahlung des Sterbegeldes einen Beweis, datz die Sozialdemokraten die Ehe untergraben wollen. Dieser Beginn des Umsturzes der de- stehenden Gesellschaftsordnung wird wie folgt gebrandmarkt: .Die Sozialdemokraten pflegen mit Entrüstung zu be- streiten, dass sie darauf ausgehen, die Ehe zu untergraben. In dem Schreiben des„Vorstandes des Zentralverbandes der Maurer Deutschlands", der die vorstehenden Auslassungen unter- zeichnet hat, liegt ein bündiger Beweis für diese zersetzenden Bestrebungen vor. Hier sieht man, was für Auffassungen die führenden„Genossen" von der Ehe haben. Es ist, als befänden fänden wir uns heute schon in dem von Bebel in seinem Buche .Die Frau" geschilderten Zukunftsstaate:„Der Kollege Laubinger kümmerte sich nicht um seine Frau; wir müssen die Ehe deshalb als geschieden ansehen." So„verfügt" der Ver- bandsvorstand. Dieses Verhalten eröffnet für die Ehefrauen organisierter Arbeiter recht angenehme Aussichten. Es be- leuchtet aber auch die Moral, die in den leitenden sozialdemo- kratischen Kreisen herrscht, in sehr deutlicher und lehrreicher Weise." Der Gedanke, dah eine Ehe. die nicht durch Urteil eine? preußischen Landgerichtes geschieden ist, als nicht mehr bestehend betrachtet wird, dünkt dem Junkerblatt so revolutionär, daß der Vorgang gebührend hervorgehoben werden muß. Dieses Mal hat das Junkerblatt aber Pech mit seiner Entrüstung, denn es bringt die Verbündeten Regierungen und seine eigenen Parteigenossen in den Verdacht umstürzlerischer Bestrebungen. In der Novelle zum Unfallversicherungsgesetz, welche die Ver- bündeten Regierungen am 17. November 18W des Reichstage vorlegte. lautete der zweite Absatz des§ 6a: .Der Anspruch der Witwe eines durch Unfall verstorbenen Mannes ist ausgeschlossen, wenn die Ehe erst nach dem Unfall geschlossen worden ist. Der Anspruch kann ganz oder teilweise abgelehnt werden, wenn die Ehefrau ohne gesetzlichen Grund die eheliche Gemeinschaft aufgehoben, vor dem Unfall seit mindestens einem Jahre von ihrem Eheniann getrennt gelebt und ohne seine Beihilfe ihren Unterhalt gefunden hat." Derselbe Passus fand sich wieder in der Novelle von i960. Damals bekämpften die Sozialdemokraten die Ausschließung der Witwenrente, indem sie die Streichung des Absatzes L beantragten, wie aus Nr. 728 Ziffer 66 zu ersehen ist, aber damals stimmten alle Konservativen gegen den Antrag und erkannten einer Reihe von Witwen den Rentenanspruch ab. Nun, da eine Gewerkschaft so handelt, wie die Konservativen es 1966 für Recht crkanntesi, erblickt das Organ des Herrn v. Hcydebrand hierin den Umsturz der bestehenden Gesellschaftsordnung. Haben die Konservativen ihre Anschauung geändert? Dann werden sie bei Beratung der Reichsversicherungsordnung Gelegenheit haben, dieses„Unter- graben der Ehe" wieder aus den Unfallvcrsicherungsgcsetzen zu beseitigen._ Berlin und Umgegend. Achtung! EisenuiZbelbranche! Die für heute Dienstag angesetzte Versammlungen der Eisenmöbelbranche findet wegen der Volks- Versammlung nicht statt. Die Ortsverwaltung des Deutsche» MctallarbeiterverbandeS. Der Streit bei der Firma Leuschner vormalS Kühlste»« wurde in einer außerordentlichen Branchenversammlung der Stell- mackier. die am Sonntagvormittag im„Rosenthaler Hos" stattfand. lebhaft besprochen. Die Stellmacher der Wagenfabrik von Leuschner, Charlottenburg, hatten sich geweigert, regelmäßig Ueber- zeit zu arbeiten, gemäß dem Beschlüsse ihrer Organisation. 46 Mann hatten ein Schriftstück unterzeichnet, worin ihre Weige- rung dem Chef der Firma mitgeteilt wurde. Eine Kommission von vier Mann überdrachte das Schriftstück; diese Kommission wurde aber sehr anmaßend behandelt und mit Entlassung aus der Arbeit bedroht. Die Firma verlangte streng, daß Ueberstundcn gemacht werden; der Obermeister sagte sogar, daß man lieber bei Tage etwas langsamer arbeiten könnte, wenn man nur die ver- langte» Ucberstunden mache. Die Arbeiter beharrten in ihrer Weigerung und stellten noch eine Reihe von Forderungen auf in bczug auf einen Akkordtarif, Mindestlöhne und den Arbeits- Nachweis. Dir Firma ließ sich aber auf nichts ein; die Stellmacher, durch die plötzliche Entlassung von drei Aollegen noch besonders erregt, standen nun vor der Frage eines Streiks, der am Dienstag mit 27 gegen b Stimmen beschlossen wurde. Schon am nächsten Tage meldeten sich 33 Man» zur Streikkontrolle. Den Streikposten «'.achte die Polizei sofort Schwierigkeiten, und die Posten wurden außerdem noch belästigt durch das Kontorpersonal. Der Ober- meister B r ö m m c l bemüht sich sehr darum, Streikbrecher heran- zuziehen. Slm Freitag fand eine Betriebsversammlung statt, in der übel vermerkt wurde, daß von den S a t t le r n kein Mann erschienen war. 15 Stellmacher sind noch im Betriebe beschäftigt; diese werden von den Streikenden nicht gefürchtet, denn die Firma braucht jetzt viele gute Kräfte. Die Geschäftslage ist im all- gemeinen sehr günstig für die Stellmacher, die überall viel zu tun haben. Die Streikenden fordern ihre Kollegen dringend auf, keine Streikarbeit zu verrichten! Der Branchenleiter hob in der Versammlung am Sonntag hervor, daß gegenwärtig die beste Gelegenheit vorhanden sei, in den verschiedenen Fabriken für günstigere Lohn- und Arbeits- bedingungcn einzutreten. Als Borbedingung dazu müsse aber der Anschluß an eine starke Organisation, an den Deutschen Holz- arbeiterverband, erfolgen. Er schilderte, wie die Stellmacher in den letzten Jahren ihre Pflichten gegenüber der Organisation vernachlässigt haben und wie die Verhältnisse im Beruf gerade dadurch immer schlechtere wurden. Die gegenwärtige gute Konjunktur im Berufe sollte zum Besten der Organisation und damit zur Hebung der Lage der Stellmacher ausgenützt werden. Achtung, Schuhmacher! In der Schuhfabrik von Makel. Kaisersir. 11/12, sind Differenzen ausgebrochen. Zentralverband der Schuhmacher Deutschlands. Streik im Rixdorfer Krankenhause« Da? gesamte männliche Personal de? Rirdorfer Krankenhauses, Pfleger. Wärter und Hausdiener, hat am Montag früh die Arbeit niedergelegt. Die Differenzen entstanden infolge der Verweige- rung der Ausgehzcit. Während anfänglich daS Personal die Er- laubniS hatte, nach Beendigung der Arbeiten abends auf einige Zeit die Anstalt zu verlassen, wurde die Erlaubnis kürzlich zurück- gezogen. Am Freitag, den lt. d. M., nahm eine Versammlung dcS Personals zu dieser Maßnahme Stellung. Ein Teil oes Personals hatte an dieser Versammlung, die übrigens in der nächsten Nähe der Anstalt stattfano, teilgenommen, ohne Urlaub zum Verlaffen verantw. Redakt.: llarlWermuth, BcrliwRixdorfi Jnseratevcranttw: der Anstalt zu haben. Am Montag früh erhielten nun diese Leute ihre Kündigung. Aus Solidarität legte nun auch das übrige männliche Personal die Arbeit nieder. Die sofort eingeleiteten Verhandlungen verliefen resultatlos. Wohl hatten sich die Streikenden in der Verhandlung mit Herrn Bürgermeister Wein- reich bereit erklärt, die Arbeit wieder aufzunehmen, wenn ihnen die Verfügung über ihre freie Zeit nach Feierabend gewährt werde; als sie sich aber auf Grund dessen im Krankcnhause meldeten, wurden sie vom Direktor Matz unter Androhung mit der An- Wendung des HaussriedensbruchparagrapHcn aus der Anstalt ver- wiesen. Damit ist der Streik perfekt. Wir richten an daS Personal der Heilanstalten das Ersuchen, keine Engagements nach dem Rix- dorfer Krankenhause einzugehen. Verband der Gemeinde- und StaatSarbeiter. Ortsverwaltung Berlin, SO. 16. Engelufer 14. Achtung, Tapezierer! Wegen der heutigen Protestvcrsamm- lungen fällt die zu heute anberaumte Verbandsversammlung aus. Das Nähere wird noch bekannt gemacht. Die Verband-Ieitung. Tie zentralen Verhandlungen im Bangewerbe sind aber- mals gescheitert! Die Verhandlungskommission des Arbeitgeberbundcs und der vier in Frage kommenden Zcntralverbände der Arbeiter traten am 9. und 16. März erneut zur Verhandlung zusammen, um eine Einigung zu versuchen. Im November sind diese Körperschaften schon einmal zu- sammcn gewesen, ohne daß eine Verständigung in irgendeinem wesentlichen Punkte erfolgt wäre. Die Situation ist schwierig und eigenartig. Der Arbeitgeberbund ist es nämlich, der das Alte stürzen und Neues, wenn auch nichts Besseres, an Stelle des Bis- herigen setzen will. Er unterbreitete den Zentralverbünden Forde- rungen, die das bisherige Vertragsverhältnis auf eine völlig andere Grundlage stellen. In dem von den Unternehmern unter- breiteten VertragSmustcr erblickten die Arbeiterverbände ein Mittel zur Bekämpfung ihrer Organisationen, und es verläßt auch in Wirklichkeit die Grundlagen der Parität und tastet die Gleich- berechtigung der Organisationen an. Die Zentralverbände haben nur wenige Anträge und Ab- änderungsanträge eingebracht, die die Grundlagen des Bestehenden aber durchaus nicht berühren. Die Verhandlung verlief ebenso resultat- los wie die im November. Nur in nebensächlichen Dingen ist ein Ausgleich erzielt worden; in allen Fragen von fach- licher und prinzipieller Bedeutung sind sich die Parteien keinen Schritt näher gekommen. Strittig blieben die Fragen: L Ob ein Vertrag nach dem Wunsche des ArbeitgeberbundeZ von Zentralvorstand zu Zcntralvorstand abgeschlossen werden soll. Die Arbeitnehmer lehnen diesen Antrag ab und wünschen, daß die örtlichen Organisationen Träger der Verträge bleiben. 2. Die Arbeitgeber verlangen, daß der Vertragslohn, der bis jetzt in 95 Proz. der Vcrtragsgebiete ein Einheitslohn oder Minimallohn war, jetzt nur für gelernte und tüchtige Ge- sellen und für geübte und tüchtige Hilfsarbeiter gelten soll. Wer tüchtig ist, bestimmt nur der Arbeitgeber. Diese Verschlechterung lehnen die Arbeiter ebenfalls ab. 3. Die Zentralverbände sollen anerkennen, daß während der nächsten Vertragsdauer eine Verkürzung der Arbeitszeit unter 16 Stunden nie eintreten darf. 4. Die Akkordarbeit war bisher zulässig. Es konnte aber jeder die Akkordarbeit verweigern, und die Organisationen durften durch Aufklärung und Beschlüsse auf die Mitglieder in dieser Beziehung einwirken. Jetzt sollen sich die Parteien verpflichten, jeder h i n r n d e n Einflußnahme sich zu enthalten. Den Arbeitgebern soll aber eine fördernde Maß» nähme nicht verboten sein. Im alten Tarif unterliegen die Preise besonderer Ver- elnbarung. Jetzt sollen sich die vertragschließenden Organi- sationen ausdrücklich verpflichten, vor und nach der Vereinbarung der Akkord preise keinerlei Einfluß auf ihre Mitglieder auszuüben. Die Anerkennung dieses Verlangens müssen die Arbeiter ablehnen. Sie fordern nur die Beibehaltung des bisherigen Zustandes. mit der Maßgabe, daß dieser Paragraph aus dem zentralen Muster entfernt und den Ortsverträgen zu- gefügt werden soll, in deren Geltungsbereich Akkordarbeit üblich ist. Um einem etwaigen Irrtum vorzubeugen, sei ausdrücklich bemerkt, daß die Beseitigung der Akkordarbeit nicht gefordert wird. k. Der Arbeitgeberbund verlangt dann die tarifliche Anerkennung seiner unparitätischen Ar- beitsnachweisc. Die Arbeitnehmer sollen sich ausdrücklich zur ausschließlichen Be» Nutzung dieser Nachweise verpflichten. Diesem im gewerkschaftlichen Leben Wohl ohne Beispiel dastehenden Verlangen sehen die Zentralverbände ein kategori- scheS Nein entgegen. Das sind die hauptsächlichsten Differenzpunlte. außer dielen kleinen und kleineren. Der Deutsche Arbcitgeberbund wird nun am 22. d. M. eine außerordentliche Hauptversammlung in Dresden abhalten, auf der er aller Wahrscheinlichkeit nach bereits Maßnahmen ergreifen wird, mit denen er glaubt, die Zentralverbände zur Anerkennung seiner unmöglichen Forderungen zu zwingen, nämlich: die Aus- sperrung anzuordnen, oder wie es in salonfähigerem Tone heißt. die Geschäfte und Betriebe zu schließen. Der Arbeitgeberbund wird den Zentralverbänden umgehend seine Entschließungen mitteilen und die Arbeiterverbände werden auf ihren eigenS zu diesem Zweck einzuberufenden Ver- bandStagen beraten, welche Antwort dem Arbeitgeberderbande ge- geben werden soll. Sollte aber der Arbeitgeberbund weitere Ver- Handlungen wünschen, so erübrigen sich die Verbandstage. Alle Wetterzeichen deuten aber auf Sturm. Zunächst hat nun der Deutsche Arbeitgeberbund für das Baugewerbe das Wort. In seiner Hand wird es liegen, ob in den nächsten Wochen ein Krieg entbrennt von ungeheurem Umfange und unberechenbaren Folgen, oder ob dem Baugewerbe der Friede erhalten wird. Streik in der Schwarzblechindustrie. Die Schwarzblechschlosser Berlins befinden sich seit Anfang dieses Monats in einer Lohnbewegung. Die Forderungen, die sie an die Unternehmer gestellt haben, sind sehr bescheiden. Als Mindestlohn werden verlangt: für die Klempner und für die Schleifer 65 Pf. die Stunde, für die Schlosser, Schmiede und Zeug- schmiede 66 Pf. Diejenigen Arbeiter, die diesen oder einen höheren Lohn schon haben, sollen eine Zulage von 5 Pf. zu ihrem Stunden- lohn erhalten. Für die Hilfsarbeiter werden 45 Pf. als Mindest- stundenlohn verlangt. Die tägliche Arbeitszeit ist auf 9 Saundcn festzusetzen. Sonnabends soll eine Stunde, am Tage bor den hohen Festen zwei Stunden früher Feierabend sein. Für Ueberzeitarbeit soll in den ersten zwei Stunden 25 Proz., in den zwei folgenden UH. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: vorwärts Buchdr. u.VerlagSanstaa 56 Proz.. für Nacht- und SonntagSarbeit 76 Proz. Zuschlag gezahlt werden. Als Bouzulage werden 16 Pf. verlangt. Gestern abend hielten die Schwarzdlcchschlosser im großen Saale des Gcwerkschafts- Hauses eine Versammlung ab, die von den 356 bis 466 Arbeitern, die in der Branche beschäftigt sind, fast vollzählig besucht war. B ehrend, der Vertreter des Metallarbeiterverbandes, berichtete über den Stand der Bewegung. Zuerst hatten sich alle Firmen durchaus ablehnend verhalten, so daß die Arbeitsniederlegung un« bermeidlich wurde. Inzwischen fanden sich jedoch zwei Firmen zu Verhandlungen bereit und bewilligten. In diesen Betrieben ist die Arbeit nun wieder in vollem Gang. Einmütig im Streik steht jedoch die Arbeiterschaft bei den Firmen Moldenhauer und Mctzdorf, Für st er und Runge und Baum, linier den Streikenden sind Leute, die viele Jahre bei einem und dem- selben Unternehmer beschäftigt tvarcn, bei Förster und Runge solche, die 5 bis 45 Jahre der Firma ihre Arbeitskraft opferten. Sie hatten nicht erwartet, daß dieser Unter» nehmer, der sich sonst in Worten so human zu zeigen pflegte, nun so brüsk zu handeln vermag. Die Arbeitgeber haben übrigens einen Verein gegründet, dessen Vorsitzender Herr Moldenhauer ist. Sie haben sich auch schon in einer Versammlung mit den Forde- rungen befaßt, dabei aber, wie verlautet, nicht viel mehr getan, als einander vorzuwerfen, daß sie zu hohe Löhne zahlten; obwohl ge» rade das Gegenteil der Fall ist. Herr Moldenhauer scheint seine Hoffnung darauf gesetzt zu haben, vom Hirsch-Dunckerschen Gelverk- verein Arbeitswillige zu erhalten. In der gestrigen Versammlung erklärte jedoch der Vertreter Joseph vom Gcwerkvercin klipp und klar, daß seine Organisation ebenfalls hinter der Forderung stehe und weit davon entfernt sei, Streikbrecher zu liefern. Nun bleibt als Streikbrecherlieferant nur noch der bekannte Herr Lebius übrig, aber der hat keine Leute an der Hand, die die Streikenden irgendwie ersetzen könnten. Daß die Streikenden selbst treu im Kampfe aushalten, wenngleich sie stets zu Verhandlungen bereit sind, ging aus dem ganzen Verlauf der Versammlung hervor. In der Diskussion kam auch die Anregung, wenn es zweckmäßig er- scheint, das Gewerbegericht als Einigungsamt anzurufen. Behrend erklärte darauf, daß gegen diesen Schritt durchaus nichts cinzu- wenden wäre.— Da die Unternehmer versuchen, von auswärts brauchbare Ar» beitSkräfte heranzuziehen, werden alle arbeiterfreundlichen Blätter ersucht, von dem Streik Notiz zu nehmen und vor Zuzug nach Berlin zu warnen._ Deutfehes Reich. Achtung, Metallarbeiter! In Dresden ist Streik, deshalb ist Zuzug nach Dresden fernzuhalten. Kein Kollege darf ein Ar- deitSangebot nach Dresden berücksichtigen.,> Deutscher Metallarbciterverband. Ortsverwaltung Berlin. Ein Notschrei der obcrpfälzischeu Glasarbeiter. In den bayerischen Spiegelglas-Schleifereien und-Polierereien. die in dar Oberpfalz 2566 Arbeiter beschäftigen, herrschen geradezu entsetzliche, fast unglaubliche Zustände, dergleichen außer vielleicht in wenigen Zweigen der Heimarbeit nur noch aus dem Greueln der englischen Industrie der dreißiger Jahre des vorigen Jahr- Hunderts bekannt sind. Bis zur Unerträglichkeit versckärft wird das Los der bayerischen Spiegelglasarbeiter noch dadurch, daß die Glasbarone, um die Marktpreise hoch zu halten, sehr häufig will- kürlich die gesamte Industrie einfach stillegen, während sie sonst die Arbeitskraft dieser Proletarier über alles bisher er, hörte ausbeuten. So klangen die Verhandlungen einer Konferenz, die der Zen-i tralvcrband der Glasarbeiter am Sonntag zur Besprechung dieser gräßlichen Zustände in Weiden(Oberpfalz) abhielt, in einen wahren Notschrei aus. Die sehr stark, aus den fernsten Tälern des bayerischen Wäldes, besuchte Konferenz stellte folgende Forderungen auf/ 1. Einführung der ILstundigcn Arbeitszeit auf allen Schleif, und Polierwerken. 2. Beseitigung der Nachtarbeit. 3. Schaffung von festen Wochenlöhnen. 4. Beseitigung des jetzigen ZwischenmeistersystemS und An, ftellung der Poliermeister zu festen Wochenlöhnen. 6. Vollständige Entschädigung bei Betricbseinstellungen fn bet Höhe des Arbeitslohnes., 6. Schaffung menschenwürdiger Wohnungen, 7. Trennung der Wohn- und Arbettsräume. 8. Gesundheitliche Einrichtung der Werke, entsprechende Le, Heizung und Beleuchtung. J Unter donnernden Hochrufen auf die freie Gewerkschaft, den Zentralverbaud der Glasarbeiter Deutschlands, gingen die Arbeite« auseinander. HueUnd. Strastenbahnerstreik in Rom. Rom, 14. März.(P r i v a td e p e f ch e des»Vorwärts".) Gestern unterbrachen Trambahner Roms den Dienst, um eine Ge» neralversammlnng zur Forderung einer Lohnerhöhung abzuhalten. Heut maßregelte die Gesellschaft daS gesamte Agitationskomitee, weS» halb alle Trambahner den Ausstand proklamierten. Der Tramverkehr ruht vollkommen. Zwischenfälle ereigneten sich nicht. Drohender Eisenbahuerstreik in Wild-West. Chicago, 14. März. Der Präsident deS Verbandes der Loko- motivführer und Heizer hat den Direktionen der Eisen» bahnen zwischen Chicago und der pazifischen Küste mitgeteilt, daß der Steik unvermeidlich sei, wenn die Slreitftagen nicht einem Schiedsgericht unterbreitet würden. Chicago, 14. März. Die Forderungen der Lokomotivführer und Heizer sind abgelehnt worden. Versammlungen. Verband der Lederarbeiter. Die Ortsverwaltung Berlin hielt am Sonntag ihre Mitgliederversammlung ab. H i n z berichtete über den Streik bei der Firma Samter. Mit der Bewilligung von 15 Pf. pro Dutzend, die die Firma zugestand, wollten sich nun die betreffenden Arbeiter zufrieden erklären, jedoch stößt das Verlan- gen der Firma, einen Tarif auf drei Jahre abzuschließen, auf starken Widerstand. Ein Antrag Runge, daß die Kollegen von Samter mit dem Vorstand der Organisation die Tariffrage in einer einzuberufenden Sitzung einer Besprechung unterziehen sollen, wird angenommen. Ein weiterer Antrag, die Organisation möge ein« bestimmte Summe im GewerkschaftLhauS anlegen, wird abgelehnt. In den Gauvorstand wird Weiß gewählt. Letzte Nachrichten und Depeschen. Ein Meoscheupeiniger gestorben. New Dork, 14. März.(B. H.) Der frühere Kameruner Kanzler Leist ist gestorben._ Paul Singer Sc Co., Berlin L1V. Hierzu 4 Beilagen u.tlntrrhaltungSbk. Zt. KS. 37. Iahrgasg. I. Ktiltzt des.Amiilts" Ktrlim WlksblM Iienstttg. 13. Mar; lW. R-eickstag. r. ö?. Sitzung.Montag. den14. März, mrttagsl2llh Am B�ndesratStische: 5!cichZ?anzler v. Bethmann Holl weg, Dr. Delbrück, Wermut h, Lisco. v. Echoen. Auf der Tagesordnung steht zunächst der Etat des Reichshanzlers. Dazu liegen eine Reihe von Anträgen vor. Die Abgg. Albrecht(Soz.) und Genossen beantragen eine Abänderung der Verfassung dahin, daß Elsatz-Lothringen zum Bundes- staat erhoben und den übrigen Bundesstaaten verfassungsrechtlich völlig gleichgestellt wird sowie dag die auf Grund der neuen Ver fassung einzusetzende Volksvertretung aus dem allgemeinen, glci chcn, geheimen und direkten Wahlrecht hervorgehen soll. Ferner wünschen sie Vorlegung eines Gesetzentwurfs, wonach der Reichskanzler für seine Amtsführung dem Reichstag ver- antwortlrch ist, diese Verantwortlichkeit sich auf alle politischen Handlungen und Unterlassungen des Kaisers erstreckt und die Verantwortlichkeit des Reichskanzlers von einem S ta a ts g e r i ch t L ho f geregelt wird. � Ein dritter Antrag Albrecht wünscht eine Ergänzung des Wahlgesetzes noch in dieser Session dahin, daß Neu- wählen, die während einer Legislaturperiode notwendig werden innerhalb 60 Tagen vorgenommen werden müssen Die Abgg. Prinz Schön aich-Carolath(natl.) und Ge- nvssen beantragen, dasi nach dem Beispiel zahlreicher anderer Staaten zur Unterstützung der Bestrebungen für die intcr- nationale SchiedSgerichtsbeweguiig eine B e i Hilfe in den nächstjährigen Etat eingesetzt wird. Endlich beantragen die Abgg. Basser mann(natl.) und Ge- nassen Aenderung des W a h l r e g l c m c n ts in der Richtung der Sicherung der geheimen Wahl. Abg. Dr. Vonderschccr(Z.): Wir stimmen dem Antrag Albrecht betr. Elsasi-Lothringen zu. Dem Landesausschuh fehlen wichtige Rechte, z. B das JnterpellationSrecht. Leider ist in der Zeit der 40jährigcn Zugehörigkeit Elsast-Lothringcns zum Reich nicht das mindeste geschehen, ihm eine bundcsstaatliche Verfassung zu geben. Ich bitte den Reichskanzler dringend, endlich sich zu dieser Ver. sassung zu entschließen. Zugleich habe ich aber namens der Zen- trums-Partci zu erklären, daß wir an die Regelung der Verfassung nicht anders gehen werden als zugleich mit der Regelung des Wahlrechts für den Landtag und daß da für Elsah-Lothringen nur das allgemeine gleiche direkte und geheime Wahlrecht in Be- bracht kommen kann. Der Reichskanzler hat jüngst das Reichstags- Wahlrecht für Bayern, Württemberg, Baden wegen der süddeutschen Eigenart für berechtigt erklärt; das trifft auch für Eljatz-Lothruv- gen zu, und deshalb dank« ich dem Reichskanzler im Voraus. (Heiterkeit). Wir Elfaß-Lothringcr wollen gute Patrioten sein. ober die Vaterlandsliebe wird uns recht schwer gemacht durch die alldeutschen Hetzereien gemeinster Art. Die außerordentlich schwere Bestrafung Wetterles zu 2 Monaten Gefängnis hat große Erre» gung hervorgerufen, und ini Landesausschuß wurden die Richter offen der Parteilichkeit bezichtigt! Tie deshalb angestrengte Diszi- plinar-Untersuchung hat zwar etwas direkt Belastendes in dieser Hinsicht nicht ergeben(IIa, also! rechtS). aber sie hat doch Dinge enthüllt, die den Präfidenten d-S Landgerichts Eolmar schwer bis- kreditiere».(Hört! hört! im Zentrum.) Die Elfaß-Lothringer haben bei allen nationalen Aufgaben mitgeivirkt und auch bei der Reichs« finanzreform nicht versagt(Lebh. Zust. i. Z.); wir können ver- langen, daß uns in der Agitation nicht von der Regierung vor- geworfen wird, wir treiben antinationale Politik.(Lebh. Bravo! im Zentrum). Abg. Dr. Gregoire(Lib. Lothringer): Die Wahlrcchtsfragr ist ein inteprierendcr Teil der Vcrfassungsfrage. Das allgemeine Wahlrecht hat in Elsatz-Lothringen eine hundertjährige Geschichte; in den Gemeinden und in den Kreisen hat es sich bewährt!(Hört! hört! links). Die Ereignisse von 1870/71 haben einen unwider- ruflichen Zustand geschaffen. Nach einem blutigen Kriege ist Elsaß- Lothringen in deutschen Besitz übergegangen; man kann aber nicht von den Elsaß-Lothringern verlangen, daß sie der Freiheiten ver Kleines feuiUeron. Welches Volk steht auf der niedrigsten Kultarstuf«? Das niedrigste, was unS bisher überhaupt von meiifchlichsn Lebensformen bekannt gelvorden ist, finden wir bei den Kubu in Südsumatra; Zu« stände, die sich tatsächlich nur wenig über das Tierische erheben. Die sogenannten„wilden" Kubu sind ein auf den unzugänglichsten Ur Wald SüdsumalraS befchränkieS Völkchen, das familienweise zu sammenlebl und in kleine» Faniilienhorden ohne festen Wohnsitz um- herichweift, die Nacht unter ganz einfachen. auS Laub hergestellte» Negenschuydächern oder in vorgefundenen Schlilpfwinkeln verbringt und deren ganzes Leben im Suchen nach Nahrung besteht. Ihre Kleidung ist ein zwischen den Beinen hindurchgezogener Gürtel aus geklopftem Baumbast sowie ein? auS demselben Sloste verfertigte Kopsbindc. Eine lange, spitze Holzstange als Lanze bildet ihre einzige Waffe. Mit einem zugespiylen Grabstock in der Hand, einen ge- flochienen Traglorb aus dem Rücken, durchziehen sie den Wald aus der Nahrungssuche. Eßbar ist ihnen alle?, was einigermaßen genießbar ist; so leben sie von der Hand in den Mund, und da sie keinen Besitz haben, abgesehen von den wenigen Sachen, die sie am Leibe tragen, so ist Eigentum bei ihnen unbekannt; infolgedefsen gibt es auch weder Diebstahl noch sonstige auS dem Begriffe des Eigen- tumS hervorgehende Vergehen. Selbst Schmuck ist unbekannt. Ebensowenig gibt cS Haustiere oder Kulturpflanzen; Hunde und Hühner sind erst spätere Erwerbung. Fremde flieht man und selbst mit Nuchbarhorden vermeidet man Berührung. So ergibt sich von selbst das Fehlen von Tänzen, Vergnügungen irgendwelcher Art, auch von Musik sobald die Kinder groß genug sind, trennen sie sich von ihren Eltern und ziehen selbst herum; dementsprechend find auch die HochzeitSgcbräuckc denkbar einfach, die An- kündigting der Absicht genügt. Noch leichter ist die Trennung der Ebe; man geht einfach auSeiiiander. Eine andere soziale Einrichlimg als die Familie gibt cS nicht; ebensowenig gibt eS einen Grundbesitz oder Territorialrechl. obwohl sich die Horde» innerhalb bestimmter natürlicher Grenzen zu halle» pflege», llebersiiinliche Borstelluitgen irgendwelcher Art,»nd sei eS der eiiffachsle Aberglaube, gehe» den K»bu vollständig ab; dementsprechend fehlt jeder Begriff von Zailbciei, liiid auch die Einrichliilig von Zauberdoktoren ist un- belaniit Man fühlt sich wehrlos gegen Krankheit und Tod, und stirbt jemand, so läßt man ivii einfach liege» und geht seiner Wege. So besieht den», wie Prorelior Dr. W Bolz in der soeben im Ver- läge von Strecket»r. Schröder in Siullgart erschienenen, von Dr. Gr. Buschan heroilSgcgebeiie» Jllnstiierleii Völlerktiiide(geheftet 2,60 M., geblindcn 3.50 M.) schreibt, tatsächlich in diese» wilden Kubu ein Volk, das sich nach sciueui Kulturzustande kaum über die Tiere des Waldes erhebt. Tbeater. Freie Volksbühne(im Thalia-Theater):»D e r D o r f- thrann" von Hermann Hoppe. Ein Schlesier Goldschmied fernes Zeichens— hat diele von übermütigem Humor durchtränkte Bauernkomödie geschrieben. In ihr offenbarr sich ein origineller Gestalter und ein origineller Stoff. Beides ist hocherfreulich. Der Verfasser greift unbekümmert ins dörfische Leben seiner Heimat hinein und hat. was er braucht: bäuerliche Typen, die ihm täglich vor Augen find und deren Charaktere oder bald versteckte, bald mit derber Offenheit verfolgte Interessen er gxültdlich kennt. Es ist mm amüsant (gessen, die sie Frankreich verdanken, und man wird ein gelvisies Gefühl der Wehmut, das sie beseelt, verstehen. Die Pflicht der moralischen Eroberung, die Deutschland übernahm, als es sich auf ' Grund des Kriegsrechts Elsatz-Lothringen angliederte, ist keines- IvegS immer in ausreichendem Matze erfüllt worden. Redner ver- liest einen Artikel der„Täglichen Rundschau", der von Beschimpfun- gen der„schmutzigen, indolenten Lothringer" wimmelt.(Zuruf b. d. Soz.: Ter gute Ton!). Diese gemeinen Verdächtigungen eines loyalen Volksstammes sind um so gehässiger, als bekanntlich der Kaiser stets die Loyalität der Elsatz-Lothringer anerkannt hat! Das Gefühl des Unbehagens über die Verzögerung der Wahlrechts- frage könnte leicht zu einer Erbitterung führen, die unheilvolle Konsequenzen nach sich ziehen könnte. Wir wollen nicht länger Deutsche zlveiter Klasse sein. Die Gewährung der Autonomie an Elsatz-Lothringen würde auch die Spannung zwischen Frankreich und Deutschland vermindern, und das kann nur im Interesse des Weltfriedens liegen. Abg. Bohle(Soz.): Ich will mich nicht auf den Streit einlassen, ob Elaß-Loih- ringen eine republikanische oder eine andere Verfassung haben soll. Viel mehr Wert legen wir auf unsere Forderung des allgemeinen, gleichen, geheimen, direkten Wahlrechts, weil die Schaffung demokratischer Einrichtungen nach unserer Auffassung allein die Garantie einer ruhigen EntWickelung der Verhältnisse bietet. Als 1871 die jetzige Verfassung eingeführt wurde, hat niemand ge- glaubt, daß sie 40 Jahre in Elsatz-Lothringen bestehen werde. Fürst Bismarck deutete damals an. daß dieses Gesetz den Charakter eines UebergangsgesetzeS tragen solle.(Hört! hört!) Desto bedauerlicher war die Rede des jetzigen Herrn Reichskanzlers vom 13. Dezember vorigen Jahres, die in allen Parteien und in allen Schichten der Bevölkerung El�atz-LothrnMns die größte Ent- täuschung hervorgerufen hat.(Hört! hört! bei den Sozialdemo- kraten.) Man fragte sich ganz allgemein: Was haben wir denn verbrochen, daß man Garantien von uns verlangt? Der Herr Reichskanzler hat die Weitzenburger Feier angeführt. Demgegen- über möchte ich betonen, daß die große Mehrzahl der dortigen Bevölkerung dieser Feier ganz kühl gegenübergestanden hat. Hauptsächlich dieienigen, die Angehörige damals verloren hatten, waren an der Feier beteiligt. Wer den Völkcrfricden will, müßte sich sagen, daß es endlich an der Zeit ist. die Gegensätze zwischen Frankreich und Deutschland zu vermindern. Die Weitzenburger Feier ist vor allem von der„Rheinisch-Westfälischen Zeitung" und den„Hamburger Nachrichten" ausgeschlachtet worden, und das ist sehr verständlich, denn diese sind Gegner des allgemeinen, direkten und geheimen Wahlrechts und hatten ein Interesse daran, Stim- mung gegen die Elsatz-Lothringer und ihre Bestrebungen auf die Einführung eines solchen Wahlrechts zu machen. Der Reichskanzler hat damals auch die Affäre Wegelin in Mülhausen erwähnt. Was hat es aber zu sagen, wenn ein bc- trunkener Mann eine deutsche Militärkapelle veranlaßt, die Mar- seillaise zu spielen? Das ist doch wirklich kein Anlaß, um die Beunruhigung Deutschlands zu steigern und an der Loyalität der deutschen clsatz-Iothrmgischen Bevölkerung zu zweifeln!(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Wegelin ist hart bestraft dadurch, daß er ausgewiesen ist. Ter Unterstaatssekretär Zorn v. Bulach hat im Landesausschutz hervorgehoben, daß Wegelin nicht deshalb ausgewiesen sei, weil er die Marseillaise spielen ließ, sondern, weil eS dabei zu einer Demonstration gekommen war. Er ist also zu Unrecht ausgewiesen, wozu noch kommt, daß er kein Elsatz-Lothringer, sondern ein Schweizer ist. Es ist ge- radczu unerhört, daß man fortgesetzt das Spielen und Singen der Marseillaise den Elsatz-Lothringern verbietet, während sie im übrigen Deutschland ruhig gesungen werden kann. Der Reichskanzler hat dann auch von einer Verwelschung des Landes gesprochen. Die Einführung des französischen Unter» richtö, die er anführte, bat aber nicht politische, sondern Wirt- s ch a f t l i ch e Gründe. Wenn die Elsatz-Lothringer sich trotz der vielfachen Polizeischikanen mit der Neichszugehörigkeit ausgesöhnt haben, so deshalb, weil sie sich wirtschaftlich Deutschland voll- ständig angepaßt haben. Die Zahl der Freiwilligen, die in daS deutsche Heer eintreten, ist von Jahr zu Jahr gestiegen, da kann von einer Verwelschung doch nicht die Rede sein. Der Prozeß Wetterl« war nach meiner Meinung eine politische Dummheit. zu sehen, wie die sprichwörtlich bekannte Pfiffigkeit dieser Bauern einen Pferdehändler und Geldvcrleihcr, der fast schon jeden über den Löffel barbiert hat und dem sie selber nachrühmen, daß er schlauer sei als zehn Juden zusammengenommen, schließlich dock ganz gehörig hineinlegt. Ihr schadenfrohes Geläckier über den doppelt Ge- ichlagenen und dreifach Geprellten wirkt ansteckend— und befreiend. Das Komische steckt im Stoff, in der Handlung, die mit gesunder Kraft aufgerollt und mit derbem Humor ohne senlimenlale Abschweifung resolut durchgeführt wird. Daß das Stück einen durch schlagenden Erfolg davontrug, ist nicht zum wenigsten der von Fritz W i t t e- W i l d sehr sorgfältig vorbereiteten Aufführung zu danken. Man wird ja darüber verschiedener Meinung sein, ob diese oder jene Figur noch einer besonderen Unterstreichiiiig durch den Darsteller bedürfe, oder wie weit gegangen werden kann, ohne an karikaturistische Zeichnung zu streifen So haftet beispielsweise der Wiedergabe von Baiieriikiiechten und Mägden meist etwas von fest- flehender Theaterschablone an, indem landvölkische Einfalt mit koin- pleiter Blödigkeit verwechselt zu werden pflegt. Die Anwendung dieses Darftellungsstils mutet nachgerade ziemlich veraltet an. Gleichwohl läßt sich besten bombensichere Wirkung auf die Lachlust der zuschauenden Mehrheit nicht leugnen und so sei es drum: Hans Werder spielte den Titelhelden nicht auf einen Thealerbösewicht hinaus; er verlieh ihm dafür individuelle Charakterzüge. Wenn er den Seifert, beinahe rührsam, erzählen läßt, warum er ein Halsabschneider geworden, so glaubt man ichier an eine Art Rächeramt aus erlittener Unbill— so sckön kann er lügen. Eine vorzügliche Beate gab Klara Berg er; deren Tochter Mielchen wurde von Klara Oberländer mit anziehender Frische hingestellt. Als ihr Partner, den jugendlichen Bauernguts- besitzcr Heppner, bewährte sich Ewald Schindler; zweifelhasr er« ckeinr mir aber, ob er da zu Hmffe mit Soldatenmutze und-Hose herumlausen wird. Schließlich soll JaqneS Morlvay als AuSzügler Dittmann lobend genannt sein. o. k. Schiller-Theater O.„Goldfische". Lnstspicl von Schömhan und Kadclburg. Die Autorenkompagnie ist in anderen Lustspielen und Sckwänken ein gut Teil witziger. Zu einer temperameiiivoll drastiich gesteigerten Situationskomik wie inr Raub der Sabiiierimieu" oder zu humoristisch gefärbter Charakter- zeichnnng wie in dem.Herr» Senator" finden sich hier nicht ein- nial einzelne Ansätze. I» einem gemächlichen, manchnral auch arg weitschweifigen Plaudertempo, hier und da durch Einfälle flankiert, schlängeln sich die verschiedenen Berlobungsgeschichten ihrem unver- n, eidlichen glücklichen Ausgang zu. Für jede» gibt es ein Geschenk. Der Schwerenötcr-Leuluaiit, der nach einer reichen Erbin angelt, entdeckt bei der Begegnung mit einer anderen Dame noch rechtzeitig sei» Herz. Die Erbin wird mit einem jungen Künstler, der sich zur Belustigung der Zuschauer als eine Art von Max und Moritz im Verlobten Stande aufzuführen hat, bedacht. Bei all ihrer geistigen Enthaltsamkeit, vielleicht gerade darum, hat die Komödie sich im deutschen Bühncnrepertoire fest eingebürgert. Auch im Schillertheater fand sie in flotter Anfführuiig eine äußerst freimdltche Aufnahme. dt. Humor und Satire. Uliramontane WahlrechtSkomödie. Zum Bund, zum permanenten, Dem Junker reicht die Hand: Dann sind wir Mitregeutea Ich hätte Wetterle nicht verurteilt und ihm nicht den billigen Triumph verschafft, sich heute wieder als nationaler Heros in Elsatz-Lothringen auszuspielen. Das jetzige Parlament in Elsatz-Lothringen ist vollständig ungeeignet, die Interessen des Volkes zu vertreten. Das haben gerade die letzten Vorgänge bewiesen. Nicht allein die Sozialdemo- kratie und die Demokraten verlangen eine Aenderung des jetzigen Zustandes, sondern auch die nationalliberale„Stratzburger Post"! (Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) ES soll nicht geleugnet werden, daß in den letzten Jahren die Abneigung gegen Alldeutsch« land in Elsatz-Lothringen zugenommen hat. Die große Mehr- zahl der clsatz-lothringischen Bevölkerung ist demokratisch veranlagt. Herr Wctierle soll ja neuerdings auch— Demokrat geworden sein.(Wetterle: Immer gewesen vor Ihnen! Zuruf bei den Sozialdenlokraten: Aber was für einer!) Wenn mau die großen Umwälzungen bedenkt, die in Frankreich in der Rick- tung der Demokratisierung inzwischen erfolgt sind, daß die Kirche auferlegt! Ich bestreite ganz entschieden, daß der„Demokrat" Herr Wetterle damit einverstanden wäre, wenn das allgemeine» gleiche, geheime und direkte Wahlrecht bei unS eingeführt würde? Es wird in Stratzburg behauptet, daß nach Berlin außer den �Be- richten von den Zivilbehördcn auch noch solche der Militär» behörde gehen, die ganz anders lauten! Der Reichskanzler wind nicht umhin können, über diesen Punkt AuLkunst zu geben» damit dieser Legende ein Ende bereitet wird. Wenn der Herr Reichskanzler gesagt hat, im Interesse b:S Reichsganzen müßten Garantien gegeben werden seitens der elsah-lothringischen Bevölkerung, so hat das die Mißstimmung bezüglich der Neichszugehörigkeit in Elsatz-Lothringen nur vermehrt. Die Neichsvcrdrossenheit hat überhaupt in ganz Süddeutschland sehr zugenommen. Die Aeutzerungen des Reichskanzlers über das Reichstagslvahlrecht haben im gleichen Sinne gewirkt, ebenso die Haltung der Junker bei der Erbschaftssteuer. Die preußischen Junker und die prcu-- tzische Regierung stören die Rcichseinheit, und man mutz sich die Frage vorlegen, ob Preuszen noch die Führung in Deutschland behalten kann, oder ob nicht dadurch die Kluft zwischen Nord- und Süddeutschland immer größer wird. Wenn sich in ganz Deutschland die Verhalt- nisse so zugespitzt haben, kann man der elsatz-lothringischen Bevöl- kerung keine» Vorwurf daraus machen, wenn sie sich mit dem ver- fassungslosen Zustand nicht befreunden will und wenn die Reichs- Verdrossenheit zunimmt. Wenn Sie der Agitation �gegen die Reichs- Zugehörigkeit das Wasser abgraben wollen, müssen Sie daS all- gemeine, gleiche, geheime und direkte Wahlrecht für Elsatz-Loth- ringen einführen, und die Regierung wird gut daran tun, diesem Wunsche so schnell wie möglich zu entsprechen.(Lebhaftes Lravok bei den Sozialdemokraten.) Abg. Naumann(Fortschr. Vp.): Als 1871 Elsatz-Lothrlngdn als erobertes Land au Deutschland kam, fehlte es nicht an Stim» men, die es als die Erfüllung eines langersehnten Wunsches an- sahen, daß nun endlich dieses verloren gegangene Bruderland zur deutschen Gesamtmasse herangezogen würde. Damals mutzte c3 scheinen, als ob die deutsche Bevölkerung, wenn sie einmal dieses Land haben würde, sich sozusagen garnicht genug tun könnte in Beweisen ihrer Freundschaft, ihres Entgegenkommens, um sie wieder an die alte Heimat zu gewöhnen, die früher viel an ihm versäumt hatte. Sobald sie aber Elsatz-Lothringen hatte, verlor sich dieses Interesse. Die Schuld an allen heutigen verschrobenen Zuständen dürfen wir nicht allein bei Regierung und Beamten suchen, sondern wir müssen fragen, was sie denn eigentlich getan hat. um die Verbindung mit Elsatz-Lothringen nur einigermaßen enger und wärmer zu machen. Hier ist viel versäumt worden. Hätte man den Anschluß Bahcrns an das Deutsche Reich im Jahre 1870/71 davon abhängig gemacht, wann die letzte �Stimme im bayerischen Hochgebirge verklungen ist, die etwas Schändliches über Preußen sagt, dann würde man bis heute warten, denn Im Reiche wie im Land! Des Liebsten Lust zu steigern, Und vor der Welt zum«schein, Mutz man zuerst sich weigern, Wie jedes Mägdelein! Du lieber Gott! Wir pfeifen Auf Wahrheit, Freiheit, Recht Und Volk, denn mit dem steifen Prinzips fährt man schlecht! Wir mogeln und betrügen, Doch wenn'S die Menge merkt, Wird sie mit frommen Lügen Im Glauben frisch bestärkt! Und mag auf allen Gassen DaS Volk auch noch so dräu'n t Es gibt ja Sand in Massen, Die Augen voll zu streu'n! So wird sich bald verlieren Der dumme Freiheitsdurst.—- Wenn wir nur initregieren» — Das anders ist uns— wurst! _(Beda in der»Jugesiö'.) Notizen. Neue Dramen. Maeterlincks biblisches Drama „Maria Magdalene" erwies sich bei der Leipziger Uranffiihnmg am Sonnabend als ein Theaterstück in der Art der»Monna Vanna". — Der Astronom Schiaparelli» der weit über die Fachkreise hinaus populär geworden ist und seine Wissenschaft populär gemacht hat, beging am 14. März seineu 75. Geburtstag. Sch. lag seinen Studien auch von 1856—1859 an der Berliner Sternwarte unter Encke ob. Von 1862—1900, wo ihn ein Augenleiden zum Rücktritt nötigte, war er Direktor der Brcca-Sternwarte in Mailand. Von den zahlreichen Arbeiten Sch. haben besonder« zweierlei ihn bekannt gemacht. Auö der Beobachtung der Sternschnuppen stellte er fest, datz ihre Schivärme vielfach die gleichen Bahnen wie gewisse Kometen verfolgen. Daraus leitete er dann seine allgemein angenommene Theorie ab, datz die Sternschnuppen die Reste aufgelöster Kometen sind. Die andere Iveilhin bekannte. aber keineswegs gesicherte Annahme, die mit Sch.'« Namen derkinipft ist und iicuerdings wieder bis zum Uebcrdruß erörtert wurde, ist die MarS-Hypothcse. Die von ihm und anderen beobachl-leu Linien auf der Marsoberfläche deutele er als künstlich hergestellte.Kanäle. Indes ist sowohl die Existenz wie die Erklärimg dieser Kanäle neuerdings recht zweifelhast geworden. — Zn Paul HehseS 80. Geburtstag hat der Verlag der Deutschen Dichter-GedächtniS-Stiftung m Hambirrg-Grotzborstck eme der frühesten und schönsten Novellen des Dichters:„Andrea Delfin" als Heft 26 ihrer empfehlenZwerten Volksbücher heraus- gegeben. Dab 136 Seiten starle Heft, das auch eine Einleitung und HeyseS bringt, kostet 60 Pf., geb. 60 Pf.- Die Firma Cotta Nachf., die die meisten Werke HeyseS im Verlag hat, kann sich leider immer noch nicht entschließen, eine billige Auswahl Heys-icher Werke zu veranstalten. diese Stimme Jmtb niemals verstümmenl(Sehr gut! links.) Hätte man Baden von 1371 bis heute mit so diel preußischen Beamten verwaltet wie Elsaß und hätte man Baden unter dem Diktatur- Paragraphen stehen lassen, was glauben Sie, daß aus diesem un- Zweifelhaft deutschen Lande Baden geworden wäre?(Lebhafte Zu- stimmung links.) Wirtschaftlich hängt Elsaß-Lothringen mit Deutschland zu- sammcn. Selbst diejenigen Elsässer, die noch eine gewisse fran- gösische Romantik im Busen haben, haben im Hauptbuch einen nationaldeutsche» WirtschaftSzusammenhang, und selbst in Mül- Hausen wird man nich mehr wünschen, außerhalb des deutschen Wirtschaftsgebietes zu stehen. Die Eisenindustrie von Lothringen mnd die verschiedenen Gewerbe von Straßburg können niemals wieder daran denken, undcuisch werden zu wollen; denn dann würden Teile von ihnen auf die rechte Seite des Rheines wan- dern.(Sehr wahr! links.) Wenn wir also anerkennen, ivas der Aufschwung des deutschen Wirtschaftslebens für diese Reichslande bedeutet, so müssen wir doch feststellen, daß der Mensch nicht vom Brot allein leben kann, auch in politischer Hinsicht nicht. Er braucht auch in staatlicher Beziehung Befriedigung. Run wird der Elsässer aber von einer Epoche zur andern mit Ver- sicher un gen getröstet. Die Annäherung Elsaß-Lothringens an Deutschland wird eher schwieriger als leichter. Demgegew über wäre die richtige Antwort, daß sowohl von der Reichsregie rung wie vom Reichstag mit Bestimmtheit gesagt wird, die Zeit der Vertröstungen sei vorbei. Die Zeit des Wartens, in der cS heißt: Ihr müßt auch die nächsten 1l1 Jahre brav bleiben, dann bekommt ihr in 30 Jahren eine Verfassung!(Sehr gut! links.) Es geht kaum anders, als daß Elsaß-Lothringen ein Reichsland. ein Land des Kaisers bleibt; aber gebrochen werden muß mit dem System der Statthalter auf tägliche Kündigung. lGroße Heiterkeit.) Die Möglichkeit einer Erb st ati Halter schart, einer Statthalterschaft auf Lebenszeit ist zu er- wägen; unbedingt zu fordern aber ist Vertretung im Bundesrat Es scheint allerdings, daß Preußen eine Verstärkung der außer- preußischen Stimmen im Bundesrat nicht gern sieht! Statt eines Zweikammersystems dürfte es sich empfehlen, eine einzige, auf Grund des ReichSlagswahlrcchtS gewählte Kammer dem(eben tuell) auszubauenden Staatsrat gegenüberzustellen. In bezug auf das Wahlrecht wenden wir uns nicht an den preußischen Ministerpräsidenten, sondern an den deutschen Reichs kanzler, der ein Wahrer uttd Verteidiger des Reichswahlcechts sein saklte.(Lebhafte Zustimmung links.) Das Reichsland kann und darf kein anderes Wahlrecht haben, als das Reichswahk recht.(Lebhaftes Bravo! links.) Elsaß-Lothringen bedarf keiner Erziehung durch anderweitige Wahleinrichtungen.(Heiterkeit und lebhaftes Sehr gut! links.) Elsaß-Lothringen hat seit langem daS allgemeine und gleiche Wahlrecht in den Gemeinden. Straß bürg hatte zeitweise eine sozialdemokratische Gemeinderatsmehr- heit.(Zuruf bei den Sozialdemokraten: Nur die relative Mehrheit: Iß von W Sitzen.) Die jetzige verF.vickte Wahlart ist dem Lande von Berlin aus aufoktroyiert worden.(Lebhaftes Sehr richtig? links.) Wir verlangen also vom Reichskanzler die Einführung einer auf Grund des Neichswahl- rechts gewählten Bolksdertretung unter Anwendung des Propor- tisnalverfahrenS in Elsaß-Lothringen uird schließen uns den Re- solutionen Albrecht und Gregoire an. Außerdem beantragen wir !di« Einführung einer Kommission zur Vorbereitung der clsaß- lothringischen Verfassung.(Lebhafter Beifall links.» Abg. Dr. Hieber(natl.): Ich glaube nicht, daß man um die Forderung der Einführung des ReichstagSwahlrechts für die elfaß- iothringische Volksvertretung herumkommen wird, zumal da die süddeutschen Staaten— Baden, Württemberg, Bayern— dieses Wahlrecht besitzen. Auch durchaus konservative reichsländische Kreise verlangen die Ersetzung dcS heutigen Notablenparlaments durch ein wirkliches Volksparlament(Hört! hört! links). Elsaß-Lothringen muß die autonome Stellung eines Bundesstaats erhalten; die Einzelheiten— wie die Vertretung im Bundesrat usw.— sind demgegenüber von nebensächlicher Bedeutung. Die beiden Hauptforderungen aber, Autonomie und freies Wahl- recht, müssen Elsaß-Lothringen zugestanden werden, wenn wir treue Reichsbürger in Elsaß-Lothringen haben wollen. Die innere Verschmelzung Elsaß-Lothringens mit dem Deutschen Reiche wird beschleunigt werden, wenn Elsaß-Lothringen den anderen deutschen Bundesstaaten gleichgestellt wird.(Bravo! bei den National- liberalen.) Reichskanzler v. Bethmann Hollweg: Durch die eingehende und lebhafte Debatte über die ctsatz- lothringische Verfassungsftage beweist der Reichstag, wie ernst cS ihm damit ist, daß die staatsrechtliche Stellung der NcichSlande in Forme» gekleidet werde, die nicht nur die zweckmäßige Besorgung der Landeögesetze verbürgen, sondern auch die Verschmelzung der Reichslande mit dem Reiche fördern. Der warme Ton, mit dem die Herren Vertreter aus Elsaß-Lothringen gesprochen haben, kann der Lösung der Aufgab« nur förderlich sein. Ich hatte schon im De- zember vorigen Jahres erklärt, daß die Erweiterung der politischen Selbständigkeit der Reichslande der unbedingt gewiesen« Weg ist. Auch ich beklag« es. daß seit 30 Jahren«n der betreffenden Gesetz- gebung ein Stillstand eingetreten ist. Ich glaube nicht, daß das zum Scg«n des Landes gewesen ist.(Sehr richtig! links.) Auf den sogenannten Hurrapatriotismus gebe ich nichts.(Bravo!) Die deutschfeindlichen Gesinnungen, von denen auch in der Debatte die Rede gewesen ist, können natürlich die Gewährung größerer Selb- ständigkeit nicht gerade erleichtern.(Sehr richtig!) Solche Kund- gebungen können einer Entwicklung immer aufs neue, absichtlich oder unabsichtlich, Hindernisse in den Weg legen, die vom Lande, von der NeichSregierung in den Reichslande» und auch von der RcichSleitung nicht gewünscht lverde». Wenn einzelne dieser Vor- gänge besonders drastisch in einzelnen Redewendungen im Landes- ausschutz hervorgetreten sind, so haben diese und andere kleine Epi- soden für mich nicht die Bedeutung, daß von ihnen die Geschicke einer Bevölkerung abhängig gemacht werden können, deren wahre Gesinnung in ihnen nicht zum Ausdruck kommt.(Bravo!) Ich habe infolgedeßen einen Gesetzentwurf, der sich mit der Verfassung und der Fortbildung(Abg. Gothein: Hoffentlich nicht einer»orga- nischen' I Heiterkeit.) der clsaß-lothringischen Verfassung be- schäftigt, ausarbeiten lassen.(Bravo!) Dieser Gesetzentwurf ist fertiggestellt.(Lachen bei den Sozialdemokraten.) Sie kennen ihn ja noch aar nicht! lieber den Inhalt werde ich aber erst im ein- zelnen Mitteilung machen können, wenn die Beratungen des Bundesrats beendet sein werden. Die staatsrechtlichen Schwierig- leiten, mit denen bei einem solchen Gesetzentwurf zu kämpfen ist, werden überwunden werden.(Lachen links.) Ich weiß auch hier nicht, weöhalb Sie lachen. Die Schwierigkeiten werden über- wunden werden, und ich kann nur der Hoffnung Ausdruck geben, daß das Bestreben der Regierung, die Angelegenheit bald zu einem Abschluß zu bringen, auch von der elsaß-lothringischen Bevölkerung in gleich nachhaltiger Weise gefördert werden möge, wie es nach meiner Hoffnung durch die heutigen Verhandlungen des Reichstags gefördert worden ist.(Bravo!) Abg. Ricktin(Äs.)(bei der Unruhe im Hause zunächst unver- ständlich) scheint auf die Vorgänge im clsaß-lothringischen Landes- auZschuß einzugehen.(Zuruf bei den Sozialdemokraten.)(Sehr erregt:) Sie(zu den Sozialdemokraten) haben kein Recht, sich zu unserem Lehrmeister auszuwerfen. Denken Sie an die Szenen beim Zolltarif!(Lachen uci den Sozialdemokraten. Sehr gut> tm Zentrum und rechts.) Uebrigcns soll man solche Szenen nicht tragisch nehmen. Ein Parlament ist doch schließlich keine Schule, in der es immer hübsch artig hergehen muß. Zusammenstöße in Frankreich etwa eine sozialdemokratische Majorität?) Wir sind überzeugte Anhänger des allgemeinen,'gleichen, geheimen und direkten Wahlrechts. Für das, was das preußische Zentrum tut. tragen wir keine Verantwortung. In Elsaß-Lothringen gibt es gar keine nationalistische Partei, sie existiert nur in der Erfindung der Sozialdemokratie, die dort hoffähige Regierungspartei ist. (Stürmische Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.) Abg. Dr. Höffe!(Rp.): Der Landesausschuß, dessen Tätigkeit der Abg. Böhle so herabgesetzt hat, hat vielfach sehr wertvolle posi- tive Arbeit geleistet. Es fragt sich sehr, ob es sich empfiehlt, die Frage des Wahlrechts gleich in der Verfassung zu regeln, oder ob es nicht besser ist, die Regelung des Wahlrechts dem Lande selbst zu überlassen.(Beifall rechts.) Abg. Fahrenbach(Z.): Elsaß-Lolhringen hat unter deutscher Herrschaft an Wohlstand gewonnen, seine wirtschaftlichen Jnter- essen verweisen es nack Deutschland; die Zustände, wie sie sich in Frankreich entwickelt haben, bieten nichts Verlockendes.(Bravo! rechts und im Zentrum.) Wenn es auch nur eine Vernunftehe ist, die Elsaß-Lothringen mit Deutschland verbindet: Vernunftehen sind oft glücklicher als stürmische Liebesehen.(Große Heiterkeit und Zustimmung.) Abg. v. Dzicmbowski-Pomian(Pole): Namens meiner Parte. habe ich die lebhafteste Sympathie mit den Bestrebungen der Elsaß-Lothringer nach politischer Selbständigkeit zu bekunden. (Bravo! bei den Polen.) Abg. Emme!(Soz.): Herr Ricklin hat den Landesausschuß so sehr verteidigt, daß demnach eine andere Zusammensetzung dieses Parlaments garnicht nötig wäre, während er doch selbst eine andere Zusammensetzung wünscht. Weiter stellte er sich hier als»konservativen Demo- kraten" vor. Eine wunderbare Art von Demokraten! Weiter lehnte er namens des elsässischen Zentrums die Verantwortung für die Taten deL preußischen Zentrums ab! Wo bleibt da der Zusammenhang im Zentrum als Gesamtpartei? Weiter tischte er wieder das Märchen auf, in Elsaß-Lothringen sei die Sozial- demokratie hoftähig und Stütze der Regierung! Daraus sprach der Aerger, daß die Regierung nicht mehr einzig und allein mit dem Zentrum arbeiten will. In dieselbe Kerbe schlug Herr Fahrenbach. Aber worin soll denn die Bevorzugung der Sozial- demokratie bestehen? Bis jetzt ist ein einziger sozialdemokratischer Beigeordneter bestätigt worden!(Hört! hört! bei den Sozialdemo- kraten.) Persönlich möchte ich Herrn Ricklin noch bemerken, daß ich nicht durch die Unzufriedenheit der Wähler aus dem Landes- ausschuß hinausgewählt bin. sondern nur infolge deö indirekten Wahlsystems. Herr Ricklin verwahrte das elsässische Zentrum gegen den Vorwurf französisch-nationalistischer Bestrebungen; da empfehle ich ihm die Lektüre eines Zentrumsblattes, der„Kölnischen Volks- zeitung". Der Reichskanzler hat selbst anerkannt, daß seit dreißig Jahren in Elsaß-Lothringen nichts geschehen ist, um so notwendi- gcr ist. daß man jetzt nachholt, was man in dreißig Jahren versäumt hat. Statt dessen hat der Reichskanzler wieder von „nationalen Garantien' gesprochen! Aber bei der Aufhebung des Diktaturparagraphen hat der Reichskanzler betont, daß die elsässische Bevölkerung arbeitsam sei und ihre Pflicht erfüllt habe, und daß kein Grund vorliege, sie ausnahmegesetzlich zu behandeln. Her Höfsel meinte, das Wahlrecht solle man im Lande selbst lösen, nachdem man ihm die Selbständigkeit gegeben. Aber das wäre sehr unpraktisch; denn der Reichstag kann die Frage gar- nicht anders lösen, als daß er daS Rcichstagswahlrccht gibt. Mit einen« anderen Wahlrecht werde» wir Elsässer auch nicht zufrieden sein, und es würde keine Ruhe im Lande geben, bis das Reichs- tagswahlrecht erreicht ist. Warum also will man bei der Rege- lung der Verfassung nicht auch die Frage des Wahlrechts regeln, sondern die Sache so machen, daß der Kampf nach der Regelung der Verfassung sofort weitergehen muß? Herr Fahrenbach sagte, Elsaß-Lothringen werde noch immer als Kriegsbeute betrachtet! DaS sollte doch endlich aufhören. Herr Fahrenbach sprach auch von einer Vernunftehe. Um bei dem Bilde zu bleiben, möchte ich sagen: Nach dem Weiberraub muß endlich eine Aussöhnung stattfinden, und dem geraubten Weibe muß das volle Recht gegeben werden. Die Regierung soll sich also recht überlegen, daß es keine Ruhe geben wird, bis die Ver- fassungSsrage im vollen Sinne, ohne Ausschaltung des Wahl- rechts, gelöst ist.(Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Abg. Hauh(Z.): Die heutige Rede des Herrn Reichskanzlers wird den schlechten Eindruck der Rede vom Dezember verwischen. Hoffentlich wird es recht bald twAu kommen, daß Elsaß-Lothringen den übrigen Bundesstaaten gleichberechtigt dasteht. ES folgt die Debatte übe,' die allgemeine Politik. Abg. Frank(Ratibor)(Z.) führt Beschwerde darüber, daß der Kreis Ratibor, obgleich 00 Proz. seiner Bevölkerung Nichtdeutsche sind, nicht in den§ 12 des AereinSgesetzes einbezogen sei. Mg. Hnußmann(Fortschr. Vp.): Es wäre interessant, zu er- fahren, ob auswärtige Militärbevollmächtigte diplomatische Berichte an das Militärkabinett senden. Im Interesse einer einheitlichen auswärtigen Politik wäre es wohl zweckmäßiger, wenn solche Be- richte nur durch daS Auswärtige Amt an die höchste Stelle gelangen. Die Spannung in unseren Beziehungen zu Frankreich ist erfreu- licherweiss gelöst. In der Mannesmann-Frage bat die Budgetkominission eine Resolution gesaßt, die eine goldene Brücke nicht für die Regierung, sondern für die Gebrüder Mannes- mann bedeuten soll. Ein Lichtpunkt ist unser Verhältnis zu Oester reich, und die Romreise des Kanzlers wird jedenfalls auch das Ver bältnis zu Italien verbessern. Im Verhältnis zu England der kündete Fürst Bülow eine Politik der Zurückhaltung; diese Politik Isar der Vorspann für die englische Schutzzollbewegung. Dabei hat die konservative Partei Englands in demagogischer Weise Deutsch- land als Wauwau bei den Wahlen benutzt. Die Konservativen aller Länder haben eben Neigung zur Demagogie.(Lebhaste Zu- stimmung bei den Freisinnigen. Widerspruch rechts.) Die wichtige Frage des EinhaltenS mit den Flottenrüstungen sollte deshalb nicht mit allgemeinen Erörterungen abgetan, sondern es muß eine Politik wirklicher Verständigung betrete» werden. Diese Politik kann der Regierung nicht durch Resolutionen aufgedrängt werden, sie muß. um wirkungsvoll zu sein, aus ihrer eigenen Entschließung hervorgehen. Die große Frage der Verantwortlichkeit des Reichskanzlers Ivollen wir lieber bei Gelegenheit unserer Anträge dazu erörtern. wenn wir auch der jetzt wieder vorgelegten Resolution Albrecht zu- stimmen werden. Ihre Politik gegenüber der dänischen Bevölkerung sollte die Regierung ebenso einer Revision unterziehen wie ihre reichs- ländische. Da droben sitzt ein intelligentes Volk, das nur mit intelli- gcnten Mitteln gewonnen wevden kann.(Sehr gut! links.) Die innere Lage ist noch nie so unklar gewesen wie jetzt. Wie entspricht LaS christlichen GrundsaH von Ser Gleichhett der Menschen?(Sehr gut! bei der Fortschrittlichen Volkspartei.li Der Reichskanzler hat erklärt, bei der Unbestimmtheit der Par- teien„vinkuliert' sich die Regierung nicht. Man kann auch umgekehrt sagen: Bei der Unbestimmtheit der Regierung „vinkulieren" sich die Parteien nicht! Wir werden erst dam« zu einem fruchtbaren öffentlichen Leben kommen, wenn die Re- gierung sich offen zu dem Grundsatz bekennt: Eine Regierung muß auch eine Regierungspartei haben!(Bravo! bei der Fortschrittlichen Volkspartei.) Abg. Wommelöborff(natl.) erklärt die Klagen der Dänen über rigorose Anwendung deS Sprachenparagraphen des Vereinsgesetzes für übertriebe». Abg. Dr. v. Dzicmbowski-Pomian(Pole) kritisiert Sie Polen- Politik der Regierung: eine solche unglückliche Politik würde ein guter Staatsmann nicht weiterführen. Abg. Hansen(Däne) polemisiert gegen den Abgeordneten Woii'niusyi,«ft. Damit ist die Debatte erschöpft. Das HauS vertagt die Weiter- beratung auf Dienstag, 1 Uhr.(Vorher Abstimmung über die Ost- markenzulagen aus dem Postetat.) Schluß: TA Uhr._ Hiis der Partei« »verden immer vorkommen; um Extravaganzen vorzubeugen, ist die Geschäftsordnung da. Das elsaß-lothringische Volk ist gewiß demokratisch, aber von eiiicr sozialdemokratischen Republik wollen wir toichcevativai Demokraten nichts wissen. Wie cs in einer solchen sozialdemokratischen Republik aussieht, sieht man in Frank- reich?(Lautes Lachen bei den Sozialdemokraten. Rufe: Gibt«s Programmerklärungen hat uns.Herr v. Bethmann Hollweg iiicht gegeben. Die Autorität der Regierung hat nicht zugenommen, son- dern Verlosiren dadurch, daß die Meinung, sie führe die Ge- schäfte, auf das allerstnrkste widerlegt worden ist bei der Reichs- finanzresorm und der Wahlrechtsvorlagc. Zu welcher Zwiespältigkeit muß die Politik EeS Reichskanzlers führen, wenn er in diesem Hause vor kurzem gesagt hat:»Ich werde Euch das Rcichstagswahl- recht nicht nehmen" und in Preußen:„Ich werde Euch das Reichs- tagswahlrecht nicht geben!" DaS sagt derselbe Staatsmann über dasselbe Institut zu denselben Personen; denn die Preußen sind doch auch Deutsche und werden als Deutsche für fähig erklärt, vom ReichstagSwahlrecht den richtigen Gebrauch zu machen!(Sehr gut! links.) Welche Verwirrung dcS öffentlichen Nechtsbcwußtseins muß es herbeiführen, wenn solche Erklärungen von demselben Staats- mann abgegeben werde«,, die sich wie ja und nein gegenüberstehen! Einer der Herren von der Rechten hat im Abgeordnetenhause gc- sagß dg? allgemeine Stimmrecht sei die größte Ungerechtigkeit! GemeinderatSwahlfiege. Bei der am 12. März vollzogenen Ergänzungslvahl zur' Gemeindevertretung zu Velten wurden für die dritte Abteilung die Genossen Johannes Finder und Karl K l e e h s e n mit je 382 Stiinmen einstimmig gewählt. Die Gegner hatten keine Kandidaten aufgestellt. In Heegmithle(Brandenburg) wurden in der dritten Abteilung die Genossen Palm und Wächter mit 210 bezw. 208 Stimmen gegen 104 und 99 Stimmen der Bürger- lichen gewählt._ Parteitag der P. P. S. Die P. P. S.(Polnisch-Sozialistische Partei) veranstaltet ihren diesjährigen Parteitag zu Ostern in Z a b r z e O.-Schl. Auf der Tagesordnung steht u. a. die Landarbeiterfrage, Aenderung des Organisationsstatuts und die politische Lage. Der Vorstand der P. P. S. hat bereits den an den Parteitag zu erstattenden Bericht in der„Gazeta Robotnicza' veröffentlich:. Der Bericht umfaßt den Zeitraum von zwei Jahren. Aus ihm geht hervor, daß die Organisation haiwtsächlich in Ober- sckilesien gute Fortschritte gemacht hat. Anfang 1903 existierten nur vier Vereine, die 588 Mitglieder aufwiesen, hingegen Ende 1909 waren eS 26 Vereine mit 1230 Mitgliedern. Die stabilen Ein- künste von den Vereinen der P. P. S.<40 Proz. der eigenen Einnabmci«) stiegen von 633,55 M. im Jahre 1908 auf 1059,43 M. in, Jahre 1909. Im Laufe der Zeit wurden insgesamt gegen 400 090 Flugblätter herausgegeben und verbreitet. Der polnische Agitationskalcndor er- schien in« letzten Jahre in einer Auflage von 50 000 Exemplaren. außerdem ein illunrierler Kalender, dessen Auflage 2000 Exemplars betrug. Ferner sind erschienen: 10 000 Exemplare„Arbeiterlieder- buch", 4000„Grundsätze deS Sozialismus". 10000„Ein katholischer Pfarrer Sozialdemokrat". Die P. P. S. hatte viele gerichtliche und polizeiliche Scherereien und einige kleine Strafen zu ertragen. Parteiliteratur. Im Verlage der Buchhandlung Vorwärts erschien: Zur Gesundheitspflege des Nervensystems. Von Dr. Leo i r s ch l a s s. Von dieser Arbeit, die als Heft 3 der Arbeiter- esundheitS-Bibliothek erschienen ist, gelangte d,e 4. Auflage zur Ausgabe. Preis 20 Pf. In besserer Ausführung 50 Pf. DaS sogenannte Gesetz des Mose. Bon Mar Mauren« b r e ch e r. Heft 5 derBiblischenGeschichten. Preis 1 M_ VereinSauSgabe 40 Pf._ Rcichstagskandidatur. Im 8. sächsischen Reichstagswahlkreis Pirna-Sebnitz, der von 1903—1906 von unserem Genossen Fräßdorf im Reichstage vertreten war und jetzt durch den Antisemiten Hanisch vertreten ist, wurde als Kandidat der Genosse Otto Rühle-Halle von der Parteileitung gewählt. Seine Wahl durch die Parteigenossen im Kreise gilt als gesichert. Genosse Fräßdorf hat die Wieder- ausstellung abgelehnt in Konsequenz des Beschlusses der sächsische» Landesversammlung, der Doppelkandidaturen zum Land- und Reichs« tag nicht gestattet._ Sozialdemotraliiche Wahlerfolge in Schwede». Bei den Kommunalwahlen in Stockholm, die am Donnerstag und Freitag im ersten und zweiten Wahlkreis statt- änden. wurden von 5404 Wählern 57 802 sozialdemokratische, von 2460 Wählern 41 522 liberale und von 2434 Wählern 64 389 kon- servative Stimmen abgegeben. Gewählt sind 6 Sozialdemokraten, 6 Konservative und 4 Liberale. Bisher war die Sozialdemokratie nur durch 3 Stadtverordnete in dem 100 Mann starken Stadtparlament vertreten. Die jetzigen Wahlen erstrecken sich auf die Halste der Mandate und dauern bis zum 21. März. ES ist daS erste Mal, daß hier das neue Kommunalwahlgesetz in Anwendung kommt, daß je nach der Steuerleistung den, einzelnen Wähler bis zu 40 Stimmen gibt, wogegen vordem 100 Stimmen das Maximum waren. Unter jenem hundertgradigen Wahlunrecht kamen auf die konservativen Wähler im Durchschnitt 65 bis 7V Stimmen pro Mann, wogegen sie sich nun im ersten Wahlkreis mit 25, im zweite» mit 28 Wählerstimmen begnügen mußten, während auf die liberalen Wähler im Durchschnitt je 17 und 16, aus die sozialdemokratischen je 10 und 10,8 Stimmen in den beiden Kreisen kamen. Trotz der schweren Opfer, die ihnen der allgemeine Massenstreik auferlegt hatte, verstanden es die Arbeiter, sich ihr Wahlrecht zu sichern, und sie nutzen es mit voller Kraft aus. Auch die Arbeite»' rinnen und Frauen, die ja. soweit sie selbständig Steuern zahlen, ebenfalls wahlberechtigt sind, beteiligen sich äußerst lebhaft an den Wahlen. Wenn erst die Wahlresultate aus den übrigen vier Wohl- kreisen vorliegen, wird cS sich um so deutlicher zeigen, daß die Sozialdemokratie bei dem ja noch immer höchst ungerechten Wahl- recht doch eine weit stärkere Vertretung als früher erhalten hat. «LI Lociolisto", das Zentralorgan der spanischen sozialistischen artei. feiert demnächst sein 2Sjähriges Bestehen. Aus diesem Anlaß wird unser Brnderblatt demnächst eine Spezialnummer ver- öffentlichen mit Beiträgen von Bebel, Kautsky, Jaurös. Turati, Guesde. Bandervelde und dm bekanntesten spanischen Soziaiisten. Im Laufe dieses Jahres wird„DI Soeialists", das jetzt t4tägig erscheint, in ein Tageblatt limgewandel, werden. Wir begrüßen den tapferen Streiter, der ans'schwierigstem Posten, stets seine Pflicht getan, und hoffen, daß er als Tageblatt mit gesteigerter Wirkiamkeit und Erfolg für unsere gemeinsame Sache neue Anhänger werben wird._ eingegangene Druchfebnften. 6«„Gleichheit", Zeitschrift für die Liltercsscn der Arbclierinnen («luttgart, Verlag von Paul Singer), ist uns soeben Ar. 12 des 29. Jahr- BtmneS zugegangen. Sie hat solgend« Inhalt: lieber den März hinaus. — Der Zenwumsverrat am Wahlrecht. Von II. Ii.— Kinderstube. Von S'~~?lul' tsfavjnfonfercn:. I Von Mathilde Wurm. II. Bon Frida Wulff.— Zur Geschichte einer gewettjchnsllichen Fraucnorganijation.— ®a8 RechlsverballmZ xivlschen In Mutter und dem Weilchen Kindt.!. Von Emst Obnbolzer.— Die Arbeiterinnen in der Tuch- und Buckskin- branche. Von h.i.— Die Schaufpiclcrinneii im wirt>chastlichen Stampfe. Von M. Kt.— Aus der Beivegung: Stellungnahme der Genossinnen zur sirauenkonscrenz in Leipzig, Chemnitz und Negcnsburg.— Bon der Agitation.— Der gute Polizeiton i» Danzig.— Rachejustiz gegen die ÄianS- selber Kämpjer.— Politische Rundschau. Von H. B.— Gewerkschaftliche Rundschau.— Aus der Textilarbeiterbeivegung. Von hj.— Au» der Holz- industrie. Von fk.— Genossenschaftliche Rundschau. Von II P.- Notizen- teil: Dicnstbotensragc.— Frauenarbeit aus dem Gebiet der Industrie, des .Handels- und VertehrSwesenS,— Frauenstimmrecht.— Sozialistische Frauen- bewegung im Ausland. Für unsere Mütter und „>a«Ssrauen: Schneeschmelze. Bon Otto Erich Hartleben.— Eine Fahlt nach La Tdne. II Von Hannah Lewin-Dorsch.— Elternabende. Bon o. a.— Die Mutler als Erziehertn. — Feuilleton: Den Gegnern. Vou Ferdinand Frcilixrath.— Die Frauen der Kommune. Für untere Kinder: Frühlenz. Von Julius Vanselow(Gedicht.) — Das A: bcitspscrd. Von Gustav as Gcjerstam.— Daö Lied des Regens. Von Emma Döltz.(Gedicht.)— Wenn die Haseln blühen. Von Roland. — Edward. Von Gottsried Herder.(Gedicht.)— Aus Islands Haupt- stadt. Von E.«sonnemann.— Der Riefe von Echlcrdingen. Nach einer Volksfage von Hcwr. Wandt.— Großes Geheimnis. Von Rob. Rcinick. (Gedicht.) Die„Gleichheit' erscheint alle 14 Tage einmal. PreiS der Nummer 10 Ps.. durch die Post bezogen beträgt der Abonnementspreis vierteljährlich ohne Bestellgeld Sö Pj.; unter Kreuzband SS Ps. Jahresabblinement 2,00 Marl. Vom„Wahren Jacob« ist soeben die 0. Nummer des 27. Jahr» gangeS, 16 Seiten stark, erschienen. Aus ihrem Inhalt erwähnen wir: Bilder: Illustrierte Kanzlerredc. Pon H. G. Jentzsch.— AuSzeich» nung. Von R. Rost.— Ein teurer Spaß. Von Rata Langa.— Rcligions- stunde. Von W. Lehmann.— Gespenster in Berlin. Bon R Rost.— Justiz. Von 29. Lehmann.— Völkerkunde. Von R Rost.— Aus Sachsen. Bon Rud. Wols.— Vorübungen iür die Anwendung des neuen preußischen Wahlgesetzes. Von E. Erl.— Buschklepper. Von R. Rost.— Ein p stich t- lrcncr Schutzmann und ein dito Staatsbürger. Von M. Däumichen.— Polizeiliches. Von E. Erk.— Sein Kummer. Bon R. Graes.— Die »ationollibnale Drehscheibe. Von M. Vanselow.— Mädchen für alles. Pon R. Wols.— Trophäen. Von Erich Schilling. Text: Tmtzlicd. Don P. B.— Märzlust. Von H. Fl.— v. Below' Plettenberg on v. Zlmlm-Schnodderhcim.— Gencralsipelen. Von TodiaS- — Das Recht aus die Straße. Von Alfred Scholtz.— Lieber Jacob! Von Joithils Rauke.— Das Ideal. Ba» II. FI.— Unangenehmer Zwischen- fall.— Glosse.— Ein zeitgemäßer Brieswechsel.— Der Siebenschläser. Von F. F.— Der gut erzogene Michel. Von Z.—„Gebildete":— Königlich preußische Anekdoten. Bon T.— Die sechs sozialdemokratischen ülbgemdtiden im preußischen Landtag. Von Michel.— Bncs des MuS- kctierS Anlon Hubcr on seinen Bruder und Spezereihändler Zaver Hubcr.— Usw. Der Preis der Nummer ist 10 Ps. Probcnummern sind jederzeit durch den Verlag Paul Singer in Stuttgart sowie durch alle Buchhandlungen mid Kolporteure zu beziehen. Bn�fkaften der Redaktion. Sie(litliKMs eprrchlmnde finde« Lindrnftraße 3, zweiter Pol dritter Cinanna. vier Treppen, UWr* F o l> r st u h l wochentöglich otendL«on 7zi, bis Stb Ubr ft-tt. Glöstuet 7 Uhr. TonnadeudS be«In»t dl« Sprr-llltnndr nm 0 Nbr. Jrder Antraec Ist-tu Bnwftabr und eine Zahl als vterkzeichen brizafliacn. vrtrsliehe Antwort wird nicht erteilt. Ais zur Beantwortung im Brieftaiten tijnueu 44 Tage vergrhra. Eilige Sragev trage naii in der Sprechstunde vor. R. W. Rur für die Zeit, für welche steuerpstichtizes Einkommen vor- banden ist.— E. k»0. 1. Die Veröffentlichung geschieht wesentlich für die Alltonäre. Sie haben damit nichts zu tun. 2. Den derzeitigen Zinsfuß erjahren Sie in jeder GeichäjlSsteUe ocr Bank; er ist abhängig von der verabredeten Kündigungsfrist. 3. Im„Vorwärts" können Sensations- Prozesse keinen breiten Rauni einnehmen.— Wöchnertniicnpflcge II. Es muß auch Krankengeld gemährt werden. Hier handelt es sich anscheinend um eine Wöchnerin, die aus die Dauer von sechs Wochen Austnuch aus Unterstützung hat, ivenn sie innerhalb des letzten Jahres mindestens sechs Monate hindurch einer Krankenkasse angehört hat.— B. I. Sic haben u. E Anspruch aus den vollen Lohn.— W. D. 23. Ihre Fragen sind unverständlich: kommen Sic in die Sprechstunde.— W. B. luv. Eine Erhöhung der Invalidenrente smdel nicht statt.— Erwin. Britz. Die Erhebung der Kosten war gesetzlich begründet.— I. S. 98. Für die zurückliegenden vier Jahre.— E. G. lvv. I. u. 2. Wenden Sie sich an Wilh. Hinz, Prinzenstr. 66 vorn IV. 3. Melden Sie und Ihre Frau bei dem Amts» gcrichl Rtxdars den Austritt an. Sie erhalten dann beide Termins- Vorladungen.— Nummer 77. Der betreffende hat Anspruch aus den Ge- winn, während Sie den Teil der Prämie erstattet verlangen können. Nr. 777. 1. ES muß zunächst aus Wiederherstellung der häusliche» Gemeinschaft geklagt und die Klage, falls die Adresse nicht zu ermitteln ist, öffentlich zugestellt werden. Erst nachdem das aus Widerherstelluug ergebende Urtett rechtskräftig geworden und ein weiteres Jahr verstrichen ist, kann die Scheidungsklage erhoben werden. Sind aber ScheidungS« gründe vorhanden aus der Zeit sechs Monaie vor Trennung, so kann schon jetzt aus Scheidung geklagt werden. Auch die öffentliche Zustellung dieser Klage ist zulässig. Zu dem Prozeß bedürfen Sie der Vcrtrelung durch einen Rechtsanwalt. 2. Ja. 3. Bei Wciterversicherung in zwei Jahren mindestens 20, bei Sclbstvcrsicherung im selben Zeitraum mindestens 40. Auch muß der Umtausch der Karten in längstens zwei Jahren ersolgcn.— — 8. 817. Die Verausgabung der Marlen kann Ihnen, eveu« tuell durch Klage mit Aussicht aus Erfolg untersagt werden. — Ratlos 8V. t. Sie müssen, unter Angabc der Beleidigungen, vor den zuständigen Schiedsmann laden und dann innerhalb drei Monaten, nach» dem Sie von der Beleidigung Kenntnis erlangt haben, unter Slngabe der Beweismittel BeleidigungsIIage bei dem ZlmtSgericht erheben 2. Die zweite Handlungsweise ist Diebstahl bezw Sachbeschädigung, welche Delikte aus'Anzeige hin die StaatSanwallschast verfolgt ES ivird sich bisher aber kaum der Beweis erbringen lassen.— K. S. IVO. 1. Polizeipräsidenten. 2. Ja. 3. Keine.— Hedwig. Firmen, die derartige Sachen verkaufen, finden Sie ini Adreßbuch Band II Teil IV. Seite 207,268.- F P.»»». 1. Ja. 2. Bon 6000 M. an. Beträgt das ans Grund de§ Einkommen« stcuergesetzcs zu versteuernde Jahreseinkommen nichl mehr als 900 M., dann erst von 20 000 M. an. 3. und 4. Durch Mitteilung an den Bor« sitzenden der Beranlagungskommission.— DI. T. 12. Die gesetzliche MaximalarbcitSzeit von erwachsenen Arbeiterinnen beträgt täglich eis, an den Vorabenden der Sonn» und Festtage zehn Stunden. Neber dteseZeit hinaus kann Beschäftigung an höchstens 60 Tagen bis zur Dauer von höchstens 13 Stunden täglich erfolgen.— W. I. 83. Das ist nichl zulässig. Zwischen den Arbeitsstunden muß eine mindestens cinilllndige MittagSpaule liegen, auch darff die ArbeitSzeil an den Vorabenden der Sonn- nnd Festtage acht Slunden nicht überschreiten.— Klara. Wenn nach der ersten Verheiratung mindestens 200 Marken geklebt sind, besteht Slnsprnch aus Eriattung der Hälfte nach crsolgtcc Wiedel Verheiratung.— iL. W., Ackcrstr. 4. Bei zwei Wohnzimmern und Zubehör am t. April, bei 3— 4 Wohnzimmern und Zubehör am 2. April, mittags 12 Uhr, und bei größeren Wohnungen am 3. Apnl, mittags t2 Uhr. Bei Wohnungen von drei Zimmern und Zubehör muß ein, bei größeren Wohnungen müssen zwei Zimmer am 1. Zlpril vollständig geräumt sein.— M. W. IVVV. Ist leider verjährt. — Felix 2V. Nicht bekannt.— P. IVV. I. Die Verfügung ist im ver- gangenen Jahre erlassen; es werden die GefängniSverwaltungen eriucht, die Gefangenen zur Westeimersicherung zu veranlassen. 2. Eine Ber» pslichtung und somit eine Schadenersatzpflicht besteht nicht.— Thealer und Vergnügungen nun Dienstag, den Ib. März. Ansang Tl, Uhr. Köuigl. Opernbaus. Bohöme. Königl. Tchauspielhaus. Colberg. Neues köuigl. Opcrn-Theater. Geschloffen. Deutsches. Judith. Kammerspicle. Der gute König Dagobert.(Ans. ö. Uhr.) Anlang 8 Uhr. Berliner. Taistm. Lessing. TantriS der Narr. Neues. Die goldene Ritterzeit. Neues«chautPielbauS. Der Herr Verteidiger. Westen. Die geschiedene Frau. Komische Oper. ToSca. Neues Overetten. Der Graf von Luxemburg. Trianou. Theodore u. Cie. Kleines. Der große Name. Residenz. Gleichen. Thalia. Die Dollarprinzessin. Schiller O lwnliv- idealer.) Viel Lärmen um nichts. Sch Ue- Charlotteudurg. Hans Lange. Friedrich< Wilhelmstäditfches. Streber. Hebbel. Kavaliere.(Ans. 8'/« Uhr.) Bolksoper. Der Freischütz. Luisen. WaS Gott zusammenfügt. Otofe Deborah. LustsvielhanS. Der dunkle Puntt. Mct->>!>ol. Halloh ll— Die große Revue. FolieS Eaprice. Der Lustturner.(Ans. 8tt, Uhr.) Gastno. Berlin bei Rächt. Gevr. Herrnfeld. So muß man'S machen. Eine UebergangS-Ehe. Stadttheater Moabit. Geschlossen. Noack. Satan Gold. Voigt. Aschenbrödel. Ape»�. Der Zechpreller. Spezta- litöten. Wintergarten. Spezialitäten. ReichStiallen. SIeltiner Sänger. Palast. Spezialitäten. Batluge. Svezialiläten Karl Haverland. Spezialitäten. Walballa spezialilaien Buggenhagen. Spezialitäten.(An- 7'/. Uhr). Urania. t.nidealtralie 48,4tt. Abends ö Uhr: Im Firnenglanz des Ober-Enaadin. Im Hörsaal 8 Uhr: Dr. W. Scheffer: Belichtung photographifcher Trockcnplattcn. Steri>>»»rr>, �nvalidenstr. 67— 62 Lessing-Theater. 8 Uhr: Dantris der Narr. Mittwoch. 8 Uhr: Das Konzert. MB Donnerstag, 8 Uhr: Das Konzert. TS- ii-'-tm!- 1- Voll Berliner Theater. Uran isi. Wissenschaftliches Theater. Abends 8 Ühr: Itn Firnenglanz des Oder- Engadin. Hörsaal 8 Uhr: Dr. W. Schcffer: Belichtung photographisch. Trockcnplatten. Lustspiellhaus. Abende 3 Uhr: Der dunkle Punkt. HögillöiiMöM Direktton: Richard Alexander. Abends 8 Uhr: (jrrvteltvH. GroieSkc in 3 Akten von Davis und Liplchütz. Mittwoch zum erfteeimal: Das Nachtlicht. Hieraus: _ Der selige Oktave. Toiksoper. SWi, velle-Alliance-Straße Nr. 7/8. AbendS'/,S Uhr: Her kreisedüt!. _(Außer Abonnement.) Luisen-Theater. eigt. AbendS 8 Uhr: I Schauspiel in fünf Akten von Ernst Rttterseldt nach freier Benutzung einer Erzählung von EourthS-Mahler. Mittwoch: Die Reise um die Erde in 80 Tagen. Donner-tag: Der Veilchensresser. Benefiz für Rudolf Schönau. Freitag: Was Gott zusammenfügt. IOSE=TnEATE! e üvant Ans.* Uhr. Ende 11 Uhr. l>eboi'ah. Taifun#« uhr. Heute: Morgen: Daisun. Heues Theater. SlbendS 8 Uhr zum 1« Male: Die goldene Rüterzeit. Morgen und Donnerstag: Bis goldene Rilterzeit. flieater des Westens. Abends 8 Uhr: Die geschiedene Fra«. Sonnt. 3>/. Ubr: Ter sidele Bauer. S>»,« Oporcttcn-Thcator. Heute und folgende Tage 8 Uhr: Ter Graf von Luxemburg. Sonntag nachmittag 3 Uhr zu er- mäßigten Preisen: Oer Zigeunerbaron. Friedrich-WilheimsMiscbes Schauspielhaus. Dienstag, den 15. März, abends 8 Uhr: Streber. Schauspiel iu 4 Alien von A. Ohorn. Mittwoch: Fkachsmatm olS Erzieher. DomierStag, Freitag: Streber. Eonnabend: Die Großftadtlnst. VolkSschaulpicl in 4 Akt. v. Moscnthal. Mittwoch und Freitag: Die Ehre. Donnerstag: Waiikcuder Boden. Sonnabend: Keau. j Rgzegge-Tiieelel. Abends 8 Uhr: Das « gesellschaftliche ] Ereignis von Ben m 9 Auftreten der scliUnen ! Sisters Ridiey S in ihren historischen Tänzen. Georg Kaiser Schneider- Uaachcr und das groOe Prograinin! Passage-Panoptikum Senegal in Berlin! gf) wilde Weihe? ** ilännor, Kinder. Drei Negerdörfer Ohne Extra-En tree! Nchtller-Tlieater. Sehlller-Thsater 0.(Wallner-Theat). Dienstag, abends 3 Uhr: Viel lifirmen um nichts. Lustspiel In 5 Akten v. W. Shakespeare. Ende 10-/, Uhr. Mittwoch, abend« 8 Uhr: KeldSsche. abends 8 Uhr: sehe. Schitter-Thoster(lZhselottsndarg). Dienstag, abend» SUbr: gm Feier von Paul HehseS 80. Ge» burtSlage: Zum erstenmal: Hans Eange. Schauspiel in 4 Akten v. Paul Hehse. Ende 10'/, Uhr. MlttwaO), abend« 8 Uhr: Hans Eange. Donnerstag, abends 8 Uhr: Ezrmout. DonnerSta Co____ ÜrauereS Friecfrachshain am KDnigstör. Größter Konzertsaal Berlins. Morgen Mittwoch, den 16. März 1910: Großes EMfra-Konzert unter persönlicher Leitung deS Komponisten und Dirigenten jFron« von Blon mil großem Orchester(40 Künstler) sowie unter Mitwirkung der Frau Miiiipfer-Fgll Köuigl. Hofoperiisaiigeri,,(Sopran). Ansang 8'/, Uhr. Entree»V Bs., reservierter Platz 73 Pf. Melropol-Theater Abends 8 Uhr: Mallolü Die grolle Revue I In 8 Blldem von Jul. Freund. Musik v. Paul Lincko. In Szene gesetzt vom Dir. Rieh. Schultz. Anfang 8 Uhr. Rauchen gestattet. Der größte Lacherfolg! S'/, Uhr: 8'/, Uhr: Der Zechpreller. Posse mit Gesang w 3 Wen mit Konra«! Dreher a. G. Borher ab 8 Uhr: Die groflew SpezlalUtttcn. Das Dreigestirn wclMisher SchSnheit, Grazie o. Kunst iosario Guerreru Marie Lafargue Gdafte Valery und die anderen — Slar-Attraklienso.— Palast-Theater. Burgstraße 24, am Bahnhol Börse. lutcruatkaualcs kingdamflk-edamploval »m»fie WcUmcl�tei'schntt. Protektor: Herr Pros. H. Huntiriesop. Preise: 10 000 M. iu bar. Dienötag, den IS. März: Pederscu gegen Skomauoff. Ali vgl«« gegen Stmousi». Rimabie de la Ealmette gegen Metzuer. Ferner: EntscheidungSkamPf: Bahn gegen ZiPPS. Vorher: vis nlänzvncke.i Spezialitäten. Ans. 8 Uhr. Preise 50 Pf. bis 3 M. T rlanon»Theater. Heute mid folgende Tilge. 8 Ubr: ThoadoFo* Cle. Sonntos nachm.! Vartser Witwen. Kastzpiel- /. Uhr: Riss i Hiealer. 8'/« Uhr: Riss DaricIsacK. Morgen und folgende Tage: Riss Dndclsack. p�lrkus-w-wm £ Sarrasant alter Botanischer Garten. Dienstag, den 15. März, abds 8 Uhr: Sensationelle mit einem roin zirzensischen Programm. Ab 9'/, ühr: Großer Cntscheidungs• Kampf Michalloff gegen Reykowlcz. Da der Entscheidungs-Karapf 1 zwischen Michalloff n Reykowlcz am vergangenen Sonnabend wogen vorgoriicltter Polizeistunde ahgobrochon worden mußte, andererseits aber von beiden Herren bis zur absoluten Entscheidung ausgekochten werden muß, so steht I kür heute abend mir dieser eine j Kampf an. Sollte dieser Ent« scheidungs-Kampf frühzeitig genug zu Ende geführt sein, so werden je nach der verfügbaren Zeit folgende Paare ringen: Macdonald gegen Jakob Koch |Cazoau* de"Baslieux gegen Para- danoff. BS alba IIa Varitle Tfitßter Weinbergsweg 19-20, Roaentli.Tor. Anfang 8 Uhr: Das große Progr. j Watt, das lebende Eloktrlzitäts-! werk u. die übrigen Spezialitäten t i Tunnel: Die aliergrökte Kanne.] Theaterbesuchern freier Eintritt! Tonbild-Theater Gala-Vor- siellimg ! Cäsars Liebcslraum, ! Entsagung, Drama, Der Richter 2, : v. Cedar Gulch, Drama u. das.«» i hervorrag.'Wochenprogramm. ■ Entr.30,Kind.10Pf. KeineNachj. Dauervorstell. v. 4—11 Uhr. nun Dienötag. den 15. März. abends 7Vg Uhr: Gala-Frst-Vorstelluug. Zum 150. Male: Die drei Rivalen oder das inysterröie Schloß w der Normadie. Große Feerie in b Akten auS der Hugenottenzett. Außerdem Festprogramm: Neu I Die Amerikaner Neu! ??? Arvcial Shaw»?? S ? Les Ri-Tchaves? 11 Personen, Barbarenlänze. Dir. Alb. Schumann neue und m den:e Dressuren. hMe. Silva l.ozal Taubcnakt. MNAW Kommandantmstr. 57. T. A. 4, 5083. Heute: Beginn des großen Herrnsclii-Zgkliis. I. Serie: KÜS V�FSDIAlI'» USsZsr'ssspAi'isK und Es lebe das Nachtleben mit Anten mid Dcnat Herrnfeld in den Hauptrolle». Ans. 8 Uhr. Voroerkaus 11—2 Uhr. E« folgen als weitere Serien: Endlich allein— Fall Blumentops— Die letzte Ehre— Meyerbains— Hat) fisch geht zur Jagd— Verrücktes Hotel— Papa und Genossen— Die beiden Bindclbands— Familientag im Hause Prellstein. Alt-Moabit 47/48. Donnerstag, den 17. März: Dorf üri Stadt. Schanspiel in 5 Auszügen v. Charlotte AIrch-Pseisser. Ssnsssucez strase'" Direktion Wilhelm Reimer. Sonntag, Montag und Donnerstag: fleRiiiiiiillS iorrtii. Sänger und Tanzkränzchcu. Stets neue?. Hochakt. Soiree-Programm t Dir drastischsten SW* Schlager! �AEi Morgen Mttwoch: krhcatol-ahcn«! Benefiz sür iesei Lowandowsky: Die Schauspieler deS Kaisers. W.Koaeks Theater finmntnftr. 16, am RosentHaler Tor. AbendS Vlä Uhr: Satan Gold. VollSslück iu 5 Akten. Mittwoch: Satan Gold. Ziv'kus itasscii. Heute Dienstag, den IS. März, abonds 7'/., Uhr präz.: Oroßer Gala-Abend. Therese Fillis. James Leon Fillls jun., Heinrich Fillis, in ihren Produktionen d. hohen Schule. ]>le Masssms! Drahtseil-Akt. Hr. E. Schumann, Neudressur. Zwergolown Prancois, Kunstr. Eeiteriamilie Proserpi. 9 Uhr ca. Ende lO'/jUhn Die russ. Sensations Pantomime Marja I__ "Sonntag: Zwei Vorstellungen. Casino-Theatee« Lvihringer Straße 37. Ansang 8 Uhr. Berlin bei N a e h t. Posse in SSlft.». G. Schätzler-Perassini. Sonnt. 4U.: Ein deutsch. Frauenherz, K öh Igstadt- Si asino. Hoizmarktitraße 72. Täglich: Fraux Mobannkl. Reu: Else SDkarion; neu: Abba und Otlsrieb Reley. Reu: Ellen Glilta. Ren: Les Alexandrow. Prolongiert: Vittor Ritter. Das sensationellste Schaustück. Rad- rennen auf der Bühne. Im dunklen Korridor. Schw. i. 1 Akt. volles Caprice Der Cuftturner. h'cnor bnntcr Teil. Herr Wasserkropf. Ansang 8'/, Uhr. Vorverk. 1t— 2 Uhr. Voi gt-ITIieater Gastisitlcl in Puhlmanns Theater, Schönhauser Allee 143. DienSiag, den 15. März: Die Geier-Wally. Schauspiel in 5 Allen und einem Vor« spiel von Wilhelmine v. Hillen». Kassenöffnung 7 Uhr. Anfang 8 Uhr. Karl Haverland Ansang Theater, präz. 8 lt. 1 77/79 Kommandantenstraße 77/79. j Neue erstklassige Spezialität. I IHiilMf-fiM prcIßaprU I Heute nnih" d. Vorstellung: Ball. I Cranz's Volks-Theaterl KUsilncr StraÜo S. ♦ � Heute sowie jeden Mittwoch:£ ♦ Jaul§ Springers ♦ Kabarett- und Possen-aesellscbafU Rnfong 8'/. Uhr. Frei-Tanz. Reiclishallen-Theaier. Stettin"- SiinRcr ZumSchluiifVorl.Wocho) Der Nachtwächter van Zerpsnschiousa von Meysel. Ansang: Wochent. 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. Für den Inhal» der Inserate «vernimmt die Redaktie» dem Publikum gegeniiber keinerlei Beraotwortung. Oaffentiiche Volksversammlungen Dienstag, den 15. März, abends 8 Uhr. Tages-Ordttung: 1. 2. folizeimaPreoeln statt Wahlrecht. Diskussion. Berlin. 1. Kreis: S. Kreis: 3. Kreis: Dreisels Festsäle, Neue Friedrichstr. 35. Kliems Festsäle, Hasenheide 12/13. Gotzmann, Kreuzbergstraße 48. Ntstle, Dennewitzstraße 13. Gewerkschaftshaus, Engelufer 15. Armtn-Hallen, Kommandantenstr. 58/59. Märkischer Hof, Admiralsttaße 18a. 4» Kreis: Sanssouci, Kottbuser Straße 6. Drachenburg, Vor dem Schlesischen Tor. Prachtsäle des Ostens, Frankfurter Allee 151/152. Kellers Festsäle(Freyer), Koppenstr. 29. ElyfiUM, Landsberger Allee 40/41. Litfins Festsäle, Memeler Straße 67. Boeker, Weberstraße 17. 4. Kreis: Borgmann, Andreasstraße 21. Markgrafensäle, Markgrafendamm 34. Mufiker-Säle, Kaiser-Wilhelm-Str. 18m. F. Kreis: G. Kreis: Brauerei Königstadt, Schönhauser Allee 10. Prater-Theater, Kastanien-Allee 7/9. Wilke, Bnmnenstraße 188. Ballschmieders Säle, Badstraße 16. Frankes Feftsäle, Badstraße 19. Borussia-Säle, Ackersttaße 6/7. Schmidts Festsäle, Gartenstr. 6. Cranz� Festsäle, Kösliner Straße 8. Pharus-Säle, Müllerstraße 142. Prachtsäle Nordwest, Wiclesstr. 24. Artushof, Perleberger Straße 26. Teltow-Bccskow. Adlersliof. Gschuer, Bismarckstraße 60. Kaiserhof, Grünstraße. ]£SiriA8wii8tvi'I»»H»8vi» in Wildau bei Heiser. lUxdorf. Koppe, Hermannstr. 48/49. Karlsgarten, Karlsgartenstraße. Felsch, Knesebeckstr. 48/49. Rlxdorf. Wulff, Kirchhofstr. 41. Schöneberg. Keue Kathausfale, Meininger Str. 8. rvmpvIbvL. Schneidereit, Berliner Str. 9. Vreptvvr-vsniitsvbaKSN�eg. Radrennbahn. HVUiwSi'sdvK'L. GeseUschastshaus, Wilhelmsaue 112. MeÄer-BsArsAiWA. rZrbn«!'. Degebrodts Gesellschaftshaus. rrtedrtabsbsgvn bei Conrad, Friedrichstr. 137. Hobvn-Svbönbaiise» bei Herschleb, Berliner Str. 93. UvbtSnbvi'g. Schwarzer Adler, Frankfurter Chaussee 5/6. Ober-Svbimv�vUlv. Mörners Slumengarten. Oranienburg. Waldhaus, Schützenstraße. Rnmmelsbnrg. Kelleuue, Hauptstraße 2. HVelLensee. Schloß Weißensee. Wilkelntsrnb. Kaulinenhof, Hauptstraße. Referenten: Die Genossen Mreedt.?2ul Zsrtkel. Ar. Alfred Sernsietn. Sohle. Sulian Sorchardi Lugen Srfickner. Julius Cohn. Ar. Oskar Cohn. Savidsohn. Sitkner. Süvuell Liehhorn. Smmel Lwald. Kendel. Theodor Tischer. Qehrmann. Geyer. Glocke. Grauer. Groger. Grunvuald. Kandke. Ar. Kerzfeld. Jul. Kildehrandt. Paul Kirsch. Adolf Koffmann. jäckel. Kaliski. Klofh. Küter. Sink. jYtüntner. Ratzel. Adolf Aitter. Ar. Kurt Kosenfeld. Sassenbach. Severins. Aob. Schmidt Schmit Kenn. Schulz. Schumann. Schütte. Siering. Ar. Südekum. Thwrow. Kans Weber. Klara Wegl. Znbeil Alle Freunde eines freien Wahlrechtes sind zum Erscheinen geladen. Für die Einberufer: Lugen Ernst, Wöhlertstraße 9. OewnttoJrtr. Redakiew:(Sri Mrmuth. Lerlm-Rixborf! Für dw LvsercdenteUveravtV. Druck u. Verlag: VorwärtSLuchj'rackerej u. Brrlaa»anstalt Paul Einger& Co,»ttlia SW. Nr. 62. 27. Jahrgang. 2. KcilM i>cs JokiiW Snllim Pilbildt. Dienstag. 15. Marz 1910. Hbgeordnetenhaua» SV. SltzUk�. Montag, den 14. März isio, vormittags 11 Uhr. Am Ministertische: v. Moltke. Zweite Lefung der Cdablmbtsvorlagc. (Dritter Tag.) § 12 trifft Bestimmungen über die Auslegung der Wählerlisten und die Dauer der Einspruchsfrist. Er wird debatielos angenommen. Z 13 behandelt die Auslegung der Abteilungslisten. Abg. Hoirecht(nall.) beantragt, daß die Auslegung der Ab- teilungSlisten nicht in Privaträumen erfolgen darf, falls in einem Stimnibezirl Geschäftsräume einer öffentlichen Behörde vorhanden sind. Dieser Antrag wird gegen die Stimmen der Nationalliberalcn, Volksparteiler. Polen und Sozialdemokraten abgelehnt und Z 13 unverändert angenommen. Z 13a, der die Verteilung der Wahlmänner auf die Abteilungen, und Z 14, der die Berufung der Wähler und die Festsetzung des Wahltages regelt, werden debattelos angenommen. Ebenso§ 1ö (Zusammensetzung des WahlvorftandeS) und K 16(Art der Wahl). § 16a bestimmt, dah die Wahlmänner aus der Zahl der stimm- berechtigten Wähler der ganzen Gemeinde ohne Rücksicht auf die Ab- teilung genommen werden können. Abg. Hobrccht(natl.) beantragt, den Kreis, au? dem die Wahl- männer genommen werden können, auf den ganzen Stadt- oder Landkreis zu erweitren. Abg. Frhr. v. Richthofe»(k.):§ ISa ist für uns von prinzipieller Bedeutung. Würde über die Bestimmung der Kommission hinaus- gegangen werden, so müßten wir uns überlegen, ob wir bei den vielen' Bedenken, die wir gegen das ganze Gesetz haben, überhaupt noch für das Gesetz stimmen könnten.(Sehr wahr! rechts; Zuruf links: Wie selbstlos.) Der Wahlmann muß der Vertrauensmann feines engeren Bezirks fein, und deshalb ist es schon ein großes Zugeständnis, wenn wir zulassen, daß er in Zukunft ans der ganzen Gemeinde genommen werden darf.(Bravo I rechts.) Abg. Dippc(natl.): Unser Antrag soll es ermöglichen, unabhängige Wahlmänner zu wählen. Die Kommissionssassung genügt uns nicht, weil damit für das platte Land so gut wie nichts ge- Wonnen wäre.(Sehr wahr l links.) Abg. Frhr. v. Zedlitz(frk.): Da die Mitarbeit der National- liberale» uns sehr wertvoll ist, so würden wir, wenn bei der Annahme des Antrages Hobrecht die Nationalliberalen bereit wären, der ganzen Vorlage zuzustimmen, mit uns reden lassen, daß vielleicht die'Wahl- männer noch aus dem nächstliegenden Bezirk entnommen werden können. Aber schließlich hat das Gewicht, das wir auf die Mit- «virkung der Nationalliberalen legen, auch feine sachlichen Grenzen. Im Osten sind die Kreise viel zu groß, als daß noch von einem persönlichen Vertrauen, einer persönlichen Bekanntschaft der Wähler des südlichen und nördlichen Teils eines Kreises zum Beispiel zu reden wäre. Auch wird durch den Antrag Hobrecht der Sozial- demolratie nur entgegcngekominen.(Bravo! rechts.) Abg. Ströbel(Soz.): Die Ausführungen des Freiherrn v. Zedlitz waren ja sehr inter- «staut; sie werden hoffentlich dem Zentrum beweisen, daß alle diese Vorschläge nur dazu dienen, das Einnisten der Sozialdemokratie zn verhindern, eZ ihr unmöglich zu machen, auf dem platten Lande die nötige Zahl von Wahlmännern aufzustellen. Deshalb sträuben sich auch die Konservativen so lebhaft dagegen, daß die Wahl- männer auf dem platten Lande statt auS dem llrwahlbezirk aus dem ganzen Wahlkreis genommen werden.(Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Der jetzige Zustand dient nur dazu, daß eine oppositionelle Partei die notige Anzahl von Wahlmännern nicht aufzubringen vermag. Daraus geht hervor, wie außer- ordentlich recht'ich hatte, daß die geheime Wahl auf dem platten Lande gar nichts nützt, solange nicht die nötige Zahl unabhängiger Wahlmänner aufgestellt»verde» kann.(Sehr richtig! bei den Sozial- deinokraten.) Die Schwierigkeiten sind außerordentlich groß. Es war ganz deplaciert, wenn Frhr. v. Richthofcn wieder voin sozial- demokratischen Terror sprach. Gerade der Terror auf dem Lande gegen Leute, die sich als oppositionelle Wahlmänner ausi stellen lassen würden, beweist, wie stark der konservative Terror ist.(Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten,) Wenn die Herren nicht selbst von der Intensität dieses konservativen Terrors überzeugt wären, dann würden sie gar kein so großes Gewicht auf diesen Plinkt legen; sie würden sagen: die Entnahme der Wahlmänner aus den Wahlbezirken ist ganz einerlei. Aber sie wollen, daß auf dem platten Lande auS jedem Urwahlbezirk die Wahlmänner selbst aufgestellt werden, weil sie wissen, daß das bei dem agrarischen Terror ganz unmöglich ist I Wenn daS Zentrum an diesem Punkt festhält, so macht es sich zum Mit- schuldigen dieses Terrors. Das Zentrum sorgt dafür, daß die Sozial demolratie auf dem Lande keilte Wahlmänner bekommt, daß daS ge< Heime Wahlrecht den fozialdeinokratischen Wählern triebt einen Pfifferling nützt.(Sehr richtig I bei den Sozialdeinokraten.l Selbst wenn aber die Wahlmänner dem ganzen Wahlbezirk, nicht nur dem Nrwahl- bezirk entnommen werden könnten, auch dann würde das ge- Heime Stimmrecht doch nicht von allen Wählern ausgeübt werden könne»», denn eö gibt zahlreiche Landkreise, die nur so kleine Städte enthalten, daß die Sozialdemokratie gar nicht die nötige Zahl von Wahlmänner»» ausbringen kann. Denn in jedem Wahlkreise sind hundcrle von Wahlinännern von jeder Partei aufz»lbringen, und der Sozialdemokratie kal»n es nicht»nöglich sein, auch we»»»» diese dem ganzen Bezirk entnommen werden können. weil so viel hunderte vollständig unabhängiger Existenzen in diesen Wahlkreisen nicht vor- Händen sind.(Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Immerhin erwarte ich, daß" das Zentrum mindestens für den„ationalliberalen Antrag eintreten wird und daß die Nationalliberalen in diesem Punkte wenigstens s e st bleiben, daß die Urivähler auS dem Stadt- oder Land» kreise, dem der Slinunbezirk angehört, genommen werden können. Frhr. v. NichtHofen meinte, daß die Sozialdemokratie Terror üben würde, wenn die Kumulierung eingeführt wird. Er hatte um so weniger Ursache, einen solchen Vorwlirf zu erheben, als auch ihm bekannt sein dürfte, daß gerade wir in der Ko in Mission in zweiter Lesung gegen die Rumulicrnng gestimmt haben, und zivar eben deshalb, Iveil, wenn die Majorität klein wäre, tvahrfcheinlich ein sehr lebhafter terroristischer Kamps um die Stimme dieses einen WahlnianneS eut- brennen würde I Wir wollen einen solchen Terror nicht, und des- halb wollen wir auch nicht daS System der Kumulierung. Wenn Frbr. v. Richthosen weiter erklärte, seine Partei habe doch sogar dafür gestimmt, daß in Berlin die Wahlinänner aus den, ganzen Wahlbezirk entnommen werden können, so ist das wieder ein echt konservatives„Entgegenkommen", ein»Entgegenkommen', das der Dcmokratte absolut nichts nützt. Denn hier in Berlin ist noch nie eine Partei in Verlegen- hcit geralen. die nötige Anzahl Wahlmänner aufzubringen. In Großstädten bedeutet diese angebliche Verbessernng überhaupt nichts. Notivcndig aber war eS, dafür zu sorge»», daß die Wahl- männer in de» ländlichen Bezirlen auö dem ganzen Wahlkreise ent- nomine»» iverden können. Auch das Zentrum steht nickt rnif dem Staudpunkt des Herrn v. Richthofei», daß der Wahlmann Vertrauens- mann des einzelnen Urwählers sein müsse. Er soll nur das l Zwischenglied sein, das auszuführen hat, Ivas die Urivähler ! wollen, und da kam» es diesen gleichgültig fein, ob der Waklmann � ihnen persönlich hekai»nt ist oder nicht, wen» der Wahlniann nur ihrer Partei angehört und so stinunt. wie sie wollen. DaS Zentruln niüßte also unbedingt für de», nationalliberalen Antrag eintreten. (Bravo I bei den Sozialdeinolraten.) Abg. Dr. Pachnicke(Fortschr. Vp.): Die Rechte hätte hier ein- »nal vom Wort zur Tat des EntgegenkomnienS übergehen können. Sie hat eS aber nichi getan, und auch das Zentrum versagt voll- komnien. Wenn die Mehrheit hier der Linken nicht entgegen- koinmt, dann»vird die Linke»Vissel», was sie zu tun hat, wenn es sich um die Zustinunung zun» ganzen Gesetz handelt.(Bravo I links.) Abg. Herold(Z.): Ursprünglich ist die Anregung, den Wahl- mann aus einem größeren alö dem Stimmbezirk zu nehmcn, vom Zentrum ausgegangen. Man kam» ja gewiß darüber verschiedener Meinung sein,»vie groß der Kreis schließlich gezogen iverden soll. Nach reiflicher Prüfung der Berbältnissc aber(Aha! links) sind»vir der Ansicht, daß der richtige Kreis die Gemeinde ist. Dort besteht ein gewisser LokalpatriotisniuS, und eS würde zu Unzufriedenheit führen, wenn der Wahlmann aus anderen Geineinden genoinmcn werden könnte.(Lachen links.) Unter Ablehnung des Antrags Hobrccht wird ß 16» in der Kommissionsfasiimg angenommen. K 17 setzt allgemein die Fristtoahl fest. Ein Diitrag AhrenS-Kl. Flöte(k.) will in den Ortschaften mit nicht»nehr als 6006 Einwohnern die Wahl i» gemeinschaftlicher Ver- saminlung zu bestimniler Stunde(T e r m i n s w a h l) statlfinden lassen. Ein Antrag Viereck(fk.) will dem Oberpräsidenten das Recht geben, die Terminswahl auf Antrag anzuordnen. Ein Antrag Dr. Bell(Z) will für Ortschaften bis 3060 Ein- wohner Terminswahl oder Fristwnhl zulasten. Abg. v. Bescher(k.): Die Fristwahl erschwert dem ländlichen Wähler die Ausübung seines Wahlrechts außerordentlich. Lei der Terminswahl aber kann die Stichwahl gleich nach der ersten Wahl vorgenomnicn werden, so daß der ländliche Wähler Zeit spart. Gegenwärtig besteht die Teriniitslvahl in Geineinden bis zu 60 000 Einwohnern. Unser Antrag stellt also ein weites Entgegen- kommen dar.(Lachen links.) Abg. Biereck(fk.): Gegen den Antrag Ahrens bestehen»nancherlei Bedenken. Diese fallen fort, wenn der Oberpräsident die Befugnis erhält, dort, wo die örtlichen Verhältnisse eS bedingen, die Termins- wähl auf Antrag zuzulassen. Abg. Hoff(Fortschr. Vp.): Die sogenannte Terminswahl ist eine der skandalösesten Einrichtungen deS ganzen preußischen Wahlgesetzes. (Sehr richtig! links.) Da werden sämtliche Wähler der 3 Klassen zn einer bestiinnitcn Stunde eingeladen; zuerst wählen die Wühler der 3. Abteilung, dann die der 2. usw. Wie in der Schule werden die Wähler der Reihe nach aufgerufen, dann dürfen sie an den Wahltisch herautrctcn und ihre Stimme abgeben. Würde man ein Preisausschreiben veranstalten, welche Bestimmung am meisten geeignet ist, das preußische Wahlrecht den Wählern zu verekeln und von seiner Ausübung abzuschrecken, so müßte der erste Preis unbedingt dem System der T e r mi ns wähl zufallen.(Sehr richttg l links.) Es inußte auf das peinlichste berühren, daß die Regierungsvorlage ohne die geringste Veranlassung die TcrminSwahl ausrecht erhielt. Die Fristwahl sollte überall obligatorisch gemacht werden. Jetzt, wo die Wahlmänner in geheimer Wahl gewählt werden, hat die Termmswahl noch weniger Sinn als früher. Die Stimmzettel sollten in Briefumschlägen abgegeben werden,»nan könirte eS ja dem schwarz-blauen Block überlassen, die Farben für die ein- zelnen Abteilungen zu bestiinmen, cntiveder schwarz-weiß-rot oder blau-weiß-rot.(Heiterkeit links.) Die Sache ist die, daß man da- nnt rechnet, die Wähler würden bei der Terminswahl überhaupt nicht koinmei». Wir haben aber die sittliche Pflicht, diesen Zustand nicht weiter bestehen zu lasten. Der Antrag des Zentrums»väre bloß ein neuer Gumiitiparagraph.(Sehr richtig I links.) Früher ist das Zentnim immer für die Fristwahl eingetreten. Nun»st cö mit einem Male wieder uingefallen I Ich verstehe nicht, wie sich daS Zcntruin nach diesem neuen unerhörten Umfall, der das Wahlrecht »veiter ungeheuerlich verschlechtert, noch als eine Partei für Wahrheit, Freiheit und Recht bezeichnen kann.(Lebhafter Beifall lmkS.) Abg. Gottschalk(iiatl.) schließt sich dein Vorredner an. Geh. Rat v. Falkcnhayn: Die Regierung ist mit der Tendenz der konservativen Anträge und des ZcutrumSantrageS einverstanden. Abg. Leinert(Soz.): Nachdem man die geheime Wahl durch die Vcrquickimg mit der indirekten Wahl schon gänzlich»vertloS gemacht hat, schlägt man sie durch die Wiedereinführung der Terminswahl geradezu tot.(Sehr richtig I links.) Die Wähler der dritten Klaffe sollen uliter der Auf- ficht der ersten und ziveiten Klaffe wählen? Damit verewigt man den Terrorismus der konservativen Landjunker.(Sehr richtig I linlS. Lärm rechts.) Es hat mich gewundert, daß unter den Unterzeichnern des Zentrumsantrages sich auch der Abg. GieSbertS befindet. Herr GiesbertS ist in der ZentrumSparrei insofern ein enkant tsmbla, als er bisher iinmer ein Verteidiger der Landarbeiter- interessen war. Aus einem Katholikentag hat er sogar einmal er« klärt, daß die Arbeiter in einer Kommisston eineS solchen Katholiken- tages nicht wie Menschen behandelt würden, sondern daß man mit Unwabrbeiten gegen die Arbeiter vorgehe!(Hört l hört! linkS.) In der»Westdeutschcli Arbeiterzeitung" hat der Abg. GieSbertS schon sehr häufig in drastischer Weise zum Ausdruck gebracht, daß die Landarbeiter von dem TerrorisinriS der GntLbesitzer»ind GulS- inspektoren befreit iverden miißtei». Durch diesen Antrag aber liefert er die Arbeiter den» TerroriSinuS in der unverschämtesten Weise»vicder auS.(Sehr richtig! links. Unruhe im Zentrum.) Herr GieSbertS hat eimnal gesagt, man müsse sich schämen, ein Preuße zu sein. Das ist vollständig richtig.(Lärm rechts.) Aber man inuß sich auch schäinen. daß hier im preußischen Abgeordneten- hause das höchste Recht des Staatsbürgers mit solch teuflischen Kniffen illusorisch gemacht wird.(Länn rechts.) Vizepräsident Dr. Krause: Ich bitte Sie, sich in Ihren Ausdrücken zu mäßige». Wg. Leinert: Wie wird denn auf dein Lande geivählt? ES kommt vor, daß Gesinde- und Gutsvorsteher, wenn die Terminswahl auf 16 Uhr festgesetzt»st, noch am Tage vorher durch OrtSschelle bekannt machen lasten, daß uichl um 16, sondern um 8 Uhr geivählt wird! (Hört! hört! links.) Natürlich erfahren daS nicht alle Wähler, und das ist ja auch der Zlvcck der llebung. Man Null die Wahl von sozialdemokratischen Wahlmännern verhindern. Ja. man ändert in letzter Stunde die Wahlbezirke eines Ortes noch so ab, daß der sozialdemokratische Wahlniann nicht»nehr zu dem Bezirk gehört, in dem er gewählt»verde» sollte I Diesen unerhörten Wahl- beeinflnssiingen wird durch die Terminswahl Tür und Tor geöffnet. (Sehr rilbtig I links.) Man Ivill durch die Terminswahl die Wähler in eine Art preußische Fürsorgeerziehung nehmen.(Sehr gut l links.) In einer Orlichaft meines Wahlkreises hat der GlitSbesitzer sämtliche Landarbeiter antreten lassen. Als das Wahlgeickäft be- gann, begab sich der Rittergutsbesitzer in daS Wahllokal, und als er sah. daß eine ganze Reihe von Arbeitern nicht zur Wahl an- getreten waren, schickte er den Gutsinspektor, der in der zweite», Klasse »vählte, zum GutShof mit der Weisung: Holen Sie die Arbeiter, eö ist dock notwendig, daß sie wählen!(Lebhaftes Hörtl hört! links.) Als die Arbeiter iamen, stellte sich der Gnisbesitzer vor den Wahltisch und sagte: „Nim wählt!" (Hört! hört! links.) Diesen Zustand will die Mehrheit deS Ab- geordnetenhauses verewigen.(Zuruf rechts: Irrenhaus!) Wem, Sie diese Bezeichnung auf dieses Haus anwenden, s» habe ich nichts dagegen.(Lärm rechts.) Sie wollen ja die Landarbeiter überhaupt nicht bei der Wahl haben! Mit der Terminswahl will die Rechte auch die Agitation mög» lichst einschränken.(Sehr richtig! links.) Die Konservativen wollen keine Ausklärung der Wähler. Für sie genügt eS, wenn der Guts« inspektor oder der Landrat seine Meinung sagt und wenn dann das Wahlvich z»lr Urne geschafft ist. Gegen solche Anträge, die die geheime Wahl illusorisch machen, erheben wir im Interesse deS Volkes Protest. Herr v. Falkenhayn»neinte, man würde den Wählen» auf dem Lande mit der Fristivahl keine Freude machen. Er hat keine Ahnung von den Verhältnissen auf dem Laude.(Oho k rechts.) Nicht einen Schimmer von Ahnung l(Erneuter Widerspruch rechtS. Zustimmung links.) Legen Sie uns' den ersten Gutsarbeiter, der gegen die Fristwahl ist, hier auf den Tisch deSHanseS nieder!(Zuruf rechts: Jawohl! ja- wohl!) Es ist ja möglich, daß Sie die Arbeiter nach allen Richtungen so dressieren, daß sie sich gegen die Fristwahl erklären, aber bringen Sie uns den Arbeiter, der b e'w ußtcrmaßen gegen die Fristwahl ist. Es soll auch hier eine echt preußische Eigenart zur Befestigung der konservativen Wahlen erhalten werden. Mit solchen Bestimmungen verekeln Sie den Wählern auf dem Lande das Wählen. Wir»vollen die geheune Wahl und einen Schutz der geheimen Wahl. Diese Anträge aber liegen iin Jittereffe des ostelbischen und westelbischen Gutsbesitzes, die sich nur dadurch unterscheiden, daß in Ostelbic» der Gutsvorsteher, in Westelbicn aber der Kaplan an der Spitze steht. (Bravo I bei den Sozialdemolraten.) Vizepräsident Dr. Krause: Ich werde da? stenographische Protokoll der Rede des Abg. Leinert abwarten und dam» aus eine seiner Aeußerungen zurück« koinmen.(Beifall rechts und im Zentrum.) Abg. Herold(Z.) verteidigt den ZentnimSantrag. Unter ge« wissen Umstände»» liegen die Terminswahlen ün Interesse der Wähler, namentlich ans dem Lande. Ein Schluftantrag wird angei?oi»»n»:n. Persönlich bemerkt Abg. GiesbertS(Z.): Ich muß eS»nir verbitten, daß der Abg, Leinert auS einer Aeußenmg von mir den Schluß zieht, als ob ich und meine Partei in einem feindlichen Gegensatz zu den Landarbeitern stände. Abg. Leinert: Ich habe den Katholikentag nicht in einen Gegen» sab zu den Landarbeitern, sondern zu den Arbeitern überhaupt gestellt, und Herr Gissberts mutz es mir überlassen, welche Schlüsse aus seinen Aeußerilngcn ich für gut befinde.(Bravo l bei den Sozial» dcmokraten. Lachen im Zentrum.) Vizepräsident Dr. Krause: Von der rechten Seite soll während der Rede des Abg. Leinert gerufen worden sein:„ I r re n h c» u S". Ich iveiß nicht.' tocr das gerufen hat und ob sich der Ausdruck aus den Abg. Leinert bezogen hat. Sonst würde ich das gerügt haben. Der Abg. Leinert hat auf den Ztiruf erividert:.Wenn dieser Ausdruck.Irrenhaus" eine Bc- zeichiurng dieses Hauses sein soll, da haben Sie ganz recht." Wegen dieser Beleidigung rufe ich den Abg. Leinert zur Ordnimg.(Beifall rechts.) ES folgt die Llbstimmung. Absatz 1 der Kommissionsfassung(TermiiiSivahl nebei» Fristwahl) wird mit allen gegen die Stimmen der Polen und Sozialdeinokralcn angenomtnen. Der Antrag Viereck(Befugnis der Oberpräsidenten zur An» ordnung der Terminswahl)»vird gegen die Freikonservativen, der Antrag Ahrens(obligatorische Terminswahl in Orten unter 6666 Einwohnern) gegen die Konservativen abgelehnt. Der Antrag Bell(Z.)(obligatorische Terminswahl in Orte» bis zu 3666 Seelen) wird gegen die Linke angenommen. Der A-ltrag Viereck auf Wiederherstellung des Abs. L der Regierungsvorlage(Teilung von Abteilungen mit 666 und mehr Wählern»n Abstlin>nungsgr»»ppen) wird gegen die Polen und die Sozialdeinokralen angenommen. Schließlich tvird der ganze 8 17 mit diesen Senderungen gegen die gesamte Linke gcnehinigt. Ohne Debatte»verde»» die tzZ 17s, 17b, 18 und 19 angenommen. § 20 lautet in der KoinmiisionSfassung: „Der Tag der Wahl der Abgeordneten wird vom Minister deS Innern festgesetzt." In der Regierungsvorlage hchandelte§ 26 die Ermittelung des Wahlergebnisses für den Wahlbezirk. AlS dritter Absatz war be» stimmt: .Der Zutritt zu dem Räume, in dem die Ermittelung des Wahl» ergcbniffes stallfindet, steht jedem Wähler des Wahlbezirks offen." Diese Bestimmung ist von der Kommission gestrichen worden, während die übrigen Bestimmungen des ß 26 eine andere Fassung im 8 21 der Kommissionsvorlage gefunden haben. Abg. Leinert(Soz.): Sie haben die Bestimmung gestrichen, daß die Ermittelung be» Wahlergebnisses öffentlich stattfinden soll. War nicht JhreAbsicht. so haben Sie den Sinn deS Gesetzes in sein Gegenteil verkehrt. War eS nicht Ihre Absicht, handelte eS sich nur um ein Ber« sehen, so ist das ein Beweis dafür, daß der schwarz-blaue Block mit einer Liederlichkeit arbeitet, die keine Grenzen hat.(Lebhafte Zustimmung links.) Vizepräsident Dr. Krause: Wegen dieser Aeußcrung rufe ich Sie zur Ordnung!(Beifall rechts und im Zentruni.) 8 26 wird in der KommisfionSfaffung angenommen, so baß e» bei der Streichung des dritten Absatzes des§ 26 bleibt. Abg. Viereck(fk.) beantragt, einen§ 26c» einzuschalten, wonach der Minister des Innern befugt sein soll, anzuordnen, daß in Wahl- bezirken mit 566 oder mehr Wahlinännern die Wahl der Ab» geordneten in Gruppen der Wahlmänner oder in der Form der Frist» ivahl vorgenommen»vird. Der Antrag wird nach unwesentlicher Debatte angenommen. Bei 8 21(Oeffcntlichkeit der Abgeordnetenivahl) liegt ein frei» sinniger Antrag Aronsohn vor, der für die Wahl der Abgeordneten geheime Stimmabgabe fordert. Abg. Dr. v. Campe(natl.): Wir werden mit wenigen AuS- nahmen für den Niitrag stimmen. Wir sind davon überzeugt, daß die volle Durchführung des geheimen Wahlrechts bei der indirekten Wahl nicht»nöglich»st; wenn aber die direkte Wahl nicht zu er- reichen ist. so soll die geheime Wahl wenigstens so weit als möglich durchgeführt iverden. Abg. Kopsch(Fortschr. Vp.): Der Abg. v.Hcydebrand hat neulich erklärt, daß seine Fmuide durch ihren Antrag für die öffentliche Wahl feststellen ivolltci», ob in diesein Hause noch eine Mehrheit dafür vorhanden ist. Die geheime Wahl ist aber vorläufig nur für die bedeutungslosere Hälfte der ganzen Wahl durchgeführt. DaS HauS wünscht die gehciine Wahl ü ber h a up t. Die Wahlinänner werden auf dem Lande den Beamten entnommen! Ich habe selbst erlebt, wie bei einer Wahl ein Weber, der sich als Wahlmaiin hatte aufslclle» lassen, von seine»» Fabrikherr», herauSgcniscn und damit bedroht wurde, das» er entlasse» würde, wenn er freisinnig stimmte! Der Mann ist»nit tränendcin Auge zu mir gekoinmen.(Gelächter rechts.) Ihr Lachen bsiveist, daß Sie für die Empfmdiingen dieser Leute kein Herz und kein Verständnis haben. Abg. GieSbertS(Z.): Die Wahlmänner»nässen öffentlich wähle»», damit die Wähler kontrollieren können, ob sie den Willen ihrer Auftraggeber bei der Abg-ordnetenwahl ausführen. DaS ist durch» aus demokratisch. Schon in der Kommission und fortwährend hier !m Hause wird uns von der Linsen und bon den Sozialdemokraten ankzedroht, dag man unseren Wählern ein Licht über unsere Haltung aufstecken werde. Nun wir fürchten daS nicht. Unsere Wählerschaft ist politisch so gut geiilmlt, das zeigt sich bei allen Nachwahlen, dasi sie den grone» Fortschritt in diesem Gesetz anerkennt und unsere Haltung billigt.(Lachen links; lautes Bravo 1 im Zeutnun und rechtS.) Abg. Ströbel(S03.): Wir treten für die geheime Abstimmung der Wablmanner ein. Wir hm das, obwohl uns in den groszen Städten die öffentliche Ab- stimmung gar nicht einmal so unangenehm zu sein braucht, denn in den großen Städten hätte die Sozialdemokratie die Möglichkeit, einen Einfluh auf die bürgerlichen Wahlmänner auszuüben. Wir sind aber gegen jeden Terror: gegen den Terror von unten und gegen den Terror von oben.(Aha!- Rufe im Zentrum.) Die � von den freisinnigen und nationalliberale» Rednern vorgetragenen Fälle beweise», in welch skandalöser Weise die Konservativen auf dem Lande die Wähler terrorisieren. Welchen Zweck hat die öffentliche Wahl denn auch weiter als den, diesen Terror ausüben zu können? Die Kon- servativen wollen eben auf dem Lande die Wahlmänner unter ihrer Fuchtel behalten.(Sehr richtig! links.) Nun sagt da? Zentrum, die Wähler müssen die Möglichkeit haben, die Abstimmung der Wahl- männer zu kontrollieren. Das Zentrum brauchte bei der Auswahl der Wahlmänner nur vorsichtig zu sein, und diese Kontrolle ist überflüssig. (Sehr richtig I links.) Man braucht ja nicht den ersten besten als Wahlmann aufzustellen, von dem man befürchtet, daß er nachher nicht im Sinne der Urwähler stimmt. Wir trauen unS zn, solche Wahlmänner zu finden, die nachher nicht konservativ oder ultra- montan wählen. Was wir uns zutrauen, sollten Sie sich doch auch zutrauen I(Sehr richtig I links.) Eben erst hat Herr GieSbertS von der politischen Schulung der Zentrumswähler gesprochen. Da brauchen Sie doch erst recht nichts zu befürchte». Auf den wahren Zweck der öffentlichen Stimmabgabe der Wahl- männer hat die„Krenz-Zeitung" kürzlich hingewiesen. Sie hat gesagt, bei der öffentlichen Wahl würden ungesunde Wahlbündnisie verhütet werden.(Hört! hört! links.) Sie hat dann ausgeführt, dah bei öffentlichen mdireklen Wahlen, in Baden zum Beispiel, das Bündnis zwischen Nationalliberalen und Sozialdemokraten nicht möglich ge- tvesen sein würde. Man sieht, das Zentrum ist auch hier weiter nichts als der Handlanger für konservative reaktionäre Bestimmungen. (Sehr richtig I links.) DaS Zentrum hat ja bei den letzten Landtags- wählen in einzelnen Kreisen auch seinerseits Wahlbündnisse mit der Sozialdemokratie abgeschlossen. Nach dem Verhalten des Zentrums bei der Wahlrcchtsvvrlage wird es zu einer Erneuerung dieser Bündnisse wohl nicht wieder kommen.(Sehr richtig! links.) Herr GieSbertS hat gesagt, dast auf unserem Parteitage ja auch öffentlich abgestimmt wird. Ich habe bisher noch nicht gewustt, dajz ein Wahlmännerkollegium zu vergleichen wäre mit einem Partei« tage. Wenn Herr GieSbertS konsequent wäre, mühte er sagen, daß ja auch hier im Abgcordnetenhause öffentlich abgestimmt wird und deshalb auch die Wähler öffentlich wählen müssen.(Sehr richtig! links.) Dann hat Herr GieSbertS behauptet, c-S wäre eine maßlose Uebertreibung, wenn man erklärte, daß nach der Einführung der in- direkten Wahl die geheime Wahl nichts mehr wert sei. Wir stützen uns darauf, daß es auf dem Lande bei der öffentlichen Abstimmung der Wahlmänner den oppositionellen Parteien nicht möglich sein wird, die nötige Zahl von Wahlmännern aufzubringen.(Sehr richtig! links.)— Herr Giesberts sagt, die Ausstellung al-Z Wahl- maim einer oppositionellen Partei an sich rufe schon den Terror hervor und es sei daher ganz gleichgültig, ob nachher geheim oder öffentlich abgestimmt wird. Damit gibt ja Herr GieSbertS selbst zu, was wir von der indirekten Wahl behaupten: daß ihre Werkoppelimg mit der geheimen Wahl diese vollkommen wertlos machel (Sehr richtig! linls.) Ich hätte nur gewünscht, daß Herr GieSbertS einmal den Versammlungen beigewohnt hätte, die wir in Zentrumskreisen abgehalten haben. Aber da waren freilich die Zentrumsführer eifrig bemüht, ihre Wähler von den Versammlungen fernzuhalten!(Hört! hört! links.) Die Wähler sollen eben die Wahrheit nicht erfahren. (Widerspruch im Zentrum.) Wenn Sie(zum Zentrum) bei der Wahlrechiövorlage dies alles ungestraft glauben tun zu dürfen, so liegr das eben daran, daß Sic in Ihren Versammlungen keine Redefreiheit gewähren oder höchstens nur 10 Minuten.(Zuruf im Zentrum: Ist nicht wahr!) Das könnte ich Ihnen nachweisen! D«s Zentrum hat das gleiche Wahlrecht preisgegeben, das direkte Wahlrecht, die Fristwahl, und wenn es jetzt auch noch die geheime Abstimmung der Wahlmänner preisgibt, dann wird man es mit Recht im Lande als den Judas unter drn Parteien bezeichnen. (Lebhaftes Bravo I bei den Sozialdemokraten. Lärm im Zentrum.) Abg. Malkewik(!.); Wenn die Sozialdemokratie hier sich rühmt. daß ibr das öffentliche Wahlrecht nütze, warum erzählt sie im Lande. dieses Wahlrecht entrechte die Arbeiter? Das ist doch ein unüber- brückbarcr Widerspruch. Trotz der ernsten Worte der Herren v. Hehdebrand und v. Pappen- heim hat Herr Kopsch wieder mit dem Märchen von einem konscrva- tiven Schcinmanöver gekrebst, weil wir hier einen Antrag auf öffent- liche Wahl stellen. Will er da» in, Lande weiter tun, nun. dann redet er eben zu politischen Kindern, die sich für Märchen interessieren. Herr Kopsch stellt eS so hin. als ernenne der Landrat die Wahl- männer Nächstens wird es wohl noch heißen: der Gendarm. (Zurus links: Der hilft dabei! Große Heiterkeit.) Herr Kopsch macht dem Zentrum und uns beleidigende Vorwürfe wegen unseres HusanunenivirkenS. Was würde er sagen, wollten wir ihm vor- werfen, die Haltung seiner Freunde sei erzwungen durch die Angst vor der Sozialdemokratie.(Sehr gut! recht?.) Nur unsere Grund- fätze führen uns zn unserer Stellungnahme.(Abg. Borginann [Soz.): Schöne Grundsätze I) Wir kümmern uns nicht um Ihre Grundsätze, lassen Sie die unseren unbckriitelt.(Bravo! rechts.) Abg. GieSbertS(Z.): Herr Ströbel hat gesagt, wir gewährten in unseren Versaminluagen keine Redefreiheit. Das ist nicht richtig, wir fürchten tinS vor Auseinandersetzungen mit den Sozialdemo- kraten nicht. Aber was wir nicht wollen, da« ist, daß die Sozial- demokraten unsere Versammlungen zu DiSkusstonLabendcn ihrer Bestrebungen machen.(Sehr richtig I im Zentrum.) Ich habe mich mit Sozialdemokraten in Essen über die ReichSfinanzreform aus- einandcrgesetzt und dabei gesehen, wie schwach die Argumente der Sozialdemokraten waren.(Sachen b.d. Soz.) Wenn die Sozialdemokraten wie Herr Ströbel in der Kommission iagte, bei unseren Wählern mit unS umspringen wollen, so handeln sie nach dem Worte des früheren Bergarbeiterführers Möller:„Man muß die Führer vor den Bauch treten und die Mafien streicheln". Wir nehmen den Kampf auf.(Bravo I im Zentrum.) Abg. Kopsch(Fortschr. Vp.): AIS Herr Malkewitz den konservativen Terror leugnete, haben ihm seine Freunde verständnisvoll zugelächelt. DaS ivar ein Augnrenlachen.(Großes Gelächter rechts.) Die Rechte will die geheime Abgeordnetenwahl nickt, weil sie dann keine Wahl« männer mehr kontrollieren kann. Möglich, daß hier und da nicht der Landrat die Wahlmänner ernennt, dann macht eS eben der Herr Kreis iekretär.(Bravo l links. Gelächter rechts.) Abg. v. Woyna(fk.): Der Landrat hat mit der Aufstellung der Wahlmänner nichts zu schaffen. Die macht sich ganz von selbst, dafür sorgen die großen Parteien selber. Herr Kopsch hat die Nationalliberalen für die Opposition mit Beschlag belegt. Die Nationalliberalen sind, wenigstens in Haimover, noch eine durchaus regierungsfähige Partei. (Stürmische Heiterkeit.) Wir habe» dort mit ihnen bis jetzt Gott sei Dank, Schulter an Schulter gestanden, und wir würden c» sehr bedauern, wenn das nicht weiter so sein sollte.(Zuruf bei den Nationalliberalen: Hahn! Hahn l Heiterkeit.) Die Nationalliberalen sollten nicht vergcfien, daß ein großer Teil ihrer Freunde in Hannover mit uns in der Frage deS öffentlichen Wahlrechts zusammengeht. Die Haltung der Nationalliberalen macht den Eindruck, ich möchte sagen, beinahe der Verzweif- lung!(Große Heiterkeit bei den Nationallibsralen.) E» ist sehr traurig, daß eS dahin gekommen ist. ES ist die höchste Zeit, daß gegenüber dem Ansturm von links all» bürgerlichen Parteien zu» famittensiehen. ES handelt sich hier hm eine» Ansturm von links auf Preußen, nicht um eine Parteifrage.(Zuruf: LiebeSwerben?) Ich hoffe, daß bis zur dritten Lestiug sich die Gegensätze zwischen den bürgerlichen Parteien gemildert haben werden und daß in der dritten Lesung etwas zustandekommt, was wenigstens auf eine Reihe von Jahren dem Ansturm von links widersteht. Ich hoffe, daß die dritte Lesung eine Einigung der Parteien bei diesem VcrfassungS- werk bringen wird, die auch einen gewissen Eindruck aus das Land macht.(Beifall rechts. Lachen links.) Ein Schlutzantrag wird angenommen. Mg. Ströbel(persönlich): Ich habe in der Kommission nur davon gesprochen, daß wir mit den Zentrumsführern umspringen würden, nicht aber, daß wir sie vor den Bauch treten wollen. Wer mich kennt, weiß, daß ich kein solcher Tierquäler bin.(Stürmische Heiterkeit.) Ich habe gesagt, daß wir die Zentrumswähler über die Haltung ihrer Führer aufklären würden; sie werden Sie dann nicht vor den Banch treten, aber hoffentlich in einen anderen bekannten Körperteil. (Heiterkeit.) Der Antrag Aronsohn wird gegen die Stimmen der Volks- Partei, der Polen und der Sozialdemokraten abgelehnt und§ 2lb gegen dieselbe Minderheit in der KommisstonSfassung angenommen. Der Nest der Vorlage wird debatteloS genehmigt. Ein Antrag Aronsohn(Fortschr. Vp.) fordert Einfügung eines neuen Artikels 5 zur Sicherung der geheimen Wahl. Er verlangt: „Der Tisch, an welchen: der Wahlvorstand bei der Wahl der Wahlmänner Platz nimmt, ist so anfzustellen. daß er von allen Seiten zugänglich ist. Auf diesem Tisch wird die vom Staat kostenfrei zu lieferude Wahlurne zum Hineinlegen der Stimmzettel gestellt. Vor dem Beginn der Absttmiilnng hat sich der Wahlvorstand davon zu überzeugen, daß die Wahlurne leer ist. Die Stimmzettel müssen bon weißem Papier und dürfen mit keinem Kennzeichen ver- sehen sein: sie sollen V zu 12 Zentimeter groß und von mittel« starkem Schreibpapier sein und sind von dem Wähler in einein mit amt- lichem Spempcl versebenen Umschlag, der sonst kein Kennzeichen haben darf, abzugeben. Die Umschläge sollen 12 zu 15 Zentimeter groß und ans undurchsichtigem Papier hergestellt sein; sie stnd in der erforderlichen Zahl bereit zu halten. Es ist entweder durch Bereithaltung eines oder mehrerer Nebenräume, die nur durch das Wahllokal betretbar und unmittelbar mit ihm verbunden find, oder durch Vorrichtlingen au einer oder mehreren von dem Vorstandstische getrennten Neben- tischen Vorsorge dafür zu treffen, daß der Wähler seinen Stimm- zettel unbeachtet in den Umschlag zu legen vermag." Abg. Dr. Pachnickr(Fortschr Vp.) begründet den Antrag. DaS Zentrum hat alle seine Wahlrechtswünsche verleugnet. Angeblich weil eS nur so seine Hauptforderung, die Geheimhaltung der Wahl, erreichen konnte. Dann muß ihm nnser Antrag doch besonders sympathisch sein! Die Beschaffung einer Wahlweise, wie wir sie fordern, macht dem Mißbrauch ein Ende, der heute mit den Zigarren kisteu, Hutschachteln usw. gelrieben wird. Auch unserer Forderung wegen der Stimmzettel, der WahlkuvertS und der übrigen Maßnahmen für Sicherung dos Wahlgeheimnisses muß jeder beipflichten, dem es mit der geheimen Wahl Ernst ist. Wollte die Rechte sich dagegen auf lehnen, so nimmt sie ihrem geringem Zugeständnis noch den letzten Rest des Wertes. Die Regierung wird schon zustimmen, Herr v. Beth- mann zeigt ja schon durch seine Abwesenheit, daß er auf die Leitung der Geschäfte verzichtet! Die heulige Regierung will nicht selbst führen, sonder» sich von den Parteien führen lassen— von denen, die zum schwarz-blanen Block gehören! Nehmen Sie unseren Antrag an, so nimmt ihn auch die Regierung an. Im Notfalle sollte das Haus wenigstens eine Resolution gleichen Inhalts annehmen, wenn auch Resolutionen nicht viel Wert haben. Abg. Frhr. v. Richthofcu(k.) beantragt Ablehnung des Antrages. ie wenig die Wahlzelle sich bisher eingebürgert hat, beweist, daß in meinem Kreise ein Wähler den Wahlzettel in den eisernen Ofen stecken wollte, der darin stand. Ein anderer kam aus der Zelle über- Haupt nicht wieder heraus.(Heiterkeit. Zuruf d. Soz.: Das ist Ihre VolkSerzielnmg 1) Hoffentlich wird unser Schulunterricht sich so ver- vollkoinmnen, daß die Zahl solcher Leute sich künftig verringert. Dann werden vielleicht auch die Sozialdemokraten gebildeter sein, und wir werden mit ihnen dann vielleicht sogar arbeiten können. (Beifall recht?. Abg. Borgmann(Soz.) ruft: Freiherrliche Einbildung I) Abg. Dr. Liebknecht(Soz.): Herr v. Richthofen und seine Freunde sprechet: vergeblich viel, um ihren Aerger über den Vorgang vom vorigen Freitag zu ver- bergen.(Lachen rechts.) Daraus spricht nur die ohnmächtige Wut. ES wird Ihnen nicht gelinge», das Land darüber zu täuschen. Wenn das Zentrum behauptet, cö hätte sich nur für eine Reso- lution ausgesprochen, damit möglichst schnell positive Arbeit zustande kommt, so meinen wir, daß das Zentrum hier im ganzen eine positive Arbeit zustande gebracht hat, von der die weitesten Kreise im Lande wünschten, daß sie nicht zustande gebracht worden iväre. ES kommt darauf an, welche positive Arbeit geleistet wird.(Sehr richtig! linls.) Positive Arbeit leistet hier die Rechte zum Schaden des Volkes, leisten draußen im Lande die Gendannen, die auf die Menge einbauen. Aber solche„positive Arbeit" paßt dem Volke nicht.(Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Herr GieSbertS sprach von den Verbesserungen dieses Gesetzes! Solche wird man wohl nur mit einem Mikroskop ausfindig machen könne», eS müßte aber ein Wundermikroskop sein, denn ernsthafte Verbessermigei: liegen überhaupt nicht vor.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) ES ist noch nicht einmal ein Linsen- gericht, sondern nichts anderes als eine breite Bcttelsuppe, was die Herren vom Zentrum gewähren. Wenn das Zentrum den freisinnigen Antrag in: Stich läßt, so geschieht das, weil die Konservatinen nicht für diesen Antrag zu haben waren.(Sehr richtig! bei den Sozial- demokraten.) Hier haben wir den Angelpunkt der ganzen Taktik de? Zentrums, denn sonst müßte da? Zentrum im Interesse seiner Popularität für den freisinnigen Antrag eintreten. Aber daS Zentrum ist fest eutschlofien, nichts zu tun, was nicht die Zustimmung der Rechten fludet.(Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Die Aufregung tm Lande über das preußische Wahlrecht erklärt sich daraus, daß man die herrschenden Parteien,»nSbesondere die konservative und frei- konservative, nicht mehr dulden will in ihrer gegenwärtigen Machtstellung, die durchaus nicht der sozialen Bedeutung dieser Klassen entspricht. (Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Denn jede Wahlreform muß sich unbedingt gegen die Konservativen richtet«.(Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Es ist ein Nonsens, eine Wahlreform mit den Konservativen inachen zu wollen, die durch sie depofiediert werden sollen.(Heiterkeit rechts.) Es heißt Sand in die Augen streuen, wenn das Zentrun: so tut, al« Ivem, eS ernstlich eine Wahlreform verlangt, während eS tatsächlich seine Machtstellung nun auch in Preußen etablieren will.(Sehr richtig I bei den Sozial- demokraten.) Bezeichnenderweise ist heute der Kampf zwischen Konservativen nnd Nationalliveralen versinmmt! Vielleicht haben schon die Verhandlungen begonnen, die zwischen der zweiten und dritte» Lesung in Aussicht gestellt waren. Man muß besorgen, daß die Geneigtheit zn einem Urnfall bei der im Umfallen ziemlich geübten Partei der Nationallibero.lcn schon wieder vor- banden ist.(Sehr gut!) Sonst iverden die Konservativen die Wahl- reform ohne die Nationalliberalen machen, weil sie eben in: Z e n- trum eine Partei für sich haben, die mit einem gewissen Recht sich als Vertreterin der breiten Mafien bezeichnen kann(Aha! im Zentrum), wenn es auch die Jnterefie» des Volkes nicht vertritt(Sehr richtig! Lei den Sozialdemokraten), wenn auch die Interessen des Volkes, besonders in diesem Falle, verrate» werden.(Lachen im Zentrum.) DaS Zentrum allein ermöglicht diese Wahlreform. die eine Wahlrechts- verichlechtcruna. ein VollSverrat, ist.(Sehr wahr I bei den Sozial- demokratm.) Das schlechte Gewifien deS Zentrums ergibt sich schon daraus, wie es bereits beim Beginn der diesjährigen EtatSberatimg, all es vrrmntlich schon dm Dolus für den gegenwärtig verübten Verrat befaß.(Lachen im Zeutrmn und rechts) zum Erstaunen der ganzen Welt plötzlich eilten gar nicht existierenden Kulturkampf in grausigen Farben an die Wand zu malen begann. (Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Wir werden aber diese Taktik, das Wafier trübe zu machen, durchkreuzen. Warum hat das Zentrum als Volkspartei, ehe es so gröblich gegen sein eigenes Programm verstieß, sich nicht die Zustimmung seiner Wähler geholt? So wäre jede Volkspartei verfahren, sie würde nicht ihr Programm mit Füßen treten, wie. Sie es tun, sondern vorher wenigstens... Vizepräsident Dr. Porfch: Sie dürfen einer großen Partei des Hauses nicht vorwerfen, daß sie ihr Programm mit Füßen tritt. Mg. Tr. Liebknecht(fortfahrend): Sie(zum Zentrum) hätten einen gewaltige» VolkKsiurm cnt- fache» können und mit der Sozialdemokratie—(Lachen rechts und im Zentrum.)— Die Mandaten haben Sie von uns gern genommenk (Lachen im Zentrum.) Tun Sic, bitte,'mal nicht fo! Es ist Ihnen natürlrch unangenehm, daran erinnert zu werden, nachdem Sie in eine so aristokratische Nähe gerückt sind.(Heiterkeit links.) Wer der gute Geruch der sozialdemokratischen Waffenbrüderschaft wird Ihnen immer anhaften. Wenn Sie heute über Straßendemonstrationcn schreien, so ist die Sozialdemokratie ja nicht die erste große poli« tische Partei, die Straßendcmonstrationcn gemacht hat.(Wider- spruch,) Wie war es in den Zeiten des Kulturkampfes? Würde das Zentrum mit uns mit aller Begeisterung in de« Kampf um das Reichstagswahlrccht cinireten, dann müßte die preußische Rc- gierung und das Junkerregimeut einem solchen Ansturm erliegen. (Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Und doch ist der Herr- gott selbst ja sozialdemokratisch geworden! DaS dürfte Ihnen vielleicht das wunderschöne Wetter beweisen, das wir zu den großen Demonstrationen in Deutschland gehabt haben.(Heiterkeit im Zentrum.) Die Stimmung, die drauzen im Volke sich immer lebendiger zeigt, ist einer weiteren Steigerung fähig, sie ist kein Strohfeuer! Bilden Sie sich nicht ein, daß die Gefahr vermieden ist, wenn Sie jetzt Ihre Beute recht schnell unter Dach und Fach bringen. Sie Häven heute gezeigt, daß Sie mit dem Lachen sehr rasch bei der Hand sind, Sie sind heute sehr vergnügt und zuver- sichtlich. Es wird darauf ankommen, wer zuletzt lacht! Und wir sind uns noch lange nicht darüber klar, daß Sie zuletzt lachen werden! Auch die Herren, die sich hinter Kanonen und Flinten verkriechen, werden nicht immer die Herren in Preußen bleiben. Auch die Wähler des Zentrums werden sich ein- mal darüber klar werden, daß die Zentrumspartei samt allen Parteien des gegenwärtigen Kompromisses die Feinde des Volkes find und die Sozialdemokratie wird dafür sorgen, daß Sic, die Sie mit dem Brandmal des Volksvcrrates behaftet sind..... Vizepräsident Dr. Borsch ruft den Redner zur Ordnung.(Bravo im Zentrum.) Wg. Liebknecht(fortfahrend): Sie glauben, die Macht in den Händen zu haben. Aber schon längst sind Ihnen die Zügel aus den Händen geglitten. Die Wahl- rechtsreform wird bereits nicht mehr im Abgeordneicnhause. son- der» außerhalb gemacht.(Lachen rechts.) Sie sollten doch rechtzeitig einlenken, ehe der Volkszorn dazu übergeht(andauerndes Gelächter rechts), die Wechsler, Feilscher und Schacherer, die in dem Tempel des Volkes Hausen, aus dem Tempel hinauszuwer- senk(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Damit schließt die Debatte. Persönlich bemerkt Abg. Freiherr v. Richtbosen(k.): Der Wg. Borgmann Hai mir vorhin zugerufen: Eingebildeter Freiherr! Ich b»tte den Präsi- deuten, dafür zu sorgen, daß solche verletzenden Zurufe künftig unterbleiben. Ich weiß nun nicht, ob ich eingebildet sein soll auf den Freiherrn oder ob der Freiherr eingebildet sein soll auf sfine Bildung.(Heiterkeit rechts.) Herr Borgmann hat vermutlich eine Silbe zu viel gesagt, er wollte sagen:„Gebildeter Freiherr". (Sehr gut! rcchtSi) Ob ich nun eingebildet bin oder nicht, ich glaube, daß ich durch meine Mitarbeit ii» diesem Hause mehr zum Wohle Preußens beitrage als Herr Borgmann.(Beifall rechts.) Abg. Borgmann(Soz.): Es kann nicht meine Aufgabe sein. die Auffassungen und die Tätigkeit des Freiherrn v. Richthosc» in diesem Hause zu analysieren. Ich will nur daraus hinweisen, daß der Zuruf, den ich gemacht habe, provoziert worden ist durch eine Redewendung des Abg. v. Richthofen, die ich unbedingt als beleidigend ansehen mußte. Da Herr v. Richthofen wiederholt in diesem Hause sich uns gegenüber auf seine höhere Bildung bezogen hat. so glaubte ich, das sagen zu dürfen� was ich ihm zugerufen habe. In der Abstimmung wird der Antrag Aronsohn gegen die Stimmen der Linken abgelehnt. Die Resolutioi, der Kommission, die dieselben Bestimmungen enthält, wird gegen die Stimmen der Rechten angenommen. Es folgt die Leratong der Petitionen. Darunier befinden sich zahlreiche Petitionen auf Einführung deS ReichStagswahlrechts in Preußen. Eine Resolution Ditt- mann und Genossen(Solingen) verlangt die Befreiung der preußischen Wähler dritter Abteilung von der Militärpflicht. Wg. v. Heydebraud(7.): Ich beantrage, die Petitionen bis zur dritten Lesung zurückzustellen. Abg. Dr. Liebknecht(Soz.): Ich hatte mich bereits zum Wort gemeldet. Diese Wortmeldung muß überhört sein. Vizepräsident Dr. Porfch: Tann frage ich das Hau?, ob es Dr. Liebknecht hören will.(Zurufe rechts und im Zentrum: Nein! nein!) Der Antrag Heydebrand wird angenommea. Damit ist die zweite Lesung der Wahlrechtövorlagr beendet. Nächste Sitzung: Mittwoch, 11 Uhr.(Gebührenordnung für die Rechtsanwälte.) Dritte Lesung der Wahlrechtsvorlage. Schluß iVi Uhr._ Huo Industrie und Dandd. Gute Verbiudnugen. Gerade so, wie es Gründer lieben, ihre Prospekte mit hoch- klingenden Namen zu schmücken, bekunden die Erwerbsgesellschasten eine Vorliebe für Leute mit guten Verbindungen al» AussichtSräte. Ehemalige Minister, sonstige Leute aus der„Firma Regierung". herunter bis zum Landrat, sind begehrte Objekte für Gesellschaften» die nach„oben" Anschluß suchen. Sachkenntnis spielt dabei gewöhn« lich eine untergeordnete Rolle; mit solchen Akquifitionen will man sich ja nur die sonst verschlossenen Türen öffnen, und damit den Weg zu guten Geschäften frei machen. Daß z. B. die Große Berliner Straßenbahn so große Erfolge bei der Regierung hatte, zum Schaden der Gemeinden, wird in eingeweihten Kreisen in der Hauptsache aus die gllten Verbindungen zurückgeführt, die der Direktor der Gesell» schast, Ministerialdirektor a. D. Wirst. Geh. OberregiernngSrat Dr. j»ir. Micke, aus feiner früheren Staatsstellung in das Direltorium der Straßenbahngesellschaft mit übernommen hat. Weil solch« Verbindungen sehr vorteilhast sind, empfiehlt di« Darmstädter Bank ihren Aktionären nun den gewesenen GwatSsekretär Dr.». Stengel als AnfsichtSrat zu angeln. Da solche Pöstchen nette Stangen Gold einbringen. lasten sich die Herrschaften in der Regel auch nicht lange nötigen. So trat der verflossene Handels- minister Möller nachher in den AufsichtSrat der Kommerz- und Dislontobanl ein. In der Preußischen Zentral-Boden°Kredit-A.-G. sitzt der ehemalige Landwirtschastsminister v. Ballhausen und der frühere Unterstaatssekretär Sternberg. Das„B- T." macht noch folgende Aufstellung über ehemalige Staatsbeamte als Aufsichtsräte: Dem AufsichtSrat der Preußischen Boden-Kredit-Aktienbank gehört der frühere StaatSminister v. Bonin-Brettin an. der außerdem auch noch im AufsichtSrat der Kontinentalen Wasserwerksgesellschaft sitzt. Eine ganze Reihe von AuffichtsratSstellen bekleidet Exzellenz Heutig. Er gehört dem Aufsichtsrate der Diskontogeiellschast und der von dieser patronisierten Schantung-Eisenbahugesellschaft sowie dem Auf- sichtsrate der I. D. Riedel A.-G. an, ferner bekleidet er den Posten des Aussichtsratsvorsitzenden bei der Mix- u. Genest-Gesellschaft. Im AufsichlSratSkollegium der Diskontogesellschaft sitzt noch der frühere Unterstaatssekretär Dr. Fischer. Der frühere Staatssekretär Fricdr. v. Holl- mann ist AusfichtSratsvorsitzender der A. E. ferner ist er Mitglied des AufsichtSrateS des AktienvcreinS des Zoologischen GarrcnS. Borsitzender des Aufsichtsrates der Gesellschaft für elektrische Hoch- und Untergrundbahnen in Berlin ist der Staatsminister a. D. Artur Hobrecht. Der frühere Geheime Staatsrat Justus Budde bekleidet als Direktor der Berliner Hypothekenbank gleichzeitig den Posten des Aufsichtsratsvorsitzenden bei der Jmmobilienverkehrsbank, ferner ge- hört er dem AufsichtSrate der Boden-Akliengesellschaft am Amts- grricht Pankow und dem des Elektrizitätswerkes Südwest in Berlin an. Sein verstorbener Bruder, der frühere preußische Eisenbahn- minister Budde, gehörte in leitender Stelle dem Löwe-Konzern an. Ein anderer früherer preußischer Eiseubahnministcr. Thielen, wurde bald nach seinem Austritt aus dem Amt in den AufsichtSrat der Friedrich Krupp- Aktiengesellschaft gewählt. Das ist natürlich imr eine kleine Auslese. In die Hunderte geht die Zahl der Generale, Admirale, NegiemngSräte a. D., die nach dein Ausscheiden auS dem Dienst- rest. AmtSverhältniS in den AufsichtSrat großer Erwerbsgesell fchaften eintreten. Recht auffällig war zum Beispiel auch der Uebcrgang, den der RcgierungSrat Boeller mit seinem Sprung in das Direktorium des StahlwerkS- verbandeS vollzog. Auf dem hier gezeigten Wege finden die Gcharfmachergelüste der Jndustricgcwaltigen auch daS-» geneigte Ohr der Regierung! Das erklärt manches! 20 Prozent Dividende— Unerträgliche Laste». Der Geschäftsbericht der BergwerkSgefclljchast„Arenberg" für daS Jahr 190ll stellt den Aktionären für da« laufende Jahr bessere Erträgnisse in Aussicht, als daS Berichtsjahr erbrachte. Boraus-. setzung für eine höhere Dividende sei allerdings, daß dem Bergbau nicht wiederum von allen Seilen neue Lasten aufgebürdet werden, „die nachgerade eine fast uiierwägliche Höhe erreicht haben". Und die ikummrrdividendc für 1903 beträgt„nur" 20 Prozent. Süße Geschäfte. Reben der Schnapsbrennerei ist der Z u ck e r r ü b e n v a n für unsere lieben Agrarier der lukrativste Zeitvertreib. Wenn auch bei dem letzteren die Jnternationalität der Produktion, die zugleich die Konkurrenz deS Zuckerrohrs in sich schließt, eine absolute Macht- stellung der deutschen Rohproduzenten, wie sie in der Fnselproduktion besteht, ausschließt, so wirst trotzdem auch dieser Geschäftszweig ganz enorme Gewinne in die unergründlichen Taschen der Agrarier. Als begünstigendes Moment wirkt, daß die internationale Regelung des Zuckerverkehrs eine leidlich sichere Basis für die spekulativen Jntcr- esten gibt. Die P r e i f e für Zucker sind in den letzten Jahren fortgesetzt gestiegen. Es betrug zum Beispiel der Preis im Anfang März auf dem Magdeburger Markte für sofortige Lieferung in Marl pro 60 Kilogramm; ' 1904 1908 1908 1910 16,15 17,60 20,25 28,30 Jetzt ist demnach der Preis um rund 76 Prozent höher als im Jahre 1904. Eiftig lolportierte Nachrichten über schlechte Ernten und daneben die internationale Großspekulation tragen an der die unglaublichsten Gewinne in sich schließeilden Preissteigerung die Schuld. Da die deutschen Agrarier mit den Zuckerfabriken eng ver- sippt sind, so fällt auf sie außer den glänzenden Rüben- preisen auch noch ein Teil des spekulativen ZuckergelvinneS. Der Konsument zahlt ja alles._ Feierschichten. Die Einlegung von Feierschichten auf fiskalischen und privaten Gruben im rheinisch-westfälischen Kohlengebiet scheint über weniger bedeutungsvolle Einzelfälle hinauszugehen. Große Zechen haben im März schon zwei Feierschichten eingelegt. Der nachlasiende Abruf veranlaßt das Kohlensyndikat, vorläufig noch von einer Erhöhung der Beteiligung Abstand zu nehmen. Norddeutscher Lloyd. Nach dem Geschäftsbericht für das Jahr 1909 ergeben sich folgende Zahlen: Betriebsüberfchiisfe 32 899 000 (l90S 9 218 000), außergewöhnliche Reparaturen 3 877 000(im Vorjahre 3 205 000), allgemeine Unkosten, Steuern. Zinsen usw. 7 5l8 000 Um Vorjahre 8 231000), Abschreibungen 20033 000(im Vorjahre 14 027 000), Ueberweisung an den Versicherungsfonds 1 401000(im Vorjahre t 407 000), Ueberweisung an das Talonsteuerkoiito 70 000. In diese» Ziffern ist der dem Lloyd aus den Abmachungen mit dem Morgan-Truft zustehende Betrag nicht berücksichtigt. Die Daulpfpflüge in Preuße» am 1. April 1909. Die neueste Auszählung der Dumpfpfliige in Preußen hat ein weiteres Anwachsen ihrer Zahl um 46 feit der letzten Bearbeitung der Katasterlarten ergeben. In bezug auf die Verteilung nach den Provinzen schreitet Posen mit 137 Dampfpflügen nach wie vor an der Spitze: ihm schließen sich an Schlesien mit 131 und Sachsen mit 123 von ihnen. In weitem Abstände erst folgen dam, Westpreußen mit 51, Pommern und Brandenburg mit 27 und 23, Ostpreußen mit 14, Hannover mit 12 Dampft'flügen. Schleswig-Holstein hat deren nur 2, Westfalen und Hesien-Nnssau je 4; Rheinland und die Hohen- zollernschen Lande haben dagegen keine Dampfpfliige. Rückgang der Halbzeugpreise. In Großbritamen sind nämlich die Notierungen ftir Bloom? in den letzten Tagen von 90 bis 92 Schilling auf 90 Schilling, die No- tierungen für Knüppel um 92—94 Schilling auf 92 Schilling und für Platinen um 95—97 Schilling auf 94 Schilling pro Tonne zurück- gegangen. Diese Tatsache beweist, daß am intern'ationalen Eisen- markt eine Flaue herrscht, die zu den vielfachen Hochkonjunktur- stimmmigsbildern gar nicht paffen will. Hua der Frauenbewegung. Entwürdigende Bettelei. Zu einem DiSkussionStce hatte der Deutsche ß'rauenvund seine Mitglieder und Freunde in das Weinrestaurant des Neuen Schau- spielhauseS geladen, um dem Vortrag der Margarete Behm über: „Welche sozialen Pflichten hat die versorgte Iran für ihre»nver- sorgten Schwestern?" zu lauschen. Wir könnten es uns wohl schenken, über die dort vorgebrachte altbackene WeibcrwciSheit Näheres zu bringen, wenn nicht durch die Rcferentin ein so un» glaublicher Grao von Untergebenheit darin dargelegt worden wäre, daß cr jeder ehrlichen Heimarbeiierin die Röte der Scham ins Antlitz treiben muß, und wenn nicht in einer Zeit, wo das Selbst- bcwußtsein des ungelernten Arbeiters zu erwachen beginnt, solch eine Gesinnung niedriger gehängt werden müßte. Versorgt ist die Frau, sagt M. Behm, die in ihrem Beruf genug verdient. Das Verständnis der versorgten Frau(der satten Bürgcrsfrau) für die unversorgte muffe geweckt werden, die allgemeine Schwesterlichkcit und Brüderlichreit zu allen Menschen. Die Versorgten müssen helfen durch die Tat, dann sei jede Klaffenkluft sofort überbrückt, dabei spiele die Stimmung der unpolitischen Frauen, der Frau und Mutter, nach Margarete Behm. keine unwesentliche Rolle. Un- versorgt sei die Heimarbeiterin, die mit ihrer täglichen Arbeit nicht das Nötigste beschaffen könne, die keinen NormalarbcitStag habe. DaS beruhe nicht auf Bosheit der herrschenden Klaffen, sondern kommt so auS den Weltverhältnissen heraus.(Bethmann Hollweg würde sagen: aus gottgegebencr Abhängigkeit.) Kein Wunder, daß die Heimarbeiterinnen durch ihre doppelte Last vor der Zeit altern, verbraucht sind. Die Witwe eines Gutsbesitzers habe es mit Anfertigung von StorcS auf 10 Pf. pro Stunde gebracht, manche Heimarbeiterin verdiene noch viel weniger. Beweis die HcimarbcitSausstellung 1906. Nun dürften aber darum doch nicht die Heimarbeiterinnen zu Hyäne» werden, sonst ginge das Hin- gebende. Weiche, Entsagende der deutschen Frau verloren, deshalb sollten doch die lieben bürgerlichen Schwestern helfend beispringen, und auch die anwesenden Herren könnten diese Schutztruppen ver- stärken. Die Armen der Aermsten sollten wohl ihr Recht kennen lernen und vertreten, aber beileibe sollten sie keine 5kampfcsorgani- sation werden, nicht der Haß, sondern die Liebe solle mobil gc- macht werden. 60 Ortsgruppen der Gewcrkschaftsvereine der Heimarbeiterinnen hätten sich schon in Deutschland gebildet, mit annähend 6000 Mitgliedern, was M. Behm aber nicht so bc- stimm! behaupten wolle, weil sich manche Ortsgruppe wieder auf- l»s?. Das käme aber nur davon, weil sich keine versorgten Frauen an den betreffenden Orten darum bekümmerten. Auch die„hohen Herren" begännen jetzt schon mit den armen Frauen über Gesetzentwürfe zum Besten der Arbeiterinnen zu sprechen!!(Man denke!) Die Frau der besseren Stände müsse die große Vermittlerrolle übernehmen und eine starke Organisation der armen Heimarbeiterinnen sei notwendig. Den Vorstand dieser Organisation müßten die vornehmen Frauen bilden, sie allein müßten Vorsitzende, Schriftführeriniien und vor allen Dingen Kassiererinnrn sein, besonders das letztere, damit sich so ein armes hungerndes Weib niemals an der anvertrauten Kasse vergreifen könne. Auch für Arbeitsgelegenheiten könnten die bürgerlichen Damen Sorge tragen. Wer von ihnen nicht mitarbeiten wolle in der Tat, der könne durch Gcldgabcn seine Sympathie kundgeben. Für die krumm und lahm gearbeiteten Heimarbeiterinnen gäbe es sogar schon ein Erholungsheim in Buckow; wenn sie dort auf- repariert wären, könnten sie auch wieder bessere Mütter und Haus- fraucn sein. Und mit einem schneidigen. Hieb auf die bekannte eine Partei, die am..linkesten" stehende, die gar nicht genannt zu werden brauche, die die Heimarbeiterinnen aufhetze usw., schloß die Rcsercntin, an deren Lobhudelei der bürgerlichen Klassen sich eine im ganzen ebenso jammervolle Diskussion anschloß. Man sollte es möglichst vielen Heimarbeiterinnen ermöglichen, so einen Vortrag der Madame Behm in hohen Kreisen beizuwohnen, dann wäre be- sagte Madame Behm bei den Heimarbeiterinnen am schnellsten mit ihrem Latein zu Ende._ Ein Frauentag wurde in den Vereinigten Staaten von Amerika am letzten Sonntag im Februar abgehalten. Veranstalterin war die Sozialistische Partei. In allen Staaten, von Maine bis Kali- fornien, wo eine sozialistische Parteiorganisation besteht, wurden Versammlungen abgehalten, um für das Frauenstimmrecht zu demonstrieren. In zündenden Ansprachen wurde aufgefordert, für die Rechte der Fraucn einzutreten, und zugleich erklärten die Red- ner und Rednerinncn, daß von allen Parteien nur die sozialistische ehrlich für die Frauenrcchte eintrete. Die Versammlungen er- freuten sich fast überall eines starken Besuches; der Frauentag wird als ein großer Erfolg betrachtet. Sozialeo* Leo Tolstoi über die GenossenschafiSbewegung. Der russische Genossenschafter Dr. V. Totomianz hat am 27. Ja- nuar vom Grafen Leo Tolstoi einen Brief folgenden Inhalts be- kommen:„Sie haben recht, wenn Sie glauben, daß die Genossen. schaftsbewcgung meinem Geiste verwandt sei. Ich behaupte und werde nie aufhören zu sagen, daß das einzige radikale Mittel gegen das herrschende Uebel des Kampfes und der Bedrückung der Mehr- heit des Volkes durch eine nichtarbeitende Minderheit die religiöse Wiedergeburt der Individuen ist. Aber das hindert mich nicht, zu erklären, daß die Gründung und Förderung von Genossensckiaften die einzige soziale Tätigkeit ist, welche sich einem moralischen Menschen, der kein Bedrücker sein will, in unserer Zeit ziemt. Ich stimme Ihnen darin zu, daß die Geliosseuschastsbcwegung daS Elend der Arbeitenden vermiiwcrn kann. Aber ich kann nicht zu- geben, daß diese Bewegung eine religiöse Stimmung aus sich her- aus zu entwickeln vermag. Im Gegenteil, nur die religiös- moralische Wiedergeburt der Menschen kann die Genossenschafts- bewegung befestigen und befruchten. Jedenfalls denke ich, daß die Gcnossenschaftsorganisation eine der besten Tätigkeiten unserer Zeit sei. Ihr kann sich die zahlreiche Jugend, die dem Volke dienen will, widmen. Wäre ich jung, so hätte ich dasselbe getan, und sogar jetzt hoffe ich noch, etwas i» genossenschaftlicher Richtung für die mir nahestehende Bauernschaft zu tun." Mit Tolstois verschwommener Phantasterei über Religion, reli- giöscr Wiedergeburt und dergleichen stimmen wir keineswegs über- ein. Interessant ist, daß auch dieser idealistische Feuertopf die Wichtigkeit des realen Bodens von Genossenschaften nicht verkennt. Freilich können Genossenschaften etwas Erhebliches nur leisten, wcim sie von genossenschaftlichem, demokratischem, sozialein Geiste belebt sind. Das ist der Fall bei den von und für Arbeiter errichteten Genossenschaften. In Berlin ist in letzter Zeit, seit der Z«n- tralisation der Gcnossensckzaftcn, die Zahl der Mitglieder der Kon- sunigenossenschaft erfreulich in die Höhe gegangen. Sic erreicht aber weder absolut noch relativ bei weitem nicht die Zahl in anderen Großstädten. Sozialdemokraten, die Konsumgenossenschaften bei- treten, erreichen nicht nur für sich und ihre Familie erhebliche Vor- teile, sondern wirken auch durch ihre demokratische Mitarbeit im Konsumverein propagandistisch für den Gedanken bzt Verwandlung der Produktionsmittel durch und für das Volk. Rcntenschiiibcrei gegen Landarbeiter. Nach der durch das llnfallvcrsicherungSgesctz vorgeschriebenen Berechnung des JahresarbeitsverdienstkL zur Festsetzung einer Rente wird, falls die Arbeiter über 1500 M. pro Jahr verdienen, der überschießende Teil nnr zu einem Drittel in Anrechnung kommt. Von dieser Gesamtsumme bildet dann nur zwei Driitel die Vollrente. Ter Arbeiter hat demnach, falls cr erheblich z» Schaden kommt, weit über ein Drittel des Schadens selbst zu tragen. Roch weit schlimmer sieht es jedoch mit der Berechnung der Rente bei den Landarbeitern auS. DaS Unfallversichcrungs- aesetz für land- und forstwirtschaftliche Arbeiter bestimmt, daß als JahreSarbcitSverdienst der Betrag zugrunde gelegt wird, oer von der höheren Verwaltungsbehörde für den Kreis festgesetzt worden ist. Wir haben eine ganze Anzahl von Kreisen, in denen für cr- wachsen« männliche Personen der JahreSarbeitSverdienst auf die niedrige Summe von 350 M. festgesetzt ist. Es klingt wie Hohn, wenn von diesem Betrag nur zwei Drittel als Bollrente— also 233)4 M. für das Jahr— in Anrechnung kommt. UcberdieS gibt aber der§ 13 des U.-V.-A. den Genossenschaften daS Recht, diesen so niedrig normierten Jahrcsarbeitsberdienst noch zu reduzieren, fall» der Verletzte vor dem Unfall bereits erwerbsbeschränkt gewesen ist. Wie diese Vorschriften zum Nachteil deS Arbeiters wirken, zeigt nachstehender Fall: Der Vichfütterer Sch. erlitt am 4. April 1909 in einem landwirischosilichen Beiriebe durch BcärleSZunfall einen Bruch des linken 5inieS. Nach Abschluß des HcilverfahrenZ setzte der KreidauSschusz des Kreises Obcr-Barnim in Freienwalde a. O. für die Folgen des Unfalls eine Rente von 25 Proz. fest. Für den Kreis Ober-Barnim beträgt der von dem Regicrungspräsidcntei» festgesetzte Jahresarbeitöverdienst 500 M. Die Genossenschaft legte jedoch nicht diesen Verdienst der Berechnung zugrunde, sondern er- klärte, daß Sch. schon vor dem Unfall um 75 Proz. in seiner Er- werbsfähigkeit behindert gewesen sei, demzufolge könne der Ren- tcnbcrechnung nur ein Jahresarbcitsverdienst von 125 M. zugrnnda gelegt werden. Die Vollrcnte würde demnach 83,34 R. betragen und 25 Proz. gleich 20,84 M. als Jahrcsrcnte. Durch das Arbeitersckretariat Berlin wurde gegen den Bescheid der landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft Berufung eingelegt und geltend gemacht, daß Sch, den üblichen Lohn als Vichfütterer wie die anderen auch mit 210 M nebst Deputat erhalten hat. Tag Sch. wie jeder andere Arbeiter auch, seine Arbeiten vor dem Un- fall uneingeschränkt hat verrichten können und daß nicht anzu- nehmen sei, oaß ein Arbeitgeber einem Arbeiter, der nur noch über ein Viertel seiner Leistungsfähigkeit verfüge, den vollen üblichen Lohn zahlen wüAc Des weiteren wurde hervorgehoben, daß der Jahoesarbeitsverdienst, der für die landwirtschaftlichen Arbeiter in den einzelnen Kreisen festgesetzt ist, doch als dnrchschnittWher Jahresarbeitsverdienst bezeichnet ist und demzufolge dieser Durch- schnittssatz für alle(Leitung habe. Das Schiedsgericht für Arbciterverstcherung im Regierungsbezirk Potsdam holte Auskunft in Werneuchen darüber ein, ob der Kläger vor dem Unfall seine Arbeiten uneingeschränkt verrichtet habe. DaS wurde bejaht. Das Schiedsgericht kam darauf zu der Ueberzeugung, daß Kläger vor dem Unfall voll erwerbsfähig gewesen ist. Für diese Tatsache spreche der Umstand, daß Sch. einschließlich des Wertes der freien Wohnung und der Naturalien einen Jahrrslohw von 610 M.. also erheblich mehr als den vom Regierungspräsidenten aus 500 M. festgesetzten durchschnittlichen Jahresarbeitsverdienst landwirtschaftlicher Arbeiter bezogen hat. ES erklärt« mit Recht. daß den Schätzungen der Aerzte, Sch. sei vor dem Unfall um 75 Prozent erwerbsbehindert gewesen, eine ausschlaggebende Bedcu« tnng nicht beizumessen fei. Die Genossenschaft wurde verurteilt. der Berechnung der Rente den vollen Jahresarbeitsverdienst von 500 M. zugrunde zu legen. Nunmehr beträgt die Rente 6.95 Tt. pro Monat. Gericbts-Zeining. (Siehe auch 3. Beilage.! Ein Kollcktenstreit. Die Schulkinder in Eidelstett und einem anderen in der Nähe gelegenen Orte sollten in einer Gastwirtschaft ein gemeinsames Schulfest abhalten. Einer großen Anzahl Eltern war das Lokal nicht recht, wohl aus politischen Gründen. Sie veranstalteten dcö- halb für ihre Kinder an dem Tage eine Wagenfahrt nach Blankenese. Die Herren Tcschke und Siägmann gingen, um dazu Geld aufzubringen, zu den Eltern und fragten, ob sie und ihre Kinder die Wagensahrt mitmachten. Sie erhielten Geld, und zwar auch von solchen Eltern, deren Kinder nicht mitmachen sollten. Darauf wurden sie angeklagt wegen unerlaubten KollekticrenS. Das Landgericht Altona verurteilte sie auch auf Grund der Polizei- Verordnung des Obcrpräsidentcn der Provinz SchlcSwig-Holstcitt vom 81. Januar 1892, die das Kollektieren betrifft. DaS Ge- richt nahm an, daß die Angeklagten mit Bcwußtsein und Absicht auch zu Leuten gegangen secen, von denen sie gewußt hätten, dag sie ihre Kinder nicht mitfahren ließen, daß sie aber aus Geschäfts- rücksichten etwas zugeben würden. Darin wurde das Kollektieren gesehen. Auf die Revision der Angeklagten hob daS Kammcrgericht daS Urteil deS Altonaer Landgerichts auf und verwies die Sache an das Landgericht mit folgender Begründung zurück: Die Verord« nung des Oberpräsidenten vom 31. Januar 1892 sei zu Unrecht an, gewendet worden. Diese Verordnung habe der Oberpräsident selber schon im November 1908 aufgehoben. Wahrscheinlich infolge eines Urteils des Kammergcrichts. An ihre Stelle sei eine Verordnung des Regierungspräsidenten vom 14. Dezember 1908 getreten. Sie sei durch diesen gleichsam neu eingeführt worden. ES frage sich, ob die neue Verordnung hier anwendbar sei. Darum müsse ihre Gültigkeit geprüft werden. Zunächst stehe fest, daß die preußische Rcgierungs-Jnstruktion von 1817 auch in Schleswig-Holstein gelte. Diese gebe den Bezirksregierungen(jetzt Regierungspräsidenten) das Recht, bei solchen Rechtsnormen, die etwas verbieten, ohns Strafen anzudrohen. Ergänzungen zu schaffen durch Erlaß von Strafbestimmungen. Derartige Normen beständen aber in SchlcS, wia-Holstein aus der Däncnzeit. Verbote und Beschränkungen des Kollektierens enthielten Verordnungen auS den Jahren 1777, 1782, 1784 und 1806. Sei somit das Kollektieren auch in Schleswig eins unerlaubte Handlung, so habe der Regierungspräsident mit Recht durch die Verordnung vom 14. Dezember 1903 es Unter Strafe gestellt. Sie sei gültig. Das Landgericht müsse sich nochmals mit der Sache beschäftigen, um zu prüfen, ob sie sich vorliegend an, wenden lasse, inwiefern der festgestellte Tatbestand unter sie falle. Wenn es der Zweck der Polizei ist, alles für strafbar zu cr, klären, so erfüllt die preußische Polizei ihre Aufgabe in größtem Umfange._ nrntlidiec Marktbericht der städtischen MarNdallen-Direktion üv?r den Krohbandel m den Zcntral-Marktkallen� Aiarktlnge: Fleisch: Zulubr tlart, Keschäsl lcdhast. Preise für Nindsleisch anziehend, jür Echwelue- fleisch nachgebend. Wild: Zusubr ohne Bedeutung, Äelchält rege. Preise sest. K- t l b g e l: Zusuhr knapp, Geschäst rege. Preise fest. Fische: Zusuhr gering. sÄeslbäst ruhig, Preise wenig verändert. Butter und K ä t e: Beschält ruhig, Preise für Butter unverändert,(üc Käse mehrfach verändert. e m ü i e, Obst und S ü d s r ü ch t e: Zufuhr genügend. Geschalt sehr still, Preise gedrückt. WitterungSstderttch» vom 14. März 191». morgens» llflr. «tattouen Hl iL % sivmeindr 7gZSW tzamburg! 764 WSW Berllv!7S»W Franks.« M 767 SO München>766 NW Wien 764 W Vetter 3 bedeckt 3 halb bd. 2 wölken! 1 Dunst 2 bedeckt 2 bedeckt >0« ri* trf etaUcnni l| t 4 2« i Havaranda 765 51 Petersburg 764 OSO Scilla 1 763 S tlberdeen 1 750 523 Parti 766 NO Wetter C"* ä* Ob-deckl—14 4 bedeckt— 4 «wollig I 8 1 bedeckt 1 3 Owollenl 1 i Wetterprognose tttr Dienstag, den 1.5. März>91». Nachts sehr kühl, am Tage wieder elwas wärmer bei ziemlich lchhasten südwestlichen Winden und veränderlicher Beivölkung, ohne erhebliche Nieder- schlüge. Berliner Welle rdureau. WasterstandS.Nachrichte« her LandeSanflalt für Geivässerkunde, ulitgetcilt vom Berliner Wellerburcau. Wasserstand Memel. Tilsit P r e g e l. Jnlterbmg Weichsel, Tboru Oder, Ralibor » Krassen , Franklurt Wa r l h e. Säuimm , Landiderg Netze, Poroamm Elbe, Leiwlcritz # Dresden » Carbi) , Magdeburg •)+ bedeutet Ouckj»,— Fall.->•) Unlerpegel. KD ?>•"/ z» Ts ; Muff und pelz, yanötasche. wie«ebenstehend abgebildet» und viele andere anerkannt Wertvolle Gegenstände erhalten Sie bei Benützung von Hmihm Seile unil Flumcrs Mcipluer hunderttausende solcher Geschenke kamen bis fetzt zur Verteilung. Beide wasch» mittel find die denkbar besten, geben mühelos und ohne besonderes Bleichen schönste Wäsche, fie find garantiert unschädlich, ausgiebig und billig im preis. Sparsame, aus ihren vortell bedachte Hausfrauen verwenden nur noch KS |9ÜtWW— MMM«— s Fruchtweine kräftig und abgelagert d d billiger, wohlachmeckender und nahrhafter als I" Branntwein! 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Druck»n Verlag:Vorir-ärt»vuchdruckeret».LerlagSanstalt Paul Singer ä- Co» Berlin SW. Kr. 62. 27. Zahrgaag. 3. Mm i>es JotuiW Krlim WIksdlÄ. Dienstag, 13. Marz l91y. Heute Dienstag, abends 8 Uhr, finden die 48 Nolks-Uersammwngen in Oroß-Kerlin statt. Kein Anhänger unserer Partei, kein Freund des freien Wahlrechtes darf fehlen. Partei-)Zngelegenkeiten. Zur Landtagswahl im 6. Berliner Landtagöwahlbezirk. Die Wahlmännerergänzungswahlen für die durch Tod. Umzug usw. ausgeschiedenen Wahlmänner finden heute, Dienstag, für die von uns bereits veröffentlichten UrWahlbezirke statt. Es ist angeordnet, daß zuerst die 2. Abteilung in der Zeit von vormittags 9 bis mittags 12 Uhr, alsdann die 1. Abteilung von nachmsttags 1 bis 2 Uhr und zuletzt die 3. Abteilung von nachmittags 3 Uhr bis a b e n d s 8 U h r das Stimmrecht ausübt. Die Wahlhandlung wird pünktlich mit dem Ende der für jede Abteilung festgesetztenjffiahlzcit geschlossen. Demnach dürfen nach Sdiluß der für jede Abteilung fest- gesetzten Wahlzeit Urwähler der Abteilung, die zur Wahl ge- standen hat, nicht mehr zur Abstimmung zugelassen werden, auch dann nicht, wenn sie sich bereits vor dcni Schluß der Wahlzeit ihrer Abteilung im Wahllokale eingefunden hatten. Ferner wird darauf hingewiesen, daß der Wahlvorsteher von den zur Wahl erscheinenden Wählern die Vorlegung einer Legitimation verlangen kann: als solche gilt: Steuerquittung, Jnvaliditätskarte, Militärpapiere usw. oder die' den Ur- Wählern noch zugehende Wahlkarte. Diese wird außer der vollständigen Adresse des Urwählers die Nummer des Ur- Wahlbezirks, die Wahlabteilung, die Nunmier, unter welcher der Urwähler in der Abteilungsliste verzeichnet steht, sowie den Tag der Wahl nebst Wahlzeit und das Wahllokal ent- halten. Es ist wünschenswert, daß sich Hilfskräfte, vor allem arbeitslose Genossen, an der Wahlarbeit beteiligen. Mel- düngen im Zentralbureau von Arndt. Palisadenstraße 52, Amt Vit.' 6355._ Rixdorf. Für Monat März findet ein Leseabend nicht statt.— Bei der Bebelfcier wurde in der„Neuen Welt" eine ShlipSnadel mit Bild gefunden. Dieselbe kann in der Partei- spedition. Neckarstr. 2, abgeholt werden. Außerdem lagern dort- selbst noch ein paar Stöcke und Hüte, welche am 13. Februar auf dem Richardplatz gefunden wurden. Charlottenburg. Heuteabenid, Lichtbildervortrag des Reichs- tagsabgeordneten Genossen Geck:„Die badische Revolution 1848/49" und Gcsangsvorträge der„Charlottenburger Liedertafel". Anfang pünktlich 8 Uhr; Eintrittskarten ä 10 Pf. sind bei den Gruppen- und Bezirksführern zu haben. Zahlreichen Besuch er- wartet Der Vorstand. Klcin-Tchöncbcck, Fichtenau, Rahnsdorf, Schöneichc. Zum Be- such der Wahlrechtsdemonstrationsversammlung in Friedrichshagen (bei Conradt. abends 8 Uhr), treffen sich die Parteigenossinnen und-genossen am Bahnhof Rahnsdorf. Abfahrt 7 Uhr 57 Minuten. Späterkommende ersuchen wir, sich direkt in die Versammlung zu begeben. Nieder-Schönewcibe. Dienstag, den 15. März, aberids 8% Uhr, findet beim Genossen Kienast, Grünauer Straße 8, die Mitglieder- Versammlung des Wahlvereins statt. Der Vorstand. Friedenau. Heute, Dienstagabend, Flugblattverbreitung. Mohlsdorf(Lslbnhn). Am Freitag, den 13. März, abends 8 Uhr, findet im Lokale des Herrn Linke eine öffentliche Versamm- lung statt. Tagesordnung: 1. Die Freiheitskämpfe im Jahre 1848 und die jetzige Wahlrechtsbewcgung. Referent Genosse R. B ü h I e r, Lichtenberg. 2. Die bevorstehende Stichwahl zur Gemeindever» tretung. Am Mittwoch, 8 Uhr abends, findet eine Handzettelverbreitung statt, an der sich alle Genossen beteiligen müssen. Treffpunkt im „Heidekrug". Äöpemcker Allee 1 und im Restaurant Dräger, Bahn- Hofstraße. Friedrichsfelde. Sämtliche Parteigenossen wollen sich heute abend, pünktlich 7 Uhr, zu einer wichtigen Flugblattver- b r e i t u n g in den Bezirkslokalen einfinden. Königs-Wustcrhausen. Mittwoch, den 18. März 1910, abends 8 Uhr. findet im Lokale von Wedhorn,„Altes Schützenhaus", unsere Wahlvereinsversammlung statt. Gleichzeitig weisen wir alle Freunde eines freien Wahlrechts auf die am Dienstag, den 15. März, abends 8 Uhr, im Lokale Heiser. Wildau, stattfindende öffentliche Versammlung hin. Tagesordnung: 1.„Polizeimaßregeln statt Wahlrecht!" Referent: Ge- nosse Thurow-Rixdorf. 2. Diskussion. KarlShorst. Achtung, Parteigenossen! Die Versammlung heute abend fällt der Wahlrechtsversammlungen wegen aus. Wir besuchen die Versammlung„B e l l e v u e", Kietz R u m m c l L b u r g. BcrUmr JVadmchten. Tie Inseln im Tegeler See sind doch städtischer Besitz geworden. NuS dein Rathaufe wird berichtet: Die von der Stadtgemeinde um den Preis von rund 850 000 M. für Wasserwcrkszwecke gekaufte,! drei Inseln im Tegeler See: Scharfenberg, Lindwerdcr, Baum- weiter, mit einer Größe von rund 27 Hektar, sind am Sonnabend, den 12. März, von dem Eigentümer Bolle an die Stadtgemeinde aufgelassen worden. Die Auflassung hat trotz dem in Zeitungs- berichten erwähnten Vorkaufsrecht erfolgen können, da der Ber- käufer und der Magistrat übereinstimmend zu der Ansicht gelangt find, daß die Ausübung des Vorkaufsrechts im vorliegenden Falle rechtlich unwirksam war. Der„Paticntenstrrik" in der Heilstätte Buch» der im„Vor- wärtS" mitgeteilt worden war und dann auch in der Stadtverord- netenversammlung von unseren Genossen zur Sprache gebracht wurde, soll noch weiter untersucht werden. So versprach eS den Stadtverordneten der Herr Stadtrat Straßmann in der Rede, durch die er Herrn Dr. Reuter, den leitenden Arzt der Heimstätte, als Unschuldsenge! hinzustellen suchte. Inzwischen haben wir selber noch weitere Zeugen befragt, um zu prüfen, was von den Angaben dcS HerrnStraßmann zu halten sei. Da ist uns auf das bestimmteste gesagt worden, daß der Patient H.. dessen Person im Mittelpunkt der Affäre steht, keineswegs„mehrere Tage nacheinander" unpünktlich in die Liegehalle gekommen sei. Nur einmal habe er sich verspätet, versichert H.. und andere destä- tigen es. H. hat uns auch den Anlaß zu jener Verspätung genannt: er war damit beschäftigt gewesen, einen Brief an seine Frau zu schreiben, und darüber hatte er außeracht gelassen, daß die Liegezeit veggtm. St verwahrt sich dagegen, dgß er gegenüber der Schwester, die shn deshalb zur Rede stellte, sich ungebührlich benommen habe. Falsch ist auch die Darstellung Strahmanns, daß aus diesem Grunde oder wegen„Störung der Liegekur" H. entlassen worden sei. In Uebereinstimmung mit den Angaben des„Borlvürts" sagt man uns immer wieder, d«n Anstoß zu dem ganzen Zwist habe ein Wort- Wechsel zwischen H. und einem lOjährigen S. gegeben, wobei S. sich in der vom„Vorwärts" geschilderten Weise benommen habe. Der Arzt Dr. Reuter habe beiden eine Nachliegestunde zudiktiert; H. aber habe, weil er im Recht zu sein glaubte, sich geweigert, sie zu leisten, und sei dann aus diesem Grunde entlassen worden. Die Verspätung und die angebliche Ungehörigkeit gegenüber der Schwester habe hiermit in keinerlei Zusammenhang gestanden, und auch von einer nennenswerten Störung der Liegekur durch den Wortivechsel iönne keine Rede sein. Die weiteren Angaben, die man uns über Dr. Reuter ge- macht hat, werfen auf diesen Mann ein eigenartiges Licht. Es„läßt tief blicken", daß manche Patienten geradezu eine Abiicigung dagegen haben, sich von ihm untersuchen zu lassen. Der Herr soll sich dabei mituntcr so ungeduldig und reizbar gezeigt haben, daß Leute mit feinerer Haut ihm gern aus dem Wege gehen. Wenn die Patienten in der Liegehalle weilen und er von seinem im Hauptgebäude gelegenen Zimmer aus eine„Ungehörigkcit" zu bemerken glaubt, kommandiert er manchmal sogleich vom Fenster aus über die dazwischen liegende Wiese hinweg in schreiendem Ton:„Ruhel Liegenbleiben!" Auch diese Manier ist charakteri- stisch für ihn. In der Liegehalle sollen die Patienten weder lesen noch eine laute Unterhaltung führen, ja sogar das gilt Herrn Dr. Reuter als„Störung der Liegekur",.während der Liegezeit auSzu- treten. Die Bedürfnisanstalt, die als Zubehör der Liegehalle den Patienten dicht bor die Nase gesetzt ist, gilt Herrn Dr. Reuter offenbar nur als Dekorationsstück. Bei dem reichlichen Milchgenuß, zu dem die Patienten angehalten werden, ist es natürlich nicht so einfach, während einer bis zu 194 Stunden dauernden Liegezeit daö 51 l o s e t t v e r b o t des Herrn Doktors zu respektieren. Auf Verhandlungen läßt Dr. Reuter sich nicht gern ein, und von der Zurücknahme einer Anordnung fürchtet er eine Schwächung seincS Ansehens. Von H., der zur Begründung seiner Bitte um Erlaß der Nachliegestunde ihm den Anlaß seines Wortwechsels mit S. vortragen wollte, verlangte er, erst solle er nachliegcn und dann solle er kommen und mit ihm reden. Ueber die Selbstherrlichkeitsmanier des Herrn Dr. Reuter wird auch vom Personal geklagt. Uns wird versichert, aus Anlaß des„Patientenstreiks" sei es von Wärtern wie eine Erlösung empfunden worden, daß nun endlich einmal die Oes- fentlichkeit Kenntnis von der in Buch herrschen- den Wirtschaft erhalten solle. Aus mancherlei Angaben, die man uns gemacht hat, schließen wir, daß sogar leitende Echwe- stern die Empfindung gehabt haben, eine gütliche Einigung sei wünschenswert. Herr Dr. Reuter wird sich damit trösten, daß er wenigstens des Oberbürgermeisters vollen Beifall hat. Nebenbei bemerkt: dem Oberbürgermeister sollen wir in unserer Betrachtung über die letzte Stadtverordnetensitzung persönliche Gründe für seine Verteidigung Dr. Reuters untergeschoben haben, behauptet die„Freisinnige Zeitung". Diese Entrüstung steht gerade ihr besonders gut zu Gesicht, ihr, die bc- kanntermaßc» im Unterschieben von Motiven das menschenmöglichste leistet. Wir hatten nur nach einer Erklärung dafür gesucht, daß Herr Kirschner, obwohl er sich noch auf kein Ergebnis irgend einer Untersuchung stützen konnte, ganz gegen seine Gewohnheit mit einem hitzigen Eifer ins Zeug ging, der ihn sogar zu einer seine Befugnisse durchaus überschreitenden Aeuherung der Ungeduld über die Debatte verleitete. Wir sagten, daß Herr Kirschner wohl des- halb in die Debatte eingegriffen habe, weil gerade er den Dr. Reuter, der dem Herrn Oberbürgermeister während seines Sommer- aufenthaltes auf Schloß Buch als Hausarzt diene, genau zu kennen glaube. Daran knüpften wir die Vermutung, daß gegen- über ihm der Herr Doktor gewiß nicht jenen Ton anschlagen werde, der als„U n t e r o f f i z i e r s t o n" gekennzeichnet worden ist. Sollte er aber etwa doch mit dem Herrn Oberbürgermeister ebenso umspringen, so nehmen wir hiermit unsere Vermutung reumütig zurück. Inzwischen hat freilich Dr. Reuter selber den Oberdürger- meister bereits widerlegt. Sofort nach Erscheinen des„Vorwärts"- Artikels hat er. wie wir jetzt erfahren, seinen Ton geändert. Dieser Anfang zur Besserung, der in den Reihen der Patienten Ucbcrraschung hervorgerufen hat, ist uns ein Beweis dafür, daß Reuter sein bisheriges Verhalten als ungehörig er- kannt hat. Hiermit richten sich selber auch die Unverschämtheiten. die der„Lolal-Anzeiger" über den Patientensrreik in seiner SonntagSnummer unter der Rubrik„Berliner Beobachter" ver- öffentlicht hat. Ein gefährlicher Ladenbrand kam gestern nachmittags gegen 5 Uhr in dein Wedding-Bazar an der Ecke der Reinickendorfer Straße 163 und Plantagenstraße zum Ausbruch. DaZ Personal flüchtete. Die Feuerwehr aus der Pankstraße war bald zur Stelle, wodurch eine weitere Ausdehnung verhütet werden konnte. Krank und hilflos aufgefunden wurde vorgestern nachmittag vor dem Hause Beusselstr. 44 ein unbekannter Rkann von etwa 40 Jahren. Ein Schutzmann brachte ihn nach dem Krankenhauss Moabit. Der Kranke, der seinem Aeußeren nach Arbeiter zu sein scheint, ist etwa 1,70 Meter groß und trug ein Jackett, schwarze Beinkleider und einen schwarzen steifen Hut. Tie Leiche cincz neugeborenen Mädchens wurde vorgestern auf der Südseite des Exerzierplatzes an der Schönhauser Allee aufgefliildei,. Sie war ganz nackt und in einem Erdhaufen ver- scharrt. Die Ermittelungen nach der Mutter hatten noch keinen Erfolg. Tie ersten Opfer des Rudersports. Mit dem Eintritt des früh- zeitigen Frühlingsivettcrs sind auch die Anhänger des Rudersportes auf dem Plan erschienen und am Sonntag waren die Gewässer in der Umgebung Berlins von zahlreichen Booten belebt. Gleickzeitig hat sich aber auch schon der erste Unglücksfall ereignet. Ein Ruder- boot de? Klubs...diellas"' das mit sechs Mann besetzt mar, obwohl es nur für fünf Personen Platz aufwies, versuchte trotz der hoch- gehenden Miellen von Rahnsdorf aus den See zu durchfahren. Etwa 200 Meter vom Ufer entfernt wurde das Fahrzeug, das infolge der Ueberlastung ziemlich tief ging, von einer heftigen Bö erfaßt und kenterte. Die Insassen stürzten sämtlich in das eiskalte Wasser, vermochten sich aber teils an dem Fahrzeug festzuklammern, teils durch Schwimmen an der Oberfläche zu halten. Hls die Verunglückten infolge des kalten Bades fast zu erstarren drobten, wur- den sie von dem von Friedrichshagen kommenden Motorboot „Alexandria" aufgenommen. Bei dem Rettnugswerk wurde das Motorboot selbst manövrierunfähig, weil Tauwerk und auf dem Wasser treioende Kleidungsstücke der Ruderer sich in der Schraube verfangen hatten. Der zur Hilfeleistung herbeigeeilte Dampfer „Prinz August Wilhelm" der„Stern"-Gesellichaft brachte zunächst die sechs Verunglückten, die völlig erstarrt und besinnungslos waren. nach dem Restaurant«Bellevue', ihnen ärztliche Hilfe zuteil wurde und sie trockene Kleidung erhielten. Nach mehrstündiger Ruhe und sorgsamer Pflege konnten die Ruderer sämtlich nach ihren Wohnungen gebracht werden.. Radrennen in Treptow. Früher als in vergangenen Jahren eröffnete die Treptower Bahn den Reigen der Radrennen. Trotz des trüben, unfreundlichen Wetters hatte sich eine stattliche Zu- schauermenge eingefunden, die mit Interesse den Kämpfen auf dein Zement folgte. Die Hauptnummer des Programms, ein Stunden- rennen mit Motorführung, wurde von Demkö, Rosenlöcher urfti A. Schulze bestritten. Temke, der nach dem Start an dritter Stelle lag, eroberte sich bald den zweiten und nach 10 Kilometer den ersten Platz vor Rosenlöcher. Schulze hatte bald zu Beginn Reifen. schaden und später Defekt an seiner Führungsmaschine, so dasj et weit ins Hintertreffen kam. dann aber gegen Rosenlöcher auf» holte und diesem wieder zwei Runden abnahm. Das Ergebnis war folgendes: Stunden rennen 500, 850, 200 Dl. 1. D e m k e» 58,650 Kilometer; 2. Rosenlöcher, 56,350 Kilometer; 3. A. Schulze. 56,030 Kilomcter. In den Fliegerrennen gab es starke Felder und den Sieg des besten Fahrers. Im Hauptfahren siegte Ott» Meyer(Ludwigshafen) überlegen vor Fr. Hoffmann, Schwab urfb Götze, während im PrämienfahrenPanskevor TrinkS und Gänzevoort den ersten Platz belegte. Vermißt wird seit Freitag, den 11. März, der Schneiderlehrling Paul Jung. Er verließ an diesem Tage mittags 1 Uhr die elter» liche Wohnung, um nach seiner Arbeitsstätte, Spandauer Straße 46, zu gehen, ist aber dort nicht eingetroffen. Da er an Krämpfen leidet, wird angenommen, daß er auf der Straße einen Anfall bekam und seitdem planlos umherirrt. Er ist etwa 1,60 Meter groß, von blasser Gesichtsfarbe und hat blondes, hochstehendes Haar. Bekleidet war er mit braunkarriertem Jackettanzug, etwas anders gemusterter ebenfalls brauner Hose, dunkelblauer Schirmmütze, Stehkragen, bläulicher Schleife und schwarzen Schnürstiefeln. Sollte jemand nähere Angaben über den Verbleib des VermitzteiH machen können, so wird gebeten, diese an die Adresse: E. Jung, N. 4, Chausseestr. 121, gelangen zu lassen.. Zeugen, die beobachtet haben, wie am 24. Dezember b. I., abends 0,50 eine Frau in der Skalitzerstraße kurz vor der Halte» stelle an der Hochbahn von einem Straßenbahnwagen niedergestoßen und etwa 15 Meter mitgcschleift worden ist, werden gebeten, sich bei Frau S. Porzikowiak, Grünauer Straße 2, Hof III, zu melden. Vorort- JMaebnehtem Die Gememdewahkbelvcgung. Frlebeiiau. Die diesjährige Wahlbewegung verläuft zwischen den bürgerlichen Parteien ganz ruhig, trotzdem es noch vor einigen Tagen den Anschein hatte, als sollten über die Kandidatenfrage Differenzen ausbrechen. Der am Orte vegetierende evangelische „Arbeiterverein" ließ noch vor ein paar Tagen durch seinen Vor» sitzenden im Friedenauer Blättchen einen Bericht los, daß der Ver- ein in diesem Jahre unbedingt an einer Kandidatur festhalte, selbst auf die Gefahr hin. dem Sozi zum Siege zu verhelfen. Ein paar Tage später war der Herr durch seinen Seelenhirten eines anderen belehrt worden. In einer öffentlichen Versammlung, in deren Komitee außer dem sogenannten Kommunalverein noch verschiedene andere Kegel- und Skatklubs vertreten waren, lagen sich die feind» lichcn Brüder gerührt in den Armen. Die Angst vor der Arbeiter» schaff hat sie zusammengeschweißt. Ausgestellt wurden der bisherige Gemeindevertrcter Herr Kunow und der im vergangenen Jahre bei der Ersatzwahl gewählte Herr Oberlehrer Weber. Aas hatten sich die Gemeindeangcstcllten und insbesondere die Lehrer gerade vom Herrn Weber versprochen. Wenn jetzt die Friedenauer Lehrer mit ihren Gehaltsätzcn unter den Vororten von Groß-Berlin an 26. Stelle stehen, so trägt nicht den geringsten Teil der Schuld der Herr„Lchrervertreter". In dieser Versammlung meldete sich auch ein Genosse zum Wort, doch wurde ihm von dem Vorsitzenden, einem Herrn Dr. med. Hcineker erklärt, daß Sozialdemokraten zur DiS- kussion nicht zugelassen würden. Erst als sich Genosse Okonski an die Versammlung wandte, war es ihm möglich, den zahlreich an» wesenden Herren aus der Gemeindevertretung ihre ganze Rück- ständiigkeit auf sozialpolitischem Gebiet vor Augen zu'führen. Gt zeigte an der Hand von Beispielen, wie man in derselben für die Not und das Elend der Arbeitslosen nur blutigen Hohn und blödes Grinsen übrig hatte. Es sei daher unbedingt nötig, daß endlich einmal Vertreter in die Vertretung entsendet werden, welche ledig- lich das Wohl der Allgemeinheit im Auge haben. Dies möglich zu machen, sei heilige Pflicht der Arbeiterschaft am Orte. Pankow. Morgen Mittwoch ist der erste Wahltag. Wie notwendig es ist, daß von unserer Seite intensivste Agitation betrieben werden muß, wem, wir siegen wollen, zeigt die Tatsache. daß unsere Bürgerlichen den letzten Sonntag treppauf treppab, von Tür zu Tür giiigcn, um sich zu vergewissern, daß auch ein jeder an den beiden Wahltagen zur Wahl erscheint. Genossinnen und Genossen, tut ein gleiches. Wir dürfen uns von den Bürgerlichen nicht beschämen lassen. Agitiert auch für die heute Dienstag abend stattfindenden W ä h l e r v e r s a in in lungen. Ferner ersuchen wir an dieser Stelle nochmals, rechtfrühzeitig zur Wohl zu gehen. Namentlich für die Wähler im ersten Bezirk empfiehlt es sich, etwas früher Feierabend und dadurch die offensichtliche Spekulation mit der Verlegung des Wahllokals nach der Breitestraße zuschanden zu machen. Unser Zentral-Wahl« bureau befindet sich an beiden Wahltagen bei Meißner, S ch l o ß st r. 2. Alle WahlhiljLkräfte wollen sich hier, und zwar recht zahlreich einfinden. DaS Wahlkomitee. HcriiiSdorf. Heute finden im„Waldschlößchen". Jnh. Leffler, die Wahlen der 6. Klasse statt. Die Mahlzeit ist nachmittags von 3- 8 Uhr. Tut jeder Arbeiter heute seine Säiuldigkeit, dam, werden die frohen Hoffnungen unserer Gegner zuschanden. Die Kandidaten unserer Partei sind: Lagerhalter Wilhelm BchrendS und der Masdiinen- arbeitcr Rudolf Prießmeier.— Parteigenossen, die sich heuie nach» mittag frei machen tonnen, werden gebeten, sich um 2>/z Uhr im „ForslhauS" einzufinden. Das Wahlkomitee. Mahlsdorf(Ostbahn). Am vorigen Mittwoch und Donnerstag fanden hier die Gemeindevertreterwahlen für die dritte und zweite Abteilung statt. Die Wahl in der zlveiten Abteilung war für unZ belanglos, da wir uns nur mit einer Zählkandidatur daran be- teiligten. Sie wurde in der Hauptsache zivischen dem Hausbesitzer» verein und dem Grundbesitzervcrein MahlSdorf-Süd ausgefochtem Die Agitation deS HauSbesitzervereins stand auf einem sehr niedrigen Niveau und war von recht gehässiger Art. Von 131 ciiigeschriebenen Wählern stlminteii 83 ab. Davon erhielt der HauSbesitzerkandidat 57, sein Gegenpartner 26 und unser Genosse 5 Stimmen. Anders gestalteten sich die Dinge in der dritren Abteilung. Hier waren zwei Vertreter zu wählen. Dazu batte unsere Partei zwei, der Hausbesitzerverein zwei, der Bürgerverein«iuen und der Grund« besitzerverein einen Kandidaten aufgestellt. Von 606 Wählern be« teiligten sich 284 an der Abstimmung� E-Z erhielten unsere Genossen Schmidt und Schumann 147 bezw. 143 Stimmen. Die Hausbesitzer 91 und 13. der Kandidat des Biirgervereins 69 und der Kandidat des GrundbeiitzervereinS 62 Stimmen. Demnach hätten unsere Genossen die absolute Mehrheit gehabt, wenn die Nennung der Kandidaten in der richtigen Reihenfolge erfolgt wäre. Aber fünf unserer Wähler hatten Schmidt an zweiter und Schumann an erster Stelle genannt. Dadurch erhielt Genosse Schmidt 142 erste und fünf zweite Stimmen, so datz ihm eine Stimme an der absoluten Mehrheit fehlte, und er sich einer Stichwahl unterziehen mutz. Die bürgerlichen Wähler stimmten ganz kunterbunt durch- einander und ein grotzer Teil gab nur eine Stimme ab. Ihre Kandidaten erhielten der Reihenfolge nach: 91. davon 46 erste und 45 zweite Stiminen! 69, davon 38 erste und 31 zweite Stimmen; 52, davon 47 erste und 5 zweite Stimmen; 13, davon 6 erste und 7 zweite Stimmen. Zweite Stimmen wurden insgesamt 231 ab- gegeben, davon erhielt unser Genosse Schumann 138(neben 6 ersten) so datz er gewählt ist. Der bürgerliche Kandidat mit dem unser Genosse Schmidl in die Stichwahl kommt erhielt nur 47 erste Stimmen. Dieser Herr, ein Glasermeister Ulbrich war früher Parteigenosie und Bezirköfnhrer im dritten Berliner Reichstags- Wahlkreis. Während der Wahlagitation schillerte er auch noch etwas rot, um Arbeiterstimmen zu fangen, aber jetzt zur Stichwahl soll er den bürgerlichen Vereinen die weitgehendsten Zu- sicherungen gegeben haben, datz ihn nichlö mehr mit der Sozial- demokratie verbindet. Der Stichwahlkampf wird also jedenfalls ein sehr hartnäckiger werden. Das Wahlreiultat konnte für uns ein besiereS fein und die Stichwahl erspart bleiben, wenn unsere Genossen am Wahllage ihre volle Schuldigkeit getan hätten. DaS war leider nicht der Fall. Viele kamen erst am Abend ins Wahllokal, um ihre Stimme ab- zugeben und den Sieg mit nach Hause zu nehmen; wohingegen die Gegenparteien einen grotzarligen Schlepperdienst organisiert hatten. Eö inachte einen geradezu widerwärtigen Eindruck, als der ehemalige Sozialdemokrat Ulbrich am Abend einen ganzen Trupp Arbeiter mit der Stratzenbahn angeschleppt brachte, die alle für ihn stimmten. Hier war es Auigabe unserer Genossen, bei- ? eilen einzusetzen, dann konnte eS nicht vorkommen, datz 49 Arbeiter iir bürgerliche Kandidaten stimmten und 115 Arbeiter überhaupi nicht zur Wahl gingen. Die Stichwahl wird voraussichtlich anfangs nächster Woche staltfiuden und bis dahin müssen die Genossen das Versäumte nachholen. Auch die Genossen in Berlin und Köpenick können hier Hilfe leisten. Die meisten derjenigen Arbeiter, welche aar nicht oder gegen unS gestimmt haben, sind in diesen beiden Orten beschäftigt und auch wohl gewerkschaftlich organisiert. Neben einer Anzahl ungelernter Arbeiter kommen vornehmlich Maurer, Metall- und Holzarbeiter in Betracht und wird eS Ausgabe ihrer Arbeitskollegen fein, diese Leute ei, ergisch an ihre Pflicht zu er- innern. Ncucnhagcn. Am Donnerstag, den 17. d. MtS., finden hier die Gemeiiidepertreierwablen stalt. Tie dritte Wädlerkiasse, zu der von unterer Seite die Genossen Karl Köseling und Otto Göller aus- gestellt sind, wählt von 12— 4 Uhr. Tu« ein jeder seme Pflicht, dann ilt auch der Sieg unser. Neuenhage» a. Ostbahn. Am Donnerstag, den 17. März cr., finheii im Saale des Herrn Heckmann, Neuenhagen(im Torf) die Gemeindevertreterwahlen statt. Die 3. Wählerklasfe wählt von 12 Uhr mittags bis 4 Uhr nachmittags. Parteigenossen! Jeder mutz sein möglichstes dazu beitragen, unseren Kandidaten. Töpfer Karl H ö s e l i n g und Sattler Otto Göller zum Siege zu ver- helfen. Dienstag(heute) abend Flugblattvcrbreitung. Material ist bei de» Genossen R. Böhm, Pankratz und Lasche in Empfang zu nehmen. Am Tage der Wahl treffen sich die Genossen vormittags 11 Uhr bei Fagerstern zu einer Besprechung. Rüutgental, Zepernick. Die Wahl zur Gemeindevertrewng findet heute, Drenslag. den 15. März, statt, und zwar wählt die dritte Abteilung nachmittag? von 5—7 Uhr, die zweite Abteilung von 7— 8 Uhr abends. Wahllokal ist das Packertsche Restaurant in Zepernick. � E« sind zu wählen: In der zweiten Abieilung ein Nicht- angesessener;>» der dritten Abteilung ein Angesessener und ein Nichtangesesleiicr. Letzterer wird als Ersatzmann für einen inzwischen verstorbenen Gemeindevertreter auf zwei Jnhre gewählt. Kandidalen der Sozialdemokratie sind: Für die zweite Abteilung Ferdinand tintze, Maurer: für die dritte Abteilung Otto Lange, Maurer, und ranz Lange, Maurer. Schcntcndorf(bei KönigS-Wnsterhausen). Donnerstag, 17. März, nachnntlagS von 3l/,— 5 Uhr, findet in Schenkcndorf in. Lokal von Rudolf Möhricke die Ersatzwahl zur Gemeindevertretung der dritten Klasse statt. Alleiniger Kandidat der drillen Klasse ist der Genosse Schlosser Wilhelm C o l b e r g. Es ist Pflicht aller Arbeiter, sich um 3'/� Uhr im Wahllokal einzufinden. Alle Genossen und Freunde werden ersucht, ihre Arbeitskollegen, die in Schenkendori ibren Wohnsitz haben, auf ihre Pflicht ausinerksam zu machen. Wenn jeder seme Pflicht tut, ist da? Mandat auf weitere Jabre unser. Bohnsdorf(Kreis Teltow). Die Gemeindewahl findet heute Dienstag, den 15. März, nachmittags von 4— 6 Uhr, im Lokal von Schulze statt Trotz der ungünstigen Wahlzeit werben die Genossen dringend ersucht, ihre Pflicht auszuüben und endlich in die Bauern- Hochburg Bre'che zu legen. Tempelbof. Am Mittwoch, den 16. März, früh von 8 bis abends 8 Uhr, finden im GemeindesthnngSzimmer, Dorfstr. 42, die Er» gänzungS- und B e r stä r t u n g S wa h l e n zur hiesigen Ge- »neinbevertretnng statt. Genossen I Kommt zeitig zur Wahl; macht Freunde und Bekannte darauf aufmerksam und versehe sich jeder init Legimitation I Wer abkommen kann, stelle sich dem Wahlkomitee im.Wilhelmsgarten" zur Verfügung. Unsere Kandidaten sind: Max Schmidt, Martin Müller und Louis Frantz. Wahlergebnisse. Marieuborf. Bei der gestern stattgefundenen Gemeindever- fretettvahl erhielten die sozialdemokratischen Kandidaten Weber 661, Habeluschke 663 Stimmen, auf die Kandidaten der Demo» kratcn, die von den Hausbesitzern u«d Bürgervereinlern unter- stützt wuvden, entfielen nur 62 und 67 Stimmen. Heute findet die Fortsetzung der Wahl tn S ü d e n d e statt, die jedoch an dem Resultat nichts mehr zu ändern vermag. Die Genossen Weber und Habeluschke sind also jetzt schon als gewählt zu betrachten. Rahnsdorf. Bei der Ergänzungswahl der dritten Klasse der Gemeindevertretung erhielt Genosse Stzdow 25 Stimmen, von den Gegenkandidaten brachie e-Z der de? GrundbesitzervercinS. Herr Mubm, auf 72 und der Kandidat der sogenanten„Wiesenpieper", Herr Braam, sogar auf 127 Stimmen. Empörend wirkte auf die Mebrzahl der anwesenden Wähler der Unfug, der mit den zu 90 Proz. z» unrecht in der Wählerliste ausgeführten.Forensen- stimmen" getrieben wurde. Sage und schreibe„19 6 Forensen- stimmen" gab Herr Braam ab, während Herr Muhm nur„44" vor- legen konnte. Die Stimme der Eimvohncrsckiaft kommt also nur in der Stimmenzahl unseres Kandidaten zum Ausdruck. Gegen die Wahl ist wegen einer ganzen Reihe von Unregel- rnätzigkeiten Protest eingelegt worden. Fredersdorf. Die am Freitag, den 11. d. MtS., stattgefundene GeincindevertreteNvahl brachte uns in der dritten Klasse 22 Glimmen. Zwei bürgerliche Kandidaten erhielten zusammen 82 Stimmen und ist zwischen diesen eine Stichwahl erforderlich. In der zweiten Klasse erhielten«vir 4, der bürgerliche Kandidat 21 Stimmen. PeterShageu. Trotz aller Machinationen der Bauern und der mit diese» verbmidenen, neu gebackencu Grundbesitzerdercine, ist es gelungen, bei der ain Sonnabend, den 12. d. MtS., erfolgte» Ge- meindcvcrtteterwahl den ersten Sozialdemokraten in das Dorf- Parlament zu entsenden. Genosse Franz Stimming erhielt von ins- gesamt 81 Stimmen 41, zwei bürgerliche Kandidaten zusammen 39, eine zersplittert. In der zweiten Klasse erhielt Genosse E. Hösel- Harth 29, drei bürgerliche Kandidaten zusammen 19 Stimmen, eine zersplittert. ES ist mithin eine Stichwahl erforderlich, welche am Sonnabend, den 19. d. MtS., abends von 6—7 Uhr, im gleichen Lokale stattfindet. Gelingt eS, die Säumigen heranzuholen, so ist auch hier der Sieg unser. Bergfelde. Bei der am Freitag, den 11. März, stattgefurkdcnen Gemeindevertreterwahl wurde unser Genosse Schmidt mu 18 Stimmen gewählt. Der Kandidat des Grundbesitzervereins er- hielt 12 Stimmen. Hohenschönhausen. Be, der gestrigen Gemcindevertreterwahl wurde der sozialdemokratische Kandidat, Genosse Thiele, mit 99 gegen 69 bürgerliche Stimmen gewählt. Markgrafpieöke(Teltow-BeeSkow). Einen außergewöhnlichen Er- folg brachten unS die in der vergangenen Woche stattgefundenen Gemeindewahlen. Zu wählen waren fünf Gemeindevertreter und zwar einer in der dritten und je zwei in der zweiten und ersten Ab- teilung. Gewählt wurden: Genosse Otto G r a tz n i ck in der dritten Ableitung, die Genossen Gustav Wilde und Franz Glanz in der zweiten Abteilung, Genosse Karl Gratznick in der ersten Abteilung. Wir haben damit zwei neue Sitze in der Gemeindevertrewng erobert und damit die Mehrheit erreicht. Von den 13 Gemeinde- Vertretern sind 19 Sozialdemokraten. Rixdorf. AuS der Stadtverordnetenversammlung. Bei der Beratung des Schuletats verlangt die sozialdemokratische Fraktion, datz der Magistrat mit der Versammlung m einer gemischten Deputa- tion über den Ausbau des Schularztsystems in Bc- ratung tritt. Ktadtv. Heller(Soz.) sagt begründend, daß die Untersuchung und ärztliche Ueberwachung der Schulkinder über den Kreis der Lernanfängcr hinaus ausgedehnt werden muß. Da in der Schuldeputation Vertreter der Arbeiter nicht sitzen, obwohl diese an der Volksschule in erster Reihe interessiert sind, so muß zur Borberatung eine gemischte Deputation eingesetzt werden. Bürgermeister Dr. Weinreich hält ebenfalls die Ausdehnung der ärztlichen Aufsicht in der Volksschule für notwendig und sagt Berücksichtigung der in der Resolution ausgesprochenen Wünsche zu. Mit Rücksicht darauf ziehen die Antragsteller letztere zurück. Gegen die für Erteilung des katholischen Religion s- Unterrichts eingesetzte Entschädigung der Geistlichen in Höhe von 669 M. polemisiert Stadtv. Rohr(Soz.). Er beantragt Streichung, da ja sonst jede von den vielen bestehenden Reli- ?ionSgesellschaften und Sekten mit einem gleichen Verlangen ommen könnte. Die Religion ist Privatsache des einzelnen. Für den Antrag votieren nur die Sozialdemokraten; er wird abge- lehnt. Stadw. Z e p m e i s e l(Soz.) rügt, daß von der für Gewäh- rung von Schulbrausebädern im lausenden Etat einge» stellten Mittel Ersparnisse gemacht worden sind. DaS wäre un- möglich, wenn die Lehrer ihre vielfach hervortretende Gegnerschaft aufgeben und Eltern und Kinder über den Nutzen der Bäder auf- klären würden. Die vorgelegte Statistik über die Badebeteiligunz der Kinder ist geradezu blamabel. Der Unterricht in Körper- pflege müßte überhaupt ein wesentlich anderer und besserer sein. (Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Der Schuletat balanciert insgesamt in Einnahme und Aus- gäbe mit 2 656 590 M. Die Gemeindcschulen erfordern einen Zu- schuß von 1 873 899 M., die höheren Schulen 296 469 M.— Der Etat der städtischen Fortbildungsschule wird debaiteloS genehmigt. Zu seiner Balancierung mit 42976 M. sind 28176 M. Zuschuß nötig. Beim Etat der KanalisationS Verwaltung beantragt Stadtv. Rahmig die Herabsetzung der Hausbesitzergebühren von 2*6 auf 2 Proz. des GebäudenutzungvwerteS. Redner entwirft in langen Ausführungen, die wiederholt von Zurufen und Heiterkeit der Sozialdemokraten unterbrochen werden, ein fürch- terlicheS Bild von der Notlage der Hausbesitzer. Jetzt wolle man diesen noch die Wertzuwachssteuer aufbürden, was vollends ihren Zusammenbruch herbeiführen wird. Er appelliere daher energisch an das Gerechtigkeitsgefühl der Versammlung.— In dasselbe Horn stößt Stadtv. B c l ß, der eine energische Abwehr ankündigt. Die ewigen Anträge und Zusagen des Magistrats auf Kranken. Hauserweiterungsbauten, Schularztanstellungcn usw. usw. haben die Hausbesitzer satt; sie verlangen, datz nicht immer aus ihrer Haut Riemen geschnitten werden.— Stadw. Heller(Soz.) wäre mit dem Antrag einverstanden, wenn das vom Antragsteller gefeierte„Gerechtigkeitsgefühl" bei den Hausbesitzern dahin ginge, daß dann auch die Mieten um 19 Proz. herabgesetzt würden. DaS ist wohl nicht zu erwarten, weshalb der Antrag abgelehnt werden muß.— Nachdem Stadtbaurat Weigand und der Oberbürgermeister sich abgemüht hatten, in äußerst zahmen, von Rücksichtnahme auf die HauSagraricr durchtränkten Ausführungen den Magistratsvorschlag zu retten, rückte Stadtv. Abraham mit schwerem Geschütz gegen den Sammelfonds der Kanalisation heran. Er will diesen zur Stillung des seiner Meinung nach ge» rechtfertigten Verlangens der Hausbesitzer, das einen Einnahme» ausfall von nicht weniger als 133 969 M. bedeutet, herangezogen wissen. Dieser Redner sowohl als auch die Stadtvv. Adam und N i e m e tz sangen dann das hinlänglich bekannte Lied über die angebliche Opferwilligkeit der Hausbesitzer in den Kommunen, bis schließlich der letztgenannte die von diesen„schönen Seelen" mit dem Antrag Rahmig inaugurierte Rachepolitik bekannte, irrdcin er aus. rief:„Wir hätten mit der Herabsetzung noch ein paar Jahre ge. wartet, wenn Sie mit der Wertzuwachssteuer gewartet hätten!" (Lebhaftes Aha! bei den Sozialdemokraten.)— Dieses Zugeständ» nis nagelte Stadtv. Pagets lSoz.) nachdrücklich an. um dann in treffenden, wiederholt von Zurufen und Unruhe seitens der Mehrheit unterbrochenen Ausführungen dieser ein Spiegelbild ihres„Gerechtigkeitsgefühls" vorzuhalten. Der Appell an dieses Gefühl sei aus dem Munde von Leuten, die alle Privilegien deZ Haus« und Grundbesitzes als selbswerftändliches Recht betrachten und auf Rirdorf die Schmach des Wahlrechtsraubcs geladen haben, nicht? als Heuchelei. Der Redner schließt:„Es ist eine Dreistig- keit, nach alledem hier im Saale noch von Gerechtigkeit zu reden!" Der Hieb hatte besonders bei den auch-liberalen Wahlrechts- räubern gesessen. Ihr Redner. Stadw. B er mann, versuchte mit hochrotem Kopfe und sich überschlagender Stimme das dadurch zu verdecken, daß er dreiste, von keiner Sachkenntnis angekränkelte Anschuldigungen gegen unsere Genossen erhob, die Wahlrechtsfrage und das sozialdemokratische Parteiprogramm in krausen Ge- dankenreihen durcheinanderwerfend. Kräftige Zurufe der So- zialdemokraten gaben dem wunderlichen Herrn das zu erkennen. Eine nochmalige Bitte des Oberbürgermeisters fruchtete nichts bei den allmählich wild gewordenen Hausbesitzern und ihren Hand- langcrn. Mit 86 gegen 26 sozialdemokratische Stimmen wurde in namentlicher Abstimmung, welche die Mehrheit selbst zwc?s Kontrolle verlangt hatte, die Herabsetzung der KanalisationS- gebühren auf 2 Proz. beschlossen. Nach Verkündigung des Resul- tats verließen die Herren fast allesamt den Saal, wahrscheinlich. um den Gewinn des fetten Happens im Erfrischungsraum gebüh» rcnd zu feiern. Hereingestürmt kamen erst alle wieder, als im weiteren Verlauf der Verhandlungen ein weiterer Antrag der Hausbesitzcrgruppe durchgeholfen werden mutzte, der 124 799 M. aus Anliegcrbeiträgen dem Reservefonds zuführen und Erweite» rungsbauten der Kanalisation auf Anleihen übernommen wissen wollte. Mit 33 Stimmen wurde auch das unter Dach gebracht gegen die Sozialdemokraten. Der Etat der Kanalisationsver- waltting schließt im Ordinarium mit 897 090 M. Einnahme und dito Ausgabe ab.> Die Etats der G utsöc rwak t ung c n Waßmanns. darf und Boddinsfelde fanden glatte Erledigung. Ja der ersteren ist ein WirtschaftSüberschuß von 73400 M.» in letzterer ein solcher von 40 000 M. veranschlagt. Der Boranschlag des GrundstuSSertverbtzfond» dnrd tebattelvS genehmigt.> Die diessährige MSrzfeier findet am Freitag, den 18. März, abends 8l/2 Uhr, in Hoppcs Lokal, Hermannstr. 49, statt. Die Fest- rede wird vom ReicbstagSabgeordneten Eichhorn gehalten. Ferner wird der in Arbeiterkreisen beliebte Männergesangverein„Rixdors" durch Ehorgesang zur Verschönerung des Abends beitragen. Rezitation von Freiheitsgedichten durch eine erste Kraft bürgt dafür, daß die Feier«inen würdevollen Verlauf nimmt. Eintritt kostenlos, nur gegen Borzeigiing des Miigliedsbuches.— Zu dem am Montag, den 21. März, stalifindenden Marcell Salzer-Abcnd sind noch Eintritts- karten a 69 Pf. inkl. Garderobe bei den Funktionären, in der Spedition, Neckorstr. 2, und in den Lokalen von Hoppe, Hermann- ftraße 49, und. Meier, Prinz-Handjery-Straße 3, erhältlich. Der BildungSauSschuß. AuS der Armendeputation. Auf der Grundlage der zum 1. April 1919 vorgesehenen Armenkommissionsbezirke werden die Armenarztbczirke wie folgt neu gebildet: Bezirk I umfaßt die Armenkommissionsbezirke 1, 2, 3 und 4 sDr. Knoll), Bezirk II um- faßt die Armenkommissionsbezirke ö, 6, 7 und 8(Dr. Schönfeld), Bezirk III umfaßt die Armenkommissionsbezirke 9-, 19s und 191, (Dr. von Laszewski), Bezirk IV umsaßt die Armenkommissions- bezirke 9d, Iva. 19b und 11(Dr. Paetsch), Bezirk V umsaßt die Armenkommissionsbezirke 12, 1b, 17 und 19c(Dr. Wanckel), Be- zirk VI umfaßt die Armenkommissionsbezirke 13, 14 und 16 (Dr. Boerncr)/ Bezirk VII umfaßt die Armenkommissionsbezirke 21, 20a, 20b, 18a und 18b(Dr. Tornow), Bezirk VIll umfaßt die Armenkommissionsbezirke 22, 23, 24a und 24b(Dr. Stahn).— Bei den städtischen Körperschaften soll die Verstärkung mehrerer Etats- Positionen des Kapitel V beantragt werden. Dir NrbungSstunde deS Männergesangvereins„Rixdorf" fällt in- folge der Bolkeversamnilungen heute abend auS; sie findet dafür am Donnerstagabend statt. Bon einem bedauerlichen Unglücksfall wurde am Sonnabend. den 12. März, der Dachdecker Johannes Trümpcr aus Rixdorf bc- troffen. Derselbe war auf dem Rathaus in Rixdorf mit Repa- raturarbeiien beschäftigt. Um seine Arbeiten auf dem kehr steilen Dach verrichten zu können, hatte er sich eine Dachleiter in den Dachhaken gehängt. Plötzlich brach der Dachhaken innen über der Dachplatte ab und der Dachdecker Trümpcr sauste, auf der Leiter stehend, mit dieser ab. Glücklicherweise blieb Trümper auf dem Dach hinter dem Schneefang liegen und entging auf diese Weise dem Absturz, welcher sonst wohl tödlich verlaufen wäre. Er hat bei seinem Absturz sich einen Knöchelbruch zugezogen. Born Spiel in den Tod. Ein entseylicher Unglücksfall ereignete sich gestern nachmittag in der Schönweider Straße. Dort spielten eine Anzahl Knaben, unter ihnen der sechsjährige Sohn Rudolf deS in der Schönweider Straße 29 wohnhaften KoblenbändlerS Kähne. Als ein Bierwogen der Biltoria-Brouerei durchfuhr, versuchte der Kleine unmitteibar vor dem Gefährt über den Fahrdamm zu laufen, aeriet dabei in daS Geipann. wurde umgerissen und stürzte so un- glücklich, daß ihm die Räder deS schweren Lastwagens über den Körper hinweggingen und feinen sofortigen Tod herbeiführten. Gchöneberg. Erschossen aufgefunden wurde in seiner in der Kokonncnstraße belegenen Wohnung der 21jährige Leutnant Ernst M., der bei einem der hiesigen BerkehrStruppenteile stand. Als vorgestern nachmittag ein Regimentskamerad ihn besuchen wollte, fand er die Wohnungstür verschlossen. Der Offizier ließ die Tür öffnen und nun sand man M. tot auf einem Ruhebett liegend vor. Er hatte sich auS einem neben ihm liegenden Armeerevolvcr eine Kugel in die rechte Schläfe gejagt, die seinen sofortigen Tod herbeiführte. Das Motiv zu dem Selbstmord soll angeblich in einer dienstlichen Anzeige des Burschen gegen den Offizier zu suchen sein. Reinitkendorf. Eine Sängcrversammlung findet morgen. Mittwoch. abe»HS 8 Uhr, im Lokale des Herrn Ramlckw, Schönholzer Straße 17, statt, wozu sämtliche SangcSbrüder von Reinickendorf freundlichst eingeladen sind. Zahlreiches Erscheinen erwartet Der Vorstand des Arbeiter-SängerbundcS. Gau Berlin. KarlShorst« „Jagow, ,vo bist Du?" so wird wohl mancher KarlShorst« Spießer am Sonntag ausgerufen haben, als er den Demonstra- tionSzug unserer Genossen sah. Etwa 499 Personen hörten in einer Versammlung unter freiem Himmel die scharfpointierte Wahlrcchtsrcde deS Genossen Adolf Hoffniann, Berlin. Nach Schluß ließ es sich die Mehrzahl der Zuhörer nicht nehmen, den Genossen Hoffmann nach der Bahn zu begleiten. Ein Zug von etwa 399 Männern und Frauen zog durch bk Straßen der Villcnkolonie und ließ durch seine Hochrufe auf das Wahlrecht, sowie durch den Gesang von Frciheitsliedern die Leute mit„Besitz und Bildung" um ihre heiligsten, 3— ldprozentigen Güter zittern. Die Polizei hatte keinen Auftrag, für uns zu agitieren; es lief alles friedlich ab. �riedrichsfelde. AuS der Gemeindevertreterssünng vom 11. März find einige Punkte der Tagesordnung als besonders ckiarakteristisch hervorzu- heben. Unter anderem wurde die Anschaffung einer elektriickien Feueralarmsirene beschloffen, obwohl die versuchsweise aufgestellte den Erwartungen nicht entsprochen hat. weil man sich aber be» zeichnenderweise— bei einem Gesamtpreis von 1259 M.— von vornherein dadurch gebunden hatte, daß man für die probeweise Installation volle 699 M, bewilligt und auch ausgegeben bat, so daß man nunmehr, um diese Summe nickt nutzlos ausgegeben zu haben, wohl oder übel in den Kauf willigen mußte. Mit weit größerer Gewissenhaftigkeit beriet man dagegen über eine Polizei- Verordnung über das Halten von Hunden. Trotzdem früher schon langatmige Debatten darüber gepflogen wurden, verwendete man volle zwei Stunden darauf und etwas Rechtes kam dennoch nicht zustande. In der Diskussion über die Regulierung der Delbrückstraße wurde auch der himmelschrclcnde Zustand de« T r i f t w e g« zur Sprache gebracht. Die Schuld, daß da« hauptsächlich in Frage kommende Stück in Länge von zirka 69 Meter, welches aber als Zufahrtsweg sowohl für Neu-Lichtenberg als auch Friedrichsfelde große Bedeutung hat, noch völlig verwahrlost liege, sei der Stadt Verwaltung von Lichtenberg zuzuschreiben— meinte der Gemeinde» Vorsteher Ungewitter— welche die Angelegenheit wohl deshalb hinauszögere, um unserer Gemeinde einen möglichst hohen Kosten- anteil aufzubürden. Ts wird die Aufgabe der sozialdemokratischen Vertreter beider Gemeinden sein, mit allem Nachdruck für Wandel zu sorgen. _ Ein weiterer Punkt der Tagesordnung betraf die Beschluß. saffung über die erhobenen Einsprüche gegen die Wählerliste für die Gemeindeverordnetcnwahlcn. Einige Einsprüche wurden als berechtigt anerkannt, der größte Teil jedoch abgewiesen, weil die be- treffenden Personen nicht als selbständig angesehen wurden. Das sollte eine Mahnung an alle, die cS angeht sein, bei der polizeilichen Meldung an die Sicherung ihres Wahlrechts zu denken. Die Gemeindevertretcrwahl für die dritte Abteilung wird am Dienstag, den 22. März, nachmittags von 12—8 Uhr, im Schloßrestaurant, Wilhelmstr. 17a, stattfinden. Da die beiden aus« scheidenden Vertreter der dritten Abteilung die einzigen für die arbeilende Bevölkerung waren, die Gegner aber die Absicht haben, Gegenkandidaten aufzustelle», müssen wir alle» daran setzen, um unseren Kandidaten, den Genossen Otto Pinsel«, Krankenkassenbeamter, und Emil Oehlert, Bergolder, zum Sieg« zu verhelfen und uns wiedn«ine Vertretung zu sichern. Tempelhof. Die letzte Sitzung der Gemeindevertretung nahm zunächst Kennt- nis davon, dag die Gemeinde bei der Kreiskosse in Teltow vorläufig 800 000 M. erhoben und diese zum Bau des Gymnasiums zinsfrei angelegt hat.— Der Vertrag mit dem NahrungSnutteluntersuchungS- amt der Landwirtschaftskammer wurde gekündigt, weil die Kosten erhöht und die Gemeinde zu einer vermehrten Einsendung von Proben verpflichtet wurde. Es wurde be- schloffen, sich mit dem Nahrungsmitteluntersuchungsinstitut in Grost-Lichterfelde in Verbindung zu setzen. Die höhere Mädchen- schule verlangt zur Anschaffung von physikalischen Instrumenten 4182 M. Dem Begründer deS Antrages, Syndikus Wiesner. schien der Wunschzettel selber zu hoch zu sein, er forderte nur 3000 M. Doch das hätte Herr Wiesner nicht notwendig gehabt, denn wie nun einmal unser Dorsparlament zusammengesetzt ist, hätte dasselbe auch mehr- genehmigt-, die 3000 M. wurden ohne Debatte bewilligt. Wie würde dieselbe Vertretung aber jammern, wenn eine gleiche Summe zur Bezahlung von Lernmitteln für die Volksschule, zur Speisung armer Volksschuler oder als Honorar für eine» Schularzt gefordert worden wäre? Schöffe Lehne wie» hierauf auf die Denkmäler des alwn Kirchhofes hin. die von dieser Stratze aus zu sehen sind. Dieselben lägen herum, als wenn es alte Klamotten wären. Es sei geradezu ein Skandal, wenn die Kirchhossverwallung die Denkmäler derartig herumwerfe. Der Vorsteher, dem die Sache sichtlich unangenehm war, versprach eine Aenderung in dieser Angelegenheit, die Ge- meindeverlreter aber schwiegen.— Als im vorigen Jahre die so- genannten.Verkehrsverbesserungen" debattiert wurden, schlotz sich die Gemeinde dem„VerkehrSzwecfverbond Grotz-Berlin" an; sie versprach sich hiervon eine tatkräftige Unterstützung in ihrer Ver- kebrsfrage. Die Gemeinde bewilligte sogar 3000 M. zur Ausarbeitung des Anschlutzprojekts der Nord-Süd-Untergrundbahn. Jetzt stellt sich heraus, daß die Nackbargemeinden gar keine Rücksicht auf Tempelhof nehmen, im Gegenteil, die Gemeinde Tempelhof auszuschalten versuchen. Auch wir betrachteten bereits damals die Untergrundbahn nach Tempelhof als.Zukunftsmusik". obgleich Baumeister Matzkc in der damaligen Sitzung versicherte, daß das Projekt der Verwirklichung zustrebe. Jetzt ist dem Berliner Stadtbaumeister die Ausführung der Arbeit untersagt worden, was gleichbedeutend ist mit der Verneinung der Wetterführung der Nord- Südbahn nach Tempelhof. Der Gemeindevorsteher drückte sein Erstaunen über diese eigenartige Verhandlung aus und versicherte, wenn man Tempelhof Schwierigkeilen zu bereiten versuche, so werde die Gemeinde stch anderweitig sickern und keine Rück- sichten nehmen. Bei der Feststellung des Boranschlages für 1910 wurde der Wert der bebauten Grundstücke auf 63 300 000 M., der unbebauten auf 49 500 000 M. festgestellt. Der Zuschlag zur Einkommensteuer wird 100 Proz. betragen und soll 242 800 M. ein- bringen. Fallen Klagen beim Oberverwaltungsgericht zuungunsten der Gemeinde aus, so bleibe diese Steuer im vergangenen Jahre um etwa 20—30000 M. hinter der veranschlagten Summe zurück. Die Gesamieinnahme und-Ausgabe balanziert mit 929 400 M. Bei der Festlegung der Gewerbesteuer monierte der Direktor der Terraingesellschaft die hohen Prozentsätze und wünschte Gleich- stellung mit Berlin. Der Vorsteher erklärte aber, werde die Gewerbesteuer ermäßigt, so müsie die Einkommensteuer er- höht werden. Gegen die Erhöhung der Einkommensteuer wandte sich ein Hausbesitzer, angeblich weil durch die Neubauten viele Woh- nungen leer ständen und der Zuzug nach Tempelhof nicht gehindert werden dürfe. Es wurde aber angedeutet, daß man auf d,e Dauer überhaupt nicht mit 100 Proz. Zuschlag auskommen werde. Der öffentlichen schloß sich, wie üblich stets, eine geheime Sitzung an. Trebbin(Kreis Teltow). Dir letzte Stadtverordnetensitzung wählte zunächst die Kom- misston zur Beratung der Beamtengehälter, der auch unsere Ge- nassen Morgenrot und Kargel angehören. Die neue Gebühren- ordnung zur Erhebung deS Wasserzinses sieht einen Satz von 4�> Proz. der Grund- und Gcbäudesteuer vor. Die Vorsteherin der Privatmädchenschule hat an die Stadtverwaltung daö Ersuchen g-richtet, die Schulräume zur Verfügung zu stellen und einen jährlichen Zuschuß von 3000 M. zu gewähren, da sonst die Schule nicht mehr existieren könne. Nach längerer Debatte wurde die Angelegenheit vertagt. Die Genossen Richter und Schönsee be- tonten bei dieser Gelegenheit unsere Forderungen für die Volks- schule, wobei Herr Götze gar nicht aus dem Kopfschütteln heraus- kam. Auch führte Herr Ribbek ins Treffen, daß der Magistrat zwei vom Rektor der Volksschule beantragte Lehrkräfte aus Spar- samkeit abgelehnt habe. Der Kämmereikaffenetat, welcher nach Voranschlag mit 101 000 M. balanciert und einen Zuschlag von 197 Proz. vorsieht, wurde vertagt. Dasselbe Schicksal widerfuhr dem Wasserwerksetat. Genosse Richter legte alsdann dem Vor- steher noch an? Herz, bei seiner Geschäftsführung die Unparteilich- keit zu wahren. Auf Anfrage erklärte der Herr Bürgermeister, daß der Wassermeister Sommer einer Irrenanstalt zugeführt werden mußte und daß die Stelle bereits ausgeschrieben ist. Der von unsere» Genossen gestellte Antrag auf Erhöhung des örts- üblichen Tagelohnes ist mit den angestellten Erhobungen vom Magistrat weitergegeben._ Gerichts-Zeitung. (Siehe auch 2. Beilage.) Die Ermordung der Iran WieSner. Die gestern vor dem Schwurgericht begonnene Verhandlung gegen den wahrscheinlich geisteskranken Reifenden Karl Wollitz wurde zum größten Teil mit der Vernehmung des Angeklagten ausgefüllt. Der Angeklagte ist jetzt 33 Jahre alt. Nach dem Straf- register ist er 1892 wegen Diebstahls zu drei Wochen, 1893 wegen Diebstahls und Betruges zu sechs Wochen. 1895 wegen schweren Diebstahls zu einem Jahr zwei Monaten Gefängnis, im Jahre 1902 wegen schweren Diebstahls zu zwei Jahren Zuchthaus und fünf Jahren Ehrverlust verurteilt. Das letzte Urteil ist im Wieder- aufnahmcverfahren ausgehoben, weil der Angeklagte zur Zeit der Tat geisteskrank gewesen ist. Als der Vorsitzende, Landcsgerichts- rat Pohlmann, dem Angeklagten die Voritrasen vorhält, crllärt dieser, die Strafen könne er nicht anerkennen, er habe sie zu Unrecht erhalten; schon frühzeitig sei er wegen Geisteskrankheit aus der Schule entlassen, habe vielfach Krampsansälle gehabt und sei zur Zeit der Tat geisteskrank gewesen. Der Angeklagte will aus die einzelnen, früher ihm zur Last gelegten Taten ausführlich ein- gehen. Als der Vorsitzende darauf hinwies, daß diese Fälle doch nicht aufs neue erörtert werden können, erklärte et: daraus komme es ihm in erster Linie an, weil die ganze Anklage auf seinem Vor- leben aufgebaut und hier allerlei einseitig ausgestellte Indizien vorgebracht würden, die die Geschworenen zu einem falschen Urteil über ihn veranlassen könnten. Die jetzt zur Anklage stehende Tat bestreitet der Angeklagte mit Entschiedenheit. An dem Todestage der Wiesner habe er sie weder angefaßt, noch auch nur besucht. Er sei zum letztenmal in der Nacht vom 13. zum 14. Januar bei der WieSner gewesen, die am 16. Januar getötet sein soll. Das Ver- fahren sei schon einmal gegen ihn wegen nicht genügender Beweise eingestellt worden. Er sei am 19. Juli 1908 zu Unrecht ins Irren- Haus gebracht. Weil die Polizei den Täter nicht gefunden habe, wolle sie die Tat auf einen Geisteskranken schieben. Zwei Jahre und sechs Monate fitze er unschuldig in Untersuchungshaft und in Irrenhäusern. Als ihm vorgehalten wird, daß er dem Kriminal- kommissar gegenüber verschiedene Angaben gemacht habe, erwidert er:„Ich bin doch nicht verpflichtet, dem Kriminalkommissar alles auf die Nase zu binden." Als Indizium wird u. a. gegen ihn an- geführt, daß nach Auffinden der Leiche unter dem Bett ein Hemden- knöpf mit einem Opalstein gesunden sei, der dem Angeklagten ge- hörte. Dieser legt dar, daß möglicherweise er den Knopf bei seinem früheren Besuche verloren habe. Aus den langen Erörterungen über das Borleben deS Angeklagten sei folgendes hervorgehoben. Der Angeklagte stammt aus Schmachtenhagen und ist in Velten in die Schule gegangen. Als junges Kind ist er in eine Erzieliungs- anstalt gekommen, wo er von Krämpfen befallen wurde. Später ist er vom Militär wegen seiner Krämpfe entlassen worden. Er hat ein planloses, uns.etes Leben geführt und mit 21 Jahren ein Mädchen geheiratet, das er schließlich verlassen hat. Er ist nach Frankreich gegangen, hat sich für die Fremdenlegion anwerben lassen und ist ein Jahr in Algiex gewesen. Nach seiner Rückkehr hat er sich einige Zeit in Luxemburg aufgehalten; er behauptet, daß er dort fleißig als Steinträger sein Geld verdient habe. Er hat dort mit einer Witwe Verkehr gehabt, die etwas Geld besessen haben soll. Im Laufe der Zeit sind mehrere Strafverfahren gegen den Angeklagten eingeleitet worden, die aber eingestellt wurden, weil der Angeklagte als geisteskrank angesehen wurde. Die Anklage nimmt an, daß der Angeklagte, der viel Verkehr mit Frauen hatte, immer nur darauf ausgegangen sei, aus diesem Verkehr Geld für sich herauszuschlagen. Der Angeklagte weist dieS in umständ- lichen Ausführungen zurück. Seine erste Ehe ist wegen seiner Geisteskrankheit geschieden worden. Er behauptet, daß er die feste Absicht gehabt habe, mit seiner letzten Braut, mit der er jahrelang zusammengelebt, die Ehe einzugchen. Diese Absicht sei aber ohne seine Schuld vereitelt worden. Schließlich bringt der Vorsitzende zur Sprache, daß bei dem Angeklagten in der Wohnung ein Buch „Die Frau als Hausärztin" vorgefunden worden ist, und aus ge- wissen Abdrücken und kleinen Höckern, die sich auf der Rückseite des bei der Leiche aufgefundenen Zettels vorfanden, von einer Seite angenommen wird, daß der Zettel auf dem Deckel dieses Buches geschrieben worden sei. Auch hiergegen verwahrt sich der Ange- klagte mit großem Nachdruck. Die Sachverständigen geben ihr Urteil dahin ob: Dr. Beith von der Anstalt Wuhlgarten gibt die Möglichkeit zu, daß der Ange- klagte bei der zur Anklage stehenden Tat in einem Zustande der Unzurechnungsfähigkeit sich befunden habe, aber auch das Gegen- teil sei möglich. Mcdizinalrat Dr. Leppman», der den Angeklagten feit dem Jahre 1902 kennt, legt dar: Wollitz stammt aus ungewöhn- lich belasteter Familie, ist von Jugend auf schwer erziehlich unh jähzornig gewesen, von 11—14 Jahren ist er viermal auf der Irren- station der Charitee beobachtet und als Geisteskranker erklärt worden. Das eingehend motivierte Gutachten des Sachverständigen kommt zu dem Endergebnis, daß die VerHandlungsfähigkeit des Angeklagten zuzugeben sei, doch seien die Sachverständigen nicht im Zweifel, daß man eS mindestens auch jetzt noch mit einem yeistig recht angekränkelten Menschen zu tun habe. Ob er zur Zeit der Tat bei klarem Verstände gewesen, sei schwer zu sagen, da die Tat ganz im dunkeln liege. Es sei aber nicht von der Hand weisen, daß ein so veranlagter Mensch bei einer derartigen Tat in solchem Affekt gehandelt habe, daß er nicht wisse, was er tut. Der Verteidiger Rechtsanwalt Dr. Alsberg macht die Ge- schworenen darauf aufmerksam, daß nach den an Ort und Stelle aufgenommenen Photographien viel Blut verspritzt sein müsse. aber keinerlei Anhalt dafür vorhanden sei, daß an dem Anzüge des Angeklagten irgendwelche Blutspuren gefunden sind. Die Leiche ist erst zwölf Tage nach der Tat aufgefunden. Am Tatort lag ein vom 16. Januar datiertes Zeitungsblatt. Der Kriminalkommissar Vonberg gibt zu. daß der Verdacht sich erst auf mehrere Personen gerichtet habe, die Betreffenden hätten aber ihr Alibi bewiesen, ein Raubmord habe nicht vorgelegen. Die Verhandlung wird morgen um 10 Uhr fortgesetzt und schwerlich vor Ende der Woche zu Endv gebracht werden. Ueber den Ausgang werden wir berichten. Der Raubmordversuch an der Juwcliersfrau Richter. Die Beweisaufnahme wurde gestern geschlossen und den Ge- schworenen die Schuldfragen vorgelegt. Sie lauten auf versuchten Raub unter Mitfuhrung von Waffen, Anstiftung bezw. Beihilfe dazu, Beihilfe zum versuchten Diebstahl und Unterlassung einer Anzeige trotz erlangter Kenntnis von dem Vorhaben eines Ver- brechcns. Tie Plaidoyers des Staatsanwalts und der acht Ver- leidiger sollen heule stattfinden. Führung eines Doppelnamens. Um welche Bagatellen mit einem ebenso großen Auswand von Eifer wie Ungeschick die Polizei und Staalsanwallschaft sich kümmert, zeigt wieder ein Prozeß, der vor dem Schöffengericht in Hannover sich am Sonnabend abspielte. Einem Zimmermann, der sich„Heinrich Engelke genannt Pinkcrnelle" nennt, war von der Polizei ausgegeben, sich nur Pinkernelle zu nennen, denn sein Vater habe als unehelicher Sohn einer unverehelichten Pinkernelle daS Licht der Welt erblickt. Da der Angeklagte der Auslage nicht nachkam, erhielt er einen Strafbefehl. So kam es zur gericht- lichen Entscheidung. Der Angeklagte wies nach, daß sein Groß- Vater später die Mutter seines Vaters geheiratet und seinen Vater als eheliches Kind anerkannt habe. Der AmtSanwalt verlangte dennoch die Bestrafung des Sünders, da die Anerkennung und die Umschreibung des Namens nicht in den Kirchenbüchern vermerkt worden sei. Selbstverständlich kam das Amtsgericht zur Frei-- sprechung, da der Vater und ebenso der Sohn, der jetzige Ange- klagte, zur Führung des Namens Engelke durchaus berechtigt war. Würde von den Polizeibeamten und Staatsanwälten, die der» gleichen höchst überflüssige Anklagen veranlassen, je 100 M. Frivolitätsstrafe, die früher für leichtsinnige Anzeigen auferlegt werden konnte, zugunsten des Reiches für jeden Fall abgefordert, so wäre Ersatz für ein gut Teil der die notwendigsten Lebens- und Bedarfs- mittel des Volkes verteuernden Zölle und Steuern geschaffen. Vermischtes. Folgenschwerer Automobilunfall. Einer Meldung aus Dresden zufolge fuhr am Sonntag früh 3V« Uhr ein mit fünf Personen be- setzteS Automobil auf der Wilsdruffer Staatsstraße nach Kesselsdors zu. Am Eingänge von Kesselsdorf überschlug sich das Automobil, wodurch der Motor explodierte und das Fahrzeug in Trümmer ging. Von den Insassen wurden ein Arzt sofort getötet, drei andere wurden schwer verletzt, der fünfte dürste mit dem Schrecken davon gekommen lein. Bei der Arbelt verbrannt. Aus B u n z l a u wird gemeldet: Wäbrend der Elektrotechniker Schmidt auf einem Leitungsmast be- ichäitigt war, wurde plötzlich der elektrische Strom eingeschaltet. Seine Kleider fingen Feuer und der Mann verbrannte bei lebendige ni Leibe. Der Arbeiter Jhle, der ihm zu Hilfe eilte, erlitt einen lebensgefährlichen eleltrischen Schlag. Ertrunken. Aus Rostock wird gemeldet: Auf der unteren Warnow kenterte gestern bei der Mühtentorschleuse ein mit drei Insassen besetztes Boot. Zwei Insassen ertranken, der dritte wurde gerettet. Diebe im GerichtSgebSude. Aus Münster i. W. wird gemeldet: In der Kasse des hiesigen Landgerichts wurden vergangene Nacht 9000 M. durch Einbruch gestohlen. Die Diebe durchbrachen von den Bureauräumen aus eine dicke Mauer zum Kaffenraum. Von den Tätern fehlt jede Spur. Eine Braudlatastrophe in Petersburg. Ein Telegramm aus Petersburg meldet: Bei einem Brande im Petersburger Stadtteil fanden gestern abend sieben Personen den Tod. Fünf von ihnen waren aus dem fünften Stock des brennenden Gebäudes in die Tiefe gesprungen, zwei andere waren in ihren Wohnungen erstickt. Der Feuerwehr gelang es, weitere sechs Personen, die schon bewußtlos geworden waren, ins Leben zurückzurufen. Jugendveranstaltungen. reie Jugendorganisation. Abteilung VI. Mittwoch, den 16. d. M,, 8 Ukir, Kutscher. Urbanstr. 93: Abtcilungöversammlung. Vortragt FriedrichÄbagrn. Der JugendanSschujj veranstaltet am Sonnabend, den 19. d. M., im GesellschastShauZ eine Märzseier unter Mitwirkung des Friedrichshagener Männ-rchorS.~ Abend, weshalb inn lege Beteiii Lichteuberg-Friedrichssel 6 Uhr, pünktlich: Große F r ü H l i n g S s e i e r im Lokal des Herrn Paul Schwarz in Lichtenberg, Möllendorsstr, 26. M i t to i r k e n d e: Herr Max Grunwald: Fcstvortrag. Rezitation: Herr Eduard v. Winterslein (Mitglied deS� Deutschen Theaters).� Fräulein Käthe Völterling(Sopran). Herr Maxim Resuik(Bariton). verein»Lichte'>>_.M sind bei den BezirlSsührern zu haben. In Anbetracht de« guten Programms wird um regen Besuch der Jugend wie auch der Erwachsenen ersucht. M W Am Klavier: Herr Leo Kestenberg. Gesang- er Männcrchor". Saalerösinung S Uhr. Billetts a 10 Pf. ImposZNtö Auswahl Möbelstoffe (alleplctzte Keuhclten) abgepaBt und meterweise. Muster• Koiiekfion bei näherer Angabe franko! Teppieh-Spezialhaus Smit Lesövre Bc£*n Oranienstr. 158. Syphilis- Nachweis in allen frisch, u. veraltet, zweifelhaft. Fäll durch wlssenschasll. 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Den Mitgliedern zur Kenntnis, daß die Zahlsfelle l(früher 6tf Großer) vom 19. März ab sich im Lokale von Kart Bauer, Kirchhofstr. 1». befindet. U9/4 Die Ortsverwaltung. J. 21.: WUH. Kraft. Herren- DDd Knaben- Garderobe fertig u. nach Maas" auf Teilzahlung Woche von 1 Mark an J.Kurzberg Hoacnthaler Str. 40. VlllllliaVB* junge. beste nUlIlieX, Leger. 2'U M, sosort festsitzende Brutputen, Brut- eier hochedelster Rassen, empsiehlt unter Garantie für Ztecllität Wogner, Berlin ft)0U Ma- riannrnstraße 31. Torjiihrlge Herren-Anzüge �d Frilhjalirs-PaletQts aus feinsten Maßstoffen 1 früherer Wert 60 bis 90 M. Jetzt 3« bis 45 Mark. Nie wiederkehrende Kaufgelegenheit I CavaliereClub |Unt. den I-lndcn Ol, II.{ Sonntags geöffnet I �Hygienische Beutmaruucl. Neuest. Katalog B- Empfehl. viel Aerzle u Prot. grac. udl Kariis nplem.viel Aerzte u Prof grai H. Dnger, eamminarculabrik rlie NW- Friedrichs trosa e 61 SU» Eine NM wächentlicheTeilzahlung elegant. 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Mittwoch, den 16, März, abends 8 Uhr: Wersammlrang im GetvcrkschaftShanse, Engelnfer 15, Saal 3. Tages-Ordnung: Die bisherigen Verhandlungen des GeselleuausschusseS mit den Unier- nehmern betreffend Erneuerung des Tarifs und unsere Stellungnahme dazu. Verschiedenes._ Steinsetzer M Berufsgenossen Filiale Groß-Berlin. Donnerstag, den 17. Marz, abends 7'/, Uhr: r- sämtlicher Unterbezirke in dm Cierma«ila.r'rael»t!saieii(Meitzer Saal, Part.) Berlin, Chausseestratze 110. Tagesordnung: 1. Bericht über de» Angriff der Arbeitgeber aus Miseren Tarif, die Verhandlungen der paritätischen Tarislommission und des EinigungsamtcS des Berliner Gewerbegerichts. 2. Diskussion. 2. Wahl der Ersatzmänner der Kommission. 4. Verschiedenes. Das Erscheinen der Mitglieder ist unbedingt erforderlich. 1 74/4*_ Die TnrHkoininl«slo«. Kranken-Unterstiiizungsbunil der Schneider. Donnerstag, de» 17. d. Mts., abends S'/s Uhr, Engelnfer 15 (Gcwcrkschaftshaus), Saal 3: HP Versamnsliin Soges. Ordnung: Abrechnung vom 4. Quartal und Kasscnangelegenheitcn. Die Kahlstelle der Kasse sowie die des Verbandes befinden sich vom 21. b. M. ab nicht mehr Lindenstr. 3 sondern Markgrafenstr. 83. Gartenhalle. tl81b __ Die Qrtsverwaltmig. wmi Glasarbeiter! Mittwoch, den 16. März, abends S'/a Uhr: OeflentUebe Vsrssmmiung aller in den SchlkjftreltU,Poliererelen«.Kelkgereikn beslhästHollegen im„üiZsliselle« Garten", Alexanderftr. 27c: SageS. Ordnung: 1. Vortrag des Genosse» v. �akn, Vorsitzender deS GiaserverbandcS. 2. Aufnahme neuer Mitglieder.__ Isiltr hnim Ortsverwaltane Berlin. Gcfchäftzstelle Berlin C. 54, Mulackstr. 10, I.— Fernsprecher Amt in, 4518 Donnerstag, den 17. März 1010, abends 8 Uhr, in Kellers Festsälen(Jnh. E. Freyrr), Koppenstr. 2S, gr. Saal: MitKüvÄvR'- Vei*sauiiiilimg. TagcS« Ordnung: 1. Anträge zum Verbandstage. 2. Ausstellung der Kandidaten zur Delcgiertemvaiil. 3. Beschlutzsassung über die weitere Anstellung eines Agitationsbcamten sür die Ortsverwaltung Verlin. 4. OrganisattonSfragen. Xollsgenl firiosteint sllo roesttrsitig und zastlrcieli in dieser Versammlung. 42/8*________ Die Srtätieriualtnng. Zwelffvereln Berlin and Cmsceend. Iollnerstag, d. 17. Marz, abds. 8 Uhr, m den Mnfikersälen, Kaiskr-Wilhelm-Str.M: AHerorüenllielie Kenerakersammtnug. TageS-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Link über:„Die gegenwärtige Lage im Baugewerbe". 2. Diskussion. 3. Fortsetzung der Diskussion über den Bericht der Delegierten vom Verbandstage. 29/10' Zahlreichen Besuch erwartet_ Der Zweigvereinsvorstand. Zweigverein Berlin. Sektion der Gips' und Zementbrancbe. Mittwoch, den 10. März, abends«>/, Nvr, in den„Arminhallen«, Kommandantenstrafte 58/59: Cleiieral-V ersainmliing'. SageS» Ordnung: 137/1 1. Berichterstattung über die Berhandluuge» des 11. LerbandStageS in Leipzig. 2. Diskussion. 3. Berschiedeues. _ Der wichtigen Tagesordnung wegen ist es Pflicht aller Miigiieder zu erscheinen. SJM- Mitgliedsbuch oder-Karte legitimiert. Ohne dasselbe kein Zutritt, Kar Beachtang! Diejenigen Mitglieder, welche noch haben, werden ersucht, unverzüglich die Sache in Ordnung zu BeitragSreste vom Jahre 1909 bringe». Her Sektlea»ver«taad. Der praktische Arzt Br. med. Friese, Brik bei Berlin, Chaussee« stratze U9 wodnhast. ist als Kassen. arzt zur unterzeichneten Ortslranten- lasse zugelassen worden. 272/3 äriskraakenkasse Britz bei Berlin. Soeben erschienen: nie Wahlrechtsvorlage Verhandlungen deS preus/ischen Abgeordnetenhauses nach dem amtlichen Stenogramm der Sitzungen vom 10. bis 12. Februar 1910. 214/15* StT Preis 60 Pf. Etpeion des„IM" Berlin SW. 68 UndcnstraBe 60(Liaden). Nenanstrich ganz leicht n. billig selbst Herzu stellen I Elegante u. dauerhafte Emalllo-Lacka in welB, bläulich, grau, grünlich etc. u. allen modernen Farben.'/, kg-Büchse 1.20, 1kg 2.—. Oeltterlnpräch tigen Mustern mit weißer oder hellgrauer Grundfarbe, l/« kg- Dose mit Zubehör 2L0, 1 kg 4— Eichenarllg'/a kg 1—, 1 kg 2— Mit Eichenmaserung'/a kg-Dose mit Zu behor 1.50, 1 kg 2.30. OttoReiebel, EisenlialiB-Str.l. Fernspr. IV 4751, 4752, 4753. Prompter Versand. W>I Danksagung. Für die zahlreichen Kranzspenden und innige Teilnahme bei der Beer. digung meines lieben Manne? sage ich allen Teilnehmern, dem soz. Wahl« verein sür den 4. Wahlkreis, dem Holzarbeilerverband u. dem Pflanzer- verein.Feldblume" meinen herz- lichsten Dank. Wwe. Paollne Ebert Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die herrlichen Kranz- spenden bei der Beerdigung meines geliebten, unvergetzlichen Mannes und guten Baters sowie die rege Beteiligung der Mitglieder deS sozial- demolratilchen WahlveretnS, demHolz. arbeiterverband und den Kollegen der Firma Lindgren sowie allen Freunden, Verwandten und Bekannten unseren herzlichsten Dank. Witwe Emma Warnte _ nebst Söhnen._ Danksagung. Für die liebevolle Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes, sage ich allen Beteiligten meinen herzlichsten Dank. 1183b Emma Bartseb nebst Tochter. Dp. Simmel Spezial-Arzt* für Haut« und Harnleiden. Prinzensir. 41,«ttÄ 10— 2, 5—7. Sonntags 10—12, 2— 4. Dr. Schütietnatin Spezialarzt für Haut- und Harnleiden, Frauenkrankheiten,* Friedrtchstr. 203, Ecke Ä Wochentags 10—2, 5— - Sebreibtnasehtnen, Modell 3, vorkauke ich zu billigem Preise mit voller Garantie, da Modell 4 herausgekommen. Vorführung kostenlos.• Franz Kaiser, MohrenstraBe 22/23. WmlMjftllsW Jfrliit" Gngetragene Genoffenschast mit beschränkter Hastpflicht. Bilanz per 97. Dezember 1900. Aktiva Kaffenbesiand..... 1 051,13 Anteilkonto G. E. G... 819,05 Kautionskonto..... 520,— Spesenkonto F.... 309,74 Warenlonto...... 1 750,75 Rabattmartenkonio... 018,20 Gespanniinlostenkonto.. 240,l0 Detailkonto...... 044,43 Kontokorrentkont»... 5.— Bäckereikonto..... 29 892,32 Utensilienlonto..... 10 360.85 Spesenkonto B..,, 192,06 Gespannkonto..... 3216,12 Grundltiickskonto.... 30 000,— 79 631,75 Passiva Mitasieder-Guthabenkonto 1 020,— DaAehnsschuIdkonto... 6 160,25 Nelervesondskonto... 1 071,— Spezialreservesondskonto. 3 097,92 Kautionskonto..... 50o,— Kontokorrenttonto... 33 424,43 Hypotheken konto.... 30000,— Dispolitionsfondslonto. 4 358,15 79 631,75 Die Mitgliederzabl betrug am 27. Dezember 1903... 33 Eingetreten im Jahre 1909........... 2 Ausgelreten Im Jahre 1909........... 1 Mitgliederzaht am 27. Dezember 1309....... 34 Das Geschästsguthaben betrug am 27. Dezember 1903.... 990 M. Einzahlungen im Jahre 1909............. 60, Auszahlungen im Jahre 1909............ 30, Geschästsguthaben der Mitglieder am 27. Dezember 1303... 1020„ Ter Borstand. Richard Linder. Ludwig Ertl._ 104/2 Kaiitabake■ luerliere nie den Humor! I l A HssfiAwaf. mlfSSä fii O A Ifanewacker, >re Nordhausen. Asnr echt In 10 Pfennizp-Itollcn ,, ,, ,, u ,, 8 tanken l'wlst, nar echt mit Hopfbiltl. Achten Sio auf die �5. A Hanewacker, Nordbaasen. Zettel in jeder Bolle mit der Firma G. A. Hanptnicderlase and Eng/rosTcrtrlcb Carl Röcker, Grüner Weg 112. tesiL* | Tabak, Zigarren, Zigaretten I Humor putzt und poliert alle Metalle[sauber und geruchlos. Zu haben in großen Flaschen von 10 PI. an. llumor-Werke G. m. d. v.» Berlin NO. 18. Allen Freunden und Befannten die traurige Nachricht, daß mein innigst geliebter Mann, unser herzensguter Vater, Bruder, Schwager und Onkel, der Destillateur �oksna Mstiris am Sonnabend, den 12. März, nachmittags 5'/, Uhr nach kurzem, schwerem Leiden im 40. Lebens- jähre verstorben ist. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 46. d. Mts., nach- mittags 3'/, Uhr, von der Leichen- balle deS städtischen Friedhoses, Müllerstratze, Ecke Seestratze, aus statt. Um stille Teilnahme bitten Oia trauernden Hinterbliebenen. Am Sonnabend verjchted nach langem schweren Leiden mein lleber Bruder, der Schristsetzer Max Hoffmann in noch nicht vollendetem 25. Le- bensjahre. 1130b Dies zeigt allen Freunden und Kollegen im Namen der Hinter- btiebenen an Agnes Hoffmann. Beerdigung am Mittwochnachmittag 3 Uhr von der Leichenhalle des Jerusalemer Kirchhofes in Rixdorf, Hermannstratze. Am Sonntag, den 13. März, entfchlies nach kurzem fchweren Leiden unsere herzensgute, iimigst- geliebte Mutter, Schwiegermutter, Schwester, Schwägerin und Tante Ernestine Ende geb. Bandach im 58. Lebensjahre. DieS zeigen ttesbetrübt an Berlin, 15. März. Maxstr. 13o. Elly Leppert, geb. Ende. Fritz Leppert. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 16. März.«ach. mittags 3 Uhr, von der Kapelle des Elisabeth-KirchhoseS, Prinzen- Mee, aus statt. 113tb Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, datz meine liebe Frau Marfka Liebenow am 12. März 1910 an den Folgen einer Operation verstorben ist. Die Beerdigung smdet am Mitt- woch, den 16. März, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle deS Heillg-Kreuz-Kirchhoses, Marien- darf, aus statt. 1182b Um stilles Beileid bittet t»er»rg Liebenow. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teiluahme und die reichen Kranz- spende» beim Hinscheiden meiner lieben Frau, guten Mutter und Tochter Klara Krnpkat geb. Kyburg sagen wir allen Verwandten, Freunden und Bekannten, meinen werten Kästen, Lteseranten, der Direklion der Deutschen Bierbrauerei, dem Gesamtpersonal der Firma Kopp u. Cie. und der Dampf. Wäscherei H.Diöffe, der Firma Roland, Flaschenbwrversand, den Angestellte» der Möbeltransport- Firma Walter Teschner.demKekelklub.Fidele Brüder" sowie dem Verband der freien Gast- und Schankwirte(Zahlstelle Charlotten- bürg) unseren herzlichsten Dank. Eharlottenburg, den 14. März 1310, Kaiserin-Augusla-Allee 15. lohann Krupkat. Berta Kyburg. Danksagung. Für die herzliche Teilnahme bei der Beerdigung meines einzigen SohneS Ernst Schneider sage ich allen Freunden, Bekannten und Kollegen, insbesondere den Turm- vereinen„Jahn"(Treptow« Baum- schulenweg) und Lichte'(Berlin) meinen herzlichsten Dank. Wwe. Emilie Schneider. Sozialdeinokratiseber Wablvereln für den |l. Herl. Beiehstags-lsalilkreis. Frankfurter Viertel. Bezirk Nr. 388. Den Mitgliedern zur Nachricht. daß unser Genosse, der Glaser Vildelm Nagott Höchste Stratze 11 gestorben ist. Ehre seinem Andenke«! Die Beerdigung findet am Dienstag, den 15. März, nach. mittags 4 Uhr, von der Leichen- halle des Zentral. Friedhoses in Friedrichsseide auS statt. Um rege Beteiligung ersucht 216/11 Der Vorstand. Sozialdemokfatisciier Mveran des 6. Berl. Reichstags-Wahlkreises. Nachruf. Am IL März, verstarb unser Mitglied, der. Restaurateur �uxust pnusin Norduser S. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung hat am 14. März auf dem Nazareth-Kirchhos, See- stratze stattgesunde». 226/2 Ber Vorstand. Deutscher I Holzarbeiter- Verband g Den Mitgliedern zur Nachricht, datz unser Kollege, der Tischler frnst Lindengrün am 12. März gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 16. März, nach- mittags 5 Uhr, von der Halle des Bartholomäus. Kirchhofes in Weitzensee, Falkenberger Weg. aus statt. Um rege Betelltgung ersucht 80/14 Die Ortsverwaltung. Zentral-lfeM der Maurer DeutseblaDiis. Zweigverein Berlin. Am 13. März verstarb unser langjähriges Mitglied Wiltielni Lehmann (Bezirk Norden II). Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 16. März, nachmittag 3 Uhr von dem Träger- hause, Nllgener Str. 3 aus, nach dem Kirchhofe der Friedens- Gemeinde in Nordend statt. Um rege Beteiligung ersucht 137/2 Die VerbandSleituug. Am Sonnabend, den 12. März, srüh um 10 Uhr, enlschttes nach langem, schwerem Leiden mein lieber Mann Scharte im Aller von 50 Jahren) Dies zeigt ttesbetrübt an Ersu Elisabeth Scharte. Die Beerdigung findet am Dienstag um 5 Uhr von der Leichenhalle der Freirelgiösen Ge. meinde, Pappel-Allee aus statt. MraMerdaiiil öer Maurer. Zweigverein Berlin. Berlin Herden. In der Nacht vom Freitag zum Sonnabend verstarb unser Mitglied Karl Lebarte. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Dienstag, den 15. März, nach. mittags 5 Uhr, von der Leichen- Halle des Freireligiösen Friedhofes in der Pappelallee aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 136/20 Der Vorstand. Deutselier Transportariieiter-VertainL Bezirksverwaltung Grcß-Barlin. Nachruf. Den Mitgliedern zur Nachricht, datz unsere Kollegin, die Botensrau Ottilie Miiins am 11. d. M. im Alter von 44 Jahren verstorben ist, 67/8 Ehre ihrem Andenken! Die Bezirksverwaltung. Zentral-kranken- u. Sterhekasse der ileiitsctieD Wagenbauer. Berlin, Bez. 15. Nachruf. Am 9. März verstarb nach langem Leiden unser Mitglied prieclr. Lcdrniätke. Ehre seinem Andenken! 1184b Die OrtSverwaltung. Virantkvorts, öixdatirur) NMin-jffizdorsi gijt h?n Zvseratkolril yeraizlw.: TH.Glrcke, P-rlin, Aruck u. Vcrwg: Lonpsrti BuchSrvckcrei u, VerlagSgnstalt Pgul Singer& Ko., Setiin SW. |r.62. 27.1#«. 4.§eilllge des„Vmlllllls"§tl\\\\tl Polllöllhtt. Sir.-w.,z.NÄiM0. Der Verband der fozialdemoltratifcbeD ©abivereine von Groß-ßerlin hielt feine Generalversammlung am Tonntag im Kellerschen Saale in der Koppenstratze ab. Genofle Eugen E r n st erstattete den LorstandSbcricht: Durch das Parteistatut«it oas Geschäftsjahr so geändert, oag der vollständige Bericht diesmal IMi Jahre umsaht. Heute ist nur über das letzte Halbjahr zu berichten.— Die letzte Zeit war eine Zeit der Arbeit und des Kampfes, aber auch eine Zeit der Freude und des Erfolges. Die elenden politischen Zustände, sowie die Steuerpolitik der Regierung haben das Volk erregt und empört und eine Kampfessreudigkeit in den Massen hervorgerufen, wie wir sie seit langer Zeit nicht mehr gesehen haben. Dazu kam. dah sich der Freisinn durch sein Verhältnis zu den Konservativen um jeden Kredit im Volke gebracht hat. Die Empörung der Massen gegen die Politik der bürgerlichen Parteien zeigte sich bei den Stadtverordneteirwahlen im vergangenen Herbst. Wir haben Be» zirke erobert, auf die wir nick)! gerechnet hatten. Während der Freisinn 300 Stimmen verlor, haben wir 17 SOO Stimmen gewonnen und dem Freisinn drei Mandate abgenommen. Nicht nur in Berlin, sondern auch in Schöneberg, Rixdorf, Lichtenberg, Teltow und anderen Vororte» haben wir diese erfreuliche Erscheinung gesehen. In Berlin traten die Demokraten zum erstenmal in den Kommunalwa-hlkampf. Als der Wunsch geäußert wurde, wir möchten ihren Kandidaten v. Ger lach in der Stichwahl gegen den Kommunalfreisinnigen L e i S unterstützen, kamen wir dem nach. L e i S ist dann mit Hilfe der Antisemiten gewählt. Wir können mit dem Ausgang der Wahlen sehr zufrieden sein. Ende September verbreiteten wir 40 000 Flugblätter, zur Hälfte an die zum Militär Einberufenen, um sie über ihre Rechte aufzuklären, zur Hälfte an die vom Militär Entlasienen, um sie für unsere Organisation ku gewinnen.— Am 15. Oktober hielt Genosse Viktor B e r g e r emen Vortrag über die Arbeiterbewegung in den Vereinigten Staaten. Er hat uns durch die wahrheits- getreue Darstellung der Verhältnisse einen großen Dienst erwiesen. — Am 17. Oktober fanden drei überfüllte Versammlungen statt, in denen daS Proletariat Berlins der Empörung Ausdruck gab über die Ermordung des spanischen Freidenkers Ferrer durch daS spanische Pfaffenregiment.— Darauf traten wir in den Kampf zur Wiedereroberung der vier Landtagsmandate, die uns durch die Heimtücke der Gegner, durch ein Bubenstück des Berliner Freisinns geraubt worden waren. Haben wir auch den 12. Bezirk nicht wiederbekommen, so werden auch unsere Gegner keine Freude an dem Mandat haben, daS uns durch die vereinten Kräfte der gesamten Reaktion entrissen ist. Leider war Genosse H e i m a n n genötigt, mit Rücksicht auf seinen Gesundheitszustand. daS Land- tagsmandat niederzulegen. Wir bedauern, daß wir auf eine Kraft, wie eS der Genosse H e i ma n n ist. vernichten müssen. Durch die MandatSniederlegung wird uns Gelegenheit gegeben, den Genossen Adolf Hoffmann wieder in den Landtag zu schicken, sicher nicht zur Freude der ostelbischen Schweinezüchter, der preußischen Junker und ihrer Regierung.— Um die Wähler, die für uns ge- stimmt haben, dauernd für uns zu gewinnen, wurde am 21. No» vember eine Agitationsnummer des„Vorwärts" verbreitet und dann die Empfänger besucht, um si« für die Organisation zu ge- Winnen. Der Erfolg dieser Agitation war eine Zunahme der „Vorwärts".A bonnenten um 10000 und der WahlvereinSmit- glieder um 8000. AIS die Wahlen vorüber waren, gingen wir an den inneren Ausbau der Organisation und sorgten auch für die Aufklärung der heranwachsenden Jugend. Am 15. Januar konnte daS erste Jugendheim in Berlin eröffnet werden, nachdem Rixdorf in dieser Hinsicht schon vorangegangen war. In Berlin soll in nächster Zeit ein zweites Jugendheim eröffnet werden.— Auch für die Kinder der Arbeiterschaft mußten wir Sorge tragen. Wir mußten dahin wirken, daß bei den Arbeitern die Erkenntnis Platz greift, daß die Gesundheit ihrer Kinder nicht durch Ausbeutung im Dienste der Unternehmer verwüstet wird. DaS ist eine schwere Arbeit, denn ihr tritt mancher Einwand entgegen, der auS alter Gewohnheit, aber auch aus wirtschaftlicher Not hervorgeht. Doch wir können nicht ruhig zusehen, daß die heranwachsende Gene- ration durch eine volksverwüstende Ausbeutung vorzeitig dem Elend überliefert wird. Die Kinderschutzkommission betreibt ihre Tätigkeit in diesem Sinne und hat ihre Aufgaben in bester Weise zu erfüllen gesucht. Der internationalen Solidarität gaben wir Ausdruck, indem wir zu dem Kampffonds unserer Arbeitsbrüder in Schweden 5000 Mark beisteuerten.— Auch der Frauenagitation haben wir unsere Aufmerksamkeit gewidmet. Frau Schlesinger-Eckstein auS Wien hielt einen Vortrag über die Frau im Klassenkampf. Zu unserer Freude können wir auch heute wieder konstatieren, daß daS Band der Solidarität, welche die Partei mit den Gewerk- schaften verbindet, fester und stärker ist als je zuvor.(Bravo!) Beide Zweige der Arbeiterbewegung haben den Kamps gegen den gemeinsamen Feind mit vereinten Kräften geführt. Auch sonst haben wir manchen Fortschritt im inneren Ausbau der Partei zu verzeichnen. Der Aufklärung der Genossen diente «in Vortragszyklus über Theorie und Geschichte des modernen Sozialismus. Wir sorgten auch dafür, daß guter Lesestoff zu billigen Preisen unter die Massen kommt. Gegen Ende des Jahres trafen wir die Vorbereitungen zum preußischen Parteitag. Ueber seine Leistungen find die Genossen in- formiert. Nur das eine will ich sagen: Von diesem Parteitag datiert der Kampf um das Wahlrecht in Preußen, die Bedeutung des festen Willens, daß das Proletariat nicht eher ruhen wird, als bis Preußen ein wahrhaft demokratisches Wahlrecht hat. Bezüglich der Maifeier hat der Vorstand beschlossen, daß die Eintrittskarten für alle Lokale Gültigkeit haben.— Der Beschluß, ein Flugblatt gegen den Schnapsgenuß herauszugehen, konnte bis jetzt nicht ausgeführt werden, da der Wahlrechtskampf äugen. blicklich alle Kräfte in Anspruch nimmt und alle anderen Jnter. essen zurückgedrängt hat. Zur Erledigung der Geschäfte vom 1. Juli bis 1. Januar wurden abgehalten: 0 Sitzungen des Zentralvorstandes, 10 Sitzun- gen des Aktionsausschusses, 25 Sitzungen mit anderen Körper- schaften, außerdem viele Kommissionssitzungen. 284 Referate wur- den vermittelt. Das Bureau verzeichnet 2204 Eingänge und 4549 Ausgänge.— Zwei Jubiläen feierten die Genossen während der Berichtszeit. Am 28. Oktober waren es 26 Jahre, dah Genosse Singer den vierten Kreis im Reichstage vertritt und am 22. Feb- ruar konnten wir den 70. Geburtstag des Genossen Bebel feiern. Nicht nur wir. sondern das Proletariat der ganzen Kulturwelt ist von dem Wunsche beseelt, das uns diese beiden Vorbilder treuer Pflichterfüllung noch lange in Gesundheit und Frische erhalten bleiben, und wir ihnen, di« vom Vertrauen des gesamten Pro- letariatS getragen sind, noch lange folgen können.(Bravo!) Die Prefckemmissfion hat die juristische Sprechstunde reorganisiert und den Genossen Freier mit der Leitung derselben betraut.— Einige der Kommission zugegangenen Beschwerden sind durch Aussprache zur Zufriedenheit erledigt worden.— Die La. kalkommission wünscht aufS neue, daß die Lokalliste strenger als bisher beachtet wird, besonders von den Vereinen, die zwar nicht zu uns gehören, aber in der Mehrheit aus Parteigenossen bestehen. Die Agi t a ti o nS kom m issio n kann auf erfreuliche Fortschritte hinweisen. Ueberall in der Provinz, auch in kleinen Orten, werden sozialdemokratisch« Wahlvereine gegründet, unsere Wahlstimmen vermehren sich, Mandate in den Gemeinden werden erobert. Der»Märkische Landbote", in 300 000 Exemplaren der» 1 breitet, wird von unseren Feinden begeifert, von der Arbeiter- ! bevölkerung auf dem Lande aber gern gelesen. Die Broschüre ,„Bülow vor dem Reichstage" wurde in 20000 Exemplaren ver- > breitet, außerdem noch andere Flugblätter. Die Stimmung in der Provinz ist für uns sehr günstig. Parteigenossen! Wir dürfen die heutige Versammlung nicht vorübergehen lassen, ohne des Kampfes zu gedenken, der unsere Sinne in Anspruch nimmt, der uns mit Mut und Begeisterung erfüllt. Zur Einleitung deS Wahlrechtskampfes hielten wir am 16. Januar 61 Versanimliingen ab. Ueberall herrschte der Ge- danke, wenn die alten Zustände in Preußen bestehen bleiben sollten, ! kann das Proletariat nicht ruhig bleiben. Doch noch elender l als das alte Wahlsystem ist die Vorlage der Regierung. Der � Schlag, den die Regierung damit gegen das Volk geführt hat, wird | ihr nie verziehen werden. Der 13. Februar zeigte, wie tief die Em- pörung des Volkes ist. Es bildeten sich DemonstrattonSzüge, ivie sie Preußen noch nie gesehen hat. Das Proletariat ertrotzte sich das Recht auf die Straße. Daran wird es auch in Zukunft fest- holten.(Sehr richtig.) Aufs neue brach der Volkszorn los am 6. März. Ueberall forderte das Volk seine Rechte. Um dem Ge- rede bürgerlicher Politiker, wir sollten doch die Genehmigung für unsere Demonstrationen nachsuchen, ein Ende zu machen, gingen wir diesen Weg. Die Genossen, welche diesen Versuch schon im voraus als nutzlos bezeichnet hatten, behielten recht. Die Geneh- migung wurde uns versagt. Aber das Proletariat Berlins zeigte. daß es nicht aus feigen Memmen besteht, und daß es der Zwirns- fäden spottet, mit denen man seinen Weg sperren will. Heut ist der Polizeipräsident von Berlin ein Gegenstand des Spottes in aller Welt, ein Objekt für Witzblätter. Das Proletariat hat einen vollen Erfolg errungen. Jetzt sucht man Rache zu nehmen, indem man gegen einige Genossen Prozesse einleitet. Die Leute irren sich, welche glauben, sie könnten eine Volksbewegung unterdrücken, wenn sie einzelne bestrafen. Unsere Begeisterung und unser KampfeSmut setzt uns hinweg über alle Schranken, die unsere Feinde gegen uns aufrichten.(Beifall.) Der Kampf für die Rechte des Volkes wird auSgefochten. Er hört erst auf, wenn in Preußen die staatsbürgerliche Gleichberechtigung errungen und die Herrschaft der Junker gestürzt ist.(Lebhafter Beifall.) Den Kassenbericht erstattete Genosse BöSke. Es betrugen: Einnahmen: Monatsbeiträge der acht Kreise... 36 100,— M. Beitragsmarken männlicher Mitglieder. 40 400,—, weiblicher.. 7 705.80„ Eintrittsmarken......... 610,—, AuS den Kreisen......... 17 686,17, Sonstige Einnahmen....... 11 670,21, Bestand am 1. Juli 1909...... 88 290,80, Summa 152 362,48 M. Ausgaben: An den Parteivorstand....... 56 000,— M. , die Agitalionskommisfion.... 27 800,—, „. Preßkommission...... 250,—» „„ Lokalkoinmiksion...... 100,—„ Für Bildungszwecke........ 6 650,—„ Allgemeine Ausgaben....... 11 315,—, An tue»VorwärtS'-Druckerei.... 21 262.75, Für kommunale Tätigkeit...... 6 739,14, Rechtsschutz........... 83,88, Verwaltung.......... 3 939,54, Summa 138 139,81 M. Bestand am 1. Januar 1910.... 19 222,67» Die Abrechnung von den LandtagSwohlen zeigt eine Einnahme von 18 941,19 M., eine Ausgabe von 16 544,92 M., bleibt ein Ueber- schuß von 2396.2? M. Genosse Bö s k e führte auS: Der Stand der Verbandskasse ist sehr ungünstig. Der Bestand ist gegenwärtig auf 7000 M. zurückgegangen. Die Einnahmen haben sich trotz der Beitrags- erhöhuny verringert. Der Parteivorstand ist dabei auch zu kurz gekommen. Auf der anderen Seite werden die Ansprüche an die Verbandskasse immer größer. Für die Jugendbewegung soll mehr bewilligt werden. Der Jugendausschuß beantragt, die jährliche Zuwendung von 6000 auf 10 000 M. zu erhöhen. Die Samariter« kolonne wünscht statt der Beihilfe von 300 M. eine solche von 400 M. Die Kosten der Kinderschutzkommission werden pro Jahr 400— 500 M. betragen. Der Arbeiterbildungsschule find 5000 M. bewilligt. Die Agitationökommission hat voriges Jahr statt 35 000 Mark nur 17 000 M. erhalten. Deshalb mutz sie in diesem Jahre 10 000 M. mehr, also 45 000 M. bekommen. Unsere Gemeinde- vertrotermandate vermehren sich erfreulicherweise, aber damit steigen auch unsere kommunalen Ausgaben. Wir sehen also, die Ausgaben steigen, die Einnahmen gehen zurück. Ich möchte deshalb an den Beschluß des Leipziger Parteitags erinnern, wonach der statuten- mäßige Mindestbeitrag monatlich 30 Pf. beträgt, wozu jedoch der Referent Eberl bemerkte die BezirkSorganisationen möchten dahin wirken, daß ein Wochenbeitrag von 10 Pf. eingeführt wird. DaS ist auch in Sachsen. Bayern, Württemberg und Baden ge- schehen. ES ist Zeit, daß sich der Bezirk Groß-Berkin ebenfalls mit dieser Frage beschäftigt. Weder zum Geschäfts- noch zum Kassenbericht wurde das Wort gewünscht. Nunmehr ging die Versammlung zur Beratung der vorliegenden Anträge über. Zwei Anträge, einer vom ersten, der andere vom dritten Kreise gestellt, verlangen, daß die Maifeier de? einzelnen Kreise gemeinsam für ganz Berlin arrangiert und auf Rechnung der Verbandskasse veranstaltet werden. Die Antragsteller beziehen sich auf einen Beschluß des Zentral» Vorstandes, welcher besagt, daß die zur Maiseier ausgegebenen Eintrittskarten für alle Festlokale in Berlin Gültigkeit haben sollen. Sie fordern die Aufhebung dieses Beschlusses und die Annahm« ihrer Anträge, die hauptsächlich damit begründet werden, daß die Durchführung des Beschlusses des Zentralvorstandes die kleineren Kreise schädigen werde. Um das zu verhindern, solle di« Veran- staltung der Maifeier für Berlin zentralisiert werden.— Der Zentralvorstand führt zur Begründung seines Beschlusses an: Auch er sei für Zentralisation der Maifeier und habe die Absicht gehabt, dieselbe für Groß-Berlin durchzuführen, aber die beiden Vororts- kreise hätten mit Rücksicht auf«hre Verhältnisse die Zentralisation der Maifeier für noch nicht durchführbar erklärt. Der Zentral- vorstand habe nun geglaubt, es könne ein Anfang mit der Zentrali. fation gemacht werden und hat deshalb beschlossen, daß die Ein- trittSkarten für die von den einzelnen Kreisen veransialteten Feiern für alle Festlokale gelten. Um der Maifeier einen ihrer Bedeutung würdigen Charakter zu geben, ist der Zentralvorstand bestrebt. si« in Zukunft in den Kreis unserer künstlerischen und bildenden Veranstaltungen zu ziehen. Die Anträge des ersten und dritten Kreises wurde» mit großer Mehrheit abgelehnt. Ein Antrag des zweiten Kreises will den Zentralvorstand an- weisen, ein Sparkartensystem zur Erwerbung von Büchern sowie Einbänden von Lieferungswerken nach dem Muster der„Leipziger Bolkszeitung" für Groß-Berlin einzuführen.— Der Antrag wurde nach kurzer Begründung der Zeitungsspedftion Hintze u. Co. zur Berücksichtigung überwiesen. Der vierte Kreis beantragt: „Die Wahl und die Bestätigung der Kandidaten zu inter« nationalen Kongressen ist, wie es bisher auch bei Wahlen zum Parteitage der Fall war, Sache der einzelnen Wahlkreise." Die Antragsteller führten zur Begründung des Antrage? cm. die Rechte und die Selbstbestimmung der einzelnen Kreise würden beeinträchtigt, wenn die von ihnen vollzogenen Wahlen der Be- jtätigung des Verbandes bedürfen.— Seitens des Zentralvorstandes wurde ausgeführt, daß niemand daran denke die Selbstbestimmung der einzelnen Kreiie zu beeinträchtigen. Mit dem Beschluß des Zentralvorstandes habe es folgend« Bewandtnis: Dem Bezirks- verband Groß-Berlin sei vom Parteivorstand die Zahl von 13 Dele- gierten zum bevorstehenden internationalen Kongreß zugeteilt worden. Dafür sei die Mitgliederzahl maßgebend. Der Zentral- vorstand habe nun diese Zahl auf die einzelnen Kreise so verteilt, daß der 1., 2., 3. und 5. Kreis je einen, der 4., 6., Teltow-Beestow und Niederbarnim je zwei Delegierte zu wählen haben und daß außerdem eine Genossin von den weiblick>en Parteimitgliedern für ganz Berlin gewählt werden soll. Da diese nach Lage unserer organisatorischen Verhälinisse ihr Mandat nur durch die Bezirks- organiiation Groß-Berlin erhalten kann, so ist lediglich der Ein- heitlichkeit der Mandate wegen beschlossen worden, auch die Dele- gierten der Kreise formell durch den Verband bestätigen zu lassen. Der Antrag des vierten Kreises wurde mit 316 gegen 302 Stimmen abgelehnt. Ein anderer Antrag des vierten Kreises verlangt die End- fcheidung durch vrabsiimmung über Beitragserhöhungen grundsätzlich über andere Anträge aber für den Fall, dah ein Drittel der BerbandSgeneralversammlung die Urabstimmung beschließt. Die Antragsteller begründen ihren Antrag mit dem Hinweis darauf, faiß es eine demokratische Forderung sei. das Volk selbst über alle wichtigen Angelegenheiten entscheiden zu lassen. Um diesem Grundsatz bei der vorliegenden Angelegenheit praktisch Gel- tung zu verschaffen, sei der Antrag gestellt.— Seitens des Zentral- Vorstandes wurde ausgeführt, daß dem Antrage in Per vorliegenden Eotm doch mancherlei praktische Bedenken entgegenständen. Der inweis auf die demokratischen Forderungen sei hier nicht am Platze, denn diese seien schon in den gegenwärtigen Einrichtungen und Bestimmungen der Parteiorganisation durchaus gewahrt.— Die Genossen des vierten Kreises zogen ihren Antrag zurück, nach- dem ein inhaltlich gleichbedeutender Antrag des zweiten Kreises eingebracht worden war. Dieser Antrag wurde mit mehr als Zwei- drittelmehrheit angenommen. Er lautet: Wird über einen an die Verbandsgeneralversammlung ge- stellten Antrag die Urabstimmung verlangt, so entscheidet die einfache Mehrheit darüber, ob Urabstimmung vorzunehmen ist. Wenn die Urabstimmung beschlossen ist, dann hat die Verbands- leitung dieselbe vornehmen zu lassen. In Sachen der Urabstimmung hatte die vorige Generalver- sammluna einen Beschluß gefaßt, der als angenommen erklärt wurde, or�leich nicht festgestellt worden ist, ob er— da eS sich um eine Statutenänderung handelt— die erforderliche Zweidrittelmehrheit erhalten. Der Zentralvorstand hat deshalb die nochmalige Abstimmung beantragt. Er zog diesen Antrag zurück, da er ihn durch die Annahme des Antrages des zweiten Kreises für er- l&igt hält. Schließlich lag noch ein Antrag des vierten Kreises vor; welcher fordert, daß den weiblichen Mitgliedern bei Arbeitslosigkeit deS Mannes, der Mitglied des Wahlvereins ist. der Leitrag erlassen wird. Die Antragsteller führten zur Begründung des Antrages au», man müsse Rücksicht nehmen auf die materiell« Not, die«S de» arbeitslosen Mitgliedern schwer mache, auch noch für die Frau den Beitrag zu zahlen.— Gegen den Antrag wurde seitens des Zentral- Vorstandes geltend gemacht, daß toch die Organisation nicht ein Sonderrecht für die Frauen schaffen könne. Die Frauen gehören doch als gleichberechtigte Mitglieder.aber nicht als Anhängsel de» Manne? dem Wahlverein an.— Auch einige Genossinnen wandten sich gegen den Antrag und meinten, ISerfelbe degradiere sie zu Parteimitgliedern zweiter Klasse. Sie wollten sich nicht unter das Ausnahmegesetz eines solchen Antrages stellen und sich nicht von den Männern bevormunden lassen. Der Antrag wurde mit 285 gegen 270 Stimmen abgekehnt. Ohne Debatte wurde der folgende Antrag von Teltow-Beeskow angenommen: Da die Beteiligung der Genossen an den Parteiarbeiten durch die Ausgabe von Tätigkeitsmarken nicht gehoben worden ist, die Verabfolgung der Marken auch einer Belobigung für ge- leistete Parteiarbeit gleichkommt, so ist die Ausgabe von Tätig- keitSmarken einzustellen. Ein Antrag des dritten Kreises, der sich auf den Beschluß der BerbandSgeneralversammlung betreffend Benutzung der„Neuen Welt" als Maifeierlokal bezieht, wurde auf Vorschlag des Genossen Ernst von der TageS- ordnung abgesetzt wegen der vorgerückten Zeit und weil die An. gelegenheit für dies Jahr doch reine praktische Bedeutung mehr yaben würde. Ernst: ES ist un» ein« Resolution auS Lichtenberg unter- breitet worden, die uns das vollste Vertrauen der Genossen aus- spricht. Wir haben diese Resolution nicht zur Abstimmung gebracht. weil wir von derartigen Aktionen Abstand nehmen wollen. Ich erinnere die Genossen an die am Dienstag stattfindenden Versamm- lungen zum Wahlrechtskampf. Es könnte in gewissen Kreisen der Gedanke auftauchen, Rache zu nehmen für di« Niederlage, die man in jenen Kreisen durch unsere Demonstration am 6. März erlitten hat. Wir ersuchen die Genossen, sich an diesen Versammlungen vollzählig zu beteiligen und unseren Standpunkt mit aller Ent- schiedenheit zu vertreten, im übrigen aber von jeder sonstigen Kundgebung Abstand z» nehmen. Wenn es geschehen sollte, daß gewisse Leute, die in unsere Or- ganisationen hineingeschickt werden, vorschlagen sollten, im Anschluß an die Versammlungen irgendetwas zu unternehmen, so lasse sich niemand dadurch verleiten. So sehr wir auch für die Anwendung schärferer Mittel im WahlrechtSkampfe sind, so halten wir ihre Anwendung jetzt noch nicht für angebracht. Wenn es Zeit dazu ist, dann wird daS Proletariat Berlins Kampfmittel anzuwende» wissen, welche Eindruck machen. Also wirke jeder für massenhaften Besuch der Versammlungen. Wenn durch den Wahlrechtskampf unsere Reihen gestärkt weöden. so haben wir einen Erfolg, der den Gegnern unangenehm ist. Sie werden sich hüten, ein Volk zu reizen, daS den Wert der Organisation erkannt hat und bereit ist, für seine Rechte zu kämpfen. Ein solches Volk reizen, heißt den Untergang der Herrschenden besiegeln. Also sorge jeder für Ver- breitung unserer Ideen, daß wir um so wirksamer den Kampf für foie Rechte des Proletariats führen können. In diesem Sinne schließe ich die Versammlung mit dem Rufe: Die internationale Sozialdemokratie lebe hoch! Eincsegsnffene Drudtfckrifdm. Süddeutsche Monatshefte. März. Herausgeber P. N. Cossman». Einzelheft l.VO M. Selbstverlag, Milncheir. Der Sturm. Wochcnlchrlft für Kultur und Künste. Nr. 1. Heraus« gegeben von H. Waiden. Vinzelnummer 10 Pf. 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